DIE ERREEN VON. 'RAVBSEBRÜCK UB GIESSEN SAMMLUNG Dr. ANTON ULLRICH DIE FRAUEN VON RAVENSBRUCK hlien, 23-62 DIE FRAUEN VON RAVENSBRÜCK Heike Duill Marianne Groß Bereidensteiner Weg 74 6000 Frankfurt/M. 90 Telefon 069/7893368 a KONGRESS-VERLAG BERLIN 12961 Herausgegeben vom Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der Deutschen Demokratischen Republik Zusammengestellt und bearbeitet von Erika Buchmann tämpfer VORWORT Dort, wo sich das größte deutsche faschistische Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück befand, er- hebt sich heute, dank der Initiative der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik und der groß- zügigen Spenden der Bevölkerung der DDR, eine wür- dige Mahn- und Gedenkstätte. Im ehemaligen Arrest- bau des Lagers wurde ein Museum eingerichtet, das von den unsagbaren Leiden der 132000 Frauen und Kinder aus 23 europäischen Nationen zeugt, die von den faschistischen Massenmördern hierher verschleppt und von denen 92000 vernichtet wurden. Dieses Museum berichtet gleichzeitig von dem heldenhaften Kampf der mutigen Frauen, die als Gefangene des „Dritten Reiches“ hier im KZ ihren Kampf gegen Krieg und Faschismus fortsetzten. Von ihnen sagt die große deutsche Schriftstellerin Anna Segshers: „Sie sind unser aller Mütter und Schwestern. Ihr könntet heute weder frei lernen noch spielen, ja, ihr wäret vielleicht gar nicht geboren, wenn solche Frauen nicht ihre zarten, schmächtigen Kör- per wie stählerne Schutzschilde durch die ganze Zeit des faschistischen Terrors vor euch und eure Zukunft gestellt hätten.“ Auch der vorliegende Bericht über das ehemalige „FKL Ravensbrück“ dient dem Gedenken und der Mahnung. Er entspricht in seiner Kapitelfolge dem, was im Museum Ravensbrück gezeigt wird. Es ist die erste größere Arbeit, die über dieses faschistische Frauen-Konzentrationslager berichtet. Sie entstand aus den Erinnerungen der überlebenden Häft- linge und aus vielen Berichten und Prozeßakten. Die- PS 6) ses Material wurde von Erika Buchmann, die selbst jahrelang Häftling in Ravensbrück war, zusammen- getragen, bearbeitet und zu dieser Broschüre zusam- mengestellt. Sie kann keinen Anspruch auf Voll- ständigkeit erheben; die Forschung wird fortgesetzt. Der Bericht stellt die Erfüllung eines Versprechens dar, das die überlebenden ehemaligen Häftlinge ihren toten Kameradinnen gegeben haben: von ihren Leiden, ihrem Tod und ihrem Kampf zu erzählen, damit Krieg und Faschismus nie wieder erstehen können. Die Generation, die das faschistische Mord- und Terrorsystem miterlebt hat, darf nicht vergessen. Die junge Nachkriegsgeneration muß den Faschismus kennenlernen, um ihn als den Feind der Menschheit, als den Verderber ihrer eigenen glücklichen Zukunft hassen zu lernen. Die Toten von Ravensbrück mahnen: Nie wieder ein Ravensbrück, Buchenwald und Sachsenhausen! Für immer Schluß mit dem deutschen Militarismus und der faschistischen Reaktion, die sich in Westdeutschland wieder restauriert! Freundschaft zwischen den Völkern! Frieden der Menschheit, damit das Glück der Völker erblühe! DERWEGZUFASCHISMUSUNDKRIEG Kriege werden von Menschen gemacht, die sich von ihnen auf Kosten des eigenen Volkes und fremder Völker noch mehr Reichtum, noch mehr Macht ver- sprechen. Jede verschossene Granate, jeder Gefallene vermehren ihren Profit. Josef Goebbels, der gerissene Propagandist des „Dritten Reiches“, sagte einmal:„Wir wollen uns am Getreide der Ukraine und am Oel von Baku gesund- stoßen.“ Damit offenbarte er die Ziele der am ersten und am zweiten Weltkrieg Schuldigen, der Rüstungsindu- striellen, der Herren der Banken und der großen Güter. Sie und die mit ihnen versippten Generale brachten im Krieg 1914 bis 1918 Millionen Menschen ihrem rücksichtslosen Verlangen zum Opfer, im Osten Deutschlands die Ukraine, im Westen die französischen Kohlen- und Erzlager zu erobern. Die Mehrzahl der deutschen Menschen, besonders die Werktätigen, wollten keinen Krieg. Sie wußten aus Erfahrung, daß jeder Krieg auf Kosten des Volkes geführt wird. Sie kämpften für den Frieden. Aber ihre Anstrengungen blieben erfolglos, weil sie unter- einander nicht einig waren. Die Führung der Sozial- demokratischen Partei Deutschlands stellte sich auf die Seite des Kaisers und seiner eroberungssüchtigen Generale und ermöglichte so den ersten Weltkrieg. Die Arbeiter im Soldatenrock und in den Rüstungs- betrieben, nicht zuletzt die Arbeiterfrauen, setzten in Demonstrationen und Massenstreiks ihren Kampf unter der Führung Karl Liebknechts, Rosa Luxem- burgs, Clara Zetkins, Wilhelm Piecks und anderer auch während des Krieges fort. Die Große Soziali- 7 stische Oktoberrevolution in Rußland und Lenins Ruf „An Alle“, den imperialistischen Krieg zu beenden, hatten bedeutenden Einfluß auf die deutschen Arbei- ter. Sie beendeten mit der Novemberrevolution 1918 den Krieg für Deutschland. Die Weimarer Republik entstand. Aber die Novemberrevolution erfüllte die Hoff- nungen der einfachen Menschen auf eine friedliche und sozialistische Zukunft nicht. Der Kaiser flüchtete zwar aus Deutschland, die Generale, die Großindu- striellen, die Finanzherren und Großgrundbesitzer jedoch blieben. Sie wurden in der Weimarer Republik unter dem sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert derart gefördert, daß sie schon im März 1920 den Versuch unternehmen konnten, die Republik und die Errungenschaften der Revolution durch den Kapp-Putsch mit Gewalt zu beseitigen. Aber die bewaffneten revolutionären Arbeiter ganz Deutschlands schlugen in einem heroischen Kampf diesen Versuch nieder. Die schweren Kriegslasten wurden auf die Schul- tern der arbeitenden Menschen abgewälzt. Die Infla- tion und die große Arbeitslosigkeit als Folge der Weltwirtschaftskrise führten zu immer entschlosse- neren Kämpfen der deutschen Arbeiter und Arbeite- rinnen unter der Führung der Kommunistischen Par- tei Deutschlands. Sie erzwangen demokratische Rechte und Freiheiten und trotzten den Industriellen große soziale Zugeständnisse ab. Aber die Führer der Sozialdemokratischen Partei widersetzten sich der‘ Forderung der revolutionären Arbeiter, die Kriegsverbrecher zu bestrafen, sie aus allen Machtpositionen zu entfernen und die Groß- betriebe, Banken und Rittergüter in die Hände des Volkes zu geben. Deshalb konnten diese Kräfte ihre Macht wieder festigen. Sie organisierten die Auf- stellung faschistischer Verbände unter Adolf Hitler, um die demokratischen Rechte und Freiheiten wieder zu bes‘ zweite! Die räuber demok Reakti stische mann| gegen träger! Friede Männe gegen Banklı mit al zu er! munis licher Aber Einhei Sozial schaft Am zum I Dikta Regim gegen Branc lung ı Komr wurd. 1933 ı Gewe Arbei häuse Hitler Orani lands ede! zu beseitigen, die offene Diktatur zu errichten und den zweiten Weltkrieg vorzubereiten. Die Hitlerpartei war die Partei der gierigsten und räuberischsten Imperialisten, eine Partei der Feinde demokratischer Freiheiten, eine Partei mittelalterlicher Reaktion und finsterer Pogrome. Die Kommuni- stische Partei Deutschlands führte unter Ernst Thäl- mann einen erbitterten, zähen und opferreichen Kampf gegen den Faschismus. Die KPD wurde zur Banner- trägerin im Ringen der deutschen Arbeiterklasse um Frieden und Demokratie. Um sie scharten sich alle Männer und Frauen, die bereit waren, den Kampf . gegen die kriegslüsternen deutschen Monopol- und Bankherren, gegen die Generale und Hitlerfaschisten mit allen Mitteln zu führen, um der Welt den Frieden zu erhalten. Hitler bedeutet Krieg!, warnten die Kom- munisten die Arbeiterklasse und riefen zu einheit- lichem Handeln gegen Faschismus und Krieg auf. Aber erneut scheiterte das Zustandekommen dieser Einheitsfront am Widerstand der rechten Führer der Sozialdemokratie und der reformistischen Gewerk- schaften. Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Damit war die offene faschistische Diktatur in Deutschland errichtet. Sie begann ihr Regiment mit einem brutalen Unterdrückungsfeldzug gegen die Arbeiterklasse. Göring ließ den Reichstag in Brand stecken und gab damit das Signal zur Entfesse- lung eines zügellosen Terrors in ganz Deutschland. Die KommunistischePartei wurde verboten, ihreMitglieder wurden gejagt, verhaftet und viele ermordet. Im Juni 1933 waren auch die Sozialdemokratische Partei, die Gewerkschaften und alle übrigen Organisationen der Arbeiterklasse beseitigt. Die Gefängnisse und Zucht- häuser füllten sich mehr und mehr mit Gegnern des Hitlersystems, vor allem mit Kommunisten. In Dachau, Oranienburg und an vielen anderen Orten Deutsch- lands ließ Hitler Konzentrationslager errichten. Hun- 9 derttausende antifaschistischer Widerstandskämpfer aus Deutschland und den von Hitler überfallenen europäischen Ländern sollten hier an Hunger, an Mißhandlungen und in den Gaskammern zugrunde gehen. Eine dieser zahllosen modernen Folterkammern des faschistischen Deutschlands war das Konzentrations- lager für Frauen in Ravensbrück bei Fürstenberg in Mecklenburg. DIE ENTSI’EBRFHUNG DES FRAUENKONZENTRATIONS- LAGERS RAVENSBRÜCK Im Spätherkst des Jahres 1938 rollte Lastwagen auf Lastwagen aus dem Tor des berüchtigten Konzentra- tionslagers Sachsenhausen bei Oranienburg. 500 blasse, ausgehungerte Männer, in der grau-blau gestreiften dünnen Häftlingskleidung, frierend und sich eng an- einanderdrückend, wurden über Gransee nach Fürsten- berg an der Havel transportiert, eine der vielen klei- nen Städte der mecklenburgischen Seenplatte. In rasender Fahrt durchfuhr die Wagenkolonne die engen Straßen, ließ den Marktplatz mit der Kirche hinter sich und fuhr die breite Chaussee nach Neu- strelitz hinunter, bis der Weg an den letzten Häusern Fürstenbergs nach rechts abbog. Die Männer konnten hinter den fest verschlossenen Planen nicht sehen, daß sie an einigen verloren dastehenden Bauernhäuschen vorbeifuhren. Sie wußten nicht, daß sie in Ravens- brück angekommen waren, einem winzigen Ort, der bald in der ganzen Welt eine traurige Berühmtheit erhalten sollte. Die Gefangenen fühlten nur an dem immer heftiger werdenden Schwanken und Stoßen ihrer Wagen, daß sie sich auf einem unwegsamen 10 Gelän! Fahre! wurde der W fen di Toten! sen h einem steige gelber Kiefeı In kräfte den R ausge in we zukü) tions] genan Wohn Kran! ter H anlag Der Tich| Konz ben, verk sollte fernt tung Die Rave direk durch Straf alle Umg: Gelände befinden mußten. Und als die fluchenden Fahrer endlich anhielten, die Planen zurückgezogen wurden und die Häftlinge unter dem wütenden Gebell der Wachhunde, dem Gebrüll, den Schlägen und Püf- fen der Männer in der schwarzen Uniform der SS- Totenkopfverbände in wilder Hast die Wagen verlas- sen hatten, sahen sie sich um. Sie befanden sich an einem kleinen See. Vor ihnen dehnte sich, leicht an- steigend, die typische mecklenburgische Landschaft aus gelbem Sand, mit herbstlich welkenden Birken und Kiefern. In unendlich mühevoller Arbeit, vom Hunger ent- kräftet, völlig ungenügend bekleidet dem peitschen- den Regen, den kalten Winden und später dem Schnee ausgeliefert, erbauten die Sachsenhausener Häftlinge in wenigen Monaten ein kleines Männerlager und das zukünftige größte faschistische Frauen-Konzentra- tionslager Deutschlands, Ravensbrück, kurz das„FKL“ genannt. Bis zum Frühjahr 1939 entstanden vierzehn Wohnbaracken, ein aus zwei Baracken bestehendes Krankenrevier und am Lagereingang ein langgestreck- ter Holzbau mit einem Duschraum und einer Küchen- anlage. Der„Chef der SS und Deutschen Polizei“— Hein- rich Himmler— hatte als Verantwortlicher für die Konzentrationslager in Deutschland den Befehl gege- ben, dieses Frauen-KZ an einem Ort zu errichten, der verkehrsmäßig leicht erreichbar war. Gleichzeitig sollte er so weit von menschlichen Behausungen ent- fernt liegen, daß eine möglichst vollkommene Isolie- rung der Häftlinge garantiert werden konnte. Diesen Anforderungen entsprach das Gelände bei Ravensbrück. Fürstenberg hatte einen Bahnhof mit direkter Verbindung nach Berlin. Es war vom Lager durch den Schwedt-See getrennt. Die Bauern an der Straße zwischen Fürstenberg und Ravensbrück und alle übrigen Bewohner der engeren und weiteren Umgebung wurden durch umfangreiche Absperrmaß- nahmen und durch ihre Angst gehindert, dem KZ zu nahe zu kommen. Zur weiteren Sicherung wurde eine hohe Steinmauer, mit ständig geladenen Starkstrom- drähten, um das ganze Lager gezogen. Dann war es so weit: Die Frauen, für die Ravens- brück errichtet worden war, konnten kommen. DIE SS— DIE MASSENMÖRDER VON RAVENSBRÜCK Die Hitler-Regierung brauchte für die zahlreichen Konzentrationslager, die sie nach und nach in Deutsch- land und in den von ihr überfallenen Ländern errich- teten, ein Heer von Bewachungsmannschaften. Sie fand sie in der„SS“. Was war die SS? Hitler hatte sich seit Beginn seiner für das ganze deutsche Volk so unheilvollen politischen Tätigkeit mit Männern umgeben, die seinen persönlichen Schutz übernahmen. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, mit Dolchen, Schlagringen und Knüppeln alle die- jenigen niederzuschlagen, die eine andere politische Meinung hatten als ihr„Führer“. Diese Braununifor- mierten mit der roten Hakenkreuzbinde am Ärmel waren die„Sturmabteilungen“ der Hitlerpartei. Sie wurden kurz„SA“ genannt. Diese Banden er- schlugen, erstachen und erschossen bereits in den Jah- ren vor der Machtübernahme durch Hitler zahlreiche kommunistische, sozialdemokratische und parteilose Arbeiter, die für Frieden und Sozialismus gekämpft hatten. Die Männer der SA kamen, besonders was ihre Führer betraf, zum größten Teil aus den gleichen Kreisen, die Jahre vorher die Novemberrevolution im Blut der Arbeiter erstickt hatten, die Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, Erzberger und Walter Rathenau viehisch 12 ermor! deutse und( Militä marer Errun; nomm Aus „Schu wand sonde) gegen Arbei 1933| Reihe schaff zentr: Hir nern denk: Sozia und, gen t ließ: tratio ihner sein, und den ı gen' Mänr He den f wurd deut: von 77 KZ zu de eine strom- vens vaylıid- itische yunifor- Ärmel orpartei. den er- jen Jah- Be! hlreiche ermordeten. Viele von ihnen hatten im Dienst der deutschen Millionäre und Säbelraßler unter Kapp und General Lüttwitz versucht, in Deutschland eine Militärdiktatur zu errichten. So wollten sie die Wei- marer Republik beseitigen. Den Arbeitern sollten die Errungenschaften der Novemberrevolution wieder ge- nommen werden. Aus der SA schuf Hitler 1925 eine„Elitetruppe“, die „Schutzstaffel“*, kurz„SS“ genannt. Unter dem Vor- wand des Versammlungsschutzes ging sie mit ganz be- sonderer Brutalität gegen Andersdenkende, vor allem gegen die kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeiter, vor. Diese fanatischen Horden übernahmen 1933 den„Schutz der inneren Sicherheit“. Aus ihren Reihen wurden die„SS-Totenkopf-Verbände“ ge- schaffen. Ihnen wurde 1933 die Bewachung der Kon- zentrationslager übertragen. Himmler, Göring und Goebbels hatten diesen Män- nern jahrelang beigebracht, daß alle politisch Anders- denkenden, vor allen Dingen aber Kommunisten, Sozialdemokraten und Juden,„rassisch minderwertig“ und„Untermenschen“ seien, die man ohne Hemmun- gen terrorisieren, schlagen und töten dürfe. Himmler ließ seine SS-Männer für den Dienst in den Konzen- trationslagern besonders schulen und forderte von ihnen, zu den Häftlingen„zäh und unbarmherzig“ zu sein. Sie folgten seinem Befehl. Sie prügelten, quälten und töteten ihre Opfer mit den raffiniertesten Metho- den und halfen ohne alle Skrupel bei der planmäßi- gen Vernichtung von Millionen Kindern, Frauen und Männern in Deutschland und vielen anderen Ländern. Heinrich Himmler, einer der gewissenlosesten unter den gewissenlosen Massenmördern des Hitlerregimes, wurde 1929 Reichsführer der SS und 1936 Chef der deutschen Polizei. Er sagte 1935 in Goslar mit Stolz von seinen schwarzuniformierten Banden: „Ich weiß, daß es manche Leute in Deutschland gibt, denen es schlecht wird, wenn sie diesen 13 schwarzen Rock sehen; wir haben Verständnis da- für und erwarten nicht, daß wir von allzuvielen geliebt werden.“ Die 867 Mädchen und Frauen, die im Frühjahr 1939 nach Ravensbrück kamen, wußten bereits, was das heißt: SS. Sie hatten unter ihrem Schreckensregiment schon im Konzentrationslager Lichtenburg zu leiden gehabt. Sie brachten Kameradinnen mit, die an ihrem Körper deutlich sichtbar die Merkmale unbarmherziger Schläge trugen. Manchen waren die Zähne ein- geschlagen. Andere hatten bereits Wochen strengsten Arrests für geringste Vergehen gegen die nicht einmal bekanntgegebene„Lagerordnung“ hinter sich. Alle hatten schon stundenlang in strömendem Regen, bei Schnee und eisiger Kälte„strafestehen“ müssen, ohne zu wissen, wofür. Vielen waren die Männer oder Söhne von SS-Leuten erschlagen worden. In Ravensbrück gab es: Den Lagerkommandanten, den Schutzhaftlagerführer, den Verwaltungsführer, den Arbeitsdienstführer, die Gestapobeamten der Politischen Abteilung, die Lagerärzte, die SS-Schwestern, die Oberaufseherin, die Aufseherinnen, die SS-Wachmannschaften. Sie alle waren Vorgesetzte und konnten die Frauen ungestraft quälen, schlagen und töten. 92 000 Frauen und Kinder wurden in Ravensbrück ihre Opfer. Die Männer des Stabes im FKL Ravensbrück waren fast alle vorher bereits in anderen Konzentrations- lagern tätig gewesen. Sie hatten sich dort im Sinne der SS-Führung„bewährt“, indem sie die Häftlinge barbarisch quälten und von ihren Untergebenen quälen ließen. Sie waren verantwortlich für den Tod von Tausenden Gefangenen. Sie hatten bewiesen, daß 14 sie jed Goebbe spruchs werden ten des hunger! vernehi für da durch] Mensch er auc wenn Die; Auftra regime und zu ten sie Die reits€ Diese in der gesuch lichen mußte erhielt Stinneı nen di Frauer Jüdinr den kr Härte Die sie jeden Befehl ‚Hitlers, Himmlers, Görings oder Goebbels’ zur Vernichtung von Menschen wider- spruchslos und exakt auszuführen bereit waren. Sie werden gekennzeichnet durch den Lagerkommandan- ten des FKL, Suhren, der bei der Auswahl halbver- hungerter Frauen und Kinder für die Vergasung allen vernehmbar äußerte:„Das gibt gutes Brennmaterial für das Krematorium!“ Sie werden gekennzeichnet durch Rudolf Hoess, den Mörder von vier Millionen Menschen in Auschwitz, der im Prozeß erklärte, daß er auch seine nächsten Angehörigen vergast hätte, wenn es ihm befohlen worden wäre! en Die SS-Offiziere kamen nach Ravensbrück mit dem z Auftrag und dem Willen, auch hier ein Schreckens- regiment zu errichten und die Häftlinge zu quälen und zu vernichten. Um dieses Ziel zu erreichen, deck- ten sie jede Schandtat ihrer Untergebenen. DIE SS-AUFSEHERINNEN Die Häftlinge brachten aus der„Lichtenburg“ be- reits eine ganze Anzahl von SS-Aufseherinnen mit. Diese Frauen hatten sich auf Inserate hin gemeldet, in denen„Aufseherinnen für arbeitsscheue Frauen“ gesucht wurden. Sie arbeiteten unter guten wirtschaft- lichen Bedingungen. Nach ihrer Einstellung— sie mußten ihre„rein arische“ Abstammung nachweisen— erhielten sie Belehrungen darüber, daß Kommuni- stinnen, Sozialdemokratinnen und andere Gegnerin- nen des Nationalsozialismus„Untermenschen“ seien, Frauen der östlichen Länder, Zigeunerinnen und Jüdinnen„rassisch Minderwertige“ und daß ihnen und den kriminellen Gefangenen gegenüber mit äußerster Härte vorzugehen sei. Die Frauen wurden in die SS aufgenommen. Sie 15 erhielten graue Uniformjacken und Hosenröcke, hohe schwarze Schaftstiefel und ein Kokettes„Krätzchen“ auf die mehr oder weniger gut ondulierten Köpfe. Die gelangweilten SS-Männer nahmen sie unter ihre be- sondere„Obhut“. Die Offiziere belehrten sie darüber, daß sie um so rascher befördert würden und mehr Gehalt bekämen, je besser sie es verstünden, die Ge- fangenen„umzuerziehen“. Sie bekamen Gewalt über Menschen, die ihnen zum großen Teil geistig und moralisch überlegen waren. Sie wußten das und wett- eiferten daher mit den SS-Männern, indem sie auf die wehrlosen Häftlinge einschlugen, ihre Hunde auf sie hetzten und sie wegen jeder Kleinigkeit bei der Lager- leitung denunzierten, die dann ihrerseits schwere Strafen verhängte. Die Aufseherinnen kamen täglich mit den Häft- lingen in Berührung. Es gab unter diesen SS-Frauen ein paar, die ihren Dienst wieder aufgaben, weil sie die Unmenschlichkeiten der SS nicht mitmachen woll- ten. Es gab auch einige, die den Gefangenen mensch- lich begegneten und gelegentlich sogar versuchten, ihr schweres Los zu erleichtern. Aber die überwiegende Mehrheit der SS-Aufseherinnen benahm sich brutal und unmenschlich, schlug und tötete erbarmungslos und bereicherte sich obendrein durch den raffinierten Diebstahl am Eigentum der Häftlinge. Vom Gericht in Neubrandenburg wurde die ehe- malige SS-Aufseherin Erika Bergmann, geb. Belling, zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt. Diese Aufseherin hatte eines Tages den Auftrag erhalten, mit einer Kolonne Ravensbrücker Häftlinge außerhalb des Lagers zu Planierungsarbeiten zu gehen. Weil eine zwanzigjährige Zigeunerin angeblich nicht genug ar- beitete, ließ sie ihren Hund auf diese los. Der Hund zerriß dem jungen Mädchen den Unterleib. Blutend und mit heraushängenden Gedärmen wurde die Bewußtlose auf Befehl der Bergmann ins Schilf gelegt und dort, ohne daß sich ein anderer Häftling um sie 16 FE e ee ern I we te, hohe ätzchen“ öpfe, Die ihre be- darüber, nd mehr die Ge- 'alt über stig und nd wett- e auf die > auf sie er Lager- schwere en Häft- S-Frauen weil sie 1en woll- mensch- 'hten, ihr wiegende brutal ungslos ffinierten die ehe- Belling, ilt, Diese erhalten, „ußerhalb Weil eine yenug ar- or Hund Blutend ırde die ıf gelegt g um sie Das KZ Ravensbrück im Herbst 1939 Häftlinge bei Ausschachtungsarbeiten im Winter 1939 SS-Aufseherin Ss-A Erika | I | SS-Aufseherinnen— nach Ober der Befreiung wegen| Dorı Verbrechen gegen die(die ers Menschlichkeit verurteilt auf der SS-Aufseherin Erika Bergmann — nach Oberaufseherin Dorothea Binz ı die(die erste von links) rurteilt auf der Anklagebank Wirtfafts-Verwaltungshauptamt AMTSGRUPPE D—- KONZENTRATIONSLAGER Oran'enburg, den 4. April 1948. ı Ar 14 e/Ot W Einschreiben! Betreff Prugelsirafen an die Lagerkommandanten der Konzentrationsleager Der Reicbsführer$S um Chef der Deutschen Polizei bat angeordnet, daß bei seinen Verfügungen von Prügel- strafen(sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Schutz. und Vorbeugungsbäftlineba), wenn das Wort verschärfte hinzugesetat Ist, dor Strafvollzug aut das unbekleidete Gosaß zu erfolgen hat. In allen andoren Fallen bleibt os bei dem bis- harigen vom Reichsführer angeordneten Vollzug. Der Chef def-Lontiraiantes gen. Liepebonschel, S3-Oberssurmdbannfährer Himmlers Anordnung über die verschärfte Prügelstrafe kümme Als die die Zig In€ Hund: in den eine P: der H: die Ar aus, da daß si abgesc Locker andere mann ten, W wagt| ling is Keller Gemü: hatten Hunge Zaunl: Fraue wurde trug, I mann den, kalter lange Iinge Das Mens den} Tod j ben Polizei on Prügel- zaiblichen krt ug sat das vn dit a2 jonirsinatet ponnede). paantahr HT kümmern durfte, einige Stunden lang liegengelassen. Als die Kolonne abends ins Lager einrücken sollte, war die Zigeunerin gestorben. In einem anderen Fall hetzte die SS-Frau ihren Hund auf zwei Zigeunerinnen, die in die Rippen und in den Fuß gebissen wurden. Im Herbst 1943 wurde eine Polin von dem Hund der Bergmann schwer an der Hand verletzt. Sie erhielt nicht die Erlaubnis, die Arbeit einzustellen. Eine Zeugin sagte im Prozeß aus, daß sie von der Aufseherin so geschlagen wurde, daß sie ein halbes Jahr blind war. Der Grund: Ihr abgeschnittenes Haar war lockig nachgewachsen, und Locken waren für Häftlinge streng verboten! Ein anderes Mal wurde die gleiche Zeugin von der Berg- mann geschlagen und mit den Füßen in den Leib getre- ten, weil sie im Regen ein Kopftuch umzubinden ge- wagt hatte. Dabei schrie die Angeklagte:„Wer Häft- ling ist, der ist kein Mensch!“ Zwei Häftlinge, die im Keller arbeiteten, in dem Hunderte Zentner von Gemüse infolge der Nachlässigkeit der SS verfaulten, hatten sich heimlich eine Rübe genommen, um ihren Hunger zu stillen. Die Bergmann schlug sie mit einer Zaunlatte und ihrer Hundeleine so, daß einer der Frauen das Gesicht durch einen Nagel aufgerissen wurde und die andere schwere Schwellungen davon- trug. Eine Einundsechzigjährige überschüttete die Berg- mann bei großer Kälte, nachdem die Frau neun Stun- den„Strafestehen“ im Freien hinter sich hatte, mit kaltem Wasser. Eine Zigeunerin wurde von ihr so lange geschlagen, bis sie zusammenbrach. Beide Häft- linge starben. Das ist nur ein Beispiel von Hunderten. Solche Menschen wie diese vertierte Aufseherin hatten in den Konzentrationslagern die Macht, über Leben und Tod jedes einzelnen Häftlings zu entscheiden. EIN SYSTEM GRAUSAMER STRAFEN Die SS entwickelte in Ravensbrück unter den Lager- kommandanten Kögel und Suhren ein raffiniertes System grausamer Strafen für die geringsten Ver- gehen der Häftlinge gegen die„Lagerordnung“. Je mehr Chaos sie selbst organisierten, um so schonungs- loser bestraften sie die wehrlosen Gefangenen. Die leichteste, von den Frauen aber trotzdem wegen ihres entwürdigenden Charakters gefürchtete Lager- strafe war das Abschneiden der Kopfhaare. Sie traf unweigerlich jede, die mit einer Laus ins Lager kam. Was kümmerte es die SS, daß die Häftlinge oft wochenlang keine Gelegenheit hatten, sich zu waschen, und oft keinen Kamm besaßen? Haare ab und fertig! Vielen anderen Frauen wurden die Haare regelmäßig einmal im Vierteljahr strafweise abrasiert. Das waren Häftlinge, die wegen eines Verhältnisses mit einem Ausländer ins Lager gekommen waren. Die Ausländer kamen an den Galgen und die Frauen auf Jahre nach Ravensbrück. Ein anderes Strafmittel der SS war der Entzug des Essens. Manchmal traf er einen ganzen Block, manch- mal alle im Lager anwesenden Häftlinge, meistens ein- zelne. Es gab Essenentzug für eine Mahlzeit, für einen Tag, für mehrere Tage hintereinander oder für zwei, vier oder sechs Sonntage. Der ganze Block der jüdi- schen Frauen erhielt einmal an drei aufeinanderfo!- genden Tagen kein Essen, weil sie heimlich einen Bun- ten Abend durchgeführt hatten. Allen Häftlingen des Lagers wurde Ostern 1942 an sechs Sonntagen Kost- entzug verordnet, weil die Kanalisation, angeblich durch ihr Verschulden, nicht mehr funktionierte. Das eingesparte Fleisch wanderte in die SS-Küche. Es ver- steht sich von selbst, daß der Essenentzug für die ausgehungerten Häftlinge von furchtbarer, oft töd- licher Wirkung war, um so mehr, als er gewöhnlich 18 mit de wollte etwa V‘ Das zeine F Stunde Häftlin stündig Dunkel froren nicht« gebrac Tage| morge war,| bis zui gens, chung: wiedeı ander etwa} kem$ Eine weisu) von F übrige bereit ten 0 Fraue Worde Weser des L blockt nie ei Schmu Straf} Mandı einge: \FEN Lager- iniertes n Ver- raschen, | fertig! Imäßig waren einem sländer mit dem Strafestehen verbunden wurde. Dadurch wollte die SS kontrollieren, ob die Bestrafte nicht etwa von den Kameradinnen Brot oder Suppe erhielt. Das„Strafestehen“ konnte ebenfalls alle oder ein- zelne Häftlinge treffen, es konnte sich ebensogut über Stunden wie über Tage erstrecken. Täglich standen Häftlinge abends nach schwerster, zehn- bis zwölf- stündiger Arbeit an der Mauer des Zellenbaus, bis die Dunkelheit einbrach, oft völlig durchnäßt. Vielen er- froren dabei Hände und Füße. Ohnmächtige durften nicht aufgehoben, geschweige denn auf ihren Block gebracht werden. Einmal standen sieben Frauen acht Tage hintereinander in brennender Sonnenglut von morgens bis abends. Als eine Zigeunerin geflohen war, standen alle Häftlinge des Lagers, vom Kind bis zur Greisin, von zwei Uhr nachts bis elf Uhr mor- gens, die Strafblockhäftlinge mit kurzen Unterbre- chungen drei Tage und zwei Nächte— bis die Frau wieder gefunden war. Weil zwei Jüdinnen mitein- ander gesprochen hatten, stand der ganze Block al etwa 300 Gefangene, von mittags bis abends bei star- kem Schneetreiben mit dem Gesicht gegen den Wind. Eine besonders gefürchtete Strafe war die Ein- weisung in den Strafblock, der die Hölle in der Hölle von Ravensbrück war. Durch einen Drahtzaun vom übrigen Lager abgetrennt, saßen hier Häftlinge, die bereits mehrere andere Lagerstrafen hinter sich hat- ten oder besonders schwer bestraft werden sollten, Frauen, die zum zweiten Male ins FKL eingewiesen worden waren, und eine große Anzahl der armen Wesen, die unter den unmenschlichen Verhältnissen des Lagers den Verstand verloren hatten. Die Straf- blockhäftlinge hatten verlängerte Arbeitszeit und fast nie einen freien Tag; sie mußten die schwersten und schmutzigsten Arbeiten verrichten. Sie durften den Strafblock nie verlassen, es sei denn im Arbeitskom- mando. Die bestialischsten Aufseherinnen waren hier eingesetzt. Im Strafblock wurde am meisten geprügelt, 2" 19 und die meisten Strafen wurden hier verhängt. Alle Häftlinge von Ravensbrück hungerten und froren. Aber die Frauen im Strafblock hungerten und froren am meisten. Unter diesen schrecklichen Verhältnissen mußten sich zwangsläufig alle schlechten Eigenschaften der Menschen entwickeln. Mit Ausnahme der Politi- schen, die gerade hier zusammenhielten und immer wieder versuchten, einen guten Einfluß auf die übri- gen Häftlinge auszuüben und ein wenig Ordnung in dem unvermeidbaren allgemeinen Chaos zu halten, war im Strafblock jeder Häftling des anderen Feind. In keinem anderen Block und in keinem anderen Arbeitskommando des FKL starben so viele Häftlinge wie im Strafblock. Heinrich Himmler führte bei einem seiner„Besuche“ in Ravensbrück die Prügelstrafe ein. Bis dahin war sie nur in den Männerlagern angewendet worden. Nun stand auch in einem Raum des Arrestbaus in Ravens- brück der berüchtigte und gefürchtete Prügelbock. Jeden Dienstag und Freitag war Prügeltag. Manchmal wurden zehn, manchmal aber auch zwanzig und mehr Häftlinge„nach vorn“ bestellt, um die Stockschläge in Empfang zu nehmen. Viele Häftlinge wurden bestellt und wieder weggeschickt. Das wiederholte sich oft- mals und war eine zusätzliche, von der SS raffiniert errechnete Marter. Die Prügelstrafe rief neben unerträglichen Schmer- zen bei allen Frauen auch das Gefühl tiefster Demüti- gung hervor. Was mußten sie empfinden, wenn sie in Gegenwart des Lagerkommandanten, des Schutzhaft- lagerführers, des Lagerarztes, der Oberaufseherin und gelegentlicher Besucher über den Prügelbock gezogen wurden! Seit April 1942 gab es auf persönliche An- weisung Himmlers einen„verschärften Strafvollzug“, der auf das unbekleidete Gesäß zu erfolgen hatte. Übrigens wurde jede Prügelstrafe von Himmler per- sönlich auf Antrag der Gestapo oder der Lagerkom- mandanten verfügt. Die Anzahl der Schläge lag zwi- 20 schen% wurden. Mandel kommar mente I eine So Kamera achtung Die! Schlag Puls; e) zählige Gesund heiten. Geprüg men, S dieser platzte Eine zu Arrı mußte, zig Zel lang, I einer: keine stande nen M Herrse regim zung| hier z eisen, die M Fenst; 2Wang stund ZU Ste schen 25 und 100, die ratenweise zu je 25 gegeben wurden. Bis 1942 schlugen die Oberaufseherinnen Mandel und Binz persönlich, einige Male auch Lager- kommandant Suhren. Dann wurden kriminelle Ele- mente unter den Häftlingen ausgesucht, die sich für eine Sonderration Brot dazu mißbrauchen ließen, ihre Kameradinnen zu prügeln, und sich dafür die Ver- achtung und den Haß der Häftlinge zuzogen. Die zu Prügelstrafe Verurteilten mußten jeden Schlag mitzählen. Ohnmächtigen fühlte der Arzt den Puls; er gab das Zeichen für das Weiterprügeln. Un- zählige Frauen trugen durch die Prügelstrafe schwere Gesundheitsschäden davon, vor allem Nierenkrank- heiten. Einige Dutzend starben an den Folgen. Alle Geprügelten hatten monatelang dicke, blau-rote Strie- men. Stehen und sitzen, ja selbst liegen war nach dieser furchtbaren Mißhandlung eine Qual. Die Haut platzte auf, oft entstanden tiefe Wunden. Eine der schwersten Strafen war die Verurteilung zu Arrest, der im sogenannten Bunker verbüßt werden mußte. Hier befanden sich in zwei Stockwerken acht- zig Zellen, jede drei Schritte breit und sechs Schritte lang. Es gab Tage, an denen zwanzig Häftlinge in einer solchen Zelle untergebracht waren. Da konnie keine Frau sitzen, keine gehen, keine liegen— alle standen eng aneinandergepreßt. Die Oberaufseherin- nen Maria Mandel und Dorothea Binz waren hier Herrscherinnen. Sie übten ein furchtbares Schreckens- regiment. Im Winter stellten sie mit Vorliebe die Hei- zung ab. Das Leichenkommando mußte so manchen hier zugrunde gegangenen Häftling vom Boden los- eisen, an dem er festgefroren war. Im Sommer ließen die Mandel und die Binz Dampf in die Zellen, deren Fenster oft wochenlang fest verschlossen blieben. Sie zwangen Häftlinge, in der kalten Zelle im Winter stundenlang in einem Behälter mit eiskaltem Wasser zu stehen, zogen die Frauen an den Haaren über die 21 Treppe, schlugen sie erbarmungslos und hetzten Hunde auf sie. Viele Häftlinge saßen hier im Bunker monatelang, oft im Dunkelarrest. Es gab keine Bewegung im Freien für die Eingesperrten. Die Nahrung bestand aus Wasser und Brot. Nur jeden vierten Tag erhielten die Gefangenen eine Kelle Wassersuppe. Die meisten Frauen kamen anschließend an den Arrest für kürzere oder längere Zeit in den Strafblock. Viele verloren im Bunker den Verstand. Viele starben. Die SS wandte den Häftlingen gegenüber mittel- alterliche Foltermethoden an. SS-Hauptsturmführer Ramdor, der Vertreter der Gestapo im FKL, gab das Vorbild. Er verhörte die Gefangenen häufig in einem Kellerraum der Kommandantur, mit Vorliebe sonn- abends, um möglichst wenig Zeugen zu haben. In die- sem Raum folterte und prügelte er so, daß die Wände über und über mit Blut besudelt waren und mehrere Häftlinge aus diesem Raum von der SS direkt in das Krematorium geschafft werden mußten. Der Polin Elska Kwiecala ließ er bei einem Verhör Kopf und Hände zusammenketten, warf mehrere Wolldecken über sie und versuchte, ein Geständnis mit der Dro- hung zu erpressen, er würde sie von einem Hund zer- reißen lassen. Erst als sie, nahe am Ersticken, ohn- mächtig wurde, ließ er sie frei. Isa Sicinska, ebenfalls ein polnischer Häftling, be- richtete: „Ramdor ließ mir Handschellen anlegen, steckte zwi- schen die gespreizten Finger meiner Hände Bleistifte und drückte meine Finger dann so fest zusammen, daß die Bleistifte zerbrachen. Ich erhielt Faustschläge an den Kiefer und Peitschenschläge. Dann wurde ich eine Stunde lang mit dem Kopf immer wieder in eine Schüssel mit Wasser getaucht und erhielt abschließend noch einmal acht Peitschenhiebe.“ terinne stellte, rinnen zu vel von| Viel Sohn, hatten ständi oder; lager ihr M dem| Alle den Wi aber ı für a Mens den ı zehnt gegen Ausb: Komı hatte Sie V Weis: trotz Nazi: ı Hunde latelang, ung im bestand hielten meisten kürzere loren im ° mittel- mführer gab das n einem )e SONN- . In die- e Wände mehrere t in das r Polin pf und Idecken er Dro- und zer- en, ohn- ling, be- ckte zwi- Bleistifte DIE HÄFTLINGE In den Gefängnissen und Zuchthäusern Deutsch- lands saßen seit der Machtergreifung Hitlers viele Hunderte Kommunistinnen, aber auch sozialdemokra- tische und parteilose Frauen als politische Gefangene. Unter ihnen gab es solche mit schlohweißen Haaren und ganz junge Mädchen. Die meisten waren Arbei- terinnen oder Frauen von Arbeitern, andere Ange- stellte, Lehrerinnen, Studentinnen, Ärztinnen, Bäue- rinnen. Viele hatten als Hausfrauen große Familien zu versorgen. Sie litten schwer unter der Trennung von ihren oft kleinen Kindern. Viele trugen bitteres Leid um den Mann oder den Sohn, den die Faschisten erschlagen oder erschossen hatten. Andere bangten um nächste Angehörige, die, ständig vom Tode bedroht, oft im gleichen Gefängnis oder Zuchthaus oder in irgendeinem Konzentrations- lager saßen. Manche Frau wußte, daß sie selbst oder ihr Mann, die Tochter oder der junge Enkelsohn auf dem Schafott enden würden. Alle diese Menschen hatten sich den Faschisten in den Weg gestellt. Faschismus— das war der Krieg. Sie aber wollten Frieden für ihre Kinder, für Deutschland, für alle Völker. Ihr Verantwortungsbewußtsein der Menschheit gegenüber machte sie zu glühenden Fein- den der Nazis. Viele der Frauen hatten schon jahr- zehntelang in den Reihen der deutschen Arbeiterklasse gegen Kapitalismus und Faschismus, gegen Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung einen opferreichen Kampf geführt. Die meisten waren Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands gewesen. Sie hatten mitgerungen um die Einheit der Arbeiterklasse. Sie wußten, daß Faschismus und Krieg nur auf diese Weise verhindert werden können. Dieses Ziel war trotz aller Anstrengungen nicht erreicht worden. Die Nazis waren an der Macht, terrorisierten, brandschatz- 23 ten, raubten, töteten und bereiteten systematisch den Krieg vor. Tausende deutscher Frauen ließen sich durch keinen Terror, durch keine Gefahr, keine Bedrohung mit Einkerkerung und Tod daran hindern, gegen Hitler und seinen Machtapparat zu kämpfen. Sie stellten gemeinsam mit den Männern unter den schwierigsten Bedingungen illegale Zeitungen und Druckschriften her. Sie verteilten diese mutig unter der Bevölkerung, besonders unter den Arbeitern und Arbeiterinnen in den Betrieben. Sie stellten abgerissene Verbindungen immer wieder her, suchten neue, zuverlässige und opferbereite Mitkämpfer gegen die Faschisten. Sie beschafften Geld für die Herausgabe von Aufklärungs- materialien, und sie versuchten, die Not der Fami- lien der politischen Gefangenen zu lindern. Viele dieser heldenhaften Frauen und Mädchen wur- den verhaftet, blutig geschlagen, gefoltert. Aber immer wieder mußten die Nazirichter in den Prozessen fest- stellen, daß gerade die Frauen auch in der Haft den Mut nicht verloren, ihre Kameraden nicht verrieten, ihre wahre Gesinnung nicht verleugneten und ihren Abscheu gegen das faschistische Mordsystem nicht ver- heimlichten. Stolz und aufrecht nahmen sie die Urteile entgegen: zwei, fünf, zehn Jahre Gefängnis oder Zuchthaus, oft auch den Tod. Am 12. Juni 1937 wurde vom 2. Senat des sogenann- ten Volksgerichtshofs in Stuttgart das erste Todes- urteil gegen eine deutsche Frau und Mutter, gegen die junge Studentin Liselotte Herrmann, ausgespro- chen! Ein Jahr später, am 20. Juni 1938, wurde sie mit 29 Jahren in Berlin-Plötzensee enthauptet. Was waren ihre Verbrechen? Warum mußte sie sterben? Lilo war Kommunistin. Sie gehörte zu einer Gruppe begeisterter junger Menschen, die unter Lei- tung von Friedrich Wolf, dem großen Dichter und Dramatiker, als Agitationsgruppe zu den arbeitenden 24 Mensch und Fa Die I Nazis\ Arbeit Lisel Bodens würden den Wi Frau, I halb n Todesu sonder: und dı werder von di Lilo ba ihren] Viel genden fott ar stellen 8. Juli nis Pl hinger Am Berlin vielen die ih Soziali Waise jugend lands, gung, weil s Krieg, Stands verhaf sch den keinen ng mit Hitler genann- Todes- gegen sgespro- sie mil ıßte sie zu einer ter Lei- ter und itenden Menschen gingen, um sie zum Widerstand gegen Krieg und Faschismus zu rufen. Die Kommunistische Partei Deutschlands hatten die Nazis verboten— aber die Kommunisten setzten ihre Arbeit unbeirrt fort. Liselotte Herrmann hörte eines Tages, daß am Bodensee unterirdische Rüstungsbetriebe aufgebaut würden. Sie wollte die Arbeiter informieren und für den Widerstand gewinnen. Frieden wollte diese junge Frau, nichts als Frieden. Das war ihr Verbrechen. Des- halb mußte sie sterben! Die Nachricht von diesem Todesurteil rief in den europäischen Ländern und be- sonders unter den Frauen eine Welle der Empörung und des Protestes hervor. Lilo konnte nicht gerettet werden, denn die Faschisten handelten schnell, als sie von dieser internationalen Solidaritätsaktion hörten. Lilo bat nicht um Gnade. Aufrecht ging sie in den Tod. ihren Idealen treu bis zum letzten Atemzug. Viele tapfere deutsche Frauen mußten in den fol- genden Jahren den gleichen bitteren Weg zum Scha- fott antreten, Ihre Zahl ließ sich bis jetzt nicht fest- stellen. Aber es ist nachgewiesen, daß in der Zeit vom 8. Juli 1936 bis 8. Dezember 1944 allein im Gefäng- nis Plötzensee mindestens 187 Frauen und Mädchen hingerichtet wurden. Am 25. August 1944 wurde Charlotte Eisenblätter in Berlin durch das Fallbeil getötet. Mit ihr starb eine der vielen tapferen Töchter der deutschen Arbeiterklasse, die ihr ganzes Leben dem Kampf für Frieden und Sozialismus verschrieben hatten. Als sechzehnjährige Waise wurde sie Mitglied der Sozialistischen Arbeiter- jugend, später der Kommunistischen Partei Deutsch- lands. Sie arbeitete aktiv in der Arbeitersportbewe- gung. Charlotte Eisenblätter kämpfte gegen Hitler, weil sie wußte, daß Hitler gleichbedeutend war mit Krieg. Als Mitglied der antifaschistischen Wider- standsgruppe um den jungen Robert Uhrig wurde sie verhaftet, fünf Monate in Untersuchungshaft gehal- 25 ten und dann nach Ravensbrück gebracht. Von dort aus wurde sie zum Prozeß nach Berlin transportiert. Sie rechnete mit dem Todesurteil— tapfer und stolz nahm sie es entgegen. Erschüttert empfingen ihre Freunde ihren Abschiedsbrief: „... es besteht kein Zweifel, daß ich ein To- desurteil erhalte. Ihr sollt deshalb aber nicht trauern, ich habe ein reiches Leben gehabt, wie es viele nicht haben, die 60 Jahre oder noch älter werden. Ich habe so viel glückliche Stunden ge- nossen bei der Arbeit, im Freundeskreis und auf meinen Reisen. So ging mein Kampf letzten Endes nur dahin, allen Menschen zu solchen glücklichen Stunden zu verhelfen... Nun geht das Leben zu Ende, es ist Schicksal, man entgeht ihm nicht. Darum gedenkt meiner in Liebe und trauert nicht. Ich wünsche Euch Gesundheit, damit Ihr einst am Aufbau unseres Vaterlandes mithelfen könnt. Es umarmt Euch in Liebe und Dankbarkeit Eure Lotte.“ Am 30. November 1944 wurden in Stuttgart gemein- sam mit ihren Männern hingerichtet: Maria Schlotterbeck, Gertrud Lutz, geb. Schlotterbeck, Sofie Klenk, Else Himmelheber, Emmy Seitz-Ramin. Noch in den letzten Tagen der Hitlerherrschaft wur- den am 21./22. April 1945 in Neuengamme bei Ham- burg dreizehn Frauen und Mädchen erhängt, darunter Erna Behling, Elisabeth Bruhn, Erika Etter, Marie Fiehring, Lene Heyckendorf, Anni Jakditsch, Annemarie Ladewig, Noch Münch mowitz Brockd einige schauu! alte Fr ner, ih sucht n Es gab zweiflı alle m denen der ihı wurder nisse 9 mer n Zellen den. A gen, S gekäm Zukun Häui für di fanden Tätigk Frauer als„H „Sippe Wurde tionsla Jahre, Schen Als /on dort Sportiert. ind stolz gen ihre an To- er nicht tt, wie es ch älter nden ge- und auf letzten solchen Schicksal, | trauert amit Ihr nithelfen ikbarkeit e Lotte.“ gemein- haft wur- hei Ham- darunter Hanne Mertens, Margarethe Mrosek, Elisabeth Rosenkranz, Margit Zinke. Noch viele Namen ließen sich nennen: die junge Münchener Studentin Sophie Scholl, Hildegard Jada- mowitz, Olga Schottmüller, Grete Walter, Erika von Brockdorff, Marianne Joachim, Mildred Harnack sind einige von ihnen. Sie hatten verschiedene Weltan- schauungen, verschiedene Berufe, unter ihnen waren alte Frauen und junge Mädchen. Sie liebten ihre Män- ner, ihre Kinder, ihre Eltern, sie waren voll Sehn- sucht nach einem Leben in Frieden und Geborgenheit. Es gab in ihrer Gefangenenzeit viele Stunden der Ver- zweiflung, der Verlassenheit, der Mutlosigkeit, und sie alle mußten die furchtbaren Stunden durchleben, in denen ihr Todesurteil und oft auch das Todesurteil der ihnen liebsten Menschen verkündet wurde. Sie wurden in die Todeszellen der Hinrichtungsgefäng- nisse gebracht. Sie sahen die eigene Todesstunde im- mer näher rücken. Sie wußten, daß viele aus den Zellen neben und über ihnen zum Sterben geholt wur- den. Aber alles das konnte diese Heldinnen nicht beu- gen. Sie hatten bewußt gegen Hitler und den Krieg gekämpft, und sie waren bereit, für eine friedliche Zukunft der Menschheit zu sterben. Häufig hatten die Faschisten keine Rechtsgrundlage für die Verhaftung von Widerstandskämpfern. Oft fanden sich keine Beweise für ihre antifaschistische Tätigkeit. Vielfach nahmen sie auch Mädchen und Frauen in Haft, deren Männer, Söhne oder Brüder sie als„Hochverräter“ suchten und nicht finden konnten. „Sippenhaft“ wurde das genannt. Alle diese Menschen wurden mit einem Schutzhaftbefehl in die Konzentra- tionslager gebracht, manche für Monate, andere für Jahre, viele bis zum Zusammenbruch des faschisti- schen Systems. Als die Gefängnisse und Zuchthäuser des Dritten 27 Reiches sich immer mehr füllten und die kleinen Ab- teilungen für Schutzhaftgefangene nicht mehr aus- reichten, ließen die Geheime Staatspolizei und die SS einige hundert Schutzhäftlinge in das ehemalige Pro- vinzial-Werkhaus Moringen am Solling bringen. Auch dort reichten die Räume für die Gefangenen bald nicht mehr aus. Am 15. Dezember 1937 wurden über 500 Frauen und Mädchen aus Moringen in das neue KZ Lichtenburg übergeführt. Aber der Kampf gegen Krieg und Faschismus ging in Deutschland trotz des brutalen Terrors weiter, und bald wurde auch die„Lichte“ zu klein. In aller Eile wurde Ravensbrück errichtet, und noch ehe die Kanalisationsarbeiten beendet und die Straßenarbeiten in Angriff genommen worden waren, traf am 23. März 1939 der erste Transport weiblicher Häftlinge auf dem Bahnhof in Fürstenberg ein, um von dort ins KL Ravensbrück gebracht zu werden. Bei diesen Gefangenen handelte es sich nicht um „Politische“, sondern um Bibelforscherinnen und Kri- minelle, die von der SS in„Asoziale“ und„Berufs- verbrecherinnen“ eingeteilt wurden. Sie kamen einer- seits ins KZ, weil die Gefängnisse und Zuchthäuser überfüllt waren, andererseits aber auch in der Absicht, sie ebenso wie die Politischen zu liquidieren. Am 18. Mai 1939, dem Himmelfahrtstag, trafen dann 860 deutsche und 7 österreichische Schutzhäftlinge aus dem KZ Lichtenburg in Ravensbrück ein. Unter ihnen befanden sich etwa 150 Kommunistinnen, Sozialdemo- kratinnen und andere Antifaschistinnen. Unter den politischen Häftlingen gab es eine größere Anzahl, die wegen„Vorbereitung zum Hochverrat“ schon drei, vier oder sogar fünf Jahre Gefängnis- oder Zuchthaushaft hinter sich hatten. Sie waren von einem bestimmten Zeitpunkt ab nach der Verbüßung ihrer Strafen nicht mehr nach Hause entlassen, sondern als „unverbesserliche Staatsfeinde“ in das Konzentrations- lager geschickt worden. Dort blieben die meisten bis zum Ende des Krieges und der Hitlerherrschaft. 28 Untel eine d! Die Hit zügello: Prograf Fremde den, so den hä Als H gegen| er reg wurder Die Sy Bevölk strafe' zu zal Tages erschie boten, Männe ben St lich m: kamen wurde: und d ein pi frage“ hieß; Jüdiseh kamm vensbr um, Nacl nach| das L Deuen en, S Alle nen Ab- ehr aus- d die SS ige Pro- en. Auch ald nicht über 500 neue KZ ‚en Krieg brutalen en einer- hthäuser Absicht, Unter den politischen Häftlingen befand sich auch eine größere Anzahl jüdischer Mädchen und Frauen. Die Hitlerpartei hatte seit ihrem Bestehen eine wüste, zügellose Hetze gegen die Juden betrieben. Nach ihrem Programm waren die Juden in Deutschland als lästige Fremde zu behandeln und sollten ganz vertrieben wer- den, sobald die Nationalsozialisten die Macht in Hän- den hätten. Als Hitler 1933 an die Macht kam, wurde die Hetze gegen die deutschen Juden immer brutaler. 1938 ließ er regelrechte Judenpogrome inszenieren. Überall wurden jüdische Geschäfte zerstört und geplündert. Die Synagogen gingen in Flammen auf. Die jüdische Bevölkerung wurde gezwungen, eine kollektive Geld- strafe von einer Milliarde Mark an die Hitlerregierung zu zahlen. Sie erhielt für bestimmte Stunden des Tages Ausgehverbot, und in den öffentlichen Lokalen erschienen Plakate, die den Juden den Zutritt ver- boten. Jüdische Kinder, Frauen und Mädchen sowie Männer wurden gezwungen, auf der Brust einen gel- ben Stern zu tragen, der sie als Ausgestoßene kennt- lich machte. Sie waren praktisch vogelfrei. Viele Juden kamen bei den Pogromen ums Leben. Zehntausende wurden von der Gestapo verhaftet, schwer gefoltert und dann in die Konzentrationslager geschickt, bis ein paar Jahre später die„Endlösung der Juden- frage“ von Hitler in Angriff genommen wurde. Das hieß: systematische, fabrikmäßige Ausrottung des jüdischen Volkes. Sechs Millionen kamen in den Gas- kammern von Auschwitz, Lublin, Bergen-Belsen, Ra- vensbrück und anderen Massenvernichtungsstätten um. Nachdem die Häftlinge aus dem KZ Lichtenburg nach Ravensbrück verlegt worden waren, füllte sich das Lager rasch. Fast täglich trafen Transporte mit neuen politischen Gefangenen und mit Kriminellen ein. Sie bezogen vierzehn Wohnbaracken. Alle trugen die gleichen grau- und blaugestreiften 29 Häftlingskleider. Alle erhielten Nummern, die am Ärmel deutlich sichtbar zu tragen waren. Darunter wurde ein dreieckiges Stückchen Stoff verschiedener Farbe und Bedeutung genäht. Dieser„Winkel“ machte sie als Politische, Jüdinnen, Bibelforscherinnen usw. kenntlich. Wehe der Gefangenen, die sich ohne Num- mer und Winkel sehen ließ— schwere Lagerstrafen waren ihr sicher. Am 29. Juni 1939 kam ein Transport Frauen nach Ravensbrück, der sich von allen bisherigen wesentlich unterschied. Im März 1938 hatte Hitler Österreich an sich geris- sen. Tausende österreichischer Antifaschisten wurden verhaftet, die Juden verfolgt wie in Deutschland. Im Burgenland gab es viele Zigeuner. Hitler erklärte sie als„nassisch minderwertig“, ließ sie mit Gewalt aus ihren Häusern vertreiben und in langen, qual- vollen Transporten in die deutschen Konzentrations- lager überführen. Die Männer kamen mit ihren Jungen nach Dachau, Sachsenhausen oder Buchenwald, die Frauen und Mädchen nach Ravensbrück. Und da saßen sie nun eines Morgens auf dem großen Platz zwischen dem Küchengebäude und den Häft- lingsbaracken. Die Frauen waren vollkommen ver- wirrt vor Angst, durch die Vertreibung aus der ge- wohnten Umgebung, durch die gewaltsame Trennung der Familien. Jammern und Wehklagen drang bis hin- über zu den„alten“ Häftlingen. Die kleinen Zigeuner- mädchen klammerten sich an die Röcke der Mütter und fingen zu schreien an, sobald ein SS-Mann zu sehen war. Zwei Tage und eine Nacht ließ die SS diese Gefangenen auf dem Sandboden vor dem Bad sitzen, von den Aufseherinnen und SS-Männern verhöhnt, angespuckt, geschlagen und getreten, tagsüber der glühenden Sonne und nachts der Kälte ausgeliefert, bis sie endlich, registriert, gebadet und eingekleidet, auf einen Block geschickt wurden. Wie wenige von ihnen sollten das Ende des Krieges und die Befreiung 30 aus del starben qualvoll Mona Hitlerar März 1! Der Kr. April 1 Norweg Gleichzt polizei auch di nisten, die sich und ge; schen F Am? ersten Minder Polen Frauen getrenn dem an Unter i von 16, Komm: Parteie Faschis nisse u det wo nischen nischen erzählt: in ihre Ihrer] Nicht, Kinder Grund die am Darunter Chiedener |“ machte nen usw, ne Num- erstrafen uen nach resentlich ich geris- ı wurden ıtschland. ' erklärte t Gewalt en, qual- ıtrations- n Jungen vald, die m großen en Häft- nen Ver- s der ge- Trennung a bis hin- Zigeuner- sp Mütter ‚Mann zu > SS diese ad sitzen verhöhnt, über der sgeliefert, gekleidet, Snige von Befreiung aus dem Konzentrationslager erleben! Die meisten starben in den Gaskammern von Auschwitz einen qualvollen Erstickungstod. Monat reihte sich an Monat, Jahr an Jahr. Die Hitlerarmee überfiel ein Land nach dem anderen: im März 1939 die Tschechoslowakei, im September Polen. Der Krieg gegen Frankreich und England begann. Im April 1940 marschierten die deutschen Armeen in Norwegen und Dänemark, im Mai in Holland ein. Gleichzeitig mit den Armeen kam die Geheime Staats- polizei in diese Länder. Wie in Deutschland begann auch dort sofort eine wilde Hetzjagd auf Kommu- nisten, Sozialdemokraten, Juden und andere Menschen, die sich gegen den Überfall auf ihr friedliches Land und gegen die barbarischen Terrormethoden der deut- schen Faschisten zur Wehr setzten. Am 28. September 1939 trafen in Ravensbrück die ersten Polinnen ein. Sie gehörten zu den„polnischen Minderheiten“, die in den Grenzgebieten zwischen Polen und Deutschland lebten. Kaum hatten diese Frauen ihren streng von den anderen Wohnbaracken getrennten Block bezogen, traf ein Transport nach dem anderen mit polnischen Frauen und Mädchen ein. Unter ihnen waren 80jährige und junge Schülerinnen von 16, 17 Jahren. Wenige nur hatten der polnischen Kommunistischen Partei oder anderen sozialistischen Parteien angehört. Die konsequentesten Gegner der Faschisten waren bereits in die polnischen Gefäng- nisse und Zuchthäuser gebracht und zum Teil ermor- det worden. Die Häftlinge dieser ersten großen pol- nischen Transporte gehörten in ihrer Mehrheit der pol- nischen Intellioenz und den Adelsfamilien an. Sie erzählten Schreckliches von den erbitterten Kämpfen in ihrer Heimat, an denen sie selbst oder Angehörige ihrer Familien teilgenommen hatten. Viele wußten nicht, ob ihre Männer noch lebten oder wo sich ihre Kinder befanden. Andere waren ohne irgendwelchen Grund von den SS-Truppen auf der Straße oder im 31 Kaufhaus mit vielen Menschen zusammen umzingelt, in Eisenbahnwaggons verladen und nach Ravensbrück transportiert worden. Im Frühjahr 1940 kamen die ersten fünfzig Frauen aus der Tschechoslowakei ins FKL, unter ihnen eine Reihe bewährter Kommunistinnen. Ihnen folgten dreißig Österreicherinnen, alle Antifaschisten. Dann trafen Holländerinnen, Französinnen, Norwegerinnen und Jugoslawinnen ein, die am Widerstand gegen die deutschen Faschisten teilgenommen hatten. Am 22. Juni 1941 überfielen die Hitlerarmeen die Sowjetunion, und schon im Oktober traf der erste Transport sowjetischer Frauen in Ravensbrück ein. Ihre Dörfer und Städte hatten die SS-Verbände dem Erdboden gleichgemacht, ihre Männer waren zu einem großen Teil erschlagen und erschossen worden, vom Verbleib ihrer Kinder wußten sie nichts. Als die deutschen Armeen am 2. Februar 1943 bei Stalingrad kapitulieren mußten und die Vertreibung der faschistischen Truppen aus der Sowjetunion be- gann, da war bereits der erste Transport von kriegs- gefangenen sowjetischen Frauen nach Ravensbrück unterwegs. Entgegen allen internationalen Abmachun- gen brachten die deutschen Faschisten die sowjetischen Gefangenen nicht in Kriegsgefangenenlager, sondern in die Konzentrationslager. Frauen und Mädchen der Roten Armee, die ihre Heimat gegen die faschistischen Räuber mit der Waffe verteidigt oder als Ärztinnen und Krankenschwestern bei der Truppe Dienst getan hatten, wurden nach Ravensbrück geschickt. In der Nacht vom 26. zum 27. September 1943 traf ein großer Transport mit 500 kriegsgefangenen sowje- tischen Frauen im FKL ein. Die SS hatte versucht, gegen diese Frauen schon vor ihrer Ankunft in Ravensbrück eine Haßstimmung unter den Häftlingen zu erzeugen. Das war ihr nicht gelungen. Die politi- schen Häftlinge erreichten, daß die sowjetischen Frauen und Mädchen sich vom ersten Augenblick an 32 nzingelt, ensbrück 3 Frauen nen eine folgten n. Dann gerinnen 1943 bei rtreibung nion be- eg5- ensbrück Liselotte Herrmann Gertrud Lutz mit ihrem Kind, kurz vor ihrer Verhaftung ir.ı Brgänzung des Standesantsreginters. rg. 2 * * hatebend aufgeführte Personen wurden 30.11.1944 wegen Tori» itung zum Hochverrat hingerichtet: Is 2. 3 4 5. % ® 9. ich grbn eg ger En in Benpflingen sohonh. Stuttgart-Untertürkbeim, Annastr.6 Bohblotterbecok, HMaria, gab.Kugel geb. 17.3.85 in Oferdingen, wohab. Stuti«- geart-Untertürkheia, Annastrasse 6 P3 Laut g, Gartrud geb.Schlotterbeck. geb. 17.9.10 in Reutlingen, wohnh. gew. sc eg Auf dem Haigst 6, zuletzt erakulert nach Crabenstetten Ärs. Reutlingen- Bainsaer, Erich, led. Techniker geb. 7.3.20 in Stuttgart, wohnh. in Stuttgart-Untertürkheis, Stubalerotr.74 e 2 Bürttner, warb. Schlosser geb. 30.83.96 im Al Esslingen, mohah. Stattgert-Obertürkheim, Augsburgerstr.6ol Elenk, Sofie, geb. Wisser geb. 12.53.04 in Stuttgart-Bad-Tannstatt scohrh. Stuttgart-Untertürkheim, Menfredstr.iT? Hıimaeıilbeder, Zise, led.Kontoristin geb. 30.1.05 in Stuttgart, wohnh. Stuttgart-3 Adleratresse 24 3eilte, Zmay, geb„ Bauin, geb. 19.39.04 iu Wienteden, wohn, Stuttgart, Wartbergatr.is Seitz, Heraonn, verh.Zraftfahrer geb. 24.3.07 in Stattgert, wohnh, Stuttgart Kazonenweg 174. hiervon Kenntois zur Ergänzung der dortigen Eintragungen. is Auftragı „Wegen Vorbereitung zum Hochverrat hingerichtet“. Mitteilung der Geheimen Staatspolizei an das Standesamt Leboviez— nach hol nc} Kam r€ ne lländischen eradin gezeic hn 2 von ei schaft Antifa: Frauen fen fre sie sch ausged schrän] lingen bringe Die den n: aus 2 dunke Jahrer herun von einer Welle der Sympathie und der Hilfsbereit- schaft umgeben fühlten. Voller Stolz schauten die Antifaschistinnen auf die gesunden, selbstbewußten Frauen, die es mit ihrer Gelassenheit und ihrer straf- fen freiwilligen Disziplin der SS sehr schwer machten, sie schon beim Empfang so zu quälen, wie sie sich das ausgedacht hatte. Vorläufig mußte sie sich darauf be- schränken, sie streng isoliert von den übrigen Häft- lingen des Lagers in einem Sonderblock unterzu- bringen. Die Transporte kamen in immer kürzeren Abstän- den nach Ravensbrück. Nach und nach trafen Frauen aus 23 Nationen ein, blonde Skandinavierinnen und dunkelhäutige Italienerinnen, Greisinnen von achtzıg Jahren und mehr und Kinder jeder Altersstufe, bis herunter zum Säugling. KINDER HINTER DEM STACHELDRAHT Eines der furchtbarsten Verbrechen, das die un- menschlichen faschistischen Machthaber Deutschlands begangen haben, ist die Einkerkerung und Ermordung ungezählter Kinder in den Konzentrationslagern in Deutschland und in den überfallenen Ländern. In der Anklageschrift des Internationalen Gerichtshofs, der einen Teil der deutschen Kriegsverbrecher aburteilte, wird dazu gesagt: „Mit den Erwachsenen rotteten die Naziver- schwörer unbarmherzig auch die Kinder aus. Sie töteten sie zusammen mit den Eltern, in Gruppen und einzeln. Sie töteten sie in Kinderheimen und Krankenhäusern, begruben sie bei lebendigem Leib, warfen sie ins Feuer, erstachen sie mit Bajo- netten, vergifteten sie, führten Experimente an ihnen aus... warfen sie in Gefängnisse und Fol- 3 33 terkammern der Gestapo und in Konzentrations- lager, wo sie durch Hunger, Foltern und Seuchen ums Leben kamen.“ Es ist erwiesen, daß allein in Auschwitz eine Million Kinder vergast worden sind. Manchmal wurden zu- viel Menschen an einem Tag zur Vergasung geführt. Dann wurden die Kinder im abgekürzten Verfahren bei lebendigem Leib in die Krematoriumsöfen ge- schoben oder in die offene Grube zu den Vergasten geworfen. In Lublin, Bergen-Belsen und auch im FKL Ravensbrück starben viele Kinder einen qualvollen Tod. Nur ganz wenige überlebten das Grauen ihrer oft jahrelangen Haft. Mit dem Transport von Zigeunerinnen waren im Juni 1939 die ersten Kinder nach Ravensbrück gekom- men, schlanke, schöne Geschöpfe mit lebhaften Augen und schwarzem Haar. Ihnen folgten im Laufe der Jahre noch viele kleine Zigeuner sowie tschechische, holländische und ukrainische Jungen und Mädchen, zwölf Kinder aus einem sowjetischen Waisenhaus. Die Frauen aus Warschau brachten ebenfalls eine große Anzahl Kinder mit. Ebenso war es bei den Transpor- ten ungarischer Jüdinnen im Winter 1944/45. Sie hat- ten mit ihren Kleinen Hunderte Kilometer Fußmarsch hinter sich, als sie in Ravensbrück ankamen und in ihrem erbarmungswürdigen Zustand das„Zelt“ bevöl- kerten, ehe sich ihnen das Tor in der Lagermauer für ihren Weg in die Gaskammer und das Krematorium öffnete. Zahlreiche Kinder kamen mit den Häftlingstrans- porten aus Auschwitz. Auf ihren dünnen Ärmchen trugen sie die eintätowierte Häftlingsnummer. Ihre Eltern waren zum größten Teil in den Gaskammern geblieben, auf dem Transport gestorben oder erschos- sen worden, wenn sie nicht mehr weiterkonnten. Irgendein mitleidiger Häftling, manchmal auch eine ältere Schwester oder eine Tante, eine Großmutter hatte das Alleingelassene mit nach Ravensbrück ge- 34 schlepp! sonstige ben ode dienstle Mutter Es& niemals nung 2 FKL w: gegen Aber w lag in Lagers brachte Leidens die Häi wenn& eine klı nichts] Die r ser kle allein z Jahren Nachric und M: fürchte richten oft kar nen, di hagel ı enthalt hatten Die Sg zerriß ı tern ge beim A dem C leicht schleppt. Es gab andere Kinder, deren Mütter oder sonstige Angehörige im FKL selbst eines Tages gestor- ben oder vergast worden waren. Oder der Arbeits- dienstleiter, SS-Oberscharführer Pflaum, hatte die Mutter in die Rüstungsindustrie geschickt... Es gab viele, viele Kinder in Ravensbrück, die niemals in ihrem Leben eine richtige Menschenwoh- nung zu sehen bekommen hatten. Die Frauen des FKL waren Leid gewohnt, viel Leid. Sie mußten hart gegen sich selbst sein, um überstehen zu können. Aber wieviel mütterliche Wärme, wieviel Zärtlichkeit lag in ihren Blicken, wenn sie auf die Kinder des Lagers fielen! Wieviel schwere persönliche Opfer brachten sie, um wenigstens da und dort ihren kleinen Leidensgefährten helfen zu können! Nie empfanden die Häftlinge ihre hilflose Lage so schwer wie dann, wenn sie ein bittender Kinderblick traf oder ihnen eine kleine Hand entgegengestreckt wurde, in die sie nichts legen konnten. Die meisten Gefangenen dachten beim Anblick die- ser kleinen, gequälten Geschöpfe an ihre eigenen, allein zurückgebliebenen Kinder. Oft wußten sie seit Jahren nichts über ihren Verbleib. Andere hatten Nachricht von zu Hause und wußten, daß ihre Jungen und Mädchen körperliche und geistige Not litten. Alle fürchteten an jedem„Posttag“, daß schlechte Nach- richten von zu Hause eintreffen würden. Und wie oft kamen Hiobsbotschaften von Männern und Söh- nen, die gefallen, von Wohnungen, die im Bomben- hagel untergegangen waren, von Kindern, deren Auf- enthalt nicht mehr bekannt war. Viele dieser Mütter hatten ihre Kinder seit Jahren nicht mehr gesehen. Die SS duldete keinen Besuch durch Verwandte und zerriß die Bilder der Kinder, die den gefangenen Müt- tern geschickt wurden. Wie schwer wurde den Frauen beim Anblick ihrer kleinen Mithäftlinge ums Herz bei dem Gedanken, daß das eigene geliebte Kind viel- leicht ähnliches Leid durchleben mußte! Da standen sie nun in ihren dünnen Sommerkleid- chen, manche in Halbstrümpfen und zerrissenen Schuhen, andere ohne Mäntelchen oder Mützchen in der bitteren Kälte der ersten Tagesstunden oder im Scheinwerferlicht der Abende im Regen und Schnee neben den Frauen Stunde um Stunde auf der Lager- straße, um von der SS mitgezählt zu werden unter den Tausenden. Welche Ravensbrückerin wird je'"n ihrem Leben den Anblick ihrer dünnen Gliederchen unter den zerfetzten Kleidern, ihrer kleinen weißen Gesichter mit den übergroßen Augen, ihr verzwei- feltes Weinen oder stilles Jammern vergessen können! Wie sie in den großen Tonnen mit dem stinkenden Abfall vor den Baracken herumwühlten, um irgend etwas Eßbares zu finden! Viele starben allein und still in einem Winkel der Baracke, im Trubel der Tausende vergessen. Sie waren zu schwach und zu klein, um den Kampf um die Nah- rung bestehen zu können. Viele waren zu jung, um einen Zeitbegriff zu haben. Sie spielten in einem ver- steckten Winkel mit der schwarzen Lagererde und übersahen, daß inzwischen das Essen ausgeteilt wurde. Ein paar hundert Meter von diesen unglücklichen kleinen Wesen entfernt, die erfroren und verhungert im Leichenkeller landeten, lagen in den Hallen der SS-Betriebe Zehntausende warme Kinderkleidchen und Schuhe, Mäntelchen und Wollwäsche bis unter das Dach gestapelt. Diese Sachen stammten von den in Auschwitz Ermordeten. Die Kinder der SS-Offiziere, der Aufseherinnen und der Wachmannschaften wur- den damit bekleidet. Dort gab es Milch- und Fleisch- konserven in unvorstellbarer Menge, Kakao und Schokolade— für die SS-Familien. In den SS-Villen spielten die Kinder mit den Puppen der Vergasten von Auschwitz. Währenddessen suchten die jüngsten Häftlinge von Ravensbrück eifrig kleine Flaschen- scherben oder einen flachen Stein und spielten damit „vergasen oder nicht vergasen?“ 36 Aufze aufgefu 1945 ni geboren ben. W Mütter waren' bei der gut wie waren| gewasc! Federbi und nu ihre Mi treten viel Mi Neugeb Fall na Die| jährige arbeite! stündig todmüc tern w dem Hı im Lag und ka dort a torium ältester Kinder geschili ierkleid- Tissenen chen in oder im | Schnee Lager- on unter rd je ın ederchen | weißen VErZWel- können! inkenden n irgend inkel der je waren die Nah- ung, um nem Ver- rde und t wurde. cklichen hungert len der ‚Offiziere, ften WUl- 4 Fleisch- ikao und sg-Villen Aufzeichnungen, die nach der Befreiung des Lagers aufgefunden wurden, weisen nach, daß von 1943 bis 1945 nicht weniger als 863 Kinder in Ravensbrück geboren worden sind. Fast alle diese Säuglinge star- ben. Wie sollten sie auch leben? Die SS hatte ihre Mütter bis zur Entbindung schwer arbeiten lassen. Sie waren völlig unterernährt und konnten ihre Kinder bei der Hungerkost nicht stillen. Die SS gab ihnen so gut wie keine Milch für ihre Kleinen. Die Windeln waren Fetzen, die ohne Seife und mit kaltem Wasser gewaschen werden mußten. Es gab keine warmen Federbetten, keinen warmen Raum für die Säuglinge und nur selten die Möglichkeit, sie zu waschen. Wenn ihre Mütter zur Arbeit gingen oder zum Appell ange- treten waren, konnte niemand nach ihnen sehen. So- viel Mühe die Frauen sich auch geben mochten— die Neugeborenen starben nach ein paar Tagen, im besten Fall nach ein paar Wochen. Die größeren Kinder, angefangen bei den Zwölf- jährigen, schickte die SS in die Rüstungsbetriebe. Dort arbeiteten sie wie die erwachsenen Häftlinge in zwölf- stündiger Tag- und Nachtschicht, hungernd, frierend, todmüde und verzweifelt nach ihren verlorenen Müt- tern weinend. Viele dieser jungen Menschen erlagen dem Hetztempo und den katastrophalen Verhältnissen im Lager nach kurzer Zeit. Andere wurden tuberkulös und kamen als Todgeweihte in den Block 10, um von dort aus in die Vergasung oder direkt ins Krema- torium zu kommen. In den Erinnerungen der Block- ältesten dieser Krankenbaracke werden einige dieser Kinderschicksale als Beispiel für ungezählte andere geschildert: „Da ist ein kleines jüdisches Mädchen, dem man das unförmig angeschwollene rechte Bein, das schwarz aus dem zerfetzten Röckchen baumelt, abnehmen wird und das einige Tage später ins Krematorium wandert. Hunderte von Kilometern hat es von Auschwitz nach Ravensbrück laufen 37 müssen, hat in offenen Viehwagen mit vielen an- deren Kindern zusammen tagelang auf den Güter- bahnhöfen gestanden. Sich hin- und herwiegend in unvorstellbaren Schmerzen, die Augen angst- voll aufgerissen, wachsbleich das kleine Gesicht, sitzt es vor der Tür des Operationsraums, dem Tod entgegensehend... Da ist Jolan Lebovicz. Ihre behütete Kindheit haben ihr die deutschen Faschisten gestohlen, beide Eltern in Auschwitz verbrannt. Vierzehn Jahre ist dieses Kind alt— der abgemagerte Kör- per gibt nicht mehr als zehn zu. Mit der Kraft die wie ein Wunder wirkt, preßt sie die Arme um meinen Hals: ‚Ich bin so allein, ich habe nieman- den, haben Sie mich lieb!‘ Noch im Tod scheinen die schönen Augen um Liebe zu betteln. Wir können nichts für das Kind tun, als ihm einmal durch die feuchten, dunklen Locken streichen. Wir lassen uns hinreißen zu zärtlichen Umarmun- gen, obwohl wir wissen, daß wir uns infizieren können. Tag und Nacht verfolgt uns die junge, flehende Stimme. Wir sehnen uns alle nach der Stunde, die die letzte im Leben dieses Kindes sein wird Eine Siebzehnjährige bittet mich an ihr Bett. Todesschweiß steht auf der jungen Stirn. Still sehen ihre dunklen Augen zu mir auf. Sie ist Partisanin gewesen. Mit vierzehn Jahren hat sie gegen die SS gekämpft, die ihre Heimat zerstörte. Sie ist verwundet und gefangengenommen wor- den und mit dem Todesurteil nach Ravensbrück gekommen. Nun ist sie lungenkrank, kalt und feucht liegt ihre blasse Hand in meiner. ‚Ich werde sterben, Blockälteste, ich weiß es bestimmt. Viel- leicht schon heute. Ich habe eine Bitte, eine aller- letzte Bitte: Ich habe so lange kein eigenes Bett gehabt— lassen Sie mich in einem Bett allein sterben!’ Ich vertröste sie auf den Abend, weil ee a I Te a ar ET en Zn RN TE len an-..«.©. rs ich weiß, daß der Tod in wenigen Minuten ein- R- treten wird. Wo sollte ich ein Bett hernehmen? In "regen jedem liegen zwei, drei todkranke sterbende nr] Frauen und Kinder... ei Unter ihnen ist die kleine Sophie Wachter. Als „ em achtjähriges Kind war sie mit ihren Eltern irgendwo in Polen verhaftet worden. Vater und ndheit Mutter gingen in Auschwitz ‚durch den Kamin‘. hlen, Als die Kleine elf Jahre alt war, begann die SS, erzenn die Kinder zu vernichten. In ihrer Todesangst e Kör- fälschte Sophie ihr Geburtsdatum auf ihrer Re- Kraft vierkarte Nun galt sie als dreizehnjährig und e um wurde sofort von Auschwitz nach Ravensbrück nieman- und von hier aus mit einem Transport von heinen Frauen und Halbwüchsigen in eine Munitions- Wir fabrik geschickt. Tag- und Nachtschicht wechsel- einmal ten wochenweise. Hunger und Kälte führten zur reichen. tödlichen Erschöpfung des ganzen zarten Mäd- rmun- chenkörpers. Natürlich wird Sophie tuberkulös, zieren kommt zurück nach Ravensbrück, wird auf Block unge, 10 geschickt. Da liegt sie noch fünf Wochen, dank- ı der bar für jeden freundschaftlichen Blick, gequält s sein von fast unerträglichen Schmerzen. Dann hebt Dr. Winkelmann eines Tages die Decke von dem Bett. dünnen Körperchen. Er wechselt einen kurzen Still Blick mit der SS-Schwester. Die trägt ein Kreuz “u ist in die Karteikarte Sophie Wachter ein. Wenige er Tage später geht das kleine Mädchen mit anderen störte, Kindern und Frauen in die Gaskammer.“ n wor- nsbrück it= KATASTROPHALE VERHÄLTNISSE ‚ Viel- ne aller- Das Lager mußte ständig weiter ausgebaut werden. s Bett Baracke um Baracke wurde aufgestellt und die Lager- ++ allein mauer dreimal um einige hundert Meter hinausge- nd, weil schoben. 39 Häftlinge waren in den Augen der SS keine Men- schen. Dementsprechend wurden sie behandelt. Ihre Bestimmung war, eine gewisse Zeit für die SS und die Rüstungsbetriebe zu arbeiten. Waren sie dazu zu schwach geworden, mochten sie sterben. Die Geheime Staatspolizei sorgte laufend für Ersatz und die SS für den Nachschub in die Vernichtungslager. Je länger der Krieg dauerte, um so unmenschlicher wurden die Verhältnisse in den Konzentrationslagern. Ravensbrück machte keine Ausnahme von dieser Regel. Auf die Tatsache, daß hier Frauen saßen, deren körperliche Kräfte meist noch geringer waren als die der Männerhäftlinge, nahm die SS natürlich keine Rücksicht. Die Sterbeziffern waren deshalb auch im FKL noch höher als in den Männerlagern. Von Zeit zu Zeit kam Heinrich Himmler, der oberste Chef der SS, nach Ravensbrück, um das Lager zu inspizieren. Gelegentlich wurde es auch größeren oder kleineren Gruppen von SS- und Wehrmachtsoffizie- ren gezeigt. Dann kamen die Direktoren der Rüstungs- betriebe, um sich aus den Reihen der Häftlinge Skla- ven für ihre Munitionsfabriken auszusuchen. An solchen Tagen durften die Häftlinge sich zu bestimm- ten, genau festgelegten Stunden auf der Lagerstraße bei Strafe nicht sehen lassen. Die Herren in ihren eleganten Uniformen mit den breiten Ordensspangen oder teuren Zivilanzügen wur- den von den einander ablösenden Lagerkommandan- ten Max Kögel und Fritz Suhren in einen der ersten beiden Blöcke auf der linken Seite der Lagerstraße geführt. Und was sahen sie dort? Zwei sauber ge- schrubbte Tagesräume, zwei rotgeziegelte Wasch- räume und zwei Schlafräume mit blanken Fenstern und langen Reihen übereinanderstehenden Holzbetten mit weißen Laken und blau-weiß-gestreiften Bezügen. Lagerkommandant Max Kögel hatte die Häftlinge ge- lehrt,„Betten zu bauen“, die aussahen, als ob sie mit dem Lineal gezog-n seien. Wieviel Tränen, Ohrfeigen, 40 Prüge Doch ließen Zw ihren Häftli sie W man hatte. die U und\ Kant) Lageı polize stänc Händ SS-L steckı ten d Schul Dusel hatte alle: Zähl: lazu zu zeheime SS für Prügel, Stehstrafen und Arrest hatte das gekostet! Doch davon sahen die hohen Herren nichts. Sie ver- ließen die Häftlingsbaracken offensichtlich zufrieden. Zweifelsohne erzählten sie bei ihren Damen und ihren Freunden draußen, wie gut und sauber die Häftlinge in den Konzentrationslagern lebten. Aber sie wußten es besser. Sie wußten sehr genau, daß man ihnen Besuchs- und Renommierbaracken gezeigt hatte. Dort lebten Häftlinge verschiedener Nationen, die unter schweren Bedingungen, ständig bewacht und von harten Strafen bedroht, in der Küche und der Kantine der SS, in den verschiedenen Büros der Lagerleitung oder der Beamten der Geheimen Staats- polizei arbeiten mußten. Nur weil die SS-Offiziere ständig mit ihnen zusammenkamen, weil sie aus ihren Händen Akten und ihr Essen empfingen und weil die SS-Leute eine panische Angst vor Läusen und an- steckenden Krankheiten hatten— nur deshalb erhiel- ten diese Kameradinnen saubere Kleider, anständiges Schuhwerk und von Zeit zu Zeit sogar eine warme Dusche. Sie bekamen Seife und Zahnpasta. Aber sie hatten unter dem quälenden Hunger zu leiden wie alle anderen Häftlinge; sie litten beim stundenlangen Zählappell die gleichen Qualen. Ihren Block durften sie sauber halten und allein in ihrem Bett schlafen, weil ihre Baracke dazu bestimmt war, einen Zustand vorzutäuschen, der in krassem Gegensatz zu den tat- sächlichen Lagerverhältnissen stand. Wie lebten die Ravensbrücker Häftlinge in Wirk- lichkeit? 41 40 cm PRO HÄFTLING GENÜGEN Im Winter 1944/45 war Ravensbrück bereits so überfüllt, daß vier, fünf und sogar sechs Frauen sich oft ein Bett teilen mußten. Die einen schliefen dort am Tage, die anderen in der Nacht. Das hing davon ab, wo und wann sie arbeiteten. Waren sie zu fünft oder sechst, mußte jeweils eine zwischen den Beinen ihrer anderen Kameradinnen schlafen. Aber Tausende besaßen überhaupt keinen Bettplatz. Sie schliefen auf dem Boden unter den Betten der Glücklicheren, in den Gängen, unter den Tischen des Tagesraumes— wo es einen solchen noch gab—, hingekauert in den Toiletten oder auf den Fliesen der Waschräume, in die gleichzeitig die Toten gelegt wurden, die im Laufe der Nacht auf dem Block gestorben waren und erst morgens abgeholt wurden. Wäsche gab es für ungezählte Betten seit langem nicht mehr. Wo sie noch vorhanden war, steckte sie voller Läuse, die ebensowenig wie die verschieden- artigsten Schmutzflecke bei der Wäsche im lau- warmen oder kalten Wasser ohne Seife entfernt wer- den konnten. Für zwei und drei Frauen war in der Regel eine dünne, schmutzige Decke vorhanden. Ge- sunde und Kranke lagen gemeinsam in einem Bett. Dabei gab es solche mit ansteckenden Krankheiten aller Art und andere, die an schwerem Durchfall litten. Wie oft fand sich ein Häftling morgens neben einer Kameradin liegen, die in der Nacht still gestor- ben war! Kein Häftling konnte unter solchen katastrophalen Wohnverhältnissen einen ruhigen und gesunden Schlaf finden. Und wie nötig hätten die Frauen ihn gehabt! Vom Hunger und der schweren Tagesarbeit völlig erschöpft, fanden sie nie Ruhe. In den Räumen war ein ständiges Kommen und Gehen— Rücksicht auf die Schlafenden war dabei unmöglich. Die Frauen 42 der Nachtschicht mußten tagsüber zum Essen und zu den Zählappellen aufstehen. Im Winter konnten sie vor Kälte, im Sommer vor Hitze in den hölzernen Baracken keinen Schlaf finden. Der Hunger nagte in den Eingeweiden. Und mit der Schlaflosigkeit kamen die schweren Gedanken, die am Tage zurückgedrängt wurden. Da kam das Heimweh, die Sehnsucht nach den allein gebliebenen Kindern, die Angst um die Männer und um die Söhne an den Fronten. Da kam die bange, bange Frage: Wann wird das alles endlich ein Ende haben? Werde ich überleben? Werden die Meinen am Leben bleiben? Die SS wußte genau, daß man auch auf diese Art töten, daß die ständige, zermürbende Unruhe des Lagerlebens den Tod beschleunigen kann. SS-Haupt- sturmführer Seitz, der für die Unterbringung der Häftlinge, für ihre Kleidung und Ernährung verant- wortlich war, vertrat die Ansicht, daß eine 40 cm breite Schlaffläche für einen Häftling zu genügen habe! Er hätte die Möglichkeit gehabt, den Strom von Zugän- gen zu unterbinden, aber er rührte keinen Finger. In riesigen Lagerhallen, dicht neben den Häftlings- baracken, hatte die SS ungeheure Mengen sogenann- tes Beutegut aufgestapelt. Was sie in den überfallenen Ländern gestohlen hatte, was die Vergasten von Auschwitz an Kleidern, Pelzen und Schmuck zurück- ließen, wurde in die Konzentrationslager geschickt. Dort wurde es von den Häftlingen sortiert, geflickt und gewaschen. Als diese Magazine nach der Be- freiung von Ravensbrück geöffnet wurden, fand man dort unter anderem Tausende von Steppdecken, Tau- sende bester Wolldecken und Bettwäsche buchstäblich bis unter die Decke gestapelt. Aber 500 Meter davon entfernt waren Tausende von Häftlingen in ihren Betten erfroren! Dafür gingen die besten Stücke aus den Lagerhallen stillschweigend in den Besitz der SS-Offiziere, der Aufseherinnen und der Bewachungs- mannschaften über. 43 Der Zustand der Baracken spottete jeder Beschrei- bung. Die Kanalisationsanlagen reichten nicht aus und funktionierten nicht immer. Oft waren die Häftlinge selbst bei strengster Kälte gezwungen, ihre Notdurit in Gruben, die neben den Blöcken gegraben werden mußten, zu verrichten. Schwerste Blasenleiden, Unterleibserkrankungen, Lungenentzündungen u. 4. waren die unausbleibliche Folge. Oft hatten die Baracken tagelang kein Wasser. Die Häftlinge konn- ten dann ihre Eßgeschirre nicht spülen. Sie konn- ten sich tagelang nicht waschen, selbst nicht in den Tagen ihrer Menstruation, für die sie keine Binden, keinen Stoff, kein Papier hatten. In den kleinen Baracken lebten statt 120, wie in den Jahren 1939/40, 800, 900 und sogar 1000 Häftlinge. Die später gebauten etwas größeren Baracken hatten oft zwischen 2000 und 3000 Bewohner. Obwohl die Lagerhallen voller Seife und Waschmittel steckten, die die SS in den überfallenen Ländern gestohlen hatte, erhielten die Häftlinge nicht das Nötigste für die Reinhaltung der Blocks. Zerbrochene Fensterscheiben wurden nicht ersetzt, Löcher in den Dächern nicht repariert. Regen und Schnee fielen direkt auf die Betten und auf die froststarren, mageren Körper der Gefangenen. DAS ZELT Aber es gab noch Schlimmeres. Ende August 1944 ließ Lagerkommandant Suhren ein etwa 50 Meter langes Wehrmachtszelt in der dritten Barackenreihe aufstellen. Auf den Sandboden wurde eine dünne Lage Stroh geschüttet. In diese Unterkunft wurde zu- erst ein großer Transport polnischer Frauen geführt, die im Zusammenhang mit dem Aufstand der War- schauer Bevölkerung gegen ihre Peiniger gefangen- 44 st 1944 | Meter ‚enreihe dünne ırde ZU- seführt, r War- fangen genommen worden waren. Unter ihnen befanden sich Hunderte, denen die deutsche Wehrmachtsführung „Schutz“ gegen die heranrückende Sowjetarmee ver- sprochen hatte. Sie sollten nach Deutschland in „Sicherheit“ gebracht werden. Welches Erwachen aus gefährlichen Illusionen über die„Menschlichkeit“ der deutschen Militaristen war es für diese Frauen, als sie sich schließlich im Zelt des FKL Ravensbrück wieder- fanden! Viele von ihnen bezahlten ihre Gutgläubig- keit mit dem Tod in der Gaskammer. Ein wenig später kam ein Transport mit 3000 unga- rischen Jüdinnen und ihren Kindern an— auch sie gingen ins Zelt und von dort durch ein eigens zu diesem Zweck geschaffenes Tor in der Lagermauer direkt in die Vergasung. Ins leergewordene Zelt zogen neue Zugänge ein, unter ihnen einmal 300 Nonnen. Welch schreckliches Inferno war dieses Zelt! Mehr- mals wurde es bei Rohrbrüchen unter Wasser gesetzt. Das dünne Stroh wurde nicht erneuert. Es gab keine Toiletten. Die Häftlinge mußten ihre Notdurft auf primitiven Latrinen außerhalb des Zeltes verrichten. Und das bei eisiger Kälte! Für die vielen Kranken, die an Brechdurchfall litten, wurden einige Marme- ladeneimer aufgestellt. Aber die Frauen konnten sie in ihrer tödlichen Schwäche und bei der hoffnungs- losen Überfüllung des Zeltes nicht erreichen. Na- dine Heftler, die längere Zeit im Zelt untergebracht war, schreibt in ihren Erinnerungen: „Ich lag im Zelt ohne Decke, ohne Strohsack, inmitten von Exkrementen. Wir erhielten an sechs Tagen nur dreimal ein Stück Brot von etwa 950 Gramm. Ich erhielt in vierzehn Tagen nicht ein einziges Mal Suppe oder Kaffee.“ Und tatsächlich— die Dunkelheit im Zelt, die Über- füllung mit ausgehungerten, von der Kälte gepeinig- ten Menschen, deren Nerven völlig zerrüttet waren, die Unmöglichkeit, in dieses Durcheinander 45 auch nur eine Spur von Ordnung zu bringen, das alles führte dazu, daß viele Frauen und fast noch mehr alleinstehende Kinder dort verhungerten, weil sie nicht die Kraft hatten, sich zu den Eßkübeln durchzukämpfen. In dem Gedränge wurden die Ther- mophore umgestoßen, und die ekelhafte, stinkende Flüssigkeit ergoß sich über die Häftlinge, über das Stroh, floß in den schmalen Gängen in den Sand. Es gab im Zelt kein Wasser. Die gesünderen Häft- linge versuchten, sich in die Waschräume der Wohn- blocks einzuschmuggeln. Aber auch dort waren längst viele hundert Frauen, die oft tagelang keine Möglichkeit zur Säuberung finden konnten. Es war nur natürlich, daß unter solchen unmensch- lichen Verhältnissen täglich dreißig bis vierzig Er- frorene, Verhungerte, an Typhus und Tuberkulose elend zugrunde gegangene Frauen und Kinder aus dem Zelt getragen werden mußten, Nur weil akute Gefahr schwerer Epidemien bestand, ließ die Lager- führung Ende Februar 1945 dreistöckige Betten auf- stellen. Alles andere blieb, wie es war: letzte Station vor dem Tod im Zelt oder in der Gaskammer. Es ist bezeichnend, daß die SS, ehe sie Ravensbrück für immer verließ, das Zelt abbrach. Sie wollte einen der beredtesten Zeugen ihrer Menschenverachtung aus dem Weg räumen. DIEKLEIDUNG Bis 1941 hatten die Ravensbrücker Häftlinge von der Lagerleitung bei ihrer Einlieferung ein blau-grau- gestreiftes baumwollenes Kleid, ein Hemd, eine Hose, manchmal sogar einen Unterrock und außerdem ein Paar Schuhe oder Holzpantinen erhalten. Dafür wurde 46 ihnen Wäsch genanl für wurde des F Kriege SS- u und S Häftlir tung Häftlir der eit Brust: verseh Sacher sem Z die un trieber Ein fand c der in Vergas ausgeg auf die Auschı Häftlir in der Winter pullov. glühen reicher schmu Schwer hervor Von Haupt, von -grau- ‚ Hose, m ein urde ihnen ihr gesamtes persönliches Eigentum von der Wäsche bis zum Ehering abgenommen und in der so- genannten Effektenkammer aufbewahrt. Die Kleidung für weibliche und männliche Schutzhaftgefangene wurde zum größten Teil in den Schneidereibetrieben des FKL Ravensbrück hergestellt. Mit Beginn des Krieges wurden diese Betriebe auf die Produktion von SS- und Wehrmachts-Uniformen, Mänteln, Anoraks und Schneeblusen umgestellt. Um den Ausfall an Häftlingsbekleidung zu decken, ließ die oberste Lei- tung der SS ganz einfach das Privateigentum der Häftlinge beschlagnahmen. Die Mäntel und Kleider der einfacheren Art wurden am Rücken und auf der Brust mit einem breiten schwarzen oder weißen Kreuz versehen, und so als Häftlingskleid gekennzeichnet. Sachen guter Qualität konnten die Häftlinge nach die- sem Zeitpunkt bei den SS-Aufseherinnen bewundern, die untereinander einen schwungvollen Handel damit trieben. Ein anderes Mittel, Ersatzkleidung zu beschaffen, fand die SS darin, daß die zurückgelassene Kleidung der in Auschwitz und in anderen Vernichtungslagern Vergasten in Ravensbrück wieder an noch Lebende ausgegeben wurde. Es dürfte vorgekommen sein, daß auf diese Weise so manches Kleid die Strecke zwischen Auschwitz und Ravensbrück einige Male zurücklegte, Häftlinge, die 1944 nach Ravensbrück kamen, erhielten in der Regel solche Bekleidung. Dabei gab die SS ım Winter ärmellose ehemalige Ballkleider oder Sommer- pullover aus. Zum Ausgleich erhielten andere bei glühender Sommerhitze ein dickes, bis auf den Boden reichendes Winterkleid, unter dem dann ein paar schmutzige, nackte, mit Frostbeulen bedeckte Füße, schwere Holzstiefel oder abgetretene Holzpantinen hervorsahen. Von April bis in den November hinein ließ SS- Hauptsturmführer Seitz einen großen Teil der Außen- 47 arbeiterinnen ohne Rücksicht auf das Wetter barfuß laufen. Tausende hatten im Winter 1944/45 keine Un- terwäsche, keine Strümpfe, viele keinen Mantel. Bei strengster Kälte standen diese Unglücklichen aber Morgen für Morgen auf der Lagerstraße stundenlang beim Appell. Zahllose Frauen und Kinder starben an Erfrierungen zweiten und dritten Grades, oder es mußten ihnen Arme und Beine abgenommen werden. In den Lagerhallen der SS aber waren Kleider, Mäntel, Wäsche und Schuhe für weit mehr Häftling», als es in Ravensbrück gab! Daß die SS sie lieber dort verfaulen ließ, als sie an die Häftlinge auszugeben, beweist, daß der Tod durch Erfrieren in ihrem Ver- nichtungsplan einkalkuliert war. HUNGER Ein anderes Mittel der Massenvernichtung war der Hunger. Ihm fielen in den faschistischen Konzentra- tionslagern Hunderttausende Kinder, Frauen und Männer zum Opfer. In dem Prozeß, der nach Kriegs- ende in Hamburg gegen einen Teil der ehemaligen SS- Offiziere und-Mannschaften geführt wurde, mußten der Lagerarzt Dr. Percy Treite und der Schutzhaft- lagerführer Johann Schwarzhuber in bezug auf Ravensbrück zugeben: „Die Ernährung war zum Leben der Menschen nicht ausreichend.“ Sie bestand 1944 aus einem Becher schwarzem, un- gesüßtem Ersatzkaffee der billigsten Sorte, einem halben Liter dünner Suppe mittags und abends und etwa 200 Gramm Brot für 24 Stunden. Arbeitende Häftlinge erhielten teilweise außerdem zwei bis drei Kartoffeln täglich. Die Suppe bestand Tag um Tag aus Steckrüben, die oft bereits halb verfault 48 barfuß te Un- el. Bei \ aber enlang ben an der es ‚erden. leider, tlinge, er dort ıgeben, m Ver- var der zentra- n und Kriegs- gen SS- mußten utzhaft- ug auf Lagerkommandant Fritz Suhren Himmler inspiziert Ravensbrück, hinter ihm Lager- kommandant Kögel Gefängnis des Lagers 7 ehe BRENNER an in t arz ta Oberheuser— SS-Lager Heı Von SS-Arzten zu Versuchs- ‚ zwecken operiert waren Fett ı zweim linge „0 Gr oder( Im noch| linge fettlos toffel: der A täglicl Ung Hung: um si hatteı lich k vond und\ maße trolle ser, g So kc schaf! ohne fielen gezäh schüs: den, nicht: krieel Inz dem Das£ die\ und ı einen waren wie die Kartoffeln auch. Sie enthielt keine Spur Fett und war monatelang nicht einmal gesalzen. Nur zweimal, nämlich am Wochenende, erhielten die Häft- linge ein Stück billigster Margarine von etwa 20 Gramm und dazu abwechselnd einen Harzerkäse oder einen Löffel verdünnter Kriegsmarmelade. Im Winter 1944/45 verschlechterte sich das Essen noch mehr. Die Kartoffeln für die arbeitenden Häft- linge wurden meistens gestrichen. In der salz- und fettlosen Rübenbrühe schwammen nur noch die Kar- toffelschalen aus den Abfällen der SS-Küche. Statt der Abendsuppe gab es einen Becher Kaffee, und die tägliche Brotration wurde auf 150 Gramm gekürzt. Ungezählte Häftlinge erhielten nicht einmal diese Hungerrationen. Sie waren viel zu schwach geworden, um sich ihre Nahrung zu erkämpfen. Die Häftlinge hatten nur eine halbe Stunde Zeit zum Essen. Natür- lich kamen alle aufgeregt zur Essenausgabe, beherrscht von der Angst, leer auszugehen. Es war für die Block- und Stubenältesten außerordentlich schwer,. einiger- maßen Ordnung zu schaffen. Sie verloren die Kon- trolle in dem schrecklichen Durcheinander übernervö- ser, gehetzter, todmüder, halbverhungerter Menschen. So konnten sich oft die Robusten zweimal Essen ver- schaffen, und die Schwachen mußten weiterarbeiten, ohne Nahrung bekommen zu haben. In dem Gewühl fielen Kessel um. Natürlich gab es keinen Ersatz. Un- gezählte Häftlinge hatten keinen Becher, keine EB- schüssel. Wenn sie keine hilfreiche Kameradin fan- den, konnten sie kein Essen bekommen. Ihnen blieb nichts übrig, als sich in irgendeinen Winkel zu ver- kriechen und auf den erlösenden Tod zu warten. Inzwischen verfaulten draußen in den Kellern vor dem Lager Tausende Zentner Kartoffeln und Gemüse. Das geschah, obwohl der Hauptsturmführer Seitz über die Vorräte und den Verbrauch genau Buch führte und regelmäßig zur Kontrolle erschien. Wenn er dabei einen Häftling erwischte, der sich heimlich eine Kar- 4 49 toffel nahm und sie roh hinunterschlang, um den nagenden Hunger zu betäuben, dann gab er ihm Ohr- feigen, oder, wenn er besonders schlechter Laune war, 95 Stockschläge„wegen Diebstahls staatlichen Eigen- tums“! Auch der Lagerkommandant Suhren wurde auf die fauligen und stinkenden Riesenberge von Ge- müse und Kartoffeln von den Aufseherinnen aufmerk- sam gemacht. Sie sollten sie wegschaffen und wußten nicht, wohin. Suhren ließ weiter hungern und weiter verderben. Die SS-Männer, ihre Familien und die Aufseherin- nen dagegen lebten auf Kosten der Häftlinge auch noch 1945 in Saus und Braus. Als die überlebenden Ravensbrücker Frauen im April 1945 evakuiert wur- den, fanden sie in den Wäldern Mecklenburgs Autos und Fuhrwerke, die die SS im Stich gelassen hatte. Mit staunenden Augen sahen sie da Säcke voller Nudeln, Grieß, Zucker, Milchkannen voller Butter- schmalz, Eimer voller Marmelade, Ballen von Stoff. echte Smyrna-Teppiche, feinste Gardinen, Schokolade und vieles andere mehr. Wie war das möglich, woher kamen diese märchen- haften Dinge? Sie stammten aus dem Beutegut und dem Besitz vergaster Menschen. Die Lebensmittel aber hatten den Häftlingen auf Grund der Karten- zuteilungen zugestanden, die SS hatte sie zu ihren Gunsten unterschlagen. Neu ankommende Häftlinge ließ man ein, zwei und drei Tage ohne Nahrung, aber man führte sie im Häftlingsbestand und erhielt für sie Lebensmittelzuweisungen. Gelegentlich ließ man die 20.000 bis 40 000 Frauen und Kinder, die gleichzeitig im Lager lebten, einen oder mehrere Tage hungern wegen irgendeines Verbrechens, das sie nicht be- gangen hatten, oder weil eine Gefangene einen Flucht- versuch unternommen hatte. Arresthäftlinge erhielten von den Lebensmittel-Verteilungsämtern ihre Zutei- lungen für jeden Tag, im Bunker aber nur jeden vierten Tag etwas zu essen. Den arbeitenden Gefan- 50 von 3 stand: Alle c brück man| und€ El In lagerr zur F nur fi heit,: SS za der F Konz: endlic nutzb Es thode Für er in wurdı Prüge Fraue wenig Mand dung: kamn Büros We Mand n hatte. ur jeden n„ Gefan- genen hatten jahrelang kartenmäßig Sonderzulagen von 30 Gramm Wurst und einer Scheibe Brot zuge- standen, aber sie erhielten nichts bis zum Winter 1944. Alle diese Lebensmittel unterschlug die SS. In Ravens- brück baute sie statt dessen einen Leichenkeller, weil man nicht mehr wußte, wohin mit den vielen Toten, und erweiterte das Krematorium. a— BEN ENETIETEL ZUR VERNTIEHTUNG In den faschistischen deutschen Konzentrations- lagern gab es Tafeln mit sogenannten„Meilensteinen zur Freiheit“. Einer dieser Meilensteine hieß Arbeit— nur führte er für Millionen Häftlinge nicht in die Frei- heit, sondern in den Tod. Die Arbeit wurde von der SS zu einem Mittel der skrupellosesten Ausbeutung der Häftlinge zugunsten der SS und der Industrie- Konzerne, zur Führung des„totalen Krieges“ und zur endlichen planmäßigen Vernichtung nicht mehr aus- nutzbarer menschlicher Skelette gemacht. Es gab mehrere, außerordentlich erfolgreiche Me- thoden der Vernichtung durch Arbeit. Für jeden Häftling war es ein großes Glück, wenn er in ein sogenanntes„Lagerkommando“ eingereiht wurde. Wenn auch dort von den Aufseherinnen ge- prügelt wurde und die Arbeit für die ausgehungerten Frauen viel zu lang und zu schwer war— man war wenigstens nicht bei der Außenarbeit! Solche Kom- mandos gab es in den verschiedenen Wäsche-, Beklei- dungs-, Schuh- und Geschirrmagazinen, der Effekten- kammer, im Krankenrevier, in der Küche, in den Büros usw. Weitaus mehr Frauen aber wurden bei den Kom- mandos beschäftigt, die in der Nähe des Lagers Stra- 4 51 ßen und Häuser bauten, Sand schippten, Schnee räum- ten, am See Schiffe und am Fürstenberger Bahnhof Waggons entluden oder auf landwirtschaftlichen Gütern arbeiteten. Wer nicht im KZ war, hat keine Vorstellung davon, was es heißt, mit einem völlig entkräfteten Körper, schlecht bekleidet und hungrig, in ununterbrochenem Hetztempo, unter den Schlägen der SS-Aufseherinnen und von bissigen Hunden be- droht, zwölf Stunden lang bei peitschendem Regen und Sturm, bitterer Kälte oder in sengender Sonne zu arbeiten. Und das wurde von Frauen gefordert, die nachts vor Hunger, Lärm und körperlichen Schmerzen nicht schlafen konnten, um vier Uhr morgens auf- stehen mußten, mit leerem Magen zwei Stunden in der morgendlichen Kälte Appell vor dem Block ge- standen hatten und zum Umfallen müde waren, ehe der Tag noch begann! Jeden Abend, wenn die er- schöpften Häftlinge ins Lager zurückwankten, um dort noeh einmal eine oder zwei Stunden Appell zu stehen, schleppten sie Tote und Sterbende mit sich. Dabei mußten die Kommandos oft völlig sinnlose Arbeit leisten, nur um beschäftigt zu sein. Solche Ar- beiten waren‘besonders das Sand- und Schneeschip- pen. Welche Unmengen davon mußten unter Lager- kommandant Kögel bewegt werden! Er hatte es dabei besonders auf die jüdischen Häftlinge abgesehen. Nie werden die ehemaligen Häftlinge vergessen können, wie diese Kameradinnen von Kögel ge- zwungen wurden, solange Ziegelsteine aus einem Kahn auszuladen, bis ihre Fingerspitzen völlig durchge- scheuert waren. Im Revier erhielten sie auf beson- dere Weisung der damaligen Lagerärztin Erika Jant- zen keinen Verband, sondern einen Pinselstrich Jod auf ihre Wunden. Am nächsten Tag begann die gleiche Qual von neuem, und dann waren die Kuppen der Finger nur noch eine einzige blutende, rohe Masse Fleisch, auf die es abends wiederum Jod gab! Unbarmherzig ließ Kögel am 11. und 12. Januar 52 1940 bei strengem Frost Frauen in Sommerwäsche mit kurzärmeligen Waschkleidern unter einer dünnen, un- gefütterten Jacke zehn Stunden täglich Schnee schip- pen, bis sie mit schweren Erfrierungen ins Revier ein- geliefert werden mußten. Kögel erschien nur von Zeit zu Zeit, bis zur Nasenspitze in seinen pelzge- fütterten langen Mantel gehüllt, um zu komman- dieren:„Schaufeln, nicht stehenbleiben, schaufeln!“ Eine deutsche Politische, die damals im Revier arbei- tete, schreibt in ihren Erinnerungen: „Immer wieder kamen die Kommandos ins Re- vier, um Kameradinnen einzuliefern, die unter der Einwirkung der Kälte in tiefer Bewußtlosigkeit lagen. Im Untersuchungszimmer lag eine neben der anderen auf dem Steinfußboden, blauge- froren alle Gliedmaßen, schneeweiß die Gesichter. Schmerzensschreie gellten durch das ganze Revier. Verzweifelt sahen wir, wie die Kranken vom SS- Arzt eine Cardiazolspritze bekamen und das Re- vier verlassen mußten, sobald das Herz seine Tätigkeit wieder aufgenommen hatte. Einige Dut- zend mußten trotzdem im Revier aufgenommen werden. Am nächsten Tag aber erschien eine SS- Aufseherin im Auftrage Kögels, um die schwer- kranken und völlig erschöpften Häftlinge wieder zu den ‚sehr dringenden Arbeiten’ zu holen.“ DIE BIRITRIWBE DER 55 Die SS verstand es nicht nur meisterhaft, große Menschenmassen rasch und mit einem Minimum an Kosten zu vernichten. Sie verstand es ebensogut, sie vor ihrem Tod für sich arbeiten zu lassen und scham- los auszubeuten, bis sie zusammenbrachen. Ihren Statuten nach durfte die SS keine Handels- 53 geschäfte treiben. Das hätte die Öffentlichkeit, beson- ders die Geschäftswelt, übelnehmen, und das Ansehen der SS hätte darunter leiden können. Um trotzdem zum Ziel zu kommen, ging man mit Erfolg gewun- dene Wege. Wie in fast allen größeren KZ hatte die SS auch in Ravensbrück Betriebe errichtet, in denen zahlreiche Häftlinge arbeiten mußten. 1940 wurden die soge- nannten„Dachauer Betriebe“ gegründet. Sie trugen den offiziellen Namen einer„Gesellschaft für Textil- und Lederverwertung GmbH“. Zustande gekommen war diese Gesellschaft dadurch, daß zwei prominente SS-Leute, der SS-Obergruppenführer Georg Lörner und der SS-Brigadeführer Frank, je 10000 RM zur Verfügung stellten und die Hitlerregierung aus. den Steuergeldern der Bevölkerung ein langfristiges Dar- lehen von 1700000 RM als Betriebskapital dazugab. Eine Weile später wurde die„GmbH“ dem SS- Konzern„Deutsche Wirtschaftsbetriebe GmbH“ ange- gliedert. Dieser Konzern war in einer Hand, nämlich in der des SS-Obergruppenführers Pohl, General der Waffen-SS. Dieser Mann konnte als Leiter des„Wirt- schafts-Verwaltungs-Hauptamtes der SS“ über alle Häftlinge der Konzentrationslager verfügen. Er stellte am 3. März 1942 in einer Anweisung die Forderung: „Die Arbeitskraft muß bis zur äußerst mög- lichen Grenze ausgebeutet werden, damit die Arbeit den größten Ertrag bringen kann.“ Für seine Ravensbrücker Betriebe erreichte Pohl folgende Umsatzzahlen: 1940 575000 RM 1941 800 000 RM 1942 1214000 RM 1943 8214000 RM 1944 15 500000 RM 1945 35 000000 RM Die letzte Summe errechneten sich die SS-Strategen allerdings nur noch in einem Voranschlag. Sie mach- 54 ten d ohne Mö; vorstt dadur täglic für a lichen spekt mußt: Stunc von( 0,501 an di In Trupj Fraue einen Su antrie Alf ling, blick Verh: Fe ae Br TE Car, ten diese Rechnung ohne den Wirt, in diesem Fall ohne die Sowjetarmee. Möglich wurden die Riesenumsätze durch eine un- vorstellbare Ausbeutung der Häftlinge des FKL und dadurch, daß die SS-Betriebe an die Lagerleitung eine tägliche Leihgebühr von nur 30 Pfennig pro Häftling für achtstündige Arbeit zu zahlen hatten! Auf persön- lichen Befehl Himmlers wurden bei einer seiner In- spektionen Arbeitszeitveränderungen eingeführt. Nun mußte in einer Tag- und einer Nachtschicht je zwölf Stunden gearbeitet werden. Die SS-Betriebe bezahlten von diesem Zeitpunkt an für eine ungelernte Kraft 0,50 RM und für eine Facharbeiterin 1,— RM pro Tag an die Lagerleitung. In Ravensbrück wurden 80 Prozent des gesamten Truppenbedarfs der SS an Kleidung angefertigt. Die Frauen mußten in einem Tempo arbeiten, das nur in einem Konzentrationslager denkbar ist. Angst vor der SS und Hunger waren die Peitsche, die die Häftlinge antrieb. Alfredine Nenninger, ein deutscher politischer Häft- ling, der in der„GmbH“ arbeitete und sehr tiefe Ein- blicke in die„Dachauer Betriebe“ hatte, schildert die Verhältnisse in der Schneiderei folgendermaßen: „Wer zum ersten Male die große Halle betrat, in der 600 Häftlinge an den Einlegetischen für die Zuschnitte, den Handarbeits- und Kontrolltischen, an den 13 Schiebebändern mit je 26 Nähmaschi- nen, den verschiedenen Spezial- und Knopfloch- maschinen und der Dampfbügelmaschine arbei- teten, glaubte sich in eine Hölle oder Irrenanstalt versetzt. Abgesehen vom Lärm der Maschinen und der stickigen, heißen Luft, die einem den Atem nahm, hörte man an allen Ecken und Enden das Gebrüll der SS-Leute und Aufseherinnen und wurde Zeuge der unbeschreiblichen Prügelszenen. An den Nähmaschinen sah man nur bleiche, ängstlich blickende, rast)os arbeitende Frauen. Je 55) näher der schlagende SS- Mann kam, um so fahri- ger und unruhiger wurden die gequälten Men- schen. Pensum, Pensum, das war die Parole. War ein Pensum glücklich herausgeschunden, wurde es prompt erhöht und schließlich durch Nachhilfe mit Schlägen auch erreicht. Nur ein Beispiel: Ursprünglich wurde bei den Tarnjacken ein Pensum von 120 Stück verlangt. Später sollten die Frauen 220 Stück vom gleichen Artikel herstellen, obwohl die Arbeitszeit wegen Strommangels von zwölf auf acht Stunden herab- gesetzt werden mußte... War das Pensum nicht erreicht, wurden die Scheibe Brot und die 30 Gramm Wurst oder auch die zustehende Tages- ration Suppe und Brot einfach auf Tage entzogen. Was das für die ausgemergelten, entkräfteten Häft- linge bedeutete, kann sich ein Uneingeweihter wohl kaum vorstellen.“ Werkleiter der Dachauer Betriebe war der SS- Hauptsturmführer Fritz Opitz, ein notorischer Säufer. Klein, gedrungen, tauchte er plötzlich lautlos in den Werkstätten auf. Hart fielen seine derben Fäuste in blasse Gesichter. Jede Verteidigung, jede Widerrede kostete einen Faustschlag zwischen die Augen. Seine Helfershelfer waren SS-Oberscharführer Graf und SS-Scharführer Gustav Binder. Graf traktierte die Frauen mit Fußtritten, riß sie an den Haaren und ließ sie bei größter Kälte zwölf Stunden Strafe stehen. Gustav Binder war ein österreichischer Faschist. Auch er war ein Trinker, tobte und schrie wie ein Irrsinni- ger. Stiernackig, stechende Augen in dem brutalen Gesicht mit der vorgeschobenen Unterlippe, ging er in den Schneidereien mit dem Stock in der Hand von Maschine zu Maschine und zog alte Frauen an den Haaren hoch, wenn ihnen eine Nähnadel abgebrochen war. Unter Mithilfe von Graf stieß er eine fünfzig- jährige Frau so mit dem Kopf gegen die Wand seines Zimmers, daß im Nebenraum der Kalk herabfiel. Die 56 fahri- Men- . War de es hhilfe | den langt. eichen wegen 1erab- nicht d die Tages- zogen. ı Häft- 'eihter ar SS- Säufer. in den ıste in errede r Graf ktierte on und stehen. , Auch rsinni- rutalen ger in d von an den ‚rochen ünfzig- seines ‚el. Die Häftlinge sagten von Binder:„Der allergrößte Leute- schinder, das ist und bleibt der Gustav Binder.“ Opitz, Graf und Binder hatten in den Schneidereien eine typische SS-Schlägergarde herangebildet, die die Häftlinge auf bestialische Art und Weise quälte. Be- sonders taten sich die SS-Unterscharführer Jürgeleit und Rauxloh hervor. Sie schlugen mit Fäusten, Stöcken und Holzkästen auf die Häftlinge ein. Die Auf- seherinnen Krüger-Sichard, Lange, Jahn und andere machten mit Vorliebe bei geringsten Anlässen Mel- dungen an die Lagerleitung, die dann Einweisung in den Strafblock, Kostentzug oder Prügelstrafe verfügte. Ähnlich wie in den Schneidereien waren die Ver- hältnisse in allen anderen Zweigen der Dachauer Be- triebe. In der Strohflechterei z.B. wurden vorwiegend Zigeunerinnen, darunter Kinder von dreizehn, vier- zehn Jahren beschäftigt. Viele von ihnen wurden dort tuberkulös. Hier mußten auch die 184 Frauen des tschechischen Dorfes Lidice wochenlang in der Nachtschicht arbeiten. Diese Frauen hatten alles verloren: Die Hitler-Faschi- sten hatten ihr Dorf völlig zerstört, alle Männer über fünfzehn Jahre erschossen. Sie bezeichneten diesen barbarischen Mord an unschuldigen Menschen als einen„notwendigen Vergeltungsakt“ für den gewalt- samen Tod ihres berüchtigten SS-Obergruppenfüh- rers Heydrich. Dieser Massenmörder hatte durch fingierte Provokationen Hitler den Vorwand zum Ein- marsch in Polen gegeben. Er ist verantwortlich für den Tod Hunderttausender jüdischer Menschen. Nachdem man Lidice völlig zerstört hatte und alle Männer er- schossen worden waren, wurden die Frauen von ihren Kindern getrennt und nach Ravensbrück gebracht, wo viele durch Hunger und Gas umkamen. Mehr als achtzig Lidicer Kinder sind von den Faschisten eben- falls vergast worden. In den Kürschnereien der Ravensbrücker Betriebe der SS mußten 450 Häftlinge die blutbesudelten Klei- 57 der und Wäschestücke toter Soldaten, Vergaster, Er- schlagener und Erhängter nach versteckten Wertsachen durchsuchen. Große Mengen von Gold, Schmuck, De- visen und Uhren wurden gefunden. Die Häftlinge wurden bei dieser furchtbaren Arbeit von SS-Wach- männern und Aufseherinnen, die wie die Raben stahlen, geprügelt und bewacht. Was die SS-Offiziere mit dem Lagerkommandanten Suhren und dem Ge- stapobeamten Ramdor an der Spitze nicht wegschlep- pen konnten, wurde an die ganz großen Räuber im Wirtschafts-Verwaltungs-Hauptamt der SS geschickt. Der Chef dieses Amtes, SS-Obergruppenführer Pohl, konnte Himmler in einem Geheimschreiben vom 29. November 1944 mitteilen: „Insgesamt befinden sich bei der Amtsgruppe D zur Zeit in Reparatur: a) 100000 Armbanduhren 39000 Taschenuhren 7500 Wecker und Stiluhren 37500 Drehbleistifte 16 000 Füllfederhalter b) 350 Taschenuhren, Gold 40 Taschenuhren, Gold mit Brillanten 1200 Armbanduhren, Gold 175 Armbanduhren, Platin bzw. Gold mit Brillanten.“ So bereicherte sich die SS an der Hinterlassenschaft der von ihr ermordeten Menschen. HÄFTLINGE ALSRÜSTUNGSSKLAVEN Je länger der Krieg dauerte, um so zahlreicher wurden Häftlinge der faschistischen Konzentrations- lager in der Rüstungsproduktion verwendet. Pohl 58 Zwi entbr: SS be wollt Rüstu Arbei deten für 6 Auch Die Zwan sorgte und/ Zwar wurd: stimn sonde RZ z Schick gesch krimj fängn das y den' Stapo SS-L, sorge {estg, D zur ‚schaft schrieb darüber an Heinrich Himmler am 30. April 1942: „Die Verwahrung von Häftlingen nur aus Sicherheits-, erzieherischen oder vorbeugenden Gründen allein steht nicht mehr im Vordergrund. Das Schwergewicht hat sich nach der wirtschaft- lichen Seite hin verlagert. Die Mobilisierung aller Häftlingsarbeitskräfte zunächst für Kriegsauf- gaben(Rüstungssteigerung)... schiebt sich immer mehr in den Vordergrund.“ Zwischen der SS und dem Reichsminister Speer entbrannte ein heftiger Kampf um die Häftlinge. Die SS betrachtete sie als ihr persönliches Eigentum und wollte sie allein ausbeuten. Aber die Herren der Rüstungsindustrie setzten sich durch— sie erhielten Arbeitssklaven aus den KZ geliefert. Gleichzeitig mel- deten Göring für die Luftwaffe und Admiral Dönitz für die Arbeit in den Werften ihre Ansprüche an. Auch sie erhielten Häftlinge. Die KZ wurden ungeheure Kräftereservoire für die Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie. Die Gestapo sorgte durch die Massenverhaftungen von Arbeitern und Arbeiterinnen für ständigen Häftlings-Nachschub. Zwangsverschleppte aus den überfallenen Ländern wurden in die KZ geschickt. Hitler und Himmler be- stimmten, daß nicht mehr alle Juden sofort ins Gas, sondern die jüngeren und gesünderen vorerst in die KZ zur Weiterleitung an die Rüstungsindustrie ge- schickt werden sollten. Ihre Vergasung wurde hinaus- geschoben. Die Justizbehörden wurden veranlaßt, kriminelle Gefangene aus den Zuchthäusern und Ge- fängnissen in die KZ zu überführen, damit sie dort— das wurde ganz offen gesagt— durch Arbeitseinsatz in den Rüstungsbetrieben vernichtet würden. Die Ge- stapo durfte KZ-Häftlinge nicht mehr entlassen. Die SS-Lagerärzte erhielten sogar den Befehl, dafür zu sorgen, daß weniger Häftlinge stürben, nachdem man festgestellt hatte, daß von 156 000 rund 70000 durch 59 den Tod ausgefallen waren. Himmler sagte dazu am 4. Oktober 1943 zynisch: „Die Tatsache, daß Dutzende, Hunderte und Tausende Gefangene an Erschöpfung und Hunger gestorben sind, ist zu beklagen nicht aus rassi- schen Gründen, sondern wegen des Verlustes an Arbeitskraft, den wir erlitten haben.“ Auch von den Ravensbrücker Frauen sollten un- zählige in den KRüstungsbetrieben elend zugrunde gehen. Vom Jahre 1942 an kamen fast täglich Direk- toren der verschiedensten Rüstungskonzerne, Privat- betriebe und Offiziere der Hitler-Wehrmacht zu Lager- kommandant Suhren, um Arbeitssklaven auszusuchen. Sie bezahlten an die Leitung des KZ für einen Facharbeiter pro Tag bis 1944 5,—, dann 6,— RM, für einen Hilfsarbeiter pro Tag bis 1944 2,50, dann 4,— RM. Bei solchen Löhnen ließ sich ein Riesen-Extraprofit für die Aktionäre der Rüstungskonzerne heraus- schlagen. Sie rissen sich um Häftlings-Arbeiter. Die Häftlinge selbst erhielten natürlich keinen Pfennig. Nach dem Krieg wurde die nachfolgende Statistik aus den Akten des KZ Buchenwald veröffentlicht. Ravensbrücker Frauen, die an die Rüstungsbetriebe verschachert wurden, mußten seitens der Industrie mit dem Arbeitseinsatz in Buchenwald verrechnet werden. Diese Zusammenstellung zeigt den Umfang des Extraprofits der großen Firmen mit aller Deutlich- keit. Im Monat Februar 1945 verrechneten: Zahl der Zahl der Firma Tage- Arbeits- werke stunden Allgem. Solvay-Werke Bernburg 1310 12 455 ATG, Leipzig 9 767 102 892 60 — Bayer. Abtert Dort verein Fabril Fabril GmbH Gehrt Gerät hause Hasag Hasag Hasag Hasag Hasag Heert Heere IG F: Junke Junke Kabe Neust Krupı Lipps Metal Polte Polte Rhein Wasa West; Lipps ‚NIE. triebe Justrie echnet mfang utlich- Zahl der Zahl der „Firma Tage- Arbeits- werke stunden Bayer. Motorenwerke, Abterode 3523 39 371 Dortmund-Hoerder Hütten- verein, Dortmund 11 940 121 620 Fabrik Allendorf GmbH 24 299 249 285 Fabrik Hessisch-Lichtenau GmbH 17 863 187 562 Gehrt, Penig 17 166 139 452 Gerätebau GmbH, Mühl- hausen(Thür.) 13 102 97 337 Hasag, Altenburg 48 277 539 752 Hasag, Leipzig 92 997 1.009 306 Hasag, Meuselwitz 24 994 270 774 Hasag, Schlieben 6 151 61 510 Hasag, Taucha 28 124 306 401 Heerbrandt, Raguhn 3 487 38 059 Heeres-Muna, Torgau 5 980 65 780 IG Farben, Wolfen 5 898 64 878 Junkers, Aschersleben 11 880 133 482 Junkers, Markkleeberg 34 116 375 276 Kabel- und Leitungswerke, Neustadt(Oder) 7521 84 298 Krupp, Essen 12 395 107 625 Lippstädter Eisen- und Metallwerke 19 403 200 596 Polte, Duderstadt 19 732 226 121 Polte, Magdeburg 47 772 525 492 Rheinmetall Borsig, Sömmerda 27 371 291 426 Wasag, Elsnig 2 824 31.000 Westf. Metall-Industrie, Lippstadt 7331 78141 Arbeitsstunden 5359 981 61 Auch die SS kam auf ihre Rechnung. Nach dem Kriege wurde eine„Rentabilitätsberechnung“ ver- öffentlicht: Täglicher Verleihlohn durchschnittlich 6,— RM abzüglich Ernährung 0,60 RM abzüglich Bekl. Amort. 0,10 RM durchschnittl. Lebensdauer 9 Monate = 270 X 5,30 RM—= 1431,— RM Erlös aus rationeller Verwertung der Leiche: 1. Zahngold 2. Kleidung 3. Wertsachen 4. Geld abzüglich Verbrennungskosten 2,— RM durchschnittlicher Nettogewinn 200,— RM Gesamtgewinn nach 9 Monaten 1631,— RM Dazu kam noch ein zusätzlicher Erlös aus Knochen- und Ascheverwertung. Man sieht an dieser„Rentabilitätsberechnung“, daß die faschistische Regierung in Deutschland, ihre SS und die Großindustrie völlig gleichlaufende Interessen in bezug auf die Häftlinge der Konzentrationslager hatten: sie schamlos und bis zur völligen Erschöpfung auszubeuten und dann ins Gas zu schicken. Lagerkommandant Suhren pflegte die Herren der Industrie in seinem Büro zu empfangen. Nach einem üppigen Essen und reichlichem Genuß von Alkohol aus der„Beuteware“ der SS ging er dann mit ihnen ins Lager. Auf der linken Seite der Lagerstraße stand eine Baracke mit der Bezeichnung„Arbeitseinsatz“. Hier wurden alle Arbeitskolonnen und-kommandos des FKL zusammengestellt. Der Arbeitseinsatz wurde ab 1944 von SS-Ober- scharführer Pflaum geleitet. Er war aus dem KL Dachau nach Ravensbrück gekommen und hatte von dort einen bewährten Schläger, den SS-Scharführer Heckendorf, mitgebracht. Gemeinsam mit der SS-Auf- seherin Schreiter und anderen Aufseherinnen war 62 auch Häftl absät: „Dre seine von 7 für( Berge In! samm Fraue indus sich stand von( den. fetzte Körp: gesch nicht solch« gebra Vie zur daß dinne allen Hoffr zu kc die ı und alleir Hilfe Der auf c Fami In Frau | dem ver- - RM auch hier ein typisches Prügelkollektiv tätig, das die Häftlinge mit der Faust ins Gesicht schlug, mit Stiefel- absätzen traktierte und sie„Mistbiene“,„Mistvieh“, „Dreckvieh“ und„Schmuckstück“ nannte. Pflaum und seine Mitarbeiter nahmen aktiv an der Aussortierung von Tausenden Ravensbrücker Frauen und Mädchen für die Vergasungskammern in Auschwitz, Lublin, Bergen-Belsen und Ravensbrück teil. In Ravensbrück wurde Transport auf Transport zu- sammengestellt. Manchmal verließen 4000 bis 6000 Frauen in einer Woche das Lager, um in der Rüstungs- industrie zu arbeiten. Vor dem Arbeitseinsatz spielten sich erschütternde Szenen ab. In endlosen Reihen standen die Frauen, um wie Vieh auf dem Viehmarkt von den Beauftragten der Industrie besichtigt zu wer- den. Welche Elendsbilder! Die schmutzigen und zer- fetzten Kleider baumelten um die ausgemergelten Körper, den meisten waren die Haare vollkommen ab- geschoren. Aber die Menschenhändler kümmerten sich nicht darum. Gelassen sortierten sie die Häftlinge in solche, die sie nicht mehr und solche, die sie noch gebrauchen konnten. Viele der Gefangenen drängten sich verzweifelt zur Arbeit in der Rüstung. Sie hatten erfahren, daß Tausende ihrer arbeitsuntauglichen Kamera- dinnen vergast worden waren. Sie wollten unter allen Umständen in die Munitionsfabriken, in der Hoffnung, dort der Vergasung am ehesten entgehen zu können. Auf der anderen Seite gab es Geschwister, die um keinen Preis voneinander getrennt werden, und Töchter, die ihre Mütter in Ravensbrück nicht alleinlassen wollten aus Angst, daß sie ohne ihre Hilfe dort um so schneller zugrunde gehen würden. Der SS-Oberscharführer Pflaum hatte es besonders auf diese Frauen abgesehen— mitleidslos riß er die Familien auseinander. In den letzten Monaten des Krieges brauchten die Frauen, die unbedingt in die Betriebe wollten, nicht 63 mehr darum zu betteln. Mochten sie noch so elend aussehen, sie wurden genommen. Inzwischen waren viele Millionen deutscher Menschen an den Fronten und durch Bombenangriffe zugrunde gegangen. Der Zustrom von Zwangsarbeitern aus den überfallenen Ländern war mit dem fluchtartigen Rückmarsch der deutschen Truppen versiegt. Millionen Menschen waren in den Gaskammern ermordet worden. Aber die Rüstungsmaschine lief weiter und brauchte Ar- beiter. Die Konzentrationslager lieferten sie bis in die Tage des Zusammenbruchs der Hitlerherrschaft. Die Lebensbedingungen in den Rüstungsbetrieben waren für die Häftlinge nicht besser als in den KZ. Hier wie dort hungerten und froren sie, hier wie dort waren sie den Schlägen der SS-Wachmannschaften und Aufseherinnen ausgesetzt. Einer der Rüstungskonzerne, die Ravensbrücker Frauen anforderten, war der Siemens-Halske-Kon- zern. Er beschäftigte Tausende von Häftlingen in seinen Berliner Werken, in Zwodau, einem Ort in der Tschechoslowakei, und in einem Arbeitslager, das er in Ravensbrück neben dem FKL erbauen ließ. Hilde Lohner, eine deutsche politische Gefangene, kam zusammen mit 1000 französischen Frauen und Mädchen im Mai 1944 nach Zwodau. Die Firma Sie- mens& Halske, Berlin-Hakenfelde, beschäftigte dort 1500 Häftlinge im Flugzeug-Apparatebau. Der Lager- führer, SS-Sturmbannführer Schneider, führte ein hartes Regiment und schlug zahllose Frauen erbar- mungslos nieder. Hilde Lohner berichtet: „Wir mußten den Betrieb und die Baracken für uns Häftlinge aufbauen. Als wir ankamen, existierte nichts. Wir kampierten Monate hin- durch in den fest verschlossenen Betriebshallen ohne Entlüftungsmöglichkeiten bei größter Hitze. Wir mußten um 3 Uhr 30 morgens aufstehen und erhielten einen Becher schwarzen Kaffee als Früh- stück. Um sechs Uhr begann die schwere Arbeit. Blick in einen Saal der Schneidereibetriebe der SS Tote Ravensbrücker Häftlinge, nach der Befreiung in einem Rüstungsbetrieb aufgefunden Lysozkowska, Maria Waohter, Be Sohoos, Wübkce Christens,Anna Serwand, Klaudie Golonke, Waria witjown, Adarkaı Strasburger,Narie $ovthrope ‚Violett. Erdely,Karoline reol Nelly Qötsl Anne Braun, Johanne Wrobel, Anielo Tillier, Ggenevieve Erdaann, Prieda Aurvay, Madeleine Sabrenko, Anna Larolewska,Tekla Szeydlowske, Tekla Stunpf ,Marlanue Kutsner, Alccendra trobbe Yvonne Bolegoryc-Rudnicka Prywinsko,Maria Kertesz, Arzebeth Falelulka, Anna Hirschler, Hosa Murozyhaka,Apolonia Argout,Martla Korel, Germenine Erbelin, Simone Pavlovioz, Vera Baoauiee, nes Böttcher, ide Medrzak, Daria Fauveau, Odette Kreba, Pauline Gely, Susanne Mihac, Aranke Dounet, Aimee Dulis, Keroline Rankov, Dusicos Boleslavska ‚Janina Ananitsch, Jekaterina Zagodzihske ,‚Stefania Niernach, Jadvige banska, Ur Joldenusk, rn Gutowska, age Beelen, Irene Pischerova, Milena Yeges Juliette Rusek, Helene Cormwrais, Anne Kränser, Miohaline Sohulz, Hedwig, Stern, Magda Rogenske, Agnes Ceran, Maris - blatt 5- Polin Polic Deutscho Doutsohs Pranzösin polin Russin Polir Fransösin Zigeuneriu Pranzösin Deutsohe Dautsoho Polin Fıanzüsin Deutsohe Frauzösin Russin Polin Polin Deutsche polin Engländerin in Preansdsir Deutsohe V,-Jug. ? Yolin Aus einer Liste vergaster Häftlinge PNO sohleohter Verlauf 15 Jahre, Tbo Verdacht Lagerentlassen, - y Proc, ro corun er Zustand ‚Nachtälast et geisteskrank Geisteskrank Hysteria [% Re,5eite speo.Inf. D PNO sehr gut Invalide Lagerentlassen Tbo PerilInf.bäs /Eillbogen kein Tbo Ostr.post,Operat, kein Tbc Psemeritium osse, Daumen Anputation Tbo Verdacht Tbo Verdacht Hilue verbreitet,kein Tbc Tbo Verdacht Tbo Verdacht Tbo Proc. Re Tbo Verdacht Tbo päln, Geisteskrank ER: Tbo Verdacht kilus versoh, 2bo Pula. 17 Jahre Speo.Proo,. rc Stat,port.Pleuroerguss Tbo rc Corum sehr g.Zusten! geisteskrank . ro bas Speo.Proo.li.verbeasert c Verdacht Verdacht Verdacht guter Verlauf Verdacht Int.Oberl, destr.In?. Verdaoht PNO spec Verdacht Verdacht Verdacht Verdacht Verdaoht Kill versohättet Tho Plcuss bds bw. Pros, ‚Albogen Operst, in 0858, Völlig ausgehungerte Gefangene, von der SS„Schmuckstück“ genannt Im Krematorium ssert 2 Der Erschießungsgang Um zwölf Uhr erhielten wir das erste Essen: Wassersuppe, die wir im Winter stehend in der Kälte vor der Betriebshalle einnehmen mußten. Wenn wir um neunzehn Uhr von der Arbeit ge- kommen waren, standen wir unter Schlägen und Beschimpfungen der SS-Aufseherinnen eine oder zwei Stunden Appell wie in Ravensbrück, und erst dann erhielten wir unser Abendessen: wie- der Wassersuppe und ein Stück Brot. Die Antreiberei im Betrieb war furchtbar. Die Meister waren Zivilisten. Da ihr Lohn sich da- nach richtete, welche Leistung sie aus den Häft- lingen herausholten, beteiligten sie sich an den Brutalitäten der Aufseherinnen und des Lager- leiters. Wer trotz Nachhilfe mit Schlägen sein Bensum nicht schaffte, mußte in den Außendienst. Dort wurden im strengsten Winter ohne Hand- schuhe und in Holzpantinen Steine gekarrt, Holz und Kohle transportiert, Gräben aufgerıs- sen usw.“ Wie alle Kriegsverbrecher behaupteten auch die Direktoren der Siemenswerke in den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen, daß sie von dem Elerd ihrer KZ-Sklaven rein gar nichts gewußt hätten. In Wahrheit wußten sie nur zu gut Bescheid. Sie sahen den jammervollen Zustand der Häftlinge Tag für Tag in ihren Betrieben. Sie wußten aus ihren Arbeits- lagern in Auschwitz, daß diejenigen, die sie als„un- brauchbar“ in die KZ zurückschickten, dort vergast wurden. Sie wußten von den schweren Mißhana- lungen durch die SS, denn sie hörten in ihren Be- triebslagern das Schreien und die Hilferufe der ge- quälten Menschen. Aber was kümmerte sie das? Sie brauchten Arbei- ter und damit basta. Sie sorgten nicht für Abhilfe, ob- wohl sie das gekonnt hätten. Sie ließen die Häftlinge vor ihren Augen verhungern. Welch unverschämter Hohn auf die Gefangenen war es, als einer ihrer 5 65 Direktoren in Nürnberg es als ein Verdienst der Sie- menswerke hinstellte, daß „werkseitig keine Einwendungen dagegen erI- hoben wurden, daß die Häftlinge in der kälteren Jahreszeit mit im Werk vorhandenen Materialien (Isolierpapier, Putztücher u. dgl.) ihre für den Winter durchaus ungenügende Oberbekleidung ergänzten!“ Die Siemenswerke begannen 1942 mit der Ausbeu- tung der Ravensbrücker Frauen. Im Jahre 1943 hatten sie neben dem FKL eine Produktionsstätte mit zwan- zig großen Arbeitshallen errichtet, in denen sie 3000 Frauen beschäftigten. Eine von ihnen, Yvonne Usel- dinger, eine tapfere Luxemburger Antifaschistin, be- richtete nach ihrer Befreiung: „Siemens verlangte Präzisionsarbeit an Hand- spulen und elektrischen Maschinen, die für Flug- zeuge und für die V-Waffen hergestellt werden mußten. Unter uns waren viele Häftlinge unter fünf- zehn Jahren, auch in der doppelt anstrengenden Nachtschicht. Sie weinten verzweifelt nach ihren toten Müttern, wenn sie geprügelt und angeschrien wurden. Viele Häftlinge erhielten Schläge, wenn sie die Anweisungen der zivilen Meister und der SS-Aufseherinnen nicht befolgen konnten, weil sie die deutsche Sprache nicht verstanden. 1943 wurde Nachtarbeit eingeführt. Welche Qual war das für die Frauen und Kinder, die ver- zweifelt gegen ihre Müdigkeit und den Hunger ankämpften! Ständig wurden sie mit Prügel- strafe und Bunker bedroht. Die Aufseherinnen machten Hunderte von Meldungen an den Lager- kommandanten. Herr Grade, der Werkleiter, drohte mit dem Abschalten des Stroms, wenn das Pensum nicht geschafft werden konnte. Alle Häft- linge wußten, daß das als Streik ausgelegt wor- den- wäre und daß sie dafür unweigerlich in den. ' Sie- Strafblock, den Arrest oder in die Vergasung gehen würden. 1 er- — Oft mußten wir in eisiger Kälte stundenlang Bin ‚Strafe stehen’ und anschließend ohne Essen zur den Schicht gehen. Wir hatten eine Stunde Mittags- dung pause. Als wir noch nicht in den Baracken des Siemenslagers ‚wohnten‘, mußten wir ins FKL Fan zum Mittagessen, zwanzig Minuten hin und zwan- ER zig Minuten her. Blieben zwanzig Minuten zum En: Essen. Natürlich konnten bei dem furchtbaren 3000 Gedränge in den Häftlingsbaracken Hunderte ihre Use Essenration nicht bekommen und gingen für die- va sen Tag ohne Nahrung arbeiten. Unsere Kräfte s sanken so sehr ab, daß die Firma Siemens einige Baracken in ihrem Gebiet aufstellen ließ. Am Hand- 3. Dezember 1944 zogen 3000 Häftlinge dorthin = um. Die Baracken waren noch primitiver als im erden FKL. Es gab keine Aufenthaltsräume und für alle . 3000 Frauen einen lachhaft kleinen gemeinsamen fünf- Waschraum! Die Toiletten bestanden aus einem enden fünfzehn Meter langen Graben mit einem dar- or über liegenden Brett. Sie durften nur zu be- rien stimmten Zeiten, gruppenweise und unter SS- wenn Aufsicht benutzt werden. 1d der Es gab viele Tote im Siemenslager. Der Typhus we und die Tuberkulose wüteten unter uns. Es gab kaum Medikamente, kein Papier, kein Verbands- e Qual zeug. Auch unter den Siemens-Arbeiterinnen e vel- wurden Selektionen für die Gaskammer durch- Junger geführt,“ pi Eine Französin, Madame M. Bontemps, hörte, wie rinnel bei einer Besichtigung der Siemenswerke einer der Lager- Direktoren sagte: kleiter‘,„Ich kann mich nur wundern, daß diese Menschen nn das unter diesen Bedingungen solche gute Arbeit leisten.“ e Häft- Der Hunger und die Angst vor Mißhandlungen und t ge vor dem Gas waren auch hier die Peitsche für die in Arbeitsleistung der Häftlinge. >” 67 Unter den vielen Dutzend Rüstungsbetrieben, die Ravensbrücker Frauen beschäftigten, war auch die Firma„Universelle“ in Dresden. Bei ihr arbeiteten 3000 Zwangsarbeiter, darunter etwa 800 Frauen. Rita Sprengel, eine deutsche Politische, die dort gearbeitet hatte, erzählte: „Wir waren im Spätherbst 1944 ohne Strümpfe aus Ravensbrück gekommen. Wir erhielten auch während des ganzen langen Winters keine Strümpfe von der Lagerleitung. Die meisten Häftlinge trugen Tanzkleider, Sommerkleider und Sommerwäsche der in Auschwitz Vergasten. Nie, bis zur Bombardierung des Betriebes, erhielten wir eine zweite Garnitur Wäsche oder ein Kleid zum Wechseln. Im Gegenteil: Am sogenannten Heiligen Abend wurde einigen Häftlingen ihre einzige Garnitur, die sie endlich einmal waschen wollten, bei einer plötzlichen Kontrolle der Säle durch die SS weggenommen. Von Oktober bis 13. Februar kamen wir nicht eine einzige Stunde an die frische Euft. Wwır arbeiteten in zwei Schichten zu je zwölf Stunden mit einer halben Stunde Essenpause. Das Essen bestand aus Brot und Suppe wie in Ravensbrück. Wir hatten nie Ruhe zum Schlafen, da es keine Tagesräume gab. Das führte zu einer völligen Er- schöpfung der Frauen. Bei den schweren Luftangriffen auf Dresden mußten wir Häftlinge bis Anfang Februar in unseren Schlafräumen unmittelbar unter dem Dach bleiben, von der SS eingeschlossen, die selbst in die Luftschutzbunker ging. Bei der Bom- bardierung am 13. Februar 1945 wurde der Be- trieb ‚Universelle schwer getroffen. Etwa die Hälfte der Häftlinge wurde dabei getötet oder verwundet.“ Diese hier angeführten Tatsachen sind nur wenige Beispiele dafür, wie die Rüstungsgewaltigen Hitler- 68 deutse ihren selten beute! lionen Jed: an lar Ärzte des F ke] de Auc Mens: Hilfe vier, blütig heiler Ärzte endet und} weiße darau n, die h die :iteten . Rita e. "Deitet ümpfe \ auch keine jelsten er und n. Nie, hielten Kleid annten n ihre aschen deutschlands die Häftlinge der Konzentrationslager in ihren Betrieben bis zur völligen Erschöpfung, nicht selten sogar bis zur physischen Vernichtung aus- beuteten. Auf ihr Konto kommt der Tod von Mil- lionen Zwangsarbeitern. KRANKENREVIER INRAVENSBRÜCK Jeder Mensch denkt bei dem Wort„Krankenrevier“ an lange, stille Gänge, saubere, weiße Betten, tüchtige Ärzte und freundliche Schwestern. Für die Häftlinge des FKL Ravensbrück war das Revier wie jeder Win- kel des Lagers ein Ort der Angst und des Schreckens. Auch hier gab es lange Gänge, aber sie waren voller Menschen, die wußten, daß sie hier so gut wie keine Hilfe für ihre Leiden finden würden, daß dieses Re- vier, wie alle anderen Einrichtungen der SS, der kalt- blütigen und planmäßigen Vernichtung diente. Nicht heilen, sondern töten war die von SS-Schwestern und Ärzten übernommene Aufgabe. Hier begann und endete die Aussortierung nach Noch-brauchbar-sein und Nicht-mehr-brauchbar-sein. Hier bekam man eine weiße Karte, und die Eintragungen, die der SS-Arzt darauf machte, entschieden: Rüstungsarbeit oder Ver- nichtung auf die eine oder andere Art. Ärzte und Schwestern wurden hier zu Massenmördern, statt zu Helfern der leidenden Menschen. An vier Tagen in der Woche durften die am schwer- sten Kranken in die Revierstunde kommen— falls die SS-Aufseherin sie als Kranke gelten ließ. Der lange Gang stand dann voller Elendsgestalten, die sich kaum aufrecht halten konnten. Sie standen still und apa- thisch und warteten auf den Beginn der„Behandlung“. Der hing davon ab, wann Ärzte und Schwestern im Zimmer der Oberschwester mit dem Kaffeetrinken fer- 69 tig waren. Dann marschierten die Frauen, eine nach der anderen, am Arzt vorbei. Sie hatten Angst, für die Vernichtung aussortiert zu werden, und wagten nicht, den ganzen Umfang ihrer Leiden anzugeben. Nur wenn sie mindestens 39 Grad Fieber aufweisen konnten, gab es eine„Bettkarte“ und damit die Er- laubnis, im Bett zu bleiben. Aufnahme im Revier selbst setzte eine sehr schwere Krankheit voraus. Sie war gefürchtet, weil hier Vernichtung drohte. Alle anderen Kranken erhielten einen Papierverband, Aspirin, und wenn es hoch kam, eine Kopfschmerz- tablette. Häftlinge, die nicht deutsch sprechen konnten, aus dem Strafblock kamen oder gar Jüdinnen waren, gin- gen nur in äußersten Notfällen ins Revier, weil sie be- sonders fürchten mußten, Eintragungen auf ihrer Karte zu bekommen, die über kurz oder lang ins Krematorium oder ins Gas führten. Schwerkranke wurden von Dr. Sonntag mit seinen SS-Stiefeln be- arbeitet. Er wühlte mit seinem Stöckchen in den eitern- den Wunden. Dr. Schiedlausky, Dr. Oberheuser und andere Ärzte und Schwestern beschimpften die kran- ken Frauen„menschliche Laus“,„Schmuckstück“, „elendes Schwein“,„rote Sau“,„Biest“ und„Mist- biene“. Sie schlugen und pufften die Kranken. Die Größe des Reviers stand in keinem Verhältnis zu den Bedürfnissen des Lagers. Oft waren 30 000 bis 40 000 Frauen gleichzeitig in Ravensbrück, und diesen völlig entkräfteten, durchweg kranken Frauen stan- den Behandlungsräume und medizinische Ausrüstun- gen zur Verfügung, die höchstens für den zehnten Teil ausgereicht hätten. In den Krankenbaracken, die im Laufe der Zeit eingerichtet werden mußten, lagen die Kranken oft ohne Bettwäsche, ohne Nachthemd, in schmutziger Wäsche und erhielten die gleichen Hungerrationen wie alle anderen Gefangenen. Rosa Thälmann, die tapfere Frau Ernst Thälmanns, des großen Sohnes der deutschen Arbeiterklasse, 70 Ie nach Ist, für wagten ügeben, [weisen mußte einmal in einem solchen Block liegen. Sie erinnert sich: „Ich erlebte das ganze Elend dieses Kranken- blocks. Keine Medikamente, kein Verbandszeug für die eiternden Wunden, keine Taschentücher, ee kaum das notwendigste Essen, immer Hunger und Bi nochmals Hunger. Die ganze Nacht rufen die ü Alle Frauen nach den Schiebern, die Betten werden ni schmutzig gemacht. die Luft ist verpestet. Leichen fallen aus den Betten, wenn die daneben liegen- = den Fieberkranken sie beiseite stoßen. Als es mit u Hannchen, einer kleinen Stuttgarterin, zu Ende Sr gehen will, wird ihr bereits das Hemd ausgezogen ” en und das schmutzige Laken vom Bett gerissen. Die ara Oberschwester Elisabeth Marschall gibt diese An- Mai ordnung und kontrolliert ihre Durchführung. DB ADa Nackt und bloß liegt Hannchen auf dem Stroh im kranke eigenen Kot. eln be- Im Waschraum neben unserem Krankenzimmer ‚eilern- liegen täglich viele Leichen kreuz und quer durch- r und einander, abgemagert bis zum Skelett. Man sieht e Kran- nur noch Knochen, die mit Haut überzogen sind. stück“, Teilweise haben die Ratten den Toten die Augen „Mist- ausgefressen, die Hände angenagt. Es ist eın grauenvoller Anblick, den man niemals mehr im rhältnis Leben vergessen kann.“ 000 bis j diesen TUBERKULÖSE SIND ABZUSCHREIBEN Der Hunger, die Kälte und die schwere Arbeit mach- ten viele Ravensbrücker Frauen und Kinder tuber- kulös. Im Winter 1944/45 lagen rund 500 dieser er- barmungswürdigen Geschöpfe im Block 10. Die SS- Ärzte schickten dorthin neben wirklich Tuberkulose- kranken auch viele Häftlinge, die an ganz gewöhn- 71 lichen Erkältungskrankheiten, Grippe oder Angina, litten und sich erst dort im Block infizierten. Hier sollten die Kranken nicht geheilt, sondern für die Vernichtung gesammelt werden. Das zeigt die„Arbeits- anweisung“ der SS-Oberschwester Marschall: „Häftlinge, die auf Block 10 kommen, sind bis auf wenige Fälle abzuschreiben. Diätnahrung und Medi- kamente sind dort Verschwendung.“ In den Erinnerungen der Blockältesten von Block 10 findet sich folgende Aufzeichnung: „Wir hatten 500 Tuberkulöse. Vier und sogar fünf Kranke lagen in zwei Betten, viele mit Durchfall oder Darmtuberkulose. Die SS-Ärzte kamen nur selten zu einer oberflächlichen Visite. | Die Behandlung der Kranken hatten Häftlings- ärztinnen und-pflegerinnen zu besorgen. Aber sie hatten im ganzen Block keinen Untersuchungs- raum. mußten in den obersten Betten direkt unter dem Dach in fast völliger Dunkelheit untersuchen und den Kranken Injektionen geben, wenn solche überhaupt möglich waren. Die Oberschwester stellte für die vielen Bedürftigen täglich nur einige Aspirintabletten, und, wenn es hoch kam, ein bis zwei Ampullen Calcium, fast nie andere Medika- mente, zur Verfügung. Die SS-Aufseherinnen weigerten sich, uns frische Bettwäsche für die Tuberkulösen zu geben. Die Strohsäcke faulten ständig durch, weil wir natürlich keine Gummiunterlagen bekamen. Kot und Urin träufelten auf die unten Liegenden. Die Kranken erhielten. wie alle Häftlinge im Lager, Tag um Tag Steckrüben-Wassersuppe und ein Stück klebriges Brot. Nur verschwindend wenige bekamen von Zeit zu Zeit eine dünne Milchsuppe. Zweihundert Tuberkulöse mußten in einem ein- zigen Raum schlafen, essen, ihre Notdurft ver- richten. Die Fenster konnten oft nicht geöffnet werden. Die Kranken hatten nur selten einen u, au ae Au kulos „dio Ärzte Lage: liebs: Wunc ledig lich( Loi Block Rave s t s De Frau lou] Fenst Be dem Wareı rzte Visite, tlings- ger sie 1ungs- unter suchen solche wester einige bis ika- Spucknapf für ihren Auswurf, kein Taschentuch, kein Papier. Zeitweise hatten wir für alle 500 Kranken nur ein einziges Fieberthermometer zur Verfügung. Wir hatten bis zu sechzehn Tote täglich. Viele unserer Kranken waren so schwach, so apathisch, daß sie neben den Toten in den Betten liegen- blieben, ohne den Pfiegerinnen etwas zu sagen. Die Grenzen zwischen Tod und Leben hatten sich in diegem Inferno völlig verwischt.“ DAS> IDITOMEINSITIOFBICHEREIN Auf Block 10 gab es, Wand an Wand mit den Tuber- kulosekranken, einen kleinen Raum, von der SS das „Idiotenstübchen“ genannt. Hierher schickten die Ärzte alle Geisteskranken und Geistesschwachen des Lagers. Es kamen aber auch völlig Normale, die un- liebsam aufgefallen, die alt und deshalb ein wenig wunderlich waren, und manchmal auch Gefangene, die lediglich den gleichen Namen hatten wie eine tatsäch- lich Geisteskranke, die in den Block 10 kommen sollte! Loulou le Porz, eine französische Ärztin, die in Block 10 arbeitete, erzählte im Prozeß gegen die Ravensbrücker SS-Ärzte in Hamburg: „Im Winter 1945 wurden fünfzehn jugoslawi- sche, nicht geisteskranke Frauen im Alter von 72 bis 85 Jahren in das Stübchen eingewiesen. Alle starben an Erfrierungen nach wenigen Tagen.“ Der Lagerarzt Dr. Treite hatte verboten, diese Frauen aus dem Stübchen herauszuholen, obwohl Lou- lou le Porz ihm gesagt hatte, daß es dort keine Fensterscheiben gäbe. Bereits 1944 wurden 68 Geisteskranke vergast, nach- dem sie von einer Ärztekommission angesehen worden waren. 73 Der Gestapochef des FKL Ravensbrück, Ramdor, sie Me hatte dafür gesorgt, daß einer seiner Spitzel 1944 lichen‘ Blockälteste im Block 10 wurde. Mit Hilfe dieses ihre O „schwarzen Teufels“ wurden im„Idiotenstübchen“ und d Verhältnisse geschaffen, die die ganze Unmenschlich- Jose N keit des faschistischen Systems erkennen ließen. Im Weise Hamburger Prozeß würde darüber ausgesagt: In d „In einem Raum von fünf Schritt Breite und 16. Au zehn Schritt Länge wurden bis zu 85 Geistes- Häftlir kranke bei halber Kost zusammengesperrt. Im Tschec Auftrage der SS-Ärzte und der Oberschwester sie köl Marschall wurden sie völlig nackt, ohne Schlaf- nische decken, ohne Strohsäcke, Körper an Körper ge- krank: preßt. in diesen Raum gezwängt, in dem keinerlei Bei de Ventilation vorhanden war. Vor den Fenstern Wund: wurden dichte Läden angebracht, die nur einen mit bi schwachen Lichtschimmer durchließen. Viele der kramp Kranken hatten Kotphantasien, beschmierten sich Me und ihre ganze Umgebung. Andere schrien, san- Frauer gen und tobten Tag und Nacht. Die Oberschwester zelne verbot, den Ofen im Winter zu heizen, angeblich, und ur damit keine der Kranken sich verbrennen könne, Knoch in Wahrheit, um ihren Tod schneller herbeizu- knoche führen. Diejenigen, die gestorben waren, blieben war.d neben und zwischen den Lebenden stehen. Fün Alle diese Kranken gingen auf Vernichtungs- der Or transport, erhielten eine tödliche Injektion oder liche| wurden in Ravensbrück vergast.“ heutig tionen wurde MENSCHEN ALS VERSUCHSTIERE Er Gebha einiger Im Hochsommer 1942 herrschte in Ravensbrück Herta Angst und Schrecken. Es war bekannt geworden, daß stellte im Revier furchtbare Dinge passierten. Die Menschen- Operje verachtung der deutschen Faschisten führte dazu, daß befanc 74 ıwester Schlaf- per ge- einerlei enstern r einen iele der ten sich an, Sal- hwester geblich, -htungs- on oder ‚RE nsbrück den, daß enschen- lazu, dab sie Menschen an Stelle von Tieren zu„wissenschaft- lichen“ Experimenten mißbrauchten. Sie suchten sich ihre Opfer in den Konzentrationslagern Deutschlands und der überfallenen Länder. Viele Tausende wehr- lose Männer, Frauen und Kinder fanden auf diese Weise einen qualvollen Tod.; In der Zeit zwischen dem 1. August 1942 und dem| 16. August 1943 wurden in Ravensbrück 74 polnische Häftlinge, drei Deutsche, eine Jugoslawin und eine Tschechin unter Gewaltanwendung operiert, obwohl sie körperlich gesund waren. Abgesehen von den pol- nischen Häftlingen handelte es sich dabei um geistes- kranke Frauen. Es gab zwei Arten von Operationen. Bei der ersten wurden den Häftlingen in Narkose tiefe Wunden an den Beinen beigebracht, die anschließend mit bösartigen Geschwülsten oder Gasbrand-Starr- krampferregern infiziert wurden. Die andere Opera- tionsart bestand darin, daß die Unterschenkel der Frauen mit Hammer und Meißel gebrochen und ein- zelne Knochenstücke des rechten Beines in das linke und umgekehrt verpflanzt wurden, oder daß die Ärzte Knochenspäne in das Schienbein oder den Schulter- knochen einsetzten. Die Absicht bei allen Operationen war, den Heilungsprozeß zu studieren. Fünf der polnischen Frauen starben an den Folgen der Operation. Alle Geisteskranken erhielten eine töd- liche Evipanspritze. Die Überlebenden leiden bis zum heutigen Tage schwer an den Folgen dieser Opera- tionen, am meisten die Frauen, die mehrmals operiert wurden. Die Leitung dieser Operationen hatte der Chefarzt der Krankenanstalten von Hohenlychen, Professor Dr. Gebhardt. Er wurde von SS-Arzt Dr. Fischer und einigen anderen unbekannten Ärzten unterstützt. Dr. Herta Oberheuser, eine Bestie in Menschengestalt, stellte die Listen derjenigen Frauen zusammen, die operiert werden sollten./ Unter ihren ersten Opfern befanden sich Häftlinge aus einem Transport von 75 Polinnen, der im September 1941 in Ravensbrück ein- getroffen war und bei dem sich viele Gefangene be- fanden, die mit einem Todesurteil ins Lager kamen. Dr. Gebhardt wurde von den SS-Lagerärzten Herta Oberheuser, Dr. Rolf Rosenthal und Dr. Schiedlausky bei den Operationen assistiert. Natürlich nahmen auch die SS-Schwestern aktiv daran teil. Einige der Frauen, die sich der Operation energisch zu widersetzen versuchten, wurden von der SS mit Gewalt in den Zellenbau geschleppt, narkotisiert und auf einem einfachen Tisch operiert. Sie trugen dabei noch ihre schmutzigen Arbeitskleider, und ihre Beine wurden vor der Operation nicht einmal gewaschen. Stanislawa Cz., eines dieser„Kaninchen“, schildert die schrecklichen Vorgänge in ihren Erinnerungen: „Ich wurde von einer SS-Aufseherin aus der Schneiderei abgeholt und ins Revier sebracht. Nach und nach kamen noch elf andere Frauen da- zu. Wir lagen in einem Zimmer mit zwölf Betten. Am Tage nach uns kam eine völlig gesunde Ukrainerin. Sie wurde um fünfzehn Uhr zur Operation geholt. Nach zwei Stunden kam sie be- wußtlos zurück. beide Beine in Gips. Später wur- den zwei Polinnen, Maria C. und Maria G., ge- holt. Sie kamen um elf Uhr wieder, die Beine ver- bunden, völlig bewußtlos und sehr unruhig. Drei Tage später wurde Rena H. gebracht, und am nächsten Tag wurden wir beide operiert. Wir hatten schreckliche Schmerzen in den Beinen und hohes Fieber. Ich war zehn Stunden bewußtlos und dann zu schwach, um zu sprechen.“ Die junge Ukrainerin, von der Stanislawa Cz. spricht, starb wenige Stunden später unter grauenhaften Schmerzen. Ihr blauschwarz verfärbter Fuß wurde amputiert, und Prof. Dr. Gebhardt nahm ihn, in ein weißes Leinentuch eingewickelt, zur Untersuchung mit nach Hohenlychen. 76 ser SS mit 'ert und n dabei e Beine vaschen. Ilse Dolanskä, ein tschechischer Häftling, der in die- ser Zeit im Revier arbeitete, schreibt: „Einer Frau wurde ein Arm ohne Narkose ab- genommen. Man nahm an ihrer Schulter eine Knochentransplantation vor und spritzte in die Wunde Wundbrandbazillen. Anschließend verließ Professor Gebhardt das Revier mit einem läng- lichen Paket. Darin hat sich sehr wahrscheinlich der amputierte Arm befunden. Die Frau habe ich einige Tage später im Sarg liegend wieder- erkannt.“ TAUSEND STERILISIERUNGEN TDAGELEICH Es gab im Winter 1944/45 so manches kleine Zigeu- nermädchen, das freudestrahlend erzählte:„Wir wer- den fortgehen, wir gehen nach Hause!“ Ein paar Wochen später lag das gleiche dünne Geschöpfchen schreiend vor Schmerzen mit anderen auf den Gängen des Reviers. Was war geschehen? Es gab da einen sogenannten Wissenschaftler, Pro- fessor Dr. Clauberg. Der hatte es übernommen,„fort- pflanzungsunwürdige Frauen“ zu sterilisieren. Ge- meint waren damit alle jüdischen Frauen, alle Zigeunerinnen, die Frauen und Mädchen der slawi- schen Völker; Millionen sollten unfruchtbar gemacht werden! Dr. Clauberg hatte dem Reichsführer Himm- ler vorgeschlagen, ihm Häftlinge für seine Versuche zur Verfügung zu stellen. Natürlich hatte er sie be- kommen. 300 Ravensbrücker Häftlinge waren nach Auschwitz geschickt und unter furchtbaren Schmerzen sterilisiert worden. Der Frauenschänder Clauberg konnte seinem Reichsführer am 7. Juli 1943 auf die 77 Frage, wieviel Frauen er an einem Tag sterilisieren könne, antworten: „Von einem entsprechend eingeübten Arzt an einer entsprechend eingerichteten Stelle mit viel- leicht zehn Mann Hilfspersonal(die Zahl des Hilfspersonals der gewünschten Beschleunigung entsprechend) höchstwahrscheinlich mehrere hun- dert— wenn nicht gar 1000— an einem Tage!“ Als Auschwitz von der Roten Armee befreit war, verlegte die SS die Versuchs-Sterilisierungen nach Ravensbrück. Man holte sich ein paar hundert Zigeunerinnen und versprach ihnen die Freiheit, wenn sie sich bereit erklärten, sich sterilisieren zu lassen. Dabei trat man an solche Frauen heran, die gerade zusammen mit ihren Männern und Jungen aus Ausch- witz gekommen waren, welche nebenan im Männer- lager saßen. Diese Frauen litten furchtbar unter der Trennung von ihren Familien. Natürlich kannten sie nur ein Bestreben: heraus aus der Hölle von Ravens- brück! Genauso dachten ihre Männer, die man eben- falls veranlaßte, sich sterilisieren zu lassen. So sehr die erfahrenen Ravensbrücker Häftlinge des Reviers die Zigeunerinnen warnten— sie gingen in die Kom- mandantur und machten ihr unbeholfenes Kreuzchen hinter die erschlichene Zustimmungserklärung. Sogar für ihre kleinen Töchter gaben sie die Einwilligung, die ihnen die SS abverlangte. Nun konnte auch dieses Verbrechen seinen Lauf nehmen. Die entmenschte Dr. Oberheuser entfernte bei den Zigeunerinnen ein Sekret aus den Eierstöcken. Die kleinen Mädchen wurden dabei defloriert. Ihr durchdringendes Jammern war weit in die Lager- straße hinein zu hören. Dann erschien der Röntgen- spezialist Professor Schumann. Assistiertt von den Lagerärzten Dr. Treite, Dr. Oberheuser, Dr. Rosenthal, Dr. Orendi und einigen SS-Schwestern, nahm er die Sterilisierung vor. Uterus und Eileiter wurden danach mit einer Kontrastflüssigkeit gefüllt. Dann wurde eine 78 Röntg Behaı darur verst: vielm Trans Ein an de nicht abnal Zuers dabei Dafüı 200,5 SS-M Als c Opfer nach dann und: linge Fraue verfa VE Skı Untat nach nach „End Tottuı wurd Ab euzchen ‚. Sogar lligung, ar) Lauf ntfernte stöcken. ert. Ihr ‚ Lager- töntgen- ‚on den ‚senthal, n er die . danach rde eine Röntgenaufnahme gemacht. Dieser unmenschlichen Behandlung fielen etwa 140 Zigeunerinnen zum Opfer, darunter bereits kleine achtjährige Mädchen! Selbst- verständlich wurden sie nicht entlassen. Sie gingen vielmehr im März oder April mit einem der großen Transporte, der sich im Nichts verlor, aus dem Lager. Ein weiteres Zeugnis dafür, wie sich die SS-Ärzte an der organisiegten Zermürbung und endlichen Ver- nichtung der KZ-Häftlinge beteiligten, ist die Blut- abnahme bei vielen hundert Ravensbrücker Frauen. Zuerst holten sie sich„Freiwillige“. Ihr Köder war dabei eine Extraration Brot, Wurst, und Margarine. Dafür ließ sich so mancher ausgehungerte Häftling 200, 300 und sogar 500 ccm Blut für Transfusionen bei SS-Männern und verwundeten Soldaten abnehmen. Als die Ärzte sahen, wie verhältnismäßig leicht sie Opfer fanden, setzten sie die Extrarationen nach und nach bis auf eine Kelle dünner Milchsuppe herab. Und dann gingen sie zur zwangsweisen Blutentnahme über und suchten sich aus den Reihen der Strafblockhäft- linge neue Opfer. Diese Blutabnahmen bezahlten viele Frauen und Mädchen mit einem beschleunigten Kräfte- verfall und mit ihrem Tod. VERNICHTUNG VON SCHWANGEREN UNDSÄUGLINGEN Skrupellos häuften die deutschen Faschisten eine Untat auf die andere. Viele Frauen kamen schwanger nach Ravensbrück. Waren es Jüdinnen, gingen sie nach Auschwitz oder Lublin in die Vergasung— zur „Endlösung der Judenfrage“, d. h. zur völligen Aus- rottung des jüdischen Volkes. Mit Zigeunerinnen wurde nicht anders verfahren. Aber es gab auch eine große Anzahl von Frauen, die 79 wegen eines Verhältnisses mit einem polnischen oder sowjetischen Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangenen ins FKL kamen und von diesen Männern Kinder er- warteten. Diese Kinder sollten nicht zur Welt kom- men. Der Lagerarzt Dr. Rosenthal übernahm es, an vielen unglücklichen Frauen zwangsweise Abtreibun- gen durchzuführen. Die erste Frau, die er behandelte, wurde, nachdem man ihr eine Anzahl Tabletten zu schlucken gegeben hatte, für zwei Stunden unter einen Heißluftkasten mit zehn Heizkörpern gelegt. Aber Mutter und Kind überlebten, entgegen den Er- wartungen der Ärzte, diese Tortur. Ein paar Tage später kam ein kräftiger, gesunder Junge zur Welt. Das Kind wurde erstickt und verbrannt. Dr. Rosenthal hatte eine Geliebte. Gerda Quernheim war Häftling und trug den roten Winkel der Politi- schen. Sie kam ins Lager, weil sie angeblich Dr. Goebbels beschimpft hatte. Gehaßt und verachtet von allen anständigen Häftlingen, ließ sie sich mit dem SS-Arzt ein. Mit ihm gemeinsam tötete sie ungezählte Neugeborene. Sie„half“ bei den Entbindungen. Im Einverständnis mit Dr. Rosenthal nabelte sie die Kleinen nicht ab. Sie legte das Neugeborene in eine Schachtel und trug es in die Heizungsanlage des Bun- kers, um es dort zu verbrennen. Die Schwangeren hatten noch eine andere gefähr- liche Feindin, die SS-Oberschwester Elisabeth Mar- schall. Sie zwang die tödlich erschöpften Schwangeren noch im 8. und 9. Monat zu schwerer körperlicher Arbeit. Gleich nach der Geburt mußten die Frauen wieder zum Sandschippen, an die Straßenwalze, zum Kohlenabfahren oder in die SS-Betriebe. Nur zum Stillen durften sie rasch in den Block laufen. Sie hätte ihnen zusätzliche Nahrung und Milch für ihre ver- hungernden Säuglinge verschaffen können, aber sie rührte keinen Finger. Für die Marschall waren die Häftlinge samt und sonders Untermenschen und dar- 80 en oder ngenen der er- t kom- ‚es, an reibun- andelte, tten zu ı unter gelegt. den Er- ır Tage ır Welt. ernheim r Politi- ngeblich erachtet mit dem gezählte Katja Niederkirchner Tilde Klose Rosa Menzer Rosa Thälmann Käte Leichter um zu vernichten. Hilde B., eine deutsche Politische, kann sich erinnern: „Die Marschall schickte Schwangere und Mütter mit Säuglingen auf Transport, angeblich nach Bergen-Belsen(der Befehl kam am Ostersonntag für 250 Mütter, Säuglinge und Schwangere, da- von etwa 100 aus Block 8). Ich mußte selbst mit auf den Bahnhof, um die Frauen einzuladen. In einem Viehwaggon, der kaum mit Stroh aus- gelegt war, wurden je 50 Frauen mit Säuglingen untergebracht. Es gab keinen Raum für ihre Not- durft. Wasser war auch nicht vorhanden. Einige Büchsen Trockenmilch wurden in den Waggon gepackt mit dem Bemerken, daß man von der Lokomotive heißes Wasser bekommen könne, wenn der Zug hält. Alle diese Frauen und Säug- linge sind umgekommen.“ TYPHUS-EPIDEMIE Der Winter 1944/45 war für die Ravensbrücker Frauen durch Krätze, Scharlach und eine schwere Typhusepidemie gekennzeichnet. Die Verschmutzung und völlige Verlausung des Lagers, durch die Über- füllung der Baracken und das Fehlen aller Reinigungs- mittel hervorgerufen, waren die Ursachen. Eines Tages brach Typhus aus. Im Februar waren 3000 Häftlinge von dieser furchtbaren Krankheit befallen. In aller Eile wurden etwa 30 000 Frauen und Kinder geimpft. Viele hatten keine Abwehrstoffe und starben an den Folgen der Injektionen. Aber der Typhus wütete weiter. Es konnte nicht anders sein. Im Revier hingen Tafeln„Eine Laus— Dein Tod!“ Aber in Ravensbrück gab es so viele Kopf- und Kleiderläuse, daß zahllose Häftlinge über und über voller Wunden waren, die & 81 durch Bisse dieser Schmarotzer entstanden. Den SS- Ärzten blieb nichts weiter übrig, als von der Lager- leitung die Räumung einiger Baracken von Gefange- nen zu fordern. Sie wurden in andere Häftlingsblocks übergeführt, in denen es ebenso katastrophale Ver- hältnisse und ebenso viele Läuse gab. In den Baracken, die man leergemacht und in aller Eile„desinfiziert“ hatte, blieben die Läuse aber am Leben. Die Typhus- kranken lagen auch hier zu zweit und dritt in einem Bett, fast ohne Medikamente. Sie erhielten Steckrüben und nur wenige gelegentlich eine dünne Schleimsuppe. Sie erhielten keine saubere Bettwäsche, kein Nacht- hemd, keinen Waschlappen, kein Handtuch. Sie star- ben zu Tausenden in den letzten Monaten der faschistischen Herrschaft. Zu den vielen Frauen, die in Ravensbrück am Typhus zugrunde gingen, gehörte auch Käthe Latzke, eine der Mitbegründerinnen des Kommunistischen Jugendverbandes in Deutschland. Aus jahrelanger Haft entlassen, setzte Käthe ihre Arbeit gegen Krieg und Faschismus in Hamburg tapfer fort. Es gelang der Gestapo nicht, sie bei dieser Arbeit zu über- raschen. Aber nach dem 20. Juli 1944, dem mißglück- ten Attentat auf Hitler, wurde sie verhaftet. Maria Wiedmaier, eine deutsche Kommunistin, die fast wäh- rend der ganzen Dauer der Hitlerherrschaft in Zucht- häusern und in Ravensbrück leben mußte, schreibt u. a. über das Wiedersehen mit Käthe Latzke in Ravensbrück: „...Käthe Latzke ist zukunftsfroh. Sie berich- tet vom Hamburger Widerstandskampf, von den Luftangriffen, von dem Entsetzen der Menschen und ihrer Not... sie überzeugt von der baldigen Beendigung des furchtbaren Krieges und der Be- freiung aus der Hölle des KZ. Käthe Latzke ver- mittelt den Häftlingen Kraft, die kurze Zeit noch standhaft durchzuhalten. Können die Kamera- dinnen der Hoffnungsvollen aber sagen, daß ihre EA: Be u u Gunnar a rn ei N eo Ss Papiere das gefährliche Wort ‚rückfällig‘ enthal- ten? Der Versuch einiger Häftlinge, Käthes Pa- piere im Verwaltungsbüro zu ändern, ist nicht gelungen... Käthe Latzke kommt als ‚Rückfällige‘ in den rafblock.. sie will nach der Befreiung weiter kämpfen für die Menschenrechte, für den Frieden, gegen Faschismus und Rassenhaß. Dieser Wille läßt sie unmenschliche Strapazen ertragen.. Aber völlig entkräftet und halb erfroren, muß sie sich schließlich im Revier melden. Sie hat Fieber, Durchfall. Der SS-Arzt aber wirft sie hinaus, zwingt sie zur Arbeit. Die Antifaschistinnen er- reichen nach geraumer Zeit ihre Aufnahme im Revier. Aber da war es zu spät. Mit anderen Schwerkranken zusammen liegt sie in einem schmalen Bett... Und so stirbt Käthe Latzke im April 1945, wenige Tage vor der Befreiung.“ SS-ARZTE ALS LEICHENFLEDDERER In der Leichenkammer hinter dem Revier häuften sich die Leichenberge. Dort„arbeiteten“ die Zahnärzte Dr. Harms und Dr. Hellinger. Antonina Nikiforowa, die als Anatomin im Revier sezieren mußte, schreibt: „Wie heute erinnere ich mich noch an die hohe, schlanke Gestalt des Zahnarztes Harms. Die Hände in Handschuhen, tut er die scheußliche Arbeit eines Leichenschänders. Der Faschismus fordert von den Häftlingen den letzten Tribut: Ihr Mund wird untersucht, und Kronen, Prothesen und goldene Zähne werden herausgebrochen. Nach einer feststehenden ‚Ordnung‘ tritt der Arzt mit elektrischer Lampe und Zange an seine Opfer heran... Man hört das Klirren der Zange, ein dumpfes Geräusch des nach hinten geworfenen 83 Dann wird die Beute in Papier ge- Körpers. wickelt und zur Kommandantur gebracht. Die Leichen liegen jetzt wie Fische mit weit geöff- neten zahnlosen Mündern, mit einem Quittungs- stempel auf der Schulter. Ohne diesen Stempel, ‚zahnärztlich besichtigt‘, werden die Leichen im Krematorium nicht abgenommen.“ Diese Praxis übte die SS in allen Konzentrations- lagern. Ein Zeugnis ihrer verbrecherischen Leichen- fledderei ist ein Geheimschreiben des SS-Obergruppen- führers und Generals der Waffen-SS August Frank an Heinrich Himmler vom 8. Oktober 1942: „Das von verstorbenen Schutzhäftlingen stam- mende Zahn-Bruchgold wird auf Ihren Befehl an das Sanitätsamt abgeliefert. Dort wird es für Zahnbehandlungszwecke unserer Männer ver- wendet. SS-Oberführer Blaschke verfügt bereits über einen Bestand von über 50 kg Gold, das ist der voraussichtliche Edelmetallbedarf für die nächsten fünf Jahre. Mehr Gold für diesen Zweck zu sam- meln, halte ich sowohl aus Sicherheitsgründen als auch im Interesse der Verwertung nicht für an- gängig. Ich bitte um Bestätigung, daß das künftig aus den normalen Abgängen der KL anfallende Zahn- Bruchgold an die Reichsbank gegen Anerkennung abgeliefert werden darf.“ Es gibt Dokumente, die beweisen, daß die faschisti- schen Menschenverächter die Asche und die Knochen ihrer Opfer als Dünger verwendeten. Bei den Massen- vernichtungen in Auschwitz schichteten sie die Leichen so übereinander, daß beim Verbrennen das Fett der Toten gesammelt werden konnte. Sie ließen es zur Herstellung von Seife verwenden. Leichenteile wur- den als Nährboden für Bakterienkulturen verschickt, r Frauen und Kinder wur- aus den langen Haaren de rstoff hergestellt. den Matratzen, Turnmatten und Futte 84 M{ Dier ge- acht. Die it geöff- uittungs- Stempel ichen im itrations- Leichen- gruppen- ist Frank ‚en stam- Befehl an d es für ner vVel- Dr. Sonntag ließ in Ravensbrück alle Frauen fest- stellen, die Tätowierungen am Körper hatten. Unter den kriminellen Gefangenen befanden sich viele, die große und kunstvolle Tätowierungen trugen. Aus die- ser Haut wurden später im KZ Buchenwald Lampen- schirme, Büchereinbände und andere Gegenstände für die SS-Offiziere und ihre Frauen hergestellt. MÄDCHENHÄNDLER IN SS-UNIFORM Aus dem Strafblock wurden von den SS-Ärzten einige Dutzend kriminelle Gefangene für Bordelle ausgesucht. Die verlogene Scheinmoral der deutschen Faschisten kam hier besonders deutlich zum Ausdruck. Sie ließen zuerst Hunderte von Prostituierten— zum Teil mit schweren Lues- und Gonorrhoe-Erkrankun- gen— in die KZ stecken, um sie dann selbst wieder in Bordelle zu bringen. Solche Einrichtungen wurden auf Befehl Heinrich Himmlers in allen Männer-KZ geschaffen, um die„Arbeitsfreudigkeit“ der Gefange- nen zu fördern. Nebenbei sicherte sich die SS auf diese Weise eine neue, einträgliche Einnahmequelle, da jeder Häftling für einen Besuch des Bordells von 20 Minuten an die SS-Kasse einen Betrag von 2,— RM abzuliefern hatte! So ging ein Transport Ravens- brücker Krimineller nach dem anderen in die KZ- Bordelle. Aber dabei blieb es nicht— auch die Wehrmacht und die SS forderten Frauen an. Im Revier des FKL wurden sie nackt vorgeführt und von den SS- Offizieren klassifiziert. Natürlich ging das nicht ohne eine Flut von gemeinsten Witzeleien vor sich. Die Häftlinge mußten ihre„Eignung“ durch die Wieder- gabe ihrer„Erlebnisse“ nachweisen. Je nach Be- schaffenheit und persönlichem Geschmack der Mäd- 85 chenhändler in SS-Uniform gingen die Frauen dann in die verschiedenen Bordelle Die SS-Ärzte, die Hunderte Kranke ohne Hilfe ließen, verordneten ihnen Bäder und Höhensonnenbehandlung, die die Ober- schwester Marschall überwachte. Aus dem Nachlaß der Verga$ten von Auschwitz erhielten diese Frauen Seidenwäsche und gute Kleider, Seifen und Parfüms. Natürlich erlag manche Kriminelle diesen Verlockun- gen, und die SS hatte nie Nachschubschwierigkeiten. Das Versprechen, die Frauen nach sechsmonatiger „Arbeit“ im Bordell zu entlassen, wurde natürlich nicht eingehalten. Im Gegenteil: Die meisten kamen in den Arrest oder in den Strafblock zurück, und, wenn sie geschlechtskrank oder schwanger geworden waren, auf Vernichtungstransport. TÖDLICHE INJEKTIONEN Im Winter 1941/42 begann die SS damit, Frauen in Ravensbrück durch tödliche Injektionen zu vernich- ten. Als erste erhielt eine junge tuberkulöse Polin von der damaligen Schwester Margarete Hoffmann eine solche Spritze. Auf Anweisung von Lagerarzt Dr. Rosenthal setzte sie ihre Morde 1942 an vier Jüdinnen fort. Auch Gerda Quernheim, die Geliebte Dr. Rosenthals, tötete durch Injektionen. Unmittelbar, nachdem sie gespritzt hatte, ließ sie selbst die Leichen- kolonne kommen und ihre Todesopfer abtranspor- tieren. Eines Tages stellte Dr. Rosenthal eine Todesbeschei- nigung für einen verstorbenen Häftling namens Wink- ler aus. Die Angehörigen wurden vom Tod verstän- digt. Dann stellte sich heraus, daß auch noch eine andere Winkler im Revier lag, und daß deren Familie irrtümlich benachrichtigt worden war. Dr. Rosenthal 86 rauen in vernich- se Polin offmann ‚agerarz! an vier Geliebte nittelbar, lLı transpoT- sbeschei- ns Wink- verstän- och eine ) Familie josenthal „korrigierte“ seinen Fehler dadurch, daß er die Quern- heim zu der noch lebenden Winkler schickte und sie durch eine Spritze töten ließ. Der Chef der Ravensbrücker Gestapostelle, Ramdor, wandte bei seinen Vernehmungen ebenfalls Gift- spritzen an, wenn Gefangene als lästige Zeugen im Wege waren. Dr. Herta Oberheuser und die SS-Ober- schwester Marschall töteten durch Evipanspritzen. Lotte Henschel-Grupa erlebte einen solchen Fall als Kranke im Revier. Sie schreibt: „Mit mir lag eine Polin im Zimmer, Annemarie Zadek. Sie hatte eine Darm-Tuberkulose. Es ging ihr sehr schlecht, und sie bat mich, für sie einen Brief an ihre Angehörigen zu schreiben... Mitten im Satz wurde die Tür aufgerissen, und herein kam die Oberheuser mit der Oberschwester, die eine Spritze in der Hand hatte... Ich wurde aus dem Zimmer geschickt. Als ich die Tür klappen hörte, ging ich wieder hinein und sah Annemarie dort tot im Bett liegen. Das Gesicht war angst- verzerrt, es lag ein Ausdruck des Entsetzens dar- auf, und die Arme waren wie in Abwehr nach oben gestreckt.“ MIOFRIUEN.G. DIURICHIGTEIT Die Häftlinge aller Konzentrationslager standen den IG Farben und anderen Industriekonzernen für die verschiedensten„wissenschaftlichken“ Versuche zur Verfügung. Himmler selbst gab die Genehmigung und bezeichnete diejenigen als Hoch- und Landesverräter, die sich gegen solche Experimente an Menschen wehr- ten. Und so starben unzählige Männer und Frauen bei der Erprobung von Giften aller Art. Im Februar 1945 erschien in Ravensbrück die SS- 87 Schwester Martha auf Anweisung des SS-Standort- arztes Dr. Trommer auf dem Tuberkulosen-Block. In einem der Schlafsäle sagte sie den Kranken, daß sie ein gutes neues Schlafmittel habe, und teilte dann ver- schieden große Dosen eines weißen Pulvers aus einer Flasche aus. Als am nächsten Morgen die Blockälteste in das Krankenzimmer kam, bot sich ihr ein furcht- barer Anblick. Viele Kranke lagen schwer röchelnd im Bett. Fünf waren tot. Im Laufe des Tages und der folgenden Nacht starben weitere neunzehn Häftlinge. Es konnte keinen Zweifel geben: Sie waren von Schwester Martha vergiftet worden! Den Toten lief Blut aus Nase, Mund und Ohren. Die Überlebenden litten wochenlang an heftigen Kopfschmerzen, Schwin- del und Übelkeit, nachdem sie teilweise drei Tage be- wußtlos gelegen hatten. Als die Blockälteste voller Entsetzen zu Ober- schwester Marschall lief, um dort Meldung zu machen und Hilfe aus dem Revier zu holen, wurde sie unter einem Hagel von Schimpfworten mit der sofortigen Einweisung in den Arrest bedroht, wenn sie noch ein- mal das„Latrinengerücht von einer Vergiftung“ ver- breite. Für den Block 10 war damals der SS-Lagerarzt Dr. Lukas verantwortlich. Er war der einzige SS-Ofli- zier in Ravensbrück, der die Häftlinge wie Menschen behandelte und der einzige SS-Arzt, der sich der Kranken annahm, wie das für einen Arzt selbstver- ständlich sein müßte. Er kam strafversetzt ins FKL, weil er sich in anderen KZ gegen Anweisungen der SS-Führung zur Wehr gesetzt hatte. Dr. Lukas bemühte sich in den wenigen Wochen sei- ner Tätigkeit in Ravensbrück, den Tuberkulösen zu helfen. Er untersuchte eine nach der anderen gründ- lich. Er verschrieb Medikamente, die Anlegung eines Pneumothorax oder Diätnahrung. Als er einsehen mußte, daß alle seine Anweisungen von der Ober- schwester Marschall sabotiert und vom Lagerarzt 88 HE} Dr. Treite nicht unterstützt wurden, bediente er sich, wie alle Häftlinge, des„Organisierens“. Er brachte für besonders Kranke Weißbrot und Zucker von seinen eigenen Rationen. Irgendwie hatte er auch aus der SS-Apotheke Fieberthermometer, Calciumampullen, Verbandstoffe und Lebertran entwendet. Dr. Lukas wußte nichts von der Verabreichung des weißen Pulvers. Die Oberschwester hatte der Block- ältesten ausdrücklich verboten, ihm darüber zu be- richten. Natürlich geschah das trotzdem. Dr. Lukas kam sofort, gab Gegenmittel und half den Häftlings- ärzten und-schwestern bei ihren Rettungsversuchen. Zwischen ihm, Dr. Treite und der Oberschwester kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Als Dr. Lukas sich weigerte, Häftlinge für die Gaskammern auszu- suchen, wurde er vom Standortarzt Dr. Trommer wegen„Feigheit und Sabotage“ gemeldet. Er wurde sofort aus dem FKL entfernt. SS-ARZTE HELFEN BEI MASSENERSCHIESSUNGEN Im Februar 1941 lief eine entsetzliche Nachricht durch Ravensbrück, Angst und Schrecken verbreitend. Am Morgen hatte die SS die Polin Maciejewska aus dem Block 16 holen lassen und vor dem Lager füsi- liert— eine zweiundvierzigjährige Mutter von drei Kindern, deren Mann sich ebenfalls in der Gefangen- schaft befand! Am Abend eines Frühjahrstages 1942 gab es erneut große Aufregungen. Acht polnische Kameradinnen waren aus dem Bunker geholt worden. Begleitet von SS-Aufseherinnen, wurden sie in gürtellosen Häftlings- kleidern und barfuß über den Appellplatz zum großen Lagertor geführt. Dort sahen sie sich noch einmal um 89 und winkten ihren Kameradinnen im Revier zu. Minuten später waren die Hinrichtungssalven im gan- zen Lager zu hören. Von da ab folgte eine Exekution der anderen. Vol- ler Angst sahen die Häftlinge den Aufseherinnen ent- gegen, die sich gegen Abend einer Baracke oder einem Arbeitskommando näherten. Wie die Herzen pochten und die Gesichter sich mit tödlicher Blässe überzogen, wenn sie dann eine oder auch mehrere mit„nach vorn“ nahmen! Das konnte unwichtig sein, aber eben- so konnte es den Tod bedeuten. Wie viele polnische Frauen und Mädchen waren wegen ihres Kampfes gegen die faschistischen Schänder ihrer Heimat, gegen die Mörder ihrer Kinder und Männer mit einem Todesurteil ins Lager gekommen! Eine unvollständige Liste ergibt, daß vom Frühjahr 1942 bis zur Befreiung des Lagers etwa 160 Polinnen 2 Deutsche 20 Französinnen 65 Sowjetfrauen 48 unbekannte Häftlinge in Ravensbrück exekutiert wurden. Die einen endeten ihr Leben unter den Salven des Erschießungskomman- dos im Wald, andere wurden zum Genickschuß in einen langen, schmalen Gang zwischen der Lager- mauer und dem Arresthof geführt. Nur wenige Meter von diesem Gang entfernt saßen andere Frauen und Mädchen in ihren Zellen, hörten jeden der Todes- schüsse und warteten darauf, selbst an die Reihe zu kommen. Das Exekutionskommando des FKL Ravensbrück stand unter dem Befehl von Oberscharführer Conrad. Es setzte sich aus den Männern Pribil, Pfab, Schäfer und Conrad zusammen. Um welche Sorte Menschen es sich dabei handelte, zeigt die Tatsache, daß Conrad im Herbst 1944 zwei oder drei polnische Frauen schlecht traf und sie daraufhin mit dem Gewehrkolben 90 ersc dan! kom Ersc zust holt sie 2 nocl vor Berı Hoc! sie| gen« wird schie Frau es vi Di gewi „nac zurü und polnische Kampfes at, gegen it einem Frühjahr ı endeten komman- schuß in r Lager- ige Meter auen und :r Todes- Reihe ZU sensbrück r Conrad. ‚ Schäfer ‚schen€$ 5 Conrad „ FraueD shrkolben erschlug. Der SS-Mann Peters fungierte als Komman- dant der zu den Erschießungen hinzugezogenen Wach- kompanien. Der Lagerarzt Dr. Treite nahm an den Erschießungen teil, um den eingetretenen Tod fest- zustellen. Der Schutzhaftlagerführer Johann Bräuning holte die Verurteilten aus dem Bunker und führte sie zur Exekutionsstätte. Als die Oberaufseherin Binz noch den Bunker unter sich hatte, gab sie den Frauen vor der Erschießung in einem Becher Kaffee einige Beruhigungstropfen,„weil sie sonst herausfordernd Hochrufe auf Polen ausbrachten“. Es war bekannt, daß sie immer wieder versuchte, zu einer Exekution mit- genommen zu werden, um zu sehen,„wie das gemacht, wird“. Lagerkommandant Suhren nahm an den Er- schießungen ebenfalls teil. Er sagte dabei:„Diese Frauen sterben viel zu langsam, bei den Männern geht es viel schneller.“ Die SS trieb ein grausames Spiel mit den Tod- geweihten. Manche wurden zwei- oder sogar dreimal „nach vorn“ geholt und dann wieder auf den Block zurückgeschickt, das Herz voller neuer Hoffnungen und neuer Angst. Wie oft standen Tausende von Häftlingen zum Zähl- appell auf der Lagerstraße. Sie wußten, daß an diesem Abend wieder Kameradinnen erschossen werden soll- ten, und sahen sie dann plötzlich auf dem gegenüber- liegenden bewaldeten Hügel auftauchen. Minuten später krachten die tödlichen Salven. Anna Stiegler, eine der ältesten Häftlinge, eine Sozialdemokratin aus Bremen, versuchte die Empfindungen der Häftlinge zu schildern: „Ein schöner Herbsttag geht zu Ende. Im KZ ist Feierabend. Schweigend und unbewegt steht der schmale Waldgürtel, der das Lager umschließt. Still und ohne Bewegung stehen 8000 beim abend- lichen Appell. 8000 Frauen, vom Kind bis zur Greisin... In den Gesichtern steht eine bange Frage, das Wissen um etwas Schreckliches, ein 91 angespanntes Warten... Da, ein Krach, ein kur- zer Knall. Schüsse zerreißen die Stille, reißen an den Herzen und Nerven von 8000 Frauen. Dann wieder tiefe Stille, kein Laut. Die Gesichter sind noch um einen Schein blei- cher geworden, die Köpfe senken sich, in den Augen stehen Tränen. Sie wissen: Jenseits der Mauer hauchten Kameradinnen ihr blühendes Leben aus: junge, blutjunge... Kaum zu fassen, daß der beredte Mund still ist, daß die lachenden Augen die Sonne nicht mehr sehen sollen. Aus- gelöscht vielversprechendes Leben! Ausgelöscht auch reife Frauen, denen das Leben Erfüllung schenkte durch glückliche Mutterschaft oder geistiges Schaffen oder beides in schönster Har- monie... Diese Gedanken gehen durch unsere Hirne. Das Herz krampft sich zusammen, und wir können un- sere Empörung nicht hinausschreien in die Welt. Wir können nur stehen, und die Stille wird zu einer inneren Abschiedsfeier, zu einem Appell für Euer großes, mutiges Leben und Sterben. 8000 Frauen! Wem wurde je solche Ehrung zuteil?!“ Zu den Frauen und Mädchen, die in Ravensbrück füsiliert wurden, gehörten auch solche, die von den SS-Ärzten zu Versuchstieren herabgewürdigt worden waren. Zwei von ihnen wurden exekutiert, als ihre Füße noch in Verbänden steckten und ihre Wunden nicht geheilt waren, vier andere ein wenig später. Irn Herbst 1944 wurde eine zarte, junge Frau mit hellen blonden Haaren in Ravensbrück eingeliefert. Else Noffke war eine deutsche Kommunistin und tapfere Widerstandskämpferin gegen den Faschismus. Sie wurde gar nicht erst ins Lager gebracht. Für ein paar Tage nahm der Bunker sie auf. Sie hörte nur gedämpft die Geräusche des Lagers draußen vor dem Tor, das Geschrei der SS, das Weinen der Geschla- genen. Sie hörte die müden Tritte der Häftlinge, die ein kur- eißen an n. Dann ein blei- in den seits der pell für pen. 8000 191% yensbrück von den t worden als ihre Wunden nater. Frau mit ngeliefert. nge von der Arbeit zurückkamen, und vor allem die Schüsse aus dem langen Gang. Keine der Kamera- dinnen konnte ihr Mut zusprechen, kein Händedruck konnte ihr zeigen: Du bist nicht allein. Else Noffke wurde einige Tage nach ihrer Einlieferung exekutiert. Wenige Tage später wurde Katja Niederkirchner aus einem der Schneiderbetriebe„nach vorn“ geholt, um nie wieder zu ihren Kameradinnen zurückzu- kehren. Katja ist zum Symbol einer unbeugsamen Kommunistin und opferbereiten Kämpferin für Mil- lionen junger Menschen in der ganzen Welt geworden. Sie stellte ihr Leben bewußt in den Dienst der Arbeiterklasse wie ihr Vater, Michael Niederkirchner, einer der Gründer der Kommunistischen Partei Deutschlands. Katja wurde sofort nach dem Machtantritt Hitlers in Haft genommen und später aus Deutschland ausge- wiesen. In der Sowjetunion fand sie eine zweite Hei- mat, und als die Hitlerarmeen diese Heimat überfielen, da meldete sich Katja, wie Else Noffke, als Fallschirm- springerin. Sie kam nach Deutschland zurück, agitierte unter den Soldaten der Wehrmacht gegen Krieg und Faschismus, wurde verhaftet, furchtbar gefoltert und schließlich nach Ravensbrück gebracht. In der Nacht vom 27. zum 28. September 1944 wurde Katja Nieder- kirchner in Ravensbrück erschossen. Sie hinterließ auf ein paar kleinen Zettelchen, die sie heimlich aus dem Bunker ins Lager zu den Freundinnen schickte, ergrei- fende letzte Grüße: „21. September 1944, abends: Vier Tage bin ich nun schon in der Zelle, und noch immer hat mir niemand gesagt, warum, wes- halb. Es ist so schwer, mit dem Leben abzuschlie- ßen, wenn man noch so jung ist. Ich bin hier mit drei Frauen zusammen, die teils geistig anormal, teils minderwertig sind. An Aussprachen ist über- haupt nicht zu denken. Warum wartet man mit 93 dem Morden so lange? In meinem Kopf dreht sich alles. Ich erwäge alle Möglichkeiten. 23. September 1944, abends: ... Alle Kameraden, die mich gar nicht kannten, alle waren so gut zu mir. Jeden Tag schließe ich mit dem Leben ab und denke, heute abend ist es soweit, und die Nacht ist entsetzlich. Dann fängt wieder ein Morgen an, und die Qual beginnt von neuem. Werden sie heute kommen? 25. September 1944, abends: Heute will ich Abschied nehmen von meinen Lieben. Ich habe eine Ahnung, daß ich nicht mehr lange hier bin. Meinem lieben, treuen Vater müßt ihr sagen, daß ich ihm keine Schande gemacht habe. Ich habe niemanden verraten. Meine Ge- danken sind ständig bei ihm. So gerne hätte ich ihn noch einmal gesprochen. Meine gute Mutter, meine.Schwester Mia, meine Brüder, allen meine letzten Grüße. Mia, wir hatten uns gerade in den letzten Jahren so gut verstanden. Vergeßt Eure Katja nicht. 27. September 1944, morgens: Heute früh war der Schutzhaft-Lagerführer bei mir und hat mir mein Urteil vorgelesen in so einer höhnischen, gemeinen, dreckigen Art, diese Bestie! Sie sind ja das Morden gewohnt und haben eine besondere Freude, sich an den Qualen ihrer Opfer zu weiden. Bei mir aber hat er kein Glück. Also wird es wohl heute abend passieren. Ich hätte doch so gerne die neue Zeit erlebt. Es ist so schwer, kurz vorher gehen zu müssen. Lebt alle wohl, vielen Dank noch einmal für alles Gute, was Ihr mir in der kurzen Zeit angetan habt. Grüßt alle: Hilde, Maria, Sterndl, Mimi, Hermi, wenn ich mir was wünschen könnte, so müßtet Ihr mir jetzt das Lied ‚O singt mir ein Lied, daß ich scheiden muß‘ singen.“ All Früh: blaßt hatte dinne ware Ein| Ungl: Häftl tapfeı Zucht Revie runge reht sich TRANSPORT IN DIE VERGASUNG Alles, was die Ravensbrücker Häftlinge bis zum Frühjahr 1942 an Scheußlichkeiten erlebt hatten, ver- blaßte vor dem, was sich danach ereignete. Ungläubig hatten die Frauen von neu ankommenden Kamera- dinnen gehört, daß die Faschisten dazu übergegangen waren, Massenvernichtungen durch Gas vorzunehmen. Ein paar Monate später sollte sich zeigen, daß das Unglaubliche Tatsache war und eine furchtbare, alle Häftlinge bedrohende Gefahr. Emmi Handke, eine tapfere deutsche Kommunistin, die bereits viele Jahre Zuchthaus hinter sich hatte und um diese Zeit im Revier von Ravensbrück arbeitete, hat ihre Erinne- rungen an diese schrecklichen Ereignisse niedergelegt: „Ende 1941 kam eines Tages ein unbekannter Arzt ins Lager. Auf Anweisung des Lagerkom- mandanten Kögel mußten die Personalbogen aller Jüdinnen, arbeitsunfähigen Häftlinge, eines Teiles der Berufsverbrecherinnen und der sogenannten unheilbaren Kranken wie der Tuberkulösen, der Luetikerinnen usw. herausgesucht werden. Alle diese Frauen wurden ins Bad bestellt und dem fremden Arzt nackt vorgeführt. Er machte sich verschiedene geheimnisvolle Zeichen auf den Krankenbogen und ließ die Häftlinge wieder gehen. Nach einiger Zeit verbreitete sich im Lager das Gerücht, daß alle diese Häftlinge zur Arbeit auf Transport gehen würden. Andere wollten wissen, daß sie vernichtet werden sollten. Wir versuchten, die NSV-Schwestern auszuhorchen, erhielten aber mit vielsagendem Lächeln immer die Antwort: Unsinn, die Häftlinge gehen zur Arbeit! Als die Transporte dann wirklich begannen, wurde uns bald klar, daß etwas Furchtbares ge- schieht, denn es wurden vollständig gesunde, blut- 95 junge Mädchen zusammen mit ganz alten Frauen, Gelähmten und Schwerkranken weggebracht, die unmöglich zu einer Arbeit fähig waren. Eines Morgens, das Lager lag noch im tiefen Dunkel, kamen große Lastautos mit dichten Ver- decken, um die ausgesuchten Frauen und Mädchen abzuholen. Sie wurden ins Bad gebracht, wo ihnen ihre Trauringe und etwa vorhandenes Geld abgenommen wurden. Ich mußte helfen, einige Schwerkranke auf Bahren ins Auto zu schaffen. Dort wurden sie uns von den SS-Männern abge- nommen, und wir waren wie erstarrt vor Ent- setzen, als wir sahen, daß sie z. B. eine gelähmte Frau wie ein totes Stück Vieh auf den Wagen warfen. Uns ahnte Schreckliches. Vollständige Gewißheit erhielten wir jedoch, als die Autos nach zwei Tagen zurückkamen und Brillen, Gebisse, Zahnbürsten, Krückstöcke, Klei- dungsstücke der Abtransportierten zurückbrach- ten. Wir vereinbarten mit einigen Kameradinnen späterer Transporte, daß sie uns durch eingenähte Zettel in ihren Kleidungsstücken Mitteilung zu- rückschickten. So erhielten wir die Nachricht, daß alle diese Frauen nach Bernburg bei Dessau ge- bracht wurden. Wir erfuhren gleichzeitig, daß SS-Leute in der Kommandantur wochenlang damit beschäftigt waren, Totenscheine auszustellen. Wie dies zuging, habe ich später in Auschwitz erlebt. Dort gab es fünf verschiedene Vordrucke mit Todesursachen, wie Herzschwäche, Lungenentzündung, Kreislauf- störung usw. Der Schlußsatz lautete immer: ‚Alle ärztlichen Bemühungen waren vergebens.‘ Die Häftlinge, die diese Totenscheine ausstellen muß- ten, konnten sich aussuchen, an welcher Krank- heit sie die einzelnen Frauen sterben lassen wollten.“ en Charlotte Eisenblätter ı Benar-Prestes Pres senarıo )lgc Ialina} 'rle mit Irena Irena Poborcowna, eine der jüngsten Erschossenen Halina Poborcowna, ‘Durde mit ihrer Schwester Irena erschossen Grazyna Chrostowska und Apolonia Chrostowska. Beide Schwestern wurden erschossen Adolf Hitler hatte am 1. September 1939 befohlen: „Reichsleiter Bouhler und Dr. med. Brandt sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erwei- tern, daß nach menschlichem Ermessen unheil- baren Kranken bei kritischer Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt wer- den kann.“ Mit dieser unmenschlichen Vollmacht töteten die deutschen Faschisten Hunderttausende alter, kranker und unliebsamer Menschen! Allein in der„Heil- und Pflegeanstalt Bernburg“ wurden 60000 Männer, Frauen und Kinder vergast. Der Leiter des SS-Son- derkommandos, das in Bernburg wütete, war Dr. Irm- fried Eberle. Er übernahm bereitwillig die Vergasung von etwa 1600 Ravensbrücker Frauen. Nachdem der erste Transport Ravensbrück verlassen hatte, wurden in den folgenden Wochen zweimal wöchentlich neue Transporte nach Bernburg geschickt. Welche Tragödien spielten sich dabei ab! Die Frauen schwankten zwischen Hoffnung und tiefster Verzweif- lung. Das ganze Lager befand sich in höchster Erre- gung. Alle Kranken, alle Jüdinnen lebten in ständiger Todesangst. Mütter wurden von den Töchtern ge- rissen, es gab herzzerreißendes Abschiednehmen. Emmi Handke schreibt: „Mit diesem Transport sind eimige unserer besten Kameradinnen in den Tod gegangen. Nie werde ich den letzten Abend vergessen, den wir mit ihnen verbracht haben. Da waren Irene Langer, eine österreichische Ärztin, Hede Baas und Erna Pollak. Hede war ein so guter Mensch, wie ich selten einen im Leben gefunden habe. Sie und Erna waren Tschechinnen. Diese Frauen wußten genau, daß sie in den Tod gingen, und es war bewundernswert, mit welcher Ruhe und Ge- lassenheit sie von dieser Tatsache sprachen. Sie gaben uns ihre Habseligkeiten und bestellten ? 97 letzte Grüße an ihre Angehörigen. Besonders er- schüttert waren wir, als uns Erna Pollak ihr kleines Mädchen ans Herz legte, das in der Hei- mat bei fremden Menschen untergebracht war. Ihr Mann befand sich ebenfalls im KZ.“ Unter den Frauen, die den bitteren Weg nach Bern- burg mit dem Bewußtsein ihres Todes gingen, befan- den sich so tapfere Kämpferinnen gegen Krieg und Faschismus wie Bertel Jakoby, Lina Bertram und Lucie Mann. In Bernburg sollte auch Olga Benario-Prestes einen qualvollen Tod finden, jene schöne, junge Frau mit den hellen blauen Augen unter dem dunklen Scheitel, die von ihrer frühesten Jugend an zur Arbeiterbewe- gung gehörte. Olga kämpfte an der Seite der jungen Kommunisten Deutschlands, der Sowjetunion, Frankreichs und Eng- lands für Frieden, Völkerfreundschaft und Sozialis- mus. Sie wurde die Frau von Luiz Charlos Prestes, dem großen Führer der brasilianischen Freiheitsbewe- gung, kämpfte mit ihm gegen die Bedrücker seines Volkes. Beide wurden verhaftet, Olga brachte man nach Berlin, um sie den Faschisten auszuliefern. Im Gefängnis kam ihre kleine Tochter Anita zur Welt. Als das Kind vierzehn Monate alt war, mußte sie sich von ihm trennen. Sie kam nach Ravensbrück, wurde Blockälteste bei den jüdischen Häftlingen, kämpfte heroisch um ihr Leben und nahm an der Widerstands- arbeit der Antifaschistinnen führend teil, bis sie eines Tages von ihren Kampfgefährten Abschied nehmen mußte. Tilde Klose war eins der anderen Opfer, eine schlanke Frau mit früh weiß gewordenem Haar. Tilde war eine tapfere, nie ermüdende Kämpferin für die Rechte der arbeitenden Menschen und für den Frie- den. Sie führte ihren Kampf furchtlos weiter, als Hitler die Macht angetreten hatte. Bis zu ihrer Ver- haftung im Jahre 1934 leitete sie die Betriebszelle der 98 illega des M Propz stützt Tilde und| nistin stand unter rigste der$ Sowji ebens Tubeı der C Lager lehnt Gesta Im span, Kamk Auch Sich, kam 1933 Arbei tische auf, ı Stand Über Mäde fasch, Srupt Muts Ruth Freu dem' hilfre 1 Ss er- t Ihr Hei- war, Bern- efan- ' und . und einen u mit heitel, bewe- nisten | Eng- zialis- restes, bewe- seines » man rn. Im Welt. je sich wurde impfte ‚tands- e eines ‚ehmen illegalen Kommunistischen Partei in einem Betrieb des Mannesmann-Konzerns in Düsseldorf. Sie verteilte Propagandamaterial gegen den Faschismus und unter- stützte die Angehörigen eingekerkerter Genossen. Tilde Klose wurde zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt und kam anschließend als„unverbesserliche Kommu- nistin“ nach Ravensbrück. Dort leistete Tilde Wider- standsarbeit, organisierte kleine politische Zirkel unter den Häftlingen und beschaffte unter den schwie- rigsten Bedingungen Lesematerial. Ihre Liebe gehörte der Sowjetunion, und ihr Glaube an den Sieg der Sowjetarmee war unerschütterlich. Tilde hatte sich ebenso wie Lina Bertram in der langen Haft eine Tuberkulose zugezogen. Beide mußten ihr Leben in der Gaskammer von Bernburg beschließen, weil der Lagerkommandant Kögel ihre Haftentlassung abge- lehnt hatte, obwohl die Genehmigung seitens der Gestapo dazu vorlag! Im Block der jüdischen Häftlinge lebte Ruth Grün- span, eine junge temperamentvolle Frau, von ihren Kameradinnen liebevoll das„Vögelchen“ genannt. Auch Ruth hatte schon vier Jahre Zuchthaus hinter sich, als sie nach Ravensbrück gebracht wurde. Sie kam aus der jüdischen Jugendbewegung und war vor 1933 zur sozialistischen Jugendgruppe im Berliner Arbeiterbezirk Wedding gestoßen. Sie gab ihre poli- tische Arbeit nach der Machtergreifung Hitlers nicht auf, und auch in Ravensbrück setzte sie ihren Wider- stand gegen die Faschisten mutig fort. Durch Ruths Überzeugungskraft wurden viele jüdische Frauen und Mädchen aus leidenden Opfern zu bewußten Anti- faschistinnen und reihten sich in die Widerstands- gruppen Ravensbrücks ein, die zu einer Quelle des Muts für viele tausend Häftlinge geworden waren. Ruth bestieg den Lastwagen, der sie und viele ihrer Freundinnen nach Bernburg brachte, mutig und mit dem Willen, den Schwachen bis zu ihrer letzten Stunde hilfreich zur Seite zu stehen. 2 99 Als der erste Transport kranker und jüdischer Frauen nach Bernburg abgegangen war und die Häft- linge ein paar Tage später die Gewißheit hatten, daß ihre Kameradinnen ermordet worden waren, da be- reitete sich auch Rosa Menzer innerlich auf das Ster- ben vor. Sie war eine hervorragende Funktionärin der Arbeiterklasse. Sie kämpfte unter dem Einsatz ihrer ganzen starken Persönlichkeit mit der Kommunisti- schen Partei Deutschlands für die Rechte der Arbeiter, besonders der arbeitenden Frauen. Auch für Rosa war es selbstverständlich, daß sie ihren Kampf um den Frieden fortsetzte, als die KPD von den Faschisten verboten worden war. Sie erhielt achtzehn Monate Gefängnis. Nachdem sie wieder aus dem Kerker her- ausgekommen war, setzte sie ihre politische Arbeit tapfer fort, obwohl sie sich vor einer neuerlichen Tren- nung von ihren beiden Töchtern fürchtete. Aber Rosa Menzer wußte, daß sie ihren Kindern den größten Beweis ihrer Mutterliebe durch ihren Kampf gegen Krieg und Faschismus geben konnte. Rosa Menzer beteiligte sich auch in Ravensbrück an der Wider- standsarbeit, kämpfte mit Olga Benario, Irene Langer und Ruth Grünspan um das Leben ihrer Kamera- dinnen. Im Angesicht des nahen Todes schrieb Rosa Menzer ihren Töchtern einen letzten Gruß: „Meine treuen Mädels... Sollte Hildes Tante(damit meinte Rosa Menzer sich selbst) ihren jetzigen Wohnort ändern müs- sen. wünsche ich mir bloß, daß die Kinder tapfer bleiben und nicht den Kopf hängenlassen. Ich bin fest überzeugt, daß sie auch das gut überwin- den wird. Ich kenne sie als tapfere Frau mit guter Haltung, und starker Wille macht viel aus... Kinder, bleibt vernünftig, achtet auf Eure Ge- sundheit, das ist das Kostbarste. Ich weiß, Ihr werdet Euer Bestes tun und Euch gegenseitig unterstützen. Liebe gibt Kraft. Küsse innigst. Eure Mutter.“ TH W von Mäd sicht samı Gerc aufse Schu gesu Ende Lubl witz. Herz Ba heit: Von gehe von Und Rave Wier Lubl Di prüg im b ware die\ 200 1 tranı eng heiß, Kält fen\ scher Häft- ‚ daß a be- Ster- n der ihrer nisti- eiter, a war ı den listen onate - her- \rbeit Tren- Rosa ößten gegen [enzer Vider- ‚anger mera- Rosa TRANSPORTE IN DIE GASKAMMERN VON AUSCHWITZ UND LUBLIN Wie ein Alpdruck lag die Angst vor der Vergasung von nun an über den Ravensbrücker Frauen und Mädchen. Angst und Schrecken standen in allen Ge- sichtern, als im März 1942 neue große Transporte zu- sammengestellt wurden. Die SS-Ärzte Dr. Sonntag, Dr. Gerda Weyand-Sonntag, Herta Oberheuser, die Ober- aufseherinnen Zimmer, Drechsel und Erich sowie der Schutzhaftlagerführer Meyer hatten 1000 Frauen aus- gesucht, die am 26. März nach Auschwitz abfuhren. Ende März gingen 800 Frauen, meist Jüdinnen, nach Lublin und am 3. April noch einmal 1000 nach Ausch- witz. Verzweiflung und Hoffnung stritten sich in den Herzen der Häftlinge. Bald wurde die schreckliche Befürchtung Gewiß- heit: Lublin und Auschwitz waren Vernichtungslager! Von nun an sollte kein Transport mehr aus dem Lager gehen, ohne daß die dafür ausgesuchten Gefangenen von der Angst beherrscht waren, dort hinzukommen. Und wie viele Transporte sollten bis zum April 1945 Ravensbrück noch mit ungewissem Ziel verlassen! Wieviel Ravensbrücker Frauen sollten in Auschwitz, Lublin und Bergen-Belsen vernichtet werden! Die Transporte waren eine Qual für sich. Die SS prügelte ihre Opfer in offene Viehwagen hinein, die im besten Fall mit einer dünnen Schicht Stroh belegt waren. In der Ecke stand ein Marmeladeneimer für die Verrichtung der Notdurft. Es gab Fälle, in denen 200 und mehr Frauen in einem einzigen solchen Wagen transportiert wurden, über Hunderte von Kilometern eng aneinandergepreßt stehend, im Sommer den heißen Sonnenstrahlen und im Winter Schnee und Kälte ausgesetzt. Tagelang erhielten sie keinen Trop- fen Wasser, kein Stück Brot. Ein Transport jüdischer 101 Frauen war unter diesen Verhältnissen drei Wochen unterwegs. Viele waren längst gestorben, als sie in Auschwitz ankamen. Ein anderer Transport wurde irgendwo auf ein totes Gleis geschoben und dort stehengelassen, bis auch der letzte Häftling elend zugrunde gegangen war. In Auschwitz wurden vier Millionen Menschen nach einem festen, von der SS bis ins kleinste ausgeklü- gelten System vernichtet. Männer, Frauen und Kinder wurden sofort nach dem Eintreffen der Züge sortiert. Junge kräftige Menschen gingen in eines der Ausch- witzer Lager, um dort oder in den Auschwitzer Rüstungsbetrieben und den Fabriken der IG Farben zu arbeiten, bis auch sie eines Tages in die Vergasung gejagt wurden. Alle anderen gingen direkt aus den Zügen ins Gas, wie das Vieh zur Tötung in die Schlachthöfe. Sie mußten in einem Raum ihre Klei- dung ablegen und wurden dann ins„Bad“ gebracht. Wenn dieser Raum vollgepreßt von völlig nackten Menschen war, wurden die Türen hermetisch geschlos- sen, und das Gas konnte sein Vernichtungswerk be- ginnen. SS-Offiziere kontrollierten durch ein kleines Fenster den Fortgang des Vergasungsaktes, ungerührt durch die schrecklichen Bilder höchster menschlicher Not, langsam erstickender Männer, Frauen und Kin- der. Dann öffneten sich die Türen, die Toten wurden in Aufzüge geworfen und direkt in die Krematorien gebracht, falls sie nicht einfach in Gruben geworfen und dort verbrannt wurden. Die SS-Aufseherin Anna David wurde nach dem Kriege in Prag wegen ihrer Verbrechen zum Tode verurteilt. Sie war zuerst in Ravensbrück, dann in Lublin und sagte aus: „In Lublin wurden Häftlinge unter dem Kom- mandanten. SS-Obersturmführer Otto Florstedt, und der Oberaufseherin Else Erich vergast. Am 11. November 1943 erhielt die Lagerleitung direkt um; chen je in vurde dort elend ‚nach jeklü- inder rtiert. ‚usch- witzer arben asung s den in die Klei- yracht, ackten ;chlos- rk be- leines erührt licher 1 Kin- zurden ‚torien worfen h dem , Tode ann in , Kom- yrstedt, Am ll. direkt von Himmler den Befehl, eine größere Anzahl von Liquidierungen durchzuführen. Zehn Minuten vom Lager entfernt, wurde eine größere Anzahl von Männern und Frauen auf ein Feld geführt und durch Maschinenpistolen er- schossen. Das geschah durch Mitglieder der Schutz- polizei und der deutschen Gendarmerie aus dem Kreis Lublin. Die Leichen wurden auf freiem Feld verbrannt, nachdem man sie mit einer Flüssigkeit übergossen hatte. Es wurde von 5000 bis 6000 Personen ge- sprochen, die Aufseherin Erich sprach aber nur von 2000.“ Gibt es ein beredteres Zeugnis für die Vertiertheit dieser SS-Leute, als die entschuldigende Feststellung der David, daß„nur“ 2000 Menschen auf diese Weise umgekommen seien? MASSENMORD DURCH VERGASUNG IN RAVENSBRÜCK Inzwischen ging Transport um Transport von Ravensbrück nach Auschwitz, nach Lublin, nach Bergen-Belsen. Angst beherrschte die Frauen. Der Hunger wuchs von Tag zu Tag, die ausgemergelten Körper litten immer mehr unter der Kälte. Das Lager war überfüllt wie noch nie. Viele verließen es, noch mehr kamen. Die deutschen Truppen befanden sich unaufhaltsam im Rückmarsch, auf der Flucht vor der Sowjetarmee. Mussolini war durch das italienische Volk gerichtet worden. Das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 war ge- scheitert. Der Kriegsschauplatz näherte sich immer mehr deutschem Boden. Das Ende der faschistischen 103 Gewaltherrschaft und des Krieges zeichnete sich täg- lich deutlicher ab. Die gefangenen Frauen in Ravens- brück schöpften neuen Mut. Die Kommunistinnen be- richteten ihnen über die Lage, zeigten ihnen die Un- vermeidbarkeit des Zusammenbruchs des Faschismus und die Gewißheit des Sieges der sowjetischen Armeen. Die Antifaschistinnen aller Nationen verstärkten ihren Widerstand gegen die SS. Im September 1944 erreichte Ravensbrück eine Nachricht, die die Herzen der Antifaschistinnen erneut mit tiefem Kummer füllte: Ernst Thälmann, der kluge, tapfere Führer der deutschen Arbeiterklasse, war von den faschistischen Verbrechern in Buchenwald ermor- det worden!. Sein Tod signalisierte neue Gefahren für alle poli- tischen Häftlinge der Konzentrationslager. Mit dem Anwachsen der Widerstandsbewegung gegen den faschistischen Terror und den Krieg, mit dem sieg- reichen Vordringen der sowjetischen Truppen wuchs die Gefahr der gewaltsamen Vernichtung der anti- faschistischen Gefangenen in den Haftanstalten und Konzentrationslagern. Bald sollte sich zeigen, daß die SS tatsächlich versuchte, soviel Häftlinge wie möglich vor ihrem eigenen Untergang zu beseitigen. Im Herbst 1944 gab Lagerkommandant Suhren die Anweisung, eine Baracke in unmittelbarer Nähe des Zellenbaus von Baumaterialien, Glas und Kisten zu räumen. Nach seinen Entwürfen entstand hier eine Gaskammer. Eine österreichische Politische fand eines Tages im Keller der Baracke ein Faß mit der Auf- schrift„Zyklon B“. Das Grauen wollte ihr die Kehle zuschnüren: Mit diesem Gas wurden in Auschwitz die Menschen vernichtet! Plötzlich wurde der Zusammenhang zwischen dem Umbau der Baracke, dem Bau eines geräumigen Lei- chenkellers und der Erweiterung des Krematoriums klar: Offenbar richtete die SS sich auf ein Massen- morden ein! 104 | täg- vens- n be- > Un- ismus meen. ihren eine rneut luge, r von [MOr- poli- dem den sieg- wuchs anti- ı und ‚B die öglich n die ie des en ZU - eine eines Auf- Kehle hwitz , dem 1 Lei- riums 3ssen- Erst nach der Befreiung Ravensbrücks im April 1945 sollte sich zeigen, daß bereits im Herbst 1944 mit den Vergasungen begonnen worden war. Noch war das Häftlingskommando aus dem Männerlager in Sachsen- hausen nicht eingetroffen, das Gaskammer und Kre- matorium bauen sollte. Aber im Wald von Ravens- brück fanden inzwischen in dazu eingerichteten Autos bereits Vergasungen statt. Die Wagen wurden nach der Befreiung gefunden. Sie hatten das Aussehen von Gefangenen-Transportautos, im Volksmund„Grüne Minna“ genannt. Sie waren innen mit Weißblech oder Zink ausgeschlagen. An der Decke befanden sich Düsen. In der Fahrerkabine stand ein Behälter in der Form eines Badeofens. Von ihm führten Schläuche in das Wageninnere. Die Opfer der SS konnten in diesen Wagen sowohl durch die Auspuffgase des Motors als auch durch„Zyklon B“ getötet werden. Eine zweite Vernichtungsmöglichkeit hatte sich die SS bei den Lagerhäusern des Bekleidungswerkes ge- schaffen. Dort wurde ein umgebauter Waggon der Deutschen Reichsbahn abgestellt, in dem jeweils etwa 150 Menschen durch Gas getötet werden konnten. Im Januar 1945 mußte die SS Auschwitz fluchtartig räumen. Ende Januar wurde es von der Roten Armee befreit, die nur noch ein paar tausend schwerkranke und halbverhungerte Häftlinge vorfand. Vergasungs- anlagen und Krematorien hatte die SS vor ihrem Ab- zug in die Luft gesprengt. Viele Tausende Häftlinge wurden in Richtung der Konzentrationslager in Deutschland abgeschoben. Die meisten Frauen aus dem Frauenlager Birkenau kamen nach Ravensbrück. In welch erbarmungswürdigem Zu- stand kamen sie dort an! Man hatte sie viele Tage hindurch zu Fuß, hungernd und völlig ungenügend bekleidet, viele ohne Mäntel, viele in zerrissenen Schuhen oder Holzpantinen, über die verschneiten und vereisten Straßen Polens gejagt. Wer die Strapazen nicht ertrug, wurde erschossen. Als die Frauen endlich 105 in Viehwaggons eingeladen wurden, waren sie am Ende ihrer Kräfte. Bei der Öffnung der Waggons in Ravensbrück waren weitere Hunderte erfroren und verhungert. Noch auf dem kurzen Stück Weg zum Lagertor blieben Dutzende liegen und wurden von der SS erschossen. Viele endeten direkt in den Vergasungs- wagen. In Ravensbrück herrschte in diesen bitterkalten Januartagen bereits ein vollkommenes Chaos. Die Rüstungsbetriebe forderten immer dringender Häft- linge an, die zu Transporten zusammengestellt werden mußten. Arbeitsunfähige kamen todkrank aus den Munitionsfabriken nach Ravensbrück zurück. Andere kamen mit schweren Verwundungen aus bombardier- ten Betrieben. Auschwitz schickte Tausende. Andere Tausende gingen von Ravensbrück nach Bergen- Belsen, Mauthausen, Flossenbürg und in andere Kon- zentrationslager. Die Baracken quollen über von aus- gehungerten, erschöpften, völlig entnervten mensch- lichen Wracks. Ungezählte Frauen starben. Gasauto und Gaswaggon arbeiteten auf Hochtouren. Ein Teil der Vergasten scheint mit Flammenwerfern in den Wäldern verbrannt worden zu sein. Die anderen kamen nach wie vor in das Krematorium der Stadt Fürstenberg. Ein ehemaliger Angestellter dieses Kre- matoriums erzählte: „Von 1939 bis 1945 kamen ständig Frauen- leichen aus dem FKL Ravensbrück, manchmal in einer Kiste, meist ohne und nackt oder nur leicht bekleidet. Der SS-Offizier Fank oder Frank leitete die Verbrennung. Er wies uns entsprechend einer An- ordnung Himmlers an, fünf bis sechs Leichen gleichzeitig zu verbrennen. Wir lehnten im Prinzip ab. Bei Anhäufung mußten wir aber aus dem Sargdeckel eine zweite Fläche schaffen, um wenigstens zwei oder drei Frauen gleichzeitig ver- brennen zu können. e am ns in \ und zum n der Ungs- alten . Die Häft- erden ; den .ndere rdier- ‚ndere rgen- - n aus- ensch- asauto n Teil n den deren Stadt s Kre- rauen- mal in - Jeicht te die er AN- ‚eichen Prinzip N dem N, um ig vel- Von 1944 an mußten Männerhäftlinge verbren- nen. Fank ließ einen zweiten Ofen bauen. Manch- mal gingen täglich vier bis fünf Handkarren mit etwa je fünfundzwanzig Urnen vom Krematorium zum Bahnhof Fürstenberg, in kleine Holzkisten verpackt. In den Urnen war nicht immer die Asche der Toten, deren Namen sie trugen. Die andere Asche wurde hinter dem Krematorium eingegraben.“ Mit den Gefangenen waren zwei der Massenmörder von Auschwitz nach Ravensbrück gekommen: Der „Arzt“ Dr. Winkelmann und der Schutzhaftlagerführer Johann Schwarzhuber. Beide hatten maßgeblichen An- teil an den Vergasungen in Auschwitz. Winkelmann suchte die Todeskandidaten aus, und Schwarzhuber leitete die Vergasung. Es konnte keinen Zweifel geben, daß sie zum selben Zweck nach Ravensbrück gekommen waren. Schwarzhuber sagte später im Hamburger Prozeß zynisch aus, daß er bei seiner Versetzung nach Ravensbrück gehofft habe, er werde dort weniger Arbeit haben als in Auschwitz. Suhren habe ihn aber wissen lassen, daß er dort„keinen Ruheposten“ haben werde. Damit ist zugleich bewiesen, daß der Lager- kommandant von den Vergasungen wußte. Gestapo- chef Ramdor mußte seinerseits zugeben, daß er vom Standortarzt Dr. Trommer gehört habe, daß dieser den Auftrag hatte, Häftlinge zu vernichten. In unmittelbarer Nähe des FKL lag im Wald seit einigen Jahren das sogenannte„Jugendlager Ucker- mark“. Dorthin ließ die Gestapo in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei junge Mädchen schaffen, die wiederholt straffällig geworden waren, herumstreun- ten, sich prostituierten oder als schwer erziehbar gal- ten. Sie lebten in der Uckermark unter KZ-ähnlichen Bedingungen, wurden von den Aufseherinnen ge- schlagen, und viele gingen durch Hunger und Kälte zugrunde. Im Herbst 1944 wurde dieses Lager plötz- 107 lich geräumt. Die jugendlichen Gefangenen wurden zum Teil entlassen, zum Teil in die Rüstungsindustrie geschickt. Ein anderer Teil wurde im Wald bei Ravens- brück vergast. Im Januar 1945 hielt Lagerkommandant Suhren einen Appell der Blockältesten ab, in dem er sinn- gemäß sagte, daß das FKL in nächster Zeit sehr viele Zugänge haben werde. Um den nötigen Platz zu be- kommen, sei das Jugendlager Uckermark geräumt worden. Dorthin würden die alten Häftlinge, die Körperbehinderten und die anders nicht verwend- baren Strickerinnen gebracht werden. Sie würden es dort besser haben als in dem überfüllten Lager. Schutzhaftlagerführer Schwarzhuber gab die Anwei- sungen zur Vorbereitung der Uckermark. In aller Eile wurden fünf Blocks„eingerichtet“. Das heißt, daß in den Baracken Strohsäcke auf die Erde gelegt und daß eine Anzahl Häftlinge in die Uckermark befohlen wurde: zwei Ärztinnen, vier Pflegerinnen, einige Block- und Stubenälteste. Aber schon nach wenigen Tagen kam für die Ärztinnen und Pflegerinnen ein neuer Befehl: zurück ins Lager. An ihre Stelle traten zwei SS-Sanitäter: Rapp und Köhler. Die SS-Auf- seherin Neudeck wurde mit der Führung des Lagers beauftragt. Am 28. Januar kam der erste Transport Häftlinge aus dem FKL in die Uckermark, mehrere hundert Frauen. Sie waren von Arbeitsdienstführer Pflaum und Schutzhaftlagerführer Schwarzhuber ausgesucht worden. Es handelte sich um eine große Anzahl Frauen, die nicht mehr arbeitsfähig waren und, mit einer sogenannten„Innendienst-Karte“ versehen, ent- weder in den Häftlingsbaracken mit dem Sauber- machen und dem Essenholen beschäftigt wurden oder im Block der Strickerinnen saßen. Sie wurden zum Arbeitseinsatz bestellt, von Pflaum und Schwarzhuber angesehen und nach deren Gutdünken wieder in ihre Blocks geschickt oder sofort in eine leergemachte 108 urden ustrie \vens- uhren sinn- ' viele u be- räumt >, die wend- jen es ‚nwei- r Eile Jaß in 1d daß fohlen einige enigen on ein traten 5-Auf- Lagers ftlinge undert flaum resucht Anzahl d, mit n, ent- auber- n oder n zum zhuber in ihre machte Baracke gebracht. Man sagte ihnen, daß sie in das Lager Uckermark geschickt würden, wo alle Vorberei- tungen getroffen seien, um sie besser als im Lager Ravensbrück unterbringen zu können. Am selben Tage wurden sechzig tuberkulosekranke Häftlinge aus dem Block 10 in die Uckermark abtrans- portiert. SS-Standortarzt Dr. Trommer hatte dem Lagerarzt Dr. Treite den Auftrag gegeben, 100 bis 200 Schwerkranke aus diesem Block in die Uckermark zu schaffen. Dr. Treite sagte der Blockältesten, daß es für die Tuberkulösen vorteilhaft sein. werde, dort zu liegen, da das Lager sich mitten im Wald befände und die Luft dort für sie besser sei. Am 29. Januar und am 9. Februar gingen noch einmal 30 bzw. 72 Tuber- kulöse zusammen mit vielen Hunderten Strickerinnen, alten und kranken Frauen in die Uckermark. Aber schon nach den ersten Transporten kamen Schreckensnachrichten von dort. Von einer Verbesse- rung der Lage der Häftlinge konnte keine Rede sein. Im Gegenteil! Irene Ottelord, eine Französin, hatte wegen einer Hüftgelenkentzündung eine Innendienst-Karte erhal- ten. Sie wurde bereits am 2. Februar in die Uckermark überwiesen und schilderte später ihre Erlebnisse: „Alle, die wie ich nicht gehen konnten, wurden auf einen großen Wagen gesetzt, auf dem sonst die Suppe für das Revier gefahren wurde. Die anderen Häftlinge mußten diesen Karren ziehen. Die Aufseherin schlug sie fortwährend, weil sie nicht schnell genug gehen konnten. Der Weg war nach dem Regen aufgeweicht, und der Wagen blieb immer wieder im Dreck stecken. Das erste, was wir von der Uckermark sahen, war, daß die Blocks von Föhren umgeben waren Über die Umzäunung aus Stacheldraht konnten wir auf Felder und Wiesen sehen, und das war so schön nach den großen Mauern von Ravensbrück! Aber dieser erste gute Eindruck wurde rasch 109 zerschlagen, als wir in einen Block kamen, in dem es keine Betten gab, keine Matratzen, keine Decken, keine Öfen. Es gab auch keine Klosetts und kein Wasser. Das Klosett befand sich in einem anderen Teil des Lagers, und wenn man nachts dorthin mußte, stand schon eine lange Schlange, da fast alle Frauen krank waren. In den zehn Tagen meines Aufenthalts in diesem Block starben 95 meiner Kameradinnen in einem Zustand, den man nicht beschreiben kann. Die Atmosphäre im Saal war fürchterlich, da das Fenster wegen der "Kälte nicht geöffnet werden konnte. Nach einigen Tagen wurden wir in einen anderen Block ge- bracht, einen großen Saal, der ganz mit Stroh- säcken belegt war. Nachts war es unmöglich, zu schlafen, weil die Unruhe nie aufhörte. Die armen Frauen, die nicht mehr die Kraft hatten, aufzu- stehen, waren gezwungen, ihre Notdurft auf den Lagern ihrer Kameradinnen zu verrichten. Die kranken, invaliden und alten Frauen, die noch aufstehen konnten, standen den halben Tag Appell, oder in endlosen Schlangen um Suppe an und dann wieder um ihr Stück Brot. Es gab kein Wasser, um das Eßgeschirr oder sich selbst zu waschen. Läuse bewegten sich überall auf der Kleidung. Ende Februar nahmen die Aufseherin- nen uns die Mäntel ab. Das war für viele das Todesurteil, da man Appell in Kleidern stehen mußte, die niemals trockneten.“ Mord wütete in der Uckermark. Mit Entsetzen stell- ten die Frauen fest, daß nicht nur mit Injektionen und Gift getötet wurde. Bald war für alle klar, daß die Kameradinnen, die mit Lastwagen abgeholt wurden, in die Vergasung gingen. Hingeworfene zynische Be- merkungen versetzten sie in einen Zustand ständiger schrecklicher Todesangst. Bereits am Tag des ersten Transports in die Uckermark hatte Lagerkommandant Suhren nach einer Besichtigung des Reviers, für alle 110 Offiz toriu Tag, das F Manı paar der I chen zu d brau Da körpı die k gern. das} sprit: den| hin ı trans kam aus( und ins( Bloc! Tinte Nach Win] und Aber in d Körr Män deck keite leger De aus n dem keine losetts einem nachts lange, , zehn tarben d, den re im 2n der inigen ck ge- Stroh- ich, zu armen aufzu- uf den on, die en Tag ppe an ıb kein Ibst zu uf der eherin- o]e das stehen n stell- en und jaß die urden, he Be- ändiger | ersten andant für alle Kranken hörbar, händereibend zu einem anderen SS- Offizier gesagt:„Gutes Brennmaterial für das Krema- torium, da können wir Holz sparen!“ Am nächsten Tag, als durch Häftlinge des Männerlagers Betten in das Revier gebracht wurden, sagte der begleitende SS- Mann schimpfend und laut:„So eine Arbeit für die paar Tage!“ Arbeitsdienstführer Pflaum hatte einer der Frauen, die noch in Ravensbrück bat, ihr Stück- chen Brot holen und nach der Uckermark mitnehmen zu dürfen, lachend geantwortet:„Wo du hinkommst, brauchst du kein Brot mehr!“ Da lagen nun die alten und jungen, kranken oder körperbehinderten Frauen und unter ihnen manche, die kaum als krank bezeichnet werden konnten, hun- gernd, frierend und jede Minute erwartend, daß sie in das Krankenrevier geholt würden, um dort eine Todes- spritze oder das weiße Pulver zu bekommen oder in den sogenannten Turnsaal gebracht zu werden. Dort- hin wurden alle diejenigen geschickt, die nachts ab- transportiert wurden. Jeden Morgen um sieben Uhr kamen die SS-Männer Rapp und Köhler und suchten aus den zum Zählappell angetretenen, vor Schwäche und Furcht zitternden Frauen diejenigen aus, die sie ins Gas schicken wollten. Diese Frauen mußten auf Block 6 gehen. Dort wurde ihre Häftlingsnummer mit Tintenstift auf ihren linken Unterarm geschrieben. Nachmittags kamen der gefürchtete Lagerarzt Dr. Winkelmann, Dr. Treite oder die Oberaufseherin Binz und sahen sich die Ausgesuchten noch einmal an. Abends gegen 18 Uhr kam der erste Lastkraftwagen, in den die Frauen, nur mit einem Kleid auf dem Körper, unter fürchterlichen Schlägen durch die SS- Männer Rapp und Köhler und die Aufseherin Neu- deck hineingeprügelt wurden. Ihre übrigen Habselig- keiten mußten sie sauber gebündelt auf einen Haufen legen. Rapp fuhr dann mit den Opfern ab. Der offene Lastwagen fuhr an manchen Tagen bis zu sechsmal zwischen dem Lager Uckermark und den 111 Vergasungseinrichtungen im Wald, zwischen den Lagerhallen und dem Krematorium in Ravensbrück hin und her. In den Blocks lagen die angstvoll auf jedes Geräusch horchenden Frauen, die wußten, daß sie vielleicht schon in der kommenden Nacht auf die- sem Wagen die Fahrt in die Gaskammer antreten würden. Mit Entsetzen horchten sie auf das Gepolter des Wagens, wenn er an ihren Baracken vorbeifuhr. Nur selten war Weinen oder Schreien zu hören. Töd- liche Schwäche, würgende Angst und die wütenden Schläge der SS-Männer Rapp und Köhler und der Aufseherin Neudeck verschlossen den Opfern den Mund. Verzweifelt sahen die Kranken, die sich noch herumschleppen konnten, am nächsten Morgen bis zu 150 Bündelchen mit den letzten armseligen Habselig- keiten ihrer toten Kameradinnen vor dem Revier liegen. Mit dem ersten Transport aus dem Tuberkulose- block war auch die Deutsche Gisela Krüger aus Karls- ruhe in die Uckermark gekommen. Sie berichtete nach der Befreiung: „Ich wurde mit 35 bis 40 anderen Invaliden und Schwerkranken im Revier der Uckermark unter- gebracht. Wir fanden dieses Revier vollkommen leer vor, nasse Strohsäcke wurden aus dem Schnee geholt. Es brannte kein Feuer, und wir bekamen erst nach 48 Stunden warme Suppe. Es gab auch künftig keine Heizung, morgens keinen Kaffee, mittags einen halben Becher Steckrüben, abends ein kleines Stück Brot und einen Becher Kaffee.“ Die Nachricht von den fürchterlichen Verhältnissen im Lager Uckermark war kaum nach Ravensbrück ge- langt, als neue, noch schrecklichere, Dinge bekannt wurden. In der Uckermark starben nicht nur täglich Dutzende Frauen und Mädchen infolge der Kälte und des Hungers. Dort wurde auch auf andere grausame Weise getötet! Die SS hatte eine Gefangene zur Block- 112 älteste beispi lingen Im’ richtet ı den ältesten des Krankenreviers gemacht, die mit einer sbrück beispiellosen Kaltschnäuzigkeit Hunderte von Häft- ll auf lingen ermordete: Vera Salvequardt. n, daß Im Tagebuch von Gisela Krüger wird darüber be- uf die- richtet: itreten„’. Februar 1945: Es gibt immer weniger zu epolter essen, es sind keine Medikamente da, aber Vera eifuhr, hat ein Pulver, angeblich gegen Durchfall— aber 1. Töd- die, die das Pulver nehmen, schlafen ein und tenden wachen nie wieder auf. Ich habe Angst, solche nd der Angst! Ich habe Fieber und Schmerzen auf der n den rechten Seite, aber sagen werde ich nichts, denn h noch Medikamente sind nicht da und das Pulver! bis zu 9. Februar 1945: Etwas Entsetzliches: Die Ibselig- gestern auf Transport gingen, wurden in die Gas- Revier kammern geschickt: Meine Güte, lebend ins Gas! Wir sind doch Menschen, wenn wir auch krank sind! Man darf uns doch nicht so ums Leben r bringen! Oh, meine Angst, Vati, Mutti, ich sehe Rarls- Euch nicht wieder!“ te nach Irene Ottelord schildert in ihrem Bericht ebenfalls die grauenhaften Ereignisse im Krankenrevier der jen und Uckermark: kulose- unier-„Einmal schickte die Aufseherin alle ins Revier, ommen die nicht Appell stehen konnten, und ich war Schnee unter ihnen... Einige Tage war ich sehr verwun- ekamen dert darüber, daß ich immer, wenn ich in den jb auch Waschraum kam, fünf bis sechs Frauen dort traf. Kaffee, die auf dem Boden lagen und stöhnten. Es war abends augenscheinlich, daß sie sich im Zustand der Kaffee.“ Agonie befanden. Eine Deutsche aus meinem Zim- ee mer flüsterte mir irgend etwas von Spritze und are Rulvern:.. Eines Tages sollte ich in den Tagesraum verlegt pekann! werden. Ich fürchtete mich sehr. Die Menschen, täglich die dort hingelangten, kamen niemals mehr zu- jte und rück. Ich wußte auch, daß in jenem Saal den en. Kranken alle Sachen abgenommen wurden... 113 Am anderen Abend kam Vera zu uns ins Zim- mer, in der einen Hand ein weißes Pulver, in der anderen einen Löffel. Eine andere hielt ein Glas Wasser: ‚Einige von Euch gehen morgen auf Transport, ich gebe Euch jetzt Medizin, die Euch Kraft für den Weggibt...Madame Gabi wankte, schluckte mit Ekel das Pulver und sagte mir, daß es sehr schlecht schmecke. Zehn andere Frauen, in der Mehrzahl Jüdinnen, nahmen, sich schüt- telnd, das Pulver. Sehr schnell schliefen sie tief ein und schliefen noch am anderen Tag. Das laute Schnarchen hörte bei einer nach der anderen auf. Ich kann meinen Zustand nicht wiedergeben, als die Leichensammelkolonne kam. In diesem Saal war ich Zeugin furchtbarer Szenen, da die Frauen jetzt sehr gut wußten, was für ein Resultat es haben wird, wenn man das weiße Pulver nehmen muß, und sie kämpften um ihr Leben und wollten es nicht einnehmen. Einige waren so schwach, daß sie nur noch weinen konn- ten, beten, daß man ihnen ihr Leben lassen MUges.n. Ihre Bitten fanden taube Ohren. Wütend schlugen die SS-Männer Rapp und Köhler auf die Flehender ein. Beide verteilten, wie Vera Salvequart, diese Bestie in Menschengestalt, Injektionen und Pulver nach ihrem Gutdünken. Rapp erschoß zwei Kranke, die sich weigerten, das Pulver zu schlucken. Anderen gab er vergiftetes Brot, Frauen, die das Pulver nicht nehmen wollten, kniete sich Vera Salvequart auf die Hals- schlagader, bis sie blau anliefen und den Mund öffne- ten, um nicht zu ersticken. Dann schüttete ihnen die Salvequart das Gift in den Mund. SS-Standortarzt Dr. Trommer schickte das weiße Pulver, und seine Komplizen Dr. Winkelmann und Dr. Treite suchten die Todesopfer aus. Schutzhaftlagerführer Schwarz- huber kam regelmäßig, um über die„Ordnung“ im Lager zu wachen. 114 Die er ein teiligt Hitler sam V Dr. sträul was e der| fleisc Abe Zweif plötz] und e barac Männ deck Hand Visite baren Schroi Ihren einen gen u Ihnen uma g s Zim- in der ın Glas en auf e Euch vankte, ir, daß Frauen, schüt- sie tief as laute ren auf, ben, als 'htbarer en, was nan das ften um Einige n konn- lassen schlugen ehender ‚e Bestie er nach die sich Dieser Mann sagte im Hamburger Prozeß aus, daß er einmal an einer Ausräumung der Gaskammer be- teiligt gewesen sei. Der Befehl zur Vergasung sei von Hitler selbst gekommen, da das Erschießen zu lang- sam vor sich gegangen sei. Dr. Percy Treite sagte im selben Prozeß: „Ich erinnere mich, daß viele Polinnen durch Genickschuß getötet wurden. Weil diese Schießerei völlig wild vonstatten ging und weil zu befürch- ten war, daß auch Lebende verbrannt würden, habe ich unter dem Zwang der Verhältnisse für eine anständige Art der Tötung gesorgt. Das war dann die Gaskammer.“ Inzwischen ging im FKL Fürchterliches vor sich. Alle Häftlinge hatten von den Vorgängen in der Uckermark gehört. Aber diese Nachrichten waren so grauenvoll, die Angst vor der Uckermark so groß, daß der Verstand und das Herz der Häftlinge sich lange sträubten, an die Wahrheit alles dessen zu glauben, was erzählt wurde, obwohl aus dem Krematorium an der Mauer der Geruch verbrennenden Menschen- fleisches über das Lager zog. Aber am 4. März 1945 konnte es für niemanden mehr Zweifel geben. Am Nachmittag dieses Tages wurden plötzlich 93 Kranke aus dem Block der Tuberkulösen und einige Hundert Frauen aus den anderen Kranken- baracken geholt. Lastwagen fuhren vor, die SS- Männer Rapp und Köhler und die SS-Aufseherin Neu- deck gingen in die Blocks. Sie hatten Listen in der Hand, die offensichtlich von den Ärzten bei ihren Visiten zusammengestellt worden waren. Unter furcht- barem Toben und Schlagen rissen sie die tödlich er- schrockenen, weinenden und schreienden Frauen aus ihren Betten, warfen sie, die größtenteils nur mit einem Hemd bekleidet waren, unter ständigen Schlä- gen und Fußtritten auf die Lastwagen und fuhren mit ihnen ab. Sie kamen in so kurzer Zeit wieder zurück, um auf die gleiche viehische Weise die nächsten Opfer B N 115 zu holen, daß es gar keinen Zweifel darüber gab, daß sie diese Frauen nicht in die Uckermark gebracht haben konnten. Eine Stunde später quoll dicker, schwarzer Rauch aus den Schornsteinen des Kremato- riums neben dem Zellenbau, und der furchtbare Ge- ruch verbrennender menschlicher Körper verbreitete sich über das ganze Lager. Lähmendes Entsetzen über- fiel die Häftlinge. Mit totenblassen Gesichtern sahen sie zu den dunklen Wolken auf, dann erfüllte ein schreckliches Weinen, aus zehntausend gequälten Men- schenherzen hervorbrechend, jeden Winkel des weiten Lagergeländes. Verzweifelt riefen die Töchter nach den Müttern, die vor einer Stunde noch lebend in ihrer Nähe gewesen waren und deren Leben vielleicht gerade in dieser Minute dicht neben ihnen in der Vergasungskammer erstickt wurde. In dieser Stunde starben letzte Hoffnungen, geliebte Menschen doch noch einmal wiederzusehen. Seit diesem 4. März 1945 kamen ein Teil Frauen und Mädchen weiter auf dem Umweg über das Lager Uckermark, andere direkt vom Lager Ravensbrück oder von den Rüstungsbetrieben aus in die Ver- gasung. Unbeschreibliche Szenen gingen voraus. Die SS ging in die Wohnbaracken, ließ alle Häftlinge aus dem Block heraustreten und sortierte sie nach solchen, die noch weiterleben, und solchen, die‘den Block nicht mehr betreten durften. Die zur Vernichtung bestimmten Häftlinge wurden in eine leere Baracke gesperrt und dann entweder in die Uckermark oder direkt in die Vergasungsanlage abtransportiert. In den Krankenrevieren suchten Dr. Trommer, Dr. Winkel- mann und Dr. Treite die Opfer aus. Andere Häftlinge wurden zum Arbeitseinsatz befohlen— aber sie wuß- ten nicht, ob sie in einen Arbeitstransport eingereiht oder durch den Arbeitsdienstführer Pfiaum auf die Liste gesetzt wurden, die den Kopf trug:„Transport nach Mittweida.“ Das war das Kennwort: für den direkten Weg vom Lager in die Gaskammer. 116 stral Ärzt Schr ließe muß mar! den Krai aufb daß Die, oder entsi W bekz Trag den die] zusti vor gasu schv Krai zuse ließe verr ben, über gera wur nach D gem liche ter ı gasu 3, daß Tracht licker, mato- e Ge- 'eitete über- sahen ee ein ‚Men- veiten nach nd in lleicht n der stunde doch on und Lager sbrück ‚ Ver- ıs, Die ge aus olchen, Block chtung ‚aracke k oder In den Yinkel- ftlinge 5 wuß- gereiht uf die ‚nsport ir den An anderen Tagen mußten Tausende Häftlinge auf Befehl des Lagerkommandanten Suhren auf der Lager- straße mit nackten Füßen antreten. Er und die SS- Ärzte, Schwarzhuber, Pflaum, die SS-Aufseherinnen Schreiter und Bösel sowie die Oberaufseherin Binz ließen die Frauen an sich vorbeimarschieren. Sie mußten die Röcke hochheben, um zu zeigen, ob sie marschieren könnten— falls das Lager evakuiert wer- den müßte. Wer geschwollene Füße hatte oder die Kraft zu einem aufrechten und schnellen Gang nicht aufbrachte, wurde aus den Reihen geholt und wußte, daß er den Weg in die Gaskammer antreten mußte. Die gute oder schlechte Laune der SS, ihre Sympathie oder Antipathie dem einzelnen Häftling gegenüber entschieden über Leben oder Tod. Welch panischer Schrecken erfaßte die Frauen, wenn bekannt wurde, daß Appelle stattfinden sollten! Welche Tragödien spielten sich bei diesen Selektionen ab! In den Krankenblocks beschworen die Häftlingsärzte und die Blockältesten die Todkranken, um jeden Preis auf- zustehen und wenigstens ein paar aufrechte Schritte vor dem Arzt zu machen, um sich so vor der Ver- gasung zu retten. Diejenigen, die dazu schon zu schwach waren, rieben sich mit letzter versagender Kraft die bleichen Wangen, um weniger hinfällig aus- zusehen. Die Frauen mit grauen oder weißen Haaren ließen sich mit Schuhereme oder mit in Margarine verriebenem verkohltem Papier die Haare dunkel fär- ben. So manches Mal liefen ihnen schwarze Streifen über das Gesicht, wenn es bei einer solchen Selektion gerade regnete. Von den aufmerksamen SS-Mördern wurden sie dann mit Sicherheit in den„Transport nach Mittweida“ eingereiht. Die Polin Irene Marschalek war mit ihrer Mutter gemeinsam in Ravensbrück. Sie schilderte die schreck- liche Angst der Mütter um ihre Töchter und der Töch- ter um ihre Mütter bei den Selektionen für die Ver- gasung: „Ich mußte mich um meine Mutter ständig sor- gen und beunruhigen. Ravensbrück war ein Ort, an dem ein alter, kranker Mensch keinerlei Wert darstellte..... Ich fürchtete ständig, daß meine Mutter in die Uckermark geschickt würde. Eines Tages sahen wir von einem Block die Auswahl alter und kranker Frauen im Nebenblock mit an. Mein erster Gedanke war ‚Mama‘. Wo beginnen? Wie helfen? Das erste, was wir Häftlingsärzte und-schwestern im Block 6 taten, war, daß wir meine Mutter und andere ältere Kranke aus dem Fenster fliehen ließen. Andere erhielten weiße Schürzen und spielten Pflegerin, bis die Ärzte wieder gegangen waren. Unsere Ärztin fälschte die Fieberkurven der Kranken. Das nächste war: Mutter mußte ins Revier gehen und sich ‚gesund‘ schreiben lassen, um so aus dem besonders bedrohten Kranken- block zu verschwinden. Es gelang ihr nicht, in einen Arbeitstransport zu kommen, um das Läger verlassen zu können. Aus diesen Transporten wurden immer wieder schwache Frauen ausge- sucht und in die Vergasung geschickt. Es war zu riskant für meine Mutter. Und so mußte sie stän- dig von einem Block in den anderen fliehen, mußte im Block die Aufseherin und auf der Lagerstraße die Ärzte beobachten, um ihnen nicht in die Hände zu laufen. Einmal saß sie versteckt in einem Bett unter dem Dach des Blocks 13. Sie hörte, daß Pflaum mit Aufseherinnen kam und die alten Frauen aus dem Schlafraum holen wollte. Wie durch ein Wunder gelang es ihr wieder, aus dem Fenster zu fliehen. Dieses nervenaufreibende Leben machte, daß sie noch mehr abmagerte und alterte. Das ständige Zittern um die Mutter, die bange Frage, werde ich sie am nächsten Tag noch finden oder nicht, die Angst um alle unsere Kran- ken erschöpften auch meine Kräfte. g Sor- 1 Ort, Wert meine Eines swahl it an nnen? särzte ıB wir s dem weiße Ärzte n der te ins lassen, ınken- ht, in ‚ Lager porten ausge- war ZU e stän- liehen, uf der n nicht rsteckt 13. Sie ınd die wollte er, aus ‚jbende rte und ter, die 3g noch - Einmal kam meine Mutter nicht zur festgesetzten Zeit. Von bösen Ahnungen erfaßt, laufe ich zu ihr. Es zeigt sich, daß alle Frauen vor dem Block zur Selektion stehen. Ich suche die Mutter unter ihnen— nichts! Ich renne in den Schlafsaal— das Bett ist leer! Wo ist meine Mutter, wo? Nochmals laufe ich vor den Block, nochmals suche ich sie, und endlich finde ich sie erschöpft, hilflos auf der Erde in einem Winkel sitzen. Meine Freude ist nur kurz— was soll weiter werden? Wo soll ich Mutter verstecken? Ich renne ins Revier und be-. sorge eine Bettkarte bei den Kameradinnen. Wie- der nehme ich meine Mutter in unseren Block mit Wir ändern auf ihrer Karteikarte das Alter, ‚machen sie zehn Jahre jünger. Aber wird der Arzt das glauben bei ihrem jetzigen Aussehen? Ich fürchte das Kommen von Dr. Winkelmann noch mehr als bisher. Einmal kamen die Oberschwester und andere Schwestern plötzlich in den Block. Nur mit Mühe konnten Mama, Nicole und andere noch in die Toiletten stürzen. Sie kontrollierten auch die, zum Glück aber nur die ersten. Wir waren völlig am Ende mit unserer Kraft, als plötzlich der Befehl zur Evakuierung kam. Wieder die Angst, ob wir getrennt werden. Aber wir haben Glück, können zusammenbleiben, bis wir von der Roten Armee befreit werden.“ Lagerkommandant Suhren fragte bei einer Selektion auf die Bitte einer jüdischen Frau, nach stunden- langem Stehen zu ihrem Kind in den Block gehen zu dürfen:„Wie alt ist das Kind?“ Als sie Antwort gege- ben hatte, sagte Suhren:„Es ist groß genug, um allein zu bleiben!“ Die Frau mußte auf die Seite derjenigen gehen, die in die Uckermark gebracht wurden. Woche reihte sich an Woche. Im Februar 1945 wur- den 3672 Frauen und Mädchen in die Uckermark ge- schickt, im März etwa ebensoviel. Mindestens 6000 Häftlinge kamen in den letzten Monaten der Hitler- 119 herrschaft in Ravensbrück auf diese Weise ums Leben, bevor am 5. April das Lager Uckermark auf- gelöst wurde. Die siegreichen Truppen der Roten Armee waren so nahe herangerückt, daß die SS be- schloß, die Vergasung nach Malchow zu verlegen. Sie sollte nicht mehr dazu kommen. Aber bis zu den letz- ten Tagen ihrer Terrorherrschaft vergaste sie in Ravensbrück. Aus dem Block der Tuberkulösen gingen noch am 23. April vormittags die letzten 18 Kranken in die Gaskammer. Ehe sie aus Ravensbrück floh vernichtete die SS die Gaskammer, diesen lästigen Zeugen ihrer Unmenschlichkeit. INTERNATIONALE SOLIDARITÄT UNDANTIFASCHISTISCHER WIDER- STAND IN RAVENSBRUCR Ravensbrück war eine Stätte organisierter Mord taten der Hitlerbarbaren. Es war eine Stätte unsag- barer Leiden der Häftlinge unter dem unmenschlichen Terrorsystem der SS. Ravensbrück war gleichzeitig aber auch eine Stätte des heroischen Kampfes de: antifaschistischen Häftlinge gegen Mord und Terror. gegen den Krieg und zur Verteidigung des Lebens deı Frauen und Kinder. Dieser Kampf begann mit dem Tag, an dem deı erste Transport Häftlinge aus dem KZ Lichtenburg im Frühjahr 1939 nach Ravensbrück gekommen war. Die 150 antifaschistischen Häftlinge, unter ihnen vor allem die Kommunistinnen, hatten reiche Erfahrungen im Umgang mit der SS sammeln können. Sie wußten, daß es gegen diese vertierten Horden nur ein einziges Mittel der Selbstverteidigung gab: den gemeinsamen und organisierten Widerstand der Häftlinge. Sie wuß- ten auch, daß dieser Widerstand sehr schwer, sehr ge fahrvoll war und daß er manches Opfer kosten würde In diesen notwendigen Kampf konnten nur zuver 120 - ums k auf Roten SS be- an. Sie n letz- sie in gingen ranker t floh ästigen \ Mord unsag- lichen "zeitig 'es der Terroı ons del m der urg im ar, Die r allem gen im en, dab inzigeS zuver- lässige Frauen und Mädchen einbezogen werden. Das waren diejenigen, die eine klare Einstellung gegen Krieg und Faschismus hatten. Sie mußten sehr mutig sein und durften ihr Herz nicht auf der Zunge tragen. In der Gefahr mußte absoluter Verlaß auf sie sein, sie durften ihre Kameradinnen auf keinen Fall der SS verraten. Sie hatten schwere Verantwortung zu über- nehmen, und sie mußten für alle anderen Häftlinge Vorbild an Disziplin, Kameradschaft und Klugheit dem Feind gegenüber sein. Wie in allen Konzentrationslagern der Faschisten ging die Initiative zum Widerstand auch in Ravens- brück von den kommunistischen Frauen aus. Sie hatten lange Jahre politischen Kampfes hinter sich, in dem sie viele Erfahrungen hatten sammeln können. Sie sahen die politische Lage am klarsten und waren die bewußtesten Antifaschistinnen. Sie wußten am besten, daß nicht der einzelne, sondern nur die gemeinsam kämpfenden Häftlinge sich der SS gegenüber zur Wehr setzen konnten. Sie hatten sich Fähigkeiten in der Organisierung dieses Kampfes erworben, waren den Kampf gewohnt und einsatzfreudig. Durch alle diese Eigenschaften wurden sie von Anfang an zur führenden Kraft der Häftlinge gegen ihre Peiniger., Mit dem Kriege kamen Frauen aus den Ländern, die von der Hitlerarmee überfallen worden waren. Sie kamen aus ihren zerstörten Städten und Dörfern, sie hatten Männer, Kinder oder sonstige nächste Ange- hörige und liebe Freunde verloren. Sie hatten die grauenvollen Massaker der faschistischen Elemente in der deutschen Armee unter ihrem Volk miterlebt. Sie waren nach Deutschland verschleppt worden. Getrennt von allem, was ihren Herzen teuer war, erlebten sie das bestialische Morden der SS in Ravensbrück. Es ist nur zu verständlich, daß in den Herzen dieser gequäl- ten Frauen der Haß gegen alles brannte, was zum deutschen Volk gehörte. Viele von ihnen erfuhren erst im Konzentrations- 121 lager, daß es auch ein anderes Deutschland als das Adolf Hitlers gab, andere Deutsche als seine Banden. Zum erstenmal hörten die Frauen hier vom anti- faschistischen Widerstand deutscher Menschen gegen Hitler und von den schweren Opfern an Leben und Freiheit, die sie bereits gebracht hatten. Erst nach und nach lernten sie die deutschen Kameradinnen in Ravensbrück kennen, die schon jahrelang in den Ge- fängnissen, Zuchthäusern und KZ saßen, weil sie tapfer gegen Faschismus und Krieg gekämpft hatten, gegen die Feinde nicht nur des deutschen Volkes, sondern aller Völker. Die Kommunistinnen unter diesen Häft- lingen sprachen zu ihren ausländischen Kamera- dinnen über den Widerstand der deutschen Arbeiter- klasse und über die großen Bemühungen der deut- schen Kommunistinnen um das Zustandekommen der Einheit der Arbeiterklasse zum gemeinsamen Kampf gegen Hitler. Sie zeigten ihnen, daß durch die Weige- rung sozialdemokratischer Führer diese Aktionseinheit nicht zustandegekommen war, die der ganzen Welt das Leid des faschistischen Krieges erspart hätte. Diese Gespräche führten schon bald dazu, daß zwi- schen den Antifaschistinnen aller 23 Nationen, die in Ravensbrück vertreten waren, eine herzliche Kamerad- schaft entstand. Alle hatten begriffen, daß sie nur durch gemeinsames Handeln der gemeinsamen Not und Gefahr begegnen konnten. Alle und alles gegen die SS— alle und alles für die Kameraden!— das wurde das Motto ihres zähen, tapferen Kampfes. DIE NATIONALEN WIDERSTANDS- GRUPPEN Die Frauen bildeten innerhalb der Nationen auf ihren Blocks und überall dort, wo sie arbeiteten, kleine Widerstandsgruppen. Sie hatten oft zu vielen Lebens- 122 S das nden, anti- gegen \ und nach en in n Ge- tapfer gegen ndern Häft- mera- eiter- deut- n der Kampf Neige- sinheit ı Welt 5 ß zwi- die in nerad- je nur n Not gegen Bl. 58, fragen verschiedene Meinungen. Manche hatten in ihren Ländern politischen Parteien angehört, die sich bekämpften. Es gab Kommunistinnen, Sozialdemokra- tinnen, Frauen aus bürgerlichen Kreisen und aus dem Adel. Manche hatten sich früher gar nicht um die Politik gekümmert. Sie waren aus ihrer Gleichgültig- keit erst aufgewacht, als die deutschen Faschisten ihr Land überfielen. In den Widerstandsgruppen gab es Religionslose, gläubige Christinnen, Arbeiterinnen, Wissenschaftlerinnen, Bäuerinnen und Künstlerinnen. Aber so verschieden sie waren— alle fühlten sich mit- einander durch den glühenden Haß gegen Faschismus und Krieg verbunden und durch die gemeinsame Not und die alle gleich bedrohende ständige Todesgefahr. So wuchsen Freundschaft und Verständnis füreinander. Auf dieser Grundlage war auch der gemeinsame Kampf gegen die SS möglich geworden. Es wurde erreicht, allmählich viele Frauen zu bewußten anti- faschistischen Kämpferinnen zu entwickeln. Die SS ließ die Häftlinge in den ersten beiden Jahren den„Völkischen Beobachter“ bestellen. Wenn Hitler oder Goebbels eine ihrer zahllosen Hetzreden hielten, mußten die Häftlinge auf der Lagerstraße an- treten und diese Reden über den Lautsprecher an- hören. Die SS erreichte damit aber nicht die politische „Umschulung“ der Häftlinge, sondern das Gegenteil. Der Haß gegen den Faschismus wuchs unter dem Ein- druck der skrupellosen Kriegshetze nur noch mehr an. Auf dem Block der deutschen politischen Frauen wurden alle Reden, jede Zeitungsmeldung sorgfältig studiert, besonders, was zwischen den Zeilen stand. Man besprach diese Nachrichten. Dasselbe geschah bei den Politischen anderer Nationen. Beim Spaziergang oder bei einem der streng verbotenen Besuche in den Baracken tauschten die Frauen ihre Meinungen aus und informierten sich gegenseitig. Als sich für die deutschen Faschisten die Kriegslage verschlechterte, ließ die SS keine Zeitungen mehr ins 123 ager, Reden wurden nicht mehr übertragen. Sie ver- suchte alles, um das Eindringen von Informationen für die Häftlinge zu unterbinden. Aber die wußten sich zu helfen. Die deutschen Kommunistinnen organisierten, daß sie aus dem Gefängnis am Alexanderplatz in Berlin laufend signalisiert bekamen, welche politi- schen Gefangenen mit den nächsten Transporten nach Ravensbrück kommen würden. Diese Kameradinnen brachten Nachrichten aus der Welt vor dem Stachel- draht. Zuverlässige politische Häftlinge erhielten den Auf- trag, sich zu der sehr schweren Außenarbeit zu mel- den. Sie suchten dort Verbindung mit zivilen Men- schen und achteten auf jedes Wort, das draußen ge- sprochen wurde, um Nachrichten ins Lager zu bringen Die Frauen, die in der Lagerkommandantur arbeiten mußten, organisierten unter ständiger schwerer Ge- fahr das Abhören von Auslandssendungen und von Wehrmachtsberichten an den Apparaten der SS. Sie entwendeten der SS Zeitungen und Landkarten. Die Frauen in den SS-Betrieben, welche die blutgetränkten Uniformen toter Soldaten und die Kleider vergaster Menschen zertrennen mußten, brachten, obgleich dar- auf Todesstrafe stand, antifaschistische deutsche, fran- zösische, englische und sowjetische Flugblätter ins Lager. Alle diese Nachrichten wurden in den Wider- standsgruppen studiert, verglichen, in Zusammenhang gebracht, und so entstand ein einigermaßen reales Bild von der tatsächlichen politischen Lage in der Welt. Die Kommunistinnen, als die geschultesten poli- tischen Häftlinge, zeigten ihren Kameradinnen, daß der heroische Kampf des Sowjetvolkes und seiner siegreichen Armee, der wachsende deutsche und internationale Widerstand gegen Faschismus und Krieg den Untergang Hitlers unvermeidbar herbei- führen würden. Aus den Tagen des feigen Überfalls auf die Sowjet- union stammt ein kleiner weißer Zettel, der im 124 Origi licheı nistis pam De tena winzi Losuı dinn« den( nicht Kraft und| Die nach lieber gesicl geme drück Aush Die sten( dinnen tachel- n Auf- u mel- ; Men- en ge- ringen rbeiten er Ge- 1d von SS. Sie >n. Die änkten rgaster ch dar- >, fran- ter ins Wider- enhang reales in der 7] poli- ‚m, daß seiner je und js und herbei- Sowjel- der M Original erhalten blieb und von dem unerschütter- lichen Glauben und der Siegeszuversicht der kommu- nistischen Gefangenen zeugt: IR L—_N X M Y = KAMERADEN NICHT YERZAGEN DEN DIE SONNE GEHT IN OSTEN aur UNDNIMAD KAWN HINDERN VHREN LAUF Junwi 44 BF Deutsche und österreichische Kommunistinnen hat- ten auf mühsam beschafften kleinen Papierfetzen mit winzigen, versteckt gehaltenen Bleistiftresten diese Losungen geschrieben und an zuverlässige Kamera- dinnen verteilt. Sie setzten ihr Leben aufs Spiel, um den Gefährtinnen über diese schicksalsschweren Tage nicht nur hinwegzuhelfen, sondern ihnen auch Mut, Kraft und Glauben für ihren Kampf gegen Faschismus und Krieg zu geben. Die Kommunistinnen zeigten den Frauen auch, wie nach dem Krieg durch die Zusammenarbeit aller fried- liebenden Menschen der Welt der Friede für immer gesichert werden kann. Diese Erkenntnisse und der gemeinsame Kampf gegen die SS gaben den Ravens- brücker Antifaschistinnen den Mut und die Kraft zum Aushalten. Die Kommunistinnen hielten in kleinen und klein- sten Gruppen regelmäßig politische Schulungskurse ab, 125 trotz aller damit verbundenen schweren Gefahren. Deutsche Genossinnen sprachen über die Geschichte der deutschen, Französinnen über die der französischen Arbeiter, und sowjetische Frauen schilderten die Ge- schichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Welcher Jubel herrschte bei allen, als eines Tages bekannt wurde, daß einige gedruckte Kapitel der Ge- schichte der KPdSU ins Lager gelangt seien. Das war nicht nur ein Zeichen, daß der Widerstandskampf mutig weitergeführt wurde. Nun hatten sie nach lan- gen Jahren auch zum erstenmal wieder wissenschaft- liches Material in der Hand. Französische Kameradinnen hatten diese Kostbar- keit heimlich mit nach Ravensbrück gebracht, sorg- fältig in den Absatz eines Filzpantoffels eingenäht. Martha Desrumeaux, eine tapfere französische Arbeiterin, rettete den Pantoffel vor Beschlagnahme oder Vernichtung durch die SS. Diese wunderbare Frau wurde eine der wichtigsten Stützen des anti- faschistischen Widerstandskampfes in Ravensbrück. Sie war Kommunistin, Führerin in großen Streik- kämpfen der französischen Arbeiterklasse, Führerin der Arbeiter von Lille in ihrem Kampf gegen die faschistischen Eindringlinge. Martha kam schwer krank nach Ravensbrück, der SS-Arzt wollte ihr eine Hand abnehmen. Die Häftlingsärztinnen entzogen Martha seinen Blicken und behandelten sie heimlich selbst— sie retteten die Hand. Martha wurde Badefrau— jeder neu ankommende Häftling ging durch ihre Hand. Sie half den Schwachen, wo sie nur konnte, sprach den Verzagten Mut zu, übermittelte Nachrichten, orga- nisierte die Widerstandsgruppen unter den französi- schen Kameradinnen und erhielt die Verbindung zwi- schen den politischen Kämpferinnen der einzelnen Na- tionen aufrecht. Martha war eine nie versiegende Quelle des Muts und der Kraft für ihre Freundinnen. Unter den deutschen Kommunistinnen waren viele, die eine hervorragende Rolle in den Widerstands- 126 gru Änı und vor Fas nad Zuc geb den sie Fra Kar ihren. hichte ischen e Ge- union, Tages ar Ge- Is war kampf h lan- schaft- stbar- ‚ Sorg- enäht. ösische nahme 'erbare ; anti- sbrück, Streik- ihrerin en die - krank » Hand Martha elbst— jeder nd. Sie ıch den , orga- -anzösl- ng zwi- nen Na- jegende ‚dinneN. n viele, ‚stands- gruppen Ravensbrücks spielten. Eine von ihnen war Änne Kassing, eine schmale Frau mit einem klugen und guten Gesicht. Sie gehörte zu den Tapferen, die vor der Machtergreifung Hitlers, vor Krieg und Faschismus warnten. Änne führte ihren Kampf auch nach 1933 fort, wurde verhaftet und nach mehrjähriger Zuchthausstrafe von Ziegenhain nach Ravensbrück gebracht. Hier wurde sie„Anweisungshäftling“ bei den Strickerinnen. SS-Hauptsturmführer Opitz schlug sie bewußtlos, als sie sich energisch für die alten Frauen einsetzte. Furchtlos nahm Änne Kassing den Kampf mit der SS auf. Eine ihrer Gefährtinnen schrieb: „Anne Kassing hatte lange Zeit hindurch die Aufgabe, mir regelmäßig politische Informationen zu überbringen, die wir dann unsererseits an an- dere Kameradinnen weitergaben. Sie erhielt ihre Nachrichten in der Nachtschicht von tschechischen Genossinnen. Sowjetische Frauen führten einen Zirkel über die Geschichte der KPdSU durch. Änne Kassing nahm daran teil und gab das Gelernte an andere weiter. Ihre Kameradschaftlichkeit und ihr Mut offenbarten sich auch, als es galt, Rosa Thälmann in einer äußerst gefährlichen Lage zu verbergen, um sie vor dem Zugriff der SS zu schützen.“ Mutig und kameradschaftlich blieb Änne Kassing bis zum letzten Tag ihres Aufenthaltes in Ravensbrück. Mit tiefem Schmerz erfuhren ihre Kameradinnen ihren Tod. Änne Kassing wurde in einen Transport von Häftlingen eingeschmuggelt, die in den letzten Kriegstagen durch das Schwedische Rote Kreuz aus Ravensbrück abtransportiert wurden. Englische Flie- ger bombardierten den Lastwagenkonvoi im Tiefflug! Änne Kassing erhielt einen Lungenschuß und starb als eins der letzten Opfer des Krieges an der Seite einer anderen tapferen deutschen Widerstandskämpferin, Sophie Dehm. Unvergeßlich bleibt allen ehemaligen Ravensbrücker 127 Häftlingen auch eine andere Kameradin: Jozka Jabur- kova, eine Tschechin. Sie hatte das schwere Leben des vaterlosen Kindes einer tuberkulösen Arbeiterin hinter sich. Sie empörte sich gegen die Ausbeutung der Berg- arbeiter, unter denen sie lebte, und gegen den Krieg, den sie als ganz junges Mädchen kennenlernte. Jozka wurde erst Sozialdemokratin, dann Kommunistin. Sie wurde Chefredakteur der kommunistischen Frauen- zeitung„Die Säerin“, schrieb Märchen für Kinder der Arbeiter, verfaßte Broschüren politischen Charakters, Geschichten und Romane. Als die deutschen Faschisten die Heimat Jozkas überfielen, wurde sie von ihnen verhaftet und nach Ravensbrück gebracht. Sofort be- gann sie, hier bei der Organsierung des Widerstands gegen die SS zu helfen, und stand bald mit anderen im Mittelpunkt dieser gefährlichen Arbeit. Sie beteiligte sich an der Bildung von Schulungszirkeln und ent- wickelte Lehrerinnen dafür. Mut und Kameradschaft- lichkeit zeichneten sie aus wie Änne Kassing. Sie wurde gestärkt durch ihren unbeirrbaren Glauben an die Kraft der sozialistischen Ideen und an den Sieg der Sowjetunion über die faschistische Barbarei. Auch Jozka sollte die Befreiung nicht erleben, ihre Gesund- heit wurde durch Hunger und Kälte untergraben. Statt sie zu behandeln, schickte die Lagerärztin Dr. Ober- heuser die todkranke Frau in den Arrest. An einem schönen Julimorgen wurde sie bei leuchtendem Sonnenschein von ihren Kameradinnen aus dem Bunker getragen. Einen besonderen Platz unter den Widerstands- kämpferinnen Ravensbrücks nahm auch Mela Ernst, eine österreichische Kommunistin, ein. Sie war eine kleine, schwache Frau, der niemand den ungewöhn- lichen Mut und die Kraft für ihren tapferen Kampf um die Rechte der Arbeiterklasse, die Freiheit Öster- reichs und gegen Faschismus und Krieg zugetraut hätte. Auch Mela Ernst hatte lange Haftjahre hinter sich, die nicht nur angefüllt waren mit großem Leid, 128 abur- n des inter Berg- Sieg, Jozka n. Sie auen- r der kters, nisten ihnen rt be- tands en im eiligte | ent- chaft- wurde ın die :g der Auch ssund- ‚Statt Ober- einem endem ‚ dem tands- Ernst, r eine wöhn- Kampf Öster- setraut hinter , Leid. m sondern auch mit einem ständigen erbitterten Wider- stand gegen ihre Kerkermeister. Mela Ernst gehörte zu den aktivsten Kämpferinnen in Ravensbrück. Sie hatte größte Autorität unter den österreichischen Kameradinnen und genoß die Achtung ihrer Freun- dinnen aus allen Nationen. Lidia Besnogowa, eine sowjetische Frau, schreibt in ihren Erinnerungen: „Am 7. November 1944 versammelten sich zwi- schen Arbeitsschluß und Abendsirene eine Reihe von Kommunistinnen, von jeder Nationalität zwei, im Block der sowjetischen Kriegsgefangenen, unter ihnen Rosa Thälmann. Mela Ernst, eine Österreicherin, sprach deutsch über die historische Bedeutung der Großen Sozialistischen Oktober- revolution, über die kommunistischen Organisa- tionen in Europa und über die Aufgaben der Kommunistinnen im Lager. Jewgenia Lasarewna Klemm schilderte die Lage an der Front, die be- reits an der Oder verlaufe, und zeigte, daß die Befreiung bald kommen müsse. Zum Schluß wurde leise gesungen: ‚Vaterland, kein Feind soll dich gefährden‘.“ Jewgenia Klemm war allen Widerstandskämpferin- nen Ravensbrücks bekannt. Still, ernst, bescheiden und unauffällig ging sie durch das Lagerleben, diese gute und tapfere Frau. Sie und ihre Freundinnen Lidia Fjodorowna, Besnogowa, Bobkowa, Petruschina, Matu- sowa, Boiko, Sokowa, Pignatti und Maligina, bildeten den Mittelpunkt der sowjetischen Widerstandsgruppen. Jewgenia sprach sehr gut deutsch. Sie war von Beruf Hochschullehrerin. Die deutschen und sowjetischen Revierarbeiterinnen verschafften ihr politische Nach- richten. Jewgenia übersetzte das Wichtigste davon und ließ es unter den anderen Gruppen kursieren. Sie verschaffte sich irgendwie eine Landkarte und trug die Bewegungen der Sowjetarmee ein. Ihr großes Wissen auf allen Gebieten kam vielen Häftlingen bei ihren Bemühungen zugute, ihren Geist mit nützlichen Din- 9 129 gen zu beschäftigen und allen Absichten der SS zum Trotz auch im KZ zu lernen und ihre Kenntnisse zu erweitern. Die Faschisten hatten in Ravensbrück streng ver- boten, daß die Häftlinge irgendwelche Feiern oder kul- turelle Veranstaltungen durchführten. Die Monotonie des Lagerlebens war in ihren Ausbeutungs- und Ver- nichtungsplänen einbegriffen. Sie wollten das erzwin- gen, was im Geheimbericht eines Dr. von Lepel vom 21. August 1944 in bezug auf die Ravensbrücker Frauen gesagt wird, die in den Rüstungswerken in Neubran- denburg arbeiten mußten: „Auf ganz persönliche Initiative von Direktor Rintelen begannen die Mechanischen Werkstätten Neubrandenburgs im März 1943 mit 200 weib- lichen Häftlingen, deren Zahl heute auf 5200 ange- wachsen ist. Die Erfolge sind enorm und niemals zuvor für möglich gehalten worden... Das Ge- heimnis liegt im Psychologischen begründet. Die Frauen... müssen zunächst das Gefühl der Hoff- nungslosigkeit auf Befreiung haben und dadurch aus Langeweile und manuellem Betätigungsdrang von selbst an die Arbeit herangehen...“ Hoffnungslosigkeit sollte in Ravensbrück erzeugt werden, um die einen in die Rüstung oder die SS-Be- triebe schicken und bis zur völligen Entkräftung aus- beuten zu können und die anderen widerstandslos gegen den Tod durch Hunger und Kälte zu machen. damit sie um so rascher reif für die Gaskammer oder das Krematorium würden. Die antifaschistischen Widerstandsgruppen setzten dieser Absicht der SS die Losung entgegen: Mut und Moral aller Häftlinge mit allen Mitteln heben! Eines der Mittel war die Organi- sierung kleiner kultureller Veranstaltungen in den ein- zelnen Baracken. Dabei wurde aus dem Nichts heraus fast Unglaubliches geleistet. Unter den Häftlingen aller Nationen gab es ausgezeichnete Tänzerinnen, Sängerinnen, Malerinnen, Schauspielerinnen, Kaba- 130 7 SS tnisse ) Ver- r kul- otonie | Ver- 'ZWIN- | vom rauen ıbran- rektor stätten weib- ) ange- jemals as Ge- et, Die - Hoff- adurcb sdrang orzeugt SS-Be- ng, aus- andslos nachen er oder ‚tischen .S5 die nge MI Organl- jen ein- . heraus ftlingen rinnen Rab?’ rettistinnen und Rezitatorinnen. Obwohl von schwer- sten Strafen bedroht, verstanden sie es, in den ein- zelnen Baracken von Zeit zu Zeit ein kulturelles Pro- gramm zu bieten, das die Lebensfreude und die Zuver- sicht der Gefangenen neu weckte und stärkte. Natürlich konnten die Feiern zu politischen Gedenk- tagen in Ravensbrück nur im Kreis zuverlässiger Anti- faschistinnen durchgeführt werden. Eine Entdeckung durch die SS hätte unabsehbare Folgen haben können. Als 1943 im Block der deutschen politischen Häftlinge eine Gedenkfeier für die vergasten Ravensbrücker Frauen vorbereitet worden war, kamen zwei deutsche und eine österreichische Kameradin dafür fünf Mo- nate in den Arrest. Aber es verging kein 1. Mai, kein Internationaler Frauentag, kein 7. November ohne Feiern in größerem oder kleinerem Ausmaß bei den deutschen Antifaschistinnen. Die Französinnen, Tschechinnen, Polinnen und andere Nationalitäten be- gingen ihre nationalen Feiertage. Die sowjetischen Frauen luden Kommunistinnen anderer Länder zu ihrer Lenin-Gedenkfeier ein, die mit der leise gesun- genen Internationale ihren Abschluß fand. Auch die religiös gebundenen Häftlinge hielten mit Unterstützung der Antifaschistinnen, die in der Regel religionslos waren, ihre Gottesdienste und andere kirchliche Feierlichkeiten ab. Auch diese Feiern waren von der SS streng verboten. Als die polnischen Frauen am Weihnachtstag einen Gottesdienst abhielten, hatten sie Krippen aufgestellt, die in aller Heimlichkeit selbst gebastelt worden waren. Einige der Frauen hielten Wache, während die anderen leise ihre Litanei sangen und beteten. Vielen dieser Frauen war bei der Einliefe- rung in Ravensbrück ihr Gebetbuch, ihr Testament oder ihr Rosenkranz von der SS abgenommen worden. Kommunistische Kameradinnen, die in der Effekten- kammer arbeiteten, entwendeten diese religiösen Gegenstände dort und schmuggelten sie unter Gefahr ihren katholischen und evangelischen Kameradinnen 2 131 wieder zu, um auf diese Weise ihre Widerstandskraft zu stärken. Die Solidarität, die unter den politischen Häftlingen aller Nationen im Kampf gegen den gemeinsamen Feind entstanden war, wurde zu einer um so stärke- ren Kraftquelle, je katastrophaler die Lagerver- hältnisse sich entwickelten. Sie griff auch auf viele der anderen Häftlinge über und erleichterte das Leben aller Gefangenen, gab ihnen das Gefühl, nicht allein zu sein und Freunde zu haben. Welcher Trost konnte aus einem warmen Wort, einem freundlichen Blick für die Frauen kommen, die Tag um Tag von der SS er- niedrigt, in ihrer Menschenwürde beleidigt, verhöhnt und gequält wurden! Wieviel bedeutete es für jede Gefangene, eine oder mehrere Kameradinnen zu be- sitzen, mit denen sie ihre geheimsten Gedanken, ihre Ängste und auch ihre Hoffnungen besprechen konnte. Weihnachten sollte in Ravensbrück kein Fest der Liebe und der Freude sein; auch die kleinste Geburts- tagsfeier war bei schwerer Strafe verboten. Aber die gefangenen Frauen verstanden es trotz der täglichen Qualen meistens, einander kleine Freuden zu bereiten. Wahre Kunstwerke entstanden mit allerprimitivsten Geräten aus den Stielen der Zahnbürsten: Herzen als Zeichen der Freundschaft, Glückstierchen, Ringe und vieles andere. Mühsam wurden winzige Stückchen Papier ein ganzes Jahr zusammengetragen, um der Freundin am Geburtstag eine kleine Gedichtsamm- lung schenken zu können. Eine Möhre, draußen bei der Außenarbeit mitgenommen und unter Gefahr der Entdeckung ins Lager geschmuggelt, konnte Freuden- tränen beim Geburtstagskind auslösen. Die Häftlinge verzichteten oft trotz des nagenden, nie gestillten Hungers auf eine oder zwei Tagesrationen Brot, auf die Wochenration von 20 Gramm Margarine und den wöchentlichen Löffel Kriegsmarmelade, um daraus kunstvolle Gebilde zu schaffen, die eine Torte vor- täuschten. Antonina Nikiforowa aus Leningrad be- 132 Sskraft lingen samen tärke- erfver- viele Leben allein tonnte ick für SS er- rhöhnt r jede zu be- n, ihre onnte. st der oburts- per die glichen reiten. tivsten zen als ge und ickchen ım der tsamm- bei der hr der reuden- iftlinge ostillten rot, auf ind den daraus te vor“ rad be schreibtinihrenErinnerungen einen solchen Geburtstag: „Wir aßen unser Brot und die Marmelade nicht auf. Wir legten uns beide hungrig schlafen. Am Morgen übergaben wir unsere ‚Vorräte‘ den Gast- gebern und beschlossen, uns feiertäglich zu waschen und zu frisieren. Als wir im Block an- kamen, waren wir erstaunt: da standen Flaschen mit Häftlingskaffee und Brotstücke, die kunstvoll mit Margarine und Marmelade verziert waren. Auf einer Tischdecke lagen viele Briefe. Die Freun- dinnen kannten das Leben Lidas in der Heimat gut durch ihre Erzählungen. Nun lagen vor ihr, von ihnen geschrieben, ‚Briefe‘ von der Mama, von Mischa, dem Matrosen, zu dem Lida zärtliche Be- ziehungen hatte. Er teilte mit, daß es ihm ge- lungen sei, den Feinden zu entkommen, sich zur Roten Armee durchzuschlagen und daß er nun hoffe, in nicht allzuferner Zeit nach Deutschland zu kommen, um seine teure Lidotschka zu be- freien. Die guten Mädchen! Von diesem Tag an fühlten wir uns in Block 12 nicht mehr einsam.“ Ähnliche Briefe waren von Block 1 aus monatelang durch einige deutsche politische Häftlinge an ein klei- nes Zigeunermädchen geschickt worden. Anna Horvath war zwölf Jahre alt, hatte keine Mutter und keine Geschwister. Ihr zärtlich geliebter Papa saß im Kon- zentrationslager Dachau. Er hatte wenigstens einmal dort gesessen und seiner kleinen Tochter durch einen Kameraden innige Briefe schicken lassen. Wahrschein- lich war der Vater„gestorben“, wie Tausende andere Zigeuner. Der Kummer des kleinen Mädchens war groß, es verfiel sichtlich, weinte in den Nächten ver- zweifelt vor sich hin. Da setzten sich in Block 1 die Frauen hin und fingierten Briefe, die die Blockälteste an den Festtagen mit den anderen Briefen für die Zigeunerinnen austeilte. Anna war wie umgewandelt. Später ging sie mit einem der Vernichtungstransporte nach Auschwitz. 133 £ ” RETTET DIE KINDER! Die Frauen der antifaschistischen Widerstandsgrup- pen versuchten besonders auch das Leben der Kinder in Ravensbrück zu erleichtern. Aus den Kleiderkam- mern und den SS-Betrieben wurden soviel Kleidungs- stücke, Stoff, Schuhe und Wolle„organisiert“, wie nur irgend möglich, um die fast nackten Kinder mit Hem- den, Jäckchen oder Kleidchen zu versorgen. Welcher Kummer war es für die Frauen, wenn sie sahen, daß alle ihre Bemühungen doch nur für wenige Kinder Erleichterungen bringen konnten! Als sich der Gesundheitszustand der Häftlinge so verschlechterte, daß die„Belieferung“ der Rüstungs- betriebe mit Arbeitssklaven ernstlich gefährdet war, erlaubte die SS den Frauen einiger Nationen, Pakete zu empfangen. Die meisten Häftlinge konnten nie- mals ein solches Paket erhalten. Die Glücklicheren aber vergaßen nie die hungrigen Kinder. Als eine politische Deutsche den Tuberkulösenblock als Block- älteste übernommen hatte, wandte sie sich hilfe- suchend an die Vertreterinnen der einzelnen Nationen. Sie bat um Brot, Zucker und Fett für die sechzehn tuberkulosekranken Kinder von Block 10. Von. da an bis zum Abtransport des letzten Kindes in das Vernichtungslager Uckermark war es möglich, diesen armen kleinen Geschöpfen regelmäßig ein zusätzliches Stück Brot zu geben oder ihnen sogar gelegentlich eine schmackhafte Suppe zu kochen. Eine große Anzahl politischer Frauen übernahm Patenschaften für mutterlose Kinder und versuchte, so gut, wie es ging, sie vor Hunger, Kälte und Prügeln zu schützen. Die Häftlinge, die im Revier arbeiteten, versuchten, Medikamente und Stärkungsmittel für die Kinder zu beschaffen, und behandelten sie heimlich mit besonderer Sorgfalt. Aber auch sie konnten immer nur einzelnen helfen. 134 Weihnachten 1944/45 erlaubte die©beraufseherin, zweifellos unter dem Eindruck des Herannahens der Sowjetarmee, daß die Häftlinge für die Kinder des SsTup- Lagers eine kleine Weihnachtsfeier veranstalteten. Ilse \inder Hunger, eine deutsche Kommunistin, schreibt darüber: me„Wir wurden aktiv, das ganze Lager wurde ak- Jungs- tiv, erwachte aus seiner Stumpfheit und begann ie nur heimlich zu arbeiten... In jedem Block saßen die Hem- Frauen und nähten, strickten, stickten, stopften 'elcher und bastelten aus kleinen Resten und Abfällen n, daß die schönsten Kinderfreuden. Es häuften sich Kinder körbeweise die Geschenke, es entstanden reizende Kostbarkeiten und wirkliche Kunstwerke: Spiele, nge So Bälle, Puppen, Pullover, Kleider und Anzüge. Be- tungs- hutsam nahmen wir alles in die Hände und t war schluckten die Tränen hinunter. Pakete Wir lebten auf, das ganze Lager lebte auf, n nie- schöpfte aus diesem Tun neue Hoffnung, vereint cheren in dieser Kinderhilfsaktion. Als ganz besondere is eine Überraschung und Freude für die Kinder dachten Block- wir uns ein Kasperletheater aus. Wir wollten ein- hilfe- mal unsere Kinder lachen machen. Wir bekamen tionen. von der Lagerleitung die Erlaubnis, aber man ver- ‚chzehn bot uns die Verteilung der Geschenke... on. da Weihnachtsabend. Das Spiel begann. Die bunten in das Lampen an der kleinen Bühne breiteten einen diesen| märchenhaften Schein über die zarten rosigen tzliches Puppengesichter, und Erikas Stimme, die das sentlich Märchen erzählte, klang warm und innig durch i den Raum. Unsere Augen aber schweiften über die nahm Kinder hin, die glücklich und aufmerksam ihr "suchte, trauriges Leben einmal vollkommen vergaßen. Drügeln Und als das erste kräftige Lachen von diesen arm- eiteten, seligen 500 Kindern erscholl, als die Begeisterung für die immer größer wurde, als sie immer mehr nach eimlich vorn drängten in ihrem Eifer, da wuchs auch in u uns immer mehr die Freude. Es löste sich die ‚ imm u.: Starrheit in uns, es wuchs der Wille, durchzu- 135 halten, um das Unrecht, das hier im Lager an diesen Menschenkindern geschah, einstmals wie- der gutzumachen.“ Einige der Frauen nahmen Kinder, für die sie in Ravensbrück schon, so gut sie konnten, gesorgt hatten, mit in die Freiheit. Da gab es z. B. einen kleinen Jungen, Hermann-Peter Wolf. Er kam im Herbst 1944 mit 60 anderen jüdischen Kindern nach Ravensbrück, deren Eltern in den Gaskammern von Auschwitz um- gekommen waren. Für die Kinder bedeutete Ravens- brück eine Hölle. Sie hungerten und froren. Anna Grunina Pavlinowa, eine Jugoslawin, konnte nicht schlafen, wenn sie aus der Nachbarbaracke ihr Schreien und Weinen hörte. Eines Tages begegnete sie dem kleinen Hermann. Sie umarmte ihn liebevoll, und zwischen beiden entstand schnell ein herzliches Ver- hältnis. Der kleine Junge erzählte Anna, wie seine Mutter erleben mußte, daß der Vater vor ihren Augen von den deutschen Faschisten erschossen wurde. Sie selbst wurde nach Ravensbrück gebracht. Anna nahm das Kind zu sich auf den Block, um besser für es sorgen zu können. Das war streng verboten. Anna ver- steckte den Jungen bei Kontrollen unter ihrem Bett, teilte ihre armselige Ration mit ihm, da er selbst kein Recht auf Essen in diesem Block hatte. Anna wurde Hermanns Lebensretterin: Die kleinen Jungen und Mädchen aus der Nachbarbaracke wurden in die Gas- kammer von Ravensbrück gebracht— Hermann ist der einzige Überlebende dieser Gruppe. „Der Widerstandskämpfer“, das Organ der inter- nationalen Föderation der Widerstandskämpfer, schil- dert einen anderen Fall der Rettung eines Kindes durch die Solidarität seiner Kameradinnen. In einer Reportage über eine Ferienreise der Kinder französi- scher Widerstandskämpfer nach Rumänien heißt es: „Lumpi ist ein hübscher kleiner Junge von zehn Jahren, wie die anderen— und doch ist er an- ders... Guy Poirot wurde in der Hölle ge- Be Poli ge Me ae SE ee a ee De In nen Stub und Funk Schu Stand Kont im$ diese beste zun die in de sten ran Wwie- sie in atten, einen : 1944 rück, - ‚vens- Anna nicht Ireien dem ‚ und ‚ Ver- seine Augen e, Sie nahm für es a ver- ı Bett, t kein wurde n und e Gas- ist der inter- i schil- Kindes einer ‚nzösl- jßt es: n zehn er all Jle ge boren... in Ravensbrück. Es ist dem Wunder der internationalen Solidarität zu danken, daß Guy heute noch am Leben ist. Er wurde am 11. März 1945 in diesen Baracken geboren, wo Patriotinnen aller Länder eingepfercht waren, deren einziges Verbrechen war, daß sie ihre Heimat und die Freiheit zu sehr liebten. Guy war vor den Krema- torien, in denen die Nazis alle Neugeborenen ver- brannt hatten, durch deutsche Häftlinge gerettet worden, die ihn versteckt hielten und mit Kar- toffelbrei und Wasser nährten. Bei der Evakuie- rung übergaben ihn die Frauen, in Lumpen ge- wickelt, seiner Mutter— daher sein Spitzname. Das ist die erschütternde Geschichte des kleinen Guy und das Hohe Lied der Lagerkameradschaft.“ SIEGABEN MIR DIEKRAPT ZUM EBEN In der Regel stellten Antifaschistinnen aller Natio- nen in Ravensbrück die sogenannten Block- und Stubenältesten aus ihren Reihen. Das war eine schwere und verantwortungsvolle Aufgabe. In einer solchen Funktion oder in den Arbeitskommandos, die Wäsche, Schuhe, Decken, Brot und Essen zu verteilen hatten, stand der Häftling ständig unter der unmittelbaren Kontrolle der SS und damit immer mit einem Bein im Strafblock oder im Arrest. Andererseits aber gaben diese Funktionen den politischen Gefangenen auch die beste Möglichkeit, Einfluß auf das ganze Lagerleben zu nehmen und die Interessen aller Häftlinge gegen die SS zu vertreten. Die Widerstandsgruppen waren in der Lage, durch ihre Kameradinnen in den wichtig- sten Häftlingsfunktionen die Maßnahmen der SS 137 wenigstens teilweise zu durchkreuzen und auf diese Art Tausenden das Leben zu retten. Die politischen Häftlinge der Lagerküche versuchten mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, den Diebstahl von Nahrungsmitteln, die den Gefange- nen zustanden, durch die SS, zu vereiteln. Sie setzten ihren Ehrgeiz darein, größere Rationen zu kochen, als die SS vorschrieb, und vor allen Dingen heimlich auch die Baracken mit Essen zu versorgen, denen die SS Kostentzug diktiert hatte. Die Antifaschistinnen in der Bekleidungskammer versuchten ebenso wie diejenigen in der Schuhkammer, die Gefangenen, die es am nötig- sten hatten, einigermaßen zu versorgen. Sie konnten manches alte Mütterchen, manches Kind vor dem Er- frierungstod bewahren. Aus anderen Kammern wur- den frische Strohsäcke und Decken für die Kranken und für die Häftlinge heimlich ausgegeben, die keine besaßen. In engster Zusammenarbeit mit den Block- und Stubenältesten wurden die größten Anstrengungen gemacht, um einem möglichst großen Kreis von Häft- lingen Hilfe zu leisten und die Vernichtungsabsichten der SS zu sabotieren. Das war sehr schwer und ge- fährlich. Manche Kameradin in einer solchen Funktion wurde von der SS-Aufseherin geprügelt und in den Strafblock geschickt. Am schwierigsten waren die Positionen der Block- und Stubenältesten. Sie waren für alles verantwort- lich, was auf dem Block geschah. Je chaotischer das Lagerleben bei der völligen Überfüllung aller Ba- racken wurde, um so schwieriger wurde ihre Aufgabe. Sie mußten die Kontrolle über 1000 bis 3000 Menschen behalten, jedem einen Schlafplatz geben, sie mußten die Essenrationen austeilen, mit der SS den zermür- benden täglichen Kampf um Wäsche, Kleider, Schuhe, Decken für ihre Kameradinnen ausfechten, die Zähl- appelle durchführen, Kranke ins Revier bringen, Tote in den Leichenkeller schaffen lassen und vieles andere mehr. Sie mußten dafür sorgen, daß ein bestimmtes 138 Maß seite) völlig vielf: stanc kräft Vern einer Kelle engst Mens besin Nerv Rest fleisc eine ältes! selbs stinn stanc Dit bestr noch unteı zu le scher diese entzu Supp Spart E diese uchten anden, >fange- setzten ıen, als h auch die SS in der jenigen ı nötig- connten em Er- n WUL- ‚ranken e keine Block- ‚gungen n Häft- psichten nd ge- unktion in den * Block- ıntwort- ‚her das ler Ba- yufgabe fenschen mußten zermür- Schuhe, ie Zähl- ‚en, Tote , andere stimmtes Maß von Disziplin auch in den schlimmsten Zeiten seitens der Häftlinge geübt wurde, wenn nicht das völlige Chaos über alle hereinbrechen sollte, das nur vielfachen Tod im Gefolge haben konnte. Und sie standen Menschen gegenüber, die vollkommen ent- kräftet waren, in ständiger Angst vor Strafen und Vernichtung, im Kampf um einen Schlafplatz, um einen Platz im Waschraum, in der Toilette, um die Kelle Suppe oder das Stückchen Brot. In der ständigen, engsten Gemeinschaft mit so vielen gegensätzlichen Menschen, ohne eine Möglichkeit zur Ruhe und Selbst- besinnung, waren die meisten zu dahinvegetierenden Nervenbündeln geworden. Mit ihnen einen letzten Rest von Ordnung zu erhalten, sie vor der Selbstzer- fleischung und Selbstaufgabe zu bewahren— das war eine sehr schwere Aufgabe für die Block- und Stuben- ältesten. Sie konnten sie nur einigermaßen lösen und selbst bestehen im Zusammenwirken der Antifaschi- stinnen in allen Baracken und mit Hilfe der Wider- standsgruppen. Die Hilfe für schwächere, gefährdete, kranke und bestrafte Häftlinge hatte vielfältige Formen. Als es noch einen Block jüdischer Kameradinnen gab, die unter dem damaligen Kommandanten Kögel besonders zu leiden hatten, übernahm Block 1, in dem die deut- schen Antifaschistinnen saßen, die Patenschaft über diesen Block und unterstützte die Frauen bei Kost- entzug durch das heimliche Hinüberschicken von Suppenkesseln, die ihnen gehörten, und durch abge- sparte Brotrationen. Sie beschafften Verbandzeug und Medikamente, wenn die Jüdinnen im Revier von den SS-Ärzten nicht behandelt wurden. Sie steckten ihnen heimlich Zeitungen zu und schrieben ihnen Briefe, die ihnen Mut machen sollten. Deutsche und österreichische Antifaschistinnen bil- deten heimlich einen Chor und besuchten sonntags die Krankenblocks, um den Kameradinnen eine kleine Freude zu machen und ihre Moral zu heben. 139 Als eine größere Gruppe von Häftlingen einmal drei T'age lang kein Essen erhielt, weil sie sich geweigert hatte, Arbeit für den Krieg zu leisten, legten ihnen jugoslawische Partisaninnen ihr Brot in das Stroh, das sie für ihr Lager in einen Block tragen mußten. Die Gefangenen im Strafblock, die unter besonders schweren Bedingungen leben mußten, erhielten von ihren Kameradinnen nachts Brot und Wäsche durch die Isolierdrähte zugeschoben. Als die ersten polnischen Häftlinge nach Ravens- brück kamen und streng vom übrigen Lager getrennt wurden, übernahm es eine deutsche Kommunistin, sie laufend mit Medikamenten, Verbandstoff und Nach- richten zu versorgen. Die sowjetischen Kriegsgefangenen führten einen Hungerstreik gegen die Vernichtung ihrer Kameradin- nen durch. Ihre Suppe sollte in einen anderen Block gegeben werden. Aber in diesem Block weigerten sich die hungrigen Häftlinge, dieses Essen anzunehmen. Das ganze Lager bot den sowjetischen Frauen sein Brot an. Sie nahmen es nicht mit der Erklärung: Hungerstreik sei Hungerstreik. Diese internationale Solidarität war für alle Häft- linge eine Quelle des Mutes und der Kraft. Pelagia Mackowska, eine der polnischen Frauen, die in Ravens- brück zu experimentellen Operationen mißbraucht wurde, faßt die Empfindungen vieler Tausender Häft- linge zusammen, wenn sie in ihren Erinnerungen schreibt: „Mein Mann, zwei minderjährige Söhne sowie zwei Brüder wurden von Gestapohäschern er- mordet, während ich— obwohl die Aussichten gleich Null waren— zwar mit dem Leben davon- kam, aber an Leib und Seele Schaden litt. In mir wurde jede Lebensfreude getötet, aber mein Glaube an die Menschen konnte nicht getötet wer- den. Ich wurde in dieser meiner Überzeugung ge- stärkt, als sich um mich noch im Lager eine il drei ’eigert ihnen h, das . onders n von durch avens- trennt in, sie Nach- einen radin- Block en sich >hmen. n sein ärung: - Pelagia \avens- „raucht r Häft- rungen ) sowie rn EI- sichten davon- In mir r mein et wel“ ung ge ‚er eine Gruppe von Menschen guten Willens sammelte, die moralisch nicht verkommen und auch nicht in den Sumpf der nazistischen Ideologie und Ethik hineingezogen war, sondern an eine bessere Zukunft glaubte. Von diesen Menschen schöpfte ich meine Kraft zum Leben in den Stunden tiefster Verzweiflung und erhielt neue Kräfte für den Kampf zur Verteidigung der von den Hitler- faschisten mit Füßen getretenen Menschheit, für den Kampf um unsere Freiheit.“ KAMPFDER VERNICHTUNG In der Verteidigung des Lebens der Häftlinge, in der Organisierung des Widerstands gegen die Vernich- tungsabsichten der SS, sahen die Antifaschistinnen Ravensbrücks ihre größte Aufgabe. Es gelang ihren vereinten Kräften, viele ihrer Kameradinnen vor der Gaskammer zu retten. Dabei spielten die Häftlinge, die im Revier arbeiteten, eine große Rolle. Unver- gessen bleiben allen Überlebenden solche hervorragen- den Frauen wie Doris Maaße, Maria Grabska, Antonina Nikiforowa, Loulou Le Porz, Zdenka Nedvedowä Mlada Tauferovä und viele andere. Die Häftlingsärzte und-schwestern entwickelten viele Methoden des Widerstands gegen die SS. Sie durchkreuzten die Anordnungen der SS-Ärzte, so gut sie konnten, wenn diese sich gegen die Gefangenen richteten, so groß die Gefahr der Entdeckung und Be- strafung für sie selbst auch war. Frauen, die als Jüdin- nen, als Strafblockhäftlinge oder weil sie den SS-Ärz- ten aus irgendeinem Grund unliebsam aufgefallen waren, von diesen nicht behandelt wurden, fanden bei den Antifaschistinnen heimlich Hilfe. Kranke, denen keine Medikamente gegeben wurden, erhielten sie von 141 ihnen zugesteckt. Um in das Krankenrevier aufgenom- men zu werden, mußte man mindestens 39 Grad Fie- ber haben— die Pflegerinnen fälschten die Tempera- mel turen und ermöglichten so die Aufnahme in eine der Stel Krankenbaracken. In Zusammenarbeit mit den politi- der schen Kameradinnen der Küche organisierten sie für rigk Typhuskranke und andere Patientinnen heimlich ein lich wenig Diätkost. Als dem Strafblock der Besuch des bar Krankenreviers verboten wurde, konnte die Block- 1 Sele älteste, eine deutsche Kommunistin, über ein halbes D Jahr gemeinsam mit einer tschechischen Stubenältesten| tete heimlich im Block verbinden und andere Krankheiten| ärzt heilen, weil sie von ihren Freundinnen im Revier lau-| reyi fend die nötigen Verbandstoffe und Medikamente| song erhielt.| ver Häftlinge, die zur Arbeit zu schwach oder krank wu waren, bekamen vom SS-Arzt nur mit großen Schwie- Bes rigkeiten Bettkarten, d. h. die Genehmigung, im Bett non zu bleiben, oder„Bedingt-tauglich-Karten“, die sie be-| ten rechtigten, im Block der Strickerinnen oder als Stuben-| den dienst zu arbeiten. Die antifaschistischen Ärztinnen nid schrieben solche Karten heimlich selber aus, wenn der j A SS-Arzt sie Kranken verweigert hatte. Sie fälschten den Fieberkurven und Krankenblätter, um Tuberkulöse,"808 schwer Herz- oder Nervenkranke vor der Selektion ling für die Gaskammern oder vor dem Vernichtungstrans-' port nach Auschwitz, Lublin oder Bergen-Belsen zu| lage schützen. Es wurde manchmal erreicht, daß eine Ka-| die meradin, für die Gefahr bestand, in die Uckermark ges gebracht zu werden, von den Revierhäftlingen dadurch dur gerettet wurde, daß ihre Personalien mit denen einer I rad Töten ausgetauscht wurden, so daß sie unter frem-| stär dem Namen im Lager untertauchen konnte. er Viel Mühe kostete es die antifaschistischen Häftlinge meı des Reviers und die Blockältesten, den Frauen begreif- ru lich zu machen, daß sie an bestimmten Tagen nicht zur hör Behandlung ins Revier gehen sollten. Sie konnten Pf; ihnen nicht sagen, daß die Ärzte dort saßen, um unter che 142 :NoM- 1 Fie- Ipera- e der politi- ie für h ein h des Block- nalbes testen heiten r lau- mente krank chwie- m Bett sie be- tuben- tinnen nn der schten zulöse, jektion strans- sen ZU 1e Ra- ‚rmark adurch , einer frem- ftlinge egreif- cht zur onnte ) unter denen, die gekommen waren, Selektionen für Vernich- tungstransporte oder für die Gaskammern vorzuneh- men. Die Häftlinge nahmen oft gegen die Warnenden Stellung, weil sie glaubten, daß sie sich auf die Seite der SS-Ärzte gestellt hätten. Vor der gleichen Schwie- rigkeit standen die Antifaschistinnen, wenn sie wirk- lich kranken Frauen die Aufnahme in einer Revier- baracke verweigern mußten, weil sie wußten, daß dort Selektionen geplant waren. Die Blockältesten und die Häftlingsärztinnen arbei- teten ständig zusammen. Geplante Visiten der Lager- ärzte in den Krankenblocks wurden aus dem Haupt- revier signalisiert, und die Blockältesten konnten dafür sorgen, daß besonders gefährdete Kranke den Block verließen, ehe der SS-Arzt auftauchte. Umgekehrt wurde aus den Krankenbaracken den Häftlingsärzten Bescheid gegeben, wenn der Arzt Selektionen vorge- nommen hatte, damit diese den Versuch machen konn- ten, wenigstens die eine oder andere Kameradin aus den Listen zu streichen oder ihre Karteikarte zu ver- nichten. Andere wichtige Verbindungen bestanden zwischen den Widerstandsgruppen im Revier und denen im sogenannten Arbeitseinsatz. Hier wurden die Häft- lingstransporte zusammengestellt, sowohl die für die Rüstungsbetriebe als auch die für die Vernichtungs- lager. Hierher kamen auch die Listen der Häftlinge, die in die Uckermark oder direkt in die Vergasung geschickt werden sollten. Wie vielen Frauen wurde durch die hier beschäftigten antifaschistischen Kame- radinnen das Leben gerettet! Sie standen unter der ständigen Kontrolle eines der gefürchtetsten SS-Män- ner, des Oberscharführers Pflaum, und einer der un- menschlichsten Aufseherinnen von Ravensbrück, Ger- trud Schreiter. Wieviel Mut und wieviel Umsicht ge- hörten dazu, um beispielsweise Töchter aus den von Pflaum aufgestellten Transportlisten wieder zu strei- chen, weil deren Mütter im Lager bleiben sollten. Wie 143 groß war die Gefahr für das eigene Leben, wenn diese Arbeitseinsatz-Häftlinge den einen oder anderen Namen aus den Listen der bereits für die Uckermark ausgesuchten Frauen wieder strichen oder ihr Unter- tauchen in irgendeinem Winkel des Lagers organi- sierten! Dem Zusammenwirken vieler Antifaschistinnen war es auch zu verdanken, wenn es sogar im„Idiotenstüb- chen“ des Blocks 10 gelang, den armen, gequälten Frauen dort wesentliche Erleichterungen zu bringen, als eine der Widerstandskämpferinnen die Leitung übernommen hatte. Eine größere Anzahl konnte heim- lich aus dem„Stübchen“ entfernt werden, tauchte irgendwo im Lager unter oder wurde in einem ande- ren Krankenblock untergebracht. Entgegen den bis- herigen Verhältnissen wurden Strohsäcke und Decken in den Raum gelegt. Die Kameradinnen aus der Klei- derkammer besorgten Kleider, Strümpfe und Schuhe für die Kranken, und die Klempnerkolonne entfernte den Holzverschlag vor den Fenstern und schützte die neu eingesetzten Fensterscheiben von innen durch ein Drahtgitter vor den wirklich Irren. Damit man heizen konnte, zog sie um den Ofen ein gleiches Gitter herum. Alle Kranken erhielten statt der bisherigen halben ihre volle Ration Essen, und nach und nach wurden sie aus dem„Stübchen“ entfernt, so daß sie den Augen der Ärzte und ihrer erbitterten Feindin, der Oberschwester Marschall, entzogen waren. Antonina Nikiforowa, eine der besten Widerstands- kämpferinnen des Reviers, schildert in ihren Erinne- rungen, daß sie durch deutsche Kameradinnen die Mitteilung erhalten hatte, daß zwölf sowjetische Mäd- chen auf einer Liste von Häftlingen standen, die nach Lublin in die Vergasung geschickt werden sollten: „Wir beschlossen, die weißen Karteikarten der ausgesuchten Kranken zu vernichten, um auf diese Weise unsere Genossinnen aus der Liste der diese 'eren nark nter- Jani- | war stüb- älten gen, tung 1eim- uchte ande- ‚ bis- ecken Klei- °huhe ernte te die -h ein jeizen erum. alben urden > den 1, der tands- rinne- N die Mäd- J nach N: on der n auf te der Anne Kassing Eugenie Klemm Anna Grunina Pavlinowa Martha| Hermann-Peter Wolff mit eineı mit seiner Mutter einer bei avlinowa Mela Ernst Martha Desrumeaux(Mitte) er Wolff mit einer französischen und Mutter einer belgischen Kameradin Ravensbrückerinnen nach der Befreiung Ausgesuchten zu streichen. Ich schlich mich in die Kanzlei und wurde dort ertappt. Als die SS kam, um die Kriegsgefangenen ab- zuholen, weigerten sich die Kameradinnen, sie herauszugeben. Aber die für den Transport Vor- gesehenen hatten sie doch bald gefunden. Die übrigen stellten sich zum Protest in Fünferreihen auf und gingen zum Kommandanten, Jewgenia Lasarowa trat als Dolmetscherin auf. Unter Drohung mit Erschießen jagte er die 500 in den Block zurück, und sie traten in den Hungerstreik.“ Der Zusammenarbeit der nationalen Widerstands- gruppen war es auch zu verdanken, daß die Pläne der SS durchkreuzt werden konnten, als sie die experi- mentell operierten Polinnen in den letzten Tagen ihrer Terrorherrschaft noch vernichten wollte. Sie sollten angeblich mit Rücksicht auf ihre kranken Beine in ein anderes Lager transportiert werden. Die Polinnen wei- gerten sich standhaft, sich evakuieren zu lassen. Einige wurden mit Hilfe der Kameradinnen im Arbeitsein- satz in Arbeitstransporte eingeschmuggelt und ver- ließen Ravensbrück. Andere erhielten die Namen Ver- storbener. Sie lebten wie gehetzte Tiere, versteckten sich in Erdlöchern, Kisten, unter den Betten in frem- den Blocks und in den Krankenbaracken. Sie ver- danken ihr Leben der internationalen Solidarität und der bewährten Kameradschaft der Ravensbrücker Antifaschistinnen. SABOTAGEIN DER RÜSTUNGS- PRIODIUKSTLON) Die SS versuchte mit allen Mitteln, in ihren Betrie- ben höchste Leistungen aus den hungrigen Häftlingen herauszupressen. Das gleiche Bestreben hatte sie in 10 145 bezug auf die Arbeit in der Rüstung. Die antifaschisti- schen Widerstandsgruppen in Ravensbrück versuchten ihrerseits mit allen Mitteln, diese Absicht möglichst zu durchkreuzen. Durch die organisierte Sabotage der Arbeit, die dem Krieg diente, unterstützten sie den Widerstand der deutschen und internationalen Anti- faschisten gegen den Krieg. Diese Arbeit war sehr schwer und sehr gefahrvoll. Es gab viele Häftlinge, die mit den Antifaschistinnen gemeinsam an den Arbeitsstellen standen, von der Sabotage aber nichts merken durften, weil sie aus Unverständnis, Angst oder Ungeschicklichkeit zu Ver- rätern werden konnten. Die Lagerleitung bediente sich außerdem krimineller Elemente, um die politischen Häftlinge zu bespitzeln. Die SS-Aufseherinnen über- wachten jeden Handgriff, die Lagerleitung hatte die Möglichkeit einer ständigen Kontrolle der geleisteten Arbeit. Viele Häftlinge mußten unter der Anleitung von zivilen Meistern. Vorarbeitern und Ingenieuren arbeiten. Manche davon sahen voller Haß auf die Gefangenen und schikanierten und quälten sie wie die SS. Andererseits gab es aber auch nicht wenige Beweise der Sympathie für die Häftlinge und sogar der Unterstützung durch zivile Arbeiter. Trotz aller dieser Gefahren leisteten die Ravens- brücker Antifaschistinnen Großes in der Sabotage der Kriegsproduktion. Die Revierarbeiterinnen und die Häftlinge des Arbeitseinsatzes versuchten, so viel Kameradinnen als nur irgend möglich vor dem Ein- satz in der Rüstungsindustrie zu bewahren. Anderer- seits sorgten sie dafür, daß bewährte Politische an solche Arbeitsstellen kamen, wo sie Einfluß auf die Produktion nehmen konnten. Vorsichtig wurde ver- sucht, den Häftlingen in den Betrieben klarzumachen, daß sie durch schlechte und wenig Arbeit mithelfen könnten, den Krieg rascher zu beenden und damit ihr eigenes Leben zu retten. Es gab Häftlinge aus religiösen Gruppen, die sich 146 tung uren die wie nige sogar vens- e der j die viel Ein- jeret- je a f die ver- ‚chen, ‚elfen it ihr J sich weigerten, bestimmte Arbeiten für militärische Zwecke zu leisten, und lieber schwerste Strafen auf sich nah- men. Als sie hörten, daß die aus der Angorazucht ge- wonnene Wolle für Wehrmachtszwecke verwendet wer- den sollte, stellten sie die relativ leichte Arbeit sofort ein. Sie lehnten es kategorisch ab, Nähzeuge für die Wehrmacht herzustellen oder Stroh für Wehr- machtspferde abzuladen. In den SS-Betrieben sabotierten die bewußten Kriegsgegnerinnen unter den Häftlingen die Produk- tion von Uniformen für die Waffen-SS. In den Lager- hallen wurden möglichst viele für den Krieg brauch- bare Gegenstände bei der Aussortierung durch die Häftlinge unbrauchbar gemacht oder unter die Sachen eingeordnet, die für die Häftlinge bestimmt wurden. In den Werkstätten der Siemensbetriebe Ravens- brücks arbeiteten die Antifaschistinnen aller Nationen vorbildlich für die Beendigung des Krieges, obwohl dort die Kontrolle durch die SS naturgemäß sehr streng war. Langsam arbeiten und Ausschuß produ- zieren war die Parole. Die in den Büros arbeitenden Häftlinge korrigierten auf den Leistungsbogen die Arbeitsleistungen ihrer Kameradinnen, so daß die wenig Arbeitenden der Strafe entzogen werden konn- ten. Materialien, die besonders knapp waren, wurden systematisch zerstört oder versteckt, so daß die Fertig- stellung ganzer Aggregate verhindert werden konnte. Im Herbst 1944 gelang es den Antifaschistinnen, 30000 dringend angeforderte Spulen unbrauchbar zu machen. Besonders mutig im Widerstand gegen den Krieg zeigten sich die sowjetischen Frauen. Sie ließen sich ebensowenig wie ihre französischen, polnischen, belgi- schen, holländischen und tschechischen Kameradinnen zwingen, gute Arbeit in der Herstellung von Kriegs- material zu leisten, das ihre eigene Heimat zerstören und ihre eigenen Familien töten sollte. Hervorragend war ihr Widerstand im Arbeitslager 147 Barth, wo Flugzeugteile hergestellt werden mußten. Hier ließ die SS die Frauen einmal drei Tage und zwei Nächte im Januar ohne Essen strafestehen. Zwei der Mädchen starben, aber die übrigen setzten ihre Arbeit gegen den Krieg mutig fort. Ljuba Konnikowa aus Tula und Kasja Pawlowska aus Lwow weigerten sich standhaft, in einem Rüstungs- betrieb zu arbeiten. Beide erhielten 25 Stockschläge und wurden in den Strafblock eingewiesen, aber sie gaben nicht nach. In Genthin mußten die Ravensbrücker Frauen eben- falls für den Krieg arbeiten. 700 sowjetische Ge- fangene dieses Kommandos leisteten dort Widerstand. Eine ihrer Besten war Wera Wanschenko-Pissanetz- kaja. Wegen ihrer antifaschistischen Tätiekeit und Agitation wurde sie in die Abteilung für Schießbedarf versetzt. Unter ihrer Leitung erreichte hier der Aus- schuß die Zahl von vierzehn Güterzügen, die ins Werk zurückgeschickt wurden. Um ihre Mitarbeiter zu schützen, sagte Wera:„Schlagt niemanden, schuldig bin ich!“ Wera wurde von der SS nach Ravensbrück zurückgebracht und im Herbst 1944 erhängt Maria Liberakowa, eine polnische Antifaschistin, erzählt in ihren Erinnerungen: „Im Bunker saß ich mit einer Russin zusammen, der Sabotase in der Munitionsfabrik Velten vor- geworfen wurde, wo man Bomben und Torpedos herstellte. Sie wurde dann in die Nachbarzelle verlest, wo bereits eine Polin aus den Feinmecha- nischen Werkstätten in Neubrandenburg wegen Sabotage saß. Beide wurden im März 1945 er- hänst. Die Polin hatte die ganze Schuld auf sich genommen, um andere Häftlinge und einen Meister zu decken.“ In der Zeit zwischen dem 6. Mai 1944 und dem 11. März 1945 wurden in Ravensbrück 65 sowjetische Frauen wegen Sabotage der Kriegsproduktion er- 148 scho Waf V stan mus 400 pass Ihr bere gabe Eine Ged! Kan denl denr wird Kan laß Den! und Kam scha alle, woll Kam Käm Wen heilt Kam und Purp Stun Bten, und Zwei ihre wska ungs- hläge T sie eben- iehs stand. inetz- ‚ und edarf Aus- Werk 7 Zu uldig brück histin, nmen, 1 VOI- -pedos ‚rzelle necha- wegen 45. el- ıf sich einen 1 dem tische ın el” schossen. Sie opferten lieber das eigene Leben, als Waffen gegen ihre Heimat schmieden zu helfen. Von der internationalen Solidarität und dem Wider- standswillen der heldenhaft gegen Krieg und Faschis- mus kämpfenden Häftlinge getragen, konnten etwa 40 000 der Frauen, die Ravensbrück bis zur Befreiung passieren mußten, mit dem Leben davonkommen. Ihr Beispiel, ihre Disziplin, ihr Mut und ihre Opfer- bereitschaft wirkten sich auf alle Häftlinge aus und gaben ihnen die Kraft, bis zum Ende durchzuhalten. Eine der Widerstandskämpferinnen sagte das in einem Gedicht: Kameradin, wenn du traurig bist, denk daran: Dein Leid ist nicht verloren, denn aus tausend ungeweinten Tränen erst wird ein Herz, ein starkes Herz geboren. Kameradin, wenn du müde bist, laß dich tragen, fasse unsere Hände. Denk daran: Nur noch eine kurze Frist, und der lange Weg ist dann zu Ende. Kameradin, halt die Augen offen, schau dich um: Du bist hier nicht allein; alle, die mit dir vom selben Leid betroffen, wollen mit dir kämpfen, wollen deine Schwestern sein. Kameradin, Kampf ist unser Ruf! Kämpfen kann man nur mit hartem Herzen. Wenn dir Kampf und Leid die Freiheit schuf, heilt der neue Tag dir alle deine Schmerzen. Kameradin, schau, die Sonne strahlt, und die Erde fängt schon an zu beben, purpurrot hat sich der Osten angemalt, Sturm-bricht los— es kommt ein neues Leben! 149 DIE BEFREIUNG RAVENSBRÜCKS Frühjahr 1945. Unruhe erfüllte die Häftlinge. Sie fieberten der Roten Armee entgegen, die sich Tag für Tag näher an Ravensbrück herankämpfte. Die SS wurde immer nervöser, ihre Anordnungen wurden immer widerspruchsvoller und unsicherer. Das Lager war in ständiger Bewegung. Transporte kamen und gingen, keiner wußte, wohin. In den Ba- racken herrschten Chaos und Hunger. Plötzlich geschahen fast unglaubliche Dinge. Die Häftlinge einiger Nationen erhielten Pakete des Inter- nationalen Roten Kreuzes mit Fett, Zucker, Kaffee, Keksen, Zigaretten. Eine Welle der Solidarität ging durch Ravensbrück. Die SS unterschlug viele Hun- derte Sendungen. Eines Tages— am Ostersonntag— wurde in aller Eile ein großer Transport französischer Frauen zu- sammengestellt. Der Kommandant teilte ihnen mit, daß sie in ihre Heimat entlassen würden. Zynisch ver- abschiedete er sie mit der Bemerkung, er hoffe, daß sie nicht allzu schlechte Erinnerungen an ihren Auf- enthalt in Deutschland haben würden! Dieses Ereignis ließ die zurückbleibenden Häftlinge wieder zwischen Furcht und Hoffnung schwanken: Waren die französi- schen Kameradinnen wirklich nach Hause gegangen oder ins Gas? Noch größere Erregung entstand unter den Frauen, als im April plötzlich weiße Transportautos mit dem Roten Kreuz vor dem Revier vorfuhren. Angst be- herrschte besonders die Kranken, Angst vor neuen Transporten ins Gas. Aber etwas anderes geschah. Silva Salvesen, ein norwegischer Häftling, hatte einen eingehenden Bericht über die katastrophalen Verhält- nisse aus dem Lager schmuggeln können. Zweifellos unter dem Eindruck des nahen Kriegsendes und des Zusammenbruchs der Hitlerherrschaft hatten Verhand- 150 . Sie g für Ingen 1erer. porte \ Ba- ‚ Die Inter- affee, ging Hun- aller n zu- ı mit, h ver- >, daß ‚ Auf- eignis ischen ‚nzösi- jangen rauen, t dem st be- neuen ;schah. einen erhält- sifellos nd des rhand- iungen zwischen Himmler und dem Internationalen Roten Kreuz stattgefunden. Die Häftlinge aus den skandinavischen Ländern und die Staatsangehörigen der westlichen Alliierten sollten dem Roten Kreuz Schwedens übergeben werden. Das große Abschied- nehmen begann. Stürmische Freude über die nahe Befreiung und tiefe Sorge um die Zurückbleibenden hielten sich bei denen, die abtransportiert wurden, die Waage. Noch einmal arbeiteten die Widerstandskämp- ferinnen aller Länder Hand in Hand. Es gelang ihnen, einige besonders gefährdete Kameradinnen aus Deutschland und Polen in die Transporte einzu- schmuggeln. Am 21. April wurden piötzlich 60, am nächsten Tag noch einmal etwa 40 deutsche und österreichische Kommunistinnen und Antifaschistinnen aus Ravens- brück entlassen, die bis zu zwölf Jahre Haft hinter sich hatten. Das ganze Lager hielt den Atem an: Wer- den sie erschossen, vergast? Aber dann kam die fast unglaubliche Nachricht, daß sie ohne SS-Begleitung, ohne Geld und Lebensmittel inmitten eines Stroms ziviler Flüchtlinge auf dem Fürstenberger Bahnhof saßen und auf einen Zug warteten, der sie vielleicht mitnehmen würde. 26. April 1945. Die SS-Ärzte ließen Krankenlisten und andere schriftliche Unterlagen hinter dem Krema- torium verbrennen. Wertvolle medizinische Apparate wurden in aller Eile verpackt und bei der Politischen Abteilung Häftlingsakten vernichtet. Die Häftlinge der Effektenkammer mußten für die SS den Schmuck einpacken, der den Häftlingen gehörte. In dieser Nacht der Spannung, der Angst und der Hoffnung schloß sich kein Auge in den Häftlingsbaracken. Die Frauen horchten auf jeden Laut, der von draußen kam, auf die Bombeneinschläge aus der Richtung Berlin. Von Zeit zu Zeit klirrten die Fensterscheiben ein wenig— die Rote Armee! Würde sie kommen, ehe die faschisti- schen Mörder das Lager mit den 25000 Frauen und 151 Kindern, die sich jetzt noch in Ravensbrück befanden, in die Luft gesprengt hatten? Plötzlich, am Vormittag des 27. April, stürzten SS- Wachmannschaften und Aufseherinnen in die Baracken und befahlen den Frauen, sich sofort auf der Lager- straße in Fünferreihen aufzustellen zur Evakuierung in ein anderes Lager. Sie brüllten und schlugen auf die verwirrten Frauen ein, Schüsse fielen irgendwo, Hunde sprangen an den Frauen hoch. Dann setzte sich Zug um Zug in Bewegung, von der SS mit entsicher- tem Gewehr eskortiert. Der letzte Transport verließ Ravensbrück am Nachmittag des 28. April. Nun waren nur noch die Häftlingsärztinnen Zdenka Nedvedovä und Mlada Tauferovä aus der Tschechoslowakei, Anto- nina Nikiforowa aus Leningrad und einige andere Ärztinnen und Pflegerinnen mit den 3000 kranken Häftlingen im Lager, die nicht evakuiert werden konnten. Die SS hatte Wasser und Strom abgestellt. Am Mittag des 30. April erlebten die Frauen und Mädchen die Stunde, die sie in den Jahren bitteren Leids und tiefster Verzweiflung so oft herbeigesehnt hatten— die Stunde der Befreiung! Lachend und weinend zugleich liefen und krochen sie ihren Be- freiern entgegen, den Soldaten der siegreichen Sowjet- armee. Inzwischen trieb die SS 20000 Häftlinge in die mecklenburgischen Wälder hinein. Welch ein Elends- zug ausgehungerter, mit schmutzigen, zerrissenen Fetzen bekleideter menschlicher Skelette! Nur mühsam schleppten sie sich vorwärts, von der SS immer noch beschimpft und geprügelt. Von Zeit zu Zeit fiel ein Schuß— die SS erschoß diejenigen, die nicht weiter- konnten. Der Donner der sowjetischen Geschütze kam mit jeder Minute näher. Mit dem einbrechenden Abend gelang es den ersten Häftlingen, in die Wälder zu fliehen. Die anderen verbrachten noch eine Nacht — die letzte— hungernd und frierend in der Gewalt der SS. Aber am 30. April schlug auch für sie die 152 Stunde der Befreiung. Die SS flüchtete Hals über Kopf vor der Sowjetarmee. Lagerkommandant Suhren und die übrigen Offiziere des Kommandanturstabes von Ravensbrück hatten sich längst in ihren Autos aus dem Staube gemacht. Sie hatten den letzten Auf- trag Himmlers nicht mehr ausführen können— die Ravensbrücker Frauen, die Männer aus dem KZ Sachsenhausen so, wie die Tausende Häftlinge des KZ Neugamme, auf ein Schiff zu jagen und in den Fluten der Ostsee zu ertränken. Lachend und weinend stürzten sich die befreiten Frauen in die Arme. Sie waren frei, frei! Zu Ende war die Qual der jahrelangen Haft, vorbei die würgende ‚Angst vor der Vernichtung! Das Herz voller Dankbar- keit für ihre Befreier, zerstreuten sich die glücklichen Menschen in den Wäldern Mecklenburgs, um dann in die Heimat, zu ihren Familien zurückzukehren. Einige Dutzend von ihnen gingen noch einmal nach Ravensbrück zurück. Die Solidarität mit den Kranken trieb sie dazu. Als sie am 1. Mai wieder vor dem großen eisernen Tor standen, verschleierten Tränen ihren Blick; über den Baracken wehten die roten Fahnen der kämpfenden Arbeiterklasse! Dort, wo noch vor Stunden die Vertreter des unmenschlichen faschi- stischen Systems gestanden hatten, standen nun die siegreichen Söhne des ersten sozialistischen Landes der Welt. Fest schlossen sich die Hände der Kamera- dinnen ineinander zu dem feierlichen Schwur: Nie wieder Faschismus und Krieg, nie wieder ein Ravens- brück! 153 MAHN- UND GEDENKSTÄTTE RAVENSBRÜCK Am 12. September 1959 wurde die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück feierlich eingeweiht. Das Komitee für die Einweihung hatte aufgerufen: „Macht die Einweihung zu einer internationalen Manifestation der Verbundenheit aller Völker, die in Frieden und Freundschaft miteinander leben wollen! Sichert das Glück der Menschheit, die frohe Zukunft der Kinder vor einem verheerenden Atomkrieg!“ Diesem Ruf waren 1700 Männer und Frauen aus 22 europäischen Ländern und aus Westdeutschland sowie 70000 Männer, Frauen und Jugendliche aus allen Teilen der Deutschen Demokratischen Republik gefolgt. Unter ihnen befanden sich Menschen der ver- schiedensten Weltanschauungen und viele hervor- ragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Aus Italien waren offizielle Abordnungen der Städte Turin, Modena und Bologna erschienen, aus England Stadt- räte und Vertreter der Bergarbeitergewerkschaft von Süd-Wales. Frau Simone Lehouk-Gerbehaye kam als ehemaliger Ravensbrück-Häftling und Mitglied des belgischen Senats. Eslanda Robeson, eine bekannte Schriftstellerin und Anthropologin, Frau des welt- berühmten Sängers Paul Robeson, überbrachte die Grüße der friedliebenden Menschen Amerikas. Die Königin-Mutter von Belgien sandte mit einem herr- lichen Kranz eine ergreifende Botschaft. Die meisten Gäste aus Westdeutschland und aus dem Ausland hatten bittere Jahre in den Gefäng- nissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern des faschistischen Deutschlands verbracht, hatten gemein- sam mit ihren deutschen Kameradinnen gelitten und heroisch gekämpft. Viele von ihnen verloren alle ihre Angehörigen. So mancher unter den Gästen aus dem 154 Weste fängni Erhalt Zur ten ul Häftli brück In& sonen] Raven ihr Fe schein Felder Frie mit al ten T! Häuse leucht die de und V Stärkı Staate arbeit; versic! ten a Landv wieB zur E von F Auc Jugen, lin na von R Segen, selbst; von K ihnen Segent und . Das nalen T, die leben t, die nden 1 aus hland e aus yublik r Ver- PLVOr- s. Aus Turin, Stadt- ft von ım als d des zannte welt- te die S, Die ‚ hert- ‚d aus ‚efäng- rn des emein- on und Je ihre js dem Westen unserer Heimat wird heute erneut mit Ge- fängnis bedroht, weil er in Westdeutschland für die Erhaltung des Friedens in der Welt eintritt. Zur sowjetischen Delegation gehörten auch Solda- ten und Offiziere, die am 30. April 1945 Tausende Häftlinge aus der faschistischen Folterhölle Ravens- brück befreiten. In einer langen Kette von Omnibussen und Per- sonenkraftwagen fuhren die Gäste von Berlin nach Ravensbrück. Die Natur schien diesem Tag zu Ehren ihr Festkleid angelegt zu haben. Strahlender Sonnen- schein lag über den Städten, den Dörfern, Wiesen, Feldern und Wäldern. Frieden! Wir wollen in Frieden und Freundschaft mit allen Völkern leben! Das brachten die ungezähl- ten Transparente und Fahnen, die die Straßen und Häuser schmückten, zum Ausdruck. Dieser Wunsch leuchtete auch aus den Augen der Männer und Frauen, die den Gästen auf den Straßen, aus ihren Betrieben und Wohnungen zuwinkten. Wir tun alles für die Stärkung und Festigung unseres Arbeiter-und-Bauern- Staates und des mächtigen Weltfriedenslagers, wir arbeiten tatkräftig für die Erhaltung des Friedens, versicherten den Gästen aus aller Welt die Delegier- ten aus den volkseigenen Betrieben und aus den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften so- wie Bürger von Fürstenberg, die ihre Stadt den Toten zur Ehre und den Lebenden zum Gruß in ein Meer von Fahnen und Blumen verwandelt hatten. Auch die Herzen der vielen Tausend Kinder und Jugendlichen, die die Straßen auf dem Wege von Ber- lin nach Fürstenberg säumten, schlugen den Heldinnen von Ravensbrück in Verehrung und Dankbarkeit ent- gegen. Die Gäste waren tief bewegt, als ihnen kleine selbstgefertigte Geschenke und bunte Blumensträuße von Kinderhänden gereicht wurden. Sie fühlten, daß ihnen hier die Jugend des neuen Deutschlands ent- gegentrat, die Jugend der Deutschen Demokratischen 155 Republik, die zu Erbauern des Sozialismus und zu aktiven Kämpfern für Frieden und Völkerfreundschaft erzogen wird. In allen Sprachen der Welt stand das Wort„Friede“ auf den seidenen Fahnen, die zu Beginn der Kund- gebung an Fallschirmen über die Teilnehmer dahin- schwebten. Al diese Erlebnisse zeigten den Frauen, die im Konzentrationslager Ravensbrück gelitten und ge- kämpft hatten, daß das Vermächtnis ihrer toten Kameradinnen in der Deutschen Demokratischen Re- publik in guten und starken Händen ist. Und diese Gewißheit gibt ihnen Kraft und Zuversicht für ihren heutigen Kampf für den Frieden und gegen den Faschismus, gleich, in welchem Gewand er auftritt. Während der Feierlichkeiten in Ravensbrück spiel- ten sich erschütternde Wiedersehensszenen ab. Schmerzvolle Erinnerungen wurden wach. Aber be- glückend empfanden all diese tapferen Frauen die feste Zusammengehörigkeit, die damals im Angesicht des Todes geboren wurde. Trotz jahrelanger Trennung sind sie auch heute noch fest miteinander verbunden in dem Willen, sich den zerstörenden Kräften des Krieges mit dem heißen Herzen und dem stählernen Willen der Frauen entgegenzustellen, die das Leben von Generation zu Generation tragen und es behüten wollen. Viele Augen füllten sich mit Tränen der Ergriffen- heit, als die junge Tochter des von den Faschisten ermordeten hervorragenden deutschen Widerstands- kämpfers Anton Saefkow die Begrüßungsworte sprach Sie hatte den Arm schwesterlich um eines der wenigen überlebenden Kinder geschlungen, die in Ravensbrück geboren wurden. „Ihr Mütter! Ihr Väter! Niemals wieder dürfen Kinder von Bomben zerfetzt und junge Menschen- leben auf den Schlachtfeldern zugrunde gerich- nd zu Ischaft 'Tiede“ Kund- dahin- die im d ge toten en Re- 1 diese r ihren n den ritt. x spiel- n ab. ber be- ıen die gesicht ennung bunden ten des hlernen ; Leben behüten griffen- schisten rstands- - sprach wenigen nsbrüc r dürfen onschen- gerich- Rosa Thölmann bei den Einweihungsfeierlichkeiten 70000 Menschen bei den Feierlichkeiten in Ravensbrück gr we Das Krematorium von Ravensbrück Ausländische Delegierte am Massengrab Das Monument von Ravensbrück S Ss je} en © u I) [7 © Ss’ S a S Q oa S ie N (ind es] a Leh- zogen. k und iheits- . Wir nseres nt des .. Bei jemals ‚enheit gegen unse- welche yn, ZU jr uns r das Europa vir das Alba- chland, Italfen, reich, checho- jes Ge- an die Bevöl- kerung der Deutschen Demokratischen Republik für gie Errichtung der Mahn- und Gedenkstätten Ravens- brück und Buchenwald. Aus ihren Worten klang Bewegung und Anerkennung, wenn sie von ihrem Vertrauen zum ersten deutschen Friedensstaat spra- chen. Sie gelobten heißen Herzens, alles für die Sicherung und Festigung des Friedens zu tun und so das Vermächtnis der toten Heldinnen von Ravensbrück zu erfüllen. Tiefes Schweigen lag über dem Platz, als Mathilde Danegger, die bekannte antifaschistische Schauspiele- rin, das Gelöbnis sprach und 5000 weiße Tauben über dem See in den blauen Himmel aufstiegen. Sie kreisten über dem Mahnmal, das der verstorbene anti- faschistische Kämpfer und Bildhauer Will Lammert geschaffen hat, über dem Krematorium von Ravens- brück, dem Erschießungsgang und dem ehemaligen Gefängnis dieser faschistischen Hölle. Dann flogen sie hinaus in alle Himmelsrichtungen, um die Botschaft von Ravensbrück zu den Menschen zu tragen: Frieden den Völkern! Frieden der Welt! Das geloben wir! id 159 GELÖBNIS Wir Frauen, Männer und Jugendlichen aus allen Ländern Europas, Teilnehmer der feierlichen Einwei- hung der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, ge- loben: Wir werden das Andenken an die vom Hitlerfaschis- mus ermordeten 92000 Frauen und Kinder stets in unseren Herzen bewahren und ihr Vermächtnis hüten. Wir rufen von dieser geweihten Stätte alle Menschen guien Willens in der Welt: Hört die Mahnung der Opfer von Ravensbrück! Hütet den Frieden! Bändigt den aggressiven deutschen Militarismus! Bannt die Gefahr eines Atomkrieges! Das Leben und die Menschlichkeit müssen über die finsteren Mächte des Krieges und des Faschismus triumphieren, damit das Glück aller Völker erblühe und die heranwachsende Jugend der fünf Kontinente einer gesicherten Zukunft entgegengeht. Das Unterpfand des Friedens ist die Freundschaft zwischen den Völkern. Mögen sie im edlen, friedlichen Wettstreit um das Gute und Schöne in der Welt ringen. Mögen die internationalen Verhandlungen allseitig vom ehrlichen Willen zur Verständigung getragen sein. Frieden den Völkern— Frieden der Welt! Das ist unser höchstes Streben! Wir geloben es! SCHLUSSWORT Lieber Leser! Jetzt, wo dieses kleine Buch zum vierten Male in den Druck geht, ist ein und ein halbes Jahr vergan- gen, seitdem 70 000 ergriffene Menschen bei den Ein- weihungsfeierlichkeiten der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte RAVENSBRÜCK geschworen haben, Krieg und Faschismus nie wieder zuzulassen. Mehr als 100 000 Menschen haben in den inzwischen vergangenen Monaten Ravensbrück besucht. Unter ihnen waren unzählige Arbeiter und Arbeiterinnen aus den Betrieben der Deutschen Demokratischen Repu- blik, Bauern und Bäuerinnen aus den Landwirtschaft- lichen Produktionsgenossenschaften. Es kamen Zehn- tausende Schüler und Studenten mit ihren Lehrern, es kamen Hausfrauen und Künstler, Veteranen der Arbeiterklasse, Soldaten und Offiziere der Nationalen Volksarmee, Werktätige aus allen Schichten der Be- völkerung. Viele Hunderte Männer und Frauen aus dem Westen unserer Heimat standen erschüttert vor den Zeugnissen des schmachvollsten Kapitels der deut- schen Geschichte. Es kamen Menschen aus allen Län- dern Europas, aus Brasilien, Vietnam, Kuba, aus China und Indien, Ceylon, Japan und anderen Teilen der Erde. Sie füllten die Gästebücher des Ravens- brück-Museums mit Eintragungen in allen Sprachen der Welt. In tausend Variationen erscheint auf den weißen Blättern immer wieder der gleiche empörte Aufschrei, der gleiche leidenschaftliche Appell an alle Menschen guten Willens: Nie, nie, nie wieder Krieg und Faschismus! Dieser Ruf geht heute um den ganzen Erdball, Ver- mächtnis der Opfer des deutschen Faschismus, der 57 Millionen Toten des Hitlerkrieges. Auch unser Bericht über den heroischen Kampf, die schrecklichen Leiden und das qualvolle Sterben der in Ravens- 161 brück ermordeten Antifaschistinnen aus allen Län- dern Europas soll der Erfüllung ihres Vermächtnisses an uns Lebende dienen. Wir dürfen nicht vergessen, was war! Wir dürfen ihren Mördern nicht verzeihen! Sie leben noch im Westen unseres Vaterlandes und bestimmen dort das Schicksal der Menschen. Wir ken- nen ihre Namen, es sind die Oberländer und Globke, die Speidel, Reinefarth, Heusinger und Kammhuber. Sie bedrohen uns alle mit einem neuen Krieg. Die Generale Hitlers sind heute die Generale Adenauers, sie sitzen im Generalstab der NATO. Sie versuchen mit allen Mitteln, ihre alten verbrecherischen Pläne zu verwirklichen. Sie wollen Krieg, um Europa beherr- schen zu können. Sie wollen einen Atomgürtel quer durch Europa ziehen. Sie strecken ihre blutbesudelten Hände erneut nach uns aus. Sie kalkulieren das warme, blühende Leben unserer Kinder kaltblütig in ihre wahnsinnigen Vernichtungspläne ein. Sie rech- nen zynisch mit dem Tod von Abermillionen. Sie wol- len andere Millionen Menschen auf die Landstraßen Europas treiben, um sie vor dem Atomtod zu bewah- ren— wie sie sagen. Sie fordern unser Leben für ihre Interessen. Wir aber verweigern ihnen das Opfer unseres Lebens. Wir lieben das Leben. Du liebst das Leben. Du hast ein Recht darauf, Deine Tage ohne Angst, ohne Krieg zu verbringen. Deine Kinder haben das Recht auf eine sonnige Kindheit, eine friedliche Zukunft. Deine betagten Eltern haben das Recht auf einen ruhigen Lebensabend. Dieses Recht auf Glück und Frieden mußt Du ver- teidigen gegen die Massenmörder des Hitlerkrieges und ihre Nachfolger. Du mußt es verteidigen mit allen Deinen Kräften, mit Deinem Herzen und Dei- nem Verstand. Du mußt helfen, daß defi Feinden der Menschheit das Kriegsschwert endlich für immer aus der Hand geschlagen werden kann. Wir Deutsche tragen schwere Verantwortung für den Frieden der Heimat und der Welt, denn von 162 ‚Än- isses sen, hen! und ken- bke, Iber. Die uers, chen läne 1elT- quer elten das lütig rech- wol- aßen wah- Wir ‚ Wir t ein Krieg t auf Deine higen ı Vel- rieges , mit | Dei- inden mmer g für 1 von Deutschland aus ist der Friede wieder bedroht. Die Völker sehen mit Angst und Unruhe, daß aus dem Westen unseres Landes fünfzehn Jahre nach dem Ende des schrecklichen Völkermordens schon wieder Gefahren wachsen. Sie fordern mit Recht von uns, daß wir zuerst und an ihrer Seite die Kräfte des Krieges in Deutschland zurückdrängen. Die Hoffnung der friedliebenden Menschen Europas liegt in der Deutschen Demokratischen Republik. Sie wissen, daß von hier der Friede ausgeht, weil hier den unverbesserlichen deutschen Militaristen und Rüstungsherren ein für allemal die Möglichkeit genommen wurde, die Völker ins Unglück zu stürzen. Sie vertrauen den Antifaschisten, die in diesem Teil Deutschlands die Geschicke lenken. Sie haben nicht vergessen, daß sie damals in ihnen zuverlässige, mutige und opferbereite Verbündete im Kampf gegen Hitler und den Krieg hatten. Sie vertrauen den Erbauern des Sozialismus, dem Staat der Arbeiter und Bauern, die ihren unbedingten Friedenswillen immer wieder bewiesen haben. Die Völker vertrauen Dir. Sie rechnen mit Deinem Beitrag zur gemeinsamen Sache, zum Kampf um den Frieden. Sie fordern von Dir, daß Du mithilfst, eine Welt ohne Waffen und ohne Kriege zu erbauen. Der Krieg ist nicht unvermeidbar— wir können ihn verhindern, wir alle. Du kannst ihn verhindern. Überall strecken sich Dir Bruderhände entgegen zum gemeinsamen Sieg über das Verbrechen des Krieges — weiße Hände, braune Hände, schwarze Hände. In allen Ländern stehen Menschen bereit, die Ideale der Menschlichkeit und des Humanismus mit Dir zusammen zu verteidigen. Fasse sie fest, diese Hände, sie geben Dir Kraft und Siegesgewißheit! Wenn Du die Zeit des Krieges und des Faschismus erlebt hast, dann denke an diese Vergangenheit, die Dir und den Deinen so viel Leid aufgebürdet hat, und die Erinnerung wird Dir helfen, mutig und opferbereit 163 mitzukämpfen für eine glückliche, friedliche Gegen- wart und Zukunft. S Wenn Du aber noch jung bist und wenig oder keine T Erinnerung hast an die Jahre des tiefsten mensch-" lichen Leides, dann sieheDir die Zeugnisse dieser Ver- D gangenheit genau an und öffne Dein Herz weit für den r Haß gegen die Feinde der Jugend und allen Lebens A und für die Liebe zur Menschheit und zum Frieden. Dann bestimme Deinen Beitrag zum Kampf für eine n Zukunft, in der die Kraft der Atome Dir den Weg zu den Sternen öffnet statt ins Massengrab. gl Und Du, Mutter, schau in die Augen Deiner Kin- ei der! Sie blicken mit grenzenlosem Vertrauen zu Dir auf, d Du stehst ihren Herzen am nächsten, Deine Liebe gibt n ihnen Geborgenheit. Für sie mußt Du Dich in die gewaltige Kette der Millionen Hände einreihen, die sich um den ganzen Erdball schlingt, um mit der Kraft der Liebe zu dem Leben, das die Mütter von Gene- ration zu Generation tragen, mit der Kraft der Herzen, der Hirne und der Hände den Frieden für die Kinder zu bewahren. Laßt hartnäckig und mit Leidenschaft solange die Forderung auf vollständige und allgemeine Abrüstung erheben, bis sie Wirklichkeit ist. Dann haben wir das Vermächtnis der Toten erfüllt: Nie wieder Krieg und Faschismus! Lieber Leser, liebe Leserin! Es liest an uns, ob Krieg oder Frieden sein wird. Ge- meinsam mit den friedliebenden Menschen der ganzen Welt können und werden wir den Frieden gegen die Brandstifter siegreich verteidigen. Du bist gerufen, mit allen Deinen Kräften den fried- lichen Aufbau unseres Staates zu fördern, damit er ein immer unüberwindlicheres Bollwerk gegen die Kriegsgefahr wird. 164 egen- keine nsch- Ver- r den ebens eden. eine eg zu Kin- rauf, e gibt n die n, die Kraft Gene- erzen, inder je die istung ir das g und .d. Ge sanzen en die fried- mit er N die Denke an die 92000 ermordeten Frauen und un- schuldigen Kinder von Ravensbrück, denke an alle Toten des Krieges und des faschistischen Terrors, wenn Du Deinen Beitrag zum Kampf bestimmst! Denke an den mutigen Widerstand der Ravensbrücker Frauen, wenn Du selbst zum Widerstand gegen den Atomtod gerufen wirst! An Dich, Frau und Mutter, wendet sich die Mah- nung der toten Ravensbrücker Frauen vor allem: Um Deiner Kinder willen, um der friedlichen und glücklichen Zukunft aller Völker willen— reih Dich ein in die Front der guten Menschen der ganzen Welt, die sich dem Krieg in den Weg stellen! Dulde nie wieder Faschismus und Krieg! 165 Auguste Lazar MAHNRUF DER TOTEN FRAUEN VON RAVENSBRÜCK Schwestern, vergeßt uns nicht, vergeßt nicht die Toten von Ravensbrück! Wenn ihr uns vergeßt, war unser Sterben umsonst, umsonst die Tränen, die wir geweint, umsonst die Qualen, die wir gelitten, umsonst der Schweiß, der von uns geflossen in tiefer Erniedrigung, schrecklicher Angst— das Grauen, der Tod— wenn ihr uns vergeßt, war unser Sterben umsonst. Ihr sollt auch nicht weinen um uns, ihr Schwestern, die ihr lebt in der Heimat, die ihr lebt in der Welt, ihr sollt nicht klagend die Hände ringen, weil wir mit euch nicht das Ende erlebten, weil wir Asche waren, als die Befreiung kam. Nicht weinen, ihr Schwestern, denn Tränen vernebeln den Blick, machen blind, machen schwach. 166 Ihr aber müßt stark sein, ihr Schwestern, stark fühlen, stark denken, stark sprechen, { stark handeln, | klar und stark wie noch nie— denn wieder reckt sich der Menschheit Feind empor! Die Erinnerung an uns, ihr Schwestern, soll Kraft euch geben für den großen Kampf um Einheit eures Volkes, um Freiheit und um Frieden! Laßt uns Tote leben, ihr Schwestern, in jedem Gedanken, den ihr für die Sache der Menschheit denkt, in den Worten, die ihr sprecht, in euren Parolen, in euren Händen, wenn ihr die Fahne tragt im großen Zug, zu dem ihr euch zusammenschließt, und jubelnd alles mitreißt, was für die Menschheit und für den Frieden kämpft. So, Schwestern, sollt ihr an uns Tote denken! Dann haben wir nicht umsonst gelitten, nicht umsonst sind wir dann als Opfer gefallen. Aus unserer Asche steig lodernd und licht der Mut euch zum Kampfe, zum Kampf für die Menschheit, für Einheit und Freiheit und Frieden der Welt! tern, 167 EN MAASE VORWORT......--- nur ecue nr na ee DER WEG ZU FASCHISMUS UND KRIEG.....- DIE ENTSTEHUNG DES FRAUENKONZENTRA- TIONSLAGERS RAVENSBRÜCK.......-.rur rer. DIE SS— DIE MASSENMÖRDER VON RAVENSBRÜCK_....-z..rnruerunnnneenenn en en DIE SS-AUFSEHERINNEN..........-..rrrscreruer EIN SYSTEM GRAUSAMER STRAFEN..........- DIE. HÄFTLINGE.....- 02:0 00 0 u oB nase KINDER HINTER DEM STACHELDRAHT.......- KATASTROPHALE VERHÄLTNISSE...........+: 40 cm PRO HÄFTLING GENÜGEN..............: DASUZEET 2 ne OR ame a DIE KLEIDUNG....:.....n an unsre HUNGER 2200.2...20 000. 2 SE ARBEIT— EIN MITTEL ZUR VERNICHTUNG.... DIE BETRIEBE DER SS............errn re HÄFTLINGE ALS RÜSTUNGSSKLAVEN......... KRANKENREVIER IN RAVENSBRÜCK...... TUBERKULÖSE SIND ABZUSCHREIBEN DAS„IDIOTENSTÜBCHEN“............. MENSCHEN ALS VERSUCHSTIERE..............- TAUSEND STERILISIERUNGEN TÄGLICH VERNICHTUNG VON SCHWANGEREN UND SAUGEINGEN.. TYPHUS-EPIDEMIE. 168 1 SS-ARZTE ALS LEICHENFLEDDERER............ 83 MÄDCHENHÄNDLER IN SS-UNIFORM............ 85 RODISICHE INTERSIONEN........ 0... 86 MOIUNGBUREH GIET..........2.0.02...0000 87 SS-ARZTE HELFEN BEI MASSENERSCHIESSUNGEN 89 BRANSEORT IN DIE VERGASUNG mn. nn. 95 TRANSPORTE IN DIE GASKAMMERN VON DNUSCHIWLNZ FUND EUBEIN Aensnenesee. 101 MASSENMORD DURCH VERGASUNG INBRAWDENSBRÜCR.............200e anne: 103 INTERNATIONALE SOLIDARITÄT UND ANTIFASCHISTISCHER WIDERSTAND INBBAWENSERÜCHKT 2.2.0.0... 00. 120 DIE NATIONALEN WIDERSTANDSGRUPPEN...... 122 RERRENSDIE KINDERN...............:.0.... 134 SIE GABEN MIR DIE KRAFT ZUM LEBEN........ 137 BESMEREDERSVERNICHTUNG............. 141 SABOTAGE IN DER RÜSTUNGSPRODUKTION.... 145 DIE BERREIUNG RAVENSBRÜCKS............... 150 MAHN- UND GEDENKSTÄTTE RAVENSBRÜCK..... 154 GEROBNISe 0.0 m... 160 SCEEIBUSSWORT. 2.00.0000 0000. 0 161 MAHNRUF DER TOTEN FRAUEN NONBBAVENSBRÜCKE 0.0... 000... 166 169 58.-77. Tausend Alle Rechte vorbehalten ES 14 E Verlagslizenz Nr. 15 280/42/61 Umschlagentwurf: Helmut Krebs Druck: Neuer Tag, Frankfurt(Oder), 2724161 | ( Zur Einweihung der Mahn- und Gedenkstätte, die auf dem blutgetränkten Boden des ehemaligen Konzen- trationslagers Sachsenhausen errichtet wurde, erscheint DAMALS IN SACHSENHAUSEN 192 Seiten, davon 32 Bildseiten, Broschur cellophaniert 2,50 DM 1. Auflage 1.-50. Tausend Hier wurden in den Jahren der faschistischen Nacht von SS-Schergen mehr als 100000 Häftlinge aus vielen Nationen ermordet. Ihnen zu Ehren veröffent- licht das Komitee der Antifaschistischen Widerstands- kämpfer in der DDR eine Gedenkschrift, die in Do- kumenten und Erlebnisberichten vor allem auch die Solidarität und den heldenmütigen Widerstandskampf der Häftlinge gegen den Mordterror zeigt. RAVENSBRÜCK 92 Seiten Text in deutscher, russischer, fran- zösischer und englischer Sprache und 60 Seiten Bildteil auf Kunstdruck Ganzleinen mit Kassette 24,80 DM 1. Auflage 1.—10. Tausend Ein Bildband mit einem Vorwort von Auguste Lazar über die im Herbst 1959 auf dem Boden des ehemali- gen Frauenkonzentrationslagers feierlich eingeweihte Gedenkstätte. Dieser Band ist eine würdige Ehrung jener 132000 Frauen und Mädchen aus Deutschland und aus 23 europäischen Ländern, die durch das In- ferno des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück gingen. _ r Colour& Grey Control Chart E _ Blue Cyan Green Yellow Red Magenta _ White Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4\ Black en m u Pr age com