DR.MAX JOSEF METZGER HERAUSGEGEBEN VON DR.MATTHIASLAROS Dr. Max Josef Metzger wurd- boren am 3. Febr. 1887 zu Schopf heim i. Schwarzwald, besuchte da Gymnasium in Konstanz, studier- te auf den Universitäten Fre burg/Br. und Freiburg/Schweiz Theologie, promovierte ıgıı zum Dr. theol. und wurde am 5. Juni ı9gıı zum Priester geweiht. Nach seinen ersten Kaplansjahren in Karlsruhe und Mannheim erlebte er 1914/15 Divisionspfarrer den Weltkric n Frankreich übernahm 1916 d Leitung der Volksheilzentrale in Graz und vidmete sich besonders der Oı ganisatior der Internationa kathol. Friede 191 gründete er z P:Jo ‚ven(Bruder Gottwill Itfriedensbund n We Re Kreuz, aus dem die Christ UNA SANCTA BÜCHEREI NUMMER1 Dr. Lenhardt \ ı Neuwied/Rh. l fr Hermannstraße 32 PrLa DR. MAX JOSEF METZGER (BRUDER PAULUS) GEFANGENSCHAFTS- BRIEFE eingeleitet und herausgegeben von DIR, MATTHTAS BAROS Kyrios-Verlag, Meitingen bei Augsburg en cu BIT TEE. BEIN dl Published under Military Government Information Control License Number US-E-152 Mit bischöflicher Druckerlaubnis 1.-5. Tausend 1947, Printed in Germany Copyright 1947 by Kyrios-Verlag, G.m.b.H., Meitingen E Satz und Druck von Buchdruckerei Hieronymus Mühlberger Einbandentwurf von Rudolf Wirth, München P EINLEITUNG Gott braucht zuweilen Menschen, die dem Tag vorauslaufen, um ihn anzumelden! aber sie müssen sterben, bevor der Tag kommt. (P. Lippert) ER EEE In carcere et vinculis In Kerker und Gefängnisbanden sind die tiefsten documents humains entstanden; denn erst in der höchsten inneren Not, im völligen, langen Allein- sein kommt der Mensch zu seinem eigentlichen Selbst. Da zeigt sich, was er wirklich ist, wenn alle Zerstreuung und Ablenkung völlig abgeschnitten ist und eine Selbsttäuschung nach der anderen fällt; wenn er nichts mehr hat als sein inneres Sein und alles Äußere, das er bislang geschägt, für das er sich eingesett hat, ins Wesenslose entschwindet; wenn er in endlosen Tagen und Nächten gleich- mäßig im Dunkel sitgend die Zeit gleichsam wie die Wasser eines Flusses an sich vorüberrauschen hört und nun das Ewige, einzig Bleibende überlegt, und wenn ihm dann der Sinn oder Unsinn seines Le- bens aufgeht, wenn er sich im Angesicht des Todes und des ewigen Richters betrachtet und immer von neuem sein Leben, sein Tun und Lassen überden- ken und abwägen muß; oder wenn er monatelang auf engstem Raum mit verbrecherischen, vertier- ten Menschen zusammenleben, ihre Gespräche an- hören und ihre Lebensart ertragen muß, bis ihm der Ekel aufsteigt, dazu vielleicht an Händen oder Füßen gefesselt, so daß die eisernen Bande ihm die Haut bis auf die Knochen blutig reiben und fast jede Bewegung unmöglich machen— dann brechen die lezten Tiefen und Untiefen der Seele auf, die ganze menschliche Erbärmlichkeit, aber auch die höchste sittliche und religiöse Kraft und Reife, die in normalen bürgerlichen Lebensformen 9 4 + an= sn Ser er— nie zur Entfaltung gekommen wären, und ein ebenso tiefes Verstehen und Lieben des Menschen, auch noch in seiner äußersten Verwirrung und Ver- blendung; und dabei ist ihnen eine Ahnung von der unbegreiflichen Liebe Gottes aufgegangen, die die- ses Menscheigeschlecht erträgt und gar den eigenen Sohn in den bittersten Tod gegeben hat, um uns den Weg ins wahre, ewige Leben zu öffnen. Ungezählte haben(das nunmehr an sich erfahren und zu ihrem schweren Schicksal vorbehaltlos Ja gesagt, und so sind sie in ihre eigentliche Größe und Bestimmung hineingewachsen, die keiner ihrer ehemaligen klugen Kritiker geahnt, geschweige denn erreicht hätte; und aus diesem Erlebnis ha- ben sie das ergreifendste Magnifikat gesungen, das je einem Meise tale ist, ein Magnifikat des Lobes und des Dankes, daß Gott sie gerade diesen Weg geführt hat, an dessen Ende sie mit Papst Gregor I., dem„letten Rö- mer“, staunend ausrufen:„Quanta est humana malitia contra consilium Divinitatis- was ist alle Bosheit und Erbärmlichkeit der Menschen gegen den Ratschluß und die Erbarmungen Gottes!“ So sind die menschlichsten Dokumente zugleich die tiefstreligiösen geworden und werden erst in un- seren Thesn voll verstanden, da so viele Unschul- dige aus unserer Mitte, für ihr Volk Sühne lei- stend, in Kerker und Banden gelegen haben und umsckommen sind, und Satan noch weiter um- geht, nur unter anderer Maske und Farbe, um, als Werkzeug Gottes, Menschen und Reiche zu sie- 10 [u ben, wie man den Weizen siebt, bis alle Spreu zu Boden gefallen ist und die reine Frucht in die Scheunen Gottes gebracht wird. Dr. Meßger gehört zu diesen Opfern und hat uns, in carcere et vinculis, und zwar in härtester Haft, Briefe und Abhandlungen hinterlassen, die zum Wertvollsten der gesamten Gefangenenliteratur ge- hören. Um sie recht zu würdigen, müssen sie in die Reihe der großen Bekenntnisse aus Gefängniszellen gestellt werden, weil ihre Individualität erst aus diesen historischen Typen aufleuchtet. Der Größte ist sicher der Apostel Paulus, den Meßger sich als Gründer der„Christkönigs-Ge- sellschaft vom Weißen Kreuz“ zum Paten erwählt hat. Er hieß in ihr„Bruder Paulus“, und in den legten Jahren nannte man ihn immer nur„Vater Paulus“. Keine Frage: Paulinischer Geist und pau- linisches Temperament lebten in ihm, und in allem suchte er ihm nachzustreben, besonders in der all- umfassenden, wagemutigen, selbstvergessenden Liebe, die in ihrer glühenden Hingabe zu Chri- stus, dem König, immer zum Einsag an der ge- fährlichsten Stelle drängte. Wie wenige hat er stets von neuem die Paulusbriefe gerade nach der menschlichen Seite hin studiert und mit der Be- geisterung eines Jünglings davon geschwärmt, als ob er sich nach dem Schicksal des Völkerapostels 11 sehnte. Daß er buchstäblich seines Todes sterben werde, hat er wohl kaum geahnt; aber nicht nur im Schicksal, sondern auch in der Art seiner Be- wältigung springt die Analogie immer wieder in die Augen. Schon im Jahre 56, also 11 Jahre vor dem Mar- tyrium, als Paulus in Ephesus seinen bisherigen Lebensweg überdachte, mußte er an die Korinther, die von„falschen Brüdern“ gegen ihn aufgehett wurden, schreiben:„Wir wollen Euch, Brüder, nicht im Ungewissen lassen über die Bedrängnis, die uns in Asien widerfahren ist. Da wurden wir im Übermaß, weit über unsere Kräfte bedrückt, so daß wir sogar am Leben verzweifelten. Ja, in uns selbst mußten wir uns schon das Todesurteil sprechen, damit wir nicht unser Vertrauen auf uns selbst setten, sondern auf Gott, der die Toten er- weckt.“(2. Kor. 1, 8-9). Und weiter rechnet er ihnen vor:„„Fünfmal habe ich die 39 Geißelhiebe bekommen, dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden, dreimal habe ich Schiff- bruch gelitten, einen Tag und eine Nacht war ich ein Spiel der Wellen...“(XI, 24). Den ersten Vorgeschmack dessen, was Gefangenschaft in der antiken Welt bedeutete, hat er in seinem gelieb- ten Philippi bekommen. Eine hysterische Sklavin, die durch Wahrsagerei ihrer Herrschaft Geld ver- diente, war Paulus und Silas hachgelaufen und hatte sie als Boten des höchsten Gottes begrüßt, und Paulus hatte sie von dem bösen Geist befreit, sc daß sie die Wahrsagerei einstellte. Da erregte die Herrschaft, unterstügt von den Juden der Stadt, einen öffentlichen Tumult, und ein Richter ließ die beiden ohne Verhör auspeitschen und ins Gefängnis, eine dunkle, übelriechende Zelle, wer- fen: Die Füße in einem Holzblock geschraubt, Hand- gelenke und Hals in eisernen Ringen, die durch eine Kette an einem Mauerhaken befestigt waren. Der Rücken schmerzte, die offenen Wunden und Striemen brannten und stachen wie heiße Nadeln. Aus der Zelle nebenan hörte man Flüche, Schreie, Ächzen und Stöhnen. Gegen Morgen aber fangen die beiden an, nach väterlicher Sitte, laut ihr Mor- sengebet zu verrichten und Psalmen zu singen, und die anderen Gefangenen und die Wächter horchen auf. So etwas ist in den Kerkermauern von Phi- lippi noch nicht gehört worden. Ein Erdbeben sggt ein, wie es auf den Ägäischen Inseln und in Ma- z.donien öfters vorkommt. DieHolzriegelfallen aus den Schlössern, und der Kerkermeister will sich ein Leid antun. Paulus hält ihn ab und ruft ihm ıus dem finsteren Loch zu: ‚„‚Warum willst Du das? « Wir sind doch noch ruhig hier.“ Dieser erzählt alles dem Stadtpräfekten, und der verfügt die so- fortige Freilassung. Paulus aber erklärt:„Wir sind, obwohl römische Bürger, ohne Untersuchung öf- fentlich ausgepeitscht und ins Gefängnis geworfen worden, und jett will man uns heimlich fort- schicken? Nein, die Herren sollen selbst kommen und uns herausführen.“(Apg. 17, 37). Und die Herren kommen, aus Furcht vor einer Beschwerde bei der Oherbehörde. Aber Paulus weiß nun, was 13 er auf seinen weiteren Missionsreisen zu gewärti- gen hat. Überallhin verfolgt ihn der Haß der Ju- den, weil sie in ihm den stärksten Gegner sehen, der ihre nationalistischen Tendenzen in der Wur- zel bedroht. Im Winter 56/57 blieb Paulus in Korinth im Hause seines Gastfreundes Aquila und bereitete sich auf die Reise nach Rom vor, um auch dort, am Zen- trum des Weltreiches, das Evangelium zu verkün- den. Einen wohlabgewogenen Brief schickt er an die römischen Juden und Judenchristen voraus. Zuerst aber muß er noch nach Jerusalem; die Freunde warnen ihn:„Das ist der sichere Tod. Du kommst nicht lebend hin. Schon bei der Überfahrt auf den gedrängten Schiffen werden sie Dir einen Dolch in den Rücken stoßen und Dich über Bord werfen. Wir brauchen Dich noch hier zu nötig.“ Aber Paulus ist nicht zu halten. Zu sehr liebt er sein Volk und möchte gar„‚gebannt und vom Mes- sias getrennt sein“, wenn er damit seine Brüder, seine„Stammesgenossen dem'Fleische nach“, ret- ten könnte.(Röm. 9, 3). Er muß noch einmal zu den Uraposteln, um die Fragen der weiteren Mis- sion zu besprechen. Aber bereits im Hafen von Kenchräe wird ein Komplott belauscht: In der er- sten Nacht auf offener See soll er verschwinden. Er verläßt also heimlich das Schiff mit seinem jungen Freunde Lukas und begibt sich auf den Landweg durch Mazedonien und Kleinasien, wäh- rend die anderen Freunde, um die Gegner irre- zuführen, weiterfahren. Auf dem weiten, beschwer- 14 | | lichen Umweg ist neue Gelegenheit, Jesus zu pre- digen, und zwischendurch kann er doch wieder ein Schiff benugen.- Am 22. April ist er in Milet. Die Getreuen warnen ihn erneut, nach Jerusalem zu gehen, bitten und beschwören ihn, zu bleiben. Aber er antwortet:„Vom Hl. Geist getrieben, gehe ich nach Jerusalem, ohne zu wissen, was mir dort be- gegnen wird. Nur das bezeugt mir der Hl. Geist von Stadt zu Stadt, daß Bande und Trübsale dort meiner warten. Doch all dies fürchte ich nicht. Auch mein Leben halte ich für wertlos, wenn ich nur meine Laufbahn vollende und die Aufgabe erfülle, die ich vom Herrn Jesus erhalten habe, Zeuge der Frohbotschaft von der Gnade Gottes zu sein... Ich weiß, daß ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet,.... und ich weiß, daß nach meinem Weggang reißende Wölfe unter euch ein- dringen und die Herde nicht schonen werden. Aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes reden werden, um die Jünger zu sich herüberzuziehen. Seid darum wachsam und denkt stets daran, daß ich drei Jahre lang, Tag und Nacht, unaufhörlich unter Tränen einen jeden von euch ermahnt habe.“(Apg. 20, 23-31). Dann geht er aufs Schiff und fährt zunächst nach Cäsa- rea. Wieder dieselben Warnungen undBitten. Einer der Ältesten bindet sich mit dem Gürtel des Pau- lus Hände und Füße und ruft in die Gemeinde: „Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem also binden und den Hän- den der Heiden überliefern.‘“(Apg. 21, 11). Aber 15 a nn Paulus bleibt fest:„Was weint ihr und macht mir das Herz schwer? Ich bin bereit, mich nicht nur binden zu lassen, sondern auch zu sterben für den Namen des Herrn Jesus.“(Apg. 21, 13). So geht er seinen Weg. In Jerusalem angekommen, besucht er zunächst den„„Herrenbruder“ Jakobus; aber der Empfang vor der Gemeinde ist zunächst seltsam kühl, troß der reichen Spende, die er den Brüdern mitbringt. Man hält ihn für zu stürmisch, für unvorsichtig und legt ihm die Klagen der Judenchristen vor; und um sich vor ihnen zu rechtfertigen, rät man ihm, vier Männer, die das Nasiräergelübde gemacht hatten, zu sich zu nehmen und mit ihnen im Tem- „pel Buße zu tun, indem er ihr Reinigungsopfer mit auf sich nahm und die Kosten des Opfers be- zahlte. Es wird Paulus nicht leicht geworden sein, nachdem er vorher so entschieden die Freiheit der Heidenchristen vom mosaischen Geseg vertreten hatte; aber da es ein Liebesdienst ist, erklärte er sich bereit, wie er vorher den Korinthern geschrie- ben hatte:„Obwohl ich frei bin, mache ich mich doch zum Diener aller.“(1. Kor. 9, 19). Und eben das wird ihm zum Verhängnis. ‚Weil er Heiden mit in den Tempel genommen und den heiligen Ort entweiht habe, wird er dort von den Juden er- sriffen und zu Boden geschlagen. Man will ihn steinigen. Mit Mühe entreißt ihn die Tempelwache der fanatisierten Menge, und der römische Oberst läßt ihn mit zwei Ketten fesseln. Man führt ihn zunächst in eine Kaserne. Aber der Pöbel droht 16 een t mir t nur den geht yächst pfang ‚ troß ringl. jchtig | Vol; ' mai macht Tem- ;opfer 718 be- ı sell, it der ‚treten ‚rte er schrie- , mich ] eben en mit n Ort Jen et j] ibn Jwache Oberst rt ihn droht zu stürmen, und so muß er auf die Burg Antonia gebracht werden. Das Volk drängt nach, und Pau- lus bittet, zu den aufgeregten Scharen sprechen und sich rechtfertigen zu dürfen, und erzählt da- bei die Geschichte seiner Bekehrung. Dann die erste Verhandlung vor dem Synedrium auf dem Tempelplatz. Paulus antwortet ruhig und fest, der Wahrheit gemäß. Als er sich auf sein Gewissen beruft, läßt ihn der Hohepriester auf den Mund schlagen. Und Paulus:„Dich wird Gott schlagen, Du übertünchte Wand. Du sitzest da, um mich zu richten nach dem Gesetz, und wider das Ge: setz läßt Du mich schlagen?“(Apg. 23, 3). Wie- derum Tumult. Durch geschickte Antworten bringt Paulus das Richterkollegium selber in Zwiespalt, und schließlich erbieten sich vierzig Verschworene, die weder essen noch trinken wollen, bis sie den „Abtrünnigen“ beseitigt haben, ihn in offenem Volksaufstand einfach niederzustoßen. Darum läßt ihn der römische Oberst unter starker Bedeckung nach Cäsarea bringen, und da bleibt Paulus volle zwei Jahre im Kerker, ohne Verhandlung und ohne Verhör, nur einmal von König Agrippa 11. und seiner Gemahlin Berenike aus dem Verließ herausgeholt, um einer großen Festgesellschaft ein kleines Schaustück zu geben. Aber Paulus ergreift die Gelegenheit, mit Feuer seinen Glauben zu be- kennen und die illustre Gesellschaft an den ewi- gen Richter zu erinnern, vor dem alle, Groß und Klein, erscheinen müssen. Der Landpfleger Festus sucht zu spotten:„Du bist von Sinnen, Paulus! EEE TEE EEE. Te——— Das viele Studieren bringt Dich um Deinen Ver- stand“, und König Agrippa scherzt:„Beinahe könn- test Du mich bereden, ein Christ zu werden.“ Und Paulus:„Ich bete zuGott, daß nicht nur Du, son- dern alle, und nicht nur beinahe, sondern ganz so würden, wie ich bin, diese Fesseln ausgenommen.“ (Apg., 26, 24-29). Die ganze übrige Zeit muß er allein in seiner Fel- senkammer sitzen, mit Ungeduld den Tag der Freiheit erwartend, da er wieder über Land und Meer eilen därf, um seine Berufung zu erfüllen. Aber eine andere Aufgabe ist ihm in der Stille gestellt: Er bereitet mit Lukas, der ihn öfters.be- suchen darf, die Niederschrift seines Evangeliums vor, mit all den Einzelheiten, die dieser auf seinen vielen Reisen gesammelt hat. Auch die Grundzüge der Apostelgeschichte werden entworfen. Da bricht wieder eine Revolte der Juden los. Der Statthal- ter Felix geht scharf vor, und um die Juden nach- her zu versöhnen, läßt er Paulus wieder in Fesseln schlagen und diesen ıdie Kosten seiner Härte be- zahlen. Aber es hilft nichts. Felix wird abberufen und verschwindet in Dunkel und Schande. Festus trıtt im Jahre 60 an seine Stelle, und Paulus war- tet und wartet auf den Fortgang seines Prozesses. Vergebens. Er muß, um voranzukommen, als rö- mischer Bürger an den Kaiser appellieren. So wird er nach Rom gebracht. Der Schiffshaupt- mann Julius„‚behandelt ihn menschenfreundlich und erlaubt ihm, zu seinen Freunden zu gehen und sich mit dem Nötigen versorgen zu lassen.“ 18 Ver- (Önn- Und son- nz 50 nen. - Fel- der und illen. Stille 5 be- Jiums einen Izüge hricht tthal- nach- »sseln ‚e be- rufen aupt- ndlich sehen age.” (Apg. 27,3). Aber dieÜuberfahrt im Winter! Ein vierzehntägigerSturm bricht los. Dieganze Ladung wird über Bord geworfen, die Lebensmittel gehen aus, die Soldaten fluchen und suchen den Schul- digen, der den Zorn der Götter heraufbeschwo- ren habe. Die Matrosen schaffen verzweifelt, bis auch sie nicht mehr können. Nur Paulus ist guten Mutes. Eine innere Stimme sagt ihm, daß er trotz allem vor den Kaiser kommen werde, und so er- mutigt er die ganze Besatzung. Vor Malta aber scheitert das Schiff an einem Felsenriff, und auf den Trümmern retten sich alle, einen Tag und eine Nacht mit den Wogen kämpfend, ans Land. Wiederum, von allem entblößt, eine dreimonat- liche Haft, hungernd, frierend und vor allem un- tätig, er, der aktive Mann, der in der Hauptstadt der Welt das Evangelium verkünden möchte. End- lich, endlich Landung in Neapel. An einen Solda- ten angekettet, zieht er nun die Appische Straße am Fuße des Palatin vorbei, von dessen Höhe die kaiserlichen Paläste winken, und betritt durch die Porta Viminalis, großen Angedenkens, die ewige Stadt. Aber wieder zwei volle Jahre, bis es zur Verhandlung kommt, immer noch Gefangener, nur von Zeit zu Zeit werden die Ketten gelöst. Die Ungeduld wird bis aufs höchste gespannt, aber während die Mitgefangenen klagen und fluchen, stimmt er immer wieder seine Psalmengesänge an und wiederholt, was er ein Jahr zuvor den Ko- rinthern geschrieben hatte:„Wir galten als Be- trüger und sind doch wahrhaftig, als Unbekannte z 1) und doch wohl bekannt, als Sterbende und siehe, wir leben, als Geschlagene und doch nicht getötet, betrübt und doch immer fröhlich, arm und doch viele bereicherud, nichts habend und doch alles besitzend.“(2. Kor. 6, 8-10). Einen solchen Gefangenen haben die Soldaten und dieWache noch nicht gesehen. Schmiergelder für kleine Annehmlichkeiten hat er zwar nicht; aber sie müssen ihm menschlich doch gut sein, gehen öfters zu ihm und unterhalten sich mit ihm, las- sen ihn Besuch. empfangen und auch ausgehen, je- doch am linken Handgelenk durch eine Kette mit dem Wachsoldaten verbunden, der hinter ihm her- geht, von den Passanten neugierig betrachtet und nicht selten verspottet: Ein Gefährlicher, vor dem man sich in acht nehmen muß!- Am unange- nehmsten, ‚daß die Wache täglich wechselt. Aber Paulus wendet das zum Guten. Er wird bei der sanzen Prätorianergarde bekannt. Alle wissen, daß er um Christi willen die Ketten trägt, und viele suchen nun, Christi Botschaft selber kennen zu lernen. Die Soldaten sprechen auch mit den Leu- ten aus den umliegenden Mietskasernen. Die kom- men ebenfalls, um den seltsamen Mann zu sehen und zu hören. Aus Griechenland und Kleinasien kommen Freunde und Bekannte. aller Art, die auch etwas mitzubringen haben. Bei magerem Mahl bilden sich Tischgesellschaften, bei denen Paulus das Wort führt, und an den langen Aben- den, beim spärlichen Licht der Öllämpchen, ent- stehen katechetische Kurse, deren Teilnehmerzahl 20 EEE imt tag die ner in Bo er bit reg bei ger fru naı dei ha da 1e] da en de (4 er un fü un hi de all st au ich iehe, tötet, doch alles ı und r für aber ‚ehen „ las- n,]e- e mit u her- t und - dem jange- Aber ] der 1. daß viele en ZU ‚ Leu- kom- gehen nasien ı, die gereM denen Aben- ,, ent erzabl immer mehr wächst. Und in der Nacht von Sams- tag auf Sonntag feiert Paulus mit den Freunden die hl. Geheimnisse, wie einst der Herr vor sei- nem Hinscheiden, und das erneuert ihn stets bis in die Tiefen der Seele.- Immer wieder kommen Botschafter ausden hellenistischen Gemeinden, die er gegründet, die seinen Rat und seine Hilfe er- bitten und ihm auch etwas Gutes tun wollen. Das regt ihn an, ihnen mit ausführlichen Sendschrei- ben zu antworten, und so beginnt in der erzwun- genen Ruhe der römischen Gefangenschaft eine fruchtbare schriftstellerische Tätigkeit, in der er, nach Thomas von Aquin, vor allem die Probleme der Kirche und ihrer hierarchischen Ordnung be- handelt, nachdem er in den früheren Briefen mehr das Erlösungswerk Christi an sich und in der Ein- zelseele dargelegt hatte. Im Epheserbrief singt er das Preislied auf die Einheit der Kirche:„Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“ (4,6).- Den Kelossern im fernen Lykostal kündet er die Hoheit Christi:„Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der Schöp- fung, denn in Ihm ist alles geschaffen im Himmel und auf Erden... alles ist durch Ihn und auf Ihn hin erschaffen... Er ist das Haupt des Leibes, der Kirche... Es hat Gott gefallen, durch Ihn alles mit sich zu versöhnen, indem Er Frieden stiftete, durch das Blut Seines Kreuzes- alles, was auf Erden und im Himmel ist... Und nun freue ich mich der Leiden für euch und will an meinem el Fleische das ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt für Seinen Leib, die Kirche... Dafür arbeite ich und kämpfe in Seiner Kraft, die Er mächtig in mir wirkt.“(1, 15-29).- Den Freunden in Philippi gesteht er:„Für mich ist das Leben Christus und das Sterben-Gewinn. Wenn das Le- ben im Fleische für mein Wirken fruchtbar ist, dann weiß ich nicht, was ich wählen soll. Es zieht mich nach beiden Seiten hin: Ich habe das Ver- langen, aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein, was um vieles besser wäre. Im Fleische zu bleiben, ist aber notwendig euretwegen. Und das weiß ich zuversichtlich, daß ich bleibe, daß ich bei euch bleiben werde zu eurer Förderung und zur Freude im Glauben, damit euer Frohlocken in Christus Jesus um so überschwenglicher mir zuteil werde,wenn ichwieder zu euch komme.“(1.21-26). Darum ermahnt er sie, er, der Gefangene, dem es an allem fehlt und. der beständig den. Wacht- posten hinter sich sitzen sieht:„‚Freuet euch aller- wegen im Herrn! Abermals sage ich: Freuet euch! Laßt euch durch nichts ängstigen! In jeder Lage laßt eure Anliegen in flehentlichem Gebet mit Dank kundwerden bei Gott. Dann wird der Friede Got- tes, der alle Begriffe übersteigt, eure Herzen und eureGedanken in Christus Jesus behüten.“(4,4-7). Wie ist Paulus in dieser Gefangenschaft innerlich gewachsen bis zur letzten Freiheit in Gott!- Auch für Privatbriefe hat er noch Zeit. Der Sklave Onesimus war seinem Herrn, dem reichen Kauf- mann Philemon in Kolössä, entlaufen und kommt 22 risti )afür e Er nden ‚eben ; Le- r Ist, zieht Ver- 15 zu e zu | das h bei | zur 7 in zuteil 1-26). dem Jacht- aller- euch! Lage Dank ‚ Gol- ‚und el). erlich ‚klave Kauf- ommt eines Tages bei dem Gefangenen in Rom herein. Paulus sieht sofort: Der Fall ist ernst. Nach römi- schem Recht ist Onesimus dem Tode verfallen. In christlicher Sicht aber ist Sklaverei elementares Unrecht. Alle Menschen sind Knechte Gottes, und keiner ist bloßes Sacheigentum des andern. Eine grundsätzliche Klärung der Frage ist noch nicht ‚nöglich, weil die zeitgeschichtliche Begriffsbildung noch nicht reif ist. Es muß also eine persönliche Vermittlung gesucht werden, und Paulus findet sie im Verhältnis zu Christus. Er schreibt also an Philemon: Wir alle sind durch die Taufe Glieder am Leibe Christi. Also ist Onesimus Dein Bru- der. Civilrschtlich hat er Dir Unrecht getan; aber sein Fehler ist der Anstoß zu seiner Bekehrung geworden, und so ist Dein vorläufiger Schaden zum tieferen Gewinn geworden. DeinSklave ist Dir entlaufen, aber ein Bruder kommt zu Dir zurück, um immer bei Dir zu bleiben. Und bedenke unser Verhältnis! Ich bin Dir Vater geworden und stehe, kaufmännisch betrachtet, zu Dir in einer Art Teil- haberschaft. Wenn Du mich als Teilhaber betrach- test, so nimm ihn auf wie mich selbst. Ist er Dir etwas schuldig, so schreibe es auf mein Konto. Ich, Paulus, stelle Dir hiermit eigenhändig den Schuldschein aus. Ich werde es bezahlen. Fast hätte ich gesagt: Setze es Dir auf die Rechnung, denn Du bist mir noch mehr schuldig, nämlich Dich selber. Ja, Bruder, ich möchte von Dir Nutzen haben im Herrn: Erquicke mein Herz in Christo. (12-20). r 23 Endlich, im Sommer 63, ist die Gerichtsverhand- lung und endet mit Freispruch. Paulus kann nun wieder hinaus an die Arbeit in der großen Welt. Er muß wieder zu seinen Gemeinden in Griechen- land, Mazedonien, Kleinasien, auf den Inseln, um nach dem Rechten zu sehen, Gefahren abzuwen- den und neue Brüder zu gewinnen. Vier Jahre lang tut er das. Dann aber drängt es ihn erneut nach Rom, dem Zentrum der Welt, und darüber hinaus nach Spanien, bis an die Grenze. Im Früh- jahr 67 macht er sich auf den Weg. In einer Her- berge in der 11. Region findet er Wohnung und predigt in einem leerstehenden Magazin in der Nähe der Porta Ostiensis vor Kleinhändlern, Schif- fern, Gerbern, Gemüsehändlern und auch Solda- ten. Nun wird das ihm zum Verhängnis. Der Kai- ser Nero hatte= den Spaß erlaubt, von der Höhe seines Palastes aus die dicht bevölkerten Wohnviertel Ro ee en zu sehen, und um vor der wütenden Volksmenge den Verdacht.der Brand- stiftung von sich abzulenken, suchte er eine ver- rufeng orientalische Sekte. Die Juden, die unter Claudius schon einmal Rom hatten verlassen müs- sen und bei der antisemitischen Einstellung des Volkes zuerst in Betracht kamen, wiesen auf die Christen als die Schuldigen hin, und einflußreiche Persönlichkeiten in der Umgebung des Kaisers be- stärkten ihn nach dieser Richtung. Damit war der Anstoß zur ersten Christenverfolgung gegeben, die mit Unterbrechungen fast 300 Jahre dauern sollte. Überall waren die Soldaten gegen hohe Belohnung 24 a ran auf hau ker. der: ein sche Tibe eine hatt er i „Wie Fün Hän selt, date wie« vor hand- n nun Welt, echen- n, um uwen- Jahre rneut ‚rüber Früh- - Her- x und n der Schif- Solda- r Rai- n der ‚orten m vor rand- >» vel- unter müs- s des ‚f die reiche 16 be- r der n, die ‚ollie- ‚nung u EIER ME EEE VRR EEE auf der Suche nach Christen. Paulus als Sekten- haupt kam ihnen gerade recht. Verhaftung, Ker- ker. Diesmal einer der übelsten in ganz Rom, wohl der mamertinische, von dem wir uns heute noch ein Bild machen können: Ein kaltes, unterirdi- sches Verließ, das bei jeder Überschwemmung des Tiber Hochwasser bekam und nur spärlich durch eine Luke erleuchtet wurde.„Beim Herkules“, hatte Jugurtha 174 Jahre zuvor ausgerufen, als er in. die feuchten Räume hinabgelassen wurde, „wie kalt ist euer Bad!“ Wie muß es erst den Fünfundsechzigjährigen gefroren haben, da er, an Händen und Füßen mit schweren Ketten gefes- selt, ohne Mantel, bei spärlichster Kost, von Sol- daten und Wachleuten nach Belieben malträtiert, wieder Tage und Nächte dasaß, den sicheren Tod vor Augen! Kein Mensch durfte anfangs zu ihm, aber es wollte auch keiner. Es war zu gefährlich. Auch die näch- e,und Mitarbeiter verließen ihn und zerstoben in alle Winde. Das bedrückte ihn am meisten, da Freundschaft ihm Lebenselement war. Nur Lukas, der langjährige Begleiter, war ihm treu geblieben und wußte sich Zugang zu ver- schaffen, und der Epheser Onesiphorus hatte ihn nach langem Suchen in den Gefängnislisten gefun- den, um ihm das Nötigste zu besorgen. Aber die Besuche waren nur von kurzer Dauer. Eine un- endliche Einsamkeit befiel ihn. Was soll er die langen Tage und Nächte tun, er der Aktive?\Da denkt er an Timotheus, ‚sein geliebtes Kind“. 25 nn Ihm muß er noch ein Abschiedswort schreiben. Das befeuert ihn wieder. Vielleicht darf er ihn noch einmal sehen. Er lädt ihn ein:„Beeile Dich, daß Du noch vor dem Winter zu mir kommst! Ichsehne mich danach, Dich zu sehen, eingedenk Deiner Tränen, auf daß ich mit Freude erfüllt werde.“ Kann er nicht kommen oder kommt er zu spät- in Gottes Namen! Dann soll der Brief sein Testa- ment sein, die letzten Weisungen für treue Er- füllung seiner Ämter. Und er muß ihn damit trö- sten, daß er bis zum Letzten stark geblieben ist, auf daß er es selber auch bleiben möge:„Ich.dulde Leiden, ja Fesseln wie ein Verbrecher; aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt.... Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn ich weiß, wem ich geglaubt habe, und ich bin gewiß, daß Er imstande ist, mein Ihm anvertrautes Gut bis auf jenen Tag zu bewahren... Ich bin schon daran, geopfert zu werden, und die Zeit meiner Auflösung ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Nunmehr ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt, die mir an jenem Tage der Herr, der gerechte Richter, ver- leihen wird; und nicht nur mir, sondern allen denen, die seine Ankunft geliebt haben.‘ Während er daran überlegt und schreibt, wird er zur ersten Verhandlung in einer der großen Ge- richtshallen auf dem Forum geführt. Kein Rechts- beistand, kein Entlastungszeuge. Alle haben sich zurückgezogen, die etwas sagen könnten. Aber er verteidigt sich glänzend, und man hört ihn an. 26. Bein in R Chri bis ı indi hen Hof Ruh zum Dor trag Her nad und moc stus de der er{ kon Zei mer in| lauı Bei Er en. Das n noch ch, daß hsehne Deiner verde.“ spät- Testa- ue Er- nit trO- jen ist, h.dulde her das je mich em ich ıstande en Tag fert zu t nahe. n Lauf ist mir lie mir er, vel- „ allen wird er en 68 Rechts ap sich \ber ihn al: Beim Ausbruch(des Brandes war er noch gar nicht in Rom. Aber er ist doch das Haupt der verhaßten Christensekte. Wird also in Gewahrsam gehalten bis zu einer neuen Verhandlung. Vielleicht ist er indirekt an den Verbrechen beteiligt. Und so ge- hen wieder Wochen und Monate ins Land. Die Hoffnung wird immer geringer, aber auch die Ruhe größer. Es wird ihm klar: Verfolgung gehört zum Wesen der Kirche. Nur eine gegeißelte, mit Dornen gekrönte und das Kreuz durch die Zeiten tragende Kirche kann die Braut des gekreuzigten Herrn sein. Da steigt das Verlangen, die Sehnsucht nach dem Opfertod für seinen Herrn, seine Kirche und seine geliebten Kinder in ihm auf. Nun möchte er wirklich aufgelöst werden und mit Chri- stus sein, auch-im Sterben für Ihn. Denn nur aus: der Vereinigung im Tode kann die Vereinigung in der Auferstehung und Glorie erwachsen. So wird er ganz still, heiße Dankgebete für alles Leiden kommen beständig von seinen Lippen, und von Zeit zu Zeit hört man ihn leise die sieghaften Psal- men singen.- Da, im Herbst 67, wird er erneut in Ketten vor den Richter geführt, und das Urteil lautet, weil er römischer Bürger ist: Tod durch das Beil. Paulus ist weder überrascht noch geknickt. Er hatte längst gelernt zu sterben, ehe er starb. Darum geht er aufrecht, verklärten Auges zur Richtstätte und legt mit einem letzten, lauten Ge- bet in seiner Muttersprache, das Haupt auf den Block, abseits von der Stadt und der großen Heer- 27 EEE- de straße, in den salvischen Sümpfen, wo die Söhne des hl. Bernhard sein Andenken besonders pflegen. 222 Ein änderer geistiger Typ ist der Spanier Johannes vom Kreuz, dessen Lebenswerk ebenfalls einer finsteren Gefängniszelle entstammt: Eine beschau- lich-mystische Natur, zugleich von scharfer, logi- scher Klarheit, ein still singender Dichter, der in sich die Stimmen aller Liebe hörte, und zugleich ein Mann durchgreifender praktischer Lebens- reform, der sein ganzes Vaterland umspannte- {as Spanien des 16. Jahrhunderts, in dem politi- sche Großmacht und unerhörter Reichtum eine hohe gesellschaftliche Kultur und ein starkes gei- stiges Leben, aber auch einen erschreckenden Lu- xus und eine ebenso große Lockerung der Sitten gebracht hatten. Nur auf diesem Hintergrunde ist Johannes zu verstehen. Neben IznatiusvonLoyola und Teresa von Avila die stärkste Gegenkraft, die das grand sieele der Spanier zum Jahrhundert der großen Reform gemacht und das ganze Abendland nach und nach erfaßt hat. Geboren 1543 in Toledo, trat er mit zwanzig Jahren in den Karmeliter- orden ein, der in den Kreuzzügen am Berge Kar-_ mel gegründet worden war und durch seine Strenge Jahrhunderte lang die radikalen Christen angezogen hatte, die der Gefahr der Weltförmig- keit das Ideal des Kreuzes und der Weltüberwin- dung entgegensetzten. Aber im 14. und 15. Jahr- hundert war er von seiner Urgestalt abgewichen und hatte die Härte der Lebensweise durch immer 28 neue form zuge des( solut tung seine Freu führ ganz den, fand tung Gew muß gege ursp wur verd sche chen Tole gesc „Es Ihr und Key Und auch die( I klän # # Söhne flegen.| hannes.| einer| eschau- r, Jogi- der in ueleih| a® ‚ebens-! nnte- politi- ı eine 28 gel- en Lu- Sitten i nde ist Loyola ‚fi, die 3 ert der „dland 'oledo, ‚eliter- ‚o Kar- sein? hristen ormig” le jerwin- Ei Ä Jahr- wichen immer sh neue Konzessionen gemildert, bis auch er der Welt- -förmigkeit der Zeit verfiel. Hier setzte Johannes, zugleich mit Teresa von Avila im weiblichen Zweig des Ordens, ein, um die alte Strenge mit ihrer ab- soluten Armut, Selbstverleugnung und Betrach- tung wiederkerzustellen. Aber damit kam er bei seinen Obern schlecht an. Sobald er mit einigen Freunden die Reform praktisch für sich durch- führte und wachsende Nachfolge gewann, so daß ganze Klöster der strengeren Observanz entstan- den, die auch im Volke immer stärkere Sympathie fanden, griff die Leitung der herrschenden Rich- tung ein. Man empfand ihn wie ein anklagendes Gewissen, das zum Schweigen gebracht werden mußte. Man beschuldigte ihn des„Ungehorsams gegen die Regel“, und als er mit Berufung auf die ursprüngliche Regel auf seinem Recht bestand, wurde Anklage bei der Inquisition wegen Häresie- verdachtes gegen ihn erhoben. In einer stürmi- schen Dezembernacht wurde er in einem Klöster- chen in Avila von der Polizei verhaftet und nach Toledo gebracht. Reinhold Schneider hat die Szene geschildert(‚Dunkle Nacht“ 5. 53 ff.): „EsistzuEnde mit Eurer Reform. Dem Herrn gabt Ihr vor zu dienen; in Wahrheit seid Ihr Hoffärtige und Aufrührer; ja schlimmer als das- Ihr seid Ketzer und gehört vor das geistliche Gericht.“ Und Johannes: ‚Ihr habt die Gewalt. Aber habt auch acht,'daß ihr in großer Gefahr seid, weil ihr die Gewalt habt.‘ Nach einigem Hin und Her er- klärt er ergeben:„Wir müssen in Glauben und 29 a Hoffnung leben, auch wenn wir im Dunkeln wan- deln‘, bietet die Hände zur Fesselung an Ketten hin und geht widerstandslos mit hinaus in die eisige Nacht, der erwarteten Verurteilung gewiß. Nach langer Fahrt beim Inquisitionsgerichtshof an- gelangt, wird er zunächst mit Hohn- und Schmäh- rufen, Faustschlägen und Fußtritten empfangen, eine Wendeltreppe hinabgestoßen und in einen dunklen Raum, einen Schacht, eingesperrt, grim- mig kalte Tage und Nächte, bis das erste Verhör beginnt. Von Häresie keine Spur. Ebenso wenig von Ungehorsam gegen die alte, strenge Regel. Aber er läßt nicht von der Reform nach eben die- ser Regel und vor allem nicht von seiner heiligen Mutter Teresa, die ihn aus ihrer längeren Erfah- rung und Begnadung- 28 Jahre älter als er- erst in die Bereiche der Mystik eingeführt und die Idee der Reform zuerst aufgeworfen hatte.„Treue ist der Ehre Mark“, besonders für den Spanier, des- sen Stolz bei uns sprichwörtlich geworden ist. Aber die frommen Väter der ,„‚milderen Richtung“ sind ebenso unerbittlich. Sie ertragen keinen Besseren und halten es, nach dem alten Herakleitos, mit den Ephesiern, die den Harmodias verbannten mit der Begründung:„Bei uns soll keiner der Beste sein; wenn schon, dann anderswo und beiandern.“ Darum bleibt Johannes eingesperrt, bis er seinen Sinn ändert, wenn er will, lebenslänglich. Das liegt bei ihm. So sitzt er also in einem finsteren, schmutzigen Loch, bei Wasser und spärlichem Brot, jeden Abend bei Tisch im Refektorium verdemü- 30 tigt, Platz und liche stun« sche ihm Tere furdh seine ihrer trügı von von über über kes ı Ordı elwa Hat dies. rück) Fein nich! den ln wan- \ Ketten in die r gewiß. ishof an- Schmäh- pfangen, n einen t, grim- Verhör 0 wenig Regel.| hen die- heiligen ı Erfah- er- erst die Idee 'reue Ist ‚ier, des- st, Aber 1g“ sind Zesseren toS. mit nten mit r Beste ındern. y seinen ch. D>s nsterel, ‚m Brot, ordemü- tigt, indem er auf einem Bänkchen in der Ecke Platz nehmen muß, wo sonst die Hunde liegen, und beim Verlassen des Saales wird er von sämt- lichen ÖOrdensmitgliedern gegeißelt, daß er oft stundenlang wie ohnmächtig auf seiner Holzprit- sche liegt. Zwischendurch erscheint der Prior, um ihm die heftigsten Vorwürfe zu machen und Santa Teresa mit ihrer Reform zu beschimpfen- neun furchtbare Monate lang, gepeinigt von Sorge um seine liebe hl. Mutter, die bei ihrem Alter und ihrer Krankheit-eine solche Tortur nicht mehr er- trüge, und immer wieder innerlich angefochten von der eigenen Unsicherheit und Schwäche und von den Nachstellungen des Bösen, daß er sich über seine Peiniger erhebt und Gottes Strafgericht über sie herabruft:„Bin ich wirklich meines Wer- kes so sicher, daß ich gegen den ganzen frommen Orden auftreten darf? Habe ich nicht vielleicht etwas begonnen, wozu ich gar nicht berufen bin? Hat mich.doch Hoffart auch verführt, und sollen diese Leute mich nicht auf den rechten Weg zu- rüuekbringen? Wohl, das Bessere ist immer der Feind des Guten und umgekehrt; aber wäre es nicht vielleicht besser vor Gott, in der bestehen- den Form des Ordens demütig sich bescheidend zu dienen, als eine neue zu suchen, die so viel Ärgernis gab?“ Dann aber kommen ihm auch wieder entgegengesetzte Gedanken in den Kopf: „Bleibe fest! Denn du wirst einmal wieder in die Welt hinaustreten und großen Ruhm erlangen, und alle diejenigen, die dich gepeinigt haben, wer- sl den voll Scham zu dir kommen, Deine Striemen und Wunden küssen und vor Dir auf die Knie fallen.“ Aber das war der Versucher, der sein Werk in der Wurzel bedroht. Und er betet:„‚Herr, nur das nicht, weg vom Kreuze! Nur Deinen Wil- len möchte ich erfüllen, nichts für mich. Hier will ich knien und ausharren, und wenn mein Leben hingehen soll am Saum der Wüste, und wenn ich als Besiegter sterben soll, so geschehe Dein Wille!“ So geht es in ihm auf und nieder. Seine alten Leh- rer treten ihm wieder vor die Seele, die scharfen Logiker und Metaphysiker Aristoteles und Thomas, die er in seiner Studentenzeit so eifrig studiert hatte, und vor allem die mystischen Schriften des Pseudoareopagiten Dionysius, der hl. Gregor und die Collationes des Cassian. Da wird ihm, in wech- selndem Gebet und in Betrachtung, ein neues, tieferes Verhältnis der Seele zu Gott klar. Der Ewige wird ihm in seiner stinkenden Zelle offen- bar. Es beginnt eine„heilige Vermählung‘“ seiner Seele mit ihrem himmlischen Bräutigam, und in seiner Dichterseele steigt ein„Wechselgesang“ zwischen beiden auf, wie im„„Hohenlied“ der hl. Schrift, weitab von aller Erotik, aber, wie die tief- sten Geister seit Platon das Verhältnis der Ge- schlechter als kosmisches Symbol der geistigen Sehnsucht und Vereinigung der Seele mit ihrem Gott gesehen und erfahren haben, als letzte Er- füllung der Liebe des menschlichen Herzens zu seinem Schöpfer und Erlöser, der uns mit unfaß- barer Liebe zuerst geliebt und an sich gezogen hat. 32 Und voll: in 8 selg, „Au len zum Chri aus den B ie-Me- m>> Fe ee se eh EN vu 'riemen Und dabei ist ihm die Wissenschaft der Mystik in e Knie völliger Klarheit aufgegangen, die er dann später er sein in seinen großen mystischen Schriften, im„‚Wech- „Herr, selgesang“, in der„Lebendigen Liebesflamme‘‘, im en Wil-„Aufstieg zum Berge Karmel“ und in der„Dunk- ier will len Nacht“ dargelegt hat, so daß er in unserer Zeit Leben zum„Kirchenlehrer der Mystik“ für die ganze enn ich Christenheit erhoben wurde. Hier nur ein Beispiel Wille!“ aus der Fülle der Lieder, die seiner liebeglühen- let: den Seele in der Kerkernot entströmt sind. .harfen„Mein Geliebter ist das Gebirge, Thomas,| Einsame Täler mit Hainen, studiert Ferne Inseln, ften des Rauschende Ströme, zor und| Ein Säuseln lieblicher Lüfte. ei od Eine Nacht voll Ruhe | Vor dem Aufgang der Morgenröte, ar. Eine heimliche Musik, Eine tönende Einsamkeit, Ein Abendmahl, das erquickt und zur Liebe lädt. Fangt mir die Füchse, Denn schon blüht unser Weinberg. ‚Während wir aus Rosen - Einen Strauß ihm binden, Komme keiner dem Hügel nah! yeistigen t ihrem Still, toter Nordwind! inte Er Komme, Südwind, du liebeweckender, zens Weh durch den Garten, ; unfab- Daß seine Düfte strömen, gen hat- Und mein Geliebter wird unter Blumen ruhn.“ Innerlich gestärkt und gefestigt, beschließt er end- lich zu fliehen, am Vorabend von Mariä Himmel- fahrt. Schon vorher hatte er öfter daran gedacht und in unbewachten Augenblicken die Schrauben an den Riegeln der Türe gelöst; aber immer war er davor zurückgeschreckt. Wollte er nicht dem Willen Gottes und der Buße für seine Sünden ent- fliehen? Lag nicht eine Unwahrhaftigkeit und Feigheit in seinem Beginnen? Nun aber heißt ihn eine innere Stimme: Nicht für deine eigene Be- quemlichkeit, sondern für dein Werk, das dir jetzt erst richtig aufgegangen ist, mußt du die nächste Gelegenheit benutzen. Sie wird dir von Gott ge- geben. Dafür bürgt, daß du nichts für dich suchst, sondern das Kreuz des Herrn in aller weiteren Tätigkeit desto fester umfängst.— In einer dunk- len Nacht gelingt es ihm, aus der Zelle herauszu- kommen, und er läßt sich an der hohen Kloster- mauer hinab, fällt aber 12 Fuß(ca. 4m) tief auf einen Steinhaufen und findet in der Stockfinster- nis nicht den Ausgang des Klosterhofes, zu dessen Füßen der angeschwollene Tajo rauscht. Ein Hund zeigt ihm den Weg. Mit Lebensgefahr klettert er über die äußere Mauer, steigt auch noch über die Stadtmauer und kommt, der Sinne kaum mehr mächtig, heil in die Stadt.— Diese furchtbare Nacht ist sein stärkstes Erlebnis geworden. Es zit- terte immer wieder in ihm nach, und so wurde seine Flucht zum Gleichnis und Symbol des Men- schenlebens, das in Nacht aus dieser wirren Welt zu ihrem Gott hinstrebt. Auch dafür ein Beispiel: 34 ” De EEE ——— n vr m—— am— R 5 end-„In einer dunklen Nacht, se Vom Liebesdrange heiß entflammt, oO... ee= O glücklich Los— el Entschlüpft’ ich ungesehn, 1er war 5; a Da schon mein Haus in Ruhe war.— len ent-. ce. Er In Finsternis, in Sicherheit, >jt und R i de Verkleidet auf geheimer Trepp’, ih; en O glücklich Los— hir jetzt Im Finstern und verhüllt, nächste Da schon mein Haus in Ruhe war—; zott m In der beglückten Nacht,; nr 3 Geheimnisvoll, da niemand mich 2 teren. 0 y 70 5 Und niemanden ich sah, r dunk- 2.. en r# Kein ander Licht mein Führer war, >rauszu-: K an Als das im Herzen glomm. oster- ] auf.. 5. 2 es i Dies Licht wies mir den Pfad ‚finster- 7.. 4 4 Viel. sichrer als der Sonnenglanz es S B Hund Dorthin, wo mich erwartete n. gr Der, den ich kannte wohl, ‚her die Wo niemand sonst zu sehen war. 1D n mehr? Fr. | in O Nacht, die du geführt mich hast,| ch!& el© Nacht, holder als: Mittagsschein, ‚Es at; en h arde O Nacht, die du vereinigt hast )...| le Den Liebenden, die Liebende,| es}: i, Ä j # Welt Die Liebende in den Geliebten umgestaltet jeispielt[ganz.“| 3” 35| I } Das ist nicht nur kühne Gedankenlyrik oder bil- derreicher Symbolismus, sondern jede Strophe, jeder Vers und jedes Wort sind thematische Mo- tive mit klarer logischer Disposition für seine ganzen mystischen Schriften. Der Modergeruch des Gefängnisses umwitterte sie noch, so daß man immer wieder an die schmerzliche Geburt des neuen Menschen erinnert wird; aber dieser neue Mensch beginnt nach aller Not und aus ihr her- aus seinen sieghaften Gang durch diese Welt; immer verbunden mit dem verborgenen Gott im Tabernakel, nach dem sich der Gefangene so lange schmerzlich gesehnt hatte. Immer wieder hat er kniend das ‚‚Adore te, devote, latens Deitas— ich bete Dich in Demut, verborgene Gottheit an“ — des hl. Thomas hinter Kerkermauern gebetet, weil es ihm hier erst richtig aufgegangen ist, und in heißem Dank fährt er dann selber fort: »„Wohl kenn’ den Urquell ich, der quillt und fließt, Obgleich es Nacht ist. Der ew’ge Quell, derim Verborg’nen fließt. Wohl weiß ich, wo er seine Flut ergießt, Obgleich es Nacht ist. Ich weiß,.daß nichts an Schönheit gleich ihm ist zu [denken, Ich weiß, daß anıs ihm Erde sich und Himmel Obgleich es Nacht ist.[tränken, Ich Und Ine Ich Ich Daf der bil- trophe, he Mo- r seine rgeruch aß man ırt des 7 nelle hr her- ‚ Welt; n Gott zene 80 der hat tag— eit an sebetet. st, und | fließt, Ich weiß, daß nimmer er ist zu ergründen, Und daß sich selbst verliert, wer da den Grund will Obgleich es Nacht ist.[finden, In ew’ger Klarheit rinnen seine Wellen, Ich weiß, daß alles Licht aus ihm muß quellen, Obgleich es Nacht ist. Ich weiß, daß seine Flut so mächtig fließt, Daß Hölle, Himmel, Völker sie begießt, Obgleich es Nacht ist. Weiß, daß er einen andern Strom aus sich gebärt, Der sich ihm gleich an Fülle und anKraft bewährt, Obgleich es Nacht ist. Und dieser ewige Urquell hat, uns zu beleben, Sich selbst im Lebensbrote uns gegeben, Obgleich es Nacht ist. Hier quillt er, zu sich ladend alle Wesen, Daß sie an ihm sich laben und genesen, Obgleich es Nacht ist. Ja, ihn erblick’ ich hier in diesem Brote, Und sehne, schmachte mich nach ihm zu Tode, Weil es noch Nacht ist.“ 37 3 Nach Johannes vom Kreuz hat auch ein Weltkind, völlig anderen Typs, in unserer Übersicht einen Platz, weil gerade von seinem starken gläubigen Humor ein gut Stück im Verfasser unserer Ge- fängnisbriefe lebte: Cervantes, dessen unsterb- licher Roman ‚Don Quixote“ ebenfalls aus seinem Gefangenschaftserlebnis gewachsen ist. Das Beste über ihn hat wohl Otto Miller vor 30 Jahren, den damaligen Kriegsgefangenen zum Trost, geschrie- ben. Seine Ausführungen kann ich im wesentlichen wiedergeben: Ein paar Jahre nach Johannes’ Tod saß Don Miı- guel de Cervantes Saavedra in der unberühmten Stadt Argamisilla in-der Mancha in Schuldhaft, und es erging ihm übel. Es war ihm das ganze Leben lang übel gegangen. Der klangvolle Name war der einzige Reichtum seiner Familie, doch hatte der junge Miguel eine gute Bildung erhal- ten, wenn auch mit dem Resultat, daß er eigent- lich für keinen Beruf geeignet war. Denn er war leider, der arme Bursche, eine Künstlernatur. Er hatte dann das Glück gehabt, eine italienische Reise bis Rom und Sizilien zu machen, als er bei einem hohen Herrn so etwas wie Sekretär und Kammerdiener zugleich war. Aber dann war er Soldat geworden, und entpuppte sich fürderhin als Militaristen reinsten Wassers, denn er war der skurillen Meinung,„daß der Soldatenstand der höchste aller Stände sei— die Theologen ausge- nommen—“, wie er fürsichtig mit einem Blick 38 auf sefl dur eine Sol ige Wei erfu kän kän gen erh ven er, ‚ tan, bei wel her fin der sın Eh, auc bis hal sch Jal lit Wie erh ten Itkind, einen ubigen eT Ge- nsterb- seinem Beste n, den schrie- tlichen war e! zhin val der ‚g der ausge” ; Blick rde auf die Inquisition hinzufügte... Ja, dieser ein- gefleischte Militarist des 16. Jahrhunderts besteht durchaus schon auf der hohen Gleichnisartigkeit eines straffen und zuchivollen Lebens mit dem Soldatenleben, denn er behauptet, daß ein tüch- tiger Gelehrter auch ein tüchtiger Soldat auf seine Weise sei. So militaristisch war er. Und als Soldat erfuhr er das größte Erlebnis seines Lebens, er kämpfte mit in der Völkerschlacht bei Lepanto, kämpfte dort trotz heftigen Fiebers auf schwieri- sem Posten mit Todesverachtung und Heldenmut, erhielt einen Brustschuß und einen Armschuß und verlor in der Folge die linke Hand. Darauf hat er sich Zeit seines Lebens nicht wenig zugute ge- tan. Gern rühmte er sich seiner Wunde,„die er bei der ruhmvollsten Gelegenheit empfangen, welche vergangene und gegenwärtige Zeiten gese- hen, und(die auch in Zukunft nicht ihresgleichen finden werde...“„„Die Narben“, schreibt er,„die der Soldat im Angesicht und auf der Brust trägt, sind Sterne, die den andern Weg zum Himmel der Ehre zeigen.‘ Ja, er blieb mit seiner rechten Hand auch weiterhin Soldat und focht hier und dort, bis er das größte Unglück hatte, das man damals haben konnte, er geriet in algerische Gefangen- schaft, das heißt in Sklaverei, und blieb es fünf Jahre lang. Diese fünf Jahre waren die Hölle. Er litt Furchtbares. Sein reger Geist sann auf Flucht, wieder und wieder vergebens, bis er nach fünf un- erhört qualvollen Jahren durch den hochverdien- ten Orden der Trinitarier losgekauft wurde. Er 39 ED RER Y 2 EEE BRETT Re ws ae kam, ein Vierunddreißiger, ein früh Gealterter, ein Krüppel, in die Heimat. Ein Krüppel und obendrein ein Künstler, ein Geschichtenschreiber - mein Gott, was sollte man mit solchem überflüs- sigen Menschen anfangen? Er ward schließlich so etwas wie ein Büroschreiber und zweiter Sekretär in einer Verwaltung, etwas Kümmerliches also und Dürftiges, und trotzdem er zu dem erstaunlich ho- hen Posten eines„Steuereintreibers“ aufrückte, hinderte dies nicht, daß er in Schuldhaft kam, weil er einem honorablen Spießbürger der herrlichen Stadt Argamisilla in der Mancha die schuldigen Pesetas nicht bezahlen konnte. Und da saß er nun. Wir wissen nicht, wie lange. Dort aber hat er, wenn uns die Tradition und ein Teil der Litera- turhistoriker richtig berichten, den Plan zum Don Quixote entworfen. Was er bis dahin geschrieben, Novellen, Komö- dien, stand durchaus unter dem Einfluß der Mode- literatur und war der Rede nicht wert. Aber je- der große Künstler- und das war er, wie es sich in der Folge auswies- findet endlich seine Form. Er fand sie im Don Quixote. Denn sein echtes Künstlertum revoltierte schließlich gegen die un- wahre, pseudoromantische Literatur seiner Zeit und seines Landes, die ihr Unwesen in Ritterroma- nen und phantastischen Novellen trieb, und er unternahm es, eine großartige Persiflage dieser verlogenen Literatur zu schreiben. Es sollte eine Abrechnung sein, eine literarische Züchtigung sei- ner Zunftgenossen und seiner selbst- und was 40 i \ hera euro Unte Epik jene Gest selb: sond Sehr den und nod tur, sche mir ode Tat let. Dor ler, obj keit her Il che erter, | und reiber rflüs- ich so lischen Erzäh- inderen her Er- ere der die An- eit und eit und :schwie- ıteil, er das tut, stlichen. en kle- ingenen keit ei” in der ne dir je neut ‚de und stellung n neues rar den ifter er Besonders eindrucksvoll ist, mit welcher Schlicht- heit und verhaltenen Dankbarkeit er von den heimlichen Freunden der Gefangenen berichtet: Von der kleinen taubstummen Tiochter eines Mit- gefangenen in Rapallo, die den Vater besucht und ihm Kleinigkeiten der Liebe von der Mutter bringt; von dem Töchterchen des Kerkermeisters in Ve- nedig, der kleinen Zanza, die so guten Kaffee ko- chen konnte und den Vater fragt, ob sie den armen Gefangenen nicht eines ihrer Stückchen Kuchen bringen dürfe; von dem biedern Kerkermeister Schiller im Brünner Spielberg, der genau heraus- fühlt, wie viel Unrecht an den sog. politischen Gefangenen verübt wird, und ihnen ihr Los zu erleichtern sucht; aber auch den Kriminellen ge- genüber menschlich ist und ihnen den Weg in ein geordnetes Leben mitbahnen hilft; der in den Ge- fangenen auch ihre Mütter und Frauen sieht und ihnen das Gute antut, das diese ihnen gern erwei- sen möchten, und der schließlich eines wahrhaft gottseligen Todes stirbt; ferner von den treuher- zigen Wachleuten Kral und Kubitzky, die ihre Gefangenen nach ihren Wünschen und Nöten fra- gen und alles nur Mögliche und Erlaubte für sie zu tun bereit sind, um ihnen ihr Los erträglich zu machen; und schließlich von eifrigen, selbstlosen Priestern, die nicht nur durch Worte und dienst- liche Predigten, sondern durch ihre ganze Persön- lichkeit und ihr praktisches Leben den Eingeker- kerten Trost und Hoffnung spenden: Alles in tie- fer Dankbarkeit und Liebe zum Kleinen und 49 BERNER Kleinsten geschildert, so daß ein Schimmer der Verklärung über allem liegt.— Und weiterhin die herzliche Freundschaft, die ihn mit vielen seiner Mitgefangenen verbindet; die Szenen des Abschied- mehmens der Entlassenen oder Beurlaubten und des Wiedersehens im finsteren Kerkerloch und des Fürimmerabschiednehmens im Sterben, wenn einzelne Gefangene die Schwere der Toriuren nicht mehr ertragen und die gegenseitige Hilfe in Krankheiten, wie es auch in den Gefangenenlagern unserer Zeit oft und oft geschehen ist: Das kann man, in Erinnerung an eigene Erlebnisse, nur mit feuchten Augen lesen, und man möchte das Büch- lein unsern früheren und jetigen Gefangenen still in die Hand drücken, damit sie Trost und Hilfe daraus schöpfen. Sein größter Wert aber liegt in der diskreten Schilderung der seelischen Einkehr und Umwand- lung des Gefangenen Silvio Pellico selbst. Vorher war er, wie die revolutionäre Jugend seiner Zeit meist, freigeistig gesinnt, mehr oder weniger sein eigener Herrgott, der sich selbst seine Gesetze gab und nur sich verantwortlich glaubte. Dieses heim- liche Gößentum ist ihm„in Garcere et vinculis“ völlig vergangen. In der Einsamkeit ist er wirk- licher Christ geworden, wie er es„in dulei jubilo“ nie geworden wäre.„Ohne mich selbst herabzu- setzen und ohne voller Bedenklichkeiten wie ein Betbruder zu sein: So oft ich mich mit aller mög- lichen Geistesruhe prüfte, ward ich doch gewiß, daß ich die Züchtigung Gottes verdient hatte. 50 Eine inı hast Du vorwirft mir heu kann si soll mic gerechtf Leid di allein v erkannt uns ist, mit hat Mer me — Um er mit vergan Freud. noch f sehun; Dinge, barer Verwes inan f eine se und K Silvio Gefän, kam e den]: telnd| Agent] 44 ner der rhin die n seiner bschied- ten und ch und n, wenn "en nicht Jilfe in enlagern )as kann nur mit as Büch- angenen ‚ost und liskreten Jmwand- - Vorher ner Zeit iger seit etze gab os heim yineulis“ er wirk- j jubilo“ herabzu- wie ein ler mög h sewib, jr hatte. - Eine innere Stimme sagte mir: Diese Züchtigung hast Du, wenn auch nicht durch das, was man dir vorwirft, aber durch vieles andere verdient, das mir heute klar vor Augen steht. Nur der Pharisäer kann sich für schuldlos halten, und diese Prüfung soll mich zum Zöllner machen helfen, der wirklich gerechtfertigt nach Hause gehen konnte. Möge das Leid dieser Jahre mich zu dem zurückführen, der allein vollkommen ist.‘—„Ich habe immer mehr erkannt, daß Gott stets bei mir ist: Daß Er in uns ist, oder vielmehr, daß wir in Ihm sind. Da- mit hat die tiefe Einsamkeit mit jedem Tiage im- mer mehr von ihrem Schrecken für mich verloren.“ — Und nach zehnjähriger Zuchthaushaft schließt er mit einem ergreifenden Dankeswort:„Für alle vergangenen Leiden und für die gegenwärtigen Freuden, für jedes Glück und Unglück, das mir noch für die Zukunft aufbewahrt ist, sei die Vor- sehung gepriesen, in deren Hand Menschen und Dinge, mit oder ohne ihren Willen, in wunder- barer Weise Werkzeuge sind, die Sie zu Zwecken verwendet, dje Ihrer würdig sind.“ Wo, so darf man fragen, hat außerhalb der christlichen Welt eine schwere Kerkerhaft mit solcher inneren Größe und Kindlichkeit geendet? Silvio Pellico ging als Dichter und Freigeist ins Gefängnis, als großer Mensch und als ganzer Christ kam er heraus. Einst hat sein-Buch in den gären- den Jahren der europäischen Revolutionen aufrüt- telnd gewirkt. Hente wird es wohl erst in seiner eigentlichen seelischen Bedeutung erkannt werden BR 5l als Buch der Stärkung, Demut und der inneren Erneuerung. >: Des sonnigen Italieners schärfster Gegensatz ist der düstere Russe Dostojewski, der Typus des russischen Menschen wie kein Zweiter, der in sei- nem Roman„Die Dämonen“ die heutige Kata- sirophe seines Volkes mit prophetischer Klarheit vorausgesehen hat und darum für uns heute von besonderer Bedeutung geworden ist. Seine Haft war wohl die härteste, die literarisch bekannt ge- worden ist, und hat ihre volle Parallele nur in dem, was wir aus den berüchtigten Konzentra- tionslager der Nazis erfahren haben; und er schil- dert sie mit einer Offenheit, daß einem bei der Lektüre das Gruseln überläuft und schwache Ner- ven sie schon meiden sollten. Sein Leben lang hing dieses düstere Erlebnis über ihm, und daraus ist seine große Dichtung(im Ursinn des Wortes als dichtestes Leben) entstanden, aber erst nachdem es zu einer„Wiedergeburt in Schmerzen“ gewor- den war, wie St. Paulus das christliche Urerlebnis der Taufe verstanden hat. Auch bei ihm war wieder die Politik der Anlaß zur Verhaftung. Eine Reihe von Intellektuellen, Beamte, Schriftsteller, Künstler, Gelehrte, auch Offiziere waren der Meinung, daß das Zarenregi- ment mit seiner geistigen Knechtschaft und der Ausbeutung der Massen nicht das richtige sei, und daß grundlegende Reformen politischer und sozia- 32 — ? ‚ ler Art Rußland lassen.\ und zus immer, Vaterlaı liker si Mitteln müssen, und wir 100 Jal immer „Sucht, Also ei gen Eu züngelı zusam schaft, auch ü schaffu Bauerr Industı ordent jede p Scharfe Stehen, dem(& YonAn a ers den 23 nsatz ist ypus des er in sel- ge Kata- Inneren Klarheit eute von ine Haft cannt ge- e nur in onzentra- er schil- ‚ bei der sche Ner- Jang hing Jaraus ist \ortes als nachdem Dr gewol- rerlebnis ler Anlab okiuellen, vie, auch jarenreg" und der 2 sei, UN ınd soma" ler Art notwendig seien, um das geliebte„heilige Rußland“ auch zu einem Kulturland werden zu lassen. Aber dadurch fühlte sich die herrschende und zugleich schmarotzende Klasse bedroht, und immer, wenn es um deren Position geht, ist„das Vaterland in Gefahr“, und die unbequemen Kri- tiker sind„Staatsfeinde“, die mit den schärfsten Mitteln niedergehalten oder„ausgemerzt‘“ werden müssen. Das haben wir ja nun zur'Genüge erlebt, und wir können uns ein Bild machen, wie es vor 100 Jahren in Rußland zugegangen ist. Satan ging immer unter jeder Farbe durch die Welt und „sucht, wen er verschlingen könne“.(1 Petr. 5, 8). Also ein solcher Kreis fand sich 1848, als im übri- gen Europa die Flammen der Revolution neu auf- züngelten, in Petersburg zu verschiedenen Zirkeln zusammen, in denen über Philosophie, Wissen- schaft, Literatur und Kunst und selbstverständlich auch über Politik gesprochen wurde: Über Ab- schaffung der Leibeigenschaft oder Sklaverei im Bauernvolke, über Bodenreform, Ankurbelung der Industrie und konstituierende Verfassung mit einem ordentlichen demokratischen Einschlag, jedoch ohne jede politische Aktion. Natürlich fielen dabei auch scharfe kritische Worte über die Fehler des be- stehenden Regimes, und überall hatte dieses, aus dem Gefühl seiner inneren Schwäche, eine Fülle von Aufpassern und Agenten auch in diesem Kreis. Da erschien auf einmal, in der Nacht vom 22. auf den 23. April 1849, in den Wohnungen der Haupt- 33 | | leute die Polizei und verhaftete 34 Personen, un- ter ihnen auch den achtundzwanzigjährigen Theo- dor Michailowitsch Dostojewski. Er sollte über die älteren brauchbare Aussagen machen und dann entlassen werden. Er aber schwieg. Unter keinen Umständen wollte er sich durch Verrat die Frei- heit erkaufen, sondern suchte durch eigene freie Geständnisse das Augenmerk von den Hauptange- klagten abzulenken. Dabei bekannte er mit voller Offenheit:„‚Für mich hat es nie einen größeren Unsinn gegeben, als die Idee einer republikani schen Staatsform in Rußland verwirklichen zu wol- len. Aber die Art der literarischen Zensur, die mich zunächst angeht, halte ich für eine unmögliche und sehe darin nur den Beweis geistiger Schwäche, die eine freie, öffentliche Diskussion fürchten muß.“ Das war zuviel. Nach achtmonatlicher Untersu- chungshaft wird er mit 22 andern zum Tiode ver- urteilt. Solche Leute kann man im zaristischen Rußland und noch weniger in dem folgenden ge- brauchen. Die Gerichtskommission wollte ihn we- gen Mangel an Beweisen freisprechen, aber das Generalauditoriat entschied mach Kriegsrecht auf „Tod durch Füsilieren‘“. Der Kaiser milderte zwar das Urteil in größere oder geringere Kerkerstra- fen, aber die„Begnadigung“ wurde ihnen nicht bekanntgegeben. In einem Brief an seinen Bru- der berichtet Dostojewski:„„‚Heute, den 22. Dezem- ber, hat man uns auf den Semenowski-Platz ge- führt. Dort hat man uns allen das Todesurteil vor- gelesen und das Kreuz zu umfassen gestattet, hat 54 über ı uns n beklei streck Ich st mir n dachte letzte Geist ich D man] ‚man stät ı eigen neun schen „In Tage in di noch moch bere, Urtej wele Sich dar, Mart Würt Scho Wo ch onen, UIN- en Theo- über die nd dann »r keinen die Frei- ene freie auptange- nit voller größeren ublikani n zu wol- die mich ‚liche und väche, die on muß.“ Untersu Tode ver ‚ristischen nden ge » ihn we aber das recht auf lerte zwar erkerstra nen nicht ‚nen Bru 9, Dezem ‚Platz 8° urteil vor“ gattel» hat ei über unsern Häuptern die Degen zerbrochen und uns mit der Sterbetoilette(dem weißen Hemd) bekleidet. Darauf hat man drei von uns zur Vooll- streckung des Todesurteils an den Pfahl gestellt. Ich stand als Sechster in der Reihe, und es blieb mir nicht mehr als eine Minute zum Leben. Ich dachte an Dich, Bruder, an alle die Deinen! Im letzten Augenblick warst Du, Du allein in meinem Geist gegenwärtig; da erst erkannte ich- wie sehr ich Dich liebe, teurer Bruder!... Endlich blies man Retraite; die an den Pfahl Gebundenen führte ‚man zurück und las ihnen vor, daß S. Kais. Maje- stät uns das Leben schenkte. Dann folgten die eigentlichen Verurteilungen.“ Dostojewski erhielt neun Jahre Sibirien, wovon die Hälfte im sibiri- schen Kontingent abgebüßt werden durfte. „In diesen letzten Minuten“, sagt er in seinem Tagebuch,„‚stiegen manche von uns instinktmädig in die Tiefe ihrer Seele hinab, und indem sie ihr noch junges Leben in einem Augenblicke prüften, mochten sie wohl manch ein schweres Vergehen bereuen, aber die Sache, um derentwillen wir ver- urteilt wurden, die Gedanken, die Anschauungen, welche in unserem Geiste walteten, sie stellten sich uns nicht nur als keine Reue herausfordernd dar, sondern sogar als etwas Reinigendes, als ein Martyrium, um dessentwillen uns vieles verziehen würde.“ Schon der Transport nach Sibirien war furchtbar, wochenlang bei 40° Kälte, ohne einen Schluck war- 59 men Tee, ohne zureichende Nahrung, Hände und Füße erfroren, zusammengepfercht in einem Vieh- wagen: Schlimmer als ein schneller Tod. Und das Zuchthaus in Ostrog?„Totengruft der Lebenden“ hat Dostojewski es in seinen„‚Memoiren aus einem Totenhaus“ bezeichnet.„Die Wirklichkeit hat den vorausgegangenen Ruf noch in den Schatten ge- stellt“, vor allem durch den amtierenden Platz- major, einen„Teufel in Menschengestalt“. Der Dichter berichtet:„‚Es war ein langer, niederer, von einem erstickenden Geruch gefüllter Raum- ich begreife heute noch nicht, wie ich vier Jahre es habe darin aushalten können; aber der Mensch ist ein zähes Wesen, das sich an alles gewöhnen kann. Auf meiner Pritsche befanden sich drei Bret- ter. Das war der ganze, mir zur Verfügung ste- hende Raum, und auf solchen Pritschen leben 30 Menschen zusammengepfercht; ringsum gebrand- markte Gesichter, geschorene Köpfe, zerlumpte Kleider, alles Verdammte und Verfemte, und un- ter ihnen auch völlig Unschuldige, alle stets an Händen und Füßen gefesselt und unter militäri- scher Bewachung, der ganzen Willkür sadistischer Individuen ausgesetzt. Die„Lebenslänglichen“ sind mit Ketten an die Wand geschmiedet und bleiben so 5-10 Jahre auf einen Umkreis von zwei Metern beschränkt. Aber auch den.„.Milderen“ wurden die Ketten nie gelöst bis zur Freilassung, weder bei der Arbeit, noch im Schlaf, nicht einmal in töd- licher Krankheit, zwölf Pfund schwer! Damit sie nicht zu sehr drückten, durften Lederunterlagen 96 gebrauch schon bt beit Rlei linge m Silbergr schickt ı ruch de: sich nac mal kei Am sch denen „Ich wi nicht ei Tier is ersten Hof bi Hund anwedı ich hal faßt,] sendet! Folge 1 Zurück] mit de nem eı ar di 05. Au die an Sind w und di für Sie nde und m Vieh- Und das benden“ ıs einem hat den ıtten ge- n Platz- It“, Der niederer; Raum- er Jahre Mensch ewöhnen rei Bret- rung ste- Jeben 30 sehrand- erlumpte und un- stets aD militärt- Jistischer hen“ sind | bleiben ‚ Metern jrden die ‚eder bei | ın röd- Jamit 91° nterlage® gebraucht werden; sonst hätten die Eisenringe schon beim Gehen, geschweige denn bei der Ar- beit Fleisch und Knochen zerfressen, und die Sträf- linge mußten für diese Lederringe noch mehrere Silbergroschen bezahlen, die ihnen von Hause ge- schickt wurden. Und dazu der entsetzliche Pestge- ruch des Kerkers und erst recht des Hospitals, der sich nachts bis zur Unerträglichkeit steigerte, zu- mal keiner des Nachts den Raum verlassen durfte. Am schlimmsten aber waren die Menschen, mit denen er Tag und Nacht zusammensein mußie. „Ich würde sie vertierte Wesen nennen, wenn ‚das nicht eine Beleidigung der Tiere wäre; denn kein Tier ist so verderbt, unnatürlich. Am Abend des ersten Tages bin ich vor den Menschen in dem Hof bis ans Ende der Palisade geflüchtet, als ein Hund mit klugem Kopf auf mich zulief und mich anwedelte. Ich weiß nicht, wie mir geschah, aber ich habe das Tier geküßt und seinen Kopf um- faßt. Das ist der Freund, den das Geschick mir sendet! dachte ich, und jedesmal, wenn ich in der Folge in jener ersten tauben Zeit von(der Arbeit zurückkam, eilte ich vor allem hinter die Kaserne mit dem vor mir hochspringenden Scharik, mei- nem einzigen treuen Hund.- Besonders gehässig war die Haltung der Schwerverbrecher gegen die sog. Adeligen, die Angehörigen gebildeter Kreise, die aus politischen Gründen inhaftiert waren. Sie sind wie ein Fisch, der aufs Land geworfen ist, und die für alle oft gleiche Strafe wandelt sich für sie zu einer zehnmal qualvolleren. Wir leben, ohne Menschen zu sein, und sind tot, ohne ge- storben zu sein.- Und zu allem die entsetzliche Prügelstrafe! Schon am ersten Tage wird ihm be- richtet, daß ein Sträfling durch reine Wıllkür des Majors, der angeordnet hatte, daß alle auf der rechien Seite zu schlafen hätten, 200 Rutenstreiche erhielt, weil er sich im Schlaf auf die linke Seite gedreht hatte, und zwar Streiche, die mit Virtuo- sität von eingeübten Profosen verabreicht wurden. Andere erhielten für. kleine Übertretungen der Vorschriften 500, 1000, ja 2000 Rutenstreiche, auf mehrere Portionen verteilt, weil schon 200 einen Menschen töten konnten; und alle Insassen des Kerkers mußten der Auspeitschung zusehen, bis der Rücken zerfleischt war und der Arme ohn- mächtig zusammensank- bis zur nächsten Portion. Ob Dostojewski selbst auch diese Tortur mit- machen mußte, hat er nicht erzählt; es ist aber zu vermuten, da er auf einmal von Epilepsie befal- len wurde und sie bis zum Ende seines Lebens be- halten hat. Wahrscheinlich war sie die Folge einer solchen Verprügelung. Aber gerade in dieser Umgebung und in diesen Schicksalen ist ihm eine große neue Liebe zum Menschen aufgegangen, auch zum vertierten Men- schen, der in der Tiefe seines Herzens noch etwas vom göttlichen Adel des Geschlechtes und von der Bruderschaft Christi bewahrt hat, der nur geweckt und entfaltet werden muß. Dostojewski beginnt sich selber anzuklagen:„‚Ich schloß die Augen und wollte nicht schauen; unter den bösen und gehäs- 38 sigen guten undzı die si Worte freun kosth sprod welch als ie abzul lichst her verhe besch ich 7 segn einer die‘/ aher plötz Seel. offe, tum, stänı daß blick gehö Nun Umzı ohne. ge- tsetzliche | ihm be- Ikür des auf der snstreiche nke Seite it Virto- t wurden. ngen der nstreiche, chon 200 Insassen zusehen, me ohn- ı Portion. rtur mit- ‚t aber zu sie befal- ebens be- ge einer in diesen iehe zum ren Men- och etwas ] von der r geweckt j beginn! ugen und sehäs- nd sigen Gefährten des Strafhauses bemerkte ich die suten nicht, die, welche fähig waren, zu denken undzu fühlen, ungeachtet derwiderwärtigen Rinde, die sie von außen bedeckte. Unter den bissigen Worten bemerkte ich manchmal gar nicht das freundliche, entgegenkommende Wort, das um so kostbarer war, als es, ohne jegliche Absicht ausge- sprochen, manchmal direkt aus eigener Seele kam, welche vielleicht mehr gelitten und getragen hatte als ich. Es kommt nur darauf an, die Außenrinde abzuheben, um bis aufs Mark zu schauen, mög- liehst scharf und nahe, vorurteilsfrei- und man- her wird im Volke Dinge schauen, die er nicht verhofft hätte. Selbst in der ungebildetisten und beschränktesten Umgebung dieser Leidenden bin ich Zügen der zartesten seelischen Entwicklung be- segnet. In Ostrog kam es bisweilen vor, daß man einen Menschen mehrere Jahre kannte und sich die Ansicht über ihn gebildet hatte, er sei ein Tier, aber kein Mensch, und man verachtete ihn. Aber plötzlich kommt eine Minute, in welcher seine Seele sich in unwillkürlichem Ausbruch nach außen offenbart, wobei man dann einen solchen Reich- tum, solches Gefühl und‘Herz, ja feines Ver- ständnis für fremdes und eigenes Leid erblickt, daß man die Augen aufreißt und im ersten Augen- blick nicht glaubt, was man soeben gesehen und gehört hat.“ Nun begann er sich zu seinen„Kameraden“ völlig umzustellen. Nicht wie die polnischen Edelleute, die sich von der„Verbrecherbande“ ganz distan- zierten, sondern wie ein Freund wollte er ihnen begegnen, im Bewußtsein, der eigenen Fehler und Armseligkeiten und in der klaren Erkenntnis, daß es nicht seine Tüchtigkeit oder sein Verdienst war, daß er mit anderem Erbgut und mit anderen An- lagen geboren und erzogen war, daß er also gar keinen Grund hatte, sich über sie zu erheben. Im Gegenteil, die Ansätze zu allen Entgleisungen und Verbrechen waren auch in ihm, und in der per- sönlichen, tatkräftigen Hilfe an den Verbrechern konnten sie allein überwunden werden. So stieg der Wille in ihm auf, nach dem Vorbild des Herrn an diesen Ärmsten ein ‚„‚Heiland“(des Volkes auch in dieser schrecklichsten Auslese, ein„‚Brunnen der Wahrheit“ in dieser Welt der Lüge und Grau- samkeit zu werden. Er wollte seinen Drang nach Menschenliebe genügen und in der Barmherzig- keit für andere selbst den besten Trost und Halt gewinnen,um in diesem Jammer nicht zu verzagen. Waren ja auch edlere Elemente in diesem Men- schenbabel. Da war Akim Akimitsch, der Altgläu- bige, der ihm glücklicherweise als Nachbar gege- ben war, der jeden Tag so andächtig sein Gebet sprach, und seltsamerweise war es ein blutjunger mohammedanischer Tscherkesse, der ihm gerade- zu Bewunderung ob seiner seelischen Eigenschaf- ten abzwang.„Er war züchtig wie ein keusches Mädchen und eine zynische, schmutzige, ehrlose oder ungerechte Handlungsweise in Ostrog ent- zündete in seinem schönen Auge ein Feuer des Un- 60 willen Brüde als bri Verbai risch, glättet Ich er besten tere, dl drung Schlec Über Dosto den$ Büche Wort Lehr: Freu. ihnen dolm. auch So sp ter q gion kräft bange lich d wohl. und( Dosto distan- r ihnen ler und is, daß nst war, n ren Än- also gar ben. Im gen und ler per- jrechern So stieg s Herrn kes auch Zrunnen ‚d Grau- ng nach nherzig- nd Halt erzageN: m Men- Altgläu- ar gege . Gebet „tjunger gerade- ‚enschal- keusches ehrlos® og ent r ‚ des Un willens, wovon dieses nur schöner wurde. Seine Brüder liebten ihn sehr mit einer mehr väterlichen als brüderlichen Liebe. Er war ihr Trost in der Verbannung, und sie, gewöhnlich finster und mür- risch, lächelten stets, wenn sie auf ihn sahen und glätteten ihre Mienen, wenn sie mit ihın sprachen. Ich erinnere mich seiner Begegnung als einer der besten in meinem ganzen Leben. Es gibt Charak- tere,diesoedelsind von Natur, so von Gott durch- drungen, daß der Gedanke, sie könnten sich je zum Schlechten verirren, ganz unannehmbar scheint. Über sie kann man stets ruhig sein, wie ich über Aley bin. Wo mag er jetzt weilen?“ Ihn lehrte Dostojewski an dem Evangelium Russisch und las den Sträflingen überhaupt aus diesem Buch der Bücher vor. Mit tiefster Ehrfurcht hörte Aley die Worte der Bergpredigt und die anderen göttlichen Lehren.„O, das ist schön!“ rief er mit kindlicher Freude und sprang dann zu seinen Brüdern, um ihnen in ihrer Sprache das Vernommene zu ver- dolmetschen. Diese belehrten dann Dostojewski, auch der Koran stelle Ischa, den Propheten, hoch. ‘So spann sich allmählich ein Liebesband vom Dich- ter aus zu seiner traurigen Umgebung, die Reli- gion war das Bindemittel, das einzig haltbare und kräftige, und als der Dichter Abschied nahm nach bangen vier Jahren, da reichten ihm alle freund- lich die Hand und wünschten ihm Glück und Lebe- wohl- ihm, der ihnen mehr gewesen als ein Freund und Gefährte: ein Seelsorger, ein Aufrichter. Daß . Dostojewski dies sein konnte, das verdankt er ne- 61 und Herzenswärme seiner Natur dem Buch, das immer unter seinem Kopf- kissen ruhte, in das er sich mit aller Kraft derart vertiefte, daß es der Ausgangs- und Zielpunkt seines ganzen späteren Schaffens wurde- die Bibel. Nur ein Buch während vier Jahren! Welche Qual für einen Weisheitsdurstigen und Dichter! Aber dies eine Buch war das Evangelium- und das genügte. Alle Empörung über sein Schicksal er- losch allmählich in seiner Seele; ja er fand seine Strafe gerecht, er erkannte, wie kindisch seine Be- ben der Gemütstiefe strebungen gewesen, wie unverständig, und mit wie geringer Welt- und Menschenkenntnis sein jugendlicher Brausekopf die Gesellschaft reformie- ren wollte. So kam er, trotz aller Leiden, als Neugeborener aus der Härte des Zuchthauses. Dort hat er den Menschen in seiner Nacktheit gesehen, edle, dul- ‚ende, büßende, verirrte, verlorene,schwache, bos- hafte, entmenschte Menschen, aber immer noch Menschen, in denen die Spuren von Gottes Eben- bild, wenn auch noch so verunstaltet, sind, und so ist er der Mitleidendste aller Menschenschilderer und-ausdeuter geworden. Sein eigenes Menschen- tum hat sich geweitet, war durch Erfahrung mit- leidig geworden, und so wurde auch sein Künstler- tum ein anderes. Früher war er nur Literat ge- wesen. In„carere et vinculis“ ist er zum großen Künstler geworden, dem es heilig-ernst mit seiner Aufgabe war, Künder, Prophet, Führer der russi- schen Seele zu werden...Der ‚Raskolnikow‘, der 62 ‚Idiot‘, ı diesesSe der Kar in die 7 des russ abgestie. furchtba hatte, N in seine liebte, 1 kunft di aller ru Purchth gleichba Vineulis der dar Weltku die 6]; Tussisch das füh Sancta‘ kirche fruchth; Dostoje Inehr,; dung b: sangen Östliche Zeug, eren ° seiner n Kopf- t derart jelpunkt le- die Welche Dichter! und das ksal er- nd seine ‚eine Be- und mit nis sein eformie- horener : er den die, dul- ‚che, bos- 1c! noch o3 Eben und so childerer fenschen- ung mit Künstler- terat 8e° 1 groben it geiner ler russl- der 0W» ‚Idiot‘, die ‚Brüder Karamasow‘ sind die Etappen diesesSchaffens. DiesLetztesein Größtes. Die ‚Brü- der Karamasow‘ konnte nur einer schreiben, der in die Tiefen und Abgründe der Menschennatur, des russischen Wesens, des russischen Volkes hin- abgestiegen war. Nur einer, der in Sibirien die furchtbare Macht des Gewissens kennengelernt hatte. Nur einer, der russisches Wesen auch noch in seiner Verworfenheit mit unendlichem Mitleid liebte. Nur einer, der an die Sehnsucht und- Zu- kunft des Russentums glaubt. Es ist das russischste aller russischen Bücher; an Größe und Wucht, Furchtbarkeit nur mit den antiken Tragödien ver- sleichbar. So wurde dieser Dichter in carcere et vineulis ein Verkünder des ethischen Russentums, der daran mit Inbrunst glaubte, daß der heutigen Weltkultur Erlösung und neues Leben nur durch die Gläubigkeit, Demut, Hingabe, Inbrunst des russischen Menschen kommen könne“(Miller). Und das führt von selbst zur großen Idee der„Una- Saneta“, die’ auch alle positiven Werte der Ost- kirche umfaßt und in der abendländischen Kirche fruchtbar machen will. An diese Möglichkeit hat Dostojewski selber nicht geglaubt. Er war viel- ınehr, im Gegensatz zu Solowjeff, der eine unver- sleichlich tiefere philosophisch-theologische Bil- dung besaß und schließlich den Weg Newmans ge- gangen ist, von der völligen Überlegenheit des östlichen Christentums über alles westliche über- zeugt. Aber wir sind inzwischen auch über diese inneren Begrenzungen hinausgewachsen und er- 63 streben heute einen schöpferischen Frieden der Konfessionen, auch im Osten, ehe die Dämonen, die Dostojewski angekündigt hat, über uns her- einbrechen. 6. Noch ein erschütterndes Dokument möchte ich aus der Gefangenschaftsliteratur heranziehen; nicht von einem Schuldlosen, sondern von einem Tief- schuldigen, der menschlich das äußerste Gegenbild zum Verfasser der folgenden Briefe und Abhand- lungen darstellt, aber„in carcere et vinculis‘“ heimgefunden hat und sicher ‚vielen Gestrandeten in dieser Zeit Trost und Hilfe sein kann, wie es Metzger sein Leben lang tun wollte- er liebte ja besonders das Wort des Herrn, daß im Himmel mehr Freude sei über einen Sünder,der Buße tut, als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen bezw. nicht zu bedürfen meinen. Oskar Wilde’s„De profundis“, das wirklich, wie Psalm 130, ein Ruf aus der Tiefe ist. Obwohl von Geburt Irländer, war er einmal der Löwe der Londoner Salons, der typische Vertreter der europäischen Decadence-Epoche: Geistreich, voll verblüffender Einfälle und blitzender Aper- cues,„das gescheiteste Hirn Europas“, der es liebte, fast nur in Paradoxen zu reden und die Wahrheit wie die Moral auf dem Seil tanzen zu lassen. Seine Bücher schrieb er nur so nebenher, um desto intensiver zu leben.„.Ich habe mein Ta- lent an meine Bücher gesetzt, aber das Genie an 64 mein Leb Wert, die die verbl löwen ge rühmthei schmacke: nur noch --biser m da wurd: höhnt un als Doste die tiefs; er vor d gewesen ist er zu per Buß, ber ein terndste, reift sin, Mitte 18 des Don; hoch dh ANreizte, London Gerichts eden der Dämonen, uns her- te ich aus en; nicht nem Tief- Gegenbild | Abhand- vineulis“ ‚trandeten ın, wie e5 - Jiebte ja 1 Himmel Buße tut, der Buße 0 meineD. klich, wie inmal der Vertreter! Geistrei, der Aper- « der& a und die tanzen Pl nebenher mein Ta Genie@" ee mein Leben.“ Und dieses Leben kannte nur einen Wert, die Schönheit, nicht die Moral, und gerade die verblüffende Amoralität hat ihn zum Salon- löwen gemacht, und vice versa hat ihn die Be- rühmtheit, daß er in Fragen des Taaktes und Ge- schmackes bis zur Kleidung tonangebend wurde, nur noch tiefer in die Amoralität hineingetrieben, -bis er mit dem Strafgesetzbuch in Kollision kam, da wurde er ebenso leicht fallen gelassen, ver- höhnt und vergessen. Das hat ihn zunächst, anders als Dostojewski, den unschuldig Verurteilten, in die tiefste Menschenverachtung getrieben, so daß er vor denen, deren Liebling er zehn Jahre lang gewesen war, nur ausspucken konnte; dann aber ist er zu radikaler Selbsterkenntnis und freiwilli- ger Buße und Umkehr gekommen und hat darü- ber ein Geständnis abgelegt, das zu den erschüt- ierndsten gehört, die je in einem Gefängnis ge- reift sind. Mitte 1895, als sein schlimmstes Buch,„Das Bild des Dorian Gray‘(sein moralisches Selbstbildnis), noch durch alle Hände ging und zur Amoralität anreizte, wurde er von der Staatsanwaltschaft in London verhaftet und in einem einwandfreien Gerichtsverfahren ‚‚wegen Perversität, Verführung der Jugend und moralischer Unterhöhlung der Gesellschaft“- England wußte sich noch gegen solche Elemente zur Wehr zu setzen-. zu zwei Jahren schwerer Zuchthausstrafe verurteilt. Am 13. November wurde er ins Zuchthaus Reading ge- schafft. Der ungekrönte König der Londoner Ge- 65 sellschaft bekam die Locken abgeschnitten und den Kopf kahl geschoren, bekam Sträflingskleider und Handschellen und mußte arbeiten, Stricke drehen, Aborte reinigen etc. Wenn nur in London sein Name genannt wurde, spie man ebenfalls aus. Er erzählt:„Alles an meiner Tragödie ist scheußlich, gemein abstoßend, stillos gewesen. Schon unsere Kleidung läßt uns grotesk erscheinen. Wir sind die Hanswürste des Leids. Wir sind Clowns mit gebrochenem Herzen. Wir haben die besondere Bestimmung, auf die Lachmuskeln zu wirken. Am 13. November hat man mich von London hierher geschafft. Von zwei bis halb drei nachmittags mußte ich an diesem Tag in Sträflingskleidern und Handschellen auf dem Bahnsteig der Station Clapham stehen, den Blicken der Welt ausgesetzt. Unter allen möglichen Verworfenen war ich der groteskeste. Als mich die Leute sahen, lachten sie. Mit jedem neuen Zug, der ankam, vermehrten sich die Zuschauer. Ihr Spaß kannte keine Grenzen. Das war natürlich so, ehe sie wußten, wer ich war. Sobald sie es erfuhren, lachten sie noch viel mehr. Eine halbe Stunde stand ich im grauen November- regen da, vom johlenden Pöbel umringt.“ Und dann traten zwei Großstadtkaufleute, die ihn er- kannten,auf ihn zu und spuckten ihm ins Gesicht. Und Oskar Wilde zuckte nicht mit der'Wimper. „Noch ein Jahr, nachdem mir das alles widerfuhr, habe ich jeden Tag zur selben Stunde gleich lange geweint. Das ist nicht so tragisch, wie es dir wahr- scheinlich klingt. Denen, die im Gefängnis sind, 66 ——— sind T Ein T: ist ein Tag, a Immer Psalmi hiasti ı mütigt Deine aus ist wachse knirsc die A Verze; Da ist sere e Ben tı Er ge Hand] Zersto geheir ter Sı ich m da} ich ih lung' ın Ink der V dasl,. legt, Sie jz en und den leider und ke drehen, ondon sein ılls aus. Er scheußlich, hon unsere . Wir sind Olowns mit besondere virken. Am lon hierher nachmittags ngskleidern der Station ausgesetzl. var ich der Jachten sie. ‚ehrten sich e Grenzen. ‚er jch wal: viel mehr. November- a Und die ihn er insGesicht sind Tränen ein Teil ihrer täglichen Erfahrung. Ein Tag im Gefängnis, an dem man nicht weint, ist ein Tag, an dem unser Herz verhärtet, kein Tag, an dem unser Herz glücklich ist...“ Immer wieder spricht er sich die Erfahrung des Psalmisten vor:„Bonum, Domine, quoniam humi- liasti me- es ist gut, Herr, daß Du mich gede- mütigt hast, damit ich Deine Gerechtigkeit und Deine Erbarmungen kennenlerne.“(Ps. 119). Dar- aus ist dann seine„Philosophie des Leidens“ er- wachsen, die ihn auf den Weg der Demut, Zer- knirschung und Gnade gebracht und schließlich in die Arme Jesu Christi geführt hat, in dem allein Verzeihung und die Ordnung Gottes zu finden ist. Da ist ihm klar geworden, daß Gottes Gebote un- sere eigenen Lebensgesetze sind. Wer sie mit Fü- ßen tritt, der tritt sein eigenes Leben mit Füßen. Er gesteht:„Ich hatte vergessen, daß jede kleine Handlung des Alltags den Charakter prägt oder zerstört, und daß man deshalb das, was man ins- geheim im Zimmer getan hat, eines Tags mit lau- ter Stimme vom Dach herab rufen muß!“- Wenn ich mich zu Zeiten an der Vorstellung weidete, daß mein Schmerz endlos sein sollte, so konnte ich ihn doch nicht ertragen, weil er keine Bedeu- tung für mich hatte. Jetzt finde ich tief verborgen - in meinem'Wesen etwas, was mir sagt, nichts in der Welt sei ohne Bedeutung- am allenwenigsten dasLeiden. DiesEtwas, das tief in mir vergraben liegt, ein Schatz auf dem Felde, ist die Demut. Sie ist das Letzte in mir und das Beste, das Ziel, 5 67 an dem ich endlich angelangt bin, der Ausgangs- punkt einer neuen Entwicklung. Ganz aus mir selbst heraus hat sie sich gebildet; ich weiß daher, sie ist zur rechten Zeit gekommen. Hätte man sie mir gebracht, ich hätte sie abgelehnt. Ich habe sie selbst gefunden und will sie deshalb bewahren. Sie ist das einzige, was Lebenskeime in sich birgt, denKeim eines neuenLebens für ‚mich, einer Vita Nuova. Von allen Dingen ist sie das Wunderbarste. Man kann sie nicht erwerben, es sei denn, daß man allem entsage, was man sein eigen nennt. Erst wenn man alles verloren hat, weiß man, daß man sie besitzt.- Es gibt keine einzige Erniedri- gung, die nicht zu einer geistigen Erhebung ge- macht werden könnte. Meine Natur ist auf der Suche nach einer neuen Art der Selbstverwirk- lichung. Das ist das einzige, was mich beschäftigt. Und das erste, was ich zu tun habe, ist: mich von einer etwa verhandenen Verbitterung gegen die Welt zu befreien. Es ist mein heiliger Ernst, wenn ich sage: lieber, als ich aus dem Gefängnis mit Groll gegen die Welt scheide, will ich von Herzen gern um Brot betteln und von Tür zu Tür gehn. Mir wäre es ganz gleich, wenn ich im Som- mer im kühlen Gras schlafen, im Winter in einem Heuschober oder unter dem Wetterdach einer Scheune Zuflucht nehmen müßte, so nur Liebe in ıneinem Herzen wohnte. Hätte ich keinen Freund mehr auf der Welt, stünde mir nicht ein Haus mitleidig offen, müßte ich das Felleisen und den zerlumpten Mantel der wahren Armut nehmen: 68 Solang achtun srößeı als we hüllt ı wahr) Seine Entwi nen,| legen. aufn der weiht ihre| und{ Regu fung erhal ten| offen zerst „Ich forse für ist? danl sanz Schn hatt Nich zu| Solange ich von Rachbegier, Grausamkeit und Ver- achtung frei bin, könnte ich dem Leben mit viel IBgang-" us mir daher, größerer Ruhe und Zuversicht ins Auge schauen, nan sie als wenn meinLeib in Purpur und feines Linnen ge- ‚abe sie hüllt und meine Seele krank vor Haß wäre. Wer wahren. wahrkuaft nach Liebe begehrt, wird siefür sichfinden.- h birgt," Seine Erfahrungen vergessen, heißt seine eigene er Vita'R Entwicklung hemmen. Seine Erfahrungen verleug- ıbarste.'E; zen, heißt seinem Leben eine Lüge auf die Lippen m, daß legen. Denn wie der Körper alles Mögliche in sich nennt. aufnimmt, Gewöhnliches und Unreines nicht min- an, daß‘ der als das, was der Priester oder Visionen ge- rniedri- weiht haben, so hat andererseits auch die Seele ihre Ernährungsfunktionen und kann das, was an ‚uf der und für sich grausam und erniedrigend ist, in edle aick Regungen und Leidenschaften voll tiefer Bedeu- häftiet. tung umsetzen- ja mehr noch: gerade darin ihren ich von erhabensten Stoff finden, an dem sie sich entfal- a ten kann und sich am vollkommensten durch das "Eros, offenbaren, was ursprünglich eine entweihende und En zerstörende Absicht hatte.“ ich von„Ich sehne mich nach dem Leben, damit ich er- zu Tür forschen kann, was jetzt so gut wie eine neue Welt für mich ist. Wollt Ihr wissen, was diese neue Welt Som- an ist? Das Leid und alle Lehren, die ich ihm 1 einer danke- das ist meine neue Welt. Früher war mein ‚jebe 30 ganzes Leben dem Vergnügen geweiht. Ich ging Freund Schmerz und Sorgen jeder Art aus dem Weg. Ich Haus hatte mir vorgenommen, sie soweit als möglich 4 Jen nicht zu beachten, sie gewissermaßen als Gebrechen Me zu behandeln. Sie gehörten nicht zu meinem Le- } je 69 bensgebäude. Für sie war in meiner Philosophie kein Pla. Jett sehe ich: Wo Leid ist, da ist ge- weihte Erde. Das Leiden ist eine Offenbarung: man erkennt da Dinge, die einem nie aufgefallen sind. Man tritt unter einem andern Gesichtswinkel an die Geschichte heran. Was man schwach, instink- tiv von der Kunst geahnt hat, wird im Bereich des Denkens und Fühlens- zur Wirklichkeit mit einer vollendeten Klarheit der Erscheinung, mit einer absoluten Stärke der Vorstellungskraft. Jetzt sehe ich ein, daß der Schmerz als die edelste Regung, deren der Mensch fähig ist, gleichenmaßen Urform und Prüfstein aller hohen Kunst ist. Der Schmerz ist der Endtyp sowohl im Leben wie in der Kunst. Hinter der Lust und dem Lachen mag ein rauhes, hartknochiges Temperament stecken; hinter dem Schmerz birgt sich stets nur der Schmerz. Das Leid trägt keine Maske wie die Freude. Darum ist es so wahr, so Einheit des Ausdrucks mit dem We- sen; es ist das Geheimnis des Lebens. Hinter allem ist es verborgen. Einst sprach ich zu einer Dame: Die Unsumme von Leid schon allein in London ist Beweis, daß es keinen Gott gibt. Schon durch ein weinendes Kind, das ungerecht mißhandelt wird, sei das Antlitz der Schöpfung enistellt. Jetzt dünkt es mich, daß die Liebe die einzige Erklä- rung ist für das ungeheure Maß von Weh, das es auf der Welt gibt.“ Aus diesen Erkenntnissen rafft er seine dichteri- schen Kräfte, das Talent und das Genie, noch ein- mal in einem grandiosen Lied, der ‚Ballade vom 70 Zuchthau alten ge! Tragödie Mörders. und sein die schil der Wuc Das He) Die Zell - Wir dre Pr 3 Ih geso) T Und gr Als ehe Und ni Mit san Das An Das am Ohne' An Lei sophie ist ge- arung: efallen winkel nstink- ich des t einer '; einer zt sehe ‚egung, Jrform chmerz Kunst. rauhes, ‚r dem as Leid ist 68 m We ‚ allein Dame: ‚ondon I durch handelt y, Jetzt Erklä- das es jichtent- ch ein- Je vom Zuchthaus in Reading“, zusammen, die an die alten germanischen Balladen- unsere Form der Tragödie- anschließt und in der Geschichte eines Mörders, seiner innereif Verfassung vor dem Tode und seiner Hinrichtung, die eigene innere Tragö- die schildert. Hier nur einige Strophen, die von der Wucht des Gedichtes eine Ahnung geben:. - Das Herz gefüllt mit Mitternacht, Die Zelle mit Zwielichtschein: Wir drehen das Schöpfrad, wir zupfen den Hanf In gesonderter Hölle allein. Und grausiger das Schweigen schweigt, Als eherne Glocken schrei’n. Und nie kommt menschliche Stimme uns nah, Mit sanftem Wort gesellt, Das Auge ist hart und mitleidlos, Das am Guckloch die Wache hält. Ohne Welt, ohne Trost, du verrohst, du verrohst! An Leib und Seele enistellt. So rosten wir, eiserne Ketten des Seins, Entehrt und ganz allein, Der eine schluchzt, der andere flucht, Der nennt keinen Seufzer mehr sein. Doch Gottes ew’ge Gesetze sind lind Und brechen das Herz von Stein. Und jedes Menschenherz, das.brach In Zuchthauszelle und-hof, Ist die Büchse, die brach und dem Heiland gab Ihren kostbar edlen Stoff: Von dem das unreine Aussatzhaus Von köstlicher Narbe troff. Glücklich das Herz, das brechen kann Und zum Frieden der Gnade gedeih’n! Wie glättet sich sonst der Pfad, wie wird Die Seele von Sünde sonst rein? Wie anders als durch ein gebrochenes Herz Ziehet der Heiland ein? So lebte er, einsam und arm, ‚von der Welt gene- sen“, den Rest seiner Tage in Paris und schließ- lich in einem kleinen französischen Nest als Freund der Armen und Enterbten, die ihm besser dankten als die Londoner Gesellschaft, und als stiller Besucher des Herrn im Sakrament, bis ein Schlaganfall ihn erlöste. TE Max Josef Metzger ist wohl, ideell gesehen, eines der reinsten Opfer des Nazismus, weil er in allem das äußerste Gegenteil und damit auch der gefähr- lichste Gegner seiner Ideologie und Praxis war. Drei große Ziele hatte er sich im Leben gesteckt: radikale Lebensreform durch völlige Abstinenz von Fleisch, Alkohol und Tabak, um durch Stär- kung der sittlichen Energien die wachsende Sit- 72 tenlos kaler Ärieg lens offen Einig komn Äntie fen, ı rettet stete, in de führt stink: leben len Z chen, verh: lich| und lichk durel dien; Manı ; eines das} Erns an d der, ‚roh einen d gab zZ ejt gene- schließ- jest als hatinen? ‚Star. nde Sit [ tenlosigkeit an ihrem Kernpunkt zu treffen; radi- kaler Pazifismus durch offene Bekämpfung des Krieges in jeder Form und Mobilisierung des W\l- lens zum Frieden in den Volksmassen bis zur . offenen Kriegsdienstverweigerung; und schließlich Einigung der christlichen Konfessionen, um für die kommende Entscheidung zwischen Christus und Antichrist eine geschlossene Front bilden zu hel- fen, in der allein Christentum und Abendland ge- rettet werden können. Mit dem ersten war er der stete, praktische Ankläger der Nazis, die selber, in der großen Not des Volkes, ein Schwelgerleben führten und alle niederen Leidenschaften und In- 'stinkte in den Massen zu hemmungslosem Aus- leben anstachelten, um sie dadurch für ihre dunk- len Ziele zu desto gefügigeren Werkzeugen zu ma- chen. Mit dem zweiten war er ihnen»besonders verhaßt, weil er den Krieg an seiner Wurzel, näm- lich an der Omnipotenz des Staates, bekämpfte und dagegen die elementaren Rechte der Persön- lichkeit bis zum äußersten verteidigte, indem er durch die Friedensorganisation zu offener Kriegs- dienstverweigerung aufrief; nicht aus flacher Hu- manitätsduselei, sondern aus seiner Auffassung eines konsequenten Christentums in dieser Zeit, das mit den Lehren der Bergpredigt rücksichtslos Ernst machte. Und mit dem dritten arbeitete er an der entscheidenden Stelle dem alten Prinzip der Antichristen entgegen: Divide et impera- ver- größere die Spaltungen und schlage dann die Teile, einen nach dem anderen, nieder. Schon lange vor der Machtübernahme war Metz- ger darum den geistigen oder besser ungeistigen Leitern des Nazismus in der Seele verhaßt, und man muß sich wundern, daß es nicht schon lange vor dem Jahre 1943 zu einer blutigen Auseinan- dersetzung gekommen ist. Man kannte seine Grün- dung des„Weltfriedensbundes vom Weißen Kreuz“, mit dem er bereits 1917, aus dem Erlebnis. des Krieges als aktiver Feldgeistlicher, hervorgetreten war und der sich mit ähnlichen Bestrebungen in allen Ländern verband. Man kannte auch seine flammende Rede auf dem„‚Internationalen reli- giösen Friedenstag‘“ im Haag(2. August 1928), wo er erklärte:„Der Krieg verdankt sein Dasein in der Welt nur dem Vater der Lüge. Der Krieg ist eine Lüge und kommt aus der Lüge. Nur durch Lüge kann er heute noch möglich gemacht werden. Gieriger Mammonismus, frecher Imperialismus, überheblicher Nationalismus und'zynischer Ma- chiavellismus, diese Lügengeschwister, stehen an seiner Wiege. Verlogene Diplomatie, wenn man mit diesem Wort nicht überhaupt schon ein Leit- wort ausdrückt, hat das Mißtrauen zwischen allen Völkern und ihren Staatsmännern so abgrundtief gegraben, daß die Schwierigkeit der Überwindung dieses Mißtrauens recht eigentlich der Grund ist, warum die Staatsmänner immer wieder Kriegs- ächtungspakte schließen und zugleich die Dolche schleifen, die sie in den Falten ihrer Gewänder verbergen.-„Si vis pacem, para bellum- wenn du den Frieden willst, dann bereite dich zum 74 Kriege“ immer t den die nehmen endlich in der wahrer bit vos Ein Ja Kriegst Kreis ı „Was ı sches$ das al mit pla walt u Werder Meist; in die EInZUS: Feinde den, a füllen. etwa densh; selher bleihe, Vor ih Und f Yon T Helen Metz- istigen t, und ‚ lange ;einan- Grün- ‚reuz“, is des treten gen in seine 2 reli- 1928), Dasein rieg ist durch verden. Jismus, ‚r Ma- hen an np man n Leit- n allen undtief ändung ınd ish, Kriegs‘ Dolce wänder „ weni zum ch BER FT RT SEE Kriege“, dieser erzheidnische Grundsatz ist noch immer tief eingefleischt in den Staaten, sonst wür- den die Kriegsrüstungen nicht weiter überhand- nehmen... Darum, ihr Völker Europas, macht endlich einmal Schluß mit diesem System der Lüge in der Politik! Hört das Wort der Schrift, das wahrer ist als heidnische Parolen: Veritas libera- bit vos- die Wahrheit wird euch freimachen!“ Ein Jahr darauf hat er beim„Internationalen Kriegsdienstgegnertag‘“ im Haag in noch größerem Kreis und mit größerem Widerhall ausgerufen: „Was man heute Krieg nennt, ist ein infernali- sches System von Lüge und Vergewaltigung, durch das alle waffenfähigen Menschen eines Volkes mit.planmäßiger Betörung und mit der rohen Ge- walt unmittelbarer Lebensbedrohung gezwungen werden, für Ziele und Interessen, die ihnen zu- meist fremd sind, jedenfalls bei voller Einsicht in die Sachlage fremd wären, ihr Gut und Blut einzusetzen, ihre Nachbarn unterschiedslos als Feinde anzusehen und erbarmungslos hinzumor- den, und das mit Vaterlandsliebe und Pflichter- füllung zu maskieren.- Keine Rede davon, daß etwa die Kriegsschuldigen, die wirklichen Frie- densbrecher in der vordersten Linie stehen und selber ihre Kraft und ihr Leben einsetzen! Sie bleiben weit kinter der Front und feiern nach wie vor ihre Feste, indes das Volk darbt und blutet und die Millionen in namenlosem Leid Ströme von Tränen vergießen. Darf ich an das Wort von Helene Stöcker erinnern?„In unbegreiflicher Ge- 75 Soängsg Mersere Se ee ee dankenlosigkeit und ebenso unfaßlicher Grausam- keit hält man sich für berechtigt, 50 Millionen Menschen, die das Unglück haben, dem Lande der Friedensbrecher anzugehören, Menschen, die am Ausbruch des Krieges so wenig mitgewirkt haben wie die Bewohner des Mars- man hält sich für befugt, im Namen der Gerechtigkeit und des Frie- dens diese Unglücklichen zu vergasen und die Zi- vilbevölkerung in einem Phosphorregen bei leben- digem Leibe zu verbrennen. Der Krieg ist mit seiner Vernichtung nicht mehr gegen die Kämpfer an der Front gerichtet, sondern unterschiedslos gegen die ebenso unschuldige wie schuldige Zivil- bevölkerung: Ja, diese-ist sogar zum eigentlichen Zielpunkt der Vernichtung geworden. Ist das nicht die höchste Höhe der Barbarei, die jemals in der Menschengeschichte war? Was nottut, das ist die allgemeine Verbreitung der Einsicht, daß der kommende Krieg in jedem Fall ein fürchter- liches Unglück fiir jedes Volk, für Sieger und Be- siegte, darstellt; daß der Krieg von heute nur durch systematische Lüge erzeugt und verbreitet und erhalten werden kann. Den„.gerechten“ Krieg, von dem einmal die Moralisten schrieben, gibt es jedenfalls längst nicht mehr. Der Krieg ist heute nur mehr ein Verbrechen, das größte Verbrechen, das überhaupt möglich ist und dem mit allen Mit- teln entgegengetreten werden muß... Was not- tut, das ist eine planmäßige Organisierung des Friedens statt des Krieges. Darum, Menschen aller Völker und Staaten, vereinigt. Euch gegen' 76 | ' | j r | ia) las Un vornhe kung a Erzeug nal un zu neh ziehen. selbst Die Fr Yismus mann mehr( Nation; inRech Inlisser Intere: dem] Friede Es wi Sprech Unschä Sich 3. sah 2 Schrejt keitsp ten m Wurde Vißen. Ohne brach Autagı ‚Tausam- Iillionen ınde der die am© t haben sieh für les Frie- | die Zı- ej leben- ist mit© Kämpfer chiedslos se Zivil- »ntlichen Ist das o jemals tut, das cht, dab fürchter- und Be- ‚ute MUF arbreitel * Krieg: gibt© st heute ‚brechen:© ]len Mit- not- des Nas ung fonsche® Ah gegen IE] das Unmenschentum des Krieges, indem Ihr von vornherein erklärt: Wir lehnen jede Mitwir- kung am Kriege radikal ab. Wir verweigern jede Erzeugung und jeden Transport von Kriegsmate rial und weigern uns, die Mordwaffen in die Hand zu nehmen, um gegen andere Völker ins Feld zu ziehen. Die Unmöglichkeit des Aufrüstens hat von selbst die Unmöglichkeit des Krieges zur Folge. Die Friedensbewegung muß einen radikalen Akti- vismus der Massen entfalten, so daß kein Staats- mann es mehr wagen darf und überhaupt nicht mehr die Möglichkeit hat, zur Schlichtung inter- nationaler Streitigkeiten einen Krieg überhaupt inRechnung zu stellen. Christentum und Sozialismus inüssen sich an diesem gemeinsamen Punkte. der Interessen aller Völker zusammentun, um nach dem letzten männermordenden Kriege endlich Frieden zu schaffen.“ Es wäre nicht zu verwundern gewesen, wenn der Sprecher dieser Worte schon 1933 verhaftet und unschädlich gemacht worden wäre; aber er hielt sich sonst von jeder praktischen Politik fern und gab auch sonst keinerlei Gelegenheit zum Ein- schreiten. Im Verlauf der Devisen- und Unsittlich- keitsprozesse suchte man zwar nach Anhaltspunk- ‘ten zur Verdächtigung, und in den Jahren 34—38 wurden verschiedentlich Haussuchungen nach De- visen- und Lebensmittelvorräten gehalten; jedoch ohne Erfolg. Auch eine Verhaftung im Jahre 34 brachte in dreitägigem Verhör nichts Belastendes zutage. Im Jahre 38 wurde er, nach Verbot der en dd Zeitschriften und der Rundbriefe der Christkö- nigsgesellschaft, unter dem Verdacht der Zuge- hörigkeit zur Königspartei verhaftet und fest- gehalten, dann aber wieder entlassen, weil’ sich keinerlei Anhaltspunkte nach dieser Richtung ergeben hatten. Im November 39 wurde er er- neut verhaftet und ohne Angabe des Grundes und ohne Verhör 4 Wochen in Einzelhaft gehal- ten, und in dieser Zeit schrieb er den im folgen- den mitgeteilten Brief an den Heiligen Vater über die Frage der Einigung der Konfessionen. Schon vorher hatte er zu Pfingsten eine ökumenische Tagung in Meitingen gehalten, und eine weitere im Jahre 1940 veranstaltet, unter strengster Über- wachung durch die Gestapo und eine Agentin Diehl, die ein besonderes Interesse an der„Una- Sancta“ vorgab. {m Herbst 1942 reifte in ihm(der Plan, ein per- sönliches Schreiben an Hitler zu richten und ihn inallerEhrfurcht,aber auch mit völliger Bestimmt- heit zur Niederlegung seines Amtes aufzufordern. Anfang 1943 hat er mir den Briefentwurf ge- zeigt,in dem u.a. stand, daß der Krieg mit höch- ster Wahrscheinlichkeit verloren sei, alles weiter» Kämpfen habe keinen Sinn mehr, sondern sei ein Verbrechen am deutschen Volke und an der Welt. „Wenn Sie, Herr Kanzler, unser Volk wirklich lieben und Ihr Herzblut zu geben bereit sind, wie Sie immer betont haben, dann müssen Sie jetzt zurücktreten und einer anderen Regierung Platz machen, die noch einen anständigen Frieden schlie- 78 Ben I ches nicht mit| bleib übrig dabe stänc Scha len an d weil Sicht des Una. ich s rück der Men land Neue dutn auch Sche übe, fitin ran dete übe, ten Ihre ; Ohristkö- r Zuge- nd fest- veil sich Richtung e er er- Grundes ft gehal-© ı folgen- ter über n. Schon menische weitere er Über- Agentin ‚pr„Una- ein pel- und ihn estimmt- ‚fordern. wurf ge nit höch- weiter? n sei ein or Welt. wirklich ‚ind, wie Sje jet ng Platz 1 schlie.|) ßen kann, da unser Heer an den Grenzen des Rei- ches noch eine ansehnliche Macht darstellt, die nicht so leicht zu überrennen ist. Da die Gegner mit Ihnen nicht verhandeln wollen und werden, bleibt, wie in jedem Rechtsstaat, nur Ihr Rücktritt übrig, um das Volk zu retten, auch wenn Sie selbst dabei Ihr Leben lassen müssen; jetzt noch in an- ständigem Kampf, später aber in Schimpf und Schande.“- Ich habe ihm eindringlich widerraten, den Brief abzuschicken, weil ich von vornherein an dem guten Willen der Führung zweifelte und weil ich überzeugt war, daß mit diesem völlig aus- sichtslosen Schritt die eigentliche Hauptaufgabe des Freundes, die religiös-sittliche Mission der Una-Sancta, aufs schwerste geschädigt werde. Wie ich später.erführ, hat er dann doch den Brief zu- rückbehalten, aber. einen anderen Schritt gewagt, der die Katastrophe herbeiführte. Er schrieb ein Memorandum über.die künftige Gestaltung Deutsch- lands, die jede gewünschte Sicherung gegen einen neuen Krieg bot und auch die rechtliche'Wieder- gutmachung der Kriegsschäden garantierte, aber auch die Versklavung und Ausbeutung des deut- schen Volkes verhindern sollte. Dieses Memorandum übergab er der erwähnten schwedischen„Konver- titin“, die sich in den letzten drei Jahren sein Ver- trauen erworben hatte, damit sie es dem befreun- deten Bischof Eidam von Upsala in Schweden übergab er der erwähnten schwedischen„Konver- ten Länder vermitteln solle, damit auch diese bei ihren Regierungen auf einen baldigen und erträg- ee Fe pen lichen Frieden hinwirken sollten.- Auch davor habe ich aufs eindringlichste gewarnt, weıl mir der Einfluß der Bischöfe auf die Regierungen bei den Friedensverhandlungen nicht groß genug schien, um einen so gewagten Schritt zu unter- nehmen; und außerdem schien mir die Vermitt- lung nicht zuverlässig genug, um ihr den Kopf des Freundes in die Hand zu geben. Vor aliem aber erklärte ich ihm, unter keinen Umständen dürfe er seine religiöse Mission mit einer politi- schen belasten und sie dadurch gefährden.- Aher er erklärte mit leidenschaftlicher Entschiedenheit- die Analogie zum hl. Paulus in Milet springt so- fort in die Augen-:„Was wollen Sie?. Muß ich nicht meinem Gewissen folgen? Ich habe nun mal die weiten Beziehungen zum:Ausländ. Muß ich diese nicht nützen? Wenn der Friede der Völker durch die Kirche, vielleicht durch ihre geringsten und nichtbeamteten Diener, angebahnt werden kann, ist das nicht den Einsatz des Lebens wert? Was könnte das heute für die Stellung der Kirche in der Welt bedeuten! Wissen Sie, es gelüstet‘ einen geradezu, jetzt, wo alles auf dem Spiele sieht, für einen erträglichen Frieden seines Vol- kes zu kämpfen und, wenn es nottut, zu sterben.“ Schon zu Beginn der Fastenzeit im Jahre 1942 hatte er in seinem zweiten Testament geschrieben: „Im Angesicht des Todes,-an den das Memento mori der Kirche am Aschermittwoch mich beson- ders eindringlich mahnt, will ich nochmals meine. letzten Verfügungen treffen: Vor dem allwissen- 80 len Got gen'kat einen K ich, nad Rom d: kenntni: icht. be mich de selische ind vo Herrn| den, m Sakram sen da ; die Re Christ; tinen| für de leben schuld nen| en ey h Seele übergn : Imgarı u diehz MU ver ) Mächst der P, N, Se Vor di ı davor© den Gott bekenne ich zunächst, daß ich im heili- Re’. eıl aa gen"katholischen Glauben als treuer Sohn der sen bei einen Kirche Christi sterben will, deren Einheit genug ieh, nach dem Willen des Herrn, im Hl. Vater in unter-© Rom dargestellt und gesichert sehe. Dieses Be- Vermitt-© kenmtnis wird nach meiner festen Überzeugung n Kopf" nicht beeinträchtigt durch die Tatsache, daß ich r alien© mich den gutgläubigen und gewissenstreuen evan- stinden© gelischen Brüdern in Christo Jesu von der Taufe MW 4" 5 r politi- 4 und vom gemeinsamen Bekehntnis des gleichen ‚. Aher© Herrn her ebenso verbunden weiß wie den Brü- lenheit-© dern, mit denen ich die Gemeinschaft des heiligen inst s- der Einheit und des Friedens pfle- Muß ib© gen darf. Es war mein ganzer Lebensinhalt, für ın mal” die Reinheit, Heiligkeit und Einheit der Braut Muß ich Christi zu wirken. Nichts könnte meinem Leben Völker einen sinnvolleren Abschluß geben, als wenn ich ringsten" für den Frieden Christi im Reiche Christi mein werden|, Leben hingeben dürfte. Ich weiß mich freilich 15 wert: schuldig, den vielen Gnaden, die Gott mir durch . Kirche|© mein Leben hindurch gab, nur sehr unvollkom- selüstet| nen entsprochen zu haben. Gott sei meiner armen ı Spiele i Seele gnädig...“- Aus dieser Haltung heraus ‚es Vol. I übergab er also(das Memorandum Frau Dagmar terben. I” Imgart, und am Peter- und Pauls-Tag 1943 kamen Ball ‚lie Häscher,um ihn auf Grund dieses Schriftstückes hrieben: 19 eu verhaften und ihm den Prozeß zu machen. Zu- femento IN nächst wurde er in das berüchtigte Gefängnis in „beson d der Prinz-Albrecht-Straße gebracht und dann am meint 4 l1. Sept. nach Plötzensee übergeführt. Er sollte wissen”- vor den Volksgerichtshof, und damit war sein Tod 81 besiegelt. Aber er blieb guten Mutes, fast unbe- sorgt. In seltsamem Optimismus meinte er, man müsse doch einsehen, daß er nur. mit gutem Ge- wissen und zum Besten seines Volkes gehandelt und nichts für sich gewollt habe, und in keinem Betracht sei aus seinem Schreiben irgendein Scha- den dem deutschen Volke erwachsen. Aber die Verhandlung am 14. Oktober belehrte ihn bald, was ein oberstes Nazigericht bedeutete. Er hatte gehofft, neben seinem juristischen Verteidiger selbst sein Plädoyer halten zu dürfen und, wenn nötig, mit letztem Freimut, wie die Apostel vor dem Hohen Rat, die Wahrheit offen zu bekennen. Er legte, soweit man ihn sprechen ließ, alles mit völliger Offenheit dar und stand zu seiner Tat. Desto wilder wurde der Vorsitzende Freisler und brüllte nur in den Saal hinein, daß keinerlei Ver- handlung möglich war. Als er das Bekenntnis zur Una-Sancta hörte, rief er höhnisch:„Una-Sancta, Una-Sanctissima! Una, una- das sind wir! Sonst gibt es nichts!“ Da war nur ‚Schweigen möglich. Die ganze Verhandlung war nur eine Farce, und das Todesurteil mit Ehrloserklärung durch ein solches Gericht konnte nur als Ehre und Opfer des Rechtes angesehen werden. Metzger nahm das Resultat mit der gelassenen Ruhe eines Philosophen auf, die man sonst kaum bei ihm gesehen hatte, und er tröstete die bestürz- ten Freunde mit den Worten:„‚Nun’ist es gesche- hen. Ich bin ganz ruhig. Ich habe mein Leben Gott, angeboten für den Frieden der Welt und die Ein- 82 lieit de, (as frei “das Leh chen wa dankbar Schwest tg! D: schwer E hehe r Am 2, weihten Nacht N oline B Lektüre wöchen führt. du an ı am En Warten Christi Herz,\ allem] Liegen schon; Neg Bi sh ga Iigung Erekı, Sie bei che N Meine [3 fast unhe- e er, man© utem Ge: gehandelt" in keinem dein Scha-# Aber die ihn bald, Er hatte 'erteidiger ınd, wenn postel vor bekennen: alles mit einer Tat:© ‚eisler und nerlei Ver: nntnis zu Ina-Sancld, wir! Sonst n möglich Farce; und durch ein Opfer dei gelassen®| onst kan Jie hestürf 68 [eben 60N „d die Bi zesch®|" heit der Kirche. Gott hat es angenommen, und das freut mich. Wenn er mir aber noch weiter- das Leben schenkt(eine. Reihe von Gnadengesu- chen waren in Aussicht gestellt), dann bin ich auch dankbar. Wie Gott es will! Sagt allen Brüdern und chwestern einen legten Gruß und seid nicht trau- rig! Das Christ-Königs-Fest_wird diesmal etwas schwer werden. Aber singt trotzdem Alleluja und bleibt Eurem König Christus treu!“ Am 22. Oktober wurde er ins Lager der Todge- weihten nach Brandenburg geschafft, Tag und Nacht mit eisernen Fesseln an den Händen, lange ohne Brevier, ohne Bibel oder sonst irgendeine Lektüre, in einem düsteren Raum von&qm. All- wöchentlich wurden Gefangene zum Schafott ge- führt- immer mußte er fragen:„Wann kommst du an die Reihe, wirst du stark bleiben? Nur nicht am Ende schwach werden und winseln! Darauf warten die Feinde doch nur. Nein, der Zeuge Christi muß tapfer sein.- Aber du, unfiaßbares Herz, wie hängst du, trotz aller Gottesliebe und allem Heimweh zum Vater, an diesem Leben und dieser Erde, trotz aller Enttäuschungen, die du schon erlebt hast!- Vielleicht hat das Gesuch mei- nes Bischofs doch Erfolg. Und vielleicht bemüht sich gar der Apostolische Stuhl um meine Begna- digung. Darauf ist wohl das lange Zuwarten mit.der Exekution zurückzuführen. Warum sonst machen sie beimirnicht voran? Mit demKrieg kann es doch nicht mehr lange dauern. Aber vielleicht zieht sich meine Sache durch die Gesuche bis zum Zusam: 6*; 83 menbruch hin. Dann werde ich wieder frei, und ich kann ganz anders als bisher, wie ein neuer Mensch, für den Frieden: der Völker und für die eine Heilige Kirche arbeiten. Dann war alles, was ich hier durchgemacht habe, nur ein großer Exer- zitienkurs vor dem Beginn der neuen Mission, die dann für mich anbricht.“ So steigt, in aller Bedrückung, immer wieder neue Hoffnung in ihm auf. Ja, der alte Kämpfergeist reckt bisweilen die Glieder, und neue-Gedichte, Lieder und Melodien gehen ihm durch den Sinn, und er beginnt immer wieder neu zu singen und zu jubeln. Zu anderen Zeiten aber ist er ebenso niedergeschlagen und empfindet die endlosen Tage und Nächte in ihrer ganzen Schwere. Die Todes- not des Herrn im Ölgarten und am Kreuze kommi ihm immer wieder in den Sinn. Er stirbt fast täg- lich seinen Tod, und das kommt in seinen Briefen und Gebeten zum vollen Ausdruck. Zwischendurch aber beschäftigt ihn besonders das Problem der Kirche: ihr Wesen, ihre Eigenschaften, das Ver- hältnis des Göttlichen und Menschlichen in ihr und vor allem die große Frage der Einigung der Kon- fessionen. Mit gefesselten Händen schreibt, nein, krigelt er seine Abhandlung über das Königtum Christi und das Wesen der Kirche. Das gehört jedenfalls zum Erstaunlichsten, was die gesamte Gefangenenliteratur bisherhervorgebrachthat: Fast ganz ohne Bücher- von Zeit zu Zeit bekam er spä- ter etwas Lektüre-, in beständigen Schmerzen, allein aus dem Gedächtnis geschrieben und mit 84 einer F mit un leicht Brleuch sten di Endliel 17. Ap der H mitget: vollstre vom G er die er ent zwei B gewähr der 6, fung d bei de eralle Gegen führt, imt ve Die Bı ben Y Schen der V, Nicht hat m LIIN ge unge, der L; rei, und m neuer | für die les, was er Exer- sion, die der neue pfergeist Gedichte, jen Sinn, gen und r ebenso sen Tage e Tode: e kommi fast täg- 1 Briefen hendurdı plem der das Ver n ihr und der Kon iht, neil, Königtum 15 gehört gesamt hat: Pas! m er ep" hmerae"! und mil einer Fülle von Schriftzitaten, die nur ein Leben mit und.aus der Bibel möglich gemacht hat. Viel- leicht war diese Abhandlung seine größte innere Erleuchtung und sollte sein Testament an die Chri- sten dieser Zeit darstellen. Endlich, am Montag nach der Osterwoche, am 17. April 1944 um die Mittagszeit, wurde ihm von der Hinrichtungskommission(etwa 5-6 Beamte) mitgeteilt, daß etwa in einer Stunde das Urteil vollstreckt werde, da der ‚Führer‘ keinen Gebrauch vom Gnadenrecht mache. Ruhig und gefaßt nahm er die Meldung auf. Wie sein Namenspatron sollte er enthauptet werden. Sein letzter Wunsch war, zwei Briefe schreiben zu dürfen, was ihm auch gewährt wurde. Schreibend fand ihn dann später der Gefängnisgeistliche, als er ihm als Wegzeh- rung das hl. Sakrament brachte.(Dieser war auch bei der Verkündigung anwesend.) Darnach blieb er-allein und schrieb seine Abschiedsbriefe zu Ende. Gegen halb 4 Uhr wurde er zur Richtstätte ge- führt, aufrecht wie in seinen besten Tagen und mıt verklärtem Antlitz. Die Briefe wurden nie ausgehändigt und wir ha- ben von seinen legten Stunden keine authenü- schen Nachrichten. Zweifellos waren sie so, daß der Volksgerichtshof(dorthin gelangten sie!) sie nicht bekanntwerden lassen wollte. Überhaupt hat man um seinen Tod ein besonderes Geheinı- nis gelegt. Für den 17. April waren 30 Hinrich- tungen gemeldet, aber nur 29 Namen standen auf der Liste. Der Beamte, der die Leichen abnahm 85 und für die erforderliche Anzahl der Holzkisten zu sorgen hatte, wunderte sich, für wen die 30. sein sollte. Als endlich beim Tood der Name offen- bar wurde, setzte er sich für Erdbestattung ein, wie die Meitinger Schwestern schon vorher mit ihm und der zuständigen Ortsbehörde abgemacht hatten. Aber kein Priester und keiner seiner Freunde und Bekannten durfte bei der Hinrich- tung und Einsargung dabei sein. Er starb völlig allein, auch ohne die Möglichkeit, ähnlich seinem alten Freund Thomas Morus, gerade im Tode ein weithin leuchtendes und wirkendes Fanal seines Glaubens aufzurichten. Auch darauf mußte er ver- zichten. Gottes Wege sind immer wieder ganz an- ders, als wir sie uns denken. Aber die innere und äußere Haltung war darum sicher nicht minder aufrecht und sieghaft.- Ungefähr um dieselbe Zeit beteten die Schwestern seiner Christkönigsgesell- schaft im Mutterhaus in Meitingen die Sterbe- gebete, wie sie dies seit langem für diese Men- schen taten, da fast regelmäßig montags die Hin- richtungen stattfanden und niemand mit und für die Menschen betete. Nach Empfang der To- desnachricht sangen sie dann seinem'Wunsche ent- sprechend das„Te Deum“ in Dank gegen Gott, wie er vorher im Anschluß an die Präfation der heiligen Messe wiederholt gemahnt hatte, Gott immer und überall Dank zu sagen, auch in der größten Not, weil in ihr die größte Gnade be- beschlossen ist. 86 | DR lzkisten die 30. ıe offen- ung ein, her mit ‚gemacht - seiner Hinrich- b völlig | seinem Tode ein | seines e er ver ganz all ere und minder elbe Zeit igsgesell- - ‚se Men- die Hin- mit und der To sche ent ‚en Gott, ‚tion der tie, Got! h in der nade be BR IEFE UND GEDICHTE AUS DEN DREI G EFANGENSCHAFTSZEITE N 27 Ze 1.1034= 20, 3.1934 9141. 1939- 4. 12. 1939 ; 9. 6.1943- 17. 4. 1944 Die Bri[4 iefe gi aften I ngen Er g Be an die G f | emeinsch i Ä| scı iR ne Berlin und waren nur mit wenig: 4- en für einzelne Gesellschaftsmitglieder be a nn stimmt. 37 1. Gefangenschaft Br. Paulus hatte eine kleine Denkschrift verfaßt:„Die Kirche und das neue Deutschland“, die an alle Kirchenfürsten und Priester versandt wurde. Der Geh. St.P. war sie nicht ge- nehm, Beamte kamen nach Meitingen, holten Br. Paulus und elle noch vorhandenen Exemplare\der Schrift, Schreib- maschine und Abziehapparat. Am Tag Pauli Bekehrung 31 Meine lieben Eltern und Geschwister! Nun hat München doch entschieden, daß ich vor- läufig in Schutzhaft genommen werde. Das trifft uns natürlich hart, zumal dadurch gerade das Mib- trauen im Volk wieder neue Nahrung erhält, das ich durch meine Denkschrift überwinden wollte, um ein wirkliches Vertrauensverhältnis zwischen Staat und Kirche zustande zu bringen! Und gerade am heutigen Tag! Aber das weckt auch eine gewisse Freude in mir, weil ich dadurch dem Apostel ähnlicher werden darf auch im Leiden. Ich nehme es gern an, wenn es nur irgendwie und irgendwo Segen weckt! Ich bin im Gefängnis am Kagenstadel und sehe gerade auf die Schirmfabrik Hatler von meiner Zelle ebenerdig aus. Trotz der inneren Erregung bin ich doch im Tiefsten ruhig und in Gott geborgen. So macht Euch keine Sor- gen! Ich bin überzeugt, daß die Sache bald geklärt sein wird und daß ich in kürzester Zeit wieder bei Euch sein darf. Ich darf wohl Besuche von Ange- hörigen empfangen und auch solche in geschäft- 88 lichen sen. N: können Heute Hoffen lichenDingen, die dringend erledigt werden müs- sen. Näheres habe ich freilich noch nicht erfahren Die Kirche S Em können. nicht ge: Heute muß ich ohneKommunion und Messe sein... aulus und Hoffentlich nicht mehr länger! sr Seid recht herzlich gegrüßt von Eurem id 1 Br. Paulus In meiner Zelle...» [ch seh’ nicht viel von Deiner Sonne, ich vor- Gar schmaler Streifen Himmel blaut mir nur. 6 trifft Ich seh’ nicht mehr die mir vertrauten Augen. Ias Miß- Verwischt ist aller Liebe Spur. Doch seh’ ich eins: Dein Antlitz leuchtet Durch alle Dunkelheit mir Tag für Tag. Mit spitzen Dornen seh’ ich Dich umwunden; alt, das wollte, zwischen Du blickst mich an mit wehestummer Frag’:|; „Bist du mein Jünger mir in frohen Stunden? a‘ kt auch Folgst du mir nur auf Tabors sel’ge Höh’n?' rch dem So muß zum Kreuzeshügel einsam| 3 Leiden: Ich meinen Weg alleine geh’n... al wie und Ach nein, mein Herr! Dein Antlitz leuchtet nis AM Umsonst mir nicht in bangedüst’rer Nacht!* ‚nfabrik Ich geh’ den Weg mit Dir! Mit Dir am Kreuze 2 rotz der Dein Jünger hält in Liebestreue Wacht. ä ai ruhig 26. 1. 34 ”“ Unfreiwillige Exerzitien machte ich in den letten geh Tagen des Januar. Alles ist Gnade, auch die Ge- oder b° lexenheit, für die Überzeugung etwas leiden zu m ze dürfen. Er R yegchd 89 2. Gefangenschaft 9.11.39 TR Verhaftung in Meitingen anläßlich des Attentats im Bürgerbräukeller in München. Etwa 120 Leute aus verschiedenen Volksschichten, auch führende Sozialdemokraten, wurden an die- sem Tage ins Augsburger Gefängnis eingeliefert. Eine große Verhaftungswelle lief durchs ganze Land. Ein Verhör fand im allgemeinen nicht statt. Am 4.Dez. wurden in Augsburg die meisten wieder stillschweigend entlassen. Als Br. Paulus um den Grund der Verhaftung vorstellig wurde, bedeutete man ihm, er solle sich zufrieden geben, daß erfrei sei. Stenografische Notiz in der gerade bereitliegende Post an die Berliner Gemeinschaft„Pius-Stift“: Werde eben wieder abgeführt. Alleluja! Brief an die Mutterhausgemeinschaft in Meitingen: Augsburg, in der Zelle, 11. 11. 39 Meine lieben Geschwister! Unmittelbar bevor ich zu diesen unfreiwilligen Exerzitien verurteiltwordenbin, habe ich zuHause einen Missionsbrief geschrieben über„Himmel in uns“, Ich bitte Euch alle, lest diesen Brief als Gruß von mir. Ich würde den Brief jetzt noch mit mehr Überzeugung und innerer Freude schreiben. Denn in der Wehrlosigkeit und Hilflosigkeit des Zustan- des, den ich eben erleide, ist nur mehr eines von Wert: Das Wissen um den Gott in uns und damit den Himmel in uns. Ich sehe es als 90 | wieder« | I | f | eine gre wußtsein ben und gert hat ersten| nie glüd natürliel daß Ihr — unbe tief seh Wanderr mich ni geheter Möglich fahren, hat, D 4 befrap - nme > Münch Aufügt Macht ö höchsı eine große Gnade an, daß mir Gott dieses Be- gerade in der letzten Zeit stärker gege- Eben und es hier nicht nur erhalten, sondern gestei- ee hat, so daß ich sagen kann, daß ich(nach den ersten Stunden allzu menschlichen Unbehagens) chichten,“ nie glücklicher war als in diesen Tagen. Ich wünsche natürlich„heim“ zu Euch zu kommen, um Euch 9.11.38 e.2 an die- veliefert.© wieder dienen zu können. Es tut mir leid um Euch, zeLand. E daß Ihr Euch vielleicht große Sorge um mich macht att. Am— unbegründete!—, aber ich selbst bin gottlob ‚ wieder© ef geborgen in dem Wissen: ,... und müßt ich um deu wandern durch Nacht und Todesschatten, ich fürcht’ edeutete- mich nicht: Du bist bei mir!“ Ja, inniger und we- rfreise.© senhafter, als es der Sänger des Alten Bundes 1» Post an- wußte.„‚Ich Jebe, doch nicht ich, Christus lebt in mir.“ Ich habe heute der Staatspolizei ein Schreiben ge- sandt, in dem ich in aller Aufrichtigkeit meinen 1.30 I Standpunkt darlegte. Ich habe nicht um„Gnade“ ER gebeten, aber um die Möglichkeit, mich so bald wıe B möglich verantworten zu dürfen, überhaupt zu er- willigen" fahren, was für einen Verdacht man gegen mich i hat. Denn was der Kommissar meinte, als ich ihn befragte, daß nämlich meine Verhaftung in Zu- sammenhang stehe mit dem ‚Bombenattentat in München(!), das ist zu dumm, auch wenn er hin- zufügte, meine vielen ausländischen Beziehungen mathten mich vielleicht verdächtig. Ich könnte mir höchstens vorstellen, daß man einmal für eine Un- tersuchung eine Anzahl Persönlichkeiten festnahm, die politisch„verdächtig“ erscheinen und daß man 91 dabei auf mich verfiel, weil eben schon einmal der Verdacht mit dieser Königspartei in München gegen mich erhoben worden war. Nun, dann wird es rasch geklärt sein. Ich kann mir denken, daß Ihr in bezug auf manche geschäftliche Dinge in Verlegenheit seid. Notiert diese und kommt dann, vielleicht Br. Tareisius mit Sr. Gertrudis zusammen herein und erbitiet Besuchsmöglichkeit. Ich höre, daß es möglich ist, kann freilich nicht recht erfahren, wie es gemacht werden muß. Vielleicht fragt Ihr zuerst den Ge- fängnisvorsteher(Strafgefängnis 1) telefonisch an. Vielleicht braucht man auch Erlaubnis von der Staatspolizei, ich weiß es nicht. Wenn Ihr kommt— vorausgesetzt, daß ich nieht inzwischen frei werde, was ich immerhin hoffe— bringt bitte auch Wäsche für mich mit. Morgen werde ich wohl das hl. Opfer mitfeiern dürfen. Aber ich feiere es jeden Tag mit Euch mit und weiß, daß wir alle„circumstantes“ im Geist sind. Ich bin dessen froh und mit Euch eins in IHM. Ich bin allen Geschwistern herzlich verbunden und grüße alle. 7-2 Der erw Von Kein 1 heute| In den Selig begriff Meiste Gibt i Phil, mat“' sel Im mn schen’ Gleich Seiner leben Schlec ımal der en gegen | es rasch ' manche Notiert Tareisius erbitiel glich ist, gemacht den Ge- nisch aD. von der ich mieht hoffe— mitfeiern IF Der erwähnte Missionsbrief: Der Himmel in uns Von Dr. theol. Max Josef Metzger S. Chr. R. Wenn Du nur ernstlich willst. so ist der Himmel Dein. Wie unermeßlich reich kann auch der Ärmste sein! (A. Silesius) Kein Wort hat in der Vorstellung des Gläubigen heute lebendigeren Klang als das Wort„Himmel“. In den Himmel zu kommen, das ewige Leben der Seligkeit im Himmel zu erwerben, das ist der In- begriff des religiösen Hoffens und Verlangens der meisten Christen. Gibt ihnen der Völkerapostel nicht recht, wenn er (Phil. 3, 20) davon spricht, daß der Christen.‚Hei- mat“ oder„Vaterland“(„politeuma‘) im Himmel sei im Gegensatz zu den Diesseitsmenschen, die nur nach Besitz und Genuß irdischer Güter ha- schen? Lenkt nicht der Herr selbst mit all seinen” Gleichnisreden immer wieder das Augenmerk der Seinen auf das ‚‚Reich der Himmel“ und das„ewige Leben“? Ist das nicht die christliche Hoffnung schlechthin, von der Paulus glücktrunken spricht: „Kein Auge hat's gesehn, kein Ohr gehört, keines Menschen Herz erfaßt es, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben?“(1.'Kor. 2,9). Kein Zweifel, daß wir in gläubiger Sehnsucht aus- schauen dürfen nach der„Wohnung“, die Er selbst uns bereitet(Joh. 14, 2), nach der„unverwelk- lichen Krone der Herrlichkeit“(1. Petr. 5, 4), nach jenem Tag, da Er jede Träne von unseren Augen wischen wird, da es keinen Tod mehr geben wird, kein Leid, keine Klage, keinen Schmerz(Offb. 21, 4), daß wir harren dürfen und sollen des„neuen Himmels und der neuen Erde“(Offb. 7, 17), da das„Jerusalem“ der Erfüllung(Offb. 3, 12; 21, 2) herniedersteigt und unverlierbare Seligkeit allen verwirklicht, die das Zeichen des Lammes auf der Stirne tragen(Offb. 7, 3; 14, 1). Aber ist es nicht doch bedeutsam für den Christen, daß eigentlich fast mehr als von dem„Himmel“ und dem„ewigen Leben‘ der Zukunft in den hei- ligen Schriften die Rede ist von der Gegenwart dieses„Reiches der Himmel‘ und dem schon jetzt gegebenen Besitz des„ewigen Lebens‘? In der Tat: Himmel und ewiges Leben sind keines- wegs nur Güter, auf die wir hoffen. Sie sind schon heute gegeben, wenn auch vielleicht mehr in der Art eines Lebenskeimes, der erst sich entfaltensoll, so daß in der Tat das Himmelsglück und die Selig- keit der Lebensverklärung einem„anderen Leben“ vorbehaltensind, in das diesesLeben der Zeit end- sültig„verwandelt“ werden soll mit dem Abbruch der Zelte auf Erden(Präfation der Tootenmesse). Das.„‚Himmelreich“ oder das„‚Reich Gottes“— die Evangelisten gebrauchen diese beiden Aus- drücke für die gleiche Sache— istschon unter uns! 94 erwelk- }), nach Augen n wird, ffb. 21, „neuen 17), da 2172) it allen auf der hristen, immel“ len hei- genwarl on jetzt | keines‘ ıd schon - in der Itensol) je Selig: ‚ Leben” jeit end Abbrud esse). tes“ en en Ani nter und (Luk. 17, 21).„Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben“(Joh. 6, 54). So sagt uns der Herr. Was ist nun dieser„Himmel“? Was ist das„ewige Leben“, wie es Christus meint? „ Die göttliche Offenbarung gibt uns keine näheren Aufschlüsse über den„Ort“ des ‚Himmels‘. Es ist eine Eigenheit des Heiligen Geistes, uns in vielem die geheimnisvolle Tatsache zu offenbaren, ohne das Geheimnis selbst zu lüften, dessen Enthüllung vorbehalten ist jener seligen Zeit, da wir Gott schauen von Angesicht zu Angesicht, indes wir heute noch nur wie in einem Spiegel und in Rät- seln(1. Kor. 13, 12) erkennen, was der Glaube uns lehrt. Eines ist gewiß: Der Himmel ist da, wo der drei- einige Gott ist. Das ist der Himmel der seligen Geister, unaufhörlich in beglückender Anschauung und Liebe des ewigen Gottes zu stehen und Seinen heiligen Willen auf das Vollkommenste zu erken- nen und zu viollziehen. Das ist das„ewige Leben“ und die Seligkeit wie der Engel so auch aller„Hei- ligen““ Gottes. Ist dieser„Himmel“ uns Menschen auf Erden fern? Ist Gott uns fern? Unzweifelhaft ist Gott weltenfern. Er thront über den„„‚Himmeln“, d. h. Seine Macht beherrscht die unvorstellbaren Weltenräume, die zu durchmessen das blitgschnelleLicht Jahre und Jahrzehnte braucht. 95 Aber ebenso wahr ist es: Gott ist allem Sein und Leben nah. Er ist ja der Schöpfer des All. Und Er ‚schuf nicht den Himmel und ging dann davon. Nein, was von Ihm stammt, ist und bleibt in Ihm“ (Augustinus). Er„erfüllt den Erdkreis“(Weish.l, 7).„Himmel und Erde sind voll von Seiner daR lichkeit“(Te Deum). Gott ist nahe insbesondere uns Menschen. So nahe, daß man mit Recht sagen kann, Er sei uns näher als wir uns selbst. Er ist uns nicht bloß so nalıe wie die Atmosphäre, in der wir leben und atmen. Er ist die letzte Kraft, die jeder Zelle das Leben erhält, ja die Atome all der Billionen von Mole- külen ee t, die den Zellenstaat des menschlichen Körpers aufbauen.„In Ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“, sagte Paulus den Athenern auf dem Areopag(Apg. 17, 27). Aber so unausdenkbar innig diese unsere natur- gegebene Beziehung zu Gott dem Schöpfer und Er- halter ist auf Grund der Tatsache, daß wir als Gottes Geschöpfe von Gottes Willen gleichsam jeden Augenblick immer wieder neu geschaffen werden, so ist doch auf Grund des Cröderäiäder ein geheimnisvolles V Verhältnis zu Gott dem Drei- einen eingetreten, das durch keine menschliche Er- fahrung und Vorstellung erfaßbar ist, das aber als Tatsache uns von Gott enthüllt are In dem nächtlichen Gespräch, das Nikodemus mil dem Herrn führte(Joh. 3, 1-21), spricht Christus von dem Geheimnis, das alles menschliche Begrei- 96 n und nd Er davon. Ihm“ eish.l, Herr- ) nahe, näher ) nalıe atmen. Leben ! Mole- at des Jeben Paulus 97). natur ind Er- wir als sjchsam ‚chaffen standes m Drei jche Er aber als il mus IM Christu® Begre” fen übersteigt. Er nennt es die„Wiedergeburt aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste“(Vers 3). Wir wissen, was damit gemeint ist: die heilige Taufe. ‘Was ist geschehen in jener Stunde, da im Namen der heiligen Dreifaltigkeit das Taufwasser über unsere Stirnen rann? Petrus wagt einmal den fast vermessen erscheinen- den Ausdruck von der„Teilhabe an der göttlichen Natur“(2. Petr. 1, 4). Nichts Geringeres ist tat- sächlich die Frucht der heiligen Taufe. In diesem „Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geiste“(Tit. 3, 5) wurden wir„aus Gott geboren“, wie der Eingang des Johannesevange- liums es ausdrückt(Joh. 1, 13). Und dadurch ha- ben wir als„neue Menschen“(Kol. 3, 10) die „Macht“ erhalten,„Gotteskinder zu werden“, die „aus Seiner Überfülle empfangen haben Gnade um Gnade“(Joh. 1,12,16). So heißen wir nicht nur Kinder Gottes wie aus Gnade„angenommene“ Kinder, sondern sind es in Wirklichkeit(1. Joh. 3, 1),„weil aber Kinder, so auch Erben: Erben Got- tes und Miterben Christi“(Röm. 8, 17). Das ist das unerhört Große, dessen wir noch viel zu wenig bewußt sind: durch die heilige Taufe sind wir in ein echtes Kindesverhältnis zu Gott getre- ten, weil Er uns in Seine göttliche Natur hinein- genommen hat. In der Taufe ist die heiligste Drei- faltigkeit in unsere Seele eingezogen(Joh. 14, 23) und weckt und erhält nun das„übernatürliche“ ge- “ 97 heimnisvolle„neue Leben“(Röm. 6, 4) in uns. Wir sind in Wahrheit lebendige Tempel des allheiligen Gottes(1. Petr. 2, 5) geworden. „Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid?“ fragt der Völkerapostel die Korinther(1. Kor. 3, 16). Und er betont es noch einmal:„Der Tempel Gottes ist heilig: und der seid ihr!“(Vers 17). „Wisset ihr nicht...?“ Müßte der Apostel die| Frage nicht an uns richten? Gewiß, wir haben schon davon gehört. Aber es schien uns ein schönes Bild, keine lebendige Wirk- lichkeit. So ist die Vorstellung davon uns nicht mehr so lebendig wie den Christen der ersten Zeit. Daß Gott im„Gotteshaus“ gegenwärtig ist, daß Christus im Tabernakel der Kirche aufgesucht wer- den kann, das ist uns geläufig. Aber daß wir seit der heiligen Taufe in der Tat selbst Tabernakel des ewigen Gottes geworden sind, daß der ‚ewige Gott wahrhaft und wirklich in uns wohnt und in der heiligen Eucharistie diese lebendige Gegenwart in uns immer erneuert und vertieft, dieser Ge- danke hat noch nicht die lebensbestimmende Kraft in uns erlangt, die er verdient. Sonst fühlten wir, daß wir— den Himmel in uns tragen. Gott in uns! Der ‚Vater unser“, zu dem wir. beten, ist„wahr- lich nicht ferne einem jeden von uns“(Apg. 17, 27). Er ruft uns jeden Augenblick mit unserem Namen:„Mein bist du!“(Is. 43, 1). Er wartet zu 98 jeder Stunde auf die Antwort des Kindes:„Abba! Vater!“ liebte K In Har kommer sal, Abe Worte ı wessen| Ihm bli schatten mir!“(] Yir alle, 1es Le] komme, im Hin, komme‘ Nichts Dein R Uns daı wird(d Christ, über u El} Nahe Aupt, ß Aber d: Der, Br f Ihm Nereyi Kende\ Sen, 2 de, Nicht& uns. Wir heiligen ] seid?“ Kor. 3, Tempel 17). stel die Aber es ge Virk- ın8 nicht sten Zeit. ist, dab ıcht wei- wir seit hernakel EEG EEE IE ler ewige U i Christus in uns! Wie oft schon ist etwas wie Neid art© egenwä und in ese! Ge ‚de Kraft ten wi st„wahr“ (Apz- 1 nsere® zu wartet;| - Vater!“(Röm. 8, 15). Als vollberechtigte und ge- - liebte Kinder wissen wir uns in Seiner machtvol- len Hand geborgen. Voll kindlichen Vertrauens kommen wir zu Ihm in all unserer Not und Drang- - sal. Aber wir brauchen Ihm gegenüber nicht viele Worte zu machen:„Der Vater weiß von selbst, wessen ihr bedürfet“(Mt. 6, 8). So vertrauen wir Ihm blind:„‚Müßt’ ich auch wandern in T.odes- schatten, ich fürcht’ kein Unheil. Du bist ja bei - mir!“(Ps. 22, 4). Nichts anderes denken und beten wir allezeit, als was Christus als Morgengebet Sei- nes Lebens sprach(Hebr. 10, 7):„Siehe, ich komme, o Gott, Deinen Willen zu vollziehen“,„wie im Himmel, also auch auf Erden“, daß„Dein Reich komme“(Mt. 6, 10) zu uns und der ganzen Welt. Nichts anderes wollen wir erstreben als dieses Dein Reich und seine Vollendung, wissend, dab uns dann alles von Deiner Gnade hinzugegeben wird(Mt. 6, 33). über uns gekommen daß die Apostel dem Herrn so nahe sein durften! Daß der Lieblingsjünger sein Haupt an des geliebten Meisters’Brust legen durfte! - Aber der Glaube lehrt uns: Jesus ist uns nicht fer- ner, Er ist seit der heiligen Taufe in uns und wir in Ihm!(Joh. 6, 56; 14, 20; 14, 4).— Es ist eine unergründliche, aber darum nicht minder beglük- - kende Wahrheit: wir haben in der heiligen Taufe Sein Leben empfangen, ja wahrhaft und wirklich, ‚ daß der Apostel sagen konnte:„Ich lebe wohl, doch ‚ nicht eigentlich ich: Christus lebt in mir!“(Gal. 2, 99 20). Das ist der tiefste Grund, warum wir alle Sein„Leib“ genannt werden(1. Kor. 10, 16; 12, 13. 27; Röm. 12, 5; Eph. 1, 23; 4, 12; Kol. 1, 18) oder„Glieder“ an Seinem Leibe(1. Kor. 6.1.08 12, 27; Eph. 5, 30). Wir sind ganz„in Christus“ (Röm.8,1; 2. Kor.5,17; Kol. 2,6, 10), Er ganz in uns(2. Kor. 13, 5; Joh. 1, 14).„Bist du getauft“, so spricht Cyrill von Jerusalem seine Taufbewer- ber an, so ist der eingeborene Sohn Gottes Deine innerste Herrlichkeit“. Er ist in uns schon seit der heiligen Taufe. Und Er kommt zu uns, um sich immer inniger mit uns zu vereinigen, immer mehr unser Leben mit Seinem Leben zu verschmelzen in heiliger„Kommunion“(Lebensgemeinschaft). O seliges Wissen um den allzeit gegenwärtigen Herm und König in unserer Seele! Fruchtbares Wissen auch um die Gegenwart Christi in der Seele all un- serer Brüder und Schwestern! Wie werden sie „Nächste“ durch solches Wissen! Nächste, die auf unser ehrfurchtsvolles Lieben Anspruch haben! „Kirche“,„Gemeinschaft der Heiligen“ wächst aus’ solchem Wissen. Da der Herr die Erde verließ, sandte Er Sein „Pneuma“, Seinen„Geist“ als„Parakleten“, als „Tröster“ und„Anwalt“, als Licht und Kraft un- seres Lebens. Wunderbar ward die Macht dieses Heiligen Geistes offenbar an Pfingsten. Aber ist dieser Gottesgeist uns Heutigen fern? Ist Er nicht in uns als die verborgene, aber allzeit wirksame göttliche Lebenskraft unserer Seele?„Wißt ihr nicht, daß eure Glieder Tempel des Heiligen Gei- 100 [& stes sin „die Li sen dur (Röm.| unser 6 \ der Lie nicht ih Anbetu bezeug, sind“| Schwad Was wiı der Ge Seufzer des He Au entströ Üringt Cyill: . Neil Rand Das ist Ehen. Gehein Den un chön| ü Ar Rt Dunke wir alle ), 16; 12, 8 ol. 1, 18) or. 6, 15; Christus“ r ganz in getauft“, aufbewer- ites Deine' n seit der ET 1 ‚um sich| mer mehr 4 schmelzen| schaft). 0 gen Herm es Wissen oje all un ‚erden sie '&, die all h haben!" wächst aus TER ERTEILT stes sind, der in euch wohnt?“(1. Kor. 6, 19). Ja, „die Liebe Gottes ist in unseren Herzen ausgegos- sen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Röm. 5, 5). Er ist es, der unsere Gedanken weckt, unser Gewissen anruft, unseren Willen antreibt zu der Liebe. Er ist es, der in uns betet, da wir selbst nicht imstande sind, die geziemenden Worte der Anbetung des ewigen Gottes zu finden.„Der Geist hezeugt es unserem Geiste, daß wir Kinder Gottes sind“(Röm. 8, 6).„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe; wissen wir doch nicht, um was wir bitten sollten, wie es sich gebührt. Da tritt der Geist selbst für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern‘‘(Röm. 8, 26). Freuen wir uns der.‚Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt“(2. Tim. 1,4) und der herrlichen Früchte, die Seiner Kraft entströmen(Gal. 5, 22).„‚Das Wasser der Taufe umspült den Körper. Der Heilige Geist aber durch- dringt für immer tief innerlich die Seele“, erklärt Cyrill von Jerusalem seinen Täuflingen.„Wo der Heilige Geist ist, da ist Leben. Und wo Leben ist, ist auch der Heilige Geist‘(Ambrosius). Das ist das fruchtbarste Geheimnis unseres Glau- . bens: des dreieinigen Gottes Leben in uns. Ein . Geheimnis, das wir nicht in„Begriffe“ fassen kön- nen und das doch darum nicht minder Tatsache ist. Schön sagt Lippert, der Theologe christlicher„Gno- iM N sis“:„Das Wohnen Gottes in der Seele läßt sich - nur mit einem vergleichen, und gerade das ist das - Dunkelste und Unvergleichlichste, was es gibt: mit 101 dem Ineinanderwohnen der drei Personen im in- nergöttlichen Leben“(Credo). Verzichten wir darauf, durch menschliche Klügelei hinter das Geheimnis zu kommen! Nehmen wir es auf im Glauben und in der Liebe! Und freuen wir uns des Himmels, der dadurch offenbar wird in uns!„Wer Gott bei sich im Herzen trägt, der trägt das Paradies in sich“, meinte einmal Ignatius von Loyola. Ja, das ist das ewige Leben und die ewige Seligkeit, an Gottes ewigem Leben teilzunehmen, das Er selbst in uns führt. So sagt es uns schon Augustinus:„Ewiges Leben will Gott selbst dir sein.“„Durch die Teilnahme an Gottes ewigem Leben wird die Seele selig.“ Und Kardinal Faul- haber meint das gleiche, wenn er sagt:„Gott ist ‚der Himmel, der das Heimweh der Seele erfüllt.“ Gott ist das ewige Leben und der Himmel, der in der Zeit unseres irdischen Lebens in unserer Seele schon verborgen ist wie ein Senfkörnlein in der Ackerscholle, und der sich entfaltet und vollendet an dem Tag der„Ernte“, da die Schleier fallen und Gott für uns„alles in allem“ wird. Bis zu jenem seligen Tag pflegen wir unablässi gen Tag pfleg die Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott in uns, Gemeinschaft„ewiger Anbetung“ im ununterbro- chenen Gebet unseres Lebens. So zünden wir das ewige Lichtlein an vor dem gro- ßen allheiligen Gott in uns und beten: Dreieiner, heiliger Gott! In Dir gründet mein gan- zes Sein. Du durchwesest mein Ich ganz und gar. 102 In I selo mei Ewı win dur Güt mit Ewi on im In- Klügelei en wir e& reuen Wir - wird in der trägt ‚atius von die ewige unehmen, uns schon selbst dir 5 ewigem nal Faul- „Gott ist e erfüllt.” ‚el, der in erer Seele in in der vollendet jer fallen ‚nablässe ott 1a uns unterbr0" r dem gr" mein 7 und ga" 1. gal| In Dir„lebe ich, bewege ich mich und bin ich“. Sei gelobt und angebetet immerdar im Herzensgrund meiner Seele! Ewiger Vater! Du hast mich geschaffen. Dein all- wirkender Wille erhält mich jeden Augenblick. Du durchwaltest mich allezeit in Deiner väterlichen Güte. Laß mich Dir danken, laß mich Dich preisen mit jedem Atemzug meines Lebens! Ewiges Wort des ewigen Vaters! Gott und Men- schensohn in einem! Du bist der Urgrund meines ‘ Menschenseins; in Dir, durch Dich und mit Dir nehme ich zugleich teil am göttlichen Leben. Ja, Du selbst bist mein innerstes Leben seit der Wie- dergeburt aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste. Und täglich nährst Du mich aufs Neue mit Deinem eigenen Fleisch und Blut und ziehst mich tiefer hinein in Dein gottmenschliches Leben. Sei allezeit angebetet in der Tiefe meines Herzens! Ewiger Geist! Göttlicher Lebensquell! Ewige Liebe zwischen dem ewigen Vater und dem ewigen Sohn! Du bist auch der Wesensgrund der Liebe, die mich mit dem Vater und dem Sohne eint, der Lebens- atem meiner Seele. Sei, heiliger Geist, ohne Unter- laß gelobt und gepriesen im Grund meiner Seele! Dreieiniger allheiliger Gott! Laß mich Dein leben- diger Tempel sein, in dem jeder Gedanke, jedes Wort und jede Strebung meines Seins Dich lobt und preist in Ewigkeit. Amen. 103 Zettel an die Mitgefangenen: Brüder! Es ist für uns alle bitter, der Freiheit be- raubt zu sein. Aber spricht nicht der Dichter von dem Menschen, der frei ist, wär’ er auch in Ket- ten geboren? Wer jeder Lage überlegen ist und aus jedem Los Gewinn schöpft, ist wahrhaft frei. Gibt es das? Der Apostel Paulus, selbst in Banden, sagt:„Denen die Gott lieben, gereicht alles zum Besten.“ Weil ich wünschte, daß Ihr alle so frei und froh sein könn- tet wie ich, habe ich Euch dies geschrieben. Es grüßt Euch Euer Bruder, der Euer Los teilt, T Paulus Brief ar Du wei ist, Wi bin fre mag D mir er sie auc für mi schon| lung,{ Zeit u die„N eit w; Ordnet ich hal fühl a Dur de aurr linger dürfen licike | lienha Worte heit be- ter von in Ket- em Los as? Der nen die Veil ich n könn- eilt, Paulus Brief an Sr. Judith Maria, die Oberin der Berliner Station: Du weißt bereits, daß mir eine stille Zeit auferlegt ist. Wie lange sie dauern wird, weiß ich nicht. Ich bin froh, wenn sie bald zu Ende geht. Aber— es mag Dir vielleicht eigenartig scheinen, aber es ist mir ernst— ich bin gar nicht unglücklich, wenn sie auch länger dauert, wenn sie nur fruchtbar wird für mich. Und ich meine, es wird so sein. Ich habe schon lange verlangt nach einer Zeit stiller Samm- lung, fernab allen„Geschäften“. Ich habe nie die Zeit und Kraft gefunden, mich loszureißen und in die„Wiüste‘ zu gehen, die doch für Paulus Segens- zeit war. Nun hat Gott mir einfach Exerzitien ver- ordnet. Ich nehme sie gern an. Ja, ich kann sagen, ich habe schon lange nicht mehr so ein Glücksge- fühl in mir gehabt wie in diesen Tagen, da ich nur dem Worte Gottes lebe von früh bis abends. Ich glaube, ich würde ganz zufrieden dabei, einmal längere Zeit dieser herrlichen Arbeit obliegen zu dürfen. Freilich wünsche ich, die menschlichen Mög- lichkeiten dazu zu haben, einige Bücher(Evange- lienharmonie, griechisches Neues Testament mit Wörterbuch, meine Lutherbibel), Papier und Tinte! (Das ist eine große Wohltat hier; abends muß die Tinte abgegeben werden, und man muß schon sehr zusehen, daß man sie morgens wieder bekommt!) Aber selbst, wenn es mir nicht gewährt würde, will ich mir die Freude nicht nehmen lassen, ja, ich freue mich geradezu der wirklichen Armut und des Gehorsams, in dem ich hier stehe, um wenig- stens einmal ernst zu machen mit dem, was ich 105 ER LER andern predige und selbst vielleicht nicht so voll- kommen zu erfüllen scheine. Hier kann ich es. Ich will gar keinen Vorzug vor anderen haben, es sei denn(wenn das nicht zu viel ist) mich geistig fruchtbar beschäftigen zu können. Habe kein Ban- gen um mich. Ich werde gut behandelt. Ich bin wohl auch schon gleich angeschrien worden vom: Oberwachtmeister auf der. Aufnahmekanzlei. Aber der arme Mann ist ja überreizt von der vielen Ar- beit, dadurch, daß ihm viele Kräfte weggenommen sind durch den Krieg. Er hat mich ordentlich ge- dauert. Ist dabei ein guter Mensch, wie sich gleich zeigte, als ich ihn mit Geduld und Güte behandelte. Das Essen ist sehr einfach. Aber ich bins zufrie- den, will gar nichts Besseres als andere. Wenn ich nur vegetarisch leben kann! Das ist mir schon eine Gewissenssache. Nur deshalb habe ich gebeten, von der„Weißen Schleife“ verköstigt werden zu dürfen. Bisher ist es noch nicht erlaubt worden wegen der Mehrarbeit, die es macht. Ich möchte gern darauf verzichten, um keine Arbeit zu machen, außer an den Tagen, wo es Fleisch gibt(diese drei Tage gab es glücklicherweise noch keines, aber morzen am Sonntag....!). Gibt es für mich diese Ausnahme nicht, so werde ich halt in diesen Tagen von Was- ser und Brot leben. Brot gibt es reichlich und Was- ser auch und das soll ja gesund sein und ausrei- chen. Man soll auch Zubußen kaufen können(Bier und Tabak!), es scheint auch Obst. Darum will ich mich bemühen; bisher ist es noch nicht gelungen. Das Brot ist nicht besonders gut(wohlschmeckend), 106 F so voll- h es. Ich n, es 8el | geistig ein Ban- Ich bin len vom jei. Aber ‚elen Ar- nommen ‚tlich ge- ch gleich handelte: s zufrie- Venn ich hon eine ofen, von u dürfen: ‚egen der „darauf außer a" Tage 8% ‚nzen am usnahine von Was und Vor ‚d ausrel nen(Bier n will 2 „elunge" necendh aber Schwarzbrot und wird darum hinreichen.— Freu’ Dich mit mir dieser Gnadenzeit! Es geht mir wirklich gut. Denk mal, hier heißt es wirklich Na- turschlaf!. Licht gibt es keines. So legt man sich abends nach dem im Halbdunikel eingenommenen Abendbrot(ein Brei oder dicke Suppe) auf das Lager und— und muß darauf bleiben, bis es wieder hell wird, daß ıman sich waschen kann. Das ist jetzt%/47 Uhr! Also 12 Stunden im Bett! Na- türlich kann man nicht die ganze Zeit schlafen, wenn ich auch nicht klagen kann über mangelnden Schlaf, der mir gut bekommt! Da hat man Zeit, sich aller Lieben einzeln zu erinnern und sie Gott zu empfehlen: Und das tue ich der Reihe nach. Ich glaube niemand zu vergessen von unsern Gemem- schaftsgeschwistern und werde mit der Zeit viel- leicht die ganze Liste der Gesellschaft auswendig können; natürlich habe ich keine Liste bei mir, da ich außer Brevier und Neues Tiestament nichts in die Zelle mitnehmen durfte! Das Bett ist hart, aber gesund.— Ich bin ischon in der zweiten Zelle. Die erste war die gleiche Zelle(Nr. 12), wie ich sie vor bald 6 Jahren hatte, ebenerdig. Sie hatte den Nachteil, daß das Bett wie ein Frankfurter Bett untertags aufgeklappt und verschlossen war. Zum Glück lag im Zimmer ein großer Haufen Papier- abfälle, kleine schmale Streifen von einer Papier- schneidemaschine, weiß, schwarz, grün, blau usw. Das war eine angenehme Lagerstatt zum Sitzen am ersten Tag, da mich die innere Erregung müder machte als sonst. Am zweiten Tag wurde ich aber 107 unterwiesen, daß das nun meine Arbeit sei: die Streifen zu verlesen nach Farben, da sie so wieder neu verarbeitet würden. Ich habe mich an die Ar- beit gemacht, die nicht unangenehm war, weil sie etwas ablenkte und beruhigte. Aber ich tat niich doch schwer dabei, weil ich doch farbenblind bin und daher nicht gut unterscheiden konnte, zumal der Tag trüb war und man in der Zelle nur ein paar Stunden ordentlich sehen konnte. Der Auf- seher war sehr nett und meinte, ich solle die Ar- beit ruhig bleiben lassen. Und nachmittags, chne daß ich darum gebeten hätte, wurde ich in eine andere Zelle(Nr. 18) geführt, eine Treppe hoch, daher heller, besonders dadurch, daß ich einen frei- stehenden kleinen Tisch habe, den ich ans Fenster stellen konnte, und ein freistehendes Bett. Ein Zimmer größer als meine Schlafzelle, ja an Raum- 'inhalt so groß wie mein Studierzimmer. Also recht eigentlich„feudal“!- Ich höre, daß man auch Briefe schreiben darf. Ich bin gespannt, ob diese stenografischen Briefe durchgehen- ich habe schon einen nach Meitingen geschrieben, der Dir auch zu Gesicht kommen wird- ich fürchte, es wird für die Kontrolle zu viel sein. Aber ich schreibe halt mal. Vielleicht wird es doch. Sonst mußt Du ihn halt später mal lesen, wenn ich wieder„frei“ bin. - Nein, das ist eigentlich nicht richtig. Ich spüre hier: Die äußere Gebundenheit macht nicht unfrei. Frei ist, wessen Geist groß genug ist, um alle Vor- kommnisse zu meistern. Und(das ist nur möglich in Gott. Daher die„‚Freiheit der Kinder Gottes...“ 108 sei; die wieder die Ar- weil sie at niich ind bin ‚ zumal nur ein er Auf- die Ar- 8, chne in eine je hoc, 1en frei- Fenster „it, Ein | Raum- so recht ın auch „b diese ye schon auch zu ird für ibe halt Du ihn rei” bin. h spit® t unfrei- ‚lie Vor mögl oft.“ RERFIRE: “ So hat der Dichter irgendwie recht und unrecht mit seinem Wort: Der Mensch ist frei und wäre er in Ketten geboren... Einmal untertags verspürt man auch die äußere Freiheit. Man wird ungefähr eine Stunde lang im Hof herumgeführt, ca. 25 m lang und 18m breit, im Kreise. Jeweils 30-40 Leute. Die schauten wohl alle, als ich kam. Ich habe eigens mein Kollar angelegt. Ich habe ja kei- nen Grund, mich zu verleugnen oder mich zu schä- men. So konnte ich stolz erhobenen Hauptes und doch wieder als Bruder unter Brüdern, lächelnd und froh im Herzen, mitmarschieren. Es ist eine Wohltat, diese Stunde in der Luft zu sein und sich etwas bewegen zu können. Ich mache zwar auch im Zimmer etwas Übungen, um nicht zu verdorren. Aber so groß die Zelle ist, so hat sie halt doch keinen Durchzug und daher keine so gute Luft. Ich habe zwar Tag und Nacht das ‚Fenster offen.- Ich wurde auch schon angesprochen von den„Mit- patienten“, obwohl anscheinend das Sprechen nicht erlaubt ist. Man merkte oder wußte gleich, daß ich ein„politischer“ sei. Wenigstens gehe ich unter dieser Marke, wenn ich auch mit der Politik nichts zu tun habe. Mein Wunsch ist nur, daß man mir sagt, was man gegen mich hat- bisher ist es mir nicht mitgeteilt worden. Der Kommissar meinte ja, es stehe in Zusammenhang mit dem Bombenattentat in Mün- chen! Da gehört viel Fantasie dazu, um mich da- mit in Verbindung zu bringen! 109 Dieser Bı N m h& in dessen un p le ich alles- dem Herrgott,= Et Je ı1c SE| |; e alle wohlgeborgen sind. Er segne Did Hände wir a 8 und uns alle. T BrP Friede | Gott al 15121239 Siegers des Hei Keim H den W. ich aud Euch£ lange denen ı Und iq Nach se Sagen y lischen Seinen Ih da Gnade | tießg; lange Seele, ie 7, au San Meinsc Erlen | könne, Mich: 3 nes Ei dessen ne Dich Br. P Dieser Brief ging an alle Geschwister: Licht leuchtet ins Dunkel Im Advent 1939 Friede Euch, Brüder, Schwestern! Gnade vom Gott allen Trostes und Vater unseres Herrn und Siegers Jesus! Und Freude in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Amen! Kein Haar fällt von des Gerechten Haupt ohne den Willen des himmlischen Vaters. Darum bin ich auch gewiß, daß es eine Fügung war, daß ich Euch für einige Zeit entrissen bin. Allzeit ver- lange ich danach, Euch alle wiederzusehen, mit denen mich die Liebe in Christus so tief verbindet. Und ich weiß, daß auch Ihr Euch von Herzen da- nach sehnt, mich wieder bei Euch zu sehen, doch sagen wir ein frohes Ja zu dem Willen des himm- lischen Vaters, der es in allem gut meint mit uns, Seinen Kindern. Ich danke Gott für die Stunde, daß Er mir die Gnade gab, zu erkennen, daß in der Tat denen, die Gott lieben, alles zum Besten gereicht. Schon lange empfand ich es als notwendig für meine Seele, mich einmal von allem„Geschäftlichen“ eine Zeitlang freizumachen und in der Stille Kraft zu sammeln für die geistliche Führung der Ge- meinschaft, zu der der Herr mich in Gnaden be- rufen hat. Immer habe ich mich nicht losreißen können. So hat Er sanfte Gewalt gebraucht, um ‚mich einmal in aller Entblößung vor Sein heiliges Angesicht zu stellen. 111 Einen Augenblick lang sträubte sich(die Natur ge- gen manches Ungewohnte. Einen Augenblick lang war auch etwas wie Furcht in mir ob der Unsicher- heit meiner Existenz, weil der Glaube noch nicht alles Menschliche in mir verwandelt hat. Dann aber kam tiefe Freude und heilige Gottfröhlich- keit über mich, die ich bisher noch keine Stunde verloren habe. Mag es immerhin sein, daß noch schwere Tage mir bevorstehen, so hat mich der Herr doch in diesen Wochen, wie ich hoffe, durch Seine Güte gekräftigt, Ihm auch auf Seinem Kreuz- weg froh zu folgen. Was wäre auch ein Jünger Christi, der nicht bereit wäre, das Los seines ge- liebten Meisters zu teilen? Das Buch der Bücher ist das einzige, was ich in meine Zelle mitnehmen durfte. Welch ein Schatz ist es mir in diesen Stunden! Ich lese in der Froh- botschaft täglich die Seligpreisungen des Herrn und werde immer aufs neue froh dabei. Ich lese in der Apostelgeschichte, wie die Zwölfboten in jeder Lage Zeugen des Todes und der Auferste- hung des Herrn waren. Und wie sie sich freuten, für Seinen Namen auch Schmach zu leiden. Ich lese die Briefe des großen Apostels, dessen Namen ich unwürdigerweise trage, und verspüre, welche Kraft in diesem Worte Gottes liegt, das wie ein Schwert scheidet zwischen Wahrheit und Trug und zugleich sänftigt und heilt wie mildes Öl. Und die Geheime Offenbarung! ‚‚Alleluja, der Herr, der Allmächtige, unser Gott ist König! Laßt uns in’ Freuden frohlocken und Ihm die Ehre geben. Die 112 Hoch: Braui Wenr der g sagen Leber ligen serad Brief fruch ken. leben daß; Trost Gott Wege jeder es y; Voll Teich ewig schen scher der Seine dem Iche, Mir, Mög Gem h Mn Natur ge- blick lang Unsicher- och nicht ‚at. Dann ttfrohlich- ne Stunde daß noch mich der ffe, durch emKreuz- in Jünger seines ge- was ich in i cin Schatz der Froh-- jes Herm ;; Ich lese Ifhoten Auferste h freutel, „. Ich lest Hochzeit des Lammes ist gekommen und seine Braut hält sich bereit...‘(Apoc. 19, 6). Wenn Ihr mich fragt, was mir in diesen Stunden der größte Trost ist, so muß ich mit dem Apostel sagen, das einci en Christo, das Wissen um das Leben Christi in mir, ja das Leben der ganzen hei- ligen Dreifaltigkeit in meiner Seele. Ich schrieb gerade noch, bevor ich Euch entrissen wurde, einen Brief über den Himmel in uns, diese köstliche und fruchtbare Wahrheit, die wir viel zu wenig beden- ken. Vielleicht hat mir Gott diese Erkenntnis so lebendig gemacht in diesen vergangenen Tagen, daß ich davon leben könnte, wenn aller äußerer Trost genommen ist. Gott in mir! In Ihm lebe ich, bewege ich mich und ‘wese ich! Gott, der Schöpfer und Erhalter, der mir jeden Tag, ja jede Stunde das Leben schenkt und es väterlich hütet. Er ist nicht ferne über den Wolken, daß ich fürchten müßte, Ihn nicht zu er- reichen. Er ist mir näher als ich mir selbst. Der ewig einzige Sohn des ewigen Vaters, der Men- schengestalt annahm, um als Bruder mein Men- schenschicksal mit mir zu teilen, Er hat im Bade der Wiedergeburt mir geheimnisvoll Anteil an Seinem göttlichen Sein und Leben gegeben; mit dem Apostel darf ich so in Wahrheit sagen: Ich lebe, doch nicht eigentlich ich, Christus lebt in mir. Wie trostvoll ist dieser Gedanke, wenn die Möglichkeit genommen ist, täglich am heiligen Gemeinschaftsopfer teilzunehmen und zur„Kom- munion“ zu gehen. Ist doch die Kommunion schon e 113 rät gegeben in der innigen Lebensgemeinschaft, die Er mit mir begründet hat und die Er täglich er- neuerte und vertiefte, da Er mir Sein Fleisch und Blut zur Speise gab. Wenn ich auch das äußere Sakrament entbehre, Er ist in Seiner Wirkkraft nicht in die äußeren Zeichen gebunden. Er selbst ist ja das Lebenssakrament, das aus der Wurzel den ganzen Weinstock nährt mit Seinen Kräften und Säften; Er ist der Heiliger durch Seinen Hei- ligen Geist. Und ich weiß im Glauben, daß ich durch die Gnade in der Tat Tempel des Heiligen Geistes bin und daß Gottes Geist wirklich in mir lebt. Was brauche ich mehr, um den Himmel in mir zu haben? Ist nicht der Himmel, wo Gott der Dreieine ist? Gewiß ist dieser Himmel heute noch in Verborgenheit in mir, wie Blüte und Frucht gleichsam im Samenkorn stecken. Noch ist Er mehr -Hoffnung und noch nicht seliger Besitz... Aber der Heilige Geist ist bereits als„Pfand und An- geld“ in mir, Er, die persönliche Liebe des drei- einen Gottes, in deren Vollbesitz der Himmel be- stehen wird. Gott in mir! Was könnte ich entbehren, wenn ich in Ihm das All besitze, was könnte mir fehlen, wenn Er sich ganz mir schenkte? Wohl spüre ich auch wieder das„‚andere Gesetz‘ in meinen Glie- dern, die triebhafte Natur, die ihre Befriedigung verlangt, aber als Geistmenschen lassen wir ja in der Gnade hinter uns, was dem fleischgebun- denen Diesseitsmenschen„Gott“ ist, und säen auf Unverweslichkeit. 114 So ste allen um d in me So fe „Heil und: mir" desseı gen\ stund auch den mit d Ja, ic Tageı Gehe die sen( darin Steg ein] Sti,| klänı gehe; die\ gen| Iede Iche, Zerty Und haft, die glich er- >jsch und s äußere Virkkraft Er selbst r Wurzel Kräften inen Hei- daß ich Heiligez ch in mir immel in Gott der So stehe ich in ununterbrochener„Anbetung“, mit allen Gedanken und Wünschen, die immer wieder um das große Geheimnis kreisen, Gottes Leben in meiner Seele, Sein Leben in meinem Sein. So feiere ich täglich im Geist und Wahrheit das „Heilige Opfer“ des Gedächtnisses Seines Todes und seiner Auferstehung, und was anders wäre mir Trost als das Wissen um Leiden und Tod dessen, der mir Seinen herrlichen Namen zu tra- gen verstattet hat. Täglich ist mir die Morgen- stunde, da Ihr die heiligen Geheimnisse feiert, auch eine heilige Stunde, in der ich mit Euch zu den gottinnigen„circumstantes‘ gehöre, zusamt mit den Engeln und Heiligen. Ja, ich fühle mich Euch nicht ferner, denn in den Tagen, da ich leiblich bei Euch war. Das große Geheimnis des in der Zeit fortlebenden Christus, die Wahrheit vom gnadenhaften Leib Christi, des- sen Glieder wir alle sind- in diesen Tagen liegt darin für mich eine Quelle unausschöpflichen Tro- stes und unerschöpflicher Freude. Wir sind alle ein Leib, vielmehr Glieder des einen Leibes Chri- sti, der seit der Auferstehung in göttlicher Ver- klärung lebt und in geheimnisvoller Weise in sein geheimnisvolles Leben aufnimmt alle, die durch die Wiedergeburt aus dem Wasser und dem Heili- gen Pneuma gegangen sind. Glieder eines Leibes! Jedes Glied hat Seine eigenartige Aufgabe im lebendigen Organismus. Aber alle hängen sie un- zertrennbar zusammen, alle dienen sie einander und sind einander lebendig nah im Leben des & 115 Hauptes. Ist’s nicht so auch bei uns allen? Trotz “aller räumlichen Trennung? Was bedeutet über- haupt räumliche Trennung gegenüber der Nähe in Christus! Ja, freuen wir uns dieser seligen Nähe allezeit und dienen wir einander in Liebe! Mein Dienen Euch gegenüber kann in diesen Tagen nur ein ständiges Fürbitten, ein fürbittendes Opfern für jedes einzelne von Euch und für die ganze Ge- meinschaft sein, ein Brechen des geistigen Brotes, vielleicht auch ein Sammeln neuer Kraft und Gei- stesfülle, um Euch wieder neu befruchten zu kön- nen zu der Stunde, die der Herr bestimmt. Ich weiß, ich begegne Euch in Gott mit Eurem Beten, und flehe um Kraft und Gnade, deren ich bedarf, um treu zu sein und meinen Weg in Ihm zu gehen. Brüder und Schwestern! Es ist ernste Stunde! Wir wissen nicht, wann der Herr die Nationen vor den Stuhl Seiner Majestät lädt, wann Er Sein Reich sichtbar machen wird in der Fülle der End- zeit, im neuen Himmel und der neuen Erde. Ir- gendwie ist immer solche Gerichtszeit. Und wir fühlen gerade heute, wie eine große Stunde für die Menschheit schlägt. Vielleicht ist es der letzte Aufruf des Herrn zur Metanoia, zur Umkehr von den Wegen der Gottvergessenheit und des Götzen- dienstes. Laßt uns jedenfalls bereit sein, wenn der Herr an das Tor klopft, um Einlaß zu begehren, laßt uns dasÖl nicht vergessen für unsereLampen! Die Bereitschaft der Liebe ist das große Gebot der Stunde!„.Wir leben und sterben fürs eine, daß "Liebe die Menschen vereine“, hat uns Bruder 116 Franz Schall hinter in un: Apost liebe, bende aller einen Trost nach Liehe sen 2 bereii 2eg tı die h. Urtei unde entsd Währ mit} ige| liche: Früd st len Und FETTE Fr wm; ü ht Tray n? Trotz ‚et über- er Nähe ren Nähe je! Mein agen nur ; Opfern anze Ge- 1 Brotes, und Gei- zu kön- nmt. Ich m Beten, h bedarf, zu gehen: Stunde! onen Vor Er Sein der End- Erde. Ir Und wu unde für ler Jetzte kehr voN „ Götzeh" wenn der FTIR FETTE NETTE TÄETT ER RETTEN TREE FEEF TRETEN TRUE Run { Franz: selig gelehrt. Aber das Singen ist nur leerer Schall, wenn die Wirklichkeit des Lebens nicht da- hinter steht. Es muß wieder neu offenbar werden in unserer Gemeinschaft, daß wir durch unser Sein Apostel der Liebe sein müssen, Boten der Bruder- liebe, die ikre tiefste Kraft bezieht aus dem glau- benden Wissen um das Geheimnis der Gliedschaft aller im einen Leib des Herrn. Wenn Ihr mir einen Dienst leisten, eine Freude machen wollt als Trost in diesen Tagen der Drangsal, so trachtet nach der. Liebe! Trachtet unablässig nach der Liebe! Nach der absichtslosen Liebe, die allein die- sen göttlichen Namen verdient! Nach der opfer- bereiten Liebe, die den Stempel des heiligen Kreu- zes trägt. Nach der echten Liebe des Wohlwollens, die besonders in Barmherzigkeit und Nachsicht im Urteilen, in zuvorkommender Hilfsbereitschaft und eifersuchtsloserGütesichauswirkt! Nachder tat- entschlossenen Liebe, die sich zu jeder Stunde be- währt! Trachtet nach der Liebe! Wenn Ihr täglich mit heiligem Bedacht Euch hineingebt in. das hei- lige Liebesopfer des Herrn, wenn Ihr Sein gött- liches Leben in Euch entfaltet, dann werden die Früchte des Heiligen Geistes allen offenbar. Gott ist die Liebe, und die wahrhaft in Ihm leben, kön- nen nicht andere als Früchte der Liebe bringen. Und nun grüße ich Euch alle aus der Liebe mei- nes väterlichen Herzens heraus. Seid unbesorgt um mich! Ich bin in Gottes Hand. Macht Euch nicht viel Sorge um Euch und Eure Zukunft! Trachtet nach der Vollendung Seines Reiches in 117 In Euch und alles wird Euch von Seiner Gnade hin- il zugegeben! Wir sind Pilgrime, die kein festes Haus auf Erden bauen. Leben wir aus diesem ÜR: Glauben! Bauen wir uns selbst auf als lebendige en Bausteine des heiligen Tempels, in dem Gottes N Num Herrlichkeit offenbar werden soll! Nich Die Gnade Jesu Christi, die Liebe Gottes des Va- Die] ters und die stete Gemeinschaft des Heiligen Gei- ker stes- das ist mein Wunsch für Euch, den ich jede# 2 3 Ä mi Stunde dem himmlischen Vater bittend entgegen- halte. wird : i Höll Maranatha! Adveniat Regnum Tuum! nr Ar Br. Paulus v. der göttl. Vorsehung el ln Bi Mi IM Tyra Die Morgenpsalm Ver Hi Ai‘Herr! Jeden Morgen sprichst Du neu: es werde! die Und neues Leben weckt Dein Schöpfungswort. Nur „ Mit Deiner Sonne Frühstrahl grüßt mich Deine Liebe, it N ı So heb’ ich kinderfroh die Hände auf zu Dir. 04 „ul Das neue Leben dank ich Dir. Wie bist Du gut! da 1| Hi Vertrauend geh’ ich heut’ an Deiner Hand. den Hi Das soll mein Kindesdanken sein: Vertrauen. auf Herr! Nimm es an und segne mich! 6a 17.11.39 1, 118 ES nade hin- in festes ıs diesem lebendige m Gottes 3 des Va- ligen Gei- n ich jede entgegen:" Vorsehung O sel’ger Tag! O sel’ger Tag, da neuer Himmel, neue Erde erstehn auf Gottes heil’gen Machtbefehl! Nun geht’s zu Ende, Lucifer! Nicht länger trägst du Irrlicht durch die Welt! Die Lüge ist entlarvt, Gewalttat bloßgestellt. Am Pranger schämt sich, was bislang sich schmückte mit faulem Zauber. Nimmermehr wird Licht verlästert, Finsternis geehrt. - Höllenschwarz ist Satans Brut. In reinem Licht strahlt auf die neue Kreatur. Welch ein Gericht! Wie splittern Kronen, Marschallstäbe! Tyrannen tragen Narrenkappen.[dem Mist. Die Lorbeerkränze eitlen Ruhms verfaulen auf Verendet sind die tausendjähr'gen Eintagsreiche, die aufgebläht die Zeitgenossen törten. Nur eines bleibt: was Gottes Auge sieht mit reinem Wohlgefallen. O des Tages, da Wahrheit, Recht und Liebe den König im Triumphzug führen, aufstrahlt, deß wir sehnend harrten: Gottes Reich! 72:.11.:39) P 119 PRYUE Du milder Mond! Du milder Mond, du Gottesbote! Ist’s auch nur ein Spalt Des Himmels, den du öffnest, Zeitlosen Lichtes einen Strahl Ins Endental ou senden- Der Ruhelose, der auf seinem Lager Sich wälzt vor Unrast, Zweifel, Angst, Er dankt es dir. Du kündest Den ew’gen Vater ihm, der droben Wachet über alle Kinder, die des Lichts entbehren. Wohl ich versteh: es gibt kein Dunkel, Ist des Himmels’ auch ein Spalt nur offen. 18:11. 39; P Psalm Herr, ich weiß um Deine Vaternähe- Du gibst nicht preis, die Dir vertrauen. Du weißt auch um verborg’ne Herzensnot- Du siehst die Tränen, die in Nächten fließen. Der Du die Vögel kleidest auf dem Dach- Du trägst Dein Kind in Vaterarmen. Du bist mir nah. Dein Hauch ist ja mein Leben.- Ich wese, wie ich bin, in Dir. Dein Gnadenwille zog mich aus dem Nichts- Schenkt Kindesrechte mir aus Vaterhuld. 120 Am] Herr Was ntbehren. mi Am Leben Deines ew’genSohnes gabst Du mir.teil- Und setztest mich mit Ihm zum Himmels- erben ein. Herr! Sünde wär’s, wollt’ ich noch zweifeln- Verzagen je in Deiner Gegenwart! Was Du verfügst, ich sag zu allem: Ja!- Ich bin Dein Kind, im Glauben festgegründet. Elisabeth Ist unser Aug’ gehalten, blind, Daß wir nicht seh’n, was du Allzeit erkanntest, da du schautest Ein Menschenangesicht? Christus, erschien dir da, leibhaftig, Verborgen nur zum Schein in ee,'hem Gesicht. Konntest du anders als Ihm dienen? Ihm Wunden waschen, die verschwärt? Den Hunger stillen mit dem Brot, Den Durst mit kühlem Trunk? Mußtest du nicht den Fiebernden Die weiche Hand auf heiße Stirne legen? Den Blinden führen,'Waisen schützen, Das schwache Kindlein auf den Armen tragen? Konntest dein Bett versagen du dem Gast, dem Heiligen, der nicht wußte, Wohin Sein Haupt Er legen sollte? Ja du mußtest helfen, dienen, dich'entäußern, Gab dir doch Gott das Aug’ des Glaubens, Die Schau des Christen. 1911. 39 P Brief nach Meitingen: Augsburg, in der Zelle, 22. 11. 39 Liebe Geschwister! Nun ist das der erste Brief, den Ihr erhaltet. Ich schrieb schon mehrmals, habe aber heute alles zu- rückerhalten: stenografische Briefe sind nicht er- laubt. Auch darf ich nur seinen Brief in der Woche fortschreiben. Da muß der schon die Runde ma- chen... ei £ E23 Zunächst, was Euch gewiß freuen wird: ich bin froh und munter. Ich habe noch keine einzige trübe Stunde hier gehabt dank der Gnade Gottes, die mir das Herz gestärkt hat. Was ich gerade noch zu Hause schrieb vom Himmel in uns, das könnte ich hier mit noch mehr Recht schreiben. Es war mir eine Gnade, die ich gerade brauchte. Lest mal bitte diesen Missionsbrief als Gruß von mir, bis Ihr den großen Missionsbrief erhaltet, den ich erst in Kurrent umschreiben muß. Er wird Euch, so Gott will, Trost bringen. Warum ich in Haft bin, weiß ich noch nicht. Wenn der Kommissar recht hatte, dann steht’s im Zu- semmenhang mit dem Münchener Attentat! Das gäbe mir ja die Hoffnung, nun wieder frei zu werden, nachdem man die Täterschaft festgestellt hat. Aber ich bin ganz gleichmütig darin; ich mache Ernst mit dem Glauben, daß Gott alles zum Gu- ten fügt, daß auch dieser Aufenthalt mir zum Se- gen ist. Das spür ich jetzt schon. Die, wenn auch zuerst unfreiwillige und ungewohnte Stille der 122 & 2.11.30| i haltet. Ich© e alles zu- nicht er- ler Woche unde ma- e* 1 |; ich bin 1e einzige de Gottes,} ch gerade H ‚uns, das= schreiben. brauchte. Gruß von * erhaltet,| ß, Er wird ERWEITERN = (= =“= Seele tut mir wohl. Ich bin mit Ihm allein und freue mich Seiner Gegenwart. Ich lese insbesondere die Hl. Schrift und bin ganz in ihrem Segen gebettet. Auch schreib’ ich man- ches. Schade, daß es nun liegen bleiben muß. Gehofft hatte ich, daß ich auf der Zelle zelebrie- ren dürfe. Ist aber bisher nicht bewilligt worden. Deshalb feiere ich doch täglich das hl. Opfer mit Euch. Wir sind alle„‚circumstantes‘‘(Umstehende)! Ihr werdet mit manchem Geschäftlichen in Ver- legenheit sein. Erbittet Euch(Gt/Te) einmal Be- suchserlaubnis bei der StP und notiert alles Wich- tige. Post an mich ist auch möglich über die SıP, ob sie auch nur Kurrent bezw. in Maschine sein darf, weiß ich nicht, wahrscheinlich. Am besten gebt’s persönlich ab auf der StP. Ich glaube,(der zuständige Herr heißt„Ruf“. Ich bin in einer schönen Zelle, aus der ich auf die Straße sehe, freilich nicht viel, eben gerade die Schirmfabrik Hatler wie letgtes Mal, doch bin ich jet im oberen Stock, was angenehmer ist, da es etwas länger hell ist. Das ist wohl das Schlimmste: nur 8Std. am Tag hell und nie Licht! Aber das inwendige Licht ersetzt alles! Mit Wäsche bin ich soweit versorgt. Ich brauche wohl noch ein Nacht- hemd zum Wechseln und ein Handtuch, auch ein Stück Seife. Und Papierblocks, womöglich einen gelben. Dann Bücher- Ihr müßt natürlich die Er- laubnis dafür einholen: Novum Testamentum graece Griech. Wörterbuch 123 PR VRR Synopse deutsch und griechisch Lutherbibel mit dem Wörterbuch Schott Meßbuch Regensburger Kommentar zum Neuen Testament Lat. Graduale oder so ähnlich(im Zimmer auf Bü- chergestell). Wenn Ihr die Sachen bringt, stets auf einen Zettel aufschreiben, was gebracht wird. Mit der Hand schreiben! Ich freu’ mich schon des darin liegenden persönlichen Grußes. Schreibma- schine ist kalt. Laßt den wesentlichen Inhalt des Briefes den gan- zen Konsult und Br. Ambrosius wissen. Ich kann leider nicht mehr schreiben, doch bekommt Ihr nächste Woche einen großen Brief, so Gott will. Wird Br. Wenzel am 30. 11. geweiht? Ich lasse ihn grüßen und segnen. Ich bin im Geist bei sei- nem Erstlingsopfer, so Gott will, auch schon wirk- lich. Ich bin’s aber zufrieden. Freiheit ist keine Sache des Raumes, sondern der Seele. Frei ist, wer jeder Lage überlegen ist. Das vermag der ‚Christ im Glauben. Um Euer Gebet brauch’ ich nicht zu bitten. Wir be- gegnen uns alle täglich im Dominus vobiscum oft! Besonders in den langen Nächten, wo ich täglich für alle bete und alle segne. Habt Ihr die kirchliche Behörde verständigt? Ich würde mich freuen, wenn„‚Eberle“ oder„Kerker“ 124 mich komr Euch | "estament r auf Bü- ngt, stets ‚cht wird. schon des chreibma- den gan- Ich kann ‚mmt Ihr ‚tt will. Ich Jasse ‚+ bei sei- hon wirk- ist keine ı ist, wer (er ‚Christ „, Wir be ! zeum At ch täglich ‚digt? Jd „Kerker mich mal besuchten. Aber wenn nur ein Besuch kommen dürfte, dann lieber zuerst jemand von‘ Euch. Und nun: Pax vobisecum! Benedictio 7 In Treuen Euer m Pfingsten! Daß sich der Himmel öffnete aufs neue! Daß wieder wie an jenem sel’gen Tag die Feuer- [zungen Heil’ger Geistesglut erschienen über allen, Die Christi Namen tragen! Daß die Kirche In heiliger Verjüngung neu'geboren, Heil’gen Geistes trunken, Die Botschaft sendete in alle Welt Zu zeugen für die Allgewalt der LIEBE! Welch ein Pfingsten! Wenn auf der weiten Erdealle In einer Sprache hörten und verstünden, was der [HERR Zum Heil der Menschheit Wunder wirken will! Ein Feuerbrand entzündet an dem andern! Und in die Finsternis der Welt gleich Fackeln Leuchten die Träger Seines Namens, geistdurchglüht. O seliger Advent! Herr Jesu! Komm! Doch wär's, daß nur um meines Lebens Preis Des Heil’gen Geistes Reich der Menschheit würde- Ich opfert’s gern dem Heil der Welt... Herr! Nimm es an! Laß Pfingsten werden! 29411. 39 1% 126 Der w Der n Karg Ström Doch Schlei Und| Nacht Bleib Wird Und Ein; Husd Daß Sie ld Der| Sein I g } ie Feuer- [zungen 7, ! 1 Erdealle . was der [HERR E ovwil ern: 'gckeln urchglüht. Ä Pres IB sit würde‘| Advent Der weiß nicht vom Advent, Der nie in düstrer Zelle saß im Abenddämmer. Karg ist das Fenster. Schon am Tag Strömt Licht nur wenig in den engen Raum. Doch kommt der Abend, Schleicht die Sonne früh von dannen, Und Nacht wirft dumpfen Mantel um den Raum, Nacht, schreckbar, undurchdringlich. Bleibt’s immer Nacht? Wird nie ein Sonnenstrahl mehr nah’n Und neuen Tag zur Hochzeit führen?... Ein schwaches Dämmerlicht Huscht noch.durch schmalen Spalt herein, ein Zeuge, Daß nie die Sonne untergeht, daß bald Sie leuchtend sich erhebt aufs neue. Ja, daß das Licht, dem sie den Rücken kehrten, Der Herr mit Macht und Herrlichkeit wird wieder- Sein Reich zu gründen ewig.[kehren, Ich glaub’ an den Advent. cine Adventlied In Nacht und Not wir zu Dir schrein: Wer soll uns Heil und Retter sein? Komm, Herr Jesu! Der Hirsch lechzt nach dem kühlen Quell. Komm! Still den Durst-der Seele schnell! Komm, Herr Jesu! Ja, komm als Herr der Ewigkeit! Zeig Deines Reiches Herrlichkeit! Komm, Herr Jesu! Wann leuchtet uns das neue Licht Davon zu uns Jsaias spricht: Komm, Herr Jesu! Laß neu uns aus dem Grab erstehn! Laß uns das neue Leben sehn! Komm... Uns drückt der Sünde Sklavenlos, Ach Herr, wir sind gar arm und bloß! Komm, Herr Jesu! Zerbrich der Sünde Kerker Du Führ uns der heil’gen Freiheit zu! Komm... Den Vätern warst Du Halt und Trost, Komm, Herr Jesu!: So hilf auch uns, vom Sturm umtost! Ja hilf, daß wir ermatten nicht! Da uns des Lebens Brot gebricht. Komm... \ H i N \ | I Quell. ‚hnell! Jloß! rosl, Der grause Krieg ist unser Los. Wann kommst Du Friedensstifter bloß? Komm, Herr Jesu! Ach mach von Haß und Neid uns frei, Daß Eintracht unter Menschen sei! Komm... Ach, Herr, uns bangt vor dem Gericht. Entzieh uns Deine Gnade nicht! Komm, Herr Jesu! An unserm letzten Pilgerstein Magst Du uns ewiger Retter sein! Komm... Komm, Sonne, steig am Himmel auf! Ihr Stern’, begleitet ihn zu Hauf! Komm, Herr Jesu! Schaff neuen Himmel, neue Erd, Von Deinem Sonnenglanz verklärt! Komm... So komm mit Deiner Königsmacht. Vertreib das Dunkel in der Nacht! Komm, Herr Jesu! Entzünd’ uns einen neuen Tag, Der nimmer von uns weichen mag. Komm, Herr Jesu! Ja komm als Herr der Ewigkeit! Zeig Deines Reiches Herrlichkeit! Komm, Herr Jesu! Vertont. Brief nach Berlin:: 1512,39 Advent 1939 Der Brief dieser Woche- jede Woche darf ich einen schreiben- gehört diesmal Euch. Ihr werdet: ohnehin ihn auch mit andern teilen, wie ich hoffe. Wir haben ja Gütergemeinschaft. Zunächst einen frohen Adventsgruß! Ihr dürft mir glauben, daß man in der Zelle auf den Advent vorbereitet wird. Zwei Drittel des 24-Stundentags sind dunkel in der Zelle, da Licht aus Sparsam- keitsgründen überhaupt nicht entzündet wird! Da sind die Nächte lang! Und wenn dann der Strahl des milden Mondes zum Gitterfenster hereinleuch- tet, da denkt man des Propheten: Illuminare, Je- rusalem! Adventsehnsucht und Adventsfreude sind in mir. Jeden Tag wiederhole ich, auch im Vorad- vent, die Lesung des Apostels: Gaudete, iterum dico: gaudete! Und ich nehm’ es mir auch zu Her- zen. Ich kann mit Dank gegen Gott sagen, daß noch keine Stunde die Sonne untergegangen ist in mir, ich bin voller Freude, die nicht bloß in mei- nem guten Gewissen ihren Grund hat(1 Ptr 3,17), sondern vor allem im Glauben an den gegenwär- tigen Gott in mir, der es mich gar nicht sehr ent- behren läßt, daß ich das hl. Opfer nicht wie sonst feiern darf- so gern ich täte!(Es ist mir leider abgelehnt worden. Warum, weiß ich nicht. Aber es betrübt mich eigentlich nicht, weil ich in allem Gottes Willen sehe). Ist nicht das Mitopfern mit Christus auf andere Weise Wirklichkeit geworden in meinem gegenwärtigen Leben? 130 Ic w hafte men, greife weg, will. alles daß ı Aufr um 2 ergel Ihr erste und gen inan sache Lipp Ein| Schn der hatt Mir | Nem ® Danı . hi bla j eine i brie a 2 en 2 Me 12.39°" Ich weiß noch immer nicht, warum man mich ver- ent 19399© haftet hat. Ich wurde auch noch nicht einvernom- darf ih° men. Das ist zunächst etwas quälend, wie Du be- greifen wirst. Aber ich hab’ mich längst darüber ır werdet‘ ich hoffe. weggesetzt und halte einfach still, weil Er es so will... Ich habe gute Zuversicht, daß bald sich dürft mir alles klären wird. Ich erkläre mir die Sache so, en: daß man wahrscheinlich die auf Grund des öfftl. mdentags Aufrufs eingehenden Anzeigen abwarten wollte, Sparsam- I um zu sehen, ob sich daraus irgend ein Verdacht wird! Da ergebe. Ich denke, das wird nun bald geklärt sein. jer Strahl 1 Ihr werdet wissen wollen, was ich treibe. Die zeinleuc- ersten Tage habe ich aus der Hl. Schrift gelesen| nase; Ie-|| und darin Freude und Trost gefunden. Nach es I eude sind U;S°" Tagen bekam ich auch die Zeitung, so dab Hi m Vorad-- man nun wenigstens Immer die neuesten Tat- :sörum| sachen erfährt. Nun habe ich auch einige Bücher. F: n:- Lippert: Einsam und gemeinsam! Echt Lippert! i hen n- Ein Genuß gerade m Tagen der Stille. Dann Oda a Schneider, Gebet. Ein ungemein tiefes Büchlein in mel- der Frau, die ich sehr verehre. Große Freude bin 1 hatte ich an Herwigs„Großem Bischof“. Das hat Pır 3; R i mir viel gegeben. Ist doch viel Verwandtes in mei- gegenwär- nem Blut... Kennst Du’s? sen Ist in gr sehr ent e ie sonst Dann habe ich geschrieben. Gedichte, Tagebuch- ir Jeider blätter, Choralmessen, Aufsätze. Ich schrieb auch E Aber_ einen„Brief in die Gefängniszelle“ als Seelsorge- ‚ht./ Sg z=:; 4 Id brief für meine Kameraden. Natürlich ist er erst ın allem....... fern mit© zu verwerten, wenn ich wieder über mich verfü- e; z; ‚orden gen kann. Dann soll’s eine Broschüre werden, die, oeW er R£ D wie ich hoffe, manchem helfen wird. Bi en Er Schwierig sind die langen Abendstunden, wo man nicht auch lesen kann. Da- singe ich zumeist still vor mich hin. So sind zwei Choralmelodien daraus geworden. Oder ich denke und mache Pläne... Gott weiß, wann und wie sie zu verwirklichen sind. Aber das Evangelium ist nicht gebunden, sagt Paulus. So muß man die Zeit‘verbringen. Nicht zuletzt bete ich- eigentlich ist ja alles Beten, was man in Gott tut. Aber ich denke Euer aller vor Gott und such’ dadurch etwas zunüte zu sein, wo ich sonst nichts helfen kann. Mit den Sorgen zu Hause be- schäftige ich mich wenig. Es war immer mein Grundsatz, mir keine Sorgen zu machen, wo ich nichts tun kann. So halte ich es auch jetzt. Ja die Hauptsache ist- das Schlafen! Um 6 Uhr liege ich schon in der Klappe- was auch sonst tun! -und bald schlafe ich auch ein und schlafe, mit Unterbrechungen, 10 und mehr Stunden! Ich glaub’, ich erhole meine Nerven hier! Jeden Morgen ist eine Stunde Spaziergang im Hof. Das tut gut. Ich bin dessen sehr froh. Die man- gelnde Bewegung würde sonst schlecht bekommen. Das Essen habe ich jetzt aus der„Schleife“. Gott- lob! Ich hätte gern darauf verzichtet, um es nicht besser zu haben als die andern, aber das Tierfett (Fleisch aß ich natürlich nicht) bekam mir sehr schlecht. Immer Durchfall und Beschwerden! So mußt ich halt doch von der Vergünstigung Ge- brauch machen, seither ist mein Magen tadellos 132 4 beis zu] im] teilt Extı Scha Son) Leil nika auch litu kon , wo man meist still en daraus Pläne... wirklichen sebunden, ht zuletzt as man in Gott und ich sonst Hause be- mer mein n, WO ich ıt. {m 6 Uhr sonst tun! hlafe, mit ‚den! 14 im Bol. o Die man BE ekommen-| beisammen. Ich frühstücke auch nicht mehr, wie zu Hause. Ich hörte, es sei noch ein Vegetarier im Hause. Ich hätte gern mein Essen mit ihm ge- teilt, wenn es gegangen wäre, aber man liebt hier Extrasachen nicht. So muß ich darauf verzichten. Schade! Sonntags ist immer hl. Messe, bei der alles aus Leibeskräften mitsingt. Der Geistliche, ein Domi- nikaner, predigt schlicht und eindringlich. Es ist auch mir eine erhabene Stunde, wenn auch mein liturgischer Sinn nicht recht auf seine Rechnung kommt. Ein schreckliches Herz Jesu aus Gips steht auf dem sonst stilvollen Hochaltar! Besuch hab ich bisher noch keinen empfangen dürfen. Ich hätte mich wohl gefreut, aber ich fühl’ mich auch so allen verbunden. Deine zwei Karten habe ich erhalten, die zweite vorgestern. Ein Gruß ist mir natürlich immer eine Freude. Warum gibst Du die Karte in einen Um- schlag? Ich brauche mich doch nicht zu schämen, daß ich hier bin! Und Ihr auch nicht! Ich grüße und segne alle! Advent! Möge er Euch allen Segen bringen! Alleluja! Und frohen Treugruß ir Scheinbar Entwurf für ein Schreiben an die Geh. Staats- polizei. Heute begann die vierte Woche meines unfrei- willigen Aufenthaltes in der Gefängniszelle. Ich weiß heute so wenig wie am ersten Tag, warum man mich der Freiheit beraubt hat. Man wird es darum gewiß nicht als einen unbilligen Wunsch an- sehen können, wenn ich bitte, man möge mir er- öffnen, was für ein Verdacht gegen mich spricht, und mir Gelegenheit zur Rechtfertigung geben, oder aber mich einmal freilassen, wenn, wie ich sicher annehme, sich keine wirklichen Anhalts- punkte für einen begründeten Verdacht ergeben haben. Ich glaube heute annehmen zu sollen, daß meine Inhaftsetzung doch in Zusammenhang mit dem unseligen Münchener Attentat steht. Vermutlich hat die Staatspolizei einmal zusehen wollen, ob sich auf Grund des in der Zeitung veröffentlichten Aufrufs irgendwelche Verbindung- zu meinen vielen Auslandsbeziehungen ergeben. Ich kann dies nur begrüßen und habe darum auch diese Wo- chen geduldig ertragen, weil ich hoffen kann, daß dadurch endgültig Klarheit darüber geschaffen wird, daß meine Beziehungen auf einer ganz anderen Linie liegen als der politischen. Ich habe meine tatsächlichen Auslandsverbindungen in aller Offenheit dargelegt und bin gern bereit, alle Auf- klärung zu geben, auf Grund derer eine nähere Überprüfung derselben möglich ist. Ich denke aber nicht, daß die Staatspolizei dazu eine wei- 134 tere im Iı als b in de Staat Ich ı die] aus Rss schie Adve „Per in, (Stu (Stu seh. Staats tere Haft als nötig ansehen kann, zumal diese im In- und Ausland den Anschein erwecken muß, ı es unfrei- als bestünde noch, im Gegensatz zu der Erklärung nl& zelle. Ic in der Presse, eine wirkliche Opposition gegen die g, warum Staatsführung. I n wird es| Ich möchte die Staatspolizei bitten, sich einmal) Junsch an-:=: h:} ini; die Mühe zu nehmen, meine literarischen Arbeiten Bm aus den letzten Monaten gründlich zu überprüfen. ch sprich, Es sind dies ‚‚Der Unsegen der Kirchenbänke“ er- ng geben, schienen in Bibel und Liturgie,„Maranatha“(der. I yenn, WI Adventgedanke), gleichfalls in Bibel und Liturgie, ‚ll n Anhalts- „Per omnia saecula...“(Gemeinschaftsliturgie) it ergeben in„Bibel und Liturgie“,„Wie wird man Christ?“| (Studien über die Taufe),„Der Himmel in uns“ {aß meine(Studien über das Einwohnen Gottes in der Seele), mit dem„Das Geheimnis des Senfkorns“(Studien über die Vermutlich Dynamik der Sakramente),„Was trennt uns Chri- IE vollen,® sten?“(die dogmatischen Differenzen zwischen Im fentlichten kathol. und prot. Kirche),„Phöbe“(apostolische I u meinen Frauenhilfe) in Frankfurter kath. Kirchenzeitung. I 3 [ch kan Als gute Psychologen werden Sie zweifellos aus I diese Wo dem Studium dieser Aufsätze ohne weiteres er-(ii 2 kann, dab sehen, daß mein Interessenkreis sich um eine ganz I yeschaffen andere Welt dreht als die des„Politischen“. Die ner gan Aufsätze können von Meitingen ohne weiteres N Ich habe verlangt werden.|| 12,39 Sieger Ein einzig Stenale seh’ ich noch am Himmel. Bist du das letzte, sag’, das blieb, Da Liebe vor dem Haß,Licht vor dem Dunkel floh? Wann schlägst auch du die Hände vors Gesicht, Daß nicht ein Himmelsauge mehr die Erde schaut? Wird hoffnungslos auf ewig dunkel diese Welt? Doch nein, da strahlet Sieghafter Himmelsbote neu der Mond. Die Liebe stirbt nicht, muß sie auch verbergen Sich vor dem Haß, der übermächtig, Eine Stunde. Mächt’ger De erhebt sich Das Licht, das aus dem Herzen Gottes bricht. . Gott ist die Liebe. Sie ist ewig. 212,39 mmel. kel floh? esicht, e schaut? se Welt? yergen richt. 3 4 FE Totenklage Soll ich nicht klagen dürfen um ein Vöglein, Das Gott der Herr erschuf und kleidete in Schön- [heit? DemEr einStimmlein gab, feiner denn Menschen- [kindern, Und muntern Sinn, Behendigkeit und Anmut... DasEr mir schenkte- ach, wasnahmst Du’s wieder? Gefährte jeder Stunde war’s, ein Spielgeselle, Vertraut mit allem, was ich tat. Ja, ich gesteh’s, es war mir wie ein Kind, Dem Lieb’ ich durfte schenken ohne Maß Und ohne Scheu, daß andere es neiden... Grausamer Gott! Warum nur nahmst Du mir’s? Doch nein! Du nahmst’s in Deinen Himmel! Oder Sollte Deine Güte nicht auch für Dein Vöglein Einen Ort geschaffen haben, neuer Himmel und [erlöste Erde, Da sie Dich zwitschernd preisen dürfen ohne [Unterlaß? Sei’s! Wenn Du selig bist und gottgeborgen, So gibt mein Herz Dich frei. Ich will Dich nicht für mich- nur Deine Seligkeit. 2212. 39 B In der Zelle Ach, Gott, ich fürchtete die Nächte, die düstern, [langen, Da kein barmherzig Licht erleuchtet meine Zelle. Heut’ dank ich’s Gott, der auf den Flügeln Der Gedanken mich führt durch Seinen Welten- [raum. Ich komme nie zu Ende. Meine Liebe Besucht auf weiter Erde alle, die in Gottes Liebe [steh’n, Die Menschen all, die guten, treuen, Die mir verbunden, aber auch die fernen, Die mir in Ihm doch Nächste sind! Die Blumen all, die Vöglein in den Lüften, Des Waldes traute Tiere und das Würmlein auf [dem Boden, Alles, was Gottes Liebeshauch gesegnet hat, Das grüß’ ich, freu’ mich sein. Ich rühr’ an alles, selig in der Liebe, Was Gottes Liebesfinger je berührt’, Nichts stört mich, denn die Nacht verbirgt, Was Gottes gute Liebe scheut. 2. 12. 39 B 138 Einst, mir( So sc gelüs! Am I mit$ die s Heut Inen, in N Bleich Gott die e Wag: Ach, Verte Was im 6 doch Was Und drei, doch die) Got | düstern, langen, ine Zelle. igeln n Welten- [raum. ttes Liebe| [steh'n, en, ften, nlein auf ‚m Boden, hat, irgt, Himmel Einst, da ich Kind noch war, dacht’ichden Himmel mir einfach: einen Frühlingsgarten paradiesisch [schön. So schön, daß es Gott selbst gelüsten könnte, darin mit Lust zu wandeln. Am Eingang sah ich den Apostel, jeden prüfend mit Späherblick nach jener Parze der Recht- [gläubigkeit, die scheiden sollte zwischen gut und bös. Heut lächle ich darüber, Gott ist groß, unendlich größer denn die Gottgelehrten in Netzen des Systems ihn einzufangen wähnten, gleich wie wir Schmetterlinge fingen. Gott ist die Liebe! Sollt’ Er nicht erwählen sich, die ewig seine Wonne teilen, nach dem, was seines eignen Wesens Urgrund ist, der Liebe? Ach, ich fand die Liebe in der Welt; verteilt nicht sich nach den Maßen der Recht- [gläubigkeit. Was sah ich„‚Gläubige‘“, genau im Glauben wie nach Paragraphen, doch Liebe? Wenig fand ich, was mich an Gott den Großen konnt’ erinnern. Und andre sah ich, ach, die Ketzer, dreimalder Hölle schon verschrieben von.den ersten, doch des guten Gottes Blick ersah in ihnen die Liebe, die den andern fehlte. Gott, wie wirst Du richten? 212.39 Nächtliche Liturgie Soki Ein Sternlein leuchtet oben Maria Am Himmel heilig klar, Laßı Von Gott dem Herrn erhoben Zum Licht am Hochaltar.„Was Zur heil’gen Opferfeier Betra Des Hohepriesters hehr„lch Bringt Harfe, Flöt’ und Leier Ein\ Das ganze Himmelsheer. Nari Nun tönt von Harmonien Führ Der weite Weltenraum, Was Von sel’gen Melodien D\ So zart, du hörst es kaum."N Nun ist die heil’ge Wandlung, Ofi, Ein wundersames Blüh’n. Mari Die hehre Gotteshandlung_ ID: Läßt alle Stern’ erglüh’n. Zum heil’gen Segen halten- ‚ar Die Sterne ein im Gang, dor Und Engelshände falten„Ach Sich betend im Gesang. Erw: Ein Tantum ergo singet Ad, Die Himmelsengelschar. Wir In meiner Seele klinget N > 3 Ein Amen zum Altar. Veit 3212.39 Eh Maria im Advent Bi „Wohin, Maria, in kalter Zeit? Mar Die Winde wehen scharf. Es schneit.“ h,} „Nach Bethlehem im Süden fern! iD 140 en er or So kündet es der Ruf des Herrn.“ Maria, pilg’re nicht allein! Laß uns mit dir und Joseph sein! „Was schaust du, Mägdlein, himmelauf? Betrachtest du der Sterne Lauf?“ „Ich schau im Geiste ein Gesicht: Ein Wunderstern am Himmelslicht!“ Maria, zeig’ uns deinen Stern! Führ’ uns an deiner Hand zum Herrn! „Was stehst du, Mägdlein, starr im Frost, Da Wintersturm dich kalt umtost?“ „Ich kann nicht weiter, trag’ schwere Last. 0 fänd’ ich Ruhe bald und Rast!“ Maria, wir suchen ein Kämmerlein! Da sollst du gut geborgen sein! „Maria, was schaust du traurig aus? Bot sich zum Rasten nicht ein Haus?“ „Ach, nirgends, daß ich Herberg find’- Erwart’ ich doch mein Herzenskind!“ Ach, Mutter, komm zu uns herein! Wir bergen dich und’s Kindelein! Was glüht ob jenem Stall ein Stern? Weiß Gott, es kündet uns den Herrn! „Ein Kind geboren im Stalle ist! Es ist wahrhaft der heil’ge Christ!“ Maria, laß mit dir uns sein! Ja, beten an das Jesulein! 212,39 Heiliger Vater! Diesen Brief schreibe ich in der Gefängniszelle. Seit mehreren Wochen bin ich hier, ohne freilich zu wissen, was man mir zur Last legt(1. Petr. II, 19; 2. Tim. III, 12). Aberichweiß: Der Herr, der in seine weisen Pläne alles einbezieht, hat nicht ohne Grund mir diese Zeit der Stille und des Be- tens geschenkt. Froh nehme ich die mannigfachen Beschwerlichkeiten meiner Lage auf mich und suche die Zeit zu erkaufen(Eph. V, 16). Vielleicht hat Gott mir diese Tage auch dazu zu- gedacht, daß ich diesen Brief schreiben muß, zu dem ich mich vom Geist gedrängt fühle. Ich bin zwar abgeschnitten von der Außenwelt, vielleicht für lange Zeit. Aber als katholischer Mensch fühle ich mich deshalb nicht weniger ver- bunden mit allem Geschehen dieser Zeit. Ja, ich darf sagen, ich leide gerade jetzt die Leiden der ganzen Menschheit mehr mit denn in den Zeiten, da ich durch meine täglichen Sorgen allzuviel be- ansprucht war. Ich leide darunter, daß seit Monaten wieder die Völker an den Fronten widereinander stehen und gegenseitig auf ihr Verderben sinnen. Völker, die durchwegs die Botschaft Jesu Christi gepredigt er- hielten und sich fast alle zu Seinem Namen be- kennen... Ist ihnen das Christentum nur eine leere Phrase? Vielleicht nur eine Schaustellung am Sonntag? Oder sind sie rettungslos verkauft an die Mächte der Finsternis, die ihnen das Urteil 142 und di Kirche muß di ünd wi imGla setzen worder mehr< inerli Viellei Ien di Ordnu liebe Terlas: Dann Veltg: Vielle Gesch: fer R iher( Büro > Das y und 7 ängniszelle. ıne freilich 1. Petr. I], Herr, der , hat nicht ınd des Be- ınnigfachen mich und ; )). h dazu zu: 31 muß, zu le. Außenwelt katholischer yeniger ver it, Ja; 3 Leiden der den Zeiten. Ilzuviel be und die Freiheit des Handelns nehmen? Hat die Kirche keinen Einfluß auf das Weltgeschehen und muß dieses dem Spiel des Bösen überlassen? Oder sind wir Christen alle lässig geworden und schwach im Glauben, daß wir nicht mehr dessen bergever- setzende Kraft verspüren? Ist das Salz schal ge- worden und der Sauerteig fade, daß die Welt nicht mehr durch diese Kraft vor Fäulnis bewahrt und innerlich umgestaltet werden kann? Vielleicht liegt eine zwingende Logik im Gesche- hen dieser Tage. Wo das Gesetz der göttlichen Ordnung, die auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe das Zusammenleben der Menschen gründet, verlassen wird, gibt es nur Krieg und Untergang. Dann ist, was wir erleben, die Generalprobe des Weltgerichts. Vielleicht liegt auch eine Logik in den äußeren Geschehnissen. Ich habe dem hochseligen Vorgän- ser Eurer Heiligkeit aus der inneren Erregung über das klar vorausgesehene kommende Schicksal Europas vor sieben Jahren(1932) davon geschrie- ben, daß es die letzte Stunde sei, die Völker Euro- pas vor dem aufs neue beginnenden Wettrüsten und zu friedlicher Verständigung zurückzurufen, wenn nicht binnen kurzem die Katastrophe eines neuen Weltkrieges unabwendbar werden solle; ich habe die ungeheure Verantwortung der Kirche in jenen Tagen als meine persönliche Last gefühlt und mußte schreiben wider alle Hoffnung. Ob ein Aufstehen der ganzen bewußten Christenheit in 143 0 Bo jenen Tagen nicht noch das Unglück hätte ver- hüten können? Aber wo ist diese Christenheit? Sie kann nie ihre Stimme wirksam erheben, sie kann keinen bestim- menden Einfluß auf das Weltgeschehen ausüben zur Durchsetzung der ewigen Grundsätze unseres Herrn, weil- sie nicht eins ist. Christus kam, um Frieden zu stiften und in Sei- ner Person alle eins zu machen(Eph. II, 15), um alle dem„einen Leib“ einzugliedern und alles im Himmel und auf Erden zur Einheit zusammenzu- fassen(Eph. I, 10, K01.1,20). Sein Testament war (Joh. XVII), daß„alle eins‘ sein sollten, zunächst die Träger Seines Namens und Lebens, dann durch sie die ganze Welt. Und heute, nach 19 Jahrhun- derten, ist, wie die protestantische Missionskonfe- renz von Tambaram in Indien ergreifend klagte, die Christenheit den Heiden vielfach zum Gespött geworden, weil Hunderte von christlichen„‚Kir- chen“ widereinander streiten im Namen desselben „einen Herrn“(Eph. IV, 5), auf dessen Namen sie alle in„einer Taufe“ geheiligt sind. Ist das nicht Tragik und Schuld zugleich? Schuld aller, die die unseligen Spaltungen hervorgerufen haben- was zumeist nicht die Schuld einer Seite allein war- Schuld aller, die die Arme verschrän- ken wie gegenüber einem unabwendbaren Fatum, Schuld aller, die nicht unter Hintansetzung aller persönlichen Wünsche das Wirksame und Gottge- wollte tun, um die Spaltung zu überwinden. 144 . hätte ver- ınn nie ihre inen bestim- en ausüben- itze unseres und in Sei II, 15), um ınd alles im usammenzu- ‚tament wär en, zunächst dann durdı ]9 Jahrhun ssionskonfe- fend klagte um Gespött lichen„Bir ‚n desselben ‚sen Namen Heiliger Vater! Die Not der Zeit- und durch sie spricht Gott zu uns- verlangt gebieterisch die letzten Anstren- gungen, um die Zerrissenheit der christlichen Kirche zu überwinden, um das Friedensreich Christi wirk- sam zu machen in der ganzen Welt. Die Not der Zeit ist wohl gerade darum über uns gekommen und wird uns noch mehr demütigen, daß wir alle- samt endlich zu einer großen Metanoia gelangen, einer Umkehr von den Wegen der Selbstgerech- tigkeit, der Verblendung und des Stolzes, einer vollen Hinkehr zu Christus dem Friedensfürsten, dem König der Liebe. Ich weiß, daß gerade Ew. Heiligkeit unter der Zer- rissenheit- des Leibes Christi besonders leiden und daß Sie, ebenso wie Ihr hochseliger Vorgänger, zu allen persönlichen Opfern bereit wären, um die Christenheit wieder zur Einheit zu führen. Viel ist gewiß in diesen letzten Jahren schon geschehen zu diesem Zwecke. Der Erfolg war freilich bisher gering. Warum? Wollen es Ew. Heiligkeit mir nicht verübeln, wenn ich in aller Bescheidenheit, aber zugleich in voller Offenheit darlege, was nach meiner Einsicht bis- her die Einigung der Christenheit verhinderte und was darum wohl geschehen müßte, wenn der letzte Wille des Herrn der Verwirklichung nähergebracht werden soll, Gewiß werden Ew. Heiligkeit nicht einfach ablehnen, auch was ich vielleicht in Abwei- chung von der Meinung der Mehrheit zu vertreten 145 ae hl ui m 77 Bun ad DO ne wage. Das auf dem Spiel stehende Gut der heilı- A # gen Kirche, ja der ganzen Menschheit, ist wohl zu geile groß, als daß ohne wirkliche Prüfung abgewiesen oe werden dürfte, was ein, wenn auch unbedeutender ehe Bruder in Christo glaubt auf Drängen des Heiligen On Geistes aussprechen zu müssen. neh Bin ich auch nur ein einfacher Priester der heili- Chris! gen Kirche ohne Rang und Bedeutung, so glaube alaGe ich doch zur Beurteilung der vorliegenden Fragen nicht außer der fachlichen Vorbildung als Doktor der Es is 5 Theologie einige besondere Erfahrung mitzubrin- der\ gen dadurch, daß ich gewiß mehr als die meisten und. andern seit vielen Jahren enge Fühlung mit den das h ; von uns getrennten Christen aller Denominationen ende habe. So bin ich z.B. mit Wissen und Billigung Veh, des zuständigen Bischofs auf der Lausanner Welt- tsC kirchenkonferenz als katholischer Beobachter zu- rs gegen gewesen und habe dadurch Gelegenheit ge- mi habt, in persönlicher Aussprache mit Vertretern E, der verschiedensten kirchlichen Gemeinschaften des ; i Br ten} Westens und Ostens mein Urteil zu prüfen. Ich ;-: Dane habe seither diese Beziehung gepflegt und ver- lich :;\ e tieft. Mit zahlreichen Pastoren der deutschen, der h 3 ee Age: schweizer, dänischen, schwedischen, holländischen hei ; e: x, verke reformierten oder lutherischen Kirchen, mit vie-] 4 Ö h s er len Gliedern der anglikanischen sowie auch der alt- :% 5: lisch katholischen Kirche habe ich seit. vielen Jahren 18 3 5 h N enge, ja z. T. freundschaftliche Beziehungen. Ich= ; E; is habe 1938 eine lose„Bruderschaft UNA SANCTA“" begründet, in der Nichtkatholiken in erheblicher"a Zahl mit Gliedern unserer heiligen Kirche um die Ri Kath 146 Ir jer heilı- wohl zu zewiesen sutender Heiligen ler heili- ) glaube Fragen tor der itzubrin- meisten mit den nationen Billigung er Welt ‚hter zu nheit ge ortretern aften des fen. Id ind ver hen, der indischen mit vie: ‚ der alt- Jahren geD: ie ‚ned jebliche! g um de volle Verwirklichung der Einheit der Kirche gleich- zeitig beten. Daß ich dabei fest und klar auf dem Boden unserer heiligen römisch-katholischen Kirche stehe und der kirchlichen Obrigkeit mich in treuem Gehorsam verbunden fühle, brauche ich auf Grund meiner vieljährigen Tätigkeit als Generalleiter der Christkönigsgesellschaft vom Weißen Kreuz und alsGeneralsekretär der Christkönigskongresse wohl nicht erst zu beteuern. Es ist meine heilige Überzeugung, daß gegenüber der Vergangenheit ein vielfaches Maß von Demut und Liebe auf unserer Seite erforderlich ist, um das hohe Ziel, mit das größte, was eine weitschau- ende Reichgottespolitik erstreben kann, zu erreichen. Wahre Demut ist nicht nur Vorbedingung für Got- tesGnade(1.Petr. V, 5), sondern auch die Grund- voraussetzung dafür, das Mißtrauen und Vorurteil zu überwinden, das auf. der Gegenseite allen un- sernBemühungen zur/Wiedereinigung der getrenn- ten Kirchen im Wege steht. Auf Grund meiner ge- nauen Kenntnis der Mentalität in den außerkirch- lichen Kreisen darf ich wohl sagen, daß weit we- niger Glaubensdifferenzen als seelische Schwierig- keiten und religiöse Bedenken die Annäherung der anderenGemeinschaften an die römisch-katho- lische Kirche erschweren bzw. verhindern. Ich sehe es als einen Dienst an der Kirche an, diesen kri- tischen Stimmen in aller Form Ausdruck zu ver- leihen. Die Meinung gerade der Besten unter den nicht- katholischen Christen geht dahin, eine gewisse 10* 147 N ERR stolze Selbstgerechtigkeit auf unserer Seite ver- hindere, daß wir die Mängel und Unzulänglichkei- ten innerhalb unserer Kirche, die Sünden und Fehler, durch die wir die Spaltung mitverschuldet haben, offen zugeben mit der ehrlichen Bereit- schaft zu der Buße, die wir, wie sie meinen, im- mer nur von andern verlangen. Sie glauben aus dieser Tatsache schließen zu dürfen, daß der Hei- lige Geist nicht die Seele unserer Kirche sei, da sie, statt sich selbst zu richten(1. Kor. XI, 31), ein allzu strenges Richteramt ausübe, das letztlich nur dem Herrn selbst zustehe(Matth. XXIII, 9). Sie glauben nicht an die letzte Bereitschaft der Führer unserer Kirche, gleich dem Meister in De- mut zu dienen(Joh. XII, 14, Matth. XVIII, 2 u. XX, 26), sondern sehen in der Beanspruchung von Herrschaftsansprüchen, die nach ihrer Auffassung mit der evangelischen Einfachheit nicht vereinbar seien, Herrschsucht und allzu menschliches Gel- tungsbedürfnis. Sie finden die Art der Ausübung des heiligen Amtes in der Kirche oft nicht verein- bar mit der Mahnung des Apostels(1. Petr. V, 3) und mißtrauen daher diesem Amtgrundsätzlich. Sie glauben auch in der Auseinandersetzung mit den „Irrgläubigen“ mehr Rechthaberei und Geistesenge festzustellen als heiligen Eifer für die Wahrheit Gottes und berufen sich darauf, daß sie an man- chen, auch führenden Vertretern der Kirche eine vorschnelle Überheblichkeit und unbarmherzige Härte im Urteil glauben erfahren zu haben. 148 > Ich n keine einen der I tum| dis säßlii (ER aufG daß ı len h nerer den, aller seher diess Ausü fung ürtej inne Kirch von mün te ver- Jichkei- on und chuldet Bereit- en, Im- ‚en aus er Hei- sei, da al, etztlich III, 9). aft der in De- 1, 2 u: ng von fassung reinbar e$ Gel- ‚subung yerein- vw ich. Sie „it den tesenge ahrheit n man“ he ein? herzig® « } Ich mache mir diese Vorwürfe selbstverständlich keineswegs'zu eigen. Sie beruhen zum Teil auf einem Mißverstehen der heiligen Verantwortung der Hirten der-Kirche zur Wahrung des Deposi- tum fidei(1. Tim. VI, 20) und zu de:sen Verkün- digung(2."Tim. IV, 2), oft auch auf einer grund- sätlichen Leugnung des apostolischen Hirtenamtes (1..Petr. V, 2) der Bischöfe. Und doch will es mir auf Grund meiner vielfachen Erfahrungen scheinen, daß diese Leugnung zumeist nicht auf bösem Wil- len beruhe, sondern auf einem tiefergehenden in- neren Mißtrauen. Dieses aber ist nur zu überwin- den, wenn die berufenen Führer der Kirche in aller Demut und in ehrlicher Selbstprüfung zu- sehen, ob nicht doch auch allzumenschliche und diesseitige Regungen manchmal mitspielen bei der Ausübung und Verfechtung der kirchlichen Füh- rungsrechte. Nichts würde wirksamer diese Vor- -urteile aus der Welt schaffen und dadurch eine ‘innere Annäherung bei den von uns getrennten kirchlichen ‚Gemeinschaften vorbereiten als eine von innen heraus sichtbar werdende aufrichtig de- mütige Haltung aller Hirten der Kirche trotz und geradewegen der verantwortlichen Ausübung ihrer apostolischen Hirtenbriefe. Wer die innerkirchliche Entwicklung bei der von uns getrennten kirchlichen Gemeinschaften verfolgt, wird auch die folgende Feststellung anerkennen: Die- sicher ernsthaften und bedeutungsvollen- ‚ dogmatischen Differenzen spielenheute nicht mehr 149 die entscheidendste Rolle als H:ndernis der Wieder- vere.nigung. Viel stärker stehen geistige Haltun- gen gegeneinander; diese können aber durchaus nicht einfach mit„Wahrheit“ auf,der einen,„.Irr- tum“ auf der anderen Seite gleichgesetzt werden, da es sich oft um Spannungsgegensätze handelt, die in der Universalität der Una catholica alle ir- gendwie zu ihrem Recht kommen dürfen. Ich nenne etwa als solche Gegensatzfragen:Gottoder Mensch? Christus oder Kirche? Schrift oder Tradition? Gnade oder Aszese? Gesetz oder Freiheit? Recht oder Liebe? Form oder Geist? Evangelium oder Gesetzbuch? Moral oder Gesinnungspflege? Sakra- mentales oder Geist-Christentum? Volksfrömmig- keit oder höhere Gnosis? National- oder Welt- kirche? Die tatsächlichen Differenzen betreffen sodann viel stärker theologische Lehrmeinungen und Fra- gen der kirchlichen Disziplin als Fragen des Offen- barungsglaubens, bezüglich deren die Kirche als „Saule und Grundfeste der Wahrheit“(1. Tim. III, 15) Konzessionen zu machen außerstande wäre. Unzweifelhaft ist gerade bei der Auseinanderset- zung bei diesen irgendwie der Erörterung zugäng- lichen Fragen tiefe Demut und verstehenwollende gütige Liebe besonders vonnöten, um nicht starr an persönlichen Meinungen und geschichtlichen Entwicklungen haften zu bleiben, die, wenn sie vielleicht auch allzumenschlichen Empfindungen schmeicheln, doch im Heiligen Geist einer Über- prüfung fähig oder selbst bedürftig sind. 150 Auf| verse Kirel trenı Führ fen, ersch Lieb liger den (Joh z0ge sche) über Der Wen) der Krie eäse Aum, Erle Mer ord lich, sche Ein Ki zup auf ben Wieder- Haltun- Jurchaus >,„ÄIT- werden, handelt, ‚ alle ir- 'h nenne Mensch? adition? ;? Recht ım oder ? Sakra- rommig- Tr Welt- sodann ınd Fra- s Offen sche als Tim. II; je wäre: nderset- zugang” vollende cht start Ahtlichen yent sie ndungen or Über Auf Grund vielfacher persönlicher Aussprachen mit verschiedenen Persönlichkeiten außerhalb unserer Kirche darf ich wohl sagen: wenn die von uns ge- trennten Christen die Bereitschaft der kirchlichen Führung sehen, alles unvoreingenommen zu prü- jen, was um des Gewissens willen ihnen bedenklich erscheint, wenn sie gerade hier die Demut und Liebe verwirklicht finden, die bereit sind, den Hei- ligen Geist zu hören, auch wenn er einmal durch den andersgläubigen Bruder in Christo spricht (Joh. III, 8), wird eine innere Annäherung voll- zogenwerden, die vieles zusammenführt, washeute scheinbar unüberbrückbar ist. Demut und Liebe überwinden alles. Der gegenwärtige Zeitpunkt erscheint vielleicht weniger geeignet, die Frage der Wiedervereinigung der Christenheit einer Lösung näherzuführen. Der Krieg hat, wie es scheint, alles menschliche Inter- esse in Beschlag gelegt. Und doch ist diese Mei- nung, wie mir scheint, nicht richtig. Gerade das Erleben des unseligen Krieges ruft in unzähligen Menschen das Verlangen wach nach einer außer- ordentlichen Anstrengung zurRettung des mensch- lichen Geschlechts, nach einer Überwindung der scheinbaren Ohnmacht des Christentums in seinem Einfluß auf das Weltgeschehen. Wenn erst der Krieg die Völker der Welt in unabsehbarem Elend zurückgelassen haben wird, wird alle Welt warten auf eine große Parole der Rettung. Nur im Glau- ben wird gewagt werden können, was dann not- 151 tut. Schwachherzige und halbe Versuche werden von vornherein zum Scheitern verurteilt sein. Als die„Reformation“ in Deutschland sich zur un- seligenRevolution auswuchs, rief der Heilige Geist zu einem echten„Reformkonzil‘“in Trient auf. Die mehr als beredte Klage Hadrians VI. in der In- struktion an seinen Nuntius Chieregati zum Nürn- berger Reichstäg 1532 beweist klar, daß eine„Re- form an Haupt und Gliedern‘“ notwendig gewor- den war. Es war ein kühner und- demütiger Ge- danke der Päpste, zu diesem Konzil die„Prote- stanten“ selbst einzuladen, daß sie ihre gravamina selbst vorbringen und vertreten und selbst an der Erneuerung der Kirche tätig Anteil nehmen könn- ten. Leider ist-es nicht zur tatsächlichen Verwirk- lichung des großen und zweifellos am ehesten Er- folg versprechenden Planes gekommen. Die Gemü- ter waren noch zu sehr erhitzt. Man war- wohl auf beiden Seiten- noch nicht reif zu einer echt evangelischen Auseinandersetzung. Ob nicht heute die Zeit gekommen ist, diesen Versuch irgendwie zu wiederholen in großmütigem Vertrauen auf den Herrn, der Seine Hand über die Kirche hält? Gewiß wird dies nicht ohne weitgehende. Vorbe- reitung möglich sein. Es scheint mir, daß diese nicht aufgeschoben zu werden braucht. Ich könnte mir denken, daß Ew. Heiligkeit etwa zwölf Män- ner Ihres Vertrauens, anerkannte kirchliche Per- sönlichkeiten von bewährtem theol. Wissen, festem Glauben und zugleich entsprechender Geisteswelt, 192, } Demu den I Treni aufge im A führe mein: sollte mit: Jichk zweil Deut Länd hafte falle erste und nete Chri eine Run, Aus: aufn auch Ann keit Ne Sche m Ver werden In, zur un- se Geist uf. Die der In- ı Nürn- ne„Re- gewor- ser Ge- „Prote- vamına an der 1 könn- erwirk- ten Er- , Gemül- . wohl er echt jt heute ‚endwie auf den it? Vorbe f, dies konnte ıg Min he Per- ‚festem teswelt: _ erstes vertrauliches Gespräch Demut und Liebe, bestimmen könnten, zumeist den Ländern entstammend, in denen die kirchliche Trennung sich auswirkt und daher den dadurch aufgeworfenen Fragen innerlich nahe- die sodann im Auftrag Ew. Heiligkeit mit einer gleichen Zahl “führender Vertreter der getrennten kirchlichen Ge- meinschaften eine erste Fühlungnahme versuchen sollten.. Es müßte dabei mit größtem Bedacht und mit sorgfältiger Auswahl der geeigneten Persön- lichkeiten vorgegangen werden. Aber es würden zweifellos aus allen getrennten Gemeinschaften in Deutschland, England, Amerika, den nordischen Ländern sowie vor allem auch dem Orient ernst- hafte und wohlmeinende und dabei ins Gewicht fallende Persönlichkeiten zu finden sein, die ein beginnen könnten Vielleicht würde Assisi der geeig- wo der Geist des von allen verehrten Poverello und wollten. mete Ort dafür sein, Christen ohne Unterschied eine Atmosphäre des Friedens und der Versöh- nung begünstigen würde. Der Zweck dieser ersten Aussprachen müßte sein eine objektive Bestand- aufnahme. der tatsächlichen Schwierigkeiten sowie auch der offenbar werdenden Möglichkeiten der Annäherung. Die Gutachten der von Ew. Heilig- keit beauftragten Vertrauenspersonen müßten dann in einer von Ew. Heiligkeit zu bestellenden römi- schen Kommission eingehend bearbeitet werden, um so die Voraussetzungen zu schaffen für die Verwirklichung des großen Planes, der das Werk 153 - zu der von Gott gewollten Zeit- krönen würde: die Einberufung eines allgemeinen Konzils, das der neugeeinten Kirche das neue Gesicht zu geben berufen wäre. Ist es zu kühn, was ich Ew. Heiligkeit in aller Be- scheidenheit unterbreite? Ich weiß, daß es weit hinausgeht über das, was unmittelbar Aussicht auf Erfolg bietet. Aber es will mir scheinen, daß nur ein großes Wagnis des Glaubens, der Demut und der Liebe die Schicksalsfrage der Christenheit zur Lösung zu führen vermag. Die Kirchen- und Welt- geschichte wird dem Träger der Tiara, der dieses Werk großzügig einleitet und- vielleicht einem späteren, der es zu Ende führen darf, ein ehren- des Denkmal setzen. Nehmen Ew. Heiligkeit diese Zeilen mit gütigem Wohlwollen auf und halten Sie es meinem leiden- schaftlichen Verlangen nach dem großen Gut der Una sancta sowie der pax Christi in regno Christi zugute,wenn ich vielleicht nicht in allem dasrechte Wort fand. Ich mußte aber dem Drängen meines Gewissens entsprechen und meine Gedanken dem Stellvertreter des geliebten göttlichen Herrn und Königs in aller Ehrfurcht unterbreiten. Ich lege alles vertrauensvoll in die Hand Ew. Heiligkeit und bete, daß der Heilige Geist alles leiten und lenken möge zum Heil der armen Menschheit und 154 zur Ve König Gesd | würde: ls, das u geben ıller Be- es weit sicht auf daß nur nut und heit zur ıd Welt- r dieses t einem ı ehren- gütigem ‚ Jeiden- Gut der ) Christi „rechte meine ‚en dem rn und [ch lege ziligkeit l ten und hejt un! me re 2 zur vollen Verwirklichung des Reiches Christi des Königs. Ew. Heiligkeit bin ich in tiefster Ehrfurcht und kindlichem Ge- horsam ergebenster Dr. Max Josef Meßger Generalleiter der Christkönigs- gesellschaft v. W. K., Meitingen bei Augsburg. Geschrieben im Advent 1939 Den Brief„Gnade“ wollte Dr. Metger vielen Gefangenen zu- gänglich machen und ließ ihn deshalb sofort nach seiner Freilassung drucken, so daß er noch als Weihnachtsgeschenk durch die Gefängnisseelsorger in die Zellen seiner Mit- gefangenen kam. Gnade? Ein Brief in die Gefängniszelle von Br. Paulus Vielleicht bist Du verwundert, schüttelst am Ende gar den Kopf, wenn ich Dir mit dem Apostel Pau- lus(2 Kor. 6, 2) schreibe:„Gnadentage sind ge- kommen, Tage des Heils!“ Du denkst etwa: Der hat gut von Gnadenzeit re- den, der in der goldenen Freiheit draußen Tag für Tag die herrliche Sonne aufgehen sieht, indes ich in meiner düsteren Zelle... Gemach, mein Freund! Ich schreibe diesen Brief selbst in der Gefängniszelle, in der ich seit Wochen - es tut nichts zur Sache, warum!- Dein Schicksal teile. Ich weiß, was es heißt, wehrlos von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, hinter einem vergitterten Fensterchen zu sitzen lange. Tage und noch längere Nächte, aller Annehmlichkeiten des Lebens beraubt, auf ein hartes Lager angewiesen und auf kurze Kost gesetzt... Ich spüre das wohl am eigenen Leib. Und doch- glaubst Du mir, wenn ich Dir sage: Ich habe noch keine glücklicheren Tage in meinem Leben mitgemacht als diese? Wie ist dies möglich, frägst Du. Du meinst, das könne doch höchstens sein, wenn man ein ganz rei- nes Gewissen habe. Magst Du immerhin recht ha- 156 ben, vor sute) für e len ı leich Neir fühl bin lus| was Glaı im] Son reg] und Ger dem leih reic Der daß dar Dr; die alle Ab: We) gel genen zu: h seiner geschenk ıer Mit- n Ende | Pau- ind ge- zeit Te- 1 Tag ‚indes ı Brief Vochen hicksal yn der einem ge und en des ‚wiesed wohl 18 , wenn ‚cheren EEE TREE, ben, sagt doch der hl. Petrus schon(1 Petr. 3, 7) vor bald 1900 Jahren:„Besser, ihr leidet wegen guter als böser Tiaten!“ Aber ist’s nicht anderseits für einen Menschen schwer, unschuldig sich zu füh- len und doch der Freiheit beraubt, Wochen, viel- leicht Monate lang...? Nein, das ist’s nicht, was mich so froh macht.„Ich fühle mich zwar keiner Schuld bewußt, deshalb bin ich aber Ft nicht gerechtfertigt“, sagt Pau- lus(1 Kor. 4, 4). Nein, was mich froh macht und- ‘was Du auch wie ich haben könntest, das ist der Glaube an die weise Vorsehung des gütigen Vaters im Himmel, von dem die Schrift sagt, daß Er Seine ‘Sonne aufgehen lasse über Gute und Böse und regnen über Gerechte und Ungerechte(Mt. 5, 45) und daß ohne Semen Willen kein Haar von des Gerechten Haupt falle(Lk. 12, 7). Der Glaube, dem der Völkerapostel wunderbar Ausdruck ver- leiht, wenn er schreibt: ‚Denen, die Gott lieben, ge- reicht alles zum Besten‘(Röm. 8, 28). Der wahre Christ lebt aus diesem Glauben. Und daß ich aus diesem Glauben leben kann, daß ich darum so fröhlich bin, daß ich trotz aller äußeren Drangsal bisher noch nicht eine traurige Stunde in dieser vergitterten Zelle erlebt habe, ist das nicht allein schon eine große Gnade? Aber ich empfinde diesen Aufenthalt in der Zelle, wenn er auch ganz wider meinen Willen über mich gekommen ist und ich mich im ersten Augenblick sehr dagegen gewehrt habe, als eine wahre Gna- Iasse ı denfügung Gottes. Schon lange hatte ich das Be- sich v dürfnis, einmal in Stille und Zurückgezogenheit,„schul fernab aller menschlichen Geschäftigkeit, dem Tief- und ı sten in mir, meiner Seele und Gott, zu leben. Die Brust sroße Last der Arbeit, die mich draußen bedrückt, weiß hat mir noch immer die Verwirklichung meines ges. Planes unmöglich gemacht. So segensvoll es für Pläne meine Seele gewesen wäre, ich konnte mich nicht nen, losreißen. Da hat offenbar Gott selbst— alle Men- Liebs schen ‚sind Werkzeuge in Seiner Hand— mein wenn Schicksal in die Hand genommen und hat mir diese nieht „geistlichen Übungen“ diktiert. Und ich nüte sie einm mit Freuden, um mein Leben neu zu ordnen vor Dir Gottes allheiligem Angesicht. So hoffe ich, zu der Lim Stunde, die Gott bestimmt, seelisch erneuert und mal. für den Lebenskampf neu gestärkt wieder ins Le- denz ben hinaustreten zu können. einer „Gnadentage sind jetzt!“ Verstehst Du, daß es diese mich Glücklichen drängt, andere an meinem Segen Fein teilnehmen zu lassen, und daß ich Dir daher ge- sroß rade in der Gefängniszelle diesen Brief schreiben} Sin mußte? Darf Ich weiß nicht, wer Du bist und warum Du in der Pren Zelle sitzest. Vielleicht bist Du auch vorübergehend Da, in Polizeigewahrsam? Vielleicht in Untersuchungs- Wer haft? Schuldig oder unschuldig? Vielleicht büßest Vie] Du eine— kurze oder lange— Strafe ab für eine leich Gesetzesübertretung, vielleicht für eine schwere eine Übeltat? Ich weiß es nicht. Es kümmert mich auch und gar nicht. Als Christ richte ich nicht, sondern über- ich 158 ıre Gna- das Be- genheit, lem Tief- ben. Die yedrückt, , meines ] es für ich nicht ılle Men- — mein mir diese nüße sie Inen vor h, zu der uert und r ins Le- ‚dab& om Segen Jaher 8% schreiben Ju in der ergehend zuchung®‘ ht pühes! , für eine ® nich au ern über lasse das Richten Gott dem Herrn. Der Christ fühlt sich vor Gott dem Allheiligen immer irgendwie „schuldig“ und weiß sich daher dem Bruder nahe und verbunden, der gleich ihm vor Gott an die Brust schlägt:„Gott sei mir Sünder gnädig!“ Eines weiß ich als gläubiger Christ, daß Dein gegenwär- tiges Schicksal vom liebenden Gott in Seine weisen Pläne einbezogen ist und daß auch Dir gilt:„De nen, die Gott lieben, gereicht alles zum Besten!“ Liebst Du Gott? Ach, Du kannst Ihn ja nicht lieben, wenn Du Ihn nicht kennst. Und Du kannst Ihn nicht kennen, wenn Du Dir die Zeit nicht nimmst, einmal mit Ihm in Verbindung zu treten. Ob Er Dir diese Zeit unfreiwilliger Abschließung vom Lärm der Welt nicht geschickt hat, damit Du ein- mal Zeit findest für Deine Seele und Gott? Gna- denzeit? Vielleicht findest Du dann— etwa nach einem Leben der Gottesferne, die Dich gerade in diese Zelle führte?— zu Gott und Seiner Liebe heim und erfährst dann an Dir, daß Er in über- großer Weisheit in der Tat alles, selbst Deine Sünde, zum Besten lenkt? Darf ich Dir einmal als Schicksalsgenosse und Freund an die Hand gehen und Dir zeigen, wie Du diese Zeit der Gefangenschaft Dir zum Segen werden lassen kannst? Vielleicht bist Du bisher böse Wege gegangen. Hast leichtsinnig in den Tag hineingelebt, ohne recht einen„Sinn“ des Lebens zu wissen.(Denn Essen und Trinken, Tanzen und Kinobesuch können doch nicht„Sinn“ eines menschlichen Lebens sein, eben- 159 IN] IN sowenig wie das Stehen in der Tretmühle täg- licher Arbeit.) Oder Du hast wohl den Sinn Deines Lebens erkannt(— wie froh waren die Tage Dei- ner Unschuld...!—), bist aber dann der Verfüh- rung schlimmer Kamerad erlegen und hast Gott und Seine Wege verloren, bist schlecht geworden? Ich bin der Letzte, der den Stab über Dich bricht. Ich weiß um die Unberechenbarkeit des menusch- lichen Herzens— jedes menschlichen Herzens— und daß alle Möglichkeiten, zum Heiligen wie zum Teufel, irgendwie in jedes Menschen Brust liegen... Willst Du nicht diese Tage nützen, um einmal ernsthaft mit Gott ins reine zu kommen? Mutig (ja, es gehört Mut dazu!) Dir Rechenschaft zu ge- ben, wo es faul war und ist in Deinem Leben? Die alten Griechen schon sahen es als die höchste Weisheit an, sich selbst zu erkennen.„Erkenne Dich selbst!“ stand daher über dem Eingang des berühmten delphischen Tempels. Die meisten Men- schen gehen dieser Selbsterkenntnis feige aus dem zu beschämend für sie ist. Aber Wege, weil sie „Selbsterkenntnis ist der Anfang aller Besserung“. Willst Du nicht diesen Anfang machen? Jetzt hast Du Zeit. Mehr als Dir oft lieb ist! Die langen Nächte...! Sie wollen‘oft nicht zu Ende schen. Wenn aber in das Dunkel der Nacht ein milder Strahl des Mondes zum Fensterchen herein- fällt, denk: Gott leuchtet in Deine Seele! Er will Dich hellsichtig machen für Deinen Seelenzustand, damit Du Ordnung, gründliche Ordnung machen kannst! ühle täg- ın Deines| Tage Dei- r Verfüh- 1ast Gott worden? ch bricht. mensch-\ srzens—| wie zum n einmal n? Mutig| Jiegen... ‚ft zuge) eben? e. höchste „Erkenne gang des ‚ten Men- aus dem ist. Aber sgerung: y ist! Die zu Ende Nacht EM ‚n herein" ! Er will zustand. , machen Hab’ den Mut dazu! Gesteh’ Dirs nur ein, wo die Bruchstellen in Deinem Wesen liegen! Stell’ fest, wo es den Anfang genommen hat mit dem Nieder- gang, mit der Gottvergessenheit und all ihren schlimmen Folgen! Verheimliche es Dir nicht, wenn Dein Charakter in vielem nicht bestehen kann vor dem Gesetz des Staates, noch weniger vor dem Auge des allheiligen und allwissenden Gottes! Viel- leicht sind es dunkle Flecken in Deinem Leben, die Dich tief beschämen. Ich weiß es nicht und will es nicht wissen. Genug, wenn Du esDir eingestebst, wie Gott, der Allsehende, es weiß... Willst Du nicht unter Dein vergangenes Leben einen scharfen Abschlußstrich machen durch eine wahrhafte„Reue“? Das kann eine Reue sein, die wie Petrus in Tränen abzuwaschen sucht, was die Seele beschmutzt. Wahrlich, auch der Mann braucht sich solcher Tränen, geweint in der Stille seines Kämmerleins, nicht zu schämen. Aber nicht die (bei manchen sehr billigen) Tränen machen es, son- dern die innere Abkehr von allem Bösen, die in- nere Zuwendung zu Gott und Seiner Wahrheit, Ge- rechtigkeit und Güte. Wohl Dir, wenn Du nach manchen durchwachten Nächten innerlich umge- wandelt vor Gott treten kannst, Ihm zu bekennen: „Vater, ich habe gesündigt vor dem Himmel und vor Dir... ich bin nicht wert, Dein Kind zu hei- Ben...“(Lk. 15, 22). Du kennst die ergreifende Gleichniserzählung des Heilandes vom verlorenen Sohn. Sie wird an Dir wieder zur Wahrheit: Der Vater im Himmel kommt Dir auf halbem Weg 11 161 er entgegen, schließt Dich in Seine Arme und macht Dich wieder zu Seinem guten Kind! O selige Stunde, da dies geschieht! Gewiß, Du wirst deshalb noch nicht„‚frei“ von Deiner Strafe. Man kann die Folgen seines ver- gangenen Tuns nicht einfach abschütteln. Und auch Gott erspart sie troß aller Vaterliebe— einem nicht, läßt sie vielmehr oft schmerzlich fühlen, um dadurch das Leben von Grund auf zu-erneuern. So wirst Du zu Ende tragen müssen, was Du Dir zugezogen. Aber es wird einen anderen Charakter bekommen. Es wird eine ehrliche Buße und Ge- nugtuung sein, zu der Du innerlich„Ja“ sagst un.l die Dich darum läutert und zu einem neuen Men- schen umgestaltet. Wohl Dir, wenn es so ist! Wenn Du in ehrlicher„Gewissenserforschung“ Dich erkannt, in„Reue“ und„Vorsatz“ Dich umgestellt hast, dann drängt es Dich von selbst, auch durch ein ehrliches Bekenntnis die Last abzuschütteln, die auf Deiner Seele bisher drückte. Was für ein| feiner Seelenkenner ist doch Gott! Es könnte an sich ja wohl genügen, wenn jemand in der Stille seines Kämmerleins zu dem allgegenwärtigen Gott geht, Ihm zu„‚beichten“. Aber drängt es nicht den\ Menschen, was er sichtbar und vor Menschen ge- fehlt, auch sichtbar wegzubekennen, einem verste- henden Menschen von Fleisch und Blut, der- ver- schwiegen ist wie das Grab?(Das„Beichtgeheim- nis“ wird auch vom Staat geachtet. Und wo ein Staat es einmal nicht achtete, litt der Priester eher den Tod, als daß er dieses strenge Geheimnis preis- 2 4 a nd macht 0 selige rel von ines ver- Und auch — einem hlen, um . ; Du Dir harakter und Ge- agst und ıen Men- jst! ng“ Dich mgestellt ch durch hütteln, ; für ein innte al er Stille sen Gott icht den chen 8% n verste- u 1geheim" wo ein ‚ter eher is pre” 7ORZETZEERWERE F FFTUEER FETT ERREE TRRERTEFTTET gab. Vgl. Spillmann„Opfer des Beichtgeheimnis- ses“.) DieLossprechung durch den Priester an Got- tes Statt gibt Dir eine neue Freiheit und Sicher- heit der Seele. Sie ermöglicht Dir, zum Liebesmahl des Herrn hinzuzutreten, in dem er Dich an Sein gütiges Herz zieht, um Dir Seine väterliche Liebe zu schenken.(Ich weiß, was die hl. Kommunion be- deutet für einen Menschen, der lange, vielleicht seit der glücklichen ersten hl. Kommunion, nicht mehr zum hl. Mahle ging!) Freilich, mein Freund, all das wäre erst halbe Arbeit, wenn Dein Leben nicht für alle Zukunft wirklich neu geordnet würde. Hier heißt es nun mit klarem Bedacht neu aufbauen, ein„neues Le- ben“ begründen als echter„Christ“. Nicht wahr, wir wollen uns,keine Trugbilder vorgaukeln! Eine gefühlsmäßige Reue über die Fehliritte des ver- gangenen Lebens ändert noch nicht von Grund aus Dein Wesen. Und auch ein leichtgemachter Vor- satz tut es nicht—„gute Vorsätze“ sind oft nicht mehr als Pflastersteine auf dem Weg zur Hölle...! Du mußt einmal darüber ganz klar werden, wo die Ansatzstellen zum Bösen in Dir liegen, wo die Einbruchstellen des Teufels von außen sind. Dann erst kannst Du mit klarem Bedacht nach Deiner Möglichkeit wahrhaft Wandel schaffen. Ein guter Seelenbeobachter ist der Apostel Jako- bus. In seinem Brief(1, 14), schreibt er:„..-- Je- der wird von seiner eigenen Lust gereizt und ge- iockt. Hat die Lust empfangen, gebiert sie Sünde, die Sünde aber gebiert am Ende den Tod.“ In den EB 163 Tiefen(oder besser Untiefen) unseres Herzens lie- gen die Triebe, die Begierden und Lüste. Sie sind nicht in sich schlecht, hat sie doch Gott der Schöp- fer in die menschliche Natur mit gutem Bedacht hineingeschaffen. Aber seit der„Erbsünde“ s.nd sie nicht mehr in der„Ordnung“, die Gott ihnen bestimmt hat. Sie haben sich gleichsam selbständig gemacht, befreit von. der Herrschaft des könig- lichen Geistes, und widerstreben nun diesem, um auf e,gene Faust, zucht- und ordnungslos, ihre Be- friedigung zu finden. Kein Mensch ist von diesem inneren Zwiespalt ausgenommen. Wie klagt doch’ z. B. der große Apostel über das„andere Gesetz“ in seinen Gliedern, das dem höheren Gesetz des Geistes widerstrebt, so daß er unbegreiflicherweise oft sich gedrängt fühlt, gerade das zu tun, was eigentlich seine Seele verabscheut.(Röm. 7, 23.) Freilich, diese untergründigen Mächte vermögen nichts für sich allein. Erst wenn unser freier Wille sich mit der in uns liegenden Lust vereinigt, ent- steht das mißratene Kind, die„Sünde“, Zahlreich sind die Triebe und Lüste in uns. Die Hl. Schrift führt sie zurück auf drei Grundtriebe: „Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens“ (1 Joh. 2, 16). Die Sucht zu haben, zu genießen und zu glänzen— im Grunde steht hinter jeder Sünde etwas von dieser Sucht, die„böse“ wird, wenn sie nicht die Grenzen und Ordnungen ein- hält, die Gott ihr bestimmt hat. i Die Sucht zu„haben“! Ist’s Unrecht, wenn einer Geld und Gut besitzen will, wie er es braucht, um 164 zens lie- Sie sind - Bedacht e“ sınd t ihnen ständig könig- am, um hre Be- diesem st doch Gesetz" etz des erweise In, was 7.23.) rmögen r Wille , einel ht, un | sein Leben ordentlich zu führen, seine Lebens- aufgabe zu erfüllen, für Frau und Kinder zu sor- gen? Keineswegs! Im Gegenteil verdient der An- erkennung, der durch Fleiß und Sparsamkeit sich emporarbeitet, um seiner Familie entsprechenden Anteil an den Werten des Lebens zu schaffen und nach Möglichkeit auch anderen Gutes zu tun(Eph. 4, 28). Das Unrecht beginnt erst, wo jemand nicht zufrieden sein will mit dem, was er rechtmäßig erwerben kann und darum besitzen darf, wo er Geld und Gut zu seinem Götzen macht, dem er alles opfert, auch Redlichkeit und Ehrlichkeit, wo eı zu Lüge und Betrug und Gewalttat greift, um sich in den Besig der Dinge zu seen, nach denen sein neidischer und habsüchtiger Sinn giert. Die Sucht zu„genießen“! Ist denn Genuß Unrecht? Hat Gott uns quälen wollen, da Er unsere Sinne so empfindüngsfähig geschaffen hat? Im Gegenteil! Gott wollte, daß wir uns der wunderbaren Reize freuen, die Er in Seine herrliche Natur hinein- gelegt, daß wir die Schönheit der Berge und Tä- ler, der Meere und Flüsse auskosten, daß wir uns ergötzen an der Welt der Töne und Farben, daß wir mit Dank gegen den guten Schöpfer die un- erschöpfliche Mannigfaltigkeit all der feinen Düfte der Blumen und des eigenartigen Wohlgeschmacks seiner köstlichen Früchte empfinden. Ja, die Weis- heit des Schöpfers rechnete offenbar damit, daß eine„Lust“ die Menschen reizen sollte, gerade auch die Last und Beschwerde auf sich zu nehmen, die mit der Ehe, mit Geburt und Kindererziehung ver- 165 knüpft ist. Reich und schön ist das menschliche Le- ben, das aller gottgewollten Genüsse sich mit Dank segen den Schöpfer freut, um mit immer erneuter Spannkraft die Lebenspflichten recht zu erfüllen. Aber verkehrt das Leben, in dem der Genuß im Mittelpunkt steht, in dem nur Gott selbst stehen darf. Drastisch bezeichnet der Apostel diese Ent- ehrung allen Lebenssinns, wenn er von den Men- schen spricht,„deren Gott der Bauch“ ist(Phil. 3, 19). Die im Essen und Trinken ihren Lebens- inhalt sehen, die sich dem Rauschtrank ergeben, der ihnen das Edle und Feinmenschliche betäubt und auf niederen Rang herunterzieht, handeln die menschenwürdig? Oder solche, bei denen die Ge- schlechtslust das Leben beherrscht, in dem wohl die Lust gesucht, die damit verbundene Last aber verweigert wird, oder wo gar wider die Natur die Befriedigung gepflegt wird? Und die Lust zu„glänzen“! Ein gesunder„‚Ehr- geiz“, Freude am Schaffen und an der Leistung wie auch am Erfolg, ein Verlangen nach Achtung und gutem Ruf, wahrlich, das ist nicht gegen Got- tes Ordnung. Aber dieser falsche Geltungsdrang, der immer über sich selbst hinaus, sich mit erborg- ten Titeln zieren und mit falschen Hermelinen umhängen will, der hochmütig über jedes Gesetz sich hinwegsetzt, der mit Lüge und Gewalt andere hinter sich bringen, unterwerfen, beherrschen will, ist der nicht die Quelle von unzähligem Streit und Leid in der Welt?„Sünde“ ist er, weil„Götzen- 166 rer mei ser: und Ver das che Le- t Dank neuter füllen. uß im stehen ;e Ent- n Men- (Phil. ‚ebens- geben, yetäubt eln die lie Ge- 1 wohl st aber zur die .„Ehr- ejstung ‚chtung m bot sdrang: erborg nelinel Gesel2 andere en will, zit und Gotzen" dienst“ des eigenen Ich, das dazu berufen ist,„Gott allein die Ehre“ zu geben. Hast Du einmal Dir Klarheit geschafft über die in Dir wuchernden Triebe und Leidenschaften, so gib Dir auch Rechenschaft darüber, wo von außen Dei- nem Charakter Gefahr droht! Die geistlichen Leh- rer sprechen von der„nächsten Gelegenheit“ und meinen damit die äußeren Gegebenheiten, die uns, gerade uns, mit unserer besonderen Veranlagung und„Erbmasse“, immer wieder zu Gefahr und Verführung werden. Ist es ein bestimmtes Haus, das immer wieder der Ausgangspunkt Deines Fal- les wurde? Etwa ein Wirtshaus, wo der Alkohol Dich um Dein waches Gewissen betrog und in Dir die niederen Triebe freilegte? Oder eine bestimmte Arbeitsstellung, deren Versuchung Du einfach nicht gewachsen bist? Oder bestimmte Kameraden, die mit ihrer verantwortungslosen Verführung immer wieder über Dich Gewalt gewinnen? Wenn Dein„Vorsatz“ echt und ernst ist, so muß er hier sich vor allem bewähren.„Ist Dir etwas so lieb wie das Auge, aber eine Versuchung zur Sünde, reiß es aus und wirf es von Dir..„““‘mahnt Chri- stus(Mt. 5, 29) in zu Herzen gehender Eindring- lichkeit. Mach Ernst und verzichte mit eisernem Willensentschluß, unbekümmert darum, daß viel- leicht ein Spottwort eines leichtfertigen und ge- wissenlosen Kameraden Dich deshalb als„keig“ oder„schwach“ bezeichnet! Nein, das ist eben „Mut“, edle„Kraft“, sich nicht von Dingen und Menschen unterkriegen zu lassen, sondern mit ehr- licher Abschätzung der eigenen Kraft den Weg des Guten beherzt zu gehen. Ich sagte Dir schon: Die Triebe allein bedeuten nichts. Erst wenn der„Wille“ zu ihren unberech- tigten Wünschen„Ja“ sagt, ist dieSünde geschehen. Wenn aber der Wille selbst wie ein Hündlein ist, das den Trieben wie seinem Herrn nachläuft, dann freilich ist der Mensch verloren. Wie viele Men- schen sind freilich willensschwach, ja fast willen- los!„Sklaven“ der Sünde! Möchtest Du wirklich zu ihnen gehören? Möchtest Du nicht lieber ein „Freier“ sein, frei im besten Sinne des Worts, d. i. ein Mensch, der in königlicher Herrschaft über seinen Trieben und Leidenschaften steht? ‚ Dazu freilich bedarf es ununterbrochener opfer- voller Selbstzucht. Und vor allem ist Dir dazu von- nöten die„Kraft von oben“, die Dich über Deine eigene Schwäche hinweghebt, die Dir eine neue Willensmacht verleiht, die über Deine schwache Natur hinausgeht, die„über-natürlich“ ist. Woher kann sie kommen? Das eben ist die„Gnade“ Gottes, von der der Apo- stel sagt:„Alles vermag ich in der Kraft dessen, der mich stärkt“(Phil. 4, 13). Möchtest Du nicht auch so sagen können? Sieh, das eben ist die Gnadenzeit, von der ich Dir sprach, daß Du in der Stille dieser Tage Dich im- mer aufs neue und immer stärker in lebend.ge Verbindung setzest mit dem, der Dir helfen kann . 168 nit ehr- leg des ‚deuten berech- chehen. ein Ist, t, dann > Men- willen- ‚Jich zu er ein Worts, ft über opfer- zu VOn- Deine e neue hwache Woher r Apo- Jesse. 1 nicht ich Dir ‚ch im ‚endıge 1 kann zu einem neuen Leben, mit dem lebendigen Gott, der in Jesus Christus Dir brüderlich nahekam und Seinen Hl. Geist Dir allezeit anbietet. Diese Verbindung schafft und erhält Dir das„Ge- bet“. Das ist nicht ein schönes Wortemachen vor Gott, wozu Dir der Ausdruck fehlt. Das ist nichts anderes als ein gläubiges und vertrauendes Die- Hand-ausstrecken:„Herr, hilf mir! Ich komm’ allein nichtzu Rande!“„Herr, sei mir nah!“„Herr, verzeih mir!“„Herr, hilf mir weiter!“ Du wirst nicht gleich eine Antwort hören. Aber glaube es mir: Wenn Du aus der Tiefe Deiner Sehnsucht nach einem neuen Leben immer wieder hilfesuchend diesen Notruf zum Himmel schickst - er braucht nicht einmal in Worte gefaßt zu sein-, wenn Du immer wieder die Hand ausstreckst, einmal wirst Du verspüren, daß sich eine andere Hand in die Deine legt, weich und gütig und mäch- tig zugleich, die Hand des himmlischen Vaters. Dann beginnt Dein neues Leben. Ist’s nicht eine Gnadenzeit, wenn Du wieder beten lernst? Die elektrische Birne glüht nur, wenn sie durch Kon- takt in den Kreislauf des elektrischen Stroms ein- geschaltet ist. Auch Dein Leben ist nur lebendig im tiefsten und höchsten Sinn, wenn es in Kontakt kommt und bleibt mit dem lebendigen Gott, dem Urquell allen Lebens. Beten ist schön! Es erhebt uns über das kleine ver- gängliche Menschenleben, hinaus über Zeit und Raum in die„Ewigkeit“. Es macht den Menschen 169 X, “ frei, unabhängig von den Beschränkungen, denen sein Körper unterworfen ist, erfüllt die Seele mit großen Gedanken und Zielen und einem heiligen Leben, das lebenswerter ist als das bisher von Dir geführte. Beten macht reich! Es ist ja ein Sich-beschäftigen wit der Fülle allen Lebens, mit Gott und den ewi- gen Dingen. Es gibt Einblicke in die tiefsten Ge- heimnisse des Seins und Ausblicke in die weiteste Zukunft. Unerschöpflich ist der Reichtum, der sich da der Seele anbietet. Es gilt nur das Auge zu schärfen, den Sinn dafür zu entwickeln, so findet min einen ganz neuen, über alles Maß erhabenen und beglückenden Lebensinhalt. Beten ist leicht! Es braucht nicht vieler und schö- ner Worte, denn„‚der Vater weiß schon, wessen ihr bedürft, noch ehe ihr Ihn bittet“(Mt. 6, 8). Nötig ist nur Dein gläubiger Aufblick zum Himmel, das Vertrauen Deines Herzens. Beten ist überhaupt mehr ein Hören auf die in der Stille zu Dir spre- chende Stimme Gottes als einSprechen Deinerseits. Aber Du willst doch etwas sagen, wenn Du Gott nahst. Gut, so sprich das Gebet, das der göttliche Meister uns selbst gelehrt, das inhaltsreiche, herr- liche„„Vater unser!“ Aber nicht so, daß Du es her- unterplapperst, wie man es so oft hören kann, son- dern langsam und mit großem Bedacht! Christus hat dieses tiefe Gebet uns nicht gelehrt, daß wir es gedankenlos nachsagen und wiederholen, son- dern daß wir seinen Inhalt, seine Lebenseinstel- 170 lung nen unse] Fhre „sell ligen kom: unse wart und Mitr Banı ina von Wer Vat ser“ Abe nid het bra der her Sin Ira Di 1, denen eele mit heiligen von Dir häftigen den ewi- sten Ge- weiteste der sich Auge zu o findet habenen nd schö- ossen Ihr 3). Nötig mel, das ‚erhaupt Jir spre nerseißs- Du Gott göttliche he, heit“ „es her- ınn, soN- Christus daß wir len, sON" ‚seinstel lung uns zu eigen machen. So beten wir„im Na- men Jesu“, wenn wir von Herzen zu Gott„Vater unser“ sagen und Seinen hochheiligen Namen in Ehren halten; wenn es uns darum zu tun ist, daß „Sein Reich zu uns komme“; wenn wir Seinen hei- ligen Willen hier auf Erden erfüllen wollen so voll- kommen, wie er im Himmel erfüllt wird; wenn wir unser tägliches Brot mit Vertrauen von Ihm er- warten und mit Dank genießen; wenn wir gülig und nachsichtig zu werden trachten mit unseren Mitmenschen, so wie wir auf die Nachsicht und Barmherzigkeit Gottes angewiesen sind; wenn wir in allen Versuchungen des Lebens standhalten und von allem Übel der Sünde mit Gottes Gnade frei werden, um uns einmal des ewigen Lebens mit dem Vater erfreuen zu dürfen. Gibt dieses„Vater un- ser“ uns nicht für viele Nächte Stoff zum Denken? Aber Du meinst, Du seist kein„Denker“, seist nicht immer aufgelegt zum Nachdenken. Gut, so bete in schlafloser Nacht den„Rosenkranz“! Du brauchst dabei nicht an die einzelnen Worte zu denken, aber such’ Dir die Geheimnisse des Le- bens und‘ Sterbens Christi und Seines Sieges über Sünde und Tod gegenwärtig zu halten, deren Be- trachtung der Rosenkranz geweiht ist; sie haben Dir gewiß viel zu sagen. Oder ein anderes schönes und fruchtbares Gebet: Nimm Dir immer wieder der Reihe nach alle Men- schen vor, mit denen Du in Beziehung stehst, und denk an sie, wie ein„Christ“ ihrer vor Gott denkt. 171 Vielleicht hast Du manchen etwas still abzubitten. Tu’ es, Du wirst ein besserer Mensch dadurch! Viel- leicht hast Du Dank abzustatten? Danken ist ein Zeichen vornehmer Gesinnung. Manchmal denkst Du in Wehmut, vielleicht auch in Heimweh. In Gott werden auch die Fernsten nah! Segne sie mit Deinen Gedanken und Gebeten! Kein Auge sieht’s, kein Ohr hört's— doch, der ewige Vater, der..ins Verborgene sieht“, Er sieht und hört alles und seg- net Dich und alle, die Du gesegnet haben willst! Wie schön ist's, in stiller Nacht allen Lieben in Gott zu begegnen! Und wie macht’s Dein schein- bar jetzt so unfruchtbares Leben reich, wenn Du täglich andern Segen erbeten darfst! Gnadenzeit ist jetzt für Dich! Wenn ich Dir noch einen Rat geben darf: Greif zum„Buch der Bücher“ in diesen Tagen derS$elbst- besinnung! Wenn Du ernsthaft daran gehen willst, ein wirklicher„Christ“ zu werden, was liegt näher, als in die Schule der.‚Frohbotschaft“ Christi zu gehen und die herrlichen Bücher des„Neuen Te- staments“ zu lesen.(Vielleicht hast Du das köst- liche Buch noch nie zur Hand gehabt, so will ich gleich sagen, daß Du nicht erschrecken sollst: Es sind keine„Bücher‘‘ im landläufigen Sinn. Es ist ein einziges schmales Buch, das aus einzelnen„Bü- chern“, d.i. Teilen, besteht. Aber jeder, dieser Teile birgt mehr Inhalt als ein dickes Buch. Durch den kath. Gefängnisgeistlichen kannst Du Dir ohne- Schwierigkeit ein„Neues Testament“ oder wenig- stens ein„Evangelium“ erbitten.) 172 Nenn selbst nen 6 nit d borge Die h der g und 1 die„ geber druck so eu Manc ersch Weish henst Hier deren dem | ine ‚mt I Yung zubitten. ch! Viel- n ist ein ] denkst weh. In e sie mit a sieht's, der.„ins und seg- n willst! ieben in n scheit- venn Du re; Greif erSelbst- 1 willst, ot näher; hristi zu euen Te das köst- will ich ‚ollst: Bs n. Es Bt nen„Bi 7 diese! 4, Durd Dir ohne ‚y wenig‘ Wenn ich, w.e ich Dir sagte, in der Gefängniszelle selbst so froh bin, so hat das zum großen Teil sei- nen Grund darin, daß ich mich immer aufs neue mit den köstlichen Schätzen abgebe, die hier ver- borgen sind. Die hl. Evangelien sind das Köstlichste, was es in der ganzen Weltliteratur gibt, eın Schatz von Trost und Kraft ohnegleichen. Aber reizvoll ist es auch, die„Apostelgeschichte“ zu lesen, in der die hin- gebende Treue der ersten Zeugen Christi so ein- drucksvoll dargestellt ist. Und wenn es auch nicht so einfach ist, die Briefe der Apostel zu lesen, da manches sıch erst vieler nachhaltiger Bemühung erschließt, ein unerschöpflicher Schatz von Lebens- weisheit, von geistiger Kraft und wahrhaftem Le- benstrost tut sich einem hier auf, je länger und gieriger man darin gräbt. Ist’s nicht von beson- derem Reiz, daß einzelne dieser Briefe von Paulus, dem größten Chr.stusjünger aller Zeiten, im Ge- fängnis geschrieben sind? Wie nahe kommt er da- mit uns! Und schließlich die„Geheime Offenba- rung“! Ein Buch mit vielen Rätseln, keine Lek- “türe für oberflächliche Menschen! Aber was für ein befreiender Ausblick wird einem da geboten, “welche sieghafte ‚„‚Welt-Anschauung“ ohnegleıichen! Wann hätte man mehr Verständnis für das sehn- süchtige Verlangen des Liebesjüngers Jesu, mit dem erseingeheimnisvolles Buch beschließt: Komm, Herr Jesu!.Maranatha! 1 Kor. 16, 22. Bruder! Schwester! Wer immer Du bist! Laß mich es Dir wiederholen: Gnadenzeit ist jetzt für Dich! 173 Was der Prophet Isaias(55, 6) vor Tausenden von Jahren seinem Volke sagte, das ist auch uns bedeutet:„Suchet den Herrn, solange Er zu fin- den ist! Rufet Ihn an, solange Er nahe ist! Der Gottlose verlasse seinen Weg, der Frevler lasse ab von seinen Ränken und kehre zurück zum Herrn. Er wird sich seiner erbarmen. Unser Gott ist wil- lens zu verzeihen!“ Laßt uns wieder.„‚Christen“ werden im Vollsinn des Wortes, Christen, denen die hl. Taufe wahrhafte„Wiedergeburt“ zu„‚neuem Leben“ war. So ruft der Apostel(1 Kor. 5, 7—-8) uns zu:„Schafft hinaus den alten Sauerteig! Ein neuer seid ihr geworden! Unser Osterlamm Chri- stus ist geschlachtet worden. Drum laßt uns Fest- mahl halten, nicht mit dem alten Sauerteig, dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit dem ungesäuerten Brot der Lauterkeit und Wahrheit!“ Ist’s nicht- Gnade, wenn uns der Apo- stel(Eph. 5, 9) dann noch zurufen darf:„Einst ward ihr Finsternis, nun seid ihr Licht im Herrn! Wandelt als Kinder des Lichtes! Die Frucht des Lichtes ist lautere Güte, Gerechtigkeit und Wahr- heit.“ Am 4. Dezember 1939 Telegramm nach Berlin: „Frei Alleluja Paulus f“: 174 Br. Bisc iert übeı tere hatt Bric Dar Fes har Die I i To "ausenden auch uns 'r zu fin- ist! Der r lasse ab im Herrn. tt ist wil- Christen“ en, denen u„neuem 5,78) rteig! Ein uns F teig, , sondern rf;„Einst m Herm! rucht des nd Wahr: Chrı- 1 3. Gefangenschaft Br. Paulus erhoffte von dem ihm bekannten schwedischen Bischof Eidam von Upsala Friedensvermittlung bei den Alli- ierten, wenn Deutschland den Krieg verlieren würde und übergab deshalb einer Schwedin, die sich als angebliche In- teressentin für die Una Sancta sein Vertrauen erschlichen hatte— in Wirklichkeit aber Gestapobeamtin war— einen Brief zur persönlichen Weiterleitung an den Bischof. Daraufhin erfolgte Verhaftung, in Berlin und gleichzeitige Festnahme der beiden Schwestern Judith Maria und Bern- harda. Die endgültige Verhandlung am 14. 10. 43, in der seine Vriedensliebe Br. Paulus alsSchuld belastete, endete mit dem Todesurteil. Berlin, 6. 7. 1943 Prinz-Albrecht-Straße -.. Heute laßt mich nichts weiteres schreiben, nur so viel, daß Ihr Euch keine Sorgen machen mögt; ich bin nach wie vor getröstet. Ich kann auch hier ungestört beten, wenngleich die Kameraden es sich - anders denken. Ich bin seit heute in einem Gemeinschaftsraum mit 20 anderen zusammen. Das bringt natürlich manche Beschwerde mit sich(Rauchen!), aber auch etwas menschliche Ablenkung. Gott mit Euch! In Treuen ir Br. Paulus Während der noch dauernden Verhaftung von Sr. Judith Maria befand sich Sr. Gertrudis, Generaloberin der Christ- königsschwestern, einige Wochen in Berlin, um dort alle nötigen Schritte zu unternehmen, 8.7.43 Es war mir ein Geschenk, daß ich Euch beide(Sr. Gertrudis u. Sr. Inmgard) gestern sprechen konnte. Daß Sr. Judith Maria nıchv' dabei sein konnte, hat mir freilich das Herz etwas schwer gemacht. Doch bleibt uns allen ja nichts übrig, als sich in Gottes Hand zu geben. Er wird den Gefangenen die Frei- heit geben zu Seiner Stunde. Ich bete für alle un- ablässig zu Gott und weiß, daß Ihr es auch für mich tut,— ohne Euch um mich zu sorgen. Seid viel- mehr froh und getröstet, wie ich selbst! Soviel ich raten kann, nur das eine: Tut alles in Ruhe! Aber es wird sich gewiß alles bald aufklären, wenigstens “bzgl. der Schwestern. Bzgl. meiner müßt Ihr ja mit längerer Abwesenheit rechnen, so wie die Dinge halt liegen. Aber auch das wird in Gottes Plan sei- nen Sinn haben. Ich bin, wie ich sagte, jetzt in Gemeinschaftszelle. So gemischt das Publikum ist, so ist es doch or- dentliche Gemeinschaft. Man hat wenigstens die Möglichkeit einer Ablenkung. Freilich kostet es für einen Menschen, der zum erstenmal im Leben so mit andern zusammen ist, auch etwas. Aber auch darin finde ich Sinn. Ich habe in diesen Tagen viel betrachtet über den Hl. Geist(vgl. anymos im Griech., anima im Latein), Pneuma nennt Ihn die Schrift! Das heißt eigentlich Hauch, Odem, auch Wind. Es ist der warme Lebensodem, der aus dem 176 Inı siri Du de, Ih mi wi Sr. Judith der Christ- ı dort alle 8.7.43 jeide(Sr. n konnte. nnte, hat cht. Doch in Gottes die Frei- r alle un- ‚ für mich Seid viel- Soviel ich he! Aber ‚enigstens hrja mit lie Dinge Plan sei- ‚aftszelle- doch or- stens die tet e& für Leben 50 ‚ber auch agen sie ‚yı08 a t Ihn die em, auch ‚ gu8 dem 4 {nnersten Gottes kommt, man kann dafür auch die strömende Liebe sagen. Dieser Lebenshauch Got- tes erfüllt das All, wie der Psalmist sagt. In Ihm leben wir und bewegen wir uns, in Seiner Liebe! Durch Ihn werden wir auch untereinander verbun- den. Unser Lebenshauch ist ja auch von Ihm, in Ihm begegnen wir uns. Es war mir anfangs schwer, so die Luft der so ge- mischten Gemeinschaft zu atmen(Rauch!), aber es ist mir zum Bewußtsein gekommen, daß auch ge- rade das etwas von der Liebesgemeinschaft ist, die wir doch von Christus her besonders anstreben. Im Hauch, in dem wir alle von unserm Lebensinner- sten etwas nach außen geben, verbinden wir uns, ob wir wollen oder nicht, miteinander, alle, die die gleiche Luft atmen.(Ist nicht der Kuß das Be- streben, in der innigsten Weise sich gegenseitig am „Pneuma“, am Lebenshauch des andern, teilneh- men zu lassen?) So ist Gottes Wille, daß wir durch das wechselseitige Ein- und Ausatmen der gleichen Luft gleichsam ineinander übergehen... Gemein- schaft pflegen. Seit ich mir das zum Bewußtsein gebracht habe, stehe ich mit einer gewissen Freude — trotz natürlicher Hemmungen— in dieser Ge- meinschaftsverbundenheit... Mein Tageslauf ist etwa der folgende: 6 Uhr Auf- stand, Bettmachen, Waschen, Dienste(heute hatte ich—„Eimerdienst“..., doch machte es mir nichts aus um der Kameradschaft willen); dann bete ich bis zum Frühstück Brevier.(Kaffee mit Marmelade- oder Margarinebrot.) Dann feiere ich 177 12 für mich die memoria passionis Domini, so wie ich es anderen lehrte, und freue mich daran(ich ver- suche täglich, die Proprien des Tages in deutschem Choral zu bilden, natürlich ohne die anderen zu stören). Dann studiere ich Johannes griechisch- deutsch. Welch ein tiefer Genuß, wenn man das in Muße tun kann! Wenn ich zu müde bin, lese ich auch mal was Leichteres. Mittags ist Eintopf— gut ge- kocht, nicht versalzen!— Dann döse ich etwas, um dann wieder meine geistige Betätigung fortzuset- zen,bis ich müde bin und in einem Spiel(Pacience) mich etwas entspanne. Dazwischen gibt es auch 1/3 Std. Spaziergang im kleinen Garten; das tut wohl! 6 Uhr abends ist Nachttisch, dann noch etwas Entspannung, Gebet, dann geht’s zu Bett. Nun könnt Ihr Euch einen Begriff machen, wie es um mich steht. Zwischenhinein dann mal Einvernahme in:der Meineckestraße. Wenn Ihr es so einteilen könnt, daß Ihr Eure Sachen gerade zu der Zeit bringen könnt, so habt Ihr gelegentlich Aussicht, mich zu sehen oder auch zu sprechen, wenn Sachen zu ordnen sind. Die Kirschen waren fein; ich habe sie mit den Ka- meraden geteilt, so daß Ihr vielen eine Freude machtet. Sprechen oder sehen könnt Ihr mich nur auf der Dienststelle.— Nun befehle ich Euch alle Gottes Liebe und dem hl. Pneuma, in dem wir verbunden sind— ER segne Euch alle! In Treuen 7 Br. Paulus I eb ;o wie ich (ich ver- leutschem deren zu ‚riechisch- an das in ‚eich auch — gut ger stwas, UM fortzuset- Pacience) es auch ı das tut och etwas jett, Nun yie es UM yernahme einteilen der Zeit Aussicht, ıD Sachen ı den Ra B Freude y auf der und dem (dis: us y. Paul 1250.43 ...Mir geht es nach wie vor gut. Möchtet Ihr ebenso getröstet sein! Herzlichen Treugruß T Br. Paulus 22.1, 43 ... Zunächst vielen Dank für die liebevolle Für- sorge, die mir wohltut. Wenn Ihr Euch nur dabei selbst nichts entzieht! Ich bin jet so gut versorgt, daß ich mit Kameraden teilen kann, die von zu Hause nichts bekommen können. Aber ich habe mich auch sonst an das, übrigens schmackhaft ge- kochte Essen gewöhnt, daß ich von Euch nun gut geschmälert werden kann. Gebt lieber etwas Sr. Judith, falls sie noch darauf angewiesen ist. Das ist meine große Sorge und mein Kummer, daß ich andern bittere Stunden und Tage gebracht habe. Ich selbst bin froh und unbekümmert, da ich mein Schicksal ganz in Gottes Hand gegeben habe. Was sollte ich da fürchten?— Langeweile habe ich hier nie, da ich se viel Arbeit und Beschäftigung habe, daß der Tag kaum ausreicht. Meine Sorgen gehen dabei nicht zuletzt auf die Zukunft unseres Volkes; dafür zu leiden,bın ich gerne bereit,doch hoffe ich auch, dafür arbeiten zu können. Bitte, grüßt mir immer wieder alle die Meinen, ich muß es bei diesem einen Brief bewenden lassen, da mehr besonderer Erlaubnis bedarf. Laßt Euch alle herzlich grüßen und segnen von Eurem Eurer immer denkenden in Br. Paulus er\ 179 DIA Sr. Judith Maria weilte noch im Gefängnis, sie war etwa einen Monat in Gestapohaft am Alex. Sr. Bernharda war 9 Tage in Haft wegen Judenbetreuung. Nun bin ich einen Monat in Haft und habe keine Aussicht, so bald wieder zu Euch zu kommen. Ich trage mein Schicksal gefaßt und froh im Bewußt- sein, Volk und Vaterland gemäß meinem Gewissen gedient zu haben. Alles andere steht bei Gott. Er wird alles recht fügen. Seid nur unbesorgt. Wenn auch der Himmel mit Wolken verhängt ist, die Sonne geht wieder auf zu ihrer Zeit.— Deus providebit. Ich schriebe so gern den einzelnen,die mir geschrie- ben haben, allein ich brauche den einen Brief für die notwendigen Mitteilungen ans Piusstift, zumal ich nun längere Zeit niemand gesehen habe. Viel- leicht bittet Sr. Gertrudis wieder um die Erlaubnis. mich sprechen zu dürfen. ‚Wenn sie mal mit ihrer badischen Schwester”) kommen könnte!Grüßt indes alle, Meitingen, Freiburg usw.! Besonders alle in Berlin. Ihr dürft mir auch schreiben; ich weiß frei- lich nicht, ob es eine Beschränkung gibt. Ich bete für alle und segne sie. Mit großer Sorge hörte ich heute, daß Sr. Judith Maria erkrankt ist. Wenn ich nur helfen könnte! Ich muß alles der Vorsehung überlassen. Grüßt sie herzlichst! }st der Osservatore nicht mehr gekommen? Ich bin daran natürlich interessiert, da er alle kirch- lichen Nachrichten bringt._Herzlichen Treugruß!° r Br. Paulus *(gemeint ist Sr. Judith Maria) 180 An Sr Vie Is w sen\ erkr: aber schw Id: nisse jewe am] bzw. au 8 aber ter etwa a war keine 1. Ich wuht- vissen tt. Er Wenn Jonne debit. chrie- »f für zumal Viel- ubnis. ihreı indes lle in } frei» | bete fudith l ‚nnte- ‚ht gie Paulus An Sr. Judith Maria. Wie bin ich froh, daß ich Dich nun zu Hause weiß! Es war mir eine große Sorge und Beschwer in die- sen vergangenen Wochen, zumal ich hörte, dad Du erkrankt seist. Ich trage ja mein Los mit Geduld, aber daß andere um meinetwillen leiden, ist mir schwer. Nun sage ich: Gott sei Dank! Ich sprach heute mit dem Sekretariat des Gefäng- nisses, gestern auch mit dem Vorstand: Ihr könnt jeweil anfangs der Woche die Wäsche holen und am Ende nochmals kommen und beide Male W äsche bzw. und Lebensmittel mitbringen. Seid nur nicht zu ängstlich in diesen Dingen, auch wenn Ihr mal abgewiesen werden solltet. Warum sollte ich schlech- ter behandelt werden als die andern? Die Äpfel von Sr. Irmgard kamen größtenteils gut an. Vielen Dank! Sie schmecken gut. Wann werde ich wieder einen Beswch(zu zweit!) erhalten. Ihr müßt das mit Herrn Regierungsrat oder mit Herrn Bandow ausmachen; Herr Regie- 'he vielleicht nicht an- rungsrat wird nächste We wesend sein. Nur nicht zu zaghaft sein, auch wenn mal eine Bitte abgeschlagen werden muß. Was wird die Zukunft bringen? Gott schütze uns, wenn das Schicksal Hamburgs uns bereitet werden sollte! Wir wollen uns alle in(den Schutz Gottes befehlen. Herzlichen Treugruß! Ir Br. Paulus 181 5.8.43 Gestern habe ich Sr. Gertrudis und Sr. Judith per- sönlich sprechen dürfen. Ihr könnt Euch denken, wie ich mich freute, meine Leidenskollegin wie- dersehen zu dürfen... Wenn ich von„Leiden“ spreche, so müßt Ihr nicht meinen, daß es mir schlecht geht, im Gegenteil. Ich bin allzeit froh und innerlich_ruhig, wenn auch der Mangel an Freiheit natürlich etwas bedrückt und nicht alles nach Wunsch geht. Aber man hat keinen Grund zur Klage im hiesigen Gefängnis: die Behandlung ist gut, das Essen schmackhaft(ich verzichte auf das Fleisch und kann dies, da ich vom Piusstift Zuschuß erhalte und auch von auswärts schon$a- chen geschickt bekam), die Gesellschaft- wir sind 18- zwar sehr gemischt, aber doch eine„Gemein- schaft“, die aufeinander Rücksicht nimmt. Natür- lich hat man nicht gar viel Ruhe, aber die Ent- spannung der Aussprache und gelegentlich eines Mikadospiels tut gut. Meine Angelegenheit ist nun so weit geklärt, daß der Akt abgeschlossen wurde; so wird bald über mich eine Verfügung getroffen werden. Ich sehe dem mit Ruhe entgegen, da ich ein gutes Gewissen habe, insofern ich nur unserm Se zu dienen suchte, wenn auch nach eigener Verantwortung. Wir Christen haben ja den Glau- ben, daß die Vorsehung alles zum Guten führt- den„Liebenden“, sagt Paulus- das ist mein Trost; betet, daß ich zu den„Liebenden“ gerechnet werde und Gnade vor Gott finde. Einmal sehen wir uns wieder und freuen uns der Gemeinschaft, die nie 182 unte Gott im( den die mid alle Ber halt hall gen ster ser Nu 3.8.43 ith per- denken, in wie- Leiden“ es mir sit froh ngel an ht alles Grund ındlung hte auf usstift hon 9a- ir sind /emein- Natür- ie Ent- h eines jst nun wurde; troffen da ich unserm eigenel , Glau- führt* ‚ Trost; werde r 85 wi die nie un: unterbrochen wurde; wann und wie, das steht bei Gott. Nun danke ich allen, die meiner gedenken im Gebet oder inBriefen oderSendungen. Es wer- den bittere Dinge für uns alle zu durchleiden sein; die Sorge um die Zukunft unseres Volkes verläßt mich nie, natürlich auch nicht die Sorge um Euch alle! Besonders denke ich in diesen Tagen an die Berliner- nach Hamburg erwarten wir ja auch bald eine Schreckensnacht; aber wir bangen des- halb nicht. Berlin wird ja, wie Ihr in den Zeitun- gen gelesen habt, z. T. entvölkert werden, wenig- stens die Kinder sollen bewahrt werden für bes- sere Zeiten. Nun grüße ich Euch alle, wie ich jedes einzelne täglich vor Gott grüße und segne. Der Herr sei mit Euch! Pax vobiscum! ir Br. Paulus 19. 8. 43 Laßt mich Euch allen herzlich danken für Euer liebes Gedenken- ich kann nicht allen einzeln danken, die mir geschrieben haben oder etwas gesandt haben; alles hat mich erfreut- nicht zu- letzt für Euer tägliches Beten. Im Gedenken vor Gott begegnen wir uns täglichund empfinden trotz der äußeren Trennung tiefste Gemeinschaft. Wir wollen alle beten um tiefes Verstehen des heili- gen Gotteswillens und vollkommene Bereitschaft für ihn. Solche Gesinnung verbindet uns mit dem, zu dem wir„Abba“ sagen dürfen,und machtunsSei- 183 DTBREBE ER nes Geistes teilhaftig, so daß wir immer in unserm Beten wahre Erhörung finden. Wenn auch äußerlich abgeschnitten von der Welt und außerstande, selbst etwas Wirksames tun zu können, nehme ich an Not und Bedrängnis jedes einzelnen von Euch innig Anteil. Ich denke derer, die ihr Tauf- und Namensfest feiern, derer, die ihre Hingabe an den Kyrios erneuern, derer, die ein Liebes dem Herrn zurückgeben oder die in diesen Unheilzeiten opfern mußten, was ihnen teuer war. Wir stehen mit unserm Volke alle in schwerer Prüfung und können nur beten, daß wir sie bestehen in Tapferkeit des Herzens und frohem Gottvertrauen. Möchte diese Zeit unserem armen Volke zum Heil sein! Dann ist wenigstens nicht ver- geblich, was uns alle heute so sehrbedrängt! Es wer- den ja noch böse Tage kommen und zu bestehen sein, aber„„‚werim Schutz des Allerhöchsten steht..“ Ja, das ist auch mein Trost. Es ist mir leid, daß ich Euch Not und Sorge bereitet habe, aber ich tröste mich damit, daß ich nach bestem Gewissen mei- nem Volk und Vaterland zu dienen gesucht habe. Spätere Zeiten werden mich besser verstehen; es war ja immer mein Verhängnis, daß ich der Zeit etwas voraus war und daher nicht verstanden wer- den konnte. Es kann aber niemand seinen Auf- trag verleugnen. Bitte, versucht Ihr mich zu ver- stehen und erfleht mir weiter, was ich bisher, wohl auch auf Eure Fürbitte, geschenkt bekam: ein fro- hes Herz und innere Treue. Das schenke Euch allen gleicherweise der Herr! 184 Gottl ist zy schaft Stille Konz aber hat€ die| ja in brauı diese muß Wir men: bin, Gere kanı sein, Mur die' Lebe Chri sches I ınserm Gottlob kann ich sagen, daß es mir gut geht. Es ist zwar der Aufenthalt in einem großen Gemein- - Welt schaftsraum nicht dazu angetan, einen zu rechter m Stille und Sammlung gelangen zu lassen, selbst die ‚jedes Konzentration geistiger Art fällt einem schwer: deren aber die Zerstreuung dieses Gemeinschaftslebens Be hat doch auch wieder das Gute, daß man leichter zn die die lange Zeit überwindet-„Langeweile“ ist mir un ja immer fremd gewesen, aber für ernste Arbeit cn braucht man eben doch eine Spannkraft, die in le in diesen Verhältnissen nicht immer gegeben ist. Man Bm muß sich halt in alles zu schicken wissen. rohen Wir erwarten in Berlin auch schwere Tage. Nach armel menschlichem Ermessen ist die Zelle, in der ich htver- bin, verhältnismäßig gut geschützt durch das hohe iswer Gegenüber, das den engen Hof abschließt. Man stehen kann freilich nichts sagen. Sollte es Gottes Wille; eht. sein, daß wir uns nicht mehr sehen, so habe ich aß ich nur den einen Wunsch, daß Ihr alle dem Kyrios u die Treue wahrt bis zum Letzten und mit Eurem| : Ri Leben und Opfern zeugt und arbeitet für die„Pax ha i Christi in regno Christi“. ER muß als König herr- a schen in der Welt, dann widerfährt allen Heil.| r be: nwer- Ich grüße und segne Euch alle im Namen des ‚ Auf I Dreieinen. f“| Är Br. Paulus wobl| infro- 1 | Bud 21.8.43 .Ich las heute im Brevier aus dem Leben der ıl. Franziska. Aber das ist viel zu sehr entmensch- licht. Als ob Franziska von Jugend auf schon ge- habt hätte, was erst letztes Geschenk der Gnade ist in der Vollendung nach einem Leben des Stre- bens, des Ringens, Siegens und Unterliegens! Auch ihre Freundschaft mit F. ist zwar heilig und’ keusch, aber doch noch ganz und gar der menschlichen An- fechtung unterworfen. Ihre Liebe ist gewiß jung- fräulich, und rein und doch noch nicht so abge- klärt, wie es die Aszeten wünschen. Und auch Franz war trotz all seiner Geistesfreiheit nicht unberührt von dem Ewig-weiblichen- ist es doch Geseß des weisen Schöpfers, daß sich die beiden Geschlechter anziehen und, wenn auch nicht notwendig, in der sinnlichen Sphäre ausgleichen und befruchten. Ich finde das gerade so schön, daß eine solche Freund- schaft heiliger Menschen der Welt beweist, daß die göttliche Liebe, die sich schenkt, ohne etwas für sich zu erwarten, immer wieder Inkarnation findet- durch die Gnade Gottes, der sich hochher- zige Menschen erschließen. 186 „Je ständ! meine ken z melh« den. ders auch num Has( dank 8.43 ı der nsch- n ge nade Stre- Audcı sch, nAn- jung- abge- Franz ‚rührt 5 des schier n der n. Jch eund- . daß etwas yatioN chher- ... Ich kann von mir sagen, daß es mir den Um- ständen entsprechend gut geht. Es war immer meine besondere Gnade, mich leicht in alles schik- ken zu können- so bin ich, wenn auch nicht him- melhochjauchzend, so doch still gefaßt und zufrie- den. Es fehlt mir nichts als- die mir so beson- ders teure Freiheit. Zu Seiner Zeit wird sie mir auch wieder geschenkt. Indes denke ich: vere dig- num et justum est... tibi semper et ubique gra- tias agere! So bete ich täglich und feiere in Ge- danken Eucharistie mit Euch allen. In Treuen r Br. Paulus 26. 8.43 Wenn ich den Tag beginne mit dem Gedächtnis der heiligen Heilsgeheimnisse, so seid Ihr immer mit dabei im Memento der Lebenden, der„cir- cumstantes“. Das Wort hat mir ab und zu zu schaf- fen gemacht, weil es nur eine Erinnerung, aber keine Wirklichkeit schien;„‚eircumstantes“ sınd die den Altar ‚„‚Umstehenden“. Ich habe nach einer Übersetzung gesucht, die ausdrückt, was auch heute Wirklichkeit ist; jetzt sage ich„Nahestehende“. So können wir ja alle sagen, da es ausdrückt, was wir alle empfinden. Nahestehende sind im wört- lichen Sinn die den Altar mit mir Umstehenden, dann aber alle, die in Gemeinschaft mit Christus stehen und in Ihm einander tief verbunden sind. Wollen wir uns täglich neu bewußt werden, was es bedeutet, im Blute Christi gewaschen, zu neuem Leben gerufen zu sein,„Gemeinschaft“ zu pfle- gen„durch Christus und in Christus und mit Chri- stus“, Gemeinschaft der Liebe auf Erden, die sich fortsetzen und vollenden soll im andern Leben, da wir alle verlangen, mit Christus zu sein(Phil.], 23). In diesen Tagen, da jede Nacht das Ende die- ses Erdenlebens bringen kann- wir hatten ja jetzt allnächtlich Angriffe der Engländer- empfindet man ja die äußere Trennung besonders schmerz- lich; man möchte gern die Sorgen mit den„Nahe- stehenden“ teilen; aber andererseits ist es einem doch ein Trost zu wissen, daß desselben Vaters Hand über uns allen ist; in Ihm sind alle Räume überwunden. 188 Gott s wieder sondeı sem$ Ich la: Ins’ ar #, II, Tuch: Christ ließ 4) schen] Der I der„, 8.43 ächtnis immer r„el ı schaf- „ aber nd die einer ı heute ende“. st, was | wört- ‚enden, hristus n sind. n, was neuem " pfle- + Ohri- lie sich ben, da Phil. I; de die a jetzt pfindet ‚mer? „Nabe einem Vater Rum! Gott segne Euch! Das ist mein kurzes, aber ımmer wiederholtes Gebet untertags und nächtens, be- sonders in kritischen Stunden. Ich weiß, in die- sem Segensgedanken begegnen wir uns. Ich las in diesen Tagen den herrlichen Brief Pau- lus’ an die Philipper. Lest ihn bitte(besonders], 3 En 5£10,16,1V,2#, 16), so wißt Ihr, was ich Euch schreiben öchte, Die heilige Freude des„In- Christus-seins“, die Paulus immer wieder aufjubeln ließ in seinen Drangsalen, sie sei das Gnadeuge- schenk, das wir uns gegenseitig erbitten wollen. Der Friede Christi sei mit Euch! Möchte er auch der„Welt“ geschenkt werden! In-Treue Euch verbunden srüßt herzlich T Br. Paulus 29,8.43 Wie der Apostel sich rühmen darf, daß es ihm ge- geben war, sich in alles zu schicken(Eihal. DV 71). so darf ich auch für diese Gnade danken. Es sind heute zwei Monate, daß ich die Freiheit entbehre. Da muß ich-„semper et ubique“- danken, daß ich allzeit froh im Herrn sein durfte in all diesen Wochen. Ich danke es wohl auch Eurer Fürbitte, die Ihr mir auch künftig schenken wollt. In der heutigen Sonntagsepistel(1.Kor. XV) spr:cht der Apostel vom Feststehen im Glauben. Das ist gewiß die Gnade, um die wir alle besonders bit- ten müssen, die wir in einer Welt stehen, die dem Glauben entgegen ist. Noch nie im Leben habe ich es so empfunden wie hier, wie vereinsamt wir gläubige Christen doch. eigentlich in dieser„Welt“ stehen. Wenn ich an meine Umgebung denke, dann möchte ich mir vorkommen wie ein weltferner Idealist und Träu- mer, der in einer andern Welt lebt. Es ist gut so, daß man diese wirkliche„Welt“ erlebt und sich nicht verkapselt in einem Isolierraum- unsere Ge- meinschaft könnte einem als ein solcher vorkom- men im Vergleich mit der Umgebung, in der ich lebe- erst in solcher Bewährung erweist sich der Glaube als Gnade, die von Gott geschenkt ist zur Bewährung! Wenn ich von meiner Umwelt spreche, so denke ich dabei nicht einmal zuerst an den Vorsitzenden des Deutschen Freidenkerverbandes, der bis vor ein paar Tagen mein Bettnachbar war; 190 trotz( stande näher ter, d Kame wirkt Inıng Ja, ie mehr Getau heilig über urteil loren nur stand ter d Nein diese ang dern ganz um ı Was and daß sanz Schü Stu ich| des 9.9.43 hm ge- V, 1), is sind tbehre. n. daß diesen inbitte, spr.cht )as ist rs bit- ie dem sn wie ı doch ich an h mir Träu- ut 50, d sich re 6 rkom- er ich 'h der st zur reche, ‚ den ınde3, ‚ wal; Een trotz der weltanschaulichen Kluft, die uns trennte, standen wir uns doch in gegenseitiger Achtung näher als andere; ich fand in ihm einen Charak- ter, der vornehm und gerecht urteilte und gute Kameradschaft pflegte- ich möchte meinen, in ihm wirkt unbewußt etwas weiter von christlicher Erzie- hung vieler Jahrhunderte deutscher Geschichte. Ja, ich möchte irgendwie einen solchen Menschen mehr zur Gemeinde Christi rechnen als so viele Getaufte, deren Seele unberührt geblieben ist vom heiligen Pneuma Christi. Ich habe nicht das Recht, über das jenseitige Schicksal eines Menschen zu urteilen, Jedenfalls ist es mein Glaube, daß„ver- loren‘ im eigentlichen Sinn, zur„Hölle“ bestimmt nur ist, wer wider seine Gewissensüberzeugung stand. Wieviel„Christen“ sind da freilich schlech- ter daran als die„Heiden“. Nein, wenn ich mich geistig vereinsamt fühle in dieser„Gemeinschaft“(trotzdem ich glaube, mich an guter Kameradschaft mit allen von keinem an- dern übertreffen zu lassen), so deshalb, weil das ganze Denken und Leben fast aller Kameraden um die primitiven Dinge des Trieblebens kreist- was wir Christen nicht verwerfen, solange es sich an den Gesetzen des Schöpfers orientiert- und daß das Ethos des Evangeliums den allermeisten ganz fremd geworden ist. Ich las einmal das er- schütternde Buch des Amtsarztes Hoffmann in Stuttgart über den Geburtenrückgang- hier kann ich mich überzeugen, wie richtig er die Diagnose des tatsächlichen(sexual) ethischen Standes unse- 191 res Volkes stellt. Auch in unserem Volk ist eine sittliche Entwurzelung Tatsache geworden, vor der man erschauert. Und wenn ich nach den Gründen forsche, so sind es wohl vor allem zwei, wie ich ge- rade hier wieder feststellen kann: die geistige Leere, die nie das beglückende Erlebnis der Fro- hen Botschaft hatte, und die Verhaftung an den narkotischen Genuß. Die beiden Dinge hängen we- sentlich zusammen: dem Genußmenschen geht das Organ ab für die tiefen Freuden des„Geistes“, und anderseits führt die Inhalts-, Sinn- und Ziellosig- keit des Lebens ohne Glauben dazu, sich dem greif- baren Genuß zu ergeben und ihm alles zu opfern. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Be- obachtungen, die man bezügl. der„Rauchsklaverei“ machen kann. Es ist fast nicht zu glauben, wie „süchtig“ ‚die Menschen sind, die sich dem Nikotin ergeben haben. Alles wird geopfert, um etwas zum Rauchen zu bekommen, selbst wenn, wie heute, der Inhalt der Zigaretten alles andere als köstlich ge- nannt werden muß. An einem ähnlichen Ort wie hier- so berichten die Kameraden- werden für eine Zigarette Preise von 1 bis 5 Mark bezahlt! Da könnten wir ja reiche Leute werden, wenn wir Nichtraucher ein Geschäft machen wollten, was wir ja nun freilich grundsätzlich ablehnen. Immer- hin ist es mir hier.doch zum Bewußtsein gekom- men, daß man auch nicht zu sehr Prinzipienrei- terei treiben darf; im Vergleich zu allen anderen Dingen ist schließlich belanglos, wenn jemand, der nun mal keine tieferen Beweggründe des Lebens 192 Wo ist eine ‚ vor der Gründen ie ich ge- geistige der Fro- an den ngen We- seht das eu und /jellosig- >m greif- opfern. - die Be- Javerei” hen, wie Nikotin was zum ‚ute, der tlich ge Ort wie den für ahlt! Da enn wir en, Was Immer vekom” D. jpjenrel anderen and, der Leben? EEREEr hat, in diesen Zeiten sich mit einem solchen„Ge- nuß“ etwas über seine Not hinweghilft. Darum soll man auch nicht zu engherzig sein und in Got- tes Namen mit den uns gegebenen Vorräten da und dort eine Freude machen oder sich selbst bzw. der Gemeinschaft die Nahrungssorgen etwas er- leichtern. Wir selbst wollen froh sein, daß wir auch in diesen Dingen die Erkenntnis der Heilsgesetze Gottes’ haben und die Gnade, ihnen in Freiheit zu entsprechen. Wir wollen nicht pharisäisch urteilen über diejenigen, die anders denken oder handeln, aber wir freuen uns, daß wir durch die Freiheit von Narkotika und Genußgiften die natürlichen Voraussetzungen für das gottgesetzliche und christ- liche Leben uns gewahrt haben. Ja, ich habe in dieser„Welt“ meinen Glauben nicht bedroht gefunden, sondern erfuhr aufs neue ihn als Kraft und Gnade; je mehr ich über alles nachdenke, um so klarer wird mir wieder, daß im letzten Grund alles Leben sinnlos wird ohne ihn und alles einen letzten tiefen Sinn erhält von ihm. So bin ich meines Glaubens wieder neu froh ge- worden. Möchtet auch Ihr alle täglich daraus Kraft und Segen beziehen! Dominus vobiscum! ir Br. Paulus le ae nn a 1,9543 ...Ich bin natürlich in Sorge um Euch alle bei diesen schweren Angriffen. Möchtet Ihr nicht ver- suchen, nach schweren Angriffen das Reichssicher- heitshauptamt aufzuläuten, und das GeStaPo-Ge- fängnis verlangen mit der Bitte, mir Mitteilung zu machen, daß Ihr- so Gott will- wohlbehalten seid? Ich kann natürlich nicht garantieren, daß es Erfolg hat, aber wahrscheinlich schon; die Wachtmeister sind jetzt recht gefällig. Wenn Ihr den Anschluß hierher bekommt, so wißt Ihr auch schon, daß ich noch am Leben bin. ‘Wann werden wir uns wiedersehen? Für eine Be- suchserlaubnis mußt Du Herrn Bandow oder Dr. Roth aufläuten. Das Einfachste ist es, wenn H. B. Euch verständigt, wenn er sowieso hierher kommt, und Dich dann bestellt. Ich freue mich, Dich zu sehen! Gott mit Dir! nr Br. Paulus 194 1.9.43 alle bei cht ver- ıssicher- aPo-Ge- Jung zu ‚ehalten >n, daß on; die nn Ihr hr auch ine Be- der Dr. nH.B. kommt, Dich zu Paulus 7.9. 43 Die vergangenen Tage möchte ich nicht mehr mit- machen. Samstags nach dem großen Angriff wurde hier erzählt, am Wedding seien in der Müller- straße große Verheerungen angerichtet worden. Mine an Mine sei heruntergegangen, eine chemi- sche Fabrik am Gesundbrunnen sei schon getrof- fen(ich dachte an Schering bei uns). Ihr könnt Euch denken, wie ich mich um Euch sorgte und wie ich auf ein Lebenszeichen von Euch wartete! Da am Freitag niemand gekommen war, erwartete ich bestimmt Samstag, als dies umsonst war, Sonn- tag ein Lebenszeichen. Ich war sehr niedergeschla- gen und die ganze Nacht voller banger Gedanken, als dies ausblieb. Ich konnte mir keine plausible Erklärung geben, als daß Euch allen etwas ge- schehen ist. Ich war sehr erlöst, als Montag die Wäsche geholt und nachher von H. B. Eure Lie- besgabe gebracht wurde, wenn auch ein Besuch noch abgeschlagen wurde. Ich bin gottlob wohlauf. Wenn ich auch nur über Euch alle das gleiche erfahren könnte! Aber ich will keine Beruhigung, sondern die Wahrheit! (Die Schwester wurde ausgerechnet in diesen Tagen am Ge- fängnis mit der Wäsche etc. zurückgewiesen.) Mmenelß Heute, am 20. Jahrestag des Heimgangs unseres Br. Franz, habe ich einige Erinnerungen an den treuen Freund und Bruder niedergeschrieben. Euch, meine Geschwister, möchte ich heute auch ein Wort sagen: Unsere S. Ch. R. ist wie ohne Br. Gottwills so ohne Br. Franz nicht denkbar. Was der große Herold des Königtums Christi uns predigte und vorlebte, das hat kein anderer so treu in seinem Leben ge- hütet und so eindringlich uns allen weitergelehrt als Br. Franz. Die Herrscherrechte Christi im Le- ben des einzelnen bis zum Letzten zur Auswir- kung zu bringen, darauf kam es beiden Herolden unserer S. Ch. R. vor allem an, die soziale Aus- wirkung dieser Idee, die ich als meine besondere Berufung geltend zu machen hatte, war dabei bei- den durchaus Herzenssache gleich mir- in diesem Doppelziel war und ist die Aufgabe der$. Ch. R. ausgedrückt, die wir heute wie am ersten Tag der Gesellschaft leben. „Die Welt braucht Heilige!“ Das war der beson- dere Mahnruf von Br. Franz.„Heilige“- das sind nicht Menschen jenseits aller Menschlichkeit. Br. Franzhatte wieBr.Gottwills auch seine allzumensch- lichen Beschränkungen. Aber man spürte in ihm den„‚heiligen‘‘ Menschen, den, auf den Gott Seine Hand gelegt und der seinerseits mit aller Treue dem Ruf entsprach, den er- im„Gewissen“- als Gottes Stimme erkannte. Leidenschaftlich eiferte 196 les 7.9,43 unseres an den rieben. 'e auch ;o ohne Herold jrlebte, Jen ge- gelehrt im Le- Luswir- ‚rolden e Aus- ondere ‚ei bei- diesem Ch. R. Br. Franz für solches Heiligkeitsstreben. Am Ernst und an der Unerbittlichkeit seines Strebens ent- zündete sich auch der Geist zumal unserer jungen Schwesterngemeinschaft. „Die Welt braucht Heilige!“ Keine Mahnung ist so zeitgemäß wie diese. Nur durch„Heilige“, die den Alltag heiligen, wird unser Glaube glaubwür- dig für die Welt. Und daran, daß die Welt zum Glauben finde, hängt ihre Zukunft, ebenso wie die Bitternis der Gegenwart, unter der wir alle leiden, ihren Grund hat in der Entfernung vom leben- spendenden Geist Christi. Pax Christi in regno Christi! Ohne es zu wissen, ist dies das Wunschziel der ganzen Menschheit. Wir dienen dem Größten, das die Welt erwartet, wenn wir im Geist von Br. Franz jeden Tag heili- gen in treuem Glauben und opferfroher Nachfolge dessen, den wir HERRN heißen,„unsern“ Herrn und den Herrn der Welt. Ihm sei Ehre und Ruhm! In Ihm seid alle gesegnet von Eurem treuen ir Br. Paulus 4% The 1,17 u. II, 13! 10.943 Wie froh bin ich, daß wir(Sr. Judith Maria) uns gestern sprechen konnten. Wir wollen froh weiter alles in Seine Hand geben. Nun werde ich morgen dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Ich werde wahrscheinlich daraufhin nach Moabit kommen. Dort werde ich es wohl schwerer haben, da ich wahrscheinlich keine Le- bensmittelzubuße bekomme. Aber was andere tra- gen können, muß ich auch tragen können. Ihr werdet ja bald etwas erfahren. Gott mit Euch allen und mit Eurem je Br. Paulus Ab 11.9.43 in Untersuchungshaft„Strafanstalt Plötzensee“. Mit der Überführung nach Plötzensee war die Untersuchung abgeschlossen, ohne daß Br. Paulus zu einem Untersu- chungsrichter kam. Eine solche Vergewaltigung des Rechts war ihm unfaßbar. Härter wurde die Lage des Gefangenen. 198 10.9. 43 Fia) uns 1 weiter srichter raufhin bs wohl ine Le- ere tra- en. Ihr Paulus anstalt ‚suchung ntersu: Rechts PIERRE TED 3 01 Plötzensee, 14. 9. 43 Ich bin also nicht nach Moabit, sondern nach Plötzensee gekommen; es sollen die Häuser im Innern nicht so stark belegt werden. Ich bin in einer Zelle mit einem Radiotechniker aus Wien zusammen, ausgerechnet auch wieder einem Kon- fessionslosen, doch ist er sauber und ein Idealist, so daß wir gut zusammen fahren. Wir zertrennen gemeinsam alte Unterhosen- eine mir ja sehr fremde Tätigkeit, aber besser als keine. Leider habe ich Brevier und Meßbuch sowie Neues Te- stament noch nicht, doch bekomme ich es jeden- falls. Ich bin froh, daß ich auch bald den Besuch des Anstaltspfarrers bekomme; die Kirche scheint ja durch den Angriff zerstört zu sein, so daß meine Hoffnung gering ıst, zur hl. Messe kommen zu können. Wir werden ja sehen. Dem Untersuchungs- richter bin ich noch nicht vorgeführt worden, man muß halt Geduld üben- meine Spezialtugend. Bitte veranlaßt Dr. Holstein, daß er sich die Erlaubnis geben läßt, mich zu besuchen. Es ist natürlich hier noch viel schwerer als in der Prinz-Albrecht-Straße. Aber ich bin in Gott nach wie vor getröstet und guten Mutes. Ich denke weiter Euer aller vor Gott und weiß, daß wir uns da täglich begegnen. Seid in Ihm ge- segnet! i Ar Br. Paulus 199 30. 9.43 Gestern war es ein Vierteljahr, daß ich die äußere Freiheit entbehre. Wie Ihr wißt, bin ich seit 11. d.M. in Untersuchungshaft in Plötzensee, nicht weit vom Wedding. Ich hatte eigentlich nicht da- mit gerechnet, daß ich aus der Schutzhaft heraus- komme, doch habe ich mich in das„Schicksal“ hineingefunden; wir Gläubigen glauben ja an das „Schicksal“ als Fügung Dessen, ohne dessen Wol- len kein Haar von des Gerechten Haupt fällt. Äußerlich gesehen ging es in der Prinz-Albrecht- Straße leichter, aber die stille Einzelzelle hier tut mir wohl, ich„genieße“ die Stille als Offenba- rung. Gottlob liegt die Zelle auf der Sonnenseite mit Blick auf den Garten, auf dessen Bäumen Gottes Singvögel mir ‚Gesellschaft leisten im Lobe Gottes. Ihr könnt Euch denken, daß ich das täg- liche Opfer wohl sehr entbehre, und doch wieder kann ich sagen, daß ich in der tägl. stillen Feier der memoria passionis Jesu Christi, wie ich sie Euch lehrte, für meine Seele fand, was sie brauchte. Mehr eigentlich, ja richtig schmerzhaft entbehrte ich das Gotteswort der Schrift.*) Wohl ließ ich mir 200 täglich 5 Apost tung: = krL R der d > speist 7 Büche Neue: van, henge Thess ihn schrie i erfül A lange gen i © > Akn, i Wh Elhh ı Angel heit ich Vie ütq liche 2 3 1 = ).9.43 äußere eit 11. nicht ht da- 1eTauUs- icksal“ ın das ‚ Wol- fallt. jrecht- jer tut fenba- ‚nseite jumen ‚ Lobe s tg yieder Feier h sie uchte. hehrte ch mir täglich in der Feier der memoria ein Wort vom Apostel und eines vom Herrn selbst zur Betrach- tung sagen, aber ich spürte eben doch, daß ich aus der Lesung immer neuen Reichtum schöpfen sollte, der den langen Tag und die noch längeren Nächte speist. Welche Freude, als ich heute früh meine Bücher wieder bekam. Brevier(lat. u. deutsch) und Neues Testament(griech..u. deutsch). Das erste war, daß ich weiterlas, wo ich vor drei Wochen ste- hengeblieben war, im Briefe des Apostels an seine Thessaloniker, 2. u. 3. Kapitel. Eigentlich müßte ich nur abschreiben, was Paulus seiner Gemeinde schrieb, es sind die Gedanken, die auch mich ganz erfüllen. Besonders gilt dies natürlich von den Ge- fangenschaftsbriefen Pauli, dessen Namen zu tra- gen ich mir hier neu verdienen darf. Ich weiß wie er, daß auch ich getragen bin vom Gebet der Mei- nen, für das ich herzlich danke. Gott hat mir, ge- wiß auf Eure Fürsprache, das Herz froh erhalten. Ich habe Ihm alles anheimgestellt und mein Leben angeboten für den Frieden der Welt und die Ein- heit der Kirche, die beiden großen Anliegen, die mich, wie ihr wißt, so besonders stark bewegen. Wie ER nun will, soll es mir recht sein. Natürlich ist dieses„Abba“-sagen- der Inbegriff allen christ- lichen Glaubens, wie ich meine- nicht immer leicht, fordert täglich und stündlich die Kraft des Her- zens heraus, aber mitSeiner Gnade hoffe ich durch- zuhalten. Haltet weiter die Hände über mich wie Moses auf dem Berg! Gott sei mit Euch! Dieses Dominus vobiscum ist meine tägliche Fürbitte für 201 Euch, besonders auf dem halbstündigen Spazier- gang, auf dem ich jedem einzelnen von Euch mit diesem Segensgruß begegne. Und ich höre im Geist immer Eure Antwort:„ Et cum spiritu tuo!“ und ich fühle den Trost solcher Herzens- und Seelen- gemeinschaft, die durch nichts gestört werden kann, die nie abreißt. Bitte grüßt alle und jedes einzelne! Bin ich auch ohne Verantwortung rechtlicher-Art für Euch, so fühle ich die nie zu nehmende Verantwortung der Vaterschaft um so stärker. Seid alle eines Geistes in Ihm! Friede Euch allen! In Ihm Euch ganz verbunden Ip Br. Paulus *) Es mußte auch ein neuer Rechtsbeistand gesucht werden, da Dr. Holstein zum Volksgerichtshof nicht zugelassen wurde. Dr. Dix, Justizrat in Berlin, übernahm die Angelegenheit. Jede Verlegung hatte den Nachteil, daß alles, was zum Ge- brauch gestattet war, wieder eingezogen wurde. So mußte Br. Paulus nach der Verlegung nach Plötensee erneut um Brevier, Meßbuch, Hl. Schrift etc. bitten. Diese schriftliche Eingabe benötigte zumindest 8 Tage, bis sie rundgelaufen war. Auch die Benützung der eigenen Wäsche, die in der Prinz-Albrecht-Straße möglich war, fiel unter dieses Gesep. Nunmehr trug Br. Paulus Sträflingskleidung. 202 Für all alles lo Gruß a froh bi macht Mit de gottlol bekom m wa Ich ka auf ul nun d das eı derzei Betre Zwei ser T. vom' sein, dank, im ni und] 5. 10. 43 Für all Eure Liebe vielen Dank. Gott möge Euch alles lohnen! Der Besuch von Lydia freute mich als Gruß aus der Heimat, die mir so nahe kam. Ebenso froh bin ich um das Geschickte. Die eigene Wäsche macht einem doch wieder etwas zum Menschen! Mit der Verpflegung geht es mir jetzt auch besser, gottlob. Es gibt öfters noch„Nachkost“, d.h. man bekommt nochmals nach, wenn noch übrig ist. Dar- um war ich wiederholt froh. Ich kann gottlob von mir berichten, daß ich wohl- auf und guten Mutes bin. Ich bin so froh, daß ich nun das Brevier und das Meßbuch benützen kann; das entschädigt mich in etwa dafür, daß ich, beim derzeitigen Stand meines Verfahrens, auf geistliche Betreuung verzichten muß.| Zwei„Morgenpost“ von Euch erhielt ich auch die- ser Tage und die DAZ seit dem 1. 10. Ich bin froh, vom Weltgeschehen nicht mehr so abgeschnitten zu sein... Wie mag es Euch allen gehen? Meine Ge- danken besuchen Euch alle regelmäßig, vor allem im nächtlichen Gebet- es ist ja jetzt früh dunkel und bisher noch nie Licht in der Zelle. In Treuen Äl Br. Paulus PER EN Dieser Brief ging an die Generaloberin- Sr. Gertrudis: 10. 10. 43 Bis dieser Brief Dich erreicht, ist über mein Schick- sal entschieden. Ich habe gestern die Anklageschrift erhalten und beim Besuch des Anwalts erfahren, daß bereits Donnerstag der Termin sein soll. Ich darf über den Inhalt der Anklage nicht schreiben, aber Ihr wißt ohnehin, daß es beim Volksgerichts- hof um Leben und Tod geht. Wie immer das Ur- teil fällt, ich bin innerlich gefaßt und im Glauben voll Trost, zumal ich weiß, daß so viele meiner vor Gott gedenken. Ich weiß auch sicher, daß Ihr alle glaubt, daß mich keine unedlen Beweggründe ge- trieben haben bei dem, was mir zur Last gelegt wird, und daß Ihr mich nicht verachtet, auch wenn ich vor dem menschlichen Gericht, das sich mehr an äußere Tatbestände hält, schuldig befunden werden sollte. Ich habe aber noch immer die Hoffnung, daß das Gericht versuchen wird, auch meinen tat- sächlichen Absichten und Beweggründen gerecht zu werden. Dann ist mir nicht bange. Was mich in diesen Tagen trotz aller fühlbaren An- fechtung des Herzens innerlich froh macht, das ist in dem einen Wort gesagt:„Abba“- guter Vater! Das Wort hat es mir schon immer angetan. Es ist ein wunderbares Wort. Es besteht nur aus den zwei ersten Buchstaben des Alphäbetes, wie um auszudrücken, daß es hier um die elementarsten Dinge geht; es sind ja auch die Laute, die ein Kind natürlicherweise zuerst stammelt, wenn es den 204 Mund vorne| allem: heimm unter tete, a ersten nur di Abba- Weise von$ı sonst] ms um der U für di „Abb; berg, an mi gesche noch| Geist, Der R ben, z fen:: In fro diese, Uns kann, ser gı Seine Sind, TEN Mund auftun kann. Es liest sich das Wort von vorne nach hinten und umgekehrt gleich. Und vor allem: der Herr hat es gebraucht, wenn Er in ge- heimnisvoller Weise mit dem ewigen Vater sprach, unter dem nächtlichen Sternenhimmel, da Er be- tete, aber eigentlich mit jedem Herzschlag von der ‘ersten bis zur letzten Stunde Seines Lebens, das nur dazu da sein sollte, den hehren Willen des Abba-Vaters zu erfüllen. Der Herr muß es in einer Weise ausgesprochen haben, daß man dabei etwas von Seinem tiefsten Geheimnis spürte, nicht um- sonst braucht der Apostel, wenn er an das Geheim- nis unserer Gotteskindschaft rührt, dieses Wort in der Ursprache, wie es vom Herrn überliefert war, für den himmlischen Vater.- Der Herr hat zum „Abba“ gerufen in jener schweren Stunde am Öl- berg.„Abba, wenn es möglich ist, laß diesen Kelch an mir vorübergehen, doch nicht mein, Dein Wille geschehe!“ Und Sein letztes Wort im Sterben war noch ein„Abba, in Deine Hände gebe ich meinen Geist...“ Der Herr hat uns den Mut und die Sicherheit gege- ben, zu Seinem als unserm Abba sprechen zu dür- fen:„Vater unser“- Abba! lehrte Er uns ja rufen in frohen und trüben Stunden. Er sagte uns, daß dieser„Abba“„gut“ ist, ja„allein gut“, daß Er uns nahe ist, so nahe, wie uns nur jemand sein kann, ‚in dem wir uns bewegen und sind“. Ja, die- ser gute Vater denkt unser. Nichts geschieht ohne Seinen Willen- selbst die Haare unseres Hauptes sind von Ihm gezählt... 205 Ku En en Was für ein Trost liegt in diesem Glauben in so schweren Stunden der Prüfung, wie ich sie durch- lebe! Wahrlich, wir Kinder des Vaters haben nichts zu fürchten. Nichts kann geschehen, was uns nicht zum Segen würde, wenn wir es aus des Vaters Hand entgegennehmen. So bete ich auch, ich un- würdiger Knecht, mit dem Herrn tapferen Her- zens: Vater, wenn es möglich ist... aber nicht mein, Dein Wille geschehe! Ich habe Ihm, dem Va- ter, ja mein Leben angeboten für den Frieden der Welt und die Einheit der Kirche Christi. Ich wäre glücklich, wenn ich durch die Hingabe meines Le- bens dem wirksam dienen dürfte, was mein Leben ohne sichtbaren Erfolg anstrebte. Gute Schwester! Ich muß nun alle Sorge, auch und gerade die um meine so liebe Societas Christi Re- gis ganz in des Abba Hände geben. Aus ihnen empfängst Du Auftrag und Vollmacht, zu hüten und zu pflegen, was ich nicht mehr zu tun vermag. Ich vertraue Dir ganz. Was soll ich noch sagen? Schöneres weiß ich nicht, als was der Völkerapostel(in der Epistel der heutigen Messe!) aus der Gefangenschaft an die Seinen schreibt(wie so zeitnahe ist doch alles in der Schrift!-): Geschwister! Ich, der Gefangene im Herrn, bitte Euch: Wandelt würdig der Berufung, die Euch zu- teil geworden ist, in aller Demut und Sanftmut! 206 Seid o seid e ren d Geist, Hofft Taufe allen lobt v WE po cube mn De a u a ee en a urch- ichts nicht aters | UN- Her- nicht" n Va- FE n der wäre 3 Le- ‚eben ı und i Re- Ihnen yuten mag: nicht, | der 1 die [es in Seid geduldig und ertraget einander in der Liebe; seid eifrig bestrebt, die Einheit des Geistes zu wah- ren durch das Band des Friedens: ein Leib, ein Geist, wie Ihr ja auch in Eurer Berufung zu einer Hoffnung berufen seid: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alles und in uns allen, Er, hochge- lobt von Ewigkeitzu Ewigkeit. Amen.(Eph. IV, 1-6). Dominus vobiscum! Maranatha! Alleluja! f Br. Paulus Herr! Hast Du meiner denn vergessen? Bin ich der Sorge nimmer wert? Hab’ ich auf Dich vertraut allzu vermessen? Hast Du Dein Vateraug’ von mir gekehrt? Soll ich nun wehrlos preisgegeben Der grimmen Häscher Blutgier sein? Schon schwirrt ihr Pfeil! Soll nun mein Leben Am frühen Tag verloren sein? Du lächelst, Herr? Ich weiß, mein Glauben Ist klein und schwach, mein Auge blind. Nein, nimmer laß ich Dich mir rauben: Ich rufe gläubig Abba als Dein Kind. 13. 10. 43 ehe, Am 13. Oktober durften Sr. Gertrudis und Sr. Judith Maria Br. Paulus in Plötzensee nochmals sprechen. Er rechnete mit dem Besuch und war froh darum. Br. Paulus war recht bewegt, jedoch gefaßt. Erstaunt war er darüber, daß die Verhandlung öffentlich sein soll— bislang war alles großes Staatsgeheimnis—, im Stillen freute er sich, daß Geschwister anwesend sein konnten, um seine schwere Stunde mit durchzutragen. 14. Oktober 1943 Hauptverhandlung beim Volksgerichtshof Berlin unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Roland Freisler. ZUM TODE VERURTEILT! Domkapitular Dr. Hirt war als Abgesandter des H. H. Erz- bischofs Dr. Conrad Gröber von Freiburg i. Brsg. zugegen. Sr. Gertrudis und Sr. Judith Maria waren anwesend und durften Br. Paulus nach der Verhandlung im Volksgerichts- hof kurz sprechen. Sein Wort für die Geschwister war: „Nun ist es also geschehen. Ich bin ruhig. Ich habe mein Leben Gott angeboten für den Frieden der Welt und die Einheit der Kirche. Wenn Gott es annimmt, freue ich mich; wenn Er mir noch weiter das Leben schenkt, bin ich auch dankbar. Wie Gott will. Sagt allen Brüdern und Schwestern einen letz- ten Gruß und seid nicht traurig. Das Christkönigs- fest wird etwas schwer werden, aber singt trotzdem Alleluja. Und bleibt Eurem König Christus treu!“ 208 ; Maria echnete fentlich nis—, ıd sein 1. H. Erz ugegen. nd und serichts- den ersten a Ss n on keine on nabe eh hnen empfonsen Nur 9 R 1 Dicke Selten. ‚Schlechielt iefe, werden zu die Briefe inlegan,, keine Mat hiskarten. inxenen keinen dann nlle Beiriulieh ein- er R BET N. Marne gude Hl vage U in Kenergeerhem 7 aus Sa fe Hohn rn bl met an m Zuchthaus Be(Havel)-„Görgen f, dann« ch n Prief jr muß vorber Ss wenn Fıeiums ‚chlnu-beiliest den Unirchlax u schreiben. n%6.Al. 45 m nur beantno) nen.int stein auf onburg(H)--Görden, de) Le: ELSE) AE} Brande Winterfeldtallee 22 Hu den ch 7 en een BB U le BIER Na intameeni- RER, Luk Kae unse Pe om Zu hm: nl, de Auf Ne Kr BEI?= Mer Een EM ide[a Bere im Do\ i% = hp Mh Eh WER ENTE, u Te Mn en, An Aa PR HN nl : ne A ade s b) Me, a, Knlgebulh Im vd Y:; ee 2 lee N Mer len Am 19, Plötzens haben, tobte, u Am 2, legt, wi didaten, nion br Ein Sch „Es wi Geistlie für mo chen u Dieser worden 4 Am 19. Oktober durfte Sr. Judith Maria Br. Paulus in Plötzensee sprechen. Seine Haltung war gottfroh und er- haben. Die andere. Welt, gegen die der Richter so tobte, war spürbar. Am 22. Oktober wurde Br. Paulus nach Brandenburg ver- legt, wie alle vom Volksgerichtshof verurteilten Todeskan- didaten. Als H. Pfr. Buchholz in der Früh die hl. Kommu- nion bringen wollte, war die Zelle leer und stand offen. Ein Schicksalsgenosse schreibt von dieser Fahrt: „Es wird mir unvergeßlich bleiben, wie der katholische Geistliche mit uns das Vater unser betete. Ich hielt es nie für möglich, daß ich als Dissident jemals ein Gebet spre- chen würde.“ Dieser Postbeamte ist am selben Tag zum Tode verurteilt worden, wurde aber später begnadigt. \ Brandenburg, 24. 10. 43 Ich bin nun in Brandenburg-Görden seit Freitag. Es ist wohl die letzte Station, wieder etwas schwe- rer, aber Gott gibt mir Kraft und Gnade, froh zu allem Ja zu sagen. Was ich am meisten entbehre, "ist das Gotteswort. Wie glücklich seid Ihr, daß Euch das heilige Buch stets zur Verfügung ist! Nach vie- len Bemühungen gelang es Donnerstag endlich, ein Neues Testament zu erhalten, da kam Freitag die Verlegung. Und nun kämpfe ich halt wieder aufs neue*). Vielleicht kannst Du dem kath. Anstaltsgeistlichen für die hiesige Bibliothek noch zwei Exemplare verschaffen? Das würde mir vielleicht auch zugute kommen. Ich sprach ihn noch nicht, durfte heute auch nicht zum Gottesdienst, was ich gerade in meiner Lage bitter empfand. Ich habe eine saubere Zelle allein, mit schöner Aus- sicht auf den Wald vor dem Flugfeld, vor dem ich die Apparate aufsteigen sehe über die Dächer der kleinen Vorhäuser der Anstalt bezw. hinter den Häusern der Straße. Ich sehe auch Menschen auf der Straße und bin so nicht ganz von der Welt ab- geschnitten- was für Gedanken macht man sich in meiner Lage! Aber es ist gut, daß man hoch oben wohnt, da ist man dem Himmel nahe. Ob ich ihm nahe bin? Ich bin Gott sei Dank ganz gefaßt und frohen Mutes, so daß gestern der Beamte, der den Rundgang machte, sich verwunderte, daß ich so froh bin. Aber ein Kind Gottes hat ja nie Grund 210 trauri „vom verdie täglid atha“, Görde burg. idyllis ein gı Man| allem Einer besch de, d wund Gnad Und setar Mitte wohl ein 7 mög] Han. dazu Nicht ) N Nach} endg; 14 10.43 eitag. chwe- oh zu yehre, ‚Euch h vie- h, ein ıg die r aufs Jichen yplare ugute heute ‚de in EEE TEN EEE traurig zu sein. Und ich mühe mich darum, mich „vom Geiste Gottes treiben“ zu lassen und so zu verdienen, Kind Gotteszu heißen.„Abba“- istmein tägliches Beten, Abba, guter Vater, und„Maran- atha“.(Offb.) Görden liegt wohl eine Stunde(?) vor Branden- burg draußen; wenn die Flieger still sind, ist hier idyllische Ruhe und gute Luft. Froh bin ich um ein gutes Bett, das warm ist. ' Man ist für jede Wohltat besonders dankbar, vor allem auch, wenn einem gute Menschen begegnen. Einer meiner Kameraden, mit dem ich herauskam, beschämte mich geradezu durch seine heilige Freu- de, die er aus dem Glauben hat, geradezu zum Be- wundern. Betet weiter für mich, daß ich diese Gnade nicht verliere! Und nun Gott befohlen! Was Er tut, das ist wohl- getan! Singt mit mir aus dem Diözesangesangbuch: Mitten in dem Leben... und: Was Gott tut, das ist wohlgetan..., die es mir angetan haben! Was für ein Trost liegt in diesen beiden Liedern! Wenn es möglich wäre, müßten alle Kameraden das in die Hand bekommen. Vielleicht könnt Ihr mal später dazu helfen.- Grüßt alle herzlichst und vergeßt nicht Euren Euch im Leben und Tod verbundenen ir Br. Paulus *) Nach dem Todesurteil kam die Verlegung ins Todeshaus nach Plözensee. Wieder Entzug der Gebrauchsgegenstände und endgültige Einkleidung in Sträflingskleidung bis zum Tode. 2A 14* DE: Abba Das erste Wort, das Kindesstammeln lallt, das tiefste Wort, das Menschenmund je formt’, Du sprachst es, Herr, zum ew’gen Vater: Abba! Urtümlich, einfach, doch geheimnisschwer, So kündet schon sein Doppellaut ein Gleichnie: Des Lebens A ist auch sein O, sein Ziel; Das Leben fließt vom Ozean zum Meer, Eins ist des Stromes Mündung und sein Quell. Ein schmählich Gleichnis ist’s, was Menschen stam- Der Wahrheit, die in Gott ihr Sein erfüllt:[meln, Du und der Vater, Ihr seid ewig eins! Der Gottheit Ozean, der einer nur im Quell, dem Vater, und im Strom, dem Sohn. Der Gottheit unermeß’ne Lebensfülle ist wie dem Vater in dem Sohn Natur, Und heil’ge Liebe ihre ew’'ge Harmonie. Gott Vater ist, indem Er zeugt den Sohn, Das Wort der Liebe, das Er ewig spricht, Und ew’ge Antwort Seines Sohnes ist Das Abba, Vater, das die Liebe haucht. Als in der Zeiten Fülle Gott den Sohn Im Menschenfleisch zur Menschenerde sandte, War„Abba“ dieses Lebens erster Laut,* Und„Abba“, Vater, war Sein letztes Wort. Denn Abba Vaters Wille war Sein Leben, Und Abbas Liebe Seine Seligkeit. Der ew’gen Vaterliebe Wort war Fleisch! OÖ unerforschlich ewiges Geheimnis 212 Der\ Was i In Se In Ih Es ist Die( Wir: Was Du e Ein B gleich ner ıı wählt legen eines ich z Para. Vieto confı salut ec depr $üceı Ik Der Vaterliebe, die sich nie erschöpft. Was ist ihr Sinn? Daß alles Menschenfleisch In Seinen fleischgewordenen Sohn genommen, In Ihm der Sohnschaft Seligkeit gewonnen. Es ist nicht Traum, beglückend ist die Wahrheit, Die Gottes und der Menschen Sohn uns lehrt: Wir zeitverlornen Menschen dürfen sagen, Was ew’ges Vorrecht ew'gen Sohns einst war: Du ew’ger Gott, Gott Abba: Vater unser! 4.11.43 Ein Berliner Priester, Una Sancta-Mitglied, befand sich zur gleichen Zeit mit einer Zuchthausstrafe als politischer Gefange- ner in Brandenburg. Er war in der Bibliothek beschäftigt und wählte für Br. Paulus die Lektüre aus. Dazu legte er ge- legentlich einen Gruß. So schrieb er auf die Rückseite eines Spruchbildchens mit dem Text:„Wer siegt, dem will ich zu essen geben von dem Baume des Lebens, der im Paradiese meines Gottes steht“: Christus Victor, quia victima Sieger, weil Siegesopfer .... tu sequere me!(Augustinus) confratri... Du folge mir! salutem mentis Dem Mitbruder et corporis iugiter erbittet inständig deprecans CHS Heil für Leib und Seele sacerdos Berol. CHS, ein Berliner Priester. Acht Tage später kam es mit der Antwort zurück: „Den zwar dem Namen nach unbekannten, dem Verhalten nach aber vertrauten Mitbruder grüßt M.J.M.“ 213 12.11.43 ... Ich habe alle Wünsche Ihm geopfert, wie ich auch von Ihm jeden Tag meines Lebens als Ge- schenk empfange. Es wird die ganze Familie beru- higen zu wissen, daß ich durch Gottes Gnade- ge- wiß auf Grund Eurer Fürbitte- noch keine wirklich trübe Stunde gehabt habe, trotzdem das Herz- was für ein lebensfrohes und lebenshungriges!- na- türlich gegen den geistigen Willen aufbegehrt. Möchte der Herr mir bis zuletzt die Gnade der Treue schenken!- Ich erlebe auch in der einsamen Zelle manche Freude. So las ich jetzt mit viel in- nerer Frucht Guardini, Bekehrung des hl. Augusti- nus. Ich habe darum gebetet, daß Er mich durch diesesManresa auch so wandle wie der große Afri- kaner, dessen Herz auch so unruhig war wie das meine. Dann ist’s mir eine Freude, daß ich mit Er- laubnis der Behörde eine mich sehr beschäftigende geistige Arbeit machen darf. Und dann- denkt!- empfange ich tatsächlich ohne behördliche Besuchs- erlaubnis jetzt täglich Besuch am Zellenfenster, die Bergengruen’sche Meise ward mir von Gott und Euch als Bote gesandt. Wie daskam? Ich habe bisher 214 trotz( könne xis!- zunäc das 1 Schei schle« Fens! Vöge ist aı gewo etwa drän mad heit schal bin Dier aus Eud Nur trotz des Magenknurrensmich noch nichtentschließen können,meinen Vegetarismus- nach 28 Jahren Pra- xis!- leichthin aufzugeben.- So habe ich die Wurst zunächst zurückgelegt, um zu sehen, ob ich es ohne das Fleisch durchhalte. Dabei ist mir die erste Scheibe- die späteren gab ich ja dann zurück- schlecht geworden. So gab ich sie ratlos mal vors Fenster und lockte damit, nicht einmal bewußt, die Vögel, die ich so liebe. Ist das nicht fein?- Etwas ist auch meine musikalische Ader wieder lebendig geworden. Ich lege zwei Proben bei, die Euch wohl etwas besagen. Ich fühle mich viel zum Singen ge- drängt, um meinem drängenden Herzen Luft zu machen, natürlich kann es nur in aller Verhalten- heit geschehen!- Viel denke ich an die Gesell- schaft, der mein Herz bis zuletzt gehört.- Froh bin ich zu hören, daß Ihr treu und tapfer dient. Dienen ist der Sinn des christlichen Lebens, dienen aus Liebe! Müht Euch alle um diesen Segen für Euch wie für die andern! Nun seid herzlich gegrüßt und Gott befohlen von Euerm treuen ir Br. Paulus wg In Deinen guten Händen ruht meines Lebens Los. Die Todesdrangsal wenden mag Deine Allmacht bloß. So ruf’ aus Herzensgrunde zu Dir, ich, starker Gott! Mach, Herr, mein’ Seel’ gesunde! Errett” mich vor dem Tod! Kyrie eleison! Dem Vater blind vertrauen will ich sein gläubig Kind. Auf wen sollt ich sonst bauen, wo allum Feinde sind? OÖ treue Vaterliebe, halt über mich die Hand! Ja ohne Dich verbliebe mir keiner Hoffnung Pfand. Kyrie eleison! Die Lichter all ersterben. Schon ruht die grause Nacht. Sol] also ich verderben? Hält keiner ob mir Wacht? Die Sonne mag vergehen, es bleibt Dein ewig Licht, Mag alle Welt verwehen: Du, Herr, verläßt mich nicht. Vertont: Il: . Der Himmel ist Dein Heiligtum, . Du bist der VATER ursprungslos. . Nun singt und jubelt laut dem’ Herrn, Dir, großer Gott, sei Ruhm und Ehr! Dein Lob verkünden Land und Meer und alle Himmelsweiten. Die Sterne sind Dein Krongeschmeid, die Sonne ist Dein strahlend Kleid, Du, Herr, der Herrlichkeiten. die Erde ist Dein Eigentum, aus Deiner Hand entsprungen. Drum sei aus aller Menschenmund ein Dankeslied aus Herzensgrund Dir, Herre Gott, gesungen. DeinSOHNim Fleisch ward arm und bloß als Menschensohn geboren. Der GEIST versegt uns in Sein Reich, macht uns dem Gottesbruder gleich, aus Gnad’ und Huld erkoren. die Er erlöst, die, nah und fern, in Seinem Blut Er einte. In Seiner Liebe heil’gem Geist dem Vater durch den Sohn ihr preist, Sein’ heilige Gemeinde. % Niederschrift, die aus der Gefangenschaft gerettet wurde: 14. 11.43 Heute vor einem Monat stand ich vor dem Volks- gerichtshof. Wir waren sieben Mann, die wir in einer Wartezelle im Keller auf die Verhandlung uns vorbereiteten. Ein junger Franzose war dabei, derSohn eines protestantischen Predigers aus Mar- seille, der unzählige Male in seiner Todesangst jammerte und sich beruhigen ließ, daß seine Sache wohl nicht so schlimm sei und nicht mit dem Tode bestraft werde, wie er sicher erwartete. Er hielt sich vor allem an mich, den katholischen Bruder, mit dem er im Herrn Verbundenheit fühlte. Der ‚Reihe nach kamen die einzelnen von der Verhand- lung mit gefesselten Händen, dem Zeichen des To- desurteils. Der einzige, der diesem Bluturteil ent- ging, war der junge Franzose.. Ich sollte um 11 Uhr mit meiner Verhandlung dran kommen. Tatsächlich wurde es halb 4 Uhr nachmittags. Die Zeit der Erwartung war eine rechte Nervenprobe. Ich war aber verhältnismäßig ganz ruhig und gefaßt. Als ich die Anklageschrift erhielt, die ruhig und sachlich abgefaßt war, hatte ich noch Hoffnung auf ein Gericht, das mit dem Wortsinn etwas zu tun hat. Als aber dann der An- walt kam und mir sagte, daß die Hauptverhand- lung schon in ein paar Tagen wäre, da spürte ich, daß die Würfel bereits gefallen waren. In jener Nacht habe ich dann im voraus mit meinem Her- 218 = zen d meine gesagt zitterı entsch sonde Leber Welt wollt Aber auch sagen schen ich ei Der. „raul daß. führ mich men] beso must den keit früh ich, Die fung geh; um wı dlung 4 Uhr eine nabıg chrift hatte dem r Au- hand- eich, jene! Her- ‚zen das durchlitten, was zu durchleiden war in meiner Ölbergsstunde. Ich habe dem Vater auch gesagt„Wenn es möglich ist...“ Aber ich habe zitternden Herzens und doch klar und fest und entschlossen hinzufügen können das„Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“ Ich hatte ja mein Leben dem Herm angeboten für den Frieden der Welt und die Einheit der Kirche Christi. Und ich wollte das Angebot nicht mehr zurücknehmen. Aber doch’ glaubte ich wie der Herr selbst, der auch seines Opfers für die Menschheit sicher war, sagen zu dürfen, wozu es eben die Natur des Men- schen- und eines so lebenshungrigen Menschen wie ich einer bin!- drängt. Der Anwalt hatte mich darauf vorbereitet, daß ein .„rauher Ton“ herrsche beim Volksgerichtshof und daß Freisler ein äußerst gewandter Verhandlungs- führer sei. Ich war auf alles gefaßt und bereitete mich darauf vor, nach Möglichkeit in einer zusam- menhängenden Darlegung mich zu verteidigen, ins- besondere die Beweggründe meines Handelns klar- zustellen. Durfte ich das und war noch etwas in den Gerichtsherren vorhanden von der Menschlich- keit und Rechtlichkeit, die das deutsche Gericht in früheren Zeiten ausgezeichnet hat, so durfte ich sicher hoffen, wenigstens das Leben zu reiten. Die Verhandlung ließ mir schon nach der Einlei- tung keinen Zweifel mehr, daß hier nicht„‚Gericht“ gehalten wurde, um„Recht“ zu suchen, sondern um in einem Schauprozeß Eindruck au zu machen. So war ich mir bald klar darüber, daß £ das Volk 219 BEP alle menschliche Hoffnung umsonst sei. Gleichwohl fühlte ich mich verpflichtet zu tun, was in meinen Kräften stand, um- sozusagen vor der Geschichte- das Recht herauszustellen,auch wenn es nicht aner- kannt wurde in diesem Kreis. Ich hatte so güt wie keine Befangenheit vor dem großen Zuhörerkreis, im Gegenteil. Wenn ich sicher gewesen wäre, daß- auch nach dem Urteilsspruch- keinerlei Hoffnung für mich bestanden hätte, so hätte ich die Gelegen- heit benützt, um frei heraus all das zu sagen, was eigentlich vor der Öffentlichkeit gesagt werden müßte. So fühlte ich mich doch‘verpflichtet, nicht zuletzt aus Rücksicht auf meine Gesellschaft, mich soweit zurückzuhalten, daß ich der Entscheidung über mich nicht schaden konnte. Die Entscheidung war gefallen, bevor ich mich rechtfertigen konnte. Es raste die See und wollte ihr Opfer haben. Es überkam mich ein Gefühl stolzer Verachtung, als ich das Todesurteil hörte. Ich wußte, daß es keine Schande, sondern eine Ehre war, von einem solchen Gericht„‚ehrlos“ erklärt zu werden. Ich mußte mich beherrschen, um dem Gefühl nicht im Mienenspiel stärker Ausdruck zu geben, als ich es ohnehin tat. Ich war in keiner Weise getroffen durch das Urteil. Ich hatte in der kurzen Zeit, die die Richter zur „Findung“ des Urteils brauchten, für sie gebetet, daß sie als Werkzeuge Gottes handeln möchten, wie es zur Verherrlichung Gottes diene. Und ich war, nachdem so viele für mich gebetet hatten, über- zeugt, daß das, was geschehe, jedenfalls so in Got- 220 tes Wi verlar suchte nicht sie mi an de sie nd war@ bei d burg, ich di konn der b her z in di Gnad Wod Als ı mich mich habe letzt leger m R geist schli muß nehn die] inp $pür hwohl einen ichte- aner- ıt wie ‚kreis, daß- fnung legen- 1, Was erden nicht mich jdung idung jnnte. 1tung; ab es inem 1. Ih ht im ich es offen r zur hetel, n,wie wall, über Got tes Willen liege und daher mein rückhaltloses„Ja“ verlange, das ich zu geben bereit war. Mein Auge suchte nur immer die beiden guten Schwestern, nicht um bei ihnen Hilfe zu suchen, sondern weil sie mir leid taten, die gewiß schwerer fast als ich an der Sache trugen. Es war mir eine große Freude, sie nach dem Urteil noch sprechen zu dürfen. Es war gewiß eine Gnade, daß in dieser Begegnung, bei der auch der Domkapitular Dr. Hirt von Frei- burg, der Vertreter des Erzbischofs, zugegen war, ich derjenige war, der den andern Trost spenden konnte. Der- sehr menschenfreundliche- Beamte, der bei der Unterredung zugegen war, meinte nach- her zu mir, er habe sich wundern müssen, was ich in diesem Augenblick habe sagen können. Es war Gnade, die ich auch behielt in den kommenden Wochen. Als ich am Abend in meine Zelle kam, habe ich mich niedergekniet und habe Gott gedankt, daß Er mich so in die Jüngerschaft Christi hineingezogen habe und Ihn gebeten, mir das starke Herz bis zu- letzt zu wahren. Ich konnte mich ruhig ins Bett legen. Aber die sehr beengenden Fesseln, die ich im Bett tragen mußte, in Zusammenhang mit der geistigen Überanstrengung des Tages brachten mir schließlich solche Herzbeschwerden, daß ich lauten mußte, um mir für kurze Zeit die Fesseln ab- nehmen zu lassen, damit ich durch Entspannung die Herzkraft wieder zurückgewinne. Die Beamten in Plötzensee, die durchwegs ihr Mitgefühl mit mir spüren ließen, waren so rücksichtsvoll dem Rech- 221 nk nung zu tragen, so daß ich dann mehr oder minder ruhig schlafen konnte. So klar ich mich nun auf den Tod eingestellt hatte, so sehr, daß ich schließlich mich fragen konnte, ob ich nun das„„Aufgelöst und mit Christus zu sein“ oder das Weiterleben mehr wünsche, so glaubte ich doch alles tun zu sollen, um mein Leben zu retten für die Aufgabe, die ich vor mir sah und zu der es mich mit einer Kraft und einem Tätigkeitsdrang ohnegleichen drängte. So habe ich das„Gnaden- gesuch“ geschrieben- es war wohl weniger ein Gnade- als ein Rechtsuchen, eine Bemühung, die „innere Tatseite“ zur Würdigung zu führen und auf Grund ihrer ein anderes Urteil zu finden. Meine natürliche Hoffnung war gering. Die Verlegung nach Brandenburg war mir eine menschliche Enttäuschung, nachdem das so schöne, fast freundschaftlich-herzliche Verhältnis zum An- staltspfarrer mir so viel Trost geboten hatte. Ich mußte auch damit rechnen, daß es mein letzter Gang sei und daß ich insbesondere meine Lieben nicht mehr sehen werde. Ich habe dann in Bran- denburg mich auch eingelebt und habe auch das Gleichgewicht der Seele rasch gefunden, wenn ich auch viel menschlichen Trostes entbehren mußte. So mußte ich z. B. am Christkönigsfest des Sakra- mentes entbehren, wohl ein sehr schmerzliches Op- fer, wenngleich ich mir wohl bewußt war, daß der Herr mir deshalb nicht weniger nahgekommen ist an diesem Tage. 222 Es ist wohl immer ein neuer Anschlag auf das Herz, wenn man die Kameraden, die mit einem gekom- men sind, zur Schlachtbank geführt sieht und nicht weiß, wie lange man noch bewahrt bleibt. Aber ich habe in inständigem Beten doch die Ruhe und Si- cherheit gefunden, den heiligen Gleichmut, daß ich kaum mehr merklich erschüttert werde durch die Vorstellungen, die das bevorstehende grause Ge- schehen wecken muß. Vielleicht hat natürlicher Weise dazu beigetragen, daß ich auch natürliche Hoffnung sah, als ich wenigstens mich einmal von den zur Hinrichtung Kommenden zurückgestellt sah. Schließlich kam fast ein Gefühl natürlicher Sicher- heit über mich, daß ich vor dem„Schlimmsten“ be- wahrt bleiben werde- trotz aller übernatürlichen Einstellung empfindet das Herz eben doch das Un- natürliche, Widernatürliche der Lebensberaubung als das natürlicher Weise Schlimmste, so sehr Glau- be und Wille sich darauf eingestellt haben, daß das vergängliche Leben wahrlich„der Güter Höchstes“ nicht ist, vielmehr das Leben, das Gott nicht an- tasten läßt durch Frevler’ Menschenhand,„‚das ewige Leben“. Und in der Sicherheit der„Gnade“ des Herrn, Seines ewigen Lebens ist mein Alltag nun so ruhig und fröhlich geborgen, daß ich kaum mehr einen zagen Gedanken habe, der mich stär- ker bewegen kann. Ich habe zwar heute das nach- folgende Gedicht geschrieben, aber es ist mehr die Nachempfindung all der stärkeren Empfin- dungen dieser Wochen und Tage als die ursprüng- liche Empfindung des heutigen Tages. 223 a u In der Todeszelle. Acht Meter im Quadrat- ein enger Lebensraum! Ich schau’ die Wolken wohl, doch keinen grünen [Baum, Nicht Blüte und nicht Frucht, nicht knospendes [Gezweige als siegesmächtigen Lebens tröstend Hoffnungs- [pfand. Nur düstren Himmel seh ich und die kahle Wand. Vor kalten Gittern schreckt die Sonn’ zurück. Zur [Neige soll sonnenlos dies’ arm’ verloren’ Leben gehn. Schon seh’ im Dämmer ich des Todes Sense mäh’n- Gevatter Hein freut sich der blut’gen Menschen- [garben. Mein lebenshungrig Herz schreit auf- ach, nicht [allein! Millionen Herzen schrei’n mit mir umsonst ihr [,;Nein“, doch unbarmherzig mäht im Krieg der Tod. Sie [starben... Herr Gott im Himmel! Siehst Du nicht die grause [Not? Vergaßest Du der Deinen? Ließest sie dem Tod und alldem Haß der Feinde als willkomm’ne Beute? ‚War ich nicht treu? Muß ich ohn’ Hoffnung unter- [gehn? Laß doch Dein’ Trostes Boten mir zur Seite stehn, da dräuend mich umringt der Hasser grimme Meute! Ein leises Pochen an dem Fenstergitter! Wer 224 gibt ı daß ı Ein z unwi ein T Und: Das dasse Verg Der Ist N: al raum! rünen Baum, des weige ungs- fand. Vand. .. Zur Neige hn. ahn- ;chen- ‚rben. nicht Jlein! t ihr lin“, |. Sie Der: raus® Not? 'od eute? intel“ ‚chn? tehn, eute! ; gibt Antwort auf mein himmelstürmend Schrein? [Gewähr', daß nicht vergeblich ich gerufen und ins Leere? Ein zages Meislein war’s- Schon ist es wieder fort- unwissend, ja, ich weiß es, doch an diesem Ort ein Trostesbote von dem Herrn der Himmelsheere. Und nun das Wunder! Auch der Abendhimmel blaut! Das helle Licht zerreißt die Nebelwolken! Schaut dassel’geGottesschauspiel an in trunk’ner Wonne! Vergeblich schreit die Notzum hohen Himmel nicht! Der Ew’ge hört’s! Aus unzugänglich hellem Licht ist seine Liebesbotschaft täglich neu: die Sonne. 14.11.43 P Ich trage Dich in Herz und Sinn Du, Herr, bist mir zum Ich geworden. ‚Wohin ich geh’, ich trag’ Dich hin, Du sprichst aus meinen Menschenworten. Mein Mund den„Vater unser“ preist- Es sind die Worte Deines Mundes! Und fleh’ ich, seufzt in mir der Geist, Die Stimme Deines Lebensgrundes. Mein wahres Leben ist nicht mein: DU bist’s, der in mir lebt und leidet; Und sterb’ ich, bin ich ewig Dein, Ob auch vom Leib die Seele scheidet. O wundersame Zweisamkeit! Der Höchste eins mit dem Geringsten! Geschichte- neue Wirklichkeit An mir, von Bethlehem bis Pfingsten! 30.11.43 Gott gebe, daß Euch dieser Brief wohlbehalten er- reicht! Man ist zwar in der Zelle von allem Außen- leben abgeschnitten, allein die Flugzeuge nehmen jeweils ihren Weg über Brandenburg, so daß ich mir einen Begriff davon machen kann, was in Ber- lin vor sich gegangen sein mag! Ich sorge mich na- türlich sehr, aber was kann ich tun als Euch alle immer wieder dem Schutz des Allerhöchsten anzu- befehlen? Ichfühlemich unter ihm auch in Friede geborgen. Nun haben wir den hl. Advent begonnen. Aber welche Vorbereitung auf das frohe Fest des Frie- dens! Doch freue ich mich der kommenden Weih- nacht, auch wenn ich selbst an diesem Tag von der Gemeinschaft des Altars ausgeschlossen bin!„Sie- he, der Herr wird kommen und alle Heiligen mit Ihmpr-rle Sein helles Licht sei allzeit mit Euch allen! Brüderlichen Segensgruß T: Br. Paulus 226 Brief a Gesellsc Venn verlas ligem ich nc erhör! füllt r die Zı Gott ich un wie g Als ic es wg zahlt: zuzuf ein 1 Zu se liche leich um ı groß Zumu lich Geis der Aur Leis Züne Nere I en el- ußen- -hmen ıß ich 1 Ber- ch na- h alle anzu- Friede Paulus r Brief an Br. Ambrosius, einen geistlichen Mitbruder der Gesellschaft: 16./20. 11. 43 Wenn ich vielleicht in wenigen Tagen dieses Leben verlassen muß- ganz bereit gegenüber Gottes hei- ligem Willen und doch nicht leichten Herzens, weil ich noch so große Aufgaben vor mir sehe und un- erhörte Schaffenskräfte in mir verspüre- so er- füllt mich bis zum letzten Augenblick die Sorge um die Zukunft der Societas Christi Regis, die mir von Gott als große Aufgabe zugewiesen wurde und die ich ungelöst hinterlassen muß.- Gott allein weiß, wie groß dabei meine Schuld ist. Als ich mich zu dem Werk gerufen fühlte, da war es wahrscheinlich nicht der Ehrgeiz, zu den unge- zählten geistlichen Genossenschaften eine neue hin- zuzufügen, auch nicht der gewiß vorhandene Drang, ein Instrument für die großen praktischen Pläne zu schaffen, die mir am Herzen lagen. Der wesent- liche Ausgangspunkt der Gründung war das- viel- leicht am Anfang noch in vielen unklare- Wissen um die Not der Kirche Christi, auf die zu einem großem Teil die Not der Welt, die mich bewegte, zurückgeht. Die Veräußerlichung und Vergesetz- lichung der Kirche, das Verlassen ıdes urchristlichen Geistes der Buße, der Gemeinschaft des Dienstes, der Liebe, die Selbstgerechtigkeit gerade bei den zur Führung Berufenen, der Methodismus einer Leistungsgerechtigkeit, der Mangel an lebendigem, zündendem Geist, die nicht zuletzt in diesem in- neren Mangel begründete Spaltung der Kirche, 15* 22: diese ganze Not der Kirche verlangte eine Erneue- rungsbewegung und für sie in der$.Chr.R. das notwendige Werkzeug, die vorbildliche, stellver- tretende und dienende innerkirchliche Gemein- schaft, deren Ziele sein müßten: planmäßige Ar- beit in der Erziehung einer wesentlichen Christus- Jüngerschaft, urchristliche Opfer- und Liebesbewe- gung, geisterfüllte Apostolatsbewegung, und dies alles auf dem Grund einer Neubesinnung auf das Gotteswort und das Sakrament des Herrn, also biblisch-liturgische Bewegung, auf diesem Grund dann Mitarbeit an der Lösung der großen Weltauf- gaben bei der Begründung einer wahrhaften inner- staatlichen und zwischenstaatlichen sozialen Ord- nung, nicht zuletzt durch all das Verwirklichung der Una Sancta, wie sie der Herr will, wie sie die Welt braucht. Ich weiß, wie so ganz unzureichend, fast lächerlich unbedeutend im Hinblick auf das große Ziel das ist, was ich hinterlasse. Nicht als ob ich undank- bar sein wollte und nicht anerkennen würde, was an geistlicher Erkenntnis und radikalem_ christ- lichen Streben, vor allem an ehrlicher Liebesbemü- hung in der S. Ch. R. lebendig geworden ist und noch ist. Wenn ich übersehe, was ich zurücklasse, möchte ich die Hoffnung fast aufgeben, daß das noch werden kann, was mir als Offenbarung von oben vor der Seele stand. Und doch vermag Gott der Herr aus Sieinen Kinder Abrahams zu erwecken. Er vermag auch jemand zu erwecken, der mehr als ich die 228 rneue- Fähigkeit oder den Segen hat in dem, was er un- R. das ternimmt. Vielleicht muß ich dazu mein Leben ellver- opfern, um als Weizenkorn in den Boden gelegt mein- zu werden, damit erst die Frucht erwachsen kann, je Ar die durch mein zeitliches Leben noch verhindert ristus- wurde. Jedenfalls darf ich die große Idee, die mir ;bewe- gegeben wurde, von mir aus nicht begraben und d dies muß noch im Sterben zusehen, ob nicht ein an- uf das derer die Fahne entfalten kann, die ich aus der , also Hand lege. Ich bin überzeugt davon,daß auch ohne Grund diese meine Bemühung nicht unfruchtbar bleiben ]tauf- wird, was nicht ich, sondern der Herr’ grundgelegt inner- hat. Ord- Es folgen noch persönliche Anregungen etc. chung Ich würde gewiß noch einmal so leicht sterben, je die wenn ich wüßte, daß Gott diese meine letzte Bitte erfüllt, daß er der Societas Christi Regis einen erlich Führer erweckt, der sie zu dem macht, was er mir el das gezeigt, was zu leisten mir aber nicht vergönnt war. ‚dank- ChristusmußKönigsein, zuerst in Seiner Kirche, , wa B indem sie von Seinem Geist sich ganz erlassen christ- und durchdringen, durch Seinen Geist sich zur bemü-© Einheit bekehren läßt, und durch die Kirche und Christi in. der Welt, die heute im Argen liegt, | weil sie die Gesetze Seines Reiches verkennt und eich N mißachtet. Möchte ER alle Verantwortlichen in erden| Kirche und Welt zu solcher Erkenntnis erwecken ‚r der# und möchte ER in der Societas Christi Regis sich „raus R ein Werkzeug dieser großen Aufgaben schaffen! mag Alleluja! Alleluja! Alleluja! p die” T P: 229 Brandenburg nach dem 15. 11. 43 Heute früh habe ich mir, noch halb in der Nacht, einmal Rechenschaft gegeben über meine Berufung bzw. mein„Sendungsbewußtsein“. Ich habe mich. Oo gefragt, ob ich ein solches besitze oder nicht. Und ich mußte mir sagen: nein, wenn man ein solches nur dann gegeben sehen kann, wenn man eine be- stimmte Stunde weiß, wo man sich ganz deutlich angesprochen, aufgerufen fühlte mit dem sicheren Bewußtsein, daß nun Gott einen ganz konkreten Auftrag gegeben. Solches habe ich nicht erfahren- vielleicht kann ich„Rationalist“ es nicht erfah- ren... Und doch habe ich auf der anderen Seite ein starkes und klares Sendungsbewußtsein. Von früh auf ist es gewachsen, immer klarer, immer stürmischer, das Wissen darum, daß ich eine große Reichgottesaufgabe in der Welt zu erfüllen habe, und zwar gerade in der Richtung meiner konkre- ten Lebensführung. Ja dieser Drang und das Wis- sen darum, daß ich zu einer großen Aufgabe beru- fen bin, war viel stärker, als ich es nach außen kundgegeben habe- ich schämte mich ja doch im Wissen um meine geistigen und praktischen Be- 230 11.43 Nacht, ufung mich. ‚ Und olches ne be- utlich heren reten hren- orfah- Seite ‚ Von mmer grobe habe, nkre- ‚ Wis- beru- zuben ch m „ Be schränktheiten, voranderen in Erscheinung treten zu lassen, mit was für großen Ideen ich umging, was ich mir zutraute an Möglichkeiten, trotz des klaren Wissens um meine Beschränktheiten. Meine ausge- sprochene Eigenart, in der meine Berufung grün- det, ist ja das Universale, Weltumspannende. Alles ist mir räumlich zu klein, was mir als konkrete Aufgabe gegeben wird.(Ich weiß noch, wie ich die Idee von mir wies, daß ich einmal Bischof werden könnte, weil ich damit an einen so kleinen Raum gebunden wäre...) Und jede Beschränkung auf eine Aufgabe widerspricht dem Zug ins Große, Allgemeine, der nun einmal meine gottgegebene Eigenart ist. Ich weiß, wie ich schon sagte, wie we- nig dieser Pegasus als Ackergaul taugt, d. h. wie leicht ich versage, wenn man von mir den Einsatz im kleinen, beschränkten Raum verlangt(wenn- gleich ich meine es mit dem Durchschnitt auch da noch aufnehmen zu können). Aber gerade in der Synthese, der Zusammenschau und dem Zusam- menbinden vieler Dinge, Gedanken, Pläne, Grup- pen, Räume usw. liegt meine Kraft und meine Berufung. Und in diesen Wochen stiller Besinnung ist es mirmehr als einmal lebhaft gekommen, daßich vielleicht doch noch Gelegenheit erhalten soll, in anderer Weise als in der Vergangenheit diese meine Kraft nutzbar zu machen. Vielleicht mußte ich durch die Überwindung der Todesfurcht, durch das Absterben der Menschenfurcht, erst befähigt werden zu dem, was ich in der Vergangenheit zu schaffen nicht imstande gewesen wäre....? 231 Ach, der Mensch denkt... Ich muß noch in der Stunde des Todes ,„‚Pläne“,. weltumfassende, säku- lare Pläne machen... Um mit ihnen ins Grab zu steigen? Vielleicht- magnum voluisse sat est!- vielleicht auch nicht. Jedenfalls Gott lenkt. Das ist im Credo des„Paulus von der göttlichen Vorse- hung“ ein erster Glaubenssatz. Und er hat mich in diesen schweren Wochen aufrecht erhalten und mir Mut und Kraft und Frohsinn erhalten. Wie immer nun mein Leben sich entwickelt, zum Absterben des Leibes und zum„Mit-Christus-sein“ im andern,- ja ich wünsche auch, mit der einen Seite meines„Ich“,„aufgelöst und mit Christus zu sein“- oder im Erhalten und Aufbewahrtwer- den für neue Aufgaben oder bessere Erfüllung der alten in der Zukunft meines Lebens, wie immer es sei, es wird von Gott bestimmt sein und damit für mich gut. Wie ungezählte Male habe ich es gebetet, was der Herr mir vorgebetet hat: Vater, wenn esmöglich ist, laß diesen Kelch an mir vorübergehen, doch nicht mein,sondern Dein Wille geschehe! In der Anbe- tung und Verwirklichung dieses heiligen Willens des Herrn will ich leben und sterben. \ Amen. +2 PP Die Zeit um Weihnachten war sehr schwer. Br. Paulus litt sehr unter den Zuständen im Haus, z. T. ungute Beamte, Verständnislosigkeit, Enge, was bei seiner Weite und Grob- zügigkeit doppelt schwer war. 232 © - n der säku- ab zu est!- Jas ist Vorse- ich ın d mir , zum sein“ einen ‚ristus rtwel- IE der mmer damit ıs der ‚ch ist, nicht kı Kı u 24. 11. 43 Lange ist's her, daß ich von Euch ein Lebenszei- chen erhalten habe. Wahrscheinlich dachtet Ihr, Ihr dürft nicht schreiben. Ich darf jetzt alle14 Tage einen Brief schreiben und wohl auch empfangen. Nun sollt Ihr doch im hl. Advent noch einen Gruß haben. Nehmt umstehendes Lied als meine Weih- nachtsgabe an Euch alle, die Ihr mir in der großen Adventshoffnung verbunden seid! Was kannichsonsttun,als Euch immer wieder vor Gott segnen! In der Hl. Nacht bin ich mit Euch an der Krippe- leider nur im Geist, ich habe keine Hoff- nung, selbst an diesem Tag zur hl. Messe zu dür- fen. Aber vielleicht wird uns doch noch diese Weih- nachtsfreude? Sonst muß ich mich halt bescheiden mit dem Willen des Herrn, der mich hart trifft, den ich aber gleichwohl dankend anbete. Ich habe 2. Zt. etwas schwere Zeit, worüber ich nicht viel sagen kann, das Kreuz gehört nun mal zum Jünger des Gekreuzigten. Lest die heutige Epistel- ich finde darin Trost wie der große Paulus. Ich bin jetzt wieder, wo ich früher war,fast in der gleichen Zelle, aus der ich wenigstens auf den Wald und auf das Kommen und Gehen sehen kann, wenigstens etwas Verbindung mit dem Leben! Ich schau’ oft in die Ferne... Aber ich will mich keinen trüben 233 Gedanken ergeben- sie ergeben sich nur leicht, wenn man in Fesseln sein und auch schreiben muß. Mein Gebet ist immer noch das„Abba“! Wenn es möglich ist...«doch nicht mein, sondern Dein Wille geschehe! Gottlob erhalte ich ungefähr alle acht Tage die hl. Kommunion und auch ein auf- richtendes Wort, das gerade ein so gemeinschafts- hungriger Mensch wie ich braucht, wenn er sich noch so sehr des Segens der Einsamkeit freut.- Ob ich nicht in den Weihnachtstagen Besuch be- komme? Ich glaube sicher, daß er gestattet wird.- Die Berliner sind mir in diesen schweren Wochen auch eine große Sorge gewesen. Gottlob, daß sie bisher bewahrt wurden. Möchte Gott weiter Seine Hand über sie und uns alle halten! Sorgt Euch sicht um mich! Ich bin im Tiefsten meiner Seele getröstet und froh im Herrn, wenn es auch der Wachsamkeit und des Betens bedarf, um immer den Kopf hoch zu halten. Vergeßt Eure Fürbitte für mich nicht, die mir in der Vergangenheit viel geholfen hat!- Ich möchte Euch allen, jedem ein- zelnen, ein gutes Wort desSegens sagen- Ihr müßt alle mit dem guten Willen vorliebnehmen! Grüßt alle mit mir Verbundenen, Brüder und Schwestern in nah und fern! Der Friede des Herrn, der über alles Begreifen groß ist, sei mit Euch allezeit! In Treuen # Br. Paulus leicht, ‚muß. un 68 Dein r alle 1 auf- hafts- r sich 'h be- vird.- ochen ıß sie Seine Euch Seele h der mmer bitte t viel n ein- müht Grübt ogtern reifen zulus Vertont. Wann ist’s, daß die Himmel tauen, daß den Wolken warmer Regen, der Erlöser selbst entquillt? Wann ist’s, daß wir dürfen schauen Ihn, der, Heiland allerwegen, uns in Seine Gnade hüllt? O du Tag, so strahlend helle, o du Morgen, dämmerblau! Komm, es harret meine Seele wie die Blume auf den Tau! In der Fülle einst der Zeiten, da in ihrem Elend schrien - Völker himmelauf die Not, ließ sich von Erbarmung leiten, hat die Sünde all verziehen der allgüt’ge große Gott. Sandt’ den Sohn, den ewig einen, in erbarmendem Gericht. Weihenacht, da sahst du deinen Heiland als das tröstend Licht! Ach, ist nicht auf’s neu erfüllet diese Zeit: Hör’ unser Stöhnen, Herr, auf unsre Drangsal schau! Herr,’s ist Zeit, daß neu erquillet unsrer Seele tiefstem Sehnen Deiner Gnade Segenstau! Herr, daß neu uns allen werde der Erlösung Weihenacht, komm aufs neue auf die Erde! Heiland, komm, o komm mit Macht! Weihnachtsgabe an alle Geschwister 1943 Vertont. Heil’ge Nacht Heil’ge Nacht, o laß mich schauen dein Geheimnis [wundertief Wolken regnen, Himmel tauen, da den Sohn der [Vater rief, Aus der Ewigkeit zu treten in der Welt [Vergänglichkeit. All die Völker zu erretten in erfüllter Gnadenzeit. Kommt nach Bethlehem zur Hütte, seht der [Krippe Königsthron Schaut in armer Hirten Mitte Gottes ewig einz’gen „[Sohn! Gottes Macht will sich bezeugen in der legten [Niedrigkeit. Auf, laßt uns die Kniee beugen, preisen solche [Herrlichkeit! Ew’gen Sohnes Gottesfülle wird im Fleische [offenbar. Ew’gen Vaters ee bietet sich uns Men- [schen dar. Gott ist groß! Die Engel raunen in den Lüften [seinen Ruhm. Menschenmund lobt stumm im Staunen Seiner [Liebe Königtum! Vertont. Nun jubelt laut...! Nun jubelt laut, ihr Engelchöre, frohlockt mit unsrer lieben Frau! Gott in der Höh’ sei Ruhm und Ehre! Vom Himmel fiel der Gnade Tau. Der ew’ge Gott als Mensch geboren! Das Wunder Gottes heut’ geschah! Die Menschheit, arm und sündverloren, das Gottesheil auf Erden sah. Des Vaters liebendes Erbarmen ward Fleisch im Sohn in dieser Zeit, an Seinem Herzen zu erwarmen die Welt in Liebesinnigkeit. Und Engel künden Gottes Frieden In dieses Kindes Königsmacht. Und Gottes Liebesreich hienieden als lerknar. der Weihenacht. 237 30212.43 Als reiner Tor in Kinderzeiten, da war dies meine Weihenacht: Ich durfte DIR mein Bett bereiten und lag daneben- auf der Wacht. Wohl war ich dann bei Deinem Kommen bereits entrückt in Morpheus’ Arm, doch kamst Du zu dem Kind, dem frommen; war doch von Dir das Bettlein warm. Wo bist du, sel’ger Kinderglaube? Versank des Toren Wunderland? Es bleibt im Reich der Geistestaube dem Manne, was als Kind er fand. So harr’ ich DEIN in meiner Zelle nicht anders denn als Kind ich dacht’ und weiß: auch mir wird leuchtend helle und kindesfrohe Weihenacht. So sang ich vor der Heiligen Nacht und fand die Freude, die von dem Kinde ausstrahlt, und war froh- trotz allem. ... Freilich konnte und kann ich die Sorge nicht abschütteln, wenn nachts die Flugzeuge in Massen, Berlin zu, uns überfliegen. Ich kann nur beten, segnen und vertrauen.- Ich habe zu Weihnachten allerhand„‚geschenkt‘“ erhalten, Lieder, Gedichte und auch eine Messe. Wie gerne würde ich teilen!- Nun ist es ein halbes Jahr, daß ich keine hl. Messe mehr feiern durfte. Auch an Weihnachten waren wir ausgeschlossen, doch habe ich hinter der Zel-. lentür eine evang. Weihnachtsandacht mitgemacht und habe fest mitgesungen. Una Sancta!- Ich bin 238 froh, da auch da auch de, Laßt Bı stets gl nichts u 43 froh, daß ich mich geistig beschäftigen darf, wenn auch das Schreiben in Fesseln schwer ist und wohl auch dem Leser keine Freude macht. Laßt Euch allen im Geiste die Hand drücken in stets gleich herzlicher Verbundenheit, die durch nichts unterbrochen werden kann. ir Br. Paulus Gebete am Morgen: Ein neuer Tag, den Du in Huld mir schenkst! Ich will, o Herr, ihn froh und dankbar leben. Ich weiß, daß DU mein Schicksal weise lenkst, * so bleib” ich gläubig-liebend Dir ergeben. Amen! vor Tisch: Du, Vater Gott! Laß dankbar mich erlaben mit allen Hungernden an Deinen Gaben! Du schenkst uns Brot in dieser Pilgerzeit; beruf” uns auch zum Mahlder Herrlichkeit! Amen! nach Tisch: Hab’ Dank, o Herr, für Deiner Güte Segen! Dein’ Gnade helf” uns weiter allerwegen! Nimm uns mit all’ den Deinen an der Hand! Geleit’ uns heim zum ew’gen Vaterland! Amen! - am Abend: Nun darf, o Herr, für diesen Tag ich danken, den ich empfing aus Deiner Vaterhand! Laß mich vertrauend, liebend nimmer wanken! Gib guten Schlaf als Deiner Gnade Pfand! Amen! 239 || | Du! Wer bist Du, Unsagbarer, daß ich nenne Dich, Letten, Ersten, mit Begriff und Wort? Wo bist, Geheimnistiefer, Du? Ich brenne, da Du Dich birgst, zu schau’n den sel’gen Ort! Wo Grund und Sinn des Seins sie fragen, stammeln sie staunend, ahnend Dich in jedem Laut. Doch, ob in aller Welt sie Steine sammeln, der Tempel, der Dich faßt, wird nicht erbaut. O, eitle Torenmühe, zu begreifen Dich, allen Seins und Lebens Inbegriff! Nur Narren mögen alle Welt durchschweifen, zu finden, der das All ins Leben rief. „DU BIST“! Es ist von keinem Herrn zu sagen, der gestern kam und morgen nimmer ist! DU BIST! Ja, aller Weisen grübelnd Fragen fand tief’ren Namen nicht deß, was DU bist, DU BIST, o Herr, wo ferner Welten Brausen die flücht’ge Zeit, den weiten Raum erfüllt. Doch Schall ist Zeit und Raum! Du bist nicht„‚drau- Du bist das ICH, d’raus alles Leben quillt.[Bßen: Du bist mein Gott,- o Name aller Namen!- ich wag’s- Du riefst das Wort dem Kinde zu: Du bist mein VATER- ich Dein Sohn und Samen, mein ew’ger Lebensgrund, mein ICH und DU! 240 Die du aus de die mi an der Dir, Y wohin Ich te ich ha Du bi des H Heil dich, eln ral- Ben: nel, en - wohin auch dunkle Sphinx mich führen mag, 9.1.44 Mutter Deutschland! Die du getragen mich im Mutterschoße, aus deren Herzen floß mein warmes Blut, die mir bestimmt’ des Lebens Schicksalslose, an deren treuer Brust ich froh geruht, Dir, Mutter, bleib’ ich wandellos verbunden, Ich teile deinen Stolz und deine Wunden, ich halt’ zu dir, auch an dem schwarzen Tag. Du bist’s, mein Volk, dir hab’ ich zugeschworen des Herzens Dienst und opfertreue Tat. Heil dem, der dich, vor allen auserkoren, dich, heil’ges deutsches Volk, zur Mutter hat! ie 241 13.1.44& Zum neuen Jahr dachte ich in der Sylvesternacht- für mich und für Euch: So heb’ ich’s an in Gottes Namen das Jahr, das die Entscheidung bringt. Ich sag’ im voraus schon mein Amen, zu dem, was Deinem Rat entspringt. Was gut, was bös für mich- für alle!- verbargst Du unserm Unverstand. Doch Segen ist in jedem Falle, was Deine Weisheit uns erfand. So magst Du den Kalender schreiben für uns, die wir in Deifler Hut! Laß nur in Deiner Gnad’ uns bleiben! Was, Vater, Du uns fügst, ist gut. In Gottes Namen! In Ihm bin ich gottlob nach wie vor guten Mutes. Ich vertraue, Gott wird für mich und Euch und nicht zuletzt für unser Volk noch alles zum Guten wenden.- Ich erlebe es, wie Er gut mit mir ist und mir Trost und Anregungen aller Art schenkt. Troß der Einsamkeit, die ich natürlich spüre, bin ich ohne Langeweile; ich studiere, lese undschreibe, ich dichte und komponiere, auch wenn ich nicht alles zu Papier bringen kann. Auch in der Abge- schlossenheit von der Welt nehme ich mit fiebern- dem Herzen Anteil an allem Geschehen, nicht zu- 242 | a letzt finde dicht lich ı habe ben. Fine zeug, ich zum Fine Ume 5 letzt am Schicksal unseres Volkes; was ich emp- finde, findet oft seinen Niederschlag in einem Ge- dicht(vergl. die Beilage!)- zumeist sind es natür- lich religiöse Gedanken, die mich so bewegen. So | habe ich nun die 3. deutsche Volksmesse geschrie- ben- eine sandte ich ja seinerzeit an Euch. ht- a Eine große Sorge ist mir immer Berlin; die Flug- zeuge überfliegen immer zuvor unser Heim!- aber ich denke halt, es geschieht nichts, was Er nicht zum Besten lenkt, wenn wir bereit sind für Ihn. i Fine große Freude war mir natürlich unter diesen I Umständen der Besuch von Sr. Judith. An Deinen Sorgen nehme ich nicht weniger An- teil, möge Gott mein Gebet und Opfer gefallen!- Ei Grüßt alle Brüder und Schwestern, besonders die 3 * Kranken. Wie schön ist der Spruch von Franz v. Sales, den Du sandtest*), ’ wirklich ein Trost!- och Ich lese heute gerade den Philipperbrief. Den Er.| möchte ich Euch allen ganz abschreiben, bes. I,| ge 20-26!-27. Besuche Euch alle auf allen Stationen, N W, im Geist alle Tage. Möchte ich jedem einzelnen H | das Lob spenden können, das Paulus seinen Phi-| bin| lippern spendet!-Nun laßt Euch in die Vatersorge| be| Gottes befehlen. An Seiner Statt segnet Euch täg- 2#.. lich in Treue bee| Euer| er" Br. Paulus v. d. göttl. Vorsehung. 243 *) Dein Kreuz Gottes ewige Weisheit hat von Ewigkeit her das Kreuz ersehen, das Er dir als Sein kostbares Geschenk aus Seinem Herzen gibt. Er hat dies Kreuz, bevor Er es dir schickte, mit seinem allwissenden Auge betrachtet, es durchdacht mit Seinem göttlichen Verstand, es gegrüßt mit Seiner weisen Gerechtigkeit, mit Seinem liebenden Erbarmen es durchwärmt und es gewogen mit Seinen beiden Händen, cb es nicht einen Millimeter zu groß und ein Milligramm zu schwer sei. Und Er hat es gesegnet mit Seinem allheiligen mit Seinem Troste es durchsalbt-[Namen, und dann noch einmal auf dich und deinen Mut geblickt, und so kommt es schließlich aus dem Himmel als ein besonderer Gruß Gottes an dich, als ein Almosen der erbarmenden Liebe deines Gottes zu dir. Franz v. Sales 244 Her wie Daß wie Daß vert Da Ach Laß nich Lat und Herr! Daß Du einmal Dich mir zeigtest, wie Dich Dein Liebesjünger sah! Daß einmal Du Dein Herz mir neigtest, wie Thomas einst, zum Greifen nah! | Daß ich ein Wort aus Deinem Munde a} vernähm’! Mir kläng’s wie Orgelton! Da schlöss’ sich allen Zweifels Wunde!-- Ach! Öffne mir den Himmel schon! Laß mich nicht länger nach Dir tasten, nicht länger sehnend nach Dir Schrein! Laß mich an Deinem Busen rasten© und kosten Deiner Freundschaft Wein!- F Doch, wie Du willst! Ich folg’ der Taube, durch die Du mir die Wege weist! Bleib’ ich auch fürder blind- ich glaube und bin Dir selig nah im Geist! 23.1. 44 Nur noch ein Gebet: Heiliger, allmächtiger Gott! Mein Vater! In der großen Not meines Lebens komme ich zu Dir im Vertrauen auf die Verhei- Bung und das fürmich vergossene Blut Deines ein- zigen Sohnes. Mit Jesus Christus, meinem Herrn und Meister, flehe ich zu Dir:„Vater! Wenn»s nöglich ist, so laß diesen Kelch an mir vorüber- gehen! Doch nicht mein, Dein Wille geschehe!“ Ja, ich glaube, was immer Deine weise und gütige Vorsehung über mich verfügt, es wird mir zum Heile sein. So sage ich im voraus dazu das vorbe- haltlose Ja meines Gehorsams. In Jesu Namen bitte ich Dich: Gib mir die Kraft des Hl. Geistes, daß ich bis zuletzt in diesem vertrauenden Ge- horsam verharre! Dann weiß ich, daß ich Dein Kind bin untl bleibe und Erbe Deines ewig-seli- gen Lebens.- Amen. Wenn unsere Todgeweihten dieses Gebet auf einem Bildchen hätten, wäre es ihnen gewiß eine Leiter zum Himmel und Trost. Ob es möglich wäre, das zu schaffen?- Wann werde ich wieder etwas von Euch hören?....(ausgestrichen worden)..... sei mein Segensgruß an Euch alle! In Treuen Jr Br. Paulus Nayohr %.,.£ So heb ichs an in Geltes Masnen er- das Jahr, das lie Erbs zeidung Örinaf ige Ich Sag im Voraus schon mein u Auen u 2u dem, Was DEIWEN Rat enEpringE. be- en Was„guk", was ‚bos für min- für alle, es, verbargst Du anserm Unversand: .n Doch Segen ise en fedem Falle, n| ? da> Deine Weisheit uns erfand. Jo magst DU den Kalender schrei ber 7 far uns ,Alc Wir indDeincr Hut!| . Laß nur ın Deiner Hl ni;»iecber! 132 on Ja, Jas DI, VATER rg Ades 2; KR ge! sel + Nach 21. d gleich, Gebur Habt eine] Sründ Ihr| Tätig] in dia natur Sich, den( dem densg sorgt mich Lebe, weiß, | Mein, heit körp, a ee Wiederholt 14. 2. 44 Nach fast vier Wochen Briefpause erhielt ich am 21. ds. Mts. Sr. Gertrudis und Deinen Brief zu- gleich. Ich wußte ja, daß ich zum Namens- bzw. ee nicht ohne Liebeszeichen bleiben würde. Habt vielen Dank! Aus Deinem Brief spüre ich eine Besorgtheit um mich- sie ist gottlob unbe- gründet. Ich hatte wohl einige schwere Wochen. Ihr kennt meine lebendige Bewegtheit, meinen Tätigkeitsdrang und meine Freizügigkeit. Dasaber in diametral entgegengesetzten Raum gestellt, bringt naturgemäß trotz besten Willens Konflikte mit sich. Aber ich habe alles überwunden und suche den Gehorsam des Herrn, Phil. II, 8, zu üben; mit dem von mir geforderten läßt sich ja Euer Or- densgehorsam kaum ve ergleichen. Also seid unbe- sorgt und wie ich guten Mutes! Gottlob darf ich mich doch etwas geistig betätigen- für mich das Lebenselement wie für den Fisch das Wasser! Ich weiß, IhrfreutEuch, wenn ichEuch aus der Scheune meines Geistes etwas mitteilen darf. Die Einsam- keit bekommt mir gut; ich gehe, wenn auch nicht körperlich, auf wie Dörrzwetschgen im Wasser. 247 Etwas Aussprache wäre mir ja wohl ein Bedürf- nis. Aber wie Gott will!- Ja, wenn ich mit einem Gleichgesinnten mich mal aussprechen könnte!- In der Weltgebetsoktav dachte ich viel an die mir verbundenen Brüder. Grüßt alle, die nach mir fra- gen, besonders auch unsere Gesellschaftsmitglieder, vor allem unsere Kranken, über die ich gerne Be- scheid hätte; ich segne alle mit täglichem Gebet und Opfer.- Denk: Die Meise kam nur einmal ans Fenster, dafür aber nun immer ein Rabe- er bringt zwar kein Brot wie bei Paulus dem Einsied- ler, sondern holt sich die Fleischstückchen, die ich als Vegetarier opfere. Schade, daß ich meinen Hansi nicht habe!- Freut Euch allezeit im Herrn! Ach, diese ständigen Angriffe auf Berlin! Ich bete immer, wenn die Flieger hier durchfliegen, für Euch.- Nun heißt’s schließen! Du weißt, was mein Herz Euch allen sagen möchte. ER möchte es statt meiner tun. In Treuen av Br. Paulus Ihr( das ı Vera das] „Dal das daß dure Nich weil mit die Ihr ine doc ulus Una Sancta Ihr Christen! Habt ihr auf das Wort vergessen, das zu euch sprach der HERR zum letzten End’? Verachtet ihr im Eigensinn vermessen, das Er euch ließ: Sein heil'ges Testament? „Daß alle eins!“t)„Ein Hirt und eine Herde!“?) das war Sein hohepriesterliches Flehn; daß glaubhaft?) Seine Gottessendung werde durch heil’ge Einheit, Frucht aus Geisteswehn. A): Nicht weisen staunend mehr auf euch die Heiden,?) weil ihr euch liebt, wie nie sie es gekannt- mit Fingern sie verachtend auf euch deuten, die ihr zerrissen habt der Einheit Band!®) Ihr lest:„Ein Herr! Ein Glaube! Eine Taufe!”) in euren Kirchen predigt ihr die Schrift, doch eurer Gottesmänner Wortgeraufe als Ärgernis das Ohr der Heiden trifft.) „Ein Herr!“ Vor Ihm sollt ihr die Knie beugen,?) einmütig preisend Ihn aus Herzensgrund!”) Für Kreuz und Auferstehung sollt ihr zeugen!) vor aller Welt mit einer Kirche Mund!°) Ich staun’: ihr findet noch zum Zanken Muße am Tag des Gotteszorns und des Gerichts! „Metanoia!“ Der Meister ruft:„Tut Buße!!!) Seht ihr die blut’gen Himmelszeichen nicht?"?) „Ein Leib! Ein Geist!“"?)„Mit einem heil’gen Brote 249 ee genährt‘,!?) der Liebeseinheit Gnadenpfand!") Die Una Sancta ruht auf dem Gebote, . das in des Herren Blut!® sein Siegel fand. Paulus haßai in vinculis er 18. 1.44 ein je Ver d und fi Laß si Zitate zum Gedicht: Una Sancta \2J0b.XMll21129212 22,238 ) Joh. X. 16. macht Joh. X0V.R12.21, 252 Lad; 4). 1.Kor. XII. 4-13. Rom. VIII. 14-15: ) Brief an Diognet. laßt j, ) vergl. Martin Schlunk:„Das Wunder der Kirche“(Tambaram). Laß s 7) Eph. IV.-5: 1 Kor. VIII. 6: durch 37 Bihrl> IE 10: ee 2) Rom Van ö u 10) Kor. 1. 17. 2 1. 20..2.XV 3 06 doch Apg. T.-8.'22: If: 15. X 42. 11) Mr. IV. 17. Mk- 1. 15. Lab. 12)_Mt. XVI.4: Dk. XH. 56. I Key, 13) Röm. XI. 5. 1 Kor. XII. 12. 27. Eph. I. 22. Eph. IV. 4 f£. Kol. III. 15. Nur| 14), 1 Kor. X. 17; 12) Rom. XII. I0>Ephe1V- 15: 16) 1 Kor. X. 16. Eph. II. 13. Kol. 1. 20. Hebr. XII. 20. 1 Joh. I. 17.1 Petr. I. 19. dann Schmähung Laß sie nur schmäh’n! DieMenschen müssen richten, ein jeder nach des eig’nen Wesens Grund! Wer dunklenSinns, sucht dunkeln und nicht lichten, und findet ihn bei andern dann zur Stund’... Laß sie nur schmäh’n! Nicht böser und nicht besser macht dich der fremden Zunge gift’ger Pfeil. Lach ihrer! Auch der Hasser und Erpresser läßt in der Tiefe deine Seele heil. Laß sie nur schmäh’n! Ein unbestechlich’ Auge durchschaut den Feind und dich in ew’gem Licht. "Du wirst versehrt nicht von der Lügenlauge, doch wehe dem Verleumder im Gericht! Laß sie nur schmäh’n! So ziemt’s dem Christus- ‚Es ward der Herrgeschmähtbisin. den Tod.[Knechte Nur kleine Weile währt das Truggemächte, dann winkt der Auferstehung Morgenrot. D D > Ihr Überfrommen! Nein,nein, ihr Überfrommen! Da tu’ ich nicht mit! Ihr zieht den„‚Menschen“ aus, den„Christen“ fest- [zuhalten, verachtet die Natur, Dämonen auszuschalten, und merkt es nicht, wie euch dabei der Teufel ritt! Ihr hört den Geist, der hinter den Tapeten rauscht. Wohin ihr greift, da findet ihr die Gottesfügung. Die Krone aller Tugend ist euch die Begnügung, die sich der Tatenthält und der Erleuchtung lauscht. Ich glaub’ euch nicht! Verdächtig ist die Unnatur! Und was nicht menschlich, trägt nicht Gottes [Schöpfungssiegel. Verschließt ihr euch die Welt mit eurer Weise [Riegel, ihr folgt nur irdischer, doch nicht des Ew’gen Spur. Das Ew’ge und den Menschen finde ich im HERRN entfaltet und vereint. Ich seh’ihn menschlich leiden, versucht wie wir, und wider Unrecht sieghaftstreiten. Ich halt’ mich dran: Der Gottmensch ist mein [Lebensstern. ol: Wo si dakoc Bedrä mich ı Nie m vor 7 Doch und i Ich Y | den| wie mir j Im$ wie] Im] 21.1.44 Wo sich der Hochmut bläht und geile Macht sich mit![brüstet, pres dakocht mein Blut, es drängt die Handzum Schwert: Bedrängtem Recht des Ritters Schutz zu leih’n Iten, gelüstet mich mehr als weicher Pfühl am warmen Herd! Nie möcht’ ich feige sein! Mein Zorn soll stets ent- rikt:[brennen EN vor Trug und Bosheit, Niedertracht, Gewalt! | Doch- ist's in Deinem GEIST? Laß mich mein zung.[Herz erkennen, .: und irrt’s vor Dir, gebiete DU ihm Halt! un Ich weiß darum, wie ungeläutert Triebe sehren ıscht. den heil’gen Zorn und ritterlichen Drang, wie schlimmer Rache Geister edeln Sinn verzehren- atun! mir ist um meinen Christennamen bang! Im Schweigen Unrecht tragen, dieser Kunst ein[ [Meister sel wie DU- ach, wär’ ich’s, Herr! ich bin es nicht! ;sheit Im Liebesüberschwang besiegen böse Geister, iegeh fürwahr, das war Dein göttliches Gericht! Wie groß, der Tücke und Gemeinheit zu begegnen Spur:° in sühnender Geduld und kreuzbereit! Nur Heilandsgeist vermag in Unbill noch zu sagen, RAN AaN gefriedet, ohne Groll und Bitterkeit. ide» OHerr! Du mußt mein ungebärdig a wandeln! -- In Deines Herzens Gluten brenn’ es rein! tel aß mir den kühnen Mut, doch laß mein täglich in[Handeln tem ein Taterweis des Christengeistes sein! 253 27.1.44 Mensch unter Menschen „Normal“ zu sein gilt mir wie eine Schande! Als Mensch„genormt“- der Ekel kommt mich an! Mit eignem Namen mich der Schöpfer nannte, da Er mich rief auf meines Lebens Bahn. Nicht eine Zahl, ein Glied der großen Herde, ein Eigenmensch mit eigenem Gesetz, so ziemt’s dem köstlichsten Geschöpf der Erde! So schuf Er einmal mich, so blieb’ ich stets. Es scheint,&s muß ja wohl auch Masse geben; nicht jeder bracht’ ins Leben ein Gesicht! In Rudeln weiden, nennt man auch ein..Leben‘“; wem’s so gefällt!- ich neid’ es ihnen nicht. Natur ist witzig! So hat sie erfunden als Gegenstück dazu den Sonderling, den Dreimalweisen, der zu allen Stunden den Sonderpfad, den Weg der- Krebse ging. Die Geistesenge nennt er heute Tugend und Adelsvorrecht seine Unnatur; er lächelt über Lebenslust und Jugend- er folgt, der Philosoph, der Schemen Spur. Er weiß sich täglich neuen Kranz zu winden für seines engen Zirkels Theorie- man lacht darob: der Zopf, der hängt ihm hinten, der arme Kreiseltänzer merkt’s nur nie! wie Auf vert Ich Gew Ich der Wa Äls Des Ich Nun Du vol zun He, | I 80 Ich 1.4 Ist’s Neckerei, als ganzer Mensch zu leben,, wie ihn der‘Schöpfer schuf, in Fleisch und Blut? Auf eignem Weg den Sternen zuzustreben, ' vertrauend stolz des Allerhöchsten Hut? en Ich haß’ die ausgetretenen Massenwege, Gewohnheit, Sitte macht mich nicht zum Knecht. Ich laß’ dem Sonderling sein Geistgehege- der Gottesgeist verbürgt mir Pflicht und Recht. 26.1.44 Tu Was ist’s, was Du nun willst von mir, o Herr? Als Sühnelamm geopfert wortlos leiden? Des Rechts ein Kämpfer bis zum Letzten streiten? Ich weiß es nicht- sag Du mir Dein Begehr! Nur feige nicht, nicht glaubensschwach und müd! Du hast umsonst mir nicht das Herz gegeben voll Sturm und Drang und fieberndem Erleben, zum Höchsten eifernd nur, von ihm durchglüht... Herr! Send’ den GEIST! Laß mich nicht länger blind! Ich will mich Deiner Zorneshand nicht weigern, so es nur dient, die Ehre Dein’ zu steigern, Ich füg’ mich Deiner Führung als Dein Kind. 3.2.44 am Geburtstag intel, r 255 | Ich muß gesteh’n, ich hab’ sie nie gelernt, die Kunst, das Krumme- krumm zu lassen! Ich konnt’ im ganzen Leben nicht erfassen, daß man bei Notstand höflich sich entfernt... Ein Tor der Arzt, der zu der Zeit der Pest ins Haus des Kranken geht! Sich selber schützen ist klüger als- vielleicht!- den andern nützen. Erlischt die Seuche, feiert man ein Fest....! Es wär’ vom Anwalt reichlich ungewandt, auch unerwünschte Wahrheit frei zu sagen! Geht’s dem Klienten auch wohl an den Kragen- wer klug, stets zeitgerechte Rede fand! Was war und bin ich doch ein armer Tor! Ich bin kein Arzt, mußt’ immer Kranken helfen; war unbezahlbar, entriß das Schaf den Wölfen; gen Unrecht trat als Anwalt ich hervor-! Wo blieb mein vielgerühmter Hausverstand? Ich weiß, es ist des sel’gen Vaters Erbe: ob auch die andern weigerten die Hand. Belastet ist des Vaters Sohn fürwahr! Drum mußt’ ich stets der Katz die Schell anhängen, und ließ ich Haare auch in ihren Fängen, ich war gewitzigt nie, blieb, was ich war... 256 Ob nı Ich fü Ihm] wer 8 Geht ihr Kl Ich gı mich itzen sen” ‚fen; 1; ngeD; Ob nun durch Unglück Weisheit ich gewann? Ich fürchte fast, es scheitert am Gewissen- Ihm hab’ ich allzeit Treue halten müssen: wer sich dafür nicht wagt, der ist kein Mann! Geht euren Weg- ich seh’ euch ohne Neid- ihr klugen Selbstversorger all, ihr Weisen! Ich geh’ den meinen- mögt ihr Narr mich heißen: mich tröstet meiner Seele Seligkeit. 6.2.44, ei 257 10. 2. 44 Jeder Gruß in die Eintönigkeit der Zelle ist eine große Freude. Zu meinem Geburtstag erfreute mich sehr der Sylvesterbrief meiner leiblichen Schwe- stern und Schwäger. Danke doch ihnen und grüße sie herzlichst. Am Geburtstag hat mir Gott mehr- fache Freude geschenkt. Ich spüre es, daß man in Liebe meiner gedenkt. Denkt, ich war mal einen Tag zu zweit in meiner Zelle. Der Mitgefangene war von der„„‚Fliegerei“- eine Fliege, mit der ich mich tatsächlich anfreun- dete. Du weißt, daß ich eine besondere Beziehung zu den Tieren habe; erinnerst Du Dich noch an den Urlaub in Lychen, wo ich einen Schmetterling dazu brachte, daß er mir 18mal nacheinander auf den Finger flog? Das war mir eine der größten Freuden. Ach ja, ich lebe ja mit der Seele in einer anderen Welt. Aus ihr strömen mir gerade in der Einsamkeit viele Kräfte und Gedanken zu- die Ge- dichte, an denen ich Euch etwas teilnehmen lassen darf, kommen auch von da. Ich weiß, daß Ihr Euch freut, wenn ich Euch etwas ins Herzenskämmerlein hineingucken lasse. Ich lese z. Zt.„„Die Dämonen“ von Dostojewski. Es ist zwar diese Welt mir etwas fremd, in der er „„Seelenschnüffelei‘“(Psychologie) betreibt, seine Art der östlichen Erzählungsweise in ihrer Breite und Langatmigkeit mir weniger sympathisch, aber gleichwohl wieviel Zeitgemäßes läßt sich aus Do- stojewski immer lernen. Amüsiert hat mich der 258 Ausdr ihm| denke auch nicht unser Ihr e Pries: tisch“ darau sten| sefäh Schid Anzal seite Ich} Schie Geda Heut wir] Quad heilig 5 frohe eleisı Nun Euch ‚2.44 b eine mich \chwe- grühe inehr- an in einer ori”- freun- ehung ‚ch an erling er auf röhten ‚einer in der ie Ge Jassen . Buch erlein ‚ki. Es| der ‚e! geine Breite „abe! z Do h der Ausdruck„‚Beamtenekstase“, den ich gestern bei ihm las. Ich’ mußte an viele persönliche Erlebnisse denken- und mußte schmunzeln. Schmunzeln ist auch eine Gnade, von der leider die Theologen nicht schreiben.- Etwas ganz anderes, was mir für unsere Krankenschwestern einfällt. Warum richtet Ihr eigentlich den Versehtisch immer so, daß der Priester den Rücken kehrt? Stellt doch den„EB- tisch“ ganz ans Bett, so daß der Kranke immer darauf sieht! Daß das Natürliche immer am fern- sten liegt! Wie geht es den Kranken? Meinen so gefährdeten Berlinern? Grüßt sie alle besonders. Schickt doch, wenn Ihr könnt, dem Pfarrer eine Anzahl Spruchbildchen, so daß auch auf die Rück- seite noch ein Gedanke geschrieben werden kann. Ich bleibe halt Seelsorger und kann der armen Schicksalsgenossen nicht vergessen, die durch ‚die Gedankensaat eine Hilfe erfahren. Heute ist endlich alles weiß draußen. Ich glaube, wir bekommen weiße Ostern. Ja, schon naht die Quadragesima. Wir wollen uns alle bereiten für heilige Auferstehung. Möchte auch unser Volk frohe Ostern feiern können. Ich bete immer: Kyrie eleison und Agnus Dei. Nun besuche ich Euch alle im Geist und mache Euch ein Kreuzlein. In Treuen 1 Br. Paulus 17% 259 Die Fliege Du stutzest... Kaum merkbar naht sich dir ein [Etwas.... Ist's ein Feind? Bewegung heißt Gefahr! Doch zeigt es keine [Hast...? Nun hält der Finger still, kaum Haaresbreit’ von [dir entfernt... Dein zages Herzlein pocht... Ich sch’ es nicht, ich [spür’s, wie jeder Nerv sich in dir spannt, befehlsbereit für [raschen Flug. Es bleibt bewegungslos... Schon wirst du sichrer, ziehst die Witt’rung ein... [Es prickelt süß... Was ist's? Hast du den Schrittgetan? Kam’s näher auf dich zu? Jetzt rührt’s dich linde an... und schon bohrst du das Zünglein in die Krume, die mein Mund ge- [feuchtet.... Er mundet! Ein willkommen Mahl...! [Du läßt dir’s schmecken... Ganz sachte jetzt- du merkst es kaum- bist auf des Freundes Finger du geglitten... Jetzt wirst du keck und richtest am gedeckten Tisch [dich ein. Bald sind wir gute Freunde. Immer wieder [kommst du geflogen kühn auf des Fingers Rand, wo dein Süpplein [wartet 260 Hat Blei Das Doc „Nu Du die 8; Die ganze Mahlzeit halten wir zu zweit: ich sitz am Tisch und löffle, du schleckst am Finger [linker Hand. Hat Gott mich dir, hat Er dich mir gesandt als [Liebesboten? Bleib hier! Die Zelle reicht für zwei! Das karge Essen teil’ ich gerne noch mit dir! Doch nein! Die Sonne vor dem offnen Fenster lockt... „Nur ein Verdauungsflug! Ich kehre gleich [zurück...! Du übermüt’ger Flieginsfeld! In meiner Zelle [wohnt für dich das Leben- die Freiheit zahlst du mit dem weißen Tod. [77 8 244 Br. Paulus 24. 2.44 Vom 7. 1. datiert der legte Brief, den ich von Dir in Händen habe; er kam an zugleich mit Brief von Sr. Gertrudis v. 11.1.; seither habe ich nochmals (11./18. II.) Brief von dieser erhalten. Ist von Dir etwas verlorengegangen? Es wäre ja nicht ver- wunderlich nach dem, was man vom Zustand Ber- lins ahnt. Bitte vergiß meiner nicht! Es sind nun auch gegen zwei Monate, seit Du mich besucht hast; vielleicht bekommst Du doch wieder mal Er- laubnis; ich würde mich sehr freuen nach dem, was Ihr habt mitmachen müssen! Mein Zellennach- bar hat seit Deinem Besuch schon dreimal Besuch haben dürfen. Bitte!- ... Ich kann gottlob von mir Gutes berichten: ich bin gesund und innerlich froh; die Schwierigkeiten und Anfechtungen von Weihnachten liegen hinter mir; ich bin natürlich darauf gefaßt, daß ich immer wieder schwere Tage und Zeiten erleben muß und erhoffe dafür weiterhin die Gnade von oben, die mir nicht zuletzt Euer Beten vermittelt. Habt alle Dank für EuerGedenken vor Gott, das ich(1 Thes. I, 2 ff, II, 8 ff) ebenso für Euch übe.- Nun haben die 40 Tage der Auferstehungsberei- tung begonnen. Heilige Quadragesima! Daß doch 262 die M nähme solida Leid, bereit barm« Ich w vlaub von 0 nenta badet gang, in de Hast wäre beten malı Licht Ich 4 Der TE nn die Menschheit den Ruf des Herrn(Mt IV, 17) auf- nähme und zur Metanoia käme! Wir alle haben ja solidarische Menschheitsschuld zu sühnen durch das Leid, das heute alle trifft; wir wollen tapfer und bereit unser Maß auf uns nehmen. Daß das Er- barmen Gottes uns allen österliche Freude schenke! Ich wünsche und erbitte es Euch täglich. Und ich glaube sicher, daß es Euch weiterhin am Schutz von oben nicht fehlen wird. Welch herrliche Son- nentage erlebt man derzeit! Gestern z. B.! heute badeten wir gerade in der Sonne beim Spazier- gang. Das tut wohl; man ist ordentlich lufthungrig in der Zelle!- Hast Du das Lebensnotgebet bekommen? Wie schön wäre es, wenn meine Schicksalsgenossen es mit mir beten könnten; es gäbe ihnen gewiß Trost; sprich mal mit Pf. Buchholz(grüße ihn!); schade, daß ich nicht mit,ihm sprechen kann!- Ich denke aller Freunde.- Der Friede des Herrn sei überreich mit Euch allen! Ir Br. Paulus 203 ——— 24. 2.44 Brief an Br. Michael(Diakon), einen Mitbruder der Ge- sellschaft: Lieber Bruder! Seit ich von Deiner schweren Ver- wundung weiß, denke ich täglich in meinen Gebe- ten in ganz besonderer Weise Deiner. Ich nehme innig Anteil an Deinen Leiden und Sorgen; es ist mir aber ein großer Trost, daß Du Deine Wunden im Dienste helfender Liebe erhalten hast(Sanitä- ter). So trägst Du sie als Ehrenzeichen der Dienst- bereitschaft. Und getröstet bin ich vor allem im Wissen, daß den Gottliebenden alles zum Besten gereicht.(Röm. 8. 28.) Es wird diese Zeit unfrei- williger Stille(wie mir) Dir zum Segen sein; ich denke an Ignatius und seine Berufung. Vielleicht- ich denke dabei auch an mich- muß Gott gerade so aktive Menschen zu der großen schöpferischen Pause zwingen, ohne die ichgelöste Hingabe nicht gefunden wird... Wie gerne käme ich Dich be- suchen! Und nun, lieber Bruder, sei Gottes Gnade mit Dir und gebe Dir wie mir den Frieden Christi, der durch nichts erschüttert werden kann. Liebe und Freude des Hl. Geistes! In Treuen grüßt Dich Dein il Br. Paulus aulus Röm. VIII, 17 ff 31 ff Barmherzigkeitslitanei Herr, wir preisen Deine Güte und Barmherzigkeit, Groß bist Du, heiliger, starker Gott, und aller Güte [voll. A.: Herr, wir preisen Deine Güte und Barmherzig- [keit. Du bist die Liebe selbst, Schöpfer und Vater alles [Lebendigen, guter Vater aller Menschen.- A Herr, Allsorgend ist Deine Vaterliebe: Kein Haar fällt von des Gerechten Haupt ohne Deinen Willen.- A Herr,...: - Du läßt Deine Sonne scheinen über Gut und Bös und erquickst mit Regen auch, die ihn nicht ver- A.» Herr,....[dienen. Langmütig bist Du über die Maßen, gibst Fehlen- den Zeit und Gnade zur Buße. A.: Herr,.... Du hassest alle Bosheit und erbarmst Dich doch allzeit der Sünder. Ar Herr,.... Herr, wir danken für Deine Güte und Barmherzig- [keit. 265 Du nahmst den Stammeltern das Paradies und gabst ihnen zugleich die Verheißung kommen- ‚der Erlösung. A.: Herr, wir danken... In der Sintflut tilgtestDu ein verderbtes Geschlecht und rettest zugleich Noe mit den Seinen in der Arche. A.: Herr, wir danken... Du schlossest einen Bund mit dem von Dir erwähl- ten Volk und bliebst ihm treu trotz all seiner Untreuen. A.: Herr, wir danken...‘ Wie auch menschliche Bosheit überhand nahm, Dei- ne erbarmende Güte war immer noch übermäch- tiger. A.: Herr, wir danken... In der Fülle der Zeiten sandtest Du den Erlöser, Deinen ewigeinzigen Sohn, als unsern Menschen- bruder zur Erde. A.: Herr, wir danken... Im Übermaß Deiner Liebe zu uns Menschen ließest Du Deinen Sohn sterben am Kreuz, um uns für das ewige Leben zu retten. A.: Herr, wir danken... Herr, wir glauben an Deine Güte und Barmherzig- [keit. Du hast uns entrissen der Macht der Finsternis und versetzt ins Lichtreich Deines Sohnes. A.: Herr, wir glauben... Frohe Botschaft immer bereiter Gotteshuld ist uns gegeben im Gnadenwort Deines Sohnes. 266 ren men- lecht der vahl- ner A.: Herr, wir glauben... Im Herzen Jesu Christi, unseres Herrn, quillt uns ein unerschöpfbarer Born göttlichen Erbarmens. A.: Herr, wir glauben... Im siebenfachen Strom fließt uns Deine Gnade zu kraft des Kreuzesopfers, das täglich neue Ge- senwart wird auf den Altären. A.: Herr, wir glauben... Deine suchende Heilandsliebe holt uns heim von den vielfachen Irrwegen unserer Sünde und Schwachheit. A.: Herr, wir glauben.... Himmlisches Brot gibst Du uns als Wegzehrung auf der Pilgerschaft undals Pfand des ewigen Lebens. A.: Herr, wir glauben... Herr, wir bitten um Deine Güte und Barmherzigkeit. Für die Gemeinde all der Deinen auf dem ganzen Erdenrund. A.: Herr, wir bitten... In der Schwachheit und Hinfälligkeit unseres vom Tode gezeichneten Leibes. A.: Herr, wir bitten... In der mannigfachen Anfechtung des Irrtums und der Sünde. A.: Herr, wir bitten... In_der vielfältigen Not, die unser Leben täglich be- droht. A.: Herr, wir bitten... In der Stunde unseres Todes. A.: Herr, wir bitten... Am Tage Deines Gerichtes. A.: Herr, wir bitten... „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und Erkennt- nis Gottes! Wie unbegreiflich sind Deine Gerichte! Wie unerforschlich Deine Wege!“(Röm. XI, 33). Herr! Wir preisen Deine Güte und Barmherzigkeit. A.: Wir danken für Deine Güte und Barmherzigkeit. Wir glauben an Deine Güte und Barmherzigkeit. A.: Wir bitten um Deine Güte und Barmherzigkeit. Amen! nnt- te! 33). keit. keit. keit. keit. 23. 3.44 ...Ich glaube auch, doch muß ich manchmal dazu sagen:„Herr, hilf meinem Unglauben!“ Es ist nicht einfach, auch wenn man im Glauben Ja sagt, bald ein halbes Jahr in einer engen Zelle, ständig gefes- selt, abgeschnitten von jedem ‚‚menschlichen“ Wort zu sein- da hungert man darnach, mal einen lieben Menschen zu sehen... Ich bin für einen Gruß dankbar... Ich habe eine größere theol. Abhandlung z. T. ge- schrieben über die geistigen Grundlagen der So- cietas Christi Regis, es sollte eine kleine Überra- schung auf den 25. Jahrestag für Euch sein. Hof- fentlich gelingt es mir, sie fertigzustellen und be- komme ich dann die Erlaubnis zur Übersendung. Die geistige Arbeit, die ich leisten darf, ist mein großer Trost; noch etwas habe ich im Schild: ich übersetze den Römerbrief*) ins Deutsche, so daß er wirklich zu lesen ist; leider habe ich aber den Urtext, das griechische Neue Testament noch nicht zur Hand bekommen; ich hoffe aber darauf. Ich glaube, daß ich dann Wesentliches schaffe.- Nun wißt Ihr wieder etwas von mir. Hoffentlich höre und sehe ich bald auch von Euch etwas. Daß wir alle das Osteralleluja in neuer Freude singen könn- ten! Kyrie eleison! Grüß alle herzlichst. Dominus vobiscum! Ar Br. Paulus ®) Der Römerbrief ist am Vortage seines Todes fertig ge: worden. 269 Christ der HERR ist auferstanden! Christ der HERR ist auferstanden! leibverklärt in Herrlichkeit. Kündet laut in allen Landen Freiheit! Friede! Freudenzeit! Singt Triumph! Denn überwunden ist der Feind! Der HERR gebeut! Heiland aller Sünden Wunden, bracht’ Er die Erlösung heut. Christ der HERR ist auferstanden, jubelt, die ihr todgeweiht! Der des Teufels Kampf bestanden, uns aus Höllenfron befreit. Nimmer in dem Leib, dem neuen, Leben mehr im Grab verwest. Heil’gen Lebens froh, ihr Freien, hebt das Haupt: ihr seid erlöst! Christ der HERR ist auferstanden! Erstling Seiner heil’gen Schar. Heil und Leben alle fanden an des Herren Kreuzaltar. Die mit Ihm ihr war’t gestorben, auferstanden seid ihr heut’. Was im Tod Er euch erworben, euer ist’s: die Herrlichkeit! 10.4. 44 270 P EEE EEE ET TE Lied, Vertont: Alleluja! Alleluja! Singt die Weise ostermächtig laut ins Land! Alle Welt den Sieger preise, der aus dunklem Grab erstand! Sonne überwand die Nacht: Christ’ hat neuen Tag gebracht. Alleluja! Alleluja! Tod! Wo ist dein’ Macht geblieben? Höllenfürst wie bist du klein! Alles Dunkel muß zerstieben vor der Ostersonne Schein. Trutz dem Teufel! Trutz dem Tod! Christus überwand die Not. Alleluja! Alleluja! Neu ergrünt die alte Erde, hoffnungsträchtig, glaubensfroh. Gottes Wort erklang:„Es werde!“ Frost und Winternacht entfloh. Lenzes Licht und Osterschein: Christus, Herr, bist DU allein. Alleluja! Alleluja! Lied, Vertont: Nun singt in frohem Jubelklang: Der HERR ist auferstanden! Der mit dem Tod und Teufel rang, zerbrach der Sünde Banden. Dem Sieger, der nun triumphiert, in allen Weisen jubiliert: Alleluja! Alleluja! Im neuen Leben gottverklärt, der HERR stieg aus dem Grabe. Nun flieht der Tod! Das Leben währt, des ew’gen GEISTES Gabe. Der Tod und Sünde überwand, ist uns des Lebens Unterpfand. Alleluja! Alleluja! Vergeblich war der Feinde Wut, doch nicht umsonst Sein Sterben. Mit Seines Herzens warmem Blut erlöst Er uns zu Erben. Nun führt Er Seines Sieges Bahn die Seinen alle himmelan. Alleluja! Alleluja! _— ET zäh z E 2 SZ Äuferstehungsgebet . | Gott! Du bist die Kraft, die nie erschlafft, das Licht, das nie erlischt! Sei gnädig nah dem wunderbaren Heilsgeheimnis, das Deine ganze Kirche feiert! | Wirk’ an den Menschen Deines Friedens Werk nach Deinem ew’gen Weisheitsplan! Mach offenbar der ganzen Welt, laß sie erleben, wie alles, was zu Boden liegt, nun neu ersteht, und was vergreist war, nun verjüngt zur ersten Lebenskraft sich wendet, von der den Ausgang es genommen! Durch Jesus Christus, unsern Herrn, mit Dir im Heil’gen GEISTE eins, lebend’ger König, ist Er Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. (Oration nach der 2. Prophetie des Karsamstags.) r Ihr Willensmenschen! Nimmer kann ich lieben euch harte Herrn, Fanatiker der Pflicht. Ihr seid nur Faust und Fuß; fühllos geblieben ist euer Herz! Ihr kennt das Mitleid nicht! Verstandesmenschen! Ihr seid mir zuwider mit eurer kalten, rechnenden Vernunft. - Ihr treibt nur Logik, schmäht des Herzens Lieder ze 273 gemüt- und blutlos, arm ist eure Zunft! Die ihr Gemüt und Herz allein, euch fehlet zum wahren Menschen Festigkeit und Kraft, die Nüchternheit und Zucht, in Glut gestählet, des geistgeführten Willens Segensmacht. Der Edelmensch- so ist er sonder Tadel: Verstandeslicht und warmes Herzgespür mit Willenskraft geeint! Das ist der Adel des Menschentums, der neuen Erde Zier. Wer zwingt die Welt, daß aus den grausen Wirren des blut’gen Kriegs sie wieder aufersteht zu sich? Daß sie nach all dem Trug und Irren den Weg der Wahrheit und der Freiheit geht? Wer gibt dem Chaos wieder neue Ordnung? Der Welt die ausgeglich’ne Harmonie? Ist es das Schwert? Ist’s aufgezwungne Mordung? Ist’s neuer Völkerbund? Demokratie? Vergeb!ich sind die Ströme Blut geflossen- Gewalt nicht, den sie hofft, den Sieg- die Jug; d aller Welt umsonst erschossen! Es bleilt nur eine Hoffnung: neuer Krieg... Der Diesseitsweisheit letzter Schluß ist Morden; Verzweiflung faßt die ganze Menschheit an! Doch nein! Erlösung ist verkündigt worden in IHM, der Freiheit aller Welt gewann. Was retten kann, ist Liebe nur und Glaube, Das Blut aus des Erlösers Herzen heiß. Vor Gewalt entflieht die Friedenstaube. Das Kreuz allein verheißt den Siegespreis. rn are Ih D Wann kommst Du Herr, mit Deiner Macht, : die Feinde zu verjagen? Zünd’ an die Fackel-in der Nacht und laß es endlich tagen! Mit starker Hand schlag an das Tor des Kerkers dieser Erde! Tritt selbst als Führer dann hervor, als Hirte Deiner Herde! ”z Der Menschheit Amme ist die Not \ des Leibes und der Seele, Ihr letztes Lebensziel der Tod. Er würget aller Kehle. ung? Wir sterben all am grimmen Krieg. Es will kein Ende werden. Herr, zieh das Schwert! Führ Du zum Sieg den Frieden auf der Erden! Zerschlag des Unrechts Allgewalt, D; des Hasses und der Fehde! Gebeut dem bösen Feinde Halt und aller Lügenrede! Dein Reich! Das ist das allermeist! Herr, schaff es uns hienieden! Die Freiheit ist nur, wo Dein Geist! \ Nur Liebe zeugt den Frieden! er 275 Wie lange noch? Wie lange noch soll dieses Morden dauern? Wie lang-verstört in dumpfen Kellern kauern die bleiche Angst, die Sorge, große Not? Wohin ich schau’, ich sehe Tod, nur Tod...! Muß das so sein? Sind wir verdammt zur Hölle ° schon jetzt? Soll Friede nirgends eine Stelle mehr finden in der ausgebombten Welt? Verweigern ihm die Menschen jedes Zelt? Es muß nicht sein! Es haben die Dämonen nur Macht, wo Unrecht, Haß und Lüge wohnen! An Gottes ewiger Satzung findet Halt des bösen Feindes blut'ge Truggewalt. So ruft das Volk! Ruft es zur Lebenswende! Daß es noch einmal Gottes Gnade fände. Ruft es zur Wahrheit, Freiheit, Liebe, Recht! Erzieht in Ehrfurcht Gott ein neu Geschlecht! Heißt Lüge wieder Lüge! Sagt ein Amen zur Wahrheit und zu Gottes heiligem Namen! Laßt Macht dem Rechte fronen, Recht nicht Macht! Heißt„Recht“ nicht; was nur Eigennutz erdacht! Nennt eitel nicht die heiligen Menschenrechte! Macht Freigeborne nicht zum Götzenknechte! Gewissen achtet! Gebt die Rede frei! Erziehet Stolz, nicht feile Heuchelei! 276 Wer nicht durch Arbeit dient, soll auch nicht essen! Wer ehrlich werkt, dem sei auch zugemessen die Ehre und das volle Recht, der Preis, den ihm verdient der Stirne saurer Schweiß. Verachtet nicht die Zucht der keuschen Liebe! Der Liebesbund, dem Treue fehlt, der bliebe der Menschen Würde und des Segens bar. Das deutsche Wort muß bleiben klar und wahr! Pflegt Volksgemeinschaft nicht mit hohlen Worten! Dem Opferdienst bewährt sich aller Orten die Liebe, des Gemeinsinns Tiefenkraft; \ das baut das Volk, das große Zukunft schafft. Wollt ihr in Stolz die eig'ne Flagge hissen, so gründet eure Ehre im Gewissen! Es hängt die Achtung, die ihr finden wollt, an Achtung, die ihr fremdem Rechte zollt. Wollt ihr mit Faust und Stiefel nur gebieten, i bleibt Heuchelei ein jedes Wort vom„Frieden“. Wer Fremdes achtend eig’nem Volke dient, der Zukunft hehren Preis verdient. iE | 1 H I 278 Am Montag nach der Österwoche 17. April 1944, 15.26 Uhr, wurde in Brandenburg das Urteil vollstreckt. ... Bekenner Jesu singt erfreut: Alleluja! Alleluja! In Paul Lebe gend EEE EEE Air 3 Be BETTER In den ersten Jahren seiner Gesellschaftszeit legte Br. Paulus mit glühendem Apostelherzen das Idealbild seines Lebens, dem er bis zur letzten Stunde treu blieb, in fol- gendem Lied nieder: St. Paulus-Lied So möcht’ ich auch ein Herze haben, So weltenweit. und groß wie du, Geschmückt mit Heil’gen Geistes Gaben, Nicht eher findt mein’ Seele Ruh’. So möcht ich durch die Länder wallen, Des höchsten Königs Herold sein, Die frohe Botschaft künden allen, Für ihn die Völker alle frei’n. Heil’ger Paulus, steh mir bei, Daß ich Deiner würdig sei! Weltapostel, führe mich! Heil’ger Paulus, bitt’ für mich! So müßt’ mich Heilandslieb’ verzehren In unstillbarem, heißem Drang, Wie dich, des Königs Reich zu mehren, Die Liebe trieb ein Leben lang! Wie du, so dürft’ ich nimmer rasten, Solang ein Heid’ auf Erden ist, Nicht Hunger scheu’n, nicht Durst noch In Gottes Fron zu jeder Zeit.[Fasten, Heil’ger Paulus... 279 So müßt ein Feuer in mir lohen Voll heil’ger, reiner Gottesglut, Daß, ob auch Tod und Teufel drohen, Ich freudig gäbe Gut und Blut! Des Heilands Wunden an mir tragen Wie du, müßt’ mir willkommen sein, In seinem Kreis das Höchste wagen, Müßt’ meiner Seele Sehnsucht sein. Nur ein Gedanke dürfte leben In meiner Seele schicksalsgroß: Daß wir in Gottes Liebe weben, Entsprungen seinem Allmachtsschoß. Ein Wille nur, ein mächtig Streben, Durchdringen müßt’ es Hirn und Herz: Dem alle Macht im Himmel’geben, Er muß regieren allerwärts! Apostel Gottes, reich an Werken, Ich bin so kraftlos, arm und klein! e Doch wird mich Gottes Gnade stärken, Kann ich wie du Apostel sein. Werd’ freudig dann das Kreuz umfassen, Mit Jesus leiden ohne Scheu,| Und froh mein junges Leben lassen, Dem Meister bis zum Tode treu.| Heil’ger Paulus... Und steh’ am Ewigkeitsgestade Ich elend einst, so wie ich bin, Dann fleh’ für mich um Gottes Gnade, Daß Sterben werd’ für mich Gewinn. Ja fleh’, daß, wenn die Schleier fallen, Ich eingeh’ in das reine Licht, Den Schöpfer schau’ in sel’gem Wallen Von Angesicht zu Angesicht. Heil’ger Paulus steh’ mir bei, Daß ich deiner würdig sei! Weltapostel, führe mich! Heil’ger Paulus, bitt’ für mich! Br. Paulus 'Dr. Matthias Laros, der Herausgeber dieser Briefe, wurde am 18. März 1882 ın Trier geboren, absolvierte dort das Gymnasium, studierte Philosophie und Theologie am Priesterseminar in Trier und an den Universitäten Straßburg, Bonn, Gießen und Würzburg, war von 1907— 1913 als Kaplan tätig und promovierte 1974 zum Dr. theol., war dann Pfarrer in Rodershausen, Gaichlingen und ist es bis jetzt noch in Kapellen-Stolzenfels am Rhein. Dr.»Laros ist der Herausgeber der Sammlung„Religiöse Meister“ 26. Bändchen; Herausgeber der deutschen Newman-Ausgabe, 8 Bde. Habilitationsschrift„Das Glaubensproblem bei Pascal“ Übersetzung der„Pensees“ von-Pascal und Sonderschrift„Der Intuitions- Begriff bei Pascal“ für die Promotion in der Philosophie. Außerdem hat er 16 eigene Bücher verlegt, die sämtlich von den Nazis verboten und schließlich verbrannt worden sind. ‚de am astum, jer und 7g, war um Dr, tesbis feister" 9 Bde. setzung BegrÜl hat er ven und EEE nn 1 ppetrmen ne: ran Christi— gefesselt für Christus, wie gefangen von Chri us— war Dr. Max Joset Metz- ger allezeit, itdem m n Bi- chof die Hände zur Salbung und Weihe gebunden hatte. Freimütig hat er überall Zeugnis abge für die Frohb« haft und da Friedensreich des Herrn, für die Weltgemeinscha di Erlöste h und die Achtun Mensch leben und-freiheit gefordert Mit qualvoll blättert er in den letzten Mona ten seiner Gefangenschaft ım | che der Bücher, dem er Befehl | und Bahn für seinen Lebenslauf entnommen hatte, und schreib on seinem Beten und Erkennen, on seinem Wollen und Lieben Was er uns als Vermächtni rker dunkelsten Gefäng Jahrhu de und 1 treckt licher Brude worden niedergeschriebene ür den Höhenflug ıller Erdens nung befreit Victor quia vietima und hingemordet wurde| ENTER EEE N EEE ET In Colour& Grey Control Chart Cyan Green Yellow Red Magenta Grey 1 Grey Den Grey 3 Blue Grey 4 ee Black HERAUSGEGEBEN VON DR.MATTHIAS LAROS