Der 14jährige KRIEG 1931—1945 voN WILLIAM H. HALE BREISIASNP FEN N:T'G Sonderdruck des am 19. August 1945 in der„Allgemeinen Zeitung‘ ver- öffentlichten gleichnamigen Artikels + Herausgegeben im Auftrag von: INFORMATION CONTROL DIVI- SION, U. S. FORCES EUROPEAN THEATER, APO 757 c/o U.S. ARMY UB GIESSEN ul III 22.499 580 ee Were a RD 2 re une Fer ee Eee Der l4jährige Krieg 1931—1945 VON WILLIAM H. HALE Der zweite Weltkrieg hat in Europa am 3. September 1939 begonnen und am 8. Mai 1945 geendet. In Wirklichkeit hat der Krieg vor 14 Jahren begonnen, als das angriffslustige Japan die Mandschurei überfiel, und am 14. August 1945 sein Ende genommen, als Japan sich ergab. So geziemt es sich jetzt, auf die Ereignisse und Zusammenhänge dieses 14jähri- gen, blutigsten Krieges der Geschichte zurückzublicken. m 18. September 1931, um 10.30 Uhr abends, erhielt der Stationsvorsteher des Bahnhofs der Südmandschurischen Eisenbahn in Mukden wie üblich das Signal, daß der wie jeden Tag in südlicher Richtung gehende Expreßzug aus Changshun an- gekommen sei. Der Zug lief fahrplanmäßig ein, alles erschien vollständig normal, die Passagiere stiegen aus und gingen ihrer Wege. Wenige Stunden später aber erließ der Oberkommandierende der japanischen Streitkräfte in der Mandschurei, General Honjo, eine Proklamation, in der es hieß, daß Personen chinesischer Nationalität den Zug, der einer japanischen Gesellschaft gehörte, auf dem Wege nach Mukden überfallen hätten, nachdem sie eine Gleisstrecke durch Minen zerstört hätten. Zeitungskorresponden- ten wurde danach auch ein explodiertes Stück des Gleises von japanischen Beamten gezeigt. Niemand. konnte allerdings er- klären, wie der Mukden- Expreß über die aufgerissene Gleis- strecke gekommen war, ohne selbst den geringsten Schaden zu erleiden. Inzwischen aber war der Frieden im Fernen Osten ge- brochen worden, da alle japanischen Truppen in der Mandschurei in der Nacht von Changshun bis Port Arthur eine allgemeine Offensive begonnen hatten. Der„Zwischenfall von Mukden” hatte den Krieg im Fernen Osten entzündet— den Krieg, dessen Flammen schließlich in die ganze Welt schlagen sollten. Aber die europäischen und amerikanischen Zeitungen waren zu jener Zeit mehr mit der Wirtschaftskrise in ihren Ländern beschäftigt und widmeten dem„Zwischenfall“ nur ein paar Zeilen. 2 u ee i FR ee k4 +4 E & 4 7 3 IM 4 4 4 pi Kl een 0 Te rn Te ee been Te Die Hintergründe Genau ein Jahr vorher hatten sich zwei Dinge ereignet, die darauf hindeuteten, daß sich im Osten wie im Westen neue ver- hängnisvolle Kräfte bemerkbar machten. In Japan hatten die militaristischen Elemente, die so lange mit den Geschäftsleuten und Politikern, welche den Haupteinfluß auf die Regierung aus- übten, einen nicht sehr soliden Frieden gehalten hatten, an- gekündigt, daß sie den Londoner Flottenvertrag nicht billigten, der doch die Unterstützung der japanischen Regierung gefunden hatte. Der japanische Premierminister wurde ermordet. Chauvi- nistische Armee- und Flottenoffiziere schoben sich in den Vorder- grund der politischen Bühne. ' Gleichzeitig hatte in. Deutschland eine Reichstagswahl statt- gefunden, in der die bis dahin einflußlose Nationalsozialistische Partei 107 Abgeordnetensitze gewonnen hatte und zur zweit- stärksten politischen Partei Deutschlands geworden war. Das Programm der militärischen Führer Japans war es, durch Waffengewalt Japans Hegemonie über Ostasien zu errichten. Der Kernpunkt des Programms der nationalsozialistischen Führer war es, die letzten Bindungen des Versailler Vertrags zu zerreißen und schließlich Deutschlands Hegemonie über Europa zu er- Tichten. Diese beiden parallel laufenden Programme sollten später auch formal miteinander gleichgeschaltet werden, und zwar durch den deutsch-japanischen Vertrag des Jahres 1936. Während der Jahre, in denen diese Programme zuerst Form gewannen, richteten sich die Augen der Welt jedoch im all- gemeinen nach einer anderen Richtung. Die Nationen waren da- mit beschäftigt, ihre inneren Probleme zu lösen, die sich durch die Weltwirtschafts-Depression ergeben hatten. Im Jahre 1932, als es in Deutschland mehr als 6 Millionen Arbeitslose gab, be- trug die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten zwölf Millionen. Franklin Delano Roosevelt, der wenige Wochen nach der Machtübernahme Adolf Hitlers in Berlin, Präsident der Ver- . einigten Staaten wurde, widmete in seiner Antrittsrede den Pro- blemen der Außenpolitik nur einen kurzen Abschnitt. Der Rest dieser Rede befaßte sich mit der Skizzierung eines Programms der wirtschaftlichen Erholung, das unter dem Namen„New Deal‘ in die Wirklichkeit umgesetzt wurde. Der Höhepunkt der Rede Roosevelts, in der er das amerikanische Volk aufrief, diese ge- 3 meinschaftliche Arbeit mit Mut und Entschlußkraft durchzu- führen, war der Satz:„Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht selbst!" Die inneren Probleme, mit denen Deutschland sich zu Beginn der dreißiger Jahre zu befassen hatte, waren ähnlich denen, die auch andere Völker beschäftigten. Auf eine Periode unausgegliche- ner wirtschaftlicher Expansionen war eine Periode scharfer Depression gefolgt, in der bittere Konflikte ausgebrochen waren zwischen den verschiedenen Gruppierungen, von denen jede darauf bedacht war, den Zusammenbruch ihrer eigenen Ein- kommensquelle zu verhindern— ob dies nun Preise oder Löhne oder Mieten waren. Bei gewissen Völkern führten diese Kämpfe zwischen rivalisierenden Interessen um die Kontrolle über die Regierungspolitik dazu, daß die parlamentarischen Formen und Einrichtungen in Ungunst fielen. Andere Nationen brachten es durch parlamentarische Mittel fertig, die Unternehmer, die Mittel- klassen und die Arbeiterschaft durch neue Abmachungen in eine Front zu bringen. Aber in einem großen europäischen Land wurde das parlamentarische System vollkommen verworfen, und die absolute Macht wurde in die Hände einer Gruppe überliefert, die sich zu einer radikalen Lösung verpflichtet hatte. Das war Deutschland. Diese radikale Lösung war, wie Beobachter außerhalb der deutschen Grenzen bald feststellten: Die innere Wirtschaftskrise zu überwinden, indem man ein riesiges Programm der Kriegs- rüstung und Kriegsvorbereitung begann. Das gesamte bürgerliche Leben wurde mobilisiert und umgestellt im Dienste dieses Planes. Die Kritiker des Planes wurden durch eine noch nie dagewesene Anwendung des Polizei-Apparates zum Schweigen gebracht. Das Gefühl der wirtschaftlichen Unsicherheit, das breite Teile des deutschen Volkes noch immer empfanden, wurde abgelenkt, in- dem man das Volk dazu anhielt, seine lange abgedämpfte Un- geduld auf gewisse Ziele zu richten: Ziele wie die Juden oder später die Bevölkerung von Nachbarländern. Der Fortschritt dieses Programms wird durch die folgenden Daten klar sichtbar: Oktober 1933— Deutschland zieht sich von dem Völkerbund und von der Genfer Abrüstungskonferenz zurück; Juni 1934— Hitler und Mussolini treffen sich zum ersten Male; im selben Monat— die Ausrottung nicht plantreuer Elemente innerhalb und außer- halb der nationalsozialistischen Partei; März 1935— Hitler führt die allgemeine Wehrpflicht wieder ein und kündigt an, daß eine 4 g * deutsche Luftwaffe sich bereits im Aufbau befindet; März 1936— Einmarsch der neuen deutschen Wehrmacht in das demilitari- sierte Rheinland. Das Beispiel des Orients Die Befehlshaber, welche die deutschen Truppen im Jahre 1936 in das Rheinland führten, trugen versiegelte Befehle bei sich, in denen es hieß, daß sie sich und ihre Truppen sofort zurückziehen sollten, im Falle die französische Armee dieser Verletzung des Versailler Vertrags Widerstand entgegensetze. Nach ein oder zwei Tagen größter Spannung stellte es sich jedoch heraus, daß ihnen kein Widerstand entgegengesetzt wurde. Die friedliebenden Regierungen in Westeuropa konnten sich nicht dazu entschließen, Hitlers Zug als einen Casus belli zu betrachten. Es schien, daß die deutschen Führer vom Beispiel der Japaner gelernt hatten, deren Methode es war, immer nur solche Schritte zu unternehmen, die gerade noch jenen Punkt nicht erreichten, an dem sich die an- deren Nationen gezwungen sehen würden, ihnen Einhalt zu ge- bieten. Die japanischen Offiziere, die den Lehren des Samurai-Häupt- lings Prinz Yamagata folgten, und die Industriellen, die zu den reichen Familien gehörten, die unter dem Namen„Zaibatsu' be- kannt sind, stimmten darin überein, daß Japan seine Herrschaft über ganz Ostasien ausdehnen müsse. Nur in den Methoden, die angewandt, und in den Zeitpunkten, die festgesetzt werden sollten, unterschieden sie sich. Die Industriellen waren im allge- meinen für vorsichtig geplante wirtschaftliche und politische Durchdringung, die Offiziere forderten rasche militärische Schläge. Um das Jahr 1930 wuchs der Einfluß der Armee dadurch, daß sie begonnen hatte, die Massen ihrer neuen Rekruten systematisch mit den alten Samurai-Lehren vom Ruhm des Krieges und der Bedeutungslosigkeit des Einzellebens zu propagandisieren. Es waren diese gehorsamen und fatalistischen Bauernmassen, die den wichtigsten Bestandteil der Kwantung-Armee bildeten— der- selben Armee, die den„Zwischenfall von Mukden” zum Anlaß genommen hatte, die nordchinesischen Provinzen Mandschurei und Jehol zu überrumpeln. Im Jahre 1932 griffen japanische Streitkräfte auch weiter südlich, bei Shanghai, an. Dann wurden 5 die Kampfhandlungen eingestellt, damit Japan seine Gewinne kon- solidieren könne. Man nahm an, daß Japan sich jetzt zur Kate- gorie der„zufriedengestellten Mächte” zähle. Inzwischen verwandelten die Führer der Kwantung-Armee, die die Mandschurei beherrschten, diese Provinz in einen Exerzier- platz für ihre Truppen und in ein Experimentierfeld für ihre Methoden.- Sie errichteten totalitäre Kontrolle über das wirt- schaftliche und politische Leben der Mandschurei. Sie lösten alle politischen Gruppen auf und schufen an deren Stelle eine einzige politische Partei, zu der alle Regierungsbeamten gehören mußten. Sie bauten ein allumfassendes Spionagesystem auf, durch welches das tägliche Leben und die Tätigkeit aller Einwohner genauestens überwacht wurden. Um das Jahr 1936 hatte die von den Kwan- tung-Offizieren propagierte Methode der„direkten Aktion” sich in der ganzen japanischen Armee durchgesetzt. Im gleichen Jahre kam es zu einer Welle politischer Ermordungen in Tokio, und das Resultat war, daß die Armee im großen ganzen die japanische Regierung dominierte. Das neue Kabinett bestimmte 46 v. H. des gesamten Staatsbudgets für militärische Ausgaben. Auf Ver- anlassung der Armee wurde der Anti-Komintern-Vertrag mit Deutschland geschlosssen, und ein Jahr später schlug Japan wieder gegen China los. Der japanische Plan stellte sich jetzt klar heraus. Er bestand darin, daß eine chinesische Küstenprovinz nach der anderen er- obert und übernommen werden sollte, aber wohlgemerkt Stück für Stück und ohne eine formelle Kriegserklärung— die japanischen Militärs hofften, daß die Außenwelt auf diese Weise sich nicht zum Eingreifen aufrütteln würde. Die Küstenstriche von Peiping bis Hangchow wurden unter- worfen. Dann stießen die Japaner weiter ins Innere Chinas vor, organisierten eine Marionettenregierung in Nanking und wand- ten dort die Methoden weiter an, die sie in der Mandschurei zur Vollkommenheit ausgearbeitet hatten. Aber das chinesische Volk — fast ohne Waffen und Kriegsmaterial und vom Zugang zur See abgeschnitten— gab den Kampf nicht auf. Die Chinesen zogen sich in die natürlichen Befestigungen Zentralchinas zurück. Allmählich begann auch ein wenig Kriegsmaterial aus Amerika und Großbritannien über die Birma-Straße durchzukommen. Dennoch war damals die Meinung weit verbreitet, daß Chinas Sache, angesichts der Macht des japanischen Angreifers, hoff- nungslos sei. 6 N Die Gefahr verbreitet sich Im Jahre 1936 zeigten sich die Anzeichen einer starken wirt- schaftlichen Erholung in den meisten europäischen Ländern und ‘ in den Vereinigten Staaten. In England war die pazifistische Re- gierung Stanley Baldwins an der Macht, in Berlin fand die Olym- piade statt. Ein Außenstehender, der sich die Dinge betrachtete, ' konnte annehmen, daß in Europa wenigstens kein Grund bestand, warum der Frieden nicht auf unabsehbare Zeit andauern sollte. Aber gerade um diese Zeit wurde der Unterbau des europäischen Friedens eifrig unterminiert. Hitlers Marsch ins Rheinland hatte der gesamten westlichen Welt plötzlich die Augen über die Schnelligkeit der deutschen Aufrüstung geöffnet. Im Süden hatte Mussolini in seinem Wunsch, sein Volk durch die Eroberung eines neuen Imperiums zu blenden, das wehrlose, rückständige, schrecklich arme äthiopische Volk überfallen. Die Regierungen der anderen europäischen Staaten— und besonders der kleineren und schwächeren— befürchteten, daß dies nur ein Schritt in der Richtung weiterer aggressiver Handlungen sei, und standen vor der Entscheidung über die Frage, ob ein Unrecht, das einem ge- schieht, nicht auch ein Unrecht sei, das ihnen allen geschah. Der westliche Mittelmeerraum wurde gleichfalls zum Kriegs- schauplatz, als im Juli eine Clique monarchistischer und faschisti- scher Offiziere der spanischen Armee eine Revolte gegen die Regierung der spanischen Republik organisierte. Innerhalb weniger Wochen stand ganz Spanien im Bürgerkrieg, und in den folgenden Monaten sandten Hitler und Mussolini insgesamt 45 000 deutsche und 100 000 italienische Truppen, als„Freiwil- lige”‘ maskiert, nach Spanien, um General Francos Sieg zu sichern und Spanien zum westlichen Vorposten des Faschismus zu machen. Auf der anderen Seite strömten wirkliche Freiwillige, freie Bürger vieler europäischer und amerikanischer Länder, zur Verteidigung der Republik nach Spanien— sie sahen in diesem Krieg den grundsätzlichen Konflikt zwischen zwei Lebensauf- fassungen. Aber die Regierungen der Demokratien selber waren immer noch nicht bereit einzugreifen. Das Jahr 1937 brachte die Vollendung der formalen Bindungen, die die Strategien des nationalsozialistischen Deutschland, des faschistischen Italien und Japans einander gleichschaltete. Aber im Oktober, nachdem die Demokratien solange geschwiegen hatten, erhob sich eine warnende Stimme von jenseits des Ozeans. Vor einer Massenversammlung in Chikago erklärte Präsident Roosevelt: 7. „Die jetzige Herrschaft des Terrors und der internationalen Gesetzlosigkeit begann schon vor mehreren Jahren. Sie begann damit, daß gewisse Mächte sich ungerechtfertigt in die inneren Angelegenheiten anderer Nationen einmischten und daß sie frem- des Gebiet unter Verletzung fester Verträge überfielen. Jetzt ist es dazu gekommen, daß selbst die Grundlagen der Zivilisation ernsthaft bedroht sind. Wenn wir eine Welt haben wollen, in der wir frei atmen und in Freundschaft und ohne Furcht leben können, müssen die friedliebenden Nationen gemeinsam Schritte unternehmen, um diesen Vertragsverletzungen und Verletzungen der Menschenrechte entgegenzutreten. Denn diese sind es, die einen Zustand der internationalen Anarchie und Unsicherheit schaffen, dem man auch nicht entgehen kann, wenn man sich abseits stellt und neutral verhält. Es ist unglücklicherweise eine Tatsache, daß die Epidemie der Welt-Gesetzlosigkeit sich weiter ausbreitet. Wenn sich eine Seuche verbreitet, tut sich die Ge- meinschaft zusammen und steckt die Erkrankten in Quarantäne, um die Gesundheit der Gemeinschaft vor der Ausbreitung der Seuche zu schützen.” Europa am Abgrund Großbritannien hatte 1937 begonnen, zu rüsten, aber Deutsch- land gab während seines Vier-Jahres-Planes für seine Rüstungen mehr aus als Großbritannien und Frankreich zusammen. Die Spannung verschärfte sich, bis in den Anfangsmonaten des näch- sten Jahres eine neue Krise kam. Hitler berief den österreichi- schen Bundeskanzler Schuschnigg nach Berchtesgaden und ver- langte dort plötzlich, daß die österreichische Regierung aufhöre, die österreichische nationalsozialistische Partei zu„unterdrücken“ und, mehr noch, daß einige Nationalsozialisten in das öster- reichische Kabinett aufgenommen würden. Schuschnigg, der die entschiedensten Gegner des Nationalsozialismus in Oesterreich persönlich unterdrückt hatte, war nicht in der Lage, Widerstand zu leisten, und innerhalb eines Monats besetzten deutsche Trup- pen das Land. Unmittelbar danach begann die Politik der voll- ständigen Gleichschaltung Oesterreichs. Die Gebirgskette, die das Herz Europas von der Schweiz bis nach Rumänien durchschneidet, war eine natürliche Barriere ge- wesen, die Deutschland vom Donaubecken und dem Osten ge- trennt hatte. Jetzt hatte Hitler den österreichischen Abschnitt 8 SEE Frames een dieser historischen Barriere übersprungen. Aber die. tschecho- slowakische Festung, obwohl sie schon teilweise eingekreist war, blieb noch bestehen.„Wer Böhmen beherrscht, beherrscht Europa!” hatte Bismarck einst gesagt. Während des Sommers wurde es den europäischen Regierungen immer klarer, daß Deutschland in der unmittelbaren Zukunft etwas gegen die Tschechoslowakei unternehmen werde. Ein Anzeichen dafür war, daß Hitler in aller Eile Befestigungs- werke an der französischen Grenze bauen ließ, um eine mögliche Gegenaktion des westlichen Verbündeten der Tschechoslowakei abzuwehren. Ein weiteres Anzeichen war, daß groß angelegte Manöver der deutschen Wehrmacht für den Monat September an- gesetzt waren. Das dritte und deutlichste Anzeichen aber war die Tätigkeit Konrad Henleins und seiner Leute, die die Sudeten- deutschen im befestigten Grenzgebiet der Tschechoslowakei mobilisierten. Am 12. September brach der Sturm los: Hitler kündigte an, daß Deutschland für die„Befreiung der Sudeten- deutschen, wenn nötig, in den Krieg ziehen würde. Premier- minister Chamberlain flog nach Berchtesgaden und versuchte, Hitler zu überreden, die Sache auf dem Verhandlungswege zu lösen und so einen allgemeinen Krieg zu vermeiden. Aber Hitler fühlte sich um so stärker, als Mussolini erklärt hatte, daß Italien bereit sei, an der Seite Deutschlands in den Krieg einzutreten. Unentschiedenheit in ihren Reihen schwächte auf der anderen Seite die Reihen der alliierten Staatsmänner. Auf einer Schluß- konferenz in München, von der die Tschechoslowakei und die Sowjetunion ausgeschlossen waren, diktierte Hitler seine Be- dingungen: Das Sudetengebiet sollte intakt an Deutschland aus- gehändigt werden, zusammen mit allen tschechischen Befesti- gungsanlagen und anderen militärischen Einrichtungen und Material. Die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs scheuten noch immer vor einem Kriege zurück und fügten sich dem Ultimatum; die Tschechen, die auf diese Art allein standen, hatten keine andere Wahl als sich zu fügen. Das nationalsozialistische Deutschland stand jetzt auf dem Gipfel seiner Macht. Nicht nur hatte man dem tschechischen Staate ein Drittel seiner Bevölkerung und mehr als ein Drittel seines Gebietes mitsamt allen seinen Befestigungen genommen; was noch von der Tschechoslowakei übrig war, war außerdem vollkommen vom Reich abhängig, und der Weg nach Osteuropa lag weit offen vor Hitler. Die großen Nationen Westeuropas 9 waren erniedrigt worden, das französische Bündnissystem lag in Trümmern und der Grundsatz der kollektiven Sicherheit schien vollständig verworfen worden zu sein. Die Völker in den Demo- kratien waren bitterlich desillusioniert, und in gewissen Kreisen wurde die Frage aufgeworfen, ob die Westmächte, die jetzt ihrer Freunde und ihres Selbstrespektes beraubt waren, überhaupt noch die Entschlußkraft aufbringen könnten, sich dem Vormarsch de nationalsozialistischen Macht entgegenzustemmen. Aber in ihrer Erniedrigung waren die Völker dieser Länder zu dem Schluß gekommen, daß etwas auf dem Spiele stand, was viel größer war als Gebiete und Grenzen. In großen Versammlungen, in örtlichen Wahlen, in Zeitungen und Pamphleten drückten immer mehr Menschen die Ueberzeugung aus, daß es ihre Lebens- auffassung war, die auf dem Spiele stand. Der nächste Angriff gegen eine friedliche Nation würde, so folgerten sie, gleich- bedeutend mit einem Angriff auf sie alle sein. Es war zu erwarten, daß dieser nächste Angriff wahrscheinlich gegen Polen gerichtet sein würde. Derart unter Druck gesetzt, schloß Großbritannien sich Frankreich an in dem feierlichen Versprechen, daß man Polen zu Hilfe kommen werde, falls es angegriffen werden sollte. Die Verhandlungen zwischen den Westmächten und der Sowjet- union über die Verteidigung Polens waren jedoch nicht erfolg- reich, und als die Sowjetunion im August 1939 einen Nicht- angriffspakt mit Deutschland unterschrieb, entschloß sich Adolf Hitler, mit der Unterstützung seines Generalstabs den schicksals- schwersten Schritt der Geschichte der Gegenwart zu unternehmen. Die Welt im Fall Am Morgen des 1. September setzten die Deutschen 90 Infan-‘ terie-Divisionen, 9 mechanisierte Divisionen und 6500 Flugzeuge gegen Polen ein. Die Polen begegneten ihnen mit 42 Infanterie- und Kavallerie-Divisionen und einer veralteten Luftmacht. Inner- halb von 4 Wochen war der polnische Widerstand niedergekämpft. Die deutsche Regierung hatte bis zum letzten Augenblick, bevor der Befehl zum Angriff gegeben wurde, gehofft, daß angesichts solch überwältigender Macht und ohne Unterstützung von seiten Rußlands England und Frankreich ihr Versprechen gegenüber Polen nicht halten würden. Jetzt nach dem Sieg über Polen er- wartete die deutsche Regierung, daß die Westmächte ihr Ver- sprechen als gehalten betrachten und sich entscheiden würden, 10 ETER RE Bi un a ve nee ee ee une RE ie ET wu nes samen mn nn ee einen Zee r ie nen ern er —— ee ei ea ee ee a ee eher erg its ee daß kein Grund mehr zum Weiterkämpfen bestehe. Die Eng- länder und Franzosen aber betrachteten jetzt die Gefahr für ihre eigene Existenz und die aller anderen freien Nationen als noch größer als vorher, und wie recht sie hatten, zeigte sich, als Deutschland während. der nächsten Monate mächtige Schläge gegen den Westen— gegen Norwegen, Dänemark, die Nieder- lande, Belgien und Frankreich— führte. Dem Erwachen in Westeuropa, das auf die Kapitulation von München gefolgt war, war ein eben solches besorgtes Erwachen in den Vereinigten Staaten gefolgt, nachdem Frankreich gefallen war. Bisher hatten die Amerikaner den Sieg in Europa als etwas von ihnen weit Entferntes betrachtet, obwohl die amerikanische öffentliche Meinung gegen die Lehren und Taten des National- sozialismus aufgebracht war. Jetzt aber erkannte man, daß Hitlers Programm der Hegemonie über ganz Europa schon fast ganz durchgeführt war, daß mit Italiens Hilfe seine Streitkräfte sich über Afrika ausbreiteten und daß zwischen Amerika einerseits und den Deutschen und ihren Verbündeten andererseits, die jetzt die atlantische Küste vom Nordkap bis nach Casablanca und Dakar kontrollierten, nur die umkämpften britischen Inseln standen. Deutsche U-Boote und Kaperschiffe operierten bereits in den Gewässern der westlichen Hemisphäre. Man wußte, daß. Nazi-Agenten in den latein-amerikanischen Republiken aktiv waren,. und in den Vereinigten Staaten selbst war ein ganzes Spionagenetz der Nationalsozialisten aufgedeckt worden. Das amerikanische Volk hatte Hitlers Versprechungen, daß er keine Angriffspläne gegen die Neue Welt habe, wohl gehört; aber man erinnerte sich nur zu gut an ähnliche Versicherungen, ‚die er vor gar nicht so langer Zeit auch anderen Völkern gegeben hatte. Er hatte erklärt, daß mit dem gewaltsamen Anschluß Oester- reichs seine letzte territoriale Forderung in Europa erfüllt sei, und hatte kurz darauf die Annexion des Sudetengebiets verlangt; er hatte erklärt:„Wir wollen keine Tschechen!" und hatte 6 Monate darauf die Tschechoslowakei annektiert; er hatte einen Freund- schaftsvertrag mit Polen zerrissen, und er hatte noch 1938 in München ein Papier unterschrieben, auf dem er Premierminister Chamberlain versicherte, daß er den Frieden erhalten wolle. Aber mehr noch, die Bürger der Vereinigten Staaten und anderer Länder, die in den Konflikt noch nicht hineingezogen waren, sahen immer klarer, daß eine Haltung defensiven Ab- wartens gegenüber dem hitlerischen Ziele der Welteroberung, 11 das immer deutlicher sichtbar wurde, wirkungslos war. Dieses Ziel war allerdings nicht den Deutschen allein eigentümlich— die Mobilisierung des gesamten nationalen Lebens im Dienste des Militärstaats und der Lehre von der Herrenrasse hatte seine Parallele in Japan, wo im Jahre 1940 das Militär-Kabinett des Prinzen Konoye eine„Neue Nationale Struktur‘ verkündet hatte, in der alle politischen Parteien, Gewerkschaften und anderen Organisationen gezwungen wurden, sich der totalitären„Gesell- schaft zur Unterstützung der Kaiserlichen Herrschaft” zu unter- ordnen. Die Aufgabe dieser Gesellschaft war es, den Eroberungs- plänen der herrschenden Klasse in Japan hundertprozentige Unterstützung im ganzen Lande zu sichern. Das Führerprinzip des Nationalsozialismus, die Lehre des italienischen Faschismus„vom Gehorsam ohne Diskussion‘ und das japanische System der „Kontrolle gefährlicher Gedanken”, zusammen mit der Rassen- haß-Propaganda, den Konzentrationslagern und Pogromen waren alles Waffen in einem'Krieg mit gleichen Zielen. Und in diesem Krieg hatten die Angreifer, die die freie Menschheit verachteten, ihre ideologischen Freunde und Verbündeten selbst unter den locker und schwach organisierten Verteidigern der Menschheit. Norwegen hatte seinen Quisling, Holland seinen Mussert, Frank- reich seinen Laval, China seinen Wang Ching-wei. Der Krieg war nicht nur ein Krieg zwischen Völkern, es war ein Bürger- krieg um den menschlichen Geist. Die Mächte im Gleichgewicht Unter dem Eindruck dieses Erwachens stimmte der. Kongreß der Vereinigten Staaten Ende 1940 für die allgemeine Wehrpflicht und Anfang des nächsten Jahres wurde die Leih-Pacht-Gesetz- gebung angenommen, durch die sich die Vereinigten Staaten in ein riesiges Arsenal verwandelten, welches alle Demokratien versorgte, Inzwischen marschierten die Achsenmächte immer noch vorwärts. Großbritannien vom europäischen Kontinent abge- schnitten, umgeben von U-Bootrudeln und dauernden Luftangriffen ausgesetzt, führte dennoch Feldzüge im Mittelmeerraum durch, wobei es von dem weit entfernten Australien und von Südafrika unterstützt wurde; aber alle englischen Bemühungen wurden zum Stillstand gebracht, nachdem es den Deutschen gelang, Jugoslawien, Griechenland und Kreta zu unterwerfen. Im Juni dieses Jahres begann die deutsche Wehrmacht, nach dem größten 12 ne EEE EN NE N een aller ihrer Objekte reichend, voll Selbstvertrauen die Invasion Rußlands, und schon im Oktober hatte sie Charkow erobert und belagerte Moskau. Auf der anderen Seite der Erde waren japanische Streitkräfte bereits im Juli in Indochina eingedrungen; im Dezember tat Japan den letzten Schritt und griff die Flotte der Vereinigten Staaten in Pearl Harbor an. Gegen Ende des Jahres war Hongkong ge- fallen, der Fall der Hauptstadt der Philippinen Manila stand un- mittelbar bevor, und die gesamte Struktur der amerikanischen, englischen und chinesischen Verteidigungsstellung im Fernen Osten war entscheidend gefährdet. Trotz all dieser Siege gab es dennoch bei nüchternem Nach- denken Gründe für Sorgen unter denjenigen Menschen in Deutschland, die besser informiert waren. Durch seine Kriegs- erklärung gegen die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten hatte Hitler mehr als 250 Millionen Menschen in den Krieg hin- eingezogen. Es war für ihn eine Lebensfrage, daß seine Generale die russischen Armeen vollkommen vernichteten, bevor die Macht der Vereinigten Staaten auf den Kriegsschauplätzen fühl- bar wurde. Ferner hatte Hitler, indem er einen großen Teil seiner Kräfte nach Osten ableitete, England die Alempause gegeben, die es brauchte, um Seine neuen Armeen und eine starke Luftstreit- kraft aufzubauen. Ende 1941 schien es noch, als ob die Alliierten militärisch nicht viel ausrichten könnten; aber für Deutschland wurde die Zeit bereits knapp. Wenige Tage vor dem japanischen Ueberfall auf Pearl Harbor konnte man die ersten Anzeichen eines grundlegenden Wechsels im Verlauf der Ereignisse feststellen. Die Rote Armee hatle es fertiggebracht, ihre erste Gegenoffensive durchzuführen, und hatte die Stadt Rostow am Don zurückerobert. Am Neujahrstag 1942 unterzeichneten 26 Vereinte Nationen eine Erklärung, in der sie sich zur gemeinsamen Aktion gegen Deutschland ver- pflichteten. Sechs Tage später kündigte Präsident Roosevelt im Kongreß sein neues Programm an, unter dem noch in diesem Jahre 60 000 Flugzeuge, 45000 Panzer und 8000000 Tonnen Schiffsraum in den Vereinigten Staaten hergestellt werden sollten. Während der nächsten Monate unternahmen Großbritan- nien, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten 68, alle ihre Kräfte zu mobilisieren; und schon im Mai wurden die Resultate sichtbar— die RAF. unternahm ihren ersten mit 1000 Flugzeugen durchgeführten Angriff auf Deutschland; im August landeten 13 amerikanische Marinetruppen auf den von den Japanern eroberten Salomon-Inseln; und im Oktober unternahmen die Russen, nach- dem sie schwere Schläge eingesteckt hatten, ihren großen Gegen- angriff bei Stalingrad, während die Engländer das deutsche Afrika- korps bei EI Alamein schlugen; und im November landete eine kombinierte englisch-amerikanische Armee in Nordafrika und be- gann die Deutschen aus ihren strategischen Stellungen zu vertreiben. Das Blatt hatte sich gewendet. Die Entscheidung Jeder Monat des Jahres 1943 brachte neue Anzeichen, daß die Ereignisse sich auf einen dramatischen Höhepunkt hin be- wegten. Im Januar trafen sich die führenden Staatsmänner der Alliierten in Casablanca und legten ihre Strategie fest; im Februar ergab sich die deutsche Sechste Armee bei Stalingrad; im Mai streckten die letzten Truppen der Achse in Afrika die Waffen; im Juli wurde Mussolini abgesetzt; im August unternahm die RAF. ihre massiven Angriffe auf Hamburg, und die Rote Armee eroberte Charkow zurück; im September ergab sich Italien; im Oktober zog sich die deutsche Südarmee aus Neapel zurück; im November eroberten die Amerikaner die wichtigen japanischen Verteidigungsstellungen auf den Gilbert-Inseln, und im Dezember, nach der Konferenz der alliierten Staatsmänner in Teheran, wurde General Eisenhower zum Oberstkommandierenden der Streitkräfte ernannt, welche die kommende Invasion auf dem europäischen Kontinent durchführen sollten. Während dieses Jahres wie auch während des größten Teiles des nächsten bewiesen die deutschen Armeen, daß sie noch starke Kräfte, Erfindungsgabe und Tüchtigkeit einsetzen Konnten; wer aber die wachsende Rate der Waffenproduktion in den Ver- einigten Staaten, die Schaffung immer neuer Armeen in Rußland und den allmählichen Sieg der Alliierten in der Schlacht um die Nachschublinien über dem Atlantik beobachtete, konnte am Endergebnis in Europa nicht mehr zweifeln. Der Teil der deut- schen Wehrmacht, der zuerst zu versagen begann, war die deutsche Luftwaffe. Ihre Produktionsstätten und Treibstoffquellen waren so intensiv bombardiert worden, daß die Luftwaffe seit dem Frühjahr 1944 nicht mehr imstande war, Deutschlands militä- rische Anlagen im Westen oder seine industriellen Zentren im Heimatland zu beschützen. Als Ersatz für eine effektive Bomber- streitkraft verfiel das deutsche Oberkommando auf die billig 14 en a Ferne eier reine latest ae nen zen NG TEN re Fb see Rp See ABl saEsesanetee ee re Sa- b 5 x Ba eE Sense EEE hergestellten V-Waffen. Als diese endlich in Erscheinung traten, verursachten sie zwar große Schäden in den Wohnvierteln der Städte Englands, aber sie waren von vornherein so inakkurat, daß fast keine wirklich kriegswichtigen Anlagen getroffen ‘wurden. Der Nachschub für die alliierten Streitkräfte ging un- gestört weiter. Juni 1944 kam und brachte die glänzend koordinierten Offen- siven der Alliierten. Amerikanische und englische Armeen lan- deten in der Normandie und nahmen Cherbourg; die Russen be- _ ihre Offensive in Weißrußland; Rom wurde befreit, und die deutschen Südarmeen fielen auf das Umbrische Hügelland zurück. Mitte Juli hatte eine Gruppe höherer deutscher Armee- Offiziere und Zivilbeamten die Unsinnigkeit weiteren Blutver- gießens erkannt. Sie versuchten Hitler zu beseitigen, um ein Friedensangebot zu machen. Die Führung der Wehrmacht, der Partei und des Staates aber waren entschlossen, bis zum bitteren Ende weiterzukämpfen, und sie versuchten während zehn weiterer Monate— während Deutschlands Städte und Wirtschaftsleben ruiniert wurden, während deutsches Blut und Volksvermögen in immer hoffnungsloseren Unternehmungen vergeudet wurde— die endgültige Niederlage zu verschieben. Am 7. Mai 1945, nach- dem zwischen fünf und sechs Millionen Deutsche aufgeopfert waren(wir zählen nur Tote oder auf immer Verstümmelte), boten die nationalsozialistischen und militärischen Führer Deutschlands bedingungslose Uebergabe an. Aber noch während der Endangriff gegen Deutschlands Streit- kräfte durchgeführt wurde, schäumten die Wellen des westlichen pazifischen Ozeans bereits unter den Kielen der amerikanischen und englischen Invasionsflotten. Von den Gilbert-Inseln und von New Britain führten die nächsten Tausend-Kilometer-Schritte der Alliierten zu den japanischen Basen in den Marianen; von da zu den Philippinen, wo Partisanen den Kampf gegen die japanischen Besatzungstruppen weitergeführt hatten; und von da zu den von den Japanern befestigten Inseln Iwojima und Okinawa, die bereits so nahe dem japanischen Stammland liegen, daß von ihnen aus Kampfflugzeuge nach Japan fliegen können. Im Juli 1945, während fast täglich ganze Flotten von Bombenflugzeugen von Flughorsten auf den pazifischen Inseln und in China und von Flugzeugträgern aus Japan bombardierten, dampften ame- rikanische Schlachtschiffe so nahe an die japanische Küste heran, daß sie die Industrieanlagen in Japan selbst beschießen konnten. 15 Inzwischen zerbröckelte unter den Schlägen neuer chinesischer, englischer, indischer und australischer Armeen das Imperium, das die Japaner in China, in Birma und in Ostindien notdürftig er- richtet hatten. Das japanische Volk hatte seinen Führern bedingungslosen Gehorsam bei deren Eroberungsfeldzügen ge- leistet und sah nun als Resultat ihr eigenes Stammland der Zer- störung ausgesetzt. Die schärfste Lektion wurde durch die ersten Atombomben erteilt— eine revolutionäre Waffe, die von ameri- kanischen und englischen Wissenschaftlern erfunden und ent- wickelt worden war. Die Sowjetunion trat in den Krieg gegen Japan ein und begann, die Mandschurei von der eisernen Ferse Japans zu befreien— dieselbe Mandschurei, die im Jahre 1931 als erste im Verlauf des Eroberungsfeldzuges besetzt worden war. Und schließlich, am 14. August 1945, ergab sich Japan bedingungs- los. Der Krieg, der fast anderthalb Jahrzehnte gedauert hatte, war vorbei. Jahre werden zweifellos vergehen müssen, bevor eine auch nur halbwegs genaue Schätzung der Gesamtverluste an Men- schenleben und Werten durchgeführt werden kann— Verluste, welche die Welt im Verlaufe dieses Krieges erlitten hat. Ganze Nationen waren versklavt, verstümmelt, auseinandergerissen worden durch jene Männer, die versucht hatten, sich selbst zu Herren über die ganze Erde zu machen. Die Sieger, welche die ersten schweren Schläge erlitten hatten, und die Verlierer, welche die letzten empfingen, vertraten beide Gedanken von weltweiter Konsequenz. Aber aus dem Leid, das ganze Völker erlitten haben, war schließlich die Erkenntnis gekommen, daß Menschen guten Willens von jetzt an überall unerschütterlich zusammenstehen müssen, um neue Aggressionen zu verhindern und einen Frieden zu garantieren, in dem die Menschen aller Länder ihr Leben in Freiheit von Furcht und Freiheit von Not führen können. ..Das menschliche Leben, das so billig geworden war, ist nun wieder kostbar, nachdem so viele Leben verschwendet worden waren. Die Errungenschaften der Zivilisation, die so verant- wortungslos weggeworfen worden waren, wird man erst in Jahr- zehnten wiederherstellen können; aber wenn sie wiederhergestellt sein werden, werden die Völker nie wieder zulassen, daß leicht- sinnig mit ihnen umgesprungen wird in Verfolgung eines phantomhaften Ruhmes. 16 et Te nn Sri S Tin a© ne Se] a en un 25 2 ws er Om 2m & A 22 AQQa E= E| Colour& Grey Control Chart 7% j_ Blue Cyan Green Yellow Red Magenta " White Grey 1 Grey 2 FGreysmen Grey 4 Black 1931—1945 VON WILLIAM H. HALE