‚ Dr, JOSEPH EBERLE Erlebnisse und Bekenntnisse Ein Kapitel Lebenserinnerungen des früheren Herausgebers der Zeitschriften „Das Neue Reich” und„Schönere Zukunft” SCHWABENVERLAG AG. STUTTGART 1947 Aus der Feder von Dr. Joseph Eberle erschienen früher die Bü- cher„Großmacht Presse‘,„Schönere Zukunft”,„Zertrümmert die Götzen” „Die Überwindung derPlutokratie”, „Deprofundis”,„‚DerWeginsFreie”. Von 1918 bis 1925 leitete Dr. Eberle die Wochenschrift„Das Neue Reich”; von 1925 bis 1940 war Dr. Eberle Ver- leger und Herausgeber der Wochen- schrift„Schönere Zukunft”(Wien). Dr. Joseph Eberle ist geboren am 2.8.1884 in Ailingen. Anschrift für Deutschland: Ailingen bei Frie- drichshafen a. B., Württemberg, für Österreich: Bezau, Bregenzer Wald, Vorarlberg. Alle Rechte vorbehalten Dr. JOSEPH EBERLE Erlebnisse und Bekenntnisse Ein Kapitel Lebenserinnerungen des früheren Herausgebers der Zeitschriften „Das Neue Reich” und ‚„Schönere Zukunft” SCHWABENVERLAG AG. STUTTGART 1947 Veröffentlicht unter der Zulassung USW/1024 der Nachrichtenkontrolle der Leh Militärregierung.— Druck u. Verlag: Schwabenverlag AG. Stuttgart. 8. 47. 5000.| M €) , der ‚5000: FE EB Grundsätzliches zum Durchbruch und Programm des Nationalsozialismus Fragt man nach den geistig-moralischen Wurzeln des Nationalsozialismus, nach den Gründen seines Durch- bruchs und Sieges inmitten des deutschen Volkes, so wird wohl die Ansicht zwischen Deutschen und Nichtdeutschen lange auseinandergehen. Nach der Meinung des Verfassers dieser Schrift steht am Anfang des Hitlerismus eine höchst krisenhafte Lage des deutschen Volkes. Litten schon die großen Siegermächte des ersten Weltkrieges: die Vereinigten Staaten, England und Frankreich schwer unter den Folgen der Kriegszerstörungen bzw. der materiellen Aufwendungen für den Krieg, und an den personalen Zerrüttungen durch diesen— so begreiflicher- weise noch viel mehr die Besiegten. Schon an sich aus- geblutet und durch die Friedensbestimmungen u. a. um Kolonien und wichtige Provinzen, um die Schiffe, um die ganzen Auslandskapitalien gebracht— sah das deutsche Volk durch die Inflation auch noch die letzten Gelderspar- nisse im Innern ins Nichts aufgehen. Gleichzeitig wan- derte ein Großteil der verbliebenen Sachwerte aus der Hand des breiten Mittelstandes in die Hand großer Ban- kiers und Industrieller, die ihren Kredit dazu benützten, in immer größerem Ausmaß Fabriken, Handelshäuser, ganze Straßenzüge zusammenzukaufen, um dann das Ge- kaufte mit völlig entwertetem Papiergeld zurückzuzahlen. Daneben lief die Entwicklung einer wachsenden Arbeits- losigkeit in weiten Industriegebieten, deren Absatzmärkte geschwunden waren, deren fortschreitende Technisierung und Maschinisierung gleichzeitig immer mehr Menschen- kräfte überflüssig machte. Deutschland hatte auf beengtem Lebensraum und nach Verlust der Kolonien Millionen Menschen zu viel. Anderseits fand die plötzlich einge- 3 führte parlamentarische Demokratie nur teilweise Be- jahung bei einem Volk, das während Jahrhunderten durch Fürsten und ihre Räte geleitet worden war und insbeson- dere von Preußen her sich immer stärker an autoritative Führung gewöhnt hatte. Die nach dem Zusammenbruch von 1918 zunächst tonangebenden Linksparteien gefielen sich ja auch in ihren radikalen Teilen allzuviel in Partei- demagogie, in Futterkrippenkämpfen, in bloßer Be- schuldigung und Bekämpfung der bisher oberen Gesell- schaftsschichten, in Mißachtung und Verfolgung der christlich-kulturellen Überlieferungen. Wirtschaftlich war viel von Sozialisierung die Rede; praktisch blieb man gerade gegenüber den großen Plutokraten, gegenüber den Kriegsgewinnlern, den Hyänen der Inflation weithin ohn- mächtig. Als endlich die ärgsten Revoluzzerklüngel aus- geschaltet, die Gottlosendemonstrationen eingestellt, die frivolen Auswüchse in Literatur und Kunst, auf dem Theater und im Kino unterbunden waren, als das wildeste Spekulantentum Bändigung erfahren hatte, als die poli- tische Führung an Mittelparteien übergegangen war und nun Männer wie Cuno, Marx, Brüning die Gesamtentwick- lung auf eine ruhigere und vernünftigere Bahn gedrängt hatten,hemmte wieder anderes in verhängnisvoller Weise. Das konfessionelle Vorurteil der Mehrheit traute den nur mit höchstem Mißtrauen betrachteten und behandelten katholischen Kanzlern keine politische Rettung zu. So bildete sich die seelische Disposition für den Durchbruch des Nationalsozialismus. Das Programm des Nationalsozialismus schien— im Kern, unter Abzug der mit den meisten Parteiprogrammen verbundenen, aber in der folgenden Praxis dann meistens aufgegebenen Übertreibungen— zunächst eine Reihe vernünftiger Forderungen zu vertreten. Diese fanden umso mehr Gehör, als die Partei’gleichzeitig als eine Bewegung des festen Zupackens und des stärksten Tatwillens er- schien. Das Unglück war bzw. wurde, daß diese Forde- rungen nicht nur mit den Anfangsübertreibungen festge- 4 nen en ihe ms0 tige een ee a er. halten, sondern in der Folge noch übersteigert bzw. durch Verbindung mit falschen Ideologien, einer falschen Welt- anschauung verdorben, mitunter ins gerade Gegenteil verkehrt wurden. So endeten anfängliche Ideale als Kari- katuren und Barbareien. Je mehr der Nationalsozialismus trotz allem im Laufe der Entwicklung Erfolge erzielte, um so mehr wurde er von Hochmut, von Übermut erfaßt. Aller Hochmut aber läßt Geist und Methoden dem Höllisch-Dämonischen anheimfallen. Wem Schweres ge- lang, dem scheint schließlich nichts mehr unerreichbar. Er vergißt die Grenzen, die allem Menschlichen gesetzt sind; er will schließlich„Gott gleich" sein; so wird er zum Nachahmer und zur Beute Luzifers. So kommt es beim Nationalsozialismus zum Durchbruch eines himmel- stürmenden Titanismus, eines schreckenverbreitenden Tschingiskhan-Wesens. Zunächst hieß es: Wir wollen positives Christentum. Noch 1933, bei der Machtübernahme, erklärte Hitler, er halte die christlichen Bekenntnisse für„wichtigste Faktoren der Erhaltung des deutschen Volkstums“. Der Abschluß eines Konkordats mit Rom schien der Kirche reiche Wir- kungsmöglichkeiten zu gewährleisten. Die staatliche Steuergesetzgebung sicherte der Kirche bis zum Schluß hohe Beiträge für den Kultus. Alles schön! Aber alsbald begann in einzelnen Kreisen des Nationalsozialismus eine seltsame Auslegung des Begriffes„positives Christentum”. Unter„positiv‘ wurde nicht ein rechtgläubiges Christentum im Sinne der Überlieferung verstanden, sondern eines, das dem„Moral- und Sittlichkeitsbegriff der germanischen Rasse nicht widersprach”. Zwar hatte Hitler diese Wen- dung bzw. Klausel im Parteiprogramm in der Reichstags- erklärung vom 1. Februar 1933 indirekt zurückgenommen, welche Zurücknahme die deutschen Bischöfe zur Zurück- nahme ihrer Verbote gegenüber dem Nationalsozialismus veranlaßte. Aber gewichtigste Parteileute kümmerten sich in der Folge nicht um diese Korrektur. Nach dem germa- nischen Moralbegriff, wie sie ihn verstanden, gibt es nun keine Erbsünde, sondern nur einen Erbadel; braucht der Mensch nicht die Erlösung durch Christus, sondern ist er 5 zur Selbsterlösung befähigt; ist das Alte Testament nicht göttliche Offenbarung und Vorbereitung des Christentums, sondern zu bekämpfendes Erzeugnis jüdischen Ungeistes; ist Christus nicht göttlicher Natur, sondern bestenfalls ein großer Mensch, wenn auch mit bedenklichen jüdischen Einschlägen; ist nicht der überweltliche Gott des Theis- mus, der Gott Christi, der wahre Gott, sondern der Gott des Pantheismus, die Allnatur, die aus Blut und Boden und Rasse spricht; ist der wahre Gottesdienst Dienst am Volk; sind die höchsten Tugenden nicht Liebe und Barm- herzigkeit, sondern Härte und Rache; gibt es keine per- sönliche Unsterblichkeit des Menschen, sondern nur ein Fortleben in Sippe und Volk; ist nicht Gott der Richter der Menschen, sondern das Volk bzw. die Volksführung. Das aber bedeutet völlige Verneinung des Christentums. Hand in Hand mit dem Auftreten solcher Deutungen und Richtungen entwickelte sich in immer breiteren Kreisen eine immer gegnerischer werdende Haltung zur Kirche. Während sie auf der einen Seite finanzielle Unterstützung erfährt, erfährt sie auf der anderen Seite steigende geistige Bekämpfung, fortschreitende Abdrosselung und Enteig- nung ihrer Klöster, Seminarien, Pensionate, Unterbindung des Zugangs zum Ordensleben und Priestertum, Verbot des Religionsunterrichtes in den Schulen, Hemmung ihrer Predigt-, ihrer Literatur- und Pressetätigkeit. Der kirch- liche Religionsunterricht wird in der Schule durch Partei- unterricht, die religiöse Erziehungsarbeit durch mili- tärische Erziehung, die Seelenpflege durch Körperpflege ersetzt. Es wird vielerorts Propaganda zum Austritt aus der Kirche betrieben. Kirchenglaube und Staatsdienst wird in immer zahlreicheren Fällen für unvereinbar er- klärt. Zuletzt erscheinen bei der Parteiführung und dem Großteil der Parteigenossen Christentum und Kirche durch ein zweifelhaftes Neuheidentum ersetzt. Das hat schreckliche Wirkungen. Denn seit Christus auf dieser Erde erschien, bedeutet Entchristlichung auf die Dauer immer auch Entmenschung, Verdummung, Entartung. Es war längst notwendig, die Wissenschaft aus dem Chaos, aus der Gegensätzlichkeit der weltanschaulichen Rich- tungen, aus dem Verfall in kleines Handwerks- und Kärrnerwesen wieder zu stärkerer Einheitlichkeit, zu großer Gesamtschau, zu wirklicher Erzieherfähigkeit zurückzubringen. Aber dann war sie zum Ausgang von der überlieferten christlichen Volksreligion zu verpflich- ten, nicht aber einfach nur auf den Staat der derzeitigen Entwicklung festzulegen; dann durften ihr nicht— je länger je mehr— einfach nur Blut und Ehre und Rassen- kraft als die Höchstwerte und Höchstziele aufgezwungen werden. Nicht das Buch der Bücher, vom Denken der größten Genies und von der Erfahrung der Jahrtausende als göttliche Offenbarung erkannt, Leitmotiv sein lassen, sondern die unreifen, unhaltbaren Einfälle dilettantischer Parteileute wie Rosenberg, Darre, Bäumler, von Leers usw., Bücher wie„Mein Kampf“ und„Der Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts‘ zuguterletzt zur Bibel, zum Koran für die Professoren zu erheben, das war Zerstörung der Wissenschaft. Der Wille zur Säuberung und Besserausrichtung von Lite- ratur, Theater, Kunst und Kino war sehr erfreulich. Aber das hätte heißen müssen: Neuvergegenwärtigung des Geistes der Hartmann von der Aue und Wolfram von Eschenbach, der Erwin von Steinbach und Dürer, des Geistes der Barockkunst und Barockliteratur, des Geistes der reifen Werke von Goethe und Schiller, Raimund und Grillparzer, vor allem auch der Werke von Dante, Cal- deron und Shakespeare. Das hätte bedeuten müssen Ver- pflichtung der Dichter, Architekten, Maler, Theaterdirek- toren und Filmregisseure auf die Pflege dieses Geistes. Statt dessen wurden mit der Zeit Verbrennungen christ- licher Literatur veranstaltet und erfuhr neuheidnische Literatur und Kunst öffentliche Förderung und krampf- hafte Verbreitung. Längst war eine Zügelung der Presse fällig. Ihre Duldung als Privatangelegenheit von Händlern, die mit öffentlicher Meinung handeln so wie andere mit Hosenträgern, Herin- gen und Buttermaschinen handeln; die Zulassung ihrer 7 Methode, durch Beschmeichelung aller bösen Instinkte und Kitzeln aller anarchischen Triebe Absatz und Ein- fluß zu vergrößern, war längst etwas Unerträgliches. Aber wenn die Presse in immer zahlreicheren Organen nun einfach verstaatlicht, zum Parteiwerkzeug gemacht wird; wenn sie nicht mehr Sprachrohr wirklich berufener- und freier Priester, Gelehrter, Politiker, Wirtschaftsführer sein kann, sondern einfach nur die Schallplatte des Propa- gandaministeriums zu sein hat; wenn zuletzt— insbeson- dere in der Tagespresse— nur mehr ein Kopf für das ganze Reich denken soll und das Reich nun von den Vor- urteilen, Beschränktheiten und Borniertheiten dieses einen Kopfes abhängig gemacht wird— so heißt das die Presse vom Regen in die Traufe bringen. Steigerung der Staatsautorität und Zentralmacht gegen- über einem nach allen Richtungen auseinandertreibenden, die Autorität pulverisierenden absoluten Parlamentaris- mus hat hohen Sinn. Aber nun, mit der Zeit, jedes Mit- reden und jede Kontrolle des Volkes ausschalten, die In- tuition eines ehemaligen Gefreiten dem praesens numen, dem Denken des„präsenten Gottes’ gleichachten und den Reichstag zu dessen bloßer Beifallsmaschine erniedrigen; alle Einsprüche und Widersprüche verbieten unter im Lauf der Jahre wachsender Verfolgung der Andersdenkenden bis zu den Methoden der Nero und Caligula— das ist nicht nur Übertreibung, das ist Wahnsinn. Den Staat und die Nation sichern und stärken ist recht,— aber den Staat allmählich zum Staatsungeheuer, zu dem alle Lebens- gebiete umspannenden und aufsaugenden Staatsleviathan aufblähen, heißt die Menschen versklaven und ihre Ge- wissenstechte zerstören. Es ist schön, die Familie zu fördern durch Mehrung der Familienlöhne, durch Errichtung von Heimstätten für werdende Mütter, durch Steuererleichterung für Kinder- reiche, durch staatliche Unterstützung armer Familien mit vielen Kindern. Aber es bedeutet gleichzeitig Zerstörung 8 SER wa der Familie, wenn gesetzlich die Ehescheidung erleichtert, wenn die Ehe selbst von führenden Parteimännern auf die Ebene einer bloßen Zuchtanstalt herabgedrückt, wenn von ihnen kaum mehr ein Unterschied zwischen verheirateten und ledigen Müttern gemacht wird, wenn nur mehr die Zahl und körperliche Kraft, nicht mehr die seelische Art der Kinder gilt; wenn das Ziel nur mehr ist, Menschen für die Kasernen, Fabriken und chemischen Laboratorien zu zeugen, nicht mehr Menschen für Gott; wenn die Kinder nicht mehr als Eigentum und Fürsorgegegenstand der Eltern, sondern als solche des Staates gelten; wenn end- lich die Elternteile und die Kinder durch befohlenen Arbeitseinsatz bald hierhin, bald dorthin geschickt und so auseinandergerissen werden. An die Stelle des Klassenkampfes bzw. übersteigerter Weltbürgerei eine nationale Volksgemeinschaft setzen, Unternehmer und Arbeiter in gemeinsamen Berufsgruppen zur Arbeit für die Heimat zusammenfassen, ist eine heIT- liche Idee. Aber diese Volksgemeinschaft wird doch schon in dem Augenblick wieder aufgelöst, wo ein Staat im Staat begründet, wo die Partei des Führers mit wachsen- den Rechts- und Steuerprivilegien ausgestattet wird; wo der Zugang zu höheren Schulen und der Aufstieg in Ämtern zuletzt nicht von Talent, Verdienst und Tüchtig- keit, sondern von der Parteizugehörigkeit abhängig ge- macht wird. Gemeinschaft wird auch nicht durch Be- seitigung aller natürlichen Standesunterschiede: durch Gleichsetzung von Grafen mit Köchinnen, von Professoren mit Bäckerlehrlingen— und nicht durch Vermischung und Verschmierung aller Stammes- und Provinzeigentüm- lichkeiten und Durcheinanderwürfeln von Nord und Süd, Ost und West herbeigeführt, sondern durch Anerkennung der natürlichen Gliederungen und naturgewachsenen Landschaftscharaktere. Gemeinschaft wird nicht durch Zwang und Diktat, sondern durch organisches Wachsen- lassen gefördert. Wo aber organisches Wachstum, dort Ständegliederung und Stämme-Föderalismus. Es ist ein schöner Gedanke, die heimische Wirtschaft vor allem auf Arbeit für das eigene Volk zu verpflichten. Aber 9 nun Ausfuhr und Einfuhr fast ganz unterbinden, die Gren- zen fast ganz schließen, geht zu weit. Denn der Natur der Völker entspricht ein gewisses Zusammenarbeiten und ein gewisser Güteraustausch. Gott hat wichtigste Natur- schätze auf verschiedene Plätze der Erde verteilt, wohl nicht zuletzt deshalb, damit die Völker eben durch deren gemeinsame Nutzung sich auch seelisch nahebleiben. Selbst-Absperrungen lassen verkümmern; sie erzeugen unerträgliche Gegensätze und Spannungen. Es ist etwas Schönes um die Förderung des kulturellen Gemeingefühls der Deutschen. Aber nun einen Staat aller Deutschen erzwingen wollen, ohne Rücksicht auf ge- schichtliche Entwicklungen und internationale politische Gegebenheiten; ohne Rücksicht darauf, daß deutsche Schuld selbst, nämlich die Glaubensspaltung, zu radikalen staatlichen Spaltungen und zu Auswanderungen führte; ohne Rücksicht darauf, daß viele Millionen Deutsche in- zwischen in Nachbarstaaten, im Auslande sich neue Heim- stätten schufen und daß auf die Gastgeber dieser Deut- schen Bedacht zu nehmen ist, in dem Sinn:„Was du nicht willst, daß man dir tu, das füg’ auch keinem andern zu!”; diesen Großstaat schaffen wollen ohne Bedenken dessen, daß neben der Nationalstaatsidee ebenso berechtigt das Völkerstaatsideal steht; schaffen wollen nach dem Grund- satz„Recht ist, was uns nützt!'‘, ohne zu berücksichtigen, daß dann immer auch die Stärkeren gegenüber den Schwä- cheren, die Reichen und Satten gegenüber den Habenicht- sen recht haben— das heißt nicht, dem Deutschtum und seinem Zusammenschluß dienen, sondern seine ganze Zukunft aufs Spiel setzen. Den Abbau einzelner Friedens- punkte von 1919 mit den überhohen Tributen, die Rück- gabe der Kolonien anzustreben war verständlich. Aber das durfte nicht durch Neubelebung des Geistes von Potsdam, nicht durch eine übermäßige militärische Aufrüstung unter Drohungen geschehen,— das konnte nur durch eine Neubelebung und Weltverbreitung der christlichen Ge- danken von Naturrecht und Völkerrecht, von dem gott- gegebenen Anspruch aller Völker auf einen Platz an der Sonne geschehen. Die Deutschen hatten auch zu beden- 10 neu wu Deu den fall nicl ges und son sch Ben Mit vol Dyı Deu ver öfft die der Pre ruf gec stin ger der Da: ihr sta, lun ord Ga Zeu auf „G EEE Dam ken, daß sie selber durch innere Volkskämpfe anläßlich der sogenannten Reformation sich ausschalteten, als die neuen Weltteile entdeckt bzw. die Erde neu verteilt wurde. Ohne Luther und Reformation wären damals die Deutschen als die erste und stärkste Macht dagestanden, denen ganz von selbst Hauptteile der neuen Welt zuge- fallen wären— mit der Wirkung, daß heute in Amerika nicht englisch und spanisch, sondern deutsch und spanisch gesprochen würde; daß Indien, der ostindische Archipel und Südafrika nicht unter englischer und holländischer, sondern unter deutscher Oberhoheit stünden. Die Deut- schen hatten weiter zu bedenken, daß es vor allem Preu- ßen war, das das von den Habsburger-Kaisern geführte Mitteleuropa sprengte und politisch auseinanderriß. Daß vor allem Hohenzollernfürsten aus bloßem Gebiets- und Dynastie-Egoismus heraus das Gefüge des alten ersten Deutschen Reiches von innen heraus lockerten, daß der vergötterte Friedrich II. von Preußen Bruderkriege er- öffnete und Bismarck im Interesse der Preußenführung die Donaumonarchie aus dem alten Reichsverband bzw. dem Deutschen Bund warf. Umso weniger war dieser Preußengeist zur Schaffung eines neuen Mitteleuropa be- rufen!— Wer statt die Welt mit christlichen Naturrechts- gedanken und mit christlicher Liebe zu Gerechtigkeit zu stimmen, sie mit den Waffen zu plötzlichen Besitzabtretun- gen zu zwingen versucht, läuft Gefahr, von den Waffen der Bedrohten niedergeschlagen zu werden. Das Legen von Banken und Börsen an harte Kandaren, ihre Verhinderung an Blutsaugerei speziell am Miittel- stand, das Brechen der Zinsknechtschaft und die Abdrosse- lung von bloßem arbeitscheuem Rentnertum, die Unter- ordnung der Wirtschaftsegoismen unter die Interessen des Ganzen, die Ersetzung der Wirtschaft willkürlicher Er- zeugung durch eine solche der Planung mit Ausrichtung auf den gesunden Bedarf der Gesamtheit, die Forderung „Gemeinnutz geht vor Eigennutz’‘— das alles sind zeit- 11 gemäße Programme. Aber man durfte das Planen und das Ausschalten des Eigennutzens nicht so verstehen, daß in einer Zeit, wo das inländische Judentum wegen unsolider Beutemacherei und das Ausland wegen Auspressung des deutschen Volkes angeklagt wurde, nun Parteigenossen das Recht zu zahllosen Willkür-Plünderungen und Willkür- Enteignungen gegenüber Mißliebigen im eigenen Volk erhielten; daß nicht bloß Reichsminister und Gauleiter, sondern auch kleine Gestapobeamte, Volksschullehrer, vormalige Feldwebel und Fleischergesellen das Recht er- hielten, sich binnen weniger Jahre Millionen aufzustapeln, Luxusvillen zu bauen, Kunstsammlungen zu erwerben und Landgüter beizulegen. Auch die Christen kannten immer eine Judenfrage. So wie die Frage eines fremden Glaubens überhaupt, oder etwa die Frage des Liberalismus und Marxismus. Sie wehr- ten sich, wenn von jüdischen Schriftstellern christliche Ideen, Überlieferungen, Einrichtungen, Personen zu Un- recht angegriffen wurden; sie predigten Abwehr mit ge- setzlichen Mitteln, wenn von einzelnen jüdischen Kreisen Vorherrschaftsstellungen in der Literatur und Kunst, in Bank und Börse, in der Wirtschaft überhaupt im Bereich vorwiegend christlicher Völker angestrebt wurden. Aber sie dachten nie daran, die natürlichen Lebensrechte des jüdischen Volkstums zu bestreiten oder zu beengen. Sie dachten nie daran, die Juden um der Rasse willen zu be- kämpfen. Die Rassenverschiedenheit ist nach christlicher Auffassung von Gott zugelassen im Interesse der Gliede- rung der Menschen. Wo es Rassenentartung gibt, sind nach christlicher Auffassung nicht Blut und Körper, son- dern der Geist das Hauptentscheidende; es erscheinen von gutem Geist, von echter Religion und Moral aus, alle Besserungen und Hebungen möglich, so wie anderseits böser Geist auch die„beste‘‘ Rasse nicht vor Entartung schützt.„So kann man blondes Haar und blaue Augen haben und doch so falsch sein wie ein Punier‘ schreibt Hebbel gelegentlich. Noch weniger dachten die Chri- sten daran, die Juden um ihrer religiösen Haupturkunde, um des Alten Testamentes willen, zu bekämpfen. Denn das 12 ET TORE Alte Testament ist für sie göttliche Offenbarung, Vorbe- reitung auf das Christentum. Von solchen Auffassungen wich der Nationalsozialismus völlig ab: Die Rassen rein materialistisch betrachtend, die einen vergötzend, den andern das Freiheits-, ja das Lebensrecht absprechend, gebärdete er sich als Todfeind des Judentums. Er betätigte diese Feindschaft zunächst durch völligen Ausschluß der Juden aus Staatsbürgerschaft, öffentlichen Berufen und wirtschaftlichen Betätigungen; dann durch immer radi- kalere Enteignungsmaßnahmen gegenüber dem jüdischen Besitz und Zerstörung sogar der Synagogen; endlich durch Verschleppung des Großteils der Juden ins Ausland bzw. durch ihre direkte Ausrottung in Hungerlagern, auf Er- schießungsstätten und in Gaskammern. Das war nicht mehr menschliche Politik, das war Herabsteigen zu den Methoden der wilden Tiere in den afrikanischen Steppen und Urwäldern. Mehrung des Bauerntums und Festigung des Bauern- besitzes gegenüber Neigungen zur Umwandlung von Bauernboden in flüssige Marktware und— dank der Flüssigkeit, nicht selten in Jagd- und Parkgrund und Wochenendlandschaft für Plutokraten— ist eine schöne Idee. Aber nun die Inhaberschaft bzw. die Vererbung von Bauernwirtschaften von Parteigutachten abhängig machen, immer einen Sohn auf Kosten aller Geschwister unerhört bevorzugen, die einen zu Herren erheben, die anderen zu kleinen Knechten und Mägden oder Hintersassen herab- würdigen, das heißt doch viel zu weit gehen. Das Fidei- kommißwesen, das im Bereich des Adels bei großem Besitz hohen Sinn hat, weil dort auch bei Zusammenhalten des Besitzes(für besondere Zwecke der Traditionserhaltung und für die Ermöglichung wirtschaftlicher Probier- und Musterschulen) immer noch ordentliche Unterhaltsgelder für die Nachgeborenen sich ermöglichen, wird im Bereich des kleinen Besitzes zum ausgesprochenen Übel. Und dann: Warum soll gelegentlich nicht auch vermögenden Nichtbauern, in denen aber die Freude zur Landwirtschaft durchschlägt, und die für ihre Liebhaberei besondere Opfer zu bringen gewillt sind, der Erwerb von Landwirt- schaften gestattet sein? 13 Es ist schön, dem Handwerk Luft zu schaffen gegenüber den Großbetrieben, und im Interesse des Menschentums übermäßige Rationalisierungen und Technisierungen, die nicht mehr im rechten Verhältnis zur Gesamtentwicklung stehen, hintanzuhalten. Aber man muß dann konsequent bleiben; man darf nicht in der Kriegszeit alles auf den Kopf stellen; darf da nicht das ganze Handwerk den Groß- betrieben opfern und die Technisierung zu einer Höhe treiben, daß zuguterletzt nur ein paar Mammutbetriebe übrig bleiben, mit deren Zerschlagung bei ungünstigem Kriegsausgang fast alles zerschlagen ist. Es ist schön, für den Arbeiterstand zu sorgen durch Be- schaffung von Arbeit für Arbeitslose, durch Einschrän- kung der Arbeitszeiten und durch Sicherung von bezahl- ten Ferienurlauben. Aber wenn dabei dem Arbeiter die Freiheit der Wahl von Beruf und Arbeitsplatz entzogen wird, wenn er wie eine Frachtware aus einem Gebiet ins andere geschickt wird, so machen ihm die bezahlten Ferienurlaube wenig Spaß. Es ist schön, die Arbeit zu ehren, aber es darf dabei denn doch nicht nur vorwiegend an die körperliche gedacht werden; die geistige, und zwar nicht nur die in medizinischen und chemischen Versuchs- anstalten unmittelbar nutzbringende, sondern auch die des Philosophierens und allgemeinen theoretischen For- schens ist nicht minder zu achten. Da ließ es der National- sozialismus mit der Zeit immer stärker fehlen. Und vollends Beschauung und Gebet wurden von ihm immer mehr geächtet, obwohl sie notwendige Voraussetzungen zur Sicherung und Erhebung der Seelen sind. Es ist auch etwas Bedenkliches und höchst Gefährliches um eine Arbeitsbeschaffung, die nicht in natürlich-organischer, sondern in künstlicher Weise erfolgt; nicht unter Finan- zierung aus ordentlicher Währungspolitik, sondern unter Geldbeschaffung durch übermäßige Besteuerung der Be- sitzenden und vor allem durch ungemessenen Papier- Notendruck nach Art des John Law unter Luwig XV. und des Calonne unter Ludwig XVI. im vorrevolutionären Frankreich; nicht durch Neueröffnung produktiver Ar- beitsunternehmungen, sondern durch Verdoppelung des 14 Beamten- und Polizeiheeres und durch Aufbau einer riesi- gen Rüstungsindustrie und eines riesigen Militärapparates. Alles in allem: Es ist schön, um die Lageverbesserung eines Volkes zu Tingen. Aber es muß geschehen im Zei- chen der erhabensten Religion, unter Anwendung reifster Politik, unter Verwertung aller geschichtlichen Erfahrun- gen. Die Grundvoraussetzung aller Befreiung ist die Be- freiung d. h. die Reinigung der Seelen und ihre Kräftigung mit den Werten der Überwelt. Ohne Bindung an das höchste Wesen, ohne dessen Führung und Begnadung verwildert und verfällt der Mensch. Es schlummert im Menschen ein Hang zum Bösen; wo er sich nur der Natur überläßt, wird er vom Bösen verschlungen. Zur Führung von Staat und Gesellschaft gehören reifste Kenntnisse, geschöpft nicht zuletzt aus den Erfahrungen der Ge- schichte. Goethe sagt, wer nicht etliche tausend Jahre Weltgeschichte überschaue, solle nicht mitreden. Wer demgegenüber die Bildung verachtet, jeden Dilettanten, ja sogar Verbrecher, für Führungsaufgaben für geeignet hält; wer glaubt, die Geschichte fange erst mit ihm selber an, und es ließe sich mit äußerer Organisation, mit Macht und Gewalt alles erzwingen, der leistet auf die Dauer nur Zerstörungsarbeit. Paul de Lagarde sagt einmal: Das Heil des Vaterlandes liegt auf dem Weg zum ewigen Leben. Die großen, segensvollen Völker-Erhebungs- Bemühungen der Geschichte stehen im Zeichen der Reli- gion, der Bildung, des kulturellen Idealismus. Der eiserne Vorhang vor der Wirklichkeit Die Hitler-Bewegung war nicht von Anfang, was sie zu- letzt wurde. Im Anfang zeigte sie, wenigstens nach außen, allerlei Gutes; jedenfalls ließ das Programm bei vernünf- tiger Auslegung und Anwendung Gutes zu. Die werdende Bewegung als Ganzes umschloß zwar zweifelhafte Auto- didakten, wilde Draufgänger, Gestrandete des Lebens und raffgierige Abenteurer, aber daneben doch auch ehrliche Idealisten, ernste Geschäftsleute, aufrichtige Patrioten. 15 Leider kamen im Laufe der Zeit nicht die letzteren, son- Ung dern die ersteren zum Übergewicht; bei Ausbau der abul Führerstellung und bei immer stärkerem Durchbruch der wur! krankhaften Eigenschaften des„Führers’ gewann das ligte Böse den Sieg über das Gute, das Radikale über das Ge- wur mäßigte, das Turbulente über das Ruhige, das Abenteuer- gen liche über das Besonnene, die Habsucht und Herrschsucht Wie W über das Selbstbescheiden; zuguterletzt triumphierten Arb Selbstvergötzung und Byzantinertum; die Idealisten wur- Wie den von den Materialisten, die Geistmenschen von den klär Gewaltmenschen völlig verdrängt; in der Zeit des zweiten fast Weltkrieges kam es endlich zur höchsten Steigerung des wid Un- und Gewaltgeistes, zum vollen Durchbruch des Brie Dämonischen. Dabei ist nun für die gesamte Entwicklung jede bezeichnend: Die bösesten Dinge erfolgten nicht offen, wu h sondern im geheimen, unter Tarnungen, oder, wenn sich hüt eine gewisse Öffentlichkeit nicht vermeiden ließ, unter hül edlen und frommen Begründungen.(Z. B. die Kloster- von aufhebungen wurden anfangs mit Verstößen gegen die breı Devisengesetze und mit Vorkommen von Unsittlichkeits- deu | fällen begründet.) So blieb den breiten Volksmassen un- folg endlich viel verborgen, wurde ihnen anderes in falsches wul Licht gerückt. Aber wie gesagt: unendlich viel blieb ge- wul heim. Der Nationalsozialismus hat das Reden in bisher wul nicht gekannten Ausmaßen und Lautstärken geübt. Da- Tas neben aber betrieb er eine noch fast größere und wirk- ine i samere Arbeit des Verbergens und Verschweigens. Nie ai wurden die Menschen so mit Propaganda überschüttet; ei nie aber wurden sie auch bezüglich zahlreicher Vorgänge St j so im Dunkel gehalten, wie von dieser Bewegung. Man- erfuhr bezüglich vieler Dinge kaum von dem, was in der E nächsten Nachbarschaft vorging. Und was man erfuhr,= war so unbestimmt, daß man nie wußte: Ist das Gerücht d oder ist das Wahrheit? Die Zeitungen waren nicht dazu ü= da, die wichtigeren Tatsachen zu berichten, sondern Wer- em bung für die Partei zu betreiben. Es gab eigentlich Be- En Nc richte nur über das, was geeignet war, gute Stimmung zu K machen; was beunruhigen konnte: z. B. der Aufbau und y das Arbeiten der Rüstungsindustrie, Naturkatastrophen, 16 Unglücksfälle, die meisten Verhaftungen und Justiz- aburteilungen, später die Wirkungen von Luftangriffen, wurde verschwiegen. Diejenigen, denen es als Mitbetei- ligten oder Augenzeugen nicht verborgen werden konnte, wurden unter Androhung schwerster Strafen zum Schwei- gen verhalten.(Im Jahre 1944 wurden Menschen aus Wiener-Neustadt ins Gefängnis geworfen, weil sie ihren Arbeitskollegen in Wien von den Fliegerschäden in Wiener-Neustadt genauer berichtet hatten!) Ein Sichauf- klären durch Briefe, durchs Telephon, durch Reisen war fast unmöglich. Der Reiseverkehr, das Sichbesuchen wichtigerer Personen war überwacht. Der Telephon- und Briefverkehr stand unter Kontrolle; und wenn auch nicht jedes Gespräch oder jeder Brief tatsächlich zensuriert wurde, immer bestand doch die Möglichkeit dazu. So hütete sich jedermann, in Briefen oder Gesprächen Ent- hüllungen zu machen. Das Ausland spricht heute entsetzt von den Greueln der Konzentrationslager, von den Ver- brechen großer und kleiner Parteiführer; es meint, das deutsche Volk müßte von all dem gewußt haben, und es folgert aus der Duldung eine Mitschuld. Aber das Volk wußte in Wirklichkeit gerade das Böseste nicht. Man wußte im Süden von Dachau und Mauthausen, aber man wußte nichts von Belsen, Sachsenhausen, Auschwitz, Theresienstadt usw. Man wußte von schweren Quälereien in etlichen Konzentrationslagern, aber man erfuhr nie ge- naueres von der Zahl der Häftlinge, von denFolterbunkern, Gaskammern, Verbrennungsöfen, von der Zahl der Sterbenden. Man traf vielleicht Bekannte, die in einem Lager gewesen waren. Aber sie schwiegen sich aus; rede- ten vielleicht sogar von Gutgehen! Warum?Sie waren durch erzwungene Unterschreibung eines Reverses unter An- drohung der Wiedereinsperrung zum Schweigen ver- pflichtet; und sie schwiegen lieber, selbst gegenüber Frau und Kind, als nochmals— diesmal mit Frau und Kind— in die Hölle zu gehen. Es war wirklich so, wie der frühere Konzentrationslagerhäftling Steinwender(in„Chri- stus im K.Z.') schreibt:„Dank der aus den Lagern(sc. gegen hohes Befreiungsgeld ihrer Angehörigen) ins Aus- 2 17 land entlassenen reichen Juden-Häftlinge wußte man in Schanghai, in amerikanischen Städten, in Palästina, auf dem ganzen Erdkreis genau über Buchenwald und andere Konzentrationslager Bescheid, während das deutsche Volk keine Ahnung davon hatte. Gerade langjährige Publizisten mit vielen Verbindungen wie ich hätten eigentlich auf dem Laufenden sein müssen — aber wir waren es in Vielem nicht. Verhältnismäßig bald nach der Machtergreifung Hitlers wurde Österreich durch die Tausendmarksperre von Deutschland abge- riegelt. Nun erhielten Geschäftsleute, Verleger und der- gleichen Personen immer wieder die Einreiseerlaubnis nach Österreich. Gaben sie ein Bild vom Nationalsozialis- mus in Deutschland? Nein—sie wichen aus oder sprachen optimistisch. Sie dachten: Auch wenn wir unter Forderung strengster Vertraulichkeit erzählen— so hält der Infoör- mierte am Ende nicht dicht. Vielleicht erzählt er doch einiges seiner Frau und diese es einer Freundin weiter. Beim gutorganisierten Spitzel- und Spionagedienst der Nazis wird das aber in der Heimat bekannt. Dann gibt es nach der Rückkehr Verhöre und Verhaftung wegen Greuelpropaganda im Ausland. Also: Reden ist Silber, Schweigen Gold!— Aber die neutrale und gegnerische Auslandspresse vermittelte doch verläßliche Aufklärung? Gerade die am meisten ernstzunehmende am spärlichsten. Denn deren Berichterstatter in Deutschland waren ver- mutlich entweder ausgewiesen, oder zensuriert, gebunden, immerfort bedroht und oftmais an direkten Einsicht- nahmen, an Erkundigungen’an Ort und Stelle gehindert. Auf die Klatsch- und Skandalpresse aber, die auch hin- sichtlich der außerdeutschen Belange mehr auf Sensation als Wahrheit ging, konnte man sich nicht stützen. Ubri- gens wurde gleich bei Kriegsbeginn der Allgemeinheit und auch katholischen Redaktionen der Bezug von Aus- landsblättern unmöglich gemacht.— Indes, es blieb noch das Auslandsradio! Aber war es verläßlich? Es brachte doch auch Unrichtiges, was nachzuweisen war. Es betrieb im Krieg doch selbstverständlich auch Propaganda! Und dann: Konnte man das Auslandsradio regelmäßig hören? 18 Da b Nacl pres: so el Behö gibt niedt lichk größt sind, Jen Wick den Stalte noch mehr hindı behö von zugu der ı gepa War ı Mach ine; vieln Man. Würg Pres: Sach dien: lang: Sie] Sie; Wurd Gehe ın in ‚auf dere Volk ngen issen 2äßig reich ibge- der- ubnis jalis- ıchen rung nfor- doch eiter. ‚ der bt es regen ilber, ische rung? sten. vel- nden, sicht- dert. ‚ hin- ation Ubri- nheit Aus noch achte trieb Und ören? Da begab man sich doch in die Hand von Dienstmädchen, Nachbarparteien, die mit der Drohung von Anzeige Er- pressungen verüben konnten, und die dazu oftmals um so eher geneigt waren, als sie für Anzeigen von der Nazi- Behörde belohnt wurden. Man blieb also im Dunkel. Es gibt ja auch andere Länder, vor denen eiserne Vorhänge niedergelassen sind, und bezüglich derer die letzten Wirk- lichkeiten nicht nur für das Ausland, sondern auch für den größten Teil der Inlandsbevölkerung nicht zu erfahren sind. Probleme, die für die Presse entstanden Je mehr der Nationalsozialismus seine Eigenarten ent- wickelte, je mehr das Unchristliche und Antikirchliche in den Parteikreisen um sich griff, um so schwieriger ge- staltete sich christliche Publizistik unter ihm. Im Anfang noch einigermaßen frei, wurde sie mit der Zeit mehr und mehr beengt, am Reden über bestimmte Gegenstände ver- hindert, zum Reden über anderes gezwungen, oftmals mit behördlichen Verwarnungen und Bedrohungen bedacht, von der Beschlagnahme einzelner Ausgaben heimgesucht, zuguterletzt zeitweise, und dann ganz verboten. Während der ersten Jahre wurden vor allem die Tageszeitungen gepackt. Später ging es auch an die Zeitschriften. Was war angesichts und im Verlauf solcher Entwicklungen zu machen? Einer Entwicklung, die freilich nicht im vor- hinein abzusehen war,— die das behaupten, lügen!—, vielmehr verschiedene Möglichkeiten offen ließ! Manche sind rasch fertig mit der Antwort: Die Menschen- würde verlange, in einem solchen Fall grundsätzlich auf Pressearbeit zu verzichten. Man solle der christlichen Sache nicht dienen, wenn man ihr nicht hundertprozentig dienen könne, So wurde auch mir mitunter geraten— so- lange noch ein selbständiges Österreich bestand: Ziehen Sie Ihre Zeitschrift aus Deutschland zurück und legen Sie in Osterreich umso mehr los!(Aber in Österreich wurde die Kritik gegen Nazideutschland schon früh weit- gehend unterbunden, um dem großen schon immer drohen- 2* 19 il j ee ee ee TEE EEE Tr den Nachbarn keinen Anlaß zum Einschreiten zu bieten!) Hernach hieß es: Gehen Sie ins Ausland, und schreiben Sie in der Auslandspresse gegen den Nazismus!(Aber das neutrale Ausland duldete nicht die politische Agitation Fremder in seiner Mitte.) So riet denn die große Mehrzahl der Berufenen auf Grund der Erfahrungen der Geschichte anders: Es ist keine Kunst, zu schweigen oder auszu- wandern. Kunst und Aufgabe ist, in der Heimat möglichst lang durchzuhalten, weiterzukämpfen. Arbeit, wenn auch nur mehr Dreiviertelsarbeit, ist besser als gar keine. Ab- stinenzpolitik treiben, heißt freiwillig die Waffen weg- werfen. Das ist allemal der beste Dienst für die Gegner! Es ist nach Thomas von Aquin nicht notwendig, jeweils alles zu sagen; man darf auch zu vielem schweigen. Wichtig ist nur, daß was gesagt wird, in Ordnung geht. Es sind an der Peripherie, auf dem Gebiet des Neutralen, so- gar Zugeständnisse, Zweideutigkeiten erlaubt, wenn dafür das Entscheidende gesichert bleibt. Man soll schreiben, solange noch christliche Wahrheiten dem Irrtum gegen- übergestellt und aufmunternde Nachrichten für die Chri- sten verbreitet werden können. Die Mehrzahl der Be- rufenen sagte: Das Christentum verlangt nicht nur Tapfer- keit, sondern auch Klugheit. Christus selbst stellte sich zum großen Opfer erst, als er seine Aufgabe erfüllt, die Zukunft seiner Sache gesichert sah. Vorher wich er den Feinden immer wieder mit dunklem Reden und Schweigen aus, entzog er sich wiederholt mit Klugheit den Gegnern, wie die Evangelien ausdrücklich betonen. Also Weiter- kampf,— vielleicht mit mancherlei Einschränkung und gelegentlicher Tarnung, aber Weiterkampf! Tatsächlich: Wohin wäre das Christentum gekommen, wenn es in Ver- folgungszeiten jeweils seine Tätigkeit eingestellt hätte; wenn seine Missionäre aus dem verfolgenden Land ein- fach nur ausgewandert oder durch allzugroße Unentwegt- heit jeweils gleich zu Anfang Gefängnis und Galgen heraufbeschworen hätten? Es wäre mehr als einmal ver- schwunden. Daher hielten es die praktischen Christen an- ders. Sie trugen den Verhältnissen Rechnung, gaben unter Umständen Vorwerke auf, verzichteten auf gewisse Aus- 20 ten!) eiben T das ation rzahl lichte USZU- lichst auch , Ab- weg- gner! weils sjgen. ht, Es n, SO- dafür iben, egen- Chri- r Be- apfer- sich t, die r den eigen meld; 'eitel- ] und hlich: } Ver- hätte; ] ein- wegt- ‚algen | vel- sn an unter Aus einandersetzungen, um wenigstens das Wesentliche zu retten und dieses zur gegebenen Zeit wieder zum Aus- gangspunkt allumfassender Tätigkeit zu machen. Was insbesondere die Literatur, die Pressetätigkeit in Verfol- gungszeiten betrifft, so meint der bekannte Literatur- kritiker Wilhelm Hausenstein zur Ausstellung, die Schriftsteller hätten im Dritten Reich schweigen müssen, das Angemessene wäre ein Generalstreik des literarischen Anstands gewesen:„Es gibt eine moralische Pflicht der berufenen, wahren Schriftsteller gegenüber den Lesern. Die Leser haben gewartet— und wie gewartet! Es wäre gegen den Sinn der Existenz des Schriftstellers gegangen, ich traue mich zu sagen: auch gegen einen hohen Begriff von seinem sozialen Anstand, wenn er die Leser hätte ver- loren gehen lassen, wo er sie durch die miserabelsten aller Jahre hin im Geiste retten konnte.” Natürlich stellte sich unter dem Nationalsozialismus die Lage und Aufgabe verschiedener Blätter verschieden. Politische Blätter konnten nicht auf gewisse politische Ziele verzichten, ohne charakterlos zu werden. Spezifisch österreichische Blätter hatten um die Erhaltung der Frei- heit Österreichs zu ringen. Bei„Schönere Zukunft” lag die Sache anders: Sie war primär ein religiös-kulturelles Organ, Blatt nicht eines bestimmten Landes, sondern Organ für die deutschsprechenden Katholiken sämtlicher Siedlungsgebiete; sie verfolgte nicht bestimmte Partei- ziele, sondern betrieb überparteiliche Ideenarbeit; sie diente nicht einer Gruppe gegen andere Gruppen, sondern der religiös-kulturellen Aufklärung aller, unter Mitarbeit von Vertretern der verschiedenen Gruppen. Für„Schönere Zukunft‘ ergab sich also von Anfang an eine besondere Stellung und Aufgabe. Sie konnte den politischen Kampf und die ausgesprochene Polemik andern Blättern über- lassen und sich auf die positive Herausarbeitung der all- gemeinen christlichen Wahrheiten und Werte und auf die Berichterstattung über das positive Denken und Arbeiten der Christen der verschiedenen Länder beschränken. Das mußte möglich sein, solange das Christentum irgendwie noch offiziell geduldet wurde. Die positive Arbeit ist auch zal Kampf: sie wirkt allerdings nicht so herausfordernd wie Streitreden und kann daher auch länger geführt werden. Ruhige Darlegung und Begründung des ehristlichen Glaubens ist auch Kampi, auch wenn es auf den ersten Anblick nicht so aussieht. Natürlich ist für einen Publizisten, dem die Art der alt- testamentlichen Propheten, das Offene und AgglIessive im- mer mehr lag als das paulinische Allen-Alles-Werden, die Umstellung auf ruhige Art, auf rein positive Darstellung ohne laute Zurückweisung der Gegner— eine herbe, drük- kende Sache. Aber wer das Ziel: Möglichst lange Auf- klärung über die christlichen Wahrheiten— anstreben soll, muß auch die Mittel wollen. So machte ich mir denn für die besonderen Umstände der„Schöneren Zukunft“ ein Rezept des englischen Kulturhistorikers Carlyle zu eigen. Dieser schreibt einmal, es sei vergeblich, über- mächtigen Revolutionen mit äußeren Protesten entgegen zu treten, nutzlos über sie zu fluchen; das einzig Sinnvolle sei, in ihrem Gewoge die Ideen der Wahrheit, der Gerech- tigkeit und der Befriedung auszustreuen. Andere christ- liche Presseorgane:„Hochland“,„Stimmen der Zeit‘, „Benediktinische Monatshefte‘, ‚„Zeitwende‘,„Die Neue Saat“,„Die Christliche Welt‘, die verschiedenen Klerus- blätter und Kirchenzeitungen, verfuhren im großen und ganzen nach dem gleichen Rezept. Bald nach der Angliederung Österreichs an Deutschland reihte das Berliner Propagandaministerium die„Schönere Zukunft” in die Gruppe der kirchlich-konfessionellen Presse ein und beraubte sie damit grundsätzlich der Mög- lichkeit, Fragen der Politik und Soziologie zu behandeln. Der Gedanke der Berliner Herren war: Wenn wir diese Laien in Wien auf Theologie und nur auf Theologie ein- engen, wird ihnen bald die Puste ausgehen; das Blatt wird am Schrumpfen des Leserinteresses zugrunde gehen. Aber ich war zuguterletzt froh über diesen Entscheid, und die Leserzahl wuchs, nachdem man ihr nicht mehr mit Politika, 22 d wie den. des mpf, sieht, r alt- ve im- n, die ellung drük- - reben denn kunft“ le zu über- gegen nvolle erech- christ- Zeit", Neue Jerus- n und -hland onere nellen Mög ndeln. diese je ein- wird ‚Aber nd die ‚itika, auch nicht mit solchen am Rand, dienen mußte. Die bis- herigen Politika in der„Schöneren Zukunft‘ waren übri- gens einwandfrei. Es war für in Deutschland zur Verbrei- tung bestimmte Blätter eine die deutschen Belange för- dernde Haltung vorgeschrieben. Eine solche Haltung war möglich, berechtigt, wenn nur eine unbedingte Unter- scheidung zwischen dem deutschen Volk als solchem und der Nationalsozialistischen Partei gemacht wurde. Ich be- tätigte die Haltung vor allem so, daß ich, wie ich es schon vor der Zeit des Nationalsozialismus in meinen Büchern getan hatte, immer wieder auf— auch von Politikern und Geistesmännern der Entente selbst(Keynes, Gardiner, Herron, Morel, Bruce, Borah, Louis Botha, Brailsford, Frel- linghuysen, Nitti, Malone usw.) festgestellte— Härten der Friedensbestimmungen von 1919 und ihre notwendige Er- leichterung hinwies; daß ich im Interesse der Mehrung des Lebensraumes für das eingeengte deutsche Volk für die Rückgabe der Kolonien plädieren ließ, daß ich im Sinne der christlichsozialen Überlieferung die Judenfrage behandelte, daß ich unter Reformforderungen die Aus- wüchse des Plutokratismus und Parlamentswesens in der Welt geißelte. Das schien zwar manchen als Anbiederung an den Nationalsozialismus. Aber wenn zwei„dasselbe“ tun, ist es nicht dasselbe. Die„Schönere Zukunft‘ behan- delte die Themate in keiner Weise nach Maßgabe der Naziideologie, sondern nach den Grundsätzen des Christen- tums, nach Maßgabe politisch-sozialer Ideen des christ- lichen Mittelalters und der Romantik. Soweit der National- sozialismus selbst in Frage gestanden hatte, anerkannte ich, was sich im Ganzen der Bewegung bzw. bei einzelnen Regierungsmaßnahmen an Positivem fand; auch Männer wie Kardinal Baudrillart, F.W.Foerster, de Reynold fan- den manches Positive; seinem Negativen aber setzte ich, — in den ersten Jahren mit, später notgedrungen ohne polemische Bezugnahme— mit starkem Nachdruck die christlichen Ideen und Forderungen entgegen! Das publizistische Arbeiten unter dem Nationalsozialis- mus war Kriegsarbeit. Es gibt kein Kriegführen ohne Listen, Tarnungen, gelegentliche Rückzüge und Schein- 23 y Ei; 1) \ | R | ee es Segen Save sw zugeständnisse. Je größer manchmal die letzteren, um so leichter und länger können die Gegenschläge geführt wer- den. Christliche Publizistik unter dem Nationalsozialis- mus war Kriegführung gegen ihn. Jede Kriegführung hat den besonderen Methoden und Taktiken des Feindes Rech- nung zu tragen. Wo der Feind mit Vernebelungen arbeitet, wird es nicht ohne Gegenvernebelungen gehen; wo er zu den Methoden des Guerilla- und Partisanenkrieges, zu Listen und Zweideutigkeiten greift, wird ebenfalls mit Teilung der Kräfte und mit Listen zu arbeiten sein. Wo der Feind mit ungeheurer Übermacht angreift, wird sich öfter elastisches Ausweichen empfehlen; wo seine Horch- apparate das Gelände beherrschen, wird man sich mit- unter geradezu tot stellen müssen. Wo— zum Überdauern der Feindsiege— stärkstes Durchhalten nötig ist, wird rationellster Gebrauch der Kräfte angebracht sein. Nur Naivlinge glauben, einen modernen Feind mit Kriegs- geschrei zu erschrecken; nur Narren glauben, auf offenem Gelände geschlossene Kavallerieformationen gegen— „Stalinorgeln‘ loslassen zu sollen.„Schönere Zukunft“ bemühte sich dem Nationalsozialismus gegenüber um die wirkungsvollste Kriegstechnik. Freilich die Haltung der ‚„Schöneren Zukunft“ wurde weder früher noch jetzt von allen Lesern verstanden. Die Taktik konnte ja nicht in der Öffentlichkeit erklärt werden. Das Blatt, das früher so kämpferisch, so los- geherisch gewesen war, erschien angesichts des Schwei- gens zu manchen Vorgängen, des Verzichtes auf direkte Polemiken, allzu kleinlaut geworden. Weder das Inland, noch viel weniger das Ausland hatten eine genaue Vor- stellung von dem ungeheuren Druck, der im deutschen Gebiet auf der Presse lag. Erst die spätere Militärzensur in vielen Ländern während des Krieges ließ dann wohl manche Herrschaften ahnen, was es heißt, als Publizist unter einem Diktator zu leben. So gab es denn neben vielerlei Anerkennungen und Ermutigungen immer wie- der auch grobe Vorwürfe. Schon vor dem„Umbruch' in Österreich waren die verschiedensten Forderungen laut geworden, wobei es sich zeigte, daß die deutschsprachigen 24 Katl ges} kun ten eine in| lang zwe Sie: Deu druc etw. etw: hau Sud her Stae offe for auf, Deu Tun. poli Deu Teic End Kul eine wis seh der fr an Und den like grif Sch der sac] zialis- 1g hat Rech- beitet, er zu es, ZU Is mit 1. Wo d sich Torch- h mit- Jauern , wird . Nur riegs- fenem en— kunft“ ım die wurde N, Die srklärt o los- chwei- irekte nland, J Vor- tschen zensur ‚, wohl ‚blizist neben r wie- ch” In n Jaut chigen U ET RETTET ERTET r Katholiken der verschiedenen Siedlungsgebiete unendlich gespalten waren. Manche fanden in der„Schöneren Zu- kunft‘ zuviel Rücksichtnahme auf Hitler, andere vermiß- ten die positive Würdigung desselben. Von Seite der einen, von Seite von Politikern, Kapuzinern und Kaplänen in Osterreich und der Schweiz, kam es grollend:„So- lange Sie nicht in jeder Nummer den Hitler mindestens zweimal ausdrücklich als Beelzebub charakiterisieren, sind Sie in unseren Augen ein Verräter!"(Als ob ein Setzer in Deutschland so etwas gesetzt, ein Drucker so etwas ge- druckt, die Polizei so etwas durchgelassen, die Post so etwas befördert hätte, als ob in irgendeinem Land so ‚etwas gegen ein international anerkanntes Staatsober- haupt geschrieben werden dürfte!) Aus Südtirol, aus dem Sudetenland, wo man in Hitler vielfach nur den Schutz- herrn der deutschen Minderheiten in fremdnationalen Staaten sah, kamen Zuschriften, wie:„Warum soviel offenkundige, wenn auch stille Ablehnung Hitlers? Warum ' fordern Sie nicht zum Gebet um Erfolg für diesen Mann auf, gleichzeitig um dessen religiöse Bekehrung?” Aus Deutschland kamen von gewichtigen Katholiken Erklä- rungen wie:„Warum zeigen Sie sich der Absonderungs- politik der Dollfuß und Schuschnigg so gewogen? Wir Deutsche gehören doch zusammen. Der Anschluß Öster- reichs stärkt die Stellung der Katholiken und erzwingt am Ende größere Rücksichtnahmen in der Kirchen- und Kulturpolitik. Viele Deutsche in Übersee wollten von einem Bruderstreit unter den Deutschen überhaupt nichts wissen, wollten nur die deutsche Gesamtsache gefördert sehen; das aber sei nur möglich bei einer Anerkennung der eigentlichen Machtträger in Deutschland. Auch die französischen Katholiken hätten seinerzeit einem Combes und Waldeck-Rousseau trotz deren Kulturkämpfen nicht den staatlichen Gehorsam verweigert. Deutsche Katho- liken in Brasilien oder Japan empfanden katholische An- griffe auf die deutsche Regierung direkt als störend und schädigend. Auch für diese Regierung war ja lange Zeit der Antiklerikalismus eine heimische, nicht eine Ausfuhr- sache; im Ausland wurde vielfach gefördert, materiell 25 unterstützt, was in der Heimat gehemmt wurde. Nicht an- und Pole u ders war die Haltung der Katholiken anderer Länder. Die als mögl | Spanier hatten unter der Linksdemokratie besonders reli- geduldet I)| giös sehr gelitten; nun war ihnen Hitler, der große Be- bleiben | kämpfer dieser Linksdemokratie, geradezu sympathisch. sache ei } In Nordamerika lehnten irische Kirchenblätter Artikel Taktik. I über den Kulturkampf in Deutschland direkt ab; das Posi- durch Pe F tive in der Arbeit Hitlers schien ihnen zu überwiegen, das maßgebe: Negative nur etwas Vorübergehendes. Im katholischen einzelne Italien war es nicht anders. So wie die Arbeit Mussolinis kunft“ m im ersten Jahrzehnt seiner Herrschaft vor allem freundlich Aber wa gewertet wurde, so auch die Hitlers. Hitler hatte, so stellt halten, je Friedrich Muckermann S.J.(in seiner Schrift„Der klärung, Deutsche Weg‘, 1945) fest, in der Welt lange Zeit viele bensguts Freunde. Nur deshalb sei es vermutlich auch nicht zu ein groß, I einem die angesehensten Namen umfassenden deutschen kirche st N Auslandskomitee gegen Hitler gekommen.„Vielleicht war auf posii das unmöglich in einer Welt, in der doch Hitler lange Pastorier: weithin bewundert und in seinen gigantischen Plänen Weltkire unterstützt wurde.‘ Welterne | Millioner i z= Warten. a Die Haltung der H. H. Bischöfe lich de Licht n Bei solcher Gegensätzlichkeit der Auffassungen und; kr | Forderungen wollte ich die Verantwortung— und die ver- a breitetste katholische Gebildetenzeitschrift zu führen, war Bus u schwere Verantwortung!— nicht mehr allein tragen. Ich gegen N legte eines Tages durch Mittelsmänner die Frage der Ausgeg rechten Redaktionsführung der„Schöneren Zukunft“ it Rn einer Reihe H. H. Bischöfe in Österreich und Deutschland TR vor, verständigte sie über die immer schwieriger werdende Ich ger Lage und erbat Wegweisung. Die Antwort war fast ein-| im gla stimmig die:„Suchen Sie Ihre Zeitschrift solange als Gesa We möglich als Aufklärungs- und Ermutigungsorgan der. a. deutschsprachigen Katholiken aller Länder zu erhalten! ek Ihr Blatt ist umso notwendiger, je mehr die Zahl der: a 2 katholischen Presseorgane schrumpft. Natürlich braucht ö 1er er es da viel Vorsicht und Geduld. Uberlassen Sie die Politik ku Oi Öff 26 \icht an- ‚der, Die lers reli- roße Be- pathisch. Artikel las Posi- gen, das jolischen ussolinis eundlich so stellt rift„Der eit viele nicht zu eutschen sicht war er lange ı Plänen und Polemik anderen Blättern und ziehen Sie sich soweit als möglich auf das Religiöse zurück, das ja derzeit noch geduldet ist. Es gibt kämpferische Landsknechte genug; bleiben Sie ruhiger Missionär!'' Das war in der Haupt- sache eine volle Billigung der bereits eingeschlagenen Taktik. Das war die Deckung der„Schöneren Zukunft“ durch Persönlichkeiten, die für ein katholisches Organ maßgebend sein müssen. So haben denn auch bis zuletzt einzelne Hochwürdigste Bischöfe an der„Schöneren Zu- kunft‘ mitgearbeitet. Aber waren denn die H. H. Bischöfe, deren eigenes Ver- halten, je länger je mehr vorwiegend auf positive Auf- klärung, auf positive Beleuchtung und Sicherung des Glau- bensguts gesammelt war, im Recht? Besteht hier nicht ein großes Problem? Gewiß, auch die Bischöfe der Ur- kirche stellten sich gegenüber den Nero und Diokletian auf positives Arbeiten und Durchhalten, auf ruhiges Pastorieren ein. Aber ist von Angehörigen der großen Weltkirche, die auf beinahe 2000 Jahre Weltmission und Welterneuerungsarbeit zurückblickt und Hunderte von Millionen Bekenner umfaßt, nicht etwas anderes zu er- warten, als von den Minderheiten des Anfangs, die natür- lich den Cäsaren nicht Krieg ansagen konnten? Zeigen nicht bereits die Bischöfe Ambrosius von Mailand und Hilarius von Poitiers, vollends die Päpste Gregor VII., Innozenz III. und Bonifaz VIII. im Mittelalter, die Päpste Pius VII. und Pius IX. und ihre Bischöfe in der Neuzeit gegen Abenteurer und Sünder in der Staatsführung eine ausgesprochen polemische Haltung? Arbeiten sie nicht mit Angriffen, Bannsprüchen, öffentlichen Verboten, Ab- setzungen? Ich glaube, man muß das Endurteil der Geschichte bzw. dem Weltenrichter überlassen. Aber soviel kann wohl gesagt werden: Es gibt Zeiten des lauten Protestierens und Zeiten der ruhigen Arbeit und des Duldens. Auch im Leben Christi zeigt sich beides: Durch fast drei Jahre ist er Prediger und Kämpfer— zum Schluß begnügt er sich mit rein positiven Äußerungen und mit Leiden. Er spricht keine öffentlichen Verdikte gegen Pilatus, Herodes und 27; Tiberius— er flucht nicht über die Juden, sondern be- gnügt sich damit, zu sagen:„Sie wissen nicht, was sie tun‘, und die weinenden Frauen aufzufordern:„Weinet nicht über mich, weinet über euch und eure Kinder!" Er sieht: wo seine Worte, seine Proteste nichts mehr nützen, da werden die Gerichte Gottes aufklären. Und er tritt dem kommenden Gericht Gottes nicht in den Weg. Auf dieses Vorbild können sich auch die deutschen und österreichischen Bischöfe berufen. Als die Hitlerbewegung mit ihrem Guten und Schlechten— noch im Werden war, anerkannten die Bischöfe das Gute und verdammten sie das Schlechte. Als Hitler zur Macht gekommen und gesetzliches Staasoberhaupt geworden war, als sol- ches auch von den großen Weltmächten anerkannt wurde, respektierten auch die Bischöfe die Regierung und ließen sie die Gläubigen den bürger- lichen Gehorsam gegen sie leisten. Denn der Gehorsam gegenüber der staatlichen Obrigkeit gehört nach christ- licher Lehre und Überlieferung zu den Christenpflichten. Die Kirche schafft keine Revolutionen; sie hat auch nicht die Aufgabe, ihre Träger zu beseitigen; sie findet die Staatsumwälzungen vor und ist nur darauf bedacht, in ihrem Bereich am Heil der Seelen zu wirken. Die deut- schen Bischöfe beugten sich also— ebenso wie später die österreichischen unüberwindlichen Machtgestal- lungen der Zeit. Aber sie hörten nicht auf, die neuen Machthaber an die Forderungen des Naturrechts, an die Gesetze der sittlichen Weltordnung zu erinnern. Die Bi- schöfe redeten, forderten, beschworen, solange es nur irgend ging und Sinn hatte. Aber wenn mit der Zeit die Wirkung immer nur das Gegenteil des Erhofften ist, wird vielleicht am besten einfach nur mehr positiv gearbeitet, ansonsten von regelmäßig erfolgenden Situations- beleuchtungen und ständigen Eingaben an die Behörden abgesehen gewartet und geduldet. Es heißt:„Märtyrer sind der Same von Christen.’ Aber wie, wenn man für das Bewußtsein der Öffentlichkeit gar keine Märtyrer mehr entstehen läßt? Wenn für die redenden Bischöfe nicht sie selbst, sondern hundertweise nur Untergebene 28 gequält Dreck b irre we zur Rai Welt d Ein Fe Reunior zu mac] Grundl: hin sä der W nisse mer me wie voı enge de verfalle Titanen kann di nicht n Tieren mit Wa leute, I einmal aslatisc hätte zZ für die für Mit Medani Altika Wurde, sen ma Opfer« Märtyı, Jahrhun Opfer z Gericht fichten Jahrzen redet,} en be- Nas sie Weinet inder!“ s mehr Und er n Weg. en und wegung Werden ammten jen und s sol- chten Bischöfe bürger- shorsam ı christ- flichten. ch nicht ‚det die lacht, in je deut- e späte! htgestal- e neuen ;, an die Die Bi- ‚es nuf Zeit die ist, wird ‚arbeitel, tuationS” jehörden Märtyre! man für Märtyre! Bischöfe grgeben® EEE EEE “ BE oe ge gequält werden? Wenn Märtyrer von der Behörde so mit Dreck beworfen werden, daß selbst Gutmeinende an ihnen irre werden? Ein Gregor VII. vermag einen Heinrich IV. zur Raison nach Canossa zu bringen, weil beide in einer Welt des unangefochtenen christlichen Glaubens leben. Ein Fenelon vermag mit seinem Protest gegen die Reunionskriege bei Ludwig XIV. noch etlichen Eindruck zu machen, weil dieser doch irgend noch auf christlicher Grundlage steht. Aber was ist es, wenn— bei weit- hinsäkularisierter Welt, bei weitgehen- der Wiederkehr der politischen Verhält- nisse der Urkirchenzeit— die Staatsführer im- mer mehr in blinden Religionshaß verfallen? Wenn sie, wie von Zorn und Verzweiflung über die Not und Lebens- enge des Volkes erfaßt, nun einfach einem wilden Toben verfallen und gestützt auf ungeheure Macht, zuletzt wie Titanen zu rasen beginnen? Mit vernünftigen Menschen kann diskutiert werden, mit dem Wahnsinn Verfallenden nicht mehr. Geschöpfe, die den Charakter von wilden Tieren annehmen, werden nicht mit Moral, sondern nur mit Waffen bezwungen. Bischöfe aber sind keine Kriegs- leute. In den Gebieten der Hitlerherrschaft bestand nun einmal keine Demokratie, sondern, je länger je mehr, asiatischer Despotismus. Jeder revolutionäre Widerstand hätte zuletzt nur lauter Leichenfelder geschaffen, hätte für die Zukunft alle positiven Kräfte vernichtet. Er hätte für Mitteleuropa Zustände geschaffen, wie sie der Moham- medanismus vor Jahrhunderten für Kleinasien und Nord- afrika schuf, wo das Christentum einfach ausgerottel wurde. Die Greuel der Konzentrationslager zeigen, wes- sen man fähig war. War die Zahl allein der deutschen Opfer der Hitlertyrannei nicht bereits größer als die der Märtyrer sämtlicher Christenverfolgungen der ersten Jahrhunderte? Galt es da, dem Henker immer neue Blul- opfer zuzuführen? Nein, da ist es wohl am besten, die Gerichte Gottes abzuwarten und diese protestieren und richten zu lassen. Jahrzehntelang haben die Bischöfe in allen Ländern ge- redet, beschworen. Ein Großteil der Führenden mißachtete 29 sie. Es kam der erste Weltkrieg als eine furchtbare War- nung und Heimsuchung für die ungläubige Menschheit. Seine Lehren wurden nicht zur Kenntnis genommen. Es kam eine neue Epoche noch böseren Unglaubens— und die Kirche wurde überhaupt nicht mehr angehört. Was bleibt da anderes übrig, als Gott selber in furchtbaren, alle Schuldigen treffenden Katastrophen sprechen zu lassen? Die neuere Menschheit glaubte in weiten Schichten nicht mehr an Gott;sie hielt das Reden von den großen Gesetzen der sittlichen Weltordnung, wonach das Gute belohnt, das Böse bestraft wird, für bloßen Pfaffenschwatz. Diese Menschheit wird von Gott einfach sich selbst überlassen, damit sie sehe, wohin sie mit ihrem Unglauben kommt. Gott braucht, genau genommen, nicht in eigener Person zu strafen; die Menschen bestrafen sich selbst und be- ginnen dann in tiefster Not vielleicht zu ahnen, daß es ohne Gottesglauben und Beachtung seiner Gesetze auf diesem Planeten doch nicht geht. Am Grabe Ludwig XIV. sagte Massillon: Dieu seul est grand— Gott allein ist groß. So muß auch die Menschheit inmitten der Kata- strophen, die heute diese und morgen jene und oft alle zusammen treffen, immer wieder aufs neue gestehen. Kurzsichtige Kritiken Die Dinge hinsichtlich der H. H. Bischöfe und christlichen Laienarbeiter im Dritten Reich scheinen klar zu liegen. Trotzdem verstummen in einzelnen Kreisen, namentlich auch des Auslandes, nicht die Vorwürfe gegen den Papst, gegen den deutschen und österreichischen Episkopat, gegen gewisse während der Hitlerzeit in ihrer Heimat gebliebene und in der Heimat weiter arbeitende Publizi- sten, Gelehrte, Künstler, Dichter. Man hätte, so wird Rom vorgeworfen, nie ein Konkordat mit dem Teufel Hitler schließen dürfen; man hätte, so wird den Bischöfen vor- geworfen, die Hitlerregierung nie als legale anerkennen dürfen, sondern sie als illegale weil unsittliche politisch bekämpfen müssen; man hätte, so wird den Intellektuellen 30 vorgewC Deutschl Weiterai zu einer Dinge de betrifft,: selbst m damit di könne, 1 dann: W annur allein dı Gutes tu Zwang q zu finder an die A fest? Es tionen, d Ebene er Sich im I als Reyc ranzösis Unter Da aber ind Jung, Di te War- nschheit. imen. Es Ss— und rt. Was ren, alle ı lassen? ten nicht Gesetzen ohnt, das z. Diese erlassen, , kommt. r Person und be- , daß es ‚etze auf wig XIV. tt allein jer Kata- | oft alle hen. -istlichen u liegen. ‚mentlich en Papstı piskopalı - Heimat , Publizi- vird Rom el Hitler fen vol grkenne jtisch en oJ ektuell vorgeworfen, nie in irgendeiner Form in Österreich und Deutschland geistig weiterarbeiten dürfen, denn diese Weiterarbeit sei doch irgendwie, wenn auch nur indirekt, zu einer Folie des Regimes geworden. Aber das heißt die Dinge denn doch zu primitiv sehen. Was das Konkordat betrifft, so soll Pius XI. einmal geäußert haben, er würde selbst mit dem Teufel ein Konkordat abschließen, wenn damit die Rettung unsterblicher Seelen erreicht werden könne. Ist das ein verdammenswerter Standpunkt? So- dann: War denn Hitler und seine Bewegung von Anfang an nur Teufelei? Aber als solche hätte sie sich aus sich allein doch nicht durchgesetzt! Das Böse muß allerlei Gutes tun, um, zumindest in Jahren, wo noch nicht mit Zwang gearbeitet werden kann, freiwillige Gefolgschaft zu finden. Und was das Böse betrifft: Stand von Anfang an die Art der Gesamtentwicklung der Bewegung Hitlers fest? Es gibt in der Geschichte Menschen und Revolu- tionen, die sich folgerichtig nach dem Gesetz der schiefen Ebene entfalten; es gibt aber fast noch öfter andere, die sich im Lauf der Zeit beruhigen, umwandeln. Görres fängt als Revolutionär an und endet als Konservativer. Die französische Revolution beginnt ziemlich zahm, wird dann unter Danton, Marat und Robespierre sehr blutig, erfährt aber in der Folge durch ihren Sohn Napoleon volle Bändi- gung. Die englische Arbeiterbewegung fängt radikal an und wird im Lauf der Zeiten halb bürgerlich. Die Hitler- bewegung stellt bisher geradezu ein Unikum in der Ge- schichte insofern dar, als sie im Gang der Dinge ihre Theorie nicht abschwächt, sondern verschärft; als sie nicht Wasser in den Wein der Anfänge gießt, sondern Wasser und Wein in Schwefelsäure aufgehen läßt. Wer aber konnte das vorauswissen? Gut, viele maßgebende Hit- lerianer waren Atheisten; aber sind nicht so manche Atheisten der Geschichte zuletzt zu Kreuze gekrochen? War das bei Hitler und allen seinen Leuten absolut aus- geschlossen? Zeigten nicht manche Revolten gegen Hitler auch den Abfall in den eigenen Reihen? Schworen nicht manche Unterführer vor ihrem Straftod ihrem Führer ganz und gar ab. Die Weisen bekennen, die Zukunft werde 31 allein von Gott vorausgesehen. Nur die Unweisen wollen jeweils im nachhinein alles schon zum voraus gewußt haben. Es heißt, die Bischöfe hätten Hitlers Regierung, obwohl sie von den Weltmächten anerkannt war, nie als legal anerkennen und behandeln dürfen; sie hätten den politischen Aufruhr predigen, sie hätten die Bevölkerung zur Eidesverweigerung auffordern, sie hätten den katho- lischen Soldaten die Teilnahme am Krieg verbieten müs- sen. Aber das ChristentumistnichteineBe- wegung des Schwertes, sondern des Gei- stes; es sucht nicht das/Irdische sondern dasHimmlischeundstrebtdiesesaufdem Weg des Geistes, der Tugend, der Liebe, der Geduld und des Opfers an, nicht auf dem deräußeren, materiellen Gewalt; es erwartet alles von positiver Arbeit und wenigvonpolitischenProtesten. Das Regime der Tiberius und Herodes war einstens nicht sittlicher und es wurde von Christus doch respektiert. Die Regimes, unter denen die Apostel und die Kirchenväter wirkten, waren meistens nicht sittlicher, und sie wurden von diesen doch anerkannt. Christus verkündet das„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist!“ unter einem Herrscher, der Typus eines die Gewalt über das Volk„grausam und boshaft mißbrauchenden'" Tyrannen ist; der die Volks- freiheiten zugunsten der Willkürherrschaft von Günst- lingen ersetzt; der immer verlogen ist: schmeichelt, wo er zu vernichten gedenkt, und kühl tut, wo er erobern möchte; der das böseste Denunziantentum fördert und der kalt beseitigt, was ihn mit Mißtrauen erfüllt, was ihm ein- mal Widerspruch oder Tadel entgegenbrachte; der zu- letzt auch die Günstlinge und nächsten Verwandten um- bringt; der Rom durch die Prätorianergarde in Schach halten läßt, während er selber auf der Insel Capri den unnatürlichsten Lüsten, nicht zuletzt unter Mißbrauch unreifer Jugend, fröhnt. Christus protestiert, rebelliert nicht gegen einen solchen Herrscher. Er fordert nicht zum 32 Aufruhr alles vor äußeren. In der/ Respekti korrupte, der Erge) auffällt, menschli Statthalte Ehrfurcht und mild Zweifello die doch Geistigke Stimmen« der bewu Messiasic Kenntnis, aeternita liehen js n wollen gewußt ‚ obwohl nie als tten den ölkerung n katho- ten müs- 'neBe- 5 Gei- ındern ufdem Liebe, ht auf alt; es it und s Regime sittlicher Regimes, wirkten, on diesen was des Terrscher, sam und ie Volks- n Günst- chelt, WO - erobell + und der ihm ein- der zu- ‚dten UM“ n Schach "apri den fipprauch rebelliert nicht zum ARE Aufruhr auf. Warum wohl nicht? Weil er offenkundig alles von einer Sanierung der Seelen, nichts aber von äußeren Protesten und Polemiken erwartet. In der Apostelgeschichte, in den Apostelbriefen ist die Respektierung der gegebenen Obrigkeit, obwohl sie eine korrupte, heidnische war, so hervorstechend, daß der Ton der Ergebung, der Fügsamkeit, des Gehorsams geradezu auffällt.„Unterwerft euch um des Herrn willen jeder menschlichen Ordnung, sei es dem König, sei es den Statthaltern!‘(1. Petr. 2, 13 f.)„Ihr Sklaven seid in aller Ehrfurcht euren Herren untertan, nicht allein den gütigen und milden, sondern auch den mürrischen!“(1. Petr. 2,18.) Zweifellos ist die starke Minderheitsstellung der Christen, die doch nicht erwarten konnten, daß der Staat nach ihrer Geistigkeit geformt sei, für ihre Gehorsamshaltung be- stimmend. Aber daneben offenkundig noch etwas anderes: der bewußte Gegensatz zu den Vertretern der politischen Messiasidee mit der Neigung zu Revolutionen; die Er- kenntnis, daß in jedem Staat und jeder Staatsordnung noch irgend etwas Naturrechtlich-Sittliches wirksam ist, unddaßgewaltsame Änderungen ohnedie Gefahr größerer Übel selten möglich sind; die Überzeugung, daß wahrhafte Refor- men nur auf geistigem Weg, aus morali- schen Umwandlungen, herbeigeführt wer- den; endlich die Überzeugung, daß Verfolgungen bzw. das Ertragen von solchen große positive Werte sub specie aeternitatis birgt und deshalb nicht um jeden Preis zu fliehen ist.„Laßt euch nicht befremden wegen der Feuers- glut, die zur Prüfung über euch gekommen ist. Damit trifft euch nicht Befremdendes. Freut euch vielmehr, weil ihr dadurch an Christi Leiden teilnehmt. Keiner von euch soll alsMörder...oder Aufrührer zu leiden haben. Hat aber einer zu leiden, weil er ein Christ ist, so schäme er sich dessen nicht, sondern preise Gott um dieses Namens willen!“(1. Petr. A, 12ff.)„Wenn ihr bei gutem Verhalten leiden müßt, so ist das Gott wohlgefällig. Auch Christus hat ja für euch gelitten und so euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr in seine Fußstapfen tretet.'(Ebd.) 3 33 Bei den großen Hierarchen der alten Kirche, sowohl bei denen vor wie denennach Kaiser Konstantin, zeigt sich die Festigkeit im Glauben und die Bestimmtheit in der Glaubensverkündigung mit außerordentlicher Klug- heit und Mäßigung im Verhalten zu mächtigen politischen Widersachern in der Staatsführung verbunden. Cyprian, Athanasius, Gregor von Nazianz verlassen zeitweise ihre Residenz, um nicht durch ihre Anwesenheit gefährliche Situationen zuzuspitzen, die Gefahren für die Gläubigen zu mehren. Sie„verbinden die Liebe des Bischofs mit der Klugheit des öffentlichen Beamten”. Sie sind abwesend, „wenn die Gegenwart in der Mitte der Herde eine unnütze Gefahr herbeiführt‘. Gregor der Große veröffentlicht ge- legentlich ein gegen kirchliche Interessen gerichtetes Edikt des Kaisers auf dessen Geheiß, stellt freilich dem Kaiser gleichzeitig vor, daß das Edikt nicht mit den Inter- essen der Ehre Gottes im Einklang stände. Athanasius hält bei Widerstandsleistung„an der Grenze ein, wo die Festigkeit zur Empörung wird‘(Charpentier). Tertullian fordert nicht zur Rebellion gegen die unsittlichen Cäsaren seiner Zeit auf, sondern zum Gebet für sie. Bischof Hila- rius übermittelt dem Kaiser Constanz zwei schärfste Protestmemoranden, aber er denkt nicht daran, sie zu ver- öffentlichen; er will nicht Aufruhr des Volkes, sondern seelische Zerknirschung des Herrschers. Augustinus ver- langt gegenüber den Donatisten der Zeit, unter denen sich namentlich die Circumcellionen durch unerhörte Barbaris- men: Überfälle, Plünderungen, Brandstiftungen, Schän- dungen hervortun, nicht blutige Rache, sondern wahrhaft christliche Mission, christliche Geduld und Liebe.„Er- innere dich‘, schreibt er dem kaiserlichen Tribunen Mar-, cellin, der einen Donatisten-Mord zu bestrafen hat,„daß du, wenn du das Amt des Richters ausübst, du auch das Amt des Vaters tust. Der Eifer, der dich zur Bestrafung der Verbrechen beseelt, er lasse dich nicht vergessen, was die Humanität vorschreibt. Bewahre im Bestrafen die- selbe Milde, welche du bei der Untersuchung bewahrtest, weil es wichtiger ist, ein Verbrechen zu entdecken als es zu bestrafen. Trachten wir, die Donatisten auf den Weg 34 des Heil: derbens Die große dar die L ab, Revo denken n kunft, S: unsitt: derna duld, I tenken ü und seine licher Eir Weltgesc Attila, A Montgela und Wirl von Paul! die Rebe] tenden ar Sich ‚d Unert; lenkte Mensc Tungzı Gewiß, e. Nicht nur lisch führ ischer U Mit Ban Aber di, Is, in deı Me ge; fahrer n ANgehüp, vom chri Achtung| EM au der Kirch ıl bei tin, ntheit Klug- schen prian, e ihre rliche Ibigen it der esend, ınütze ht ge- 'htetes h dem Inter- nasius vo die tullian äsaren f Hila- härfste zu Vel- ondern us vel- en sich ırbaris- Schän- ahrhaft e.„Er n Mar- t,„dab ch das trafung gesseN: fen die- ahrtest, ‚ als& ‚n Weg RE .des Heils zu führen und sie von dem Wege des Ver- derbens abzulenken!“ Die großen Vertreter der alten Kirche verfechten immer- dar die Lehren und Rechte der Kirche; aber sie lehnen es ab, Revolutionäre, Revolutionsprediger zu sein. Sie be- denken nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zu- Eunit Sie glauben nicht an die Dauer von unsittlichem Machtmenschentum, son- den an Sieg und Dauerwirkung von Ge*- duld, Liebe und Opfer. Sie überlassen das Ein- tenken übermächtig, unnatürlich gewordener Dinge Gott und seinem Gericht, wissend um die Begrenztheit mensch- licher Einsicht und menschlicher Kraft. Und der Gang der Weltgeschichte gibt ihnen Recht. Wie kurzlebig sind die Attila, Alarich und Geiserich, die Pombal, Coiseul und Montgelas in der Geschichte und wie langlebig mit Sieg und Wirkung die Franz von Assisi, Ignatius und Vinzenz von Paul! Und wie holt der Herrgott immer wieder— nicht die Rebellen, sondern die geduldig Opfernden und War- tenden aus den Katakomben heraus! Und wieoftzei gt sich,daßdas,wasfürdie Menschenetwas Unerträgliches schien, eine von Gott ge- lenkte aulopung war, um eine verimrte Menschheit zur Einsicht und zur Bekeh- zung zurückzubringen! Gewiß, es gibt Zeiten in der Geschichte, wo die Kirche, nicht nur schlechthin geistig, sondern weithin auch poli- tisch führende Macht in Europa werdend, gegenüber poli- tischer Unsittlichkeit auch mit politischen Mitteln, auch mit Bannsprüchen und Herrscherabsetzungen arbeitet. Aber diese Zeiten liegen lange hinter uns; es wäre sinn- los, in der Gegenwart mit Waffen zu arbeiten, hinter denen keine geistlichen Landesfürsten, Ordensritter und Kreuz- fahrer mehr stehen; mit Waffen, die ihre Wirksamkeit eingebüßt haben, weil ein Großteil der Menschen sich vom christlichen Credo, damit aber auch von der Be- achtung kirchlicher Autoritäten gelöst hat. So halten es denn auch in der Neuzeit anerkannte Heilige und Helden der Kirche wie die Vertreter des alten Christentums. D. h. 3* 35 sie reagieren gegenüber unsittlicher Staatsmacht nicht mit Aufständen, sondern nur mit Festhalten und Predigen der eigenen Werte, im übrigen mit Liebe, Geduld und Opfer. Thomas Morus fordert nicht zur politischen Revolution auf gegen seinen England von der alten Kirche losreißen- den König; er verweigert nur das Ja zu des Königs Vor- gehen. Die französischen Bischöfe und Priester um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert fordern das Volk nicht zur Rebellion gegen jene französische Regierung auf, welche das ganze Kirchengut verstaatlicht, die Bi- schöfe vom Volk, auch von Nichtkatholiken, gewählt wissen will und sie vom Papste loslöst, sie verweigern nur ihr Ja zu solchem Vorgehen und begnügen sich im übrigen damit, für ihren Glauben zu arbeiten, zu sterben oder in die Verbannung zu gehen.= Man darf den deutschen und österreichischen Bischöfen keine Vorwürfe darüber machen, daß sie dem Vorbild Christi, der Apostel, großer Kirchenväter folgten. Kon- kordat und Regime-Anerkennung verhinderten zwar im Weiterverlauf der Dinge keine Verfolgungen und doch bewirkten sie viel Positives. Sie sicherten bis zuletzt die Möglichkeit von Predigt, Gottesdienst und Sakramenten- spendung im Kirchenraum, sie sicherten die materielle Versorgung der wichtigsten Kirchenbedürfnisse, sie sicherten eine formelle Rechtslage, die Einsprüche gegen Unrecht, gegen Verletzung garantierter Freiheit und Kampf um Abstellung von Mißbräuchen und Übergriffen ermöglichte. Die deutschen und österreichischen Bischöfe taten gut, bei aller Unbeugsamkeit im Religiösen, im Politischen mit Vorsicht vorzugehen und nicht etwa einen politischen Aufstand zu versuchen. Solange der Hitlerismus noch nicht an der Macht war, zeigte er mehr positive als nega- tive Seiten, so daß kein Anlaß war, gegen ihn etwa mehr vorzugehen, als gegen verschiedene andere parlamen- tarische Parteien. Als der Hitlerismus zur Macht gelangt war und nun immer mehr sein Negatives entwickelte, war er auch schon, infolge stärkster Massierung und Festigung der Macht, zu stark, um noch aufgehalten und ausge- 36 schaltet Welta — naml das b Bisch denen p stand,| stand, d nicht im und nicl Etwas a geisti Festh chris! gende an dies wahrhaf halten, Kein Kirch Chris geisti geleh Bisch blieb, tü Tme dieser h tische P Praktisc Götzung Macchi: Wären R leiter e icht mit gen der 1 Opfer. volution sreißen- gs Vor- um die as Volk -gierung die Bi- gewählt weigern sich im sterben ischöfen Vorbild 'n. Kon- zwar im nd doch letzt die menten- aterielle ;se, Sie ie gegen eit und ergriffen ten gul, ‚hen mil |itischen us noch nn RT schaltet zu werden. Wozu die Großmächte der WeltalleHilfsmittelder Weltbenötigten — nämlich zur Niederringung Hitlers— wie hätte das bloßen Bannsprüchen waffenloser BischöfeundChristenkonfessionen, hinter denen praktisch nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung stand, gelingen können? Revolutionärer Auf- stand, der allgemeinen Selbstmord bedeutet hätte, kann nicht im Willen Gottes liegen, der ein Gott der Lebenden und nicht der Toten ist. Etwas anderes als politischer Aufstand ist freilich der geistige Widerstand, das unbedingte Festhalten und Verteidigen der höheren christlichen Werte gegenüber vordrin- gendem Unchristentum. An diesem Widerstand, an dieser Verteidigung haben es die H. H. Bischöfe wahrhaftig nicht fehlen lassen. Hier gab es kein Zurück- halten, kein Zurückweichen, keine Zugeständnisse. BeıaDogma wurde im Bereich der Kirche verraten; nachhaltigst wurde das Christentum weitergepredigt; stets die geistig-moralische Gleichschaltung ab- gelehnt. In dieser Hinsicht standen die Bischöfe wie Felsen; in dieser Hinsicht blieben sie weithin strahlende Leucht- türme. In dieser Hinsicht, als Prediger des Entscheidend- Religiösen, waren sie doch Kämpfer größten Stils. Auf dieser höheren, geistig-moralischen Ebene, d. h. als prak- tische Prediger von Gott und Christus und Erlösung, als praktische Neinsager zur Menschen- und Rassenver- götzung, zum Naturalismus, zur Sündenleugnung, zum Macchiavellismus, zur Gewaltsamkeit und Brutalität, waren sie doch Widerstandsmänner großten Stils, Vorbe- reiter einer besseren Zukunft. In dieser Hinsicht haben speziell Bischöfe wie Kardinal Faulhaber, Graf von Galen, Sproll, Bornewasser u. a. vermöge der besonderen Offen- heit und Nachdrücklichkeit ihres Sprechens wahrhaftes Heldentum bewährt. Es war das zeitweise nicht so sicht- bar. Der Rundfunk und oft auch die Zeitung war ja für 37 Kundgebungen der Bischöfe gesperrt und gar manche Hirtenbriefe wurden von der Gestapo beschlagnahmt. Heute aber, nach Veröffentlichung der Hauptakten, liegt alles zu Tage. Ist offenbar, wie unermüdlich und resolut das Reden der H. H. Bischöfe im Sinne des Christentums und der Forderungen des Naturrechts war— solange dieses Reden nur irgend Sinn hatte; wie sehr ihr feuriges Ja zum Christentum ein flammendes Nein gegenüber den Hitlerideologien einschloß. Die nachhaltige Predigt und Sicherung der christlichen Lehren aber war unter den ge- gebenen Umständen eine ganz außerordentliche Leistung. Auch Friedrich Muckermann, der sonst die Dinge vorwiegend von der viele Schwierigkeiten übersehenden Emigranten-Seite her sieht, bekennt alles in allem: ‚Der katholische Volksteil allein, auch wenn man jene Prote- stanten, die ihr Christentum wacker verteidigten, hinzu- rechnete, war zu schwach, um eine Revolution zu machen. Es hätte das nur zu einem unvorstellbaren Massaker ge- führt, und so begnügte man sich damit, wenigstens in einer Sache unzweideutig und klar zu handeln, nämlich im Bekenntnis zum Glauben der Väter. Die öffentliche Meinung unserer Tage hat für die Bedeutung dieses Widerstandes im Bereich des Glaubens selber oft wenig Verständnis. Sie fragt mehr danach, warum nicht auf poli- tischem Gebiet eine Revolution gemacht worden sei, warum man nicht den Greueln der Konzentrationslager Einhalt getan habe, warum man mit in den Krieg gegangen sei. Erst jetzt scheint es ihr aufzugehen, welch eine unge- heure Leistung darin lag, erstens einmal selber wenigstens die kirchliche Organisation, die einzige, die der Gleich- schaltung widerstanden hat, zu retten über das Ende des Nazismus hinweg, zweitens aber doch so große Volks- teile innerlich frei vom Gift des Rassismus erhalten zu haben, was außerhalb gläubiger Kreise kaum irgendwo gelungen ist. Nur das Vorhandensein dieser Kreise ist heute die Garantie dafür, daß das deutsche Volk noch ein- mal in der Zukunft seine geschichtliche Sendung wird er- füllen können.” Auch in dem im letzten Sommer von den englischen Universitäten herausgegebenen Werk„The 38 Use of F worden, die Ki fererc desRe Wort de Kirche| gegenüb gang ge: Es ist au Nicht-R« weiterhi lehnen ı Bischöfe natürlic} Welt zu allzudrü auf ange falschen das Kin. Mus zu Partei u diese Q Deutsch, Schwer, durch ni sen abg: Zeit der Schen K Öre Nic Stünden Chen Ur ZU bek Verrats Techten So fäter Wissen| "eichise) Je Unzu manche gnahmt, 2, liegt resolut tentums solange feuriges iber den ligt und den ge- ‚eistung. e Dinge ehenden m:„Der e Prote- 1, hinzu- machen. aker ge- stens in nämlich fentliche qg dieses ft wenig auf poli- den selı ionslage! jegangen ne unge“ snigstens ‚ Gleich“ Ende des e Volks- ‚alten zu irgendwo reise 15 noch ein- | wird el" - von gen sk„The Use of History“, in dem der Satz, Gott sei überflüssig ge- worden, radikal aufgegeben ist, wird u. a. festgestellt, die Kirche in Deutschland habesich tap- ferergehaltenalsjedeanderelnstitution desReiches; es wird da von P. Hutchinson auch ein Wort des bekannten Physikers Einstein zitiert, die Kirche habe die einzige bedeutende innere Ablehnung gegenüber dem Nationalsozialismus bis zu seinem Unter- gang gezeigt(vgl.„Orientierung“, Zürich, vom 15. 4. 47). Es ist auch noch Folgendes zu bedenken, das die politische Nicht-Rebellion der Bischöfe in neuem Licht zeigt und weiterhin begründet. So sehr die Politik Hitlers abzu- lehnen war, so sehr hatten deutsche und österreichische Bischöfe bei ihren Völkern anzuerkennen, was ihnen nach natürlichem und göttlichem Recht in der internationalen Welt zustand. Völker haben das Recht, um Befreiung von allzudrückenden Tributlasten zu ringen, haben das Recht auf angemessenen Lebensraum. Daß Hitler das auf völlig falschen Wegen versuchte, durfte nicht dazu führen, nun das Kind mit dem Bad auszuschütten und jeden Patriotis- mus zu verneinen. Da nun aber Hitler immerfort seine Partei und die echten Volksinteressen identifizierte und diese Gleichsetzung auch im Bewußtsein ungezählter Deutschen erreichte, war es für die Bischöfe unendlich schwer, das Unrecht in der Weise abzulehnen, daß da- durch nicht auch das Berechtigte im Bewußtsein der Mas- sen abgelehnt wurde. Hieß es nicht schon immer, seit der Zeit der Protestantenmehrheit in Deutschland, die deut- schen Katholiken seien schlechte Patrioten, ihr Herz ge- höre nicht der Heimat, es sei ultramontan zentriert, sie stünden im Bunde mit den Gegnern der Heimat? Unter sol- chen Umständen war es doppelt schwer, Hitler politisch zu bekämpfen, ohne in den’ Verdacht des Vaterlands- verrats zu kommen. Die Klugheit, die die Bischöfe den rechten Weg finden ließ, ist aller Achtung wert. So täten denn gewisse Kritiker besser, ihr eigenes Ge- wissen zu erforschen, anstatt dem deutschen und öster- reichischen Episkopat Vorwürfe zu machen. Umso mehr, je unzulänglicher sie selber sind. Wer sind denn die = Hauptkritiker? Leute ohne die entsprechende theologische, philosophische, geschichtliche Bildung; Leute ohne die entsprechende eigene Tapferkeit und Opferbereitschaft. Im Inland zumeist Kreise, die, als zur Zeit der Herrschafts- kämpfe des Nationalsozialismus die Geschosse um die Köpfe pfiffen, sich in die letzten Löcher verkrochen und schweigsamste Eremiten wurden; im Ausland, namentlich im neutralen, Kreise, die nie von einem Despotismus an Leib und Leben bedroht wurden, die nie hungerten und froren, dafür aus weichen Klubsesseln, bei der Havanna und guten Schnäpsen, um so lieber Anathemas schleu- dern. Diese Leute sollen erst einmal selber Mut und Opfer- sinn bewähren, bevor sie, leichtfertig, die Ankläger gegen Persönlichkeiten spielen, die ihr Wissen, ihren Mut und ihre höchste Opferbereitschaft unter Beweis gestellt haben.— Ganz ebenso sind höchst wenig zurKritik berufen Leute, die für gewöhnlich auf dem Standpunkt stehen, die Religion habe überhaupt nichts mit der Politik zu tun, die dementsprechend dem Papst und Episkopat jede Einfluß- nahme auf politische Entscheidungen verwehren, oder die die Kirche nur als Kultur- oder Polizeiabteilung des Staates dulden. Grundsätzlich in der eigenen Praxis dem Laizismus huldigen, für Politik und Staat die absolute Souveränität, selbst eine solche außerhalb der sittlichen Weltordnung fordern und dann den H. H. österreichischen und deutschen Bischöfen und ihren Mitarbeitern Vorwürfe darüber machen, daß sie nicht politische Revolutionäre wurden— das bedeutet höchste Inkonsequenz.— Am allerwenigsten sind zur Kritik berufen Leute, die die Kirche immer nur bekämpft, als überholte Romantik, als Dunkelmänneranstalt, als lästigen Bremsklotz, als unnöti- ges Gewächs, als das Gebilde von Hysterikern und Schwächlingen, als hohlen Popanz, als ohnmächtigen Kinderschreck verlästert haben. Wie können diese Kreise plötzlich verlangen, die Kirche hätte ihre Schutzmacht, ihre Retterin vor Hitler sein müssen? Und weiterhin: Am allerwenigsten sind zur Kritik berufen Leute, die nicht genug Bekämpfung des Hitlerismus im kirchlichen Deutschland und Österreich von gestern finden, die sich 40 aber kr dem deı bei man Was fü gilt, gilt Anschlu turellen im Dritt moralisc ten doc lieferun: dem Zus wäre; d zum Le sätzen e bringen Wichtigs dächtigı der Wie Ausführ Teich au Deutsch der mı Mann)] Brief er Hitlers Musiker Politisch Kein Sc lehrter| dürfen,| Ogische, hne die itschaft, 'schafts- um die hen und nentlich smus an ten und Tavanna schleu- d Opfer- 7 gegen Mut und gestellt berufen hen, die tun, die Einfluß- oder die ung des ıxis dem absolute ittlichen chischen Torwürfe utionäre 245m die die ptik, als unnöti- on UN ächtigen e Kreise tzmachlı hin: Am lie nicht ‚chliche® die sich nn ET OHNE RETTET aber knieweich und weithin stumm zeigen gegenüber dem demokratisch getarnten Hitlerismus, der sich sogar bei manchen früheren Konzentrationslagerinsassen zeigt. Was für die Beurteilung der hochwürdigsten Bischöfe gilt, gilt auch mehr oder weniger für die Wertung der im Anschluß an sie erfolgenden Arbeitsfortsetzung der kul- turellen Kräfte, der Gelehrten, Schriftsteller und Künstler im Dritten Reich. Auch wenn sie den Durchbruch geistig- moralischer Barbareien nicht hindern konnten, sie rette- ten doch kulturelle Inseln, das Bleiben besserer Über- lieferungen, ohne welche Rettung der Neuaufbau nach dem Zusammenbruch des Hitlerismus unendlich schwerer wäre; denn was einmal vernichtet ist, kann nicht mehr zum Leben erweckt werden; was in Wurzeln und An- sätzen erhalten blieb, kann zu neuem Blühen und Früchte- bringen gebracht werden. Solche Arbeit zur Erhaltung wichtigster Werte verdient Anerkennung, nicht aber Ver- dächtigung und Kritik. Die Nummer 12 vom 23.März 1946 der Wiener Zeitschrift„Die Furche‘' brachte bedeutsame Ausführungen zum Thema. Dieselben sind auf Öster- reich ausgerichtet aber— mutatis mutandis— auch auf Deutschland anwendbar. Die Ausführungen lauten:„Einer der meistgelesenen Autoren Deutschlands(Thomas Mann) hat vor Monaten in einem vielzitierten Offenen Brief erklärt, kein Dichter hätte nach Herrschaftsantritt Hitlers noch weiter in Deutschland in Worten, kein Musiker in Tönen verkünden dürfen, was ja doch mit dem politischen Ungeist der Zeit in ewigem Gegensatz stand. Kein Schauspieler hätte weiterhin die Bühne, kein Ge- lehrter mehr einen Lehrsaal einer Hochschule betreten dürfen. Die ganze Welt hätte dann die Unkultur dieses Systems schaudernd erkennen müssen; es hätten nicht so viele sich durch die nicht abzustreitenden Leistungen täuschen lassen über den Wesenskern eines Systems, das jene Talente nur als Vorspann benötigte, um sich für die wahren Ziele ein Alibi zu verschaffen. Wer sich aber dazu mißbrauchen ließ, gewissermaßen zum„Kollaborateur” dieses Systems erniedrigte, müsse nun für alles, was dann kam, auch ein Teil Verantwortung tragen. 41 „Esistwahr,nichtwenigenamhafteKünstler, Gelehrte, große Lehrer und Ärzte haben den Verlust der Heimat einem Leben in Unfreiheit vorgezogen. Viele von ihnen taten es, weil sie konnten: sie durften hoffen, daß Verwandte, ein Kreis von Verehrern und Freunden, ihnen ein Stück Heimat ersetzen und die Sorgen und Mühen neuaufzu- bauender Existenz erleichtern würde. Andere taten es, weil sie mußten: es blieb ihnen keine Wahl. Es gab aber auch viele, die sich von Anfang an über die kommenden Herrlichkeiten des Dritten Reiches gar keine Illusionen machten— und trotzdem blieben. Und es ist fraglich, wer von allen diesen die schwerste Bürde auf sich genommen hat: die, die ferne von der Heimat und vielfach von Heim- weh verzehrt, ihr ferneres Leben lebten, aber immerhin ein Dasein in Freiheit— oder jene anderen, die im Be- wußtsein alles Kommenden ausharrten, mit der promethe- ischen Fackel hineinleuchtend in eine Zeit, die schon lange vor dem Krieg eine strenge Verdunklungsverordnung er- lassen hatte und sie mit Schwert und Galgen sanktionierte. Gewiß, es soll nicht vergessen werden, daß viele gute Österreicher während der schweren Jahre im Ausland sich unablässig und kraftvoll zu ihrem Vaterland— Öster- reich— bekannt haben. Mit der Kraft ihres Talentes haben sie die Welt immer wieder gemahnt, nicht zu vergessen, daß das, was bei uns geschah, nur Gewalt und Lüge, Pro- paganda und Knebelung war; daß dahinter und nicht im- mer sichtbar, aber doch ewig vorhanden, ein anderes, wirklicheres Österreich lebe, leiderprobt und weise ge- worden in zahllosen Prüfungen der Geschichte, oft schon totgesagt, aber dann doch immer wieder lebend— wir wollen es ihnen nicht vergessen, daß sie dies immer wie- der sagten, und den Dank des Vaterlands haben sie sich wahrlich verdient. „Aber ebensowenig soll vergessen werden, daß andere unserer Besten, Meister des Geistes und der Kunst, oft als der Stolz ihrer Landsleute Gefeierte, die hier geblieben sind trotz aller Gefährdung, ein kostbares, unersetzliches Erbe durch ihr Weiterwirken in die Gegenwart herüber- gerettet haben. 42 „Oder m den Jahr amtlich: so ohne alleWeli eingeset: zur Dorf zu den| Burgthe: gütert, C Burgthe: aber nie aller Fre Wachseı Spruch; Macht a er bring „Es ist o) „Kollabe Wenige f durch ih Werte yı igendwi Klugheit „lst dies Chen Sc Kämpfen ier, um plante K erinnert, Weil ihn Gefährtic ber ahlı Orlando nn ersch Icht v Selıng Wissen. SEnsc Ofen, U >, große einem ı taten wandte, 1 Stück uaufzu- ten 5, ab aber menden usionen ch, wer jommen n Heim- ımerhin im Be- pmethe- ın lange jung eI- onierte. Je gute Ausland _ Östel- Ss haben rgessen, ge, Pro- icht im- anderes, eise ge ft schon #e wi nel wie- sie sich ‚ andere ınst, oft „blieben herübel“ „Oder meint man wirklich, daß die Wiener Universität, in den Jahren des Nazismus zur Einpaukerzentrale für partei- amtlich zugelassene Zweckwissenschaft entwürdigt, sonst so ohne weiteres wieder in ihre Stellung als weithin in alleWelt wirkendes Zentrum wissenschaftlicher Forschung eingesetzt werden könnte? Oder daß ein Orchester, das zur Dorfmusik herabgesunken wäre, wieder über Nacht zu den Philharmonikern zu werden vermöchte? Daß das Burgtheater, durch die Emigration seiner Großen ent- gütert, dann aus einer Schmiere auf einmal wieder das Burgtheater sein könnte? Ein gutes Theater vielleicht, aber niemals das Burgtheater, wie es gottlob, zu unserer aller Freude wieder vor uns steht? Kultur ist organisches Wachsen und Wesen. Kultur ohne Tradition ist ein Wider- spruch in sich. Eine im Reif einmal verdorrte Pflanze macht auch der wärmste Sonnenschein nicht mehr lebend, er bringt höchstens andere Blüten zum Blühen. „Es ist oberflächlich und ungeistig gedacht, mit der Formel „Kollaborateure‘ ein Generalurteil fällen zu wollen. Nicht wenige führende Männer des Geistes und der Kunst haben durch ihr Ausharren in der Heimat unersetzliche Kultur- werte vor Unkultur und Verrohung bewahrt, indem sie irgendwie mit den widerlich-trostlosen Zeitumständen in Klugheit oder List fertig zu werden suchten. „Ist dies nichts wert?Man weiß vielfach gar nicht, mit wel- chen Schwierigkeiten wirkliche Kulturleistung oft zu kämpfen hatte und wieviel Mut sie oft erforderte. Es sei hier, um ein Beispiel für viele zu nennen, an jenes ge- plante Konzert der Wiener Sängerknaben in Innsbruck erinnert, das der famose Tiroler Gauleiter verhinderte, weil ihm einige religiöse Texte des Programms staats- gefährlich schienen, wogegen der künstlerische Leiter es aber ablehnte, in aller Eile den Motetten Palestrinas und Orlando di Lassos weltliche und„zeitnahe‘ Texte zu unterschieben. Auch der unerschrockenen Forscher soll nicht vergessen werden, die, nur der Wahrheit dienend, Stellung, Freiheit und Leben aufs Spiel setzten, aber ihre wissenschaftliche Ehre nicht um ein Linsengericht feil- boten. Und war für den, der Ohren hatte zu hören, nicht 43 jede Aufführung einer Beethoven-Symphonie offene Re- bellion wider die würgende Gewalt, ebenso laut und ein- dringlich wie jene im Blut erstickte Revolte der Münch- ner Studenten, aber nur nicht so faßbar in strafgesetzliche Tatbestände? Sind wir nicht alle davon gestärkt nach Hause gegangen und aufs neue versichert des kommen- den Morgenrots der Freiheit? Waren das alles wirklich „Kollaborateure‘ des Dritten Reiches oder arbeiteten sie nicht in Wahrheit gerade gegen den Nazismus? „Es mag manche gegeben haben, die die strenge Prüfung nicht zu bestehen vermochten. Aus Schwäche und ohne klare weltanschauliche Orientierung haben sie die viel- leicht nicht immer leicht erkennbare Grenze zwischen noch angängigem Kompromiß und Charakterlosigkeit überschritten. Sie waren armselige Menschen, wo das Schicksal Helden forderte, und werden es nun verant- worten müssen. Alle anderen aber, die Kollaborateure der Kultur, sollten endlich von Mißdeutung, Mißverständnis und Anzweiflung verschont bleiben." Wir stimmen diesen Ausführungen weithin zu. Nur mit einer Abweichung: Die Arbeit der in der Heimat Ver- bliebenen und da mühsam Weiterkämpfenden scheint uns wertvoller als die vieler Emigranten. Für die ersteren war sie ständiges Vermögens- und Lebensrisiko, für die andern zwar auch nicht leicht aber doch bequemer. Die Emigran- ten dienten mehr den Alliierten, vermehrten aber nur den Zorn und Widerstandswillen Hitlers, die andern lähmten den letzteren von innen her. Es war für Thomas Mann leicht, unterstützt von Freunden, in einer komfortablen kalifornischen Villa mit chinesischer Bedienung Blitze gegen Hitler zu schleudern; es war für zahllose Deutsche und Österreicher unendlich schwer, ständig von den Häschern der Nazis belauert, ständig von Gestapo und Konzentrationslager bedroht, ständig den Blutgeruch der Guillotinen in der Nase, ständig von den Bombengeschwa- dern der Gegner in die Keller und Bunker getrieben,— das Werk des moralischen Widerstandes gegen Hitler, der geistigen Sabotage Hitlers zu betreiben. 44 Die erst Zukunft‘ übernahı hatten si allem m; den Zeit die„Sch und ver bei der Friedric} (an die 1 die Hau) natürlich ten sie} mehr, je ein besc Quälere; lagen, Z glimpflic der Dire Nicht me Mehr RB, Modus y Weiterg, Können Unseres gemeins, von der AUsgehe, Himmler Münche, Ich lehn Dich Nie Meinen Redakti. TAuchte ne Re- nd ein- Münch- etzliche it nach ommen- wirklich eten sie Prüfung ıd ohne ie viel- wischen osigkeit wo das verant- eure der ständnis Nur mit jat Ver- ‚eint UNS ‚ren Wal andern migran- nur den Jähmten ; Man ortablen g Blitze jeutsche von den apo un ruch der jeschwö" eben, i Hitler, ET HFERE Eur: Die beginnende Verfolgung der „Schöneren Zukunft“ Die ersten größeren Schwierigkeiten für die„Schönere Zukunft” entstanden etwa zwei Jahre nach der Macht- übernahme Hitlers in Deutschland, In den ersten Zeiten hatten sich die Nationalsozialisten, wie schon betont, vor allem mit der Tagespresse abgegeben; nun wandten sie den Zeitschriften erhöhte Aufmerksamkeit zu. Zwar wurde die„Schönere Zukunft‘ in Österreich verlegt, redigiert und verwaltet, aber der Druck erfolgte in Deutschland, bei der Typographin des Heiligen Stuhles, der Firma Friedrich Pustet in Regensburg; denn der Hauptleserstock (an die 14 000 Bezieher von den damals etwa 20 000!) und die Hauptmitarbeiterschaft war in Deutschland. Das war natürlich den Nationalsozialisten bekannt— und so setz- ten sie bald- mit der Schwierigkeitenbereitung ein; umso mehr, je mehr die große Auflage der Wochenschrift ihnen ein besonderer Dorn im Auge war.(Das Ausmaß der Quälereien richtete sich geradezu nach der Höhe der Auf- lagen. Zeitschriften geringerer Verbreitung wurden viel glimpflicher behandelt!) Eines Tages verständigte mich der Direktor der Firma Pustet:„Herr Doktor! Es geht so nicht mehr weiter! Wir haben wegen Ihres Blattes immer mehr Behelligungen. Es muß versucht werden, einen modus vivendi zu finden, ansonsten müssen wir uns den Weiterdruck Ihres Blattes ernstlich überlegen. Wir können Ihretwegen nicht die Sperrung, die Vernichtung unseres Druckereibetriebes riskieren. Ich schlage eine gemeinsame Fahrt mit Ihnen zur Gestapo in München, von der die Schwierigkeiten gegen„Schönere Zukunft‘ ausgehen, vor. Vielleicht wird durch eine Aussprache mit Himmler und Heydrich— die amteten damals noch in München— eine Entspannung der Lage herbeigeführt.‘ Ich lehnte es ab, in die Höhle des Löwen zu gehen, um mich nicht Erpressungen auszusetzen— entsandte dafür meinen sehr verhandlungsgewandten und mutigen ersten Redaktionsmitarbeiter; der konnte alles Nötige hören und brauchte sich nicht zu binden, da er ja keine Vollmachten 45 besaß. Die Aufnahme der Herren bei Himmler war er- träglich; die bei Heydrich sackgrob:„Ihr Blatt ist ein Skandal! Nach Ihrem Blatt predigen in Deutschland die Pfaffen! Ihr Blatt ist der Hauptrückhalt der schwarzen Opposition!'‘ Mein Vertreter erwiderte:„Das ist Ihre Meinung. Anderswo, nicht zuletzt in Österreich, wird der „Schöneren Zukunft” eher zu große Rücksichtnahme auf Deutschland vorgeworfen und wird sie darob sogar be- kämpft. Beachten Sie doch gewisse Artikel in der Wiener „Stunde, im„Sturm über Österreich‘, sehen Sie doch hier, bitte!‘ Das bewirkte ein gewisses Einlenken Heyd- richs.„Na ja, dann werden wir halt noch etwas Geduld haben, aber nicht mehr lange!” In den folgenden Zeiten wurden immer wieder einzelne Nummern der„Schöneren Zukunft‘ für Deutschland be- schlagnahmt. Anfang 1937 erfolgte ein vierteljähriges Verbot für Deutschland. Es sollte ein Dauerverbot wer- den. Da rettete das Eingreifen der österreichischen Regie- rung das Blatt nach Ablauf des Vierteljahres. Auf An- regung von Nuntius und Kardinal in Wien forderte sie vom Deutschen Auswärtigen Amt die Wiederzulassung der„Schöneren Zukunft‘ in Deutschland, nachdem auch deutsche Zeitschriften in Österreich zugelassen seien. Diese Wiederzulassung wurde scheinbar durchgesetzt und ich in diesem Sinn vom österreichischen Bundes- kanzleramt verständigt. Aber als dann jeweils wieder die ganze Auflage gedruckt war, wurden— noch zweimal— die 14000 Exemplare für Deutschland beschlagnahmt. Es stellte sich heraus, daß sich die Gestapo nicht an die Ab- machungen des Auswärtigen Amtes hielt; sie erklärte vielmehr ihre Unabhängigkeit in ihrem Bereich; sie könne die Weiterverbreitung der„Schöneren Zukunft” in Deutschland angesichts ihrer Schadenstiftung nicht dul- den. Darauf erklärten die österreichischen Regierungs- vertreter ultimativ:„Wenn„Schönere Zukunft’ in Deutsch- land nicht wieder zugelassen wird, wird die Einfuhr einer Reihe Illustrierter Blätter aus Deutschland nach Öster- reich verboten." Das wirkte: Die weitere Verbreitung der „Schöneren Zukunft‘ in Deutschland war durchgesetzt. 46 Kaum ei Osterrei in Wien entschlo zutreten die einz weich u werde n Universi nachgele Katholiz der Reli tung vo: Reformı der Los- len wurı gestrich, _ Meiner] Sei Kath Schreibe Sozialist Sehe lar Nissen Y den nac] habe de das Chr Familie in ihren des Fih hatte w Deutsch, tum zu Mehr F Bücher Stäblich Christen Deutsch, Tangun I worde al er- ist ein nd die varzen t Ihre rd der ne auf ar be- Niener > doch Heyd- Geduld inzelne ınd be- ähriges pt wel- Regie- uf An- rte sie lassung m auch seien. gesetzt 3undes- der die imal— hmt. ES die Ab- ‚rklärte könne ft" IR ht dul- erungs” ‚eutsch“ jr einer Ostel“ ung det setzt. Kaum eine Woche nach dem Einmarsch der Deutschen in Osterreich wurde ich zu der inzwischen am Morzinplatz in Wien neueingerichteten Gestapo vorgeladen. Ich war entschlossen, höchst selbstbewußt und entschieden auf- zutreten, nachdem mir gesagt worden war, das sei dort die einzig aussichtsreiche Haltung; wer sich irgendwie weich und feig zeige, sei von vornherein verloren und werde nur verachtet. Ich hatte auch auf den Rat eines Universitätsprofessors Etliches in Hitlers„Mein Kampf’ nachgelesen, und gewisse Stellen, die Verständnis für den Katholizismus zeigen, so die Stellen über das Eigenrecht der Religion, über die notwendig dogmatische Formulie- rung von religiösen Lehren, über den Wahnsinn religiöser Reformversuche von der Politik her, über das Schädliche der Los-von-Rom-Politik Schönerers usw.— N.B. Die Stel- len wurden in den späteren Auflagen von„Mein Kampf“ gestrichen!— auswendig gelernt. Man fragte mich nach . meiner Einstellung und meinen Plänen. Ich erklärte, ich sei Katholik, und wolle solcher bleiben und als solcher schreiben. Dazu hätte ich wohl ein Recht; das national- sozialistische Programm gewähre ja Religionsfreiheit, sehe laut einer Führerrede in den christlichen Bekennt- nissen wichtigste Faktoren der Volkserhaltung, lasse je- den nach seiner Fasson selig werden. Am 1. Februar 1933 habe der Führer erklärt:„Die nationale Regierung wird das Christentum als Basis unserer gesamten Moral, die Familie als Keimzelle unseres Volks- und Staatskörpers in ihren festen Schutz nehmen." Eine weitere Erklärung des Führers vom 11. September 1935 laute:„Die Partei hatte weder früher noch hat sie heute die Absicht, in Deutschland irgendwelche Kämpfe gegen das Christen- tum zu führen.” Ich erwarte für meine Publizistik umso mehr Freiheit von Behinderung, als ich durch meine Bücher und meine bisherige Zeitschriftenpublizistik buch- stäblich in der ganzen Welt als ein Vorkämpfer für das Christentum, aber auch als ein Vorkämpfer für echtes - Deutschtum, für gesunde soziale Forderungen, für Zurück- drängung der goldenen Internationale und dergl. bekannt geworden sei. Weitere Fragen gaben mir Gelegenheit, die 47 auswendig gelernten Sätze aus dem Hitlerbuch anzu- bringen. Letzteres wirkte, schuf aber bei den Hörern zu- gleich Verlegenheit und Unbehagen. Mit Gesten, die Miß- trauen ahnen ließen, wurde ich entlassen. Gleich bei der ersten Vernehmung durch die Gestapo machte ich übrigens eine sehr wichtige, bezeichnende Wahrnehmung. Alles Gesprochene wurde von einem Mikrophon aufgenommen oder von einer Polizei-Schrei- berin schriftlich niedergelegt— aber im ersteren Fall mit Auslassungen, im zweiten Fall mit höchst subjektiven Färbungen, wie es eben den protokollierenden Verhör- organen entsprach. Als mir, was ich gesagt haben sollte, vorgelesen wurde, wies ich auf entscheidende Lücken, auf Mißverständnisse hin und verlangte— vor der Unter- schrift— Richtigstellungen. Man begnügte sich mit der Erklärung, die Dinge würden im nachhinein auf meinen Wunsch richtiggestellt; wenn ich diesbezüglich miß- trauisch sei, könnten ja gleich strengere Saiten aufge- zogen werden. So mußte man klein beigeben, auf die Ge- fahr hin, mit irreführenden Dokumenten belastet zu werden. Ich wurde dann immer wieder zur Gestapo gerufen— im- mer wieder verhört, vermahnt, verwarnt. Ich betonte stets dasselbe. Man solle mich doch in Ruhe lassen. Ich hätte für meine Bücher und die politischen Aufsätze der Ver- gangenheit— mit meinem Kampf gegen die kapitalistische Presse, gegen die Plutokratie, gegen den gesellschaft- lichen Materialismus, hätte mit meinen Forderungen nach Erleichterung von Friedensbestimmungen, mit meiner Unterstützung des deutschen Wunsches nach Rückgabe der Kolonien— mit Arbeiten, schon geleistet, bevor es noch eine Spur von Nationalsozialismus gab— Prämien und nicht Belästigungen verdient. Die Anregung zu sol- chen Arbeiten, den Mut zu ihnen, hätte ich aber gerade aus der christlichen Religion geschöpft. Man solle im christlichen Bekenntnis nicht eine Gefahr für gesundes Staatsleben sehen, sondern eine Stütze. An eine Verhörs-Unterredung mit einem Oberregierungs- rat der Gestapo, im Frühjahr 1940, erinnere ich mich be- 48 sonders d lief stelle auf Grun christlich: sprucht. I Sogar vol und Völk Kirche, d zuletzt da liken and zuerst Kı Vorwurf| ich mich täten stu vierzig J katholisc) Voreinger wortlich sten Stud und Volk der: Grat setzt geo es, Ein 1 ganzer, y Erst Natı endeter 7 Zwickte$ Mein sch Kennen geradezu dem nati Stimmun. Sondern| Oren, vo Wort, Sein, Abe der Enıfe \oren, Bı lichen gt 4 anzu- Mm ZU- - :stapo nende einem chrei- ll mit ktiven erhör- sollte, ücken, Unter- nit der meinen , miß- aufge- lie Ge- tet ZU —-ı- te stets h hätte PT Ver- istische Ischaft- pn nach meine! VITTERERTEN sonders deutlich. Sie zog sich ziemlich lange hin und ver- lief stellenweise in harten Kanten. Wiederum hatte ich auf Grund der Staatsverfassung das Recht des freien christlichen Bekenntnisses, auch in der Publizistik, bean- sprucht. Da erklärte der Mann:„Sie sind falsch erzogen. Sogar vom Standpunkt der Haltung maßgeblicher Führer und Völker Ihrer Konfession. Für Sie kommt zuerst die Kirche, dann lange nichts oder alles Mögliche, und erst zuletzt das deutsche Vaterland. Das ist bei andern Katho- liken anders. Ein Italiener ist zuerst Italiener, ein Kroate zuerst Kroate und dann erst Katholik." Ich lehnte den Vorwurf falscher Erziehung ab. In geistiger Hinsicht hätte ich mich letztlich selbst erzogen, hätte an vier Universi- täten studiert, besäße eine große Bibliothek, hätte in vierzig Jahren sehr viel gelesen, fast ebensoviel Nicht- katholisches wie Katholisches; es sei also nicht irgendeine voreingenommene Erziehung für mein Verhalten verant- worltlich zu machen. Mein Standpunkt sei ein in ernste- sten Studien errungener. Was aber das Problem Religion und Volk betreffe, so sei unser christlicher Standpunkt der: Gratia supponit et perficit naturam— das Religiöse setzt geordnetes Volkstum voraus, erhebt, reinigt, festigt es. Ein Theologe sage: Erst Mensch, dann Christ, dann ganzer, vollkommener Mensch. So könne man auch sagen: Erst Naturdeutscher, dann durch das Christentum voll- endeter Deutscher! Das war dem Oberregierungsrat ver- zwickte Scholastik— und er suchte mein Undeutschtum, mein schlechtes Deutschtum anders zu begründen:„Wir kennen genau die unfreundliche, ressentimenterfüllte, ja geradezu feindselige Stimmung Ihrer Kreise gegenüber dem nationalsozialistischen Regime. Für diese schlechte Stimmung machen wir nicht die einzelnen Volksglieder, sondern deren Führung verantwortlich. Und zu der ge- hören, von den Laien, auch Sie. Wollen Sie das leugnen?“ Antwort:„Das mit der schlechten Stimmung dürfte wahr sein. Aber wundern Sie sich? Wundern Sie sich angesichts der Entfernung von zehntausenden Katholiken: Profes- soren, Beamten, Angestellten, Lehrern, aus ihren staat- lichen Stellen? Wundern Sie sich angesichts der Sperrun- 49 gen von immer mehr katholischen Instituten, Pensiona- ten, Klöstern, angesichts der Enteignung von immer mehr kirchlichem Besitz? Wundern Sie sich angesichts des laufenden Kulturkampfes? Man kann doch über Hiebe und Schläge nicht begeistert sein!" Jetzt fuhr der Ober- regierungsrat aufgebracht dazwischen:„Was, Sie reden von Kulturkampf? Sie reden von der Verfolgung von Katholiken, wo doch die, die gepackt werden, nicht wegen ihrer Religion, sondern nur wegen ihrer schlechten Politik in Bestrafung genommen werden. Ich finde Ihr Reden denn doch herausfordernd. Ich antwortete:„Ich kenne viele der Betroffenen persönlich, und ich weiß, daß diese Leute nur eine Politik betrieben, nämlich sich bemühten, ihre Berufsarbeit bestmöglichst zu leisten— eine andere Politik kannten sie nicht!" Erwiderung:„Da sind wir besser unterrichtet!” Ich meinte:„So lassen Sie mich etwas ganz Persönliches aus eigener Erfahrung erzählen! Da ist da drunten an einem Ort an einem Kärntner See, wo ich mit meiner Familie meist den Sommerurlaub ver- bringe, ein kleiner Ortsgruppenleiter. Das heißt, klein war er früher, da er noch kleiner Gärtner war und aus dem Danken und Schweifwedeln nicht herauskam, wenn meine Familie Blumen, Salat oder Gurken bei ihm kaufte. Nun, seitdem er Funktionär geworden, sitzt er auf hohem Roß, sieht er auf uns herunter, ruft er mich eines Tages zu sich und eröffnet mir:„Herr Doktor, ich kann Sie nicht für einen ordentlichen Deutschen halten, nachdem Sie Mit- glied der politischen römischen Kirche sind“; und er machte mir dann verschiedentliche Vorhalte. Mußte ich, der Akademiker, der mit seinen Arbeiten für das Deutsch- tum in der ganzen Welt bekannt gewordene Schriftsteller, mir das— angesichts der von der Verfassung verbürgten religiösen Bekenntnisfreiheit— von einem geistigen An- alphabeten bieten lassen?‘ Antwort:„Das brauchten Sie sich von dieser Seite wirklich nicht gefallen zu lassen. Sie hatten das Recht, sich beschwerdeführend an die Kanzlei des Führers zu wenden. Im übrigen aber sollte derlei nicht tragisch genommen werden. Schließlich kommen bei jeder Partei gelegentlich Ungehörigkeiten unterer Stellen vor." 50 Ich erwi schehen nicht zu allem abi nungen. schen:„Il machen, und doch scher, W billig se Untersch vielleich waren m gesunker nicht ges Schaftlic) dann: Jo den Sta eigenen aber dier Seelsorg Pfarrejer fonds er Sich nict mehr pl Kinder< eine Fal Die Ant Stockte licher A selbstye Staat G; setzung: Der Sta etschii Wieder Großen Scher g Pombalk 4* nsiona- Ich erwiderte:„Gelegentlich? Nein, diese Dinge ge- er mehr 1 schehen in ähnlicher Weise landauf, landab,— und das hts des nicht zuletzt verursacht die schlechte Stimmung. Vor - Hiebe| allem aber die Klosteraufhebungen, Kirchenbesitzenteig- r Ober- nungen...!'" Der Oberregierungsrat fuhr wieder dazwi- e reden schen:„Ich verstehe nicht, daß Sie davon soviel Gerede ng von| machen. Josef II. hat noch viel mehr Klöster aufgehoben, t wegen und doch gilt der Habsburger als gut katholischer Herr- ı Politik! scher. Was bei den Habsburgern recht ist, muß bei uns - Reden billig sein.’ Antwort:„Da sind denn doch sehr große n kenne Unterschiede festzustellen. Zu Josefs II. Zeiten gab es aß diese vielleicht wirklich etliche Klöster zuviel; jedenfalls aber mühten| waren manche zu bloßen untätigen Rentnerheimen herab- , andere gesunken. Das aber kann von den Klöstern unserer Zeit ind wir nicht gesagt werden. Wie aufrichtig waren sie um wissen- ie mich schaftliche, um volkserzieherische Arbeit bemüht! Und zählen! dann: Josef II. hat das eingezogene Kirchengut nicht für See, wo den Staat ad saccum genommen, sondern es in einem ub ver- i eigenen Religionsfonds gesammelt. Dieser Religionsfonds Jein war aber diente der Schaffung und Erhaltung zahlreicher neuer au dem Seelsorgestellen in Österreich. So sind die meisten ‚n meine Pfarreien des Weltklerus in Wien aus diesem Religions- 46, Nun, fonds errichtet worden.” Der Oberregierungsrat wollte u Rod, M sich nicht weiter auf dieses Thema einlassen, stellte viel- e ich mehr plötzlich die Frage:„Sie geben doch zu, daß die m nn} Kinder dem Staate gehören?‘ Die Frage war offenkundig Be eine Falle, sollte mich in eine gefährliche Enge treiben. Pi; er Die Antwort mußte also sorgfältig überlegt werden. Ich =:ch K stockte zunächst etwas, dann erklärte ich:„Nach christ- ubte= F licher Auffassung gehören die Kinder den Eltern; aber Bi 4 selbstverständlich haben sowohl Eltern wie Kinder dem instellet E Staat Gehorsam zu leisten— indes unter einer Voraus- bürgten E setzung: daß der Staat die sittliche Weltordnung achtet. igen ir| Der Staat ist ja im Verlauf der Geschichte etwas sehr chten Be ‚ Verschiedenartiges. Er ist jetzt der Staat Neros und dann jssen 3%| wieder der Staat Konstantins, jetzt der Staat Karls des b Kanal“ Großen und dann wieder der Staat blutrünstiger osmani- glei nich E scher Sultane, jetzt der absolute Staat Cromwells oder bei P= i Pombals, und dann wieder der Staat des Kaisers Franz. Sie len vo 4* Sl sind sicher nicht der Ansicht, daß der Mensch unter allen Umständen jeder Art von Staat in allem verpflichtet ist?“ Diese Erwägung kam dem Gestapomann offenkundig über- raschend. Plötzlich faßte er sich von der Verblüffung und sagte:„Durchsetzung der sittlichen Weltordnung— das ist es ja, was wir wollen!“ Ich antwortete:„Dann wird es keinen Konflikt zwischen Christentum und Staat geben." Wir waren scheinbar einig, dachten uns aber ver- mutlich unter sittlicher Weltordnung etwas sehr Ver- schiedenes. Wir schieden jedenfalls nicht als Freunde, sondern der eine von verstärktem Mißtrauen erfüllt, der andere mit dem Gefühl, daß sich Wolken über ihm zu- sammenballten. Vielleicht hätte sich das Unwetter über„Schönere Zu- kunft‘ schon früher entladen, als es dann tatsächlich ge- schah, wenn sich nicht immer wieder bedeutende Persön- lichkeiten, die ich um Hilfe bat und die auch für das neue Regime in Österreich noch Gewicht besaßen, für„Schö- nere Zukunft‘ eingesetzt hätten. Wenn andererseits nicht die hohe Auslandsauflage der„Schöneren Zukunft‘ Rück- sichtnahmen erzwungen hätte. Man rechnete in Berlin — wenigstens bis zu den großen Siegen in der ersten Kriegshälfte— doch immer wieder mit Stimmung und Urteil des Auslandes und vermied deshalb zu starke Über- raschungen und moralische Verletzungen desselben in literarischen Dingen. Im Gegenteil, man wollte durch Konzessionen in Einzelfällen den Eindruck erwecken, das Dritte Reich gewähre Freiheit des Geistes. Aus diesem Grund konnten z. B. in den Jahren bis 1944 noch eine Reihe Bücher, zum Teil in großen Auflagen, erscheinen, die nicht das Geringste mit Naziideologie zu tun hatten, sondern hundertprozentig christlich waren. Z. B. Bücher wie: Theodor Haecker ‚Der Geist des Menschen und die Wahrheit‘,„Die Kirche und die Welt; Daniel Feu- ling„Glaubenslehre”; Josef Pieper„Hoffnung“, „lLapferkeit‘,„Klugheit”; Reinhold Schneider„Las 32 Casas VOL „Philipp 1 der„Divi Jungfrau denn auc „Schönert Zeitschrif lands die damit im sagen: D nere Zuk doch, dal gewisse wägung das Aus „Schöner binden Ii Schenk m Noch eil Zitierung Ungemütl wieder z men, ins ich mich Meinen| weils mö Zubereite Man erk “o ergah Zeige, u gewissen dann kaı Aber nie Aufsägs; land mel Wieder ı rt wu Iener kai des Blat T allen et ist?" 'g über- lüffung lung— nn wird ] Staat ber Vel- ır Ver- teunde, illt, der ihm zu- ere ZU- lich ge- Persön- as neue i„Schö- its nicht t” Rück- 1 Berlin r eısten ung und ke Über jben IN e durch ken, das diesem och eine ‚heine: ' hatteNı „ Bücher hen und el peu’ ‚finung» e I„Las GETS EEE TE UN Casas vor Karl V.”,„Macht und Gnade‘; Ludwig Pfandl „Philipp II. von Spanien“; Karl Vossler: Übersetzung der„Divina Commedia”; Gertrud von Le Fort„Die Jungfrau von Barby‘,„Die ewige Frau” usw. So waren denn auch einzelne Herren des Auswärtigen Amtes der „Schöneren Zukunft” gewogen. Man wußte dort, daß die Zeitschrift von allen Gebildeten-Zeitschriften Deutsch- lands die höchste Auslandsauflage besaß, so konnte man damit im Ausland direkt Propaganda machen. Man konnte sagen: Die Existenz eines religiösen Blattes wie„Schö- nere Zukunft‘ unter dem deutschen Regime beweist denn doch, daß dieses nicht so kirchenfeindlich ist, wie eine gewisse Auslands-Agitation darzutun beliebt. Diese Er- wägung war wohl dafür bestimmend, daß zum Beispiel das Auswärtige Amt gelegentlich neueste Bände der „Schöneren Zukunft“ durch eine Leipziger Firma in Leder binden ließ und spanischen Regierungskreisen zum Ge- schenk machte! Noch eine Bemerkung muß ich hier einschalten. Die Zitierungen zur Wiener Gestapo waren immer eine recht ungemütliche Sache. Man wußte nämlich nie, ob man wieder zurück ins Heim käme oder in Schutzhaft genom- men, ins Gefängnis geworfen würde. So verabschiedete ich mich denn vor jedem solchen Gang regelrecht von meinen Angehörigen. Andererseits suchte ich mich je- weils möglichst gut auf einzelne vermutliche Fragen vor- zubereiten. Man wußte ja nie, was an Fragen kam. Aber man erkundigte sich bei anderen Einvernommenen, und so ergaben sich von selbst gewisse allgemeine Finger- zeige, zumal die Fragerei der Gestapo mit der Zeit einen gewissen typischen Charakter annahm. Da konnte man dann kaum mehr völlig überrumpelt werden. Aber nicht nur die Gestapo war der„Schöneren Zukunft” aufsässig; seit der Angliederung Österreichs an Deutsch- land meldete sich auch das Propagandaministerium immer wieder mit schriftlichen Verweisen und Verwarnungen. Dort wurde von einem Referenten— es soll ein abgefal- lener katholischer Geistlicher gewesen sein— jede Zeile des Blattes auf Herz und Nieren untersucht, und der Be- 33 mängelungen war kein Ende. Es erfolgten auch immer neue Einschnürungen. Weltliche Genies, von Philosophen abgesehen, durften nicht mehr für religiöse Dinge zitiert werden. Seit dem Krieg war jede Berichterstattung über das Religiöse im feindlichen Ausland untersagt. Es war verboten, auf das Bankrotteur-Schicksal von geschicht- lichen Gestalten, deren Kulturkämpfe an Hitler erinnerten, hinzuweisen. Und dergleichen. Außerdem erfolgten in nationalsozialistischen Zeitungen, Zeitschriften und Broschüren immer mehr Angriffe gegen „schönere Zukunft‘. Sie wurde als Hauptorgan der Katho- lischen Aktion, damit als mehr und mehr staatsgefährlich hingestellt. Vermutlich auf Anregung der Partei ließ der Ordinarius für neuere Geschichte an der Universität Bres- lau, Prof. Beyerhaus, durch R. Werner eine längere Dissertation über meine publizistische Tätigkeit von 1918 bis 1925 verfassen; die Arbeit 120 Seiten lang, erschien dann im Rahmen der„Breslauer Historischen Forschun- gen‘ unter dem Titel„Die Wiener Wochenschrift ‚Das Neue Reich‘ 1918—1925°(Verlag Priebatschs Buchhand- lung in Breslau); diese Wochenschrift wurde nämlich da- mals von mir herausgegeben und geleitet. Der ersten Dissertation sollte eine zweite, die Arbeit der„Schöneren Zukunft‘ behandelnd, folgen. R. Werner stellte alles zu- sammen, was ich gegen die norddeutsch-preußischePolitik, gegen den Macchiavellismus des ‚großen‘ Kurfürsten, Friedrichs II., Bismarcks, Ludendorffs, gegen den werden- den Nationalsozialismus Hitlers, gegen den Anschluß Österreichs an ein von diesem Geist beherrschtes Deutsch- land geschrieben hatte oder hatte schreiben lassen und empfahl mich und die Archive des„Neuen Reiches" und der„Schöneren Zukunft‘ geradezu der Weiterbehandlung durch die Gestapo. Die Hauptzeitschrift des National- sozialismus, die ‚„Nationalsozialistischen Monatshefte‘, widmeten Werners Dissertation eine spaltenlange Be- sprechung mit dem Tenor: Eberle ist aus der Politik aus- geschaltet; er muß nun auch aus dem Geistigen ausge- merzt werden! 54 Es wurde Peitsche( in Aussicl Änderung zuführen. gelegentli kunft ist unserer| Schade,( Chancen, übernehn Schutz, u Verfügur achtung Eine Reil Vertrete, Mannes gandamii Sondere konnte S gelegent bremsen Mit ande Lage für folge Ve Worden, Presse} Zeitschr Dreitgtg, Zur Au Asse si Baltene, Meiden, immer sophen zitiert g über Es war chicht- nerten, tungen, gegen Katho- ährlich ieß der ät Bres- längere on 1918 rschien rschun- ift ‚Das -hhand- lich da- - ersten nöneren les zU- ‚Politik, fürsteD: werden- nschluß Jeutsch- sen und es" un andlung ‚ational- ;shefte”, nge Be- itik aus“ , ausge Es wurde aber von Seite der Hitlerianer nicht nur mit der Peitsche gearbeitet. Gelegentlich wurde auch Zuckerbrot in Aussicht gestellt, um vielleicht auf diesem Weg eine. Anderung der Haltung der„Schöneren Zukunft‘ herbei- zuführen. Ein hoher Beamter der Wiener Gestapo meinte gelegentlich zu einem meiner Bekannten:„schönere Zu- kunft‘ ist ein raffiniert gut gemachtes Blatt. Wir haben in unserer Partei nichts, was geistig gleich hoch stünde. Schade, daß Eberle nicht bei uns ist. Da hätte er alle Chancen. Wollte er vollends die Rolle eines Döllinger übernehmen, so wäre er der gemachte Mann. All unser Schutz, unsere Förderung und unser Geld stünden ihm zur Verfügung.‘ Natürlich hatte ich für derlei Töne nur Ver- achtung und Abscheu.— Zwang zur Aufgabe des Verlags— Schriftstellerische Weiterarbeit Eine Reihe katholischer Blätter unterhielt in Berlin einen Vertreter, der zugleich die Rolle eines Verbindungs- mannes zur Abteilung„Kirchliche Presse“ beim Propa- gandaministerium spielte. Dieser Herr verfügte über be- sondere Personalkenntnisse und Personalbeziehungen, konnte sondieren, Pläne und Absichten auskundschaften, gelegentlich auch, wenn Schläge beabsichtigt waren, bremsen und beruhigen. Dieser Herr teilte mir im Einklang mit andern im Mai 1940 mit, es sei Feuer am Dach. Die Lage für die„Schönere Zukunft“ sei— nicht zuletzt in- folge von wachsendem Gestapodruck— unhaltbar ge- worden. Nachdem die Liquidation der katholischen Tages- presse beendet sei, käme nun offenkundig die katholische Zeitschriftenpresse wenigstens mit den markantesten, ver- breitetsten Organen, an die Reihe der Drosselungen bis zur Aufhebung. Das Verbot der„Schöneren Zukunft“ lasse sich nach seinen bestimmten Eindrücken, nach er- haltenen Eröffnungen, nur mehr unter der Bedingung verT- meiden, daß ich mich entschlösse, vom Verlag zurückzu- Po) treten und das Blatt einem anderen Verlag in einer an- deren Gegend zu übertragen. In diesem Fall könnte die Zeitschrift noch weiter bestehen und könnte ich wenig- stens noch eine zeitlang Mitarbeiter, nominell sogar noch Herausgeber bleiben.— Das Verlegertum, die Publizistik, war mir bereits zum Martyrium geworden, und schon seit einiger Zeit hatte ich mich öfter mit dem Gedanken be- faßt, die Führung meines Organs jüngeren Kräften zu übergeben, die in Gebieten lebten, die ruhiger waren als Österreich, wo der Nationalsozialismus, aus Zorn über den bisherigen„Pfaffenstaat‘, mit hundertfünfzig Prozent seiner Energien arbeitete— und ich hatte dementspre- chend auch mit einigen Verlagen sondierende Verhand- lungen eingeleitet. Ich war von Haus aus zuviel Kampf- natur, war immer zu offen, zu freimütig, zu grundsätzlich, zu polemisch gewesen, um mich immer mehr mit lediglich positiver Arbeit unter Aufbietung von immer mehr Diplomatie und Kasuistik abzufinden. Trotzdem wurde mir der Entschluß, den Verlag aufzugeben, sehr schwer, als es ernst wurde, hatte ich doch zu Zeiten meiner Zeit- schrift Weltgeltung verschaffen können. Aber jetzt blieb nichts anderes übrig. Ich war bereit, über die Klinge zu springen, wenn dafür die Zeitschrift noch für einige Zeit gerettet wurde und ich auch noch religiös-apologetische Aufsätze veröffentlichen durfte. Ich übergab also das Blatt (unter Rückversicherungen für den Fall der Änderung der politischen Verhältnisse) einem angesehenen katholischen Verlag Süddeutschlands zur Weiterführung,— dem Stutt- garter Schwabenverlag, der vordem ein führendes Zen- trumsblatt, das„Deutsche Volksblatt”, herausgegeben hatte und immer noch Konrad Kümmels berühmtes ‚„Katho- lisches Sonntagsblatt‘‘ herausgab. Der Übergang vollzog sich klanglos, derSchwabenverlag widmete der„Schöneren Zukunft” seine ganze Kraft, unter Belassung des bisherigen Redaktions- und Verwaltungspersonals in Wien.(Maß- gebend für die Behandlung der„Schöneren Zukunft‘ durch die Behörden war der rechtliche Sitz von Verlag, Druck und Ausgabe, nicht der des Personals.) Anderseits lagen die Dinge in Stuttgart für die Katholiken wesentlich ruhi- 36 ger als ir „Schöner Tatsächli Spätherb gerufen, würde, n auch vo) nachdem und man weiterscl die heut: Sinn der dem bes ernstlich an mein streng il könne w Mus noc bis zur Generale Einzelhe ohne A: Fingersp Es wuch Lebens. blieben, die Geg: mit auch betätigt; keinen“ getamte Man se sammen Bedhürfn, Wang| {treffen\ Algeho Sittlichk werke ner an- inte die wenig- far noch Jlizistik, hon seit ken be- iften zu aren als rn über Prozent entspre- 'erhand- Kampf- sätzlich, jediglich r mehr 1 wurde schwer, ner Zeit- tzt blieb Jinge ZU ige Zeit ‚getische das Blatt rung der ‚olischen om Stutt- des Zen sgegeben ; ‚Katho” ' vollz09 höneren sherigel n.(Maß gr“ durch 2 Druck its Jagen jich ruhl" ger als in Wien; so konnte noch weitere Lebensdauer der „Schöneren Zukunft‘ erhofft werden. Tatsächlich ergab sich eine Ruhepause. Da wurde ich im Spätherbst 1940 nach Berlin ins Propagandaministerium gerufen. Man hatte dort allem nach damit gerechnet, ich würde, nach meinem Rücktritt als Verleger, mich langsam auch von jeder publizistischen Tätigkeit zurückziehen, nachdem ein ernster Wink mit dem Zaunpfahl erfolgt war, und man war offenkundig enttäuscht, daß ich statt dessen weiterschrieb. So mußte ich denn hören: Ich sei zu alt für die heutige Zeit, zu wenig aufgeschlossen für Recht und Sinn der neuen Zeit, zu sehr mit Widerwillen gegenüber dem bestehenden System beladen, man verwarne mich ernstlich. Ich bat um konkretere Aufklärung. Was denn an meinen Aufsätzen nicht passe? Ich hielte mich doch streng im Rahmen der katholischen Theologie; das aber könne wohl nicht beanstandet werden, da der Katholizis- mus noch immer staatlich anerkannte Konfession sei, der bis zur Stunde selbst aktive Minister, Diplomaten und Generale Deutschlands angehörten. Man lehnte es ab, auf Einzelheiten einzugehen. Es hieß nur immer:„Sie sind ohne Aufgeschlossenheit für die Zeit, Sie haben kein Fingerspitzengefühl!”" Was hätte man auch sagen sollen? Es wuchs nun einmal, während die Gesetze betreffend das Lebens- und Arbeitsrecht der christlichen Bekenntnisse blieben, in den maßgebenden Staats- bzw. Parteikreisen die Gegnerschaft gegen Christentum und Kirche und da- mit auch gegen diejenigen, welche sich als deren Anwälte betätigten. Aber die Partei führte fast bis zum Schluß keinen offenen und allgemeinen Kampf, sondern einen getarnten, aufgesplitterten, Rechtsgründe vorschützenden. Man schützte Notwendigkeiten der Politik, höchste Zu- sammenfassung der Kräfte, höchste nationale Solidarität, Bedürfnisse der Wirtschaft und der Volksfürsorge, den Zwang zu Sparmaßnahmen vor, wenn man die Religion treffen wollte. Erst wurden, wie schon betont, die Klöster aufgehoben wegen angeblicher Devisensünden und Un- sittlichkeiten; dann hieß es, die Gebäude würden für Zwecke des Militärs und der Unterbringung von Ver- 7 wundeten und Flüchtlingen benötigt.(Aber für die Partei- funktionäre blieben immer noch Schlösser und Villen frei!) Die langsame Abdrosselung der katholischen Litera- tur und Presse wurde mit durch den Krieg bedingten not- wendigen Papierverbrauchseinschränkungen begründet. (Aber für antichristliche Propagandaliteratur, für Schund- und Schandblätter wie den„Stürmer des Julius Streicher, gab es bis zuletzt Papier!) Man peinigte gewisse kirchlich gesinnte Kreise durch Sonderauflagen und Sonderbesteue- rungen bis aufs Blut— aber es wurde nicht ihre Religio- sität als Grund angegeben; es wurden ihnen vielmehr an- gebliche Gesetzesverstöße vorgeworfen; und wenn sich keine solchen fanden, mußten angebliche Schädigungen der Stimmung anderer, unterlassene Denunziationen an- derer und dergl. den Vorwand liefern. Diese Tarnung, diese Aufsplitterung des Kulturkampfes, dieses Drehen und Wenden der Gesichtspunkte und Rechts- paragraphen, wie man es gerade brauchte, machte ja auch die Abwehr der H. H. Bischöfe so schwer. Wurde gegen Thesen und Forderungen Rosenbergs Einspruch erhoben, so hieß es, der Mann spreche nur Privat-, nicht Partei- meinung aus. Wurde gegen Übergriffe von HJ.-Führern und Gauleitern geklagt, so hieß es, die Regierung habe nichts damit zu tun und decke nicht die Übergriffe. Wurde gegen die Einkerkerung von Katholiken ohne Verhör Einspruch erhoben, so hieß es, die Einkerkerung treffe entlarvte, erwiesene Untäter; Katholiken als solche blie- ben unbehelligt, wie die Tatsache von Katholiken in füh- renden Stellen von Staat, Heer und Marine deutlich zeige. Anderseits war der Kulturkampf wirklich nicht in allen Provinzen der gleiche, vielmehr, je nach Temperament der Gauleiter, nach Art und Grad verschieden. Mancher- orts, namentlich am Lande, bei der Bauernschaft, deren Arbeit für den Staat so nötig war, spürte man fast nichts vom Antikirchentum der Nazipartei: Der Schullehrer konnte zugleich Kirchenchordirektor und Organist, der 58 Postamtsl: Bürgerme: nicht, am in den Te das Antic selbst da Stuttgart lassen al: auch die Bischöfe, Verwarnt veröffent Plichtgef dings au nutzen,| kenner b auch ein über eine land zu q sende D: Die Nacı so, daß c gesteiger das Papii Mangels Kritiker den, um Stimmun durch kl Wurde je Noch his Geleistet Und ihre lichen A Nennun keit blof esenj nige Klon ). artei- Postamtsleiter zugleich Kirchenmesner sein und der Villen Bürgermeister fehlte nicht in der Kirche und versäumte ‚Itera- nicht, am Fronleichnamstag den„Himmel“ zu tragen. Nur - not- j in den religiös sowieso vielfach erkälteten Städten trat ündet. das Antichristentum so recht angreifend hervor. Aber "hund.| selbst da gab es Unterschiede. Breslau und Augsburg und >icher, Stuttgart waren die längste Zeit viel mehr in Ruhe ge- chlich lassen als etwa Plätze wie München und Wien. Daher steue- auch die gewisse Differenz im Einzelvorgehen der el, ek eligio- MB Bischöfe. hr an- Verwarnt ging ich von Berlin wieder nach Hause und— n sich veröffentlichte weiter religiöse Aufsätze. Vor allem aus jungen| Pflichtgefühl. Ich sagte mir, aus Ermüdung mich neuer- en an- dings aufraffend: Wem Gott Talente gab, der muß sie nutzen. Ein Publizist muß gerade in schwerer Zeit Be- kenner bleiben, komme was da wolle. Deshalb lehnte ich 1 auch einen neuerlichen, durch Münchener Informationen über einen kommenden Schlag bestimmten Rat, ins Aus- ımpfes,} land zu gehen, ab. Dann war ich befeuert durch die wach- Rechts- j sende Dankbarkeit und Aufmunterung der Leserschaft. ja auch, Die Nachfrage nach„Schönere Zukunft” wuchs damals ‚ gegen so, daß die Auflage um Tausende von Exemplaren hätte hoben, gesteigert werden können, wenn von der Behörde nur Partei M das Papier hiefür bewilligt worden wäre. Viele, die früher, ührern= mangels Kenntnis des schweren Drucks auf der Presse, g habe 4 Kritiker gewesen waren, baten jetzt, hellsichtiger gewor- Wurde 8 den, um Verzeihung und bekundeten ihre restlose Zu- Verhöt IE stimmung. Sie waren glücklich, daß„Schönere Zukunft” treffe 4 durch kluges Taktieren bisher gerettet wurde. Schließlich he bie IE wurde ja von ihr, dank der Mithilfe tapferer Mitarbeiter, inf| noch bis zuletzt wertvollste katholische Aufklärungsarbeit h zeige B geleistet. Zwar die Rosenberg, Goebbels, Ley, Streicher allen und ihre Nachbeter mit ihren unmöglichen weltanschau- amest lichen Auslassungen konnten nicht direkt unter Namens- cher i nennung aufs Korn genommen und in ihrer Unzulänglich- a" keit bloßgestellt werden; aber es wurde dafür allen ihren h;chts N Thesen in ruhig-positiver Weise die christliche Auffassung pr rer 4 entgegengestellt. Der grundsätzlichen Verdächtigung der Me u Religion als Krampf und Krankheit, der Verkennung des sl, 59 il dr r h vi ‚ ji j ; christlichen Gottesbegriffs und des Gottmenschen Chri- stus, der Kritik der Bibel, der Ablehnung der Dogmen als weltfremder Abstraktheiten, der Verhöhnung der Sakra- mente als Zauberei und Magie, der Leugnung von Sünde und Erlösungsnotwendigkeit, der Verneinung der Un- sterblichkeit der Seele, der Betrachtung der christlichen Religion als Schädigung von Volk und Nation, als Hem- mung von Wissenschaft, Literatur und Kunst, der Miß- achtung der Kirche, der Behauptung der Schädigung des deutschen Volkes durch die katholische Kirche, der Ver- lästerung großer Persönlichkeiten und Werte der Kirchen- und Kulturgeschichte, der Betrachtung des päpstlichen Rom als Feindin des deutschen Volkes, der Verzerrung der christlichen Moralgrundsätze, der Verzerrung der christlichen Betrachtung des Leibeslebens, der Verken- nung des Priestertums, der Verkennung von Mönchtum und Klosterwesen, der Zersetzung der überlieferten christ- lichen Rechtsanschauungen usw. usw. wurde jeweils, zum Teil in ganzen Aufsatzserien, mit Nachdruck das katholische Denken und Glauben entgegengesetzt. So wurden zZ. B. noch in den allerletzten Jahrgängen(1938 bis 1940) u. a. folgende richtigstellende Aufsätze ver- öffentlicht: Gym.-Direktor Dr. Hänsel„Die Werte des Heiligen‘; Univ.-Prof. Dr. Steffes„Wert und Bewährung der Religion‘; P. Dr. Bichlmaier S. J.„Religion und see- lische Gesundheit‘; Prof. Otto Urbach„Die Religion als Geschichtsmacht‘; Oberstudiendirektor Dr. Knapp:„Die Erweckung des Laien für religiöse Aufgaben“.— Dr. Eberle„Der Herr der Welten‘(Der Gott des Theismus); Univ.-Prof. Dr. Pfeil„Der werdende Gott in der Religions- philosophie der Gegenwart‘,„Die Tragik der Gottesleug- nung“; Univ.-Prof. Dr. Hessen„Gottesanbetung und Götzendienst‘,„Das Furchtbare des Atheismus’; Univ.- Prof. A. Schütz„Die Gott-mit-uns-Sehnsucht der Mensch- heit‘; Univ.-Prof. Dr. Schubart ‚Das Gottesbekenntnis bei Dostojewski und Berdiajew‘; Univ.-Prof. Dr.Eibl„Messias König Jesus’,„Nordischer Mythenkreis und Christen- tum“; Dr. Eberle„Die Schau und Wertung Christi im Ab- lauf der Zeiten“,„Christus im Blick und Erlebnis großer 60 Deutscher‘ „Zeigt Chri „Die Bedeı tums“,„D Christentu geschichtli Eberle„Zu Dr, theol. Haugg„L Stand der Neuen Te praktische Dr, W.K Pastor Lo gegen das Bedeutung „Sinn und Dr. Steffe: Christentu L, Kobilin Tussischer Die grun Prof, Dr.| heutigen\ gänglichkı und die] Mensch u Oder nati glon undı „Volk un. Gröber C Die chri theol, R.( den deuts Teligiöge] Dr. Lecht Glaubens) Bach, Hä uckner) n Chri- men als - ı Sünde ler Un- stlichen Is Hem- er Miß- ung des ier Ver- (irchen- stlichen zeitung ıng der Verken- inchtum n christ- jeweils, uck das etzt, SO n(1938 tze Vel- srte des währung ınd see gion als 3p:„Die |=D, eismus)i eligionS” ttesleug" Deutscher‘; Kardinal Wiseman und P. v. Morawski S. J. „Zeigt Christus orientalische Züge?”; Univ.-Prof.Dr.Steffes „Die Bedeutung der religiösen Grundwerte des Christen- tums“,„Die Sicherung der Menschenwürde durch das Christentum‘; Prof. Dr. Schmutz O. S. B.„Die religions- geschichtlichen Parallelen und das Christentum”,— Eberle„Zur rechten Würdigung des Buches der Bücher’; Dr. theol. Höfer„Schriftlesung der Laien"; Dozent Dr. Haugg„Umstrittene Stellen der Bibel“,„Der heutige Stand der wissenschaftlichen Quellen- und Textkritik des Neuen Testamentes’.— Eberle„Die theoretische und praktische Bedeutung der Kirchendogmen“; Univ.-Prof. Dr. W. Koch„Lebenswerte des katholischen Dogmas’; Pastor Lortzing„Um die Beseitigung von Vorurteilen gegen das katholische Dogma‘; Univ.-Prof. Dr. Eibl„Die Bedeutung der Dogmen für Kultur und Leben“; Eberle „Sinn und Segen der Sakramente der Kirche‘; Univ.-Prof. Dr. Steffes„Jüdisch-orientalische Religionspraktiken im Christentum?‘; D. W. Spael„Erbadel und Erbsünde"; Dr. L. Kobilinski-Ellis„Sünde, Reue, Erlösung in der großen russischen Literatur‘; Univ.-Prof. Dr. Lortz und Dr. Posch „Die grundsätzliche Bedeutung des Vatikanums’',;, Univ.- Prof. Dr. Mager O. S. B.„Die menschliche Seele in der heutigen Wissenschaft‘,„Große Männer über die Unver- gänglichkeit der Menschenseele‘‘; Dr. Eberle„Der Mensch und die letzten Dinge‘; Univ.-Prof. Dr. A. Schütz„Der Mensch und die Ewigkeit‘.— Prof. Dr. Posch„Universale oder nationale Religion?'; Eberle„Christliche Weltreli- gion und nationale Volksinteressen‘'; Dozent Dr. Grentrup „Volk und Volkstum im Lichte der Religion”; Erzbischof Gröber„Christentum und Vaterland‘; Dozent Dr. Lützeler „Die christliche Dichtung des deutschen Volkes“; Dr. theol. R. Groehl„Religion und Volkstum bei den führen- den deutschen Romantikern‘; Oberrat Dr. Katann„Die religiöse Haltung der Dichter der Befreiungskriege'; Prof. Dr. Lechthaler und Prof. v. Alpenburg„Das christliche Glaubensbekenntnis der großen deutschen Musikgenies“ (Bach, Händel, Beethoven, Haydn, Mozart, Schubert, Liszt, Bruckner); Prof. Dr. A. Ludwig„Die christliche Einstellung 61 I ee ee der großen deutschen Meister der Baukunst in der Neu- zeit”(Fischer von Erlach, Balthasar Neumann, Prandtauer usw.); Dr. theol. Laros„Christentum und Wissenschaft‘; Univ.-Prof. Dr. Schubart„Neuere Wissenschaftsentwick- lung im Hinblick auf das Christentum”; Univ.-Prof.Dr.Eibl „Christentum und neues kosmisches Weltbild”,„Er- wägungen zu einer künftigen Metaphysik"; Gym.-Direktor Dr. Hänsel„Die philosophia perennis nach Otto Will- mann’; Eberle„Segensleistungen des Christentums für Wissenschaft und Bildungspflege‘; Dr. Dieringer„Die Be- deutung des Christentums für die Entfaltung des germani- schen Kulturschaffens‘; Univ.-Prof. Dr. Hirscher„Was brachte das Christentum für Frau und Kind?“,„Die Leistungen des Christentums für den kranken und sterben- den Menschen”.— Prof. Dr. Karl Eder„Die Welt- geschichte in christlicher Schau‘; Univ.-Prof. Dr. Krebs „Von der göttlichen Herkunft und Sendung der Kirche; Univ.-Prof. Dr. A. Schütz„Die Kirche und ihr gottbegrün- deter Gang durch die Jahrhunderte‘; Univ.-Prof. Prälat Dr. A. Ehrhard„Fragen und Tatsachen der Kirchen- geschichte‘; Univ.-Prof. Dr. Hashagen„Kirchliche Ver- dienste um Staat und Volk des deutschen Mittelalters”; Oberstudiendirektor Dr. Knapp„Leistungen der katholi- schen Kirehe für die Wissenschaft, Dichtung, Musik, Bau- und bildende Kunst des deutschen Volkes‘; P. Becher S. J. „Die Verdienste der katholischen Kirche um die deutsche Sprache‘; Univ.-Prof. Dr. Th. Brauer„Die sozialen Leistun- gen der Kirche für die Völker, vor allem auch für das deutsche Volk‘; Dr. Gröhl„Deutsche Kirchenfürsten als Stützen von Reich und Reichseinheit”; Dr. G. Uhlhorn ‚Vom Beitrag der Kirche zur sittlichen und biologischen Erstarkung des deutschen Volkes’; Prof. Dr. Schweizer „Katholisch-kirchliche Volkstumsarbeit an den Auslands- deutschen‘.— Prof. Holzner ‚Los von Paulus?‘; Univ.- Prof. Dr. Posch„Urkirche und Frühkatholizismus”; Dr. E. von Kienitz„Die Grundlagen des Papstprimates"(Der Primat nicht auf Anmaßungen und Dokumentenfälschun- gen aufgebaut); Univ.-Prof. Bigelmair„Aus der Früh- geschichte der Christianisierung Deutschlands“; Univ.- 62 Prof, Dr. Christent Deutschti der Sad „Das ger Mittelalte ‚ntellekt swyl„D Univ.-Pre deutsche Schmidli deutsche schen V Weingar „Zum Ve knechtur Jahre Je Vaterlan kur‘ des Uhlhorn Dr. Toth Nachsic! Finanzw der Kirc P, Deini endete S Lebensst heit ind „Sexualı „Körper „Christl; Sorge", tums zu Rahmen Völkisch dem Bu Olga vo Ösigche !Eichise r Neu- ıdtauer chaft"; itwick- Dr. Eibl maEr: irektor , Will- ms für Die Be- srmani- -„Was 7 Die ‚terben- Welt- ‚ Krebs irche"; begrün- ‚ Prälat irchen- 1e Ver- Jalters”; katholi- jk, Bau- her 5. J. jeutsche Leistun- für das sten als Uhlhorn Prof. Dr. Eibl„Der Weg der germanischen Welt zum Christentum”; Prof.©. Urbach„Zur Begegnung von Deutschtum und Christentum‘; Prof. Dr. Ehrenfried„Karl der Sachsenschlächter?‘'; Reichsarchivrat Dr. Schäfer „Das germanische Element in der katholischen Kirche des Mittelalters’; Hochschulprof. Dr. Rüsche„Ungesunder ‚Intellektualismus‘ des Thomas von Aquin?”; Dr.L. Winter- swyl„Das Rittertum, eine christliche Verwirklichung‘; Univ.-Prof. Dr. Hashagen„Hermann von Salza und der deutsche Ritterorden‘; Univ.-Prof. Dr. Eibl, Lortz und Schmidlin„ Um die rechte Beurteilung der sogenannten deutschen Reformation‘; Prof. Dr. Schweizer„Die nordi- schen Völker und die katholische Kirche‘; Propst Dr. Weingartner„Der Geist der Barockkultur‘; Dr. Floriani „Zum Verständnis des Galileiprozesses‘; Eberle ‚Geistes- knechtung durch die Kirche?‘; Univ.-Prof. Dr. Posch ‚400 Jahre Jesuitenorden'; Dr. Wohlrab ‚„Jesuitenorden und Vaterlandsliebe‘,;, Dr. Wiedemann„Der ‚Rheinische Mer- kur‘ des Görres als Erwecker der deutschen Nation‘; Dr. Uhlhorn„Zu Johann Hallers ‚Papstgeschichte‘”; Bischof Dr. Toth„Die Kirche verlangt von der Geschichte nicht Nachsicht, bloß Gerechtigkeit!”; Dr. E. von Kienitz„Das Finanzwesen der Kirche”(Woher stammt das Einkommen der Kirche? Wie wird dieses Einkommen verwendet?).— P. Deininger O. S. B.„Die christliche Moral— die voll- endete Sittenlehre‘; Dr. Eberle„Christentum, Weltflucht, Lebenssteigerung‘; Dr. Josef Müller„Die sittliche Rein- heit in der Wertschätzung der Völker“; Prof. Dr. A. Adam „Sexualmoral und Sittengesetz; Univ.-Prof. Dr. Ruland „Körperkultur im Christentum‘; Geheimrat Dr. Faßbender „Christliche Sittenlehre und zielbewußte Gesundheitsfür- sorge‘; Univ.-Prof. Dr. Ruland„Die Stellung des Christen- tums zum Bestimmungskampf'; Eberle„Der Priester im Rahmen von Volk und Staat‘,„Der Zölibat, ein Raub am völkischen Erbgut?“,„Mönche und Klosterwesen',„Zu dem Buch ‚Ein Trappist bricht sein Schweigen; Gräfin Olga von Taxis-Bordogna„Das Lob des Priesters in fran- zösischen Romanen‘; Dr. J. am Berg(Eberle)„Die öster- reichischen Stifte in der Siedlungsgeschichte”,„Die Arbeit 63 N|} der österreichischen Stifte für Religion und Kultur, Sozial- den Er I} politik und Caritas‘; Univ.-Prof. Dr. Authauser„Die die Feind ä Leistung der deutschen Missionäre in der Welt in reli- tausende v \ Kin giöser und nationaler Hinsicht‘; Justizrat Dr. Schwering halten re Ku„Naturrecht und positives Recht”,„Moral und Recht‘; verlohnte Hi Prof. Dr. Karl Dausend„Die ewige Wiederkehr des Natur- sichern. | rechts”; Landgerichtspräsident Dr. Münster„Der göttliche Friedrich 1 INN Ursprung des Rechts bei den Völkern der Erde“,„Recht lische Wi und Sittlichkeit‘‘,„Christentum und Völkerrecht‘,„Die und sie hi N N Todesstrafe in der Beurteilung der katholischen Moral"; Meinung I) Univ.-Prof. Dr. Posch„Für den Frieden zwischen Staat standsbew IB und Kirche auf der Grundlage des Rechts‘; Bischof Dr. geführt, aı | Buchberger„Nach 400 Jahren— ein Ruf zum religiösen heit, der( Frieden‘. Freiheit a Denkt man an Aufsätze dieser Art und die vielen im glei- schart um ll) chen Geist gehaltenen Artikel über das positive christ- Papst und bi liche Denken und Arbeiten im Inland und Ausland der seine Brü | Zeit, über die christlichen Bekenntnisse bedeutendster ı dieser Bu Persönlichkeiten in’ Deutschland, Italien, Frankreich, Eng- 1 bewegu Ihn land, Spanien, USA. usw.(an Aufsätze über M. Claudius, ı stärkst I Fr. Schlegel, Grillparzer, Stifter, J. Janssen,©. Willmann, willen wir ulılh A. Ehrhard, M. Grabmann, F. X. Münch, O. Eiselsberg, E fertigung M. Greif, K. Domanig, H. Federer, H. Hansjakob, O. Kern- R (Ill stock, P. Dörfler, Gertrud von Le Fort, über Bischof Pro-: un haszka, Graf A. Apponyi, P. Claudel, Jammes, Psichari, Verbot h j Th. Moore, Friedrich v. Hügel, Patrick A. Sheehan, Cal- Mn deron, Joost van den Vondel, S. Krasinsky, Cyriel Ver- schaewe, Jos& Peman); denkt man an die vielen Nach- Trotz der richten und Notizen gleicher Richtung in der„Schöneren weiter: Zukunft‘ der letzten Jahre, so gibt man wohl zu, daß über yerl. ihre Veröffentlichung wertvoller we: topagan als ein bloßes politisches Polemisieren a Von oderein Verzichtaufdie Publizistik über-| de; haupt. Man versteht vielleicht auch, warum dem| Waltunn« Herausgeber der Zeitschrift gerade aus religiösen Grün- i War) Se den am möglichst langen Bestand derselben gelegen war. i Üros rn *„Schönere Zukunft“ konnte den Janitscharen nicht mit Die räe Er Janitscharenmusik entgegentreten— die Instrumente: Wiede« wären ja nach dem ersten Lautwerden zerschlagen wOoTr- eingnn 64 T, Sozial- ser„Die t in reli- chwering | Recht", es Natur- göttliche ‚„Recht ht“,„Die ı Moral“; en Staat schof Dr. religiösen n im glei- ve christ- sland der utendster ich, Eng- Claudius, Nillmann, iselsberg O. Kenm-| ‚chof Pro- Psichari den— sie wählte religiösen Choral. Dieser Choral hat die Feinde nicht aufgehalten. Aber vielieicht Zehn- tausende von Freunden im Glauben bestärkt, zum Durch- halten ermuntert, vor der Gleichschaltung bewahrt. Es verlohnte sich wohl, den Choral solange wie möglich zu sichern. Friedrich Muckermann stellt fest:„Es hat eine katho- lische Widerstandsbewegung in Deutschland gegeben, und sie hat ein Ausmaß gehabt, wie es die öffentliche Meinung der Welt bis heute nicht weiß. Diese Wider- standsbewegung hat den Kampf im wesentlichsten Bezirk geführt, auf den es ankam, im Bezirk der Gewissensfrei- heit, der Grundlage und der Voraussetzung jeder anderen Freiheit auf Erden. Diese Widerstandsbewegung war ge- schart um die deutschen Bischöfe und mit ihnen um den Papst und seinen Nachfolger der, wie Petrus es tun soll, seine Brüder auch in Deutschland gestärkt hat.“ An dieser geistig-moralischen Widerstands- bewegung hat sich„Schönere Zukunft” stärkstens beteiligt. Nicht um des Herausgebers willen wird es hier festgestellt; aber zur Ehre und Recht- fertigung des großen Mitarbeiterstabes. Verbot der„Schöneren Zukunft— Schutzhaft des Herausgebers Trotz der Verwarnungen in Berlin arbeitete ich in Wien weiter an der„Schöneren Zukunft‘ und für diese. Nun aber verloren die Berliner und Wiener Gestapo sowie das Propagandaministerium die Geduld. Am 4, Februar 1941, am Vorabend des Namenstags meiner seligen Mutter, wurde ich zusammen mit der ganzen Redaktion und Ver- waltung der„Schöneren Zukunft‘(die in Wien verblieben war) nach gründlicher Durchsuchung von Wohnung und Büros, verhaftet und in das Gestapo-Gebäude gebracht. Die Angestellten wurden am Abend nach den Verhören wieder entlassen; ich selbst als Schutzhäftling ins Polizei- gefängnis an der Elisabethpromenade eingewiesen. Die 65 Sache spielte sich im einzelnen so ab: Ich saß in der Früh am Schreibtisch meines Heims, mit Durchsehen der Post und der neuen Zeitungen beschäftigt. In der Bibliothek im Nebenraum tippte meine Sekretärin Diktate vom Vor- abend. Plötzlich stürzte die Köchin aufgeregt ins Schreib- zimmer:„Herr Doktor, es sind Hitlers im Haus und wol- len zu Ihnen!“ Ich sagte:„So.... gehen Sie zur Sekretärin; sie möge die Herren fragen, was sie wünschten!” Das war der übliche Vorgang bei Meldung von Besuchen, da ich nicht allen zur Verfügung stehen konnte. Aber schon treten drei robuste Gestalten polternd ins Zimmer, er- klären, unter Vorzeigen der Plaketten unter dem Rock- aufschlag, sie seien von der Geheimen Staatspolizei und hätten den Auftrag, eine Hausdurchsuchung vorzunehmen. Gleichzeitig fiel die Bemerkung:„Unerhört, wie man in Ihrem Haus aufgenommen wird. Erst wird man mit dem Gruß der böhmischen Köchinnen empfangen(gemeint war das„Grüß Gott‘), und dann hat man noch Schwierig- keiten, bei Ihnen vorzukommen!" Ich erinnerte mich, daß jetzt kaltes Blut und das Zeigen höchsten Selbstbewußt- seins am Platze sei und erklärte:„Hoffentlich wissen die Herren, mit wem sie es zu tun haben. Ich bin ein in der ganzen Welt bekannt gewordener und ein wegen seiner Verdienste um das Deutschtum auch von heute noch an- erkannten Deutschen belobter Schriftsteller. Ich habe An- spruch auf noble Behandlung und erwarte diese.” Die Herren beruhigten und mäßigten sich, erklärten aber, sie müßten das Haus durchsuchen; während der Unter- suchung müßten alle Personen bleiben, wo sie wären; sie dürften namentlich nicht telephonieren; ich selber hätte mit einem der Herren ins Redaktionsbüro zu kommen, um etliche Aufklärungen zu geben, dann könne ich wieder nach Hause. Letzteres war eine Lüge, gemacht, um mir ein Abschiednehmen von den Meinigen zu verunmög- -lichen.(Später hörte ich vom Gründlichen der Hausdurch- suchung; sie ging bis zum Abend. Es wurde natürlich nichts„Belastendes” gefunden. Denn vorsichtshalber waren längst alle wichtigeren,„gefährlichen“ oder Dritte gefährdenden Briefe und Archivalien zum Teil vernichtet, 66 zum Teil den. Auch bald dara! wurde nic Fehlens v Mit-Gesta frommen Ich begab zehn Min der Hausc (Gefängni Oben in Gestapole Personal soll dann ebenso eı ich mit si dem„Gr bracht un gestellten tend ich Sperrt wa gut beha mäßige A Geldaush einem ge dem sie Familien; Von: Die Man war denn alle Sle mein. ‚ser Hi Am Aber AU verhö Könnte n Nchr im Age ke n ( 54 er Früh er Post thek im m Vor- Schreib- nd wol- Tetärin; Das war ‚ da ich r schon ner, eI- n Rock- izei und nehmen. man in mit dem eint war hwierig- ich, daß zum Teil außer Haus in sichere Verstecke gebracht wor- den. Auch im Kärtner Landhaus der Sommerurlaube, das bald darauf von der Gestapo ebenfalls durchsucht wurde, wurde nichts gefunden. Beanstandung erfolgte nur wegen Fehlens von Hitlerbildern. Aber da meinte auch schon ein Mit-Gestapomann: In ein Haus mit soviel Kruzifixen und frommen Bildern würde keines passen!) Ich begab mich also, von einem der Herren begleitet, ins zehn Minuten entfernte Büro meines Blattes. Da sah ich in der Hausdurchfahrt bereits den großen„Grünen Heinrich“ (Gefängniswagen) und begann das Kommende zu ahnen. Oben in den Büroräumen waren bereits sieben weitere Gestapoleute mit Durchsuchung beschäftigt, indes das Personal in Gruppen festgehalten war.(Die Untersuchung soll dann ebenfalls bis zum Abend gegangen sein— ebenso ergebnislos.) Nach zwei Stunden Wartens wurde ich mit sämtlichem Personal— etwa 16 Personen— mit dem„Grünen Heinrich‘ ins Gestapo-Hauptgebäude ge- bracht und wurden nun die einzelnen Redakteure und An- gestellten nacheinander gesondert einvernommen, wäh- rend ich bis zum Abend unverhört in eine Kammer ge- sperrt war. Gottlob hatte ich meine Untergebenen immer gut behandelt. Sie hatten gute Gehälter bzw. Löhne, mäßige Arbeitszeit, empfingen auf Wunsch gelegentlich Geldaushilfen, und jedes Jahr machte ich mit ihnen in einem gemieteten Groß-Autobus einen Tagesausflug, bei dem sie freigehalten waren und zu dem sie auch noch Familienangehörige mitnehmen durften. Abgesehen da- von: Die Leute waren fast durchwegs bester Gesinnung; man war sozusagen ein Herz und eine Seele. So sagten denn alle Angestellten nur gut über mich aus und rühmten sie meine soziale Einstellung— wie ich später erfuhr. In dieser Hinsicht war mir also nicht beizukommen. Am Abend hieß es: Es sei keine Zeit mehr gewesen, mich zu verhören; das geschehe an den nächsten Tagen; ich könnte natürlich nicht nach Hause, hätte die Zeit viel- mehr im Gefängnis zu verbringen. An den kommenden Tagen wurde ich dann einvernommen. Die allgemeine An- klage gegen mich lautete auf Störung und Zersetzung der 5* 67 Erziehungsarbeit des Führers durch meine Publizistik. Die Einzelvorwürfe, zugleich die Begründungen meiner offen- kundig„bösen Absichten” waren: Ich hätte 1937 an einem internationalen katholischen Pressekongreß in Budapest teilgenommen, obwohl ich als Charakter an einem Kon- greß, der auch von deutschfeindlich schreibenden Herren besucht war, nicht hätte teilnehmen dürfen. Weiters: Ich hätte in den Jahren vor der Angliederung Österreichs immer und immer wieder den Jesuitenpater Friedrich Muckermann in meiner Wohnung empfangen, obwohl ich wissen mußte, daß er Emigrant war und im Ausland gegen den Nationalsozialismus schrieb. Endlich, ich hätte(vor dem Umbruch) für die Redaktion der„Schöneren Zukunft“ Korrespondenzen(vervielfachtes Nachrichtenmaterial), wie die„Kipa' aus Freiburg-Schweiz, die„Kap” aus Warschau und den„Weltdienst‘ aus Breda(Holland) be- zogen, obwohl unter dieses Nachrichtenmaterial Deutsch- feindliches gemischt war; ich hätte sogar ausgesprochen deutschfeindliche Blätter wie den„Deutschen Weg“ und den„Deutschen in Polen“ für die Redaktion bezogen. Meine Antwort war:„Österreich war bis 1938 ein selb- ständiger Staat; als Bürger dieses Staates richtete ich mich selbstverständlich nach den Gesetzen und Gepflogen- heiten desselben. Ich tat es aber ohne Schädigung des Deutschtums. Der Kongreß in Budapest war eine rein reli- giöse Angelegenheit, nämlich Vorbereitung der wichtig- sten katholischen Presse der Hauptländer auf den im Herbst folgenden Eucharistischen Weltkongreß in Ungarns Hauptstadt. Zu dem Zweck wurden durch führende reli- giöse Persönlichkeiten Ungarns für die Presse-Leute Vor- träge über die Kirchengeschichte und die religiöse Gegen- wartslage des Landes gehalten, wurden Besichtigungen der religiösen Hauptdenkmäler und Hauptinstitute(in Budapest, Gran, Pannonhalma) vorgenommen und Emp- fänge beim Primas sowie beim päpstlichen Nuntius ver- anstaltet. Politik wurde vermieden, von den Ungarn sogar streng verboten, weil sie von der deutschen Regierung immer noch auch für die deutschen Katholiken die Erlaub- nis zur Teilnahme am Eucharistischen Kongreß erhofften 68 und dahe dacht wa Was den sönliche irgendeir Rolle spi eines ve nur über sprächen persönlic rechte St kischen es sicher darauf b sönlichk: mache it des Korr Standpur beanstan Ben Zeit ländisch wendigk bei wiss tausch z daß das fremde| SO gelar Onne; Tundsch; sei, dies Nerste]]. ausländ; daktion ik. Die ' offen- ı einem ıdapest n Kon- Herren rs; Ich TTeichs iedrich ohl ich d gegen ite(vor ukunft“ aterial), ip aus ınd) be- Jeutsch- prochen 2g" und jezogeN. in selb- tete ich pflogen- ung des ein reli- wichtig" den im Ungarns de reli- jte Vor > Gegen tigungen tute(M nd Emp’ tus ver zn soge! egierung , Erlaub- sphofften und daher peinlich auf die Vermeidung von Dingen be- dacht waren, die in Berlin hätten Anstoß erregen können. Was den Pater Muckermann betreffe, so gehöre das per- sönliche Zusammentreffen‘ mit Persönlichkeiten, die irgendeine politische oder literarische oder künstlerische 5 Rolle spielten, zu den elementaren Rechten und Pflichten F eines verantwortungsbewußten Publizisten. Man könne nur über das, was man aus dem Augenschein, aus Ge- sprächen u. dergl. kenne, wahrhaft sachlich urteilen; nur persönliche Kenntnis ermögliche im Falle des Falles ge- rechte Stellungnahme. Auch die Berichterstatter des„Völ- kischen Beobachters‘ in Paris, Belgrad oder Rom liebten es sicher nicht, sich im Winkel abzusperren, sondern seien darauf bedacht, möglichst viele eine Rolle spielende Per- sönlichkeiten aller Richtungen kennenzulernen. Niemand mache ihnen Vorwürfe daraus, im Gegenteil!— Bezüglich des Korrespondenzen- bzw. Zeitungsbezuges aber sei mein Standpunkt dieser: Was vielleicht bei einem Privatmann beanstandet werden könne, könne es nicht bei einer gro- ßen Zeitschriftenredaktion. Da gehöre der Bezug von aus- ländischem Pressematerial geradezu zu den Lebensnot- wendigkeiten. Überall sei bei führenden Blättern, so wie bei wissenschaftlichen Instituten, ein umfassender Aus- tausch zwischen In- und Ausland in dem Sinn organisiert, daß das eigene Blatt hinausgegeben werde und dafür B fremde Blätter und fremdes Material hereinkomme. Nur so gelange man zu umfassendem Nachrichtenstoff. Wie könne„Schönere Zukunft, deren regelmäßige„Welt- ii rundschau‘ ein Hauptanziehungsgegenstand für die Leser 5 sei, diese Rundschau ohne Materialien aus dem Ausland \ herstellen? Wie zu ausländischen Dingen ohne Kenntnis 1! ausländischer Blätter sachlich Stellung nehmen? Die Re- I: daktion wisse in der ausländischen Presse natürlich zwi- I} schen Tatsachen und Tendenzen zu unterscheiden; ihr | komme es nur auf die Tatsachen, nicht auf die Tendenzen an. Die Schriftleiter seien keine Kinder, die man verführen Il könne, sondern reife Männer mit selbständigem Urteil. IN Ich hätte also durchwegs korrekt gehandelt; die Ver- N tretung des christlich-katholischen Standpunktes in meiner 69 Zeitschrift aber könne insolange nicht als staatsschädlich hingestellt werden, als die Regierung selbst laut Verfas- sungsgesetzen die katholische Kirche anerkenne und ar- beiten lasse. Der Referent der Gestapo für meinen Fall war ein Öster- reicher und hätte es amEnde bei dem von oben befohlenen nunmehrigen Verbot des Blattes bewenden lassen. Nach- dem sich bei den Hausdurchsuchungen nichts Belastendes ergeben hatte, scheint er den Vorschlag nach Berlin ge- richtet zu haben, mich nach der Einstellung der Zeitschrift wieder auf freien Fuß zu setzen. In Berlin wollte man aber darüber hinaus eine energische Bestrafung meiner Person, offenkundig, weil ich allzu lange„bockig“,„harthörig” und„zersetzend'' gewesen bin. Vier Wochen nach diesen Verhören kamen nämlich auf die spezielle Anregung Heydrichs hin, der mein Blatt nie aus den Augen verlor, zwei Sturmbannführer vom Berliner Sicherheitsdienst eigens nach Wien, um meinen Fall neuerdings aufzurollen und meine„Sünden noch viel schärfer zu brandmarken. In den Augen dieser Leute war es beispielsweise bereits ein Verrat, mit vatikanischen Kreisen, mit dem„Osser- vatore Romano‘, mit Bischöfen und Ordensgeneralen in Rom, überhaupt mit Auslandskatholiken in Verbindung gewesen zu sein. Ebenso wurde der Briefwechsel mit in- ländischen Bischöfen— es hatten vom letzten Posteinlauf her bei der ersten Hausdurchsuchung Briefe und Aufsätze der H. H. Bischöfe Waitz und Buchberger auf meinem Schreibtisch gelegen!— beanstandet. Das Übernationale der katholischen Kirche war für diese Herren etwas Un- verständliches. Es erschien ihnen immer wieder gleich- bedeutend mit un- und antinational. Zuletzt erschien ihnen „Schönere Zukunft‘ geradezu als Verschwörernest bzw. Auslandswerkzeug. Das Blatt sei vom Vatikan dazu be- nützt worden, um über Österreich Gift nach Deutschland hineinzupumpen. So verhängten denn die Sicherheits- dienst-Leute folgenden Haftbefehl:„Dr. Eberle ist in 70 Schutzhafi feindliche! an der Ve So war ic „schönere giösen Ze der Zeit", die Kirch wurde nic für allem: Gestapo R bücher, S und Zeits der Redal sationslex wegführe, Verlag w Die Gefäi Noch nicl Ich war einer mi für einen daher an Waren al Andrang belag, Sc Dereinge, AUS einer Steinhart, Viertelja Ofter aus end der SO weni Mischen Mann: ı Oster- ohlenen ‚. Nach- ıstendes rlin ge- itschrift jan aber Person, rthörig" ı diesen nregung verlor, itsdienst zurollen marken. , bereits „Ossel- ralen in bindung | mit in- ;teinlauf Aufsätze meineM ‚ationale was Un- gleich" en ihneN ost bZW- Jazu be tschlan herheits” - ist in Schutzhaft zu behalten 1) wegen Verkehrs mit deutsch- feindlichen Kreisen des Auslandes, 2) wegen Beteiligung an der Verbreitung von deutschfeindlicher Hetzliteratur.” So war ich bis auf weiteres dem Gefängnis überantwortet. „Schönere Zukunft“ selbst war die erste der großen reli- giösen Zeitschriften, die verboten wurde. Die„Stimmen der Zeit‘, das„Hochland“, die meisten Klerusblätter und die Kirchenzeitungen folgten erst später. Aber das Blatt wurde nicht nur verboten. Es sollte der ganze Betrieb ein für allemal ausgemerzt werden. Auf Lastwagen ließ die Gestapo Redaktions- und Verwaltungsmaterial: Geschäfts- bücher, Schematismen, Adressenverzeichnisse, Zeitungs- und Zeitschriftenbände, vor allem auch den größten Teil der Redaktionsbibliothek, darunter verschiedene Konver- sationslexika sowie sämtliche Mitarbeiter-Manuskripte, wegführen— auf Nimmerwiedersehen! Ein blühender Verlag war vernichtet! Gefängnis-Eindrücke Die Gefängnishaft war in den ersten Zeiten des Krieges noch nicht so herb wie später. Aber sie war herb genug. Ich war zusammen mit 12—14 anderen Gefangenen in einer mittelgroßen Zelle untergebracht. Die Zelle war für einen Normalbelag von fünf Personen eingerichtet, daher an den Wänden fünf aufklappbare Betten. Nun aber waren alle Gefängnisse überfüllt und von immer neuem Andrang bestürmt. Daher gab es in allen Räumen Über- belag. So wurden abends immer noch weitere Pritschen hereingetragen. Die Lagerstätten bestanden durchwegs aus einem schmierigen Strohsack, zwei Kotzen und einem steinharten Kopfpolster, dessen Überzug höchstens alle Vierteljahre gewechselt wurde. Die Kotzen wurden nicht öfter ausgestaubt und die Strohsäcke noch seltener. Wäh- rend der Nacht stand eine Pritsche neben der anderen mit so wenig gegenseitigem Abstand, daß man kaum da- zwischen durchgehen konnte. An der Außenwand waren in Mannshöhe zwei stark vergitterte Fenster angebracht, 7 NN die den Blick auf den Innenhof bzw. eine hohe Gegen- wand freigaben, aber nicht zum blauen Himmel und zur Sonne. In einer inneren Ecke war das Klosettgestell, zeit- weise ohne Wandschirm davor. An den Wänden hingen ein paar kleine Regale zur Unterbringung von Waschzeug und sonstigen Kleinigkeiten; für Wäsche und Schuhe gab es Pappschachteln. Tagsüber stand ein länglicher Holz- tisch in der Zellenmitte, davor schmale, grobe Holzbänke. Die Tagesordnung war diese: Um 4.45 Uhr Aufstehen; dann 5 Minuten Zeit zu flüchtigstem Waschen und Zähne- putzen in einem Nachbarraum, wo sechs Hähne über einer großen Blechrinne Wasser strömen ließen. Dann in der Zelle anderthalbstündiges Warten auf das Frühstück bei kümmerlicher Beleuchtung. Meist wurde während der Zeit im Gänsemarsch um den Tisch herumgewandert, nachdem die Pritschen hinausgetragen und die Wand- betten wieder aufgeklappt und abgeschlossen waren. Zum Frühstück kam ein Topf schwarzer Ersatzkaffee mit der Brotration für den ganzen Tag: am einen Tag 4, am an- dern Tag 5 schmale Scheiben. Dann wurden von einem Wachtmeister nationalsozialistische Zeitungen zum Kauf angeboten; es wurde also jetzt gelesen und diskutiert. Ich hatte von der Gestapo— ausnahmsweise— die Erlaubnis erhalten, mir die Bibel geben zu lassen, und ich widmete ihr im Tag 3—4 Stunden Lesung. Um 11.30 Uhr kam das Mittagessen; regelmäßig eine mit Gelatine verdickte graue Suppe ohne Fett, dann abwechselnd am einen Tag recht saures Kraut, am anderen Tag recht saure Rüben. Nur Sonntags gab es Nudelsuppe mit Fleisch. Nach dem Mittagessen wieder Gehen im Gänsemarsch um den Tisch, dann Herumstehen und Herumsitzen, Lesen und Disku- tieren; bisweilen recht ungemütliches Diskutieren, weil manche, von langer Gefängnishaft überreizt, gleich zu Tätlichkeiten neigten, wenn ihnen widersprochen wurde. Abends wurde neuerdings Suppe gebracht, dann abwech- selnd bald etwas Marmelade, bald etwas Margarine, bald etwas Pferdewurst, und dazu kam der Rest des in der Frühe gefaßten Schwarzbrotes. Das Unangenehmste war das ewige Eingesperrtsein in der 72 Zelle; mc weil dam den war, raum in war begı deres ül Fenster; Die Kost träglich, sie damit arzt besc Sanatorii von Zuh und Obs gehilfen honig al: Schon ı krank, I Magenül übersauı Vverursac Zichtete, gewisse 23 Kilo Fingern; eine gro erschein in das C Meiner Spital y ler Abs War hun lung ein One, t Enge] pa Schwest U. deral, Wetter Innenho \ 4 a m;;|‘ um a& 3(=) ro 5 D r 5 i nee 8 5 n=.=.% ; 1. g Hu m m 22 ne& > 6„oa.— rB u“ za®: BD >: m 8 m E58 ı a.= BE 5=i« Br he a re ie ne TEE 3= bei m | ® j a Zelle; man wurde nämlich nie insFreie,in denHof geführt, weil damals das Wachpersonal bereits eingeschränkt wor- den war, Die Luft in der Zelle, die Schlaf-, Eß- und Klosett- raum in einem und für allzu viele Leute auf einmal war, war begreiflicherweise mehr als dick. So blieb nichts an- deres übrig, als sich immer wieder unter die offenen Fenster zu stellen, um frische Atmosphäre zu schnappen. Die Kost war recht schmal und nur für derbe Mägen er- träglich. Die Magenempfindlichen mochten zusehen, wie sie damit zurecht kamen. Wenn man sich beim Gefängnis- arzt beschwerte, hieß es: Gefängnis ist Gefängnis und kein Sanatorium. Angenehm war, daß man sich jede Woche von Zuhause mit der Frischwäsche zugleich etwas Brot und Obst schicken lassen konnte. Auch war vom Sanitäts- gehilfen gelegentlich etwas wie Malzextrakt oder Kunst- honig als Brotaufstrich zu kaufen. Schon nach dreieinhalb Monaten wurde ich ziemlich krank. Ich hatte früher durch Jahre an einem schweren Magenübel gelitten; nun fingen Kraut und Rüben in ihrer übersauren Zubereitung an, mir solche Beschwerden zu verursachen, daß ich weitgehend auf deren Genuß ver- zichtete, Jetzt aber begannen offenkundig dem Körper gewisse Vitamine zu fehlen. Ich hatte bereits an die 25 Kilo Körpergewicht verloren; nun begannen mir Fingernägel abzufallen, und am Hals entwickelte sich eine große Drüsengeschwulst. Es traten auch Schwäche- erscheinungen und Herzstörungen auf. So wurde ich denn in das Gefängnisspital überstellt, wo ich bis zum Schluß meiner Haft(Mitte Oktober) verblieb. Das Inquisiten- Spital war zwar auch Gefängnis mit Gittern, vollkomme- ner Absperrung und Zimmerklosett; aber die Unterkunft war humaner, die Kost zuträglicher, die ärztliche Behand- lung eine anständige, und vor allem bedeutete es direkt Sonne, tagsüber ein paarmal wenigstens für kurze Minuten Engel zu sehen,— nämlich die geistlichen barmherzigen Schwestern, die den Patienten Tropfen, Pillen, Salben u. dergl. brachten. Auch war es sehr angenehm, bei gutem Wetter am Nachmittag eine halbe Stunde ins Freie im Innenhof geführt zu werden. 73 Trotz Verbesserung der äußeren Lage verschlechterte sich in den kommenden Monaten mein Gesundheitszustand. Zwar die Drüsengeschwulst klang völlig ab, und die Fingernägel kamen wieder in Ordnung; aber es vermehr- ten sich die Herzstörungen. Bei Wasseranschwellungen der Beine trat gelegentlich auch eine Venenentzündung auf. Unter diesen Umständen stellte der leitende Ge- fängnisarzt, gestützt auf das Gutachten eines Universitäts- klinikers, dem ich zur Untersuchung vorgeführt worden war, nach etlichen Monaten bei der Gefängnisverwaltung bzw. der Gestapo den Antrag auf meine Entlassung aus der Haft, da ich ohne ernsteste Lebensgefährdung nicht mehr haftfähig sei. Diesem Antrag wurde nach längerer Zeit— auch auf Grund der Fürsprachen hoher Persönlich- keiten von außen, wie ich später hörte— stattgegeben. Nach achteinhalb Monaten wurde ich aus dem Gefängnis entlassen. Zwei, drei Jahre später, als der Wind schon viel rauher ging, als die Deutschen nicht mehr Sieger nach allen Richtungen waren, sondern an allen Fronten zurück- getrieben wurden, wäre ich wohl kaum mehr freigegangen. Nachträglich vermute ich, daß Gefängnisarzt und Univer- sitätsprofessor, überzeugt vom Unrecht meiner„Schutz- haft, ihre Gutachten düsterer färbten, als es mein Zustand verlangte. Denn wenn ich so todkrank gewesen wäre, wie sie es darstellten, hätte ich mich innerhalb eines Jahres nach Freilassung wohl nicht wieder bis fast zur vollen Gesundheit erholen können, wie es tatsächlich der Fall war. Nun wirken ja die wiedererlangte Freiheit, die Be- freiung von drückender Unsicherheit und drückender Haft, die Wiedervereinigung mit den Angehörigen und Freunden, das Wiedergewinnen von Heim und besserer Ernährung, zweifellos geradezu Heilwunder— aber viel- leicht wollten doch auch die Ärzte mir mit dem denkbar besten Rezept, nämlich der Entlassung in die Freiheit, helfen, und ließen sie hierzu, freilich unter großem persön- lichen Risiko, den Zweck das Mittel heiligen. Wenn ich recht vermute, dann Dank ihnen und Anerkennung ihrem Mut vor der Gestapo! Und Dank auch den sonstigen Per- sönlichkeiten, die sich um meine Freilassung bemühten! 74 Obwohl und jede doch ohı Im Gege mezzo'| wenn m: Tiefen z Tages q gleich bi Fragwür Problem theoreti: gegenüh gelockeı Dinge, q zuckend blasses Meinem erlebte lösende betet wi und Kra Ja genü Mir nän dauern ı vernom ein Ger fängnise etliches te sich stand. 1d die rmehr- lungen indung le Ge- rsitäts- vorden altung ng aus j nicht ingerer önlich- geben. fängnis schon sr nach urück- jangen. Jnivel- Schutz- ustand re, wie Jahres vollen jer Fall die Be ‚kender en und ‚esserel er viel jenkbal ;reiheil, persöh" enn jch g ihrem en Per ihten! Obwohl meine Gefangensetzung schwerstes Unrecht war und jedes Unrecht zu verdammen ist, so blicke ich heute doch ohne jede Verbitterung auf die Gefängniszeit zurück. Im Gegenteil, ich danke der Vorsehung für dieses„Inter- mezzo" in meinem Leben.Denn man kann sehr viel lernen, wenn man gezwungen ist, die Welt auch in ihren bitteren Tiefen zur Kenntnis zu nehmen; wenn man eines schönen Tages ganz arm und hilflos gemacht und Verbrechern gleich behandelt wird; wenn sich das Dasein zur höchsten Fragwürdigkeit entwickelt, und wenn man den großen Problemen Gott, Jenseits, Vergeltung nicht mehr nur theoretisch, sondern nach ihrem ganzen praktischen Ernst gegenübergestellt wird. Jetzt werden tiefste Tiefen auf- gelockert, jetzt werden die Augen hellsehend gemacht für Dinge, die man bisher nicht sah; jetzt gewinnt im Denken zuckendes Leben, was bisher nur kühles Problem oder blasses Schemen war. Gott sei Dank, der Himmel kam meinem guten Willen mit reichen Gnaden zu Hilfe. Nun erlebte ich voll und ganz das wahrhaft Rettende und Er- lösende der christlichen Religion. Ich habe nie soviel ge- betet wie im Gefängnis und nie soviel Erquickung, Trost und Kraft durch das Gebet gefunden. Die Gesamtlage war ja genügend ernst— zum vollen Ernstwerden. Es war mir nämlich völlig unbekannt, wie lange die Schutzhaft dauern würde. Nie wurde ich von einem Staatsanwalt ein- vernommen, nie erfolgte eine Gerichtsverhandlung, nie ein Gerichtsurteil mit Bekanntgabe der Strafe und Ge- fängnisdauer. Mitgefangene, die schon lange„saßen‘ und etliches um das Schicksal von Schutzhäftlingen der Ge- stapo wußten, schüttelten angesicht des Textes meines Schutzhaftbefehls den Kopf. Während eines Krieges be- inhalteten Vorwürfe, wie sie mir gemacht würden, fast Anklagen auf Hochverrat; derlei könne den Kopf kosten; mindestens aber kämen längere Jahre der Haft in Frage; höchstwahrscheinlich komme mit der Zeit, wie in anderen Fällen, Dachau. Da sich nun mein Gesundheitszustand ver- schlechterte, mußte ich damit rechnen, nie mehr frei zu werden, sondern in der Gefangenschaft zu sterben. So wurde die Gefängniszeit ganz von selbst zu einer Art 79 Vorbereitung auf den Tod. Diese Vorbereitung einmal mit allem Ernst betrieben zu haben, mit einem halben Fuß bereits drüben gestanden zu sein, eine Generalprobe durchgemacht zu haben— das bleibt zweifellos dauern- der Gewinn. Man kann nie mehr ganz oberflächlich, ganz weltselig werden. Ich erfasse seit der Gefängniszeit den Sinn des Leidens ganz anders wie früher. Früher erschien das Leid als ein bloßes Negativum, dem möglichst aus dem Weg zu gehen sei; erschien es nur als lästige Hemmung, nicht als Förde- rung. Wenn ich von der heiligen Theresia oder von Jo- hannes vom Kreuz las, sie hätten geradezu nach Leid ge- dürstet, so erschien mir das als krankhaft. Jetzt entdeckte ich das Positive des Leidens, sein Reifer- und Stärker- und Tiefermachen der Menschen. Jetzt lernte ich voll und ganz Sinn und Segen der Predigt von der notwendigen Kreuzes- nachfolge des Erlösers verstehen. Jetzt lernte ich be- greifen, wie ein Jacopone da Todi, nach der Überwindung des ersten großen Schmerzes über den Tod seiner heiß- geliebten jungen Frau, aber auch nach Erleben ungeahn- ten Seelenglücks nach geistiger Verbindung seines Opfers mit dem des Erlösers, geradezu weitere Heimsuchungen erbat. Jetzt lernte ich Silvio Pellico verstehen, der nach zwölf Jahren Gefängnis in Venedig und auf dem Brünner Spielberg(wegen politischer Umtriebe) gestand, erst die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Jahre hätten ihm den vollen Sinn und Wert des Christentums geoffenbart. Jetzt lernte ich Dostojewski verstehen, der nach vier Jahren Gefängnis in Sibirien(wegen einer angeblichen Verwick- lung in eine Verschwörung gegen den Zaren), sagte:„Ich verfluche diese Zeit nicht, ich segne sie; denn sie erst hat mich zum Vollmenschen, zum Christen gemacht.” Jetzt begriff ich Goethes Verse:„Wer nie sein Brot mit Tränen aß, wer nie die kummervollen Nächte auf seinem Bette weinend saß, der kennt Euch nicht, Ihr himmlischen Mächte.“ Ich sprach oben vom Unrecht meiner Inhaftsetzung durch die Gestapo. Vom Leiden belehrt, im Gewissen geschärft, erkannte ich: Die Menschen mögen unrecht haben, aber 76 — vor( danken, sühnen. Lauheite wo herc heiten u geweser innere| Schuld selbst s Schuld: heuren Appell: Schuld« Nach ı Schwind So sehr heit! Un Weltkri schen q stätten werden Nichtet, ist imm Herzen ist, Jaß, mal dur Man ni Wenn d Steht_ Segens: Sondern Sache e al mit n Fuß Iprobe AUeIn- 1, ganz ‚eidens als ein gehen Förde- on Jo- eid ge- 'deckte er- und 1ıd ganz reuzes- ch be- indung T heiß- geahn- Opfers hungen or nach 3rünnel orst die hm den A, Jetzt Jahren erwick- te;„Jh erst hal " Jetzt Träne m Bette lischeß g durch ‚schärftı on, abe! — vor Gott sind wir alle Sünder. Und wir müssen Gott danken, wenn er uns Gelegenheit gibt, zu opfern und zu sühnen. Zu büßen für Fehler und Unterlassungen, füı Lauheiten und Halbheiten; für bloße Lippenbekenntnisse, wo heroische Taten hätten stehen müssen; für Weich- heiten und Bequemlichkeiten, wo Abtötungen am Platze gewesen wären. Jede Schuld verlangt Sühne. Es gäbe keine innere Überwindung, keine seelische Befreiung von der Schuld ohne büßende Genugtuung. Wenn Gottes Sohn selbst schwerstes Leiden auf sich nimmt, um fremde Schuld zu sühnen, so spricht das nicht nur für den unge- heuren Ernst der sittlichen Weltordnung; es ist auch ein Appell an die Menschen, ihrerseits im Willen für eigene Schuld durch Leiden zu büßen, nicht zurückzustehen. Nach der Entlassung aus leidvoller Gefängnishaft schwindet auch wieder manches vom Seelenaufschwung. So sehr hängt der Mensch an Erdenglück und Erdenschön- heit! Und bringen die Zeiten neues Leid— und der zweite Weltkrieg und was ihm folgt, überschwemmen die Men- schen geradezu mit Sturzfluten des Leids: es sinken Heim- stätten in Trümmer, es werden Angehörige verbannt, es werden heilige Denkmäler der Kunst und Kultur ver- nichtet, es wird das Vaterland ins Elend geworfen— SO ist immer neues Zittern und Zagen; und aus gepeinigtem Herzen schreit es zum Himmel:„Herr, wenn es möglich ist, laß diesen Kelch vorübergehen!” Aber wenn man ein- mal durch eine richtige Leidensschule gegangen ist, kann man nie mehr verzweifeln, sondern nur mehr— auch wenn das Herz stöhnt und Angstschweiß auf der Stirne steht— hoffen. Hoffen, daß der Passion neuerdings Segensgüter entströmen. Dieses aber nicht nur hoften, sondern fest glauben, nachdem es schon einmal als Tat- sache erlebt wurde. Aber auch vieles andere lernte ich im Gefängnis. Man kommt da mit vielerlei Menschen zusammen. Nicht nur mit unschuldigen, sondern auch mit schuldigen, denen 77 man in der Welt aus dem Weg gegangen wäre. Denn die politischen Gefangenen waren von den kriminellen nicht getrennt; die politischen Schutzhäftlinge wurden vielmehr mit Verbrechern und Schwerverbrechern zusammen- gepfercht. An„Politischen‘ war ich zusammen mit einem Universitätsprofessor(aus Konstantinopel), einem Pfarrer aus Kärnten, einem Zahnarzt aus Wien, mehreren Indu- striellen und Kaufleuten(aus Wien, Bukarest, Triest, Dublin), Bauern, kleinen kommunistischen Parteifunktio- nären, österreichischen Schutzbündlern, d. h. Sozialdemo- kraten aus der bewaffneten Revolte gegen Dollfuß, die seinerzeit über die Tschechoslowakei nach Moskau bzw. Charkow gegangen waren und nun auf lockende aber irre- führende Verheißungen der deutschen Konsulate in Ruß- land hin zurückgekehrt waren. Dann besonders auch mit sogen. Spanienkämpfern, d. h. mit Sozialisten, die in den Reihen der Internationalen Legion gegen Franco-Spanien gekämpft hatten, in der Folge in französischen oder belgi- schen Lagern untergebracht waren und hier den vor- rückenden Deutschen in die Hände fielen. Hinsichtlich der Kriminellen erinnere ich mich, zeitweise Diebe, Kassenschränker, Schleichhändler, Grenzschmuggler, Sitt- lichkeitsverbrecher, Deserteure, einen Einbrecherkönig, einen Frauenmörder als Zellengenossen gehabt zu haben. Es ist ein steter Abgang und ein steter Zufluß in den Zellen. Ein Abgang von Häftlingen in die Freiheit oder an andere Straforte, und ein Zustrom von Neueingebrachten. Und man kann nun von allen etwas lernen. Die einen er- weisen mit ihrem frohen Mut und ihrer Kraft des Durch- haltens den Segen des Glaubens; die anderen zeigen mit ihrer moralischen Brüchigkeit, ihrer Verzweiflung oder ihrem Versinken ins Tierisch-Stumpfe den Fluch der Gott- losigkeit. Man kann im Gefängnis von fremden Menschen deshalb so viel lernen, weil da weit mehr gebeichtet wird als in der Welt draußen; weil da die meisten Menschen viel offener sind, bisweilen wie von einem inneren Dämon gehetzt noch das Letzte, Heimlichste heraussagen. Da stehen einem, angesichts gewisser Beichten, dann manch- mal wirklich die Haare zu Berg vor Erschrecken. Da sieht 78 man,' ähnlic] ein Ba tarier sucher des K Jugen« Männe nate il zu Ge und m Bukarı satzlic Solche erbrec um Si gesell Teiche Man Mens: Man| und Ei Gewer nen al „Beich eine R Von al Und y drauf, Wird, dell, V deren Sogar Gefän Mach! da bra Nun ie gewar Tedse] n die nicht mehr men- inem aIter Indu- riest, ıktio- |emo- ), die bzw ' jITe- Ruß- h mit n den anien belgi- voI- htlich Jiebe, - Sitt- könig, jaben. n den jer aD chten. en eI- Jurch- on mil ‚ oder - ‚schen t wird schen Jamon n. Da anch” 1 sieht man, wie armselig die unerlöste Kreatur ist. Und wie ähnlich es die Menschen oben und unten treiben. Manch ein Bankdirektor hat seine Maitresse, manch ein Prole- tarier seine Grisette. Der Fabriksherr ist regelmäßiger Be- sucher des Theaters, der Arbeiter regelmäßiger Besucher des Kinos. Vertreter der jeunesse doree(der goldenen Jugend) gehen zum bloßen Zeittotschlagen auf Reisen; Männer des vierten Standes machen mitunter durch Mo- nate im Jahre blau, fechten sich von Gewerkschaftsheim zu Gewerkschaftsheim in verschiedenen Ländern durch und machen alles mit, was in billigen Lasterhöhlen von Bukarest oder Paris mitzumachen ist. Es gibt oben grund- sätzlich Arbeitsscheue, Arbeitsverächter, aber auch unten solche, die erklären: Lieber stehlen, schmuggeln, Kassen erbrechen, als solide arbeiten. Die Massen-Presse, die um Sünden und Fehler nur im Bürgertum und bei Hof- gesellschaften weiß, ist pharisäisch. Das Sündigen im Be- reiche ihrer Gläubigen ist ebenso üblich und verbreitet. Man lernt im Gefängnis, wie erlösungsbedürftig die Menschheit ist. Man lernt anderseits im Gefängnis das spezifische Denken und Fühlen einzelner Berufskreise: von Arbeitern, Bauern, Gewerbetreibenden in mancher Hinsicht fast besser ken- nen als außerhalb— einerseits im Hinblick auf das viele „Beichten‘‘, sodann, weil alles plötzlich sozusagen auf eine Ebene gerückt, auf dieselbe Sünderbank gezwungen, von allen Vorrechten und Gefährlichkeiten entkleidet ist, und weil so viele Hemmungen des Redens fallen. Wenn draußen der Bauer von einem Akademiker angesprochen wird, ist er nicht selten unbeholfen, stockend, konventio- nell, verschlossen; wird draußen ein Arbeiter vom Fabriks- herrn angeredet, so ist er unterwürfig, gefällig, vielleicht sogar schmeichelnd, auch wenn er im Herzen flucht. Im Gefängnis verschwinden die Unterschiede von Stand und Macht; da ist jeder in der gleichen Lage wie der andere, da braucht es keine Rücksichtnahmen mehr, und da redet nun jeder so, wie es ihn drückt und wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Da wird der schweigsame Bauer plötzlich redselig, und auf einmal kommt seine ganze Schlauheit 7 und Klugheit, oder auch seine Provinzlerei oder auch sein Zweifeln an den Predigten des Pfarrers ans Tageslicht. Und da wird der Proletarier auf einmal zum hemmungs- losen Ankläger, der nun wie eine automatische Uhr her- unterraspelt, was er in Leitartikeln seiner Zeitung gelesen, von den Vortragenden seiner Volkshochschule gehört, oder was er höchst persönlich für sich und zusammen mit Kollegen an Materialien gesammelt hat, an Materialien namentlich hinsichtlich Skandalchronik von Klerus, Adel und Bürgertum. Nur bezüglich eines Punktes gab es auch im Gefängnis „Diskretion'‘, bezüglich der Dinge in den Konzentrations- lagern. Verschiedentlich tauchten in den Zellen Leute auf, die in solchen Lagern gewesen waren. Sie machten ge- legentlich wohl leise Andeutungen, hüteten sich aber im Hinblick auf das von der Gestapo auferlegte Schweige- gebot, vor genaueren Mitteilungen, aus Angst vor den furchtbaren Folgen. Gerade ihr Geheimtum erzeugte im- mer wieder eine außerordentliche Furcht vor diesen Lagern. So lag im Inquisitenspital durch Monate ein mit dem Eisernen Kreuz geschmückter Feldwebel aus dem ersten Weltkrieg im Nachbarbett. Er hatte sich immer wieder selbstverstümmelt, nur aus Angst, wegen seiner Flucht aus unangenehmem Arbeitseinsatz ins K.Z. zu kommen. Erst hatte er eine ganze ‚„Eisenhandlung”(zer- brochene Löffel, Schuhnägel und dergl.) geschluckt— bei der Operation kamen an die 30 Stück zum Vorschein!— dann hatte er sich mit einem Tintenstift beide Augen ge- blendet; lieber fürs ganze Leben blind als ins K.Z.— scheint seine Losung gewesen zu sein. Später dürfte er die Vergasung erfahren haben.— An einem der letzten Tage meines Aufenthalts im Spital wurde gegen Mitter- nacht ein ungarischer Baron blutüberströmt in unsere Zelle gebracht. Er hatte die durch Gerichtsurteil verfügte Strafe regelrecht abgesessen, wurde aber nach Beendi- gung der Strafzeit nicht freigelassen, sondern neuerdings von der Gestapo übernommen, um in ein K.Z. überstellt zu werden. Aus Erschrecken darüber zerstach er sich beide Augen vollständig. 80 Eine me Leute, V geschult nommer Sozialis! raschun heraus, wie Pre listische Dramen Revolut Schwar: waren ı Presse, in ihrer kommeı kennen, Sind, nu haft Be darzutu Schen( Kärtner Stand n Predigt sehen g; Und no licher j Sozialis ı sein licht. ungs- r her- lesen, ehört, n mit jalien ‚ Adel ingnis tions- te auf, en ge- per im weige- jr den te im- diesen in mit s dem immeT seine! .Z. ZU * IZ8I- _ bei ein!— ıen ge ir sfte ef jetzten Mittel“ Eine meiner wichtigsten Beobachtungen war diese: Die Leute, vollends die Städter, sind viel komplizierter, viel geschulter, viel zweifelnder, als sie draußen oftmals ge- nommen werden. Da waren beispielsweise eine Reihe Sozialisten und Kommunisten da. Man kam aus der Über- raschung über ihr Wissen, ihre Redegewandtheit nicht heraus. Sie konnten eine Stunde lang sprechen— fast wie Professoren. Natürlich war es marxistisch-materia- listische Ideologie; die vielen Bücher, die Romane und Dramen, die sie kannten, waren die der Freidenkerei und Revolution; die Geschichtswerke waren die der Weiß- Schwarz-Gestaltung, der roten Tendenz. Immerhin, sie waren davon angeregt, aufgeregt. Man sah: Literatur, Presse, Theater, Kino hatten ihre Wirkung getan, lebten in ihrem Geist. Solchen Leuten ist natürlich nur beizu- kommen von Menschen, die diese ganze Problematik kennen, sie aber auch überwunden haben und imstande sind, nun ganz konkret-anschaulich das Überlegene, wahr- haft Befreiende der einzelnen christlichen Wahrheiten darzutun. Wer sie behandelt wie brave primitive Men- schen des Mittelalters findet nur ihre Verachtung. Ein Kärtner Pfarrer, der. eine zeitlang Zellengenosse war, ge- stand mir:„Jetzt verstehe ich, warum wir mit unserer Predigt diese Leute überhaupt nicht mehr erreichen; wir sehen sie viel zu einfach, zu ungeschult, zu anspruchslos.“ Und noch etwas— übrigens Vorbildliches, aus christ- licher Tradition Gerettetes— beobachtete ich bei den Sozialisten und Kommunisten: eine rührende gegenseitige Hilfsbereitschaft. Was sie jeweils zusammen mit ihrer Wäsche an bescheidenen Lebensmittelzubußen(Brot und Obst) von außen erhielten, wurde brüderlich geteilt, vor allem mit solchen, die nichts bekamen. Sogar die „Ischicks‘, die Zigarettenstummeln, die zu Zigaretten(mit Zeitungspapier als Hülsen) verarbeitet wurden, schmeck- ten ihnen nur, wenn die Kameraden jeweils mit daran Züge machten. Im übrigen war, das Rauchen sehr er- schwert. Erstens war es offiziell verboten und durfte daher nicht„gerochen‘ werden. Zweitens war die Einschmugge- lung von Stummeln durch die„Fazis‘, d. h. die zu Wärter- 81 diensten(Essentragen und Matratzenschleppen) herange- zogenen, in eigenen Zellen untergebrachten und mit Rauch-Erlaubnis ausgestatteten Mithäftlinge, sehr er- schwert. Drittens gab es keine Feuerzeuge oder Zünd- hölzer. Wohl wurde Ersatz gesucht. Man brachte Stoff- stückchen mit Hilfe von Zelluloidspänen aus den Zahn- bürsten zum Erglühen und entzündete daran die Tschicks; aber es gelang nicht immer. Gespräche mit Mitgefangenen Es gab oft heiße Debatten in der Zelle, und ich bemühte mich nach Möglichkeit, den Ungläubigen den Standpunkt des Christentums klarzulegen und zu begründen. Es wurde wohl kaum einer bekehrt. Aber vielleicht wurde da und dort doch wenigstens ein weiteres Nachdenken angeregt oder wenigstens eine gewisse Achtung erzielt. Wie ich es versuchte, dafür drei Beispiele! Ich hatte wie- der einmal von dem Segen von Religion und Christentum für die Menschheit gesprochen. Da erklärte einer der Un- gläubigen:„Ach, bleiben Sie mir mit diesen Dingen vom Leibe! Die Christen haben 2000 Jahre Gelegenheit gehabt, zu zeigen, was sie können— und was ist herausgekom- men? Diese ganze gegenwärtige schweinische Welt, diese Sklaverei, dieser Hunger, dieses Morden, Sengen und Brennen des Krieges! Wir verstehen ja, daß eine gewisse Bourgeosie die Pfaffen ganz gerne hat. Erstens bewähren sie sich als Hüter ihrer Geldschränke; zweitens beruhigen sie das Volk bei seiner Versklavung mit Vertröstungen auf den Himmel; drittens schaffen sie einen romantischen Zauber um Trauung, Wiege und Grab. Aber wir wollen den Geldsack nicht geschützt; wir wollen das Paradies auf dieser Erde, den imaginären Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen; wir wollen keinen romantischen Hokuspokus um die ernsten Dinge des Lebens, wir wollen Nüchternheit.‘ Ich antwortete:„Das Häßliche der Welt kommt eben von der Religionslosigkeit. Was das Christen- tum erreichte, als es wirklich führen und bestimmen 82 konnte,; Caritasle alters, ze Ein Am ein Mer Ruhe im Die We kombe Vogelsc machen nicht zu Pfaffen Liebesge Evangel Reichen Kennen Abgabe Sanktioı beim Ji Mensch. ausschli Pflichter Durstige Gefange auf den lichen/ Christer die Mer Natur 2 Wie in j Tange- ıd mit hr er- Zünd- - Zahn- chicks; emühte ‚dpunkt en. Es wurde denken erzielt. tte wie- stentum der Un- en vom gehabt, ;gekom- It, diese en und ewisse währen ruhigen ‚tungen ntischen . wollen ‚dies auf wir den ntischel z wollen ier welt pristen” stimme konnte, zeigen die erhabenen Sozialordnungen, die großen Caritasleistungen, die herrlichen Kunstwerke des Mittel- alters, zeigt dessen verhältnismäßige Befriedung der Welt. Ein Amerikaner unserer Tage berechnete, daß damals ein Mensch sechstausendmal mehr Aussicht hatte, in Ruhe im Bett zu sterben, als ein Mensch unserer Tage. Die Welt säkularisieren, das Christentum in die Kata- kombe sperren, alle Kleriker als Dunkelmänner und Vogelscheuchen lächerlich und deshalb unwirksam machen und dann behaupten, sie verstünden die Welt nicht zu verbessern— das ist höchste Unehrlichkeit. Die Pfaffen bloße Hüter der Geldschränke? Kennen Sie die Liebesgebote Christi? Kennen Sie die Warnungen des Evangeliums vor dem Mammon, die Betonungen, die Reichen hätten es schwer, in den Himmel einzugehen? Kennen Sie die ständigen Mahnungen der Evangelien zur Abgabe des Überflusses, zum Wohltun? Kennen Sie die Sanktion aller dieser Forderungen durch die Eröffnung, beim Jüngsten Gericht erfolge das Endurteil über die Menschen nicht nach ihrem Lippenbekenntnis, sondern ausschließlich nach Maßgabe der geleisteten sozialen Pflichten? Nach Maßgabe dessen, was Hungernde genährt, Durstige getränkt, Nackte bekleidet, Kranke besucht, Gefangene befreit wurden usw.? Nun ist aber jeder Pfarrer auf den Kanon der Evangelien verpflichtet.— Die Geist- lichen Anwälte der Sklaverei? Aber wer anders als das Christentum begründete die Freiheit, schuf und sicherte die Menschenwürde? Wenn der Mensch nur als ein Stück Natur, als oberstes Glied der Tierwelt, als Affensproß gilt, wie in Ihrer Ideologie, was soll er mehr werden als Tier und Affe? Und warum eine bessere Behandlung erfahren? Wenn er aber als Kind Gottes, als Erlöster des Welt- heilandes, als Tempel des Heiligen Geistes, als unsterb- liches Wesen mit Anwartschaft auf die Herrlichkeiten Gottes betrachtet wird— dann erst ergeben sich die Vor- aussetzungen für seine Achtung und Erhebung, dann darf er nicht einfach nur mehr als Arbeitsmaschine, Kanonen- futter, Versuchsobjekt, Warenpaket behandelt werden. Als Wesen mit dem Adelsbrief Gottes muß er auch adelig 83 behandelt werden. Beachten Sie, was die Geschichte dazu sagt: Im vorchristlichen Altertum der Großteil der Men- schen Sklaven; nur eine kleine Schicht frei. Bezüglich der Sklaven das Recht der Ausnutzung und der Tötung, wenn sie nicht mehr arbeitsfähig waren. Bildung, ärztliche Be- treuung, Rechtssicherung das Privileg der Oberschichten. Die Massen hatten in den Willkür-, Konkurrenz- und Beutekriegen der Cäsaren ihr Leben einzusetzen; die Gladiatoren hatten sich im Zirkus Maximus gegenseitig umzubringen, um einer entarteten Oberschicht Nerven- kitzel zu verschaffen. Mit diesen Dingen räumt doch erst das Christentum auf! Es verkündet die Gleichheit aller Menschen vor Gott und dämmt stufenweise die Sklaverei zurück bis zur Abschaffung. Es macht alle Menschen aus Rechtsobjekten zu Rechtssubjekten. Es macht mit seinen Pfarr- und Domschulen, mit seinen Universitätsgründun- gen die Bildung zur Sache der Allgemeinheit. Es be- gründet allüberall Krankenanstalten, Armen- und Waisen- häuser und führt sogar Prinzessinnen und Grafen zum Dienst in diesen. Es schafft ein humanes Völkerrecht, ächtet jeden Krieg, der etwas anderes ist als letztes Mittel im Dienst des Rechts und der höheren Kultur. Und nun, was zeigt sich in der Neuzeit? In dem Ausmaß, als das Christentum wieder preisgegeben wird, tritt neuerdings die Versklavung, der Mißbrauch der Menschen, ihre bloße Behandlung als Arbeitsmaschinen und Kanonenfutter auf. Nein, nein— wer auf Menschenwürde, auf Persön- lichkeitswürde Wert legt, der muß schon Christ werden! Sie erwarten das Paradies auf Erden? Bei der Sündhaftig- keit der Menschen, bei dem ungeheuren Hunger jedes Einzelnen, nach Entlarvung allen Fortschrittsgeredes als unsinnigsten Schwatzes? Wissen Sie, was ein großer Eng- länder sagt:„Gib heute einem Schuhputzer den halben Erdball, und er wird schon morgen mit dem Besitzer der anderen Hälfte Streit anfangen. Warum? Die Menschen- seele ist zu groß, um von irdisch Hab und Gut satt zu werden.“ Die größten Menschen finden diese Welt uner- träglich, wenn sie das Um und Auf sein soll. So sind sich denn alle wirklichen Genies von Plato bis Leibniz und 84 Goethe i ein bess lebnis d einiger Glauben hunderte genomm Seelen q hingeop! die Wirl heit und und Sch Ein von Erzählur der Waı Beim W lichhalte Angriffe Soluten gehalter ganz un wisse zı diese Dj in„Schy Verdäct klärte j. Ärzte, These, dazu Ve der Ehe hältnis Ihr Geli lichen c den Ve Nöhere Natur,| te dazu T Men- ich der j, wenn he Be- lichten. z- und N; die nseitig \erven- ch erst it aller laverei nen aus seinen ründun- Es be- Naisen- en zum errecht, s Mittel nd nun, als das jerdingS re bloße enfuttel Persön- werden! ‚dhaftig- or jedes edes als her Eng‘ halben itzer de! nschel" satt ZU ;jt unel" ind sich yniz WI Goethe im Glauben an ein Jenseits, in der Hoffnung auf ein besseres Jenseits einig. Sie wären sich nach dem Er- lebnis der jüngsten zwei Weltkriege vermutlich noch einiger als damals schon. Das Religiöse Hokus-Pokus? Glauben Sie wirklich, die Menschen hätten durch Jahr- hunderte hindurch Kathedralen gebaut, Martyrien auf sich genommen, Kreuzzüge organisiert; in Wüsteneien um. Seelen gerungen, sich im Dienste von Armen und Ärmsten hingeopfert, wenn sie nicht immer wieder in ihrer Seele die Wirklichkeit der höheren Welt erlebt hätten? Stumpf- heit und Blindheit sind keine Beweise dafür, daß es Größe und Schönheit, daß es den Himmel nicht gibt.” Ein von manchen Häftlingen besonders gern gepflegter Erzählungsgegenstand waren ihre„Liebesabenteuer” auf der Wanderschaft, in der Kriegszeit, im Großstadttreiben. Beim Wichtignehmen dieser Dinge, bei für Unüberwind- lichhalten der Natur, ergaben sich dann von selbst die Angriffe auf den Priesterzölibat. Erstens wurde er für ab- soluten Unsinn, für eine Beleidigung der Menschennatur gehalten, dann wurde seine praktische Verwirklichung ganz und gar bestritten. Es sei alles nur Heuchelei. Man wisse zu Vieles vom Intimen der Pfarrhöfe. Ob ich denn diese Dinge zu verteidigen gedächte? Die sich am meisten in„Schweinigeleien' gefielen, waren die stärksten Spötter, Verdächtiger und Bekämpfer. Zum Halten des Zölibats er- klärte ich, daß berühmte Kenner des Lebens, Erzieher und Ärzte, auch protestantische, z. B. Fr. W. Foerster, die These verträten, daß der Zölibat vom größten Teil der dazu Verpflichteten mit Ernst eingehalten werde. Die Zahl der Ehegatten, die gegen die Ehe sündigten, sei im Ver- hältnis viel größer, als die Zahl der Geistlichen, die gegen ihr Gelübde verstößen. Zum Verständnis des Grundsätz- lichen des Zölibats aber sei Folgendes festzuhalten: Von den Vertretern und Verfechtern des Glaubens an eine höhere Welt, eines Gottesreiches über dem Reiche der Natur, eines Jenseits über dem Diesseits, ist auch eine 85 | Lebenshaltung und Lebensgestaltung zu erwarten, die das Alltägliche übersteigt. Den besonderen Vorrechten wird ein gerütteltes Maß von Vorpflichten entsprechen. Eine solche Vorpflicht für den Priester ist z. B. der Zölibat. Be- deutet er Verachtung des Eheinstituts? Nein— er ver- körpert nur eine höhere Aufgabe neben diesem, das ja doch von Christus zu einem eigenen Sakrament erhoben wurde. An sich besteht für den Christen alles Recht, Wert und Bedeutung der Ehe, die Schönheit der Liebe in ihrem Werden von der Braut- zur Mutterliebe, von der sühnen- den zur opfernden Liebe, zu besingen. Er darf ruhig ge- wissen Dichtern bzw. Dichtungen zustimmen. Z. B. wenn Schiller die Schönheit der jungen Liebe im Lied von der Glocke preist:„Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe, er stürmt ins Leben wild hinaus, durchmißt die Welt am Wanderstabe, fremd kehrt er heim ins Vater- haus. Und herrlich in der Jugend Prangen, wie ein Gebild aus Himmelshöhn, mit züchtigen, verschämten Wangen, sieht er die Jungfrau vor sich stehn. Da faßt ein namen- loses Sehnen des Jünglings Herz, er irrt allein, aus seinen Augen brechen Tränen, er flieht der Brüder wilden Reihn. Errötend folgt er ihren Spuren und ist von ihrem Gruß beglückt, das Schönste sucht er auf den Fluren, womit er seine Liebe schmückt.© süße Sehnsucht, zartes Hoffen, der ersten Liebe goldne Zeit, das Auge sieht den Himmel offen, es schwelgt das Herz in Seligkeit. O daß sie ewig grünen bliebe, die schöne Zeit der jungen Liebe!” Der Christ darf ruhig Adalbert Stifter und Dostojewski zu- stimmen, wenn sie die Schönheit der Gattenliebe künden. Mit Ergriffenheit spricht Stifter vom herrlichen Strom der Liebe, der in den Jahrtausenden durch unzählige Bräute- und Mutterherzen zu uns herabgekommen. Dosto- jewski fühlt sich in seinem Verantwortungsgefühl be- lebt, in seinem Denken geläutert durch den Gedanken an seine Frau:„Gott hat dich mir anvertraut, damit keiner der in deiner Seele schlummernden Keime und nichts von den Reichtümern deiner Seele und deines Herzens ver- loren gehe, sondern im Gegenteil, all dies sich reich und üppig entfalte und aufblühe; er hat dich mir gegeben, 86 damit werde wohlge niedrig geistge Geist e hoch z aller Li vollen großen Völker Phöniz der lu: grunde Höchsi Mange Sinnlic der Ph Seinem und d Feldhe das rö an den der vie kult q genial, ZU eiı Woch War j lie das ı wird . Eine at. Be- T VeI- das ja hoben ‚ Wert ihrem ühnen- ig ge- . wenn ad von lz der ißt die Vater- Gebild angen, namen- seinen Reihn. n Gruß omit eI Hoffen, Yimmel ie ewig ©!“ Der ski ZU zünden. om der Bräute- damit ich von meinen übergroßen Schwächen befreit werde durch dich, indem ich dich Gott darbiete als ein wohlgebildetes, gerades Wesen, befreit von allem, was niedrig ist und den Geist tötet...”— Freilich, nur die geistgeführte Liebe ist schön und beglückend, die vom Geist emanzipierte vergiftet und zerstört. Aber den Geist hoch zu halten ist schwer, es ist nicht zu leugnen, daß aller Liebe die Neigung zum Abfall ins Nur-Sinnliche, zur vollen Materialisierung eigen ist. Das bringt dann die großen Unglücksfälle in die Geschichte, die Zeitalter der Völkerentartungen und des Völkerunterganges. Babel, Phönizien, Karthago, Rom, Griechenland, sind letztlich an der luxuria, gipfelnd in sexuellen Ausschweifungen, zu- grunde gegangen. Selbst viele hochtalentierte und zum Höchsten berufene Menschen scheitern immer wieder am Mangel an Selbstbeherrschung, am Überwuchern ihrer Sinnlichkeit.So wird Simson Sklave der Delila und Knecht der Philister. So bereitet der geniale König Salomon mit seinem Serailtreiben die Entartung seines Geschlechtes und die Spaltung seines Reiches vor. So verspielt der Feldherr Antonius in den Armen der Ägypterin Kleopatra das römische Reich. So geht Alexander von Mazedonien an den Ausschweifungen Asiens zugrunde. So beschwören der vierzehnte und fünfzehnteLudwig mit ihrem Mätressen- kult die französische Revolution herauf. So kommt der geniale Goethe(über den ewig neuen Liebschaften) nie zu einem Seelenfrieden, gesteht er doch, nicht sechs Wochen in seinem Leben glücklich gewesen zu sein:„ES war immer wie das Wälzen eines Steins!" So verliert Ludwig der Erste von Bayern über der Buhlschaft mit der Tänzerin Lola Montez Ansehen und Thron, so zertrümmert er sein ehedem blühendes Lebenswerk. Wie aktuell und notwendig ist angesichts solcher Tatsachen und Erfah- rungen in der Menschheit ein Stand, der durch freiwillige Übernahme des Zölibats den Herrschaftswillen und die Herrschaftsmöglichkeit des Geistes über den Leib be- kundet! Der den willenlos gewordenen Sklaven von Venus die ewig neue Nachfolge der Mönche der Thebais und der Mönche der germanischen Wälder und ihre 87 Selbstbeherrschung gegenüber stellt; der den Beispielen der Verweichlichung, des schrankenlosen Sichgehen- lassens, der Sättigung jedes Gelüstes der Nerven, die Nachfolge der Abtötungen eines Bernhard, eines Thomas von Aquin, eines Franz von Assisi gegenüberstellt! Der die Ehe für den Weitergang der irdischen Menschheit und ihre normale Erziehung absolut bejaht und segnet, aber für die Arbeit im geistlichen Reich Gottes die Geistig- keit, die Unbeschwertheit mit Familiensorgen, die Nach- ahmung der Jungfräulichkeit Christi für das Angemessene erachtet und der nun eben dank seiner Jungfräulichkeit, dank des Vorwegnehmens der jenseitigen Engelhaftigkeit, doch besonderen Adel hat, etwas Aufrüttelndes und Emporreißendes, vor dem sich selbst der Leichtfertige beugt! Kennen Sie nicht die Verbeugung des Spötters Heine vor der Unschuld, vor der wiedererrungenen Lauterkeit?„Du bist wie eine Blume, so hold und schön und rein; ich schau dich an und Wehmut schleicht mir ins Herz hinein. Mir ist, als ob ich die Hände aufs Haupt dir legen sollt— betend, daß Gott dich erhalte, so schön und rein und hold!‘ Einmal kam die Rede auf Engel und Teufel. Als ich meinen festen Glauben daran bekannte, meinte ein weitgereister Kaufmann, fast starr vor Verblüffung:„Was, solchen Aberglauben gibt es noch im zwanzigsten Jahrhundert? Da kennen wir die Naturgesetze, da haben wir den Rund- funk und das elektrische Licht, und nun gibt es noch Iienschen, die an Geister glauben? Einfach unfaßbar! Warum wurden Sie nicht im Mittelalter geboren?” Ich antwortete:„Nicht wahr, wenn Sie Rheuma haben oder an der Lunge erkrankt sind, gehen Sie zu einem Mediziner von Ruf, nicht zu einem Kurpfuscher. Wenn Sie in einen Rechtsstreit verwickelt sind, übergeben Sie Ihren Fall nicht einem Schusterbuben, sondern einem anerkannten Rechtsanwalt. Warum halten Sie es bezüglich philoso- phisch-theologischer Dinge anders? Warum mißachten 88 Sie da Modeji Fachleı organi: tum de zeigt\ So ist schließ schen: sam ha Dienste Hochm der Ze glaube Rätse] Sie ohr Sie be. bare E Einwir beobac tiefer\ Mensch dahint« freiten den V. und Te Dichte Genies ein Da Dostoj drück] „Aus l Stellt« Anden lichen betrifft Ökonoı Kapite] Wirklie ielen hen- ‚ die mas Der heit- gnet, ‚stig- Jach- sene keit, keit, und tige )tters 'enen chön t mir Jaupt ‚chön einen sjster Ichen ‚dert? und- noch Bbar! # Toh) ode! ‚zinel ejneD | Fall nnten jlos0” chten I ) | | | Sie da die Fachleute, warum verlassen Sie sich da auf Modejournale und Traktätchen? Wissen Sie, was die Fachleute sagen? Sie erklären: Die Welt ist vollkommen organisiert. Zur Vollkommenheit gehört aber der Reich- tum der Gliederung. Die Schöpfung zeigt reine Stoffwesen, zeigt Mischungen von Stoff und Geist in allen Stufungen. So ist zu glauben, daß sie auch reine Geistwesen um- schließt. Geistwesen, die insofern etwas mit den Men- schen als den Spitzen der sichtbaren Schöpfung gemein- sam haben, als die einen, edel und gut, sich als Kräfte im Dienste der Gottheit betätigen, während die anderen, aus Hochmut ins Eigensüchtig-Böse verfallend, nun als Kräfte der Zersetzung und Zerstörung wirksam sind. Nicht zu glauben? Aber hören Sie: Wenn größte Genies letzte Rätsel des Weltgeschehens ergründen wollen, kommen sie ohne die Annahme von Engeln und Teufeln nicht aus. Sie beobachten oft merkwürdige Bekehrungen, wunder- bare Errettungen und sagen nun: die sind nur aus der Einwirkung überirdischer Mächte zu erklären; sie beobachten Untaten und Bosheiten von solch abgrund- tiefer Verworfenheit, daß sie finden: das ist aus dem Rein- menschlichen nicht mehr erklärbar, da muß Dämonisches dahinterstecken. So reden denn Torquato Tasso im„Be- freiten Jerusalem‘, Milton im„Verlorenen Paradies‘, van den Vondel im„Luzifer”, Goethe im„Faust‘' von Engeln und Teufeln. Sie wenden vielleicht ein: Das sind für diese Dichter nur Bilder, nur poetische Behelfe. Nein— diese Genies glauben wirklich an Engel und Teufel, so wie auch ein Dante und Calderon, ein Shakespeare, Leibniz und Dostojewski. Goethe bezeugt das für seine Person aus- drücklich mit Ausführungen in seiner Selbstbiographie ‚Aus meinem Leben‘, Dichtung und Wahrheit". Leibniz stellt es in seinem„Systema theologicum” fest. Bei den andern ergibt es sich aus ihrem allgemeinen grundsätz- lichen Glaubensbekenntnis. Was speziell das Dämonische betrifft, so schreibt der berühmteste deutsche National- ökonom unserer Zeit, Werner Sombart, im Einleitungs- kapitel zu seinem Buch über den Kapitalismus: Nur wer wirklich an den Teufel und seine Einflüsse glaube, könne 89 die ganze Entartung des neuzeitlichen Wirtschaftslebens, darüber hinaus einer gewissen neueren sogenannten Kultur verstehen.— Der an Engel und Teufel Glaubende ist also in bester Gesellschaft. In der Gesellschaft der Genies. Die Leugner aber sind in der Kompanie der Ober- flächlichen, der Dummen, der Gefährdeten:„Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er es am Kragen hätte.“ Wieder frei! Wie gesagt: Nach achteinhalb Monaten Haft wurde ich wieder aus dem Gefängnis entlassen. Eines Abends kam der Wärter(ein Wachtmeister), in die Zelle und sagte: „Eberle, stehen Sie auf, packen Sie Ihr Bündel zusammen und kommen Sie!‘ Ich wußte nicht, bedeutete das die Freilassung oder die Verschickung an einen anderen Strafort und war zunächst aufgeregt. Unten bei der Pforte wurde mir eröffnet, ich sei frei— allerdings noch ein halbes Jahr lang an meinem Wohnort konfiniert(d. h. an diesen unter Polizeiüberwachung gebunden); auch dürfe ich selbstverständlich für alle Zukunft nichts mehr ver- öffentlichen. Dementsprechend erfolgte auch durch die Schrifttumskammer meine Streichung aus der Liste der Berufsschriftsteller.(Letzteres Verbot bzw. die Streichung war überflüssig; denn kein Organ, kein Verlag im nationalsozialistischen Deutschland hätte es gewagt, etwas aus der Feder eines Geächteten zu publizieren; ein Schreiben fürs Ausland aber kam damals— angesichts der gesperrten Grenzen— natürlich nicht in Frage.) Gleichzeitig hieß es, wenn ich in der Folge das Geringste gegen den Staat oder die Partei unternähme, würde ich sofort wieder ins Gefängnis geholt. Da ich sehr schwach war, hatte ein Diener mein Wäschepaket zu tragen und wurde ich nun in ein herbeigerufenes Auto gesetzt und nach Hause dirigiert. Zuhause, bei den Meinigen, war natürlich die Freude groß; ich selbst fand das Heim schöner als je, war beglückter als je über Frau und Kinder. Im Verlauf der Monate erI- 90 holte: neter Stelle Quäle der„S die na Wärer Beraul wesen geradk und S Tages scheid sei(a daß fi Sohn gelten Schaft Mitwi des Eı Unter nur m Verfü Zimm Außer Herr Krieg: lich| Meine Anzei Österr Jahr ı Eintra Mitte] Qunge liche Und S Luftp, Störu holte ich mich unter liebevollster Pflege und ausgezeich- neter ärztlicher Betreuung immer mehr. Freilich, an die Stelle des Gefängnisdruckes traten immer wieder andere Quälereien. Zwar, die Überprüfung der Geschäftsgebarung der„Schöneren Zukunft‘ auf Jahre zurück hatte sich für die nach Verstößen Suchenden als ergebnislos erwiesen. Wären solche entdeckt worden, so wäre der Vorwand zu Beraubungen an weiterem Privatvermögen gegeben ge- wesen. Aber die Überprüfer mußten das Einwandfreie, ja geradezu Vorbildliche der Buchführung, der Bilanzierung und Steuerzahlung feststellen. Dafür erhielt ich eines Tages aus der Kärntner Statthalterei den amtlichen Be- scheid, das kleine Landgut meiner Frau am Ossiacher See sei(aus politischen Gründen) enteignet. Nur der Umstand, daß für diesen Besitz rechtzeitig durch Notariatsakt der Sohn als Erbe bestimmt worden war, und dieser nach den geltenden Vorschriften während seiner Militärzeit wirt- schaftlich nicht geschädigt werden durfte— führte, unter Mitwirkung militärischer Stellen, zur Wiederaufhebung des Enteignungsbescheides. Dafür wurde dieser Besitz zur Unterbringung Evakuierter beschlagnahmt! Wir durften nur mehr die Steuern bezahlen, hatten aber praktisch kein Verfügungsrecht mehr über den Besitz. Nur ein einziges Zimmer blieb uns noch als Absteigquartier reserviert. Außerdem wurde in der Folge der Schwiegersohn, ein Herr Riccabona von Reichenfels, von der Gestapo(bis Kriegsschluß) in Schutzhaft genommen— wegen angeb- lich beabsichtigter Verbreitung von Flugschriften aus meiner Feder und wegen behaupteter Unterlassung der Anzeige eines Kollegen in seinem Büro, der Mitglied der österreichischen Freiheitsbewegung war.— Vom Früh- jahr 1944 an, als der Krieg in das Entscheidungsstadium eintrat, kam dann der Druck der wachsenden Lebens- mittelknappheit, der ständig strengeren Behördenverord- nungen, der Anforderung der Hausgehilfinnen für öffent- liche Arbeiten, der Anforderung der Kinder für Fabriks- und Spitalsdienst, zuguterletzt der Druck der feindlichen Luftbombardements auf Wien; der Druck der Kriegszer- störung von Eigen- und Verwandten-Eigentum und der 91 3 FF Sr he ne Kriegsbeschädigung auch des eigenen Heims, so daß es anfangs September 1944 notwendig wurde, einen Unter- schlupf in der Fremde zu suchen. Er fand sich zunächst in Bezau im Bregenzerwald bei der braven, menschenfreund- lichen Familie der Witwe K. Kohler, dann bei der Schwe- ster Anna in Ailingen bei Friedrichshafen am Bodensee. Sobald ich, 1942, einigermaßen genesen war, suchte ich mich durch Studium und Schreiben auf dem Damm zu halten. Arbeit war mir immer ein Bedürfnis gewesen; jetzt half sie auch über die Stunden der schweren Sorgen hinweg. Ich war im Gefängnis zum intensiven Leser der Bibel geworden; je länger je mehr wurde sie mir zum Hauptforschungs- und Betrachtungsgegenstand, zugleich zur Hauptquelle von Mut, Kraft und Trost. Als Sechzig- jähriger mit etlichen Kenntnissen von Literatur und Ge- schichte, von Menschen und Dingen, nach Beobachtungen aus den Höhen und Tiefen des Lebens, findet man natür- lich unendlich mehr in der Bibel, als ehedem als Volks- schüler und Student. Man erfaßt sie mehr und mehr als das Buch der Bücher, als das Licht der Lichter. Man er- kennt: In den Gestalten und Ereignissen der Bibel lebt Allzeitliches; da ist die ganze Problematik von Welt und Menschen eingefangen; da enthüllen sich die Früchte alles Denkens, Tuns und Lassens. Man erkennt: In der Bibel sind wirklich die Rätsel der Welt gelöst; hier wer- den die großen Lebensgesetze sichtbar; hier werden die erlösenden, befreienden Werte vermittelt. Und man ent- deckt: Nach diesen Lösungen und Werten tasteten ahnend die großen Genien des Altertums; vor diesen Lösungen und Werten beugen sich ehrfurchtsvoll die größten Geister der Neuzeit. Hier sind die Wege gezeigt, die die Menschheit beschreiten muß, wenn sie aus dem tiefen Verfall, in den sie geraten ist, wenn sie aus Barbarismus und Kannibalismus wieder zu würdigem Menschentum zurückfinden will. Je länger je mehr wird erfaßt: Die 92 Bibel Kraftı verza kung: sionst visior fragt Heim des/ Apos! eine: gesie Kanä röten Jesai trotz Plünc der m ihr y Guter Progr derer Glan; Fran Soar Die| Es is heite gezej dern Wied, denk einze Zeigt Bibel ist der große Leuchtturm, der große Wegzeiger und Kraftmotor für die Menschen. Man möchte mitunter fast verzagen angesichts des Verlustes von Gütern und Wir- kungsmöglichkeiten. Da gibt das Buch Job, gibt die Pas- sionsgeschichte der Evangelien, da geben die Zukunfts- visionen der Apokalypse Aufmunterung und Stärke. Man fragt nach dem Warum gewisser Schläge auf Volk und Heimat, und erhält reichlich Antwort bei den Propheten des Alten Bundes und in der Geheimen Offenbarung des Apostels Johannes. Jeremias, der klassischer als irgend- eine andere Gestalt der Weltliteratur Besiegten- und Aus- gesiedeltenschicksal schildert, leitet unsere Tränen in Kanäle, wo sie fruchtbar werden; wo sie, von Morgen- röten durchglüht, wie Diamanten zu leuchten beginnen. Jesaias zeigt in aufrüttelnden Kapiteln, daß diese Welt trotz aller Teufeleien in ihr, trotz aller Bedrückungen, Plünderungen, doch nicht des Teufels ist, sondern Gottes, der mit weiser Vorsehung und allmächtigen Händen über ihr waltet und selbst noch das Böseste für sich und die Guten zum Guten wenden kann. Wo es Zukunfts- programme gilt, bietet Christi Bergpredigt Leitmotive, deren geschichtliche Bewährung, deren geistig-sittlicher Glanz alle Atlantik-Chartres und alle Beschlüsse von San Francisco weit überstrahlt. Ein Werk über die Bibel— Das deutsche Schicksal im Licht der Bibel So arbeitete ich denn ein großes Werk über die Bibel aus: „Die Bibel im Licht der Weltliteratur und Weltgeschichte”. Es ist da die Rede vom persönlichen Erleben der Einzel- heiten und des Ganzen der Bibel. Und es wird zugleich gezeigt, was in allen Jahrhunderten, namentlich aber in der neueren und neuesten Zeit, große Menschen, und hier wieder neben Kirchenmännern vor allem große Laien- denker, an einmaligem Großen und Beglückenden in den einzelnen Abschnitten der Bibel finden. Und es wird ge- zeigt, welches Licht von der Bibel auf die Weltgeschichte 93 fällt, wie deren Ablauf die Gesetze der Bibel in wunder- barer Weise beleuchtet und bestätigt. Das Buch ist ge- dacht als Zusammenfassung meiner Erkenntnisse, als mein ausführliches, endgültiges Glaubensbekenntnis. Als das Glaubensbekenntnis, das auch mit der bitteren Gegenwart und unsicheren Zukunft Mitteleuropas fertig zu werden vermag. Welches Licht fällt denn von der Bibel auf das jüngste Weltgeschehen, speziell auf das Schicksal Deutschlands? Deutschland ist das Heimatland der Glaubensspaltung, damit der halbseitigen Lähmung der Christenheit, damit der beginnenden Emanzipation von immer mehr Lebens- gebieten aus der christlichen Führung. Deutschland ist das europäische Land mit am meisten grundsätzlicher Be- jahung und wissenschaftlicher Begründung des großen Verweltlichungsprozesses der neueren Welt; mit am meisten unchristlicher, Menschentum oder Natur ver- götzender Universitätsphilosophie, mit am meisten Macht- vor-Recht-Verteidigung durch Hochschulprofessoren der Geschichte und Soziologie. Hitler zog zuguterletzt nur Folgerungen aus Hegel, Nietzsche und Treitschke. In Deutschland gab es seit der Zeit der Reimarus, Dr. Fr. Strauß und Fr. Chr. Bauer bis zu den Ritschl, Wellhausen und Delitzsch am meisten zersetzende Theologie, am meisten Ablehnung der organischen christlichen Über- lieferung. Rosenberg zog nur letzte Konsequenzen dar- aus. Auch bei andern Völkern gab es Abfall und Verwelt- lichung, aber nicht in den gleichen Ausmaßen; und wenn schon, dann mehr aus der Schwäche des Fleisches heraus denn aus geistiger Hybris— nicht so nachhaltig von ernstesten Gelehrten begründet, nicht so wissenschaftlich- systematisch von Männern des Lebens praktiziert. Eng- land und die nordischen Staaten retteten sich bei allen Reformationen und Revolutionen doch viel christliches Traditionsgut. Die führenden Denker und Dichter im Frankreich der letzten Jahrzehnte: Baudrillart, Bergson, L. Bloy, Brunetiere, Goyau, Bertrand, Hello, Gilson, Mari- tain, dann Bazin, Bernanos, Bourget, Claudel, Coppee, Huysmans, Jammes, Valery-Radot sind Christen. Die als 94 führen benen land:! wald Baeun H, Sue G. Ko Neuhe Sühne schen Früch! Tungeı im In- ders: Schütt Ezech samm! Altes geopfe getan, und gq brech, eine] eines gewor und S Aber Proph donn: des g! Beisp; die I der G auch in Na Sich ı deuts ds dı Neres wunder- 1 ist ge- als mein Als das führend ausposaunten oder in den Vordergrund gescho- benen Geistesmänner und Poeten des jüngeren Deutsch- land: Ed. von Hartmann, Nietzsche, W. Wundt, W. Ost- wald, Haeckel, Vaihinger, Heidegger, Hauer, Bergmann, Baeumler, dann A. Holz, I. Schlaf, Gerhart Hauptmann, H. Sudermann, Max Halbe, Gustav Frenssen, Fr. Blunck, G. Kolbenheyer sind mehr oder weniger Skeptiker bzw. Neuheiden. Verlangt dieser Rückfall ins Heidentum nicht Sühne? Muß dieses Heidentum nicht wieder aus der deut- schen Geistigkeit ausgestoßen werden? Müssen die Früchte dieses Heidentums: die Verwüstungen, Plünde- Tungen, Vergewaltigungen, Marterungen, Ausrottungen im In- und Ausland nicht gesühnt werden? Geht das an- ders als unter gewaltigsten Erschütterungen? Unter Er- schütterungen, wie sie das Judenvolk unter Jeremias und Ezechiei erlebte; wie sie die junge Christenheit am Zu- . sammenbruch des alten Römerreichs erlebte? Es muß doch Altes stürzen, damit Neues werden kann. Es muß doch geopfert und gelitten werden, wo falsch gedacht, Unrecht getan, Verbrechen verübt wurden; um so mehr geopfert und gelitten, je größer zuletzt die Verirrungen und Ver- brechen wurden; um so mehr geopfert und gelitten, als eine Epoche der Verführung und Zerstörung nur durch eine solche der Vorbildlichkeit und Segensspendung auf- gewogen werden kann. Die Bibel fordert dieses Opfern und Sühnen im Hinblick auf die sittliche Weltordnung. Aber die Bibel erleichtert es auch, indem sie— in den Propheten des Alten Bundes als Vorbildern, in der Ma- donna, in Petrus, in Paulus, in Magdalena als Nachahmern des großen Messias-Kreuzträgers Christus— hinreißende Beispiele des sühnenden Leidens für sich und andere vor die Menschen hinstellt. So hinreißende Beispiele, daß in der Geschichte zuzeiten geradezu ein Messianismus auf- taucht, d. h. der Wille einzelner Völker, als Ganzheiten in Nachfolge Christi Entsühnungs- und Segensmächte für sich und die Umwelt zu werden. Gibt es derzeit für das deutsche Volk eine dringlichere und schönere Mission als diese? Gibt es für das derzeitige Leiden ein erhabe- neres Ziel? 95 Die Bibel erklärt am besten das heutige herbe Schicksal des deutschen Volkes. Sie läßt an der Geschichte des alt- testamentlichen Volkes ahnen, daß jedes Volk von Gott einen besonderen Beruf, eine besondere Aufgabe erhält. Bei Bejahung und Erfüllung des Berufes reichlichst be- gnadet, gewinnt es auch irdische Güter die Fülle. Zu wel- cher Weltgeltung steigt das deutsche Volk im Zeichen des christlichen Glaubens im Mittelalter empor; wie wird es, mit dem imperium d. h. der politischen Oberführung bedacht, zu einer Macht der Völkerorganisierung und Völkerzusammenfassung! Wie beginnt aber auch schon der Verfall bei Vergessen auf den Beruf, bei Zerstücke- lung des„ungeteilten Rockes Christi; beim Glauben an irdische Auserwählung statt an religiöse Berufung; bei Verlangen nach Weltherrschaft statt nach Ausübung des Schutzes von Kirche und Christenheit!So wie nach derBibel die Mehrheit des alttestamentlichen Judenvolkes für die Verkennung seiner Aufgabe mit politischer Spaltung und dann mit dem assyrisch-babylonischen Exil, d. h. mit dem Druck von Fremdmächten bestraft wurde, so wie sein Kampf gegen Christus mit der Zerstörung Jerusalems endete, so erleidet heute das deutsche Volk ein ähnliches Schicksal für den Abfall von seiner Mission.„Jerusalem, Jerusalem‘, spricht Christus,„wie oft wollte ich deine Kinder sammeln, aber ihr habt nicht gewollt. So seht denn: euer Haus wird euch öde gelassen werden; von eurem Tempel wird kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden. Diese Worte Christi machen auch das deutsche Schicksal verständlich. Es heißt in der Bibel:„Worin jemand gesündigt hat, darin wird er bestraft.” Wie bewahrheitet sich heute dieses Wort an Deutschland! Es verlor sich in vielen Millionen völlig an die Welt; nun wird ihm das Weltgeschäft zer- schlagen. Es löste sich in der Mehrheit heraus aus der alten christlichen Gemeinschaft; nun wird es zeitweise aus der Gemeinschaft der Völker ausgestoßen. Es brüstete sich allzusehr: Germania docet= Deutschland ist die Lehr-Nation;, nun muß es sich von Fremden belehren lassen. Es ließ seine Jugend in UÜbermut singen:„Heute 96 gehört und nu Aber( starker deutsch lorener keit zu aufgen Die ne Titan V über de selbst ewige ein ph: tes, d, Strenge Volk a mus! D Politike und En Mus äı und ih Komme gangen delsges fung ih dere G, Scharfe gestern bloß un zu Wer Häftlin. Aber jh Techtst hänc gung, Mitläuf beitrape Meinen 7 gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt‘; und nun ist kein Stücklein seiner Erde mehr frei. Aber die Bibel ist zugleich ein großer Trost und ein starker Anwalt für ein zur Buße und Sühne entschlossenes deutsches Volk. Die neutestamentliche Parabel vom ver- lorenen Sohn, der reumütig zur alten Heimat und Geistig- keit zurückkehrt und nun vom Vater mit überreicher Liebe aufgenommen wird, läßt auch das deutsche Volk hoffen. Die neutestamentliche Parabel vom barmherzigen Sama- itan verpflichtet die Welt zu Caritashilfen auch gegen- über dem aus tausend Wunden blutenden deutschen Volk, selbst wenn schwere Verirrungen hinter ihm liegen. Der ewige Kampf Christi gegen den Pharisäismus wehrt auch ein pharisäisches d. h. voreingenommenes, undifferenzier- tes, d. h. nicht unterscheidendes Kritisieren und über- strenges Menschenrichten gegenüber dem deutschen Volk ab. Wie weit verbreitet ist heute dieser Pharisäis- mus! Da gibt es unter den eigenen Volksgenossen alte Politiker und Geistliche, die nicht genug. Überraschung und Entsetzen über den Durchbruch des Nationalsozialis- mus äußern können, obwohl ihre unzulängliche Politik und ihre unzulängliche Predigt mit schuld am Empor-° kommen desselben sind. Da gibt es Leute, die in den ver- gangenen Jahren ungeschoren ihre Industrie- und Han- delsgeschäfte fortführen konnten oder aus der Verpach- tung ihrer Geschäfte an Nationalsozialisten sogar beson- dere Gewinne erzielten, und jetzt sind sie plötzlich über- scharfe Ankläger von Lehrern und Beamten, die sich gestern nicht als Nazis benahmen, nur als solche tarnten, bloß um nicht mit Weib und Kind auf die Straße geworfen zu werden. Manche heimgekehrte Emigranten und K.Z.- Häftlinge werden den Zorn über ihr Schicksal nicht los, aber ihre berechtigte Forderung der Bestrafung des Un- rechts trifft allzu unterschiedslos nicht nur die aufrichtigen Anhänger, die Aktivisten und Terroristen der Hitlerbewe- gung, sondern auch die harmlosen, irregeführten Muß- Mitläufer und vor allem auch jene, die der Bewegung nur beitraten, um sie im Sinne der Vernunft zu beeinflussen, meinend, daß nur wer auf dem Kutschbock mitfahre, mit- Mi 97 bestimmen könne, nicht wer bloß an der Straße stehe und fluche... Da sitzen andererseits, vor allem in neutralen Ländern, Leute, die unterschiedslos das ganze deutsche Volk als unanständig und minderwertig verdammen. Als ob dieses neben den Ungläubigen nicht auch zahllose Gläubige, neben den etlichen hunderttausend Verbrechern nicht auch Millionen gutmütiger Wehrloser, die selbst die ersten Opfer des Nationalsozialismus wurden, umschlössel Als ob in Deutschland nicht Millionen Menschen wegen ihres Nein gegenüber einem in Entartung geratenen Hitler- system den Verlust von Stellung, Einkommen, Vermögen, Freiheit ertragen hätten! Als ob nicht Zehntausende an Widerstandsversuchen, an Revolten gegen Hitler ver- blutet wären! Als ob das deutsche Volk in den letzten Jahren ohne eine große Zahl starker Glaubenshelden in seiner Mitte alles Furchtbare überhaupt hätte aushalten können! Da sitzen Pharisäer da, die den Hang zum Bösen, von dem alle Völker bedroht sind und dessen Wirklich- keit zuzeiten alle Völker in ihrer Geschichte aufweisen als eine ausschließlich deutsche Sache brandmarken! Die Bibel schützt ein bußfertiges, freiwillig sühnendes Volk gegen ungerechten Pharisäismus und namentlich auch gegen ein Übermaß von Bestrafung. Denn sie will die Gerechtigkeit durch die Liebe in den rechten Schran- ken gehalten wissen; sie hat bei aller Anerkennung der menschlichen Justiz letztlich doch auch das Gebot der Feindesliebe; doch auch Sätze wie:„Wer von euch ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein!";„Mein ist die Rachel" Und ist die Bibel nicht bereits wirksam in der Welt? Es ist doch die Bibel, die den Papst an die bayrischen Bischöfe schreiben läßt:„Es ist weder recht noch mit den Lehren des christlichen Glaubens vereinbar, eine ganze Nation für die Taten eines Teils von ihr verantwortlich zu ma- chen‘; die den Erzbischof von Canterbury erklären läßt: ‚Wir haben hier in England den ernstlichen Wunsch, Freund und Feind mit dem Notwendigsten des Lebens zu versehen, die vielen Leiden sobald wie möglich zu be- enden; wir wünschen aufrichtig den Tag herbei, da Deutschland wieder in die Gemeinschaft der Völker auf- 98 geno! den| brück schel versti Robeı „Wir besch progr Slurn zentr: wir a überz techn und: deuts Dami als G buch Chenc Unsic Hilfe letzte Schaf! {ige/ von| licher Müssı hoben Inner Herk, muf genommen werden kann.“ Es ist doch Geist der Bibel, der den französischen Staatsmann General de Gaulle in Saar- brücken sagen ließ:„Trotz allem, was zwischen uns ge- schehen ist, müssen wir zusammenarbeiten und einander verstehen lernen‘; der den amerikanischen Oberrichter Robert H. Jackson in Nürnberg zur Erklärung inspirierte: ‚Wir beabsichtigen nicht, das ganze deutsche Volk zu beschuldigen. Wenn die deutsche Bevölkerung das Nazi- programm willig angenommen hätte, so hätte man keiner Sturmtruppen bedurft und so würde man auch keine Kon- zentrationslager oder die Gestapo benötigt haben. Wenn wir auch nicht von der politischen Reife der Deutschen überzeugt sind, so haben wir doch Achtung vor ihrer technischen Befähigung und vor dem nüchternen, fleißigen und sich selbst beherrschenden Charakter der Masse des deutschen Volkes.” Damit ist schon angedeutet, daß das Bibelbuch nicht nur als Glaubensbekenntnis, sondern zugleich als Programm- buch für die Zukunft gedacht ist. Eine zusammengebro- chene, bis ins Innerste erschütterte, in Krämpfen und Unsicherheiten sich windende Welt schreit nach Rat, Hilfe, Wiederaufbau. Wieder einmal wird, wie nach dem letzten Weltkrieg, vor allem von Politikern und Wirt- schaftlern die Rettung erwartet. Sie können höchst wich- tige Arbeiten leisten. Aber es ist mit der bloßen Regelung von Machtverhältnissen, Staatsverfassungen, wirtschaft- lichen Produktionsmöglichkeiten nicht getan. Die Übel° müssen von der Quelle, vom Geistig-Moralischen aus be- hoben werden; die Menschheit bedarf der Sanierung vom Innern heraus. Die Menschheit muß sich wieder auf ihre Herkunft und ihr eigentliches Ziel, auf Gott besinnen; sie muß neuerdings Gottes Normen als ihre Lebensgesetze, Gottes Gnaden als ihr wichtigstes Brot empfinden. Nur dann gibt es wirklich Rettung. Es gibt dafür Beweise, die jedem einleuchten müssen. Zunächst das Versagen des Unglaubens. Es hieß gestern: Gott ist ein Phantom; nun zeigt sich, daß das abseits von Gott Versuchte Phantom ist, nämlich Schutt und Asche geworden ist. Es hieß: Mit Moral baut man keine Eisenbahnen; nun zeigt sich, daß 7* 99 Be ag ET 2 Be TEE Ehe ii URET, — nn die Eisenbahnen abseits von Gott in den Abgrund fahren. Es wurde geglaubt„Eritis sicut Deus= ihr selbst werdet Gott gleich, werdet Götter sein, und nun entpuppten sich die Titanen als in die Tiefen stürzende Teufel. Der zweite Beweis liegt in den Segensfrüchten des Gottesglaubens: Auch der Dreißigjährige Krieg und Kriege nach ihm schu- fen unendliche Verheerungen; aber wiederbelebter Gottesglaube überwand sie. Im Zeichen dieses Glaubens entfaltete sich die Barockkultur, blühten die Werke der Romantik auf. Die Fülle der Beweise, Aufklärungen und Anregungen aber wird von der Bibel geboten. So hat sie als der große Wegweiser in die Zukunft zu gelten. Und so wird jedes Buch über die Bibel natürlich zugleich zum Verkünder der Parole: Lest, studiert die Bibel! Die Menschheit steht und fällt mit der Bibel!— Es heißt: On revient toujours ä ses premiers amours— Man kommt zuguterletzt immer auf seine erste Liebe zurück. Von der Theologie ging ich einstmals aus— zur Theologie kehrte- ich in meinem Alter heim. Lebenserinnerungen Und nun wurde jüngst noch eine Selbstbiographie, wur- den umfassende Lebenserinnerungen geschrieben, von denen diese Broschüre einen kurzen Abschnitt wieder- gibt. Die Erinnerungen sind wie das Bibelwerk mitbedingt durch das Erleben des Nazismus, mitveranlaßt durch die Muße am Land, wo man abseits von großen Bibliotheken, um so lieber aus Gedächtnis und Rückschau schöpft, und sie sind immer wieder von Theologie überstrahlt. Worin liegt die Rechtfertigung von Memoiren? Was wollen sie? Ich antworte vielleicht am besten mit der Wiedergabe der Einleitung zum Buch und enthülle damit auch etwas vom Grund dieser Broschüre. Die Einleitung lautet: „Wenn wir Menschen den Höhepunkt des Lebens über- schritten haben und dem Alter entgegengehen, entsteht das Bedürfnis nach einer Zwischenbilanz: Wir schauen 100 zurück, bevor wir weiterwandern, halten eine Art General- abrechnung, suchen uns über tiefstes Wesen und Wollen klar zu werden; bedenken, was wir erreicht und was wir verfehlt haben, um den Rest des Lebens noch möglichst gut zu nützen. So entstehen die Gewissenserforschungen und Beichten, die Selbstporträts und die Selbstbiographien. Die Neigung dazu wird verstärkt durch die Neigung der Alternden zur besinnlichen Betrachtung, zur Pflege jener Erinnerung, die ‚auferstehen macht im Innern, was uns nach Außen unterging‘; der Erinnerung, die das Einzige ist, was uns nicht geraubt werden kann.— Was große Menschen zu sagen und zu bekennen haben, ist zweifellos von allgemeinem Interesse und Nutzen. Aber darf die Welt auch von Alltagsmenschen mit ihren Erinnerungen und Bekenntnissen belästigt werden? Nun, jedes Men- schenleben ist interessant; und das kleine für die Kleinen sicher ebenso belehrend, wie das große für die Großen. Nach Richard von Kralik sind Selbstbiographien wert- voller als Romane; in den Romanen aber erweist sich die Schilderung von Kleinwelt nicht minder anregend und erziehend als die von Großwelt.— Im übrigen soll sich ein Publizist, der fast durch ein Vierteljahrhundert als Herausgeber der Zeitschriften„Das Neue Reich“ und „Schönere Zukunft‘ sozusagen auf Weltkanzeln stand, bei aller höchsten Bescheidenheit vor Gott,— vor den Menschen nicht zu unwichtig nehmen. Sein Beruf, nicht minder bedeutsam als der vieler Professoren und Poli- tiker, Minister und Diplomaten,— ja vielleicht noch wich- tiger weil einflußreicher— verlangt schließlich weitere Beachtung. WennnichtimHinblick aufseine E750n,soimHinblickaufdieVielen,die Sichumihnals Mitarbeiter scharten und soerstseinerArbeitdiebreiteResonanz gaben. Es darf auch an ein Wort von Hebbel er- innert werden: ‚Der Mensch muß, was er mit schwerer Mühe im Schweiße seines Angesichts erworben, ehren und werthalten, wenn er nicht an sich selbst irrewerden, wenn er nicht sein ganzes Tun und Treiben verächtlich finden soll‘, Vor allem aber: Das Publikum selbst 101 erwartet vom Publizisten gewisse ETr- öffnungen. Es erwartet von dem, der immer nur an- dere angeredet und angepredigt hat, nun einmal auch Reden und Erzählen von sich selber: Von Heimat und Eltern, von Studiengang, Lehrern und Beratern. Es er- wartet Aufschlüsse über das Woher und Warum lang- jähriger geistiger Haltungen, über das Warum gewisser Parteinahmen und Polemiken. Es erwartet von dem, der vermutlich manchen Blick hinter die Kulissen von Welt und Menschheit tun konnte, ein gewisses Daran-Teil- nehmenlassen. Es interessiert sich für seine Begegnungen mit bedeutenden Zeitgenossen; es wünscht nähere Mit- teilungen über Hauptmitarbeiter. Es will von etwaigen Reisen hören und wie Völker und Menschen erlebt wur- den. Es erwartet vom Publizisten auch eine gewisse Auf- klärung und Rechenschaft, wenn er im Laufe der Jahre unter dem Druck bitterer Zeitentwicklung die Art seiner Publizistik bis zu einem gewissen Grad änderte; wenn er der Verfechtung des Grundsätzlichen Taktisch-Casuisti- sches beimischte, wenn er aus einem angreifenden Kämp- fer ein sich auf die Verteidigung zurückziehender ruhiger Apologet wurde, wenn er dann angesichts von Zeit- schriftenverbot und Gefängnishaft durch den National- sozialismus eines Tages überhaupt verstummte. Da wer- den nachträglich umsomehr genauere Auskünfte erwartet, wenn solche unter der Herrschaft der Diktatoren nicht mehr gegeben werden konnten. Das Publikum erwartet von dem, dessen Zeitschrift vernichtet wurde und infolge der besonderen Zeitlage noch nicht wiedererstand, end- lich die Vorlage gewisser abschließender Auffassungen und Programme— als Abrundung des in früheren Jahren Woche für Woche Gesagten. Vor allem: es will sehen, wie ein Mitteleuropäer, der das kennzeichnende Schicksal der Österreicher und Deutschen— zwei verlorene Welt- kriege(und im Rahmen dieser viele persönliche Ver- luste)— erlebte, das Glück genossen hat und wie er mit dem Unglück fertig zu werden bemüht ist.— Nun sagt zwar Thomas Morus: ‚Ein Mann soll die Besonderheit seines Lebens geheim halten, damit die anderen keine 102 N EEE vo DE Beat 63 Lu£n BR:—— 3„2. Gelegenheit haben, ihn zu bewundern.‘ Aber hier spricht weniger ein einzelner Mann denn ein Typus— und einer der nicht zu bewundern ist. Daher trotz des Rates des Morus dieses Buch. Die persönliche Aufmachung ist nicht nur die geignetste Form, wo es Persönliches mitzuteilen gilt; sie ermöglicht auch höhere Unmittelbarkeit, Farbe, Anschaulichkeit und Lebendigkeit bei der Darstellung jenes Allgemeinen, das ergänzend zum Persönlichen hin- zutreten soll.‘ Jedes Leben hat besondere Eigentümlichkeiten. Aber das Grundbekenntnis der Selbstbiographie konnte freilich nur das aller Biographen werden: Inquietum est cor nostrum donec quiescit in te= Unruhig ist unser Herz, bis es in Dir, Gott, ruht. ee. ig, DrE re ET EEREGER INHALTSVERZEICHNIS Grundsätzliches zum Durchbruh und Programm des National- sozialismus A;: e i Der eiserne Vorhang vor der Wirklichkeit Probleme, die für die Presse entstanden. Die Haltung der H.H. Bischöfe Kurzsichtige Kritiken Die beginnende Verfolgung der„Schöneren Zukunft“ Zwang zur Aufgabe des Verlags— Schriftstellerische Weiterarbeit Verbot der ‚„Schöneren Zukunft“— Schutzhaft des Herausgebers Gefängnis-Eindrüce Gespräche mit Mitgefangenen. Wieder frei!: ß a i 3> i: E a über die Bibel— Das deutsche Schicksal im Licht der ibe- 3:\ f-}::> Lebenserinnerungen 104 93 100 R REITEN rn zur AusderFedervondr.Joseph£berle erscheint im Verlauf des Jahres beim Verlag Herder-Wien das Werk Die Bibel im Licht der Weltliteratur und Weltgeschichte . 1. Band: Einleitendes.— Das Alte Testament(etwa 450 Seiten) II. Band: Das Neue Testament(etwa 500 Seiten) Das Werk ist Laientheologie nach dem Vorbild der Fr. L. Stolberg, Louis Veuillot, G. Papinı.— Die Bibel, herausgehoben aus den Abstraktheiten der Schule, erscheint im Ganzen und in den Einzel- heiten beleuchtet vom Denken großer, vor allem auch weltlicher Persönlichkeiten; erscheint im Typischen, Prototypischen d. h. Vor-. bildenden ihrer Geschehnisse und Gestalten, im allzeitlich Gültigen ihrer Werte und Gesetze bestätigt durch den Gang der Welt- geschichte. Hauptsache im Werk nicht Quellenkunde, Philologie, “ Orts- und Volksbeschreibung, sondern das Führende für Theologie, Metaphysik, Geschichtsauffassung, Soziologie. Die Bekenntnisse aus der Weltliteratur, die Beispiele aus der Weltgeschichte, viel zahlreicher und systematischer herangezogen als in irgendeinem andern Bibelbuch der neueren Zeit und die Erwägungen des Ver- “ fassers illustrierend und unterstützend, lassen die Bibel so recht als das Werk Gottes, als die Königin der Weltliteratur, als das große Aufklärungs- und Trostbuch’gerade auch für die Not unserer : Tage erfassen- und schätzen. Aus der Feder des gleichen Verfassers ist zur Veröffentlichung vorbereitet das Buch Der Weg eines Schriftstellers (etwa 500 Seiten) Das Buch bietet die Lebenserinnerungen des früheren Herausgebers der Zeitschriften„Das Neue Reich“ und„Schönere Zukunft“.— Das Persönliche ist meist Ausgangspunkt für allgemeine Betrach- tungen über die Lebensalten, über Land und Stadt, Gymnasial- und Universitätsbetrieb, Presse und Publizistik. Bilder aus Familie und Heim, Berichte über Reisen und Begegnungen mit führenden Persönlichkeiten beleben die grundsätzlichen Ausführungen zu den Hauptfragen von Religion und Kultur, Politik und Volkswirtschaft. ; 5: a3 Blue Cyan “ Colour& Grey Control Chart er Green Yellow Red Magenta White Grey 1 Grey 2_ Grey3 Grey 4 Black und Bekenniniısse Ein Kapitel Lebenserinnerungen des früheren Herausgebers der Zeitschriften „Das Neue Reich” und„Schönere Zukunft”