„ Gb5 ** Erklärung heiligen Meßopſers von dem ehrwürdigen Pater Martin Cochem, aus dem Kapuziner-Orden. Ein Haus⸗ und Gebetbuch. Sechste Auflage, mit einem Anhange von acht aus dem römiſchen Meßbuche über⸗ ſetzten Meßgebeten, nebſt deren Erklärung. Mit einem Stahlſtiche Landshut, 1861. Druck und Verlag der Joſ. Thomann'ſchen Buchhandlung. (Z. B. v. Zabuesnig.) ————— Liebe Leſer! Die Meßerklärung des ehrwürdigen Pater Martin von Cochem iſt Euern Voreltern und auch Euch ſeit vielen Jahren lieb und theuer ge⸗ worden. Der gottſelige Mann führt euch ein in den Gnadengarten Jeſu Chriſti, zeigt Euch die ſchonſten Blumen, erklärt Euch ihre innere Be⸗ ſchaffenheit und Kraft, bindet ſie wohl auch zu einem anmuthigen Strauße, den er Euch, ſo oft ihr in dieſem Buche leſet, alſo an ſeiner Hand im Gnadengarten Jeſu Chriſti luſtwandelt, als An⸗ denken mitgibt. Nicht mit ſeinen Worten, ſondern meiſtens mit den Worten der hl. Schrift, heiliger Kirchenväter, Kirchenverſammlungen und ehrwür⸗ diger Lehrer unterhält er Euch Darum iſt dieſes Buch ein Hausbuch in allen Landen deutſcher Zunge geworden, wird überall als ein alter wohl⸗ bekannter Freund von den chriſtlichen Familien hoch⸗ geachtet und hat neben dem Evangelienbuche und der Legende der Heiligen mit der Nachfolge Chriſti und wenig andern Büchern eine Art Hausrecht erlangt. IV Und ſo hoffe ich, das Buch werde auch in dieſer neuen Ausgabe von Euch freundlich begrüßt und aufgenommen werden, zumal da ich mich bemühte, die Sprache leichter, die Beweisführung verſtänd⸗ licher, die eingeflochtenen Beiſpiele annehmlicher zu machen. Im Laufe der letzten Zeit hat ſich nämlich unſer Sprachgebrauch in Manchem geändert, und es iſt mir bei der Zurechtlegung mancher Sätze, die durch frühere Ausgaben immer mehr und mehr verwickelt worden waren, oft geweſen, als ob ich mir durch einen Urwald einen Weg bahnen müßte. Iſt trotz meiner Bemühung noch etwas Hartes in der Sprache zurückgeblieben, ſo möget Ihr mich entſchuldigen. Was für uns in gegenwärtiger Zeit die Beweis⸗ kraft verloren, das habe ich weggelaſſen; bei Man⸗ chem aber, was zur Zeit des ehrwürdigen Cochem ſchnell verſtanden wurde, mußte ich Zuſätze anfügen, damit es auch auf unſern Geiſt den vom Verfaſſer beabſichtigten Eindruck mache. Die Bücher, aus welchen der alte Vater ſeine Beiſpiele nahm, waren zu ſeiner Zeit viel verbreitet, jetzt aber find ſie nur noch in größeren Bücher⸗ ſammlungen zu finden und darum ſchwer zugäng⸗ lich, und ſo kann ich alſo für die Genauigkeit der Citate nicht überall gutſtehen, glaubte aber doch das Angeführte beibehalten zu müſſen, wenn manche V jener Bücher in unſerer Zeit auch lange nicht mehr das Anſehen beſitzen, welches ſie damals hatten, als Pater Cochem ſchrieb; denn in unſerer Zeit iſt ja ſogar das Anſehen der heiligen Schrift ſelbſt häufig angegriffen worden; und wollte man ſich darnach richten, ſo dürfte man am Ende auch von dieſen göttlichen Büchern nichts mehr anführen. Ich erwähne dies nur vergleichsweiſe, und bin weit ent⸗ fernt, irgend ein Buch der Welt ſeinem Anſehen nach den Büchern der heiligen Schrift an die Seite zu ſtellen. Hätte ich nach der gegenwärtig verlangten Schärfe in den Erzählungen ausgeſchieden, ſo hätte ich Euch, die Ihr gewohnt ſeid, dieſelben zu Eurer Erbauung aus dem Munde des ehrwürdigen Pater Cochem zu vernehmen, eines Mittels zur Erbauung beraubt, dem ehrwürdigen Vater aber hätte ich ein offenbares Unrecht angethan. Das gerade aber war meine Ab⸗ ſicht bei der Herausgabe der Meßerklärung, Euch durch den ehrwürdigen Pater von Cochem neuer⸗ dings belehren und erbauen zu laſſen. Möge es geſchehen! Was die Meßgebete im Anhange betrifft, ſo habe ich dieſelben mit größter Gewiſſenhaftigkeit aus dem römiſchen Miſſale überſetzt, und die Auswahl ſo getroffen, daß Ihr im Laufe einer Woche täglich eine andere Meſſe habet, unter denen Ihr an den VI Beicht⸗ und Kommunion⸗Tagen gleichfalls die ent⸗ ſprechende heilige Meſſe findet, und zwar an den Beichttagen die III. Meſſe,„um Nachlaſſung der Sünden“, und an den Kommuniontagen die v. Meſſe,„vom hochheiligen Altarsſakra⸗ mente.“ Außerdem habe ich noch eine„Seelen⸗ Meſſe“ beigefügt, die Ihr gebrauchen könnt, ſo oft Ihr einem heiligen Seelen⸗Gottesdienſte bei⸗ wohnen müßt. Mit dem Wunſche, daß Pater Cochem ſeinen alten Einfluß auf Euer religiöſes Leben auch in in dieſer neuen Ausgabe übe, empfehle ich mich in Euere Andacht. Landshut, den 22. März 1853. Der Herausgeber. —,————. — — Vorrede zur vierten Auflage. Als ich vor zwei Jahren nach vollendeter Ueber⸗ arbeitung der Meßerklärung des ehrw. Pater Cochem die Feder weglegte, hätte ich gewünſcht, das Ganze nochmal durchgehen zu können; allein der Druck war mir nach und nach ſo auf die Ferſe gekommen, daß wir faſt zu gleicher Zeit fertig geworden. Was damals nicht mehr möglich war, dazu bot ſich genau nach zwei Jahren Gelegenheit, indem während dieſer kurzen Zeit die ſehr ſtarke dritte Auflage vergriffen, und dieſe neue nothwendig wurde. Ich habe mich nun bemüht, die Feile in der⸗ ſelben Weiſe anzuwenden, wie vor zwei Jahren, indem ich aus dem ſchnellen Abſatze jener Auflage abnahm, daß ich den rechten Ton der Sprache ge⸗ troffen habe. Auf Reinheit der Sprache alſo, und nicht auf Weſentliches im Buche, haben ſich die Veränderun⸗ gen beſchränkt, und ich hoffe, ſie werden der neuen Auflage zum Vorzug gereichen. Mehr Freiheit hatte ich in der Ueberarbeitung der Meßgebete im Anhange. Da die Ueberſetzung derſelben ausſchließend meine Arbeit iſt, ſo wollte ich die unterdeſſen in dieſem Theile der Theologie gemachten Studien benützen, und frühere Anſichten reformiren, und hier kann ich beſtimmt verſichern, daß die vorgenommenen Veränderungen auch Ver⸗ beſſerungen ſind. VMI Ich lege auf den Anhang ein großes Gewicht, weil er der praktiſche Theil des Buches iſt, der früher gänzlich mangelte, da doch die vorausgehende Meßerklärung gar nicht verſtanden werden kann, wenn man keine Gelegenheit hat, die Meßgebete der Kirche einzuſehen. Der Anhang ſoll der Theil für für die Kirche ſein, wie die Erklärung der Theil für's Haus, dieſer ſoll Einſicht und Verſtändniß geben, in jenem ſoll man ſie anwenden. Ich habe die Meßgebete darum ſo bequem, als es überhaupt möglich iſt, eingerichtet, und es dürfte nun nicht mehr ſchwer ſein, dem Prieſter nachzuleſen, zumal, wenn man ſich das, was in Klammern ſteht, ein für allemal merkt. Vielleicht fallen die vielen Anmerkungen unter dem Texte auf. Doch wenn die Anmerkungen ſelbſt ſich nicht vertheidigen, werde auch ich ſie nicht ver⸗ theidigen können. Mir ſchien es übrigens unmög⸗ lich, auf anderm Wege das Verſtändniß der Meß⸗ gebete zu vermitteln. Wem darum zu thun iſt, der wird zu Hauſe ein oder das anderemal die An⸗ merkungen nachleſen, in der Kirche aber ſich durch dieſelben nicht mehr ſtören laſſen. Trage ich hiemit nur etwas Weniges bei, daß man wieder nach den Gebeten der Kirche greife, ſo bin ich zufrieden auch mit dem geringſten Erfolg. Landshut, am 12. März 1855. Der Herausgeber. Erſtes Kapitel. Von der Weſenheit der heiligen Meſſe. 1. Die heilige Meſſe wird im Lateiniſchen„Sacri⸗ ficium“ genannt, ein Wort, das im Deutſchen nach ſeiner ganzen Bedeutung nicht ausgedrückt werden kann. Man überſetzt es zwar mit„Opfer“, dieſe Ueberſetzung aber umfaßt nicht den eigentlichen Sinn, weil ein Opfer viel weniger iſt, als ein Sacrificium. Denn wenn man einen Pfennig auf den Altar legt, ſo iſt dieß zwar auch ein Opfer, allein keineswegs ſchon ein Sacrificium, weil ein Sacrificium viel Mehr und etwas viel Höheres iſt, als ein Opfer.„Ein Sacrificium iſt“, um es in wenige Worte zuſammenzufaſſen,„eine äußerliche Gabe, welche dem höchſten Gott allein geopfert, und von einem recht⸗ mäßig verordneten und geweihten Diener auf eine ge⸗ wiſſe geiſtliche Weiſe geheiligt wird zur Anerkennung und Bezeugung der höchſten Herrſchaft des allmächtigen Gottes über alle Kreatur.. Aus dieſer Erklärung kannſt du abnehmen, daß ein Sacrificium weit mehr und viel vortrefflicher ſei, als ein Opfer. Deßwegen werde ich in dieſem Buche gewöhnlich anſtatt des Wortes„Opfer⸗ das Wort„Sacrificium“ gebrauchen, damit du erkenneſt und gedenkeſt, dieß ſei eine ſo vortreffliche Gabe, und Cochem, Meßerklärung 1 2 Erſtes Kapitel. ein ſo hoher Gottesdienſt, daß er nur allein dem unendlichen Gott, und ſonſt keiner Kreatur gebühre. 2. Daß ein ſolches Sacrificium Gott allein zu⸗ ſtehe, beweiſt der heilige Auguſtinus aus dem allge⸗ meinen Gebrauche aller Völker, indem er lib. 10 de civ. cap. 4. ſpricht:„Wer hat jemals daſür gehal⸗ ten, daß man jemand Anderem ſacrificiren oder opfern ſolle, als allein Demjenigen, welchen man für einen Gott erkannt, oder gehalten oder erdichtet hat?“ Und anderswo, Tom. VI. Lib 1. cap. 18. contra Ad- vers. leg. ſpricht er:„Der Teufel würde von den Seinigen kein Sacrificium fordern, wenn er nicht wüßte, doß ſolches dem wahren Gott gebühre. Viele große Herren haben ſich andere Dienſte, welche dem wahren Gott erwieſen werden, ſelbſt zugemeſſen; es ſind aber gar Wenige geweſen, welche befohlen haben, daß man ihnen ſacrificiren, oder göttliche Opfer darbringen ſolle. Diejenigen aber, welche dieß zu thun gewagt haben, haben für Götter gehalten werden wellen.“ Aus dieſen Worten des heiligen Auguſtinus kannſt du abnehmen, daß das Sacrificium ein göttlicher Dienſt ſei, und keinem Menſchen, noch den Heiligen, noch den Engeln gebühre. 3. Der hl. Thomas von Aquin 2. 2. d. 85. a. 1. ſagt:„daß es ein Geſetz der Natur ſei, dem all⸗ mächtigen Gott Sacrificien, oder göttliche Opfer darzu⸗ bringen, und daß der Menſch ſchon von Natur aus ohne ausdrückliches Geſetz und ohne beſondere Ermah⸗ nung dazu angetrieben werde.“ Dieß ſehen wir an Abel, Noe, Abraham, Job und andern Patriarchen, welche ohne einen göttlichen Befehl aus bloßem Antrieb der Natur Gott Opfer entrichtet haben. Ja nicht bloß die Rechtgläubigen allein, ſondern auch die Heiden haben, Von der Weſenheit der heiligen Meſſe. 3 durch dieſes Geſetz der Natur angetrieden, den Götzen⸗ bildern, welche ſie für wahre Götter gehalten, Sacri⸗ ficien oder göttliche Opfer dargebracht. Den Iſraeliten aber hat es Gott im Geſetze befohlen, daß ſie Ihm täglich, und an allen hohen Feſttagen beſonders feierlich, göttliche Opfer entrichten ſollten. Sie ſollten ihm die Lämmer, Schafe, Kälber und Ochſen nicht bloß verehren und aufopfern, ſondern ſie ſollten die genannten Thiere durch die geweihten Prieſter unter gewiſſen Gebeten und Ceremonien darbringen, ſie ſchlachten, ihnen die Haut abziehen, das Blut um den Altar ausgießen, das Fleiſch auf dem Altare verbrennen, und während deſſen die Poſaunen blaſen und Pſalmen ſingen. Dieß waren die jüdiſchen Sacrificien oder Opfer, durch weiche ſie dem höchſten Gott die gebührende Ehre erweiſen, und da⸗ durch bezeugen wollten, daß Gott der wahre Herr aller Kreaturen ſei. 4. Weil denn das Sacrificium in der Natur des Menſchen ſo tief begründet iſt, daß alle Völker und Nationen neben den Gebeten, Geſängen, Almoſen, Buß⸗ werken und Gottesdienſten dasſelbe hatten, durch welches ſie dem höchſten Gotte, oder ihren vermeinten Göttern die gebührende Ehre erwieſen: ſo ſchien es in gleicher Weiſe nothwendig, daß auch Chriſtus ſeiner Kirche, d. h. den wahren Gläubigen, ein Sacrificium oder äußern Gottesdienſt verordnete, durch welchen ſie ihrem Gott die gebührende Ehre geben, und ihm den größten Ge⸗ fallen erweiſen könnten. Es wird ſich kein vernünftiger Menſch denken können, daß Chriſtus ſeine Kirche, welche er in allen Dingen auf's vollkommenſte eingerichtet, dieſes höchſten Gottesdienſtes berauben, und in einer ſo hochwichtigen Sache mangelhaft laſſen wollte; denn die 1* 4 Erſtes Kapitel. Kirche wäre dann in dieſem Stücke hinter dem Juden⸗ thume zurück, welches doch ſo herrliche Sacrificien hatte, daß ſogar vornehme Heiden von fernen Ländern kamen, dieſen jüdiſchen Gottesdienſt zu ſehen, und einige heid⸗ niſche Könige die Koſten beſtritten, weſche zu dieſem Gottesdienſte erfordert wurden, wie 11. Mach. 3. zu leſen iſt. 5. Was für ein Sacrificium Chriſtus ſeiner Kirche gegeben oder verordnet habe, das lehrt uns die heilige katholiſche Kirche in der letzten allgemeinen Kirchenver⸗ ſammlung zu Trient, Sess. 22. c. I, indem ſie ſpricht: „Weil im alten Teſtamente, nach dem Zeugniß des heiligen Paulus, Heb. c. 7., wegen Schwäche des Le⸗ vitiſchen Prieſtecthums nichts vollkommen war, ſo er⸗ ſchien es als nothwendig, daß unter der Anordnung des Vaters der Barmherzigkeit ein neuer Prieſter nach der Ordnung des Melchiſedech ſich erhöbe, unſer Herr Jeſus Chriſtus, der alle, ſo opfern mußten, vervollkomm⸗ nen und zur Vollendung führen könnte. Indem ſich alſo derſelbe Herr und unſer Gott, obwohl er ſich nur Ein⸗ mal durch ſein Sterben auf dem Altare des Kreuzes zur immerwährenden Erlöſung darbringen, jedoch durch dieſen Tod ſein Prieſterthum keineswegs zerſtören wollte, indem er ſich alſo, ſage ich, beim letzten Abendmahle, ehe er verrathen wurde, zum Prieſter für ewig nach der Ordnung des Melchiſedech erklärte, brachte er ſeinen Leib und ſein Blut unter den Geſtalten von Brod und Wein Gott dem Vater dar, um damit ſeiner geliebten Braut der Kirche ein ſichtbares Sacrificium, denn ſo fordert es die menſchliche Natur, zu hinterlaſſen, wo— durch jenes blutige, am Kreuze nur Einmal darzubringende Opfer, dargeſtellt werden, das Andenken an dasſelbe nen ud enn Von der Weſenheit der heiligen Meſſe. 5 bis an's Ende der Welt bleiben, und ſeine heilſame Kraft in der Nachlaſſung unſerer täglich begangenen Sünden zeigen ſollte,— und reichte ſich hierauf den Apoſteln, die er in jenem Augenblicke zu Prieſtern des neuen Bundes beſtellte, unter denſelben Sinnbildern zur Speiſe dar, und befahl ihnen, ſowie allen ihren Nach⸗ folgern im Prieſterthume, daß auch ſie opferten, mit den Worten:„„dieß thut zu meinen Andenken«“, wie es die katholiſche Kirche von jeher verſtanden und ge⸗ lehret hat.“ 6. Dieß, und noch mehreres ſagt die heilige katho⸗ liſche Kirche, und befiehlt uns zu glauben, daß Chriſtus am letzten Abendmahle nicht allein Brod und Wein in ſeinen Leib und ſein Blut verwandelt, ſondern auch Gott dem Vater aufgeopfert, alſo das Opfer des neuen Teſtamentes eingeſetzt, und in eigner Perſon verrichtet habe. Dieß that er deßwegen, um zu zeigen, daß er als Prieſter nach der Ordnung des Melchiſedech ge⸗ ſetzt ſei. Von dieſem ſpricht die heilige Schrift Gen. 14.: „Melchiſedech, der König zu Salem, brachte Brod und Wein dar; denn er war Prieſter des Allerhöchſten, und ſegnete den Abraham.“ Hier ſagt zwar der Text nicht ausdrücklich, daß Melchiſedech dem allerhöchſten Gott geopfert habe; gleichwohl hat es die heilige katholiſche Kirche von Anfang an ſo verſtanden, und die heiligen Väter haben es ſo erklärt; ja bereits David hat es ſo ausgelegt, indem er im Pſalm 109 ſpricht:„Der Herr hat geſchworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du(mein Sohn) biſt Prieſter in Ewigkeit nach der Ordnung des Melchiſedech. Daß nun Melchiſedech und Chriſtus geopfert haben, iſt aus dem heiligen Pau⸗ lus abzunehmen, der an die Hebräer Kap. 8. ſchreibt: 6 Erſtes Kapitel. „Jeder Hoheprieſter wird darum aufgeſtellt, auf daß er darbringe Gaben und Opfer.“ Noch klarer ſpricht er allda Kap. 5:„Jeder Hoheprieſter, aus den Men⸗ ſchen genommen, wird für Menſchen beſtellt in ihren Angelegenheiten bei Gott, damit er darbringe Gaben und Opfer für die Sünden.“ Darnach ſetzt er hinzu: „Auch nimmt ſich Niemand ſelbſt die Würde, ſondern wer von Gott berufen wird, wie Aaron. So hat auch Chriſtus nicht ſich ſelbſt verherrlichet, Hoherprieſter zu werden, ſondern der zu ihm geredet hat:„Mein Sohn biſt du, heute habe ich dich gezeugt: du biſt Prieſter auf ewig, nach der Ordnung des Melchiſedech. Hievon haben wir große Dinge zu ſagen, die ſchwer zu erklären ſind, weil ihr ſchwach geworden ſeid zum Vernehmen.“ 7. Aus dieſen Schriftſtellen wird klar, daß, weil Chriſtus und Melchiſedech Hoheprieſter geweſen, auch beide dem allerhöchſten Gott Opfer und Gaben darge⸗ bracht haben. Melchiſedech hat keine Thiere geopfert, wie Abraham und die damaligen Gläubigen zu thun pflegten, ſondern hat durch Eingebung des heiligen Geiſtes wider den damaligen Gebrauch Brod und Wein unter gewiſſen Ceremonien und Gebeten geweiht, in die Höhe gehoben, und dem allerhöchſten Gott zu einem angenehmen Sacrificium aufgeopfert, und dadurch ver⸗ diente er Vorbild Chriſti und des Opfers im neuen Teſtamente zu werden. Weil denn Chriſtus von Gott dem Vater nicht nach der Ordnung Aarons, welcher Thiere geopfert, ſondern nach der Ordnung des Melchiſe⸗ dech, der Brod und Wein dargebracht, zum Prieſter ge⸗ ſalbt worden, ſo folgt daraus, daß auch er während ſeines Lebens das prieſterliche Amt verrichtet, und ein Opfer von Brod und Wein dargebracht habe. gl Von der Weſenheit der heiligen Meſſe. 7 8. Nun aber iſt die Frage, wann Chriſtus ſein prieſterliches Amt nach der Ordnung des Hohenprieſters Melchiſedech vollbracht habe? Ich antworte: In den Evangelien liest man nirgends etwas von einem Opfer in Brod und Wein, außer nur bei der Beſchreibung des letzten Abendmahles. Dort heißt es:„Da ſie zu Nacht aßen, nahm Jeſus das Brod, dankte, ſegnete es, brach es, und gab es ihnen, indem er ſprach: Nehmet hin und eſſet, das iſt mein Leib, der für euch dargegeben wird, das thut zu meinem Andenken. Deß⸗ gleichen nahm er auch den Kelch, dankte und gab ihnen denſelben, und ſprach: Trinket Alle daraus; denn dieß iſt mein Blut des neuen Teſtamentes, das für Viele wird vergoſſen werden zur Vergebung der Sünden.“ 9. In dieſen Worten ſteht zwar nicht ausdrücklich, daß Chriſtus Brod und Wein geopfert habe, doch es iſt ſo klar im ganzen Zuſammenhange, daß es einer ausdrücklichen Erwähnung gar nicht bedurfte. Ferners ſagen wir: wenn Chriſtus damals nicht Brod und Wein geopfert hat, ſo hat er es niemals gethan, und ſo wäre er auch kein Prieſter nach der Ordnung des Melchiſedech geweſen, da doch der heilige Paulus ſein Prieſterthum ſo herrlich beſchreibt, indem er Hebr. 7. ſpricht:„Jene ſind ohne Eidſchwur Prieſter geworden, dieſer aber mit Eidſchwur durch den, der zu ihm ſprach: Der Herr hat geſchworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du biſt Prieſter in Ewigkeit nach der Ordnung des Melchiſe⸗ dech. Denn weil er ewig bleibt, ſo hat er auch ein ewiges Prieſterthum.“ 10. Es bleibt demnach wahr, was die katholiſche Kirche in dem Konzilium zu Trient Sess. 22. c. 1. beſchloſſen hat, indem es ſagt:„Er hat am letzten 8 Erſtes Kapitel. Abendmahle ſeinen Leib und ſein Blut unter den Ge⸗ ſtalten des Brodes und Weines Gott dem Vater auf⸗ geopfert, und ſeinen Apoſteln, wie auch ihren Nach⸗ folgern im Prieſterthume, befohlen, daß ſie ihn unter denſelben Geſtalten opfern ſollten, ſprechend:„„Dieß thut zu meinen Andenken““, welche Worte die katholiſche Kirche ſtets auf dieſe Weiſe verſtanden und ausgelegt hat. Und dieß iſt jenes reine Opfer, welches durch keine Unwürdig⸗ keit, noch Bosheit der Opfernden befleckt werden kann, und das der Herr durch Malachias(1, 11.) als ein reines ſeinem Namen überall darzubringendes Opfer vorher verkündet hat.“ 11. Von dieſem reinen Opfer hat nämlich der Pro⸗ phet Malachias im 1. Kap. folgendermaßen geſchrieben: „An euch(den Prieſtern des alten Bundes) hab' ich kein Wohlgefallen, ſpricht der Herr der Heerſchaaren, und eine Gabe werde ich aus euerer Hand fürder nimmer nehmen. Denn vom Aufgange der Sonne bis zum Niedergange iſt groß mein Name unter den Heiden, und an jeglichem Orte wird geopfert und eine reine Opfer⸗Gabe meinem Namen dargebracht.“ Dieß iſt alſo wirklich eine Vorherverkündigung des Opfers der heiligen Meſſe, und wird auch von allen heiligen Vätern dahin gedeutet. Dieſe Weiſſagung aber iſt nicht im alten, ſondern erſt im neuen Teſtamente erfüllt worden; wo auch erfüllt worden, was Gott der Vater ſeinem Sohne im 2. Pſalm verſprochen hat, nämlich:„Du biſt mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Begehre von mir, ſo will ich dir die Heiden zur Erbſchaft geben.“ Wir Alle wiſſen, daß dieß eintrat, als die Heiden durch die heiligen Apoſtel zum Glauben bekehret wurden. Die Prophezeiung des Malachias iſt auch nicht von jenem Von der Weſenheit der heiligen Meſſe. 9 Opfer zu verſtehen, welches Chriſtus am Kreuze dar⸗ brachte, wie die Nichtkatholiken ſagen; denn dieß Opfer iſt nicht an allen Orten, wie der Prophet ſpricht, ſondern nur an Einem, nämlich auf dem Berge Kalvariä, zu finden. Dieſe Weiſſagung iſt auch nicht vom Lobe Gottes, noch von unſern guten Werken zu verſtehen; denn vieſe ſind kein reines, ſondern ein gar unreines Opfer, wie die Nichtkatholiken ſelbſt ſagen, und aus den Worten des Iſaias beweiſen wollen, welcher am 64. Kap. ſpricht: „Wie ein Unreiner waren wir Alle, und wie ein mit Blut beflecktes Tuch all' unſere Gerechtigkeit.⸗ 12. Mithin iſt die Prophezeiung ausſchließlich von der heiligen Meſſe zu verſtehen, welche das einzige und eigentliche Opfer des neuen Teſtamentes, und ganz rein und heilig iſt, und an allen Orten und zu allen Zeiten von Chriſtus ſelbſt durch die Hände der Prieſter Gott dem Vater dargebracht wird. Chriſtus allein iſt ja der vornehmſte und oberſte Prieſter, die gewöhnlichen Prieſter aber ſind nur ſeine Diener und leihen ihm ihre Hände und ihren Mund zur Vollbringung dieſes ſichtbaren Opfers. Weil nämlich Chriſtus unſichtbar iſt, das Opfer aber ſichtbar ſein muß, damit es die Menſchen ſehen und hören können, deßwegen hat er die Hilfe der Prieſter zur Verrichtung ſeines Opfers vonnöthen. Dieſes Opfer wird auch bis zum Ende der Welt fortdauern, und als dann erſt von dem Antichriſt, wie aus der Weiſſagung Daniels am 11. und 12. Kap. abzunehmen iſt, abge⸗ ſchafft werden. 13. Die Nichtkatholiken werfen uns vor, daß das Wort„Meſſe⸗ nicht in der heiligen Schrift ſtehe. Dieß iſt zwar wahr, allein auch das Wort„Dreifaltigkeit⸗ ſteht nicht in der heiligen Schrift, und dennoch ſind wir 10 Erſtes Kapitel. ſchuldig, daran zu glauben.„Daß man an den Sonn⸗ tagen nicht arbeiten dürfe, und die kleinen Kinder taufen müſſe“, ſteht auch nicht in der heiligen Schrift, und dennoch ift man ſchuldig, es zu thun. Steht das Wort „Meſſe“ auch nicht in der heiligen Schrift, ſo ſteht es in den Schriften heiliger Päpſte und Kirchenlehrer, z. B. in denen des heiligen Klemens, welcher der dritte Papſt nach dem heiligen Petrus war. Es ſteht in den Schriften des heiligen Papſtes Evariſtus, und des heiligen Popſtes Alcxander, welche in den erſten Jahrhunderten nach Chriſtus geleht haben. Der heilige Auguſtinus, der heilige Ambroſius, der heilige Chryſoſtomus und viele andere gebrauchen das Wort„Meſſe“, wenn ſie von dem Opfer des neuen Teſtamentes reden. Der heilige Am⸗ broſius Lib. 5. Epist. 33. ſpricht:„ich blieb in meinem Amte, fing die heilige Meſſe zu leſen an, und unter der Aufopferung Gott zu bitten, daß er uns zu Hilfe kommen weolle.“ Der heilige Auzuſtinus serim. 91* de temp. ſpricht:„In den Lektionen, welche wir in der heiligen Meſſe leſen müſſen, werden wir verneh⸗ men ꝛc.“ Siehe hier gebrauchen dieſe beiden Kirchen⸗ lehrer, welche dreihundert Jahre nach Chriſtus gelebt haben, das Wort„Meſſe“, woraus dann folgt, daß dieſes Wort ſchon damals im Gebrauche war. 14. Daß auch die heiligen Apeſtel dieſes Opfer dargebracht haben, iſt in ihren Legenden zu leſen. Der heilige Matthäus iſt am Altare unter dem Amte der heiligen Meſſe erſtochen worden. Vom beiligen Andreas ſagt die Legende, daß er zu dem Richter Aegäas ge⸗ ſprochen habe:„Ich opfere dem allmächtigen wahren Gott täglich, nicht das Fleiſch der Ochſen, noch das Blut der Böcke, ſondern das unbefleckte Larmm Gottes her Ki Se he vor Von der Weſenheit der heiligen Meſſe. 11 auf dem Altare.“ Von den Heiligen Jakobus und Markus haben wir noch Meßliturgien, d. h. die Cere⸗ monien und Gebete beim Opfer der heiligen Meſſe, welche im 1. Bande der Biblioth. PP. zu finden ſind, von denen die eine zu Jeruſalem, die andere zu Alexan⸗ dria in Aegypten gebraucht wurde. Vom heiligen Petrus wird der Kanon der Meſſe, d. h. der Theil vom Sanctus bis zur Kommunion, abgeleitet; nur wenige Zuſätze, die zum urſprünglichen Kanon als Ergänzung gemacht wurden, rühren von ſpätern heiligen Päpſten her. Da⸗ her folgt denn, daß die heilige Meſſe vom Anfang der Kirche in Uebung geweſen, und allezeit für das wahre Sakrificium des neuen Teſtamentes gehalten worden ſei. Wie die heilige Meſſe von den Reßern angeſochten worden iſt. 15. Auch aus der oft wüthenden Bekämpfung des heiligſten Opfers, die der Widerſacher zu rerſchiedenen Zeiten und in vielen Ketzereien gegen dasſelbe erhob, läßt ſich deſſen hohe Bedeutung abnehmen. Daß in den erſten tauſend Jahren das Sacrificium des neuen Bundes in ſeiner Weſenheit nicht angegriffen wurde, läßt ſich daraus erklären, weil ſowohl Juden als Heiden von Natur aus gewohnt waren, die Opfer als den Rittelpunkt ihrer Religion zu betrachten. Es durfte in jenen Zeiten alſo auch die verworfenſte Ketzerei es nicht wagen, das Sacrificium in ſeiner Weſenheit an⸗ zutaſten, es hätte ſich ja Jedermann mit Entſetzen von ihr abgewendet. Der Widerſacher mußte zuvor Vieles erſchüttern, und lange darauf vorbereiten, bis er mit dieſer Frechheit hervortreten durfte. 16. Das erſte Werkzeug in ſeiner Hand war der 12 Erſtes Kapitel. aufgeblaſene und eidbrüchige Berengar von Tours, welcher von unfähr 1015 bis 1088 lebte. Doch kehrte dieſer Unglückliche noch 8 Jahre vor ſeinem Tode zur wahren Lehre zurück, und ſtarb als reuevolles Kind der katho⸗ liſchen Kirche. Was er aber ausgeſtreut, das wucherte im Stillen fort, und einige Jahrzehnte darnach zeigte ſich die Frucht davon in der überaus gott⸗ und ſitten⸗ loſen Sekte der Albigenſer, welche alle Unzucht für er⸗ laubt, dagegen das Amt der heiligen Meſſe für ver⸗ werflich hielten, namentlich, wenn es in Gegenwart von nur wenigen Perſonen geſchah. Wir leſen viele Greuel, die ſie namentlich den Prieſtern zufügten, welche dieſes höchſte Opfer dem ewigen Vater darbrachten. Der gott⸗ ſelige Cäſarius von Heiſterbach, ein Zeitgenoſſe dieſer Ereigniſſe,(geſtorben um das Jahr 1240), erzählt uns folgende Geſchichte(Lib. 7. c. 24.): 17. Die Albigenſer verfolgten mit den ſchärfſten Strafen die— Privatmeſſe leſenden Prieſter. Ein from⸗ mer, für die Ehre und den Ruhm des höchſten Opfers glühender Prieſter aber ließ ſich trotz aller Verbote und Drohungen nicht abhalten, ſein Amt zu verrichten. Als dieß die Ketzer erfuhren, ließ die Obrigkeit dieſen frem⸗ men Mann durch Gerichlsdiener vor den Rath führen, der ſprach:„Es iſt uns als wahr hinterbracht worden, daß du gegen unſer ernſtliches Verbot eine Privatmeſſe geleſen, und einen großen Frevel begangen haſt, deß⸗ wegen haben wir dich hieher bringen laſſen, und wollen von dir vernehmen, ob dem alſo ſei.“ Der Prieſter ſprach ohne Scheu:»Ich antworte mit den heiligen Apoſteln, welche, als ſie von dem jüdiſchen Rathe be⸗ fragt wurden, ob ſie wider ſein Verbot von Chriſtus gepredigt hätten, ſprachen: man muß Gott mehr ge⸗ ſee ⸗ len ler en be⸗ tus Von der Weſenheit der heiligen Meſſe. 13 horchen, als den Menſchen. Darum habe ich ungeach⸗ tet eures ungerechten Verbotes die heilige Meſſe zur Ehre Gottes und ſeiner Mutter geleſen.“ Wegen die⸗ ſer kecken Antwort wurden die Herren ſo ſehr erbittert, daß ſie den frommen Prieſter mit Schimpf überhäuften, ihn hin und her ſtießen, und ihm endlich durch den Henker vor allem Volke die Zunge aus dem Munde reißen ließen. Dieſe ſehr bittere Pein und Schmach ertrug der fromme Prieſter mit großer Geduld, ging mit bluttriefendem Munde von ſelbem Platze hinweg zur Kirche, kniete vor dem Altare, auf welchem er die heilige Meſſe geleſen hatte, demüthig nieder, klagte der Mutter Gottes ſein großes Leid, und weil er mit der Zunge nicht reden konnte, ſo empfahl er ſich mit dem Herzen dem Schutze dieſer hohen Frau. Wie ihm ge⸗ holfen wurde, gehört nicht hieher, da wir in dieſem Beiſpiele nur zeigen wollten, mit welcher teufliſchen Wuth dieſe Ketzer jene Prieſter verfolgten, bei denen der Glaubenseifer für das Opfer des neuen Bundes ſtärker war, als die Furcht vor ihren Drohungen. 18. Daß dieß eine wahre Geſchichte ſei, kann man aus den Worten des gottſeligen Paters Cäſarius ab⸗ nehmen, welche er ſeinem Exempelbuch vorangeſetzt hat, indem er ſpricht:„Ich nehme Gott zum Zeugen, daß ich in dieſem Büchlein nichts geſchrieben habe, als was ich mit Augen geſehen, oder von ſolchen Männern ge⸗ hört habe, welche lieber ſterben, als eine Lüge begehen wollten.“ Dergleichen Wunder und Geſchichten, welche Gott zur Beſtätigung der heiligen Meſſe gewirkt hat, wirſt du bei fünfzig in dieſem Buche leſen, durch welche du nicht allein im Glauben geſtärkt, ſondern auch zur An dacht gegen das hochheiligſte Meßopfer wirſt bewegt werden. 14 Erſtes Kapitel. 19. Die Ketzerei der Albigenſer, welche neben dem Kampfe gegen das Sacrificium des neuen Bundes auch alle bürgerliche Sitte und Ordnung zu verderben drohte, und ſelbſt mit den Woffen in der Hand ihre Gott⸗ d loſigkeiten verbreiten wollte, kum auch durch die Waffen um(nach den Worten Chriſti: wer nach dem Schwerte d greift, kommt durch's Schwert um). Ein Krieg, der von 1209 bis 1227 andauerte, zerſtreute ſie, und ſie verſchwanden bald darnach völlig von dem Angeſichte der Erde. 4 20 Allein wenn der Widerſacher unſers Erlöſers un Jeſu Chriſti einmal etwas zu bekämpfen angefangen, ſo legt er die Waffen nicht ſobald wiederum nieder, und l wenn eine Ketzerei zu Schanden geworden, ſo wird ſich 8 alsbald eine andere erheben. Haben die frühern Ketzer⸗ Häuptlinge aus den oben angegebenen Gründen das Sacrificium der Kirche nicht angegriffen, ſo iſt von 2 jetzt angefangen faſt keine Sekte mehr aufgetaucht, welche 5 unter andern Irrthümern nicht auch das hochwürdigſte un no Meßopfer angefeindet und verworfen hätte. 21. Der unſelige Martin Luther, der 1517 ſeinen Abfall von der Kirche angefangen, nachdem er bis dort⸗ hin ein ruhiges und eingezogenes Leben geführt hatte, ei hat auch mit frevelndem Sinne dieſes göttliche Geheim⸗ niß angefochten, geläugnet und geſchmäht. Dieß hat der er nicht aus ſich, noch gleich im Anfange ſeines Ab⸗ ki falles, ſondern aus Eingebung des Teufels, und viele 1l Jahre darnach gethan. Auf daß nun die ganze Welt dieß wiſſe, ſo hat Gott gewollt, daß er ſeine eigene. Schande entdecken, und jene lange Disputation, welche ſ er mit dem Satan gehalten, mit eigener Hand beſchreiben ſollte, aus welcher ich nur etwas Weniges hieher ſetzen will. e iele elt ene che hel il. Von der Weſenheit der heiligen Meſſe. 15 22. In dem Buche von der Winkelmeſſe und Pfaffen⸗ weihe Tom. VII. ſchreibt Luther alſo: Es begab ſich einmal, daß ich gähling vor Mitternacht erwachte, ſieh, da fing der Teufel an, mit mir zu disputiren, indem er ſprach:„Höre zu, du gelehrter Doktor Luther; weißt du nicht, daß du fünfzehn Jahr lang ſchier täglich eine Privatmeſſe gehalten haſt? Wie, wenn ſolche Winkel⸗ meſſen eine gräuliche Abgötterei wären? Wie, wenn der Leib und das Blut Chriſti nicht da geweſen wären, und du hätteſt eitel Brod und Wein angebetet?“ Dieſem antwortete ich(ſpricht Luther) und ſagte:„Ich bin ein geweihter Prieſter, vom Biſchof ordinirt und geſalbt, und habe dieß Alles aus Befehl und Gehorſam meiner Vorältern gethan; warum ſollte ich denn nicht konſecrirt haben, wenn ich die Worte Chriſti im Ernſte ausge⸗ ſprochen, und mit großem Eifer Meſſe geleſen habe?“ Der Teufel ſprach:„Wohl! aber auch die Türken und Heiden thun in ihren Tempeln Alles aus Gehorfam, und verrichten ihre Kirchen⸗Ceremonien ernſtlich, und den⸗ noch ſind ſie gottlos. Wie, wenn dein ordentlicher Beruf und deine Weihe auch falſch wäre, wie der Türken und Heiden Weihe falſch iſt, könnteſt dann nicht auch du einen falſchen Gottesdienſt, wie ſie, gehabt haben? Du weißt ja gar wohl, daß du damals, als du noch unter dem Papſtthume warſt, keine Erkenntniß Chriſti, und keinen wahren Glauben hatteſt; denn du, und mit dir alle Prieſter und Biſchöfe hielten Chriſtum nur für einen grauſamen Richter, und flohen von ihm zu Maria und den Heiligen; dieſe waren alſo Mittler zwiſchen Chri⸗ ſtus und euch, und ſo habt ihr Chriſto die Ehre ge⸗ raubt, was weder du noch ein Papſt läugnen kann. Darum ſage ich, ihr ſeid geweiht, geſalbt und geſchoren, 16 Erſtes Kapitel. wie die Heiden; wie könnet ihr demnach konſecrirt und recht Meſſe geleſen haben?“ In dieſer Angſt, ſpricht Luther, wellte ich mich wehren, und ſprach, wie ich im Papſtthume gewohnt war:„Wenn ich gleich nicht recht geglaubt habe, ſo hat doch die Kirche recht geglaubt, und dieſer Glaube iſt mir ſchon genug.“ Der Satan ſprach:„Aber wo ſteht es denn geſchrieben, daß der Glaube der Kirche dir zu Nutzen komme? Kannſt du dieß aber nicht aus dem Worte Gottes beweiſen, ſo kann ich immerhin behaupten, daß die ganze Lehre der katholiſchen Kirche eine lautere Lüge ſei.. Dieß, und viel mehr, welches ich Kürze halber auslaſſe, ſagte der lügenhafte Teufel, und ich Luther, machte endlich dieſen Schluß, und ſagte:„Alſo habe ich, durch das Wort Gottes überwunden, vor dem Teufel bekennen müſſen, daß ich durch das Meſſeleſen geſündigt habe, und gleich wie Judas verdammt ſei.“ Siehe, hier bezeugt der verblendete Menſch ſelber, daß er ſeine Lehre von dem Teufel her habe; da er doch wohl wußte, daß der Teufel alles Gute haſſe, und keinem Menſchen etwas Gutes lehre. Sollte Luther denn nicht gedacht haben: wenn die Meſſe eine Abgötterei wäre, ſo würde der Teufel dieſelbe nicht beſtreiten, viel weniger abſchaffen, ſondern vielmehr befördern und loben, auf daß durch das Meſſeleſen deſto mehr Abgötterei begangen, und dem höchſten Gott deſto größere Schmach zugefügt würde. 23. Aber nicht allein die Lutheraner, ſondern auch die Kalviniſten und Zwinglianer, ſowie alle Sekten, die ſich nach Luther erhoben, läugneten das heiligſte Opfer der Meſſe, zerſtörten dadurch das Erhabenſte der Reli⸗ gion, und ſügten ſich ſomit einen unermeßlichen Schaden zu. Sie blieben aber dabei nicht ſtehen, ſondern der wü füt vin Li ve wi kei thr hö der en der fen, uch dem ſl aden del Von der Weſenheit der heiligen Meſſe. 17 dern gingen ſo weit, daß ſie erklärten, dieſes hoch⸗ würdigſte Geheimniß des blutigen Opfers Chriſti ſei für eine verfluchte Abgötterei zu halten, wie die Kal⸗ viniſten in ihrem Heidelberger⸗Katechismus lehren. 24. Ich will nicht viele Zeit verlieren, dieſe Läſterung zu widerlegen, allein Eines kann ich nicht verſchweigen. Wenn dieſe ketzeriſche Glaubenslehre wahr wäre, ſo würde daraus folgen, daß ſeit der Zeit Chriſti kein einziger Menſch, auch ſogar kein Apoſtel, noch Mar⸗ tyrer ſelig geworden iſt. Denn die heiligen Apoſtel und alle Prieſter hoben die heilige Meſſe geleſen, und dem höchſten Gott aufgeopfert; alle heiligen Martyrer und Bekenner haben dieſelbe mit Andacht gehört, und für den höchſten Gottesdienſt gehalten. Wenn denn nun die heilige Meſſe eine Abgötterei und Verläugnung des ein⸗ zigen Opfers Chriſti geweſen wäre, ſo hätten die heili⸗ gen Apoſtel und alle Gläubigen lauter Abgötterei ge⸗ trieben, den höchſten Gott ſchwer beleidigt, und die ewige Verdammniß verſchuldet. Gleichwie nun kein vernünf⸗ tiger Menſch dieß ſagen wird, ſo wird auch keiner glau⸗ ben, daß die calviniſche Lehre wahr ſei. So will ich denn viel lieber dem heiligen Auguſtinus, als Calvin und Luther glauben, welcher Tom. 3. de fſide ad Pe- trum c. 19. ausdrücklich ſagt:„Halte feſt dafür und zweifle keineswegs, daß der eingeborne Sohn Gottes für uns Menſch geworden, und ſich für uns dem all— mächtigen Gott zum Opfer und Geruch der Lieblichkeit hingegeben habe, welchem jetzt die katholiſche Kirche das Opfer des Brodes und Weines im Glauben und der Liebe durch die ganze Welt aufzuopfern nie und nimmer— mehr unterläßt.“ Urtheile nun ſelbſt, welchem man mehr glauben ſolle, und ſich vertrauen könne, dem hoch Cochem, Meßerklärung. 2 4 18 Erſtes Kapitel. erleuchteten Kirchenlehrer, dem heiligen Auguſtinus, oder den beiden Abtrünnigen, Luther und Calvin. 25. Der geiſtreiche Petrus v. Clugny ſpricht Lib. 1. epist. 2. zu dieſen beiden Ketzeru:„Wenn die Welt eure neue Lehre annehmen wollte, ſo würde in dieſer Gnadenzeit geſchehen, was niemals in der Zeit des Zor⸗ nes geſchehen iſt; denn wenn die Chriſten ablaſſen ſoll— ten, zu ſacrificiren, d. h. zu opfern, ſo würde der Dienſt Gottes, welcher allezeit in der Welt geweſen, aus der Welt gänzlich verſchwinden. Darum, o ihr Feinde Gottes! ſagt auch die Kirche, daß ſie ohne Sacrificium nicht ſein könne; ſie belehrt auch ihre Kinder bei jeder Veranlaſſung, daß ſie in ihrem Sacrificium nichts en⸗ deres, als den Leib und das Blut ihres Erlöſers dar⸗ bringe, und was dieſer Einmal gethan in ſeinem Ster⸗ ben, das thue ſie, ſo oft ſie ihr Opfer vollbringe.“ Dieß ſind die Worte des gemeldeten Lehrers. 26. Laſſet uns daher vorſehen, daß uns nicht das⸗ ſelbe widerfahre, was den armſeligen Ketzern wider⸗ fahren iſt. Denn dieſen hat der Feind des Menſchen⸗ geſchlechtes zu ihrem größten Nachtheile die heilige Meſſe geraubt, uns Katholiken aber hat er, als er uns die⸗ ſelbe nicht ſtehlen konnte, verblendet, und in geiſtigen Schlaf gelullt, auf daß wir dieſelbe nicht verſtehen, noch die große Kraft des heiligen Meßopfers erkennen. Ohne Zweifel iſt es durch die Argliſt des Satans ge⸗ ſchehen, daß ſo wenige Menſchen ſich über vieſes höchſte Geheimniß unterrichten, ſondern in gleichgiltiger Un⸗ wiſſenheit verbleiben, was dann Urſache iſt, daß man ſo ſelten von dieſem höchſten Geheimniß prediget, ſchreibt und lehrt, ja vor den Augen der gemeinen Leute ver⸗ birgt, und hiedurch meiſtens verurſacht, daß die Leute ſor M ohr vel der ib. belt ſer or⸗ oll enſt der nde um der hen⸗ eſſe die⸗ igen hen, nen. ge⸗ hſte Un⸗ man reibt ver ehte Von der Weſenheit der heiligen Meſſe. 19 die heilige Meſſe aus Nachläſſigkeit verſäumen, oder unandächtig anhören. 27. Um dieſes Uebel zu verhindern, hat die ka⸗ tholiſche Kirche im Konzilium von Trient befohlen, daß die Seelſorger oft von der heiligen Meſſe predigen ſol⸗ len. Der Befehl lautet alſo Sess. 22. c. 8.:„Die heilige Verſammlung befiehlt allen Pfarrern und Seel⸗ ſorgern, daß ſie oftmals unter dem Amte der heiligen Meſſe entweder ſelbſt, oder durch Andere, einzelne Stücke von dem, was in der Meſſe geleſen wird, erklären, oder irgend ein Geheimniß dieſes heiligſten Opfers aus⸗ legen ſollen, beſonders on den Sonn— und Feſttagen.“ Siehe, das ſind die eigenen Worte dieſes Kirchengebotes, welchem alle Seelſorger ſchuldig ſind zu gehorſamen. Dennoch ſind deren wenige, welche das thun, ſehr viele aber, welche es unterlaſſen und nicht achten, und dadurch der Kirche Gettes einen unſäglichen Schaden zufügen. Denn weil das gemeine Volk von der großen Kraft der heiligen Meſſe nichts weiß, ſo liebt, ſo achtet, ſo höret es auch die heilige Meſſe an den Werk⸗ tagen nicht, an den Sonn⸗ und Feiertagen aber ge⸗ meiniglich gar nachläſſig, unandächtig und obenhin; ja, es verſäumet die heilige Meſſe wegen geringer Urſachen ohne einigen Scrupel. 28. Von dieſem großen Uebel ſind jene Seelſorger, welche beinahe niemals von der heiligen Meſſe predigen, am meiſten Urſache, und können es vor Gott nimmer verantworten. Denn wenn ſie dem Gebote der Kirche nachkämen, und nur einigemal im Jahre von der großen Kraft und dem Werthe der heiligen Meſſe predigten, ſo würde es unmöglich ſein, daß das Volk dieſes köſt⸗ liche Kleinod nicht höher ſchätzen, herzlicher lieben, und 2* 20 Zweites Kapitel. andächtiger hören ſollte; da ja in der ganzen katholi⸗ ſchen Kirche kein wichtigeres, noch nützlicheres Geheimniß iſt, als eben das tiefe Geheimniß der hochheiligſten Meſſe. Und wenn die gemeinen Leute dasſelbe erkennen würden, ſo würden ſie gewiß auch an den Werktagen die heilige Meſſe nicht leicht verſäumen. Zweites Kapitel. Von der PVortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 1. Wiewohl die Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe ſo groß iſt, daß ſelbſt ein Engel es nicht würdig genug auszuſprechen vermag, ſo will ich es dennoch wagen, darüber zu reden; und gelingt es mir, auch nur einen ſchwachen Begriff von dieſer hohen Vortrefflichkeit zu geben, ſo haben wir ſchon viel gewonnen. Der heilige Franziskus Saleſius ſchmücket die heilige Meſſe mit beſonderen Ehrentiteln, indem er in ſeiner introduct. ad vitam devotam ſpricht:„Die heilige Meſſe iſt die Sonne der geiſtlichen Uebungen, das Herz der An⸗ dacht, die Seele der Frömmigkeit, die Flamme der gött⸗ lichen Liebe, der Abgrund der göttlichen Gütigkeit, und ein köſtliches Mittel, wodurch uns Gott ſeine Gnade zutheilet.“ O, was ſind das für ſchöne Worte! was ſind das für herrliche Ehrentitel! O, wie viele Zeit müßte einer haben, wenn er dieſelben nach der vollen Bedeutung erklären wollte. Der heilige Franziskus Sa leſius will ſagen: Wenn einer recht fromm werden will, wenn er recht andächtig werden will, wenn einer in der Liebe Gottes entzündet werden will, ſo höre er ſur heſt Meſ dem le Me lle und wir Pe ſogt Sal ſetzt vie Ge obe geb vie vor vr ige öbn Ar bei At h M M P da riß ten nen gen Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. M nur fleißig die heilige Meſſe, dann hat er ſchon das beſte Mittel ergriffen, die göttlichen Gnaden zu erlangen. 2. Der gelehrte Pater Oſorius zieht die heilige Meſſe allen andern Geheimniſſen der Religion vor, in⸗ dem er Tom. IV. conc. de Missa ſpricht:„Unter allen Dingen, welche in der Kirche ſind, iſt das heilige Meßopfer das Allerhöchſte und Allerkoſtbarſte, weil das allerheiligſte Sakrament des Altars darin conſekrirt, und dem höchſten Gott als ein Sacrificium aufgeopfert wird.. Mit ihm ſtimmt überein Fornerus, weiland Weihbiſchof von Bamberg, der conc. 65. de Pass. ſagt:„Die heilige Meſſe übertrifft alle andern heiligen Sakramente weit durch ihre Würde.. Und conc. 69. ſetzt er hinzu:„Mojeſtätiſch ſind die Sakramente, aber viel majeſtätiſcher iſt das heilige Meßopfer. Jene ſind Gefäße der Barmherzigkeit für die Lebendigen, dieſes aber iſt ein unerſchöpfliches Meer der göttlichen Frei⸗ gebigkeit für die Lebendigen und Abgeſtorbenen.“ Merke, wie herrlich dieſer Lehrer das heilige Meßopfer her⸗ vorhebt, und es den heiligen Sakramenten ſo neit vorzieht. So wollen wir denn ſehen, warum die hei⸗ lige Meſſe ſo vortrefflich ſei, und woher man dieſes abnehmen könne. 3. Erſtlich erkennt man die hohe Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe aus den Ceremonien und Gebeten bei der Einweihung und Conſekration von Kirchen und Altären; denn da die katholiſchen Kirchen die Beſtim⸗ rnung haben, daß innerhalb ihrer Mauern auf ihren Altären dieſes Sacrificium dargebracht wird, ſo kann rnan aus dem Ernſte und der tiefen Bedeutung der Weihe⸗Ordnung und Weihe⸗Gebete gar wohl auch auf das Opfer ſelbſt ſchließen. Weil aber wenige das Glück 22 Zweites Kapitel. haben, bei der Einweihung einer neuen Kirche ſelbſt gegenwärtig zu ſein, oder wenn ſie dies können, doch nicht alle geſprochenen Gebete hören und verſtehen, ſo will ich die ganze Kirchenweihe hier kurz beſchreiben. . Von der katholiſchen Kirchenweihe. 4. Während der Biſchof an dem Orte, wohin Tags vorher die Reliquien getragen wurden, ſeine biſchöf⸗ lichen Kleider anzieht, betet er in Vereinigung mit den übrigen Geiſtlichen mit leiſer und demüthiger Stimme die ſieben Bußpſalmen; dann geht er mit ihnen vor das verſchloſſene Thor der Kirche,(nur Ein Diakon bleibt inner derſelben,) ruft Gottes Beiſtand zu dieſem Werke an, und nachdem vom Sängerchere die Allerhei⸗ ligen⸗Litanei bis zu den Worten:„Von allem Uebel zc.“ abgeſungen, weihet er das Waſſer. Hierauf beſprengt er ſich und die Umſtehenden mit dem geweihten Waſſer unter den Worten:„Beſprenge mich, o Herr, mit Hy⸗ ſop, und ich werde rein werden, waſche mich, und ich werde weißer als Schnee,“ geht in Prozeſſion um die Kirche, und beſprengt in gleicher Weiſe die äußern Wände derſelben an den obern Theilen jedesmal in der Form eines Kreuzes und mit den Worten:„Im Na⸗ men des Vaters † und des Sohnes † und des hei⸗ ligen † Geiſtes,“ führt dann die Prophezeiung des Iſaias 1I. 2. an, worin geſagt iſt, daß zur Zeit des Meſſias ſich das Haus des Herrn auf dem Gipfel der Berge erbauen werde, und daß alle Völker zu ihm ſtrömen. Im darauffolgenden Gebete, das er, an dem Thore wieder angekommen, zu Gott, dem Schöpfer und Herrn der ganzen Welt, richtet, fleht er ſeinen Schutz für die⸗ ſes dort ſeli Lhe das auf gen lich ſt wot mä zw hu i⸗ ( ſgt ſe die e der Nu⸗ hei ias ſias erge nen. ore rrn die⸗ Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 23 ſes Haus, an deſſen Gründer er ja ſelber iſt, damit dort ſtets ein reiner Dienſt und freie ungeſtörte Gott⸗ ſeligkeit geübt werden möge. Dann tritt er an das Thor der Kirche und ſtoßt mit dem Hirtenſtabe an dasſelbe unter den laut geſprochenen Worten:„Ziehet auf eure Thore, ihr Fürſten, und öffnet euch, ihr ewi⸗ gen Pforten, und es wird einziehen der König der Herr⸗ lichkeit.“ Der Diakon inner der Kirche fragt:„Wer iſt dieſer König der Herrlichkeit?“ und der Biſchof ant⸗ wortet:„Der Herr, der ſtarke und mächtige, der Herr, mächtig im Kampfe.“ Nachdem ſich dieſer Umzug um die Kirche unter denſelben Ceremonien und unter den⸗ ſelben oder ähnlichen Gebeten noch zweimal wiederholt, wobei der Biſchof das erſte Mal das Fundament, das zweite Mal den mittlern Theil der äußern Mauerwand mit geweihtem Waſſer ſegnet, und in einem Gebete hingewieſen, daß der Sohn Gottes, dieſer Eckſtein, die zwei entgegengeſetzten Scheidewände, nämlich das Juden⸗ chum und das Heidenthum, vereinigt hat, in einem an⸗ dern aber Gott erinnert wird an ſeine Verheißung, daß olles, was ſeine Prieſter aufnehmen, auch Er aufnehmen, und was ſie ſegnen, auch Er ſegnen wolle; nachdem dieß Alles geſchehen, tritt der Biſchof zum dritten Male an das Thor, und antwortet dem immer wieder fragenden Diakone inner der Kirche, wer der König der Herrlichkeit ſei, mit den Worten:„Der Herr der Herr⸗ ſchaaren, er ſelbſt iſt der König der Herrlichkeit.“ Nach dieſem rufen alle außen Stehenden zuſammen:„ZZiehet auf! ziehet auf! ziehet auf!“ Das Thor öffnet ſich, der Biſchof macht mit dem Stabe das Kreuz auf die Schwelle und ſpricht die Worte:„ſehet das Zeichen des Kreuzes! es ſollen fliehen alle Dämonen!“ Das 24 Zweites Kapitel. erſte Wort nach ſeinem Eintritte iſt:„Friede ſei die⸗ ſem Hauſe!“ worauf der Diakon entgegnet:„Und eurem Einzug“ Der Sängerchor ſtimmt einen Friedensgeſang an, und führt die Worte aus dem Evangelium an: Zachäus, eilends ſteige herab u. ſ. w. und ſchließt: heute iſt dieſem Hauſe von Gott Heil widerfahren. 5. In der Mitte der Kirche angekommen, kniet ſich der Biſchof nieder, und ſtimmt den Hymnus an:„O tomm' du Schöpfer, heil'ger Geiſt!“(veni creator Spiritus). Nach dieſem Geſange folgt die Allerheiligen⸗ Litanei, in welcher an beſtimmter Stelle eingeſchaltet wird:„daß du dieſen Ort beſuchen wolleſt““ und: „daß du den Schutz der Engel hieher ſenden wolleſt!“ und zuletzt dreimal:„daß du dieſe Kirche ſegfnen, heifligen, und weifhen wolleſt!“ Nach Beendigung der Litanei und den dazu gehörigen Gebeten wird der Lob⸗ geſang des Zacharias(Luk. I. 68 bis 79) geſungen, nach jedem Vers aber die Worte des Patriarchen Ja⸗ kobus eingeſchaltet:„wie ſchrecklich iſt dieſer Ort! wahr⸗ haftig, hier iſt nichts Anderes als Gottes Haus und die Pforte des Himmels.“ Während dieſes Geſanges ſchreibt der Biſchof in Kreuzesform zuerſt das griechiſche ABC, und dann das lateiniſche auf den Boden der Kirche, welcher an dieſem Platze mit Aſche beſtreut iſt, weiht Salz, Aſche und Wein, welches Alles unter das Waſſer gemiſcht wird, und beginnt nun die Weihe des Hochaltars. 6. Der Biſchof beginnt dieſe Weihe mit derſelben Antiphon und demſelben Pſalm, mit welchem vie heilige Meſſe anfängt, nämlich Antiph.:„Ich will hintreten zum Altare Gottes, zu Gott, der meine Jugend er⸗ freut.“ Pſ. 42:„Sei du mein Richter, o Gott, und Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 25 ſcheide meine Sache vom nichtheiligen Volk“*) u. ſ. w. Während des Gebetes taucht er den Daumen in das ſo eben geweihte Waſſer, und macht in der Mitte des Altarſteines ein Kreuz, ſo wie auch an den vier Ecken desſelben unter Segensworten. Im darauffolgenden Ge⸗ bete erinnert er den himmliſchen Vater an das Opfer, das auf dem Altare des Kreuzes dargebracht wurde, und bittet um den Segen für dieſen Stein, von dem der von Jakob errichtete Stein ein Vorbild war, und zu deſſen Andeutung die Gebote des alten Bundes ſelbſt auf Stein geſchrieben wurden. Gleich darauf ſtimmt der Biſchof die Antiphon an:„Beſprenge mich, o Herr, mit Hyſop“ u. ſ. w., worauf der Sängerchor den 5. Buß⸗ pſalm(Pſ. 50.) ſingt, während deſſen der Biſchof, gleich den Ifraeliten bei der Eroberung von Jericho, ſieben Mal um den Altar herumgeht, und ihn mit Weihwaſſer beſprengt, jedesmal auf's Neue die Antiphon anſtimmend. Dar⸗ nach umgeht der Biſchof die Kirche drei Mal von in⸗ nen, die Wände zuerſt unten, dann in der Mitte und zuletzt in der Höhe beſprengend. Während deſſen werden geſungen: à) Pſ. 121, welcher von dem gerechten, fried⸗ lichen, großen und glücklichen Reiche Chriſti handelt; b) Pſ. 67, vom 27. Vers an, welcher die Ausſendung der Apoſtel zu den Heiden verkündet; c) Pſ. 90, der beſagt, daß die, ſo im Schutze Gottes ſich befinden, ſicher vor Gefabren und Feinden ſeien. 7. Nach Vollendung dieſer Umgänge und Geſänge ſtellt ſich der Biſchof in die Mitte der Kirche, und ſich erinnernd an die Jakobeleiter, auf der die Engel Gottes *) Siehe dieſen Pſalm im Anhange, beim Beginne des erſten Meßgebetes. 26 Zweites Kapitel. auf⸗ und niedergeſtiegen ſind, fleht er für dieſes Bet⸗ haus den reichſten Segen des Himmels herab, kehrt zum Altar zurück und bereitet ſich mit dem geweihten Woſſer den Mörtel zur Einſetzung des Altarſteines. Hierauf geht er in Prczeſſien zu dem Orte, an welchen Tags vorher die Reliquien gebracht worden ſind, die in den Altar kommen ſollen, und trägt ſie in die Kirche unter Abbetung von Antiphonen, als:„O wie herrlich iſt das Reich, in welchem mit Chriſtus ſich alle Heili⸗ gen freuen, angethan mit weißen Kleidern; ſie folgen dem Lamme, wohin es geht!“„Der Weg der Heili⸗ gen iſt gerade und ihre Bahn iſt eben!“„Geht ein, ihr Heilige Gottes, in die Stadt des Herrn; denn er⸗ baut iſt euch eine neue Kirche, worin das Volk die Majeſtät des Herrn anbeten ſoll“ u. ſ. w. Kommt man zur Kirchthüre, ſo hält der Zug, und der Biſchof richtet eine Anrede an das Volk, worin er hinweist auf die Heilighaltung des Zeltes des Herrn bei den Juden, was doch nur ein Schatten von unſern Kirchen war, und daraus ableitet, daß wir unſere Kirchen um ſo heiliger halten ſollen; wendet ſich dann zum Stifter eder Erbauer, und fragt um die Aueſtattung, welche der Kirche gegeben wird, worauf die Stiftungsbriefe ihm ausgehändigt werden. 8. Nach einem kurzen Gebete ſalbt der Biſchof die Kirchthüre in der Form eines Kreuzes mit Chryſam, und es bewegt ſich nun die Prozeſſion mit den Reli⸗ quien zum Hochaltar. Unter den Worten:„Frohlocken ſollen die Heiligen in ihrer Herrlichkeit, welche Chriſti Fußſtapfen gefolgt ſind, weil ſie aus Liebe zu ihm ihr Blut vergoſſen haben“, werden die Gebeine an den Altar gebracht, und nach der Einweihung der dazu be⸗ ſtim gele Ein tar lige Ge den wn lal Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 27 ſtimmten Stelle als ihres Grabes in denſelben hinein⸗ gelegt. Während dieſer Ceremenie und während der Einmauerung betet er unter Anderem:„Unter dem Al⸗ tare Gottes habt ihr euren Sitz genommen, ihr Hei⸗ lige!?„Unter Gottes Altare habe ich Stimmen der Getödteten gehört.“—„Die Leiber der Heiligen wer⸗ den leben in Ewigkeit«, u. ſ. w., was lauter Anfüh⸗ rungen aus der hl. Schrift ſind. Nachdem das Grab geſchloſſen, geſalbt und ange⸗ räuchert iſt, beginnen die Salbungen und Räucherungen an den vier Seiten des Altares, zuerſt vom Biſchofe ſelbſt, dann von einem Prieſter. Unterdeſſen wird ge⸗ betet: a) der Pſ. 83, worin David ſeine Sehnſucht nach dem Tempel auf Moria ausſpricht; b) Pſ. 91, der ein Lob Gottes enthält; c) Pſ. 44, der ein Braut⸗ lied iſt, worin die Vorzüge, Stärke, Tugenden und Gnaden Chriſti und der katholiſchen Kirche enthalten ſind; d) Pſ. 147, worin Gott gelobt iſt, weil er ſeine Kirche ſo herrlich gegründet hat. Nach Vollendung Deſ⸗ ſen ſalbt er die zwölf Stellen an der Mauer, wohin die ſogenannten Apoſtelleuchter kommen, und räuchert ſie ſogleich an; zum Altar wieder zurückgekehrt, weiht er das Rauchwerk, welches auf dem Altar verbrannt wer⸗ den ſoll. Dies geſchieht, indem die Rauchkörner in Kreuzesform auf die fünf Kreuze des Altarſteines ge⸗ bracht und darauf feine Wachskerzen gelegt werden, was dann mit einander verbrennt. Während das fünffache Feuer auf dem Altare lodert, kniet der Biſchof an den Stufen desſelben und betet:„Alleluja! Komm', heiliger Geiſt, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und ent⸗ zünde in ihnen das Feuer deiner Liebe,“ wozu er noch andere ähuliche Ausſprüche fügt, an welche ſich das 28 Zweites Kapitel. Schlußweihegebet reiht, welches in der Art und Weiſe einer Präfation geſungen wird. Darnach bittet er Gott: „Bekräftige das, was du unter uns gewirkt haſt, in deinem heiligen Tempel, welcher iſt in Jeruſelem. Al⸗ leluja!? Der Chor aber ſingt den Pſ. 67, ein Sie⸗ geslied der Kirche auf Chriſtus. Nachdem hierauf noch die Altartücher und der Schmuck des Altares über⸗ haupt geweiht worden, beginnt das Hochamt, welches der Biſchof ſeibſt celebrirt. 9. Alle diejenigen, welche einer ſolchen Weihung einer Kirche beiwohnen, können ſich nicht genug verwun⸗ dern über die vielfältigen Ceremonien, Salbungen, Weih⸗ ungen und Gebete, mit welchen eine Kirche geweiht und geheiliget wird. Warum aber dies Alles? Warum muß man ſo viele Mühe, Zeit und Unkoſten zur Einweih⸗ ung einer Kirche anwenden? Darum, um die Kirche würdig zu machen, daß in derſelben das erhabenſte Meß⸗ opfer dem höchſten Gotte dargebracht werden darf, und daß der Altar geheiligt ſei, damit das allerreinſte und allerheiligſte Lamm Gottes auf demſelben geiſtlicher Weiſe geſchlachtet werden dürfe. 10. Aus dieſem Allem möge der Cyriſt erkennen, wie hochheilig unſere Kirchen und Altäre ſind, und in welch großen Ehren ſie gehalten werden ſollen. Der Tempel Solomons war nur ein Schatten und eine Vor⸗ bedeutung unſerer Kirchen, und dennoch ward er von den Juden und Heiden in hohen Ehren gehalten; wie vielmehr ſoll dies dann bei unſeren Kirchen, welche ſo hoch geweiht ſind, der Fall ſein! Von der Weihe je⸗ nes Tempels meldet das dritte Buch der Könige, daß Salomon„zwei und zwanzig tauſend Ochſen und hun⸗ dert zwanzig tauſend Widder geopfert habe,, welche alle Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 29 von den Prieſtern geſchlachtet, von aller Unſauberkeit ge⸗ reiniget, und ſtückweiſe auf die Altäre geleget worden ſind. Während Salomon laut betete, ſieh, da fiel Feuer vom Himmel herab, und verbrannte alle Schlachtopfer. Der ganze Tempel ward mit Nebel und Rauch erfüllt, und die Majeſtät Gottes erſchien in dem Heiligthume. Alles Volk ſah das Feuer und die Glorie Gottes, ſie fielen vor übernatürlichem Schrecken auf ihr Angeſicht, und beteten Gott von Herzen an. Der König Salo⸗ mon aber warf ſich auf einem erhöhten Orte auf ſeine Kniee nieder, und ſprach mit lauter Stimme:„Soll es denn zu glauben ſein, daß Gott bei den Menſchen auf der Erde wohne? Wenn der Himmel, und die Himmel der Himmel Dich nicht faſſen können, um wie viel weniger dieſes Haus, das ich Dir gebaut?“ 11. Wer verwundert ſich nicht hierüber? Und wer kann die Würde dieſes heiligen Tempels genugſam be⸗ greifen? Gleichwohl war er nur ein Vorbild und eine Vorbedeutung, ja nur ein Schatten unſerer chriſtlichen Kirchen. In demſelben war nur die Arche des alten Bundes, in welcher die zwei ſteinernen Tafeln Moſis, ein Korb voll Schaubrode und die Ruthe Aarons, welche geblüht hatte, aufbewahrt wurden. Die jüdiſchen Opfer waren nur geſchlachtete und verbrannte Thiere, ſammt geopfertem Brod, Wein, Kuchen und dergleichen. Un⸗ ſere Kirchen aber werden unvergleichlich höher geweiht, mit dem heiligen Oele und Chryſam geſalbt, mit Be⸗ ſprengung von Weihwaſſer, mit Beräucherung durch ge⸗ ſegneten Weihrauch, mit vielfacher Beſiegelung durch das Kreuzeszeichen geheiliget, und durch Darbringung des hochwürdigſten Meßopfers konſekrirt. Anſtatt der Arche des Bundes haben wir die heilige Monſtranz, in wel⸗ 30 Zweites Kapitel. cher das wahre Himmelsbrod, das hochwürdiaſte Sakra⸗ ment des Altares, der wahre Leib und das wahre Blut Jeſu Chriſti aufbewahrt wird. Wenn nun der Tempel Soalomons billiger Maßen in Ehren gehalten ward, wie viel mehr ſind dann unſere Kirchen, in welchen Gott perſönlich wohnet, in größten Ehren zu halten? 12. Unſere Kirchen werden genannt und ſind in Wahrheit„Haus Gottes“, in welchem Gott perſönlich wohnrt und dort allezeit zu treffen iſt, weil er nimmer herausgeht. Seine Engelsſchaaren bedienen ihn hier, beten ihn an, loben und ehren ihn, und bringen unſere Gebete zu ſeinen Ohren. Dies war vorbedeutet durch die Erſcheinung, welche dem Potriarchen Jakob nach Geneſ. 28. Kap. geworden. Da er ſich zur Nachtzeit auf dem Felde niedergelegt, ſah er im Schlafe eine Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reichte, und auf der die Engel Gottes auf⸗ und niederſtiegen; zu oberſt auf der Leiter aber ſtand der Herr. Jakob er⸗ wachte vor Schrecken, und ſprach:„Wie erſchrecklich iſt dieſer Ort! fürwahr, hier iſt nichts Anderes, als das Haus Gottes und die Pforte des Himmels!« Er ſalbte den Stein mit Oel, auf welchem er mit ſeinem Haupte gelegen war, richtete ihn zu einem Altarſteine auf, und als er von ſeiner Reiſe zurückkam, opferte er dem höch⸗ ſten Gott auf dieſem Altarſteine. Das iſt ein Vorbild und eine Vorbedeutung der chriſtlichen Kirchen geweſen, in welchen der Altarſtein mit dem heiligen Oele und Chryſam geſalbt wird, und von welchen man in Wahr⸗ heit ſagen kann:„Wie erſchrecklich iſt dieſer Ort! für⸗ wahr, hier iſt nichts Anderes, als das Haus Gettes, und die Pforte des Himmels.“ An dieſem Orte ſtei⸗ gen die Engel hernieder, und tragen unſere Gebete zu cher 6 und 3h Alt vor ſere wer und ſün wer ant di Ch ſeit lau Ha Te eh ſhr erzi hoc Pe in ſ ſe eh het Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 31 D Gott empor. Unſere Kirchen ſind jener Ort, von wel⸗ chem Gott bei dem Propheten Iſaias 56. Kap. ſpricht: „Ich will ſie hinauf zu meiném heiligen Berge führen, und will ſie erfreuen in dem Hauſe meines Gebetes. Ihre Brand—- und Schlachtopfer werden mir auf meinem Altare gefallen, und mein Haus wird ein Bethaus von allen Völkern genannt werden.“ 13. Aus all' Dem iſt zu erkennen, wie heilig un⸗ fere Kirchen ſind, und in welchen Ehren ſie gehalten werden ſollen. Denn weil ſie ein Haus Gottes ſind, und weil Chriſtus Jeſus im heiligſten Sakramente per⸗ ſönlich dort wohnet, umgeben von ſeinen Engeln, deß⸗ wegen können wir die Kirchen nicht genug ehren, noch andächtig genng darin beten. Wenn wir einen leben⸗ digen Glauben hätten, ſo würden wir mit Schrecken in die gewethten Kirchen gehen, mit größter Ehrerbietung Chriſtum in dem heiligen Sakramente anbeten, und ſeine Engel verehren. Dieß pflegte David zu thun laut ſeines Bekenntniſſes:„Ich will eingehen in dein Haus, und will mit Furcht dich in deinem heiligen Tempel anbeten. Im Angeſichte der Engel will ich dir Lob ſingen, und deinen heiligen Namen preiſen.“ Pſ. 137. Wer aber in der Kirche unter dem Gottesdienſte ſchwätzt oder lacht, oder anderswie ſündiget und Gott erzürnet, fügt der göttlichen Majeſtät, ſowie auch dem hochgeweihten Hauſe Gottes eine ſehr große Unehre zu. Wenn daher Jemand in die Kirche geht, ſo muß er ſich ernſtlich vornehmen, nicht ein einziges unnützes Wort zu reden, noch anzuhören, noch vorwitzig um ſich zu ſehen, ſondern andächtig zu beten, ſeinen Gott zu ver⸗ ehren, ſeine Sünden abzubüßen, und die göttliche Barm⸗ herzigkeit ſich zu erwerben. 32 Zweites Kapitel. §. 2. Von der Prieſterweihe. 14. Man erkennt ferners die hohe Vortrefflichkeit der heil. Meſſe aus den Weihen, welche die Diener des Altares erhalten müſſen, und ohne welche ſie auch nicht den geringſten Dienſt üben dürfen. Man zählt deren ſieben, deren ſich jeder, der als Prieſter am Altare ſtehen will, würdig machen muß. Die vier niederen Weihen ſind vornehmlich dahin gerichtet, daß die alſo geweihten Geiſtlichen zum Kirchendienſte aufgenommen, und zum Dienſte der Meſſe leſenden Prieſter verwendet werden dürfen. Keiner von denſelben aber darf einen Kelch, oder eine Patene, oder ein Corporale, oder Purificatorium berühren; denn um dazu berechtigt zu ſein, iſt die fünfte Weihe, nämlich das Subdiakonat, verordnet. Niemand darf alſo ohne dieſe Weihe ein Purificatorium, oder Corporale, oder eine Patene, oder einen Kelch mit bloßen Händen berühren, außer mit beſonderer Erlaubniß und im Falle der Noth, gleichwie nach dem Geſetze Moſis Niemand Anderer, als nur die Leviten, die geweihten Geſchirre berühren und ſäubern durften. Ebenſo ſteht es eigentlich auch nur den Sub⸗ diakonen, Diakonen und Prieſtern zu, die geweihten Ge⸗ ſchirre, welche zum heiligen Meßopfer gehören, zu be⸗ rühren und zu ſäubern. Denn es geziemt ſich, daß alle dieſe geweihten, zur heiligen Meſſe verordneten Dinge ganz rein, und auf's allerſauberſte ſeien, weil ſie zum höchſten Gottesdienſte gebraucht werden, und unmittel⸗ bar den allerheiligſten Leib des Herrn berühren. Da⸗ rum beſtehen eigene Geſetze für die Subdiakonen, Dia⸗ konen und Prieſter, welche ihnen unter ſchwerer Sünde die aufe Gei ſein hir test Pri zerr Alt haur nert wi die hů aus dall 2 ch in 00 Zei i der der v u ln ſan Bi Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 33 die Reinhaltung dieſer Gegenſtände als heilige Pflicht auferlegen, und es iſt nicht zu zweifeln, daß für ſolche Geiſtliche, die dieß verabſäumen, die Verantwortung groß ſein wird. 15. Dieſe Verantwortung wird aber auch ganze Kirchengemeinden treffen, die bei der Armuth ihrer Got⸗ teshäuſer es mit gleichgiltigem Auge anſehen, wenn der Prieſter genöthigt iſt, in halbvermoderten Alben, mit zerriſſenen Meßkleidern, mit verroſteten Kelchen zu einem Altare hinzutreten, der ſo ſchmutzig und ſtaubig iſt, wie kaum die ſchlechteſte Kammer in ihren Häuſern, der fer⸗ ners ſo ſchmucklos und armſelig iſt, wie ein Bettler, während die Gemeindeglieder von Jahr zu Jahr, von Feſt⸗ tag zu Feſttag mit neuen Kleidern und in neuen Moden in die Kirche ſtolziren. Ihre Vorältern haben dieſe Gottes⸗ hänſer von Grund aus nen gebaut, haben ſie auch ſchön ausgeſtattet, aber dieſe Ausſtattung ſoll nun ſo lange dauern, als die Steine in der Mauer, weil ihre Nach⸗ kommen nicht mehr nachſchaffen wollen. Es iſt eine Schande für eine ganze Gemeinde, wenn man in ihrer Kirche nichts, gar nichts ſieht, was nicht ſchon wenigſtens 100 Jahre alt und lumpig und zerriſſen iſt. Es iſt ein Zeichen, daß eine ſolche Gemeinde die Vortrefflichkeit dieſes höchſten Sacrificiums des neuen Bundes nicht mehr verſteht. 16. Man erkennt die große Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe aber ganzbeſonders aus der Prieſterweihe, welche auf folgende Weiſe ertheilt wird. Ein Diakon, welcher zum Prieſter geweiht werden ſoll, nuß mit Humerale, Albe, Gürtel und Stole, welche über die linke Schulter herabläuft, und an der rechten Seite zu⸗ jammengeſchlungen iſt, gekleidet ſein, und vor dem Biſchofe, welcher neben dem Altare auf einem Stuhle Cochem, Meherklänung. 3 34 Zweites Kapitel. ſitzt, niederknieen. Dieſer trägt ihm vor, was für ein ſchweres Amt auf ſich zu nehmen er ſich melde, und fragt das Volk, ob es ihn deſſen würdig halte. Wenn Nie⸗ mand etwas dawider redet, ſo kniet der Biſchof nieder, und betet laut die Litanei von allen Heiligen, der Diakon aber betet dieſelbe mit, während er mit ſeinem Angeſichte auf dem Boden liegt. Nach derſelben legt ihm der Biſchof ſeine Hand auf das Haupt, und ſpricht ein Gebet über ihn, ſammt einer langen Präfation, worauf er ihm die Stole um den Hals und das Meß⸗ gewand über das Haupt legt. Alsdann ſpricht er knieend ein langes Gebet, und den Hymnus: Veni Creator Spiritus(o komm' du Schöpfer heib'ger Geiſt) über ihn. Hierauf ſetzt der Biſchof ſich nieder, der Prieſter, knieend vor ihm, legt ſeine Hände auf deſſen Schoos, und der Biſchof falbt dieſelbe an der innern flachen Seite mit dem heiligen Oele zuerſt kreuzweis, dann die Finger und die beiden Hände einzeln, indem er ſpricht:„O Herr! würdige dich, dieſe Hände zu heiligen und zu konſekriren durch dieſe Salbung und unſern Segen;“ alsdann macht er das heilige Kreuzzeichen darüber mit den Worten: „Was dieſe Hände ſegnen werden, das ſoll geſegnet ſein, und was ſie konſekriren werden, das ſoll konſekrirt und geheiligt ſein im Namen unſers Herrn Jeſu Chriſti. Amen.“ Hierauf bindet er ihm beide Hände mit einem leinernen Tüchlein zuſammen, reicht ihm einen Kelch mit Wein und Waſſer, ſammt der Patene und Hoſtie, und ſpricht: „Empfange die Gewalt, das göttliche Opfer darzubringen, die heilige Meſſe zu leſen, ſowohl für die Lebendigen als für die Verſtorbenen, im Namen des Herrn. Amen.“ Nachdem das Tüchlein aufgelöst iſt, wäſcht der neue Prieſter ſeine Hände; der Biſchof aber fährt in der wel wei lec Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 35 heiligen Meſſe fort. Beim Offertorium geht der neue Prieſter mit einer brennenden Kerze zu Opfer und gibt dieſelbe dem Biſchof in die Hand, indem er dieſelbe küßt. Darnach kniet er mit einem Meßbuch in ſeinen Händen hinter den Biſchof, liest zugleich mit ihm von Wort zu Wort die heilige Meſſe, und empfängt bei der Kommunion aus den Händen des Biſchofs den aller⸗ heiligſten Leib des Herrn. Nach der Abbetung des Glaubens⸗Bekenntniſſes legt der Biſchof ihm beide Hände auf ſein Haupt, und ſpricht:„Empfange den heiligen Geiſt; welchen du die Sünden verzeihen wirſt, denen ſind ſie verziehen, und welchen du ſie behalten wirſt, denen ſind ſie behalten.“ Zuletzt verſpricht der Prieſter ſeinem ordentlichen Biſchofe den Gehorſam und wird von ihm geſegnet mit folgenden Worten:„Der Segen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes ſteige herab auf dich, auf daß du geſegnet ſeieſt in der prieſterlichen Weihe, und Verſöhnungsopfer für die Sünden des Volkes dem allmächtigen Gott dar⸗ bringeſt.⸗ 17. Dieß iſt die Form der Prieſterweihe, nach welcher alle Prieſter der römiſch⸗katholiſchen Kirche ge⸗ weiht werden müſſen. Wer dieſe Ceremonien bei ſich recht erwägt, der hat wohl Urſache, den uralten Ge⸗ brauch der heiligen Kirche hoch zu ſchätzen, welche das Sakrament der Prieſterweihe ſo feierlich und in ſo er⸗ habener Weiſe zu ertheilen pflegt. Warum aber das Alles? Warum muß ein Prieſter ſo vielmal, mit ſo großer Umſtändlichkeit und unter ſo vielen Gebeten, Sal⸗ bungen und Ceremonien geweiht werden? Vornehmlich um anzudeuten, daß er gereiniget und geheiliget werden müſſe, um würdig zu ſein, das allerreinſte, allerheiligſte, 3* 36 Zweites Kapitel. hochwürdigſte und göttlichſte Opfer der heiligen Meſſe der furchtbaren Majeſtät Gottes darbringen zu dürfen. 18. Man erkennt aber auch die hohe Vor⸗ trefflichkeit der heiligen Meſſe aus den vielen Gegenſtänden, welche zu einer Meſſe nothwendig ſind, und die ich nun nach einander benennen will. I. Zum Meſſeleſen wird ein geweihter Prieſter II. erfordert, welcher die Perſon Chriſti vertritt. Wird erfordert ein konſekrirter Altar, welcher in allen Kirchen und Kapellen erhöht ſtehen muß, weil er den Kalvarienberg verſtellt, auf welchem Chriſtus, das unſchuldige Lamm, ge⸗ ſchlachtet und erhöht worden iſt. III. Die prieſterlichen Kleider, nämlich: 1) Das Humerale, welches der Prieſter über ſein Haupt wirft, und darnach um ſeinen Hals legt; dieſes bedeutet das leinene Tuch, mit welchem die Juden in dem Hauſe des Kaiphas Chriſti Angeſicht bedeckt, und ſpottweiſe geſagt haben:„Weiſſage uns Chriſtus, wer hat dich geſchlagen?⸗ 2) Die Albe, welche das weiße Kleid bedeutet, das Chriſto in dem Hauſe des Herodes ſpottweiſe iſt angelegt werden. 3) Der leinene Gürtel, womit der Prieſter ſich umgürtet, und der den Strick vorſtellt, womit Chriſtus auf dem Oelberge von den Juden gebunden und gefangen worden iſt. 4) Die Manipel, welche der Prieſter an ſeinem linken Arme trägt, und welche die Stricke es er t, ſ. en de Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 37 5) ) 5 bedeutet, womit Chriſtus an ſeinen Armen gebunden worden. Die Stole, welche der Prieſter um ſeinen Hals legt, und kreuzweis über ſeine Bruſt bindet; dieſe ſoll verſinnbilden die eiſernen Ketten, welche Chriſto nach ſeiner Ver⸗ urtheilung um ſeinen Hals gelegt worden ſind. Die Kaſula oder das Meßgewand, welches das purpurne Kleid bedeutet, das Chriſto bei ſeiner Krönung von den gottloſen Sol⸗ daten ſpottweiſe umgehangen worden iſt. Das Kreuz auf dem Meßgewand erinnert an das Kreuz, an welches Chriſtus ge⸗ nagelt wurde. Die Säule auf demſelben bedeutet die Säule, an welcher Chriſtus ge⸗ geißelt worden iſt. IV. Die Opfergeräthe, und zwar: ¹) 2) 3) 4 — 5) Der geweihte Kelch; dieſer bedeutet das Grab Chriſti, wie auch den bitteren Kelch des Leidens, welchen er austrinken mußte. Die Palla, womit der Prieſter den Kelch bedeckt; ſie bedeutet den viereckigen Grabſtein. Die Paten oder das goldene Tellerchen; es bedeutet das Schüſſelchen, worin die Salben waren, mit welchen der Leichnam Chriſti einbalſamirt wurde. Das Corporale, oder die viereckige Lein⸗ wand, worauf der Kelch ſteht; dieſes be⸗ deutet das Grabtuch, worein der Leichnam Chriſti gewickelt wurde. Das Purificatorium oder Tüchlein, womit der Prieſter den Kelch austrocknet; es ſtellt 38 Zweites Kapitel. die Tücher vor, womit der Leichnam Chriſti abgetrocknet wurde. 6) Das Velum oder ſeidene Tuch, welches über den Kelch gedeckt wird; dieſes ſoll an den Vorhang des Tempels erinnern, welcher beim Tode Chriſti von ſich ſelbſt zerriſſen iſt. 7) Die zwei Meßkannen; ſie bedeuten die zwei Geſchirre, welche mit Galle und Eſſig an⸗ gefüllt waren. Außerdem gehören noch zur giltigen Darbringung des heiligen Meßopfers: ungeſäuertes Waizenbrod und Wein von der Rebe mit Waſſer; zwei Leuchter mit Kerzen; das Meßbuch; ein Kiſſen oder Pult, worauf das Meßbuch gelegt wird; drei Altartücher, welche den Altar⸗ ſtein bedecken; ein Tüchlein, womit der Prieſter nach der Händewaſchung ſich die Hände abtrocknet; eine Schelle oder ein Meßglöcklein, ein Kruzifix, das in der Mitte des Altares ſteht; und ein Meßdiener, der dem Prieſter am Altäre dient, und im Namen des Volkes antwortet. Beinahe alle dieſe Dinge ſind ſo nothwendig, daß der Prieſter eine Sünde begeht, wenn er ohne dieſelben die heilige Meſſe liest, außer im Falle einer großen Noth. Hierüber will ich ein ſchönes Beiſpiel anführen. Als die Mohren von Afrika aus den größten Theil Spaniens unter ihr Joch gebracht hatten, geſchah es, daß ein König zu Caravaca, welcher viele Chriſten ge⸗ fangen hielt, ſich endlich ihrer erbarmte, alle zuſammen aus dem Kerker entließ, und dieſelben zu ſich beſchied. Er fragte einen Jeden, was für ein Handwerk oder welche Kunſt er verſtehe, und erlaubte ihnen, dieſelbe auszuüben. Unter den gefangenen Chriſten war auch ein Prieſter, welcher, als er wegen ſeiner Kunſt befragt ſti er en iſt. wei u nd mit das ar⸗ der elle itte ſter tet. duß ben olh. heil es, R men hied oder ſelb ali ftnh Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 39 wurde, mit tiefem Ernſte antwortete:„Ich beſitze eine Kunſt, durch welche ich den allmächtigen Gott vom Him⸗ mel herabziehen kann.“ Als ihm der König befahl, dieſe Kunſt auszuüben, ſprach er:„Ich kann dieß nicht thun, es ſei denn, daß ich von Chriſten alle zur heiligen Meſſe gehörigen Gegenſtände erhalte“ Der König be⸗ fahl dem Prieſter alle nothwendigen Dinge aufzuſchreiben, und ließ dieſelben aus einem chriſtlichen Orte herbei⸗ bringen. Der Prieſter ſchrieb zwar alle oben gemeldeten Dinge ausführlich auf, vergaß aber das Kruzifix. Nach⸗ dem Alles gebracht war, und er die heilige Meſſe an⸗ fangen wollte, merkte er erſt, daß kein Kruzifix auf dem Altare ſei. Deßwegen ſtand er lange in bangen Ge⸗ danken, und wußte nicht, ob er die heilige Meſſe an⸗ fangen oder unterlaſſen ſolle. Der König meinte, er verſtehe ſeine Kunſt nicht vollſtändig und fragte ihn, warum er ſo verwirrt wäre. Der Prieſter ſagte ihm: „Ich habe das Kreuz vergeſſen, und bin deßwegen voller Verwirrung, indem ich nicht weiß, ob ich die heilige Meſſe anfangen oder unterlaſſen ſoll.“ Da er unter⸗ deſſen die Hilfe Gottes anrief, ſiehe, da zerſpaltete ſich das ſteinerne feſte Gewölbe des Zimmers, in welchem der Prieſter vor dem Altare ſtand, und zwei Engel, glänzend wie die Sonne, und mit köſtlichem Gewande gezieret, kamen durch die Spalte herab, und trugen in ihren Händen ein hölzernes leuchtendes Kreuz, eine gute Spanne lang, welches ſie auf den Altar ſtellten, und dem Prieſter die heilige Meſſe anzufangen befahlen. Der König ſammt allen Mohren, welche in dem Zimmer waren, meinten, dieſe zwei Engel ſeien zwei Götter, erſchracken, fielen auf ihr Angeſicht nieder und lagen ſo lange auf der Erde, bis die Engel verſchwuuden 40 Zweites Kapitel. waren. Beyrlinck verbo: Crux. Dieß iſt der Ur⸗ ſprung jenes ſpaniſchen Kreuzes, welches noch zu unſerer Zeit zu Caravaca mit größter Ehrerbietung aufbewahrt, und jährlich am Tage, wo es vom Himmel gebracht worden, dem Volke gezeigt wird. Dieſe Erzählung habe ich darum anführen wollen, auf daß Jedermann erkennen möge, ein wie großes Gewicht wir darauf legen müſſen, daß alle zur Darbringung dieſes heiligen Sa⸗ crificiums nöthigen Gegenſtände in der gehörigen Weiſe vorhanden ſeien, und wir ſchließen aus der Sorgfalt der Kirche, auch für die kleinſten Umſtände geweihte Gegenſtände zu beſtimmen, auf die große Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 19. Die Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe erkennt man ferners auch aus den Ceremo⸗ nien, welche bei jeder heiligen Meſſe andächtig beobachtet werden müſſen, und von denen ich die vornehmſten hier anführen will. Der Prieſter bezeichnet ſich mit dem heiligen Kreuzzeichen ſechzehnmal. Er wendet ſich zum Volke ſechsmal. Er küßt den Altar achtmal. Er er⸗ hebt ſeine Augen zum Himmel eilfmal. Er ſchlägt an ſeine Bruſt zehnmal. Er knieet nieder zehnmal. Er legt ſeine Hände zuſammen vier und fünfzigmal. Er beugt ſein Haupt ein und zwanzigmal. Er beugt ſeine Schultern ſiebenmal. Er beugt ſich tief achtmal. Er ſegnet dos Opfer mit dem Kreuzzeichen ein und dreißig⸗ mal. Er legt beide flache Hände auf den Altar neun und zwanzigmal. Er betet mit ausgeſpannten Händen vierzehnmal. Er betet mit zuſammengelegten Händen ſechs und dreißigmal. Er legt ſeine gefalteten Hände auf den Altar ſiebenmal. Er legt ſeine linke Hand allein auf den Altar neunmal. Er legt ſeine linke Hand auf die Br Er! Kel Fri was Fr Ru Fri hun aut alle nen ho det ha auf dus und nac ne des wie ßi in Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 41 Bruſt eilfmal. Er erhebt beide Hände gen Himmel achtmal. Er betet ſtill eilfmal. Er betet laut dreizehnmal. Er deckt den Kelch ab und zu zehnmal. Er geht hin und her zwanzigmal. Neben dieſen 350 oft wiederholten Dingen muß der Prieſter noch hundert und fünfzig Ceremonien beobachten, was zuſammen fünfhundert Ceremonien ausmacht. Jeder Prieſter muß auch neben dieſen Ceremonien vierhundert Rubriken oder Regeln befolgen; wenn nun auch dieſe zu den Ceremonien gerechnet werden, ſo muß ein jeder Prieſter, der nach römiſcher Weiſe Meſſe liest, neun⸗ hundertert Stücke thun oder verrichten, von denen er auch nicht das Geringſte unbeachtet laſſen ſoll. Denn alle dieſe Dinge haben eine geiſtige Bedeutung, und die⸗ nen zur zierlichen und andächtigen Verrichtung dieſes hochwürdigſten und erſchrecklichſten Opfers. Deßwegen hat der heilige Papſt Pius V. auf's ſtrengſte in Kraft des heiligen Gehorſams befohlen, daß Alle und Jede, Kardinäle, Erzbiſchöfe, Biſchöfe, Prälaten und Prieſter auf dieſe und keine andere Weiſe Meſſe leſen, und nicht das Geringſte verändern, nicht das Geringſte dazu thun, und nicht das Geringſte hinweg nehmen ſollen. Ver⸗ nachläßigungen hiebei wären keine geringen, ſondern ſehr merkliche Sünden, weil es wider die Ehre und Zierde des hochwürdigſten und heiligſten Gottesdienſtes wäre, wie auch wider das ſtrengſte Gebot des ſeligen Papſtes Pius V. Niemand kann anſtändigere Bewegungen der Hände oder eine paſſendere Haltung des Körpers, oder ein erbauenderes Benehmen überhaupt erfinden, als die Kirche angeordnet hat, und man wird einer Meſſe, die unter Beobachtung aller Ceremonien geleſen wird, mit weit mehr Sammluug des Geiſtes beiwohnen, als einer, wobei dieß nicht geſchieht. 42 Zweites Kapitel. 20. Hieraus kannſt du auch erkennen, daß ein Prieſter keinen geringen Dank von dir verdient, welcher die heilige Meſſe mit gewiſſenhafteſter Genauigkeit liest, um dich ja in deiner Andacht nicht zu ſtören, ſondern vielmehr zu heben, abgeſehen davon, daß jedem Menſchen, der ſeine Pflicht pünktlich erfüllt, Achtung gebührt. Du wirſt ja ſelbſt kräftiger in deinem Gebete, und er wird ſo weſentlich beitragen, daß dein Gebet Er⸗ hörung finde. 8. Von dem vornehmſten Prieſter der heiligen Meſſe. 21. Wiewohl die Würde des heiligen Meßopfers aus den Ceremonien und Gebeten bei der Tempel⸗ und Altar⸗ Weihe, ſowie aus der Prieſterweihe und der Art der Darbringung abgenommen werden kann, ſo wird doch deſſen Vortrefflichkeit aus keinem Dinge beſſer erkannt, als aus der Perſon desjenigen, welcher dieß göttliche Opfer verrichtet. Wer meinſt du wohl iſt der Opfernde? Etwa der Prieſter? oder der Biſchof? oder der Papſt? Ach nein! Meinſt du wohl! daß es ein Engel, oder ein Heiliger, oder die Königin und Krone aller Heiligen, daß es Maria ſei? Es iſt Niemand Anderer, als der Prieſter der Prieſter, der Biſchof der Biſchöfe, es iſt der eingeborne Sohn des höchſten Vaters, Chriſtus Je⸗ ſus, der vom Vater geſalbte höchſte Prieſter, der ewige Prieſter nach der Ordnung des Melchiſedech. Dieſer gibt dem heiligen Meßopfer jene hohe Vortrefflichkeit, welche alle Vortrefflichkeiten überſteigt, und das chriſtliche Sacrificium zu einem göttlichen Werke erhebt. Daß Chriſtus der Prieſter ſei, beweiſe ich aus dem heiligen Chryſoſtomus, welcher Homil. 8. in Matth. der Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 43 alſo ſpricht:„Die Prieſter vertreten nur die Stelle von Dienern, derjenige aber, welcher das Opfer heiliget uud verwandelt, iſt Chriſtus; derſelbe, der beim letzten Abend⸗ mahle das Brod und den Wein verwandelt hat, der iſt es, der auch jetzt noch Brod und Wein verwandelt. Darum, du Laie! wenn du den Prieſter opfern ſiehſt, ſo glaube nicht, daß der Prieſter dieß thue, ſondern ſei verſichert, daß die unſichtbare Hand Gottes das Opfer darbringt.. Mit dieſen Worten zeigt der heilige Chryſoſtomus klar an, daß Chriſtus ſelbſt in eigener Perſon die vornehmſten Stücke des heiligen Meßopfers verrichtet, daß er nämlich vom Himmel herabkommt, das Brod und den Wein in ſeinen Leib und ſein Blut ver⸗ wandelt, ſich ſelbſt Gott dem Vater für das Heil der Welt aufopfert, und als ein treuer Mittler für die Wohlfahrt des Volkes bittet. Die Prieſter aber ſind nur die Diener Chriſti, leihen ihm ihren Mund, ihre Stimme und ihre Hände, auf daß Chriſtus durch ihre Mithilfe dieſes göttliche Opfer vellbringe. 22. Wenn aber Jemand dem heiligen Chryſoſtomus vielleicht nicht glauben wollte, ſo will ich ihm einen an⸗ dern Beweis geben, dem er nicht widerſprechen kann, noch darf. Ich führe nämlich an das Zeugniß der hei⸗ ligen katholiſchen Kirche, welche in dem Konzilium zu Trient alſo ſpricht: Sess. 22. c. 2.„Weil in dieſem göttlichen Opfer, welches in der Meſſe ſich vollzieht, eben⸗ derſelbe Chriſtus enthalten iſt, indem er ſich hier un⸗ blutiger Weiſe hinopfert, wie er ſich ſelbſt auf dem Altare des Kreuzes Einmal blutiger Weiſe dargebracht hat, ſo erklärt die heilige Synode, daß dieſes Opfer der Meſſe ein wahres Sühnopfer ſei, und daß es durch Ihn ſelbſt dargebracht werde.. Siehe, mit dieſen 44 Zweites Kapitel. Worten lehrt uns die Kirche, und ſtellt uns zu glauben vor, daß die Prieſter nur Diener Chriſti ſind, und daß 10 er ſich ſelbſt am Altare eben ſo wohl, und eben ſo U träftig aufopfert, als er am Kreuze hängend ſich auf⸗ geopfert hat. O was für hohe Ehre, was für große 1 Gnade, was für unſchätzbare Wohlthat iſt uns dieß, daß ſe unſer Heiland ſich würdiget, unſer Prieſter, unſer Mitt⸗ d ler und Fürſprecher zu ſein, und ſich ſelbſt in eigener ſe Perſon Gott dem Vater für uns darzuſtellen und auf⸗ ir zuopfern. Fſ 23. Der heilige Apoſtel Paulus ſchreibt hierüber dr Hebr. 7. Kap. alſo:„Es hat ſich geziemt, daß wir die einen Hohenprieſter hätten, der da iſt heilig, unſchuldig, elg unbefleckt, veon den Sündern abgeſondert, und über die Fr Himmel erhoben. Denn das Geſetz Moſis hat nur ge⸗ w brechlichem Menſchen zu Prieſtern gemacht; das Wort des n Eires aber, das nach dem Geſetze gekommen iſt, ſtellt be auf den Sohn, den Vollkommenen in Ewigkeit.. Sind das das nicht erhabene Worte, mit welchen der heilige Paulus hr uns vor Augen ſtellt, wie hoch uns der liebe Gott u ſchätzt, da er uns keinen gebrechlichen ſündhaften Men⸗ ein ſchen, ſondern ſeinen einzigen Sohn, welcher voller Hei⸗ ligkeit und Tugend iſt, zum Prieſter und Mittler ver⸗ ich ordnet hat. er 24. Nun wollen wir denn erwägen, warum Chriſtus eil dieß ſein Opfer keinem Menſchen habe anvertrauen ich wollen. Die vornehmſte Urſache war, weil dieß ſein li Opfer ganz rein und unbefleckt ſein mußte, wie der vie Prophet Malachias geweiſſagt hat, welcher ſpricht:„An ſi allen Orten,“ ſpricht der Herr,„wird meinem Namen ein reines Opfer dargebracht, worüber die Kirche wi Trid. Sess. 22. c. I. ſich alſo ausſpricht:„Das iſt ni Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 45 jenes reine Opfer, welches durch keine Unwürdigkeit noch Bosheit der Opfernden befleckt werden kann.« Wenn nämlich die Prieſter die Opferer wären, ſo würde gewiß das Meßopfer vielmals befleckt und verunreinigt werden, und man könnte allezeit zweifeln, ob dem höch⸗ ſten Gott ein angenehmes Opfer wäre dargebracht wor⸗ den. Deßwegen hat Gott Vater gewollt, daß ſein heilig⸗ ſter Sohn den Namen und das Amt eines Prieſters für ſich ſelbſt behalten ſollte, laut ſeiner eigenen Worte Pſalm 109:„Du biſt Prieſter in Ewigkeit nach der Ordnung des Melchiſedech.. Wiewohl nun die Prieſter die heilige Meſſe leſen, ſo ſind ſie dennoch nicht die eigentlichen Opferer, ſondern nur Diener des höchſten Prieſters Jeſu Chriſti. Gleichwie ein Diener, wenn er von ſeinem Herrn einen Dukaten empfangen, um denſelben in einer Wallfahrtekirche aufzuopfern, dieſe Gabe nicht beflecken könnte, auch wenn er in einer Todſünde das Opfer entrichtete, eben ſo können auch die Prieſter das hochwürdigſte Meßopfer, welches ſie im Namen Chriſti aufopfern, nicht beflecken, noch verun⸗ reinigen. 25. Warum hatte denn Chriſtus keinem Engel, noch einem Heiligen, noch auch ſeiner allerreinſten Mut⸗ ter dieß Opfer anvertrauen wollen, da dieſe ja ganz heilig, und voller Gnaden ſind, und dieß reinſte Opfer nicht wärden verunreiniget, ſondern auf die vortreff⸗ lichſte Weiſe dargebracht haben? Denn, o mein Gott! vie heilig und andächtig würde diejenige heilige Meſſe ſein, welche der heilige Petrus, oder der heilige Paulus, oder ein Cherubim, oder der höchſte Seraphim leſen würde! O was für eine herzliche Freude und Andacht würden jene Leute haben, welche einer ſolchen heiligen 46 Zweites Kapitel. Meſſe beiwohnen könnten, wenn ſie mit ihren eigenen Augen ſehen würden, wie ein Seraphim ſo andächtig, ſo ehrerbietig und ſo aufmerkſam ſeine heilige Meſſe liest. Gewiß würden ihre Herzen vor lauter Andacht verſüßt, und mit göttlicher Liebe entzündet werden. Wenn nun dieß bei der heiligen Meſſe eines Seraphims geſchehen würde, was würde dann geſchehen, wenn die Mutter Gottes ſelbſt ihren lieben Sohn auf dem Altare aufopfern würde? Sie hat der heiligen Mechtildis lib. 1. c. 19. geoffenbart:„Ich habe meinen Sohn am Licht⸗ meßtage mit ſo großer Andacht und Dankbarkeit Gott dem Vater dargebracht, daß, wenn die Andacht aller Heiligen in eines Menſchen Herz eingegoſſen würde, ſie dennoch mit meiner Andacht nicht verglichen werden könnte.“ Wenn nun Maria dieß gethan, als ſie noch auf Erden lebte, was würde ſie nicht jetzt thun, da ſie im Himmel wohnt, und mit allen Tugenden und göttlichen Gnaden ganz überfüllt iſt? O wie kräftig, o wie andächtig, o wie unergründlich heilig würde dasjenige Meßopfer ſein, welches die glorwürdigſte Mutter Gottes dem höchſten Gotte aufopfern würde. 26. Wiewohl nun ein ſolches Meßopfer eines großen Heiligen, oder eines hohen Seraphim, oder der ſelig⸗ ſten Jungfrau Maria unergründlich beſeligend wäre, ſo wäre es dennoch dem unendlich heiligen Gott noch nicht gleichmäßig, noch nicht heilig genug, weil dieſem eine ſolche Darbringung gebührt, welche ſeiner unendlichen Majeſtät ähnlich und gleichförmig iſt. Deßwegen hat Chriſtus das allerheiligſte Meßopfer keinem Engel, noch einem Heiligen, noch viel weniger einem ſündigen Menſchen anvertrauen wollen, noch können, ſondern dieß ſich ſelbſt vorbehalten wollen und müſſen, auf daß Hei und kräf Do wen von ſelb Fre daß ſtei 4. alle ch oy hin Go bar M diſ dieſ du om dan ein lihe i un hö Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 47 daß er ſelbſt täglich ſeinem allmächtigſten Vater zum Heile der Gläubigen ein gleichmäßiges Opfer reichen, und auf eine ſolche unendlich hohe und unbegreiflich kräftige Weiſe darbringen könnte. Nur eine ſolche Darbringung konnte ſich das Wohlgefallen Gottes zu⸗ wenden. 27. Hieraus folgt nun, daß jede heilige Meſſe von ſo unergründlicher Würdigkeit ſei, und von Chriſtus ſelbſt mit einer ſolchen Andacht, Ehrerbietung und Freundlichkeit geleſen, verrichtet und aufgeopfert werde, daß es allen Verſtand der Engel und Menſchen über⸗ ſteigt. Dieß hat Chriſtus der heiligen Mechtildis lib. 2. c. 31. mit folgenden Worten geoffenbaret:„Ich allein weiß und verſtehe vollkommen, wie ich mich täg⸗ lich auf dem Altare für das Heil der Gläubigen auf⸗ opfere, was weder Cherubine noch Seraphine, noch alle himmliſchen Kräfte völlig verſtehen können.. O mein Gott! wie vortrefflich, wie mächtig und wie unſchätz⸗ bar muß dann dieſe Aufopferung Chriſti in der heiligen Meſſe ſein: weil die hochweiſeſten himmliſchen Kräfte dieſelbe nicht begreifen, viel weniger verſtehen können! O mein liebſter Jeſu! wie unerforſchlich muß dann dieſe deine Aufopferung ſein, weil du bezeugeſt, daß du allein durch deine göttliche Weisheit dieſelbe voll⸗ kommen wiſſeſt und erkenneſt! O wie glückſelig muß dann derjenige Menſch ſein, welcher der heiligen Meſſe beiwohnet, und dadurch verdient, daß dieſe unergründ⸗ liche, kräftigſte und heilſamſte Aufopferung für ihn ge⸗ ſchieht! 28. Beherzige doch dieſe Worte, geliebter Leſer, und erwäge tief bei dir, wie viel Nutzen dir das Meſſe⸗ hören bringe, weil unter derſelben Chriſtus Jeſus ſelbſt 48 Zweites Kapitel. ſich für dich aufopfert, ſich als Mittler zwiſchen der göttlichen Gerechtigkeit und deiner menſchlichen Unge⸗ rechtigkeit hinſtellet und die gerechte Rache, welche du wegen deiner Sünden täglich verſchuldeſt, entweder ganz abwendet, oder auf's wenigſte aufhält. O wenn du dieß recht erkenneteſt, wie ſehr würdeſt du die heilige Meſſe lieben, wie herzlich würdeſt du darnach verlangen, wie andächtig würdeſt du ſie hören, und wie ungerne würdeſt du dich davon abhalten laſſen! Ja, du würdeſt lieber an deinen zeitlichen Gütern Schaden leiden, als mit Verſäumung der ſo heilſamen heiligen Meſſe deiner Seele einen ſo großen Schaden zufügen. Dieß haben die erſten Chriſten gethan, welche das Meſſehören ſo herzlich geliebt, daß ſie lieber ihr Leben laſſen, als die heilige Meſſe verſäumen wollten. Hierüber erzählt Ba⸗ ronius aus dem Jahre 306 eine ſehr denkwürdige Ge⸗ ſchichte auf folgende Weiſe: 29. Als in Afrika, in der Stadt Aluta, wo alle chriſtlichen Kirchen niedergeriſſen waren, viele Männer und Weiber wider den Befehl des Kaiſers Galerius in einem Hauſe der heiligen Meſſe beiwohnten, wurden ſie von den Heiden ausgekundſchaftet, ergriffen, und dem Richter auf offenem Markte vorgeſtellt. Da ward auch das heilige Meßbuch ſammt andern heiligen Büchern, welche die Heiden den Chriſten abgenommen hatten, auf dem Markte mit großem Schimpfe in ein Feuer geworfen, von Gott aber durch einen unverſehenen Platz⸗ regen, welcher das Feuer auslöſchte, vor dem Brande bewahrt, worüber der Richter ſo ſehr erſchrack, daß er die Gefangenen, 34 Männer und 17 Frauen, zu dem Kaiſer in die Stadt Carthago ſchickte. Dieſen Weg gingen die gefangenen Chriſten mit Frende und ſangen Unau ghiſe „Die Stad Euet Da Folte terde mil Ty nit ter d und Verſ ſter Böſe uns noch Der achten ſcllen ſel. lenk chzul fü 3 Hude haun Du hinj Ne Cu Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 49 unaufhörlich Pſalmen und Lobgeſänge. Als ſie dem Koiſer vorgeſtellt wurden, ſprach der Offizier zu ihm: „Dieſe boshaften Chriſten, o Kaiſer, haben wir in der Stadt Aluta in einem Hauſe überraſcht, als ſie wider Euer Verbot ihrem falſchen Gottesdienſte beiwohnten. Da ließ der Kaiſer alsbald einen entblößen, auf eine Folter ſpannen, und mit ſcharfen Hacken zerreißen. Un⸗ terdeſſen ſchrie einer von den Chriſten, Telica genannt, mil heller Stimme:„Warum peinigeſt du dieſen allein, o Tyrann! wir alle ſind Chriſten, und haben zugleich mit ihm die heilige Meſſe gehört.. Da ließ der Rich⸗ ter dieſen auch entblößen, neben dem andern aufhängen und zerfleiſchen und ſprach:„Wer iſt der Urheber eurer Verſammlung geweſen?«“ Er antwortete:„Der Prie⸗ ſter Saturnius, und wir alle zuſammen; du aber, o Böſewicht! handelſt wider alle Gerechtigkeit, daß du uns deßwegen peinigeſt. Wir ſind ja keine Mörder noch Räuber, und haben nichts Unrechtes begangen.“ Der Richter ſprach:„Du hätteſt unſern Befehl be⸗ achten, und deinen falſchen Gottes dienſt unterlaſſen ſollen.“ Telica ſagte:„Ich achte keinen andern Be⸗ ſehl, als den meines Gottes, ſür den ich auch zu ſter⸗ ben bereit bin. Da befahl der Kaiſer den Martyrer obzulöſen, und ohne Speiſe und Trank in den Kerker zu führen. 30. Hierauf trat der heiligen Viktoria heidniſcher Bruder hervor, und verklagte den Dativus, einen Raths⸗ herrn, weil dieſer ſeine Schweſter Viktoria zu der hei⸗ ligen Meſſe geführt hatte. Dieſe Heilige aber ſprach: »Durch keines Menſchen Ueberredung, ſondern freiwillig Bin ich zu dem Hauſe gegangen, und habe die heilige Meſſe gehört; denn ich bin eine Chriſtin, und bin Cochem, Meßerklärung. 4 50 Zweites Kapitel. ſchuldig, dem Geſetze Chriſti zu gehorſamen.“ Ihr Bruder ſprach zu ihr:„Du biſt unſinnig und redeſt wie eine Närrin.“ Sie antwortete:„Ich bin keine Närrin, ſondern eine Chriſtin!“ Da ſagte der Kaiſer: „Willſt du mit deinem Bruder wieder nach Hauſe gehen?“ Sie antwortete:„Ich will es nicht thun; denn ich er⸗ kenne dieſen nicht für meinen Bruder, ſondern ich bin eine Chriſtin, und erkenne diejenigen für meine Brüder und Schweſtern, welche um Chriſti willen leiden.“ Der Kaiſer ſagte:„Schone deiner ſelbſt, und folge dem Rathe deines Bruders!“ Sie aber ſprach:„Ich weiche von meinen Brüdern und Schweſtern nicht; denn ich bekenne dir, daß ich mit ihnen die heilige Meſſe gehört, und das hochwürdige Sakrament empfangen habe.“ Da befahl der Richter, ſie in das Gefängniß zu führen, und alle Mittel anzuwenden, ſie von ihrem Glauben abzubringen; denn ſie war von ſehr großer Schönheit und aus dem vornehmſten Geſchlechte der ganzen Stadt. Als ihre Aeltern ſie wider ihren Willen hatten verhei⸗ rathen wollen, da ſprang ſie zu einem hohen Fenſter hinaus, und hatte ſich von dem Prieſter Saturnius die Haare abſchneiden laſſen. 31. Alsdann wendete ſich der Böſewicht zu dieſem Prieſter Saturnius, und ſprach:„Haſt du wider unſern Befehl die ganze Menge verſammelt?“ Er ſagte:„Auf Befehl des Herrn habe ich ſie verſammelt, und wir haben ſeinen göttlichen Dienſt verichtet.“ Der Kaiſer fragte:„Warum haſt du dieß gethan?“ Er antwor⸗ tete:„Weil wir die heilige Meſſe nicht unterlaſſen dürfen.“ Der Kaiſer fragte:„Biſt du denn der Urheber dieſer Verſammlung, und haſt du ſie alle dazu beredet?“ Er antwortete:„Ich bin der Urheber, und habe die Meſſe Meſ blöß ihm ließ And oeſ ſogt inn Der Ler mein der ſein und Ri an leich ſchri und ſers bon Ehr weſe ſpra der hil di, hal hie Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 51 Meſſe ſelbſt geleſen“ Da ließ ihn der Richter ent⸗ blößen und mit eiſernen Hacken ſo lange zerreißen, bis ihm die Eingeweide zum Leibe herausfloſſen. Endlich ließ er ihn von der Marter hinwegnehmen, und zu den Andern in das Gefängniß führen. 32. Darnach ließ er ſich den heiligen Emericus voeſtellen und ſprach zu ihm:„Wer biſt du?, Er ſagte:„Ich bin der Urheber dieſer Verſammlung; denn in meinem Hauſe iſt die heilige Meſſe geleſen worden.⸗ Der Kaiſer ſagte:„Warum haſt du ſie wider unſer Verbot hineingehen laſſen?“ Er antwortete:„Weil ſie meine Brüder ſind, deßwegen konnte ich ſie nicht hin⸗ dern. Denn wir können ohne die heilige Meſſe nicht ſein.“ Hierauf wurde er auch aufgehängt, zerfleiſcht und in das Gefängniß geführt. Unterdeſſen ſprach der Richter zu den Uebrigen:„Ich hoffe, ihr werdet euch an dieſen Armſeligen ſpiegeln, und euer Leben nicht ſo leichtſinnig verſcherzen.“ Die heiligen Marthrer aber ſchrieen wie aus einem Munde:„Wir ſind Chriſten, und wollen das Geſetz Chriſti bis zur Vergießung un⸗ ſers Blutes vollziehen« Der Richter ſprach zu einem von ihnen, Felix genannt:„Ich frage nicht, ob du ein Chriſt ſeieſt, ſondern ob du bei der Verſammlung ge⸗ weſen, und Meſſe gehört habeſt.. Der heilige Felir ſprach:„Was iſt dieß für ein närriſches Fragen? gleich als wenn ein Chriſt ohne die heilige Meſſe ſein könnte, oder als wenn die heilige Meſſe ohne die Chriſten ge⸗ halten werden könnte. Du grimmiger Satan, ich ſage dir, daß wir die Verſammlung mit aller Andacht ge⸗ halten, und bei der heiligen Meſſe fleißig gebetet haben.“ Hierüber ergrimmte der Tyrann ſo heftig, daß er den 4* 52 Zweites Kapitel. heiligen Marthrer zu Boden werfen, und mit Prügeln todt ſchlagen ließ. 33. Auf dieſe Weiſe brachte der wüthende Richter den ganzen Tag im Peinigen der heiligen Martyrer zu, und als die Nacht anbrach, ließ er alle diejenigen, welche noch Athem ſchöpfen konnten, in ein großes Gefängniß zuſammen ſperren, und den Wächtern bei Lebensſtrafe verbieten, daß ſie ihnen irgend etwas zu eſſen oder zu trinken gäben. Ihre Aeltern, Weiber, Kinder und Freunde kamen zwar zum Gefängniſſe, brachten ihnen auch heimlich unter ihren Kleidern etwas Labung, die Wächter aber durchſuchten ſie ſehr genau, nahmen ihnen Alles ab, zerbrachen ihnen die Geſchirre, und ſchlugen die frommen Leute armſelig. Dennoch blieben dieſe treuen Frenunde Tog und Nocht vor dem Gefängniſſe liegen, weinten und wehllagten, und hofften hiedurch den Tyrannen zur Erbarmung gegen die armen Gefangenen zu bewegen. Dieſer war aber in ſeiner Bosheit ſo ver⸗ ſtockt, daß er die Diener und Dienerinnen Chriſti alle zuſammen verſchmachten und des bitterſten Hungertodes ſterben ließ. 34. Dieſe Geſchichte, welche Baronius aus den alten Gerichtsprozeſſen Wort für Wort herausgenem⸗ men, beweiſet klar, daß die heilige Meſſe gleich in den erſten Zeiten nach Chriſtus geleſen, und von den Gläu⸗ bigen gehört worden ſei. Sie zeigt uns aber auch an, was für eine große Andacht die frommen Chriſten zu der heiligen Meſſe getragen, doß ſie lieber die bitterſte Marter und den ſchmerzlichſten Tod leiden, als die hei⸗ lige Meſſe verfäumen wellten. Woher kam denn dieſer Eifer? Daher, weil ſie die hohe Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe erkannten, und der Früchte derſelben gerne theil lerne uſt Wa w ehr die 5 Dre Der hohe und ln er , he iß e ſe er⸗ alle des den do Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 53 theilhaftig werden wollten. Dieß ſollen wir von ihnen lernen, und durch ihr Beiſpiel aufgemumtert, eine neue Luſt und Liebe zum heilſamen Meſſehören ſchöpfen. Was für eine koſtbare Gabe in der heiligen Meſſe geopfert wird. 35. Wiewohl von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe bisher ſchon viel geſagt worden, ſo iſt doch eine ſehr wichtige Sache zur Betrachtung noch übrig, nämlich die Koſtbarkeit des Opfers ſelbſt, welches der heiligſten Dreifaltigkeit in der heiligen Meſſe dargebracht wird. Der heilige Paulus Hebr. 8. ſpricht alſo:„Ein jeder hohe Prieſter wird dazu verordnet, auf daß er Gaben und Schlachtopfer darbringe Weil denn Chriſtus auch won ſeinem Vater zum Prieſter beſtellt worden, deßwegen iſt es nothwendig, daß auch Er etwas habe, was er aufopfere. Der heilige Paulus ſetzt nicht hinzu, was Chriſtus habe, das er opfert, ſondern überläßt dieſes unſerer eigenen Erwägung. So iſt denn die Frage, was für ein Opfer Chriſtus ſeinem Vater in ſeinem hohenprieſterlichen Amte darbringe? 36. Es kann dieſes nichts Niederes und Gemeines ſein, ſondern muß einen übermenſchlichen Werth haben, um würdig zu ſein, einem unendlichen Herrn darge⸗ bracht zu werden; denn je größer und vortrefflicher der Herr iſt, um ſo koſtbarer und vortrefflicher muß auch die darzubringende Gabe ſein. Denn wenn einer einem kuiſer eine Hand voll Bohnen verehren wollte, ſo würde a einen ſchlechten Dank verdienen, ja großen Spott und Undank davon tragen. Nun aber iſt der allmäch⸗ üge Gott ein Herr von einer ſolch großen Majeſtät und 54 Zweites Kapitel. Vortrefflichkeit, daß Himmel und Erde vor ihm für weniger zu ſchätzen ſind, als eine Hand voll Bohnen vor einem Kaiſer. Höre, was der weiſe Mann Sap. 11. von ihm ſagt:„Wie der kleinſte Ausſchlag einer Wage, ſo iſt die ganze Welt vor ihm, und wie ein Tröpflein vom Morgenthau, welches auf ein Blättlein fällt. Wenn nun die ganze Welt nach dem unfehl⸗ baren Zeugniſſe der heiligen Schrift nur wie ein Tröpf⸗ lein Thau gegen Gott zu rechnen iſt, was will man denn in der ganzen weiten Welt finden, das würdig wäre, ihm aufgeopfert zu werden? Was will denn Chriſtus außer Gott im ganzen Himmel finden, daß er der hochheiligſten Dreifaltigkeit zum würdigen und wohl⸗ gefälligen Opfer verehren könnte? 37. Was meinſt du denn, was Chriſtus in der heiligen Meſſe dem höchſten Gott opfert? Höre Wun⸗ der! im ganzen Himmel und in der ganzen Welt findet er nur eine einzige Sache, welche würdig iſt, dem un⸗ endlichen Gott aufgeopfert zu werden, nämlich ſeine allerheiligſte, unbefleckte, hochgebenedeite Menſchheit, das iſt: ſeinen allerheiligſten Leib, ſein roſenfarbes Blut und ſeine gebenedeite Seele. Der heilige Chryſoſtomus Serm. de Cruce et Sacro redet hievon alſo:„Chriſtus war und iſt der Prieſter und das Opfer; der Prieſter nach dem Geiſte, das Opfer nach dem Fleiſche. Er ſelbſt opfert, und wird auch geopfert.“ Gleicher Weiſe ſpricht auch der heilige Auguſtinus zum Pſalm 26:„Chriſtus allein war ein ſolcher Prieſter, daß er auch zugleich das Opfer war; denn er hat nichts anderes geopfert, als ſich ſelbſt.. Darum alſo opfert er ſich ſelbſt auf, weil er unter allen Schätzen Himmels und der Erde nichts 10 Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 55 finden konnte, was zu einem würdigen Opfer der hei⸗ ligſten Dreifaltigkeit gebraucht werden könnte. 38. Dieſe ſeine Menſchheit iſt die vortrefflichſte und koſtbarſte Sache, welche die allmächtige Hand Gottes er⸗ ſchaffen hat, wie die Mutter Gottes der heiligen Bri⸗ gitta geoffenbaret hat, indem ſie nach Lib. 3. c. 13. ſprach:„Die Menſchheit Chriſti iſt das koſtbarſte Ding, das jemals geweſen iſt, und noch wirklich iſt.. Denn die freigebigſte Hond Gottes hat dieſer Menſchheit ſo viele und große Gnaden, Reichthümer, Tugenden, Hei⸗ ligkeit, Weisheit, Vortrefflichkeit und Freiheit mitgetheilt, daß ſie ihr nicht mehrere und größere mittheilen konnte; nicht, weil Gott keine größeren mittheilen, ſondern weil dieſe Menſchheit nicht mehr noch größere faſſen konnte. Wiewohl die Mutter Gottes von einer für uns unbe⸗ greiflichen Schönheit, Heiligkeit und Vortrefflichkeit iſt, ſo iſt ſie dennoch gegen die Menſchheit Chriſti verglichen nicht mehr zu ſchätzen, als eine brennende Fackel gegen das Licht der Sonne. Wegen dieſer höchſten Vortreff⸗ lichkeit war die Menſchheit Chriſti nicht allein von den ſrommen Menſchen, ſondern auch von den lieben Engeln auf Erde geehrt, und wird auch von denſelben jetzt noch im Himmel nach Gott mit der allerhöchſten Verehrung geprieſen; denn keiner Kreatur gebührte je eine ähnliche Auezeichnung wie ihm, dem hohen Haupte des menſch⸗ lichen Geſchlechtes. 39. Der freigebigſte Gott hat bei der Erſchaffung der Engel denſelben unſchätzbare und unzählige Heilig⸗ keit, Vollkommenheiten und Vortrefflichkeiten eingegoſſen; auch vielen frommen Menſchen und großen Heiligen hat er bei ihrer Erſchaffung manche große Gnade, Tugend und Heiligkeit aus lauter Güte mitgetheilt; über alle 56 Zweites Kapitel. aber hinaus hat er der allerſeligſten Jungfrau Maria ſowohl bei ihrer Erſchaffung, als hernach in ihrem hei⸗ ligen Leben viele unbegreifliche Gnaden, Privilegien und Vollkommenheiten geſchenkt. Allein dieſe Gaben ſtehen bei den verſchiedenen Heiligen vereinzelt da. Alle aber insgeſammt hat der heilige Geiſt bei Erſchaffung der Menſchheit Chriſti derſelben freigebig mitgetheilt; über⸗ dem noch hat er dieſer göttlichen Menſchheit viele an⸗ dere, man möchte faſt ſagen, unendliche Gnaden, Reichthümer, Privilegien und himmliſche Schätze einge⸗ pflanzt und eingegoſſen. Nun urtheile, wie unbegreif⸗ lich edel, ſchön, lieblich, verſtändig, vortrefflich und glor⸗ würdig die Menſchheit Chriſti ſei, welche ein unergründ⸗ liches Meer aller Vollkommenheiten in ſich begreift und einſchließt. 40. Die koſtbarſte und hochwürdigſte Menſchheit Chriſti iſt das einzige, theuere Opfer, welches der höchſte Prieſter, der eingeborne Sohn Geottes, Chriſtus Jeſus, der allerheiligſten Dreifaltigkeit täglich in allen heiligen Meſſen auf die freundlichſte Weiſe darbietet und hin⸗ gibt. Ja, er opfert dieſe nicht allein, ſondern er opfert zugleich mit derſelben alles Dasjenige, was ſie zur größern Ehre und Glorie der hochwürdigſten Dreifaltig⸗ keit auf Erden in den drei und dreißig Jahren mit herzlicher Liebe gethan, und mit bitterſtem Schmerzen gelitten hat, nämlich all ſein Faſten, Wachen, Beten, Reiſen; alle ſeine Bußwerke, Predigten und Abtödtungen; alle ſeine Verfolgungen, Verkleinerungen, Verſpottungen und Beſchimpfungen; alle ſeine Schmerzen, Geißelſtreiche, Dornenſtiche, Annaglung, Wunden, Peinen und Tor⸗ mente; alle ſeine Zähren, Schweißtropfen, blutigen Angſtſchweiß, Seitenwaſſer und roſenfarbiges Blut. „ Die heil uf ſelb gelh ſtus dern dar die gött doch der dur hei reic du unſe heit uf ſe hil A e er de hi Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 57 Dieß alles ſtellt Chriſtus in jeder heiligen Meſſe der heiligſten Dreifaltigkeit vor Augen, und opfert es ihr auf eben ſo kräftige und freundliche Weiſe, gleichwie er ſelbes auf Erden in ſeinem heiligen Leben und Leiden gethan hat. 41. Das Allererhabenſte aber iſt dieß, daß Chri⸗ ſtus nicht allein bloß ſeine Menſchheit aufopfert, ſon⸗ dern, daß er dieſelbe zugleich mit der Gottheit vereiniget darbringt. Denn wiewohl in den heiligen Meſſen nicht die Gottheit für ſich, ſondern die Menſchheit Chriſti der göttlichen Dreifaltigkeit aufgeopfert wird, ſo erſcheint doch dieſe Menſchheit in unzertrennbarer Verbindung mit der Gottheit, und in jener Vollkommenheit, welche ſie durch die perſönliche Vereinigung mit der Gottheit em⸗ pfangen hat. Wegen dieſer Vereinigung iſt die Menſch⸗ heit vergöttlichet, mit unendlichen, göttlichen Schätzen be⸗ reichert, und von unendlichem Werthe. Hieraus kannſt du nun ſchließen, was für ein überaus koſtbares Opfer unſer Heiland in jeder heiligen Meſſe der höchſten Gott⸗ heit darbietet, indem er ihr ſeine göttliche Menſchheit auf eine unergründlich erhabene Weiſe darreicht. 42. Zuletzt iſt auch noch wohl zu erwägen, daß Chriſtus ſeine Menſchheit nicht opfert in der Geſtalt, in welcher ſie im Himmel iſt, ſondern in der Geſtalt, wie ſie auf dem Altare iſt. Denn im Himmel iſt dieſe Menſchheit ſo glorwürdig und majeſtätiſch, daß auch die heiligen Engel vor ihrer Majeſtät erzittern. Auf dem Altare aber iſt ſie ſo demüthig und erniedriget, daß ſich bendieſelben heiligen Engel darüber verwundern und eſtaunen. Denn da iſt dieſe göttliche Menſchheit unter der Geſtalt der heiligen Hoſtie gleichwie mit einem härenen Sacke bekleidet; ja, gleichwie in ein enges 58 Zweites Kapitel. Gefängniß eingeſchloſſen. Denn die Geſtalten umgeben den Leib Chriſti, und halten ihn ſo eingeſchloſſen, daß, je nachdem die Geſtalten von einem Ort zum andern gebracht werden, auch er ſich von einem Ort zum an⸗ dern bewegen muß, und ſo lange die Geſtalten dauern, er durch keine Gewalt von ihnen kann abgeſondert wer⸗ den. Der unſterbliche Leib Chriſti, welcher im Himmel in ſeiner natürlichen Größe iſt, iſt auf dem Altare nicht größer, als die Geſtalt der heiligen Hoſtien. Ja er iſt in dem allerkleinſten Stücklein, welches von einer größeren conſecrirten Hoſtie abfällt, eben ſo klein, als ſelbiges Stücklein iſt. In einem ſolchen kleinen Stück⸗ lein, wie auch in der ganzen heiligen Hoſtie, kann er ſeinen heiligen Leib nicht ausſtrecken; noch ſeine Hände und Füße bewegen, noch auch ein Werk, welches durch die leiblichen Glieder oder Organe verrichtet wird, voll⸗ bringen, ſondern er liegt darin, wie in dem allerklein⸗ ſten Gefängniß, gleichſam zuſammengepreßt, und aller ſeiner Macht und Kräfte gleichſam beraubt. In einer ſolchen kleinen, demüthigen und erniedrigten Geſtalt ſtellt ſich Chriſtus der heiligſten Dreifaltigkeit vor Augen, und opfert ſich ihr auf rührende Weiſe, ſo daß ſich das ganze himmliſche Herr darüber verwundert uud erſtaunt. 43. Was mag wohl die heiligſte Dreifaltigkeit den⸗ ken oder ſagen, wenn ſie dieſe glorwürdigſte Menſchheit Chriſti in einer ſolch demüthigen Geſtalt anſchaut, und gleichſam als ein verächtliches Würmlein vor ihren Füßen liegen ſieht! O welch' große Ehre empfängt der all⸗ mächtige himmliſche Vater davon, wenn er ſeinen Sohn in einer ſolchen äußerſten Erniedrigung erblickt, und klar erkennt, daß derſelbe dieß alles zu ſeiner größeren väter⸗ lichen Ehre verrichtet! O welch' unſchätzbare große Kr ofe Geh m ſce uf uie dere leſet Rei Sü ſelb abt n Tr ble Rei ihre See der Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 59 Kraft und Vortrefflichkeit erlangt das hochwürdige Meß⸗ opfer dadurch hievon, da in ihm dieſe größten göttlichen Geheimniſſe vorgehen und vollbracht werden? O welch' großes Heil und welchen Nutzen empfangen die Men⸗ ſchen, für die das allerheiligſte Meßopfer verrichtet und aufgeopfert wird! O welchen Troſt und welche Er⸗ quickung erlangen die Seelen des Reinigungsortes, für deren Erlöſung dieſelben heilſamen heiligen Meſſen ge⸗ leſen und gehört werden! 44. Es iſt ja bekannt, daß in jenem Orte der Reinigung von aller Sünde und allen Ueberreſten der Sünde die Seelen nicht mehr im Stande ſind, für ſich ſelbſt etwas zu thun, was die Zeit ihrer Sehnſucht abkürzen könnte. Wie die Leinwand auf der Bleiche nur durch wiederholtes Begießen und darauffolgendes Trocknen durch die Strahlen der Sonne ihre ſchöne blendend weiße Farbe erhält, ſo auch die Seelen im Reinigungsorte; die Thränen der Buße aus den Augen ihrer Zurückgebliebenen, das iſt ein Begießen der armen Seelen, die Gnade Jeſu Chriſti aber, dieſer Sonne der Gerechtigkeit, die ſich wie in einem Brennſpiegel in der heiligen Meſſe ſammelt, das ſind die Sonnenſtrah⸗ len, welche den Seelen ihre Schönheit erwerben, die ſie würdig machen, einzugehen in das Reich Gottes. Daraus ſollſt du erkennen die große Kraft der heiligen Meſſe, damit du ermuntert werdeſt, dieſelbe recht gerne, recht oft und recht andächtig zu hören, auf daß du deinen leidenden Brüdern im Fegfeuer große Hilfe bringen könneſt. 45. Die täglichen Meſſen ſind die Waffen der Gnade, ſie ſind die Kräfte der Barmherzigkeit, und die Schlacht⸗ opfer des allmächtigen Gottes, welchen nichts widerſtehen 60 Zweites Kapitel. kann, wenn man ſie mit Andacht höret. Wir ſollen uns auch befleißen, unſerm treueſten Heiland herzlichen Dank zu ſagen, weil er für uns Arme das allkräftige Meßopfer eingeſetzt, und ſich ſelbſt durch ſich ſelbſt der heiligſten Dreifaltigkeit täglich, ja ſtündlich aufopfert. Wir ſollen ihm danken, daß er uns ſo viele kräftige Waffen gegeben, wodurch wir die göttlichen Gnaden er⸗ werben, und die Kraft der Barmherzigkeit Gottes mäch⸗ tig erzwingen können. 46. Zur größern Glorie der heiligen Meſſe wollen wir nun vernehmen, wie Chriſtus ſelbſt bei Einweihung der Kapelle zu Einſiedeln die heilige Meſſe geſungen, und mit großer Herrlichkeit vollbracht hat. In dem Leben des heiligen Meinrad liest man, daß im achtzig⸗ ſten Jahre nach veſſen Tod Eberhard, ein andächtiger Einſiedler, aus fürſtlichem Geſchlechte geboren, den hei⸗ ligen Konrad, Biſchof von Konſtanz, erſucht habe, daß er die Kapelle des heiligen Meinrad konſecriren wolle. In der Nacht vor der Weihung, als der heilige Kon⸗ rad in dieſe Kapelle gehen wollte, um zu beten, hörte er in derſelben den Geſang der Engel, welche Antipho⸗ nen und Repſonſorien aus den Ceremonien der oben beſchriebenen Kirchenweihe ſangen. Als er hineinkam, ſah er die Kapelle voller Engel, und Chriſtum, biſchöflich gekleidet, dieſelbe einweihen. Hierüber erſtaunte er ſo ſehr, daß ſein Geiſt kaum in ihm blieb, und er an dem⸗ ſelben Orte unbeweglich verharrte. Er ſah genau zu, und hörte, daß Chriſtus eben dieſelben Worte und Cere⸗ monien gebrauchte, welche die Biſchöfe bei Einweihung der Kirchen zu gebrauchen pflegen. Die vier Evan⸗ geliſten ſtanden und gingen ſtets hinter ihm, und ſetzten ihm den Biſchofshut nach Bedürfniß auf und ab. Die En At Ch Ge We Am heil heil wa ſor der ſt als vol We da de Lo mu Ko wi Hir der ewi O dr den de ſel Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. 61 Engel trugen goldene Rauchfäſſer, und beräucherten den Altar im Umkreis. Der heilige Petrus ſtand neben Chriſtus, und trug den Biſchofsſtab, und der heilige Georg ſtand neben dem heiligen Petrus und trug den Weihwedel. Der heilige Auguſtinus und der heilige Ambroſius halfen Chriſto die Ceremonien machen. Der heilige Stephanus hielt die Chryſamkapſel, und der heilige Laurentius die Oelbüchſe. Der heilige Michael war Kapellmeiſter, und die Engel ſangen alle Reſpon⸗ ſorien, Verſe und Pſalmen. Die Mutter Gottes, zu deren Ehre der Altar und die Kapelle geweiht ward, ſtand auf dem Altare in höchſter Herrlichkeit, glänzender als die Sonne, und ſchimmernder als der Blitz. Nach vollendeter Weihe legte Chriſtus ein violetblaues Meßge⸗ wand an, ging mit vielen Dienern zum Altar und ſang das Amt der heiligen Meſſe mit größter Solemnität; der heilige Stephanus ſang die Epiſtel und der heilige Laurentius das Evangelium. Die engliſchen Chöre muſizirten mit einer ſolchen Lieblichkeit, doß der heilige Konrad vor lauter Entzücken beinahe zerſchmolz. 47. Das Sanctus ſangen ſie folgender Maßen: „Heiliger, heiliger, heiliger Gott, im Saale der glor⸗ würdigen Jungfrau, erbarme dich unſer. Voll ſind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit. Hoſanna in der Höhe. Gebenedeit ſei Mariä Sohn, regierend ewiglich, der da kommt im Namen des Herrn, Hoſanna in der Höhe.“ Das Agnus Dei ſangen ſie alſo: „O du Lamm Gottes, das du hinnimmſt die Sünden der Welt, erbarme dich der Lebendigen an dich Glauben⸗ den. O du Lamm Gottes, das du hinnimmſt die Sün⸗ den der Welt, erbarme dich der Abgeſtorbenen in dir ſelig Ruhenden. O du Lamm Gottes, das du hinnimmſt 62 Zweites Kapitel. Von der Vortrefflichkeit der heiligen Meſſe. die Sünden der Welt, gib Frieden den Lebendigen und Abgeſtorbenen in dir glückſelig Regierenden.“ Zu dem Dominus vobiscum antworteten die Engel:„Der du ſitzeſt über den Cherubinen, und ſchaueſt in den Abgrund“*). 48. Nach vollendeter heiligen Meſſe verſchwand das himmliſche Heer, und ließ den heiligen Konrad voller Freude und Süßigkeit allein zurück. Er ging in die geweihte Kapelle, fand die Fußſtapfen Chriſti in der aufgeſtreuten Aſche, und ſah die Wand mit dem hei⸗ ligen Chryſam geſalbt. Die gegenwärtigen Herren woll⸗ ten am Morgen haben, daß er die Kapelle weihen ſollte. Er aber ſprach:„Ich darf ſie nicht weihen, weil ſie vom Himmel herab ſchon geweiht iſt.. Als er nun gezwungen ward, die Weihung dennoch anzufangen, da hörten alle zuſammen eine himmliſche Stimme dreimal rufen:„Halt ein, Bruder! Gott ſelbſt hat die Kapelle geweiht!: Alsdann ließ er ab zu weihen, und ſchrieb dieß wunderſame Geſicht nach Rom. 49. Was hier durch einen angeſehenen Biſchof er⸗ zählt wird, das war ja ohnehin bei der Einſetzung des unblutigen Opfers am grünen Donnerstag der Fall. Dort hat Chriſtus die heilige Meſſe in der Hauptſache geleſen, ſo wie wir ſie jetzt hören. Und nun frage ich, wären wir bei der einen oder andern heiligen Hand⸗ lung geweſen, was für eine Freude, was für eine An⸗ dacht würden wir empfunden und gehabt haben!— *) Dieſe Engelsweihe, wie ſie heißt, geſchah am 14. Sept. 948, und iſt vom Biſchof Konrad ſelbſt in ſeinem Buche„de se- cretis“ erzählt. ri Gel gen zun nit Wet get zwa ter bro hol lu t ven zu iſt voll nen Der duß b ſ l ſit a W rittes Kapitel. Von den Geheimniſſen der heiligen Meſſe. 63 Drittes Kapitel. Von den Heheimniſſen der heiligen Meſſe. . Da ich von den höchſten und von ſo vielfachen Geheimniſſen der heiligen Meſſe reden ſoll, ſo werde ich genöthiget, mit dem prophetiſchen Sänger David aus⸗ zurufen, und die ganze Welt zu beſcheiden, indem ich mit ihm, Pſalm 45, ſpreche:„Kommet und ſehet die Werke des Herrn, was für Wunderdinge er auf Erden gethan hat!? Viele Wunder und Zeichen hat Chriſtus zwar auf Erden gewirkt, mich dünkt aber, er habe un⸗ ter allen dieſen kein höheres und wunderbareres voll⸗ bracht, als eben da er beim letzten Abendmahle das hochwürdigſte Meßopfer eingeſetzt hat. Dieß iſt ein kurzer Inbegriff aller Wunderwerke Gottes, und ein Wunder ſo voller Geheimniſſe, daß der heilige Bona⸗ ventura Tom. Vi. de Sacram. virtute lib. 6. c. 19. zu ſagen und zu ſchreiben wagte:„Die heilige Meſſe iſt nach ihrer Weiſe ſo voller Geheimniſſe, als das Meer voller Tropfen, die Luft voller Stäubchen, das Firma⸗ ment voller Sterne, und der Himmel voller Engel iſt.“ Denn in ihr gehen täglich ſo viele Geheimniſſe vor, daß ich nicht weiß, ob die allmächtige Hand des Aller⸗ höchſten jemals vortrefflichere Geheimniſſe gewirkt habe. 2. O wohl wunderbare und beinahe unglaubliche Worte! Soll es denn wahr ſein, daß die heilige Meſſe ſo voller Geheimniſſe iſt, daß ſie nicht gezählt werden können? Pater Sanchez in Thesaur. Missae c. 1. ſtimmt mit dem heiligen Bonaventura überein, indem er alſo ſpricht:„In der heiligen Meſſe empfangen wir 64 Drittes Kapitel. ſo wunderbare und wahrhafte Schätze, ſo koſtbare himm⸗ liſche Gaben, ſo viele Güter für das gegenwärtige Le⸗ ben, und eine ſo gewiſſe Hoffnung für das zukünftige, daß wir, um dieß anzuerkennen, die Gabe des über⸗ natürlichen Glaubens nöthig haben.“ Er wollte ſagen: Durch die heilige Meſſe empfangen wir mehr Gutes für das gegenwärtige und zukünftige Leben, als wir glauben können; und wenn uns Gott den übernatür⸗ lichen Glauben, durch welchen wir auch dasjenige an⸗ nehmen, was wir nicht begreifen können, nicht mittheilte, ſo würden wir nimmer glauben können, wie nützlich uns die heilige Meſſe ſei. Daher ſetzt der gemeldete Sanchez hinzu:„Gleichwie du aus dem Meere oder aus einem Fluſſe genug Waſſer ſchöpfen kannſt, ohne dasſelbe zu mindern, ſo kannſt du es auch mit der heiligen Meſſe machen. Denn die Unermeßlichkeit derſelben iſt ſo groß, daß ſie nicht allein nicht erſchöpft, ſondern auch nicht im Geringſten gemindert werden kann.“ Aus dieſem ſchönen Gleichniſſe kannſt du klar abnehmen, wie voller Gnaden und Geheimniſſe die heilige Meſſe ſei, und wie viele geiſtliche und leibliche Güter man käglich dar⸗ aus ſchöpfen könne. 3. Dieß will ich mit einer denkwürdigen Geſchichte erklären, auf daß ich alle Leſer zur größeren Andacht gegen die heilige Meſſe entzünde. In dem Leben des hei⸗ ligen Johannes von Fakundo, eines heiligen Auguſtiners, iſt zu leſen, daß dieſer fromme Prieſter an keinem Tage die heilige Meſſe zu leſen unterließ, und ſie allzeit des Morgens in aller Frühe las, weil ſeine Begierde und ſein Eifer, Chriſtum zu opfern und zu empfangen, ſo groß war, daß er nicht länger warten konnte. Er las aber die heilige Meſſe ſo langſam, daß die Meßdiener nanc diene den 2 ſrac Meſſ Daru Brau dem ihn ei und! Dieſe nit e hellige ich n Urſa nicht ſchehe puter linger ſene Erlau j ein ſeß de ſußen ſihen, ſt bn ſ, 0n n nz tt lu Von den Geheimniſſen der heiligen Meſſe. 65 manchmal vom Altare liefen, und keiner ihm mehr dienen wollte. Als er nun den Prior bat, er möge den Brüdern befehlen, daß ſie ihm dienen ſollten, da ſprach dieſer im Zorn: Warum leſet ihr ſo langſam Meſſe, und machet den Brüdern ſolchen Verdruß? Darum befehle ich euch, daß ihr hinfür nach dem Brauche anderer Prieſter leſen ſollet. Der Befehl fiel dem heiligen Mann zwar ſehr ſchwer, jedoch erfüllte er ihn einige Tage. Darnach aber fiel er dem Prior zu Füßen, und bat, er möchte ihm den Befehl wieder abnehmen. Dieſer aber ſagte: Ich kann es nicht thun, weil ihr nit euern langen Meſſen die Brüder viel plaget. Der heilige Mann ſprach:„Wegen gewiſſer Urſachen kann ich nicht geſchwind Meſſe leſen.“ Der Prior wollte die Urſachen wiſſen, allein Johannes wollte ihm dieſelben nicht anders, als in der Beicht ſagen. Als dieß ge⸗ ſchehen, befahl der Prior den Brüdern, ſie ſollten dem Pater bei der heiligen Meſſe dienen, wenn er ſchon noch länger leſen ſollte. Er hätte auch andern das Geheimniß gerne kund gemacht; er bat darum den Johannes um Erlaubniß, und nachdem er dieſelbe erlangt, ſprach er zu einem vertrauten Pater: „Glaube mir für gewiß, daß unſer Pater Johan⸗ ſes deßwegen ſo lange Meſſe leſe, weil Gott ihm die großen Geheimniſſe, welche in der heiligen Meſſe vor⸗ ehen, zu erkennen gibt, welche ſo hoch ſind, daß kein Menſch dieſelben mit ſeinem Verſtande begreifen kann. Bon dieſen Geheimniſſen hat er mir ſo hohe Dinge ſeſagt, daß ich durch einen heiligen Schrecken beinahe won mir ſelber kam, und gleichwie todt beinahe zu Bo⸗ den gefallen wäre. Glaube mir ſicherlich, daß Chri⸗ ſus ſich dieſem Pater leiblicher Weiſe zeige, mit ihm Cochem, Meßerklärung. 5 66 Drittes Kapitel. freundlich rede, ihm ſeine fünf Wunden weiſe und aus denſelben einen ſolchen Glanz über den heiligen Mann verbreite, und ihn an Leib und Seele ſo ſehr erquicke, daß er ohne Speiſe und Trank leben könnte. Pater Johannes ſieht auch den Leib Chriſti wie eine glänzende Sonne, und erkennt deſſen unendliche Glorie und Schön⸗ heit. Ja, er ſieht ſolch hohe himmliſche Dinge, welche kein Menſch ergründen und ausſprechen kann. Da ich nun bei mir erwäge, was wir für große und beinahe unendliche Wohlthaten durch das Meſſehören und Meſſe⸗ leſen erlangen, ſo habe ich mir ernſtlich vorgenommen, niemals zu unterlaſſen, die heilige Meſſe zu leſen oder zu hören, wie auch Andere zu dieſem hochheiligen Werke anzutreiben.“ Henschen. in actis Sanct. ad Xll. diem Junii. Sehr merkwürdig ſind die Worte des Priors, da er ſprach; die Geheimniſſe, welche in der heiligen Meſſe vorgehen, ſind ſo groß und ſo erhaben, doß kein Menſch dieſelben mit ſeinem Verſtande begreifen kann. Von dieſen Geheimniſſen hat er mir ſo hohe Dinge geſagt, daß ich durch einen heiligen Schrecken beinahe von mir ſelbſt kam, und wie todt beinahe zu Boden gefallen wäre. Aus dieſen Worten können wir klar erkennen, wie voller hochwichtiger Geheimniſſe die heilige Meſſe ſei, und in was für hohen Ehren ſie gehalten werden ſolle. 4. Neben den Geheimniſſen werden auch die Bilder und Vorbedeutungen, welche in dem alten Te⸗ ſtamente geſchahen, in der heiligen Meſſe erfüllt, ja gleichſam erneuert, was ich hier beſchreiben will. Das erſte Vorbild des heiligen Meßopfers war, daß Opfer des frommen und gerechten Abel, welcher aus wahrer Andacht von den Erſtlingen ſeiner Un be A u6 un ſer nde ön⸗ che ahe ſe en der erke W m o ſin Von den Geheimniſſen der heiligen Meſſe. 67 fetten Lämmer dem höchſten Gott als Anerkennung ſei⸗ ner unendlichen Majeſtät ein Brandopfer dargebracht hat. Daß dieſes heilige Opfer dem lieben Gott gefallen habe, bezeugt die heilige Schrift, Gen. 4., indem ſie ſagt:„Und der Herr ſchaute auf Abel und auf deſſen Gaben.“ Dieſe Worte hat Theodotion ſo überſetzt: „Der Herr zündete das Opfer Abels an,⸗ nämlich während der fromme Abel ſein Opfer ſammt dem Holze auf den Altar gelegt, und dasſelbe durch ſein Gebet aufgeopfert hatte, fiel Feuer vom Himmel und verzehrte das Fleiſch der geſchlachteten Lämmer. In gleicher Weiſe geſchieht es auch bei unſerm Sacrificium, auf welches, wenn der Prieſter Brod und Wein über dem Altare Gott aufopfert, und die heiligen Worte der Wandlung darüber geſprochen, das göttliche Feuer des heiligen Gei⸗ ſtes vom Himmel herabkömmt, das Opfer des Brodes und Weines anzündet, und ſie in den wahren Leib und das wahre Blut Chriſti verwandelt. Das Opfer Abels hat dem allmächtigen Gott ſehr wohl gefallen, das Opfer der Chriſtenheit aber gefällt ihm unvergleichlich mehr; denn wenn ein Prieſter ſein Opfer in die Höhe hebt, und Gott darbringt, ſo ſpricht der himmliſche Vater eben dieſelben Worte, welche er bei der Taufe Chriſti, Matth. 3., geſprochen:„Dieſer iſt mein geliebter Sohn, an welchem ich mein Wohlgefallen habe.⸗ 5. Ein anderes Vorbild des heiligen Meß⸗ opfers war das Opfer des heiligen Patriarchen Noé, von welchem Gen. 8. geſchrieben ſteht:„Nos Baute dem Herrn einen Altar, und nahm von allen reinen Thieren und Vögeln und brachte Brandopfer auf dem Altare. Und der Herr nahm auf den Wohlgeruch, den lieblichen, und ſprach: Nun will ich fürder die Erde 5* 68 Drittes Kapitel. nimmer verfluchen um des Menſchen willen.. Hat nun der erzürnte Gott ein ſolches Wohlgefallen an dem Opfer des Nos gehabt, daß ihm der Geruch desſelben als ein lieblicher erſchien, ſo daß er verſprochen, die Erde nie mehr mit einer Sündfluth zu ſtrafen, wiewohl nur werthloſe Thiere dargebracht wurden, um wie viel mehr wird ihm dann das Opfer der Prieſter gefallen, in welchem ihm ſein liebſter Sohn zum ſüßeſten Geruche der Lieblichkeit dargebracht wird. Davon ſpricht Pau⸗ lus Epheſ. 5. alſo:„Chriſtus hat uns geliebt, und hat ſich ſelbſt für uns zum Geruche der Lieblichkeit aufgeopfert.“ Was er ſelbſt gethan, hat er auch ſei⸗ nen Apoſteln und ihren Nachfolgern zu thun befohlen, indem er ſprach:„Dieß thut zu meinem Andenken.“ Alſo opfern die Prieſter täglich dem allmächtigen Gott ein ſolches Opfer, von welchem der ſüßeſte Geruch der Tugenden und Heiligkeit Chriſti in den Himmel hinauf ſteigt, und dem allmächtigen Gott zur unendlichen Lieb⸗ lichkeit gereicht. 6. Das dritte Vorbild des heiligen Meßopfers ſind die verſchiedenen Opfer des heiligen Patriarchen Abraham, wovon mehrmals in der heiligen Schrift zu leſen:„Abraham erbaute einen Altar dem Herrn, und rief allda deſſen Namen an.“ Eben dasſelbe liest man auch von Iſak und Jakob, welche wahre Diener Gottes geweſen, und nach dem Beiſpiele aller Diener Gottes mehrmals Brand⸗ und Schlachtopfer dem Herrn aller Herren dargebracht haben. Alle Prieſter des neuen Teſtamentes ſind dieſen großen Dienern Gottes treulich gefolgt, und haben zu verſchie⸗ denen Zeiten und an verſchiedenen Orten dem höchſten Gott das angenehmſte Opfer der heiligen Meſſe un we di he tri ſie un ſet ein nie nur ehr che al⸗ und keit ſei⸗ len, ott der auf eb⸗ Von den Geheimniſſen der heiligen Meſſe. 69 andächtig dargebracht, was mit einem ſolchen Eifer fort⸗ geſetzt wird, daß heutzutage jeder Prieſter, welcher eine wahre Andacht zu Gott hat, ihm täglich das hochwür⸗ digſte Opfer entrichtet. 7. Das vierte Vorbild des heiligen Meßopfers war das Opfer des heiligen Königs und Ho⸗ henprieſters Melchiſedech, welcher, als der Pa⸗ triarch Abraham von dem Kampfe gegen ſeine Feinde ſiegreich zurückkehrte, dem allmächtigen Gott aus Dank⸗ barkeit ein neues Opfer entrichtete, indem er ihm Brod und Wein unter gewiſſen Ceremonien und Gebeten dar⸗ brachte, wovon im erſten Kapitel ſchon hinlänglich Mel⸗ dung geſchehen iſt. 8. Das fünfte Vorbild war das Opfer Aarons, und aller Prieſter des Geſetzes Moſis, wel⸗ ches von dem höchſten Gott ſelbſt befohlen war. Denn vor jener Zeit hatten die frommen Väter nur aus freiem Willen, auf Eingebung des natürlichen Lichtes, Schlachtopfer dargebracht, wie, wann und wo ſie ge⸗ wollt haben. Im Geſetze aber hat Gott befohlen, daß alle Juden ihm vornehmlich dreierlei Opfer darbringen ſollten, nämlich Brandopfer, Friedopfer und Sühnopfer. Das tägliche Opfer, das gleichfalls durch das Geſetz befohlen war, beſtand in der Darbringung zweier Läm⸗ mer, von denen eines Morgens um 9 Uhr, das andere Nachmittags 3 Uhr geſchlachtet wurde. Alle dieſe jü⸗ diſchen Opfer haben gewährt bis auf Chriſtus, und waren klare Vorbedeutungen des Kreuzopfers Chriſti. Mach dem Leiden Chriſti aber haben dieſelben aufge⸗ vört, und das jüdiſche Opfer iſt in das chriſtliche, näm⸗ üich in das heilige Meßopfer, übergegangen. 9. All dieſer alten göttlichen Opfer, vornehmlich 70 Drittes Kapitel. aber des Opfers Abels, Abrahams und des Hohen⸗ S prieſters Melchiſedech geſchieht ausdrücklich Meldung in 6 der heiligen Meſſe, in welcher die Prieſter unmittelbar ſö nach der Wandlung alſo ſprechen:„Wir bringen deiner da überaus herrlichen Majeſtät von deinen Gaben und Ge⸗ h ſchenken ein reines † Opfer, ein heiliges † Opfer, ein ke unbeflecktes † Opfer dar; das heilige † Brod des ewi⸗ gen Lebens, und den Kelch † des ewigen Heiles. Wür⸗ A dige dich, auf dieſelben mit verſöhntem und gnädigem Auge herabzuſchauen, und ſie gütig aufzunehmen, ſowie du dich gewürdiget hoſt, gütig aufzunehmen die Gaben deines gerechten Dieners Abel, und das Opfer unſers 6 Patriarchen Abraham, und was dir dargebracht dein in Hoherprieſter Melchiſedech, nämlich jenes heilige Opfer, i jene makelloſe Hoſtie.. Mit dieſen Worten zeigt die d Kirche genugſam an, daß dieſe gemeldeten Opfer eigent⸗ liche Vorbilder des allerheiligſten Meßopfers geweſen, und dem höchſten Gott nur darum angenehm und wohlge⸗ fällig waren. 10. An dieſem Gebete aber werden viele fromme de Katholiken trre, und ärgern ſich die Nichtkatholiken; denn 1 ſie meinen, der Prieſter rufe Gott an, daß er ſich ſein di Opfer auf ſolche Weiſe wolle gefallen laſſen, wie ihMm das Opfer Abels, Abrahams und Melchiſedechs ange⸗ nehm geweſen ſei, da doch unbezweifelt wahr iſt, daß n das Meßopfer, in welchem der heiligſte Leib und das l Blut Chriſti dem höchſten Gott geopfert werden, ihm„ unendlich angenehmer iſt, als die Thiere und das Brod„ und der Wein, welche ihm Abraham und Melchiſedech i dargebracht haben. Hier iſt aber zu wiſſen, daß die 6 Prieſter nicht beten, daß der liebe Gott dasjenige, was ʒ ſie ihm opfern, in Gnaden annehmen wolle; denn das, W Von den Geheimniſſen der heiligen Meſſe. 71 was ſie ihm darbringen, Chriſtus Jeſus ſein geliebter Sohn, iſt ihm unendlich wohlgefälliger, als alle Ge⸗ ſchöpfe der Welt: ſondern die Prieſter bitten nur, daß der liebe Gott ihr Opfer, das iſt, die Art und Weiſe zu opfern, oder die Andacht, mit welcher ſie das heilige Meßopfer verrichten, eben ſo in Gnaden auf⸗ nehmen wolle, gleichwie er die Andacht des Abel, des Abraham und des Melchiſedech, mit welcher ſie ihr Opfer verrichtet haben, in Gnaden aufgenommen hat. 11. Was nun die Geheimniſſe des heiligen Meß⸗ opfers anbelangt, ſo iſt zu wiſſen, daß die vornehmſten Ereigniſſe des ganzen Lebens und Leidens Chriſti darin angedeutet, und uns vorgeſtellt ſind. Das will David anzeigen, wenn er im Pſalm 110. ſpricht:„Ein An⸗ denken an ſeine wundervollen Thaten hat er geſtiftet, der erbarmungsreiche und gätige Herr.“ Und damit wir erkennen mögen, daß er dieß von dem heiligen Meß⸗ opfer, welches auf dem Altare konſekrirt wird, geſprochen habe, ſagt er abermal in Pſalm 25:„Ich will um deinen Altar ſein, daß ich vernehme des Lobes Stimme, und will Allen deine Wunderthaten verkünden“ Eben dieſes ſprach auch Chriſtus aus, da er das heilige Peßopfer einſetzte und ſeinen Apoſteln die heilige Meſſe zu verrichten anbefahl, indem er ſagte:„Dieß thut zu meinem Andenken, gleich als wollte er ſagen: weil ich allbereits von euch ſcheiden, und nach Vollendung der menſchlichen Erlöſung zu meinem himmliſchen Vater heim⸗ gehen werde, ſo ſetze ich die heilige Meſſe ein als das einzige Opfer des neuen Teſtamentes, in welchem alle Geheimniſſe meines ganzen Lebens und Leidens einge⸗ ſchloſſen ſind, und allen meinen Gläubigen vor Augen geſtellt werden, auf daß ihr dieſes niemals vergeſſet, 72 Drittes Kapitel. und daß es fortwährend im friſchen Andenken unter euch bleibe. 12. Daß dem alſo ſei, will ich in Kürze beweiſen und erklären. Erſtlich wird das hochwürdigſte Geheimniß der gna⸗ denreichen Menſchwerdung Chriſti nicht allein vor⸗ geſtellt, ſondern wahrhaft erneuert. Denn gleichwie die heiligſte Jungfrau Maria zur Vollbringung der Menſch⸗ werdung Gottes ihren Leib und ihre Seele, vornehmlich ihr reinſtes Geblüt dargab, und Gott aufopferte, und der heilige Geiſt aus ihrem jungfräulichen Geblüte den Leib Chriſti bildete, und nach Erſchaffung der edelſten Seele die Gottheit mit der Menſchheit vereinigte, ebenſo gibt der Prieſter Brod und Wein dar, opfert ſie dem allmächtigen Gott, und der heilige Geiſt verwandelt ſie durch die Kraft der Wandlungsworte in den wahren Leib und das Blut Chriſti. Auf ſolche Weiſe wird das göttliche Geheimniß der Menſchwerdung Chriſti er⸗ neuert, und der Prieſter hat eben ſowohl Chriſtum in ſeinen Händen, wie ihn die Mutter Gottes in ihrem jungfräulichen Leibe getragen hat. Deßwegen kann jeder Prieſter von ſich ſagen, was der heilige Auguſtin von ſich geſagt hat, da er Lib. de dignitat. Sacerdotum ſpricht:„Derjenige, welcher mich erſchaffen hat ohne mich, Der wird erſchaffen durch meine Mitwirkung; und Derjenige, welcher Alles aus Nichts erſchaffen het ohne mich, der hat mir verliehen(wenn ich es ſagen darf) Ihn ſelbſt zu erſchaffen.. Iſt das nicht ein großes Geheimniß? Iſt das nicht ein Wunder über alle Wun⸗ der, daß ein Menſch ſeinen eigenen Etiſchaffer erſchafft, und deſſen perſönliche Gegenwart wahrhaftig beſtimmt? 13. In gleicher Weiſe wird das gnadenreiche Ge⸗ hen hü Um ter ün ſete gen —— Von den Geheimniſſen der heiligen Meſſe. 73 heimniß der Geburt erneuert, und uns klar vor Au⸗ gen geſtellt. Denn gleichwie Chriſtus aus dem heiligen Leibe der Jungfrau geboren worden, ſo wird er in der heiligen Meſſe aus dem Munde der Prieſter gleichſam geboren; und wenn der Prieſter das letzte Wort der Wandlung ausſpricht, ſo hat er das Chriſtuskind wahr⸗ haftig leiblicher Weiſe, nur in anderer Geſtalt, in ſeinen prieſterlichen Händen. Um dieß zu bezeugen, fällt er alsbald auf ſeine Kniee, betet ſeinen eigenen Gott und Erſchaffer in ſeinen Händen demüthig an, hebt ihn mit Andacht über ſein Haupt in die Höhe, und zeigt ihn mit Freuden dem gegenwärtigen Volke. Gleichwie die liebe Mutter Gottes ihr neugebornes Kindlein in Win⸗ del eingewickelt den frommen Hirten gezeigt und es zur Anbetung dargeboten hat, ebenſo zeigt auch der Prieſter dem Volke dasſelbe Chriſtuskind unter den Geſtalten des Brodes, gleichſam in Windeln eingewickelt, auf daß alle dasſelbe erkennen, und als ihren Gott und Herrn an⸗ beten ſollen. Wer nun das von Herzen thut, der übet eine größere Tugend, als die frommen Hirten geübt haben; denn dieſe ſahen die Menſchheit Chriſti mit Au⸗ gen, und glaubten an ſeine Gottheit; wir aber ſehen nur die äußeren Geſtalten, und glauben dennoch feſt, daß die Gottheit und Menſchheit Chriſti darunter verborgen iſt. 14. In der heiligen Meſſe haben wir alſo denſel⸗ ben Chriſtus gegenwärtig, welchen die heiligen drei Könige angebetet, den der heilige Simeon auf ſeine Arme genommen, und den die Mutter Gottes dem Va⸗ ter im Tempel aufgeopfert hat. Dieſen Dreien können wir in der heiligen Meſſe nachfolgen, durch un⸗ ſere Andacht Chriſto eine demüthige Huldigung darbrin⸗ Zen, und eine ewige Belohnung verdienen. Deßgleichen 74 Drittes Kapitel. hören wir auch, wie Chriſtus ſein heiliges Evangelium durch den Mund des Prieſters verkündigt, und kön⸗ nen daraus großes Heil und unbeſchreiblichen Nutzen ſchöpfen. Wir ſehen auch Chriſtus unter der heiligen Meſſe Wunder wirken, und den Wein in ſein heiliges Blut verwandeln, was ein unvergleichlich größeres Wun⸗ der iſt, als da er zu Kana das Waſſer in Wein verwandelt hat. Wir ſehen ihn ſein letztes Abend⸗ mahl halten, und von Neuem wahrhaft das Brod und den Wein in ſein wahres Fleiſch und Blut ver⸗ wandeln. Endlich ſehen wir auch unter der Aufhebung Chriſtus am Kreuze erhöht, und hören ihn mit unſern innerlichen Ohren für uns bitten, ſprechen:„Va⸗ ter, verzeihe ihnen; den ſie wiſſen nicht, was ſie thun,“ und wie ſchwer ſie mit ihren Sünden deine Gottheit beleidigen. Dieß Alles ſehen wir zwar nicht mit den leiblichen Augen, jedoch glauben wir es im Herzen, und verdienen durch dieſen unſern feſten Glauben größern Lohn, als diejenigen, ſo es mit Augen geſehen, wie Chriſtus bei Johannes 20. Kap. ausdrücklich bezeugt: „Selig ſind, die nicht geſehen, und dennoch geglaubt haben.. Je höher und unbegreiflicher dieſe großen Ge⸗ heimniſſe ſind, deſto kräftiger und verdienſtlicher iſt auch unſer Glaube, und deſto reichlicher wird unſere Belohnung im Himmel ſein. Daher ſpricht P. Sanchez in Thesaur. Missae c. 2.:„Wenn ein Chriſt nur wüßte, dieſe Dinge ſich zu Nutzen zu machen, ſo könnte er durch eine heilige Meſſe viel reicher werden, als durch alle von Gott erſchaffenen Dinge.“ 15. In der heiligen Meſſe erfüllt Chriſtus auch treulich ſein troſtreiches Verſprechen, welches er bei Matthäus am letzten Kapitel gemacht hat mit den Worten: Von den Geheimniſſen der heiligen Meſſe. 75 „Sehet, ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt.“ Dieß Verſprechen iſt nicht zu verſtehen von ſeiner Gottheit allein, ſondern auch von ſeiner Menſchheit, mit welcher er bei der heiligen Meſſe, und in dem hochwürdigen Sakramente des Altares gegen⸗ wärtig iſt. In dieſem iſt er allezeit bei Tag und Nacht perſönlich bei uns, iſt allezeit bereit, uns Gehör zu ge⸗ ben, unſere Bitten aufzunehmen, und uns in unſern Nöthen beizuſpringen. In der heiligen Meſſe iſt er nicht allein perſönlich gegenwärtig, ſondern er iſt auch unſer Opfer, Fürſprecher, und die Verſöhnung für unſere Sünden. Denn, weil Chriſtus in der heiligen Meſſe ſein prieſterliches Amt verrichtet, deßwegen ſteht ihm von Amts wegen zu, wie der heilige Paulus Hebr. 5. ſagt:„Daß er opfere Gaben und Schlachtopfer für die Sünden des Volkes,, nämlich, daß er ſich ſelbſt ſeinem Vater für das Volk aufopfere, gleichwie er ſich ihm am heiligen Kreuze aufgeopfert hat. Daraus erhellet, daß zwiſchen der heiligen Hoſtie in der Monſtranz und in der heiligen Meſſe ein großer Unterſchied iſt, wie⸗ wohl Chriſtus in beiden auf gleiche Weiſe gegenwärtig iſt; denn in der Monſtranz wird uns Chriſtus zur An⸗ betung dargeſtellt, bei der heiligen Meſſe aber bringt er ſich für uns durch die Hände des Prieſters als Ver⸗ ſöhnungsopfer ſeinem Vater im Himmel dar. In der Monſtrauz ſteigt er vom Himmel zu uns herab, bei der heiligen Meſſe dagegen erhebt er ſich von uns zum Himmel empor; kurz, in der Monſtranz iſt er Sakra⸗ ment oder Heilsmittel, in der Meſſe iſt er Opfer oder Heilsvermittler; denn im Sakrament nehmen wir ihn auf durch Genuß, im Opfer nimmt der himmliſche Va⸗ ter ihn auf zur Verſöhnung. 76 Drittes Kapitel. 16. Daß nun der liebe Jeſus täglich bei uns bis zum Ende der Welt ſein will, davon gibt es verſchie⸗ dene wichtige Urſachen. Denn, weil er das Haupt ſei⸗ ner Kirche oder ſeiner Rechtgläubigen iſt, und die Gläu⸗ bigen ſein geiſtlicher Leib ſind, deßwegen gebührt es ſich ja, daß, weil der Leib nicht bei dem Haupte im Him⸗ mel ſein kann, das Haupt bei dem Leibe auf der Erde ſein müſſe. Zweitens: weil Chriſtus der Bräutigam und die Kirche die Braut iſt, mit welcher er ſich feſter verknüpft und verbunden hat, als alle weltlichen Bräu⸗ tigame mit ihren Bräuten verbunden ſind, deßwegen treibt ihn ſeine Liebe an, unaufhörlich bei ſeiner gelieb⸗ ten Braut zu ſein. Höre Wunder, wie der heilige Paulus die Liebe Chriſti zu ſeiner Braut hervorhebt, indem er an die Epheſer 5. Kap. alſo ſchreibt:„Ihr Männer, liebet eure Weiber, wie Chriſtus ſeine Kirche geliebt, und ſich ſelbſt für ſie dargegeben hat, um ſie zu heiligen und zu reinigen in der Waſſertaufe durch das Wort des Lebens, um ſo ſich die Kirche als eine herrliche zu bilden, die weder Makel noch Runzel noch ſonſt Etwas an ſich hätte, ſondern damit ſie heilig und unbefleckt ſei.. Alle Menſchen ſind Glieder der Kirche, und werden in der heiligen Taufe ſo ſchön geſchmückt, wie die heiligen Engel; darum verliebt ſich Chriſtus in eine reine Seele mehr, als ein Bräutigam ſich in die allerſchönſte Braut verlieben kann. Deßwegen iſt es ihm nicht möglich, von ſeiner geliebten Braut, die ſo riele liebliche Seelen in ſich verſchließt, abgeſondert zu ſein, ſondern will alle Tage bei ihr ſein bis zum Ende der Welt. 17. Warum aber Chriſtus unſichtbarer Weiſe bei ſeiner geliebten Braut, der Kirche, ſei, kommt daher, Von den Geheimniſſen der heiligen Meſſe. 77 weil ſeine Vermählung nicht leiblicher, ſondern geiſtiger Weiſe durch den Glauben geſchieht, wie er ſelbſt bezeugt bei dem Propheten Oſeas 2. Kap.:„Ich werde dich mir angeloben auf ewig, und ich werde dich mir ange⸗ loben in Gerechtigkeit, und im Gerichte, und in Barm⸗ herzigkeit, und in Erbarmungen; und ich werde dich mir angeloben im Glauben: und du ſollſt wiſſen, daß ich der Herr bin.“ Weil ſich nun Chriſtus mit ſeiner Kirche im Glauben vermählet, darum geziemt es ſich, daß er verborgen bleibt, damit ſeine Braut oder die gläubigen Seelen Gelegenheit haben, den Glauben zu üben, und täglich größere Belohnung im Himmel zu erwerben. Drittens: weil Chriſtus der Bräutigam ſeiner Kirche iſt, darum geziemt es ſich, daß er ſeiner Braut vorſtehe, ihr die nothwendige Nahruug verſchaffe, und ſich ihres Heiles und ihrer Wohlfahrt treulich an⸗ nehme. Dieß Alles und dergleichen weit mehr thut er in der heiligen Meſſe und in dem geiſtlichen und leib⸗ lichen Genuß des heiligen Sakramentes, und beweiſt in der That, daß er ein treuer Liebhaber ſeiner geliebten Braut ſei, und ihr alle Nothwendigkeiten zu ihrem zeit⸗ lichen und ewigen Heile verſchaffe. 18. O chriſtliche Seele! wenn du in einer Tod⸗ ſünde lebeſt, ſo biſt du eine Teufelsbraut, und der Sa⸗ tan hat Macht über dich. Biſt du aber ohne Tod⸗ ſünde, und im Stande der Gnade, ſo biſt du eine Braut Chriſti, und du wirſt von deinem Bräutigam herzlich geliebt, und in Vielem, was zu deinem Heile dienet, fleißig verſorgt. Welche Gnaden und Wohl⸗ thaten, meinſt du wohl, wird dir dein liebender Bräu⸗ tigam bei einer heiligen Meſſe erweiſen, und wie viele Mittel wird er dir an die Hand geben, damit du die 78 Drittes Kapitel. Tugend üben und deine Seligkeit begründen könneſt? Höre und verwundere dich: ich ſage dir ernſtlich, und will es dir in dieſem Buche grünvlich beweiſen, daß dein liebſter Jeſus aus lauter Liebe zu dir in einer jeden heiligen Meſſe, welche du ohne Todſünde mit mittel⸗ mäßiger Andacht höreſt, und wobei du mit Sammlung deine Gebete ſprichſt, dir ſieben und ſiebenzig Gnaden erweiſet und vielen Nutzen zu verdienen gibt. Auf daß vu dieß erkenneſt und glaubeſt, ſo will ich dir diefelben nacheinander aufzählen und vor Augen legen. Siebhen und ſiehenzig gnaden, welche aus dem andächtigen 2. Meſſehören entſpringen. Wegen deines Heiles ſchickt Gott der Vater ſeinen lieben Sohn vom Himmel herab. Zu deinem Heile verwandelt der heilige Geiſt das Brod und den Wein in den wahren Leib und das Blut Chriſti. Um deinetwillen kommt der Sohn Gottes vom Himmel herab, und verbirgt ſich unter der Geſtalt der heiligen Hoſtie. Ja, er erniedriget ſich ſo ſehr, daß er auch in dem allerkleinſten Stücklein der heiligen Hoſtie ge⸗ genwärtig iſt. Wegen deines Heiles erneuert er das gnadenreiche Geheimniß ſeiner Menſchwerdung. Zu deinem Heile wird er in jeder heiligen Meſſe wiederum geiſtlicher Weiſe geboren. Zu deinem Gewinn verrichtet er auf dem Altare die Andachten, welche er auf Erden vollbracht hat. Zu deinem Heile erneuert er ſein bitteres Leiden, auf daß er dich deſſen theilhaftig mache. 10 11 1. 10. 11. 12. 13. Von den Geheimniſſen der heiligen Meſſe. 79 Zu deinem Heile ſtirbt er wiederum geiſtlicher Weiſe und gibt ſein edles Leben für dich hin. Zu deinem Heile vergießt er geiſtlicher Weiſe ſein heiliges Blut, und opfert es der Goitheit für dich auf. Mit dieſem heiligen Blute beſprengt er deine Seele, und reiniget ſie von ihren ſchädlichen Makeln. Für dich opfert ſich Chriſtus zum wahrem Brand⸗ opfer, und gibt der Gottheit ſo große Ehre, als ſie nur zu empfangen wünſchen kann⸗ Wenn du dieſe Ehre Gott aufopferſt, ſo erſtatteſt du ihm alle Ehre, welche du ihm je zu geben unterlaſſen haſt. 14. Für dich opfert er ſich zum Lobopfer, und erſtattet, 15. 16. 17. 18. 19. 20. was du im Lobe Gottes verſäumt haſt. Wenn du dieß Lob Chriſti Gott aufopferſt, ſo gibſt du ihm ein höheres Lob, als ihm die Engel geben können. Für dich opfert ſich Chriſtus zum vollkommenſten Dankopfer, und erſtattet, was du im Dankſagen verſäumt haſt. Wenn du dieſen Dank Chriſti Gott aufopferſt, ſo vergiltſt du ihm alle Wohlthaten, welche er dir erzeigt hat. Für dich opfert ſich Chriſtus zum mächtigſten Ver⸗ ſöhnungsopfer, und macht dir den erzürnten Gott wiederum zum Freunde. Er verzeiht dir auch alle deine läßlichen Sünden, welche du zu meiden geſinnet biſt. Er erſetzt auch viele von deinen Verſäumniſſen, welche du durch Unterlaſſung des Guten began⸗ gen haſt. 80 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. Drittes Kapitel. Er verbeſſert viele von deinen Nachläßigkeiten, welche du in Verrichtung des Guten dir haſt zu Schul⸗ den kommen laſſen. Er verzeiht dir auch deine unbewußten und ver⸗ geſſenen Sünden, welche du niemals gebeichtet haſt. Er opfert ſich zum Opfer der Genugthuung, und zahlt einen Theil deiner Schulden und Strafen. Durch eine jede heilige Meſſe büßeſt du mehr Strafen ab, als du durch irgend ein anderes Werk deines Erlöſers abzubüßen im Stande wäreſt; weil Chriſtus dir einen Theil ſeiner Verdienſte ſchenkt, welche du Gott dem Vater für deine Sünden auf⸗ opfern kannſt. Chriſtus opfert ſich für dich zum kräftigſten Bitt⸗ opfer, und bittet für dich ſo herzlich, als er am Kreuze für ſeine Feinde gebeten hat. Sein heiliges Blut ruft für dich mit ſo vielen Worten, als Blutströpflein aus ſeinem Leibe ge⸗ floſſen ſind. Seine heiligen Wunden rufen für dich mit ſo vie⸗ len Stimmen, als ihrer viel an ſeinem heiligen Leibe geweſen ſind. Wegen dieſes kräftigen Bittopfers findet deine Bitte weit eher Erhörung in, als außer der heiligen Meſſe. Das Gebet, welches du bei der heiligen Meſſe ſprichſt, iſt viel eindringlicher als das, welches du außer der heiligen Meſſe ſprichſt; denn Chriſtus vereiniget es mit ſeinem Gebete, und opfert es ſeinem himmliſchen Vater auf. Deine Nöthen und Gefahren trägt er ihm treulich vor, und läßt ſich dein Heil beſonders ange⸗ legen ſein. 33 34. 35. 36. 37. 38 39 40. 4l. U. 6. 4. 45 33. 34. 35. 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. Von den Geheimniſſen der heiligen Meſſe. 81 Alle gegenwärtigen Engel bitten gleichfalls für dich, und opfern dem höchſten Gott dein armſeliges Gebet auf. Der Prieſter liest die heilige Meſſe für dich, durch deren Kraft der böſe Feind von dir abgehalten wird. Er liest auch ſeine heilige Meſſe für dich, und opfert ſie Gott zu deinem größeren Heile. Wenn du bei der heiligen Meſſe biſt, ſo biſt du geiſtlicher Weiſe ein Prieſter, und Chriſtus ver⸗ leiht dir Gewalt, die heilige Meſſe aufzuopfern ſowohl für dich als für andere. Wenn du die heilige Meſſe aufopferſt, ſo ver⸗ ehreſt du der heiligen Dreifaltigkeit die allerange⸗ nehmſte Gabe. Du opferſt ihr eine ſo theure Gabe, welche mehr werth iſt, als Himmel und Erde. Du opferſt ihre eine ſo koſtbare Gabe, welche eben ſo viel werth iſt, als Gott ſelber. Durch dieſe Aufopferung erweiſeſt du Gott eine ſo hohe Ehre, als Gott geehrt zu werden verdient. Durch dieſe Aufopferung erfreueſt du die heilige Dreifaltigkeit unendlicher Weiſe. Dieſe ſo erhabene Gabe opferſt du als deine eigene Gabe, weil ſie dir von Chriſtus ſelbſt geſchenkt wird. Wenn du die heilige Meſſe gebührend höreſt, ſo verrichteſt du ein Werk des höchſten Gottesdienſtes. Durch das Meſſehören erweiſeſt du der Menſch⸗ heit Chriſti den höchſten Dienſt und die würdigſte Huldigung. Dadurch verehreſt du das Leiden Chriſti auf die beſte Weiſe, und machſt dich der Früchte desſelben theilhaftig. Cochem, Meßerklärung. 6 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55. 56. 57. 58. Drittes Kapitel. Du kannſt auch dadurch die Mutter Gottes auf's beſte verehren, und ihre Freuden merklich vermehren. Alle Engel und Heiligen kannſt du mit dem Meſſe⸗ hören mehr verehren, als durch eine Menge an⸗ derer Gebete. Durch das andächtige Meſſehören kannſt du an deiner Seele reicher werden, als durch irgend ein Ding dieſer Welt; denn dadurch verrichteſt du eines von den größten guten Werken. Du verrichteſt eine hohe Uebung des wahren Glau⸗ bens und verdieneſt damit einen ſehr großen Lohn. Wenn du dich im Geiſt und Gemüthe gegen die heilige Hoſtie und den heiligen Kelch verbeugeſt, ſo verrichteſt du ein vortreffliches Werk der Anbetung. So oft du die heilige Hoſtie gläubig anſchaueſt, ſo oft nimmſt du Theil an dem Dienſte der En⸗ gel im Himmel. So oft du demüthig und reuevoll an deine Bruſt ſchlägſt, ſo oft verurſacheſt du Frcude im Himmel. Wenn du im Stande der Todſünde die Meſſe hö⸗ reſt, ſo bietet dir Gott jedesmal die Gnade der Bekehrung an. Wenn du im Stande der Gnade eine heilige Meſſe höreſt, ſo vermehrt er dir merklich ſein göttliches Wohlgefallen. Bei der heiligen Meſſe wirſt du mit dem Leibe und Blute Chriſti geiſtiger Weiſe geſpeiſet und getränket. Du wirſt gewürdiget, Chriſtum mit deinen Augen anzuſchauen, und von ihm angeſchaut zu werden. Du empfängſt auch den prieſterlichen Segen, und Chriſtus bekräftiget denſelben im Himmel. 63 64 56 57 n. an in en uſ el ho de 59. 60. 61. 62. 63. 64. 65. 67. 8. 69. Von den Geheimniſſen der heiligen Meſſe. 83 Durch das fleißige Meſſehören wirſt du an zeit⸗ lichen und leiblichen Gütern geſegnet. Dadurch wirſt du vor vielem Unglück bewahrt, in welches du ſonſt gefallen wäreſt. Du wirſt gegen deine Anfechtungen geſtärkt, von denen du ſonſt überwunden worden wäreſt. Durch eine jede heilige Meſſe erwirbſt du dir die Gnade, ſelig zu ſterben, wenn du im Guten ver⸗ harreſt. Wegen der gehörten heiligen Meſſen erlangſt du Hilfe und Troſt in der letzten Noth von den En⸗ geln und Heiligen. In deinem Tode werden dir die gehörten heiligen Meſſen zum Troſte ſein, und dir ein feſtes Ver⸗ trauen auf die göttliche Barmherzigkeit geben. Sie werden mit dir zum göttlichen Gerichte gehen, und bei dem ſtrengen Richter eine Urſache zu mil⸗ derem Gerichte abgeben. Die Zeit deiner Reinigung wird, ſo darfſt du hoffen, abgekürzt, weil du durch die Theilnahme an dieſem höchſten Opfer viele heimliche und un⸗ bewußte Schuld und Strafe getilgt haſt; denn durch eine jede heilige Meſſe milderſt du die Rei⸗ nigungsſtrafen mehr, als durch ein anderes ähn⸗ liches gutes Werk. Eine gehörte heilige Meſſe in deinem Leben wird dir mehr nützen, als viele, welche nach deinem Tode für dich geleſen werden. Im Himmel wirſt du gewiß eine entſprechende Stufe der Glorie bekommen, und ewiglich beſitzen; denn eine jede gehörte heilige Meſſe vermehrt dir merk⸗ lich deine Seligkeit. 6* 84 Drittes Kapitel. Von den Geheimniſſen der hl. Meſſe. 71. Für deine Freunde kannſt du nichts Kräftigeres thun, als daß du die heilige Meſſe für ſie höreſt und aufopferſt. 72. Deinen Gutthätern kannſt du durch das Meſſehören auf's Reichlichſte vergelten. 73. Den Elenden, Kranken und Sterbenden kannſt du durch das Meſſehören die beſte Hilfe und den größten Troſt gewähren. 74. Vielen Sündern kannſt du durch Aufopferung der heiligen Meſſe die Bekehrung erwerben. 75. Durch das Meſſehören kannſt du allen Chriſtgläu⸗ bigen großes Heil erbitten. 76. Durch das Meſſehören kannſt du die armen See⸗ len kräftig erquicken. 77. Wenn du für deine abgeſtorbenen Freunde keine heiligen Meſſen kannſt leſen laſſen, ſo kannſt du ſie durch dein Meſſehören erfreuen. Den Beweis über alle dieſe Gnaden wirſt du bei Durchleſung dieſes Buches finden. Was dünkt dir alſo hievon, andächtige Seele? Was halteſt du nun von der heiligen Meſſe? Weißt du wohl ein anderes gutes Werk auf der Welt, durch wel⸗ ches du ſo viele Gnaden und Früchte erwerben kannſt, als durch die heilige Meſſe? Meinſt du denn nicht, daß es wahr iſt, was Pater Sanches de Thesaur. Miss. ſagt:„Wenn ein Chriſt nur wüßte, ſich dieſe Dinge zu Nutzen zu machen, ſo könnte er durch eine heilige Meſſe reicher werden, als durch alle von Gott erſchaffenen Dinge.. O wohl ein großer Schatz der heiligen Meſſe! wohl glückſelig derjenige, welcher mit geringer Mühe ſo große Schätze erwerben kann! Wer will dann nicht gerne die heilige Meſſe hören? Wer Viertes Kapitel. Chriſtus erneuert in der heiligen Meſſe ꝛc. 85 will dann die heilige Meſſe nachläßiger Weiſe verſäu⸗ men? O liebe Seele! verſäume doch die heilige Meſſe nicht, ſondern laſſe Alles liegen, was du ohne Scha⸗ den deines Berufes liegen laſſen kannſt, und eile zu der heiligen Meſſe. Gedenke, wie du dich betrüben würdeſt, wenn du an einem Tage ſieben und ſiebenzig Kreuzer, will nicht ſagen Thaler, verlieren oder verſpielen müßteſt. Ge⸗ wiß würdeſt du dir wohl ſieben und ſiebenzigmal an deine Stirne ſchlagen, und deinen Schaden und Verluſt bereuen. Wie viel mehr ſollteſt du dich dann betrüben, wenn du an einem Tage ohne einige Noth, ja aus lauter Faulheit oder Nachläßigkeit eine heilige Meſſe zu hören verſäumeſt. Du aber verſäumeſt der Meſſen gar viele, und betrübeſt dich deßwegen gar nicht, als wenn dir gar kein Schaden widerfahren wäre, was ein An⸗ zeichen iſt, daß du den köſtlichen Schatz der heiligen Meſſe nicht erkenneſt, oder nicht achteſt. Wenn du aber in dieſem Buche fleißig leſen wirſt, ſo wirſt du hoffent⸗ lich hinfüro dieſen himmliſchen Schatz beſſer erkennen, höher achten, und eifriger ſuchen. Das gebe der liebe Gott. Amen. Liertes Kapitel. Sn der heiligen Meſſe erneuert Chriſtus ſeine Menſch⸗ werdung. Im vorigen Kapitel haben wir die Geheimniſſe Ser heiligen Meſſe nur kurz angedeutet, und obenhin Swogen, jetzt aber wollen wir ein Geheimniß nach dem 86 Viertes Kapitel. Chriſtus erneuert andern betrachten und erklären, und zwar zuerſt das ſo hohe Geheimniß der Menſchwerdung Chriſti. Daß in jeder heiligen Meſſe die Menſchwerdung Chriſti erneuert werde, beweiſe ich erſtens mit dem Zeugniſſe des be⸗ rühmten und gottſeligen Lehrers Marchantius, welcher in ſeinem Horto pastorum Fract. IV. lect. 19. Candel. mistici alſo ſpricht:„Was iſt die heilige Meſſe anders, als eine lebhafte und vollkommene Vor⸗ ſtellung, ja Erneuerung der Menſchwerdung, der Ge⸗ burt, des Lebens, Leidens und Sterbens Chriſti, und der ganzen von ihm vollbrachten Erlöſung?“ O wohl ein wunderbarer und beinahe unglaublicher Ausſpruch, welchem mancher Menſch nicht leicht beiſtimmen wird! Auf daß aber Niemand ſich deſſen weigern könne, ſo will ich in dieſem Kapitel zeigen, auf welche Weiſe Chriſtus in der heiligen Meſſe ſeine gnadenreiche Menſch⸗ werdung täglich erneuert. 2. O welch' vortreffliche, welch' fruchtbare, und un⸗ ausſprechliche Wohlthat hat die göttliche Erbarmung dem menſchlichen Geſchlechte damals erwieſen, als der Sohn Gottes wegen der Menſchen und wegen unſers Heiles vom Himmel herabgeſtiegen, durch den heiligen Geiſt in Maria der Jungfrau Fleiſch geworden, und die Menſch⸗ heit angenommen hat! Dieß unbegreifliche Geheimniß betet der Prieſter an, wenn er unter dem Credo bei den Worten: Et incarnatus est, nicht allein ſein Haupt beuget, ſondern mit Ehrerbietung auf ſeine Kniee niederfällt, und der göttlichen Erbarmung für dieſe tiefſte Erniedrigung den möglichſten Dank ſaget. 3. Die heilige Kirche hat auch gar heilſam ange⸗ ordnet, daß die Gläubigen alljährlich die ganze Advent⸗ zeit hindurch dieſe hohe göttliche Wohlthat beherzigen, in der heiligen Meſſe ſeine Menſchwerdung. 87 andächtig erwägen, und der göttlichen Barmherzigkeit dafür innig danken ſollen. Die heilige Kirche hat näm⸗ lich die Anordnung getroffen, daß während der Advent⸗ zeit täglich die Roratemeſſen oder Engelämter gehalten werden, bei denen ſchon das erſte Wort, der Meßan⸗ fang, lautet:„Thauet herab, ihr Himmel, und ihr Wol⸗ ken, regnet ihn, den Gerechten; es öffne ſich die Erde, und ſproſſe hervor den Heiland!? Die ganze Meſſe bezieht ſich auf die gnadenreiche Menſchwerdung des Sohnes Gottes, und es ſoll durch die heiligen Engelämter einestheils die Sehnſucht nach der Geburt des Welthei⸗ landes geweckt werden, anderntheils aber die Menſchen zu Dank und Freude geſtimmt werden. Denn durch die gnadenreiche Menſchwerdung hat Chriſtus uns ſo viel Gutes erwieſen, und in ſeinem menſchlichen Leibe ſo viel für uns gethan und gelitten, daß wir ihm nicht allein in dieſer Zeit, ſondern auch in der künftigen langen Ewigkeit nimmermehr genug dafür danken können. 4. Aber, o Wunder! der liebe Jeſus hat ſich nicht begnügt, nur einmal Menſch zu werden, ſondern er hat in ſeiner unendlichen Weisheit das hohe Geheimniß der heiligen Meſſe erfunden und eingeſetzt, auf daß er das Wohlgefallen, welches ſein Vater und der göttliche Geiſt von Ewigkeit her an ihm, dem Menſch gewordenen Sohne hatten, täglich und unaufhörlich erneuere und vermehre, indem er in der heiligen Meſſe die gnadenvolle Menſch⸗ werdung ſo lebhaft erneuert, als ob ſie wirklich wie⸗ derum geſchehe; ja, ſie geſchieht auch, zwar nur geiſt⸗ licher, aber doch wahrhafter Weiſe. Um dieß zu be⸗ ſtätigen, führe ich das Zeugniß der katholiſchen Kirche an, welche am neunten Sonntag nach Pfingſten in der Sekret alſo ſpricht:„So oft das Andenken dieſes 88 Viertes Kapitel. Chriſtus erneuert Schlachtopfers gefeiert wird, ſo oft wird das Werk un⸗ ſerer Erlöſung vollzogen.“ Die Kirche ſagt nicht: ſo oft wird das Werk unſerer Erlöſung vorgeſtellt, ſondern:„ſo oft wird das Werk unſerer Erlöſung vollzogen.“ Was iſt nun das Werk unſerer Erlöſung anderes, als die Menſchwerdung, die Geburt, das Leiden und Sterben Chriſti; das iſt's aber, was in jeder heiligen Meſſe erneuert wird. 5. Dieß bezeugt uns auch der heilige Auguſtinus Serm. de Sacerd. dignitut.„O hohe Würde der Prieſter, in deren Händen Chriſtus wiederum Menſch wird! O himmliſches Geheimniß, welches Gott der Vater, und der Sohn und der heilige Geiſt durch die Prieſter ſo wunderbarer Weiſe wirkt.. Der heilige Johannes Damascenus Lib. 4. cap. 14. ſchreibt: „Wenn einer fragt, wie das Brod in den Leib Chriſti verwandelt werde, ſo ſage ich: Der heilige Geiſt über⸗ ſchattet den Prieſter, und wirkt dasſelbe, was er im Leibe Mariens gewirkt hat.“ Der heilige Bonaventura bezeugt dieß auch mit klaren Worten, indem er Tom. IV. de Instit. Novit. p. 1. c. 11. ſpricht:„Gott ſcheint nichts Geringeres zu thun, indem er ſich wür⸗ diget, täglich vom Himmel auf den Altar herabzuſteigen, als er gethan, da er vom Himmel herniederſteigend die menſchliche Natur angenommen hat.“ Sind das nicht klare und merkwürdige Worte, indem dieſer ſeraphiſche Doktor ſich zu ſagen getraut, daß Chriſtus jetzt in allen heiligen Meſſen nichts Geringeres zu thun ſcheint, als er vor achtzehnhundert Jahren in ſeiner gnadenreichen Menſchwerdung gethan hat! 6. Ich beweiſe dieß ferners auch mit dem Zeug⸗ niſſe Chriſti ſelber, welcher zum ſeligen Alanus de ie he en l le in der heiligen Meſſe ſeine Menſchwerdung. 89 Rupe(in lib. ejusdem part. 4. c. 27.) folgende Worte geſprochen hat:„Gleichwie ich durch das Ave Maria Einmal Menſch geworden bin in der hl. Jung⸗ frau Maria, ſo fange ich in jeder heiligen Meſſe ſakra⸗ mentaliſcher Weiſe gleichſam wiederum an, Gottmenſch zu werden.. Wie dieß geſchehe, erklärt Chriſtus fol⸗ gendermaſſen:„Denn wie das göttliche Wort durch den engliſchen Gruß iſt Fleiſch geworden, ſo wird dasſelbe göttliche Wort durch die Wandlungsworte in den Hän⸗ den des Prieſters Gottmenſch, zwar auf eine verſchiedene Weiſe, jedoch gleichfalls durch Ueberſchattung desſelben Geiſtes.. Siehe, das iſt ein klares Zeugniß Chriſti ſelbſt, welches uns belehrt, daß, gleichwie er durch Ueber⸗ ſchattung des heiligen Geiſtes im Mutterleibe Menſch geworden iſt, er in gleicher Weiſe durch die Ueberſchat⸗ tung desſelben heiligen Geiſtes in jeder heiligen Meſſe in den Händen des Prieſters ſakramentaliſcher Weiſe wiederum Gott und Menſch wird. 7. Hier muß ich mit dem heiligen Auguſtinus aus⸗ rufen:„O große Würde der Prieſter, in deren Händen Gott wiederum Menſch wird!? O hohe Würde der Katholikeu, zu deren Heil Chriſtus Jeſus täglich in allen heiligen Meſſen wiederum geiſtlicher Weiſe Menſch wird. Hier muß ich auch ausrufen mit Chriſtus bei Joh. 3.: D wohl eine große Liebe Gottes zu uns armen Sün⸗ dern;„denn ſo ſehr hat Gott die Welt geliebt, daß er ſeinen eingebornen Sohn dahin gab.. O was iſt das für ein ſüßer Troſt für uns armſelige Menſchen, die wir von unſerm Gott ſo herzlich geliebt werden, daß er täglich wiederum vom Himmel herabſteigt, und ſeine gnadenreiche Menſchwerdung zu unſerm Heile erneuert! 90 Viertes Kapitel. Chriſtus erneuert Soll uns das nicht ein wahrer Troſt ſein? Sollen ha wir uns deſſen nicht herzlich erfreuen? Au Der liebenswürdige Themas von Kempen ſpricht nr im 4. Buche der Nachfolge Chriſti am 2. Kapitel hie⸗ O von alſo:„Wenn du Meſſe lieſeſt oder Meſſe höreſt, ſc ſo ſoll es dir eben ſo groß, eben ſo neu und eben ſo gr lieblich vorkommen, als ob Chriſtus an demſelben Tage vom Himmel in den jungfräulichen Leib geſtiegen, und da Menſch geworden wäre.. Sind das nicht liebliche P Worte! iſt dieß nicht ein tröſtlicher Spruch. Welch' en unausſprechlicher Troſt würde es für uns ſein, wenn e Chriſtus jetzt erſt in der Mutter Gottes Menſch würde, ni und dieß uns zu wiſſen machte. Wer wollte ſich nicht be erfreuen? Wer wollte nicht hingehen, Chriſtum in dem F jungfräulichen Leibe anzubeten, und um Gnade und Barm⸗ d herzigkeit zu bitten? Weil er denn in allen heiligen ſc Meſſen von Neuem geiſtlicher Weiſe Menſch wird, warum ni gehen wir nicht voller Freude zur heiligen Meſſe? 6 Warum rufen wir nicht allda Chriſtum um Gnade und hi Barmherzigkeit an? Die vornehmſte Urſache iſt, weil P wir keinen lebendigen Glauben haben, und dieſe große de Wohlthat Gottes nicht recht erkennen. de 9. Nun wollen wir aber ſehen, wie Chriſtus ſeine ſi Menſchwerdung erneuere, und wie viele Wunder er da⸗ e bei wirke. Unſer Glaube lehret uns, daß, wenn der l Prieſter vor der Wandlung die Hoſtie in ſeinen Hän⸗ den hält, er nur natürliches Brod hat, ſobald er aber„ die Worte der Wandlung darüber geſprochen, in dem⸗ ſelben Augenblicke wird die heilige Hoſtie durch göttliche v Kraft in den wahren Leib Chriſti verwandelt. Dieſen Leib begleitet aber auch zugleich das heilige Blut, weil u ein lebendiger Leib nicht ohne Blut ſein kann. Alsdann n m . ſe i in der heiligen Meſſe ſeine Menſchwerdung. 91 hat der Prieſter anſtatt Brod, welches er vor einem Augenblicke in den Händen hielt, Chriſtum Jeſum, den wahren Sohn Gottes, in ſeinen prieſterlichen Händen. O wohl ein überaus großes Geheimniß! wohl ein un⸗ ſchätzbares Wunder, in welchem nicht ein, ſondern viele große Wunderdinge begriffen ſind. 10. Iſt das nicht ein Wunder über alle Wunder, daß aus Brod Gott wird, und daß aus natürlichem Weine das wahre natürliche und lebendige Blut Chriſti entſteht? Iſt das nicht ein Wunder über alle Wun⸗ der, daß kein Brod noch Wein mehr gegenwärtig iſt, wiewohl die Geſtalten des Brodes und Weines geblie⸗ ben ſind? Denn die heilige Hoſtie hat noch ihre Farbe und Form und ihren Geſchmack wie zuvor. Auch das Blut hat noch die Farbe, den Geruch und Ge⸗ ſchmack des Weines, wie ror der Wanvlung. Iſt das nicht ein Wunder über alle Wunder, daß die äußern Geſtalten wahrhaft bleiben, ohne jedoch an Etwas zu hängen oder zu kleben, ſondern nur auf übernatürliche Weiſe erhalten werden, was ein eben ſo großes Wun⸗ der iſt, als wenn einer ein Haus ganz abbräche und das Dach allein in der Luft ſchwebend bliebe. Iſt das nicht ein Wunder über alle Wunder, daß Chriſtus, wel⸗ cher einen erhabenen natürlichen Leib hat, denſelben ſo klein und ſubtil macht, daß er in einer kleinen Hoſtie, ja auch in dem kleinſten Stücklein ganz iſt, wie im zweiten Kapitel Nr. 42. erkärt wurde. 11. Alle dieſe und dergleichen viele große Wunder welche ich Kürze halber übergehe, wirkt Chriſtus unter der Wandlung in jeder heiligen Meſſe zu unſerm Heile, und erweiſet uns eine Wohlthat, welche uns überaus nützlich iſt. Dieß erkannte die heilige Jungfrau Gertrud 92 Viertes Kapitel. Chriſtus erneuert gar wohl, von welcher wir in ihrer Offenbarung Lib. 3. c. 6. leſen, daß, als ſie einmal in der hei⸗ ligen Meſſe war, ſie unmittelbar vor der Wandlung tief gebeugt zu Chriſtus geſprochen habe:„O ſüßeſter Jeſu! das Werk, das du jetzt wirken wirſt, iſt ſo unſchätzbar, vortrefflich und hochwürdig, daß meine Geringfügigkeit dasſelbe gar nicht anſchauen darf. Deßwegen will ich mich in das tiefſte Thal der Demuth verſenken, und allda meinen Antheil erwarten; denn durch dieſe Wand⸗ lung wird allen Auserwählten Heil zukommen.“ Da ſprach Chriſtus zu ihr:„Wenn du deinen Willen dahin richteteſt, und wollteſt mir auch unter der ſchwerſten Mühe dienen, auf daß dieſe Opferung, welche allen lebendigen und verſtorbenen Chriſten nützet, ihre volle Wirkung hervorbringen möchte, ſo hätteſt du mir gar wohl zu meinem Werke geholfen.“ 12. Auf gleiche Weiſe ſollteſt du vor der Wand⸗ lung auch bedenken, was für ein großes Wunderwerk dein Gott für dein Heil auf dem Altare wirkt, und ein herzliches Verlangen erwecken, daß durch deine Mit⸗ wirkung das gegenwärtige Opfer zur größeren Glorie Gottes, und zum Heile der Gläubigen gereichen möge, indem du mit der heiligen Gertrud ſprichſt: „O ſüßeſter Jeſu! das Werk, welches du jetzt wir⸗ ken wirſt, iſt ſo überaus vortrefflich, daß meine Gering⸗ fügigkeit dasſelbe gar nicht anſchauen darf. Deßwegen verſenke ich mich in den Abgrund meiner Nichtigkeit, und will allda meines unverdienten Theiles gewarten, weil durch dieſe Wandlung allen Auserwählten Heil zu⸗ kommen wird. Wollte Gott, daß ich, o ſüßeſter Jeſu! zu dieſem hochwürdigen Werke mitwirken könnte, ſo wollte ich herzlich gerne alle meine Kräfte anwenden, un ein ind er e dam bh In Chr herl ler Pe va ſtu pa ſo brſo z nd fü hin deß i; de en Hi de ei⸗ ief eit in der heiligen Meſſe ſeine Menſchwerdung. 93 und dir auch unter den ſchwerſten Mühen zur Seite ſein, damit dieſe Opferung, welche allen lebendigen und verſtorbenen Chriſten nützet, ihre volle Wirkung hervorbringen möchte. Ich bitte dich herzlich, du wolleſt ollen Meſſeleſenden und Meſſehörenden Gnade verleihen, damit ſie dieß hochwürdigſte Opfer zu deiner größeren Ehre und zum Heile der Gläubigen aufopfern mögen. Amen.⸗ 13. Nun wollen wir auch erwägen, welche Gewalt Chriſtus nicht etwa den Engeln, ſondern den Prieſtern verliehen habe, indem ſie mit wenigen Worten das al⸗ lergrößte Wunder wirken, nämlich das Brod und den Wein in ſeinen allerheiligſten Leib und ſein Blut ver⸗ wandeln. Von dieſer prieſterlichen Gewalt ſprach Chri⸗ ſtus zu dem ſeligen Alanus de Rupe in ejus lib. part. 4. c. 27.:„Die Gewalt Gottes des Vaters iſt ſo groß, daß er aus Nichts Himmel und Erde hat erſchaffen können; die Gewalt der Prieſter iſt aber ſo groß, daß ſie den Sohn Gottes ſelbſt zum Sakrament und Sacrificium hervorbringen, und die erworbenen Schätze des Erlöſers durch das Sakrament und Sacri⸗ ficium den Menſchen ausſpenden.. Und Chriſtus ſetzte hinzu:„Das iſt der größte Theil der Glorie Gottes, dieß der größte Antheil der Freunde der Muter Got⸗ les; das iſt die Wonne der Seligen, das die beßte Hilfe der Lebendigen; und dieß iſt der größte Troſt der bgeſtorbenen.“ 14. O höre Wunder, und erſtaune höchlich über pie gewaltige Kraft der Wandluugsworte, und über die aneuerte Menſchwerdung Chriſti in den prieſterlichen Hinden, wovon Chriſtus ſelbſt geſprochen, daß, wenn ſäe Prieſter ihn, als den Sohn Gottes zum Sacrament 94 Viertes Kapitel. Chriſtus erneuert und göttlichen Opfer hervorbringen, und ſeine erwor⸗ benen Verdienſte dem Volke ausſpenden,„dieß der größte ib Theil der Glorie Gottee iſt,“ weil der höchſte Gott ſih von dem Meßopfer ſeine größte Ehre und Giorie em⸗ A pfängt.. Das ſei auch der größte Antheil der Glorie in der Mutter Gottes,⸗ weil man ihr keine größere Ehre en und keinen entſprechenderen Dienſt erweiſen kann, als wenn man ihr zu Ehren die heilige Meſſe höret, und ih ihren gleichſam von Neuem Menſch gewordenen Sohn anbetet.„Das ſei auch die beſte Hilfe der Lebendigen, i und der ſüßeſte Troſt der Abgeſtorbenen,“ wie du un⸗ ſo ter Kap. 12. und 22. leſen kannſt. eil 15. Hier muß ich abermal mit Chriſtus ausrufen De und ſprechen:„So ſehr hat Gott die Welt geliebt, daß ibe er ſeinen eingebornen Sohn dahin gab, auf daß ein je⸗ vo der, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, ſondern das die ewige Leben habe.“ Dieſe große Liebe hat Gott zuerſt un der Welt erwieſen, als er ſeinen Sohn vom Himmel ule ſchickte, daß er die menſchliche Natur annehmen ſollte. hi Dieſe große Liebe erzeigt er der Welt täglich von Neuem, indem er ſeinen Sohn wieder vom Himmel di ſchickt, auf daß er dieſe ſeine Menſchwerdung erneuern nd ſolle. In ſeiner erſten Menſchwerdung hat Chriſtus ſe den Himmel erfreuet, und der Welt Heil gebracht, und il eben dieß thut er bei der täglichen Erneuerung ſeiner Menſchwerdung in der heiligen Meſſe. Durch ſeine erſte he Menſchwerdung hat er überaus große Schätze der gött⸗ lichen Gnade erworben, in ſeiner erneuerten Menſch⸗ werdung theilt er dieſe himmliſchen Schätze der gött⸗ i lichen Gnaden den andächtig Meſſeleſenden und Meſſe⸗ hn hörenden aus. Zum Beweiſe deſſen will ich ein merk⸗ n würdiges Beiſpiel anführen. ſ mel en u und nn nſt t ſc . ſ e in der heiligen Meſſe ſeine Menſchwerdung. 95 16. In der Chronik der mindern Brüder Pars 3. lib. 2. wird erzählt(und Piſanus beſchreibt dieß aus⸗ führlicher), daß der ſelige Johannes von Fermo oder Alvernia gewohnt war, die heilige Meſſe mit größter Andacht zu leſen, wobei er oftmals ſo große Süßigkeit empfand, daß ſeine ſchwachen Kräfte dieſelben nicht er⸗ tragen konnten. Als er einmal am Feſte der Himmel⸗ fahrt Mariä das hohe Amt ſingen ſollte, empfand er zu Anfang der heiligen Meſſe eine ſo große innerliche Lieb⸗ lichkeit, welche er nicht mit Worten ausſprechen konnte, ſo daß er ſich fürchtete, er würde wegen derſelben die heilige Meſſe nicht vollenden können, was auch geſchah. Denn als er zur Wandlung gekommen war, und die äberaus große Liebe Chriſti erwogen hatte, welche ihn vor Zeiten angetrieben, vom Himmel zu kommen, und die menſchliche Natur anzunehmen, und welche ihn noch unaufhörlich antreibt, dieſe ſeine Menſchheit täglich in allen heiligen Meſſen zu erneuern, da ward ihm ſein heiliges Herz ſo weich, und ſeine Kraft ſo ſchwach, daß er die Worte der Wandlung nicht ausſprechen konnte. Die erſten Worte: Hoc est, Hoc est enim konnte er endlich ſprechen, die übrigen zwei konnte er gar nicht hervorbringen. Als der Pater Guardian dieß bemerkte, eilte er mit einem Pater zum Altare, ſtellte ſich neben den ſeligen Pater Johannes, und wollte ihm die übrigen Worte ausſprechen helfen. Die weltlichen Herren und Frouen ſtanden inmittels voller Angſt, und meinten, dem Pater ſei ein Unglück zugeſtoſſen. Endlich that dieſer ſich eine ſolche Gewalt an, daß er die beiden letz⸗ ken Worte: Corpus meum, mit größter Anſtrengung Hervorbrachte. Sobald dieß geſchehen, ſieh, da ward die Geſtalt der Hoſtie in die Geſtalt eines Kindleins 96 Viertes Kapitel. Chriſtus erneuert verwandelt und der ſelige Johannes ſah dasſelbe, in welchem er den neugebornen Jeſus erkannte, in ſeinen 1 prieſterlichen Händen. Dasſelbe gab ihm ſeine tiefſte Demuth, welche ihn angetrieben, vor Zeiten Menſch zu n werden, und täglich dieſelbe Menſchwerdung zu erneuern, i6 ſo klar zu erkennen, daß dieſe Erkenntniß alle Kräfte U des Paters verzehrte, und ihn in eine ſüße Ohnmacht tbe zu Boden warf. Der Guardion aber und der andere ju neben ihm ſtehende Prieſter ergriffen den fallenden zr Pater, und die herzulaufenden Frauen ſtrichen ihn mit n Balſam an, wodurch er ſich ein wenig an Kräften ni erholte. Wiewohl er ſo ſehr erſchöpft war, daß er in ſeine Glieder nicht bewegen, noch die Hände erheben ie konnte, um das Kreuzzeichen zu machen, ſo brachte in er dennoch durch Beihilfe des Guardian die heilige i Meſſe mit größter Mühe ſo weit, daß er das hoch⸗ S würdige Fleiſch und Blut Chriſti genießen konnte. So⸗ de bald dieß geſchehen, kam er ſo ſehr von ſeinen äußer⸗ rr lichen Sinnen und Kräften, daß er einem Todten gleich ve ſah, und in die Sakriſtei getragen werden mußte. Da ih lag er mit einem erkalteten Leibe, einem Todten gleich, und die Finger ſeiner Hände waren ſo feſt zuſammen Se geſchloſſen, daß ſie nicht bewegt, noch ausgeſtreckt wer⸗ de den konnten. Auf dieſe Weiſe blieb er einige Stunden liegen, und ward von den weltlichen Herren und Frauen u wie für todt betrauert und beklagt. Als er aber wie⸗ 5 der zu ſich gekommen war, ward er von ihnen durch w die Liebe Gottes gebeten, ihnen zu ſagen, was ihm am J Altare widerfahren ſei, und was er in der Verzückung dir geſehen habe. Auf das inſtändige und oft wiederholte ze Bitten ſprach er:„Als ich vor der Wandlung die⸗ 3 jenige Liebe Chriſti, welche ihn vor Zeiten Menſch zu h er⸗ eich D ich nen er⸗ der uo vi in der heiligen Meſſe ſeine Menſchwerdung. 97 werden, und dieſe ſeine Menſchwerdung in allen heiligen Meſſen zu erneuern angetrieben hat, bei mir erwog, da ward mein Herz gleichwie warmes Wachs erweicht, und mein Fleiſch ſchien ohne Gebein zu ſein, ſo zwar, daß ich weder auf meinen Füßen ſtehen, noch die heiligen Worte der Wandlung ausſprechen konnte. Nachdem ich aber dieſelben mit größter Mühe endlich ausgeſprochen hatte, ſieh, da ſah ich ſtatt der heiligen Hoſtie das zarteſte Jeſukind in meinen Händen, deſſen einziger Anblick mir das Mark meines Herzens durchdrang, und mir alle Kräfte des Leibes ſo hinwegnahm, daß ich in eine ſüße Ohnmacht ſank, und in der brennenden Liebe dieſes himmliſchen Kindleins ganz entzückt wurde.⸗ Dieß und viel mehr, was er während der Verzückung em⸗ pfunden hatte, erzählte der ſelige Pater den andächtigen Seelen, und bewies ihnen, welche unergründliche Liebe der ſüße Jeſus uns armſeligen Sündern erzeige, indem er täglich wegen unſers Heiles ſeine gnadenreiche Menſch⸗ werdung erneuere, und uns die Früchte derſelben reich⸗ lich zuwende und zueigne. 17. Aus dieſem Beiſpiele merke, o Gott liebende Seele, welche Freuden vom Himmel herab ſteigen, wenn die Quelle aller himmliſchen Wonne auf den Altar ſich ergießt. Dieſe Freuden haben viele heilige Seelen em⸗ vfunden, und auch du würdeſt ſie gewiß empfinden, wenn du nur mit größerer Andacht der heiligen Meſſe bei⸗ wohnen würdeſt. Bedenke auch, wie viel dieſe erneuerte Menſchwerdung uns nütze, da der ſüße Jeſus die Ver⸗ dienſte ſeiner erſten Menſchwerdung den Meſſehörenden ſueignet und austheilet. Die Gnaden, welche er vor Zeiten vom Himmel gebracht, und der Welt geſchenkt hat, bringt er in allen heiligen Meſſen wiederum vom Cechem, Meßerträrung. 7 98 Fünftes Kapitel. Chriſtus erneuert Himmel und ſchenkt ſie allen Meſſehörenden nach ihrer jn Fähigkeit und Würdigkeit. Durch ſeine tiefe Ernie⸗ ſa drigung verſöhnet er den gerechten Zorn Gottes, und dn hält die wohlverdienten Strafen von uns ab. Ob die⸗ die ſer und vieler anderer Gutthaten, welche er uns erweiſt, M können wir ihm nicht genug danken, daß er die heilige ge Meſſe eingeſetzt hat, und darin nicht allein ſeine Menſc⸗ zeh werdung, ſondern auch alle Geheimniſſe ſeines heiligen in Lebens und Sterbens lebhaft erneuert. Einen größern Dank aber können wir ihm nicht erweiſen, als wenn hin wir täglich, oder ſo oft wir können, die heilige Meſſe peor andächtig hören, und dieſelbe der heiligſten Dreifaltig⸗ ſin keit zur Dankſagung für alle erwieſenen Gutthaten an⸗ ge dächtig aufopfern. nit ein au hei In der heiligen Meſſe erneuert Chriſtus ſeine Zeburt. net Une be 1. Von dieſem ſüßeſten Geheimniß der Geburt Chriſti ſingt durch den ganzen Erdkreis die heilige ka⸗ jin tholiſche Kirche:„An demſelben Tage werden die Berge in von Süßigkeit träufeln, und die Hügel werden von Milch Lr und Honig fließen.. Denn wahrhaftig, an jenem heilig⸗ ſten Tage, an welchem der eingeborne Sohn Gottes, N mit menſchlichem Fleiſche bekleidet, aus dem jungfräu⸗ l lichen Leibe Mariä in die Welt getreten iſt, hat von h den Bergen Süßigkeit ſich ergoſſen, und die Hügel ſind Fi von Milch und Honig fließend geworden. Denn der⸗ u in der heiligen Meſſe ſeine Geburt. 99 jenige, welcher ſüßer als Milch und Honig iſt, derjenige, ſage ich, welcher die reiche Quelle aller Süßigkeit iſt, hat durch ſeinen Eintritt in die Welt Alles verſüßt; er hat die wahre Freude vom Himmel gebracht; er hat den Menſchen, welche eines guten Willens ſind, Frieden an⸗ gekündiget; er hat den Betrübten herzlichen Troſt ein⸗ gehaucht, und hat die Welt mit ſeiner gnadenreichen An⸗ kunft geweiht. 2. O welch' große Freude hatte in jener Nacht der himmliſche Vater, als er ſeinen liebſten Sohn, den er von Ewigkeit geboren, jetzt von Neuem aus ſeiner lieb⸗ ſten Tochter Maria geboren werden ſah! O welche Wonne empfand der Sohn Gottes, als er ſah, daß er, mit einer ſo edlen Menſchheit bekleidet, nun nicht allein einen Vater im Himmel, ſondern auch eine Mutter auf Erden hätte! O welches Wohlgefallen hatte der heilige Geiſt, als er ſah, daß derjenige, welchen er von Cwigkeit durch das feſte Band der Liebe mit dem Vater verknüpft hatte, jetzt durch ſeine Mitwirkung mit der menſchlichen Natur ſo feſt verbunden ſei, daß er zwei unendlich von einander verſchiedene Naturen in Einer Perſon vereinigte! O welche Süßigkeiten empfand die allerſeligſte Jungfrau Maria, als ſie ihr neugebornes Kindlein mit ihren innerlichen Augen anſah, und er⸗ kannte, daß es nicht allein ihr Söhnlein, ſondern zugleich der natürliche Sohn Gottes des Vaters wäre! 3. O wie glücklich waren die damaligen Menſchen, welche würdig waren, das holdſeligſte Kindlein mit ihren Augen anzuſehen, in ihre Arme aufzunehmen und mit ihrem Munde zu küſſen! Wie freudig waren nicht die Hirten bewegt, da ihnen die Engel in derſelben Nacht roch die Geburt des Weltheilandes verkündeten! Wie 5* 100 Fünftes Kapitel. Chriſtus erneuert beeilten ſie ſich, hinzugehen nach Bethlehem, und ihre Anbetung durch ihre Gaben und Geſchenke auszudrücken! Keiner blieb zurück, ſelbſt die Kinder nicht. Wie ent⸗ zückt waren nicht alle Frommen in Iſrael, da die Zeit ihrer Sehnſucht angebrochen und die Erſcheinung des längſt Verheißenen ſowohl durch die Hirten, als durch die drei Weiſen aus dem Morgenlande, als auch durch Simeon und Anna war verkündet worden! 4. Wiewohl wir dieſe Menſchen glücklich ſchätzen, ſo ſind wir dennoch viel glücklicher, weil wir dasſelbe ſüßeſte Kindlein täglich mit den Augen des Glaubens anſchauen, und der Freuden ſeiner Geburt theilhaftig werden können. Der heilige Papſt Leo I. Serm. de Nat. ſpricht:„Die evangeliſchen und prophetiſchen Worte helfen und entzünden uns ſo ſehr, daß wir die Geburt Chriſti nicht als vergangen zu verehren ſcheinen, ſondern als gegenwärtig anſchauen. Denn was der Engel den Hirten geſagt, das hören auch wir für uns:„„Sehet, ich verkündige euch eine große Freude, denn heute iſt euch geboren der Heiland.““ Dieſer gnadenreichen Geburt können wir wirklich alle Tage beiwohnen, ja dieſelbe gleichſam mit unſern Augen anſchauen, wenn wir nur zur heiligen Meſſe gehen wollen; denn in der⸗ ſelben wird ſie wahrhaft erneuert, und zu unſerm Heile beſtändig fortgeſetzt. 5. Dieß vernehmen wir aus den Offenbarungen der heiligen Abtiſſin Hildegard, welche Lib. 2. visione 6. alſo ſchreibt:„Als unter der heiligen Meſſe das Brod und der Wein in das Fleiſch und Blut Chriſti ver⸗ wandelt wurden, da erſchienen auch die Zeichen ſeiner Menſchwerdung und Geburt wie in einem Spiegel, wie ſie in dem Sohne Gottes, als er auf der Welt war, voll bon hie und vor piſſ werd 40 nit erſ ſebo usſ da e zul den bew lnte ohle ſ, ind lil hrec us uch in der heiligen Meſſe ſeine Geburt. 101 vollbracht worden ſind.. Aus dieſem wahrhaften und von der Kirche gutgeheißenen Zeugniß erkennen wir, daß die Geburt Chriſti unter der heiligen Meſſe erneuert, und dem Himmel ſo lebhaft vorgeſtellt werde, wie ſie vor achtzehnhundert Jahren geſchehen iſt. Willſt du wiſſen, von wem und auf welche Weiſe Chriſtus geboren werde, ſo höre, was der heilige Hieronymus Epist. ad Ieliod. ſchreibt:„Die Prieſter rufen Chriſtum mit ihrem geheiligten Munde in's Leben, als wollte er ſagen: Chriſtus wird aus dem Munde der Prieſter geboren, indem ſie die heiligen Worte der Wandlung ausſprechen. Dieß bezeugt auch Papſt Gregorius XV., da er die Prieſter ermahnt, vor der heiligen Meſſe zu beten:„Ich will die heilige Meſſe celebriren, und den Leib und das Blut unſers Herrn Jeſu Chriſti Hewirken.“ 6. Dieß ſtellt uns die Kirche vor Augen, da ſie unter der heiligen Meſſe den Lobgeſang zu ſingen be⸗ fohlen hat, welchen die Engel in der Chriſtnacht ſan⸗ gen, indem ſie ſprachen:„Ehre ſei Gott in der Höhe, uend Friede den Menſchen auf Erden, die eines guten Willens ſind.. Wenn du dieſen Geſang ſingen oder prechen höreſt, ſo bilde dir ein, der Engel ſpreche, vas er zu den Hirten geſprochen:„Ich verkündige uch große Freude; denn heute iſt euch der Heiland ſeboren, und ihr werdet das Kindlein in Windeln ein⸗ ſewickelt, und in der Krippe liegend finden.. Bilde ir ein, ſage ich, als wenn der Schutzengel zu dir ſpräche: Erfreue dich, mein Kind, denn jetzt in dieſer heiligen Reſſe wird dein Heiland zu deinem größten Heile wie⸗ er geboren, und du wirſt ihn mit deinen Augen un⸗ e der Geſtalt der heiligen Hoſtie ſehen. Wiewohl 102 Fünftes Kapitel. Chriſtus erneuert dein Schutzengel dir dieß nicht ſagt, ſo ſagt es dir doch dein Glaube, und es geſchieht dieß wahrhaft und in der That. Soll es dir dann nicht eine beſondere Freude ſein, wenn du dieß lebhaft glaubſt, und dich gegen dein Chriſtkindlein ſo verhältſt, wie ſich diejenigen verhalten haben, welche würdig geweſen ſind, dasſelbe mit ihren leiblichen Augen anzuſchauen. 7. In den Legenden aus alter Zeit leſen wir öfters, daß hier oder dort ein heiliger Mann das allerheiligſte Sakrament in der Geſtalt eines Kindleins auf dem Altar liegen oder in den Händen des Meſſe leſenden Prieſters erhoben ſah; ſo im Leben der Altväter Lib. de provid. num. 13., wo erzählt wird, daß ſich dasſelbe während der heiligen Meſſe eines gewiſſen Prieſters, Namens Plegus, ereignete. Doch, was hier das leibliche Auge ſah, das ſieht unſer geiſtiges Auge Tag täglich und überall, wo bei einer heiligen Meſſe die Wandlung ge⸗ halten wird. Darum wird im Leben des heiligen Lud⸗ wig von Frankreich erzählt: als man ihm ein ſolches Wunder berichtete, daß nämlich in der Nähe von Paris bei der Meſſe eines ehrwürdigen Paters Chriſtus in der Geſtalt eines Kindleins ſichtbar werde, habe er bei der Zumuthung, auch er ſolle hingehen und es anſchauen, geantwortet:„da mögen Ungläubige hingehen, denn ich ſehe bei keiner Meſſe etwas anderes, als den leben⸗ digen Chriſtus.“ 8. Dieſe Beiſpiele habe ich darum hieher geſetzt, auf daß du erkennen und glauben mögeſt, daß wir in der heiligen Meſſe das liebe Chriſtkindlein wahrhaftig gegenwärtig haben, nicht etwa bloß in der Einbildung oder geiſtlicher Weiſe, ſondern in Wahrheit und leib⸗ licher Weiſe; es iſt nämlich dasſelbe Chriſtkindlein, in der heiligen Meſſe ſeine Geburt. 103 welches von der Mutter Gottes zu Bethlehem geboren, und von den heiligen drei Königen angebetet worden iſt. Sein Angeſicht aber bedeckt es mit jenen zarten Win⸗ deln, worein es von ſeiner Mutter gewickelt, und in welchen es von den frommen Hirten iſt geſunden wor⸗ den. Dieſe zarten Windeln ſind die Geſtalten der con⸗ ſekrirten Hoſtte, welche wir mit unſern Augen ſehen; das liebe Kindlein aber, welches darunter verborgen iſt, können wir zwar mit unſern leiblichen Augen nicht ſehen, wir ſehen es aber mit unſern innerlichen Augen des Verſtandes, welcher durch den wahren Glauben erleuch⸗ tet iſt, und feſt annimmt, daß der ſüßeſte Jeſus unter dieſen Geſtalten verborgen ſei. Der Urſachen aber, warum es ſich nicht ſehen läßt, ſind viele, unter welchen dieſe die vornehmſte iſt, damit wir Gelegenheit haben, unſern Glauben in einer ſo hochwichtigen Sache zu üben, und in jeder heiligen Meſſe einen ſehr großen Lohn zu verdienen. Auf daß wir aber ſeine perſönliche Ge⸗ genwart deſto ſicherer glauben, ſo hat er ſich von vielen frommen Chriſten, ja auch oftmals von Juden und Heiden ſehen laſſen. Davon werde ich noch mehrere Beiſpiele anführen. 9. Albertus Krantius, de rebus Saxon. lib. 2. 6. 8. beſchreibt ausführlich, wie Karl der Große viele Jahre wider die heidniſchen Sachſen geſtritten, und ſie von ihrer Abgötterei zum chriſtlichen Glauben bringen wollte. Wiewohl er ſie oftmals mit ſeiner Kriegsmacht überwunden, und zur Abſchwörung ihrer Götzen gebracht hatte, dennoch wurden ſie allezeit durch ihren Herzog Wittikind angereizt, wieder meineidig zu werden, und den angenommenen chriſtlichen Glauben zu verläugnen. Da nun Kaiſer Karl das zwölfte Mal mit einem 104 Fünftes Kapitel. Chriſtus erneuert mächtigen Heere zur Faſtenzeit nach Sachſen zog, und das Oſterfeſt einfiel, da befahl er ſeinem ganzen Heere, daß ſie ſich zum Empfange der heiligen Sakramente be⸗ reiten, und das heilige Oſterfeſt mit aller Andacht im Lager begehen ſollten. Zur ſelben Zeit kam den Herzog Wittikind eine große Begierde an, das kaiſerliche Lager zu beſichtigen, und den chriſtlichen Gottesdienſt mit Au⸗ gen zu beſchauen. Deßwegen legte er ſeine koſtbare Kleidung ab, und bekleidete ſich, auf daß er nicht ſollte erkannt werden, mit ſchlechten zerriſſenen Kleidern, ging ohne Gefährten als Bettler in das Lager, und bat die Soldaten um Almoſen. Unterdeſſen forſchte er vor⸗ witzig Alles aus, und nahm wahr, daß der Kaiſer und ſeine Soldaten am heiligen Charfreitag betrübt daher gingen, ſtrenge faſteten, eifrig beteten, am Vorabend von Oſtern beichteten, und am heiligen Oſtertage kom⸗ munizirten. Als der Prieſter unter der heiligen Meſſe zur Wandlung gekommen war, da ſah er mit leiblichen Augen, daß ein überaus ſchönes Kindlein in ſeinen Hän⸗ den ruhe, bei deſſen Anblick er eine niemals erkannte Süßigkeit in ſeinem Herzen empfand, und die übrige heilige Meſſe hindurch kein Auge von dem Prieſter abwendete. Als die Soldaten zum heiligen Abendmahle gingen, ſah er mit größter Verwunderung, daß der Prieſter einem Jeden dasſelbe ſchöne Kindlein darreichte, und daß dasſelbe von Allen und Jedem empfangen und genoſſen wurde, jedoch nicht auf gleiche, ſondern auf gar verſchiedene Weiſe. Denn zu einigen eilte das liebliche Kindlein mit wunderbarer Freude, zu andern aber wollte es nicht hinein gehen, ſondern wehrte ſich mit Händen und Füßen, und ward doch hineinzugehen genöthiget. Dieß Alles ſah der Herzog mit eigenen A nich die ter ein das ſell und die ihn P dot un we deß die bei ont der und ih be in der heiligen Meſſe ſeine Geburt. 105 Augen, und konnte ſich über ſolch unerhörte Geheimniſſe nicht genug verwundern. Noch vollbrachtem Gottes⸗ dienſte ging er zur Kirche hinaus, ſetzte ſich wieder un⸗ ter die Bettler, und erbat ſich von den Hinausgehenden ein Almoſen. Der Kaiſer gab allen und jedem Bettler das Almoſen mit eigner Hand, und als Wittikind das⸗ ſelbe von ihm empfing, nahm ein Diener wahr, daß er einen krummen Finger habe, erkannte ihn daran, und ſagte dem Kaiſer in's Ohr:„Euere Majeſtät, dieſer iſt Wittikind, der Herzog in Sachſen, ich erkenne ihn an ſeinem krummen Finger.“ Der Kaiſer ließ ihn zu ſich in ſein Zelt berufen, und ſprach zu ihm: „»Warum gibſt du dich für einen Bettler aus, da du doch der Herzog von Sachſen biſt? Wittikind erſchrack, und weil er fürchtete, er möchte als Spion gefangen werden, ſprach er zum Kaiſer:„Eure Majeſtät wolle mir dieß nicht übel auslegen, denn ich habe es bloß deßwegen gethan, auf daß ich deſto freier den Gottes⸗ dienſt der Chriſten erforſchen könnte„Was haſt du bei demſelben geſehen?“ fragte ihn der Kaiſer. ZJener antwortete:„Ich habe ſolche Wunderdinge geſehen, dergleichen ich noch niemals geſehen, noch gehört habe, und dieſelben gar nicht begreifen kann.. Alsdann er⸗ zihlte er ihm Alles, was er am Charfreitag, am Vor⸗ abend und am Oſtertag unter der heiligen Meſſe ge⸗ ſehen habe, und begehrte von dem Kaiſer die Erklärung dieſer Geheimniſſe. Dieſer verwunderte ſich ſehr, daß Gott dem verſtockten Heiden die Gnade erwieſen, das liebe Chriſtkind in der heiligen Hoſtie mit Augen zu ſehen, was er vielen Heiligen verweigert hat. Hernach erklärte ihm der Kaiſer die Urfache ihrer Betrübniß em Charfreitag, wie auch ihres Faſtens, Beichtens und 106 Fünftes Kapitel. Chriſtus erneuert Communizirens, und bewegte ihm ſein Herz dermaſſen, daß er dem Heidenthume abſchwor, den chriſtlichen Glauben annahm, und nach hinlänglichem Unterrichte die heilige Taufe empfing. Er nahm auch einige Prieſter zu ſich, durch deren Hilfe nach und nach das Herzog⸗ thum Sachſen zu Chriſtus bekehrt wurde. 10. Aus dieſer Geſchichte, wodurch die Bekehrung der heidniſchen Sachſen ihren Anfang genommen, kannſt du gleichſam mit Händen greifen, daß das liebe Chriſt⸗ kind unter den Geſtalten der konſekrirten Hoſtie gegen⸗ wärtig iſt, und ſich ſelbſt nicht allein von den frommen Katholiken, ſondern auch von vielen Heiden und Juden, wie du unten in mehreren Beiſpielen leſen wirſt, in ſeiner natürlichen Geſtalt habe ſehen laſſen. Dieſe ſeine unbegreiflich ſchöne Geſtalt verbirgt zwar Chriſtus vor unſern ſündigen Augen, aber nicht vor den Augen Gottes des Vaters und des himmliſchen Heeres, ſondern zeigt ſich ihnen in allen heiligen Meſſen in einer ſolchen übernatürlichen Schönheit, daß die heiligſte Dreifaltigkeit eine unergründliche Glorie, die Mutter Gottes aber, und die Engel und Heiligen eine unausſprechliche Freude und Wonne darüber empfinden. Eben dieß iſt, wie Chriſtus zum ſeligen Alanus geſagt, der größte Theil der Glorie Gottes. Dieß iſt der größte Antheil der Freude der Mutter Gottes. Dieß iſt die größte Wonne der Heiligen Gottes. 11. Wenn die lieben Engel dieß neugeborne Kind⸗ lein anſchauen, ſo fallen ſie demüthig auf ihre Kniee, und beten es ehrerbietig an, was der heilige Paulus Hebr. 1. andeuten will, da er ſpricht:„Als er aber⸗ mal ſeinen erſtgebornen Sohn in den Erdkreis ein⸗ führte, ſagte er: Alle Engel Gottes ſollen ihn anbeten.“ in der heiligen Meſſe ſeine Geburt. 107 In der heiligen Chriſtnacht hat Gott Vater ſeinen Erſt⸗ gebornen zum erſten Mal in die Welt eingeführt, in allen heiligen Meſſen aber führt er ihn wiederholt in die Welt ein, auf daß er ſich auf dem Altare für uns opfere, und uns die Früchte ſeiner Geburt mit⸗ theile. Alsdann beten ihn die Engel an, wie die Kirche in der Präfation ſpricht:„Durch welchen deine Majeſtät loben die Engel, anbeten die Herrſchaften, erzittern die Mächte; durch den die Himmel und die Kräfte der Himmel und die ſeligen Seraphine zu ge⸗ meinſamem Jubel ſich verbinden,“ welchen Geſang ſie in der Chriſtnacht geſungen haben, nämlich:„Ehre ſei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Men⸗ ſchen, die eines guten Willens ſind« Wir ſollen auch zugleich mit dem himmliſchen Heere das ſüße Jeſuskind preiſen, weil es zu unſerm größten Heile wiederum vom Himmel kommt, und die Verdienſte ſeiner Geburt allen Meſſehörenden reichlich austheilet. Was hat der Himmel für eine Freude, und was für ein Heil empfängt die Welt durch die erneuerte geburt Chriſti? 12. Um dieſes hohe Geheimniß nach ſeiner Würde zu erklären, iſt kein menſchlicher Verſtend mächtig ge⸗ nug, ſondern es wird dazu eine engliſche Wiſſenſchaft erfordert; denn nur die Engel ſehen und erfahren täg⸗ lich, was für unergründliche Freude und Wonne aus dem inmerwährenden Meſſeleſen im Himmel entſteht. Wir können zwar nicht begreifen, was für Freude die allerheiligſte Dreifaltigkeit habe, dennoch wiſſen wir aus unſrer Glaubenslehre, daß ſie alle ihre Seligkeit aus 108 Fünftes Kapitel. Chriſtus erneuert ſich ſelbſt empfange, und daß eine göttliche Perſon der andern ihre Freude mittheile. Von der unerſchaffenen Weisheit, nämlich vom Sohne Gottes, ſagt die heilige Schrift Sap. 7.:»Sie iſt der Glanz des ewigen Lichtes, und der makelloſe Spiegel der göttlichen Ma⸗ jeſtät, und das Bild ſeiner Güte. Dieſer Spiegel iſt von Ewigkeit her vor den Augen des himmliſchen Vaters geſtanden, in ihm erkennt er ſich ſelbſt auf's klarſte, und erfreut und erluſtiget ſich in unendlicher Weiſe; denn in demſelben ſieht er, was für ein großer, glorwürdiger, verſtändiger, allvermögender, gewaltiger, ſchöner, reicher, glückſeliger und unendlicher Herr er ſei, und in alle Ewigkeit bleiben werde. Dieſe ſeine eigne Erkenntniß und die immerwährende Beſchauung dieſes göttlichen Spiegels iſt eine weſentliche und unendlich vollkommene Süßigkeit, ſo daß, wenn er neben dieſer keine andere Freude hätte, er dennoch auf die vollkom⸗ menſte Weiſe in alle Ewigkeit ſelig und glücklich wäre. 13. Dieſer unbemakelte Spiegel iſt ihm auf eine neue Weiſe in der gnadenreichen Geburt Chriſti vor Augen geſtellt worden, weil derſelbe mit der alleredel⸗ ſten menſchlichen Natur bekleidet, mit aller Koſtbarkeit der Tugend geſchmückt, und mit aller Zierde und Voll⸗ endung umſchlungen iſt. Deßwegen empfing, nach menſchlicher Art zu reden, der himmliſche Vater in An⸗ ſchauung dieſes klarſten Spiegels eine neue Wonne, und theilte dieſelbe der ganzen Himmelsbevölkerung mit. Deßwegen ſangen die ſeligen Geiſter vor Ueberfluß der Freude mit den ſüßeſten Stimmen einen ſo wohlklingen⸗ den Geſang, daß die Erde mitjubelte, und die from⸗ men Hirten voll Entzücken ſich ſtaunten. Mit dieſem ihrem Gloria in excelsis ſchwebten die engliſchen Chöre — ———— ——— in der heiligen Meſſe ſeine Geburt. 109 nach Bethlehem, warfen ſich allda vor dem neugebornen Kindlein nieder, und beteten in tiefſter Andacht ſeine erhabene Gottheit an. 14. Was in der Chriſtnacht vorgegangen iſt, dieß geſchieht noch täglich in allen heiligen Meſſen, in welchen der eingeborne Sohn Gottes aus dem Munde der Prie⸗ ſters von Neuem geboren und in ihren Händen wiederum Menſch wird. Durch die Worte der Wandlung wird kein neuer Chriſtus erſchaffen, noch ſeine Perſon ver⸗ vielfältigt, ſondern ſeine perſönliche Gegenwart vermehrt, und an einem Orte, wo ſeine Menſchheit zuvor nicht war, leiblicher Weiſe hervorgebracht. Es iſt zwar nur ein einziger Chriſtus, und es bleibt auch nur ein ein⸗ ziger Chriſtus, dennoch iſt er nicht nur geiſtlicher, ſon⸗ dern auch leiblicher Weiſe wahrhaft gegenwärtig. Er bleibt auch unter den Geſtalten der heiligen Hoſtie ſo lange gegenwärtig, als die Geſtalten unverſehrt bleiben. Wenn aber die Geſtalten verweſen, hört auch die per⸗ ſönliche Gegenwart Chriſti auf, ſo zwar, daß, wenn er nirgends mehr als unter dieſen Geſtalten wäre, Chriſtus nach Verzehrung dieſer Geſtalten auch ver⸗ gehen, und kein Chriſtus mehr ſein würde, weder im Himmel noch auf Erden. 15. Wenn denn nun dieſer eingeborne Sohn Got⸗ tes aus dem Munde der Prieſter wiederum geboren, und dieſer ſonnenklare Spiegel mit verſchiedenen gött⸗ lichen Vollkommenheiten durch die Hände des Prieſters aufgehoben, und ſowohl von dieſem, als vom Volke Gott dem Vater aufgeopfert wird, was für Freude und Wonne, meinſt du, wird der himmliſche Vater dar⸗ über empfinden? Gewiß keine geringere, als er in der heiligen Chriſtnacht an ſeinem lieben Söhnlein em⸗ ——— 110 Fünftes Kapitel. Chriſtus erneuert pfunden hat. Denn an beiden Orten ſieht er eben den⸗ ſelben Sohn, von welchem er Matth. 3. ſelbſt geſprochen hat:„Dieſer iſt mein geliebter Sohn, an welchem ich mein Wohlgefallen habe.“ Es iſt nur der Unterſchied, daß Chriſtus damals mit ſterblichem Fleiſche bekleidet war, in der heiligen Hoſtie aber mit einem glorwür⸗ digen Leibe geziert, und mit den fünf koſtbarſten Edel⸗ ſteinen ſeiner heiligen fünf Wunden geſchmückt iſt. Da⸗ mals ward er leiblicher Weiſe geboren, jetzt aber wird er geiſtlicher, dennoch aber wahrhafter Weiſe geboren. 16. Hiebei ſollſt du auch wiſſen, daß Gott der Vater nicht allein in Anſchauung dieſes göttlichen Spie⸗ gels ſich erluſtige, ſondern daß dieſer Spiegel, welcher lebendig und ſein liebſter Sohn iſt, ihn auch mit kind⸗ licher Neigung liebkoſe, und ihn auf eine unausſprech⸗ lich liebliche Weiſe erfreue. Dieſe ſüße Wonne, welche die Gottheit von der Menſchheit Chriſti empfängt, über⸗ ſteigt alle Freuden, welche ſie aus dem Lobe aller En⸗ gel, aus der Ehre aller Heiligen, und aus dem Dienſte aller Frommen empfängt. Denn die hochwürdigſte Menſch⸗ heit Chriſti, welche mit der Gettheit in Einer Perſon vereiniget, und durch dieſe perſönliche Vereinigung ver⸗ göttlichet iſt, vermag und weiß allein die Gottheit nach ihrer unendlichen Hoheit würdig zu ehren, zu lieben und zu erfreuen. Dieß kann man aus den eignen Wor⸗ ten Chriſti, welche er zur heiligen Mechtildis Lib. 2. c. 21. geſprochen, abnehmen:„Ich allein weiß und verſtehe vollkommen, wie ich mich täglich auf dem Al⸗ tare für das Heil der Gläubigen aufopfere, was weder Cherubim noch Seraphim, noch alle himmliſchen Kräfte völlig verſtehen können.“ Gleichwie nun Chriſtus dieß allein weiß, ſo weiß auch er allein, in welcher Weiſe in der heiligen Meſſe ſeine Geburt. 111 er täglich auf dem Altare die höchſte Gottheit würdig lieben, erfreuen und erluſtigen ſolle, und dieß vollbringt er mit ſolch herrlicher Süßigkeit und Lieblichkeit, daß weder Cherubim noch Seraphim, noch alle himmliſchen Kräfte dieß völlig verſtehen, viel weniger verrichten kön⸗ nen. Das ganze himmliſche Heer ſchaut zwar mit ſtau⸗ nenden Augen und erſtauntem Herzen zu, kann aber dieſe höchſte Weiſe ſolch unendlicher Beluſtigung nicht begreifen. Weil denn dieß täglich in einigen hundert⸗ tauſend Meſſen geſchieht, wer will es nun begreifen, wer es ausſprechen, wer es erklären, wie viele, wie große, wie ſüße Wonne die allerheiligſte Dreifaltigkeit aus den täglichen Meſſen empfange? O wohl herz⸗ liche Freude! wohl ſüße Wonne! wohl göttliche Belu⸗ ſtigung! O mein lieber Gott! ich bin beſeligt über dieſe deine Freuden, und wünſche nichts anderes, als daß ich dieſe Freuden nicht ſtöre durch irgend eine Nach⸗ läßigkeit beim Anhören der heiligen Meſſe. Ich bitte dich, o Jeſu! du wolleſt in allen heiligen Meßopfern ſtatt meiner die allerheiligſte Dreifaltigkeit lieben, er⸗ freuen und beluſtigen, und alle Liebe und Freude, welche ich unterlaſſen habe, überflüſſig erſtatten. 17. Zuletzt wollen wir ſehen, welch' großes Heil die ſündige Welt durch die tägliche Erneuerung der gnaden⸗ reichen geiſtlichen Geburt Chriſti in allen heiligen Meſſen empfange. Von der erſten Geburt weiſſagte der Pro⸗ phet Iſaias Kap. 9.:„Ein Kind iſt uns geboren, und ein Sohn iſt uns gegeben.. Eben dieſes ſage ich auch von der geiſtlichen Geburt Chriſti, welche in allen hei⸗ ligen Meſſen geſchieht und erneuert wird. Ein Kind⸗ lein wird uns geboren, und ein Söhnlein wird uns geſchenkt. O wohl eine reiche Gabe! wohl ein koſtbares 112 Fünftes Copitel. Chriſtus erneuert Geſchenk! Es iſt nichts Geringeres, als der theuerſte Schatz des Himmels, nichts Geringeres, als der liebſte Sohn des reichſten Vaters. Dieſer kommt in allen hei⸗ ligen Meſſen aus einem fernen Freudenlande, aus dem orientaliſchen Indien, aus dem fruchtbarſten himmliſchen Paradieſe, und bringt unnennbare Reichthümer und himmliſche Schätze mit ſich, nämlich die göttliche Gnade und Barmherzigkeit, Reue und Verzeihung der Sünden, Nachlaſſung der Schulden, Beſſerung des Lebens, die Gnade ſelig zu ſterben, die Vermehrung der himmliſchen Glorie, wie auch das Glück zeitlicher Nahrung, Schutz vor Unglück, Sünde und Schande, und endlich ſeinen gött⸗ lichen Segen. Alle dieſe und viele andere Gnaden iſt er bereit, allen denen, welche mit Andacht die heilige Meſſe hören, freigebig mitzutheilen, und reichlich aus⸗ zuſpenden. 18. Wenn wir aber die Weiſſagung des Iſaias beſſer erwägen, ſo finden wir noch Mehreres darin, was er uns zu unſerm Troſte geoffenbaret hat. Denn er ſagt ausdrücklich:„Daß uns ein Kind geboren, und ein Knäblein geſchenkt ſei.. Wenn denn Chriſtus in der heiligen Meſſe für uns geboren und uns geſchenkt wird, ſo iſt er ja unſer Eigenthum; ſo iſt ja Alles, was er hat, unſer Eigen; ſo iſt ja Alles, was er auf dem Al⸗ tar thut, für uns gethan. So iſt dann die Ehre, der Dank, der Dienſt, das Wohlgefallen, welches er der heiligſten Dreifaltigkeit erweiſet, unſer Eigenthum. Soll dann dieß dem Menſchen, welcher bei der heiligen Meſſe gegenwärtig iſt, nicht ein großer Troſt ſein, wenn er bedenkt, daß nicht allein die heilige Meſſe, ſondern auch Chriſtus ſelber ſein Eigenthum ſei? Wenn du nun in der heiligen Chriſtnacht im Stalle zu Bethlehem geweſen, Un wor guf die nic lle out das Bo es ver ſich die mel ve 16 ſen ſit ll zr in ſä ſd wi ber vy in in der heiligen Meſſe ſeine Geburt. 113 und das ſüßeſte Chriſtkindlein auf deine Arme ge⸗ nommen, in die Höhe gehoben, und Gott dem Vater aufgeopfert hätteſt, bittend, daß er ſich deiner wegen dieſes lieben Kindes erbarmen wolle, meinſt du denn nicht, daß er dich zu Gnaden aufgenommen, und dir alle deine Sünden verziehen hätte? Ei, ſo thue dieß ouch in der heiligen Meſſe, beſonders im Advent und zu Weihnachten. Tritt im Geiſte zum Altar, nimm das Kindlein auf deine Arme, und opfere es Gott dem Vater auf. 19. Nun iſt noch ein Punkt übrig, welcher für die⸗ ſes Kapitel ſehr merkwürdig iſt, und darum hier erklärt werden muß, nämlich, daß Chriſtus auf dem Altare nicht allein geiſtlicher Weiſe geboren wird, ſondern über⸗ dieß eine demüthige Geſtalt annimmt, worüber ſich Him⸗ mel und Erde verwundern müſſen. Die erſte Menſch⸗ werdung und Geburt Chriſti beſchreibt der heilige Pau⸗ lus mit eindringlichen Worten, und erklärt uns ſehr denkwürdig, wie Chriſtus ſich für uns ſo ſehr erniedri⸗ zet habe, indem er Philipp. 2. ſpricht:„Brüder! ſo ſollet ihr geſinnt ſein, wie auch Jeſus Chriſtus geſinnt war, welcher, da er in Gottes Geſtalt war, es für ſeinen Raub hielt, Gott gleich zu ſein; aber ſich ſelbſt mtäußerte, Knechtsgeſtalt annahm, den Menſchen gleich und im Aeußern wie ein Menſch erfunden ward. Er rniedrigte ſich ſelbſt und ward gehorſam bis zum Tode, a bis zum Tod am Krerze. 20. Dieß ſind ſehr denkwürdige und beachtens⸗ derthe Worte, womit uns der heilige Paulus die un⸗ ründliche Demuth Chriſti erklärt, und ſeine Ent,) terung vor Auzen ſtellt. Wer aber die geiſtliche Ges. urt Chriſti unter der heil. Meſſe erwägt, der findet n, Meßerklärnng. 114 Fünftes Kapitel. Chriſtus erneuert eine weit größere und unergründlichere Demuth Chriſti. Denn in ſeiner Geburt ward er doch den Menſchen gleich, und nahm die Geſtalt eines überaus ſchönen Kindes an. In der geiſtlichen Geburt aber nimmt er die Geſtalt des Brodes an, und ſcheint nichts anderes, als ein Stücklein Brod zu ſein. Ja er erniedriget und ent⸗ äußert ſich ſo ſehr, daß er ſich auch in das kleinſte Stücklein, welches man mit Augen noch ſehen kann, verbirgt, und wie ein kleines Würmlein zu ſein ſcheint. 21. O wohl eine unergründliche Demuth! wohl eine niemals erhörte Entäußerung! Von dieſer kann Chriſtus mit größtem Rechte ſagen, was David Pſalm 21. in ſeiner Perſon geſprochen hat:„Ich bin ein Wurm und kein Menſch; ein Spott der Leute und die Verachtung des Volkes.. Denn wer achtet auf ein ſolch kleines Stücklein? Wer erkennt es für ſeinen Gott? Wer erweiſet ihm göttliche Ehre und Hochachtung? Bei⸗ nahe Niemand von den Weltlichen, auch viele von den Prieſtern nicht. O wie entäußert ſich Chriſtus unter der heiligen Meſſe ſo ſehr für uns! wie beraubt er ſich ſogar ſeiner ihm gebührenden Ehre und ſeines An⸗ ſehens! Denn wo iſt jene Glorie, welche ſeinem ver⸗ herrlichten Leibe eigentlich gebühret? Wo iſt ſeine ge⸗ waltige Allmacht, welche billig von Allen angebetet wer⸗ den ſoll? Wo iſt ſeine durchlauchtigſte Majeſtät, welche den ganzen Himmel in Furcht und Zittern ſetzt? Er hat dieß Alles bei Seite geſetzt, und ſtatt deſſen eine lautere Verächtlichkeit angenommen. Denn derjenige, welcher das göttliche Wort des Vaters iſt, kann hier kein Wort reden. Derjenige, welcher den Himmel ge⸗ bauet hat, kann hier keine Hand noch einen Fuß be⸗ wegen. Derjenige, welchen die Himmel nicht begreifen hir rel ind lei hi üön ern vot ſag in Nnt dr gen ie ſc bl ſen in heil di ſi k je ſl nn in der heiligen Meſſe ſeine Geburt. 115 lönnen, wird hier von der Geſtalt der kleinſten Hoſtie umfangen, und gleichſam in ein Gefängniß verſchloſſen. Derjenige, welcher auf dem himmliſchen Throne der göttlichen Majeſtät ſitzt, liegt hier wie ein gebundenes Schlachtlamm auf dem Altare, und iſt bereit, noch ein⸗ mal für uns geiſtlicher Weiſe geſchlachtet zu werden. O wohl eine unergründliche Demuth des höchſten Herrn Himmels und der Erde! wohl eine unſchätzbare Liebe des treueſten Liebhabers der Menſchenkinder! 22. Nebſtdem unterwirft er ſich auch allen Prieſtern, und zwar nicht bloß den frommen, ſondern auch den gleichgiltigen und lauen, und übergibt ſich ſogar in ihre Hände, ſo daß ſie nach Gefallen mit ihm umgehen können. Ja, was noch mehr zu bewundern iſt, er erniedriget ſich ſo ſehr, daß er ſich auch nicht weigert, von ihnen geſegnet zu werden, da doch Paulus Hebr. 7. ſagt:„Ohne alle Widerrede aber wird, was ge⸗ ringer iſt, von dem Größern geſegnet Wie mag denn Chriſtus, welcher unendlich vornehmer iſt, als der Prieſter, von dieſem unendlich Geringern den Se⸗ gen annehmen? Und doch ſegnet der Prieſter die hei⸗ lige Hoſtie nicht allein vor der Wandlung, ſondern auch nach derſelben, wenn ſie bereits in den Leiv und das Blut Chriſti verwandelt iſt, und zwar nicht nur einmal, ſondern fünfzehnmal. O wohl eine unergründliche, wohl eine unermeßliche Erniedrigung! Als Chriſtus zum hiligen Johannes kam, um von ihm getauft zu wer⸗ den, da hielt ihn der heilige Johannes ab, indem er ſrach:„Ich ſollte von dir getauft werden, und du kammſt zu mir!? Matth. 3. Irgleichen ſollte auch ſeder Prieſter erſchrecken und ſagen:„Chriſte Jeſu! ich ſollte billig von dir geſegnet werden, und du, o höch⸗ 8* 116 Fünftes Kapitel. Chriſtus erneuert ſter Gott! willſt von mir armſeligen Sünder den Se⸗ gen empfangen.. Du darfſt zwar dieſes nicht falſch verſtehen, als ob der Prieſter als Menſch das ſegnende Kreuz über die heilige Hoſtie mache, er drückt vielmehr durch dieſes Segnen die Oberhoheit Gott des Vaters über das Opfer aus, und will dem anweſenden Volke den Zuſammenhang des Kreuzopfers mit der hl. Meſſe vor Augen ſtellen. Immerhin aber bleibt es merkwür⸗ dig, daß Gott ſich eines Menſchen bedient, um das höchſte Opfer zu ſegnen, und wir nennen es billig ein großes Wunder. Warum aber entäußert ſich Chriſtus ſo ſehr? Willſt du die Urſoche wiſſen, ſo höre und verwundere dich. 23. Eine von den vornehmſten Urſachen iſt, auf daß er durch dieſe ſeine äußerſte Erniedrigung den er⸗ zürnten Gott verſöhne, und deſſen gerechte Strafe von den Sündern abwende, weil ja kein Mittel beſſer iſt, ſeinen Feind zu verſöhnen, als ſich vor ihm zu demüthi⸗ gen, und ihn um Verzeihung zu bitten. Dieß ſehen wir an dem gottloſeſten König Achab, von welchem die hl. Schrift II. Reg. 21. uns Folgendes meldet. Als der Prophet Elias auf Gettes Befehl ihm geweiſ⸗ ſagt hatte, der Herr werde ihn und ſein Weib und ſeine Kinder wegen ſeiner ſchweren Laſter ſo hart ſtrafen, daß keines von ihnen begraben, ſondern ihre todten Leiber von den Hunden und Raben gefreſſen werden ſollten, heißt es dann von ihm:„Achab, als er dieß hörte, habe ſein königliches Kleid zerriſſen, ſeinen Leib mit einem rauhen Eillizium oder Bußkleid bedeckt, einen groben Sack angezogen, und ſei mit gebeugtem Haupte einhergezangen Da ſprach Gott zum Elios:„Haſt du geſehen, wie Achab ſich vor mir demüthiget?“ Ja e en e in der heiligen Meſſe ſeine Geburt. 117 freilich, ſprach der Prophet. Da Gott ſagte:„Weil er ſich denn meinetwegen gedemüthiget hat, ſo will ich ihm in ſeinem Leben kein Uebel zufügen, nach ſeinem Tode aber will ich mich an ſeinem Hauſe rächen.„ 24. Wenn nun der gottloſeſte König Achab, von welchem die Schrift ſagt,„daß ſeines Gleichen keiner geweſen,“ durch ſeine Demuth und Erniedrigung den ollmächtigen Gott ſo weit gebracht hat, daß er ſein Wort widerrufen, und die angedrohte Strafe von ihm abgewendet hat, was wird dann nicht die alleräußerſte Demuth Chriſti auf dem Altare bei Gott auswirken, da er ſich wegen der Sünder, welche den gerechten Gott durch ihren Hochmuth und ihre Bosheit zur Rache herausfordern, unendlich mehr demüthiget, als Achab gethan? Denn er legt ja das Kleid der Glorie von ſich, verbirgt ſich unter die Geſtalt der heiligen Hoſtie wie in einen härenen Sack, geht nicht allein mit ge⸗ beugtem Haupte, ſondern liegt auf dem Altare wie ein Würmlein, und ruft vom Grunde ſeines Herzens zu Gott dem Vater um Verzeihung der Sünden, und um Zurückhaltung der Strafen von den armen Sündern. Wird dann Gott nicht zu ſeinen Engeln ſagen, was er zu ſeinem Propheten geſagt hat:„Habt ihr nicht zeſehen, wie ſich mein Sohn vor mir gedemüthiget?. „Ja freilich,“ ſprechen die Engel,„ſehen wir das, und erſtarren beinahe über die unendliche Erniedrigung ruſers Herrn und Gottes.“ Dann wird Gott ſprechen: „Weil ſich denn mein göttlicher Sohn um der Sünder Hillen ſo ſehr entäußert, und vor mir gedemüthiget bat, ſo will ich den Sündern kein Uebel zufügen, noch ſe wegen ihrer ſchweren Sünden gebührender Maſſen afen.“ 118 Fünftes Kapitel. Chriſtus erneuert in der heil. Meſſe ꝛc. 25. Höre, o Sünder! was Gott ſpricht, und er⸗ kenne, woher es kommt, daß der gerechte Gott dir dein Leben ſo ſehr verlängert, und dich nicht ſchon längſt nach dem Maaße deiner Miſſethaten geſtraft hat. Ich meine, es kommt vornehmlich daher, weil du oft bei der heiligen Meſſe geweſen, und der Abbitte Chriſti theilhaftig geworden biſt. Dieſer hat ſich auf dem Al⸗ tare deiner angenommen, ſich anſtatt deiner vor Gott gedemüthiget, und die verdiente Strafe von dir abge⸗ wendet. Deßwegen ſei dieſem deinem Fürſprecher dank⸗ bar, und bete von ganzem Herzen zu ihm: „Lob und Ehre ſei dir, o ſüßeſter Jeſus! wegen deiner unendlichen Liebe, durch welche du dich würdigeſt in allen heiligen Meſſen vom Himmel herabzukommen, das Brod und den Wein in dein Fleiſch und Blut zu verwandeln, dich unter dieſe geringen Geſtalten zu ver⸗ bergen, durch eine ſolche unergründliche Demuth den Zorn deines gerechten Vaters zu verſöhnen, und die verſchuldeten Strafen von uns abzuwenden. Wegen dieſer unſchätzbaren Wohlthat danken wir von ganzem Herzen; wir loben, preiſen, benedeien und verherrlichen dich aus allen unſern Kräften, und bitten das himm⸗ liſche Heer, daß es zugleich mit uns dich preiſe, und was uns an Dankbarkeit abgeht, erſetzen wolle. Wir bitten auch demüthig, du wolleſt die Augen unſers Ge⸗ müthes öffnen, auf daß wir die gnadenreichen Geheim⸗ niſſe, welche du täglich in allen heiligen Meſſen er⸗ neuerſt, klar erkennen, würdig verehren, und zur Ver⸗ mehrung unſers Heiles anwenden mögen. Amen.“ ( S ——„)— — — —— —. ein i I iſi A⸗ polt ge⸗ m ſen geſt nen 30 ver⸗ di egen zen chen m un Ui ein V Sechstes Kapitel. Chriſtus erneuert in der heiligen Meſſe ꝛc. 119 Sechstes Kapitel. In der heiligen Meſſe erneuert Chriſtus ſein Leben. 1. Unter allen Dingen, welche die Angen und Ohren unterhalten, ſind die Schauſpiele, worin geſchehene Dinge lebhaft dargeſtellt werden, nicht die geringſten. Denn daran haben die eitlen und vorwitzigen Leute ſolches Vergnügen, daß ſie bei Tag und Nacht den⸗ ſelben beiwohnen, und dieſelben mit baarem Gelde er⸗ kaufen. Wenn wir die großen Geheimniſſe der heiligen Meſſe recht betrachten, und uns lebhaft vorſtellen würden, wie Chriſtus, gleichſam mit Freudenkleidern angethan, hervortritt, alle Geheimniſſe ſeines wunder⸗ baren Lebens uns vorführt, und wiederum erneuert, ſo würden wir gewiß beim erſten Glockenzeichen der Kirche zueilen, und mit größter Begierde dieſem lieblichen Schauſpiele beiwohnen; vornehmlich aus jenem Grunde, welchen Sanchez in Thesaur. Missae. c. 1. anführt, indem er ſagt:„Weil die Verdienſte unſers Erlöſers in dieſem heiligen Schauſpiele uns unentgeltlich geſchenkt und zugeeignet werden.“ Nun aber iſt es ſehr zu ver⸗ wundern und zu beklagen, daß, ungeachtet wir den Komödianten Geld geben müſſen, wir dennoch ihrem Spiele lieber beiwohnen, und mit ſolchen Narrenpoſſen die edle Zeit verlieren, als daß wir dieſelbe Zeit mit Anhörung der heiligen Meſſe verwenden, da uns doch, anch wenn wir nur andächtige Zuſchauer ſind, eine reichliche Belohnung gegeben wird. 2. Du könnteſt aber ſagen: Es iſt kein Wunder, daß die vorwitzigen Leute lieber zur Komödie, als zur 120 Sechstes Kapitel. Chriſtus erneuert heiligen Meſſe eilen, weil in jener viele luſtige Dinge vorgeſtellt werden, während in der heiligen Meſſe nichts zu vernehmen iſt, was die Ohren kitzelt oder die Augen blendet. O wohl eine große Blindheit der eitlen Men⸗ ſchen, welche keine andern Augen, als nur die unter der Stirne haben, in ihrem Gemüthe aber ganz er⸗ blindet ſind. Denn wenn ſie in demſelben die Augen des Glaubens hätten, ſo würden ſie vielerlei herzliche Freuden unter dieſem heiligen Schauſpiele empfinden. Denn„die heilige Meſſe iſt ein kurzer Inbegriff des ganzen Lebens Chriſti, und eine Erneuerung aller ge⸗ ſchehenen Geheimniſſe,“ und nicht allein eine bloße und erdichtete Vorſtellung dieſer geſchehenen Dinge nach Weiſe der Komödien, ſondern eine wirkliche und wahrhafte Wiederholung deſſen, was Chriſtus auf Erden gethan und gelitten hat. 3. Denn in der heiligen Meſſe haben wir dasſelbe Kindlein, welches die Hirten in Windeln gefunden ha⸗ ben, in noch geringeren Windeln, nämlich unter den Geſtalten von Brod und Wein. Den drei Königen ward das Kindlein zur Anbetung vorgeſtellt, und dem Simeon auf ſeine Arme gelegt; wir haben dasſelbe auf dem Altare liegend, um es andächtig anzubeten, und mit den Armen der Liebe brünſtiglich zu umfan⸗ gen. Unter der heiligen Meſſe hören wir das heilige Evangelium predigen; wiewohl dieß durch den Mund des Prieſters geſchieht, ſo nützt es uns dennoch nicht weniger, als wenn wir es aus dem Munde Chriſti ſelbſt gehört hätten. Wir ſehen ihn hier auch ein weit größeres Wunder wirken, als zu Kana in Galiläa; denn er hat alldort Waſſer in Wein, hier aber Wein in ſein heiliges Blut verwandelt. Unter der heiligen 6 ſe te n ſü eit in der heiligen Meſſe ſein Leben. 121 Meſſe erneuert er auch ſein letztes Abendmahl, und conſekrirt hier Brod und Wein eben ſowohl, als er es damals gethan hat. Unter der heiligen Meſſe wird er nochmal geſchlachtet, aber nicht durch die Hände der gottloſen Schergen, ſondern durch die Hände der ge⸗ weihten Prieſter, die ihn dem allmächtigen Gott als Verſöhnungsopfer darbringen. Hierüber ſpricht P. San⸗ chez in Thesau. Missae. c. 2. folgende denkwürdigen Worte:„Wer nun hieraus Nutzen ſchöpfen will, der kann eben ſowohl bei der heiligen Meſſe Verzeihung ſeiner Sünden und Erwerbung der himmliſchen Gaben empfangen, als wenn er bei allen dieſen Geheimniſſen zur Zeit des Heilandes ſelbſt perſönlich gegenwärtig ge⸗ weſen wäre.“ Daraus erhellt, wie heilſam die heilige Meſſe ſei, und wie viel jeder Menſch dabei verdienen köune. 4 Laßt mich nun anführen, auf welche Weiſe der ſelige Dionyſius Carthuſianus die Erneuerung der Ge⸗ heimniſſe des Lebens Chriſti bei der heiligen Meſſe auslegt. Er ſpricht de vita curat art. 16. alſo: „Das ganze Leben Chriſti, welches er auf dieſer Welt zugebracht hat, iſt nur ein einziges hohes Amt der hei⸗ ligen Meſſe geweſen, in welchem er ſelbſt der Altar, der Tempel, der Prieſter und das Opfer war.“ 5. Mit den prieſterlichen Kleidern hat er ſich an⸗ gekleidet in der heiligſten Sakriſtei des mütterlichen Leibes, indem er unſer Fleiſch angenommen, und das Kleid unſrer Sterblichkeit angezogen hat. Aus dieſer Sakriſtei iſt er in der heiligen Chriſtnacht hervorge⸗ zangen, und hat den Introitus oder Meß Eingang an⸗ zefangen, da er in die Welt eintrat. Das Kyrie eleison hat er geſungen, als er in der Krippe liegend 122 Sechstes Kapitel. Chriſtus erneuert ſeine Händlein nach Hilfe ausſtreckte. Das Eloria in excelsis haben die Engel zum Orgeltone der Nacht⸗ lüfte auf dem Wolkenchore des Himmels ſtehend ge⸗ ſungen, während der Prieſter, nämlich das Kindlein, ruhig im Stolle geblieben. Die Collecte hat Chriſtus gebetet, als er die Nacht im Gebete zubrachte, und die göttliche Barmherzigkeit über uns angerufen. Die Epiſtel hat er geleſen, da er Moſes und die Prophe⸗ ten erklärte und auf ihre Verkündigungen hinwies. Das Evangelium hat er geſungen, da er im jüdiſchen Lande herumgegangen, und ſein heiliges Evangelium gepre⸗ diget. Das Offertorium hat er angeſtellt, da er ſich täglich Gott dem Vater zur Erlöſung der Menſchen auf⸗ geopfert, und Alles zu leiden ſich angeboten. Die Prä⸗ fation hat er geſungen, da er ſtatt unſer die Gottheit unaufhörlich gelobt, und für die erzeigten Wohlthaten derſelben Dank geſagt. Das Sanctus hat das heb⸗ räiſche Volk am Palmſonntage angeſtimmt, da es ge⸗ rufen:„Gebenedeit ſei, der da kommt im Namen des Herrn, Hoſanna in der Höhe!“ Die Conſekration hat er beim letzten Abendmahle, da er Brod und Wein in ſeinen Leib und ſein Blut verwandelt, rorgenommen. Die Aufhebung iſt geſchehen, als er an das Kreuz genagelt, in die Höhe gehoben, und aller Welt zum Schauſpiele vorgeſtellt worden. Das Pater noſter hat er gebetet, als er die ſieben Worte am Kreuze ge⸗ ſprochen. Die Zerbrechung der Hoſtie iſt geſchehen, da ſeine allerheiligſte Seele von ſeinem gebenedeiten Leibe abgeſchieden. Das Agnus Dei hat der Haupt⸗ mann mit ſeiner Rotte geſungen, als ſie an ihre Bruſt ſchlugen und ſprachen:„Fürwahr, dieſer iſt Gottes Sohn.“ Die heilige Kommuuion iſt geſchehen, als der in der heiligen Meſſe ſein Leben. 123 Leichnam geſalbt, und in das Grab gelegt worden. Den Segen am Ende der heiligen Meſſe hat er gege⸗ ben, als er gen Himmel fahrend auf dem Oelberge ſeine Jüngee mit erhobenen Händen geſegnet hat. 6. Siehe, das iſt das hohe Amt und die lange Meſſe, welche Chriſtus auf Erden celebrirt hat, und welche ſeine Apoſtel und Prieſter gleichfalls, nur viel kürzer, tag⸗täglich celebriren. Darüber ſpricht Borne⸗ rus in Miserere conc. 80. alſo:„Die heilige Meſſe iſt ein kurzer Inbegriff des Lebens Chriſti, in welcher uns in einer halben Stunde vorgeſtellt wird, was Chri⸗ ſtus in den drei und dreißig Jahren verrichtet hat.“ Denn gleichwie ein Rentmeiſter in ſeinem Rechnungs⸗ buche ausführlich beſchreibt, wie viel er ausgegeben und eingenommen habe, und zu Ende des Buches alle dieſe Summen zuſammenzieht, und eine Suminn Summarum daraus macht, auf gleiche Weiſe werden alle Geheim⸗ niſſe des Lebens und Leidens Chriſti in der heiligen Meſſe zuſammengezogen, und uns in einer kurzen Summa Summarum vor Augen geſtellt. So ſind wir denn eben ſo glücklich, wo nicht glücklicher, als jene, welche mit Chriſtus auf Erden herum gewandert ſind. Denn ſie haben nur eine einzige, und zwar ſehr lange Meſſe gehört und geſehen, wir aber können täglich viele heil. Meſſen hören, und mit geringer Mühe die Früchte des ganzen Lebens Chriſti erwerben. Auf daß wir aber noch klarer erkennen, daß Chriſtus alle Geheimniſſe ſeines Lebens unter der heiligen Meſſe erneuert, ſo will ich hievon ein merkwürdiges Beiſpiel erzählen. 7. Thomas von Cantiprat, Weihbiſchof zu Groß⸗ Kammern, ſchreibt, daß ein Prieſter, als er im J. 1267 zu Duay in den Niederlanden zur öſterlichen Zeit in — —— S—. 124 Sechstes Kapitel. Chriſtus erneuert der Kirche des heiligen Amatus unter der Meſſe die Kommunion austheilte, geſehen habe, daß eine heilige Hoſtie in dem Staube der Erde liege. Hierüber er⸗ ſchrack er vom Herzen, nicht wiſſend, wie dieß geſchehen ſei, fiel auf ſeine Knie, und wollte dieſelbe mit Ehrer⸗ bietung aufheben. Da ſah er aber mit großer Ver⸗ wunderung, wie dieſelbe ſich ſelbſt von der Erde erhob, und in der Luft ſchwebte Er hatte nur ein einziges Korporale bei der Hand, worauf das Ciborium ſtand; deßwegen nahm er das Purificatorium, womit man den Kelch austrocknet, in die Hände, hielt es unter die heilige Hoſtie, und fing dieſelbe damit auf. Alsdann trug er ſie mit Freuden auf den Altar, kniete demüthig davor nieder, und bat Chriſtus um Verzeihung wegen der Unehre, welche ihm geſchehen war. Eben damals, als er das hochwürdige Sakrament ſtarrend anſchaute, ſah er mit größter Verwunderung, daß die Geſtalt der heiligen Hoſtie verſchwand, und ſich in die Geſtalt eines holdſeligen Kindleins verwandelte. Vor großer Empfindſamkeit des Herzens fing er an auszurufen, daß alle Chorherren aus dem Chore eilten, und dem Prieſter zu Hilfe kommen wollten. Hier ſahen alle die Geſtalt eines ſchönen Kindleins, und wurden da⸗ durch ſo ſehr bewegt, daß ſie vor lauter Freude ſich nicht faſſen konnten. Das ganze Volk, welches in der Kirche war, eilte hinzu, das große Wunder zu beſchauen, und der Gegenwart Chriſti verſichert zu werden. Siehe aber, ein neues Wunder! Wiewohl die Chorherrn ein Kind ſahen, ſo konnten dennoch die Weltlichen dasſelbe nicht ſehen, ſondern ſahen ſtatt deſſen Chri⸗ ſtum in ſeiner männlichen Geſtalt und in ſeiner gött⸗ lichen Majeſtät. Was für ein Schrecken und Erſtaunen ſie noe ech Ch her und hol wir nun leib 309 Ho der biſ ver Du Am der ſin nit int eite nil nic mi in der heiligen Meſſe ſein Leben. 125 ſie überfallen habe, konnten ſie ſich ſelber nicht ſagen, noch deſſen all ihr Lebtag vergeſſen. Aus Ehrerbietung ſchlugen ſie vielmal ihre Augen zu Boten, bald aber erhoben ſie dieſelben, ihn anzuſchauen, ſo lange ſich Chriſtus ſehen ließ, was zum größern Beweis dieſer herrlichen Erſcheinung eine ganze Stunde andauerte. Velche Anmuthungen ſie in ſelber Stunde erweckt, und welche Süßigkeit ſie in ihrem Herzen empfunden haben, wer will es erklären! O Gott, hätten auch wir die Gnade gehabt, ſolches zu ſehen! Nachdem nun der Zulauf groß geworden, und Chriſtus ſeine leibliche Geſtalt nach einer Stunde ihren Augen ent⸗ zogen hatte, da verſchloß der Prieſter die hochwürdige Hoſtie im Tabernakel, und das Volk breitete das Wun⸗ der aller Orten aus. Als der oben gemeldete Weih⸗ biſchof, welcher die Geſchichte beſchrieben, das Wunder vernommen, reiste er von Groß⸗Kammern zur Stadt Duay, kam zum Dekan der Stiftskirche des heiligen Amatus, und fragte ihn, ob die Sage, welche er von der Erſcheinung Chriſti gehört hatte, wahr ſei. Der Dekan ſprach:„Es iſt wahr, daß Chriſtus in der heiligen Hoſtie von Vielen nicht allein iſt geſehen wor⸗ den, ſondern daß er noch wirklich von vielen in ſeiner nenſchlichen Geſtalt geſehen wird. Da entſtand in mir, ſchreibt der Weihbiſchof, eine große Begierde, Chri⸗ ſum zu ſehen, und ich bat den Herrn Dekan, daß er mir auch die hochwürdige Hoſtie zeigen möchte. Er ging mit mir zur Kirche, und zugleich mit uns ging eine große Menge Volkes, hoffend, Chriſtum noch ein⸗ mal zu ſehen. Der Dekan eröffnete den Tabernakel nicht ohne Schrecken, nahm das hochwürdige Sakrament mit großer Ehrerbietung heraus, und gab dem Velke 126 Sechstes Kapitel. Chriſtus erneuert den Segen mit demſelben. O Wunder! das Volk er⸗ hob ſeine Stimme, brach in Schluchzen aus und ſchrie: „O Jeſus! o Jeſus!“ Ich fragte, was das Schreien und Weinen bedeute, und ſie ſagten:„Wir ſehen unſern lieben Heiland mit leiblichen Augen.“ Ich aber konnte nichts anders ſehen, als nur die Geſtalt der heiligen Hoſtie, deßwegen ward ich ſehr betrübt, und glaubte, daß ich wegen meiner Sünden nicht würdig erachtet würde, meinen Erlöſer anzuſchauen. Ich erforſchte mein Gewiſſen gar genau, und als ich nichts Merkliches fand, bat ich Chriſtum mit weinenden Augen, daß er mich auch würdigen wolle, ſein liebes Angeſicht mit leiblichen Augen anzuſchauen. Nach meinem inſtändigen Gebete ward mir meine Bitte gewährt, und ich ſah mit mei⸗ nen unwürdigen Augen, nicht die Geſtalt eines Kindleins, wie viele von dem Volke ſahen, ſondern ich ſah die leibliche Geſtalt eines vollkommenen Mannes. Ich ſah Chriſtum ganz klar von Angeſicht zu Angeſicht; ſeine Augen waren überaus klar und lieblich, ſein Haar floß vom Haupte auf die Schultern, ſein Bart war ziem⸗ lich lang und unter dem Kinn etwas gekrümmt; ſeine Stirne war glatt und breit, ſeine Wangen blaß, und ſein Haupt ein wenig geneigt. In dieſer ſchönen Ge⸗ ſtalt ſah ich meinen Heiland Jeſus Chriſtus eine gute Weile an, und ward von dieſem freudigen Anſchauen ſo ſehr bewegt, daß mein Herz vor Größe der Liebe und Süßigkeit faſt verging. Nachdem ich eine lange Weile der Freude dieſes lieblichen Wunders genoſſen hatte, da veränderte ſich die leibliche Geſtalt des Ange⸗ ſichtes Chriſti in eine betrübte Geſtalt, und ich ſah ihn, wie er in ſeinem bitteren Leiden geweſen, nämlich mit einer Dornen⸗Krone gekrönt, und mit häufigem Blute, das dieſ her nen nem die voll ed Beſ in hin and nor Be An Ruf ten da lb. unn hol hieſ Und hit hub Vi nie gl in der heiligen Meſſe ſein Leben. 127 das von ſeiner Stirne über ſein Angeſicht floß. Durch dieſen jammervollen Anblick ward ich zu einem ſolch herzlichen Mitleiden bewegt, daß ich heiße, bittere Thrä⸗ nen weinte, und das ſchmerzliche Leiden Chriſti in mei⸗ nem Innern betrauerte. Es kam mir vor, als ob ich die ſpitzen Dörner aus der Krone Chriſti in meinem Haupte fühlte, als ob mir durch deren ſchmerzliche Stiche Wunden zugefügt würden. Auch das gegenwärtige Volk vollführte ein verwirrtes Geſchrei und Leidweſen, ein Jeder auf eine beſondere Weiſe, wie ein Jeder etwas Beſonderes ſah und beſchaute. Denn einige ſahen ihn in demſelben Augenblicke in der Geſtalt eines lieben Kindleins, einige in Geſtalt eines ſchönen Knäbleins, andere in der Geſtalt eines erwachſenen Jünglings, andere in Geſtalt eines wohlgebildeten Mannes, und endlich noch andere ſahen ihn in ſeinem Leiden. Was für Bewegungen ſie aber in ihrem Herzen empfunden, welche Anmuthung ſie erweckt, was für Gefühle ſie durch ihr Rufen ausgedrückt, und wie viel ſüße und bittere Zäh⸗ ren ſie geweint haben, mag ein Zeder ſelbſt erachten, da es mir unmöglich iſt, dieß zu beſchreiben. Cantip. lib. Apom. cap. 40. parte 2. 8. O wohl ein ſchönes, wohl ein liebes, wohl ein anmuthiges und tröſtliches Beiſpiel! O wäre ich da⸗ mals auch zu Duay geweſen! hätte auch ich die Gnade dieſes frommen Volks gehabt, daß ich meinen Gott und Heiland mit meinen Augen in ſo vielerlei Geſtalten hätte ſehen können! O welche Freude würde ich ge⸗ habt, welche Süßigkeit würde ich empfunden haben! Wiewohl ich dich aber, o Jeſus! in der heiligen Hoſtie riemals in deiner leiblichen Geſtalt geſehen habe, ſo glaube ich es dennoch feſt, daß du wahrhaft darin ge⸗ 128 Sechstes Kapitel. Chriſtus erneuert genwärtig biſt, und deinem himmliſchen Vater alle Ge⸗ ſtalten, welche du auf Erden gehabt, lebhaft vor Augen ſtelleſt. Daß dir dieß zu thun ſei, erkenne ich aus deiner Allmacht, der ja alles möglich iſt. Auch ich kann dich in deiner Glorie, oder in deinem Leiden und Sterben ſehen, wenn nur mein Auge, der Glaube, geſund iſt, je nachdem ich Schmerzen oder Freuden mit dir theilen will. Denn gleichwie du dich, wenn du willſt, den leiblichen Augen ſichtbar zeigſt, ſo haſt du von Anfang an gewollt, daß dich deine Gläubigen je⸗ derzeit mit dem geiſtigen Auge ſchauen könnten bei jeg⸗ licher heil. Meſſe, da du ja dein Leben und Leiden deinem himmliſchen Vater, dem heil. Geiſte, deiner lieben Mutter, allen Chören der Engel, und allen Schaaren der Heiligen ſo klar vorſtellſt, als wenn Alles wirklich wiederum geſchähe. 9. Chriſtus zeigt ihnen die Geſtolt, in welcher er im Mutterleibe und in der Krippe gelegen, wie er be⸗ ſchnitten und im Tempel geopfert worden, wie er nach Aeghypten geflohen, und ein zweijähriges Elend gelitten; wie er gefaſtet und geprediget hat und wie er herum⸗ gereist iſt; wie er verfolgt, verkauft, verrathen, verklagt, gegeißelt, gekrönet, gekreuziget, getödtet und begraben worden; wie er auferſtanden, gen Himmel gefahren, und ſein Leben und Leiden geendiget hat. Mit dieſer leb⸗ haften Vorſtellung und wahren Erneuerung ſeines hei⸗ ligſten Lebens und Leidens macht er Gott dem Vater und dem heiligen Geiſte, wie auch dem ganzen himm⸗ liſchen Heere keine geringere Freude, als er ihnen durch dieſelben Geheimniſſe bei ſeinen Lebzeiten gemacht hat. Deßwegen empfängt der Himmel durch jede heil. Meſſe unveigleichlich größere Freude und Wonne, als von ir⸗ gend einem Dinge oder guten Werke dieſer Welt. haſt Chr gen V⸗ heil lor gan Ve ine Wir lob welc tif Go mi zus in us ſe dir Jul lnd ſicht ſin ſnd M ſich Nac Feu un in der heiligen Meſſe ſein Leben. 129 10. Dieſe Freude entſteht nicht bloß aus der leb⸗ haften Vorſtellung des erneuerten Lebens und Leidens Chriſti, ſondern auch aus den Affekten und Anmuthun⸗ gen, welche die Menſchheit Chriſti unter der heiligen Meſſe gegen die Gottheit erzeiget. Denn nnter allen heiligen Meſſen ehret, lobet, liebet, danket, dienet und glorifizirt Chriſtus die allerheiligſte Dreifaltigkeit aus ganzer Kraft ſeiner Gottheit, aus ganzer Macht ſeiner Menſchheit, und aus ganzem Grunde ſeines Herzens auf eine ſo hohe und unbegreifliche Weiſe, daß dieſe ſeine Wirkungen des Lebens und der Liebe ꝛc. alles Lieb und Lob der Engel, und alle Ehre und Dienſte der Heiligen, welche ſie ihm auf Erden geleiſtet haben, unendlich über⸗ trifft. Daraus kann man abnehmen, was für ein hoher Gottesdienſt die heilige Meſſe ſei, wie viel man ſowohl mit dem Meſſeleſen, als mit dem Meſſehören bei Gott auswirken könne. Die übrigen Dienſte, welche Chriſtus in der heiligen Meſſe ſeinem Vater leiſtet, werden unten ausführlich erklärt werden. 11. Am Ende dieſes Kapitels erwäge nun, wie viel die heilige Meſſe uns nütze, und welch' große Verdienſte wir dadurch erwerben können. Chriſtus unſer treueſter Vater hat drei und dreißig Jahre auf Erden gearbeitet, und einen überreichen Schatz von Verdienſten geſammelt, nicht zwar für ſich, ſondern für uns, ſeine armen Kinder. Er läßt aber noch nicht nach zu arbeiten, ſendern fährt immer fort, wie er ſelbſt bezeugt Ioh. 5: »Mein Vater wirket bis jetzt, und ich wirke auch,“ richt daß er mehr verdiene, ſondern daß er uns fähiger wache, ſeine Verdienſte zu empfangen. Deßwegen er⸗ ntuert er in allen heiligen Meſſen ſein heiliges Leben, und verrichtet in jeder heiligen Meſſe, was er in drei Cochem, Meßerklärung. 9 130 Siebentes Kapitel. Chriſtus erneuert und dreißig Jahren vollbracht hat. Dieß ſtellt er ſei⸗ nem Vater ror Augen, auf daß er ihn uns verſöhne. Mit dieſem erfreut er ſeinen Vater, auf daß er ihm den Unwillen, welchen er wegen unſerer Sünden gefaßt hatte, benehme. Dieß Alles opfert er ſeinem Vater, um unſere Schulden zu bezahlen, und wenn wir bei der heil. Meſſe ſind, ſo ſchenkt er uns dieß je nach unſerer Fähigkeit, auf daß wir dadurch unſere Strafen abkürzen. 12. So danke denn deinem treueſten Freunde, der ſo viel für dich gearbeitet, und einen ſo reichen Schatz für dich geſammelt hat! Ei, ſo erkenne denn ſeine red⸗ liche Meinung, weil er dieſen theuern Schatz täglich gleichſam unentgeldlich anbieten, und ihn dir ſchenken will! So verſäume denn nicht, täglich in die heilige Meſſe zu gehen, und durch eine ſo geringe Mühe einen großen Theil dieſes Schatzes zu erheben, und dir anzueignen! Wenn du in zeitlichen Dingen ſo leicht reich werden könnteſt, als an deiner Seele, ſo würdeſt du gewiß keine Mühe ſparen, noch eine Zeit verſäumen; wie magſt du dann, um die ewigen Reichthümer zu erwerben, ſo über⸗ aus ſaumſelig ſein, und dieſen unendlichen Schatz ſo nachläſſig verlieren? Gott wolle deine Blindheit er⸗ leuchten, deine Trägheit ermuntern, und dir einen neuen Eifer zu dem nützlichen Meſſehören eingießen. Amen. Siebentes Kapitel. In der heiligen Meſſe erneuert Chriſtus ſein Bebel. 1. Der liebreiche Jünger Chriſti, der heilige Jo⸗ hannes, ſpricht in ſeiner erſten Epiſtel cap. 2 dieſe Vo eſ ſöhr Ver drüe bein dige dieß lehr zuch emp lis Me den jen ich und uft und woll ſhe 00 ſ Nn wah Uhs in der heiligen Meſſe ſein Gebet. 131 Worte:„Wir haben einen Sachwalter bei dem Vater, Jeſum Chriſtum den Gerechten und dieſer iſt die Ver⸗ ſöhnung für unſere Sünden.“ Iſt das nicht eine theuere Verſicherung unſers Heils, da die heilige Schrift aus⸗ drücklich ſagt, daß der Sohn Gottes ſelbſt der Beiſitzer beim göttlichen Gerichte, der wahre Advokat der Leben⸗ digen und Todten, unſer Sachwalter und Fürbitter ſei. 2. Hier iſt aber die Frage: wann und wo Chriſtus dieß Amt verrichte? Die katholiſche Kirche glaubt und lehrt, daß Chriſtus nicht allein im Himmel, ſondern auch auf Erden für uns bitte, und uns der Gottheit empfehle. Dieß bezeugt der gelehrte Suarez Tom. 3. disp. 79 sect. 2., indem er ſpricht:„So oft das Meßopfer dargebracht wird, ſo oft bittet Chriſtus für denjenigen, welcher das Meßopfer darbringt, ſo wie für jene, für welche es geopfert wird.. Chriſtus bittet näm⸗ lich für den Prieſter, welcher die heilige Meſſe liest, und für die Leute, welche die heilige Meſſe mit ihm aufopfern, ſowie auch für Alle, für welche der Prieſter und die Leute die heilige Meſſe namentlich darbringen wollen. 3. Auf welche Weiſe Chriſtus für ſie bittet, be⸗ ſchreibt der heilige Laurentius Juſtinianus Serm. de corp. Christi alſo:„Wenn Chriſtus auf dem Altare geſchlachtet wird, ſo ruft er zu ſeinem Vater, und zeigt ihm ſeine leiblichen Wunden, auf daß er die Menſchen durch ſein eifriges Gebet vor der ewigen Strafe be⸗ wahren wolle.“ Das ſind fürwahr ſchöne Worte, welche uns anzeigen, wie treulich der liebe Jeſus für uns bit⸗ ſet, und wie eifrig er ſich unſerer Sache annehme. Auf Erden hat er ſich unſers Heils eifrig angenommen, ſo uß er manche lange Nacht ohne Schlaf im ſteten Gebete 132 Siebentes Kapitel. Chriſtus erneuert zugebracht hat, wie der heilige Lukas mit ausdrücklichen Worten bezeugt, indem er Kap. 6. ſpricht:„Er ging hinaus auf einen Berg, und verharrte die ganze Nacht im Gebete vor Gott.. Daß dieß nicht nur Einmal, ſondern öfters geſchehen ſei, iſt aus dem heiligen Lukas abzunehmen, da er Kap. 21. ſpricht:„Bei Tag lehrte er im Tempel, des Nachts aber ging er hinaus, und hielt ſich auf dem ſogenannten Oelberge auf Und im 22. Kap. ſetzt er hinzu:„Er ging gegen Abend nach ſeiner Gewohnheit hinaus auf den Oelberg.“ Aus die⸗ ſen Worten iſt abzunehmen, daß der liebe Jeſus es im Gebrauche gehabt, des Nachts auf den Oelberg zu gehen, und unter freiem Himmel im Gebete zu verharren. Um was, oder für wen, meinſt du wohl, hat er ge⸗ betet? Der heilige Ambroſius Lib. 3. in Luc. ſagt: „Der Herr betete nicht, um für ſich zu flehen, ſondern um für mich etwas zu erhalten.“ Nicht für ſich, ſon⸗ dern für mich, und für dich, und für alle Menſchen hat der treue Heiland manche Nacht im Gebete zugebracht, auf daß er uns vor dem ewigen Verderben bewahren möchte, wie der heilige Laurentius Juſtinianus ſagt. Weil Chriſtus vorherſah, wie viel Millionen Menſchen, für welche er den bittern Tod litt, verloren gehen wür⸗ den, darum trieb ihm der Untergang dieſer Seelen viele tauſend Zähren aus ſeinen milden Augen, und viele tauſend Seufzer aus ſeinem mitleidigen Herzen. 4. All dieſe eifrigen Gebete, welche unſer treuer Hei⸗ land auf Erden geſprochen hat, erneuert und wiederholt er in jeder heiligen Meſſe, wie in einer kurzen Summe, und ſtellt dieſelben Gott dem Vater ſo klar vor Augen, als wenn er ſie alle noch einmal ſpräche. Ingleichen zeigt er ihm auch die heißen Zähren, welche er für das Hei in Mu wel Si das Hei Me und der Go ber mu ſpr hir wie ig le dan ie das der tu heh 6h hel ſil un h h in der heiligen Meſſe ſein Gebet. 133 Heil ſeiner Kinder geweint hat; er zählet ihm vor die herzlichen Seufzer, welche für die Sünder aus ſeinem Munde gekommen, und rechnet ihm dar die vielen Nächte, welche er im Wachen und Beten für die Erhaltung der Sünder zugebracht hat. Dieß Alles opfert er zwar für das Heil der ganzen Welt, vornehmlich aber für das Heil eines jeden Menſchen, welcher bei der heiligen Meſſe gegenwärtig iſt. Nun bedenke, wie heilig, wie andächtig und wie kräftig das Gebet ſein müſſe, welches der Heilige aller Heiligen, Chriſtus Jeſus, der Sohn Gottes, in eigener Perſon aus der ganzen Kraft ſeiner vergöttlichten Menſchheit ſpricht. O Gott, wie heilſam muß dieß Gebet jenen Seelen ſein, für welche es ge⸗ ſprochen wird! wie angenehm muß dieß Gebet dem himmliſchen Vater ſein, an welchen es gerichtet iſt: Gott, wie wohlgefällig muß dieß Gebet der heiligſten Dreifal⸗ tigkeit ſein, der es als ein Opfer dargebracht wird! 5. Ferner wiſſe, daß Chriſtus auf dem Altare für olle Gegenwärtigen nicht blos bittet, ſondern ſich auch, damit ſeine Bitte deſto kräftiger ſei, für deren Heil der Gottheit opfert. Wie hoch, wie mächtig, wie kräftig dieſe Aufopferung ſei, wer will das erkennen? wer will das ergründen? wer will das erklären? Höre Wun⸗ der, was hievon in der Offenbarung der heiligen Ger⸗ trud Lib. 2. c. 62. geſchrieben ſteht:„Bei der Auf⸗ hebung der heiligen Hoſtie ſah die heilige Gertrud, wie Chriſtus ſein ſüßeſtes Herz in Geſtalt eines goldenen Felches mit eigenen Händen aufhob, ſeinein Vater vor⸗ ſiellte, und ſich ſelbſt auf eine ſo unausſprechliche und enſchätzbare Weiſe für ſeine Kirche ſchlachtete, daß keine Kreatur dieß zu begreifen auf irgend eine Weiſe er⸗ Cangen kann.“ 134 Siebentes Kapitel. Chriſtus erneuert 6. Beachte doch um Gottes willen, welch hohes Geheimniß die heilige Meſſe ſei. Merke und beherzige, welches hochwichtige göttliche Opfer ſie ſei. Sieh' und erſtaune, auf welch' unergründliche Weiſe unſer ſüßeſter Heiland in jeder heiligen Meſſe ſich ſeinem Vater für das Heil ſeiner Rechtglänbigen aufopfert, ja geiſtlicher Weiſe ſchlachtet, welch' hohe Weiſe zu opfern kein Menſch, kein Heiliger, kein Engel, ja nicht einmal die Mutter Gottes ſelbſt völlig ergründen kann. Um ſein Wort noch mehr zu erklären und zu bekräftigen, hat Chriſtus der ſeligen Mechtildis, der Schweſter der heil. Gertrud, Nachfolgendes geoffenbaret Lib. 2. c. 31.:„Ich allein weiß und erkenne vollkommen, wie ich mich täglich auf dem Altare Gott dem Vater aufopfere für das Heil der Gläubigen, was weder Cherubine noch Seraphine, noch alle himmliſchen Kräfte vollkommen ergründen können.“ Aus dieſen ſehr merkwürdigen Worten kannſt du ab⸗ nehmen, wie eifrig und kräftig der liebe Jeſus auf dem Altare für ſeine Gläubigen, vornehmlich aber für die Gegenwärtigen, nicht allein bitte, ſondern auch ſich ſelbſt auf eine ſolch unbegreifliche und hohe Weiſe aufopfere, daß die höchſten himmliſchen Geiſter dieß nicht vollkom⸗ men zu verſtehen vermögen. O was iſt dieß für eine Gnade! was iſt dieß für ein großes Heil! 7. Neben all dieſem iſt noch wohl zu beachten, daß Chriſtus unter der heiligen Meſſe ſich nicht aufopfere in der Mojeſtät, in welcher er im Himmel iſt, ſondern in ſolcher Demuth und Erniedrigung, dergleichen keine zu finden iſt. Denn auf dem Altare iſt er nicht allein unter den Geſtalten der Hoſtie, ſondern auch im klein⸗ ſten Stücklein, welches von der heiligen Hoſtie abfällt, wahrhaft und weſentlich gegenwärtig. In einer ſo kleinen h er ſeil hin unt Nie bül ken nie dai ꝙ in der heiligen Meſſe ſein Gebet. 135 Partikel erſcheint er ſo unanſehnlich, ſo verächtlich, daß er mit Wahrheit von ſich ſagen kann, was David in ſeiner Perſon von ihm Pſalm 21. geſprochen hat:„Ich bin ein Wurm und kein Menſch, ein Spott der Leute und eine Verachtung des Volkes,“ weil nämlich beinahe Niemand einem ſo kleinen geweihten Partikel die ge⸗ bührende Ehre erzeigt, noch dieſelbe als ſeinen Gott er⸗ kennt und anbetet. 8. In ſolch kleiner Geſtalt in dieſer äußerſten Er⸗ niedrigung ruſt er vom Altare zur Gottheit in den hohen Himmel hinauf, mit einer ſo allmächtigen Stimme, daß ſie die Wolken zertheilt, die Himmel zerbricht, und das Innere der göttlichen Barmherzigkeit durchdringt. Von dem Könige in Ninive leſen wir beim Propheten Jonas Kap. 3.:„Daß, als er vernommen, die Stadt ſolle nach vierzig Tagen untergehen, er von ſeinem Throne aufgeſtanden, ſein königliches Kleid hinweggewor⸗ fen, einen härenen Sack angelegt, und allem Volke be⸗ fohlen habe, daß ſie aus ganzer Macht zu Gott rufen ſollten.. Durch dieſe ſeine Demuth und Bußfertigkeit hat er ſo viel ausgewirkt, daß Gott ſein Urtheil wider⸗ rufen, und der boshaften Stadt geſchont hat. Wenn nun dieſer heidniſche König durch ſeine Erniedrigung Gnade für ſeine Stadt erlangt hat, was wird dann ber liebe Jeſus, welcher bei der heiligen Meſſe viel mehr thut, vom gütigen Gott nicht Alles erhalten? Denn er ſteht auf von ſeinem königlichen Throne, wirft ſeine Majeſtät gleichſem hinweg, ſteckt ſich in einen härenen Sack unter die Geſtalten der heiligen Hoſtie, und fleht zu dem allmächtigen Gott um Barmherzigkeit für ſein Volk, indem er ſpricht: 9. O lieber himmliſcher Vater! ſieh an dieſe meine 136 Siebentes Kapitel. Chriſtus erneuert äußerſte Demuth und tiefſte Erniedrigung, da ich mich vor dir ſo ſehr demüthige, daß ich mehr einem Wurm, als einem Menſchen gleich zu ſein ſcheine. Dieß thue ich wegen der armen Sünder und Sünderinnen, auf daß du ihnen verzeihen und ſie verſchonen wolleſt. Sie haben ſich wider dich erhoben, ich aber demüthige mich vor dir. Sie haben dich mit ihren Sünden erzürnt, ich aber will dich mit meiner Demuth verſöhnen. Sie haben die gerechte Rache verſchuldet, ich aber will dieſelbe durch mein eifriges Bitten von ihnen abwenden. Da⸗ rum verſchone ſie um meinetwillen, o liebſter Vater! und ſtrafe ſie nicht nach ihren Schulden. Uebergib ſie nicht dem Widerſacher, und laß ſie nicht ewig verloren gehen. Ich laſſe ſie durchaus nicht zu Grunde gehen; denn ſie ſind mein, und ſind durch mein Blut theuer erkauft worden. Beſonders aber bitte ich, o liebſter Vater! für die gegenwärtigen Sünder und Sünderinnen, für welche ich jetzt mein Leben dargebe, und mein theuer⸗ ſtes Blut geiſtlicher Weiſe wiederum vergieße, auf daß du ſie durch die Kraft meines heiligen Blutes und bit⸗ teren Todes vor dem ewigen Tode bewahreſt. 10. O Chriſte Jeſu! wohin zieht dich die Liebe zu deinen Gläubigen, daß du dich ihrer ſo treulich an⸗ nimmſt, ſo viel auf dem Altare für ſie thuſt, und ſo eifrig für ſie bitteſt? Dieſe deine große Liebe und Treue können wir nie hoch genug ſchätzen, viel weniger auf irgend eine andere Weiſe, als allein durch das fleißige Meſſehören, vergelten. Wer wollte denn nicht gerne bei der heiligen Meſſe ſein, wenn er weiß, daß Chriſtus Jeſus ſelbſt für ſein Heil bittet,— ja nicht allein bit⸗ tet, ſondern auch ſein Leiden erneuert, und ſich ſelbſt auf eine unausſprechliche Weiſe opfert, auf daß ſeine Bitte deſt bitt hab ju and um Glä ihne hab das hue doß dan ür nich mu ing 1 ſ hin pri uſ uit ehr diß von der W n . in der heiligen Meſſe ſein Gebet. 137 deſto kräftiger ſei. Wer ſollte nicht auf eine ſolche Für⸗ bitte vertrauen? wer nicht einen ſolchen Fürbitter zu haben wünſchen? O wie leicht kannſt du ihn haben! ja du haſt ihn wirklich, wenn du der heiligen Meſſe andächtig beiwohneſt. Es iſt kein Zweifel, daß Chriſtus, am Kreuze hangend, die unter dem Kreuze ſtehenden Gläubigen ſeinem Vater beſonders anempfohlen, und ihnen die Früchte ſeines Leidens beſonders zugeeignet habe, daher iſt auch kein Zweifel, daß Chriſtus eben dasſelbe bei der heiligen Meſſe für die Gegenwärtigen thue, vornehmlich wenn ſie ſeine Fürbitte anrufen, flehend, daß er ſich ſelbſt für ſie aufopfern wolle. Denn als⸗ dann bittet er eben ſo kräftig für ſie, als er am Kreuze für ſeine Feinde gebetet hat. Was wird dieß Gebet nicht auswirken? welche Gnade uns nicht erwerben? D was für eine ſichere Hoffnung der ewigen Seligkeit muß uns dieß bringen, wenn wir vernehmen, daß der eingeborne Sohn Gottes ſich würdiget, für uns täglich zu bitten, und die gefährdete Sache unſers Heiles auf ſich zu nehmen. 11. Wenn die allerſeligſte Jungfrau Maria vom Himmel herabſtiege, dir erſchiene, und zu dir tröſtend ſpräche:„Mein liebes Kind! fürchte dich nicht; denn ich derſpreche dir, daß ich das Geſchäft deines Heiles auf mich nehmen, meinen Sohn inſtändig bitten, und nicht eher zu bitten aufhören werde, bis er mir verſpricht, daß er dich ſelig machen wolle;“ würdeſt du dich nicht dom Herzen erfreuen? würdeſt du dich nicht vor Größe der Freude jubeln; und vom Grunde deiner Seele aus⸗ rufen: Nun bin ich im Herzen getröſtet, nun habe ich Zar keinen Zweifel mehr an meiner Seligkeit; denn die Mutter Gottes iſt mir erſchienen, und hat mir ernſtlich 138 Siebentes Kapitel. Chriſtus erneuert verſprochen, daß ſie nicht nachlaſſen wolle, zu bitten, bis ſie mir das ewige Heil erwerbe? Billige Urſache dich zu erfreuen würdeſt du haben, wenn dir dieſe Gnade widerfahren wäre, und ich wollte mich gleicher⸗ maſſen erfreuen, wenn die liebe Mutter Gottes mir der⸗ gleichen Wohlthaten erzeigen, und mir ihre großgiltige Fürbitte verſprechen würde. 12. Wenn wir denn billigermaſſen ſo großes Ver⸗ trauen auf die kräftige Fürbitte der glorwürdigſten Mut⸗ ter Gottes ſetzen, warum ſetzen wir denn nicht ein gleiches, ja ein noch viel größeres Vertrauen auf die mächtigſte Fürbitte des glorwürdigſten Sohnes Gottes, welcher uns nicht allein verſpricht, daß er ſich unſers Heiles annehmen, und für uns ſeinen Vater um Er⸗ langung der Seligkeit bitten wolle, ſondern in allen heiligen Meſſen, bei welchen wir perſönlich gegenwärtig ſind, wirklich für uns bittet, und der ſtrengen göttlichen Gerechtigkeit gleichſam Gewalt anlegt, daß ſie uns nicht nach unſerm Verſchulden ſtrafen, ſondern aus Gnaden ſelig machen wolle. Denn er bittet nicht allein, ſondern zugleich mit ihm bitten ſeine Thränen mit ſo viel An⸗ muthungen, als er Zähren aus ſeinen Augen geweint hat. Mit ihm bitten ſeine heiligen Wunden mit ſo vie⸗ len Stimmen, als ihrer viele an ſeinem heiligſten Leibe geweſen ſind. Mit ihm bitten ſeine Blutstropfen mit ſo vielen Worten, als Tröpflein aus ſeinen ſchmerzlichen Wunden gefloſſen ſind. Mit ihm bittet ſein göttliches Herz mit ſo vielen Bewegungen, als Seufzer aus dem⸗ ſelben gekommen ſind. Dieſe Stimme des heiligen Blutes und dieß Geſchrei der Wunden, der Zähren und der Seufzer iſt allmächtig; es überſteigt die Wolken, zer⸗ theilet die Himmel, und durchdringt das väterliche Herz in der heiligen Meſſe ſein Gebet. 139 des himmliſchen Vaters. Was wird dann dieß nicht erhalten? welche Gnaden wird es uns nicht erbitten? welche Uebel wird es nicht von uns abwenden? 13. Wenn du nun wohl weißt, daß Chriſtus in der heiligen Meſſe für alle Gegenwärtigen beſonders bitte, warum gehſt du denn nicht in die heilige Meſſe, auf daß auch du ſeines Gebetes theilhaftig werdeſt? Du klagſt und beſeufzeſt es ja vielmals, daß du nicht andächtig beten kannſt; warum gehſt du denn nicht zur heiligen Meſſe, damit Chriſtus allda für dich und ſtatt deiner bitte, und deinen Mangel ergänze? Er ladet dich ja freundlich ein, indem er Matth. 11. ſpricht:„Kom⸗ met alle zu mir, die ihr mit Mühe und Arbeit beladen ſeid, und ich will euch erquicken.«. So rief er, als er noch auf Erden war. Vom Altare herab aber ſcheint er uns zuzurufen:„Kommet alle zu mir, die ihr nicht andächtig beten könnet, und ich will für euch beten.“ Warum erfüllſt du nicht die Begierde Chriſti, o arm⸗ ſeliger Menſch? und warum eileſt du nicht zu ihm in der heiligen Meſſe? Du pflegſt ja in den Nöthen zu den Leuten zu laufen, ihnen dein Elend zu klagen, und ſie um ihr Gebet für dich anzuſprechen. Wenn du auf das Gebet der Menſchen vertrauſt, warum vertrauſt du nicht noch mehr auf das kräftigſte Gebet Chriſti? Du ſteckeſt in ſo großer Noth, daß du es kaum aus⸗ ſprechen kannſt, deine größte Noth aber iſt die augen⸗ ſcheinliche Gefahr der Verdammniß, ven welcher die Jün⸗ ger zu Chriſtus ſprachen Matth. 10.:„Herr! wer kann ſelig werden?« Er autwortete:„Bei den Menſchen iſt es unmöglich, aber nicht bei Gott.. Weil du denn aus dem Munde Chriſti höreſt, daß es dir nicht mög⸗ Sch ſei, durch deine Kraft ſelig zu werden, ſo fliehe 140 Siebentes Kapitel. Chriſtus erneuert denn in dieſer größten Gefahr täglich zur heiligen Meſſe, auf daß Chriſtus für dich bete, und dir die Seligkeit bei der Gottheit ausbitte. 14. Du könnteſt aber ſagen: Ach! ich armſeliger Menſch verdiene nicht, und bin es auch nicht würdig, daß Chriſtus für mich bitte. Denke nicht ſo, ſondern ſei verſichert, daß, wenn du bei der heiligen Meſſe Chri⸗ ſtum nur mit einem Seufzer anſprichſt, er gewiß für dich bitte, ja gleichſam bitten müſſe. Denn alſo ſpricht der heilige Paulus Hebr. 5.:„Ein jeder Hoheprieſter wird für die Menſchen verordnet in ſolchen Dingen, welche Gott betreffen, auf daß er Opfer und Gaben für die Sünden des Volkes aufopfere.“ Weil denn Chriſtus von Gott dem Vater zu unſerm höchſten Prie⸗ ſter verordnet worden, und weil er in der heiligen Meſſe ſein prieſterliches Amt verwaltet, deßwegen muß er von Amts wegen für ſein Volk bitten, um das heilige Meß⸗ opfer für dasſelbe aufopfern. Dieß thut er nicht allein für alle insgemein, ſondern für einen jeden insbeſon⸗ dere, gleichwie er für alle insgemein, und für einen je⸗ den insbeſondere gelitten hat, und gleichwie er jetzt für alle Menſchen insgemein, und für einen jeden insbe⸗ ſondere ſorget. Darum haſt du gar nicht am Gebete Chriſti für dich zu zweifeln, ſondern biſt desſelben, wenn du bei der heiligen Meſſe biſt, ganz verſichert und ver⸗ gewiſſert. 15. Aus all dem Gemeldeten haſt du genugſam vernommen, wie kräftig und eifrig der liebe Jeſus auf dem Altare für uns bitte, und wie heilſam uns Armen dieß ſein heiliges Gebet ſei. Dieß allein iſt noch übrig, daß du dein Gebet mit dem Gebete Chriſti vereinigeſt, oder ihn bitteſt, daß er es mit ſeinem Gebete vereinigen wo daß wei nit ant Ge an, die Uel vir Fo Ha der 6 M 2 ve ue de in hea Ch ine ſl t Le ihr Un in der heiligen Meſſe ſein Gebet. 141 wolle. Durch dieſe Vereinigung wird es ſo kräftig, daß es viele andere Gebete weit überſteigt. Dieß be⸗ weiſet Fornerus, Biſchof zu Hebron in Miser. conc. 83. num. 10., indem er ſpricht:„Die Gebete, welche mit dem heiligen Meßopfer vereiniget werden, gehen allen andern, viele Stunden lang währenden, ganz eifrigen Gebeten und himmliſchen Beſchauungen viele Meilen vor⸗ an, wegen der Kraft der Verdienſte des Leidens Chriſti, die ſich in der heiligen Meſſe durch einen wunderbaren Ueberfluß der Gnaden und himmliſchen Güter als ſo wirkſam erweiſet.. Dieſe ſeine Meinung bekräftiget Fornerus mit folgendem Beweiſe:„Denn gleichwie das Haupt der edelſte Theil des Leibes iſt, und alle Glie⸗ der an Würde übertrifft, ſo übertrifft auch das Gebet Chriſti, welcher unſer Haupt iſt, und in der heiligen Meſſe für uns betet, das vereinte Gebet aller Chriſten, welche die Glieder Chriſti ſind.⸗ 16. Wenn nun ein Menſch ſein armſeliges Gebet, welches er unter der heiligen Meſſe ſpricht, mit dem edelſten Gebete Chriſti vereiniget, ſo wird es, gleichwie eine Kupfermünze in geſchmolzenem Gold, verbeſſert und geadelt, ſowie auch zugleich mit dem pgöttlichen Gebete Chriſti in den Himmel getragen, und der Gottheit als eine edle Gabe dargeboten. Hieraus folgt, daß ein ſchlechtes Gebet, bei der heiligen Meſſe geſprochen, viel beſſer iſt, als ein eifriges Gebet zu Haus geſprochen. Deßwegen handeln Geiſtliche und Weltliche, wenn ſie ihre gewöhnlichen Gebete zu Haus beten, da ſie doch unterdeſſen die heilige Meſſe hören könnten, ſehr unklug, und ſchaden ſich viel an ihrem Verdienſte. Denn wenn ſie der heiligen Meſſe beiwohnen würden, und würden endächtig allen Gebeten des Prieſters am Altar folgen, 142 Achtes Kapitel. In der heiligen Meſſe alſo die Gebete Chriſti ſelber nachſprechen, und mit ihm das höchſte Opfer darbringen, ſo würden ſie viel mehr verdienen, als wenn ſie zu Hauſe oder auf dem Felde beten. Denn ſie würden aller Gnaden, welche in die⸗ ſem Buche beſchrieben ſind, theilhaftig, und ſammelten ſich einen großen Schatz der Verdienſte im Himmel. Achtes Kapitel. On der heiligen Meſſe wird das Leiden Chriſti erneuert. 1. Unter allen Geheimniſſen des Lebens Chriſti iſt keines nützlicher zu erwägen, und würdiger zu verehren, als eben das bittere Leiden und Sterben, wodurch wir erlöst worden ſind. Hievon reden die heiligen Väter ſehr rühmlich, und verſprechen demjenigen, welcher das Leiden Chriſti fleißig verehret, reichliche Vergeltung von Gott. Wiewohl es nun viele nützliche Weiſen gibt, das bittere Leiden andächtig zu verehren, dennoch meine ich, daß man es nicht beſſer noch würdiger verehren könne, als eben durch das andächtige Meſſehören. Denn auf dem Altare iſt es wahrhaft gegenwärtig, und wird von Neuem geübt und wiederholt; deßwegen kann man es allda auf's beßte betrachten, und ſich vor Augen ſtellen. 2. Daß aber das Leiden Chriſti unter der heiligen Meſſe erneuert werde, können wir ja mit Augen ſehen, und mit Händen greifen; denn Alles erinnert daran oder deutet darauf hin. Vorzüglich iſt es das Zeichen des Kreuzes, welches uns überall entgegen leuchtet. Im At nit con ji Bil Kr Ka ſelt bez bed daf bitt ern ſp ſch Er 6h des das Sa der 9 hul ſ nſ z wird das Leiden Chriſti erneuert. 143 Altarſteine ſind fünf Kreuze ausgehauen, welche wohl mit mehr als hundert Kreuzzeichen von dem Biſchofe conſekrirt worden ſind. Auf dem Altare ſteht ein Kru⸗ zifir, und in dem Meßbuche vor dem Kanon iſt das Bild des Gekreuzigten. Auf dem Humerale ſteht ein Kreuz, ſowie auf der Manipel, auf der Stole, auf der Kaſula und auf der Paten. Der Prieſter bezeichnet ſich ſelbſt mit dem Kreuzzeichen ſechzehnmal, das Opfer aber bezeichnet er neun und zwanzigmal mit demſelben. Was bedeuten denn dieſe vielfältigen Kreuzzeichen anders, als daß eben das blutige Kreuzopfer Chriſti, nämlich ſein bitteres Leiden und Sterben vorgeſtellt, wiederholt und erneuert werde. 3. Wiewohl Chriſtus beim letzten Abendmahle ge⸗ ſprochen hat:„Dieß thut zu meinem Andenken,“ ſo ge⸗ ſchieht dennoch das heilige Meßopfer nicht allein zur Erinnerung, ſondern auch zur Erneuerung des Leidens Chriſti. Denn ſo ſpricht die katholiſche Kirche Trid. sess. 22. canon. 3.:„Wenn Jemand ſagen würde, das Meßopfer ſei nur ein bloßes Andenken an das Sakrifizium, welches am Kreuze verrichtet worden iſt, der ſei im Banne.. Und daſelbſt Kap. 2. ſpricht ſie: „In dieſem göttlichen Sakrificium, welches in der hei⸗ ligen Meſſe verrichtet wird, iſt ebenderſelbe Chriſtus ent⸗ halten, und wird unblutiger Weiſe geſchlachtet, welcher ſich ſelbſt einmal auf dem Altare des Kreuzes blutiger Weiſe aufgeopfert hat.. Wenn wir keine anderen Zeug⸗ riſſe, als nur dieſe einzigen hätten, ſo ſollten ſie uns genug ſein, und uns allen Zweifel benehmen. Denn was die katholiſche Kirche lehrt, und uns zu glauben Horhält, das müſſen wir glauben, und dürfen dieſem vicht im Geringſten widerſprechen. Nun aber ſagt die 144 Achtes Kapitel. In der heiligen Meſſe Kirche, daß derſelbe Chriſtus, welcher ſich vor Zeiten am Kreuze blutiger und ſchmerzlicher Weiſe aufgeopſert hat, in der heiligen Meſſe wahrhaft gegenwärtig ſei, und daß er wiederum unblutiger Weiſe, und ohne Schmerzen geſchlachtet werde. 4. Zum Beweiſe ſetzt die Kirche folgende Worte hinzu:„Denn es iſt ebendasſelbe Schlachtopfer, und es iſt einer und derſelbe Opfernde durch den Dienſt der Prieſter, welcher ſich ſelbſt vor Zeiten am Altare des Kreuzes geopfert hat. Die Weiſe, zu opfern allein iſt verſchieden.“ Die Kirche wollte ſagen: In den bei⸗ den Opfern, nämlich im Kreuzopfer wie im Meßopfer, iſt ebendasſelbe Schlachtopfer, welches geopfert und geſchlach⸗ tet wird, und es iſt ebenderſelbe, welcher beide Opfer verrichtet, nämlich Chriſtus; die Weiſe aber, mit welcher er ſich ſelbſt an beiden Orten opfert, iſt verſchieden; denn am Kreuze hat er ſich ſelbſt geopfert, wiewohl er durch die Hände der gottloſen Schergen geſchlachtet wor⸗ den; am Altare aber ofpert er ſich durch die Hände und den Dienſt der Prieſter, und wird von ihnen geiſtlicher Weiſe geſchlachtet. 5. Das Wort„ſchlachten“, lateiniſch, immolare, gebraucht die Kirche gar oft im Meßbuche. Der heilige Auguſtin gebraucht ebendasſelbe Epist. 32. ad Bonif., indem er ſpricht: Chriſtus iſt zwar nur Einmal in ſich ſelbſt geſchlachtet worden, dennoch wird er in dem Sakrificium, oder in der heiligen Meſſe alle Tage für das Volk geſchlachtet. Dieß Wort, ſage ich, iſt ſehr merkwürdig, und wird in der heiligen Schrift bei der Schlachtung und Aufopferung der Opferthiere über hundertmal gebraucht. Wenn aber die Kirche dieß Wort bei der heiligen Meſſe gebraucht, ſo will ſie beh dan ſich ich tes Me eti läu ſe wel De bhl Gre wel eh Eb wel ih nich ſen hete den lſe in ge ſi no Jit ſc wird das Leiden Chriſti erneuert. 145 damit anzeigen, daß Chriſtus unter der heiligen Meſſe nicht mit den bloßen Worten der Prieſter allein, auch nicht allein mit Aufhebung des hochwürdigen Sakramen⸗ les geopfert werde, ſondern daß er unter der heiligen Meſſe als ein Schlachtlamm geiſtlicher Weiſe gemartert, getödtet und geſchlachtet werde. Dieß wollen wir weit⸗ läufiger beweiſen. 6. Der heilige Cyprian ſpricht Ep. 63. ad Caecil. olſo:„Das Leiden Chriſti iſt dasjenige Sakrificium, welches wir aufopfern.. Er wollte ſagen: wenn wir Meſſe leſen, ſo erneuern wir dasjenige, was im Leiden Chriſti geſchehen iſt. Noch klarer ſagt dieß der heilige Gregorius Homil. 137.:„Wiewohl Chriſtus nun nicht mehr ſtirbt, dennoch leidet er im heiligen Meßopfer in geheimnißvoller geiſtlicher Weiſe wiederum für uns.⸗ Eben ſo klar ſpricht auch der heilige Theodoret in Cap. 8. Hebr.:»Wir opfern kein anderes Sakrificium, als welches am Kreuze geopfert worden iſt.⸗ 7. Solche Zeugniſſe könnte ich gar viele anführen, ich laſſe aber dieſelben Kürze halber aus, und bediene mich des unfehlbaren Zeugniſſes der Kirche, welche am neunten Sonntag nach Pfingſten in der Sekret alſo betet:„Verleihe uns, wir bitten dich, o Herr, dieſe Geheimniſſe würdig zu begehen: weil, ſo oft das An⸗ denken an dieſes Opfer gefeiert wird, auch das Werk unſerer Erlöſung ſich vollziehet.⸗ Hier iſt nun die Frage, was das Werk unſerer Erlöſung ſei. Das wiſſen aber ſogar die Kinder zu beantworten. Denn wenn du ſie frageſt: Wodurch ſind wir erlöst worden? ſo ant⸗ Lorten ſie:„Durch das Leiden Chriſti.. Weil die Hirche ſagt, daß dieſes Werk in allen heiligen Meſſen ſich vollziehe, ſo folgt daraus, daß das Leiden Chriſti Cochem, Meßerklärung. 10 146 Achtes Kapitel. In der heiligen Meſſe in allen heiligen Meſſen wiederum erneuert werde. Eben das ſpricht auch die Kirche in der Sekret mehrerer Marthrer:„Dein überflüſſiger Segen wolle herabſteigen, auf daß er dir unſere Gaben angenehm, und uns ein Sakrament der Erlöſung daraus mache.“ Dieſe Worte ſind nicht ſo zu verſtehen, als wenn wir durch die hei⸗ lige Meſſe von Neuem erlöst würden, ſondern daß die Kraft unſerer Erlöſung durch die heilige Meſſe uns zu⸗ geeignet wird, wie die Kirche Fer. III. p. Dom. 3. Quad. ſpricht:„Durch dieſes Sakrament wolle uns die Wirkung unſerer Erlöſung zukommen.“ 8. Hierüber ſpricht Manfi(verbo Missa, Disc. 5. 1.)„Was iſt die heilige Meſſe anders, als eine Erneuerung unſerer Erlöſung?«“ Molina(Tract. 4. de Missa cap. 9.) ſpricht gar ſchön:„Die heilige Meſſe übertrifft die andern Opfer unermeßlicher Weiſe, weil ſie nicht blos eine Darſtellung, ſondern das Werk un⸗ ſerer Erlöſung ſelbſt iſt, mit Geheimniſſen erfüllt, und wirklich geübt.. Dieſe Zeugniſſe können einem Jeden genugſam beweiſen, daß die heilige Meſſe eine Erneuerung oder Fortſetzung des Leidens Chriſti iſt, und daß das ſanftmüthigſte Lamm Gottes in allen heiligen Meſſen geiſtlicher Weiſe wiederum geſchlachtet wird, was ich mit einigen Beiſpielen bekräftigen will. 9. Amerumnes, ein Fürſt der Sarczenen, ſchickte einsmals ſeines Bruders Sohn zur Stadt Amplona in Syrien, in welcher eine berühmte Kirche zu Ehren des heiligen Gregorius war. Als der Sarazene dieſe Kirche von ferne ſah, ſprach er zu ſeinen Dienern:„Führet unſere Kameele in die Kirche und leget ihr Futter auf den Altar.. Als die Knechte dieß thun wollten, ſpra⸗ chen die Prieſter zum Fürſten:„Hüte dich, Herr, das 1 nun ſun uf ſtr Kan Feſt höre ohn dem ſtell Got nach Oyf den Flei elc ſhr voll ſchen ſch int ſ un ſte, nege ſt bi Iſ ehn ie wird das Leiden Chriſti erneuert. 147 zu thun, denn dieß Haus iſt ein Tempel Gotts, den man nicht verunehren darf.. Dennoch ließ dieſer die Kameele in die Kirche treiben, ſie fielen aber ſogleich auf den Boden nieder, und waren todt. Hierüber er⸗ ſchrack der Fürſt, und befahl ſeinen Knechten, die todten Kameele hinauszuſchleppen. Damals war ein großes Feſt, und viel Volk in der Kirche, die heilige Meſſe zu hören. Der Prieſter aber fing die heilige Meſſe nicht ohne Angſt an, weil er fürchtete, der Sarazene möchte dem heiligen Sakramente eine Unehre anthun. Dieſer ſtellte ſich neben den Altar, um zu ſehen, was für einen Gottesdienſt die Chriſten hätten. Da nun der Prieſter nach griechiſchem Brauche das konſekrirte Brod mit einem Opfermeſſer in vier Theile theilte, ſah der Sarazene in den Händen des Prieſters ein Knäblein, deſſen getheiltes Fleiſch auf die Patene gelegt, das Blut aber in den Kelch gegoſſen wurde. Hierüber ward der Sarazene ſo ſehr erzürnt, daß er den Prieſter am Altare erſtechen vollte, wenn er ſich nicht aus Begierde, mehr noch zu ſehen, enthalten hätte. Bei der heiligen Kommunion ſah er abermal, daß der Prieſter einen Theil von dem Findlein aß, und deſſen Blut aus dem Kelche trank; er ſah auch, daß dieſer alle Leute, welche zur Kom⸗ munion kamen, mit dem Fleiſche dieſes Kindleins ſpei⸗ ſete, indem er dasſelbe in ihren Mund legte. Deß⸗ wegen ward dieſer Heide ſo ſehr erbittert, daß er zu ſich ſprach:„Sind die Chriſten nicht Thrannen, welche hei ihrem Götzendienſt ein Kind ſchlachten, und gleichwie Beſtien menſchliches Fleiſch genießen. Gewiß will ich die grauſame Mordthat dieſes unſchuldigen Kindes mit tiner Hand rächen, und dieſe wilden Menſchenfreſſer eines grauſamen Todes hinrichten.. Nach der heiligen 10 148 Achtes Kapitel. In der heiligen Meſſe Meſſe ſegnete der Prieſter Brod, theilte es unter das Volk aus, und gab dem Sarazenen auch ein Stücklein. Dieſer aber ſchrie auf arabiſch:„Was iſt das?“ Der Prieſter ſagte:„Es iſt ein geweihtes Brod.“ Der Heide ſchrie voller Zorn:»Haſt du das Brod nicht geopfert, du ſchändlicher Hund, du unmenſchlicher Mör⸗ der! Habe ich nicht mit eigenen Augen geſehen, wie du das ſchöne Kind geſchlachtet, ſein Blut in den Kelch gegoſſen, und ſein Fleiſch in vier Theile zerſchnitten, und auf den Teller gelegt haſt? Habe ich das nicht mit meinen Augen geſehen, du gottloſer, du unreiner, du grimmiger Mörder? Habe ich nicht geſehen, wie du das Fleiſch des Kindes gegeſſen und ſein Blut ge⸗ trunken, und dieß auch anderen zum Genuſſe dargereicht haſt?. Der Prieſter verwunderte ſich hierüber, und ſprach:„Herr, ich bin ein Sünder und nicht würdig, ſolch große Geheimniſſe zu ſehen; weil du aber ſie ge⸗ ſehen haſt, ſo glaube ich feſt, daß du groß ſeieſt vor dem Herrn.“ Jener ſagte:„Iſt es nicht ſo, wie ich geſehen habe?. Der Prieſter antwortete:„Allerdings iſt es ſo, mein Herr! ich aber ſehe das große Geheim⸗ niß nicht, weil ich ein Sünder bin, ſondern ich ſehe allein Brod und Wein, welches wir konſekriren, und in den Leib und das Blut Chriſti verwandeln.“ Hierüber erſchrack der Sarazene heftig, hieß ſeine Knechte und die Chriſten herausgehen, ergriff den Prieſter bei der Hand, und ſprach:„Nun ſehe ich, daß die chriſtliche Religion groß iſt; darum bitte ich dich, mein Vater, du wolleſt mich in dieſelbe aufnehmen und mich nach chriſt⸗ lichem Gebrauche taufen.“ Der Prieſter aber ſprach: „Verzeihe mir, mein Herr, das darf ich nicht thun; denn wenn deines Vaters Bruder dieß erfahren würde, nit Gl ten geb ſter Cil M Bi Fu me ge ſei abe g. 0r ich 96 he in het nd der iche iſt⸗ un wird das Leiden Chriſti erneuert. 149 ſo würde er mich tödten, und dieſen Tempel zerſtören. Wenn du aber getauft zu werden verlangſt, ſo gehe auf den Berg Sinai zum Biſchofe, erzähle ihm, was ſich mit dir zugetragen, und er wird dich im chriſtlichen Glauben unterrichten und taufen.“ Nach dieſen Wor⸗ ten ging der Sarazen zu den Seinigen, ſagte nichts von all Dieſem, ſondern ſobald dieſelben ſich zur Ruhe be⸗ geben hatten, ging er heimlich zu dem gemeldeten Prie⸗ ſter, legte ſeine goldenen Kleider ab, zog ein rauhes Cilizium an, und floh heimlich ohne Wiſſen irgend eines Menſchen auf den Berg Sinai. Allda erzählte er dem Biſchof die Urſache ſeiner Bekehrung, ward getauft, Pachumius genannt, und in den Ordensſtand aufgenom⸗ men. Nachdem er drei Jahre ein ſtrenges Bußleben geführt hatte, zog er mit Erlaubniß ſeiner Obern zu ſeinem Vater in der Hoffnung, ihn zu bekehren, ward aber übel gehalten, mit vielen Tormenten gepeiniget, und endlich mit Steinen zu todt geworfen. Bollandus ad vitam S. Georgii Martyris 23. Aprilis. 10. In dieſer Erzählung wird uns die Wahrheit dargelegt, daß Chriſtus in der heiligen Meſſe nicht bloß wahrhaft und weſentlich gegenwärtig iſt, ſondern daß er in derſelben auch wirklich geſchlachtet werde, zwar nicht leiblicher, ſondern geiſtlicher Weiſe. Daß aber dieſer Sarazene geſehen, als habe der Prieſter ein Kindlein in Stücke zerſchnitten, iſt darum geſchehen, auf daß dieſer Heide, welcher noch keine Erkenntniß des Glaubens hatte, erſtens zur Verwunderung, darnach zur Erforſchung und endlich zum Unterrichte im chriſtlichen Glauben ſollte gebracht werden. Gott hat auch gewollt, daß dieſer Vorfall aufgeſchrieben werde, auf daß wir in dieſem hohen Geheimniſſe beſſer unterrichtet, und in unſerm 150 Achtes Kapitel. In der heiligen Meſſe Glauben mehr bekräftiget werden. Denn wiewohl Chri⸗ ſtus unter der heiligen Meſſe nicht leiblicher, noch ſchmerz⸗ hafter Weiſe geſchlachtet wird, ſo zeigt er dennoch dem himmliſchen Vater die ſchmerzvollen Geſtalten, welche er in ſeiner Geißlung, Krönung und Kreuzigung gehabt, ſo lebhaft, als wenn er dieß Alles noch einmal wirklich und in der That für die Welt litte. 11. Daher ſagt P. Lancicius de Miss. num. 223.: „Die heilige Meſſe iſt eine Darſtellung des Leidens und Sterbens Chriſti, nicht ſo faſt in Worten, wie dief bei Schau⸗ und Trauerſpielen zu geſchehen pflegt, ſon⸗ dern in der That und Wahrheit und Weſenheit. Deß⸗ wegen nennen die Väter die heilige Meſſe das wieder⸗ holte Leiden Chriſti, und ſagen, daß Chriſtus in der heiligen Meſſe aufs Neue leide, und geiſtlicher Weiſe getödtet werde“ Dieß ſind die eignen Worte des geiſt⸗ reichen Lehrers, welcher von dem hochſeligſten Geheim⸗ niß der heiligen Meſſe gar Vieles und Eindringliches geſchrieben hat. Nun will ich noch ein anderes, dem vorigen nicht unähnliches Beiſpiel erzählen, auf daß wir deſto mehr in dieſem hohen Geheimniſſe beſtärkt werden. 12. Im Leben der Altväter, Lib. de provid liest man, daß einmal ein alter, einfacher und unge⸗ lehrter Einſiedler geweſen, welcher ſich nicht vorſtellen konnte, wie Chriſtus im hochwürdigen Sakramente ge⸗ genwärtig ſein ſollte, und zu denen, welche zu ihm kamen, zu ſagen pflegte:„Im heiligen Sakramente iſt nicht der Leib, ſondern nur ein Vorbild oder eine Vor⸗ bedeutung Chriſti. Als dieſe Behauptung zwei an⸗ dere Einſiedler erfuhren, entſchloſſen ſie ſich, zu jenem nd on⸗ wird das Leiden Chriſti erneuert. 151 zu gehen, und ihn aus ſeinem Irrthume zu führen. Auf daß ſie aber die Wahrheit erfahren möchten, ſpra⸗ chen ſie folgendermaſſen:„Vater, wir haben gehört, daß ein Ungläubiger geſagt habe, das Brod, welches wir genießen, ſei nicht der Leib Chriſti.. Er fiel ihnen gleich in die Rede, und ſprach:„Ich bin derjenige, der dieß geſagt hat.. Sie ſprachen:„Vater, glaube dieß nicht, ſondern glaube, wie uns die katholiſche Kirche lehret!! Alsdann erklärten ſie ihm die Lehre der Kirche und bewieſen ihm dieſelbe mit vielen Texten der heiligen Schrift. Der Alte aber ſprach:„Ihr ſeid zwar viel gelehrter als ich, und redet mir viel daher, ich kann aber euren Worten nicht beiſtimmen, und werde es nimmer glauben, es ſei denn, daß ich es in der That erfahre.“ Sie ſprachen:„Wohlan, ſo wollen wir denn dieſe Woche hindurch Gott bitten, und feſt ver⸗ trauen, daß er uns die Wahrheit offenbaren werde.“ Alsdann beteten ſie alle Drei in jener Woche mit vol⸗ lem Eifer, und kamen am folgenden Sonntage in der Kirche zuſammen. Sie knieten auf einer Bank vor dem Altare, und fuhren fort, eifrig Gott anzurufen. Als der Prieſter die Worte der Wandlung ausgeſprochen hatte, ſahen ſie, wie ſtatt der Hoſtie ein ſchönes Kind⸗ lein auf dem Altare liege. Hierüber wurden ſie mit Freude und Verwunderung erfüllt, und betrachteten das⸗ ſelbe mit herzlicher Wonne. Als der Prieſter die hei⸗ lige Hoſtie zerbrechen wollte, da ſahen ſie wie ein Engel vom Himmel herabkam, der das Kindlein mit einem Meſſer zerſchnitt, und das herausfließende Blut in den Kelch goß. Dieß ſahen ſie nicht ohne Schrecken und Trauer an, weil ſie meinten, der Engel hätte das Kind wahrhaft getödtet. Bei der heiligen Kommunion ging 152 Achtes Kapitel. In der heiligen Meſſe der ungläubige Einſiedler beſtürzt voran, und als der Prieſter ihm das hochwürdige Sakrament darreichen wollte, ſah er, daß dieſer das blutige Fleiſch von dem Kinde in ſeinen Händen habe. Hierüber befiel ihn ein ſolcher Schrecken, daß er die blutige Partikel nicht an⸗ ſchauen, vielweniger genießen konnte. Darum rief er mit heller Stimme:„O Herr Jeſu! ich erkenne meinen Unglauben, und bereue meine Hartnäckigkeit. Nun glaube ich feſt, daß das konſekrirte Brod wahrhaft dein hei⸗ liger Leib, und daß in dem konſekrirten Kelche wahr⸗ haft dein Blut ſei. Ich bitte dich, o Gott! du wolleſt doch das heilige Fleiſch wieder in der Geſtalt der hei⸗ ligen Hoſtie erſcheinen laſſen, auf daß ich dich zum Heile meiner Seele empfangen könne.“ Alsbald ward ſein Begehren erfüllt, und er empfing das heilige Sa⸗ krament mit beſonderer Andacht. Er dankte Gott und den beiden Vätern, daß ſie ihn von ſeinem Irrthume befreit hätten, und erzählte Allen, welche zu ihm kamen, was er unter der heiligen Meſſe geſehen und er⸗ fahren habe. 13. Auch dieſe Erzählung will nichts Anderes zei⸗ gen, als daß Chriſtus in der heiligen Hoſtie perſönlich nicht allein gegenwärtig ſei, ſondern ſein gebenedeites Leiden auch wahrhaft unter der heiligen Meſſe erneuere. Der Zweifel, in welcher er dieſen Einſiedler hat fallen laſſen, nützet auch uns; denn Alles, was in früheren Zeiten zur Erklärung der Geheimniſſe des Glaubens ge⸗ ſchehen iſt, das iſt auch für uns geſchehen, und, wenn wir hören, daß Gott in ſeiner Güte auf ſolch außer⸗ ordentliche Weiſe Jemandem den Zweifel benommen, ſo möge er auch bei uns verſchwinden. Uebrigens haben auch erleuchtete Männer Alles gethan, um dieſe wird das Leiden Chriſti erneuert. 153 Zweifel zu heben. So ſagt der ehrwürdige Marchan⸗ tius horto post Cand. myst.:„Die heilige Meſſe iſt nicht allein eine Darſtellung, ſondern auch eine geiſt⸗ liche und unblutige Erneuerung des Leidens Chriſti. Denn gleichwie er einmal lebend die Sünden der Welt auf ſich genommen hat, um ſie mit ſeinem Blute aus⸗ zulöſchen, ſo legen wir täglich unſere Sünden auf ihn, als auf das nämliche Lamm Gottes, welches auf dem Altare geſchlachtet werden ſoll, um unſere Miſſethaten zu tilgen“ In dieſen Worten ſehen wir die Urſache, wegen welcher Chriſtus ſein Leiden in allen heiligen Meſſen erneuert, wovon wir aber in folgendem Ab⸗ ſchnitte Mehreres vernehmen. Warum will Chriſtus in der heiligen Meſſe ſein Leiden erneuern? 14. Im erſten Theile dieſes Kapitels iſt gezeigt worden, daß Chriſtus in der heiligen Meſſe ſein Leiden wahrhaft erneuere. Die Urſache davon iſt aber viel⸗ leicht Manchem unbekannt, daher wollen wir dieſelbe in dieſem Abſchnitte erklären. Der geiſtreiche Pater Seg⸗ neri in Hom. Christ. disc. 12. gibt mir hierüber ſchönen Stoff an die Hand, indem er folgendermaſſen ſpricht:„Als Chriſtus auf Erden lebte, und vermöge ſeiner göttlichen Allwiſſenheit vorherſah, daß ungeachtet ſeines bittern Leidens viele Millionen Menſchen ver⸗ dammt, und ſeiner Erlöſung nicht theilhaftig werden, er aber als unſer wahrer Bruder das Heil der Men⸗ ſchen unendlicherweiſe liebte, und mit deren ewigem Ver⸗ luſte unergründliches Mitleiden trug: deßwegen erbot er ſich vor ſeinem Vater, daß er nicht allein drei Stunden 154 Achtes Kapitel. In der heiligen Meſſe lang, ſondern bis an den jüngſten Tag am Kreuze lebendig hangend bleiben wolle, auf daß er durch dieſe ſeine immer fließenden Zähren, durch ſein ſtetes Blut⸗ vergießen und durch ſein inbrünſtiges Bitten und Seuf⸗ zen die ſtrenge göttliche Gerechtigkeit beſänftigen, und die milde gnadenreiche Barmherzigkeit bewegen möchte, ein Mittel zu verordnen, wodurch dieſem gewaltigen Verluſt ſo vieler Millionen Seelen möchte geſteuert werden.“ Daß Chriſtus bis zum Ende der Welt am Kreuze hangen wolle, bezeugt auch der heilige Bonaventura in ſeinen Betrachtungen. Mit ihm ſtimmt überein der geiſtreiche gottſelige Magiſter Avila in ſeinen Predigten, wie auch Pater Gautier und Andries in der Beſchrei⸗ bung des immerwährenden Leidens Chriſti. Ja, Chri⸗ ſtus hat vielmals geofſenbaret, daß er bereit ſei, für jeden Sünder Alles zu leiden, was er für die ganze Welt gelitten hat. Da nun der liebe Jeſus ſich erbot, bis an den jüngſten Tag am Kreuze zu hangen, ſo ſchlug ſein Va⸗ ter ihm dieſe wichtige Bitte ab, indem er ſagte: es ſei überflüſſig genug, daß er drei Stunden am Kreuze leben⸗ dig hangend bleibe; wer ſich dann dieſer ſeiner Leidens⸗ Verdienſte nicht theilhaftig machen wolle, der könne nicht ihm, ſondern müſſe ſich ſelbſt die Schuld ſeiner Ver⸗ dammniß beimeſſen. 15. Durch dieſe abſchlägige Antwort ward das Feuer der Liebe Chriſti zu uns Menſchen nicht ausge⸗ löſcht, ſondern noch mehr entzündet, um uns armen Sün⸗ dern zu Hilfe zu kommen. Deßwegen erfand er in ſei⸗ ner göttlichen Weisheit ein anderes Mittel, wodurch er auch nach ſeinem Tode noch auf der Erde bleiben, ſein wird das Leiden Chriſti erneuert. 155 gnadenreiches Leiden fortſetzen, und gleichſam leiblicher Weiſe am Kreuze hangend unaufhörlich vor Gott um unſer Heil bitten könnte. Dieß wunderſame Mittel war kein anderes, als das allerheiligſte und hochwürdigſte Meßopfer, in welchem er täglich, ja unaufhörlich geiſtlicher Weiſe am Kreuze hangend für uns leidet, und mit ſeiner allmächtigen Stimme zu Gott um Barmherzigkeit ruft. 16. In dieſem Betreffe ſchreibt Pater Bollandus im Leben der heil. Jungfrau Coleta am 6. März, daß dieſe große Dienerin Gottes eine beſondere Liebe zur heiligen Meſſe getragen, und dieſelbe täglich mit der größten Andacht zu hören pflegte. Als ſie einmal die heilige Meſſe hörte, welche ihr Beichtvater las, und dieſer zur Wandlung gekommen war, fing ſie plötzlich an, laut aufzuſchreien und zu ſagen:„O mein Gott! O Jeſu! O Jeſu! O ihr Engel und Heiligen! O ihr Menſchen und Sünder! ſehet und höret Wunder und Wunder!“ Auf dieſe und ähnliche Weiſe fuhr ſie eine Weile fort, und bewegte alle Gegenwärtigen zur Verwunderung und zum Mitleiden. Nach der heiligen Meſſe fragte ſie ihr Beichtvater, aus was für Urſachen ſie alſo gerufen und geweint habe. Sie aber ſprach:„Ich habe ſolch wun⸗ derbare Dinge geſehen und gehört, daß, wenn Euer Hochwürden dieſelben gleichfalls geſehen und gehört hät⸗ ten, ſie vielleicht noch mehr gerufen hätten, als ich.“ „Was haſt du denn geſehen?“ fragte er. Sie ant⸗ wortete:„Wiewohl ſolche Dinge ſo hoch und göttlich ſind, daß kein Menſch ſie ausſprechen ſoll, ſo will ich dennoch etwas davon ſagen, was man auf menſchliche Weiſe verſtehen kann. Als Euer Hochwürden das hei⸗ lige Sakrament aufhoben, ſah ich Chriſtum wie am Kreuze hangend mit blutenden Wunden und rührenden Geberden 156 Achtes Kapitel. In der heiligen Meſſe zu Gott flehen mit dieſen und ähnlichen Worten:„„Sieh an, mein Vater, dieſe Geſtalt, welche ich am Kreuze gehabt, und in welcher ich für die Welt gelitten habe. Sieh an meine Wunden, ſieh an mein vergoſſenes Blut, beherzige mein Leiden, beherzige meinen Tod. Dieß Alles habe ich deßwegen gelitten, damit die armen Sün⸗ der gerettet werden und nicht verloren gehen. Nun aber willſt du ſie wegen ihrer Sünden verdammen, und dem Satan übergeben. Wer vergilt mir dann mein Leiden? wer vergilt mir meinen bitteren Tod? Ich werde von den verdammten Sündern nicht allein keinen Dank zu erwarten haben, ſondern ſie werden mich und mein Leiden ewiglich verfluchen. Wenn ſie aber ſelig würden, ſo würden ſie mich ewiglich benedeien, und mir für mein bitteres Leiden Dank ſagen. Darum bitte ich dich, o liebſter Vater! verſchone doch die armen Sün⸗ der um meinetwillen, wegen meines bitteren Leidens be⸗ wahre ſie vor der ewigen Verdammniß!““ 17. Aus dieſen Worten erkennſt du, wie treulich der liebe Jeſus unter der heiligen Meſſe für uns bitte, und zu ſeinem himmliſchen Vater um Barmherzigkeit rufe; denn weil die heilige Meſſe eine Erneuerung des Leidens Chriſti iſt, darum muß auch während derſelben vorgehen, was am Kreuze geſchehen iſt. Damals ſchrie Jeſus mit lauter Stimme und weinenden Augen:„Va⸗ ter verzeih ihnen, denn ſie wiſſen nicht, was ſie thun!“⸗ Ebenſo ruft er auch unter der heiligen Meſſe am Al⸗ tare, zwar für alle Sünder der Welt, jedoch insbeſon⸗ dere für jene, welche der heiligen Meſſe beiwohnen. Dieſe ſeine Stimme iſt nicht matt und ſchwach, ſondern allmächtig und von einer unendlichen Kraft; denn ſie zertheilt die Wolken, durchbricht die Himmel, und dringt bib An ſch Je für au die all ſte die wird das Leiden Chriſti erneuert. 157 bis zum väterlichen Herzen. Allda erfüllt Chriſtus das Amt eines Fürſprechers, wie der hl. Joh. 1. Epiſt. 2. ſagt:„Wir haben einen Fürſprecher bei dem Vater, Jeſum Chriſtum den Gerechten, welcher iſt die Verſöhnung für unſere Sünden. Und der heilige Paulus ſagt von ihm Röm. 8.:„Jeſus Chriſtus, der geſtorben, welcher auch auferſtanden iſt, der auch zur Rechten Gottes ſitzt, dieſer bittet eifrig für uns.. Er bittet zwar auch im Himmel für uns, vornehmlich aber am Altare, weil er allda ſein prieſterliches Amt verwaltet, und es den Prie⸗ ſtern vermöge des göttlichen Wortes Hebr. 5. zuſteht, für die Sünden des Volkes zu bitten. Davon gibt uns auch der heil. Laurentius Juſti⸗ nianus Zeugniß, indem er Serm. de Corp. Christi ſpricht:„Während Chriſtus auf dem Altare geopfert wird, ruft er zu ſeinem Vater, und zeigt ihm ſeine leiblichen Wundmale, auf daß er durch ihre Fürbitte die Menſchen von den ewigen Peinen bewahre. O wie viel Gutes erwirket Chriſtus mit ſeinem Gebete am Altare! Wie oft wären Land und Leute zu Grunde gegangen, wenn Chriſtus ſie nicht durch ſein Gebet er⸗ halten hätte! Wie viel tauſend Selige wären jetzt in der Hölle, wenn Chriſtus durch ſeine allmächtige Für⸗ bitte ſie nicht davor bewahrt hätte! Wohlan denn, o Sünder, o Sünderin! gehe gerne und oft zur heiligen Meſſe, auf daß du der Fürbitte Chriſti theilhaftig, und vor vielen Uebeln bewahret werdeſt; auf daß du, was du durch dich nicht erhalten kannſt, durch dieſen all⸗ mächtigen Fürbitter bei Gott erhalteſt. 18. Aus dem, was wir bisher angeführt haben, erhellt die erſte Urſache, warum Chriſtus ſein Leiden in der heiligen Meſſe erneuert, nämlich: damit er um ſo 1 . 158 Achtes Kapitel. In der heiligen Meſſe kräftiger für uns bitten, und durch die Erneuerung ſei⸗ nes Leidens den himmliſchen Vater zur Barmherzigkeit bewegen könne. Nun aber wollen wir noch einer an⸗ dern Urſache erwähnen, und zwar einer für uns ſehr nützlichen und troſtreichen Urſache, nämlich: um uns durch das heilige Meßopfer die Verdienſte ſeines ſchmerz⸗ lichen Kreuzopfers zuzueignen. Um dieß beſſer zu ver⸗ ſtehen, ſollſt du wiſſen, daß Chriſtus in ſeinem ganzen Leben, beſonders aber am Kreuze einen unendlichen Schatz von Verdienſten erworben habe, welchen er damals Niemanden zugetheilt, außer nur einigen Frommen, welche ſich dieſes Schatzes fähig machten. Dieſen Schatz aber theilet er jetzt täglich bei vielen Gelegenheiten aus, beſenders aber in der heiligen Meſſe. Hievon ſpricht Paedag. Christ. par. 2 cap. 8.§. 2. alſo:„Was am Kreuze geſchehen, das iſt ein Opfer oder ein Sacrificium der Erlöſung, die heilige Meſſe aber iſt ein Sacrificium der Zueignung, durch welches der Werth und die Kraft des Kreuzopfers jedem Menſchen abſonderlich zugewendet wird.. Dieß ſind ſehr ſchöne und tröſtliche Worte, worüber ſich jeder Sünder herzlich erfreuen kann. Wir arme Sünder hatten nicht die Gnade, dem Kreuz⸗ opfer Chriſti auf dem Berge Calvariä beizuwohnen, und ſo der Früchte desſelben theilhaftig zu werden; gehen wir aber in die heilige Meſſe und wohnen derſelben mit Andacht bei, ſo wird uns der Werth und die Kraft des Kreuzopfers oder des Leidens Chriſti zugeeignet, und zwar einem Jeden insbeſondere, und einem Jeden nach ſeiner Andacht. 19. Nun ſehen wir, wie groß der Nutzen iſt, daß der liebe Jeſus ſein Leiden unter der heiligen Meſſe für uns erneuert, und die Verdienſte desſelben uns ſchenkt. Va ſn hra ſoll ber 6ht dir alo oyf beſt ſus hab er ric geſ me ind da wir den tes M p vie ſo! gut wer 6 ſei wird das Leiden Chriſti erneuert. 159 Warum nun, meinſt du wohl, thut er das? Die Ur⸗ ſache iſt, daß wir ſein Leiden als unſer Eigenthum ge⸗ brauchen, und zu unſerm eignen Nutzen Gott aufopfern ſollen. Welchen Nutzen aber ein ſolches Opfer gewähre, vernehmen wir von der heiligen Mechtildis, zu welcher Chriſtus(lib. 1. cap. 14.) ſprach:„Sieh, ich ſchenke dir alle Bitterkeit meines Leidens, damit du mir ſelbe als dein Eigenthum wieder gebeſt und dem Vater auf⸗ opferſt.. Damit wir aber wiſſen, daß dieſe Zueignung beſonders unter der heiligen Meſſe geſchehe, ſprach Chri⸗ ſtus weiters:„Wer mein Leiden, das ich ihm geſchenkt habe, aufopfert, dem vergelte ich es doppelt, und ſo oft er es wieder aufopfert, ſo oft erhält er es doppelt zu⸗ rück; dieß bedeuten jene Worte welche ich bei Matth. 19. geſprochen habe: Er wird's hundertfältig wieder bekom⸗ men und das ewige Leben beſitzen.“ 20. O mein Gott! ſind das nicht troſtreiche Worte? ſind wir bei der heiligen Meſſe nicht überaus glückſelig, da uns Chriſtus einen ſo großen Schatz ſchenkt, den wir ſo leicht vergrößern und vermehren können! Wenn du nur ſprichſt:„O Zeſu, ich opfere dein bitteres Lei⸗ den auf,⸗ ſo ſpricht er:„Mein Kind, ich gib dir ſel⸗ bes zweimal wieder zurück. Sprichſt du abermal: „Mein Jeſus! ich opfere dein roſenfarbes Blut auf,⸗ ſo ſpricht er:„Mein Kind, ich gebe es dir doppelt wieder.. So oft du alſo von ſeinem Leide etwas opferſt, ſo bekommſt du ſelbes vermehrt zurück. Das iſt ja ein guter Wucher! das iſt ein leichtes Mittel, reich zu werden! 21. Ich finde noch eine andere Urſache, warum Chriſtus ſein Leiden erneuern wollte, nämlich: damit ſeine Gläubigen, welche dem heiligen Kreuzopfer nicht 160 Achtes Kapitel. In der heiligen Meſſe haben beiwohnen können, der heiligen Meſſe beiwohnen und dadurch eben ſo viel auswirken könnten, als wenn ſie bei ſeinem Kreuze geſtanden wären, wofern ſie dieß nur mit gleicher Andacht thun. Dieß will Belei in Can. Leck. S5. lit. K. ſagen, da er ſpricht:„Sieh, wie groß unſer Sakrificium iſt, welches nicht allein ein Dentzeichen des einzigen Kreuzopfers, ſondern eben das⸗ ſelbe und allzeit dasſelbe iſt; denn es bringt eben dieſelbe Wirkung hervor, welche das Kreuzopfer hervorgebracht hat.“ Sind das nicht hohe und beinahe unglaubliche Worte? Soll alſo die heilige Meſſe eben dasſelbe Opfer ſein, wie das Kreuzopfer? ſoll es die gleiche Wirkung hervor⸗ bringen, wie das Leiden Chriſti hervorgebracht hat? Wenn nun dieß Alles ſo iſt, ſo muß es ja ein ſehr hohes und kräftiges Opfer ſein. Pater Molina(de Missa tr. 4. c. 5.) ſtimmt Dieſem bei, da er ſpricht: 22.„Chriſtus hat verordnet, daß ſeine Kirche im⸗ mer dasſelbe Sakrificium aufopfern ſolle, welches er ſelbſt am Kreuze aufgeopfert hat, zwar nicht blutiger, ſondern unblutiger Weiſe, jedoch ebenſo, da er in der Weſenheit, und in Allem, was zur Weſenheit gehört, dasſelbe Opfer ſein wollte. Indem ich ſage:„Das⸗ ſelbe Sakrificium,“ ſo ſage ich, daß die heilige Meſſe unendliche Gnaden und Vortrefflichkeiten hat; denn weil ſie dasſelbe Opfer iſt, wie jenes am Kreuze, ſo muß ſie dieſelbe Kraft und dieſelben Verdienſte haben, und Gott dem Vater eben ſo angenehm ſei, wie das Kreuz⸗ opfer. Daß die heilige Meſſe dasſelbe wirkliche und weſentliche Opfer ſei, erhellt daraus, weil es eben das⸗ ſelbe Schlachtopfer, eben derſelbe hohe Prieſter iſt, eben demſelben Gott geopfert wird, und eben dieſelbe Ur⸗ ſache iſt, warum ſie geopfert wird. Dieß allein iſt der lint Pei ühr und und wer Kra daß obe das erw wen gt ſol gehe wir ßiü endl inſe nit ſer hm velc iſt ſoh iſſ wird das Leiden Chriſti erneuert. 161 Unterſchied: die heilige Meſſe wird auf eine andere Weiſe geopfert, als das Kreuzopfer: denn damals wurde Chriſtus voll Blut und Schmerzen, jetzt aber unblutig und ohne Schmerzen geopfert. 23. Beherzige doch, mein lieber Leſer, dieſe hohen und eindringlichen Worte und bedenke, welch unſchätzbar werthvolles Opfer die heilige Meſſe ſei und welch' große Kraft ſie habe. Die katholiſche Kirche ſagt es ſelbſt, daß das Kreuz⸗ und Meßopfer Ein Opfer ſei, wie ich oben ſchon angeführt habe.(Trid. Sess. 22. c. 2.) 24. Es geht alſo daraus hervor, daß man durch das Meſſehören Chriſtus einen eben ſo großen Gefallen erweiſe, und ſich eben ſo große Verdienſte ſammle, als wenn man auf dem Berge Calvariä unter dem Kreuze geſtanden wäre, falls man nur bei der heiligen Meſſe eine ſolche Andacht hat, als man unter dem heiligen Kreuze gehabt hätte. Sind wir alſo nicht überaus glücklich, da wir täglich dem Leiden Chriſti beiwohnen und die ſüßen Früchte desſelben genießen können? Sind wir nicht un⸗ endlich glücklich, da wir gleichſam leiblicher Weiſe bei unſerm gekreuzigten Jeſus unter dem Kreuze ſtehen, ihn mit Augen ſehen, mit ihm mündlich reden, ihm in ſei⸗ ner Noth beiſtehen, ihm unſere Noth klagen, und von ihm Hilfe und Troſt erlangen können, gleich denen, welche leiblicher Weiſe bei ihm neben dem heiligen Kreuze geſtanden ſind. O Chriſten, achtet doch dieſe Gnade ſehr hoch, welche euch Chriſtus täglich erweiſet; verſäumet dieſe Gnade doch nie, die euch Chriſtus täglich austheilet! O Chriſten, machet euch doch des Schatzes, den euch Chriſtus täglich anbietet, auch täglich theilhaftig! Cochem, Meßerklärung. 1 1 162 Neuntes Kapitel. In der heiligen Meſſe Neuntes Kapitel. In der heiligen Meſſe wird der Lod Chriſti erneuert. 1. Pei Johannes Kap. 15. ſprach Chriſtus:„Nie⸗ mand hat eine größere Liebe, als der, welcher ſein Le⸗ ben für ſeine Freunde gibt.“ Da nun Niemand etwas Köſtlicheres und Angenehmeres hat, als ſeine Seele oder ſein Leben, ſo kann er auch einem Andern nichts Köſt⸗ licheres geben, als eben dieſes. Die Liebe Chriſti zu uns Menſchen iſt unvergleichlich größer geweſen, da er ſeine Seele nicht bloß für ſeine Freunde, ſondern für ſeine ärgſten Feinde hingab, und zwar nicht eine ge⸗ meine, ſondern die edelſte und heiligſte Seele. Bei Jo⸗ hannes Kap. 10. ſpricht er:„Ich gebe mein Leben für meine Schafe.. Dieſe Worte ſcheinen etwas Beſon⸗ deres zu bedeuten; denn er ſpricht nicht:„Ich will meine Seele für meine Schafe dargeben,“ noch auch:„Ich habe ſie hingegeben,“ ſondern:„Ich gebe meine Seele für meine Schafe.“ Er wollte ſagen: ich fahre immer fort, mein Leben für meine Gläubigen darzugeben. Dieß thut er aber täglich bei der heiligen Meſſe, in welcher er ſeinen Tod erneuert. Wie dieß geſchieht, will ich erklären. 2. Man pflegt an manchen Orten das ganze Leiden Chriſti in einem Trauerſpiele darzuſtellen, und unter andern einen jungen Mann an ein Kreuz zu heften, welcher nach langem Hängen endlich zu ſterben anfängt, und ſich ohnmächtig zeigt, als ob er vor lauter Todes⸗ ſchmerzen ſeinen Geiſt aufgeben müßte, ſo zwar, daß die Un Die her vert wed wol doß dan den zein ſtell dar, lich Leh ſch Go er tene der br auc ſc und er heil i Fr in wird der Tod Chriſti erneuert. 163 Umſtehenden zum Weinen und Mitleiden bewegt werden. Dieß geſchieht aber in der heiligen Meſſe nicht, in wel⸗ cher nicht etwa eine andere Perſon den ſterbenden Heiland vertritt, ſondern er ſelbſt iſt es, der ſtirbt. Er hat weder einem Engel, noch einem Heiligen übertragen wollen, dieß Opfer für ihn zu entrichten, weil er wußte, daß außer ihm Niemand im Stande iſt, dieſes zu thun; dann aber wollte er auch dadurch, daß er täglich vor den Augen Gottes und vor dem ganzen Himmel ſtirbt, zeigen, wie ſchrecklich ſein Tod am Kreuze geweſen; er ſtellt daher ſelbſt bei jeder heiligen Meſſe ſeinen Tod ſo dar, wie es am Kreuze geſchehen. Dieß will ich erſt⸗ lich mit einem merkwürdigen Beiſpiele, dann mit der Lehre der Theologen beweiſen. 3. Pater Cäſarius, aus dem Kloſter Haiſterbach, ſchreibt(lib. 3. c. 12): Bei uns war ein Geiſtlicher, Godſchalk mit Namen, vom Schloſſe Wolmenſtein. Als er vor ſechs Jahren in der Chriſtnacht auf einem Sei⸗ tenaltare Meſſe las und aus Andacht viele Thränen vergoß, ſah er nach der Wandlung anſtatt der heiligen Hoſtie ein ſo ſchönes Kindlein in ſeinen Händen, daß auch die Engel in Anſchauung einer ſolchen Schönheit ſich erluſtigten. Er nahm es in ſeine Arme, küßte es und empfand unbeſchreibliche Freuden. Nach einer Zeit verſchwand das Kindlein, und der Pater vollendete die heilige Meſſe mit beſonderer Andacht; bald darauf er⸗ krankte er, und vor ſeinem Tode offenbarte er nun dem Prälaten die gehabte Erſcheinung. Dieſer erzählte es einem Pfarrer, Adolph von Deifern genannt, welcher darüber ſeufzte und ſprach:„Warum offenbaret Gott ſolche Dinge den Heiligen, die im Glauben ohnehin vollkommen genug ſind; vielmehr ſollte er mir Armen 164 Neuntes Kapitel. In der heiligen Meſſe und andern Sündern meines gleichen, die wir oft an der Wahrheit des heiligen Sakramentes zweifeln, ſolche Er⸗ ſcheinungen gewähren. Es ſtand nicht lange an, daß dieſer ziemlich leichtfertige Prieſter einmal die heilige Meſſe las. Als er vor dem Agnus Dei die heilige Hoſtie brechen wollte, da ſah er plötzlich ein überaus ſchönes Kindlein in ſeinen Händen, welches ihn freund⸗ lich anlächelte. Anfangs erſchrack er ſehr, als er ſich aber ein wenig erholt hatte, blickte er das Kindlein mit Freude an. Nach einiger Zeit wollte er wiſſen, was auf der andern Seite der Hoſtie ſei, und ſieh, als er ſelbe umwendete, ſah er Chriſtum am Kreuze, wie er ſein Haupt neigte und ſeinen Geiſt aufzugeben ſchien. Dieß ging dem Prieſter ſo zu Herzen, daß er beinahe krank wurde und vor Mitleid häufige und bittere Zähren zu weinen anfing. Er ſah den ſterbenden Heiland lange vor ſich und wußte nicht, ob er mit der heiligen Meſſe fortfahren, oder inne halten ſollte. Das Volk ſah ihn mit Erſtaunen an, entſetzte ſich über ſein bitteres Wei⸗ nen, verwunderte ſich über ſein langes Warten, und wußte nicht, was dem Pfarrer widerfahren wäre; unter⸗ deſſen verſchwand die Geſtalt des ſterbenden Jeſus, die heilige Hoſtie erhielt ihre vorige Geſtalt wieder, und der Pfarrer vollendete die heilige Meſſe mit vielen Zähren. Das Volk wollte wiſſen, was im geſchehen ſei, und warum er ſo lange Meſſe geleſen und ſo ſehr geweint habe. Darum ſtieg er auf die Kanzel, erzählte dem Volke die gehabte Erſcheinung des Chriſtkindes, und wollte ihnen auch dieſe ſchmerzvolle Geſtalt des ſterben⸗ den Heilandes beſchreiben; allein ſein Herz war ſo weich, ſeine Augen ſo voll Woſſer und ſein Mund ſo voll Seufzer, daß er kein verſtändliches Wort hervorbringen honn eini trach brac mn in ſi beſſe ßn welc Pat him ſtell um wel We doch Ade int wir vir den ihn doch ſs ſen und ſiſe Me den wird der Tod Chriſti erneuert. 165 konnte, weßwegen er auch weinend von der Kanzel ging, einige Tage in Bereuung ſeiner Sünden und in Be⸗ trachtung des bitteren Leidens und Sterbens Chriſti zu⸗ brachte, und vielen frommen Leuten die gehabte Erſchei⸗ nung erzählte. Dieſe blieb ihm all ſein Lebtag ſo tief in ſein Herz eingedrückt, daß er ſein leichtfertiges Leben beſſerte, ſeine begangenen Sünden abbüßte, und ſeinen Pfarrkindern hinfüro mit einem guten Beiſpiele vorleuchtete. 4. Aus dieſer Erzählung können wir abnehmen, auf welche Weiſe unſer Erlöſer ſeinen bittern Tod Gott dem Vater und dem heiligen Geiſte, wie auch dem ganzen himmliſchen Heere unter der heiligen Meſſe vor Augen ſtelle, und ihnen in ihre heiligen Herzen eindrücke, nicht um ſie zu betrüben, ſondern ihnen die große Liebe, mit welcher er einen ſo bittern Tod für die Erlöſung der Welt gelitten hat, zu erkennen zu geben. O, wenn wir doch auch eine ſolche Gnade hätten, wie der Prieſter Adolph von Deifern, nämlich unſern ſterbenden Jeſus in der heiligen Hoſtie anzuſchauen, wie gerne würden wir zur heiligen Meſſe gehen, wie andächtig würden wir die heilige Meſſe hören, und welches Mitleid wür⸗ den wir mit unſerm Erlöſer tragen? Allein ſehen wir ihn auch nicht mit leiblichen Augen, ſo ſehen wir ihn doch, und zwar völlig unzweifelhaft mit den Augen un⸗ ſers Verſtandes, mit unſerm Glauben. So oft wir die⸗ ſen Glauben erwecken, verrichten wir einen Gottesdienſt, und verdienen unſern Lohn. Damit wir aber deſto ſeſter glauben, ſo gibt uns Chriſtus unter der heiligen Meſſe einige klare Anzeichen ſeines Todes, welche von den Gottesgelehrten folgendermaſſen erklärt werden: 5. Als Jeſus beim letzten Abendmahle ſeinen hei⸗ ligen Leib und ſein Blut conſekrirte, wollte er dieß nicht 166 Neuntes Kapitel. In der heiligen Meſſe auf Einmal, noch unter einerlei Geſtalt thun, ſondern wollte zweimal und in zweierlei Geſtalten conſekriren, damit er uns ſeinen Tod recht lebhaft vor Augen ſtel⸗ len könnte. Er hätte wohl über das Brod ſprechen können:„Das iſt mein Leib und mein Blut;“ wenn er dieß aber gethan hätte, ſo wäre es zwar ſein leben⸗ diger Leib und ſein lebendiges Blut geworden, allein eine klare Darſtellung ſeines bittern Todes hätte er uns durch die Conſekration unter Einer Geſtalt nicht gegeben. Darum wollte er zuerſt das Brod allein durch die Wandlungsworte in ſeinen heiligen Leib conſekriren, her⸗ nach aber den Wein, um beides, Fleiſch und Blut, ge⸗ trennt den Jüngern darzureichen; und ſo hat er es auch durch den heiligen Geiſt ſeiner Kirche eingegeben, auf daß die Prieſter zuerſt die Hoſtie in ſeinen heiligen Leib, darnach den Wein in ſein heiliges Blut conſekriren; denn durch die Trennung von Fleiſch und Blut wird dem Volke am klarſten ſein Tod vor Augen geſtellt. 6. Hierüber redet Lancicius(Tom. 2. de Missa c. 5.) alſo:„Weil der natürliche Tod aus der gänz⸗ lichen Abſonderung des Blutes vom Leibe entſtehet, und Chriſtus nur auf ſolche Weiſe am Kreuz⸗ ſterben und ſein blutiges Sacrificium vollbringen wollte, ſo wird auch in der heiligen Meſſe ſein Tod durch die Abſon⸗ derung des Blutes von ſeinem Leibe dargeſtellt; denn durch die Kraft der Wandlungsworte wird der Leib allein in der Geſtalt des Brodes, und dos Blut allein in der Geſtalt des Weines vor Augen geſtellt; und dieß iſt eine wahre und wirkliche Schlachtung Chriſt, in welcher die Weſenheit des Brodes und Weines zerſtört und ver⸗ wandelt wird.“ 7. Dasſelbe erklärt auch P. Gervaſius(Tom. V. U wird der Tod Chriſti erneuert. 167 dist. 2.) mit den Worten:„Was in der heiligen Meſſe geopfert wird, iſt Chriſtus; nicht zwar in derſelben Ge⸗ ſtalt, wie er im Himmel iſt, ſondern unter den Geſtal⸗ ten des Brodes und Weines, unter welchen er gleich⸗ ſam als getödtet gezeigt wird; denn er iſt hier in einem Zuſtande, in welchem er weder einen Fuß, noch eine Hand bewegen, noch durch ſeine Glieder ein leibliches Werk verrichten kann; gleichwohl übt er die Werke der Seele, nämlich des Verſtandes und Willens ꝛc.“ Auf dieſe Weiſe legen alle Lehrer dieß große Geheimniß aus. Für unſtudirte Leute will ich noch eine andere Auslegung hieher ſetzen, um den Tod Chriſti zu erklären. Wenn der Prieſter unter der heiligen Meſſe conſekrirt, ſo empfängt Chriſtus eine neue Gegenwart und ein neues Leben; denn vor der Waudlung war er ſeiner Menſchheit nach nicht auf dem Altar, nach der Wand⸗ lung aber iſt er wahrhaftig und lebendig gegenwärtig. Das neue Leben und die perſönliche Gegenwart Chriſti nützt uns ſehr viel, weil er auf dem Altare eifrig für uns bittet, und ſo den Zorn ſeines Vaters beſänftiget. Das neue Leben(um auf natürliche Weiſe zu reden) wollte er darum gerne behalten, damit er dem Himmel größere Freude, der Welt größeres Heil und dem Feg⸗ feuer größeren Troſt bringen könnte. Um ſeine unend⸗ liche Liebe zu zeigen, will er auf dem Altare nicht allein ſein Leben, ſondern auch ſein Sterben erneuern, und ſelbes ſowohl der Welt, als dem Himmel vor Augen ſtellen; eben deßwegen hat er befohlen, daß die Prieſter nicht nur conſekriren, ſondern auch communiciren, und ſo das hochwürdigſte Sakrament genießen ſollen. Wenn nun der Prieſter dieß thut, und die heilige Hoſtie ge⸗ nießt, ſo verliert Chriſtus jenes Weſen und Leben, — 168 Neuntes Kapitel. In der heilige Meſſe welches er durch die Conſekration empfangen hat, wieder, und wird ſo im Leibe des Prieſters begraben. Auf ſolche Weiſe erneuert er ſeinen Tod und zeiget Gott dem Vater, auf welch' ſchmerzliche Weiſe er ſein Leben für die Welt dargegeben und ſeine Seele für ſeine Schafe geopfert hat. 8. Wie ſehr die Erneuerung des bittern Todes Chriſti dem allmächtigen Gott gefalle, kann keine menſch⸗ liche Zunge ausſprechen. Etwas Weniges aber können wir doch wohl davon reden und verſtehen. Da Chri⸗ ſtus in der heiligen Meſſe Gott dem Vater ſeinen Tod vor Augen ſtellt, opfert und erzeiget er ihm auch wie⸗ der auf's Neue den ſchweren Gehorſam, welchen er ihm bereitwillig geleiſtet hat. Er war ihm zwar in Allem vollkommen gehorſam, gleichwohl aber war kein Gehor⸗ ſam ſeiner Natur ſo ſehr zuwider, als jener, in welchem er ſein edles Leben laſſen, und den bitterſten Tod, der ſeiner Natur ſo ſehr widerſtrebte, leiden ſollte. Dieſen harten Gehorſam beſchreibt St. Paulus(Philipp. am 2. c.) mit folgenden Worten:„Er hat ſich ſelbſt gedemüthiget und iſt gehorſam geworden bis zum Tode, ja bis zum Tode des Kreuzes.. Damit wir aber wiſſen, wie an⸗ genehm Gott dieſer harte Gehorſam war, und wie reichlich er ſelben belohnt hat, ſetzt er ferner hinzu: „Deßwegen hat Gott ihn auch erhöht, und ihm einen Namen über alle Namen gegeben«“ Dieſen vortreff⸗ lichen Gehorſam opfert Chriſtus ſeinem Vater unter der heiligen Meſſe, und mit dieſem zugleich auch die hervi⸗ ſchen Tugenden, in welchen er geſtorben iſt, und welche er in ſeinem Sterben geübt hat; nämlich ſeine höchſte Unſchuld, ſeine tiefſte Demuth, ſeine unüberwindliche Geduld und ſeine feuerige Liebe, welche er nicht allein wird der Tod Chriſti erneuert. 169 zu ſeinem Vater, ſondern auch zu ſeinen Kreuzigern und Feinden und zu den undankbaren Sündern ge⸗ tragen hat. 9. Er zeigt ihm auch die bitteren Schmerzen, die er im Sterben gelitten, die harten Todesſtöße, welche ſein Herz empfangen, die Schrecken des Todes, die ihn eingenommen, die Zerreißung aller Gelenke, welche er ausgeſtanden, und endlich den grauſamen Lanzenſtich, der ſein heiliges Herz durchbohrt hat. Dieß ſtellt er ihm ſo lebhaft vor, als ob es von Neuem wiederholt würde; er erneuert das unendliche Gefallen, welches Gott Vater damals an dem Tode ſeines liebſten Soh⸗ nes hatte, als er ſah, wie bereitwillig er ihm zu Liebe und zu ſeiner größeren Glorie den bitterſten Tod litt. Wie nun Chriſtus damals den Zorn ſeines Vaters be⸗ ſänftigte, den Sündern Bariherzigkeit erwarb und die Welt mit Gott verſöhnte, ſo wiederholt er dasſelbe in allen heiligen Meſſen, und erwirbt uns ſo ein Heil, das wir ihm nie genug vergelten können. 10. Wir wollen nun ſehen, und aus den Zeugniſ⸗ ſen geiſtreicher Lehrer beweiſen, wie uns dieſer erneuerte Tod Chriſti zu Nutzen komme. Der hl. Papſt Gregorius Homil. 37. in Evang.) ſpricht:„Das Schlachtopfer bewahret die Seelen auf beſondere Weiſe vor dem ewigen Untergange, indem es den Tod des eingebornen Sohnes Gottes durch das heilſame Geheimniß darſtelit.“ O, wohl ein tröſtlicher Spruch für alle Jene, welche ſich wegen ihrer Sünden vor der ewigen Verdammniß fürchten. Denn der heil. Gregorius, welchem nach alter Ueberlieferung der heilige Geiſt ſeine Schriften einge⸗ geben hat, bezeugt ausdrücklich, daß, weil der bittere Tod Chriſti in der heiligen Meſſe dargeſtellt und erneuert — 170 Neuntes Kapitel. In der heiligen Meſſe wird, dieſer geiſtliche Tod eine ſolche Kraft habe, daß er die Seelen auf beſondere Weiſe vor dem ewigen Tode bewahre. Willſt du alſo vor dem ewigen Tode bewahrt bleiben, höre die heilige Meſſe fleißig, verehre den bit⸗ tern Tod Chriſti, und opfere ihn Gott dem Vater auf. 11. Der gelehrte Manſi(in vero Ecclico. lib. c. 1. 6.) ſchreibt:„Weil der eingeborne Sohn des Aller⸗ höchſten ſich auf dem Altare des Kreuzes zum blutigen Schlachtopfer dargebracht hat, in der heiligen Meſſe aber wieder ſich aufopfert, ſo geht hervor, daß die Celebra⸗ tion einer heiligen Meſſe von eben dem Werthe ſei, wie der Tod unſers Erlöſers ſelbſt.. Daß dieſes wahr ſei und wie dieſer herrliche Ausſpruch zu verſtehen, wirſt du aus dem Folgenden vernehmen. 12. Der Cardinal Hoſius(de Euchar. c. 41.) ſchreibt:„Obwohl wir Chriſtum in der heiligen Meſſe nicht wieder tödten, dennoch eignen wir uns ſeinen Tod nicht anders zu, denn als ob er eben jetzt geſtorben wäre. Im unblutigen heiligen Meßopfer iſt er unblutig und geiſtlich, und dennoch bringt er die Wirkungen des blu⸗ tigen Todes nicht anders hervor, denn als ob ſein Tod jetzt wirklich gegenwärtig wäre.“ Sind das nicht wun⸗ derbare und überaus merkwürdige Worte, daß nämlich der erneuerte oder geiſtliche Tod Chriſti eben ſo viel auswirke, und uns eben ſo viel nütze, als uns der blu⸗ tige und ſchmerzliche Tod genützt hat. Dieß behauptet der Cardinal mit folgenden Worten:„Eben ſo wird uns der Tod Chriſti und deſſen Früchte zugeeignet in der heiligen Meſſe, als wenn Chriſtus wirkich ſtürbe.“ Wenn dem alſo iſt, welch' eine gewaltige Kraft muß die heilige Meſſe haben, und wie viel Gutes muß ſie Je⸗ nem auswirken, der ſie andächtig höret? Wäreſt du auf te . wird der Tod Chriſti erneuert. A dem Calvarienberg geweſen bei deinem ſterbenden Hei⸗ lande, mein Gott! welches Heil, welche Gnaden, und welche geiſtliche Güter würdeſt du davon getragen haben? Eben ſo viele und eben ſo große Güter kannſt du aber in jeder heiligen Meſſe erlangen und davontragen, wenn du dich nur eben ſo verhielteſt, wie du dich bei deinem ſterbenden Chriſtus verhalten haben würdeſt. Rupertus Abbas(in c. 6. Joan.) ſagt hierüber:„So wahr Chriſtus am Kreuze hing und uns Verzeihung der Sün⸗ den auswirkte, eben ſo wahr wirkt er unter den Geſtal⸗ ten des Brodes und Weines allen Gläubigen dieſelbe Verzeihung der Sünden aus.“ 13. Auf welche Weiſe die heilige Meſſe die Ver⸗ zeihung der Sünden bewirke, wird im 15. Kap. erklärt werden. Aus dieſem Ausſpruche des Rupertus aber haben wir den Troſt, daß wir alſo durch das an⸗ dächtige Meſſehören einen großen Theil von den Strafen unſerer Sünden abbüßen und auslöſchen können. 14. Ueber denſelben Gegenſtand ſagt auch P. Seg⸗ neri(in Homine Christ. disc. 12. c. 9.):„Das Kreuzopfer iſt die allgemeine Urſache geweſen, die Sün⸗ den zu tödten. Das heilige Meßopfer aber iſt die be⸗ ſondere Urſache, welche die Kraft des vergoſſenen Blutes Chriſti dieſem und Jenem zutheilet. Der Tod und die Marter Chriſti haben die Schätze geſammelt, das Meß⸗ opfer aber theilet ſie aus. Der Tod Cyriſti iſt die gemeinſame Schatzkammer, die heilige Meſſe aber iſt der Schlüſſel, ſelbe zu öffnen.“ Das ſind tröſtliche Worte, welche allen denen, die an Verdienſten arm ſind, Muth machen ſollen, fleißig zur heiligen Meſſe zu gehen, um durch dieſelbe ihre Armuth zu bereichern. Denn wenn du zur heiligen Meſſe kommeſt, ſo übergibt dir Chriſtus 172 Neuntes Kapitel. In der heiligen Meſſe den Schlüſſel zu ſeiner überaus reichen Schatzkammer, und erlaubt dir hinein zu gehen und ſo viel herauszu⸗ tragen und dir anzueignen, als du nach der Größe dei⸗ ner Andacht verdieneſt. 15. Pat. Segneri fährt fort und ſagt:„Merket wohl, was das Meſſeleſen und Meſſehören ſei. Es iſt eben ſo viel, als machen, daß derjenige Gott, welcher für alle Menſchen insgemein geſtorben iſt, für mich und für dich, und für Jeden, der bei der heiligen Meſſe ge⸗ genwärtig iſt, wieder ſterbe, ebenſo, als ob er für jeden Einzelnen den Tod litte.“ Nimm doch dieſe Worte recht zu Herzen, mein lieber Leſer, und bedenke wohl, welche Liebe dir Gott erweiſe, wenn du ihm zu Liebe zur hei⸗ ligen Meſſe geheſt. Er vergilt dir dieſen Dienſt ſo reichlich, daß er noch einmal ſein Leben für dich dargeben, und dir die Verdienſte ſeines Todes ſchenken will. Er ſtirbt für dich geiſtlicher Weiſe, und wäre auch bereit, für dich noch einmal leiblicher Weiſe zu ſterben, wenn es ſein könnte und nöthig wäre! 16. Die heilige Maria ſprach zu einem großen Diener Gottes:„Mein Sohn liebt die Meſſehörenden ſo ſehr, daß er für Jeden, wenn es nöthig wäre, ſo vielmal ſterben wollte, als viele andächtige Meſſen er in ſeinem Leben gehört habe. Seine unendlichen Verdienſte aber erſtatten dieſes Alles ohnehin.“(P. revid. par. 2. c. 7. n. 26.) Das ſind ſo wunderbare Worte, daß man ſie kaum glauben kann; gleichwohl ſind ſie der un⸗ endlichen Liebe Chriſti gemäß, welche ihn antreibt, täg⸗ lich nicht nur einmal, ſondern viel tauſendmal geiſtlicher Weiſe für die armen Sünder zu ſterben. Lerne hier⸗ aus, daß du täglich mit Andacht zur heiligen Meſſe geheſt, und denke, als ob du mit Chriſtus auf den — wird der Tod Chriſti erneuert. 173 Kalvarienberg gingeſt und ihm in ſeinem Leiden und Sterben beiſtehen wollteſt. Dieß lehret auch der gott⸗ ſelige Thomas von Kempen, welcher(de Imit. lib. 4. c. 2.) ſpricht:„Wenn du Meſſe lieſeſt, oder Meſſe höreſt, ſo ſoll es dir ebenſo groß, ebenſo neu und eben ſo lieblich vorkommen, als ob Chriſtus an demſelben Tage vom Himmel in den jungfräulichen Leib geſtiegen, und Menſch geworden wäre, oder am Kreuze hangend für das Heil der Menſchen litte und ſtürbe.“ Ja er leidet und ſtirbt wahrhaftig geiſtlicher Weiſe für jeden Menſchen, der in der heiligen Meſſe iſt, mit derſelben Liebe, mit welcher er für alle Sünder insgemein leib⸗ licher Weiſe geſtorben iſt. O Gott! was iſt das für eine Liebe! Gott, was ift das für eine Gnade! Jeſus Chriſtus, der Sohn Gottes, ſtirbt für alle Meſſehörenden geiſtlicher Weiſe, wie er vorher leiblicher Weiſe für die ganze Welt ge⸗ ſtorben iſt. O, welch' großer Nutzen entſpringt uns hieraus! was für ein Heil können wir dadurch erlangen, und welche reichen Verdienſte uns zueignen? Wenn du auf dem Kalvarienberge geweſen, und hätteſt Gott dem Vater die bitteren Todeſchmerzen ſeines ſterbenden Sohnes aufgeopfert, meinſt du nicht, daß er dir all veine Sün⸗ den verziehen hätte? Ohne allen Zweifel hätte der mild⸗ reiche Vater dir reuigem Sünder vollkommenen Nach⸗ laß aller deiner Schulden und Strafen ob des bitterſten Todes ſeines liebſten Sohnes von Herzen ertheilt. Ei, ſo thue dieß in der heiligen Meſſe, weil da dein lieb⸗ ſter Jeſus leiblicher Weiſe gegenwärtig iſt, und geiſtlicher Weiſe für dich ſtirbt.— 174 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe wird die Plutvergießung Chriſti erneuert. 1. Der heilige Paulus(Hebr. 9.) ſchreibt über den Gebrauch im alten Teſtamente, mit dem Blute der Opfer⸗ thiere das Volk zu beſprengen, um durch dieſes Be⸗ ſprengen Alles zu reinigen und zu heiligen. Seine Worte lauten:„Nachdem Moſes das ganze Geſetz dem Volke vorgeleſen hatte, nahm er das Blut der Kälber und Böcke mit Waſſer, Iſop und Scharlachwolle, be⸗ ſprengte das Buch ſelbſt, wie auch alles Volk damit, und ſprach: Dieſes iſt das Blut des Bundes, welchen Gott mit euch geſchloſſen hat. Auch das Zelt und alle zum göttlichen Dienſte beſtimmten Gefäße beſprengte er mit dem Blute; denn nach dem Geſetze wird Alles im Blute gereiniget, und ohne Blutvergießung geſchieht keine Verzeihung.“ Dieſe Blutvergießung und Beſprengung war ein Vorbild und eine Vorbedeutung der Blutver⸗ gießung Chriſti, wodurch wir von unſern Sünden weit vollſtändiger gereinigt werden, als die Juden im alten Teſtamente durch jene Blutvergießung und Beſprengung. Denn alſo ſpricht Paulus:„Wenn nun das angeſprengte Blut der Böcke und Ochſen die Bemackelten heiliget und reiniget, wie viel mehr wird dann das Blut Chriſti unſer Gewiſſen von den tödlichen Werken reinigen und uns Gnade ertheilen, dem lebendigen Gott zu dienen?“ 2. Hier möchten aber Einige ſagen: Chriſtus hat ſein heiliges Blut in ſeinem Leiden vergoſſen, und die da do ſer 6t fü lic Un iſ . wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 175 damals lebenden Gläubigen damit beſprengt; wir waren damals noch nicht geboren, und deßwegen ſind wir die⸗ ſer großen Gnade beraubt worden. Betrübe dich nicht darüber, mein lieber Chriſt, denn das heilige Blut Chriſti iſt eben ſo gut für uns vergoſſen worden, als für die damals lebenden Gläubigen. Chriſtus hat näm⸗ lich ein anderes Mittel erfunden, durch welches er noch täglich ſein Blut vergießt, unſere Seelen damit beſprengt und reiniget. Dieß Alles geſchieht in jeder heiligen Meſſe, was ich noch ausführlicher zeigen will. 3. Der erſte Zeuge iſt der heilige Auguſtin, welcher (Serm. 11. d. S. S) alſo ſpricht:„In der heiligen Meſſe wird das Blut Chriſti für die Sünder vergoſſen.⸗ Dieſe Worte ſind ſo klar, daß ſie keiner Auslegung be⸗ dürfen, und dieſer Zeuge iſt ſo redlich, daß ihm Nie⸗ mand widerſpricht. Der zweite Zeuge iſt der heilige Chryſoſtomus, welcher de Euchar. ſagt:„Das Lamm Gottes wird für dich geſchlachtet, das Blut fließet geiſt⸗ licher Weiſe vom Altare, und dieſes Blut, welches im Kelche iſt, wird zu deiner Reinigung aus der unbefleck⸗ ten Seite Chriſti geſchöpft.. Es ſcheint, als wollte P. Kiſſeli dieſen Spruch des heil. Chryſoſtomus erklären, da er(Alveo 2. conc. 36.) ſpricht:„Chriſtus hat ſein Blut Einmal ſichtbarlich und ſchmerzlich vergoſſen, wo⸗ bei wir nicht gegenwärtig ſein konnten. In der hei⸗ ligen Meſſe wird dieſe Blutvergießung täglich unſichtbarer Weiſe wiederholt; denn da werden unſichtbarer Weiſe ſeine Hände verwundet, ſeine Füße durchbohrt, ſeine Seite geöffnet und ſein Blut fließend gemacht. Seine unendlichen Verdienſte aber können wir uns durch bren⸗ nende Begierde, durch Reue und Leid, durch die heilige Kommunion, beſonders aber durch das Meſſehören 176 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe zueignen.. Merke dir alſo dieſe Worte; denn ſie ſind ſehr eindringlich, indem der gelehrte Pater ſagt, daß wir durch das Meſſehören auf's kräftigſte uns die Ver⸗ dienſte Chriſti zueignen können. Zuletzt ſetzt er noch folgende Worte hinzu:„In der heiligen Meſſe ſchöpft der Prieſter durch die Worte der Wandlung das gött⸗ liche Blut gleichſam aus der Seite Chriſti, damit es zu deiner Reinigung, Heiligung und Sündenvergebung fließe.⸗ 4. Dieſe Worte ſind überaus merkwürdig; denn der berühmte Prediger ſagt: wenn der Prieſter die Worte der Wandlung über den Kelch ausſpricht, ſo ſchöpft er das roſenfarbige Blut aus der Seite Chriſti, dieſes Blut fließt in den Kelch und wird aus dem Kelche geiſtlicher Weiſe auf die Seelen der Gläubigen geſprengt. Wun⸗ derbar iſt zu hören, wie dieſer Pater ſagt, daß die Hände, Füße und die Seite Jeſu in der heiligen Meſſe geiſtlicher Weiſe verwundet und blutfließend werden! Ich könnte noch viele Zeugen und Beweiſe für meinen ſo eben aufgeſtellten Satz anführen; allein wir wollen nur noch hören, was der berühmte Gottesgelehrte Petrus Natalis(I. lib. 2. c. 6. 2. 1.) ſagt:„Dasſelbe Blut, welches aus der Seite Chriſti gefloſſen, iſt im Kelche und wird geiſtlicher Weiſe zur Verzeihung unſerer Sün⸗ den nochmal geopfert, wie aus den Worten der Wand⸗ lung hervorgeht.“ 5. Die Worte der Wandlung aber lauten:„Das iſt der Kelch meines Blutes ꝛc., welches für euch und für Viele wird vergoſſen werden zur Vergebung der Sünden. Dieſe Worte hat Chriſtus geſprochen, als er den Wein in ſein Blut verwandelte. Dieſe Worte ſprechen auch die Prieſter auf Befehl Chriſti, nicht aber ſſe en len wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 177 ſo, als wollten ſie am Altare bloß erzählen, was Chri⸗ ſtus über den Kelch geſprochen habe,— denn wenn ein Prieſter dieß thäte, ſo würde er nicht konſekriren,— ſondern ſie ſprechen ſelbe beſtätigungsweiſe, nämlich das ſei Wahrheit, oder das ſoll wahr werden, wie es auch wirklich geſchieht, weil der Wein in das wahrhafte Blut Chriſti verwandelt wird. 6. Nun aber ſpricht der Prieſter nicht bloß:„Dieß iſt der Kelch meines Blutes,, ſondern er ſetzt noch dazu:„welches für euch und für viele wird vergoſſen werden zur Vergebung der Sünden.. Wie nun die er⸗ ſten Worte unfehlbar erfüllet wurden, ſo müſſen auch die letzten erfüllt werden. Es wird alſo das hochheilige Blut in der heiligen Meſſe wirklich vergoſſen.„Für Euch und für Viele,“ ſpricht der Prieſter, d. h. für euch Gegenwärtige und für viele Abweſende, welche die heilige Meſſe leſen ließen, oder auch für ſolche, welche die heilige Meſſe gerne hörten, wenn ſie nur könnten; weil ſie aber wegen Krankheit, oder Gefangenſchaft oder wegen wichtiger Geſchäfte nicht dazu kommen können, ſo wird ihnen nach der Anordnung Chriſti die Gnaden⸗ frucht der Blutvergießung auch in ihrer Abweſenheit zu⸗ getheilt. Darum ſollen ſie die heilige Meſſe zu Hauſe Gott aufopfern, oder ſich in dieſelbe wenigſtens em⸗ pfehlen; denn auch für dieſe Vielen wird das Blut Chriſti in der heiligen Meſſe zur Verzeihung ihrer Sün⸗ den vergoſſen. 7. Dieſer Beweis übertrifft alle andern; denn er beſteht aus der Wahrheit, welche aus dem Mund Got⸗ tes ſelbſt gekommen iſt. Iſt demnach dieß nicht ein hohes Geheimniß? iſt dieß nicht eine unausſprechliche Liebe Chriſti zu uns armen Sündern? Soll es denn Cochem, Meßerklärung. 12 178 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe zu glauben ſein, daß der liebe Jeſus, der ſein theueres Blut bis auf den letzten Tropfen für uns vergoſſen hat, dasſelbe aber⸗ und abermal alle Tage und alle Stunden zur Vergebung unſerer Sünden und zu un⸗ ſerm ewigen Heile verzießen will? O welch' große Gnade, welch' großes Heil widerfährt denen, welche die heilige Meſſe andächtig hören! Denn für die Men⸗ ſchen, und zur Vergebung ihrer Sünden wird Chriſti Blut vergoſſen, wie der heilige Ambroſius ſagt:»So oft das Blut Chriſti vergoſſen wird, wird es zur Ver⸗ gebung der Sünden vergoſſen.“ Wer wollte dann nicht gerne in die heilige Meſſe gehen, da er doch verſichert iſt, daß er da Verzeihung ſeiner Sünden erlangen kann. Daß aber das wahre Blut Chriſti im Kelche ſei, hat Gott mit vielen Wundern bewieſen, wovon ich aber nur Eines anführen will. Der fromme P. Cäſarius von Haiſterbach(ib. 9. c. 22.) ſchreibt, daß zu ſeiner Zeit um das Jahr 1220 im kölniſchen Erzbisthume eine Klausnerin war, welche ſich von der Welt abgeſondert hatte, ein kleines Häuschen bei der Kirche erbauen ließ und ſelbes immer verſchloſſen hielt. Zur ſelben Zeit gab es deren Viele, welche auf ſolche Weiſe ein heiliges Leben führten. Sie verrichtete große Bußwerke und trug eine beſondere An⸗ dacht zur heiligen Meſſe, welche ſie durch ein Fenſter⸗ lein ihres Zimmers hören konnte. Der Feind ihres Heiles aber, der ſie durch keine andere Anfechtung be⸗ trügen konnte, gab ihr in den Sinn, daß das wahre Blut nicht im conſekrirten Kelche ſei. Dieſe Ver⸗ ſuchung war ſo ſtark, daß die ſchwache Jungfrau der⸗ ſelben keinen Widerſtand leiſten konnte, ſondern in die⸗ ſelbe endlich einwilligte, und dieſes Gift auch jenen — — e ſen Ule hr ol, ines me iel 6 Si In ſt hre b J Vel wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 179 Weibsperſonen einflößte, welche ſie zu beſuchen und ſich mit ihr durch eine Fenſteröffnung zu unterhalten pflegten. Der liebe Gott aber trug mit ſeiner treuen Dienerin Mitleid und entriß ſie durch ein offenbares Wunder dem Rachen des Teufels auf folgende Weiſe: Ein Pfarrer, nicht gar weit von dieſer Klausnerin abge⸗ legen, las eines Tages in der Kirche, an welcher die⸗ ſelbe ihr Zimmer hatte, die heilige Meſſe und ſtieß aus Unachtſamkeit und Zulaſſung Gottes den konſekrirten Kelch um. Hierüber erſchrack er über die Maſſen, noch viel mehr aber, als er ſah, daß die verſchütteten Ge⸗ ſtalten des Weines in roſenfarbes Blut verändert waren. Mit welchen Aengſten er die übrige heilige Meſſe fort⸗ geleſen habe, kann jede andächtige und fromme Seele ſich wohl denken. Nach der heiligen Meſſe nahm er warmen Wein, und wuſch das ölutige Korporale heim⸗ lich in der Sakriſtei über dem Kelche fleißig aus. Dieß that er zwar oft, und wit weinenden Augen, gleichwohl konnte er die blutfärbigen Tropfen am Kor⸗ porale nicht vertilgen Nachdem er dieß an dem näm⸗ lichen Tage oftmals mit friſchem Weine vergebens ge⸗ than, erſchrack er ſehr, und fürchtete nicht ſo faſt, in eine ſchwere Kirchenſtrafe zu fallen, ſondern viel mehr, daß ihn eine harte Strafe Gottes treffen werde. Die ganze Woche hindurch gebrauchte er alle erdenklichen Mitttel, beweinte bitter ſeinen begangenen Fehler, flehte zu Gott, daß er dieſe blutigen Tropfen vom Korporale hinwegnehmen möchte; allein ſeine Bitte blieb unerhört. Am Sonntage nahm er das Korporale mit ſich auf die Kanzel, erzahlte den Leuten, was ſich damit zugetragen hatte, und zeigte ihnen endlich das blutige Korporale nit weinenden Augen. Hier war Niemand, der nicht * 180 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe von Herzen erſchrack und bei Anſchauung des wahren Blutes Chriſti innerlich bewegt und erſchüttert wurde. Er bat ſie alle, daß ſie mit ihm eifrig zu Gott bitten ſollten, auf daß er die Blutstropfen doch hinwegnehmen wolle; ſie beteten, und der Pfarrer wuſch vor ihren Augen das blutige Korporale; allein vergebens. Er er⸗ kannte nun, daß etwas Göttliches an der Sache ſei, und ging nach Köln zum Demſcholaſtikus, dem Herrn Rudolph, einem Manne von großem Rufe, erzählte ihm, daß er den conſekrirten Kelch verſchüttet hätte, zeigte ihm das heilige blutfärbige Korporale, und ſagte ihm, wie oft er ſelbes vergebens gewaſchen habe. Der Dom⸗ ſcholaſtikus ward in Anſchauung des heiligen Blutes von einem heiligen Schrecken ergriffen, fiel demüthig auf ſeine Kniee nieder, küßte es mit beſonderer Andacht und wußte lange nicht, was er dazu ſagen ſollte. Endlich ſprach er:„Niemand kann es läugnen, daß dieſes gött⸗ liche Wunder zu unſerm Heile und zur Stärkung der Schwachen im Glauben an das heilige Sakrament von Gott gewirkt worden ſei. Ich frage aber: Iſt vielleich Jemand in eurer Pfarrei, der an dieſem heiligen Sa⸗ kramente zweifelt?, Der Pfarrer antwortete:„Es iſt eine Klausnerin in meiner Pfarrei, welche an der Gegenwart des Blutes Chriſti ſehr zweifelt, und vor dieſem Zweifel mit Andern oftmals redet.“ Da ſprach der Scholaſtikus:„Ohne Zweifel hat Gott die Zeichen ſeines heiligen Blutes im Korporale deßwegen ſichtbar werden laſſen, damit die Klausnerin, wenn ſie dieſes ſieht, ihren Zweifel niederlege und im Glanben an die⸗ ſes heilige Sakrament geſtärkt werde. Gehe alſo hin, zeige ihr dieſes Korporale und rede ihr ernſtlich ans Herz, daß ſie von ihrem Zweifel abſtehen ſolle.⸗ Mit itſe honn dn ielt ſite der virt Plut ſine ſelch ge ſicht den ſoge Her End dor 48 d hewe he ſi lnd Kel it Pie Age Au um de we ren tde tien men E pn ich iſ N * wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 181 dieſer Antwort wohl zufrieden, ſchied der Pfarrer von dannen, kam zu der gemeldeten Klausnerin, und erforſchte von ihr, was ſie von der Gegenwart Chriſti im Kelche hielte. Sie bekannte ihm die gründliche Wahrheit, und ſagte:„Ich glaube zwar, daß in der heiligen Hoſtie der wahre Leib und das wahre Blut Chriſti gegen⸗ wärtig ſei, kann aber nicht begreifen, daß eben dasſelbe Blut im Kelche ſei; denn Chriſtus hat kein Blut außer ſeinem Leibe.. Der Pfarrer erklärte ihr nun, daß im Kelche vermöge der Wandlungsworte allerdings das hei⸗ lige Blut ſei; weil aber ein lebendiges Blut ohne Leib nicht ſein kann, ſo iſt wohl auch der Leib Chriſti mit dem Blute im Kelche verbunden. Allein er mochte ſagen, was er wollte, er kennte dennoch das verblendete Herz nicht erleuchten, noch von ſeinem Irrthume abbringen. Endlich zog er das blutige Korporale hervor, hielt es vor ihre Augen, und erzählte ihr die ganze Geſchichte; als ſie aber das heilige Blut ſah, erſchrack ſie ſo ſehr, daß ſie zu Boden fiel, ihren Irrthum mit heißen Zähren beweinte und alle Gegenwärtigen um Verzeihung bat. Hernach ſprach ſie mit lauter Stimme:„Ich glaube feſtiglich, daß in dem conſekrirten Kelche das natürliche und wahre Blut Chriſti ſei, welches er für uns am Kreuze vergoſſen hat, und in dieſem Glauben begehre ich zu leben und zu ſterben.“ Nach dieſem wuſch der Prieſter das Korporale nochmal, und ſieh Wunder! augenblicklich verſchwand das Blut auf demſelben. Die Klauenerin war hierüber noch mehr überzeugt und er⸗ Sunnte es mit Dank, daß dieſes Wunder nur zu ihrem Seelenheile geſchehen war. 8. Den entgegengeſetzten Zweifel hatte Pater Pe⸗ us von Lavagnelas(St. Hieronymi⸗Ordens lib. 2. 182 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe Chron. S. Hier.), welcher lange und ſtark mit dem Gedanken geplagt war, ob wohl das heilige Blut Chriſti auch in der heiligen Hoſtie ſei. Als er nun an einem Tage wieder Meſſe las und nach der Wandlung zu den Worten: Supplices te rogamus, gekommen war, welche zu deutſch heißen:„wir bitten dich demüthiglich, allmächtiger Gott, laß dieſe Gaben durch die Hände deines heiligen Engels vor dem Angeſichte deiner gött⸗ lichen Majeſtät auf deinen erhabenen Altar legen ꝛc.“ und ſich bei dieſen Worten nach der Vorſchrift des Meßbuches tief beugte, ſieh, da fiel eine ſo dicke Wolke auf den Altar nieder, daß er weder den Kelch, noch die heilige Hoſtie ſehen konnte. Hierüber gerieth er in einen großen Schrecken, und wußte nicht, was dieß be⸗ deute, und wie dieſe Sache enden werde. Ueber eine kleine Weile ſah er, daß die heilige Hoſtie ſammt dem Kelche von einer unſichtbaren Hand hinweggenommen, und er wußte nicht, wohin getragen wurde. Er ver⸗ fiel in Schrecken und meinte, Gott halte ihn nicht für würdig genug, die heilige Meſſe zu leſen; darum erweckte er eine herzliche Reue über ſeine Sünden und bat Gott inbrünſtig um Rettung aus dieſer Noth. Nach langem Weinen und Seufzen ward endlich ſeine Bitte erhört und er ſah mit eigenen Augen, wie der Kelch mit dem heiligen Blute, und auf demſelben die heilige Hoſtie ſchwebend, wieder gebracht wurde. Da fing er an vor Freude zu weinen, und ſeinem Gott für die Wieder⸗ bringung des heiligen Sakramentes zu danken. Während er die ſchwebende heilige Hoſtie mit andächtigen Augen betrachtete, ſieh, da nahm er wahr, daß aus derſelben tropfenweiſe eben ſo viele Blutstropfen herausfloſſen, als er vorher Tropfen Wein in den Kelch gethan hatte Er e E hei der zu da ſie de wi ſi wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 183 verwunderte ſich hierüber ſehr, legte ſeinen Zweifel bei Seite und glaubte in Zukunft feſt, daß auch in der heiligen Hoſtie das wahre Blut Chriſti gegenwärtig ſei. 9. Dieſe beiden Erzählungen zeigen uns an, daß der Leib und das Blut Chriſti unter beiden Geſtalten zugleich gegenwärtig iſt, obwohl kraft der Wandlungs⸗ worte der Leib vornehmlich in der heiligen Hoſtie und das Blut vornehmlich im Kelche iſt, unter welchen wir ſie anbeten. Hier aber wollen wir etwas genauer nach⸗ denken, was uns für eine große Gnade widerfahre, da wir das hochwürdigſte Blut Chriſti in der heiligen Meſſe vor uns haben. Es iſt kein größeres noch koſtbareres Heiligthum in der ganzen katholiſchen Kirche, als die⸗ ſes; denn ein einziges Tröpflein Blut Chriſti, welches mit der Gottheit perſönlich vereiniget iſt, iſt mehr werth, als alle Schätze der ganzen Welt, ja auch des ganzen überaus reichen Himmels. Das theuerſte Blut Chriſti haben wir in der heiligen Meſſe nicht allein gegen⸗ wärtig, ſondern wir haben es auch als unſer Eigen⸗ thum, und es gehört uns eben ſowohl zu, als Jeman⸗ dem ein geſchenktes Gut gehört. Weil Chriſtus unſer Eigenthum iſt in der heiligen Meſſe, ſo iſt auch ſein heiliges Blut unſer Eigenthum, und wir können ſelbes als unſer Eigenthum Gott aufopfern. Wie das heilige Plut Chriſti in der Meſſe ausgeſprengt wird. 10. Im erſten Theil dieſes Kapitels haben wir vernommen, daß das heilige Blut Chriſti in allen Meſſen vergoſſen werde, die Ausſprengung desſelben aber, woran 184 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe auch viel gelegen iſt, haben wir jetzt noch zu erklären übrig. Wiſſe darum, gleichwie das gebenedeite Blut Chriſti in der heiligen Meſſe wahrhaft vergoſſen wird, ebenſo gewiß wird es auch über alle Gegenwärtige geiſtlicher Weiſe geſprengt, und über ihre armen Seelen ausgegoſſen. Hievon haben wir im alten Teſtamente ein ſchöne Vorbedeutung, welche der heilige Paulus (Hebr. 9.) anzieht und erklärt, daß nämlich Moſes das vergoſſene Blut der Kälber und Böcke über das Volk ausgegoſſen und dabei geſprochen habe:„Dieß iſt das Blut des Bundes, welchen Gott mit euch geſchloſ⸗ ſen hat.. Beinahe dieſelben Worte hat Chriftus beim letzten Abendmahle über den Kelch geſprochen, nämlich: „Dieß iſt der Kelch, der neue Bund in meinem Blute ꝛc.“ Der heilige Paulus ſetzt noch hinzu:„Es war nothwendig, daß die Vorbilder der himmliſchen Dinge mit ſolchem Blute gereiniget wurden, die himm⸗ liſchen Dinge ſelbſt aber erfordern vorzüglichere Schlacht⸗ opfer als jene.. Hiemit wollte er ſagen: Die jüdiſche Synagoge war ein Vorbild der katholiſchen Kirche und wurde durch Beſprengung des Blutes von Böcken und Kälbern gereiniget; die katholiſche Kirche aber wird mit dem Blute des geſchlachteten Lammes Got⸗ tes gereiniget. Nun aber kann nichts mit Blut oder Waſſer gereiniget werven, außer es werde damit benetzt oder beſprengt. Weil nun unſere Seelen in der hei⸗ ligen Meſſe mit dem Blute Chriſti gereiniget werden, ſo müſſen ſie damit beſprengt werden, was ich gleich zeigen will. 11. Der heil. Chryſoſtomus(lib. 3. de Sacerd. c. 4.) ſpricht:„Wenn du unter der heiligen Meſſe ſiehſt, daß Chriſtus geſchlachtet wird, wenn du ſiehſt, do be unt ſer hei M un M wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 185 daß das herumſtehende Volk mit dem roſenfarbigen Blute beſprengt wird, meinſt du wohl, daß du alsdann noch unter Menſchen auf Erden ſteheſt?“ Hier ſagt ja die⸗ ſer vortreffliche Kirchenlehrer, daß das Volk unter der heiligen Meſſe mit Blut beſprengt und befeuchtet werde. Es folgt alſo hieraus, daß das heilige Blut in der Meſſe für uns nicht allein vergoſſen, ſondern auch über uns ausgegoſſen werde. Mit ihm ſtimmt auch überein Marchantius, der da ſagt:„Das koſtbare Blut wird in der heiligen Meſſe wie ein heiliges Opfer vergoſſen und die umſtehenden Gläubigen werden mit demſelben Blute geiſtlicher Weiſe beſprengt.“ Mit klareren Worten aber kann es nicht ausgeſprochen werden, als es der heilige Johannes thut, indem er Apoc. c. 1. ſagt:„Chriſtus hat uns geliebt und uns in ſeinem Blute von unſern Sünden gewaſchen.“ Siehe, Johannes ſagt alſo aus⸗ drücklich, daß uns Chriſtus nicht bloß beſprenge, ſondern in ſeinem Blute waſche und bade. 12. Der heilige Paulus legt uns dieß aber noch klarer vor Augen, indem er an die Hebr. 12. Kap. ſchreibt:„Ihr ſeid hinzugetreten zu Jeſu dem Mittler des neuen Teſtamentes und zur Beſprengung des Blu⸗ tes, welches beſſer redet, als das des Abel.“ Hier frage ich, wann treten wir zu Jeſu unſerm Mitt⸗ ler hin? Antw. In der heiligen Kommunion treten wir ganz nahe zu ihm und empfangen ihn in unſere Herzen; da treten wir nicht bloß zu ihm als unſerm Mittler, ſon⸗ dern zu ihm, als unſerer Seelenſpeiſe. In der heiligen Meſſe aber treten wir zu ihm als unſerm wahren Mitt⸗ ler und Fürſprecher; denn er vertritt hier das Amt und die Perſon eines Prieſters, welchem es dem Amte 186 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe nach zuſteht, für das Volk zu bitten. Wenn wir denn in der heiligen Meſſe zu ihm als unſerm Mittler treten, ſo treten wir auch zugleich zur Beſprengung des Blutes, wie Paulus ſagt, welche in allen heligen Meſſen auf eine geiſtige Weſe geſchieht, nämlich es werden nicht un⸗ ſere Leiber, ſondern unſere Seelen beſprengt. In ſeinem Leiden vergoß Chriſtus ſein heiliges Blut; dieß floß aber auf die Hände und Kleider ſeiner Peiniger, ja es floß ſogar auf die Steine und auf die Erde herab; in der heiligen Meſſe aber vergießt er eben dasſelbe Blut; dieſes fließt aber nicht mehr auf die Erde oder auf die Leiber, ſondern auf die Seelen der Gegenwärtigen. So wie Moſes das jüdiſche Volk mit dem Blute der geſchlachte⸗ ten Thiere, und der Prieſter das chriſtliche Volk mit dem Weihwaſſer beſprengt, auf ſolche Weiſe beſprengt Chriſtus die Seelen mit ſeinem heiligen Blute, welches für ſie in der Meſſe vergoſſen wird. 13. Dieſe geiſtliche Beſprengung nützet uns weit mehr, ols die leibliche. Dieß erhellt daraus, weil die Schergen ſammt den umſtehenden Juden mit dem gött⸗ lichen Blute an ihren Händen und Geſichtern beſprengt, und doch dadurch nicht gereinigt noch bekehrt, ſondern vielmehr verhärtet und erbittert wurden. Wenn aber der leidende Jeſus ihre Seelen beſprengt hätte, ſo wären ſie gewiß dadurch erweicht, bekehrt und gereiniget wor⸗ den. So würde es auch uns wenig nützen, wenn unter der heiligen Meſſe unſere Leiber mit dem heiligen Blute Chriſti beſprengt würden; gar viel aber nützet es uns, wenn unſere Seelen mit dem roſenfarben Blute beſprengt werden, weil dieſelben dadurch gereiniget und geheiliget, und über die Maſſen ſchön geziert werden. 14. Höre noch, was die heilige Magdalena von wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 187 Pazzis hierüber(in Monitis vitae suae annexis cap. 4. n. 14.) ſagt:„Wenn die Seele das Blut empfängt, ſo erhält ſie eine ſolche Würde, als ob ſie mit einem koſtbaren Kleide angethan würde; ſie glänzt und leuchtet ſo ſchön, daß, wenn du den Glanz deiner Seele, welche mit dem heiligen Blute beſprengt iſt, ſehen könnteſt, du ſie ſogleich als einen göttlichen Abglanz verehren wür⸗ deſt. O wunderbare Worte! Glückſelig jene Seele, die mit ſolcher Schönheit gezieret iſt! Glückſeliges Auge, welches die wunderſame Schönheit anzuſchauen würdig iſt! Ach lieber Leſer, gehe doch oft zur heiligen Meſſe, damit du in ſelber mit dem Blute Chriſti be⸗ ſprengt, und mit koſtbaren Kleidern bekleidet werdeſt, in welchen du vor allen Engeln und Heiligen ewig glor⸗ würdig erſcheineſt. Damit du aber noch feſter glaubeſt, daß das heilige Blut Chriſti unter der heiligen Meſſe über uns ausgegoſſen werde, ſo will ich folgendes Bei⸗ ſpiel erzählen. 15. Platina, welche das Leben der römiſchen Päpſte beſchrieb, erzählt im Leben des Papſtes Urban IV., daß um das Jahr 1263 zu Bulſino, einer Stadt nicht weit von Rom, ein Prieſter war, welcher, als er in der heiligen Meſſe die Worte der Wandlung über die hei⸗ lige Hoſtie geſprochen hatte, auf Eingebung des Satans zu zweifeln anfing, ob denn dieſe Hoſtie der wahre Chriſtus ſei. Er dachte und ſprach bei ſich: Ich ſehe ja nichts davon, und rieche und merke nichts; ſo iſt es alſo nicht wahr, daß es Chriſtus iſt, ſondern es iſt nur ein bloßes Brod. Auf ſolche Art zweifelte er nicht nur, ſondern läugnete ſogar die Gegenwart Chriſti und fiel in eine verdammte Ketzerei, jedoch fuhr er mit der hei⸗ ligen Meſſe fort und hob die conſekrirte Hoſtie empor. 188 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe Nun ſieh und höre Wunder, was allda geſchehen! Aus der aufgehobenen heiligen Hoſtie fing an Blut zu fließen, gleichwie ein zarter Regen von den Wolken herab träu⸗ felt, worüber er ſo ſehr erſchrack, daß er nicht wußte, was er anfangen ſollte. Er blieb lange Zeit bewegungs⸗ los ſtehen und ſah mit Erſtaunen, wie das roſenfarbige Blut ſo milde aus der heiligen Hoſtie floß. Das gegenwärtige Volk, welches dieß Schauſpiel ſah, war ſo ſehr bewegt, daß es anfing, laut aufzuſchreien:„O hei⸗ liges Blut! was bedeutet dieß? O göttliches Blut! wer iſt Urſache an deiner Vergießung?«“ Andere ſchrieen: „O roſenfarbiges Blut, fließe auf unſere Seelen und reinige uns von unſern Sünden. O koſtbares Blut! verzeihe uns unſere Sünden und rufe zu Gott um Barm⸗ herzigkeit. Kurz, der eine ſchrie das, der andere je⸗ nes; einer ſchlug an ſeine Bruſt, ein anderer weinte heiße Zähren. Unter dem verwirrten Geſchrei des Volkes kam der Prieſter wieder zu ſich, ließ die heilige Hoſtie nieder und wellte ſie auf das Korporale legen; er ſah aber, daß ſelbes mit dem heiligen Blute ſo ſehr be⸗ feuchtet war, daß er kaum ein trockenes Plätzchen fand, auf welches er ſeinen Gott niederlegen konnte. Auf einmal gingen ihm ſeine innerlichen Augen auf; er er⸗ kannte ſeinen Fehler und bereute ſeinen Unglauben von ganzem Herzen. Er las zwar die heilige Meſſe fort, jedoch unter ſo vielen Zähren, daß er vielmals vor Weinen ſtille halten mußte. Nach der Kommunion legte er das blutige Korporale klein zuſammen, verdeckte es, ſo gut er konnte, und wollte das große Wunderzeichen verheimlichen. Allein nach der heiligen Meſſe kam das Volk zu ihm, fragte ihn, was dieß geweſen ſei und ob es auch wirllich ſo wäre, wie ſie geſehen hätten. Er ——+ ——— ———————————„———————„„— wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 189 ward alſo genöthiget, das Korporale hervorzuthun und zu zeigen. Als das andächtige Velk dasſelbe voller Blut ſah, da ward es innerlich ſo bewegt, daß es auf ſeine Kniee fiel, an ſeine Bruſt ſchlug, bitterlich weinte, und die göttliche Barmherzigkeit anrief. Dieſer Vorfall kam endlich ſo weit auseinander, daß eine Menge Volkes nach Bulſino lief, und dieß große Wunder ſehen und hören wollte. Auch Papſt Urban IV. erfuhr es. Dieſer ließ den Prieſter mit dem Korporale zu ſich rufen. Der Prieſter kam mit großer Angſt, fiel vor dem Papſte und allen verſammelten Kardinälen und Geiſtlichen nie⸗ der, bat mit weinenden Augen um Barmherzigkeit wegen ſeiner Sünden. Der Papſt fragte, was er denn Böſes begangen hätte; da erzählte er ihm ſeine gehabten Zwei⸗ fel, wie auch die Vergießung des Blutes, und zeigte ihm das blutige Korporale. Der Papſt, ſammt allen Kar⸗ dinälen und Geiſtlichen fielen auf die Kniee, beteten das heilige Blut an, küßten das ehrwürdige Korporale und empfanden in deren Anſchauung eine innerliche Bewe⸗ gung. Der Papſt ließ dem heil. Blute zu Ehren eine herrliche Kirche zu Bulſino erbauen und befahl, jenes Korporale alldort mit Ehren aufzubewahren und jähr⸗ lich an dem Tage, wo dieß Wunder geſchehen war, in einer herrlichen Prozeſſion herumzutragen. Dieſes Wun⸗ der war eine von den Haupturſachen, warum das hei⸗ lige Frohnleichnamsfeſt eingeſetzt wurde. 16. Was zu Bulſino vor einigen hundert Jahren geſchehen iſt, geſchieht noch täglich in allen Kirchen bei jeder heiligen Meſſe. Wenn die Prieſter unter dem höchſten Gottesdienſte die Hoſtie und den Kelch aufheben, ſo fließet das göttliche roſenfarbige Blut aus beiden herab, wie ein milder Regen aus den Wolken, nicht aber 190 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe auf die Erde, auch nicht auf die Häupter der Menſchen, ſondern auf die Herzen, auf die Seelen und Gemüther der Gegenwärtigen; nicht allein auf die Frommen, ſon⸗ dern auch auf die Böſen. Die Frommen reiniget, ſäu⸗ bert und zieret es, macht ſie fruchtbar zu allen guten Werken, labet ſie in ihren Schwachheiten, kühlet die Glut der Verſuchung und wirket nach eines Jeden Fähigkeit viel Gutes. Die Böſen ſuchet es fromm zu machen, die verſtockten Herzen zu erweichen, die ſündigen Gemüther zu bekehren, und allen Feinden Chriſti bietet es die Gnade und Freundſchaft Gottes an. Iſt aber der Sünder zu verſtockt, ſo daß er die Gnade Gottes nicht annehmen will, ſo rufet das heilige Blut dennoch für ihn zu Gott und hält die gerechte Rache Gottes 17. Sieh alſo, wie viel Gutes das gnadenreiche Blut bei den Frommen ſowohl wie bei den Böſen auswirket: erkenne alſo hieraus, wie nützlich es ſowohl den From⸗ men als den Böſen ſei, fleißig in die heiligen Meſſe zu gehen; denn dieſe reiniget ſie von ihren Sünden, wie der heil. Johannes(Epiſt. 1. Kap. 1.) ſagt:„Das Blut des Sohnes Gottes reiniget uns von unſern Sün⸗ den;“ auch die Böſen wollte es gerne reinigen; weil ſie aber nicht gereiniget ſein wollen, ſo ſucht es dieſelben nach und nach zur Reinigung vorzubereiten. So be⸗ herzige alſo, Gott liebende Seele, welch' große Gnade dir widerfahre, wenn du in der heiligen Meſſe wahr⸗ haftig mit dem roſenfarben Blute Chriſti beſprengt, ge⸗ reiniget und gezieret wirſt. O könnteſt du dich in ſol⸗ cher Zierde und Schönheit ſelbſt anſchauen, wie würdeſt du dich erfreuen, wie innig Gott danken und wie eifrig würdeſt du dann die heilige Meſſe hören! Rr Bli für fel Nu lige ode mit we ſell An wl Un wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 191 18. Wenn du auf dem Berge Kalvariä nnter dem Kreuze Chriſti geſtanden, und mit dem herabfließenden Blute beſprengt worden wäreſt, ſollteſt du dieß nicht für die größte Gnade von Gott ſchätzen? Ohne Zwei⸗ fel würdeſt du das thun und hätteſt auch Urſache dazu. Nun aber iſt es ganz gewiß, daß, wenn du bei der hei⸗ ligen Meſſe biſt, du geiſtlicher Weiſe wahrhaft unter oder bei dem heiligen Kreuze ſteheſt, und eben ſo gut mit dem heiligen Blute Chriſti an deiner Seele beſprengt werdeſt, als ob du unter dem heiligen Kreuze mit dem⸗ ſelben Blute an deinem Leibe beſprengt worden wäreſt. Geſetzt nun, du hätteſt in der heiligen Meſſe eine ſolche Andacht, wie du unter dem Kreuze gehabt hätleſt, ſo würde dir wohl die Beſprengung des heiligen Blutes unter der heiligen Meſſe ſo viel nützen, als dir die Be⸗ ſprengung desſelben auf dem Kalvarien⸗Berge genützt hätte. Wie das heilige Plut für uns um Hilfe ruft. 19. Unter andern Gutthaten und Gnaden, die die Meſſe⸗Hörenden empfangen, iſt eine von den vornehm⸗ ſten, daß das göttliche Blut Chriſti, wenn es auf dem Altare vergoſſen wird, für ſie zu Gott ruft, und ihnen Barmherzigkeit erbittet. O wie nützlich und heilſam iſt dieſes Rufen für die Sünder! wie mächtig hält es die Rache Gottes von ihnen ab! Alle ſchweren Sünden, die wir begehen, ſchreien zu Gott um Rache, und rei⸗ zen ſeinen Zorn wider uns, wie wir aus der heiligen Schrift erkennen. Im Buche Geneſis 18. Kap. ſprach Gott;„Das Geſchrei der Sodomiter iſt vermehrt wor⸗ den und ihre Sünden ſind ſehr ſchwer geworden; da⸗ rum will ich hinabſteigen und ſehen, ob ſie das Geſchrei 192 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe vollbracht haben. Hier ſehen wir alſo, daß die ſchweren Sünden zu Gott ſchreien und gegen die Sünder Rache herabrufen. Der heil. Jakobus ſagt am 5. Kap.:„Der Lohn der Taglöhner, um den ihr ſie betrogen habt, ſchreiet, und ſein Geſchrei iſt in die Ohren Gottes ein⸗ gegangen.“ Bei dem Proph. Iſaias 5. Kap. nennet Gott alle Sünden ein Geſchrei, indem er ſpricht:„Ich habe mein Volk als einen Weinberg gepflanzt und habe gemeint, ſie werden Gerechtigkeit üben, ſieh aber! ich höre nichts als Geſchrei oder Sünden.“ Hieraus ſehen wir, daß das ungeheuere Geſchrei aller Sünden zu Gott emporſteige, ſeine göttlichen Ohren anfülle und ſeinen gerechten Zorn gegen die Welt herausfordere. Wer iſt es nun, der dieſen unendlichen Zorn be⸗ ſänftiget? Wer iſt es, der dieſe erſchreckliche Rache abwendet? Niemand im Himmel noch auf Erden iſt hiezu tauglicher, als die Stimme des göttlichen roſen⸗ farben Blutes Jeſu Chriſti. Obwohl das Geſchrei der vielen Sünden ſo ungeheuer iſt, daß es bis in den hohen Himmel dringt, ſo iſt dennoch die Stimme des vergoſ⸗ ſenen Blutes Jeſu viel mächtiger; denn es iſt allmäch⸗ tig und unendlich, und erfüllet nicht allein die Luft, ſon⸗ dern den ganzen weiten Himmel, und durchdringt das göttliche Vaterherz. Wiewohl der Schrei ſo vieler Laſter und Ungerechtigkeiten das göttliche Herz erzürnet und er⸗ bittert, dennoch iſt die Lieblichkeit der Stimme des ver⸗ goſſenen Blutes ſo unendlich ſüß und anmuthig, daß es allen Verdruß und Widerwillen aus dem göttlichen Her⸗ zen vertreibt, und es in dem Grade beſänftiget, als es vom Geſchrei der Sünden erbittert war. 20. Man mächte aber fragen, kann denn das hei⸗ lige Blut in den Himmel rufen, da man doch auf der Erde wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 193 nichts hört und merkt? Ich antworte darauf: Wie konnte das Blut Abels, der doch ſchon todt war, und dasſelbe ſanft aus den Wunden floß, zum Himmel ſchreien? Und doch ſprach Gott ſelbſt zu Kain:„Das Blut deines Bruders rufet von der Erde zu mir in den Himmel herauf.“ Dieſe Stimme war alſo nicht leiblich, ſondern geiſtig aber doch ſo kräftig und mäch⸗ tig, daß ſie von der Erde bis in den Himmel hinauf⸗ ſtieg, das Herz Gottes durchdrang, und ihn zur Rache gegen den Bruder⸗Mörder aufforderte. Ebenſo iſt auch die Stimme des vergoſſenen Blutes Chriſti in der hei⸗ ligen Meſſe geiſtig, und doch ſo mächtig, daß ſie den erzürnten Gott zur Barmherzigkeit zwingt. Daß das Blut Chriſti in der heiligen Meſſe zu Gott ruft, will der heil. Paulus ſagen, da er(Rom. 12. cap) ſpricht: „Ihr ſeid zu Chriſto, dem Mittler, getreten, und zur Beſprengung des Blutes, welches beſſer ruft, als das Blut Abels.. Daß wir in der heiligen Meſſe zu Je⸗ ſus unſerm Mittler, und zur Beſprengung mit ſeinem Blute treten, iſt im vorigen Abſatz hinlänglich gezeigt worden. Daraus folgt nun, daß, wenn wir zu dieſer Beſprengung treten, das Blut Chriſti zu Gott rufe. Paulus ſagt nicht, daß das Blut rufe, ſondern daß die Beſprengung oder Vergießung des Blutes Chriſti rufe, welches wir auch aus dem lateiniſchen Texte klar ver⸗ nehmen. Dieß kann man auch daraus klar abnehmen, weil das Blut Chriſti, als es noch in ſeinem heiligen Leibe war, nicht redete, ſondern ſchwieg. Da es aber in ſeinem bittern Leiden ſchmerzlich und unſchuldig ver⸗ goſſen ward, ſchrie es mit einer allmächtigen Stimme um Barmherzigkeit für die Sünder. 21. Wenn das koſtbare Blut in der heiligen Meſſe Cochem, Meßerklärung. 1 3 194 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe — vergoſſen wird, ruft es mit gewaltiger und durchdrin⸗ gender Stimme zu dem allmächtigen Gott auf folgende Weiſe:„Sieh und erwäge, o Gott! wie ich, das koſt⸗ barſte Blut deines eingebornen Sohnes, ſo ſchmählich, ſo ſchmerzlich, ſo reichlich und ſo liebreich vergoſſen wor⸗ den bin. Sieh und beherzige, wie gewaltig, wie höh⸗ niſch und wie grauſam ich verunehrt, verſpieen, vermale⸗ deit und mit Füßen getreten worden bin; dieß Alles ertrug ich mit größter Geduld, damit die Sünder durch mich gereiniget und ſelig gemacht werden. Du aber, o ſtren⸗ ger Gott! willſt ſie ihrer Sünden wegen in die Hölle ſtürzen und ewig verdammen. Wer vergilt mir dann meine erlittene Schmach? Die verdammten Sünder werden es gewiß nicht thun, ſondern mich vielmehr mit teufliſchem Haſſe verfluchen und vermaledeien. Würden ſie aber durch mich ſelig werden, ſo würden ſie mich ewig benedeien und mir den möglichſten Dank erweiſen. Höre alſo, barmherziger Gott! mein Flehen, und um meinetwegen verleihe den Sündern die Gnade der Be⸗ kehrung und Beſſerung ihres Lebens. Den Gerechten aber verleihe um meinetwegen Vermehrung der Gnaden und Standhaftigkeit in allem Guten.“ 22. Wenn nun das hochwürdige Blut Chriſti auf ſolche Weiſe zu Gott ruft, wie ſoll es wohl möglich ſein, daß Gott ein ſolches Geſchrei nicht erhöre? Denn wenn das unſchuldig vergoſſene Blut Abels mit einer ſo mächtigen Stimme von der Erde bis zum Himmel gedrungen iſt, daß es Gott ſelbſt vom Himmel auf die Erde gezogen, und zur Rache wider den Brudermörder gezwungen hat, wie Gott ſelbſt bekennet, da er Gen. 4. ſpricht:„ſieh! das Blut deines Bruders Abel ſchreit von der Erde zu mir herauf, darum wirſt du verflucht ſein Blu wen ver zoge Chr wie Po zie Abe mel die wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 195 ſein auf der Erde, die ihren Mund aufgethan, und das Blut deines Bruders von deiner Hand genommen hat;“ wenn nun, ſage ich, das vergoſſene Blut Abels ſo viel vermochte, daß es Gott zur Rache dieſes Mordes ge⸗ zogen hat, was wird dann erſt das unſchuldigſte Blut Chriſti vermögen, wenn es unter der heiligen Meſſe wieder vergoſſen und Gott aufgeopfert wird? Der hl. Paulus ſpricht:„Ihr ſeid hinzugetreten zur Blutver⸗ gießung, welche beſſer und kräftiger ruft, als das Blut Abels; denn ſelbes ſchrie um Rache, das Blut Chriſti aber ſchreit um Barmherzigkeit. Nun aber iſt Gott mehr zur Barmherzigkeit als zur Rache geneigt, wie die Kirche in einer Collekte ſpricht:„O Gott! welchem es eigen iſt, ſich allzeit zu erbarmen und zu verſchonen,« und der heilige Petrus(2. Pet. 3.) ſpricht:„Gott will nicht, daß Einige verloren gehen, ſondern daß Alle zur Buße ſich bekehren ſollen. Es wird alſo das heilige Blut viel leichter Barmherzigkeit erhalten, als das Blut Abels Rache. 23. Das göttliche Blut hat in der Beſchneidung, Blutſchwitzung, Geißlung, Krönung und Kreuzigung Chriſti zu Gott um Verſöhnung für die Welt gerufen, und hat auch dieſelbe erhalten, wie der heil. Paulus 2. Kor. 5. ſagt:„Chriſtus hat die Welt mit Gott verſöhnt.“ Eben dieſes heilige Blut ſchreit auch unter der heiligen Meſſe nicht bloß mit Einer Stimme, ſondern mit ſo vielen, als Blutströpflein vergoſſen wurden, es ſchreit mit einer durchdringenden, allmächtigen Stimme; es ruft aus aller göttlichen und menſchlichen Kraft; es ruft nicht nur in Einer, ſondern in vielen tauſend heiligen Meſſen; es ruft nicht allein, ſondern mit ihm flehen auch die Wun⸗ den Chriſti mit ſo vielen Worten, als ihrer viele am 13* 196 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe Leibe Chriſti geweſen ſind; es flehet auch mit ihm das Herz Jeſu mit ſo vielen Bitten, als Bewegungen in demſelben Herzen geweſen ſind, und endlich flehet auch der Mund Chriſti ſo vielmal, als Seufzer aus demſelben gekommen. Sollte es nun möglich ſein, daß dieſes fünfmalige allmächtige Flehen, kommend aus dem Blute Chriſti, aus dem Herzen Chriſti, aus den Wunden Chriſti und aus der Seele Chriſti, das göttliche Herz des Vaters, wenn es auch durch unſere Sünden noch ſo ſehr von uns abgewendet wäre, nicht erweiche?— Wenn Gott ſchon beſchloſſen hätte, den Sündern keine Barmherzigkeit mehr zu erweiſen, ſondern ſie nach ſeiner Gerechtigkeit zu Strafen; ſo hat doch das heilige Blut Chriſti noch die Kraft und Vortrefflichkeit, daß ihm Alles, was im Himmel und auf Erden iſt, weichen muß, und die göttliche Gerechtigkeit ihm eine ſolche Bitte nicht verſagen kann. Zum Beweiſe wollen wir hier ein merk⸗ würdiges Beiſpiel anführen. 24. Im Odenwalde, im ehemaligen Erzbisthume Mainz, liegt ein Städtchen, Namens Walthurn, wo im Jahre 1330 der Pfarrer Otto unter der heiligen Meſſe den conſekrirten Kelch aus Unachtſamkeit umſchüttete und das hochheilige Blut auf das Korporale goß. Und ſieh! augenblicklich erſchienen in Mitte desſelben Chriſtus am Kreuze hangend, und zu beiden Seiten des Kruzifixes eilf gekrönte und mit Blut überronnene Häupter Chriſti, ſo natürlich und künſtlich, daß kein Maler im Stande geweſen wäre, ſelbe ſo gut zu malen. Ueber dieſes große Wunder erſchrack der Pfarrer ſo ſehr, daß er erzitterte, und fürchtete, ſowohl eine große Strafe von Gott, als auch von ſeiner geiſtlichen Obrigkeit zu erhalten. Als die heilige Meſſe zu Ende und alles Volk aus der lir here es, nie Her fil. wal ſier ran lich wei vor ten aus Ko ſein fan erz mit er nac ſer Or Go Kn It un Be po hei wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 197 Kirche war, nahm er einen Stein aus dem Altare heraus, legte das blutige Korporale hinein und verbarg es, ſo gut er konnte. Von dieſer Zeit an hatte er aber nie mehr Ruhe im Gewiſſen, und nahm ſich dieß ſo zu Herzen, daß er bald darauf in eine tödtliche Krankheit fiel. Er gerieth endlich in ſchwere Todesnöthen, und ward an Leib und Seele ſo ſehr gepeinigt, daß er zu ſterben verlangte. Da er nun lange mit dem Tode rang und weder leben noch ſterben konnte, fiel ihm end⸗ lich bei, daß vielleicht dieß Alles daher kommen möchte, weil er jenes mit dem heiligſten Blute befeuchtete Kor⸗ vorale vergraben habe. Er ließ daher einen benachbar⸗ ten Pfarrer zu ſich rufen, eröffnete ihm, daß er das aus Unachtſamkeit verſchüttete heilige Blut ſammt dem Korporale vergraben habe, und ſtarb darauf. Nach ſeinem Tode ſuchte der genannte Pfarrer das Korporale, fand es, küßte es ehrerbietig, zeigt es dem Volke und erzählte ihm die ganze Begebenheit mit demſelben. Da⸗ mit aber dieſes Wunder allgemein bekannt wurde, ging er zu der geiſtlichen Obrigkeit, und auf deren Geheiß nach Rom zu dem damalige Papſte Urban V. und die⸗ ſer beſtätigte dasſelbe, und verlieh allen Denen, die den Ort beſuchten, einen Ablaß. 25. Hier nun iſt die Frage: Warum wollte denn Gott, daß dieſes verſchüttete heilige Blut in Geſtalt eines Kruzifixes und eilf gekrönter Häupter Chriſti erſchien? Ich meine, unter andern Urſachen ſei auch dieſe eine, um anzuzeigen, daß das vergoſſene Blut Chriſti um Barmherzigkeit zu Gott rufe, und eben darum wollte Gett, daß eilf Häupter und eilf Munde auf dieſem Kor⸗ porale erſchienen, da vielleicht eilf Tropfen aus dem heiligen Kelche gefloſſen. Dieſe Erzählung iſt um ſo 198 Zehntes Kapitel. In der heiligen Meſſe wichtiger, weil die heiligen Häupter mehrere Jahrhun⸗ derte hindurch zu bemerken waren, und viele Wallfahrer aus Nah und Fern anzogen. 26. Nebſt dem allmächtigen Flehen des göttlichen Blutes Chriſti, das bis zum Herzen Gottes dringt, iſt auch noch das himmliſche Wohlgefallen wohl zu bemer⸗ ken, daß ſich über Alles ergießt, was in geiſtiger Be⸗ rührung und gläubiger Vereinigung mit demſelben ſteht. Von den jüdiſchen Brandopfern ſprach Gott(Num. 28. cap.):„Das tägliche Brandopfer ſollet ihr immer opfern zur Speiſe des Feuers, und zum lieblichen Ge⸗ ruche dem Herrn, welcher aus dem Brandopfer und deſſen Blut heraufſteigt.. Wenn nun der Geruch, welcher aus dem verbrannten Fleiſche und dem vergoſſenen Blute der Opferthiere zum Himmel emporſtieg, als Geruch der Lieblichteit und Verſöhnung mit dem allmächtigen Gott erſchien, was wird dann erſt der ſüßeſte und kräftigſte Geruch des roſenfarben Blutes Chriſti thun, welches dem allmächtigen Gott als ein würdiges Brandopfer auf dem Altare vergoſſen und aufgeopfert wird? 27. Wenn der Prieſter den Kelch opfert, ſo ſpricht er:„Wir opfern dir auf, o Herr, den Kelch des Hei⸗ les, und flehen zu deiner Mildigkeit, daß er im Ange⸗ ſichte deiner göttlichen Majeſtät für unſer und der gan⸗ zen Welt Heil mit lieblichem Wohlgeruche aufſteige.“ Mit dieſen Worten opfert er den Kelch darum, weil der Wein, welcher im Kelche iſt, in das ſüßeſte Blut Chriſti verwandelt wird. Der heilige Paulus(Eph. 5. Kap.) ſagt:„Chriſtus hat uns geliebt und ſich ſelbſt zum Schlachtopfer dem Herrn dargegeben zum Geruche der Lieblichkeit. Als das koſtbare Schlachtopfer am Kreuze geopfert und deſſen Blut ſchmerzlich vergoſſen ward, da ſtieg den wie grö nen Mi opf geiſ friſ auc Go nen klei „1 liſt üb wird die Blutvergießung Chriſti erneuert. 199 ſtieg ein lieblicher Geruch zum Himmel empor, welcher den üblen Geruch, der von den ſchändlichen Götzenopfern, wie auch von den vielen Sünden der Menſchen in die Höhe geſtiegen, vertrieb; denn die Gottheit hatte ein größeres Gefallen an dem bitteren Tode und vergoſſe⸗ nen Blute Chriſti, als ſie an allen Sünden der Welt Mißfallen gehabt hatte. Wenn nun das koſtbare Schlacht⸗ opfer auf dem Altare geopfert und das ſüßeſte Blut geiſtlicher Weiſe vergoſſen wird, ſo ſteigt täglich ein friſcher Geruch der Lieblichkeit zum Herrn empor, und auch dieſer Wohlgeruch wird zurückdrängen das Mißfallen Gottes an der ſündhaften Welt. 28. Als der alte, erblindete Patriarch Iſaak ſei⸗ nen Sohn Jakob, welcher mit den Kleidern Eſau's be⸗ kleidet war, küſſen wollte, da ſagt der Text Gen. 27.: „Und ſowie er roch den Wohlgeruch der Kleider des⸗ ſelben, ſegnete er ihn und ſprach: Sieh, der Geruch mei⸗ nes Sohnes iſt wie Geruch eines vollen Feldes, welches geſegnet hat der Herr,“ und wünſchte ihm Wohlfahrt an allen zeitlichen Gütern. Ebenſo wirket der ſüßeſte Geruch des göttlichen Blutes Chriſti ſo viel aus, daß der liebe Gott einen frommen Menſchen, welcher ihm dasſelbe bei der heiligen Meſſe aufopfert, ganz ge⸗ wogen wird, und ihm ſeinen göttlichen Segen ſammt einer beſonderen Vermehrung ſeiner Gnaden und himm⸗ liſchen Güter mittheilet. Alle Heiligen erfreuen ſich über eine ſolche heilige Meſſe, weil der liebliche Geruch des heiligen Blutes von dem Altare ſo ſüß und ange⸗ nehm zum Himmel aufſteigt, daß er den ganzen Him⸗ mel durchwehet, und alle Bewohner desſelben herzlich erquicket. So nimm dir alſo vor, mein lieber Chriſt! in der heiligen Meſſe das hochheilige Blut andächtig 200 Eilftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt anzubeten, herzlich anzurufen und nachdrücklichſt auf⸗ zuopfern. Eilftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt das vornehmſte Prandopfer. 1 Im alten Geſetze gab es vorzüglich viererlei Schlachtopfer, nämlich: Brandopfer zur Anerkennung und zum Lobe der höchſten Majeſtät Gottes, ſowie zum Danke für die empfangenen Wohlthaten; Fried⸗ und Bittopfer um Erlangung der Hilfe des Ewigen; Sühn⸗ und Bußopfer zur Verzeihung der Sünden; endlich Schuldopfer zur Abzahlung der Strafen. Jedes dieſer Opfer wurde auf eine beſondere Weiſe nach dem Geſetze Gottes dargebracht, und man durfte nicht zweier⸗ lei Opfer auf eine und dieſelbe Weiſe verrichten. 2. Vom Anfange der Welt bis auf Chriſtus wur⸗ den dem allmächtigen Gott unzählige Brandopfer darge⸗ bracht, welche ihm nach dem Zeugniſſe der heiligen Schrift angenehm waren. Nach dem Geſetze Moſis mußten die Juden täglich zwei einjährige Lämmer, und zwar das Eine Morgens und das Andere Abends opfern; am Sabbathe aber Morgens und Abends je zwei. An allen Neumonden mußten ſie ſieben Lämmer, zwei Käl⸗ ber und einen Widder aufopfern. Eben ſo viele muß⸗ ten ſie zu Oſtern und Pfingſten ſieben Tage nach ein⸗ ander darbringen. Am Loubhüttenfeſt aber mußten ſie ſieben Tage nach einander täglich vierzehn Lämmer, drei⸗ zehn Kälber, zwei Widder und einen Bock opfern. Nebſt dieſen gebotenen theueren Opfern brachte Jeder nach ſein Vi und geo viſ die gle ſeli wi ne un ſte B an zu ——— 6 das vornehmſte Brandopfer. 201 ſeiner Andacht dar: Ochſen, Kälber, Schafe, Lämmer, Widder, Tauben, Wein, Brod, Weihrauch, Salz, Fladen und Oelkuchen, und jedes wurde auf verſchiedene Weiſe geopfert. 3. Dieß Alles ſetze ich deßwegen hieher, damit du wiſſeſt, welch' theuere, mühſelige und unanſehnliche Opfer die Patriarchen und jüdiſchen Prieſter vor Zeiten hatten; gleichwohl haben ſie mit dieſen ihren theueren und müh⸗ ſeligen Opfern dem allmächtigen Gott geringe Ehre er⸗ wieſen und geringen Lohn damit verdient. Paulus ſpricht (Hebr.):»Sie ſeien Gott zum lieblichen Geruch ge⸗ weſen, weil ſie Vorbedeutungen des blutigen Opfers Chriſti waren Nun ſehen wir alſo, wie unglückſelig die Juden waren, und wie glücklich die Chri⸗ ſten ſind: denn der gütigſte Jeſus bat uns ein ſolches Brandopfer hinterlaſſen, welches nicht viel koſtet, leicht darzubringen und dennoch der göttlichen Majeſtät zum angenehmſten, dem Himmel zum erfreulichſten, der Welt zum nützlichſten und dem Fegfeuer zum tröſtlichſten Opfer geworden iſt. 4 Wenn einer alle dieſe Schlachtopfer, welche vom Anfange der Welt bis auf Chriſtus geopfert worden, mit eigner Hand und höchſter Andacht geſchlachtet, ver⸗ brannt und Gott dargebracht hätte, ohne Zweifel hätte ein Solcher dem höchſten Gott durch viele tauſendmal tauſend Opfer einen großen Dienſt und einen beſonderen Gefallen erwieſen. Dieſer Dienſt aber wäre keineswegs mit demjenigen zu vergleichen, welcher der göttlichen Majeſtät aus einer einzigen heiligen Meſſe, welche ein armer Prieſter liest, und ein einfältiger Laie aufopfert, entſpringt. Mein Gott! wer kann das glauben? Mein Gott! wie kann das möglich ſein? Damit du aber 202 Eilftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt glaubeſt und erkenneſt, daß dieß möglich ſei, ſo will ich dir erklären, welches Brandopfer die katholiſche Kirche habe, und worin dasſelbe beſtehe. 5. Daschriſtliche Brandopfer iſt ein Sacri⸗ ficium oder äußerliches Opfer, welches nur für Gott allein beſtimmt iſt, in welchem ein ſichtbares Ding von einem rechtmäßigen Diener zur Anerkennung der höchſten Herrſchaft, welche Gott über alle Creaturen hat, con⸗ ſekrirt und dargebracht wird. Der heil. Thomas ſagt (2. 2. 9. 85. a l)⸗„Durch ſolches Brandopfer be⸗ zeugen wir, daß Gott der Anfang aller Schöpfung, das letzte Ziel aller Seligteit und der höchſte Herrſcher aller Dinge ſei, welchem wir, zur Bezeigung unſerer ſchuldigen Unterthänigkeit, ein ſichtbares Opfer, das ſeiner höchſten Majeſtät gleichmäßig iſt, darbringen.“ Dieß iſt in kur⸗ zen Werten die Erklärung, was eigentlich unſer Brand⸗ opfer ſei. Unſtudirten Menſchen mag dieß freilich et⸗ was dunkel vorkommen; aber es wird ihnen deutlich werden, aus dem, was jetzt folgt. 6. Das Brandopfer hat Gott ſich allein vorbehal⸗ ten und keinem Andern jemals erlauben wollen, wie es bei Iſai. 42. Kap. heißt:„Ich bin der Herr, dieß iſt mein Name, meine Glorie will ich keinem Andern geben.“ Hieraus erkennt man nun die Höhe des Brandopfers, weil man es keiner Creatur, noch auch der Mutter Gottes, noch irgend einem Heiligen ohne große Abgöt⸗ terei aufopfern kann, ſondern es muß nur allein dem höchſten Gott geheiliget und aufgeopfert werden. Er hat uns erlaubt, daß wir ſeine lieben Heiligen loben, lieben, ehren und anrufen, vor ihnen niederknieen, ihnen Weihrauch anzünden, Lichter brennen und andere äußer⸗ liche und innerliche Dienſte erweiſen dürfen; dagegen obe dor zur das vornehmſte Brandopfer. 203 ober hat er verboten, daß wir ihnen ein Brandopfer darbringen. Daher ſpricht das Concilium von Trient (Sess. 22. c. 3.):„Obwohl die Kirche zu Ehren und zum Gedächtniß der Heiligen die heilige Meſſe zu leſen pflegt, ſo lehret ſie dennech nicht, daß man ihnen ein Sakrificium anfopfern ſoll, ſondern man ſoll ſelbes Gott aufopfern, der die Heiligen gekrönet hat.“ Der Prie⸗ ſter ſpricht alſo nicht: o heiliger Petrus, oder, o hei⸗ liger Paulus, ich opfere dir dieſe heilige Meſſe auf; ſondern:„o Gott, ich opfere dir dieſe heilige Meſſe zur Dankſagung und zur größern Ehre und Freude der Heiligen: ich rufe ihre Fürbitte an, damit jene für uns im Himmel bitten wollen, deren Gedächtniß wir heute auf Erde begehen.“ Wir ſehen alſo aus der Lehre der katholiſchen Kirche, daß wir die heilige Meſſe keinem Heiligen, ſondern nur allein Gott zur größeren Ehre darbringen dürfen. 7. Nun wollen wir die Natur der Brandopfer er⸗ klären, auf daß wir die Vortrefflichkeit derſelben beſſer begreifen mögen. In den jüdiſchen Brandopfern wurde alles Fleiſch durch das Feuer verbrannt, was bei den übrigen Opfern nicht geſchah; bei dieſen wurde nämlich nur ein Stück verbrannt, das Uebrige vgn den Prieſtern und den Opfernden gegeſſen. Im Brandopfer wurde deßwegen Alles verbrannt, um anzuzeigen, daß Alles Gott zuſtehe, und zu ſeinem Dienſte und ſeiner Ehre geopfert werden ſolle. Ebenſo könnte Gott nach ſtrenger Gerechtigkeit fordern, daß jeder Menſch ihm ſein Leben opfere, wie er dem Abraham befohlen, daß er ſeinen Sohn Iſaak ſchlachten und aufopfern ſolle. Er war aber zufrieden, als er den bereitwilligen Gehorſam Abrahams ſah. Im alten Geſetze forderte Gott, daß 204 Eilftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt man ihm die erſtgebornen Kinder opſere, indem er ſprach: „Dieſe ſind mein;“ er aber begnügte ſich damit, wenn die Mütter ihre Kinder in den Tempel brachten und ſie mit Geld wieder auslösten. 8. Auch ſein eingeborner Sohn mußte von ſeiner irdiſchen Mutter als ihr Erſtgeborner ihm aufgeopfert werden, und obwohl ihn Maria mit fünf Sekel aus⸗ löste, war Gott doch damit nicht zufrieden, ſondern ſie mußte ſelbſt ſehen, wie er gepeiniget, geſchlachtet und getödtet wurde, um ſo durch dieſen koſtbaren Tod alle Menſchen von der Pflicht zu befreien, ihr Leben Gott zum Brandopfer darzubringen. Darüber ſagt Paulus (2. Kor. 5.):»Wir ſind der Anſicht, wenn Einer für alle geſtorben iſt, ſo ſind folglich Alle geſtorben: für Alle aber iſt Chriſtus geſtorben, d. h. ſein Leben war viel edler, als das Leben aller Menſchen, und der Tod Jeſu dem Vater angenehmer, als der Tod aller Menſchen. Weil nun Chriſtus in allen heiligen Meſſen auf ſolche Weiſe Gott aufgeopfert wird, ſo empfängt Gott der Vater mehr Ehre aus einer heiligen Meſſe, als wenn ihm zu Ehren alle Menſchen geſchlachtet würden. 9. Deßwegen ſpricht P. Gervaſius(Tom. V. Trac. 3. Disp. 2. q. 1.):„Das Meßopfer iſt unter allen Werken der Andacht und Gettſeligkeit das vortrefflichſte,⸗ und zwar, weil wir darin, nicht ſo ſehr mit Worten, als mit dem Werke des Opfers bezeugen, Gott könne fordern, daß wir Alle ihm unſer Leben als Opfer dar⸗ bringen. Im alten Teſtamente hatte jedes Brandopfer gerade dieſe Bedeutung. Der Opfernde ſagte gleichſam durch die That:„Ich, o Herr, bin dir durch meine Uebertretungen als Opfer verfallen, und du könnteſt ne ab O An die g das vornehmſte Brandopfer. 205 mein Leben von mir fordern; in deiner Barmherzigkeit aber gibſt du dich mit dem ſtellvertretenden Tode dieſes Opferthieres zufrieden, und ſo erſcheine ich vor deinem Angeſichte, und bringe dir mein Leben im Schlachten dieſes Thieres dar.“ 10. P. Sanchez(in Thess. Missne c. 12) ſagt: „In der heiligen Meſſe leiſten wir Gott einen ſolchen Dienſt und erweiſen ihm eine ſolche Ehre, daß ihm die ganze Welt nichts Größeres darbringen kann; denn wir bezeugen, daß ſeine Majeſtät ſo groß iſt, daß ſie wür⸗ dig ſei, mit dem größten Opfer beehrt zu werden, in⸗ dem ihm nicht das Leben der Kälber und das Blut der Böcke, ſondern das koſtbarſte Leben und das theuerſte Blut ſeines Sohnes aufgeopfert wird.. Merke doch um Gottes Willen, was dieſe beiden Lehrer von der Koſtbarkeit der heiligen Meſſe ſagen und was für eine große, ja unendliche Ehre wir dadurch dem allmächtigen Gott erweiſen können. Sollten wir alſo nicht gerne zur heiligen Meſſe gehen, damit wir mit dem Prieſter unſerm rechtmäßigen und allmächtigen Herrn dieſe ſeine große Ehre geben? Verſäumen wir aber aus Nach⸗ läſſigkeit die heilige Meſſe, ſo ſtehlen wir gleichſam Gott dadurch die Ehre, die wir ihm in der heiligen Meſſe hätten erweiſen können. 11. Höre auch, was Marchantius(Candel. myst. tr. 4. Lect. 19.) ſagt:„Was iſt die heilige Meſſe anders, als eine tägliche Geſandtſchaft zur heiligen Drei⸗ faltigkeit mit einem unſchätzbaren Geſchenke, welches wir derſeben als Anerkennung ihrer höchſten Herrſchaft über alle Kreaturen und zum Zeugniſſe unſerer Unterthänig⸗ keit aufopfern. Ihm, als dem Urheber des Lebens und des Todes, wird das Leben und der Tod Chriſti 206 Eilftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt als ein täglicher Tribut von der ſtreitenden Kirche durch Mitwirkung und in Gegenwart der triumphirenden Kirche aufgeopfert, damit ihm, als dem einigen und dreieinigen Gett die höchſte Ehre von ſeinen Kreaturen erwieſen werde, und damit auch ſeine höchſte Macht, ſeine Weisheit und Güte, welche aus dieſem Geheim⸗ niſſe hervorleuchtet, würdig geehrt werde. Was kann dem höchſten Gott angenehmer ſein, als wenn Him⸗ mel und Erde ſeine große Macht und Herrlichkeit an⸗ erkennen.“ 12. Dieſe Erkenntniß der heiligen Meſſe als des wahren Brandopfers iſt ſo wichtig, daß man nie un⸗ terlaſſen ſoll, das Volk darüber zu unterrichten, und ihm dieſelbe an's Herz zu legen. Ja, Himmel und Erde helfen zuſammen, um in der heiligen Meſſe Gott dem Herrn in würdiger Weiſe Ehre und Dank dar⸗ zubringen. Die heiligen Engel tragen das Opfer in den Himmel empor, und bringen es Gett dar. Einen Beweis der angeführten Wahrheit liefert Spec. Exemp. V., Angeli exemp. 10., wo es heißt, daß ein Prie⸗ ſter aus dem Kloſter Savien unter der heiligen Meſſe ſah, daß nach der Wondlung viele heilige Engel mit ſchönen Kleidern bekleidet um den Altar ſtanden, und mit möglichſter Ehrerbietigkeit ihren Gott verehrten. Als der Prieſter ſich bei den Worten:„Allmächtiger Gott! wir bitten dich demüthigſt, laſſe dieſes Opfer durch die Hände deines heiligen Engels hinaufgetragen werden auf deinen erhabenen Altar vor das Angeſicht deiner göttlichen Majeſtät,“ als er ſich bei dieſen Worten nach dem Befehle des Meßbuches tief neigte, ſah er, daß einer unter dieſen Engeln, höher an Würde und ſchöner an Geſtalt und Kleidung, die hochwürdige Hoſtie vom 8— 7 e das vornehmſte Brandopfer. 207 Altare nahm, mit Freude in die Höhe hob und ſelbe mit tiefſter Ehrfurcht der göttlichen Majeſtät darreichte. Die Engel des Himmels, welche herum ſtanden, erfreu⸗ ten ſich mit dieſem Engel, wünſchten ihm Glück, und halfen ihm die heilige Hoſtie auf den Altar Gottes mie⸗ derlegen. Ja, das ganze himmliſche Heer, wie Mar⸗ chantius oben ſagt, war gegenwärtig, und half dem ſchönen Engel das hochwürdigſte Sakrament aufopfern. Die Engel, welche um den Altar ſtanden, hatten ſo große Freude an dieſer Aufopferung, als ob ein Zeder die heilige Hoſtie in den Himmel trüge, und in eigner Perſon darbrächte. Der Prieſter ſtand am Altare mit erhobenen Augen, gleichſam wie verzückt, und ſah mit Freude und Verwunderung dem ſchönen Engel zu, welcher das hochwürdigſte Sakrament in den Himmel getragen hatte. Nach einiger Zeit ſenkte er ſeinen Blick wieder auf den Attar, um zu ſehen, wohin die heilige Hoſtie gekommen wäre; da fand er dieſelbe an ihrem vorigen Orte, und wunderte ſich darüber, wie dieſelbe ſebald wieder vom Himmel gekemmen ſei. Wegen dieſer Erſcheinung war er voller Freude, und vollen⸗ dete die heilige Meſſe mit beſonderem Troſte und großer Andacht. Später offenbarte er dieſe Erſcheinung Einigen ſeiner Mitbrüder, und forderte ſie auf, zugleich mit ihm Gott zu loben. Dieſe Erzählung dient nur dazu, uns mehr anſchulich zu machen, was in den Worten der heiligen Meſſe ſelbſt, die wir oben angeführt, ausgeſprochen iſt, und wodurch angedeutet wird, daß die Engel und Heiligen uns beiſtehen bei dem großen Dienſte, den wir durch die heilige Meſſe der höchſten Majeſtät darbringen. 13. Die größte Ehre aber, welche die Gottheit 208 Eilftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt durch das Brandopfer empfängt, wird ihm nicht von den Engeln und Menſchen, ſondern von Chriſtus ſelbſt gegeben und erwieſen: denn nur dieſer allein erkennt die unendliche Größe und Herrlichkeit der göttlichen Majeſtät; und dieſer allein weiß und erkennt, was für eine unendliche Ehre dem höchſten Gott erwieſen wer⸗ den muß, und deßwegen kann nur Er allein der gött⸗ lichen Majeſtät dieſelbe in gebührender Weiſe darbrin⸗ gen. Obwohl die heiligen Engel und die Menſchen zur Ehre Gottes viel beitragen können, dennoch iſt dieß gegen die Ehre, die Chriſtus darbringt, nicht zu ver⸗ gleichen. 14. Wenn nun der Türke unſer Land erobern und ſagen würde:„ſo ihr nicht Chriſtum verläugnet, und mein Geſetz, das ich von Mohammed habe, annehmet, ſo will ich euch martern und lebendig verbrennen laſ⸗ ſen,— und wir würden insgeſammt und einhellig antworten:„thue uns, wie dein böſer Sinn Dir's eingibt, wir weichen nicht von unſerm Herrn Chriſtus⸗ — und wir würden alle mit einander gepeinigt und getödtet;— meint ihr nicht, daß eine ſolch herviſche That dem allmächtigen Gott auf's höchſte gefiele, und daß ſie zur Ehre des lebendigen Gottes Viel beitragen würde? Ja gewiß, nnd ohne Zweifel! Gleichwohl würde dieſer große Dienſt gegen die unendliche Ehre, welche der höchſten Majeſtät gebührt, gleichſam für nichts und wie ein Stäubchen zu ſchätzen ſein. Da ſich aber der glorwürdigſte Sohn Gottes, ein Herr von unend⸗ licher Majeſtät, auf dem Altare vor der hochheiligſten Dreifaltigkeit ſo ſehr erniedriget und gleichſam zu einem verächtlichen Würmlein macht, und ihr in dieſer äußer⸗ ſten Demuth die Ehrerbietung erweiſt, wer will noch eine ſer Ger Lin Dre kön auc une daß dur em fall lich dieſ blie So Hat tha nich nd nd et, ſ li 6% nd 6. nd en chl E hi ber nd⸗ ſen en er c das vornehmſte Brandopfer. 209 einen Vergleich anſtellen zwiſchen dieſem Dienſte und die⸗ ſer Verherrlichung und unſerm armſeligen Opfer?!— 15. Da ſich nun derſelbe Sohn Gottes unſerer Gewalt übergibt, ſo daß wir ihn als ein unſchuldiges Lämmlein geiſtlicher Weiſe ſchlachten und der heiligen Dreifaltigkeit als ein wahres Brandopfer darbringen können, ſo iſt uns hiedurch die Möglichkeit gegeben, daß auch wir unſerm Gott jene Ehre erweiſen, die ſeiner unendlichen Größe gebührt. Hieraus folgt aber auch, daß wir durch das göttliche Brandopfer allein und ſonſt durch nichts Anderes, dem allmächtigen Gott ſolche Ehre erweiſen, ſolchen Dienſt bezeigen und ſolches Wohlge⸗ fallen verurſachen können, als ſeiner unendlichen gött⸗ lichen Würde gebührt und geziemt. Wenn nun Chriſtus dieſes würdigſte Brandopfer nicht eingeſetzt hätte, ſo blieben wir immer Schuldner Gottes, und hätten als Solche, ſchwer mit Sünden beladen, ſterben müſſen. Hat uns dann der liebe Jeſus nicht die größte Wohl⸗ that erwieſen, indem er für uns das vortrefflichſte Brandopfer aus lauter Liebe eingeſetzt hat? Sind wir nicht ſchuldig, ihm dafür von Herzen zu danken, und ſelbes zur Abtragung unſerer Schulden zu gebrauchen? Die Juden hatten theuere Brandopfer und gaben ſich alle Mühe, Gott die ſchuldige Ehre zu erweiſen, wir aber haben ein unvergleichlich koſtbareres Brandopfer, welches uns nichts koſtet, ſondern von Chriſtus uns ge⸗ ſchenkt wurde, damit wir es der heiligſten Dreifaltigkeit aufopfern und ihr ſo den ſchuldigen Dank und die ge⸗ bührende Ehre erweiſen. Manche aber wollen dieſe theuer geſchenkte Gabe nicht annehmen, noch ſie ihrem Gott und Herrn aufopfern. Weil denn dieß ſchwer zu verantworten iſt, ſo brich du bisweilen deinen Geſchäften Cochem, Meßerklärung. 14 210 Zwölftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt ſo viel ab, daß du eine heilige Meſſe hören, und dei⸗ nem Gott dieſes angenehme Brandopfer bringen kannſt. Zwölftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt das höchſte Lobopſer. 1. Was Gott ſei, können weder Engel noch Men⸗ ſchen ausſprechen. Seine Weſenheit iſt unendlich, ſeine Heiligkeit unergründlich, ſeine Glorie unſchätzbar, und ſein Reichthum unerſchöpflich. Er iſt die ſtrengſte Ge⸗ rechtigkeit, die mildeſte Barmherzigkeit, die lieblichſte Freundlichkeit und die anmuthigſte Schönheit. Obwohl alle Heiligen und Engel ihn von ganzem Herzen lieben, ſo erzittern ſie doch vor ſeiner erſchrecklichen Majeſtät und beten ſelbe, auf dem Angeſichte liegend, in tiefſter Ehrfurcht an. Aus allen ihren Kräften loben, preiſen und benedeien ſie ſeine unendlichen Vollkommenheiten und können ſich doch am Lobe Gottes niemals erſättigen. Dieſes Lob will Gott von ihnen haben, weil es ihm als dem höchſten Herrn gebührt, und wegen ſeiner un⸗ endlichen Heiligkeit ihm erwieſen werden muß. Von Ewigkeit her, ehe noch etwas erſchaffen war, lobte der allmächtige Gott ſich ſelbſt, und die drei gött⸗ lichen Perſonen erfreuten ſich ihrer Majeſtät und Herr⸗ lichteit. Gott Vater lobte die unergründliche Weisheit des Sohnes; Gott der Sohn lobte die mildeſte Gütig⸗ keit des heiligen Geiſtes, und dieſer pries die unendliche Allmacht des Vaters. In der Offenbarung der heiligen Mechtildis im 1. Buche 35. Kap. ſprach Chriſtus zu ihr:„Wenn du mich loben willſt, ſo ehre und verherr⸗ liche welc in und 16 den mit Gü keit ud , t en hi i lih i das höchſte Lobopfer. 211 liche mich in Vereinigung mit jener Herrlichkeit, in welcher Gott Vater in ſeiner Allmacht, der heilige Geiſt in ſeiner Gütigkeit mich von Ewigkeit her geehret haben; und in Vereinigung mit jener Herrlichkeit, in welcher ich durch meine unerforſchliche Weisheit den Vater und den heiligen Geiſt von Ewigkeit verherrlicht habe und mit welcher der heilige Geiſt durch ſeine unwandelbare Gütigkeit den Vater und mich erhöhet von Ewig⸗ keit her.“ 2. Durch ſeine unendliche Gütigkeit angetrieben, er⸗ ſchuf der liebe Gott Himmel und Erde, Engel und Menſchen, vernünftige und unvernünftige Kreaturen, da⸗ mit er von denſelben nach Würde und Möglichkeit ge⸗ lobt und geehret werde. Die heilige Schrift bezenget dieſes mit den Worten, da es heißt(proverb. 16. c.): „Gott hat Alles ſeinetwegen gemacht;“ damit er näm⸗ lich von ſeinen Kreaturen erkannt, gelobt, geehrt und geprieſen werde. Dieß thaten auch die lieben Engel nach ihrer Erſchaffung und thun es auch jetzt noch, ja ſie werden es ewig thun. Dieß haben auch Sonne, Mond und Sterne gethan, wie Gott ſelbſt bei Job Kap. 38. bezeugt, da er ſpricht:„Wo wareſt du damals, als ich die Fundamente zur Erde legte, als mich die Morgen⸗ ſtern lobten und alle Kinder Gottes frohlockten?“ Dieſe Kinder Gottes waren die Engel, welche eher erſchaffen, als die Fundamente der Erde gelegt wurden. Alle un⸗ vernünftigen und unempfindlichen Kreaturen, nämlich alle zahmen und wilden Thiere, alle Bäume und Ge⸗ wächſe, Eiſen und Steine loben Gott, jedes nach ſeiner Art und nach ſeinem Vermögen, und gereichen ihrem Erſchaffer zu Lob und Ehr, weil er ihnen ihr Daſein gegeben hat. Um dieſes beweiſen zu können, führe ich 14* 212 Zwölftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt die heil. Mechtildis an, zu welcher Chriſtus Cib. Revel. cap. 28.) ſprach:„Wenn der Prieſter in der heiligen Meſſe ſingt:„„Durch welchen die Engel deine Ma⸗ jeſtät loben,““ ſo lobe mich in Vereinigung mit jenem himmliſchen Lobe, womit die heiligſte Dreifaltigkeit ſich ſelbſt lobet, und welches Lob auch Maria, alle Engel und Heiligen darbringeu. Darauf ſprich ein Vater unſer, und opfere mir es in Vereinigung mit dem Lobe auf, womit mich Himmel und Erde und alle Kreaturen 3. Weil nun alle Kreaturen, nach dem Zeugniſſe Chriſti, Gott loben, wie viel mehr ſind dann wir Men⸗ ſchen ſchuldig, Gott zu loben und zu preiſen, da wir vorzüglich deßwegen von Gott erſchaffen und mit Ver⸗ nunft begabt worden ſind. David hat dieſes am beßten erkannt aus allen Vätern des alten Teſtamentes, und aus Begierde, ſeinen Gott nach Möglichkeit zu ehren, begeiſterte Pſalmen verfaßt, in denen er ſich ſelbſt, ſein Volk, ja die ganze Natur zum Lobe Gottes auffordert, und für alle Zukunft die würdigſte Weiſe Gott zu loben niederlegt. Er ruft Himmel und Erde an, und ladet alle vernünftigen und unvernünftigen Kreaturen ein, zu folgen, und ſeinen und ihren Gott nach Kräften zu loben. Damit aber ſeine Nachkommen fortführen im Lobe Gottes, ſo ließ er den Prieſtern und Leviten hun⸗ dert und fünfzig Pſalmen zurück, und befahl ihnen, den Gott Iſraels täglich unter dem Gottesdienſte auf ſolche Weiſe zu loben und zu ehren. Die drei Jünlinge im Feuerofen, ſind dem Befehle Davids fleißig nachgekom. men, da ſie mitten im Feuer das Lob Gottes verkün⸗ deten, und alle Geſchöpfe zu demſelben einluden, indem ſie ſangen:„Benedeiet den Herrn alle Werke des Herrn, lobe Her hene pi dan dieſ der hat Her ſten Gn iſt zwe wi her gri hat hle hat lich e. en ſch . et obe ren iſe en⸗ wir er⸗ ien un ren, ſein dert, oben ade in hun dol olh e in on nen errn) das höchſte Lobopfer. 213 lobet und erhöhet ihn in alle Ewigkeit; ihr Engel des Herrn, benedeiet den Herrn, ihr Himmel des Herrn, benedeiet den Herrn ꝛc.“ 4. Da nun die Väter und das jüdiſche Volk den höchſten Gott ſo eifrig gelobt haben, wie viel mehr find dann wir Chriſten dasſelbe zu thun ſchuldig, da wir zu dieſem Ende zu Kindern Gottes angenommen ſind, wie der heil. Paulus an die Epheſer Kap. 1. ſchreibt:„Er hat uns vorherbeſtimmt zur Kindſchaft, zum Preiſe der Herrlichkeit ſeiner Gnaden,“ d. h. Gott hat uns Chri⸗ ſten zu ſeinen Kindern angenommen, damit wir ſeine Gnade und Herrlichkeit loben und preiſen ſollen. Dieß iſt unſere große Verpflichtung, die uns Alle angeht, ſo zwar, daß der, welcher dieſelbe zu erfüllen unterläßt, ſich wider Gott verſündiget. Selbſt fromme Kaiſer, Könige und Fürſten haben dieß ſo tief empfunden, daß ſie die herrlichſten Kirchen gebaut, und Klöſter und Stifter ge⸗ gründet, auf daß in den kirchlichen Tagzeiten der er⸗ habene Herr Himmels und der Erde Tag und Nacht gleichſam unaufhörlich gelobt und geprieſen werde. Darum hat auch die katholiſche Kirche verordnet, daß jeder Geiſt⸗ liche, ſobald er das Subdiakonat oder die erſte höhere Weihe empfangen hat, bis zu ſeinem Tode täglich die ſieben Tagzeiten beten ſoll, und zwar iſt er verpflichtet unter einer Todſünde. Dieſelbe Pflicht haben beinahe alle zum Chor verordneten Kloſterfrauen, wie auch alle Ordensgeiſtliche, bei denen mit Freuden zu hören iſt, wie ſie Alle bei Tag und Nacht ihren Gott und Er⸗ ſchaffer ſo fleißig und andächtig loben. 5. Zum eifrigen Lobe Gottes ermahnet uns Si⸗ rach mit nachdrücklichen Worten:(43. Kap.):„Verherr⸗ lichet den Herrn, ſo viel ihr nur immer könnt, er wird 214 Zwölftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt doch euer Lob überſteigen; denn ſeine Größe iſt wun⸗ derbar. Benedeiet den Herrn und erhöhet ihn ſo viel ihr könnt; dennoch iſt er größer, als alles Lob.“ Da⸗ vid in ſeinen letzten Pſalmen ſpricht:„Lobet den Herrn in ſeinen Kräften, lobet ihn nach der Menge ſeiner Größe.. Wer konn aber nun das thun, da ſeine Größe unendlich und unbegreiflich iſt, und alles Lob der Engel und Menſchen überſteigt? Was iſt da für ein Rath? Wie können wir nun unſere Fflichten erfüllen? 6. Da Chriſtus ſah, daß die Menſchen den unend⸗ lichen Gott nicht würdig genug preiſen könnten, ſo ſetzte er in ſeinem letzten Abendmahle die heilige Meſſe ein, welche ein Lobopfer genannt und von der Kirche täglich und ſtündlich bei Tag und Nacht dem höchſten Gott als ein wahres Lobopfer dargebracht wird. Die Prieſter müſſen ſehr oft am Altare ſprechen:„Wir opfern vir auf, o Herr, ein Sacrificium des Lobes, d. h. wir opfern dir ein Lobopfer Unter der heiligen Meſſe ſingt der Chor, und die Prieſter ſprechen dem höchſten Gotte ein vortreffliches Lob in dem Gloria in excelsis, d. h „Ehre ſei Gott in der Höhe, wir loben dich, wir bene⸗ deien dich, wir beten dich an, wir verherrlichen dich zc.“ Nach der Präfation ſpricht der Prieſter:„Heilig, hei⸗ lig, heilig iſt der Herr Gott Sabaoth, voll ſind Him⸗ mel und Erde von der Majeſtät deiner Herrlichkeit. Ho⸗ ſanna in der Höhe, gebenedeit ſei, der da kommt im Namen des Herrn; Hoſanna in der Höhe!« Iſt dieß nicht ein hohes Lob Gottes? Haben nicht die himm⸗ liſchen Seraphine das dreifache Sanctus geſungen? Ha⸗ ben nicht die unmündigen Kinder auf Eingebung des heiligen Geiſtes das Hoſanna in Excelſis geſungen? Da dieß ein ſo hohes Lied iſt, welches theils im Himmel, hei vir Gol der daß auf e au lich fin un ter i⸗ im⸗ in ieß u⸗ des Do n das höchſte Lobopfer. 215 theils auf Erde zur Ehre Gottes geſungen wurde, darum wird es in der Kirche viel tauſendmal wiederholt und Gott dadurch in allen heiligen Meſſen durch den Mund der Prieſter gelobet und geehret. 7. Wir Menſchen ſind alſo gewiß dazu erſchaffen, daß wir Gott loben und preiſen ſollen, und zwar nicht auf eine gewöhnliche, ſondern auf die vortrefflichſte, ja auf unendliche Weiſe. Denn weil die Vortrefflichkeit Gottes unendlich iſt, ſo gebühret ihr auch ein unend⸗ liches Lob. Wer will aber einen ſolchen Lobgeſang er⸗ finden, der alle göttlichen Vortrefflichkeiten in ſich begreift, und ſie nach ihrer Würde preiſt? Weil dieß Niemand vermag, ſo ſind wir Chriſto unendlichen Dank ſchuldig, da er uns durch die heilige Meſſe einen ſolchen Lobge⸗ ſang gegeben, wodurch wir allen unſern Mangel erſetzen, und unſerm mächtigſten Gott ein würdiges Lobopfer geben können. 8. Hierüber ſpricht der heil. Laurentius Juſtinianus Germ. de corp. Christ.):„Gewiß iſt es, daß Gott durch nichts Anderes beſſer gelobt werden kann, als durch das unbefleckte Opfer des Altars, welches Chriſtus deßwegen eingeſetzt hat, damit die Kirche das göttliche Lob vollbringen könne.“ Hieraus folgt, daß wir, wenn wir unſern Gott würdig loben wollen, dieß durch nichts beſſer zu thun vermögen, als durch Anhörung und Auf⸗ opferung der heiligen Meſſe. Wie dieß geſchehe, be⸗ ſchreibt gar ſchön der berühmte Molania(tract 3. c. 9.), da er ſpricht:„In der heiligen Meſſe wird Gott dem Vater ſein eingeborner Sohn mit der Ehre, welche er auf Erden Gott dem Vater erwieſen hat, aufgeopfert. Und auf ſolche Weiſe wird dem Vater ein unendliches Lob, nämlich das göttliche Lob ſeines Sohnes gegeben 216 Zwölftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt und geopfert. Chriſtus preiſet die Gottheit auf dem Altare mit ſolch hohem Lobe, ſo viel als Gott gelobt zu werden würdig iſt, was weder Engel noch Heilige, viel weniger die Menſchen thun könnten; und eben deß⸗ wegen empfängt Gott durch jede heilige Meſſe mehr Ehre, als er von allen Heiligen und Engeln empfan⸗ gen kann 9. Zu dieſem Ende ſchreibt der heilige Irenäus (citatus a. P. Segneri in Hom. Christ. disc. 12.): Es war eine Jungfrau, welche eine brennende Begierde hatte, Gott nach Möglichkeit zu loben. Sie ſeufzte oft zum Himmel und ſprach vom Grunde ihres Herzens: „O, hätte ich tauſend Zungen, daß ich Gott recht loben könnte. O, hätte ich alle Menſchen in meiner Gewalt, auf daß ich ſie zu deinem Lobe anleiten könnte. Könnte ich allen unvernünftigen Kreaturen Verſtand und Herz geben, damit ſie Gott ewig loben und preiſen könnten, wie gerne wollte ich es thun! O, könnte ich neue Him⸗ mel ſchaffen und mit lauter Seraphinen anfüllen, ich würde keine Mühe ſcheuen, wenn ich es zu Stande brin⸗ gen könnte. O, hätte ich ſolche Leibes⸗ und Seelen⸗ kräfte, daß ich allein dich mehr anbeten, loben, ehren, preiſen und verherrlichen könnte, als alle engliſchen Chöre und Schaaren der Heiligen thun, wie glückſelig würde ich mich ſchätzen! Das waren der liebenden Seele in⸗ brünſtige Begierden, von welchen ihr Herz immerdar wallte, und dergleichen Liebespfeile hervorſchoß. Als ſie eines Tages mehr als ſonſt noch von dieſer Flamme guter Begierden entzündet war, hörte ſie eine himmliſche Stimme zu ſich ſprechen:„Sei gegrüßt, meine Tochter, und wiſſe, daß ein einziges heiliges Meßopfer mir nicht allein ein ſolches Lob, welches du mir zu geben verlangſt, das höchſte Lobopfer 217 völlig erſetze, ſondern mir ein unvergleichlich größeres, als du mit deiner Begierde zu geben im Stande biſt, überflüſſig erweiſe. Höre alſo die heilige Meſſe fleißig und opfere mir jenes Lob, welches ich dadurch erhalte, ſo kannſt du mich nach deinem Verlangen loben und deine Begierde vollkommen erfüllen.⸗ 10. Hieraus ſehet ihr, andächtige Seelen, welch hohes Opfer die heilige Meſſe ſei; denn dadurch empfängt Gott größere Ehre und größeres Lob, als aus allem Lobgeſang der himmliſchen Geiſter. Wenn der ganze Himmel nach all ſeiner Möglichkeit zum höchſten Lobe und zur Ehre der hochwürdigſten Dreifaltigkeit die herr⸗ lichſte Prozeſſion anordnen würde, deren Haupt und vor⸗ nehmſte Perſon die Mutter Gottes wäre, begleitet von den neun Chören der Engel, und von den unzählbaren Schaaren aller Heiligen und Seligen, ſingend mit den ſüßeſten Stimmen, und ſpielend mit den lieblichſten muſi⸗ kaliſchen Inſtrumenten; ſo würde eine ſo erhabene Pro⸗ zeſſion dem glorwürdigſten Gott gewiß zur beſonders hohen Ehre und zu großem Lob und Preis gereichen. Wenn aber hingegen die ſtreitende Kirche einen einzigen Prieſter ſendete, welcher zum Beſchluſſe dieſer heiligen Prozeſſion eine heilige Meſſe zur größeren Ehre der allerheiligſten Dreifaltigkeit leſen und aufopfern würde, meinſt du nicht, daß ſein Lob Alles übertreffen würde? Ich ſage dir in Wahrheit, daß dieſer arme Prieſter mit ſeiner einzigen heiligen Meſſe der lobwürdigſten Dreifal⸗ tigkeit ein unvergleichlich höheres Lob geben würde, als ihr dieſe großartige himmliſche Prozeſſion gegeben hätte; ja ein um ſo viel höheres und größeres Lob, als der Sohn Gottes höher und größer iſt, denn alle Kreaturen. 11. Das eben iſt die Urſache, warum wir Chriſtus 218 Zwölftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt mehr lieben und loben müſſen, weil er uns durch die Einſetzung des heiligſten Meßopfers ein ſo leichtes Mit⸗ tel an die Hand gegeben, die hochheilige Dreifaltigkeit würdig zu ehren und nach der Fülle ihrer Größe und Macht zu loben und zu preiſen. Dieſe Betrachtung ſoll auch eine eifrige Begierde in uns erwecken, die heilige Meſſe fleißig zu hören, auf daß wir unſere Pflicht und Schuldigkeit, die göttliche Majeſtät zu loen, erfüllen mögen. Daß wir ſchuldig ſind, Gott zu loben, wiſſen wir daher, weil uns Gott dazu erſchaffen hat Darum ſagt der heilige Paulus(Epheſ. 1.):„Wir ſind vorherbeſtimmt, damit wir zum Lobe ſeiner Herr⸗ lichkeit ſeien.. Damit wollte er ſagen: Gott hat uns nicht allein zu ſeinem Lobe erſchaffen, ſondern hat uns auch zum Glauben berufen, damit wir ihn wegen die⸗ ſer großen und unverdienten Gnade loben und dieſes ſein Lob ausbreiten ſollen; was ſeiner Majeſtät beſon⸗ ders gefällt, und zur beſondern Ehre gereicht, da er im 49. Pſalm ſelbſt ſpricht:„Das Sacrificium des Lobes wird mich ehren.“ 12. Dieſe unſere Schuld bezahlen zu können, hat uns Chriſtus in der heiligen Meſſe ein Mittel gegeben, indem wir ihn dadurch mehr und höher loben können, als ihn alle Engel und Heiligen gelobt haben, noch loben können, was ich kurz beweiſen will. Wenn ich Je⸗ mand loben will, ſo muß ich wiſſen, was in ihm lobens⸗ würdig iſt; weiß ich viel Gutes von ihm, ſo kann ich auch viel Gutes von ihm ſagen;— und eben ſo iſt es bei Gott. Die Engel und Heiligen wiſſen unausſprechlich viel Gutes und Schönes von Gott; denn ſie ſchauen ihn von Angeſicht zu Angeſicht, und ſehen ſo Viel in ihm, ——, —„„„— ſt iel das höchſte Lobopfer. 219 daß ſie dasſelbe nicht genugſam loben, noch ausſprechen, können. Darum loben ſie die höchſte göttliche Majeſtät nach ihrer Möglichkeit, und rühmen ihre unergründlichen Vollkommenheiten. Dennoch iſt ihr Lob nicht uehr, als ein engliſches und erſchaffenes, und iſt nie ſo hoch, als die unendliche göttliche Hoheit gelobt zu werden würdig iſt. 13. Die Menſchheit Chriſti allein erkennt wegen der perſönlichen Vereinigung mit der Gottheit vollkom⸗ men, wie unendlich groß die Gottheit ſei und wie ſehr gelobt zu werden ſie würdig ſei; darum iſt es auch nur die Menſchheit, die überall, wo ſie gegenwärtig iſt, die unendlich erhabene Gottheit ſo lobet und preiſet, wie ſie gelobt und geprieſen zu werden verdient. Dieß aber thut Chriſtus vorzüglich auf dem Altare unter der heiligen Meſſe, da ſie ein Lobopfer zum Preiſe des Allerhöchſten iſt. Nun merke, was folgt: Das Lob, welches Chriſtus der Gottheit auf dem Altare darbringt, opfert er vorzüglich im Namen derer, die der heiligen Meſſe beiwohnen, und ergänzt ſo, was ſie im Lobe Gottes verſäumt haben. Ja er ſchenkt ihnen ſogar die⸗ ſes ſein Lob der Gottheit, damit ſie es derſelben als ihr Eigenthum aufopfern und ſo ihre Schuld abtragen können. Wenn nun ein Menſch dieſes thut, und in ſeinem Herzen ſpricht:„Mein Gott! ich opfere dir je⸗ nes Lob auf, welches dir dein Sohn auf dem Altare gibt, ſo opfert er dem allmächtigen Gott ein höheres Lob, als ihm alle Engel und Heiligen gegeben haben, oder geben können; denn dieſe geben und opfern ihm nur ein engliſches und erſchaffenes, ein ſolcher Menſch aber opfert ihm ein göttliches und unendliches Lob. 14. Auf daß du aber nicht meineſt, als redete ich 220 Zwölftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt dieß aus mir, ſo will ich dir einige Zeugniſſe geiſtreicher Lehrer anführen, welchen du ſicher glauben kannſt. Pa⸗ ter Johannes de Angelis, ein hocherleichteter Geiſt, ſchreibt(Traet. 2. c. 13)„Wenn ich an die hohen Geheimniſſe der heiligen Meſſe denke, ſo ſcheint mir das Lob und die Glorie Gottes unter der heiligen Meſſe, welches Gott der Vater durch die Aufopferung ſeines Sohnes erhält, ſo vortrefflich zu ſein, daß im Vergleiche damit alle engliſchen Chöre und alle Schaaren der Hei⸗ ligen ihm gleichſam keine ſolche Wonne verurſachen. Obwohl die Engel und die Heiligen ihrem Gott und Herrn die vortrefflichſten Dienſte erweiſen und das würdigſte Lob ſingen, ſo iſt doch dasſelbe gegen jenes Lob für nichts zu ſchätzen, welches der heiligſten Drei⸗ faltigkeit aus der heiligen Meſſe entſpringt. Indem der Prieſter(wie auch die Meſſehörenden) dem ewigen Vater ſeinen Menſch gewordenen Sohn und deſſen Lob auf⸗ opfert, ſo opfert er ihm einen Gott auf, und das iſt doch gewiß ein unendliches Lob.⸗ Dieß ſind ſehr denkwürdige Worte des geiſtreichen Mannes, welche uns zeigen, daß der allmächtige Gott unter der heiligen Meſſe größeres Lob von der Menſch⸗ heit Chriſti empfange, als von allen Kreaturen. 15. Daß auch die Himmel bei der heiligen Meſſe Gott loben, leſen wir in der von der Kirche gutgeheiße⸗ nen Offenbarung der heiligen Brigitta(ib. 8. C. 56.), wo es heißt:„Als einſt ein Prieſter Meſſe las, und zur Wandlung kam, da ſchien es mir, ſpricht die Heilige, als ob die Sonne und der Mond mit allen Sternen und Planeten, ja ſogar alle Himmel mit ihren Be⸗ wegungen in den ſüßeſten Stimmen ſängen, und ihr Geſang weit und breit gehört würde. Dazu kam noch ſ d ſen e iht c 7 das höchſte Lobopfer. 221 eine unzählbare Menge himmliſcher Sänger, deren ſüße ſten Ton unmöglich iſt zu begreifen, viel weniger aus⸗ zuſprechen. Die Chöre der Engel kamen hernieder, ſahen den Prieſter an und beugten ſich vor demſelben mit größter Ehrerbietigkeit. Die Teufel aber flohen da⸗ von und zitterten vor Schrecken. Auch war eine ſolche Menge heiliger Seelen gegenwärtig, daß mein Geſicht ſelbe in der Länge, Breite, Höhe und Tiefe nicht er⸗ reichen könnte, und dieſe prieſen und lobten zugleich mit den Engeln Gott, und erwieſen dem Lamme Gottes Ehre.“ 16. Das Angeführte macht uns anſchaulich, wie viele Engel und Heilige bei der heiligen Meſſe gegen⸗ wärtig ſind, und welch herrlichen Lobgeſang ſie fingen, es ſagt uns nicht minder, wie ſogar Sonne, Mond und Sterne zum Lobe ſich vereinigen. In Mitte dieſer Engel und Heiligen ſtehſt du, o andächtige Seele, wenn du in der heiligen Meſſe biſt, und hilfſt ihnen deinen Gott loben und preiſen. Nun bedenke ſelbſt, wie vor⸗ trefflich das Lob iſt, welches deinem Gott in der heiligen Meſſe dargebracht wird! Allein wiewohl dieß groß iſt, ſo iſt dennoch jenes Lob, welches die heilige Meſſe ſelbſt dem Allmächtigen gibt, unendlich größer. Von dieſem Lobe ſpricht Paedagogus Christ. part. 20. 4. Sect. 3.:„Das Opfer oder Sacrificium iſt ſo maje⸗ ſtätiſch und Gott ſo angenehm, daß alle Tugenden und guten Werke, wie auch alles Lob, alle Ehre und aller Dienſt der Engel und Menſchen mit ihm nicht können verglichen werden. Da Chriſtus ſelbſt das Schlachtopfer und der Prieſter iſt, wer kann es läugnen, daß das Lob und der Ruhm, ob der unendlichen Vortrefflichkeit der Perſon des Opfers und des Prieſters das Lob aller Kreaturen übertreffe? P. Malobitzk in Regali 222 Zwölftes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Sacerdotio part. 3. cap. 2. ſpricht:„So oft das göttliche Meßopfer erneuert wird, ſo oft werden die Wellen der heiligen Liebe im Meere der Gottheit ange⸗ regt, und aus dem Sohne in den Vater, und aus dem Vater in den Sohn gedrängt.“ 17. Hieraus ſehen wir, welche unendliche Liebe, welches Lob und welche Ehre die heiligſte Dreifaltigkeit durch jede heilige Meſſe empfängt, und wie das für uns auf andere Weiſe unerſchwingliche Lob ſo reichlich er⸗ ſtattet wird. Sie iſt ein Gegengewicht gegen alle Schmähungen und Läſterungen, die täglich wider Gott ausgeſtoſſen werden. Wäre dieſes nicht der Fall, ſo wäre es unmöglich, daß die Welt noch ſtünde, in welcher und von welcher der allmächtige Gott täglich ſo grau⸗ ſam und tauſendfach geläſtert wird. Wie ſehr ihm dieſe Läſterungen mißfallen, bezengt Er uns bei Iſaias 52. Kap., wo er ſpricht:„Was will ich nun länger hier thun, weil mein Name ſtets den ganzen Tag geläſtert wird.“ Damit wollte er ſagen: Was ſollte ich noch länger in der Welt bleiben, in welcher ich unaufhörlich geſchändet, geläſtert und beleidiget werde. Ich will hinweggehen von der Welt und ſie dem Satan überlaſſen. Ich will ſie zerſtören, und ihre Läſterer in die Hölle ſtürzen. Gott hätte gewiß Urſache genug, dieſes zu thun; weil es gewiß iſt, daß eine einzige Todſünde oder Gottes⸗ läſterung Urſache genug wäre, die ganze Welt zu ver⸗ tilgen. Warum thut denn aber der gerechte Gott die⸗ ſes nicht? Was hält ihn hievon ab? Nur das hei⸗ ligſte Meßpfer iſt's, welches dieß verhindert; denn wie die göttliche Majeſtät von den Gottlofen unaufhörlich ge⸗ läſtert wird, ebenſo wird dieſelbe göttliche Majeſtät von den Prieſtern durch die Aufopferung ſo vieler heiligen das höchſte Lobopfer. 223 Meſſen geprieſen, und von Chriſtus ſelbſt nach Würdig⸗ keit gelobt und geehret. Das Lob Chriſti und das der Prieſter aber übertrifft weit alle Liſterungen und Bos⸗ heiten und ſo wird der Gottheit alle Schmach abge⸗ tragen, welche ihr von den Gottesläſterern zugefügt wurde. Haben wir alſo nicht Urſache genug, Chriſto von Herzen zu danken, daß er uns die heilige Meſſe einge⸗ ſetzt hat, wodurch die gottloſe Welt erhalten, die Gottes⸗ läſterer vor dem Abgrunde der Hölle bewahrt, unſere Verſäumniſſe im Lobe Gottes erſtattet werden, und wo⸗ durch der unendliche Gott auf's Würdigſte gelobt, ge⸗ prieſen und geehret wird! So ſei dir denn, o gütigſter Jeſus! unendlicher Dank und ewiges Lob von mir und allen katholiſchen Chriſten, ja von allen Bewohnern der ganzen Erde, wegen der großen Wohlthat geſagt, die du uns durch die Einſetzung des heiligen Meßopfers erwieſen haſt, und täglich und ſtündlich erweiſeſt. Wie können wir aber anders unſern Dank bezeigen, als wenn wir die heilige Meſſe fleißig und andächtig hören, und dasjenige Lob, welches du deiner eigenen Gottheit erweiſeſt, dir aufopfern! Wollte Gott, daß ich alle Menſchen zum fleißigen Meſſehören antreiben und ihnen den Geiſt der Andacht eingießen könnte! Allein was ich nicht vermag, das erſtatte du, o Jeſus! gieße in mein und aller Menſchen Herz den Geiſt der Andacht, damit wir immer mehr in der Begierde, die heilige Meſſe zu hören, zu⸗ nehmen und ſelbe täglich mit geſteigerter Andacht dir aufopfern. Amen. 224 Preizehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Dreizehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt das größte Danbopfer. 1. Die Wohlthaten, welche wir von der gütigen Hand Gottes täglich empfangen, ſind ſo groß und viel⸗ fältig, daß wir ſie weder zählen, noch viel weniger ver⸗ gelten können. Denn Gott hat uns erſchaffen, hat uns fünf Sinne gegeben, hat uns geſunde Elieder des Lei⸗ bes geſchenkt, hat in uns eine Seele gelegt, die nach ſeinem Ebenbilde erſchaffen iſt, und die der heil. Geiſt in der heiligen Taufe mit Waſſer gereiniget, geheiliget, mit vielem Schmucke gezieret, und ſo zu ſeiner Braut erwählet hat. Er hat uns einen Engel zum Schutze verordnet, ernähret uns als ſeine Kinder, verzeihet uns im heiligen Bußſakramente unſere Sünden, ſpeiſet uns mit ſeinem heiligſten Fleiſch und Blute, überträgt mit Geduld die Schmach, die wir ihm zufügen, wartet im⸗ mer auf die Zeit unſerer Bekehrung, gibt uns gute Ein⸗ ſprechungen, kommt uns mit ſeiner Gnade zuvor, un⸗ terrichtet uns durch die Predigten, bewahret uns vor vielem Uebel, erhöret unſer demüthiges Flehen, tröſtet uns in Trübſalen, ſtärket uns in der Verſuchung, nimmt unſere guten Werke in Gnaden auf und erweiſet uns unzählige andere Wohlthaten. 2. Dieſe großen Wohlthaten hat uns der gütige Gott erwieſen und wird nicht müde, uns noch mehrere zu er⸗ weiſen. Ja, gleich als wären dieſe Wohlthaten zu ge⸗ ring, ſo hat er noch eine neue Gnade hinzugefügt, die alle andern weit übertrifft, nämlich er hat uns als ſeine Kinder angenommen. Dieſe unſchätzbare Gnade rühmt — N—— ——„—— —, iſt et, ut tze 16 it in⸗ or ſet mt ns oit g die ine das größte Dankopfer. 225 der hl. Johannes mit folgenden Worten 1. Ep. K. 3.: „Sieh! welche Liebe uns Gott der Vater erwieſen hat, daß wir Kinder Gottes genaunt werden, und auch ſind.“ Der heilige Vaulus(Röm. 8) ſetzt hinzu:„Weil wir Kinder Gottes ſind, ſo ſind wir auch Erben Gottes.“ Iſt alſo dieß nicht eine große Gnade, daß der allmäch⸗ tige Gott und Herr uns arme Bettler zu ſeinen Kin⸗ dern und rechtmäßigen Erben angenommen hat? 3. Allein auch dieſe Wohlthat ſollte die Reihe noch nicht beſchließen, und eine noch größere ſollte ſie weit übertreffen; nämlich: da wir wegen unſerer Sünden in die Gewalt des Satans gekommen waren, hat er uns durch ſeinen Sohn aus deſſen Stricken befreit. Dieſe größte Wohlthat wollte uns Jeſus Chriſtus tief ein⸗ prägen, da er bei Joh. 3. ſpricht:„Alſo hat Gott die Welt geliebt, daß er ſeinen eingebornen Sohn dahin gab,“ nicht allein, daß er die menſchliche Natur anneh⸗ men, ſondern ſogar den bitterſten Tod für uns leiden ſollte. Hiebei bemerke aber, Gott hat uns dieſe Wohl⸗ that nicht als ſeinen Freunden, ſondern als ſeinen Fein⸗ den erwieſen, was der hl. Paulus gar wohl beherzigt, und uns zu erwägen vorhält, da er Rom. 5. ſchreibt: „Gott hat ſeine Liebe an uns bewieſen; weil wir Sün⸗ der waren, ſo ſtarb Chriſtus für uns.⸗ Dieſe Liebe Gottes iſt aber ſo groß, daß wir ſie nie vergelten können. 4. Wenn dir Gott ſonſt keine Gnade erwieſen hätte, als nur dieſe, daß er dich ein einziges Mal mit einem freundlichen Blicke angeſehen hätte, gewiß könnteſt du ihm für dieſe Wohlthat nicht genug danken, viel weniger dieſelbe vergelten; weil er, als ein Herr von ſolch un⸗ endlicher Majeſtät ſich gewürdiget, dir, dem armſeligen Erdenwurme, ſeine Liebe, wenn auch nur auf einen Cochem, Meßerklärung 15 226 Dreizehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Augenblick zuzuwenden;— wie willſt du es ihm dann vergelten, wenn er dich zu ſeiner leiblichen Anſchauung führt, und um dieſes bewerkſtelligen zu können, ſelber ein armſeliges Erdenleben lebt, welches er überdieß im ſchmählichſten und bitterſten Tode aushauchte. 5. Oſorius(Tom. IV. conc. de Missa) ſpricht: „Wenn du von Jemand recht viele Wohlthaten em⸗ pfängſt, ſo biſt du ſchaldig, ihm eine reiche Vergeltung zu erweiſen, damit du nicht undankbar erſcheineſt.“ Weil wir nun von Gott ſo viele Wohlthaten empfan⸗ gen heben, ſo ſind wir auch ſchuldig, zu ſorgen und darauf zu denken, wie wir ihm dieſes würdig vergel⸗ ten können; und darum ſollten wir oft mit David ſprechen(150. Pſ.):„»Was will ich dem Herrn ver⸗ gelten für das, was er mir gegeben hat?“ Und mit dem Propheten Michäas(c. 6):„Was kann ich dem Herrn würdig opfern?“ Sprich oft mit dem jungen Tobias(Kap. 12.):„Was für einen Lohn wollen wir ihm geben oder was kann da würdig ſein für die erwieſenen Wohlthaten? Wir ſind durch ihn mit allen Gütern erfüllet worden, wie können wir ihm dieſe würdig genug vergelten? So wie dieſe Heiligen ſprachen, ſollen auch wir ſprechen, und Gott für alle Wohlthaten dankbar ſein, oder wir verſündigen uns ſehr gegen Gott. 6. Was willſt du alſo thun, o armſeliger Menſch? wie willſt du deine große Schuld bezahlen? Höre alſo, was dir David im 43. Pſalm für einen Rath gibt: „Schlachte deinem Gott ein Lobopfer und erfülle dem Allerhöchſten dein Gelübde“ Das hoöchſte Lobopfer, welches du deinem Gott ſchlachten kannſt, iſt das heilige Meßopfer, und darum kannſt du nach dem Rathe des — 4 das größte Dankopfer 227 Königs David auch deinem größten Wohlthäter keinen beſſern Dank erweiſen, als wenn du fleißig die heilige Meſſe höreſt und ſelbe zur Vergeltung ſeiner Wohlthaten aufopferſt. Denn ſo ſpricht der hl. Irenäus(lib. 4. contra. Haer. c. 22.):„Das göttliche Sakrificium iſt deßwegen eingeſetzt worden, damit wir unſerm Gett nicht undankbar ſind.. Damit wollte er ſagen: Wenn wir das heilige Meßopfer nicht hätten, ſo hätten wir auf der Welt nichts, wodurch wir Gott die uns ertheilten Wohlthaten nach Gebühr vergelten könnten; nun aber hat Jeſus darum die heilige Meſſe eingeſetzt, damit wir ein kräftiges Dankopfer zur Vergeltung der göttlichen Wohl⸗ thaten hätten? 7. Daß die heilige Meſſe ein wahres Dankopfer ſei, und als ſolches für die empfangenen Wohlthaten Gott aufgeopfert werde, können wir aus den Worten des Meßbuches abnehmen, da der Prieſter bei dem Gloria ſpricht:„Wir loben dich, wir benedeien dich, wir beten dich an, wir verherrlichen dich, wir bringen dir Dank, ob deiner hohen Glorie, Herr Gott, himm⸗ liſcher König, Gott, allmächtiger Vater ꝛc.. In der Präfation ſpricht der Prieſter:„Laſſet uns Dank ſa⸗ gen dem Herrn, unſerm Gott; wahrhaft würdig iſt es und recht, billig und heilſam, daß wir dir immer und überall Dank ſagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, durch Chriſtus unſern Herrn ꝛc.“ In dieſen Worten iſt ein ſo hohes Lob begriffen, daß dem allmächtigen Gott kaum ein höheres geſungen wer⸗ den kann. 8. Wenn der Prieſter zur Wandlung kommt, ſpricht er folgende Worte:„Er nahm das Brod in ſeine heiligen und ehrwürdigen Hände, und mit gen Himmel 15* 228 Dreizehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt zu dir Gott, als ſeinem allmächtigen Vater erhobenen Augen dankte er dir.. O⸗ wohl eine liebliche Er⸗ hebung der Augen meines geliebten Jeſus! O, welch träftige Dankſagung, die jede engliſche und menſchliche Dankſagung überſteigt! Weil wir unſerm Gott nicht genugſam danken können, hat Chriſtus ſchon damals unſeren Mangel erſetzt. Was Chriſtus aber am letzten Abendmahle gethan hat, das thut er täglich in allen heiligen Meſſen, wo er ſeine milden Augen zum Vater erhebt und ihm für alle Wohlthateu herzlich dankt. Da nun dieſe Dankſagung von einer göttlichen Perſon geſchieht, ſo kann ſie darum auch nicht anders, als unendlich ſein, und weil ſie unendlich iſt, ſo kann Gott keine größere verlangen, und weil Gott keine größere verlangen kann, ſo muß ſie ihm auch am beßten gefallen. 9. So oft du alſo in der heiligen Meſſe biſt, ver⸗ einige dein Herz und deinen Willen mit dem Herzen und Willen Chriſti, und danke Gott aus allen Kräften und Sinnen. Damit aber deine Dankſagung um ſo kräftiger ſei, ſo opfere dem Vater jene Dankſagung, die ihm ſein lieber Sohn darbringt, indem er ſich ſelbſt un⸗ ter den Geſtalten von Brod und Wein aufopfert und hiebei ſtatt deiner für alle dir erwieſenen Wohlthaten überflüſſig dankt. 10. Hieraus folgt nun, daß, wenn du von deiner Kindheit an bis auf dieſe Stunde Gott immerdar auf den Knieen für die empfangenen Gnaden und Wohl⸗ thaten gedankt hätteſt, ſo hätteſt du dennoch mit all Dieſem nicht ſo viel ausgerichtet, als wenn du nur eine einzige heilige Meſſe mit Andacht höreſt und Gott auf dieſe Weiſe dankeſt. Wir gehen aber noch weiter, un ſi el en lig hir Un A de ho N ſer u das größte Dankopfer. 229 und ſagen, wenn du zur Vermehrung deiner Dankbar⸗ keit alle andächtigen Seelen geladen hätteſt, auf daß ſie zugleich mit dir deinem lieben Gott für die erwieſenen Wohlthaten danketen, und wenn dieſe durch ihr ganzes Leben deinen Gott allen möglichen Dank geieiſtet hät⸗ ten, ſo hätten dennoch dieſe alle mit einander deinem Gott nicht ſo viel Dank geleiſtet, als ihm Eine hei⸗ lige Meſſe darbringt. Ja, wenn du auch das ganze himmliſche Heer angerufen, und ſie zugleich mit dir und allen ſrommen Seelen unaufhörlich mit himmliſcher Andacht Gett geprieſen und ihm gedankt hätten, ſo wür⸗ den ſie ihm dennoch keinen ſo großen Dank erwieſen haben, als ihm von ſeinem Sohne in jeder heiligen Meſſe erwieſen wird. 11. Ohne Zweifel verwunderſt du dich hierüber und verlangſt die Urſache davon zu wiſſen, dieſe aber will ich dir mit wenigen Worten anzeigen. Die Welt⸗ weiſen ſagen in einem Sprichworte:„Das Endliche hat mit dem Unendlichen gar keine Gleichförmigkeit, ſondern das Unendliche übertrifft das Endliche unend⸗ licher Weiſe.. So iſt alſo auch die Dankſagung aller himmliſchen und irdiſchen Kreaturen endlich, und hat einen endlichen Werth, die Dankſagung des Sohnes Gottes aber, welche er unter der heiligen Meſſe ſeinem Vater leiſtet, iſt unendlich, und hat alſo eine unendliche Kraft und einen unendlichen Werth. Eben deßwegen gefällt ſie auch Gott dem Vater unendlicher Weiſe mehr, als alle Dankſagungen des Himmels und der Erde. Dieſe unendliche Dankſagung leiſtet Chriſtus auf dem Altare ſeinem Vater für dich beſonders, wenn du bei der heiligen Meſſe biſt, und ſchenkt ſie dir als dein Eigenthum, und dieſe kannſt du der Gottheit als 230 Dreizehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt deine eigene Dankſagung aufopfern. Wenn du nun dieß thuſt, ſo erweiſeſt du deinem Gott keine endliche noch menſchliche, ſondern eine unendliche und göttliche Dankſagung. 12. O Gott, wenn wir nur recht erkennen könn⸗ ten, was für einen großen Schatz wir an der heiligen Meſſe haben, wie ſelig würden wir ſein! wie glücklich würden wir uns ſchätzen! wie eifrig würden wir die heilige Meſſe hören! Der heilige Paulus ſchreibt Kor. 1. und rufet allen Menſchen zu:„Ich ſage meinem Gott allezeit für euch Dank wegen der Gnade Gettes, die euch gegeben worden iſt in Chriſto Jeſu; denn ihr ſeid in Allem reich geworden durch ihn, und es man⸗ gelt euch nichts mehr.“ Wir ſind alſo durch die hei⸗ lige Meſſe ſo reich geworden, daß uns nichts mehr mangelt, und wir können alle Gnaden in Ueberfluß ſchöpfen aus dem Opfer der heiligen Meſſe, in welchem größere Schätze der himmliſchen Reichthümer verborgen liegen, als die ganze Welt faſſen kann, was du aus Folgendem erkennen magſt. Alle Dankſagung, welche du durch Gebet und gute Werke deinem Gett leiſteſt, iſt rückſichtlich ſeiner unendlichen Majeſtät und deiner großen Schuld nicht höher zu ſchätzen, als wenn du Jemandem zehntauſend Pfund Gold ſchuldig wäreſt, und brächteſt ihm nicht mehr als zehn Heller zur Bezuhlung. Wenn du nur Eine heilige Meſſe andächtig höreſt, und jenen Dank, den der Sohn Gottes ſeinem Vater im heiligen Geiſte bringt, ſo lobeſt du deinen Gott mehr, und ſageſt ihm größeren Dank, als ihm alle himmliſchen und irdiſchen Bewohner ſagen und leiſten können. Denn dieſe, wie geſagt, geben nur einen engliſchen oder menſchlichen Dank, du aber erſtatteſt einen göttlichen mn hei Br — das größte Dankopfer. 231 und unſchätzbaren Dank. Wahrhaft ſind wir durch die heilige Meſſe in Allem reich geworden in Chriſto Jeſu, ſo zwar, daß uns nichts mangelt an irgend einer Gnade. 13. In der heiligen Meſſe haben wir das höchſte Brandopfer, das höchſte Lobopfer, das höchſte Dankopfer, das höchſte Bittopfer, das höchſte Verſöhnungsopfer, das höchſte Genugthuungsopfer und das höchſte Opfer des Heiles der ganzen Chriſtenheit. Die heilige Meſſe iſt der größte Nutzen der Gläubigen, die herzlichſte Freude der Andächtigen, die heilſamſte Buße der Sünder, der kräftigſte Troſt der Sterbenden und die wirkſamſte Hilfe der Verſtorbenen. Dieß und viel mehreres haben wir an der heiligen Meſſe, und man kann jede heilige Meſſe in dieſen verſchiedenen Bedeutungen aufopfern, oder mit jeder heiligen Meſſe kann man alle dieſe Früchte erhalten, und ich kann alſo mit Wahrheit ſagen, daß wir durch die heilige Meſſe in Allem reich gewor⸗ den ſind in Chriſto Jeſu, ſo zwar, daß uns nichts mangelt an irgend einer Gnade. 14. Hier muß ich zum Schluſſe beifügen, was P. Segneri in Hom. Christ. disc. 12. ſpricht:„Be⸗ denke bei dir, o frommer Chriſt! wie viel wir unſerm Heilande wegen der Einſetzung der heiligen Meſſe ſchul⸗ dig ſind; denn ohne dieſelbe könnten wir Gott nicht genug dankbar ſein, ſondern wären immer undankbar für die erhaltenen Wohlthaten.“ Dieß war alſo eine unendlich große Liebe zu uns, daß uns Chriſtus ſogar die Mittel an die Hand gegeben hat, Gott für die vie⸗ len Wohlthaten geziemend danken zu können. O, möch⸗ ten wir doch dieſes Glück genug ſchätzen und uns ſelbes recht zu Nutzen machen! Wenn wir der heiligen Meſſe beiwohnen, ſo iſt Chriſtus, welcher für uns geſchlachtet, 232 Vierzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt und Gott dem Vater aufgeopfert wird, unſer Eigen⸗ thum; wenn er aber uns gehört, ſo gehören auch ſeine unenvlichen Verdienſte uns an. Wir können alſo die⸗ ſelben öfters Gott dem Vater aufopfern, und die ſchwere Laſt, welche uns ſo hart drückt, dadurch erleichtern. 15. Dieſe ſchönen Worte des geiſtreichen Paters ſollen wir wohl bedenken, und uns zu Nutzen machen. Denn ſie zeigen klar an, welch' große Wohlthat Chri⸗ ſtus uns erwieſen, indem er für uns die heilige Meffe nicht allein eingeſetzt, ſondern auch zu einem ſolchen kräftigen Dankopfer gemacht hat, wodurch wir alle von Gott empfangenen Wohlthaten überflüſſig vergelten kön⸗ nen. So ſei dir denn, o Chriſto Jeſu, von mir und allen Kreaturen unendliches Lob und großer Dank ge⸗ fagt, weil du uns die heilige Meſſe eingeſetzt und uns dadurch unzählige Gnaden und Wohlthaten erwieſen haſt. Zur Vergeltung opfere ich dir, und durch dich der hei⸗ ligſten Dreifaltigkeit alles Lob und allen Dank auf, ſo dir in allen heiligen Meſſen gegeben worden iſt und bis zum Ende der Welt gegeben werden wird. Ich bitte auch alle Chöre der Engel und Heiligen, daß ſie mit uns dir Dank ſagen, und dich in alle Ewigkeit loben, preiſen und benedeien wollen. Amen. Vierzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt das kräftigſte Pittopfer. 1. Im Geſetze Moſis hatte Gott den Juden be⸗ fohlen, daß ſie nicht allein Brandopfer zur Ehre Gottes, lic das kräftigſte Bittopfer. 233 ſondern auch Friedopfer zur Erlangung zeitlicher Güter und Abwendung ſchädlicher Uebel darbringen ſollen. Dieſe Fried⸗ und Bittopfer waren bei den Juden von großem Werthe. Sie erhielten auch durch deren Ge⸗ brauch viele Güter, und viele Uebel wurden abgewendet. Im Buche der Könige 7 Kap. leſen wir:„Als die Philiſter die Kinder Iſraels überfallen wollten: da ſchrieen ſie zu Samuel, daß er Gott für ſie bitten wolle. Dieſer opferte für ſie ein Lamm, und rief Gott um Hilfe an. Auf einmal überfiel die Philiſter ein Schrecken; ſie flohen und wurden von den Iſraeliten geſchlagen.“ Als Gott das Volk mit der Peſt ſchlug, opferte Daviv ihm ein Friedopfer, und Gott wendete die ſchreck⸗ liche Peſt von dem Volke wieder ab;— und ſo findet man mehrere Erhörungen wegen dargebrachter Friedopfer in der heiligen Schrift. 2. Hat nun der liebe Gott den verſtockten Juden ein ſo kräftiges Bittopfer gegeben, um wie viel mehr iſt dann anzunehmen, daß er ſeiner Chriſtenheit ein noch viel kräſtigeres Bittopfer verordnet habe, durch welches wir viele leibliche und geiſtliche Güter von Gott erflehen und die Uebel von uns abwenden können. Wenn nun ein Lamm, welches zum Friedopfer geſchlachtet und dar⸗ gebracht wurde, den Opfernden ſo viele Gnaden erwor⸗ ben hat, welche Kraft wird dann das unſchuldige Lamm Gottes haben, wenn es für uns auf dem Altare ge⸗ ſchlachtet und von uns mit dem ganzen Schatze ſeiner Verdienſte Gott dem Vater aufgeopfert wird. 3. Um wie viel glücklicher iſt die Kirche, als die Synagoge! denn in der Synagoge waren die Brand⸗ opfer zur Anerkennung der höchſten Herrſchaft Gottes 234 Vierzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt verordnet, die Sühnopfer zur Verzeihung ihrer Sünden, und die Bittopfer, um von Gott etwas zu erflehen. Alle dieſe Opfer konnten jedes nur auf einerlei, und zwar in der ihm eigenthümlichen Weiſe dargebracht wer⸗ den. Die heilige Kirche aber, wiewohl ſie nur ein ein⸗ ziges Opfer hat, kann dennoch dasſelbe in jeder Mei⸗ nung darbringen, und durch dieſes einzige Opfer mehr auswirken, als die Juden mit allen ihren Brand⸗, Sühn⸗ und Bittopfern ausgewirkt haben. 4. Daß man die heilige Meſſe in verſchiedener Meinung aufopfern könne, lehret uns die Kirche, da ſie Trid. Sess. 22. Can. 3. ſpricht:„So Jemand ſagt, das Opfer der Meſſe ſei nur ein Lob⸗ und Dank⸗ opfer, oder eine bloße Erinnerung an das am Kreuze dargebrachte Opfer, nicht aber auch ein Sühnopfer, oder: es nütze dem Darbringer allein, und dürfe nicht für die Sünden, Strafen, Genugthuungspflichten und an⸗ dere Nöthen der Lebendigen und Todten dargebracht werden; der ſei aus der Kirchengemeinſchaft ausge⸗ ſchloſſen.“ Dieſe Worte ſind ein Glaubensartikel, wel⸗ chem Niemand widerſprechen darf, wenn er Mitglied der Einen Kirche, der Säule und Grundfeſte der Wahrheit, bleiben will. Es iſt alſo gewiß, daß die heiligen Meſ⸗ ſen nach verſchiedener Meinung geleſen und von Gott dadurch viele Dinge erbeten und erlangt werden können. Ich kann eine heilige Meſſe hören oder leſen laſſen zur größeren Ehre Gottes, zur größeren Freude der Mutter Gottes, zur größeren Glorie der Engel und Heiligen, zu unſerem Heil und unſerer Wohlfahrt, zur Erlangung oder Bewahrung unſerer Geſundheit, zur Bewahrung vor Unglück, zur Verzeihung unſerer Sünden, zur Beſ⸗ ſerung unſeres Lebens und zur Erlangung eines ſeligen das kräftigſte Bittopfer. 235 Endes u. ſ. w. Um dieß Alles kann ich für meine Freunde und alle Gläubigen bitten, und ich kann auch eben dieſelbe heilige Meſſe zur Erlöſung der armen Seelen leſen laſſen oder ſelbe hören. 5. Wie kräftig nun dieſes Bittopfer ſei, lehren uns die Gottesgelehrten, worunter einer ſpricht(Marchant. Candelah. mystico. tr. 4. lect. 15. prop. 3.):„Das Sacrificium hat eine unendliche Kraft, Etwas zu er⸗ bitten wegen des unendlichen Werthes, und wegen der unendlichen Würde dieſes Opfers, und zwar ſo, daß keine Gnade noch Gabe ſo groß iſt, welche durch die Opferung dieſes Sacrificium nicht erbeten werden könnte. Auch die Zahl der Perſonen iſt nie zu groß, als daß ihnen das Sacrificium nicht alles erbäte, was ſie wünſchen, wenn ſie es für ſich aufopfern oder opfern laſſen, und zwar deßwegen: weil Chriſtus, der vornehmſte Opferer. Gott unendlich angenehm iſt, weil die Verdienſte, welche Gott dem Vater aufgeopfert werden, unendlich ſind, und weil ſein Leiden, ſein Blut und ſeine Wunden unendlich viel vermögen.“ 6. Wir ſehen alſo klar, woher die heilige Meſſe dieſe große Kraft erhalte, nämlich: aus der Würde der Perſon Jeſu Chriſti, der als der vornehmſte Prieſter dieſes Opfer in eigner Perſon darbringt; und weil ſeine Verdienſte, ſein Leiden und Sterben, welche von ihm aufgeopfert werden, von unendlichem Werthe ſind. Weil denn Chriſtus ſeinem Vater mehr aufopfert, als jener von ihm begehrt, wie könnte ihm der Vater eine Bitte abſchlagen? 7. Mit dieſem ſtimmt überein der heil. Laurentius Juſtinianus(Serm de Corp Christ.), da er ſpricht: „Kein Opfer iſt größer, keines nützlicher und keines der 236 Vierzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt göttlichen Majeſtät angenehmer, als das Opfer der hei⸗ ligen Meſſe, in welcher die Wunden unſers Mittlers, die Schmach, die Geißelſtreiche ꝛc. wiederum hervorge⸗ hoben und dem Vater vargebracht werden. Auch wird ihm die Menſchheit ſeines Sohnes geopfert, auf doß er erkenne, wen er in die Welt geſandt hobe, damit durch veſſen Fürbitte den Sündern Verſöhnung, den Gefalle⸗ nen Verzeihung und den Gerechten das Leben gegeben werde Wenu nun der Prieſter und das Volk, welches vie heilige Meſſe hört, dem himmliſchen Vater das Lei⸗ ven, Sterben, die Wunden und die Verdienſte Chriſti vor Augen ſtellen und aufopfern, ſo werden ja dieſe vor⸗ tefflichen Gaben leicht jedes billige Begehren auswirken. 8. Im alten Geſetze(Deut. 16.) befahl Gott den Richtern, daß ſie keine Geſchenke annebmen ſollten, indem er ſprach:„Du ſellſt die Perſon nicht anſehen, noch Gaben annehmen; denn ſie verblenden die Augen der Weiſen und verkehren die Worte der Gerechten.“ Bil⸗ ligermaſſen hot Gott die Annahme der Gaben ver⸗ boten, weil es kaum möglich iſt, daß ein reiches Ge⸗ ſchenk die Billigkeit der Urtheile nicht verkehre; denn es iſt kein ſo rauhes und hartes Herz, welches nicht durch Gaben erweicht und dem Gebenden geneigt wird. Es iſt auch keine Wage ſo richtig, welche ſich nicht zu der⸗ jenigen Seite, wo das Geld liegt, hinſenkt. Wer will dann nicht glauben, daß uns Gott geneigt werde, wenn wir ihm in der heiligen Meſſe einen ſo theuern Schatz varbringen? Gewiß hat Gott weder ein eiſernes noch ſteinernes, ſondern ein zartes und mildes Herz. Wie ſoll es denn möglich ſein, daß er eine ſo edle Gabe, ſeinen liebſten Sohn, nicht mit Freude annehme und ſein geſprochenes Urtheil merklich mildere? Obwohl —+—+ — das kräftigſte Bittopfer. 237 die heilige Schrift ſagt:„daß die Gaden die Rugen der Weiſen verblenden,“ ſo darf ich doch nicht ſagen, daß ſolche Gaben die Augen des weiſeſten Gottes ver⸗ blenden; demnach ſage ich nicht, daß Gett wegen Dar⸗ reichung oder Aufopferung einer heiligen Meſſe anfange, anders zu richten, und das gefällte Urtheil zu ändern. Wir ſind nämlich hiebei verſichert, daß die göttliche Ge⸗ rechtigkeit hierin auch etwas zu thun habe, indem, wenn ſie von unſern Händen eine ſo koſtbare Gabe empfängt, ſie zugleich mit der göttlichen Barmherzigkeit unſer Be⸗ gehren gutheißen, und gleichſam mit eigner Hand unſere Bittſchrift unterſchreiben müſſe, da ſie ein ſo koſtbares Geſchenk von uns erhalten hat. Es iſt ja der gött⸗ lichen Gerechtigkeit wirklich eine Genugthuung geleiſtet worden. 9. Kiſſeli ſagt(Alveo. 2. conc. 36.):»In der heiligen Meſſe bitten wir nicht bloß um die göttlichen Wohlthaten der Barmherzigkeit, ſondern opfern auch den Preis, welchen Chriſtus in ſeinen Leiden verdient hat, der göttlichen Gerechtigkeit auf,“ und auf ſolche Weiſe taufen wir gleichſam die begehrte Gnade von Gott um einen theuren Preis. Bedenke alſo, welche koſtbare Gnade wir in der heiligen Meſſe opfern und wie theuer wir die verlangten Wohlthaten von Gott erkaufen. Wir opfern ihm die edle Menſchheit Chriſti, welche zur Erhöhung der Ehre Gottes gegeißelt, gekrönet und gekreuziget wor⸗ den iſt. Wir opfern ihm die zu Einer Perſon mit der Gottheit vereinte Menſchheit, welche durch dieſe Ver⸗ einigung auf's höchſte geadelt worden iſt. Wir opfern auch die Wunden, Zähren und das theuere Blut, wel⸗ ches dieſe edle Menſchheit vergoſſen hat. 10. Wollte man es ſehr genau und ſtrenge nehmen, 238 Vierzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt ſo muß man bekennen, daß wir durch die Aufopferung der heiligen Meſſe Gott mehr geben, als wir durch un⸗ ſer Gebet begehren können; darum ſcheint es keine Ur⸗ ſache zu geben, warum oder auf was für eine Weiſe unſere billige Bitte von Gott aogeſchlagen werden könne; denn was wir begehren, iſt nichts anders, als etwas Erſchaffenes oder Irdiſches, was wir aber opfern, ſind lauter göttliche und unſchätzbare Dinge. Soll denn der freigebige Gott, der ſelbſt geſprochen hat, daß er einen Trunk kalten Waſſers reichlich vergelten will, uns unbe⸗ lohnt laſſen, da wir ihm den Kelch, voll vom Blute ſeines Sohnes, welches er in der heiligen Meſſe wieder vergießet, andächtig opfern? Auch ruft dieſes göttliche Blut zu Gott dem Vater für uns um Gnade, und fleht die göttliche Barmherzigkeit an. 11. Chriſtus ſprach beim letzten Abendmahle:„Wahr⸗ lich! wahrlich! ich ſage euch, um was ihr den Vater in meinem Yamen bitten werdet, das wird euch gegeben.“ Wo können wir aber den Vater im Namen des Sohnes beſſer bitten, als in der heiligen Meſſe, in welcher wir Ihn in eigener Perſon dem Vater vor Augen ſtellen und mit den Gebeten, welche er auf Erde verrichtete, dem Vater aufopfern. Der heil. Bonaventura(Tom. IV. in Expos. Missae) ſagt:»Wenn ein Herzog ge⸗ fangen wird, ſo wird er nicht eher losgelaſſen, bis er ſich mit einer großen Summe Geldes loskauft.“ Alſo ſollen auch wir Chriſtum, welchen wir in der heiligen Meſſe gleichſam gefangen halten, nicht eher losgeben, bis er uns unſere Sünden verzeiht und uns den Him⸗ mel verſpricht. Deßwegen hebt der Prieſter Chriſtum am Altare in die Höhe und ruft gleichſam zum Volke: „Sehet, derjenige, den die Welt nicht faſſen kann, iſt i das kräftigſte Bittopfer. 239 unſer Gefangener. Wir wollen ihn nicht eher laſſen, bis wir erhalten, was wir begehren.“ Dieß iſt gewiß ein guter Rath, deſſen ſich ein Jeder bedienen, und mit dem alten Jakob(Gen. 23.) ſprechen kann:„Ich will dich nicht entlaſſen, bis du mich ſegneſt. Wie viel das Vertrauen zur heiligen Meſſe auswirke, wollen wir in einigen Beiſpielen hören. 12. In den Jahrbüchern der Kapuziner iſt zu leſen, daß 1582 in der Stadt Spello ein frommes Weib war, welches einen böſen Ehemann hatte, von dem ſie täglich nicht allein viele Unbilden und Schmach, ſondern auch viele Streiche und Wunden empfing. In dieſem üblen Leben brachte ſie einige Jahre zu, und gerieth beinahe in Verzweiflung. Eines Tages kamen zwei Kapuziner, nämlich Bruder Lactantius und Bruder Franz von Nurſia, zu ihr in's Haus um ein Almoſen; dieſe rief das arme Weib hinein, und trug ihnen ihre große Noth llagend und weinend vor. Die Brüder tröſteten ſie beßtens, und gaben ihr den Rath, daß ſie ſich befleißen ſolle, täglich die heilige Meſſe zu hören und ihr großes Elend ſammt der hei⸗ ligen Meſſe Gott aufzuopfern, und gaben ihr die Ver⸗ ſicherung, daß ihr wilder Mann durch die Kraft der heiligen Meſſe milder werden, und ſie hinfüro beſſer halten würde. Das Weib verſprach dieſes fleißig zu thun, dankte für den Rath, und beſchenkte ſie, worauf dieſe wieder weiter gingen. Der Mann war gegen ſie ſo hart, daß er ihr niemals erlaubte, an Werktagen in die heilige Meſſe zu gehen, worüber ſich das Weib ſehr betrübte, weil ſie dem Rathe der beiden Brüder nicht nachkommen konnte. Bald nachher unternahm der Mann eine weite Reiſe, wodurch das Weib Gelegenheit bekam, 240 Vierzehntes Kapitel Die heilige Meſſe iſt täglich die heilige Meſſe zu hören. Sie that dieß mit beſonderer Andacht, empfahl ſich und ihren böſen Mann in die heilige Meſſe, und rief Gett von Herzen an, daß er ihrem Manne einen andern Sinn geben weolle. Dieſer kam eher von ſeiner Reiſe zurück, als das Weib vermeint hatte, und als er Vormittags nach Hauſe kam, und ſeine Magd fragte, wo ſeine Frau fei, ſagte dieſe, daß ſie in der Kirche wäre, was ſie wäh⸗ rend ſeiner Abweſenheit täglich gethan hätte. Der Böſe⸗ wicht ergrimmte vor Zorn ſo ſehr, daß er ſie zum Teufel wünſchte, und ſie zu erſchlagen drohte. Sobald das Weib in das Haus trat, ergriff er ſie mit beiden Händen am Hals und wollte ſie erwürgen. Das Weib ſchrie zu Gott und bat Chriſtum durch die Kraft der heiligen Meſſe um Errettung und Hilfe. Und ſieh! augenblicklich war die Hilfe Gottes da, die Hände des erzürnten Mannes erſtarrten, und er konnte weder das Weib würgen, noch ſeine Hände von ihr zurückziehen. Hiedurch ward er noch mehr erbittert, hielt ſein Weib für eine Zauberin und ſtrengte alle Kräfte an, ſie zu tödten; ſeine Hände aber wurden immer kälter und ſtarrer. Da erkannte er es als eine Strafe Gottes, bereute ſeine Sünde und verſprach ſeinem Weibe Beſ⸗ ſerung, wenn ſie ihn durch ihr Gebet von dieſer Strafe befreien würde. Das Weib aber glaubte anfangs we⸗ der ſeinen Worten, noch ſeinem Verſprechen, und dachte, ſie wolle lieber einen lahmen Mann, als einen grim⸗ migen Peiniger haben. Endlich verſprach ihr dieſer mit allem Ernſte, ſein gottloſes Leben zu beſſern, und ſie als ſein Eheweib liebvoll zu behandeln. Nun vereinigten ſich beide im Gebete, und riefen unter Betheuerungen und Verſprechungen die göttliche Barmherzigkeit an, e, e we⸗ hie, nit ſe gien e an, das kräftigſte Bittopfer. 241 his ihr Flehen endlich erhört wurde. Dieſe Züchtigung hat dem Manne ſo viel genützt, daß er ſein Benehmen geändert, ſein Eheweib beſſer gehalten, und oftmals zu⸗ gleich mit ihr die heilige Meſſe gehört hat. 13. Es iſt wahr, und Jedermann kann es in ſei⸗ nem Leben erfahren, wenn er nur darauf Acht haben will, was der geiſtreiche Molina(tract. 3. c. 10. §. 1.) ſchreibt:„Durch die ſo angenehme und werth⸗ volle Aufopferung der heiligen Meſſe kann der Menſch Alles, was er zu ſeinem Heile begehrt, von Gott und den Heiligen erlangen, und es iſt ihm kein anderes Mittel gegeben, wodurch er ſicherer zu ſeinem Ziele käme, wenn er hilfsbedürftig vor ſeinem ewigen Vater erſcheint, als das hochheilige Opfer der Meſſe. Das gerade iſt es ja, was wir in dieſem Kapitel genugſam erwieſen zu haben glauben. Denn bei der heiligen Meſſe betet der Menſch nicht allein, ſondern mit ihm und für ihn der Prieſter, die Engel, ja Chriſtus ſelbſt. Der Menſch betet nicht nur, fondern bringt auch Gott eine Gabe dar, die gleich Ihm unendlich iſt. Wenn ihm nun bei ſolcher Gelegenheit ſeine Bitte verſagt wird, wann und wo ſoll ſie ihm dann bewilliget werden? Darum bleibt es wahr, daß der Menſch durch kein an⸗ deres Mittel erwerben könne, was ihm durch die Auf⸗ opferung des heiligen Meßopfers verſagt wird. 14. Hier möchteſt du etwa fragen: Wenn die heil. Meſſe ein ſo theueres Opfer iſt, woher kommt es denn, daß Gott diejenigen, welche ihm ſelbes aufopfern, nicht erhört? Dieſe Frage beantwortet P. Gobat(Alphab. de Sac. aud. num. 74.), da er ſpricht:»Nicht Alle erlangen, was ſie begehren; denn obwohl wir durch das heilige Meßopfer Gott leichter erbitten können, als Cochem, Meßerklärung. 16 242 Vierzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt durch alles Andere, ſo hängt doch die Wirkung des Meß⸗ opfers an einigen Bedingungen, welche bei Wenigen ge⸗ funden werden.“ Noch viel klarer zeigt dieß der Kar⸗ dinal Bona de Missa c. 1.§. 9., da er ſpricht:„Das liegt in der Natur des Betens, daß dem Gebetenen die Freiheit gelaſſen iſt, nach ſeinem Gefallen zu gewähren oder zu verſagen. Im Bitten geben wir zwar eine Ur⸗ ſache an, wodurch wir meinen, Gott bewegen zu können, allein er wird nicht gezwungen, uns zu willfahren. Deßwegen iſt aber doch die heilige Meſſe ihrer Wirkungen nicht beraubt.“ Wenn wir alſo Das, was wir begehren, nicht erhalten, ſo werden wir unfehlbar etwas Anderes erhalten, was uns nützlicher iſt; und wenn wir es auch nicht in demſelben Augenblick erlangen, ſo erhalten wir es doch zu jener Zeit, welche von Gott beſtimmt iſt. Darum ſoll man ſich nicht einbilden, daß man bei dem erſten Anhören der heiligen Meſſe gleich jede Gnade er⸗ langen müſſe, ſondern es gehört, wie zu jedem Gebete, auch hiezu die Ausdauer und der fortgeſetzte Eifer, die heiligen Meſſen mit Andacht zu hören. 15. Aus der Antwort Chriſti, welche er der hei⸗ ligen Gertrud gegeben hat(ib. 3. Revel. 33.), können wir dieß abnehmen. Da ſie einmal zu Chriſtus ſprach: „woher kommt es, daß mein Gebet ſo oft nichts aus⸗ wirkt?, antwortete er:„wenn ich, der ich die uner⸗ forſchliche Weisheit bin, bisweilen dein Gebet nicht nach deinem Wunſche erhöre, ſo verordne ich allezeit nütz⸗ lichere Dinge dafür, da du, durch menſchliche Schwach⸗ heit gehindert, die beſſeren Dinge nicht unterſcheiden kannſt.. Damit wollte er ſagen: Weil du nicht weißt, was dir oder einem Andern nützlich ſei, deßwegen gebe ich dir nicht immer, was du begehrſt, ſondern nur die ode der nie ſiel na ift ſei das kräftigſte Bittopfer. 243 dieſes, was ich in meiner göttlichen Weisheit für dich oder für Andere gut und nützlich erkenne. Ein onderes Mal fragte ſie Chriſtum:„Was nützt es meinen Freun⸗ den, daß ich ſo ſehr für ſie bete, wenn man doch keine Beſſerung ſpürt?« Da ſagte Chriſtus:„Wundere dich nicht, daß du keine handgreifliche Frucht deines Gebetes ſiehſt; denn die Art und Weiſe der Erhörung ordne ich nach meiner ewigen Weisheit. Doch ſage ich dir: je öfter für Jemanden gebetet wird, deſto ſeliger wird er ſein, weil kein treues Gebet ohne Frucht bleibt; denn der Weg meiner Grade iſt oft ein verborgener.“ (Lib. 3 Revel. c. 30.§. 15.) 16. Mit dieſer Antwort können wir uns gewiß tröſten, da Chriſtus verſichert, daß kein andächtiges Ge⸗ bet ohne Frucht und Belohnung bleibt. Wenn nun aber kein Gebet ohne Frucht und Belohnung bleibt, wie Chriſtus ſagt, wie viel weniger wird dann eine geleſene oder gehörte heilige Meſſe ohne Frucht bleiben, da doch die heilige Meſſe das beßte Gebet in der Welt iſt, wie du unten ausführlicher hören wirſt. Bemerke aber wohl, daß Chriſtus geſprochen hat:„kein treues Gebet wird ohne Frucht bleiben.. Das treue Gebet beſteht aber vorzüglich darin, daß man ſelbes mit größtem Vertrauen und Eifer ſpreche. Wer aber ohne Vertrauen betet, wird wenig oder nichts erhalten, wie wir aus folgendem Beiſpiele erſehen. 17. Im Leben des heil. Abtes Severinus ſchreibt Surius(2. Januar):„Einmal fiel in der Nähe des Schloſſes Cotull eine ungeheuere Menge Heuſchrecken nie⸗ der, und richtete großen Schaden an Früchten und Bäu⸗ men an. Das Volk floh nun zu dem Heiligen und bat ihn, er möchte ihnen durch ſein Gebet in dieſer 16* 244 Vierzehntes Kopitel. Die heilige Meſſe iſt großen Noth zu Hilfe kommen. Der mitleidige Abt berief das Volk in die Kirche, ermahnte ſie in einer Pre⸗ digt zur Buße und zum Gebete, und ſprach am Ende: „„Weil ich kein beſſeres Gebet weiß, als das Opfer der heiligen Meſſe, ſo will ich ſelbes jetzt zur Abwen⸗ dung dieſes Uebels verrichten, und ermahne euch, daß ihr die heilige Meſſe zugleich mit mir zu dieſem Ende Gott aufopfern und ein feſtes Vertrauen darauf ſetzen ſollet.“ Das bedrängte Volk kam dieſer Ermahnung fleißig nach, bis auf einen einzigen Bürger, welcher zum Volke ſprach:„Euere Hoffnung iſt führwahr eitel und vergebens; denn wenn ihr alle heiligen Meſſen höret, und den ganzen Tag im Gebete verharret, ſo wird da⸗ durch nicht eine einzige Heuſchrecke weggetrieben werden. Nach dieſen Worten ging er nach Hauſe und verrichtete ſeine Arbeit; die Andern aber blieben Alle in der Kirche, hörten mit beſonderer Andacht die heilige Meſſe und flehten zu Gott um Abwendung dieſes Uebels. Nach vollendeter Andacht gingen ſie auf ihre Aecker hinaus, um zu ſehen, was ſie durch ihr andächtiges Meſſehören ausgerichtet hätten, und ſieh! auf einmal hoben ſich alle Heuſchrecken in die Höhe, und flogen davon, worüber ſie ſich herzlich freuten und mit erhobenen Händen dem gütigen Gott Dank ſagten. Der kleingläubige Bürger war auch gegenwärtig, ſah zu ſeiner Verwunderung die Heuſchrecken alle in die Luft fliegen, und konnte ſeinen Augen kaum trauen und glauben. Damit er aber die Sünde des Mißtrauens erkennen, und in verdienter Strafe abbüßen möchte, ſieh, da wendete ſich das ganze Heer der Heuſchrecken, welches ſchon hinweg war, auf einmal um, flog haufenweiſe auf ſeinen cker und fing an, denſelben völlig zu verderben. Der arm⸗ ſi Un das träftigſte Bittopfer. 245 ſelige Bürger ſah ſeinem Elende mit traurigem Herzen zu, rief zu Gott mit weinenden Augen, konnte aber keine Hilfe erflehen; denn ſie flogen nicht eher fort, als bis der ganze Acker abgeweidet war.“ 18. Aus dieſer Aufſchreibung des ehrwürdigen Su⸗ rius lernen wir zweierlei: erſtlich die Kraft der heiligen Meſſe, und dann die Verwerflichkeit des Spottes und der Verachtung derſelben. Wir ſollen alſo nicht dieſem kleingläubigen Bürger, ſondern dem andächtigen Volke folgen und großes Vertrauen auf die heilige Meſſe ſetzen. Höre alſo, wie uns der heil. Paulus ſo ernſt⸗ lich ermahnet(Hebr. 12. Kap.):„So laſſet uns denn mit Vertrauen zum Gnadenthrone treten, damit wir Barmherzigkeit erwerben und zu gelegener Zeit Hilfe finden.. Wo iſt aber der Gnadenthron, zu dem uns Paulus ladet? Es iſt nicht der Himmel; denn da hinauf können wir nicht ſteigen; es iſt auch nicht der Gnadenthron, der auf der Arche des Bundes ſtand; denn der war nur ein Vorbild unſers Gnadenthrones: ſondern dieſer Thron iſt der heilige Altar, worauf das Lamm Gottes geſchlachtet wird, und ſein Leben für uns hingibt, damit es uns Gnade und Barmherzigkeit er⸗ bitte. Zu dieſem Gnadenthrone ſollen wir täglich treten, und da in unſern Nöthen Hilfe ſuchen. Wir ſollen aber mit Andacht, mit Ehrerbietung und mit Vertrauen hinzutreten; denn es iſt der Thron der Gnade und nicht der Rache; es iſt der Thron der Barmherzigkeit, und nicht der Gerechtigkeit; es iſt jener Thron, wo wir Hilfe und nicht Verſtoſſung finden, und wenn du in der hei⸗ ligen Meſſe etwas zu begehren haſt, ſo ſprich mit gan⸗ zem Vertrauen: Sieh, o Vater der Barmherzigkeit! unter dieſem heiligen Meßopfer trete ich zu deinem 246 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Gnadenthrone, damit ich für meine Sünden Barmherzig⸗ keit finde und Hilfe erlange in meiner Armſeligkeit. Ich ſetze mein höchſtes Vertrauen auf das Opfer der heiligen Meſſe, und hoffe feſt durch die Aufopferung derſelben Alles von dir zu erhalten; denn die Würdig⸗ keit dieſes heiligen Opfers iſt unendlich, die Gabe, die dir geopfert wird, iſt ihrem Werthe nach unendlich und darum muß auch die Kraft der heiligen Meſſe unendlich ſein. Dieſe dreifache Unendlichkeit thut dir, meinem Gotte, Gewalt an, und zwingt dich gleichſam. mir die erbetene Wohlthat(wenn ſie nicht wider deine Ehre und mein Heil iſt), zu gewähren. Deßwegen bitte ich dich mit größtem Vertrauen durch das unendliche Wohl⸗ gefallen, welches du am heiligen Meßopfer haſt, du wolleſt mir zu deiner größern Ehre die erbetene Gnade ertheilen, und mein Vertrauen zur gnadenreichen heiligen Meſſe vermehren. Amen. Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt das mächtigſte Perſöhnungsopfer. 1. Paß die böſe menſchliche Natur, welche ſo oft in Sünden fällt, eines Verſöhnungsopfers bedürfe, gibt uns die Vernunft ein, und die ehrwürdigen Patriarchen haben dieſes ſchon vor dem Geſetze Moſis erkannt. Vom frommen Job leſen wir, daß er alle acht Tage ſeine zehn Kinder zu ſich berief, ſie heiligte und ein Verſöhnungsopfer für ſie entrichtete; denn er ſprach bei ſich:„Meine Söhne möchten vielleicht durch ihre täg⸗ lichen Werke geſündiget und Gott in ihren Herzen gel Po ige be das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 247 geläſtert haben.“ Hieraus ſehen wir, daß die alten Patriarchen aus Eingebung der Vernunft dem allmäch⸗ tigen Gott Verſöhnungsopfer dargebracht und ihn um Verzeihung gebeten haben. Im Geſetze Moſis hat Gott ſelbſt ein Verſöhnungsopfer eingeſetzt(Lev. 5.); denn er ſprach:„Wenn eine Seele geſündiget hat, ſoll ſie ein Lamm opfern, und der Prieſter ſoll für ſie und ihre Sünden beten. Wer aber keine Opferthiere dar⸗ bringen kann, ſoll zwei Tauben opfern, und zwar eine zum Brand⸗, die andere zum Sühnopfer, und der Prie⸗ ſter ſoll für ihn und ſeine Sünden beten, ſo werden ſie ihm verziehen werden.“ 2. Wenn nun das alte Geſetz, welches nur ein Schatten des neuen iſt, zum Troſt und Heile der Ju⸗ den ein Verſöhnungsopfer hatte, ſo geziemte es ſich um ſo mehr, daß auch die Kirche oder das chriſtliche Volk ein Verſöhnungsopfer habe, und zwar ein um ſo vor⸗ trefflicheres, als das Chriſtenthum höher ſteht, denn das Judenthum. Das blutige Kreuzopfer hat zwar eine unendliche Verſöhnungskraft, es iſt gleichſam als Quelle der Verſöhnung in Mitte der Erde und der Zeit ange⸗ ordnet, allein es war auch wünſchenswerth, daß die Verſöhnungsgnade jedem Tage und jeder Gemeinde eigens zugewendet wurde; deßwegen ward ein anderes Ver⸗ ſöhnungsopfer erfordert, welches für unſere täglichen Sünden aufgeopfert werden könnte. Hierüber ſpricht die katholiſche Kirche(Trid. Sess. 22. c. 1.):„Ob⸗ wohl ſich Chriſtus durch ſeinen Tod auf dem Altare des Kreuzes nur Einmal zur immerwährenden Erlöſung darbrachte, ſo wollte er doch keineswegs durch dieſen Tod ſein Prieſterthum zerſtören; darum erklärte er ſich beim letzten Abendmahle, ehe er verrathen wurde, zum 248 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Prieſter nach der Ordnung des Melchiſedech, brachte ſeinen Leib und das Blut unter den Geſtalten von Brod und Wein Gott dem Vater dar, und nachdem er ſich ſeinen Apoſteln unter dieſen Sinnbildern zur Speiſe dargereicht hatte, befahl er ihnen, und allen ihren Nach⸗ folgern im Prieſterthum, daß auch ſie opfern ſollten, mit den Worten:„„dieß thut zu meinem An⸗ denken,⸗„ ſo hat es die katholiſche Kirche von jeher verſtanden und gelehrt.“ 3. Das ſind die Worte der heiligen katholiſchen Kirche, wodurch ſie uns erklärt, daß Chriſtus am letzten Abendmahle wahrhaft die heilige Meſſe eingeſetzt und ſeinen Jüngern und Prieſtern dieſelbe zu leſen befohlen habe. Die Urſache aber ſetzt die Kirche hinzu mit den Worten:„um ſeiner geliebten Braut, der Kirche, ein ſichtbares Sacrifizium zu hinterlaſſen, wodurch jenes am Kreuze darzubringende blutige Opfer dargeſtellt würde, und ſeine heilſame Kraft in der Nachlaſſung unſerer täglich begangenen Sünden zeigen ſellte!« Dieſe Worte ſind ein Glaubensartikel, welchem Niemand widerſprechen kaun noch darf, und zeigen uns klar, daß die heilige Meſſe ein Verſöhnungsopfer ſei, weil ſie von Chriſtus zu dieſem Ende eingeſetzt wurde, damit ſeine Kirche ein Sacrificium habe zur Verzeihung der täglichen Sünden. O, wohl eine heilſame Anordnung! wohl glückſelig die katholiſche Kirche, die ein ſo kräftiges Verſöhnungs⸗ opfer hat! 4. Daß nun die heilige Meſſe ein wahres Ver⸗ ſöhnungsopfer ſei und zur Verzeihung der Sünden des Volkes geleſen und geopfert werde, zeigt der Prieſter an, indem er zu Anfang der heiligen Meſſe tief ge⸗ beugt laut das Confiteor betet, dreimal an ſeine Bruſt glei hur ih Leb heil ſpr der no Ve ſpr unſ Ru unt gel un ſpr 6 Le Si ber un das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 249 ſchlägt, und nachdem der Diener im Namen Aller dieß gleichfalls gethan hat, über das Volk ſpricht:„Es er⸗ barme ſich euer der allmächtige Gott und nach Ver⸗ zeihung euerer Sünden führe er euch ein zum ewigen Leben. Amen.“ Hierauf bezeichnet er ſich mit dem heiligen Kreuze und ſpricht:„Die Nachlaſſung, Los⸗ ſprechung und Verzeihung unſerer Sünden verleihe uns der ollmächtige und barmherzige Gott. Amen.“ Bald nachher ruft er laut die Barmherzigkeit Gottes an, zur Verzeihung der Sünden, indem er das Kyrie eleiſon ſpricht:„Herr, erbarme dich unſer! Herr, erbarme dich unſer!? Iſt das nicht ein demüthiges und andächtiges Rufen, welches zu den Ohren Gottes im Himmel dringt, und uns Barmherzigkeit und Verſöhnung erfleht? 5. Auch in vielen Collecten, Secreten und Schluß⸗ gebeten ruft der Priefler um Verzeihung der Sünden und um Ausſöhuung mit dem gerechten Gott. Endlich ſpricht er auch dreimal mit lauter Stimme das Agnus Dei:„O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmſt die Sünden der Welt, erbarme dich unſer,“ was Alles klar beweiſt, daß die heilige Meſſe ein Verſöhnungsopfer iſt, und zur Verzeihung der Sünden geleſen wird. 6. Hierüber ſchreibt Marchantius in Candel. mist. tr. 4. lect. 15. prop. 4. alſo:„Gleichwie der leidende Chriſtus die Sünden der ganzen Welt auf ſich genom⸗ men hat, um ſelbe mit ſeinem Blute abzubüßen, ebenſo legen wir auf ihn, als auf ein Schlachtopfer, welches auf dem Altare geſchlachtet wird, unſere Sünden, damit er ſie für uns abbüßen wolle.“ Dieß zeigt der Prie⸗ ſter ſchon zu Anfang der heiligen Meſſe, da er ſich an den Stufen des Altars neigt und ſich im Geiſte der Demuth dem ewigen Vater darſtellt, als ob er mit den 250 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Sünden des ganzen Volkes beladen wäre, damit er das Herz der väterlichen Barmherzigkeit bewegen möge. Auf ſolche Weiſe ſtellt er Chriſtum am Oelberge dar, welcher wegen der ſchweren Sündenlaſt der Welt, die ihm auf⸗ erlegt war, auf dem Angeſihte lag, blutigen Schweiß vergeß und zu ſeinem Vater um Verſöhnung rief. So betet auch der Prieſter anſtatt Chriſtus für ſeine und aller gegenwärtigen Sünden, für welche der Kaufpreis, der einmal zu unſerer Erlöſung dargebracht war, wieder erneuert wird, und ſo zur Tilgung unſerer täglichen Schuld dient. 7. Dieſe Worte ſind ſo ſchön und tröſtend, daß jeder Sünder einen beſonderen Eifer zum Meſſehören ſchöpfen ſollte. Er ſieht ja daraus, daß Chriſtus ſeine begangenen Sünden auf ſich nimmt, ſelbe mit ſeinem heiligen Blute auslöſcht, ſeinen Vater an des Sünders Statt bittet und den reichen Werth der menſchlichen Er⸗ löſung für ihn opfert, und ſo für ihn Verzeihung erlangt. Nun wollen wir aber auch vernehmen, was die hl. Väter von dieſem Verſöhnungsopfer ſagen, und wie ſie es erklären. 8. Der hl. Apoſtel Jakobus ſchreibt in ſeiner heil. Meſſe:„Wir opfern dir, o Herr! das unblutige Sa⸗ crificium für unſere Sünden und des Volkes Thorheiten.“ Nun wiſſe alſo, daß wir viele Sünden begehen, die wir aus Thorheit nicht erkennen und nicht beichten, und gleichwohl darüber Rechenſchaft geben müſſen. Daß aber dieſe unbewußten Thorheiten dennoch Sünden ſeien, ler⸗ nen wir von David, welcher um Verzeihung derſelben bittet, da er im 24. Pſalm ſpricht:„Der Sünden meiner Jugend und meiner Thorheiten ſei nicht einge⸗ denk.. Im 18. Pſalm ſpricht er:„Wer erkennet die Eit den von Got vir Jal ſie den das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 251 Sünden: von meinen heimlichen reinige mich, und vor den fremden bewahre deinen Knecht.“ Damit wir alſo von unſern heimlichen Sünden nicht ungereinigt vor Gottes Angeſicht erſcheinen, ſo iſt es nothwendig, daß wir fleißig die heilige Meſſe hören, von welcher der hl. Jakobus, der erſt Biſchof zu Jeruſalem, bezeugt, daß ſie für die in thörichter Unwiſſenheit begangenen Sün⸗ den des Volkes aufgeopfert werde. 9. Ebendasſelbe ſchreibt auch Marchant. Candel. mystico tr. 4. lect. 13. prop. 4.:„Das Sacrificium der heiligen Meſſe, welches Gott aufgeopfert wird, dient auch für die Todſünden, vorzüglich aber für die unbe⸗ wußten Sünden, d. h. für diejenigen Sünden, deren wir uns bei fleißiger Erforſchung des Gewiſſens doch nicht mehr erinnern können. Die heilige Meſſe löſcht die Sünden nicht aus, ſondern erwirbt uns Reue, be⸗ ſonders für die unbewußten Sünden.“ Der heilige Gregorius ſchreibt in ſeiner Moral:„»Die Gerechten fürchten ſich nicht wegen ihrer bewußten Sünden, weil ſie dieſelben gebeichtet und abgebüßt haben, ſie fürchten ſich vielmehr wegen ihrer unbemußten Sünden, von wel⸗ chen der hl. Paulus ſagt(1. Kor.):„Ich bin mir zwar keiner Schuld bewußt, dennoch bin ich nicht gerechtfertigt; denn der mich richtet, iſt der Herr(der ſchärfere Au⸗ gen hat, als ich).« Da wir armſelige Menſchen im Gerichte wegen unſerer unbewußten Sünden große Angſt und Gefahr auszuſtehen haben, deßwegen iſt es ſehr nützlich, daß wir alle heiligen Meſſen zur Nachlaſſung unbewußter Sünden dem gerechten Gett aufopfern. Dieß will auch der Prieſter andeuten, wenn er(Dom. V. post. Epiph. in Secret) ſpricht:„Wir opfern dir, o Herr, ein Schlachtopfer der Verſöhnung, damit 252 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt du, dich unſer erbarmend, uns von unſern Sünden los⸗ ſprecheſt.. Weil wir unſere Sünden nicht erkennen, darum können wir ſie dem Prieſter nicht beichten; wir beichten hingegen Gott dieſelben, und opfern ihm die heilige Meſſe zur Verſöhnung auf, indem wir ihn bit⸗ ten, daß er uns von denſelben losſpreche. 10. Der heil. Papſt Alexander ſchreibt vom Ver⸗ ſöhnungsopfer(I. Epſt. I. c. 4.):„Durch die Auf⸗ opferung dieſes Sacrificiums wird der Herr verſöhnt, und verzeiht auch ungeheuere Sünden“ Höre nun, wie leicht du durch Aufopferung der heiligen Meſſe Ver⸗ zeihung deiner Sünden erlangen kannſt, was außer der heiligen Meſſe nicht möglich wäre. Der heilige Papſt und Marthyrer Julius ſchreibt(Epist. ad Episc. Aegypti):„Alle Laſter und Sünden werden durch Auf⸗ opferung dieſes Sacrificiums ausgelöſcht.“ Iſt das nicht troſtreich für jeden Sünder, wenn er hört, daß alle Sünden, keine ausgenommen, ausgelöſcht werden durch Aufopferung der heiligen Meſſe. Auch der hl. Athanaſius erklärt ſich darüber mit folgenden Worten(Orat. pro defunct.):„Die Aufopferung des unblutigen Schlacht⸗ opfers iſt die Verſöhnung für unſere Laſter.“ Ich müßte ein ganzes Buch anfüllen, wenn ich alle Mei⸗ nungen der heil. Väter hierüber anführen wollte; deß⸗ wegen will ich bloß noch hieher ſetzen, was die heilige Kirche Trid. sess. 22 c. 2. ſpricht:„Die heil. Ver⸗ ſammlung lehret, daß das Sacrificium der Meſſe wahr⸗ haftig ein Verſöhnungsopfer ſei, und daß wir, wenn wir mit redlichem Herzen und feſtem Glauben, mit Furcht und Ehrerbietigkeit, mit Zerknirſchung und Reue zu Gott hintreten, Erbarmungen erlangen. Durch die Darbringung dieſes Opfers verleiht uns nämlich der er und Vie Hei Oy Ch geh lön bro das das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 253 verföhnte Herr die Gnade und das Geſchenk der Buße, und läßt Verbrechen und ſogar ungeheuere Sünden nach.“ Wie tröſtend und lieblich ſinb dieſe Worte! Welches Heil und welche Gnade entſpringt aus dieſem edlen Opfer! Welch großen Dank und welches Lob ſind wir Chriſtus ſchuldig, weil er uns ein ſo kräftiges Opfer gegeben hat, womit wir den Zorn Gottes beſänftigen können! 11. Hier möchteſt du aber vielleicht fragen:„Wozu braucht man denn das Verſöhnungsopfer, da wir ohne dasſelbe durch wahre Reue den Zorn Gottes beſänftigen können?“ IJch antworte dir: Es iſt wahr, daß wir durch eine wahre Reue Gottes Zorn beſänftigen können; woher kommt aber einem Sünder die wahre Reue? Aus ſich ſelbſt iſt ihm dieſelbe ſo wenig möglich, als ein Todter ſich ſelbſt auferwecken kann; denn wenn ein Sün⸗ der aus ſich ſelbſt eine wahre Reue erwecken könnte, ſo würden Wenige verdammt werden, weil ein Jeder an ſeinem letzten Ende Reue und Leid erwecken, und ſo in der Gnade Gottes ſterben würde. Durch das eifrige Anhören der Predigten oder der Leſung geiſtlicher Bücher kann es wohl geſchehen, daß Jemand eine wahre Reue erwecke, aber doch auch nicht ohne beſondere Gnade Gottes. Dieſe Gnade iſt der erzürnte Gott nicht ſchul⸗ dig zu geben, und wird ſie auch nicht geben, wenn er nicht beſonders darum gebeten wird. Nichts aber iſt im Himmel und auf Erden, was ihn mehr bewegt, dieſe Gnade zu geben, als das Opfer der heil. Meſſe. P. Gobat(in Alphab. Sacr. aud n. 528.) ſpricht hie⸗ von:„Die heilige Meſſe iſt den Hörenden in der Weiſe ein Verſöhnungsopfer, daß Gott ihnen die Gnade ver⸗ leiht, dasjenige verrichten zu können, was ihnen noth⸗ 254 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt wendig iſt zur Erlangung der Verzeihung ihrer Tod⸗ ſünden.“ Nämlich, Gott gibt ihnen die Gnade, ihre Sünden recht zu erkennen, zu bereuen und zu beichten. 12. Wie leicht man durch Aufopferung der heiligen Meſſe Verzeihung erlangen könne, kann man aus dem abnehmen, was Chriſtus zur heil. Gertrud geſagt hat (ib. 4. c. 75.), als in der Charwoche die Antiphon geſungen wurde:„Er iſt geopfert worden, weil er es ſelbſt gewollt.“ Da ſprach Chriſtus zu ihr:„Wenn du glaubſt, daß ich am Kreuze Gott dem Vater geopfert wurde, weil ich gewollt habe, auf ſolche Weiſe geopfert zu werden; ſo glaube auch, daß ich noch täglich verlange, mit gleicher Liebe für jeden Sünder Gott dem Vater aufgeopfert zu werden, mit welcher ich mich am Kreuze für das Heil der ganzen Welt geopfert habe. Eben deßwegen kann jeder Sünder, mit welch ſchwerer Laſt er auch immer beladen ſein mag, Verzeihung der Sün⸗ den hoffen, wenn er meinem Vater mein unſchuldiges Leiden und meinen Tod aufopfert und dabei glaubt, daß er dadurch die Nachlaſſung der Sünden erlange.“ 13. O wahrhaft, ein ſüßes, ein tröſtliches Wort von dem göttlichen Meiſter! Soll es wirklich zu glauben ſein, daß die Liebe Chriſti ſo heftig ſei, daß er noch täglich verlange, mit derſelben Liebe, mit welcher er ſich am Kreuze für das Heil der Welt geopfert hat, für je⸗ den Sünder Gott dem Vater geopfert zu werden? Er verlangt alſo in jeder heiligen Meſſe mit großer Liebe für uns Menſchen aufgeopfert zu werden! So erfülle uun dieſe heilige Begierde Chriſt, o armſeliger Sünder! opfere täglich nicht nur einmal, ſondern öfter Gott dem Vater das unſchuldige Leiden und den bittern Tod ſei⸗ nes lieben Sohnes für dich auf, und vertraue auf die Ver dein le lle giſc tig die Me Ch ber lich der wal nic nae vit dei M das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 255 Verheißung Chriſti, daß du dadurch die Nachlaſſung deiner Sünden erlangeſt. Dieſe Aufopferung kann nicht allein in, ſondern auch außer der heiligen Meſſe, nicht allein mit dem Munde, ſondern auch mit dem Gemüthe geſchehen. 14. Wenn nun dieſe geiſtliche Aufopferung ſo wich⸗ tig und kräfig iſt, wie mächtig, wie kräftig wird dann die wirkliche Aufopferung ſein, welche unter der heiligen Meſſe geſchieht? In der heiligen Meſſe opferſt du Chriſtum nicht mit Worten oder geiſtlicher Weiſe, ſon⸗ bern du epferſt ihn durch die Hände des Prieſters wirk⸗ lich und leiblicher Weiſe; denn du opferſt dasſelbe, was der Prieſter opfert, und dieſer opfert wahrhaftig den wahren Leib und das wahre Blut Chriſti, und zwar nicht bloß in ſeinem Namen, ſondern im Namen aller Gegenwärtigen, ja aller Gläubigen; denn unmittelbar nach der Wandlung ſpricht er:„Wir erinnern uns nun, wir deine Diener und dein heiliges Volk, o Herr, an dein ſeliges Leiden u. ſ. w. und opfern deiner erhabenen Majeſtät von deinen Gaben und Geſchenken ein reines † Opfer, ein heiliges † Opfer, ein unbeflecktes † Opfer.. Von dieſer Aufopferung findeſt du Mehrers im 25. Kapitel. 15. Um wieder auf das Verſöhnungsopfer zurück zu kommen, ſo muß ich hieher ſetzen, was Chriſtus zur heil. Mechtildis ſprach(lib. 5. Revel. c. 18.):„Ich komme mit ſolcher Sanftmuth zur heiligen Meſſe, daß kein ſo ſchwerer Sünder gegenwärtig ſein kann, den ich nicht geduldig übertrage; und wenn er's nur begehrt, verzeihe ich ihm alle ſeine Sünden mit Freuden.“ Dieſe liebevollen Worte zeigen uns an, was für ein mächtiges Verſöhnungsopfer die heilige Meſſe ſei, da ſie ſogar 256 Funfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Chriſtum verſöhnet; ſo daß, wenn auch ſein Feind zur heiligen Meſſe käme, er ihn nicht nur nicht hinausſtoſſen, noch mit unfreundlichen Augen anſehen, ſondern ihn gleichſam mit ausgeſpannten Armen umfaſſen und als ſeinen Freund behandeln würde; und wenn er nur einen einzigen wahrhaft reumüthigen Seufzer über ſeine Sün⸗ den ausſtoſſet, ſo wird er ihm mit Freuden verzeihen. 16. Hierüber iſt ein ſchönes Beiſpiel im Leben der Altväter(ib. 5. in fine) zu leſen, wo von dem heil. Paulus, dem Einſiedler, geſchrieben ſteht, daß er von Gott die Gnade erhalten habe, auch die geheimſten Ge⸗ danken des Herzens zu wiſſen; deßwegen ſtellte er ſich an Sonntagen, wenn die Einſiedler in die Kirche gingen, vor die Kirchenthüre hin, und wenn er einen mit einer Sünde behaftet fand, offenbarte er ihm insgeheim ſeine Sünde und ermahnte ihn zur Beſſerung. Als er wie⸗ der einmal vor der Kirchenthüre ſtand, ſah er einen Mann mit ſchwarzem Angeſichte und dunklem Leibe da⸗ her kommen, zu deſſen Seite die Teufel gingen, ihn in Ketten gefeſſelt hielten, und bald nach dieſer bald nach jener Seite hinriſſen. Sein Schutzengel aber kam von der Ferne langſam nach, und ging traurig daher. Der fromme Paulus fing bitterlich zu weinen an, ſchlug an ſeine Bruſt, und beklagte den verdammlichen Zuſtand dieſes armen Sünders. Die Einſiedler kamen und baten ihn, er möchte zur heiligen Meſſe kommen; allein er blieb unter der Thüre und weinte und klagte immer. Nach der heiligen Meſſe, als die Geiſtlichen hinausgingen, gab er genau auf den gemeldeten Sünder Acht, und ſah, daß er mit klarem Angeſichte daher kam, und ſein Schutz⸗ engel mit großen Freuden neben ihm war. Da ſprang der heilige Paulus vor Freude auf und rief:„O un⸗ aus bi h 0 hör Mo ing aus hie ie antt Zeit byi hört him wen wer und iom diſ Ge hint dir nin ie Uie die in das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 257 ausſprechliche, göttliche Barmherzigkeit! o unergründliche Güte!“ Hernach ſtieg er auf eine Stiege, und ſprach: „Kommet, ihr Brüder! und ſehet die Wunder Gottes; höret und vernehmet, was ſich zugetragen hat. Dieſen Mann hier ſah ich ganz ſchwarz und von Teufeln um⸗ ringt in die Kirche gehen, und ſehet nun, als er her⸗ auskam, war er ſchön und ſein Engel ging mit ihm.⸗ Hierauf ſprach der Heilige zu dem Manne:„Gib Gott die Ehre und erzähle uns deinen Zuſtand.“ Der Mann antwortete:„Ich bin ein großer Sünder und habe lange Zeit in der Unzucht gelebt. Da ich aber heute in der Epiſtel die Worte des Propheten Iſaias(I. 16.) leſen hörte, welche lauten:„Waſchet, reiniget euch, nehmet hinweg die böſen Gedanken vor meinen Augen, u. ſ. w.; wenn eure Sünden wie Scharlach wären, weiß ſollen ſie werden wie der Schnee,“ ſo ſeufzte ich über dieſe Worte, und ſprach zu Sott: O Gott! der du in die Welt ge⸗ kommen biſt, die Sünder ſelig zu machen, erfülle doch dieſes Verſprechen an mir armen Sünder. Mit ſolchen Gedanken beſchäftigte ich mich die ganze heilige Meſſe hindurch, und machte den Vorſatz: Herr! ich verſpreche dir, dieſes Uebel gewiß nicht mehr zu begehen. OHerr, nimm mich auf! und ſo ging ich aus der Kirche. Als die Andern dieſes hörten, riefen ſie mit lauter Stimme: Wie groß ſind deine Werke: o Herr! denn du bekehreſt die Sünder durch die Kraft der heiligen Meſſe, und nimmſt ſie wieder in Gnaden auf. 17. Hier muß ich mit den frommen Einſiedlern gleichfalls ausrufen: O hochwürdiges Meßopfer, wie groß iſt deine Kraft, und wie mächtig iſt deine Wirkung in Bekehrung der Sünder! Wie viele verſtockte Sün⸗ der ſind durch dich bekehrt und vor dem ewigen Ver⸗ Cochem, Meßerklärung. 17 258 Fünfzehntes Kopitel. Die heilige Meſſe iſt derben errettet worden! Sind wir alſo nicht unſerm ſüßeſten Heiland höchlich verpflichtet, der uns ein ſo heil⸗ ſames und koſtbares Verſöhnungsopfer hinterlaſſen hat, durch welches wir den erzürnten Gott verſöhnen und unſere ſchweren Sünden ohne Unkoſten bezahlen können. Wie unvollkommen erſcheinen dagegen die Thieropfer des alten Bundes, die, nur Schatten und Vorbild des Sühn⸗ opfers im neuen Bunde, an ſich nicht im Stande waren, auch nur eine Sünde zu tilgen, obwohl ſie für die armen Sünder mitunter ſehr koſtſpielig waren. Der heilige Paulus ſpricht Hebr. 10.:„Es iſt unmöglich, daß die Sünden durch das Blut der Böcke und Ochſen hinweg⸗ genommen werden.“ Wenn wir aber für jede nur ein Schaf opfern müßten, wo könnten wir Schafe genug hernehmen? Wer könnte Geld genug haben, ſo viele Schafe zu kaufen? Da wir nun jetzt ein ſo kräftiges Opfer haben, durch welches wir ohne Unkoſten für un⸗ ſere Sünden ſchuldigen Erſatz leiſten können, wie übel handeln wir, wenn wir dasſelbe aus Faulheit und Träg⸗ heit verſäumen! Was würden wir gethan haben, wenn wir vor Chriſti Geburt gelebt hätten? Wie groß Unrecht thun wir, wenn wir manche heilige Meſſe verſäumen, und die Abbüßung unſerer Sünden in die andere Welt verſchieben? Beſſere alſo deinen Fehler durch einen neuen Eifer, und opfere deinem Gott, ſo oft es dir möglich, das Verſöhnungsopfer auf. Auf welche Weiſe die heilige Meſſe Verzeihung der Sün⸗ den auscirke, und die verſtockten Sünder hekehre. 18. Daß das Opfer der heiligen Meſſe Kraft habe, Gott zu verſöhnen, bezeugt der heilige Thomas von hi igen dadhn fo den die i Dien ſeneh ewei darb ters, aus etzi um tete, ſh iel ihn ſihn u Un in hn id zef das um das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 259 Aquin(part. 3. p. 49. art. 4.), da er ſpricht:„Die eigentliche Wirkung des Meßopfers iſt dieſe, daß Gott dadurch verſöhnet wird.. Zum Beweiſe deſſen bringt er folgendes Gleichniß vor:„Wie ein Menſch Jeman⸗ dem den zugefügten Schaden wegen einer reichen Gabe, die ihm gebracht wird, oder wegen eines angenehmen Dienſtes, den man ihm erweist, nachläßt; eben ſo wird auch der erzürnte Gott wieder verſöhnt wegen des an⸗ genehmen Dienſtes, den wir ihm durch das Meſſehören erweiſen, und durch die vortreffliche Gabe, welche wir ihm in Aufopferung des Leibes und Blutes Jeſu Chriſti darbringen.“ Dieß iſt ein Ausſpruch des engliſchen Leh⸗ rers, welchem alle Lehrer beiſtimmen, und welcher auch aus der heiligen Schrift bewieſen werden kann. 19. Als der Patriarch Jakob ſeinen Bruder Eſau erzürnte, weil er ihn um den väterlichen Segen und um das Recht der Erſtgeburt betrog, und ſich ſehr fürch⸗ tete, Eſau möchte ſich an ihm rächen, ſo ſprach er bei ſich(Gen. 27.):„Ich will ihn verſöhnen mit Gaben, vielleicht wird er mir wieder gut werden.“ Er ſchickte ihm Kameele, Eſel, Ochſen, Kühe und Schafe, und ver⸗ ſöhnte ſo ſeinen erzürnten Bruder. Wenn du nun bei der heiligen Meſſe dem erzürnten himmliſchen Vater die Tugenden und Verdienſte, das Leiden und Sterben, die Wunden und Schmerzen ſeines Sohnes aufopferſt, ſo wirſt du ihn gewiß eher verſöhnen, als Jakob ſeinen Bruder Eſau verſöhnt hat, weil dieß Gaben von un⸗ endlichem Werthe ſind, und Gott dem Vater überaus Hefallen. Deine begangenen Sünden ſchreien um Rache, das in der heiligen Meſſe vergoſſene Blut aber ſchreit um Barmherzigkeit; und weil dieſes Rufen mächtiger iſt, ſo dringt es weiter, als das deiner Sünden. Daher 17* 260 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt ſpricht auch Albertus Magnus(de Euch. dist. 2. tr. 2. c. 1.):»Allen Zorn und Unwillen Gottes löſchen wir durch dieſe koſtbare Gabe aus.“ 20. Daß die Kraft der heiligen Meſſe die reumüthigen Sünder wieder mit Gott verſöhne, daran wird nun Niemand mehr zweifeln. Hier entſteht aber die Frage, ob ſie auch die unbußfertigen Sünder mit Gott ver⸗ ſöhne, oder ob einer, der im Stande der Ungnade oder in einer Todſünde die heilige Meſſe hört, oder für ſich leſen läßt, auch in den Stand der Gnade komme, und mit Gott verſöhnt werde. Ich antworte: Nein! Denn kein Sünder kann auf anderm Wege aus der Ungnade zur Gnade kommen, als nur durch wahre Reue. Wenn nun ein Sünder ohne Reue Meſſe hört, oder ſelbe leſen läßt, ſo verſöhnt ſie ihn nicht mit Gott, ſondern er bleibt im Stande der Ungnade. 21. Vielleicht möchte hier Jemand fragen:„Was nützt ihm dann eine ſo gehörte heilige Meſſe?“ Ant⸗ wort: Sie nützt ihm ſehr viel, ſowohl an zeitlichen als ewigen Gütern, bewahret vor Unglück und beſchert ihm viel Heil und Glück. Die Urſache iſt, weil nach der katholiſchen Lehre der liebe Gott aus unendlicher Güte nicht das geringſte Gute unbelohnt läßt und darum um ſo weniger auch eine aufgeopferte heilige Meſſe, welche ihm überaus wohlgefällig iſt, unbelohnt laſſen wird. Jede gehörte heilige Meſſe verdient zwar einen ewigen Lohn; da aber ein ſolcher Sünder der ewigen Belohnung nicht fähig iſt, ſo wird er von Gett aus lauter Güte zeit⸗ licher Weiſe belohnt, und zwar mit Zuſicherung eines Glückes oder durch Bewahrung vor einem Unglücke. Auf ſolche Weiſe nützt ihm jede heilige Meſſe an zeitlichen Dingen. 6 4 ie htt ſe g w Lodſ iche ſiner iisp Gott Neſſ lei d helig znz Reue heili in iurch n der uße Nr wn 6 . pien hun ili he nß der un de it ſ ihn ſe hn ih zi⸗ ine A in das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 261 22. Aber auch an geiſtlichen Dingen nützt die hei⸗ lige Meſſe; denn nach der Lehre der Theologen und Gottesgelehrten verurſacht die heilige Meſſe unmittelbar die göttliche zuvorkommende Gnade, durch deren Kraft der Sünder zur Erkenntniß und Verabſcheuung ſeiner Todſünden gelangt. Sie verurſacht ihm alſo die gött⸗ liche Hilfe, durch welche er zur Reue bewogen und von ſeinen Sünden befreit werden kann. So Rhodus (isput. I. de Missa p. 3. lect. I.):„Die Hilfe Gottes, welche durch die gehörte oder geleſene heilige Meſſe verdient wird, wirkt bei einem nicht ſo viel, wie bei dem Andern; denn wenn der Sünder, welcher die heilige Meſſe hört, oder für den ſie geleſen wird, nicht ganz verſtockt wird, ſondern doch den Willen hat, wahre Reue zu erwecken, ſo wird ihm durch die Kraft der heiligen Meſſe eine neue Hilfe verliehen, und er wird um ſo eher zur wahren Neue gelangen. Iſt er aber durchaus verſtockt und hat im Sinne, länger noch in den Sünden zu leben, ſo bietet ihm Gott zwar wegen der gehörten heiligen Meſſe ſeine Hilfe an, welche ihm außer der heiligen Meſſe nicht angeboten worden wäre, der Sünder aber verſtoßt und verwirft ſie, und ladet dadurch ſich eine neue ſchwere Verantwortung auf. 23. Wenn alſo der Sünder gleichwohl die ange⸗ Botene Hilfe und die zuvorkommende Gnade verwerfen kann, ſo bleibt es nichts deſto weniger gewiß, daß die Heilige Meſſe ein Verſöhnungsopfer ſei, und für ein ſol⸗ ches gehalten werden müſſe. Die Kirche ſpricht darüber Trid. Sess. 22. Can. 3.):„Wenn einer ſagen würde, Saß das heilige Meßopfer kein Verſöhnungsopfer ſei, der ſei im Banne. Sie wird deßwegen ein Verſöh⸗ unsgopfer genannt, ſagen die Theologen, weil ſie aus 262 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt den Verdienſten Chriſti dem Sünder Hilfe leiſtet, ſeine Sünden zu erkennen und zu bereuen. Dieſe Hilfe iſt gewiß und kommt denjenigen zu, welche die heilige Meſſe hören. Obwohl dieß nicht in der heiligen Schrift ſteht, ſo iſt es doch gewiß, und wir wiſſen es aus der Lehre und Meinung der Kirche. Würde dies nicht geſchehen, ſo hätte die heilige Meſſe keine größere Kraft, uns die Erlöſung Chriſti zuzueignen, als ein anderes gutes Werk, welches von einem frommen Menſchen für einen Sünder geopfert wird. Heilt demnach das heilige Meßopfer nicht unmittelbar den Sünder, ſo räumt es doch häufig die Hinderniſſe zur Bekehrung hinweg, und bahnt der nach⸗ folgenden Gnade den Weg. Es iſt zu vergleichen mit den Mitteln, die ein Arzt bei einem Kranken anwendet. Ja! dieſes Heilmittel hat Chriſtus am Kreuze bereitet, indem er ſeine Wunden, ſeine Zähren, ſeine Schweiß⸗ tropfen, ſein vergoſſenes Blut und ſeine erlittenen Schmerzen zu einer heilkräftigen Salbe miſchte, um ſie auf die tödtlichen Schäden zu legen, ſie dadurch zu erweichen und der Geſundung hilfreich entgegen zu führen. 24. Es iſt aber nicht nöthig, daß die Wirkung des heiligen Meßopfers gleich erſcheine, oder daß ſich der Sünder gleich bekehre, ſondern Gott wird die geeignete Zeit für ihn ſchon herbeifuhren. Wir wiſſen ja, daß, obwohl Chriſtus mit weinenden Augen am Kreuze für die Sünder bat und ſein bitteres Leiden für ſie auf⸗ opferte; ſo wurden dennoch nur wenige bewegt, welche reumüthig an ihre Bruſt ſchlugen und ſprachen:„Wahr⸗ haftig, dieſer iſt Gottes Sohn.“ Die Andern ſind in ihrer Bosheit verſtockt geblieben und haben die ange⸗ botene Hilfe und Gnade Gottes von ſich geſtoſſen. Am heiligen Pfingſttage aber, als ihre harten Herzen durch tie Go heil rei beke glei nän He pi Ne hat —— — th ich ur das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 263 die Predigt des heiligen Petrus erweicht und die Gnade Gottes anzunehmen wohl bereitet waren, da brachte das heilige Kreuzopfer ſeine Wirkung hervor, indem ſich bei drei Tauſend Menſchen auf einmal bekehrten. Ebenſo bekehrt auch das heilige Meßopfer die Sünder nicht ſo⸗ gleich, ſondern erſt nach und nach zu gelegener Zeit, wenn nämlich der Widerſtand des Sünders gehoben und ſein Herz die Gnade Gottes anzunehmen fähig iſt. Dieſe ſpätere Bekehrung des Sünders iſt häufig der heiligen Meſſe zuzuſchreiben, die der Sünder entweder gehört hat, oder die für ihn geleſen worden. Dieß bezeugt Marchantius(Candel. mist. tr. 4. lect. 15. prop. 4.), da er ſpricht:„Die heilige Meſſe löſcht die Sünden nicht aus, ſondern erwirbt uns nur Reue, oder das Verlangen nach wahrer Reue. Dieſe wird bisweilen ſchon während der heiligen Meſſe eingegoſſen, bisweilen aber erſt ſpäter und zwar zu gelegener Zeit, jedoch auf Veranlaſſung des heiligen Meßopfers. Alſo geſchieht es, daß Viele nach langer Zeit durch beſondere Hilfe Gottes bekehrt werden, es aber nicht wiſſen, daß dieß durch die Kraft der heiligen Meſſe geſchehen ſei. Bis⸗ weilen aber werden die Sünder gar nicht bekehrt, weil ſie die Hilfe, welche ihnen Gott darbietet, nicht anneh⸗ men oder gar mißbrauchen.“ 25. Dieß ſind die Worte des gelehrten Marchan⸗ tius, aus welchen wir abnehmen, welch' große Kraft zur Bekehrung der Sünder im Opfer der heiligen Meſſe verborgen ſei. Wenn nun gar ein bewegter und zur Reue geneigter Sünder ſeinem Gott eine heilige Meſſe zu ſeiner Verſöhnung aufopfert, ſo wird es Gott gewiß gnädig aufnehmen, und ihm die Gnade der Beſſerung mittheilen. Dieß bezeugt die heilige katholiſche Kirche 264 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt (Trid. Sess. 22. c. 2.) ſprechend:„Wenn wir mit Zerknirſchung und Reue zu Gott hinzutreten, ſo werden wir Barmherzigkeit erlangen; denn durch die Darbringung dieſes Opfers verleiht uns der verſöhnte Herr die Gnade und das Geſchenk der Buße, und läßt Verbrechen und ſogar ungeheuere Sünden nach.. O, welchen Troſt geben dieſe Worte dem Sünder! welche Hoffnung iſt dies für die Kleinmüthigen und Verzagten! Im Hin⸗ blick auf dieſe Worte ſind ſie verſichert, daß ſie den ſo ſehr erzürnten Gott durch die Aufopferung der heiligen Meſſe wirklich verſöhnen, ſo daß er ſein geſprochenes Urtheil zurücknimmt, die begangenen Miſſethaten verzeiht und ihnen ſeine Gnade und Freundſchaft anbietet. Hier wird erfüllt, was Sirach ſchon lange vorher geſprochen hat(Eccl 33.):„Das Opfer der Gerechten(oder des reumüthigen Sünders) machet den Altar fett, und iſt ein Geruch der Lieblichkeit vor dem Angeſichte des Aller⸗ höchſten, indem nämlich ein armer Sünder dem ewigen Vater ſeinen eingebornen Sohn zum Verſöhnungsopfer darbringt, und ihm deſſen Verdienſte zur Milderung ſei⸗ nes Zornes aufopfert. Deßgleichen ſpricht auch der weiſe Mann(Prov. 21.):»Eine verborgene Gabe löſchet den Zorn aus, und das Geſchenk in den Schooß verſöhnt den größten Unwillen.“ Was iſt dieſe verbor⸗ gene Gabe anders, als eben der Leib und das Blut Chriſti unter den Geſtalten des Brodes und Weines; was iſt dieß Geſchenk im Schooße anders, als Jeſus im Schooße Mariens?“ Dieſes koſtbare Geſchenk, dieſe verborgene Gabe ſollen wir in der heiligen Meſſe auf⸗ opfern, und wir werden den Grimm des erzürnten Got⸗ tes und ſeinen wider uns geſchöpften Unwillen aus⸗ löſchen und verſöhnen. he ib him und ſich ſtell von gef der nic ſöl 8 das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 265 26. Dieß thut nun der Prieſter im Namen aller Gegenwärtigen, wie der heilige Bonaventura(Tom. 7. in Explicat. cant.) ſagt, wenn er die hochwürdige Hoſtie in die Höhe hebt und in dieſem Sinne ſpricht:„O himmliſcher Vater! wir arme Sünder haben geſündiget, und dich heftig erzürnt; nun aber ſchaue in das Ange⸗ ſicht deines Geſalbten, welchen wir dir andächtig vor⸗ ſtellen, und laſſe dich durch ihn von deinem Zorn zur Barmherzigkeit bewegen. Wende nicht ab dein Angeſicht von deinem Sohne, von welchem du ſelbſt geſprochen: „„Dieſer iſt mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohl⸗ gefallen habe,“ und deßwegen bekehre uns zu dir.“ Durch ſolche Bitten und Aufepferungen haben viele Sün⸗ der die Gnade der Bekehrung erlangt, welche ſie ſonſt nicht erlangt hätten; denn die Darreichung dieſes Ver⸗ ſöhnungsopfers hat die Kraft, daß ſie harte Herzen er⸗ weicht und verſtockte Sünder belehrt, was uns die Kirche andeuten will, da ſie in einem Meßgebete ſpricht:„Laß dich beſänftigen, wir bitten dich, o Herr! durch dieſe unſere Opfer, die wir begonnen: und wende auch un⸗ ſern widerſtrebenden Sinn gnädig zu dir“(Sabb. ante Dom Pass.) Dieß würde die Kirche nicht von Gott am Altare begehren, wenn ſie nicht wüßte, daß auch die verſtockteſten Sünder durch Aufopferung dieſes mächtigſten Verſöhnungsopfers bekehrt werden und oft ſchon bekehrt worden ſind. Daher ſoll jeder Sünder, wenn er auch noch ſo große Laſter auch auf ſich hat, oft die heilige Meſſe hören, und die Worte wiederholen:„Laß dich be⸗ ſäuftigen, ich bitte dich, o Herr! durch dieſes mein Opfer, das ich begonnen: und wende auch meinen widerſtrebenden Sinn gnädiglich zu dir,“ und Gott wird ihm gewiß durch die Kraft der heil. Meſſe die Bekehrung zu Theil werden laſſen. 266 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt 27. Hier möchte man aber einwenden: Was wird ein ſolches Gebet nützen, da die heil. Schrift ſelbſt ſagt (Prov. 28.):»Wer ſein Ohr verſtopft, daß er das Geſetz nicht höre, deſſen Gebet iſt ein Gräuel vor Gott.“ Dieſe Frage beantwortet der engliſche Lehrer Thomas von Aquin(22. p. 83. a. 15.), da er ſpricht:„Ob⸗ wohl die heilige Schrift an vielen Orten ſagt, daß das Gebet eines Todſünders Gott nicht gefalle, dennoch ver⸗ wirft der gütige Gott das Gebet nicht, welches aus guter Eingebung der Natur herkommt, ſondern nimmt es in ſeiner unendlichen Güte gnädig auf. 28. Geſetzt nun, der erzürnte Gott wollte das Ge⸗ bet eines verſtockten Sünders nicht annehmen, ſo iſt es doch gewiß, daß er die heilige Meſſe, welche dieſer ihm aufopfert, nicht verwirft, ſondern zu großem Gefallen annimmt. Ich ſage nicht, daß das Gebet, welches der Sünder unter der heiligen Meſſe ſpricht, Gott angenehm ſei, ſondern die heilige Meſſe, die der Sünder opfert, ſei ihm lieb und unendiich angenehm. Zum Beiſpiel, wenn dein Feind dir tauſend Thaler zum Geſchenke ſchickt, würdeſt du ſelbe wohl annehmen? Ich glaube, du würdeſt ſie annehmen und etwa ſprechen: Obwohl mir mein Feind verhaßt iſt, ſo ſind mir doch die tau⸗ ſend Thaler lieb und angenehm. 29. Hier muß ich mit Chriſto(Luk. am 5) ausrufen:„Höret, was dieſer ungerechte Menſch redet,“ er nimmt von ſeinem Feinde ein Geſchenk an. Sollte dann der gerechte Gott von einem Sünder, welcher ihm ganz verhaßt und zuwider iſt, die koſtbarſte Gabe des Leibes und Blutes ſeines Sohnes nicht annehmen und bei ſich ſprechen: Wiewohl dieſer da mein Feind, und ein Grüuel vor mir iſt, dennoch iſt mir die Gabe, die das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 267 er mir aus gutem Herzen darbringt, ungemein lieb und angenehm; da er mir nun ſelbe verehret, ſo will ich ihm in Rückſicht auf ſie meine Gnade anbieten; nimmt er ſie an, ſo will ich aller mir zugefügten Schmach ver⸗ geſſen und neue Freundſchaft mit ihm ſchließen. 30. Das Concilium zu Trient lehrt,„daß durch Aufopferung des heiligen Meßopfers Gott verſöhnt werde, und alle ſchweren Sünden und großen Laſter verzeihe.“ O wohl ein freundliches und allen Sündern ſehr tröſt⸗ liches Wort! Schöpfe neue Hoffnung, verzagter Sünder, erwecke ein neues Vertrauen deines Heils und deiner Belehrung, und fliehe aus den Banden der Verzweiflung zu dem allmächtigen Verſöhnungsopfer! Obwohl die heilige Schrift ſagt(Sap. 14.):„Gett haſſet den Gott⸗ loſen und ſeine Gottloſigkeit,“ dennoch gehe fleißig zur heiligen Meſſe, und opfere ſelbe mit ganzem Ernſte deinem Gott. Wenn du gleich im Stande einer Tod⸗ ſünde biſt, ſo begehſt du dennoch dadurch keine neue Todſünde; denn du erlangſt Hilfe, aus dem Stande der Ungnade zu kommen. 31. Dieß kann auch geſchehen, wenn ein frommer Menſch für einen Böſen die heilige Meſſe hört und ſie für deſſen Bekehrung Gott andächtig aufopfert, wovon wir eine vortreffliche Geſchichte in St. Getrudens Offen⸗ barung haben(1ib. 3. c. 3.): Als ſie einmal unter der heiligen Meſſe bat, daß Chriſtus den Sündern, welche bekehrt und ſelig werden ſollen, mit ſeiner Gnade zu⸗ vorkommen und wegen der Hochwürdigkeit der heiligen Meſſe ſie vor der beſtimmten Zeit bekehren wolle, hätte ſie auch noch gerne für verworfene Sünder und Sün⸗ derinnen gebeten, damit ſie von Gott die Gnade der Bekehrung erhielten, denn ſie trug großes Mitleid mit 268 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt denſelben; allein ſie getraute ſich nicht zu bitten; weil ſie fürchtete, nicht erhört zu werden; darum ſprach der Herr, der ihre Kleinmüthigkeit verbeſſern wollte, zu ihr: „Sollte denn die Würde und Gegenwart meines unbe⸗ fleckten Leibes und koſtbaren Blutes nicht ſo viel ver⸗ dienen, daß auch Diejenigen, die im Stande der Ver⸗ worfenheit ſind, zum Stande eines beſſern Lebens berufen werden?“ Ueber dieſe troſtreichen Worte verwunderte ſich die heilige Gertrut ſehr, erwog ſelbe in ihrem Her⸗ zen und ſprach mit großem Vertrauen zu Gott:„Ich bitte dich, o gütiger Heiland! durch die Gegenwart deines unbefleckten Leibes und Blutes, du wolleſt doch etliche Sünder, welche in der Gefahr ſind, verdammt zu wer⸗ den, zu deiner göttlichen Gnade führen. Zur Erhaltung dieſer meiner Bitte opfere ich dir, und durch dich der allerheiligſten Dreifalrigkeit das hochwürdige Meßopfer ſammt Allem auf, was du zum Heile der armen Sün⸗ der anf dieſem Altare thuſt und wirkeſt.. Die inbrün⸗ ſtige Bitte nahm der Herr gnädig an, verſicherte ſie, daß er ihre Bitte erhört und etliche Sünder wieder in Gnaden aufgenommen, indem er ſie in den Stand des Heiles geſetzt habe. 32. O wohl eine treffliche Geſchichte! O ein herr⸗ liches Zeugniß der großen Kraft der heiligen Meſſe! Schöpfe alſo, o armer Sünder! hieraus eine neue Hoff⸗ nung deines Heiles. Höre die heilige Meſſe fleißig und mit großer Andacht und opfere ſie zu deiner und an⸗ derer verſtockten Sünder Bekehrung dem allmächtigen Vater auf. A das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 269 Auf welche Weiſe die heilige Meſſe Verſöhnung wegen läßlicher Sünden vermittle. 33. Gegenſtand des Verſöhnungsopfers ſind auch die läßlichen Sünden, welche den lieben Gott mehr belei⸗ digen, als wir armſelige Sünder gemeiniglich glauben. Ich will dieß in einem Gleichniſſe zeigen. Ein Vater hatte einen Sohn, der ihn täglich viel⸗ mal vorſätzlich erzürnte. In der Arbeit war er faul, uud verrichtete ſie nur obenhin; mehr galt ihm das Spiel, wobei er das Geld des Vaters verſchwendete; die Ermahnungen desſelben achtete er nicht, ja er trieb es ſo weit, daß er den Vater manchmal mit Nadeln in den Arm ſtach, oder denſelben mit dem Ellenbogen in die Seite ſtieß. Der Vater weinte und klagte über den ungerathenen Sohn; aber der Sohn entſchuldigte ſich damit, daß er ſprach:„Warum klagt denn mein Vater ſo ſehr über mich? Ich ſchlage ihm ja keine Wunde, zerbreche ihm kein Bein, und greife ſein Leben nicht an!“ 34. Dieſes Gleichniß geht auf uns und den himm⸗ liſchen Vater. Täglich ſündigen wir, greifen wir auch das Leben Gottes nicht an mit mörderiſcher Hand, d. h. begehen wir auch keine Todſünden, ſo geben wir doch oftmals dem heiligen Gott Veranlaſſung, mit unſerm Benehmen unzufrieden zu ſein, und über uns zu zür⸗ nen. Täglich ziehen wir uns den Unwillen Gottes zu und vermehren ſo den Zorn und die Strafe Gottes. Wenn wir nun kein Verſöhnungsopfer hätten, wodurch wir den Zorn des himmliſchen Vaters beſänftigen, wo würden wir hinkommen? Obwohl unſere täglichen Sün⸗ den nicht tödtlich, ſondern nur läßlich ſind, dennoch ſind wir eines Verſöhnungsopfers ſehr bedürftig, damit der 270 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Zorn Gottes nicht überhand nehme, und wir endlich ale unnütze Söhne aus ſeinem Hauſe verſtoſſen werden. 35. Dieſem Uebel zuvorzukommen, hat der gütigſte Jeſus nns zum Heile ein kräftiges Verſöhnungsopfer verordnet, und das göttliche Opfer der heiligen Meſſe eingeſetzt, welches Verſöhnung nicht nur wegen der Tode ſünden, ſondern auch wegen der läßlichen Sünden ver⸗ mittelt. Dieß bezeugt die heilige katholiſche Kirche(Trid. Sess. 22. c. 1.), da ſie ſpricht:„Chriſtus hat beim letzten Abendmahle die heil. Meſſe eingeſetzt, damit die Kraft dieſes heilfamen Opfers uns zugeeignet werde zur Verzeihung derjenigen Sünnden, die wir täglich begehen.“ Dieß ſind die eigenen Worte der Kirche, welche keiner Erklärung mehr bedürfen, da ſie uns klar zeigen, daß die heilige Meſſe beſonders zur Verſöhnung der täglichen oder läßlichen Sünden von Chriſtus verordnet worden ſei. 36. Der heilige Paſchaſius ſagt dieß noch klarer (de Corp. et Sang. Christ. c. 9.), da er ſpricht: „Das Opfer wird täglich wiederholt, weil wir täglich ſündigen, und ſolche Sünden begehen, ohne welche die menſchliche Schwachheit nicht leben kann. Weil alſo die Chriſten täglich fallen, ſo will Chriſtus täglich geſchlach⸗ tet werden. Chriſtus hat uns zwar mehrere Mittel gegeben, die täglichen Sünden abzubüßen, als: das Ge⸗ bet, freiwillige Verdemüthigungen, unverſchuldete Leiden Erweckung der Reue, die Segnungen der Kirche u. ſ. wz; keines aber iſt ſo kräftig, als das Anhören und Auf⸗ opfern der Meſſe.“ 37. In gleichem Sinne erklärt ſich der gelehrte Suarez(Tom. 3. dist. 79. Sec. 5.):„Es iſt glaub⸗ lich, daß diejenigen, welche die heilige Meſſe zu dieſem Ende opfern, Verzeihung ihrer läßlichen Sünden freilich ur den loge dus erle An daf ſog Me lan get we vit die we we Si das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 271 nur auf dem Wege der Bitte erlangen, da ſie einen den läßlichen Sünden widerſtrebenden Willen haben.⸗ Damit wollte er ſagen: weil nach der Lehre der Theo⸗ logen keine läßliche Sünde verziehen wird, ohne Reue, das Anhören der Meſſe in der Abſicht Verſöhnung zu erlangen aber ein Zeichen der Reue iſt, ſo gibt eben das Anhören der heiligen Meſſe dem Sünder die Hoffnung, daß ihm ſeine läßlichen Sünden verziehen werden. Pater Golatus(in Alpbab. Sacri. audiendi num. 528.) ſagt:„Die heilige Meſſe iſt ein Opfer, wodurch die Meſſehörenden Auslöſchung jener läßlichen Sünden er⸗ langen, für welche ſie die lebhafte Neigung in ſich bereits getödtet haben; und zwar ganz gewiß, wenn ſie anders wegen Verzeihung ihrer Sünden die heilige Meſſe hören.“ Dieſe Worte, in welchen uns der genannte Lehrer ver⸗ ſichert, daß, wenn wir eine heilige Meſſe zur Verzeihung unſerer läßlichen Sünden Gott aufopfern, uns dieſelben verziehen werden, wenn wir die Luſt und Neigung, die wir zu ihnen hatten, in unſerm Herzen unterdrücken, dieſe Worte, ſage ich, ſind gewiß troſtreich für uns, und wer wollte dann nicht gerne die heilige Meſſe hören, wenn er durch ein ſolch leichtes Mittel ſeine täglichen Sünden abbüßen kann? 38. Welch' hohe Kraft zur Verzeihung der läßlichen Sünden die heilige Meſſe habe, beweiſet gemeldeter Sua⸗ rez mit folgenden Worten:„Chriſtus hat das Sacrifi⸗ cium eingeſetzt, und ihm den Werth ſeines Todes mit⸗ getheilt; damit aber hat er uns auch ſein Verdienſt zur Verzeihung unſerer täglichen Sünden zugeeignet.“ Hie⸗ mit wollte er ſagen: Weil Chriſtus in der heiligen Meſſe geiſtlicher Weiſe wieder ſtirbt, ſo verzeiht er uns durch die Kraft ſeines Todes unſere läßlichen Sünden. Daher 272 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt ſpricht auch Oſorius(4 conc. de Missa.):„Durch das heilige Meßopfer werden die Strafen der Sünden hinweggenommen, aber auch die läßlichen Sünden ſelber werden nach der Nachlaſſung der Schuld gleichfalls ver⸗ ziehen.“ Nicht alſo allein die Strafen der läßlichen Sünden, ſondern auch die läßlichen Sünden ſelbſt werden durch die Kraft des Leidens Chriſti in der heiligen Meſſe nachgelaſſen nach der Lehre dieſes berühmten Predigers. 39. Pater Jakob Stratius(de Sacrificio Missae sect. I. e. 8) ſagt:„Die Frucht der heiligen Meſſe iſt gewaltig groß, weil ſie uns die unergründlichen Reich⸗ thümer der Verdienſte und Genugthuung Chriſti zueignet. Die läßlichen Sünden ſchmelzen vor der heiligen Meſſe gleich wie Wachs vor dem Feuer, und viele verſchuldete Strafen urſerer Sünden werden durch die Kraft der heiligen Meſſe von uns abgehalten.“ Dieß ſagt der geiſtreiche Pater mit guten Gründen; denn die läßlichen Sünden werden durch das Feuer der göttlichen Liebe, welches unter der heiligen Meſſe auf dem Altare brennt, verzehrt und zerſchmolzen, die Strafen hiefür aber durch den Tod Chriſti, der geiſtlicher Weiſe bei der heiligen Meſſe erneuert wird, getilgt. Darum ſprich zu Anfang der heiligen Meſſe unter dem Confiteor:„O gerechter Gott! alle Sünden meines gottloſen Lebens lege ich mit reumüthigem Herzen und feſtem Vertrauen auf dieſen heiligen Altar, damit ſie durch das Feuer der göttlichen Liebe verzehrt, durch das koſtbare Blut meines Jeſus ausgelöſcht und durch deſſen unendliche Verdienſte völlig bezahlt werden mögen. Amen.“— 40. All Dieſem füge ich noch die Worte des Mar⸗ chantius bei, welcher(Tract. 4. lect. 15. prop. 4.) ſpricht: das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 273 „Es iſt offenbar, daß das heil. Meßopfer gemäß ſeiner Einſetzung zur Auslöſchung der läßlichen Sünden gedeihe; denn Chriſtus wußte wohl, daß unſere Natur ſchwach und wegen der Erbſünde zum Böſen geneigt wäre, darum hat er ihr ein Heilsmittel verſchufft, und für die täg⸗ lichen Sünden auch ein tägliches Opfer verordnet.“ Für dieſe große Wohlthat können wir unſerm lieben Heiland weder genug danken, noch dieſelbe hoch genug ſchätzen; denn wenn wir das göttliche Opfer nicht hätten, oder dasſelbe zur Abbüßung unſerer läßlichen Sünden nicht gebrauchten, welche Laſt von Sünden würden wir vor Gottes Gericht bringen! Wie viele Peinen müßten wir in der andern Welt dafür leiden! Dieß ſind jene Sün⸗ den, von denen David im 19. Pſalm ſpricht:„Meine Miſſethaten ſind vermehrt worden über die Haare meines Hauptes.“ Dieß ſind diejenigen Sünden, von welchen die Kirche ſagt:„Ich habe geſündiget über die Zahl der Sandkörner des Meeres.“ Dieß ſind die Sünden, über welche David 18. Pſ. ausruft:„Wer erkennet die Sün⸗ den?« Viele davon erkennen wir nicht, viele derſelben beichten wir nicht, viele daraus beſſern wir nicht. Sie werden aber ausgelöſcht und abgebüßt durch das Ver⸗ ſöhnungsopfer, welches uns unſer größter Gutthäter frei⸗ gebig geſchenkt hat. 41. Willſt du nun wiſſen, wie du es angehen ſollſt, damit du bei der heil. Meſſe Verzeihung der läßlichen Sünden erlangeſt, ſo folge dem Beiſpiele der hl. Ger⸗ trud, von welcher in ihrer Offenbarung(lib. 8. c. 15.) geſchrieben ſteht:„Als einmal unter der heil. Meſſe, welche die wahrhaftigſte und kräftigſte Verſöhnung der ganzen menſchlichen Schuld iſt, das hochheiligſte Schlacht⸗ opfer von dem Prieſter geſchlachtet wurde, da opferte Cochem, Meßerklärung. 18 274 Fünfzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt die heilige Gertrud dasſelbe dem Herrn zur Reinigung all ihrer Sünden auf, welches Gott Vater gnädig anſah, und ſie in ſeinen milden Schooß aufnahm.“ Aus die⸗ ſen Worten können wir mit Verwunderung abnehmen, welch gewaltige Kraft in der Aufopferung des heiligen Meßopfers verborgen ſei; denn da die heilige Gertrud, welche in ihrem Leben nie eine ſchwere Sünde begangen hat, unter der Aufhebung des hochwürdigſten Sakramen⸗ tes mit ganzem Ernſte ſprach:„Heiligſter Vater! ich opfere dir dieſe hochheilige Hoſtie zur Verſöhnung und Nachlaſſung aller meiner Sünden auf, ſo wirkten dieſe wenigen Worte ſo viel aus, daß ihre Seele nicht allein von ihren Mackeln gereiniget, ſondern auch gewürdiget wurde, in den Schooß Gottes aufgenommen zu werden. 42. Dieſer heiligen Jungfrau folge nach, und ſprich bei der Aufhebung der heiligen Hoſtie:„Himmliſcher Vater! mit jener Andacht und mit jenem Nachdruck wie die heil. Gertrud gethan, opfere ich dir durch die Hände des Prieſters dieſe hochwürdigſte Hoſtie des Leibes und Blutes deines Sohnes zur vollkommenen Reinigung und Verſöhnung aller meiner begangenen tödtlichen und läß⸗ lichen Sünden auf. O gütigſter Vater! weil das hoch⸗ heilige Schlachtopfer die kräftigſte Verſöhnung der gan⸗ zen menſchlichen Schuld iſt, ſo wolleſt du dich dadurch verſöhnen laſſen, mir meine unzählbaren Sünden ver⸗ zeihen und die dafür verſchuldeten Strafen hinwegnehmen.“ Je öfter und fleißiger du das thuſt, deſto mehrere und ſchwerere läßliche Sünden löſcheſt du aus; denn wenn du die übernatürliche Kraft des heiligen Meßopfers, welche in dieſem Buche beſchrieben iſt, wohl erwägeſt, ſo wirſt du gewiß erkennen, daß dieſelbe mächtig genug iſt, alle deine Sünden und Uebertretungen zu tilgen. ili Seele id d e iſ e ler hete Paſ luſa Rein 6 der Golt leic jfil ſheh Seit hulte ha ſten hu in ſit ln i der ſi hr ch ic her das mächtigſte Verſöhnungsopfer. 275 43. Die heilige Meſſe löſchet aber nicht allein die läßlichen Sünden aus, ſondern ſie reiniget auch unſere Seele von allen Mackeln und Befleckungen. Dieß lehrt und bezeugt der heil. Damaſcenus(lib. 4. cap. 14.), da er ſpricht:„Das unbefleckte und unblutige Meßopfer iſt eine Verbeſſerung aller Schäden, und eine Reinigung aller Unſauberkeiten“ Dieß hat Gott auch dem Pro⸗ pheten Ezechiel geſagt, da er ſprach:„Ich will ein reines Waſſer über euch ausgießen, und ihr werdet von allen Unſauberkeiten gereiniget werden.“(Kap. 26.) Dieſe Reinigung geſchieht durch das heiligſte Waſſer, welches aus der geöffneten Seite Chriſti gefloſſen, von welcher der heil. Johannes 20. Kap. ſagt:„Einer von den Soldaten öffnete ſeine Seite mit einem Speere und ſo⸗ gleich floß Waſſer und Blut heraus.“ Das iſt nicht zufällig, ſondern aus beſonderer Anordnung Gottes ge⸗ ſchehen. Der gütige Jeſus wollte eine Wunde in die Seite empfangen, und ſelbe nach ſeinem Tode offen be⸗ halten, damit ſie für uns ein Brunnen würde, woraus das ewige Leben entſpringt. 44. Dieſen Brunnen hat Zacharias 13. Kapitel ſchon vorhergeſagt:„Es wtrd ein offener Brunnen dem Jauſe Davids ſein, zur Abwaſchung für den Sünder.“ Aus dieſer heiligen Quelle fließt unaufhörlich das Bäch⸗ Aein des koſtbaren Blutes, und es iſt Allen freier Zu⸗ uritt geſtattet, um ihren Durſt zu löſchen und ihre Ma⸗ Keln abzuwaſchen. Es fließt aber für keinen Andern, als für den, der zu ihm geht, und nützet keinem An⸗ dern, als dem, der dieſes Waſſer zu ſeiner Abwaſchung ſchöpft. In jeder heiligen Meſſe fließt dieſer heilſame Brunnen für all? Gegenwärtigen, weil die Seitenwunde Chriſti auf's Neue geöffnet wird. Wie glücklich ſind 6* 276 Fünſzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt ꝛc. wir, da dieſer göttliche Brunnen immer zu unſerer Rei⸗ nigung fließt! Wie überſelig ſind wir, da dieſer Brun⸗ nen nie verſchloſſen, ſondern ſtets offen iſt, und jedem Hinzutretenden Waſſer im Ueberfluſſe mittheilt, und zwar unentgeldlich Wie viele Sünder ſind hinzu gegangen und haben mit Freuden wohlriechenden Balſam daraus geſchöpft, wie ſchon der Prophet(Iſ. 12. Kap.) geweiſ⸗ ſaget hat:„Ihr werdet aus dem Brunnen des Heilan⸗ des mit Freuden Waſſer ſchöpſen.“ Diejenigen Sün⸗ der aber, welche aus Nachläſſigkeit nicht hinzu gehen mögen und in ihrem Wuſte bleiben wollen, auch dieſe ladet er freundlich zu ſeinem Brunnen ein, da er im 15. Kap. ſpricht:„Kommet alle Durſtige zum Waſſer, und ihr, die ihr kein Geld habt, kommet, eilet, kaufet und eſſet. Kommet, kaufet ohne Geld und ohne allen Austauſch Wein und Milch.“ Johannes ladet uns in der Offenbarung gleichfalls ein(22. Kap.): Der Geiſt und die Braut ſagen:„Komme; und wer das höret, der ſage: komme, und wen dürſtet, der komme, und wer nur will, der komme und nehme das Waſſer des Lebens umſonſt.“ 45. Bedenke alſo, wie liebreich uns der Prophet Iſaias und der Apoſtel Johannes zu diefem Brunnen, welcher in der heiligen Meſſe fließt, einladen; denn ſi⸗ wiſſen, wie heilſam und nützlich uns das Waſſer des Heilandes iſt. Dieſer Brunnen iſt eine Heilquelle, wo⸗ rin unſere Seelen gebadet, gereiniget und geheiliget wer⸗ den. Sie ſagen, wir ſollen nur kommen, und das edelſt und koſtbarſte Perlenwaſſer umſonſt, ohne Geld und ohne Austauſch einkaufen. Das Perlenwaſſer der Seite Chriſti iſt koſtbarer, als der edelſte Wein; ja ein ein⸗ ziges Tröpflein dieſes Waſſers iſt mehr werth, als ein ſi kß 1 ſen die len niml die Enp die ſein ſie Str hum ſche ſuch ber ſr iin r pir Bi ddo ſer ſich bu in 1 öre E ben nnel Sechzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt c. 277 ganzes Königreich: und dennoch ſollte es möglich ſein, raß wir es vergebens hätten, und unſere Seelen ver⸗ gebens darin badeten und reinigten? Sechzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt das würdigſte genugthuungsopfer. 1. Um dieſen Abſchnitt zu verſtehen, muß man vor Allem wiſſen, daß jede Sünde zwei Uebel herverbringe, nämlich die Schuld und die Strafe. Die Schuld, oder vie Ungnade Gottes, wird uns durch den würdigen Empfang des heiligen Sakramentes der Buße verziehen, vie Strafe aber, die entweder eine ewige oder zeitliche ſein kann, wird durch die Taufe völlig und ganz, durch rie Buße aber nur theilweiſe nachgelaſſen. Die ewige Strafe wird zwar auch im Bußſakrament durch die Er⸗ barmung Gottes aufgehoben, die Nachlaſſung der zeit⸗ lichen Strafe aber richtet ſich nach der Größe der Reue, nach der Innigkeit des Bußeifers und nach der aufrichtig übernommenen Genugthuung. Weil aber gewöhnlich un- ere Reue ſchwach, die Beicht ſchlecht und die Buße ge⸗ zing iſt, ſo wird uns auch gewöhnlich von dieſer Strafe mur wenig nachgelaſſen. Was nun übrig iſt, müſſen wir mit Seufzen, Beten, Wachen, Faſten, Almoſen, Beichten, Kommuniziren, Meſſehören und Abläſſe erſetzen, uder im Fegfeuer abbüßen. Alle die Bußen ſind un⸗ ſerer Sinnlichkeit ſehr zuwider und werden von Vielen nicht verrichtet. Was iſt nun zu thun, da wir keine Vuße thun, und in den Peinen des Fegfeuers nicht unge liegen wollen? 278 Sechzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt 2. Wir ſollen dem evangeliſchen Knechte folgen, von dem Chriſtus bei Matthäus 18. Kap. ſpricht:„Das Himmelreich iſt gleich einem Könige, der mit ſeinen Knechten abrechnen wollte. Da kam einer, der ihm zehn⸗ tauſend Talente ſchuldig war. Da dieſer nicht bezahlen konnte, fiel er dem Herrn zu Füßen und ſprach: Habe doch Geduld mit mir, ich will dir Alles bezahlen.“ Wer verwundert ſich nicht über rieſen vermeſſenen Knecht, welcher nicht um Nachlaſſung oder Verminderung ſeiner Schuld, ſondern um Aufſchub und Geduld bat, da er ſprach: Habe Geduld mit mir, laſſe mich nur noch einige Zeit in deinem Dienſte, verlängere mir nur ein wenig noch mein Leben, ſo will ich dir dann Alles rich⸗ tig bezahlen. Wie kann es doch möglich ſein, daß die⸗ ſer arme Knecht die ungeheuere Schuld bezahlen kann, und wenn er auch noch zweihundert Jahre leben würde; denn ein Talent hat den Werth von 1200 preußiſchen Thalern oder 2100 Gulden; rechneſt du nun den Werth von 10,000 Talenten zuſammen, ſo erhältſt du eine Summe von 12,000,000 preußiſchen Thalern, oder 21,000,000 Gulden. Wie könnte ein Knecht eine ſolche Summe abbezahlen?! 3. Das iſt aber keine wahre Geſchichte, ſondern nur ein Gleichniß. Dieſer Knecht bedeutet einen großen Sünder, der viele ſchwere Sünden begangen hat. Du, o Sünder! biſt Derjenige, von welchem Chriſtus(Apok. 3.) ſpricht:„Du weißt nicht, wie arm, wie elend, wie erbärmlich, wie blind und nackt du biſt.“ Ja du weißt nicht und glaubſt nicht, in was für ſchweren Schulden du ſteckeſt. Wie willſt du mit all deinen guten Werken zehntauſend Talente bezahlen, der du in deinem ganzen Leben nicht ein einziges Talent verdienen kannſt? Eine itzi hß, u doch heue im ſpri noch reich heili and ſchn So r das würdigſte Genugthuungsopfer. 279 einzige Todſünde zieht eine ſo große Strafe nach ſich, daß, wenn du ſelbe aus deinen Kräften zahlen müßteſt, du in Ewigkeit daran zu zahlen hätteſt. Es gibt aber doch ein Mittel, wodurch du leicht aus dieſen unge⸗ heuern Schulden kommen kannſt. Falle mit dem Knechte im Evangelium deinem Gott und Herrn zu Füßen und ſprich:„Herr habe Geduld mit mir, verleihe mir nur noch einige Zeit der Buße, ſo will ich dir alle Schulden reichlich bezahlen.“ Wenn ich die Mittel nicht habe, heilige Meſſen leſen zu laſſen, ſo will ich fleißig und andächtig dieſelben hören, und ſie dir zur Abzahlung der ſchweren Sündenſchuld aufopfern. 4. Dieſen Rath gibt uns auch der gelehrte Pater Sanchez in thesaur. Missae c. 9., da er ſpricht:„Wenn bu die heilige Meſſe höreſt, ſo bedenke bei dir, daß dieſelbe dein Eigenthum ſei, und daß ſie dir ſo wohl von Gott dem Vater, als auch von Gott dem Sohne geſchenkt worden.“ Daß ſie aber dein Eigenthum ſei, ſagt dir der Prieſter, da er ſich zu allen Gegenwärtigen wendet und ſpricht:„Betet, Brüder, daß mein und euer Opfer annehmlich werde bei Gott dem allmächtigen Vater.“ Er ſagt alſo, daß das Sacrificium nicht allein ihm, ſondern auch den Gegenwärtigen gehöre, und wenn du nun das wohl erwogen haſt, ſo ſprich zu Gott: „Wie viel bin ich dir ſchuldig, o Herr? Bin ich dir vielleicht hundert oder tauſend, oder gar zehntauſend Ta⸗ lente ſchuldig? Herr! ich erkenne meine große Schuld und bin bereit, dieſelbe zu bezahlen. Aus meinen Ver⸗ dienſten kann ich ſie zwar nicht bezahlen, wohl aber aus den reichen Verdienſten deines Sohnes, welche auf die⸗ ſem Altare gegenwärtig und mir zum Eigenthume ge⸗ ſchenkt worden ſind. Dieſen Schatz biete ich dir dar, 280 Sechzehntes Kapitel Die heilige Meſſe iſt nimm alſo ſo viel, als ich dir ſchulde.“ Geſchieht dieſe Betrachtung nun mit lebendigem Glauben, ſo bringt ſie großen Troſt; denn für uns arme Sünder iſt es doch gewiß zu großer Beruhigung, daß wir in der hei⸗ tigen Meſſe einen Schatz von unendlichem Werthe be⸗ ſitzen, womit wir unſere Schuld abtragen können. Zu verwundern iſt, daß ſelbſt die Gottesgelehrten dieſe große Kraft in der heiligen Meſſe erkennen;— ſie ſagen nämlich, daß dieſelbe durch die Darbringung ſelber(ex opere operato) die geiſtlichen Strafen hinwegnehme, vermöge der Verdienſte Jeſu Chriſti. So ſpricht For⸗ nerus, Biſchof zu Hebron(Conc. 69. in Pass.):„Das Sacrificium der heiligen Meſſe hat ex opere operato (ſchon dadurch, daß ſie verrichtet wird) eine wunderbare Kraft, die zeitlichen Strafen der Sünden zu vertilgen.“ Dieß lehren auch andere Väter und Lehrer der Kirche. Sie alle ſagen mit ausdrücklichen Worten, daß die hei⸗ lige Meſſe die Strafen der verziehenen Sünden hinweg⸗ nehme, ſowohl für den Opfernden, als auch für den, der die Meſſe leſen läßt, nicht minder für den, der ſie anhört, natürlich, wenn ſie in der nothwendigen buß⸗ fertigen Geſinnung dieſe Gnade erflehen. 5. Hier muß ich dir erklären, was die Gelehrten darunter verſtehen, wenn ſie ſagen, die heilige Meſſe nehme die Strafen der gebeichteten und verziehenen Sün⸗ den ex opere operato hinweg. Wird nämlich das heiligſte Opfer von einem rechtmäßig geweihten und dazu berechtigten Prieſter nach der von der Kirche vorgeſchrie⸗ benen Weiſe dargebracht, ſo liegt die Kraft, von der hier die Rede iſt, in demſelben ſo, daß ſie weder durch die Frömmigkeit noch durch die Sündhaftigkeit des Opfernden erhöht noch vermindert werden kann. Iſt hie nitt derr in noc mu Go lich ſie Lh wer nic W ni aut Di der ha in Un das würdigſte Genugthuungsopfer. 281 die heilige Meſſe rechtmäßig und giltig dargebracht, ſo tritt obige Wirkung ein. So iſt es auch bei an⸗ dern heiligen Sokramenten, z. B. bei der Taufe. Das Kind wird durch einen frommen Prieſter weder beſſer, noch durch einen böſen Prieſter ſchlechter getauft, nur muß die Taufhandlung rechtmäßig vorgenommen werden, d. h. die Taufe wirkt durch die Ertheilung ſelbſt. 6. Aus dieſer einhelligen Meinung und Lehre der Gottesgelehrten entſteht für alle arme Sünder ein herz⸗ licher Troſt, indem ſie verſichert ſein können, daß, wenn ſie bei der heiligen Meſſe gegenwärtig ſind, ihnen ein Theil der verſchuldeten Strafen und Peinen nachgelaſſen werde. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß ihre Gegenwart nicht eine bleß körperliche, ſondern auch eine geiſtige ſein müſſe; dann aber dürfen ſie in allen Fällen auf di ſe Wirkung hoffen; denn dieſe Nachlaſſung entſpringt ihnen nicht aus ihrer eigenen Mitwirkung beim Opfer, ſondern aus dem Opfer ſelber vermöge der Verdienſte Chriſti. Dieß bezeugt Marchantius Candel. mist. tr. 4. lect. 13. prop. 3.:„Die Genugthuung, ſagt er, hängt an der Einſetzung Chriſti, welcher gewollt und verordnet hat, doß einem Jeden, welcher andächtig Meſſe hört, eine beſondere Genugthuung und Nachlaſſung der Strafen zugeeignet werde.“ Hieraus folgt, daß Derjenige, wel⸗ cher der heiligen Meſſe mit guter Meinung beiwohnt, und dem Prieſter andächtig im Geiſte folgt, oder die heilige Meſſe zu hören gedenkt, einen guten Theil ſeiner Strafen aus den Verdienſten Chriſti bezahlt. Nun mache den Schluß, wie viele Strafen Derjenige durch eine heilige Weſſe abbüße, welcher ſie mit möglichſter Andacht hört und ſie mit dem Prieſter zugleich Gott auftpfert: denn, wenn nach dem Ausſpruche der Lehrer 282 Sechzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Derjenige, welcher nur der heiligen Meſſe perſönlich bei⸗ wohnt, und nichts mitwirkt, einen Theil ſeiner Schulden bezahlt, wie viel mehr wird erſt Derjenige, welcher die heilige Peſſe mit Andacht hört und dieſelbe Gott auf⸗ opfert, Schulden und Strafen abbezahlen? 7. Wenn du nun fragen würdeſt, woher doch ſo reiche Verdienſte und Abzahlungen der Schulden ent⸗ ſtehen, ſo gebe ich dir zur Antwort, daß ſie aus der Zueignung der Verdienſte Chriſti herkommen, nach dem Zeugniſſe des gemeldeten Marchantius, welcher supra lect. 19. ſagt:„Die heilige Meſſe iſt eine kräftige Zu⸗ eignung der Verdieſte Chriſti, iſt eine Eröffnung ſeines reichen Schatzes, woraus wir die himmliſchen Güter nehmen und damit alle unſere Schulden reichlich bezahlen können.“ Gewiß redet dieſer weiſe Lehrer ganz recht und zeigt uns den verborgenen Schatz der heiligen Meſſe gleichſam mit dem Finger. In der heiligen Meſſe theilt Chriſtus ſeine Verdienſte reichlich aus, und gibt Jedem, der ohne Todſünde ehrerbietig bei der heiligen Meſſe iſt, einen großen Theil davon. 3. Um Dieſes zu verſtehen, mußt du wiſſen, daß Chriſtus in ſeinem heiligen Leben und Leiden, beſonders aber am heiligen Kreuze, einen ſo reichen Schatz der Verdienſte erworben hat, daß, wenn er ihn unter alle anweſende und zukünftige Sünder und Sünderinnen aus⸗ getheilt, und Jedem ſo viel gegeben hätte, als er zur Zahlung ſeiner Strafen nöthig gehabt, er doch noch für unzählige Wellen genug übrig gelaſſen hätte. Dieſen reichen Schatz theilt uns Chriſtus mehrmalen ous, und zwar: wenn wir getauft werden, wenn wir das heilige Sakrament der Buße empfangen, wenn wir kommuniciren, ode the lige ( Fr blu lur das würdigſte Genugthuungsopfer. 283 oder wenn wir gute Werke verrichten. Niemals aber theilt er dieſen Schatz ſo reichlich aus, als in der hei⸗ ligen Meſſe. Dieß bezeugt und lehrt die heilige Kirche (Trid. sess. 22. cap. 2.) mit den Worten:„Die Früchte der blutigen Aufopferung werden bei dieſer un⸗ blutigen auf's reichlichſte in Empfang genommen.“ Denn die heilige Meſſe iſt unter allen gottesdienſtlichen Hand⸗ lungen die heilſamſte, die gottgefälligſte und den Menſchen die nützlichſte; und damit die Leute die heilige Meſſe deſto lieber hören möchten, ſo theilt ihnen Chriſtus ſei⸗ nen Schatz deſto reichlicher dort aus. 9. Du magſt dir dieſe Auetheilung ſo vorſtellen, als ob Chriſtus unter der heiligen Meſſe vom Altare ſtiege, von einem Menſchen zum andern ginge und je⸗ dem ein Stück himmliſchen Goldes in die Hand gäbe, als eine Vergeltung für ſein Meſſehören. Von dieſer Vergeltung der heiligen Meſſe iſt Niemand ausgeſchloſſen, als der in einer Todſünde iſt, oder der unter der hei⸗ ligen Meſſe ſchwätzt, lacht, ſcherzt, vorwitzig herumſieht, Andere im Gebete ſtört oder ſchläft. Alle Andern wer⸗ den dieſer Gabe theilhaftig, obwohl nicht in gleichem Maße, ſondern nach Verdienſt ihrer Andacht. Dieſes Talent aber ſoll er wohl verwenden, Gott dem Vater aufopfern, ſeine Schulden damit bezahlen, Tugenden einkaufen, die göttlichen Gnaden vermehren und ſeine künftige Glorie vergrößern. Dieß ſollen alle armen Sünder und Sünderinnen wohl bedenken, daß, wenn ſie in eine Sünde gefallen ſind, ſie zur Kirche eilen und die heilige Meſſe mit Andacht hören, ſelbe Gott dem Vater zur Verzeihung ihrer Sünden, zur Zahlung ihrer Strafen und Beſſerung ihres Lebens aufopfern, und es wird ihr Herz erweicht, ihr Sinn geänbert werden, ſo 284 Sechzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt daß ſie, wenn ſie anders mit der erhaltenen Gnade mit⸗ wirken, um ſo leichter ausgeſöhnt werden mit dem all⸗ heiligen Gott. Dieß iſt das kräftigſte Mittel, Ver⸗ zeihung zu erlangen, die verſchuldeten Strafen abzubüßen und vor dem Rückfall bewahrt zu bleiben. 10. Wie Viel könnte hiefür angeführt werden, wie erbauend müßte es ſein, die dankerfüllteſten Bekenntniſſe von Sündern zu erfahren, die auf ſolchem Wege zu ihrem Heil gekommen! Aber es iſt nicht unſere Auf⸗ gabe, hineinzublicken in die gnadenreichen Wege, auf denen die Erbarmung Gottes dem Sünder zu Hilfe kommt. Wir haben hier es nur damit zu thun, im dunkeln Kerker ein Fenſterlein zu öffnen, durch welches man den ſchönen und anmuthigen Weg ſehen kann, der zum Him⸗ mel führt, wozu der Anfang das hochheilige Opfer der Meſſe iſt. 11. Beſuche, lieber Leſer, recht oft die heilige Meſſe, und laß dich nicht abhalten durch den Einwurf des Feindes deiner Seele, der ſo gerne den Sündern, die er in ſeine Macht gebracht hat, alle Hoffnung rauben, alle Ausſicht verſperren möchte, indem er ihnen vorhält: „deine Sünden ſind ein zu großes Hinderniß der Be⸗ kehrung, als daß du noch zurück könnteſt, und es nützt dich alles nichts, auch wenn du noch ſo oft bei dem großen Verſöhnungsopfer ſtehſt.“ Antworte getroſt:„meine Sünden ſind groß und viel, aber reicher und mäch⸗ tiger iſt die Frucht des Erlöſangstodes Jeſu Chriſti, und dieſe Früchte finde ich mir beſonders dargereicht im heiligen Meßopfer.“ das würdigſte Genugthuungsopfer. 285 Wie viele Strafen man durch das Meſſehören abhüßen kann. 12. Wenn du das vorige Kapitel aufmerkſam ge⸗ leſen haſt, ſo wird ohne Zweifel in dir das Verlangen entſprungen ſein, zu wiſſen, wie viele Strafen deiner Sünden du durch das Meſſehören tilgen kannſt. Dieß will ich dir dann ſagen, wenn ich den hohen Werth der heiligen Meſſe aus der Lehre des geiſtreichen Paters Lancicius gezeigt habe, welcher(lib. 2. de Missa num. 294.) ſpricht:„Der Werth des heiligen Meßopfers iſt unendlich, denn was durch die Prieſter geopfert wird, iſt wegen des Opferers von eben ſo großem Werthe, als das, was Chriſtus am letzten Abendmahle ſeinem Vater aufgeopfert hat. Dies war aber ein Sacrificium von unendlichem Werthe, weil alle Werke Chriſti, weiche er auf Erden verrichtet hat, von unendlichem Werthe waren, und zwar wegen der unendlichen Würde ſeiner göttlichen Perſon. Es folgt alſo hieraus, daß auch das Meßopfer einen unendlichen Werth habe.“ 13. Pater Lancicius ſagt zwar: daß der Werth der heiligen Meſſe unendlich groß ſei, er ſagt aber nicht, daß er den Meſſehörenden in unendlicher Weiſe zugeeig⸗ net werde; denn ſonſt könnten mit Einer heiligen Meſſe alle Strafen und Schulden abbezahlt werden, und es wäre für die Zukunft nicht mehr nothwendig, Buße zu wirken. Dies wäre aber wider die Lehre der katholiſchen Kirche Daß man aber viele Strafen abbüßen oder abzahlen könne, iſt gewiß; denn wenn man mit großer Andacht die heilige Meſſe hört, ſo können uns alle ge⸗ ringen Strafen nachgelaſſen werden, falls wir in ge⸗ höriger Vorbereitung und mit inniger Reue über unſere Sünden dort erſcheinen. Denn es iſt ſchon angedeutet, 286 Sechzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt daß eine Nachlaſſung der Strafe nicht eintreten kann, es ſei denn zuvor die Sündenſchuld durch Sieue getilgt. O, wie viel Dank ſind wir Chriſtus ſchuldig, daß er uns ein ſo koſtbares Opfer geſchenkt und uns ſolche Mittel mitgetheilt hat, wodurch wir unſere ſchweren Schulden bezahlen können. 14. In dieſer Beziehung ſagt der heilige Laurentius Juſtinianus(in Serm. de Corp. Christ.):„Leget alle guten Werke auf eine Goldwage, nämlich Beten, Faſten, Wachen, Almoſengeben, Abtödtungen u. dgl., und in die andere Wagſchale leget nur ein einziges heiliges Meß⸗ opfer, und ihr werdet finden, daß hier keine Gleichheit iſt; denn in der heiligen Meſſe wird Derjenige geopfert, in welchem die ganze Fülle der Gottheit wohnt, wie der heilige Paulus Col. 2. ſagt, und welcher in ſich einen unvergleichlichen Schatz der Verdienſte einſchließt, und deſſen Fürbitte allmächtig iſt.“ 15. Haſt du gehört, was vieſer Heilige von dem Werthe einer einzigen heiligen Meſſe ſagt? Haſt du ſeine Meinung auch wohl verſtanden? Wenn du es vielleicht vor Verwunderung nicht glauben kannſt, ſo will ich dir dieſelbe erklären: Wenn du, will er ſagen, alle gemelde⸗ ten Bußwerke verrichteſt, und Gott dieſelben mit größter Andacht und Liebe aufopferſt, ſo bringſt du ihm gewiß eine ſehr große und angenehme Gabe dar, wenn aber ein anderer eine heilige Meſſe andächtig hört, und ſie vom Herzen Gott aufopfert, ſo bringt dieſer ihm eine noch köſtlichere Gabe, und erweist ihm einen ungleich größeren Gefallen. Denn du haſt ja nur menſchliche Werke geopfert, welche gegen die unendliche göttliche Vor⸗ trefflichkeit nicht höher zu ſchätzen ſind, als wenn du dem Kaiſer eine gemeine Bohne gegeben, während hin⸗ ge dar 6hr in Vo Del eine wel den end Nu Sü der Bu Kr der in §. Ve nob hr den — — —— =— SS das würd'gſte Genugthuungsopfer. 287 gegen jener Gott keine menſchiichen, ſondern göttliche Gaben darreicht, und zwar: die Verdienſte Chriſti, die Wunden Chriſti, das Leiden und die Tugenden Chriſti, ja den eingebornen Sohn Gottes ſelbſt, und zwar nicht in jener Majeſtät, mit welcher er im Himmel iſt, ſondern in der Demuth, mit welcher er auf dem Altare in der Geſtalt einer kleinen Hoſtie liegt, als ein unſchuldiges Lamm, welches wieder geſchlachtet werden ſoll, und das Geott dem Vater durch dieſen ſeinen geiſtigen Tod eine un⸗ endliche Ehre, ein großes Lob und Wohlgefallen bereitet. Nun mache ſelbſt den Schluß, wie viele Strafen der Sünden eine heilige Meſſe bezahlen kann, da ſie auf der Wage der göttlichen Gerechtigkeit alle menſchlichen Bußwerke überwiegt. 16. Viel habe ich bereits über die Würde und Kraft der heiligen Meſſe geſagt, aber noch mehr habe ich zu ſagen. P. Ludwig von Argentana, Provinzial in der Normandie, ein Mann von großem Geiſte, ſchreibt (in Exercit. Christ. interni. Tom. 2. exerc. II. §. 3.):„Ich ſchätze zwar alle Bußwerke, die wir um Verzeihung unſerer Sünden verrichten, ſehr hoch, den⸗ noch iſt es gewiß, wenn einer ſein ganzes Leben bei Brod und Waſſer faſten, wenn er alle Schätze der Welt den Armen zum Almoſen austheilen, und wenn er bis zum Ende der Welt immer andächtig beten würde, und würde dieſe Werke auf die Wage der göttlichen Gerech⸗ tigkeit zugleich mit dem Blute Jeſu Chriſti legen, ich ſage, es iſt gewiß, daß ſie viel geringer erfunden würden. Die Bußwerke ſind aber nicht überflüſſig, ſondern zur Beſſerung des Lebens und zur Ausrottung der böſen Gewohnheiten ſehr nothwendig.“ 17. Damit man aber dieſe Ausſprüche gelehrter 288 Sechzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Männer nicht falſch verſtehe, müſſen wir dazu ſetzen, daß ſie den Werth des heiligen Meßopfers nach dem beurtheilen, was der vielgeliebte Sohn bei dem ewigen Vater gelte, und daß ſie dadurch die Nothwendigkeit und den Werth der Bußwerke, welche der Sünder ſelbſt verrichten kann und ſoll, nicht herabſetzen wollen. Im Gegentheil finden alle in dem Bußeifer des Sünders auch die Würdigkeit desſelben für außerordentliche Hilfe Gottes, wie die heilige Meſſe dieſelbe gewährt, und es kann die Anpreiſung der heiligen Meſſe, und ihres Wer⸗ thes für Genugthuung wegen begangener Sünden keinen andern Sinn haben, als recht dringend zum Bußeifer aufzufordern, da ja bekannt iſt, und jedes Kind weiß, daß für Unbußfertige ſelbſt der Kreuzestod Jeſu Chriſti nutzlos iſt. 18. Wollte aber Jemand auch noch wiſſen, welchen Einfluß das heiligſte Opfer auf die Nachlaſſung der Sündenſtrafen im Reinigungsorte habe, ſo können wir allerdings nicht angeben, in welchem Maaße dieß ge⸗ ſchehe, weil wir überhaupt nicht wiſſen, in welchem Verhältniß die Strafzeit im Jenſeits zur Strafzeit im Diesſeits ſteht; jedenfalls wird ſie jenſeits unverhältniß⸗ mäßig länger dauern; allein das iſt gewiß, daß unter allen Werken dieſes Lebens keines geeigneter erſcheint, für die leidenden Brüder vor den erbarmungsvollen Gott gebracht zu werden, als das unblutige Opfer Chriſti;— und wenn es ſchon ein Troſt für dieſe Arnen iſt, wenn die Hinterbliebenen ſich mit einem an⸗ dächtigen Seufzer für ſie zum himmliſchen Vater wen⸗ den, ſo läßt ſich doch gewiß der Schluß machen, daß ein heiliges Meßopfer mit derſelben Innigkeit für die armen Seelen im Reinigungsorte dargebracht, ungleich zri ſich 6hr wei eid uuc viel iig Mi uns den fter wer St ve ir ich ine ic ſch ten den je ri we ier eiß, iſi das würdigſte Genugthuungsopfer. 289 größern Troſt bringt. Weil aber die leidende Kirche nicht mehr unter den Geſetzen der ſtreitenden Kirche Chriſti auf Erde ſteht, ſo iſt es klar, daß wir nur bitt⸗ weiſe das Opfer dieſer Erde für unſere Brüder in der leidenden Kirche darbringen können, und daß wir alſo auch nicht mit Beſtimmtheit ſagen können, ſo oder ſo viel wird von jener Strafzeit nachgelaſſen. All' dieß liegt jevesmal bei der Barmherzigkeit Gottes, und dieſe Milde wird vom Vater im Himmel ganz frei nach einem uns unbekannten Maaße gewährt. 19. Auch das Geſagte iſt eine dringende Aufforberung, recht oft und recht fleißig die heilige Meſſe zu hören; denn jetzt gehören wir noch dieſer Erde an, und er⸗ freuen uns der großen Kraft der heiligen Meſſe, während wenn wir dieſes Mittel vernachläſſigen, die entſprechende Strafe erſt im Reinigungsorte zu ertragen haben. 20. Denke dir nun, du wäreſt eines großen Laſters wegen verurtheilt zu einer langwierigen Strafe, es wäre dir aber freigeſtellt, dafür eine heilige Meſſe zu hören; nicht wahr! du würdeſt lieber 100 Meſſen hören, als einer großen Pein ausgeſetzt ſein. Wenn wir auch nicht wiſſen, worin die Strafe im Reinigungsorte be⸗ ſteht, ſo viel wiſſen wir, daß ſie mit einem verzehren⸗ den Feuer verglichen wird, und daß dieſelbe das bei den Seelen bewirken muß, was das Feuer im Schmelz⸗ ofen an dem Golde bewirkt, nämlich ſie müſſen ge⸗ reinigt und mit neuem unvergänglichen Glanze gezieret werden. 21. Hier möchte man ſagen, da das Meſſehören ſchon ſo viele Strafen auslöſcht, wie viele Strafen büßt man durch eine heilige Meſſe ab, die man leſen läßt? Antwort: Wer eine heilige Meſſe bei Lebzeiten für ſich Cochem, Meßerklärung. 19 290 Sechzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt leſen läßt, büßt von den Strafen, welche er durch ſeine Sünden verſchuldet hat, mehr ab, als durch die An⸗ hörung der heiligen Meſſe; denn ein beſtimmter Theil der Verdienſte der heiligen Meſſe gehört ihm zu, und wird ihm auch von Gott und dem Prieſter zugeeignet. Wie viele Strafen aber dadurch ausgelöſcht werden, hat Chriſtus ſeiner Kirche nicht geoffenbaret. Wenn aber Derjenige, welcher die heilige Meſſe leſen läßt, ſelbſt ge⸗ genwärtig iſt, ſo iſt das für ihn eine Aufforderung, recht geſammelt zu ſein, und dem FPrieſter Schritt für Schritt zu folgen, weil ja der Prieſter ganz beſonders für ihn ſpricht, betet, opfert; dann aber wird er auch gewiß einen größern Gewinn haben nach dem Zeugniſſe des gelehrten Marchantius(Candel. myst. tr⸗ 4. lect. 15. prop. 3.), welcher ſagt:„Wer eine heilige Meſſe für ſich leſen läßt und derſelben beiwohnt, hat viel mehr Nutzen davon, als wenn er abweſend iſt; denn obwohl er abweſend jenen Nutzen bekömmt, welchem der Prieſter ihm zueignet, ſo bekömmt er doch dasjenige Verdienſt nicht, welches ihm aus dieſem heiligen Opfer gebührt.“ Es iſt auch ganz klar, denn er erhält ja jene beſonderen Gnaden nicht, die für jedes Anhören der heiligen Meſſe beſtimmt ſind. 22. Nun folgt eine wichtige Lehre, welche Wenigen bekannt iſt. Wenn nämlich gemeine Leute eine heilige Meſſe leſen laſſen, welche zu Ehren eines Heiligen, oder um ein gewiſſes Gut zu erlangen, oder ein Uebel ab⸗ zuwenden, ſo beſtellen ſie ſelbe etwa mit den Worten: Ich laſſe eine heilige Meſſe der Mutter Gottes zu Ehren leſen, oder: ich hätte gern eine heilige Meſſe für ein trankes Kind u. ſ. w. Hiemit haben ſie wohl beſtimmt, wem die Ehre dieſer Aufopferung zukommen ſoll, und velq er ſe Ven öhr dene hei ton dudu Chre fir den leſen tbit Sel dein ſche ſti I neh dn ſe Kh kit Sy ved me er Ri ge li de e e u m das würdigſte Genugthuungsopfer. 291 welche irdiſche Gnade ſie etwa erlangen wollen, ſie haben aber nicht erwähnt, vielleicht gar nicht bedacht, wem ſie die Genugthuungskraft des Opfers zuwenden wollen. Wenn du alſo eine heilige Meſſe einem Heiligen zu Ehren, oder in einer gewiſſen Noth leſen laſſeſt, ſo be⸗ denke allzeit, daß du dir die Verdienſte vorbehalten oder zueignen wolleſt, und ſo haſt du dann doppelten Gewinn von einem ſolchen heiligen Meßopfer; denn du ehreſt dadurch die Mutter Gottes oder den Heiligen, zu deſſen Ehre die heilige Meſſe geleſen wird, und zahleſt auch für viele von den Strafen, die du wegen deiner Sün⸗ den zu leiden hätteſt. Wenn du aber eine heilige Meſſe leſen laſſeſt, um von Gott etwas zu erhalten oder zu erbitten, ſo erhältſt du es gewiß, wenn es zu deiner Seligkeit dienlich iſt, und bezahleſt doch auch einen Theil deiner Schulden. 23. Aus all' dem, was hier abgehandelt wurde, ſehen wir, daß wir zur heiligen Meſſe einen neuen Eifer ſchöpfen und uns recht befleißen ſollen, täglich die heil. Meſſe, an Sonn⸗ und Feiertagen aber, wenn möglich, mehrere zu hören, damit wir unſere rückſtändigen Schul⸗ den auf dieſer Welt abzahlen. 24. Beſonders ſollen dieß die großen Sünder thun, die viele ſchwere Sünden begangen und noch wenig Buße Zethan haben. Es iſt gewiß, daß die ſtrenge Gerechtig⸗ keit Gottes keine Sünde ungeſtraft läßt. Wahr iſt das Sprüchwort: aut poenitendum, aut ardendum, vent⸗ weder büßen oder brennen.. Es iſt alſo weit beſſer, tnein armer Sünder! wenn du deine Sünden auf die⸗ ſer Welt durch dich ſelbſt abbüßeſt, als dem ſtrengen Richter in jener Welt zu ſtrafen überlaſſeſt. Kannſt Su aber keine ſchweren Bußen verrichten, ſo übernehme 28* 292 Siebenzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt freudig leichtere, und ergreife jede Gelegenheit, die hei⸗ lige Meſſe zu hören, da du dich durch dieß letztere wür⸗ dig macheſt zum Empfange großer Gnaden. Siebenzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt das vortrefflichſte Werk des heiligen Zeiſtes. 1. Da wir nun ſchon in mehreren Kapiteln von der Beziehung des heiligen Meßopfers zu Gott dem Vater und ſeinem lieben Sohne gehört haben, ſo wollen wir nun auch etwas von der Beziehung desſelben Opfers zum heiligen Geiſte hören. Damit wir erkennen, wie viel derſelbe bei dem heiligen Meßopfer mitwirkte, ſo will ich hierüber in einem eigenen Kapitel verhandeln, was vorzüglich in den Pfingſttagen geleſen werden mag 2. Wie viel Gutes der heilige Geiſt der Chriſtenheit erweiſt, kann nicht vollkommen erkannt, viel weniger ausgeſprochen werden. Er iſt die göttliche Liebe und Barmherzigkeit, und befleißt ſich fertwährend, die gött liche Gerechtigkeit zu verſöhnen, und die armen Sünder vor der Verdammniß zu bewahren. Er iſt diejenige göttliche Perſon, welche das Werk der Erlöſung ange⸗ fangen, fortgeführt und vollendet hat. In dem jung⸗ fräulichen Leibe Mariens hat er dasſelbe begonnen, in⸗ dem er aus dem ſündenreinen Geblüte den hochheiliget Leib Chriſti gebildet, in denſelben die über Alles er⸗ habene menſchliche Seele gelegt, und mit Beiden di⸗ ewige Gottheit des Sohnes Gottes zu Einer Perſen nrein bn( ſürl e ar Heſta Fran der, ſicht beleh Glin Rnne hte ung jalt on hn ende ſun, nehr iden unn d( Nect det Seſſ Uerd Me de 6 Ne Ziß das vortrefflichſte Werk des heiligen Geiſtes. 293 vereinigt hat; fortgeſetzt wurde dieſes Werk, indem er den Gottmenſchen Chriſtus am Jordan gleichſam ſalbte, ſtürkte und in ſein Amt einführte; endlich vollendet, als er am Tage der Ffingſten ſich ſelbſt den Gläubigen in Geſtalt des göttlichen Feuers mitgetheilt, ſie mit dem Brande ſeiner Liebe entzündet und die verſtockten Sün⸗ der, welche durch die Wunder und das Leiden Chriſti nicht erweicht werden konnten, durch ſeine Freundlichkeit bekehrt hat. Er bleibt auch immer bei den wahren Gläubigen, und obwohl er von Vielen verunehrt wird, dennoch verläßt er ſie nie völlig, ſondern klopft oft an ihre Herzen an, und verlangt bei ihnen wieder Woh⸗ tung zu nehmen. Darum beginnen wir auch unſern Pſalter mit dem Geheimniſſe„den du, o Jungfrau, don dem heiligen Geiſte empfangen haſt“, und ſchließen ihn mit den Worten:„»der uns den heiligen Geiſt ge⸗ ſendet“; denn Was noch folgt:»der dich, o Jung⸗ frau, im Himmel aufgenommen und gekrönet hat“, iſt wehr ein Dank für die Früchte der Erlöſung ſelbſt, rdem hier Maria anſtatt der ganzen Menſchheit ge⸗ nannt iſt. 3. Es iſt alſo einleuchtend, daß bei der Erlöſung ſer Geiſt Gottes beſonders Antheil nahm, und mit Fcht konnte ich am Anfange dieſes Kapitels ſagen, daß ſäe heilige Meſſe das vortrefflichſte Werk des heiligen Heiſtes ſei. Dieß kann auf folgende Weiſe bewieſen werden: Alle Theologen ſagen, daß das Geheimniß der Renſchwerdung Gottes das größte Wunder ſei, welches ſe allmächtige Hand Gottes gewirkt hat, weil ſie näm⸗ eh die unendlich große Gottheit mit der unſcheinbaren Renſchheit Chriſti zu Einer Perſon vereinigt hat. Das ſößte Wunder aber hat der heiligſte Geiſt gewirkt, 294 Siebenzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt wie wir in unſerm Gebete ausſprechen, und im Glau⸗ ben bekennen; da wir ſagen:„Der empfangen iſt von dem heiligen Geiſte.⸗ Obwohl nun dieſes Wunder unendlich groß iſt, ſo ſcheint dennoch das Wunder, wel⸗ ches in der heiligen Meſſe gewirkt wird, noch größer, weil da die gewaltige Gottheit und die vollkommene Menſchheit Chriſti ſo klein gemacht und ſo erniedrigt wird, daß ſie im kleinſten Partikel der heiligen Hoſtie perſönlich gegenwärtig iſt. 4. Daß dieſes durch den heil. Geiſt geſchehe oder ausgewirkt werde, dafür haben wir ausdrückliche Zeug⸗ niſſe in der Liturgie der heil. Meſſe, welche vom heil. Apoſtel Jakobus ſeinen Namen hat, und aus der älteſten Zeit ſtammt. Dort heißt es unmittelbar vor der Wand⸗ lung:„Wir bitten dich, o Herr, daß dein heiliger Geiſt herab komme und durch ſeine heilige und glorwürdige Gegenwart unſere Gaben heiligen wolle. Er wolle das Brod machen zum Leibe und dieſen Kelch zum koſtbaren Blute deines Sohnes Jeſu Chriſti!“ 5. Beinahe eben dieſelben Worte ſtehen in der Li⸗ turgie des heil. Papſtes und Martyrers Clemens, wo es heißt:„Wir bitten dich, o Herr! doß du deinen hei⸗ ligen Geiſt über das Sacrificium ſchickeſt, damit er das Brod zum Leibe, und was im Kelche iſt, zum Blute deines Chriſtus mache.“ Sieh' alſo, wie in den erſten Aufſchreibungen der Meßgebete und Meßbücher die Ver⸗ wandlung des Brodes und Weines nicht Chriſtus, ſon⸗ dern dem heiligen Geiſte zugeeignet, und dieſer zur Voll⸗ bringung dieſes göttlichen Werkes angerufen wird. Gleich⸗ wie der heil. Geiſt die Menſchwerdung Gottes vollbracht hat, und zwar nach dem Zeugniſſe des Erzengels Gabriel, welcher zu Maria ſprach:„der heil. Geiſt wird über ſih ih mun ige che lige ſin nit daß Gn hr liyn ſes rei hei dig be M un h hel das vortrefflichſte Werk des heiligen Geiſtes. 295 dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchſten wird dich überſchatten⸗; alſo vollbringt er auch die Erneu⸗ erung derſelben göttlichen Menſchwerdung in jeder hei⸗ ligen Meſſe. 6. Dieß will auch der Prieſter andeuten, indem er, ehe er das erſte Kreuzzeichen über die aufgeopferte hei⸗ lige Hoſtie macht, ſeine Augen gegen Himmel erhebt, ſeine Arme ausſtreckt, ſelbe wieder zuſammenlegt und mit herzlicher Andacht den heil. Geiſt anruft und bittet, daß er vom Himmel kommen und die aufgeopferten Gaben des Brodes und Weines durch ſeine göttliche Kraft ſegnen wolle, indem er ſpricht:„Komme, du hei⸗ ligmachender, allmächtiger, ewiger Gott, und ſegne die⸗ ſes Sacrificium, welches deinem heiligen Namen be⸗ reitet iſt.“ Nun iſt nicht mehr zu zweifeln, daß der heil. Geiſt vom Himmel herabſteige und das hochwür⸗ dige Opfer mit eigener Hand ſegne und heilige. Um ebendasſelbe bittet auch der heil. Ambroſius in ſeinem Meßgebete, da er ſpricht:„Laſſe doch, o Herr! die unſichtbare Majeſtät deines heil. Geiſtes herabſteigen, gleichwie ſie vor Zeiten auf die Schlachtopfer der Väter herabgeſtiegen iſt⸗ 7. Nun wollen wir ſehen, auf welche Weiſe der heilige Geiſt die Wandlung verrichte. Dieß betreffend ſchreibt die heil. Abtiſſin Hildegard:„Als ein Prieſter, angethan mit den heiligen Kleidern, zum Altare trat, ſah ich, daß eine große Klarheit vom Himmel kam, den ganzen Altar umgab und ſo lange dauerte, bis der Prieſter wieder nach vollendeter heiliger Meſſe vom Al⸗ tare ging. Als aber der Prieſter unter der heiligen Meſſe zum Sanctus kam, und die Geheimniſſe der un⸗ ausſprechlichen Sakramente anfingen, ſieh, da kam ein 296 Siebenzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt flammendes Feuer von überaus ſchöner Klarheit vom Himmel über das Brod und den Wein herab, und dieſes Feuer durchdrang dieſe Beiden ſo, wie das Sonnenlicht mit ſeinen Strahlen das Elas erleuchtet und durchdringt. Unterdeſſen erhob dasſelbe Licht das Brod und den Wein unſichtbarer Weiſe zum Himmel hinauf, brachte es aber bald wieder auf den Altar, und jetzt war es nichts an⸗ ders, als wahres Fleiſch und Blut, obwohl es vor den Augen der Menſchen nur als Brod und Wein erſchien. Als ich nun das Fleiſch und Blut anſah, da erſchien als⸗ bald die Menſchwerdung, die Geburt, das Leiden und Sterben unſers Heilandes, als wäre es in einem Spie⸗ gel, und gerade ſo, wie Alles auf Erde geſchah, da Jeſus noch lebte.. Lib. 2. Revelat. cap. 6. 8. Dieß ſind die eigenen Worte der heil. Abtiſſin Hildegard, wodurch ſie uns ihre Viſion erzählt, darin ihr gezeigt wurde, auf welch' wunverbare Weiſe die Verwandlung des Brodes und Weines mittelſt Durch⸗ dringung des göttlichen Feuers, nämlich des heil. Geiſtes, geſchehe. Wie das nalürliche Feuer das Holz durchringt und ſelbes in glühende Kehlen verwandelt, ſo iſt es auch mit der Verwandlung des Brodes und Weines in das Fleiſch und das Blut Chriſti. Was dieſe Hei⸗ lige damals geſehen hat, geſchieht in allen heiligen Meſſen, nämlich, daß eine himmliſche Klarheit den Altar umgibt, und bis zum Ende der heil. Meſſe dort ver⸗ bleibt, wie auch, daß zur Zeit der Wandlung ein flam⸗ mendes Feuer mit geheimnißvoller Wärme und Klarheit vom Himmel komme, und das Opfer in den wahren Leib und das Blut Chriſti verwandle. 9. Davon haben wir im alten Teſtamente ſchon zwei ſchöne Vorbilder, und zwar bei dem Opfer Aarons, en des jn vel hin els geſc hatl Bre ſüll ßeu dem an op vo! un wo ſe das vortrefflichſte Werk des heiligen Geiſtes. 297 von welchem Levit. 9. geſchrieben ſteht:„Die Glorie des Herrn erſchien allem Volke, und ſieh, das Feuer ging von dem Herrn aus und verzehrte das Brandopfer, welches auf dem Altare lag. Als das Volk dieſes ſah, fiel es auf ſein Angeſicht nieder, und lobte den Herrn.“ Ein Gleiches geſchah auch bei der Einweihung des Tem⸗ pels Salomons, von welcher(lib. 2. Paralib. cap. 7.) geſchrieben ſteht:„Als Salomon ſein Gebet verrichtet hatte, da fiel Feuer vom Himmel und verzehrte die Brand⸗ und Schlachtopfer, und die Majeſtät Gottes er⸗ füllte den Tempel. Alle Kinder Iſraels ſahen das Feuer vom Himmel fallen und die Majeſtät Gottes über dem Tempel; ſie fielen auf den Boden nieder, beteten an und lobten Gott.“ 10. Dieß waren klare Vorbilder des heiligen Meß⸗ opfers, in welchem allezeit das Feuer des heiligen Geiſtes vom Himmel fällt, das Brod und den Wein verzehrt, und in den Leib und das Blut Chriſti verwandelt. Ob⸗ wohl wir arme Sünder die Gnade nicht haben, dieſes Feuer zu ſehen, ſo iſt's dennoch in Wahrheit ſo, und iſt ſchon oft mit Augen geſehen worden. Metaphraſtes ſchreibt vom heil. Biſchof und Martyrer Klemens Fol⸗ gendes:„Am 23. Jänner, da er vom Kaiſer Diokletian zu ſeinem mitregierenden Kaiſer Maximianus geſchickt wurde und auf die Inſel Rhodus kam, wurde er von dem dortigen Biſchofe, dem heiligen Photinus, erſucht, die heilige Meſſe zu leſen. Er las ſelbe, und nun höre Wunder! Als dieſer heilige Martyrer die Worte der Wandlung ausgeſprochen hatte, da verwandelte ſich die heilige Hoſtie in glühende Kohlen, und Alle, die in der heiligen Meſſe waren, ſahen dieſelbe. Sie ſahen auch, daß eine ungeheuere Menge Engel aus dem Him⸗ 298 Siebenzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt mel kamen, die heilige Hoſtie in der Luft umſchwebten, und Freude und Freundlichkeit gegen einander zeigten. Das anweſende Volk konnte das Strahlen dieſes wunder⸗ baren Glanzes nicht ertragen, ſondern fiel auf das An⸗ geſicht und blieb bis zur Kommuniou ſo liegen, weil dort die Geſtalt der heil. Hoſtie wieder zurückkehrte, welche der heil. Klemens mit großer Andacht dann genoß⸗ 11. Eben ſo ſchreibt auch Baronius auf das Jahr Chriſti 878 Num. 43. vom heil. Ignatius, Patriarchen zu Konſtantinopel. Als Ignatius die heilige Meſſe aus großer Liebe zu Gott und voll Eifer des heiligen Gei⸗ ſtes las, da geſchah es mehrmalen, daß das göttliche Brod ſeine Geſtalt veränderte und als eine glühende Kohle mit himmliſchem Glanze erſchien. Die griechiſche Kirche, zu der Ignatius gehörte, hat keine Hoſtien bei der heil. Meſſe, wie wir, ſondern weißes Weizenbrod, und es iſt eine Täuſchung der Augen weniger möglich: um ſo mehr Gewicht hat ein ſolches Zeugniß. Dieſe Erzählungen ſollen nichts anders bewirken, als die ge⸗ heimnißvollen Wahrhreiten dem Auge ſichtbarlich darzu⸗ ſtellen, und namentlich die Mitwirkung des heil. Geiſtes bei der Wandlung zu zeigen; denn dieſer iſt ein lauteres Feuer, wie er auch am Pifingſttage als Feuer erſchienen, um ſeine wahre Eigenſchaft den Gläubigen damit anzu⸗ zeigen und ſie zu überzeugen, daß er die Liebe Gottes des Vaters und des Sohnes ſei. 12. Endlich leſen wir im Leben des gottſeligen Pa⸗ ter Joſeph von Cupertino im 44. Kap., daß er, ſo oft er die heiligen Worte der Wandlung ausſprechen ſollte, immer große Angſt hatte; und nur mit vieler Mühe konnte er dieſe heiligen Worte hervorbringen; wenn aber ſeine Angſt vorbei war, ſo ſprach er ſelbe ganz geſchwind das vortrefflichſte Werk des heiligen Geiſtes. 299 aus. Sein Guardian fragte ihn einmal, warum er die heiligen Worte ſo hart und dann doch wieder ſo leicht aus⸗ ſpreche, und erhielt zur Antwort:„Dieſe hochheiligen Worte ſind mir wie brennende Kohlen in meinem Munde. Es geſchieht mir, gleich wie einem, der eine heiße Speiſe in den Mund nimmt, dieſe aber ob des Brennens von einer Seite zur andern wirft und endlich, da er die Hitze nicht ertragen kann, den heißen Biſſen hinunter ſchluckt.“ 13. So iſt es! Himmliſches, alles Irdiſche ver⸗ zehrendes Feuer iſt in dieſen Worten der Wandlung. Hervorgebracht von der Zunge eines Menſchen wirken ſie mit der Allmacht Gottes, und verurſachen, daß der Schöpfer in den Händen ſeines Geſchöpfes jedesmal auf's Neue Menſch wird. Wie erſchütternd und allge⸗ waltig müſſen die Worte geweſen ſein, mit denen der Schöpfer die Sonnen in's Daſein gerufen: durch dieſe Worte aber geſchieht mehr; es ſoll in Folge derſelben der Schöpfer ſelber in neues Daſein treten. 14. Damit wir die Gegenwart des heil. Geiſtes bei der heiligen Wandlung noch klarer einſehen, will ich eine Erzählung aus Baronius(ad ann. 536.) hieher ſetzen, wo er meldet, daß zu Formello, einer Stadt un⸗ weit Rom, ein Biſchof war, welcher ſein Amt fleißig verwaltete und die heilige Meſſe mit größter Andacht zu leſen pflegte. Deßungeachtet wurde er von Einigen beim heil. Papſte Agapitus verklagt, daß er aus einem ge⸗ weihten Geſchirre eſſe und das Volk dadurch ärgere. Der Papſt zürnte hierüber ſehr, ſchickte zwei Geiſtliche hin, die ihn in das Gefängniß werfen ſollten. Als er drei Tage darin war und der Sonntag kam, erſchien am Morgen dem ſchlafenden Papſte ein Engel und 300 Siebenzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt ſprach:„Am heutigen Sonntage ſollſt weder du, noch ein anderer Prälat celebriren, ſondern der Biſchof allein, den du in das Gefängniß haſt werfen laſſen.“ Der Papſt erwachte, dachte über den Traum nach, und ſprach: „Soll der Biſchof Meſſe leſen, der eines ſo großen Laſters bei mir angeklagt iſt? Er ſchlief wieder und hörte bald darauf die vorige Stimme:„Ich habe dir geſagt, daß der gefangene Biſchof allein Meſſe leſen ſoll. Da nun der Papſt noch im Zweifel war, und den ihm verklagten Biſchof nicht gern das Amt halten ließ, hörte er zum dritten Male dieſelbe Stimme:„Hüte dich, daß ein Anderer, als der gefangene Biſchof vor dir Meſſe leſe. Durch dieſe Stimme erſchreckt, er⸗ wachte der Papſt, ließ den Biſchof vor ſich führen und ſprach za ihm:„Was für ein Leben führeſt du, und was für Werke verrichteſt du?« Der Biſchof antwor⸗ tete:„Ich bin ein Sünder, Der Papſt fragte wie⸗ berum:»Iſſeſt du nicht aus geweihten Geſchirren?“ Der Biſchof antwortete wieder:„Ich bin ein Sünder.“ Als nun der Papſt kein anderes Wort herausbringen konnte, ſprach er:„Heute ſollſt du vor uns celebriren“ Der demüthige Biſchof entſchuldigte ſich zwar ſehr, allein der Papſt ſprach:„Heute ſollſt du vor uns und allen Kardinälen ein feierliches Amt ſingen.“ Der fromme Biſchof ging nun mit vielen Dienern zum Altar, fing die heil. Meſſe an, und kam bis zum erſten Kreuzzeichen über die Hoſtie und den Kelch und ſprach:„Komm, allmächtiger Heiligmacher, ewiger Gott und ſegfne die⸗ ſes Sacrificium, deinem heiligen Namen bereitet.“ Die⸗ ſes Gebet ſprach er viermal und wollte nicht fortfahren, weßwegen alle Uebrigen unwillig wurden; endlich ſprach der Papſt:„Warum ſäumeſt du ſo lang und ſprichſt da zi de das vortrefflichſte Werk des heiligen Geiſtes. 301 das Gebet ſo oft? Der Biſchof aber antwortete:„Ver⸗ zeihe mir, heiliger Vater, ich wiederhole dieſes Gebet deßwegen ſo oft, weil ich den heil. Geiſt noch nicht über das Opfer habe herabſteigen ſehen. Ich bitte aber Euere Heiligkeit, Sie wollen den Diakon, der an mei⸗ ner Seite ſteht, weggehen heißen, denn ich getraue mir nicht, ihn hinwegzuſchaffen.. Der Papſt befahl ſogleich, daß er hinweggehen ſollte. Sobald dieß geſchehen war, ſah der Papſt ſowohl, als auch der Biſchof, daß der heilige Geiſt vom Himmel herabſtieg, und beide, wie auch die Diakonen, mit einer Wolke bedeckte, welches drei Stunden lang andauerte. Aus dieſem Vorfalle erkannte der Papſt Agapitus die Unſchuld und Heilig⸗ keit des Viſchofs und betrübte ſich ſehr, daß er ihn in's Gefängniß werfen ließ. Er nahm ſich auch vor, in Zukunft nicht wieder ſo ſchnell zu handeln, ſondern Alles genauer zu unterfuchen. 15. Was dieſer Biſchof nach der vorſtehenden Er⸗ zählung mit ſeinen leiblichen Augen ſah, das geſchieht bei jeder heiligen Meſſe auf das angeführte Gebet hin, nämlich, daß der heilige Geiſt ſich mit ſeiner Macht herablaſſe, und das göttliche Meßopfer ſegne. Hievon ſchreibt Pater Manſi in Biblioth. V. Missa disc. 4.: „Das unblutige Meßopfer iſt ſo ehrwürdig und heilig, daß der heil. Geiſt, ſelbes zu heiligen, herabſteigt und die Engel ſich ſammeln.“ Damit wollte er ſagen: wenn der heil. Geiſt vom Himuel herabgeſandt wird, das heiligſte Werk der Verwandlung des Brodes und Weines in den Leib und das Blut Chriſti zu verrichten, ſo ſtehen die heiligen Engel um ihn herum, ſtaunen über das große Wunderwerk und können ſich in Anſchauung deſſen nicht erſättigen. 302 Siebenzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt 16. O welch große Heiligkeit muß im hochwürdig⸗ ſten Meßopfer ſein, da ſelbes von dem Urſprunge aller Heiligkeit, der göttlichen Perſon des heiligen Geiſtes ſelbſt geſegnet und geheiliget wird! Wie kräftig und wie lieb⸗ lich muß das Himmelsbrod ſein, welches vom heiligen Geiſte ſelbſt zubereitet und an der Glut ſeiner Liebe erwärmt wird! 17. Allein das Feuer der Liebe des göttlichen Gei⸗ ſtes bereitet die heilige Hoſtie nicht bloß zu unſerer Speiſe, ſondern dieſelbe wird beſonders durch ihn zum Sacrificium, welches wir dem unendlichen Gott zur Ehre, uns aber zum Heile darbringen. Welch ein theueres, koſtbares und unſchätzbares Opfer iſt dieß! Wie Hohes wirket der heilige Geiſt bei dieſem Opfer! Wie ſehr befleißt er ſich, damit es allen Menſchen zum zeitlichen und ewigen Heile gereiche! Vom heiligen Geiſte ſchreibt der heil. Paulus(Rom. VIII. 26.):„Der Geiſt hilft unſerer Schwachheit; denn was wir beten ſollen, wie ſich's gebührt, wiſſen wir nicht, ſondern der Geiſt ſelbſt begehrt für uns mit unausſprechlichen Seufzern. Der⸗ jenige aber, der die Herzen durchforſcht, weiß, was der Geiſt begehrt; denn nach Gottes Wohlgefallen begehrt er für die Heiligen.“ 18. Dieß ſind die Worte des heiligen Paulus; du ſollſt aber auch wiſſen, daß eine göttliche Perſon die andere nicht bitte; denn ſie ſind alle drei in der Gott⸗ heit Eins und haben gleich zu befehlen urd auszu⸗ theilen. Da aber zum Unterſchiede der Perſonen dem Vater die Gerechtigkeit, dem Sohne die Weisheit, dem heiligen Geiſte die Güte und Barmzigkeit vornehmlich zukommt, ſo ſeufzet die göttliche Barmherzigkeit im heil. Geiſte zur göttlichen Gerechtigkeit des Vaters, daß ſie, ie ſn mun Gei war ant jde unt die ſſt „U ſon en zu, ſte vi her de das vortrefflichſte Werk des heiligen Geiſtes. 303 die Sünder nicht nach ihrem Verſchulden verdamme, ſondern aus Gnade ſelig machen wolle. Dieß iſt es nun, was der heilige Paulus mit den eben gemeldeten Worten anzeigen wollte, da er ſagte, vaß der heilige Geiſt für uns bitte. Nun aber entſteht die Frage, wann der heilige Geiſt beſonders für uns bitte? Ich antworte: Obwohl es gewiß iſt, daß der heilige Geiſt jederzeit für uns bitte, ſo iſt es ebenſo gewiß, daß er unter der heiligen Meſſe es wohl am meiſten thue. 19. Dieß können wir daraus abnehmen, weil auch die Engel für uns bitten, von welchen der heil. Chry⸗ ſoſtomus Homil. 3. de incomp. Dec. Nat. ſchreibt: „Unter der heil. Meſſe flehen nicht allein die Menſchen, ſondern auch die Engel beugen ihre Kniee und die Erz⸗ engel bitten für uns.“ Die Urſache, ſetzt er noch hin⸗ zu, iſt dieſe:„Sie haben eine günſtige Zeit, denn es ſteht ihnen das heiligſte Opfer zu Gebote, dieſes zeigen ſie vor, und bitten für das menſchliche Geſchlecht.“ Gleich⸗ wie nun die Engel die Zeit der heil. Meſſe darum wohl beachten, weil es die Zeit der Barmherzigkeit iſt, und der erzürnte Gott durch dieſes mächtigſte Verſöhnungs⸗ opfer beſänftiget wird, ſo iſt es auch wohl zu glauben, daß der heil. Geiſt eben zur ſelben Zeit, in welcher die Menſchheit Chriſti Gott dem Vater bittet, und in welcher die Wunden und das Blut Chriſti um Barmherzigkeit rufen, ganz beſonders für uns bitte, und durch ſeine göttliche Barmherzigkeit die ſtrenge göttliche Gerechtigkeit zu beſänftigen ſuche. Gott aber, der die Herzen prüfet, will, daß der heil. Geiſt um nichts Anderes bitte, als was Gott wohlgefällig iſt, und was zur Ehre Gottes und zum Heile der Menſchen gereicht. 20. Hieraus erkennſt du nun, wie groß die Güte 304 Achtzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt des heiligen Geiſtes ſei, da er ſich unſers Heiles ſo eifrig annimmt, als wenn es ſein eignes Heil beträfe, und daß er für uns nicht einfach bloß bitte, ſondern mit ſorgſamer Zudringlichkeit um Barmherzigkeit für uns flehe. Wir würden es zwar nicht glauben; allein es ſteht in der heil. Schrift ausdrücklich geſchrieben. Wer ſollte es alſo uicht glauben, daß der heilige Geiſt unſer treuer Freund iſt? Setze alſo dein größtes Vertrauen auf dieſen deinen treuen Freund und trage eine beſon⸗ dere Liebe zu ihm. Da er aber am meiſten unter der heiligen Meſſe für dich bittet, ſo höre doch bisweilen aus Dankbarkeit ihm zu Liebe eine heilige Meſſe und opfere ihm dieſelbe zu ſeiner beſonderen Ehre und ſeinem Wohlgefallen auf. Achtzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt die Freude der Mutter Zottes. L. Die Königin Eſther hatte in ihrem ganzen Leben keine größere Freude, als an jenem Tage, da der König Aſſuerus ſie aus allen Jungfrauen ſeines ganzen König⸗ reiches ausgewählt, mit eigenen Händen gekrönt und zur Königin ſeines ganzen Reiches gemacht hat. Ebenſo darf ich ſagen, hat Maria, die Mutter Gottes, nie eine größere Ehre und Freude gehabt, als da ſie von ihrem Sohne zur himmliſchen Glorie eingeführt, über alle Chöre der Engel erhoben und als Königin Himmels und der Erde gekrönt wurde. Von der Reinheit, Er⸗ habenheit und Größe dieſer Freude können wir' uns keinen Begriff machen, da wir gehindert ſind, durch die⸗ en die Freude der Mutter Gottes. 305 ſes irdiſche, leibliche Leben, in welchem uns die geiſtigen Freuden ſo fremd und unverſtändlich ſind; dieſes Ein⸗ führen in das Reich der Himmel aber iſt der höchſte Grad aller geiſtigen Freuden. Und doch ſagte ich zu Anfang dieſes Kapitels, daß die heilige Meſſe die ſüßeſte Freude der Mutter Gottes ſei. Wie ſoll nun dieſes erwieſen werden? Dieß will ich aus den eigenen Wor⸗ ten Chriſti zeigen, welche er zu einem treuen Diener ſeiner Mutter, zu Alanus, geredet hat, und die wir aus dem Buche desſelben ſeligen Alanus(Rediv. part. 4. c. 27.) genommen haben: 2.„Gleichwie die göttliche Weisheit eine einzige Jungfrau erwählt hat, aus welcher der Erlöſer der Welt geboren wurde, alſo hat derſelbe Erlöſer nur allein das Prieſterthum geſtiftet, die Schätze ſeiner Er⸗ löſung durch das Meßopfer zu allen Zeiten der Welt auszutheilen. Dieß iſt der größte Theil der Freude der Mutter Gottes, das iſt die Wonne der Seligen, dieß eine ſichere Hilfe der Lebendigen und der größte Troſt der Abgeſterbenen“ Dieß ſind die Worte, welche Chri⸗ ſius zu dem ſeligen Alanus geredet, und ſelbe aufzu⸗ ſchreiben und zu predigen befohlen hat. 3. Nach dieſen Worten, die für uns nur den Werth zu haben brauchen, den eben Ausſprüche heiliger, von Gott erleuchteter Männer haben, beſteht alſo ein Theil der Freuden der Himmelskönigin in der heiligen Meſſe. Um das recht zu verſtehen, ſollſt du wiſſen, daß die Mutter Gottes, wie auch alle Heiligen, zwei Arten von Jreuden haben, nämlich die weſentlichen und die zufäl⸗ egen Freuden. Die weſentlichen Freuden beſtehen in 2er Anſchauung und dem Genuſſe Gottes, und in der Slorie, die nach dem Grade der Heiligkeit, den ſich der Cochem, Meßerklärung. 20 306 Achtzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Selige errungen hat, verſchieden iſt. In dieſer Höhe der Glorie bleibt der Heilige ewiglich und kann nie mehr höher oder niederer tommen. Die zufälligen Freu⸗ den beſtehen in der ſonderheitlichen Ehre, welche dem Heiligen bei beſondern Veranlaſſungen von den Men⸗ ſchen auf der Erde erwieſen wird; wenn z. B. der Feſt⸗ tag eines Heiligen begangen wird, ſo iſt wohl zu glau⸗ ben, daß derſelbe für ihn auch im Himmel von beſon⸗ derer Wonne begleitet iſt. Alsdann wird ihm auch Dasjenige, was die Menſchen ihm zu Ehren beten und thun, von den Engeln zu ſeinem größern Wohlgefallen als eine köſtliche Gabe dargebracht. Was ein Wenſch auf Erden einem Heiligen zu Liebe und zur Ehre be⸗ tet und verrichtet, dasſelbe gute Werk wird ihm gleich einer wohlriechenden Blume oder einer koſtbaren Gabe von dem Schutzengel des Menſchen zu einem beſondern Gefallen gleichſam überreicht. Hievon iſt auch in St. Gertrudens Offenbarung Viel zu leſen. Dos iſt nun die zufällige Freude, deren die Menſchheit Chriſti und alle Engel und Heiligen fähig ſind, wie aus den Wor⸗ ten Chriſti(Luc. am 15. K.) abzunehmen, wo es heißt: „Ich ſage euch, es wird eine Freude ſein im Himmel über einen Sünder, der Buße thut.“ Dieſe Freude der Engel und Heiligen im Himmel iſt keine weſent⸗ liche, ſondern eine zufällige Freude, welche ihnen ſo oft erneuert wird, als ein Sünder ſich bekehrt; ſie wird ihnen aber wieder genommen, wenn ein bekehrter Sün⸗ der rückfällig wird. 4. Aus dieſer Erklärung wirſt du nun abnehmen können, wie obige Worte Chriſti zu verſtehen ſeien, da er ſprach:„Die heilige Meſſe iſt der größte Theil der Freuden meiner Mutter,“ nämlich der größte Theil ihrer il we Meiſ Kan Neſ dere Cihre nd len ſc he⸗ eich abe ern die Freude der Mutter Gottes. 307 zufälligen, und nicht ihrer weſentlichen Freuden; denn obwohl man die liebe Mutter Gottes auf vielfältige Weiſe ehren und ihr beſondere Freude machen kann, dennoch geht die Freude, welche man ihr durch das Meſſehören bereitet, allen andern zufälligen Freuden weit vor, was ich ſogleich erklären will. Wenn du ihr zu Ehren Roſenkränze, Offizien, Litaneien, Pſalmen und an⸗ dere Gebete verrichteſt, und ihr dieſelben zur größeren Ehre und Freude aufopferſt, ein Anderer dagegen ihr zu Ehren eine heilige Meſſe mit Andacht hört und ihr ihren lieben Sohn, der auf dem Altare perſönlich gegenwärtig iſt, darreicht, welcher von Beiden wird ihr wohl eine angenehmere Gabe opfern und größere Freude bereiten? Ich ſage: Derjenige, welcher ihr zu Ehren den höchſten Gottesdienſt verrichtet, ihr ihren liebſten Sohn vor Au⸗ gen ſtellt und ſelben auf ihren mütterlichen Schooß legt; denn dieſer ihr liebſter Sohn verurſacht ihr durch ſeine erneuerte Gegenwart viel tauſendmal größere Freude und Seligkeit, als du ihr mit allen deinen Pſalmen, Lita⸗ neien und Gebeten machen kannſt. 5. Außerdem iſt auch dieß eine Urſache, warum ihr das Meſſehören eine größere Freude bereitet, weil ſie vor Allem die Ehre Gottes und das Heil der Seelen lebt und ſucht. Nun aber iſt bekannt, und wir haben es bereits hinlänglich gezeigt, daß durch die Darbringung des heiligen Opfers der allerheiligſten Dreifaltigkeit die höchſte Ehre erwieſen, das größte Lob geſpendet und die koſtbarſte Gabe dargereicht wird. Ferners, wenn du ihren geliebten Sohn im wahren Glauben anbeteſt, dich vor ihm mit gebogenem Haupte neigeſt, mit reu⸗ nüthigem Herzen an deine Bruſt ſchlägſt, mit großem Ernſte um Verzeihung deiner Sünden bitteſt, ſein bit⸗ 20* 308 Achtzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt teres Leiden Gott dem Vater vor Augen ſtellſt, ihm ſein roſenfarbes Blut zu deiner Reinigung aufopferſt und mit möglichſter Andacht dem heiligen Meßopfer bei⸗ wohneſt; was kann ihr lieber ſein, da du hiedurch dein eigenes Heil am ſicherſten beförderſt. 6. Wenn nun die liebe Mutter Gottes eine Freude durch das andächtige Meſſehören empfindet, wie reichlich wird ſie Diejenigen, welche ihr zu Ehren eine heilige Meſſe hören, belohnen? Dieß will ich dir in einem Vorfalle zeigen, welcher dem heiligen Dominikus einmal unter der heil. Meſſe widerfuhren iſt. Als der heilige Vater einmal zu London in England vor dem König und der Königin und anderm Volke die heil. Meſſe an einem Feſte Mariens mit großer Andacht las, und zum Memento vor der Wandlung gekommen war, da ward ſein Geiſt ihm plötzlich entrückt und er verharrte in ſolcher Verzuckung eine ganze Stunde lang. Sein Ange⸗ ſicht war roth und feurig, von ſeinem Haupte floß der Schweiß und ſein Leib blieb unbeweglich mit er⸗ hobenen Augen. Alle Meſſehörenden wunderten ſich über die Maſſen, wurden im Herzen ergriffen und wußten nicht, wo dieß hinaus wolle. Dem Könige und ſeiner Begleitung währte es zu lange, und deßwegen befahlen ſie einem Diener, den heil. Mann zu ſtoßen. Als der Diener dieß thun wollte, überfiel in ein ſo großer Schrecken, daß er ſich den heil. Dominikus nicht zu be⸗ rühren getraute. Ueber eine Weile befahlen ſie einem andern Diener, den heil. Mann nur bei dem Meßge⸗ wande ein wenig zu berühren; dieſem abes ging es, wie dem andern; denn er wäre vor Angſt beinahe zu Boden geſunken. Keiner hatte mehr den Muth, den Diener Gottes zu ſtören, ſondern es mußten Alle warten, bie ſel ihr! ent r6 1 bl. ie K 5 (hrſt teſ ehal tit, um un z lin le, por titk hivo ſuchl ze fill in 6 ie heb te tun inf 1 ber ſlbe ihn fen hi deh ſeldt chlü ii inen nn il ſing en in wold en Ang⸗ ſ t⸗ iht uß ſein fohla 8 d refn . h eint 6 die Freude der Mutter Gottes. 309 et ſelbſt nach einer Stunde wieder zu ſich kam. Er fuhr hierauf mit der heil. Meſſe fort, und alle An⸗ weſenden wohnten derſelben wegen des geſchehenen Wun⸗ ders mit großer Andacht bei. Als nun Dominikus die heil. Hoſtie aufhob, ſiehe, da erblickte der König und die Königin nebſt dreihundert Perſonen in den Händen des Prieſters anſtatt der heil. Hoſtie ein überaus ſchönes Chriſtkind, von deſſen Anſchauung Alle erfreut, Manche aker ſo erſchreckt wurden, daß ſie ſich kaum des Schreiens enthalten konnten. Bei dieſem Wunder blieb es noch richt, ſondern ſie ſahen auch, wie die Mutter Gottes vom Glanze der Sonne umgeben und mit einer Krone von zwölf Sternen gekrönt, hinter ihrem lieben Söhn⸗ lein ſchwebte, ſelbes auf ihren mütterlichen Schooß legte, ihm mit anmuthiger Gewalt die rechte Hand emporhob, wiewohl das Kindlein dieſelbe zurückzog, und mit derſelben das heil. Kreuz über das Volk machte. Hievon empfanden Alle eine ungewöhnliche und unaus⸗ ſprechliche Süßigkeit in ihren Gemüthern, durch welche ſie ſo zu heißem Weinen bewegt wurden, daß Männern and Frauen häufige Zähren aus den Augen floßen. Sie wurden auch mit ſo wunderbaren Anmuthungen effüllt, daß ſie von ſich ſelbſt nichts wußten und Keiner dem Andern ſagen konnte, wie ihm zu Gemüth ſey. Als hierauf der heil. Kelch aufgehoben wurde, ſah Sieſelbe Verſammlung aus dem Kelche ein Kreuz ſich echeben, an dem ſie die Geſtalt Chriſti bemerkten, mie ſie auf Golgatha wirklich und wahrhaftig am Freuze gehangen iſt. Das heil. Blut floß aus ſeinen fünf Wunden in den Kelch ſo reichlich, daß er beinahe in berfließen wollte. Die Mutter Gottes aber ſchöpfte Kbes mit ihren Händen aus dem Kelche und goß es 310 Achtzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt über das gegenwärtige Volk, darnach auch über die ganze Chriſtenheit, zum Heile und zur geiſtigen Ge⸗ ſundung aller Völker aus. Durch dieſe Beſprengung empfingen alle Gegenwärtigen eine ſo klare Erkenntniß ihrer begangenen Sünden, daß ſie die Schwere und Größe derſelben vor Augen ſahen und ſich vom Herzen darüber entſetzten. Sie empfanden auch eine ſo ſchmerz⸗ liche Reue, daß ſie alle laut ſeufzten, und ihnen häufige Zähren über ihr Geſicht und ihre Kleider herabfloſſen. Etliche aber wurden mit einer ſo gewaltigen Reue er⸗ füllt, daß ihnen die Bruſt zerſpringen, und der Tod ihnen das Herz brechen wellte. In dieſer reumüthigen Stimmung blieben ſie die ganze heilige Meſſe, und wer ſie nur anſah, mußte mit ihnen weinen. Nach vollendeter heil. Meſſe ging der heil. Dominikus, welcher alles Vorhergehende genau wußte, auf die Kanzel und wählte ſich zum Vorſpruche ſeiner Predigt die Worte des 97. Pſalms:„Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er hat wunderbare Dinge gethan.“ Hierauf fuhr er fort und ſprach:„Ihr habt alle mit Augen geſehen und in euern Herzen empfunden, welch wunderbare und göttliche Dinge unſer Herr Jeſus in dem hochwürdigen Sakramente unter euch gewirket hat. Ihr habt mit Augen geſehen und mit euerm Verſtand erkannt, wie Jeſus, der Weltheiland, der Sohn Mariens, für euch von Neuem geboren und gekreuziget worden iſt. In dieſem göttlichen und entſetzlichen Geheimniſſe der hei. Meſſe, in welchem keine Falſchheit und kein Betrug ſein kann, habt ihr große, heilige und göttliche Dinge ge⸗ ſehen. Es hat dieſes Wunder nicht Einer von Euch, ſondern ihr habt es ja Alle geſehen. Wenn nun ein Fünklein des heil. Geiſtes oder ein Aederlein der Liebe n tni Uhd ſe fin ſſen To ige un Not che olt ſied fuh ſehe un diy⸗ n p el e Gli n i ſic die Freude der Mutter Gottes. 311 Chriſti in euch iſt, ſo ſaget Gott Dank, ſinget ihm Lob und verkündiget ſeine Macht und Größe ꝛc. ꝛc.“(Ex lib. intit. B. Alanus rediv. par. 3 c. 22.) 7. Dieſes und noch viel Mehreres predigte der heil. Dominikus dei Volke und erklärte ihm, was für große Gnaden Jeſus und Maria ihnen in derſelben heil. Meſſe erwieſen haben. Doch was hier auf ſichtbare Weiſe an den Tag getreten, das iſt ſo übereinſtimmend mit den Erwartungen, die wir vom heil. Meßopfer haben dürfen, daß die Wahrheit des Gezeigten auch ohne dieſe Erzählung tief in unſer Herz dringt; denn wir glauben, wie die Mutter Gottes damals ſichtbarer Weiſe gethan, das werde ſie auch oft und vielmals, beſonders an ihren heiligen Feſttagen, auf unſichtbare Weiſe thun, und diejenigen frommen Seelen, welche ihr zu Ehren die heil. Meſſe mit Andacht hören, werde ſie mit den Händen ihres Jeſukindes ſegnen und mit ro⸗ ſigem Blute beſprengen. Daß wir aber Dieſes nicht geiſtig, wie die oben gemeldeten Leute leiblich, empfinden, kommt von der Härte unſers Herzens und von unſerer Unandacht und Nachläßigkeit her. Lerne hieraus, daß du alle deine heil. Meſſen der Mutter Gottes zu Ehren höreſt und Chriſtum in ihren Händen anbeteſt. Zu⸗ gleich bitte ſie, daß ſie dich mit den Händen ihres Sohnes ſegnen und mit deſſen Blut beſprengen wolle. Wenn du in großer Noth biſt, ſo kannſt du nicht ſicherer Hilfe erlangen, als wenn du dich auf ſolche Weiſe dem Gnadenthrone Gottes naheſt. Denn da ihr durch die heil. Meſſe die größte Ehre, dem ewigen Gott der erhabenſte Dienſt erwieſen wird, ſo iſt nicht zu bezweifeln, daß du um ſo ſicherer zur erbetenen Gnade gelangeſt. 312 Achtzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt 8. Der berühmte Geſchichtſchreiber Baronius er⸗ zählt, daß im Jahre 998 Robertus, König von Frank⸗ reich, in's Feld zog und das Schloß St. Germain, welches bei der Stadt Anjou liegt, mit großer Macht belagerte. Die Belagerten wehrten ſich tapfer und fügten dem Könige großen Schaden zu, worüber dieſer ſo ergrimmte, daß er am ſechsten Tage der Belagerung ſein ganzes Kriegsheer eifrig ermahnte, das Schloß zu umringen und auf einmal mit aller Macht zu ſtürmen. Die Belagerten fürchteten ſich ſehr vor dieſem Angriff und ſuchten bei dem gottſeligen Gißlebert, St. Benedik⸗ tinerordens Prieſter, Hilfe. Dieſer ermahnte ſie, ihr Vertrauen auf die Mutter Gottes zu ſetzen und ihr zu Ehren zur heil. Meſſe zu gehen. Er ſelbſt las die heil. Meſſe in der vornehmſten Kirche daſelbſt auf dem Altare der Mutter Gottes, und alles Volk wohnte der⸗ ſelben mit möglichſter Andacht bei. Während derſelben fiel ein ſo dicker Nebel auf die Felder rings um die Burg, daß die Belagerer keinen Angriff machen konnten, die Belagerten dagegen ſahen von ihrer Höhe aus alle Bewegungen des Feindes, und richteten mit ihren Ge⸗ ſchoßen unter demſelben großen Schaden an. Als nun der König ſah, daß ſeine Macht ſehr geſchwächt wurde, und in Gefahr war, gänzlich aufgerieben zu werden, zog er ab, und marſchirte im größien Zorne vom Schloſſe weg. 9. Mag man nun was immer für Urſachen hier⸗ über angeben, was hindert ein gläubiges Gemüth, an⸗ zunehmen, daß auf die Fürbitte der Himmelskönigin dieſe Decke als Schutzmantel für ihre Verehrer von Gott herabgelaſſen wurde! Obwohl ſolche Wunder nicht immer geſchehen, ſo iſt doch die Anrufung Mariens nicht ber un le den Fr ſi jig Lei Mi liet liet ſeh lich jed M ſu in di als 3 Di lg ern N . M ſei wi ie die Freude der Mutter Gottes. 313 vergebens, ſondern ſie wird gewiß reichlich vergolten, und in dem Grade, als Maria Gott näher ſteht, denn alle anderen Heiligen, iſt auch ihre Fürbitte mächtiger; denn ſie offenbarte ſelbſt einem großen Heiligen vom Predigerorden Folgendes, was er ſchriftlich hinterlaſſen hat: 10. 1)„Was Maria von Gott begehrt, dieß erhält ſie gewiß. 2) Gott hat beſchloſſen, Jedem Barmher⸗ zigkeit zu erzeigen, dem Maria beiſteht. 3) Auf die Leitung der Schickſale der Welt hat die Fürbitte der Mutter Gottes einen weſentlichen Einfluß. 4) Maria liebt die Sünder mehr, als nur ein Menſch den Andern lieben kann. 5) Das Heil der Sünder liebt ſie ſo ſehr, daß ſie bereit wäre, wenn es Gott zuließe, täg⸗ lich alle Peinen der Welt für die Genugthuung eines jeden Menſchen zu leiden. 6) Der Dienſt, welcher Maria erwieſen wird, und wäre es auch nur ein ein⸗ facher engliſcher Gruß, gilt mehr, als ein Dienſt, der einem andern Heiligen erwieſen wird. 7) Ein an⸗ dächtig geſprochenes Ave Maria iſt eine köſtlichere Gabe, als irgend ein Gut des Leibes und des Lebens. 8) Der Dienſt, welcher Maria erwieſen wird, bringt allen Hei⸗ ligen Freude. 9) Der Dienſt, welcher den Heiligen erwieſen wird, iſt wie Silber, und der, welcher der Mutter Gottes erwieſen wird, iſt wie Gold. 10) Der Dienſt, welcher Chriſtus erwieſen wird, iſt wie Edelge⸗ ſtein, und der, welcher der heiligſten Dreifaltigkeit er⸗ wieſen wird, iſt mit den Sternen des Himmels zu ver⸗ gleichen. 11) Maria errettet täglich viele Sünder. 12) Um wie viel größer der Himmel iſt, als die Sterne, um ſo viel größer iſt die Barmherzigkeit gegen die Sünder in Maria, als jene der Heiligen.. B. Aln. rediv. c. 9. 314 Achtzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Dieſe Gnaden ſind wie eine Krone von zwölf Ster⸗ nen, welche der heil. Johannes auf dem Haupte Mariens geſehen. Wer nun dieſes aufmerkſam liest und wohl erwägt, der muß gleichſam mit Gewalt zum Dienſte und zur Verehrung Mariens gezogen werden. Wer wollte nicht gerne ihr zu Ehren ein Ave Maria beten, da er weiß, daß ſelbes köſtlicher ſei, als alle natürlichen Gaben des Leibes und des Lebens. Wer wollte ihr nicht gerne dienen, wenn er glaubt, daß der geringſte Dienſt, welcher ihr erwieſen wird, alle Dienſte der Heiligen übertrifft. So diene ihr denn mit allem Fleiße, beſonders durch das andächtige Meſſehören und öfteres Aufopfern ihres lieben Jeſukindes; denn ſo oft eine heil. Meſſe geleſen wird, wird Chriſtus geiſtlicher Weiſe wieder geboren, und die mütterliche Würde wird jeder⸗ zeit wieder erneuert, was aus den Worten Chriſti her⸗ vorgeht, die er zu dem gottſeligen Alanus part. 4. cap. 46. ſprach:„Wenn ein Prieſter eine heil. Meſſe zu leſen unterläßt, ſo beraubt er meine Mutter ihrer mütterlichen Würde.. Es folgt alſo hieraus, daß, wenn ein Prieſter die heil. Meſſe liest, die Würde der Mutter Gettes erneuert wird, weil ſie gleichſam von Neuem ihren Sohn gebärt und die in der Geburt em⸗ pfangene Wonne von Neuem empfängt. Die heilige Meſſe iſt die Freude der Heiligen. 11. Nachdem wir geſehen, welche Ehre und Freude für die heil. Mutter Gottes im Opfer der heil. Meſſe liegt, bleibt uns nur noch übrig, zu unterſuchen, welche Ehre und Freude die Heiligen Gottes aus dieſem Opfer Die Freude der Heiligen. 315 ziehen. Auf welche Weiſe die zufällige Freude der Hei⸗ ligen vermehrt werden kann, findeſt du in Nr. 3. dieſes Kapitels, und ich ſetze hier nur noch bei, aus welchen Gründen die Heiligen wünſchen müſſen, daß die lebenden Gläubigen ſie verehren: Der erſte Grund iſt, weil es der Wille Gottes iſt, daß ſeine treuen Diener geehrt werden, dann: weil die Tugend, die ſie geübt, und lebendig dargeſtellt, einer ſolchen Verehrung würdig iſt, wie Chriſtus ſelbſt(Apoc. I1I. 4.) geſprochen:„ſie werden mich begleiten in weißen Gewändern, denn ſie ſfind es werth.. Und 1. Reg. 2, 30. ſprach Gott: „wer immer mich verherrlicht, den werde auch ich ver⸗ herrlichen, wer mich aber verachtet, der iſt verächtlich.“ Anſtatt Vielem wollen wir nur noch den Einen Grund anführen, daß die Heiligen von uns geehrt werden müſſen, weil ſie, ſo lange ſie lebten, die Ehre geflohen, und ſich für demüthig und verächtlich gehalten haben, ja ſogar von gottloſen Menſchen verachtet, verſpottet und verfolgt worden ſind; darum will alſo Gott, daß ihre Unſchuld an den Tag komme, und daß ſie von der Chriſtenheit geprieſen und geehrt werden. 12. Ein Beiſpiel hievon haben wir an Mardochäus, welcher, obwohl er ein frommer Mann und ein Diener Gottes war, dennoch von dem hochmüthigen Aman ver⸗ folgt und zum Tode verurtheilt wurde. Der gerechte Gott aber vereitelte dieſen Anſchlag und machte, daß ſein treuer Diener von allem Volke geehrt werden mußte; denn da der König zu Aman ſprach:„was ſoll dem⸗ jenigen Manne geſchehen, welchen der König zu ehren verlangt?“ ſprach Aman:„Der Mann, welchen der König ehren will, ſoll mit königlichem Purpur gekleidet, auf ein königliches Pferd geſetzt und mit einer könig⸗ 316 Achtzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt lichen Krone geziert werden. Der Vornehmſte von den königlichen Fürſten ſoll das Pferd bei dem Zaume führen, durch die vornehmſten Straßen der Stadt gehen und an allen Orten ausrufen:„Alſo ſoll derjenige geehrt werden, welchen der König geehrt haben will.“ Darauf ſprach der König:„Eile, und nimm den königlichen Purpur und das Pferd, und thue Mardochäus, dem Juden, wie du geſagt haſt.“ 13. Wenn nun der heidniſche König Aſſuerus dem Mardochäus wegen eines treu geleiſteten Dienſtes ſolche Ehre hat bezeigen laſſen, welch' große Ehre wird dann der liebe Gott ſeinen treuen Dienern wegen ſo viel ge⸗ leiſteter Dienſte erweiſen, und von dem ganzen Himmel erweiſen laſſen, ganz beſonders aber an ſolchen Tagen, an welchen ſie in den Himmel eingeführt, und an welchen das Gedächtniß hievon von der Kirche in aller Welt gefeiert wird? Durch ſeinen heil. Geiſt hat er ſeiner Kirche eingegeben, daß ſie an denſelben Tagen ſeine treuen Diener und auserwählten Heiligen mit Gebeten und Andachten, mit Predigten und Lobgeſängen, mit Prozeſſionen und Wallfahrten, beſonders aber mit dem Opfer der heil. Meſſe verehren und verherrlichen ſollen. „Denn ſo ſollen diejenigen geehrt werden, welche der himmlifche König geehrt haben will.“ 14. Die größte Verherrlichung, welche man den Heiligen erweiſen kann, geſchieht durch das hochwürdigſte Opfer der heil. Meſſe, wenn man nämlich dasſelbe zu ihrer größern Ehre liest oder hört, und dem allmäch⸗ tigen Gott zur Vermehrung ihrer Glorie oder zufälligen Freuden aufopfert. Man pflegt oft einem Fürſten zu Ehren ein Schauſpiel zu geben, oder Ereigniſſe aus alter Zeit neu darzuſtellen. Obwohl nun in ſolchen die Freude der Heiligen. 317 Stücken keine Meldung vom Fürſten geſchieht, ſo nimmt er ſie doch wohlgefällig auf, weil die Vorſtellung ihm zu Ehren geſchieht, und er hat beſondere Freude daran. Obwohl alſo die heil. Meſſe das Leben und Leiden Chriſti vorſtellt und dem allmächtigen Gott aufopfert, haben dennoch die Heiligen eine beſondere Ehre und Freude daran, weil die lebendige Darſtellung hievon ihnen zu Ehren geſchieht, und der ganze Himmel da⸗ durch erfreut wird. 15. Wird aber ihr Name in der heil. Meſſe ge⸗ nannt, und ſelbe eigens zu ihrer Ehre dargebracht, ſo muß ſie offenbar ihnen beſonders angenehm ſein, nach dem Zeugniſſe des heil. Chryſoſtomus, der Hom. 21. in acta ſagt:„Wenn ein königlicher Triumph gehalten wird, ſo werden diejenigen mit Namen genannt, welche im Kriege Mitgenoſſen waren und wider den Feind männlich gekämpft haben. Ebenſo iſt es auch den Hei⸗ ligen eine beſondere Ehre und Glorie, wenn ſie unter der heil. Meſſe in Gegenwart ihres Herrn(deſſen Leiden und Tod dort triumphirlich celebrirt wird) mit Namen benannt, und ihre herrlichen Thaten, welche ſie im Kriege gegen den hölliſchen Feind ausgeübt haben, gerühmt werden.. Alsdann wird auch dem allmächtigen Gott Dank geſagt für die Stärke, die er ihnen verliehen und für die Gnade, mit welcher er ihnen den Sieg ertheilt hat. Hievon ſpricht Molina tract. 4. c. I.: „Den Heiligen kann kein angenehmerer Dienſt erwieſen werden, als daß man unter ihrem Namen dem all⸗ mächtigen Gott die heil. Meſſe opfert, ihm für die, dem Heiligen erwieſenen Wohlthaten Dank ſagt, ihrer Verdienſte Gedächtniß begeht und ſelbe zugleich mit der heil. Meſſe der heiligſten Dreifaltigkeit aufopfert.⸗ 318 Achtzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt 16. Wer aber die zufällige Freude eines Heiligen vermehren und ihm neue himmliſche Verherrlichung be⸗ reiten will, der muß die heil. Meſſe oder Chriſtum in der hochwürdigen Hoſtie Gott dem Vater in dieſer Ab⸗ ſicht aufopfern, daß dadurch die Ehre, Freude und Se⸗ ligkeit des Heiligen vermehrt werde. Dieß hatte die heil. Gertrud ſtets in Gewohnheit und lehrte es auch ihren Ordensſchweſtern. Sie ſah auch oftmals im Geiſte, wie gewaltig Viel eine ſolche Aufopferung gewirkt habe. Daher liest man in ihren Offenbarungen lib. 4. c. 55. Folgendes: 17.„Am St. Michaels⸗Tage opferte ſie unter der heil. Meſſe das hochwürdigſte Sakrament des Leibes und Blutes Chriſti dem Herrn und ſprach:„„Zu Ehren deiner großen Fürſten opfere ich dir, o liebreichſter Herr! das große Sakrament auf, ich opfere es auf zum Lobe und zur Vermehrung der Freude deiner Hei⸗ ligen, zur Glorie und Seligkeit aller Engel.““ Hierauf ſah ſie, wie Gott der Vater das ihm geopferte Sakra⸗ ment an ſich zog, und aus demſelben den engliſchen Geiſtern ſo unausſprechliche Wonne eingoß, daß ſie reichlich erfreut zu ſein, an jeglicher Freude Ueberfluß zu haben ſchienen. Deßwegen kamen alle Engel nach ihren Ordnungen zu Gertruden, und mit großer Ehr⸗ erbietigkeit ſagten ſie ihr Dank.“ 18. Das ſind die eigenen Worte aus jenen Offen⸗ barungen, welche von vielen gelehrten Doktoren und Ordensgeiſtlichen geprüft und gutgeheißen worden ſind. Es ſcheint uns Dieß zwar wunderbar und kaum glaub⸗ würdig, daß durch die Kraft eines einzigen heil. Meß⸗ opfers allen und jeden engliſchen Geiſtern eine ſo himmliſche Freude ertheilt werden könne, daß, wenn dieſelben zuvor die Freude der Heiligen. 3¹9 keine Seligkeit und Freude gehabt hätten, ſie doch durch eine einzige heil. Meſſe einen Ueberfluß von Freuden empfangen; und doch iſt es ſo. Wie kräftig muß alſo die Aufopferung einer heil. Meſſe ſein! welch' ein Heil muß für Himmel und Erde daraus entſpringen; St. Gertrud opferte das hochwürdigſte Sakrament nicht den Engeln, ſondern Gott Vater auf, und dieſer zog das⸗ ſelbe zu ſeiner Gottheit empor, und geß dieſen großen Ueberfluß der Seligkeit über alle und jeden Engel aus. Eben ſo geſchieht es auch, wenn du Gott dem Vater eine heil. Meſſe zu größerer Freude eines Heiligen auf⸗ opferſt. 19. Um Dieſes anſchaulicher zu machen, führe ich aus derſelben Offenbarung(ib. 5. c. 4) noch ein Beiſpiel an:„Als eine heil. Jungfrau aus St. Ger⸗ trud's Kloſter zu Helpede in Sachſen geſtorben war, da hörte eine andere Kloſterfrau desſelben Kloſters eine heil. Meſſe für die Verſtorbene, und bei Aufhebung der heil. Hoſtie ſprach ſie:„„Himmliſcher Vater! ich opfere dir dieſe heil. Hoſtie des Leibes und Blutes Jeſu für unſere verſtorbene Schweſter auf; und zugleich mit dieſer heil. Hoſtie opfere ich dir alle Treue des ſüßeſten Herzens Jeſu auf, welche es dir allezeit erwieſen hat.“ Alsdann eröffnete Gott ihre innerlichen Augen, und ſie ſah, daß ihre ſelige Schweſter den Lohn ihres heiligen Erdenlebens bereits genieße, und daß dieſelbe bei dieſer Aufopferung zu einer höhern Stufe erhoben worden, gleich als ob ſie in eine höhere Würde geſtellt, mit glänzenderen Kleidern angethan und von ehrwür⸗ digeren Dienern umgeben worden wäre!“ 20. Laſſen wir die Erzählung als eine beſeligende Viſion dieſer Kloſterfrau gelten, ſo wird uns dadurch 320 Achtzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt das Oben Ausgeſprochene klarer, nämlich daß die Früchte der Aufopferung, und die Vermehrung der Freuden der Heiligen groß ſind. Du könnteſt aber vielleicht fragen: ſollte denn ein Heiliger durch Aufopferung einer heil. Meſſe zu einer höhern Stufe der Glorie erhoben, mit mehrerem Schmucke geziert und von vortrefflichern Die⸗ nern bedient werden? Allein bedenke, daß die Offen⸗ barung nicht ſagt, daß dieſelbe Seele auf eine höhere Stufe der Glorie geſtellt ſey, ſondern daß es nur ſo geſchienen habe, als wenn ſie zu einer höhern Stufe der Glorie erhoben worden wäre; denn eine höhere Stufe der Glorie gehört zu der weſentlichen Seligkeit der Heiligen, welche nicht vermehrt werden kann. Gleich⸗ wohl hat dieſe Seele durch die Aufopferung der heil. Meſſe ſehr große Vermehrung ihrer zufälligen Freuden empfangen; denn ſie iſt gleichſam wie eine Braut an ihrem hochzeitlichen Tage mit koſtbarem Schmuck geziert, von vortrefflichen Dienern bedient, und mit großen Ehren behandelt worden. 21. Hieraus kannſt du ſehen, welch' große Ehre du einem Heiligen erweiſeſt, und was für eine ſüße Freude du ihm durch Aufopferung einer einzigen heil. Meſſe bereiten kannſt. Wenn du ſchon ihm zu Ehren den ganzen Pſalter Davids mit Andacht abbeteſt, du könnteſt ihm ſeine Freude hiedurch nicht ſo ſehr erhöhen, als jene Kloſterfrau ihrer ſeligen Mitſchweſter durch ihr andächtiges und treues Meſſehören. Wenn du alſo in Zukunft deine Patrone verehren willſt, ſo höre eine heil. Meſſe, und bei der Aufhebung der heil. Hoſtie opfere Gott ſeinen lieben Sohn zu größerer Ehre und Freude des Heiligen auf. Auf ſolche Weiſe wirſt du ihnen einen großen Dienſt erweiſen, und ſie werden dir die Freude der Heiligen. 321 denſelben reichlich vergelten. Zum Beweiſe will ich nur einige Beiſpiele anführen. 22. In der Lebensgeſchichte des heiligen Ferdinand, Königs von Spanien, iſt zu leſen, daß 1380 die Spanier gegen die Portugieſen Krieg führten, und ein Schiffsmann von Sevilla den Portugieſen großen Scha⸗ den zufügte. Endlich ward der Schiffsmann ſammt vielen Spaniern von den Portugieſen gefangen und in einen finſteren Kerker geworfen. Als ſeine Ehefrau die⸗ ſes hörte, eilte ſie zur Kapelle des heil. Ferdinand, rief ihn mit anhaltendem Gebete an, gelobte dreißig heilige Meſſen zu ſeiner Ehre leſen zu laſſen, und ein Brod, eine Maß Wein und eine Kerze zu jeder heil. Meſſe zu bringen und ſelbes zu opfern. Am Tage, als die erſte heil. Meſſe geleſen und das Opfer ge⸗ bracht ward, ſieh' da war im Kerker vor ihrem faſt verhungerten Manne von unſichtbarer Hand eine bren⸗ nende Kerze aufgeſteckt, und das geopferte Brod und der Wein vor ſeine Augen gelegt. Dieſer wunderte ſich ſehr darüber, bezeichnete ſich und das Brod mit dem heil. Kreuze, und als er Gott angerufen hatte, erquickte er ſich mit Brod und Wein. Am folgenden Tage geſchah dieſes wieder, und ſo blieb es acht Tage ruch einander. Am achten Tage kam der Kerkermeiſter won ungefähr dazu, ſah die brennende Kerze ſammt Vrod und Wein, und meinte der Schiffsmann hätte ſich Dieſes durch Zauberkräfte erworben, drohte deßwegen, duß er ihn martern wolle, wenn er die Wahrheit nicht zeſtehen würde. Dieſer aber ſprach:„Es iſt un⸗ wöthig, mich zu foltern; denn ich will euch ohnehin die Wahrheit geſtehen. Es iſt jetzt ſchon acht Tage, daß wir von unſichtbarer Hand eine Kerze angezündet und Cochem, Meßerklärung. 21 322 Achtzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Brod mit einer Maß Wein vorgeſtellt wird. Wer es aber gebracht und wo er es genommen hat, kann ich weder denken, noch erfragen.“ Der Kerkermeiſter er⸗ zählte dieß dem Könige, worauf er ſich den Gefangenen vorführen, und die Sache genau erzählen ließ. Darauf ſprach der König zu dem Manne:„Schwöre mir bei Gott, daß du wieder kommen willſt, und ich will dich nach Hauſe ziehen laſſen, damit du nachforſchen kannſt, was für ein gutes Werk für dich geſchehen ſey.. Der Schiffsmann betheuerte ſelbes mit einem Eide, zog nach Spanien, und kam am zwanzigſten Tag nach Sevilla. Es war eben ſeine Frau in der Kirche und hörte die zwanzigſte heil. Meſſe zur Befreiung ihres Mannes, und als ſie nach Hauſe kam, fand ſie ihn geſund und wohl in ihrem Hauſe. Sie erzählten ſich einander, was ſie gethan und geſehen hatten, und nachdem ſie erkannten, welches große Wunder der heilige Ferdinand gethan habe, gingen ſie beide zur Kapelle, und dankten Gott und dem Heiligen von ganzen Herzen. Als nun der Mann einige Tage ausgeruht hatte, zog er wieder nach Por⸗ tugal und erzählte dem Könige, was ſein Weib für ihn während der Gefangenſchaft gethan hatte. Obwohl er den Tod wegen ſeiner vorigen Thaten verdient hätte, ſo ſchenkte ihm doch der König Leben und Freiheit. (Papebroch T. 7. Maji. ad diem. 30. in gloria posth. S. Ferdin. c. 1.) 23. Sieh alſo, wie viel die verſprochenen heiligen Meſſen bei dem heiligen Ferdinand ausgewirkt haben, daß nämlich der Schiffsmann vom Tode und dem Ge⸗ fängniſſe befreit wurde. Dieſes wäre aber gewiß nicht geſchehen, wenn das Weib keine heiligen Meſſen hätte gehört oder leſen laſſen. Da ihm die heiligen Meſſen jne lrl br lbe nch eſ ns ſhen en, 15 Piſ nih her jir ſin lur. ihten ſihe dech , nol ſt hren bſſo ind n, hot wur hie ſo die Freude der Heiligen 323 eine ungemein größere Freude, als alle anderen guten Werke verurſachten, ſo ward dieſer Heilige gleichſam gezwungen, ſich auch dankbar zu erzeigen. Eben das⸗ ſelbe gilt auch von anderen Heiligen, welche wohl eher durch eine zu ihrer Ehre geleſene oder gehörte heilige Meſſe, als durch andere Gebete uns zu helfen und für uns zu bitten bewegt werden. 24. Dergleichen Erzählungen finden ſich mehrere im Leben des heiligen Anton von Padua und anderer Hei⸗ ligen, und wollen uns andeuten, wie gerne die Heiligen zu Hilfen kommen, wenn wir ſie nur auf die rechte Veiſe verehren. Opfern wir alſo die heil. Meſſe Gott zu ihrer größeren Ehre auf, und der liebe Jeſus, wel⸗ cher auf dem Altar gegenwärtig iſt, wird ihre Bitten für uns erhören. Wie dankbar ſie uns aber dafür ſein werden, will ich in folgender Geſchichte erklären. 25. Im Leben der gottſelligen Jungfrau Paſſidäa Par. 2. c. 5. iſt zu leſen, daß dieſelbe einmal mit ehrem Kaplan in das Spital ging, die Kranken zu be⸗ ſuchen. Unter anderen kam ſie zu einem Mädchen, welches allein in einem Zimmer in den letzten Zügen bag, und bereits den Geiſt aufgeben wollte. Auf ein⸗ mal aber öffnete es die Augen, ſah gegen Himmel und fing an freundlich zu lächeln. Da ſprach Paſſidäa zu threm Kaplan: Dieſes Lächeln bedeutet etwas ganz Zeſonderes; denn es iſt wider allen Brauch der Ster⸗ henden; darum wollen wir Gott bitten, um zu erfah⸗ in, was dieſes Lächeln bedeute. Da ſie nun knieend Sott anriefen, kum das Mädchen wieder zu ſich, und murde ſogleich gefragt, warum ſie ſo gelacht habe. Sie ſprach:„Ich hatte es in meinem ganzen Leben ſchon zur Gewohnheit, an den Feſttagen der Heiligen 324 Neunzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt einen Roſenkranz zu beten, und darum ſind jetzt alle Heiligen, die ich im Roſenkranze verehrt habe, gekom⸗ men, um mir beizuſtehen und mich zum Himmel zu begleiten. Vor Freude darüber habe ich gelacht, und wollte mit ihnen in den Himmel hinauffahren. Ihr aber habt mich durch euer Gebet zurückgezogen und ge⸗ zwungen, euch dieß zu offenbaren.“ Hierauf verſchied ſie ſelig im Herrn. 26. Aus dieſer Geſchichte erkennen wir, wie dank⸗ bar ſich die lieben Heiligen gegen ihre Verehrer zeigen und wie ſie ihnen ihre geleiſteten Dienſte vergelten. Hat nun ein geſprochener Roſenkranz ſchon ſo große Gnade ausgewirkt, wie viel mehr wird dann eine heil. Meſſe auswirken? Denn die heil. Meſſe, welche man ihnen zu Ehren hört und dem lieben Gott aufopfert, verurſacht ihnen ungleich mehr Freude und Glorie, als ein Roſenkranz. Schau' alſo jedesmal, ehe du in die Kirche gehſt, in den Kalender, und unter der heiligen Meſſe ſprich zu dem Heiligen, deſſen Feſt an dieſem Tage gefeiert wird:„Mein heiliger N., dieſe Meſſe will ich dir zu Ehren hören. Bei der Wandlung ſprich:„Mein lieber Gott, ich opfere dir dieſe heilige Meſſe zur größern Ehre und Freude des heil. N.⸗ Was du dadurch auswirkeſt, wirſt du auf deinem Sterbe⸗ bette erfahren. Neunzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt der größte gewinn für die gläubigen 1. Da ich nun in dieſem Kapitel von dem Nutzen der heil. Meſſe reden ſoll, bin ich in Verlegenheit über tie und ſng khr 6ſ er her kine 6 und ſern Meſſ ſcht ſach meh ſels le ſigt ſre hili Und den ie ſof Ke Di hil der nic pi der höchſte Gewinn der Gläubigen. 325 die Auswahl des Stoffes, denn es liegen mir ſo viele und große Dinge vor, daß ich nicht weiß, wo ich an⸗ fangen ſoll, indem die heiligen Väter und geiſtreiche Lehrer hierüber ſo ungemein Viel geſchrieben haben, daß es ſchwer zu überblicken iſt. Unter dieſen habe ich vor Allen vor mir den heil. Laurentius Juſtinianus, wel⸗ cher lib. de obed. c. 24. alſo ſchreibt:„Gewiß kann keine menſchliche Zunge ausſprechen, welch' reiche Früchte aus der Aufopferung des heil. Meßopfers entſpringen, und welch' große Gaben und Gnaden daraus fließen.“ Ferners ſagt er:„Durch die Aufopferung der heiligen Meſſe wird der Sünder mit Gott verſöhnt, der Ge⸗ rechte aber noch gerechter. Die Miſſethaten werden nachgelaſſen, die Laſter abgeſchnitten, die Tugenden ver⸗ mehrt, die Verdienſte vergrößert, und die Liſt des Teu⸗ fels überwunden.“ 2. Dieſe Ausſprüche erſcheinen um ſo bedeutungs⸗ voller, je genauer man dieſelben betrachtet.„Gewiß,⸗ ſagt er,„kann Niemand mit menſchlicher Zunge aus⸗ ſprechen, welch' reiche Früchte aus der Aufopferung des heiligen Meßopfers entſpringen.“ Was kann Mehreres und Größeres zum Lobe der heiligen Meſſe geſagt wer⸗ den, als eben Dieſes, daß durch ihre Aufopferung denen, die die heilige Meſſe leſen oder hören, ſo viele und ſo große Früchte zu Theil werden, daß es mit keiner menſchlichen Zunge ausgeſprochen werden kann. Viele Dinge kann man von der Kraft und dem Nutzen der heiligen Meſſe anführen, gleichwohl ſind alle dieſe nach der Meinung des gemeldeten heiligen Vaters beinahe nichts gegen den Werth der heiligen Meſſe. 3. Der ehrwürdige Vater Antonius Wollna, ein geiſtreicher Karthäuſer in Spanien, hat in ſeinem Buche 326 Neunzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt von der Würde des Prieſterthums ſo viele und kräftige Dinge vom heiligen Meßopfer geſchrieben, daß ſie jedes menſchliche Herz zur Liebe zu demſelben bewegen können. Aus der Menge des hieher Dienlichen führen wir nur an, was er tr. 3. c. 10.§. 2. geſchrieben hat. „Nichts iſt den Menſchen ſo nützlich, Nichts iſt für die armen Seelen ſo kräftig, und nichts iſt zur Er⸗ langung der geiſtlichen Reichthümer ſo dienlich, als das hochwürdige Meßopfer, und zwar in ſolcher Vortreff⸗ lichkeit, daß auch diejenigen guten Werke, die wir zu Tag und Nacht mit vortrefflichen Tugenden vereinigt verrichten, nicht ein Fünklein von dem Werthe in An⸗ ſehung der heiligen Meſſe haben, wenn ſie rechtmäßig aufgeopfert wird.“ Das ſind wohl hohe und tröſtliche und jede menſchliche Einſicht überſteigende Worte! Wer ſollte es glauben, daß die rechtmäßige Aufopferung der heiligen Meſſe ſo vortrefflich ſei, und daß alle unſere täglichen und nächtlichen Werke, ja auch diejenigen Uebungen, welche wir mit wahrer Andacht, mit ganzer Aufmerkſamkeit, mit tiefer Demuth, mit inbrünſtiger Liebe und mit reiner Abſicht vollbringen, nicht im Ge⸗ ringſten gegen die heilige Meſſe zu vergleichen ſeien? Die Wahrheit deſſen aber wird dir leichter begreiflich ſein, wenn du die vorigen Kapitel aufmerkſam geleſen und erwogen haſt. Damit du aber dieſen Worten ſichern Glauben ſchenkeſt, will ich noch mehrere Zeugniſſe bei bringen. 4. Fornerus, Biſchof zu Hebron, ſchreibt über den Pſalm Miſerere, Conc. 83. alſo:„Wer ohne Tod ſünde der heiligen Meſſe mit Andacht beiwohnt, erwirb mehr Verdienſte, als wenn er Gott zu Liebe das müh⸗ ſamſte Werk verrichtet, oder eine Wallfahrt an einen der höchſte Gewinn der Gläubigen. 327 heiligen Ort vollbringt; denn dieſe Werke erhalten nicht allein ihre Weſenheit, ſondern auch ihren Werth und ihre Würde von dem Gegenſtande, der ihnen zu Grunde liegt. Was iſt nun edler, was iſt koſtbarer und gött⸗ licher, als eben dieſes heiligſte Opfer? O wohl denk⸗ würdige Worte! wohl ein tröſtlicher Ausſpruch! Hier alſo ſollen alle Jene ihre Ohren öffnen und ihr Herz aufſchließen, welche geiſtlichen Gewinn ſuchen und ihrem Gott wohlgefällige Werke verrichten wollen. Dieſer geiſtreiche Biſchof lehrt alſo, daß derjenige, der im Stande der Gnade mit Andacht eine heilige Meſſe hört, von Gott mehr erlangt, als wenn er das mühſamſte Werk Gott zu Liebe verrichtete, oder die ſchwerſte, wei⸗ teſte Wallfahrt vollbrächte. Wer wollte da alſo nicht gerne die heilige Meſſe hören, durch welche er ſo große Verdienſte erwerben und dem höchſten Gott eine ſolche Ehre erweiſen kann. Meines Erachtens handelt der⸗ jenige nicht weiſe, welcher freiwillig eine weite Wallfahrt verrichtet, und auf der Reiſe manche heilige Meſſe ver⸗ ſäumt, da er mit ſeiner mühſamen Reiſe den Schaden, welchen er durch das Verſäumniß einer einzigen heiligen Meſſe erleidet, nimmer erſetzen kann. 5. Von dem Nutzen der heiligen Meſſe ſchreibt Marchantius folgende denkwürdigen Worte:„Die katho⸗ liſche Kirche kann nichts Heiligeres, nichts Beſſeres, dem höchſten Gott nichts Würdigeres, Jeſu und Maria nichts Angenehmeres, den Engeln und Heiligen nichts Süßeres, den Gerechten und Sündern nichts Nützlicheres und den armen Seelen nichts Kräftigeres verrichten, als die hochheilige Meſſe zu ihren Ehren und für ſie aufopfern.. Alſo ſiehſt du, wie die Lehrer zuſammen⸗ ſtimmen, und das heilige Meßopfer allen andern guten 328 Neunzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Werken weit vorziehen. Eben darum ſollſt auch du ihnen beiſtimmen und die heilige Meſſe allen deinen guten Werken vorziehen. Höre aber nun weiter! 6. In dem Meßbuche, welches im J. 1634 über⸗ ſetzt wurde, ſteht eine Vorrede, welche alle Meſſeleſen⸗ den ermahnt,„daß ſie einen hohen Sinn von der Vor⸗ trefflichkeit der heiligen Meſſe ſchöpfen, und ſicher ſein ſollen, daß durch die Aufopferung einer einzigen heiligen Meſſe dem allmächtigen Gott ein viel angenehmerer Dienſt geleiſtet werde, als wenn einer alle Uebungen der Tugend erweckte, und harte Pein Gott zu Liebe ausſtände.“ Lohner in Biblioth. tom. lit. 28.§ 10. O wunderbare und unbegreifliche Worte! Soll denn das bewieſen werden können, daß durch die Aufopferung einer einzigen heiligen Meſſe dem höchſten Gott ein an⸗ genehmerer Dienſt geleiſtet werde, als wenn Jemand alle Tugenden übte, und alle erdenklichen Peinen um Gottes willen litte? Willſt du wiſſen, woher dieß kommt? Es kommt daher, weil Chriſtus in der heil. Meſſe die Uebung aller Tugenden erwirkt, und mit die⸗ ſen auch alle ſeine erlittenen Peinen und Martern dem himmliſchen Vater opfert. Alle dieſe Uebungen des Lobes, der Liebe, der Ehre, der Anbetung und der Dankſagung, welche Chriſtus in jeder heiligen Meſſe der heiligſten Dreifaltigkeit erweiſt, ſtehen allem Lobe der Engel und jedem Dienſte der Heiligen unvergleichlich vor, und zwar ſo: wenn jemand alle Bußwerke, Gebete, Dienſte und geübte Tugenden der Apoſtel, Marthrer, Bekenner, Jungfrauen und aller Heiligen der heiligſten Dreifaltigkeit aufopferte, ſo würde ihr dieß Alles nicht ſo ſehr gefallen, als eine heilige Meſſe, welche ihr von dem armſeligſten Prieſter aufgeopfert wird. Zeu ii 2. M ſo en ie opfe vor dur Be und tig hei der mel ſe hei s Gl ten lic i un ſer ſe i di der höchſte Gewinn der Gläubigen. 329 7. Endlich bringe ich zum kräftigſten Beweis das Zeugniß der katholiſchen Kirche herbei, welche im Con⸗ cilium von Trient am 17. September 1562(Sess. 22. in Decreto de observ. in Missa) alſo ſpricht: „Wir müſſen nothgedrungen bekennen, daß kein anderes ſo heiliges und göttliches Werk von den Chriſtgläubigen verrichtet werden könne, als gerade dieſes Ehrfurcht ge⸗ bietende Geheimniß, wobei jenes lebendigmachende Schlacht⸗ opfer, durch welches wir mit Gott dem Vater verſöhnt worden ſind, tägiich auf dem Altare durch die Prieſter dargebracht wird.. Wenn wir nun auch keinen andern Beweis als dieſen einzigen hätten, ſo müßte er genügen und uns kräftig genug ſein, alle frommen Seelen zum täglichen andächtigen Meſſehören zu bewegen. 8. Gedenke bei dir, o frommer Chriſt! was die heilige katholiſche Kirche, welche in Glaubensſachen we⸗ der betrügen, noch betrogen werden kann, uns in ge⸗ meldeten Worten ſagt und zu glauben vorhält, indem ſie ausdrücklich bezeugt, daß die Chriſtgläubigen kein ſo heiliges, ja kein ſo göttliches Werk verrichten können, als eben das erſchreckliche Geheimniß der heiligen Meſſe. Glaube aber ja nicht, daß die Kirche mit dieſen Wor⸗ ten allein von den Prieſtern rede, als wenn dieſe viel⸗ leicht kein heiligeres Werk thun könnten, denn Meſſe leſen! Nein, dieß ſagt die Kirche nicht, ſondern ſie ſagt ausdrücklich, daß die Chriſtgläubigen nichts Beſ⸗ ſeres thun können; oder, wenn du willſt: daß die Prie⸗ ſter nichts Heiligeres noch Göttlicheres thun können und wollen, als Meſſe leſen, die Weltlichen aber nichts Hei⸗ ligeres noch Göttlicheres, als die Meſſe hören, der Meſſe dienen, die Meſſe aufopfern, Meßgebete ſprechen, und ſo viel ihnen erlaubt iſt, geiſtlicher Weiſe durch die 330 Neunzehntes Kapitel. Die heilge Meſſe iſt Prieſter Meſſe leſen. Weil nun dieß das heiligſte Werk iſt, ſo folgt daraus, daß es das Nüthlichſte und Ver⸗ dienſtlichſte ſein müſſe. 9. Oeffne doch, meine Gott liebende Seele, deine Augen und ſieh, öffne deine Ohren und höre, öffne dein Herz und empfinde, was deine liebe Mutter, die katholiſche Kirche, zu deinem Troſte ſagt, und dich zu deinem Heile lehrt. Du kannſt viele vortrefflich gute Werke zur größern Ehre Gottes und zur größern Glo⸗ rie der Heiligen thun, keines aber kannſt du verrichten, das ſo göttlich und heilig, und ihnen ſo angenehm ſei, als das Opfer der heiligen Meſſe. Du kannſt viele Werke zu deinem größern Heile, zu deinem eigenen Nutzen und Verdienſte üben, keines aber kannſt du üben, welches dir ſo heilſam, nützlich und verdienſtlich ſei, als eben das andächtige Beiwohnen bei der heiligen Meſſe; denn dieſes geht, nach dem Ausſpruche der Kirche, allen andern guten Werken vor. Wie die Sonne alle Plane⸗ ten an Glanz und Kraft übertrifft, und der Erde mehr nützt, als alle Sterne mitſammen, eben ſo übertrifft das andächtige Meſſehören alle guten Werke des ganzen Tages an Würdigkeit und Nutzbarkeit, und wie ein Stücklein Gold einem großen Stücke Blei an Werth und Vortrefflichkeit weit vorgeht, eben ſo geht das an⸗ dächtige Meſſehören allen deinen Gebeten und Bußwerken weit vor. Wie kannſt du es dann über dein Herz bringen, daß du ſo manche heilige Meſſe ſo nachläſſig höreſt, oder gar verſäumſt und ſolchen Reichthum eines ſchlechten Gewinnes wegen verſcherzeſt? 10. Der heil. Franz von Sales ſchätzt das Meſſe⸗ hören ſo hoch, daß er es ſogar der Betrachtung vor⸗ zieht, obwohl dieſelbe von den Geiſteslehrern allen an⸗ ————— —==—— i der höchſte Gewinn der Gläubigen. 331 dern Gebeten vorgezogen wird. Als er einmal eine Kloſterfrau ſeines geſtifteten Ordens beauftragt hatte, anderswo ein neues Kloſter zu erbauen, ſchrieb er ihr bald nach ihrer Abreiſe folgenden Brief Lib. 3 Epist. 11.:„Liebſte Tochter, ich bitte, daß ihr vor Allem eine Kapelle aufrichtet, damit ihr täglich die heilige Meſſe hören könnt. Könnt ihr aber das in euerem Hauſe nicht thun, ſo gehet täglich mit Sittſamkeit in die nächſte Kirche zur heiligen Meſſe: denn es iſt eine mächtige Veſte der Seelen für die noch übrige Zeit des Tages, wenn jemand morgens ſeinem Heilande, welcher im gött⸗ lichen Opfer gegenwärtig iſt, ſo nahe geſtanden iſt.⸗ Nach dieſem ſchrieb gemeldete Kloſterfrau, Johanna Franziska Fremiot genannt, an ihren heiligen Vater mit folgenden Worten:„Soll ich dann die Betrachtung unterbrechen, oder gar unterlaſſen, damit ich die heilige Meſſe hören kann? Oder an Werktagen die heil. Meſſe unterlaſſen, damit ich der Betrachtung abwarten könne.⸗ Hierauf antwortete der Heilige:„Es iſt dir viel nütz⸗ licher, daß du täglich die heilige Meſſe höreſt, als daß du unter dem Vorwande, die Betrachtung in deinem Hauſe fortzuführen, die heilige Meſſe verſäumſt; denn die leibliche Gegenwart der Menſchheit Chriſti, welche wir in der heil. Meſſe genießen, kann durch die eingebildete Gegenwart im Gemüthe nicht erſetzt werden, und beſonders, weil die katholiſche Kirche ſo ſehr ver⸗ langt, daß ein jeder Menſch täglich die heil. Meſſe höre.⸗ 11. Aus dieſer Antwort und Lehre des heiligen Saleſius lerneſt du, daß das Meſſehören beſſer und nützlicher ſei, als das Betrachten, und beſonders denen, welche über das Leben und Leiden Chriſti bloß nachdenken und nachgrübeln und wenig Nutzen daraus ſchöpfen. 332 Neunzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Dieß bezeugt auch Fornerus, Biſchof zu Hebron, Conc. 83. in miser. mit folgendem Ausſpruche:„Das Gebet deſſen, der die heilige Meſſe andächtig hört und für ſich aufopfert, geht allen andern lang andauernden Gebeten und himmliſchen Beſchauungen weit vor.“ Er fügt auch die Urſache bei, indem er ſpricht:„Dieß geſchieht durch die Kraft der Verdienſte des Leidens Chriſti, welches in der heiligen Meſſe durch eine wunderbare Menge von Gnaden und einen Ueberfluß der himmliſchen Güter ſeine Wirkung mächtig übt.. Beherzige dieſe Worte, andächtige Seele, ſo wirſt du ffinden, daß ſie von oben herab kommen und eine nützliche Lehre ent⸗ halten. Dieſer Lehre ſtimme bei, und erfahre in der That, daß ſie nützlich ſei. 12. Wenn du aber eines andern Sinnes biſt, und das heiligſte Leben und Leiden Chriſti recht betrachten willſt, ſo kannſt du es nirgends beſſer thun, als bei der heiligen Meſſe, wo du alle Geheimniſſe des Lebens und Leidens Chriſti, welche in der heiligen Meſſe wahr⸗ haft erneuert werden, vor Augen haſt. Willſt du dir Chriſtum lebendig vorſtellen und mit ihm reden, ſo haſt du ihn ja perſönlich nach ſeiner Gottheit und Menſch⸗ heit gegenwärtig. Du wirſt nicht durch den Prieſter in deinen Betrachtungen geſtört; denn da iſt keine Zer⸗ ſtreuung, ſondern eine rechte Aufmerkſamkeit, wenn du das Thun des Prieſters und die Bedeutung der Cere⸗ monien recht erwägeſt. 13. Zum Beſchluſſe dieſes Kapitels will ich ein denkwürdiges Beiſpiel erzählen, welches Lukas Pinellus, lib. 2. de Missa c. 3. Forner. in Pers. conc. 72. und Andere beſchreiben, woraus der große Nutzen der heilgen Meſſe klar erkannt wird. Ein armer Taglöhner ſiu . no öt lie un ſp de li der höchſte Gewinn der Gläubigen. 333 trug beſondere Andacht zur heiligen Meſſe, und ver⸗ ſäumte wohl keine, wenn er dazu kommen konnte. Eines Tages ſtand er frühe auf, ging auf den Markt, wo er nach dem Brauche ſelbiger Stadt mit vielen andern Tag⸗ löhnern auf Arbeit wartete. Unterdeſſen wurde in eine heilige Meſſe geläutet, worauf er alle Anderen ſtehen ließ und allein zur heiligen Meſſe ging. Er hörte die⸗ ſelbe mit ſolcher Andacht, daß er nach derſelben noch eine Weile in der Kirche blieb, und Gott eifrig um die tägliche Nahrung bat. Als er aber wieder auf den Markt kam, waren ſchon alle an ihre Arbeit gegangen, und Niemand wollte kommen und ihm Arbeit geben. Nach langem Warten ging er endlich nach Hauſe, und es wollte ihn ſchon gereuen, daß er durch ſein Meſſe⸗ hören ſeinen Taglohn verſäumt habe. Da begegnete ihm ein reicher Herr und fragte ihn, warum er ſo traurig ſei? Dieſem klagte er nun, daß er durch ſein Meſſehören ſeinen Taglohn verſäumt habe. Der Herr ſprach:„Betrübe dich deßwegen nicht, ſondern gehe hin und höre eine heilige Meſſe für mich, ſo will ich dir deinen Taglohn geben. Der gute Taglöhner ging fröh⸗ lich hin und hörte alle heiligen Meſſen, welche im Kloſter geleſen wurden. Als er hernach zu dem Reichen kam, gab ihm dieſer eine gute Mahlzeit, und nebſt Brod einen Gulden. Der Mann dankte freundlich und ging freudig nach Hauſe. Auf dem Heimwege begegnete ihm aber ein gar anſehnlicher Herr, der ihn fragte, warum er ſo fröhlich ſei. Der Arme erzählte den Verlauf, und lobte die Freigebigkeit des Reichen. Dieſer Herr aber ſprach zum Taglöhner:„Dieſer Reiche hat dir zu wenig gegeben für ſo viele heiligen Meſſen, gehe deß⸗ wegen zurück und ſage ihm, daß er dir mehr geben 334 Neunzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt ſolle, ſonſt wird es ihm übel gehen.. Der Taglöhner kam zu dem Reichen, erzählte ihm, was er von dem Herrn gehört habe, der ihm begegnet war, und beſchrieb ihm deſſen ſchöne Geſtalt und die große Freundlichkeit. Der Reiche meinte, dieſer müſſe ein heiliger Mann ſein, gab dem Armen fünf Reichsthaler und ſagte, daß er für ihn beten ſolle. Der gute Taglöhner wellte fröh⸗ lich nach Hauſe gehen, ſeinem Weibe und den Kindern dieſes große Glück erzählen; der gemeldete Herr aber kam wieder fragend entgegen: Wie viel er empfangen habe? Der Taglöhner lobte den Reichen ſehr, und ſagte, daß er ihm fünf Thaler gegeben habe. Da ſprach der Herr:„Gehe abermal zu ihm hin und ſage: wenn er dir nicht hundert Thaler geben will, ſo wird er Morgen nicht mehr leben.. Der Arme widerſetzte ſich, von dem Reichen das Geld zu begehren, dennoch auf Antrieb des Herrn ging er hin, und ſagte dem Reichen die oben angeführten Worte. Dieſer erſchrack hierüber gar ſehr, denn er war ein großer Sünder, und hatte ſeine Sünden niemals recht gebeichtet; deß⸗ wegen wollte er lieber dem Taglöhner hundert Reichs⸗ thaler geben, als des gähen Todes ſterben. In folgen⸗ der Nacht erſchien ihm Chriſtus im Schlafe und ſprach: „Ich bin Derjenige, welcher den armen Taglöhner zu dir zurückgeſchickt hat, und zwar darum: Vor meinem ſtrengen Gerichte hat der Teufel um Rache gegen dich gerufen, und mich vahin bewogen, daß ich das Urtheil über dich geſprochen, und dem Feinde deiner Seele Macht über dich gegeben habe, und zwar wegen deiner ſchweren Laſter, welche du niemals gebeichtet haſt. Zu deinem Glücke aber iſt der arme Taglöhner dazwiſchen gekommen, weſcher ſo andächtig Meſſe gehört, und ſo it ufe hl vbi ei dich der höchſte Gewinn der Gläubigen. 335 eifrig für dich gebetet hat, daß ich mein Urtheil wider⸗ rufen und dir Zeit zur Buße verliehen habe; beichte deßwegen deine Sünden, beſſere dein Leben und ſei frei⸗ gebig gegen den Taglöhner.. Dieß Alles erfüllte der Reiche, welcher in Zukunft die heilige Meſſe ſehr an⸗ dächtig hörte. Auf dieſe Weiſe nun hat ihm die heil. Meſſe weit mehr genützt, als all ſein Geld, weil er durch die hl. Meſſe vor dem zeitlichen und ewigen Tode bewahrt worden, und hernach ein frommer Mann wurde. 14. Bei Erwägung dieſes Beiſpiels entſteht nun die Frage: ob man eine heilige Meſſe verkaufen könne? Antwort: Dieß kann man durchaus nicht thun; denn dieß wäre ein rechter Judas⸗Handel, welcher Chriſtum um dreißig Silberlinge verkauft hat. Du möchteſt aber ſagen: Die Prieſter nehmen ja doch Geld für die ge⸗ leſenen heiligen Meſſen an. Antwort: Sie thun das deßwegen, weil der hl. Paulus 1. Cor. 9. ſagt:„Wer dem Altare dient, ſoll auch vom Altare leben.. Alſo nehmen die Prieſter das Geld zur Vergeltung ihrer Mühe und als Beitrag zu ihrem Lebensunterhalt an, durchaus aber nicht als Kaufpreis für die Verdienſte Chriſti, die in der heiligen Meſſe erneuert werden, und von denen ſie denjenigen zutheilen, die die heilige Meſſe beſtellt haben; denn dieß wäre Simonie, d. h. jenes Verbrechen, das von Simon dem Zauberer ſeinen Na⸗ men hat, der von den heiligen Apoſteln die Gaben des heiligen Geiſtes ſich um Geld erkaufen wollte. Wenn z. B. ein armes Weib zu einer frommen Frau ſprechen würde:„ich habe heute eine heilige Meſſe gehört und mir dadurch die Verdienſte Jeſu Chriſti zugeeignet, wenn ihr mir aber etwas zu eſſen geben wollt, ſo will ich euch hiefür dieſelben überlaſſen, ſo wäre dieß ſehr übel 336 Neunzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt ꝛc. gethan, da das arme Weib geiſtliche Dinge um zeitliches Gut vertauſchen wollte. Dieſe Vertauſchung wäre auch ungiltig, weil das Verdienſt oder der Lohn einer gehör⸗ ten heiligen Meſſe nicht ſo lang vorbehalten, ſondern ſogleich von Gott bezahlt wird. Sobald nun das arme Weib die heilige Meſſe gehört hat, hat Gott auch ſo⸗ gleich ihr das Verdienſt davon zugeeignet, wenn ſie die heilige Meſſe anders für ſich hörte; will ſie es aber jemand Anderm zueignen, oder hat ſie ſelbe einem An⸗ dern geſchenkt, ſo hat Gott das Verdienſt ſogleich dieſem zugeeignet. Hat ſie aber das Verdienſt keinein Andern geſchenkt, ſo iſt dieſer in den Schatz der Kirche gekom⸗ men, wozu das Weib den Schlüſſel nicht hat. Hieraus alſo kannſt du ſehen, daß man das Verdienſt nach ge⸗ hörter heiligen Meſſe keinem Andern mehr zutheilen kann. Was von dieſem Weibe geſagt wurde, iſt auch von dir und allen Andern zu verſtehen. Du kannſt alſo nach der heiligen Meſſe das Verdienſt nicht mehr verſchenken, ſondern du mußt vor der heiligen Meſſe die Meinung machen, wofür du die heilige Meſſe hören, oder wem du den Werth oder die Genugthuung der heiligen Meſſe angedeihen laſſen willſt. 15. Wenn aber ein armes Weib zu einer reichen Frau ſagen würde:„wenn ihr mir etwas zu eſſen geben wollet, ſo will ich Heute oder Morgen für euch eine heilige Meſſe hören;“ dieß wäre wohl geredet und ge⸗ than, wie P. Gobat Alph. Sacri audiendi num. 534. lehrt, denn es heißt ſo viel, als ſpräche das Weib: „Den Lohn, welchen ich heute durch das Meſſehören von Gott erlange, will ich dir ſchenken, und mir ab⸗ brechen.“ Es gebe dir alſo das Weib zehnmal mehr, als du ihr gibſt, wenn du ſie gleich auch reichlich be⸗ ehne 0 u ihle do inen hth en ie hnn Je Zwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt ãc. 337 lohneſt; denn jeder Menſch, welcher die heilige Meſſe hört, erhält ex opere operato, d. h. vermöge der Kraft des heiligen Opfers ſelbſt, einen Theil der Verdienſte Jeſu Chriſti, wodurch er einen Theil ſeiner Schuld be⸗ zahlen und die himmliſchen Reichthümer einkaufen kann. Da dir nun oft ein armer Menſch um ein Paar Kreu⸗ zer dieſen reichen Schatz freiwillig ſchenkt, ſo haſt du einen reichen Tauſch gethan, ſo daß du kaum einen vortheilhafteren je eingehen kann. Laſſe es dir alſo geſagt ſein, daß du oft durch einen armen Menſchen eine heilige Meſſe hören laſſeſt, damit du auf ſolche Veiſe deine ſchwere Schuld abbüßen und deine einſtige himmliſche Herrlichkeit vermehren kannſt. Zwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt die ſicherſte Vermehrung der Hnade und himmliſchen Herrlichkeit. 46 In den Städten und größeren Märkten pflegt man jährlich Dult oder Markt zu halten und allerlei nützliche Waaren feil zu bieten. Eben ſo hält auch die Kirche, ja ſogar der Himmel täglich Markt, und ſie bieten die köſtlichſten Waaren feil. Was haben ſie denn fil? Antwort: Die göttliche Gnade und die himm⸗ ſiſche Herrlichkeit. Man möchte aber ſagen: dieß ſind kſtbare und theuere Waaren, wo wollte man Geld ge⸗ uug haben, ſelbe zu kaufen? Sei unbeſorgt wegen des Beldes; obwohl dieſe Waaren ſehr koſtbar ſind, den⸗ noch ſind ſie wohlfeil, und können ſogar ohne Geld ge⸗ kuft werden. Der Prophet Iſaias ruft uns zu dieſem Markte, da er Kap. 55. ſpricht:„Die ihr kein Geld Cochem, Meßerklärung. 22 338 Zwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt habt, eilet, kaufet und eſſet; kommt, kaufet ohne Geld und ohne irgend einen Umtauſch!“ Auch der Pſalmiſt ſagt, daß dieſe Waaren umſonſt gegeben werden, da er im 85. Pſalm ſpricht:„Die Gnade und Herrlichkeit wird der Herr geben.“ Er gibt ſie zwar vielmal, aber ſelten reichlicher, als bei der heiligen Mieſſe, und dieſes will ich in folgendem Kapitel beweiſen. Zuvor aber will ich noch erklären, was Gnade ſei. 2. Die Gnade iſt eine übernatürliche Gabe, welche den Menſchen gerecht, Gett geſällig und des ewigen Lebens würdig macht. Dieſe Gnade iſt der Seele ein⸗ verleibt und bleibt ewig in ihr, wenn ſie nicht durch eine Todſünde daraus vertrieben wird. kan unter⸗ ſcheidet eine zweifache Gnade: Die Erſte iſt, wenn der Menſch aus dem Stande der Todſünde in den Stand eines Gerechten kommt; durch dieſe Gnade wird in einem Augenblicke aus einem Gottloſen ein Gerechter; die Andere iſt, wenn ein gerechter Menſch durch gute Werke in der Gnade wächſt, oder eine neue Stufe in derſelben erklimmt. 3. Wie köſtlich dieſe Gnaden ſeien, lehrt der heilig⸗ Thomas I. 7. 9. 113. art. 9., da er ſpricht:„Das Gut einer einzigen Gnade iſt größer, als alles Gold der Welt.. Wenn ein Engel die Gnade Gottes ſchätzen wollte, ſo müßte er bekennen, daß die geringſte Gnad⸗ mehr werth ſei, als alles Gold, Geld, Edelgeſtein und alle Reichthümer der ganzen Welt. Dieß iſt kaum zu glauben, viel weniger zu begreifen, und dennoch iſt es gründliche Wahrheit. Denn wenn ein Menſch nur ein Tröpflein der Gnade Gottes hat, ſo iſt er ein Freund Gottes, und wenn er in der Gnade ſtirbt, ſo gibt ihn Gott viele Reichthümer des Himmels, ja er gibt ſich f ſn „ Nr tert ſ. ie Uel ur ehr rc urc kemi nen Per me pel iir ſ. il 1 te in e ſo ol Kr n die ſicherſte Vermehrung der Gnade. 339 ſelbſt ihm zum Lohne, wie er zu Abraham, Gen. 21, ſprach:„Ich bin dein Beſchützer und dein überaus großer Lohn.. Da nun alle Schätze des Himmels und der Erde in Gott ſind, ja weil Gott unendlichmal mehr werth iſt, als Alles, was im Himmel und auf Erden iſt, ſo muß ja folgen, daß, wenn der Menſch, der in der Gnade iſt, Gott ſelbſt zum Lohne erhält, dieſer ja riel hundertmal mehr beſitzt, als wenn er die ganze Welt mit all ihren Schätzen verdient hätte. 4. Weiter wiſſen wir, daß ein frommer Menſch durch jedes gute Werk die Gnade Gottes in ſich ver⸗ mehre, und nicht bloß durch die großen Werke, ſondern durch jedes Werk, als: darch jeden gulen Gedanken, durch jede Belebung des Willens zum Guten, durch jede demüthige Reverenz und durch jedes vom Herzen kom⸗ mende Stoßgebet. Alle ſolchen Gedanken, Worte und Verke vermehren die Gnade Gottes im Menſchen, und für jedes Werk erhält er, wenn ich ſo ſagen darf, ein teues Tröpflein Gnade und einen größern Lohn im Him⸗ mel nach dem Zeugniſſe Chriſti(Matth. 10.):„Wer einen Trunk kalten Waſſers einem aus dieſen Geringſten zibt, wahrlich ich ſage euch, er wird ſeinen Lohn nicht vrrlieren;“ nämlich er erhält größere Ehre und Freude m Himmel, Gott theilt ſich ihm mit, gibt ſich ihm beſſer erkennen, auf daß er ihn herzlicher lieben und voll⸗ wmmener genießen könne. Weil nun die Gnade Got⸗ S ſo leicht zu erlangen iſt, und weil man durch die⸗ Sbe eines ſo großen Lohnes würdig wird, einen ſo ſoßen Lohn für ein jedes Tröpflein bekommt, wer wollte nun nicht gerne Gutes thun, und nicht von gan⸗ en Herzen Gott dienen? Nun höre aber, welche Wun⸗ kr die Gnade in der Seele wirke. 22* 340 Zwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt 5. Erſtens verſchafft ſie ihr eine unausſprechliche Schönheit, und macht ſie ſo angenehm und lieblich, diß die Schönheit der Sonne, der Sterne und der Blumen mit ihr nicht zu vergleichen iſt. Wenn du eine Seele, die in der Gnade Gottes iſt, ſehen könnteſt, ſo würdeſt du bekennen, daß alle Schönheit der ſichtbaren Natur eher Häßlichkeit zu nennen ſei. Ja, ſo groß iſt ſie, daß ſich Gott ſelbſt daran erfreut und lieber Himmel und Erde zu Grunde gehen ließe, als daß ihm dieſe Schönheit nur einen Augenblick lang durch eine Tod⸗ ſünde ſollte entzogen werden. Dieß bewirkt jede Gnade; wer aber mehrere und größere Gnaden beſitzt, der hat auch mehrere und größere Schönheit. 6. Zweitens erwirbt die Gnade der Seele die Freundſchaft Gottes, und macht, daß Gott und die Seele zwei treue, liebe, vertraute Freunde zu einander werden. Ja, Gott liebt eine ſolche Seele ſo ſehr, daß er lieber bei ihr, als im Himmel iſt, vorausgeſetzt, daß die Seele ſich durch dieſe göttliche Liebe entzünden läßt, und auch ihrerſeits ſich zu Gott hinneiget; ja ſogar, wenn die Seele das auch nicht thut, ſo weicht er doch nicht aus ihr, bis ſie ihn durch eine Todſünde gleichſam mit Ge⸗ walt von ſich ſtoßt. Alsdann ſcheidet er mit großem Zögern von ihr, und empfindet dieſe Untreue mehr, als nur ein Menſch begreifen kann, und weicht nicht gan, von der Seele, ſondern bleibt vor derſelben ſtehen, klo⸗ pfet an und begehrt, gleichſam bittend, daß ſie ihn wie⸗ der einlaſſen wolle, wie er Apoc. 3. ſagt:„Sieh! ich ſtehe vor der Thür, und klopfe an, wenn nur einer aufmachen wird, ſo will ich zu ihm eingehen.“ 7. Aus dieſer Freundſchaft ergibt ſich alſo, daf Gott ſich auch gegen die Seele freigebig erzeige und ſi en ſer nt F vir den das Und ſuc Gn di en ben el u di u 6. en 0 n v i i die ſicherſte Vermehrung der Gnade. 341 ſeine Güter reichlich mit ihr theile. Er gibt ihr Tu⸗ genden, Andachten, Tröſtungen, gute Begierden und in⸗ nerliche Freuden. Er beſchützt und ſtärkt ſie, er regiert und leitet ſie, ja er ſchenkt ſich ihr ſelbſt und vereinigt ſich ganz mit ihr, wie die Schrift 2. Petr. 1. ſagt: „Er hat uns große und köſtliche Dinge geſchenkt, damit wird dadurch Mitgenoſſen ſeiner göttlichen Natur wer⸗ den ſollten.“ Sind das nicht köſtliche Dinge? Sind das nicht reiche Gaben? Wenn wir ſchon die Gunſt und Gnade großer Herren hoch achten, und ſelbe eifrig ſuchen, wie viel mehr ſollen wir dann die Gunſt und Gnade Gottes, welche uns ſo unendlich bereichert, eifrig ſuchen und begehren? 8. Endlich wird die Seele durch die Gnade Gottes ſo hoch geadelt, daß ſie nicht allein zum Freunde, ſon⸗ der auch zum Kinde Gottes wird. Wenn der Kaiſer ein Bettelkind zu ſeinem Kinde annehmen würde, welche Ehre wäre dieß für das arme Kind? Wie viel tau⸗ ſendmal größere Ehre iſt es dann der Seele, welche von dem glorwürdigſten Gott zu ſeinem Kinde ange⸗ nommen wird? Hierüber verwundert ſich der heilige Johannes, indem er ſagt:„Sieh, welche Liebe uns Gott erwieſen hat, daß wir Kinder Gottes genannt werden, und auch ſind, 1. J. 3. Der heilige Pau⸗ lus, Rom. 8., ſetzt hinzu:„Wenn wir dann Kinder Gottes ſind, ſo ſind wird auch Erben.. O wohl ein Zroßer Reichthum, Erbe Gottes zu ſein! Gleichwie es un⸗ möglich iſt, zu begreifen, welch erhabener Herr der un⸗ endliche Gott ſei, ebenſo iſt es auch unmöglich, zu be⸗ Zreiſen, welche hohe Ehre und Gnade es ſei, ein Kind nd Erbe Gottes zu ſein. 9. Aus dieſen Erklärungen ſiehſt du nun, was für 342 Zwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt ein edles Ding die göttliche Gnade ſei, und wie ſie es ſo werth ſei, daß du mit allem Fleiße darnach trachteſt. Die erſte Gnade erwirbſt du durch die Reue, die andere, oder die Vermehrung der Gnaden, erwirbſt du durch jedes gute Werk. Je vortrefflicher nun das Werk iſt, und je beſſer es verrichtet wird, deſto mehrere und größere Gnaden erwirbſt du. Jetzt mache alſo den Schluß, wie viele Gnaden du durch das andächtige Hö⸗ ren der heil. Meſſe verdienen kannſt, weil dieſes eines von den beßten guten Werken iſt, wie du oben geleſen haſt. Daß aber die heil Meſſe eine wahre Vermeh⸗ rung der göttlichen Gnade und der himmliſchen Ver⸗ herrlichung ſei, bezeugen die Gottesgelehrten mit folgen⸗ den Worten: 10.„Nicht allein die Prieſter, ſondern auch die⸗ jenigen, welche die heilige Meſſe leſen laſſen, und die⸗ jenigen, melche der heil. Meſſe beiwohnen, können nach ihrer Würdigkeit(de condigno) Vermehrung der heilig⸗ machenden Gnade und der himmliſchen Glorie erlangen, und dieſer Gewinn wird ihnen wegen ihrer Mitwirkung gegeben(ex opere operantis).“ So P. Gervas: (Tom. 5. de Missa num. 45.). Dieſer Ausſpruch der Theologen zeigt an, doß vornehmlich die Prieſter durch die heil. Meſſe Vermehrung der Gnade und Glo⸗ rie erlangen. Wie viel ſie aber erlangen, kann nicht angegeben werden, wird aber gewiß von der genauen Beobachtung der Ceremonien, vom lebendigen Glauben, ſo wie von der innigen Andacht, die ſie dabei haben, abhängen. Iſt dieſe groß, ſo wird auch der Gewinn groß ſein, iſt aber dieſe gering oder mangelt ſie ganz, ſo wird auch der Gewinn klein ſein, wenn ſie ſich nich etwa gar große Verantwortung zuziehen, namentlich wenn ſe nen nac Ne ind dar wen eil der Un der ern hi ihr des ſu ſch dr i h n ie⸗ i c ig⸗ en un die ſicherſte Vermehrung der Gnade. 343 ſie ſtatt zu erbauen, durch Eile und würdeloſes Beneh⸗ men die Andacht der Gläubigen ſtören. 11. Vermehrung der Gnade und Glorie erlangen nach obigem Ausſpruche auch diejenigen, welche eine hl. Meſſe für ſich oder für Andere leſen laſſen; denn ſie ſind Urſache, daß die heil. Meſſe geleſen wird, und eben darum werden ſie auch der Kraft derſelben theilhaftig, wenn ſie im Stande der Gnade ſind. 12. Drittens erlangen aber auch jene, welche der heil. Meſſe andächtig beiwohnen, eine große Vermehrung der Gnade und Glorie, und nicht ſo faſt wegen der Andacht, die ſie dabei haben, ſondern vielmehr wegen der vielen Tugenden, die ſie dabei üben. Denn erſtens erwecken ſie jedesmal Reue und Leid, ſo oft ſie demü⸗ thig und mit voller Erkenntniß ihrer Sündhaftigkeit an ihre Bruſt ſchlagen. Zum andern üben ſie die Tugend des Glaubens, indem ſie feſtiglich annehmen, daß Chri⸗ ſtus wahrhaft in der heiligen Hoſtie gegenwärtig ſei und ſich auf dem Altare ſeinem Vater für uns arme Sün⸗ der aufopfere. Dieß iſt einer von den wichtigſten Ar⸗ tikeln unſers katholiſchen Glaubens, und obwohl derſelbe über unſere Vernunft geht, ſo iſt er doch nicht gegen unſere Vernunft, wie anderswo gezeigt wurde. Um aber gläubig an dieſer göttlichen Wahrheit zu hangen, gehört eine demüthige Unterwerfung unſerer Vernunft unter die unendlich erhabnere Vernunft Gottes, wenn wir ſo ſagen dürfen, dazu, und folglich iſt die Annahme dieſer Wahr⸗ heit eine freie und freudige Uebung einer erhabenen Tugend. Darum, ſo oft du bei der heiligen Meſſe gegenwärtig biſt, und gläubig deinen Erlöſer auf dem Altare betrachteſt, ſo oft erwirbſt du dir Gnade im Leben und Herrlichkeit nach dem Tode. 344 Zuwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt 13. Neben dem Glauben übeſt du auch die Tugend der Anbetung, und zwar nicht nur einmal, ſondern ſo oft du dich beugeſt und deinem Gott innerliche und änßerliche Ehrfurcht erweiſeſt. Obwohl dieß deine Pflicht iſt, ſo hat doch Chriſtus ein großes Wohlgefallen an ſeinen pflichtgetreuen, demüthig liebenden Kindern, und er wird ihnen ihren Lohn nicht vorenthalten. Wenn du während der Aufhebung der hochwürdigſten Hoſtie und des heiligſten Kelches deine Seele zu Gott erhebeſt aus dem Wirrſal der irdiſchen Sorgen, ſo übeſt du die Tu⸗ gend einer erhabenen und ſehr verdienſtlichen Andacht, und wenn du dieſe beiden, nämlich den Leib und das wahre Blut Chriſti, aufopferſt, ſo erweiſeſt du ihm da⸗ durch die höchſte Ehre und den größten Dienſt;„denn dieſe Gabe iſt ſo groß, daß Gett ſich den Menſchen verpflichtet zu ſein erkennt.. Ja! ſo oft du bei der heil. Meſſe ſprichſt:„Mein Gott! ich opfere dir deinen lieben Sohn; ich opfere dir ſein bitteres Leiden; ich opfere dir ſeinen ſchmerzlichen Tod ꝛc., ſo oft übeſt du eine Tugend der Freigebigkeit gegen Gott, und erlangſt durch jede Aufopferung eine neue Gnade und einen neuen Lohn. Wenn du ſprichſt:„Herr! ich opfere dir dieſe heil. Meſſe für alle Lebendige und Abgeſtorbene, beſon⸗ ders aber für Diejenigen, für welche ich am meiſten zu beten ſchuldig bin,“ ſo oft übeſt du die Tugend der Liebe des Nächſten und erwirbſt dir eine reichliche Ver⸗ geltung. Wenn du geiſtlicher Weiſe communicireſt, oder ein Verlangen haſt, den wahren Leib und das Blut Chriſti mit dem Prieſter zu empfangen, ſo ſtrebeſt du eine beſondere Gnade an, und wirſt auch geiſtlicher Weiſe geſpeiſt und getränkt werden. Vor Allem aber wiſſe, daß das andächtige Meſſehören eines von den nd u die ſicherſte Vermehrung der Gnade. 345 vortrefflichſten, verdienſtlichſten und Gott wohlgefälligſten Werken ſei; denn die Kirche ſagt:„Wir müſſen noth⸗ gedrungen bekennen, daß von den Chriſtgläubigen kein anderes ſo heiliges und göttliches Werk verrichtet wer⸗ den könne, als gerade dieſes Ehrfurcht gebietende Ge⸗ heimniß⸗(Trid. sess. 22. in decr. de observ. in Missa). Deßwegen erwirbſt du bei der heil. Meſſe eine merkliche Vermehrung der Gnade und Glorie. Weil die heilige Meſſe von den Nichtkatholiken verachtet, ver⸗ lacht, geſchändet und für eine Abgötterei gehalten wird, ſo gefällt es dem höchſten Gott unendlich, wenn wir dieſelbe mit unſerer Andacht fleißig verehren und dieſe Schmach mit unſerm andächtigen Meſſehören abtragen. Deßwegen belohnt Gott das andächtige Meſſehören mit beſonderen Gnaden, wie die heiligen Väter ausdrücklich bekennen. 14. Der heil. Cyrillus Catech. 5. Mystagogica ſagt:„Die geiſtlichen Gaben werden denen, welche der heiligen Meſſe würdig beiwohnen, reichlich ausgetheilt.“ Der hl. Cyprian sen. de Cerena ſagt:„Das über⸗ natürliche Brod und der geweihte Kelch gereichen zum Leben und Heile des ganzen Menſchen.“ Papſt Inno⸗ zenz I11. lib. 3. de Missa, c. ult. ſpricht:„Durch die Kraft des heiligen Meßopfers werden alle Tugenden in uns vermehrt, und die Früchte aller Gnaden reich⸗ lich geſpendet..„Die Chriſten ſollen das heilige Meß⸗ opfer niemals verſäumen,“ ſagt Maximus,„wegen der Gnade des heil. Geiſtes, welche den Beiwohnenden mit⸗ getheilt wird.“ Fornerus conc. 83. in Miser. ſchreibt: „Die Kraft der Verdienſte des Leidens Chriſti übt ihre Wirkung mächtig in der heil. Meſſe durch eine wunder⸗ bare Menge der Gnaden und einen Ueberfluß himm⸗ 346 Zwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt liſcher Güter.. Sind das nicht vortreffliche Zeugniſſe der heiligen Väter über die göttliche Gnade, die in der heiligen Meſſe reichlich, ja überflüſſig mitgetheilt wird! 15. Dieſen Zeugniſſen muß ich noch beiſetzen, was Oſorius Tom. 4. conc. de Missa ſpricht:„Wenn ein Vater ſeinem Sohne zehntauſend Talente Geld gäbe, daß er damit handle, würde dieſer nicht durch wenig ange⸗ wendeten Fleiß viel damit gewinnen? Ohne Zweifel würde er bald ein reicher Herr ſein.“ Nun aber merke, welch' große Reichthümer dein himmliſcher Vater dir un⸗ ter der heiligen Meſſe gibt, auf daß du einem Handels⸗ manne gleicheſt, welcher gute Perlen ſucht, und Vieles erwerben möchte Gott Vater gibt dir unter der heil. Meſſe ſeinen eingebornen Sohn, in welchem die ganze Fülle der Gottheit leiblicher Weiſe wohnt, und in wel⸗ chen alle Schätze der Weisheit Gottes verborgen ſind. „Wenn er nun ſeinen Sohn für uns Alle dargegeben hat, iſt uns dann nicht Alles mit ihm gegeben?“ Röm. 8, 32. So gibt dir alſo Gott Vater unter der heil. Meſſe ſeinen Sohn, und mit ihm alle ſeine Reichthümer und Verdienſte und jegliche Genugthuung. Er gibt dir deſſen Fleiſch und Blut, deſſen Leib und Seele, deſſen erworbene Schätze und Reichthümer. Sieh alſo, wie viele und wie große Gaben du täglich empfängſt, und wie leicht du durch wenigen Fleiß reich werden kannſt, wenn du deinem Gott ſeinen Sohn mit allen ſeinen Verdienſten und Reichthümern wiederum aufopferſt; denn ſo oft du unter der heiligen Meſſe den Leib und das Blut, die Verdienſte und Reichthümer Chriſti aufopferſt, ſo oft zähleſt du Gott dem Vater gleichſam Geld dar, kaufeſt jedesmal himmliſche Güter ein und vermehreſt deine gehabten Gnaden auf vielfache Weiſe. Fri Ko kein unt Me die ſicherſte Vermehrung der himmliſchen Herrlichkeit. 347 16. Wenn du nun die oben gemeldeten Gnaden und Früchte des andächtigen Meſſehörens, welche im dritten Kapitel beſchrieben worden ſind, zu den jetzt gemeldeten Gnaden hinzu ſetzeſt, ſo mußt du ja bekennen, daß es kein Werk der Welt gibt, wodurch man ſo viele Gnaden und Verdienſte erwerben könnte, als eben durch die heil. Meſſe und das andächtige Meſſeleſen und Meſſehören. Die heilige Meſſe dient zur Vermehrung der Hlorie. 17. O welch' ein unbegreifliches Geſchenk iſt die himmliſche Glorie, zu deren Genuß wir erſchaffen, nach welcher wir ſeufzen und inbrünſtig verlangen! Was will ich aber von deren Vermehrung ſagen, da ſchon die ge⸗ ringſte ſo groß und ſüß iſt, daß es, wie der hl. Paulus ſagt,„kein Auge geſehen, kein Ohr gehört und kein menſchliches Herz empfunden, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Die katholiſche Kirche(Trid. Sess. 6. can. 24.) ſagt zwar, daß die erworbene Gerechtig⸗ keit durch gute Werke nicht bloß erhalten, ſondern auch vermehrt werde, daß alſo dieſelben auch Urſache zur Vermehrung ſeien; ſie ſagt aber nicht, und kann es nicht ſagen, wie viel Gnaden und Glorie ſie erwerben. Zur heil. Gertrud ſprach Chriſtus(ib. 2. C. 3.8.01 „Jeder Menſch vermehrt und häufet ſeine Verdienſte zum ewigen Leben, ſo oft er ſich befleißt, der heiligen Meſſe mit Andacht beizuwohnen.“ Dieß ſind die eige⸗ nen Worte Chriſti, mit welchen er anzeigen will, daß jener, der zwar nicht andächtig iſt, doch aber gerne an⸗ dächtig ſein möchte, und Fleiß anwendet, die heilige Meſſe mit Andacht zu hören, durch alle und jede heilige 348 Zwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Meſſe ſeine himmliſche Glorie vermehre und häufe. Gleichwie er bei Luc. 16. ſagt:„Ein gutes aufgehäuf⸗ tes, eingerütteltes und überfließendes Maaß werden ſie in euern Schooß legen,“ mit welchen Worten er gleich⸗ falls anzeigen will, daß der Lohn nicht gering, ſondern ſehr groß und überfließend ſein werde. 18. Dieß iſt nun einmal gewiß, daß der Menſch durch jede heil. Meſſe, welche er mit Andacht hört, alle⸗ zeit eine neue Stufe der himmliſchen Glorie erwirbt. Es iſt, als ob er eine Stiege hinaufſteige: denn ſo wie er dort mit jedem Schritte weiter und höher hinauf⸗ kömmt, eben ſo ſteigt er auch in jeder heil. Meſſe eine Stufe höher in den Himmel. Wer aber mit größerer Andacht Meſſe hört, erſteigt auf einmal zwei Stufen. Wer aber noch größere Andacht hat, der ſteigt bei jeder heil. Meſſe drei oder auch mehr Stufen empor. Je höher ſich aber Jemand erhebt, deſto näher kommt er zu Gott, deſto klarer erkennt er Gett, deſto herzlicher liebt er ihn, deſto überſchwänglicher genießt er ihn. Er wird auch bei jeder Stufe ſchöner, glänzender, vortreff⸗ licher, reicher, glorwürdiger und vor allen Heiligen an⸗ ſehnlicher. So oft du alſo eine heilige Meſſe höreſt, ſo oft wird es im Himmel aufgezeichnet, und dir eine höhere Stufe der Glorie beſtimmt. Dieſe Glorie ver⸗ lierſt du nur durch eine Todſünde; wenn du aber Reue erweckeſt, ſo erhältſt du die verlorne Glorie auf derſelben Stufe wieder. Wenn du nun dein Lebenlang läglich eine heil. Meſſe gehört haſt, wie viele Stufen der Glorie werden dir im Himmel dafür beſtimmt! welche Reich⸗ thümer und Freuden wirſt du dort haben! 19. Höre alſo, was der heil. Paulus 2. Kor. 4. hierüber ſchreibt:„Unſere gegenwärtige Trübſal, die ge wig herj ſe zehi ben, über län Ver dur hör Ti frie ſ6 bt wie ne det Je her Er f n⸗ eſ, ile er⸗ ele en i ni die ſicherſte Bermehrung der himmliſchen Herrlichkeit. 349 augenbicklich und leicht iſt, bewirkt eine überſchwängliche, ewige, Alles überwiegende Herrlichkeit in uns.“ Be⸗ herzige doch dieſe Worte und erwäge ihren Sinn; denn ſie ſind ſo hoch, daß ſie kaum gezlaubt, vicl weniger gehörig geſchätzt werden können. Denn wer will glau⸗ ben, daß eine leichte und augenblickliche Trübſal eine überſchwängliche, ewige Glorie im Himmel auswirken könne? Wenn nun der heil. Paulus eine ſo gewaltige Vergeltung einer leichten und kurzen Trübſal zuſchreiben durfte, ſo darf auch ich das noch weit eher dem Meſſe⸗ hören vorausſagen; denn das iſt eine leichte und kurze Trübſal oder Abtödtung, wenn du weit zur Kirche gehen mußt auf ſchmutzigen, gefährlichen und beſchwerlichen Wegen. Wenn dich im Winter unter der heil. Meſſe friert, wenn du wegen des Meſſehörens früher aufſtehen mußt, wenn dir die heil. Meſſe zu lange dauert, wenn du eine nothwendige Arbeit unterlaſſeſt, wenn du wegen des Meſſehörens einen kleinen Gewinn zurücklaſſeſt, und wenn du manchmal keine rechte Andacht bei der heiligen Meſſe haben kannſt, ſo ſind dieß und dergleichen Be⸗ ſchwerlichkeiten leichte und kurze Trübſale, welche du nicht wegen eines zeitlichen Dinges, ſondern wegen des Got⸗ tesdienſtes, wegen des höchſten guten Werkes der ganzen Welt leiden mußt. Es folgt alſo hieraus, daß dieſe leichten und kurzen Trübſale, als: Verdruß, Beſchwerlich⸗ keiten ꝛc. ꝛc. eine überſchwängliche Glorie für dich im Himmel auswirken, und dich in der Glorie erheben. 20. Etwas Weniges von dieſer großen Glorie will ich in einem Beiſpiele anzeigen, welches Pelbartus von Temeswar, O. S. Fr.(conc. in Dedicat.), auf fol⸗ gende Weiſe beſchreibt: Ein Bauersmann hatte alle Tage in ſeinem Leben ſehr fleißig die heilige Meſſe 350 Zwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt gehört, und wenn er auch anf dem Felde oder im Walde war, zur heil. Meſſe aber läuten hörte, ließ er ſeinen Pflug und ſeine Ochſen ſtehen, und eilte in die Kirche. Dieſen heiligen Brauch hatte er in ſeiner Ju⸗ gend angefangen und bis in ſein graues Alter fortge⸗ führt. Da er nun wieder einmal vom Acker weg in die Kirche ging, und der Weg ihm wegen ſchlechten Wetters ſchwer fiel, ſprach er bei ſich ſelbſt:„Ich bin nun ein alter Mann und kann nicht mehr ſo gehen, wie in meiner Jugend; ich meine nicht, daß es Gott mißfalle, wenn ich in Zukunft nicht mehr vom Felde ſo weit zur heil. Meſſe gehe. Wenn man in die heil. Meſſe läutet, da ich zu Hauſe bin, ſo will ich ſchen darein gehen, wenn ich aber auf dem Felde bin, ſo will ich in Gottes Namen in meiner Arbeit fortfahren.“ Als er dieſen Schluß machte, hörte er Jemand hinter ſich nachkommen, und da er umſah, erblickte er einen Engel mit blühenden Roſen. Der Engel war ſo ſchön, daß der Bauer meinte, er ſehe Gott ſelbſt, fiel darum auf ſeine Kniee nieder und ſprach:„O mein lieber Gott! woher mir dieſe Gnade, daß du zu mir kommeſt?“⸗ Der Engel ſagte:„Ich bin nicht dein Gott, ſondern dein Schutzengel.“ Zener ſagte:„O lieber Engel, was bedeutet es, daß du mich deines Anblickes würdigeſt, und mir geſtatteſt, dich anzuſchauen?? Der Engel ſprach:„Gott hat mich geſandt, dir nachzugehen, ſo oft du vom Felde zur heil. Meſſe geheſt..„Wozu dieſes?“ fragte der Bauer. Der Engel ſagte:„So viele Schritte du zur Kirche gethan haſt, ſo viele Roſen ſind unter deinen Füßen hervorgeſproſſen; dieſe habe ich allezeit aufgehoben und in den Himmel getragen.. Alſobald öffnete er ſeinen Schooß, zeigte ihm die Roſen und ſpra Unte ir, juhr ouf his Tod liſch und Bau und kenn heit ſo Alle eine aus Sch ſiß ich well ſch Pen Ale ban Di jedo u ger die ſicherſte Vermehrung der himmliſchen Herrlichkeit. 351 ſprach:„Sieh', das ſind die Roſen, welche ich heute unter deinen Füßen blühend gefunden; darum rathe ich dir, thue das nicht, was du beſchloſſen haſt, ſondern fahre fort, in die Kirche zu gehen, wie du von Jugend auf gethan; denn wenn du in dieſem löblichen Werke bis an dein Ende verharreſt, ſo will ich bei deinem Tode dein Haupt mit Roſen krönen, und deinen himm⸗ liſchen Thron mit Roſen zieren zu deiner ewigen Ehre und Glorie. Nach Dieſem verſchwand der Engel, der Bauer aber küßte mit weinenden Augen ſeine Fußſtapfen und dankte Gott ob dieſer freudigen Erſcheinung. Er konnte ſie niemals vergeſſen, und war durch die Schön⸗ heit des Engels und durch den ſüßen Geruch der Roſen ſo ſehr in die himmliſchen Dinge verliebt, daß ihn Alles, was auf Erden war, anekelte. Er lebte nur noch eine kurze Zeit nach dieſer Erſcheinung und ſtarb mehr aus Begierde nach den himmliſchen Freuden, als aus Schmerzen der Krankheit. 21. Sieh'! dieſem frommen Manne ſind alle ſeine Fußtritte, die er zur heil. Meſſe gethan, genau aufge⸗ zeichnet und mit Hervorſproſſung himmliſcher und unver⸗ welklicher Roſen belohnt worden, und nun erfreut er ſich an dem Glanze himmliſcher Herrlichkeit ewiglich. Wenn nun ſein mühevolles Hingeheu zum Tempel des Allerhöchſten Gott ſo wohlgefällig war, wie wird erſt dann ſein andächtiges Meſſehören belohnt worden ſein? Dieß wiſſen wir nicht, und können es nicht begreifen, jedoch werden wir es einmal im Himmel einſehen und zugleich mit ihm den reichen Lohn unſers Meſſehörens genießen. 352 Zwanzigſtes Kapitel. Von der geiſtlichen Communion. 22. Die oft gemeldete göttliche Gnade und die himmliſche Glorie wird durch die geiſtliche Communion ſo ſehr vermehrt und vergrößert, wenn ſie rechtmäßig und andächtig verrichtet wird. Hier iſt aber zu wiſſen, daß die geiſtliche Communion nichts anderes ſei, als eine eifrige Begierde, Chriſtum zu empfangen und ſich mit ihm zu vereinigen. Dieſer Empfang oder Genuß Chriſti kann auch außer dem heiligen Sakramente ohne den leiblichen Genuß geſchehen und dem Menſchen großes Heil und große Gnade bringen. Denn wie Chriſtus auf Erden lebendig viele Kranke durch Auflegung ſeiner heiligen Hände geſund gemacht, eben ſo hat er auch viele geheilt, bei denen er nicht geweſen war, wie z. B. die Tochter des kananäiſchen Weibes, den Knecht des Haupt⸗ manns u. ſ. w. Gerade ſo theilt er auch denen, welche ihn im heiligen Sakramente würdig empfangen, viele Gnaden mit; nicht weniger aber theilt er ſich auch denen mit, welche große Begierde haben, ihn zu empfangen. Von dieſer Communion iſt zu verſtehen, was er bei Jo⸗ hannes 9. K. ſprach:„Ich bin das Brod des Lebens, wer zu mir kommt, der wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nicht dürſten in Ewigkeit. Denn was heißt zu Chriſto gehen anders, als an ihn glauben, auf ihn hoffen und ihn lieben? Wer nun das thut oder zu thun verlangt, dieſer communicirt geiſtlicher Weiſe und wird in Ewigkeit nicht dürſten⸗ Chriſtus hat alſo ſeine Gnade nicht an die heil. Sakra⸗ mente allein gebunden, ſo daß er außer deren Empfang ſelbe nicht austheilen könnte, ſondern er gibt Manchem mehr Gnade in der geiſtlichen, als einem Andern in terſ zrüß iger hie n onm niche erer vohn hriſ ſpei vß c erein nge ieſe che iht chre alen 69 ſen ölch hen 2 iſt ict e uen pei en ſi ſe u ner ie di p ſ iee e eit ien krn 0 Von der geiſtlichen Communion. 353 der ſacramentaliſchen Communion, und zwar ſobald jener größere Begierde zu Chriſtus hat, als dieſer. Je hef⸗ tiger dieſe Begierde iſt, deſto größer iſt auch die Gnade, die man aus der geiſtlichen Communion empfängt. 23. Frage: Wie ſoll man nun geiſtlicher Weiſe communiziren? Auf dieſe Frage antwortet der geiſt⸗ reiche Fornerus, Biſchof von Hebron, conc. 83 in Mi- Serere:„Alle diejenigen, welche der heil. Meſſe bei⸗ wohnen, und ſich würdig bereiten, werden mit dem Leibe Chriſti durch den Mund des Prieſters geiſtlicher Weiſe geſpeiſt; den die Kraft der heil. Meſſe iſt ſo groß, duß alle Jene, ſo ihre Meinung mit der des Prieſters vereinigen und des Meßopfers theilhaftig zu werden ver⸗ langen, zugleich mit dem Prieſter von dieſem Opfer eſſen und die Früchte dieſer geiſtlichen Speiſe empfangen.⸗ Dieſe Lehre iſt ſehr troſtreich, beſonders für Solche, velche gerne geiſtlicher Weiſe communiziren wollen, aber ſicht wiſſen, wie ſie ſich verhalten ſollen. Nach der lehre des gelehrten Fornerus iſt es genug, wenn ſie nur enken:„Ich vereinige meine Meinung mit der Meinung es Prieſters, und begehre mit dem Prieſter zu communi⸗ jren und dieſes Meßopfers völlig theilhaftig zu werden.⸗ daß nun dieſe eben ſo geiſtlicher Weiſe als der Prieſter tiblicher Weiſe communiziren, beweiſt Fornerus mit Wenden Gleichniſſen: 24.„Gleichwie die Glieder des Leibes eben ſo ge⸗ ſeiſt werden, wie der Mund, wiewohl die Glieder icht eſſen, ſondern der Mund allein, eben ſo werden e Leute bei der heil. Meſſe, wiewohl ſie nicht communi⸗ en, durch den Mund des Prieſters geiſtlicher Weiſe Fpeiſt. Denn es iſt billig, daß Derjenige, welcher kn Tiſche des Herrn mit dem Prieſter im Geiſte dient, cohen, Meertiärung. 23 354 Zwanzigſtes Kapitel. auch im Geiſte mit dem Prieſter geſpeiſt werde. Gleich⸗ wie es ungeziemend wäre, daß der, welcher an einer königlichen Tafel gedient, hungerig hinweggeſchafft werden ſollte, ſo iſt es nicht zu denken, das derjenige ohne geiſtliche Nahrung gelaſſen werde, welcher mit Andacht der heil. Meſſe beigewohnt hat.⸗ Dieſes Gleichniß ſchick ſich ſehr wohl hieher, und beweiſt mit gutem Grunde daß alle, welche andächtig Meſſe hören, geiſtlicher Weiſe communiziren. Fornerus fährt weiter fort, und ſpricht „Gleichwie der neue Wein in ſeinem Keller die Luft mit ſeinem Geruche erfüllt, ſo daß der Eintretende hievon wie betrunken wird, ebenſo iſt dem Orte des heil. Meßopfers eine Fülle der Gnaden verliehen, die nicht allein das Uebel von den Gegenwärtigen vertreibt ſendern ſie noch ſogar mit himmliſcher Süßigkeit er⸗ füllt.. Dieſe Beweiſe ſind ſehr verſtändlich und zeigen uns, wie alle Gegenwärtigen durch die heil. Meſſe geſpeit und von Chriſtus geiſtlicher Weiſe communizirt werden 25. Hierüber will ich noch ein ſchönes Beiſpiel er⸗ zählen, welches Piner(in Fornicario lib. I. c. 1) anführt:„In der Nähe der Stadt Nürnberg wohnte ein Bauer, welcher ſich mit ſeiner Handarbeit ernährte und ein gottſeliges Leben führte. Unter allen ſeines Andachten aber war er der heil. Meſſe am meiſten zl⸗ gethan und verſäumte ſelbe nie, wenn es ihm anders möglich war. Er merkte fleißig auf das, was der Prieſter that, und betrachtete das Leiden Chriſti nah ſeiner Einfalt. Wenn der Prieſter communizirte, eu⸗ pfand er eine große Begierde, mit ihm zu communi⸗ ziren und mit dieſer göttlichen Speiſe geſpeift zu wel⸗ den. Da aber zur ſelben Zeit die Gewohnheit wa, daß die Weltlichen jährlich nur zweimal communizire hurft lin kan terai pie ini zmn ſob hieſe Dieß Und Mun jren lag war, ſicht hn ine ſine im uf it if hn hier 6 4 ds Gz diß gelh der ch eic, in ne dh ſiü un, Wi rih Von der geiſtlichen Communion. 35⁵ durften, ſo ſeufzte er oft und ſprach:„Wehe mir Arm⸗ ſeligen! daß mir nicht erlaubt iſt, dieſes göttliche Sa⸗ krament zu empfangen, und daß ich dieſer großen Frucht beraubt bin. O du ſüßer Jeſu! du weißt am Beſten, wie gerne ich dich empfangen und mich mit dir ver⸗ einigen wollte. Weil aber mir Armſeligen nicht ver⸗ gönnt wird, dich im heil. Sakramente zu empfangen, ſo bitte ich, du wolleſt mich würdigen, und mich mit dieſem ſüßen Himmelsbrode geiſtlicher Weiſe ſpeiſen.⸗ Dieß und dergleichen ſprach er mit herzlicher Begierde, und wenn der Prieſter communizirte, öffnete er ſeinen Mund und reichte ſeine Zunge hervor, wie die Communi⸗ zirenden zu thun pflegen. Da geſchah es nun eines Tages, als er eben wieder mit dieſen Gedanken beſchäftigt war, daß er einen Partikel auf ſeiner Zunge ſpürte und nicht wußte, wie er dahin gekommen wäre. Er genoß ihn mit Ehrerbietung, und empfand in ſeinem Herzen eine beſondere Süßigkeit. Von dieſem Tage an wuchs ſeine Begierde, die heil. Communion zu empfangen, immer mehr, und er empfand auch täglich einen Partikel auf ſeiner Zunge. Eines Tages nun, als er aus Vor⸗ witz erfahren wollte, was er auf ſeiner Zunge habe, griff er mit einem Finger nach dem Munde und er⸗ kannte ſogleich, daß es ein Partikel der heil. Hoſtie ſey. Hierüber erſchrack er heftig, genoß ihn eilends, bereute es aber ſehr, daß er mit ſeinem ungeweihten Finger das hochwürdige Sakrament berührt habe. Gott aber entzog ihm wegen dieſer Vermeſſenheit die ertheilte Gnade, daß er in Zukunft nie wieder eines ſolchen Genuſſes gewürdigt wurde. Dennoch aber blieb die Begierde zu der geiſtlichen Communion in ihm, durch welche er täg⸗ lich an ſeiner Seele geſpeiſt und geſtärkt wurde. 2 356 Einundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt 26. Heilig und heilſam iſt dieſe Begierde, durch welche der Menſch viele Gnade empfangen kann. Die Kirche ſpricht(Trid. sess. 13. c. 8.):„Diejenigen, welche mit lebendigem Glauben, der in Liebe thätig iſt, dieſes Himmelsbrod in Sehnſucht geiſtig genießen, die fühlen auch die Frucht und den Nutzen hievon,“ alt wollte ſie ſagen: Wer eine eifrige Begierde hat, dieſes Himmelsbrod zu genießen, wird der Frucht dieſer Speiſe eben ſo theilhaftig, als wenn er ſakramentaliſch com⸗ munizirt hätte. Einundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt die Hoffnung der Sterbenden. 1. Wie bitter der Tod iſt, weiß nur der, welcher ihn gekoſtet hat; doch ahnen können die Bitterkeit des Todes alle die, welche um das Schmerzenlager eines Sterbenden ſtehen, wenn ſie dieſes Ringen, dieſen Angſt⸗ ſchweiß, dieſes tiefe Seufzen beachten. Darum können wir wohl mit Ariſtoteles ſagen:„Unter allen erſchreck⸗ lichen Dingen iſt nichts erſchrecklicher, als der Tod.⸗ Nicht allein, weil er eine Abſonderung der Seele vom Leibe iſt, ſondern vielmehr weil er eine Pforte zur Ewig⸗ keit und eine Beſcheidung zum ſtrengen Gerichte Gottes iſt. Die lebhafte Einbildung dieſer beiden und ähnlicher erſchreckender Dinge jagen dem Sterbenden ſolche Angſt ein, daß ihm das Herz im Leibe zittert und der kalte Schweiß auf ſeinem Angeſichte liegt. 2. Was iſt nun in dieſer äußerſten Noth zu thun? Womit ſoll ſich der Sterbende tröſten, daß er nicht ver⸗ ze nit ſül ſi id f ſht it ö a ſerr ih ni M hhtt um utes 3. erbe ih et i. 1 e, e, c iun hriſt eten Ge 6 ir, jer fue gech Len ude uch F M en die Hoffnung der Sterbenden. 357 zage? Woran ſoll er ſich halten, daß er vom Teufel nicht in Verzweiflung geſtürzt werde? Antwort: Er ſoll ſich an die unendliche Barmherzigkeit Gottes halten und feſt auf dieſelbe vertrauen. Der heil. Gregorius ſagt in ſeiner Moral I. 2. c. 14.:„Wer gethan hat, vas an ihm lag, der vertraue feſt auf die Barmher⸗ tgleit Gottes; denn ſie wird ihn nicht verlaſſen; wer ber nicht gethan hat, was in in ihm iſt, der ſtütze ſch nicht darauf; denn er betrügt ſich.. We iſt aber er Menſch, der ſtets thut, was in ſeinen Kräften iſt? Bahrhaftig unter uns gewöhnlichen Leuten findet man num aus Tauſend Einen. Wir Alle könnten weit mehr Gutes thun, als wir wirklich üben, wenn wir nur wollten. 3. Wenn mich nun jemand fragt, worauf ſich ein Sterbender am Sicherſten verlaſſen könne, ſo antworte h ihm, daß er ſich auf nichts ſicherer verlaſſen und nß er auf nichts beſſer vertrauen könne, als auf die vi. Meſſe, wenn er ſelbe in ſeinem Leben herzlich ge⸗ ebt, andächtig gehört, kräftig aufgeopfert und ſie ſelten mſäumt hat. Dieß beweiſe ich erſtens aus der heil. öchrift mit den Worten Davids, welcher in ſeinem erten Pfalm alſo ſpricht:„Opfert das Sacrifizium i Gerechtigkeit und hoffet auf den Herrn. Das Opfer x Gerechtigkeit iſt kein anderes, als das heil. Meß⸗ ſer, welches die Strofen der Sünden nach Gerechtig⸗ it zahlt und die Schmach, die Gott zugefügt wurde, ach Gerechtigkeit abträgt. Dieſes konnten aber die per des alten Teſtamentes an ſich nicht thim, und iwegen konnten ſie auch nicht in Wahrheit Opfer der rechtigkeit genannt werden, wie Fornerus über den liten Vers des Miserere(valsdann wirſt du anneh⸗ nt das Sacrifizium der Gerechtigkeit“) ausführlich erklärt. 3½8 Cinundzwanzihſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt 4. Wenn nun David ſpricht:„Opfert ein Opfer der Gerechtigkeit unb hoffet auf den Herrn,“ ſo redet er im Geiſte uns Chriſten zu, und ermahnt uns, be⸗ ſonders aber die Prieſter, daß ſie die heil. Meſſe, das Opfer der Gerechtigkeit, fleißig aufopfern und dann auf den Herrn hoffen ſollen, weil ſie durch das heil. Meß⸗ opfer ſeinen Zorn verſöhnt und die Strafen der Sünden nach der Gerechtigkeit abgebüßt haben. Dieſes kann man auch aus dem folgenden Vers abnehmen, da er ſpricht:„Von der Frucht ihres Korns, Weines und Oeles ſind ſie reich geworden.⸗ Die Prieſter werden mit dem heil. Oele in ihrer Weihe geſalbt und opfern in ihren heil. Meſſen die Frucht des Waizens und des Weines, welches ſie durch die Wandlung dem allmächtigen Gott zum angenehmſten Opfer dorbringen und dadurch werden ihre Verdienſte und Tugenden vermehrt. David fährt fort, indem er ſpricht:„Im Frieden, in dem⸗ ſelben will ich ſchlafen und ruhen; denn du, o Gott und Herr! haſt mich auf beſondere Weiſe feſtgeſtellt in der Hoffnung.⸗ 5. Dieſe Worte redet er im Namen eines Chriſten und zeigt ihm an, worauf er ſich in ſeinem Sterben am meiſten verlaſſen könne. Daß aber David dieſe Worte im Namen der Sterbenden redet, zeigt die Kirche an, da ſie dieſe Worte von David entlehnt und alſo von den Verſtorbenen ſpricht:„Sie ruhen im Frieden.“ David ſpricht:„in pace requiescan,“ d. h.:„Im Frieden will ich ruhen,“ und die Kirche ſpricht:„Re⸗ quiescant in pace,“ d. h.:„Herr, laſſe ſie im Frie⸗ den ruhen So kann jeder Sterbende, welcher in ſei⸗ nem Leben dem Rathe Davids fleißig nachkam und oft⸗ mals, ja täglich, das Sacrifizium der Gerechtigkeit auf⸗ e Meh we fün ü ln erdn pien d in dur Dut den Gel lt niſt tetht i hin den⸗ . 0 i in d to die Hoffnung der Sterbenden. 359 opferte, und zugleich mit dem Prieſter Gott darbrachte, feſt auf den barmherzigen Gott hoffen, und wenn er zum Sterben kommt, mit David ſprechen:„Im Frie⸗ ven auf das Meßopfer trauend will ich einſchlafen, den Todesſchlaf anfangen und in meinem Grabe bis an den jüngſten Tag ruhen. Es wird mir nicht bange ſein vor dem ewigen Tode; denn du, o Herr! haſt mich auf beſondere Weiſe feſtgeſtellt in der Hoffnung. Ich kunn mir nicht denken, daß ich ewig verloren gehen ſollte, va ich dir, meinem Gott, ſo vielmals das angenehmſte Opfer der Gerechtigkeit dargebracht, dir dadurch ſo manch⸗ mal unendliches Wohlgefallen erwieſen, unendliche Ehre erzeigt, unendlichen Dienſt geleiſtet, unendliche Freude gemacht und und die große Schmach, die ich dir mit meinen Sünden zugefügt, nach der Gerechtigkeit abgetragen habe. Deßwegen haſt du mich auf beſondere Weiſe in rie Hoffnung des ewigen Lebens geſetzt, und mit dieſer Hoffnung will ich in dem Herrn einſchlafen; mit dieſer Hoffnung will ich im Frieden ruhen und mit dieſer Hoffnung will ich vor dein ſtrenges Gericht treten.“ 6. Auf ſolche Weiſe kann ſich jeder Sterbende in ſeiner Kleinmüthigkeit tröſten und wider die Verzweiflung ſtärken. So wird er erfahren, daß er feſt gebaut, und wohl vertraut habe. Dabei dürfen wir uns aber nicht denken, daß es nicht auch nothwendig wäre, ſein Leben nach den Lehren und nach dem Beiſpiele deſſen einzu⸗ nichten, der dieſes Opfer für uns am Kreuze auf dem Kalvarienberge dargebracht, und in der heil. Meſſe un⸗ Plutiger Weiſe zu erneuern befohlen hat. 7. Die heil. Meſſe täglich anzuhören und mit dem Prieſter geiſtlicher Weiſe darzubringen, iſt namentlich in Städten nicht ſchwer, da gewöhnlich für alle Klaſſen 360 Einundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt von Bewohnern Sorge getragen iſt, indem am frühen Morgen die Frühmeſſe von den Dienſtboten, die ſpätern heil. Meſſen aber von den Herren und Frauen gehört werden können. Für die Kinder beſteht ohnehin in den meiſten Orten eine eigene Schulmeſſe. So können alle mit geringer Mühe ein ſeliges Ende, ein gnädiges Ur⸗ theil und einen unausſprechlichen Lohn im Himmel er⸗ werben. Diejenigen aber, welche keine heil. Meſſe hören können, ſollten ſich, wenn ſie ihre eignen Herrn ſind, an ihrer Arbeit ein Viertelſtünvlein abbrechen, und ſelbes ihrem Gott ſchenken, während welchem ſie die Meßgebete ſprechen; da es ja kein kräftigeres Mittel gibt, worauf man ſich im Sterben ſicherer verlaſſen könnte, als das tägliche andächtige Meſſehören, was ich folgendermaſſen beweiſen will. 8. Nach unſerm Glauben kann man auf kein Ding feſter hoffen und vertrauen, als auf die Verdienſte des Leidens und Sterbens Chriſti, die ganze Welt hofft auf dieſe Verdienſte; nun aber ſind dieſelben in der heil. Meſſe wahrhaftig gegenwärtig, und werden von allen Umſtehenden, welche die heil. Meſſe recht hören, aufge⸗ opfert und angerufen. Was noch mehr iſt, ſie werden Allen, die ohne Todſünde ſind, wirklich und wahrhaft zugeeignet, und überflüſſig mitgetheilt. Wer alſo auf die heil. Meſſe vertraut, der vertraut auf die Verdienſte des Leidens und Sterbens Jeſu Chriſti ſelber. 9. Du möchteſt aber ſagen: In der heiligen Beicht und Communion werden auch die Verdienſte des Leidens und Sterbens ausgetheilt und denen, welche ſie würdig empfangen, zugeeignet, und ſo kann man auf die Sa⸗ kramente eben ſo, wie auf das Sacrifizium vertrauen. Ich aber ſage: Es iſt ein großer Unterſchied zwiſchen den dem dieſ wah Ve Ler Si bar wür Ant ſon unn en en in dn ale ln len ind und de ite ſa in de uf il len p den heft alf nſe en i ö die Hoffnung der Sterbenden. 361 dem, der die heiligen Sakramente empfängt und zwiſchen dem, der die heil. Meſſe aufopfert; denn jener muß dieſelben würdig empfangen, nämlich die Beicht mit wahrer Reue und die Communion mit großer Andacht. Wer das nicht thut, bekommt nicht nur keinen Theil der Verdienſte Chriſti, ſondern begeht auch noch eine neue Sünde. Weil aber kein Menſch ohne göttliche Offen⸗ barung wiſſen kann, ob er die heiligen Sakramente würdig empfangen habe, ſo kann auch keiner in der Art ſich auf dieſelben ſtützen, wie auf die heilige Meſſe, ſondern er muß allezeit fürchten, ob er ſie nicht etwa unwürdig empfangen und eine neue Todſünde begangen habe. 10. Zum Meſſehören wird aber nicht der Stand der Gnade erfordert; denn wenn einer dieſelbe im Stande einer Todſünde hört, ſo begeht er nicht allein leine Todſünde, ſondern er erlangt die Gnade der Be⸗ kehrung, wenn er ſie annehmen will. Ja, er kann auch große Hoffnung ſchöpfen, daß er wegen der Aufopferung dieſer ſo theueren Gabe bei Gott aus lauter Gnade Barmherzigkeit erlangen werde. Wer aber ohne Tod⸗ ſünde der heil. Meſſe beiwohnt, der kann gewiß vertrauen, daß er durch die Aufopferung des Leibes und Blutes Chriſti Vermehrung der Gnaden und Auslöſchung vie⸗ ler Strafen erlange. 11. Du magſt aber wieder ſagen: Jeder Sterbende muß ja feſt auf das Leiden und Sterben Chriſti ver⸗ trauen; denn darum hat Chriſtus ſo viel gelitten, daß er unſere Sünden auslöſche und uns vor dem ewigen Tode bewahre. Ich antworte: Freilich können und müſſen wir auf das Leiden Chriſti hoffen, ſobald deſſen Früchte und Verdienſte uns zugewendet werden, wenn aber dieß . 362 Einundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt nicht geſchieht, ſo hoffen wir vergebens darauf. Was nützet es den großen Sündern, daß Chriſtus für ſie gelitten hat und geſtorben iſt, wenn ſie ungeachtet deſſen verdammt werden? Warum werden ſie verdammt? Weil die Verdienſte Chriſti ihnen nicht zugewendet wer⸗ den. Warum werden ſie ihnen nicht zugewendet? Weil ſie ſich ſolcher Zueignung nicht würdig gemacht haben. Wodurch machen wir uns aber deren würdig? Durch wahre Reue, durch würdigen Empfang der Sakramente, durch Verrichtung guter Werke, beſonders aber durch das andächtige Meſſeleſen und Meſſehören. Die Kirche lehrt Trid. sess. 22. c. 2.:„Die Früchte des blutigen Kreuzopfers werden durch das unblutige Meßopfer auf's Reichlichſte empfangen.. Und im 1. Kap. ſpricht ſie: „Die heil. Meſſe iſt deßwegen eingeſetzt worden, damit die Kraft des heilſamen Kreuzopfers uns zur Ver⸗ zeihung unſerer Sünden zugeeignet werde.. Weil denn in der heil. Meſſe die Verdienſte uns reichlich ausge⸗ theilt und zugewendet werden, ſo können wir ja billiger Weiſe darauf vertrauen. 12. So kann dann ein jeder Menſch, welcher in. ſeinem Leben oft, gern und eifrig die heilige Meſſe ge⸗ hört hat, in ſeinem Sterben ſich tröſten und ſprechen: „Soll es denn möglich ſein, daß Gott über mich zürne, da ich ihm doch durch Aufopferung ſo vieler heiliger Meſſen viele und große Dienſte erwieſen und viele köſt⸗ liche Gaben dargebracht habe, welche ihm über alle Schätze Himmels und der Erde werth waren? Soll es denn möglich ſein, daß er meiner Sünden noch ge⸗ denke und die Strafe vorbehalte, da ich ihn täglich ſo demüthig um Verzeihung gebeten und zur Bezahlung meiner Schulden die reichen Verdienſte ſeines Sohnes ——— 3 ge l ſe dil Hoffnung der Sterbenden. 363 aufgeopfert habe? Soll es möglich ſein, daß er mein Gebet nicht erhört habe, da doch ſein geliebter Sohn in allen heiligen Meſſen mit mir und für mich gebetet und ſeine heiligen Wunden und ſein Blut für mich ge⸗ opfert hat?⸗ 13. Wer auf ſolche Weiſe hofft, der vertraut nicht auf ſich, noch auf ſeine Verdienſte, ſondern auf Chriſtus ſelbſt und deſſen Gebet, und auf deſſen Verdienſte, die ihm durch die heil. Meſſe geſchenkt und zugeeignet wor⸗ den ſind. Wer alſo auf die heil. Meſſe vertraut, der vertraut auf das Leiden Chriſti, welches in der heiligen Meſſe erneuert und fortgeführt wird; er vertraut auf das Blut Chriſti, welches in der heil. Meſſe geopfert und über ihn ausgegoſſen wird; er vertraut auf die Verdienſte Chriſti, welche ihm in der heil. Meſſe ertheilt und zugewendet werden; er vertraut auf die koſtbarſte Gabe, welche in der heil. Meſſe durch die Hände der Prieſter geopfert und von der göttlichen Güte mit Dank ange⸗ nommen wurde; er vertraut auf das Gebet, welches von Chriſtus für ihn geſprochen und Gott dem Vater für ſein Heil aufgeopfert wurde. Auf dieſe kräftigen Dinge ſollen wir hoffen, auf dieſe können wir hoffen und auf dieſe wollen wir hoffen. 14. Dieſe Hoffnung iſt ſo feſt, daß der gelehrte Sanchez in Thesau. Missae c. l. ſpricht:„In der heil. Meſſe empfangen wir eine ſo ſichere Hoffnung für das zukünftige Leben, daß wir, um dieſelbe feſtzuhalten, der Gabe des übernatürlichen Glaubens bedürftig ſind.“ Hiemit wollte er ſagen: Wer recht erkennt, welche Kraft in der heil. Meſſe iſt und welch ſichere Hoffnung un⸗ ſers Heiles wir darin empfangen, der muß ſich ſo ſehr daruber wundern, daß er dieß nimmer glauben würde, 364 Einundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt wenn ihn Gott nicht durch ſein Licht erleuchtete. Dieß haben die heil. Väter wohl erkannt und bereiteten ſich daher durch andächtiges Meſſeleſen oder Meſſehören im⸗ mer mehr und mehr zum Tode vor. 15. Vom heiligen Theodorus Studita, einem ſehr großen und mächtigen Verfechter ves katholiſchen Glau⸗ bens, ſchreibt Baronius zum Jahre Chriſti 826 num. 44., daß er vor ſeinem Ende in eine ſo ſchwere Krank⸗ heit gefallen ſei, daß er mehr einem Todten als Leben⸗ den gleich ſah. Als er in die letzten Züge griff, bat er Gott um die einzige Gnade, daß er ihm ſein Leben nur ſo lange friſten möchte, bis er eine heilige Meſſe leſen und ſich zum harten Todeskampfe bereiten könne. Nach dieſem ließ die Krankheit ein wenig nach und die Kräfte ſammelten ſich wieder. Er ſtand alſo zur Ver⸗ wunderung aller Gegenwärtigen auf, ging ohne Hilfe in die Kirche und las mit ſolcher Andacht die heilige Meſſe, daß er, und zugleich mit ihm alle Anweſenden, in Thränen ausbrachen. Dieß war ſeine letzte uud beßte Vorbereitung zum Tode; denn als er ſich nach der heil. Meſſe wieder zu Bette legte, ſtarb er ſanft und ſelig im Herrn. 16. Deßgleichen ſchreibt Baronius auf das Jahr Chriſti 806 num. I. vom heil. Taraſius, Patriarchen zu Konſtantinopel, daß man ihn, obwohl ihm ſeine letzte Krankheit ſehr zuſetzte und beinahe alle Kräfte hinweg⸗ nahm, dennoch vom täglichen Meſſeleſen nicht abhalten konnte. Er las alle Tage mit brennender Liebe zu Gott die heil. Meſſe und achtete die heftigen Schmerzen für nichts. Da er vor großer Mattigkeit nicht mehr auf⸗ recht ſtehen konnte, unterließ er dennoch die heil. Meſſe nicht, ſondern lag mit ſeiner Bruſt auf dem Altare. die Hoffnung der Sterbenden. 365 Dieſe große Andacht führte er fort bis zum Ende ſeines Lebens und verdiente dadurch ein ſeliges Sterben und das ewige Leben. 17. Dieſer Andacht folgen auch in jetziger Zeit noch viele fromme Prieſter nach, welche keine beſſere Vorbe⸗ reitung zum Tode wiſſen, als das eifrige und tägliche Meſſeleſen. Die Weltlichen, welche hiezu Erlaubniß haben, laſſen in ihren Hauskapellen oder Krankenzim⸗ mern die heilige Meſſe für ſich leſen und opfern ſolche dem lieben Gott auf, um ein ſeliges Ende zu erlangen. Glückſelig ſind diejenigen, welche bis an ihre Sterbeſtunde in dieſem Eifer gegen die heil. Meſſe verharren; denn ſie werden durch die übernatürliche Kraft der heil. Meſſe wider die Anfechtungen des Feindes mächtig geſtärkt und vor dem ewigen Verderben bewahrt bleiben. Dieſen Troſt gibt ihnen auch Papſt Gregorius lib. 4. Dial. c. 58., da er ſpricht:„Das Opfer der heil. Meſſe be⸗ wahrt die Seele vor dem ewigen Untergange.. Der Erzengel Raphael ſagt bei Tobias im 12. K.:„Das Almoſen erlöſet von dem Tode, reiniget die Sünden und läßt uns Barmherzigkeit und das ewige Leben fin⸗ den.. Wie viel mehr kann man nun aber dieſes vom heiligſten Opfer ſagen, welches die hinfahrende Seele vom böſen Tode erlöſet, ihre Sünden abwäſcht, ihr Barmherzigkeit erwirbt und das ewige Leben mittheilt. 18. Nun höre, welch' herrliches Verſprechen Chriſtus ſelbſt den Meſſehörenden gegeben hat, da er zur heiligen Mechtildis(ib. 3. Revel. c. 19.) ſpricht:„Ich ſage dir, daß ich demjenigen, welcher fleißig und andächtig die heilige Meſſe hören wird, in ſeinem Sterben zum Troſt und zum Schutze, wie auch zur Begleitung ſeiner dahingeſchiedenen Seele, ſo Viele von meinen Heiligen 366 Einundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt ſchicken werde, wie viele heil. Meſſen er auf Erden mit Andacht gehört hat.“ O wohl ſüße Worte, wohl eine tröſtliche Verheißung! Wer wollte da nicht gerne Meſſe hören? Dieſe Worte ſind zwar kein Glaubensartikel, allein ſie ſind aus einer bewährten Offenbarung der ſeligen Mechtildis genommen und von frommen, gottes⸗ fürchtigen Seelen immer für glaubwürdig gehalten wor⸗ den. O Cyriſte Jeſu, wenn du dieſes dein Verſprechen an mir erfüllen wirſt, ſo will ich ſterbend mit David pſalliren Pſ. 26.:„»Der Herr iſt meine Erleuchtung und mein Heil; wenn ſoll ich fürchten? Der Herr iſt ein Beſchützer des Lebens; vor wem ſoll ich zittern?“ Denn wenn du mir bei meinem Hinſcheiden nach deinem Verſprechen ſo viele Heilige zu meinem Troſte und zum Schutze gegen den Satan ſchicken wirſt, als ich heilige Meſſen mit Andacht gehört habe, oder andächtig zu hören begehrte, ſo will ich mich vor einem ganzen Heere Teufel nicht fürchten, weil ein einziger Heiliger mächtig genug iſt, alle hölliſchen Geiſter in die Flucht zu ſchlagen. Erfülle deßwegen, o gütigſter Jeſu! dieſes Verſprechen an mir und laſſe mich in meiner Hoffnung nicht zu Schanden werden. Damit ich aber dieſer Ver⸗ heißung würdig werde, ſo will ich täglich mit möglich⸗ ſter Andacht die heilige Meſſe hören und dieſelbe durch die Hände der Prieſter zu deiner größern Ehre und Glorie aufopfern. 19. Auf ſolche Weiſe ſcheidet die Seele voller Hoff⸗ nung aus dieſer Welt, und wird wohl getröſtet, auf die Kraft der heiligen Meſſe vertrauend, zum Richter⸗ ſtuhle Chriſti geführt. Willſt du aber auch wiſſen, wie es einer auf dieſe Weiſe ſcheidenden Seele auf ihrem Wege zum Richterſtuhle des ewigen Richters ergehen ni ine ſe le, de tes⸗ o chen oid un iſt nde nen zun iig Net hi ieſt un Ver i un un if 90 hi n e die Hoffnung der Sterbenden. 367 wird? Dieß kann ich dir nicht anders erklären, als mit einer Geſchichte, welche Baronius Tom. 9. àd ann. 716. num. 18. erzählt, und der heilige Boni⸗ fazius, Erzbiſchof von Mainz, ſeiner Schweſter zuge⸗ ſchrieben hat. Damals ward ein Bruder im Kloſter wieder zum Leben erweckt, welcher dem gemeldeten Hei⸗ ligen erzählte, wie es ihm ergangen war; er ſprach: „Als ich zum Gerichte Gottes geführt wurde, kamen mir alle meine begangenen Sünden, wie Perſonen, in abſcheulichen Geſtalten entgegen und eine nach der an⸗ dern ſprach zu mir: Ich bin die eitle Ehre, mit wel⸗ cher du dich über andere Menſchen erhoben haſt; eine andere ſprach: Ich bin die Lüge, in welcher du ge⸗ ſündiget haſt. Andere ſagten: wir ſind die unnützen Worte, die du oft geſprochen haſt. Wieder andere ſprachen: wir ſind die unnützen Gedanken, die du in und außer der Kirche gehabt haſt; und ſo kamen mir alle meine Sünden, die ich aus Nachläßigkeit, Ver⸗ geſſenheit und Unwiſſenheit zu beichten unterlaſſen habe, vor mein Angeſicht, klagten mich an und ſchrieen mit erſchrecklichen Stimmen gegen mich. Auch die gegen⸗ wärtigen Teufel gaben Zeugniß hierüber und bewieſen mir, zu welcher Zeit und an welchem Orte ich ſelbe Sünden begangen habe. Nach dieſem aber kamen die wenigen guten Werke, die ich in meinem Leben voll⸗ bracht hatte, mir entgegen und eines nach dem andern ſprach: Ich bin der Gehorſam, welchen du den Alten geleiſtet haſt; ein anderes ſprach: Ich bin das Faſten, mit welchem du deinen Leib kaſteiet haſt. Ein anderes ſprach: Ich bin das Gebet, welches du verrichtet haſt, und ſo kam ein gutes Werk nach dem andern daher und tröſtete mich und die gegenwärtigen Engel gaben 368 Einundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Zeugniß hierüber und erhoben dieſe guten Werke ge⸗ waltig hoch.⸗ 20. Was dieſem frommen Bruder, von welchem der heilige Bonifazius obige Geſchichte erzählt, begegnet iſt, das wird ohne Zweifel auch dir und mir und allen Sterbenden begegnen. Deine begangenen Sünden wer⸗ den dir in erſchrecklicher Geſtalt vor Augen ſtehen, deine vollbrachten guten Werke aber werden dich ſtärken und tröſten. Wenn du aber viele andächtige heilige Meſſen gehört haſt, alle dieſe werden in Geſtalt der ſchönſten himmliſchen Jungfrauen dir entgegen kommen, dir allen Schrecken benehmen und zu dir ſprechen:„Wir ſind die heiligen Meſſen, welche du andächtig gehört haſt. Wir wollen mit dir vor den ſtrengen Richter treten, dich vor ihm entſchuldigen und dir bezeugen, wie große Andacht du beim Meſſehören gehabt, wie viele Sünden du aus⸗ gelöſcht und wie viele Strafen du bezahlt haſt. Darum habe guten Muth; denn wir wollen den Zorn des Rich⸗ ters beſänftigen und dir ſeine Gnade erbitten. Welch großer Troſt wird dieß für deine bedrängte Seele ſein, wenn du viele treue Freunde und Fürbitterinnen bei dem ſtrengen Richter finden wirſt. 21. Alsdann wird dir hoffentlich widerfahren, was Reinaldus auf das Jahr 1241 von dem ſeligen Nan⸗ ker, Biſchof zu Breslau, ſchreibt. Dieſer hatte eine beſondere Andacht zur heiligen Meſſe getragen und täg⸗ lich, wo möglich alle heiligen Meſſen, welche in ſeiner Kirche geleſen wurden, andächtig gehört. In ſeinem Sterben hörte eine fromme Matrone einen ſo ſüßen und lieblichen Geſang der Engel, daß ſie meinte, ſie ſei im Paradieſe. Als ſie nun ſehr zu wiſſen ver⸗ langte, was dieſer engliſche Geſang bedeute, da hörte ſe No jet ſo ont hes ſt ift fro und gar hon weg tru En Pe ben ber ſ g hör jer ſir M de zu gut ver ud ſen ten len die bir or ſer en fi die Hoffnung der Sterbenden. 369 ſie eine Stimme, die ſprach:„Die Seele des Biſchofes Nanker iſt bereits von ihrem Leibe geſchieden und wird jetzt von den heil. Engeln in den Himmel getragen.“ Die Frau fragte:„Wodurch hat denn dieſer Biſchof eine ſo große Ehre und Gnade verdient? Die Stimme antwortete:„Durch das heilige Meßopfer, gegen wel⸗ ches er eine beſondere Andacht getragen hat.. Dieß iſt alſo gewiß ein tröſtliches Beiſpiel, welches uns zum eifrigen Meſſehören ermuntern ſoll. Sieh alſo, der fromme Biſchof Nanker iſt ohne vorhergehende lang andauernde Reinigung in den Himmel gekommen, ja ſo⸗ gar mit großer Herrlichkeit und ſüßem Freudengeſang von den Engeln hinaufgetragen worden, und zwar deß⸗ wegen, weil er eine beſondere Andacht zur heil. Meſſe trug, wodurch er alle ſeine Schulden abgebüßt, ein ſeliges Ende und eine glorwürdige Himmelfahrt erlangt hat. Wenn du nun auch eine ſolch große Gnade erlangen, wenn du nicht lange im Reinigungsorte zurückgehalten werden, ſondern ſchnell in den Himmel kommen willſt, ſo folge ſeinem Beiſpiele nach und höre fleißig die hei⸗ lige Meſſe. Kannſt du nicht ſo viele heilige Meſſen hören, als er gehört hat, ſo kannſt du doch die Be⸗ gierde haben, ſo viele, ja viel mehrere heil. Meſſen zu hören. Kannſt du nicht eine ſolche Andacht zur heiligen Meſſe tragen, als er getragen hat, ſo kannſt du doch die Begierde haben, eine ſolche, ja noch größere Andacht zu haben. Alsdann wird der liebe Gott mit deinem guten Willen zufrieden ſein und dir ein glückſeliges Ende Herleihen. Cochem, Meßerklärung. 24 370 Zweiundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Zweiundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt der größte Croſt der Abgeſtorbenen. 1. Welche Pein die armen Seelen im Fegfeuer lei⸗ den müſſen, können wir jetzt noch nicht begreifen, noch genugſam glauben, bis wir es einmal zu unſerm größ⸗ ten Herzenleid erfahren werden. Aus mir will ich dieß nicht ſagen, ſondern mit den Worten der heil. Väter will ich es beweiſen. Unter dieſen iſt einer der älteſten und vornehmſten der heil. Auguſtin, welcher Tom. 10. Serm. 41. de Ss. alſo ſpricht:„Mit demſelben Feuer wird gereiniget der Auserwählte und gereinigt der Ver⸗ dammte. Das Feuer iſt ſchärfer, als Alles, was man auf dieſer Erde ſehen, denken und empfinden kann.“ Wenn wir auch ſonſt kein Zeugniß mehr von der Schärfe des Fegfeuers hätten, als dieſes einzige, ſo ſoll es uns ſchon genug ſein, die grauſamen Peinen des Fegfeuers zu erkennen und darüber zu erſchrecken. Nun aber wil uns der heilige Auguſtin dieſe Peinen noch tiefer ein drücken, da er zum Pſalm 37. ſpricht:„Obwohl da“ Feuer nicht ewig iſt, dennoch iſt es ein wunderbare Straf⸗ und Reinigungsmittel, weil es alle Peinen über trifft, die einer jemals auf dieſer Welt gelitten hat Niemals iſt eine ſolche Pein im Fleiſche erdacht worden obwohl die heiligen Marthrer wunderbare Peinen gelit ten haben.“ Dieſe beiden Ausſprüche des heilgen Au guſtin erwäge bei dir und leſe in den Legenden der Heiligen nach, welch' grauſame Schmerzen den heiligen Marthrern zugefügt worden ſind, ſo wirſt du leicht der 60 ich ſo wel Pat ſpri En wol ſele Me. der größte Troſt der Abgeſtorbenen. 371 Schluß machen können, wie grauſam, wie erſchreck⸗ lich und wie unmenſchlich die Peinen des Fegfeuers ſind. 2. Wenn du aber dem heil. Auguſtin nicht glaubſt, ſo will ich mehrere andere heilige Väter beibringen, welche mit ihm übereinſtimmen. Der heilige Cyrillus, Patriarch zu Alexandria, citatus ab Horn. conc. 27. ſpricht:„Jeder lebende Menſch ſollte lieber bis zum Ende der Welt mit allen Peinen gemartert werden wollen, als einen einzigen Tag im Fegfeuer liegen.“ O Gott! wie unerträglich müſſen die Peinen des Feg⸗ feuers ſein, wenn eine arme Seele an Einem Tage ſchon mehr leiden muß, als ein Menſch auf dieſer Erde bis an den jüngſten Tag leiden könnte. Der heil. Thomas von Aquin in 4. Sent. dist. 20. 9. I. c. 2. ſagt: „Ein einziges Fünklein dieſes Fegfeuers überſteigt die ſchwerſten Peinen im Leben.. O wohl erſchreckliche und beinahe unglaubliche Worte! O Gott, wie werden dann wir arme Sünder beſtehen können, wenn wir nach un⸗ ſerm Tode in die freſſenden Flammen des Fegfeuers geſtürzt werden? Ach Gott! was werden wir alsdann leiden müſſen? Wie werden wir in ſolchen Flammen ſeufzen und jammern? Wir ſind beinahe vergewiſſert, daß wir ohne ſolche Peinen nicht in den Himmel kom⸗ men werden, weil wir weder heilig, noch vollkommen genug ſind, ſondern voll böſer Begierden und Unſauber⸗ keit ſtecken. 3. Viele andere denkwürdige Sprüche der heiligen Väter könnte ich zum Beweiſe der Peinen des Fegfeuers noch beibringen, ich will aber nur mehr den Spruch des heiligen Bernardinus Tom. 2. serm. 15. anziehen, der alſo ſpricht:„Zwiſchen unſerm natürlichen Feuer und dem Feuer des Reinigungsortes iſt ein ſolcher 24* 372 Zweiundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt Unterſchied, wie zwiſchen einem natürlichen und gemal⸗ ten Feuer.“ Im Leben der heiligen Magdalena von Pazzis, welche das Fegfeuer oft geſehen und ihren Bru⸗ der darin gefunden hat, habe ich geleſen, daß ſie ſprach daß ein großes irdiſches Feuer nicht anders zu ſchätzen ſei, als ein angenehmer Garten. Solche Vergleiche habe ich ſonſt nirgends gefunden, noch geleſen, und ſie ſollen uns ein Antrieb ſein, unſere Sünden auf dieſer Welt abzubüßen, damit wir dieſelben nicht erſt in den ungleich größern Peinen im Fegfeuer abzutragen haben. Zugleich ſollen ſie in uns auch herzliches Mitgleid gegen die armen Seelen, welche in jenem Kerker ſo vielfältige große Peinen leiden müſſen, erwecken. Die Größe dieſer Peinen, und ihre Eindringlichkeit vermögen wir auch noch aus dem abzunehmen, daß ſie Strafen für die Seelen ſind; denn wir ſehen ja hier ſchon, wie viel größer ein Seelen⸗Leiden iſt, denn das Leiden des Körpers. Es wird dieſes Feuer nicht wirken, wie das irdiſche Feuer, welches von außen nach innen brennt, ſondern dieſes Feuer wird ſeinen Sitz und Herd in der Seele ſelber haben, und ſo von innen auf geiſtige Weiſe die Seele, ohne aufzuhören, brennen. 4. Es gibt zwar vielerlei Mittel, den leidenden Seelen zu helfen und ſie aus ihren ſchmerzlichen Qua⸗ len zu erlöſen, unter allen aber iſt keines ſo wirkſam und kräftig, als das Opfer der heiligen Meſſe. Dieß bezeugt die katholiſche Kirche, da ſie im Concilium zu Trient Sess. 25. alſo ſpricht:„Die allgemeine Ver⸗ ſammlung lehrt, daß die Seelen im Fegfeuer durch die Fürbitte der Gläubigen, am meiſten aber durch die heil Die hen ig fer nei beſt ingl sen wod den, Me den bitt ihr ger don in jiſt Di ſn vec en ln er if dei iht lic ſel nb uun u ah iten iche ſi eſe den ben egen lig den ue inn ören der größte Troſt der Abgeſtorbenen. 373 heilſame Aufopferung der heil. Meſſe Hilfe empfangen.⸗ Dieß iſt die Lehre der Kirche und ein Artikel des Glau⸗ bens, welchem Niemand widerſprechen darf. Dieſer zeigt uns, daß man den armen Seelen durch die Auf⸗ oferung der heiligen Meſſe, welche ſowohl von den ge⸗ meinen Leuten, als auch von den Prieſtern geſchieht, am beſten zu Hilfe kommen kann. Eben das hat auch der engliſche Doktor 200 Jahre zuvor gelehrt, da er in 4. sent. dist. 45. ſpricht:„Es iſt kein anderes Opfer, wodurch die Seelen aus dem Fegfeuer eher erlöſt wer⸗ den, als das heilige Meßopfer.⸗ 5. Urſache davon iſt dieß, weil bei der heiligen Meſſe nicht allein der Prieſter und die Gegenwärtigen den allmächtigen Gott um Erlöſung der Seelen eifrig bitten, ſondern ihm auch eine großgiltige Zahlung für ihre rückſtändigen Schulden aufopfern und ſo auch den gerechten Zorn Gottes verſöhnen. Denn wenn jemand von einem Richter ſeiner Schulden wegen in das Ge⸗ fängniß geworfen wird, ſo wird der Schuldner nicht ſo faſt durch Bitten, als vielmehr durch Bezahlung der Schuld von Seite eines Andern können befreit werden. Die betrübten Seelen des Fegfeuers ſind nicht im Zorne, ſondern in der Gnade Gottes; denn ſie haben den er⸗ weckten Zorn durch Reue und Beicht verſöhnt. Sie lie⸗ gen wegen der noch nicht bezahlten Schulden und wegen Unreinigkeit ihrer Seelen in vieſem qualvollen und fin⸗ ſtern Kerker gefangen. Wenn du aus Mitleid für ſie eifrig bitteſt und ihnen den Werth oder die Verdienſte deines Gebetes ſchenkeſt, ſo bezahleſt du zwar etwas von ihren ſchweren Schulden ab, du wirſt ſie aber ſchwer⸗ lch aus ihrer bittern Qual befreien, weil der Richter ſelbſt das Urtheil ſprach, Matth. 5. c.:„Sieh zu, 374 Zweiundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt daß du nicht in das Gefängniß geworfen werdeſt; wahr⸗ lich, ich ſage dir, du wirſt von dort nicht eher hinaus⸗ gehen, bis du den letzten Heller bezahlt haſt“ Aus dieſen Worten Chriſti merke, wie ſtreng er ſelbſt ſei, da er einem, der ihm tauſend Goldgulden ſchuldig iſt, wenn er ihm auch Alles bis auf den letzten Heller bezahlen würde, nicht einmal dieſen letzten Heller ſchenken will. Wenn du aber eine heil. Meſſe für eine arme Seele höreſt, und ſie dem gerechten Gott aufopferſt, ſo be⸗ zahleſt du allezeit einen großen Theil der Schulden die⸗ ſer armen gefangenen Seele. 6. Wie viele Strafen durch eine heilige Meſſe be⸗ zahlt werden, iſt ungewiß, weil dieß Gott nicht geoffen⸗ bart hat. Das aber iſt gewiß, daß eine heilige Meſſe, bei ſeinem Leben gehört oder geleſen, viel mehr nütze und mehrere Strafen bezahle, als nach ſeinem Tode; denn der heil. Ambroſius eitat. a Fornero conc. 83. in Miser. ſagt:„Eine heil. Meſſe bei Lebzeiten gehört, gilt mehr, als wenn viele für denſelben nach ſeinem Tode geleſen werden.. Wer bei Lebzeiten eine heilige Meſſe für ſich leſen läßt, oder auch nur hört, erlangt dadurch Vermehrung der himmliſchen Glorie, was aber nicht geſchieht, wenn nach ſeinem Tode hundert heilige Meſſen für Jemanden geleſen oder gehört werden. 7. Wenn du in deinem Leben eine heilige Meſſe höreſt, oder für dich leſen laſſeſt, und wäreſt im Stande der Ungnade, ſo gibt dir Gott hoffentlich aus Barm⸗ herzigkeit die Gnade, daß du zur Erkenntniß und Reue deiner Sünden und in den Stand der Gnade kommeſt; welche Gnade dir nach deinem Tode nicht mehr wider⸗ fahren kann. Wenn eine gewiſſe Stunde zu deinem Sterben beſtimmt wäre, in der du im Stande der Un⸗ gt Meſ uwe befi Lod auf um ſue lom ſ ver hör und nac mel bei ſen ele der größte Troſt der Abgeſtorbenen. 375 gnade dich befindeſt, ſo kann dir vielleicht dein eifriges Meſſehören eine frühere oder ſpätere Stunde des Todes erwerben, in der du aber im Stande der Gnade dich befindeſt. Die heiligen Meſſen, die du vor deinem Tode höreſt oder leſen laſſeſt, warten nach deinem Tode auf dich, gehen mit dir zu Gericht und rufen für dich um Gnade, bewahren dich entweder ganz vor dem Feg⸗ feuer, oder machen doch, daß du nicht ſo tief hinunter kommeſt. Laſſeſt du ſie aber nach deinem Tode leſen, ſo wird auf ſie gewiß dieſelbe Rückſicht nicht genommen werden, da du jene Verdienſte Chriſti, die den Meſſe⸗ hörenden zugedacht ſind, dir nicht mehr aneignen kannſt, und eine Zuwendung derſelben durch einen Freund, der nach deinem Tode ſtatt deiner die Meſſen hört, nur mehr auf dem Wege der Fürbitte geſchehen kann, wo⸗ bei es Gott frei bleibt, dieſe Zuwendung gelten zu laſ⸗ ſen oder nicht. 8. Wenn du bei Lebzeiten für eine heilige Meſſe ein Almoſen gibſt, beraubeſt du dich deines Geldes und Gutes, du brichſt es gleichſam deinem Munde ab, und gibſt es freiwillig deinem lieben Gott. Nach deinem Tode aber beraubeſt dy dich deſſen nicht; denn es iſt nicht mehr dein, ſondern deinen Erben. Darum iſt zu fürchten, daß Gott dir geringen Dank oder Lohn geben wird, und daß die heil. Meſſen geringe Kraft an dir haben werden. Endlich iſt aber auch zu beachten, daß eine heilige Meſſe während deines Lebens mehrere Strafen abzahlen könne, als viele heilige Meſſen nach deinem Tode: denn da in dieſer Welt die Zeit der Gnade, in jener aber die Zeit der Strafe iſt, ſo kannſt du jetzt viel leichter, als hernach, den ſtrengen Richter verſöhnen. So ſpricht S. Bonaventura in Brevil. 376 Zweiundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt par. I. c. 2.:„Gott ſchätzt eine geringe, freiwillige Buße in dieſem Leben höher, als eine viel ſchwerere, nicht freiwillige, in jenem Leben, wie ein Stück Gold mehr gilt, als ein Stück Blei.“ 9. Nach dieſem kurzen Berichte(was du in meinem „Leben Chriſti ausführlicher findeſt) ſollten wir nun ſehen, um wie viel eine nach dem Tode geleſene heil. Meſſe die Peinen des Fegfeners abkürze; allein da wir hierüber keine beſtimmten Anhaltspunkte und keine aus⸗ drücklichen Offenbarungen beſitzen, ſo können wir auch nichts Sicheres angeben. Es genüge uns, zu wiſſen, daß die Zeit der Reinigung durch das heiligſte Opfer abgekürzt werde. 10. Der Gedanke, daß wir unſern dahingeſchiedenen Brüdern im Fegfeuer helfen können, wird uns genugſam aufmuntern, jede Gelegenheit hiezu zu benützen. Die Gewißheit aber, daß wir ihnen durch die Darbringung des höchſten Opfers der heiligen Meſſe oder durch das Anhören derſelben am meiſten behilflich ſein können, wen ſollte das nicht anſpornen, es täglich zu thun? Wer will behaupten, daß er die Liebe zum Nächſten beſitze, wenn er nicht einmal den hilfsbedürftigſten Mitbrüdern im Fegfeuer beiſpringt, da er doch könnte? Hat er aber die Nächſtenliebe nicht, ſo kann er auch die Liebe zu Gott nicht beſitzen, und es wäre ein erſchreckendes Kennzeichen, daß es mit ihm ſelber ſchlecht ſtehe, wollte er nicht freudig die Gelegenheit ergreifen, ſo oft er kann, für die leidenden Brüder im Fegfeuer eine heilige Meſſe zu hören. 11. Damit du aber ſeheſt, daß es nicht ſo leicht iſt, in Wirklichkeit den Seelen im Fegfeuer Hilſe zu bringen, ſo will ich eine Erzählung aus dem Buche bil Die Gto der len Ber wur iini heil bis ſwn Rege Go unt ſtall und Her Lut heit und ſo 6 Dr ju no zö ſeit der größte Troſt der Abgeſtorbenen. 377 „Epherem Dominicorum“ ad diem Xl. Octobris hieherſetzen. Sie iſt genommen aus dem Leben des heil. Bertrandus, und bezieht ſich auf deſſen Vater. Dieſer war ein Notarius und wollte in ſeinem ledigen Stande ein Karthäuſer werden. Der heil. Bruno und der heil. Vinzentius erſchienen ihm zweimal und befah⸗ len ihm, zu heirathen. In ſeiner Ehe erzeugte er Bertrand, der im ſiebenzehnten Jahre Dominikaner wurde, wogegen ſich die Aeltern ſehr ſträubten. Nach einigen Jahren kam der Vater in Todesgefahr. Der heil. Bertrand ſtand ihm treulich bei und ſprach ihm bis an ſein Ende ſo eifrig zu, daß er meinte, ſein frommer Vater werde ohne vorhergehende Reinigung gegen Himmel gefahren ſein. Da er nun deſſen Seele Gott befahl, ſah er im Geiſte dieſelbe im Fegfeuer, und hörte ſie um Hilfe rufen. Die jommervolle Ge⸗ ſtalt und die Klage ſeines Vaters ſchwebte ihm Tag und Nacht vor Augen, und verwundete ſeiu kindliches Herz ſo, daß er darüber erkrankte. Seinem armen Vater zu helfen, verrichtete er immer Bußwerke, faſtete beinahe alle Tage, aß und trank nichts als Waſſer und Brod, geißelte ſich Nachts bis auf's Blut, las, ſo oft er konnte, die heil. Meſſe für ihn, ſprach ſeine Ordensbrüder um Leſung der heil. Meſſe an und rief faſt ohne Unterlaß in ſeinem Herzen zu Gott, und den⸗ noch konnte er mit all dieſen ſtrengen Bußwerken die göttliche Gerechtigkeit nicht verſöhnen, ſondern mußte zu ſeinem größten Herzenleid erfahren, daß ſein armer Vater beinahe ſchon acht Jahre lang in den Peinen des Fegfeuers leide. Nach dieſer Zeit erſchien ihm die erlöste Seele, dankte ihm herzlich für die treu gelei⸗ ſteten Dienſte und für die Liebe, und zeigte ihm auch 378 Zweiundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt zugleich an, daß, wenn er nicht ſo viel für ſie gethan hätte, ſie noch viele Jahre im Fegfeuer leiden müßte. Dieſe Geſchichte ſoll uns greßen Schrecken und Ver⸗ wunderung einflößen, da wir ſehen, daß ein frommer Mann, dem zwei Heilige erſchienen, ſo viele Jahre im Fegfeuer leiden mußte, und daß er ſogar von ſei⸗ nem heiligen Sohne durch ſo viele heilige Meſſen und ſchwere Bußwerke ſo lange nicht erlöst werden konnte. 12. Hieraus lerne auch du, daß du fleißig für deine verſtorbenen Freunde bitteſt, und daß du dich nicht mit dem falſchen Troſte beruhigeſt, ſie ſeien ſchon im Himmel; denn die arme Seele geht nicht ſo leicht in den Himmel ein, als wir uns einbilden. Kannſt du keine heil. Meſſe für ſie leſen laſſen, ſo höre die⸗ ſelbe; ſprich auch deine Freunde an, daß ſie eine oder mehrere heil. Meſſen für ſie hören; weil dadurch den armen Seelen, wie du nun hinlänglich weißt, eine große Hilfe zukommt. Dieſen Rath gab Tamberinus einer armen Wittwe, welche ihm klagte, daß ſie keine heil. Meſſe für ihren verſtorbenen Mann leſen laſſen könne, indem er ſprach:„So höre denn viele heilige Meſſen und opfere ſie Gott für die arme Seele deines Man⸗ mes auf; denn es iſt möglich, daß derſelben durch das andächlige Anhören mehrerer heiligen Meſſen ein größe⸗ rer Gewinn zukomme, als wenn du Eine Meſſe für ſie leſen ließeſt, wobei du etwa gar nicht gegenwärtig biſt. Dieſen Rath heißt auch Gabot gut, in Alph. Sacrific. casn 5. in fine, und ich heiße ihn ebenfalls gut, und rathe dieß allen armen Leuten, welche für ihre Verſtorbenen keine heilige Meſſe leſen laſſen kön⸗ nen. Denn wiewohl du über einen größeren Gnaden⸗ ſchatz verfügen kannſt, wenn du eine heilige Meſſe leſen lſſe nahr il. m e nig erſt Und Reir Per den aus der wele voll dah ner ihr gei ihr St un u ſt el n der größte Troſt der Abgeſtorbenen. 379 laſſeſt, als wenn du ſie bloß höreſt, ſo bleibt es doch wahr, daß man auch durch andauerndes Gebet bei der heil. Meſſe Vieles erlangen kann, und daß es der Seele zum beſondern Troſte gereiche, wenn du die heilige Meſſe für ſie aufopferſt und das Blut Chriſti über ſie ausgießeſt. 13. O könnten wir nur mit unſern körperlichen Augen die Gnadenſtröme, wie den Regen aus den Wol⸗ len, vom Altare ausgehen ſehen, wie würden wir uns erſtaunen über die Macht und Größe dieſer Strömung! Und wenn wir hineinſchauen könnten in den Ort der Reinigung, während ſich dieſe vom Altare ausgehende Verſöhnung über die leidenden Seelen ergießt, wie wür⸗ den wir dieſelben geſtärkt und ermuntert, vielleicht auch aus dieſem Orte der Qual hinfliegen ſehen iu den Ort der Seligkeit! 14. Ich kann hiebei nicht unterlaſſen, alle jene, welche für arme Seelen heil. Meſſen leſen oder hören wollen, zu ermahnen, dieß mit der möglich größten An⸗ dacht zu thun; denn da ſie nur jenen Gewinn den ar⸗ men Seelen zuwenden können, welchen ſie ſich durch ihre eigene Andacht erwerben, ſo können ſie leicht be⸗ greifen, daß ſie je nach der Größe oder Unbedeutendheit ihrer Andacht auch einen mächtigeren oder ſchwächeren Strom der Gnade auf die ſehnſuchtsvolle Seele leiten. 15. Zu beſonderm Troſte gereicht es den armen Seelen, wenn man das hochwürdigſte Blut Jeſu Chriſti unter der heil. Meſſe für ſie aufopfert und über ſie ausgießt. Hievon haben wir ein Vorbild im alten Te⸗ ſtamente Lev. c. 17., wo Gott ſpricht:„Ich habe euch das Blut gegeben, daß ihr es auf meinem Altar 380 Zweiundzwanzigſtes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt für eure Seele aufopfern ſollt, und das Blut⸗ ſoll ein Verſöhnungsopfer der Seelen ſein.“ Ueber dieſen Text erklärt ſich der heil. Thomas von Aquin opusc. 58, folgendermaſſen:„In dieſen Worten iſt vorbedeutet, daß das Opfer des Leibes und Blutes Chriſti für die Seelen im Fegfeuer gelte. Denn weil Gott das Blut der Thiere den Juden gegeben hat, damit ſie dasſelbe auf dem Altare zur Abbüßung der Sünden aufopfern ſol⸗ len, ſo folgt daraus, daß das Blut Jeſu Chriſti auch uns hiezu gegeben ſei; und wenn das Blut der geſchlach⸗ teten und Gott aufgeopferten Böcke und Kälber zur Reinigung ihrer Seelen diente, wie vielmehr wird dann das koſtbare Blut Jeſu Chriſti, welches auf dem Al⸗ tare konſecrirt und aufgeopfert wird, ſewohl unſere, als die Seelen im Fegfeuer von den Makeln der Sünde reinigen, und aus der hiedurch verdienten Qual erretten. 16. Als das roſenfarbige Blut zum erſten Male am Kreuze vergoſſen wurde, hat es alle Seelen aus dem Kerker des Fegfeuers errettet, wie der Prophet Zacharias 9. c. bezeugt, indem er zu Chriſtus ſpricht: „Du haſt im Blute deines Teſtamentes die Gefangenen aus der Grube gerettet.. Meit dieſen Worten will er anzeigen, daß die allgemeine Erlöſung der Seelen dem vergoſſenen Blute Chriſti zuzuſchreiben ſei. Was ſoll man nun von der Kraft der hl. Meſſe ſagen, in wel⸗ cher dasſelbige heil. Blut des neuen Teſtamentes alle⸗ zeit konſecrirt und zur Verzeihung unſerer Sünden ver⸗ goſſen wird? Ohne Zweifel hat es große Kraft, die lieben Seelen zu erquicken, zu reinigen und zu erlöſen. Nie wird Jemanden, der in einem hitzigen Fieber dar⸗ niederliegt, ein kühler Trunk ſo erquicken, als das koſt⸗ bare Blut Jeſu Chriſti, welches man unter der heil. Me erli , ine dern ſtor Pat 6ch in ung war daß bete weg Geſ er ibn on il fl hn ini wi pie wel al en di ſen dun keſ⸗ i der größte Troſt der Abgeſtorbenen. 381 Meſſe über die Seelen geiſtlicher Weiſe ausgießt, dieſe erkühlet, erquickt, reiniget und erlöſet. 17. Hierüber iſt im Leben des ehrwürdigen Hein⸗ rich Suſo, Prieſters des Predigerordens, zu leſen, daß er, als er zu Köln ſtudirte, mit einem geliebten Pater einen Bund aufrichtete, wornach jener, welcher den an⸗ dern überleben würde, einige heil. Meſſen für den Ver⸗ ſtorbenen leſen mußte. Nach vollendeten Studien blieb Pater Suſo zu Köln, der andere aber wurde nach Schwaben geſchickt. Nach einigen Jahren ſtarb dieſer in Schwaben, und ſein Tod wurde bald dem P. Suſo angekündigt. Dieſer wußte wohl, was er zu thun hatte, war aber damals mit ſo vielen heil. Meſſen überladen, daß er ſein Verſprechen nicht erfüllen konnte. Dennoch betete er viel, faſtete ſtrenge und disciplinirte ſich ſcharf wegen der Erlöſung dieſer lieben Seele. In einem Geſichte wurde ihm aber alsbald angezeigt, wie weit er dadurch gefehlt habe, und wie wenig all ſeine Buß⸗ übungen das erſetzen, was er dem abgeſtorbenen Freund zu Lebzeiten verſprochen hatte. Er beeilte ſich hierauf, von ſeinem Prior ſich von der Verbindlichkeit zu andern heil. Meſſen entbinden zu laſſen, um ſein Verſprechen erfüllen zu können. Nachdem dieß geſchehen war, wurde ihm angezeigt, wie die Seele ſeines Freundes hiedurch hinübergeführt wurde in's Paradies, in den Ort der ewigen Ruhe. Epherem. Dominic. ad diem 25. Jan. 18. Aus dieſem merkwürdigen Beiſpiele ſehen wir, wie kräftig das in der heil. Meſſe konſecrirte Blut Chriſti, ſei, und welch' große Erquickung die lieben Seelen daraus empfangen, wenn es in der heil. Meſſe für ſie geopfert wird. Wenn nun das andächtige Ge⸗ bet des ſeligen Heinrich Suſo, eines Mannes von wun⸗ 382 Zweiundzwanzigſtes Kapitel. ꝛc. derbarer Geduld und vortrefflicher Heiligkeit, nicht mäch⸗ tig genug war, eine Seele aus dem Fegfeuer zu retten, o Gott! was wird dann unſer trockenes und zerſtreutes Gebet bei Gott auswirken? Wenn wir aber bei der heil. Meſſe beten, und unſer Gebet mit dem Gebete des Prieſters vereinigen, ſo hat es eine wunderbare Kraft und Wirkung. Opfere alſo unter der heiligen Meſſe das heilige Blut Chriſti für die lieben Seelen auf und gieße ſelbes über ſie aus; denn dadurch kannſt du ſie in ihren Peinen tröſten und erquicken. 19. Damit du aber deſto lieber für die Abgeſtor⸗ benen Meſſe höreſt oder Meſſen leſen laſſeſt, ſo muß ich zum Schluſſe dieſes Kapitels noch hinzuſetzen, was der heil. Hieronymus hievon ſagt Missule defunct. Ve- netiis 1689 impressum:„Die Seelen des Fegfeuers, für welche der Prieſter in der heil. Meſſe zu beten pflegt, leiden, während die heil. Meſſe für ſie geleſen wird, keine Pein.“ Ebendasſelbe ſagt auch der heil. Gregor lib. 4. Dial. c. 56.„Die Peinen der Abgeſtorbenen, für welche die heil. Meſſe geleſen, und für die vom Prieſter beſonders gebetet wird, werden nachgelaſſen oder gemindert.“ Wir könnten dieſe Ausſprüche noch viel⸗ fach vermehren, thun es aber nicht, weil wir uns bei dieſem Kapitel ohnehin ſchon lange aufgehalten haben. 20. Iſt aber das nicht wunderbar, was dieſe zwei großen Kirchenlehrer, der heil. Gregor und der heil. Hiero⸗ nymus ſagen, daß nämlich diejenigen Seelen, für welche eine heil. Meſſe geleſen wird, ja auch diejenigen, für die der Prieſter beſonders mit Einlegung einer Collecte oder in dem Memento bittet, unter der heil, Meſſe keine Pein empfinden ſollten. die aus wei hr den vir Ku un ver hn Di dei t mi ir ie er ien, e be ban lizn eeln nn ſto⸗ m wu lert fle wird rego enen ode vie 3 bi abe ien welt rd i Dreiundzwanzigſtes Kapitel ꝛc. 383 Dreiundzwanzigſtes Kapitel. Von den Hebeten des Prieſters für die Meſſehörenden. 1. Man hört von vielen frommen Leuten allgemein die Klage, daß ſie nicht andächtig beten können, und von ausſchweifenden Gedanken ſehr geplagt werden. Dieſen weiß ich keinen beſſern Rath zu geben, als daß ſie fleißig zur heil. Meſſe gehen, und ihr armſeliges Gebet mit dem Gebete Chriſti und des Prieſters vereinigen; ſo wird ein ſolches Gebet viel verbeſſert, ja gleich einer Kupfermünze, die vergoldet wird, aus einem unedlen und gemeinen in ein edles und werthvolles Gebet ver⸗ wandelt. Dieß bezeugt Fornerus Conc. 83. in Miser. „Das Gebet, ſagt er, welches mit dem heil. Meßopfer vereinigt wird, geht allem andern, auch viele Stunden lang währendem, ganz eifrigem Gebete unendlich vor.“ Die Urſache hievon will ich dir in dieſem Kapitel zu deinem Troſte erklären. 2. Erſtens müſſen die Prieſter für alle Gegenwär⸗ tige beten und die heil. Meſſe zu deren Heil dem all⸗ mächtigen Gott aufopfern. Jeder Prieſter muß dieß für die Umſtehenden ausdrücklich thun; die Gebetsworte hiezu ſind in dem Meßbuche enthalten, und dürfen un⸗ ter keiner Bedingung weggelaſſen werden. Ja auch alle Gebete beim Beginne der Meſſe, welche man Collecte heißt, die ſtillen Gebete nach der Opferung, Secret ge⸗ nannt, und die Gebete nach der Kommunion, oder Poſt⸗ kommunion, ſowie überhaupt alle jene Gebete, welche in der mehrfachen Zahl, d. h im Namen Mehrerer aus⸗ geſprochen werden, werden für die Gegenwärtigen ge⸗ 384 Dreiundzwanzigſtes Kapitel. Von den betet. Wenn du nun bei der heil. Meſſe biſt, ſo wer⸗ den ſelbe auch für dich gebetet, und nützen dir eben ſo viel, als ob du allein mit dem Prieſter in der Kirche wäreſt. Damit du aber wiſſeſt, welche, und wie viele Gebete für dich geſprochen werden, ſo will ich ſie zu deinem Troſte hieher ſetzen. 3. Erſtlich ſpricht der Meßdiener im Namen aller Gegenwärtigen das Confiteor oder die offene Schuld, der Prieſter aber ſpricht über Alle die Abſolution mit den Worten:„Es erbarme ſich euer der allmächtige Gott, er vergebe euch euere Schuld und geleite euch zum ewigen Leben!? Der Meßdiener antwortet im Namen der Gegenwärtigen:„Amen,“ d. h. das gebe Gott!“ Der Frieſter fährt dann fort:„Nachlaſſung, Losſprechung und Verzeihung unſerer Sünden verleihe uns der allmächtige und barmherzige Gott! worauf abermals das„Amen⸗ des Meßdieners folgt. Wenn der Prieher zum Altar hinaufſteigt, betet er für ſich und alle Gegenwärtigen:„Nimm von uns, o Herr! unſere Miſſethaten, auf daß wir zum Heiligthume aller Heilig⸗ thümer mit reinem Sinne mögen eingehen, durch Chri⸗ ſtum unſern Herrn. Amen.“ 4. Das Kyrie eleiſon, welches ein Hilferuf zur hochheiligen Dreifaltigkeit iſt, und den Lobgeſang„Clo⸗- ria in excelsis,“ ſo wie auch die Collecte ſpricht der Prieſter für ſich und für dich und für alle Gegenwär⸗ tige. Er grüßt die um den Altar Verſammelten öfter mit dem heiligen Gruße„Dominus vobiscum,“ d. h. „der Herr ſei mit euch!“ Dieß iſt ein Schrift ge⸗ mäßer Gruß, welchen vor Zeiten die Engel und Men⸗ ſchen zu gebrauchen pflegten, wie zu ſehen Judic. 6. Ruth 2. item 2. Paral. 15. Mit dieſem Gruße — S — ve⸗ ſo ch ie e uld, mit ige elch in gebe un leihe ſer il hri ju blo de wit öft d Nen uß Gebeten des Prieſters für die Meſſehörenden. 385 den der Prieſter öfters ſpricht, wünſcht er dem Volke ſeinen Gott, während das Volk in der Antwort„Et cum spiritu tuo,“ d. h.„und mit deinem Geiſte,⸗ denſelben Herrn und Gott in's Herz des Prieſters wünſcht, ſo daß beide, Volk und Prieſter, in Gott un⸗ zertrennlich geeinigt ſind, und es ſich alſo von ſelbſt verſteht, daß der Prieſter ſtets zugleich für ſich und für das Volk betet, ſo oft dieſes Dominus vobiscum vorkömmt. Mit dem Credo betet der Prieſter in ſei⸗ nem und aller Gegenwärtigen Namen das offene Glau⸗ bensbekenntniß, in welchem wir begehren zu leben, zu ſterben und ſelig zu werden. 5. Zur Opferung der Hoſtie ſpricht er:„Nimm auf, o heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott, dieſes unbefleckte Opferbrod, welches ich, dein unwürdiger Die⸗ ner, dir, meinem lebendigen und wahren Gott, dar⸗ bringe für meine unzählbaren Sünden, Beleidigungen und Nachläßigkeiten, und für alle Umſtehende, wie auch für alle Chriſtgläubige, Lebendige und Abgeſtorbene, auf daß es mir und ihnen zum Heile für's ewige Leben gereiche. Amen.⸗ 6. Zur Eingießung des Waſſers in den Kelch ſpricht er:„O Gott, der du die Würde der menſchlichen We⸗ finheit wunderbar erſchaffen und noch wunderbarer wie⸗ Ser erneuert haſt, gib uns durch dieſes Waſſers und Weines Geheimniß, daß wir an der Gottheit deſſen Zheil haben, der ſich gewürdiget hat, unſerer Menſch⸗ heit Mitgenoſſe zu werden, Jeſus Chriſtus, dein Sohn, unſer Herr u. ſ. w.⸗ 7. Zur Opferung des Kelches ſpricht er:„Wir vpfern dir, o Herr, den Kelch des Heiles, und bitten veine Mildigkeit, daß er im Angeſichte deiner göttlichen 25 Cochem, Meßerklärung. 386 Dreiundzwanzigſtes Kapitel. Von den Majeſtät für unſer und der ganzen Welt Heil mit lieb⸗ lichem Wohlgeruche aufſteige. Amen.“ 8. Nach der Handwaſchung ſpricht er:„Nimm auf, o heilige Dreifaltigkeit, dieſes Opfer, das wir dir dar⸗ bringen ob des Andenkens an das Leiden, die Aufer⸗ ſtehung und Himmelfahrt Jeſu Chriſti unſers Herrn: und zur Ehre der allzeit ſeligen Jungfrau Maria, des ſeligen Johannes Baptiſt und der heiligen Apoſtel Petrus und Paulus, dieſer ſo wie aller Heiligen: damit es dieſen zur Ehre, uns aber zum Heile gereiche, und ſie im Himmel für uns bitten, während wir auf Erde ihr Andenken begehen. Durch denſelben Chriſtum unſern Herrn.“ 9. Nach dieſem folgen die Secreten oder ſtillen Ge⸗ bete, welche voller Geheimniſſe ſind, und die der Prie⸗ ſter mit leiſer Stiinme für das Heil des Volkes ſpricht. Deren ſind gewöhnlich drei, bisweilen auch fünf; an den hohen Feſten nur Eine. In der Präfation, die nach der Zeit des Kirchenjahres verſchieden ſein kann, lobt der Prieſter in ſeinem und des Volkes Namen den höchſten Gott mit lauter Stimme. Dieſe Lobpreiſung, wie ſie das Erhabenſte enthält, was eine menſchliche Zunge auszuſprechen im Stande iſt, bewegt ſich auch in den feierlichſten Tönen eines ernſten Geſanges, und lau⸗ tet an den gewöhnlichen Feſten der Heiligen alſo: 10.„Der Herr ſei mit euch! Erhebet eure Herzen! Laſſet uns Dank ſagen dem Herrn unſerm Gott; denn es iſt billig und recht, würdig und heil⸗ ſam, daß wir dir allzeit und aller Orten Dank ſagen, o heiliger Herr! allmächtiger Vater! ewiger Gott! durch Chriſtum unſern Herrn; durch den deine Maje⸗ ſtät loben die Engel, anbeten die Herrſchaften und zittern nnſ Bel he un del Ra dos ſeh auc ür und ſter Lol ver ſih ih hi 9 e l p it ho n, Gebeten des Prieſters für die Meſſehörenden. 387 die Gewaltigen, durch den die Himmel und himmliſchen Kräfte und die ſeligen Seraphine zu einhelligem Jubel ſich vereinigen. Mit ihnen bitten wir, du mögeſt auch unſere Stimmen anhören, indem wir mit demüthigem Bekenntniß ſprechen: Heilig, heilig, heilig iſt der Herr Gott Sabaoth. Voll ſind Himmel und Erde deiner Herrlichkeit. Hoſanna in der Höhe; gebenedeit ſei, der da kommt im Namen des Herrn, Hoſanna in der Höhe!⸗ 11. Nun fängt der Canon oder die ſtille Meſſe an, aus welcher ich nur diejenigen Gebete, welche für das Heil der Gegenwärtigen geſprochen werden, hieher ſetze. Zum Memento ſpricht der Prieſter alſo:„Sei auch eingedenk, o Herr, deiner Diener und Dienerin⸗ nen N. N.“ Jetzt bittet der Prieſter in ſeinem Geiſte für diejenigen, für welche er die heil. Meſſe liest, und welche er der heil. Meſſe beſonders theilhaftig machen will. Hernach fährt er fort:„Sei auch eingedenk, o Herr! aller Umſtehenden, deren Glaube dir bekannt, und deren Andacht dir bewußt iſt, für welche wir(Prie⸗ ſter) dir opfern, oder welche ſelbſt dir darbringen das Lobopfer für ſich und all die Ihrigen zur Erlöſung ih⸗ rer Seelen, zur Hoffnung ihres Heiles und ihrer Wohl⸗ fahrt, und die dem ewigen, lebendigen und wahren Gott ihr Gelübde leiſten.⸗ Ueber dieſe Worte ſpricht ein geiſtreicher Lehrer alſo: Hieraus lerne, daß du dich nicht zu bekümmern brauchſt, wenn du in deiner Armuth keine heilige Meſſe leſen laſſen kannſt; denn die heil. Meſſe, welche du höreſt, opfert der Prieſter auch nach deiner Meinung auf und bittet Gott, daß er dir für dich und für die Deinen nach dem Werthe deiner Andacht und deinem Begehren 25* 388 Dreiundzwanzigſtes Kapitel. Von den das Verdienſt ſeines Opfers wolle zukommen laſſen. P. Marianus Schott in Fundam. perfect tract. 2. cap. 6.§. 12. 12. Nach dem Memento ſpricht der Prieſter:„Wir begehen auch das Gedächtniß der glorwürdigen allzeit ſeligen Jungfrau Maria, der Gebärerin unſers Gottes und Herrn Jeſus Chriſtus, wie auch ſeiner heil. Apo⸗ ſtel und Martyrer Petrus und Paulus ꝛc., durch deren Verdienſte und Fürbitte du uns verleihen wolleſt, daß wir in allen unſern Angelegenheiten feſt ſtehen durch deinen hilfreichen Schutz. Durch Chriſtum unſern Herrn. Amen.“ 13. Darnach hält der Prieſter ſeine flachen Hände über den Kelch, und ſpricht:„Deßwegen bitten wir dich, o Herr! du wolleſt das Opfer unſerer Unterthänigkeit, das wir und deine ganze Familie darbringen, in Gna⸗ den aufnehmen und unſere Tage in deinem Frieden ord⸗ nen; du wolleſt uns von der ewigen Verdammniß er⸗ retten und in die Heerde deiner Auserwählten einreihen laſſen. Durch Chriſtum unſern Herrn. Amen.“ 14. Nach der Aufhebung des Kelches ſpricht der Prieſter:„Darum erinnern wir uns auch, o Herr! wir (Prieſter) deine Diener, ſo wie auch dein heiliges Volk, wir erinnern uns ſowohl des ſeligen Leidens unſers Herrn Jeſu Chriſti, als auch ſeiner Auferſtehung von den Todten, und ſeiner glorreichen Himmelfahrt; wir bringen von deinen Gaben und Geſchenken deiner erha⸗ benen Majeſtät dar ein ſchuldloſes † Opfer, ein heili⸗ ges † Opfer, ein unbemakeltes † Opfer, das heilige † Brod des ewigen Lebens und den † Kelch des ewi⸗ gen Heiles, über welche du mit gnädigem und fröh⸗ lichem Angeſichte herabſchauen und ſie dir angenehm ſein ſſe ſthu d pbt Guc dß els t ſot ind Soh en ſelbe Se und don lel vi o⸗ en of ch m. der vit ol, ſer von vit il⸗ lig Gebeten des Prieſters für die Meſſehörenden 389 aſſen wolleſt; gleich wie du dich gewürdiget haſt, anzu⸗ nehmen die Gaben deines gerechten Dieners Abel und das Opfer des Erzvaters Abraham, und was dir dar⸗ gebracht hat dein höchſter Prieſter Melchiſedech, ein heil. Sacrifizium, ein unbeflecktes Schlachtopfer.⸗ 15. Nach dieſem ſpricht der Prieſter tief gebeugt; „Wir bitten dich demüthiglich, allmächtiger Gott, befehle, daß dieſe Gaben durch die Hände deines heiligen En⸗ gels auf deinen hohen Altar vor das Angeſicht deiner göttlichen Majeſtät getragen werden, auf daß wir Alle, ſo viel uns an dieſem Altares⸗Opfer Theil nehmen und den hochheiligen † Leib und das † Blut deines Sohnes empfangen, auf daß wir Alle mit jeglichem Se⸗ gen und himmliſcher Gnade erfüllet werden. Durch den⸗ ſelben Chriſtum unſern Herrn. Amen.“ 16. Nach dieſen Worten begeht der Prieſter das Gedächtniß der Abgeſtorbenen, und opfert die heil. Meſſe vor Allem für diejenigen Seelen, für welche ſie gefor⸗ dert wurde, und dann für Alle, welche ihm beſonders empfohlen ſind Nach Vollendung deſſen ſpricht er: „Auch uns armen Sündern, deinen Dienern, die wir auf die Vielfältigkeit deiner Barmherzigkeit hoffen, wol⸗ leſt, o Herr! einen Antheil und die Geſellſchaft deiner Apoſtel und Martyrer N. N. verleihen; zu deren Ge⸗ meinſchaft du uns nicht nach unſern Verdienſten, ſondern nach deiner Barmherzigkeit gelangen laſſen mögeſt.⸗ 17. Hierauf betet der Prieſter das„Pater no- ster“ oder„Vater unſer“ für ſich und alle Chriſten, und ſetzt hinzu:„Wir bitten dich, o Herr! erlöſe ung von allen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Uebeln; und durch die Fürbitte der ſeligen und glor⸗ würdigen Jungfrau und Gottes Mutter Maria, ſammt 390 Dreiundzwanzigſtes Kapitel. Von den den ſeligen Apoſteln Petrus und Paulus, Andreas und allen Heiligen, verleihe uns gnädig den Frieden in un⸗ ſern Tagen; auf daß wir durch die Hilfe deiner Barm⸗ herzigkeit erhalten, von der Sünde allzeit befreit, und vor aller Verwirrung geſichert zu ſein. Durch Chri⸗ ſtum unſern Herrn. Amen.“ 18. Das„Agnus Dei“ ſpricht der Prieſter drei⸗ mal alſo:„O du Lamm Gottes, welches du hinweg⸗ nimmſt die Sünden der Welt, erbarme dich unſer.“ Die folgenden Gebete ſpricht er für ſich allein. Die letzte Collecte aber nach der Communion betet er wie⸗ der für ſich und alle Anweſenden, und beſchließt ſolche mit folgendem Gebete:„Laß dir gefallen, o heiligſte Dreifaltigkeit, den Dienſt meiner Unterwürfigkeit, und verleihe, daß das Sacrifizium, welches ich Unwürdiger vor den Augen deiner Majeſtät geopfert habe, dir an⸗ genehm ſei, mir aber und allen, für welche ich es dar⸗ gebracht habe, durch deine Erbarmuns zur Verſöhnung gereiche. Zuletzt gibt der Prieſter allen Gegenwärti⸗ gen im Namen Chriſti und der Kirche den prieſterlichen Segen und liest über ſie das heilige Evangelium nach Johannes. 19. Sieh, das ſind die Gebete, welche der Prie⸗ ſter für dich ſpricht, wenn du eine heil. Meſſe höreſt; es wohnt in ihnen eine große Kraft, und ſie beſitzen einen großen Nachdruck, weil ſie durch Eingebung des heil. Geiſtes theils von dem Apoſtel Petrus, theils von heil. Papſt Georg und anderen heil. Päpſten verord⸗ net, und durch Einfluß des heil. Geiſtes geweihet und kräftig gemacht worden ſind. Der Prieſter ſpricht die⸗ ſelben nicht in ſeinem Namen, ſondern im Namen und in der Perſon Chriſti und der ganzen Chriſtenheit, deren heſ di hre gebe ich veg fiht heit und Va heb Gebeten des Prieſters für die Meſſehörenden. 391 Geſandter er iſt. Denn die ganze katholiſche Kirche, d. i. alle katholiſchen Chriſten, ſchicken den Prieſter als ihren auserwählten Geſandten zum heil. Altar und über⸗ geben ihm ihre Bitten, auf daß er ſie unter dem gött⸗ lichen Amte den Augen Gettes vorlege, und mit ihm wegen der Geſchäfte ihrer zeitlichen und ewigen Wohl⸗ fahrt, wie auch wegen des Heiles der ganzen Chriſten⸗ heit und der Erlöſung der armen Seelen unterhandeln ſolle. 20. Wenn nun der Prieſter zum Altare kommt, und ſich vor Gottes Angeſicht ſtellt, ſo ſieht ihn Gott Vater nicht als einen armen Sünder, ſondern als einen bevollmächtigten Geſandten ſeiner Kirche an, hört ſein Fürbringen und verſagt ihm keine billige Bitte. Ja, er achtet ihn auch als einen Geſandten ſeines lieben Sohnes, deſſen Perſon der Prieſter am Altare gleich⸗ falls vertritt, deſſen Poſſionskleider er unter der heil. Meſſe trägt, und in deſſen Namen er die heil. Worte der Wantlung ausſpricht, ſagend:„Das iſt mein Leib. Das iſt der Kelch meines Blutes.. Da der Prieſter alſo Chriſti Perſon am Altare vertritt, deßwegen gilt auch ſein Gebet bei Gott ſo viel, ja Chriſtus ſelbſt trägt dasſelbe ſeinem himmliſchen Vater vor. Weil denn der Prieſter am Altare nicht nur betet, ſondern auch eine Gabe, ja einen Edelſtein von unendlichem Werthe, nämlich den conſecrirten Leib und das Blut Chriſti, aufopfert, ſo kann Gott Vater dieſe koſtbare Gabe nicht verwerfen, noch dem Prieſter ſein billiges Begehren verſagen. Wenn du nun dein ſchlechtes Ge⸗ bet mit dem Gebete des Prieſters vereinigeſt, ſo wird es viel verbeſſert, hoch geadelt und zugleich mit ſelbem in den Himmel getragen. Auf ſolche Weiſe hilft dir der Prieſter beten, und was du aus eigener Andacht 392 Dreiundzwanzigſtes Kapitel. nicht vermagſt, das wird durch das kräftige Gebet des Prieſters erſetzt. 21. Hier ſollſt du auch wiſſen, daß der Prieſter obengemeldete Gebete nicht allein für dich, ſondern auch über dich ſpricht, d. h. alle dieſe Gebete haben zugleich auch die Macht des Segnens in ſich. Wenn nun die Segnungs⸗Worte überhaupt an und für ſich ſchon hohe Kraft haben, um wie viel Mehr werden ſolche Segnun⸗ gen erwirken, die in unmittelbarer Verbindung mit dem heiligſten Opfer ſtehen. Auch zwei Evangelien werden neben den vielen Collecten über dich geſprochen, und am Schluſſe erhebt der Prieſter nochmals ſeine ſegnende Hand, auf daß dir an ſelbem Tage kein Uebel, ſondern nur Heil zukommen möge. S Ob alle heiligen Weſſen gleich gut ſeien. 22. Bei dieſer Frage mußt du zweierlei unterſchei⸗ den. Erſtlich das Opfer ſelbſt, und die Andacht deſſen, der es darbringt. Fragſt du alſo, ob das Opfer an ſich gleich ſei bei einem guten und böſen Prieſter, ſo lautet die Antwort:„Ja. So wie die Taufe für den Täufling immer dieſelbe iſt, es mag ſie ihm ein Sünder oder ein Gerechter, ein Gläubiger oder Ungläubiger, eder Irrgläubiger, ein Chriſt oder ein Türke eder ein Heide ertheilt haben, wenn ſie nur die von der Kirche vorgeſchriebenen Worte und Ceremonien gebrauchen, und den Willen zu taufen haben; gerade ſo iſt auch die Meſſe gleich, wenn nur der Darbringer rechtmäßig geweiht, nicht aus der Kir⸗ chengemeinſchaft ausgeſchloſſen iſt, und bei der Abſicht, n Ob alle heiligen Meſſen gleich gut ſeien. 39 das heiligſte Opfer darzubringen, die vorgeſchriebenen Worte und Ceremonien beobachtet. Haſt du alſo eine heil. Meſſe zu beſtellen, ſo brauchſt du keinen Augen⸗ blick in Zweifel zu ſein, welchen Prieſter du beauftra⸗ gen ſolleſt; denn jeder bringt dasſelbe gleich heilige, gleich mächtige, gleich wirkſame Opfer für dich dar, und das Opfer des heiligſten Prieſters iſt an ſich nicht beſſer, als das des ſündhafteſten. Das iſt, was wir weiter oben mit dem lateiniſchen Ausdruck ex opere operato angegeben haben. Fragſt du aber, ob die Darbringung der heiligen Meſſe bei allen Prieſtern gleich andächtig, gleich erhe⸗ bend, gleich erbauend ſei, ſo heißt die Antwort aller⸗ dings:„Nein.“ Das weiß jeder Prieſter ſelbſt, ja er weiß, daß er einmal geſammelt, ein anderesmal zer⸗ ſtreut, einmal im Glauben glühend, ein anderesmal kalt iſt, und darum ermuntert er ſich während des Meſſe⸗ leſens ſelbſt gar oft. Ja nach der Opferung von Brod und Wein, nachdem er ſich die Hände gewaſchen zum Zeichen, daß er ganz rein zu ſein wünſche, wendet er ſich zum Volke, mit der flehentlichſten Bitte:„Orate fratres!“ d. h.„Betet, Brüder! betet,“ und will da⸗ mit ſagen: O ihr lieben Brüder und Schweſtern! wir haben ein ſo hochwichtiges Werk vor, daß meine Kräfte nicht hinreichen, dasſelbe würdig zu vollbringen; darum erſuche ich euch Alle zuſammen, ihr wollet mir beten und opfern helfen, denn es iſt eben ſowohl euer, als mein Sacrifizium, und es iſt eben ſowohl euer, als mein Heil daran gelegen. Denn wenn ich die Opferung kräf⸗ tig verrichte, ſo entſpringt euch ein großes Heil daraus, da ihr aufgemuntert werdet in euerer Andacht, verrichte ich es aber nachläßig, ſo empfanget auch ihr geringen 394 Dreiundzwanzigſtes Kapitel. Nutzen davon, weil auch ihr dann zerſtreut und geſtört werdet. Hierin, nämlich in der Anregung zur Andacht durch einen frommen Prieſter, wirſt du einen Unter⸗ ſchied bemerlen, undf du wirſt lieber bei dieſem als bei jenem der heil. Meſſe beiwohnen; allein ich warne dich doch auch hierin, einen zu großen Unterſchied zu machen, wenn do nicht ein freventliches Urtheil über die Prie⸗ ſter fällen, und dich im Voraus jeglicher Frucht des heiligſten Opfers berauben willſt, da du ja das erſte Erforderniß zur Aufnahme der Gnade, nämlich die Liebe, verletzen würdeſt. Auch würdeſt du in dieſer gefähr⸗ lichen Unterſcheidung der Meſſeleſenden zu gar keinem Ende kommen, indem der frömmſte Prieſter auch Tage hat, in denen er bei der Darbringung des heiligſten Opfers völlig zerſtreut iſt. Du müßteſt alſo nicht bloß einen Unterſchied unter den Prieſtern, ſondern ſogar bei den von dir auserwählten einen Unterſchied der Tage machen. 23. Ein auffallendes Beiſpiel hiezu finden wir im Buche von den ausgezeichneten Männern des Ciſtercien⸗ ſerordens. Dort wird erzählt, daß ein gewiſſer Pfar⸗ rer lange Jahre hindurch zur größten Erbauung ſeiner Pfarrkinder die heilige Meſſe geleſen habe. Auch er ſelbſt empfand eine große Kraft und Süßigkeit in der Darbringung dieſes großen Geheimniſſes. Da traf es ſich, daß er von den Weidethieren ſeines Nachbars an ſeinen Feldfrüchten großen Schaden litt. Er ſuchte durch freundliches und ernſtes Zureden den Nachbar zu bewe⸗ gen, daß er auf ſein Vieh beſſer Acht hätte; doch Alles umſonſt! Er ſuchte nun ſelbſt Recht, erſchlug eines von den weidenden Thieren, und behielt es als Entſchä⸗ digung für ſich, ohne dem Nachbar etwas zu bezahlen. Er meinte, er habe damit kein Unrecht begangen, da er ge N de wo in rt hl bei ich en, rie⸗ des iſe be, em Ob alle heiligen Meſſen gleich gut ſeien. 395 ſich für den weit größeren Schaden nur theilweiſe ſelbſt bezahlt gemacht hätte, und ging ohne Bedenken des an⸗ dern Tages zur Kirche. Bei der Darbringung der hei⸗ ligen Meſſe aber war es ihm, als ob er ein ganz an⸗ derer Menſch wäre, ſo kalt, ſo todt, ſo unandächtig fühlte er ſich. Dasſelbe aber bemerkte zugleich eine fromme Seele, der Gott gerade während der heil. Meſſe dieſes Pfarrers ſchon unausſprechliche Gnaden ertheilt hatte. Auch ſie fühlte dieſelbe Unandacht, dieſelbe Schläfrigkeit, dieſelbe Kälte. Darüber beunruhigt, ging ſie zum Pfar⸗ rer, und ſagte ihm, welche Veränderung ſie während der heiligen Meſſe bemerkt hätte, und wie ſie gar keine Urſache davon wüßte. Nun war es dem Pfarrer klar geworden, daß ſein eigenmächtiges Benehmen gegen den Nochbar eine ſolche Verhinderung der beſondern Gna⸗ denſtrömmung verurſacht haben müſſe, und er geſtand, was er gethan, und verſöhnte ſich mit ſeinem Nachbar, indem er ihm vollen Schadenerſatz leiſtete. 24. Aus dieſem Beiſpiele erkenneſt du nun, daß auch bei einem frommen Prieſter ein Unterſchied unter den heil. Meſſen ſey. Daß eine Meſſe andächtiger ge⸗ leſen werde als die andere, bezeugt der heil. Papſt Alexander in Cap. lpsi Sacerdotes mit den Worten: „Je würdiger die Prieſter ſind, deſto leichter werden ſie auch erhört für diejenigen, für welche ſie bitten“ Der heil. Bonaventura ſpricht auch Tom. 7. de Sacram. virt lih 76. c. 18.:»Alle heil. Meſſen ſind gleich gut, was Chriſtum anbelangt: was aber den Prieſter anbelangt, ſo iſt der eine beſſer, als der andere; eben darum iſt es zur Erweckung der eigenen Andacht beſſer, die heil. Meſſe eines frommen, als eines ſchlauderiſchen Prieſters zu hören.“ Der Cardinal Bona cap. 1.§. 3. 396 Dreundzwanzigſtes Kapitel. de Missa beſtätigt dasſelbe:„Je heiliger und Gott angenehmer der Prieſter iſt, ſagt er, deſto angenehmer iſt auch ſein Gebet und ſeine Darbringung des Opfers, und je größer ſeine Andacht iſt, deſto nützlicher für die Umſtehenden iſt auch ſeine heil. Meſſe. Gleichwie die andern guten Werke eines frommen Menſchen deſto ver⸗ dienſtlicher ſind, je eifriger und andächtiger ſie verrichtet werden; olſo iſt auch die heil. Meſſe, wenn ſie recht andächtig geleſen wird, von weit größerm Nutzen für den Prieſter und für die, für welche ſie geleſen wird. Dieß iſt die Urſache, warum der Prieſter oft unter der heil. Meſſe bittet, daß der liebe Gott ſein Opfer in Gna⸗ den annehmen und ſowohl ihm als dem Volke zum Heile wenden wolle.“ Wie die Engel unter der heiligen Meſſe für uns bitten. 25. Daß die lieben Engel bei der heil. Meſſe ge⸗ genwärtig ſind, iſt gewiß und unläugbar. Die katho⸗ liſche Kirche lehrt es, und der Pſalmiſt bezeugt es mit den Worten:„Er hat ſeinen Engeln um deinetwillen befohlen, daß ſie dich bewahren auf allen deinen We⸗ gen.. Daraus folgt, daß ſie überall mit uns gehen, bei uns ſind, und als dienſtbare Geiſter, wie der heil. Paulus Hebr. l. ſagt, uns beſchützen. Wie gerne wer⸗ den ſie mit uns zur heil. Meſſe gehen! wie werden ſie ſich erfreuen, wenn wir dieſelbe andächtig hören! wie eifrig werden ſie uns beſchützen gegen die Anfechtungen der böſen Geiſter, damit dieſelben uns in der Andacht nicht ſtören können! Es ſind alſo wenigſtens ſo viele Engel bei der heil. Meſſe, als Menſchen derſelben bei⸗ bri duß ſiu deir ſetz Go il. n e⸗ it en n, il. r⸗ ſi ie en t le i Wie die Engel für uns bitten. 397 wohnen; denn eines jeden Menſchen Schutzengel iſt bei ihm, der ihm beten und Chriſtum auf dem Altar dar⸗ bringen hilft. So ſprich denn deinen heil. Engel an, daß er mit dir und für dich die heil. Meſſe hören, Chri⸗ ſtum anbeten, aufopfern und anrufen wolle, auf daß dein mangelhaftes Gebet und Darbringen durch ihn er⸗ ſetzt, und das hochwürdige Meßopfer dem allmächtigen Gott deſto angenehmer werde. 26. Neben dieſen himmliſchen Schutzgeiſtern der Menſchen, die zugleich mit ihnen der heil. Meſſe bei⸗ wohnen, haben wir noch wohl zu beachten, was wir weiter oben ſchon geſagt, nämlich daß die Engel ab⸗ geordnet werden zum Dienſte beim Altare, daher der Prieſter nach der heil. Wandlung zum himmliſchen Va⸗ ter alſo bittet:„Laſſe dieſes Opfer, allmächtiger Gott, durch die Hände deined heiligen Engels hinauftragen auf deinen erhabenen Altar u. ſ. w.“ Denn da der König der Engel perſönlich gegenwärtig iſt und das höchſte Werk ſeiner göttlichen Allmacht auf dem Altare verrichtet, ſo geziemt es ſich auch, daß ſeine königlichen Miniſter gegenwärtig ſind und ihrem Herrn die ſchul⸗ digen Dienſte leiſten. 27. Dieß kann man auch beweiſen aus dem Tert des heil. Paulus, Hebr. 12., wo es heißt:„Ihr ſeid hinzugegangen zu der Menge vieler tauſend Engel und zu Jeſu, dem Mittler des neuen Teſtamentes.“ Dieſer Text läßt ſich füglich auf die heil. Meſſe beziehen, in welcher Chriſtus gegenwärtig iſt, das hochwichtige Amt unſers treuen Mittlers verrichtet und mit vielen tauſend Engeln umgeben iſt. Wenn du nun bei der heiligen Meſſe biſt, ſo kannſt du in Wahrheit mit David ſprechen Pſ. 137:„Im Angeſichte der Engel will ich dir lob⸗ 398 Dreiundzwanzigſtes Kapitel. ſingen, mein Gott. Ich will anbeten in deinem Tem⸗ pel und deinen Namen preiſen.“ Hier knieſt du mitten unter den Engeln und biſt von ihnen umgeben, da ſie zugleich mit dir die heil. Meſſe hören und eifrig für dich bitten. Du ſtehſt unter den Cherubinen und Se⸗ raphinen, verhalte dich deßwegen ſo, daß du ſie durch deine Unandacht nicht betrübeſt, ſondern durch deinen Eifer erfreueſt. 28. Daß aber die lieben Engel für uns bitten, ſagt der heil. Chryſoſtomus mit klaren Worten lib. 6. de Sacerd., indem er ſpricht:„Wenn der Prieſter das erſchreckliche und ehrwürdige Meßopfer vollbringt, ſo ſtehen die Engel bei ihm, und das geſammte Chor der himmliſchen Geiſter erhebt einen Lobgeſang zu Ehren deſſen, der da geſchlachtet wird“ Und Hom. 3. de incomp. Dei natura ſetzt er hinzu:„In dieſer Zeit flehen nicht nur die Menſchen, ſondern auch die Engel beugen ihre Kniee vor Gott, und die Erzengel bitten für ſie. Das iſt für ſie die gelegene Zeit; hier ſteht ihnen das hochheilige Opfer zu Gebot, wobei die En⸗ gel bitten und ſprechen: Für diejenigen bitten wir, o Herr! welche dein Sohn ſo ſehr geliebt, daß er den Tod für ſie gelitten hat, für diejenigen flehen wir, für welche dein Sohn ſein Blut vergoſſen hat, für diejeni⸗ gen ſuchen wir Gnade, für welche dein Sohn ſeinen Leib am Kreuze aufgeopfert hat.. Merke, wie eifrig die lieben Engel für alle Gegenwärtigen bitten und um Erlangung der Barmherzigkeit für die armen Sünder flehen. Das Gebet der Engel iſt viel kräftiger, als das der armſeligen Menſchen; denn ſie ſind voll Liebe Gottes, beſchauen Gott von Angeſicht zu Angeſicht und beten aus dem ganzen Grunde ihrer heiligen Herzen. ir 2 5e den fir ni⸗ nen tig un der ebe un Wie die Engel für uns bitten. 399 Deßwegen erhalten ſie viel eher etwas bei Gott, als wir arme Sünder mit unſerem kalten, zerſtreuten und nachläßigen Gebete. Wenn du nun bei der heil. Meſſe dein Gebet mit dem Gebete der Engel vereinigeſt, ſo dringt es mit ihrem Gebete durch die Wolken und wird viel eher erhört, als wenn du allein zu Hauſe beteſt. 29. Die lieben Engel ſind bei der heil. Meſſe nicht allein gegenwärtig, ſondern opfern auch dieſelbe ſammt unſerem Gebete dem allmächtigen Gott auf. Dieß iſt abzunehmen aus der Offenbarung Johannes, welcher im 8. Kapitel ſchreibt:„Ein Engel ſtand neben dem Al⸗ tare des Tempels, haltend ein goldenes Rauchfaß in ſeiner Hand, und es wurden ihm gegeben viele Rauch⸗ werke von den Gebeten der Heiligen, daß er ſie ſollte anzünden über dem goldenen Altar, welcher ſtehet vor den Augen des Herrn. Und der Rauch dieſes Gewür⸗ zes von den Gebeten der Heiligen ſtieg von der Hand des Engels vor das Angeſicht des Herrn.“ Dieſer Text zeigt uns, wie die lieben Engel in der Kirche das Gebet der frommen Leute aus ihrem Munde nehmen, um es in den Himmel zu tragen, und als ein wohl⸗ riechendes Rauchwerk über dem goldenen Altar, welcher vor dem Throne Gettes ſteht, zum ſüßeſten Geruche der Lieblichkeit aufzuopfern und anzuzünden. 30. Daß aber die Aufopferung des Gebetes be⸗ ſonders unter der heil. Meſſe geſchehe, will der heilige Johannes andeuten, indem er ſpricht:„Der Engel ſtand neben dem Altare des Tempels.. Warum ſollte dieſer Engel neben dem Altare geſtanden ſein, wenn keine heil. Meſſe auf ſelbigem wäre geleſen worden? Und warum ſollte er das ſüße Rauchwerk der Gebete der Heiligen auf denjenigen himmliſchen Altar, welcher vor 400 Vierundzwanzigſtes Kapitel. dem Throne Gottes ſteht, geſtellt haben, wenn er nicht zugleich mit dieſem Rauchwerke auch das heil. Meßopfer hinaufgetragen hätte? Nur auf dieſen und keinen an⸗ dern Altar gehört, und wird täglich das heil. Meßopfer geſtellt, was die vorhin angeführten Worte aus dem Meßbuche genugſam ausſprechen, indem unter den Wor⸗ ten:„auf deinen erhabenen Altar,“ eben jener Altar ge⸗ meint iſt auf den der Engel den Weihrauch d. i. das Gebet der Gläubigen, und das Opfer ſelbſt niederlegt. 31. Aus Allem, was oben gemeldet wurde, iſt ab⸗ zunehmen, daß die lieben Engel die heil. Meſſe ſammt den Gebeten, welche unter derſelben geſprochen werden, mit Freuden gegen Himmel tragen und der heiligſten Dreifaltigkeit zum annehmlichſten Geruche der Lieblich⸗ keit aufopfern. Hieraus folgt nun, daß das Gebet, welches bei der heil. Meſſe geſprochen wird, viel kräf⸗ tiger ſei, als ein anderes, welches mit gleicher Andacht außer der heil. Meſſe geſprochen wird. Befleiße dich alſo, täglich zur heil. Meſſe zu gehen, zugleich mit den lieben Engeln, ja mitten unter ihnen, dein Gebet zu verrichten und durch ihre heiligen Hände in den Him⸗ mel zu ſchicken, und bitte ſie, daß ſie es dem höchſten Gott anempfehlen und deine Unandacht durch ihre An⸗ dacht erſetzen wollen. Vierundzwanzigſtes Kapitel. Daß das Meſſehören id Arheit nicht hindere, ſondern ördere. 1. Anter allen Dingen, welche gewöhnlich die Men⸗ ſchen vom Meſſehören abhalten, iſt das erſte die Arbeit, ine ſein ſſ ybi Berl hör In ir ſm i ſich nd M die der ſen et, üſ⸗ ht dich den in⸗ ſten n⸗ e ei, Das Meſſehören befördert die Arbeit. 401 welcher ſie ſo ſehr ergeben ſind, daß ſie wegen Erwer⸗ bung eines Gewinnes Tag und Nacht damit zubringen, und alle Stunden, welche ſie ohne Arbeit zubringen, für verloren halten. Beſonders aber halten ſie jene Stunden, welche ſie im Meſſehören oder bei anderm Gottesdienſte zubringen, für verloren und fruchtlos. Wie weit ſie ſich aber irren, und wie ſchändlich ſie ſich ſelbſt betrügen, muß ich ihnen gleich beim Anfang dieſes Ka⸗ pitels zeigen. Wenn Jemanden, der zur Feldarbeit geht, ein guter Freund begegnet, und ihm viele, gute Neuigkeiten erzählt, ſo wird er ihm gerne eine halbe Stunde zuhören und nicht daran denken, daß er zu ſei⸗ ner Arbeit gehen müſſe. Wenn er aber unterdeſſen eine heil. Meſſe hören ſollte, ſo würden ſeine Gedanken ihn wohl zehnmal geplagt haben, daß er fortgehen und ſeiner Arbeit abwarten ſolle. Wenn einem Andern, der zu ſeiner Arbeit geht, jemand einen Trunk Branntwein anbietet, ſo wird er gerne mit ihm trinken und den Verlurſt dieſer Zeit für keinen Schaden halten. Wenn er aber vor ſeinem Hinausgehen die Frühmeſſe hätte hören müſſen, ſo hätte er dieſe halbe Stunde für eine ganz verlorne Zeit geachtet. 2. Siehſt du nun, wie ſchändlich der Satan uns betrügt und wie er auf alle Weiſe ſucht, uns vom heil⸗ ſamen Meſſehören abzuhalten. Deßwegen erkläre ich in dieſem Kapitel, daß das Meſſehören allen Arbeitenden nicht allein keinen Schaden, ſondern großen Nutzen bringe und die Arbeit nicht verhindere, ſondern vielmehr befördere. 3. Dieß kann ich nicht beſſer beweiſen, als aus dem kunde Gottes ſelbſt, welcher Matth. 6. Kap., als er die zu große Sorgſamkeit der Menſchen bei Erwerbung der leiblichen Nahrung geſtraft, zum Schluſſe hinzuſetzte: Cochem, Meßerklärung. 26 40 Vierundzwanzigſtes Kapitel. „Suchet zuerſt das Reich und die Gerechtigkeit Eottes, ſo wird euch alles Das, was ihr zur Unterhaltung eures Leibes bedürfet, zugegeben werden“ Dieſen Tert deuten die Ausleger der heil. Schrift auf das Meſſe⸗ hören, als wenn Chriſtus ausdrücklich geſagt hätte:„Seyd nicht ſo ſorgſam für die leibliche Nahrung, ſondern höret vor eurer Arbeit zuerſt andächtig eine heilige Meſſe und leiſtet euerem Gott dieſen Dienſt, ſo wird er euch zur Vergeltung die leibliche Nahrung dazu geben. Wenn jemand einem vornehmen, liebreichen Herrn einen ſehr großen und angenehmen Dienſt erweiſt, meinſt du wohl, daß dieſer ſolchen Dienſt unvergolten laſſe? Ich glaube es durchaus nicht, ſondern im Gegentheil, er wird ihm ſolchen Dienſt reichlich vergelten. Wenn du nun eine heil. Meſſe mit wahrer Andacht hörſt und deinem lie⸗ ben Gott aufopferſt, ſo erweiſeſt du ihm einen unend⸗ lichen Dienſt, eine unendliche Ehre, ein unendliches Wohl⸗ gefallen, und reichſt ihm eine koſtbare Gabe dar, welche den Werth des ganzen Himmels übertrifft. Meinſt du nun, daß der dankbarſte Herr dir dieſen Dienſt, und dieſe reiche Darbringung unvergolten laſſe? Meinſt du wohl, daß er dir wegen dieſes treuen Dienſtes einen Schaden zukommen laſſe? Dieß könnte ich gar nicht denken, viel weniger glauben. Denn da Gott der Ver⸗ gelter alles Guten iſt, ſo kann er ja das große Gut nicht unvergolten laſſen, und wenn er es thun würde, ſo könnte man am Gerichtstage ſagen:„Herr! ich habe dir zu Ehren eine heil. Meſſe gehört, und du haſt mir teinen Lohn dafür gegeben, ja du haſt mir ſtatt des Lohnes Schaden zugefügt.. Damit ihm aber dieß nicht vorgehalten werden könne, ſo will er vor aller Welt beweiſen, daß er einem Jeden ſeine gehörten heil. Meſſen har ſich lit ſen pl iffa in. 4 tei, iht, ien ind ſiner hoit athe Nr L unnt inme ib u, nho perde he, ſhn hrn 1 ſk Jen Sch davt me Das Meſſehören befördert die Arbeit. 403 reichlich vergolten habe, den Seelen aber in alle Ewig⸗ keit vergelten werde. Hiebei darſſt du freilich nicht ver⸗ geſſen, daß die Vergeltung Gottes nicht gerade jedes⸗ mol in einem irdirſchen Gute beſtehen müſſe, ſondern daß der göttliche Segen, welchen du dir erwirbſt, auf vielfache Weiſe für dein Hab und Gut wirkſam ſehn lann. Wie aber Gott Vielen ihr Meſſehören ſicht⸗ bar vergolten habe, will ich in einigen Beiſpielen zeigen. 4. Hier fällt mir zuerſt jene bekannte Geſchichte bei, welche der heil. Johannes, der Almoſengeber er⸗ zählt, und die in deſſen Legende zu leſen iſt. Zu Alexan⸗ drien waren zwei Schuhmacher; einer hatte Weib und Kinder, hörte täglich die heil. Meſſe, und kam ſo aus ſeiner Armuth zu guten Mitteln; denn er wurde von Gott geſegnet. Der andere aber, welcher wohl verhei⸗ rathet war, aber keine Kinder hatte, hörte niemals in der Woche die heil. Meſſe, arbeitete Tag und Nacht und lonnte doch zu keiner Wohlhabenheit gelangen. Er ging einmal voll Verwunderung zu ſeinem Nachbar und ſprach: „Lieber Nachbar! ich weiß nicht, woher es kommt, daß du, wiewohl du Weib und Kinder haſt und nicht ſo anhaltend, als ich, arbeiteſt, dennoch täglich reicher zu verden ſcheinſt. Ich aber, obwohl ich keine Kinder habe, und Tag und Nacht arbeite, dennoch täglich ab⸗ nehme und ärmer werde.. Der fromme Schuhmacher ſprach:„Ich habe einen himmliſchen Schatz gefunden und gehe täglich hin, etwas davon zu erheben, und da⸗ her kommt es, daß ich täglich zu beſſern Mitteln komme.“ Jener ſprach:„Liebſter Mitmeiſter! zeige mir dieſen Schatz, und vergönne mir, daß ich nur etwas Weniges davon nehmen darf..„Wohlan,“ ſprach der Andere, „morgen frühe komme zu mir, ſo will ich dir den Ort 404 Vierundzwanzigſtes Kapitel. zeigen, in welchem ein ſo großer Schatz verborgen liegt, daß unſere ganze Stadt dadurch bereichert werden kann.“ Am folgenden Morgen kum der arme Schuhmacher voll Freude in aller Frühe und bat, daß er zu dem Orte des Schatzes geführt werden möchte. Sein Nachbar aber ſagte: Wir wollen zuvor zur heil. Meſſe, darnach zum Orte des Schatzes gehen. Nach gehörter heiligen Meſſe hieß er ihn nach Hauſe gehen und am folgenden Tag wieder kommen. Mit dieſer Abweiſung ging jener nicht gar vergnügt fort und kam am andern Morgen in aller Frühe wieder, ward aber, wie am vorigen Tage, wieder zur heil. Meſſe geführt und mit leerer Hand nach Hauſe geſchickt. Da nun dieß am dritten Tage wieder geſchah, ſprach er mit großem Unwillen: „Den Weg zur Kirche kenne ich ſelber und habe ſchon längſt das Meſſehören gelernt; darum wäre es nicht nöthig geweſen, mich zu verſpotten, wenn du mir den Schatz nicht zeigen willſt. Da ſprach der fromme Schuhmacher:„Zürne nicht über mich, mein lieber Nach⸗ bar, ich habe deiner nicht geſpottet, ſondern ich habe dir den Ort des Schatzes gezeigt. Der Ort des Schatzes iſt die Kirche, und der Schatz ſelbſt die heilige Meſſe; aus dieſer ſchöpfe ich täglich ſo viel Gutes, daß ich in meinem Hauſe keinen Mangel ſpüre. Wenn auch du der⸗ gleichen thun willſt, ſo wirſt du ohne Zweifel von Gott auch ſolche Gutthaten empfangen. Als Zeugen für die Wahrheit dieſer Worte ſtelle ich dir Chriſtum ſelbſt vor, welcher in ſeinem Evangelium ſpricht:„„Suchet zuerft das Reich Gottes und ſeine Gerechtigkeit, und das Zeit⸗ liche wird euch zugegeben werden.““ Ich habe vom An⸗ fange meines Eheſtandes durch das tägliche Meſſehören das Reich Gottes geſucht und in der That erfahren, daf . oll Me bur uch igen den enet en igen etet itten len chon nicht den nm lach⸗ habe ate eſſe h i den Got Das Meſſehören befördert die Arbeit. 405 mir das Zeitliche von Gott zugegeben ſei; du aber haſt dieſen heilſamen Rath Chriſti verachtet, und die heilige Meſſe der Arbeit wegen verſäumt, darum haſt du auch erfahren müſſen, daß dir die zeitlichen Dinge von Gott genommen, und die Armuth dafür gegeben worden.⸗ Durch dieſe ſtrafenden Worte ward der unandächtige Schuhmacher aufmerkſam, hörte künftighin täglich die heil. Meſſe und wurde von Gott geſegnet. 5. Der Name deſſen, der dieß erzählt, bürgt uns für die Wahrheit des Erzählten, und wir können aus den angeführten Aeußerungen Viel lernen. Gar wohl hat der fromme Schuhmacher die heil. Meſſe einen Schatz genannt, denn ſie iſt es wahrhaftig, und zwar ein ſol⸗ cher Schatz, wovon im Buche der Weisheit 7. Kap, ſteht:„Sie iſt ein unendlicher Schatz für die Menſchen, und welche ſich deſſen bedienen, die werden der Freund⸗ ſchaft Gottes theilhaftig.“ Ja, ſie iſt eine Goldgrube, aus welcher man himmliſches und irdiſches Gold her⸗ ausgraben kann; denn wer im Stande der Gnade zur heil. Meſſe geht, der wird der Verdienſte Chriſti theil⸗ haftig und geht jedesmal reicher aus der Kirche, als er hineingegangen iſt. Er empfängt auch den Segen ſei⸗ nes himmliſchen Vaters, und zwar einen weit größeren Segen, als Iſaak ſeinem Sohne Jakob gab, da er ſprach Gen. 27.:„Gott gebe dir von dem Thaue des Himmels und von dem Segen der Erde einen Ueberfluß an Korn und Wein.“ Dieſer Segen war nur irdiſch, der Segen aber, welchen du in der heiligen Meſſe em⸗ pfängſt, iſt zugleich auch himmliſch, indem der Prieſter nach der Wandlung bittet:„Damit wir Alle, ſo viel unſer bei der Theilnahme an dieſem Altars⸗Opfer den hochheiligen † Leib und das † Blut deines Sohnes 406 Vierundzwanzigſtes Kapitel. genießen, damit wir Alle mit jeglicher himmliſchen † Segnung und Gnade erfüllet werden.. Durch die Kraft dieſes Gebetes und durch die Wirkung der aufgeopfer⸗ ten heil. Meſſe wirſt du an Leib und Seele, in deinen Arbeiten und Geſchäften, in zeitlichen und geiſtlichen Dingen geſegnet und gebenedeit, und an dir wird der lautet:„Gebenedeiet biſt du eingehend und aus⸗ gehend; gebenedeiet biſt du in deinem Hauſe und auf deinem Acker, und gebenedeiet ſeien alle Werke deiner Hände.“ 6. Es iſt ein gemeines und wahres Sprichwort: An Gottes Segen iſt Alles gelegen. Die Wahrheit deſſen erfahren alle Handwerker und Ackersleute. Denn, wenn ſie auch ihren äußerſten Fleiß in Verrichtung ihrer Arbeit anwenden, ſo wird es dennoch nichts ſtächten, wenn der liebe Gott ſeinen Segen nicht dazu gibt. Nun iſt aber kaum ein kräftigeres Mittel auf Erden, wodurch man ſicherer den gnadenreichen Segen Gottes erwerben kann, als eben das Anhören der heil. Meſſe. Denn in der heil. Meſſe gibt dir nicht bloß der Prieſter, ſon⸗ dern Chriſtus ſelbſt gibt dir ſeinen göttlichen Segen, wie die heilige Brigitta einmal mit ihren Augen ge⸗ ſehen hat, da Chriſtus unter der Aufhebung der heil. Hoſtie mit ſeiner rechten Hand das Kreuzzeichen über das Volk gemacht und geſprochen hat:„Ich ſegne euch Alle, die ihr an mich glaubet.“ Solchen Segen gibt Chriſtus allen denen, welche der heil. Meſſe beiwohnen, und ſegnet auch zugleich alle ihre Arbeit und ihre Ge⸗ ſchäfte. Wenn du aber wegen deiner Arbeit die heil. Meſſe verſäumeſt, ſo verſcherzeſt du den Segen Gottes, und deine Arbeit wird dir nicht ſo ſicher zu deinen heil 3 ns, und Uen Segen Gottes Deut. 28. Kap. erfüllt, welcher alſe höre Got ich etn ſon wel In riet wel rift n inen ichen de at aut eine Das Meſſehören befördert die Arbeit. 407 Heile gedeihen, als wenn du ſie mit dem Segen Got⸗ tes angefangen und vollendet hätteſt. 7. Ein anderes Beiſpiel von einem Edelmanne ſagt uns, wie derſelbe wegen nachläſſigen Meſſehörens arm, und wegen fleißigen Meſſehörens reich geworden iſt. Aenäas Shlvius in descript. Europae c. 21. ſchreibt, daß vor Zeiten in Steuermark ein Edelmann war, welcher zwar kein böſes Leben führte, jedoch im Meſſe⸗ hören ſehr nachläßig war; deswegen wich der Segen Gottes von ihm, und all ſein voriges Glück verkehrte ſich in lauter Unglück. Er wurde endlich ſo arm, daß er nicht mehr ſeinem adelichen Stande gemäß leben konnte, ſondern die Stadt verlaſſen und ſich auf ein Dorf, in welchem er ein Landgut gekauft hatte, begeben mußte. In dieſer feiner Armuth war er ſehr ungeduldig, ge⸗ rietht nach und nach in Kleinmüthigkeit und endlich gar in Verzweiflung. Der Teufel gab ihm in den Sinn, daß er ſich ſelbſt erhängen, und dadurch ſeiner großen Bedrängniß ein Ende machen ſolle. Dieſe teufliſche Eingebung war ſo heftig, daß er ſich ihrer kaum er⸗ wehren konnte, und in großer Gefahr war, eines böſen Todes zu ſterben. Er holte ſich Rath bei Geiſtlichen und Weltlichen, und gebrauchte alle Mittel, und doch war Alles vergebens. Einmal kamen zwei Geiſtliche zu ihm, denen er wehmüthig ſeine große Noth klagte, und einen guten Rath begehrte. Dieſe riethen ihm, doß er täg⸗ lich die heil. Meſſe hören und ſich wegen ſeiner An⸗ fechtung hiebei Gott empfehlen ſolle, und gaben ihm die Verſicherung, daß dieß das beßte Mittel ſei, ſeine Au⸗ fechtung zu dämpfen und ſo den Segen Gottes zu er⸗ werben. Dieſem heilſamen Rathe kam der Edelmann nach, fing an, täglich die heil. Meſſe zu hören und ſie 408 Vierundzwanzigſtes Kapitel. dem lieben Gott zu ſeinem Heile aufzuopfern. Hierauf begann ſeine Anfechtung nach und nach abzunehmen, und der Segen Gottes kam wieder in ſein Haus. Da er nun ſah, daß das Meſſehören ſo heilſam wäre, ſo bewarb er ſich um einen Prieſter, welcher ihm täglich in ſeiner Hauskapelle Meſſe leſen ſollte, damit er ja dieſelbe nimmer verſäumen müßte. In dieſer täglichen Andacht fuhr er fleißig fort und wurde dadurch nicht allein von ſeiner Anfechtung ganz befreit, ſondern auch mit nothwendiger Nahrung von Gott verſehen. Zu Ende des erſten Jahres wurde er von einem Pfarrer erſucht, daß er ſeinen Kaplan am Kirchweihtage zur Früh⸗ meſſe ablaſſen möchte, damit ſeine Leute, welche für die geladenen Gäſte kochen mußten, eine heil. Meſſe hören könnten. Obwohl der Edelmann ſeinen Kaplan ungerne wegließ, dennoch willigte er unter dem Bedinge ein, daß der Pfarrer mit dem Amte warten ſollte, bis er komme. Am folgenden Morgen machte er ſich früh auf und wollte über den Berg zum Pfarrer reiten. Auf dem Wege aber kam ihm ein Bote mit Briefen entgegen, die dringende Geſchäfte enthielten, und deren Beant⸗ wortung ohne Schaden nicht leicht konnte verſchoben werden. Er kehrte alſo um, beantwortete ſchnell die Briefe, und ritt nun dem Dorfe zu: allein als er den Berg hinanritt, auf dem das Dorf lag, begegnete ihm ein Bauer, welchen er fragte, woher er käme. Die⸗ ſer ſagte, daß er von jenem Dorfe komme, wo die Kirchweihe gehalten werde, daß er auch das Amt gehört habe, und daß jetzt der Pfarrer predige. Der Edel⸗ mann war über dieſe Nachricht ganz erſchrocken und klagte ſo, als ob ihm das größte Unglück begegnet wäre. Der Bauer aber lachte darüber und ſprach:„Mich wun⸗ erts m nbe ſium del r Mtz zn ſicht ſo v Jen Rſ Per wor Ma den ſein ſelbe ll nit hab hab endl ihr Da ſo li hen icht u 3u rer die ren ne duß ne. nd en, nt⸗ hen die den ie⸗ ört Das Meſſehören befördert die Arbeit. 409 derts, Herr; daß ihr euch ſo närriſch ſtellt, als wenn an einer heil. Meſſe gar ſo viel gelegen wäre. Ich habe mein Lebtag weiß nicht wie viele heil. Meſſen ver⸗ ſäumt, und habe mich nie ſo närriſch geſtellt.. Der Edelmann ſagte:„Achteſt du denn die heil. Meſſe nicht?“ Er ſprach:„Ich achte ſie zwar, kenne aber wenig Nutzen davon. Seht, was habe ich von meiner heuti⸗ gen Meſſe und von dem Hören derſelben? Ich bin nicht reicher, noch glückſeliger geworden, und habe eben ſo viel, als wenn ich keine heil. Meſſe gehört hätte.“ Jener ſagte:„Ich aber halte ſehr viel auf die heilige Meſſe, und wenn du mir den Segen Gottes und das Verdienſt, welches du durch die heutige heil. Meſſe er⸗ worben haſt, ſchenken willſt, ſo will ich dir meinen Mantel dafür geben.. Der Bauer willigte mit Freu⸗ den ein, erhielt den Mantel, überließ dem Edelmann ſeinen empfangenen Segen und das Verdienſt. Der⸗ ſelbe ritt fröhlich dem Dorfe zu, fand den Gottesdienſt vollendet und beklagte ſich gegen den Pfarrer, daß er mit dem Amte nicht bis zu ſeiner Ankunft gewartet habe. Dieſer aber entſchuldigte ſich und ſprach: Ich habe das Amt bis über neun Uhr verſchoben, und war endlich gezwungen, dasſelbe anzufangen, da ich meinte, ihr würdet anderswo Meſſe gehört haben. Nach ge⸗ haltener Mahlzeit, als der Edelmann mit ſeinem Kap⸗ lan zurückritt, erzählte er ihm, daß ihn unterwegs ein Bote verhindert, der Bauer aber ihm ſeine gehörte heil. Meſſe für ſeinen Mantel geſchenkt habe. Später erfuhr man, daß jener Bauer von denſelben Verſuchun⸗ gen zum Selbſtmord bedrängt wurde, die früher den Edelmann ſo beängſtigt hatten, und daß er leider nicht Widerſtand leiſtete; man fand ihn mit dem durch die 410 Vierundzwanzigſtes Kapitel. Hingale der heil. Meſſe erhaltenen Mantel an einem Baume hängend, wohl zum warnenden Beiſpiele gegen ein ähnliches frevelhaftes Unterfangen, ſo leichtſinnig über die heil. Meſſe zu reden. Dieſe Geſchichte hat der Edel⸗ mann an allen Orten bekannt gemacht und die Kraft der heil. Meſſe überall offen verkündet; er ſelbſt aber hat ſich dieß am Beßten zu Nutzen gemacht, indem er ein beſtändiger Liebhaber der heil. Meſſe geblieben, wodurch er nicht allein von ſeiner Anfechtung befreit, ſondern auch mit nothwendiger Nahrung reichlich ver⸗ ſehen worden iſt. 8. Dieſes Beiſpiel mache auch du dir zu Nutzen, und nehme dir dieſen Edelmann zum Muſter, der durch Unterlaſſung der heil. Meſſe in Armuth und Verzagt⸗ heit geratben, durch das tägliche Meſſehören aber wie⸗ der von Gott geſegnet, und in einen guten Stand ge⸗ ſetzt worden iſt. Wenn du im täglichen Meſſehören nachläßig biſt, und mit den Deinigen Mangel leideſt, ſo darfſt du nicht fragen, woher dieſe deine Armuth komme, ſondern weil du gegen deinen Gott karg biſt, iſt er auch gegen dich karg. Weil du ihm den großen Dienſt und das Wohlgefallen, das du ihm durch das Meſſehören leiſten könnteſt, aus lauter Nachläßigkeit entzieheſt, ſo entzieht er dir auch deine Nahrung und ſeinen Segen. 9. Hüte dich alſo, daß du nicht mit dem gemelde⸗ ten Bauer ſprichſt:„was nützet mir das Meſſehören? Ich werde doch nicht reicher, noch glückſeliger; denn ich habe eben ſo viel von einer gehörten heil. Meſſe, als wenn ich keine gehört hätte.“ Solche Worte reden ver⸗ dorbene Burſche und jene unuützen Leute, die nicht wiſſen, was eine heil. Meſſe ſei. Du haſt aber in Durch⸗ leſt un tig au ſor ner der ho gel der en ber tſt bet ben, eit, ver⸗ en, ch agi⸗ ie ren deſt, uth hiſt, en das ei und elde⸗ ren ih al ſn n Das Meſſehören befördert die Arbeit. 411¹ leſung dieſes Buches ſo viel von der übernatürlichen Kraft und Wirkung der heil. Meſſe vernommen, daß ſich ohne Zweifel dein Herz darüber erfreut hat. Das andäch⸗ tige Meſſehören nützt nicht allein deiner Seele, ſondern auch deinem Leibe, befördert nicht allein die geiſtlichen, ſondern auch die zeitlichen Güter. Daher ſpricht For⸗ nerus in Miser. conc. 83:„Die Speiſe, die du an dem Tag iſſeſt, an welchem du die heil. Meſſe gehört haſt, wird dir beſſer geveihen, die Arbeit, die du nach gehörter heiligen Meſſe verrichteſt, wird geſegneter ſein, ſo daß die Noth, die du leideſt, geringer, wenigſt min⸗ der drückend wird.“ 10. Ingleichen ſpricht auch der fromme Discipulus Serm. 48.:»Wer die heil Meſſe gehört hat, wird an ſelbem Tage mehr Glück haben in ſeiner Arbeit, in ſeinem Handwerke, in ſeinem Kaufen und in ſeinen Reiſen. Der Herr wird ihn an Leib und Seele ſtär⸗ ken; die Engel werden lieber bei ihm ſein und ihn ſorgfältig bewahren. Wenn du an dem Tage, wo du Meſſe gehört haſt, unverſehens ſterben ſollteſt, ſo wird Chriſtus in deinen letzten Zügen bei dir ſein, wie du unter der heil. Meſſe bei ihm geweſen biſt.. Dieß ſind die Worte des Discipulus, mit welchen er den großen Nutzen des Meſſehörens erklärt und uns zu ſel⸗ bem eifrig antreibt. 11. Ich füge dem Angeführten noch mehr bei, und ſage, daß das Meſſehören der Arbeit nicht ſchade, ſon⸗ dern ſie vielmehr befördere, was ich oft an mir ſelbſt und von vielen Andern erfahren habe. Vom heiligen Iſidor, einem Bauer in Spanien, leſen wir in ſeiner Legende, daß er eines reichen Junkers Acker um einen gewiſſen jährlichen Lohn zu bauen übernommen hatte. 412 Vierundzwanzigſtes Kapitel. Dieß that er mit allem Fleiße, unterließ aber auch ſeine gewöhnliche Andacht nicht, ſondern ging am Morgen von einer Kirche zur andern, no Meſſe geleſen wurde, und brachte einige Stunden mit Gebet und Meſſehören zu. Dieſe Andacht gefiel dem lieben Gott ſo wohl, daß er ihm ſeine Engel zu Hilfe ſandte, damit an dem Ackerbau nichts verſäumt wurde. Wenn ſein frommes Weib in's Feld hinauskam und das Eſſen brachte, ſah ſie oft mit leiblichen Augen, daß zwei Engel mit weißen Ochſen und zwei Pflügen ihrem Manne ackern halfen. Dieß aber ſah der heil. Iſidor nicht, und ſein Weib offenbarte es ihm auch nicht, damit er keine eitlen Ge⸗ danken bekommen möchte. Einige Bauern aber, die des Junkers Unterthanen und dem Heiligen neidig waren, verklagten ihn bei demſelben, und ſagten: Geſtrenger Herr; wiſſet, daß der Iſidor, welchem ihr eure Güter zu bauen übergeben habt, alle Morgen die Kirchen der Stadt beſucht, ſpät zur Arbeit kommt und alſo kaum die halbe Arbeit des Tages verrichtet, die wir verrich⸗ ten. Dieß haben wir, eure treuen Unterthanen, euch ankündigen wollen, weil es zu euerm Schaden iſt. Der Junker ergrimmte hierüber ſo heftig, daß er zu ſeinem Lehensmanne ging und ihn als einen untreuen Arbeiter übel auszankte. Der Heilige aber ſprach ganz ruhig: „Herr Junker! ich erkenne zwar, daß ich euer Lehens⸗ mann bin, dennoch aber auch dem König aller Könige zu dienen ſchuldig ſei und deſſen Dienſt gar nicht un⸗ terlaſſen kann. Wenn ihr fürchtet, daß ich wegen mei⸗ nes ſpäten Kommens zur Arbeit euch Schaden zufüge, ſo will ich euch zur Erndtezeit eueren Schaden von mei⸗ nen Früchten erſtatten.“ Durch dieſe freundliche Ant⸗ wort war der Junker verſöhnt und ließ dieſen from⸗ un ne en un daß en nes eib des ger ter der um ic⸗ uch der em ter Das Meſſehören befördert die Arbeit. 413 men Mann im täglichen Meſſehören fortfahren. Da⸗ mit er aber gründlich erfahren konnte, wie ſpät ſein Lehensmann zur Arbeit komme, ging er einmal des Morgens hinaus, verbarg ſich hinter einen Felſen und ſah alſo, daß Iſidor wirklich ſehr ſpät das Pflügen an⸗ fing. Hierüber wurde er ſehr zornig, ſtand von ſeinem Orte auf, ging gerade zu ſeinem Acker hin und wollte ſeinen Lehensmann recht auszanken. Im Hingehen ſah er daß neben dem Pfluge noch zwei andere, mit weißen Ochſen beſpannt, auf dem Acker arbeiteten, und Iſidor in der Mitte hatten. Hierüber verwunderte er ſich ſo ſehr, daß er ſtehen blieb, und die weißen Ochſen ſammt den Ackersmännern betrachtete. Nach einer Weile ging er weiter fort, um dasſelbe genauer zu ſehen, als er aber nahe zu ihnen hinkam, ſieh, da verſchwanden ſie ſammt ihren Ochſen und Pflügen vor ſeinen Augen. Hier kam eine Verwunderung an die andere, und als der Junker zum Iſidor kam, grüßte er ihn freundlich und ſprach unter Anderm: Mein lieber Lehensmann, ich bitte dich durch Gott, ſage mir, wer dieſe Männer ſind, welche dir ackern helfen? Der Heilige lachte hierüber und wußte nicht, was er antworten ſollte. Da ſprach der Junker: Ich ſage dir für gewiß, daß ich noch zwei andere geſehen habe, welche neben dir gepflügt haben; als ich aber nahe zu ihnen kam, verſchwanden ſie vor meinen Augen. Der heil. Iſidor ſprach:„Vor Gottes Angeſicht bekenne ich, daß ich in dieſem Ackerbau keinen Helfer geſehen, vielweniger berufen habe, als nur Gott allein, den ich zu meinem Helfer erſuche Aus dieſen Worten erkannte der Junker, daß die zwei Ackersleute Engel geweſen ſind, und war dadurch ſo wohl vergnügt, daß er ſich ſehr freute, einen ſo heiligen Lehensmann 414 Vierundzwanzigſtes Kapitel. zu haben. Henschenius in Actis Sanctorum, ad diem XV. Maji. Aus dieſer Legende magſt du die Wahrheit dir ab⸗ nehmen, daß das Meſſehören die Arbeit nicht hindere, ſondern ſie befördere, weil der liebe Gott verordnet, daß unſere Arbeit beſſer glücke, und mit größerem Er⸗ folge begleitet ſei. Die Zeit, die wir an der Arbeit verſäumen und zum höchſten Gottesdienſt anwenden, die Zeit, welche wir uns geſtohlen und Gott geſchenkt ha⸗ ben, die Zeit, in welcher mir unſern Gewinn verſcherzt und die Ehre Gottes befördert haben, iſt fürwahr nicht verloren, ſondern ſehr wohl benützt worden, und wird uns von Gott zeitlich und ewig vergolten werden. Wie nun das Meſſehören zeitlich belohnt wird, will ich noch in einer denkwürdigen Erzählung deutlicher machen. 12. In Spanien war vor Zeiten ein edler Ritter, Fernando Antolinns genannt, welcher eine ſolche An⸗ dacht zur heiligen Meſſe hatte, daß er ſie an keinem Tage, auch wenn er mit wichtigen Geſchäften überhäuft war, vernachläßigte. Zur ſelben Zeit hatten die wilden Mauren aus Afrika den größten Theil des ſpaniſchen Landes erobert und preßten die Einwohner, nämlich die Chriſten, erbärmlich Um das Jahr Chriſti 982 wurde gemeldeter Fernando zum Kriegsgeneral gewählt, und er fügte den Mauren großen Schaden zu. Dieſen wurde durch ihre Spione berichtet, daß Fernando alle Mor⸗ gen die heil. Meſſe höre und ſelbe auch wegen keines Geſchäftes verſäume. Deßwegen überfielen ſie eines Morgens das ſpaniche Feldlager unverſehens und rich⸗ teten großen Schaden an. Die Offiziere ſchickten eilends zu ihrem General, kündigten ihm die Gefahr an und baten ernſtlich, daß er bald kommen und gegen die No tieſ ten in Off ſto ſlo er Bri heſt abn fi Lg rode ſie deſ he iß in, fin he die he en uft den hen die ede und nde or⸗ nes ich⸗ nd n di Das Meſſehören befördert die Arbeit. 415 Mauren ſtreiten ſollte. Fernando erſchrack zwar über dieſe traurige Nachricht, ließ aber dennoch den Offizie⸗ ren ſagen, er könne nicht eher kommen, bis die ange⸗ fangene heil. Meſſe beendet wäre. Hierauf kamen die Offiziere perſönlich zur Kirche, verkündigten ihm den ſchon geſchehenen Schaden und ſagten, daß ſie Alle er⸗ ſchlagen werden, wenn er ihnen nicht zu Hilfe käme. Fernando ſprach:„Fürchtet euch nicht, meine lieben Brüder; denn mein Gott, dem ich diene, wird uns beſchützen. Ich aber werde von ſeinem Dienſte nicht abweichen, bis die heil. Meſſe vollendet iſt.. Die Of⸗ fiziere gingen traurig hinweg und glaubten, das ganze Lager werde ſchon aufgerieben ſein. Es war aber ge⸗ rade das Gegentheil; denn als ſie zum Lager kamen, ſahen ſie einen dem General völlig gleichen Ritter, ſitzend auf deſſen Pferd, mit ſeinen Waffen angethan, dem ganzen Heere vorreiten, und hörten auch, wie er ihnen eifrig zuſprach. Dieſer Ritter drang in das feindliche Herr ein, trieb ſie nach rechts und links auseinander, brach in die geordneten Schlachtreihen, richtete unter ihnen eine große Niederlage an und jagte die Ueberreſte des Heeres in die Flucht. Die chriſtlichen Seldaten ſahen dieſem Streite mit Bewunderung zu, folgten ihrem Heeresführer herzhaft nach, ſchlugen die Feinde unbarm⸗ herzig zu Boden, und in einer halben Stunde erfochten ſie den glänzendſten Sieg. Dieſen Sieg ſchrieben ſie aber alle ihrem General Fernando zu, und machten daher Anſtalten, ihm zu gratuliren und Dank zu ſa⸗ gen. Dieſer aber verſchwand vor ihren Augen und konnte nirgends gefunden werden. Sie meinten, er ſei wieder in die Kirche gegangen, um dem allmächtigen Gott für dieſen Sieg Dank zu ſagen, und gingen alſo 416 Vierundzwanzigſtes Kapitel. in guter Ordnung der Kirche zu. Fernando wußte von dieſem Siege noch nichts, ging nach vollendeter heiligen Meſſe heraus, wider die Feinde zu ſtreiten. Die Of⸗ fiziere, die ihm entgegen kamen, bezeigten ihm die tiefſte Verehrung, wünſchten ihm Glück wegen des errungenen Sieges und prieſen ſeinen Heldenmuth. Fernando war ganz verwundert und wußte nicht, was er ſagen ſollte. Nach einer Weile ſprach er:„Liebe Brüder! ich weiß nicht, was ihr im Sinne habt, ob ihr Spott oder Ernſt mit mir treibet.“ Sie ſprachen:„Wie kannſt du, tapferer Feldherr, das von uns denken? Sind wir nicht in der Schlacht deine treuen Diener und Nachfol⸗ ger geweſen, und haben wir nicht Urſache genug, dir Glück zu wünſchen, da ganz allein deine Tapferkeit und dein Muth dieſen herrlichen Sieg davon getragen? Das ganze Heer wäre ohne Zweifel zu Grunde gegangen, hätte nicht dein muthvolles Erſcheinen der ganzen Schlacht eine andere Wendung gegeben.. Fernando ſprach: „Glaubt mir, liebe Brüder, daß ich heute noch nicht zu Feld kam, ſondern bis zum Ende der heil. Meſſe in der Kirche blieb.. Sie ſagten hiegegen:„Wir ha⸗ ben dich ja mit unſern Augen an der Spitze des Hee⸗ res geſehen, wir haben geſehen, wie du die Mauren links und rechts zu Boden geworfen.. Der General ſprach voll Verwunderung:„Wenn es ſo iſt, wie ihr ſagt, ſo that nicht ich es, ſondern ein Anderer hat es ge⸗ than.. Während ſie ſo mit einander redeten, ſieh, da kam einer mit des Generals Pferd, welches ohne Reiter im Felde herumlief und von ihm gefangen wurde. Alle ſahen mit Verwunderung, wie das Pferd ſchnaubte und ſchäumte, zerſtochen und zerſchlagen war. Die Waf⸗ fen des Generals, welche auf dem Pferde angebunden, nne Uy zund nein inte nich hrit ſire hring Neſ ſicht brke nſet eiſt lſch han pet nig ir dein Rwi ere hen iit dih ſung vir icht C von igen nfe enen wur lle. weiß odet mnſt wir o dir und Das en lacht ch: nich Neſſe He⸗ uren nerot ihr 9 „d ohn urde ul ſtel, Das Meſſehören befördert die Arbeit. 417 waren, waren voll Blut und man konnte deutlich das Abprellen der Pfeile bemerken. Hierüber erſtaunte Fer⸗ nando und ſprach:»Weil ich heute noch nicht auf mein Pferd gekommen bin, ſo glaube ich unbezweifelt, daß mein Schutzengel meine Geſtalt angenommen und unterdeſſen ich Meſſe gehört und für euch gebetet, für mich geſtritten habe. So erkennet nun, meine lieben Brüder, wie angenehm dem lieben Golt das Meſſe⸗ hören ſei, und welch großen Nutzen es dem Menſchen bringe. Denn wenn ich nach euerm Begehren das Meſſehören unterlaſſen hätte, ſo wäre mein Schutzengel nicht gekommen und wir hätten den Sieg nicht errungen. Erkennet aus dieſer Geſchichte, daß das Meſſehören unſere Geſchäfte nicht verhindere, ſondern vielmehr die geiſtlichen und leiblichen Güter befördere und den himm⸗ liſchen Segen uns verſchaffe Mariana Historia His- panica lib. S. c. 9. Dieſe Legende habe ich hieher geſetzt, damit du es gleichſam mit deinen Augen ſehen mögeſt, wie Gott Mittel und Wege genug hat, um dir die Zeit, welche du ihm geopfert, ſegensreich für deinen Lebensberuf zu machen, ſo daß du in Wahrheit zewinneſt, während du in den Augen der Leute zu ver⸗ lieren ſcheineſt. Der liebe Gott hat es uns ſelbſt mit ſeinem eige⸗ nen Munde verſprochen, da er Matth. VI. ſagt:„Su⸗ het zuerſt das Reich Gottes und ſeine Gerechtigkeit, ſo vird euch alles Zeitliche gegeben werden.“ Dieſer Mah⸗ nung kommen wir aber gewiß am beßten nach, wenn vir tägbich, ehe wir unſere Arbeiten beginnen, dem erhabenen Dienſte der heil. Meſſe beiwohnen. Cochem, Meßerklärung. 7 418 Fünfundzwanzigſtes Kapitel. Fünfundzwanzigſtes Kapitel. Von der Art und Weiſe, die heilige Meſſe aufzuopfern. 1. Wolle doch, o andächtige Seele, dieſes Kapitel aufmerkſam leſen und deinem Gedächtniſſe tief einprä⸗ gen; denn es liegt ſehr viel daran, und du wirſt aus vem rechten Gebrauche dieſer Lehre einen großen Nutzen ziehen. Wiſſe daher, daß die heil. Meſſe das wahre, einzige und höchſte Opfer der Chriſtenheit ſei und daß diejenigen, welche die heil. Meſſe recht hören, dieſes Opfer dem höchſten, dem ewigen Gott darbringen. Denn ſo ſpricht P. Gobat in Alphab. Sacri. au- diendi n. 220.:„Das Meſſehören iſt nicht eigentlich ein Gebet, ſondern die einzig würdige Anbetung und Aufopferung(Sacrificatio); denn Alle, die bei der heil. Meſſe ſind, ſacrifiziren oder verrichten ein gött⸗ liches Opfer mil dem Prieſter. Der vornehmſte Prie⸗ ſter oder Opferer aber iſt Chriſtus, welcher alle heil. Meſſen, ſo geleſen werden, ſeinem Vater aufopfert. Neben dieſem und gleichſam ſein Werkzeug, ſeine Hand und Zunge iſt es der Prieſter, welcher das göttliche Opfer verrichtet. In dritter Reihe dieſes neuteſtament⸗ lichen Prieſterthums ſtehen alle Jene, welche bei der heil. Meſſe gegenwärtig ſind, und auch ſie haben die Macht, die heil. Meſſe zu opfern, und zwar ſo, daß manche Weltlichen mit mehr Andacht und Seelenreinig⸗ keit das göttliche Sacrificium opfern, als der Prieſter ſelbſt. In die vierte Linie dieſer Styfenreihe möchte ich Jene ſetzen, welche die heil. Meſſe durch das ver⸗ abreichte Stipendium veranlaßten, oder welche die zun Von der Aufopferung der heiligen Meſſe. 419 Opfern nöthigen Geräthe als: Kelch, Meßgewand u. ſ. w. hergeſchafft haben. Auch diejenigen, welche durch ihre Geſchäfte abgehalten ſind, perſönlich bei der heil. Meſſe zu erſcheinen, doch aber mit ihrem Geiſte der heiligen Darbringung beiwohnen, auch dieſe gehören zu den Opferern. Alle dieſe werden ex opere operato, d. h. durch die Thatſache der Darbringung des Opfers an und für ſich, der Früchte der heil. Meſſe theilhaftig, weil ſie gewiſſermaſſen mit opfern, und können die Frucht oder den Nutzen Andern zueignen.“ Dieß Alles ſagt P. Gobat, in Alphab. Sacrific. aud. Es find aber dieſe Worte wohl in Acht zu nehmen; denn ſie enthalten eine ſchöne und tröſtliche Lehre. 2. Ich halte dafür, daß eine der vornehmſten Gna⸗ den, die Gott ſeinen Rechtgläubigen gegeben hat, dieſe ſei, daß er nicht allein ſeinen Prieſtern, ſondern auch allen Männern, Frauen und Kindern vergönnt habe, das hochwürdigſte und göttlichſte Opfer der heil. Meſſe ſeiner Majeſtät darzubringen. Eine ſolche Gnade hat er dem Judenthume nicht erwieſen; denn die Laien durf⸗ ten ihm dort nicht allein kein Schlachtopfer darbringen, ſondern nicht einmal Weihrauch im Tempel anzünden. Es war ihnen erlaubt, ja ſogar geboten, daß ſie zu jedem Brand⸗ und Friedopfer Weihrauch legen ſollten, dagegen aber war es ihnen verboten, ſolchen Weihrauch im Tempel anzuzünden. Wenn aber Jemand dieß ver⸗ meſſentlich that, ſo beging er eine große Sünde. 3. Daher leſen wir 2. paral. 26., daß, als der König Ozias auf dem Rauchaltare Weihrauch anzünden vollte, die Prieſter ihm dieſes verwieſen und ſagten: „Es iſt nicht deines Amtes, o König! daß du dem 420 Fünfundzwanzigſtes Kapitel. Herrn Weihrauch anzündeſt, ſondern das ſteht den Prie⸗ ſtern zu, welche zu ſolchem Dienſte geweiht ſind. Gehe hinaus aus dem Heiligthume, verachte es nicht; denn es wird dir vom Herrn nicht zur Ehre gerechnet wer⸗ den.“ Hierüber ergrimmte Ozias heftig, hielt das Rauchfaß in der Hand und drohte den Prieſtern mit Rache. Sogleich wurde er vom Herrn mit dem Aus⸗ ſatze geſchlagen, und als die Prieſter dieß ſahen, ſtießen ſie ihn eilends hinaus. Ozias aber blieb ſein Leben lang bis zu ſeinem Tode ausſätzig. Sieh alſo, was für einen Lohn und Dank dieſer König ſich erwarb, da er dem Herrn Weihrauch anzünden und aufopfern wollte, wozu er nach den Geſetzen des alten Bundes nicht berechtigt war. 4. Im neuen Geſetze hat es aber eine ganz andere Bewandtniß; hier iſt es den Laien nicht nur nicht ver⸗ boten, ſondern gnädig erlaubt, nicht nur Weihrauch, ſondern auch allerlei Brand⸗ und Friedopfer, ja ſogar den heiligſten Leib und das Blut Chriſti unter der heil. Meſſe aufzucpfern. Höre Wunder, wie der heilige Petrus die chriſtliche Freiheit hervorhebt, da er zu den Gläubigen ſagt 1. Pet. 2.:„Ihr aber ſeid das aus⸗ erwählte Geſchlecht, das königliche Prieſterthum, und habt Gewalt, geiſtliche und Gott angenehme Opfer dar⸗ zubringen durch Jeſum Chriſtum.“ 5. Durch dieſe Worte will Petrus andeuten, daß alle Gläubigen beiderlei Geſchlechts bei der heil. Meſſe geiſtlicher Weiſe Prieſter ſind und vor Gott Gewalt haben, dieſes Opfer darzubringen. Wenn ſie aber die heilige Meſſe durch die Hände des Prieſters aufopfern, ſo opfern ſie ſelbe nicht allein geiſtlicher, ſondern auch leib⸗ liche Fri vert Me ohne Blu nige Die denn Reic ouse berr ſicht „D gege ſer voh die nac nel ſund tie Von der Aufopferung der heiligen Meſſe. 421 licher Weiſe, weil ſie eben Dasjenige opfern, was der Prieſter in ſeinen Händen hat, wie weiter unten erklärt werden wird. Wohl alſo eine große Gnade für alle Menſchen, da ihnen aus lauter Gnaden vergönnt wird, ohne Unkoſten den koſtbarſten Schatz des Leibes und Blutes Chriſti zu erkaufen und ohne Mühe, mit we⸗ nigen Worten, zu ihrem größten Nutzen Gott aufzuopfern. Dieſer Freiheit bediene dich fleißig, o frommer Chriſt! denn durch dieſes ſo leichte Mittel kannſt du zu großem Reichthume gelangen. Dieſe Aufopferung iſt auch das auserleſenſte Werk, welches du bei der heil. Meſſe zu verrichten haſt, und ohne welches du die heil. Meſſe nicht gebührlich hören kannſt. 6. Denn alſo ſpricht Pater Antonius de Spir. S. in direct. Conf. Sect. I. disp. 2 de Missa: „Das Meſſehören beſteht nicht allein in dem, daß einer gegenwärtig ſei, ſondern daß er zugleich mit dem Prie⸗ ſter die heil. Meſſe aufopfere.“ Dieſe Worte nimm wohl in Acht und übe ſie treulich im Werke, wenn du die heil. Meſſe recht hören und dir reichlich zu Nutzen machen willſt. Vernimm dann ferners auch, was ge⸗ neldeter Lehrer weiter ſagt:„Alle Gläubigen können die heil. Meſſe opfern, aber nicht durch ſich allein, ſondern durch die Hände des Prieſters. Damit aber die Laien oder Weltlichen opfern können, ſo müſſen ſie durch beſondere Hilfe dazu mitwirken, nämlich die heil. Meſſe beſtellen, der heil. Meſſe dienen, oder die heil. Meſſe hören. Von jenen Anweſenden aber, die nur dem Körper nach gegenwärtig ſind, deren Gedanken, deren Seele und Geiſt hingegen in der Ferne herum ſchwärmt, kann nicht geſagt werden, daß ſie opfern, ob⸗ wohl ſie auch Glieder der Kirche ſind; es iſt alſo noth⸗ 422 Fünfundzwanzigſtes Kapitel. wendig, daß ſie auf irgend eine Weiſe thatſächlich an der Aufopferung Theil nehmen.“ 7. Sieh alſo, hier haſt du die Meinung eines berühmten Lehrers, dem ich völlig beiſtimme und ſage: daß es, um die heilige Meſſe fruchtbar zu hören, nicht genug ſei, perſönlich gegenwärtig zu ſein, ſondern daß man zugleich mit dem Prieſter das hohe Sacrifizium Gott aufopfern müſſe. Da die heil. Meſſe ein Saci⸗ fizium, d. h. ein Opfer iſt, in welchen Worten eine Darbringung und Hingabe ſchon begriffen, ſo gehört auch zum Weſen des hl. Meßopfers, daß es Gott dar⸗ gebracht werden müſſe, und deßwegen haben die, welche weder mit Worten, noch mit Gedanken die heil. Meſſe aufopfern,(obwohl ſie dem Gebote der Kirche genugthun, wenn ſie andere Gebete, worin keine Aufepferung be⸗ griffen iſt, andächtig ſprechen), auch nicht den Antheil am Opfer ſelber, ſondern nur jenen Gewinn, den ihnen jede andere gottesdienſtliche Handlung bringt. 8. Dieß will ich durch eine Thatſache beweiſen. Wenn einer viele Roſenkränze andächtig geſprochen hätte, und ſelbe dem lieben Gott und ſeiner Mutter aufopferte, ohne Zweifel brächte er ihnen hiemit eine angenehme Gabe dar, und würde großen Lohn dafür zu erwarten haben; wenn aber ein Anderer eine heil. Meſſe gehört hätte und ſelbe dem lieben Gett aufopfert, welcher von beiden würde wohl eine edlere Gabe gebracht und grö⸗ ßeren Lohn zu erwarten haben? Ohne Zweifel hätte der Letztere eine unvergleichlich edlere Gabe gebracht und könnte auch einen größern Lohn erwarten. Denn was bringt der für eine Gabe dar, welcher viele Ro⸗ ſenkränze opfert? Er opfert zwar die heiligſten, von Gott ſelbſt gelehrten Gebete, dennoch, da er ſie ge⸗ ſei ſei he p rig M ei Von der Aufopferung der heiligen Meſſe. 423 ſprochen hat, ſind ſie nicht edler, als er ſie durch ſeine Andacht gemacht hat. Er mag ſie aber ſo andächtig ſprechen, als er nur will, ſo ſind ſie doch menſchliche und gemeiniglich unvollkommene Gaben und Gebete. Was bringt aber jener für eine Gabe, welcher eine heil. Meſſe opfert? Er opfert übernatürliche, ja die vollkommenſten, edelſten und göttlichſten Gaben. Er opfert das Fleiſch Chriſti, die Zähren Chriſti, den Tod Chriſti und alle Verdienſte Chriſti. Sind das nicht die heiligſten, vollkommenſten und Gott dem Vater an⸗ genehmſten Gaben? 9. Du möchteſt aber ſagen: Wer ſein Gebet und ſeine Roſenkränze opfert, der opfert ſeine eigenen durch ſeine Mühe hervorgebrachten Gaben; wer aber eine heil. Meſſe oder die Verdienſte Chriſti aufopfert, der opfert nicht ſeine, ſondern fremde und Chriſto zugehö⸗ rige Gaben. Ich aber ſage dir, daß, wer eine heil. Meſſe, oder die Verdienſte Chriſti aufopfert, der opfert keine fremde, ſondern ſeine eigene Gabe; denn durch die heil. Meſſe werden ihm die Verdienſte Chriſti ge⸗ ſchenkt und zugeeignet. Das ſpricht Pädagogus Chri⸗ ſtianus par. 2. c. 9.§ 2.:„Durch das unblutige Meßopfer eignen wir uns Alles an, was Chriſtus durch ſein Leiden, ſeinen Tod und ſein Blut uns verdient hat.. O wohl tröſtliche, wohl erfreuliche Worte: Wenn du aber vielleicht dieſem nicht glauben willſt, ſo will ich dir die Worte der Kirche beibringen, welche du glaubten mußt; dieſelbe ſpricht Trid Sess. 22. c. 2.: „Die Früchte des blutigen Kreuzopfers werden durch das unblutige Meßopfer in überfließendem Maaße em⸗ pfangen.. Sieh, mit dieſen Worten lehrt die Kirche, daß der Meſſehörende die Verdienſte Chriſti erwirbt 424 Fünfundzwanzigſtes Kapitel. und die Früchte des Leidens Chriſti auf's reichlichſte empfängt. Da nun dasjenige, was dir geſchenkt wird, eben ſo dein Eigenthum iſt, als was du dir ſelbſt er⸗ worben haſt, ſo kannſt du unter der heil. Meſſe Gott dem Vater die Verdienſte Chriſti gleichſam wie deine eigenen aufopfern und ſeine höchſte Majeſtät über die Maſſen erfreuen. 10. Nun erwäge wohl, welch' große Gnade dir Chriſtus erweiſt, indem er dich bei der heil. Meſſe geiſtlicher Weiſe zu einem Prieſter macht und dir Ge⸗ walt gibt, das hochwürdigſte Meßopfer der Gottheit nicht ollein für dich, ſondern auch nach Art der Prie⸗ ſter für Andere darzubringen. Denn ſo ſagt Fornerus in Miser. conc. 78.:„Nicht allein der Prieſter opfert die heilige Meſſe für ſich und Andere, ſondern auch du und jeder Chriſt kann, ſo oft er die heilige Meſſe hört, dieſelbe für ſich und ſeine Noth, ja auch für alle ſeine Freunde aufopfern.“ Dieß bekräftigt die Kirche im Meßbuche, da der Prieſter nach dem Sanctus alſo betet:„Sei eingedenk, o Herr! deiner Diener und Dienerinnen und aller Umſtehenden, für die wir opfern, oder welche dir ſelbſt opfern das Lobopfer für ſich und alle die Ihrigen ꝛc.“ Sieh, wie dieſe Worte ſo klar anzeigen, daß jeder Meſſehörende das heiligſte Sacrifi⸗ zium eben ſowohl, als der Prieſter Gott aufopfern kann, nicht allein für ſich, ſondern auch für alle ſeine Freunde und Gutthäter, wie auch für alle Lebendigen und Abgeſtorbenen. 11. Ingleichen geht dieß aus den Worten hervor, die der Prieſter nach der Händewaſchung, zum Volke gekehrt, ſpricht, da er ſagt:„Orate fratres, d. h. Betet Brüder, betet, daß mein und euer Opfer an⸗ „5—. ——— Von der Aufopferung der heiligen Meſſe. 425 nehmlich werde bei Gott, dem allmächtigen Vater!“ Hiemit iſt doch klar ausgeſprochen, daß ſelbſt der Prie⸗ ſter das Opfer nicht als ſein Werk allein betrachte, ſondern daß er es auch als das Werk der Gegenwär⸗ tigen gelten laſſen will. Dieß ruft er der Verſamm⸗ lung zu, und ſagt damit gleichſam:„Was ich jetzt beten und thun will, das geht ſowohl euch, als mich an, es iſt eben ſo euer Opfer, wie mein Opfer, und da es nun euer Sacrifizium iſt, ſo ſollt ihr mir ſacri⸗ fiziren und opfern helfen.. Nach der Aufhebung des Kelches ſpricht er:„O Herr! wir, deine Diener und dein heiliges Volk, opfern deiner erhabenen Majeſtät ein reines, heiliges und unbeflecktes Schlachtopfer ꝛc.“ Sieh alſo, hier ſpricht der Prieſter mit ausdrücklichen Worten zu Gott, daß nicht er allein, ſondern auch das heilige Volk mit ihm das reine Schlachtopfer darbringe; denn unter dem Worte„wir, deine Diener,“ meint er ſich und alle ſeine Mit⸗Prieſter, unter„dein heiliges Volk“ aber verſteht er die andächtig Gläubigen, die dem Opfer beiwohnen. Wenn nun die Gegenwärtigen weder mit Worten, noch mit Gedanken die heil. Meſſe aufopfern, ſo betrügen ſie nicht nur den Prieſter, ſon⸗ dern auch ſich ſelbſt, weil ſie ſich eines großen Ver⸗ dienſtes berauben. Denn alſo ſpricht Fornerus loco cit.:„Hier ſollen die Ohren aufmerken und wohl Acht geben, was für eines großen Gutes ſie ſich berauben, wenn ſie ſo ſelten die heil. Meſſe hören, oder, wenn ſie auch die heil. Meſſe hören, dennoch nicht achten, ſelbe für ſich und die Ihrigen aufzuopfern.“ 12. Dieſe Worte ſind ſehr merkwürdig und ſollen von ollen Leuten wohl beachtet werden; denn nicht allein diejenigen, welche die hl. Meſſe aus Nachläßigkeit ver⸗ 426 Fünfundzwanzigſtes Kapitel. ſäumen, thun ſehr übel, ſondern es ſchaden ſich auch jene ſehr, weiche die heil. Meſſe nur obenhin hören, oder dabei nur ihre täglichen Gebete ſprechen und die heil. Meſſe gar nicht aufopfern; denn das Aufopfern iſt das Beßte, was man bei der hl. Meſſe thun kann, und je öfter und herzlicher man die hl. Meſſe aufopſert, deſto mehr erfreut man Gott, deſto mehr zahlt man an der Strafe ſeiner Sünden ab, und deſto größern Lohn wird man im Himmel erlangen. So oft du ſprichſt: vich opfere, ich opfere,“ bedeutet dieß bei Gott ſo viel als:„ich zahle, ich zahle.. Ich zahle Geld zur Ab⸗ tragung meiner Schuld. Ich zahle Geld zum Einkauf der himmliſchen Güter. Ich zahle Geld zur Errettung der lieben Seelen aus dem Fegfeuer. 13. Man kann zwar auch außer der heil. Meſſe und allezeit mit großem Nutzen ſprechen:„Herr, ich opfere dir deinen lieben Sohn; ich opfere dir ſein Lei⸗ den und Sterben; ich opfere dir ſeine Tugenden und Verdienſte:“ dieß Opfern aber hat weniger Kraft, als jenes, welches bei der heil. Meſſe geſchieyt; denn außer der heil. Meſſe geſchieht das Opfern nur mit bloßen Worten und iſt nur ein geiſtliches Opfer, in der heil. Meſſe aber geſchieht es in der That und iſt geiſtliches und zugleich ein leibliches Opfer. In der heil. Meſſe iſt Chriſtus perſönlich gegenwärtig und ſeine Tugenden und Verdienſte begleiten ihn. In der hl. Meſſe wird er nochmal geiſtlicher Weiſe geſchlachtet und ſein Leiden und Sterben wird wahrhaftig erneuert. In der heil. Meſſe theilt er ſeine Verdienſte reichlich aus, er ſchenkt uns ſich ſelbſt, damit wir ihn ſeinem himmliſchen Vater aufopfern ſollen. Wenn nun die Aufopferung, die mit bloßen Worten außer der heil. Meſſe geſchieht, ſo kräf⸗ — Vom Werthe der Aufopferung der heiligen Meſſe. 427 tig iſt, daß Chriſtus zur heil. Gertrud lib. 4. c. 25. geſprochen hat: ves ſei ein Sünder ſo groß, als er wolle, ſo kaun er dech zur Hoffnung der Verzeihung gelangen, wenn er nur meinem Vater mein unſchuldiges Leiden aufopfert;“ was wird dann erſt die wirkliche Opferung des Leidens Chriſti unter der heil. Meſſe aus⸗ wirken, wo es nicht allein gegenwärtig, ſondern auch allen Umſtehenden eigen iſt! Auch zur heil. Mechtild ſprach Chriſtus einmal un⸗ ter der heil. Meſſe lib. I. c. 14.:»Sieh! ich gebe dir meine göttliche Liebe, meine Andacht und die Bitter⸗ leit meines Leidens. Alle dieſe Dinge gebe ich dir als Eigenthum, damit du ſie ols die deinigen mir wieder geben kannſt. Gibſt du mir dieß wieder zurück als deine Gabe, ſo werde ich eben dasſelbe dir zweifach zurück⸗ erſtatten, und ſo oft du mir ſolches wieder aufopfern wirſt, ſo werde ich es dir doppelt wieder geben; das iſt das Hundertfältige, welches der Menſch hier in der Zeit bekommt, und jenſeits das ewige Leben.. Aus dieſen Worten iſt abzunehmen, daß Chriſtus nicht allein der heiligen Mechtild, ſondern auch uns ſeine Verdienſte bei der heiligen Meſſe ſchenke, auf das wir ſelbe ihm zu unſerm größten Gewinn aufopfern können. Vom Werthe der Aufopferung der heiligen Meſſe. 14. Der gelehrte P. Sanchez ſagt in Thesaur. Missne cap. 24.:„In keinem Theil der heil. Meſſe, und durch kein Gebet in derſelben iſt ein größerer Troſt zu hoher geiſtlicher Freude ausgeſprochen, als in den Worten, die der Prieſter nach Aufhebung des heiligen 428 Fünfundzwanzigſtes Kapitel. Kelches zu beten hat, während er das Lamm Gettes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt, dem himmli⸗ ſchen Vater aufopfert; er ſpricht:„„O Herr, wir deine Diener, und dein heiliges Volk, opfern deiner erhabe⸗ nen Majeſtät ein reines, heiliges und unbeflecktes Schlacht⸗ opfer ꝛc.“ Er nennt das Volk heilig, weil es durch die heil. Meſſe geheiligt wird, wie Chriſtus bei Joh. 17. ſagt:„Ich heilige mich für ſie, auf daß ſie auch in Wahrheit geheiliget ſind.. Er heiliget auch die Um⸗ ſtehenden durch die Beſprengung mit ſeinem hl. Blute, welches er unter der Aufhebung des heil. Kelches über ſie ausgegoſſen hat, nach dem Spruche des heil. Pau⸗ lus, Hebr. 10.:„Auf daß er durch ſein Blut das Volk heilig mache.“ 15. Nun merke, mit welch' nachdrücklichen Worten der Prieſter im Namen des Volkes die hl. Meſſe Gott aufopfert, da er nach der Wandlung ſpricht:„O Herr! wir, deine Diener, und dein heiliges Volk opfern dei⸗ ner erhabenen Majeſtät ein reines Schlachtopfer, ein heiliges Schlachtopfer, ein unbeflecktes Schlachtopfer ꝛc.⸗ O welch' köſtliches Schlachtopfer iſt das, was der Prie⸗ ſter und jeder aus dem Volke der göttlichen Majeſtät aufopfert! wie ſehr eyfreuen ſie Alle den allmächtigen Gott und die Schaaren des Himmels! Das reine, hei⸗ lige und unbefleckte Schlachtopfer iſt nichts anderes, als das reinſte Fleiſch, die heiligſte Seele und das unbe⸗ fleckte Blut Jeſu Chriſti, der auf dem Altare für uns geſchlachtet wird, zwar nicht leiblicher und ſchmerzlicher, ſondern geiſtlicher und übernatürlicher Weiſe Die Menſch⸗ heit Chriſti iſt das wahre Schlachtopfer, welches von der Gottheit, wie auch vom Prieſter und jedem Um⸗ ſtehenden aufgeopfert wird, wenn ſie mit dem Munde ode liel Vom Werthe der Aufopferung der heiligen Meſſe. 429 oder im Herzen ſprechen:„O Herr! ich opfere dir deinen lieben Sohn durch die Hände des Prieſters in der Ge⸗ ſtalt, wie er auf dem Altare gegenwärtig iſt.“ 16. Auch hier entſteht abermals die Frage, was der Prieſter und das Volk bei der heil. Meſſe aufopfern. Ich habe es ſchon öfters wiederholt, daß die Gabe, die ſie dem höchſten Gott darbringen, einen größeren Werth habe, als alles Gold und alle Edelſteine der Erde. Ich wiederhole dieß noch einmal, und ſetze dazu: Wäre Jemand der wahre und wirkliche Eigenthümer der gan⸗ zen Welt, und würde er dieß ſein Eigenthum dem all⸗ mächtigen Gott aufopfern, ſo ſtünde ſeine Gabe dennoch weit unter dem Werthe der heil. Meſſe. Ja, könnte er verfügen über den ganzen Himmel und über alle ſeine Bewohner, ſo würde auch dieſes Opfer nicht im Vergleiche ſtehen zu der Gabe, welche bei der hl. Meſſe dargebracht wird. Das ſcheint dir viel geſagt zu ſein, und dennoch muß ich noch mehr ſagen. 17. Was gibt alſo derjenige ſeinem Gott, welcher ihm Chriſtum in der heil. Meſſe aufopfert? Er gibt ihm eine ſo vortreffliche Gabe, welche eben ſo viel werth iſt, als der allmächtige, unendliche Gott in ſeinen un⸗ endlichen Vollkommenheiten und in ſeiner Majeſtät ſelber. Höher kann ich alſo in der Angabe des Werthes der heil. Meſſe nicht mehr ſteigen, weil über der Gottheit ja nichts zu finden, noch zu denken iſt. Nun bedenke, welche Wichtigkeit die Aufopferung oder Hingabe eines ſolchen Geſchenkes habe, deſſen Werth Himmel und Erde übertrifft; du kannſt leicht begreifen, daß die Größe der Gabe auch die Darreichung oder Aufopferung ſelbſt in gleichem Maaße erhöhe. Gibſt du ein Stück Brod, ſo hat die Uebergabe einen ſchönen Werth, wenn ſie aus 430 Fünfundzwanzigſtes Kapitel. Liebe geſchieht; übergibt aber ein Fürſt ſeine Schätze den Armen, ſo hat dieſe Handlung natürlich einen höhern Werth, vorausgeſetzt, daß die Liebe Gottes und zum Nächſten die Urſache der Uebergabe iſt; übergeben nun der Prieſter und das Volk den Sohn Gottes ſelber ſammt ſeiner hochheiligen Menſchheit dem allmächtigen Vater, ſo hat dieſe Handlung, wenn ſie anders in der rechten Meinung geſchieht, einen noch viel größeren, ja einen unendlichen Werth. Dieß Alles will ich dir in einem Gleichniſſe darſtellen. 18. Wenn z. B. ein großes Reich einen künſtlichen und koſtbaren Trinkbecher aus dem beßten arabiſchen Golde machen ließe, dergleichen noch nie auf Erde wäre geſehen worden, und würde dieſer koſtbare Becher durch eine auserleſene Geſandtſchaft ſeinem Fürſten zum Zeng⸗ niß ſeiner Liebe verehrt; meinſt du nicht, daß der Fürſt dieſes ſo koſtbare Geſchenk mit größter Freude annehmen und ſich gegen die Unterthanen dankbar bezeigen würde? Ohne Zweifel! Wenn aber dieſes Reich einen Edel⸗ ſtein, welcher mehr werth wäre, als ein Königreich, in dieſen goldenen Pokal legen würde, und dieſe beiden Geſchenke ſeinem Fürſten darbringen ließe, ſo mäßte man in einer ſolchen Handlung eine doppelte Auszeich⸗ nung ſehen, die das Volk ſeinem Fürſten angethan hat, und es würde ſich bei demſelben wohl auch die Frende und Zuneigung zum Volke verdoppeln. 19. Nun wollen wir dieſes Gleichniß auf die heil. Meſſe anwenden und ſehen, wie es ſich ſo ſchön dazu ſchickt. In der heil. Meſſe opfern wir dem höchſten Gott eigentlich die Menſchheit Chriſti, welche ein ſo edles und erhabenes Geſchöpf iſt, daß der allmächtige Gott kein edleres und erhabeneres geſchaffen hat, noch ſchaffen un ſit eil gel bei der deit vüt die u wel ſell die ſu Vom Werthe der Aufopferung der heiligen Meſſe. 431 kann, weil überhaupt eine Steigerung dieſer Erhaben⸗ heit nicht mehr möglich iſt. Wir nennen nun die hoch⸗ heilige Menſchheit Chriſti einen koſtbaren Becher oder Kelch. Dieſen herrlichen Kelch opfert nun jeder Menſch bei der heil. Meſſe dem höchſten Gott, wenn er nach der Wandlung ſpricht:„O mein Gott! ich opfere dir deinen lieben Sohn, welcher auf dieſem Altare gegen⸗ wärtig iſt“ Du merkſt leicht den großen Werth und die Erhabenheit einer ſolchen Handlung. Nun aber laſſen wir es dabei noch nicht genug ſein, ſondern legen in dieſen köſtlichen Becher einen ſo theuern Edelſtein, welcher eben ſo viel werth iſt, als der unendliche Gott ſelbſt. Was iſt das aber für ein Edelſtein? Es iſt die Gottheit Chriſti; denn dieſe liegt perſönlicher Weiſe in ſeiner Menſchheit. Der heilige Paulus Coloſſ. 2. ſagt:„In Chriſtus wohnt die ganze Fülle der Gott⸗ heit leiblicher Weiſe.“ Wir opfern zwar in der heil. Meſſe eigentlich nicht die Gottheit, ſondern die Menſch⸗ heit Chriſti, nämlich den Leib, die Seele und das Blut Chriſti der Gottheit auf; weil aber die Menſchheit mit der Gottheit ſo vereinigt iſt, daß ſie von ihr nicht ge⸗ ſchieden werden kann, ſo opfern wir auch zugleich die Gottheit mit der Menſchheit. So du nun bei der heil. Meſſe Gott dem Vater Chriſtum aufopferſt, ſo opferſt du ihm den koſtbarſten Edelſtein ſeiner Gottheit mit dem herrlichſten Pokale ſeiner Menſchheit und reichſt ihm ein ſo theueres Kleinod, welches Himmel und Erde über⸗ trifft und eben ſo viel werth iſt, als die Fülle ſeiner Gottheit ſelber. O Menſch! welch ein unendliches Wohl⸗ gefallen bereiteſt du dem himmliſchen Vater, wenn du ihm dieſe koſtbare Gabe darbringſt. Du opferſt ihm eben denſelben Jeſus, von welchem er bei Matth. 17. K. 432 Fünfundzwanzigſtes Kapitel. bezeugt hat:„Dieſer iſt mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe.. Was für eine reiche Ver⸗ geltung wirſt du alſo entgegen erhalten, da ja Der⸗ jenige, welchein du dieſe theure Gabe darreicheſt, der frei⸗ gebigſte und dankbarſte im Himmel und auf Erden iſt! Wie viele Schulden wirſt du damit abzahlen können, da deine Gabe unendlich mehr werth iſt, als du ſchuldig biſt! 20. Dieſe Gabe iſt keine fremde, ſondern unſere eigene Gabe, welche uns von Gott dem Vater, und auch von Gott dem Sohne freigebig vor Zeiten ge⸗ ſchenkt worden, und in allen heil. Meſſen von Neuem geſchenkt wird, was der Prieſter bezeugt, indem er in der heil. Meſſe oftmals ſagt, daß das Opfer des Lei⸗ bes und Blutes Chriſti nicht allein ſein, ſondern auch des Volkes und unſer Opfer ſei. Weil denn Chriſtus in der heil. Meſſe unſer Eigenthum iſt, ſo ſind auch ſeine unſchätzbaren Reichthümer unſer eigen, woraus wir abnehmen, wie reich wir in jeder heil. Meſſe werden können. Darum iſt es wahr, was Sanchez ſagt in Thesaur. Missae cap. 24.:„daß der Menſch in der heil. Meſſe, wenn er ſie recht zu hören weiß, reicher werden kann, als durch alle andern von Gott erſchaffe⸗ nen Dinge.“ Das aber ſollſt du unter der heil. Meſſe beſonders in Acht nehmen, daß du oftmals Gott dem Vater ſeinen lieben Sohn opferſt. 21. Du ſollſt aber auch wohl Acht haben, vaß du allezeit die heil. Meſſe durch die Hände des Prie⸗ ſters opferſt, ſprechend:„O Herr! ich opfere dir dei⸗ nen lieben Sohn durch die Hände des Prieſters;“ denn damit iſt eben ſo viel geſagt, als wenn du ſprächeſt: „O Herr! ich bin nicht würdig, daß ich zum Altare trete und deinen Sohn in dieſe ungeweihte Hand nehme; har int h gör nu uf der ezt hob ſein Br ile dem wei Go vir Vom Werthe der Aufopferung der heiligen Meſſe. 433 darum trete ich im Geiſte hinzu, lege meine Hände unter die Arme des Prieſters und helfe ihm die heil. Hoſtie und den heil. Kelch aufheben.“ Von Heinrich 1., König von England, ſchreibt Reinaldus àd Ann 1341 num. 34., daß er täglich drei heil. Meſſen hörte und auf dem Antritte des Altares zu knieen pflegte. Wenn der Prieſter die heil. Hoſtie und den heil. Kelch aufhob, legte er ſeine Hände unter die Arme des Prieſters und hob zugleich mit ihm das hochwürdige Sakrament zu ſeinem größten Herzenstroſte empor. Wenn dieſer heil. Brauch jetzt noch wäre, ſo würde jeder zur heil. Meſſe eilen, damit er am erſten in die Kirche käme und mit dem Prieſter das hochwürdige Sakrament aufheben könnte; weil aber dieſer Brauch jetzt nicht mehr iſt, ſo nimmt Gott mit unſerm Willen vorlieb, wenn du nur ſprichſt: „O Herr! ich opfere dir deinen lieben Sohn durch die Hände des Prieſters;“ denn Gott weiß zu gut, was wir durch dieſe Worte ſagen wollen. 22. Neben der hl. Hoſtie mußt du auch den Kelch, oder das hochwürdigſte Blut Chriſti, Gott aufopfern, was ſo verdienſtlich iſt, daß es nicht genug begriffen werden kann. In dem zu Rom gedruckten Leben der hl. Mogdalena von Pazzis c. 101. ſteht alſo geſchrie⸗ ben: Dieſe Heilige ward von Gott unterrichtet, daß die Opferung des Blutes Chriſti ſehr mächtig ſei, den er⸗ zürnten Gott wegen der Sünden der Welt zu verſöh⸗ nen. Deßwegen beklagte ſich Hott vor ihr, daß es ſo nenig Leute gibt, welche ſich befleißen, ſeinen erweck⸗ len Zorn zu beſänftigen. Sie ward auch ermahnt, daß ſie es thun ſollte, und deßwegen opferte ſie täglich viel⸗ nal, gemeiniglich fünfzigmal mit großem Eifer das hei⸗ ligſte Blut Chriſti für Lebendige und Abgeſtorbene, und Cochem, Meßerklärung. 2 8 434 Fünfundzwanzigſtes Kapitel. Chriſtus zeigte ihr vielmals diejenigen Seelen, welche ſie durch Opferung des heiligen Blutes bekehrt oder aus dem Reinigungsorte befreit hatte. 23. Sie pflegte auch zu ſagen:„Es iſt ſehr zu befürchten, daß die Unbußfertigkeit der Sünder unſerer Trägheit zuzumeſſen ſei. Denn wenn wir ein eifriges Gebet und das Blut Chriſti für ſie aufgeopfert hätten, ſo hätte Gott ſie ohne Zweifel mit ſich durch unſer Gebet verſöhnt und vor den ewigen Peinen bewahrt. So laſſet uns denn das Blut und Leiden Chriſti un⸗ aufhörlich für die Sünder opfern“ Dieſe Worte ſind wohl zu beachten, weil ſie uns ein leichtes Mittel an die Hand geben, Gott zu verſöhnen, die Sünder zu be⸗ kehren, die Abgeſtorbenen zu erlöſen, und unſere Sün⸗ den abzubüßen. Dieſe Opferung des heiligen Blutes kann allezeit und an allen Orten geſchehen, am nützlich⸗ ſten und kräftigſten aber unter der heil. Meſſe, weil hier die Aufopferung nicht allein mit Worten, ſondern auch im Werke geſchieht. Der Prieſter hat das hei⸗ ligſte Blut wahrhaftig im Kelche und opfert es leiblicher Weiſe nicht allein in ſeinem Namen, ſondern im Na⸗ men der ganzen Kirche, beſonders aber der Gegenwär⸗ tigen. Wer nun bei der hl. Meſſe ſpricht:„H Herr! ich opfere dir das heilige Blut durch die Hände des Prieſters,“ der opfert gleichſam leiblicher Weiſe das heil Blut, weil er dasjenige opfert, was der Prieſter im hei⸗ ligen Kelche hat, und verdient mehr, als wenn er das heil Blut außer der heil⸗Meſſe bloß mit Worten geopfert hätte. 24. Wie viel aber eine ſolche Aufopferung werth ſei, iſt zu leſen im Leben gemeldeter Heiligen, Florent. part. 3.§ 5.„Wenn ein Menſch, ſprach ſie, das heilige Blut Gott dem Vater opfert, ſo opfert er ihm ge ei her ſo in in i N Vom Werthe der Aufopferung der heiligen Meſſe. 435 eine ſolche Gabe, daß Gott Vater gleichſam keinen Schatz hat, dieſelbe zu vergelten. Denn dieſe Gabe iſt ſo groß, daß Gott Vater ſich ſeinen Geſchöpfen verpflichtet zu ſein erkennt.. Welch hohe und wunderbare Worte ſind dieß! Soll es denn möglich ſein, daß die Opfe⸗ rung dieſes heil. Blutes eine ſolche Gabe ſei, daß Gott kein gleichmäßiges Gut habe, dasſelbe zu vergelten, ſon⸗ dern den Opfernden ſchuldig bleiben müſſe? Es iſt aber dennoch ſo; denn was iſt außer Gott im Himmel und auf Erden, das dem koſtbarſten Blute Chriſti gleich käme? Ein einziges Tröpflein gilt mehr, als ein gan⸗ zes Meer vom Blute der Marthrer.„Ja, ein einzi⸗ ges Tröpflein,⸗ wie der heil. Thomas yon Aquin ſagt, viſt mächtig genug, die ganze Welt von Sünden zu reinigen. Wenn dir nun Gott auch deine Sünden verzeiht wegen der Aufopferung dieſes theuern Blutes, ſo iſt dieß noch keine gleichförmige Vergeltung, weil ein einziges Tröpflein die Sünden aller Sünder auslöſchen kann. Wenn er dir wegen des heil. Blutes den Him⸗ mel gibt, ſo hat er dich nicht würdig genug bezahlt, weil das heilige Blut alle Sünder ſelig machen kann. 25. Wenn du auf dem Kalvarienberge geweſen wä⸗ reſt und hätteſt eine ſolche Liebe zu Jeſus gehabt, wie du ſie jetzt haſt, und hätteſt das herabfließende Blut Chriſti mit beiden Händen von der Erde aufgeſchöpft, mit wahrem Vertrauen in die Höhe gehoben, und mit reumüthigem Herzen Gott dem Vater aufgeopfert; wür⸗ deſt du nicht ein feſtes Vertrauen geſchöpft haben, daß du völlige Rachlaſſung deiner Sünden und Strafen er⸗ langen werdeſt? Sieh alſo, dieſer dein Erlöſer iſt auf dem Altate perſönlich gegenwärtig, zeigt ſeine Kreuzi⸗ gung, wie ſie auf dem Kalvarienberge geſchehen iſt, aber⸗ 436 Sechsundzwanzigſtes Kopitel. Wie nützlich es ſei, mals und in Wahrheit, nur geiſtlicher Weiſe, ſeinem himmliſchen Vater, und ſein heiliges Blut fließt aus ſeinen Wunden in den heil. Kelch. Wenn du nun das⸗ ſelbe heil. Blut geiſtlicher Weiſe in deine Hände nimmſt und mit ſolcher Andacht, als du es auf dem Kalva⸗ rienberge gethaun hätteſt, Gott opferſt, ſo wirſt du auch jetzt ſo großen Nutzen daraus ſchöpfen, als du damals geſchöpft hatteſt; denn welche Sünden ſind ſo gräulich, daß ſie nicht durch das Blut Coriſti abgewaſchen, welche Schulden ſind ſo gewaltig, daß ſie nicht durch den Werth des Blutes Chriſti bezahlt werden könnten? Denn das göttliche Blut kann mehr reinigen, verzeihen und bezahlen, als alle Welt ſich verunreinigen, verſündigen und verſchulden kann So ſetze denn ein feſtes Ver⸗ trauen auf das heil. Blut, und opfere es eifrig unter der heil Meſſe dem höchſten Gott. Bitte auch die lieben Engel, nach Anweiſung der heil. Magdalena von Pazzis, daß ſie das hl Blut vor dem Throne Gottes für dich aufopfern und dir Verzeihung deiner Sünden erbitten wollen. Sechsundzwanzigſtes Kapitel. Wie nützlich es ſei, ſich in viele heiligen Meſſen zu empfehlen. 1. Damit du mich nicht falſch verſteheſt, wird es vor Allem nothwendig ſein, dir zu erklären, was für den Fall, daß du mehreren heil. Meſſen in einer Kirche zugleich beiwohneſt, zu thun möglich iſt, und was nicht. Du mußt alſo zuerſt wiſſen, daß man mehreren heil. der e nin nic ſich in viele heilige Meſſen zu empfehlen. 437 Meſſen zugleich nicht ſo beiwohnen kann, daß man jede derſelben ganz und giltig aufopfern dürfte. Manche Leute meinen freilich, wenn ſie in einer Kirche ſind, wo⸗ rin in jener halben Stunde recht viele heil. Meſſen geleſen werden, könnten ſie alle mit einander aufopfern, und es wäre gerade dasſelbe, als ob ſie die gleiche An⸗ zahl heil. Meſſen nach einander gehört. Das iſt aber nicht ſo, wie ich nnn beweiſen will. 2. Ich ſage dir nun, daß jedes heilige Meßopfer etwas Ganzes, in ſich Abgeſchloſſenes iſt, und daß man es nicht ſtückweiſe hören und aufopfern kann. Darüber brauchſt du dich nicht ſonderlich zu wundern, denn es iſt ja bei jedem Werke ſo, beſonders bei jenen, die den Verſtand mehr in Anſpruch nehmen. Der Uhrmacher kann nicht zwei oder mehrere Uhren zugleich zuſammen⸗ ſetzen, der Prediger nicht mehrere Predigten zugleich hal⸗ ten, ja nicht einmal der Zuhörer vermag zwei oder meh⸗ rere Vorträge zugleich zu hören. So wie der Prieſter am Altare nur dieſes Opfer allein darbringt, und hie⸗ zu alle ſeine geiſtigen Kräfte anſtrengen muß, wenn er ſich nicht einer ſündhaften Nachläſſigkeit ſchuldig machen will, gerade ſo kannſt auch du immer nur Ein heiliges Opfer anhören und Gott dem Vater darbringen. 3. Was hier ausgeſprochen iſt, das kannſt du aus dem abnehmen, was der heil. Ligorio(Homo apost. tract. Vl.) über die Erforderniſſe ſagt, um dem Ge⸗ bote der Kirche:„du ſollſt an Sonn⸗ und Feſttagen die heil. Meſſe hören⸗ zu genügen. Er ſagt überein⸗ ſtimmend mit allen Moraliſten, daß zwei Dinge erfor⸗ derlich ſind, dieſem Gebote zu genügen: erſtens, die Abſicht(intentio), dieß zu thun, und zweitens, die Aufmerkſamkeit(attentio) bei der Darbringung des hei⸗ 438 Sechsundzwanzigſtes Kapitel. Wie nützlich es ſei, ligſten Opfers. Wer alſo mit ſeinen Sinnen ganz wo anders iſt, oder wer gar nicht weiß, was geſchieht, der genügt dem Gebote nicht Ligorio fordert mit dem heil. Thomas von Aquin, Lahmann und vielen Andern, daß man eine innere Aufmerkſamkeit habe auf die Ge⸗ heimniſſe des Opfers, oder auf die Worte und Hand⸗ lungen des Opferprieſters. Wenn Jemand alſo, nach dem Ausſpruche heiliger und berühmter Lehrer, nur dann das Gebot der Kirche erfüllt, wenn er innere und äußere Aufmerkſamkeit hat, ſo ſiehſt du wohl, daß es nicht möglich iſt, durch eine auf zwei oder mehrere heil. Meſſen zertheilte Aufmerkſamkeit würdig und giltig überhaupt Meſſe zu hören. 4. Dieſe ſo eben angeführten Männer ſagen dir überdieß noch, daß du auch nicht ſtückweiſe die heiligen Meſſen aufopfern kannſt. Denn bei derſelben Gelegen⸗ heit(Lig. homo apostol. tract. VI. Cap. IMI. punct. 1.§. 27. 28 und 34.) ſagt der heil. Ligorio, daß man nicht zwei halbe Meſſen hören könne, um ſie dann gleichſam zu Einer zuſammenzuſetzen. Man muß Eine hl. Meſſe ganz und mit Aufmerkſamkeit hören, dann erſt hat man dem Gebote Genüge geleiſtet. Wer alſo in eine Kirche kömmt, in der zwei Prieſter die heilige Meſſe leſen, von denen der eine beim Pater noster, der andere aber beim Anfang der heil. Meſſe iſt, der kann nicht ſagen, er habe eine heil. Meſſe ge⸗ hört, wenn er auch die eine vom Beginne bis zum Pater noster, die andere aber vom Pater noster bis zum Ende gehört habe. Er hat, wenn er geſammelt war, einem Gottesdienſte beigewohnt, und es iſt auch eine kurze Minute, die man auf ſolche Weiſe ſeinem Gott ſchenkt, von großer Bedeutung, und wird gewiß nit l gn ſell dir te de —„— S— —— ———— ſich in viele heilige Meſſen zu empfehlen. 439 mit goldenen Buchſtaben in unſerm Leben verzeichnet; allein das Opfer hat er nicht dargebracht, weil dieß ganz und ungetheilt geſchehen muß; denn das Opfer ſelbſt iſt ja ein zuſammenhängendes Ganze. 5. Du fragſt alſo, ob es denn gar nicht beſſer iſt, mehrere heil. Meſſen zugleich zu hören. Ich antworte dir: was deinen Dienſt betrifft, den du Gott wäh⸗ rend dieſer Zeit darbringſt, ſo iſt es ganz gleich, ob ſechs oder acht heil. Meſſen neben dir aufgeopfert wer⸗ den, denn du kannſt doch nur Eine aufopfern;— allein was das Gebet betrifft, das für dich von allen Meſſe leſenden Prieſtern geſprochen wird, ja was die Aufopfe⸗ rung des göttlichen Vermittlers Jeſu Chriſti betrifft, der auch für dich Gegenwärtigen von allen dieſen Prie⸗ ſtern dem himmliſchen Vater dahingegeben wird, ſo muß ich es offen ausſprechen, daß es ein großes Glück iſt, mehreren heil. Meſſen zugleich anzuwohnen, vorausge⸗ ſetzt, daß du dich nicht ſtören laſſeſt durch das viele Geräuſch, das gemeiniglich entſteht, wenn mehrere heil. Meſſen zugleich geleſen werden. Biſt du aber von ſol⸗ cher Beſchaffenheit, daß deine Sinne durch die geringſte Bewegung in der Kirche von dem hochheiligen Opfer, daß du mit dieſem oder jenem aus den Meſſe leſenden Prieſtern darbringſt, abgezogen werden, ſo iſt es für dich nicht rathſam, ſolche Gelegenheiten, wo mehrere heil. Meſſen zugleich geleſen werden, aufzuſuchen, ſon⸗ dern lieber in einem kleinen Kirchlein deinen Gottes⸗ dienſt zu verrichten, wo ein einziger Prieſter das Opfer entrichtet. 6. Du weißt nun, daß es nicht möglich iſt, zwei oder mehrere heil. Meſſen zugleich darzubringen, und wirſt auch nicht mißverſtehen, wenn ich nun von dem 440 Sechsundzwanzigſtes Kapitel. Wie nützlich es ſei, Nutzen rebe, der uns zukommt, wenn wir bei mehreren heil. Meſſen gegenwärtig ſind. Erinnere dich alſo an das, was oben im 23. Kapitel bewieſen worden iſt, nämlich, daß alle Prieſter in allen heiligen Meſſen viel für alle Gegenwärtigen beten, alle ihre hl Meſſen für ſie aufopfern und ſelbe für ſie leſen müſſen. Wenn ein Prieſter allein am Altare ſteht, ſo betet und opfert dieſer allein für dich. Sind aber zwei zugleich an den Altären, ſo beten und opfern dieſe zwei für dich; ſtehen drei oder mehrere an den Altären, ſo leſen alle dieſe ihre heil. Meſſen für dich, und auf ſolche Weiſe wird viel mehr für dich gebetet und aufgeopfert, als wenn du nur von einem Prieſter Meſſe gehört hätteſt. 7. Auch iſt im 23. Kapitel erwieſen worden, daß die lieben Engel, welche bei jeder heil. Meſſe ſind, für alle Meſſehörenden eifrig bitten, und wenn nun meh⸗ rere heil. Meſſen zugleich geleſen werden, ſo ſind auch mehrere heil. Engel gegenwärtig und du haſt mehrere Fürbitter bei Gott. Drittens iſt erwieſen worden, daß Chriſtus, als der vornehmſte Prieſter in jeder heiligen Meſſe für ſeine ganze Kirche, beſonders aker für die Meſſehörenden bete und ſich ſelbſt für einen jeden ab⸗ ſonderlich aufopfere. Ich ſage, daß Chriſtus für einen jeden beſonders bete, deſſen Nöthen der Gottheit vor⸗ trage und ſeinen Leib und Blut für einen jeden beſon⸗ ders aufopfere. Gleichwie Chriſtus für alle Menſchen zugleich gelitten hat, ſo litt er auch für jeden Menſchen allein, wie aus dem heil. Paulus abzunehmen iſt, da er Gal. 2. ſpricht:„Chriſtus hat mich geliebt und hat ſich ſelbſt für mich dargegeben.“ Dieſe Worte lauten ſo, als ob Chriſtus den hl. Paulus allein geliebt und für ihn allein gelitten hätte, und dieß kann jeder M Pe ſir 6he jir gen A für — ſich in viele heilige Meſſen zu empfehlen. 441 Menſch mit Wahrheit ſagen; denn er hat eben ſowohl für einen jeden allein, als für alle zugleich gelitten. Ehenſo macht er es auf dem Altare, auf welchem er für alle zugleich, dennoch für einen jeden allein betet. 8. Wenn nun eine hl. Meſſe allein in deiner Ge⸗ genwart geleſen wird, ſo betet Chriſtus auf demſelben Altare allein für dich. Werden aber zwei oder meh⸗ rere hl. Meſſen zugleich geleſen, ſo betet Chriſtus auf jedem Altare beſonders für dich, ja, er betet nicht allein für dich, ſondern er gibt dir von jedem Altare einen Theil ſeiner Verdienſte, er ſpeiſet und tränket vich geiſt⸗ licher Weiſe mit ſeinem Leibe und Blute; er vermehrt dir ſeine göttliche Gnade, und ertheilt dir ſeinen väter⸗ lichen Segen. Alle dieſe und noch viel mehrere geiſt⸗ liche Gaben werden dir, wenn du im Stande der Gnade biſt, in jeder heil. Meſſe geſchenkt. Je mehr heilige Meſſen du nun höreſt: deſto mehr werden dieſe Gaben in dir vermehrt; woraus dann folgt, daß du es dir für ein großes Glück ſchätzen ſollſt, wenn du mehrere heil. Meſſen zugleich hören kannſt. 9. Hier will ich noch ein merkwürdiges Beiſpiel erzählen, wie Gott ein treues Anhören der heil. Meſſe überhaupt belohnt. Die Erzählung iſt genommen aus der Legende der heil. Eliſabeth, Königin von Portugal. Als ein Hofbedienter des Königs zum Sterben kam, ſprach er zu ſeinem Sohne:„Mein Sohn! ich ſcheide nun aus dieſer Welt in der Hoffnung auf die göttliche Barmherzigkeit, und hinterlaſſe dich als einzigen Erben aller meiner Güter. Vor allem aber hinterlaſſe ich dir die Lehre, daß du alle Tage eine hl. Meſſe höreſt und dem König, wenn du an meine Stelle kommen ſollteſt, treulich dieneſt.. Nach dem Tode des Vaters 442 Sechsundzwanzigſtes Kapitel. Wie nützlich es ſei, kam der Sohn nach Hof und wurde der heil. Eliſa⸗ beth als Edelknabe übergeben. Wegen der Frömmig⸗ keit dieſes Knaben trug die Heilige eine Neigung zu ihm, gab ihm manche gute Lehre und ſchickte durch ihn den Hausarmen der Stadt Liſſabon oftmals heimlich Almoſen. Die Königin hatte noch einen andern Edel⸗ knaben, welchen ſie aber wegen ſeiner böſen Sitten ver⸗ abſcheute. Der hatte nun gegen ſeinen Amtsgenoſſen ob dieſes Vorzuges einen bittern Haß, war demſelben um die Gunſt der Königin neidig, und damit er ihn vom Hofe entfernen könnte, verklagte er ihn beim Könige, daß er mit der Königin eine unehrliche Bekanntſchaft habe und oft allein zu ihr in das Zimmer gehe. Der König konnte das nicht glauben, da er wußte, welch keuſche Frau er habe. Der böſe Edelknabe aber ſagte zum Könige, er wolle ihn an einen Ort führen, wo er den Dienſtgenoſſen, wenn er aus dem Zimmer der Kö⸗ nigin käme, ſelbſt ſehen könnte. Als nun der König eines Tages dieß geſehen hatte, da glaubte er der fal⸗ ſchen Anklage, ergrimmte heftig wider die Königin und den Edelknaben, und dachte nach, wie er ihn heimlich hinrichten könnte. Eines Tages ritt er vor die Stadt hinaus und kam zu einem Kalkofen; hier rief er dem Kalkbrenner und ſprach heimlich zu ihm:„Wenn ich dir Morgen früh Jemand ſchicken werde, der dich fra⸗ gen wird, ob du meinen Befehl verrichtet haſt, ſo wirf ihn ungeachtet aller Entſchuldigung in den brennenden Ofen. Wirſt du es aber nicht thun, ſo will ich dich ſtatt deſſen in den Ofen werfen laſſen.. Der Kalk⸗ brenner verſprach, den ſtrengen Befehl zu vollziehen. Der König ließ am folgenden Morgen in der Frühe den frommen Edelknaben zu ſich rufen und ſprach:„Geh ile unt rſ er zin ſich in viele heilige Meſſen zu empfehlen. 443 eilends zu dem Kalkbrenner außerhalb der Stadt, und frage ihn, ob er meinen ſtrengen Befehl vollzogen habe, und bringe mir gleich die Antwort. Der Edelknabe verſprach, dem Befehle nachzukommen und ging eilends der Stadtpforte zu, betrübte ſich aber ſehr, daß er noch keine heil. Meſſe gehört habe, und fürchtete ſich, er werde etwa heute gar keine hören können. Unterdeſſen ging er bei einer Kirche vorbei, wo man das Zeichen zur Wandlung läutete; ſogleich eilte er hinein, betete Chriſtum an und opferte ihn Gott dem Vater zu ſei⸗ nem zeitlichen und ewigen Heile auf. Nach verrichteter Andacht ging er ſeines Weges fort und erfreute ſich ſehr, daß er Gelegenheit gehabt, wenigſtens einen Theil der heil. Meſſe zu hören. Nach einer kurzen Zeit kam er zu einer andern Kirche, wo gleichfalls die Wandlungs⸗ glocke geläutet wurde, und dieß verurſachte ihm eine neue Freude. Er ging eilends hinein, verrichtete ſeine gewöhnliche Andacht, mußte aber wegen Eile ſchon vor Ende der heil. Meſſe fortgehen. Als er wieder eine Weile ging, da läutete man abermals zur Aufhebung des hochheiligen Schlachtopfers, und er eilte zum dritten Male in die Kirche. Seine Freude und Süßigkeit war ſo groß, daß er das Glück hatte, drei heil. Meſſen in kurzer Zeit zu hören, daß er nicht aus der Kirche gehen konnte, bis die hl. Meſſe geendet war, ſondern in der⸗ ſelben bis zum Ende verblieb. Während dieſer Zeit entſtand im Könige eine große Begierde zu wiſſen, ob der Edelknabe verbrannt worden ſei, und ſchickte deß⸗ wegen den andern Edelknaben fort, daß er fragen ſoll, ob der Kalkbrenner ſeinen geſtrigen Befehl vellzogen habe. Dieſer, wohl wiſſend, was es bedeute, eilte mit Freuden hinaus und kam dem andern Edelknaben zu⸗ 444 Sechsundzwanzigſtes Kapitel. Wie nützlich es ſei, vor. Als er nun den Meiſter fragte, ob er den ks⸗ niglichen Befehl vollzogen habe, ſagte der Mann:„Ich habe ihn noch nicht verrichtet, will ihn aber ſogleich verrichten« Alsdann ließ er ihn entblößen, Hände und Füße binden, und, obwohl ſich der Armſelige entſchul⸗ digte, daß ihm Unrecht geſchehe, in den Oſen werfen. Kaum war dieſer verbrannt, ſo kam der fromme Edel⸗ knabe und fragte, ob des Königs Befehl verrichtet ſei. Der Kalkbrenner ſagte:„Wäreſt du ein wenig früher gekommen, ſo hätteſt du geſehen, wie dein Mitgeſelle verbrannt worden iſt, obwohl er gewaltig betheuerte, daß nicht er, ſondern du verbrannt werden ſollteſt“ Hier⸗ über erſchrack der Jüngling ſehr und wußte nicht, was er verſchuldet habe. Als er nun zum Könige zurückkam, erſtarrte dieſer vor Verwunderung, daß er noch lebte, und fragte, ob er nicht bei dem Kalkbrenner geweſen ſei. Der Edelknabe fiel ihm zu Füßen, bat um Ge⸗ duld ihn anzuhören, und erzählte ihm, daß ſein ſter⸗ bender Vater ihm befohlen habe, alle Tage eine heilige Meſſe zu hören und Ihrer Majeſtät treulich zu dienen; da ſei ihm gerade die Gelegenheit zugeſtoſſen, drei hei⸗ lige Meſſen zu hören, deßwegen ſei er erſt nach ſeinem nun verbrannten Mitgeſellen zum Kalkofen gekommen. Der König erkannte jetzt die Unſchuld des Knaben, führte ihn zur Königin und erfuhr von ihr, daß ſie ihm ſelbſt erlaubt habe, zu ihr zu kommen, rm den Hausarmen heimlich Almoſen zuzutragen. 10. Folge dieſem Jünglinge nach, und ſei gerne bei der hl. Meſſe, um deinem Heilande die gebührende Ehre zu erzeigen. Wie hochwichtig dieſelbe ſei, und welch' große Geheimniſſe dort vorgehen, wirſt du in einem folgenden Kapitel vernehmen. Jetzt will ich dich c E en ſich in viele heilige Meſſen zu empfehlen. 445 noch belehren, auf welche Weiſe du dich in alle heilige Meſſen, die in der Meßſtunde geleſen werden, empfeh⸗ len und dieſelben dir zu Nutzen machen kannſt. 11. Welchen Antheil man von jenen heil. Meſſen erhält, in die man ſich empfiehlt, darüber ſind die Ge⸗ lehrten nicht einig. Einige ſagen, man könne aller Früchte jener heiligen Meſſen, von denen man weiß, daß ſie wirklich geleſen werden, und in die man ſich empfiehlt, theilhaftig werden. Andere hingegen ſagen, daß dieſe Empfehlung zwar gut ſei und von Gott belohnt werde, jedoch wird ein ſolcher Menſch der Früchte der heiligen Meſſe ſelbſt nicht theilhaftig, weil er zu denſelben in Nichts mitwirke. Denn wenn einer durch die bleße Empfehlung und Begierde aller heil. Meſſen theilhaftig werden könnte, ſo wäre es nicht nöthig, an den Werk⸗ tagen eine heil. Meſſe zu hören, ſondern man könnte zu Hauſe bleiben, und erhielte doch denſelben Gewinn. 12. Da du aus den erſten Abſätzen dieſes Kapi⸗ tels weißt, daß man nur Eine hl. Meſſe hören kann, auch wenn 100 Meſſen zugleich in derſelben Kirche ge⸗ leſen würden, ſo wirſt du alſo auf die Empfehlung in alle anderen beſonders Obacht geben müſſen. Denn dadurch, daß du dich in alle dieſelben heil. Meſſen em⸗ pfiehlſt, biſt du geiſtiger Weiſe bei allen gegenwärtig, und während du mit Einem Prieſter das heiligſte Opfer ganz und vollſtändig und ohne Unterbrechung darbringſt, beten alle andern Prieſter, die zugleich leſen, in aller Andacht für dich. Es iſt alſo nicht zweifelhaft, daß ſolche Empfehlungen von großer Wichtigkeit ſind, und daß man ſich auch in die heiligen Meſſen verſchiedener Prieſter dringend empfehlen ſoll, wo man nur Gelegen⸗ heit hat. Es iſt eine alte Gewohnheit, daß die Prie⸗ 446 Sechsundzwanzigſtes Kapitel. Wie nützlich es ſei, ſter ſelbſt, die mit einander in Einer Kirche zugleich Meſſe leſen, ſich gegenſeitig in das Opfer empfehlen, und wenn der Prieſter, der ſelbſt Meſſe liest, ſich allemal in die Meſſe des andern empfiehlt, ſo mußt du es um ſo mehr thun, weil du nicht ſo nahe bei Gott ſtehſt, auch wenn du fleißig die heil. Meſſe hörſt. Die angeführte Gewohnheit der Prieſter aber iſt dieſe: Ehe ein Prie⸗ ſter die Sakriſtei verläßt, um an den Altar zu gehen, bittet er alle andern anweſenden Prieſter um ihren Se⸗ gen mit dem Worte:„benedicite!“ d. h.„ſegnet mich!“ hierauf antworten dieſelben:„Deus benedicat!“ d. h. „Gott ſegne dich,“ und ſetzen hinzu:„commendo me ad tua sacra“, d. h.„ich empfehle mich in dein hei⸗ liges Opfer“, oder:„commendo me ad altare“: d. h. vich empfehle mich dir am Altare“ So kannſt auch du dich in viele hl. Meſſen empfehlen, und du magſt gegenwärtig, und mit Darbringung des Opfers beſchäf⸗ tigt, oder du magſt abweſend ſein, in jedem Falle iſt dieſe Empfehlung von großem Gewinne begleitet. Eine ſolche Empfehlung drückt ja eben die Sehnſucht aus, bei recht vielen heiligen Meſſen gegenwärtig zu ſein; weil man ſich aber nicht theilen kann, um zugleich an mehreren Altären das Opfer mit dem Prieſter darzu⸗ bringen, ſo wird das Verlangen darnach von Gott ge⸗ wiß gnädig aufgenommen, wie er ſelbſt zur heil. Ger⸗ trud lib. 4. c. 15 geſagt hat. O welch' großes Glück iſt dieß! welch' großen Schatz erwirbt man durch ein ſolches Empfehlen in recht viele heilige Meſſen! Du weißt gewiß, daß zu dieſer oder jener Stunde an dieſem oder jenem Altare hl. Meſſen geleſen werden; nun ſieh', überallhin kannſt du dich em⸗ pfehlen, und wenn dort der Prieſter für alle Anweſenden het . til auc M hr h ſich in viele heilige Meſſen zu empfehlen. 447 betet, ſo biſt auch du darunter, da du geiſtiger Weiſe gegenwärtig biſt. 13. Dieß ſoll allen Kloſterleuten, welche nicht ſo viele heil. Meſſen hören können, als ſie wollen, wie auch denjenigen Weltlichen, welche täglich nur Eine heil. Meſſe oder wegen nothwendiger Arbeit ſelbſt dieſe nicht hören können, ein beſonderer Troſt ſein, daß ſie ſich zugleich in viele hl. Meſſen empfehlen und deren theil⸗ haftig werden können. Wenn du alſo keine hl. Meſſe hören kannſt, dennoch die Meßgebete zu Hauſe beteſt, in der Meinung, alle die bekannten heil. Meſſen, die in ſelbiger Stunde geleſen werden, zu hören, und Chri⸗ ſtum auf allen Altären, wo er gegenwärtig iſt, anzu⸗ beten, und aufzuopfern; ſo ſage ich, daß du derſelben hl. Meſſe theilhaftig werdeſt gerade ſo, als wenn alle dieſe heil. Meſſen in derſelben Kirche geleſen würden, in der du eben eine heil. Meſſe höreſt; denn du biſt im Geiſte bei allen hl. Meſſen, opferſt ſie zugleich mit allen Prieſtern, und alle Prieſter, die in ſelber Stunde Meſſe leſen, opfern alle ihre hl. Meſſen auch für dich. Dieß ſoll allen Kranken, Gefangenen und denen, bei welchen keine heil. Meſſen geleſen werden, ein beſonde⸗ rer Troſt ſein, weil ſie mit Abbetung der Meßgebete und mit der Empfehlung in alle ihnen bekannte Meſſen die Früchte von ebenſo vielen heiligen Meſſen ſich an⸗ eignen können, wenn ſie anders die Empfehlung in der rechten Weiſe machen, und jene Zeit, wo die heiligen Meſſen geleſen werden, ſo benützen, als wenn ſie bei der Meſſe ſelbſt wären. 14. Frage: Welche Gründe haſt du, zu ſagen, daß man nur der Früchte jener hl. Meſſen theilhaftig werde, von denen man die Zeit und den Ort der Darbringung 448 Sechsundzwanzigſtes Kapitel ꝛc. weiß, und in die man ſich daher wirklich empfehlen kann. Wäre es denn nicht viel beſſer, ſich im Allge⸗ meinen in alle heiligen Meſſen zu empfehlen, die über⸗ haupt auf der ganzen Erde geleſen werden; alſo ſich nicht bloß in die Meſſen Eines Tages, ſondern in alle Meſſen, die während der Dauer des ganzen Lebens eines Menſchen geleſen werden, zu empfehlen? Antwort: Dieſe deine Meinung iſt zwar ſehr ſchön, und wird von vielen Leuten auch für wahr gehalten. Allein, um der Früchte einer hl. Meſſe theilhaftig zu werden, muß man auf irgend eine Weiſe thatſächlich bei der Darbringung mitwirken. Du kannſt aber nicht auf der ganzen Erde zugleich in allen Kirchen gegenwär⸗ tig ſein, ſelbſt nicht einmal mit einem flüchtigen Ge⸗ danken, folglich kannſt du auch nicht mitwirken bei der Darbringung der heil. Meſſen dortſelbſten. Kann ich dir darnach deine Meinung nicht gutheißen, ſo kann ich dir doch in dieſer Hinſicht einen nicht geringen Troſt geben. Weil die geſammte katholiſche Kirche jede ein⸗ zelne heil. Meſſe aufopfert, indem der Prieſter nur ihr Diener iſt, und dieſelbe vor Allem für ſie darbringt, ſo fällt auch die erſte und Haupt⸗Frucht jeder heiligen Meſſe der katholiſchen Kirche zu. Biſt du alſo ein wahrer katholiſcher Chriſt, ziehſt du dein geiſtliches Le⸗ ben aus dem Leben der Kirche, ſo wirſt du dadurch der Früchte aller hl. Meſſen theilhaftig, ſo oft du dich der Gnadenſchätze der Kirche überhaupt theilhaftig macheſt. Führe demnach ein wahres kirchliches Leben, ſo wirſt du ſchöpfen aus dem Schatze ihrer Gnaden, wohin jede hl. Meſſe einen Theil der Früchte geben muß. 15. Anders iſt es mit jenen heiligen Meſſen, die während deiner Anweſenheit in der Kirche geleſen wer⸗ per Pe ſſer zen der ihn de e ſei ſol ig z u ——..— e Siebenundzwanzigſtes Kapitel ꝛc. 449 den, und in die du dich zu Anfang empfohlen haſt. Wenn du auch nur Eine hl. Meſſe mit Einem Prie⸗ ſter aufopfern kannſt, ſo biſt du doch auch bei den übri⸗ gen dem Geiſte nach thätig, und ſohin wirſt du auch Theil haben an den Gebeten des Prieſters, in denen er der Gegenwärtigen, ſowie aller derer gedenkt, die ſich ihm oder ſeinem hochheiligen Opfer empfohlen haben. 16. Hier muß ich beiſetzen, was P. Marianus Schott in Fundamenta perfectionis, tract. 2. cap. 6.§. 12. ſchreibt:„Es darf dir zur größten Freude gereichen, wenn dir ein Prieſter verſpricht, er wolle in ſeinen täglichen heil. Meſſen deiner gedenken, und du ſollſt dir es ſogar von jedem Prieſter erbitten; denn auf ſolche Weiſe haſt du viele Kapläne, welche die hei⸗ lige Meſſe für dich opfern und dir die Schatzkammer Chriſti eröffnen.. Wahr iſt es, daß Chriſtus den Ge⸗ genwärtigen große Gnade erweiſet, dennoch aber darf auch derjenige Gnade hoffen, der in oben angegebener Weiſe dem Geiſte nach der heil. Meſſe beiwohnt, oder der ſich in das Opfer eines Prieſters empfiehlt. Siebenundzwanzigſtes Kapitel. Dringende Ermahnung, läglich eine heilige Meſſe zu hören. 1. ch hoffe zwar, daß, wenn du dieſes Buch auf⸗ merkſam geleſen und bei dir ein wenig erwogen haſt, ein großer Eifer zur heil. Meſſe in dir entſtanden ſei, und du alſo keiner weitern Ermahnung zum täglichen Meſſehören bedarfſt. Dennoch aber will ich noch Meh⸗ Cochem, Meßerklärung. 2 9 4⁵50 Siebenundzwanzigſtes Kapitel. reres hieher ſetzen, welches deinen Eifer zum andächti⸗ gen Meſſehören ſchärfen kann. 2. Erſtens ſage ich dir, daß keine Stunde des Ta⸗ ges köſtlicher ſei, als eben diejenige, in welcher du die heil. Meſſe höreſt und der heiligſten Dreifaltigkeit auf⸗ opferſt! Denn das iſt wahrhaftig eine goldene Stunde, und Alles, was du darin zur Mitwirkung der heiligen Meſſe thuſt, wird dir in Gold verwandelt. Die andern Stunden des Tages ſind gegen dieſe nur wie gemeines Metall zu achten; denn wie tief unter dieſen göttlich en Schätzen der hl. Meſſe ſtehen alle jene Güter, die du in den übrigen Stunden für deinen Leib verdieneſt!— Du möchteſt aber ſagen:„Die Arbeit iſt nothwendiger, als das Meſſehören, weil ich mich ohne ſie nicht ernäh⸗ ren kann.“ Ich aber ſage: Das Meſſehören iſt noth⸗ wendiger, als das Arbeiten, weil du ohne ſie ſchwerlich ſelig werden kannſt. Ich ſage nicht, daß du nicht ar⸗ beiten ſollſt, ſondern daß du deiner Arbeit eine halbe Stunde abbrechen und dieſe deinem lieben Gett ſchen⸗ ken ſollſt; es werde dir dann deine Arbeit weit beſſer von Statten gehen und auch von Gott deſto mehr ge⸗ ſegnet werden. Wenn du aber wegen eines zeitlichen Gewinnes oder aus Nachläßigkeit die hl. Meſſe zu hö⸗ ren verſäumeſt, ſo verwandelſt du die goldene Stunde in eine bleierne und ziehſt dir ſolchen Schaden zu, daß er mit keinem zeitlichen Schaden zu vergleichen iſt, ja du verliereſt einen hundertfältig größern Gewinn, als du mit deiner Arbeit den ganzen Tag hindurch hätteſt erwerben können. Dieß kannſt du aus den Worten Chriſti abnehmen, welcher mit großem Nachdruck bei Matthäus am 16. Kap. ſpricht:„Was nützet es dem Menſchen, wenn er die ganze Welt gewinnt und an ſei⸗ ſe ji in nz in e w ſ. en Ermahnung zum täglichen Meſſehören. 451 zer Seele Schaden leidet.. Wenn du an Werktagen eine heil. Meſſe wegen zeitlichen Gewinnes verſäumſt, ſo fügſt du deiner Seele einen unerſetzlichen Schaden zu, der mit keinem zeitlichen Gewinn zu erſetzen iſt, und dennoch willſt du lieber den guten Rath Chriſti, als den zeitlichen Gewinn verſcherzen. 3. O, wenn doch diejenigen Handwerker, welche we⸗ gen eines geringen Gewinnes oder wegen einer ſchlech⸗ ten Arbeit die heil. Meſſe verſäumen, das wohl beher⸗ zigten, ſo würden ſie gewiß dieſen böſen Brauch in eine Beſſere Gewohnheit umändern und zur hl. Meſſe eilen. Was kann denn ein Ackersmann mit Bebauung ſeines Ackers oder ein Handwerker bei ſeinem Geſchäfte in einer halben Stunde verdienen? Gewiß keine zehn Kreu⸗ zir; denn ſonſt würde er in zwölf Stunden zwei Gul⸗ den verdienen und ſehr bald ein reicher Mann werden. Vas kann ein Weib oder eine Magd mit ihrem Spin⸗ men in einer halben Stunde verdienen? Iſt aber der⸗ jmige Handwerker, welcher lieber die heil. Meſſe als Sliche Kreuzer verſäumen will, nicht für einen Thoren z halten? Iſt nicht jenes Weib, welches lieber die boſtbare heil. Meſſe wegen einiger Pfennige verſäumen will, für eine Närrin zu halten? Denn durch eine ein⸗ zige andächtig gehörte hl. Meſſe könnten ſie einen ſol⸗ chen Schatz erwerben, womit ſie den Himmel einkaufen Unnten. Sie aber wollen lieber dieſen gewaltigen Schatz kerſcherzen, als etliche Kreuzer oder Pfennige zurücklaſ⸗ ſen; obwohl ich nicht glaube, daß ſie etwas verſäumen, ſondern dafür halte, daß der freigebige Gott dieſen Schaden durch Segnung der folgenden Arbeit wieder arſetzen werde. 4. Dieſem füge ich noch etwas bei, wodurch die 452 Siebenundzwanzigſtes Kapitel. Thorheit ſolcher Leute klar erwieſen wird. Wenn es einmal Gold vom Himmel regnen würde, würdeſt du nicht alle deine Arbeit hintanſetzen, auf die Straßen eilen und Gold ſammeln? Wenn du aber lieber in deiner Arbeit fortfahren, als Gold ſammeln wellteſt, würdeſt du nicht billigerweiſe von allen Leuten als ein Narr oder eine Närrin verlacht werden? Nun aber iſt es gewiß, daß es unter jeder heil. Meſſe nicht ars den Wolken, ſondern vom Himmel ſelbſt herab kein irdiſches, ſondern himmliſches Gold in großer Menge regnet und allen Liebhabern ſelbes aufzuraffen völlige Freiheit gegeben iſt. Willſt du wiſſen, was für Gold es unter der heil. Meſſe regne, ſo höre Wunder. Es regnet Vermehrung der göttlichen Gnade; es regnet Vermehrung der Tugenden und Verdienſte; es regnet Vermehrung der himmliſchen Glorie; es regnet himm⸗ liſchen Troſt und himmliſche Andacht; es regnet gött⸗ lichen Segen über zeitliche Güter; es regnet Verzeihung der läßlichen Sünden; es regnet Nachlaſſung vieler Schul⸗ den und Strafen; es regnet Theilhaftigwerdung der Ver⸗ dienſte Chriſti; ja, es regnet lauter Glück und Heil, Gnade und Barmherzigkeit Sind nicht alle dieſe Stück bewährtes Gold? Wenn du dann wegen einer geringen Mähe, die du anwenden, oder wegen eines ſchlechten Gewinnes, den du während des Meſſehörens verlieren mußt, an einem Werktage die heil. Meſſe verſäumeſt, ſo begeheſt du eine größere Thorheit, als jener, welcher unter dem Goldregen lieber arbeiten, als Gold ſam⸗ meln will. 5. Eligius ſagt lib. 4. cap 22.:„Die heilige Meſſe geht allen Andachten vor, und wenn die heilige Meſſe unterlaſſen wird, ſo wird alle innerliche Andacht dor un n =——— 2 — tſ, bet uls kein ng lig ol gnet gnet m⸗ öt un hu⸗ be⸗ Ermahnung zum täglichen Meſſehoren. 453 dertrocknen.“ Gleichwie die Sonne allen Planeten vor⸗ geht, alſo geht auch das andächtige Meſſehören allen Werken der Andacht vor. Das Licht der Sonne ſcheint heller, ihre Hitze iſt weit größer und ihre Kraft der Welt viel nützlicher, als der Schein, die Wärme und alle Kraft der Planeten mit einander. Eben ſo iſt das andächtige Meſſehören Gott angenehmer, dir nützlicher, der Welt heilſamer und den Seelen im Fegfeuer tröſt⸗ licher, als deine übrigen täglichen guten Werke und die Gebete des ganzen Tages. Durch dieſe erweiſeſt du Gott einen großen Dienſt und Gefallen; durch die hei⸗ lige Meſſe aber erweiſeſt du ihm eine unendliche Ehre und den größten Gefallen. Durch deine guten Werke erfreueſt du alle Engel und Heiligen; durch die heilige Meſſe aber erfreueſt du ſie weit mehr. Durch deine zuten Werke erhältſt du für dich einen großen Gewinn; durch die heil. Meſſe aber verdieneſt du mit geringer Mühe einen unendlichen größern Lohn. Dieß will ich dir nun mit einem Gleichniſſe beweiſen. 6. Zwei Taglöhner gingen in einen Weinberg, um dort zu hacken und zu graben. Der eine fand einen Schatz, der andere keinen. Dieſer arbeitete den ganzen Tag im Schweiße ſeines Angeſichtes. Am Abend aber bekam er nicht mehr Taglohn als gewöhnlich war. Der andere hatte ſich nach gefundenem Schatze niedergelegt und war den ganzen Tag müßig geweſen, und am Abende hatte er doch hundertmal mehr als ſein Mit⸗ geſelle. Eben ſo iſt es auch mit deinen guten Werken, die du ſo andächtig, als du nur kannſt, verrichten magſt; dennoch verdieneſt du nicht mehr, als einen Tagelohn, nämlich ſo viel, als deine guten Werke eben werth ſind. Wenn du aber eine hl. Meſſe höreſt, ſo findeſt du einen 454 Siebenundzwanzigſtes Kapitel. Schatz, nämlich den Schatz der Verdienſte Chriſti, wel⸗ cher in allen heiligen Meſſen ausgetheilt wird, und da⸗ ran empfängſt du mehr als du dir einbilden kannſt. Deßwegen ſagt Fornerus Miser. conc. 83.:„Die hei⸗ lige Meſſe iſt eine Goldgrube, weil dort ein gewöhn⸗ licher Arbeiter viel mehr verdient, als der Schaffner in einer Steingrube. So wird alſo derjenige, welcher eine heil. Meſſe andächtig hört, viel reicher, als ein ſolcher, der andere Bußwerke verrichtet. Daß aber die heilige Meſſe das heiligſte Werk ſei, bezeugt die Kirche Trid. Sess. 22. in Decreto mit den Worten:„Wir müſſen nothgedrungen bekennen, daß kein anderes ſo heiliges, noch ſo göttliches Werk von den Chriſtgläubigen könne verrichtet werden, als das hl. Meßopfer.“ Weil dem⸗ nach die heil. Meſſe das heiligſte und göttlichſte Werl iſt, darum iſt ſie auch das verdienſtlichſte und nützlichſte Mittel, wodurch wir die himmliſchen Reichthümer er⸗ werben können. Deßwegen ſpricht Pädagogus part. 2. c. 9.§. 1.:„Jedermann habe Acht, daß er ſich nicht leicht von dem täzlichen Meſſehören hindern laſſe; denn würde die heil. Meſſe nach dem Werthe irdiſchen Gol⸗ des bemeſſen werden, dann wäre wohl Niemand, der eine Meſſe verſäumen würde. Was iſt aber alles Gold der Erde gegen die unermeßlichen geiſtlichen Güter, ſo aus dem andächtigen Meſſehören entſpringen?“ Der weiſe Mann ſagt mit ausdrücklichen Worten Sap. 7. „Alles Gold iſt in deren Vergleich wie geringer Sand zu ſchätzen.“ 7. So ſei denn demüthigſt und freundlichſt gebe⸗ ten, das tägliche Meſſehören, wenn es möglich iſt, nicht zu unterlaſſen, ſondern fleißigſt zu verrichten. Gedenke doch, daß du deßwegen von Gott erſchaffen worden, auf Ermahnung zum täglichen Meſſehören. 455 daß du ihm dieneſt und ihn ehreſt. Dieß aber kannſt du durch nichts Anderes beſſer thun, als durch das tägliche Meſſehören; denn die hl. Meſſe iſt der höchſte Gottesdienſt. Gedenke, daß du verpflichtet biſt, deinem Gott für ſo viele leibliche und geiſtliche Wohlthaten wür⸗ digen Dank zu ſagen; dieß aber lannſt du durch nichts beſſer verrichten, als durch das tägliche Meſſehören, weil die heil. Meſſe das köſtlichſte Dankopfer iſt. Gedenke, daß du deßwegen auf der Welt biſt, um die göttliche Majeſtät nach ihrer Würdigkeit zu loben; dieß aber kannſt du nicht beſſer thun, als durch die heil. Meſſe, welche das würdigſte Lobopfer iſt. Gedenke, daß Chriſtus ge⸗ ſprochen bei Matth. 7.:„Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird ausgehauen und in's Feuer ge⸗ worfen.. Nun aber kannſt du keine beſſern Früchte bringen, als wenn du im Stande der Gnade Meſſe höreſt; weil dieſes das beßte Werk iſt. Gedenke, daß du deinem Gott ſehr viel ſchuldig biſt. Dieſe Schuld kannſt du nicht beſſer abtragen, ols durch eifriges Meſſe⸗ hören, weil die hl. Meſſe das reichlichſte Genugthuungs⸗ opfer iſt. Gedenke, daß du täglich in großer Gefahr ſchwebeſt, in Sünden und Unglück zu fallen! dieß aber kannſt du durch kein Mittel beſſer abwenden, als durch die hl. Meſſe, welche das träftigſte Bittopfer iſt. Ge⸗ denke, daß Tod und Teufel dir beſtändig auf dem Fuße nachgehen, damit ſie dir das Leben nehmen und dich in die Hölle ſtürzen; wider dieſe aber kannſt du dich mit keinem beſſern Schilde bewaffnen, als mit der hei⸗ ligen Meſſe, welche der beßte Schutz vor allem Uebel iſt. Zuletzt gedenke, daß du in deinem Sterben des Beiſtandes der lieben Heiligen ſehr bedürftig ſein wirſt; dieſen aber kannſt du durch nichts ſicherer erlangen, als 456 Siebenundzwanzigſtes Kapitel. durch das andächtige Meſſehören. Zur heil. Mechtild ſprach Chriſtus in dieſem Betreffe(lib. 2. rev. c. 4): „daß er einem jeden bei ſeinem Tode ſo viele Heilige zu Troſt und Hilfe ſchicken wolle, wie viel hl. Meſſen er in ſeinem Leben andächtig gehört hat.. So nimm dieſe meine Ermahnung zu Herzen und mache dir ven heute an den ernſtlichen Vorſatz, täglich, wo möglich, eine heil. Meſſe zu hören. 8. Wenn dir aber dein Beruf nicht erlaubt, täglich eine heil. Meſſe zu hören, ſo laſſe bisweilen eine heil. Meſſe für dich leſen, damit du dadurch hereinbringſt, was du im Dienſte Gottes verſäumeſt und ſo deine ſchweren Strafen zahleſt, welche du durch deine Sünden verſchuldet haſt. Biſt du aber arm, und haſt keine Mittel, eine hl. Meſſe leſen zu laſſen, ſo will ich dir einen andern Rath geben, der dir ſehr nützlich ſein kann. Gleichwie dankbare Unterthanen für gute Für⸗ ſten viel beten und oftmals die heil. Meſſe aufopfern und dieß denſelben und dem ganzen Lande viel Gna⸗ den bringt, ſo kannſt auch du einen armen Mann, oder eine Frau, oder eine ganze bedrängte Familie dankbar gegen dich machen, wenn du ihnen in deinen Feierſtun⸗ den in ihrer Arbeit beiſtehſt. Sagſt du nun denſelben: nhöret doch für mich manchmal eine heil. Meſſe, weil meine Arbeiten es mir nie erlauben, an Werktagen der⸗ ſelben beizuwohnen,⸗ ſagſt du ihnen dieſes, gewiß, ſie werden herzlich gerne dieß thun, entweder ſelbſt, oder indem ſie eines ihrer Kinder in die Kirche ſchicken, und du haſt die Freude, während du bei der Arbeit ſtehſt, einen Stellvertreter bei der hl. Meſſe zu haben. Was es dir aber nütze, wenn ein armer Menſch eine heilige Meſſe für dich hört und aufopfert, kann ich nicht ge⸗ nu du n Un be e Ermahnung zum täglichen Meſſehören. 457 nug erklären; du kannſt es aber davon abnehmen, wenn du dich erinnerſt an das Beiſpiel, welches am Ende des neunzehnten Kapitels erzählt wurde, wo ein armer Tag⸗ löhner für einen reichen Herrn eine heil. Meſſe gehört, und jener dadurch vor dem zeitlichen und ewigen Tode bewahrt wurde. Denn, wenn für dich ein Anderer eine hl. Meſſe hört, ſo ſchenkt er dir jenen Theil ſeines Gewin⸗ nes, welchen er durch das Meſſehören verdient hat, und er⸗ wirbt dir auch eine beſondere Gnade von Gott, durch welche du vor zeitlichem und geiſtlichem Unglück bewahrt wirſt. 9. Frage: Kann man denn für einen Andern Meſſe hören? Antw. Ohne allen Zweifel und zwar viel beſſer, als für einen Andern kommuniziren. Denn dieſes kommt mir nicht anders vor, als wenn ich für einen Andern eſſen wollte. Die Kommunion iſt ja nichts Anderes, als ein Sakrament und unſere Seelenſpeiſe. Nun aber iſt es gewiß, daß ich kein Sakrament für einen Andern empfangen kann; es iſt auch gewiß, daß ich die Nahrung meiner Seele, wie auch die Gnade Gottes, die meine Seele durch die Kommunion empfängt, keinem Andern geben kann. Wenn man aber dennoch ſagt:„ich opfere dieſe heil. Kommunion für die armen Seelen auf,“ ſo darf dieß nicht anders verſtanden wer⸗ den, als: durch den Empfang des Allerheiligſten werde ich auf eine beſondere Stufe der Gnade geſetzt, und dieſe mir von Gott wegen des Sakramentes gebotene und geſchenkte Gelegenheit benütze ich, beſonders innig und daher auch wirkſam für die armen Seelen zu be⸗ ten. Anders darf es nicht verſtanden werden. Weil ich alſo nach der Kommunion in der Gnade Gottes bin, ſo kann ich auch eifriger für den Andern beten und ihm die verlangte Gnade erbitten. 458 Siebenundzwanzigſtes Kapitel. 10. Mit dem Meſſehören iſt es aber anders; denn die hl. Meſſe iſt zu dem Ende eingeſetzt, daß man ſie nicht allein für ſich, ſondern auch für Andere leſen und hören kann. Denn alſo ſpricht der Prieſter in der ſtillen Meſſe:„Sei eingedenk, o Herr! deiner Diener und Dienerinnen und aller Umſtehenden, für welche wir dir opfern, oder welche ſelbſt dir das Lobopfer aufopfern für ſich und all die Ihrigen.“ Sieh, mit dieſen Wor⸗ ten zeigt uns der Prieſter an, daß die Meſſehörenden dieſelbe für ſich ſelbſt und auch für alle die Ihrigen aufopfern und durch das herrliche Opfer viele Gnaden erbitten können. Nebſt dem empfängt auch ein jeder, der die heil. Meſſe hört, einen guten Theil der Ver⸗ dienſte oder Genugthuungen, welche er einem Andern, beſonders demjenigen, für welchen er Meſſe hört, ſchen⸗ ken kann und ſoll, und deßwegen halte ich es für beſſer, für Jemand Meſſe zu hören als zu kommuniziren. Haſt du auch hiezu keine Gelegenheit, nämlich dir jemanden dankbar zu machen, damit er an deiner Statt eine heil. Meſſe hört, ſo will ich dich nur noch an das erinnern, was ich oben dir erklärt, nämlich daß du dich einem Prieſter empfiehlſt, oder daß du geiſtiger Weiſe den heil. Meſſen beiwohneſt, von denen du Ort und Zeit der Darbringung weißt. Auf ſolche Weiſe kann auch der Aermſte ſich helfen. Durch die Reiſpiele der Heiligen werden wir zum täglichen Meſſehören ermuntert. 11. Im gemeinen Sprichworte pflegt man zu ſa⸗ gen: Verba movent, exempla trahunt, d. h. Worte bewegen, Beiſpiele aber ziehen. Wenn dich denn meine ern en den er, et⸗ rn, ſer, dir tott an ger Ort eiſe Ermahnung zum täglichen Meſſehören. 459 vorigen Worte noch nicht zum täglichen Meſſehören be⸗ wogen haben, ſo will ich dir verſchiedene Beiſpiele der Heiligen beibringen, welche, obwohl ſie mit ſchweren Ge⸗ ſchäften beladen waren, dennoch das tägliche Meſſehören nicht unterlaſſen haben, dieſe mögen dich zum täglichen Meſſehören anziehen. 12. Baronius, der berühmte Geſchichtſchreiber, be⸗ richtet zum Jahre 940. num. 6., daß es vor alten Zeiten den Prieſtern frei geſtanden iſt, täglich ſo viele heil. Meſſen zu leſen, als ihnen beliebig war. Daher ſchreibt er ad ann. 316. num. 45. vom heil Papſt Leo 1I., daß er in ſeinen Nöthen kein beſſeres Mittel gewußt habe, als eben das heil. Meßopfer, welches er täglich nicht allein ein oder zweimal, ſondern meiſtens ſiebenmal, auch bisweilen neunmal mit großer Andacht aufgeopfert habe. Der heil. Biſchof Ulrich, wie in ſei⸗ nem Leben zu leſen iſt, pflegte oftmals an einem Tage drei heil. Meßämter zu ſingen, wenn er nicht durch leib⸗ liche Krankheit oder wichtige Geſchäfte davon abgehalten war. Jeh zweifle nicht, daß auch noch zu jetziger Zeit viele fromme Prieſter wären, welche dieſem Beiſpiele gerne nachfolgen würden, wenn dieſer heilige Brauch noch in der Kirche Gottes beſtände. Dieſer aber iſt Anno 1073 aufgehoben und von Papſt Alexander II. auf eine einzige tägliche heil. Meſſe beſchränkt worden. 13. Die heil. Hedwig, Herzogin in Polen, trug ſo große Andacht zur heil. Meſſe, daß ſie täglich mehrere heil. Meſſen hörte, und wenn nicht genug Prieſter in ihrer Hofkapelle celebrirten, ſo ließ ſie mehrere berufen und vergalt ihnen ihre Mühewaltung. Vom heil. Lud⸗ wig, König von Frankreich, ſchreibt Rainaldus ad Ann. 1270 num. 19., daß er täglich zwei, öfters drei, manch⸗ 460 Siebenundzwanzigſtes Kapitel. mal vier heil. Meſſen zu hören pflegte. Seine Hofbe⸗ dienten murrten darüber und ſagten:„Es ſchickt ſich nicht, daß unſer König, wie ein Mönch, den ganzen Morgen in der Kirche zubringt. Es wäre beſſer, wenn er die Reichsgeſchäfte verwalten und den Prieſtern ihre heiligen Meſſen überlaſſen würde Als der König dieß erfuhr, ſprach er:„Mich wundert es, daß meine Miniſter wegen meines vielen Meſſehörens über mich murren, da doch Keiner aus ihnen klagen würde, wenn ich zweimal ſo viel Zeit beim Würfelſpiel oder auf der Jagd zubrächte.. Wahrhaftig eine treffliche Antwort, die nicht allein die königlichen Bedienten, ſondern uns alle zuſammen hart trifft. Denn wir meinen aus Ein⸗ gebung des Satans, daß wir viele Zeit und großen Gewinn verſcherzen, wenn wir an einem Werktage eine oder zwei heil. Meſſen hören. Wenn wir aber eine oder zwei Stunden mit Schwätzen, Spielen, Trinken oder Schlafen verſcherzen, ſo machen wir uns kein Be⸗ denken daraus, ſondern meinen, die verlorenen, ja ver⸗ dorbenen Stunden ſeien ſehr wohl angelegt. Das iſt eine Blindheit, und große Verblendung! 14. Ven Heinrich I, König von England, ſchreibt Rainaldus ad Ann. 1271 num. 61., daß er täglich drei heilige Meſſen zu hören pflegte, obwohl er mit ſchweren Reichsgeſchäften überladen war. Es geſchah, daß der König von Frankreich einmal zu ihm kam, von ſolchem Meſſehören mit ihm redete und unter Anderm zu ihm ſprach:„Man muß nicht lauter Meſſen hören, ſondern öfter den Predigten beiwohnen. Heinrich aber antwortete mit Höflichkeit:„Ich will lieber meinen Freund oft anſchauen, als von ihm löblich reden hören.“ Die⸗ ſes Sinnes bin ich auch und habe vielen Fragenden, ob Ermahnung zum täglichen Meſſehören. 461 es beſſer ſei, eine heil. Meſſe oder eine Predigt zu hören, geantwortet, daß es weit beſſer ſei, die heilige Meſſe, als die Predigt zu hören. Darum ſoll man Vormittags die hl. Meſſe, Nachmittags aber, wenn es ſein kann, die Predigt hören. Großen Sündern aber ſind die Predigten ſehr nützlich und nothwendig, damit ſie dadurch zur Erkenntniß und Verabſcheuung ihrer Sünden gelangen. 15. Der ſelige Bruder Anton von Stronkone hatte unter allen ſeinen Andachten keine lieber, als das Meſſe⸗ hören. Er hörte und diente derſelben mit ſolcher An⸗ dacht und empfand ſolch herzliche Freude dabei, daß er des Eſſens und Trinkens vergaß. Ja, wenn von An⸗ fang des Tages bis zur Nacht Meſſen geleſen worden wären, würde er nimmer davon gegangen, ſondern im⸗ mer bei denſelben geblieben ſein. Als er endlich ſehr alt wurde und kaum mehr zur Kirche gehen konnte, wollte er doch noch die heil. Meſſe hören. Als er dem Tode nahe war, ſtand er von ſeinem Bette auf und ging zur heil. Meſſe. Die andern Brüder ſagten, er ſolle das Meſſehören unterlaſſen, weil ſeine Kräfte durch das Gehen ſehr geſchwächt würden; er aber ſprach: „Wenn ihr wüßtet, welch' großen Nutzen die Seele aus dem Meſſehören empfäng', ſo würdet ihr gewiß nicht ſo reden.. P. R. Bollandus ad diem VII. Fehr. An dieſem Bruder, welcher aus dem Orden des hl. Fran⸗ ziskus war und im J. 1690 ſelig geſprochen wurde, ſollen wir uns alle ſpiegeln und einen neuen Eifer zur heil. Meſſe ſchöpfen. 16. Von Lothar, dem römiſchen Kaiſer, ſchreibt Baronius ad ann. 1137 n. 22., daß, wenn er ſchon zu Felde lag, er dennoch täglich drei heil. Meſſen zu — 462 Siebenundzwanzigſtes Kapitel. hören pflegte. Von Karl dem Fünften ſchreibt Surius ud Ann. 1559, daß er all ſein Lebtag täglich eine hei⸗ lige Meſſe gehört, und nur ein einziges Mal im afri⸗ kaniſchen Kriege Dieſes unterlaſſen habe. Vom heil. Kaſimir ſagt das römiſche Brevier, daß er den heiligen Meßämtern mit einer ſolchen Gemüthsbewegung beizu⸗ wohnen pflegte, daß man meinte, er müſſe verzückt ſein. 17. Vom hl. Wenzeslaus ſagt ſeine Legende:„Als Kaiſer Otto zu Regensburg Reichstag hielt, und allen Fürſten und Herren anſagte, daß ſie am folgenden Morgen in aller Frühe zuſammen kommen ſollten, ging der heil. Wenzeslaus zuvor zur heil. Meſſe und blieb bis zum Ende darin. Der Kaiſer und die Fürſten hatten lange mit Verdruß auf ihn gewartet, und als er nicht kam, ſprach der Kaiſer:„Wir wollen nun an⸗ fangen, und wenn Wenzeslaus kömmt, ſo ſoll ihm Kei⸗ ner aufſtehen, noch Platz machen. Nach vollendeter hei⸗ ligen Meſſe kam Wenzeslaus, und der Kaiſer ſah zwei Engel neben ihm gehen, und darum ſtand er ſogleich von ſeinem Throne auf, ging ihm entgegen und umfing, ihn mit beiden Armen. Die Fürſten zürnten über den Kaiſer, daß er ſelbſt wider ſeinen eigenen Befehl ge⸗ handelt habe. Er aber entſchuldigte ſich und ſprach, er habe zwei Engel neben ihm geſehen, und ſei zu ſei⸗ ner Verehrung angetrieben worden. Alsdann gab er ihm eine königliche Krone, indem er ihn zum erſten Kö⸗ nig in Böhmen krönte. 18. Der berühmte große Feldherr Tilly war ſo ſehr gewöhnt, täglich die heil. Meſſe zu hören, daß er ſelbes auch in größter Gefahr nicht unterließ. Wie an⸗ genehm dieß dem lieben Gott war, wird uns in einer anmuthigen Erzählung gezeigt, die uns T. Gobat(in —+ Ermahnung zum täglichen Meſſehören. 463 Alph. audiendi Sanct. num 524.) aufbewahrt hat, und die zu ſeiner Zeit im Munde des Volkes war. Als Tilly Anno 1623 wider die Ketzer zu Feld lag, und an einem Morgen in einer Scheune Meſſe hörte, welche P. Johann Pierſon, ſein Beichtvater, las, da kam der Baron Lindelo eiligſt zu ihm und ſagte, daß Chriſtian, Herzog von Braunſchweig, allbereits auf dem Marſche ſei, und das kaiſerliche Lager überfallen wolle. Tilly ſprach:„Mein lieber Lindelo! du ſiehſt, was für ein wichtiges Geſchäft mich zurückhält, darum eile ge⸗ ſchwind zum Lager, ſtelle das Volk in Ordnung, und nach vollendeter hl. Meſſe will ich dir nachfolgen.“ Der Baron ritt eilends zum Lager, und als er dort ankam, ſah er den General Tilly auf ſeinem Pferde durch die Armee reiten, Allen Muth zuſprechen und die Ketzer anfallen. In kurzer Zeit wurde die feindliche Reiterei geſchlagen, die Fußgänger, deren dreißig tauſend waren, wurden größtentheils getödtet und die Uebrigen gefangen. Nach der hl. Meſſe ſprang Tilly auf ſein Pferd, dunkte einen Biſſen Brod in Wein und trank den übrigen aus, ritt eilends dem Kampfplatze zu, und ſah mit Verwun⸗ derung, daß die feindliche Armee beinahe ſchon geſchla⸗ gen ſei. Nachdem der Sieg völlig errungen und die reiche Beute vertheilt war, fragte Tilly den Baron, woher dieſer herrliche Segen komme; dieſer aber ant⸗ wortete:„Die Gegenwart ihres Feldherrn hat die Sol⸗ daten ſo ſehr ermuntert; denn da ich zurückkam zum Heere, ſah ich dich bereits eindringen in die Reihen der Feinde, und dir nach auch unſere Reiter.. Tillh er⸗ kannte hierin den Beiſtand des Himmels; denn er wußte gar wohl, daß er erſt am Ende der Schlacht heran⸗ ſprengte; um aber einem eitlen Ruhme auszuweichen, 464 Siebenundzwanzigſtes Kapitel. hielt er hierüber tiefes Stillſchweigen. Pater Pierſon aber hat bezeugt, daß Tilly ſeine heil. Meſſe ganz aus⸗ gehört und alsdann ein Glas Wein getrunken habe, und ſo wurde erkannt und feſt geglaubt, daß der Schutz⸗ engel des Tilly an ſeiner Statt geſtritten habe. 19. Wenn nun ſo große Könige und Fürſten, welche mit vielen ſchweren Reichsgeſchäften überladen waren, täglich nicht allein eine, ſondern mancher derſelben meh⸗ rere hl. Meſſen mit Andacht gehört haben, wie werden wir uns bei Gott entſchuldigen können, die wir wegen geringer und unnöthiger Geſchäfte ſo manche hl. Meſſe ganz nachläßig verſäumen? Ich weiß fürwahr nicht, wie wir bei Gott beſtehen können, und ich fürchte, er werde im Gerichte von uns ſagen:„Nehmet hin den unnützen Knecht, bindet ihm Hände und Füße und wer⸗ fet ihn in die äußerſte Finſterniß, wo Heulen und Zähn⸗ klappern ſein wird, Matth. 25. 20. Du möchteſt aber fragen:„Wie kann mich denn Gott wegen verſäumter heil. Meſſe verdammen, da es kein Gebot iſt, an Werktagen Meſſe zu hören?“ Antw.: Gott verdammt dich nicht wegen verſäumter Werktags⸗ meſſe, ſondern weil du in ſeinem Dienſte faul geweſen biſt und das verliehene Talent ſeiner Gnaden nicht an⸗ gelegt haſt. Denn eben wegen dieſer Urſache wurde gemeldeter fauler Knecht in die äußerſte Finſterniß ge⸗ worfen, weil er das verliehene Talent nicht angewendet hatte. Er hat es nicht verſchwelgt, oder ſonſt ver⸗ ſchwendet, oder verſpielt, ſondern hat es ſeinem Herrn ganz richtig wieder eingehändigt und mußte dennoch in die äußerſte Finſterniß geworfen werden. Matth. 25. Kap. 21. Bei Verſäumung der heil. Meſſe iſt nicht ſo faſt unſer Schaden, als der Schaden Gottes und der Ermahnung zum täglichen Meſſehören. 465 Heiligen in Acht zu nehmen. Wie groß aber dieſer Schaden ſei, beſchreibt Pädagogus Chriſtianus part. 2. c. 9. F. 1. folgendermaſſen:„Der ehrwürdige Beda de Euchar. ſpricht: Wenn ein Prieſter ohne Todſünde im guten Vorſatze und ohne rechtmäßige Verhinderung iſt und nicht aus Ehrerbietigkeit, ſondern aus Nachläßig⸗ keit Meſſe zu leſen unterläßt, alsdann beraubt er, ſo viel an ihm iſt, die heil. Dreifaltigkeit des Lobes und der Glorie, die Engel der Freude, die Sünder der Ver⸗ zeihung, die Gerechten der Hilfe, die Seelen der Er⸗ kühlung, die Kirche einer geiſtlichen Wohlthat, und ſich ſelbſt einer Medizin. Dieß iſt fürwahr ein greßer Scha⸗ den, welcher aus des Prieſters Nachläßigkeit entſpringt; nicht viel geringer aber iſt der Schaden deſſen, welcher, da er könnte, den göttlichen Geheimniſſen beizuwohnen unterläßt.“ 22. Eben dieß ſagt auch der heilige Bonaventura tom. 7. de praep. ad Miss. c. 5. Dadurch gibt er uns zu erkennen, welch großen Schaden ein nachläßiger Prieſter mit Unterlaſſung einer jeden heil. Meſſe dem Himmel, der Welt und dem Fegfeuer zufügt. Nicht daß er ihnen etwas nehme, ſondern weil er ihnen nicht gibt, was er ihnen geben könnte, und wonach ſie ſo herzlich verlangen. Zwar nicht eben ſo großen, immer aber noch bedeutenden Schaden fügt jeder Menſch dem Himmel, der Erde und dem Fegfeuer zu, der aus Nach⸗ läßigkeit oder wegen einer geringen Urſache während der Woche die heil. Meſſe zu hören unterläßt. Daher ſagt Fornerus in Pass. conc. 72.:»Wiſſe, daß du an ſelbem Tage den größten Schaden leideſt, an welchem du eine heil. Meſſe zu hören unterlaſſeſt. Wenn dir nun dein Knecht oder deine Magd täglich ſo großen Cochem, Meßerklärung. 30 466 Siebenundzwanzigſtes Kapitel. Schaden zufügen würde, als du durch Unterlaſſung der heil. Meſſe deinem Gott zufügeſt, würdeſt du ſie nicht als unnütze Diener wegſchaffen? Eben ſo fürchte auch, daß dich dein Goit einmal wegſchaffen werde, weil du ihm ſo manchen großen Schaden an ſeiner Ehre und ſeinem Lobe zugefügt haſt. 23. Hier könnte ich noch viele Beiſpiele erzählen von ſolchen, welche Gott wegen Unterlaſſung der heil. Meſſe geſtraft hat; ich will aber nur noch ein einziges anführen; Auguſtin Manni(in Select. Hist. c. 145.) ſchreibt, daß 1570 im Wintermonate zu Rom folgen⸗ der Fall geſchehen ſei:„Drei Kaufherren reisten von Eugubio nach Ciſterno auf einen Jahrmarkt und blie⸗ ben über Nacht in einem Wirthshauſe beiſammen. Nach vollendetem Markte, wo ſie vieles Geld gelöst hatten, ſprachen zwei davon zum Dritten:„Morgen wollen wir in aller Frühe fortreiſen, damit wir auf den Abend nach Eugubio kommen.“ Der Dritte aber ſprach: „Dieſen Vorſchlag heiße ich nicht gut, ſondern ich meine, daß wir morgen in der Frühe, weil Sonntag iſt, zu⸗ vor Meſſe hören, nachher frühſtücken und dann im Na⸗ men Gottes fortreiten ſollen.. Die Andern wollten die⸗ ſem Rath nicht beiſtimmen, ſondern in aller Frühe auf ihre Pferde ſitzen, damit ſie in einem Tage nach Hauſe kämen. Der Dritte ſprach:„Wollet ihr denn am mor⸗ gigen Sonntage die heilige Meſſe verſäumen?“ Sie ſprachen:„An einem andern Sonntage wollen wir dieſe heil. Meſſe ſchon hereinbringen, und Gott wird es uns nicht ſo übel nehmen, wenn wir wegen ſolch wichtiger Sache die heil. Meſſe verſäumen.“ Der Dritte befliß ſich ſehr, ſeine Mitgeſellen zum Meſſehören zu bereden, da aber Alles nichts half, ſo ließ er ſie fortreiten; er bet E ander gelor poll Fuſ Pfer ober berle woll gong von As Cor Ein Hie Got heil volle her ſtän . . d en, vir end ine Ermahnung zum täglichen Meſſehören. 467 aber hörte zuvor eine heil. Meſſe, nahm dann ſein Frühſtück und ritt ihnen dann eilfertig nach. Als die andern zwei nach Corfuone, zwei Meilen von Ciſterno gekommen waren und über die hölzerne Brücke reiten wollten, da fiel die Brücke wegen des angeſchwollenen Fluſſes zuſammen, und ſie ertranken im Fluſſe. Die Pferde ſchwammen zwar ans Land, das gelöſte Geld aber ging mit den zwei Kaufherren zu Grunde. Alſo verloren ſie auf einmal ihr Leben und ihr Geld; und wollte Gott, daß nicht auch ihre Seelen verloren ge⸗ gangen wären!— Die todten Körper wurden hernach von ven Bauern aufgefangen und ans Land gebracht. Als nun der dritte Kaufmann eine Stunde ſpäter nach Corfuone kam, hörte er den traurigen Fall von den Einwohnern und ſah die Leichname am Fluſſe liegen. Hierüber erſchrack er ſehr, erkannte das ſtrenge Urtheil Gottes, und dankte Gott, daß er ihn wegen gehörter heil. Meſſe vor dieſem Todesfalle bewahrt habe. Er vollendete ſeine Reiſe glücklich und war der Erſte, wel⸗ cher den Frauen der Kaufherren den traurigen Fall um⸗ ſtändlich erzählte. 24. Aus dem Schaden dieſer Kaufherren werde klug und ſiehe zu, daß du wegen eines Gewinnes niemals an Sonn⸗ und Feiertagen die heil. Meſſe verſäumeſt, welches auch jetzt noch viele Kaufleute ohne Scrupel zu thun pflegen. Sie ſind aber nicht von der Tod⸗ ſünde zu entſchuldigen, weil es nicht erlaubt iſt, eines zeitlichen Gewinnes halber die gebotene heil. Meſſe zu verſäumen. Aber auch die Einkäufer ſollen daran den⸗ ken, daß ſie, um etwas einzukaufen, die heil. Meſſe an Sonn⸗ und Feiertagen nicht verſäumen, noch an ſolche Orte hingehen, wo ſie keine heil. Meſſe hören können; 468 Siebenundzwanzigſtes Kapitel. denn ſonſt würden ſie mit ihrer Waare zugleich die höl⸗ liſche Pein einkaufen, ausgenommen es ſei eine Sache von großer Wichtigkeit, die man ohne großen Schaden gar nicht entbehren könnte. 25. Wenn die Altern ihre Kinder ohne große Noth von der heil. Meſſe abhalten, ſo dürfen jene der heili⸗ gen Genovefa von Paris nachfolgen, von welcher ihre Legende meldet, daß ihre Mutter Geruntia ſie an einem Feſttage einmal ohne Noth von der heil. Meſſe abhal⸗ ten wollte, und ihr befahl, zu Hauſe zu bleiben. Dieſe aber ſagte:„Liebe Mutter! ich kann heute mit gutem Gewiſſen die heil. Meſſe nicht verſäumen, und darum will ich lieber euch, als den lieben Gott erzürnen.“ Ueber dieſe Worte ergrimmte die Mutter ſo ſehr, daß ſie ihrer Tochter einen Bockenſtreich gab, und mit zor⸗ nigen Worten ihr ihren Ungehorſam vorhielt. Durch ein göttliches Gericht aber wurde ſie ſoegleich blind und mußte zwei Jahre in dieſer Blindheit bleiben, bis ſie endlich ihre Schuld erkannte und ihre heilige Tochter um ihr voriges Geſicht demüthig bat, welches ſie ſogleich erhielt. Es ſollen alſo die Kinder ihren Aeltern, wenn ſie ohne wichtige Urſache von der heil. Meſſe abgehal⸗ len werden, ſagen: Ich bin ſchuldig, Gott mehr, als euch, zu folgen. 26. Die Hausväter und Hausmütter ſind ſchuldig, ihre Kinder und Untergebenen zur Andacht und zu allem Guten anzuhalten, und wenn ſie dieſes unterlaſſen, ſo verſündigen ſie ſich mehr, als ſie meinen. Dieß ſage ich nicht aus mir, ſondern nach den Worten des heil. Paulus, welcher 1. Tim. 5. alſo ſpricht:„Wenn Je⸗ mand für die Seinigen, vorzüglich über die Haus⸗ genoſſen, keine Sorge trägt, der hat den Glauben ver⸗ läuhn ſn tet legt: Puul guch valet Gott vird für Heid welc geno Aus liche ken Und nen jur nich ſun ſont doch die ihn nit ſ ihr hö ur un leih al ſi Ermahnung zum täglichen Meſſehören. 469 läugnet und iſt ärger, als ein Ungläubiger.“ Dieß ſind ſehr denkwürdige, ja ſogar ſchreckliche Worte, welche der hl. Chryſoſtomus Homil. 14. Tom. 1. alſo aus⸗ legt:„Unter dem Namen der Sorge will der heilige Paulus nicht allein die Verſorgung des Leibes, ſondern auch der Serle andeuten«“ Denn wenn jener Haus⸗ vater, welcher ſeinen Kindern und Hausgenoſſen die Nahrung und Kleidung zu verſchaffen unterläßt, vor Gott ärger als ein Heide und Ungläubiger verurtheilt wird, wie viel mehr wird dann Derjenige von Gott für einen Verläugner des Glaubens und ärger als ein Heide und Ungläubiger gehalten und verurtheilt werden, welcher das Heil der Seelen ſeiner Kinder und Haus⸗ genoſſen nicht zu beſorgen ſucht. 27. Herr Sperelli, Biſchof zu Eugubio, in ſeiner Auslegung der heil. Meſſe Kap. 12 ſagt, daß die täg⸗ liche hl. Meſſe eines von den vornehmſten guten Wer⸗ ken ſei, wodurch das Heil der Seele befördert werde, und daß alle Hausväter ihren Kindern und Untergebe⸗ nen befehlen ſollten, täglich, wenn es anders möglich iſt, zur heil. Meſſe zu gehen. Dagegen verſündigen ſich nicht ſo faſt die Bauersleute, die wegen großer Entfer⸗ nung von einer Kirche weit mehr Entſchuldigung haben, ſondern beſonders viele Bürger in den Städten, wo doch Ordensgeiſtliche wohnen und täglich in aller Frühe die heil. Meſſe leſen. Der Schaden, welcher Gott und ihnen durch die Verſäumung der heil. Meſſe zugeht, iſt mit keinem zeitlichen zu vergleichen, wie aus obigem Kapitel abzunehmen iſt. 28. Diejenigen Hausväter und Hausmütter, welche ihre Kinder, Knechte oder Mägde vom täglichen Meſſe⸗ hören abhalten, ſcheinen gleichſam mit Worten zu ſagen: 470 Achtundzwanzigſtes Kapitel. Du ſollſt nicht Gott, ſondern mir dienen. Durch die ganze Woche ſollſt du mir allein arbeiten; denn ich, nicht Gott, muß dir Koſt und Lohn geben. Dieß ſagen ſie zwar nicht mit Worten, aber durch die That, und erlauben ihren Untergebenen die ganze Woche hindurch nicht eine Stunde, Gott zu dienen; deßwegen ſind aber ſolche Männer und Weiber auch, nach dem Ausſpruche des heil. Paulus, ärger als die Ungläubigen und die Verläugner ihres Glaubens. Wer das nicht achtet, wird in ſeinem Sterben erfahren, wie ſchwer er ſich gegen ſeinen Gott verſündiget habe. Achtundzwanzigſtes Kapitel. Ermahnung zur Andacht heim Meſſehören. 1. Es iſt ſehr zu bedauern, daß die Leute ins⸗ gemein eine ſo geringe Andacht zur heil. Meſſe bringen, und dieſelbe ſogar ſchlecht und ohne allen Eifer hören. Der größte Theil ſolcher Leute gafft nur um ſich, ſchaut clle Ein⸗ und Ausgehende an, betet nur mit dem Munde ohne Bewegung des Herzens, ſitzt während der längſten Zeit faul und gedankenlos im Stuhle, hat kein Ver⸗ ſtändniß von dem Werke, das auf dem Altare vorgeht und zeigt überhaupt, daß der Glaube an das hochwür⸗ digſte Meßopfer tief begraben liegt unter dem alltäg⸗ lichen Schlendrian, und daß ſie in dieſer Beziehung kaum mehr Katholiken genannt zu werden verdienen. Wenn man ſolche Leute anſieht, ſo kann man ſich dar⸗ über nicht genug betrüben. Es ſcheint daher an der n⸗ gen en u ide ſia ben Ermahnung zur Andacht. 471 Zeit, daß ich ein eigenes Kapitel hieher ſetze, um zur Andacht zu ermahnen, wenn man der hl. Meſſe beiwohnt. 2. Mit welcher Ehrerbietung wir die heil. Meſſe hören ſollten, zeigt uns die katholiſche Kirche, da ſie ſpricht Trid. Sess. 22. in Decreto de observ. in Missn:„Da wir offen bekennen müſſen, kein anderes Werk könne von den Chriftgläubigen als ein ſo heili⸗ ges, ja göttliches verrichtet werden, als gerade dieſes, frommen Schauder erregende Geheimniß, in welchem jenes Leben ſpendende Schlachtopfer, wodurch wir mit Gott dem Vater verſöhnt worden ſind, täglich auf dem Altare vom Prieſter dargebracht wird; ſo erſcheint es hinlänglich klar, daß man alle Mühe und allen Fleiß darauf verwenden müſſe, wie man mit möglichſt größ⸗ ter innerer Herzensreinigkeit und Lauterkeit, und äußerer Andacht und Auferbaulichkeit dasſelbe verrichten könne.“ Es iſt eben nicht nöthig, daß du eine ſinnliche Andacht habeſt, ſondern es iſt genug, wenn du einen eifrigen Willen haſt, dieſem hochwürdigſten Opfer mit wahrer Aufmerkſamkeit und Ehrerbietigkeit beizuwohnen, und dieß wolle aus folgender Legende abnehmen. 3. Man liest im Buche des P. Johannes von Schönau, Priors zu Grünenthal, daß einmal drei Klo⸗ ſterfrauen vor dem Altare tnieend die heil. Meſſe mit Andacht hörten und recht eifrig beteten; hinter ihnen kniete eine fromme Matrone, welche gleichfalls die heil. Meſſe hörte. Nach der Wandlung ſah ſie wie mit leib⸗ lichen Augen, daß ein gar ſchönes Kindlein vom Altare herunterſtieg und die erſte dieſer Jungfrauen mit beiden Armen freundlich umfing und herzlich küßte. Darnach ging es zu der andern, zog den Schleier ihres Hauptes hinweg, und lächelte ſie freundlich an. Zuletzt ging es 472 Achtundzwanzigſtes Kapitel. zur dritten, ſah ſie ernſt an, ſchlug ſie mit dem Fäuſt⸗ lein auf die Wange und trat ſie mit ſeinen Füßlein. Nach dieſem ſtieg es wieder auf den Altar und wurde von gemeldeter Matrone nicht wieder geſehen. Darüber aber verwunderte ſie ſich ſehr, und dachte bei ſich, die dritte Jungfrau müſſe eine große Sünderin ſein, weil ſie von dem Kindlein ſo gar übel behandelt worden war. Da ſie nun dieſes Geheimniß durchaus nicht be⸗ greifen konnte, bat ſie Gott, daß er ihr ſelbes offenba⸗ ren möchte. Da ſprach Chriſtus zu ihr:„Die erſte Jungfrau, der ich mich freundlicher zeigte, iſt ſehr ſchwach und wankelmüthig gegen mich, und wenn ich gegen ſie nicht ſo freundlich wäre, ſo würde ſie ſich vielleicht von mir abwenden und zur Welt kehren. Die andere Jung⸗ frau iſt ſchon wohlvergnügt, wenn ich ihr nur eine ge⸗ ringe Süßigkeit und einen kleinen geiſtlichen Geſchmack mittheile. Die dritte Jungfrau aber iſt meine geliebte Braut, welche gegen mich allezeit getreu und beſtändig bleibt, wenn ich ihr auch allerlei Bitterkeiten und Ver⸗ folgungen zuſchicke. Aus dieſer Antwort ſah die Ma⸗ trone ihren Irrthum ein, und erkannte, worin die wahre Andacht beſtehe. Specul. Exempl. V. Tribulatio Exempl. VI. 4. Hieraus erkenne, daß die wahre Andacht nicht in Süßigkeit, ſondern im Eifer des Herzens beſtehe, ſeinem Gott zu dienen und bei ihm beſtändig zu blei⸗ ben, auch wenn er ihm gar keine innere Empfindung mittheilt. Wenn du denn unter der heiligen Meſſe gerne andächtig wäreſt, trotzdem aber keine Andacht oder Auf⸗ merkſamkeit haben kannſt, ſo werde deßwegen nicht ver⸗ zagt, ſondern gedenke, du ſeieſt keiner Andacht würdig, und fahre dennoch in deinem Gebete beſtändig fort. Wenn Ermahnung zur Andacht. 473 du aber keine Andacht haſt und auch keine zu haben verlangeſt, oder keinen Fleiß anwendeſt, die Andacht zu bekommen, ſo beraubeſt du dich eines merllichen Ver⸗ dienſtes und Troſtes, wie du aus folgender Geſchichte abnehmen kannſt. Revel. S Mecht. I. 2. C. 19. 5. Als die heil. Mechtild einmal die heil. Meſſe hörte, ſah ſie Chriſtum auf einem hohen kryſtallenen Throne ſitzen und unter demſelben zwei gar reine und ſchöne Bächlein hervorquellen. Als ſie ſich hierüber verwunderte, ward ihr geoffenbart,„daß das eine Bäch⸗ lein die Verzeihung der Sünden, das andere aber die geiſtlichen Tröſtungen und Andachten bedeute, welche Gna⸗ den einem Jeden, der bei der heil. Meſſe iſt, durch die Kraft der Gegenwart Chriſti beſonders jmitgetheilt und viel leichter, als außer der heil. Meſſe verliehen werden.“ Nimm dieſe denkwürdigen und tröſtlichen Worte in Acht; denn ſie zeigen uns an, daß wir durch die Kraft der leiblichen Gegenwart Chriſti in der heiligen Meſſe viel leichter, als außer der hl. Meſſe Verzeihung der Sünden und wahre Andacht erlangen können. Nun fährt die heil. Mechtild fort:»Als die heil. Hoſtie auf⸗ gehoben wurde, ſtand Chriſtus von ſeinem kryſtallenen Throne auf und hob ſein heiliges Herz mit beiden Hän⸗ den in die Höhe; das Herz aber war ganz klar und voll Balſam, welcher ringsherum überfloß, und doch nicht weniger wurde. Die Herzen aller gegenwärtigen Leute ſchwebten unter dem Herzen Chriſti in der Luft, deren einige ſchon voller Oel und Balſam waren und ganz hell brannten. Die andern Herzen aber waren umgekehrt, ganz ausgeleert und ohne Licht.“ Da wurde ihr geoffenbaret, daß die brennenden Herzen Denjenigen zugehörten, welche mit Andacht und Begierde der heil. 474 Achtundzwanzigſtes Kapitel. Meſſe beiwohnten; die umgekehrten Herzen aber denen, welche wahre Andacht zu erwecken verſäumten. 6. Aus dieſer Erſcheinung merkeſt du nun den Un⸗ terſchied zwiſchen den andächtigen und unandächtigen Her⸗ zen. Wie nämlich die Einen mit dem aus dem Her⸗ zen Chriſti tropfenden Balſam angefüllt, mit dem Feuer ſeiner Andacht entzündet und mit herzlicher Begierde, dem lieben Gott den höchſten Dienſt zu erweiſen, an⸗ getrieben wurden; ſo waren die Herzen der Andern zur Erde gewandt, mit irdiſchen Gedanken angefüllt und von dem Oele der Andacht ganz ausgebrannt. Die Offen⸗ barung ſagt nicht, daß ſolche Leute keine Andacht hat⸗ ten, ſondern ſagt: daß ſie mit Andacht ſich zu erheben verſäumten, nämlich, daß ſie in Erhebung ihrer Her⸗ zen ſaumſelig waren, oder daß ſie keinen Fleiß anwen⸗ deten, Andacht zu bekommen. Wie manche Herzen ſchwe⸗ ben in der Kirche umgekehrt, von Andacht leer, in der Liebe erkaltet und alles geiſtlichen Troſtes und Eifers beraubt!!— 7. Frage: Was ſoll ich denn thun, wenn ich bis⸗ weilen unter der heil. Meſſe keine Andacht habe und auch keine bekommen kann? Antw.: Folge dem Rathe, welchen Chriſtus der heiligen Gertrud gegeben hat, von welcher wir in ihrem Buche lib. 3. c. 25. Folgendes leſen: Als ſie ſich einmal befliß, im Chore aufmerkſam zu ſingen und aus menſchllcher Schwachheit oft zerſtreut wurde, ſprach ſie bei ſich ſelbſt:„Was kann doch aus einem ſo unbeſtändigen Gebete für ein Nutzen entſprin⸗ gen; es iſt ja beſſer, wenn ich es unterlaſſe“ Und da ſie davon gehen wollte, erſchien ihr Chriſtus, hielt ſein Herz in beiden Händen und ſprach:„Sieh! hier ſtelle ich dir mein Herz zu deinen Dienſten, auf daß du ihm Alle befe gen dert dieſ lom niß und eine ſie mit doc wol tre zer „ me un Ermahnung zur Andacht. 475 Alles, was du durch dich nicht kannſt, zu verrichten an⸗ befehlen wolleſt; denn dann wird Alles vor meinen Au⸗ gen höchſt vollkommen erſcheinen.“ Hierüber verwun⸗ derte ſie ſich ſehr und hielt es für ungeziemend, daß dieſes ſo edle Herz ihre Unvollkommenheiten vervoll⸗ tommnen ſollte. Chriſtus aber ſagte ihr dieſes Gleich⸗ niß:„Gleichwie du, wenn du eine gar ſchöne Stimme und große Luſt zu ſingen hätteſt, zornig würdeſt, wenn eine, die eine armſelige Stimme hätte, dich nicht für ſie ſingen ließe, eben ſo verlangt mein göttliches Herz mit großer Begierde, daß du, wo nicht mit Worten, doch mit einem Wink ihm übertrageſt, was du nicht wohl kannſt.“ O, wohl tröſtliche Worte! wohl eine vor⸗ treffliche Lehre! wohl ein leichtes Mittel, die Unandacht zu verbeſſern! Wenn du dann in der heil. Meſſe recht zerſtreut wirſt und keine Andacht haben kannſt, ſo ſprich: „Liebſter Jeſus! es iſt mir herzlich leid, doß ich in meinem Gebete ſo ganz zerſtreut bin; darum empfehle ich es deinem ſüßeſten Herzen und bitte, daß es mei⸗ nen Mangel erſetzen wolle.“ 8 Damit du aber die hl. Meſſe mit Andacht hö⸗ reſt, ſo verhalte dich felgender Weiſe: Wenn du zur heil. Meſſe gehen willſt, ſo bedenke, wohin du geheſt, und was du bei der heil. Meſſe thun willſt. Du geheſt nicht mit dem Phariſäer und Publikan in den Tempel, um dort zu beten, ſondern geheſt mit David zum Opfern, welcher im 53. Pſalme ſpricht:„Freiwillig will ich dir ſakrifiziren,“ und Pſ. 115.:»O Herr! ich bin dein Diener, darum will ich dir opfern ein Schlachtopfer des Lobes und will deinen Namen anrufen.“ Du gehſt hin, deinem Gott zu ſakrifiziren und den höchſten Dienſt zu erweiſen. Du gehſt hin, ihm ein ſolch edles Opfer 476 Achtundzwanzigſtes Kapitel. zu bringen, welches ihm ſo lieb iſt, als er ſich ſelber. Höre, was P. Gobat in Aph. Sacr. aud. num. 220 hievon ſagt:„Das Meſſehören iſt eigentlich kein Gebet, ſondern eine Anbetung und Aufopferung, oder eine Ver⸗ richtung des göttlichen Opfers; denn Alle, die der heil. Meſſe rechtmäßig beiwohnen, ſollen mit dem Prieſter ſakrifiziren. Was aber ſakrifiziren ſei, erklärt er in Alphab. Sucrif. n. 5. Sakrifiziren, oder ein Sa⸗ krifizium verrichten, iſt die vortrefflichſte Handlung oder Uebung unter allen ſittlichen Tugenden. Denn wenn wir ſakrifiziren, ſo ſind wir geſinnt, durch unſer Opfer zu bezeugen, daß Gott der höchſte Herr ſei, welchem eine unendliche Ehre und Glorie gebührt, und daß wir ſeine Unterthanen ſind, mit welchen er nach ſeinem Ge⸗ fallen umgehen und handeln kann.“ Deßwegen iſt das Sakrifizium unter allen Tugendwerken dem höchſten Gott das Angenehmſte und uns Menſchen das Nützlichſte. 9. Merke nun um Gotteswillen, was für ein vor⸗ treffliches Werk das Sakrifizium ſei, und bedenke bei dir, wie du das edelſte Werk würdig genug verrichten könneſt, weil an deſſen würdiger Verrichtung unendlich viel gelegen iſt. Beim Anfange der heil. Meſſe mache eine kräftige Meinung, die heil. Meſſe mit Nutzen hören zu wollen. Haſt du dann einige verlobte oder ernſtlich vorgenommene Gebete zu ſprechen, ſo bete dieſelben bis zur Wandlung verbunden mit fortgeſetztem Aufmer⸗ ken auf den Prieſter. Bei der Wandlung ſollſt du von dieſen Gebeten abſtehen und zugleich mit dem Prieſter Chriſtum anbeten und aufopfern; denn ſolche und keine andern Gebete ſollſt du nach der Wandlung ſprechen, wenn du großen Nutzen vom Meſſehören ſchöpfen willſt. 10. Du möchteſt aber ſagen; Ich machte mir einen Skt Gel Sl bete lch vet der geb unt dei dir den o iyf ge kri Ermahnung zur Andacht. 477 Skrupel, wenn ich wegen der Meßgebete meine täglichen Gebete unterlaſſen ſollte. Ant.: Du ſellteſt dir größere Strupel machen, wenn du wegen deiner täglichen Ge⸗ bete die Meßgebete unterlaſſeſt, weil dieſe deinem täg⸗ lichen Gekete ſo weit vorgehen, als Gold dem Kupfer vorgeht. Deine täglichen Gebete kannſt du auch nach ver hl. Meſſe, ja auch Nachmittags ſprechen; die Meß⸗ gebete aber kannſt du nirgends ſo nützlich ſprechen, als unter der heil. Meſſe. Wenn du aber an einem Tage deine freiwilligen Gebete nicht ſprechen kannſt, ſo würde dir deren Unterlaſſung bei weitem nicht ſo großen Scha⸗ den bringen, als dir die unterlaſſene Anbetung und Auf⸗ opferung des Meßopfers bringt. Gleichwie das Meß⸗ opfer allen Andachten und geiſtlichen Uebungen weit vor⸗ geht, eben ſo gehen diejenigen Meßgebete, welche eine träftige Aufopferung begreifen, andern Gebeten weit vor. 11. Bei dem Conſiteor ſchlage dreimal an deine Bruſt und erwecke ſo große Reue und ſolches Leid über alle deine Sünden, als dir nur möglich iſt. Stelle dir auch vor, wie Chriſtus auf dem Oelberge auf ſeinem Angeſichte lag, und deine begangenen Sünden mit blu⸗ tigen Zähren beweinte und mit ſeinem blutigen Schweiß abbüßle. Darnach folge den Gebeten des Prieſters; beſonders ſei geſammelt und mache deine Aufopferung, wenn der Prieſter Brod und Wein aufopfert, und ge⸗ denke deiner niedrigen Sündhaftigkeit, in der du für dich ſelbſt nicht den Muth haſt, dich Gott dem Vater vorzuſtellen. Bei dem Sanctus beuge dich tief und bete die heil. Dreifaltigkeit demüthig an; denn dieſe Worte ſind hochheilig und von den Seraphinen im Him⸗ mel geſprochen worden, wie Iſaias am 6. Kap. ſagt.— Deßwegen ſchellt oder klingelt man in allen hl. Meſſen 478 Achtundzwanzigſtes Kapitel. zu dieſen Worten, damit ſich Jeder heugen und Gott anbeten ſolle. 12. Nach dem Sanctus fängt der Canon oder die ſtille Meſſe an, welche deßwegen ſtill geleſen wird, damit die hohen Geheimniſſe, die darin begriffen ſind, nicht in Verachtung kommen, ſondern in Verehrung blei⸗ ben. Was wir alsdann thun ſollen, lehrt uns der heil. Apoſtel Jakobus in ſeiner Liturgie oder heiligen Meſſe mit den Worten:„Jeder Menſch ſoll hier ſchwei⸗ gen, er ſoll vor Furcht zittern, und nicht Irdiſches bei ſich denken, weil der König aller Könige und der Herr aller Herren hervorgeht, daß er geſchlachtet und den Gläubigen zur Speiſe gegeben werde. Vor ihm gehen die Chöre der Engel her mit aller Macht und Gewalt, bedeckend ihre Angeſichter und Lobgeſänge ſingend mit großem Jubel.“ 13. Von dieſen Lobgeſängen ſchreibt die heil. Bri⸗ gitta alſo(lib. 8. c. 96.):„Als ein Prieſter das Amt der heil. Meſſe hielt und zur Wandlung gekommen war, da ſah ich, daß Sonne, Mond und Sterne ſammt al⸗ len Planeten, daß alle Himmel in ihrem Laufe und ihrer Bewegung mit abwechſelnden Stimmen gleichſam zu einem ſüßklingenden Chore ſich vereinten, und ihr Geſang wurde weithin gehört. Auch eine unzählbare Menge himmliſcher Sänger war gegenwärtig, deren ſüßen Geſang kein menſchlicher Sinn begreifen, noch eine er⸗ ſchaffene Zunge ausſprechen kann. Die engliſchen Chöre ſahen den Prieſter an und neigten ſich gegen ihn mit Ehrfurcht und Hochachtung. Die Teufel aber erzitter⸗ ten und flohen mit Schrecken davon.⸗ 14. Wer verwundert ſich nicht über dieſe große Vorbereitung, welche der ganze Himmel zu der Conſe⸗ e ni wi er Ermahnung zur Andacht. 479 cration oder Wanvlung macht, damit das höchſte Wun⸗ der und tiefſte Geheimniß nach ſeiner größten Würdig⸗ keit vollbracht werde. Wir armſelige Menſchen wohnen dieſem göttlichen Geheimniſſe ohne einige Ehrerbietung bei, bilden uns nichts Uebernatürliches ein und halten dieſe hohe Verwandlung des Brodes und Weines für eine geringe Ceremonie. O, wenn uns doch der liebe Gott unſere Augen öffnete, wie er ſie der heil. Brigitta eröffnet hat, welche Wunderdinge würden wir ſehen, wie würden wir dieß erhabene Werk wohl in Acht nehmen! Wir würden ſehen, wie der ganze Himmel beſchäftigt iſt, zu der neuen Darſtellung des Lebens, Leidens und Sterbens Chriſti die würdigſte Vorbereitung zu treffen. Wir würden mit größter Freude und Verwunderung ſehen, wie Sonne, Mond und Sterne zu dieſem Ge⸗ heimniſſe leuchten, und wie die Himmel durch ihren Lauf und ihre Bewegung, wie auch die engliſchen Chöre mit ihrem Geſange die heilige Handlung verherrlichen. Wenn wir dieſe Vorbereitung im Geiſte ſehen könnten, ſo wür⸗ den wir nach den Worten des heil. Jakobus in Furcht und Zittern ſtehen, und nichts Irdiſches, noch Zeit⸗ liches denken. Bisher haben wir von der Vorbereitung zur heil. Wandlung geredet, nun wollen wir etwas von der heil. Wandlung ſelbſt melden. Wenn das unbegreifliche Ge⸗ heimniß ſich vollziehen will, ſo eröffnet ſich die himm⸗ liſche Pforte, und der Sohn Gottes kömmt in eigener Perſon mit großer Majeſtät herab, um das Werk un⸗ ſerer Erlöſung wieder zu erneuern. Auf welche Weiſe er aber kommt, hat er ſich gewürdiget, der ſeligen Klo⸗ ſterfrau Mechtild folgendermaſſen zu offenbaren(lib. 3. Revelat. c. 38.): 480 Achtundzwanzigſtes Kapitel. 15.„Erſtens komme ich mit ſolch tiefer Demuth, daß Keiner bei der hl. Meſſe ſo verächtlich iſt, zu dem ich mich nicht demüthig neige und zu ihm komme, wenn er nur dasſelbe begehrt. Zweitens komme ich mit ſo großer Geduld, daß Keiner von meinen Feinden ſo groß iſt, den ich nicht gedudig hier ertrage, und wenn er begehrt, mit mir verſöhnt zu werden, ſo laſſe ich ihm mit Freuden alle ſeine Schuld nach. Drittens komme ich mit ſo großer Liebe dahin, daß Keiner ſo kalt und verhärtet da iſt, welchen ich nicht, wenn er nur will, mit meiner Liebe entzünde und ſein Herz erweiche. Vier⸗ tens komme ich mit ſolcher mildfließenden Freigebigkeit zur heil. Meſſe, daß Keiner ſo arm iſt, welchen ich nicht überflüſſig reich mache. Fünftens komme ich mit ſo ſüßer Speiſe dahin, daß Keiner ſo bedürftig und hungrig iſt, der nicht von mir hinlänglich erquickt und geſättiget wird. Sechstens komme ich mit ſo großer Klarheit dahin, daß kein Herz ſo verblendet und mit Finſterniß überzogen iſt, daß es nicht durch meine Ge⸗ genwart erleuchtet und gereiniget wird. Siebentens komme ich mit ſolcher Fülle der Heiligkeit und Gnade dahin, daß Keiner ſo faul, ſo unandächtig und ſo verdroſſen iſt, den ich nicht von ſeinem Schlafe aufwecken könnte.“ 16. Merke um Gotteswillen, auf welch liebreiche Weiſe der göttliche Jeſus vom Himmel zur heil. Meſſe komme, und wie herzlich er verlange, alle Verächtlichen aufzunehmen, alle Feindlichen zu verſöhnen, alle Verhär⸗ teten zu erweichen, alle Verarmten zu bereichern, alle Hungrigen zu ſättigen, alle Verblendelen zu erleuchten und alle Unandächtigen zu ermuntern. Hier erfüllet er, was er von ſich ſelbſt geſagt hat Luk. 19.:„Des Menſchen Sohn iſt gekommen, zu ſuchen und ſelig zu nac Ge die ſeli Sin ſie i herz Sün nicht bege eine i Bar Der aus dich der Und n t, nſt ſ ſur erſ lu di hen len ki und Ermahnung zur Andacht. 481 machen, was verloren war.“ Und wiederum Joh. 3.: „Gott ſchickte ſeinen Sohn nicht in die Welt, daß er die Welt richten ſolle, ſondern daß die Welt durch ihn ſelig werde.. Er kommt nicht zur heil. Meſſe, um die Sünder zu ſtrafen und zu verdammen, ſondern daß er ſie in Gnaden aufnehme und ihnen Gnade und Barm⸗ herzigkeit erzeige; und eben deßwegen ſoll ſich kein Sünder ſcheuen, zur heil. Meſſe zu gehen; denn er geht nicht zu ſeinem Richter, ſondern zu ſeinem Mittler. Er begeht auch keine neue Todſünde, wenn er im Stande einer bewußten Todſünde Meſſe hört; ſondern er macht ſich durch das Meſſehören fähig(ex congruo), aus Barmherzigkeit zum Stande der Gnade zu kommen. Der Menſch begeht auch keine läßliche Sünde, wenn er aus menſchlicher Schwachheit in der heil. Meſſe unan⸗ dächtig und zerſtreut iſt, beſonders wenn er ſich vor der heil. Meſſe ernſtlich vorgenommen hat, dieſelbe mit Andacht zu hören. 17. Und nun kommen wir zur Wandlung. Was mag doch die Menſchheit Chriſti empfinden, wenn ſie ſich durch die Kraft der Wandlungsworte vermehrt fin⸗ det, und ſich unter den Geſtalten der heil. Hoſtie ſelbſt anſchauet! Chriſtus beſchauet ſich nicht, wie ein Menſch ſich in einem Spiegel beſchauet; denn dieſer ſieht doch nur ſeine äußere Geſtalt. Chriſtus aber ſieht ſeine perſönliche Gegenwart vermehrt, als wenn er in ſelbem Augenblicke ein neuer Chriſtus geworden wäre, da er doch kein anderer iſt, weil nicht er, ſondern ſeine Ge⸗ genwart vermehrt worden iſt. Er ſieht ſich an ſo vie⸗ len Orten, in wie vielen die Wandlung geſchieht. Ohne Zweifel wird dadurch ſeine Freude und zufällige Selig⸗ leit vermehrt; ohne Zweifel ſchaut er ſelbſt in ſo Cochem, Meherklärung. 482 Achtundzwanzigſtes Kapitel. vielen Orten mit höchſter Freundlichkeit an. Und dieß hohe Geheimniß kann kein menſchlicher Verſtand ergrün⸗ den, und dieſe hohe Süßigkeit kann kein erſchaffenes Herz empfinden. 18. Von der Wandlung ſpricht die heil. Brigitta folgender Maſſen(lib. 8. C. 56.), ſie ſah dieß im Geiſte:„Sobald der Prieſter die Worte der Wandlung ausgeſprochen hatte, da ward das Brod zu einem leben⸗ digen Lämmlein, und das Lämmlein hatte ein Geſicht, wie ein Menſch, und eine brennende Flamme erſchien in und außer dem Lämmlein. Alle gegenwärtigen En⸗ gel beteten es an und dienten ihm; dieſer Engel aber waren ſo viele, als Stäublein in der Luft ſind. Es war auch eine ſolche Menge der heiligen Seelen gegen⸗ wärtig, daß mein Geſicht ſie in der Länge, Breite und Höhe nicht überſchauen konnte.“ O Gott! was muß dieß für eine herrliche Feierlichkeit geweſen ſein, welcher ſo viele hundert tauſend und tauſend Engel, und noch ſo viele Heilige beiwohnten? Keiner war zu viel, Kei⸗ ner unnöthig, Keiner war müßig. Was thaten ſie denn? Antw. Die heil. Brigitta ſagt:»Sie beteten das Lämm⸗ lein an und dienten ihm.“ WVie ſie im aber gedient haben, meldet ſie nicht, ſondern laßt uns ſelbes denken. Ohne Zweifel trugen einige Fackeln, andere wohlriechende Rauchfäſſer, einige pſallirten, andere muſizirten. 19. Wenn wir nur einmal ſehen würden, was un⸗ ter der Wandlung auf dem Altare vorgeht, o Gott! wie würden wir erzittern! Höre, was der heil. Fran⸗ ziskus hierüber ſagt(Tom. I. Epist. 12.):„Der ganze Menſch ſoll erſtarren, die ganze Welt ſoll erzit⸗ tern, und der ganze Himmel ſoll ſich entſetzen, wenn der Sohn des lebendigen Gottes über dem Altare in den und Gott nütt Unte vir en erjit heiß vor Chr erſ ige leihl das fliel der nun Ermahnung zum täglichen Meſſehören. 483 den Händen des Prieſters iſt. O wunderbare Höhe, und demüthige Würdigung! da der Eingeborne Sohn Gottes, der Herr aller Kreaturen, ſich ſo gar ſehr de⸗ müthigt, daß er wegen des Heiles der Menſchen ſich unter der kleinen Geſtalt des Brodes verbirgt!? Weil wir aber dieß nicht mit leiblichen Augen ſehen, ſo ach⸗ ten wir es nicht. Die Engel aber, welche es anſchauen, erzittern davor, wie auch die Praefation ſagt, wo es heißt:„es zittern die Gewalten.“ Ja, die Teufel erſchrecken vor dieſem großen Geheimniſſe und fliehen davon, wie Chriſtus der heil. Brigitta ſelbſt geoffenbart hat, da er ſprach(ib. 4. c. 58.):„Gleichwie wegen des ein⸗ zigen Wortes, ſo ich ſprach: Ich bin's, meine Feinde leiblicher Weiſe zur Erde gefallen ſind; eben ſo, wenn das Wort geſprochen wird: Das iſt mein Leib, fliehen die Teufel davon und laſſen ab, die Seelen der Opfernden anzufechten.“ 20. Aus dieſen obgemeldeten Dingen haben wir nun gehört, welch' große Geheimniſſe bei der Wand⸗ lung vorgehen, und wie glorwürdig ſie verrichtet wer⸗ den. Erfordert es nicht unſere Pflicht, daß, wie alle Engel und Heiligen ihr Möglichſtes thun, Chriſtus zu dienen und zu dieſem hochwürdigſten Meßopfer mitzu⸗ wirken, eben ſo auch wir unſer Aeußerſtes thun und alle unſere Leibes⸗ und Seelenkräfte anſpannen ſollen, damit das göttlichſte Opfer in ſeiner höchſten Würde die reichſten Früchte hervorbringe. Uns Katholiken gibt die Vernunft ein, daß wir von unſern andern Gebeten ablaſſen, unſere Augen zum Altare empor heben, einen lebhaften Glauben erwecken, das göttliche Lamm demü⸗ thig anbeten, ſeinem himmliſchen Vater ernſtlich auf⸗ opfern und in ſolchen und dergleichen Uebungen, ſo 484 Achtundzwanzigſtes Kapitel ꝛc. lang als Chriſtus auf dem Altare iſt, eifrig fortfah⸗ ren ſollen. 21. Obwohl alle Menſchen das thun ſollten, den⸗ noch ſind deren Wenige, die es thun, weil der größte Theil auch unter der Aufhebung der heil. Geheimniſſe in ihren täglichen Gebeten fortfährt und ſich gegen Chri⸗ ſtus nicht anders verhält, als wenn er nicht gegenwär⸗ tig wäre. Wie unhöflich, um das Geringſte zu ſagen, dieß iſt, will ich in einem Gleichniſſe zeigen. Wenn dein Freund dich oftmals durch Schreiben gebeten hätte, daß du doch einmal zu ihm kommen und dich zu ſeinem Troſte freundlich mit ihm unterhalten ſollteſt, und du hätteſt dich endlich auch erbitten laſſen und wäreſt einen weiten Weg deinem Freunde zu Liebe gegangen, und wenn du bei ihm ankämeſt, grüßte er dich nicht, hieße dich nicht willkommen, redete kein Wort mit dir, ſondern ließe dich ſtehen, als wenn er dich gar nicht kennen würde: ſollte dich dieſe Grobheit deines Freun⸗ des nicht verdrießen? Sollte es dich nicht recht gereuen, daß du ihm zu Liebe einen ſo weiten Weg gegangen biſt? Nun merke, wohin dieſes Gleichniß deute. Chri⸗ ſtus kömmt in allen heil. Meſſen dir zu Liebe vom hohen Himmel herab, dich zu beſuchen, zu tröſten und zu begnadigen. Er ſteht vor dir auf dem Altare, ſchaut dich mit leiblichen Augen an und erwartet, was du zu ihm ſagen, und wie du dich gegen ihn erweiſen werdeſt. Er muß aber ſehen und erfahren, daß du dich gegen ihn nicht anders verhältſt, als wenn er gar nicht gegenwärtig wäre. Du grüßeſt ihn nicht, du beteſt ihn nicht an, du erzeigeſt ihm keine Ehre, ſondern fährſt in deinen täglichen Gebeten fort, welche die heil. Meſſe gar nicht betreffen, und macheſt ſo fort, als wenn aar keine heil. Meſſe geleſen würde. Pri Thu Der hat ſein dein ſtal hete biſt ein ren dre „E ter geb an. Be Me der der h ct, dir ich Un len, ge don un al ih m der D ihn in ſe Neunundzwanzigſtes Kapitel ꝛc. 485 22. Frage: Was ſoll ich denn thun, wenn der Prieſter die Wandlungsworte geſprochen hat? Antw. Thue eben Dasjenige, was du den Prieſter thun ſiehſt. Denn ſobald der Prieſter die heil. Worte geſprochen hat, fällt er auf ſeine Knie und betet ſeinen Gott in ſeinen Händen an. Eben das thue auch du; beuge dein Haupt tief, gedenke, daß dein Gott unter der Ge⸗ ſtalt der heil. Hoſtie wahrhaftig gegenwärtig iſt, und bete ihn mit Ehrerbietung an als deinen Gott; dieß biſt du ihm ſchuldig, und es gibt dir's die Vernunft ein, daß du deinem höchſten Gott und Herrn gebüh⸗ rende Ehre erweiſen ſolleſt. Das zeigt auch die heil. Schrift an vielen Orten, und zwar beſonders an den drei Königen, von welchen der heil. Matthäus ſagt: „Sie gingen hinein, fanden das Kind und ſeine Mut⸗ ter, fielen nieder und beteten es an.. Als der Blind⸗ geborne aus dem Munde Chriſti hörte, daß er der Sohn Gottes wäre, da fiel er nieder und betete ihn an. Joh. 9.„Als die Jünger Chriſtum auf dem Berge in Galiläa ſahen, beteten ſie ihn an,“ ſpricht Matth. 28. Kap. Eben das ſollſt auch du thun, wenn der Prieſter Chriſtum knieend anbetet; denn es erfor⸗ dert dieß deine Pflicht, und wenn du das nicht thuſt, ſo kannſt du kaum von einer Sünde entſchuldigt werden. Neunundzwanzigſtes Kapitel. Welche Andacht man unter der heiligen Wandlung üben ſolſe. 1. Die heil. Wandlung iſt der Mittelpunkt und der vornehmſte Theil der ganzen heiligen Meſſe. Damit 486 Neunundzwanzigſtes Kapitel. alles Volk innigen und wohlverſtandenen Antheil daran nehmen könne, iſt durch beſondere Eingebung des heil. Geiſtes von der Kirche die Aufhebung der heiligſten Geſtalten Jeſu Chriſti angeordnet und bisher jederzeit mit größter Andacht und Nutzbarkeit geübt worden. Welch' vortreffliche Ceremonie iſt dieß, wenn die hochheiligſte Hoſtie und der hochheilige konſecrirte Kelch über dem Altare aufgehoben worden! Welcher Jubel entſteht als⸗ dann im Himmel, und welches Heil entſpringt daraus für die Erde! Welche Erquicknng fließt daraus für das Fegfeuer, und welcher Schrecken muß die Hölle überfallen. O, welch' edle Gabe, welch' vortreffliches Geſchenk hält der Prieſter hiebei der allerheiligſten Drei⸗ faltigkeit entgegen, wenn er die göttliche Hoſtie in die Höhe hebt und durch die Hände der heiligen Engel dem Himmel als Gabe darbietet! O, welch' kunſtreiches Bild zeigt der Prieſter dem höchſten Gott, wenn er die hochheiligſte Hoſtie aufhebt, und vor ſeine göttlichen Augen ſtellt! O, welch' unergründliche Freude empfängt derſelbe unendliche Gott, wenn er dieſes glorwürdige Bild anſchaut und von demſelben freundlich angeſchaut wird. 2. Weißt du aber auch, was das für ein Bild iſt, welches der Prieſter in der Aufhebung Gott dem Vater vor Augen ſtellt? Es iſt die vergöttlichte Menſchheit ſeines eingebornen Sohnes. Es iſt das vortrefflichſte und zugleich wahrſte Abbild der heiligſten Dreifaltigkeit. Es iſt das koſtbarſte Kleinod, dergleichen man unter allen Schätzen der Erde keines finden kann. Dieſe ver⸗ göttlichte Menſchheit zeigt der Prieſter dem höchſten Gott nicht in Einer, ſondern in verſchiedener Geſtalt. Denn er zeigt ſie, als ob ſie von Neuem wieder Menſch, alſo als ob ſie von Neuem wieder geboren würde. Er zeigt ———— ———— ————— he he un he enn dlſ ih Andacht unter der heiligen Wandlung. 487 die himmliſche Menſchheit Jeſu Chriſti in der Geſtalt, als ob ſie auf's Neue wieder den Leidensweg beträte, alſo als ob ſie abermals Blut ſchwitzte, gegeißelt, ge⸗ trönet, gekreuziget und getödtet würde. Er zeigt ſie in jener Stimmung, in der ſie vermittelnd zwiſchen den heiligen Gott und die ſündige Welt, erlöſend zwiſchen den ewigen Vater und das Sünder⸗Geſchlecht der Men⸗ ſchen, die Schulden zahlend zwiſchen den gerechten Rich⸗ ter und den armen Schuldner tritt. Er zeigt Gott dem Vater die höchſte Unſchuld, die tiefſte Demuth, die unüberwindliche Geduld, die inbrünſtige Liebe, den voll⸗ kommenen Gehorſam und die vielfältigen Tugenden, welche ſein Sohn ihm zu Liebe auf Erden geübt und ihm, ſeinem Vater, als den höchſten Dienſt dargebracht hat. Welch' ſüße Freude, welch' herzliches Wohlgefallen empfängt Gott Vater in dieſer heil. Aufhebung und lebhaften Darſtellung ſeines eingebornen Sohnes! 3. Aber nicht allein der Prieſter, ſondern Chriſtus ſelbſt ſtellt ſich hier dem Vater vor Angen und opfert ſich ihm auf ſo hohe und vortreffliche Weiſe, daß es kein erſchaffener Verſtand begreifen kann; denn alſo leſen wir lib. 4. c. 26. Rev. S. Gert:„Bei der Aufhebung der heil. Hoſtie ſah die heil. Gertrud, wie Chriſtus ſich ſelbſt ſeinem Vater vorſtellte und auf ſo unſchätzbare Weiſe für ſeine Gläubigen aufopferte, daß keine Würde der Kreaturen dieſes begreifen kann“ Was meinſt du nun, daß Gott Vater hier thue, was meinſt du, daß er empfinde, wenn ihm das hochwürdigſte Opfer von Chriſtus und dem Prieſter dargeſtellt und aufge⸗ opfert wird? Gott! wer will das ergründen? O Gott! wer will es ſich vorſtellen! Denn dieſes Geheimniß iſt ſo hoch und tief, daß ich meine, die höchſten Seraphine 488 Neunundzwanzigſtes Kapitel. können es nicht ergründen, noch erklimmen. Gott Va⸗ ter empfängt gleichſam einen neuen Sohn, weil deſſen perſönliche Gegenwart vermehrt wird. Es wird ihm ein neuer Spiegel vor Augen geſtellt, in welchem er ſich unendlicher Weiſe erfreuet. Was nun Gott Vater zu ſeinem Sohne, und was Gott Sohn zu ſeinem Vater redet, was für Liebeszeichen ſie da einander erweiſen, davon muß die erſchaffene Natur ſchweigen. Ohne Zwei⸗ fel wird Gott Vater ſagen, was er vor Zeiten bei der Taufe Chriſti ſprach:„Du biſt mein geliebter Sohn, an dem ich mein höchſtes Wohlgefallen habe.. Ohne Zweifel wird auch Gott der Sohn ſagen:„Du biſt mein geliebter Vater, von dem ich meine Wonne und Freude habe. 4. Der heil. Bonaventura Tom. 7. in Expos. Missae ſagt, daß der Prieſter, wie auch das Volk als⸗ dann ſprechen können:„Sieh, o ewiger Vater! dieſer dein eingeborner Sohn, welchen die ganze Welt nicht faſſen kann, iſt jetzt unſer Gefangener. Dieſen geben wir dir nicht frei, es ſei denn, daß wir durch ihn er⸗ halten, was wir ſo inſtändig von dir begehren. Wir bitten daher um Verzeihung unſerer Sünden, um Nach⸗ laſſung unſerer Strafen, um Vermehrung deiner Gna⸗ den, um Ueberfluß an Tugenden und um die Freude des ewigen Lebens.. Der Prieſter kann mit Recht unter der Aufhebung der heiligen Hoſtie zum Volke ſagen:„Sehet, ihr lieben Chriſten, hier iſt euer Hei⸗ land, euer Erlöſer und Seligmacher. Schaut ihn mit wahrem Glauben an und gießet eure Herzen vor ihm aus. Selig ſind die Augen, die da ſehen, was ihr ſehet.. Glückſelig und überſelig ſind diejenigen Augen, die dieſe hochwürdige Hoſtie andächtig anſchauen und feſt lal verb Pat Her See Rec von wah gen hede dein erw gen den Se gen ne Andacht unter der heiligen Wandlung. 489 glauben, daß unter dieſen Geſtalten der liebe Jeſus verborgen ſei. Ein jedes von uns kann wohl mit dem Patriarchen Jakob ſprechen(Gen. 32.):„Ich habe den Herrn von Angeſicht zu Angeſicht geſehen, und meine Seele iſt gerettet.. Du kannſt es aber mit beſſerm Rechte, als Jakob ſagen; denn dieſer hatte nur einen von Gott geſandten Engel geſehen, du aber haſt deinen wahren Heiland unter der Geſtalt des Brodes verbor⸗ gen, und ſein Angeſicht wie mit einem zarten Schleier bedeckt, geſehen. Wenn du nun lebhaft glaubſt, daß dieß dein Heiland ſei, und wenn du ihm die ſchuldige Ehre erweiſeſt, ſo wird dir ein großes Heil daraus entſprin⸗ gen, und du wirſt mit Jakob ſagen können:„Ich habe den Herrn von Angeſicht zu Angeſicht geſehen, und meine Seele iſt gerettet worden.„ 5. Unter der Aufhebung ſoll alles Volk ſeine Au⸗ gen zum Altare erheben und das hochwürdigſte Sakra⸗ ment andächtig anſchauen. Wie ſehr dieſes Gott ge⸗ falle und wie nützlich es den Menſchen ſei, hat ſich Chriſtus gewürdiget der heil. Gertrud zu offenbaren, da er(ib. 4. Rev. c. 25) zu ihr ſprach:„So oft ein Menſch die konſekrirte heilige Hoſtie anſchaut, oder wenn er dieß nicht kann, gerne anſchauen möchte, ſo oft ver⸗ mehrt er ſeine Verdienſte für den Himmel, und ſo viele beſondere Freuden wird er in der ſeligen Anſchauung haben.“ Sieh und höre, welch' reiche Vergeltung Chri⸗ ſtus dir für jede andächtige Anſchauung der heil. Hoſtie verſpricht; unterlaſſe alſo ſelbe nie aus Nachläßigkeit. 6. Bei dieſer Gelegenheit muß ich dich warnen vor der üblen Gewohnheit vieler Leute, die ſich bei der heil. Wandlung und beſonders während der Aufhebung des heiligen Sakramentes ſo ſehr zu Boden drücken, daß es 490 Neunundzwanzigſtes Kapitel. ihnen unmöglich iſt, zu ihrem Erlöſer aufzuſchauen. Hin⸗ gegen handeln auch jene Prieſter ganz gegen die Vor⸗ ſchrift des Meßbuches, welche die heiligſten Geſtalten nicht über ihr Haupt empor heben; denn es heißt dort ausdrücklich:„Nachdem der Prieſter die heil. Heſtie an⸗ gebetet, richtet er ſich wiederum auf, hebt dieſelbe, ſo weit es bequem geſchehen kann, in die Höhe, und zeigt ſie bei fortwährend auf ſie gerichteten Augen mit Ehr⸗ erbietigkeit dem Volke zur Anbetung.“ Dasſelbe be⸗ ſtimmt das Meßbuch bei der Aufhebunz des Kelches. Dort heißt es:„Nachdem er das Blut ehrerbietig an⸗ gebetet hat, richtet er ſich auf, nimmt den abgedeckten Kelch mit dem Blute in beide Häͤnde, erhebt ihn, ſo weit es bequem geſchehen kann, in die Höhe, und zeigt ihn dem Volke zur Anbetung.“ 7. Aus dieſen Worten erhellt, daß der Sinn und Wille der Kirche ſei, das der Prieſter die heil. Hoſtie und den heil. Kelch ſo hoch über ſein Haupt erhebe, daß ſie das Volk anſchauen, und doß er ſie ſo lange erhoben halten ſoll, daß das Volk dieſelben anbeten könne. Wider dieſe heilſame Regel, welche der ſelige Papſt Pius V. unter dem heil. Gehorſame zu halten befohlen hat, ſündigen alle Prieſter, welche ohne wich⸗ tige Urſache die heil. Hoſtie und den heil. Kelch nicht über ihr Haupt erheben, und ſie in ein Paar Augen⸗ blicken aus lauter Eile wieder herunter laſſen; denn ſie laſſen dem Volke keine Zeit, dieſelben anzuſchauen und anzubeten. 8. Wie nützlich das andächtige Anſchauen ſei, hat uns Gott vor Zeiten in einem Bilde zeigen wollen, da im 4. Buche Moſes 21. Kap. geſchrieben ſteht:„Als das Volk wider Gott und Moſes murrte, da ſchickte Andacht unter der heiligen Wandlung. 491 Gott feurige Schlangen unter dasſelbe, welche mit ihren giftigen Biſſen viele verwundeten und tödteten. Da ſchrie das Volk um Hilfe zu Moſes, und Moſes zu Gott. Gott aber ſprach zu ihm: Mache eine eherne Schlange und ſetze ſie zum Zeichen; jeder Verwundete, welcher ſelbe anſchaut, wird leben. Moſes kam dem Befehle nach und erhob eine eherne Schlange auf einem hohen Kreuze, und alle Verwundeten wurden durch An⸗ ſchauung dieſer Schlange wieder geſund.. Daß dieſe Schlange eine Vorbedeutung Chriſti geweſen ſei, bezeugt er ſelbſt, da er bei Joh. 3. ſpricht:„Gleichwie Moſes die Schlange in der Wüſte erhöhet hat, eben ſo muß auch des Menſchen Sohn am Kreuze erhöhet werden.“ Da nun dieſe eherne Schlange die Kraft hatte, die von giftigen Nattern geſtochenen Juden vor dem zeitlichen Tode zu bewahren, wie vielmehr wird das andächtige Anſchauen Chriſti ſelbſt, wenn er unter der heil. Meſſe erhöhet wird, die mit dem Geiſte der Sünde verwun⸗ deten Seelen heilen und die betrübten kleinmüthigen Her⸗ zen tröſten und ſtärken! 9. Nach der Anſchauung, ja unter derſelben, iſt es nothwendig, daß jeder gegenwärtige Menſch einen leb⸗ haften Glauben übe, d. h. feſt glaube, daß unter der Geſtalt der heil. Hoſtie Jeſus Chriſtus, unſer Erlöſer, perſönlich gegenwärtig ſei, und ſich auf dem Altare ſei⸗ nem Vater für uns arme Sünder aufopfere. Dieſe Uebung des Glaubens iſt eine ſehr tugend⸗ hafte und hochverdienſtliche Uebung, weil wir Dasjenige glauben, was wir weder ſehen, noch ſchmecken, noch greifen, noch verftehen können. Denn es iſt wieder alle menſchliche Vernunft, daß durch die Kraft fünf kleiner Wörtlein das natürliche Brod ſoll in Gott, und der 492 Neunundzwanzigſtes Kapitel. natürliche Wein in das wahre Blut Chriſti verwan⸗ delt werden. Die Türken, Heiden und Calviniſten ſpot⸗ ten unſer und ſagen, daß wir große Thoren ſeien, weil wir ſolch unmenſchliche Dinge glauben; dennoch müſſen wir bei unſerm wahren Glauben beſtändig bleiben und die Verſpottung um Chriſti willen von Herzen gerne ertragen. Was wir aber mit dieſem Glauben verdie⸗ nen, hat uns Chriſtus angekündigt, da er ſprach Joh. 20.:„Selig ſind, die nicht geſehen, und doch geglaubt haben.“ Hiemit wollte er ſagen: Diejenigen, die mich im heiligſten Sakramente nicht ſehen, und doch meine Gegenwart lebhaft glauben, üben eine ſo vortreffliche Tugend, daß ſie dadurch die Seligkeit verdienen können. Je öfter und kräftiger Jemand dieſen Glauben übt, deſto mehr Stufen der Gnade und Glorie verdient er im Himmel und auf Erden. 10. Dieß können wir aus folgender Erzählung ab⸗ nehmen, welche wir im Leben des vortrefflichen Lehrers Hugo von St. Biktor finden. Dieſer gottſelige Prie⸗ ſter hatte lange und oft verlangt, Chriſtum unter den Geſtalten der heil Hoſtie zu ſchauen, und Chriſtum, um dieſe Gnade zu erlangen, vielmal eifrig gebeten. Seine Bitte wurde endlich erhört, und ſeine brennende Begierde erfüllt. Denn als er einmal Meſſe las, da ſah er das liebe Chriſtkindlein in körperlicher Geſtalt auf dem Corporale liegen. Die Freude und Süßigkeit war ſehr groß, und währte eine geraume Zeit. End⸗ lich ſprach das Kindlein:„Weil du, Hugo, mich mit leiblichen Augen haſt ſehen wollen, ſo haſt du ein großes Verdienſt deines Glaubens verloren;“ nach dieſen Wor⸗ ten verſchwand dasſelbe, und ließ den Prieſter wegen des verlornen Verdienſtes traurig ſtehen. Durch dieſes alt i Andacht unter der heiligen Wandlung. 493 Beiſpiel wirſt du in deinem Glauben beſtärkt und zu⸗ gleich verſichert, daß, ſo oft du in Anſchauung der heil. Hoſtie den Glauben erweckeſt, ſo oft erwirbſt du bei Gott ein großes Verdienſt. 11. Dieß wußte gar wohl der heil. Ludwig, Kö⸗ nig von Frankreich, und wollte dieſes Verdienſt nicht verſcherzen. Als man ihm einmal berichtete, daß nicht weit von Paris während der Meſſe eines gewiſſen Prie⸗ ſters Chriſtus in leiblicher Geſtalt ſichtbar erſcheine, und man in ihn drang, er möge doch auch dieſes Wunder mitanſchauen, ſagte er:„Laſſet Diejenigen, welche nicht glauben, den Herrn Jeſus Chriſtus in ſeiner körper⸗ lichen Geſtalt mit ihren leiblichen Augen anſchauen; ich aber, der ich ſeine perſönliche Gegenwart feſtiglich glaube, begehre dieß nicht zu ſehen.“ Ohne Zweifel hatte die⸗ ſer heilige König eine natürliche Begierde, das Kind Jeſu zu ſehen,(denn was könnte Jemandem in dieſer Welt Süßeres widerfahren, als eben das ſchönſte unter den Menſchenkintern anzuſchauen), und doch, damit er ſein Verdienſt nicht verlor, wollte er ſeinen Augen die Freude und Wonne verſagen, damit er eine höhere Stufe der Glorie ſeiner Seele erwerben möge. Folge dieſem Kö⸗ nige, und obwohl du eine große Begierde haſt, Chri⸗ ſum in der heil Hoſtie zu ſchauen, dennoch begnüge dich mit deinem lebendigen Glauben und tröſte dich, daß du deinen Jeſus in der zukünftigen Glorie deſto ſchö⸗ ner ſehen und anſchauen werdeſt. 12. Ohne Zweifel wird auch der heil. Paſchalis, ein geweſener Laienbruder des Ordens vom heil. Fran⸗ ziskus, eine beſondere Liebe und Freude in Anſchauung der heil. Hoſtie während ſeines Lebens gehabt haben, in⸗ dem wir in ſeiner Lebensbeſchreibung folgendes leſen: 494 Neunundzwanzigſtes Kapitel. Als ſeine Leiche am Tage ſeiner Begräbniß in die Kirche geſtellt wurde, wobei ein Prieſter eine heil. Meſſe ſang, da öffnete der Todte ſeine Augen, als der Prieſter zur Aufhebung der hochwürdigen Hoſtie gekommen, ſah die⸗ ſelbe freundlich an, und zeigte in ſolcher Anſchauung eine beſondere Fröhlichkeit. Alle Umſtehenden, deren eine große Menge war, ſahen dieſe Wundergeſchichte mit größter Freude und Verwunderung an und wurden da⸗ durch nicht allein ſehr erbaut, ſondern mächtig im Glau⸗ ben geſtärkt. 13. Sehr denkwürdig iſt auch, was Fornerus in Miser. conc. 78. von dem vorzrefflichen Helden Si⸗ meon Montfort ſchreibt, welcher täglich die heil. Meſſe mit größter Andacht hörte, und ſich in Anſchauung der heil. Hoſtie zu erfreuen pflegte, indem er oft wie Si⸗ mon ausrief:„Nun, o Herr! entlaſſe deinen Diener in Frieden, weil meine Augen deinen Heiland geſehen haben.“ Als derſelbe im Kriege gegen die ketzeriſchen Albigenſer mit Hilfe der Deutſchen und Franzoſen 12 Jahre lang unter Vergießung vielen Blutes geſtritten hatie, da geſchah es an einem Tage, daß die Ketzer, wohl wiſſend, daß der Herzog täglich in der Frühe die heil. Meſſe zu hören pflegte, unverſehens das katholiſche Lager überfielen und große Verwirrung und Schrecken anrichteten. Simon hörte unterdeſſen in der Feldkapelle die heil Meſſe und vernahm ein großes Geſchrei; ſo⸗ gleich kamen auch die Offiziere zu ihm und ſagten, das die Ketzer im Lager ſeien und daß das Volk in der äußerſten Gefahr ſchwebe. Sie baten ihn, daß er doch das Meſſehören unterlaſſen und dem bedrängten Volke zu Hilfe kommen möchte. Der Herzog aber ſprach: „Laſſet mir die göttlichen Dinge den menſchlichen vor⸗ jieh oyfe Off digt oh bis foh doß hoo he an Bl un i den ele ſo⸗ das der o le . — Andacht unter der heiligen Wandlung. 495 ziehen und meinem Heilande in dieſem heiligen Meß⸗ opfer den ſchuldigen Dienſt erweiſen.“ Als nun die Offiziere abgewieſen waren, kamen bald andere und kün⸗ digten ihm den ſchon geſchehenen Schaden an; ter Her⸗ zog aber ſprach:„Ich werde von hier nicht weggehen, bis ich meinen Heiland angeſehen und angebetet habe.“ Während deſſen empfahl er Chriſto die gegenwärtige Ge⸗ fahr und bat ihn durch die große Kraft der heil. Meſſe, daß er ſeinem Volke beiſtehen möchte. Da nun das hochwürdigſte Sakrament aufgehoben wurde, goß er ſein Herz vor ſelbem aus, betete ſeinen Heiland demüthig an, opferte dem himmliſchen Vater den Leib und das Blut, ſowie das ganze Leben Chriſti zu deſſen Ehre, und nach der Aufhebung des Kelches ſprach er laut: „Nun, o Herr! entlaſſe deinen Diener in Frieden, weil meine Augen deinen Heiland geſehen haben.“ Nach die⸗ ſen Worten ſtand er auf und ſprach mit großem Eifer zu den Offizieren:„Nun wollen wir hingehen, und wenn es Gott gefällig iſt, für Denjenigen ſterben, welcher ſich gewürdiget hat, für uns am Kreuze zu ſterben.“ Als⸗ dann legte er ſeine Waffen an, ſchwang ſich auf ſein Pferd, theilte ſeine achthundert Reiter und weniges Fuß⸗ volk in drei Kriegsordnungen und ſtritt im Namen der allerheiligſten Dreifaltigkeit wider die gewaltige große Armee der Ketzer, deren Heeresführer der Graf von To⸗ loſa war, welchem Petrus, König in Aragonien, des Grafen Schwager, zu Hilfe gekommen war. Das ge⸗ waltige Heer griff der tapfere Kriegsheld Simon Mont⸗ fort herzhaft an, erſchlug bei zwanzig tauſend auf dem Platze und trieb die Uebrigen in die Flucht. Dieſer große und herrliche Sieg wurde dem Mont⸗ fort zugeſchrieben, welcher aber mehr durch die Kraft 496 Neunundzwanzigſtes Kapitel. der heil. Meſſe, als durch die Macht ſeiner ſchwachen Armee(welche nur in ſechszehnhundert Mann beſtand) den Feind überwunden hat. Nach dem Beiſpiele dieſes gottſeligen Helden erwecke auch du allezeit in der hetl. Meſſe bei der Aufhebung der heil. Hoſtie einen lebhaf⸗ ten Glauben an die leibliche Gegenwart deines Heilan⸗ des, bete ihn mit gebogenen Knien demüthig an, bitte ihn mit reumüthigem Bruſtklopfen um Verzeihung dei⸗ ner Sünden, und opfere ihn mit ganzem Ernſte und Vertrauen dem himmliſchen Vater zur Erlangung ſei⸗ ner Gnaden. 14. Zu dieſer Geſchichte muß ich auch noch Jenes beifügen, was gemeldeter Fornerus, geweſener Weih⸗ biſchof zu Bamberg, in Miserere conc. 84. von Ro⸗ bert, König von Frankreich, berichtet: Als er die rebel⸗ liſche und feſte Stadt Meldun in Frankreich belagerte, da konnte er die hartbedrängten und hartnäckigen Bür⸗ ger doch nicht zur Uebergabe bewegen. Als er nun eine heil. Meſſe gehört hatte und unter der Aufhebung der heil. Hoſtie, welche der Prieſter lang in der Höhe hielt, Chriſtum eifrig um den Sieg bat, ſieh! da fielen die Mauern der Stadt(gleichwie es einmal zu Jericho ge⸗ ſchah), von ſich ſelbſt zuſammen und machten ſo dem Könige einen freien Eingang in dieſelbe. Er erkannte hieraus die große Würde der Aufhebung Chriſti in der heil. Meſſe und hielt ſie hernach in noch weit größern Ehren. 15. Nach der Uebung des Glaubens und der An⸗ betung der heil. Hoſtie ſoll die Aufopferung folgen, von deren Kraft im 25. Kapitel Viel geſagt wurde. Ich will hier nur einen Spruch der heil. Gertrud beiſetzen, welche(lib. 3. Revel. c. 14.) ſagt:„Die Aufopfe⸗ rung der hochheiligen Hoſtie iſt die wahrhaftigſte und rif nit jin nur des nen ihre Ei ſoll Got cher Aug des der ike bt zf ſte ſtl hrt e hel dos M N du de ür⸗ ng öhe len ige aus eil en ⸗ bon en, fe d Andacht unter der heiligen Wandlung. 497 kräftigſte Austilgung aller menſchlichen Schuld.“ Hie⸗ mit wollte ſie ſagen: Durch nichts kann man den er⸗ zürnten Gott gewiſſer und kräftiger verſöhnen, als wenn man ihm unter der heil. Meſſe die hochwürdigſte Hoſtie des Leibes und Blutes ſeines Sohnes aufopfert. Daher ſollten dieß alle Sünder wohl in Obacht neh⸗ men und unter oder gleich nach der Aufhebung die heil. Hoſtie aus ganzer Kraft ihres Herzens zur Verzeihung ihrer Sünden aufopfern. Ja, nicht allein die großen Sünder, ſondern auch Alle, welche die heil. Meſſe hören, ſollen unterdeſſen, während der Kelch konſekrirt wird, Gott dem Vater ſeinen Sohn in der Geſtalt, in wel⸗ cher er in der heil. Hoſtie aufgeopfert worden iſt, vor Augen ſtellen. 16. Nach dieſer Aufopferung folgt die Aufhebung des heil. Kelches, welches die zweite vornehmſte Ceremonie der heil. Meſſe iſt und eine beſondere Bedeutung und übernatürliche Kraft hat. Denn in ſelber wird das koſtbare Blut Jeſu Chriſti geiſtlicher Weiſe wieder ver⸗ goſſen und auf alle Gegenwärtige ausgeſprengt. Dieß ſcheint klar aus der Conſekration, welche der heil. Apo⸗ ſtel Jakobus in ſeine Meſſe geſetzt hat, hervorzugehen: „Das iſt mein Blut des neuen Teſtamentes, heißt es dort, welches für euch und für Viele vergoſſen und dar⸗ gegeben wird zur Verzeihung der Sünden.“ Eben dieſe Wandlungsworte ſtehen auch in der Meſſe des heil Evangeliſten Markus und melden ausdrücklich, daß das heil. Blut wirklich geiſtlicher Weiſe in der heiligen Meſſe vergoſſen werde. Wenn du nun bei der heil. Meſſe biſt, ſo widerfährt dir eben die Gnade, als wenn du auf dem Kalvarienberg geweſen, reumüthig unter dem Kreuze geſtanden und mit dem heil. Blute benetzt Cochem, Meßerklärung. 82 498 Reunundzwanzigſtes Kapitel. worden wäreſt. Wie du nun dort von Seelenmakeln gereinigt worden wäreſt, eben ſo wirſt du bei der heil. Meſſe mit dem heil. Blute Chriſti geiſtlicher Weiſe be⸗ netzt, und wenn du eine wahre Reue haſt, von deinen Makeln gereinigt. 17. Zu den Iſraeliten ſprach Gott Exod. 12.: „Die Menge der Kinder Iſrael ſoll ein Lamm ſchlach⸗ ten, und deſſen Blut auf die Pfoſten der Thüren ſtrei⸗ chen! ſo werde ich das Blut ſehen und werde vorbei⸗ gehen, und es wird keine verderbende Plage unter euch ſein, wenn ich das ganze Aegyptenland ſchlagen werde.“ Wenn nun das Blut des Oſterlammes, auf die Pfo⸗ ſten der Thüren geſprengt, von der Plage des ſchlagen⸗ den Engels hatte erretten können, wie vielmehr wird dann das theuere Blut des unſchuldigen Lammes, welches für uns am Kreuze geſchlachtet wurde und deſſen Blut täglich in der heil. Meſſe über uns ausgegoſſen wird, uns vor dem Grimme des böſen Engels bewahren, „welcher als ein brüllender Löwe herumgeht und ſuchet, wenn er verſchlingen könne.“ 1. Petr. 2. 18. Was ſollen aber Diejenigen thun, die außer der Kirche ſind, und der Meſſe nicht beiwohnen können oder wollen? Dieſen zum Dienſt und Nutzen hat die allgemeine Kirche den weiſen Gebrauch angeordnet, daß man zur Aufhebung der heil. Hoſtie und des Kelches mit der Glocke ein Zeichen gibt, damit alle Abweſenden hören und wiſſen können, daß man unſern lieben Herrn und Gott in der heil. Meſſe aufhebe. Bei dieſem Glocken⸗ zeichen ſollen Alle, ſowohl auf dem Felde, als zu Hauſe, niederknieen, ſich gegen die Kirche wenden und ihren Gott und Herrn in den Händen des Prieſters anbeten. Dieſer heilige und heilſame Gebrauch iſt in vielen Län⸗ der übl un Be („ ar de ſch il iit en en e.. en⸗ ird ches glut ud, ern Andacht unter der heil. Wandlung. 499 dern üblich und ſollte billig in allen Ländern der Welt üblich ſein: denn er gereicht zur größern Ehre Gottes und zu unſerm Heile, was ich in einem denkwürdigen Beiſpiele zeigen will. 19. Gabriel Biel, der berühmte Schriftſteller, ſchreibt (a Fer. 3. Hebdom. S.), daß zu ſeiner Zeit ein armes Weib war, welches einen ſehr böſen Mann hatte, der Alles verſchwendete, und ſie neben vielen Verwün⸗ ſchungen erbärmlich ſchlug. Das Weib litt dieſe Un⸗ bild lange Zeit mit Geduld und dachte, ihr Mann werde ſich doch einmal bekehren und beſſern. Da ſie aber endlich mit Betrübniß ſehen mußte, daß das Uebel im⸗ mer ärger wurde, fiel ſie in ſchwere Kleinmüthigkeit und endlich gar in Verzweiflung; denn, ſprach ſie bei ſich ſelbſt, weil ich ſehe, daß keine Hoffnung zur Bekehrung meines Mannes iſt, und daß ich, je länger, deſto ärger von ihm mißhandelt werde, ſo weiß ich kein beſſeres Mittel, als daß ich mich ſelbſt erhänge und von ſo vie⸗ len Uebeln befreic. Sie ergriff deßwegen einen Strick, band ihn an einen Nagel, welcher in einem Balken ihres Schlafzimmers eingeſchlagen war, ſtieg auf einen Stuhl und legte den Strick in voller Verzweiflung um ihren Hals. Da ſie nun den Stuhl unter ihren Füßen weg⸗ ſtoſſen wollte, geſchah es zu ihrem größten Glück, daß in der nächſten Kirche die Wandlungsglocke geläutet wurde. Das Weib hatte den löblichen Brauch, daß, wenn ſie nicht zur heil. Meſſe kommen konnte, ſie doch beim Zeichen der Aufhebung allezeit niederkniete und ihren Heiland demüthig anbetete, und dieſen ihren hei⸗ ligen Brauch wollte ſie auch noch am Ende ihres Lebens nicht unterlaſſen, darum nahm ſie nochmal den Strick vom Halſe, kniete gegen die Kirche gewendet nieder, 500 Neunundzwanzigſtes Kapitel. und ſprach dieſe und ähnliche Worte:„Herr Jeſu, ich habe dich, den in der heil. Meſſe Aufgehobenen, täglich angebetet und deine Barmherzigkeit angerufen. Jetzt bete ich dich zum letzten Male an und opfere dich dei⸗ nem himmliſchen Vater. Weil du mich aber nicht er⸗ hört und von meinem großen Uebel nicht befreit haſt, ſo will ich mich vor Leid erhängen und mich ſo von meinem unerträglichen Uebel befreien“ Kaum hatte ſie dieſe Worte ausgeſprochen, ſieh, in dem Augenblicke zer⸗ brach der Balken, wo der Strick angebunden war und unter welchem ſie kniete, und der Strick fiel in ihre Hände. Sie erſtarrte vor Verwunderung und wußte nicht, was ſie hierüber denken oder ſagen ſollte. Unter⸗ deſſen hörte ſie eine erſchreckliche Stimme, welche nicht allein in ihre Ohren, ſondern auch in ihr Herz drang, und ſo lautete:„Hätteſt du deinen Gott auf dem Al⸗ tare nicht angebetet, ſo würdeſt du heute Nacht in der Hölle ſchon leiden müſſen.“ Das Weib erkannte, daß dieß des Teufels Stimme war, deßwegen zitterte ſie vor großem Schrecken, ſah ihre Bosheit und die äußerſte Gefahr der ewigen Verdammniß, in welcher ſie geſchwebt war. Sie bereute ihre Miſſethat ſchmerzlich, bat den gütigen Gott demüthig um Verzeihung, und dankte ihm tauſendmal, daß er ſie ſo wunderbarer Weiſe vor der Verdammniß bewahrt habe. Hernach ging ſie zu ihrem Manne, hielt ihm ſein Betragen ernſtlich vor und ſprach ohne Scheu:„O du Unbarmherzigſter unter allen Män⸗ nern, was haſt du gethan, und wohin haſt du mich Armſelige gebracht; durch deine Grauſamkeit haſt du mich in eine ſolche Verzweiflung geſtürzt, daß ich mich ſelbſt erhängen wollte. Als ich aber bei der Wand⸗ lung, da mit der Glocke das Zeichen gegeben wurde, nie de fie n ſte ebt den der em uch nich du ri d e Andacht unter der heiligen Wandlung. 501 niedergekniet bin, da wurde der Balken, an welchem ich den Strick angebunden hatte, in Staub verwandelt und fiel über mich herunter. Zugleich hörte ich auch die Stimme des Teufels, welche alſo lautete: Hätteſt du deinen Gott auf dem Altare nicht angebetet, ſo würdeſt du heute Nacht in der Hölle ſchon leiden müſſen. Er⸗ kenne deßwegen, o gottloſer Mann, deine Bosheit und gedenke, was du einmal vor dem ſtrengen Richter ver⸗ antworten mußt, weil du mich armes Weib in Ver⸗ zweiflung gebracht, ja ſogar in die Hölle geſtürzt hät⸗ teſt, wenn mich der liebe Gott nicht davor bewahrt hätte.. Der Mann erſchrack über dieſe Rede des Wei⸗ bes, erkannte durch Gottes Gnade ſeine Miſſethat und bat Gott und ſein Weib um Verzeihung. Er beſſerte auch ſein übles Leben, trug dann eine beſondere Andacht zur heiligen Meſſe und ermunterte auch Andere durch ſein Beiſpiel dazu. 20. Folge auch du der Gewohnheit dieſes Weibes, kniee in deinem Hauſe nieder, wenn du bei der heiligen Meſſe nicht in der Kirche ſein kannſt, ſobald du das Zeichen zur Wandlung höreſt, nicht heimlich, ſondern öffentlich, wende dich zur Kirche und bete deinen lieben Gott in den Händen des Prieſters an und opfere ihm auf. Achte auf das Spotten böſer Leute nicht; ſondern denke an den Spruch Chriſti Matth. 10.:„Wer mich vor den Menſchen bekennen wird, den will ich auch vor meinem Vater bekennen.“ Und:„Wer ſich meiner und meiner Worte ſchämen wird, deſſen wird cuch der Men⸗ ſchenſohn ſich ſchämen, wenn er kommen wird in ſeiner Herrlichkeit, und in der Herrlichkeit des Vaters und der heil. Engel. Luk. 9. Wegen falſcher Scham unter⸗ laſſen viele Leute dieſe heilige Uebung, geben Gott die 502 Neunundzwanzigſtes Kapitel. gebührende Ehre nicht, und berauben ſich eines großen Verdienſtes; denn, wer Chriſtum unter der Aufhebung anbetet und aufopfert, übt die Tugend des Glaubens, der Demuth, der Andacht, des Bekenntniſſes Gottes und wird der Früchte der heil. Meſſe theilhaftig. 21. In den Jahrgeſchichten der Kapuziner auf das Jahr 1715 iſt zu leſen, daß Bruder Bonaventura eine beſondere Andacht zur heiligen Meſſe trug und dem Prieſter mit größter Freude und Ehrerbietung bei der⸗ ſelben diente. Als er einmal die Küche verſehen mußte und wegen wichtiger Urſachen bei der Conventmeſſe nicht gegenwärtig ſein konnte, da geſchah es, daß, als unter der Wandlung die Glocke geläutet wurde, er ſich zu der Kirche wendete und ſo Chriſtum demüthis anbetete. Dieſe Andacht gefiel Chriſtus ſo wohl, daß er ſie durch ein Wunder verherrlichen wollte. Denn er gewährte dem frommen Bruder, daß für ſeine Augen die zwiſchen ihm und dem heiligſten Brode und Kelche liegenden Mauern kein Hinderniß mehr waren, und er ſah von der Küche aus ſo auf den Altar hin, als ob die Zwiſchenmauern abgetragen wären, ſo daß der fromme Bruder die auf⸗ gehobene heil Hoſtie und den hochwürdigſten Kelch ſehen konnte. Was für Freude und Andacht der fromme Bruder wegen dieſes großen Wunders empfand, und wie herzlich er den heil. Leib und das heil. Blut angebetet habe, iſt leicht zu denken. Als er nun ſein Gebet ver⸗ richtet hatte, ſchloſſen ſich die Mauern wieder zuſammen, ſo daß man kein Zeichen der Zertheilung daran erken⸗ nen konnte. An dem frommen Bruder aber konnte man vermöge ſeiner ungewöhnlichen Andacht erkennen, daß etwas beſonderes vorgegangen ſei. Er wurde alſo von dem Guardian gefragt, die Wahrheit zu bekennen, und her unt 6h de ant oll de ter tes das ine den der⸗ te icht ner der ieſe ein dem ihm ern iche ern lf⸗ chen nme belet ver nen, len man Andacht unter der heiligen Wandlung. 503 ſo kam nun das Erzählte an den Tag. Es haben da⸗ her die Kapuziner dieß noch immer im Gebrauche, daß unter dem Wandlungszeichen Alle, welche außer dem Chore ſind, ſich zum Altare wenden, niederknieen und den aufgehobenen heil. Leib und das heil. Blut Chriſti andächtig anbeten. Dieſem fremmen Gebrauche ſollten olle Menſchen nachkommen und ihren Heiland unter der Wandlung anbeten. 22. Die böhmiſche Chronik erzäblt uns eine ſehr denkwürdige Geſchichte von des heil. Wenzeslaus Mut⸗ ter, der heidniſchen Herzogin Drahomira, welche die böhmiſchen Chriſten gewaltig verfolgte und ganz auszu⸗ rotten gedachte. Zu dieſem Ende wollte ſie von Prag nach Saatz in einer Kutſche fahren und bei ihres beid⸗ niſchen Vaters Grab den Eid der Ausrottung ſchwören. Als ſie auf dem Hradſchin zu einer an der Straße ge⸗ legenen Kapelle kam, wo vas Wandlungzeichen geläutet wurde, ſprang der Kutſcher vom Pferde, kniete bei der Thüre der Kapelle nieder und betete das aufgehobene hochwürdige Sakrament an. Die eilfertige Herzogin ſchrie dem Kutſcher zu, daß er aufſitzen und fortfahren ſollte. Da es aber dieſer nicht ſogleich that, verfluchte die Frau nicht allein den katholiſchen Kutſcher, ſondern auch das heil. hochwürdige Sakrament auf eine gräu⸗ liche Weiſe. Unter dieſem erſchrecklichen Gottesläſtern fing der Wagen mit den Pferden immer tiefer zu ſinken an. Die Herzogin und ihr Fräulein riefen um Hilfe, allein man konnte ihnen keine bringen, denn ſie gingen völlig unter und man konnte keine Spur mehr von ihnen finden. Der Kutſcher freute ſich von Herzen, daß er von den Pferden abgeſtiegen war und Chriſtum auf dem Altare angebetet hatte. Denn wenn er dieß nicht ge⸗ 504 Neunundzwanzigſtes Kapitel. than hätte und auf den Pferden ſitzen geblieben wäre, ſo wäre auch er vermuthlich mit den Andern zu Grunde gegangen. Hagec. in Chronicis Bohemicis, ad an- num 930. Aus dieſer Erzählung kannſt du abnehmen, wie lieb es Gott ſei, wenn wir bei der Wandlung nie⸗ derfallen und ihm ſeine gebührende Ehre geben. Wenn du bisweilen an Werktagen keine ganze heilige Meſſe hören kannſt, ſo befleiße dich doch, daß du wenigſtens bei der heiligen Wandlung oder bei der Aufhebung der heil. Hoſtie und des heil. Kelches ſein kannſt, um den wahren Leib und das Blut Chriſti Gott dem Vater aufzuopfern, welches ein ſehr hohes und verdienſtliches Werk iſt. Wenn du bei einer Kirche vorbei gehſt, wo man in der heil. Meſſe nahe bei der Wandlung iſt, ſo gehe hinein, kniee nieder und bleibe ſo lange knieen, bis der heilige Kelch aufgehoben iſt. Was man nach der heiligen Wandlung thun ſoll. 23. Wir haben uns lange bei der Wandlung und Aufhebung der heiligſten Geſtalten aufgehalten, nun wollen wir vernehmen, was wir nach der Aufhebung des heiligen Kelches thun ſollen. Viele haben im Ge⸗ brauche, daß ſie alsdann zu Ehren der heil. fünf Wun⸗ den fünf Vater unſer und fünf Ave Maria beten, wel⸗ ches Gebet zwar ſehr gut, zu dieſer Zeit aber ungelegen iſt. Andere, die viel zu beten haben, fahren in ihren Pflicht⸗ und andern Gebeten fort und nehmen auf das heilige Meßopfer nicht mehr Rückſicht. Auf den Dorf⸗ ſchaften pflegen einige Schullehrer unter der Aufhebung der heil. Hoſtie, andere nach der Niederſetzung des hei⸗ ſt n det en ter e wo ſt, Andacht nach der heiligen Wandlung. 505 ligen Kelches deutſche oder lateiniſche Lieder zu ſingen, welches aber gegen den Bebrauch der katholiſchen Kirche iſt, die vom Sanctus bis zum Pater noster ein hei⸗ liges Stillſchweigen verordnet hat, damit alles Volk in Ruhe und ohne Störung das höchſte Geheimniß be⸗ trachten, ſich zu Nutzen machen, auch Chriſtum auf dem Altare anbeten, aufopfern und anrufen könne. Wenn aber gleich nach der Wandlung geſungen wird, ſo wer⸗ ven ſowohl Prieſter als Chorſänger, ſammt dem andern Volke in ihrer Andacht geſtört und von der Anbetung und Aufopferung des heil. Meßopfers, welches unver⸗ gleichlich mehr werth iſt, als der Geſang, verhindert und abgehalten. Deßwegen ſollen die Seelſorger nicht erlauben, nach der Wandlung bis zum Pater noster zu ſingen, ſondern ſollen ihren Pfarrkindern ſagen, daß ſie ihre Herzen zu Chriſtus, welcher auf dem Altare gegen⸗ wärtig iſt, wenden möchten. 24. Frage: Was ſoll ich alſo nach der Aufhebung des Kelches thun? Antw. Ich weiß dir keinen beſſern Rath zu geben, als daß du Dasjenige thuſt, was der Prieſter thut, weil das Opfer eben ſowohl dein, als des Prieſters Eigenthum iſt, und weil dir eben ſowohl obliegt zu opfern, wie dem Prieſter. Obwohl er vor der Wandlung die heilige Meſſe ſeinem Gott vielmal aufgeopfert, obwohl er ſelbſt noch unter der Aufhebung den Leib und das Blut Chriſti nachdrücklich aufgeopfert hat; dennoch läßt er nicht nach, auch nach der Wandlung dieſelbe Aufopferung zu vollbringen; er kann ja nichts Geeigneteres thun, als dieſe edelſte Gabe ſeinem Gott aufzuopfern und ihm mit dem öftern Aufopfern ſeine Freude und ſein Wohlgefallen zu vergrößern und zu ver⸗ mehren. Deßwegen ſpricht der Prieſter, nachdem er 506 Neunundzwanzigſtes Kapitel. den Kelch wieder niedergeſetzt hat, alſo:„Deßwegen, o Herr! bringen wir, deine Diener, ſo wie auch dein hei⸗ liges Volk, von deinen Gaben und Geſchenken deiner erhabenen Mojeſtät dar ein ſchuldloſes † Opfer, ein heiliges † Opfer, ein unbemaleltes † Opfer, das heilige † Brod des ewigen Lebens und den Kelch † des ewigen Heils.“ Hierüber ſagt Sanchez in Thesaur. Missne c. 24.:„In der ganzen heil. Meſſe ſpricht der Prieſter kein tröſtlicheres Wort, als eben, da er nach der Auf⸗ hebung ſagt: Herr! wir deine Diener und dein heiliges Volk opfern deiner Majeſtät ein reines Schlachtopfer ꝛc., weil er in der heil. Meſſe nichts Beſſeres thun kann, und auch wir nichts Beſſeres thun können, als das Meßopfer unſerm Gott darzubringen.“ Wenn du aber gleich nach der Aufhebung des heiligen Kelches dich zu deinen gewöhnlichen Gebeten wendeſt, ſo laſſeſt du von dem Opfer der heil. Meſſe ab und willſt ihm anſtatt des unſichtbaren Meßopfers, dein armſelig treckenes Ge⸗ bet aufopfern, welches ſehr unweislich und dir wenig verdienſtlich iſt. 25. Was haben wir arme Leute denn, das wir dem reichen Gott epfern können? Wiewohl wir an allen Tugenden und Gnaden arm ſind, dennoch haben wir unter der heiligen Meſſe einen ſo reichen Schatz auszuſpenden, womit wir Himmel und Erde bereichern können. Dieſen Schatz zeigt uns der heil. Paulus an, da er Röm. 8 alſo ſpricht:„Gott hat ſeinen eigenen Sohn für uns Alle dargegeben; wie wird er dann nicht auch mit ihm uns Alles geſchenkt haben?“ Gott hat das nicht allein vor Zeiten gethan, ſondern in allen und jeder heiligen Meſſe gibt er ſeinen geliebten Sohn abermals für uns dar(wie in dieſem Buche oft erwie⸗ ſen ſein lun hin M die Se oft na od nen icht Andacht nach der heiligen Wandlung. 507 ſen worden iſt), und ſchenkt uns zugleich mit ihm alle ſeine Reichthümer, damit wir dieſelben ihm ale Zoh⸗ lung unſerer Schulden und als Einkaufsſumme für himmliſche Schätze aufopfern ſollen. Wer nun die hl. Meſſe recht hören, wer in einer heil. Meſſe viel ver⸗ dienen, wer ſehr reich werden will, der muß ſich ſeines Schatzes ſehr wohl bedienen, und ihn Gott dem Voter oft und eifrig aufopfern. Diejenigen, welche leſen kön⸗ nen, finden in den Meßgebeten eine kräftige Weiſe zu opfern; die aber, welche nicht leſen können, ſollen Alles, was ſie von Chriſtus wiſſen, Gott dem Vater auf dieſe oder ähnliche Weiſe aufopfern: „Himmliſcher Vater, ich opfere dir dieſe heilige Meſſe; ich opfere dir deinen lieben Sohn; ich opfere dir ſeine Menſchwerdung; ich opfere dir ſeine Geburt; ich opfere dir ſein bitteres Leiden; ich opfere dir ſeinen blutigen Schweiß; ich opfere dir ſeine Krönung; ich opfere dir ſeine Kreuztragung; ich opfere dir ſeinen bittern Tod; ich opfere dir ſein roſenfarbes Blut; ich opfere dir Alles, was dein lieber Sohn für mich ge⸗ than und gelitten hat, und was er in der heil. Meſſe wieder erneuert. Dieſes Alles opfere ich dir zu deiner höchſten Ehre und zu meinem Seelenheile Amen⸗ 26. Dieß iſt zwar ein einfältiges, aber doch ſehr kräftiges Gebet, welches die unbeleſenen Leute auswen⸗ dig lernen und in der heil. Meſſe nach der Wandlung wiederholen können, weil es ihnen ſehr viel nützt, wie aus den Worten Chriſti an die heil. Mechtild(ib. I. c. 15.) abzunehmen iſt.„Sieh, ich ſchenle dir, ſprach er,„alle Bitterkeit meines Leidens als deine eigene, auf daß du ſie mir als die Deinige wieder geben und opfern könneſt. Wenn Jemand das thun wird, ſo gebe ich 508 Neunundzwanzigſtes Kapitel. ihm es wieder doppelt zurück. Aus dieſen Worten Chriſti merkeſt du, welch' große Kraft gemeldetes Opfer habe, und wie viel wir verdienen, wenn wir die Dar⸗ bringung desſelben, namentlich des Leidens und Ster⸗ bens Jeſu Chriſti, was er ja jedem Gegenwärtigen als Eigenthum ſchenkt, recht oft wiederholen. 27. Auf ſolche Weiſe ſollen ſich die unbeleſenen Leute nach der Wandlung verhalten und die heil. Meſſe dem lieben Gott aufopfern, was ihnen viel mehr ein⸗ tragen wird, als wenn ſie mit ihrer gewöhnlichen An⸗ dacht einen Roſenkranz ſprächen. Sie ſollen auch jedes⸗ mal Chriſtum bitten, daß er ihren Mangel erſetzen und die heil. Meſſe anſtatt ihrer ſeinem himmliſchen Vater aufopfern wolle. Wie viel dieſes werth ſei, erkenne aus folgender Offenbarung. Als die heilige Mechtildis einmal den neun Chören der Engel zu Ehren neun „Vater unſer⸗ gebetet hatte, und ihrem Schutzengel übertragen wollte, daß er dieſelben dem allmächtigen Gott opfern ſollte, ſprach Chriſtus zu ihr(ib. I. c. 53.): „Befehle mir, daß ich's verrichte: denn dieß erfreut mich unendlicher Weiſe, weil jedes Opfer, das mir anem⸗ pfohlen und von mir dem himmliſchen Vater vorgetragen wird, durch mich ſo ſehr geadelt wird, gleich einer Münze von ſchlechtem Metalle, die in geſchmolzenes Gold fällt.. Dieſe Worte ſoll Jeder wohl beachten und un⸗ ter der heiligen Meſſe ſprechen: Liebſter Jeſu! weil ich die heilige Meſſe nicht recht opfern kann, ſo übertrage ich ſie dir und bitte dich, du wolleſt ſie für mich deinem Vater aufopfern. 28. Zuletzt ſei ermahnt, daß du dich befleißeſt, mit möglichſter Andacht die heil. Meſſe zu hören und hiebei keine Ungebühr zu begehen. Hüte dich, daß du nicht ſtn Kom Unb ſern meh dich löm heil den ſein digt ſagt und gen ſolc Dr hin heil len die in ſow ſon wü Und ſin Uu 6 ſi nen eſſe in⸗ An e⸗ und ter ne is eun el den nich em⸗ gen iner old i ag nen mi ehe i Andacht nach der heiligen Wandlung. 509 ſchwätzeſt und lacheſt, noch von der Wandlung bis zur Kommunion ohne große Noth ſitzeſt. Denn es iſt eine Unbeſcheidenheit in der Gegenwart Chriſti, der ſich un⸗ ſertwegen erniedriget, aus Bequemlichkeit zu ſitzen. Viel⸗ mehr geziemt es ſich, daß du auf der Erde knieſt und dich vor Demjenigen, welcher deinetwegen vom Himmel kömmt, nach Möglichkeit demüthigſt. Wer unter der heil. Meſſe ſündiget, deſſen Sünde iſt größer, weil er den höchſten Gottesdienſt entehrt und in der leiblichen Gegenwart ſeines Erlöſers, welcher das höchſte Werk ſeiner Erlöſung wieder erneuert, vermeſſener Weiſe ſün⸗ digt. Der heil. Chryſoſtomus(Homil. 40. ad pop.) ſagt:„daß Diejenigen, die unter der hl. Meſſe ſchwätzen und lachen, verdienten, in der Kirche vom Blitze erſchla⸗ gen zu werden.“ Er droht ihnen, wie auch denen, die ſolche nicht ſtrafen, mit dem göttlichen Gerichte. Dieſe Drohung geht beſonders die Aeltern an, welche ihre Kinder wegen des Schwätzens oder Lachens unter der heil. Meſſe nicht ſtrafen und züchtigen. In vielen Or⸗ ten iſt, leider Gott! der üble Gebrauch, daß nicht allein die kleinen, ſondern auch die größeren Kinder, wenn ſie einmal über zehn Jahre alt ſind, unter der heil. Meſſe ſowohl an Sonn⸗ als auch an Werktagen nichts beten, ſondern nur ſchwätzen, lachen, einander ſtoſſen, zupfen, drücken und Muthwillen treiben. Die Aeltern ſehen und hören dieß, und halten doch ſolche muthwillige Kinder nicht mit Strenge zum Beten an. 29. Pater Gobat ſagt Alphab. aud. Sacram. num. 211., daß Mädchen, welche acht bis neun, und Knaben, vie neun bis zehn Jahre alt, unter einer Tod⸗ ſünde ſchuldig ſind, an Sonn⸗ und Feiertagen die heil. Meſſe mit Andacht zu hören. Wenn nun ſolche Knaben 510 Dreißigſtes Kapitel. und Mädchen unter der heiligen Meſſe nicht beten, auch nicht auf die heil. Meſſe Acht haben, ſondern ganz müßig ſitzen, oder einen guten Theil der heil. Meſſe mit Schwätzen oder Scherzen zubringen, ſo begehen ſie eine Todſünde und ihre Aeltern und Seelſorger, die dieſe Kinder von dem Schwätzen nicht abhalten und zur Andacht antreiben, machen ſich dieſer Todſünde theilhaftig. Dreißigſtes Kapitel. Wie ehrerbietig die heilige Meſſe gehört werden ſoll, und wie ſchwer ſich Diejenigen verſündigen, welche dieſelbe ohne Ehrerbietung hören. 1. Das heil. Concilium zu Trient(Sess. 22. c. 9.) ſpricht:„Weil wir bekennen müſſen, daß die Chriſt⸗ gläubigen kein ſo heiliges und göttliches Werk verrichten können, als das erſchreckliche Geheimniß, in welchem das lebendigmachende Opfer durch die Prieſter täglich auf dem Altare geſchlachtet wird, ſo erhellet genugſam dar⸗ aus, daß man alle Mühe und allen Fleiß anwenden ſoll, damit dasſelbe mit größter Andacht und innerlicher Reinigkeit verrichtet werde.. Dieß ſind ſehr denkwür⸗ dige Worte, welche nicht allein von den Prieſtern, ſon⸗ dern auch von den Meſſehörenden wohl beachtet und in der That fleißig geübt werden ſollen, damit ſie alle mit möglichſter Andacht die heil. Meſſe leſen oder derſelben anwohnen mögen. Von den jüdiſchen Opfern ſchreibt der Geſchichts⸗ ſchreiber Flavius Joſephus, daß täglich im Tenpel ſieben⸗ hundert Prieſter und Leviten dienten, die Opferthiere ſt Alte erbi einz den unſ erw unſ das i und me ſe ſi di zur ig n ne . in nit lben i ben ſete Von der Verunehrung der heiligen Meſſe. 511 ſchlachteten, reinigten, in Stücke hieben und auf dem Altare verbrannten. Dieß geſchah mit ſolcher Ehr⸗ erbietung und ſolchem Stillſchweigen, als wenn nur ein einziger Prieſter im Tempel wäre. Wenn nun die Ju⸗ den ihrem Thieropfer, welches nur eine Vorbedeutung unſers Meßopfers war, ſchon ſolche Ehre und Andacht erwieſen haben, wie vielmehr ſollen dann wir Chriſten unſerm heilige Angſt erregenden Meßopfer(in welchem das heiligſte Lamm Gottes wahrhaftig für unſer Heil geiſtlicher Weiſe geſchlachtet wird) alle mögliche Ehre und Andacht erweiſen und demſelben mit größter Auf⸗ merkſamkeit und größtem Stillſchweigen beiwohnen. 2. Nach dem Beiſpiele der jüdiſchen Prieſter rich⸗ teten ſich auch die erſten Chriſten, von welchen der heil. Chryſoſtomus ſchreibt(Homil. 3. in 2. Corinth.): „daß, wenn ſie in die Kirche eingehen wollten, ſie die Thürſchwelle demüthig küßten und während der heiligen Meſſe ſo großes Stillſchweigen hielten, als wenn Nie⸗ mand in der Kirche wäre.. Dieß befiehlt auch der heil. Apoſtel Jakobus in ſeiner Liturgie, da er ſpricht: „Alle Leute ſollen ſchweigen, mit Furcht und Zittern ſtehen und an nichts Irdiſches denken, weil der König aller Könige, unſer Herr Jeſus Chriſtus, kommen wird, auf daß er geſchlachtet und ſeinen Gläubigen zur Speiſe gegeben werde.. Dieß nahm der heil. Biſchof Marti⸗ nus wohl in Acht, wie in ſeiner Legende zu leſen iſt: denn er pflegte niemals in der Kirche zu ſitzen, ſondern allezeit zu knieen oder zu ſtehen und mit bleichem, erſchrockenem Geſichte zu beten. Als er einmal um die Urſache davon gefragt wurde, ſprach er:„Soll ich mir denn nicht fürchten, da ich vor meinem Gott und Herrn ſtehe?“ Dieſe Furcht hatte auch David, wie er 512 Dreißigſtes Kapitel. im 5. Pſ. ſpricht:„Ich will eingehen in dein Haus und will in deinem Tempel in deiner Furcht anbeten.“ 3. Hier kann ich mit Recht diejenigen Worte an⸗ ziehen, welche Gott aus dem brennenden Dornbuſche zu Moſes ſprach:„Löſe die Schuhe von deinen Füßen; denn die Erde, worauf du ſteheſt, iſt heilig.“ Viel heiliger iſt jede Kirche, welche vom Biſchof mit vielen Ceremonien, Salbungen und Gebeten conſekrirt worden iſt, wie du im zweiten Kapitel§. 1. dieſes Buches ge⸗ leſen haſt, und täglich durch die Aufopferung vieler heil. Meſſen mehr geheiliget wird. Wenn nun David mit Furcht und Zittern in das Haus Gottes, wo die Arche des Bundes ſtand, eingegangen iſt, wie vielmehr ſollen dann wir arme Sünder in die hochheilige Kirche, worin das hochwürdigſte Sakrament aufbewahrt und das gött⸗ lichſte Meßopfer verrichtet wird, mit Furcht und Zittern eingehen und dem höchſten Gottesdienſte beiwohnen. Da⸗ her ſpricht der allmächtige Gott Lev. cap. 25.:„Ent⸗ ſetzet euch vor meinem Heiligthume, oder meinem heili⸗ gen Orte.“ Dieß iſt aber mehr von unſern Kirchen zu verſtehen, als von der Stiftshütte bei den Iſrae⸗ liten; wie auch die Leiter Jakobs und der Ort Bethel vielmehr unſere Kirchen, als den Tempel Salomons, vorbedeutet hat, wovon Jakob Geneſ. 28. ſprach:„Wie erſchrecklich iſt dieſer Ort, fürwahr, hier iſt nichts an⸗ ders, als ein Haus Gottes und eine Pforte des Him⸗ mels. Dieß Alles habe ich deßwegen vorgebracht, auf daß Jeder erkennen möge, wie heilig unſere Kirchen und unſer Gettesdienſt ſei, und mit welcher Andacht und Ehrerbietung wir in ſelbe gehen und darin beten ſollen. 4. Aus dem Geſagten kannſt du dir ſelbſt ab⸗ nehmen, wie übel diejenigen handeln, welche mit eben ſo wer nen eint wal ſcg dien die An Aut von Por was ſugt abe der liu hoft gen er den en, viz Pei ie nal in iel len den eil. nit rche llen rin ött⸗ eun Dr⸗ t⸗ ili⸗ hen rae⸗ Von der Verunehrung der heiligen Meſſe. 513 wenig Andacht und Ehrfurcht in ihren Kirchen erſchei⸗ nen, als ſie ſich in ihren Häuſern benehmen und nicht einmal bedenken, daß die Kirche ein Haus und eine wahre Wohnung des Sohnes Gottes ſei. Einige ſind ſogar ſo vermeſſen, daß ſie unter dem höchſten Gottes⸗ dienſte, unter dem hochehrwürdigen Meßopfer, bei welchem die heiligen Engel vor Schrecken und Ehrfurcht auf ihren Angeſichtern liegen, vorwitzig umſehen, alle Ein⸗ und Ausgehenden anſchauen, an weltliche Sachen denken und von unnöthigen Dingen ohne Scheu plaudern und ſchwätzen. Von dieſen kann Chriſtus mit vollem Rechte ſagen, was er zu den Verkäufern im Tempel Salomons ge⸗ ſagt, Matth. c. 81.:„Mein Haus iſt ein Bethaus, ihr aber habt es zu einem Schwätzhaus, ja zu einer Mör⸗ dergrube gemacht.“ Ueber Dieſes ſpricht auch Corne- lius a Lapide:„Die chriſtlichen Kirchen ſind wahr⸗ haftig ein Haus Gottes, weil Chriſtus im hochwürdi⸗ gen Sakramente leiblicher Weiſe darin wohnt.. Da er nun die Juden aus dem Tempel gegeißelt, wie wer⸗ den dann die Chriſten von ihm einmal gegeißelt wer⸗ den, welche ſein heiliges Haus mit Schwätzen, mit vor⸗ vitzigem Umſehen und mit unkeuſchem Anſchauen der Weibsperſonen verunehren! 5. Von dem vorwitzigen Umſehen in der Kirche unter der heil. Meſſe erzählt die ſelige Jungfrau Ve⸗ ronika von Binasco folgende Geſchichte: Als ich ein⸗ mal unter der heil. Meſſe eine bei dem Altare knieende Schweſter aus Vorwitz anſah, ſieh! da ſchalt mich der Engel des Herrn, welcher allzeit bei mir zu ſein pflegte, mit ſolcher Strenge aus, daß ich vor Schrecken in Todes⸗ angſt kam. O wie erſchrecklich ſah er mich an, welch' harte Worte gab er mir, da er ſprach: Warum haſt du 33 Cochem, Meßerklärung. 5¹14 Dreißigſtes Kapitel. deinem Herzen den freien Zaum gelaſſen? warum haſt du deine Schweſter vorwitzig angeſchaut? Du haſt für⸗ wahr nicht wenig gegen Gott geſündigt. Dieß und noch mehr ſprach der Engel und legte mir auf Geheiß Chriſti eine ſchwere Buße wegen des vorwitzigen Umſehens auf, worüber ich drei Tage lang unzählbare Thränen geweint habe. Wenn ich nun bei der heil. Meſſe bin, ſo bin ich nicht mehr ſo keck, mein Haupt zu bewegen, weil ich fürchte, in die Strafe der göttlichen Majeſtät zu fallen.“ P. Bollandus in vita ejusdem 13. Jnn. lib. 3. cap. 9. 6. Aus dieſen Worten einer gotterleuchteten Seele magſt du erkennen, wie ſehr es Gott mißfalle, wenn wir unter der heil. Meſſe vorwitzig umſchauen, alle Ein⸗ und Ausgehenden betrachten und auf die Leute ſehen, wie ſie gekleidet ſind, wie ſie ſich anſtellen, wie und was ſie thun und beten, kurz Alles, was in der Kirche vorgeht, in Acht nehmen wollen. Wir Alle haben genug zu thun, daß wir unſere Gedanken im Zaume halten, um aufmerkſam beten zu können. Wer aber vorwitzig umſieht, der will ſich abſichtlich zerſtreuen und ausſchwei⸗ fende Gedanken verurſachen, was eine muthwillige Sünde, eine geſuchte Zerſtreuung und eine merkliche Unandacht iſt. Dieſes große Uebel abzuſchaſſen, erinnere dich oft an die ſelige Veronika, welche wegen eines ſo geringen Fehlers ſo ſehr getadelt und mit einer ſo harten Buße geſtraft worden iſt. 7. Wenn nun ſchon das vorwitzige Umſehen eine merkliche Sünde iſt, was wird dann erſt das ärgerliche Schwätzen in der Kirche unter der hochheiligen Meſſe für eine Sünde ſein? Man kann viel leichter den Mund, als die Augen zähmen, und deßwegen iſt es Von der Verunehrung der heiligen Meſſe. 515 ein größerer Muthwille und eine größere Sünde, in der Kirche zu ſchwätzen, als bloß umzuſehen. Der heil. Biſchof Cnesareus Homil. 12. ſagt, daß jene eine geringere Sünde begehen, welche die heil. Meſſe ganz verſäumen, als Jene, welche bei derſelben wohl gegen⸗ wärtig ſind, aber dabei ſchwätzen, weil ſie durch ihr Schwätzen Andere ärgern und in ihrem Gebete ſtören. Du ſagſt zwar: Ich muß ja ehrenhalber denen antwor⸗ ten, die mich um etwas fragen. Ich aber ſage dir: Antwort geben iſt nicht verboten, oftmals aber, und eine merkliche Zeit an Sonn⸗ und Feiertagen unter der heil. Meſſe von weltlichen Dingen reden, iſt eine Sünde. Dieſen Brauch haben viele vornehme Perſonen, die deß⸗ wegen ſelten eine heilige Meſſe an Sonn⸗ und Feier⸗ tagen recht hören. Wie ſchwer die Verantwortung für ſolche Schwätzer und Schwätzerinnen dereinſt ſein wird, kannſt du aus dem abnehmen, was ich in vielen Kapi⸗ teln dieſes Buches ausgeführt habe. 8. Sollte Jemand einfältig genug ſein, und ſich denken:„Ei, was wird das wohl auf ſich haben, wenn ich meinem Nachbarn dieß oder jenes ſchnell in's Ohr ſage. Ich habe Niemandem Unrecht gethan, Nieman⸗ dem geſchadet, und das Ganze iſt eine ſolche Kleinig⸗ keit, daß es gar nicht des Redens werth iſt.“ Einem ſolchen muß ich antworten mit der heil. Schrift(Matth. 12.), daß wir über jedes unnütze Wort werden Rechen⸗ ſchaft ablegen müſſen. Du willſt ganz gewiß, daß alle Deine guten Reden, auch deine guten Gedanken möchten Non den Engeln aufgezeichnet werden, und zu deinem Troſte kann ich dir ſagen, daß dieß wirklich geſchieht; Zingegen nimm dir obige Worte von der ſtrengen Rechen⸗ ſchaft auch über jedes unnütze Wort wohl zu Herzen, 516 Dreißigſtes Kapitel. und laß dich von ſolchen Sünden abhalten durch den ſchrecklichen Gedanken, daß auch das kleinſte Wort wird verzeichnet werden in deinem Sündenbuche. 9. Nachdem ich dieß Alles angeſührt, muß ich auch noch hinzufügen, daß man die heil. Meſſe knieend und mit großer Ehrerbietung hören ſolle, wie aus den Wor⸗ ten des heil. Paulus(Philipp. 2. K.) abzunehmen iſt, da er ſpricht:„Im Namen Jeſu ſollen ſich alle Kniee beugen im Himmel, auf Erden und unter der Erde.⸗ Wie vielmehr ſollen ſich dann alle Kniee beugen, wenn der glorwürdige Jeſus auf dem Altare perſönlich gegen⸗ wärtig iſt und das Werk unſerer Erlöſung erneuert. Viele Leute haben die üble Gewohnheit, daß ſie die ganze heil. Meſſe hindurch ſtehen, bei der heil. Wand⸗ lung zwar niederknieen, nach ſelber aber gleich wieder aufſtehen, als wenn Chriſtus nicht mehr gegenwärtig wäre, was ganz unehrbar und wider den chriſtlichen Glauben iſt. Wer nicht die ganze heil Meſſe knieen kann, der ſtehe vom Anfang derſelben bis zur Wand⸗ lung; von da aber, bis der Prieſter das heiligſte Blut genoſſen, ſoll er knieend bleiben. Ich weiß wohl, daß viele Geiſteslehrer ſagen, man dürfe beim Gebete auch eine bequeme Stellung einnehmen, weil der Geiſt ſich dann völlig ungeſtört iit ſeinem Gegenſtande befaſſen kann; allein bei der heil. Weſſe darf man nie aus dem Auge verlieren, daß man ſich in der Gegenwart der göttlichen Majeſtät befinde, und daß die Ehrfurcht vor dem gegenwärtigen Gott uns den größten Anſtand in Benehmen vorſchreibt. Bei dem weiblichen Geſchlechte beſteht eine andere, gleichfalls nicht zu lobende Gewohn⸗ heit, nämlich, daß ſie ſich alsbald in die Bank ſitzen, und ſogar auch von der Wandlung bis zur Kommunion ſte liche vege nft nach ſe s ſicht den ige ſoga ſchei den, inri her ſör Frie ſie kg ſellt in ſe ten ſiſe Um ich 108 de wit auh Un Por niſ ni de. wehn ege lert di and⸗ iede äri ichen nieen zand Bl di au ſi ſt den tdo tbn din ſc woh ſt nn Von der Verunehrung der heiligen Meſſe. 517 ſitzen bleiben, wodurch ſie anzeigen, daß ſie die perſön⸗ liche Gegenwart Chriſti nicht glauben. Wenn ſie ſich wegen Unpäßlichkeit ſetzen müſſen, ſo ſollen ſie ſich vom Anfang der heil. Meſſe bis zur Wandlung ſetzen, dar⸗ nach aber knieend bleiben. Ihre kleinen Kinder ſollen ſie zu Hauſe laſſen, und lieber die heil. Meſſe verſäumen, als ihre weinenden Kinder mit ſich nehmen; weil ſelbe nicht allein ihre Mütter, ſondern auch andere Leute und den Prieſter mit ihrem Geſchrei ſtören. 10. Nicht bloß eine üble Gewohnheit, ſondern ein arger, höchſt verwerflicher Mißbrauch iſt es, wenn man ſogar Hunde in die Kirche mitnimmt. Dieſe Beſtien ſcheinen zu merken, daß ſie an einem Orte ſich befin⸗ den, wo ſie nicht hingehören, und ſagen dieß durch ihr unruhiges Hin⸗ und Herlaufen ihren unverſtändigen Herren. Wie ſehr ſie aber hiedurch den Gottesdienſt ſtören, und die Meſſehörenden, ſo wie häufig ſogar den Prieſter am Altare ärgern, davon kann man ſich durch die alten Einrichtungen in allen größern Kirchen über⸗ zeugen, wo man für einen Jahreslohn einen Mann auf⸗ ſtellte, der die Hunde aus der Kirche trieb. Im letz⸗ ten Kapitel der geheimen Offenbarung des heil. Johan⸗ nes heißt es:„foris canes!“ zu deutſch:„hinaus mit den Hunden!“ Ich weiß, daß damit die biſſigen Men⸗ ſchen gemeint ſind, aber es wird mir erlaubt ſein, Lieſes„foris canes!“ allen di eſen Hundeliebhabern zu⸗ Zurufen, damit nicht etwa ſie ſelbſt am Tage des Ge⸗ zichtes bei der Rechenſchaftsablegung der furchtbare Ruf aus Gottes Munde treffe:„foris canes, hinaus mit den Hunden! Es iſt eine Schande, zu ſagen, daß ans alle anderen Völker in dieſem Stücke weit vorgehen. Denn weder Lutheraner noch Calviniſten, weder Türken 518 Dreißigſtes Kapitel. noch Heiden nehmen ihre Hunde in die Kirche mit, was doch bei uns Katholiken ohne Scheu und Skrupel geſchieht. 11. Endlich iſt noch ein großer Mißbrauch bei uns, daß die Frauen und Zungfrauen, wenn ſie zur Kirche Tanze oder zum Schauſpiele gingen. Dieſes verbietet der heil. Paulus I. Cor. 11, mit den Worten:„Ein jedes Weib, welches nicht mit bedecktem Haupte(und Geſichte) betet, entehret ihr Haupt.“ Der heil. Papſt Linus hat auf dieſen Vefehl des heil. Apoſtels Paulus hin ein Geſetz gemacht, daß die Weibsperſonen, wenn ſie in die Kirche gingen, ihr Angeſicht bedeckt halten muß⸗ ten. Der heil. Karl Borromä hat geboten, daß man die Weibsperſonen von dem Eingange in die Kirche abhalten ſolle, welche ihre Geſichter nicht bedeckt hätten. Der ſelige Clemens Alexandrinus lib. 2Taedag. c. 10. ſagt hierüber:„Den Weibsperſonen iſt dieß geboten worden, weil es ſich nicht geziemt, daß die Schönheit der weiblichen Leiber die Herzen der Männer gefangen nehme.“ 12. Der Befehl des heil. Paulus, des heil. Linus und Borromäus betrifft nicht die Bauernweiber und Töch— ter, noch jene Bürgersfrauen und Töchter, welche ſich bürgerlich und ehrbar kleiden, ſondern diejenigen Frauen einn du du und gehen, ſich ſo prächtig aufputzen, als wenn ſie zum und Jungfrauen, welche ſich koſtbar und prächtig zieren und putzen, damit ſie vor Andern geehrt, reſpektirt und geliebt werden möchten. Zu einer ſolchen Jungfrau, welche ſich überaus aufgeputzt hatte, ſprach einmal der ſelige Thomas Morus:„Wenn dir der gerechte Gott zur Vergeltung deines angewandten Fleißes die Hölle nicht gibt, ſo thut er gewiß eine große Unbild.⸗ Eben Das ſage auch ich allen prächtig geputzten Weibsperſonen. Zu einer ſolchen in die Kirche gehenden Perſon ſprach ghſ utz 39 vert ſon neu und Von der Verunehrung der heiligen Meſſe. 519 einmal der heil. Chryſoſtomus I. Cor. c. 2.:„Gehſt du vielleicht als eine Braut zur Hochzeitr? Oder gehſt du deßwegen hin, damit du ben Leuten deine Schönheit und deine Pracht zeigſt? Wenn du aber in die Kirche gehſt, auf daß du Gott um Verzeihung bitteſt, warum putzeſt du dich denn ſo prächtig? Dieß iſt ja kein An⸗ zug einer reumüthigen Sünderin! Durch deine Pracht verdienſt du nicht allein keine Verzeihung der Sünden, ſondern vermehreſt dieſelben und zieheſt dir Gottes Zorn neuerdings zu“ Dieß ſagt ver heilige Chryhſoſtomus, und ſagt es mit gründlicher Wahrheit.— 13. Solche prächtig geputzte Weibsperſonen ver⸗ urſachen gemeiniglich mehr Böſes als Gutes in den Kirchen; denn ſie ſind Schuld, daß die vorwitzigen Mannsperſonen mehr auf ſie, als auf den Altar ſehen, ſich ihre Schönheit und Pracht betrachten, in ihrem Gebete zerſtreut werden, und auf Anſtiften des Teufels in böſe Begierden gerathen.»Sie reichen den Manns⸗ perſonen Gift, wenn nur einer wäre, der es trinken wollte,“ ſagt der heilige Hieronymus Epist. ad Ne- potian. Gleichwie nun derjenige, welcher einem Gift gibt, eine Todſünde begeht, wenn gleich der Andere das Gift nicht trinkt; ebenſo ſind die prächtig gekleideten Frauen und Jungfrauen ſchwerlich von einer Todſünde zu entſchuldigen, wenn ſchon keiner ſich in der Thorheit ſeines Herzens in ſie verliebt, denn ſie reichen einem Jeden das Gift und geben ihnen mächtige Urſache zu unſauberen Begierden und zwar in der heiligen Kirche unter dem heil. Meßopfer, wo ſie ihre Sünden abbüßen ſollten. Daher ſpricht der heil. Ambroſius in I. Tom. 2. c.:„Je prachtvoller ſie vor den Leuten erſcheinen, deſto ſchändlicher ſind ſie vor Gott, und je mehr ſie von 520 Dreißigſtes Kapitel. den Leuten gelobt werden, deſto mehr werden ſie von zu Gott verachtet und gehaßt.. Gott hat einen Ekel vor de ſolchen Perſonen und verſtopft ſich die Ohren vor ihrem Gebete. e 14. Thomas von Cantiprat, Weihbiſchof zu Groß⸗ ſch kammern, lib. 2. Apum. c. 28. ſchreibt: daß in den ji Niederlanden ein Knabe von ſieben Jahren mit ſeiner gr prächtig gekleideten Mutter in die Kirche ging, dort ein ſi ſchönes Cruzifix ſah und mit dem Finger hinzeigte und L ſprach:„Sieh liebe Mutter! wie Chriſtus ganz nackt un am Kreuze hängt und mit ſeinem heiligen Blute be⸗ v ſprengt iſt. Du aber ſchämſt dich nicht, ihm zum Spott he mit koſtbaren und prächtigen Kleidern zur Kirche zu bi gehen und die heilige Meſſe zu hören. Sieh zu und m hüte dich, daß du nicht mit deinen neuen Kleidern di 3 6 in das ewige Feuer geſtürzt werdeſt.. Dieſe Worte u 3 kamen der Mutter nicht anders vor, als wenn Gott„ durch den Mund ihres Kindes dieſelben zu ihr geredet v u k hätte. Sie eilte deßwegen nach der heiligen Meſſe nach lo Hauſe, warf alle Pracht hinweg, kleidete ſich bürgerlich, P und nach dem Tode ihres Mannes wurde ſie eine Bern⸗ L hardinerin; ihr Sohn aber wurde nach einigen Jahren z ein Dominikaner. Alle prächtig gekleideten Frauen ſoll⸗ n ten ſich bei Anſchauung eines Cruzifixes ſchämen, und 6 ſollte ihnen vorkommen, als ob ſie Chriſtum ſprechen d hörten:„Siehe meine Tochter! wie ich ganz nackt, voll ſ Wunden und Blut am Kreuze hänge und deine Kleider⸗ pracht ſo theuer abbüßen muß. Du aber kleideſt dich( zum Spotte mit köſtlichen und überflüſſigen Kleidern und Meſſe vor meinen Augen zu erſcheinen und alle from⸗ . ſchämſt dich nicht, mit ſolcher Pracht unter der heiligen 3 men Leute durch dein böſes Beiſpiel zu ärgern. Sieh und em rte ott edet ch ich rn⸗ ren ſel und chen voll der⸗ hih und e om i Von der Verunehrung der heiligen Meſſe. 521 zu und hüte dich, daß du nicht nach deinem Tode von mir, deinem Richter, in das ewige Feuer geſtürzt werdeſt.“ 15. Dieſe Drohung Chriſti kann dir, o prächtig gekleidete Frauensperſon, gar leicht widerfahren, und iſt ſchon Vielen widerfahren, wie in glaubwürdigen Er⸗ zählungen zu leſen iſt. Denn die Kleiderpracht iſt eine große Sünde, welche nicht verziehen werden kann, weil ſie von Niemanden bereuet, gebeichtet und abgelegt wird. Wenn du ſchon beichteſt, du habeſt dich prächtig gekleidet und beſonderes Wohlgefallen darin gehabt, ſo iſt dir wohl nicht leid und denkeſt auch nicht, daß du dich beſſerſt, noch die Pracht ablegen wolleſt; ſondern du biſt entſchloſſen, prächtig zu leben, prächtig zu ſterben und prächtig begraben zu werden. Damit du die Größe dieſer Sünde beſſer erkenneſt, ſo bedenke, wie viele Zeit und Stunden du zu deinem Aufputz übel anwendeſt; wie großen Gefallen du an deinem Schmucke habeſt; was für Freude du haſt, wenn Andere deine Pracht loben; wie viele Leute du dadurch ärgerſt; wie viele Perſonen du zu deiner Nachahmung zieheſt, und wie Viele, die dir aus Armuth nicht nachfolgen können, du zum Neide reizeſt; wie viele Mannsperſonen du zu dei⸗ ner vorwitzigen Anſchauung, ja ſogar zu unerlaubten Gedanken bringeſt. Keine von dieſen Sünden achteſt du, keine bereueſt du, keine beichteſt du. In allen die⸗ ſen Sünden lebſt und ſtirbſt du; in allen dieſen kommſt du vor das ſtrenge Gericht Gottes und wirſt in größter Gefahr der Verdammung ſchweben. 16. P. Johannes der Jüngere, ein frommer Do⸗ minikaner, ſchreibt in ſeinem Buche Spec. exempl. verbo Vestis über dieſen Gegenſtand ernſte, aber wahre Worte, indem er ſagt, daß man neben frommer Keuſch⸗ 522 Dreißigſtes Kapitel. heit, großer Mildthätigkeit und bei einem bußfertigen Leben dennoch auf die Pracht und den Putz der Kleider viel halten könne; daß aber gerade dieſe Sünde zu ver⸗ gleichen ſei mit dem hölliſchen Feuer, das Alles ver⸗ brennt, ohne es zu verzehren. Denn durch das Auf⸗ putzen des Leibes und durch die eitle und zierliche Klei⸗ dung ziehen die Weibsperſonen nicht bloß Sünder, ſon⸗ dern ſogar Gerechte in's Verderben. Darum ſagt er: „Das eitle Zieren und Putzen iſt eine Fackel, welche alles Feuer der Sünde anzündet; es iſt ein Verräther, welcher das Lager Gottes dem Teufel verkauft und über⸗ liefert, und iſt eine Abbildung der ewigen Verdammniß.⸗ 17. Ueber dieſe Worte des frommen Dominikaners ſollten ſich billig alle prächtig gekleideten und geputzten Frauen und Jungfranen entſetzen und die große Gefahr ihrer Verdammniß zu Herzen nehmen. Denn weil eine keuſche, bußfertige und freigebige Frauensperſon wegen ihrer Pracht allein in groben Sünden lebt, und bloß wegen dieſer Eitelkeit in großer Gefahr des gänzlichen Mißfallens Gottes ſchwebt, wie ſollen denn prächtig ge⸗ kleidete Weibsperſonen, welche unkeuſch, unbußfertig und unbarmherzig ſind, ſelig werden können? Die Kleider⸗ pracht iſt eine Fackel, welche auch ſchon die Gerechten zu unkeuſchen Begierden entzündet, wie dieſer bezeugt; wie vielmehr wird dann dieſe Fackel unbewachte Jüng⸗ linge zu gefährlichen Gedanken bringen. Dieß geſchieht am meiſten unter der heiligen Meſſe, in welcher un⸗ keuſche Augen gewöhnlich ſich nach ſchön geputzten Weibs⸗ perſonen umſehen. Weil denn dieß in der Kirche unter der hl. Meſſe geſchieht, darum iſt die Sünde weit größer, als wenn es auf dem Markte geſchähe: und ſolche Per⸗ ſonen, welche an dieſer Sünde Urſache ſind, können es —0„—— ine oß Von der Verunehrung der heiligen Meſſe. 5⁵3 vor Gott nicht verantworten. Auch Weibsperſonen ſchauen prächtig geputzte Frauen und Jungfrauen an, damit ſie von ihnen eine neue Mode lernen und ihnen nachfolgen können. Auf ſolche Weiſe zerſtreuen ſie ſich muthwilliger Weiſe, und an dieſer Zerſtreuung ſind dieſe üppigen Perſonen Urſache. Zuletzt will ich noch etwas angeben, was faſt bei allen Menſchen Urſache iſt, warum ſie dem ganzen Ver⸗ laufe der heiligen Opferhandlung mit ihrem Geiſte nicht folgen können:— ſie verſtehen die Gebete nicht, unter welchen das Opfer dargebracht wird. Wie kann ein Menſch aber dieſes geheimnißvolle und doch gnadenreiche Opfer mitfeiern, wenn er die Opfergebete nicht verſteht. Freilich ſollte man meinen, es müßte jedem Katholiken ſelbſt daran liegen, daß er die Gebete verſtehe, in wel⸗ chen das heiligſte Geheimniß ſeiner Religion gefeiert wird, dawit er nicht täglich die Dominus vobiscum, die Oremus, die Gloria, die Lectiones u. ſ. w. vom Altare her hören müſſe, ohne auch nur im Entfernte⸗ ſten zu wiſſen, was ſie ſagen wollen. Ich weiß wohl, daß Jeder in ſeinem Gebetbuche liest, aber der hat ein frommes, der ein gelehrtes, der ein gefühlvolles Gebethuch, ſo daß die Meſſehörenden oft himmelweit entfernt ſind von dem, was der Prieſter für ſie und in ihrem Namen am Altare betet. Mag ſein, daß man⸗ cher ein recht gutes Gebetbuch in der Hand hat, aber warum greift ihr nicht gleich nach dem Beßten, was ihr auch haben könnt; ich meine nach ſolchen Gebet⸗ büchern, welche die Meßgebete enthalten, die der Prie⸗ ſter am Atare ſpricht. Ich habe darum dieſer Meß⸗ erklärung einige Meßgebete aus dem Meßbuche des Prie⸗ ſters als Anhang beigegeben, und zum Verſtändniß der 5²4 Dreißigſtes Kapitel. Gebete auch einige Anmerkungen unter den Tert geſetzt, und wünſche nur, daß ihr anfangt, euch um das Ver⸗ ſtändniß der Meßgebete zu kümmern. Von dieſem Gegenſtande will ich weiter nichts mehr ſchreiben, ſondern will meine Meßerklärung ſchließen und endigen, mit der demüthigen Bitte, daß alle diejenigen, welche ſie in ihre Hände bekommen, ſelbe oft und auf⸗ merkſam leſen, damit ſie ihre Andacht zur heil. Meſſe vermehren und deſto eifriger und öfter dieſelbe hören möchten. Welch' hohes Werk ſie verrichten und welch unbegreiflich großen Lohn ſie verdienen, haben ſie in Durchleſung dieſes Buches ausführlich genug gehört, und werden es in ihrem Sterben, vielmehr aber noch in der ewigen Glückſeligkeit erfahren. Diejenigen aber, welche die heil. Meſſe für gering achten, unandächtig hören und nachläßiger Weiſe verſäumen, werden erſt in ihrem Sterben den großen Verluſt erkennen, dann aber zu ſpät bereuen, daß ſie ihr Heil vernachläßigt, da ſie es doch ſo leicht hätten befördern können. Ich bitte den lieben Gott, durch Jeſum Chriſtum ſeinen Sahn, in der Kraft des heil. Geiſtes, daß er Allen, die dieſes Buch leſen, den Verſtand erleuchten, den Willen entzün⸗ den und das Herz erweichen wolle, damit ſie das gött⸗ lichſte Werk der heiligen Meſſe mit möglichſter Andacht hören und mich Armſeligen ihres Gebetes theilhaftig machen wollen. Amen. Nnhang. Mlhrert uns den lateiniſchen Meßbucht überſetzte Peſſen. Porbemerkung. Die lateiniſche Meſſe, wie ſie der Prieſter am Altare betet, und welche hier in's Deutſche überſetzt iſt, beſteht aus zweierlei Arten von Gebeten, 6 aus ſolchen, die mit ganz er Aus⸗ nahme ſtets gleich bleiben, und aus folchen, die ſich nach dem Feſte des Tages ändern. Die ſtets gleich bleibenden Gebete ſtehen hier in der Ueber⸗ ſetzung zu Anfaug, und ſind durch keine veränderlichen Gebete, wie ſie das Feſt des Tages erfordert, unterbrochen, obwohl an jeder der betreffenden Stellen in kleinem Drucke angegeben iſt, daß man dort die des Tages einſetzen müſſe. Dieſe letzteren Gebete, von welchen die Meſſe den Namen erhält, reiheu ſich in dieſem Buche unter eigenen Aufſchriften an die erſteren an und beſtehen 1) im Meßeingang, welcher ſich ans„Staffelgebet“ anſchließt, 2) in dem Gebete, das man Collecte nennt, und dem„Gloria in Excelsis“ folgt, 3) in der Epiſtel und dem Graduale oder Stufengebete, welche ſich an die Collecte anreihen, und denen das Evangelium, welchem jedesmal das ſtets gleich bleibende Vorbereitungsgebet voraus geht, unmittelbar folgt, 4) im Offertorium oder jenem kurzen Gebete, welches die Ge⸗ müthsſtimmung angibt, in welcher man die Opferung ſelbſt machen ſolle, und welches nach dem„Credo“ einzufügen iſt, 5) in der Sekret oder d dem ſtillen Gebete, welche die Aufopferung von Brod und Wein ſchließt, und den Uebergang zur Präfation bildet, und endlich 8) in der Communio oder dem Gebet während der hl. Con⸗ munion, an welches ſich jenes nach derſelben unmiltelbar anſchließt. Bei der Auswahl der hier folgenden Meſſen wollte man dem Leſer dieſes Buches für jeden Wytſuag eine eigene Meſſe an die Hand ſe und zwar nach dem ſeit Alters Ge⸗ brauche der Kirche. Für den Sonntag alſo findeſt du die Meſſe zur hochheiligen Dr tie für den Montag jene von allen Heiligen; für den T Dienſta g die Meſſe um Nachlaſſung der Sünden; fürden Mittwoch jene zum heil. Geiſte; am Donnerstag die Meſſe zum aller⸗ heiligſten Sakrament des Altars; am Freitag jene z um Leiden Chriſti; am Samstag die Meſſe zu Ehren der ſeligſten Jungfrau Maria. Außerdem hat man auch noch für Leichengottesdienſte die Meſſe für Verſtorbene beigegeben. Der rechte Gebrauch dieſes Anhanges beim Meſſehören wird alſo nicht ſchwer ſein, wenn man ſich merkt, wann die beſonderen Gebete der Meſſe, die man an jenem Tage leſen will, einzufügen ſind. ug ion Peſgebete, wie ſie der Prieſter täglich am Altare betet. Staffelgebet⸗ Prieſter(an den Stufen des Altares ſtehend bezeich⸗ net ſich mit dem hl. Kreuz und ſpricht); Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heil. Geiſtes. Amen 1). Antiphon ²): Ich will hintreten zum Altare Gottes ³). Diener4): Zu Grtt, der meine Jugend 5) erfreut. Pr.[Pſalm 42] ⁵): Sei Du mein Richter, o Gott, 1) Das Recht, das Leben des Gottmenſchen zu opfern, hat der ewige Vater aus ſich ſelbſt, der Sohn als der vom Vater be⸗ ſtellte Hoheprieſter, und der heil. Geiſt als Vollender. Der Prieſter nimmt nur Theil an dieſem Rechte, und kann darum auch nur im Namen der heil. Dreieinigkeit das Opfer beginnen und verrichten. 2) Die Antiphon bereitet die Geiſtes- und Gemüthsſtimmung vor, in welcher der Pſalm gebetet werden ſoll. 3) Der wahre und wirkliche Altar iſt Chriſtus zur Rechten des Vaters im Himmel; denn der Unendliche kann nur in ſich ſelbſt ruhen. 4) Der Diener vertritt durchwegs die Stelle des ganzen Vol⸗ kes. Das Volk nimmt nämlich gleichfalls Theil an der Opfer⸗ handlung, denn es beſitzt den Geiſt und die Gnade des Prieſter⸗ thums; darum nennt der heil. Petrus das Chriſtenvolk ein könig⸗ liches Prieſterthdum— für das Amt und die Gewalt des Opfers aber ſind durch göttliche Einrichtung eigene Prieſter beſtellt. 5)„Jugend“ bedeutet hier im Gegenſatz zum alten Adam in uns den neuen durch Chriſtus erlösten Menſchen. 6) Das Pſalmengebet iſt älter als die chriſtliche Kirche. Schon bei den Juden machte es einen Theil des Gottesdienſtes aus, und gehörte zu ihrem religiöſen Leben. Die Pſalmen ſind meiſt von — 528 Meßgebete. und ſcheide meine Sache vom unheiligen Volke, vom ungerechten und hinterliſtigen Manne errette mich). D. Denn Du biſt Gott, meine Stärke; warum haſt Du mich verſtoßen, und warum wanke ich traurig einher, während mich mein Feind ſchlägt.— Pr. Sende aus Dein Licht und Deine Wahrheit ²), ſie werden mich leiten und führen auf Deinen heiligen Berg ³) und in deine Wohnungen. D. Und ich will hintreten zum Altare Gottes, zu Gott, der meine Jugend erfreut. Pr. Ich will Dir lobſingen zum Saitenſpiel, Gott! mein Gott! Was biſt du traurig meine Seele, und warum verwirreſt du mich? D. Hoffe auf Gott! denn ſtets werde ich Ihm König David, als Gebetsweiſen für Chriſtus gedichtet, und das iſt ihre große Bedeutung. Sie wurden wirklich von Chriſtus ſo ge⸗ braucht. Dieſer gegenwärtige Pſalm wurde von David verfaßt, als er in ſeinem Alter vor ſeinem eigenen Sohne Abſolon, der ſich gegen ihn in einer Revolution empört hatte, flüchtig ging, und von Allen verlaſſen, nicht einmal zu den großen Feſten nach Jeruſalem ſich wagen durfte, um dort im Heiligthume, des Tempels bei dem gegenwärtigen Gott Troſt zu ſuchen. Chriſtus hatte an dieſem Pfalm ſein Gebet in ſeiner Verlaſſenheit auf dem Oelberg, wo er ſich ſehnte, durch das Opfer auf Golgatha in das Allerheiligſte ein⸗ zugehen, wobei ihm aber ſogar ſein himmliſcher Vater allen Troſt verſagte. Da durch das hl. Meßopfer das Verſöhnungsopfer am Kreuze erneuert wird, ſo hat der Pſalm hier ſeine volle Bedeutung. 1) Das„uuheilige Volk“ bedeutet für Chriſtus das Judenvolk, das ſich in ſeinen Prieſtern und Schriftgelehrten zum Werkzeuge des Teufels hergegeben hatte, während unter dem„ungerechten und hinterliſtigen Manne“ der Fürſt dieſer Welt ſelbſt zu verſtehen iſt;z für uns Menſchen bedeutet das erſtere die verdorbene Welt, das zweite den alten Adam in uns. 2) Unter„Licht“ verſtehe den heil. Geiſt und ſeine Gnade, unter„Wahrheit“ den Sohn Gottes und ſein Evangelium. 3)„Auf Deinen heiligen Berg“ iſt Chriſtus zur Rechten des Vaters im Himmel als ewige Verſöhnung, was in der Antiphon der„Altar Gottes“ genannt wurde. lobſ mei und eit det Meßgebete. 529 lobſingen: Das Heil meines Antlitzes biſt Du, und mein Gott. Pr. Die Ehre ſei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiſte ¹). D. So wie er war im Anfang und jetzt und alle⸗ zeit und in alle Ewigkeit. Amen. Antiph. Pr. Ich will hintreten zum Altare Gottes. D. Zu Gott, der meine Jugend erfreut. (Bei der Todtenmeſſe bleibt der ganze Pſalm weg, und der Prieſter fährt nach der Antiphon gleich hier fort.) Pr.(ſich bekreuzend). Unſere Hilfe iſt im Namen des Herrn²). D. Der Himmel und Erde erſchaffen hat. Pr.(ſich tief beugend). Ich bekenne 3) Gott dem Allmächtigen, Mariä der allzeit ſeligen Jungfrau, dem ſeligen Erzengel Michael, dem ſeligen Johaunes dem Täufer, den heiligen Apoſteln Petrus und Paulus, allen Heiligen, und euch, Brüder! daß ich groß geſündiget habe im Gedanken, Wort und Werke(dreimal an die Bruſt ſchlagend): aus meiner Schuld, meiner Schuld, neiner größten Schuld²); darum bitte ich die allzeit 1) Dieſer Lobſpruch, der ſich beim Meßeingang wiederholt, drückt das Endziel alles Gebetes und aller Opfer aus. 2) Die letzten Verſe des Pſalmes führten zu dieſer ewigen Wahrheit, welche die Kirche bei allen ihren heiligen Handlungen worausſchickt. 3) Das Confiteor beſteht aus zwei Theilen: der erſte iſt das voffene Sündenbekenntniß, und der zweite die Bitte zu den Heili⸗ gen um ihre Fürſprache. Maria wird angerufen, weil ſie die Dberprieſterin des Menſchengeſchlechtes iſt, Michael als Diener BPeim letzten Gerichte und als Kämpfer gegen Luzifer, Johannes, der Schluß des alten Bundes ſtellt dar die Heiligen jenes Teſta⸗ mentes, Petrus und Paulus aber, die Grundſteine des neuen Zundes, die Heiligen dieſes Teſtamentes. 4) Dreimal wird derſelbe Ausruf wiederholt, um die drei Cochem, Meßerklärung. 530 Meßgebete. ſelige Jungfrau Maria, den ſeligen Erzengel Michael, den ſeligen Johannes den Täufer, die heiligen Apoſtel Petrus und Paulus, alle Heiligen und euch, Brüder! zu beten für mich zum Herrn unſerm Gotte. D. Es erbarme ſich deiner der allmächtige Gott, verzeihe dir deine Sünden, und führe dich ein zum ewigen Leben. Pr.(ſich auftichtend.) Amen. D.(ſich tief beugend). Ich bekenne Gott dem All⸗ mächtigen, Marid der allzeit ſeligen Jungfrau, dem ſeligen Erzengel Michael, dem ſeligen Johannes dem Täufer, den heiligen Apoſteln Petrus und Paulus, allen Heiligen, und Dir, Vater! daß ich groß geſündiget habe im Gedanken, Wort und Werke(dreimal an die Bruſt ſchlagend); aus meiner Schuld, meiner Schuld, meiner größten Schuld; darum bitte ich die allzeit ſelige Jung⸗ frau Maria, den ſeligen Erzengel Michael, den ſeligen Johannes den Täufer, die heiligen Apoſtel Petrus und Paulus, alle Heiligen und dich, Vater! zu beten für mich zum Herrn unſerm Gott. Pr. Es erbarme ſich euer der allmächtige Gott, verzeihe euch euere Sünden, und führe euch ein zum ewigen Leben. D.(ſich aufrichtend). Amen. Pr.(ſich mit dem Kreuze bezeichnend). Nachlaſſung Losſprechung und Verzeihung unſerer Sünden ¹) ver⸗ leihe uns der allmächtige und barmherzige Gott. weſentlichen Bedingungen zur Sündenvergebung anzudeuten, näm⸗ lich die Reue, die Beicht und die Genugthuung. 1) Von dieſen drei Bezeichnungen für die Verſöhnung mit Gott bezieht ſich die„Nachlaſſung“ auf die Sündenſtrafen, di⸗ „Losſprechung“ auf die Sündenſchuld, und die„Verzeihung“ auf bie Sünde als Beleidigung Gottes⸗ ſo l, ſte oit n n M Meßgebete. 531 D. Amen. Pr.(gebeugt). O Gott, wendeſt Du Dich zu uns, ſo wirſt Du uns beleben 1). D. Und Dein Volk wird ſich in Dir erfreuen. Pr. Erzeige uns, o Herr, Deine Barmherzigkeit. D. Und gib uns Dein Heil. Pr. Herr, erhöre mein Gebet. D. Und mein Rufen gelange zu Dir. Pr. Der Herr ſei mit euch! ²) D. Und mit deinem Geiſte. (Der Prieſter tritt zum Altare hin und betet während deſſen): Laſſet uns beten! Nimm hinweg von uns, wir bitten, o Herr! unſere Ungerechtigkeiten, damit wir mit reinen Sinnen ins Heiligthum der Heiligthümer einzutreten vermögen. Durch Chriſtus unſern Herrn Amen. Wir bitten Dich, o Herr! durch die Verdienſte Deiner Heiligen, deren Reliquien hier ruhen(küßt den 1) In dieſen kurzen Gebeten ſind die Früchte des Erlöſers⸗ vpfers angegeben, welche der Prieſter und das Volk von dieſem gegenwärtigen Opfer erhofft. 2) Dieſer gegenſeitige Zuruf zwiſchen Prieſter und Volk, wo⸗ durch beide im Geiſte Chriſti vereinigt zu werden verlangen, kommt in der hl. Meſſe ſiebenmal vor, und erinnert ſo an die ſieben Gaben des heil. Geiſtes, wodurch die ſieben Hauptſünden vernichtet werden; er ſteht meiſtens gerade vor jenen Gebeten, welche für Prieſter und Volk von beſonderer Wichtigkeit ſind, und welche auch mit beſon⸗ derm Nachdrucke Gott vorgetragen werden wollen; darum folgt ge⸗ wöhnlich die Aufmunterung: Oremus— Laſſet uns beten! 3) Bei weitem die größere Zahl der Gebete wird an Gott den Vater gerichtet. Der Vater iſt ja der ewige Grund des Sohnes und des Geiſtes, und ſohin die Quelle alles Guten; der Sohn Sber iſt der bleibende Mittler, durch welchen wir jedes Gut erlangen. 532 Meßgebete. Altar), und aller Heiligen, daß Du nachlaſſen wolleſt alle meine Sünden. Amen ¹). Meßeingang'*). Wird auf der Epiſtelſeite gebetet. (Iſt jedesmal verſchieden, und muß derſelbe aus den beigegebenen Meſſen hier eingelegt werden). Kyrie tleiſon. In der Mitte des Altares. Prieſter: Herr erbarme Dich unſer. Diener: Herr erbarme Dich unſer. Pr. Herr erbarme Dich unſer. D. Chriſtus erbarme Dich unſer. Pr. Chriſtus erbarme Dich unſer. D. Chriſtus erbarme Dich unſer. Pr. Herr erbarme Dich unſer. D. Herr erbarme Dich unſer. Pr. Herr erbarme Dich unſer 1) Wie der wahre Altar Chriſtus ſelbſt iſt, ſo gehören ale Heiligen zu dieſem Altare, weil in ihnen Chriſtus lebt, ganz bi⸗ ſonders aber die heiligen Blutzeugen, da ſie ein Opfer Chriſti warenz darum iſt es Geſetz der Kirche, daß in jedem Altare, auf welchen das heilige Opfer dargebracht werden ſoll, Gebeine von heiligen Martyrern begraben ſein müſſen; daraus erklärt ſich auch der Altat⸗ kuß während dieſes Gebetes, indem der Prieſter dadurch Chriſtts begrüßt. 2) Bis hieher war es eine allgemeine Vorbereitung auf des Opfer überhaupt; von da an, bis zum Credo, folgt die beſondere Vorbereitung auf das jedesmalige Opfer, das durch irgend ein Fet, oder durch irgend ein Anliegen veranlaßt worden iſt. Den Grun⸗ gedanken dieſer beſondern Veranlaſſung enthält der Meßeingan; er iſt gleichſam die Aufſchrift über derſelben. Auch dieſer Ait wird im Namen der hochheil. Dreifaltigkeit begonnen, darum der Prieſter ſich während dieſes Gebetes mit dem Kreuze bezeichnet. 3) Dreimal wiederholt ſich derſelbe Ruf zu jeder der drei göt⸗ lichen Perſonen, und zwar, weil nach dem Ausſpruche des hl. Paulis ſchen dich weiſ greß hot ſ des Lelt hün der inſe der treu holt des her ſer iiſ i du Meßgebete. 533 Gloria¹). Ehre ſei Gett in der Höhe, und Friede den Men⸗ ſchen auf Erden, die guten Willens ſind! Wir loben Dich. Wir benedeien Dich. Wir belen Dich an. Wir preiſen Dich. Wir ſagen Dir Dank wegen Deiner großen Herrlichkeit. O Herr Gott, himmliſcher König, Gott allmächtiger Vater. Herr eingeborner Sohn Ze⸗ ſus Chriſtus. O Herr Gott, Lamm Gettes, Sohn des Vaters. Der Du hinwegnimmſt die Sünden der Welt, erbarme Dich unſer. Der Du hinwegnimmſt die Sünden der Welt, nimm auf unſer demüthiges Fleben, Der Du ſitzeſt zur Rechten des Vaters, erbarme Dich unſer. Denn Du allein biſt der Heilige, Du allein der Allerhöchſte, Jeſus Chriſtus, mit dem heil. Geiſte in der Glorie Gott des Vaters. Amen(ſich mit dem Kreuze bezeichnend). Kollektes). Auf der Epiſtelſeite. (Der Prieſter küßt den Altar und wendet ſich zum Volke mit dem Zurufe): jedes vollkommene Gebet in der Dreizahl beſchloſſen iſt, dann rber auch, weil in jeder göttlichen Perſon auch die zwei übrigen ungerufen werden. Das Kyrie eleiſon iſt griechiſch; und warum bieſe Sprache, da doch bis auf den hebräiſchen Lobruf MMeluja, und deßgleichen Amen, alles Uebrige in lateiniſcher Sprache gebetet vird? Darum, weil, wie bei der Kreuzesaufſchrift, dieſe drei Spra⸗ hen die Allgemeinheit des Erlöſungsopfers andeuten ſollen. 1) Das Gloria wird nur bei freudigen Veranlaſſungen gebetet, und bleibt demnach weg in Buß— und Trauerzeiten, ſo wie bei Erdtenmeſſen. In dieſem Gebete ſind die Früchte des heiligen Oyfers mit den Worten der Engel angegeben: Ehre Gott in der höhe, und Friede den Menſchen auf Erden. Darum iſt vorzugs⸗ veiſe Chriſtus wegen ſeines Werkes der Erlöſung Gegenſtand des lobpreiſes, der hier den höchſten Schwung annimmt, deſſen der nſchliche Geiſt fähig iſt. 2) In den erſten Zeiten der Kirche rief nach dem„Laßt uns 534 Meßgebete. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Laſſet uns beten! (Da das Gebet ſelbſt zuſammenhängt mit der beſonderen Veranlaſſung zur jedesmaligen Darbringung der heiligen Meſſe, ſo iſt es nach dieſer Veranlaſſung verſchieden, und iſt aus den angehängten beſondern Meßgebeten hier zu ſprechen.) Epiſtel'). (Auch die Epiſteln oder Leſeſtücke aus der heil⸗ Schrift wechſeln nach der Abſicht der Darbringung der heil. Meſſe und müſſen aus den beigegebenen Meßgebeten hier nachge⸗ leſen werden). Graduale*). (Dieſes Gebet richtet ſich gleichfalls nach der Tages⸗ — beten“ der Diakon dem Volke zu:„Laßt uns die Kniee beugen!“ und alles Volk fiel auf die Kniee und betete für ſich eine zeitlang, bis der Subdiakon es mit den Worten:„Erhebet euch!“ aufſtehen hieß. Nun erſt begann der Prieſter als Wortführer der Gemeinde alle Gedanken und Anliegen des Volkes Gott vorzutragen, daher dieſes Gebet Kollekte oder Sammelgebet genannt wird. Es iſt die⸗ ſes Gebet auf jene Gnade gerichtet, die wir nach der jedesmaligen Veranlaſſung zum Meßopfer beſonders erflehen wollen. 1) Wie alle göttlichen Offenbarungen die Erlöſung der Welt vorbereiten, oder erklären, ſo haben auch bei der heiligen Meſſe die Epiſteln und Evangelien dieſelbe Bedeutung, das Opfer vorzu⸗ bereiten. Einen Unterſchied in den Ofſenbarungen nämlich kennen wir nur in Betreff der Perſonen, welche Gott als Werkzeuge hiezl gebraucht hat. Die Offenbarungen durch die Propheten und Jün ger des Herrn, alſo die Bücher des alten Teſtamentes, und dit Briefe der Apoſtel, jtehen demnach auf gleicher Stufe, was die Per⸗ ſonen betrifft, durch welche ſich Gott geoffenbart hat, nicht ſo, woz ihren Inhalt betrifft. Darum werden aus dieſen Büchern die Lektiv⸗ nen genommen. Zu höchſt ſtehen die Offenbarungen durch den Sohr Gottes, alſo die Evangelien, welche durch die übrigen heil. Schriß⸗ ten vorbereitet oder erklärt werden. Darum iſt in der Meſſe di⸗ Lektion eine Vorbercitung auf's Evangelium, ſo wie dieſes ein Vorbereitung auf das Opfer des Tages. 2) Das Graduale, oder Stufengebet, iſt die Fortſetzung jenes mef wer Lip niy De D me he i nn Meßgebete. 535 meſſe, und muß in den beſonderen Meßgebeten aufgeſucht werden). Porbereitung auf das heilige Evangelium. In der Mittte des Altares. (Bleibt bei allen Meſſen ohne Ausnahme gleich). Reinige mein Herz und meine Lippen, allmächtiger Gott, wie Du gereiniget haſt mit glühender Kohle die Lippen Iſaias des Propheten, ſo wolle auch mich rei⸗ nigen durch Deine gnädige Erbarmung, auf daß ich Dein heiliges Evangelium würdig zu verkünden vermöge. Durch Chriſtus unſern Herrn. Amen. (Nachfolgender Segen bleibt nur allein bei den Todten⸗ meſſen weg). V. Befiehl mich zu ſegnen, o Herr! k. Der Herr ſei in meinem Herzen, und auf mei⸗ nen Lippen, auf daß ich würdig und gebührend verkünde Sein Evangelium. Amen. Evangelium). Auf der Cvangelienſeite. (Auch das Evangelium richtet ſich nach der Verſchieden⸗ heit der Meſſe). Gedankens der im Meßeingang ausgeſprochen wurde, da es ihn nur noch deutlicher ausführt, und mit der Bedeutung des Feſt⸗ tages in nähere Verbindung bringt. Es wurde in frühern Zeiten vom Chor geſungen, während der Diakon ſich auf die Verkündung des Cvangeliums vorbereitete, war alſo, ſo zu ſagen, das Predigt⸗ lied. An das Graduale ſchließen ſich in manchen Tagen der Traktus, das Alleluja und die Sequenz an, welche dieſelbe Bedeutung haben, wie das Graduale. 1) Das Evangelium iſt in dieſem vorbereitenden Theile des hochhelligen Opfers der wichtigſte, darum wird dasſelbe im Meß⸗ ritus auch beſonders ausgezeichnet. Die Kirche betrachtet das Vor⸗ leſen des Cvangeliums als die wirkliche Offenbarung deſſelben, und erweist dem Evangelienbuche, als dem Munde Chriſti, ſolche Ehren, 5⁵6 Meßgebete. Credo'). In der Mitte des Altares. (Bleibt bei vielen, und namentlich bei allen Todten⸗ meſſen weg). Ich glaube an den Einen Gott, den all⸗ mächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde, aller ſichtbaren und aller unſichtbaren Dinge. Und an den Einen Herrn Jeſus Chriſtus, den einge⸗ bornen Sohn Gottes. Der aus dem Vater geboren worden vor aller Zeit Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gotte. Gezeugt, nicht er⸗ ſchaffen, gleich weſentlich mit dem Vater. Durch Den Alles erſchaffen iſt. Der wegen uns Menſchen und un⸗ ſers Heiles willen vom Himmel herabgeſtiegen iſt.(Die Kniee beugend). Und derFleiſch geworden vom heiligen wie ſie nur Gott zukommen. Auf das Evangelienbuch werden die feierlichen Schwüre geleiſtet; auf dasſelbe erfolgen die Gott gemachten Gelübde; das Evangelienbuch nimmt auf einem eigens dazu bereiteten Throne bei Kirchenverſammlungen den Platz des Vorſtandes ein; auf das Evangelienbuch werden Fürſten und Kö⸗ nige in Eid genommen. Mit Lichtern und Weihrauch und unter bem Geſange des Alleluja wird das Buch in Prozeſſion an die Stelle gebracht, wo das Evangelium geleſen wird. Alles an⸗ weſende Volk erhebt ſich, und hört es ſtehend an, wie der Diener ſtehend die Befehle ſeines Herrn vernimmt; iſt Militär anweſend, ſo legt es die Hand an's Gewehr zur Bezeigung der Achtung. Das Evangelium ſteht in einer ganz genauen Beziehung zum Opſer, ja die Verkündung des Cvangeliums durch Chriſtus iſt ſelbſt eine Art Opfer, indem der Sohn Gottes, der den Inhalt und die Wahrheit des Evangeliums bildet, durch die Verkündung deſſelben ſich uns hingegeben, um ſich ſpäter für uns im Opfer dem himmliſchen Vater darreichen zu können. Wer alſo das Evan⸗ gelium nicht annimmt, für den gibt es auch kein Opfer.— Mit dem Evangelium ſchließt der vorbereitende Theil des heiligen Meß⸗ opfers, den man auch die Meſſe für die Katechumenen nannte, die darnach entlaſſen wurden. 1) Das Credo, oder das öffentliche Glaubensbekenntniß, iſt ſo zu ſagen die Antwort auf das Verleſen des Evangeliums, wodurch en ott 1 e tet ie iut nd n n i 1n) i hit Meßgebete. 537 Geiſte, aus Maria der Jungfrau; und Menſch geworden iſt. Der gekreuziget worden für uns, gelitten hat unter Pontius Pilatus, und begraben worden. Und Er iſt wieder auferſtanden am dritten Tag, gemäß der Weiſſagungen der Schrift. Er iſt aufgefahren in den Himmel, und ſitzet zur Rechten des Vaters. Von dan⸗ nen Er wiederum kommen wird in der Glorie, zu rich⸗ ten die Lebendigen und die Todten, und Seines Reiches wird kein Ende ſein. Und an den heiligen Geiſt, den Herrn und Lebendigmacher, Der vom Vater und vom Sohne ausgeht, Der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlichet wird, Der durch die Propheten geſprochen. Ich glaube Eine, heilige, katho⸗ liſche und apoſtoliſche Kirche. Ich bekenne Eine Taufe zur Nachlaſſung der Sünden. Und ich erwarte die Auf⸗ erſtehung der Todten. Und das Leben der zukünftigen Ewigkeit(ſich mit dem Kreuze bezeichnend). Amen). Offertorium*). Prieſter(zum Volke gewendet). Der Herr ſei mit euch! Diener. Und mit deinem Geiſte. die Annahme desſelben ausgeſprochen wird. Damit iſt die noth⸗ wendigſte Bedingung zur Theilnahme am Opfer erfüllt. Man be⸗ achte, daß der Prieſter, ſo wie jeder Anweſende, für ſich allein das Glaubensbekenntniß ablegen muß, weil Nicmand für einen Andern glauben kann. 1) Dieſes vorſtehende Glaubensbekenntniß wurde zu Nizäa im J. 325 und zu Konſtantinopel i. J. 381 verfaßt, und iſt nichts anderes, als eine deutlichere Auseinanderſetzung des apoſtoliſchen Glaubensbekenntniſſes. Mit dem Credo, oder wenn dieſes nicht gebetet wird, mit dem nachfolgenden:„DerHerr ſei k.“ beginnt bas eigentliche Opfer des neuen Bundes. 2) Da das ganze Werk der Erlöſung Ein Opfer bildet, ſo müſſen im Leben Jeſu die einzelnen Opfertheile, die wir in den 538 Meßgebete. Prieſter. Laſſet uns beten! (Dieſes Gebet, welches nach Verſchiedenheit des Feſtes wechſelt, iſt bei den beſonderen Meſſen nachzuſuchen). — Opferung). Gebet zur Darbringung des Brodes. Nimm auf, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott, dieſes unbefleckte Opferbrod, welches ich, Dein unwür⸗ Opfern des alten Bundes, und ſogar bei allen heidniſchen Opfern unterſcheiden können, zu finden ſein. Dieſe weſentlichen Opfertheile aber ſind: 1) die Auswählung eines Gegenſtandes zum Opfer, 2) die Uebergabe desſelben an den Opferprieſter, und die Darbring⸗ ung von ſeiner Seite, 3) die Umwandlung desſelben in den opfern⸗ den Sünder, und in Folge dieſer Stellvertretung, die Schlachtung oder Vertilgung desſelben, 4) die Aufnahme oder Verzehrung des geſchlachteten Opfers von Seite Gottes, und 5) die Aufnahme oder Communion des Opfers von Seite des Volkes. Das Erſte ge⸗ ſchah im großen Verſöhnungsopfer durch den Sohn Gottes bei der Fleiſchesannahme Chriſti aus Maria der Jungfrau; das Zweite im Augenblicke ſeiner Geburt, in welchem die Menſchheit Chriſti dem himmliſchen Vater zur Verfügung geſtellt wurde für das Dpfer; das Dritte hat begonnen auf dem Oelberg, wo Jeſus in die Stellvertretung für den großen Sünder der Welt, für die ge⸗ ſammte Menſchheit, eintrat, und vollzog ſich auf Golgatha, da der Herr Jeſus, am Kreuze erhoben, für uns ſtarb; das Vierte trat ein nach Ablegung alles Verweslichen im Grabe bei der Himmel⸗ fahrt; das Fünfte, die Völkerkommunion nämlich, wurde gefeiert am Pfingſtfeſt. In dieſen fünf Theilen beſteht auch die unblutige Erneuerung des Erlöſungsopfers auf unſern Altären, nämlich die Meſſe. Während dieſes Gebetes vollzieht ſich der erſte Haupt⸗ theil des Opfers. Die Auswählung des Brodes und Weines für das tägliche Opfer beſorgen jetzt die Prieſter ſelbſt, wozu die Gläu⸗ bigen die Meßſtipendien hergeben; früher aber brachten dieſe ſelbſt Brod und Wein in die Kirche, und nach dem Offertorium, welches eine gottſelige Gemüthsſtimmung für die Darbringung der Opfer⸗ gaben bereiten ſollte, wählte ein Diakon die geeigneten Opfer⸗ gaben aus, und legte ſie mit den Namen der Geber, die dann in der ſiuen Meſſe genannt wurden, auf den Altar. Das Gebet ſelbſt, meiſt aus den Pſalmen genommen, wurde geſungen, und wurde ſo lange fortgeſetzt, als der Opfergang der Gläubigen dauerte. 1) Hier beginnt der zweite Haupttheil des Opfers, „———— Meßgebete. 539 diger Diener, Dir meinem lebendigen und wahren Gotte darbringe für meine unzähligen Sünden und Beleidigun⸗ gen und Verſäumniſſe, und für alle Umſtehende; aber auch für alle Chriſtgläubige, für Lebendige und Abge⸗ ſtorbene, auf daß es mir und ihnen zum Heile gereiche für's ewige Leben ¹). Amen. Gebet bei der Vermiſchung des Weines mit Waſſer). (Das Waſſer ſegnend. Gott, der Du die Würde des menſchlichen Weſens wunderbar geſchaffen und noch wunderbarer wieder erneuert haſt; verleih' uns durch dieſes Waſſers und Weines Geheimniß, daß wir an der Gottheit Deſſen Theil haben, der Sich gewürdiget hat, welcher im großen Erlöſungsopfer der Geburt des Weltheilandes entſpricht, und reicht bis zur Präfation. Es wird jenes Brod und jener Wein, welche wirklich zum Opfer verwendet werden, dieſer Beſtimmung übergeben, und dürfen dieſelben nach der Opferung in keinem Falle mehr zu profanem Gebrauche verwendet werden. 1) Brod und Wein ſind im neuen Teſtamente nach göttlicher Anordnung Opfergegenſtände, wie wir dieß aus dem Opfer des Melchiſedech im alten Bunde, das ein Vorbild der Meſſe iſt und aus der Darbringung Jeſus ſelbſt beim letzten Abendmahle erkennen. Es erſcheint aber auch Brod und Wein zu einer derartigen Dar⸗ bringung von Seite der Menſchen am meiſten geeignet; denn nichts kann er mehr ſein eigen nennen, als was er dem Boden abge⸗ winnt. Außerdem ſtellen ſie, als die Hauptnahrung unſers leib⸗ lichen Lebens, dieſes ſelbſt dar, ſo wie ſie auch am beßten die ge⸗ ſammte Kirche ſinnbilden, indem dieſe aus den verſchiedenen Men⸗ ſchen den Einen geheimnißvollen Leib Chriſti darſtellt, ſo wie jene Produkte aus verſchiedenen Waizenkörnern und Weinbeeren ſind. Ungeſäuertes Brod aber wird gebraucht, einmal, weil Chriſtus ſelbſt beim Abendmahl ſelbſt. dargebracht, und dann, weil es das geziemendſte Sinnbild des ſündenreinen Lammes Gottes iſt. 2) Dieſe Miſchung des Weines mit Waſſer erfolgt nach dem Beiſpiele Chriſti zur Erinnerung an das Blut und Waſſer aus ſei⸗ ner Seitenwunde, und als Sinnbild 1) der Vereinigung ſeiner göttlichen mit der menſchlichen Natur, und 2) ſeiner Verbindung mit der Menſchheit in der Kommunion. 540 Meßgebete. unſerer Menſchheit Mitgenoſſe zu werden, Jeſus Chri⸗ ſtus, Dein Sohn, unſer Herr, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiſtes als gleicher Gott, von Ewigkeit zu Cwigkeit. Amen! Gebet zur Darbringung des Weines. Wir bringen Dir dar, o Herr, den Kelch des Heiles ¹) und bitten Deine Mildigkeit; er möge im Angeſichte Deiner göttlichen Majeſtät für unſer und der ganzen Welt Heil emporſteigen mit lieblichem Wohlgeruche. Amen. Gebete über beide Opfergaben. (Leiſe betend.. Im Geiſte der Demuth und mit zerknirſchtem Herzen 2) verlangen wir von Dir aufge⸗ nommen zu werden, o Herr! und es vollziehe ſich un⸗ ſer Opfer heute vor Deinem Antlitze ſo, daß es Dir gefalle, Herr und Bott. (Die Opfergaben ſegnend.) Komm' Heiligmacher, all⸗ mächtiger ewiger Gott³), und ſegne † dieſes Opfer, das Deinem heiligen Namen bereitet iſt. 1) Obwohl im Kelche noch bloßer Wein iſt, ſo nennt ber Prieſter ihn doch ſchon„den Kelch des Heiles,“ weil er ihn im Geiſte ſchon perwandelt ſieht in das Blut des Erlöſers. 2) Da der heilige Geiſt(Pſ. 50, 19.) verkündet hat, Gott werde die Aufopferung eines zerknirſchten und demüthigen Herzens nicht verſchmähen, ſo bringt der Prieſter im Namen aller Anweſen⸗ den zuerſt dieſes Herzensopfer dar, auf daß Gott auch das Opfer der heiligen Meſſe ſich angenehm ſein laſſe; überhaupt iſt die Dar⸗ bringung unſers ganzen Weſens mit dem Opfer an vielen Stellen der heiligen Meſſe durch Worte und Sinnbilder gefordert. Uebri⸗ gens iſt der erſte Theil dieſes Gebetes aus dem Propheten Daniel, wo es von Einem der drei Jünglinge im Feuerofen gebetet wird. 3) Was der Engel über die Art und Weiſe der Menſch⸗ werdung des Sohnes Gottes aus Maria verkündete mit den Worten: „der heil. Geiſt wird auf dich herabkommen,“ dasſelbe erfleht auch der Prieſter für das Opfer mit dieſem Gebet. ——— Meßgebete. 54¹ Gebete zur Räucherung'¹). (Den Weihrauch ſegnend) Auf die Fürbitte des heil. Erzengels Michael, der zur Rechten des Räucheraltares ſteht, und aller Seiner Auserwählten wolle der Herr dieſes Rauchwerk ſegnen und zu lieblichem Wohlgeruche aufnehmen. Durch Chriſtus unſern Herrn. Amen. (Die Opfergaben räuchernd.) Dieſes Rauchwerk, von Dir geſegnet, ſteige auf zu Dir, o Herr, und es ſteige nieder auf uns Deine Erbarmung. (Zur Räucherung des Altares.) Es erhebe ſich mein Gebet, o Herr, wie Rauchopfer vor Deinem Antlitz⸗ und die Ausbreitung meiner Hände ſei wie das Abend⸗ opfer 2). Stelle, o Herr, Wache vor meinen Mund, und ein gefeſtigtes Thor vor meine Lippen: auf daß ſich nicht neige mein Herz zu den Worten der Bosheit, zu feigen Beſchönigungen ob der Sünden 3). 1) Bei einem feierlichen Amt der Meſſe wird unmittelbar nach dem vorigen Gebete die Räucherung vorgenommen. Sowohl dieſe, als die darauffolgende Händewaſchung haben eine ſinnbildliche Be⸗ deutung, indem das eine das Feuer der Liebe in den Herzen der Menſchen bei der Darbringung, das andere die Lebensreinheit des Darbringers durch äußere Zeichen, welche die damit verbundenen Gebete näher erklären, darſtellt. Beide Ceremonien ſind ſo alt, wie die Opfer ſelbſt. 2) Dieſes Gebet iſt aus dem 140 ſten Pſalm genommen. Das Rauchopfer war das höchſte unblutige Opfer des alten Bundes, und wurde vom Hohenprieſter im innerſten Heiligthum des Tem⸗ pels vor dem goldenen Altare dargebracht; das Abendopfer, wobei ein Lamm geſchlachtet wurde, war vornehmlich Vorbild des Kreuzes⸗ vpfers, das ja auch um die Vesperzeit und zwar zur ſelben Stunde wie das jüdiſche Abendopfer, auf Golgatha dargebracht wurde. Darum galt das Abendopfer auch als das wirkſamſte. 3) Dieſes Gebet erfleht in Bildern Reinheit in Gedanken, Worten und Werken. 542 Meßgebete. (Bei der Uebergabe des Rauchgefäßes an den Diakon.) Es enzünde in uns der Herr das Feuer ſeiner Liebe, und die Flamme der ewigen Liebe. Amen. Lavabo oder Händewaſchung. Auf der Epiſtelſeite. Ps. XXV. 6— 12. ¹). Unter Schuldloſen will ich meine Hände waſchen, und an Deinen Altar treten, o Herr! Daß ich vernehme die Stimme Deines Lobes, und verkünde all Deine Wunderthaten. Herr, mir war theuer die Zierde Deines Hauſes und die Wohnſtätte Deines Ruhmes. Vertilg' alſo, o Gott, meine Seele nicht mit den Gottloſen, und mein Leben nicht mit den Männern des Blutes. An deren Händen Ungerechtigkeiten kleben, und deren Rechte beſtochen iſt mit Geſchenken. 1) Dieſer Pſalm, von David verfaßt, als er unter der Re⸗ gierung des Saul beſchuldigt wurde, er ſtrebe nach dem Throne, iſt das Gebet Chriſti, während ihm der Prozeß als Volksauf⸗ wiegler gemacht wurde, daß er ſich ſelbſt zum König von Juda aufwerfen wolle. Diejenigen, welche das Opfer an Chriſti ſtatt darbringen, und nur vermöge der Theilnahme an ſeiner hohen⸗ prieſterlichen Würde darbringen dürfen, wollen durch die Hände⸗ waſchung und das Gebet ausdrücken, daß ſie auch an ſeiner Un⸗ ſchuld Theil zu nehmen wünſchen. Die erſten 5 Verſe, welche bei der Meſſe nicht gebetet werden, lauten: N. 1. Halte Gericht mit mir, o Herr! deun in meiner Unſchuld bin ich gewandelt; auf des Herrn Gerechtigkeit vertrauend, werde ich nicht wanken. v. 2. Prüfe mich und ſtelle mich auf die Probe, mit Feuer unterſuche meine Nieren und mein Herz. v. 3. Denn Deine Barmherzigkeit ſteht mir vor Augen, und mir war wohl in Deiner Wahrheit. v. 4. Nie bin ich im Rathe der Eitelkeit geſeſſen, und nie werde ich mit denen, die Unrecht thun, ein- und ausgehen. v. 5. Ich habe ge⸗ haßt die Verſammlung der Uebelthäter, und mit den Gottloſen werde ich nie zuſammenſitzen.“ de un he ———— —„— c— 6 Meßgebete. 543 Ich aber bin in meiner Unſchuld gewandelt, erlöſe mich, und erbarm' Dich meiner. Feſt ja ſtand mein Fuß auf Deinen Wegen: ich will benedeien dann in den Verſammlungen Dich, o Herr! Die Ehre ſei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiſte. So wie er war im Anfang und jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen.(„Die Ehre ſei“ ꝛc. bleibt bei den Todtenmeſſen weg.) Opfergebet). In der Mitte des Altares. Nimm auf, heilige Dreifaltigkeit, dieſes Opfer, das wir Dir darbringen ob des Andenkens an das Leiden, die Auferſtehung und Himmelfahrt Jeſu Chriſti unſers Herrn, und zur Ehre der allzeit ſeligen Jungfrau Maria, und des ſeligen Johannes des Täufers, und der heiligen Apoſtel Petrus und Paulus und dieſer und aller Hei⸗ ligen, auf daß es ihnen zur Ehre, uns aber zum Heile gereiche, und jene für uns im Himmel zu bitten ſich würdigen, deren Andenken wir auf Erden begehen. Durch eben denſelben Chriſtus unſern Herrn. Amen. 1) Mit dieſem Gebete erfolgt die eigentliche Hingabe beider Opfergegenſtände an Gott, und bildet dasſelbe alſo den wichtigſten Theil bei der Opferung. Das Gebet hat zwei Theile: Im Erſten wird näher erklärt, worin das Opfer beſtehe, nämlich in der Er⸗ neuerung der Erlöſung durch Jeſus Chriſtus, deſſen Werk ſich ver⸗ herrlicht im Leben der Heiligen, von denen jene beſonders genannt werden, die in näherer Beziehung zum Erlöſer ſelbſt geſtanden. Im Zweiten dagegen wird angegeben, welche Abſicht dem Opfer zu Grunde liegt, nämlich die Ehre Gottes an ſich und in ſeinen Hei⸗ ligen, und dann das Heil der Welt. 544 Meßgebete. Orate Fratresy. Pr.(Zum Volke gewendet.) Betet Brüder! auf daß mein und euer Opfer annehmbar werde bei Gott dem allmächtigen Vater. D. Der Herr nehme auf das Opfer aus Deinen Händen, zu Lob und Ehre ſeines Namens, ſo wie auch zu unſerm Heil und dem Seiner ganzen heiligen Kirche. Amen. Stilles Gebtt). (Dieſes Gebet, das ſich jedesmal nach der beſonderen Meſſe richtet, muß dort nachgeſucht werden.) Erſte Präfation*). Zur Dreifaltigkeitsmeſſe. Pr.(nit lauter Stimme): Von Ewigkeit zu Ewigkeit. D. Amen. 1) Dieſes Gebet hat von den erſten Worten desſelben ſeinen Namen, und enthält die Aufforderung des Prieſters an's Volk zur Mitwirkung, damit Das wirklich erreicht werde, was im vorigen Gebete als die Abſicht des Opfers angegeben wurde. Die nach⸗ folgende Antwort, welche der Meßdiener im Namen des ganzen Volkes gibt, enthält bereits die Mitwirkung, um welche der Prieſter gebeten, und wiederholt die oben angegebene Abſicht des Opfers. 2) Zu den verſchiedenen in den letzten Gebeten angegebenen Gründen, welche Gott den Herrn bewegen ſollen, das Opfer wohl⸗ gefällig anzunehmen, wird in dieſem Gebete noch das Geheimniß des Tages, oder die beſondere Heldenthat des Feſtheiligen gefügt, und ſo der zweite Theil des Opfers beſchloſſen. Wich⸗ tig iſt noch bei dieſem„ſtillen Gebete“ der feierliche Abſchluß„Per omnia Saecula etc.“, welcher bei einem Hochamt laut geſungen wird, weil er den Uebergang zum dritten Opfertheile bildet. 3) Der dritte Theil des Opfers, die Schlachtung, voll⸗ zieht ſich für alle Ewigkeit im Himmel, und wird durch die Wandlung auf unſern Altären in unſere Mitte und Gegenwart gerufen. Prie⸗ ſter und Volk verweilen während desſelben in der unmittelbaren Meßgebete. 545 Pr. Der Herr ſey mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Zur Höhe die Herzen! D. Wir haben ſie bei Gott. Pr. Laſſet uns Dank ſagen dem Herrn unſerm Gotte! D. Würdig iſt es und recht. Pr. Wahrhaft würdig iſt es und recht, billig und heilſam, daß wir Dir immer und überall danken: hei⸗ liger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott. Der Du mit Deinem eingebornen Sohne und dem heiligen Geiſte biſt Ein Gott, Ein Herr: nicht in der Einzigkeit Einer Perſon, ſondern in der Dreifaltigkeit Eines Weſens. Denn was wir auf Deine Offenbarung hin von Dei⸗ ner Herrlichkeit glauben, dasſelbe denken wir auch von Deinem Sohne, dasſelbe vom heiligen Geiſte, ohn' Un⸗ terſchied einer Trennung. So daß im Bekenntniß der wahren und ewigen Gottheit— in den Perſonen die Eigenthümlichkeit, im Weſen die Einheit und in der Majeſtät die Gleichheit angebetet wird. Welche loben die Engel und Erzengel, die Cherubim und Seraphim, die nie enden, allezeit zu rufen mit einmüthiger Stimme: Nähe Gottes. Den Eingang in dieſes Allerheiligſte begleitet die Präfation, welche im erhabenſten Dankgebete beſteht, und die Großthaten Gottes in unſerer Rettung, oder ſeine tiefſten Geheim⸗ niſſe in feierlichem Geſange vorträgt. Dieſe Feierlichkeit kündet ſich ſchon an beim Beginne der Präfation, indem Prieſter und Volk durch ernſten Zuruf ſich gegenſeitig zu Lob und Dank gegen Gott aufmuntern, und erhellt beſonders aus dem Schluß derſelben, wel⸗ cher der Geſang der Engel im Himmel iſt, den ihnen der Prophet Iſaias(VI, 3) abgelauſcht. Die Präfation entſpricht genau dem Jubelgeſang des Volkes beim Einzug Jeſu in Jeruſalem am Palmſonntag, aus dem ſogar einige Worte beim Schluſſe derſelben entlehnt ſind. Ich werde aus den verſchiedenen Präfationen des Meßbuches(es ſind deren 11) nur jene hieherſetzen, welche zu den ſpäter folgenden beſondern Meßgebeten gehören. Cochem, Meßerklärung. 35 546 Meßgebete. (eiſe) Heilig, heilig, heilig iſt der Herr Gott Sabaoth. Himmel und Erde ſind Deiner Herrlichkeit voll. he Hoſanna in der Höhe! Gebenedeit ſei, Der da kommt im Namen des Herrn! Hoſanna in der Höhe! Zweite Präfation. Zur Heiligen Geiſt⸗Meſſe. Pr. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. D. Amen. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Zur Höhe die Herzen! D. Wir haben ſie bei Gott. hei Pr. Laſſet uns Dank ſagen dem Herrn unſerm Gotte! lh D. Würdig iſt es und recht. du Pr. Wahrhaft würdig iſt es und recht, billig und ne heilſam, daß wir Dir immer und überall danken: hei⸗ Ge liger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott: durch Chri⸗ S ſtus unſern Herrn. Der, aufgefahren über alle Him⸗ des mel, und ſitzend zu Deiner Rechten, den verſprochenen nvi Heiligen Geiſt über Deine an Kindesſtatt angenomme⸗ un nen Söhne ausgegoſſen hat. Darob jauchzet auf in ſ überſprudelnden Freuden alle Welt auf dem ganzen Erdenrunde. Aber auch die höheren Mächte, und die engliſchen Gewalten ſtimmen zuſammen im Preislied Deiner Herrlichkeit, ohn' Ende rufend: Heilig, heilig, heilig, iſt der Herr Gott Sabaoth. 5 Himmel und Erde iſt Deiner Herrlichkeit voll. Meßgebete. 547 Hoſanna in der Höhe! Gebenedeit ſei, Der da kommt im Namen des Herrn! Hoſanna in der Höhe. Zur Meſſe vom heiligſten Sakrament. Pr. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. D. Amen. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Zur Höhe die Herzen! D. Wir haben ſie bei Gott. Pr. Laſſet uns Dank ſagen dem Herrn unſerm Gotte! D. Würdig iſt es und recht. Pr. Wahrhaft würdig iſt es und recht, billig und heilſam, daß wir Dir immer und überall danken: hei⸗ liger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott. Denn durch das Geheimniß des fleiſchgewordenen Wortes hat neues Licht Deiner Herrlichkeit in das Auge unſeres Geiſtes geleuchtet: ſo daß, während wir Gott in der Sichtbarkeit erkennen, wir durch Denſelben zur Liebe des Unſichtbaren hingeriſſen werden. Und darob ſingen wir mit den Engeln und Erzengeln, mit den Thronen und Herrſchaften, und mit der ganzen himmliſchen Heer⸗ ſchaar die Hymne Deiner Herrlichkeit, ohn' Ende rufend? Heilig, heilig, heilig iſt der Herr Gott Sabaoth. Himmel und Erde ſind Deiner Herrlichkeit voll. Hoſanna in der Höhe! Gebenedeit ſei, Der da kommt im Namen des Herrn! Hoſanna in der Höhe! 548 Meßgebete. Vierrte Präfation. Zur Meſſe vom bittern Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. Pr. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. D. Amen. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Zur Höhe die Herzen! D. Wir haben ſie bei Gott. Pr. Laſſet uns Dank ſagen dem Herrn unſerm Gotte! D. Würdig iſt es und recht. Pr. Wahrhaft würdig iſt es und recht, billig und heilſam, daß wir Dir immer und überall danken: hei⸗ liger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott. Der du das Heil des Menſchengeſchlechtes am Holze des Kreu⸗ zes begründet, auf daß, von wannen der Tod ausging, von dannen auch das Leben erſtehe, und der, welcher vom Holze herab geſiegt, vom Holze herab auch beſiegt werde: durch Chriſtus unſern Herrn. Durch Den Deine Majeſtät loben die Engel, anbeten die Herrſchaften, zit⸗ tern die Mächte. Den die Himmel und die Kräfte der Himmel und die ſeligen Seraphim mit gemeinſchaft⸗ lichem Jubel verherrlichen. Mit denen Du auch unſere Stimmen wolleſt zu Dir gelangen laſſen, die wir in vemüthigem Bekenntniſſe ſprechen: Heilig, heilig, heilig iſt der Herr Gott Soabaoth. Himmel und Erde ſind Deiner Herrlichkeit voll. Hoſanna in der Höhe! Gebenedeit ſei, Der da kommt im Namen des Herrn! Hoſanna in der Höhe! Meßgebete. 549 Fänſte Präſfation. Für die Meſſe zur Ehre der ſeligſten Jungfrau Maria. Pr. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. D. Amen. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Zur Höhe die Herzen! D. Wir haben ſie bei Gett. Pr. Laſſet uns Dank ſagen dem Herrn unſerm Gotte! D. Würdig iſt es und recht. Pr. Wahrhaft würdig iſt es und recht, billig und heilſam, daß wir Dir immer und überall danken: hei⸗ liger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott. Und daß wir in der unbefleckten Empfängniß der allzeit ſeligen Jungfrau Maria Dich loben, benedeien und preiſen, da ſie Deinen Eingebornen in der Ueberſchattung des hei⸗ ligen Geiſtes empfangen, und in der unverſehrten Glorie der Jungfräulichkeit der Welt das ewige Licht geboren, Jeſum Chriſtum, unſern Herrn. Durch Den Deine Majeſtät loben die Engel, anbeten die Herrſchaften, zittern die Mächte. Den die Himmel und die Kräfte der Himmel und die ſeligen Seraphim mit gemein⸗ ſchaftlichem Jubel verherrlichen. Mit denen Du auch unſere Stimmen wolleſt zu Dir gelangen laſſen, die wir in demüthigem Bekenntniſſe ſprechen: Heilig, heilig, heilig iſt der Herr Gott Sabaoth. Himmel und Erde ſind Deiner Herrlichkeit voll. Hoſanna in der Höhe! Gebenedeit ſei, Der da kommt im Namen des Herrn! Hoſanna in der Höhe! 550 Meßgebete. Sechste Vriäfation. Für die gewöhnlichen Meſſen der Heiligen, und bei Todtenmeſſen. Pr. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. D. Amen. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Zur Höhe die Herzen! D. Wir haben ſie bei Gott. Pr. Laſſet uns Dank ſagen dem Herrn unſerm Gotte! D. Würdig iſt es und recht. Pr. Wahrhaft würdig iſt es und recht, billig und heilſam, daß wir Dir immer und überall danken: hei⸗ liger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott. Durch Chriſtus unſern Herrn. Durch Den Deine Majeſtät loben die Engel, anbeten die Herrſchaften, zittern die Mächte. Den die Himmel und die Kräfte der Himmel und die ſeligen Seraphim mit gemeinſchaftlichem Jubel verherrlichen. Mit denen Du auch unſere Stimme wolleſt zu Dir gelangen laſſen, die wir in demüthigem Bekenntniſſe ſprechen: Heilig, heilig, heilig iſt der Herr Gott Sabacth. Himmel und Erde ſind Deiner Herrlichkeit voll. Hoſanna in der Höhe! Gebenedeit ſei, Der da kommt im Namen des Herrn! Hoſanna in der Höhe! Meßgebete. 551 Canon˙*) der heiligen Meſſe. Zegrüfiungsgebet). Dich alſo, mildeſter Vater, bitten wir de⸗ müthig durch Jeſus Chriſtus Deinen Sohn unſern Herrn, und flehen(küßt den Altar), daß du gnädig annehmeſt und ſegneſt dieſe † Gaben, dieſe † Geſchenke, dieſe † heiligen makelloſen Opfer, beſonders, welche wir Dir darbringen für Deine heilige katholiſche Kirche, die Du friedigen, bewachen, einigen und regieren wolleſt auf 1)„Canon“ heißt„feſtſtehende Regel“; dieſer Theil der Meſſe bleibt ſich nämlich bei allen Meſſen gleich. Die Gebete desſelben ſtammen aus der Zeit der Apoſtel; ſeit Gregor dem Großen(590— 604) wurde kein Jota mehr daran geändert. Der Kanon geht bis zum Pater noster, und ſchließt von den oben angegebenen fünf Theilen des Opfers den dritten und vierten in ſich. Es iſt zu den erſten Worten des Staffelgebetes ſchon geſagt worden, daß der wirkliche Altar Chriſtus ſelbſt iſt, wie er auf Ewig zur Rechten des Vaters ſitzt. Daraus folgt, daß dieſe zwei Opfertheile, die Wandlung nämlich, was im Opfer des neuen Bundes gleich be⸗ deutend iſt mit Schlachtung(immolatio), und die Aufnahme des Opfers von Seite Gottes(consumptio), ſich im Himmel vollziehen. Das Amt und die Gewalt des beſondern Prieſterthums der Kirche beſteht darin, die ewige Opferung des Lammes Gottes im Himmel bei jeder heiligen Meſſe auf dem Altare gegenwärtig zu ſetzen, oder das in der Zeit zu verrichten, was für alle Cwigkeit im Him⸗ mel geſchieht. Darum ſind dieſe zwei Theile der Meſſe ausſchließ⸗ lich der Thätigkeit des Prieſters zugewieſen, und er verrichtet alle Gebete allein und ſpricht ſie leiſe; er iſt in dieſem Theile der Vermittler zwiſchen Himmel und Erde. 2) Obwohl auf der Erde vorgehend, gehört, wie geſagt, die ganze gegenwärtige Opferhandlung dem Himmel an, und der Prieſter kritt dem Geiſte nach als Abgeſandter der Menſchheit und der Kirche an der Hand Jeſu Chriſti vor den Allerhöchſten, begrüßt Ihn mit dem Kuſſe auf den Altar, und ſpricht in dieſem erſten Gebete ſchon die ganze Abſicht ſeiner Sendung aus, nämlich Gott zu ehren, und der Welt zu nützen. Das Erſte will er erreichen durch das Opfer, indem er die dreifache Stellvertretung desſelben angibt, Brod und Wein ſtellen nämlich dar: 1) als Früchte der Erde, die 55² Meßgebete. dem ganzen Erdenrunde ¹):— zugleich mit Deinem Diener unſerm Papſt N. und unſerm Biſchof N. und allen Rechtgläubigen, und des katholiſchen und apoſto⸗ liſchen Glaubens Fördetern 2). Memtnto oder Gedächtniß der Lebendigen. Gedenke, o Herr! Deiner Diener und Die⸗ nerinnen N. N.(nennt ſtill die Namen derer, die er Gott beſonders empfiehlt) und aller Anweſenden, deren Glaube Dir bekannt und deren Andacht Dir bewußt iſt, für welche wir Dir opfern; oder welche ſelbſt Dir dieſes Lobopfer darbringen, für ſich, und all die Ihri⸗ gen: zur Erlöſung ihrer Seelen, zur Hoffnung ihres Heiles und ihrer Wohlfahrt: und die ihre Gelöbniſſe des Menſchen Fleiß dem Boden abgerungen, das Leben des Leibes, 2) als Fleiſch und Blut des Gottmenſchen ſind ſie der Kaufpreis, den wir für unſere Erlöſung darbringen, 3) als Sinnbild der in der Kirche zum geheimnißvollen Leibe Chriſti geeinten Menſchheit erkennen wir in ihnen das Opfer der Welt. Der Prieſter nennt die Opfergaben darum mit drei Namen nach dieſer dreifachen Be⸗ deutung, er heißt ſie„Gaben“,„Geſchenke“,„Opfer“. Die Güter, welche der Prieſter mittelſt des Opfers zum Heil der Welt erfleht, gibt er in der zweiten Hälfte dieſes Gebetes, und in den beiden nachfolgenden näher an. Das ganze Gebet iſt eine Nachbildung des hohenprieſterlichen Gebetes Chriſti vor ſeinem Leiden. 1) Vier Feinde ſind es, welche die Kirche, dieſe Pflanzung Gottes, verderben wollen, a) die offenen und geheimen Verfolger, b) die Ketzer, c) die Schismatiker und dh die Sündhaftigkeit der eigenen Kinder, beſonders der Vorſteher. Gegen die erſten fleht der Prieſter zum ewigen Vater für die Braut ſeines Sohnes um Frie⸗ denz gegen die zweiten um die Wachſamkeit Gottes, damit der Feind nicht Unkraut unter den Waizen ſäen könne; gegen die dritten bittet er um Vereinigung des Losgeri ſſenen; gegen die vierten endlich, Gott möge ſtets ſelbſten die Leitung und Re⸗ gierung der Kirche übernehmen. 2) An die Bitte für die Kirche im Allgemeinen ſchließt ſich die für die einzelnen Glieder derſelben, als Papſt, Biſchof und die Gläubigen, aus denen die Fürſten, welche Beförderer des Glaubens ſind, noch beſonders hervorgehoben werden. Meßgebete. 553 darbringen Dir dem ewigen, lebendigen und wahren Gotte ¹). Während der Verhandlung 2. Wir ſtehen ja in Gemeinſchaft, und feiern das An⸗ denken vor Allen der allzeit glorwürdigen Jungfrau Ma⸗ ria, der Mutter unſers Herrn Jeſu Chriſti: ſo wie auch der ſeligen Apoſtel und Deiner Martyrer: Petrus und Paulus, Andreas, Jakobus, Johannes, Thomas, Jakobus, Philippus, Bartholemäus, Matthäus, Simon und Thaddäus ³); Linus, Kletus, Klemens, Ziſtus, Kor⸗ nelius, Cyprianus, Laurentius, Chryſogonus, Johannes und Paulus, Kosmas und Damian ²), und aller Dei⸗ 1) Was im vorigen Gebet angefangen, das ſetzt ſich in dieſem fort; es werden nämlich jene, für welche das Opſer beſonders wirk⸗ ſam ſein ſoll, namentlich angrführt, und für ſie die Früchte des⸗ ſelben erfleht: nämlich Erlöſung der Seelen, Verſöhnung mit Gott, und zeitlichen Segen; hinwiederum werden alle guten Entſchließungen und Werke der Gläubigen mit dem Opfer verbunden und Gott dargebracht. 2) Dieſe Ueberſchrift trägt das nachfolgende Gebet im lateini⸗ ſchen Meßbuch; in den vorhergehenden Gebeten hat nämlich der Prieſter begonnen, mit Gott über die wichtigſten Angelegenheiten der Menſchen zu verhandeln, in dieſem Gebete gibt er als Grund an, daß die, ſo ihn abgeſandt haben, werth ſeien, daß ihnen von Gott geholfen Nerde, weil alle, die er genannt, in Gemeinſchaft ſtehen mit Maria, der Königin des Himmels, mit den Apoſteln, die Jeſus ſeine Freunde genannt, mit den Lutren, welche zur Ehre Gottes als Opfer gefallen, und mit allen Heiligen, die Haus— genoſſen Gottes geworden. 3) Unter den Apoſteln iſt der heilige Mathias nicht genannt, wohl, um die Zwölfzahl nicht zu überſchreiten, dagegen wird ſein Name nach der Wandlung aus allen Apoſteln allein genannt. 4) Unter den Martyrern ſind beſonders Jene genaunt, welche zu ihren L ebzeiten ſich um die Kirche beſonders verdient gemacht, und darum nach ihrem Tode in beſonderer Werehzng ſtanden; die Griechen nennen andere Namen. Linus, Kletus und Kle⸗ mens waren die nächſten Nachfolger des heil. Petrus auf dem päpſtlichen Stuhle. Kornelius war Papſt, legte zur 55 der Verfolgung des Kaiſers Dezius ein herrliches Bekenntniß ſeines 554 Meßgebete. ner Heiligen; durch deren Verdienſte und Fürbitte Du gewähreſt, daß wir unter allen Verhältniſſen feſt begrün⸗ det ſtehen in Deinem hhilfreichen Schutze. Durch eben denſelben Chriſtus unſern Herrn. Amen. (Der Prieſter legt ſeine Hände auf die Opfergaben.) Dieſes Opfer unſerer Ergebenheit alſo ¹), ſo wie Deiner ganzen Familie, bitten wir, o Herr! nehme ver⸗ ſöhnt auf, ordne unſere Tage in Deinem Frieden, und entreiß uns der ewigen Verdammniß, nnd reihe uns ein in die Schaar Deiner Auserwählten. Durch Chri⸗ ſtus unſern Herrn. Amen. Glaubens ab, und ſtarb nach einer Verbannung als Martyrer i. J. 252. Cyprian, einer der merkwürdigſten Heiligen der Kirche, begeiſterte durch ſein Beiſpiel und ſeine Schriften die Gläubigen ſeiner Zeit zu einem Gott getreuen Leben und zum Sterben für Chriſtus. Er wurde 258 zu Karthago, wo er Biſchof war, ent⸗ hauptet, nachdem er vom Pöbel oftmals zum Tode verlangt wurde und längere Zeit in Verbannung gelebt hatte. Liſtus II., Papſt, und Laurentius, ſein(Kardinal-) Diakon, haben in demſelben Jahre 258, der eine am 8. Auguſt durch das Schwert, der andere am 10. Auguſt auf einem glühenden Roſt einen glorreichen Marter⸗ tod erlitten. Chryſogonus wurde um 305 zu Aquiläa, in der Nähe des heutigen Trieſt, unter Kaiſer Diokletian wegen ſtand⸗ haften Bekenntniſſes ſeines Glaubens enthauptet, nachdem er zuvor lange Zeit Feſſeln getragen und im Kerker gelegen war. Die beiden Brüder Johannes und Paulus, hochgeſtellte Beamte am kaiſerlichen Hofe, erlitten unter Kaiſer Julianus, dem Abtrünnigen, weil ſie ſich nicht mit ihm den Thorheiten des Heidenthums wieder ergeben wollten, zu Rom den Martertod i. J. 361. Kosmas und Damian, nebſt ihren drei Stiefbrüdern, gehören, was die Menge der Martern und ihre freudige Standhaſtigkeit betrifft, zu den ruhmreichſten Martyrern der Kirche. Sie wurden unter der Regierung des Kaiſers Diokletian nach den ausgeſuchteſten Peinen mit dem Schwerte hingerichtet zu Agäa um 304. 1) Dieſes, ſowie das nachfolgende Gebet, reiht ſich an die erſten Worte des Canon an, und führt die Bitte näher aus, daß Gott die Darbringung des Opfers, und das Opfer ſelbſt gnädig aufnehmen wolle zu ſeiner Ehre und unſerm Heile. Die Hand⸗ Meßgebete. 555 Und würdige Dich, wir bitten Dich, o Gott! dieſe Opfergaben in allweg zu einem † geſegneten, † geeig⸗ neten, † giltigen, wahren und angenehmen ¹) Opfer zu vollenden, auf daß ſie für uns werden der † Leib und das † Blut Deines geliebteſten Sohnes unſers Herrn Jeſu Chriſti. Welcher am Abende vor Seinem Leiden 2) das Brod in Seine heiligen und ehrwürdigen Hände nahm(nimmt das Brod in ſeine Hände), ſeine Augen zum Himmel er⸗ hob, zu Dir, Gott, ſeinem allmächtigen Vater, Dir dankend es ſegnete, brach, und ſeinen Jüngern gab, mit den Worten:„Nehmet hin und eſſet Alle davon.“ (Das Brod in ſeinen Händen haltend, ſpricht der Prie⸗ ſter die Konſekrationsworte nach Vorſchrift leiſe, deutlich und aufmerkſam): auflegung auf die Opfergaben hat die tiefe Bedeutung der bei je⸗ dem Opfer nothwendigen Schuldübertragung. 1) Mit dieſen fünf Worten werden die fünf Theile zuſammen⸗ gefaßt, die zu jedem Opfer unumgänglich nothwendig ſind; die Aus⸗ wählung(electio) wird angezeigt durch das Wort„geſegnet“, d. h. dem profanen Gebrauch entzogen;— Die Darbringung(oblatio) durch„geeignet“, d. h. zu Gott gehörend;— die Schlachtung (immolatio) durch„giltig“, d. h. eintretend in die wirkliche Be⸗ deutung und Kraft des Opfers;— die Annahme von Seite Gottes (consumptio) durch„wahr“, weil es erſt durch dieſe Annahme ein wahres Opfer wird;— die Annahme von Seite des Menſchen (communio) durch„angenehm“, weil dadurch erſt die Lebensgemein⸗ ſchaft mit Gott hergeſtellt, und die Menſchheit Gott wiederum an⸗ genehm wird. 2) Nach den Schlußworten des letzten Gebetes erfolgt die Schlachtung des Opfers(consecratio); damit die Meſſehörenden jede Bewegung des Prieſters verſtehen, iſt die Erzählung des Verlaufes beim Opfer des Abendmahles beigefügt. Nicht der Prieſter in ſeinem Namen ſchlachtet, dazu hat nur Gott Vater das Recht, und Sein Hoherprieſter Jeſus Chriſtus, ſondern Chriſtus ſelbſt opfert(konſekrirt) ſich. Aber unter welchen Worten erfolgt denn die Schlachtung des 556 Meßgebete. Denn Pas Mlein iſt Leib. (Betet das Allerheiligſte knieend an, erhebt ſich und zeigt es dem Volke zu gleicher Anbetung.) Auf gleiche Weiſe nahm er nach dem Abendmahle auch dieſen erhabenen Kelch in ſeine heiligen und ehr⸗ würdigen Hände, dankte Dir gleichfalls, ſegnete und reichte ihn Seinen Jüngern mit den Worten:„Neh⸗ met hin trinket, Alle daraus.“ (Der Prieſter ſpricht leiſe die Konſekrationsworte über den Kelch.) Denn das iſt der Kelch Meines Plutes, des neuen und ewigen Teſtamentes: das Geheimniß des Glaubens: welches für euch und ſür Piele wird vergoſſen werden zur Vergebung der Sünden. (Der Prieſter ſetzt den Kelch auf das Korporale und ſpricht ſtille): So oft ihr Dieſes thun werdet, thut es zu Meinem Andenken. (Der Prieſter betet den heiligen Kelch knieend an, er⸗ hebt ihn über ſein Haupt, zeigt ihn dem Volke zu gleicher Anbetung, und ſtellt ihn wiederum auf den Altar.) Darum ¹) ſind wir, Deine Diener, ſo wie Dein heiliges Volk, o Herr! auch eingedenk ſowohl des ſeligen Lammes Gottes? Unter den Konſekrationsworten. Chriſtus kann nämlich in alle Ewigkeit nie anders mehr gedacht werden, denn als geſchlachtetes Opfer; wo er gegenwärtig geſetzt wird, iſt er als ge⸗ ſchlachtetes Opferlamm gegenwärtig. Außerdem erfolgt auch nur aus dieſem Grunde die Konſekration von Fleiſch und Blut— ge⸗ trennt, was keinen andern Gedanken zuläßt, als den der Schlach⸗ tung, wodurch das Blut vom Fleiſche getrennt wird. 1) Zum klareren Verſtändniß, daß die Konſekration wirklich — ———— Meßgebete. 557 Leidens, als nicht minder der Auferſtehung von den Todten, ſowie auch der glorreichen Himmelfahrt eben dieſes Chriſtus Deines Sohnes unſers Herrn und opfern Deiner erhabenen Majeſtät von Deinen Geſchenken und Gaben ein reines † Opfer, ein heiliges † Opfer, ein malelloſes † Opfer, das heilige † Brod des ewigen Lebens, und den Kelch † des ewigen Heiles 1). Auf welche Du mit verſöhntem und heiterem Auge herabzuſchauen, und ſie gnädig aufzunehmen Dich wür⸗ digen wolleſt, wie Du dich gewürdiget haſt, gnädig auf⸗ zunehmen die Gaben Deines gerechten Dieners Abel, und das Opfer unſers Patriarchen Abraham, und jenes heilige Opfer, die makelloſe Hoſtie, das Dir dargebracht Dein höchſter Prieſter Melchiſedech 2. die Schlachtung des Opferlammes Chriſtus iſt, wird dieſes Gebet an die Wandlüng angereiht, worin ſelbe unmittelbar mit dem Lei⸗ den und Sterben, der Auferſtehung und Himmelfahrt in Verbin⸗ dung gebracht wird.„Deine Diener“ ſind die Vorſteher und Prie⸗ ſter der Kirche,„Dein heiliges Volk“ die Gläubigen, welche, gemäß ihrer Berufung, zur Heiligkeit beſtimmt ſind. 1) Dieſe fünffache Bezeichnung des heiligſten Opfers enthält wieder wie im Gebete vor der Wandlung die fünf Theile, die zu jedem Opfer nothwendig ſind. Die Segnungen des Opfers mit dem hl. Kreuz erklären das Meßopfer für das Kreuzesopfer. Die⸗ ſes Segnen geht vom himmliſchen Vater aus, durch Welchen Chri⸗ ſtus das Brod des ewigen Lebens und der Kelch des ewigen Hei⸗ les geworden. Dieſe Segnungen ſind alſo Zeichen der Gewalt des Vaters über den Sohn. 2) Dieſe drei vormoſaiſchen Opfer werden angeführt, nicht weil ſie an ſich ſo werthvoll, ſondern weil die Darbringer ſo mu⸗ ſterhaft waren. Abel iſt Prieſter nach Geburt, Abraham nach Be⸗ ſehl, Melchiſedech ohne Anfang und Ende; darum dentet das Opfer Abels hin auf das Opfer Jeſu im Leben, das des Abraham auf das am Kreuze, und das des Melchiſedech auf das im Himmel. Uebrigens ſchließt hier der dritte Opfertheil und beginnt der vierte mit dem nächſten Gebete. 558 Meßgebete. (Lief gebeugt.) Demüthig bitten wir Dich, allmäch⸗ tiger Gott, laſſe dieſes Opfer durch die Hände Deines heiligen Engels hinauftragen zu Deinem erhabenen Altar, vor das Angeſicht Deiner göttlichen Majeſtät, auf daß wir, ſo viel unſer vermöge dieſer Theilnahme am Altare, den Hochheiligen † Leib Deines Sohnes und Sein † Blut empfangen, mit jeglicher himmliſchen Segnung und Gnade erfüllt werden mögen(ſich ſelbſt mit dem Kreuze bezeichnend). Durch ebendenſelben Chriſtus unſern Herrn. Amen 1). Memento oder Gedächtniß der Verſtorbenen). Gedenke auch, o Herr, Deiner Diener und Die⸗ nerinnen N. und N., welche uns vorangegangen mit dem 1) Immer taucht wieder der Gedanke auf, daß der wahre und wirkliche Opferaltar nicht auf dieſer Erde, ſondern im Himmel auf⸗ gerichtet ſei; in dieſem Gebete wird er am deutlichſten ausge⸗ ſprochen. Dort vollzieht ſich das Opfer auf Ewig, dort nimmt der Vater ſeinen Sohn als Verſöhnungsopfer auf Ewig mit Wohlge⸗ fallen an. Wenn nun ſchon der Prieſter in der Vollmacht und nach der Anordnung Gottes das himmliſche Opfer auf dem irdi⸗ ſchen Altar gegenwärtig geſetzt und in der Wandlung die Hin⸗ ſchlachtung erneuert hat, ſo wird doch die Auf- und Annahme des geopferten Sohnes von Seite des Vaters nicht auch zugleich vom irdiſchen Allare aus, ſondern vom himmliſchen hinweg erfolgen. Darum fleht in dieſem Gebete der Prieſter, daß das Schlachtopfer Jeſus Chriſtus durch die Hände der Engel auf jenen himmliſchen Altare gelegt werden möge, auf daß der Vater die Conſumption des Opfers, welches den vierten Haupttheil der ganzen Opferhandlung bildet, vollziehen und der Erde die Früchte des Opfers,„Segnung und Gnade“ zukommen laſſen wolle. Welche Gnaden und Segnungen wir erflehen und für wen, iſt in den drei nächſten Gebeten enthalten. 2) Vor Allem will die Kirche die Früchte des Opfers jenen Abgeſchiedenen zuwenden, die im Glauben und in der Liebe ge⸗ ſtorben ſind, aber als noch nicht rein genug erſt geläutert werden müſſen wie durch's Feuer. Den Reinigungsſtrafen: Reue, Finſter⸗ niß und Angſt entgegen werden erfleht:„Troſt“,„Licht“,„Friede“. — ——— — — Meßgebete. 559 Siegel des Glaubens, und ſchlafen im Friedensſchlafe (nennt im Stillen die Namen jener Abgeſtorbenen, füͤr welche er beſonders betet). Dieſen und allen in Chriſto Ruhen⸗ den wolle, wir bitten Dich, o Herr, eine Stätte des Troſtes, des Lichtes und des Friedens gewahren. Durch ebendenſelben Chriſtus unſern Herrn. Amen (An die Bruſt ſchlagend mit etwas gehobener Stimme): Auch uns Sündern ¹), Deinen Dienern, die auf ¹) Nachdem der Prieſter für die abgeſchiedenen und der Hilfe bedürftigen Kinder der Kirche gebetet, will er ſich und allen Leben⸗ den die Früchte des Opfers zuwenden, die er„Antheil und Geſell⸗ ſchaft“ mit den Heiligen nennt. Weil er für alle Stände und für jegliches Alter fleht, ſo führt er Heilige jeder Ordnung an. Aus den Propheten wird genannt: Johannes der Täufer; aus den Apoſteln und Jüngern: Stephanus, Mathias und Barnabas, welcher mit dem hl. Paulus zur Verkündung des Evangeliums an die Heiden abgeordnet, und um das Jahr 63 von den Juden auf der Inſel Cypern geſteinigt wurde; aus den Päpſten: Alexander, welcher der fünfte Nachfolger nach Petrus war, und unter Kaiſer Trajan um das Jahr 109 zu Rom nach unſäglichen Martern ſtarb; aus den Biſchöfen: Ignatius, welcher als der dritte Biſchof zu Antiochia dem heil. Petrus nach⸗ folgte, und vom Kaiſer Trajan ſelbſt zum Tode durch die Löwen im Theater zu Rom verurtheilt wurde, wo er auch am 20. Dez. 107 als Matyrer ſtarb; aus den Prieſtern und niedern Klerikern: den Prieſter Marzellinus und den Exorziſten Petrus, welche beide unter Kaiſer Diocletian, nachdem ſie Feſ⸗ ſeln und Kerker und viele Tormente ausgeſtanden, am 2. Juni 305 zu Rom enthauptet wurden; aus den heiligen Frauen: die überaus glorwürdige Marthrin Felizitas, eine Wittwe, welche zugleich mit ihren ſieben Söhnen, Januarius, Felir, Philippus, Sylvanus, Alerander, Vitalis und Martialis, um das Jahr 170 zu Rom hingeſchlachtet wurde, und die nicht minder glorwürdige Martyrin Perpetua, eine junge Frau von vor⸗ nehmem Stande, welche im Jahre 203 mit noch mehreren Perſonen zu Karthago hingerichtet wurde; aus den heiligen Jungfrauen: die heilige Agatha, eine ſizilianiſche Jungfrau, welche nach langer Peinigung in der Verfolgung des Kaiſers Dezius im Jahre 250 ihren Geiſt aufgab,— ihre heldenmüthige Landsmännin Luzia, welche in der Verfolgung des Kaiſers Diocletian um 305 560 Meßgebete. die Menge Deiner Erbarmungen hoffen, wolle einen An⸗ theil ſchenken und Geſellſchaft mit Deinen heiligen Apo⸗ ſteln und Martyrern: mit Johannes, Stephanus, Ma⸗ thias, Barnabas, Ignatius, Alexander, Marzellinus, Petrus, Felizitas, Perpetua, Agatha, Luzia, Agnes, Cä⸗ cilia, Anaſtaſia, und mit all Deinen Heiligen, zu deren Genoſſenſchaft Du uns, nicht ſchauend auf unſere Schuld, ſondern auf Deine Erbarmung, welleſt gnädig gelangen laſſen. Durch Chriſtus unſern Herrn. Durch Welchen Du, o Herr, alle dieſe Güter 1) je⸗ derzeit ſchaffeſt, † heiligeſt, † belebeſt, † ſeg⸗ neſt und uns ſchenkeſt. Durch † Ihn, und mit † Ihm, und in † Ihm(ſich ſelbſt mit dem Allerheiligſten ſegnend) ſei Dir Gott allmächtiger † Vater, in Ewigkeit † zu Syrakus eines glorreichen Martertodes ſtarb;— die zarte und ſchöne Jungfrau Agnes, welche, obwohl erſt 13 Jahre alt, mit Ketten beſchwert vor Gericht geſtellt, und nachdem ſie alle Ver⸗ führungskünſte und Drohungen zu Schanden gemacht, im J. 305 mit dem Schwerte hingerichtet wurde,— die heilige Cäcilia, eine römiſche Jungfrau aus vornehmem Geſchlechte, welche unter Kaiſer Alexander Severus um 230 des Glaubens wegen gemartert wurde, und endlich die heil. Anaſtaſia, gleichfalls eine Römerin, die nach unſäglichen Qualen um 257 unter Kaiſer Valerian zu ihrem Bräutigam Jeſus Chriſtus heimkehrte. 1) Endlich wendet der Prieſter die Segnungen, die aus dem Opfer fließen, allen Kreaturen, beſonders allen Gütern unſers irdi⸗ ſchen Beſitzthums, und dadurch unſerm körperlichen Leben ſelbſt zu. Man beachte die Segnungsworte: ſchaffen,—„Alles iſt durch Ihn geſchaffen;“ heiligem,— wodurch die Kreatur dem Für⸗ ſten dieſer Welt abgenommen wird; beleben,— da ſie erſt durch Chriſtus neues Leben empfängt; ſegneſt,— um zur Ehre Got⸗ tes dienen zu können; uns ſchenkeſt,— und dadurch uns ſelbſt in Deinem Dienſte ſtärkeſt. Damit ſchließt der vierte Theil des Opfers, die eigentliche Hingabe des Opfers an Gott(con- sumptio), was durch das Emporheben des hochheiligen Opfers ausgeſprochen wird. d ih Meßgebete. 561 des heiligen Geiſtes Alle Ehre und Glorie(hebt die heiligſten Opfergeſtalten etwas in die Höhe). Pr. Von Ewigkeit zu Ewigkeit ¹). D. Amen. Pater noſter*). Laſſet uns beten! Durch heilſame Gebote er⸗ mahnt, und durch göttlichen Unterricht belehrt, wagen wir zu ſprechen. Vater unſer, Der Du biſt in dem Himmel: geheiligt werde Dein Name: zukomme uns Dein Reich: Dein Wille geſchehe, wie im Himmel, alſo auch auf 1) Mit dieſen Worten beginnt der fünfte Opfer⸗ theil, die Kommunion, und werden darum dieſelben wieder mit vernehmlicher Stimme geſprochen. Zugleich enthalten ſie eine Auf⸗ forderung an's Volk, durch ſein„Amen“ Alles zu beſtätigen, was ihr Abgeſandter, der Prieſter, während des Kanon ſtille mit Gott verhandelt hat, und der Prieſter kehrt bei dieſen Worten gleichſam wieder vom Himmel zur Gemeinde zurück. 2) Wohl aus mehreren Gründen iſt hier der rechte Augenblick, das Gebet des Herrn zu ſprechen, welches die Kirche ihren Kindern mehr aus Gehorſam gegen Gott, als aus freier Wahl in den Mund legt, was in den Einleitungsworten ausgeſprochen iſt; be⸗ ſonders aber ſind vier Gründe von Gewicht: 1) weil das Opfer der Meſſe auch Bittopfer iſt, und wir wohl mit keinem andern Gebete ſo vertrauensvoll uns dem Throne Gottes nahen können, als mit jenem, das wir aus dem Munde des gött⸗ lichen Sohnes ſelbſt haben; 2) weil der Vater zu keiner Zeit ſo geneigt ſein dürfte, alle unſere Bitten zu erhören, als in dem Augen⸗ blick, wo er ſo eben ſeinen Sohn als Opfer von uns angenom⸗ men hat; 3) weil Alles, was wir in dieſem Theile der Meſſe, in der Kommunion, vom Opfer hoffen, in den ſieben Bitten des Vater unſers ausgeſprochen iſt, und endlich 4) weil dieſes Gebet erſt durch die Erlöſung uns erworben werden mußte;— darum gilt es als Siegeslied der Erlöſung, und wird bei den Aemtern geſungen. Wir müſſen daher das Vater unſer in Verbindung mit dem Opfer auffaſſen, denn in dieſer Verbindung gewinnt es eine eigenthüm⸗ liche Tiefe. Erſt nachdem der ewige Vater ſeinen Sohn im Opfer, und mit Ihm auch uns als ſeinen geheimnißvollen Leib, an- und Cochem, Meßerklärung. 36 — 3 562 Meßgebete. Erden. Gib uns heute unſer tägliches Brod: und ver⸗ gib uns unſere Schulden, wie auch wir vergeben unſern Schuldigern: und führe uns nicht in Verſuchung. D. Sondern erlöſe uns vom Uebel. Pr. Amen. (Fn ſtillem Gebete fortfahrend) Erlöſe uns, wir bit⸗ ten, o Herr, von allen Uebeln, von den vergange⸗ nen, gegenwärtigen und zukünftigen: und auf die Für⸗ bitte der allzeit ſeligen und glorwürdigen Jungfrau und Gottesgebärerin Maria, in Verbindung mit Deinen ſe⸗ ligen Apoſteln Petrus und Paulus und Andreas, und aufgenommen hat, reden wir Ihn mit vollſtem Rechte an:„Va⸗ ter unſer.“ Der Grundgedanke des Vater unſers iſt ausge⸗ ſprochen in der Bitte:„geheiligt werde Dein Name.“ Das iſt aber auch der Grundgedanke der Menſchwerdung, des Le⸗ bens, Lehrens, Leidens und Sterbens Jeſu Chriſti, das iſt der Grundgedanke der Erlöſung, das iſt auch der Grundgedanke des Opfers. Mittel hiezu nun iſt die Ausbreitung des Reiches Jeſu auf Erden; denn bei der Himmelfahrt ſagte der Vater zum Sohne: „ſetze Dich zu meiner Rechten, bis ich Deine Feinde als Schemmel unter Deine Füße lege.“ Darum reiht ſich zunächſt die zweite Bitte an: Zukomme uns Dein Reich.“ Wodurch aber erfolgt dieſe Ausbreitung des Reiches Gottes? Dadurch, daß der Wille des Va⸗ ters geſchehe. Das härteſte Werk des Gehorſams gegen den Willen des Vaters aber war der Opfertod Jeſu am Kreuze, und iſt auch jetzt noch jede Erneuerung dieſes Opfertodes. Jede Meſſe iſt alſo die thatſächliche Bitte:„Dein Wille geſchehe“,— auch in den härteſten Proben. Wir ſind es, in denen das Reich Gottes ausgebreitet und Sein Wille geſchehen ſolle. Dieß wird erreicht, wenn Chriſtus in uns lebt. Nicht alſo um das irdiſche Auskom⸗ men allein, ſondern ganz beſonders um dieſes Leben, das uns durch den Tod Chriſti, das uns in Seinem Opfer zu Theil wird, flehen wir. Dieſes Leben nennen wir„unſer tägliches Bryd.“ Nun ſtellen ſich aber hiegegen zwei Hinderniſſe auf: 1) die ſchon begangene Sünde; ſie iſt der Tod dieſes Lebens, und bis in dieſe Tiefe muß das Opfer dringen, dieſen Kerker muß es öffnen, dieſe Feſſeln ſprengen, um unſer Leben ſicher zu ſtellen; darum die Bitte um„Vergebung unſerer Schulden.“ 2) die Sünde, die noch nichtbegangen, aber gleichſam auf einen günſtigen Augenblick all un de do nu Fl ge Meßgebete. 563 allen Heiligen(ſich mit der Patene ſegnend), gewähre uns gnädig Friede in unſern Tagen: damit wir, durch den Beiſtand Deiner Erbarmung unterſtützt, ſtets frei von der Sünde, ſo wie auch ſicher vor jeder Verwir⸗ rung ſeien 1). (Indem er die heilige Hoſtie über den Kelch bricht.) Durch ebendenſelben Jeſus Chriſtus, Deinen Sohn, unſern Herrn. lauert, um in uns einzudringen und gerade die Wirkung des Opfers zu zerſtören; daher„führe uns nicht in Verſuchung.“ Das löst gleichſam dem gegenwärtigen Volke die Zunge, weil es nur zu gut die Bosheit ſeines Geiſtes und die Begierlichkeit ſeines Fleiſches kennt, worüber ſelbſt der Apoſtel geſeufzt und die Heiligen geweint haben. Darum ruft es wie aus Einem Munde:„Erlöſe uns von dem Uebel.“ Wie aber Gott den Apoſtel getröſtet: „meine Gnade genügt dir“, ſo tröſtet Er auch das Volk, indem Er durch den Prieſter, welcher an Gottes Stelle und gerade darum leiſe das„Auen“ ſpricht. 1) Die letzte Bitte des Vater unſers hält der Prieſter feſt und trägt ſie Gott umſtändlicher vor, indem er näher erklärt, daß wir von allen Uebeln befreit zu werden flehen, und zwar „von den vergangenen“, d. h. den begangenen Sünden,„von den gegenwärtigen“, d. h. der Gefahr zur Sünde,„von den zukünfti⸗ gen“, d. h. den Strafen und Folgen der Sünde. Das iſt das Eine, deſſen Hinwegnahme wir durch das Opfer erhoffen; wir er⸗ warten aber auch eine wirkliche Bereicherung vom Opfer, und die⸗ ſer Schatz iſt der„Friede Dieſer Friede iſt Gegenſtand des Gebetes in ſeiner zweiten Hälfte. Maria, Petrus und Paulus werden, wie ſchon öfters während der Meſſe, als Fürbitter nament⸗ lich angeführt, weil ſie in nächſter Serun zur Frl öſung ſtanden, wodurch uns der Friede gegeben wurde, Andreas aber, entweder weil er der erſtgewählte Apoſtel war, Wer weil er mit beſonderem Heroismus in den Kreuzestod ging. Vor Allem iſt jener Friede gemeint, der unverträglich iſt mit der Sünde, wie es heißt:„die Gottloſen haben keinen Frieden, ſpricht der der Herr.“ Dieſer Friede aber iſt vierfach: 1) der Friede, in welchem alle Wenſchet als desſelben Leibes mit einander leben müſſen; 2) der Friede, deſſen die Kirche bedarf, um ſegensvoll für die Welt wirken zu kön⸗ nen; 3) der Friede, in welchem eine ſchuldfreie Seele zu ihrem Schöpfer ſteht; und 4) der ewig ungetrübte Friede im Himmel. 564 Meßgebete. (Legt den einen Theil auf die Patene, von dem an⸗ dern bricht er eine Partikel ab.) Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des hei⸗ ligen Geiſtes als gleicher Gott. Pr.(Laut.) Von Ewigkeit zu Ewigkeit. D. Amen. (Macht mit der kleinen Partikel dreimal über dem Kelche das Kreuz.) Pr. Der Friede † des Herrn ſei † immer mit feuch!) (Legt die kleine Partikel in den Kelch, während er ſpricht) ²): Den Erſten und Zweiten erflehen wir in dieſem Gebete, den Dritten im nachfolgenden:„der Friede des Herrn ꝛc.“ und den Vierten im Gebete:„dieſe Vermiſchung ꝛc.“ Während des Schluſſes die⸗ fes Gebetes erfüllt der Prieſter den Befehl des Brodbrechens, was in den Tagen der Apoſtel dem ganzen Meßopfer den Namen gab, wo von der erſten Chriſtengemeinde in Jeruſalem geſagt wird: „ſie verharrten in der Gemeinſchaft des Brod⸗ brechens ꝛc.“ Dieſes Brechen ſagt uns aber auch, daß nur der geſchlachtete Chriſtus unſere Lebensſpeiſe ſein, und nur durch ſei⸗ nen Tod am Kreuze uns den Frieden bringen konnte. 1) Dieſe Bekreuzung deutet an, daß nur vom Kreuze Friede kommt. 2) Wie durch die Brechung die Schlachtung, ſo wird durch die Vereinigung des Fleiſches und Blutes in dieſer Miſchung die Vereinigung der lebendigen Menſchheit Chriſti mit ſeiner Gottheit ausgeſprochen, und dieſe Ceremonie ſagt uns, daß wir den auf⸗ erſtandenen Heiland, wie er auf Cwig in ſeiner Verklärung im Him— mel lebt, in der Kommunion empfangen. Dasſelbe ſagen uns auch die zwei erſten Worte des Gebetes. Die Trennung von Fleiſch und Blut d. h. die Schlachtung heißt Konſekration— Heiligung Die Vereinigung derſelben d. h. die Auferſtehung heißt Miſchung. Es iſt aber auch unſere Vereinigung mit dem Gottmenſchen aus⸗ geſprochen, wodurch wir in höhere Lebensgemeinſchaft mit Gott treten und den himmliſchen Frieden erlangen. U che nit Meßgebete. 565 Dieſe Vermiſchung und Heiligung des Leibes und Blutes unſers Herrn Jeſu Chriſti gereiche im Genuſſe uns zum ewigen Leben. Amen. Aguns Dei. DO Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmſt die Sünden der Welt, erbarme Dich unſer. ODu Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmſt die Sünden der Welt, erbarme Dich unſer. O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmſt die Sünden der Welt, gib uns den Frieden). (Bei den Todtenmeſſen ſagt man nicht„erbarme Dich unſer“, ſondern:„gib ihnen die Ruhe“ und das drittemal: „gib ihnen die ewige Ruhe 2). Vorbereitung zur Kommunion. O Herr Jeſu Chriſt! Der Du Deinen Apoſteln geſagt haſt, den Frieden hinterlaſſe Ich euch, Meinen Frieden gebe Ich euch ³); ſchaue nicht auf meine Sün⸗ 1) Durch die Vermiſchung des Fleiſches und Blutes während des letzten Gebetes wurde das Opfermahl bereitet, und der verklärte Jeſus iſt nun wirklich unſere Speiſe und unſer Trank, der uns, wie das Oſterlamm die Iſraeliten in Egypten vom ewigen Tode befreien und mit dem ewigen Leben beſchenken wird. Daher auch die Bezeichnung„Lamm Gottes,“ als Erinnerung an das Oſter⸗ lamm in Egypten. Der Friede bedeutet hier das ewige Leben im Himmel. 2) Für die Geſtorbenen flehen wir um Ruhe, indem ſie durch einen Tod im Glauben und in der Liebe ſchon die letzte Barmher⸗ zigkeit erlangt haben, und ſehnſuchtsvoll nur noch der ewigen Ruhe entgegen harren. 3) Das nothwendigſte Erforderniß, um zur Kommunion gehen zu dürfen, iſt nach der Lehre Jeſu, daß wir Friede halten mit allen Menſchen. Darum erfleht dieſes Gebet, welches für die Kirche und die Gläubigen verrichtet wird, Friede und Einigkeit; nach dem⸗ ſelben erfolgte in der älteren Zeit die allgemeine Verſöhnnng aller 566 Meßgebete. den, ſondern auf den Glauben Deiner Kirche; und gib ihr nach Deinem Willen Friede und Einigkeit. Der Du lebeſt und regiereſt als Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. (Bei den Todtenmeſſen bleibt das vorſtehende Gebet weg). O Herr Jeſus Chriſt! ¹) Du Sohn des lebendigen Gottes, Der Du nach dem Willen des Vaters, unter Mitwirkung des heiligen Geiſtes, durch Deinen Tod der Welt das Leben gegeben haſt: erlöſe mich durch dieſen hochheiligen Leib und Dein Blut von allen meinen Sün⸗ den und von der Geſammtheit aller Uebel: und mache, daß ich immerdar anhange Deinen Geboten, und geſtatte nicht, doß ich je von Dir geſchieden werde. Per Du mit demſelben Gott Bater und dem heiligen Geiſte als gleicher Gott lebeſt und regiereſt von Ewigkeit zu Ewig⸗ keit. Amen. Der Empfang Deines Leibes, o Herr Jeſu Chriſt, den ich Unwürdiger zu genießen mich unterfange, möge mir nicht zum Gerichte und zur Verdammung gereichen: ſondern gedeihe mir vielmehr nach Deiner Güte zum Schutze der Seele und des Leibes, und zu einem ſicheren Hellmittel. Der Du lebeſt und regiereſt mit Gett dem Vater in Einigkeit des heiligen Geiſtes als gleicher Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Anweſenden. Der Friedenskuß, welchen der Prieſter auch jetzt noch vom Altar, alſo von Chriſtus ſelbſt, empfängt, und den ſich das Volk gegenſeitig gab, war die Bekräftigung dieſer Veſöhnung mit Chriſtus und den Menſchen unter ſich. Bei den Todtenmeſſen bleibt dieſes Gebet weg, weil in jenen keine Kommunion ertheilt wurde⸗ 1) In dieſen zwei nach einander folgenden Gebeten iſt die beſondere Vorbereitung enthalten, die der Prieſter und jeder, wel⸗ cher kommuniziren will, mit ſich ſelbſt vornehmen muß. Sie ge⸗ hören alſo ſchon zur Kommunion ſelbſt, man mag dieſelbe wirklich oder nur geiſtlicher Weiſe empfangen. in⸗ ren dem ott noc mit ibt unde de r Meßgebete. 567 Communion. (Der Prieſter macht eine Kniebeugung und ſpricht): Das Himmelsbrod will ich empfangen, und den Nameu des Herrn anrufen 1). (Der Prieſter ſchlägt dreimal an's Herz und ſpricht mit Andacht und Demuth): O Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingeheſt unter mein Dach, ſondern ſprich nur ein Worr, und es wird geſund meine Seele 2). (Der Prieſter ſegnet ſich mit dem heiligſten Leibe, und empfängt ihn mit den Worten): Der Leib unſeres Herrn † Jeſu Chriſti beſchütze meine Seelezumewigen Leben. Amen. (Der Prieſter genießt das Allerheiligſte, und bleibt einige Zeit in der Betrachtung; deckt dann den Kelch ab, genu⸗ flektirt, ſammelt die etwa weggefallenen Theilchen des Bro⸗ des mit der Patene, und bringt ſie in den Kelch, während er ſpricht): Was kann ich dem Herrn vergelten für Alles, was er mir gegeben? Den Kelch des Heiles will ich em⸗ pfanzen, und den Namen des Herrn anrufen. Lob⸗ ſingend will ich den Herrn anrufen, und ich werde ſicher ſein vor meinen Feinden 3) 1) Mit dieſen Worten, welche aus Pſalm 115. v. 13. genom⸗ men ſind, erweckt der Kommunizirende Glaube und Liebe. 2) Dieſe Worte der Demuth und des Vertrauens ſprach der Hauptmann, deſſen Diener zu Kapharnaum krank lag 3) Auch dieſes Gebet iſt aus dem Pſalm 115. genommen, die Schlußworte aber aus Pſalm 17. Beide ſind Dankpſalme Da⸗ vids, die er gebetet nach der Rettung aus den Händen des Königs Saul in der ſichern Hoffnung, Gott werde ihm auch das ewige Heil ſchenken. 568 Meßgebete. (Der Prieſter ſegnet ſich mit dem heiligſten Kelche und ſpricht): Das Blut unſers Herrn† Jeſu Chriſti beſchütze meine Seele zum ewigen Leben. Amen. (Nach dem Genuſſe des heiligſten Blutes erfolgt die Kommunion des Volkes, darnach ſpricht der Prieſter): Was wir mit dem Munde genoſſen, o Herr, laſſe uns mit reiner Seele umfangen: und aus dieſem Ge⸗ ſchenke in der Zeit werde uns ein Heilmittel für die Ewigkeit. (Der Prieſter reinigt den Kelch mit nachgegoſſenem Weine, trinkt denſelben und ſpricht): Dein Leib, o Herr, den ich genoſſen, und das Blut, das ich getrunken, bleibe in meinem Innerſten: und gib, daß kein Makel der Sünde in mir zurückbleibe, den Deine reinen und heiligen Sakramente erquickt haben. Der Du lebeſt und regiereſt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. (Der Prieſter läßt zur Reinigung ſeiner Finger und des Kelches Wein und Waſſer nachgießen, trinkt dasſelbe, und ordnet den Kelch). Kommuniongebet'). Auf der Epiſtelſeite. (Dieſes Gebet wird immer aus der Tagesmeſſe genom⸗ men, und muß dort aufgeſucht werden.) ¹) Dieſes Gebet iſt eigentlich die Antiphon, welche in den frühern Zeiten dem Pſalm vorgeſetzt war, der während der Kom⸗ munion des Volkes vom Chore aus geſungen wurde. Es ſtimmt immer mit der jedesmaligen Meſſe überein, und harmonirt mit dem Meßeingange, dem Graduale und dem Gebete zum Ofſertorium. d e Meßgebete. 569 Pr.(In der Mitte des Altares zum Volk gewendet). Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Gebet nach der Kommunion')). Auf der Epiſtelſeite. Pr. Laſſet uns beten! (Das Gebet ſelbſt iſt verſchieden in jeder Meſſe, und ſteht unter den beſondern Meßgebeten, wo es nachzuleſen iſt). Pr.(In der Mitte des Altares zum Volke gewendet). Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Gehet, die Meſſe iſt vollendet ²). D. Gott unſern Dank! Schlußgebet*). In der Mitte des Altares. (Tief gebeugt). Laß Dir gefallen, heilige Dreifaltig⸗ keit, den Dienſt meiner Niedrigkeit, und verleihe, daß 1) Dieſes Gebet bringt größtentheils das Geheimniß des Ta⸗ ges, oder die jedesmalige Veranlaſſung zum Opfer in Gedanken⸗ verbindung mit der heiligen Kommunion, und verbindet mit dem Danke für dieſelbe die beſondere Bitte, zu welcher der Feſttag oder die beſondere Meſſe veranlaſſen. Sind mehrere Feſte an Einem Tage, oder hat der Menſch, welcher die Meſſe leſen läßt, mehrere Anliegen, ſo werden mehrere Gebete, doch nie über ſieben, hier verrichtet. Dasſelbe gilt auch bei der „Kollekte“ ſo wie beim ſtillen Gebete.“ 2) Mit dem„Ite Miſſa eſt“ wurde das Volk entlaſſen, und gaben dieſe Worte der ganzen heiligen Opferhandlung den Namen. An einigen Tagen, beſonders an den Faſt- und Bußtagen erfolgte dieſe Entlaſſung des Volkes nicht, ſondern der Prieſter forderte die verſammelte Kleriſei zum Chorgebete auf, das ſich unmittelbar an's Opfer anſchloß. Daher wird auch jetzt noch an ſolchen Tagen ſtatt des Ite Miſſa eſt das Benedikamus Domino, d. h. Laſſet uns den Herrn benedeien, geſprochen, und zwar nicht zum Volke, ſondern zum Altare gewendet. 3) Dieſes Gebet bezieht ſich nur auf das menſchliche Werk 570 Meßgebete. das Opfer, welches ich Unwürdiger vor den Augen Deiner Majeſtät dargebracht habe, Dir angenehm, mir aber, und allen, für welche ich es dargebracht, nach Deiner Barmherzigleit zur Verſöhnung ſei. Durch Chriſtus, unſern Herrn. Amen. Fchlußſegen. Pr.(Küßt den Altar und ſpricht): Es ſegne euch der allmächtige Gott(zum Volke gewendet, dasſelbe ſeg⸗ nend) der Vater, der Sohn † und der heilige Geiſt. Johannesevungelinm J. Auf der Evangelienſeite. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr.(Den Altar und ſich ſelbſt bekreuzend). Anfang des heiligen Evangeliums nach Johannes. D. Ehre ſei Dir, o Herr! der Darbringung, welche je nach der Andacht des Prieſters voll⸗ kommen oder unvollkommen iſt, und der Prieſter bittet damit um Nachſicht und Verzeihung wegen der etwa untergelaufenen Mängel aus menſchlicher Schwäche. 1) Der feierliche Segen kommt von Chriſtus. Darum küßt der Prieſter den Altar, der, wie oftmals geſagt, Chriſtum vertritt. 2) Das Johannesevangelium ſoll das Leben Jeſu, welches im heiligſten Opfer dargeſtellt wurde, in ſoferne ergänzen, als es uns die ewige Geburt des Sohnes aus dem Vater erzählt, und es fort⸗ führt bis zur Fleiſchesannahme in der Zeit, wo dann das Opfer ſich anknüpft. Uebrigens war der Anfang des Johanesevange⸗ liums gleichſam der Schild gegen alle Irrlehren der erſten Jahr⸗ hunderte, und wurde dasſelbe, auf Zettel geſchrieben, in damaliger Zeit als Amulet um den Hals getragen. Der Glaube an die Gottheit Jeſu Chriſti alſo iſt es, welcher bei jedem Opfer zum Schluſſe wieder erneuert wird. Meßgebete. 571 Pr. Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Dasſelbe war im Anfang bei Gott. Alles iſt durch Dasſelbe erſchaf⸗ fen, und nichts von dem, was erſchaffen iſt, iſt ohne Dasſelbe erſchaffen. In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menſchen. Und das Licht leuchtet in den Finſterniſſen, aber die Finſterniſſe haben Es nicht begriffen. Es war ein Menſch von Gott geſandt, der Johannes hieß. Dieſer kam zum Zeug⸗ niſſe, daß er Zeugniß gäbe vom Lichte, auf daß Alle durch ihn glauben ſollten. Er war nicht ſelbſt das Licht, ſondern ſollte nur Zeugniß geben vom Lichte. Dieß aber war das wahre Licht, welches jeden Men⸗ ſchen erleuchtet, der in dieſe Welt kommt. Er war in der Welt, und die Welt iſt durch Ihn gemacht worden, die Welt aber hat ihn nicht erkannt. Er kam in Sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen Ihn nicht auf. Allen aber, die Ihn aufnahmen, hat er Macht ge⸗ geben, Kinder Gottes zu werden, denen nämlich, die in Seinem Namen glauben, die nicht aus dem Blute, nicht aus dem Willen des Fleiſches, noch aus dem Willen des Mannes, ſondern aus Gott geboren ſinb. (Gier erfolgt die Kniebeugung). Und das Wort iſt Fleiſch geworden, und hat unter uns gewohnet, und wir haben Seine Herrlichkeit geſehen, eine Herr⸗ lichkeit als des Eingebornen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. D. Gott unſern Dank! 572 Meſſe Meſſe zur allerheiligſten Dreifaltigkeit. Am Sonntag. Meßeingang). Tob. XII. Gebenedeiet ſei die heiligſte Dreifaltig⸗ keit, und ungetheilte Einheit: laſſet Sie uns lobpreiſen, denn Sie hat Barmherzigkeit an uns gethan. Ps. VIII. Herr, unſer Herr, wie wunderbar iſt Dein Name auf dem ganzen Erdenrunde! N. Ehre ſei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiſte. k. So wie Er war im Anfang und jetzt und alle⸗ zeit und in alle Ewigkeit. Amen. Gebenedeit ſei ꝛc.(bis zum Pſalm). 1) Jeder Meßeingang beſteht aus einer Antiphon, dem erſten Verſe eines Pſalms, dem Lobſpruch:„Ehre ſei dem Vater“ 2. und der Repetition der Antiphon. Die Antiphon enthält den Grundgedanken der Tagesmeſſe; dieſe gegenwärtige ſagt alſo, daß die ganze Meſſe ein Lobpreis der allerheiligſten Dreifaltigkeit ſein ſolle. Der Pſalm, von dem jetzt nur der erſte Vers gebetet wird, der aber früher ganz geſungen wurde, enthält mehr oder minder klare Andeutungen oder Vorherverkündungen deſſen, was in der Tagesmeſſe beſonders gefeiert wird. Dieſer achte Pſalm enthält andeutungsweiſe ſchon im erſten Verſe das Geheimniß der hoch⸗ heiligen Dreifaltigkeit in der dreifachen Bezeichnung Gottes, als: „Herr“,„unſer Herr“,„wunderbarer Name“. Der ganze Pſalm aber iſt ein Loblied auf die Allmacht(Gott Vater), Weisheit (Gott Sohn) und Güte(heil. Geiſt) Gottes, beſonders in Bezug auf das Menſchengeſchlecht. Der Lobſpruch endlich bezeichnet das Ziel und Ende eines jeden Gebetes, und jeglichen Opfers. zur allerheiligſten Dreifaltigkeit. 573 Kollektt. Allmächtiger ewiger Gott, Der Du Deinen Die⸗ nern verliehen haſt, im Bekenntniß des wahren Glau⸗ bens die Glorie der ewigen Dreifaltigkeit zu umfaſſen, und in der Allmacht die Einheit der Majeſtät anzube⸗ ten: wir bitten Dich, laß uns in der Unerſchütterlich⸗ keit desſelben Glaubens ſtets gerüſtet ſein gegen alle Widerſacher. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und regiert in Einig⸗ keit des heiligen Geiſtes als gleicher Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Diener. Auen. Epiſtel. Pr. Leſeſtück aus dem Briefe des heiligen Apoſtels Paulus an die Römer. Rom. Xl, 33— 36. O Tiefe der Reichthümer, der Weisheit und der Wiſſenſchaft Gottes: wie unbegreiflich ſind Seine Ur⸗ theile, wie unerforſchlich Seine Wege! Denn wer hat je die Geſinnung des Herrn erkannt? Oder wer iſt Sein Rathgeber geweſen? Oder wer hat Ihm früher gegeben, was ihm ſelbſt ſpäter erſtattet werde? Denn aus Ihm, und durch Ihn, und in Ihm iſt Alles; Ihm ſei Ehre und Glorie in Ewigkeit. Amen. Diener. Gott unſern Dank! Graduale. Während des Jahres. Dan. HI. Geprieſen ſeiſt Du, o Herr, Der Du durchſchaueſt die Abgründe, und throneſt über den Cherubim. 574 Meſſe V. Geprieſen ſeiſt Du, o Herr, in des Himmels Veſte, und lobwürdig auf Ewig. Alleluja, Alleluja. W. Geprieſen ſeiſt Du, o Herr, Gott unſerer Vä⸗ ter, und lobwürdig auf Ewig. Alleluja. Während der Faſtenzeit. Dan. III. Geprieſen ſeiſt Du, o Herr, Der Du durchſchaueſt die Abgründe, und throneſt über den Cherubim. V. Geprieſen ſeiſt Du, o Herr, in des Himmels Veſte, und lobwürdig auf Ewig. Traktus: Dich Gott ungebornen Vater, Dich ein⸗ gebornen Sohn, Dich heiligen Geiſt den Tröſter, die heilige und ungetheilte Dreieinigkeit bekennen, loben und preiſen wir von ganzem Herzen. V. Denn groß biſt Du, und wunderbar Deine Werke, Du allein biſt Gott. F. Dir ſei Lob, Dir Glorie, Dir Dank in alle Ewigkeit, o heilige Dreifaltigkeit. Zur Oſterzeit. Alleluja, Alleluja. V. Dan. III. Geprieſen ſeiſt Du, o Herr, Gott unſerer Väter, und lobwürdig auf Ewig. Alleluja. V. Laßt uns lobpreiſen den Vater, und den Sohn mit dem heiligen Geiſte. Alleluja. Evangelium. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. tt zur allerheiligſten Dreifaltigkeit. 575 Pr. Fortſetzung des heiligen Evangeliums nach Matthäus †(das Evangelium und ſich ſelbſt bekreuzend). Matth. 28, 18— 20. D. Ehre ſei Dir, o Herr! Pr. In derſelben Zeit ſprach Jeſus zu ſeinen Jün⸗ gern: Mir iſt alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet alſo hin, lehret alle Völker: taufet ſie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geiſtes, und lehret ſie Alles halten, was Ich euch befohlen habe. Und ſieh, Ich bin bei euch alle Tage bis an's Ende der Welt. D. Gelobt ſei Jeſus Chriſtus. Pr.(leiſe) Ob des Evangeliums Spruch, tilg aus die Schuld im Sündenbuch. Offertorium. Tob. 12. Gepieſen ſei Gott der Vater, und Got⸗ tes eingeborner Sohn, ſowie der heilige Geiſt: denn Er hat an uns ſeine Barmherzigkeit gethan. Stilles Gebet. Wir bitten Dich, Herr unſer Gott, heilige ob der Anrufung Deines heiligen Namens dieſe dargebrachte Opfergabe, und vollende im Hinblicke auf dieſelbe uns ſelbſten für dich zu einem ewigen Opfer. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus u. ſ. w. Präfation. (Siehe oben erſte Präfation.) Fommuniongebet. Tob. 12. Wir benedeien den Gott des Himmels, und vor Allem, was Leben hat, lobpreiſen wir Ihn: denn Er hat an uns ſeine Barmherzigkeit gethan. 576 Meſſe Gebet nach der Kommunion. Laß uns, Herr unſer Gott, den Empfang dieſes Sakramentes, und das Bekenntniß der ewig heiligen Dreifaltigkeit und der unzertheilten Einigkeit zum Heile des Leibes und der Seele gereichen. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus u. ſ. w. Meſſe zu Ehren aller Heiligen. Am Montag. Meßeingang. Freuen wir uns Alle im Herrn, indem wir ein Feſt feiern zu Ehren aller Heiligen: an deren Feſtlich⸗ keit die Engel ſich erfreuen und loben den Sohn Gottes. Ps. 32. Jubelt auf im Herrn, ihr Gerechte! den Heiligen ziemt der Lobpreis Gottes). V. Ehre ſei dem Vater ꝛc. R. So wie Er war ꝛc. Freuen wir uns Alle im Herrn u. ſ. w.(bis zum Pſalm.) 1) Dieſer Pſalm enthält Ermahnungen an die Gerechten, Gott wegen Seiner Macht, Fürſehung und Güte zu loben. Die Gerech⸗ ten aber werden zum Lobe aufgerufen, ſowohl weil Gotteslob ſich nicht gut ausnimmt im Munde des Sünders, dann aber auch weil vornehmlich in den Gerechten die Macht und Güte Gottes am wirkſamſten iſt. es ie en in et. en um ott ch⸗ ſc eil amn zu Ehren aller Heiligen. 577 Bollektre. Allmächtiger ewiger Gott! Der Du uns verliehen, die Verdienſte all Deiner Heiligen in Einer Feier zu ehren: wir bitten; wolle uns ob der vielen Für⸗ bitter mit dem erſehnten Uebermaß Deiner Erbarmung bereichern. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus, Der mit Dir lebt und regiert u. ſ. w. D. Amen. Lektion. Pr. Leſeſtück aus dem Buche der gehei⸗ men Offenbarung des heiligen Johannes. Apoc. 7, 2— 12. In jenen Tagen ſah ich, Johannes, einen andern Engel emporſteigen vom Sonnenaufgang, der das Zeichen des lebendigen Gottes hatte: und er rief mit mächtiger Stimme den vier Engeln zu, denen Macht gegeben iſt, zu ſchädigen Erde und Meer, in⸗ dem er ſprach:„Beſchädiget nicht weder Erde noch Meer, noch die Bäume, bis wir die Diener un⸗ ſers Gottes an ihrer Stirne bezeichnet haben.. Und ich hörte die Zahl der Bezeichneten: Hundert vier und vierzig tauſend Bezeichnete aus allen Stämmen der Kin⸗ der Iſraels. Aus dem Stamme Juda zwölftauſend Bezeichnete. Aus dem Stamme Ruben zwölftauſend Bezeichnete. Aus dem Stamme Gad zwölftauſend Be⸗ zeichnete. Aus dem Stamme Aſer zwölftauſend Be⸗ zeichnete. Aus dem Stamme Nephthali zwölftauſend Bezeichnete. Aus dem Stamme Manaſſe zwölftauſend Bezeichnete. Aus dem Stamme Simeon zwölftauſend Bezeichnete. Aus dem Stamme Levi zwölftauſend Be⸗ ſeichnete. Aus dem Stamme Iſſachar zwölftauſend Be⸗ ſeichnete. Aus dem Stamme Zabulon zwölftauſend Be⸗ Cochem, Meßerklärung. 578 Meſſe Aus dem Stamme Joſeph zwölftauſend Be⸗ zeichnete. Aus dem Stamme Benjamin zwölftauſend Bezeichnete. Nach dieſem ſah ich eine große Schaar, die Niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; ſie ſtanden vor dem Throne und im Angeſichte des Lammes, angethan mit weißen Gewändern, Palmzweige in ihren Händen haltend, und ſie riefen mit mächtiger Stimme und ſpra⸗ chen:„Heil unſerm Gott, der auf dem Throne ſitzt, und dem Lamme!“ Und alle Engel ſtanden um den Thron und um die Aelteſten und um die vier lebenden Weſen, und fielen vor dem Throne auf ihr Angeſicht, und beteten Gott an, indem ſie ſprachen:„Amen! Preis und Ruhm, und Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unſerm Gott von Ewigkeit zu Ewig⸗ keit! Amen!“ D. Gott unſern Dank! Gradualr. ps. 33. Fürchtet den Herrn, ihr Seine Heiligen alle! denn nicht haben Noth, die Ihn fürchten. V. Denen aber, die den Herrn ſuchen, wird es nicht mangeln an jeglichem Gut. Alleluja, Alleluja! V. Matth. 11. Kommet Alle zu Mir, die ihr mühſelig und beladen ſeid, und ich will euch erquicken. Alleluja! zeichnete. ECvangeliun. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Fortſetzung des heiligen Evange⸗ liums nach Matthäus †(das Evangelienbuch und ſich ſelbſt bekreuzend). Matth. V, 1— 12. ——— ———— ——— „—— und zu Ehren aller Heiligen. 579 D. Ehre ſei Dir, o Herr! Pr. In derſelben Zeit, als Jeſus die Schaaren ſah, ſtieg Er auf einen Berg, und als Er Sich nieder⸗ geſetzt hatte, traten Seine Jünger zu Ihm; Er aber that Seinen Mund auf, belehrte ſie und ſprach:„Se⸗ lig ſind die Armen im Geiſte; denn ihrer iſt das Him⸗ melreich. Selig ſind die Sanftmüthigen; denn ſie wer⸗ den das Erdreich beſitzen. Selig ſind, die trauern; denn ſie werden getröſtet werden. Selig ſind, die hungern und dürſten nach der Gerechtigkeit; denn ſie werden ge⸗ ſättiget werden. Selig ſind die Barmherzigen; denn ſie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig ſind, die ein reines Herz haben; denn ſie werden Gott anſchauen. Selig ſind die Friedfertigen; denn ſie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig ſind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen; denn ihrer iſt das Himmelreich. Selig ſeid ihr, wenn ſie euch ſchmähen und verfolgen, und alles Böſe in Lüge wider euch re⸗ den um Meinetwillen: freuet euch und frohlocket; denn euer Lohn iſt groß im Himmel. D. Gelobt ſei Jeſus Chriſtus! Pr. CLeiſe für ſich): Ob des Evangeliums Spruch, tilg' aus die Schuld im Sündenbuch. Offertorinm. Sap. MI. ¹) Die Seelen der Gerechten ſind in Gottes Hand, die quälende Folge der Bosheit ²) wird 1) Dieſes Kapitel im Buche der Weisheit handelt im Allge⸗ meinen von der Glückſeligkeit der Gerechten, die in dieſem Leben von den Gottloſen verachtet, von Gott aber als probehaltig erfun⸗ den wurden. 2 d. h. der ewige Tod der Verdammniß wird ſie nicht treffen. 580 Meſſe ſie nicht erreichen: in den Augen der Thoren ſchienen ſie zu ſterben: ſie aber ſind im Frieden. Stilles Gebet. Wir bringen Dir dar, o Herr, die Gaben unſerer Andacht, die nach der Größe der Ehre Deiner Heili⸗ gen Dir angenehm ſein, uns aber nach Deiner Erbar⸗ mung zum Heile gereichen mögen. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus, Deinen Sohn u. ſ. w. Prifation. Siehe oben die ſechste Präfation. Komnnniongebet. Matth. V. Selig ſind, die ein reines Herz haben; denn ſie werden Gott anſchauen. Selig ſind die Fried⸗ fertigen; denn ſie werden Kinder Gottes genannt wer⸗ den. Selig ſind, die Verfolgung leiden um der Gerech⸗ tigkeit willen; denn ihrer iſt das Himmelreich. Gebet nach der Bommunion. Verleihe, o Herr! wir bitten Dich, den gläubigen Völkern, daß ſie ſich in der Verehrung aller Heiligen allezeit erfreuen, und durch deren ſtete Fürbitte beſchützt werden mögen. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus u. ſ. w. um Nachlaſſung der Sünden. 581 n Meſſe um Nachlaſſung der Sünden. et l Am Dienſtag und am Beichttag. ⸗ ie m Meßeingang. Sap. Xl. ¹) Du erbarmſt Dich Aller, o Herr! und Nichts von dem haſſeſt Du, was Du erſchaffen haſt; Du überſieheſt die Sünden der Menſchen um ihrer Buße willen, und ſchoneſt ihrer; denn Du biſt der Herr unſer Gott. Ps. 56, 1. ²) Erbarme Dich meiner, o Gott! erbarme Dich meiner; weil auf Dich vertraut meine Seele. d V. Ehre ſei dem Vater ꝛc. e⸗ R. So wie ſie war ꝛc. Du erbarmeſt Dich Aller, o Gott! u. ſ. w.(bis zum Pſalm.) (Das„Ehre ſei Gott in der Höhe“ u. ſ. w. wird in dieſer Meſſe nicht gebetet.) — 6 gen 1) Das Kapitel im Buche der Weisheit, aus welchem dieſer zit Meßeingang genommen iſt, zählt die Erbarmungen Gottes gegen das Volk Iſrael auf, welche Er beim Auszug aus Egypten ihm tus erwieſen, und zeigt, wie des Herrn Langmuth den Sünder erträgt, da er ihn doch mit Einem Winke vernichten könnte. 2) Dieſer ö6ſte Pſalm wurde von David gedichtet, als Saul, ſein Verfolger, in ſeine Hände gegeben war, dem er aber nichts zu Leide that. Er hat zur Aufſchrift:„Vertilge nicht!“ Dieſe Worte legen einige Kirchenväter Chriſto in den Mund, als er im Grabe war, andere aber laſſen dieſe Worte von Ihm ausgeſprochen werden, als Er am Kreuze hing. Beides gilt vom Sünder. Er hängt am Kreuze, ſo lange er in der Sünde lebt; denn dieſe iſt für ihn das Werkzeug zum ewigen Tode:— er liegt im Grabe, da die Sünde auch die Fäulniß genannt wird, wodurch ſeine Seele vernichtet wird. 582 Meſſe Bollektr. Wir bitten, o Herr! erhöre das Gebet der De⸗ müthigen, und ſchone Derer, welche ihre Sünden vor Dir bekennen, damit Du uns in Deiner Güte zugleich mit der Nochlaſſung derſelben auch Deinen Frieden ge⸗ währen mögeſt. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus ſ. Lektion. Pr. Leſeſtückaus dem Briefe des heiligen Paulus an die Römer. Rom VII, 22—25. Brüder! ich habe Freude am Geſetze Gottes dem innern Menſchen nach, fühle aber ein anderes Geſetz in meinen Gliedern, welches dem Geſetze meines Geiſtes widerſtreitet, und mich im Geſetze der Sünde, welches in meinen Gliedern iſt, gefangen hält. Ich unglücklicher Menſch! wer wird mich frei machen von dem Leibe dieſes Todes?— Die Gnade Gottes durch Je⸗ ſum Chriſtum unſern Herrn! D. Gott unſern Dank! Gradualt. Während des Jahres. T's. 78, 9 u. 10. ¹) Sühne, o Herr, unſere Sün⸗ ven, daß nicht etwan die Heiden(Ungläubigen) ſagen: „Wo iſt denn ihr Gott?“ 1) Der Pſalm, aus welchem das Stufengebet genommen iſt, beklagt die Verfolgung des Volkes Iſrael von Seite der Heiden, und kann auch als Klage der Kirche über ihre Verfolgungen gelten. In dieſer Meſſe wird er aber darum gebraucht, weil die Angſt und die Gewiſſensbiſſe eine gleiche Verfolgung gegen die Seele des Sünders erheben. Aus dem 7ten Pſalm iſt gleichfalls ein Vers angeführt, weil auch dieſer Pſalm von David zu einer Zeit verfaßt wurde, als ſeine Feinde ihn verläumdeten, und zu verderben ſuch⸗ ten, was uns Sündern auch die Sünde zu thun droht. u m in tes her ibe e um Nachlaſſung der Sünden. 583 V. Hilf uns, Gott unſer Heil! und um der Ehre Deines Namens willen, o Herr! erlöſe uns! Alleluja, Alleluja! v. Ps. 7, 12. Gott iſt ein gerechter, ſtarker und langmüthiger Richter: wird er denn zürnen all unſere Tage? Alleluja! Während der Faſtenzeit. Ps. 79, 9. u. 10. Sühne, o Herr, unſere Sün⸗ den, daß nicht etwan die Heiden ſagen:„Wo iſt denn ihr Gott?“ V. Hilf uns, Gott unſer Heil! und um der Ehre Deines Namens willen, o Herr! erlöſe uns. ps. 129 ¹). Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr! Herr erhöre meine Stimme. V. Laß Deine Ohren merken auf die Bitte Deines Dieners. V. Wenn Du auf unſere Ungerechtigkeiten ſchaueſt, Herr! o Herr! wer hält dieß aus? V. Bei Dir iſt ja Verſöhnung; um Deines Geſetzes willen vertraue ich auf Dich, o Herr! Zur Oſterzeit. Alleluja, Alleluja! F. Ps. 7, 12. Gott iſt ein gerechter, ſtarker und langmüthiger Richter: ſoll er den zürnen all unſere Tage? Alleluja! v. Ps. 50. Gib meinem Ohr' Freude und Wonne, und aufjauchzen wird das zerſchlagene Gebein. Alleluja! 1) Es iſt dieß der ſechste Bußpſalm, in welchem als Grund, warum ſich Gott des einzelnen Sünders erbarmen ſolle, angeführt wird die allgemeine Verdorbenheit des menſchlichen Geſchlechtes. Die Selbſtanklage geht in ein Beklagen der armen Menſchennatur über, und darauf gründet ſich die feſte Hoffnung auf Verſöhnung und Sündenvergebung. 584 Meſſe Evangeliun. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Fortſetzung des heil. Evangeliums nach Lukas. †(Das Evangelium und ſich ſelbſt bekreu⸗ zend). Luc. XI, 9— 13. D. Ehre ſei Dir, o Herr! Pr. In derſelben Zeit ſagte Jeſus ſeinen Jüngern: Bittet, und es wird euch gegeben, ſuchet, und ihr wer⸗ det finden, klopfet an, und es wird euch aufgethan wer⸗ den. Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer ſucht, der findet, und wer anklopft, dem wird aufgethan. Wenn Jemand von euch aber ſeinen Vater um Brod bittet, wird dieſer ihm wohl einen Stein geben? oder um einen Fiſch; wird er ihm wohl ſtatt des Fiſches eine Schlange geben? Oder wenn er um ein Ei bittet, wird er ihm wohl einen Skorpion reichen? Wenn nun ihr, da ihr doch bös ſeid, verſteht, euern Kindern gute Gaben zu geben; um wie viel mehr wird euer Vater im Himmel einen guten Geiſt denen geben, die ihn darum bitten? D. Gelobt ſei Jeſus Chriſtus! Pr.(leiſe) Durch des Evangeliums Spruch, tilg aus die Schuld im Sündenbuch. (Das Glaubensbekenntniß wird bei dieſer Meſſe nicht geſprochen.) Offertorinm. Ps. 101, 1. 0). O Herr, erhöre mein Gebet, und laß mein Rufen zu Dir gelangen! 1) Dieß iſt der fünfte Bußpſalm. Er hat die Aufſchrift: „Gebet eines Armſeligen, wenn er in Angſt iſt, und vor dem An⸗ „———„ um Nachlaſſung der Sünden. 585 Stilles Gebet. Dieſe Gaben bringen wir Dir dar, o Herr! als Sühn⸗ und Lobopfer; auf daß Du uns in Deiner Er⸗ barmung unſere Sünden verzeiheſt und unſere wanken⸗ den Herzen wieder aufrichteſt. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus, Deinen Sohn u. ſ. w. Präfation. Siehe oben die ſechste Präfation. Kommuniongebet. Luc. XI, 9. Bittet und ihr werdet empfangen; ſuchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgethan werden; denn jeder, der bittet, empfängt, und wer ſucht, der findet, und wer anklopft, dem wird aufgethan. Gebet nach der Bommunion. Verleihe uns, ewiger Erlöſer! daß wir, indem wir durch dieſes Opfer Nachlaſſung unſerer Sünden erlan⸗ gen, fürderhin jede Sünde meiden mögen. Durch un⸗ ſerrn Herrn Jeſus Chriſtus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiſtes als gleicher Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. D. Anmen. Pr. Der Herr ſei mit ench! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Laßt uns dem Herrn lobſingen! D. Gott unſern Dank! geſichte des Herrn ausſchüttet ſein Fehen“, und damit iſt der In⸗ halt des ganzen Pſalms, ſowie zugleich der Grund ausgeſprochen, warum die Kirche ihn bei dieſer Meſſe anwendet. 586 Meſſe Meſſe vom heiligen Geiſt. Am Mittwoch. Meßeingang. Sap. 1, 7. Der Geiſt des Herrn erfüllt den Erd⸗ kreis; und das Weſen, welches das Weltall zuſammen hält, kennt auch die Sprachen. Ps. 67, 1. ¹). Es erhebe ſich Gott, und ſeine Feinde werden auseinander ſtieben; und die, welche Ihn haſſen, werden fliehen vor ſeinem Angeſichte. V. Die Ehre ſei dem Vater u. ſ. w. R. So wie ꝛc. 1) Dieſer bedeutungsvolle Pſalm, deſſen erſter Vers hier an⸗ geführt iſt, wurde von David verfaßt zur Feier der Zurücktragung der Bundeslade nach Sion. Die Worte, die hier ſtehen, wurden ſchon von Moſes jedesmal ausgeſprochen, ſo oft die Bundeslade an einen andern Ort gebracht wurde. Der heil. Auguſtinus deutet den Pſalm auf die Auferſtehung Jeſu, wobei ſeine Feinde wirklich geflohen ſind, und auf die Himmelfahrt; zugleich aber auch auf die Kirche, die ja der geheimnißvolle Leib Jeſu Chriſti iſt. Die meiſten heiligen Kirchenväter hingegen ſagen, dieſer Pſalm ſei ein Lob⸗ geſang auf beide Teſtamente, ſowohl auf das alte als auf das neue; denn es ſei die Herabkunft Gottes zur Geſetzgebung auf Sinai, ſo wie die Himmelfahrt Jeſu Chriſti klar angedeutet. Die Kirche wendet ihn hier auf Gott den heil. Geiſt an; denn die Siege und Triumphe, die der Pſalm beſchreibt, paſſen vor Allem auf Den, Der die Kirche Gottes zum Kampfe, zum Sieg und zum Triumphe führt. Bezeichnungen wie dieſe:„Vater der Waiſen und Richter der Wittwen“—„Gott unſers Heiles“—„Gott, befeſtige das, was Du gewirkt haſt in uns“—„Stimme der Kraft“—„Gottes Herrlichkeit“— die alle im Pſalm enthalten ſind, dieſe Bezeichnungen ſind wir von jeher gewohnt vom heiligen Geiſte zu verſtehen. vom heiligen Geiſt. 587 Der Geiſt des Herrn erfüllt den Erdkreis u. ſ. w. (bis zum Pſalm). Bollektr. O Gott, Der Du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geiſtes belehrt haſt, gib uns in demſelben Geiſte das Verſtändniß der wahren Weisheit und die ſtete Freude Seines Troſtes. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus, Deinen Sohn u. ſ. w. Lektion. Pr. Leſeſtück aus der Apoſtelgeſchichte. Act VIII, 14— 17. — In jenen Tagen, als die Apoſtel, welche in Jeru⸗ ſalem verſammelt waren, hörten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen, ſandten ſie zu ihnen den Petrus und Johannes. Nach ihrer Ankunft beteten die⸗ ſelben über ſie, daß ſie den heiligen Geiſt empfingen; denn Er war noch auf keinen aus ihnen herabgekom⸗ men, ſondern ſie waren nur im Namen des Herrn Jeſu getauft worden. Hierauf legten ſie ihnen die Hände auf, und ſie empfingen den heiligen Geiſt. D. Gott unſern Dank! Gradualt. Ps. 32, 12 1). Glücklich die Nation, deren Herr ihr Gott iſt, und das Volk, das er zu Seinem Erbe ſich erwählet. V. Durch des Herrn Wort ſind gefeſtiget die Him⸗ mel, und durch den Geiſt Seines Mundes all ihre Kraft. Alleluja, Alleluja! 1) Siehe die Anmerkung beim„Meßeingang“ in der Meſſe von allen Heiligen Seite 576. 588 Meſſe V. Das Knie beugend): Komm heiliger Geiſt, er⸗ fülle die Herzen Deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe. Alleluja! Während der Faſtenzeit. Ps 32, 12. Glücklich die Nation, deren Herr ihr Gott iſt, und das Volk, das er zu Seinem Erbe ſich erwählet. V. Durch des Herrn Wort ſind gefeſtiget die Him⸗ mel, und durch den Geiſt Seines Mundes all ihre Kraft. Ps. 103. Sende aus Deinen Geiſt, und Alles wird geſchaffen, und Du wirſt neu machen das An⸗ geſicht der Erde. V. O wie ſchön und lieblich iſt Dein Geiſt in uns, o Herr! V.(Das Knie beugend): Komm, heiliger Geiſt, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe. Zur Oſterzeit. Allelnja, Alleluja! Ps. 103. Sende aus Deinen Geiſt, und Alles wird geſchaffen, und Du wirſt neu machen das Angeſicht der Erde. Alleluja. V.(Das Knie beugend): Komm', o heiliger Geiſt, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe. Alleluja. Evangelinm. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. vom heiligen Geiſt. 589 Pr. Fortſetzung des heiligen Evange⸗ liums nach Johannes †(das Ervangelienbuch und ſich ſelbſt bekreuzend). Joan. XIV, 23—31. D. Ehte ſei Dir, o Herr Pr. In derſelben Zeit ſagte Jeſus zu Seinen Jüngern: Wenn Jemand Mich lieb hat, wird er Mein Wort halten, und Mein Vater wird ihn lieben, und Wir werden zu ihm kommen und Unſere Wohnung bei ihm nehmen. Wer Mich nicht lieb hat, der hält auch Mein Wort nicht. Das Wort aber, das ihr gehöret habt, iſt nicht Mein Wort, ſondern das Wort Deſſen, Der Mich geſandt hat, des Vaters. Dieß habe Ich euch geſagt, da Ich noch bei euch war. Der Tröſter aber, der heilige Geiſt, Den der Vater in Meinem Namen ſenden wird, Jener wird euch Alles lehren, und euch an Alles erinnern, was immer Ich euch geſagt habe. Den Frieden hinterlaſſe Ich euch, Meinen Frie⸗ den gebe Ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe Ich ihn euch. Es betrübe ſich nicht euer Herz, noch fürchte es ſich. Ihr habt ja gehört, daß Ich euch geſagt habe: Ich gehe, komme aber wieder zu euch. Wenn ihr Mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen allzumal, weil Ich zum Vater gehe; denn der Vater iſt größer als Ich. Ich habe es euch jetzt geſagt, ehe es ge⸗ ſchieht, damit ihr, wenn es geſchehen ſein wird, glaubet. Nun werde Ich nicht mehr Viel mit euch reden. Denn es kommt der Fürſt dieſer Welt, aber er hat nichts zu fordern an Mir, ſondern daß die Welt erkenne, daß Ich den Vater liebe, und wie der Vater Mir befohlen hat, ſo handle Ich. D. Gelobt ſei Jeſus Chriſtus! 590 Meſſe Offertorium. Ps. 67, 29 et 30 ¹). Befeſtige, o Gott, was Du gewirkt haſt in uns; von Deinem Tempel aus in Jeruſalem werden Könige Dir Gaben bringen. Stilles Gebet. Heilige, wir bitten Dich, o Herr! die Gabe, die wir Dir dargebracht, und mache rein unſere Herzen durch die Erleuchtung des heiligen Geiſtes. Durch un⸗ ſern Herrn Jeſus Chriſtus u. ſ. w. Präfation. Siehe oben die zweite Präfation. Bommuniongebet. Act. II, 2 u. 4. Es entſtand plötzlich vom Him⸗ mel her über dem Hauſe, in welchem ſie verſammelt waren, ein Brauſen, gleich dem eines daherfahrenden Sturmwindes, und Alle wurden voll des heiligen Gei⸗ ſtes, und verkündeten die Wunderthaten Gottes. Gebet nach der Bommunion. O Herr! die Eingießung des heiligen Geiſtes mache rein unſere Herzen, und befruchte ſie durch die innerſte Einträuflung Seines Thaues. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus Deinen Sohn u. ſ. w. 1) Ueber dieſen Pſalm 67 ſiehe oben pag. 586 die Anmer⸗ kung zum Meßeingang. vom allerheiligſten Altarsſakramente. 591 Meſſe vom allerheiligſten Altarsſakramente. Am Donnerstag und am Kommuniontag. Meßeingang. ps. 80, 17. ¹) Er hat ſie geſpeiſet mit dem Marke des Waizens, und mit Honig aus dem Felſen hat Er ſie geſättigt. Ps. 80, 1. Preiſet Gott unſern Helfer, ſinget Jubellieder dem Gotte Jakobs. V. Ehre ſei Gott dem Vater u. ſ. w. K. So wie er u. ſ. w. Er hat ſie geſpeiſet n. ſ. w.(bis zum Pſalm) Bollektr. O Gett! Der Du uns im wunderbaren Sakra⸗ mente das Gedächtniß Deines Leidens hinterlaſſen haſt, 1) Dieſer Pſalm, deſſen 17ter Vers die Antiphon zum Meß⸗ eingang bildet, und der in dem Sinne, wie der Vers es anzeigt, zur Meſſe vom allerheiligſten Altarsſakramente ganz gebetet wurde, hat die Aufſchrift:„für die Kelterer“ d. h⸗ für die Wein⸗Kelter⸗ treter. Nur drei Pſalmen, welche alle die Liebe gegen Gott an⸗ flammen, tragen dieſe Aufſchrift, und es ſcheint alſo, daß damit angedeutet werden ſolle, daß dieſelben aus dem Herzen des Men⸗ ſchen den goldenen Wein der göttlichen Liebe auszupreſſen beſtimmt waren. Aber es kann auch etwas Anderes bedeuten. Der Prophet Iſaias ſieht den göttlichen Erlöſer 700 Jahre ehe er erſchien in der Geſtalt und Kleidung eines Keltertreters aus dem Süden, alſo von Bethlehem her, gen Jeruſalem kommen, und fragt erſtaunt: „warum aber iſt roth dein Kleid, und deine Gewande, wie die der Kelterer?“ und erhält die Antwort:„die Kelter trat ich, ich allein; 592 Meſſe laſſe uns, wir bitten Dich, dieſes heilige Geheimniß Deines Leibes und Blutes ſo verehren, daß wir die Frucht Deiner Erlöſung jederzeit empfinden. Der Du lebeſt und regiereſt mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geiſtes u. ſ. w Lektion. Leſeſtück aus dem Briefe des heiligen Apoſtels Paulus an die Korinther. 1, Cor. Xl, 23— 29. Brüder! was ich vom Herrn empfangen, das habe ich auch euch überliefert; nämlich daß der Herr Jeſus in der Nacht, da Er verrathen wurde, das Brod nahm und dankte, es brach und ſagte:„Nehmet hin und eſſet, Das iſt Mein Leib, Der für euch wird dargegeben werden: dieß thut zu meinem Andenken.“ Deßgleichen nahm Er nach dem Mahle auch den Kelch und ſprach: „Dieſer Kelch iſt das neue Teſtament in Meinem Blute! das thut, ſo oft ihr ihn trinken werdet, zu Meinem Andenken. Denn ſo oft ihr dieſes Brod eſſen, und den Kelch trinken werdet, werdet ihr den Tod des Herrn verkünden, bis Er kommt.“ Darum macht ſich jeder, der unwürdig dieſes Brod ißt, oder den Kelch des Herrn trinkt, ſchuldig am Leibe und Blute des Herrn. Es und von den Völkern war kein Mann bei mir u. ſ. w.“ Es be⸗ zieht ſich alſo dieſer Pſalm vorzugsweiſe auf das Leben, Leiden und Sterben Jeſu Chriſti, wobei hervorgehoben wird, daß Er uns in der Geſtalt des Weines aus der Rebe Sein Blut zum Tranke, und in der Geſtalt des Brodes aus dem Marke des Waizens Sein Fleiſch zur Speiſe bereitet hat. Der Erlöſer ſelbſt iſt der Kelter⸗ treter, weil Er freiwillig ſich dem Leiden und Tode unterwarf, um uns das Brod des Himmels und den Wein Seines Blutes reichen zu können. vom allerheiligſten Altarsſakramente. 593 prüfe ſich demnach der Menſch ſelbſt, und ſo eſſe er denn von dieſem Brode, und trinke aus dieſem Kelche. Denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt ſein Gericht, indem er den Leib des Herrn nicht unter⸗ ſcheidet. D. Gott unſern Dank! Stufengebet. Während des Jahres. Ps. 144, 15 u. 16 1). Die Augen Aller ſind auf Dich gerichtet, o Herr! und Du gibſt ihnen Speiſe zu rechter Zeit. V. Du thueſt auf Deine Hand, und erfülleſt Alles, was Leben hat, mit Segen. Alleluja! Alleluja! V. Joh. VI, 56 u. 57. Mein Fleiſch iſt wahrhaft eine Speiſe und Mein Blut wahrhaft ein Trank; wer Mein Fleiſch ißt, und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir, und Ich in ihm. Alleluja! Während der Faſtenzeit. Ps 144, 15 u. 16. Aller Augen ſind auf Dich gerichtet, o Herr! und Du gibſt ihnen Speiſe zu rech⸗ ter Zeit. V. Du thueſt auf Deine Hand, und erfülleſt Alles, was Leben hat, mit Segen. 1) Dieſer Pſalm enthält begeiſtertes Lob des Herrn, und zwar wegen der Größe Seiner Majeſtät, wegen der Wunder Seiner Werke, wegen Seiner Herrſcher-Eigenſchaften, ſo wie wegen der Milde Seiner Herrſchaft, wobei beſonders hervorgehoben iſt, daß Er Alle, die ihr Vertrauen auf Ihn ſetzen, leiblich und geiſtig ernährt. In welchem Sinne wir die obigen Worte zu beten haben, zeigt uns die angefügte Stelle aus dem ſechsten Kupitel des Johannes⸗ Evangelium, worin Chriſtus den Unterricht über das allerheiligſte Altarsſakrament ertheilt. Cochem, Meßerklärung. 38 4 Meſſe Malach. I, 11. ¹). Vom Aufgange der Sonne bis zum Niedergang iſt groß mein Name unter den Völkern. V. Und an jedem Orte wird geopfert, und Mei⸗ nem Namen das reine Speiſeopfer dargebracht; denn groß iſt Mein Name unter den Völkern. V. Prov. IX, 5. Kommt und eſſet Mein Brod, und trinket den Wein, den Ich euch gemiſcht habe. S Alleluja, Alleluja! V. Luc. 24, 35. Die Jünger erkannten den Herrn Jeſus am Brodbrechen ²). Alleluja! V. Joan. IV, 56 u. 57. Mein Fleiſch iſt wahrhaft eine Speiſe, und Mein Blut wahrhaft ein Trank; wer Mein Fleiſch ißt, und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm. Alleluja! Evangelium. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Fortſetzung des heiligen Evange⸗ liums nach Johannes †(das Buch und ſich mit dem Kreuze bezeichnend). Joan. VI, 57— 59. D. Ehre ſei Dir, o Herr! 1) Dieſe Stelle im Propheten Malachias iſt von jeher in der katholiſchen Kirche vom heil. Meßopfer und dem Geheimniſſe des Altares verſtanden worden, um ſo mehr, da das hebräiſche Wort eben vornehmlich vom Speiſeopfer gebraucht wird; und daß der gläubige Chriſt hier beſonders an das allerheiligſte Sakrament des Leibes und Blutes Jeſu Chriſti denken müſſe, iſt die ſo deutliche Stelle aus dem Buche der Sprichwörter beigefügt. 2) Dieſes Erkennen am Brodbrechen geſchah zu Emaus vor den zwei Jüngern am erſte Tage nach dem Oſterfeſte, wobei der Herr Jeſus ihnen das ſakramentale Brod ſpendete. ——— vom allerheiligſten Altarsſakramente. 595 Pr. In derſelben Zeit ſprach Jeſus zu den Schaa⸗ ren der Juden: Mein Fleiſch iſt wahrhaft eine Speiſe, und Mein Blut wahrhaft ein Trank, wer Mein Fleiſch ißt, und trinkt Mein Blut, der bleibt in Mir, und Ich in ihm. Wie Mich der lebendige Vater geſandt hat, und Ich um des Vaters willen lebe, ſo wird auch der, ſo mich ißt, um Meinetwillen leben. Dieß iſt das Brod, welches vom Himmel herabgekommen. Nicht wie das Manna, das eure Väter gegeſſen haben, und ge⸗ ſtorben ſind. Wer dieſes Brod ißt, wird ewig leben. D. Gelobt ſei Jeſus Chriſtus! Pr.(Leiſe): Ob des Evangeliums Spruch tilg' aus die Schuld im Sündenbuch! Offertorinm. III. Mos. 21, 6 ¹). Die Prieſter des Herrn opfern Gott Rauchwerk und Brod, darum ſollen ſie auch heilig ſein ihrem Gotte, und Seinen Namen nicht entehren. Stilles Gebet. Gewähre, wir bitten, o Herr! Deiner Kirche in Gnaden das Geſchenk der Einigkeit und des Friedens, was durch die dargebrachten Opfergaben geheimnißvoll vorgeſtellt iſt. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus u. ſ. w. Präfation. (Siehe oben die dritte Präfation). ¹) Dieſe Stelle iſt aus den Geſetzen Gottes genommen, die Er dem Moſes wegen der Reinheit der Prieſter gegeben hat, und ſind dieſe Worte auch im neuen Bunde um ſo bindender, da hier ſowohl der Prieſter, als jeder, der zur heil. Kommunion gehen will, rein ſein muß von allen ſchweren Sünden. 6 596 Meſſe Bommuniongebet. I. Cor. XI. So oft ihr dieſes Brod eſſen, und den Kelch trinken werdet, werdet ihr den Tod des Herrn verkünden, bis Er kommt, darum macht ſich jeder, der unwürdig dieſes Brod ißt oder den Kelch trinkt, ſchuldig am Leibe und Blute des Herrn. Gebet nach der Bommunion. Gib, wir bitten, o Herr! daß wir im ewigen Ge⸗ nuſſe Deiner Gottheit voll werden, den dieſer zeitliche Empfang Deines koſtbaren Leibes und Blutes vorbildet. Der Du lebeſt und regiereſt mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geiſtes u. ſ. w. Meſſe vom Leiden unſers Herrn Jeſu Chriſti. Am Freitag. Meßeingang. Phil. II, 8 u. 9. Der Herr Jeſus Chriſtus hat Sich Selbſt erniedriget bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze; darum hat Ihn Gott auch erhöhet, und Ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen iſt. Ps. 88, 1 ¹). Die Erbarmungen des Herrn will ich ſingen ewiglich, von Geſchlecht zu Geſchlecht. 1) Dieſer Pſalm drückt die Sehnſucht des Volkes Gottes nach der Befreiung aus der Gefangenſchaft aus, und enthält am Schluſſe ——— — vom Leiden unſers Herrn Jeſu Chriſti. 597 Die Ehre ſei Gott dem Vater und dem Sohne Iſ. W. Der Herr Jeſus Chriſtus hat ſich ſelbſt erniedrigt u. ſ. w.(bis zum Pſalm). (Der engliſche Lobgeſang:„Ehre ſei Gott in der Höhe“ ꝛc. wird in dieſer Meſſe nicht gebetet). Bollektr. O Herr Jeſu Chriſt, Der Du aus dem Schooße des Vaters vom Himmel auf die Erde herabgeſtiegen, und Dein koſtbares Blut zur Nachlaſſung unſerer Sün⸗ den vergoſſen haſt; wir bitten Dich demüthiglich, laß uns am Tage des Gerichtes zu Deiner Rechten die Worte vernehmen:„Kommet ihr Geſegnete!; Der Du lebeſt und regiereſt mit Gott dem Vater u. ſ. w. Epiſtel. Leſeſtück aus dem Propheten Zacharias. Zach XIl, 10 u. 11; u. XIIl, 6 u. 7. Das ſpricht der Herr: Ich will ausgießen über das Haus Davids und über die Bewohner Jeruſalems ein inbrünſtiges Gebet, Gott möge doch bald den längſt verheiße⸗ nen Geſalbten(Chriſtus) ſenden. Vom erſten Vers bis zum 37ſten werden die Verheißungen wiederholt, die Gott dem David über die ewige Dauer ſeines Reiches gegeben hat; vom 37ſten bis zum 45ſten Vers wird gezeigt, daß dieſe Verheißungen an den leiblichen Nachkommen des David und an ſeinem irdiſchen Reiche noch nicht erfüllt ſeien; vom 45ſten Vers bis zum Schluß iſt die Sehnſucht und das Gebet ausgeſprochen, es möge doch die Verheißung erfüllt werden in dem wahren Geſalbten, in Chriſtus, dem ewigen König. Wegen dieſes ſeines Inhaltes wird der Pſalm in der Weihnachts⸗ Mette beim Nachtchor gebetet, und von der Kirche hier in der Meſſe vom Leiden Jeſu angewandt. 598 Meſſe den Geiſt der Gnade und des Gebetes; und ſie wer⸗ den aufſchauen zu Mir, Den ſie durchbohrt haben: und ſie werden Ihn beklagen mit Händeringen, wie man den einzigen Sohn beklagt, und ſie werden weinen über Ihn, wie man zu weinen pflegt beim Tode des Erſt⸗ gebornen. An jenem Tage wird eine große Trauer ſein in Jeruſalem, und man wird ſagen zu Ihm:„Was ſind denn das für Wunden in Mitte Deiner Hände?“ Und Er wird antworten:„Mit dieſen bin Ich ver⸗ wundet worden im Hauſe derer, die Mich lieb hatten.“ Laß dich ſchwingen, Lanze! gegen Meinen Hirten, und gegen den Mann, der zu Mir gehört, ſpricht der Herr der Heerſchaaren; ſchlage den Hirten, und es werden ſich zerſtreuen die Schafe, ſpricht der Herr der Allmächtige. D. Gott unſern Dank! Gradualt. Während des Jahres. Ps. 68, 21 u. 22 ¹). Schmach gewärtige Mein Herz, und Elend; und Ich harrete, ob Jemand mit Mir trauere, und es war Niemand; und Ich ſuchte einen Tröſter für Mich, und fand keinen. . Sie reichten Galle Mir zur Speiſe, und in 1) Dieſer Pſalm wird faſt von allen heiligen Vätern auf das Leiden Jeſu gedeutet, ja Chriſtus ſelbſt und alle Apoſtel machen aus demſelben Anwendungen auf dieſes Leiden: ſo bei Johannes: XV, 25— vers 5:„Sie haſſen mich ohne Grund“ IH. 17.— vers 10.:„Der Eifer für Deines Hauſes Ehre hat mich verzehrt“ XIX. 28.— vers 22.:„Sie reichten Galle Mir zur Speiſe, und in Meinem Durſte tränkten ſie Mich mit Eſſig“ Rom. XV. 3.— vers 10.:„Die Läſterungen ſind auf Mich gefallen“ Act. 1. 20.— vers 26.:„Ihre Wohnung werde wüſte und in ihren Zelten ſei Niemand, der darin wohne.“ vom Leiden unſers Herrn Jeſu Chriſti. 599 Meinem Durſte tränkten ſie Mich mit Eſſig. Alleluja, Alleluja! v. Sei gegrüßt Du, unſer König! Du allein haſt Dich über unſere Verirrungen erbarmt; aus Gehorſam gegen den Vater biſt Du zur Kreuzigung geführt wor⸗ den, wie ein ſanftes Lamm zur Schlachtbank. Alleluja. Während der Faſtenzeit. Ps. 68, 21 u. 22. Schmach gewärtige Mein Herz, und Elend; und Ich harrete, ob Jemand mit Mir trauere, und es war Niemand; und Ich ſuchte einen Tröſter für Mich, und fand keinen. V. Sie reichten Galle Mir zur Speiſe, und in Meinem Durſte tränkten ſie Mich mit Eſſig. Traktus: Isajns 53, 4 u. 5. Wahrhaft, un⸗ ſere Schwächen hat Er getragen, und unſere Schmer⸗ zen hat Er gelitten. v. Und wir haben Ihn für einen Ausſätzigen ge⸗ halten, und für einen, der von Gott geſchlagen und ge⸗ demüthigt iſt. V. Er aber iſt verwundet worden wegen unſerer Miſſethaten, und niedergetreten wegen unſerer Laſter. v. Die Zächtigung für unſern Frieden liegt auf Ihm, und durch Seine Wunden ſind wir geheilt. Zur Oſterzeit. Alleluja, Alleluja! Sei gegrüßt Du, unſer König! Du allein haſt Dich über unſere Verirrungen erbarmt; aus Gehorſam gegen den Vater biſt Du zur Kreuzigung geführt worden, wie ein ſanftes Lamm zur Schlachtbank. Alleluja! 600 Meſſe V. Dir ſei Ruhm, Hoſanna! Dir Triumph und Sieg; Dir die Krone des höchſten Lobes und der Ehre. Alleluja! Evangeliun. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Fortſetzung des heiligen Evange⸗ liums nach Johannes †(das Buch und ſich ſelbſt bekreuzend). Joan. XIX, 28— 35. D. Ehre ſei Dir, o Herr! Pr. In derſelben Zeit, da Jeſus wußte, daß Al⸗ les vollbracht ſei, ſprach Er, damit die Schrift erfüllt würde:„Mich dürſtet!“ Es ſtand aber ein Gefäß voll Eſſig da. Jene füllten nun einen Schwamm mit Eſſig, ſteckten ihn auf einen Hyſop⸗Stengel, und hielten ihn an Seinen Mund. Nachdem Jeſus den Eſſig genom⸗ men hatte, rief Er:„Es iſt vollbracht⸗— und mit geneigtem Haupte gab Er Seinen Geiſt auf. Damit nun die Leichname nicht den Sabbath über am Kreuze blieben(es war nämlich jener Tag der Tag des großen ¹) Sabbaths), baten die Juden(weil bereits Rüſttag war) den Pilatus, daß ihnen die Beine gebrochen, und ſie dann vom Kreuze abgenommen würden. Es kamen alſo Soldaten, und zerſchlugen die Gebeine des Erſten und des Andern, die mit ihm gekreuziget worden wa⸗ ren. Als ſie aber zu Jeſus kamen, und ſahen, daß Er ſchon geſtorben ſei, zerſchlugen ſie Seine Beine nicht, ſondern Einer der Soldaten öffnete mit der Lanze 1)„Großer Sabbath“ hieß der Oſtertag, wenn der Monats⸗ tag(der 14te Niſan), an welchem das Oſterfeſt gefeiert werden mußte, auf einen Sabbath fiel, was im Sterbejahre unſers Erlö⸗ ſers der Fall war. vom Leiden unſers Herrn Jeſu Chriſti. 601 Seine Seite, und alſogleich floß Blut und Waſſer her⸗ aus. Und der, ſo es geſehen, hat Zeugniß abgelegt; und ſein Zeugniß iſt wahr. D. Celobt ſei Jeſus Chriſtus! Offertorinm. Es ſind gegen Mich ungerechte Männer aufgeſtan⸗ den; ohn' Erbarmen haben ſie Mich zu tödten geſucht; und ſie ſchonten Mich nicht, in Mein Angeſicht zu ſpeien; mit ihren Lanzen haben ſie Mich verwundet, und erſchüttert ſind alle Meine Gebeine. Stilles Gebet. Das Opfer, das wir Dir dargebracht, o Herr, wolle uns unter Vermittlung des Leidens Deines ein⸗ gebornen Sohnes ſtets beleben und beſchützen. Der mit Dir lebt und regiert u. ſ. w. Präfation. Siehe oben die vierte Präfation. Sommuniongebet. P's. 21, 17 u. 18 1). Sie haben Meine Hände und Meine Füße durchbohrt; ſie haben alle Meine Gebeine gezählt. Gebet nach der Sommunion. O Herr Jeſu Chriſt! Sohn des lebendigen Gottes, Der Du um die ſechste Stunde für die Erlöſung der 1) Dieſer A1ſte Pſalm ſpricht ſo offen und klar vom Leiden und der Auferſtehung des Herrn, daß ſelbſt der Ungläubigſte eine genaue Beſchreibung desſelben erkennen, und ſich um ſo mehr ſtau⸗ nen muß, weil dieſer Pſalm faſt 1000 Jahre vorher von David niedergeſchrieben wurde. Chriſtus ſelbſt aber hat dieſen Pſalm am Kreuze noch gebetet; denn die Worte, die Er dort laut geſprochen: „Mein Gott, Mein Gett! warum haſt Du mich verlaſſen!“ ſind der erſte Vers desſelben. 602 Meſſe Welt am Stamme des Kreuzes gehangen, und Dein koſtbares Blut zur Nachlaſſung unſerer Sünden vergoſſen haſt: wir bitten Dich demüthiglich, daß Du uns nach unſerm Hinſcheiden einen freudigen Eintritt durch die Thore des Paradieſes gewähren wolleſt; Der Du lebeſt unſow⸗ D. Amen. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Laßt uns den Herrn benedeien! D. Gott unſern Dank! Meſſe zur Ehre der ſeligſten Jungfrau Maria. Am Samstag. Meßringa'ng. Sei gegrüßt, heilige Mutter, die Du geboren den König, der Himmel und Erde regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ps. 44, 1 ¹). Ein gutes Wort hat mein Herz ausgeſprochen: Ich weihe meine Werke dem Könige. V. Die Ehre ſei dem Vater und dem Sohne u. ſ. w. 1) Dieſer Pſalm, wahrſcheinlich zur Vermählungfeier des Kö⸗ nigs Salomo mit der ägyptiſchen Königstochter verfaßt, hat eine prophetiſche Bedeutung für Chriſtus, welcher der wahre Salomo, d. h.„Friedensfürſt“ iſt, und für ſeine Braut, die Kirche, welche größtentheils aus heidniſchen Völkern beſteht, gleich der Braut des zur Ehre der ſeligſten Jungfrau Maria. 603 Sei gegrüßt, heilige Mutter, u. ſ. w.(bis zum Pſalm). Bollekte. Verleihe, wir bitten Dich, o Herr! uns Deinen Dienern den Schatz Deiner himmliſchen Gnade, damit uns, denen die Geburt der ſeligſten Jungfrau zum Be⸗ ginne des Heiles ward, die liebliche Feier ihrer unbe⸗ fleckten Empfängniß zur Mehrung des Friedens gerei⸗ chen möge. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus, Dei⸗ nen Sohn, der mit Dir lebt und regiert u. ſ. w. Epiſtel. Leſeſtück aus dem Buche der Weisheit. Prov. VIiI, 22.— 35 0). Der Herr beſaß mich beim Beginne Seiner Wege, ehe denn Er etwas ſchuf am Anfang. Von Ewigkeit ward ich beſtellt, von Alters her, ehe die Erde war. Noch waren die Abgründe nicht, und ich ward ſchon empfangen; noch ſprudelten nicht die Waſſerquellen; noch waren die Berge nicht geveſtiget in ihrer ſchweren Wucht; Salomo, die auch von heidniſchen Eltern ſtammte. Das Vorbild der Kirche aber iſt Maria: denn wie Maria Chriſtum geboren, ſo gebiert die Kirche gleichfalls Chriſtum in den Gläubigen; denn wir alle ſind Glieder am Leibe Chriſti“(I. Cor. VI. 15) Darum nun hat die Kirche dieſen Pſalm ſtets als ein„Marienlied“ be⸗ trachtet. 1) Dieſes Kapitel im Buche der Sprichwörter ſchildert die ewige Geburt des Sohnes Gottes aus dem Vater(„vor den Hü⸗ geln ward ich geboren“), und kündet den Rathſchluß Gottes in Betreff der Menſchwerdung des Sohnes an(„meine Freude iſt es, bei Menſchenkindern zu ſein“). Weil die Fleiſchesannahme aus Maria erfolgte, und in der Ankündigung des ewigen Planes Got⸗ tes Mariens erhabene Würde bereits in himmliſchem Glanze er⸗ ſcheint, darum wurde gerade dieſes Leſeſtück für die Meſſe zu Ehren Mariens gewählt. 604 Meſſe vor den Hügeln ward ich geboren; noch hatt' Er die Erde nicht geſchaffen, und die Flüſſe und die Angeln des Erdkreiſes nicht. Als Er die Himmel zurichtete, war ich dabei; als Er nach ſicherem Geſetze und Cirkel die Abgründe baute; als Er den Luftraum oben veſtigte, und die Waſſerquellen abwog; als Er dem Meere ſeine Grenzen umſchrieb, und den Gewäſſern ihr Geſetz gab, damit ſie nicht überſchritten ihre Grenzen; als Er den Grundſtein zur Erde legte:— da war ich bei Ihm, und ordnete Alles, und ergötzte mich Tag für Tag, ſpielend vor Ihm zu jeder Zeit, ſpielend auf dem Erd⸗ kreis; und meine Freude iſt es, bei Menſchenkindern zu ſein. Nun aber höret mich, Kinder: Selig, wer auf meine Wege achtet. Nehmet auf die Lehre, und ſeid verſtändig, und werfet ſie nicht von euch. Selig der Menſch, der mich hört und täglich an meiner Thüre wacht, und hinſchaut anf die Schwellen meiner Pforte. Wer mich findet, der findet das Leben, und ſchöpft Heil vom Herrn. D. Gott unſern Dank! Graduale. Während des Jahres. Gebenedeit und ehrwürdig biſt du, Jungfrau Maria; die du in unverſehrter Jungfräulichkeit erfunden warſt als Mutter des Erlöſers. V. Jungfrau Gottesgebärerin! Den die ganze Welt nicht faßt, Der hat ſich in deinem Schooße verſchloſſen, da Er Menſch ward. Alleluja, Alleluja! V. Glückſelig biſt du, heilige Jungfrau Maria! und zur Ehre der ſeligſten Jungfrau Maria. 605 des höchſten Lobes werth; denn von dir iſt ausgegangen die Sonne der Gerechtigkeit, Chriſtus unſer Gott. Alleluja! Während der Faſtenzeit. Gebenedeit und ehrwürdig biſt du, Jungfrau Maria, die du in unverſehrter Jungfräulichkeit erfunden waſſt als Mutter des Erlöſers. V. Jungfrau Gottesgebärerin! Den die ganze Welt nicht faßt, Der hat ſich in Deinem Schooße verſchloſſen, da Er Menſch ward. Traktus. Freue dich, Jungfrau Maria! Alle Ketzereien haſt du allein überwunden. V. Weil du geglaubt den Worten des Erzengels Gabriel. V. Da du als Jungfrau geboren Den, Der Gott und Menſch war; und nach der Geburt biſt du unverſehrte Jung⸗ frau geblieben. V. O Gottesgebärerin! bitte für uns! Zur Oſterzeit. Alleluja, Alleluja! V. Num. 17. Das Reis aus Jeſſe hat geblüht: die Jungfrau hat den Gott⸗Menſch geboren; den Frie⸗ den hat Gott wiedergegeben, verſöhnend in Sich das Niederſte mit dem Höchſten. Alleluja! V. Luc. 1. Gegrüßt ſeiſt du Moria, du biſt voll der Gnaden, der Herr iſt mit dir, du biſt gebenedeit unter den Weibern. Alleluja! Cvangeliun. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. 606 Meſſe Pr. Anfang des heiligen Evangeliums nach Matthäus †(das Buch und ſich ſelbſt bekreu⸗ zend). Matth. I, 1— 16. D. Ehre ſei Dir, o Herr! Pr. Das Stammbuch Jeſu Chriſti, des Sohnes Davids, des Sohnes Abraham. Abraham zeugte den Iſaak: Iſaak aber zeugte den Jakob: Jakob aber zeugte den Judas und ſeine Brüder. Judas aber zeugte den Phares und den Zara von der Thamar: Phares aber zeugte den Esron: Esron aber zeugte den Aram: Aram aber zeugte den Aminadab: Aminadab aber zeugte den Naaſſon: Naaſſon aber zeugte den Salmon: Salmon aber zeugte den Booz von der Rahab. Booz aber zeugte von der Ruth den Obed: Obed aber zeugte den Jeſſe: Jeſſe aber zeugte den König David. David aber, der König, zeugte den Salomon aus der, welche des Urias Weib geweſen: Salomon aber zeugte den Roboam: Roboam aber zeugte den Abias: Abias aber zeugte den Aſa: Aſa aber zeugte den Joſaphat: Joſa⸗ phat aber zeugte den Joram: Joram aber zeugte den Ozias: Ozias aber zeugte den Jvatham: Joatham aber zeugte den Achaz: Achaz aber zeugte den Ezechias: Ezechias aber zeugte den Manaſſes: Manaſſes aber zeugte den Amon: Amon aber zeugte den Joſias: Jo⸗ ſias aber zeugte den Jechonias und ſeine Brüder um die Zeit der Wegführung nach Babhlon. Und nach der Wegführung nach Babhlon zeugte Jechonias den Sala⸗ thiel: Salathiel aber zeugte den Zorobabel: Zorobabel aber zeugte den Abiud: Abind aber zeugte den Elia⸗ cim: Eliacim aber zeugte den Azor: Azor aber zeugte den Sadoc: Sadoc aber zeugte den Achim: Achim aber zeugte den Eliud: Elind aber zeugte den Eleazar: Elea⸗ — 6 zu Ehren der ſeligſten Jungfrau Maria. 607 zar aber zeugte den Mathan: Mathan aber zeugte den Jakob: Jakob aber zeugte den Joſeph, den Mann Mariens, aus welcher geboren iſt Jeſus, der ge⸗ nannt wird Chriſtus(der Geſalbte). (Das Glaubensbekenntniß, oder Credo, wird bei dieſer Meſſe nicht geſprochen). Offertorium. Selig biſt du, Jungfrau Maria! die du getragen den Schöpfer des Alls; die du geboren Den, Der dich erſchaffen, und bleibſt ewig Jungfrau. Stilles Gebet. Es komme uns zu Hilfe, o Herr! die Menſchheit Deines Eingebornen, auf daß Der, Welcher, geboren aus der Jungfrau, die Reinheit der Mutter nicht vermin⸗ dert, ſondern geheiliget hat, in der Feier ihrer Em⸗ pfängniß auch uns von unſern Sünden reinigen, und unſere Opferung Dir angenehm machen möge, Jeſus Chriſtus, unſer Herr, Der mit Dir lebt und regiert u ſw. Fräfation. Siehe oben die fünfte Präfation. Kommuniongebet. Selig iſt der Leib der Jungfrau Maria, der getra⸗ gen den Sohn des ewigen Vaters. Gebet nach der Kommunion. Wir haben empfangen, o Herr! die heiligen Ge⸗ heimniſſe dieſer Feier; gewähre nun, wir bitten Dich, daß ſie uns zum Heilmittel für's zeitliche und ewige 606 Meſſe Leben gereichen. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und regiert u. ſ. w. Meſſe für Verſtorbene. Bei den Seelengottesdienſten. Staffelgebet. Prieſter(an den Stufen des Altares ſich mit dem Kreuze bezeichnend): Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geiſtes. Amen. Antiph. Ich will hintreten zum Altare Gottes. Diener. Zu Gott, der meine Jugend erfreut. Pr.(ſich bekreuzend): Unſere Hilfe iſt im Namen des Herrn. D. Der Himmel und Erde erſchaffen hat. Pr.(ſich tief beugend): Ich bekenne Gott dem All⸗ mächtigen, der allzeit ſeligen Jungfrau Maria, dem ſeligen Erzengel Michael, dem ſeligen Johannes dem Täufer, den heiligen Apoſteln Petrus und Paulus, allen Heiligen und euch, Brüder! daß ich groß geſündiget habe mit Gedanken, Wort' und Werk(dreimal an die Bruſt ſchlagend): aus meiner Schuld, aus meiner Schuld, aus meiner größten Schuld; darum bitte ich die allzeit ſelige Jungfrau Maria, den ſeligen Erzengel Michael, — für Verſtorbene. 609 den ſeligen Johannes den Täufer, die heiligen Apoſtel Petrus und Paulus, alle Heilige und euch, Brüder! zu beten für mich zum Herrn unſerm Gotte. D. Es erbarme Sich deiner der allmächtige Gott, verzeihe dir deine Sünden, und führe dich ein zum ewigen Leben. Pr.(ſich aufrichtend) Amen. D.(ſich tief beugend wiederholt die offene Schuld, ſtatt„euch Brüder!“ aber betet er das erſtemal„Dir, Vater!“ das zweitemal„Dich, Vater!) Pr. Es erbarme Sich euer der allmächtige Gott, verzeihe euch euere Sünden, und führe euch ein zum ewigen Leben. D. Amen. Pr.(ſich mit dem Kreuze bezeichnend) Nachlaſſung, Losſprechung und Verzeihung unſerer Sünden verleihe uns der allmächtige und barmherzige Gott. D. Amen. Pr.(ebeugt) O Gott! wendeſt Du Dich zu uns, ſo wirſt Du uns beleken. D. Und dein Volk wird ſich in Dir erfreuen. Pr. Erzeige uns, o Herr! Deine Barmherzigkeit. D. Und gib uns Dein Heil! Pr. Herr, erhöre mein Gebet! D. Und laß mein Rufen zu Dir gelangen! Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Gum Altare hinantretend) Laßt uns beten! Nimm hinweg von uns, wir bitten, o Herr! unſere Ungerechtigkeiten, damit wir mit reinen Sinnen in's Heiligthum der Heiligthümer einzutreten vermögen. Durch Chriſtus unſern Herrn. Amen. Cochem, Meßerklärung. 39 610 Meſſe Wir bitten Dich, o Herr! durch die Verdienſte Deiner Heiligen, deren Reliquien hier ſind,(küßt den Altar) und aller Heiligen, daß Du nachlaſſen wolleſt alle meine Sünden. Amen. Meßeingang. Auf der Epiſtelſeite. O Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Ps. 64. 1 ¹). Dir, o Herr! gebühret Lobgeſang auf Sion, und Dir ſoll erfüllt werden das Gelöbniß in Jeruſalem; erhöre mein Gebet, zu Dir muß ja kommen alles Fleiſch. O Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Kyrie rleiſon. In der Mitte des Altares. Pr. Herr, erbarme Dich unſer! D. Herr, erbarme Dich unſer! Pr. Herr, erbarme Dich unſer! D. Chriſtus, erbarme Dich unſer! Pr. Chriſtus, erbarme Dich unſer! D. Chriſtus, erbarme Dich unſer! 1) Dieſer Pſalm, von David verfaßt, wurde von den Pro⸗ pheten Jeremias und Ezechiel, welche die Befreiung des iſraelitiſchen Volkes aus der babyloniſchen Gefangenſchaft voraus verkündeten, als Reiſelied bei der wirklichen Heimkehr beſtimmt. Wie nun in Folge deſſen dieſer Pſalm bei der Wanderung aus Babylon nach der Heimath im Munde des Vokes war, ſo legt ihn die uns in den Mund, wenn wir vor dem Altare verſammelt ſind, um für die Seele eines Mitbruders oder einer Mitſchweſter zu beten, die auf dem Wege der Heimkehr in die ewige Heimath begriffen iſt. Jeruſalem und Sion ſtehen ſtatt des Himmels. —— — S c— S—— S 1 für Verſtorbene. 611 Pr. Herr, erbarme Dich unſer! D. Herr, erbarme Dich unſer! Pr. Herr, erbarme Dich unſer! (Der engliſche Lobgeſang wird in der Todten⸗ meſſe nicht gebetet.) Follektr. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Auf der Epiſtelſeite. Pr. Laßt uns beten! O Gott! Dem es eigen iſt, allezeit ſich zu erbarmen und zu ſchonen, wir bitten Dich demüthigſt für die Seele Deines Dieners(Deiner Dienerin) N., welcher Du heute aus dieſer Zeitlichkeit auszuwandern befohlen, daß Du ſie nicht überlaſſeſt den Händen des Feindes, noch ſie verſtoſſeſt für immer; ſondern daß Du ſie von den heiligen Engeln aufneh⸗ men und in's Vaterland des Paradieſes geleiten laſſen wolleſt; damit ſie, da ſie auf Dich gehofft und ge⸗ glaubt hat, nicht die Strafen der Hölle ertragen müſſe, ſondern die ewigen Freuden beſitz. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus, Deinen Sohn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiſtes als gleicher Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. D. Amen. Epiſtel. Leſeſtück aus dem Briefe des heiligen Apoſtel Paulus an die Theſſaloniker. I. Thess. IV, 12— 17. Brüder! wir wollen euch nicht in Unwiſſenheit laſſen 612 Meſſe wegen der Entſchlafenen, damit ihr euch nicht betrübet gleich den Uebrigen, die keine Hoffnung haben. Denn wie wir glauben, daß Jeſus geſterben und wieder auf⸗ erſtanden iſt, ſo wird Gott auch diejenigen, welche in Jeſus enſchlafen ſind, mit Dieſem an Sich ziehen. Denn das verkünden wir euch im Worte des Herrn, daß wir, die wir noch leben, die wir übrig bleiben bis zur An⸗ kunft des Herrn, nichts voraus haben vor denen, welche bereits entſchlafen ſind. Denn der Herr ſelbſt wird im Befehle und in der Stimme des Erzengels und im Poſaunenſchalle Gottes vom Himmel niederſteigen, und es werden ſodann zuerſt Die, welche in Chriſto geſtor⸗ ben ſind, wieder auferſtehen; hernach aber werden wir, die wir noch leben, die wir übrig geblieben, zugleich mit jenen auf den Wolken Chriſto in die Lüfte ent⸗ gegen getragen werden, und ſo werden wir immer beim Herrn ſein. Tröſtet euch darum gegenſeitig mit dieſen Worten. D. Gott unſern Dank! Gradualk. O Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. v. Ps. 111, 7 ¹). Ewig wird der Gerechte im Andenken bleiben; er braucht nicht zu bangen vor böſer Nachrede. ¹) Dieſer Pſalm hatte dieſelbe Beſtimmung wie der Pſalm 64, über den man die Anmerkung zum„Meßeingang“ leſen wolle. Es wird hier ein achtfaches Glück genannt, welches den Gerechten in der Heimath erwartet: 1. eine zahlreiche und von Gott geſegnete Nachkommenſchaft. 2. Ehre und Reichthümer. 3. Klare Einſicht und guter Rath. 4. Innere Zufriedenheit. 5. Klugheit in der Rede, und Beſtändigkeit in ſeinem Weſen. 6. Sein Andenken iſt — für Verſtorbene. 613 Draktus. Befreie, o Herr! die Seelen aller Dahingeſchiedenen von jeder Feſſel der Schuld; „ Und laſſe ſie durch die Deiner Gnade rächenden Gerichte entrinnen; V. Und des Lichtes der ewigen Glückſeligkeit genießen. Sequenz oder Fortſetzung des Traktus. Tag des Zornes, Tag der Zähren, Wird die Welt in Aſche kehren, Wie Sibyll' und David lehren. Welch' Entſetzen, welches Beben, Wird herab der Richter ſchweben, Alles ſtrenge zu erheben! Die Poſaune wird erklingen, Schaurig in die Gräber dringen, Hin zum Throne Alle zwingen. Tod und Schöpfung ſtaunend ſchweigen, Wann herauf die Leichen ſteigen, Beim Verhoͤre ſich zu zeigen. geſegnet. 7. Starker und ſteter Schutz Gottes. 8. Gute und ſegensreiche Benützung ſeiner Reichthümer. Hingegen wird das ohnmächtige Zürnen der Gottloſen und ihr verderbliches Trachten zu Schanden werden, und all ihre Sehnſucht wird ſie täuſchen. Dieſes friedliche, freudige und geſegnete Leben des Gerechten, das ſeiner in der Heimath wartet, und wornach ſich die Iſraeliten in der Gefangenſchaft ſo ſehr ſehnten, hat aber für den Gottes⸗ fürchtigen erſt wahre Bedeutung, wenn er aus dieſer irdiſchen Ge⸗ fangenſchaft heimkehrt in das Reich ſeines Vaters im Himmel. Beim Hinſcheiden eines Menſchen läßt nun die Kirche die Zurück⸗ gebliebenen dieſen Pſalm beten und ſendet ſo der Seele, die auf der Seiſe in das Reich der Ewigkeit iſt, unſere Fürbitte voraus, um ihr dieſen geſegneten Empfang zu bereiten. 614 Meſſe Und das Buch wird ſich entfalten, In dem Alles iſt enthalten, Daraus das Urtheil zu geſtalten. Wann der Richter wird erſcheinen, Kann der Sünder nichts verneinen, Nichts entrinnt dann ſeinen Peinen. Was werd' dann ich Armer ſagen, Welchen Schutzherrn mir erfragen, Wenn ſelbſt die Gerechten zagen? König ſchrecklicher Gewalten, Der erhält, was zu erhalten, Quell' der Huld, laß Gnade walten! Guter Jeſus, hör die Klage, Für mich trugft ja Deine Plage, Tödt mich nicht an jenem Tage! Suchteſt mich mit müden Schritten, Haſt für mich am Kreuz gelitten! Nicht umſonſt ſei ſo geſtritten! Richter mit gerechter Wage, Mir Erbarmen nicht verſage Vor dem großen Rechnungstage! Sieh' mich ob der Schuld erbangen, Siehe ſchamroth meine Wangen, Laß, o Gott! mich Gnad' erlangen. Du vergabſt ja auch Marien, Und dem Schächer haſt verziehen. Hoffnung haſt auch mir verliehen. für Verſtorbene 615 Nichts verdienen meine Thränen, Gnad' allein kann Dich verſöhnen, Laß mich nicht auf ewig brennen! Zu den Schafen, Deinen Knechten, Nicht zu Böcken, jenen Schlechten, Stelle mich zu Deiner Rechten! Wann verflucht die Sünder fliehen, Hin ins' ew'ge Feuer ziehen, Sprich dann:„Dir ſei Gnad verliehen!“ Laß mein Bitten zu Dir ſchweben, Sieh' mein armes Herz erbeben, Sorge für mein ewig Leben! Dieß der Tag der thränenreiche, Wo aus Staub des Menſchen Leiche Zum Gerichte wird erſcheinen. Rett, o Gott! ihn aus den Peinen. Guter Jeſus! Du gedenke Seiner; ew'ge Ruh' ihm ſchenke! Amen. Vorbereitung auf das heilige Evangelinm. In der Mitte des Altares. Reinige mein Herz und meine Lippen, allmächtiger, Gott! wie Du gereiniget haſt mit glühender Kohle die Lippen des Propheten Iſaias: ſo wolle auch mich in Deiner gnädigen Erbarmung reinigen, daß ich Dein heiliges Evangelium würdig zu verkünden vermöge. Durch Chriſtus unſern Herrn. Amen. Cvangelinm. Auf der Evangelienſeite. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. 616 Meſſe Pr. Fortſetzung des heiligen Evange⸗ liums nach Johannes †(das Buch und ſich ſelbſt bekreuzend). Joan. IX, 21—27. D. Ehre ſei Dir, o Herr! Pr. In derſelben Zeit ſagte Martha zu Jeſus: „Herr! wenn Du hier geweſen wäreſt, mein Bruder wäre nicht geſtorben. Aber auch jetzt noch weiß ich, daß Gott Dir Alles gewähren wird, um was immer Du bitteſt!? Jeſus erwiederte ihr:„Dein Bruder wird wieder auferſtehen.. Hierauf entgegnete Ihm Martha: „Das weiß ich, daß er auferſtehen wird in der Auf⸗ erſtehung am jüngſten Tage Jeſus aber ſprach zu ihr: „Ich bin die Auferſtehung und das Leben, wer an Mich glaubt, wird, auch wenn er geſtorben iſt, leben; und Jeder der lebt und an Mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht ſterben. Glaubſt du dieß?“ Sie ant⸗ wortete Ihm:„Wohl Herr! ich habe es geglaubt; denn Du biſt Chriſtus, der Sohn des lebendigen Gottes, Der Du in dieſe Welt gekommen biſt.“ D. Gelobt ſei Jeſus Chriſtus; (Das Credo oder Glaubensbekenntniß wird nicht geſprochen.) Offertorium. In der Mitte des Altares. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Laſſet uns beten! (Leiſe.) O Herr Jeſu Chriſt! König der Glorie! befreie die Seelen aller gläubig Dahingeſchiedenen von den Peinen der Hölle, und dem tiefen Pfuhle: befreie ſie aus dem Rachen des Löwen, daß ſie nicht verſchlinge der Abgrund, und ſie nicht fallen in die ewige Finſter⸗ für Verſtorbene. 617 niß; ſondern Dein Bannerträger, der heilige Michael, führe ſie ein in's heilige Licht, das Du einſt dem Ab⸗ raham und ſeinen Nachkommen verheißen haſt. V. Opfer und Lobgebete bringen wir, o Herr, Dir dar: nehme Du ſie gnädig auf für jene Seelen, deren wir heute gedenken; laß ſie, o Herr, vom Tode zum Leben gelangen, das Du einſt dem Abraham und ſei⸗ nen Nachkommen verheißen haſt. (Hier ſind alle Gebete der Opferung einzuſetzen, gerade ſo, wie ſie Seite 538, 539, 540(die Gebete zur Räu⸗ cherung bleiben weg), 541, 542, 543 bis zum„Stillen Gebete“ ſtehen.) Stilles Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! ſei gnädig der Seele Deines Dieners(Deiner Dienerin) N., für welche wir Dir das Lobopfer darbringen und Deine Majeſtät de⸗ müthig bitten, daß ſie durch dieſes heilige Verſöhnungs⸗ opfer zur ewigen Ruhe gelangen möge. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus, Deinen Sohn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiſtes als gleicher Gott. Präfation. Pr. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. D. Amen. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Zur Höhe die Herzen! D. Wir haben ſie bei Gott. Pr. Laſſet uns Dank ſagen dem Herrn unſerm Gotte! D. Würdig iſt es und recht. 618 Meſſe Pr. Wahrhaftig würdig iſt es und recht, billig und heilſam, daß wir Dir immer und überall danken: hei⸗ liger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott. Durch Chriſtus unſern Herrn. Durch Den Deine Majeſtät loben die Engel, anbeten die Herrſchaften, zittern die Mächte. Den die Himmel und die Kräfte der Him⸗ mel und die ſeligen Seraphim mit gemeinſamem Jubel verherrlichen. Mit denen Du auch unſere Stimmen wolleſt zu Dir gelangen laſſen, die wir in demüthigem Bekenntniſſe ſprechen: Heilig, heilig, heilig iſt der Herr Gott Sabaoth. Himmel und Erde ſind Deiner Herrlichkeit voll. Hoſanna in der Höhe! Gebenedeit ſei, Der da kommt im Namen des Herrn! Hoſanna in der Höhe! (Der Canon bleibt derſelbe, wie oben Seite 551; es ändert ſich nur beim„O Du Lamm Gottes“ u. ſ. w. das„Erbarme Dich unſer“ in„Gib ihnen die Ruhe“, und das erſte von den Vorbereitungs⸗ Gebeten auf die heil. Kommunion bleibt ganz weg, was übrigens Alles ſchon an Ort und Stelle oben bemerkt iſt). Bommuniongebet. Auf der Epiſtelſeite. Das ewige Licht leuchte ihnen, o Herr! ſammt all Deinen Heiligen auf Ewig; denn gut biſt Du! F. O Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen; ſammt all Deinen Heiligen auf Ewig; denn gut biſt Du. Gebet nach der Kommunion. Pr.(In der Mitte des Altares zum Volk gewendet.) Der Herr ſei mit euch! für Verſtorbene. 619 D. Und mit deinem Geiſte. Pr.(Auf der Gpiſtelſeite). Laſſet uns beten! Verleihe, wir bitten Dich, allmächtiger Gott! daß die Seele Deines Dieners(Deiner Dienerin) N., welche heute aus dieſer Welt geſchieden, durch dieſes Opfer gereiniget, und von Sünden befreit zugleich mit ihrer Nachlaſſung auch den ewigen Frieden erlangen möge. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus, Deinen Sohn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiſtes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. D. Amen. Pr.(In der Mitte des Altares). Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſte. Pr. Laß ſie ruhen in Frieden! D. Amen. Schlußgebet. Pr.(eiſe). Laß Dir gefallen, heilige Dreifaltigkeit den Dienſt meiner Niedrigkeit, und verleihe, daß das Opfer, welches ich Unwürdiger vor den Augen Deiner Majeſtät dargebracht habe, Dir angenehm, mir aber, und allen, für welche ich es dargebracht, nach Deiner Barmherzigkeit zur Verſöhnung ſei. Durch Chriſtus unſern Herrn. Amen. (Der Prieſter küßt den Altar, der Schlußſegen aber unterbleibt). Johannestvangelium. Auf der Evangelienſeite. Pr. Der Herr ſei mit euch! D. Und mit deinem Geiſt. 620 Meſſe Pr.(Den Altar und ſich ſelbſt bekreuzend). † Anfang des heiligen Evangeliums nach Johannes. D. Ehre ſei Dir, o Herr! Pr. Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Dasſelbe war im Anfang bei Gott. Alles iſt durch dasſelbe erſchaffen, und nichts von dem, was erſchaffen iſt, iſt ohne Dasſelbe erſchaffen. In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menſchen. Und das Licht leuchtet in den Finſterniſſen, aber die Finſterniſſe haben Es nicht begriffen. Es war ein Menſch von Gott geſandt, der Johannes hieß. Dieſer kam zum Zeug⸗ niſſe, daß er Zeugniß gäbe vom Lichte, auf daß Alle durch ihn glauben ſollten. Er war nicht ſelbſt das Licht, ſondern ſollte nur Zeugniß geben vom Lichte. Dieß aber war das wahre Licht, welches jeden Men⸗ ſchen erleuchtet, der in dieſe Welt kommt. Er war in der Welt, und die Welt iſt durch Ihn gemacht worden, die Welt aber hat Ihn nicht erkannt. Er kam in Sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen Ihn nicht auf. Allen aber, die Ihn aufnahmen, hat Er Macht ge⸗ geben, Kinder Gottes zu werden, denen nämlich, die in Seinem Namen glauben, die nicht aus dem Blute, nicht aus dem Willen des Fleiſches, noch aus dem Willen des Mannes, ſondern aus Gott geboren ſind. (Gier erfolgt die Kniebeugung.) Und das Wort iſt Fleiſch geworden, und hat unter uns gewohnet, und wir haben Seine Herrlichkeit geſehen, eine Herr⸗ lichkeit als des Eingebornen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. D. Gott unſern Dank! für Verſtorbene. 62¹ Beim ſiebenten und dreißigſten Seelen⸗ gottesdienſt werden in obiger Weſſe an der treffenden Stelle folgende Gebete eingeſetzt. Bollekte. Wir bitten Dich, o Herr! ſchenke der Seele Dei⸗ nes Dieners(Deiner Dienerin) N., deren ſiebenten (oder dreißigſten) Tag des Hinſcheidens wir begehen, die Glückſeligkeit Deiner Heiligen und Auserwählten, und träufle auf ſie den Thau Deines Erbarmens. Durch unſern Herrn Jeſus Chriſtus u. ſ. w. Stilles Gebet. Schaue mild herab, wir bitten Dich, o Herr! auf die Gaben, welche wir Dir für die Seele Deines Die⸗ ners(Deiner Dienerin) N. darbringen, auf daß ſie durch dieſe himmliſchen Heilmittel gereiniget, in Deiner Liebe ruhen möge. Durch unſern Herrn Jeſus Chri⸗ ſtus u. ſ. w. Gebet nach der Sommnnion. Nimm auf, o Herr! unſer Gebet für die Seele Deines Dieners(Deiner Dienerin) N., damit, wenn ihr etwa noch Makel ankleben aus ihrem irdiſchen Wan⸗ del, dieſelben getilgt werden durch Deine erbarmungs⸗ volle Nachlaſſung. Durch unſern Herrn Jeſus Chri⸗ ſtus u. ſ. w. 3hnlt. An die Leſer. Vorrede zur vierten Auflage Erſtes Kapitel. Von der Weſenheit der heiligen Meſſe Zweites Kapitel. Von der Vortrefflichkeit der hl. Meſſe Drittes Kapitel. Von den Geheimniſſen der hl. Meſſe Viertes Kapitel. In der heil. Meſſe erneuert Chriſtus ſeine Menſ chwerdung Fünftes Kapitel. In der heil. Meſſ e erneuert Chriſtus ſeine Geburt Sechstes Kapitel. In der heil. Weſſe erneuert Chriſtus ſein Leben Siebentes Kapitel. In der hi. Meſf e erneuert Chriſtus ſein Gebet Achtes Kapitel. In der heil. Vieſſe wird das Leiden Chriſti erneuert Neuntes Kapitel. In der heiligen Meſſe wird der Tod Chriſti erneuert Zehntes Kapitel. In der heil. Meſſe wird die Blut⸗ vergießung Ehriſtie erneuer Eilftes Kapitel. Die heilige Meſſ e iſt das vornehmſte Brandopfer. Zwölftes K iter Die hi. M eſſe iſt das höchſte Lobopfer Dreizehntes Kapitel. Die heil. Meſſe iſt das größte Pankopfer Vierzehntes Kapitel. vi heilige Meſſe iſt das krüf⸗ tigſte Bittopfer.. Fünfzehntes Kapitel. Die heil. Meſſe iſt das mäch⸗ tigſte Verſöhnungsopfer Sechzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt das wür⸗ digſte Genugthuungsopfer Sienzey ntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt das vortrefflichſte Werk des heiligen Geiſtes.. Achtzehntes Kapitel. Die heilige Meſſe iſt die Frue der Mutter Gottes. Neunzehntes Kapitel. Die heil. vſe i der vißt Gewinn für die Gläubigen Seite III VM 19 63 85⁵5 98 119 130 142 162 174 200 210 224 232 246 292 304 324 Inhalt. Zwanzigſtes Kapitel. Die heil. Meſſe iſt die ſicherſte Vermehrung der Gnade und e Herrlichkeit Einundzwanzigſtes Kapitel. Die hig iſt die Hoffnung der Sterbenden. Zweiusdzwanzigſtes Kapitel. iſt r größte 2 Dreiund dzwanzigſtes Kap des Prieſters für die Meſſehörenden Vierundzwanzigſtes Kapitel. Daß das Meſſehören die Arbeit nicht hindere, ſondern ier⸗ Fünfundzwanzigſtes Kapitel. Weiſe, die heilige Meſſe aufzuopfern Sechsundzwanzigſtes Kapitel. Wie nütz lich es ſei, ſich in viele heilige Meſſen zu empfehlen. Siebenundzwanzigſtes Kapitel. Dringende Er⸗ mahnung, täglich eine heilige Meſſe zu hören Acht zwanzig it. Kapitel. tihp zur An⸗ dacht beim Meſſehören Neunundzwanzigſtes Kapitel. Velche Anbuh man unter der heiligen W ung üben ſolle Dreißigſtes Kapitel. Wie ehrerbietig die heil. Meſſe gehört werden ſoll, und wie ſchwer ſich Diejenigen ver⸗ ſündigen, welche dieſelbe ohne Ehrerbietung hören Die heil. Weſſe Troſt der Abgeſtorbenen. Von den Gebeten Anhang. Vorbemerkung Meßgebete, wie ſie der Prie ſter täglich am Altare betet Meſſe zur allerheiligſten Dreifaltigkeit. Am Sonntag Meſſe zu Chren aller Heiligen. Am Montag. Meſſe um Nachlaſſung der Sünden. Am und am Beichttag. Meſſe vom heiligen Geiſt. Am Mittwoch Meſſe vom allerheiligſten A Am Donnerstag und am Kommuniontag.. Se Meſſe vom Leiden unſers Herrn Jeſu 6 hriſü. Am Freitag Meſſe zu Ehren der ſeligſten Jungfrau Maria. Am Samstag Meſe für Verſtorbene. Bei den Seelengottesdienſten Von der Art und 525 527 572 576 581 586 591 596 602 608