6hRMAMRF VeRBUMiub I. HUGDIETRICH. NRL POLLONLUS INAU6URAL-DISSERTATION ZUR ERLANGUN6 DER DOCTORWURDE DER PHILOSOPHISCHEN FAKULTAT GIESSEN EINGEREICIIT VON KuRl WoLRSKRRI. DARMSTADT. VERLA6 VON ARNOLD BERGSTRASSER. 1893. 27R 12 19. Nov. 1983 25. Juni 1986 0 7. Wri 1988 0B GESSEMN Nur 2 im G6. Otto's Hof-Buchdruckerei in Darmstadt. ⸗ MEINEN ELT B RN. Aussere Gründe veranlassen mich, aus einem grösseren Werk:„Germanische Werbungssagen“ die beiden nachfolgen- den Abhandlungen vorläufig zu veröffentlichen. In der vor— liegenden Gestalt bieten sie zwei völlig unabhängige Be- arbeitungen; ihre Stellung zu einander, sowie die ihnen im Kreis einschlägiger Sagengestaltungen zukommende Bedeu- tung, wird erst im Rahmen der umfassenderen Arbeit zu Tage treten. wurd Sohn bin. haus 1878 stadt ich( verli man Berl den top Bal Gei hag Dr. Pro men LEBENSLAUF. Ich, Karl Wolfskehl, der Verfasser dieser Dissertation, wurde geboren zu Parmstadt, am 17. September 1869 als Sohn des Bankiers, jetzigen Rentners Otto Wolfskehl. Ich bin Jude. Nachdem ich den ersten Unterricht im Eltern- hause genossen hatte, war ich von Herbst 1876 bis Herbst 1878 Schüler des Dr. Maurer'schen Privatinstituts zu Darm- stadt. Von da ab, Herbst 1878 bis Herbst 1887 besuchte ich das Ludwig-Georgs-Gymnasium meiner Heimatsstadt und verliess es mit dem Zeugnis der Reife zur Universität. Ger- manistischen Studien obliegend, habe ich mich von Ilerbst 1887 bis Herbst 1891 auf den Universitäten Giessen, Leipzig und Berlin aufgehalten. Vorlesungen bezw. Ubungen hörte ich bei den Herren Professoren: Braune, Oncken, Frhr. von der kopp, von Bradke, Philippi, Leskien, Hildebrand, von Bahder, Brugmann, Biedermann, Zarncke, Springer, Geiger, Schmidt, Bresslau, Siebeck, Schiller, Be- haghel, Höhlbaum, Groos sowie dem Privatdocenten Herrn Dr. Meyer. Allen diesen Herren, vor den Andern aber Herrn Professor Dr. O. Behaghel sage ich auch an dieser Stelle meinen wärmsten Dank. 7 der in Anfan manni hüllun Spröd sonsti 1 Eraühl 344 m andte 2 noch d Das g quin“ reiche Bedeu Vorge Voli herg. bestim Ceders 6ERMANISOHE WERBUN6SSAGEN. A. HUGDTETRICMH. Zu den am häufigsten wiederkehrenden„Wanderzügen“ der internationalen Märchenlitteratur gehört das Motiv, dass der Anfangs verschmähte Liebhaber, unkenntlich geworden durch listige Verkleidung, die Gunst der Jungfrau gewinnt. Höchst mannichfaltig sind die hier in Anwendung kommenden Ver- hüllungsarten, stets aber bleibt das Grundprincip das gleiche. Mag er als„verstellter Narr“! endlich vor den Augen der Spröden Gnade finden, mag er als Bettler, Pilger oder in sonstiger Maske? seiner Schönensich erfolgreich nähern, immer Sieche Liebrecht Volksk. 141 ff., Parallelen zu den hier behandelten Erzählungen bietet u. a. Wlislocki, Germ. 33, 342 ff., von denen die Seite 344 mitgeteilte aus einer Verschmelzung zweier ursprünglich unver- wandter Motive entstanden ist. * Vergl. bes. Böckel Volksl. CXLI., wos. weitere Verweise. Dazu noch die portugiesische Romanze bei Wolf S. B d. W. A. XX Seite 116 fl. Das gleiche Motiv bietet eine katalonische Romanze„la hija del Mallor- quin“ bei Wolf a. a. O. Nr. 8. Eines der interessantesten der zahl- reichen deutschen Lieder dieses Inhalts, das ausdrücklich die erotische Bedeutung dieser Verkleidung hervorhebt, während sonst meistens die Vorgeschichte des Bettlers bezw. Pilgers vergessen ist, findet sich Uhland Volksl. 100 B., Böhme Nr. 47, Venusgärtlein S. 156— 57 d. Ausg. von Wald- berg. Allerdings ist die Verkleidung hier zur Ueberlistung des Ehegatten bestimmt(s. u.) Weitere Zusammenstellungen bietet Reinh. Köhler in Cederschiölds Ausg. der Clarussaga I. Allgemein bekannt ist das Ver- 1 ist bei den oft sehr obscönen Geschichten wenigstens ur- sprünglich das wesentlichste, dass der Verkleidete unerkannt bleibt. Freilich ist dieser Zusammenhang nicht selten vergessen und es gewinnt dann den Anschein, als handle der Liebhaber im Einverständnis mit seiner Dame. Doch gehört dies stets späterer Entwickelung an und in vielen Fällen lässt sich noch erkennen, welche äusseren Umstände solche Veränderung be- wirkt haben. Eine Stofferweiterung einfachster Art bieten die Erzählungen, in denen die Spannung durch Verdoppelung des gleichen Motivs gesteigert werden soll,! sodass z. B. in unserer Gruppe der Jüngling erst nach mehrfacher, natürlich stets wechselnder Wiederholung der Verkleidungslist zu seinem ersehnten Ziele gelangt. Das älteste Beispiel dieser Art ist wohl die Ovid Metam. XIV, 623 ff. mitgeteilte Erzählung von Vertumnus und Pomona.? Nicht immer richtet sich die Verkleidung gegen die wider- strebende Jungfrau; auch der Vater oder andere Personen, kleidungsmotiv geworden durch C. A. Andersen's Märchen„der Schweine- hirt“, auf welches auch Cederschiöld I hinweist. Eine eng zusammenhängende Gruppe bilden die Darstellungen, in denen der Liebhaber als Gott oder Heiliger sich vermummt, s. dar. die Bemerkungen und Verweise Tittmann's zu Ayrers„der verlarft Fran- ciscus“ Schauspiele a. d. 16. Jahrh. II, 155— 156 und Landau„Quellen des Dekamerone“ 293 ff. Die ältesten einschlägigen Erzählungen finden sich bei Josephus(Antiqu. jud. XVIII c. 4) in der Geschichte von Mundus und Paulina und Pantschatantra I 58— 62 Daz. II 48— 56„der Weber als Wischnu“. In neuerer Zeit hat Rehfues diesen Zug am Schluss seines Romans„Scipio Cicala“ wieder verwandt: Der Titelheld erscheint in der Maske des heiligen Franciscus in einem Nonnenkloster, erreicht aber seinen Zweck nicht. Pin Werk, das auf psychologischer Grundlage eine einschlägige Principienlehre böte, steht trotz oder vielleicht wegen des massenhaft vorhandenen Materials noch aus. Höchst wichtig ist Beer's Aufsatz „Zur mythologischen Methodik“ Germ. 33,1 ff. Speziell über die im Text erwähnte Gemination finden sich wertvolle Notizen in Jahn's gehaltvoller Einleitung z. s. Volksmärchen aus Pommern, Berlin 1891 und in Beer's Abh.„zur Hildensage“ P. B. B. 14, 522— 73 passim, s. a. Spiller Zur Geschichte des Märchens vom Pornröschen, 1893, S. 10— 16. Siche darüber Bugge, Studien 137. q ije übe wer gete äuss Stell Nel wäl toel bre ihre V0n halt Kül Zel une 947 Teil die mit I. der Str hei leis ie San kes Ki me Mi ebe ei sie Ur- nt en ber ets och be- die ug in ich em ist ng er- en, ine- in die an- llen den von der am eld ter, aft sut? im m's 891 16. —— die dem Werber im Wege stehen, werden auf diese Weise überlistet. Wie unbefangen hierbei Entlehnungen gemacht werden, zeigt treffend das von Wlislocki a. a. O. 344 mit- geteilte„Zigeunermärchen“. Er selbst stellt es nach rein äusserlichen Gesichtspunkten unter die Erzählungen„vom ver- stellten Narren“, bemerkt aber nicht, dass dieser hier nur als Nebenmotiv auftritt, dass er nur die ziemlich willkürlich ge- wählte Begründung des erfolgreichen Vordringens zur„Königs- tochter im Turm“ abgiebt. Dieser uralte! und weithin ver- breitete Stoff von der eingeschlossenen Maid, die meist von ihrem Vater? manchmal auch, so in der Rapunzelgruppe,? von zaubrischen Gewalten? oder von Feinden? gefangen ge- halten wird, während es dem Liebhaber durch List und Kühnheit gelingt zu ihr zu kommen, hat seiner weitreichenden Beliebtheit zufolge die verschiedenartigsten Ausschmückungen und Bearbeitungen gefunden.“ Insbesondere das in ihm ent- Schon der Danae-Mythus gehört hierher, s. z. B. Roscher Lex. 947— 49. Peispiele hier zu geben, ist unnötig, zumal ein, freilich geringer, PTeil derselben im Text Erwähnung findet. Auch der Pornröschen-Mythus gehört hierher, s. über diesen die schon erwähnte Abh. Spillers, ebenso vielleicht die Georgslegende mit den von ihr abgeleiteten Sagen, s. Golther Abh. d. bair. Ak. XVIII, II. Abt. S. 478 ff., Einleitung z. Hürnen Seyfrid XXIII. Pines der weniger bekannten Beispiele dieser Art enthält eine der Romanzen von Robin Hood, s. Fricke: Die Robin Hood-Balladen⸗ Strassb. Diss. S. 86; hier dringt der Held im Pilgergewand zu der von Feinden bedrängten Jungfrau und erlöst sie. s Pine zusammenfassende Monographie über diesen Gegenstand ist leider noch nicht vorhanden; was die einschlägigen Zusammenstellungen in„Am Urdsbrunnen“ 4, 10— 14, 61— 64; 5, 141— 43 6, 80 bieten, erhebt sich trotz der dankenswerten freilich auch sehr unvollständigen Material- sammlung nicht über das allgemeine Niveau dieser Zeitschrift. Inte- ressant ist das Kinderlied von der„Königstochter im Turm“ bei Simrock Kinderbuch S. 165 Nr. 455. Ausführlicher ist es erhalten und mit be- merkenswerten Zügen ausgestattet in der Fassung bei Müllenhoff: Märchen, Sagen, Lieder ete. Nr. XLI S. 485. Pin ähnlicher Reim steht ebenda 394 als Schluss einer Erzählung, die damit beginnt, dass ein König seine Tochter und deren Kammerfrau in einen Turm einmauert, da er sie ihrem Liebsten nicht geben will. In ihrem weiteren unorganischen 1* haltene Befreiungsmotiv, die glückliche Gewinnung der Ge- liebten, trat durch Vermummungen, Zaubereien und Anschläge aller Art in die Erscheinung, natürlich ohne seinen Grund- charakter aufzugeben. Dass dabei Vorhandenes scrupellos zu bequemer Dra- pierung benutzt wurde, und wiederum fremdartige Stoffe sich dem beliebten Schema beugen mussten, dies Alles hat, wie 8so oft, eine Reihe von Motivverflechtungen zu Wege gebracht, deren Entwirrung, so erspriesslich sie nach jeder Richtung zu werden verspricht, auch wegen methodischer Schwierig- keiten nicht unbedenklich erscheint. Auf der anderen Seite aber darf es wohl als principieller Gewinn betrachtet werden, wenn sich an einem einzelnen Falle aus inneren Gründen Zusammenhänge nachweisen lassen, denen gegenüber formelle Angleichungen nichts zu bedeuten haben. Mag die Wirkung der Analogie auch auf litterarischem Gebiet noch so weit- gehend und einschneidend sein, stets ist daran fest zu halten, dass in den meisten Fällen nur von Umformungen, nicht von Neubildungen die Rede sein kann und dass wenigstens auf Sagengeschichtlich- mythologischem Gebiet die Aufdeckung von„Entlehnungen“ und„Reminiscenzen“ niemals die innere Entwicklung des betreffenden Stoffes begreifen lässt. So lässt sich freilich nicht leugnen, dass die im Wolfdietrich B. er— haltene Erzählung von Hugdietrich's Brautfahrt in der uns vorliegenden Parstellung nach Art der Geschichten von der „Königstochter im Turm“ aufgebaut ist. Es wird sich aber, so hoffe ich, ergeben, dass trotz dieser starken Beeinflussung durch einen vielverwandten Wanderzug der Kern der Sage sich aus altem germanischem Mythengut formt. Eine feste Ansicht über Alter und Wert unserer Werbungssage hat sich noch nicht gebildet. Ich halte es deswegen für angezeigt, vor Beginn meiner Beweisführung die bis jetzt geäusserten Meinungen in gedrängter Uebersicht Verlauf— es liegt offenbar Contamination zweier Stoffe vor— ähnelt die Geschichte sehr der bei Poestion, Isl. Märchen Nr. I S. 1— 10 mit- geteilten. Wertvoll, weil in ihm die Schwimmer- und Lenorensage, verbunden sind, ist das katalonische Lied von der im Turm verschlos- senen Maid„El caballero de Mälaga Wolf a. a. O. 9. wie die Stü eint der We iti ein 6 de 2 al we un wiederzugeben. Grimm Myth.* 230 Anmerkung erklärt Hug- dietrich und Hagbard für identisch, ihm erscheint„das ganze Stück...... ungemein lieblich und sicher uralt“. An einen organischen Zusammenhang der Hugdietrich-Sage mit der von Wolfdietrich scheint er nicht zu denken. Holtzmann Wolfdietrich LXXXI begnügt sich damit, Grimm's Urteil citierend zu wiederholen. Grundtvig D. G. F. I. 271 f. giebt eine Inhaltsangabe der Sage, nachdem er ohne Begründung erklärt hat, dass sie„aabenbart grundenr sih puu en haummel ls Polkebise, der wauu hae hat en iMe rinhe Piyhed med „0 Haborsbise.“ Wackernagel, der auch sonst buggisierende Tendenzen zeigt,! denkt Litt. Gesch. 188 an eine Entlehnung des in der Sage von Achilles und Peidamia verwandten Motivs. Der einzige Müllenhoff erkennt den inneren Zu- sammenhang H. 7. 6. 456, 457:„Fs mag hier immerhin der Rest eines alten Mythus erhalten sein: Odhin nimmt die Gestalt eines alten Weibes? an, um bei der Rinda zum Zweck zu kommen. Aber...... keineswegs kann früher jener Mythus die ganze Sage von Hugdietrich ausgemacht und die Gestalt gehabt haben, in der er überliefert ist“. Jaenicke, der D. H. B. 4 XL—XLII über den Hugdietrich handelt, geht auf die Frage nach der Echtheit dieser Vorgeschichte zum Wolfdietrich nicht ein,s wenn er auch die Möglichkeit alter Ueberlieferung in Anlehnung an Müllenhoff nicht ab- weist. Seine Thätigkeit beschränkt sich auf das Aufsammeln und Aneinanderreihen der Dichtungen gleichen Motivs. Welche Bedeutung den von ihm XLl verglichenen Stücken zukommt, wird unten untersucht. Bugge erwähnt 135 Anmerkung 2 vorübergehend unsere Sage und weist ebda im Text kurz auf die Verwendung des Zugs hin, die er übrigens chrono- Bugge a. a. O. 132. Anm. 2 weist mit Recht darauf hin, dass Müllenhoff's Behauptung, Othinus habe sich als altes Weib verkleidet— eine Ansicht, die schon P. E. Müller aussprach(N. U. 121„sub specie anili“)— in Saxo's Parstellung, wo nur von einem„puellaris vestis“ die Rede ist, keine Begründung findet. a a. O. XL lehnt er es ausdrücklich ab zu entscheiden, welche Ueberlieferung die rechte sei. logisch ungebührlich beschränkt. W. Müller, Mythologie der deutschen Heldensage, bespricht unsere Sage an mehreren Orten, ohne zu einem festen Gesichtspunkt zu gelangen. (W 0 ist der Ansicht, dass„eine alte vielverbreitete Sage“ auf IIug- dietrich übertragen sei,„von dem die ältere Ueberlieferung wohl kaum viel gewusst hat“. Uebrigens vergleicht er ausser der Sage von Hagbard und Signy zwei der Turmgruppe an- gehörige Erzählungen. Meyer Germ. Myth. stellt 298—99 die„Blitzheroen“ zusammen, deren eines Kennzeichen das vermummte Erstreiten einer Jungfrau sein soll und vergleicht 299 hiermit Hugdietrich's Thaten, s. a. 302, wo mit den üb— rigen durch das„MMM“ gekennzeichneten„Wolkenheroinen“ auch Hildburg Erwähnung findet. Wir schen also, von einer Einheitlichkeit der Auffassung kann nicht die Rede sein. Da nun auch nirgends eine ein- gehende, von sagengeschichtlichen Gesichtspunkten aus ge- führte Untersuchung vorliegt, so sei im Folgenden der Ver- such gewagt, diese Lücke auszufüllen. Wenn ich hierbei oft- mals Petailfragen zu vernachlässigen scheine und vor Allem auf principielle Uebereinstimmungen Wert lege, so geschicht solches aus einem wohl überlegten methodischen Grundsatze. Gelingt es einmal, das innerste Wesen einer Sage aufzu- schliessen, so ergiebt sich stets die Unveränderlichkeit des Thatsachengerippes, aus dem sie aufgebaut ist. Alle die Erscheinungsformen aber, in denen dieses Gerippe lebendige Gestaltung annimmt, die tausend Verschiedenheiten in der Motivierung und Ausschmückung, ja auch in der Einkleidung der Ereignisse dürfen uns hierbei nicht beirren. Warum der Priester der nahanarvalischen? Brüder Tac. Germ. cap. 43 wliebri oruutu geschmückt sei, hat noch keine rechte Prklärung gefunden. Die von Holtzmann germ. Alt. 259 angezogene Bemerkung Adam's von Bremen, dass die Priester, Zauberer etc. der alten Curländer„bestitu monuchico 77 stellt er sie mit den übrigen Erzählungen der Turmgruppe zusammen. * naharvalischen? vgl. Much, P. B. B. 17, 31— 32. 8. a. 25. ind An Ry ad VO ku hot der des nu Ir nie de 8a uduti“ scien, vermag nichts aufzuklären. Dazu wird seine Ansicht von der Beschaffenheit des ornatus gleich der von Rydberg Unders. II. 231 geäusserten dadurch von vornherein ad absurdum geführt, dass die Kleidung des Priesters sich vor allem in der nach weiblicher Art gefertigten Haartracht kundthat. Es ist dies unwiderleglich erwiesen durch Müllen- hoff's? Zusammenstellung der taciteischen Noti? vom Culte der Alcis mit dem Namen des vandilischen Königshauses,“ dessen Grundwort vhaeds altn. haddr, vgl. H. Z. XII. 346 nur das Frauenhaar speciell das aufgebundene bedeuten kann.“ Damit ist der Beweis geliefert, dass von einem weiblicher Tracht gleichenden Schleier, einer Kapuze(Rydb. II. 232) nicht die Rede sein kann. Fest steht also, dass ein Priester, dessen Haartracht weiblicher Sitte sich bequemte, dem Heilig- tum der Brüders vorstand und es fragt sich nun, welchen kultlichen bezw. mythischen Ursachen dieser seltsame Brauch entsprang, der auf germanischem Gebiete durchaus vereinzelt dasteht.“ Wir sind zwar über altgermanische Haartrachten 1Pr denkt an einen„mantel med rapuschong. Rydberg a. a. O. erwähnt mit keinem Wort M.'s Abhandlung, deren grundlegende Bedeutung freilich davon ebenso wenig berührt wird, als von dem in W. Müller's Mythologie der deutschen Helden- sage 258 Anm. geäusserten abweisenden Urteil. „Namen, die jeweiliger Besonderheit des Haupthaares ihre Ent- stehung verdanken, sind in Menge gesammelt von Pott, Personennamen 590— 594. Pie verschiedenen Etymologien des Namens Astingi sind zu finden bei Diefenbach W. d. got. Spr. unter A. 100 S. 76. Grimm hat be- kanntlich ursprünglich mit Zeuss einer Deutung gehuldigt, nach der das Wort etwa dem lateinischen„gentilicius“ entsprechen würde, also sach- lich ahd. chuuing wäre; späterhin(Myth. 316. 317 Gesch. d. d. Spr. 314 bes. 233) erklärt auch er Muæds als Wurzelwort, ohne aber an etwas anderes als wallendes Haar zu denken. s Ueber die Alcis vgl. ausser Grimm Myth. Ind. 8. v. u. Simrock, Hdb.“ 302—6 die sprachlich höchst bedenkliche Abh. Zöpfl's Altertümer des deutschen Reiches u. Rechts III 369— 75, vgl. dazu Baumstark, Auskf. Erl. d. allg. Teils der Germ. 428. Nach Vetter, Germ. 19, 207„erinnert der sacerdos m. o. zugleich an die Vermählung des wiedergebornen Gottes(Freyr) und an die im Verein mit ihm herumgeführte Priesterin“, wobei ich freilich nicht weiss, wie diese Annahme sich mit einer wenige Zeilen vorher geäusserten — 8 verhältnismässig gut unterrrichtet und speciell von den Sueben und Chatten wird Tac. germ. cap. 38 in dieser Hinsicht Bemerkenswertes überliefert. Auch die bekannten reges eriniti der Franken sind hier zu erwähnen(ausführliche Zu- sammenstellungen bei Holtzmann a. a. O. 249— 50, vgl. a. 237, 247; Grimm Gesch. d. d. Spr. 2 570, R. A. 283— 286; Wein- hold, dic deutsch. Frauen I. 222— 24, II. 312— 23 bes. 313, 314, altn. Leben 180— 183; Baumstark Ausf. Erl. 627, Ur- deutsche Staatsaltertümer 369— 370; Tacitus Germania, ed. Schweizer-Sidler, S. 60 u. 71. Soviel ist gewiss: von einer Aehnlichkeit aller dieser Klaartrachten mit der weiblichen wird nirgends berichteti, so dass der Mdeds der vandilischen Priesterkönige Kkeinesfalls im Zusammenhang mit jenen stehen kann. Sehr merkwürdig sind die Nachrichten, die aus altindischer Zeit uns über die damals übliche Weise männlichen Haarschmuckes unterrichten. Nach Zimmer aind. Leben 264 war der aufgebundene Zopf, opaga genannt, in alter Zeit auch Männertracht, die Z. mit der oben erwähnten suebischen Sitte vergleicht. A. a. O. 264, 265 teilt er uns sogar eine indische Analogie zu den astinhi mit. Freilich wäre es wohl wenig angebracht, hierbei an etwas anderes zu denken, als an interessante Parallelerschei- nungen, wie solche überhaupt zu finden sind. Speciell die feminine Vermummung des Mannes zu gottesdienstlichen Zwecken, die freilich nicht bei der weiblich modifizierten An- ordnung der Haare stchen bleibt, lässt sich bei semitischen und griechischen Kulten wiederholt nachweisen.? In Griechenland war es besonders der Füllegott Dionys, dem gleich wie seinen Hypostasen auf solche Weise festlich gehuldigt wurde. vereinigt, wo von dem„langen glänzenden Haar der Hdios“, der „Gelockten“ die Rede ist,„zu welchem wieder die Verehrung nullehri onlu d. h. wohl vor allem mit weiblich langem Haarschmuck stimmt“! Pass aus dem Mittelalter ein vereinzeltes Vorkommen von Zöpfen als Männertracht gemeldet wird(Weinhold, Frauen? II 322— 23), ge- hört natürlich nicht hierher. S. dar. auch Schultz, höf. Leben I 214— 15. * S. 2. B. Movers, Phönizier Bd. I und Bachofen, Mutterrecht an vielen Orten vgl. a, Hertz, Z. f. d. A. 27, 1 ff. bes. 12, Zu beachten ist hierbei, dass er selbst zuweilen androgyn gedacht wurde und die Kunst ihn nicht selten zwitterartig dar- stellte.! Penn wir müssen vor allem davon ausgehen, dass Kult- thatsachen meist ein mythisches Freignis reproducieren, unter allen Umständen aber ihre Prläuterung in der Mythe finden. Wir können dabei billig ausser Acht lassen, was im einzelnen Falle das prius war und ob nicht etwa noch Analogie volks- otymologischer oder namendeutender Erscheinungen dem be— stehenden Kulte erst später die Mythe, die ihn stützen sollte, untergeschoben worden sei. Diese gegenwärtig? stark ventilierte Frage ist hier ohne Bedeutung. Es handelt sich einzig darum, die vorhandene Wechselbezichung zwischen Kult und Mythe zu constatiren. IIiervon ausgehend können wir als feststehend betrachten, dass der iehnis orMatus, diese so ungewöhnliche Art priester- licher Tracht, eine mythische Erklärung gefunden hatte, und von vornherein können wir annehmen, dass im Sagenkreis, der sich um die Alcis gebildet hatte, der vhdeds eine Rolle gewesen sei, spielte. Um zu ergründen, welcher Art diese g müssen wir Umschau halten auf dem weiten Gebiete germa- nischer Sagen und Mythen. Einem günstigen Zufall verdanken wir die Erhaltung einer Erzählung, in der der Mann mit Frauenhaar auftritt und dieser Sagenzug ist ebenso allein- stchend wie die parallele kultliche Notiz. Der also Ausgestattete ist Vasolt, wie er uns im Ecken- lied und in der Parstellung bei Caspar von der Roen ent- gegentritt, während die pidrekssagas und die Drucke von „Ecken-Ausfahrt“ nichts mehr von dem Mueds wissen, das freilich bei der Quelle dieser sicher nicht fehlte, wie wir unten schen werden. 1 Es ist bemerkenswert, dass bei Bildwerken dieser Art vorzüg- lich die Haartracht weiblicher Weise entspricht. Siehe Roscher, Lex. 1136 ff. Besonders von Gruppe, griech. Kulte und Mythen, Bd. I. S. a. Die Bemerkungen E. H. Meyer's Afda XV, 209— 10. Ueber das Verhältniss der Ps zum Eckenlied s. ausser Müllen- hoff u. Zupitza noch Edzardi Germ. 25, 58— 61. Längst ist Vasolt als Sturm- oder Wetterriese bekannt und als solcher von Grimm(. Myth. Ind. s. v.) Simrock(Hdb. ebenda), Zupit?za in seiner Diss.„De carmine Eckio“ S. 31, 32, in desselben Finleitung z. H. B. 5 XLIII, neuerdings dann von Meyer(germ. Myth. bes. S. 150 mit den übrigen Sturm- riesen) behandelt worden. 1 Als wesentlichstes Charakteristicum seiner äusseren Er- scheinung, das auch im Bild Verwendung fand?, tritt uns in L und ds wie erwähnt das Frauenhaar entgegen, besonders aus- führlich geschildert in L. Die erste Erwähnung findet das Haar L. 165,11 Er truoc ouch här alsam ein wip d. 218, 11 Ja het er har alsam ein weib. Ecken Ausf. ed. Schade hat V. 149 1 der Held trug harnisch als ein weib. Es ist evident, dass dieser Vers aus einem, der den eben mitgeteilten inhaltlich nahe stand, verdorben wurde, wobei es zweifelhaft bleibt, ob die Aenderung eine absichtliche war oder der fortschreitenden Textverschlechterung zuzuschreiben ist. Jedenfalls ist undenkhar, dass der in der gesammten Veberlieferung vereinzelt dastehende und unerklärbare„han- nisch“ echter Pradition entstamme. Ausführlich wird diese Tracht dann geschildert L 1662—13 ein zöphe wän so lanc daz si dem orse giengen ze beiden siten hin ze tal. ez was gar silberwizer stal dà st dä inne hiengen; und wän zwén wäkhart harte klar die begunde der Berner prisen. si wären an den heln al där genagelt wol mit isen und wän so veste daz im nie sin här in keinem strite verschröten was von hie. Vgl. dazu noch Siebs Z. f. d. Ph. 24, 450. * Siehe über diese Bezeichnung Zupitza Einl. d. hat eine ähnliche Schilderung 261,5 ff. schon zopf geflochten als ein weib noch wunsch geziret schone versigelt wol mit stahel wus der helt der was versunnen. und er sein nye vergass: vor het in kein schwert gewunnen jedoch der vogt von Peren die Krausen locken gar versnait. Hierzu ist nun zweierlei zu bemerken: zum Ersten steht die Schilderung in d., wenn wir L vergleichen, am falschen Ort, nämlich nach der ersten Kampfscene, in der nach Is eingehender Darstellung und d's kurzer Erwähnung, das Hlaar bereits fällt, so dass die nachträglichen Bemerkungen in d. 261 5 ff. und besonders der Hinweis 161 13, den keine der folgenden Thatsachen bestätigt, I. gegenüber eine Textverschlechterung darstellen. Dann entbehren die mit L 166 parallel stehenden Strophen d. 219— 21, in denen eine ausführliche Beschreibung von Fasold's Ausrüstung gegeben wird, jeder Erwähnung der Zöpfe. Die Schicksale des Frauen- haares beim ersten Kampf erwähnt L 1580—3 sin här der stahel umbe gie(vgl. 166, 5— 6) und wart doch gar verschröten, daz es viel nieder üf daz lant: mit einer tiefen wunden wart Väsolts zophentrant. d 247 11— 12 hat nur: das har und(das) vil auf das lant: mit eyner tyffen wunden sein hellem und der wart entrant. Ecken Ausf. hat hierfür folgendes 1597—13 und was da umb den helme gieng von blüt so müst es roten darzu alles das an im hieng das wart alles verschroten. die ring fielent auff das land von einer tieffen wunden ward im sein helme zertrant. 12 Schön lässt sich bei diesen drei Parallelstellen das fort— schreitende Schlechterwerden der Ueberlieferung, anderscits aber die enge Zusammengehörigkeit unserer Texte erkennen. Den weiteren Verlauf des Kampfes erzählt L 186 1—16 daz swert er? ze beiden handen nam, er sluoc im ab den andern zoph daz er vuor von dan. Die beiden anderen Texte haben nichts, was sich dem an die Seite stellen liesse; ich glaube aber, dass schon obige Gegenüberstellungen genügend den Wert von L darthun. Denn wie der Zug mit dem Frauenhaar in d. nur noch un- organisch und in unverständlicher Weise Verwendung findet, in Ecken Ausf. aber völlig verschwunden ist, so schen wir, dass in L er einheitlich mit dem Uebrigen verschmolzen sich zeigt und von wesentlicher Bedeutung ist. An der mythischen Bedeutung dieser Haartracht ist auch nie gezweifelt worden, wenn auch noch nicht festgestellt wurde, was sie eigentlich symbolisiert. In seiner Piss. 32 begnügt sich Zupitza mit einem:„Mon inteliho“, in der Pinl. z. H. B. 5, XLIII meint er, es sei„ursprünglich langes im Winde flattern- des Haar“ gewesen. Poch ist damit noch wenig erklärt; denn es geht aus der ganzen Marstellung hervor, dass es mit den„zöphen“ ursprünglich eine eigene Bewandtnis gehabt haben muss, die allerdings schon in L in den Hintergrund gedrängt ist, sich aber noch gut reconstruiren lässt. Wir sehen, dass Pietrich seine Schwertschläge in erster Linie gegen das [laar seines Gegners richtet. L 1861 nimmt er zu diesem Zweck sogar sein Schwert ge beiden handen“. Vasolt seiner- seinerseits erklärt sich sofort für besiegt, nachdem ihm sein zweiter Zopf abgeschlagen worden ist, ohne dass wir den Grund für seine Kampfunfähigkeit einschen könnten:s Wilmanns Altd. Studien 97 ff. hat diesen Stellen keine Aufmerk- samkeit geschenkt. * Pietrich. In d. und Ecken Ausf. wird an dieser Stelle F. schwer ver- wundet und seine Rüstung völlig zerhauen, sodass allerdings an eine Fortsetzung des Kampfes nicht zu denken ist. H IM 6 1871—3 Vasolt sprach: ich wil mich ergeben du solt mir lazen hie min leben wan du häst mich betwungen. Der Gedanke liegt nahe, dass Vasolt's Kraft in seinen Haaren gelegen ist und diese ursprüngliche mythische An- schauung im Verlaufe der Sagenentwickelung mehr und mehr verdunkelt worden ist. Allerdings lässt diese Ver- mutung sich durch kein aus germanischer Anschauung ent- standenes Beispiel stützen.! Die bei Laistner, Räthsel der Sphinx, II. 41 und 45 angeführten Beispiele von zauberischer Wirkung weiblicher Tracht gehören m. E. nicht hierher. Ich halte aber dafür, dass das Fehlen ähnlicher Züge keine Be- rechtigung bietet, eine aus inneren Gründen erschlossene mythische Form zu verdächtigen und glaube, dass in der deutlich erkennbaren hohen Bedeutsamkeit, die das Frauen- haar für Vasolt hat, eine symbolisierte Naturanschauung ver- borgen ist.² Wenn ich hierauf fussend in den Zöpfen die sturm- gebärende, flatternde Wolke erblicke, so ist damit ein Er- klärungsversuch gegeben, der wenigstens dem Versinnlichungs- vermögen mythenbildender Urzeit gemäss erscheint. Unserer Ansicht von Wesen und Wirkung des Frauenhaares bei Vasolt widerspricht nicht die Erneuerung des Kampfes mit Dietrich. LE 196— 199. Es scheint nämlich, dass hier ur— sprünglich eine mythische Neukräftigung voraufging, deren verblasste Andeutung ich in den Versen L 1975— finde. 5) Ecken herz ist in dich gevarn 9) ich wen die zwöne tuont mir leit hie, zwär daz solt du miden und solt den ein geselleu län. Ich verzichte darauf, aus fremden Mythenkreisen naheliegende Parallelen anzuführen. * Damit ist natürlich ausgeschlossen, dass die Z. für eine damalige in kleinerem oder grösserem Umfange übliche Männertracht zeugen wie Schultz a. a. O. annimmt. — In d. findet sich nichts dem Aehnliches, dagegen hat Ecken Ausf. 1731—2 Fichtst mit zweyen hertzen gegen mir wie soll ich dan gestreiten dir. 172, 5. Fasolt trat in Herr Ecken spor 12. es müst sein künes hertze in deinen leib ein kummen. Bemerkenswert ist hier das Zusammengehen von L mit dem Drucke. Die angeführten Verse sind trotz Vasolt's höhnischer Paraphrasierung ihres Inhalts, die sich auch in Ausf. findet, durchaus wörtlich zu verstehen. L 19710—11 würde ganz unverständlich sein, wenn die Redeweise bildlich wäre. Auch Zupitza diss. 36 glaubt, dass die angeführten Verse alter Ueberlieferung entstammen. Sie werden von ihm meteorologisch gedeutet. Zu den von Zupitza und Anderen angeführten That- sachen, aus welchen Vasolt's Zugehörigkeit zu den Sturm- riesen hervorgeht, möchte ich einige kleine, bis jetzt über— sehene Züge beifügen, die das Bild seiner mythischen Artung vervollständigen helfen. Der auch in d und dem Druck vorkommende Vers L 25 wörtlich wiederholt ebenda 2135, in dem es von Vasolt heisst: dem waren schoene vrouwen holt kann ja allerdings, wie Zupitza in seiner diss. meint, homole- leut dirae necessituti sein Dasein verdanken, wenn auch die Begründung seiner Ansicht nicht sehr schlagend ist.! Pafür scheint zu sprechen, dass in dem uns erhaltenen Peil von L„Vasolt“ überhaupt nur achtmal in den Reim tritt und da ausser an den zwei eben angeführten Stellen noch dreimal auf„holt“ reimt, nämlich in den Versen 81—2, 1877 9—0, 22445—6. In den drei weiteren Fällen, in deren einem das Wort im obliquen Casus steht, sind andere Reime gefunden: 228 3—6 Vasolde-wolde, 234 4—5 verscholt, 236 1—2 solt. Wir haben in unserem Gedicht öfters Gelegenheit, aus ver- einzelt dastehenden Andeutungen Ursprüngliches zu erschliessen. rei ter I Dreimal steht Väsolt noch im Versende in der nicht reimenden Zeile 12, in den Stophen 162, 180, 199(in letz- terer im Acc.: Väsolden). Aus dieser Zusammenstellung lässt sich nun allerdings erkennen, dass der Dichter oder vielinehr der Bearbeiter! von L. gerade bei diesem Worte mit einer gewissen Reimnot zu kämpfen hatte. Es ist aber trotzdem nicht undenkbar, dass in der Zeile dem waren schoene vrouwen holt eine freilich verdunkelte Erinnerung an die Winddämonen wesentlich eigene Lüsternheit vorliege,? was ja auch zu seiner Verfolgung des Waldfräuleins trefflich passen würde. Auch dass er in den drei Versionen DPietrich und die verfolgte Maid mit Erhängen bedroht, ist der Natur der Winddämone ge- mäss; in L heisst es 167 12— 13 ir müestend beide hangen vor mir an einer wide 183, 10 ir müezent beidiu hangen d 222, 12 ir müst do paide hangen vor mir an einer wid. ir drot mir hohen an ein wid 259, 2— 3 ich wil dich hencken an ein wit hie zu der maget zware. Ausf. 142, 12— 13 du hiengest wol mit rechte an einer vil guten wid. 147, 3 er wolt uns han erhangen 162, 4 du woltest uns erhangen han. Es lässt sich wohl nicht bezweifeln, dass wir hier eine Erinnerung an die alte mythische Bedeutung des Hängens als Windopfer haben, das ja auch im Odin's-Kulte einen her- vorragenden Rang einnahm und alter Natursymbolik ent- sprang.“ Aus letzterem Grund lässt sich sehr wohl begreifen, Siehe Wilmauns a. a. O. Vgl. darüber Meyer a. a. O.§ 326 8S. 248; interessante Belege aus der indischen Mythologie b. Meyer idg. Myth. II 472 f. Vgl. u. A. Meyer a. a. O. 200 bes. 233; Liebrecht z. W e 0 Bugge bes. 313— 18. 339 ff. In Bezug auf die Ergebnisse von dessen Abhandlung über den Hängemythus stehe ich durchaus auf Seiten Kauf- manns P. B. B. XIII und glaube, dass der uralte Mythus von Odin's Hängen vinda meſdr d der sich aus einer naiven Anthropomorphisierung dass nicht allein dem Sturmgott, sondern auch Windwesen riesisch-dämonischen Charakters diese Art der Tötung gemäss war. Jedenfalls lässt sich Vasolt's unritterliche Drohung nicht wohl anders erklären und steht in unserem Zusammenhang— Mann gegen Mann— in mhd. Epik mit einer Ausnahme völlig vereinzelt da.? Dagegen lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden, ob das Horn, mit dem Vasolt in den drei Fassungen ausgestattet ist, altecht sei. Fin lauttönendes Horn ist in deutscher und französischer Epik ein so beliebtes und häufig wiederkehrendes Motiv, dass es schr wohl als Wanderzug in unser Lied ge- raten sein mag. Andrerseits freilich liesse sich sein weithin und schreck- haft erklingender Schall! mit der bald lauteren bald sanfteren höchst einfach erklären lässt, mit psychologischer Notwendigkeit als Selbstopferung gedeutet werden musste, als die Vorstellung, dass jedes Hängen ein Odinsopfer sei, im Norden waltete. Man braucht also nicht an Entlehnung christlicher Anschauungen zu denken, um das en Odni sidlr silfum mer zu begreifen. Allgemeines über Hängen als Todesstrafe siche Grimm R. A. 682— 87. Nicht nur die in dem heutigen Aberglauben noch lebendige Anschauung von der Sturm erzeugenden Wirkung des Hängens Wuttke 1. B.§ 265 S. 184, sondern auch der ebda.§ 756 S. 445 gemeldete Glauben von der Verwandlung Gehängter in einen schwarzen Hund er- weisen die alte Natursymbolik dieser Todesart. Auch das Aufhängen zwischen Hunden oder Wölfen, für das R. A. 685 viele Zeugnisse bei- gebracht werden, gehörte vielleicht ursprünglich in diesen Anschauungs- kreis; s. a. Edz. Germ. 27, 332, 333, Sarrazin, Beowulfstudien, 47— 48. Pas beabsichtigte Erhängen Rothers kann natürlich hiermit nicht verglichen werden, dagegen findet sich eine Parallelstelle im Lied- und Volksbuch v. Hürnen Seygfrid; der Riese Kuperan naht S. mit gleicher Drohung: Str. 74, 7 nun musst du lernen hangen vgl. 76, 3— 4 Ich bin durch henckens willen„Warlich nit kummen her(Ausg. v. Golther S. 25) Volksb. Golther S. 73: ich will dich an einen Baum hencken..... meinst du dass ich um henckens willen herkommen bin?“ Falls hier nicht eine späte Uebertragung vorliegt, so beweist die Stelle nur die winddämonische Natur auch dieses Riesen. Vgl. z. B.: L. 164, 8—9 daz blies er an den stunden daz es erhal al in daz lant 179, 11 85 lüte erschal Väsoldes horn. Musi (Uey verfü 6 32 schei Aehr gott. auch Vüge über gege wei Sind, ich folge Steln rein gera mus Vasc hra keit Era er a sche Scha weis trae habe folg ins. Uhh Musik zusammenstellen, die das wilde Heer erschallen lässt, (Meyer 237, 238) wie er auch an den Gesang des frauen- verführenden Ulingers! erinnert. Auch das Horn des wilden Jägers(Grimm? 774, Meyer § 320 S 239 We Horn, Meyer§ 385 8. 202.)* scheint aus diesem Vorstellungskreise hervorzugehen. Ueberraschend ist die seltene, bis in's kleinste gehende KMehnlichkeit zwischen Vasolt und dem germanischen Sturm- gott. An eine Identität Beider ist natürlich nicht zu denken, auch der Vermutung, dass in Zeiten verdunkelter Anschauung Züge, die in Wahrheit dem Gott eigneten, auf den Riesen übertragen worden seien, lassen sich berechtigte Zweifel ent- gegensetzen. Uebrigens genügt ja die Thatsache, dass die zwei Gestalten Personifikationen der nämlichen Naturkraft sind, vollaut zur Erklärung ihrer Wesensverwandtschaft. Dass sich diese Verwandtschaft bis in minutiöse Einzelheiten ver— folgen lässt, zeigt nur wie wenig bewusste Reflexion die Ent- stehung von Naturmythen beeinflusst, solche im Gegenteil rein mechanischem Apperceptionszwang entspringen. Aber gerade wegen dieses Waltens des psychischen Mechanismus muss es doppelt auffallen, dass ein Hauptcharakteristikum Vasolt's nur diesem eigen ist. Der bedeutsame Zug mit dem Frauenhaar, der wie wir geschen haben, von höchster Wichtig- keit für Vasolt ist, scheint in keiner der erhaltenen mythischen Erzählungen von Odin-Wuotan sich wieder zu finden. Da er aber wie gezeigt wurde, der Natur des Winddämons an- scheinend durchaus gemäss ist und sich alle anderen Figen- schaften Vasolts auch bei seinem göttlichen Gegenbilde nach- weisen lassen, s0o ist wahrscheinlich, dass auch weibliche Haar- tracht einmal die Erscheinung des Sturmgottes geschmückt haben wird, und ich glaube, dass diese Annahme durch die folgenden Erwägungen einigermassen sich stützen lässt. VUhland Volksl. I 141— 157„gl. Reifferscheids einschläg. Abh. in s. Westf. Volksl. u. Meyer's mythische Deutung a. a. O. 259; 8. a⸗ Uhland, Schriften, 4, 58— 64, Vilmar, Handbüchlein 56— 65. Zum Horn vgl noch die schweiz. Ortssage Meyer§ 323, S. 245. 2 1 Pass in den Hartungen die taciteischen Alcis kortleben, ist durch Müllenhoff's Forschungen erwiesen; die von ihm angenommene winterlich riesische Natur der Isungen,! der Gegner des älteren Hartungs, wird noch dadurch bestätigt, dass unter den von jenen in der Darstellung der Ps. zu Hilfe Gerufenen ein unzweifelhafter Windriese sich befindet: unser Vasolt,? den dann Hertnid's Hand tötet. Die Ps. verleiht einer zweiten Annahme Müllenhoff's eine freilich weniger gesicherte Bestätigung. Müllenhoff glaubt bekanntlich, dass das Weib des älteren Hartung's„wohl demselben Geschlechte angehörte“, dem sie erstritten worden sei, also den Isungen. Die Gattin Hlertnid's von Bergara heisst Isolde.? Es ist nun sehr wohl möglich, dass aus der Pristansage der so beliebte Namen herüber genommen sei, zumal die Ps. eine Fülle ursprünglich französischer Motive und Namensformen aufweist? und der Name in der Hartungensage sich nur an dieser Stelle tindet. Auf der anderen Seite ist zu bedenken, dass nach der Sitte germanischer Namengebung einer der den Vaternamen bildenden Wortstämme auch für den Namen der Kinder Ver- wendung fand und, wenn auch der Gebrauch schwankte, schon der Stabbildung zu Liebe, gern das an erster Stelle stehende Wort wiederholt wurde.? Eine den Isungen entstammende Jungfrau bezeugte also höchst wahrscheinlich durch das„Is-“ ihres Namens ihre Geschlechtszugehörigkeit. Wir werden demnach trotz der oben geäusserten Zweifel an der Möglich- keit festhalten können, dass die Folde-Iswalda IHertnid's echter Veberlieferung ihr Pasein verdankt.“ Müllenhoff's Annahme freilich ist aus inneren Gründen so wahrscheinlich, Vgl. zu Hertnid und Isung noch Storm, Aarb. for Nord. Oldk. 1877. 8S. 344/45. 2 Ps. c. 351— 54; über seine Identität mit dem V. des Eckenlieds kann kein Zweifel herrschen s. a. Zupitza diss. S. 31. 3 Ps 417, 420— 22. Siehe Heinzel ostg. Heldens. 83 ff, bes. 92. Den Namen Isolde führt in der Ps. noch die Gattin Jarl Irons. Vgl. z. B. die interessanten Zusammenstellungen Abée's, Jahrb. f. Kunde d. Grafsch. Marck III, 60— 82. 6 Piese Annahme begründet schon Sarrazin, Z. f. v. L. N. F. I 265— 266, vgl. a. 263— 272. ben, ihm der itigt, Hilte user iner lerte Veib rte“, attin wohl men lich der 0 — det. Sitte men Ver- chon ende ende vden lich- nid's off' lieh, Oldk. lieds olde bk. F — 19 dass sie dieser äusseren Bestätigung nicht bedarf, sondern cher noch dazu dienen kann, diese zu stützen. Weit weniger gesichert Scheint Müllenhoff's kühne Rekonstruktion, derzu- folge auch Baldr und Vali aus dem germanischen Pioskuren- mythus hervorgegangen seien,! und es ist ja bekaunt, dass nicht nur Bugge, sondern auch Meyer§ 346 S. 263 sich hiergegen ablehnend verhalten. Da ich auf andern Wegen zur Begründung von Müllenhoff's Hypothese zu gelangen ge- denke, sei hier nur referierend erwähnt, dass Vetter Germ. 19, 196— 211 die„Alces“ auf den sterbenden und durch Wiedergeburt neu erstehenden Freyr deutet, während Sarra- zin Anglia 9, 201— 204, Z. f. v. L. Beowulfstudien 49— 67 vgl. a. 192— 94 in den Brüdern den Fruchtbarkeits- und Lichtgott d. h. Freyr und Baldr erkennen will, da doch schon die griechischen Pioskuren anzeigen, dass der indogermanische Brüdermythus, der wohl sicher voraus- gesetzt werden darf, kein eigentlicher Göttermythus war. Zum Schlusse sei noch erwähnt, dass Rydberg, Unders. I1 222— 233, mit wie mir scheint höchst bedenklichen Mitteln zum Resultat gelangt, die taciteischen Brüder seien Baldr und Hödr.? Jedenfalls ist es eine höchst bemerkenswerte Ueber— einstimmung zwischen dem Mythus von Baldr-Vali und den griechischen Mythen, dass die Ermordung des älteren Bruders und die Blutrache, die der jüngere Bruder am Mörder voll- streckt, das gemeinsame Grundprincip bildet; es ist diese Gleichheit der Haupthandlung umso höher anzuschlagen, als im Mittelpunkt des griechischen Dioskurenmythus das gleiche Motiv wirksum ist.“ Freilich wird hier der gefallene Kastor Mit einigen Modifikationen huldigt dieser Ansicht Edzardi Lbb. Sp. 125, 126; sklavisch reproduciert Müllenhoffs Anschauungen Schweizer- Sidler, Germania d. Tacitus, S. 80. Pass Lippert, Religionen d. Europ. Kulturvölker 132 die ganze taciteische Notiz anzweikelt, mag wenigstens an dieser Stelle Er- wähnung finden. Auch Saxo's Darstellung der Othinusmythen ersch int ihm höchst unglaubwürdig ebenda 211 8. a. 210. Vgl. Preller gr. Myth. II? 95, 96; Welcker gr. G. D 611 Furt- wängler b. Roscher 1460, dem dieser Mythus als der„wichtigste, mit ihrem Wesen eng zusammenhängende“ erscheint. S. a. Scherer, Litt. 129. 2* — 20 sofort gerächt, aber das„eincetr“ des Vali entspringt wohl gleichem Anschauungskreis und die sonstigen der Einzelent- wickelung angehörigen Verschiedenheiten wollen gegenüber der Pinheit, welche die Grundanlage zeigt, wenig bedeuten. Dazu kommt nun noch ein Wesentliches. Die Saranyu der Veden wird wie die Leda der griechischen Mythologie von dem in Tier- gestalt sich einführenden Gotte berückt(vgl. Myriantheus d. Acvins 2, 3 und 47). Obwohl die Maske nicht die gleiche ist— an Stelle des Schwans des griechischen Mythus tritt in Indien ein Hengst— so ist doch längst erkannt, dass das- selbe Motiv beide Erzählungen geschaffen hat. Dass der Gestaltenwechsel als solcher die Hauptsache ist, beweisen auch noch die Erzählungen, die von den Schicksalen der Antiope, der Mutter der thebanischen Dioskuren Amphion und Zethos, berichten; auch ihr nahte sich Zeus specie commutata, in Satyrgestalt.! Ja eine allerdings spät und nur einmal über- lieferte vielleicht sogar apokryphe Sage weiss zu melden, dass er, der Vielgewandte, in weiblicher Verhüllung als Miana sich bei ihr eingeführt habe.2 Roscher 380. Bugge 138 Anm. Der von ihm angezogene Scholiast schreibt wörtlich Gch citiere nach Statius ed. Barth, Tom. III S. 1645): Juppiter cum amaret Antiopem Nyetei filiam, speciosissimam puellarum, nec Posset eam corrumpere, quoniam pater suspectos omnes habebat de stu- pro Propter formam filiae, eamque custodiae mancipiaret. Petiit puella ut Pianae sacerdos consecraretur. Tum Juppiter in habitu virginis Dianam mentiens puellam compressit, cui arcum et faretram suam reliquit. Diese Erzählung ist vor allem deshalb so merkwürdig, weil sie, wie schon im Text bemerkt, völlig allein steht. Alle anderen Ueberliefe- rungen berichten, dass Zeus sich zum Satyr metamorphisiert; dagegen meldete eine in vielen Versionen auf uns gekommene Sage von Zeus und Kallisto, dass der Gott ihr, der Jungfrau der Artemis, in der Ge- stalt ihrer Herrin sich genähert habe. Am ausführlichsten behandelte diese Sage Ovid Met. II 409— 530,(über die Behandlung der Sage b. Albrecht v. Halberstadt vgl. Bartsch's Pinl. CXLII— CXLIII, s. a. ebenda LIV.) Fast. II. 155— 192. Siche Roscher Lex. XXIII. Liefg. 331— 335. Da nun Kallisto auch für die Tochter des Nykteus galt und in mauchen Berichten zur Mutter von Zwillingen gemacht wurde, so ist es sehr denkbar, dass der Scholiast die beiden verwechselte, wenn er auch den Hergang in seiner Weise darstellte. Bemerkenswert ist, dass auch die 1498 zu Venedig gedruckte Ausgabe des Statius zur Erklärung on in M alt R 8p au al Vo ke äu vg 6 lir 0 21 Nun erzählt die nordische Sage, dass Odin bei der Rindr erst dann?um Ziel gelangt sei, als er in Weibsgestalt zu ihr getreten war.! Bugge's Versuch, auch diese Werbungs- geschichte aus antiken Finflüssen zu erklären, fällt mit seinem gan?en System; denn so wenig es sich jemals läugnen lassen wird, dass der eddische Baldrmythus durch christliche Züge stark umgestaltet und vor allem ethisiert wurde, so unhaltbar sind seine Resultate bezüglich des antiken Elements in der nordischen Sage. Edzardi(Lbb. 1882 Sp. 1 ft. und 124 ff.) und Müllenhoff D. A. K. V? haben seine Ausführungen zu- rückgewiesen und besonders ersterer hat a. a. O. und Ger- mania 27 einschlägige Mythen aus germanischen Vorstellungs- kreisen weit einfacher und zwingender erklärt.? Speciell unsere Werbungssage ist nach Bugge aus einer Umformung des bei des Neoptolemos Erzeugung wirksamen Verkleidungsmotiv's entstanden. Wenn er dabei noch zufügt, dass die„Gedichte“ in denen das gleiche Motiv sich finde„fast alle“ dem späteren Mittelalter entstammten, so ist dem doch vor allem die ur— alte Hagbardsage(vgl. Grundtvig D. G. F. I, 258— 59) ent- gegenzuhalten, bei der ja wie bei dem Liebesabenteuer Regner's(Saxo Lib. IX S. 450— 51 b. Müller) der Zug ur- sprünglich ist, und damit fällt jeder Grund, die im Norden auch ausserhalb des Bereichs erotischer Preignisse überliefertes Verkleidung in Frauenkleid für direkt, d. h. ad hoc entlehnt anzuschen. von v. 263 das Abenteuer mit Kallisto anzieht und der Antiope mit keinem Wort gedenkt. PDass dies gemeinnordische Anschauung war, macht Bugge 138 äusserst wahrscheinlich. Siehe auch Stephens, Aarb. 1883, 215— 363, 1884, 1— 47. Dazu vgl. noch die schöne Beweisführung von F. Jönsson, Mytiske forestil- linger in de ældste Skjaldekvad, Ark. 1892, Bd. 9, 1—22. Vgl. vor allem Pérr's Verkleidung in der Prymskv., daneben sei noch an Helgi's und Frotho's Vermummung erinnert. Osterhage's schwankende und unmethodische Bekämpfung von Bugge's Ansichten. Z. f. rom. Ph. 14 bes. 354 f. vermag unsere Be- hauptung nicht zu stützen, Bezeichnend für die Art seiner Beweis- kührung ist die allerdings zweifelnd ausgesprochene Vermutung, dass in den von Gregor von Tours erwähnten dii mortales, die das Volk bei Weit wahrscheinlicher als diese Folgerungen, die er aus seiner doch an äusseren Ihnlichkeiten haftenden„Beweisen“ zicht, ist seine Behauptung, Saxo habe seine Marstellung von der Bezwingung Rinda's willkürlich nach dem Schema der z. B. durch die Glarussaga repräsentierten Erzählungsgruppe gestaltet.! Es entspräche auch durchaus der stark rhetorisch ge— färbten Steigerung liebenden Vortragsweise Saxo's, wenn er unzufrieden mit der durch die echte Sage überlieferten ein- maligen, erfolgreichen Verwandlung sich an eine Erzählung angelehnt hätte, in der der abgewiesene Liebhaber erst nach mehrmaliger Wiederholung seiner List seine Wünsche erfüllt sicht. Bei der grossen Willkür, mit der Saxo seinen Stoff färbt und formt, lässt sich solches schr wohl annehmen. Dass aber in der ursprünglichen Sage die Verkleidung Odins schon statthatte, lässt sich vielleicht durch die folgenden Erwägungen erschliessen: Bous-Vali dürfen wir mit Müllenhoff als den nordischen Vertreter des jüngeren Hartung betrachten, wenn uns auch die Sage von dessen Thaten nur das Hauptwerk, die Bruder- rache, erhalten hat. Mit ihm parallel steht in der süddeutschen Sage Wolf- dietrich. In der ausführlichen Darstellung von dessen Er- eugung und Geburt sind zwei llauptmomente zu unterschei- den; 1. gewinnt Hugdietrich, sein Vater, die Hildburg, indem er als Jungfrau verkleidet bei ihr eindringt, 2. wird der neugeborene Wolfdietrich ausgesetzt, von einer Wölfin geraubt und um- geben von ihren Jungen aufgefunden. Hugdietrich's Ver- Kleidung ist schon IHI. Z. 6 mit der Ueberlistung Rinda's verglichen und dieser Vergleich scheiut durch die Begeben- heit mit den Wölfen eine allerdings nicht allzu feste Stütze zu gewinnen. Müllenhoff freilich ist Z. fda. 30, 240 der An- Einführung des Christenthums verlässt, eine Erinnerung an den Baldr- mythus verborgen sei, weil nur er vor dem allgemeinen Weltunter- gang sterbe. Bugge erwähnt hier nicht, dass schon Liebrecht V. 151 Anm. auf die nahe Verwandtschaft dieser listige Bezwingung weiblicher Sprödig- keit behandelnden Gruppe mit Othinus Prringen der Rinda hinwies. als( auk uns siehe Vern untel llart uns Dass geht aus recol wohl velg ande gebl das Trot des 80 d dass la verl niel an ent vir iet den We mü Ha Lit dine erh 0 1⸗ sicht, dass die Wölfe das nächtliche Punkel ymbolisieren, aus dem der Lichtsohn strahlend hervorgeht. Wenn wir aber auf dem Boden germanischer Anschauung bleiben, so tritt uns der Wolf als Winddämon und Odin's Tier entgegen, siche Meyer a. a. O. 107 f; 232 u. öe, wir dürfen also der Vermutung Raum gönnen, dass in Wolfdietrich's Aufenthalt unter den Wölfen die Erinnerung an die Abstammung der llartunge von dem Sturmgott erhalten ist! und jetzt wird uns die Beziehnug klar, in der die Alcis zum eds stehen. Dass diese Ilaartracht nicht sie selbst geschmückt haben kann, geht schon daraus hervor, dass die erhaltenen Hartungensagen, aus denen sich doch der alte Mythus selbst in Einzelheiten reconstruieren lässt, hiervon völlig schweigen. Und es ist wohl nicht anzunehmen, dass gerade dieser bedeutsame Zug vergessen sein sollte, zumal wir geschen haben, dass er an anderem Orte in verhältnismässig später Zeit noch lebendig geblieben ist. Er gerade bildet in der Erscheinung Vasolt's das einzige Plement, das bei Odin nicht aufzufinden war. Protzdem glaubten wir darin eine allgemein in dem Wesen des Winddämons begründete Natursymbolik zu erkennen, 80 dass schon a priori an die Möglichkeit gedacht werden konnte, dass der oberste Gebieter der Stürme einmal mit weiblichem Haar ausgestattet war, das ihm(. 0.) unüberwindliche Stärke verlich. Später als die symbolische Beziehung dieser Tracht nicht mehr gefühlt wurde, haftete die verdunkelte Prinnerung an der äuseren Thatsache und aus den weiblichen Haaren entstand die vollständige Verwandlung in Frauengestalt, wie wir sie bei Othinus und dem an seine Stelle getretenen Hug- dietrich finden. Es mag befremdlich scheinen, dass in den beiden Darstellungen die ältere Anschauung in gleicher Weise von einer aus ihr abgeleiteten verdrängt wurde. Wir müssen annehmen: Während die ursprüngliche Bedeutung der Haartracht in Vergessenbeit geraten war? lebte doch noch Pine dritte Möglichkeit den Zug zu erklären 8. 2. B. bei Scherer, Litt. 130, Symons a. a. O. 35. 2 Bedeutsam ist, dass es neben der Verkleidung die Zauberkünste sind, die Odin in den Besitz der Rinda bringen; dies geht aus den zwei erhaltenen Darstellungen deutlich hervor. die Prinnerung daran, dass nur durch sie die Bezwingung der Jungfrau möglich wurde; dann blieb aber nur die Mög— lichkeit, in ihr eine listige Vermummung zu finden, die dunn natürlich nicht auf das Haar beschränkt bleiben durfte. Zur Zeit des Tacitus natürlich war der alte Mythus noch in seiner Reinheit bewahrt und der muliebris ornatus des Priesters der Meis beschränkt sich auf den*hueds,1 dessen letzte Spuren wir nun in den Verkleidungen Odin-Ilugdietrich's erkennen. Denn wenn wir nochmals zusammenfassend darauf hinweisen, dass die unbedingt anzunehmende mythische Bedeutung des eds durch die Sagen von den Schicksalen der Hlartunge keine Prklärung findet, dass er dagegen mit grosser Wahrschein- ſichkeit ein Attribut des Sturmgottes gewesen ist und endlich dieser oder eine an seine Stelle getretene Person, als Weib verkleidet, den jüngeren Bruder erzeugt, so ist es aufs höchste wahrscheinlich, dass jener Priester seinen„muliebris ornatus“ um Gedächtnis der damals schon vorhandenen Erzeugungs- mythe getragen hat. Mit weiblich wallendem Haar ausgestattet, als echtes Windwesen hatte der Gott die Jungfrau bezwungen und, wie die Vergleichung mit den übrigen Dioskurenmythen wahrscheinlich macht, mit ihr die beiden Söhne erzeugt. Dass die Hartungen ursprünglich als Zwillingsbrüder gefasst waren, ist ja noch deutlich erkennbar.(Mühlenhoff II. Z. 6.) Iim Norden wurde dieser Zusammenhang vielleicht zer-— rissen als der eine Bruder mit Baldr, der Hlypostase Odin's contaminiert wurde(vgl. Edz a. a. O. Sp. 125/126, s. a. Sp. 75 Anm. 7), so dass der alte Zug nur bei der Erzeugung 8 seines Rächers wirksam blieb. In der deutschen Hartungen- sage bezeugen wenigstens die Hartnit-Iertnit-Hartunge von Riuzen? und die Angaben der Ps. wie auch das Verwandt- Die oben angeführten Parallelerscheinungen in der Vorgeschichte der griechischen und indischen Dioskurenmythen lassen die Möglichkeit zu, dass auch im germanischen Mythus die Verkleidung ursprünglich ist. Aber abgeschen davon, dass auch dort die in den Verwandlungen liegende Natursymbolik noch deutlich sichtbar ist, würde eine derartige Annahme unsere Beweisführung nicht im mindesten stören. * Aus Obigem geht hervor, dass ich Neumann's Auffassung, der Germ. 27, vgl. a. ebenda 28, 346 ff. bes. 358 die Identität der Ortnite läugnet, nicht beitreten kann, gleichwie ich die von Niedner Zfda. ing ig- mu ur ner der ren en en, d ire ih- ſch eib Ste tet, en 1en a88 eh, Schattsverhältnis Ortnits zu Uias(vgl z. B. D. H. B. 3, XIX F., Symons Grdr. II 39, Edz. a. a. O. 128), eine ge- „ 8 meinsame Abstammungssage, und dass diese Herkunft eine Erinnerung an den alten Mythus enthalten kann, beweist Odin's Ostfahrt zu Rinda, der„ruthenischen“ Königstochter. B. NARL POLLONLUS Teilweise dem Schema der Lieder vom jungen Mark- grafen! angeglichen, ist das bei Hoffmann Horae belgicae II? Nr. 14 unter dem Pitel„das Weltweib“ abgedruckte Gedicht. Es hat 25 Strophen. Uberliefert ist es in Scheltema's Samm- lung aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts:„Een Nieuw Amoureus Liedeken van't Werelt'sche Wijf“ siche Hoffm. a. a. O. S. 60. Der Inhalt ist in kurzen Zügen folgender: Zwei Königskinder konnten sich„buu alle huers vuders oet Mul- randeren heen trouu heloven“. Jetzt fordert unvermittelt wie in Simrock's Markgrafenversion der Liebende seine Schwester auf, ihm Frauenkleider zu überlassen roet uuder eult den auschoen. Auch hier weigert sie sich anfänglich ihm zu willfahren, freilich unter anderer Begründung:„dar vt eo e onii e i d de Schliesslich erhält er doch das Gewünschte, verkleidet sich.3 setzt eine goldene Krone auf's Haupt und sieht aus seinen Augen helil een ereld'sche vroute. In solchem Aufzug 33, 39— 40, s. a. 45— 46 aufgestellte Behauptung in der Werbung des Othinus kehre der Volundr-Mythus wieder, für verfehlt halten muss. Uber die Hartunge etc. v. Riuzen s. Hds.* 199, 251, 252. Pieses oftmals, zuletzt bei Reifferscheid, Westf. Volkslieder ge- druckte Lied werde ich an anderem Orte und in anderm Zusammenhang ausführlich besprechen. Vgl. das schweiz. Danhuserlied, Uhland Volksl. S. 770, 14:)rcss unden olt en schauen. Ausdrücklich wird wie in den Hagbardsweisen und deren Sprossen „Karl und Rigmor“ der Oberrock(oder Mantel) von Kermeszijde er- wähnt. — 26 reitet er vor das Hlaus daan de schone sot op der tinneh.! Die nächsten drei Strophen lauten wörtlich: 8. Kijk uit vader, kijk uit moeder kijkt uit broeders alle vijven! hier komt dat wijf, dat wereldsche wijf op een appelgraauw ros anrijden. 9. Zegt mijn zegt mljn wel wereldsch wijf zegt mijn bi uwer machten: hoe veel mannen hebt gijder gehad op een wintersche Koude nachten? 10. Zij stak op haar handjes twee, haar vingers alle achten: alzoo veel mannen heb icker gehad, al op een wintersche Koude nachten. Wer die bedenkliche Frage, Vers 9, gestellt hat, lässt sich noch nicht entscheiden; das nächst liegende ist, an den König selbst zu denken, der weiter fragt, bei wem sie nun schlafen wolle, bei ihm, seinem Schildknecht oder einem „oMer euaten«. Sie aber bittet, bei der Königstochter schlafen zu dürfen. Des Nachts beginnt diese zu weinen; auf die erzürnte Frage ihres Vaters, wer ihr zu nahe getreten sei, antwortet sie(143— 4) ed wereld-jf isser zoo moede Jehauh, e kau Muur euden noch keeren. Darauf versetzt ihr Vater ihr einen Schlag, dass sie zur Erde fällt. Sie droht ihm, diesen Schlag werde er noch bereuen; am frühen Morgen entflicht sie mit dem wereldschen f. Der König lässt sein Pferd satteln 182—4 2. mijn beste ros van vijven. de bloempjen die an de groene dale staan zullen mijnder de weg wel wijzen er begegnet einem Hirten und fragt diesen, wem die Schafe seien die de ooren blinken van gouwe und erhält zur Antwort, sie seien dem ereldschen f und haaren wel landesvrouwen. Pieser Vers(7 ½) beweisst, dass Boehme mit Recht V. 54 von Goethe's Niederschrift des Markgrafenlieds geändert hat. G. hat„In einem hohen Zimmer“, was Boehme in„Auf einer hohen Zinne“ bessert. De A 8e jur Li las er We de 80 is al 80 80 Der König fragt weiter, wem das hohe Haus gehöre: dar de vensters blinken van gouwe. Als er die gleiche Antwort erhält, ist er beruhigt, giebt seinen Segen und reitet zurück. Peutlich erkennbar sind die Züge, die dem Lied vom jungen Markgrafen entstammen. Dass der Jüngling in unserem Lied seine Schwester bittet, ihm Frauenkleider zu über- lassen, kann kaum anders als durch direkte Beeinflussung erklärt werden. Auch der Wunsch, bei der Tochter schlafen zu dürfen, war wohl, wie die Analogie der verwandten Lieder lehrt, in den Weisen vom jungen Markgrafen ausgesprochen und ge- rade die älteste der erhaltenen Versionen(Goethe's Nieder- schrift), hat eine Andeutung davon bewahrt(113— 4). Ebenso ist der versöhnliche Schluss des Lieds vom Weltweib, wenn auch nicht entlehnt, doch mit der Markgrafengruppe gemein- Sam. Diesen Ihnlichkeiten bzw. Angleichungen stehen aber 80 bedeutende und tiefgehende Unterschiede entgegen, dass an eine Urverwandtschaft nicht zu denken ist. Schon die Obscönität der Verkleidung, das Gespräch 9— 10 unterscheiden Sich nach Form und Inhalt schr erheblich von den parallelen Teilen der Markgrafenromanze. Vor allem aber ist es die gemeinschaftliche Flucht der Liebenden, der ausgeführte Prauenraub und die Verfolgung beider durch den Vater, die unserem Lied sein individuelles Gepräge verleihen. Prot?z interessanter Einzelheiten, die unten besprochen werden sollen, würde dieser Ballade keine besondere Be- deutung beizumessen sein, wenn sie nicht in seltener Treue einen alten und sonst völlig vereinzelt dastehenden Sagenzug bewahrte. dessen Echtheit man fälschlich angefochten hat. Tu den verworrensten und am schwierigsten in ihrer ur- sprünglichen Sagengestalt herzustellenden Partien der Ps. gehört die lron-Apolloniussage, in der nach zeer's treffender zemerkung P. B. B. 14, 539„ein Rattenkönig von Motiven“ Ps ist dies wieder ein Beweis für den geringen kritischen Wert, den das Alter einer Uberlieferung an sich hat; vgl. a. Roscher, Selene am Schluss der Einleitung(S. XI). aufgestapelt! ist. Die Werbung des Apollonius um Herburg scheitert an der Nichteinwilligung ihres Vaters und der Freier beschliesst in Ubereinstimmung mit seiner Geliebten deren Entführung, um an's Ziel zu gelangen. Er kommt mit einer Anzahl Mannen in die Nähe von Herburg's Behausung, tauscht von einem Weibe Mantel und Kopftuch ein und bekleidet sich damit; so verhüllt kommt er in die Burg, tritt in's Frauengemach ein, wo die Königin mit ihrem weiblichen Gefolge sich aufhält und nennt sich Heppa.„Dotnin? mihnie d. t 00 hni hunu opt hehrt nefndu HMeppu fuund. Put oum ven forhonu. Pessi hfdi verit allnu uluu Mest. hon bun oc all uen est. suu t Mr oc Preclihr. Firir Pu soc nefudie iuenn hennn Mafni. Mmh Mehia llt bid onn o Mend sen t. oc potti bera hradlelt er pessi hond uur homin. Fnu Mer— hony hech til hennan oc mellti oid hand sem adran Meianr hatlehu. Se) u Mensb marh Menn toc pua iMni nott. Pessi ona Pottie igi huuna at suuu hun- teisleha a ſruneeistunu. Sem SoMdt at suuru conbnhs dottun. oc toc opp uir hfut senbadum bondum oe helld p ollum FiMhruMm. Pu lo Konuns dotti oc aMan eian. HMer af pichie fruin Mitu Muers manha Menn han 100 heiman med ser. en adrar mehſian leid oc halldu. X. mehn tohu hana d inni nott.“ Darauf verteilt Herburg Jptel und gibt auch Apollonius- Heppa einen, der einen Brief darin findet. Damit merkt er, sie habe ihn erkannt, nimmt Abschied und zicht beschenkt von dannen. Nachts kommt dann die Prinzessin zu ihm. Neumann Germ. 27, 4 erklärt den ganzen Abschnitt für un- echt und schliesst seine Beweisführung mit den Worten: „Hinaus mit dem Weibe, das einzig dazu auftritt, ihre obscönen Zweideutigkeiten anzubringen“. Er würde diese Behauptung wohl nicht aufgestellt haben, wenn er das„Weltweib“ ge- kannt hätte. Wenn wir dessen Strophen 9 und 10 mit den hervor- Zum Apollonius vgl. noch Storm, Aarb. for Nord. Oldk. 1877 S. 318, 340. Ps. Cap. 251(Unger S. 226, 27). „ 6b Ma Fr wü Me t0 ma Sta dei 8Pp wa ch eir di ah Er W od als Be au gehobenen Zeilen der Ps. vergleichen, so zeigt sich eine Ubereinstimmung, die nicht zufällig sein kann. Pieselbe Maske, dieselbe Frage, dieselbe seltsame Art zu antworten. Freilich ist im Volkslied alles Knapp, springend, selbst dunkel, während die Erzählungsweise der Saga in breiter, angweiliger Motivierung jeder Einzelheit sich langsam hinschleppt. Aber trotz dieser Unterschiede der Schilderungsweise vergleiche man einmal 91— 4, 101—2 mit den einschlägigen Stellen der Ps.: die fast wörtliche Gleichheit der zwei Texte ist geradezu staunenerregend. Auffallend bleibt nur die Verschiedenheit der angegebenen Zahl. Welche der Versionen hierin Ur- sprüngliches bewahrt, lässt sich nicht mehr entscheiden; un-— wahrscheinlich ist es, dass im Lied Reimzwang gewaltet habe, cher kann man vielleicht daran denken, dass das Paumen- einschlagen! bei der bekannten symbolischen Bedeutsamkeit dieses Actes für die Priorität der im Lied bewahrten Zahlen- angabe spricht.? Es liesse dies auf das Vorhandensein einer Erzählungsschicht schliessen, die an Altertümlichkeit die Par- stellung der Ps. erheblich überragte. Noch öfters werden wir Gelegenheit haben, mehr oder minder zweifelnd auf solche Reste ältester Anschauung hinzuweisen. Gleich die Veber- reichung des Apfels führt uns in ein uraltes Gebiet erotischer Symbolik.“ Der Bearbeiter der Sage freilich hat diesen Zug Pies ist wohl gemeint mit dem„Mua vinhenrs alle dchtu“. 2 Ueber zauberische Wirkung des Daumeneinziehens siche z. B. Wuttke Volksabergl. Ind. s. v. bes. die Mitt. in den§8§ 237, 401, 419. S. a. Grimm Myth.“ 132, Nachtr. 60, Simrock Hdb.“ 179, Z. f. Volksk. ed. Weinhold III, 26. Pie reichhaltigsten Nachweise über das Vorkommen von Kpfeln als Liebessymbol finden sich in Bugge's Abh. Iduns Pbler, Ark. 1887 zd. 5 auf den Seiten 28— 36, vgl. a. 4, 6, 11, 12. Dazu vgl. noch die von Bugge nicht erwähnten Stellen b. Wuttke a. a. O.§ 148 u. ö.; vgl. auch die interessanten Bemerkungen v. Bratranek Beitr. z. Aesth. der Pflanzenwelt S. 90— 91, und Liebrecht Germ. 31, 498— 99 gelegentl. seiner Rec. v. Schwartz, indog. Volksgl. zu dessen einschl. Abh. Seite 49— 52. Auch die Apfel der Nehalennia gehören hierher und beweisen gegen Bugge mindestens die in sechr alte Zeit zurückgehende Ent- lehnung des Symbols. Vgl. Jaekel Z. f. d. Ph. 24, 301— 2, vgl. a. 303, 309, 310. Vielleicht darf schliesslich noch der sagengefeierte Graf Conrad dictus Churzibolt, der die„mulieres et mala arborum“ verab- 30 nicht mehr verstanden und lässt deshalb in dem Apfel einen Brief verborgen sein— der Euhemerismus seines Verfahrens ist evident. Neumann allerdings hält a. a. O. die Ueber- reichung des Apfels an dieser Stelle nicht für echt, weil Apollonius beim Emporheben der zehn Finger schon habe voraussetzen müssen, dass Herburg ihn kenne. Pieser Ein- vurf ist natürlich völlig hinfällig, denn unter allen Umständen musste sie ihm ihr Einverständnis Kkund thun und dem nur ihr verständlichen Fingerheben bot sich die Apfelgabe als gecignetstes, nächstliegendes Gegensymbol. Wir sind nicht dazu berechtigt, jenes Emporheben der Hände anders auf— zufassen, als es die Ps. thut, in der es das verabredete oder wenigstens sofort verstandene Zeichen für die Zahl der Be- gleitmannschaften abgibt: im Lied bleibt die Frage und ihre zeantwortung völlig unverständlich und hat sich wohl nur ihres derbsinnlichen Charakters wegen erhalten, der dem niederländischen Geschmack besonders zusagte. Für die nun folgende Darstellung der Entführung bietet wiederum die Ps. die bessere Uberlieferung, denn niemals wird die echte Sage gelautet haben, dass ein fahrendes Weib erfolgreich bean- spruchte, bei der Königstochter zu schlafen. In allen Ver- kleidungsliedern ist dies eine Ehre, die nur der ebenbürtigen edlen Jungfrau zu Peil werden kann und stets als höchste Gunstäusserung aufgefasst wird. Damit fällt auch das rohe und unter allen Umständen zwecklose Intermezzo, Strophe 13— 16, das fast wörtlich der bei Uhland Nr. 100 b 236— 39, bei Boehme N 0 Venusgürtlein ed. Waldberg 8. 156—57 abgedruckten Ent- führungsballade entnommen ist.? PDie betreffenden Strophen auten Uand 0 scheute, als Zeuge für den tieferen Zusammenhang dieser zwei Natur- erzeugnisse auftreten S. a. Kögel Grdr. II, 194. 1PDer Möglichkeit, dass auch hier eine ursprüngliche Fassung um- gedeutet wurde, wird weiter unten gedacht werden. Seltsamer Weise verweist Waldberg a. a. O. XXXVI nicht auf den Abdruck bei Uhlund u. Boehme. Die Fassung im V. G. ist diesem völlig gleich, nur Strophe 1 weicht ab und aus dem„jungen grafen“ ist ein„junger Soldat“ geworden; vergleiche noch Uhland, Schriften IV 110—111. 1e m em ul po. g M- en Ste len der nt- len tur- um auf sem fen“ ften 9. Der herr der ist ein zorniger man, er schlug die frauw ins auge: ja wann der herr was zu reden hat sol stilleschweigen die frauwe!“ 1( Die frauw wol zu dem herren sprach der streich wird euch gereuwen e dann das glöcklein none schleiht wol zwischen zwei und dreie!“ 10½ stimmt wörtlich zu 16,2 des„Weltweibs“ die slah 4 „ herouen und wenn wir die sicher vorauszusetzende nieder- ländische Fassung der Pilger-Ballade kennten, so wäre gewiss die formelle Gleichheit auch der übrigen inhaltlich ver-— wandten Verse zu constatiren.? Dass das von uns behauptete Entlehnungsverhältniss richtig ist, beweisen die zeitlichen und örtlichen Schwierigkeiten, die der Stellung der Episode in unserer Ballade entgegenstehen, wenn man ihre logisch so viel richtigere Verwendung in der Pilger-Romauze damit zu- sammenhält. Echt scheint dagegen die auch von der Ps. bezeugte und in der Markgrafengruppe nicht vorhandene Flucht der Liebenden zu sein, die freilich von der Parstellung der Pilger-Ballade stark beeinflusst ist. Man vergleiche Str. 17 mit Uhland S. 238 Str. 12. Die Sage, welche die gemeinschaftliche Quelle für unsere beiden Versionen abgab, wird, insoweit die Vergleichung eine Reconstruktion ermöglicht, folgendermassen gelautet haben:5 Pin„Jarl“ bewirbt sich erfolglos um die Hand einer Königs- tochter. Da er sie auf andere Weise nicht erringen kann, kommt er mit wenigen Getreuen in die Nähe von ihres Vaters zurg, verkleidet sich dann auf ihren Rat? als fahrendes Weib und geht auf diese Weise vermummt an den Hof des Königs, 1V. G.: 9,2:„aufs Maule“. 2 15,3: 200 dulee veder ler aahden viel, kehrt wörtlich wieder Hoffm. N dat se neden le aerden viel. Hier wird der Schlag von dem treulosen Liebenden ausgeteilt. s Mit Neumann's a. a. O. auf Seite 5—6 versuchter Wiederher- stellung des echten Textes stimme ich nicht überein, wenn ich auch mit ihm den Zauberring und die Begegnung auf der Landstrasse als Interpolation ansche. Aus beiden Versionen geht hervor, dass ihr seine Maske be- kannt ist. 32— um ihr dadurch seine Bereitschaft anzeigen. Pann steht er ihr auf die bekannte Weise Rede und erhält als Liebeszeichen und zum Beweise ihrer definitiven Einwilligung den Apfel. Darauf verlässt er sie wieder und harrt ihrer, die sich Nachts zu ihm stichlt. Dem Charakter germanischer Heroensage wäre freilich die unmittelbare Entführung der Jungfrau mehr entsprechend als deren heimliche Flucht: aus der Vergleichung unserer Texte lässt sich dieser Zug nicht erschliessen.! Wie die Schlussereignisse ursprünglich gestaltet waren, lässt sich in Einzelheiten nicht mehr feststellen. Die im Lied ge- schilderte Verfolgung der Flüchtigen durch den König ist mit einer Reihe interessanter Züge ausgestattet, die zu den ver- führerischsten Vermutungen Anlass geben. Vieldeutig sind schon die Worte des Königs 183, G. o.) Der Wortlaut lässt nicht zu, hier an die vom Rosseshuf zertretenen Blumen zu denken, deren Spur den Verfolger auf die richtige Fährte leiten sollte. Nur unberechtigte Interpretation könnte diesen Sinn herauslesen. Zwei Möglichkeiten der Erklärung bleiben. Entweder sind die Verse rein wörtlich zu fassen, s0 dass ein wirkliches Befragen der Blumen stattfände, was ja als Märchenmotiv sehr wohl denkbar ist. Da aber das Lied in seinem Verlauf nichts dem entsprechendes bringt und der König dennoch schon von Anfang an den richtigen Weg zu verfolgen scheint, 2 8o sind die Blumen vieileicht um deswillen Richtungsweiser, weil erst das Erscheinen der Flüchtigen sie emporblühen liess. Dies wäre natürlich mythologisch zu er- klären und vergliche sich etwa Ortn. 881—2 dö kom er in ein ouwe da sprungen üf der heide bluomen unde klé (vergl. Neumann Germ. 27, 217).4 Selbstverständlich ist das Weib, welches Herburg aus der Burg folgt und später reich beschenkt und mit einer Botschaft zurückgesandt wird, der sentimentalen Phantasie des Sagaschreibers entsprungen; siehe Neumann a. a. O. 6. PFreilich sind dies bei dem so lückenhaft überlieferten Lied keine starken Beweisgründe. Ortnit. Merdings bleibt zweifelhaft ob wir mit N. das„sprungen? per fectivisch deuten dürfen. liel tul 00 hli Li he ge In den Rahmen der dann vorauszusetzenden jahreszeit- lichen Mythe passt die nun folgende Schilderung des Besitz- tums der vereldschen vroube auf's beste. Die Schafe, die de ooren blinken dan houe 20,4 und die Burg, duar de vensters hlinen van gotube 22,4 lassen sich aus dem Wesen einer Licht- und Lenzesgottheit wohl begreifen und auch die Ver- kleidung als Hure widerstrebt nicht einschlägiger mythischer Deutung.! Alle diese Züge aber lassen noch andere Er- Klärungen zu; die Wahl der Maske kann, so ungewöhnlich sie ist, mit der Sage organisch entstanden sein und die Einzel- heiten der Verfolgung, die sich ja in der Ps. durchaus anders gestaltet, sind dem Lied, welches so viel entlehnt,? vielleicht als internationales Märchengut zugekommen. Eine sichere Entscheidung lässt sich also nicht treffen. Sicher für die ursprüngliche Sage in Anspruch zu nehmen ist der versöhnliche Ausgang des Abenteuers. Denn, dass die bereits angebahnte Versöhnung zwischen Salomo und Apol- lonius wegen des plötzlichen Todes der Herburg nicht zu Stande kam, ist deutlich ein recht unglückliches Auskunfts- mittel des Sagaschreibers oder vielmehr desjenigen, welcher die Apollonius-Sage auf so äusserliche Weise mit der Iron- Sage contaminierte. Bei dieser Zusammenschweissung musste natürlich die Versöhnung schwinden, mit welcher unsere Werbungssage ursprünglich endete. Die burleske Fassung, die der Schluss in unserem Lied erhält, ist selbstverständlich durchaus auf dessen Rechnung zu setzen. Vergl. die glückliche Bedeutung des anegenges einer Hure Grimm Myth.“ 938, 941; Liebrecht 359, der ebenda eine Erklärung versucht. 2 3 Die Frage 22,3 erinnert sehr auffällig an 15 4 bei Uhland a. a. O., wie überhaupt die Art der Verfolgung und deren Aufgeben Aehnlich- keiten zeigt, allerdings ohne dass man directe Entlehnung zu denken braucht. Zumal die im Text behandelten Einzelzüge die mindestens relative Selbstständigkeit dieser Episode unserer Ballade erweisen. e ee T. HUGDIETRICH. JARL APOLLONIUS. Colour& Control Chart Blue Cyan Sen vllo Red Magenta Srey 1— rey 2 E BSlack Wnite DARMSTADT.