— — „ —2 2 5 * — —— —— 4 S „ ——— 4ℳ k—— Lehr- und Grbekbuch als Gkumenſtrauß und Feſtesgabe für die chviſtliche Fvauenwelt von Z. Rieffer, Prirſter. Pierte Auflage. Mit Erlaubniß geiſtlicher Obrigkeit. Dülmen i. W. A. Laumann'ſche Buchhandlung erleger des hl. Apoſt. Stuhles. 1 erii, die 7. Novemfis 1855 Giese Vicarius Generalis. Bterrokypendruck. A. Laumann'ſche Buchdruckerei, Dülmen i W —— [Sinnn 5 Fſdensbtatt SS — Ghristlicht Fruuen und Fungkruurn! (Vorwort.) nter all den vielen und großen Heiligen des deutſchen Pater⸗ landes gibt es wohl kaum eine, deren Name euch ſo lieb und theuer wäre, die ſo allgemein gekannt und verehrt würde, als die, welche wir ſo gern die „liebe“ hl. Eliſabeth nennen. Sie iſt ja jene herrliche Edelroſe im deutſchen Gottesgarten, der wohl keine andere gleichkommt an Farbengluth und Pa— radieſesduft, jenes herrliche Porbild für alle Jungfrauen und Frauen aller Seiten. Ihr hat die Glücksſonne ge⸗ ſtrahlt in die fürſtliche Wiege, ihr hat ſie gelächelt, obgleich zuweilen von dunklen Wolken umhüllt, durch die friſche, fröh— liche Jugendzeit; aber dann verfinſterte ſich der Himmel, ſchwarze Gewitterwolken ſammelten ſich über ihrem Baupte, und die Nacht des Unglückes brach über ſie herein mit namenloſem Weh und Leid. Doch alle Stürme der Prüfung konnten ſie nicht beugen: ſtark und ſtolz, nur er— friſcht vom Bimmelsthau der Gnade, trotzte ſie Welt und Wetterwehen, bis es dem himmliſchen Gärtner gefiel, die in vollſter Pracht prangende Rönigs⸗ blume zu verpflanzen die ewig grüne Himmelsau. Und jetzt, wo die 2 Fürſtin, die reine demüthige, über den Sternen thront in ewiger Wonne und Berrlichkeit, das Diadem einer Gottesbraut um die reine Stirne, ſollte da ihr Berz, gebrochen in Gottes⸗ und Rächſtenliebe, nicht theil⸗ nahmsvoll, liebend und erbarmend euch entgegenſchlagen, die ihr hienieden ihre Pfade wandelt? Das haben Deutſchlands treue Ober⸗ hirten erwogen und in ihrer unermüd⸗ lichen Fürſorge haben ſie dem hehren —* S öh⸗ rte ken und ſie eid. ten de, es Statthalter Chriſti in Rom die gemein— ſame Bitte ergebenſt zu Füßen gelegt: Seine Beiligkeit möge den ihrer Birten⸗ ſorge anvertrauten Frauen und Jung⸗ frauen ſowie den Pereinen chriſtlicher Kächſtenliebe die hl. Eliſabeth zur Pa⸗ tronin und Fürbitterin am Throne Gottes geben. Und Leo XIII., unſer glorreich regierender hl. Pater, hat in ſeinem Decret vom Gectober 1885 die heilige Eliſabeth zur Patronin der deutſchen Frauen und Jungfrauen erklärt und ihren Gedächtnißtag zu Feſte II. Claſſe erhoben. Gewiß hat dieſe Erklärung von aller⸗ höchſter Stelle aus eurem herzenswunſche entſprochen. Sie, die einſt gewandelt in deutſchen Landen als euer Porbild, ſteht jetzt als Fürbitterin euch ſcit und hülfbereit zur Seite. Crübt jetzt die Nacht der Zeiten Euch oft auch Herz und Blick, Schaut hin zu dieſem Sterne, Dann kehrt euch Muth zurück. Ihr edles, heilig' Leben, Von Kind auf Gott geweiht, Das ſei auch euer Streben Crotz böſer Welt und Zeit. Dazu möge euch dieſes ſchlichte Büchlein dienen, das im erſten Theil das Leben eurer hehren Patronin in ſeinen Haupt⸗ zügen vor Augen führt; der zweite Theil enthält die wichtigſten chriſtlichen Wahr⸗ heiten für alle Stände, ſowie ſpecielle Be— herzigungen für Jungfrauen, Gattinnen und Mütter, wozu, außer der hl. Schrift, den hl. Pätern und Kirchenlehrern, andere bewährte Schriften(wie P. Doß, Stelzigc.) und für die Perſe die trefflichen Fran— cisci⸗Glöcklein benutzt wurden.à) Dieſe Capitel ſollen nicht flüchtig geleſen, ſondern Abſatz für Abſatz erwogen und ¹) Eine beſondere Aufmerkſamkeit wurde der Standeswahl, der Ehe, der Porbereitung dazu ge— widmet, da eben dieſe das Fundament des häuslichen Glückes und der chriſtlichen Geſellſchaft ſind, in unſern Cagen aber leider ſo häufig mißachtetwerden. — Auf Wunſch von zwei im Amte ergrauten ſeeleneifrigen Prieſtern habe ich in einem Buche ſowohl die Pflichten der Jungfrauen als auch der Gattinnen und Mütter behandelt, damit einerſeits die Mütter an dieſe Pflichten und Gefahren zum Heile ihrer Töchter häufig erinnert, anderſeits letztere ſich der heiligen und wichtigen Pflichten einer Gattin und chriſtlichen Mutter bewußt werden, bevor ſie leichtſinnig in den Eheſtand treten und es meiſt zu ſp iß. — —— üchlein Leben haupt⸗ eCheil Wah. lle Be⸗ tinnen „ dere ligu ta Dieſe geleſen en und urde der dazu ge⸗ zuslichen ſind, in werden. rgrauten m Buche auch der einerſeits ren zum ts letztere er Gattin bevor ſie meiſt zu Anliegen, darunter eine Meßandacht, Li⸗ eM beherzigt werden. Wiederholungen waren kaum zu vermeiden.— Der dritte Theil endlich bietet euch eine reiche Auswahl von Andachten für alle Perhältniſſe und tanei und verſchiedene Gebete zu Ehren eurer hl. Patronin. So möge denn mit dem Segen von oben dieſes Büchlein das Seinige dazu beitragen, daß recht viele unter euch Die Erden⸗Eitelkeiten Durchwandern ohne Schuld, Nach ihrem Beiſpiel leiden In freudiger Geduld Und folgen muthig dieſem Stern, Su kommen einſt in's Reich des Herrn! N * 8 2 S2 S 2 Und groß im Bettelkleid. Gleichwie die Roſenblüthe In Dornen leuchtend ſteht, Rings ſtarrt' in Gruß 5 Grbet Sunr Gearüßt, du Zier der Throne, Poll hoher Lieblichkeit, Poll Demuth in der Krone Im Leid vor Liebe glühte Dein Berz Eliſabeth. In Güte licht Perklärte, Du ſüßes Wunderreis, Du grünteſt, als die Erde Schnee und Eis. verſtoßen und verrathen, Perbannt vom eig'nen haus, Auf deines Beilands Pfaden Zogſt du zum Kreuz hinaus. Du Taube, die nicht Galle, Nicht Groll und Rache kannt', Dein Berz war gut für Alle, Für Alle mild die Hand. Du Bülf' und Croſt der Armen, Der Waiſen Mutter du, G wende dein Erbarmen Uns ſchwachen Kindern zu. O lehre du uns leiden In freudiger Geduld, Die Erden⸗-Eitelkeiten Durchwandern ohne Schuld. O laß der Liebe Roſen In unſern Berzen blüh'n, Wenn rings die Stürme toſen, Halt' unſ're Foffnung grün. — Mit jenes Brünnleins Fluthen, Wo du dem Feind verzieh'n, Löſch' unſers Zornes Gluthen, Kühl' unſers Haſſes Glüh'n. Schau' huldvoll auch hernieder Auf's liebe deutſche Land, Daß bald es eine wieder Des einen Glaubens Band. (P. Kreiten.) U ſnnn nn nn n — 3 Bewundernd laßt uns ſchauen Den Stern vom Ungarland, Der ſeine milden Strahlen „Sum deutſchen Polk gewandt; Laßt ſeiner Bahn uns folgen Rit ſtillem Liebesblick, Dann fällt ſein milder Poll Troſt auf uns zurück. Schimmer St. Francisci⸗Glöcklein.) Leben der lieben hl. Eliſabeth. . Gliſabeths Geburt und erſte Bindheit. 8 s war im Jahre 1207, als im könig⸗ S lichen Palaſte zu Preßburg, der da⸗ maligen Hauptſtadt des Königreiches eine Prinzeſſin geboren wurde, die durch ihre himmliſch herrlichen allen Geſchlechtern ein leuchtendes Vorbild geworden, deren Heiligkeit Himmel und Erde in freudige Bewunderung hat, und deren Name noch heute jedem Chriſten be⸗ kannt, lieb und theuer iſt: dieſes Kind iſt die„liebe“ hl. beth. Ihr Vater, König Andreas I. von Un⸗ garn, war nicht allein unermüdlich für das zeitliche Wohl ſeiner Unterthanen beſorgt, ſondern er erbaute dieſelben auch durch ein wahrhaft frommes, gottgefälliges Leben; er errichtete Kirchen, Klöſter, chriſtliche Schulen und Krankenhäuſer in ſeinen Landen, und als die Chriſten im heiligen Lande Paläſtina, wo Chriſtus gelebt hat und geſtorben iſt, von den Türken allzu ſehr bedrückt wurden, ſo daß der heilige Vater von Rom aus ſich um Abhülfe dieſer Noth an Fürſten und Völker wandte, da zögerte der chriſtliche König keinen Augenblick: er trennte ſich von ſeiner Leliten Gemahlin, um unter tauſen⸗ derlei Beſchwerden und Gefahren einen Kreuz⸗ zug mitzumachen. Die Mutter, Gertrud, ebenfalls aus alt⸗ Tfürſtlichem Geblüte, war die Tochter des Herzogs von Meran und Markgrafen von Iſtrien und Kärnthen, eines Nachkommen Kaiſers Karl des Großen. Sie wetteiferte mit ihrem königlichen Gemahl im Dienſte des Herrn und in guten Werken jeglicher Art: wie dem Könige lag auch ihr das zeit— liche und ewige Wohl ihres Volkes ſehr am Herzen. Ihre Reichthümer und großen Ein⸗ künfte verwandte ſie dazu, die Noth und das Elend ihrer armen Unterthanen zu mildern. Kein wirklich Armer ward ohne Almoſen, kein Leidender ohne Hülfe entlaſſen, und Gott allein weiß, wie viele Thränen ſie getrocknet, wie viele gramverzehrte, verzweifelte Gemüther ſie aufgerichtet hat. Kein be alſo, wenn dieſes edle Königspaar von allem Volke innig geliebt und verehrt wurde, kein Wunder un as n, tt el u er auch, wenn deſſen hohe Tugenden und kind⸗ liche Frömmigkeit Gott bewogen, dasſelbe mit dem herrlichſten Beweiſe ſeiner Liebe zu belohnen: ein reichbegnadetes Kind ſeiner elterlichen Fürſorge anzuvertrauen. In der hl. Taufe erhielt die kleine Prin⸗ zeſſin den Namen Eliſabeth, d. h. die„Gott⸗ begnadete“,„voll von Gott“, oder nach Andern die„Gottgeweihte“. Welch hohe Verehrung die königliche Familie für die hl. Sacramente der Kirche hatte, bezeugt der Umſtand, daß das Kind proceſſions⸗ weiſe unter dem ſchönſten Traghimmel und mit der größten Pracht, wie zu einer feier⸗ lichen Vermählungs- oder Krönungsfeier zur Kirche gebracht und zurückgeleitet wurde. Und in der That! Wird in dieſem hl. Sacra⸗ mente die Seele des Täuflings nicht mit Gott, dem höchſten Herrn, gleichſam ver⸗ mählt für die ganze Ewigkeit? Wird ſie nicht vom hl. Geiſte bekleidet mit dem herr⸗ lichen Gewande der Unſchuld und der heilig⸗ machenden Gnade, gekrönt mit der koſtbaren Krone eines Kindes Gottes und Erben des Himmels? Die Gnaden nun, die der liebe Gott ſo reichlich in die Seele dieſes Kindes gegoſſen, fingen unter Gebet und ſorgſamer Pflege der Eltern bald an, ſich allmählich auch nach außen zu offenbaren. Die Kleine hörte ſo gern reden vom lieben Gott, vom Heilande Jeſus und ſeiner gebenedeiten Mutter, und — die hhl. Namen Jeſus und Maria waren die erſten, die ſie auszuſprechen ſich be— mühte. Dann lerute ſie kleine Gebete und hatte keine größere Freude, als dieſelben recht oft vor einem Crucifixe oder Marienbilde herzuſagen. Nichts war ihr lieber, als die Wahrheiten der katholiſchen Religion erklären zu hören, über die ſie dann ſtundenlang nach— dachte und ihrem Kinderherzen tief einprägte. Kaum drei Jahre alt, zeigte ſie ſchon das zärtlichſte Mitleid für die Armen, theilte alles Geld, das man ihr ſchenkte, als Almoſen unter ſie aus; und hatte ſie ſelbſt Nichts mehr, ſo ging ſie in die Küche und bat um Eßwaaren, um ſelbe den Armen hinaus⸗ tragen zu können. So war ihr erſtes Wort ein Gebet, ihre erſte Handlung ein Almoſen. Früh ſchon zeigten ſich in dieſer zarten Kindes⸗ ſeele die lieblichen Blüthen der feurigſten Gottes⸗ und Nächſtenliebe, die ſpäter ſo herrliche Früchte bringen ſollten. Daß Gott auf ganz außergewöhnliche Weiſe mit dieſem Kinde war, zeigte ſich bald. Kaum nämlich war Eliſabeth geboren, ſo hörten alle Kriege auf, in die Ungarn ver⸗ wickelt war, alle inneren Spaltungen legten ſich bei, die Gebote Gottes wurden beſſer befolgt, neu erblühten Frömmigkeit und Tu⸗ gend, und ihrem Vater gelang Alles, was er unternahm.— Das Gute, was die Kinder thun, ſtrahlt ja hier und im Jenſeits auf die Eltern zurück, und Gott belohnt häufig 6 — 1— hienieden ſchon die Tugend, insbeſondere die Eltern, die ihre Kinder für Gott und den Himmel, und nicht für dieſe ſündhafte Welt erziehen. Aus ſeiner Wiege bieket Dies holde Rindlein ſchon Den reichſten Bimmelsſegen Für Polk und Land und Chron. 2. Elinſors Weisſagung und Gliſubeths Verlobung. UUn dieſelbe Zeit lebte auf dem ſchönen Schloſſe Wartburg bei Eiſenach im ge⸗ ſegneten Thüringen mit ſeiner Gemahlin und vier Kindern der mächtige und berühmte Fürſt Hermann, Landgraf von Thüringen und Heſſen. Nicht allein durch Macht zeichnete er ſich aus, ſondern auch durch Großmuth, Gelehrſamkeit und tiefe Frömmigkeit. Für Kunſt und Wiſſenſchaft war er begeiſtert, und die Dichter und Sänger ſeiner Zeit fanden ſtets auf ſeiner Burg ein gaſtfreund⸗ liches Heim. So weilten denn auch im Jahre 1207 ſechs der berühmteſten deutſchen Sänger auf der Wartburg und wetteiferten, wer von ihnen die Andern überträfe in Dichtkunſt und Geſang. Als nun heftiger Streit unter ihnen entſtand, kam man überein, den berühmten Meiſter Clinſor aus Ungarn zu berufen, um den Streit zu ſchlichten und das entſcheidende Urtheil zu fällen. Meiſter Clinſor folgte dieſem Rufe und kam nach Eiſenach. Er hatte viele Länder durchreiſt, war überall bekannt wegen ſeiner großen Gelehrſamkeit, noch mehr aber, weil er auch in der ſchwarzen Kunſt und Stern⸗ deuterei ſehr erfahren war. Deshalb gingen viele Hofbeamte und Bürger zum Gaſthauſe, wo er abgeſtiegen war, um ihren Abendtrunk zu nehmen und zugleich mit dem berühmten Meiſter zuſammen zu kommen. Sie begehrten nun auch von ihm, etwas Neues aus den Ster⸗ nen zu erfahren. Meiſter Clinſor erhob ſich, betrachtete die Sterne lange und aufmerkſam und ſprach dann mit feierlicher Stimme:¹) „Ich ſehe einen ſchönen Stern in Ungarn aufgehen und bis nach Marburg und von da durch die ganze Welt hinſtrahlen; wiſſet, heute, in dieſer Nacht wird meinem Herrn, dem Könige von Ungarn, eine Tochter ge⸗ boren und mit Namen Eliſabeth heißen; ſie wird die Gemahlin des Sohnes eures Fürſten ſein, und von ihrer Heiligkeit wird die ganze Chriſtenheit erfreut und getröſtet werden.“ Die Zuhörer vernahmen dieſe Worte mit großer Freude und hatten am folgenden Morgen nichts Eiligeres zu thun, als die frohe Kunde dem Landgrafen zur Wartburg zu bringen. Sie trafen ihn eben, als er zur Meſſe ging; und nachdem dieſe zu Ende war, ) Nach alten Chroniken.— Die Aſtrologie(Stern⸗ deuterei) iſt von der Kirche verboten. nd Ner ter en n da t, n, e⸗ ie en ze it n ie erzählten ſie ihm die Sache ausführlich. Der Fürſt ritt nun ſelbſt mit großem Gefolge zu Meiſter Clinſor hinab, um ihn auf ſein Schloß zu führen; er lud ihn zur Tafel, er⸗ zeigte ihm die größten Ehren und erkundigte ſich näher über den König und die Verhält⸗ niſſe in Ungarn, weil er eben eine Braut ſuchte für ſeinen elfjährigen Sohn Ludwig, einen Knaben ſchön an Leibesgeſtalt und rein an Seele. Die Weisſagung Clinſors be⸗ ſchäftigte ihn Tag und Nacht.) Vorerſt wollte er wiſſen, ob auch wirklich in der Nacht, da Clinſor in Eiſenach es prophezeiht, dem Könige in Ungarn ein Töchterlein geboren ſei; als das ſich nun als vollkommen richtig beſtätigte, und man ihm auch von der Herzensgüte und Frömmigkeit erzählte, die es ſchon zeige, und als er von dem Segen hörte, den das Kind ſeinem Lande vom Himmel gebracht, da wünſchte er ſehn⸗ lich, daß auch der zweite Theil der Prophe⸗ zeihung in Erfüllung gehe, nämlich, daß dieſe Prinzeſſin die Gemahlin ſeines Sohnes werde. Bei allen Reiſenden, die aus Ungarn kamen, erkundigte er ſich nach dem Wunderkinde; ein Mönch erzählte ihm einſt, wie er vier Jahre blind geweſen, aber die Sehkraft wieder erhalten und geheilt worden ſei, als die un⸗ gariſche Prinzeſſin ihn berührt habe; auch ¹) Damals war es nämlich in fürſtlichen Häuſern Sitte, die Kinder bereits in zartem Alter zur Ehe zu verloben. freue ſich ganz Ungarn dieſes Kindes, denn es habe Frieden und Segen vom Himmel mit ſich gebracht. Man kann ſich denken, wie ſehr Landgraf Hermann das ſeltene Mädchen zu ſehen, um ſich zu haben und ſeinem Sohne Ludwig als fromme Gemahlin anzutrauen wünſchte. Trug er auch nicht die Königskrone, ſo hatte ſein Name doch guten Klang in allen deut⸗ ſchen Landen: war er ja weithin berühmt durch ſeine Kriegsthaten und ſo mächtig, daß der damalige Kaiſer Friedrich Barbaroſſa ihm ſeine Wahl zu verdanken hatte. Daher ſchickte er eine auserleſene Geſellſchaſt vor— nehmer Herren und Damen, Ritter und Edel⸗ fräulein mit reichen Geſchenken in feierlicher Botſchaft zum Könige von Ungarn, für ſei⸗ nen Sohn um die Hand der Prinzeſſin Eli⸗ ſabeth zu werben und ſie ſchon jetzt wo möglich an den Hof nach Thüringen mitzu⸗ bringen.— Wohl den Eltern, die bei Ver⸗ ſorgung ihrer Kinder mehr auf chriſtlichen Sinn, Tugend und Charakter, als auf Reich⸗ thum, Schönheit und andere äußere Güter Rückſicht nehmen! Nachdem König Andreas die Abgeſandten huldvoll empfangen, empfahl er mit ſeiner frommen Gemahlin Gertrud die Sache Gott dem Herrn in eifrigem Gebete. Dann ver⸗ ſammelte er ſeinen Rath, um deſſen Meinung zu hören. Er erkundigte ſich eingehend über die Verhältniſſe in Thüringen, noch mehr enn mel ruf um als aber über den Charakter des Landgrafen und die perſönlichen Eigenſchaften des jungen Ludwig. Als er nun erfuhr von der Macht und dem Reichthum des Landgrafen, wie ſchön und fruchtbar ſeine Länder ſeien, wie ſein Volk ſo glücklich unter ſeiner Herrſchaft lebe, beſonders aber welch edle Eigenſchaften der junge Kronprinz in ſich vereinige, wie fromm und gottesfürchtig er ſei, da zögerten König und Königin nicht länger, die Ver⸗ lobung zu genehmigen; ja ſie willigten ſogar ein, wenn auch mit ſchwerem Herzen, ſich ſchon jetzt von ihrem geliebten Kinde zu trennen; bringen doch die Eltern die ſchwerſten Opfer für das künftige Glück ihres Kindes, und wie konnte es glücklicher ſein, als an der Seite eines edlen, gottesfürchtigen Gemahls?— Armes Berz, v lerne leiden, Lerne hoffen, Rleinmukh mriden, Boffe ſtels mik friſchem Mukh— Golt macht Alles, Klles guk! 3. Treude und eit Bevor aber die Königsfamilie ihr geliebtes Töchterlein in die Fremde ziehen ließ, wollte ſie ihm zu Ehren noch ein großartiges Feſt feiern, wozu außer den thüringiſchen Ge⸗ ſandten alle Ritter, Frauen und Edelfräulein ihres Hofes eingeladen wurden. Drei Tage dauerten die Feſtlichkeiten: Muſik, Geſang, Spiele und Feſt ah wechſelten mit einander ab. Als die Geſandten endlich abreiſen mußten, verehrten ihnen König und Königin die reich⸗ lichſten Geſchenke, ſowohl für ſie ſelbſt, als auch für die landgräfliche Familie zur Hei⸗ rathsgabe der Prinzeſſin: die koſtbarſten gol⸗ denen und ſilbernen Gefäße, Käſtchen aus geſchnitztem Elfenbein, Diademe und Kränze aus Edelſteinen, edle Pferde, kurzum Schätze und Kleinodien, wie ſie Thüringen nie geſehen. Die kleine Eliſabeth ward in ein golden⸗ und ſilbergeſticktes Gewand von feinſter Seide gekleidet und in eine Wiege von maſſivem Silber gebettet, aber— das junge Kind hatte noch keinen Sinn für ſolch eitle Pracht. Was fragt ein zufriedenes Kinderherz, das in ſich ſelbſt alle Reichthümer hat, nach Erdenflitter und Weltglanz? Ach, nur zu bald verdrängen Weltſinn, Eitelkeit und ſündhaftes Verlangen den lieben Gott ganz oder doch theilweiſe aus ſo manch reinen, unſchuldigen Kindesſeele! Eliſabeth war noch zu jung, um ganz zu fühlen, was es heiße, Vaterhaus und Vater⸗ land, Eltern und Heimath zu verlaſſen, viel— leicht für immer. Damit ſie in der Ferne doch die traute Heimath nicht ganz vermiſſe, gab der Vater ihr die geliebte Amme und dreizehn junge ungariſche Edelfräulein mit, die ihre Freundinnen und Geſpielinnen ſein ſollten.— Die Reiſe nach Thüringen war zwar weit und nicht ohne Beſchwerden, man langte aber glücklich und wohlbehalten dort an. Der Landgraf und ſeine Gemahlin Sophia freuten ſich herzlich bei der Nachricht, wie glücklich die Bewerbung ausgefallen, und daß man das königliche Prinzeßchen ſchon mitgebracht. Be⸗ vor ſie aber hingingen, die künftige Tochter zu ſehen, knieten ſie nieder und dankten von ganzem Herzen Gott dem Herrn, der ihre ſehnlichſten Wünſche, ihr inniges Gebet ſo gnädig erhört. Nur die Freude iſt rein und iachahg die mit Dank gegen Gott genoſſen wird. Nun erſt nahmen der Landgraf und die Landgräfin das holde Kind auf ihre Arme, liebkoſten dasſelbe, drückten es an ihr Herz und konnten ſich kaum mehr von ihm trennen. Alle Hofleute, ja alle Bürger der Stadt wollten die kleine Prinzeſſin, von der ſie ſo viel Außerordentliches gehört und die ihre künftige Landgräfin werden ſollte, ſehen und bewundern. Nun ward ſie auch, die erſt 4—5 Jahre zählte, mit dem elfjährigen landgräf⸗ lichen Prinzen feierlich verlobt, bei welcher Gelegenheit nun wie in Preßburg Gaſtmahle mit prächtigen Feſten auf der Wartburg ſich abwechſelten mehrere Tage lang. Des Jubels wollte es kein Ende nehmen. Ach, wie oft folgt auf Freude herber Schmerz! Es mag dir, freundliche Leſerin, vielleicht eine ſolche Verlobung ſonderbar vorkommen, und du biſt wohl der Anſicht, nur Groß⸗ jährige ſollten ſich nach freier Herzenswahl für das ganze Leben binden. Allein eine Verlobung iſt keine Vermählung und kann noch rückgängig gemacht werden; ferner lag hier ſowohl in den ſchönen Eigenſchaften der jugendlich Verlobten, als auch in der Gewiſſen⸗ haftigkeit der Eltern die Garantie für eine chriſtliche Erziehung und eine vernünftige Ausbildung jener Anlagen und Eigenſchaften, die allein das eheliche Glück bedingen. Steht es etwa beſſer um jene Verbindungen, die ohne, vielleicht ſogar gegen den Rath er⸗ fahrener Eltern eingegangen werden, und wo nur Geld und Gut, körperliche Schönheit oder ſinnliche Liebe den Ausſchlag geben? Aus letzterem Grunde gibt es leider ſo viele unglückliche Ehen. Kreuz und Leiden haben nicht nur Zu⸗ tritt zu den Hütten der Armen, auch die Pa⸗ läſte der Großen werden nicht verſchont; und gehen ſie auch gewöhnlich an der Kindheit vorüber, ohne weh zu thun, ſo machten ſie doch bei Eliſabeth eine Ausnahme. Wie ſchwer mag das Heimweh ſie anfangs gedrückt, wie viel Thränen ihr ausgepreßt haben! Wie oft mag ſie aus weiter Ferne des guten Va⸗ ters, der liebenden Mutter ſehnſüchtig gedacht haben! Letztere ſollte ſie hier auf Erden nicht mehr wiederſehen. Kaum war ſie zwei Jahre aus der Heimath fort, ſo hatte ſie einſt Nachts einen Traum, wo ihre Mutter ihr erſchien und ſie anredete:„Liebes Kind, ich bin todt und leide noch ſchwere Pein im Fegfeuer; pitte du zu Gott, damit er meine Qualen abkürze und meinen unſchuldigen Tod hin⸗ nehme für meine Sünden.“ Bei ihrem Er⸗ wachen weinte Eliſabeth, erzählte ihren Traum und hörte nicht auf zu beten, bis die Mutter ihr noch einmal im Schlafe erſchien und ſagte, ſie ſei durch ihr Gebet erlöſt und gehe jetzt ein zum ewigen ſeligen Leben. Die Sache verhielt ſich ſo: Ihre Mutter Gertrud war die Tochter des edlen Herzogs von Meran und eine Deutſche, die ſich zum Wohle ihrer Unterthanen geſchäftig um die Regierung kümmerte. Da König Andreas ſie ſehr liebte und die Deutſchen, deren es in Ungarn damals ſehr Viele gab, ihretwegen ſchätzte und begünſtigte, ſo kam es unter den ungariſchen Großen zu einer Verſchwörung, welche bezweckte, den König und ſeine Ge⸗ mahlin mit den Kindern umzubringen. Als die edle Königin dies erfuhr, drang ſie in ihren Gemahl, mit den Kindern zu entfliehen. Um ihnen Zeit zur Flucht zu verſchaffen, empfahl ſie ſich der Gnade Gottes, ſtellte ſich muthig den Verſchworenen entgegen und ward grauſam ermordet. So ſchloß ſie ihr junges, unſchuldiges Leben als Martyrin der Liebe zu Gatten und Kinder. So kurz iſt das Leben, ſo klein die Welt, So ſchnell fliehen Reichthum und Ehren, D'rum wvollen wir das, was ewig hälk, Boll glühender Zehnſuchk begehren. 4. Rnospen. Preuz und Leid zeigen dem Menſchen ſo recht klar und deutlich die Vergänglichkeit dieſer Welt und lehren ihn, Augen und Herz nach oben zu erheben. Eine Mutter hatte die kleine Eliſabeth nicht mehr auf Erden; was war natürlicher, als daß ſie ihren from⸗ men Sinn noch mehr nach dem Himmel, ihrem wahren Vaterlande, richtete, zum ewigen Vater und zu ihrer lieben, himm⸗ liſchen Mutter? Vertrauensvolles Gebet iſt ja der Balſam für alle Herzenswunden. Beten war daher auch ihre liebſte Beſchäf⸗ tigung und alle ihre Gedanken waren darauf gerichtet, Gott zu dienen und den Himmel zu gewinnen. So oft ſie konnte, ging ſie in die Schloß⸗ capelle, kniete am Fuße des Altares nieder, und da ſie noch nicht leſen konnte, faltete ſie ihre Händchen auf ein großes Pſalmenbuch, um ſo Gott dem Herrn alle in demſelben enthaltenen Lobpreiſungen aufzuopfern; dann blickte ſie gen Himmel und überließ ſich längere Zeit dem mündlichen Gebete und kindlich frommer Betrachtung. Mit der Einfalt eines Kindes vereinigte ſie einen Ernſt, der weit über ihre Jahre hinausging. Sie lebte nur für Gott und ſuchte ihm allein zu gefallen. Seibſt in ihren Spielen wich der Gedanke an Gott nicht von ihrer Seele; ſie wußte durch allerlei Mittel die Liebe zu Gott und —— — — ſeinem heiligen Dienſte bei ihren Geſpielinnen zu wecken. Hüpfte ſie zuweilen ſpielend mit ihnen auf einem Fuße, ſo lenkte ſie alle zur Capelle hin, und fand ſie ſelbe verſchloſſen, ſo küßte ſie andächtig das Schloß, die Thüre und die Mauer aus Ehrfurcht für die Wohn⸗ ſtätte Gottes auf Erden. Gewann ſie bei den Spielen, ſo gab ſie den Gewinn armen Kindern und machte es ihnen dann zur Fflicht, ſo und ſo viele Vater unſer und Ave Maria zu beten. Oft führte ſie ihre Gefährtinnen auf den Kirchhof und ſagte zu ihnen:„Erinnert euch, daß auch wir einſt, vielleicht bald, nur Staub und Aſche ſein werden.“ Dann ging ſie mit ihnen vor das Beinhaus, zeigte ihnen die nackten Gebeine und die grinſenden Todten⸗ ſchädel und ſprach:„Dieſe Menſchen waren lebendig und jung wie wir; auch wir werden einſt todt ſein wie ſie. Darum müſſen wir Gott lieben und ihm treu dienen. Laßt uns niederknieen und betet mit mir: Herr, durch Deinen bitteren Tod und durch Deine liebe Mutter Maria erlöſe dieſe armen Seelen aus ihrer Pein. Herr, durch Deine heiligen fünf Wunden mache uns ſelig.“ Eine größere Freude konnte man ihr nicht bereiten, als wenn man ſie neue Gebete lehrte; von Nichts hörte und ſprach ſie lieber, als von Gott, von chriſtlichen Tugenden und von deren ewigem Lohne im Himmel. Schon früh hatte ſie ſch vorgenommen, jeden Tag eine St. Eliſabeth. 2 ——————————— gewiſſe Anzahl von Gebeten zu verrichten; war ſie nun im Tage daran verhindert, ſo ſchlief ſie nicht ein, bis ſie das Verſäumte nachgeholt hatte. Vor Putz und Kleiderpracht, denen eitle, gefallſüchtige und leichtſinnige Mädchen ſo großen Werth beilegen, hatte ſie einen wahren Abſcheu. Bei Ausgängen ord⸗ nete ſie ihren Schleier immer derart, daß man ſo wenig als möglich von ihrem Ange⸗ ſichte ſehen konnte; ſo werth war ihr ſchon damals die allen Jungfrauen nothwendige Tugend der Beſcheidenheit. Je älter ſie wurde, deſto größer ward ihre Liebe zu Gott. Niemand vermag ihre heilige Wonne und glühende Andacht zu beſchreiben, als ſie zur heiligen Communion gehen durfte. Dieſer Liebe zu Gott entſprach ihre Liebe zum Nächſten, die von Tag zu Tag immer zunahm und worin ſpäter ihr ganzes Leben aufging. Was immer der Landgraf und ſeine Gemahlin, die ſie„Vater“ und„Mutter“ zu nennen pflegte, ihr an Geld zu ihrem Ver⸗ anügen ſchenkten, das gab ſie den Armen. Hatte ſie keinen Heller mehr und ſprach ein Nothleidender ſie um eine milde Gabe an, ſo hörte ſie mit Bitten nicht auf, bis man ihr Etwas ſchenkte, das ſie dann allſogleich den Hülfsbedürftigen reichte. Alle Ueber⸗ bleibſel, die ſie in den Speiſekammern und Küchen des Schloſſes finden konnte, ſammelte ſie ſorgfältig und theilte ſie unter die Armen aus. Von ihr auch kann man ſagen: Sie ,—„ nahm zu wie an Alter, ſo auch an Tugend, Weisheit und Gnade vor Gott und den Menſchen. Wie lieb ihr insbeſondere die hl. Rein⸗ heit war, geht aus Folgendem hervor. Früh ſchon hatte das fromme Kind die hl. Jung⸗ frau und Gottesmutter zu ihrer Mutter und beſonderen Fürbitterin auserkoren und ihre engelreine Seele dem Schutze dieſer makel— loſen Jungfrau anvertraut. Da es nun damals Sitte war, daß die adeligen Fräulein ſich durch's Loos aus der Zahl der Apoſtel einen beſonderen Schutzpatron zu wählen hatten, ſo betete Eliſabeth gar eifrig zum Herrn, er möge ihr Loos auf den hl. Jo⸗ hannes fallen laſſen. Zu dieſem nämlich hatte ſie wegen ſeiner jungfräulichen Reinheit eine beſondere Verehrung. Und ſiehe, ihr Wunſch ward erhört; ja, als ſie ſogar die robe noch zweimal erneuerte, ward ihr jedesmal der hl. Johannes zugetheilt. Das ſah ſie als höhere Fügung an und verehrte von nun an den jungfräulichen Liebesjünger mit noch größerem Vertrauen ihr ganzes Leben hindurch; ſie verzieh jedes Unrecht und gewährte jede Wohlthat, wenn ſie im Namen des hl. Johannes darum gebeten wurde. Niemand erlaubte ſich in Gegenwart dieſes Engels etwas Unziemliches in Blick, Geberde oder Wort. Das Gebet allein genügt nicht, der freie Wille muß auch Gott zu Liebe Opfer bringen. Eliſabeth war beſtimmt, große, ſchmerzliche Opfer bringen zu müſſen, und ſie ſuchte ſich frühzeitig durch freiwillige Entbehrungen dar⸗ auf vorzubereiten. An Sonn⸗ und Feſttagen ließ ſie einen Theil ihres Schmuckes bei Seite; auch ſonſtige Modeſachen legte ſie nur aus Gehorſam und erſt nach der hl. Meſſe an. Jeden Tag ſuchte ſie ihren Willen zu brechen. Freute ſie ſich z. B. beim Spiele zu gewinnen, ſo ſagte ſie ſich:„Jetzt, wo mir das Glück günſtig iſt, will ich Gott zu Liebe aufhören zu ſpielen.“ So ſehr ſie ſich an den kindlichen Tänzen mit ihren Geſpielinnen erfreute, ſo hörte ſie doch auf, ſobald ſie einmal rundgetanzt hatte, indem ſie ſagte: „Ein Rundtanz iſt genug für die Welt, die andern unterlaſſe ich Gott zu Liebe.„Dem Munde verſagte ſie Vieles an Speiſe, Trank und Reden aus Liebe zu Gott. Was du für die Welt thuſt, iſt verloren, bringt dir keinen Gewinn, nur Kummer und Undank; was du für den lieben Gott thuſt, wird er dir hundertfältig vergelten. Und iſt auch das Berz noch ſo jart und ſo klein, Strahlt hell doch dir himmliſche Liebe hinein Und heiligt's in kindlichen Cagen. ie —— 5. Dornen und Foſen. Es ſollte jedoch nicht lange dauern, bis der liebe Gott ſelbſt Opfer von ihr verlangte und ſich nicht mehr mit den freiwilligen be⸗ gnügte. Mit den Jahren wuchs in ihr die himmliſche Flamme göttlicher Liebe; aber ihre große Frömmigkeit, ihre tiefe Demuth, ihre Liebe zu den Armen und viele ihrer andern Tugenden waren nicht ganz nach dem Ge⸗ ſchmacke ihrer Schwiegermutter, der Land⸗ gräfin Sophie, deren Tochter Agnes und anderer Großen des Hofes; Niemand wagte jedoch, ſie zu tadeln oder gar ihr Vorwürfe zu machen, aus Furcht vor dem Landgrafen. Dieſer liebte ſie zärtlich und behandelte ſie wie ſeine eigene Tochter. Aber dieſer fromme Fürſt ſtarb ſchon im Jahre 1216, als Eli⸗ ſabeth kaum neun Jahre zählte, und nun wurde es anders. Der ſechzehnjährige Prinz Ludwig gelangte zwar zur Regierung, war jedoch wegen ſeiner Jugend allzuſehr abhängig von ſeiner Mutter; — dieſe ließ nun ihrem Mißvergnügen über Eli⸗ ſabeths außergewöhnliche Frömmigkeit freien Lauf, worin ſie von ihrer weltlich geſinnten Tochter Agnes eifrig unterſtützt wurde. Sie machten ſich über das fromme Kind unverholen luſtig, überhäuften es wegen ſeines beſcheidenen, zurückgezogenen Lebens mit den bitterſten Vorwürfen; erklärten, es ſei gar nichts Fürſtliches an ihm und es tauge am beſten zu einer Kammerfrau oder Dienſtmagd. Auch von den Hofbeamten mußte Eliſabeth Schimpf und Spott erdulden. Je mehr ſie ſich durch ſolche Behandlung verletzt fühlte, deſto mehr ſchloß ſie ſich an ihre Lieblinge, die Armen an. Sie ergab ſich ganz in den Willen Gottes und kein Stachel der Bitter⸗ keit, keine Regung der Ungeduld fand in ihrem Herzen Raum; ihr ſchwebte die Verheißung des Herrn vor:„Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer iſt das Himmelreich.“— Wie die Lilie unter den Dornen, ſo wuchs und blühte die unſchuldige Eliſabeth unter dieſen Trübſalen und verbreitete den duften⸗ den Wohlgeruch der Demuth, Sanftmuth und Geduld um ſich her. Die junge Eiche faßt bei Wind und Sturm immer tiefere Wurzel; ſo wurzelte auch in Eliſabeth bei dieſen Verfolgungen Tugend und Gottesliebe immer tiefer und ſtärker. Einſt am Feſte Mariä Himmelfahrt be⸗ fahl die Landgräfin ihrer Tochter Agnes und Eliſabeth, ihre ſchönſten Kleider anzulegen und ihre goldenen Kronen aufzuſetzen, um hinab zum Hochamte nach Eiſenach zu fahren. In der Marienkirche daſelbſt angekommen, knieten ſie auf einem Betſtuhle vor einem großen Crucifixe nieder. Kaum aber hatte Eliſabeth das Bild ihres ſterbenden Heilandes erblickt, ſo nahm ſie ihre Krone vom Haupte, legte ſie auf den Betſtuhl und warf ſich vor dem Kreuze demüthig mit dem Antlitze zu Boden nieder. Darüber empört machte ihr die Landgräfin Sophie die heftigſten Vor⸗ würfe:„Was heißt das, Jungfer Eliſabeth? Soll Jeder Euer ſpotten? Iſt Euch Eure Krone zu ſchwer, daß Ihr thut wie alte Nonnen, die niederfallen, wie ein müder Gaul?“ Da erhob ſich Eliſabeth und ent⸗ gegnete demüthig:„Liebe Frau, nehmet mir das nicht übel. Hier hängt mein barm⸗ herziger, ſüßer und milder Heiland mit ſpitzen Dornen gekrönt. Meine Krone würde ihn ja verhöhnen, wenn ich vor ihm ſtände mit Gold, Perlen und Edelſteinen geſchmückt.“ Dann warf ſie ſich nieder und fing wieder zu beten und zu weinen an, ſo daß ſie den Zipfel ihres Mantels mit ihren Thränen durchnäßte. Dieſe und ähnliche Züge ſchürten nur das Feuer der Verachtung, des Haſſes gegen die unſchuldige Jungfrau. Die bitteren Reden und Vorwürfe nahmen zu. Die Verwandten und Hofbeamten erklärten oft und laut, eine ſolche Betſchweſter tauge nicht als Gemahlin für den jungen Landgrafen; man ſolle ſie ihrem Vater nach Ungarn wieder zurück⸗ ſchicken und Landgraf Ludwig ſolle ſich eine reichere Fürſtin mit vornehmeren Manieren zur Gattin ſuchen. Landgräfin Sophie quälte ſie mit biſſigen Worten und wollte ſie nöthigen, in's Kloſter zu gehen; deren Tochter Agnes erklärte ihr bei jeder Gelegenheit, an ihr ſei eine Dienſtmagd verloren gegangen⸗ Auf jegliche Weiſe ſuchte man auch den Ver⸗ lobten Eliſabeths gegen ſie einzunehmen, ſie bei ihm anzuſchwärzen und um deſſen Liebe zu bringen. „O heilige Eliſabeth“, ruft hier der fromme P. Martin von Cochem aus,„ich ehre deine gottſelige Jugend und Tugend und traure mit dir wegen deiner Verachtung und Ver⸗ folgung. O hätte ich meine Kinderjahre ſo heilig zugebracht, wie du, und hätte ich alle meine Widerwärtigkeiten ſo geduldig gelitten, wie du die deinigen! Durch deine tugend⸗ hafte Kindheit tilge meine kindliche Bosheit und durch deine ſtarkmüthige Geduld erwirb mir Verzeihung meiner Schuld und Un⸗ geduld.“ War ihr Herz ganz zerriſſen von Krän— kung und Wehmuth, ſo ſuchte die ſtarke Jung⸗ frau zu den Füßen des Kreuzes Troſt, Kraft und Frieden, und Gott belohnte ſie für ihre ihr Gebet und ihre gottergebene eduld. Landgraf Ludwig blieb ihr als ſeiner Verlobten unverbrüchlich treu und ſeine Liebe zu ihr ward ſogar von Tag zu Tag größer und inniger trotz der Abmahnungen ſeiner Mutter, der Zuflüſterung falſcher Freunde und der Stimme der Leidenſchaften. Ihre Mildthätigkeit und Frömmigkeit, ihre Ge⸗ duld, ihre Demuth und Beſcheidenheit, die Andere an ihr haßten, erfüllten ihn mit Frende und Bewunderunaz er liebte ſie wie eine Schweſter und ſuchte im Geheimen(aus Rück⸗ ſicht gegen ſeine Mutter) jede Gelegenheit, ſie zu ſchützen und zu tröſten. Kam er von einer Reiſe, ſo brachte er ihr immer Geſchenke mit zum Zeichen, daß er auch in der Ferne ihrer liebevoll gedenke. Das war Balſam für die Wunden Eliſabeths, und ſie fand ſich in dieſem liebevollen Umgange ſehr erleichtert und geſtärkt. Den meiſten Troſt aber fand ſie im Gebet und im Empfange ihres lieben Heilandes in der hl. Communion. Einmal jedoch hatte Ludwig in Geſell⸗ ſchaft ganz vergeſſen, ihr etwas mitzubringen. Die arme verfolgte und gehetzte Jungfrau glaubte nun, ihr Bräutigam habe doch end⸗ lich ihren Feinden Gehör gegeben, und das letzte Menſchenherz, das ſie noch innig ge⸗ liebt, ſei ihr abwendig gemacht. Das er⸗ füllte ſie mit unſäglichem Schmerz. Endlich klagte ſie ihr Herzeleid dem wackeren Ritter Vargila, der mit ihr aus Ungarn gekommen und deſſen Schutz ihr Vater ſie beim Ab⸗ ſchied noch beſonders anvertraut hatte. Dieſer tröſtete ſie und verſprach, mit Ludwig darüber zu reden. Sobald er aber anfing, Ludwig von den Sorgen ſeiner Braut zu ſprechen, erklärte dieſer begeiſtert:„Mögen Andere von ihr denken und ſagen, was ſie wollen, ſie iſt mir unausſprechlich lieb und theuer, und Nichts auf Erden kommt ihr gleich; ich will ſie und keine Andere zur Gemahlin nehmen, denn wegen ihrer Frömmigkeit und Tugend iſt ſie mir lieber als alle Schätze der Welt.“ So gereicht Denen, die Gott lieben, Alles zum Guten.. Der Landgraf hielt Wort. Seine Liebe wuchs mit jedem Tage und ſchon im Jahre 1221 fand die Trauung ſtatt, damit den bös⸗ willigen Reden und Einflüſterungen raſch ein Ende gemacht werde. Die junge, lieb⸗ liche Braut wurde nun in goldgeſticktem Ge⸗ wande mit ihrem edlen und keuſchen Bräu⸗ tigam in feierlichem Zuge wie im Triumphe zur Kirche geleitet. Hier wurde ihr Bünd⸗ niß durch das hl. Sacrament geheiligt und beſiegelt. Die Hochzeit ward mit fürſtlicher Pracht gefeiert. Eliſabeth, ſo lange verachtet und verſpottet, ward jetzt mit Glanz und allen Ehren überhäuft. Drei Tage dauerten die Hochzeitsfeierlichkeiten, die alle Vornehmen, Ritter und Edelfrauen des Landes durch ihre Gegenwart erhöhten. Wer in Thränen ausſäet, wird in Freude ernten. Es blirken die Engel vom Bimmelrrich boll Luſt auf zwri Serlen, die ihnen ſo glrich; Der dreiein'ge Golt ſprichk den Segen Kuf's bräukliche Paar, das ſo kindlich ihn ehrk, So früh ſchon in heiligem Sinn ſich bewährk, So fromm wächſt dem Himmel enigegen. W— 6. Helle Tage. Die jungen Eheleute gehörten nun einander — für immer an und waren ſich gegenſeitig in innigſter Liebe zugethan, mehr noch aus Gottesliebe als aus ſinnlicher Zuneigung. Wie vor ihrer Vermählung nannten ſie ſich auch jetzt noch„Bruder“ und„Schweſter“. Ludwig war aber auch der Liebe Eliſa⸗ beths vollkommen würdig. Alle Geſchichts⸗ ſchreiber der damaligen Zeit ſind einſtimmig in ſeinem Lobe. Seine Geſtalt war voll⸗ kommen ebenmäßig, die blonden Haare um⸗ rahmten ein blühendes Geſicht, ſeine Züge waren fein und edel, ſein Gang und ſeine Haltung vornehm und würdevoll, ſeine Stimme ſanft und der Reiz ſeines Lächelns unwiderſtehlich. Dazu war er keuſch und rein an Leib und Seele, und dieſen Schatz heiliger Rein⸗ heit bewahrte er wie als Jüngling ſo auch als Mann. Obwohl einer der reichſten und mächtigſten Fürſten Deutſchlands, ſich ſelbſt überlaſſen, von Schmeichlern umgeben und von allen möglichen Lockungen und Ver⸗ ſuchungen beſtürmt, wich er nicht im Gering⸗ ſten vom Pfade der Tugend ab.„Nicht um ein Königreich wollt' ich mir ſolche Schuld auf die Seele laden!“ rief er einſt zürnend dem Wolf in Schafspelz entgegen. Leicht⸗ fertige und anzügliche Reden waren ihm ein Greuel. Seine Worte waren wahr und treu und Jeder glaubte daran, wie an einen Eidſchwur. Täglich wohnte er der hl. Meſſe bei mit Ehrfurcht und Andacht und ſtärkte ſich hier zur Tugend und treuen Erfüllung ſeiner Standespflichten. Niemals aß er ſtark ge⸗ würzte oder geſalzene Speiſe; Bier oder Wein trank er nur, wenn er krank war. Er war auch ſehr freundlich und barmherzig gegen die Armen, und kam er in eine Stadt, ſo beſuchte er meiſtens zuerſt das Armenhaus, tröſtete die Kranken und theilte ihnen Almoſen aus. Wo immer eine Ungerechtigkeit oder Gewaltthat begangen ward, da handhabte er die Gerechtigkeit unerbittlich zu Gunſten der ſelbſt gegen Grafen oder andere roßen. Wer von ſeinen Angehörigen ſich ſünd⸗ hafter Reden, Läſterungen, Zoten oder Ver⸗ leumdungen ſchuldig machte, mußte zur Strafe auf beſtimmte Zeit ein Merkmal der Schande tragen, weil er Gott beleidigt hatte; Belei⸗ digungen aber, die ihm ſelbſt zugefügt wur⸗ den, verzieh er leicht und gern. S ſeine Untergebenen war er wohlwollend und herab⸗ laſſend und nie verletzte er Jemanden durch Stolz oder Härte. Ueberall und allzeit ſorgte er nur für das Wohl ſeines Volkes, und da der Adel mehr oder weniger ſein Beiſpiel nachahmte, ſo mußte der Wohlſtand ſeines Landes in moraliſcher und materieller Hin⸗ ſicht zunehmen. Die Unterthanen gehorchten e Nr freudig und vertrauensvoll; Eintracht, Friede und Sicherheit herrſchten überall. So hätte denn auf Erden Eliſabeth kei⸗ nen vortrefflicheren Gemahl, und dieſer hin⸗ wiederum keine gottesfürchtigere und tugend⸗ haftere Gattin ſinden können. Vereinigte ja Eliſabeth alle Eigenſchaften in ſich, die liebens⸗ würdig machen bei Gott und den Menſchen. Das Schönſte an ihr aber waren ihre Augen, aus denen ein Himmel voll Reinheit, Liebe und Erbarmung leuchtete, ein Abglanz der Schönheit ihrer engelgleichen Seele. Doch waren es nicht vergängliche, körper⸗ liche Vorzüge, auf welche die jungen Eheleute den unauflöslichen Bund ihrer Herzen und ihre Liebe gründeten, ſondern auf Religion und chriſtliche Tugend. So innig Eliſabeth auch ihren Gemahl liebte, ſo vergaß ſie doch nie, daß er ihr Haupt ſei, wie Chriſtus das Haupt ſeiner Kirche iſt, und daß ſie ihm unterthan ſei. Sie gehorchte ihm daher willig, und ſuchte ihm angenehm zu ſein und Freude zu machen, wo ſie nur konnte. Er ſeinerſeits ließ ihr alle Freiheit zu frommen und mild⸗ thätigen Werken, er munterte ſie ſogar dazu auf und half ihr; nur wenn ihr Eifer zu weit zu gehen ſchien, warnte er ſie mit liebevoller Be⸗ ſorgtheit und wurde dann auch willig angehört. Jede Nacht, wenn ihr Gemahl ſchlief, beſonders gegen Mitternacht, ſtand Eliſabeth auf, kniete nieder und betete dann lange zum Dank, daß Chriſtus um Mitternacht in Kälte und Armuth zur Welt gekommen, um die Menſchen zu erlöſen. Ludwig ſelbſt war viel zu fromm, um ſich zwiſchen ſie und ihren Heiland zu ſtellen, und ſo brauchte Eliſabeth ihm keine ihrer Bußübungen zu verbergen. Vielmehr ermunterten beide Ehegatten ſich gegenſeitig, auf dem Wege der Vollkommen⸗ heit immer weiter zu ſtreben. Ihre Liebe zu einander war ſo groß, daß ſie es kaum ertragen konnten, auch nur kurze Zeit von einander getrennt zu ſein. Deshalb ließ Eliſabeth es ſich nicht nehmen, trotz Sturm und Unwetter, Mühen und Be⸗ ſchwerden ihren Gemahl auf ſeinen Reiſen zu begleiten. War dieſe Reiſe allzu weit, ſo legte ſie, ſobald ihr Gatte abgereiſt war, ihren fürſtlichen Schmuck ab, zog Wittwen⸗ kleider an und harrte ſeiner in Gebet, Wachen und Abtödtung. Kehrte er endlich zurück, ſo kleidete ſie ſich mit aller Sorgfalt und ſchmückte ſich ihrem Range gemäß,„nicht aus Eitel⸗ keit und Gefallſucht“— wie ſie ihren Frauen ſagte—,„ſondern aus chriſtlicher Liebe, damit Nichts an mir ihm mißfalle und damit er mich im Herrn liebe, bis Gott, der auf Erden unſern Bund geſegnet, uns Beide dereinſt im ewigen Leben vereinige“. Während hei weltlich geſinnten Eheleuten das Herz zwiſchen Gott und dem Gatten getheilt iſt, führt die in Religion wurzelnde 5 gegenſeitige Liebe Sinn und Herz immer höher zu Gott empor. aß ze lb en Wie eine fromme Gattin der ſchönſte Preis für einen gottesfürchtigen Mann iſt (Spr. 26), ſo konnte Gott auch dieſen Muſter⸗ gatten den koſtbarſten Lohn der Ehe nicht verweigern: den Kinderſegen. Eliſabeth ward viermal Mutter: ſie ſchenkte ihrem Gemahl einen Sohn und drei Töchter, von denen die erſte Herzogin in Brabant wurde. Die zwei letzten aber weihte ſie ſchon in der Wiege dem Herrn und ſie nahmen auch ſpäter als Bräute Chriſti den klöſterlichen Schleier. Jedesmal, wenn ſie wieder ihren erſten Kirchgang machte, nahm ſie ihr Neugeborenes auf die Arme und ging in einfach wollenem Kleide barfuß zur St. Katharinenkirche. Der Pfad dahin war lang und rauh, ſo daß ihr die Füße bluteten. Dort legte ſie ihr Kind auf den Altar und betete:„O Herr Jeſus, Dir und Deiner lieben Mutter opfere ich dieſes theure Kind. Wie Du es mir gegeben, ſo gebe ich es Dir aus ganzem Herzen wieder. Nur um das Eine bitte ich Dich, daß Du dieſes von meinen Thränen benetzte Kleine unter Deine Diener aufnehmen und daß die Sünde nie es trenne von Dir und Deiner Liebe.“ Solch' Pirb' ſoll mit Gokt uns verbinden, Pur dann ſind wir reich an dem rdelſten Guk; Dur dann werden Boffnung und fröhlicher Mulh. In Pokh uns und Eyd nicht enkſchwinden. 7. St. Gliſabeths Tiebe für Abtödtung und Wohlthätigkeit. Pieſe reinen Freuden ihres ehelichen Glückes waren gleichſam der Morgenthau, mit dem der Himmel die Blume der Seele Eli⸗ ſabeths erfriſchte, damit ſie die Hitze und Laſt kommender Tage ertragen könne. Sie vergaß nicht, daß dieſe Gnade, dieſes Glück an der Seite des geliebten Gatten ſie zu größerer Dankbarkeit und eifrigerer Treue gegen Gott verpflichtete. Eingedenk der Mahnung des Herrn: „Sammelt euch Schätze, die kein Dieb euch rauben, weder Motten noch Roſt ver⸗ zehren können“, ſuchte ſie ſich reichliche Ver⸗ dienſte für den Himmel zu gewinnen. Wir haben ſchon geſehen, wie ſie jede Nacht um Mitternacht aufſtand zum Gebete; oft aber übermannte ſie dabei der Schlaf, und die Kammerfrau fand ſie auf den Boden hingeſunken. Stellte man ihr dann vor, es ſei doch beſſer, im Bette zu ſchlafen, ſo ſagte ſie:„Es iſt doch immer eine Abtödtung, und der Leib muß lernen, der Seele zu gehorchen.“ — War ſie auch bei manchen Gelegenheiten, wo Sitte und Anſtand es erheiſchten, prächtig in Sammt und Seide gekleidet, ſo trug ſie doch immer ein rauhes, härenes Bußgewand auf bloßem Leibe. Alle Freitage und alle Tage der hl. Faſtenzeit ließ ſie ſich auf dem Rücken blutig geißeln, aus Liebe zu dem ſie — 3 leidenden Heilande, der für uns ſchmerzlich gegeißelt worden; hierauf erſchien ſie bei Hofe um ſo heiterer und fröhlicher, nahm Theil an Feſten und fürſtlichen Gaſtmählern, um keinen Anſtoß zu geben und die Frömmigkeit nicht verhaßt zu machen. Wahre Frömmigkeit iſt nie abſtoßend; ſie weiß ſich allen billigen Forderungen der Ver⸗ hältniſſe und Stellung anzupaſſen. Auch im Eſſen und Trinken legte ſich Eliſabeth ſchwere Abtödtungen auf: die von der Kirche vorgeſchriebenen Faſten hielt ſie ſtrenge, faſtete auch an andern Tagen, wenn ſie es unbemerkt thun konnte. War ihr Mann abweſend, ſo beſtand zum öfteren ihre ganze Mahlzeit aus Brod und Waſſer. Selbſt au der Seite ihres Gemahls und bei fürſtlichen Gaſtmählern ſtand ſie nicht ſelten halb hungrig vom Tiſche auf; wohl nahm ſie von den Speiſen, um kein Aufſehen zu erregen, ſchob dann aber hernach den Teller unbemerkt hin⸗ weg, als enthalte er nur Ueberreſte; oft be⸗ ſtand ihre Mahlzeit aus Gemüſe, das ohne Fett, ohne Salz und Gewürze gekocht war. Allerdings wurde die gottſelige Fürſtin wegen dieſes ſtrengen Lebenswandels von den Hof⸗ leuten vielfach getadelt, ſie aber zog es vor, Gott mehr zu gefallen, als den Menſchen. Wie ſie aus Liebe zu ihrem Heilande, der nackt und mit Dornen gekrönt am Kreuze gehangen, ihre koſtbaren Gewänder, Schmuck⸗ ſachen und Krone ablegte, und ſich nur dann St. Eliſabeth. 3 — ſchmückte, wenn ihr Gemahl es begehrte, wenn ſie öffentlich als Landesfürſtin auftrat oder der Anſtand es forderte, haben wir be⸗ reits erwähnt. Von dem Beiſpiele der jungen Fürſtin hingeriſſen, ahmten mehrere Edel⸗ frauen ihre Beſcheidenheit nach, andere ent⸗ ſagten der Welt und legten das Gelübde ewiger Keuſchheit ab. So unnachſichtig und ſtrenge die junge Gattin gegen ſich ſelbſt war, ſo mild und freundlich, ſo liebreich und barmherzig war ſie gegen Andere, beſonders gegen die Armen. Dieſe, welche Chriſtus„ſeine Brüder“ ge⸗ nannt, waren ihre Lieblinge. Schon als Kind hatte ſie einen Armen nicht ſehen kön⸗ nen, ohne das tiefſte Mitleid zu empfinden und Alles wegzugeben, was ſie hatte, um ſeine Noth zu lindern. Mit den Jahren nahm dieſe barmherzige Liebe nur zu, be⸗ ſonders jetzt, wo ihr Gemahl ihr alle Freiheit zu Werken der Mildthätigkeit ließ. Sie wartete nicht, bis die Armen zu ihr kamen, ſondern eilte ſelbſt, ohne Wetter und ſteile Pfade zu ſcheuen, zu den Hütten der Armuth, wo ſie durch ihre Gaben Hülfe, durch ihre liebreichen Worte Troſt und Ermunterung brachte. Zu Hauſe ſpann ſie mit ihren Hof⸗ damen Wolle und verfertigte daraus Kleider für die Armen Dieſen gab ſie auch all ihr Geld, und hatte ſie endlich Nichts mehr zu vergeben, ſo theilte ſie von ihren Kleidern aus, um helfen zu können. — Als ſie einſt feſtlich geſchmückt von der tt Stadt gegangen war, hatte ſich eine Menge Armer bittend und flehend um ſie verſammelt, und mitleidig hatte ſie ihnen ihr Geld gereicht bis auf den letzten Heller. Da ſah ſie noch einen Hülfsbedürf⸗ tigen, der Nichts empfangen hatte. Raſch entſchloſſen zog ſie einen mit Gold und Edel⸗ ſteinen geſchmückten Handſchuh aus und gab ihm denſelben. Ein junger Ritter, der dies geſehen, kaufte ſogleich dem Armen den Hand⸗ ſchuh ab und führte ihn beſtändig als Talis⸗ man bei ſich. Sein Vertrauen ward nicht getäuſcht; von dieſer Stunde an blieb er bei allen Gefechten und Wettkämpfen Sieger; und als er ſpäter einen Kreuzzug mitmachte und in einer Menge von Geſechten und Schlachten ſich durch Tapferkeit auszeichnete, blieb er ſtets unverletzt. Auf ſeinem Sterbe⸗ bette bekannte er, daß er ſeine Siege nur dem Glücke zuſchreibe, den Handſchuh der Eliſabeth immer bei ſich getragen zu aben. Häufig ſieht man die hl. Eliſabeth abge⸗ bildet, wie ſie Roſen in einem Korbe trägt. Die Legende berichtet darüber: Einſt, als ſie ihrer Gewohnheit gemäß in Begleitung einer ihrer Kammerfrauen mit Fleiſch, Eiern und andern Eßwaaren beladen einen ſteilen Berg zu einem armen Kranken hinanſtieg, begegnete ihr plötzlich ihr Gemahl, der von der Jagd zurückkehrte. Verwundert, ſie alſo beladen F . * 3 3 3 2 4 13 daherkommen zu ſehen, ſagte er lächelnd:„Laß ſehen, was du da trägſt“, und zugleich zog er den Mantel, den ſie über ihre Laſt gelegt, etwas zurück. Wie erſtaunte er aber, als er die herrlichſten rothen und weißen Roſen vorfand, die ſchönſten, die er je geſehen, und zwar zu einer Jahreszeit, wo es längſt keine Blumen mehr gab; zugleich erblickte er über ihrem Haupte ein ſtrahlendes Crucifix. Durch dieſes Wunder gerührt, ließ er an der Stelle, wo dieſes geſchehen, eine Säule mit einem Kreuze errichten zum bleibenden Andenken. Noch heute ſieht man Roſen in großer Zahl auf der Wartburg und um die St. Eliſabeths⸗ kirche in Marburg. Kein Weg war ihr zu weit, kein Wetter zu ſchlecht, keine Hütte zu widerlich, wenn es galt, Troſt und Hülfe zu bringen. Den Armen und Kranken war ſie ein Engel der Barmherzigkeit. Erfuhr ſie, daß irgend ein Großer ein Unrecht gegen die armen Land⸗ leute beging oder ihnen allzu große Abgaben erpreßte, ſo zeigte ſie es ſogleich ihrem Ge⸗ mahl an und ſuchte auch ſelbſt nach Kräften das Unrecht wieder gut zu machen. Fand ſie in einer Hütte ein neugeborenes Kind in Elend und Noth, ſo ſorgte ſie mütterlich, hüllte dasſelbe in Kleider, die ſie ſelbſt ge⸗ macht, und ſtand ihm bei der hl. Taufe als Pathin bei. In dieſer geiſtlichen Ver⸗ wandtſchaft fand ſie einen Grund mehr, ſolche Kinder lebenslang zu lieben und für ſie zu ſorgen. Starb einer ihrer Pfleglinge, dann wachte ſie bei der Leiche, hüllte ſie oft in ihre eigenen Betttücher ein und folgte dann andächtig betend dem Sarge, als würde ein naher Verwandter begraben. Ihre Mild⸗ thätigkeit war landbekannt und überall nannte man ſie„die Beſchützerin der Armen“. 8. Zt. Gliſubeths Liebe zu den Branken und zur hl. Armuth. Die Geſundheit iſt das größte irdiſche Gut; mit dem reichſten Manne, der an's Kranken⸗ und Schmerzenslager gefeſſelt liegt, möchte ſelbſt der Bettler nicht tauſchen. Da⸗ her ſind die Kranken unſtreitig die Aermſten unter den Armen. Dieſer nun nahm ſich Eliſabeth in wirklich heroiſcher Weiſe an. Damals war eine ſchreckliche Krankheit noch vielfach in Deutſchland verbreitet, der Ausſatz nämlich. Die Glieder der Aus⸗ ſätzigen und ihr Geſicht werden nach und nach mit ekelhaften Beulen und Geſchwüren bedeckt, heftige Schmerzen quälen ſie Tag und Nacht Zudem hat die Krankheit einen lang⸗ ſamen Verlauf, dauert oft fünfzehn bis dreißig Jahre. Der Kranke zerfault allmählich bei lebendigem Leibe, bis ihn der Tod von ſeinen Qualen erlöſt. Ferner iſt dieſe Krank⸗ heit anſteckend; deshalb dürfen die damit Behafteten nicht mit Geſunden zuſammen leben und werden häufig von dieſen aus Furcht vor Anſteckung gemieden und geflohen. Für dieſe Unglücklichen hatte Eliſabeth einc beſondere Vorliebe. Schon die Vorſtellung dieſer Krankheit erfüllt uns mit Schrecken und Entſetzen. Die heldenmüthige Fürſtin aber kämpfte dieſes Gefühl nieder, ſuchte die verlaſſenſten Kranken auf, beſiegte jegliche Furcht vor Anſteckung, ſetzte ſich neben ſie nieder, ſprach ihnen liebevoll Troſt und Muth zu, ermahnte ſie zur Geduld und zum Vertrauen auf den Herrn Jeſus, mit deſſen Leiden ſie die ihrigen vereinigen ſollten.„Ihr müßt“, ſagte ſie, „dieſe Leiden willig und getroſt ertragen und nicht traurig oder unwillig darüber werden. Nehmt ihr dieſe Hölle, die Gott euch ſchon in dieſer Welt ſchickt, mit Ergebung in Gottes Willen an, ſo werdet ihr gewiß der Hölle in der andern Welt entgehen.“ Dann ſpendete ſie ihnen reichlich Almoſen. Eines Tages fand ſie einen Ausſätzigen, der dazu noch an einem freſſenden Krebsübel am Kopfe litt, das ihn derart verunſtaltete, daß er im höchſten Grade abſtoßend war, und eine unſerer modernen Salondamen ſicher bei ſeinem Anblicke vor Entſetzen in Ohn⸗ macht und Krämpfe gefallen wäre. Die junge Landgräfin aber führte ihn in ihren Garten, legte ſeinen Kopf auf ihren Schooß, ſchnitt ihm die ſcheußlichen Haare ab und wuſch, ſalbte und verband ſeinen Kopf. Als aus hen. eim het zen. pft vor rach e. on n — 3 ihre Edelfräulein ſie bei dieſem Samariter⸗ dienſt überraſchten und ſie ausſchalten, lächelte ſie nur, ohne ein Wort zu erwidern. Ein andermal verſammelte ſie am Gründonners⸗ tage die Ausſätzigen der Umgegend, wuſch ihnen Hände und Füße, kniete dann vor ihnen nieder und— was die ärmſte Bettlerin nicht für viel Geld gethan hätte— küßte ihre ekelhaften Wunden und Geſchwüre. In dieſen Aermſten liebte ſie Chriſtum, den Bräu⸗ tigam ihrer Seele. Als einſt Landgraf Ludwig nach ſeinem Schloſſe Neuenburg war, kam ein armer, kleiner Ausſätziger, der ſo entſtellt, wider⸗ wärtig und in ſo jämmerlichem Zuſtande war, daß Niemand ſich ſeiner mehr annehmen wollte. Da Eliſabeth nun von Allen verlaſſen ſah, hielt ſie es für ihre Pflicht, eben für ihn mehr als für Andern zu ſorgen. Sie führte ihn daher in ihr Zimmer, badete ihn, ſalbte ſeine Wunden mit heil⸗ ſamem Oel und legte ihn dann in ihr Ehe⸗ bett. Während ſie ſich ſo mit dem Armen beſchäftigte, war ihr Gemahl Ludwig zurück⸗ gekehrt. Seine Mutter Sophie, die längſt mit dieſer Handlungsweiſe Eliſabeths unzu⸗ frieden war, rief ihm entrüſtet zu:„Komm⸗ ſchnell und ſchaue, was deine Eliſabeth thut.“ Se führte ihn in ſein Schlafzimmer und ſagte.„Sieh', lieber Sohn, deine Frau legt Ausſätzige in s Bett, obgleich ich mich wider⸗ ſetze; vielleicht will ſie dich anch ausſätzig — 65 machen; da, ſieh' nur ſelbſt.“ Unwillig riß Ludwig raſch die Decke vom Bette, und da Gott ſein inneres Auge öffnete, ſah er ſtatt des Ausſätzigen— das Bild des Gekreuzigten in ſeinem Bette liegen. Hat doch Chriſtus geſagt:„Alles, was ihr dem Geringſten meiner Brüder thut, habt ihr mir ge⸗ than.“ Bei dieſem Anblicke brach er in Thränen aus und war ſtumm vor Staunen. Dann aber kniete er nieder und betete:„Herr, habe Erbarmen mit mir armen Sünder; ich bin all dieſer Wunder nicht würdig, aber ſtehe Du mir bei, damit ich ein Mann werde, nach Deinem Herzen und Willen.“ Zu Eli⸗ ſabeth aber ſagte er freundlich;„Liebe Schweſter, ſolche Gäſte ſollſt du mir recht oft in!'s Bett legen und laß dich künftighin von Niemandem in Ausübung deiner guten Werke hindern.“— Dieſe aufmunternden Worte und den tiefen Eindruck, den dieſes Erlebniß auf ihren Gemahl gemacht, benutzte Eliſabeth zu der Bitte, er möge ihr erlauben, am Abhange des Berges, auf dem die Wartburg liegt, ein Krankenhaus zu ſtiften. Der Landgraf ging bereitwillig auf ihren Wunſch ein, und alsbald wurde mit dem Bau des Hospitals begonnen. Hier wurden von da an immer achtundzwanzig Kranke oder altersſchwache Arme ernährt und verpflegt. Eliſabeth be⸗ ſuchte dieſelben täglich, tröſtete ſie und brachte ihnen Speiſe und Trank. Der Heiland liebte nicht nur die Armen, die er„ſelig“ preiſt, er wollte auch arm zur Welt kommen, in Armuth leben und ſterben; von jeher ſind ihm liebende, großmüthige Seelen in Selbſtverleugnung und freiwilliger Armuth nachgefolgt. Wch die Fürſtin Eli⸗ ſabeth trug in ihrem Herzen eine lebhafte Sehnſucht nach evangeliſcher Armuth. Durch ihre Handkungsweiſe und ihre Geringſchätzung aller irdiſchen Güter beſchämte ſie den Stolz und die Pracht ihrer Standesgenoſſen. Sie ſuchte nicht den Umgang mit den Großen dieſer Welt, ſie fühlte ſich am glücklichſten bei ihren Armen. Koſtbare Gewänder ver⸗ achtete ſie, die einfachſten Kleider waren ihr die liebſten, und die ärmlichſte Nahrung zog ſie den ausgeſuchteſten Speiſen vor. Einſt ſagte ſie zu ihrem Gemahl:„Ich wünſchte, daß wir weiter Nichts hätten, als einen Pflug Ackerland, wovon wir leben könnten, und eine kleine Schafheerde; dann könntet Ihr mit den Pferden ackern und Gott zu Liebe arbeiten, während ich die Schafe hütete und pflegte.“—„Ei, liebe Schweſter“, erwiderte Ludwig,„auch dann würden Viele uns noch zu reich finden.“— Auch mit ihren Freundinnen unterhielt ſie ſich oft von den Segnungen der Armuth; manchmal kleidete ſie ſich in einen alten grauen Mantel, wie ihn nur Arme trugen, bedeckte ihren Kopf mit einem durchlöcherten Schleier und ſprach dann die prophetiſchen Worte:„So werde ich umherziehen, wenn ich nach Gottes Willen als Bettlerin arm und hülflos ſein werde.“ „O Gott“, ſo ruft der hl. Franz von Sales aus,„wie war dieſe Fürſtin ſo arm in ihrem Reichthum, und ſo reich in ihrer Armuth!“ Du Bülf' und Croſt der Armen, Der Waiſen Mukter du, D wende dein Erbarmen Mns ſchwachen Rindern zu. 9. Dir demüthige und gehorſame Tochter der hl. Tranriscus. Un demſelben Jahre, als die hl. Eliſabeth — als Königstochter, von fürſtlicher Pracht umgeben, in einem Palaſte zur Welt kam, verzichtete zu Aſſiſt in Italien ein reicher Kaufmannsſohn aus Liebe zu Gott auf Fa⸗ milie, Reichthum und Ehren, vermählte ſich mit der hl. Armuth und zog dann aus, um der erſtaunten Welt Verachtung der irdiſchen Güter, Selbſtverleugnung und Buße zu pre⸗ digen und das Feuer der Liebe Gottes in den kalten Herzen ſeiner Zeitgenoſſen wieder zu entzünden. Dieſer gottbegeiſterte Jüng⸗ ling war der hl. Ordensſtifter Franciscus. Der Erfolg ſeiner zündenden Predigten war ein außerordentlicher. Tauſende von Jünglingen und Männern ſchloſſen ſich ihm an, vertheilten all ihr Vermögen unter die illen rde.“ von arm ihrer Armen und entſagten gänzlich der Welt, um nur dem Dienſte Gottes allein ſich zu widmen. Sie lebten gemeinſchaftlich und ſtanden mitten in der Nacht zu gemeinſamem Gebete anf. Werke des Seeleneifers und frommes Gebet wechſelten mit einander ab. Im Winter wie im Sommer gingen ſie barfuß und barhaupt; Jeder hatte nur ein Gewand mit einem ürtel, das ſie trugen, bis es unbrauchbar war. Da ſie Nichts mehr hatten, mußten ſie ihr tägliches Brod erbetteln; bekamen ſie mehr, als eben nöthig war, ihren Hunger zu ſtillen, ſo gaben ſie es den Armen. Auch mußten ſie ſtrenge Faſten und Abſtinenz halten. Unter Leitung des hl. Franciscus ſtiftete die hl. Clara eine weibliche Genoſſen⸗ ſchaft mit faſt denſelben Regeln, wie ſie die Franciscaner haben. Dieſe Orden waren der Sauerteig, wodurch Gott die damalige wieder mit chriſtlichem Geiſte beleben wollte. So groß war der Zudrang zu dieſen Klöſtern, daß auch Viele, die durch Standes⸗ pflichten an das Leben in der Welt gebunden waren(z. B. Eheleute, Söhne und Töchter hülfsbedürftiger Eltern), um Aufnahme in dieſelben nachſuchten. Hätte Franciscus Alle, die anklopften, einlaſſen wollen, ſo hätte er Städte und Länder entvölkert. Damit nun der gute Wille Solcher, die er nicht aufnehmen konnte und wollte, nicht in den Gefahren der Welt erſterbe, gründete er für Chriſten beiderlei Geſchlechtes, welche ihrer Verhält⸗ niſſe wegen in der Welt leben müſſen, den dritten Orden, damit ſie dennoch am Buß⸗ geiſte und an den Verdienſten des Francis⸗ canerordens theilnehmen könnten. Die Mit⸗ glieder des dritten Ordens nennt man Der⸗ tiarier, reſp. Tertiarinnen. Unſer glorreich regierender Papſt Leo KIII., ſelbſt ſeit ſeiner frühen Jugend ein begeiſterter Tertiarier, hat in ſeiner hohen Weisheit die Regeln dieſes dritten Ordens vielfach ge⸗ mildert, um möglichſt Viele zum Eintritte zu bewegen. Der Geiſt aber bleibt der alte: in Zurückgezogenheit, Verachtung ſündhafter Freuden und Bußgeiſt dem himmliſchen Vater⸗ lande zuzupilgern. Am 9. Mai 1884 empfing der hl. Vater die Mitglieder des General⸗ Capitels der Kapuziner, bekanntlich ein Haupt⸗ aſt am fruchtbaren Baume des heiligen Fran⸗ eiscus, und auf die Anrede des Ordensgenerals erwiderte er:„In euch ſehe ich die Vor⸗ kämpfer jenes Gedankens, den ich bereits mehrmals in Enchkliken niedergelegt, worin ich die Wiedergeburt der Welt und die ſociale DOrdnung von der Thätigkeit des dritten Ordens erwarte.“ In demſelben Jahre, als die Regel des dritten Ordens vom Papſte genehmigt und mit vielen Abläſſen verſehen ward, kamen die erſten Franciscaner in Deutſchland an. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß dieſer Orden, der ihren innigſten Wünſchen und Gefühlen —— 2 =—— — entſprach, von Eliſabeth mit Freude und Be⸗ geiſterung aufgenommen wurde. Sie unter⸗ ſtützte die frommen Ordensleute mit Rath und That, und um die Segnungen dieſes Ordens auch ihren Unterthanen zuzuwenden, gründete ſie in Eiſenach ſelbſt ein Francis⸗ canerkloſter nebſt Kirche. Sie ließ ſich vom hl. Vater Franciscus erzählen, und was ſie hörte, erfüllte ihr Herz mit der größten Ehr⸗ furcht vor ihm und trieb ſie an, in die Fuß⸗ ſtapfen dieſes Heiligen zu treten. Sobald ſie vernahm von der Gründung des dritten Ordens und den reichlichen Ab⸗ läſſen, deren derſelbe ſich erfreute, erkannte ſie ſogleich, welche Vortheile und feſte Stütze derſelbe Perſonen weltlichen Standes ge⸗ währe; verlieh doch der Beitritt zu dieſem Orden all ihren Werken der Frömmigkeit, Abtödtung und Nächſtenliebe eine beſondere Weihe. Da aber eine verheirathete Perſon zur Aufnahme in den Orden der Einwil⸗ ligung ihres Gatten bedurfte, ſo bat ſie de⸗ müthig ihren Gemahl um dieſe Erlaubniß; ſie ward ihr bereitwillig gewährt. Die Regel des dritten Ordens befolgte ſie nun auf's Gewiſſenhafteſte, ſie war fortan ihre Richt⸗ ſchnur auf dem dornigen Wege zur ewigen Herrlichkeit. Eliſabeth war die erſte Ter⸗ tiarin in Deutſchland, und das Beiſpiel dieſer durch Stellung und Tugend ſo ausgezeichneten Fürſtin trug mächtig zur großartigen Ver⸗ breitung des Ordens in allen Schichten der Geſellſchaft bei. Schon der Kanzler Kaiſer Friedrichs II. erzählt, die ganze Chriſtenheit ſcheine in dieſen Orden treten zu wollen. Der hl. Franciscus, dem ſeine geiſtlichen Söhne aus Deutſchland von der innigen Frömmigkeit, der rührenden Liebe zu den Armen, der tiefen Demuth der jungen Für⸗ ſtin und von dem guten Beiſpiele, das ſie ganz Deutſchland gebe, berichtet, wurde da⸗ durch ganz von Dank und Bewunderung für ſeine geiſtliche Tochter durchdrungen. Auf Anrathen des Cardinals Hugo, nachherigen Papſtes Gregor IX., überſandte der Heilige ihr (wie Elias ſeinem Jünger Eliſäus) ſeinen ab⸗ getragenen Mantel als verdiente Anerkennung ihres leuchtenden Tugendbeiſpiels und als Ausdruck ſeines Dankes für das dem Orden bewieſene Wohlwollen. Auf dieſes Geſchenk der Armuth legte Eliſabeth großen Werth. So oft ſie den lieben Gott um eine beſondere Gnade bat, legte ſie dieſen Mantel an; ſie hielt ihn in Ehren bis zu ihrem Tode. Zu ihrem Beichtvater und geiſtlichen Füh⸗ rer hatte Eliſabeth einen der erſten Schäler des hl. Franciscus, den P. Rodingo, einen durch Frömmigkeit und Eifer ausgezeichneten Mann, erwählt. Sie wußte recht wohl, daß, wie der Herr einſt den Saulus an Ananias gewieſen, er auch jede Menſchenſeele durch einen von der Kirche beſtellten, gewiſſenhaften und erleuchteten Beichtvater führen wolle. Als daher b. Rodingo abberufen wurde, war iſer ſie in nicht geringer Verlegenheit, durch wen hit ſie ihn erſetzen ſolle. Ihr Gemahl, den ſie . um Rath fragte, ſchrieb an den Papſt und hn bat ihn um einen frommen und gelehrten g Prieſter für Eliſabeth. Dieſer empfahl ihr den den ausgezeichneten Magiſter Konrad von i Marburg, der bei Geiſtlichen und Laien wegen ſe ſeiner Gelehrſamkeit, Frömmigkeit und Ge⸗ d rechtigkeitsliebe in höchſtem Anſehen ſtand. n Für eine ſolche Gnade, welche ſie als be⸗ uf ſondere Gunſt des Himmels anſah, war die gu junge Fürſtin dem Herrn ſehr dankbar und hr bereitete ſich auf die neue Leitung durch größere Bußübungen vor.„Ich armes ſündiges Weib“, u ſagte ſie oft,„ich bin nicht würdig, daß der heilige Mann mich führen ſoll. O Herr, wie u danke ich Dir für Deine Gnade!“ Konrad übem ne die Pflege dieſer duftenden Himmelspflanze. . Ihr Streben nach einem vollkommenen ſe! chriſtlichen Leben erhielt jetzt neuen Eifer. Einſt fand Konrad ſie ganz in Thränen, weil ſie zum Eheſtande berufen, und ihr nicht ver⸗ gönnt geweſen wäre, in dieſem ſterblichen n Leben Gott die Blume der Jungfräulichkeit zum Opfer darzubringen. Dafür aber legte ſ ſie gleichſam zum Erſatze zwei Gelübde ab: das erſte war das beſtändiger Enthaltſamkeit, falls ſie Wittwe würde; das zweite war das Gelöbniß unbedingten Gehorſams gegen ihren Beichtvater, ſoweit es mit ihren ehelichen Pflichten vereinbar war. — 6— Konrad ſah in ihr nicht die Fürſtin, ſon⸗ 3 die einfache Chriſtin, deren Seelenleitung Gott ihm anvertraut hatte. Er behandelte ſie mit Feſtigkeit, ja zuweilen mit Strenge. A Eliſabeth einſt den Beſuch ihrer Schwä— gerin, der Markgräfin von Meißen, hatte, hielt ſie ſich für entſchuldigt, der Predigt bei⸗ zuwohnen, obgleich Konrad ſie dazu gerufen hatte. Darüber unwillig ließ er ihr ſagen, er wolle ſich nicht länger mit der Sorge ihrer Seele befaſſen. Sogleich lief Eliſabeth zu ihm, warf ſich ihm zu Füßen, flehte ihn an, das harte Wort zurückzunehmen und bat ihn, ihr für ihren Fehler eine Genugthuung auf⸗ zuerlegen. Nun erſt verzieh ihr Konrad, legte ihr aber eine ſehr ſchwere Buße für ihren Ungehorſam auf. Der erleuchtete Gottesmann hatte ihr folgende zwölf Lebensregeln vorgeſchrieben, deren Befolgung auch dir, mein Chriſt, von größtem Nutzen für Zeit und Ewigkeit ſein wird: 1. Ertrage geduldig Verachtung in freiwil⸗ liger Armuth. Laß dir die Demuth am Herzen liegen. Laß fahren menſchlichen Troſt und Lüſte des Fleiſches. Sei barmherzig gegen den Nächſten. Danke Gott dafür, daß er dich durch ſeinen Tod von der Hölle und dem ewigen Tode erlöſet hat. 65 dO en e ſte — 4— Weil Gott Vieles für dich gelitten, ſo trage auch du dein Kreuz geduldig. Habe Gott ſtets in deinem Herzen und in deinen Gedanken. Weihe dich, Leib und Seele, ganz deinem Gotte. Erinnere dich oft daran, daß du von Gott und für Gott erſchaffen biſt, und beſtrebe dich daher, daß du auf ewig mit Gott vereinigt werden könneſt. 10. Was du willſt, das dir die Menſchen thun, das thue auch ihnen. 11. Denke immer daran, wie kurz des Men— ſchen Leben iſt, und daß die Jungen ſo gut wie die Alten ſterben. Darum ſtrebe immerfort nach dem himmliſchen Leben. 12. Bereue ſtets deine Sünden und flehe zu Gott, daß er ſie dir vergebe. ——— 10. Die Hungersnoth. Im Jahre 1225 ward Ludwig von Kaiſer Friedrich II. gebeten, mit ſeinen Mann⸗ ſchaften nach Italien zu kommen, um ihn im Kriege gegen die aufrühreriſchen Städte zu unterſtützen. Kaum hatte der Landgraf ſich dem kaiſerlichen Heere angeſchloſſen, als in Deutſchland, und beſonders in Thüringen eine große Hungersnoth ausbrach. Das Elend war unbeſchreiblich. Das hungrige St. Eliſabeth. 4 Volk durchſtreifte Wald und Flur, um ſich von Wurzeln, Kräutern und wilden Früchten zu nähren, die ſonſt nur vom Vieh gefreſſen wurden. Selbſt todte und in Verweſung übergegangene Thiere, wie Pferde, Kühe u. ſ. w. wurden ausgegraben und gierig verſchlungen. Dennoch verhungerten Viele; die Straßen waren mit Leichen bedeckt und die noch Leben⸗ den glichen nahezu Todtengerippen. Pas Herz Eliſabeths blutete beim An⸗ blick ſolchen Elendes. Tag und Nacht ſann ſie nach, wie den Unglücklichen zu helfen ſei. Zunächſt vertheilte ſie alle Gelder des land⸗ gräflichen Schatzes, der damals an die vier⸗ undſechzigtauſend Goldgulden betrug, unter die Nothleidenden; aber bei der großen Theuerung war dies bei Weitem nicht hin⸗ reichend. Dann ließ ſie die landgräflichen Vorrathskammern öffnen und alles Getreide austheilen, ohne auch nur etwas für ſich zu behalten. Die Kornkammern waren ſo ge⸗ füllt, daß man all das Getreide nicht mit mehreren Städten hätte kaufen können. Da aber die Klugheit die Lenkerin aller Tugen⸗ den iſt, ſo ließ Eliſabeth das Getreide nicht auf einmal und in großen Mengen abgeben, damit es verſchleudert werde, ſondern gebot, jedem Armen täglich nur für ſeine Nothdurft zu reichen. Auch ließ ſie Tag und Nacht in den Backöfen des Schloſſes Brod backen und theilte es ſelbſt aus. Auf dieſe Weiſe wurden täglich neunhundert Arme geſpeiſt. ſi 3 reſſe — Gewöhnlich hat eine Hungersnoth auch noch andere Uebel in ihrem Gefolge, wie Peſt, Epidemien, anſteckende Krankheiten. Da nun viele Arme durch Schwäche oder Krankheit den hohen Berg, auf dem die Wartburg lag, nicht erſteigen konnten, ſo wandte ſie dieſen ihr beſonderes Mitleid zu. Den Hülfloſeſten aus ihnen trug ſie ſelbſt die Ueberreſte der Mahtzeiten im Schloſſe in ihre Hütten hinab. Für Kranke, welche einer beſondern Pflege bedurften, gründete ſie außer dem Hospital, das ſie ſchon früher am Abhange des Berges geſtiftet, noch zwei andere Krankenhäuſer, das eine(zum heiligen Geiſt) für arme Frauen, das andere(zur hl. Mutter Anna) für Kranke im Allge⸗ meinen. Dieſes letztere beſteht heute noch und die Inſchrift über dem Eingange beſagt, daß Eliſabeth es gegründet. Jeden Tag nun ging Eliſabeth zweimal, Morgens und Abends, den langen, rauhen Weg, der von der Wartburg zu den Kranken⸗ häuſern führte, hinauf und hinab, um ihre Kranken zu beſuchen und mit nahrhaften Speiſen zu erquicken. Sie ging alsdann von Bett zu Bett, die Kranken ermunternd und tröſtend; Solchen, deren Krankheiten am ab⸗ ſtoßendſten waren, reichte ſie ſelbſt die Nah⸗ rung, machte ihre Betten, trocknete ihr Ge⸗ ſicht und ihre Wunden mit ihrem Schleier ab. In dieſem verpeſteten Dunſtkreiſe der Krankenſäle blieb ſie, ohne den mindeſten Widerwillen zu zeigen, während ihre Edel— frauen vor Ekel faſt ohnmächtig wurden und laut murrten. Dies Alles that ſie mit un⸗ beſchreiblicher Zärtlichkeit und unverwüſt⸗ lichem Frohſinn, und oft betete ſie:„O Herr, ich kann Dir nicht genug dafür danken, daß Du mir geſtatteſt, dieſe armen Menſchen, Deine liebſten Freunde, aufzunehmen und zu verpflegen.“ Für arme, verwaiſte Kinder hatte ſie eine beſondere Anſtalt gegründet und pflegte ſie mit der rührendſten Sorgfalt. So oft Eli⸗ ſabeth ſie beſuchte, liefen die Kleinen auf ſie zu, küßten ihre Hände, hingen ſich an ihre Kleider mit dem ſüßen Rufe:„Mutter! Mutter!“ Dann theilte Eliſabeth ihnen Eß⸗ waaren und kleine Geſchenke aus, nahm die Kranken auf ihren Schooß und überhäufte auch die Ekelhafteſten mit Liebkoſungen.— Die Gefangenen beſuchte ſie in ihrem Kerker, tröſtete ſie und kaufte von Denen, welche wegen Schulden eingekerkert waren, los, ſo viel ſie konnte. Sie ſalbte und verband die Wunden, die ihre Ketten ihnen verurſachten. Nicht minder trug ſie für ihre entfernteſten Unterthanen mütterliche Sorge; ſie ließ ihre Edelſteine, goldene Ringe und andere Koſt⸗ barkeiten verkaufen, um dieſen Armen den Ertrag zuzuwenden. Auch ihrer koſtbarſten Kleider ſchonte ſie nicht, die Aermſten damit zu bekleiden, wie wir ſchon erzählt haben. Hier wollen wir noch einen Zug anführen, der aber ſchon früher ſtattfand. Bei Gelegenheit der Ver⸗ mählung ſeiner Schweſter Agnes mit dem Herzog Heinrich von Oeſterreich gab ihr Ge⸗ mahl Ludwig ein großes Gaſtmahl, zu dem alle Grafen und Großen des Landes mit ihren Frauen und Hofdamen eingeladen waren. Als man ſich zur Tafel ſetzen wollte, be⸗ merkte man, daß die Landgräfin noch nicht anweſend war. Eliſabeth hatte nämlich auf ihrem Wege von der Kirche zum Schloſſe einen faſt nackten Armen auf der Treppe liegen ſehen, der ganz krank und clend aus⸗ ſah und ſie beſchwor, ihm um Chriſti willen ein Almoſen zu geben. Sie antwortete ihm, ſie habe eben Nichts, ihm zu geben, auch habe ſie ſich verſpätet und werde ihm etwas zum Eſſen ſchicken. Der Arme aber flehte immer inſtändiger, ſie möge doch nicht ohne milde Gabe an ihm vorübergehen. Durch das Flehen des Unglücklichen erweicht, reichte ihm Eliſabeth ihren koſtbaren ſeidenen Mantel, den ſie heute zu Ehren ihrer Gäſte trug. Dann ging ſie auf ihr Zimmer, da es ganz gegen die Sitte war, ohne Mantel zu er— ſcheinen, und ſie nur den einen beſaß. Der Bettler aber war ſogleich verſchwunden. Der Hofmarſchall, der dies geſehen, be⸗ richtete ſogleich dem Landgrafen:„Während Sie mit allen Edlen hier auf die Herrin warten, gibt ſie ſich draußen mit Bett⸗ lern ab; ſoeben hat ſie ſogar ihren Mantel weggegeben.“ Der Landgraf ging nun zu Eliſabeth auf ihr Zimmer und fragte, warum ſie nicht zur Tafel komme. Sie antwortete: „Lieber Bruder, ich käme gern, aber ich habe keinen Mantel; iſt es dir aber recht, ſo komme ich, wie ich bin.“ Eine ihrer Kammer⸗ frauen, die eben zugegen war, ſagte ganz verwundert:„Gnädige Frau, ich ſah eben noch Euren beſten Mantel im Schranke hängen, ſogleich will ich ihn holen.“ Sie ging und brachte aus dem Schranke den⸗ ſelben Mantel, den der Bettler ſoeben davon⸗ getragen. Da kniete Eliſabeth nieder zum Dankgebet und ging ſodann mit ihrem Ge⸗ mahl zur Tafel. Wer denkt hier nicht an den Mantel des hl. Martinns? Leider ſind die wohlthätigen Anſtalten und Denkmäler der barmherzigen Fürſtin unter⸗ gegangen in dem Strome der Zeiten; in der Capelle, wo ſie ſich ſo oft durch Gebet und den Empfang der hl. Communion geſtärkt, zeigt man heute die Kanzel Luthers. Nur ein Brunnen, inmitten von Blumen und Grün, in welchem die Fürſtin die Armen und deren Kleider gewaſchen, führt noch heute den Namen:„Eliſabethen⸗Brunnen“. Blei⸗ ben aber werden ihr in alle Ewigkeit ihre reichlichen Verdienſte, ihr himmliſcher Lohn! — 11. Gewitterwolken. DPMas Kreuz der Trübſal geht an den Reichen und Vornehmen nicht vorbei und drückt auch ihre Schultern oft recht ſchwer. Land⸗ graf Ludwig war noch nicht lange von ſeinem Kriegszuge in Italien zurückgekehrt, als wie⸗ derum die bittere Trennungsſtunde ſchlagen ſollte. Das hl. Land, wo der Erlöſer ge⸗ lebt und gelitten, war noch immer unter türkiſcher Herrſchaft; durch das ganze glaubens⸗ ſtarke dreizehnte Jahrhundert ging die heiße Sehnſucht, die hl. Orte zu befreien und das Morgenland dem Chriſtenthume zu unter⸗ werfen. Gemäß der Aufforderung der Päpſte Honorius III. und Gregor IM. hatte Kaiſer Friedrich II. noch einmal die Fürſten und Völker der ganzen Chriſtenheit eingeladen zu einem Kreuzzuge nach dem hl. Lande. Dieſer Aufruf fand in ganz Europa be⸗ geiſterten Wiederhall. Hunderttauſende von chriſtlichen Jünglingen und Männern, Rittern und Vaſallen, nahmen das Kreuz,„ſchmückten ſich mit der Blume Chriſti“, und gelobten, im hl. Kriege gegen die Feinde der Chriſter zu ſiegen oder zu ſterben. Fürſt und MWannen, Alle ſannen Einzig nur auf Goktes Ehr', Brim und Habe Dort dem Grabe Chriſti vpfern ſchien nicht ſchwer. Hätte da der großherzige, heldeumüthige, fromme und glaubensvolle Landgraf Ludwig zurückbleiben dürfen? Er zögerte keinen Augenblick; aus den Händen des ehrwürdigen Biſchofs Konrad von Hildesheim nahm er begeiſtert das Kreuz; da er aber ſeine Gattin, die ihn ſo zärtlich liebte, nicht vor der Zeit betrüben und ängſtigen wollte, um ihrer Ge⸗ ſundheit nicht zu ſchaden, gedachte er ihr ſeinen Entſchluß erſt vor der Abreiſe mit⸗ zutheilen. Anſtatt alſo das Kreuz auf ſein Oberkleid zu heften und offen zu tragen, trug er es verborgen, um es den Augen Eliſabeths zu entziehen. Als beide Ehegatten jedoch eines Abends traulich zuſammenſaßen, griff Eliſabeth tän⸗ delnd wie von ungefähr in die Gürteltaſche ihres Mannes. Sie fand darin ganz un— erwartet das Kreuz, das Abzeichen der Kreuz⸗ fahrer. Wie eine Bergeslaſt legte ſich dieſer Anblick, der ihr die bittere Trennung und dunkle Ahnungen von all dem Unglück, das ſie bedrohte, vor Augen führte, auf ihr zartes Gemüth nieder, und erdrückt von Schrecken fiel ſie in Ohnmacht. Erſchrocken hob der Fürſt ſie auf, und als ſie wieder zur Be⸗ ſinnung gekommen war, ſuchte er ſie durch die liebevollſten Worte zu beruhigen und zu tröſten.„Siehe, meine theure Schweſter“, ſagte er zu ihr,„ich thue es ja meinem Hei⸗ lande zu Liebe, ohne deſſen Wiſſen und Willen kein Haar von meinem Haupte fällt. in, ei Ge i ein en, gel — 6 Du haſt ja zu viel Glauben und Liebe zu Gott, um mich zu hindern, das für Gott zu thun, was ich für meinen irdiſchen Herrn, den Kaiſer, thun müßte, wenn er es forderte.“ Anfangs konnte Eliſabeth nicht ſprechen; Schluchzen und Thränen erſtickten ihre Stimme; endlich ſagte ſie:„Lieber Bruder, wenn es nicht gegen Gottes Willen iſt, ſo bleibe doch bei mir.“ Ludwig erwiderte⸗ „Vielliebe Schweſter, gönne mir, daß ich mich dieſen Gefahren unterziehe, denn ich habe es Gott zu Liebe gelobt.“ Da ermannte ſich die opferwillige und ſtarkmüthige Frau; ſie ergab ſich ganz in Gottes hl. Willen und ſagte:„Gegen Gottes Willen will ich dich nicht zurückhalten. Er gebe dir, ſeinen Willen zu vollbringen. Ich habe dich und mich ihm geopfert. Sein Segen walte über dir, alles Glück ſei immer mit dir; dafür will ich zu jeder Stunde beten. So ziehe denn hin in Gottes hl. Namen, ſo wehe es mir auch thut.“ Wenn der Menſch ein ſchweres Opfer bringt, ſo gibt er gleichſam ein Stück ſeines Herzens weg und er bedarf der Ruhe und Sammlung. Beide ſchwiegen daher einige Zeit. Dann beriethen ſie mit einander über das Kind, das ſie binnen Kurzem vom lieben Gott erhofften. Sie beſchloſſen, dasſelbe ſchon vom Augenblicke ſeiner Geburt dem beſondern Dienſte Gottes zu weihen; wäre 55 es ein Sohn, ſo ſolle er in einem Kloſter zum geiſtlichen Stande, wäre es aber eine Tochter, ſo ſolle ſie in der Abtei Romn ers⸗ dorf zu einer künftigen Braut Chriſti er⸗ zogen werden. Nachdem Ludwig vorerſt die Angelegen⸗ heiten ſeines Hauſes geordnet hatte, machte er ſeinen Entſchluß auch ſeinen Unterthanen bekannt. Er berief die Landſtände zu einer feierlichen Verſammlung und traf mit ihnen die nothwendigen Anordnungen, damit das Volk in ſeiner Abweſenheit milde und gerecht regiert und das Land gut verwaltet werde. Dann ſprach er zu den Verſammelten:„Es iſt euch genugſam bekannt, theure Waffen⸗ gefährten, Barone, Magnaten, Ritter und Volk, daß unter meines ſeligen Vaters Re⸗ gierung das Land öfters in Krieg verwickelt war. Mir dagegen hat Gott ruhigere Zeiten gewährt; wie ihr ſehet, blüht Alles umher in Eintracht und ungeſtörtem Frieden. Aus Liebe zu Gott und euch will ich nun mein theures Weib mit meinen vielgeliebten Kin⸗ dern und Brüdern und die reichen Lande ſammt Verwandten, Freunden ꝛc. gern ver⸗ laſſen und im Namen Jeſu als Pilger fort⸗ ziehen. Darum bitte ich euch Alle inſtändig, daß ihr für mich betet, damit Gott mich geſund wieder zu euch zurückführe, wenn es ſo ſein hl. Wille iſt; denn mich und euch unterwerfe ich in Allem ſeinem göttlichen Willen.“ 5 ſtu Dieſe herrlichen Worte machten auf die tu ganze Verſammlung einen gewaltigen Ein⸗ druch Alle waren tief gerührt; ſelbſt rauhe 6 Krieger ſah man von Schmerz überwältigt. Thränen und Schluchzen bekundeten deutlich, en wie tief es Allen ſchmerze, ſich von ihrem cht lieben Landesherrn ſo lange, vielleicht für nn immer trennen zu müſſen. ner Damit das Volk einen klaren Begriff nen habe von der Erlöſung und ſeine Beweg⸗ da gründe zum Kreuzzuge beſſer würdigen könne, ct ließ er in einem Paſſionsſpiele(wie es von N. Zeit zu Zeit noch in Oberammergau geſchieht) 65 das Leiden Chriſti durch lebende Bilder(Per⸗ en ſonen) aufführen. Dann beſuchte er mehrere nd Klöſter ſeines Landes, um Abſchied zu nehmen i und die Ordensleute um ihren Segen und elt ihr Gebet zu bitten. Von ſeiner Familie begleitet, begab ſich in Ludwig nach Schmalkalden, wohin er die 16 Ritter und alle Kreuzfahrer beſchieden hatte. in Hier ſollte er auch von Eliſabeth und allen n ſeinen Lieben Abſchied nehmen. de Der Scheidungstag, das Feſt der Geburt Johannes des Täufers, war angebrochen. Nicht allein die Ritter, die am Kreuzzuge , theilnehmen ſollten, waren gekommen, auch . das Volk war in Schaaren herbeigeeilt, ſei⸗ nen Landesfürſten noch einmal zu ſehen. Nun war die Stunde gekommen, wo Ludwig ſich den Armen ſeiner Lieben entreißen mußte. Er ſegnete zuerſt ſeine Brüder und empfahl — 60— ihnen dringend ſeine Mutter, ſeine Kinder und ſeine liebe Eliſabeth. Die beiden Kinder, die noch nicht begriffen, um welch ernſte Trennung es ſich handle, und die meinten, ſchon am folgenden Tage würden ſie den geliebten Vater wiederſehen, klammerten ſich an ſeine Kleider, umarmten ihn weinend und riefen ihm zu:„Gute Nacht, lieber Vater, viel tauſend gute Nacht, herzgoldiger Vater!“ — Ludwig ſchloß ſie noch einmal in ſeine Arme und konnte ſich der Thränen nicht er— wehren. Als er ſich nun zu Eliſabeth wandte, um auch von ihr auf lange, lange Zeit, vielleicht auf immer, Abſchied zu nehmen, da ward ſelbſt der ſonſt ſo ſtarke Mann vom Tren⸗ nungsſchmerze überwältigt. Er brach in Thränen und Schluchzen aus. Lange ver— mochte er kein Wort hervorzubringen. Da faßte er zugleich Gattin und Mutter in ſeine Arme, drückte ſie Beide an ſeine Bruſt und küßte ſie weinend, ohne ein Wort ſprechen zu können. Endlich ſagte er:„Liebe Mutter, ich muß dich jetzt verlaſſen; ſtatt meiner aber laſſe ich dir meine beiden Brüder; beſonders empfehle ich dir meine theure Gattin; habe Mitleid mit ihrem Schmerz und Gram.“ Aber weder Mutter noch Gattin wollten ſich von ihm trennen, krampfhaft hielten ſie ihn eſt. Beim Anblicke dieſes opferwilligen und zärtlichen Gemahls, der ſich vom Theuer— — ſten auf Erden losriß, um muthig unter IM ad e⸗ Do nd zu 6 er l be n d tauſenderlei Gefahren ſeinem Gott zu dienen, füllten ſich Aller Augen mit Thränen. Nun wand ſich Lndwig los und wollte mit den Kreuzrittern weiter ziehen; aber Fliſabeth konnte es nicht über ſich bringen, ſich jetzt ſchon von ihm zu trennen; ſie hatte ihn gebeten, ihn wenigſtens bis an die Grenze des thüringer Landes begleiten zu dürfen. So ritten ſie denn neben einander in ſchwerem Kummer, ſtumm, wie wenn Jedes die Leiche des Andern zu Grabe geleitete. An der Grenze angekommen, konnte ſich die liebende Gattin noch nicht entſchließen, ſich zu verab⸗ ſchehen ſie ging noch eine Tagreiſe mit. Am liebſten hätte ſie mit ihm den Kreuzzug mit— gemacht; aber das Wohl ihrer Kinder und des Landes machte ihr die Umkehr zur Pflicht, und der Wille Gottes war ihr mehr, als alles Andere. Die Scene der letzten Tren⸗ nung läßt ſich nicht beſchreiben. Im letzten Augenblicke zeigte Ludwig ihr ſeinen Siegel⸗ ring mit den Worten:„Eliſabeth, meine allerliebſte Schweſter, dieſer Ring an meiner Hand, in deſſen Edelſtein das Lamm Gottes eingegraben iſt, ſoll dir die Botſchaft bringen von meinem Leben oder Tode. Wer dir dieſes Ringlein bringt, dem magſt du glauben, Gutes oder Schlimmes. Meine allerliebſte, treue Schweſter, leb' wohl, Gott ſei mit dir allzeit..“ Dann faßte ſich der edle Fürſt und ritt ſtarkmüthig mit ſeinem Heere weiter. — 62— Eliſabeth kehrte faſt halbtodt vor Schmerz mit ihren Frauen auf die Wartburg zurück. Daſelbſt entledigte ſie ſich ſogleich ihres fürſt⸗ lichen Schmuckes und legte Wittwenkleider an. Sie ſollte dieſe Kleider nicht mehr ablegen. Wüßt auch ihr, v Wenſchenkinder, Erennen einſt vom Pirbſten ruch, Sri's vom krauken Beimathsherde Und von Elternlirb' ſo reich, Sei's von Bandrn, Die umwanden Frſter Euch als Alles noch: D dann denket Und verſenkek In Sanrt Elsbrths Schmerz ruch dych. Dann rinſt drüben Gibt dir Lirben, Die für Gokt ihr ließt zurück, Gibt auf's Peur Der gekreur Gokt ruch dann in ew'gem Glück. 12. Gin harter Fchlag. Wohl hatte der Abſchied von ſeiner gelieb⸗ ten Eliſabeth Ludwigs Herz in ſeinen tiefſten Tiefen erfaßt, aber kaum hatte er die trauernde Gattin aus den Augen verloren, als Gott ihm das dargebrachte Opfer mit vertrauensvollem Muth und Frohſinn be⸗ lohnte. Umgeben von der Blüthe ſeiner Ritterſchaft, begleitet von ſeinem Hofcaplan und vier andern Prieſtern, die für die reli⸗ giöſen Bedürfniſſe ſeiner Mannſchaften zu hue urüc. firſ rn egen ieb⸗ nen die n, mit be ner an li zu ſorgen hatten, zog der fürſtliche Kreuzfahrer mit ſeinen Vaſallen über die Tyroler Alpen zum Kaiſer nach dem Sammelplatze Klein⸗ Troja, Ende Auguſt 1227. So jung Landgraf Ludwig auch war, ſo gewann er doch das Zutrauen des Kaiſers mehr, als irgend ein anderer Fürſt; mit ihnm— berieth ſich Friedrich Il. über den Plan des Kreuzzuges und Beide ſchifften ſich in Brindiſi ein, nachdem ſie durch ein feierliches Amt und öffentliche Gebete ihre Fahrt unter Gottes Schutz geſtellt. Leider war durch die fürchterliche Hitze ſchon eine Seuche unter den Kreuzfahrern ausgebrochen, an der Viele ſtarben. Schon vor der Abfahrt fühlte Ludwig die erſten Anzeichen eines kalten Fiebers; dennoch reiſte er mit dem Kaiſer bis Otranto, wo er an's Land ſtieg, um der Kaiſerin, die daſelbſt weilte, ſeine Huldigung darzubringen. Das Fieber nahm derart zu, daß er, auf ſein Schiff zurückgekehrt, ſich zu Bette legen mußte. Die Krankheit ward von Tag zu Tag heftiger, jede Hoffnung auf Geneſung ſchwand dahin. Ludwig täuſchte ſich nicht über ſeinen Zu⸗ ſtand; er dictirte ſein Teſtament, beichtete mit großer Demuth und Reue und ließ ſich durch den Patriarchen von Jeruſalem die hl. Sterbeſacramente reichen. In Gegen⸗ wart ſeiner Ritter, die ſein Bett umſtanden, empfing er die hl. Wegzehrung mit inbrün⸗ ſtiger Andacht. Kein Wort der Klage kam aus ſeinem Munde, kein Wort des Bedauerns, ſchon aus dieſem Leben ſcheiden zu müſſen. Sein Leben hatte er ja bereits Gott geopfert, als er das Kreuz nahm. Er ſehnte ſich vielmehr nach dem Himmel, und weder ſein Vaterland, noch ſeine Verwandten, noch ſeine Kinder, die ihn kaum gekannt, noch ſeine einzig geliebte Eli⸗ ſabeth, ſein höchſtes Gut auf Erden, ver⸗ mochten dieſe heiße Sehnſucht auszulöſchen. Wie ein treuer Soldat ſeinem Befehlshaber, ſo folgte er willig der Stimme des höchſten Kriegsherrn, der ihn abberief. Der Tod führte ihn zu Dem, den er über Alles geliebt, mehr als Weib und Kind, zu Gott, der ihm die Siegeskrone in Bereitſchaft hielt. Dort hoffte er auch ſeine Theuren, insbeſondere ſeine heiß⸗ geliebte Eliſabeth, dereinſt wiederzuſehen. Ueberzeugt, daß die Stunde ſeines Todes nahe ſei, trug Ludwig einigen ſeiner Ritter auf, ſeinen Tod ſeiner theuren Gattin anzu⸗ zeigen, und ihr den Siegelring, den er ihr beim Abſchied gezeigt, zur Beglaubigung zu überbringen. Dann beſchwor er alle An⸗ weſenden, ſeiner im Gebete zu gedenken und, falls ſie ſiegen würden, ſeine Gebeine nach ſeinem geliebten Thüringen zu bringen. In ſeinem letzten Augenblicke rief er aus:„Scht da, die glänzenden, ſchneeweißen Tauben. Mit ihnen muß ich davon fliegen!“ Nach dieſen Worten hauchte er ſeine Seele aus, im Alter von ſiebenundzwanzig Jahren. nn ben ler Sobald er den Geiſt aufgegeben, ſah auch ſein Hofcaplan und Beichtvater die Tauben, wie ſie öſtlich gen Himmel flogen, und er wunderte ſich nicht, daß der heilige Geiſt ſeine Engel in Geſtalt weißglänzender Tauben geſandt habe, dieſe edle Seele, welche die Un⸗ ſchuld und Reinheit einer Taube hienieden bewahrt hatte, abzuholen zur himmliſchen Herrlichkeit. Man denke ſich nun den Schmerz und das Wchklagen der Seinen, die, jetzt in fremdem Lande verlaſſen, einen ſo guten Führer verloren hatten. Aber inmitten dieſes Jammers lag Ludwig da, von neuer Schönheit verklärt: über das edle Antlitz war der Schim— mer himmliſcher Wonne und Ruhe ausgegoſſen und ſeliger Friede ſtrahlte aus ſeinen Zügen. Erſt Anfangs Winter kamen die Ritter, welche die traurige Botſchaft überbringen ſollten, in Thüringen an. Eliſabeth war eben wieder Mutter geworden und lag noch kraftlos und krank darnieder; man mußte daher die traurige Nachricht vor ihr geheim halten, Mutter und Bruder beweinten Ludwig nur, wenn Eliſabeth nicht in der Nähe war. Endlich aber mußte man ihr von dem herben Schlage ſprechen, der ſie getroffen; nach ſechs Wochen hielt man ſie ſtark genug, das Schreckliche zu hören. Die Mutter Sophie hatte ſich ſchon ausgeweint und über⸗ nahm es, ihrer Schwiegertochter ſchonend die traurige Kunde mitzutheilen. Sie begab ſich daher mit einigen Frauen auf ihr Zimmer, St. Eliſabeth. 5 ℳ ℳ wo Eliſabeth, Nichts ahnend, ſie freundlich empfing:„Meine liebe Tochter“, ſprach Schwiegermutter Sophie,„ſei ſtarkmüthig und betrübe dich nicht zu ſehr über das Un⸗ glück, das unter Gottes Zulaſſung deinen Gemahl, meinen Sohn, getroffen.“ Eliſabeth hatte noch keine Ahnung von dem Tode ihres Gemahls, meinte vielmehr, er ſei gefangen, und ſagte:„Wenn mein Bruder gefangen iſt, ſo wird er wohl mit Gottes und ſeiner Freunde Hülfe befreit werden.“ Darauf er⸗ widerte die Mutter:„Er iſt nicht gefangen, liebe Tochter; hier iſt der Ring, den er dir geſandt hat, er iſt leider— todt!“ Wie ein Blitz traf dieſer Schlag die ahnungsloſe Eliſabeth. Sie ward bald bleich, bald roth, ließ die Arme in den Schooß fallen und rief mit vor Schmerz erſtickter Stimme:„Todt? Mein Gott, todt! So iſt denn auch Alles todt für mich, die Welt mit ihren Freuden!“ Dann lief ſie wehklagend durch ihre Gemächer und rief ein über das andere Mal:„Ach, er iſt todt, nun habe ich Alles verloren!“ Man ſuchte ſie zu tröſten, aber ſie fing an, heftig zu weinen und zu ſchluchzen:„O mein herzallerliebſter Bruder, o mein frommer Mann, biſt du denn ge⸗ ſtorben und haſt mich hier im Elend zurück⸗ gelaſſen! O wie kann ich leben ohne dich! Nun tröſte Du mich, o Gott, der Du Vater der Wittwen und Waiſen biſt und ſie nicht verläſſeſt. O mein Gott, tröſte mich! O mein — 6— Jeſus, ſtärke mich in meiner Schwachheit!“ — Ihre Frauen führten ſie auf ihr Zimmer und vermiſchten ihre Thränen mit den Thrä⸗ nen Eliſabeths. Alle Bewohner des Schloſſes gaben ſich nun rückhaltlos ihrem Schmerze hin. Acht Tage hörte man auf der fürſtlichen Wartburg nur Weinen und Wehklagen. So wollte Gott durch das Feuer des Leidens und des Schmerzes, wie durch ein Reinigungsfeuer, das, was noch Irdiſches und Unvollkommenes an ihrer Liebe zu ihrem Gemahl war, hinwegnehmen und ihre heilig⸗ mäßige Seele durch Zertrümmerung allen Erdenglückes prüfen und läutern. Lange, heftige Stürme des Leidens ſollen noch die ſchwache Pflanze niederbeugen; aber durch eine wunderbare Kraft von oben wird ſie ſich aufrichten, den Thau des Himmels ein— ſaugen, alle ihre Blüthen erſchließen und in unvergleichlicher Schönheit prangen. Was ich habe, Skell' als Gabe Dir ich liebend gern zurück; Pimm das TLirbſte, Schick' das Zrübſte: Was Du willſt, das iſt mein Glück. Himmelsſehnen Skillt die Chränen, Brilt das Berz und ſtärkk den Sinn; Engelsſchwingen Werden bringen Dich zu ew'gen Freuden hin. 6 13. Die Ausweiſung. Pas Mitleid, das man der jungen Wittwe in den erſten Tagen ihrer Trauer be⸗ wies, dauerte nicht lange. Eliſabeth hatte durch ihre Mildthätigkeit und durch das herr⸗ liche Beiſpiel ihres demüthigen und buß⸗ fertigen Lebens ſich unter den ſtolzen und üppigen Hofleuten manche Feinde zugezogen. Dieſen waren gerade jetzt die Umſtände über⸗ aus günſtig. Eliſabeth hatte nur einen Sohn, Namens Hermann, der bei dem Tode ſeines Vaters erſt fünf Jahre alt war. Daher hatte Land⸗ graf Ludwig vor ſeinem Tode angeordnet, daß Eliſabeth die Regierung ſo lange führe, bis Hermann großjährig ſei. Ludwig hatte zwei jüngere Brüder: Heinrich Raspe und Konrad. Ehyrloſe Höflinge, denen Eliſabeth längſt ein Dorn im Auge war, und die ſchon früher ihr Gift gegen ſie ausgeſpritzt hatten, ſuchten Heinrich einzureden, nach den alten thüringiſchen Landesgeſetzen gehöre die Land⸗ grafſchaft ungetheilt dem älteſten Fürſten des Hauſes; da Ludwig nun geſtorben ſei, ſo ge— höre Thüringen ihm als dem Aelteſten, und nicht Hermann, dem Sohne Ludwigs. Er ſolle daher Eliſabeth mit dem kleinen Her⸗ mann und den andern Kindern verdrängen und ſie nicht allein von der Wartburg, ſon⸗ dern auch aus allen landgräflichen Beſitzungen vertreiben, je eher, deſto beſſer. u — 69— Heinrich war ſchwach genug, dieſen ruch⸗ loſen Rathſchlägen Gehör zu geben. Die Herrſchaft über die ſchönen Lande war für ihn zu verlockend. Auch ſein jüngerer Bru⸗ der Konrad ließ ſich verführen, und ſo wur⸗ den die Beiden, die geſchworen hatten, Eli⸗ ſabeth und ihre Kinder zu beſchützen, zu Verräthern an der Wittwe und den armen Waiſen. Die falſchen Hofleute erhielten den Auftrag, den ruchloſen Plan in Ausführung zu bringen. Allſogleich eilten ſie zu der ahnungsloſen Eliſabeth, um ihr den Befehl Heinrichs an— zuzeigen, und ihre niederträchtigen Blicke an chrem Schmerz zu weiden. Sie fanden ſie bei ihrer Schwiegermutter Sophie: gemein⸗ ſamer Schmerz bringt die Menſchen einander näher. Zuerſt überhäuften ſie Eliſabeth mit Vorwürfen, ſie habe das Land arm gemacht, die öffentlichen Gelder verſchleudert, ihren Mann entehrt und betrogen; daher laſſe ihr Landgraf Heinrich, der neue Landesherr, an⸗ kündigen, ſie ſei zur Strafe für ihre Ver⸗ gehen all ihrer Güter verluſtig und müſſe allſogleich das Schloß verlaſſen. Empört über ſolche Niederträchtigkeit, umarmte Sophie ihre Schwiegertochter und rief:„Nein, ſic ſoll hier bleiben, Niemand ſoll ſie von hier vertreiben! Wo ſind meine Söhne? Ich will mit ihnen reden.“ Die Elenden antworteten, die Grafen ſeien verreiſt. Zu Eliſabeth aber ſagten ſie trotzig:„Ihr ſollt und müßt fort!“ und legten Hand an, um ſie mit Gewalt fortzuſchleppen. Wie erdrückt durch dieſen Schimpf, bat Eliſabeth die rohen Menſchen, ihr doch wenigſtens noch einen kleinen Aufſchub zu geſtatten; höhnend erwiderten die Unmenſchen, ſie ſei ſchon allzu lange auf dem Schloſſe ge⸗ weſen, ſie möge ſich nur ſchnell fortſcheeren. Nicht das Geringſte durfte die arme Königs⸗ tochter mit ſich nehmen, und ohne Weiteres ward ſie hinausgeſtoßen. In dem Hofe fand ſie ihre Kindlein, von zwei ihrer Frauen, die mit ihr verſtoßen wurden, ihr zugeführt. Der Anblick dieſer armen Waiſen, die das grau⸗ ſame Loos ihrer Mutter theilen ſollten, er— füllte die Großmutter Sophie mit Scham und Zorn, tiefſtem Schmerz und Verzweif⸗ lung; aber helfen konnte ſie nicht. Sie hielt unter heftigem Weinen Eliſabeth umſchlungen, bis dieſe abzog, und die Thore der Burg, die ſeit ihrem vierten Jahre ihre zweite Hei⸗ math war, ſich hinter ihr ſchloſſen. Es war mitten im Winter, als die ver⸗ ſtoßene Königstochter hülflos und verlaſſen, zu Fuße den rauhen Pfad zur Stadt hinab⸗ ſtieg; ihr jüngſtes Kind trug ſie auf dem Arme, die beiden andern führte ſie an der Hand. Wo ſollte ſie jetzt Obdach, Erbarmen und Hülfe finden, ſie, die ſo viele Thränen getrocknet, ſo viel Elend und Noth gelindert hatte?— Ihr Herz blutete beim Anblick ihrer Kinder, die in der bitteren Kälte froren —— und weinten. Aber der Stadt Eiſenach hatte ſie unzählige Wohlthaten erwieſen, Tauſende ihrer Armen und Kranken gepflegt, dort⸗ hin lenkte ſie ihre Schritte bei anbrechender Nacht. Zuerſt klopfte ſie an den Thüren Der⸗ jenigen an, die ſie früher ihrer Dankbarkeit und Liebe verſichert hatten; vergebens: man hatte allerlei Ausflüchte, ſie abzuweiſen. Dann verlangte ſie mit ihren zitternden Kindern Einlaß bei ſonſtigen Bekannten: umſonſt, überall ward ſie abgewieſen. Land⸗ graf Heinrich hatte nämlich ſtrenge verboten, weder Eliſabeth ſelbſt noch ihre Kinder auf⸗ zunehmen, und dieſer grauſame Befehl ward nur zu gut befolgt: Niemand wollte ſich den Zorn des neuen Landesherrn zuziehen. End⸗ lich kam Eliſabeth zu einer elenden Schenke, wo der Wirth ihr einen verfallenen Stall zur Herberge anwies. Zuerſt aber mußten die Schweine noch ausgetrieben werden, um der Königstochter mit ihren Kindern Platz zu machen. In dieſem letzten Grad von Erniedrigung erfüllte der Troſt des heiligen Geiſtes wun⸗ derbar ihr Herz, ihre Thränen trockneten und ſüßer Friede zog in ihre Seele ein. Da hörte ſie um Mitternacht das Glöcklein des von ihr gegründeten Franciscanerkloſters zur Mette läuten. Sogleich ging ſie zur Kirche, betete daſelbſt recht innig und bat am Schluſſe des Gottesdienſtes die Mönche, ein Te Deum zu ſingen zur Dankſagung für all die Lei⸗ den, die Gott ihr zugeſandt. Während dieſes Lobgeſanges dankte ſie, am Fuße des Altars knieend, laut dem Herrn Jeſus, daß ſie nun arm und verlaſſen ſei, wie er ſelbſt im Stalle zu Bethlehem.„O Herr“, rief ſie,„Dein Wille geſchehe! Geſtern war ich noch Land⸗ gräfin und hatte Burgen und Schlöſſer; heute bin ich eine Bettlerin, die Niemand mehr aufnehmen will. Dein Name ſei ge⸗ prieſen! Meine Kinder, im Reichthum ge⸗ boren, liegen nun hier vor Kälte zitternd, hungrig, ſogar ohne Stroh; das macht mir das Herz ſchwer um ihretwegen. Ich aber, o mein Gott, bin nicht würdig, daß Du mich zur Gnade der hl. Armuth erwählt haſt. Lob Dir und Dank!“ Wag dein Berz vor Schmerz auch beben, Lerne aus der Beil'gen Loben, Doch zum Dank dich durchzuringen, Uhm, dem Böchſten, Lob zu ſingen. Mus Nreid Wird Frend'! ——— 14 Froſt im grid. So blieb Eliſabeth mit ihren Kindlein noch lange in der Kirche knieen und beten, und Gott tröſtete ſie mehr und mehr. Endlich nöthigte ſie die Sorge für die Kleinen, die über Kälte und Hunger klagten, hinauszugehen und Eiſenachs Straßen, durch die ſie ſo oft — als Engel der Barmherzigkeit gewandelt, jetzt als verlaſſene Bettlerin zu durchziehen. Ver⸗ gebens bat ſie um Herberge, Speiſe und Trank: die Einen wieſen ſie ſchnöde ab, die Andern hatten wohl Mitleid mit ihr, fürch⸗ teten aber den Landgrafen Heinrich zu ſehr. Nur ein Prieſter, der ſelbſt arm war, bot ihr ſeine Wohnung an, was Eliſabeth auch dankend annahm. Aber kaum hatten ihre unmenſchlichen Verfolger erfahren, daß ſie ein Obdach gefunden, als ſie Eliſabeth ſungen⸗ das gaſtliche Haus eiligſt zu ver⸗ aſſen. Es blieb ihr daher nichts Anderes übrig, als zu dem Stalle der Schenke zurückzukehren, wo ſie die erſte Nacht nach ihrer Ausweiſung eine Zufluchtsſtätte gefunden hatte. Doch brachte ſie den größten Theil des Tages und meiſtens auch die Nacht in der Kirche zu. „Von hier darf mich Niemand verjagen“, ſagte ſie,„hier iſt die Herberge Gottes.“ Wie weh thaten ihr die Undankbarkeit und Hartherzigkeit der Menſchen, beſonders ihrer Kinder wegen! Sie, die ſo vielen armen Waiſen eine zärtliche und liebevolle Mutter geweſen, mußte ſich jetzt von ihren eigenen Kindern trennen, um ſie nicht in ſo zarter Jugend Mangel und Elend leiden zu ſehen. Mitleidige Perſonen, die in der Ferne von ihrer Noth vernahmen, boten ſich an, die Kinder zu ſich zu nehmen. Es war dieſe Trennung ein ſehr ſchweres Opfer für das gebeugte Mutterherz, aber ſie brachte es ihren Kindern zulieb.— Jetzt, wo ſie die Kleinen geborgen wußte, trug ſie ihr eigenes Elend um ſo gefaßter. Ihren Unterhalt verdiente ſie ſich durch fleißiges Spinnen bei Tag und bei Nacht und konnte ſich noch an ihrem Munde etwas abſparen, um es den Armen zu reichen. Es war dies der Heller der Wittwe, der in den Angen Gottes mehr Werth hatte, als die Goldſtücke der Reichen. Einer ſo heldenmüthigen Geduld gegen⸗ über gingen ihre Verfolger nicht weiter und zwangen ſie nicht, Eiſenach zu verlaſſen. Aber die Einwohner dieſer Stadt verharrten in ihrer harten Gefühlloſigkeit. Die Furcht vor der Ungnade des Landgrafen ſchien alle edleren Gefühle in ihnen erſtickt zu haben. Armſelige Menſchenfurcht, wie weit erniedrigſt du deine Sklaven! Eine alte, preſthafte Bettlerin, die von Eliſabeth früher lange liebevoll gepflegt worden, begegnete ihr einſt, als ſie über einige ſchmale Steine einher⸗ ging, um einen durch die Straße fließenden ſchmutzigen Bach zu überſchreiten. Die Bett⸗ lerin wollte nicht ausweichen und ſtieß die ſchwache Wittwe derart, daß letztere in das ſchmutzige Waſſer fiel. Dann ſpottete ſie Eliſabeths:„Da liegſt du gut; du haſt dich nicht aufgeführt wie eine Landgräfin, als dn es warſt; nun, ſo bleib' auch jetzt liegen; ich helfe dir nicht heraus.“ Eliſabeth bemühte ren nen en nt und ren nen ſich aufzuſtehen und ſagte ſanft und freund⸗ lich:„Das ſei meine Buße dafür, daß ich früher Gold und Edelſteine getragen habe.“ Dann wuſch ſie ohne eine Spur von Un⸗ willen ihre Kleider in einem nahen Waſſer, ihre Seele aber badete ſie im Blute Jeſu, des geduldigen Lammes. In all dieſen Leiden kam nie eine Klage über Eliſabeths Lippen. Gott, der ihr dieſe Prüfungen ſchickte, gab ihr auch Kraft, die⸗ ſelben zu tragen; ja, nachdem ihr alles Ir⸗ diſche verleidet war und alles Lieben und Leben ihres Herzens ſich zum Himmel er⸗ hob, da ward ſie zuweilen übernatürlicher Erſcheinungen und Tröſtungen gewürdigt. An einem Tage der hl. Faſtenzeit, als ſie während der hl. Meſſe in der Kirche kniete, lehnte ſie plötzlich den Kopf an die Wand und richtete die Augen ſtarr auf den Altar, in tiefe Beſchauung verloren. Als ſie nach der Communion wieder zu ſich kam, war ihr Angeſicht in ſüßer Wonne wie ver⸗ klärt. Iſentrude, die unter ihren Frauen am meiſten ſie liebte und ihre Herrin auch im Elend nicht verlaſſen hatte, fragte ſie inſtändigſt, was ſie geſehen; doch Eliſabeth erwiderte:„Es ſteht mir nicht zu, den Menſchen zu erzählen, was Gott mir offen⸗ bart hat.“ Als ſie nach der hl. Meſſe in ihre arm⸗ ſelige Wohnung zurückgekehrt war, lehnte ſie ermüdet den Kopf an den Buſen ihrer treuen Iſentrude und blickte lange unentwegt gen Himmel. Da plötzlich belebte ſich ihr An⸗ geſicht, himmliſche Freude ſtrahlte aus ihren Zügen und ſüßes Lächeln lag auf ihren Lippen; bald aber ſchloß ſie die Augen und vergoß reichliche Thränen. Dann blickte ſie wieder gen Himmel und überirdiſcher Glanz umſchwebte ihr lächelndes Angeſicht. Endlich rief ſie feurig aus:„Ja, o Herr, Du willſt ſein mit mir, und ich will ſein mit Dir, und nie will ich von Dir getrennt werden!“ Nach der Ekſtaſe beſchwor Iſentrude ſie, ihr doch zu ſagen, was ſie geſehen und was ihre zuletzt geſprochenen Worte für einen Sinn hätten. Eliſabeth weigerte ſich lange, dann gab ſie den Bitten der treuen Frau nach und ſagte:„Ich ſah den Himmel offen und meinen ſüßen Heiland, der ſich zu mir herabneigte, mich liebevoll tröſtete wegen meiner Leiden und mich Schweſter und Freundim nannte. Da mußte ich lächeln vor Freude und Glück. Als er aber ſein Angeſicht von mir abwandte, da mußte ich weinen, weil ich noch unwürdig war, ihn länger an— zuſchauen. Er wandte nun ſein himmliſches Antlitz mir wieder zu und ſprach: Eliſabeth, willſt du mit mir ſein, ſo will auch ich bei dir bleiben und mich nicht von dir trennen. Darauf erwiderte ich: Ja, ja, Herr, ich will mit Dir ſein und nie von Dir getrennt werden, weder in Liebe noch in Leid.“ Es war dies gleichſam ihre geiſtliche Ehe mit Chriſto. Eliſabeth, die demüthige Braut des Herrn, ward nicht allein von äußerem Elende und Leiden heimgeſucht; auch innere Seelen⸗ leiden, Scrupel und Aengſtlichkeiten quälten ſie bitter. Lange litt ſie tief und ſchwer daran, aber unverzagt vertraute ſie auf Gott. Da zeigte ſich Maria, die ſie ſo innig ver— ehrte, als ihre Mutter und Führerin. Sie, das Heil der Kranken, die Tröſterin der Be⸗ trübten, wollte dieſe aus Gottesliebe kranke Seele heilen und tröſten: ſie erſchien ihr öfters, belehrte, ermunterte und ſtärkte ſie auf den rauhen Wegen, die ſie nach Gottes Willen wandeln ſollte. Einſt ſah Eliſabeth, wie Maria, ihre himmliſche Tröſterin, aus einem herrlichen, mit Blumen auf's Schönſte geſchmückten Grabe ſich gen Himmel erhob, unter den Jubelge— ſängen ſtrahlender Cherubim und Seraphim, die ſie zum Throne ihres göttlichen Sohnes führten. Ein Engel erklärte ihr, das bedeute die ewige Herrlichkeit, die ſie dereinſt mit Maria theilen ſollte, falls ſie Gott bis an's Ende treu und ergeben ſei.— Ein anderes Mal belehrte Maria ſie:„Wiſſe, daß keine Gnade ſich in die Seele hinabſenkt ohne Gebet und körperliche Leiden.“ So zeigte der Allgerechte ſchon hienieden der armen, aller zeitlichen Güter beraubten Wittwe die unvergänglichen Reichthümer des Himmels, und er ſelbſt ward ihr Tröſter, Freund und Bräutigam. O daß auch wir in Stunden der Prüfung ſeiner Stimme in unſerm Innern horchen möchten! Ie mehr durch Lrid Und Bilterkrit Die Welt ſie ſucht zu kränken, Ir rricher will Drr Gnaden Füll' Gott zum Erſat ihr ſchenken.— Drr gleiche Bund Rönnt' jede Stund' Much unſer Berz begnaden: Denn Zeſus will Poll Lirbesfüll Uns gern zur Bochzrit laden. 15. Trrue und Gottergebenhrit. Es dauerte nicht lange, ſo hatten die Ver⸗ wandten der vertriebenen Fürſtin von ihrem Elende und ihrer Verfolgung erfahren. Ihre Tante Mathilde, Aebtiſſin von Kitzingen in Franken, ließ ſie ſammt ihren Kindern nach der Abtei bringen und that Alles, ſie ihre Leiden vergeſſen zu machen. Eliſabeth war ſehr erfreut, wieder mit ihren Kindern vereinigt zu ſein, am meiſten aber, weil ſie hier das Leben einer Ordensfrau führen durfte. Doch kaum hatte ihr Oheim mütter⸗ licherſeits, Fürſtbiſchof Egbert von Bamberg, von ihrer traurigen Lage vernommen, als ſ ui e in er ihr anbot, ſie zu ihrem Vater, dem Könige von Ungarn, zurückzuführen, da der Aufent⸗ halt einer Familie in einem Ordenshauſe gegen die klöſterlichen Regeln verſtoße. Eli⸗ ſabeth jedoch ſcheute ſich wegen des grauſamen Todes ihrer Mutter, in ihr Vaterhaus zu⸗ rückzukehren, und nahm dankbar mit ihren Kindern den Aufenthalt auf Schloß Boten⸗ ſtein, den der Fürſtbiſchof ihr anbot. Hier konnte ſie ruhig im Dienſte Gottes ihre Tage verleben. Eliſabeth, die Fürſtin⸗Wittwe, war noch jung und von blühender Schönheit. Kaiſer Ferdinand II., der von ihrer Anmuth entzückt war, wollte ſie zu ſeiner Gemahlin machen und theilte dies ihrem biſchöflichen Onkel mit. Dieſer begab ſich nun zu Eliſabeth, ſagte ihr, wie es nicht gut für den Menſchen ſei, allein zu ſein, auch werbe ein gar reicher und mächtiger Herr um ihre Hand. Eliſa⸗ beth antwortete ſanft, aber entſchieden, ſie bleibe lieber unvermählt, um ſich ungetheilt dem Dienſte Gottes widmen zu können. Der Biſchof aber entgegnete, dafür ſei ſie noch zu jung; er erinnerte ſie an die Ver⸗ folgungen, die ſie ſeit ihrem Alleinſein zu erdulden gehabt, und mahnte ſie, auch ſeine Tage ſeien gezählt und über das Grab hin⸗ aus könne auch er nicht für ſie ſorgen. Eliſabeth blieb feſt:„Mein verſtorbener Bruder und Gemahl“, ſagte ſie,„hat mich zärtlich geliebt und ich hatte Theil an ſeiner Ehre, Macht und Reichthum; aber ich dachte immer, daß die Freuden der Welt eitel ſind. Darum will ich ſie auch jetzt aufgeben und Gott die Schulden meiner Seele bezahlen. Ich verlange ſehr darnach, bei meinem Heilande zu ſein, der ſchon für mich ſorgen wird; ich bitte ihn nur noch um Eins auf dieſer Welt: daß meine Kinder ſeine Wege wandeln mögen.“ Der Biſchof aber, der es auf ſeine Art gut mit ihr meinte und Nichts von dem Gelübde wußte, das ſie noch zu Lebzeiten ihres Gemahls in ihres Beichtvaters Hände abgelegt hatte, fing immer wieder au, ſie an die Gefahren des Alleinſtehens zu erinnern und ſchilderte ihr, wie viel Gutes ſie zur Ehre Gottes als Kaiſerin wirken könne. Da ihre Edelfräulein befürchteten, ſie möge doch durch des Biſchofs Einfluß wankend werden, verſicherte ihnen Eliſabeth:„Gott, der des Menſchen geheimſte Gedanken kennt, weiß, daß ich ihm und meinem Herrn freiwillig und unbedingt gelobt habe, nach Ludwigs Tode keinem Manne mehr anzugehören, ſondern meine Keuſchheit meinem Gott zu lieb rein zu bewahren. Auf ſeine Barmherzigkeit ver⸗ traue ich, er wird mich ſchützen. Sollte man mich zur Ehe zwingen wollen, ſo würde ich mir lieber heimlich die Naſe abſchneiden, um ſo den Abſcheu aller Männer zu erregen.“ Von Seiten ihres Onkels aber fürchtete ſie neue Vorſtellungen und Kämpfe; daher bat ſie Gott und die ſeligſte Jungfrau auf's u erh zu 0c en d iß 1n od en ein Un en Innigſte und unter Thränen um Kraft und Troſt in dieſen Verſuchungen. Zu dieſem Zwecke machte ſie verſchiedene Wallfahrten, auch zwei nach Erfurt, das damals berühmt war durch ſeine vielen ſchönen Kirchen und heiligen Reliquien. Hier verbrachte ſie ſtill und zurückgezogen einige Tage im Kloſter der weißen Frauen. Man zeigt dort noch ein Glas, aus dem ſie getrunken. Darauf begab ſie ſich auf längere Zeit in das durch ſeine Reliquien und viele Wunder berühmte Bene⸗ dictinerkloſter Andechs, das ihr Oheim ge⸗ ſtiftet. Auf ihr Gebet entſprang hier am Fuße des Berges eine wunderbare Quelle, die ſelbſt in der größten Dürre nicht ver— ſiegt und ungewöhnliche Heilkräfte hat. Der Kirche allda ſchenkte ſie ihr Hochzeits⸗ gewand und ein ſilbernes Kreuzchen, das Theilchen der Leidenswerkzeuge Chriſti ent⸗ hielt. Dieſe heiligen Reliquien werden da⸗ ſelbſt noch heute vom Volke eifrig verehrt, und der liebe Gott hat dieſe Verehrung mit Wundern und ungewöhnlichen Gebets⸗ erhörungen belohnt. Kaum war Eliſabeth nach Schloß Boten⸗ ſtein zurückgekehrt, als ihr Oheim, der Fürſt⸗ biſchof, ihr die nahe Ankunft der Gebeine ihres Gemahls Ludwig anmelden ließ. Thü⸗ ringiſche Ritter waren vom Kreuzzuge über Otranto zurückgekehrt, wo Ludwig begraben lag, hatten ſeine Gebeine ausgegraben und brachten ſie ehrerbietig und feierlich nach St. Eliſabeth. 6 Deutſchland zurück. In allen Städten, wo ſie übernachteten, ſtellten ſie den Sarg in die Kirche und ließen durch Kloſterleute ſelben bewachen und die ganze Nacht Pſalmen und Gebete für den verſtorbenen Landgrafen ſin⸗ gen; am Morgen wurden hl. Meſſen für ſeine Seelenruhe geleſen. Als ſie nicht mehr weit von Bamberg waren, zog der Biſchof mit ſeinem Clerus und einer zahlloſen Menge Volkes unter dem Geläute aller Glocken ſeiner Reſidenz der Leiche entgegen. Viele der Ritter und Großen hatten ſich dem Zuge angeſchloſſen. Mit großer Feierlichkeit ward der Sarg nach dem prächtigen romaniſchen Dome gebracht, wo auch die Gebeine der heiligen Ehegatten Kaiſer Heinrichs und Kunigundis ruhten. Wer vermöchte den Schmerz Eliſabeths am fol⸗ genden Morgen beim Anblicke der Ueberreſte ihres vielgeliebten Gemahls zu ſchildern? Sie warf ſich vor ſeine Gebeine nieder, küßte ſie unter Strömen von Thränen und ward ſo von Schmerz überwältigt, daß man ſie vom Sarge entfernen mußte. Bald aber faßte ſie ſich, opferte Gott ihr wundes Herz auf und ſagte getroſt:„Ich danke Dir, o Gott, daß Du mir gewährt haſt, die Gebeine meines vielgeliebten Gemahles noch einmal zu ſehen. Dank Dir, daß Du meine troſtloſe Seele getröſtet und geſtärkt haſt. Er ſelbſt hatte ſich Dir geopfert, auch ich hatte ihn geopfert und bringe ihn und —=— — 3 mich Dir neuerdings zum Opfer dar. Du weißt, o Herr, wie ſehr ich ihn geliebt, daß ich gern mein Leben lang von Thür zu Thür mit ihm gebettelt hätte, nur um immer bei ihm ſein zu können— wenn Du, o Herr, es ſo gewollt hätteſt. Ja, wenn ich mit einem Haare meines Hauptes ihn von den Todten erwecken könnte, gegen Deinen Willen, o Herr, würde ich es nimmer thun. Ihn und mich übergebe ich Deiner Gnade.“ So ſtark macht die Liebe zu Gott die gebrechliche menſchliche Natur, wenn dieſe hochherzig mit der Gnade mitwirkt. kach dem Trauergottesdienſte erfuhren die thüringiſchen Ritter von der Schmach und den Unbilden, die Eliſabeth hatte erdulden müſſen, wie ſie von ihrer Burg ſchmählich fortgejagt und als Bettlerin die Straßen ihrer Stadt Eiſenach habe durchwandeln müſſen. Auch Eliſabeth erſchien vor ihnen und bat ſie, um Chriſti willen doch ihre armen Kinder zu ſchützen. Entrüſtet und voll Zorn über eine ſolche Schmach, ſchworen die Edlen, die Fürſtin allzeit als ihre Herrin anzuerkennen und ihr zu ihrem vollen Rechte gegen ihre Verfolger zu verhelfen. Sie baten den Biſchof, ihnen Eliſabeth ſammt ihren Kindern anzuvertrauen, und ſie mit den Ge⸗ beinen ihres ſeligen Gemahls in ihre Lande zurückzuführen, was auch gern bewilligt wurde. Als ſich der Leichenzug dem Kloſter Rein⸗ hardsbrunn näherte, wo Landgraf Ludwig gemäß ſeinem letzten Willen ruhen ſollte, kamen, außer ſeiner Mutter Sophie und ſeinen Brüdern Heinrich und Konrad, alle Grafen und Ritter des Landes, mehrere Biſchöfe und Aebte, ſehr viele Prieſter und eine unermeßliche Menge Volkes herbei, um ihrem geliebten Landgrafen die letzte Ehre zu erweiſen. Gemeinſamer Schmerz ver⸗ ſammelte Hoch und Niedrig. Die Begräbniß⸗ feierlichkeiten dauerten mehrere Tage und wurden mit aller kirchlichen Pracht begangen; dabei wurden die Armen mit reichlichen Al— moſen bedacht. Das Volk wallfahrtete zahl— reich zu den Gebeinen des„Heiligen“, wie es Ludwig nannte, und mehrere wunderbare Heilungen rechtfertigten ſein Vertrauen. Gerecht ſind dieſe Bähren, Gerecht der heiße Schmerz, Gykt ſelbſt wird ihn verklären, Gott ſelbſt heilt bald ihr Herz: Wit ſeinem heil'gen Willen Wird er allein erfüllen Forkan ihr ganzes Bert. 16. Die Rrruzesbraut. DBobald die Begräbnißfeier vorüber, ließ der edle Varila, der vor ſechzehn Jahren Eliſabeth als Kind aus dem väterlichen Schloſſe abgeholt und dem Vater auf das gelobt hatte, ſie zu ſchützen, ſeine efährten am Krenzzuge zuſammenkommen. ——————— m Er erinnerte ſie an ihr Gelöbniß vor dem Erzbiſchof zu Bamberg.„Jetzt“, rief er,„jetzt gilt es, die Treue zu beweiſen, die wir un⸗ ſerm verſtorbenen Fürſten und unſerer Herrin Eliſabeth geſchworen haben, ſonſt verdienen wir, in die Hölle zu kommen!“ Hierauf ward einſtimmig beſchloſſen, allſogleich die beiden Brüder Heinrich und Konrad aufzu⸗ ſuchen und ihnen energiſche Vorſtellungen zu machen. An der Spitze aller Ritter trat Varila ein und redete den Landgrafen Hein⸗ rich folgendermaßen an: „Mit Trauer und Scham haben wir Unerhörtes von dir vernommen. Was hatten dir deines Bruders Gattin, was ſeine armen Waiſen gethan? Die ſchwache, betrübte Wittwe, die du hätteſt tröſten und ſchützen ſollen, haſt du ſchimpflich um Hab und Gut gebracht. Du haſt ſie aus ihrem Schloß und Eigenthum in's Elend gejagt mit den armen Waiſen, deren ſorgſamer Vormund du hätteſt ſein ſollen! Was haſt du gethan? Du haſt Gott erzürnt, dich ſelbſt und das ganze Thüringer Land in Schande gebracht. Gottes Strafgerichte haſt du auf dich und das ganze Land herabbeſchworen, falls du nicht das Unrecht an der tugendhaften Eliſabeth gut machſt, wie ſich's gebührt.“ Dieſe freien, kühnen Worte, über die alle Anweſenden ſich verwunderten, erreichten mit Gottes Gnade ihren Zweck: ſie rührten Hein⸗ rrichs Herz. Erfüllt von Reue und Scham, fing er heftig zu weinen an und ſagte:„Was ich in Verblendung leider gethan, reut mich von ganzem Herzen; ich will Alles zurück⸗ erſtatten und zur Sühne Alles thun, was die gute Eliſabeth von mir fordern will.“ Die Ritter führten ihn demgemäß zu Eliſa⸗ beth; Mutter und Bruder begleiteten ihn. Als er die Gute erblickte, flehte er ſie um Gottes willen an, ihm doch zu verzeihen, was er ihr gethan; es thäte ihm herzlich leid und er wolle Alles erſetzen; auch Sophie und Konrad unterſtützten ſeine Bitten. Keiner Antwort fähig fiel Eliſabeth Hein⸗ rich in die Arme wie ihrem liebſten Bruder und weinte bitterlich. Die edle Seele hatte längſt verziehen.— Wie da die Engel ſich gefreuk Des Büßers, der ſo tief bereuk, Der Beil'gen, dir ſo gern verzeihl! Kein Ange blieb bei dieſer Scene thränen⸗ leer. Eliſabeth ward ſammt ihren Kindern in ihre vollen Rechte wieder eingeſetzt und kehrte auf die Wartburg zurück. Die Regent⸗ ſchaft aber und die Verwaltung der Güter überließ ſie Heinrich gern. Kaum lebte ſie wieder in den früheren Verhältniſſen, ſo führte ſie auch neuerdings das frühere Leben. Von den Feſten und Vergnügungen des Hofes hielt ſie ſich fern; einen Theil der Zeit verwandte ſie auf Gebet und Betrachtung, den andern auf werkthätige „Py ut mi zurit n m wil EFlſ en ih ſie m rän inden t u egen Füte hern ding un fern Fitlt äth Nächſtenliebe zu Gunſten der Armen, trotz des Geſpöttes frivol geſinnter Hofleute. Viel Troſt bereiteten ihr mehrere Briefe des Car⸗ dinals Ugolino, nunmehr Papſt Gregor IX., der ſie zur Beharrlichkeit ermunterte, ihr ſeinen vollen Schutz verſprach und den Meiſter Konrad wieder mit ihrer geiſtlichen Leitung betraute. Unter dieſem Führer machte ſie erſtaunliche Fortſchritte auf dem Wege zur Vollkommenheit. Ihr Eifer in der Liebe Gottes nahm zu von Tag zu Tag; es war ihr bald nicht mehr genug, der eitlen Welt theilweiſe ent⸗ ſagt zu haben, ſie wollte ſich ihr ganz ent⸗ reißen. Sie überlegte daher, ob ſie nicht als Klausnerin einſam leben oder in einen ſtrengen Büßerorden treten ſolle. Dem dritten Orden des hl. Franciscus gehörte ſie ſchon zu Lebzeiten ihres Gemahls an, und ihre Verehrung gegen dieſen heiligen Ordens⸗ ſtifter brachte ſie zu dem Entſchluß, ſeine Ordensregel in der ganzen Strenge anzu⸗ nehmen und ihr Brod vor fremden Thüren betteln zu gehen. Als ſie aber ihren Beicht⸗ vater Konrad um ſeine Zuſtimmung bat, ver⸗ bot dieſer es ihr entſchieden, da ein ſolches Leben für ihre Geſundheit viel zu ſtrenge ſei. Eliſabeth gehorchte. Ihren Entſchluß wollte ſie jedoch nicht ganz aufgeben; ſie bat ihren Schwager Hein⸗ rich, der ihr ſeit der Verſöhnung immer ehr⸗ erbietig und liebevoll begegnete, er möge ihr eine andere Wohnung überlaſſen, wo ſie ſich ungeſtörter, als am Hofe, ihren Werken der Andacht und Nächſtenliebe widmen könne. Heinrich trat ihr bereitwillig Stadt und Ge⸗ biet Marburg in Heſſen ſammt deren Ein⸗ künften ab. Sie begab ſich nun mit ihren Kindern und ihrem Gefolge nach Marburg und ernannte nach Konrads Anordnung Amtsleute, denen ſie die Verwaltung dieſes Landesgebietes übertrug. Das Volk, das ſchon von der Milde, Frömmigkeit und Herzensgüte ſeiner jetzigen Herrin vernommen hatte, ver⸗ ehrte ſie derart, daß Eliſabeth, um dieſen Ehr⸗ bezeugungen zu entgehen, ſich in das kleine Dorf Wehrda, unweit der Stadt, zurückzog. Hier wählte ſie zu ihrer Wohnung eine verlaſſene und zerfallene Hütte. Wollte ſie unter Dach ſein, ſo mußte ſie unter eine Treppe oder einen Kamin kriechen; dem Wind und Wetter zu wehren, mußte ſie die Mauerlöcher mit Laub, Zweigen und Steinen verſtopfen. Vor Kälte vermochten die nackten Mauern ſie nicht zu ſchützen. Ihre ärmliche Nahrung bereitete ſie ſich ſelbſt; der Rauch, der keinen rechten Ausgang fand, machte den Aufenthalt in der elenden Hütte faſt uner⸗ träglich. Eliſabeth aber litt dies freudig und dankte Gott. Unterdeſſen ließ ſie ſich in der Stadt am Franciscanerkloſter ein Häuschen aus Holz und Lehm erbauen, damit die Einwohner er⸗ kennten, daß ſie nicht als Fürſtin, ſondern als arme Wittwe unter ihnen wohnen wolle. ſi ſih 1 ken de kän Eit ihrn ubun duun dieſe ſcho hüt „ be⸗ Ehr klein czon eine te ſi ein den e di einen ckten lich uch den ner un tat oh er en Ae N Das Alles war ihr noch nicht genug. Da aber ihr Beichtvater ihr die ſtrenge Ordens⸗ regel des hl. Franciscus noch immer nicht erlauben wollte, ſo gedachte ſie als Tertiarin das Ordenskleid der hl. Clara zu nehmen und das, was ſie früher ſchon oft im Geiſte gelobt, durch die feierlichen Gelübde des Ge⸗ horſams, der Keuſchheit und freiwilliger Armuth zu bekräftigen. Ihr Seelenführer billigte dieſes Vorhaben, mit der Einſchrän⸗ kung jedoch, daß ſie ihre Güter erſt nach und nach zu wohlthätigen Zwecken und zur Ab⸗ tragung einiger Schulden ihres Gemahls verwenden möge. Allen Neigungen ihres Herzens, auch den berechtigtſten, aller Anhäng⸗ lichkeit an die Geſchöpfe wollte ſie entſagen. Dazu aber waren viele Gnaden erfordert, und die Tage vor ihrer Einkleidung verbrachte ſie in beſonders inbrünſtigem Gebete. Der Himmel erhörte ſie, ſo daß ſie einer ihrer Frauen ſagen konnte:„Alle Güter dieſer Welt ſind nur Koth in meinen Augen; über Verleumdungen und Verfolgungen der Men⸗ ſchen freue ich mich; auch von meinen Kin⸗ dern, die ich vielleicht übermäßig geliebt, habe ich nunmehr mein Herz geriſſen; ich ver⸗ traue ſie Gott an, er ſchalte mit ihnen nach ſeinem hl. Willen. Ich liebe kein Geſchöpf mehr, ich liebe nur Gott, den Schöpfer.“ Zum Tage ihrer Einkleidung wählte ſie den hl. Charfreitag. An jenem Tage, an dem Chriſtus von Allem entblößt am Kreuze geſtorben iſt, wollte ſie ſich auch von allem Irdiſchen entäußern, um ungehindert nur ihrem himmliſchen Bräutigam zu leben. In Gegenwart ihrer Kinder und Freunde ſowie mehrerer Franciscaner legte ſie ihre Hände auf den nackten Altarſtein und ſprach laut und feierlich die Gelübdeformel aus. Wäh⸗ rend der Charfreitags⸗Ceremonien ward ihr das ſchöne Haar abgeſchnitten und das graue Kleid mit dem Stricke angelegt. Sie trug dieſes Kleid und ging barfuß bis zu ihrem Tode. Alles laſſen, Gott umfaſſen, Das allrin iſt wahre Luſt. Pur dem Einen, Der den Reinen Bimmelsfrieden Gibk hienirden, Lirbend ſchlägt die kreue Bruſt. 17. Selig die Barmherzigen. Und nun beginnt ein TLeben, Sv hehr, ſo heilig, ſchön, Paß nie wohl deutſche Erde Cin ſchöneres geſeh'n! Paß dieſer unwiderrufliche Schritt von Weltleuten heftig getadelt wurde, küm⸗ merte Eliſabeth nicht im Geringſten. Ihr ott war ihr genug. Der Seelenfriede, deſſen ſie ſich erfreute, lohnte ihr reichlich ben Erde 0l in⸗ Ih icde alle Opfer. Durch das Gelübde der Armuth hatte ſie dem Herrn Jeſus Alles aufgeopfert: ſeinen leidenden Gliedern hienieden, den Armen, ſollten nun alle ihre Einkünfte zu⸗ kommen. Für ſich behielt ſie Nichts zurück; ihren kärglichen Lebensunterhalt verdiente ſie durch Wollſpinnen, eine Arbeit, die ſie nicht unterließ, ſelbſt wenn ſie wegen Schwäche oder Krankheit zu Bette liegen mußte. Und ſie war oft krank. Ihre Nahrung beſtand in Gemüſe, das ſie ſelbſt in bloßem Waſſer ohne Salz kochte. Erhielt ſie beſſere Speiſe, ſo trug ſie ſelbe zu den Kranken, ohne ſie nur zu koſten. Aermlich wie ihre Nahrung war auch ihre Kleidung: grobes Tuch, mit Lappen verſchiedener Farben ausgebeſſert. Die Eß⸗ geſchirre ihrer Hausgenoſſen, ſowie ihr eigenes reinigte ſie ſelbſt. Sie bediente viel mehr ihre Frauen, als daß ſie ſich von ihnen bedienen ließ. Nie entſchlüpfte ihr ein Zeichen der Ungeduld, ein Wort der Unzufriedenheit: alle ihre Unterredungen athmeten Demuth, Näch⸗ ſtenliebe, Sanftmuth und Frohſinn. Gott allein und ſein hl. Wille war die Freude ihres Herzens. In Marburg angekommen, ließ ſie auf Konrads Rath ein Krankenhaus bauen und weihte dasſelbe dem hl. S Papſt Gregor hatte ihr einige Tropfen des Blutes geſandt, das aus der Seitenwunde dieſes Heiligen geträufelt war; dieſe hl. Reliquie ſtellte ſie in dem Hospitale auf, ſobald das⸗ ſelbe zur Aufnahme von Kranken fertig war. Nun fand ihre Liebe zu den Hülfsbedürftigen ein weites Feld. Jeden Tag beſuchte ſie das Krankenhaus, pflegte die Inſaſſen, verband ihre Wunden, reichte ihnen die Arznei und ermunterte ſie durch theilnehmende Worte. Der hl. Glaube lehrte ſie in jedem Kranken ein lebendes Bild, ein Glied Jeſu Chriſti ſehen, und deshalb war keine Hülfeleiſtung ihr zu niedrig. Gerade die ekelhafteſten Kranken bediente ſie am liebſten, dieſe pflegte ſie auf's Zärtlichſte. Die Ausſätzigen, die Jedermann aus Furcht vor Anſteckung ver— abſcheute, waren ihre Lieblinge. Einſtmals begegnete ſie auf dem Kirch⸗ gang einem kranken Bettler, der ſo entſtellt war, daß er Alle anekelte. Eliſabeth führte ihn mit ſich in ihre Wohnung und wuſch ſeine Wunden. Diesmal aber widerte es ſie derart an, daß ſie ſchauderte. Um ſich dafür zu ſtrafen und ſich in Zukunft beſſer über⸗ winden zu können, nahm ſie das Waſſer, das eben über die gräßlichen Geſchwüre des Kranken gefloſſen war und— trank dasſelbe mit den Worten:„O mein Heiland, Du haſt am Kreuze Galle und Eſſig getrunken; ich aber bin eines ſolchen Trankes nicht würdig, hilf Du mir, mich zu beſſern.“ Ihr Beicht⸗ vater mußte ihr ſpäter verbieten, die Ge⸗ ſchwüre der Kranken zu berühren, damit ſie nicht ſelbſt angeſteckt würde. de wer ſthe e de ban Nicht nur für das leibliche Wohl ihrer armen Mitmenſchen war Eliſabeth beſorgt, ihr ewiges Heil lag ihr noch viel mehr am Herzen. Sie ermunterte Alle, ihre Armuth und ihre Leiden geduldig zu tragen und Gott aufzuopfern zur Buße für ihre Sünden. Mit ihrer liebevollen Pflege verband ſie fromme Ermahnungen, ohne deshalb den Kranken läſtig zu fallen. So brachte ſie es allmählich dahin, daß alle ihre Kranken kurz nach ihrer Aufnahme in's Hospital die hl. Sacramente zu empfangen begehrten. Während Eliſabeth ſich ſo in rührendſter Weiſe der Hülfe der Armen und Kranken widmete, hatte ihr Vater, König Andreas von Ungarn, durch ungariſche Pilger, die von einer Wallfahrt nach Aachen zurückgekehrt waren, vernommen, welch ein ärmliches, zu⸗ rückgezogenes Leben ſeine Tochter in Deutſch⸗ land führe. Von dem vermeintlichen Unglücke ſeines Kindes faſt zu Thränen gerührt, ſchickte der König einen Geſandten nach Thüringen, um ſeine Tochter in ihre Heimath zurückzu⸗ führen. Dieſer Geſandte erkundigte ſich nach ſeiner Ankunft in Marburg bei dem Wirthe, wo er abgeſtiegen war, welche Bewandtniß es mit Eliſabeth habe, und ob ſie vielleicht durch Unehrbarkeit an ihrem Elende ſchuld ſei. Der Wirth erzählte ihm von der Tu⸗ gend und Frömmigkeit der verwittweten Fürſtin, daß ſie auch reich ſei, da ihr die Stadt mit Umgegend gehöre; daß ſogar auch Fürſten um ihre Hand geworben, daß ſie aber aus Liebe zu Gott ſo demüthig bleibe und die Kranken pflege.„Gott hat uns durch ſie eine große Gnade erwieſen“, ſchloß der Wirth ſeine Mittheilungen;„Allen, die mit ihr verkehren, gereicht es zum Heile. Sie thut nur Gutes, ſie iſt keuſch, barmherzig und demüthiger, als ſonſt eine Frau.“ Darauf ließ ſich der Geſandte zu ihr führen. Als er die ärmliche Wohnung be⸗ trat und die junge Fürſtin Wolle ſpinnen ſah, war er ſo ergriffen, daß er unter Thrä⸗ nen ausrief:„Hat man je eine Königstochter am Spinnrocken geſehen!“ Dann erklärte er, zu welchem Zwecke er gekommen ſei, und daß der König ſie noch immer als ſeine liebe Tochter betrachte und ihre Heimkehr ſehnlichſt wünſche. Eliſabeth aber entgegnete:„Ich liebe die Armuth mehr als alle Schätze der Welt; es fehlt mir an Nichts und ich bin hier ganz glücklich. Sagt meinem Herrn Vater, ich ſei zufriedener hier, als in ſeiner könig⸗ lichen Pracht. Er möge ſich meinetwegen nicht betrüben, ſondern ſich vielmehr freuen, eine Tochter im Dienſte des Königs der Könige zu haben. Nur eine Bitte noch habe ich hienieden an ihn, daß er nämlich für mich bete, wie ich es thuc.“ Ein ungleich beſſ'res Erbr Brſch' ich ja ſchon heuk': Pas Erbe meines Gottes, Sein Reich in Cwigkrit. ur h u eih Nichts konnte ſie bewegen, ihren Entſchluß zu ändern. Als der Graf daher ſah, daß alle Mühe vergeblich ſei, trat er gerührt die Heimreiſe an. Eliſabeth aber fuhr fort, ihr Glück in dem Glücke Anderer zu ſuchen, und nie freute ſie ſich mehr, als wenn ſie durch reichliche Almoſen Armen Hülfe und Freude gebracht. Sie verkaufte ihre ganze Heiraths⸗ gabe, die übrigen noch aus Ungarn mitge⸗ brachten Edelſteine, goldene und ſilberne Ge⸗ fäße und theilte Alles unter die Armen aus, die ſie zu dieſem Zwecke nach Wehrda ge⸗ rufen hatte. Viel ſäete ſie hienieden aus, viel ſollte ſie auch dort oben einernten. Was ſie nur beſiht auf Erden, AlIez gibt ſie ihrem Gokt. Bab' und Berz ſoll Reinem werden. Als nur Gott und fremder Dokh: Vur dem Böchſten ganz allein Will die Rrruzesbraut ſich weih'n. 18. Auf ſteilem Pfnd. Gliſabeth hatte nicht allein auf alle Güter dieſer Welt verzichtet, ſondern auch auf den eigenen Willen durch das Gelübde des Ge⸗ horſams. Sie mußte alſo ſich ſelbſt beſiegen, ſich ſelbſt verleugnen, ſich ſelbſt abſterben. Wohl kam ihr der rauhe, dornige Pfad des Gehorſams zuweilen recht ſchwer vor, wohl fehlte es ihr nicht an vielen Verſuchungen; aber ſie war feſt entſchloſſen, Jeſu Chriſto 6 nachzufolgen, der unſertwegen gehorſam war, gehorſam bis zum Tode des Kreuzes. Magiſter Konrad, der Beichtvater, war ein erfahrener und ſehr ſtrenger Seelenführer. Er erkannte bald, daß Eliſabeths größtes und neben den Werken der Andacht vielleicht einziges Vergnügen oder menſchliches Wohl— gefallen darin beſtehe, Almoſen zu reichen. Deshalb wollte er gerade da ihren Willen angreifen; er verbot ihr, einem Armen mehr als einen Pfennig zu geben. Das kam Eliſabeth hart an. Sie ließ daher ſtatt der kupfernen ſilberne Pfennigſtücke prägen, die zwanzig Mal mehr Werth hatten, und theilte dieſe aus. Dieſe gutgemeinte Liſt er⸗ regte Konrads Unwillen im höchſten Grade, und er legte ihr dafür eine ungemein harte Strafe auf, die ſie Gott zu Liebe freudig duldete. Nun gebot ihr Konrad, gar kein Almoſen mehr zu geben; nur durch Krankenpflege dürfte ſie künftighin ihre Nächſtenliebe bethätigen; einzig ihre Lieblinge, die Ausſätzigen, dürfe ſie nicht pflegen. Eliſabeth gehorchte, ſo ſchwer es ihr auch ankam. Ließ ſich ihr mitleidsvolles Herz zuweilen überreden, ſich in beſter Ab⸗ ſicht dieſer Unglücklichen anzunehmen, ſo hatte ſie von Konrad herbe Strafe und Züchtigung zu erwarten. Dieſer ſchonte ſie gar nicht, machte ihr vielmehr den Weg des Gehor⸗ ſames rauh und ſchwer, damit ſie ſich um ſo mehr Verdienſte ſammele. Eliſabeth ſah in ſeinem Willen den Willen Gottes, für deſſen Erfüllung ihr Nichts zu ſchwer ward. So machte ſie bald auch im heiligen Gehor⸗ ſam erſtaunliche Fortſchritte. Eliſabeth ſchöpfte noch manchen Troſt aus dem Umgange und der Geſellſchaft ihrer Kammerfrauen, die für das Kind Geſpielin⸗ nen, für die Jungfrau Edelfräulein, für die Gattin Freundinnen und jetzt die Ge⸗ noſſinnen ihrer Armuth, ihrer Entbehrungen und ihres heiligen Lebens waren. Dieſe innige Freundſchaft und herzliche Leuiei er⸗ leichterte ihr manche ſchwere Stunde. Auch dieſes letzte Band wollte Konrad ahgeſchnittin wiſſen: nach und nach hatte er ſchon bald die eine, bald die andere von Eliſabeths Ge⸗ fährtinnen fortgeſchickt, wie weh der Wittwe die Trennung auch that. Jetzt kam die Reihe an Iſentrude und Guda, die ſie am innig⸗ ſten liebte, vor denen ihr Herz kein Geheim⸗ niß mit ſchmerzerfüllter Seele und unter vielen Thränen brachte Eliſabeth auch dieſes Opfer. Für dieſe lieben Gefährtinnen gab ihr Konrad einen Erſatz: ein Mädchen, Namens Eliſabeth, das äußerſt frech, grob und roh und dazu noch ſo häßlich war, daß die Kin⸗ der bei ſeinem Anblicke erſchreckt uhfe und eine alte taube Wittwe, eine böſe Sieben, mit unverträglicher Gemüthsart, mürriſch, zänkiſch, Tags wie Nachts zornig und übel⸗ gelaunt. Dieſe Beiden überließen Eliſabeth St. Eliſabeth. die härteſten Arbeiten, ſie mußte das Haus und die Geſchirre reinigen und wurde dazu noch ausgezankt. Aus Liebe zu Gott ertrug Eliſabeth demüthig und geduldig die Roh⸗ heiten dieſer Beiden, als wäre ſie die geringſte Magd. Einen letzten Sieg über ſich ſelbſt hatte Eliſabeth noch zu bringen, ein für ein Mutter⸗ herz ſehr ſchmerzliches Opfer. Wir wiſſen bereits, daß Eliſabeth mit ſchwerem Herzen aus Liebe zu Gott ſich von ihren Kindern getrennt hatte; aber ſie konnte es ſich doch nicht verſagen, von Zeit zu Zeit ſie zu ſich kommen zu laſſen, ſie zu ſehen und ſich an ihrem Anblicke und ihren Liebkoſungen zu er⸗ freuen. So war es auch den Kindern Be⸗ dürfniß, die Mutter wiederzuſehen, in kind⸗ lichem Geplauder mit ihr ſich traulich zu unterhalten, am Mutterherzen zu ruhen und ihren Segen zu empfangen. Eliſabeth aber merkte, daß dies ſie von der Andacht abziehe; ſie wollte nicht, daß irgend ein Geſchöpf, ſelbſt ihr eigenes Fleiſch und Blut, ſich zwiſchen ſie und ihren Gott ſtelle, und des⸗ halb entſagte ſie auch dieſen ſo berechtigten Mutterfreuden. Dafür entſchädigte ſie der Himmel reichlich in ihren Kindern ſelbſt. Gewiß bedurfte Eliſabeth zu ſolchem Heldenmuthe großer Gnaden. Sie erlangte dieſelben durch ihren ununterbrochenen Ver⸗ kehr mit Gott in Gebet und Betrachtung, für dieſe fand ſie ſelbſt inmitten ihrer vielen — — — = er — —— — —— S=———— — —= — — =——— — —— de — —— — Arbeiten für Arme und Kranke immer noch einige Stunden Zeit bei Tag oder bei Nacht. Sie wußte Beten mit Arbeiten, das beſchau⸗ liche mit dem thätigen Leben zu vereinigen. Um nicht in Gebet und Betrachtung geſtört zu werden, ging ſie gern in's Feld hinaus oder in den Wald, und die Legende erzählt, daß, wenn ſie bei Regen unter freiem Himmel gebetet habe, ſie nicht naß geworden ſei. Ihr Gebet war bei jedem Satz mit Betrachtungen untermiſcht, ſo daß ſie öfters auf einem Wege von nahezu zwei Stunden nur mit einem einzigen Vater unſer fertig wurde. Der liebe Gott will zuweilen ſeine treuen Diener und Dienerinnen ſchon hier auf Erden verherrlichen; auch Eliſabeth ſollte ſchon hie⸗ nieden theilweiſe entſchädigt werden dafür, daß ſie um Chriſti willen von der Welt ver⸗ kannt, verleumdet und verſpottet worden. Nur einige Wunder ſeien hier erwähnt, die der Herr zur Verherrlichung ſeiner Dienerin gewirkt. Einſt fand ſie in der Kirche bei chrem Krankenhauſe einen armen Blinden, der verlaſſen und mühſam an der Wand herumtappte. Seine Augen waren gläſern und gebrochen. Auf Eliſabeths Frage ant⸗ wortete er, er habe noch nie in die Sonne geſehen, da er von Kindheit auf blind ſei. Von Mitleid bewegt, ſagte Eliſabeth:„So bitte zu Gott, daß er dich ſehend mache, ich will dir beten helfen.“ Bei dieſen Worten ahnte der Blinde, daß es Eliſabeth ſei, er 160 fiel vor ihr nieder und flehte:„Ach, i Frau, erbarmt euch meiner.“ Eliſabeth er⸗ mahnte ihn, nur großes Vertrauen zum lieben Gott zu haben, der ſchon größere Dinge ge⸗ than. Dann betete ſie, und die Augen des Mannes wurden geſund und glänzend. Außer ſich vor Freude ſtand der Mann auf und rief: r Gott ſei gelobt, ich ſehe ſchön und klar.“ Eliſabeth ermahnte ihn nun, nicht mehr zu ſündigen, ſondern vielmehr Gott eifrig zu dienen bis an's Ende. Ein ander Mal fand Eliſabeth auf der Schwelle ihres Hospitals einen kleinen miß⸗ geſtalteten Knaben, der zudem taubſtumm und lahm war. Eine ſchwere Krankheit hatte ihm die Glieder ſo verrenkt, daß er nur mehr auf Händen und Füßen kriechen konnte. Von Erbarmen ergriffen fragte ihn Eliſabeth:„Sage mir, mein Kind, wer hat dich hergebracht?“ Doch der Knabe blickte ſie wehmüthig an, ohne einen Laut von ſich zu geben. Da ſprach Eliſabeth:„In der Kraft unſers Herrn Jeſu Chriſti befehle ich dir, zu ſprechen und zu ſagen, von wo du biſt.“ Sogleich ſtand der Kleine auf und, o Wunder, er konnte ſprechen und erzählte, daß ſeine Mutter ihn hier aus⸗ geſetzt, und wie er von Geburt an taubſtumm und voll Gebrechen geweſen, und wie Gott ihm eben Gehör, Sprache und Geſundheit wiedergegeben habe. Eliſabeth kniete nieder, dankte Gott, gab dem Knaben Geld und ſprach:„Nun kehre zu deinen Eltern turit —— — —— — —— ——.— =—— —=—— —— — — — 101— und ſage bloß, Gott habe dir geholfen. Hüte dich vor jeder Sünde und lebe ſo, daß du das ewige Leben erlangeſt.“ Die demüthige Wittwe wollte ſich dem Lob der Welt ent⸗ ziehen. Jede Stundr Bak im Bunde Chriſti hrilig ſie gelebk, Da zum Lohne Schyn die Rrone Uober ihrem Baupke ſchwebk. 19. Heimkehr. J* näher Eliſabeth dem Ende ihrer irdiſchen Pilgerfahrt kam, deſto mehr gefiel ſie ſich in Betrachtung und ſeliger Beſchauung, deſto mehr auch wurde ſie von Gott mit Offen⸗ barungen und Erſcheinungen der hl. Mutter Gottes und der hl. Engel beglückt. Immer länger dauerten ihre Ekſtaſen, ſo daß ſie ſchon hienieden ſtundenlang die Freuden des Himmels genoß. Oft ſah ſie den göttlichen Heiland ſelbſt von Angeſicht zu Angeſicht, umgeben von dem glänzenden Chore der Engel; ihr himmliſcher Bräutigam wollte ſie tröſten und ſtärken bis an ihr ſeliges Ende. Nach ſolchen Erſcheinungen und himmliſchen Geſprächen umſchwebte ihr Antlitz ein Abglanz himmliſcher Klarheit, ihre Augen glänzten wie Sonnen. Einſt in der Nacht erſchien ihr Chriſtus im Glanze ſeiner Herrlichkeit und ſprach zu ihr ſanft und freundlich:„Komm' zu mir, meine auserwählte Braut und liebe Freundin, in die Wohnung, die dir von Ewigkeit be⸗ reitet iſt, ich ſelber will dich hinführen.“ Eliſabeth entnahm dieſen huldvollen Worten, daß ſie bald die Reiſe in die Ewigkeit anzu⸗ treten habe, und freudig traf ſie die Anſtalten zu ihrem Begräbniß, beſuchte noch einmal all ihre Armen und Kranken und theilte, was ihr noch übrig geblieben, unter ſie und ihre Frauen aus. Damals lag ihr Beichtvater Konrad ſchwer krank darnieder. Sie beſuchte ihn und ſagte ihm, daß er wieder geneſen, ſie aber bald ſterben werde, und zwar bezeich⸗ nete ſie ihm Tag und Stunde ihres Hin⸗ cheidens. Es dauerte noch etwa vier Tage, da mußte ſie ſich zu Bett legen, gequält von einem hitzigen Fieber. Sie blieb jedoch immer heiter und in Gebet und Betrachtung ver⸗ tieft. Als ſie eines Morgens zu ſchlummern ſchien, hörte ihre Dienerin einen wunder⸗ ſchönen Geſang, wie von der Kranken aus⸗ gehen. Nachher ſagte Eliſabeth:„Ein ſchöner Vogel hat mir lange ſo ſüß geſungen, daß ich vor Freude mitſingen mußte. Der ſchöne Vogel hat mir auch offenbart, daß ich am dritten Tage ſterben ſoll.“ Von jetzt ab wollte ſie keine weltliche Perſon, nicht einmal ihre Edelfrauen zulaſſen, weil ſie, wie ſie ſagte, — 103— von nun an mit Gott allein ſein und über ſeine Gerichte nachdenken müſſe. Nachdem ſie ihre letzte Beicht abgelegt hatte, begehrte ſie in der Hospitalskirche zum hl. Franciscus beerdigt zu werden. Die hl. Communion empfing ſie mit ſo lebendigem Glauben, einer ſo tiefen Demuth, einer ſo heißen Sehnſucht und inbrünſtigen Liebe, daß alle Anweſenden mehr als erbaut waren. Nachdem ſie auch die letzte Delung empfangen, blieb ſie unbeweglich in Betrachtung und innere Wonne verſunken bis gegen Abend. Dann begann ſie in Begeiſterung von himm⸗ liſchen Dingen zu reden, beſonders von der Auferweckung des Lazarus. Hierauf ſprach ſie von den Thränen Chriſti an deſſen Grab, von ſeinen Thränen über Jeruſalem und denen, die er am Kreuze vergoſſen⸗ ſo feurig und eindringlich, daß alle Anweſenden zu Thränen gerührt wurden. Sobald ſie dies merkte, ſagte ſie:„Ihr Töchter Jeruſalems, weinet nicht über mich, ſondern weinet über euch ſelbſt.“ Dann kam lange kein Wort mehr über ihre Lippen. Kurz vor Mitternacht rief ſie mit lauter Stimme:„Fliehe, fliehe, du Böſer (Teufel), denn ich habe dir widerſagt.“ Gegen Mitternacht ſtrahlte ihr Antlitz derart, daß man es kaum anſehen konnte. mmer größer wurde jetzt ihre Freude. Endlich rief ſie: „O Maria, komm' mir zu Hülfe— Gott ladet mich zur Hochzeit— es kommt der — 104— Bräutigam, ſeine Braut zu holen“... Hier⸗ auf hauchte ſie ihre engelreine Seele aus. So⸗ gleich verbreitete ſich köſtlicher Wohlgeruch im Sterbegemach, und in den Lüften hörte man einen Chor himmliſcher Geiſter die herrkichen Worte ſingen, die ihr ganzes Leben zuſammenfaſſen:„Das Reich der Welt habe ich verachtet aus Liebe zu mei⸗ nem Herrn Jeſus Chriſtus, den ich geſehen, den ich geliebt, an den ich geglaubt habe.“ Es war Morgens früh am 19. November 1231, als die Heilige ihren Einzug in den Himmel hielt; auf Erden hatte ſie ihr vier— undzwanzigſtes Jahr vollendet.— Die Die⸗ nerinnen wuſchen den heiligen Körper und hüllten ihn ehrfurchtsvoll in den alten, groben, zerriſſenen Rock ein, das einzige Oberkleid, das die Heilige nicht an die Armen verſchenkt hatte. Dann wurde der Leichnam unter heiligen Geſängen des Clerus und den Thrä⸗ nen des Volkes in die Capelle des Hospitals zum hl. Franciscus gebracht, in welcher ſie oft ſich dem Gebet und gottſeliger Betrachtung überlaſſen hatte. Sobald die Kunde von ihrem Tode ſich weiter verbreitet hatte, eilten Reich und Arm, Hoch und Niedrig herbei, der Verſtorbenen die letzte Ehre zu erweiſen. Man drängte ſich zur Bahre, um doch wo⸗ möglich ein Andenken, eine Reliquie der Hei⸗ ligen zu erhaſchen. Die Einen riſſen Stücke von ihrem Rocke oder vom Bahrtuch ab, i Ey eruc hön o bel ne⸗ it ehn — 105— Andere ſchnitten von ihren Haaren oder Nägeln ab u. ſ. w. Die Armen und Krauken peweinten laut ihre Wohlthäterin, ihre Schwe⸗ ſter und Mutter. Kein Auge blieb thränen⸗ leer, kein Herz ungerührt. Immer neue Schaaren eilten heran. Alle wollten das holde Antlitz noch einmal ſehen. Um der Andacht und Liebe des Volkes zu genügen, mußte man die Leiche vier Tage lang in der Kirche ausgeſtellt laſſen. Ihr Geſicht war unbedeckt und ſtrahlte in der roſigen Schönheit einer friſch erblühten Jung⸗ frau: die Schönheit der Seele ſchien ſich auf ſelbem wiederzuſpiegeln. Die Haut war zart und weich, als lebte ſie noch: aus dem Leich⸗ nam ſtrömte ein lieblicher Wohlgeruch, das Sinnbild ihrer zahlloſen guten Werke. Am vierten Tage nach dem Hinſcheiden legte man den heiligen Leib in den Sarg und beerdigte ihn unter dem lauten Weh⸗ klagen und der frommen Andacht einer uner⸗ meßlichen Menſchenmenge. Eine große Schaar von Singvögeln, wie man ſie noch nie ge⸗ ſehen, ſchienen dieſe großartige Leichenfeier „ auf ihre Art verherrlichen zu wollen; ſie ſaßen auf dem Dache der Kirche, und, ob⸗ gleich es Winter war, ſangen ſie wunderſchöne Melodien, wie man ſie niemals noch gehört hatte, Weiſen, die Herz und Gemüth erfreuten und eigenthümlich ergriffen. Eliſabeth, welche den Geſchöpfen aus Liebe zu Gott entſagt, ſollte zuerſt von den ——— — 106— Geſchöpfen verherrlicht werden.— Koſtbar iſt in den Augen Gottes der Tod ſeiner Heiligen. Ew'ge Wonne, Ew'ge Spynne Sie durchſtrömk und ſie durchſtrahlt; Für die Teiden Werden Freuden Tauſendfach ihr ausgezahlt. 20. Perherrlichung. Hiejenige, welche irdiſche Herrſchaft ver— ſchmäht hatte, iſt jetzt im Beſitz des Himmelreiches. Eliſabeth, die Arme, iſt jetzt nnendlich reich, die unermüdlich Thätige in Gott⸗ und Nächſtenliebe ruht jetzt ſüß am Herzen ihres himmliſchen Bräutigams. Sie, die ſo Vielem entſagt, genießt in Freude und Wonne die ganze Ewigkeit. Gott wartete nicht lange, die hienieden ſo vielfach geläſterte, verſpottete und verleumdete Fürſtin auch auf rden zu verherrlichen. Schon in der Nacht ihres Todes wirkte der Herr ihr zu Ehren ein Wunder. Im Kloſter Reinhardsbrunn, wo ihr Gemahl Ludwig begraben lag, lebte ein ſehr frommer Laienbruder, der daſelbſt als Müller arbeitete. Er führte ein ſtrenges Bußleben, und trug einen eiſernen Bußpanzer auf bloßem Leibe. Eliſabeth ſchätzte ihn wegen ſeiner Fröm⸗ migkeit, und eines Tages begehrte ſie, daß — cS— ——— tet Uuf l jn e. — zwiſchen ihnen eine engere geiſtliche Ge⸗ meinſchaft ſtattfinden ſolle; ſie drückte ihm die Hand, um dieſe Verſchwiſterung zu be⸗ kräftigen. Bald hierauf traf ihn ein Flügel der Windmühle und zerſchmetterte ihm den ganzen Arm, ſo daß er die grauſamſten Schmerzen erduldete. In der Nacht des 19. November, in welcher Eliſabeth verſchied, konnte er vor Schmerzen nicht ſchlafen und betete in der Kirche. Da erſchien ihm Eli⸗ ſabeth in glänzenden Kleidern und ſtrahlender Herrlichkeit. Sie ergriff ſeine rechte Hand, die ihm zerſchlagen war, und dieſe Berührung ſchmerzte ihn ſo, daß er zuſammenbrach. Er erwachte wie aus einem Traume und fand die Hand und den ganzen Arm vollkommen heil und geſund. Eliſabeth hatte ſich im Himmel ſeiner zuerſt erinnert. Viele Wunder geſchahen an ihrem Grabe in den erſten Tagen nach der Beerdigung. Blinde, Stumme, Taube, Hinkende, Lahme und Ausſätzige, die von nah und fern kamen, beteten in der Capelle am Grabe Eliſabeths und kehrten geheilt nach Hauſe zurück. Sechzehn Todte wurden auf ihre Fürbitte wieder lebendig. Langjährige Sünder, die ſich trotz aller An⸗ ſtrengungen den Feſſeln des Laſters nicht entwinden konnten, fanden hier Troſt, Kraft und Heil. Ein damaliger Geſchichtsſchreiber berichtet:„Nicht allein aus den Nachbar⸗ Diöceſen Mainz und Trier, ſondern auch von Köln, Magdeburg und Bremen kamen — 108— eine Menge Leute nach Marburg, um geſund zu werden, oder für andere Anliegen zu beten. Die Heilung erlangt hatten, verkündigten Denen, die ankamen, die Macht der Fürbitte der Heiligen. So viel ward geopfert, daß daraus eine ſchöne Kirche über ihrem Grabe erbaut wurde.“— Von den zahlreichen Wun⸗ dern können wir hier nur einige kurz an⸗ führen: Theoderich, ein Knabe von fünf Jahren, aus der Diöceſe Mainz, war blind geboren, und die Haut hatte die ganze Augengegend ſo überzogen, daß gar keine Spur vons ugen zu ſehen war. Die Mutter rief die hl. Eli⸗ ſabeth an, berührte die Augen des Kindes mit Erde vom Grabe der Heiligen, und ſieh', die Haut öffnete ſich, wie mit einem kleinen Meſſer durchſchnitten, und der Knabe konnte fortan ſehen. Der Lutgarde von Fronchuſen, Diöceſe Mainz, war ihr drei Jahre alter Sohn Heinrich geſtorben. Von der Großmutter dazu aufgefordert, machte ſie das Gelübde, dem Hospital der hl. Eliſabeth jedes Jahr zweihundert Pfennige zu ſteuern, falls die Heilige den Knaben wieder zum Leben er⸗ wecke. Der Knabe wurde wieder lebendig. Der Student Burkard von Aſchaffenburg wollte an einem Fluſſe fiſchen, fiel hinein und ertrank. Erſt nach geraumer Zeit gelang es, den lebloſen Körper wieder aufzufinden. Voll Vertrauen bat ein Soldat mit zwanzig ———————. un, en — 10 andern Anweſenden die Heilige, dem Er⸗ trunkenen das Leben doch wiederzugeben: alsbald athmete der Todte wieder auf. Guda von Biedenkamp bekam im Alter von neun Jahren am Hals, am Rücken, an den Schenkeln und an der Seite Geſchwüre, aus denen der Eiter ſo reichlich floß, daß die Hunde an ihren Kleidern leckten. Das hatte ſchon vier Jahre gedauert. Dann wallfahrtete ſie nach dem Grabe der heiligen Eliſabeth und gelobte jährlich eine Wallfahrt. Von da ab beſſerte ſich ihr Zuſtand von Tag zu Tag: in kurzer Zeit war ſie geſund. Konrad von Veltbach, Diöceſe Trier, war von Geburt aus ſo lahm, daß er weder gehen noch ohne Lehne ſitzen konnte. Hände und Arme waren ſo zitterig, daß man ihm die Nahrung in den Mund geben mußte, Die Mutter Sophie wallfahrtete barfuß nach dem Grabe der hl. Eliſabeth, ſetzte unter vertrauensvollem Gebete den Knaben auf das Grab, und derſelbe ward alsbald geheilt. Adelheid von Orfa war zwei Jahre lang wahnſinnig und raſend, lief Tag und Nacht nackt durch Dörfer und Felder. Zweimal ward ſie zum Grabe der Heiligen gebracht, das letzte Mal mit Opfergaben. Darauf ſchlief ſie ein und erwachte vollſtändig ge⸗ ſund und vernünftig. Ein Blinder, Heinrich von Marburg, be⸗ ſuchte das Grab der hl. Eliſabeth, opferte 110 zwei Wachskerzen und verſprach, falls er das Augenlicht wiedererlange, jährlich zweihundert Denare an das von Eliſabeth gegründete Hospital zu zahlen. In der nämlichen Stunde waren ſeine Augen geheilt. Mechtildis von Wetflonin, Diöceſe Trier, die an ſo ſchwachen Gliedern litt, daß ſie nicht ſtehen konnte, und dazu noch einen Höcker und einen Kropf hatte, ward zum Grabe der Heiligen getragen und war ſogleich vollſtändig geheilt. ir können unmöglich hier alle Wunder anführen, welche auch nur in den erſten Monaten durch die Fürbitte der hl. Eliſabeth geſchehen ſind: man könnte damit ein ganzes Buch anfüllen. Ihr Beichtvater, Magiſter Konrad, be⸗ richtete darüber an Papſt Gregor IX., der im ſelben Jahre bercits Franciscus von Aſſiſt und Antonius von Padua heilig ge⸗ ſprochen hatte. Mit Freude, aber auch mit apoſtoliſcher Vorſicht, nahm der Papſt dieſe Berichte wunderbarer Gebetserhörungen auf. Er befahl daher dem Magiſter Konrad, da nicht Alles Gold ſei, was glänze, mit dem Erzbiſchof von Mainz und dem Abt von Eberbach über Leben und Wirken Eliſabeths, ſowie über die unter ihrer Anrufung ge⸗ ſchehenen Wunder mit wachſamem Fleiß und Vorſicht unparteiiſche und bewährte Zeugen zu vernehmen; dieſe Zeugen, fügte Gregor hinzu, müßten vor ihrer Ausſage einen Eid ablegen und ſollten genau befragt werden, an welchem Monate und Tage und an wel⸗ chem Orte das Wunder geſchehen, welche Zeugen zugegen geweſen, welcher Worte man ſich bei der Anrufung bedient habe, ob ſie die Geheilten gekannt, wie lange ſie krank geweſen u. ſ. w. Dann ſollten ſie dieſe Aus⸗ ſagen niederſchreiben, mit ihren drei Siegeln verſehen und ihm nach Rom einſenden zur weiteren Einſicht und letzten Entſcheidung. Schon nach der erſten Bekanntmachung tonnte Konrad einen umſtändlichen Bericht von ſiebenunddreißig genau geprüften, plötz⸗ lichen und übernatürlichen Heilungen ein⸗ ſenden. Durch Konrads Tod aber gerieth die Angelegenheit in's Stocken, bis auf Ver⸗ wendung der Landgrafen Konrad und Heinrich, der beiden Schwäger der Heiligen, der Papſt den Biſchof von Hildesheim mit zwei Aebten beauftragte, die Wunder von Neuem zu prü⸗ fen. Die Pfarrer der Zeugen ſjollten die Ausſagen beſtätigen und das Reſultat aller Verhöre ihm durch zuverläſſige Boten ein⸗ geſandt werden. Dies geſchah: der Bericht von hundertneunundzwanzig wunder⸗ baren Thatſachen, jede genau geprüft und von Zeugen eidlich bekräftigt, wurde nach Rom geſchickt. Denſelben Boten gaben viele Biſchöfe, Aebte, Fürſten und Fürſtinnen einen Brief an den Papſt mit, worin ſie demüthig baten, Diejenige, die Gott ſchon ſo vielfach durch Wunder verherrlicht habe, der Verehrung der Gläubigen nicht länger vorzuenthalten. „Hoch preiſet meine Seele den Herrn, und mein Geiſt frohlockt in Gott, meinem Heilande. Denn er hat geſehen auf die Niedrigkeit und De⸗ muth ſeiner Magd; ſiehe, von nun an werden mich ſelig preiſen alle Ge⸗ ſchlechter.“ Für heil'ges Liebesleben Wird einſt uns ew'ger Lohn, Skakt rikel ird'ſchen Glanzes Der gold'ne Fimmelskhron. 21. Die Fiegeskronr. Poyſ Gregor IX. war eben in der Stadt Perugia, als Konrad von Thüringen mit den andern Geſandten ihm im April 1235 die Bittſchrift und die Actenſtücke be⸗ züglich der Heiligſprechung Eliſabeths, der erſten Tochter des hl. Franciscus in Deutſch⸗ land, überreichte. Der Papſt wollte die Wunder noch einmal mit der größten Vor⸗ ſicht und Strenge prüfen, damit auch jede Spur von Zwerfel ſchwinde; aber je ſtrenger man prüfte, deſto größer wurde die Gewiß⸗ heit. In einem Conſiſtorium, dem die Pa⸗ triarchen von Jeruſalem und Antiochien, ſehr viele Cardinäle und Biſchöfe beiwohnten, wurden die echt befundenen Schriften über Leben und Wunder der hl. Eliſabeth vor⸗ geleſen. Alle erklärten erſtaunt und gerührt, an Eliſabeths Heiligkeit ſei nicht zu zweifeln, und begehrten einſtimmig deren Heilig⸗ ſprechung. Der Papſt willigte gern ein, und um der Feierlichkeit mehr Glanz zu ver⸗ leihen, verlegte er ſie auf den Pfingſtſonntag, den 26. Mai 1235. Am Morgen des Feſttages begab ſich der Papſt mit den Patriarchen, Cardinälen, Erz⸗ biſchöfen und Biſchöfen und vielen Tauſen⸗ den von Gläubigen in feierlichem Zuge nach der Dominicaner⸗Kirche. An der Spitze der Proceſſion ſpielte die Muſik ihre feierlichſten Weiſen. Alle, vom Papſte bis zum geringſten Gläubigen, trugen brennende Kerzen. In der Kirche las der Cardinal⸗Diakon mit lauter Stimme den Anweſenden eine gedrängte Ueberſicht des Lebens und der Wunder der hl. Eliſabeth vor. Alle brachen in Thränen der Rührung und freudigen Jubels aus, als ſie die Berichte vernahmen von ſo viel Gottes⸗ und Nächſtenliebe, von ſo viel Demuth, ſolch großer Liebe zur Armuth, ſo vielen Leiden und Entſagungen. Hierauf ermahnte Gregor die Anweſenden, mit ihm zum hl. Geiſte zu beten, damit ihn Gott in einer ſo wichtigen Sache nicht irren laſſe. Nachdem das Veni Creator in begeiſterter Andacht geſungen war, verkündete der Papſt feierlich, auf ſeinem Throne ſitzend, die Tiara auf dem Haupte, die Heiligſprechung mit folgenden Worten: St. Eliſabeth. 8 — 114— „Zur Ehre des allmächtigen Gottes, des Vaters, Sohnes und heiligen Geiſtes, zur Veryerrlichung des katholiſchen Glaubens und zur Verbreitung der chriſtlichen Religion; durch desſelben allmächtigen Gottes, der glückſeligen Apoſtel Petrus und Paulus und durch unſere eigene Gewalt, und mit Rath und Zuſtimmung unſerer Brüder, erklären und beſtimmen wir, daß Eliſabeth glückſeligen Andenkens, bei ihren Lebzeiten Landgräfin von Thüringen, heilig iſt und in das Ver⸗ zeichniß der Heiligen eingetragen werden ſoll, ſowie wir ſie hiermit eintragen und zugleich verordnen, daß die allgemeine Kirche jedes Jahr an ihrem Sterbetage, den 19. November, ihr Feſt feierlich und andächtig begehe. Kraft derſelben Gewalt verleihen wir zugleich allen Gläubigen, die reumüthig beichten und ihr Grab an dieſem Tage beſuchen, einen Ablaß von einem Jahre und vierzig Tagen.“ Bei dieſen letzten Worten fiel die Orgel und das Läuten aller Glocken ein; dann ſtimmnte der hl. Vater das Te Peum an, in das die ganze Verſammlung mit unbeſchreiblicher Begeiſterung einſtimmte, daß es bis zum Himmel drang. Der Cardinal⸗Diakon rief mit lauter Stimme:„Bitte für uns, hl. Eli⸗ ſabeth, Alleluja!“ und der Papſt ſang die von ihm verfaßte Oration(ſiehe im Gebets⸗ theil). Ein höchſt feierliches Hochamt bildete den Schluß der Heiligſprechung. Nach dieſer prachtvollen kirchlichen Feier, die auch die e e kälteſten Herzen rührte, erfreute und be⸗ geiſterte, ließ Landgraf Konrad an mehrere Tauſend Arme Brod, Fleiſch, Wein, und Geld austheilen zu Ehren Derer, die ſo oft den Armen Almoſen und Hülfe geſpendet. Am 1. Juni erließ der Papſt an alle Biſchöfe und Fürſten der ganzen Kirche die Bulle der Heiligſprechung. Dieſelbe wurde in Deutſchland mit der größten Begeiſterung und mit unbeſchreiblichem Enthuſiasmus aufgenommen. Zehn Tage lang feierte man Feſte zu Ehren der Heiligen und zahlloſe Gaben wurden den Armen gereicht. Erz⸗ biſchof Siegfried beſtimmte zur feierlichen Erhebung der Gebeine der Heiligen den 1. Mai des folgenden Jahres, damit die Biſchöfe und Gläubigen von ganz Deutſch⸗ land Zeit hätten, ſich in Marburg einzu⸗ finden. Als endlich dieſer Tag heranbrach, war Marburg zu klein, die Menge der frommen Pilger zu faſſen. Man ſoll eine Million und zweimalhunderttauſend Men⸗ ſchen gezählt haben. Außer dem Erzbiſchof von Mainz bemerkte man den Erzbiſchof von Köln, den Churfürſten von Trier, die Bi⸗ ſchöfe von Bremen, Hamburg, Worms, Speyer, Halberſtadt, Merſeburg, Bamberg, Hildesheim und Paderborn; ferner Kaiſer Friedrich II., eine Menge von Fürſten und Fürſtinnen, Herzögen, Grafen, Rittern, Prie⸗ ſtern und Mönchen. Alle Nationen ſchienen vertreten zu ſein. — 16— Schon bei Tagesanbruch war eine un— ermeßliche Menge um die Kirche verſammelt. Das Gedränge war ſo groß, daß der Kaiſer nur mit größter Mühe in's Innere gelangen konnte. Er ging barfuß, trug einen abge⸗ tragenen grauen Rock, ſein Haupt aber ſchmückte die kaiſerliche Krone. Ihn um⸗ gaben die Churfürſten des heiligen römiſchen Reiches, ebenfalls mit ihren Kronen, ferner die Biſchöfe und Aebte, das Haupt mit der Mitra geſchmückt. Nun begab ſich der pracht— volle Zug zum Grabe Eliſabeths. Der Kaiſer ſtieg zuerſt in's Gewölbe und hob den Stein über dem Sarge auf. Der Körper der Hei⸗ ligen war noch unverſehrt, ohne Zeichen von Fäulniß fünf Jahre nach der Beerdigung; dem Grabe entſtieg ein ſüßer, himmliſcher Wohlgeruch, der alle Gläubigen erquickte und ihre Andacht und Begeiſterung für die Hei⸗ lige womöglich noch vermehrte. Nachdem die Biſchöfe den Sarg mit dem Leichnam aus der Gruft erhoben, drückten ſie ſelbem ihr Siegel auf und trugen ihn mit dem Kaiſer feierlich unter Muſik und Geſang zum Platze, wo er zur Verehrung des Volkes ſollte ausgeſtellt werden. In heißer Sehnſucht drängten ſich die Tauſende von Gläubigen, den hl. Leichnam zu ſehen, zu berühren, zu küſſen. Die Be⸗ geiſterung beim Anblick der hl. Reliquien war grenzenlos. Dann wurde zu Ehren der hl. Eliſabeth ein feierliches Hochamt abgehalten. Bei der Opferung trat der Kaiſer an den m Sarg, ſetzte der Heiligen eine goldene Krone at auf mit den Worten:„Da ich ſie auf Erden u nicht als Kaiſerin krönen konnte, ſo will ich ſie doch mit dieſer Krone als Königin im ae Reiche Gottes ehren.“ Auch opferte er einen um goldenen Pokal, in dem ſpäter der Schädel ſche der Heiligen eingeſchloſſen wurde. Er ſelbſt em leitete den jungen Landgrafen Hermann, den t Sohn Eliſabeths, zum Opfer, während die rnch Kaiſerin die Töchter der Heiligen, die Prin⸗ i zeſſinnen Sophie und Gertrud führte. Nach Stli den Fürſten drängten ſich Adel und Volk h um die Stufen des Altares und huldigten on der Heiligen durch Gebete und Opfergaben. u Die Frauen brachten ihre Ringe und Arm⸗ iſche bänder, ihre Juwelen und Kleinodien, Andere eun brachten Prieſtergewänder, Meßbücher und h Kelche für die in Marburg zu erbauende un Die Verehrung und Liebe zur hl. Eli⸗ lhen ſabeth verbreitete ſich bald über die ganze Nn Chriſtenheit. Tauſende von Pilgern wall⸗ ſn fahrteten nach ihrem Grabe; in den fernſten oltt Gegenden wurden ihr zu Ehren Kirchen und Capellen erbaut, Altäre errichtet. Ueberall wählten ſie Klöſter, Hospitäler, Aſyle, Ver⸗ un eine zu ihrer Patronin und Fürbitterin bei 8e Gott. Die ganze Kirche feiert ihr Feſt, manche Orte ſogar mit ungewöhnlicher Pracht. Die Orden der Franciscaner, Dominicaner, in Eiſtercienſer beten ein eigenes Officium ihr zu Ehren; Lieder, Hymnen und Antiphonen wurden ihr zu Ehren gedichtet, in zahlreichen Litaneien wird ſie angerufen, ihr hehrer Name wird getragen in Hütten und Kaiſerpaläſten; dieſer heilige Name iſt noch heute jedem Chri⸗ ſten heilig, lieb und theuer. Trügeriſch iſt die Anmuth und eitel die Schönheit; das Weib, das Gott den Herrn fürchtet, wird geprieſen und verherrlicht werden. QO wie ſchön iſt ein keuſches Geſchlecht im Tugendglanze; unſterblich iſt ſein An⸗ denken, bei Gott und den Menſchen ſteht es in Ehren.(Weish. IV. 1, 2.) Srlig ſterben, Ewig erben, Was Sanrt Elsbeth nun erreicht, Pieſes Eine Wacht alleine Rampf und Weh der Welt uns leicht. Eliſabeth, du Behre, Wögſt du es uns erfleh'n, Bu Gyktes größ'rer Ehre Den Bimmels(Kreuzes-)pfad zu geh'n, Bis näher, immer näher DPas Bakterhaus uns winkk, Wo ſelig dann die Seele Rn's Berz des Beilands ſinkk! Brtrachtungrn. „ SSSSSSSS0 EEEE Erſter Abſchnitt. Allgemeine Wahrheiten. 1. Das Gine Nothwendige: dein Brelenhril. oher bin ich?— Wohin muß ich, wenn dieſe kurze Friſt, die man Leben nennt, vorüber iſt?— Hie⸗ nieden auf dieſer Erde iſt ja meines Blei⸗ bens nicht. Der raſtloſe, unerbittliche Tod wird früher oder ſpäter auch an mich heran⸗ treten und mir zurufen:„Bis hierhin und nicht weiter!“— Was dann?— Lebt nicht in mir etwas Edleres, etwas Höheres, das nicht mit dem hinfälligen Staube meines vermodernden Leibes in die ſchauerliche Todtengruft ſinkt? O ernſte, hochwichtige Frage! 1— Vor fünfzig Jahren war ich noch nicht. Woher alſo bin ich, wer bin ich?— Ich bin ein Werk der Hände Gottes, der mich durch ſeine Allmacht aus dem Nichts hervor⸗ gerufen, erſchaffen hat. Ich bin alſo von Gott, ich muß alſo auch für Gott ſein. Er hat mich geſchaffen nach ſeinem Bilde und Gleichniſſe; ſein Ebenbild hat er mir eingedrückt zum Merkmale, daß ich ſein unveräußerliches Eigenthum bin. Das Weltall in ſeiner Pracht und Herr⸗ lichkeit, das Himmelsgewölbe mit ſeinen Sonnen und funkelnden Sternen, die Erde und das Meer, die Vögel des Himmels und die Thiere der Erde, die Pflanzenrieſen und die Blumen: Alles ſchuf der Allerhöchſte durch ſein allmächtiges Wort. Aber den König der Schöpfung, den Menſchen,„bildete Gott aus Erdenlehm und hauchte in ſein Angeſicht den Odem des Lebens“, die un⸗ ſterbliche Seele. Die unſterbliche Seele iſt alſo ein hl. Odem Gottes, ein Abbild der göttlichen Majeſtät, das koſtbarſte Geſchenk des allmächtigen Gottes. Sie iſt koſtbarer als Gold und Edelſtein, werthvoller als alle Kronen und Scepter der Könige, alle Schätze und Reichthümer der Welt. Sie iſt ein geiſtiges Weſen, unſterblich, erſchaffen für die Ewigkeit. Dieſes Leben iſt alſo nur ein Durchgangspunkt: einſt wird das Zelt meines Leibes abgebrochen und meine Seele geht ein„in das Haus ihrer Ewigkeit“. Ich pilgere alſo in's Jenſeits, ich gehe einer ewigen Zukunft entgegen— und ach, ich denke ſo wenig, viel zu wenig daran! Ich bin erſchaffen für Gott, Gott iſt mein letztes Ziel und Ende in Zeit und Ewigkeit! Ja, bekennen mußt du, o Chriſt, mit dem hl. Auguſtinus:„Du, o Gott, haſt Alles dem Menſchen unterworfen, damit der Menſch ſich Dir unterwerfe. Alles Sichtbare ſchufſt Du für den Körper, den Körper für die Seele, die Seele aber für Dich, auf daß ſie nur lebe für Dich und Dich allein liebe.“ Darum ſchreibt der hl. Gregor:„Alle andern lebenden Weſen, die ohne Verſtand und Wil⸗ len ſind, wenden die Augen zur Erde, denn für die Erde ſind ſie geſchaffen. Dem Men⸗ ſchen aber hat Gott eine Seele gegeben, daß er ſein Ange zum Himmel emporrichte. O Menſch, du biſt berufen, einſt im Himmel Gott zu ſchauen und anzubeten, nicht deine Seele zu irdiſchen Begierden herabzuwürdigen. Ein himmliſches(des Himmels würdiges) Leben und nicht die gemeinen Genüſſe der Thiere ſollen dein Antheil ſein..“ Deshalb, o chriſtliche Seele, iſt dein Herz ſo unruhig; flüchtig und wechſelnd flattert es von Gegenſtand zu Gegenſtand und ſucht Glück und Frieden da, wo er nicht zu finden iſt. Alle vergänglichen Güter, alle eitlen Ehren der Welt, alle Freuden und Genüſſe bringen weder Ruhe noch Frieden: dein Herz iſt viel zu groß, als daß die ganze Welt es ausfüllen könnte; deshalb iſt es unruhig, bis es ruht in Gott, für den allein es er⸗ ſchaffen iſt, damit es ihn erkenne, ihn anbete, liebe und ihm diene in dieſer Welt, um ihn ewig loben, anbeten und ge⸗ nießen zu können in himmliſcher Glückſeligkeit. Unſterbliche Seele, welch erhabene Be⸗ ſtimmung! Alſo nicht für nichtige, vergäng⸗ liche Dinge, nicht zu Reichthum und Ehren, nicht zu Gemächlichkeit und Zeitvertreib, nicht zu Putz und Tand, nicht zu Eitelkeit und Vergnügen biſt du hier— du biſt für Gott!— Das Grab, in das man einſt deinen Leib hinabſenkt, kann keineswegs deine Seele umfaſſen. Hat ſie die irdiſche Hülle ab⸗ geſtreift, ſo überſchreitet ſie die Schwelle der Ewigkeit. Iſt ſie ja erſchaffen, dereinſt als Edel⸗ ſtein an Gottes ewigem Diadem zu glänzen. Und wie ſchätzt der Sohn Gottes ſelbſt dieſen Edelſtein, dieſe koſtbare Perle! Sehe ich hin auf das Kindlein zu Bethlehem: es iſt der Sohn des höchſten Königs im Himmel und auf Erden, und doch ein Stall iſt ſein Palaſt, eine Krippe ſeine Wiege, ſchlechtes Stroh ſein fürſtliches Bett, armſelige Win⸗ deln ſein Königskleid; dieſe Armuth, dieſe Leiden ſind der Kaufpreis der Erlöſung, der Kaufpreis deiner Seele. Stelle dir des göttlichen Heilandes ganzes Dulderleben vor Augen, von Bethlehem bis Calvaria. Erwäge die Grauſamkeit des — — ——— —————— S——— =— — — =——=— =——=—— — — — — —— —=—— ——— — — — — 125— Herodes, die Verfolgungswuth ſeiner Feinde, ſeine Entbehrungen, den Spott und Hohn, die er erduldet; erwäge ſeinen blutigen Angſt⸗ ſchweiß im Oelgarten, den Verrath des Judas, das wahnſinnige Geſchrei des verblendeten Volkes um ſeinen Tod; ſchaue an ſeine un⸗ ſchuldigen Glieder, von Geißelſtreichen grau⸗ ſam zerriſſen; ſeinen heiligen Leib, nur eine Wunde von der Fußſohle bis zum Scheitel; ſein von Dornen durchſtochenes Haupt; ſein himmliſches Angeſicht durch Blut und Speichel ganz verunſtaltet, ſein liebevolles Herz mit der Lanze durchbohrt: das iſt das Löſegeld für deine Srele O fürwahr, chriſtliche Seele, um einen theuren Preis biſt du erkauft! Vergleiche nun im Scheine der Sterbekerze dieſe un⸗ ſterbliche Seele mit allem Gold und Silber, allen Koſtbarkeiten der Welt;— nicht wahr, es iſt Alles Schaum und Seifenblaſe, Staub und Rauch, Flitter und Tand, nicht werth deines Ringens und Strebens. Wie wahr ſind alſo die Worte des göttlichen Heilandes: „Was nützte es dem Menſchen, wenn er auch die ganze Welt gewänne, au ſeiner Seele aber Schaden litte Was nützen jetzt Talent, Weisheit und Glück dem Salomon? Was ſein Reichthum dem Kröſus, ſein Wohlleben dem Praſſer, was die Welteroberung dem Alexander? Was nützt es jetzt Allen, die hienieden in Reich⸗ thümern, Ehren und Wollüſten geſchwelgt haben, wenn ſie vielleicht in der Ewigkeit verdammt ſind!„Was wird der Menſch geben können, ſeine Seele wieder ein⸗ zulöſen?“ Die Seele verloren, den Him⸗ mel verloren— Alles verloren! Jetzt begreife ich auch die Wuth der Hölle, wenn ihr eine Seele entriſſen wird; jetzt be⸗ greife ich all die Anſtrengungen Satans und ſeiner Helfershelfer, um die Seelen zur Sünde zu locken und zu verderben, um ſie ewig quä⸗ len zu können. Das Alles hat Gott gethan, das thut Satan, deine Seele zu erringen. Kannſt du etwa gleichgültig bleiben? Nein, tauſendmal nein! Es handelt ſich um deine eigene Seele, deine eigene Ewigkeit!— Das iſt dein höchſtes, dein wichtigſtes, dein einziges Geſchäft hienieden, die Pflicht aller Pflichten; keine drängt mehr, keine beſtän⸗ diger; alle andern weltlichen Geſchäfte, wie groß und wichtig ſie auch ſein mögen, ſind dagegen nur Kinderſpiel. Alles Andere mag gut ſein und ſchön, das hier iſt das einzig Nothwendige: Diene Gott hier auf Erden durch chriſtlichen Lebenswandel, und rette ſo deine Seele für die Ewigkeit! Für eine kurze Dienſtzeit— die Freuden und Wonnen einer Ewigkeit. „Eitelkeit der Eitelkeit und Alles iſt Eitelkeit, außer Gott lieben und ihm allein dienen!“ ſit ⸗ l, be und nde ui hut du ml en Nein — 12 2. Der Tod. Es iſt dem Menſchen beſtimmt, einmal zu ſterben, und darnach das Gericht, ſo lehrt uns die ewige Wahrheit ſelbſt. Wir haben hienieden keine bleibende Stätte, und mit Job müſſen wir bekennen:„Siehe, meine Tage ſind kurz und gehen vorüber und bald bleibt mir nur noch— das Grab.“— Es kommt alſo der Tod auch für dich, er kommt— und du mufßt ſterben, verlaſſen die Welt und all deine Lieben, Alles, woran dein Herz nur immer hängen mag, und ein⸗ ziehen in deine letzte Wohnung, in's Grab. Er kommt— oder vielmehr du trägſt ſeinen Keim ſchon in dir: jeder Athemzug, jeder Schlag deines Herzens, jede Stunde deines Lebens bringt dich dem Tode, dem Grabe näher.„Gedenke, o Menſch, daß du Staub biſt und zum Staube zurückkehren mußt.“ Keine Macht, kein Reichthum, keine Kunſt der Aerzte kann den Tod fernhalten; gegen ihn iſt kein Kraut gewachſen.„Es iſt dem Menſchen feſtgeſetzt, einmal zu ſterben.“ So Manche, die du gekannt, ſie ſind nicht mehr,— ſie ſind geſtorben! Wo ſind Die, ſo vor dir dein Haus bewohnt, deine Güter be⸗ ſeſſen, dein Geſchäft betrieben? Sie ſind ge⸗ ſtorben. Der Kirchhof zeigt dir ihre Leichen⸗ ſteine und Gräber.— Du ſiehſt, wie andere Geſchlechter heranwachſen, nachdrängen und — 128— rufen:„Machet Platz, an uns iſt jetzt die Reihe! Ihr aber ſteiget in's Grab und ſperret uns den Pfad nicht länger!“— Ja, mein Chriſt, einſt läutet die Todtenglocke, und du hörſt ſie nicht mehr— ſie läutet für dich. „Es iſt dem Menſchen beſtimmt, einmal zu ſterben.“ Einmal zu ſterben, welch ſchauriges, hochwichtiges Wort, das mich erbeben macht! Einmal zu ſterben— einmal nur! Alſo einmal nur kann ich leben, einmal nur die fürchterliche Schwelle der Ewigkeit über⸗ ſchreiten, und dahinter: Himmel oder— Hölle! Kein Pfad führt zurück. Einmal, und nicht wieder— entſcheidender Schritt!— Es kommt für mich die letzte Stunde. Lebe wohl, o Welt, und Haus und Hof, Geld und Gut, lebet Poht⸗ ihr Alle, die meinem Herzen theuer enn ſind ſie für dich geſchloſſen, die Tanz⸗ und Ballſäle, die Theater und Abendeirkel, die Gärten und Vergnügungsorte; nun ſind für dich zu Ende alle Pläne, alles Spiel und jeder Scherz, alle Freuden und Sorgen. Deine Freundinnen mögen am Becher der Lebensluſt noch fortnippen, deine Uhr iſt abgelaufen! Den Tod rührt kein Wehklagen, keine Thräne. Ob du auch noch ſo gern, ſo nothwendig hienieden wäreſt, du mußt fort — du allein. Keiner deiner Liebſten darf dich begleiten durch die dunkle Pforte der Ewigkeit. — 129— Hingeſtreckt auf dem Schmerzenslager, um⸗ geben von weinenden Lieben und trauernden Freunden, erwarteſt du die letzte, die ſchauer— liche Stunde. Schon haſt du die hl. Com⸗ munion genoſſen als Wegzehrung für die ſchwere Reiſe, die hl. letzte Oelung hat dich geſtärkt zum letzten entſcheidenden Kampfe. Dein Angeſicht iſt eingefallen, die Backen⸗ knochen ſtehen hervor, das Auge iſt trübe und gläſern. Die Bruſt hebt ſich ſchwer und ſenkt ſich tief. Von Minute zu Minute ſchwin⸗ den die Kräfte, und doch will der Leib von der Seele nicht laſſen.... Die Augen brechen, die Bruſt röchelt; ein gewaltiges Ringen— das iſt der Todeskampf. Schweiß perlt auf der Stirne, es iſt der Todesſchweiß. Und drinnen in der Seele, ihr allein be⸗ wußt, erhebt ſich auch ein letzter, entſcheidender Kampf. Noch einmal ſucht Satan mit allen Kräften dieſe koſtbare Seele, um die er ſo viel ſchon geworben, ihrem Gott abwendig zu machen, ihr Muth und Hoffnung, Glauben, Liebe und Seligkeit zu rauben. Er, der Lügner von Anbeginn, der die Seele bisher betrügen wollte, die Sünde ſei nur verzeihliche Schwach⸗ heit, man müſſe mitmachen wie Andere, die Barmherzigkeit Gottes ſei ſo groß und ver⸗ zeihe ſo leicht,— Satan ſucht jetzt die Seele in Schrecken und Verzweiflung zu bringen. Entſetzliche Bilder zaubert dieſe hölliſche Schlange vor den Blick der Seele: alle die ſündhaften Gedanken, Worte, Werke und St. Eliſa beth. 9 — 130— Unterlaſſungen vom zarteſten Kindesalter bis jetzt; Sünden ohne Zahl und Maß. So viele Jahre— und ſo wenig Gutes— und ſo viel Böſes! Verlorene Unſchuld— ſo wenig Buße! Und das Gericht ſo nahe! Wie thun dir da ſo wohl die beruhigenden Worte des Prieſters, wie erheben und tröſten ſie dich in dieſer Stunde der Finſterniß. Er empfiehlt deine Seele der hl. Dreifaltigkeit, deiner milden Mutter Maria, allen Engeln und Heiligen, daß ſie gelange an den Ort des Friedens, in's himmliſch„ Jeruſalem. Der Athem ſtockt, das Auge ſieht nicht mehr, der Geiſt verwirrt ſich, die Welt ſcheint ſich dir zu entfernen; laut röchelt die Bruſt, noch einmal recken ſich die Glieder, noch ein letzter tiefer Athemzug— das Herz ſchlägt nicht mehr; die Seele iſt in der Ewigkeit: ſie ſteht vor Gottes Richterſtuhl. Du biſt todt. Kalt und blaß und ſtarr liegſt du da. Eine treue Hand drückt dir die Augen zu und ſchließt dir den Mund; ſie kleiden dich ins Todtengewand und geben dir das Bild deines gekreuzigten Heilandes und einen Roſenkranz in die Hand. Wohl dir, wenn du im Leben eine Liebhaberin und Nachfolgerin des Gekreuzigten geweſen! Wohl dir, wenn du den Roſenkranz oft und an⸗ dächtig gebetet! Einige Thränen noch von lieben Zurückgebliebenen, einige Tropfen Weih⸗ waſſer, einen Todtenſarg: das iſt Alles, was die Welt dir noch mitgibt. 3 ——2 — — ——— —— 5— — 3 =— — 5 ——— ——— — — 13 Man trägt dich hinaus aus dem Hauſe, das du ſo lange bewohnt, man ſenkt dich in's kalte Grab, deine Wohnung von nun an, bis die Poſaune des Engels dich rufen wird zur Auferſtehung am jüngſten Tage. Dein Leib geht in gräßliche Fäulniß über, eine Speiſe ekelhafter Würmer. Auf der Welt aber ſind die Thränen für dich bald verſiegt; anfangs ſpricht man noch öfters von dir, bald weniger, zuletzt nicht mehr. Du biſt todt und vergeſſen. O Eitelkeit der Eitelkeit und Alles iſt Eitelkeit! Das iſt der Tod in ſeiner mildeſten Form, der gute Tod des Gerechten. Mein Gott, wie wird erſt der Tod des Sünders ſein! Wird Gott der Seele, die ſo lange vermeſſen auf ſeine Barmherzigkeit geſündigt, noch Zeit und Gnade zur Bekehrung geben? Wird ſie nicht in Mißtrauen und Verzweiflung gerathen und jo ſich in die Hölle ſtürzen? Wohin der Baum fällt, da bleibt er liegen in alle Ewigkeit. Stirbſt du im Stande der Gnade, ſo bleibt der Himmel auf ewig dein Antheil. Stirbſt du in der Todſünde, ſo ſinkſt du augenblicklich in die Hölle zur ewigen Verdammniß. Du wirſt ſterben! Du wirſt nur einmal ſterben!— Aber wie wirſt du ſterben? Plötzlich oder langſam? Mit oder ohne Be⸗ wußtſein? Sanft oder unter ſchrecklichen Leiden? Im Stande der Gnade oder in der Todſünde? Das weißt du nicht. Wo wirſt du ſterben? Zu Hauſe oder. in der Fremde? In deinem Bette, unter freiem Himmel, oder im Eiſenbahnconpee? Du weißt es nicht. Wann wrirſt du ſterben? Du weißt es nicht. Nur das hat der Heiland dir offenbart:„Der Tod kommt wie ein Dieb in der Nacht“, alſo heimlich!„Wachet und betet, denn ihr wißt weder den Tag noch die Stunde.“ Wirſt du ein hohes Alter erreichen, oder in der Blüthe der Jahre ſterben? Wirſt du etwa ganz plötzlich ſterben? Im Waſſer oder Feuer? Auf der Reiſe ni einen Unfall? Kann dich nicht der Blitz treffen? Ein Herz⸗ oder Lungen— ſchlag dein Leben enden? Kann nicht eine Gehirn⸗ oder Lungenentzündung dich unver— hofft hinwegraffen?— Was Hunderten und Tauſenden geſchieht, die jäh und unvorbereitet vor Gottes Richterſtuhl befohlen worden, kann es dir nicht geſchehen? Schrecklich iſt es, zu ſterben ohne Vor⸗ bereitung, ohne! Buße— im Stande der Sünde! Wie gelebt, ſo geſtorben. Darum ermahnt der hl. Gregor:„Deshalb hat uns der Schöpfer unſer Ende verborgen, damit wir zu jeder Zeit zum Sterben bereit ſeien.“ Und der hl. Geiſt ſelbſt ruft dir zu:„Gedenke, o Menſch, deiner letzten Dinge, und du wirſt nicht ſün⸗ digen in Ewigkeit.“ ———— vi kleh — 133— 3. Die gündr. Mur Eines iſt es, chriſtliche Seele, was dich für Zeit und Ewigkeit wahrhaft unglück⸗ lich macht, nur Eines, wodurch du dein edles, Ziel verfehlſt, den Himmel verlierſt und dich in die Hölle ſtürzeſt— die Sünde, die ſchwere Sünde. Die Todſünde iſt eine freiwillige Uebertretung eines Gebotes Gottes oder der Kirche in bedeutender Sache, ſei es in Gedanken, Worten, oder Werken, oder auch durch Unterlaſſung. Fehlt es nicht an Erkenntniß und Einwilligung, dann iſt es eine Empörung gegen den höchſten Herrn, eine Losreißung von unſerm letzten Ziel und Ende, ein vollſtändiger Bruch mit Gott, dem höchſten Gute; dann iſt es Todſünde, weil dann das Leben der heiligmachenden Gnade aus der Seele weicht. Die läßliche Sünde tödtet die Seele nicht, ſie verwundet ſie nur; ſie tilgt die Liebe nicht ganz, ſie ſchwächt und vermindert ſie nur; ſie trennt noch nicht vollſtändig von Gott, ſondern bereitet dieſe Trennung vor, indem ſie die Seele ſchwächt, krank und ſiech macht. Sie allein bringt dich nicht in die Hölle, wohl aber in's Fegfeuer. Wie! Gott dem Herrn dient doch Alles: Nach ſeinem Willen wandeln die Geſtirne ihre Bahn; nach ſeiner Ordnung wechſeln Tag und Nacht, die vier Jahreszeiten ab; ihm blühen die S ihm rauſchen die 1 Cedernwälder des Libanon; ihn verherrlicht das Trillern der Lerche und das Brüllen des Löwen; ihm gehorchen Land und Meer, Donner und Blitz, Leben und Tod. Vor ihm beugen ſich die Kniee Derer, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde ſind, Himmel und Erde ſingen beſtändig ihr: t heilig, heilig iſt der Herr, Gott Sa⸗ aoth. Nur der Menſch, dieſer winzige, armſelige, hinfällige Erdenwurm, den der Herr über Leben und Tod jeden Augenblick zermalmen, vernichten kann, nur der Sünder bringt in dieſe ſchöne Weltenharmonie den gellenden Mißklang: Ich will Dir nicht dienen! Die Sünde iſt ſchnöder Undank gegen Gott, deinen beſten Vater, deinen größten und beſtändigen Wohlthäter, der dich inniger und wirkſamer liebt, überall dein Beſtes will, mehr wie Vater und Mutter. Sie iſt ſchänd⸗ licher Mißbrauch der Gaben Gottes ſelbſt: Leben und Geſundheit, Sinne und Glieder, zeitliche Güter, die koſtbare Zeit: Alles wird mißbraucht, um den hohen Geber zu kränken, zu beleidigen, ſeiner Liebe und Gerechtigkeit zu trotzen; um ſich gegen ihn zu empören, ihn(alls es möglich wäre) zu vernichten durch die Sünde, die allein er haßt und ſeinem Weſen nach unendlich verab⸗ ſcheuen muß. Was kann es Häßlicheres, Abſcheu⸗ licheres, Entſetzlicheres geben, als die itt —— ————— ————— — — 135— Todſünde? Sie iſt es, die uns unter die Geſchöpfe herabwürdigt, das Ebenbild Gottes in uns zerſtört, das Siegel der himmliſchen Abſtammung und der Kindſchaft Gottes ausmerzt, den Tempel des hl. Geiſtes in uns entweiht, in der Seele alle Schön⸗ heit zerſtört, alles Leben vernichtet, ihr das Brandmal der Verwerfung auf⸗ Die Todſünde raubt dir Alles, was wahr⸗ haft Koſtbares in dir iſt; die Schönheit der Seele, das Wohlgefallen, die Liebe und Freund⸗ ſchaft Gottes. Sie raubt dir die Ruhe des Gewiſſens und den Frieden des Herzens; ſuche Unterhaltung, ſo viel du willſt, ſpiele, ſinge, tanze, ſcherze und lache— die wahre Freude iſt hin, der Stachel der Sünde, der Tod ſitzt doch im Herzen.— Die Sünde raubt dir die wahre Freiheit der Kinder Gottes und macht dich zum Sklaven Satans, dieſes Tyrannen der Finſterniß, deines grim⸗ migſten Feindes; ſie erniedrigt dich zum Leibdiener der harten, grauſamen Welt; ſie legt der Seele die Ketten ſchmachvoller Ge⸗ wohnheiten an, ſie entwürdigt dich zum Spiel⸗ balle deiner eigenen niedrigen Leidenſchaften. Sie raubt dir ferner all deine Ver⸗ dienſte. Zuvor warſt du ein Diener, ein Freund, ein Kind Gottes, und alle deine Werke, in guter Meinung verrichtet, brachten dir himmliſchen Gewinn. Verdienſte für die Ewigkeit brachten dir deine Gebete, deine — 136— Arbeiten und Mühen, deine Almſen und Bußwerke, deine Kämpfe und Leiden. Aber verloren iſt das Alles, ſobald du eine ſchwere Sünde begangen: dahin ſind atsdann die Verdienſte langer Jahre! Wohl leben dieſe Verdienſte wieder auf durch vollkommene Reue oder reumüthige Beichte; aber aller Lohn wäre hin, ſollteſt du in der Sünde ſterben.„Stirbt der Menſch in ſeiner Un⸗ enechligtet⸗„ſagt der hl. Geiſt,„ſo iſt er des ewigen Todes.“ Wahrhaftig: Wer die Sünde liebt, der haßt ſeine eigene Seele! Trennt die Sünde ja von Gott, dem höchſten Gute, dem er⸗ habenſten Ziele; trennt ſie ja von den lieben Engeln und Heiligen, ja gewiſſermaßen von den guten Menſchen ſelbſt. Sie hindert in alle Ewigkeit die Anſchauung Gottes, und beraubt die Seele der ewigen Seligkeit, der unbeſchreiblichen Freuden und Wonnen des Himmels. Willſt du weitere Folgen der Sünde kennen? Wie ſchön und herrlich waren doch die heiligen Engel, glänzend wie die Sonne, weiß wie der Schnee, beſtimmt, den Himmelspalaſt zu bewohnen, unendliche Wonne und Freude in alle Ewigkeit zu ge⸗ nießen. Durch eine Sünde der Hoffart ſtürzten ſich Viele in's Verderben. Gott t ihrer nicht, der Abgrund der Hölle verſchlang ſie Alle und übergab ſie ewigen Qualen. Die ehedem ſo Herrlichen wurden — — ——„— ——— — —— =—— — — —— —— — - S— — —— —— —— — — — — — — — 167— zu Deufeln, und in dieſen findet ſich Alles zuſammen, was ſich nur Böſes, Scheußliches denken läßt. Stelle dir vor das herrliche Paradies. Wie glücklich waren Adam und Eva in dieſem Garten der Wonne und Luſt; keine Arbeit ermüdete ihren Leib, kein Verdruß drückte ihre Seele; mit Gott dem Herrn felbſt ſtanden ſie in traulichem Verkehr. Aus der Seligkeit auf Erden ſollten ſie ohne Tod hinübergehen in die ewige Himmelsluſt. Allein die teufliſche Schlange brachte ſie zu Fall, ſie aßen von der verbotenen Frucht— und jetzt? Ach, dahin iſt ihre Heiligkeit und Un⸗ ſterblichkeit; vertrieben wurden ſie aus dem wonnigen Paradieſesgarten hinaus auf die öde Erde, die ihnen trotz ihres Schweißes Dornen und Diſteln tragen ſollte; verurtheilt wurden ſie zu harter Arbeit, ſchmerzlichen Leiden und bitterem Tod. Verdunkelt ward ihr Verſtand, geſchwächt ihr Wille und zum Böſen geneigt.— Und das Gift der Sünde Adams ſchleicht fort in all den Millionen ſeiner Nachkommen. Noch mehr: verflucht ward die Erde um der Sünde willen, ſie ward zum Thale der Thränen und des Jammers. Klagen ohne Ende ſollten ſie erfüllen, Leiden ohne Zahl, Unglück aller Art: Krankheit, Armuth, Peſt, Hunger und Krieg, Lüge und Meineid, Haß und Zwietracht, Verrath und Mord, — 138— tauſendfältiges Elend, der Tod in tauſenderlei —„Der Sünde Sold iſt der od!— Willſt du dich von der Bosheit der Sünde noch mehr überzeugen, ſiehe: einen Gott⸗ menſchen ſchlägt ſie an's ſchmachvolle Marter⸗ holz des Kreuzes! Alle Menſchen, von Adam bis zum letzten Erdenpilger— und hätten ſie in Staub und Aſche Buße gethan, gefaſtet und ſich gegeißelt bis zum jüngſten Tage, geendet dann durch den qualvoklſten Martertod— ſie hätten nicht vermocht, die unendliche Beleidigung Gottes durch die Sünde wieder gut zu machen, zu ſühnen. Das konnte nur ein Gott, ein Gottmenſch. Deine Sünden, die Sünden der Welt hat das Opferlamm Jeſus Chriſtus am Kreuze verblutend geſühnt. Und wie unſäglich hat er gelitten, wie verlaſſen und qualvoll war ſein Tod! Wer hat ihn gekreuzigt?— Die O Gott, ſoll ich unempfindlicher ſein, als die harten Felſen, die ſich beim Tode des Gottmenſchen ſpalteten, als die Sonne, die trauernd ihr Antlitz verhüllte. Wenn das am grünen Holze, am unſchuldigen Sohne Gottes ſelbſt geſchieht, was wird dann an mir, dem dürren Holze, geſchehen? O Gott, ſei mir Sünder gnädig! — ==— ———— — —=— 15 4. Das beſondere Gericht. Dogleich nach dem Tode, wenn deine Leiche noch nicht kalt iſt, während die trauern⸗ den Freunde und Verwandten dein Sterbe⸗ lager noch weinend und ſchluchzend umſtehen, mußt du, chriſtliche Seele, vor dem Richter⸗ ſtuhle des allgerechten und allwiſſenden Gottes erſcheinen. Hier heißt es Rechenſchaft ab⸗ legen über alle deine Gedanken, Worte, Werke und Unterlaſſungen während deines ganzen Lebens.„Es iſt dem Menſchen feſtgeſetzt, zu ſterben, und darnach das Ge⸗ rich Nachdem die Seele ſich von dem morſchen Leibe getrennt, nachdem ſie alles Irdiſche, allen Flitter und Tand der Welt zurück⸗ gelaſſen, wenn das gebrochene, gläſerne Auge für das Licht dieſer Welt erblindet iſt, um⸗ leuchtet plötzlich die Seele das Licht der Ewigkeit. Auf einmal fällt es dir wie Schuppen von den Augen: die Ewigkeit, an die du hienieden ſo wenig gedacht, um⸗ ſchließt dich von allen Seiten. Alles, was hienieden dein Herz gefangen nahm, iſt für dich in Nichts zurückgeſunken. Das Auge des Geiſtes hat nur mehr vor ſich Gott, den Allgerechten, und die Ewigkeit— ſonſt Nichts mehr. Jetzt ſind vorüber deine Verirrungen, dein Leichtſinn, deine Sorgloſigkeit für dein Heil, deine Verblendung und Vermeſſenheit, — 140— alles das hat jetzt ein Ende: du ſtehſt vor dem Richterſtuhle des dreimal heiligen all⸗ mächtigen Gottes, vor deſſen Majeſtät. die Grundſäulen des Himmels erbeben, die reinen Geiſter ſelbſt zitternd auf ihr Antlitz nieder— fallen in helliben Schauer. Vor ihm gilt kein Anſehen der Perſon: ob du auf Erden groß und mächtig, reich und angeſehen geweſen, du wirſt nicht beſſer behandelt als die geringſte Magd; Gott ſtraft das Böſe, wo ſich findet, und belohnt das Gute nach Gebühr. Du ſtehſt vor dem unendlich Heiligen, der das Böſe unendlich verabſcheut, vor dem jede Sünde ein Greuel iſt. Du ſtehſt vor dem Allwiſſenden, deſſen Flammenauge Herz und Nieren durchforſcht, der Alles weiß, was du ſelbſt lange vergeſſen, der alle deine geheimſten Gedanken, Worte und Werke kennt, vor deſſen allſehendem Auge du Nichts, auch dein tiefſtes Innere nicht zu verbergen vermagſt. Jetzt, wo die Leibeshülle in Staub ge— ſunken, iſt auch die Eigenliebe und Selbſt⸗ tuſeuhe geſchwunden: was du früher geſucht haſt, zu bemänteln, zu entſchuldigen, zu beſchönigen, das ſteht jetzt klar vor dir in ſeiner wahren Geſtalt. Du ſiehſt jetzt zum erſten Male deine Seele in ihrer un⸗ geſchminkten Schönheit oder Häßlichkeit, wie ſie vor Gott iſt. Jetzt erkennſt du auch die Bosheit und Strafwürdigkeit der Sünde; ——————— — S=——— —— „ — — unbeſchreibliche Angſt erfaßt dich, du bebſt vor Entſetzen, aber— zu ſpät! Der Hand des allmächtigen, des allgerechten Gottes ver⸗ magſt du nimmer zu entrinnen. Sein Auge blickt ernſt, vielleicht gar zornentbrannt. Das Gericht beginnt... Die Norm, das Geſetzbuch, wonach du ge⸗ richtet wirſt, ſind nicht die falſchen, wandelbaren Tagesmeinungen der Zeit, nicht die lockeren Grundſätze der Welt, des Egoismus, der Ge⸗ nußſucht, die ſo vieles ihr Unbequeme be⸗ ſchönigten, nicht die verderblichen Beiſpiele cer leichtſinnigen Weltmenſchen— nein, die Heiligkeit Gottes ſelbſt, die Gebote Gottes, die Grundſätze des hl. Evangeliums bilden die Richtſchnur des göttlichen Gerichtes. Hatteſt du nicht gelobt bei der Taufe, an Chriſtus und ſeine Lehre voll und ganz zu glauben, nach ſeinem hl. Evangelium zu leben, der ſündhaften Welt aber ſammt aller ihrer Pracht und Eitelkeit immerdar ſtandhaft zu widerſagen? Wie, chriſtliche Seele, wenn du jetzt in dieſem Augenblick vor Gottes Richterſtuhl er⸗ ſcheinen müßteſt, was würde dich am meiſten ängſtigen? „Des Richters Gewand war weiß wie Schnee und die Haare ſeines Hauptes gleich der Wolle; ſein Thron waren Feuerflammen, deſſen Räder loderndes Feuer. Ein Strom, feurig und reißend, ging aus von ſeinem Antlitz, tauſendmal Tauſende dienten ihm, 442— und zehntauſendmal Hunderttauſende um⸗ ſtanden ihn. Das Gericht ſetzte ſich, und die Bücher wurden aufgeſchlagen.“ Ja, auf⸗ geſchlagen wird das Buch des Lebens, der Allwiſſenheit Gottes. Treu ſteht hier eingetragen, was du Gutes in deinem Leben gewollt, empfunden, gethan haſt: Alles, was du aus Liebe zu Gott und zum Nächſten gethan; jedes Gebet, das du verrichtet, jede hl. Meſſe, der du beigewohnt, wie oft und wie du die hl. Sacramente empfangen, deine Abtödtungen und Buß⸗ übungen, deine Kämpfe und Siege über die Verſuchungen, alle Arbeiten und Mühen, alle Leiden und Widerwärtigkeiten, die du ergeben ertragen; darin ſteht jede Theilnahme, die du dem Nächſten erwieſen, jedes gute Wort, das du zu ihm geſprochen, jede Thräne, die du getrocknet, jeder Dienſt, den du ihm ge⸗ leiſtet, jedes Almoſen, das du gegeben, jedes, auch das kleinſte deiner guten Werke; ja ſelbſt jedes Gute, das du erſtrebt, aber nicht ausführen konnteſt. Freue dich, chriſtliche Seele, und froh⸗ locke, wenn deiner guten Werke recht viele ſind. Aber wird nicht Manches, was du für Weizen hältſt, als werthloſe Spreu befunden werden durch den einen oder andern Fehler? Iſt auch Alles Gold, was glänzt? Werthlos iſt vor Gott und für die Ewig⸗ keit Alles, was du Gutes gethan in jenen Tagen(Wochen und Monaten 7), wo du im — Stande einer ſchweren Sünde gelebt. Durch die Todſünde hatteſt du dich von Gott los⸗ geſagt, und der Rebzweig, vom Weinſtocke getrennt und abgeſchnitten, kann keine Früchte bringen. Unbelohnt wird bleiben ferner, was du nicht aus reiner Abſicht, ſondern aus Ehrgeiz, Scheinheiligkeit und aus Rückſicht auf die Menſchen gethan haſt.„Vieles“, ſagt der hl. Gregor,„Vieles wird vor der göttlichen Gerechtigkeit als Sünde erſcheinen, was bei den Menſchen dir Lob und Ehre und Ruhm erwirkt.“ Wird ſchon das Gute ſo ſtreng geſichtet, werden alle Mängel darin ſo ſorgfältig durchforſcht, daß ſelbſt der Gerechte erzittern und beben muß, wie wird es erſt dem Sün⸗ der ergehen? Die hl. Schrift verſichert uns: „Dem Herrn ſind bekannt die Werke des Menſchen, und Nichts iſt verborgen in ſei⸗ nen Augen“; und der Herr ſelbſt droht:„Ich werde Jeruſalem mit einer Laterne durch⸗ forſchen“, d. h. mit der ſchärfſten Genauig⸗ keit wird der Richter die Seele durchforſchen, auch die tiefſten und geheimſten Falten des Herzens ergründen. Chriſtus betheuert uns ja ſelbſt:„Ich aber ſage euch, daß die Menſchen von jedem müßigen Worte, das ſie geſprochen, am Tage des Gerichtes Rechenſchaft ablegen müſſen.“ Und erſt deine vielen Sünden in Gedanken und Begierden, Worten, Werken und Unterlaſſungen, Sünden der Kindheit, — 111— der Jugend, des reiferen Alters! Und dann deine Standespflichten!— Die Sünden gegen Gott, gegen den Nächſten und gegen dich ſelbſt. Gib Rechenſchaft! Wie haſt du die Talente verwaltet, die Gott dir anvertraut? Wie haſt du Geſundheit und Körperkräfte, Speiſe und Trank, Geld und Gut, Ruhe und Erholung gebraucht, oder vielleicht miß— braucht? Und deine Geiſtesgaben, Vernunft, Wille und Denkvermögen, Gedächtniß und Einbildungskraft? Wie haſt du gebraucht oder mißbraucht deine geſunden Sinne und Glieder, deine Zunge, deine Augen, deine Ohren, deine Hände und Füße? Zum Dienſte Gottes oder zum Dienſte der Welt, vielleicht gar zum Dienſte des Böſen? Gib Rechen⸗ ſchaft!„Wem viel gegeben iſt, von dem wird auch viel gefordert werden.“ Der faule Knecht ward ſtreng beſtraft, weil er zu ſeinem Talente Nichts gewonnen hatte. „Der Baum,der keine guten Früchte trägt, wird umgehauen und in's Fener geworfen.“ Wie haſt du die koſtbare Zeit, wie ſo viele Tage und Jahre zugebracht? Wie haſt du heilſame Ermahnungen und Warnungen, Einſprechungen des p Geiſtes, wie die Heilsmittel der Kirche, ſo viele koſtbare Gna⸗ den benützt? Gib Rechenſchaft! O Gott, wenn ſelbſt die Heiligen zittern, wie werde ich armer Sünder erſt zu Schanden werden! Schrecklich, o Herr, ſtrenge, aber gerecht ſind —= — — ———„„ 2———=—— — —= —— — — — 145— Deine Gerichte! Und ſchrecklicher noch iſt das unerbittliche, unwiderrufliche Urtheil, das mein Schickſal für die ganze Ewigkeit ent— ſcheiden wird. Ach, wenn ich im Stande ſchwerer Sünde hinſcheiden würde und hören müßte die zermalmenden Donnerworte des Herrn:„Weiche von mir, vermaledeite, treu⸗ loſe Seele, fort in's ewige Feuer, wo Heulen und Zähneknirſchen ſein wird!“... „O Gott, ſei mir armen Sünder gnädig“, wird der unglückliche Verdammte ausrufen. Aber es iſt zu ſpät! Die Zeit der Gnade und Barmherzigkeit iſt vorüber, die ſtrenge Gerechtigkeit nimmt ihren Lauf.„Vor dem Gerichte“, ſagt der hl. Gregor,„läßt der Herr ſich noch verſöhnen, nach dem Gerichte nicht mehr.“ Darum ſäume nicht, dich zu bekehren, zu büßen, Alles in Ordnung zu bringen. Mit jedem Tage, mit jeder Stunde rücken Tod und Gericht näher; ſie warten nicht, biſt du vorbereitet biſt. Darum ſorge, bevor es zu ſpät iſt! 5. Die Liebr Gottes. Dein Herz, chriſtliche Seele, iſt geſchaffen, um zu lieben, und ruht nicht eher, bis es einen Gegenſtand gefunden, dem es ſich in Liebe hingibt. Wem alſo willſt du dein Herz geben, deine Liebe ſchenken, der Welt oder Gott? Du mußt dich entſcheiden. St. Eliſabeth. 10 6— Willſt du die Welt lieben, die eitle, falſche, trügeriſche, die dir eine Zeit lang ſchmeichelt und dich bethört, dir ſo viel verſpricht und ſo blutwenig geben kann; jene falſche Welt, die dir Liebe heuchelt, aber dich in's Verderben ſtürzt; die alles Edle deines Gemüthes, alle guten Regungen deines Willens, alle Gaben deines Geiſtes raubt, dich auspreßt wie eine Citrone, dich dann verachtet, wegwirft und dazu dich im Elende verhöhnt? Nein, die Wahl kann dir nicht ſchwer ſein. Dein Gott und Heiland ruft dir zu: „Meine Tochter, gib mir dein Herz“, deine Liebe. Er allein liebt dich in Wahrheit, er allein will und kann dich wahrhaft glück⸗ lich machen, er allein iſt deiner Liebe werth. Daher auch ſein Gebot:„Du ſollſt Gott, deinen Herrn, lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus deinem ganzen Ge⸗ müthe und aus all deinen Kräften“, das heißt: liebe Gott mehr als Alles und ſo viel du kannſt.— Er verdient dieſe Liebe im höchſten Grade. Aus Liebe zu dir hat er dich erſchaffen und dir eine unſterbliche Seele eingehaucht, damit du ihn lieben und ihm dienen könneſt, um dereinſt im Himmel in ihm und mit ihm ewig ſelig zu werden. Aus Liebe zu dir ward er als armes Kind im Stalle zu Beth⸗ lehem geboren, aus Liebe zu dir führte er ein Leben voll Armuth und Niedrigkeit, voll Schmach, Verfolgung und Leiden. Die ganze 1. ſo 1 en n — 1— Zeit, welche er hienieden wandelte, war Liebe und Wohlthun ſeine Freude. Wie liebte er die Kinder— die Armen— ſogar die Sün⸗ der! Als guter Hirte eilte er dem verlorenen Schäflein nach, kein Weg war ihm zu weit, keine Mühe zu beſchwerlich. Wie hat er ge— weint über die Stadt Jeruſalem wegen ihrer Verſtocktheit und Verblendung. 6 Nach den ſchmerzlichſten und furchtbarſten Leiden endlich hat er uns Alle, und dich ins⸗ beſondere, im Kreuzestode mit ſeinem koſt⸗ baren Blute erkauft. Ja, um immer bei uns bleiben zu können mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menſchheit, ſetzte er das aller⸗ heiligſte Sacrament ein. Da iſt er Tag und Nacht in unſerer Mitte als unſer Nachbar und unſer Freund, als unſer Vater, Helfer und Tröſter, der uns einladet, zu ihm zu kommen in allen Anliegen und Kümmerniſſen des Lebens. Da opfert er ſich für uns als das Lamm Gottes, um unſere Sünden hin— wegzunehmen, und als guter Hirte nährt er uns mit ſeinem eigenen Fleiſche und Blute. Kann die Liebe weiter gehen? Erwäge, was die Nachfolge Chriſti ſagt: „Wer Jeſum in Liebe umfaßt, der ſteht feſt in Ewigkeit. Die Liebe eines Geſchöpfes iſt trügeriſch und unbeſtändig; die Liebe Jeſu iſt treu und beharrlich. Ohne Jeſu ſein iſt eine ſchwere Hölle, mit Jeſu ſein ein liebliches Paradies. Wenn Jeſus bei dir iſt, kann kein Feind dir ſchaden. Wer Jeſum findet, — 148— findet einen guten Schatz, größer als alle Schätze. Wer Jeſum verliert, verliert allzu viel, mehr als die ganze Welt. Wer ohne Jeſus lebt, iſt der Aermſte, wer aber gut mit Jeſus ſteht, iſt der Reichſte.“ Bei ihm findeſt du Wahrheit, Licht, Leben, Kraft, Troſt und Hülfe. Das hat die hl. Eliſabeth wohl gewußt, deshalb erglühte ihr Herz in feuriger Liebe zu ihrem Heilande. Er war ihr Bräu⸗ tigam, ſie ſeine liebende Braut. Allen Reich⸗ thum und alle Ehren opferte ſie ihm zu lieb; Alles, ſelbſt ihren Gemahl und ihre Kinder liebte ſie nur in Jeſu und gleichſam durch Jeſum. Aus Liebe zu ihm brachte ſie all ihre Theuren zu Opfern; und ſie löſte ihr Herz los von allem Irdiſchen, um allein ihrem gekreuzigten Heilande zu leben. Und wie leicht und ſüß iſt es, Jeſum zu lieben! Du liebſt das Schöne; nun aber iſt alles Schöne, das du in der Welt erblicken kannſt, nur ein matter Abglanz der ewigen, unendlichen Schönheit Gottes, einer Schön⸗ heit, die kein Auge geſehen, keines Menſchen Geiſt begreifen kann.— Du liebſt, was gut iſt; nun aber iſt Gott das höchſte Gut, vor dem alles Andere Nichts iſt; er iſt der Ur⸗ grund und die Urquelle alles Guten, Schönen, Edlen, Erhabenen; er iſt die ewige Güte ſelbſt. Und deine Liebe ſollteſt du theilen zwiſchen ihm und der ſchnöden Welt, in der Alles übertüncht, falſch, ſchaal, vergänglich iſt? Herrſcht etwa in deinem Herzen ſchon eine ſündhafte Liebe?... 5 Du trägſt vielleicht nach einem ſehr ſchönen und lobenswerthen Gebrauch das Crucifix, das Bild deines Heilandes, als deines Ge⸗ liebten, auf der Bruſt; trage ſein Bild auch im Herzen, präge es demſelben tief ein, da⸗ mit deine Gottesliebe ſich auch in all deinen Gedanken, Worten und Werken abſpiegele. „Wer mich liebt“, ſagt Chriſtus,„der hält meine Gebote.“ Liebſt du Jeſum in Wahrheit, ſo fürchteſt du, ihm zu miß⸗ fallen, ſogar durch kleine Fehler; dann ſuchſt du ihn zu erfreuen durch Tugend und gute Werke; dann biſt du ſtark und entſchieden ſelbſt in den heftigſten Ver⸗ ſuchungen. Wenn du Jeſum liebſt, dann denkſt du gern und oft an ihn, hörſt gern ſein Wort in der Predigt, beſuchſt ihn gern in Kirche und Gottesdienſt, em⸗ pfängſt ihn gern in der hl. Communion; dann haſt du Eifer, daß er auch von An⸗ dern erkannt und geliebt werde; dann trägſt du willig bei zu guten Zwecken u. ſ. w. Wie ſteht's damit? Welches ſind deine dies⸗ bezüglichen Geſinnungen?... Wie der Glaube, ſo iſt auch die Liebe ohne Werke eine todte Licbe. 6. Die Föllr. Mch⸗ es gibt alſo eine Hölle, es gibt un unglückſelige Ewigkeit, an die ich allzu wenig dachte, an der ich ſo manchmal ge— zweifelt! So jammert die verdammte Seele, nachdem der göttliche Richterſpruch für die Ewigkeit gefällt, und die ſchaurigen Flam— men des hölliſchen Kerkers über ihr zu⸗ ſammengeſchlagen. Ja, es gibt eine Hölle, ewige, entſetzliche Hölle. Nur der Thor, der davor zittert und doch zu feige iſt, ſeiner Sündenfeſſeln ſich zu entledigen und ſich zu Gott zu erheben, kann daran zweifeln; ſo will er ſein Gewiſſen, ſeine Aengſten betücben Es gibt eine Hölle, einen Ort oder? ſtand der Strafe, worin die im S. ſchwerer Sünde hingeſchiedenen und von Gott verworfenen Seelen ſammt den Teufeln gequält werden die ganze Ewigkeit. Dort müſſen ſie ſchauerlich büßen, ohne je den ge⸗ ringſten Troſt, die geringſte Linderung ihrer Peinen hoffen zu dürfen. Nicht nur Gottes Barmherzigkeit, auch ſeine Gerechtigkeit iſt unendlich. Die ewige Wahrheit ſelbſt offen⸗ bart die Hölle als den Kerker der gött⸗ lichen Gerechtigkeit, den Ort der ſte und greulicher Unord⸗ kung, den Ort des Heulens und Zähzreknirſchens, wo das Feuer nicht erliſcht, der tene Gewiſſenswurm vicht ſtirbt, woraus der Rauch der Qualen der Verdammten auſſteigen wird von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das Urtheil des Richters wird lauten:„Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feur Weichet von mir! Jetzt, wo die Welt mit ihren armſeligen Genüſſen und vergäng⸗ lichen Gütern, mit ihrem Tand und Flitter für dich nicht mehr iſt— bleibt dir ewig noch das Bedürfniß nach Glück, das deiner Seele unauslöſchlich anerſchaffen iſt. Dein Herz will genießen, will lieben, will aus allen Kräften und um jeden Preis glücklich ſein— dazu iſt es ja erſchaffen. Nichts iſt jetzt mehr erreich⸗ bar, Nichts kann ſeinen heißen Durſt nach Glück ſtillen—— als Gott allein, der da iſt die ewige Schönheit, die unendliche Liebe, das höchſte Gut. Nach Gott nun ſehnt ſich die Seele mit heißeſter Gluth, da alles An⸗ dere auf immer dahin iſt, und— Gott iſt ihr unerreichbar; eine ewige Scheidewand, eine unüberbrückbare Kluft trennt ſie von ihm. Nie darf ſie ſein beſeligendes Antlitz ſchauen. Weichet von mir! Ewig getrennt von Gott, mithin ewig dürſtend nach Glück, ewig freudelos, ewig ruhelos, ewig ohne Liebe, cwig unglücklich, ewig verflucht. Nie fällt in dieſe Bitterkeit ein Strahl von Freude, nie lindert dieſes namenloſe Leiden ein Strahl der Hoffnung. Von Tag zu Tag wird die Sehnſucht nach der beſeligenden Anſchauung Gottes größer, heftiger, unwiderſtehlicher— nie wird ſie geſtillt. Weichet von mir! Hier auf Erden fühlt ſich in all ſeinen Mühen und Leiden auch der unglücklichſte Menſch noch gehoben durch die S auf beſſere Tage; nach vielen qualvollen Stunden folgt auch mal eine freudige; es kommen Momente, wo das Leiden etwas vergeſſen wird— in der Hölle nie.— Drücken Kreuz und Leiden dich hier ſchwer darnieder, ſo haſt du doch einen Vater oder eine Mutter, eine Freundin, Geſchwiſter oder Freunde, denen du dein Leid klagen, von deren Lippen ein Wort der Theilnahme oder des Troſtes dich erleichtert; und iſt dir ſelbſt das verſagt: die Thränen, die von deinen Wangen rinnen, erleichtern dir das kummervolle Herz. In der Hölle gibt's nur Heulen des Schmerzes, Zähneknirſchen der Verzweiflung; deine Klagen werden beantwortet durch das Hohngelächter der böſen Geiſter, durch die Läſterungen der Mitverdammten. Selbſt wenn hienieden in deinem Weh und Leid keine einzige mitleidige Seele ſich fände: es bleibt dir dein Gott, dein Heiland im Tabernakel und ſein hl. Kreuz; er wird deiner nicht vergeſſen, wenn auch die Mut⸗ ter ihres Kindes vergäße; es bleibt deine himmliſche Mutter Maria, die ſtets hülfs⸗ bereite Tröſterin der Betrübten, dein hl. Schutz⸗ engel und alle Heiligen: im vertrauensvollen Gebet und in chriſtlicher Ergebung findeſt dn Hülfe und Troſt— ſür die Verdammte gibt es keinen Heiland, keine Mutter, keinen Troſt, keine Hoffnung mehr. Was ſie ſieht, was ſie hört, was ſie empfindet, was ſie denkt, was ſie weiß— kann ihre Peinen nur vergrößern. Ja, was ſie weiß! Sie weiß, daß ſie ihren Gott, und ſomit ihr Glück, ihren Him⸗ mel, ihr Alles verloren hat, unwie⸗ derbringlic verloren, verloren durch ihre eigene Schuld. Sie weiß, wie Gott der Vater ſie für ſich, für den Himmel erſchaffen hattez ſie weiß, wie Gott der Sohn Blut und Leben für ſie am Kreuze geopfert; wie der hl. Geiſt ſie in der Taufe zu einem Kinde Gottes Erben des Himmels gemacht, ihr ſo viele Gnaden angeboten hat. O wäre ſie geblieben, was ſie bei ihrer Taufe war! Wäre ſie geblieben, wie am Tage der erſten hl. Communion! So viele ihrer Altersgenoſſen jubeln jetzt in einem Meere von Glück und Wonne in den Räumen des Himmels— und ſie? Ach, ſie iſt verdammt durch ihre eigene Schuld. Das iſt der Wurm, der ni⸗ ſtirbt, die Natter der Schuld, die giftig am nagt. Alles, was ſie ſieht und hört, mehrt ihre Pein in dieſem Schwefelpfuhl, in dieſem Ort grauenhafter Finſterniß; die ſcheußlichen Ge⸗ ſtalten der Teufel, die ſie höhnen und läſtern; was bildet ferner ihre Geſellſchaft? Der Aus⸗ wurf der Welt, der Abſchaum der Menſchheit was die Erde nur Gemeines und Boshaftes, Laſterhaftes, Verworfenes, Verfluchtes ge⸗ tragen, ſeitdem ſie erſchaffen iſt! Und erſt die unſäglichen, empfindlichen Qualen! Was alle Menſchen zuſammen in qualvollſten Leiden, in den ausgeſuchteſten Martern ausgeſtanden, kommt mit den Leiden der Verdammten nicht in Vergleich. Jeder Sinn, jedes Glied erleidet ſeine eigene Qual, ſeine beſondere Pein. Alle andern Peinen aber übertrifft das Feuer, angefacht vom Zorne Gottes zur ewigen Strafe der Sünde: ein Feuer, das brennt, aber nicht verbrennt, unausſprechlich peinigt in raſen⸗ der Gluth, aber nicht tödtet. Chriſtus ſelbſt hat es geoffenbart:„Weichet... in's ewige Feuer!“ Du möchteſt nicht um alle Koſtbarkeiten der Welt deine Hand ein Stündchen in's Feuer ſtecken; wie weh thut ſchon die kleinſte Flamme unſers natürlichen Feuers! Dennoch verhält ſich nach der Meinung eines Geiſtes— lehrers das irdiſche Feuer zum hölliſchen wie gemaltes zum wirklichen. Und nun in der Hölle begraben ſein, in dieſes Feuermeer, in dieſen Flammenpfuhl, wo die raſende Gluth wüthet in Herz und Hirn, in Adern und Gebeinen, in allen Sinnen und Gliedern! Wahrhaftig, ſchrocklich iſt es, zu fallen in die Rächerhände des lebendigen Gottes! Was aber die Hölle, deren Qualen keines Menſchen Geiſt erfaſſen kann, erſt recht zur ſſ Hölle macht, das iſt die Ewigkeit ihrer Dauer. Ja:„Weichet. in's ewige Feuer!“ lautet das Urtheil, und der hl. Geiſt ſagt:„Der Rauch ihrer Qualen wird aufſteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Entſetzliche Wahrheit, der Verſtand vermag kaum ſie auszudenken! Immer Qualen, nie Ruhe! Nach Hunderten von Jahrtauſenden der grau⸗ ſamſten Pein— nicht ein Strahl der Hoff⸗ nung auf Linderung, auf Ende. Immer Anfang— nie Ende! Wenn ein Verdammter, der alle zehn⸗ tauſend Jahre nur eine Thräne weint, endlich ſo viel geweint hätte, daß Himmel und Erde von ſeinen Thränen überſchwemmt würden, wäre dann die Hälfte, der hundertſte Theil ſeiner Strafzeit vorüber? Nein!— Und wenn dieſe Zeit ſo oft verfloſſen wäre als es Gräslein auf der Flur, Blätter im Walde, Tropfen im Meere gibt— das Feuer brennt fort und peinigt ſie von Ewigkeit zu Ewig⸗ feit. Ewig muß Gott die Sünde haſſen. Kein Strahl der Hoffnung durchleuchtet die ewige Finſterniß. Ewige Qual— ewige Verzweiflung. Entſetzlicher Gedanke!— O Gott, ſchauerlich, aber gerecht ſind Deine Gerichte. Noch hat mich Deine Lang— muth geſchont, noch neigſt Du ausgeſtreckt am blutigen Kreuze mir erbarmungsvoll Dein Antlitz zu, um mir den Kuß der Liebe und Verſöhnung zu geben, falls ich mich auf⸗ „ richtig bekehren will. Geprieſen ſei auf ewig Deine übergroße Barmherzigkeit! Recht oft will ich im Geiſte in die Hölle hinabſteigen, beſonders zur Stunde der Verſuchung, damit ich für die Ewigkeit davor bewahrt bleibe. Durchſchauere, o Herr, mein Herz und Sinn mit heiliger Furcht. Amen. 7. Die hl. Communion. Steb s und iß von dirſem Brode, denn der Weg, den du zu machen haſt, iſt weit und ſchwer.“ Dieſe Worte des Engels gelten insbeſondere dir, chriſtliche Frau oder Jungfrau. Der Weg zum ewigen Ziele, der Weg durch die ſchöne aber gefahrvolle Jugendzeit, der Weg durch das reifere oft ſchwer geprüfte Alter, durch die lockende, reizende Welt, inmitten all dieſer Sirenenſtimmen der Verführung, dieſer Weg, umlagert von erbitterten Feinden, iſt weit und rauh. Gar Viele ermüden, laſſen nach in der erſten Liebe, im erſten Eifer, es gebricht ihnen an Kraft, ſie ver— hungern an der Seele, unterliegen den Ver⸗ werden eine Beute des böſen einb es. O edle Seele, wenn auch das dein Loos wäre! Wenn du ſchon im Mai der Jugend, im Frühlinge des Lebens Unkraut in Gottes Garten würdeſt!... Wenn ſpäter, der Ewig⸗ leit ſchon näher, in Sorge und Trübſal Liebe ———— — — — 4 —— —— und Kraft dir ausginge!... Darum trete recht oft hinzu zum Tiſche des Herrn, iß von dieſem Brode des Lebens, nähre dich von der Speiſe der Auserwählten, kräftige dich mit dem Brode der Starken. „Wer mein Fleiſch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“, ſagt der Heiland ausdrücklich. Wichtige, verheißungsvolle, erbarmungsreiche, über Alles ermunternde Worte! Er bleibt in mir— was habe ich da zu fürchten? Vor wem brauche ich da zu zittern? Er, der Allmächtige und Heiligſte, iſt in mir mit ſeiner Macht, Weisheit, Heiligkeit, mit ſeiner Gnade und tauſendfachen Hülfe— und er bleibt in mir. Darum weiche, Satan, weiche, Welt und böſe Luſt, ihr habet keinen Theil an mir! Ich bin ſein, und er iſt mein! Ja, chriſtliche Seele, die öftere und würdige hl. Communion iſt das wirk⸗ ſamſte Mittel, über die Feinde des Heiles zu triumphiren, das Kreuz geduldig zu tragen, die Reinheit zu bewahren, die Liebe Gottes zu beleben und in jeglicher Tugend Fort⸗ ſchritte zu machen. Sie bringt dir nicht bloß reichliche Gnaden, nein, ſie theilt dir mit den Urheber und die Quelle aller Gnaden, deinen Heiland Jeſum ſelbſt mit Gottheit und Menſchheit. Er vereinigt ſich mit dir, erfüllt deine Seele mit ſeinen Gnaden, heiligt ſie, ſchmückt ſie mit ſeinen Tugenden und Ver⸗ dienſten, ſtärkt ſie mit ſeiner Kraft, belebt — 158— ſie mit ſeinen Geſinnungen und erfüllt ſie ganz mit ſeiner Liebe. „Wer mein Fleiſch ißt und mein Blut trinkt, der bleiht in mir und ich in ihm.“ Jeſus, der Starke und All⸗ mächtige, bleibt bei dir, der Schwachen, und gibt dir Kraft und Muth; er iſt dein Be⸗ gleiter und Schützer auf dem gefahrvollen Lebenswege; er iſt das Licht, das deinen Geiſt erleuchtet und dir die Gefahren und Abgründe zeigt, die dir drohen.„Bläht die Hoffart dich auf“, ſagt der hl. Cyrillus,„dann ge— nieße dieſes demüthige Brod, und es wird dich demüthig machen. Weht dich die Stick— luft des Neides an, ſo genieße das Brod der Engel, und dieſes Brod der Liebe wird dich liebevoll machen. Lockt dich die Sünde der Unreinheit, ſo empfange dieſes Sacra— ment, und der reinſte Leib Jeſu Chriſti wird dich rein und keuſch erhalten. Biſt du lau und träge, ſo daß du weder die ewigen Wahr— heiten betrachten noch beten magſt, dann er— wärme dich durch die hl. Communion, und dein Herz wird mit Andacht erfüllt werden.“ „O hochheiliges, anbetungswürdigſtes Sa⸗ erament“, ruft der ſelige Ludwig von Granada in heiliger Begeiſterung aus,„welcher Worte kann ich mich bedienen, um dein Lob zu ver— künden? Du biſt das Leben unſerer Herzen, du biſt Balſam auf unſere Wunden, du biſt der Troſt in unſern Leiden, das Zeugniß der Liebe Chriſti, die Freude der Verbannten, der heilige Funke, der das Feuer der gött⸗ lichen Liebe entzündet, die Quelle der Gnaden, das Unterpfand des ewigen und der Schatz des chriſtlichen Lebens!“ „Ich bin das Brod des Lebens“, ſagt der Herr. Das Leben der Seele iſt die heiligmachende Gnade. Dieſes übernatürliche Leben der Seele muß wie das leibliche Leben genährt werden, die ſchädlichen Einwirkungen der böſen Begierlichkeit müſſen ausgeglichen, die Schwächungen und Verluſte durch Ver⸗— ſuchungen und Sünden müſſen erſetzt werden. Nun, Jeſus im Sacramente iſt das volle, das kraftſtrotzende, das ewige Leben, welches das Leben unſerer Seele erhält, mehrt, kräf⸗ tigt, erhöht, veredelt, ergänzt.„Dieſes hl. Sacrament“, ſagt die Nachfolge Chriſti,„iſt die Arznei gegen alle Krankheiten der Seele: die Fehler werden geheilt, die Leidenſchaften gezügelt, die Verſuchungen beſiegt oder über⸗ wunden, die Tugend vermehrt, der Glaube befeſtigt, die Hoffnung geſtärkt, die Liebe ent⸗ flammt.“ Wer dieſes Brod des Lebens nicht oft genug genießt, nimmt ab, erſchlafft, zehrt ab, verfällt dem ewigen Tode. Jeſus im hl. Sacramente iſt das Him⸗ melsbrod, das alle Süßigkeit in ſich begreift. Welche Süßigkeit, Jeſum, deinen Gott und den Bräutigam deiner Seele, in dein Herz aufzunehmen! Denke zurück an jenen Tag himmliſcher Wonne und Seligkeit, — 160— wo du zum erſten Male hinzutreten durfteſt zum Engelstiſche: meinteſt du da nicht einen Vorgeſchmack der Paradieſesſeligkeit zu koſten. Und jetzt? Es iſt noch immer das ſüße Himmelsmanna— aber dein Herz iſt vielleicht durch irdiſche Genüſſe und Freuden etwas verwöhnt? Und doch iſt es für dein Herz Bedürfniß, zu lieben, in Liebe ſich zu ver⸗ einigen! „Wer mein Fleiſch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“ Je öfter und würdiger du Jeſum empfängſt, mit reinem in Andacht und Inbrunſt ſein heiliges Fleiſch und Blut genießeſt, deſto mehr lebt Jeſus mit ſeiner Gnabe und Kraft in dir und du in ihm. Jeſus(ſoweit du deſſen fähig biſt) dein Denken, dein Wollen und Handeln und wandelt dich gleichſam in ſich um. Seine himmliſchen Züge treten immer deutlicher hervor im Bilde deiner Seele, in ihrem Leben, Wollen und Thun, und mit dem Apoſtel kannſt du ſagen:„Ich lebe, doch nicht ich, ſondern Chriſtus lebt in mir.“ In Chriſto iſt alle Hoffnung des Lebens und jeglicher Tugend: ſein himmliſcher Friede be— ſänftigt den Sturm deiner Leidenſchaften und Verſuchungen. Mit welcher Sehnſucht hat die hl. Eli— ſabeth nach dem Bräutigam ihrer Seele ver⸗ langt! Mit welcher Reinheit, Demuth, In⸗ brunſt hat ſie ihn empfangen! — 161— Warum zögerſt du alſo, chriſtliche Frau, Jungfrau? Verkoſte und ſ wie ſüß der Herr iſt. Das Kreuz drückt dich, der Teufel Herſucht dich, die Welt lockt dich, die Ver⸗ ſuchungen bedrängen dich: ſchmiege dich recht oft an das liebende Herz deines himmliſchen Bräutigams, vereinige dich mit ihm in Rein⸗ heit— in Demuth— in Glauben— in Hoff⸗ nung— in Liebe— in Sehnſucht jeden Monat und öfter noch, wenn es dir dein Beichtvater räth. Brauſen die Stürme der Verſuchung oder der Leiden über dein Haupt, eile, Mühſelige und Beladene, zu ihm, er will dich erquicken! 8. Die Andacht zu Marin, der Fönigin der Aungfrauen. DSiehe da deine Mutter! Dieſes Te⸗ ſtament des am Kreuze ſterbenden Hei⸗ landes gibt der armen Menſchheit Maria zur Mutter. Iſt nun Maria auch die Mutter Aller, ſo iſt ſie doch ganz beſonders deine Mutter, chriſtliche Frau und Jungfrau. In dem jungfräulichen heiligen Johannes hat ſie auf Calvaria insbeſondere die Jungfrauen in ihr Mutterherz eingeſchloſſen. Dieſe ſorg⸗ ſame Mutter weiß, wie feindſelig die böſe Welt der holden Blume der Keuſchheit nach⸗ ſtellt, ſie kennt die Schwachheiten dieſes Alters, die vielfachen Gefahren, und ihre Mutterliebe St. Eliſabeth. 11 — zögert nicht, ihren Kindern zu Hülfe zu kommen. Darum haben auch alle frommen und reinen Seelen Maria jederzeit kindlich Sich und verehrt; durch die Vermittlung kariä haben ſie die größten Gnaden erlangt. Zu ihr nahmen ſie ihre Zuflucht in Ver⸗ ſuchungen, in Kreuz und Leiden, unter ihren Schutz ſtellten ſie Leib und Seele und er⸗ freuten ſich auffallend ihrer mütterlichen Hülfe in leiblichen und geiſtlichen Nöthen und Ge⸗ fahren. Um Leib und Seele rein zu be⸗ wahren, um beſtändig ihres Schutzes ſich zu erfreuen, hatte die hl. Eliſabeth eine beſon⸗ ders große Liebe und Berehrin zur heiligen Gottesmutter und Königin der Jungfrauen und zu dem Lieblingsjünger, dem hl. Evan⸗ geliſten Johannes. Bis zu ihrem Tode trug ſie beſtändig vier Bilder ihrer Mutter bei ſich. Als ſie in einen Orden eintreten wollte, wählte ſie mit Vorliebe den der hl. Clara, weil in dieſem die Liebe zum S Heilande und ſeiner heiligen Mutter gepflegt wird. Maria, die Mutter Gottes, iſt auch deine Mutter. Freue dich, eine ſo hohe Mutter zu haben, eine Mutter, ſo reich an Macht, Güte und Liebe. Maria kann dir helfen: ſie hat mehr Macht, als alle Engel und Heiligen im Himmel zuſammen, ſie iſt allmächtig, wenn ſie für dich bittet, da ihr göttlicher Sohn ſeiner innigſtgeliebten Mutter Nichts abſchlagen kann; Maria will dir helfen: ſie iſt deine liebevolle, mitleidige Mutter, eine Mutter der Barmherzigkeit; ihre Liebe zu dir iſt größer, als die Liebe aller Mütter zu ihren Kindern zuſammen⸗ genommen; auch der größte Sünder iſt von ihrer Liebe nicht ausgeſchloſſen. Ja, Maria liebt die Jugend mit be⸗ ſonderer Liebe. Hier auf Erden war das Kindlein Jeſus, der Knabe Jeſus, der Jüng⸗ ling Jeſus ſo lange Jahre der Gegenſtand ihrer Liebe und Schmerzen, ihrer Sorge und Pflege; dieſe Liebe und Sorge hat ſie nun auf die Jugend, auf die Altersgenoſſinnen ihres geliebteſten Sohnes übertragen; dieſe zu ſchützen, für dieſe zu ſorgen iſt jetzt im Himmel die liebſte Thätigkeit ihres Mutter⸗ herzens.— Aber auch die Mütter liebt Maria insbeſondere; ſie iſt ja die Königin der Mütter, ſie kennt Mutterliebe und Mutterleid wie keine Andere. Sie liebt die Mütter, tröſtet ſie und hilft ihnen. Liebe fordert Gegenliebe. Im Kin⸗ desherzen liegt ja die Liebe, das Vertrauen zur Mutter. Maria hat auf Calvaria ihren göttlichen Sohn dir zu Liebe hingeopfert, deinetwegen iſt ſie dort zur Königin der Martyrer geworden, hat das ſiebenfache Schwert der Schmerzen ihre Seele durch— bohrt. In dem jungfräulichen hl. Johannes hat ſie alle Seelen, insbeſondere jungfräuliche Seelen als bevorzugte Kinder angenommen, aber als Schmerzenskinder, die ihr eben —— zehnfach lieb und theuer ſind. Kannſt du g icn 5 gegen ſolche Opfer, ſolche Leid ſolch übergroße Liebe? Dein Herz, chriſtliche Seele, gibt gern ſich in Liebe hin. Nun, Maria iſt deine himm⸗ liſche Mutter, die kein Tod dir rauben, deren Liebe zu dir nimmer erlöſchen wird. Liebe ſie daher mit der Zärtlichkeit eines Kindes. Maria iſt ferner die Mutter der ſchönen Liebe und ſo liebenswürdig, daß ihre unvergleichlich ſchöne Seele das Entzücken der hl. Dreifaltigkeit bildet und den Vater bewogen hat, ſie zu ſeiner bevorzugten Toch⸗ ter, den Sohn, ſie zu ſeiner einziggeliebten Mutter, den hl. Geiſt, ſie zu ſeiner zärtlichen zu machen. Und du ſollteſt ſie nicht ieben Maria iſt der Spiegel der Gerech⸗ tigkeit. Blicke hinein in dieſen Spiegel, chriſtliche Jungfrau; daraus ſtrahlt dir ent⸗ gegen die flammende Gottesliebe, makelloſe Reinheit, tiefſte Demuth, freudiger Gehorſam, Sittſamkeit und Beſcheidenheit, Liebe zur Armuth für und mit dem Herrn, Geduld und Ergebung in Kreuz und Leid, höchſte Opferwilligkeit, mitleidvollſte Nächſtenliebr. Maria iſt die Königin der Jung⸗ frauen. Was die andern Jungfrauen nur vereinzelt und in beſchränktem Maße haben, das hat Maria vpll und ganz: nie hat auch nur der Schatten einer Sünde den makellos reinſten Spiegel ihrer Seele getrübt, nie — 165— empfand ihr keuſcheſter Leib den geringſten Stachel der Sinnlichkeit, vielmehr war ihre Seele mit den herrlichſten Blumen aller Tugenden geſchmückt, und in dieſem Tugend⸗ glanze war ſie„ſchön wie der Mond, aus⸗ erkoren wie die Sonne“. Eine Tugend aber überſtrahlt alle andern: ihre vollkommene Reinheit, ihre makelloſe Jungfräulichkeit; ſie iſt die erſte, die erhabenſte Jungfrau, die Königin der Jungfrauen. Als Königin ſchützt ſie ihre Unterthanen, ſorgt für ihr Wohl, vertheidigt ſie gegen ihre Feinde. Darum ſagt der hl. Bernhard ſo ſchön und vertrauenerweckend: „Wenn die Stürme der Verſuchung dein Gemüth hin und hertreiben, wenn dein Herz Gefahr läuft, an den Klippen des ſtürmiſchen Weltmeeres(der Sünde und Weltliebe) zu ſtranden, rufe zu Maria. Wenn Stolz dich aufbläht und Geiz dich verzehrt, wenn Neid dich quält und Zorn dich aufbringt, wenn Unreinheit dich entflammt— ſiehe auf Ma⸗ ria. Wenn die Unruhe des Gewiſſens, die Furcht des Gerichtes und übermäßige Trau⸗ rigkeit dich in Verzweiflung zu bringen drohen — denke an Maria. In Gefahr, in Ver⸗ ſuchung, in Trübſal— denke an Maria, blicke auf Maria, rufe zu Maria. Nie ſoll Maria aus deinem Herzen, nie von deinen Lippen weichen— und damit es dir nie an ihrem Schutze fehle, ſo unterlaß nicht, ihr Beiſpiel nachzuahmen. — Wenn du ihr folgſt, wirſt du nicht fehlen; wenn du ſie anrufſt, wirſt du nicht zagen: wenn du an ſie denkſt, wirſt du nicht irren; wenn ſie dich hält, wirſt du nicht fallen; wenn ſie dich ſchützt, haſt du Nichts zu fürchten; wenn ſie dich führt, wirſt du nicht ermüden; wenn ſie dir gnädig iſt, wirſt du freudig und leicht auf dem Wege der göttlichen Gebote bis auf den Gipfel jenes Berges (Himmel) wandern, wo die Krone der Un— ſterblichkeit deiner wartet.“ Maria iſt die Schatzmeiſterin des Herzens Jeſu und die Ausſpenderin ſeiner Gnaden. Gott wollte, wie der hl. Bernhard ſagt, daß keine Gnade uns zu Theil werde ohne ihre Vermittlung; alle Gaben des Himmels werden uns durch ſie geſpendet, und ſie verleiht dieſelben wem, wann und wie ſie will. Wenn ſie unſere Seele nicht mit dem himmliſchen Thau er⸗ quickt, ſo iſt ſie trocken und erſchlafft. Wehe alſo der thörichten Seele, welche im Strudel des Weltlebens oder ſinnlicher Vergnügungen ihrer himmliſchen Mutter vergißt! Wohl aber der, welche dieſe gütigſte und mächtigſte Mutter ehrt, liebt und ihr nachfolgt. Ein wahres Kind Mariä wird nicht verloren gehen! Die heiligen Väter und Kirchen⸗ lehrer erklären, daß die Liebe und Andacht zu Maria ein Zeichen der Auserwählung ſei. Chriſtliche Seele, willſt du des immer⸗ währenden Schutzes Mariä dich erfreuen, ſo 1 — 167— bethätige deine Liebe zu dieſer deiner Mutter und Königin durch folgende Uebungen: I. Laß dich in einen Marienverein(Con⸗ gregation, Sodalität) aufnehmen, und ſei darin kein laues, todtes Mitglied. Suche vielmehr durch ein frommes, tugendhaſtes Leben und treue Befolgung der Statuten deine Mitgenoſſinnen zu erbauen und Maria zu erfreuen. 1I. Meide mit Sorgfalt Alles, was Maria an dir mißfallen, was ſie be⸗ trüben lann: Unreinheit, Stolz, Lauheit, Weltliebe, Leichtſinn. 111. Bete täglich zu ihr ein beſtimmtes Gebet, aber unterlaſſe es nie, beſonders nicht, wenn ſchwere Verſuchungen dich be⸗ ſtürmen. Dies hat ſchon Viele vor Sünde und Verderben bewahrt.— Bete wenigſtens täglich ein Geſetz des Roſenkranzes ihr zu Liebe, ſo viel Zeit findeſt du immer. An Sonntagen aber bete den ganzen Roſen⸗ tranz: ſie wird es dir hundertfach vergelten in den Tagen der Trübſal. 1V. Feiere ihre Feſte, ſowie auch den ihr geweihten Maimonat durch würdigen Em⸗ pfang der hl. Sacramente; nach der hl. Com⸗ munion ernecuere deine Liebe und dein Ver⸗ trauen zu ihr durch das Widmungsgebet. (Siehe Gebetstheil.) 2 V. Trage andächtig das Scapulier, eine Medaille der ſeligſten Jungfrau; ſie wird dich erinnern, daß du unter ihrem Schutze ſteheſt und dich einer ſolchen Mutter und Königin würdig benehmen ſollſt. vI. Suche deiner Mutter Maria ſo viel als möglich ähnlich zu werden; werde wie ſie gottliebend, fromm, keuſch, demüthig, ge⸗ horſam, geduldig, mild und liebevoll gegen den Nächſten, arbeitſam und pflichttreu. Meide auch ihr zu Liebe gefährliche Ver— gnügungen und alle Gelegenheiten zur Sünde. Dann auch wird Maria, der glänzende, liebliche Morgenſtern deines Lebens, der dir die vergängliche Eitelkeit dieſer trügeriſchen Welt in ihrem wahren Lichte zeigt, deine unerfahrene Jugend an den gefahrvollen Klippen des Weltmeeres ſchützt, dir in Lei⸗ den Hülfe und Troſt erwirken und dich end⸗ lich in den Hafen der ewigen Seligkeit führen, wohin kein Sturm mehr dringt, über den ein ewig heiterer Himmel ſich wölbt. 9. Das ſüße Aoch und die leichte Zürde des Berrn. DPMurch das Kreuz wollte Chriſtus das ganze Menſchengeſchlecht erlöſen; auf dem Wege des Kreuzes kehrte er ſelbſt zurück in die ewige Herrlichkeit; auf dem Wege des Kreu⸗ zes will er uns Alle auch einführen zur himmliſchen Siit daher gibt es für uns keinen andern Weg zum Himmel, als den Weg des Kreuzes. Er ſelbſt ſagt es uns mit — 169— den Worten:„Wer immer mir nach⸗ folgen will in den Himmel, der nehme ſein Kreuzauf ſich undfolgemir nach.“ Er verſteht darunter nicht ein hölzernes, ſondern ein geiſtiges Kreuz: er fordert näm⸗ lich, daß wir das Joch ſeiner Gebote auf uns nehmen, die Bürde der Verhältniſſe, in die er uns geſetzt, die Leiden, die er uns ſchickt, mit Geduld und Ergebung tragen. Das ſind die beiden Balken des Kreuzes, das unſerer menſchlichen Natur ſo ſchwer und drückend ſcheint. Ich ſage ſcheint, denn Chriſtus ermuntert uns und behauptet das Gegentheil, indem er ſagt:„Mein Joch iſt ſüß und meine Bürde iſt leicht.“ Um uns zu verwirren und zu entmuthigen, ſuchen der böſe Feind und die Welt uns ein⸗ zureden, die Haltung der Gebote, die treue Erfüllung ſeiner Berufspflichten ſei allzu ſchwer, ein Leben im Dienſte Gottes ſei ein ödes, freudenleeres Da ſein. Der Lüg⸗ ner von Anbeginn und die falſche, trügeriſche Welt ſuchen hingegen ihren Sklavendienſt uns aufzudrängen und gaukeln uns vor, ein Leben nach ihrem Sinne bringe hohen Genuß und ſüße Freude. Aber kann das ſüß, gut ſein, was Verderben und Tod bringt? Wohl mag der Köder an der Angel dem Fiſchlein ſüß erſcheinen, aber der Haken reißt den Rachen blutig und entzieht ſein Opfer dem naſſen Lebenselement; wohl mag die Giftbeere ſüß ſchmecken, aber ihr Genuß bringt Qual und Tod. — 170— Luſtig im Sinne der Welt, die Nichts als Sinnentaumel kennt, iſt ein Leben nach dem Geiſte Chriſti freilich nicht; dennoch iſt es ſüß in ſich ſelbſt. Oder iſt das, was lück und Segen bringt, nicht ſüß und begehrenswerth? Ein Wandel nach der Lehre Chriſti, ein Leben nach deinem Gewiſſen bringt dir Seelenruhe, innere Zufrieden— heit und ſüßen Herzensfrieden, und je größer die Schwierigkeiten waren, um ſo größer iſt die Herzensfreude, wie der Siegesjubel um ſo größer iſt, je erbitterter und blutiger der Kampf war. Der hl. Igna⸗ tius ſagt:„Wenn auf Erden Jemand Urſache hat, ſich zu freuen, dann iſt es eine Scele im Stande der heiligmachenden Gnade!“ Denke zurück an jenen inneren Frieden, der dein Herz erfüllte, als du nach einer guten Generalbeicht dich wieder mit Gott, dem höch⸗ ſten Gute, ausgeſöhnt hatteſt. Denke zurück an den ſchönſten und glücklichſten Tag deines Lebens, den Tag deiner erſten hl. Communion. Möchteſt du die reinen ſüßen Freuden und Wonnen einer einzigen ſolcher Himmelsſtunden hingeben für Jahre toller Sinnenluſt? Dem Böſewicht ſelbſt bringt eine einzige gute That mehr Befriedigung und innere Ge⸗ nugthuung als alle Scheinfreuden der eitlen Welt. Im Gegentheil, Ungehorſam gegen Gott und die Kirche, Sünden und Leidenſchaften bringen nur Unruhe der Seele, Gewiſſensbiſſe, Schmach und Schande vor Gott und Menſchen, Schrecken vor Tod und Ewigkeit, zeitliche und ewige Strafe. Welchen Werth hat alſo das Lächeln auf den Lippen, wenn der Tod im Herzen ſitzt? Rein und ungetrübt ſind nur die Freuden der Tugendhaften; der Sünder kann nie voll⸗ kommen glücklich und zufrieden ſein. Angenehm und leicht wird das chriſtliche Leben ferner dadurch, weil die Liebe zu Gott es verſüßt. Ein Chriſt ohne Liebe zu Gott iſt ein Unding, ein Scheinchriſt. Die Liebe aber erleichtert Alles, verſüßt Alles. Was thut der Kaufmann nicht für reichen Gewinn, der Geizhals nicht für das liebe Geld, der Spieler für ſein Lieblingsvergnügen, der Gelehrte für die Wiſſenſchaft? Welche Opfer! Und doch ſind ſie ſüß— die Liebe macht ſie leicht und angenehm. Was thut die Mutter nicht für ein geliebtes Kind? Sie hegt und pflegt es bei Tag und Nacht, arbeitet und leidet für dasſelbe; und doch iſt dieſe Aufopferung ihr leicht und ſüß, ja, ſie gäbe das Leben für ihren Liebling. Warum? Sie liebt ihr Kind. Ja, die Liebe trägt Alles, duldet Alles, erleichtert und verſüßt Alles.„Die Liebe iſt ſtark wie der Tod“, ſagt der Apoſtel. Der Liebe iſt Nichts zu ſchwer, ſie ſcheut vor Nichts zurück. Schaut hin auf das helden⸗ müthige Beiſpiel der Heiligen, die ſo Vieles aus Liebe zu Gott gethan und gelitten haben. Leicht und ſüß ſind den Ehrſüchtigen alle Arbeiten und Mühen, wegen der Ehre, die ſie bringen. Seht dort den reichen Grafen, den hohen General, den berühmten Miniſter, wie ſtolz ſind ſie auf die Orden und Ehren⸗ zeichen, die ihre Bruſt bedecken! Warum unterziehen ſie ſich, die ſo ruhig von ihren Gütern und Capitalien leben könnten, ſo beſchwerlichen Dienſten? Der Eine unter hundertfachen Gefahren auf dem Schlacht⸗ felde, der Andere in ſchweren Sorgen und großer Verantwortlichkeit am Regierungs⸗ tiſche?... Der Ehre wegen, die mit dieſen Aemtern verbunden iſt. Chriſtliche Seele, größere Ehren, wichtigere Aemter ſind dir vorbehalten: du biſt nicht der Diener eines weltlichen Königs oder Kaiſers, den der Tod bald ſelbſt vom Throne reißt und in die Gruft ſtürzt, du biſt der Miniſter, der Diener des Königs aller Könige, des allmächtigen, ewigen Gottes. Ja wohl, der Beſen der gottes⸗ fürchtigen Magd, das Handwerksgeſchirr des chriſtlichen Arbeiters gelten vor Gott mehr, als das Portefeuille des ſtolzen Miniſters, mehr als der Degen des berühmten Generals, mehr als Scepter und Krone des mächtigſten Kaiſers. Die Bruſt der ſorgſamen chriſt⸗ lichen Hausfrau, der armen Magd und des frommen Arbeiters ſchmückt jetzt kein Or⸗ den, kein Ehrenkreuz, aber das Kreuz ſchmückt ihr Herz, und ihr Haupt wird krönen das —— unvergängliche Diadem der ewigen Herrlichkeit. — Das chriſtliche Leben wird endlich noch erleichtert und verſüßt durch den Hinblick auf den herrlichen Lohn, der dem wahren Chriſten verſprochen iſt. Und welch ein Lohn! Ein ſjeliger Tod, eine glückſelige Ewigkeit, der Himmel mit ſeinen unendlichen Freuden. Wenn man einem Arbeiter einen Lohn von zehn Thalern per Tag verſprechen würde, wie würde die Ausſicht auf ſolchen Lohn ihm ſeine Mühen verſüßen, ihm immer neuen Muth und neue Kraft verleihen! Lang und ſchrecklich waren oft die Peinen der Martyrer, und doch unter den ausgeſuchteſten Qualen in Leiden und Tod waren ſie heiter und prieſen Gott. Liebten ſie etwa das Leben nicht? Gewiß, aber mehr noch galt ihnen der ewige Lohn für dieſe kurzen Leiden.— Auch uns gilt das Wort des Hei⸗ landes:„Freuet euch und frohlocket, denn groß wird ſein euer Lohn im Himmel. Kein Auge hat es geſehen, kein Ohr hat es gehört, keines Men⸗ ſchen Geiſt kann es erfaſſen, was Gott Denen bereitet hat, die ihn lieben“ und ihm dienen. Den zweiten Kreuzesbalken bilden die Leiden und Widerwärtigkeiten jeglicher Art, die Gott uns aufbürdet, die unſerer Natur ſo zuwider ſind. Dieſe Welt heißt ja mit Recht das Thal der Thrä⸗ nen, und wird hienieden auch viel gelacht, es wird doch noch viel mehr geduldet, ge⸗ weint; früher oder ſpäter wird auch dich der Kreuzesbalken gar empfindlich drücken. Doch, chriſtliche Seele, verzage nicht; Chriſtus, die ewige Wahrheit, hat geſagt:„Meine Bürde iſt leicht.“ Um dich von dieſer Wahrheit zu über⸗ zeugen, blicke einmal in die hl. Schrift: Was findeſt du darin?„Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er“, ſagt der hl. Paulus. Was folgt daraus? So lange Gott dich züchtigt, ſo lange er dich mit Kreuz und Leiden heimſucht, haſt du ein ſicheres Zeichen, daß er es gut mit dir meint, daß er dich noch liebt. Du haſt dir vielleicht ſelbſt Kreuze ge⸗ zimmert durch deine Sünden; die abzubüßen gibt dir Gott Gelegenheit durch Trübſal und Leiden: hier geht es noch leicht, ſehr leicht— in der andern Welt viel, unbe⸗ ſchreiblich ſchwerer! Die Bürde deines Kreuzes wird dir leichter, wenn du hinſiehſt auf das Bei⸗ ſpiel der Heiligen. Der hl. Geiſt ſagt: „Alle, die Gott wohlgefällig waren, ſind durch viele Trübſale gegangen.“ ud. 8.) Selbſt Maria, ſeine liebſte Mutter, mußte den Weg der Armuth, der Verachtung, der größten Seelenleiden gehen. Die hhl. Apoſtel, Martyrer, Bekenner, Jungfrauen mußten auf dem königlichen Wege des Kreuzes zu Gott gelangen. Denke nur an die Leiden der lieben hl. Eliſabeth Alle! Sollſt du denn eine Ausnahme machen wollen? Gott ver⸗ fährt mit dir, wie mit ſeiner beſten Freundin. Welch ein Troſt, dieſer auserwählten Schaar beigeſellt zu ſein, von Gott auf demſelben Wege geführt zu werden, wie die unſchul⸗ digſten und heiligſten Seelen. Das Kreuz erleichtert dir der Anblick des Mannes der Schmerzen, der Blick auf deinen Heiland am Kreuze. Sieh', du biſt in gedrückten Verhältniſſen; iſt er nicht ärmer als du? Untreue ſchmerzt dich tief, man hat dich betrogen, dich vielleicht um Glück und Vermögen gebracht; iſt er nicht all ſeiner Hoheit und Macht beraubt, ein Opfer des Undankes und des Verrathes? Du biſt krank, leideſt große Schmerzen, deine Kräfte ſchwinden, Tod und Grab ſind in Sicht; ſind ſeine Qualen nicht unausſprech— lich größer? Iſt er nicht aller Schönheit, aller Kraft ringt er nicht in ſchreck⸗ lichem Z Todeskampfe? Giftige Zungen ſchaden dir an der Ehre, verleumden dich; aber ſchau' auf ihn: iſt nicht auch er, der Heiligſte, ver⸗ leumdet und des Betruges und der Gottes⸗ läſterung beſchuldigt worden?„Wer mit Chriſto leidet, wird auch mit ihm verherrlicht werden.“ Erleichtert wird dir endlich deine Kreuzes⸗ bürde durch die Verheißungen des Herrn. Erhebe dein weinendes Auge, dein kummer⸗ ſchweres Herz einen Augenblick von deinen 5 6 6 Leiden und Mühen empor gen Himmel. Da ſiehſt du deinen einſt kreuztragenden Heiland in ſeiner Glorie auf ſtrahlendem Throne. Durch Leiden und Kreuz mußte er in ſeine Herrlichkeit eingehen. Du hörſt im Geiſte den Herrn, der dich ermuntert:„Wer mit Chriſto leidet, wird auch mit ihm verherrlicht werden.“ Ja, ein Thron wartet deiner dort oben, aber dieſer Thron hat blutige Stufen, nur durch Kreuz und Leiden kannſt du ihn einnehmen, denn„das Himmelreich leidet Gewalt, und nur die Gewalt brauchen, reißen es an ſich“. Der Lohn iſt aber auch darnach, denn die Verheißung des Herrn lautet weiter:„Die Leiden dieſer Zeit kommen nicht in Vergleich mit der(ewigen) Herrlich⸗ keit, die an uns offenbar wird.“ Ermüden wir alſo nicht auf dem Wege des Kreuzes, tragen wir das Joch des Herrn; beugen wir uns mit Geduld und froher Hoffnung unter die Bürde ſeiner Heim⸗ ſuchungen: ſein Joch iſt ja ſüß und ſeine Bürde iſt leicht. Es wird nicht zu lange dauern, die Tage unſerer Wanderſchaft auf Erden ſind kurz, wie ein Schatten eilen ſie vorüber. Muth, chriſtliche Seele, Sursum corda, Empor die Augen, empor die Herzen! Noch etliche Jahre, noch eine kleine Weile — und dann überreicher, ewiger Lohn im Himmel.(Nach Chryſologus.) —— —— — ⁸ = = 2 10. Dns wahre Glück. u willſt glücklich ſein, chriſtliche Seele. Ganz natürlich, denn das Herz des Men⸗ ſchen hungert und dürſtet nach Befriedigung, nach Glück; dahin geht alles Sinnen und Streben, alles Denken und Trachten. Gott ſelbſt hat dieſen Trieb in unſere Seele ge⸗ pflanzt, er will ihn auch befriedigen. Allein das Glück wird leider ſo häufig da geſucht, wo es nicht kann gefunden werden. Die Einen ſuchen es in Ehre und An⸗ ſehen, aber je höher ſie über Andere ſtehen, deſto größer wird ihre Gier nach Ehre, nie wird ſie ganz befriedigt. Deshalb werden ſie nie glücklich, vielmehr immer unglücklicher. Andere ſuchen das Glück in Geld und Reichthum. Doch Reichthum belaſtet, Sor⸗ gen darum drücken nieder.„Noch mehr, noch mehr! Noch Dieſes, noch Jenes!“ ruft es unaufhörlich in ihrem Innern. Und weil ſie doch nicht Alles haben können, ſehen ſie ſich getäuſcht, unbefriedigt. Andere ſuchen ihr Glück in Befriedigung der Sinnlichkeit; aber im tollſten Genuſſe ſelbſt finden ſie nicht volle Befriedigung, vielmehr Ueberſättigung, Leere, Bitterkeit, Ekel, Gewiſſensbiſſe, Reue. Nein, chriſtliche Seele, dein Herz iſt viel zu groß, als daß die Welt mit all ihrer eitlen Ehre, ihren vergänglichen Gütern, ihren Scheinfreuden und ihren niedrigen St. Eliſabeth. 12 — 178— Gelüſten es ausfüllen könnte: dein Gott allein und ſeine Liebe können es vollkommen ſättigen. Die Leidenſchaften, das Fleiſch ziehen dich nach unten, aber ihr Ende iſt: Grab, Verweſung, Fäulniß, Aſche. Höre du auf den mahnenden Ruf deiner Seele: Empor dein Herz, Sursum corda! Du biſt zu Höherem geboren! Nicht dieſe kalte Erde mit ihren Scheingütern und Scheinfreuden iſt dein Ziel; deine wahre Heimath iſt der Himmel, wo du in Gott ewig ſelig, ewig und voll— kommen glücklich ſein ſollſt. Deine Seele iſt unzufrieden und unruhig, bis ſie ruhet in Gott.„Eitelkeit der Eitelkeit“, ſagt der hl. Geiſt,„Alles iſt Eitelkeit, außer Gott lieben und ihm allein dienen.“ Dein Herz ſtrebt nach Freude; für die Freude iſt es ja geſchaffen, aber nicht für die Schattenfreuden dieſer armſeligen Welt. Wohl will der liebe Gott auch, daß du irdiſche Freuden genießeſt; dazu gab er dir Heiterkeit und Frohſinn, die Sonne ſtrahlt ſo warm, die Sterne funkeln ſo hell, das Himmelsblau lacht ſo froh, die Blumen ſind ſo herrlich gekleidet und duften ſo lieblich, das Bächlein murmelt ſo traulich, bunte Schmetterlinge flattern ſo entzückend. Die Bäume mit ihren duftenden Blüthen und einladenden goldenen Früchten, grünende Wieſen und darüber Lerchengetriller, Waldes⸗ rauſchen und Vogelſang— all das ladet 2— — 179— zur Freude ein, aber das gibt Gott auch den Böſen; dir aber, chriſtliche Jungfrau, verſpricht er unendlich mehr, unendlich Schöneres und Herrlicheres: einen Him⸗ mel voll Seligkeit— eine Ewigkeit voll Glück und Wonne. Hier auf Erden iſt keine Freude rein; vor, in oder nach jeder irdiſchen Freude träu— felt die Welt bittere Wermuthstropfen in den Freudenbecher.— Hier iſt die Freude ſo kurz, ſo winzig; kaum empfindeſt du ſie, und ſchon iſt der Genuß zu Ende. Zudem ſind die ſündhaften Freuden Gift und bringen Leiden und Tod, wenn ſie auch noch ſo ſüß ſchmecken; nur mäßige, unſchuldige Freu⸗ den erquicken Leib und Seele. In Gott allein gibt es wahre n volle... ewige Freude, ungetrübtes Glück, ununterbrochenen Jubel“.„Freuet euch“, ſagt der Apoſtel,„freuet euch, aber freuet euch im Hrr Chriſtliche Jungfrau, blicke hin auf die hl. Eliſabeth. Sie beſaß Alles, was nach dem Urtheile der Welt glücklich machen kann: ſie war jung und ſchön, reich und von könig⸗ lichem Geblüt; die Welt mit ihren Gütern, Ehren und Freuden ſtand ihr weit offen; ſie hätte das Leben nach Herzensluſt genießen, den Freudenbecher in vollen Zügen trinken können; aber ſie ließ ſich nicht durch dieſes Scheinglück blenden und irre führen. Gott zu lieben, ihm zu gefallen, ſeinen Willen — 180— zu thun: darin fand ſie ihre Freude, ihr Glück, das Niemand ihr trüben, Niemand rauben konnte. S Empor alſo dein Herz, chriſtliche Jung⸗ frau! Nach dem trachte, was dort oben iſt, nicht nach den vergänglichen Eitelkeiten dieſer Welt. Du biſt zu Höherem geboren, Beſſeres, Edleres, Unvergängliches wartet deiner, eine Seligkeit über allen Begriff, ohne Ende. Erſpare dir hier Verirrungen, Täuſchungen, bittere, vielleicht allzu ſpäte Reue. Glücklich iſt allein Der, welcher Gott erkennt, ihn liebt und ihm in aller Treue dient. Ihm wird hienieden Seelenfriede und Seelenfreude, dort oben Gott ſelbſt und ſeine Seligkeit zu Theil. — P — SEEESSS00 Zweiter Abſchnitt. Beſondere Beherzigungen für chriſtliche Jungfrauen. 1. Die Zugendzrit. Waria, dir empfehlen wir, Was grünk und blüht auf Erden, D lah es eine FBimmelszier In Gottes Garten werden. Swer hl. Chryſoſtomus nennt die Jung⸗ frauen„die Blumen im Garten Gottes“. „Was grünt und blüht auf Erden“, das ſeid alſo ihr, chriſtliche Jungfrauen, in den glücklichen Tagen eurer Jugend. Die gol⸗ dene Jugendzeit iſt die ſchönſte Zeit, der Mai des Lebens voll Freude für die Gegenwart, voll roſiger Hoffnungen für die n Aber, wie wird ſie von Manchen ſo ſchlecht verſtanden, ſo leichtſinnig, ja oft ſo — 182— ſündhaft zugebracht! Die Welt mit ihren falſchen Grundſätzen, leichtfertige Menſchen, frivole Freundinnen, deine eigenen böſen Neigungen rufen dir ſo verlockend zu:„Ge⸗ nieße deine Jugend, man iſt nur einmal jung; dieſe goldene Zeit vergeht ſo ſchnell und kehrt nicht wieder; darum freue dich des Lebens, pflücke die Roſen, ehe ſie verblühen.“ Jawohl, chriſtliche Jungfrau, genieße deine Jugend, aber genieße ſie ſo, daß ſie nicht verloren ſei für die Ewigkeit. Viel⸗ leicht iſt mit deiner Jugend auch dein Leben zu Ende.. Und was dann? Wohl folgen in der Natur auf den Frühling Sommer und Herbſt; aber auf den Lebensfrühling folgt häufig der Winter des Todes. Genieße daher deine Jugend, das heißt: vertändele ſie nicht leichtſinnig— mißbrauche ſie nicht gar zu Sünde und Laſter! Wie ſchade, wenn der erkältende Reif der Sünde die Blüthe deiner Jugend welken würde. Lege du einen edleren Sinn in dieſe Worte: „Genieße deine Jugend.“ Genieße ſie auf chriſtliche Weiſe, ſo daß ſie dir den Frieden der Seele, Freude in Gott, Geſchmack am Guten bringt und mehrt. Siehe auf dein Vorbild, die hl. Eliſabeth. Welch große Fortſchritte hatte ſie in deinem Alter ſchon gemacht in der Liebe zu Gott und jeglicher Tugend, wie viele Verdienſte hatte ſie ſchon ſich geſammelt für den Himmel durch Gebet, Almoſen, Abtödtung! — 18 Die Jugendzeit iſt die ſchönſte des Lebens— und dieſe wollteſt du der Welt und dem Teufel ſchenken, die dir zwar ſehr viel verſprechen, aber Nichts geben als Ueber⸗ druß, Gewiſſensbiſſe, zeitliche und ewige Strafen, die dir Alles ranben: Lebensglück, und Freude der Seele, die Liebe ottes und die Unſchuld des Herzens. Gehört denn nicht dem Herrn, deinem Schöpfer und künftigen Richter, jede Zeit? Wird er nicht Rechenſchaft fordern von jedem Tage, jeder Stunde deines Lebens? Du biſt von ihm, du biſt durch ihn, und du biſt für ihn, um ihn zu lieben und ihm zu dienen. Von ihm haſt du Daſein und Leben, Geſundheit und Kraft, Hab und Gut, Leib und Seele, Zeit und Gnade— von ihm allein haſt du auch deine Jugend. Ihm gehörſt du alſo überall und allzeit, in der Jugend, wie im Greiſenalter.— Wollteſt du etwa die Blume deiner Jugend der Welt und der Sünde ſchenken, und den welken Stengel des Alters deinem Gotte? Pfui! Man iſt nur einmal jung! Wohl, des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder. Aber folgt daraus, daß du eben jene ſchöne, unwiederbringliche Zeit leichtſinnig vergenden ſollſt? Verlierſt du ein Auge, du kannſt noch mit dem andern ſehen; verlierſt du die Geſundheit, du kannſt ſie wiedererlangen; die verlorene Jugend aber kann dir keine Reue, keine Bußthränen wiederbringen. Und ſie geht ſo ſchnell dahin! Jeder Tag, jede Stunde, jeder Athemzug, jeder Schlag des Herzens bringt dich ihrem Ende näher. Vielleicht iſt ſchon ein Theil, viel— leicht gar ſchon die Hälfte für dich dahin? O, ſo benütze doch treu und eifrig die wenigen, die goldenen Tage, die dir noch bleiben. Ver— ſchiebe Nichts auf ſpätere Jahre, denn wer weiß, ob dir noch ſpätere Jahre gegeben werden? Die Jugendzeit iſt die koſtbarſte Zeit, die Zeit der Ausſaat. Wie emſig beſtellt der Landmann ſeinen Acker, damit ſpäter ſein Auge ſich freue der wogenden Korn⸗ felder, damit er reichlich ernte goldenen Wei⸗ zen. Und wie fleißig beſorgt der Gärtner im Frühling ſeine Beete, damit im Sommer und Herbſt Auge und Herz an ihrer Pracht und Mannigfaltigkeit ſich laben können! Soll etwa der Garten deines Herzens nicht be⸗ ſtellt werden? Sollen nicht in ihm blühen die farbenglühende Roſe der Liebe Gottes, die Lilie der Reinheit, das Veilchen der De⸗ muth, die Reſeda guter Werke?— Oder ſollen gar Diſteln und Dornen und übel— riechendes Unkraut der Sünde deinen Seelen⸗ garten überwuchern?—„Wer ſpärlich ſäet, wird auch ſpärlich ernten“, ſagt der hl. Geiſt. Wie ſteht's mit deiner Ausſaat? Die Jugendzeit iſt auch die wichtigſte, folgenreichſte Zeit deines Lebens. Es iſt die Zeit der Entſcheidung. Von ihr hängt das künftige Leben ab. Das junge Bäumchen kann man noch biegen und ſtrecken, den Baum nicht mehr. Jetzt iſt es dir noch leicht, allmählich deine ſchlechten Gewohn⸗ heiten abzulegen, deine böſen Neigungen zu bekämpfen, Tugenden dir zu erwerben. Läſſeſt du aber das Böſe wachſen, dann wird es ſtärker als du. Wie die Jugend, ſo in der Regel das Alter.„Der Weg, den der Jüngling (die Jungfrau) einſchlägt“, ſagt die hl. Schrift, „von dem wird er auch im ſpäteren Alter ſchwerlich ablaſſen.“„Jung gewohnt, alt ge⸗ than.“ Darum ermahnt dich derhl. Geiſt:„Ge⸗ denke deines Schöpfers in den Tagen deiner Jugend, bevor die Zeit der Trübſal kommt.“ Chriſtliche Jungfrau, entweihe nicht deine ſchöne Jugend durch ein leichtfertiges, ſünd⸗ haftes Leben, ſei weiſe und richte dein Herz auf Gott, für den allein es geſchaffen iſt. Blühe heran zum Troſte der Kirche, zur Freude deiner Eltern, zum Wohlgefallen des Himmels; begründe jetzt dein Wohlergehen, dein künftiges Lebensglück, deine dereinſtige Seligkeit. 2. Die Verſuchungen. Weil die Jugendzeit die ſchönſte, koſtbarſte und wichtigſte Zeit deines Lebens iſt, darum eben bemüht ſich die böſe Welt ſo ſehr, dich zu blenden, zu bethören, damit du ihr dieſe Fahre opfern mögeſt. Sie flüſtert dir aller⸗ lei Grundſätze ein, die der Lehre Jeſu Chriſti und ſeiner heiligen Kirche ſchroff entgegen⸗ ſtehen. Dein eigenes Fleiſch verbindet ſich mit ihr, empört ſich und gelüſtet gegen den Geiſt, zieht ihn nieder, erfüllt ihn mit un⸗ würdigen Bildern und Vorſtellungen und Lockungen zur Sünde. Satan ſelbſt geht umher, wie ein brüllender Löwe, ſuchend, deine Seele zu verſchlingen, mit Gewalt oder mit Liſt. Kurz, chriſtliche Jungfrau, von allen Seiten ſtürmen Verſuchungen auf dich ein, dich um das Glück deiner ſchönen Jugend, deiner Un⸗ ſchuld, deine unſterbliche Seele zu bringen. Doch, fürchte nicht allzu ſehr: Gott iſt mit dir. Eine Verſuchung, die du nicht ver⸗ ſchuldet und an der du kein Wohlgefallen haſt, kann dir nicht ſchaden⸗ auch wenn ſie noch ſo heftig, noch ſo andauernd iſt. Mögen die ſchändlichſten Bilder deinem Geiſte vor⸗ gaukeln, die abſcheulichſten Gedanken und Begierden deine Seele erfüllen; ſo lange du Mißfallen an ihnen haſt und frei davon zu ſein wünſcheſt, ſo lange du ſie verachteſt und bekämpfeſt und Gott um Kraft bitteſt, nicht einzuwilligen, ſind ſie nicht Sünde, vielmehr Gegenſtand großen Verdienſtes.„Der Teufeliſt ein Kettenhund“, ſagt ein heiliger Kirchenlehrer, „er kann zwar bellen(ich verſuchen), aber dich beißen kann er nicht, wenn du nicht willſt Ghm nicht zu nahe gehſt).“ Erſt die Einwilli⸗ gung macht die Verſuchung zur Sünde. Wahr iſt es, chriſtliche Jungfrau:„Das Leben des Menſchen auf Erden iſt 187— ein Kampf“: ſichtbare und unſichtbare Feinde umgeben dich, Feinde drinnen, Feinde draußen— ſtarke, liſtige, raſtlos thätige Feinde! Doch der Herr ruft dir zu:„Habe Vertrauen, ich habe die Welt und die Hölle überwunden; über dich, o Jungfrau, wache ich mit beſonderer Sorgfalt. Auf mich biſt du angewieſen, denn ohne mich vermagſt du Nichts. Die Verſuchungen zeigen dir, wie arm und ſchwach du biſt; darum ſuche deine ſchwache meine ſtarke Hand, dein Auge er⸗ hebe ſich himmelwärts, dein Herz wende ſich durch inniges, vertrauensvolles Gebet hülfe⸗ ſuchend an das meinige.“ Chriſtus ſelbſt ward von Satan verſucht; nicht minder das herrliche Vorbild der Jung⸗ frauen, die hl. Eliſabeth. Aber wie eifrig hat ſie gebetet und beim Herrn und der ſe— ligſten Jungfrau Hülfe geſucht! Chriſtliche Jungfrau! Du haſt es mit einem ſchlauen, liſtigen Feinde zu thun: den Genuß, das Gut, die Freude, die er dir ver⸗ ſpricht und die durch die Sünde dir zu Theil werden ſoll, ſpiegelt er dir ſo groß, ſo ver— führeriſch, ſo begehrenswerth vor; die Leiden⸗ ſchaft wird entflammt, ſie ſtellt dir den Widerſtand aber ſo hart, faſt unmöglich vor; hüte dich, die Beeren glänzen ſchön und ſchmecken ſüß, ſind aber giftig und bringen dir Verderben, Tod. Satan will deine Bedenken niederhalten: „Einmal iſt keinmal“, predigt er;„du 8 185 kannſt es ja ſpäter beichten.“— Wie? Ein⸗ mal iſt keinmal? Einmal Hab und Gut ver⸗ loren und lebenslänglich in Noth und Ar⸗ muth gerathen— iſt das keinmal? Einmal das Augenlicht verloren und blind ſein dein Leben lang, iſt das keinmal? Einmal Ehre und guten Namen verloren und in Schande geſunken für immer, iſt das keinmal? Und einmal in die Verſuchung eingewilligt, ein⸗ mal Frieden und Unſchuld und Reinheit ver⸗ loren, o ſag', iſt dann das einmal keinmal? — Iſt die Unſchuld einmal verloren, ſo iſt ſie unwiederbringlich verloren; keine Reue, keine Bußthräne bringt ſie ganz zurück! „Du kannſt es ja wieder beichten!“ Aber wer ſagt dir, daß Gott dir dazu noch Zeit und Gnade gibt? Kannſt du nicht in der Sünde plötzlich ſterben?. Und geſetzt, du beichteſt es, iſt dann Alles gut? Wie harte Bußen legten ſich die Heiligen auf für den geringſten Fehltritt! Wie ſchrecklich ſtraft Gott ſchon hier und beſonders im Fegfeuer! — Ferner, welch ſchwarzer Undank, gegen Gott zu freveln, eben weil er ſo gütig und barmherzig iſt! „Nur diesmal, und dann nie wieder“, flüſtern dir Satan und die Leidenſchaft zu. Wehe dir, wenn du an dieſen Köder an⸗ beißeſt; je öfter du zurückfällſt, deſto ſchwächer wird deine Willenskraft, deſto mächtiger in dir die Neigung, deſto unwiderſtehlicher die Verſuchung. Mit dieſem:„Noch einmal und Leibe wohnt. Einem jeden Stande iſt eine 3— 189— dann nie wieder“ wird er dich jeden Tag zu Falle bringen. Schon iſt ihm das bei dir vielleicht gelungen?— Willigſt du ein, ſo wird die böſe Gewohnheit allmählich zur zwei⸗ ten Natur. Die falſche Schlange ſpiegelt dir dann bald Beſſerung und Rückkehr als hart, allzu ſchwer, ja als unmöglich vor. Lüge über Lüge; Satan iſt der Lügner von Anbeginn. Nein, chriſtliche Jungfrau, du kannſt Alles in Gott, der dich ſtärkt. Keine Verſuchung iſt ſo heftig, daß du ſie mit der Gnade Gottes nicht überwinden könnteſt; währt dieſelbe auch noch ſo lange, ſo verliere weder Geduld noch Muth; bete zu deinem Heiland, flehe zu deiner Mutter Maria, zur hl. Eliſabeth; ſtelle dir vor Augen den Tod, das Gericht, die Hölle, die Ewigkeit. Ge⸗ denke deiner letzten Dinge, und du wirſt in Ewigkeit nicht ſündigen. 3. Die Benſchheit. Wer größte Schatz, die koſtbarſte Perle, die ſchönſte Tugend einer chriſtlichen Jung⸗ frau iſt neben und mit der Liebe Gottes(ſiehe im I. Abſchnitte) die heilige Reinheit. Nur dann biſt du in Wahrheit, was dein Name GJungfrau) beſagt, wenn deine jungfräulich reine Seele in deinem jungfräulich reinen 19 gewiſſe Stufe der Keuſchheit als Pflicht ge⸗ boten. Die Keuſchheit der Jungfrau iſt eine allſeitige, die Reinheit in ihrem ganzen Um⸗ fange. Deine ſchöne und wichtige Aufgabe, beſteht alſo darin, dein Herz rein zu be⸗ wahren, d. h. alle unreinen Gelüſte in Ge⸗ danken, Worten und Werken aus Liebe zu Gott zu unterdrücken. Welch herrliches Lob ſpendet der hl. Geiſt ſelbſt dieſer ſchönen Tugend:„O wie ſchön iſt ein keuſches Geſchlecht im Tugend⸗ glanze! Unſterblich iſt ſein Andenken und bei Gott und Menſchen iſt es in Ehren. So lange es auf Erden weilt, ahmt man ihm nach, und iſt es dahin Geſangen ſo ſehnt man ſich darnach. In Ewigkeit triumphirt es mit der Siegeskrone und trägt den Preis für die Kämpfe unbefleckter Reinheit.“ Dieſer Tugend zollen Himmel und Erde ihre Bewunderung; an reinen Seelen er⸗ freuen ſich außer Gott auch die heiligen Engel im Himmel, da ſie ſehen, wie ſchwache Men⸗ ſchen in heißem Kampf als Tugend erringen, was ſie als himmliſche Geiſter ohne An⸗ fechtung beſitzen. Den Menſchen iſt eine reine Seele ſo ehrfurchtgebietend, daß ſelbſt die Heiden ihren Veſtalinnen, die ſich nur zeit⸗ weilig zur Keuſchheit verpflichtet hatten, königliche Ehren erwieſen: begegnete ein Con⸗ ſul oder Kaiſer einer Veſtalin, ſo mußte er vom Pferde oder Wagen ſteigen und ihr ſeine Ehrfurcht bezeugen; begegnete ſie einem — 191— zum Tode Verurtheilten, ſo hatte ſie das Vorrecht, ihn zu begnadigen.— Selbſt dem laſterhafteſten Wüſtling zwingt dieſe Tugend innere Hochachtung ab. Das Symbol der Reinheit iſt die Lilie, die uns ergötzt durch ihr glänzendes Weiß, uns erquickt durch ihren lieblichen Duft. So erfreut auch die Keuſchheit das Auge des himmliſchen Bräutigams, der unter Lilien weidet, und ergötzt ihn durch ihren köſtlichen Wohlgeruch. Dieſe Wunderblume zieht ihn hernieder in dein Herz, chriſtliche Jungfrau, das dadurch wird zum wahren Gottesgarten. Wie ſchön iſt ein keuſches Geſchlecht! Siehe, wie Gott reine Seelen bevorzugt: nur reine Geiſter umſchweben den Thron ſeiner Herrlichkeit; aus dem reinſten Schooße der reinſten Jungfrau wollte er Fleiſch und Blut annehmen, nur ſie, die Reinſte der Reinen, die Jungfrau der Jungfrauen, war würdig, ſeine Mutter zu werden. Den jungfräu⸗ lichen hl. Joſeph wählte er zu ſeinem Nähr⸗ vater und nur der jungfräulich reine hl. Jo⸗ hannes durfte als Lieblingsjünger an ſeiner Bruſt ruhen. Wie ſchön iſt ein keuſches Geſchlecht im Tugendglanze! Die Keuſchheit adelt Leib und Seele. Schau' dem unſchuldigen Kinde, ſchau' dem Reinen in die klaren Augen: wie ſchön ſpiegelt ſich in ihnen die Reinheit des Ge⸗ wiſſens wieder! Welche Himmelshoheit! Wie lieblich, und doch wie erhaben! Blickt dir — 192 nicht aus ſolchen Augen ein ganzer Himmel entgegen? Ein Lächeln des Paradieſes als Reflex des inneren Friedens umſchwebt das reine Antlitz. Fürwahr, ſo müßten die Engel blicken, hätten ſie einen menſchlichen Leib! Die Keuſchheit iſt alſo deine koſtbarſte Perle, die ſchönſte Zierde deines Alters. „Alles, was man auf der Welt ſchätzt, iſt nicht zu 3 mit einer keuſchen Seele“, ſagt der hl. ihrem Gefolge faſt alle andern: Liebe Gottes, Demuth, Beſcheidenheit, Sittſamkeit, Gehor⸗ ſam u. ſ. w. Ihr Lohn iſt ſchon hienieden: Frohſinn und Heiterkeit, Selbſtbeherrſchung, Selbſtachtung, heilige Ruhe, Tröſtungen des Gewiſſens, ſüßer Gottesfriede und Kraft zu aller andern Tugend. Mit dieſer Engelstugend geſchmückt, ver⸗ bringſt du deine ſchöne Jugendzeit in der edelſten, Gott wohlgefälligſten Weiſe. Sie ſchützt dich vor Gewiſſensqual, bereitet dich in würdiger Weiſe auf den dir von Gott be⸗ ſtimmten Beruf vor und bringt dir Segen für dein ganzes ſpäteres Leben. Was iſt aber eine Jungfrau, die dieſen Schatz, dieſe Perle verloren hat? Sie iſt wie ein Apfel, der außen noch glänzend, inner⸗ lich aber vom Wurm zernagt iſt. Sie iſt ein übertünchtes Grab, außen vielfach ſchön geziert, inwendig aber voll Moder und Fäul⸗ niß. Sie iſt ein gefallener Engel, vom Him⸗ mel in die Hölle geſtürzt. Sie muß ſich ſelbſt Geiſt. Dieſe Tugend hat in ——— 155 verachten, iſt ſich ſelbſt zur Qual, der Fa— milie zur Schande, Andern zum Aergerniß, Allen ein Gegenſtand tiefſter Verachtung. Die jungfräulichen Freundinnen von ehemals verbannen ſie aus ihrem Kreiſe, und pflicht⸗ treue Mütter führen ſie ihren erwachſenen Töchtern zum abſchreckenden Beiſpiele vor. Sie iſt ein Gegenſtand des Abſcheues den himmliſchen Geiſtern, Gott dem Herrn ein Greuel. Und wie leicht wird getrübt dieſer glän⸗ zende Spiegel, wie leicht befleckt dieſe ſchnee— weiße Blume, zerriſſen dieſer jungfräuliche Kranz, verloren dieſe koſtbare Perle! Darum, chriſtliche Jungfrau, wache und bete. Wachen ſobald in deiner Seele unehrbare Gedanken, unreine Bilder und Vorſtellungen auftauchen, ſobald böſe Begierde an dein Herz pocht— dann denke an Gott und deinen hl. Schutzengel, denke an Tod und Ewigkeit, und ohne Aufſchub, ohne Zögern ſchlage mit aller Entſchiedenheit dieſe böſen Ge⸗ danken aus. Nur zu häufig wird die Nach⸗ läſſigkeit im Widerſtande zur Quelle vieler und ſchwerer Fehltritte; der vernachläſſigte Funke wird ſo leicht zum hellen Brande— und iſt dieſer einmal entfacht, dann wehe! — Wache über deine Sinne, über deine Augen und Ohren; ſie ſind die Thore, die Zugänge zum Herzen. Du klagſt ſo oft über Verſuchungen; biſt du nie ſelbſt ſchuld daran, indem du z. B. deinen Augen, deinen Ohren St. Eliſabeth. 13 allzu viel Freiheit geſtatteſt? Wache über deinen Umgang; mit Perſonen des andern Geſchlechtes iſt es immer gefährlich. Wache, bevor es zu ſpät iſt. Die Unſchuld einmal verloren, iſt unwiederbringlich verloren. Bete: Morgens und Abends, insbeſondere zur Stunde der Verſuchung; bete zu Jeſu, dem göttlichen Bräutigam deiner Seele, er wird dich ſtärken; bete zu Maria, der reinſten und unbefleckten Mutter, ſie wird dich unter ihren mütterlichen Schutzmantel nehmen; zu den hhl. zu einer hl. Bi einer hl. Agnes, einer hl. Cä⸗ cilia, Agatha und Urſula, die lieber Marter und Tod erleiden, als dieſe Perle verlieren wollten. Bete aber auch zur lieben hl. Eli⸗ ſabeth, die als Jungfrau ein ſo leuchtendes Muſter und Vorbild für alle Jungfrauen geweſen iſt. Stärke dich aber beſonders in der hl. Communion mit dem Fleiſche des unbefleckten Lammes und dem Weine des Blutes Chriſti, der Jungfrauen erzeugt. 4. Die Unterhaltungen und Yergnügen. er ſeink Chriſten⸗ und Standespflichten treu erfüllt, wer nicht dem gefährlichen Müßiggang fröhnt, ſeine koſtbare Zeit nicht ſchnöde vertändelt und vergendet, ſondern ſeine Kräfte ernſter und nützlicher Arbeit widmet, der verdient ſie. — 195— der hat Recht auf Erholung und Vergnügen, Auch du ſollſt Erholung und Vergnügen genießen, chriſtliche Jungfrau, aber nur un⸗ ſchuldige, ehrbare und mäßige Vergnü⸗ gungen. Dieſe allein vertragen ſich mit dei⸗ ner Würde, deiner Reinheit, deinen Pflichten. Die beſten Erholungen ſind die, welche du im Schvoße deiner Familie oder bei tugendhaften Freundinnen findeſt, etwa bei unſchuldigem Spiele, Lotterien für die Armen u. ſ. w. So manche Vergnügungen und Luſtbar⸗ keiten, welche die Welt dir bietet, ſind nicht ſo unſchuldig, als ſie dir vorſpiegeln will. Im grünen Raſenteppich und unter ſchönen Blumen verbirgt ſich oft die giftige Schlange. Darum ſei vorſichtig! Betrachte näher die Luſtbarkeiten der Weltkinder; ſind ſie ſo unſchuldig? Führen ſie nicht direct oder indirect zur Sünde? Iſt nicht Alles dabei auf Sinnlichkeit, Gefallſucht, Genußſucht berechnet?„Wer die Gefahr liebt“, ſagt der hl. Geiſt,„wird in der Gefahr um⸗ kommen!“ I. Die meiſten Theater, Schauſpiele ſind nicht unſchuldig, ſondern vielmehr ſehr gefährlich. Häufig wird in ihnen die Sünde und das Laſter gelobt und verherrlicht, die Tugend hingegen lächerlich gemacht. Selbſt bei den beſſeren verletzen Auftreten, die Klei⸗ dung der Schauſpieler und noch mehr der Schauſpielerinnen Anſtand und ſittliches Gefühl, treiben öfters einer unverdorbenen Jungfrau die Schamröthe in's Geſicht. Die Darſtellungen ſind häufig ſinnlich, die Poſſen und Scherze zweideutig, ſchlüpfrig, frivol. So muß allmählich das Gewiſſen erſticken, die Schamhaftigkeit untergehen. Jedenfalls wird die Sentimentalität genährt und Gefühls⸗ ſchwärmerei auf Koſten der Vernunft gefördert. Die heiligen Väter nennen das Theater einen Sammelplatz böſer Gedanken, ein Treibhaus des Laſters; die Welt nennt es eine Schule feiner Bildung, guten Tones und geſelligen Anſtandes. Wer hat Recht? — Der gottloſe Rouſſeau ſchreibt:„Das Theater iſt mir eine ſaubere Schule: da werden alle ſchlechten Neigungen gehegt und gepflegt; da wird der Geiſt entnervt und unfähig, dem Andrang der Leidenſchaften zu widerſtehen; da lernt man das Laſter mit einem gefälligen Firniß überziehen u. ſ. w.“ — In den meiſten Theaterſtücken findet man das Lob der ſinnlichen Liebe, hinter dem Rücken der Eltern angezettelte Liebſchaften, eheliche Untreuen, Kunſtgriffe des Laſters. Auch in den ſogenannten ſittlichen Stücken wird das Laſter, ſelbſt wenn es am Ende ſeine Strafe empfängt, allzu reizend und anziehend dargeſtellt. Auch da ſind die Reize der Darſtellung, der Anzug und die Geberden der Schauſpieler nur allzu ſehr darnach an— gethan, beſonders bei der Jugend unreine — Vorſtellungen zu erzeugen, die ſündhafte Be⸗ gierlichkeit zu reizen, das Herz zu verweich⸗ lichen.„Man müßte die Sonne am Himmel leugnen“, ſagt der hl. Franz von Sales, „wollte man das Verderben leugnen, das durch das Theater entſtanden iſt.“— Wahr⸗ lich, eine Jungfrau, der die Tugend der Keuſchheit am Herzen liegt, ſetzt ſich einer ſo großen Gefahr nicht leichtſinnig aus. Il. Nicht ſelten ſind auch gewiſſe Zu⸗ ſammenkünfte, Geſellſchaften, Kränzchen, Soiréen der Unſchuld und Tugend, dem Glauben und den Sitten gefährlich. Ein gewiſſer Weltton, die Sprache der Weltleute, manche Freiheiten, Schmeichelworte, die Ohr und Herz entzücken, miſchen Gift in den Freudenbecher: da wird häufig die Scham⸗ haftigkeit als Prüderie verlacht, ungebühr⸗ liche Freiheiten, die man ſich erlaubt, als guter Ton geprieſen; über die chriſtliche Moral, Glauben, Prieſter macht man ſich luſtig, erzählt zweideutige Anekdoten und ergeht ſich in faden, vielleicht ſchlüpfrigen Witzen; man ſpielt oder ſingt ſinnliche Lie⸗ beslieder und engagirt dich mitzuſingen, was du vielleicht aus Menſchenfurcht oder Ge⸗ fälligkeit, obgleich widerſtrebend, thuſt n. ſ. w. Chriſtliche Jungfrau, da iſt nicht dein Platz. Wer die Gefahr liebt, geht darin zu Grunde. III. Große Vorſicht iſt ebenfalls nöthig bei Auswahl der Lectüre. Gewiß iſt das — 158 Leſen eines guten Buches das nützlichſte, edelſte Vergnügen, die angemeſſenſte Er⸗ holung. Ein gutes Buch iſt ein treuer Freund, ein koſtbarer Schatz. Gute Lectüre bereichert den Geiſt, veredelt den Willen, bildet das Gemüth, regt zum Guten an,— aber ein ſchlechtes Buch, eine ſchlechte Zeitung, eine ſchlechte Lectüre!... Eine giftigere Schlange, einen teufliſcheren Verführer gibt es kaum. Weg daher mit all den Schriften, die geradeaus oder auf Umwegen deinen Glauben untergraben, deine Reinheit und Schamhaftigkeit dir rauben, deine Seele ver⸗ giften können. Weg damit, in's Feuer! Nichts entſchuldigt: nicht die ſchöne, fließende Sprache, die glänzende, ſpannende Darſtellung; nicht der Neugier erregende Titel, nicht die ſchöne Ausſtattung, nicht der billige Preis, nicht die„herrlichen“ aber an⸗ ſtößigen Illuſtrationen, nicht das Anpreiſen Anderer oder ihr Beiſpiel, nicht ſündhafter Vorwitz u. ſ. w. Weg damit in's Feuer, wenn du nicht ſelbſt im Feuer der Hölle brennen willſt! Ein ſchlechtes Buch vernichten iſt ein großes Verdienſt! Schädlich iſt faſt immer das Leſen von Romanen, denn auch die beſten taugen nicht viel. Seltene Ausnahmen ſind vielleicht zu⸗ zulaſſen. Von den Romanen gilt meiſtens, was wir oben von den Theaterſtücken geſagt haben. Eine Romanleſerin bewahrt ſelten die Reinheit des Herzens; ihr ſelbſt ——— — 1„ nunbewußt regt ſich allmählich die Sinnlichkeit, ſteigen böſe Gedanken und Bilder auf. Die Liebe Gottes erkaltet, die Beicht wird ſchwerer, der Abſcheu vor dem Böſen geringer; an Gebet und geiſtlichen Dingen ſtellt ſich all⸗ mählich Unluſt und Ekel ein; eine ſolche Perſon wird eitler, putz⸗ und genußſüchtiger, freier im Umgang mit dem andern Geſchlechte u. ſ. w. Zudem lebt das junge Mädchen ſich in eine eingebildete Welt hinein, ſtellt ſich Welt und Menſchen anders vor als ſie ſind, wird un⸗ zufrieden mit ſeiner Stellung und Umgebung, unpraktiſch für's Leben. Höre, was die hl. Thereſia von den Romanen ſagt: „Kaum fing ich an, mit Erlaubniß meiner Mutter Romane zu leſen, ſo erkaltete mein religiöſer Eifer, ich verlor den Geſchmack an Gebet und andern Andachtsübungen; ich unterließ ſie oder kürzte ſie wenigſtens ab und ging von da an auch ſeltener zum Tiſche des Herrn. Mein Verlangen nach ſolchen Büchern wurde immer größer, und je mehr ich las, deſto mehr wuchs in mir die Liebe zur Welt und zu ihren Eitelkeiten. Ich fing an, mich nach der Mode zu kleiden und wollte Alles mitmachen; denn der Wunſch zu ge⸗ fallen wurde immer ſtärker in mir, und ſo erwachte in meinem Herzen, das bis dahin meinem Gott allein angehört hatte, unordent⸗ liche Liebe. Gott, mein Gott, wohin wäre ich gekommen, hätteſt Du mir den Abgrund nicht gezeigt, dem ich entgegen eilte!“— Chriſtliche Jungfrau, mache dir eine Ehre daraus, keine Romane zu leſen. IV. Eines der gefährlichſten Vergnügen für die Jungfrau iſt der Tanz. Ich will durchaus nicht ſagen, daß der Tanz an ſich ſchon ſündhaft ſei; allein, wenn ſchon der unnöthige Umgang mit jungen Leuten des andern Geſchlechtes gefährlich iſt, wie viel mehr bei dieſer Luſtbarkeit, wo ſo viel zu⸗ ſammenwirkt, was auch die beſten Vorſätze erſchüttern kann: die hinreißende Muſik, das jugendlich feurige, in Wallung gerathene Blut, die größere Freiheit, mit der man ſich gegen— ſeitig nähert, ſogar unfaßt, verlockende Schmeichelreden, Zärtlichkeiten, Blicke und Geberden, oft auch das Dunkel der Nacht. Chriſtliche Jungfrau, wenn du allein biſt, haſt du ſchon genug zu thun, die Verſuchungen niederzukämpfen, wie viel mehr in ſolcher Gefahr, bei ſo reizenden Gelegenheiten, wo Geſellſchaft und Sinnlichkeit ſich ſo breit machen! Der hl. Kirchenlehrer Franz von Sales ſagt:„Bälle und Tänze ſind ihrer Natur nach gleichgültige Dinge: aber der Gebrauch derſelben heutzutage neigt ſehr dem Böſen zu und iſt darum voll Gefahren.... Um die Wette bringt Jeder Eitelkeit zum Balle oder Tanze mit, und die Eitelkeit iſt ein ſo großer Schritt zu allen böſen Neigungen, insbeſondere zu gefährlichen und unerlaubten Liebſchaften, zu Neid und Eiferſucht, daß ———————— ——— dieſe die gewö öhnliche Folge Bällen und Tänzen ſind.“ Für faſt Alle ſind daher die Tänze ge⸗ fährlich, für Viele eine nächſte Gelegen⸗ heit zur Sünde. Wer meiſtens beim Tanze ſchwer ſündigt, ſei es auch bloß innerlich in Gedanken und Begierden, oder durch Kleidung, Blicke, Geberden oder unerlaubte Freiheiten, wenn auch erſt auf dem Heimwege, für die iſt der Tanz nächſte Gelegenheit zur Sünde und daher auch unter ſchwerer Sünde ver⸗ boten. Eine traurige Erfahrung lehrt: Beim Tanze erbleicht die Unſchuld, beim Nach⸗ hauſegehen wird ſie zu Grabe getragen. Wer fann all die Sünden zählen, die z. B. nur innerlich bei einer einzigen Tanzbeluſtigung begangen werden? Könnteſt du ſehen, wie viele vom Heiland ſo erkaufte Seelen durch den Tanz für Zeit und Ewigkeit zu Grunde gehen⸗ es würde dir nicht zu ſchwer fallen, aus Liebe zu Gott und deinem Seelen⸗ heile auf ein ſo gefährliches Vergnügen zu verzichten. 5. Börperſchönheit. Wer Menſch iſt ſo voll Eigenliebe, daß er von ſich ganz eingenommen iſt. Hat er Vorzüge, ſo hält er ſie für größer als ſie wirklich ſind und ſchreibt nur ſich ſie zu; hat er keine, ſo bildet er ſich deren ein und brüſtet ſich mit Eigenſchaften, die er gar nicht hat. Das eben iſt Eitelkeit, Hoffart. Die Hoffart iſt ſomit eine unordentliche Liebe ſeiner ſelbſt, eine übertriebene Hochſchätzung ſeiner wirk⸗ lichen oder vermeintlichen Vorzüge, derart, daß man den Nebenmenſchen geringſchätzt und verachtet. In deinem Geſchlechte, chriſtliche Jung⸗ frau, regt ſich ſchon frühzeitig die Neigung zur Eitelkeit, das Wohlgefallen an der eige⸗ nen Körpergeſtalt, das Beſtreben, dieſelbe zur Geltung zu bringen durch Haltung, Kleider⸗ putz u. ſ. w. Bringſt du vielleicht nicht ſchon mehr Zeit vor dem Spiegel zu, als du auf Morgen⸗ und Abendgebet verwendeſt? Wohl verdient der Leib, daß man ihn in Ehren halte; iſt er ja das Meiſterwert der Schöpfung, die Hülle und Wohnſtätte der Seele, die dereinſt in Himmelsherrlichkeit er⸗ glänzen ſoll; auch iſt es nicht Unrecht, ſich körperlicher Schönheit und Anmuth als einer Gabe Gottes zu erfreuen und ſelbe zu pflegen, aber in beſcheidener, chriſtlicher Weiſe. Sünd⸗ haft wäre es, wenn du dir auf Körperſchön— heit zu viel einbilden würdeſt, wenn du zu viel Werth darauf legteſt, zu viel Zeit auf den Schmuck deines Leibes verwenden und dar⸗ über deine Seele und deine Fflichten ver⸗ nachläſſigen würdeſt; ſchwer ſündhaft wäre es, wenn du durch körperliche Vorzüge An⸗ dere zur Sünde zu reizen ſuchteſt. Schaue hin auf die hl. Eliſabeth. Sie war eine der ſchönſten Fürſtinnen ihrer Zeit. Selbſt noch als Wittwe begehrten reiche und mächtige Fürſten, ſogar der Kaiſer ſelbſt, ſie zur Ehe. Sie beſaß Gold und Silber, Perlen und Edelſteine, um ihre körperlichen Vorzüge recht zur Geltung zu bringen. Aber hat ſie ſich etwas auf ihre Schönheit eingebildet? Nein, den Leib zu zieren, daran hatte ſie keine Freude, wohl aber ließ ſie ſich mit allem Eifer angelegen ſein, ihre Seele mit Gottes⸗ liebe, Demuth, Reinheit, Nächſtenliebe, Fröm⸗ migkeit und allen andern Tugenden zu ſchmücken. Das allein iſt wahre Schönheit. Körperſchönheit iſt eitel und vergäng⸗ lich. Der hl. Geiſt ſagt:„Trügeriſch iſt die Anmuth, und eitel die Schönheit: das Weib, das den Herrn fürchtet(d. h. deſſen Seele mit Tugenden geziert iſt), wird geprieſen werden.“ Die ſchönſte Blume welkt und und wird entblättert, die größte Schönheit verblüht, runzelt und ſchwindet hin. Wie ſchnell kann eine Krankheit dich entſtellen, der Tod dich der Fäulniß überliefern! Wie häßlich iſt ein grinſender Todtenkopf! Schaue ihn dir etwas näher an; beſſer als der reinſte Spiegel zeigt er dir dein wahres Bild. Wo jetzt ſchwarze Höhlen dir entgegen⸗ ſtarren, da blitzten noch vor wenigen Jahren ſchöne Augen, durch die vielleicht der Tod der Seele öfters ein- und ausging; hier auf dieſen hohlen Backenknochen blühten einſt roſige Wangen, und an den Reſten dieſer Schönheit haben Würmer und häßliches Un⸗ geziefer ſich gemäſtet. Um dieſen kahlen Schädel ringelte ſich prächtiges Haar, Gegen⸗ ſtand lächerlicher Eitelkeit; hier, wo nur mehr einige Zahnſtummel ſind, glänzten einſt die ſchönſten Zähne, bewegte ſich eine lüſterne, boshafte, ehrabſchneideriſche Zunge. Du wen⸗ deſt mit Entſetzen deine Augen ab; aber was du jetzt biſt, das war dieſer Schädel, und was er iſt, wirſt du; du ſowohl als auch Der, deſſen Geſtalt und Schönheit deine Ein— bildungskraft beſchäftigt, deiner Tugend und Unſchuld Gefahr bringt. Wie oft wohnt in einem ſchönen Körper eine häßliche Seele! Angenehme Geſichts⸗ züge, ſchlanker Wuchs, Anmuth in Haltung und Bewegung, der feinſte Teint, die klang⸗ vollſte Stimme, ſchöne Kleider ſind für dei⸗ nen inneren wahren Werth ohne jede Bedeutung. Du biſt nur das werth, was du vor Gott giltſt, und Gott ſieht dir in's Herz. Leibliche Schönheit wird leicht gefähr⸗ lich für dich, verführeriſch für Andere. Dich ſelbſt verleitet ſie leicht zur Eitelkeit, Putz⸗ ſucht, Gefallſucht, Stolz, Vernachläſſigung der häuslichen Pflichten; ſie wendet Herz und Gedanken ab von Gott, macht Gebet und Andacht dir widerwärtig; ſie macht ſich ſelbſt zu deinem Götzen, dem du forwährend Weih⸗ rauch ſtreuen mußt, kurz, ſie bringt dir allerlei ſchwere Verſuchungen und Anfech⸗ tungen. Körperliche Schönheit iſt nur zu — 205— oft Veranlaſſung, daß Manche Herzensrein⸗ heit und Seelenadel, Ehre und Lebensglück einbüßen für immer. Sehr ſchön und wahr ſagt darum der hl. Bernhard:„Dein Blick ruhe nicht mit Wohlgefallen auf einer vergänglichen Schön⸗ heit, noch weniger bemühe dich, vor den Augen der Menſchen ſchön zu erſchemen. Die Jungfrau, die mehr darnach ſtrebt, den Menſchen durch Schönheit, als Chriſto durch Tugenden und gute Werke zu gefallen, liebt den Heiland nicht wahrhaft, und wird von ihm nicht geliebt.“ 6. Eleiderputz. Die Eitelkeit und Hoffart äußert ſich zu⸗ meiſt in Gefallſucht und Kleiderputz. Ge⸗ wiß iſt es der Jungfrau erlaubt, ihren Leib, den Tempel des hl. Geiſtes, durch die hl. Communion der lebendige Tabernakel Jeſu Chriſti, reinlich, ordentlich und ſtandesgemäß zu kleiden und in paſſen⸗ der Weiſe zu ſchmücken. Reinlichkeit iſt eine Tugend, und ein unreinliches, unordentliches oder zerriſſenes Kleid deutet hin auf unordent⸗ lichen, nachläſſigen Sinn. Geht dies Stre⸗ ben aber dahin, immer das Feinſte, Neueſte zu haben, geht es über Stand, Vermögen und ſittlichen Anſtand hinaus, dann iſt es Putzſucht, Kleider⸗Hoffart. Dieſe iſt an ſich ſchon Sünde und führt zu andern Sünden. Wie eitel und läppiſch iſt doch eine Jungfrau, die ihre Freude und ihr Glück darin ſucht, in theuren, modiſchen, aufge⸗ bauſchten, mit allerlei Flitter beſetzten Klei⸗ dern begafft zu werden, als wandernder Kleiderſtock Andern in die Augen zu ſtechen, von hohlen, leichtſinnigen Menſchen bewundert zu werden. Wie ſündhaft iſt es, durch allzu kurze, oder zu leichte, durchſichtige oder ausgeſchnittene Kleider und Entblößungen unreine Blicke auf ſich zu ziehen, Andern Aergerniß zu geben, und ſo ſeine eigene und fremde Seelen zu morden! Eine Jungfrau, die durch ihren Putz Aufſehen machen will, macht ſich lächerlich, da ſie mehr ſcheinen will, als ſie iſt; ſie will es vielleicht dadurch zu einer Heirath, zu einer Verſorgung bringen, bedenkt aber nicht, daß ein ordentlicher, vernünftiger Jüngling nie ein Mädchen zur Ehe nehmen wird, das ſchon durch Kleidung und Flitter die Eitelkeit ſeines Herzens verräth, das durch Geſfallſucht ſich aufdrängen will. Ein ſolches verräth, daß es durch unnöthige Ausgaben für Kleider und ſonſtigen Tand das Hausweſen Deſſen zu Grunde richten wird, der ſo blind iſt, dasſelbe zur Frau zu nehmen.— Ein putzſüchtiges Mädchen wird in der Regel eine nachläſſige, unſaubere, armſelige Hausfrau. och andere Gefahren und Sünden hat der Kleiderputz im Gefolge. So manches ———— ee — putzſüchtige und gefallſüchtige Mädchen zieht ſich durch Erkältung in ausgeſchnittenen oder allzu leichten Kleidern(bei Bällen, Tänzen ꝛc.) durch Zuſammenſchnüren der Taille Krank⸗ heiten, Auszehrung, nicht ſelten plötzlichen Tod zu.— Andere müſſen ſich am Munde abſparen, was ſie auf läppiſchen Putz ver⸗ wenden; ſagt doch das Sprüchwort:„Seide und Sammt(Eleider über Stand und Ver⸗ mögen) löſchen das Feuer in der Küche aus.“ Die Folge davon ſind Entbehrungen, Blut⸗ armuth, Schwäche, Nerven⸗ und andere Leiden. Nicht ſelten müſſen zu Hauſe die alten Eltern darben, weil die Tochter den ſauer erworbenen Lohn auf Putz, Flitter und Tand vergeudet. Wie lieblos, wie ungerecht, wie ſträflich! Ach, käme es doch leider nicht dazu, daß, um dieſe Leidenſchaft zu befrie⸗ digen, man ſogar nicht vor Diebſtahl und Unredlichkeiten zurückſchrickt, von dem Trotz und den Unehrerbietigkeiten gegen Eltern, von Zank und Unfrieden, Neid und Mißgunſt gar nicht zu reden. Die Hoffärtige iſt ihr eigener Götze, Tag und bacht ſind ihre Gedanken, ihr Sinnen und Trachten auf Toilette, Friſur, Moden, Tand und Flitter gerichtet. Die Kirche ſelbſt iſt ihr nicht mehr das Haus Gottes, die Stätte der Andacht, die Quelle des Segens; die Thörin macht ſie zum Ausſtellungsſaal für ihre Eitelkeit. Sehen und geſehen werden, das iſt ihr Loſungswort. Wie ſo viel koſt⸗ bare Zeit wird vor dem Spiegel vergeudet, wie viel religiöſe, ſittliche und häusliche flich⸗ ten werden darob vernachl läſſigt! Nein, chriſtliche Jungfrau, ferne ſei von dir ſolch läppiſche Hoffart, die dich vor Gott und den Menſchen, ja vor dir ſelbſt ernie⸗ drigen muß. Deine Kleidung ſei einfach: ſei nicht eine Sklavin der Mode. Der hl. Chryſoſtomus ſagt: Die Jung⸗ frau, welche in ihrem Gange, in ihrem Anzuge und in ihrem ganzen Weſen eine edle Einfachheit zeigt und die Blicke nicht auf ſich zu ziehen ſucht, wird von Jeder⸗ mann bewundert und geſchätzt, Alle ſprechen lobend über ſie; die Jungfrau dagegen, welche nur nach eitlem Ruhme ſtrebt, iſt für Alle ein Gegenſtand der Abneigung und des Widerwillens. Deine Kleidung ſei geſund, je nach Jahreszeit leichter oder wärmer; nicht eng, ſo daß ſie die Ausdehnung des Körpers hindert. Der Grund zu ſo mancher quälen⸗ den, unheilbaren Krankheit im ſpäteren Alter iſt in der Jugend gelegt worden worden durch Schnüren ꝛc. Wie viele Sün⸗ den gegen Geſundheit und Leben werden begangen, um mancher unſinnigen Mode zu huldigen, die Alle quält, Viele vor der Zeit in's Grab bringt. Deine Kleidung ſei ſtets züchtig und anſtändig. Sie muß Alles bedecken und ⸗ m e ht en 8 * verdecken, was chriſtliche Sitte und Schamhaf⸗ tigkeit verdeckt wiſſen will. Der hl. Bernhard nennt ein unſchamhaft geputztes Weib ein „Werkzeug des Teufels, um die Seelen der Mitmenſchen in's Verderben zu ziehen“. Deine Kleidung ſei ferner deinem Stande angemeſſen, nicht üher dein Vermögen hinaus, alſo nicht zu koſtbar, nicht zu flatterhaft, nicht übermäßig.„Die⸗ jenigen“, ſagt der hl. Bernhard,„welche ſich ſo ſorgfältig zieren, den Thoren zu gefallen, zeigen damit deutlich, daß ihnen die innere und wahre Schönheit abgeht.“ Wie Viele ſind ſchon durch übermäßige Putzſucht dem zeit⸗ lichen und ewigen Verderben anheimgefallen! Die hl. Eliſabeth hatte gegen Putz und Eitelkeit tiefen Abſchen. Einſt ging ſie an einem hohen Feſttage prächtig gekleidet, wie die Hoſſitte es forderte, mit Edelſteinen ge⸗ ſchmückt und einer goldenen Krone auf dem Haupte zur Kirche. Als ſie daſelbſt ein Crucifix erblickte, fühlte ſie ſich überwältigt und ſagte ſich unter Thränen:„Hier hängt dein Gott blutig und nackt am Kreuze, und du, unnütze Creatur, biſt mit koſtbaren Ge⸗ wändern bekleidet. Sein Haupt durchſtechen Dornen, und das deine ſoll eine goldene Krone ſchmücken!“ Von da an faßte ſie den Entſchluß, auf jeden Schmuck zu verzichten, die einzelnen Fälle ausgenommen, in denen ihr Rang oder der Wunſch ihres Gemahls es ihr zur Pflicht machten. St. Eliſabeth. 14 — 21— Der hl. Paulus ſagt:„Die Frauen ſollen ſich in anſtändiger Kleidung mit Scham⸗ haftigkeit und Sittſamkeit ſchmücken, nicht mit geflochtenen Haaren, oder Gold, oder Perlen, oder koſtbarem Gewande, ſondern wie es ſich für Die ziemt, die Gottesfurcht an den Tag legen durch gute Werke.“ Nimm zu Herzen die Worte Tobias: „Laß die Hoffart niemals in deinem Sinne oder in deinem Worte herrſchen, denn alles Verderben hat in ihr ſeinen Anfang ge⸗ nommen.“ 7. Der Amgang. er die Welt liebt“, ſagt der Heiland,„in dem iſt die Liebe des Vaters nicht.“ Die Welt, wie ſie hier der Heiland verſteht, bne ſind böſe, gfährliche Menſchen und überhaupt Alles, was uns äußerlich zur Sünde reizt. Chriſtliche Jungfrau, du weißt, wie dieſe Welt es nicht gut mit dir meint, dich nieh glücklich machen kann, vielmehr deine Jugend und deine Unerfahrenheit benutzen will, um dich in's Verderben zu ziehen. Ueber dieſe Welt und den böſen Weltgeiſt hat Chriſtus ehit ein furchtbares Wehe geſprochen. Und der hl. Geiſt ermahnt uns, doch ent⸗ ſchieden mit der keichtfinnigen, ſünd⸗ haften Welt und ihren falſchen Grund⸗ ſätzen zu brechen:„Liebet nicht die Welt, denn Alles, was in der Welt iſt, iſt Angenluſt, — N —— —— 1 — N——— 7 — 211— Fleiſchesluſt und Hoffart des Lebens... Die Welt vergeht mit ihrer Luſt, wer aber den Willen des Vaters thut, der bleibt ewig.“ I. Chriſtliche Jungfrau, du mußt in der Welt leben, aber du darfſt dich nicht von ihrem giftigen Geiſte anſtecken laſſen. Darum ſei vorſichtig im Umgange mit Andern. Die Jugend theilt ſich ſo gern mit, ſchließt ſich ſo gern an, aber: trau, ſchau, wem?! Es iſt nicht Alles Gold, was glänzt. Der Umgang mit leichtfertigen Freundinnen iſt gefährlich und macht dich zuerſt weniger ernſt und gewiſſenhaft, dann leichtſinnig und leicht⸗ fertig, der Umgang mit Böſen macht dich ſelbſt ſündhaft und böſe. Die Gedanken deiner Freundin werden nur zu leicht deine Gedanken, ihre Anſichten deine Anſichten, ihre Handlungsweiſe deine Handlungsweiſe; unbewußt ahmſt du ihr nach und wirſt Eins mit ihr. Das Sprüchwort ſagt:„Sage mir, mit wem du umgehſt, und ich ſage dir, wer du biſt“; und die Erfahrung lehrt: „Wer Pech anrührt, beſudelt ſich.“ Laß dich nicht täuſchen durch gefälliges Benehmen, natürliche Liebenswürdigkeit, an⸗ ſehnliche Stellung, anziehendes Weſen, Artig⸗ keit, ſprudelnden Witz, ſchöne Geſtalt; trau' nicht Jedermann, ſchau' wohl, wem du deine Freundſchaft, dein Herz ſchenkſt. Den Baum erkennſt du an ſeinen Früchten, das Herz des Menſchen an ſeinen Worten, noch mehr an ſeinem Benehmen, an ſeinen Werken. Gott Dank gibt es pflichttrene, tugend— hafte Jungfrauen, muſterhaft in ihrem Auß— treten, in Fleiß, Reinheit und Frömmigkeit. Sie ſind ſittſam, eingezogen, beſcheiden, in der Kirche ehrerbietig und andächtig; ſie haben Freude am Gebet und am Empfange der hl. Sacramente; ſie ſind fröhlich und heiter, aber auch ernſt und gemeſſen zur rechten Zeit, nie kommt ein unreines Wort über ihre Lippen, ſie ſind der Stolz ihrer Eltern und das Muſter der weiblichen Jugend der Pfarrei. Dieſen ſchließe dich an: der Umgang mit ihnen kann dir nur Nutzen bringen. Halte dich fern von Denen, die du ſelten an der Communionbank ſiehſt, deſto öfter aber bei Tanz und gefährlichen Luſtbarkeiten. Bleibe fern von Solchen, die nur von Flitter und Bekanntſchaften, von Vergnügen und Zeitvertreib, von den Fehlern Anderer und den Klatſchbaſereien des Ortes zu reden wiſſen. Fliehe wie die Peſt Die, deren Auge frech und lüſtern, deren Kleidung, Haltung und Geberden Sinnlichkeit verrathen, die ihren Eltern und Vorgeſetzten gegenüber lieb⸗ los, ungehorſam und trotzig ſind; fliehe Die, welche dem Müßiggang fröhnend ihre Pflich⸗ ten vernachläſſigen und Scheu haben vor Gebet, Predigt und den hl. Sacramenten. Fliehe wie den Tod Solche, die unreine Reden führen, darüber lachen und an zwei⸗ deutigen Scherzen und Liedern ihre Freude haben; die über das Heiligſte, über Religion — — 213— und Prieſter ſpotten. Böſe Geſellſchaften verderben gute Sitten. Da hilft auch der beſte Wille nicht. Lege nur einen faulen Apfel in einen ganzen Korb geſunder Aepfel, dann wird der faule Apfel nicht geſund, wohl aber werden alle geſunden angeſteckt und faul. Darum fliehe, fliehe, chriſtliche Jungfrau, bevor es zu ſpät iſt. II. Die Schamhaftigkeit und dein Gewiſſen warnen dich ferner vor dem Umgange, ins⸗ beſondere vor der Vertraulichkeit mit Per⸗ ſonen des andern Geſchlechtes. Halte dich nicht unnöthig bei ihnen auf, ſondern entferne dich alſogleich, wenn du abgemacht haſt, was zu thun war. Anſtändige Freund⸗ lichkeit und tactvolle Höflichkeit iſt hiermit nicht ausgeſchloſſen. Wer die Gefahr liebt, geht darin zu Grunde. Eva ſah die ver⸗ botene Frucht nur an, fand ſodann an ihr Gefallen und ließ ſich endlich zum ſchmäh— lichen Falle verleiten. Verſchließe dein Ohr gewiſſen leichtſinnigen, zweideutigen Reden, die den unreinen Geiſt verhüllt in ſich tragen, und um ſo gefährlicher ſind, je harmloſer, witziger und unbefangener ſie ſcheinen. Die Schranken des Anſtandes werden bald nieder⸗ geriſſen, der glimmende Funke der Sinnlich⸗ keit fällt in den Brennſtoff, und Unſchuld und Tugend und Herzensfriede gehen in der Feuersgluth der Unkeuſchheit unter. Dieſer Jüngling mag noch ſo unbeſcholten ſein, es mag beiderſeits gut gemeint ſein, verlaß dich nicht darauf: es regt ſich die Sinnlichkeit nur allzu bald, Gedanken und Vorſtellungen kommen hinzu, die menſchliche Natur iſt gebrechlich— o fliehe, und noch⸗ mals ſage ich dir: fliehe, opfere dieſe begin⸗ nende Neigung, opfere dieſe gefahrdrohende Anhänglichkeit: es handelt ſich um das Wohl zweier unſterblicher Seelen. III. Iſt es nothwendig, chriſtliche Jungfrau, dich noch vor dem Verführer zu warnen? „Hütet euch vor Denen“, warnt der Hei⸗ land,„die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe ſind.“ Der Verführer ſchmeichelt dir mit ſchönen Worten, die deiner Eitelkeit zuſagen, deine Willenskraft ſchwächen, deine Leidenſchaften entzünden. Findet er es ſeinem Zwecke entſprechend, dann heuchelt er Fröm⸗ migkeit, ſpricht gern von Religion, geht fleißig in die Kirche; er ſtellt ſich tugendhaft, an⸗ ſtändig und eingezogen, hält ſich von gewiſſen Geſellſchaften und Luſtbarkeiten fern, wenn er glaubt, daß er dir gefalle. Allmählich fängt er an, dir von Liebe zu ſprechen, Geſchenke zu machen, ſich Schmeicheleien oder gar Liebkoſungen zu er⸗ lauben; er nennt deine Schamhaftigkeit und Zurückgezogenheit Aengſtlichkeit, Frömmeln, Prüderie; dein Gewiſſen ſucht er einzuſchlä⸗ fern, indem er dir vorſchwätzt, die Geiſtlichen würden Alles übertreiben, was die Liebe thue, könne ja nicht Sünde ſein; zudem könne man — — 215— es ja beichten, Andere hätten es auch gethan, und wären doch ehrlich und rechtſchaffen ꝛc. Es iſt der Wolf im Schafskleide. Zuletzt will er dich ködern durch ſchöne Verſprechen; er ſchwört dir ewige Liebe, unverbrüchliche Treue, verſpricht dir die Ehe und eine glückliche, ſorgenfreie Zukunft, als ob begangene Sünden dadurch könnten un⸗ geſchehen werden, und als ob ſelbſt die wirk⸗ liche Abſicht, die Ehe einzugehen, irgend ein Recht zu Unziemlichkeiten oder Sünden gäbe. Wie kann ein Mädchen den Verſicherungen und Verſprechen, ja ſogar den Eiden eines Menſchen vertrauen, der ſo deutlich ſeine unreine, thieriſche Abſicht kund gibt? Schreckt der vor einem Meineide zurück, der einer Jungfrau ihr heiligſtes Gut, ihre Reinheit rauben will? Wie viele Mädchen, die betreffs ſolcher Verſprechen und Eide allzu leicht⸗ gläubig und allzu ſehr auf Heirath und Verſorgung erpicht waren, ſind für Zeit und wigkeit jämmerlich zu Grunde gegangen! Dieſer Wolf will dir rauben die heilig⸗ machende Gnade, die Liebe und Freundſchaft Gottes, Ruhe und Frieden des Herzens, dein zeitliches und dein ewiges Glück. Hat er ſeinen teufliſchen Zweck erreicht, ſeine ſünd⸗ hafte Luſt befriedigt, dann wendet der herz⸗ loſe Verführer ſich mit Verachtung und Ekel von dir weg. Weder Thränen noch Weh⸗ klagen des Opfers können den Unmenſchen rühren, die Gefallene iſt ihm eine verblätterte 1 Blumc, die er wegwirft und ihrem Schickſale überläßt. Vielleicht macht er ihr noch bittere Vorwürfe über ihren Leichtſinn, ſpottet ihrer Leichtgläubigkeit, prahlt ſogar vor Seines— gleichen mit ſeiner Schandthat, während die iüſte in Verzweiflung jammert und weh⸗ klagt. Soll ich dir die Schmach, die Schande, die Verzweiflung einer entehrten... Jung⸗ frau iſt ſie nicht mehr) Perſon noch weiter ausmalen? Beherz ige deshalb zur Zeit der Verſuchung die Worte des hl. Geiſtes:„Süße Worte hat der Feind auf ſeinen Lippen, aber in ſeinem Herzen denkt er darauf, dich in die Grube zu ſtürzen.“(Sirach 12.) 8. Demuth und Brſcheidenhrit. Dhne Demuth gibt es keine wahre Tugend. Die Demuth iſt das Fundament jeder andern Tugend; eine Tugend, die nicht auf Demuth ſich gründet, iſt nicht feſt, nicht dauerhaft, iſt nur Scheintugend; die De⸗ muth macht auch jede andere Z Tugend lie⸗ benswürdig, iſt ſomit ihr Schmuck und ihre Zierde, Die Demüthige wird von Gott und den Menſchen geliebt, iſt überall wohlgelitten, während die Hoffärtige überall läſtig iſt, ſich gemieden, beneidet oder verachtet ſieht.„Ohne Demuth“, ſagt der hl. Bernhard,„würde — ſelbſt die ſeligſte Jungfrau Maria Gott nicht gefallen haben.“ Barum ſagt auch der Heiland, daß wir vor allem Andern die Demuth lernen ſollen:„Lernet von mir, denn ich bin ſanftmüthig und demüthig von Herzen.“ Noch kein Hoffärtiger ift tugendhaft geblieben, kein Stolzer ſelig ge— worden. Unter den ſieben Hauptſünden, dieſen weiten Thorwegen zur Hölle, nimmt die Hoffart(Stolz) die erſte Stelle ein; ſie iſt der Anfang und die Quelle aller andern Sünden. Sie iſt die Sünde Lucifers, darum ereilt auch den Hoffärtigen, falls er ſich nicht beſſert, die Strafe Lucifers. Die Ausſprüche der hl. Schrift über dieſe Sünde ſollen uns mit Schrecken erfüllen:„Der Anfang aller Sünde iſt die Hoffart. Wer darin verharrt, wird mit Fluch überhäuft und zuletzt ge⸗ ſtürzt werden.“(Sirach 10.)—„Auf Stolz folgt Erniedrigung.“(Sprüchw. 29.)—„Hoch⸗ muth kommt vor dem Fall.“(Sprüchw. 18.) „Das Haus der Hoffärtigen bricht der Herr ab.“(Sprüchw. 15.)—„Den Stolzen widerſteht Gott, den Demüthigen aber gibt er ſeine Gnade.“(Sprüchw. 3.)—„Darum laß die Hoffart niemals in deinem Sinne oder in deinen Worten herrſchen: denn alles Verderben hat in derſelben ſeinen Anfang genommen.“(Tob. 4. Sei alſo demüthig, chriſtliche Jungfrau, nicht bloß äußerlich in Worten, nein, ſei demüthig von Herzen. Die Demuth iſt nächſt der Reinheit deine ſchönſte Zier, ſie iſt, wie der hl. Philipp Neri ſagt, der Schutz⸗ engel deiner Keuſchheit. Darum denke alſo: Was du biſt, dazu hat dich Gott gemacht, und was du haſt, haſt du nicht verdient, Gott hat es dir unverdienter Weiſe gegeben. So gab er dir Leib und Seele, Verſtand und Talente, Geſchicklichkeit und Fähigkeiten, geſunde Sinne und gerade Glieder, Schön⸗ heit und Anmuth(wenn du ſie wirklich be⸗ ſitzeſt) und zeitliche Gaben und Reichthümer. Biſt du deshalb beſſer als Andere? Nein, je mehr dir Gott gegeben, deſto mehr fordert er von dir zurück. Von dir ſelbſt haſt du Nichts— Nichts als deine Sünden, und du haſt gewiß keine Urſache, dir auf dieſe etwas einzubilden! Ebenſo wenig brauchſt du ſtolz zu ſein auf deine vermeintliche Anmuth und Schönheit, die bald welkt wie die Blume, zerfällt beim leiſeſten Hauch der Krankheit, modert im Staube des Grabes. Die demüthige Jungfrau überſchätzt weder ſich noch ihre Vorzüge; ſie weiß, daß ihr noch viel zu viel fehlt; ſie erkennt an, daß ſie ganz und gar und in Allem von Gott ab⸗ hängt; daher gibt ſie ihm allein die Ehre, deshalb fürchtet ſie ſich, ihn zu beleidigen, darum vertraut ſie auf ſeine Güte. Sie weiß, daß durch die Erbſünde ihr Wille zum Böſen geneigt iſt, daß ſie ſchwach iſt und aus ſich ſelber nichts Gutes thun kann; deshalb mißtraut ſie ſich ſelber, fürchtet und meidet die Gefahr; ſie liebt die Verborgen⸗ heit, fliehet die Verſuchungen und Gelegen⸗ heiten zur Sünde, weil ſie ſich vor ihrer eigenen Schwäche fürchtet. Je mehr ſie aber von ihrer eigenen böſen Natur befürchtet, deſto zuverſichtlicher hofft ſie auf Gott, auf ſeine Gnade und Hülfe, in der ſie Alles vermag. Deshalb betet ſie oft und andächtig, demüthig und vertrauensvoll. Solches Gebet aber durchdringt die Wolken und findet Er⸗ hörung.— Sie ſtärkt ſich öfters durch die hl. Sacramente der Buße und des Altars, weil ſie weiß, daß ſie einen weiten und be⸗ ſchwerlichen Lebensweg zurückzulegen hat, voll Nachſtellungen und Gefahren, die ihr Satan, Welt und Fleiſch bereiten— und Gott nimmt ſie unter ſeinen Schutz:„Dem Demüthigen gibt Gott ſeine Gnade.“ Die demüthige Jungfrau ehrt und liebt ihre Mitmenſchen und lebt mit ihnen in Frieden; ſie überhebt ſich nicht über Andere, ſucht ſich nicht hervorzuthun; ſie erkennt die Stellung und Vorzüge Anderer willig an, beneidet ſie nicht; ſie iſt ſchonend, freundlich und geflli im Umgange mit Andern; ſie beurtheilt mild fremde ehler und verzeiht gern Beleidigungen; ſie iſt nicht empfindlich, findet ſich nicht leicht verletzt oder zurück⸗ geſetzt; ſie hat Nachſicht mit den Schwächen Anderer. Darum hat auch Gott. Nachſicht und Erbarmen mit ihr, er gibt ihr mehr Gnaden und macht ihre Sache zu der ſeinen; darum auch ſind die Menſchen ihr gut, achten und lieben ſie, würdigen ihre Vorzüge und guten Eigenſchaften deſto mehr, je weniger ſie dieſelben zur Geltung bringt. Die demüthige Jungfrau hütet ſich, in ihrem Thun und Laſſen nach der Achtung und dem Lobe der Menſchen zu ſtreben, denn dies würde die guten Werke jeden Werthes und Verdienſtes vor Gott berauben. „Thuet Alles nur in der Meinung, Gott dadurch zu gefallen“, ermahnt uns der hl. Hieronymus,„und ſeid überzeugt, daß nur die aus Liebe und Gottesfurcht verrichteten Werke Belohnung finden werden.“ Die demüthige Jungfrau iſt gehorſam gegen Eltern und Vorgeſetzte, weil dieſe Got⸗ tes Stelle vertreten. Und da ſie ihrer eigenen Einſicht und Klugheit mißtraut, iſt ſie nicht eigenſinnig, ſondern hört willig auf Anderer Meinung, Erfahrung, Warnung und Rath, erſpart ſich dadurch manche Unvorſichtigkeit, manchen Schaden und Kummer, und bleibt vor vielen Abwegen und Gefahren bewahrt. Stelle dir die Demuth nicht als eine allzu ſchwere, finſtere Tugend vor: um de⸗ müthig zu ſein, brauchſt du nur ein wenig aufrichtig zu ſein gegen Gott, gegen die Menſchen und gegen dich ſelbſt. Die Demuth iſt freudig: denn ein demüthiger Menſch murrt nicht, verzagt nicht, iſt immer zu⸗ ſrieden mit dem, was Gott ihm ſchickt, weil er wohl weiß, daß er ſo viel Liebe, Sorg— falt und Gnade von Gott nicht verdient; er iſt zufrieden mit dem Nächſten, weil er weiß, daß er ſelbſt noch weniger Rückſicht, noch weniger Achtung und Liebe, noch mehr Verachtung, Tadel und Zurückſetzung verdient. Unzufrieden und unglücklich macht den Menſchen der Stolz. Sieh', wie die Hoffärtige ſich beugt, kriecht, ſich windet und abmüht, ſchmeichelt und Kratzfüße macht, um nur einige Aufmerkſamkeit zu erregen, oder eine kleine Bevorzugung zu erlangen. Wie iſt ſie voll von ſich ſelbſt. Wie putzt und kleidet ſie ſich! Wie eitel und ſelbſtgefällig tritt ſie auf, wie gern lenkt ſie das Gefpräch auf ſich, wie lechzet ſie nach Aufmerkſamkeit und Schmeichelei. Wie unglücklich iſt ſie, wenn ſie desungeachtet nicht geſehen, nicht berück⸗ ſichtigt, wenn ihr nicht ſattſam gehuldigt, Andere ihr gar vorgezogen werdenf Sie iſt eine Sklavin ihrer erbärmlichen Eitelkeit. Demuth erniedrigt nicht. Demuth er⸗ höht. Der Heiland verſichert es ſelbſt mit den Worten:„Wer ſich erhöht, wird erniedrigt, wer ſich aber erniedrigt werdemüthigt), der wird erhöht werden.“ Die Demuth zeigt dir deine Winzigkeit, deine Armſeligkeit, und führt dich hinauf zu deinem Schöpfer, der allein groß, allein gut, allein heilig im vollſten Sinne iſt, von dem du und alle Geſchöpfe abhängen. Iſt alſo etwas groß, ehrenvoll, erhaben, wenn es dies nicht vor Gott iſt? Was die Welt ſo genannt, iſt eitel, und ihre Anſichten ſind hinfällig. Demuth vertraut auf Gottes Güte und Macht, ſie iſt alſo ſtark in Gott, da ſie ſich auf die Allmacht ſtützt. Demuth iſt wahre Weisheit, wahre Größe, wahre Kraft— ſie iſt Wahrheit— nicht Litge, nicht Schwäche, nicht Erniedrigung, nicht Zaghaftigkeit, nicht Engherzigkeit. Demuth iſt voll Gottvertrauen, kümmert ſich nicht um die Vorurtheile der Welt, iſt hochherzig, kühn und unternehmend im Namen Gottes. Willſt du demüthig werden, chriſtliche Jungfrau, dann ſchaue auf deinen Heiland: von der Krippe bis zum Kreuze Nichts als Verdemüthigung, Verachtung, Armuth, Ver⸗ kennung, Hohn. Welche Selbſtentäußerung! Siehe auf ſeine demüthige Mutter: welche Niedrigkeit, welche Kümmerniſſe und Leiden, welche Verkennung und Zurückgezogenheit. Wie demüthig und ergeben ertrug ſie Ver— kennung und ungerechten Argwohn. Blicke hin auf die liebe hl. Eliſabeth. Welches waren ihre Gefühle beim Anblicke des dornen⸗ gekrönten, gekreuzigten Heilandes? Was machte ſie mit ihren Juwelen, Edelſteinen und koſtbaren Kleidern? Wen pflegte ſie am liebſten? Gehe zu ihr in die Schule und lerne Demuth. Die beſte Lehrmeiſterin dieſer Tugend iſt die Uebung. Zeige in Kleidung, in Haltung, Gang und Reden nichts Geſuchtes; ſei ſtets — — —— 23 einfach und aufrichtig, ſittſam, beſcheiden und ungezwungen. Lebe zurückgezogen, verachte und unterdrücke ſelbſtgefällige und eitle Ge⸗ danken an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; überlaſſe Andern willig Aufmerkſam⸗ keiten, Bevorzugungen, Auszeichnungen, juche ſogar ſelbe ihnen zuzuwenden, und laſſe ihnen gern den Vorrang. Rede ſelten von dir ſelbſt, zu eigenem Lob, verachte Schmeicheleien und lerne Tadel und Zurechtweiſung geduldig er⸗ tragen. Sei nicht empfindlich und verzeihe gern etwaige Rückſichtsloſigkeiten oder Krän⸗ kungen von Seiten Anderer. Bedenke, daß das Ende der Hoffart nur Erniedrigung und Schande iſt; daß Gott hoffärtige Seelen oft in ſchimpfliche Fehler fallen läßt, auf daß ſie ihr Elend erkennen. Vor Allem aber bete recht oft um dieſe vor Gott und den Men⸗ ſchen ſo liebenswürdige Tugend. 9. Der Grehorſum. ine ſchöne Frucht der Demuth iſt der Gehorſam. Wo Demuth iſt, da iſt Gehorſam— wo Ungehorſam iſt, da iſt Stolz. Auf Gehorſam gründet ſich die ganze Weltordnung; hebe den Gehorſam auf, und alle Bande der Ordnung ſind geſprengt, das Beſtehen der Familie, des Staates, der menſchlichen Geſellſchaft überhaupt iſt unmöglich.— Gott verlangt Gehorſam von allen Creaturen; nach ſeinen Geſetzen geht die Sonne auf und unter, wechſeln Frühling, Sommer, Herbſt und Winter mit einander ab, kreiſen die Sterne ihre Bahnen, blühen die Blumen und reifen die Früchte; ſeinen Befehlen folgen Donner und Blitz, Waſſer und Feuer; ſeinen Willen vollziehen die En⸗ gel, die Cherubim und Seraphim; ſeinen Geboten ſoll ſich auch der Menſch unter— werfen. Gott fordert den Gehorſam, ob er nun ſelbſt oder durch ſeine Stell— vertreter befehle. Stellvertreter Gottes ſind für dich, chriſtliche Jungfrau, in erſter Linie deine Eltern: Vater und Mutter. Wie ſie dir das leibliche Leben vermittelt und dir dasſelbe durch geſunde Nahrung und liebevolle Sorg⸗ falt erhalten haben, ſo haben ſie in dir auch das geiſtige Leben geweckt und gepflegt; ſie lehrten dich den lieben Gott kennen, ihn lieben, zu ihm beten, ſeinen Willen zu erfüllen. Es war für ſie heilige Pflicht, dich zum Guten anzuhalten und vom Böſen abzuhalten. Das iſt noch jetzt und bis zu ihrem oder deinem Lebensende für ſie ernſte, heilige Pflicht, von der ſie dereinſt Gott dem Herrn ſtrenge Rechen— ſchaft abzulegen haben. Insbeſondere jetzt in deinen Jugendjahren ſollen ſie dir Führer und Rathgeber ſein in den tauſend Gefahren, die dich umgeben— und dies aus Auftrag Gottes, als Gottes Stellvertreter. Daher 6 denn auch das heilige Gebot:„Du ſollſt Vater und Mutter ehren, auf daß du lange lebeſt und es dir wohlergehe auf Erden.“ Du ſchuldeſt daher deinen Eltern Ach⸗ tung, weil ſie an dir, zu deinem zeitlichen Wohle und ewigen Heile, die Stelle Gottes ſelbſt vertreten. Danke vor Allem dem lieben Gott, daß er dir deine Eltern ſo lange er⸗ halten hat, und bezeige ſowohl Gott als dei⸗ nen Eltern den gebührenden Dank dadurch, daß du deine Pflichten gegen ſie treu erfülleſt. Die Achtung fordert, daß du ihnen allzeit ehrerbietig und beſcheiden, nachgiebig und ſanft, höflich und zuvorkommend begegneſt. Geſetzt auch, die Eltern hätten Feh⸗ ler, ſo entbindet dieſer Umſtand die Tochter nicht im Geringſten von ihren Pflichten. Wehe der Tochter, die ihren Eltern gegenüber im Herzen Verachtung hegt, in ihren Worten und in ihrem Benehmen Trotz und Unehrerbietig⸗ keit zeigt, über ihre Ermahnungen lacht ꝛc. Du ſchuldeſt deinen Eltern auch Liebe, weil ſie nächſt Gott deine größten Wohlthäter ſind. Ein Mädchen, das ſeine Eltern liebt, ſucht ihnen durch Freundlichkeit, Fleiß⸗ Zärtlich keit und gutes Betragen Freude zu machen und meidet ſorgfältig Alles, was ihnen Kummer und Verdruß bereiten könnte. Es erträgt bei Krankheit und Alter ihre Schwächen und Gebrechlichkeiten mit Geduld und Nachſicht. Sind die Eltern arm, dann St. Eliſabeth. 15 ſpart es ſorgfältig, was es verdient, um ſie zu unterſtützen. Wie undankbar und lieblos iſt nicht eine Tochter, die ihren Verdienſt an eitlen Putz hängt, während die armen Eltern zu Hauſe darben!— Bete für deine Eltern, ſo lange du ſie noch haſt, und hat dir der liebe Gott ſie abberufen, ſo komme durch Ge— bet, Abläſſe und heilige Meſſen ihren armen Seelen zu Hülfe. Als den Stellvertretern Gottes ſchuldeſt du deinen Eltern insbeſondere willigen und pünktlichen Gehorſam. Grüble nicht, rai⸗ ſonnire nicht, murre nicht über ihre Anord⸗ nungen, ſchlage ihre Lehren und Warnungen nicht leichtſinnig in den Wind. Vertraue ihnen und ſei offen und aufrichtig gegen ſie: ſie meinen es am beſten mit dir, tauſendmal beſſer als Andere, die deinen böſen Neigungen ſchmeicheln. Ziehe ſie daher bei allen wich⸗ tigen Anliegen, etwa bei Antritt eines Dien⸗ ſtes und noch mehr bei der Standeswahl zu Rathe, und höre auf ſelben. Wohl werden ſie dir manchen Wunſch verſagen, dich von manchen Geſellſchaften, Vergnügen n. ſ. w. zurückhalten müſſen— eben weil ſie es gut mit dir meinen. Unglücklich das Kind, dem die Eltern in Allem nachgeben, auch in dem, was unſtatthaft iſt! Wie manches Mädchen würde ſo gern ſein Herz in's Herz der inniggeliebten Mutter ausſchütten, ſo gern bei wichtigen Schritten den Rath des erfahrenen und wohlmeinenden Vaters einholen— aber das Grab gibt ſeine Todten nicht zurück!— Wie manche Thräne ſchweren Leides rieſelt hernieder auf die letzte Ruheſtätte liebender, beſorgter Eltern— Thränen, ausgepreßt durch allzu ſpäte Reue über Ungehorſam gegen ihre Ermahnungen und Warnungen. Halte daher deine Eltern in Ehren, ſo lange du das Glück haſt, ſie zu beſitzen, damit dir ſolche bittere und allzu ſpäte Reuethränen erſpart bleiben. Es gibt jedoch auch Fälle, wo du nicht gehorchen dürfteſt; dies wäre, wenn dir etwas befohlen würde gegen Gottes Gebot und Willen,„denn man muß Gott mehr ge⸗ horchen, als den Menſchen“. In dieſem Falle wäre der Befehlende(deine Eltern oder Herrſchaft) nicht Gottes, ſondern des... Teu⸗ fels Stellvertreter: Gehorſam wäre Sünde. Folge, meine Tochter, der Ermahnung des heiligen Geiſtes:„Höre auf die Lehre dei⸗ nes Vaters und verlaß nicht das Geſetz dei⸗ ner Mutter.— Binde ſie für und für auf dein Herz und hänge ſie an deinen Hals. Wenn du gehſt, laß ſie mit dir gehen, wenn du ſchläfſt, laß ſie dich beſchützen, und wenn du aufwachſt, rede mit ihnen, denn das Ge⸗ bot(die Lehren und Ermahnungen) iſt eine Leuchte und das Geſetz iſt ein Licht und die Wahrung(Galtung) dieſer Lehre iſt der Weg des ewigen Lebens.“ Gehorſam und Ehrfurcht ſchuldeſt du dei⸗ nem Seelſorger, der dir von Gott geſetzt iſt, über deine Seele zu wachen, und von welcher Pflicht er einſt ſtrenge Rechenſchaft ablegen muß. Gehorſam und Ehrfurcht ſchul⸗ deſt du deinem Beichtvater im Richter⸗ ſtuhle der Buße. Da iſt er dir Vater und Seelenarzt; zeige ihm deine Wunden, öffne ihm dein Herz, gebrauche ernſtlich die Mittel, die er dir anräth. Den Beichtvater betrügen wollen heißt ſich ſelbſt betrügen— und zwar um das Koſtbarſte, um ſeine eigene unſterb⸗ liche Seele; dem Beichtvater gehorchen heißt Gott ſelbſt gehorchen, der durch den Mund des Beichtvaters dich ermahnt, zurechtweiſt, warnt, von deinen Sünden losſpricht. Nöthigen dich deine Verhältniſſe, in einen Dienſt zu treten, ſo ſchuldeſt du auch deiner Herrſchaft Gehorſam, Achtung und Treue. Gehorche ihr willig und pünktlich, insbeſondere wenn ſie dich pflichtgemäß zu deinen religiöſen und ſittlichen Pflichten an⸗ halten,„denn“, ſagt der Apoſtel,„ſie müſſen über dich wachen und einſt Rechenſchaft über deine Seele geben“. Ich ſetze voraus, daß du im Dienſte einer guten, katholiſchen Herrſchaft ſtehſt, die dir zur Erfüllung deiner religiöſen Pflichten Zeit und Gelegenheit gibt und dich pflichtgemäß zum Guten anhält und vom Böſen abhält. Eine Jungfrau, die auf Religion und Sitt⸗ lichkeit hält, wird ſich nie weder durch hohen Lohn, noch durch beſſere Koſt oder leichtere Arbeit verleiten laſſen, zu Dienſtherren zu on ft ul⸗ er⸗ fu tel, Nn 0 n el ich, lt gehen, die ihre chriſtlichen Pflichten nicht er⸗ füllen, denn da wäre ihr hl. Glaube und ſo⸗ gar ihre Unſchuld in Gefahr. Sollteſt du indeß je das Unglück haben, auf eine Stelle zu gerathen, wo man deiner Reinheit nachſtellte, dann verlaſſe ſogleich das Haus; kein Opfer ſei dir zu ſchwer, deine Seele zu retten. „Als Dienſtbote mußt du auch deine Herr⸗ ſchaft achten und ehren, indem du nach der Lehre des Apoſtels die Perſon Chriſti in deiner Herrſchaft erblickeſt Kol. Z), ſie ver⸗ tritt ja auch an dir die Stelle Gottes, und die Ehre, die du ihr erweiſeſt, erweiſeſt du dem höchſten Herrn im Himmel. Tadele alſo nie deine Herrſchaft vor Andern, be⸗ gegne ihr nicht trotzig oder mürriſch, ſondern ſei ihr gegenüber ſtets beſcheiden, gelaſſen und ehrerbietig, auch wenn ſie Unrecht hätte. Plaudere nicht aus, was im Hauſe vorgeht, und ſuche ihre Fehler und Schwach⸗ heiten vor den Augen der Welt zu verbergen oder, wenn ſelbe offenbar ſind, ſie zu ent⸗ ſchuldigen. Die Dreue gegen deine Herrſchaft fordert, daß du ſtets fleißig und pünktlich deine Ar⸗ beit verrichteſt, auch wenn du nicht geſehen wirſt; daß du Alles ſo gewiſſenhaft beſorgſt und in acht nimmſt, als wenn es dein Eigen⸗ thum wäre, und daß du das Glück und die Wohlfahrt des ganzen Hauſes deiner Herr⸗ ſchaft nach Kräften zu fördern ſucheſt. — 230— Jede rechtmäßige Obrigkeit und Gewalt kommt von Gott! Gott gehorchen(in ſeinen Stellvertretern) iſt fürwahr die rechte, wahre Freiheit. Gott dienen iſt groß, iſt die höchſte Ehre und Auszeichnung. Wie thöricht bin ich daher, wenn ich meine Eltern und Vor⸗ geſetzten mit bloß menſchlichen Augen anſehe. Wie leicht wird der Gehorſam dir, wie ehrenvoll und erhebend, wenn du Befehle und Anordnungen deiner Vorgeſetzten als den Willen Gottes ſelbſt mit den Augen des Glaubens betrachteſt. „Gehorſam“, ſagt der Herr,„iſt beſſer als Opfer.“ Gehorſam erſt gibt unſern guten Werken den vollen Werth. Auch die beſten Werke gegen den Gehorſam ſind eitel, verdienſtlos, ſtrafbar. Ungehorſam entehrt; denn er geht hervor aus Stolz, Dünkel, Eigenſinn, Charakter⸗ ſchwäche, Feigheit, Beſchränktheit. Soll aber der Gehorſam chriſtliche Tu⸗ gend, ſoll er verdienſtvoll ſein, dann muß er aus übernatürlichen Beweggründen hervor⸗ gehen: Ich gehorche, weil Gott es will, wie er es will, wann und wo er will, ſo lange er will, ſo weit er will. Mein liebevollſter Heiland, die hl. Schrift faßt Deine Kindheit und Jugend zuſammen in den wenigen aber wichtigen Worten:„Er ging mit ſeinen Eltern hinab nach Nazareth wär ihnen ntethan. Wer bin ich denn, daß ich Dir ſelbſt in meinen — 231— Eltern und Vorgeſetzten nicht unterthan ſein will?!—— Du warſt gehorſam, gehor⸗ ſam bis zum Tode, bis zum Tode am Kreuze.... Und mir fällt der Gehorſam gegen einen ſo gütigen, liebevollen Gott ſo ſchwer! Heilige Maria, Königin des Himmels, Jungfrau der Jungfrauen! Der Gehorſam gegen den himmliſchen Vater und ſeine Stell⸗ vertreter iſt deine Ehre, deine Größe. Sein Wille, ſein Wort iſt dir Alles; du grübelſt nicht, du gibſt dich hin in's Unbegreifliche. „Siehe, ich bin eine Dienſtmagd des Herrn, mir geſchehe nach deinem Worte.“ Heilige Eliſabeth, mein erhabenes Vor⸗ bild, dieſe Tugend war dir ſo theuer, daß du dich nicht mit dem gewöhnlichen Gehor⸗ ſam begnügen wollteſt, ſondern durch ein Gelübde in die Hände deines Beichtvaters zum vollkommenen Gehorſam dich verpflichtet haſt; o bitte mit Maria zu Jeſus, auf daß ich in dieſer herrlichen Tugend euch nachfolge. 10. Die Arbeit. In Ueppigkeit, Wohlleben und Müßiggang kann keine Tugend gedeihen. Müßig⸗ gang iſt aller Laſter Anfang. Wenn Geiſt und Hände nicht mit nützlicher Arbeit beſchäftigt ſind, ſo beſchäftigt dich gar bald der Böſe, der ſtets auf der Lauer ſteht, durch — die Pforte deines Herzens einzudringen. Daher ſagt auch der hl. Auguſtinus:„Ein arbeit⸗ ſamer Menſch wird von einem Teufel ver— ſucht, ein müßiger von unzähligen.“ Und der hl. Bernard nennt den Müßiggang den Sammelplatz von böſen Gedanken und Verſuchungen, das Grab des leben⸗ digen Menſchen. Müßiggang erſchlafft und lähmt Leib und Seele; wo Unthätigkeit iſt, da iſt Tod. Ein müßiges Mädchen iſt ein Lenzes⸗ morgen ohne Sonnenſchein, ein Baum ohne Blüthen und Knospen, mithin ohne Ausſicht auf Frucht. Und doch hat der Herr geſagt: „Ein jeder Baum, der keine guten Früchte trägt, wird umgehauen und in's Feuer ge⸗ worfen.“ Gott will, daß der Menſch arbeite. Dazu hat er ihm körperliche Kräfte, geiſtige Fähigkeiten gegeben. Schon vor dem Sündenfalle hatte Gott den Menſchen zur Arbeit, als einer heilſamen Beſchäftigung, angewieſen.„Gott ſetzte den Menſchen in den Luſtgarten“, ſagt die hl. Schrift,„damit er ihn bebaue und behüte.“ Nach der Sünde ward ihm die Arbeit zur Strafe:„Im Schweiße deines Angeſichtes ſollſt du dein Brod eſſen.“ Der hl. Geiſt ſagt:„Der Menſch wird zur Arbeit geboren, wie der Vogel zum Fluge“(Job 5); das heißt, die Arbeit liegt in ſeiner Natur, in ſeiner Be⸗ ſtimmung. —— — Die hl. Eliſabeth, als Fürſtin im Reich⸗ thume aufgezogen, von Reichthum umgeben, überließ ſich nicht träger Unthätigkeit. Sie beſuchte zu Fuß die Armen und Kranken, verpflegte ſie in ihren Hütten, verfertigte ihnen Kleider, arbeitete zum Schmucke der Kirche, ſtand ihrer Haushaltung mit Fleiß und Umſicht vor. Später lebte ſie von der Arbeit ihrer Hände, beſſerte ihre Kleider aus, ſpann Wolle und theilte vom Ertrage dieſer Arbeit noch Almoſen an Aermere aus. War ſie müde vom Beten oder den Werken chriſt— licher Nächſtenliebe, dann war Arbeit ihre Erholung. Weſſen Standes du anch ſeieſt,— chriſtliche Jungfrau, der ausdrückliche Wille Gottes, dein eigener Vortheil verpflichtet dich zur Arbeit. Fleiß und Arbeit erhalten den Leib geſund. Arbeit iſt Leben, Friſche, Schwung; Blut und Säfte kommen in Be⸗ wegung und werden erneuert, Nerven und Muskeln werden vor Schlaffheit bewahrt und geſtärkt. Wie ſtehende Waſſer verfaulen und ſchädliche Dünſte verbreiten, ſo auch ſtauen ſich die Säfte des Müßigen, Krank⸗ heitsſtoffe ſammeln ſich an. Wie manche junge Dame, die bald einen Luftwechſel, bald eine Badecur für ihre Nerven nöthig hat, wäre bald curirt, wenn ſie reinmachen, waſchen, bügeln, kochen und ähnlicher Beſchäftigungen ſich befleißigen würde, die ihre Mutter und Großmutter ſtark und kräftig gemacht. BGeiſtige Arbeit ohne Ueberanſtrengung fördert die geiſtigen Fähigkeiten, ſtärkt das Gedächtniß, ſchärft den Verſtand, kräftigt den Willen, erweitert den geiſtigen Horizont, be⸗ reichert die Kenntniſſe, veredelt das Herz, nährt und belebt die Liebe Gottes; die Fähig⸗ keiten des Faulen verkümmern oder richten ſich auf's Böſe. Glücklich Jene, die Geſchmack an reinem, geiſtigen Genuſſe haben und eine ernſte, nutzbringende Lectüre und intereſſantes Studium lieben: ſie füllen in angenehmer und nützlicher Weiſe die Zeit aus, die Andere in müßigen Reden, Ehrabſchneiden, Neuig⸗ keitskrämerei, Romanleſen, faden Träumereien und mit Toilette und Eitelkeit verbringen. Angemeſſene Thätigkeit ſchützt gegen tau⸗ ſend Verſuchungen und Sünden, denen die Müßige zur Beute fällt. Die Fleißige hat keine Zeit zum Sündigen; Beſchäftigung folgt auf Beſchäftigung, vom Morgen bis zum Abend. Die Arbeit hält die Leidenſchaften nieder, gibt angenehmen und nützlichen Zeit⸗ vertreib, verleiht der Seele Muth und Kraft zum Kampfe. Arbeit adelt den Menſchen, bringt Segen; Müßiggang bringt Ver⸗ 4 ſumpfung, Lauheit, Niederlage, Gottesver⸗ geſſenheit. Schaue hinaus in die Welt: wo wird etwas Schönes, Nützliches, Edles, Großes errungen und vollbracht ohne Mühe und Anſtrengung? Die herrlichen Bauten und Dome, die üppigen grünenden Felder und — —— O* — 235— Fluren, die dein Auge entzücken, die Dampf⸗ ſchiffe und Eiſenbahnen, die Fortſchritte in Kunſt und Wiſſenſchaft, die Erfindungen der Neuzeit, das Schöne in Plaſtik, Malerei und Literatur, ſind das Alles nicht die Früchte anſtrengender Arbeit, raſtloſen Fleißes? Ar⸗ beit erhebt den Menſchen gleichſam zum Mit⸗ gehülfen des Schöpfers. Es gibt auch einen geſchäftigen Müßiggang: nicht das thun, was man ſoll; nicht das thun, was nützlich und pflicht⸗ gemäß iſt; nicht das thun und lernen, was die jetzige oder künftige Lebensſtellung von uns fordert; keine Arbeit recht anfaſſen und zu Ende führen, ſondern von einer Beſchäf⸗ tigung zur andern flattern nach Luſt und Laune, ohne eigentlichen Zweck, ohne Stetig⸗ keit und Ausdauer— das iſt nicht Arbeit⸗ ſamkeit, nicht Fleiß. Nach Luſt und Laune arbeiten, heißt die koſtbare Zeit ver⸗ tändeln, ſeine Talente vergraben. Arbeit zu nützlichen, edlen Zwecken be⸗ glückt, macht zufrieden und heiter; Unthätig⸗ keit und Müßiggang verſtimmt, macht un⸗ zufrieden, trübſinnig, griesgrämig, neidiſch, unfreundlich und ungerecht gegen Andere. Der Unthätige iſt ein faules Glied an dem Körper der menſchlichen Geſellſchaft, ſich und Andern nur zur Laſt. Sage nicht, du ſeieſt wohlhabend, reich, du könneſt ſorgenfrei leben, deine Stellung und glücklichen Verhältniſſe würden dich von der Arbeit dispenſiren u. ſ. w.... Gott entbindet dich nicht, die Kirche und die menſchliche Geſellſchaft entbinden dich nicht, die Armen und Nothleidenden entbinden dich nicht. Wie, du ſollteſt in faulem Müßig⸗ gang das nur aufzehren, was deine Eltern, was Andere unter großen Mühen errungen, erſpaxt, zuſammengehalten haben?! hin zur Ameiſe, du Faule“, mahnt der hl. Geiſt.— Wo findeſt du eine tugend⸗ hafte, ehrenwerthe Jungfrau, die in ſchnödem Müßiggange die koſtbare Zeit vergeudet?— Schaue hin auf deinen Heiland; wie hat er gearbeitet, gebetet, ſich abgemüht, gelitten, bis er ſagen konnte: Das große Werk, das Du mir auferlegt haſt, himmliſcher Vater,„es iſt vollbracht“. Wohlan denn, chriſtliche Jungfrau, raffe dich auf und faſſe Muth. Jetzt iſt die Zeit der Ausſaat: ſäe, ſcheue nicht Sturm und Wind, nicht Mühe und Anſtrengung; ſäe reichlich aus für die Zeit, ſäe aber noch reichlicher für die Ewigkeit. Sei ſicher: es wird kommen der Tag froher, überreicher Ernte, die Zeit der Vergeltung und ewiger Ruhe im Himmel.„Wer ſpärlich ſäet“, ſagt die hl. Schrift,„wird ſpärlich ernten.“ Wer nicht ſäet, wird nicht ernten! —— — 11. Die Ztandeswahl. eige mir, o Herr, den Weg, auf dem Du willſt, daß ich wandeln ſoll“, ſo lehrt dich, chriſtliche Jungfrau, der heilige Geiſt beten in der wichtigſten Angelegenheit deines Lebens. Der heilige Gregor von Nazianz ſagt:„Die Standeswahl iſt etwas unendlich Wichtiges, denn in ihr liegt die Grundlage eines glücklichen oder unglückſeligen Lebens für die ganze Zukunft, alſo nicht nur für die zeitliche in dieſem, ſondern auch für die ewige in jenem Leben. Wer ſich in ſeinem Berufe täuſcht, der wird ſein ganzes Leben hindurch von einem Irrthum in den andern fallen und ſich leicht am Ende ſelbſt in ſeiner Hoffnung auf den Himmel getäuſcht ſehen.“ Wie in der Natur Gott Allem, dem Größten wie dem Kleinſten, eine beſtimmte Stellung und Ordnung angewieſen hat, in der allein ſie den Zweck ihres Daſeins er⸗ reichen, ſo hat er auch für jeden Menſchen einen Stand beſtimmt, in dem er nach ſeinem Willen leben und wirken ſoll, und in welchem er am leichteſten und ſicherſten ſein ewiges Heil erreichen kann. Zwar iſt jeder Stand an und für ſich ſelbſt gut, und in jedem Stande kann der Menſch ſelig werden, da Gott mit einem jeden Stande Gnaden ver⸗ bunden hat, mit Hülfe derer er ſeine Pflichten treu erfüllen, heilig leben und ſelig ſterben kann. Will der Menſch aber einen andern. — 238 als den von Gott ihm beſtimmten Stand antreten, ſo beraubt er ſich dadurch vieler kräftigen Gnaden, die er ſonſt erhalten hätte, und ſetzt ſich der Gefahr aus, ſeine Seligkeit zu verlieren. Wenn daher im Leben irgend ein Schritt, ſo muß die Standeswahl mit heiligem Ernſte, mit chriſtlicher Ge⸗ ſinnung und gehöriger Vorbereitung geſchehen. Zu was immer für einem Stande dich Gott berufen haben mag, chriſtliche Jung⸗ frau, ſo entſprichſt du dem Willen Gottes nicht, wenn du nicht durch eine tugendhafte und fromme Jugendzeit dich darauf vor⸗ bereiteſt. Wenn das Mark des Bäumchens ſchon verdorben iſt, ſo kann derſelbe nimmer gedeihen; die als Jungfrau nicht tugendhaft iſt, wird, wenn der liebe Gott ihr nicht beſonders barmherzig iſt, auch ſpäter keine tugendhafte Gattin, keine pflichttreue Mutter, keine muſterhafte Wittwe; in ihrer Familie wird ſie keinen Segen verbreiten, vielmehr werden die Folgen und Strafen einer leicht⸗ ſinnigen Jugend ihre Tage verbittern, ihre Wirkſamkeit beeinträchtigen, ihr Leben hie⸗ nieden und die Erlangung der ewigen Selig⸗ keit erſchweren. Der ſchönſte und höchſte Beruf ſür eine Jungfrau iſt wohl der Beruf zur gottge⸗ weihten Jungfräulichkeit im Ordensleben, in Befolgung der drei evangeliſchen Räthe: ſtete Kenſchheit, freiwilliger Gehorſam, gänzliche Armuth. Eine wahre Braut Jeſu Chriſti ſein, welch eine Ehre, welch eine erhabene Würde! Sich vollſtändig von der eitlen. trügeriſchen Welt trennen durch Abgeſchloſſen⸗ heit in ſtillen Kloſtermauern, ihr ganz ent⸗ ſagen und Allem, was ſie bietet an vergäng⸗ lichen Gütern, eitlen Ehren, kurzen Freuden und Genüſſen, aus Liebe zu Gott entſagen — gewiß das iſt wahrhaft groß, hochherzig, 8 erhaben. Sich Gott ganz hingeben, hin⸗ opfern, mit dem Verſtand ſich nur mit dem beſchäftigen, was Gott gefällt, mit dem Wil⸗ len nur das thun, was die Obern befehlen, mit dem Gemüthe nur das lieben und wollen, was Gott will.— Ganz, in Geſund⸗ heit und voller Kraft, mit Reichthum, Jugend und Schönheit, Gott ausſchließlich zu dienen und aus Liebe zu ihm dem Nächſten durch die Werke der leiblichen und geiſtlichen Barm⸗ herzigkeit, gewiß: ein erhabener Beruf, aber auch ein reicher Lohn! Allein der Apoſtel ſagt:„Niemand nehme ſich ſelbſt die Ehre, ſondern der von Gott berufen wird, wie Aaron“; man laſſe daher ſich nicht täuſchen durch vorübergehende Neigungen, momentane Begeiſterung, religiöſe Geſinnung und ſentimentale Stimmungen. Freude am Gebet und Gottesdienſt ohne aufrichtiges und eifriges Verlangen nach chriſt⸗ licher Vollkommenheit— das iſt noch nicht der Ruf Gottes. Zeichen, daß du nicht berufen biſt, ſind: wenn du körperlich nicht geſund und ſtark genug biſt; wenn du allzu große Neigung zu Stols, Heuchelei und Sitten⸗ richterei über Andere haſt; wenn du Ab⸗ neigung gegen Arbeit, An ſtrengung und Ord⸗ nung haſt, wenn du eigenſinnig, rechthaberiſch und unverträglich biſt; wenn du arme und verlaſſene Eltern haſt, die deiner Hülfe drin⸗ gend bedürfen, oder Geſchwiſter, deren zeit⸗ liches und ewiges Wohl durch deinen Eintritt in einen Orden gefährdet würde. An wen Gott das Sollen ſtellt, dem gibt er auch das Können. Auch der jungfräuliche(ledige) Stand in der Welt aus Liebe zu Gott iſt in ſich beſſer und vollkommener, als der Stand der Verheiratheten. Doch„nicht Alle faſſen dieſes Wort, ſondern nur Die, denen es ge⸗ geben iſt“(Matth. 19, 12.) Die Welt, die Solches nicht faſſen kann und nicht faſſen will, verachtet Solche, die aus Liebe zu Gott und ihrem Seelenheile ihre Freuden und Neigun⸗ gen, die ſinnliche Liebe und eine glückver⸗ heißende Heirath, vielleicht gar eine beſſere Verſorgung opfern, um Gott e zu dienen, oder, wenn Gott es will, für ihre hülfsbedürftigen Eltern h Geſchwiſter zu ſorgen. Während oft um ſie herum Alles in Leichtſinn und Lauheit verſunken iſt, entſagt, leidet und betet ſie Tag und— Rat 4, erbaut Andere durch ihr gutes Beiſpiel, verſieht ihre Lampe mit dem Oele der Tugenden und guten Werke, fleht Gottes Segen auf — ſich und ihre Familie herab und wendet manche Strafen von ihr ab. Groß iſt eine ſolche Seele vor Gott, groß wird auch der Lohn für ihre Liebe und Entſagung ſein! Von ihr gelten die Worte der Kirche:„Dieſes iſt eine weiſe Jungfrau und eine aus der Zahl der Klugen“; ferner die Worte der hl. Schrift:„Du biſt ſtarkmüthig geweſen, weil du die Keuſchheit geliebt und keinen Mann erkannt haſt. Darum hat auch die Hand des Herrn dich geſtärkt und du wirſt geſegnet ſein in Ewigkeit!“ Jud. 15.) Wenn auch der jungfräuliche Stand ex⸗ habener iſt, ſo iſt doch die Ehe auch ein heiliger Stand, den Gott ſchon im Paradieſe eingeſetzt und den der Heiland zu einem Sacramente erhoben hat. Viele hl. Männer und Frauen haben dieſen Stand durch ihren hl. Lebenswandel geziert und verherrlicht. Die Ehe iſt auch groß und hei⸗ lig wegender Gnaden, die Gott mit dieſem Sacramente verbunden hat. Viele gelangen durch die Ehe in den Himmel, die außer⸗ halb derſelben eine Beute der Hölle geworden wären. Doch ſoll die Jungfrau nicht ſo thöricht ſein und ſich in der Heirath einen Him⸗ mel auf Erden denken. Vielmehr ſoll ſie dieſe Sache recht ernſt nehmen, denn ins⸗ beſondere für die Frau bringt dieſer Stand viele Beſchwerden und ernſte Pflichten. Da wohl die meiſten Jungfrauen zu dieſem Stande St. Eliſabeth. 16 — 242— berufen ſind, wollen wir das Wichtigſte dar— über folgen laſſen Wer immer du ſeiſt, bete, bete oft, bete anhaltend zum Vater des Lichtes, zu Maria, der Mutter vom guten Rathe und dem Sitze der Weisheit, daß du den Stand erwähleſt, zu dem dich Gott berufen hat. Prüfe ohne Voreingenommenheit, ernſtlich, gewiſſenhaft deine leiblichen und geiſtigen Kräfte; erwäge, ob du den ſchweren Verpflichtungen, die du übernehmen willſt, auch allſeitig gewachſen biſt. Eile nicht, überlege, berathe dich mit deinem Beichtvater, deinen Eltern: es iſt ein äußerſt wichtiger Schritt! 12. Die Porbrreitung zum Gheſtande. Wenn du dich zum Eheſtande entſcheideſt, ſo thuſt du einen Schritt von höchſter Wichtigkeit, ſowohl für dich ſelbſt, als für deinen Gatten und auch für die aus der Ehe zu erwartenden Kinder. Eine unglückliche Ehe iſt eine Hölle auf Erden. Erwäge daher reiflich vor der Verlobung, dem Eheverſprechen, ja ſogar vor jeder Be⸗ kanntſchaft, daß die Ehe ein ſchwerer Stand iſt mit vielen Sorgen und Mühen, drückenden Laſten und Beſchwerden, daher das ernſte Sprüchwort:„Eheſtand Weheſtand.“ Was kann nicht Alles vorkommen, Unglücksfälle, ſrüher Tod des einen Gatten, gebrechliche, ſchwachſinnige Kinder u. ſ. w.? i Ehehinderniß? Erwäge ferner, daß dieſer Stand ein un⸗ widerruflicher Stand iſt, da die Ehe nicht aufgelöſt werden kann. Bringt eine Be ſchäftigung, ein Dienſt große Unannehmlich— keiten mit ſich, ſo kann man in eine andere Stelle eintreten; iſt aber der Eheſtand einmal geſchloſſen, dann gibt es keinen Rückgang mehr. Kein Menſch, kein Geſetz, keine Macht auf Erden kann ſcheiden, was Gott vereint hat. Mögen die Fehler und Gebrechen des einen oder andern Theils auch noch ſo be⸗ ſchwerlich ſein, nur der Tod kann das Ehe⸗ band löſen. Erwäge ferner, ob du auch die nöthigen körperlichen und geiſtigen Kräfte und Fähigkeiten haſt, in die Ehe zu treten, um deinen mannigfachen und ſchweren Pflichten nachzukommen. Biſt du geſund und kräftig? Ein kränkliches Mädchen paßt nicht für die Ehe. Kannſt du einer Haushaltung vor⸗ ſtehen? Hältſt du auf Ordnung und Reinlich keit? Verſtehſt du die nothwendigen häus⸗ lichen Arbeiten, wie Kochen, Nähen, Ausbeſſern u. ſ. w. Biſt du nicht allzu eigenſinnig, recht⸗ haberiſch, unverträglich, nachläſſig, arbeits⸗ ſcheu, putzſüchtig und verſchwenderiſch? Eine ſolche Frau wäre der Ruin des Hauſes, das Kreuz des beſten Mannes.— Steht deiner Ehe Nichts entgegen, etwa hülfsbedürftige Eltern, deine allzu große Jugend, ein Gelübde, Verwandtſchaft oder ein ſonſtiges kirchliches — Reifliches Nachdenken über dieſe Punkte wird dich zur Ueberzeugung bringen, daß es ein großer und unverbeſſerlicher Fehler wäre, leichtſinnig in einen ſo wichtigen und heiligen Stand zu ſpringen, einen Stand, der ſo heilige, ſchwere und dauernde Pflichten auferlegt. Du begreifſt, chriſtliche Jungfrau, daß viel Frömmigkeit, viel Selbſtverleugnung, viel ſittliche Kraft und hoher Muth erfordert ſind, um all dieſe Pflichten treu und beharrlich zu erfüllen. Es bedarf dazu, insbeſondere in ſchweren Stunden, vieler und kräftiger Gnaden, der Hülfe und Stärke von oben, um muthig das ſchwere Joch zu tragen. Deshalb ſoll man ſich dazu vorbereiten durch eine keuſche und fromme Jugend. „Es gibt“, ſagt der hl. Chryſoſtomus, „für eine Jungfrau nichts Ehrenvolleres, als wenn ſie unentweiht durch Unlauterkeit in den Eheſtand tritt. Im Beſitze eines unver⸗ dorbenen Herzens wird eine ſolche Jungfrau mit inniger Liebe an ihrem Gatten hangen, da er ihre erſte und einzige Liebe iſt. Wie glücklich ſolche Jünglinge und Jungfrauen, welche mit einem unſchuldigen Herzen zum Altare treten können! Wie ſtark wird ihr Leib, wie aufrichtig ihr Wohlwollen ſein!“ Wer aber nach einer ſündhaften und aus⸗ ſchweifenden Jugend in den heiligen Eheſtand tritt, ſetzt ſich in ſeinem Leichtſinn der größten Gefahr aus, in dieſem und im andern Leben höchſt unglücklich zu werden.„Ein Solcher 6 ſoll“, ſagt der hl. Chryſoſtomus,„mit wahrer i Zerknirſchung und in beharrlichem Gebete u durch aufrichtige Beicht und Almoſen die früheren Sünden tilgen und ſich vornehmen, den übrigen Theil des Lebens deſto gewiſſen⸗ 6 hafter in ſtandesmäßiger Keuſchheit zu ver⸗ u leben. Nur ſo wird er auf Gottes Barm⸗ herzigkeit rechnen und dieſen Stand getroſt it antreten können.“ Um nach Gottes Willen im Eheſtande glücklich zu ſein, mußt du mit reiner Ab⸗ ſicht in denſelben treten. Der hl. Auguſtinns bu ſagt:„Fromme Jungfrauen können ſich nur in der Abſicht entſchließen, einen Mann zu u nehmen, um Nachkommenſchaft zu erzeugen, und dies ſelbſt verlangen ſie nur deshalb, u damit ſie ihre Kinder Jeſu Chriſto aufopfern und ſchenken können.“ Ehrbar auch und 1 chriſtlich iſt der Zweck, in die Ehe zu treten, wegen des treuen Beiſtandes, den die Gatten u ſich gegenſeitig zu ihrem zeitlichen Wohle und ewigen Heile leiſten ſollen, und um deſto lleichter und ſicherer ſeine böſen Leidenſchaften zu zähmen; der hl. Paulus ſagt:„Beſſer iſt heirathen, als brennen“(d. h. den unreinen Lüſten unterliegen und dann ewig in der ölle brennen. 3„An Gottes Segen iſt Alles gelegen, w dieſer Segen fehlt, da kann die Ehe nicht glücklich ſein. Nun aber iſt das Herz des Menſchen ſehr zur Sinnlichkeit und zum Irdiſchen geneigt, zudem machen Neigung und — 246 S Liebe blind: Schönheit und Reichthum jedoch machen noch nicht glücklich. So wende dich denn in eifrigem und andauernden Gebete an den hl. Geiſt, den Vater des Lichtes, damit er dich erleuchte und deine Wahl zum Guten leite. Bete viel, halte No⸗ venen zu Maria, dem Sitze der Weisheit und der Mutter vom guten Rathe, ſowie zum hl. Joſeph, dem treuen Ehegemahl Mariä und dem Haupte der hl. Familie auf Erden. Ver— einige dich öſters in der hl. Communion mit Jeſus, der ewigen Weisheit, und ſage dann zu dir ſelbſt:„Nun ſchweiget, ihr irdiſchen Rückſichten und Neigungen, meinen Heiland allein will ich hören.“ Gott iſt der beſte Ehe— vermittler, er beſonders darf bei dieſem wich— tigen Schritte nicht vergeſſen werden: ſeine weiſe Vorſehung ordnet, lenkt und regiert Alles. Dann,chriſtliche Jungfrau, höre auch auf guten Rath gemäß der Mahnung des hl. Geiſtes:„Sei auch ſelbſtklug; wer Alles mit Rath verrichtet, wird durch Weisheit geführt werden; thue Nichts ohne Rath, und du wirſt nach der That keine Reue haben“ (Sprüchw. 13, Eccli. 32.) Derſelbe hl. Geiſt warnt aber auch:„Nehme nicht Rath an von thörichten Menſchen.“(Eceli. 13.) Solche ſind Ehevermittler und Vermittlerinnen, Leute, die an der Heirath Intereſſe haben, oder ſon⸗ ſtige leichtſinnige Perſonen. DDie erſten, natürlichen, von Gott ge⸗ wollten Rathgeber ſind deine Eltern. Sie ſcholt haben Lebenserfahrung, Vieles an Andern geſehen und erlebt; ſie urtheilen vorurtheils⸗ freier und ruhiger als du. Auch hat Gott befohlen:„Kinder, gehorchet euren Eltern im Herrn, denn das iſt recht. Ehre deinen Vater und deine Mutter, dieſes iſt das erſte Gebot mit der Verheißung: auf daß es dir wohlergehe und du lange lebeſt auf Erden.“ Werde nicht ungehalten, wenn ſie dich auf Fehler des Betreffenden aufmerkſam machen; von deiner Neigung und Liebe geblendet, ſiehſt du gute Eigenſchaften und Vorzüge, wo keine ſind, während du Fehler überſiehſt, die dir nur Enttäuſchung und Unglück bringen können. Auch die hl. Kirche fordert die Ein⸗ willigung der Eltern, und eine Ehe eingehen ohne oder gar gegen den berechtigten Willen der Eltern wäre ſchwere Sünde. Du wäreſt nicht verpflichtet, den Eltern zu gehorchen, wenn ſie dich zum Eheſtande überhaupt oder zum Heirathen mit einer be⸗ ſtimmten Perſon zwingen wollten, gegen die du natürliche(ſchwer zu überwindende Abneigung haſt, oder wo beide Charaktere nicht zuſammenpaſſen; ferner wenn die Eltern eine Ehe wollen einzig aus Ehrgeiz oder Hochmuth, wegen Reichthum, Verwandtſchaft oder aus ganz irdiſchen Beweggründen, ohne n achten, ob der Betreffende unbe⸗ e Sitten und religiöſe Geſinnungen hat. So weit geht die Pflicht des Kindes nicht, nicht das Recht der Eltern.— Natürlicher — 248— Berather iſt auch hier dein Beichtvater oder Seelſorger; ſetze ihm daher die Sache und deine Verhältniſſe aufrichtig und unpar⸗ teiiſch auseinander, er kann und wird in vielen Fällen der rechtmäßige Schiedsrichter ſein zwiſchen Eltern und Kind. 13. Die Wahl der Perſon. DPieſe iſt nach dem Geſagten das Wichtigſte. „D'rum prüfe, wer ſich ewig bindet.“ Wenn dich Gott zum chelichen Stande be⸗ rufen hat, ſo hat er dir auch von Ewigkeit her eine beſtimmte Perſon als Ehegatten aus⸗ erwählt: irdiſche Rückſichten allein dürfen deshalb deine Wahl nicht leiten. Auch bei der beſten Wahl hat die Frau der Sorgen, Leiden und Beſchwerden ſchon viel: wäre die Wahl aber eine unglückliche, dann wären tiefes Herzeleid und bittere Thränen dein beklagenswerthes Loos. Du verlangſt einen ſanftmüthigen, arbeitſamen, ſparſamen, gottes⸗ fürchtigen Mann zur Ehe; mit Recht, denn dieſe Tugenden ſind die Grundlage des häus⸗ lichen Glückes. Siehe daher bei der Wahl deines zukünf⸗ tigen Gatten vor Allem auf Religion, Tugend und Frömmigkeit. Wie kann und will der Mann die Pflichten gegen ſeine Ehegattin erfüllen, wenn er die Fflichten gegen ſeinen Gott und Herrn nicht einmal ter che r⸗ len uun erfüllt? Kann der Segen Gottes, an dem Alles gelegen iſt, auf einer Familie ruhen, deren Haupt ſeinen Segen nicht verdient, ſeine Strafe vielmehr herausfordert. Kann die Gattin auf die Liebe und Treue eines Menſchen rechnen und bauen, der ſeinem Gott nicht treu iſt, ſeinen Gott nicht liebt? Wie ſoll ſie in den Leiden und Trübſalen dieſes Lebens Troſt finden bei einem Gatten, der Glauben und Hoffnung auf Gott verloren hat? Forſche nach, mit welchen Freunden dein Bewerber umgeht, welche Zeitungen er lieſt, zu welchen Grundſätzen er ſich bekennt. Traue einem ſogenannten„Liberalen“ nicht; man kann nicht gut katholiſch ſein und„liberal“ zugleich. Zwar faſeln ſolche Menſchen von Grundſätzen der Vernunft, der Ehre und von Rechtsgefühl, aber dieſe hohlen Gemeinplätze, dieſe morſchen Phraſen geben dir keine Bürg⸗ ſchaft für dein Lebensglück. Die Liebe ver⸗ geht, die ernſten Pflichten bleiben, und nur der gläubige, gottesfürchtige Mann wird ein zärtlicher Gatte, ein pflichttreues, fleißiges und ſparſames Familienhaupt werden. Wahrhaft glücklich, ſelbſt in Kreuz und Leid, iſt die Ehe nur dann, wenn beide Ehe⸗ gatten von Gottesfurcht erfüllt ſind, wenn ſie gemeinſchaftlich beten und die heiligen Sacramente empfangen, Freuden und Leiden dem Herrn aufopfern. Nur das iſt wahre Seelenharmonie. Darum ſoll deine Haupt⸗ frage ſein:„Iſt der Jüngling gläubig? — 250— Wie ſteht's mit Gebet und Kirchenbeſuch, Empfang der heiligen Sacramente? ¹) Iſt er„Freigeiſt“ oder gar ein Religionsſpötter?“ So lange du über dieſe Punkte keine Gewiß⸗ heit haſt, enthalte dich jeden Entſchluſſes und laß es nicht zu einer Erklärung kommen. Aus dieſen Erwägungen geht Folgendes hervor: Gehe nie eine Verbindung ein mit Re⸗ ligionsloſen oder Religionsſpöttern. Wie kann ein reines, frommes Mädchen eine ſolche Ehe ſchließen? Dabei muß Berechnung oder leidenſchaftliche Liebe zu Grunde liegen, welche die Vernunft derart verblendet, daß die Unglückliche blindlings auf dem verhäng⸗ nißvollen Wege fortrennt und vor keinem noch ſo tiefen Abgrunde zurückſchreckt. Die Aermſte wird ſchrecklich, namenlos unglücklich werden. Wenn deinem Gatten die Religion etwas Gleichgültiges, ja Lächerliches iſt, ſo wirſt du bald ſeiner Neckereien und Spöttereien überdrüſſig, Glaubenszweifel und Gleich⸗ gültigkeit niſten ſich allmählich ein; bald wirſt du Gebet, Gottesdienſt und die hl. Sa⸗ cramente vernachläſſigen, immer lauer wirſt du ſein in Erfüllung deiner Pflichten als Gattin und Mutter, dein Seelenheil ſchwebt in der größten Gefahr, und das zeitliche ¹) Es gibt jedoch auch Heuchler, die, um zur Heirath zu kommen, öfter die Kirche beſuchen, um geſehen zu werden, beſonders von der auserkorenen Geliebten. Laß dich nicht irre führen! und das ewige Wohl der dir anvertrauten Kinder ſtehen auf dem Spiele. Von Glük und Segen kann keine Rede ſein, denn: „Wenn der Herr das Haus(des chelichen Glückes) nicht baut, dann bauen vergebens die Bauleute Gatten).“ Gehe nie eine gemiſchte Ehe ein(mit Andersgläubigen, Proteſtanten, Altkatholiken). Gott will es nicht, die Kirche verbietet es, die Vernunſt iſt dagegen— nur Welt, Leiden⸗ ſchaft und Satan rathen dazu.„Nur Der⸗ jenige heirathet im Herrn“, ſagt Tertulian, „der in der wahren Kirche Chriſti heirathet unter Gutheißung und Segnung des Him⸗ mels“, und der heilige Auguſtinus ruft be⸗ trübt aus:„Sollten wir nicht ſeufzen, wenn Mann und Frau, die einander Treue bei Chriſtus ſchwören, den Leib Chriſti in ver⸗ ſchiedenen Religionen zerreißen?“ Chriſtliche Jungfrau, dieſen Schritt wirſt du nimmer thun, wenn nicht leichtſinniger und häufiger Umgang mit Andersgläubigen oder Leſen liberaler Bücher und Zeitungen deinen Glau⸗ ben erſchüttert, weltliche Berechnung, wahn⸗ ſinnige Leidenſchaſt deinen Geiſt verblendet hat; wahre und chriſtliche Liebe kann nicht beſtehen, wenn die Religion verſchieden iſt. Ein im Amte ergrauter Seelſorger einer großen Stadt verſichert, er habe in ſeiner langen achtundvierzigjährigen Praris keine einzige wahrhaft glückliche Miſchehe kennen gelernt,— wohl aber Hunderte und aber Hunderte von ſehr unglücklichen. Die Reue kam zu ſpät. Wie kann von Seelenharmonie da die Rede ſein, wenn die Ehegatten in dem Heilig⸗ ſten, was es gibt, verſchieden denken und ſich gegenſeitig als Ketzer anſehen! Die Ehegatten ſollen einander helfen, ſich zu heiligen und zum Himmel zu gelangen. Wie kann die katholiſche Frau die mit der Muttermilch eingeſogenen Vorurtheile und ſchiefen Anſichten ihres proteſtantiſchen Gatten über die katholiſche Kirche zerſtreuen? Der katholiſche Theil wird lebenslang Zwieſpalt, viele Unruhe und Hinder⸗ niſſe in Erfüllung ſeiner religiöſen Pflichten finden und ſchließlich der Gleichgültigkeit ver⸗ fallen. Wie ſchön, rührend und erbaulich iſt es, wenn Vater, Mutter und Kinder gemein⸗ ſchaftlich ihre Andacht verrichten und dem Gottesdienſte beiwohnen. In einer gemiſchten Ehe kann das nie der Fall ſein. Lehrt die Mutter die Kinder das Kreuz⸗ zeichen machen, vor dem Crucifixe und Marien⸗ bilde beten, nimmt die Gattin in Leid, Noth und Gefahr ihre Zuflucht zu ihrer gütigen und mächtigen Mutter im Himmel, wohnt ſie der heiligen Meſſe bei oder empfängt ſie, um ſich zu ſtärken, die heiligen Sacramente, betet ſie für ihre lieben Verſtorbenen, kommen die herrlichen katholiſchen Feſttage, rückt der für jede katholiſche Familie ſo erſehnte Tag der feierlichen Erſtcommunion eines der Kin⸗ der heran— der Vater, der Gatte glaubt eu 6 nicht daran, ja öfters ſogar umſpielt ſeine Lippen ein verächtliches Lächeln, wenn er die Glaubensinnigkeit ſeiner Familie betrachtet. Wie traurig, wie entmuthigend für die Gattin und Mutter! Wie befremdlich und traurig für die Kinder, wenn ſie noch klein ſind, wie mißlich und ärgernißerregend, wenn ſie heran⸗ wachſen! Müſſen ſie da nicht gleichgültig gegen ihren Gott und ihre Religion werden? In ſolchen Miſchehen kommt es leider nur zu häufig vor, daß der Gatte das be⸗ züglich der katholiſchen Erziehung der Kinder gegebene Verſprechen bricht und eins oder mehrere Kinder in ſeiner Religion erziehen läßt. Sollte das auch nur mit einem Kinde der Fall ſein— welch treuloſer, ſchänd⸗ licher Verrath an der allein wahren Kirche! Welch empörende Grauſamkeit gegen die un⸗ ſterbliche Seele des eigenen Kindes, aber auch welches Herzeleid und welche Gewiſſens⸗ biſſe für die Mutter, welche dieſes Kind dem Irrthume und der Gefahr preisgegeben ſieht, ewig verloren zu gehen. Und kommt nach einem durch Glaubens⸗ zwieſpalt getrübten Leben der letzte Augen⸗ blick deines Gatten heran, ſo bleibt er, krank und ſterbend, noch immer außerhalb der wahren Kirche, verſchmäht ihre Sacramente, Gnaden und Tröſtungen; ſo ſtirbt er und kann nicht einmal mit dem Segen der Kirche in geweihter Erde begraben werden. Die — 254— Gattin hat ihm ſterbend noch die Hand ge⸗ drückt, vielleicht zum Nimmerwiederſehen! Heirathe keinen Unzüchtigen, keinen Jähzornigen, keinen Verſchwender, keinen Trinker, keinen Spieler, keinen Müßiggänger. Ein Unkeuſcher wird dich ohne Schonung behandeln, und ſtatt ihn zu lieben, wirſt du ihn bald verabſcheuen müſſen; er wird dir das Herz brechen. Bei einem Jähzornigen kannſt du dich ſpäter mehr auf Grobheiten, als auf zärtliche Liebe gefaßt machen, du wirſt in beſtändiger Angſt vor den wilden Ausbrüchen ſeines leiden⸗ ſchaftlichen Zornes leben. Ein Müßig⸗ gänger kann unmöglich das zeitliche Glück ſeiner Familie begründen; er verfällt auf allerlei thörichte und ruinöſe Unternehmun—⸗ gen und Speculationen, eben weil ſeine Ar⸗ beitsſcheu ihn abhält, in geordneter Thätig⸗ keit das zeitliche Fortkommen der Seinen zu ſichern. Zudem iſt Müßiggang aller Laſter Anfang. Ein Trinker, Spieler und Verſchwender aber kann dir eine wahre Hölle auf Erden bereiten. Sage nicht: Er liebt mich, und ich habe wohl ſo viel Einfluß auf ihn, daß er ſich beſſern wird; auch hat er mir dies ernſt⸗ lich und feſt verſprochen. Chriſtliche Jung⸗ frau, traue nicht, du gingeſt ſonſt deinem ſicheren Verderben entgegen. Tauſende und aber Tauſende von Mädchen haben ſo geſagt, haben dieſe wohlmeinende Warnung in den 25 Wind geſchlagen und beweinen jetzt in ſchlaf⸗ 6 loſen Nächten unter Strömen von Thränen ihre Leichtgläubigkeit und Verblendung. Die en e Heirath nimmt die böſen Neigungen und c Leidenſchaften nicht weg. Das kleinſte Miß⸗ geſchick, ein kleiner Unfriede, das geringſte u mahnende Wort der duldenden Gattin reizt ihn und treibt ihn aus dem Hauſe fort, ehelicher Friede und gegenſeitige Liebe ſind bald erloſchen, die Geſchäfte gehen zurück, Blück und Wohlſtand ziehen aus, Unfrieden * und Unglück ziehen ein. Auch das größte Vermögen kann bei Verſchwendung, Trunk⸗ ſucht, Spielwuth, Müßiggang und. verfehlten Si in ganz kurzer Zeit verloren gehen. Laſſe dich nicht blenden durch Schönheit und Reichthum. Schönheit vergeht, der Charakter bleibt. Unter einem ſchönen Ge⸗ ſichte verbirgt ſich oft ein ſchlechtes Herz. Schönheit und Reichthum allein 6 machen nicht glücklich. Der hl. Chry⸗ ſoſtomus ſagt:„Ein ſchöner Leib, der nicht von einer ſchönen Seele bewohnt wird, kann dden anden Theil etliche Wochen feſſeln, länger aber nicht. Wo die Liebe keine andere Triebfeder hat, als die Schönheit, wird ſie bald erlöſchen.“ Vor Allem muß alſo auf Tugend und Frömmigkeit geſehen werden, dann kann man 13 auch die Vermögensverhältniſſe berückſichtigen; nur darf die Nebenſache nicht zur Hauptſache — 256— gemacht werden.„Suchet vor Allem das Reich Gottes und ſeine Gerechtigkeit“, ſagt der Heiland,„und alles Uebrige wird euch hin⸗ zugegeben werden.“(Matth. 6.)„Was nützte es dem Menſchen, wenn er die ganze Welt gewänne, an ſeiner Seele aber Schaden litte?“ Man ſehe daher mehr auf die Eigenſchaften des Herzens, als auf Vermögen, da man ja die Perſon, und nicht das Vermögen heirathet. Iſt das Vermögen des Gatten bedeutend größer, ſo muß die Gattin oft von Seiten des Mannes Uebermuth, Geringſchätzung, Vorwürfe hinnehmen. Biſt du, chriſtliche Jungfrau, hingegen bedeutend reicher, ſo bleibt dir zu bedenken, beſonders wenn du nicht ſchön biſt, daß er nicht dich, ſondern vielmehr dein Vermögen liebt und zu beſitzen wünſcht, das er dann vielleicht verſchwenden oder eigen— mächtig, ohne dich zu fragen, darüber ſchalten und walten wird.— Allzu großer Unterſchied im Alter bringt der jüngeren Gattin jehr bald Unzufriedenheit, Ueberdruß und Ekel, eine frühe Wittwenſchaft; dem Manne Un⸗ ruhe und Eiferſucht, wodurch Beiden das Leben nur verbittert wird. Ehen mit Blutsverwandten ſind von der Kirche verboten; die Erfahrung lehrt übrigens, daß ſolche Ehen gewöhnlich traurige Folgen haben. Die Eheleute ſterben nicht ſelten früh dahin; oft. bleiben ſolche Ehen kinderlos, oder die Kinder ſterben frühzei⸗ tig oder kommen nicht ſelten mit Gebrechen n ——*——— ==—— ———— —==——— S———— — behaftet(taubſtumm, blödſinnig) zur Welt. Im Allgemeinen ſind die Nachkommen körper⸗ lich und geiſtig ſchwächer, als die Sprößlinge der Ehen unter Nichtverwandten. 14. Der Bruutſtand. Ba du, chriſtliche Jungfrau, das paſſende Alter erreicht, macht ein chriſtlicher und tugendhafter Jüngling dir einen Antrag, haben deine Eltern befriedigende Erkundi⸗ gungen eingezogen und ſteht einer baldigen Heirath Nichts entgegen, ſo magſt du mit ihrer Einwilligung eine Verlobung in Gott eingehen; und die Ehe ſoll alsdann geſchloſſen werden, ſobald die Verhältniſſe es vernünf⸗ tiger Weiſe erlauben. Ein langdauerndes Liebesverhältniß iſt ganz zwecklos. Sich gegenſeitig beſſer kennen iſt ein leerer Vorwand; denn jeder Theil ſucht ſeine Schwächen und ſchlechten Eigenſchaften ſo viel als möglich zu verdecken; überdies ſchließt dir die blinde Liebe die Augen für alle Gebrechen und Fehler deines Geliebten. Nicht Die ſchließen die glücklichſten Ehen, die lange vorher mit einander verkehren, im Gegentheil. 3 Das langdauernde Verhältniß iſt auch gefahrvoll. Des Menſchen Wille iſt ſehr zum Böſen geneigt, und wie der hl. Alphonſus uns lehrt, gehen die meiſten Menſchen, welche in die Hölle kommen, durch die Sünden der St. Eliſabeth. 17 258 Unkeuſchheit verloren. Da das menſchliche Herz eben in dieſem Punkte ſo ſchwach iſt, deshalb iſt der Umgang mit einer Perſon des andern Geſchlechts, die man liebt, ins⸗ beſondere ein vertraulicher Umgang, ſehr ge— fährlich. Die traurige Erfahrung lehrt, daß ein ſolches Verhältniß ſelten ohne Sünde, wenn auch nicht in Werken, ſo doch durch ſündhafte Gedanken und Begierden abgeht. Dauert dieſer Umgang fort, ſo ſchwindet allmählich die hl. Scheu, und iſt die Scham⸗ haftigkeit auch nur ein wenig abgeſtreift, ſo kommt es leicht zu unziemlichen Freiheiten, Liebkoſungen und häufig zu einer langen Kette der ſchmählichſten Sünden, vor denen du vielleicht anfangs den tiefſten Abſcheu hatteſt. Baue nicht auf deine oder ſeine Rein⸗ heit, es ſind viel Frömmere und Tugend⸗ haftere gefallen als ihr.„Wer die Gefahr liebt, geht darin zu Grunde“, ſagt der hl. Geiſt, und:„Wer ſteht, der ſehe wohl zu, daß er nicht falle.“ Sei verſichert, der Teufel bietet Alles auf, die Verlobten zur Sünde zu bringen, da er weiß, daß gewöhnlich nach einem ſündhaften Brautſtande der Segen des Him⸗ mels für die Ehe verloren geht. Zudem gibt eine ſolche Bekanntſchaft meiſtens auch Aer⸗ gerniß, da ſich die Einen auf dieſes Ver⸗ hältniß berufen, um ihr ſündhaftes Zuſammen⸗ ſein zu entſchuldigen, die Andern, um früher oder ſpäter euer Beiſpiel nachzuahmen. 5 ü Eure Zuſam menkünfte ſollen nié unter vier Augen(allein), nie an abgelegenen Orten ſtattfinden, ſondern ſtets in deinem elterlichen Hauſe im Beiſein der Eltern, oder falls 6 dies unmöglich, einer ſonſtigen älteren, ernſten u und gewiſſenhaften Perſon. Das fordert eure Ehre und euer guter Name, das fordern Vor⸗ ſicht und Klugheit, das dem Nächſten ſchul⸗ dige gute Beiſpiel und vor Allem euer eigenes Gewiſſen. Bei einſamen, abgelegenen Spazier⸗ gängen, Zuſammenkünften in fremden Ort⸗ ſchaften, zumal bei nächtlichen Stelldicheins u in Hof und Garten traget ihr eure eigene nn Ehre zu Grabe. Die Welt iſt mißtrauiſch: en nur zu leicht faßt böſer Argwohn Wurzel, um Verdacht wird ausgeſprochen, der gute Ruf in ſchwindet, Neid und Verleumdung thun das Ihrige, und deine Ehre hat Schiffbruch ge⸗ aht litten. Chriſtliche Jungfrau, du hältſt auf NW Anſtand und Ehre, du hältſt auf deinen ohl guten Ruf; dieſer aber leidet duttha nicht, daß du an einſamen und dunklen Orten mit einer Perſon des andern Geſchlechts zuſam⸗ g menkommſt. Dein Gefühl ſchon ſagt dir, n das ſei ungeziemend. i Du wirſt verſucht, einzuwenden, man t thue dir Unrecht, deine Abſicht ſei gut, dein Gewiſſen mache dir keine Vorwürfe. Nein, nein! Dein Gewiſſen regt ſich gewaltig, dein Angeſicht würde hochroth vor Scham, wenn Jemand dich bei abſichtlichem Zuſammenſein an einſamer Stätte überraſchte. Wäre jedoch S dein Schamgefühl ſchon ſo tief geſunken, daß du nicht mehr errötheteſt, dann, o dann wäre Unſchuld und Reinheit ſchon fort. Jedenfalls wird dieſe herrliche Lilie geknickt, wenn ſolche einſame Zuſammenkünfte öfters Du biſt nicht von Stein und Eiſen, d biſt von Fleiſch und Blut, und dieſe geliſten wider den Geiſt, wie die hl. Schrift ſagt— auch wider den beſtgeſinnten Geiſt! Wenn Feuer und Stroh ſo wird das kleinſte Fünkchen der Begierlichkeit zur lichterlohen Flamme, zur Alles zerſtörenden Feuersbrunſt. Und wäre deine Jugend rein, wie das reinſte Gold, deine Keuſchheit die eines Engels. Gedenke des Ausſpruches der ewigen Wahrheit:„Wer die Gefahr liebt, wird darin umkommen.“ Iſt dies ſchon wahr bei einſamen Zuſammenkünften ſolcher Perſonen, die ſich einander fremder gegenüberſtehen⸗ ſo gilt es doppelt bei Ver⸗ lobten! Das Beiſpiel Anderer, der Zeitgeiſt war keine Entſchuldigung zu den Zeiten Noe's, noch e heute. Ein leichtſinniger, ſündhafter Brautſtand iſt ein Abgrund von böſen Gedanken und Begierden, eine Kette zweideutiger und unſitt⸗ licher Worte und Reden, eine Reihenfolge unerlaubter Liebkoſungen und abſcheulicher Werke, die vielleicht eine große Zahl ſacri— legiſcher Beichten und Judascommunionen im Gefolge haben. Und eine ſolche Vorbereitung ſollte nicht den zehnfachen Fluch Gottes auf m ich zu — — — elh, — —=——— —— —— —— ee — —— — — — — — — —— 261 die Ehe herabziehen! Furchtbar ſind Gottes Strafgerichte! Gottes Mühlen mahlen lang⸗ ſam, langſam aber trefflich fein; was an Langmuth ſie verſäumen, holen ſie an Schärfe ein.— Gottes Gerechtigkeit braucht nicht zu eilen, ſie hat Zeit vollauf, und Wehe, hundert⸗ faches Wehe Denmjenigen, der ſie ſo frech herausfordert! Was helfen dir am Hochzeitstage die Sinnbilder einer reinen, gottgefällig verlebten Jugend? Ein glänzendes Brautkleid von feinſter Mode— wenn das Kleid der heilig— machenden Gnade befleckt, Leib und Seele entweiht ſind? Was bedeutet da der Braut⸗ kranz— wenn der Kranz der Unſchuld ent⸗ blättert iſt? Der weiße Schleier— wenn der Schleier der Schamhaftigkeit zerriſſen iſt? Die Blume— wenn die Roſe der Liebe Gottes, die Lilie der jungfräulichen Reinheit verwelkt ſind? Lügen vor Gott und den Menſchen! Was helfen dir die Glückwünſche der Freunde und Freundinnen, wenn Gott und dein Schutzengel nicht gratuliren können und du den Fluch des Himmels in die Ehe hineinbringſt? Nein, chriſtliche Jungfrau, nein! Sei allzeit beſcheiden und vorſichtig, ſchamhaft und rein: die Verlobung, die Liebe entſchul⸗ digt keine Sünde. Der Engel der heiligen Schamhaftigkeit ſei überall dein Begleiter, beſonders während der Beſuche deines zu⸗ künftigen Gatten. Laß keine Reden, keine Liebkoſungen, keine Berührungen, mit einem Worte, nicht das Geringſte zu, was die heilige Reinheit trüben könnte. Achte dich ſelbſt und deine jungfräuliche Würde, und ſie wird auch von Andern in Ehren gehalten werden.— Die Zeit des Brautſtandes iſt eine Zeit des Ernſtes, des Gebetes. Beichte gleich nach (wenn nicht ſchon vor) der Verlobung, lege wo möglich eine Generalbeicht ab; überſchaue ernſtlich dein bisheriges Leben, berecite dich vor auf das zukünftige, auf andere Ver⸗ hältniſſe, andere Pflichten und Beſchwerden. Auf der Hochzeit werde übermäßiger Auf— wand vermieden; ſorge auch, daß Nichts gegen Anſtand und chriſtliche Sitte vorkomme; lade auch Jeſum zu deiner Hochzeit, indem du Almoſen gibſt oder zu guten Zwecken beiträgſt. Wenn Gott für dich iſt, was kann dir ſcha⸗ den? Wenn du keuſch und fromm in den Eheſtand trittſt, wird ſein Segen dich be— gleiten, ſeine Gnade dich ſtärken, ſeine Hülfe dir beiſtehen, ſeine Liebe dich tröſten— wie er die hl. Eliſabeth getröſtet, geſtärkt und geſegnet hat. Dritter Abſchnitt. Brſondere Beherzigungen für chriſtliche Gaktinnen und MWütter. 1. Die rheliche Tiebe und Trrur. ( eeit Wei findet,findet ein Gut und er wird Freude ſchöpfen von dem Herrn“, ſagt der hl. Geiſt.(Sprüchw. 18, 22.) Er ſagt nicht: eine reiche Frau, auch nicht: eine Frau von reizender Schönheit und ſpru⸗ delndem Geiſte, ſondern:„ein gutes Weib“. Dies iſt nach der hl. Schrift„ein Weib, das den Herrn fürchtet“, alſo ein gottes⸗ fürchtiges und tugendhaftes Weib, das aus Liebe zu Gott und ihrem Ehegatten ſeine Pflichten allſeitig treu erfüllt. Chriſtliche Gattin, du willſt gewiß deinem Ehegatten ein gutes, treues, liebendes Weib ſein; darum merke dir wohl Folgendes: Deine erſte Pflicht iſt die Liebe e zu dei⸗ nem Gatten. Dieſe Liebe ſei eine keuſche, dauerhafte, heilige, jener heiligen Liebe mit der Chriſtus ſeine Kirche liebt. Dieſe Liebe ſoll daher keuſch ſein und rein: die Ehegatten ſollen aus Liebe zu Gott, aus Achtung gegen einander in Ehr⸗ barkeit und chelicher Keuſchheit leben, wie es wahren Chriſten, Kindern Gottes und Erben des Himmels, ſie mögen ſich erinnern, daß auch Eheleuten nicht Alles erlaubt ſei, ſondern daß auch ſie die Schran⸗ ken der Zucht und Ehrbarkeit, die ihnen die Gebote Gottes und der Natur beſtimmen, nicht übertreten dürfen. Dieſe Liebe ſoll eine heilige ſein: ſie ſoll die natürliche Liebe veredeln und ver—⸗ vollkommnen; die Gattin ſoll ihren Mann lieben aus übernatürlichen Gründen, auch wenn er es weniger verdienen ſollte, weil Gott ſelbſt es ſo will, und ſie ihm Liebe am Altare geſchworen hat; dieſe Liebe ſoll ihr die Pflichten der Achtung und des Ge⸗ horſams gegen ihren Mann ſüß und ange⸗ nehm machen, die Sorgen und Beſchwerden ihres Standes erleichtern. Dieſe Liebe ſoll eine dauernde, beſtän⸗ dige ſein: die Sinnlichkeit verraucht, die Schönheit welkt,„die Liebe muß bleiben“. So unbeſtändig und veränderlich das menſch⸗ liche Herz auch immer ſei, ſo ſchwer manche Enttäuſchungen auch fallen mögen, ſo darf die Liebe doch nicht erkalten. Die gegen⸗ ſeitigen Fehler und Mängel, die ſich unver⸗ hofft nach der Ehe allmählich zeigen und die vielleicht geeignet wären, die Liebe zu ſchwächen, auszulöſchen, müſſen mit Geduld und Nach⸗ ſicht ertragen werden.„Die Liebe erträgt Alles“, ſagt der Apoſtel,„duldet Alles, ſie iſt ſtark wie der Tod.“ Eine chriſtliche Gattin ſoll ihren Gatten allzeit lieben, wie ſchwer es ihr auch unter Umſtänden vorkommen mag: Gott wird ſie ſtärken, er wird es ihr lohnen. Wie Jeſus Chriſtus mit ſeiner Kirche nur Eins ausmacht, wie ſie nur von Einem Geiſte beſeelt ſind, ſo ſollen auch Gatte und Gattin nur Eins ausmachen, von einem und demſelben chriſtlichen Geiſte beſeelt ſein. Dieſes vereinigende Band iſt die rechte chriſtlich⸗eheliche Liebe. Wie die Kirche ihren göttlichen Bräutigam ehrt und in unver— brüchlicher Treue liebt, wie ſie nie von ihm abläßt, ihm allein glaubt, auf ihn allein hofft und ihm mit ganzem Herzen zugethan iſt; und wie Chriſtus ſeine Kirche liebt, um ihres ewigen Heiles willen: ſo ſoll auch die chriſtlich⸗eheliche Liebe dich, chriſtliche Gattin, anfeuern, deinem Gatten unverbrüchlich treu zu bleiben, bis in den Tod, für ſein zeit⸗ liches Glück und noch mehr für ſein ewiges Heil zu ſorgen in allem Wohlwollen, in — 2— aller Liebe, Weisheit und Geduld, mehr durch Beiſpiel und Gebete, als durch Worte; dies ſchließt aber nicht aus, daß du ihn zu gelegener Zeit in Liebe mahnen, warnen und bitten ſolleſt. Deinem Manne gehörſt du an, und zwar das ganze Leben hindurch, für ihn haſt du aufgegeben die natürlichſten Bande des Blutes, ihm haſt du die Hand gereicht zum Bunde für's Leben.„Habt ihr nicht gehört“ ſagt der Herr,„daß Der, welcher vom Anfange den Menſchen erſchuf, als Mann und Weib ſie erſchaffen und geſagt hat: um deſſen willen wird ein Mann Vater und Mutter verlaſſen und ſeinem Weibe anhangen(und ungekehrt), und ſie werden Zwei in einem Fleiſche ſein. Sie ſind alſo nicht mehr Zwei, ſondern Ein Fleiſch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Menſch nicht ſcheiden.“ Du führſt daher auch ſeit der Trauung nicht mehr den Namen deiner Familie, ſon— dern den Namen deines Mannes. Untreue wäre ſchmählicher Verrath, Eidbruch, Schän— dung der heiligſten Sache. Dieſe eheliche Liebe und Treue, die ſich auf das Sacrament der Ehe und ihre Un— auflöslichkeit gründet, ſchneidet kurzweg Tau⸗ ſende von Verſuchungen ab, verhindert und mildert die Ehezwiſtigkeiten, erhält Ordnung, Wohlſtand und Sittlichkeit, Zufriedenheit und lück in der Familie, wie mißlich die Ver⸗ hältniſſe mitunter auch ſein mögen. Dieſe 26 Liebe und Treue darf um keinen Preis verloren gehen, muß vielmehr ſelbſt mit den größten Opfern an Ehre, Vermögen, Selbſtliebe, Empfindlichkeit, Geduld bewahrt oder erkauft werden. Betrachte alſo öfters, chriſtliche Gattin, die Heiligkeit der Ehe, dieſen hl. Bund, den ihr vor Gott und dem Himmel für Zeit und Ewigkeit geſchloſſen, und deſſen Sinnbild der Ring iſt, den du am Finger trägſt. Sei wachſam und mißtraue deinen Neigungen zu Andern und Anderer zu dir, ſelbſt wenn ſie auch noch ſo unſchuldig ſcheinen, dir ſogar als berechtigt vorkämen, wegen Ver⸗ wandtſchaft, Dankbarkeit u. ſ. w.; meide auf's Strengſte jede Vertraulichkeit mit Perſonen des andern Geſchlechtes.— Sei vorſichtig und behutſam in deinen Worten, in deinem Umgange, in deinem Benehmen, in deinen Blicken und in deinen Gedanken. Wache über dein Herz und leihe dein Ohr nicht den ſüßen Worten eines Schmeichlers. Schmeicheleien ſind ſehr gefährlich. Oeffne auch dein Herz ſelten einer fremden Perſon, um Mitleid und Theilnahme zu finden— es gehört deinem Manne ganz allein. Sei entſchloſſen: etwaige frühere Verhält⸗ niſſe ſeien ganz und gar vergeſſen, jede ver⸗ iche Neigung muthig unterdrückt, jede Ge⸗ legenheit ſofort geflohen, und wäre ſie dir ſo lieb wie dein Auge, ſo nothwendig wie deine Hand, dein Fuß.— Bete zur Stunde der — 268— Verſuchung, ſonſt ſinkſt du unter. Sagt doch der hl. Geiſt;„Kann Jemand Feuer in ſeinem Buſen bergen, ohne daß ſeine Kleider brennen?“(Sprichw. 6.)—„Ein Jeder, der ein Weib mit Begierde nach ihr anſieht und umgekehrt), hat ſchon die Ehe mit ihr gebrochen in ſeinem Herzen.“(Matth. 5.) Was die Seele deines Mannes bewegt in Freud' oder Leid, Hoffnung und Ent⸗ täuſchung, das ſollſt du liebevoll mit ihm theilen, und auch du ſollſt vor deinem Manne kein Geheimniß haben. Ihr ſollt ein Herz und eine Seele mit einander ſein. Die Gattin ſoll die gegenſeitige Liebe, die im Eheſtande ſo nothwendig iſt, unterhalten, pflegen und nähren durch Freundlichkeit, Zärtlichkeit und tauſenderlei kleine Aufmerkſamkeiten; je freundlicher und liebreicher ſie iſt, deſto mehr feſſelt ſie das Herz des Mannes. Dieſe Liebe darf aber nie ſo weit gehen, daß da⸗ durch die Liebe zu Gott und ſeinem hl. Ge— bote verletzt werde. Die Frau darf nie die Genoſſin der Sünden ihres Mannes werden Auch die beſten Männer haben ihre Schwachheiten, Fehler und Launen, ihre ſogenannten„böſen“ Stunden. Da vor Allem heißt es die Liebe zu bewahren, Gleichgültig⸗ keiten mit Freundlichkeit zu erwiedern und durch liebevolles Benehmen den trüben Sinn zu verſcheuchen, der nur zu oft zu Unfrieden „ und Uneinigkeit führt. 5 2. Der Grehorſam. eben liebender Treue ſchuldeſt du, chriſt⸗ liche Gattin, deinem Manne auch wil⸗ ligen Gehorſam. So erfordert es die von Gott gewollte Ordnung. Wie Chriſtus das Haupt der Kirche, ſo iſt auch der Mann das Haupt der Frau, das Oberhaupt der Familie. Er hat anzuordnen und zu befehlen, ihm muß die Frau gehorchen in Allem, was billig iſt und ſie ohne große Beſchwerden thun kann. Derhl. Apoſtel Paulus ermahnt die Ehefrauen, ihren Gatten unterthan zu ſein wie die Kirche Jeſu, ihrem Bräutigam. Du ſollſt in deinem Manne, dem du Ehre und Achtung ſchuldig biſt, ſtets deine Stütze und dein Haupt ſehen und ihm ohne Murren, vielmehr mit Liebe und Freude unterthan ſein. 6 Ein Todfeind des häuslichen Glückes iſt die Herrſchſucht der Frau. Will ſie allein über das Hausweſen und die Familie regieren, ſich nicht nach den Wünſchen des Mannes in Bezug auf Wohnung und Ausſtattung, Nahrung und Kleidung richten, will ſie Alles und ſelbſt den Mann ihrem Willen und ihren Launen unterwerfen, dann verkehrt ſie die von Gott gewollte Ordnung und ſtiftet Unfrieden im häuslichen Kreiſe. Ihre An⸗ maßung raubt dem Manne ſeine Rechte, ver⸗ leidet ihm das traute Heim und zieht ihm den Spott und Hohn der Nachbarn und Be⸗ kannten zu. Ein anderer Feind des ehelichen Friedens, des ſchuldigen Gehorſams gegen den Gatten, iſt die Rechthaberei der Frau. Sei du klüger und gib nach; nachgiebig ſein, ſelbſt da, wo man Recht hat, iſt nicht Schwäche und Feigheit, ſondern edel und klug und hebt dich in den Augen deines Mannes. Immer Recht und das letzte Wort haben wollen, iſt ein häßlicher Zug im Charakter ſo mancher ſonſt guten Frau. Vertraue deiner Einſicht, Klugheit und Erfahrung nicht zu viel; ſteht es aber außer Zweifel, daß die Anordnung deines Gatten die beabſichtigte Wirkung nicht haben kann, eher zum Schaden als zum Vortheil, eher zur Unordnung als zur Ordnung beitragen wird, biſt du voll überzeugt, daß ſie eher unklug als zweckmäßig iſt, ſo ſetze ihm dies in Beſcheidenheit, Sanftmuth und Liebe aus⸗ einander, ohne Eigenſinn, Rechthaberei und Herrſchſucht. Füge dich aber ſtill dem Willen des Mannes, wenn dieſer darauf beſteht. Beſſer Unrecht leiden und Nachtheil ertragen, als in Unfrieden leben. Die Kirche iſt Chriſto dem Herrn in ſolcher Liebe ergeben, unterthan, daß ſie Alles meidet und haßt, was ihrem göttlichen Bräutigam auch nur im Gexingſten mißfallen könnte, daß ſie nur für ihn denkt, redet und handelt, lebt und leidet; ſo auch ſollſt du, chriſtliche Gattin, deinem Manne mit inniger An⸗ hänglichkeit ergeben ſein, mit ihm und für h 1 n — — 271 ihn denken und arbeiten, leben und leiden. Du ſollſt trachten, ſeine Sorgen und ſeinen Kummer zu verſcheuchen, ſeine Leiden und Freuden mit ihm zu theilen. Bringe auch deinem Manne Vertrauen entgegen. Lege keinen ſeiner Schritte, keine ſeiner Handlungen übel aus; gib ihm Rechenſchaft über deine Arbeiten, deine Ausgaben, deine Haushaltung. Klage nicht leicht über Mangel an Geld, ſchränke vielmehr unnöthige Ausgaben ein. Fehlt es dir am Nothwendigen, ſo ſuche durch liebevolle Vorſtellungen und Zuvorkommen⸗ heit, nicht durch Zank und Streit das Ge⸗ wünſchte zu erlangen. Lieber leiden, als ſtreiten! Erkenne willig und dankbar ſeine Sorgen und Mühen für Hausweſen an; ſei gegen ihn aufrichtig und offen; ſuche ihm Nichts zu verhehlen, habe keine Geheimnif ſe vor ihm. Dein Mann muß wiſſen, was dich erfreut, was dich ntſtigt. was dich drückt, ſonſt ſind Mißverſtändniſſe und Unfrieden unausbleib⸗ lich. Meide Lügen und Verſchloſſenheit, dein Mann muß wiſſen, daß er unbedingt auf ſeine Frau bauen und vertrauen kann. Dem willigen Gehorſam gegen ihn und dem Frieden mußt du gern deine Neigungen, deinen Geſchmack, oft gerechte Wünſche, ja ſelbſt deine Uebungen der Frömmigkeit, wenn ſie nicht Pflicht ſind, zum Opfer bringen. Eine Frömmigkeit, i ſich mit den Pflichten gegen Gatten, Familie und Hausweſen nicht 2— verträgt, iſt eine falſche Frömmigkeit. Sei dei⸗ nem Gatten immer eine willige Gehülfin, eine liebevolle Rathgeberin, eine treue Freundin. Nie aber darfſt du dem Manne zu Ge⸗ fallen ſein in unerlaubten Dingen, welche die Stimme deines Gewiſſens und die Ge⸗ bote Gottes verbieten, denn„man muß Gott mehr gehorchen als den Menſchen“. Das Wohlgefallen des Mannes, der häusliche Friede darf nie um den Preis einer Sünde erkauft werden. 3. Gefallſucht und Giferſucht. Mor Allem, chriſtliche Gattin, ſuche Gott zu gefallen durch echte Frömmigkeit und treue Erfüllung aller deiner Pflichten. Das iſt das Eine Nothwendige. Darnach aber ſoll die Liebe und das Wohlgefallen deines Gatten dir über Alles gehen. Ihm aber wirſt du um ſo mehr gefallen, je weniger du An— dern zu gefallen trachteſt; deine Liebe, deine Freundlichkeit, deine Treue, deine Unterthä⸗ nigkeit machen dich ihm ſchön und liebens⸗ würdig. Dazu iſt es deine Pflicht, ſorgfältig Alles zu vermeiden, was ihm an dir miß⸗ fallen könnte; du ſollſt ſogar darnach ſtreben, durch deine Kleidung, deine Unterhaltung, durch dein ganzes Weſen ihm angenehm zu werden. Gott, und in Gott deinem Manne, das ſei dein Eins und Alles. Wie dein Mann dich ſehen will, ſo biſt du am ſchönſten. neil undi welt e 6 Gu Du tslt Süh — 273— Gewiß willſt du, chriſtliche Gattin, durch die Sorgfalt, womit du dich kleideſt und putzeſt, nur deinem Gatten gefallen und nicht bei Andern Gefühle erregen, die du weder theilen darfſt noch willſt, weil deine Ehre und di⸗ Heiligkeit deines Standes es dir ver⸗ bieten. Aber treibt dich deine dir angeborene Gefallſucht nicht weiter, als nur deinem Manne zu gefallen?— Siehe, ſobald dein Mann ſieht, daß du in Kleidung und Schmuck, in Haltung und Auftreten etwas Anderes ſuchſt, als ſein Wohlgefallen und die Achtung dei⸗ ner Mitmenſchen, im ſelben Augenblicke ſinkſt du in ſeiner Achtung. Dann auch iſt deine Abſicht im höchſten Grade verabſcheuenswerth und ſtrafbar. Sobald die Gefallſucht dich beherrſcht, biſt du für Gott, für die ernſten Pflichten deines Standes und deiner Familie und für das chriſtliche Leben verloren. Das Herz der eitlen Frau iſt öde und leer an edlen Ge⸗ fühlen, ihr Geiſt leer an ernſten Gedanken, ihr Leben leer an guten, verdienſtlichen, großen Werken. Das Herz welkt und dörrt aus für alles Höhere, Chriſtliche, Himmlkiſche; traurig und öde ſenkt es ſeine Gefühle zu den Eitel⸗ keiten und Erbärmlichkeiten dieſer ſündhaften Welt, wie die welke Blume ihr Haupt zur Erde fallen läßt. Die Putzſucht iſt eine Tochter der Gefall⸗ ſucht. Sei nicht eine Sklavin der Mode; mache keine Ausgaben, die über Stand und St. Eliſabeth. 18 — 274— Vermögen gehen. Uebertriebener Aufwand ſchädigt das Hausweſen und muß es auf die Dauer ruiniren. Wie manche Gattin macht Ausgaben für eitle Kleiderpracht, ſogar Schulden— hinter dem Rücken ihres Man⸗ nes! Muß es da nicht zu Mißtrauen, Zank und Unfrieden kommen? Sind Putz und Gefallſucht bei unverheiratheten Mädchen höchſt tadelnswerth, bei einer verheiratheten Frau ſind ſie geradezu lächerlich und unver— zeihlich!— Die ſchönſte Zierde, der werth— vollſte Schmuck einer chriſtlichen Gattin iſt ein tugendhafter Lebenswandel, die Liebe zu ihrem Gatten, Beſcheidenheit und Reinlich⸗ keit, ein geordnetes Hausweſen, brave, chriſt⸗ lich erzogene Kinder. Das Gift der ehelichen Liebe, das Grab der Einigkeit und des häuslichen Glückes iſt die Eiferſucht, das Mißtrauen der Frau. Wie ſie einerſeits ſich ängſtlich hüten muß, weder durch Gefallſucht, noch durch Aufmerk⸗ ſamkeiten und Vertraulichkeiten gegen Per⸗ ſonen des andern Geſchlechtes auch nur den Verdacht, den Schein der Liebe zu einem Andern zu erwecken, ſo muß ſie anderſeits jedes Mißtrauen, jedes Gefühl der Eiferſucht hinſichtlich ihres Gatten im Keime erſticken. In den meiſten Fällen iſt dieſes Mißtrauen ungerecht, es iſt falſcher Argwohn,„eine Leiden⸗ ſchaft, die mit Eifer ſucht, was Leiden ſchafft“. „Mag der Gatte oder die Gattin zu Hauſe, bei der Arbeit, auf Beſuch oder Reiſen ſein, — 275— immer verfolgt ſie dieſer böſe Geiſt“, ſagt der hl. Chryſoſtomus,„und bringt das Gemüth in Unruhe und Pein. Die Krankheit der Eiferſucht iſt eine der bitterſten Todesarten, da ſie Dem, der damit behaftet iſt, keinen Angenblick Ruhe läßt, ihn beſtändig quält und ihn langſam aber ſicher aufreibt. Eſſen und Trinken ſchmecken ihm nicht, der Schlaf fliecht ſein Lager, keine Freude, kein Troſt vermögen die Fieberhitze ſeiner Leidenſchaft zu kühlen.“ Die eiferſüchtige Gattin findet überall An⸗ laß und Nahrung für ihren falſchen, unge⸗ rechten Argwohn, ein Verdacht treibt den an⸗ dern. Tag und Nacht findet der Mann keine Ruhe vor ihr. Verläßt der Mann das Haus, um ſeine Geſchäfte zu beſorgen, einen Freund zu beſuchen, ſich eine kleine Erholung zu gönnen, dann quält ſich die unglückliche Frau mit allerlei Verdacht: Wohin geht er? Warum aber dorthin? Wer iſt noch da? Iſt er munter und freundlich, ſogar entgegenkommend, ſo hält ſie ihn für fatſch; er iſt verſtimmt und un⸗ freundlich, ſo argwöhnt ſie wieder Böſes u. ſ. w. Der Mann erträgt in Geduld manches unfreundliche Wort, manche Launen und Schwächen, indem er weiß oder denkt, es ſei nicht ſo übel gemeint; aber ungerechter Ver— dacht empört ihn, er kann ihn nicht ertragen, nicht verzeihen. Weil unſchuldig, hält er es nicht ſelten unter ſeiner Würde, ſich zu recht⸗ fertigen und die Sache aufzuklären, und ſo ——— iſt die unüberbrückbare Kluft zwiſchen Beiden fertig. Eine Frau, die ihren Mann mit Eiferſucht quält, verwundet ſein Selbſtgefühl und ſeine Liebe tödtlich. Er wird den Fa⸗ milienkreis fliehen, außerhalb des Hauſes Zerſtreuung ſuchen und vielleicht dem Laſter ſich ergeben. Wie können da ehelicher Friede, gedeihliche Kindererziehung beſtehen? Ein falſcher Argwohn iſt leider zu oft die Urſache der unglücklichſten Ehe. Quäle dich daher nie mit ſolch thörichten Gedanken und Vermuthungen, ſondern unter— drücke ſie im Keime. Widerſtehe gleich an— fangs dieſer ſchrecklichen Leidenſchaft, die zwar ein Uebermaß der Liebe zu ſein ſcheint, in Wahrheit aber das größte Mißtrauen, das verletzendſte Unrecht, der Tod der Liebe iſt. Die echte, wahre Liebe kennt keinen Argwohn, keinen Verdacht, wie der Apoſtel ſagt:„Die Liebe denkt nichts Arges, ſie iſt neid⸗ los.. ſie hofft Alles, ſie läßt ſich nicht erbittern.“ Sie iſt friedfertig, macht keine Vorwürfe, ſelbſt gerechte nicht; ſie verbannt den Argwohn, der das Lebensglück vergiftet, entfernt aber mit Klugheit und Umſicht Gelegenheiten und Verſuchungen, die für die Treue des andern Theiles gefährlich werden könnten:„Die Liebe vermag Alles in Gott, der ſie ſtärkt.“ —.———————— —— =—— —.— —— — = — — — — S— .— — —— 4. Ordnungsliebe und Reinlichkrit. Prbeitſamkeit, Reinlichkeit, Ordnungsliebe und Sparſamkeit ſind Tugenden und bie⸗ ten Gelegenheit zu reichem und großem Ver⸗ dienſt vor Gott. der Gattin iſt es, dem Manne das häusliche Heim recht wohn⸗ lich, angenehm und lieb zu machen, damit er gern dort weile; ſind ja die häuslichen Freuden die ſüßeſten und reinſten. Dazu aber gehören in erſter Linie Reinlichkeit und Ordnung. „Unſauberkeit ſollſt du verabſcheuen“, ſagt der hl. Geiſt(5. Moſes 7). Ohne Sauberkeit, Reinlichkeit und Ordnung iſt dein Haus unbehaglich, all ſein Schmuck ohne Werth oder gar widerwärtig, das Ver⸗ weilen darin läſtig; Sauberkeit und Ordnung hingegen ſind die Freude und Zierde auch der ärmlichſten Dachkammer und machen ſie wohnlich und behaglich. Arbeit und Armuth entſchuldigen nicht; bei den meiſten häuslichen Arbeiten kann man nett und reinlich gekleidet ſein, und Waſſer gibt der liebe Gott in Hülle und Fülle. Sei damit nicht ſparſam und halte reinlich Zimmer und Möbel, Kleidung und Wäſche, Weißzeug und Eßgeräthe, Alles, was zu deinem Bereiche gehört. Dulde keinerlei ſchlechte Luft, üble Gerüche im Zim⸗ mer, keinen Staub an den Möbeln, keine Unreinlichkeit und Zerriſſenheit an deinen Angehörigen,— vor Allem nicht an dir ſelbſt. Dein Haar ſei geordnet, Hals und Geſicht gewaſchen, deine Kleider reinlich und ganz. Es iſt für den Mann ſchwer, eine Frau zu achten und zu lieben, von der ſein Herz ſich faſt mit Ekel abwendet, weil er ſie ſo oft unreinlich und unordentlich angezogen ſieht. Sauberkeit hingegen gefällt an der ärmſten und unſchönen Frau.— Reinlichkeit bewahrt die Geſundheit, fördert die Sittſamkeit und den häuslichen Sinn, ſchützt vor Krankheit, erwirbt dir die Achtung und Liebe deines Mannes und erfreut dein eigenes Herz. Nicht minder nothwendig iſt die Ordnung. Alles ſei an ſeinem richtigen Platze, Alles geſchehe zur rechten Zeit. In dieſer Beziehung kann Niemand ſo leicht die Haus⸗ frau vollſtändig erſetzen. Aufſtehen und Schlafengehen, Beten und Arbeiten, Eſſen und Erholung, Alles habe ſeine beſtimmte Zeit. Ordnung erſpart Verdruß, Zeit und Geld; was nicht mit Ordnung geſchieht, ge⸗ ſchieht nicht recht. Gott iſt die höchſte Ord⸗ nung; in Allem, was er ſchafft und wirkt, iſt Plan und Ordnung; er hat die unbe⸗ greiflich große Welt geſchaffen und ſeine Millionen und Millionen lebender Geſchöpfe bewegen ſich in vollkommenſter Ordnung, in wunderbarem Einklang; er liebt und will die Ordnung. Der hl. Geiſt ſchildert die Hölle, dieſen grauenhaften Aufenthaltsort der Ver— dammten, als einen Ort,„wo keine Ord⸗ nung“, nur ewiges Grauſen wohnt. 27— Daher ermahnt dich der Apoſtel:„Thue Alles wohlanſtändig und mit Ord⸗ nung.“(1. Kor. 14.) Wer mit Ordnung lebt, lebt für Gott: er erfüllt ſeine Pflichten treuer, leichter und verdienſtlicher. Ich ſage verdienſtlicher, weil dies zumal im Anfang manche Opfer und Selbſtbeherrſchung erfordert. Der Sut beſtimmt das Thun des Thieres, die Vernunft das des Menſchen, das Evangelium das des Chriſten, die Regel das der Ordenslente, die Ordnung das aller Weſen. Die Ordnung führt zu Gott: im Himmel herrſcht lauter Ordnung. Fange alſo ſchon hier ein Leben der Ordnung an, das du in der Ewigkeit fortſetzen kannſt. Gott wirſt du dadurch wohlgefälliger, deinen Hausgenoſſen angenehmer, deinem zeitlichen S und ewigen Wohle iſt es nützlicher. Wenn du die Ordnung aufrecht erhältſt, wird die Ordnung auch dich aufrecht erhalten. 5. Trirdfertigkeit, Geduld und Fanftmuth. ie Kirche hat in Liebe willig das ſüße Joch Chriſti auf ſich genommen. In dieſer innigen Vereinigung mit Chriſto lebt ſie in unzerſtörbarem, unausſprechlichem Frieden, wie ſehr ſie auch von außen mag angefeindet werden. Dieſes koſtbare Gut, den heiligen Frieden, hat Chriſtus den Sei⸗ nigen ſo ſehr empfohlen und gewünſcht, und 250 die Kirche betet täglich für uns, ihre Kinder, daß„unſere Tage im Frieden dahinfließen“, daß der„Friede des Herrn allzeit bei uns bleiben möge“, und daß nach dem Tode die Seelen ihrer Kinder„im Frieden ruhen mögen“. Chriſtliche Gattin, der Friede ſei mit euch! Dieſer Friede Gottes ſoll auch allzeit herrſchen zwiſchen dir und deinem Gatten. „Selig ſind die Friedfertigen, denn ſie werden Kinder Gottes genannt.“ Wo kein Friede iſt, da iſt Gott nicht. Un⸗ friedſame Eheleute ſind tief unglücklich; ſie ſind zu bedauern, und wenn ſie noch ſo reich, ſchön und jung wären; ſie entbehren jeder Freude, jedes Troſtes, ſind ſich ſelbſt gegen⸗ ſeitig zur Qual, ihren Kindern und Haus⸗ genoſſen zum Aergerniß, kurz: ein Haus ohne Frieden iſt die Hölle auf Erden. Wie kann da von gottgefälligem Lebenswandel, von chriſtlich⸗frommer Kindererziehung die Rede ſein? Frieden und Eintracht wirſt du bewahren, wenn du Alles fernhältſt, was zur Un— einigkeit führen kann. Freunde oder Freun⸗ dinnen, welche dir Mißtrauen gegen deinen Gatten einflößen, dich gegen ihn einnehmen wollen, die das heiligſte Band unter den Menſchen lockern oder gar zerreißen wollen, ſind deine ärgſten Feinde, wahre Teufel. Erweiſe nach den Worten der hl. Schrift deinem Gatten„Gutes und nicht Böſes, ——————— ine w alle Tage deines Lebens“.(Sprüchw. 31.) Sei daher gegen ihn immer liebevoll und freundlich, im Hausweſen ſparſam, haus— hälteriſch und reinlich, ſorge für gute, ge⸗ ſunde Nahrung, und bereite ſie zu nach ſeinem Geſchmack. Hüte dich vor dem erſten Streit, er iſt gewöhnlich das erſte Glied einer lan⸗ gen Kette von Zwiſtigkeiten. Biſt du wirk⸗ lich friedfertig, dann läſſeſt du dich nicht durch eine Beleidigung erbittern, ſelbſt wenn dein Mann offenbar im Unrecht wäre; dann biſt du nachſichtig, denkſt nicht daran, Krän⸗ kung mit Kränkung zu erwiedern, biſt nach⸗ her ebenſo freundlich und gefällig wie zuvor. Zum Streiten gehören Zwei; bleibe du da⸗ her ruhig, auch wenn dein Gatte aufbrauſt und ungerecht werden ſollte. Beſänftige ihn in Liebe und Sanftmuth, ſo wird jeder Streit vermieden. Beſſer leiden, als ſtreiten! Sollten aber leider dem erſten Streite bereits andere gefolgt ſein, ſollte die Eintracht ſchon wiederholt durch Zwiſtigkeiten geſtört worden ſein, dann iſt es noch nicht ganz zu ſpät; ſuche durch Freundlichkeit und Zuvor⸗ kommenheit die Wunden zu heilen und jedes Andenken daran auszumerzen. Sei auf dei⸗ ner Hut, jemals an früheren Zwiſt zu er⸗ innern; vermeide unter jeder Bedingung, dei⸗ nem Manne früheres Unrecht, frühere Fehler vorzuwerfen; bedecke ſie vielmehr mit dem Mantel der Liebe. Vergeben und Vergeſſen! Dazu iſt freilich viel Sanftmuth, viel und große Geduld erfordert. Dieſe Tugenden, chriſtliche Gattin, ſind dir im Leben, beſonders im ehelichen Leben abſolut unentbehrlich. Muß nicht auch dein Mann oft genug mit deinen Fehlern und Schwach⸗ heiten, leiblichen und geiſtigen, Geduld und Nachſicht haben? Denn wahrlich, auch du biſt nicht ohne Fehler! Wie kannſt du des⸗ halb dich ſo leicht verletzt, bitter gekränkt fühlen, wenn er in verdrießlicher Stint ſich einmal vergißt und ein hartes Wort gegen dich gebraucht?— Bleibſt du nach einer ſolchen Kränkung, die vielleicht im Herzen nicht ſo übel gemeint war, doch liebevoll und geduldig, ſo wird dein Mann beſchämt, der ünfriede vermieden. Der Gatte ſieht ſo eher ſein Unrecht ein, und wenn er es dir auch nicht geſteht, es thut ihm leid und er will ſich beſſern.„In der Geduld werdet ihr eure Seelen beſitzen.“ Biſt du im Gegentheil empfindlich, leicht gekränkt, biſt du reizbar und aufbrauſend, antworteſt du mit noch bittereren und noch härteren Gegenreden, biſt du ein Pulverfaß, das ein kleiner Funken entzündet, dann gibt's Donner und Krach und eine arge Verwüſtung im ehelichen Leben. Dadurch wird dein Mann nicht gebeſſert, das Uebel wird von Tag zu Tag ſchlimmer. Die Schwachheiten und Fehler deines Gatten mögen dir noch ſo ſchmerzlich —————— 2 trage ſie ſtill in Geduld und ſuche ſie in Liebe und Güte zu beſſern. Trage deine Leiden allein, ſprich niemals über die Fehler deines Gatten mit Andern, klage ſie auch deiner vertrauteſten Freundin nicht— ſie kann dir nicht helfen, nur ſchaden; klage ſie nur Gott und der ſchmerzhaften Mutter; bei ihnen findeſt du Troſt, Rath und Hülfe, die dir die Menſchen nicht geben können. Wenn du weinſt, weine für dich allein, laß deinen Mann deine Thränen nicht ſchen, mache ihm keine bitteren Vorwürfe; beherrſche deine Ungeduld und deinen Unwillen, mahne und bitte ihn zu rechter Zeit mit ſanften und liebevollen Worten und zeige ihm nie ein unfreundliches, verweintes, mürriſches Angeſicht; deine Geduld und Sanftmuth werden ihn rühren, er wird endlich ſein Un— recht einſehen und ſich beſſern. Aber auch dieſe Zeit warte ab in Geduld. Heilige, chriſtliche Geduld iſt dir auch unentbehrlich in ſonſtigen Widerwärtig⸗ teiten, Leiden und Drangſalen des Lebens. Der Weg der Leiden, der Weg des Kreuzes iſt der Weg Jeſu Chriſti ſelbſt, der Weg zum Himmel. Gäbe es einen andern Weg zur ewigen Herrlichkeit, Chri⸗ ſtus hätte ihn ſeiner liebſten Mutter gezeigt, aber auch ſie ließ er durch den Kreuzesweg der Trübſale und Schmerzen pilgern, ſie iſt die ſchmerzhafte Mutter, die Königin der Martyrer. Für Kreuze ſorgt der liebe Gott reichlich: die einen zimmern wir uns ſelbſt durch unſere Fehler und Sünden, andere ſchickt uns der himmliſche Vater zu, andere endlich laden unſere Mitmenſchen uns auf unter Zulaſſung Gottes. „Seid geduldig in der Trübſal“, ermahnt uns der hl. Geiſt. Ungeduld macht die Bürde uur ſchwerer, die Leiden nur bitterer und raubt uns alle Verdienſte. Geduld hingegen erleichtert und verſüßt die Leiden und erwirbt uns die herrlichſten Verdienſte.„Leichter traget, was er trägt, — Wer Geduld zur Bürde legt.“ Die Leiden und Trübſale ſind Zeichen, Beweiſe der Liebe Gottes zu uns:„Wen Gott lieb hat, den züchtigt er.“ Er will dadurch uns zu ſich zurückführen, wenn wir ihn vergeſſen haben; er will uns reinigen in dieſer Welt von unſern Sünden und Fehlern, für jene Welt uns bewahren vor' den Strafen des Fegfeuers; er will uns mehr zu ſich erheben, indem er uns deutlich zeigt, daß alles Irdiſche trügeriſch und vergänglich iſt. Er will uns Gelegenheit geben zu großen Verdienſten für den Himmel, mehr Gnaden hienieden, mehr Seligkeit dort oben. Darum ſagt uns der hl. Geiſt:„Wer mit Chriſto leidet, wird mit ihm verherrlicht werden.“ Chriſtliche Gattin, trage daher dein Krenz, wenn es auch noch ſo ſchwer iſt, in Geduld und Ergebung in Gottes heiligen Willen. Er will ja immer nur dein Beſtes, er ſtärtt —— — — —= — —— —— — dich durch ſeine Gnade, und ſeine Liebe hilft dir Alles ertragen. Er läßt dich nicht zu lange, nicht länger leiden, als es zu deinem Wohle nützlich iſt. Alles, was du für ihn gethan, entbehrt, geduldet und gelitten, wird er dir reichlich erſetzen, überreichlich belohnen. Boffe, Berz, nur in Greduld, Gott iſt lauter Lirb' und Buld. 6. Frommer, gottgefülliger Pebenswondrl. Die Frömmigkeit iſt ſu Allem nützlich“, belehrt uns der Weltapoſtel Tim.. Iſt nun und Frömmigkeit einem Jeden nützlich, ja nothwendig, ſo iſt ſie ins⸗ beſondere dem Weibe, der Gattin und Mutter unentbehrlich. Nur dann, wenn ſie auf der feſten Grundlage der Religion und Gottes⸗ furcht fußt, kann ſie ihre wichtigen Pflichten kh erfüllen, ihre Beſchwerden und Leiden ergeben tragen, ſich Andere glücklich machen. Nur die gottesfürchtige, fromme Frau kann eine treue Gattin, eine gute Mut— ter, eine fleißige, ſparſame, umſichtige Haus⸗ frau ſein. Nur bei Gott kann ſie Kraft, Muth, Ausdauer, Troſt und Hülfe ſuchen in allen Lebenslagen, nur bei ihm wird ſie dieſelben finden. Die wahre chriſtliche Gattin, beſteht darin, daß du Gott erkenneſt, ihn anbeteſt und ihm huldigeſt innerlich und guu nicht bloß mit dem Gefühl oder in bloßen Worten, ſondern auch in Werken: durch einen chriſtlichen Lebenswandel nach den Grundſätzen des Evangeliums; durch Unterwerfung deines verkehrten Willens unter ſeinen allerheiligſten göttlichen Willen. Das iſt auch die Aufgabe deines Lebens. „Nicht ein Jeder, der zu mir ruft: Herr, Herr! wird in's Himmelreich eingehen, ſon⸗ dern nur Der, welcher den Willen meines Vaters thut, der im Himmel iſt.“ Der Wille Gottes ſei daher in Allem deine Richtſchnur; was Gott will, das allein iſt gut, was er nicht will, iſt nicht gut, zu deinem Wohle nicht dienlich. Das thue, was Gott will, wann er will und wie er will. Die treue und allſeitige Erfüllung ſeiner Standespflichten aus Liebe zu Gott: das iſt das Weſen der Frömmigkeit, ihre Krone und Vollendung. Sie gründet ſich auf die Liebe zu Gott, auf die vertrauens⸗ volle Hingabe an Gott. Die wahre Frömmigkeit hat nichts Bit⸗ teres, Finſteres, Unduldſames, e Strenges oder Läſtiges, das Andere zurückſtößt; die Fröm⸗ migkeit beſteht ja in der Liebe Gottes und in der Lele des Nächſten in Gott, und ſo iſt ſie liebenswürdig und macht liebenswürdig. Wer Gott und die Liebe zum Nächſten im Herzen trägt, iſt nicht trübſinnig, eehr heiter und freundlich: auch dem Fehlenden gegenüber iſt ſie dul dſam und mild. Echter ———— — 237— Frohſinn und freundliches Wohlwollen gegen Jedermann kennzeichnen die wahrhaft fromme Frau. Ihr ganzes Leben und Weſen zeigt, wie ſanft und leicht das Joch des Herrn iſt. Nur unverſtändige, finſtere Kopfhängerinnen machen die Frömmigkeit ihren Gatten und dindern unerträglich, bei Andern lächerlich und verhaßt. Das aber iſt nicht echte Fröm⸗ migkeit, ſondern falſche Frömmelei. Eine wahrhaft fromme Frau betet aller⸗ dings viel und gern, das Gebet iſt ja die Lebensluft ihrer Seele, ihr Troſt, ihre Hoff⸗ nung; ſie verkehrt innerlich mit Gott als ihrem gütigen, liebenden Vater in aller De⸗ muth, aber auch mit allem Vertrauen, ſo viel Zeit gewinnt ſie bei allen Sorgen, Ar⸗ beiten und Mühen, um Gott ihr Lob und ihren Dank, ihre Huldigungen und ihre Anliegen darzubringen. Aber ſie iſt weit entfernt, ſich mit Gebeten, Andachten und Kirchengehen zu überladen und in Folge deſſen ihre Standes⸗ und Liebespflichten zu verſäumen. Nein, ſie arbeitet und duldet mit Gott, in und für Gott; ſie gibt ihrem ganzen Thun und Laſſen die Richtung zu Gott, und ſo iſt ihr ganzer Lebenswandel ein ununterbrochenes Gebet in treuer Erfüllung ihrer vielfachen Pflichten. Die wahre Frömmigkeit weiß, daß Gott zumeiſt auf's Herz ſieht; ſie verabſcheut des⸗ halb Heuchelei und die Sucht nach Außer— ordentlichem; ſie will nicht auffallen, ſucht nicht ſich ſelbſt, ſondern in Allem nur Gott; — 288— ſie überhebt ſich nicht, iſt nicht ſelbſtgefällig oder ſtolz, überſieht die Fehler der Andern, aber nicht ihre eigenen, und bemüht ſich, mit Hülfe Gottes ſich zu beſſern; ſie arbeitet un— ermüdlich, ihre Fehler durch Tugenden zu erſetzen, und ſo wird ſie wohlgefällig vor Gott und den Menſchen. Die fromme Frau, die mit Herz und Mund betet, öfters in der hl. Communion Kraft und Muth ſchöpft, insbeſondere, wo ſie hofft, fürchtet oder leidet, die mit Gott anfängt und aufhört, mit Gott arbeitet und wirthſchaftet, ermüdet nimmer in der Ge— duld, weder bei herben Schickſalsſchlägen, noch bei bangen Sorgen und bitterem Kum⸗ mer um die Familie. In dem tröſtenden Bewußtſein, daß Alles von Gott kommt und zu ihm hinführt, bleibt ſie in Frieden bei allen Erlebniſſen; nie wankt ſie im Vertrauen auf Gott. Sie hofft auf ihn, und er läßt ſie nicht zu Schanden werden. Seine Hülfe verſagt er ihren Bitten nicht.„Weil ſie auf mich gehofft, will ich ſie befreien und beſchirmen.... Sie ruft zu mir, und ich höre ſie, ich bin bei ihr inder Trübſal, ich reiße ſie heraus und bringe ſie zu Ehren.“(Pſ. 90.) Eine liebende und fromme Gattin ſucht auch in Liebe und Geduld ihren Gatten zu Religion und Gottesfurcht zu bringen, ohne ihm jedoch durch Aufdringlichkeit, beſtändige Ermahnungen läſtig zu fallen. Ihr Beiſpiel il u u . u tu nz E m min Go m 6 izn Um en tm n rmn i und ihr Gebet vermögen mehr, als ihre Worte. Er wird ſeine tugendhafte Gattin ſchätzen lernen, ihre Geduld und ihre Sanft⸗ muth, ihre Ausdauer und ihr Gottvertrauen bewundern und eine Frömmigkeit liebge⸗ winnen, die ſo herrliche Früchte trägt. So allmählich ſei einem Gott näher kommen. e ſchön wäre es, chriſtliche Gattin, es ſo weit brächteſt, daß er des Morgens und des Abends mit dir nieder⸗ kniete zum gemeinſchaftlichen Gebete, wenn möglich dich zur hl. Meſſe begleitete, und regelmäßig mit dir zum Tiſche des Herrn ginge? Verzage nicht: die Zeit bringt Roſen. Wie mancher verirrte Mann kam durch ſeine fromume Gattin wieder auf gute Wege. Wie könnte es auch anders ſein? Nicht verloren ſind ja vor Gott ihr vieles Gebet, ihre vielen hl. Communionen, die zahlreichen hl. Meſſen, die ſie Gott aufgeopfert für ſich und ihre Familie; nicht unbelohnt bleiben ihre Werke chriſtlicher Nächſtenliebe, ihr gro⸗ ßes aber demüthiges Vertrauen, ihre ſ Opfer; nicht verloren ſind ihre Selbſtver⸗ leugnung, ihr Schweigen und Nachgeben, ihre unerſchütterliche Sanftmuth und hehre Geduld. Nein, ein ſolches Leben iſt vor Gott ein langes, ein lautes und beſtändiges Gebet, ein wirkſames Flehen, das durch die Wolken dringt und nicht ruht, bis es Er⸗ hörung gefunden. Nichts iſt ſchöner und ehr⸗ würdiger, als eine Familie, in welcher Religion St. Eliſabeth. 19 — und Tugend hoch und in Ehren gehalten wer⸗ den. So lange chriſtliche Gatten gottes⸗ fürchtig bleiben, wird das Band der gegen⸗ ſeitigen Liebe immer feſter und heiliger, Gottes Segen ruht auf ihnen und vererbt ſich fort auf Kinder und Kindeskinder. 7. Würde der Mutter und Wichtigkeit ihrer Pflichten. Ter erſte Zweck und das erſte Gut der — chriſtlichen Ehe beſteht in der Erzeugung und chriſtlichen Erziehung der Kinder, nu ſo die Erde mit guten Menſchen, dereinſt den Himmel mit Seligen zu erfüllen. Die hl. Schrift nennt die Kinder einen„Segen Gottes“, und die heiligen Väter ſehen in ihnen die vorzüglichſte Ehre und Zierde der Ehe.„Wehe jenen Gatten, denen die Ehe nur ein Schleier iſt, hinter welchem ſie in greulichen Unordnungen gegen Himmel und Erde und die menſchliche Geſellſchaft ſich verſündigen, indem ſie in die Rechte Got⸗ tes ſelbſt eingreifen und ihm Seelen rauben wollen, die ſeine Allmacht in's Daſein ge— rufen, ſeine Erbarmung ſelig machen will!“ (P. Boone.) 3 Aber du, chriſtliche Mutter, die du in deinem Kinde ein Ehrengeſchenk des Himmels ſiehſt, o könnteſt du doch recht erfaſſen deine hohe Würde, deinen erhabenen Beruf! Das btte ſeher oit r u vil' 1 u — dein — 291— Koſtbarſte, was Gott beſitzt, hat er dir in deinem Kinde, in deinen Kindern anvertraut; die ganze Hoffnung des Himmels und der Erde, den Preis ſeines koſtbaren Blutes hat er in deine Hände gelegt; dir iſt dein Kind gegeben, damit du es nähreſt, ſchützeſt und z pflegeſt, damit du es erzieheſt und ſeine Seele führeſt zum ewigen Leben. Die Mutter gibt nicht allein dem Kinde das Daſein, ſie iſt auch die Hälfte ſeines Lebens, ſeiner Freude. Ueberall wird ſie freudig begrüßt, auf's Schmerzlichſte vermißt, ihr Tod mit Recht auf's Tiefſte betrauert. Der kennt wahre, uneigennützige Liebe nicht, der Mutterliebe nicht kennt. Ihr Kind uneigennützig zu lieben und zu pflegen, für dasſelbe zu arbeiten, zu dulden und zu leiden, es zu tröſten und ihm zu helfen, in einem Wort: ihr Kind ſo glücklich als möglich zu machen, das iſt die Krone ihrer Wünſche und ihres Strebens, der Adel echter, chriſtlicher Weiblichkeit, der ſchönſte Schmuck ihres Geſchlechtes. In vielfachen Formen ſuchen Schmerz, Kreuz und Unglück aller Art den Menſchen heim, aber Mutterliebe bringt Erquickung, Mitleid, Troſt und Linderung für jedes Weh; Mutterliebe überbrückt jede Kluft in Zeit, Raum, Geſinnung. Das Herz der Mutter iſt eine Schatzkammer voll Mitleid und Er⸗ barmen, ein unerſchöpfliches Capital von Liebe und Huld! Selbſt der Verworfenſte iſt 2 nicht gleichgültig gegen die Liebe der Mutter. Der Name Mutter hat für Jedermann einen lieblichen, ſympathiſchen Klang. Jede Mutterſchaft hat in Gott ihren Urſprung. Gott iſt, nach den Worten des hl. Auguſtinus, zugleich unſer Vater und unſere Mutter, da er uns pflegt, uns leitet und führt. Er ſelbſt hat ſchon ſehr früh den Keim der Mutterliebe in das Herz des Weibes gelegt, und kaum iſt dasſelbe Mutter, ſo würdigt ſie der himmliſche Vater einer rührenden Aehnlichkeit mit ſich ſelbſt. Er theilt ihr von ſeiner Liebe, ſeiner Erbarmung, von ſeinem Anſehen und ſeiner Auctorität, ſogar von ſeiner Weisheit, ſeiner Macht und Herrſchaft mit zur Pflege und Erziehung ihres Kindes. Die tugendhafte Mutter iſt das lieblichſte, entſprechendſte Ebenbild Gottes; die Stimme der Mutter findet noch Anklang in dem Herzen, das jeder andern Stimme verſchloſſen iſt. Die Stimme der Mut⸗ ter iſt die Stimme Gottes, eine Stimme, nicht ſchrecklich wie Donnerrollen, ſondern die Stimme eines liebenden, aufmunternden, ſeg— nenden Gottes, milde wie die Barmherzigkeit, eindringlich wie die Liebe. Die Stimme der Mutter iſt die Stimme der Braut Jeſu Chriſti, der hl. Kirche— ein Wiederhall der allgemeinen Mutter der Seelen. Selbſt eine brave Toch⸗ ter der hl. Kirche, legt die chriſtliche Mutter ihr Kind alsbald nach der Geburt in die — — —— — — = — — — —— — . — ——— — — —— = — — — = — —— — — ——— — ——— =— — — — — — mütterlichen Arme und an das ſorgſame Herz der Kirche, damit es in der hl. Taufe Kind Gottes und Erbe des Himmels werde; mit Gott und der Kirche theilt ſie nun die erha— bene Mutterwürde. Sie hilft der Kirche und die Kirche hilft ihr, das Kind für Gott zu erziehen und zu Gott zu führen. Die Kirche iſt die edle, hehre Monica aller Menſchen, aller Zeiten, die ihre Kinder lehrt und ermahnt, über ſie weint und für ſie betet. Aber kehrt ſo mancher Auguſtinus dieſer Mutterkirche den Rücken, will er ſie nicht mehr ſehen und hören, er Nichts mehr nach ihrer Liebe und ihrem Segen— ſo hört er auf den Ton einer Stimme — auf den Klageton ſeiner tugendhaften Mutter, der ihn verfolgt in dem Strudel ſeiner Leidenſchaften, in dem Taumel ſeiner Lüſte... auf den Ruf der Mutterſtimme aus dem Grabe, auf die Thränen der Mutter, die noch aus einer andern Welt auf ſein Herz fallen und es erweichen. Niemals kann in einem Herzen das Bild der chriſtlichen Mutter ganz erlöſchen! Die Stimme der Mutter iſt die Stimme Mariä, unſerer himmliſchen Mutter, deren Abbild jede chriſtliche Mutter iſt. Maria legt etwas von ihrem Herzen in das Herz einer Mutter, die mit frommem Eifer und vertrauensvollem Gebete bemüht iſt, jedes ihrer Kinder zu einem Kinde Mariä und einem wahren Nachfolger ihres göttlichen Sohnes heranzubilden. Sie leiht ihr ihre Stimme, um ſie zu bekehren und zu heiligen. Dein Kind, chriſtliche Mutter, iſt ja wie jeder Chriſt das Kind der Mutter Gottes ſelbſt, das Jeſus am Kreuze ihrer mütterlichen Liebe übergeben hat. Als Mutter geht ſie mit dir Hand in Hand, ſie legt ihre Worte in deinen Mund, ihre Liebe wetteifert mit deiner Liebe, dein Kind zeitlich und ewig glücklich zu machen. Deinen Worten und deinem Wirken wird der Tod vielleicht bald ein Ziel ſetzen, aber Maria wird dann dein Werk fortführen, deine Worte, Ermahnungen und Bitten in den Herzen deiner Kinder wiederholen. Sie wird ſie mit deinen Leiden und Thränen, mit ihren Schmerzen und Aengſten befruchten und durch ihre mächtige Fürbitte wirkſam machen. So oft hört man klagen: Der Glaube nimmt ab, die guten Sitten ſchwinden, der Geiſt der Familien wird verflacht und ver⸗ weltlicht, Gleichgültigkeit und unreligiöſe Ge⸗ ſinnung ſchleichen ſich ein; die alte Einfach⸗ heit, Ehrlichkeit, Treue und Zufriedenheit weichen dem Geiſte der Selbſtſucht, des Luxus, der Frivolität, der Unzufriedenheit und des Stolzes; die Frömmigkeit wird ver— lacht, der Unglaube erhebt ſtolz das Haupt, die Sünde triumphirt, das Familienleben iſt ſchaal und öde... Warum? „Gebet mir gute, chriſtliche Mütter— und ich werde das ganze Menſchengeſchlecht — — — S =—— =—= — —— —=— — — — — — —— — — — — — —— — — ———— ——=— =—— — — ni 4 — — — 295— umwandeln, das Antlitz der Erde erneuern!“ rief ein heiligmäßiger Miſſionar aus. Die Mutter iſt die Prieſterin Gottes in ihrem Hauſe, ihr Herz der Altar der Familie, aber auch die Quelle, aus der ihren Kindern Segen, Wohl und ewiges Heil zufließen ſoll durch eine ſtreng chriſtliche Erziehung. Wenn nun dieſe Prieſterin des Hauſes dem Götzen des eitlen Weltgeiſtes huldigt und ihre hehren Pflichten vergißt, wenn ſie nicht wie ein Engel mit flammendem Schwerte vor dem Paradieſe ihres Hauſes ſteht und dem Böſen mit aller Kraft das Eindringen wehrt... dann wehe, wehe! Bedenke, chriſtliche Mutter, was Hohes, Erhabenes es iſt um ein Kind und welch ſchwere Verantwortlichkeit auf der Mutter ruht! Wird das Kind dereinſt der Troſt und die Stütze, die Ehre und das Glück ſeiner Eltern?— Wird es ein nützliches oder ſchäd⸗ liches Glied der menſchlichen Geſellſchaft?— Wird es einſt zu den glaubenseifrigen und treuen Kindern oder zu den Feinden der katholiſchen Kirche gehören?— Wird es die ewigen Freuden des Himmels genießen— oder zu den Verdammten zählen?— Das Kind wird ſein, was die Erziehung aus ihm macht, und dieſe liegt zumeiſt in deiner Hand, chriſtliche Mutter! Ja, groß und erhaben iſt deine Würde, wichtig aber auch und furchtbar ernſt ſind deine Pflichten. Sie fordern große Opfer, viel — 296— Muth, Klugheit, Geduld und beſonders tiefe Frömmigkeit. Aber der allmächtige Gott, der ſie dir auferlegt, wird dich auch ſtärken mit ſeiner Gnade; er wird die Bitterkeiten deiner Pflichten verſüßen, deren Laſt er— leichtern. 8. Die mütterliche Grziehung. Wer hl. Apoſtel Paulus ſagt, die Mutter werde ſelig durch die Kinder, die ſie zur Welt geboren, und die gut zu erziehen ſie ſich bemüht hat. Sie iſt für die ihr anver— trauten Kinder verantwortlich vor Gott, dem ſtrengen Richter, der Auge um Auge, Seele um Seele fordern wird. Sie iſt' verantwort⸗ lich vor der hl. Kirche, die ihre Mutter⸗ würde theilt und adelt, verantwortlich vor der ganzen menſchlichen Geſellſchaft, vor Himmel und Erde. Verantwortlich iſt ſie insbeſondere vor den eigenen Kindern ſelbſt, die ſie entweder ewig im Himmel loben oder ewig in der Hölle ihr fluchen werden, wie ſie es eben an ihnen verdient hat. Deinem Kinde hätteſt du, chriſtliche Mutter, mit dem irdiſchen Leben das unheilvollſte und ſchrecklichſte Geſchenk gemacht, wenn du es nicht für Gott und den Himmel erziehen woll⸗ teſt; der Heiland ſelbſt erklärt, einem ſolchen Kinde ſei es beſſer, es wäre nie geboren! Darum ermahnt dich der hl. Geiſt,„deine Kinder in der Lehre und Zucht des Herrn — — — — — — zu erziehen“,„ſie zu unterweiſen und zum Guten zu beugen von Kindheit an“; denn was könnte es deinem Kinde nützen,„wenn es die ganze Welt gewänne, an ſeiner Seele aber Schaden litte“? Wenn du ihm Schliff und Bildung, Reichthum in Hülle und Fülle hinterließeſt, es ſo die kurze Zeit des irdiſchen Lebens in äußerem Wohlergehen hinbringen könnte,— vor der Ewigkeit aber ſchaudern müßte? Nein, Religion und Tugend ſind die beſte, ſicherſte Erbſchaft. Das kleine Bäumchen läßt ſich noch beugen oder gerade richten nach Wunſch des Gärtners, der große Baum nimmermehr.„Jung ge⸗ wohnt, alt gethan“, ſagt das Sprüchwort, und die heilige Schrift beſtätigt dies mit den Worten:„Iſt der Jüngling einen Weg ge⸗ wohnt, ſo weicht er nicht davon ab, auch wenn er alt wird.“„Wer Wind geſäet, wird Sturm ernten.“ Wenn ſchon die Kindesſeele überwuchert wird vom Unkraute böſer Nei⸗ gungen und von Fehlern aller Art, wie kann da der gute Same der Religion und Tugend aufkeimen, ſproſſen, blühen und Früchte bringen? Noch einmal: dein Kind wird das, was deine Erziehung aus ihm macht! Gewiß, du willſt beherzigen die Worte des hl. Geiſtes:„Erziehet eure Kinder in der Lehre und Zucht des Herrn.... Erziehe deinen Sohn, und er wird dich tröſten und deine Seele mit Freude erfüllen.... Ein tugendhafter Sohn — 208— iſt die Freude ſeiner Eltern“; du willſt deine Kinder erziehen für Gott und den Himmel. Aber biſt du nicht auf falſcher Bahn? Befolgſt du auch die allein wahren und richtigen Grundſätze? Gebrauchſt du auch die rechten Mittel? Schon bevor dein Kind das Licht der Welt erblickt, haſt du die Fflicht, gewiſſen⸗ haft Alles zu meiden, was dem körperlichen Gedeihen desſelben ſchädlich wäre. Hüte dich beſonders während dieſer Zeit vor heftigen Leidenſchaften und Aufwallungen, die ihm nachtheilig wären an Leib und Seele. Bete recht oft und andächtig, und wenn deine Stunde naht, ſo unterlaſſe nicht, dich durch den Empfang der hl. Sacramente vorzu— bereiten, zu ſtärken und dein Vertrauen auf die gütige Vorſehung Gottes zu beleben.— Sodann danke Gott von ganzem Herzen, der dir ſo liebreich beigeſtanden, und opfere dein Kind ſogleich dem Herrn, der es dir geſchenkt und deſſen Eigenthum es ſein und bleiben ſoll in Zeit und Ewigkeit; zögere nicht, es baldmöglichſt durch die hl. Taufe zu einem Kinde Gottes und Erben des Himmels zu machen, und weihe es alsdann ſeiner und deiner himmliſchen Mutter Maria. Dem allmächtigen Gott zu Dank und deinem Kinde zu Liebe hüte dich vor allen böſen Leidenſchaften, damit der Säugling ſie nicht erbe. Bitte den Herrn um Erleuchtung und ſtarkmüthige Liebe, um viel Geduld und opferwillige Sorgfalt, damit du in Stand geſetzt werdeſt, dein Kind auf rechte Weiſe körperlich und allmählich geiſtig zu erziehen. Der Leib ſoll nicht zur Weichlichkeit ver⸗ zärtelt, nicht zu Luxus und Eitelkeit verzogen werden; er werde vielmehr abgehärtet, Nichts über das Nothwendige hinaus werde ihm zu⸗ geſtanden, ſeinen Launen durchaus nicht nach⸗ gegeben. Der Leib iſt nur der Seele willen da, dieſe ſoll über ihn mit ſeinen Begierden ganz herrſchen von Kindheit an. Schwachen Charakters iſt eine Mutter, die ſich vor dem Schreien und Weinen ihres Kindes fürchtet; ſie ſollte ihm vielmehr recht bald zeigen, daß es durch dieſe Mittel bei ihr Nichts aus⸗ richtet. Eingebildete Bedürfniſſe, verkehrte Neigungen und beſonders Eigenſinn und Rechthaberei müſſen von Anfang an bekämpft werden. Dagegen ſoll das Kind frühe und mit aller Energie zur Mäßigkeit in jeder Be⸗ ziehung und zur Ordnung und Reinlichkeit angehalten werden; dieſe Tugenden ſind der Geſundheit des Leibes förderlich und leiten das Kind zu wahrer Seelenſtärke an, da ſie ſo häufig Gelegenheit geben zu kleinen Siegen über die Sinnlichkeit und andere böſe Nei⸗ gungen, Siege, die ſpäter die ſchönſten Früchte tragen werden. Wird das Kind größer, erwacht ſein Ver⸗ ſtand und fängt es an zu überlegen, zu be⸗ greifen— dann, o Mutter, treten ernſtere, — 300— erhabenere Pflichten an dich heran. Die erſten Eindrücke der Kindheit ſind bleibend, ſelten werden ſie ganz verwiſcht.„Die Furcht Got⸗ tes iſt der Anfang der Weisheit“, ſagt der hl. Geiſt; darum lehre dein Kind früh die Hände falten zum Gebete, erzähle ihm von Gott, von dem Himmel, dem holden Jeſu⸗ kindlein, und zeige, wodurch es ihm wohlge⸗ fällig werde.. Fürchte nicht, es ſei zu früh. Das Kind erkennt ſchon bald, ob es Eutes oder Böſes thut; die Erfahrung lehrt leider, daß es allzu früh für böſe Eindrücke empfänglich iſt, warum nicht auch für gute? Lehre es auch zur hl. Mutter Gottes und zu ſeinem Schutzengel beten, erfülle ſein Herz mit tief— ſter Ehrfurcht vor Dem, der Alles erſchaffen, und erinnere es oft daran, daß Gott über— all zugegen iſt, daß er uns überall ſieht und unſere geheimſten Gedanken kennt. Suche ſein kindliches Herz mit eifriger Liebe zum göttlichen Heilande zu erfüllen, der aus Liebe zu ihm und uns Allen ſelbſt Kindlein geworden und am Kreuze geſtorben iſt. Lehre es beſonders die Sünde fürchten, die den Heiland an's Kreuz gebracht, uns aber unglücklich macht für Zeit und Ewigkeit. Die hl. Blanca ſagte wiederholt zu ihrem Sohne, dem nachmaligen Könige Ludwig IX.: „Du weißt, mein Sohn, wie innig ich dich liebe; aber dennoch möchte ich dich lieber todt zu meinen Füßen ſehen, als dich einer ſchweren der Eltern ſchätzen höre, wie empört ſich Sünde ſchuldig wiſſen.“ Der Sohn dieſer Mutter ward ein Heiliger. Hüte dich aber, durch Uebertreibungen das Gewiſſen zu fälſchen, für jede Kleinigkeit mit der Hölle zu drohen und den lieben Gott nur als einen ſtrengen Richter darzuſtellen, der die Strafruthe beſtändig in der Hand hält. Er⸗ zähle dem Kinde vielmehr, wie gut der Vater im Himmel ſei, wie lieb er die braven Kin⸗ der habe und wie reichlich er ſie belohnen wolle. Suche ihnen Religion und Frömmig⸗ keit recht liebenswürdig zu machen; laß ſie dich begleiten zu den erhabenen Feierlichkeiten des Gotteshauſes, und ſorge dafür, daß Ge⸗ bet und Gottesdienſt ihnen zu einem frommen Bedürfniſſe werden. Die Erinnerungen der Kindheit haben eine beſondere Kraft, ſpäter die Stürme des Herzens zu beſänftigen. eimm zu Herzen, o Mutter, folgende Worte eines erleuchteten, allzu früh hinge⸗ ſchiedenen Biſchofes:„Die größte Wohlthat, die Gott einem Menſchen zuwenden kann, iſt ohne Zweifel eine wahrhaftſchriſtliche Mutter. Ich ſage mit Abſicht nicht: eine zärtliche, liebevolle Mutter; denn wenn die Mutter ſelbſt vom Geiſte der Welt erfüllt iſt, ſo iſt ihre Liebe dem Kinde nicht nützlich, ſondern verderblich. Aber eine wahrhaft chriſtliche Mutter iſt unter allen Gottesgaben die größte. O wenn ich ſo oft in der Welt das Glück der Kinder nach dem Reichthume mein ganzes Innere! Unermeßlich unglück⸗ lich iſt das Kind, welches eine unchriſt— liche, glaubens⸗ undrugendloſe Mut⸗ ter hat, und wenn es auch in Purpur und Seide gebettet iſt; unermeßlich glück⸗ lich das Kind, das eine wahrhaft chriſtliche Mutter hat! Die Erziehung des Menſchen wird meiſtens in den erſten ſechs Jahren auf dem Schooße der Mutter bewerkſtelligt. Was ſich in ſpäteren Jahren im Kinde ent⸗ wickelt, hat vielfach die Mutter in den erſten Lebeusjahren dem Kinde in's Herz ge⸗ pflanzt. Die Eindrücke, welche in der frühe⸗ ſten Jugend der weichen, für jeden Einfluß empfänglichen Seele gegeben werden, werden ſo ſehr zur zweiten Natur des Kindes, daß ſie ſich nicht mehr verwiſchen laſſen.“ 9. Btrufe, Aufſicht, Beiſpiel. Grziehet eure Kinder in der Lehre — und Zucht des Hexrn!“ Erxinnere dich, chriſtliche Mutter, erinnere dich recht häufig dieſer Mahnworte der hl. Schrift. Dulde keinen Ungehorſam, keinen Eigenſin keine S keine Gemeinheit, keine Liebloſig⸗ keit und Härte, in einem Worte: nichts Sündhaftes— um keinen Preis. Helfen liebevolle Zurechtweiſungen, ernſte Mahnungen und Rügen nicht, dann ſtrafe unerbittlich. Hier iſt Nachſicht und blinde 303 Affenliebe nicht am Platze.„Wer ſein Kind wahrhaft) liebt, der züchtigt es“ ſagt der hl. Geiſt ſelbſt. Das iſt grauſame Liebe, unheilvolle Schwäche, die dem Kinde nicht weh thun kann.„Wer die Ruthe ſpart, haſſet ſeinen Sohn. Das Kins das ſeinen Willen hat, wird dir Schmach ſeiner Mutter.... Schlägſt du es mit der Ruthe, ſo wirſt du ſeine Seele vor der Hölle bewahren“, ſo mahnt und warnt wiederum der hl. Geiſt. Strafe alſo, wenn deine Fflicht dich dazu nöthigt: ſtrafe ohne Nachſicht, aber mit Mäßigung, mit Umſicht und Klugheit, ſtrafe nicht zu oft, nicht zu ſtrenge, nicht in Zorn, Uebereilung und Leidenſchaftlichkeit. Das Kind muß erkennen, daß du bei der Strafe nur ſein Beſtes, nämlich ſeine Beſſe⸗ rung im Auge haſt, nicht aber deinem Zorn und Unmuth Luft machen willſt. Laß morgen den Fehler nicht ungeſtraft, den du heute ahnden mußteſt; ſei nicht par⸗ theiiſch, indem du das eine Kind unter den⸗ ſelben Umſtänden empfindlicher ſtrafſt, das andere nicht. Solche Inconſequenzen würden den Zweck der Strafe verfehlen, dich ſelbſt in den Augen deiner Kinder der Laune und Ungerechtigkeit bezichtigen. Man richte auch die Strafe nach der Gemüthsart des Kindes ein; wie eine zu ſtrenge Strafe, wo das Kind verbittert wird, ſo hat auch eine zu milde keine Wirkung. — 304— Nie aber vergeſſe man, daß die Strafe nur dann angewandt werden ſoll, wenn alle andern Mittel vergebens erſchöpft ſind: je ſeltener, deſto beſſer. Scheltworte, Schimpfe⸗ reien, Zornausbrüche ſtumpfen ab und beſſern nicht; an das viele Mahnen und Schelten werden die Kinder gewohnt, und es bleibt ohne Wirkung. Chriſtliche Mutter, hüte und ſchütze ins⸗ beſondere die Unſchuld und Herzensreinheit deiner Kinder. Du weißt leider aus eigener Erfahrung, wie der Menſch zum Böſen ge⸗ neigt iſt; wie die Sinnlichkeit unter tauſend Geſtalten ſich lockend und ſchmeichelnd an das empfängliche Herz herandrängt, ſelbſt in früheſter Jugend. Daher ſei dein Haupt⸗ augenmerk darauf gerichtet, ihnen frühzeitig Liebe zur hl. Reinheit einzuflößen, und Alles fern zu halten, was dieſer engliſchen Tugend gefährlich werden könnte. Llaſſe nicht zu, daß deine Kinder ſich vor einander umkleiden, baden, nur halb bekleidet das Schlafzimmer verlaſſen flöße ihnen leb⸗ haften Abſcheu vor allem Unſchamhaften ein. Wo möglich ſollen nicht zwei größere Kinder desſelben Geſchlechtes, nie aber Knaben und Mädchen in demſelben Bette zuſammenſ chlafen. Dulde nicht gewiſſe Vertraulichkeiten, Spiele an einſamen, abgelegenen Orten, auf Spei⸗ chern und Heuböden u. ſ. w. Ueberraſche ſie manchmal, wenn ſie ſich allein glanben. Vor⸗ ſicht in dieſer Beziehung iſt nie überflüſſig. „Wachet und betet“, mahnt der Seint Ja, wache: deine Aufſicht ſei eine beſtändige, aufmerkſame und genaue. Es gilt, die Un⸗ ſchuld und Herzensreinheit deiner Kinder zu bewahren, die ſo it iſt für Leib und Seele, Geſundheit und Leben, für Zeit und Ewigkeit. Glaube nicht, deine Kinder ſeien Engel. Prüfe und überwache fremde Kinder, die mit den deinen umgehen und ſpielen. Sobald eines derſelben dir mit Grund ver⸗ dächtig iſt durch ſeine Reden, ſein Benehmen, dürfen die deinen nicht mehr mit ihm um— gehen. Wache auch über deine Dienſtboten: oft ſchon hat eine unzüchtige Magd, ein Knecht durch böſe Reden oder Beiſpiele die Kinder der bravſten Familie verführt. Ein ſchamloſer Dienſtbote muß um jeden Preis fortgeſchickt werden, und ſei er noch ſo fleißig und treu, ſcheine er ſelbſt unentbehrlich zu ſein. Trage Sorge, daß keine Bücher herum⸗ liegen, die für das Kindesalter nicht paſſen. Kinder ſind nur allzu ſehr geneigt, Alles zu durchblättern, was ihnen in die Hände fällt; ſtoßen ſie da auf etwas, was ihre Reugierde reizt, ſo leſen ſie es, grübeln darüber, fragen bei Andern nach. Wache auch über dich ſelbſt, über dein Be⸗ nehmen, deine Reden, deine Kleidung, damit die Kinder nicht lernen, was ſie nicht wiſſen dürfen. Selbſtverſtändlich darfſt du ſie nicht anf die ſo unſinnigen und verderblichen St. Eliſabeth. 20 — 306— Kinderbälle, nicht in's Theater oder ſonſtige Schaubuden gehen laſſen, wo ihre Sinnlich— keit gereizt, ihre Reinheit im höchſten Grade gefährdet wird. Alles Belehren, Warnen, Strafen und Erziehen iſt jedoch vergebens, wenn es am guten Beiſpiele der Eltern fehlt.„Worte belehren, aber Beiſpiele reißen hin.“ Das gute Beiſpiel iſt die wichtigſte, nothwendigſte und wirkſamſte Lehre; auf die Kinder wirkt dasſelbe unwiderſtehlich, weil das Kind un⸗ bewußt Alles nachahmt, was es ſieht, beſon⸗ ders an geliebten Ektern, die in ſeinen Augen die höchſte Auctorität auf Erden ſind. Was der liebe Gott durch ſeine Gnade, was ein frommer und eifriger Seelſorger Gutes in den Herzen der Kinder aufbaut, reißt das ſchlechte Beiſpiel zu Hauſe unfehlbar nieder. Und umgekehrt, in dem ſpäteren Alter noch ruft die Erinnerung an das gute Bei⸗ ſpiel der Eltern, der Mutter insbeſondere, das Kind wieder zu Gott und auf den Weg der Tugend zurück. Beherzige, o Mutter, die Worte eines hohen Kirchenfürſten:„Gute Mutter, wenn ich an deine Lehren, wenn ich an dein Beiſpiel denke, wenn ich mich an deine Leiden und deine Geduld, an dein frommes Gebet erinnere, dann werde ich täglich mehr zur Tugend entflammt!“ — — — — — — — —— 10. Der Anterricht. ine der wichtigſten Pflichten, die du deinen Kindern gegenüber haſt, beſteht auch da⸗ rin, für ihren Unterricht in der chriſtlichen Religion und für ihre geiſtige Ausbildung zu ſorgen. Schicke ſie daher regelmäßig zur Schule und Chriſtenlehre, wo der ju⸗ gendliche Geiſt geweckt, die verſchiedenen An⸗ lagen ausgebildet, wo ſie in nothwendigen und nützlichen Kenntniſſen unterrichtet und mit ihren chriſtlichen und bürgerlichen Pflich⸗ ten eingehender bekannt werden. Wie be⸗ dauernswerth iſt nicht ein Menſch, dem die nöthigen Kenntniſſe und Bildung abgehen! Wie leicht wird ein Unwiſſender übervortheilt, und wie muß er überall im Leben zurück⸗ ſtehen! Wie Viele aber ſind durch gründliches Wiſſen und gefälliges Benehmen zu Wohl⸗ ſtand und Glück gelangt! Ein gediegener Schul⸗ und Religionsunterricht iſt ein ſchönes Erbtheil, tauſendmal mehr werth als Geld und Gut. Unterſtütze Seelſorger und Lehrer in jeder Beziehung; ſprich von ihnen nur im Tone größter Ehrerbietung; überzeuge dich ſelbſt, ob Katechismus und Aufgaben gelernt wer⸗ den, und laſſe auch den Kindern dafür hin⸗ länglich Zeit. Erkundige dich ferner öfters beim Seelſorger und Lehrer über die Fort⸗ ſchritte deiner Kinder und ihre Aufführung. Beklagt ſich ein Kind, daß es in der Schule oder Chriſtenlehre ungerecht beſtraft oder zurückgeſetzt worden ſei, ſo gobe dem Kinde nicht Recht, wie immer es dee Sache auch darſtellen mag; verweiſe ihm vielmehr ſeinen Fehler, ſtrafe es noch einmal und ſei dem Lehrer dankbar, der durch Strafe dein Kind nur beſſern will. Wie thöricht und verblendet ſind doch die Eltern, die in Gegenwart der Kinder über Prieſter und Lehrer ſchimpfen und ſchmähen und ſo zu eigenem und größtem Schaden deren Wirkſamkeit untergraben! Nur da, wo Eltern, Lehrer und Seelſorger mit einander Hand in Hand gehen und ſich gegenſeitig unterſtützen, kann Unterricht und Erziehung gedeihen! Einigkeit macht ſtark, Uneinigkeit zerſtört! 11. Beſondere Winkr. Ae mehr deine Kinder heranwachſen, je mehr ſie in die Welt kommen und ihre verführeriſchen Reize kennen lernen, um ſo nothwendiger iſt das wachſame Auge, die ſorgſame Aufſicht und das entſchiedene Auf⸗ treten der Mutter, um ſo mehr bedarf ſie auch der Stärke und Hülfe von oben. Bete daher viel und halte auch deine heranwach⸗ ſenden Kinder fleißig zu Gebet, Gottes⸗ dienſt und Predigt an. Empfange öfters mit ihnen die hl. Sacramente der Buße und des Altars; denn Gebet und Empfang der — 309— hl. Sacramente bieten dir die kräftigſte Hülfe und wirkſamſte Erquickung in dem ſchweren Werke der Erziehung; deinen Kindern ſind ſie das beſte Bewahrungsmittel wider die Gefahren, die ihnen von allen Seiten drohen. Wie aber, o chriſtliche Mutter, wenn der heranwachſende Jüngling oder die Jungfrau im Elternhauſe ſelbſt den Geiſt der Religion, der chriſtlichen Sitte und Frömmigkeit ver⸗ miſſen müßte? Wenn ſie unkeuſche Reden anhören müßten, Reden gegen Religion und Prieſter, gegen Frömmigkeit, Kirchenbeſuch und Empfang der hl. Sacramente? Wenn ſie zu Hauſe liberale, religions⸗ und kirchen⸗ feindliche Zeitungen, ſittengefährliche Zeit⸗ ſchriften, Bücher oder Bilder anträfen? Wenn irdiſche Geſinnung, frivoler Weltgeiſt, Leicht⸗ ſinn, Eitelkeit und Vergnügungsſucht, ja vielleicht gar Unmäßigkeit und Schamloſig⸗ keit in ihnen genährt und gepflegt würden? Wahrlich, dann wäre dein Haus zur Räuber⸗ höhle geworden! Jetzt, wo der jugendliche Wille noch ſo ſchwach iſt, die Leidenſchaften aber ſich ſtärker entwickeln, wo die Verführung in Wort und Beiſpiel ihnen in tauſend lockenden Geſtalten entgegentritt, jetzt gelten auch dir, o Mutter, die Worte des hl. Paulus:„Ich beſchwöre dich vor Gott und Jeſu Chriſto, verkünde das Wort(der Belehrung und Mahnung), halte an damit, es ſei gelegen oder ungelegen; unterweiſe, bitte, ſtrafe in aller Geduld 3 und Lehrweisheit; denn es wird die Zeit kommen, wo ſie die geſunde Lehre nicht er⸗ tragen, ſondern nach Gelüſten ſich Lehrer Verführer) nehmen, welche die Ohren kitzeln (den Leidenſchaften ſchmeicheln), von der Wahrheit aber werden ſie das Gehör ab⸗ wenden und auf thörichtes Gerede hören.“ Das Böſe ſchleicht ſich nur zu leicht ein durch unnöthigen Umgang mit Perſonen des andern Geſchlechtes oder mit leichtſinnigen und gefährlichen Genoſſen, unter dem Titel der Schul⸗ und Arbeitskameradſchaft, der Freundſchaft, Nachbarſchaft oder Verwandt⸗ ſchaft, unter dem Scheine von Erholung, Vergnügungsfahrtenoder Luſtbarkeiten Wache daher über ihren Umgang; mache ſie auf⸗ merkſam auf die vielfachen Gefahren, die ihrer Tugend und ihrer Religion in der Welt drohen; zeige ihnen an lebenden Bei⸗ ſpielen, wohin Ungehorſam, religiöſe Gleich⸗ gültigkeit, Eitelkeit, ſchlechte Geſellſchaft, Wirthshausleben, Leichtſinn, Vergnügungs⸗ ſucht, Bekanntſchaften führen, daß deren Ende iſt Sünde, Gottvergeſſenheit, Unglück und Noth. Bevor ſie erwachſen, ſollen dein Sohn oder deine Tochter Theater und Tanzboden nicht betreten: am beſten wäre es, wenn ſie für immer darauf verzichteten.(Siehe, was im 2. Theil, 2. Abſchnitt über Umgang und Bekanntſchaften, Theater und Tanzluſtbar⸗ keiten geſagt iſt..— Nur, wo gute Erziehung, — 81— Religion und Sittlichkeit die Vergnügungen leiten, können dieſe wahre innere Freude bringen; den lockenden Verſprechungen der Leidenſchaften aber folgt nur Enttäuſchung und Bitterkeit. Beſſer kein Vergnügen, als ein ſündhaftes; der giftige Biß der Schlange bringt den Tod, auch wenn ſie unter Blumen ſchleicht. Willſt du das Glück deines Kindes be⸗ gründen und es vor vielem Ungemach be⸗ wahren, ſo lehre es das Familienleben ſchätzen, und halte es an zu geordneter Thätigkeit, zu nützlicher und paſſender Arbeit. Müßiggang iſt die Quelle unzähliger Verſuchungen und aller Laſter Anfang. Er verzehrt die beſten Kräfte des Leibes und der Seele, macht untauglich zu ſpäteren Standespflichten, vergällt das Leben mit Langweile und Schwermuth, und arbeitet dem Teufel in die Hand. Suche bei deinen Kindern Geſchmack für gute Lectüre zu wecken, die Romane zu verdrängen. Arbeit erhebt und adelt die Jugend, erhält Leib und Seele geſund; ſie bringt Munterkeit und Frohſinn und legt den Grund zu Wohlfahrt und Glück.(Siehe oben das Capitel über die Arbeit.) Das Familienleben eröffnet eine weite, dauernde Quelle der Liebe, der Zufriedenheit, der Freude. Glücklich der Sohn, die Tochter, die dasſelbe zu ſchätzen weiß! Daher ſoll insbeſondere die Mutter das Vaterhaus zu 3 einem trauten Heim geſtalten und für Er⸗ holung und unſchuldige Vergnügen ſorgen. „Eine Viertelſtunde im Schooße der Familie befriedigt mehr, als alle berauſchenden Ver⸗ gnügungen der Welt. Die Freuden der Fa⸗ milie ſind voll der größten Tröſtungen: Gott verlieh ſie uns zur Vergrößerung der Freuden und zur Linderung der Leiden dieſer Welt. Die Welt achtet nur ſchnöden Reichthum, Jugend und vergängliche Schönheit, die Fa⸗ milie aber ſchätzt die guten Eigenſchaften der Seele. In der Familie theilt man die Freu⸗ den, tröſtet man ſich in den Leiden, findet man Rath im Zweifel, eifert man ſich an zur Erfüllung ſeiner Fflichten, fühlt man ſich ſtärker, weil enge verbunden, gegen die Härten der Welt. Du, Mutter, erhalte, pflege und nähre dieſen guten Genius des Familiengeiſtes.“(P. Blot.) —.—— 12. Grwachſene Zöhne und Tüöchter. Iſt das Familienleben lieb gewonnen, dann werden öffentliche Luſtbarkeiten weniger beſucht, abendliches Herumſchweiſen, das ſo viel Uebel im Gefolge hat, hört auf. Halte insbeſondere deine Söhne von unnöthigem Beſuch der Wirthshäuſer zurück, wo ſie in der Regel nichts Gutes ſehen und hören, zu unnöthigen Ausgaben veranlaßt und leicht ſrühszeitig Spieler und Trinker werden. ir 6 oh on 1 6o rah Vi ihn ſe h — 315 Das Wirthshausleben legt den Grund zu Streitigkeiten, Feindſchaften, Schlägereien und Rohheiten aller Art; es führt zur Ver⸗ nachläſſigung aller Pflichten gegen Gott, gegen die Familie und gegen ſich ſelbſt. Welch ein Unglück für die Familie, die ein dem Wirthshausleben ergebenes Mitglied beſitzt! Wehre alſo gleich im Anfang, bevor es zu ſpät iſt: beſſer bewahrt als beklagt. Sorge dafür, daß deine Söhne und Töch— ter nie über das nothwendige Geld hinaus beſitzen; je weniger ſie in Händen haben, deſto beſſer. Laß dir über ihre Ausgaben regelmäßig Rechenſchaft geben. Geld gereicht der Jugend faſt immer zum Verderben, indem es zu Verſchwendung und Eitelkeit, zu Putz und Ausſchweifung, nicht ſelten zur Untreue führt und den Wohlſtand der Familie zerſtört. In der Erziehung deiner Töchter mußt du vorzüglich darnach ſtreben, ſie vor Eitel⸗ keit und Putzſucht zu bewahren; die Schön⸗ heit der Seele in der heiligmachenden Gnade und die Reinheit des Herzens werden ver⸗ nachläſſigt, ſobald Eitelkeit, Putzſucht das Herz gefangen nimmt. Sie raubt die beſte Zeit zu Putz und Tändeleien; die Berufs⸗ arbeiten werden vernachläſſigt, Sinn und Luſt für Höheres gehen verloren. Ueber⸗ triebener Putz iſt nur zu häufig die erſte Veranlaſſung zu tiefem Fall. Die Tochter will ihre wirkliche oder auch vermeintliche Schönheit im Sonntagsſtaate zeigen, ſie macht in Gefallſucht, in gefährlichen Liebſchaften. Sie drängt zu Tanz und Ball, zu Schauſpiel und Abendgeſellſchaft: nur allzu oft ſchlägt ſie die Stimme des Ge⸗ wiſſens, die Mahnungen und Warnungen der Eltern in den Wind, fällt in Leichtſinn, Sünde und— Verderben.(Siehe im 2. Ab— ſchnitt das Capitel über Putzſucht.) Die heranblühende Jungfrau iſt eine herrliche Blume in Gottes Garten, aber ſie bedarf emſiger und ſorgfältiger Pflege, um zu gedeihen. Darum pflanze ſie in das fruchtbare Erdreich der Gottesfurcht und Frömmigkeit, erfriſche ſie mit dem Regen heilſamer Lehren und Ermahnungen, laſſe ſie durch öfteren Empfang der hl. Sacra— mente erquickt werden durch den Himmels— thau, beſchienen werden von der göttlichen Gnadenſonne; ſchütze ſie vor dem Reif der Verführung, vor den Raupen ſchlechter Freudinnen, vor der ſengenden Gluth früher Liebſchaften, ausſichtsloſer Bekanntſchaften. (Stelzig.) Lehre ſie unermüdlich die beiden ſchönſten Künſte: beten und arbeiten. In allen häus⸗ lichen Arbeiten, ſowie auch in Führung des Haushaltes ſei ſie ſorgſam unterrichtet, ob ſie ſpäter ein eigenes Hausweſen zu beſorgen oder im Dienſte Anderer ihre Kenntniſſe zu verwerthen hat: Fleiß und Geſchicklichkeit werden überall geſchätzt, ſie ſichern dio Liebe des Ehegatten, wie die Achtung der Herrſchaft. — — S — — — — — ,—. —— —= — —— — — == —— —— E — 315— Jetzt, wo die Leidenſchaft dich nicht mehr blendet, ſieht dein Auge die vielen Gefahren eines jungen Mädchens deſto klarer, du kennſt auch die Mittel, ſie abzuwehren. Mache des⸗ halb deine Tochter mit dieſen Gefahren be⸗ kannt, bitte, warne, drohe in Liebe und hl. Eifer und wache über ſie und ihren Umgang mit ſcharfem Mutterauge. In einer ſchwachen Stunde kann ſie ihre Unſchuld, ihre Ehre einbüßen, und Ströme von Thränen können den koſtbarſten Schatz jungfräulicher Reinheit nicht wieder erkaufen! Sei nicht ſo verblendet gottlos, deiner Tochter Unrechtes zu er⸗ lauben, unter dem Vorwande, damit ſie eher und beſſer verſorgt werde. Wo Leichtſinn und Sinnlichkeit, frivole Berechnung und Sünde zwei Herzen zuſammenführen, da kann der Segen Gottes nicht ruhen; eine ſolche Ehe kann und wird nicht glücklich ſein. Will die göttliche Vorſehung, daß dein Sohn oder deine Tochter in Dienſt trete, ſo erkundige dich ſorgſam über die religiöſe Ge⸗ ſinnung und die chriſtliche Hauszucht der Herrſchaft. Wo die früheren Dienſtboten ſich zweideuti ige oder ſchlecht aufführen durften, wo auf Religion und chriſtliche Zucht, Sitte und Ordnung nicht viel gehalten wird, we gar der Unſchuld und dem Glauben Gefahr droht, da laß dein Kind nicht eintreten unter keiner Brbissenh mag die Koſt auch noch ſo gut, der Lohn auch noch ſo hoch ſein. „Was nützte es dem Menſchen, wenn er die — 316— ganze Welt gewänne, an ſeiner Seele aber Schaden litte.“— Iſt die richtige Stelle ge⸗ funden, ſo mache dein Kind mit den ihm in der Fremde drohenden Gefahren bekannt, er— mahne es zu Fleiß und Ausdauer, zu Ge⸗ horſam und Treue, zu Sparſamkeit und Red⸗ lichkeit, lege ihm insbeſondere ſeine religiöſen Pflichten an's Herz. Erkundige dich öfters über ſeine Verhältniſſe und über ſeine ſittliche ſowie religiöſe Aufführung. 13. Standeswahl. Bei der Standeswahl deines Sohnes, deiner Tochter, von der ihr Wohlergehen für Zeit und meiſtens auch für Ewigkeit ab⸗ hängt, liegen dir insbeſondere wichtige Pflich⸗ ten ob. Du ſollſt ſie über ihre Wahl auf⸗ klären, ohne zu entſcheiden, ſie leiten, ohne zu zwingen, ſie belehren, warnen und nöthigen⸗ falls wehren, aber die Wahl ſelbſt muß frei ſein. Gott allein, der Alles ordnet und re— giert, kommt es zu, den Beruf zu beſtimmen; den Eltern liegt bloß ob, den Kindern zu verhelfen, die Stimme Gottes in der Verwitrung, die Fleiſch und Blut und die böſe Welt im Herzen anrichten, leichter und ſicherer zu erkennen. Wende dich daher in eifrigem und eindringlichem Gebete an den Herrn, von dem alles Licht, alle Klugheit, aller Segen kommt. 3 Vernunft und Religion ſollen dich und deinen Sohn, deine Tochter leiten, der blinden Neigung oder Leidenſchaft, den Rückſichten auf zeitliches Vermögen, Anſehen oder Schön⸗ heit nicht Höheres zu bien Die ſogenannte „gute Verſorgung“ gibt nicht immer Bürg⸗ ſchaft für eine glückliche Ehe. Der aber ſetzt ſein zeitliches und ewiges Glück auf's Spiel, der eine Perſon ohne Religion und Sitte wählt. Die Qualen, die Reue, der Jammer, das Martyrium ſo mancher Ehen zeigen, wohin eine ſolche Wahl führt. Die Ehe iſt ein großes Sacrament, aber nur in Chriſto und in der Kirche. Ge⸗ ſtatte alſo niemals und unter keiner Se daß eines deiner Kinder eine gemiſchte Ehe eingehe. Mag der proteſtan⸗ tiſche Theil auch noch ſo religiös, brav und veetge ſein: er mag vielleicht eine Per⸗ ſon ſeines Glaubens glücklich machen,— aber eine katholiſche Perſon vermag er nicht zu beglücken; denn ſelbſt in der allerbeſten gemiſchten Ehe können beide Gatten nicht ein Herz und eine Seele ſein, da ſie im Heiligſten, was es gibt, getrennt ſind. Eine ſolche Ehe könnte nur dem Scheine nach glücklich ſein; lade dir alſo eine ſo ſchwere Verantwortung vor Gott und deinem Gewiſſen nicht auf: die Reue käme zu ſpät Sollten, chriſtliche Mutter deine Be⸗ lehrungen und Warnungen, deine Bemühungen — 3 und dein Gebet ſcheinbar ohne Erfolg ſein, dann hoffe, hoffe immer, bete und ver⸗ zage nicht. Gott kennt ja deine Sorgen und Mühen, deine Seufzer und Thränen— er wird ſie nicht unbelohnt laſſen. Haſt du das Deinige nach Pflicht und Gewiſſen ge⸗ than, ſo wird er auch das Seinige thun. Früher oder ſpäter, vielleicht erſt wenn deine ſterbliche Hülle bereits im Grabe modert, kehrt dein Sohn oder die Tochter auf den rechten Weg zurück. Jedenfalls wird Gott dir Alles reichlich vergelten, was du für ihre unſterbliche Seele gethan. Du kannſt dann dereinſt ge⸗ troſt und vertrauensvoll vor den Richterſtuhl Gottes hintreten und ſagen:„Herr, die Du mir gegeben haſt, habe ich bewahrt, und Keiner von ihnen iſt durch meine Schuld verloren gegangen.“(Joh. 17, 12.) 14. Die chriſtliche Wittwe. PWur der Tod kann vor Gott das Band einer gültig geſchloſſenen Ehe löſen; die überlebende Gattin kann alsdann ſich wieder verchelichen oder nach Gottes Willen Wittwe bleiben, bis der Herr über Leben und Tod ſie abberuft. Sie iſt alsdann verpflichtet, die jungfräuliche Keuſchheit in ihrem vollen Umfange zu beobachten. Der keuſche Witt⸗ wenſtand ward jederzeit in der bl. Kirche —=—— — — — — — ———— —— —— — — — — — —— — —— — — ——— — — —= — — — 319— höher gehalten als der verehelichte Stand. Nur einmal verheirathete Wittwen wurden zu den Gelübden zugelaſſen, in die Klöſter aufge⸗ nommen und ſtanden wie die Jungfrauen unter dem ganz beſondern Schutze unſerer hl. Kirche. Der Apoſtel Paulus ermahnt: „Ehre die Wittwen, die in Wahrheit Witt⸗ wen ſind.“ Erhebe daher muthvoll deine Augen zum Himmel, chriſtliche Wittwe: dein Stand iſt ein würdiger, erhabener, von Gott geſegneter. „Fürchte dich nicht“, ſagt der Herr,„denn ich bin bei dir; wanke nicht, denn ich bin dein Gott. Ich ſtärke dich und helfe dir, und die Rechte meines Gerechten hält dich.“ Feſ. 41, 10.) Nein, der Allmächtige verläßt dich nicht, er iſt ja der Schützer der Wittwen und Waiſen. Wie groß auch die Lücke ſein mag, die der Tod geriſſen, vertraue! Wohl be⸗ rechtigt iſt deine Trauer um den Gatten, der dir Schutz, Stütze, Rathgeber, Freund, der Gegenſtand deiner innigſten Liebe geweſen, mit dem du in Fleiß und Ausdauer gewett⸗ eifert für Haus und Kindererzichung, mit dem du Freud' und Leid, Mühe und Sorge, Furcht und Hoffnung, Gattenliebe und Eltern⸗ liebe getheilt. Ja, bitter iſt die Trennung; viel, viel haſt du verloren(— nein, nicht ver⸗ loren! Gott hat ihn zu ſich genommen, er wird dir ihn erſetzen—), aber mehr, viel mehr iſt dir geblieben, daran denke, das 3 erwäge! Daher jammere nicht in Muthloſig— keit, beleidige Gott nicht mit Wehllagen: „Ich bin zu Nichts geworden; wie der Wind haſt Du weggenounnen, was mein Verlangen war, und wie eine Wolke iſt geſchwunden mein Glück. Und nun ermattet meine Seele in mir ſelbſt und die Tage der Trübſal nehmen mich in Beſitz. Während der Nacht durchbohren Kümmerniſſe mein Gebein, und Sorgen, ſo an mir nagen, ſchlummern nicht.“ Nein, Jammer und Wehklagen mißfallen Gott, können weder dir helfen, noch die Seele deines Gatten im Fegfener erleichtern. Die wahre Liebe hört mit dem Tode nicht auf, und jetzt kannſt du deinem Gatten den höchſten Beweis deiner Liebe geben, indem du für ſeine Seele thuſt, was du kannſt, in eifrigem Gebete, heiligen Meſſen und guten Werken aller Art. Ergib dich daher nicht nutzloſer Trauer, raffe dich auf und erfülle muthig deine Pflichten. Das Uebrige überlaſſe Gott, der in all ſeinen Fügungen nur dein Beſtes will. Vertraue zuverſichtlich auf ſeine göttliche Vorſehung. Gott, der die Vögel des Him⸗ mels nährt und die Lilien des Feldes kleidet, der ſtärkt und tröſtet dich und wird deiner nicht vergeſſen— wenn dn redlich nach ſeinem heiligen Willen das Deinige thuſt. Chriſtus iſt der wahre, ewige Bräutigam deiner Seele. Fürchte Gott— ſonſt Richts! Fürchte Den zu beleidigen, der allein dein Troſt bleibt, deine dauernde Hülfe und dein Glück in Zeit und Ewigkeit ſein will. Treten die Freuden des früheren Lebens, die Eitelkeiten der Welt dir vor die Seele, dann denke an deine letzten Dinge; denke dann, daß du vielleicht bald deinem Gatten nachfolgen wirſt, wohin er dir vorausgegangen. Dieſe Erwägungen wer⸗ den dich ſtärken gegen die Verſuchungen, dei⸗ nen Sinn von allem Irdiſchen und Vergäng⸗ lichen ablenken, und dich antreiben, nur nach den einzig wahren Gütern und ewigen Freu⸗ den zu ſtreben.— Lebe zurückgezogen und vorſichtig, kleide dich ſtandesgemäß, ſittſam, ohne Luxus; ſorge für deinen guten Namen und meide auch den Schein des Böſen; die Welt iſt boshaft, ihre Zunge giftig, ihr Verſprechen eitel, ihr Lohn nur Verachtung und Spott. Aber„wenn du männlich han⸗ delſt und ſtarkmüthig biſt, wenn du die Keuſchheit liebſt und nach deinem Manne keinen andern erkennſt, dann ſtärkt dich die Hand des Herrn und du wirſt geſegnet ſein in Ewigkeit“ 3 Der hl. Chryſoſtomus verſichert, daß die Wittwen, welche in Enthaltſamkeit auf eine zweite Ehe verzichten, ſehr ehrwürdig ſind und nur wenig unter den Jungfrauen ſtehen, wenn ſie es thun aus Liebe zu Gott, um ſo leichter und ausſchließlicher den Werken der Tugend und Frömmigkeit obliegen zu können. St. Eliſabeth. 21 — 3— Bete und arbeite, bete und vertraue. Thue du allſeitig deine FPflichten für Hausweſen und Kinder, übe fleißig Werke der Barm⸗ herzigkeit gegen den Nächſten— und Gott wird das Seinige thun. Die Wunden, die er ſchlägt, heilt er auch. Frage in wichtigen Dingen einen wohlmeinenden, erfahrenen und chriſtlichen Freund um Rath, aber öffne nicht Jedem dein Herz. Auch in den bitterſten Stunden dürfen Muth und Vertrauen nicht ſinken, dann brauchſt du ſie am meiſten. „Die wahre Wittwe“, ſagt der hl. Paulus, „die verlaſſen iſt, ſetze ihr Vertrauen auf Gott und verharre in Gebet Tag und Nacht.“ Ja, bete und vertraue! Mahnt dich der göttliche Heiland nicht ſelbſt vor übertrie⸗ benen, allzu ängſtlichen Sorgen um die Zukunft? Kann ein Haar von deinem Haupte fallen ohne Wiſſen und Willen deines Vaters, der im Himmel iſt? Kann alſo, wenn du entſchieden und muthig allſeitig das Deinige thuſt, Unglück und Noth dich treffen gegen ſeinen Willen? Vertraue dem Worte der ewigen Weisheit:„Der Herr verachtet das der Waiſen und der Wittwen nicht.. ie Thränen, die über ihre Wangen rinnen, ſteigen bis zum Himmel empor, und der Herr läßt ſich erbitten, da er kein Wohlgefallen daran(an ihrer Noth) hat.“ Viel mußt du ertragen, Vieles dulden, auf Manches verzichten. Wie jedem Menſchen ——— S—— S—— 2 S*= — —= hienieden, bleiben auch dir bittere Leidens⸗ ſtunden nicht erſpart. Aber blicke hin auf's Crucifix: biſt du verlaſſener, als dein Heiland, biſt du in S Noth, ſind deine Leiden bitterer? Schaue hin auf die ſchmerzhafte Mutter, Wittwe, wie du; das einzige Herz auf Erden, das ſie mehr als Alles liebt, liegt verblutet auf ihrem Schooße. Sie ruft dir zu:„Komm' und ſchaue, ob ein Schmerz gleich ſei meinem Schmerze!“ Schaue hin auf die liebe hl. Eliſabeth, dieſes herrliche Muſter aller Wittwen in Verlaſſenheit, Noth und bitterem Leid. Lies und betrachte, wie tief das Schwert der Schmerzen bei der Nachricht vom Tode ihres allgeliebten Gatten ihre liebende Seele durch dringt. Lies aber auch und betrachte, wie ſie das allzu Menſchliche abſtreift, wie ſie in Gott Troſt und Stütze ſucht, mit welcher Ergeben⸗ heit ſie die ſchwere Leidensbürde trägt, wie ſie fortan nur Gott und in Gott ihren Kindern leben will. Folge ihr nach, wie ſie die Welt verachtet und ſich in Buße, Gottes⸗ liebe und werkthätiger Nächſten⸗ kiebe unvergängliche Schätze für den Himmel ſammelt. Und als das Maß der Leiden voll, der Kelch der Bitterkeit durch ihre Verſtoßung in Noth, Elend und Schande voll geworden — wie heldenmüthig hat ſie ihn getrunken bis zur Neige. Es war ja Gottes Wille, und der ihrige beugte ſich in engelgleicher Ergebung; ja, ſie pries Gott und dankte ihm, daß er ſie gewürdigt, in ſeiner Nachfolge das Kreuz zu kragen und ihr ſo die Gelegenheit geboten habe, ſich deſto reichlichere Schätze für den Himmel zu erwerben. Hat ſie ja in der Stunde äußerſter Schmach und Be— trübniß das Te Deum als Dankſagung ſingen laſſen! Lies und betrachte, wozu Liebe zu Gott und Sehnſucht nach dem Himmel ſie befähigt haben; thue nach deinen Kräften, wie ſie gethan, und ihr Lohn wird auch dein Lohn ſein. —(5 SSSSSS EEEE Worgengebktk. ——— Beim Erwachen. S du erwacheſt, ſo bedenke, daß du einſt Gott Rechenſchaft geben mußt über jeden Tag deines Lebens, über alle deine Gedanken, Worte und Werke. Deshalb ſteh' allſogleich auf, mache das hl. Kreuzzeichen und kleide dich züchtig an. Vergiß nie, durch eine gute Meinung alle deine Gebete, Werke und Leiden verdienſtlich zu machen, ſowie auch alle Abläſſe zu gewinnen, die du gewinnen kannſt. Dann auch mache den feſten Vorſatz, den lieben Gott heute durch keine Sünde zu beleidigen. Im Namen des Vaters.— 100 1 Ablaß. Sirtus V. — 328— Anbetung und Dankſagung. DO allerheiligſte Dreifaltigkeit, ich bete ich an als meinen Herrn und Gott; ich will Dich lieben aus ganzem Herzen, ich will Dir dienen jeden Tag meines Lebens. Ich danke Dir für alle Wohlthaten, die Du mir erwieſen, und beſonders, daß Du mich dieſe Nacht ſo gnädig behütet haſt. Gute Meinung und Porſatz. Ich opfere Dir auf, o Herr, Alles, was ich heute denken, ſagen, thun oder leiden werde; ich vereinige alle meine Handlungen und Leiden mit den Leiden Jeſu und Mariä und mache die Meinung, alle Abläſſe zu gewinnen, die ich heute gewinnen kann. Auch nehme ich mir feſt vor, Dich, meinen gütigen Vater und künftigen Richter, nie, und beſonders heute nicht durch eine Sünde zu beleidigen, beſonders nicht durch dieſe...(Hier nenne die Fehler, in welche du am öfteſten fällſt.) Glaube, Hoffnung und Liebe. Dein Gott, ich glaube feſtiglich Alles, was Du uns durch Deine heilige katholiſche Kirche zu glauben lehreſt, weil Du, die ewige, unfehlbare Wahrheit, ſolches geoffenbart haſt. O mein Gott, ich hoffe um der Verdienſte Chriſti willen von Dir Verzeihung meiner eünden, Deine Gnade und das ewige Leben zu elangen, weil Du, allmächtiger, barmherziger nd getreuer Gott, ſolches verſprochen haſt. — 32 O mein Gott, ich liebe Dich von gan⸗ zem Herzen und über Alles, weil Du mein beſter Vater und das höchſte, liebenswürdigſte Gut biſt. Deinetwegen liebe ich auch mei⸗ nen Nächſten, Freund oder Feind, wie mich ſelber. Amen.— 7 Jahre und 7 Quadragenen Ablaß und in der Todesſtunde vollkommener Ablaß. Benedict XIV., 28. Januar 1756. Empfehlung in den Schutz Mariä. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o hl. Gottesgebärerin; verſchmähe nicht unſer Gebet in unſern Nöthen, ſondern er⸗ löſe uns allzeit von allen Gefahren. O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unſere Frau, unſere Mittlerin, unſere Fürſprecherin! Verſöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl un deinem Sohne, ſtelle uns vor deinem ohne! Zum hl. Schutzengel und zu den hl. s n pnatronen. Ohl. Schutzengel mein, laß mich di empfohlen ſein. In allen Nöthen ſteh mir bei und halte mich von Sünden frei; an di ſem Tag, ich bitte dich, erleuchte, ſchütze mich. Ihr meine heiligen Schutzpatrone ap Heiligen Gottes, ſtehet mir heute damit kein Unglück uſtoße an Leib Seele, daß ich in der Gnade S harre und einſt ſelig ſterbe. — 30— Ablaßgebet. Jeſus, Maria, Joſeph, euch ſchenke ich mein Herz und meine Seele. Jeſus, Maria, Joſeph, ſtehet mir bei im letzten Todeskampfe. Jeſus, Maria, Joſeph, möge meine Seele mit euch im Frieden ſcheiden.— 300 Tage Ablaß jedesmal. Pius VII. Das wohl zu beherzigende Gine. O Menſch, Du haſt nur ein Leben; iſt das unbenutzt vorüber, ſo iſt es zu ſpät.— Du haſt nur eine Seele; geht dieſe verloren, ſo iſt Alles verloren.— Es ſteht dir nur ein Tod bevor(das Wann, Wie und Wo iſt dir unbekannth; ſtirbſt du im Stande der Todſünde, ſo folgt eine entſetzlich lange Ewig⸗ keit für dich, eine Ewigkeit namenloſer Pein. hugebete während des Tages nit Abläſſpn. Heiligſtes Herz Jeſu, erbarme Dich Sunſer.— Jedesmal 100 Tage Ablaß. Pius IX. 1876. 2. Unbeflecktes Herz Mariä, bitte für s.— Jedesmal 100 Tage Ablaß. Pius X. 1867. 3 Jeſus, ſanftmüthig und demüthig von Herzen, mach' mein Herz dem Deinigen ähn⸗ lich.— Läglich einmal 300 Tage Ablaß. Vius IX 1868. S2 ke it 5 i Su0 hi 3 4. Mein Jeſus, Barmherzigkeit.— Jedesmal 100 Tage Ablaß. Pius IX. 1857. 5. Jeſus, mein Gott, ich liebe Dich über Alles.— Jedesmal 50 Tage Ablaß. Pius IX. 1854. 6. Süßes Herz meines Jeſu, mache, daß ich Dich immer mehr liebe.— Jedesmal 300 Tage Ablaß. Pius IK. 1876. 7. Süßeſter Jeſu, ſei mir nicht Richter, 7 ſondern Seligmacher.— Jedesmal 50 Tage Ablaß. Pius IX. 1851. 3 3 8. Süßes Herz Mariä, ſei meine Rettung. — Jedesmal 300 Tage Ablaß. Pius IX. 1852. Por der Arbeit. Mein Jeſus, ich opfere Dir dieſe Arbeit auf. Segne ſie. Wenn die Ahr ſchlägt.— Jeſus, Maria und Joſeph, euch ſchenke ich mein Herz, meinen Leib und meine Seele. — 100 Tage Ablaß. Pius VII. 1807. In Teiden und Widerwärtigkeiten · Herr, Dein Wille geſchehe, wie im H mel, alſo auch auf Erden.— Oder: E ſchehe, es werde gelobt und in Ewig Alles erhöht der gerechteſte, erhabenſte liebenswürdigſte Wille Gottes in allen Di — 100 Tage Ablaß einmal im Tage. Pius VI. — 332— An Perſuchungen. O Gott, gib mir die Kraft, Dich nie zu beleidigen. O meine Gebieterin, o meine Mutter, erinnere dich, daß ich dir gehöre. Bewahre mich, beſchütze mich als dein Gut und als dein Eigenthum.— Jedesmal 40 Tage Ablaß in Verſuchungen. Pius 1X. 1851. Bat man in eine Zünde eingewilligt. Mein Gott, hätte ich Dich doch nie be⸗ leidigt! O es thut mir leid; Verzeihung, o Jeſu!— Wäre es eine Todſünde, ſo müßte man ſie ſo bald als möglich beichten. ———————— Abkndhebet. Meder Tag ſoll mit Gott anfangen, aber auch mit Gott geſchloſſen werden. Wir müſſen Gott und Maria danken für alle an dieſem Tage empfangenen Wohlthaten für Leib und für Seele, uns über alle unſere Gedanken, Worte und Werke des Tages erforſchen und Reue über nſere Sünden erwecken. Zuerſt erwecke die drei öttlichen Tugenden(ſiehe Morgengebet, S. 328); dann erforſche dein Gewiſſen, beſonders denke nach über die Fehler, in die du am öfteſten fällſt. Mein Gott und mein Herr, alle meine Siden ſind mir von Grund meines Herzens leid, weil ich Dich, o höchſtes Gut, das ich , über Alles liebe, beleidigt und erzürnt habe: ———— un — 333— ich nehme mir feſt vor, alle meine Sünden recht und wohl zu beichten und nie mehr eine Sünde zu begehen; o Herr Jeſu, gib mir Deine Gnade dazu. Amen. Dann ſprich: Mein Gott, ich danke Dir, daß Du mich dieſen Tag erhalten haſt; ich bitte Dich, Du wolleſt mich auch die acht über erhalten und mich vor aller Sünde bewahren. Ich will ruhen, um Dir wohlgefällig zu ſein und neue Kräfte zu ſammeln, um Dir beſſer dienen zu können. Ich mache die Meinung. in dieſer Nacht mit jedem Athemzuge Dich zu loben, zu lieben und Dir zu danken, wie es die Heiligen im Himmel thun! Meine Mutter Maria, ſegne mich, nimm mich auf unter deinen mütterlichen Schutz⸗ mantel, allwo ich vor aller Sünde und Ge⸗ fahr ſicher ſein werde. Mein hl. Schutzengel, 3 ihr, meine hl. Schutzpatrone, bittet W mi Abendopfer an das hl. Herz Zeſu. 5 (Von der i Mutter e vom hl. Saera o 6 Herz Jeſu, und nimm meine ſagung für alle Gnaden auf, die dieſem Tage von Dir empfangen habe. ſchmerzen mich alle Fehler und Tre keiten, welche ich gegen Dich begangen — 334— habe aber das Vertrauen, daß Du mir die⸗ ſelben verzeiheſt und Alles erſetzeſt, was ſie der göttlichen Ehre Eintrag gethan. Mein Glaube, meine Hoffnung, meine Liebe, Alles iſt Dein. In Deinen hl. Flammen, o an⸗ betungswürdigſtes Herz, will ich ruhen und ſchlafen. O möge ich ganz entzündet von Deiner Liebe wieder erwachen. Amen. Dann verrichte deine Bruderſchaftsgebete. Kleide dich züchtig aus, lege im Bette die Arme kreuzweiſe über die Bruſt und ſprich: Ich muß ſterben— und weiß nicht wann, und weiß nicht wie, und weiß nicht wo; aber das weiß ich, wenn ich in einer Tod— ſünde ſterbe, ſo bin ich verloren auf ewig. — Hl. Maria, Mutter Gottes, bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes. Amen. Herr, gib den Abgeſtorbenen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Vater unſer... * ——————— Erftt Moßaundacht. Zu Ehren der hl. Eliſabeth. (Nach dem römiſchen Miſſale.) Vorbereitungsgebet. In Demuth und Reue wage ich es, o Gott, vor Dir zu erſcheinen, um dieſem hl. Meßopfer beizuwohnen. Ich opfere Dir das⸗ ſelbe auf, um Dich gebührend zu ehren und anzubeten, um Dir für alle Wohlthaten zu danken, meine leider ſo vielen und ſchweren Sünden zu ſühnen und Dich um Alles ſu bitten, was mir in meinen jetzigen Verhä niſſen für Zeit und Ewigkeit heilſam und nützlich iſt. Insbeſondere aber opfere ich dieſes hl. Opfer auf zur Ehre der lieben hl. Eliſabeth, meiner Patronin, um Dir zu danken für alle Gnaden, die Du ihr ſo reich⸗ lich auf Erden verliehen, und für die Herr⸗ — — lichkeit, womit Du ſie im Himmel gekrönt haſt. Liebe hl. Mutter Eliſabeth, ſei mir heute und allzeit gegrüßt und geprieſen. Hilf mir jetzt bitten vor dem Throne Gottes, damit er in mein Herz einen Funken jener erſtaun⸗ lichen Liebe zu Gott und zu den Menſchen gieße, daß er mir mittheile von jener über⸗ großen Geduld und Sanftmuth, von allen jenen herrlichen Tugenden, womit dein Herz erfüllt war. 20 Zum Btaffelgebet. Vor Dir, o Gott, vor Maria, der ſelig⸗ ſten Jungfrau, und dem hl. Joſeph, vor der lieben hl. Eliſabeth und allen Heiligen be⸗ kenne ich, daß ich leider oft und ſchwer ge⸗ ſündigt habe in Gedanken, Worten, Werken und Unterlaſſung, durch meine Schuld, durch meine größte Schuld. Deshalb bitte ich reumüthig, daß alle Heiligen ihre Bitten mit meinem Flehen vereinigen mögen, damit ich ſo eher von Gott Verzeihung meiner Schuld und Nachlaſſung der verdienten Sünden⸗ ſtrafen erlange. Barmherziger Gott, groß ſind zwar meine Sünden, aber unendlich größer iſt Deine Liebe und Deine Barmherzigkeit gegen uns arme Sünder, wenn wir unſere Schuld er— kennen und bereuen Deshalb habe Erbar⸗ men mit mir, Deiner verlorenen Tochter, und da Du ſchon ſo viel Erbarmen und Liebe in das Herz der hl. Eliſabeth geſenkt, ſo laß mich durch ihre Verdienſte und auf das Gebet aller Heiligen Deiner Liebe und Freundſchaft wieder theilhaft werden. Amen. Introitus und ERyrie. Laſſet uns Alle den Herrn, unſern Gott, lobpreiſen, laſſet Alle uns freuen in der Ver⸗ herrlichung der hl. Eliſabeth, über deren Feſtfeier ſelbſt die Engel ſich freuen und den Sohn Gottes preiſen.— Selig, die unbe⸗ fleckten Herzens den Weg dieß es irdiſchen m. n bn Un ihie u ſut E w n — Lebens gehen, die da Bübeln nach den Ge⸗ boten des Herrn. Ehre ſei dem Vater. Sei gegrüßt und geprieſen, hl. Eliſabeth, du Mutter der Armen, Kranken und Waiſen, du ſchönſte Edelroſe Deutſchlands, verpflanzt in Paradieſes Auen! Sei gegrüßt, die du groß auf dem Throne, aber größer noch in Armuth und Niedrigkeit geweſen, die ſtark im Glücke, ſtärker und erhabener im größten Unglücke und gänzlicher Verlaſſenheit geweſen. Sei geprieſen und verherrlicht, holde Lilie unter den Dornen, du Barmherzigſte unter den Barmherzigen! Milde Patronin, wende dein barmherziges Auge vom hohen Himmels⸗ throne und bitte mit mir den lieben Gott, daß er ſich meiner in Gnade erbarmen möge. Zum Gloria. Ehre ſei Gott in der Höhe 32 Friede den Menſchen auf die eines guten Willens ſind. Wir loben Dich, wir preiſen Dich, wir beten Dich an, o hl. Dreifaltigkeit, wir danken Dir für Alles, was Du Gutes an uns gethan und noch fernerhin thun willſt. Ehre ſei auch dir, ſeligſte Jungfrau und Gottesmutter Maria, Ehre dir, liebe hl. Eliſabeth; wir freuen uns und danken heute Gott mit allen Engeln und Heiligen, daß er dir deine inbrünſtige Liebe zu Jeſum, deinem und unſerm himmliſchen Bräutigam, deine werkthätige Nächſtenliebe und deine vielen und ſchweren Leiden ſo überreich St. Eliſabeth. 22 — — 338— belohnt hat mit ewiger Glorie und Seligkeit. Lob und Dank dem gütigen Gott, Vater, Sohn und hl. Geiſt, von nun an bis in alle Ewigkeit. Amen. Collerte. Barmherziger Gott, erleuchte die Herzen Deiner Gläubigen und gib uns auf die glorreichen Fürbitten der hl. Eliſabeth, daß wir die(eitlen) Güter dieſer Welt verachten und des himmliſchen Troſtes uns allzeit er⸗ freuen mögen. Durch unſern Herrn Jeſum Chriſtum, Deinen Sohn... Gpiſtel. Wer findet wohl ein ſtarkmüthiges Weib? Ihr Werth iſt groß, wie Dinge, die weit her⸗ kommen von den äußerſten Grenzen. Es vertraut auf ſie das Herz ihres Mannes, und es wird ihm nicht an Ausbeute fehlen. Sie vergilt ihm Gutes und nicht Böſes alle Tage ihres Lebens. Sie ſucht ſich Wolle und Flachs und arbeitet nach der Kunſt ihrer Hände. Sie iſt wie ein Kaufmanns⸗ ſchiff: von ferne bringt ſie ihr Brod. Sie ſteht auf, wenn's noch Nacht iſt, und gibt Beute ihren Hausleuten und Speiſe ihren Mägden. Sie ſchaut nach einem Acker und kauft ihn: von der Frucht ihrer Hände pflanzt ſ. einen Weinberg. Sie gürtet mit Kraft ihre fühlt und ſieht, wie gut ihr Geſchäft iſt, und es verliſcht ihr Licht nicht während der Nacht. — Lenden und ſtärket ihre Arme. Sie 3 Sie legt ihre Hand an große Dinge, und ihre Finger erfaſſen die Spindel. Sie öffnet ihre Hand den Armen und ſtreckt ihre Hand nach dem Dürftigen aus. Sie fürchtet nicht für ihr Haus des Schnees Kälte, denn alle ihre Hausleute ſind doppelt gekleidet. Sie macht ſich Decken, weiße Leinwand und Pur⸗ pur iſt ihr Kleid. Berühmt iſt in den Thoren ihr Mann, wenn er ſitzet mit den Aelteſten des Landes. Kraft und Anmuth iſt ihr Kleid; in den letzten Tagen wird ſie lachen. Ihren Mund öffnet ſie zur Weisheit, und das Geſetz der Milde iſt auf ihrer Zunge, Sie hat acht auf den Wandel ihres Hauſes und ißt ihr Brod nicht müßig. Ihre Kinder kommen empor und preiſen ſie lin und ihr Mann wird ſie loben. Viele Töchter haben ſich Reichthümer geſammelt, du aber haſt ſie alle übertroffen. Betrüglich iſt die Anmuth und eitel die Schönheit; ein Weib, das den Herrn fürchtet, das wird gelobt werden. Gebt ihr von den Früchten ihrer Hände: es müſſen ſie loben vor den Thoren ihre Werke.“ Wie reichlich haſt du, o hl. Eliſabeth, dieſe herrlichen Lobſprüche des hl. Geiſtes verdient! Bitte für mich, auf daß auch ich ein ſtarkes Weib werde, ein Weib nach dem Herzen Gottes, das in allen Verhältniſſen, in ſchweren und trüben Tagen, wie in Freude und Glück, nur ſuche dem Herrn zu gefallen, ſeine Gebote zu halten und alle S pflichten treu zu erfüllen. „ 4 — 340— Gvangelium. In jener Zeit ſprach Jeſus zu ſeinen Jüngern dieſes Gleichniß:„Das Himmelreich iſt gleich einem Schatze, der im Acker ver⸗ borgen iſt; wenn dieſen ein Menſch findet, hält er ihn geheim und geht in ſeiner Freude hin, verkauft Alles, was er hat, und kauft dieſen Acker. Abermals iſt das Himmelreich gleich einem Kaufmanne, der gute Perlen ſucht. Hat er eine koſtbare Perle gefunden, geht er hin, verkauft Alles, was er hat, und kauft ſie. Abermals iſt das Himmelreich gleich einem Netze, das in's Meer geworfen wird und allerlei Fiſche einfängt. Wenn es angefüllt iſt, ziehen ſie es heraus und ſam⸗ meln die guten in Geſchirre, die ſchlechten aber werfen ſie weg. So wird es auch am Ende der Welt gehen. Die Engel werden ausgehen und die Böſen aus der Mitte der Gerechten abſondern und ſie in den Feuer⸗ ofen werfen; da wird Heulen und Zähne⸗ knirſchen ſein. Habt ihr das Alles verſtanden?“ Sie ſprachen zu ihm;:„Ja.“ Und er ſprach zu ihnen:„Darum iſt jeder Schriftgelehrte, der gelehrt iſt im Himmelreiche, einem Haus⸗ vater gleich, der Neues und Altes aus ſeinem Schatze hervorzieht.“— Ein ſolcher werth⸗ voller Schatz warſt du, o hl. Eliſabeth; du warſt die koſtbare Perle, die nun ſtrahlt in der Krone des Allerhöchſten. Erwirb auch mir die Gnade, allzeit ein treues, gläubiges Kind der hl. katholiſchen Kirche zu ſein. — 341— Gffertorinm. Nimm an, o himmliſcher Vater, dieſe Gaben von Brod und Wein, die ich mit dem Prieſter Dir aufopfere, damit ſie nachher durch die hl. Worte der Wandlung in den Leib und das Blut Jeſu Chriſti, des jung⸗ fräulichen ewigen Bräutigams der hl. Eli⸗ ſabeth, verwandelt werden und durch dieſes hoheprieſterliche Opfer mir hienieden Heil und Segen für Leib und Seele zu Theil und im Himmel Gottes Ehre und die Freude der hl. Eliſabeth gefördert werde. Dieſe große Heilige hat Dir von Kindheit an bis zu ihrem heiligen Tode ſo viele und große Opfer ge⸗ bracht; ihr irdiſches Glück, ihren Reichthum und ihre Stellung in der Welt, ihren innig⸗ geliebten Gatten und ihre Kinder; ſie hat Dir zu Ehren ſtrengen Gehorſam, vollkom⸗ mene Armuth, ſtete Keuſchheit geübt; kurz, ſie hat Dir ihr Herz voll und ganz liebend zum Opfer dargebracht. Ich opfere Dir ebenfalls mich ganz mit Leib und Seele, mit meinen Wünſchen, Freuden und Leiden; ich vereinige dieſes mein geringes Opfer mit ihrem ſchmerz⸗ lichen Opferleben, damit Du, o Gott, mir die Gnade gebeſt, allzeit volles Vertrauen zu Deiner weiſen Vorſehung zu haben und in Allem gemäß Deinem hl. Willen zu leben. Präfation und Zanrtus. Wahrhaft billig und recht iſt es, ewiger Gott, allmächtiger Vater, Dir ſtets und überall Dank zu ſagen für alles Gute, das wir an Leib und Seele empfangen haben. Eigentlich ſollte unſer ganzes Lebeu nur ein langes und herzliches Dankopfer ſein, wenn wir bedenken, daß die liebe hl. Eliſabeth in ihrem größten Unglück und herbſten Leid, ſcheinbar verlaſſen von Gott und den Men⸗ ſchen, der heiligſten Dreifaltigkeit zum Danke für das Uebermaß von Leiden, das ihr zu Theil geworden, das Tedeum anſtimmen ließ. Deshalb will ich denn auch meine Stimme mit der ihrigen vereinigen und in Freud' und Leid vertrauensvoll und demüthig einſtimmen der Cherubim und Seraphim: Heilig, heilig, heilig biſt Du, Herr, Gett der Heerſchaaren, Himmel und Erde ſind voll von Deiner Herrlichkeit. Hoſanna in der Höhe! Gebenedeit ſei, der da kommt im Na⸗ men des Herrn! Hoſanna in der Höhe! in den Lobgeſang der Engel und Erzengel, Zum Canon und zur Wandlung. Aus Deinem heiligſten Herzen, o Jeſu, iſt Deine Braut, die heilige Kirche, hervor⸗ gegangen. Siehe, wie dieſelbe von allen Seiten geſchmäht, angegriffen und verfolgt wird; o wehre doch den Verheerungen, die Unglaube, Irrlehre, Trennung und Ver⸗ ſolgung gegen ſie anrichten; beſchütze ſie, heilige ſie und erhöhe ſie als Deine Braut. Liebevolles Herz meines Jeſu, tröſte, ſtärke unſern hl. Vater, den Papſt, ſegne, ſtärke und erleuchte unſern Biſchof und gieße die iht nli im dm m zeng Git dul n 1N —— 5 Pe. ——— ſüt — 343— Schätze Deiner Gnade aus über Alle, die an der Leitung Deiner heiligen Kirche An⸗ theil haben. Gedenke auch, o Herr, meiner Eltern und Geſchwiſter, meiner Wohlthäter und Freunde, und auch meiner Feinde, denen ich von Her⸗ zen verzeihe, weil Du es mir befiehlſt. Segne ſie und Alle, für die ich zu beten ſchuldig bin, an Leib und Seele, für Zeit und Ewig⸗ keit. Unter unſäglichen Oualen haſt Du Dein Leben am Kreuze für uns aufgeopfert, und hier auf dem Altare erneuerſt Du Dein bitteres Leiden und Sterben; ſo erweiche denn, o Jeſu, in dem Blute Deines erbarm⸗ ungsvollen Herzens die harten Sünderherzen, führe alle Irrenden und Ungläubigen zurück auf den Weg Deiner Gnade; erbarme Dich aller Bedrängten, beſonders der Verſuchten und der Sterbenden, und ſchenke den F men die Gnade der Beharrlichkeit. Nimm uns in der letzten ſchweren Stunde des Todes in Dein heiligſtes Herz auf, das da iſt unſere Hoffnung und unſer Troſt im Leben und im Tode. S Herr und Heiland Jeſus, der Du hie 6 auf dem Altare zugegen biſt, in tiefſter De⸗ muth bete ich Dich an! An Dich glaube ich, auf Dich hoffe ich, Dich will ich lieben aus 6 ganzem Herzen. Heiligſtes Herz Jeſu, ſei mir gnädig! Aus Liebe verwundetes Herz Jeſu, ſei mir barmherzig und verzeihe mir meine Sünden. In tiefſter Ehrfurcht bete ich Dich an o heiliges Blut, das Du aus der Seiten⸗ wunde des göttlichen Herzens gefloſſen biſt. O koſtbares Blut, tilge aus meine Sünden und flehe für mich um Gnade und Segen zu meinem Jeſus. O Jeſus, Dir lebe ich; Jeſus, Dir ſterbe ich: Jeſus, Dein will ich ſein im Leben und im Tode. Amen. Aach der Wandlung. Ewiger Vater, ſiehe gnädig herab auf Dei— nen vielgeliebten Sohn, der ſich hier auf dem Altare als Verſöhnungsopfer zur Vergebung unſerer Sünden hingibt. Wegen der Verdienſte ſeiner hl. Menſchwerdung und ſeines bitteren Leidens erhöre die Stimme ſeines Flehens und um ſeinetwillen erzeige uns Barmherzig⸗ keit. Laß dieſes heilige, unbefleckte Opfer Dir gefallen, damit wir Alle, die daran theilnehmen und den heiligſten Leib und das koſtbare Blut Deines Sohnes genießen, mit Gnaden und allem Segen des Himmels erfüllt werden. Gedenke auch, o Herr, der lieben Abge⸗ ſtorbenen im Fegfeuer, insbeſondere derer, für die ich zu beten verpflichtet bin, und der ver⸗ laſſenſten Seelen. Mildere ihre Leiden, kürze ihre Strafzeit ab, und führe ſie ein in die ewige Seligkeit, damit ſie mit der hl. Eliſa— beth und allen Heiligen Dich ewig loben und preiſen mögen.— Auch uns Sündern gib auf die Fürſprache der ſel. Jungfrau und Gotus mutter Maria, des hl. Joſeph, der lieben — 3 S 2 —————— — 345— hl. Eliſabeth und aller Heiligen, daß wir, von allem Uebel, Leid und Unglück befreit, in der Liebe Gottes und des Nächſten, in Reinheit, Sanftmuth und Geduld zunehmen und der⸗ einſt in Geſellſchaft aller Heiligen nach einem gottgefälligen Leben uns im Himmel erfreuen mögen.— Vater unſer... Gegrüßet... Agnus Dei und Communion. O Du Lamm Gottes, das Du hinweg⸗ nimmſt die Sünden der Welt, erbarme Dich unſer und gib uns den Frieden mit Gott, mit dem Nächſten und mit unſerm eigenen Ge⸗ wiſſen, gib uns Deinenhl. Frieden.(Dreimal.) Liebe hl. Eliſabeth, hätte ich doch ein Herz, ſo rein und heilig, ſo voll Gottes⸗ und Nächſtenliebe, wie du, um meinen Heiland, der jetzt geiſtiger Weiſe zu mir kommen will, würdig aufnehmen und ſeines Gnadenſegens theilhaft werden zu können! Ich bitte dich durch deine große Sanftmuth und Geduld, durch deine wunderbare Weltverachtung und deine inbrünſtige Liebe zu Jeſus, erwirb mir durch deine Fürbitte herzliche Reue über meine Sünden und ein herzliches Verlangen nach der hl. Communion. O Herr, verzeihe einer armen Sünderin, die ſich wie Magdalena reuig Dir zu Füßen wirft und Deine Barmherzigkeit anfleht. Herr Jeſus, ich verlange nach Deiner Liebe und Gnade, o komm' zu mir, reinige und heilige meine Seele und entzünde in ihr das Feuer jener Liebe, von der das reine Herz der hl. Eliſabeth allzeit geglüht. O Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehſt unter mein Dach, ſondern ſprich nur ein Wort, ſo wird meine Seele geſund.(Dreimal.) mein Jeſu, gütiger Heiland meiner Seele, komm', mein Herz verlangt nach Dir... Der Leib unſers Herrn Jeſu Chriſti bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen.... Mein Jeſu, jetzt biſt Du in meinem Herzen, ſei herzlich willkommen. Sei gelobt, geliebt in alle Ewigkeit. Stärke jetzt meine Schwach⸗ heit, damit ich Kraft finde in Dir zu jeglicher Tugend. Erneuere meinen Geiſt, damit er dem Geiſte der hl. Eliſabeth, meiner Patro— nin, gleichförmig werde; gib mir Kraft, das Böſe zu beſiegen, reich zu werden an Tugend und Verdienſten, und in der Vollkommenheit meines Standes täglich fortzuſchreiten, damit ich in Wahrheit ſagen könne:„Ich lebe, doch nicht ich, ſondern Chriſtus lebt in mir.“ Mach der hi. Communion. Barmherziger Gott, laß uns, die Du eben Geiſtiger Weiſe) mit Deinem hl. Gaſtmahle erquickt haſt, durch die Fürbitte der lieben hl. Eliſabeth, deren Gedächtniß(Feſt) wir feiern, getröſtet, geſtärkt und erfreut werden. Durchunſern Herrn Jeſum Chriſtum... Amen. Liebreiche und liebenswürdige Mutter und Patronin, hl. Eliſabeth, bitte mit Maria und allen Heiligen für mich, damit Gott mich o tröſte in meinen Leiden und Widerwärtig⸗ keiten, mich ſtärke in den Verſuchungen, mich belebe zur Tugend und guten Werken der Frömmigkeit, der Abtödtung und Nächſten⸗ ſiebe. Erwirke mir die Gnade, holdſeligſte Patronin, daß mein Herz rein bleibe von jeder Makel der Unreinigkeit, daß ich zunehme an Liebe zu Gott und zu dem Nächſten; erlange mir ein unbegrenztes Vertrauen zu Gott, Geduld in Trübſal, Sanftmuth im Umgang, Verachtung der weltlichen Eitel⸗ keiten und Treue in Erfüllung meiner Standes⸗ pflichten. Amen. Beim Begen. Möge, o allerheiligſte Dreifaltigkeit, dieſes hochheilige Opfer von Dir in Gnaden auf⸗ genommen werden; die reichen Verdienſte der lieben hl. Eliſabeth mögen erſetzen, was mir an Andacht und Liebe dabei gefehlt. Auf ihre huldvolle Fürbitte ertheile mir die Fülle Deines hl. Segens: ſegne mich an Leib und Seele, ſegne meine Arbeiten und meine Leiden, ſegne meine Gedanken, Worte und Werke. Segne mein Haus und alle meine Angehö⸗ rigen. Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, Sohnes und hl. Geiſtes, komme über uns herab und bleibe bei uns allzeit. Amen. Zum Schluß. 6 Bete das„Gebet und Gruß an St. Griſabeth“ (ſiehe ganz vorne). — 346 Zweite Mrßundacht. Zu Ehren der ſeligſten Jungfrau Maria als Mutter von der immerwährenden Hülfe. (In einem beſondern Anliegen.) Porbereitungsgebet. F immliſcher Vater, ich armer Sünder will jetzt dem hochhl. unblutigen Opfer des neuen Bundes beiwohnen, in welchem Dein liebſter Sohn Jeſus Dir ſeinen hl. Leib und ſein koſtbares Blut unter den Geſtalten von Brod und Wein zu Deiner Ehre und zu unſerm Heile darbringt. Erfülle mein Herz mit ſo inniger Andacht, Ehrfurcht, Reue, Liebe und Dankbarkeit, wie es die Heiligkeit dieſes erhabenſten Opfers verlangt, und laſſe mich, die Meinigen und alle meine Freunde und Wohlthäter, ſowie auch Alle, die ich in dieſe meine Gebete einſchließe, theilhaftg wer⸗ den der reichlichen Früchte und wirkſamen Segnungen dieſes hl. Opfers. Ich opfere Dir dasſelbe auf zur Anbetung Deiner gött— lichen Majeſtät, zur Dankſagung für alle empfangenen Gnaden und Wohlthaten, zur Sühne für alle meine Sünden und zur Er— langung aller Gnaden, die ich für Leib und Seele zu meinem zeitlichen Wohle und ewigen Heile bedarf. Amen. Beſonders aber opfere ich Dir dieſe i Meſſe auf zur Verehrung Unſerer L ieben ——— driz de lte Mutter von der immerwährenden Hülfe, zur Dankſagung für die Gnadenfülle und Herr⸗ lichkeit, welche Du ihr verliehen, zur Ver⸗ mehrung meiner kindlichen Liebe zu ihr und zur Erlangung dieſer beſondern Gnade. (nenne hier dein Anliegen), um welche ich durch die Fürſprache dieſer meiner himmliſchen Mutter Dich demüthigſt anflehe. O liebe Mutter Maria, erwirke mir die Gnade, dieſem göttlichen Opfer mit denſelben Geſinnungen und Gefühlen beizuwohnen, von denen dein Herz auf dem Calvarien⸗ berge unter dem Kreuze erfüllt war; flöße mir dieſelbe Andacht und Liebesgluth ein, welche dich beſeelte, als du nach der Himmel⸗ fahrt deines Jeſu der Feier dieſer hochheiligen Geheimniſſe durch den hl. Johannes ſo oft angewohnt haſt. Beim Confiteor. O barmherziger Heiland, mit zerknirſch⸗ tem Herzen bekenne ich vor Maria, der Zu⸗ flucht der Sünder, und vor allen Engeln und Heiligen des Himmels, wie ſehr ich mich Deiner Güte und Liebe unwürdig ge⸗ macht durch zahlloſe Sünden in Gedanken, Worten und Werken, beſonders durch dieſe meine Gewohnheitsſünde. Doch, mildeſter und gütigſter Jeſus, ein gedemüthigtes und zerknirſchtes Herz wirſt Du nicht verwerfen. Gedenke der bitteren Leiden, die Du für mich erduldet, und laß Dein koſtbares Blut an — 350— mir nicht verloren gehen⸗ Gedenke aber auch der Schmerzen Deiner und meiner Mutter Maria, die in Vereinigung mit Dir ſo viel für mein Heil gelitten und die, wie einſt auf Calvaria, auch jetzt noch in dieſer hl. Meſſe Deinem unblutigen Opfertode beiwohnt. Durch ihre Tugenden und Ver⸗ dienſte gewähre mir die Verzeihung und eine Gnade. O Unſere Liebe Frau von der immer⸗ währenden Hülfe, die du Alles bei deinem ohne vermagſt, übe dein barmherziges Mittleramt aus, verſöhne mich wieder mit Jeſus und bewirke, daß ich ihn in Zukunft nie mehr beleidige. Ewiger Vater, der Du die ſeligſte Jung⸗ frau zu Deiner Tochter erwählt, ſei mir um ihretwillen gnädig! O Sohn Gottes, der Du Maria als Deine Mutter ehrſt, ſei mir um ihretwillen barmherzig! O heiliger Geiſt, der Du Maria zu Deiner Braut erkoren, auf ihre Fürbitte reinige mich von meinen Sünden und ſchmücke mich mit ihren Tugenden! Introitus. Freuen wir uns Alle im Herrn, in dem wir feiern das Feſt(oder das Gedächtniß) der ſeligſten Jungfrau Maria, über das ſich freuen die Engel und den Sohn Gottes lobpreiſen.—(Pſ. 44.)— Mein Herz hat 36 ein gutes Wort geſprochen: ich will alle meine Werke(und Leiden) meinem(himm— liſchen) Könige weihen. Ehre ſei dem Vater... Beim Gloria. Selig biſt du und aller Verehrung würdig, o liebe Mutter Maria, die du vom Engel als die Gnadenvolle begrüßt und gewürdigt wardſt, Denjenigen zu ge⸗ bären, der dich erſchaffen, den die Engel des Himmels und alle Creaturen auf Erden preiſen, verherrlichen und anbeten als den Herrn aller Dinge, als den eingeborenen Sohn des Vaters, als das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt⸗ der da iſt allein heilig, allein der Allerhöchſte, mit dem hl. Geiſte in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. Zu den Gollerten. ¹ Allmächtiger und barmherziger Gott, der Du uns die Gnade verliehen, das Bild Deiner gebenedeiten Mutter unter dem be⸗ ſondern Titel„von der immerwährenden Hülfe“ zu verehren, verleihe gnädig, daß wir in den Wechſelfällen unſers irdiſchen Pilger⸗ lebens des beſtändigen Schutzes derſelben unbefleckten und allzeit jungfräulichen Mut⸗ ter Maria uns derart erfreuen, daß wir verdienen, des ewigen Preiſes Deiner Er⸗ löſung theilhaft zu werden; der Du lebſt — 352— und regierſt mit Gott dem Vater in Einig⸗ teit des hl. Geiſtes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.— Zur Gpiſtel. (Buch Jeſu Sirach 24, 23— 31.) Wie ein Weinſtock trug ich(ſo läßt die Kirche die hl. Muttergoktes ſprechen) wohlriechende, liebliche Früchte; und meine Blüthen ſind ein herrlich und ehrlich Gewächs. Ich bin die Mutter der ſchönen Liebe und Furcht, der Erkenntniß und der hl. Hoffnung. Bei mir iſt alle Gnade des Lebens und der Tugend. Kommet her zu mir Alle, die ihr mein begehret, und ſättiget euch an meinen Früchten. Denn mein Geiſt iſt ſüßer als Honig und mein Beſitz über den ſüßeſten Honigſeim. Mein Andenken iſt immer und ewig. Die mich eſſen, hungern immer, und der mich trinken, dürſten noch(je mehr man meine Güte und Wohlthaten erfährt, deſto vertrauensvoller wendet man ſich an mich). Wer auf mich hört, wird nicht zu Schanden, und wer in mir ſeine Werke thut, ſündigt nicht. Die mich an's Licht ſetzen(die dazu beitragen, daß ich gekannt und geliebt werde), erhalten das ewige Leben. Ganz ſchön und hübſch biſt du, o Tochter Sions, ſchön wie der Mond, auserleſen wie die Sonne; furchtbar(deinen Feinden) wie ein wohlgeordnetes Kriegsheér.— Der Herr hat dich geſegnet in ſeiner Macht, da ———— ing Hierauf ſprach er zu dem Jünger(zu uns er durch dich unſere Feinde vernichtet hat. Alleluja! Alleluja!— Gegrüßet ſeiſt du, Maria, voll der Gnade, der Herr iſt mit dir, du biſt gebenedeit unter den Weibern. Alleluja! Beim Gvangelinm. (Joh. 19.) In jener Zeit ſtanden neben dem Kreuze Jeſu ſeine Mutter und die Schweſter ſeiner Mutter, Maria, die Frau des Cleophas, und Maria Magdaleng. Da nun Jeſus ſeine Mutter und den Jünger (Johannes), den er liebte, daſelbſt ke ſah, ſprach er zu ſeiner Mutter:„Weib, ſiehe da deinen Sohn“ alle Erdenpilger) Allen):„Siehe da deine Mutterl⸗ Und von dieſer Stunde an nahm ſie der Jünger zu ſich. Hier erwecke: Glaube, Hoffnung und Liebe. Zur Opferung. Nimm an, o himmliſcher Vater, dieie Gaben von Brod und Wein, welche Dein Prieſter Dir jetzt durch die reinſten Hände der glorwürdigen Jungfrau darbringt, da⸗ mit ſelbe, in den Leib und in das Blut ihres göttlichen Sohnes vw ge⸗ reichen mögen zu Deiner größeren Ehre, zu ihrer größeren Freude und Herrlichkeit im Himmel und zu unſerer Hülfe und unſerm Heile hier auf Erden. St. Se O gütigſter Jeſu, auf die Fürbitte Dei⸗ ner heiligen Mutter und um uns zu zeigen, welch große Macht ſie über Dein heiligſtes, anbetungswürdigſtes Herz beſitzt, haſt Du einſt Waſſer in Wein verwandelt; o ſo wandle denn auch mein Herz, das ich auf die Patene des Prieſters lege, gänzlich um, damit es von nun an nur in Liebe zu Dir und zu Deiner Mutter ſchlagen und würdige Früchte des Heiles hervorbringen möge. Um die Armſeligkeit S meines Herzens zu erſetzen, opfere ich Dir auf Deine unend⸗ lichen Verdienſte, alle Liebesanmuthungen, alle Tugenden und Verdienſte der allerſeligſten Maria und aller ieen und en im Himmel und auf Erden. O Jungfrau, Mutter Gottes, gedenke vor dem Angeſichte des Herrn, daß du für uns gutſprecheſt, auf daß er ſeinen Zorn von uns abwende. Ja, gedenke, o Mutter von der immer⸗ währenden Hülfe, wie dein lieber Sohn, ſich für uns am Krenze opfernd, dich uns zur Mutter und uns dir zu Kindern gegeben hat. Deshalb vertraue ich jetzt deinem Mutter⸗ herzen an meinen Leib und meine Seele, meine Arbeiten und meine Mühen, meine Freuden und insbeſondere meine Leiden(dies und jenes). Ich ſtelle unter deinen mütterlichen Schutz meinen Vater und meine Mutter, meine Ver⸗ wandten und meine Freunde; opfere du mich und die Meinigen dem Herzen deins Jeſu auf. — 5 „O meine Gebieterin, o meine Mutter, dir bringe ich mich ganz dar; und um dir meine Hingabe zu bewähren, weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich ſelber ganz und gar. Weil ich denn nun dir angehöre, o gute Mutter, ſo bewahre mich, beſchütze mich als dein Gut und dein Eigenthum. O meine Gebieterin, o meine Mutter, erinnere dich, daß ich dir gehöre! Bewahre mich, beſchütze mich als dein Gut und als dein Eigenthum.“— Gegrüßet.. Täglich 300 Tage Ablaß; monatlich vollkommener Ablaß. Pius KK., 5. Auguſt 1851. Zur Präfation. Billig, recht und heilſam iſt es, o Herr⸗ daß wir unſere Herzen zu Dir emporheben, und Dir, o heiligſter Herr, allmächtiger Vater, allzeit und überall Dank ſagen, und daß wir Dich loben, preiſen und verherr⸗ lichen am Feſttage(n der Verehrung) der allerſeligſten Jungfrau, welche Deinen ein⸗ geborenen Sohn durch Ueberſchattung des heiligen Geiſtes empfangen und, ihre Jung⸗ frauſchaft bewahrend, das ewige Licht, Jeſum Chriſtum, unſern Herrn, der Welt geboren hat; durch den die Engel Deine Maijeſtät loben, die Herrſchaften anbeten, vor dem die Mächte zittern, den die Himmel, die Himmelsgewalten, ſowie auch die heiligen Seraphim mit gemeinſamer Freude verher lichen; mit denen Du auch unſere Stimt gnädig vereinigen wolleſt, indem wir flehent⸗ lich bekennen und ſingen: Heilig, heilig, heilig iſt der Herr, Gett Sabaoth! Himmel und Erde ſind voll Dei⸗ ner Herrlichkeit! Hoſanna in der Höhe! Gelobt und geprieſen ſei auch unſere liebe, milde und gütige Mutter Maria! Zum Canon. O Unſere Liebe Mutter von der immer— währenden Hülfe, derſelbe Jeſus, welcher dereinſt in deinen jungfräulichen Schooß herniedergeſtiegen, ſteigt auch jetzt herab auf den Altar; ſein erbarmungsreiches Herz iſt angefüllt mit Gnaden und Segnungen, die es in reichlicher Fülle über uns ausgießen will. Dir aber, o Mutter, hat er den Schlüſſel zu dieſem Gnadenſchatze übergeben, dich hat er mit der Ausſpendung ſeiner Güter betraut. So kannſt du, o Mutter von der immerwährenden Hülfe, mir ja helfen in allen Nöthen und Anliegen Leibes und der Seele, und du willſt es auch thun, weil du ſo überaus gütig biſt und mich mehr liebſt, als ich mich ſelbſt lieben könnte. An dich, o Tröſterin der Betrübten, wende ich mich alſo in dieſem meinem Anliegen... Dir, der Mutter, klage ich armes Kind meine Noth, mein Leid! Doch dein und deines göttlichen Sohnes Wille, der allein gut und heilſam iſt, möge geſchehen, nicht der meinige! Hilf, o Mutter! Und falls du zu meinem — 35 iut Lutzen mir nicht helfen willſt, ſo ſtärke und 6 nöſte mich! Erwirke mir dann die Gnade, 1 geduldig und ergeben zu leiden, aus Liebe zu 1 Jeſum und zu dir, die, ihr ja auch ſo viel für mich gethan und gelitten habt; ſo werden un meine gegenwärtigen Leiden mir überreich⸗ lichen Gewinn für den Himmel eintragen. — Erbarme dich auch aller meiner Lieben, aller Kranken und Leidenden, aller Betrübten in und Irrenden, meiner Freunde und meiner u Feinde. Gib Allen, was ſie an Leib und un Seele bedürfen, um dir wohlgefällig und der f ewigen Seligkeit theilhaftig zu werden. Be⸗ ſonders aber lege deine mächtige Fürſprache e ein für den Papſt..., unſern Biſchof e und für die geſammte Prieſterſchaft; ſegne m ihre Bemühungen im Weinberge des Herrn, be 3 auf daß das Reich deines göttlichen Sohnes i immer mehr ausgebreitet und befeſtigt werde. Amen. M Zur Wundlung.. e O mein Jeſus, ich glaube an Dich als die S ewige Wahrheit. O mein Jeſus, ich hoffe au Dich als auf die unendliche Barmherzigkeit. O mein Jeſus, ich liebe Dich als das höchſte, ich 3 beſte Gut.— 7 Jahre und 7 Quadragenen Ablaß. 1 Ich bete jetzt Dich an und ohne End O Himmelsbrod, o großes Sacxamen 1. 6 O Jeſu, mein Erlöſer, ſegne mich, Und Herz Mariä, du, ich bitte dich. Dir, o Jeſu, ſei mein Herz geſchen — Und in das Deine immerdar verſenlt. 4 2 — 358— Mögen, o heiligſtes und göttliches Sa⸗ erament, alle Menſchen Dich erkennen, Dich anbeten, Dir danken ſtets und ohne End“ Jedesmal 100 Tage Ablaß. Leo XII. 1828. Ewiger Vater, wir opfern Dir auf das Blut, das Leiden und den Tod Jeſu Cyriſti, die Schmerzen der allerſeligſten Jungfrau und des heiligen Joſeph zur Abzahlung un— ſerer Sünden, zur Hülfe und zum Troſte der armen Seelen im Fegfeuer, für die An⸗ liegen unſerer hl. Mutter, der Kirche, und für die Bekehrung der Sünder.— Jedesmalt 100 Tage Ablaß. Pius IX. 1860. Aanch der Wandlung. Sei verehrt und angebetet, o mein Gott unter Brodsgeſtalt, mit jener tiefen und freu⸗ digen Ehrfurcht, mit der Maria und Joſeph im Stalle zu Bethlehem knieten; mit jenem ſtandhaften Glauben, womit Deine reinſte, ſchmerzhafte Mutter mit dem hl. Johannes unter dem Kreuze ſtehend Dich anbeteten. Hl. Blut meines Erlöſers, das Jeſus von Maria, der reinſten Jungfrau, ange⸗ nommen, waſche meine Seele von allen Sünden, ſtärke ſie zu allem Guten und be⸗ wahre ſie zum ewigen Leben. Vater im Hiumel, ſchaue mit Wohlge⸗ fallen hernieder auf dieſes reine, makelloſe Opfer, das ich mit und durch den Prieſter demüthig Dir darbringe, und laß mich durch dasſelbe Gnade und Erbarmen finden vor ————————— ————— iſi tu l u zul ot p ————. Deinen Augen.— O Mutter Maria, ſtelle dieſem deinem göttlichen Sohne, der jetzt auf dem Altare gegenwärtig iſt, Alles vor, was er, und du mit ihm, gelitten für mich armen Sünder, und opfere dem himmliſchen Vater alle eure Verdienſte auf, dann werden meine Bitten Erhörung bitten. „Barmherziger Jeſus, unſer Si unſer Leben, unſere Auferſtehung biſt Du allein. Wir bitten Dich alſo, verlaſſe uns nicht in unſern Nöthen und Trübſalen, ſondern um der Todespein Deines hl. Herzens und um der Schmerzen Deiner unbefleckten Mutter willen komme zu Hülfe Deinen Dienern, welche Du mit Deinem koſtbaren Blute er⸗ löſt haſt.“ Täglich 100 Tage Ablaß. Pius 1X. 1870. Gedenke aber auch, o Herr, der lieben Abgeſtorbenen im Fegfeuer, beſonders jener Seelen, welche meine liebe Mutter Maria am meiſten verehrt haben, und Aller, für welche ich zu beten verpflichtet bin. Lindere ihre Schmerzen, kürze ihre Leidenszeit ab und gib ihnen die ewige Ruhe.— Maria, du biſt nicht allein die hülfreiche Mutter der Lebendigen, ſondern auch der armen Seelen! Vereinige dein Gebet mit dem meinen. Zum Pater noſter und Agnus Dei. 6 Bete mit dem Prieſter: Vater unſer. Erlöſe uns, o Herr, wir bitten Dich von allen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Uebeln, und ſchenke uns auf die — 360— Fürbitte der ſeligen, glorreichen, allzeit reinen Jungfrau Maria gnädiglich den Frieden in unſern Tagen, daß wir, durch Deine Barm— herzigkeit unterſtützt, allzeit von Sünden frei und vor jeder Drangſal geſichert ſeien. Durch Jeſum Chriſtum, unſern Herrn. Amen. Der Friede des Herrn ſei mit uns. Amen. „Sei gegrüßt, erlauchte Königin des Frie⸗ dens, hl. Mutter Gottes; durch das heiligſte Herz Jeſu, deines Sohnes, des Fürſten des bitten wir dich, bewirke, daß ſein orn ſich beſänftige, und daß er in Frieden über uns herrſche. Gedenke, o gütigſte Jung⸗ frau Maria, daß es noch niemals gehört wurde, daß du Jemanden verlaſſen hätteſt, der dich um deine Fürbitte anflehte. Von dieſem Vertrauen beſeelt, komme ich zu dir: verſchmähe meine Worte nicht, o Mutter des ewigen Wortes, ſondern höre und erhöre mich gnädig, o milde, o ſüße Jungfrau Jedesmal 300 Tage Ablaß, monatlich vollkommener Ablaß. Pius IX. 1846. O Du Lamm Gottes, welches Du hin⸗ wegnimmſt die Sünden der Welt, erbarme ich unſer!(Zweimal.)— O Du Lamm Gottes.., ſchenke uns den Frieden! Zur Communion. O wie gern wollte ich jetzt Dich, o Jeſu, durch die hl. Communion in meine Seele aufnehmen! Hätte ich doch ein Herz, ſo rein und heilig, ſo voll Liebe zu Dir, wie jenes — ——— — — Deiner reinſten Mutter, um Dich ſo würdig empfangen zu können, wie ſie Dich täglich aus den Händen des hl. Johannes empfing. Aber ach, dieſes mein Herz liebt Dich ſo wenig, iſt ſo voll Sünden, ſo leer an Tu⸗ genden, ſo anhänglich an die Freuden und Güter dieſer Welt. Göttlicher Heiland, Du haſt hier auf Erden ſo vielen Sündern ver⸗ ziehen, ſo viele Kranke und Elende geheilt; ſo vergib denn auch mir, erfülle mein Herz mit Reue, heile meine elende, kranke Seele, damit ich Dich wenigſtens geiſtlicher Weiſe empfangen kann. O Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingeheſt unter mein Dach, ſondern ſprich nur ein Wort, ſo wird meine Seele geſund. (Dreimal.) O Jeſu, ich glaube an Dich; o Jeſu, ich hoffe auf Dich; o Jeſu, ich liebe Dich als das höchſte Gut, und darum reut es mich von Herzen, Dich beleidigt zu haben. O Jeſu, komm', o komm' zu mir! „O Jeſus, der Du lebſt in Maria, komm' und lebe in Deinen Dienern im Geiſte Dei⸗ ner Heiligkeit, in der Fülle Deiner Kraft, in der Wahrheit Deiner Tugenden, in der Vollkommenheit Deiner Wege, in der Mit⸗ theilung Deiner Geheimniſſe; und herrſche in Deinem Geiſte über alle feindlichen Mächte zur Ehre Deines himmliſchen Vaters. Amen.— Täglich einmal Ablaß von 300 Tagen. Pius. X. 1859. S 362— Mach der hl. Communion. O würdigſte Königin der Welt, Maria, allzeit Jungfrau, bitte für unſern Frieden und unſer Heil, die du den Heiland Aller, Chri— ſtum unſern Herrn, geboren haſt.— Wir bitten Dich, o Herr, Du wolleſt gnädig ver— leihen, daß uns durch die Fürbitte Beiner unbefleckten und allzeit jungfräulichen Mutter geholfen werde, damit wir, die ſie beſtändig mit Wohlthaten überhäuft, aus allen Ge⸗ fahren errettet, dereinſt zu Deiner ewigen Liebe und Anſchauung gelangen mögen. Amen. Zum Begen. Es ſegne mich Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der heilige Geiſt.— O meine Mutter Maria, ertheile auch du mir deinen mütterlichen Segen. Segne mich an Leib und Seele, ſegne mich bei Tag und Nacht, ſegne alle meine Gedanken, meine Worte, Werke und Leiden. Segne auch meine Eltern, meine Verwandten, Freunde und Wohlthäter. Segne uns Alle mit dei— nem lieben Sohne im Leben und im Tode, für Zeit und Ewigkeit. Amen. Geliebteſte Mutter, noch einmal empfehle ich dir meine Anliegen.. Blicke vom hohen Himmelsthrone auf mich herab— nur ein Mal, nur ein einzig Mal— und ich bin verſichert, der Anblick meiner Noth erregt dein Mitleid, und dann wirſt du nach deiner Güte den Balſam deines Troſtes in mein ——————————— U ine utu n ih u u u n u ni 3 trauerndes Herz gießen. Ich bin zwar eine große Sünderin und verdiene nicht, von dir erhört zu werden, aber deine Barmherzigkeit und deine Güte iſt größer, als meine Miſſe⸗ thaten. Ich verſpreche dir auch, in Zukunft deinem Sohne und dir treu dienen zu wollen, um mich der Erhörung würdiger zu machen, und ſodann dir meine Dankbarkeit zu be⸗ weiſen. O Mutter von der immerwähren⸗ den Hülfe, der dein götttlicher Sohn Nichts abſchlägt: o Tröſterin der Betrübten und Hoffnung der Hoffnungsloſen, auf dich ſetze ich mein ganzes Vertrauen; ich weiß, du läſſeſt mich nicht zu Schanden werden! Wirkſames Gebet zu A. L. Mntter von der immerwährenden Hülfe. Fungfran Mutter Gottes mein! aß mich ganz dein eigen ſein: Dein im Leben und im Tod Dein in Unglück, Angſt und Noth, Dein in Kreuz und bitt'rem Leid, Dein für Zeit und Ewigkeit. Jungfrau, Mutter Gottes mein! Laß mich ganz dein eigen ſein. Mutter, auf dich hoff' und baue ich! Mutter, zu dir ruf' und ſeufze ich! Mutter, du Gütigſte, ſteh' mir bei! Mutter, du Mächtigſte, Schutz mir leih' 6 O Mutter, ſo komm', hilf beten mir! O Mutter, ſo komm', hilf leiden mir! O Mutter, ſo komm', hilf ſtreiten mir! O Mutter, ſo komm', und bleib bei mir! Du kannſt mir ja helfen, o Mächtigſte! Du willſt⸗mir ja helfen, o Gütigſte! Du mußt mir nun helfen, o Treueſte! Du wirſt mir auch helfen, Barmherzigſte! O Mutter der Gnade, der Chriſten Hort! Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Pfort'! Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier! Du Troſt der Betrübten, ihr Schutzpanier! Wer hat je umſonſt deine Hülf' angefleht? Wann haſt du vergeſſen ein kindlich Gebet? Derum ruf'ich beharrlich in Kreuz und in Leid: Maria hilft immer, ſie hilft jederzeit! Ich ruf' voll Vertrauen in Leiden und Tod: Maria hilft immer, in jeglicher Noth! So glaub' ich und lebe und ſterbe darauf, Maria hilft mir in den Himmel hinauf. Jungfrau, Mutter Gottes mein! Laß mich ganz dein eigen ſein: Dein im Leben und im Tod, Dein in Unglück, Angſt und Noth, Dein in Kreuz und bitt'rem Leid, Dein für Zeit und Ewigkeit. Jungfrau, Mutter Gottes mein! Laß mich ganz dein eigen ſein! —— ————— über den Undank, den ich gegen Dich, ſündigte, mich mit Wohlthaten überhäuft. Beichtgebktt. Bor der hk. Beicht. Vorbereitungsgebet. D mein Gott und Vater, Du haſt mich durch Jeſus, Deinen eingeborenen Sohn, zu Deinem Kinde aufgenommen und mir verheißen, daß ich einſt in Dein Reich ein⸗ gehen ſoll, wenn ich Deinen hl. Willen erfülle. Aber ach, ich habe wieder meiner hohen Beſtimmung vergeſſen, habe mit Deinen Gnaden nicht mitgewirkt, ſondern ſie ſogar mißbraucht und dem verlorenen Sohn nach⸗ geahmt, der ſeinen guten Vater verließ und ſeine Gaben verſchwendete. Aber wie dieſer Unglückliche, habe auch ich keine Ruhe ge⸗ funden; traurig und betrübt iſt meine Seele meinen beſten Vater, verübt, und über di Sünden, welche ich vor Deinem hl. An geſichte begangen habe; denn wenn ich au fern von Dir war, ſo warſt doch Du m nahe und Dein allſehendes Auge hat mich geſehen, wenn ich ſündigte. Du hätteſt mich Du hätteſt mich in meinen Bunden hinwegraffen und den ewigen Verderben überlaſſen können, aber Du haſt mit unausſprechlicher Langmuth und Geduld meiner geſchont, und während ich wie gut und us 66 biſt Du, o Vater, und wie böſe, wie boshaft bin ich! Und noch ſchonſt Du meiner und warteſt auf mich, ob ich nicht umkehre zu Dir, und rufſt mich, daß ich den Weg der Sünde verlaſſe und in einem neuen Leben wandle. Ja, gütigſter Vater, ich will dem Rufe Deiner Barmherzigkeit folgen; ich will zu Dir zurückkehren wie der verlorene Sohn; o laſſe mich Vergebung finden und Dein Kind wieder ſein! Um Deines göttlichen Sohnes willen, der am Kreuze für mich ſich hinge⸗ opfert, erbarme Dich meiner und nimm hin⸗ weg meine Miſſethaten! Maria, du Mutter der Barmherzig⸗ keit und Zuflucht aller Sünder, bitte für mich, daß ich die Gnade erlange, das hl. Sa⸗ crament der Buße würdig zu empfangen und wieder ein Kind des himmliſchen Vaters zu werden. Amen. Anrufung des hl. Geiſtes. Göttlicher, hl. Geiſt, der Du in derhl. Taufe ohnung in meinem Herzen genommen und mich ſchon ſo oft gemahnt, gewarnt, belehrt und zu einem gottſeligen Leben ermuntert haſt, erbarme Dich meiner und vergib mir, daß ich Dich ſo oft betrübt, ja ſogar aus meinem Herzen vertrieben habe. Ich fühle es jetzt, daß ich ohne Deinen Beiſtand Nichts vermag, und daß, wenn Du mich verläſſeſt, meine Stele ein Raub des bäſen Feindes wird und zu Grunde geht. In tiefſter Demuth ———— S S= und vertrauend auf Deine Liebe flehe ich zu Dir, Du Geiſt der Wahrheit und Weisheit, leuchte mit Deinem Lichte in mein Herz, damit ich recht klar erkenne, wie ſehr ich mich verirrt, welche Sünden ich begangen habe. Ohne Dein Licht erkenne ich mich nicht, und ohne Erkenntniß kann ich meine Sünden nicht bekennen, und ohne Deine Hülfe ſie nimmer recht bereuen. O komme, göttlicher Geiſt, und erleuchte mich, komme und ſende das Feuer Deiner hl. Liebe in mein Herz, daß ich beweine meine Sünden wie Petrus und Magdalena, und ſie aufrichtig bekenne wie David, damit ich Verzeihung erlange und mit Deiner Gnade ein neuer Menſch werde. Amen. Gewiſſenserforſchung. Erforſche jetzt mit aller Aufmerkſamkeit dein Inneres nach den zehn Geboten Gottes und den fünf Geboten der Kirche. Denke auch nach über die neun fremden Sünden, ob du dich nicht der⸗ ſelben ſchuldig gemacht, und merke dir, wie und wie oft du in Gedanken, Worten und Werken oder durch Unterlaſſung guter Werke, deiner Standespflichten ꝛc. geſündigt haſt.— Beſonders habe acht auf deinen Hauptfehler, d. h. auf jene böſe Neigung, welche dich ſchon ſo oft in die Sünde geſtürzt hat. Erforſche dich darüber, wie oft du dieſer böſen Neigung wieder nachgegeben und geſündigt haſt, und klage dich hierüber be⸗ ſonders an.— Nimm ja die Gewiſſenserforſchung nicht oberflächlich und leichtſinnig, ſondern nimm jede Beicht ſo ernſt, als wäre ſie die letzte deines Lebens. ———————— — 368 Beichtſpiegel. Wann habe ich das letzte Mal gebeichtet? Habe ich gut gebeichtet— Nichts vergeſſen— Nichts verſchwiegen— die auferlegte Buße ver⸗ richtet? Wie und wie oft habe ich gefehlt gegen Das erſte Gebot. Habe ich alle Glaubens⸗ lehren geglaubt?— nicht freiwillig daran ge⸗ zweifelt?— Habe ich ungläubige oder gottes⸗ läſteriſche Bücher oder Zeitungen geleſen— ſolche Reden bei Andern geführt?— Habe ich aber⸗ gläubiſche Mittel gebraucht, um die Zukunft zu erfahren, mir Glück zu verſchaffen oder Unglück zu verhüten?— Habe ich nicht vermeſſen auf Gottes Barmherzigkeit geſündigt, z. B. gedacht, ich will noch dieſe Sünden begehen, Gott verzeiht ſte mir ja?— Habe ich nicht an der Gnade und Barmherzigkeit Gottes verzweifelt? Habe ich in Leiden und Widerwärtigkeiten gegen Gott ge⸗ murrt?— Habe ich meine täglichen Gebete unter⸗ laſſen, oder mit freiwillig zerſtreuten Gedanken gebetet?— Habe ich wiſſentlich in einer Todſünde ein hl. Sacrament empfangen, z. B. die hl. Com⸗ munion, die hl. Firmung u. ſ. w. Das zweite Gebot. Habe ich ohne Noth geſchworen?— einen falſchen Eid gethan oder Andern dazu gerathen?— Habe ich Gott geläſtert durch Fluchen?— gottgeweihte Sachen geſtohlen oder mißbraucht?— Habe ich Gelübde gemacht und dieſelben nicht gehalten? Das dritte Gebot und die zwei erſten Kirchengebote. Habe ich an Sonn⸗ und ge⸗ botenen Feſttagen die hl. Meſſe gehört— ganz — mit Andacht— in der Kirche?— Habe ich auch der Predigt, Chriſtenlehre, der Vesper oder ——— — 5 Abendandacht beigewohnt— meine Untergebenen dazu angehalten?— Habe ich an ſolchen Tagen knechtliche Arbeit verrichtet— oder ohne Noth verrichten laſſen?— Habe ich dieſe Tage durch Tanz— übermäßiges Trinken und Spielen— bei böſer Geſellſchaft entheiligt? Das vierte Gebot. War ich meinen Eltern ungehorſam? Habe ich ſie verachtet— erzürnt— lieblos behandelt— mit rauhen Worten ange⸗ redet— ihnen Böſes, vielleicht gar den Tod ge⸗ wünſcht— ihnen geflucht— Uebles nachgeredet? — Habe ich ſie in Noth und Armuth unterſtützt — in Krankheit ſie gepflegt?— Habe ich meine geiſtlichen und weltlichen Vorgeſetzten geehrt— ihnen gehorcht?— Eltern! Habt ihr eure Kinder chriſtlich erzogen— zur Chriſtenlehre und zur Schule angehalten— ſie zum Guten(Gebet, Empfang der hl. Sacramente, Tugend) an⸗ und vom Böſen(ſchlechten Geſellſchaften, ſündhaften Gewohnheiten) abgehalten? Habt ihr ihnen böſes Beiſpiel gegeben durch Gottloſigkeit, ſchlechte Reden, Fluchen u. ſ. w.? Meiſter! Dieſelben Pflichten habt ihr mehr oder weniger gegen eure Lehrlinge und Dienſtboten. Wie habt ihr ſie erfüllt?— Dienſt⸗ boten! Waret ihr eurer Herrſchaft in erlaubten Dingen ſtets gehorſam? Habt ihr derſelben in Treue und mit Fleiß gedient? Das fünfte Gebot. Habe ich Feindſchaft oder Haß getragen— wie lange?— Habe ich Streit und Händel gehabt?— Habe ich über Menſchen— die Arbeit— das Vieh u. ſ. w. geflucht? Habe ich Andere geſchlagen— verwundet oder ſonſt ihnen leiblichen Schaden zugefügt— etwa durch Verdruß, Bedeidigungen oder Krän⸗ kungen? Habe ich meiner Geſundheit geſchadet, St. Eliſabeth. 24 30— z. B. durch Leidenſchaften und Laſter— mein Leben nicht freiwillig in Geſahr geſetzt?— Habe ich mir den Tod gewünſcht?— Habe ich nicht ein Menſchenleben vertilgt— dazu gerathen oder beigetragen?— Habe ich nicht Andexre zur Sünde gereizt, verführt, ihnen dazu gerathen?— Habe ich uneinig im Eheſtande gelebt? Das ſechste und neunte Gebot. Habe ich mich freiwillig in unkeuſchen Gedanken oder Begierden aufgehalten? Habe ich unkeuſche Reden geſührt— unkeuſche Lieder geſungen— oder gern angehört? ſchlechte Bücher geleſen oder zu leſen gegeben?— Habe ich Andere zur Unkeuſchheit gereizt durch Geberden, Entblößungen u. ſ. W Habe ich ſchlechte Geſellſchaften— Häuſer beſucht, ſündhafte Bekanntſchaften unterhalten?— Habe ich unkeuſche und vorwitzige Blicke geworfen auf Perſonen, Bilder u. ſ. w.?— Habe ich unkeuſch geſündigt mit mir ſelbſt— oder mit Andern? Habe ich Andere die Sünde der Unkeuſchheit gelehrt?— Iſt nichts Unerlaubtes im Eheſtande geſchehen? Das ſiebente und zehnte Gebot. Habe ich Andern Schaden zugefügt durch Stehlen— Betrügen— Verfälſchen— in Kauf und Verkauf — beim Handel?— Habe ich geſtohlene oder ge⸗ fundene Sachen nicht zurückgegeben?— Habe ich geſtohlene Sachen gekauft oder von Kindern und Dienſtboten angenommen? Habe ich öfters ge⸗ ringe Sachen genommen? Habe ich Andern an ihrem Eigenthum, Gärten, Feldern u. ſ. w. Scha⸗ den zugefügt? Habe ich mir ſelbſt am Vermögen geſchadet durch Verſchwendung, durch Trinken und Spielen, durch Nachläſſigkeit und Müßiggang?— Habe ich zum Diebſtahl gerathen oder geholſen? ————————————————————————————————— — Habe ich geliehene oder anvertraute Sachen nicht zurückgegeben oder verdorben?— War ich nicht begierig nach des Nächſten Hab und Gut? Habe ich ihn nicht beneidet? Das achte Gebot. Habe ich gelogen— aus Scherz— aus Noth— um Andern Schaden zuzufügen? Hatte ich falſchen Argwohn, frevent⸗ liches Urtheil? Habe ich mir anvertraute Ge⸗ heimniſſe ausgeplaudert? Habe ich Andern an der Ehre geſchadet durch üble Nachreden— Ver⸗ leumdung? Habe ich ſolche Reden gegen den Nächſten gern gehört— ſie weiter verbreitet? Habe ich Streit und Zwietracht geſtiftet— Ohren⸗ bläſerei getrieben? Habe ich vor Gericht zu Gun⸗ ſten oder zum Nachtheil des Nächſten falſches Zeugniß abgelegt? Habe ich Andern die geraubte Ehre nach Kräften wieder erſtattet? Das dritte, vierte und fünfte Kirchen⸗ gebot. Habe ich mich an gebotenen Faſttagen ohne Noth zweimal vollſtändig geſättigt?— Habe ich an ſolchen Tagen ohne Erlaubniß Fleiſch oder mit Fett bereitete Speiſen genoſſen?— Habe ich jährlich wenigſtens einmal reumüthig und auf⸗ richtig meine Sünden gebeichtet und in der öſterlichen Zeit das hl. Sacrament des Altars würdig empfangen?— Die ſieben Hauptſünden. Bin ich ſtolz und ehrſüchtig geweſen? Habe ich aus Hoffart Andere verachtet?— Bin ich geizig gegen mich und Andere? Iſt mein Denken und Streben nur auf Geld und zeitliche Güter gerichtet?— Gebe ich nach Vermögen Almoſen?— War ich zornig? Habe ich im Zorn Andere beſchimpft, verflucht, Gott geläſtert? War ich froh, wenn es Andern ſchlecht erging, und traurig, wenn es —— —— — 372 ihnen gut erging? Habe ich Andern aus Neid nichts Böſes gewünſcht?— War ich nicht un⸗ mäßig im Eſſen oder Trinken? Habe ich mich betrunkend? Auch Andere dazu verleitet? Habe ich in der Wirthſchaft zu viel oder zur verbotenen Zeit geiſtige Getränke verabreicht?— Habe ich meine Arbeit vernachläſſigt? mich dem Müßiggang ergeben? Habe ich meine Standespflichten treu und fleißig erfüllt? Trage ich Sorge für mein Seelenheit durch Gebet, Beſſerung des Lebens und Uebung guter Werke? Reue und Vorſatz. Barmherziger Vater, ich habe geſündigt vor dem Himmel und vor Dir, ich bin nicht werth, Dein Kind zu heißen. Deine unend⸗ liche, unbegreifliche Liebe habe ich verachtet, Deine Wohlthaten mißbraucht, Deine zu mei⸗ nem Heile mir verliehenen Gnaden mit Füßen geſtoßen, Deinen furchtbaren Strafen getrotzt. Und dies, nachdem Du mir ſchon ſo oft ver⸗ ziehen und ich Dir jedesmal Beſſerung ver⸗ ſprochen hatte. Ach, wegen meiner Todſünden habe ich verdient, in unſäglichen Qualen ewig, ewig in der Hölle zu brennen, wo Heulen und Zähneknirſchen iſt. Doch, wenn auch groß iſt meine Schuld, größer noch, ja unendlich iſt Deine Liebe und Deine Barmherzigkeit⸗ die Dich angetrieben, die bitterſten Leiden und den ſchmerzvollſten Kreuzestod zu erdulden zum Heile meiner armen Seele. In Reue und Schmerz werfe ich mich daher zu Dei⸗ nen Füßen und bitte Dich, mich wieder in ——— —. Gnaden aufzunehmen als Dein Kind. Jeſus, mein gütigſter Heiland, verſtoße mich nicht. Ich bereue und verabſcheue— ich haſſe und verfluche von ganzem Herzen alle Sünden meines ganzen Lebens, beſonders diejenigen, die ich nach meiner letzten Beicht begangen habe und jetzt zu beichten im Begriffe ſtehe. Ich bereue ſie von Grund meiner Seele, nicht nur, weil ich dadurch das Fegfeuer oder die Hölle verdient habe, ſondern vielmehr, weil ich gegen Dich, meinen größten Wohlthäter und beſten Freund, ein undankbares Geſchöpf war, weil ich durch dieſe meine Sünden ſchuld an Deinem bitteren Leiden geworden bin, vor⸗ züglich aber darum, weil ich Dich beleidigt, der Du die unendliche Güte und Liebens⸗ würdigkeit ſelbſt biſt, die über Alles geliebt zu werden verdient, und die ich auch fernerhin über Alles lieben will. O daß ich Dich nie⸗ mals beleidigt, niemals Dich betrübt hätte! Doch von nun an ſoll es anders werden! Heilig verſpreche ich Dir, o großer Gott, künftighin die Sünden und alle Erltene dazu zu meiden und die Mittel anzuwenden, die mein Beichtvater mir vorſchreiben wird. Ich will beten, wachen und mit Deiner Gnade ſtreiten wider den Teufel, die Welt und das Fleiſch, damit ich, den Siegespreis er⸗ ringend, dereinſt Deiner ſeligen Anſchauung in den ewigen unausſprechlichen Freuden Wonnen des Himmels gewürdigt werde. men. 37 Rach der kik. Reickit. Gelobt und gebenedeit ſei die unendliche Parmherzigkeit Jeſu Chriſti! Ehre, Lob und Dank dem gütigen und barmherzigen Gott, der in Langmuth und Liebe mir meine Sün⸗ den wiederum verziehen und mich wieder als ſein Kind aufgenommen hat in den Schooß ſeiner Barmherzigkeit. Wie könnte ich nun dieſen gütigen Gott wiederum beleidigen durch die Sünde, insbeſondere durch dieſe meine Lieblingsſünde... Nein, nein, in Ewigkeit nicht mehr. Gerne will ich kämpfen den guten Kampf für Dich wider die Welt, die eigene böſe Begierlichkeit und den Satan; auch will ich aufrichtig die zur Beſſerung noth⸗ wendigen Mittel anwenden, die mir der Beicht⸗ vater an die Hand gegeben, beſonders. Hilf Du mir mit Deiner Gnade, o milder Heiland, ſtehe mir bei in großer Verſuchung und ſtärke mich im hl. Geiſte. Hl. Maria Magdalena, hl. Petrus, hl. Anguſtinus und alle hl. Büßer, bittet für mich! Amen. Vater unſer... Gegrüßet. 60 i in of m — 3 Conmninnandacht. s gibt kein wirkſameres Mittel, uns von der Sünde frei zu machen und in der Liebe Gottes zu befeſtigen, als die hl. Communion. Der hl. Franz von Sales ſagt:„Eine einzige gut verrichtete Communion iſt im Stande und genügt, uns heilig und vollkommen zu machen.“ Da dieſe himmliſche Speiſe alſo ſo große Wir⸗ kungen hervorzubringen vermag, woher kommt es denn, daß ſo viele Seelen, ungeachtet ſo vieler Communionen, immer in derſelben Lauigkeit ver⸗ harren und daß ſie immer dieſelben Fehler be⸗ gehend Das kommt daher, weil ſie ſich nur wenig und auf ungenügende Weiſe dazu vorbe⸗ reiten. Zwei Dinge werden zu dieſer Vorbereitung erfordert: 1. Muß man ſein Herz von allen böſen Neigungen befreien, die ein Hinderniß ſür die göttliche Liebe ſind. 2. Muß man eine große Be⸗ gierde haben, Gott zu lieben. „In der Liebe Gottes zu wachſen“, ſagt der hl. Franz von Sales,„das muß unſere Haupt⸗ abſicht ſein, wenn wir communiciren.“ Por der hik. Gommunion. Glaube, Hoffnung, Liebe. 3 O mein geliebter Jeſus, wahrer Sohr Gottes, der Du aus Liebe zu mir am Kreuze 3 in einem Meere von Schmerzen und Ver⸗ achtung geſtorben biſt, ich glaube feſt, daß Du im allerhl. Altarsſacramente gegenwärtig biſt; ich bin bereit, für dieſen meinen Glauben mein Leben zum Opfer darzubringen; denn 36 mein Auge kann mich täuſchen, Dein heiliges aber nicht, der Du die ewige Wahr⸗ eit biſt. O mein geliebter Heiland, ich hoffe von Deiner Güte, daß, um der Verdienſte Deines für mich vergoſſenen Blutes willen, dieſen Morgen noch, da Du mich beſuchen willſt, Du mein Herz mit Deiner hl. Liebe entzünden werdeſt, und daß Du mir alle jene Gnaden verleihen werdeſt, die ich bedarf, um Dir treu und gehorſam zu bleiben bis zu mei— nem Tode. DO mein Gott, einziger und wahrhafter Geliebter meiner Seele, was hätteſt Du mehr thun können, um mich zu bewegen, Dich zu lieben? O mein Jeſus, es genügte Dir nicht, dies hl. Sacrament einſetzen, Du haſt meine Speiſe werden wollen, um Dich ganz und gar mir zu ſchenken, um Dich auf's Innigſte mit einem ſo elenden und undankbaren Ge⸗ ſchöpfe, wie ich es bin, zu vereinigen. Du ſelbſt wünſcheſt Nichts inniger, als daß ich mich mit Dir vereinige. O unendliche Liebe, ein Gott will ſich mir ganz und gar ſchenken. O mein Gott, o liebenswürdiges, unendliches Gut, der Du eine unendliche Liebe verdienſt, ich liebe Dich über Alles, ich liebe Dich von ganzem Herzen, ich liebe Dich mehr als mich ſelbſt, ich liebe Dich mehr als mein Leben, ich liebe Dich, weil Du es verdienſt, ich liebe Dich, um Dir zu gefallen, denn Du wünſcheſt ——————————————— für mich zu ſterben, Du haſt überdies noch —— ———————————— kin —,——— — ja ſo ſehr meine Liebe; verlaßt mich denn alſo, ihr irdiſchen Neigungen. Dir, mein Jeſus, Dir, o mein höchſtes Gut, mein Alles, Dir allein will ich all meine Liebe ſchenken. Du willſt Dich heute ganz und gar mir ſchenken, ſiehe, auch ich ſchenke mich ganz und gar Dir; ich will Nichts, als was Dir gefällt. Ich liebe Dich, mein Heiland, ich vereinige meine ſchwache Liebe mit der Liebe, die alle Engel und Heiligen, die Maria, Deine jungfräuliche Mutter, die der ewige Vater zu Dir trägt. O könnte ich Dich doch von Allen ſo geliebt ſehen, wie Du geliebt zu werden verdienſt. 8 Demuth. Siehe, mein Jeſus, ich nahe mich Dir, um Dich in mein armes Herz aufzunehmen. Aber ach, mein Gott, wer bin ich, und wer biſt Dud? Du biſt Schöpfer und König Himmels und der Erde, der unendlich große Gott, und ich, ich bin ein elender Wurm, mit vielen Sünden beladen, durch welche ich Dich ſo oft aus meinem Herzen vertrieben habe. O mein Gott, ich bin nicht würdig, mich in Deiner Gegenwart zu befinden, ich verdiente, die ganze Ewigkeit hindurch, fern und verlaſſen von Dir, in der Hölle zu bren⸗ nen. Aber Du, unendliche Güte, Du er⸗ barmſt Dich meiner, Du rufſt mich zu Dir, damit ich Dich in meinem Herzen empfange und ſo in Dir lebe, und Du in mir. — 378— Reue. Siche, ich komme zu Dir, ganz demüthig und beſchämt wegen der vielen Beleidigungen, die ich Dir zugefügt habe, aber zugleich voll Vertrauen auf Deine Barmherzigkeit und Liebe. O wie leid thut es mir, mein liebens⸗ würdiger Heiland, ſ ich Dich ſonſt ſo oft beleidigt habe. Ich habe ſo oft Deiner Gnade und Deiner Liebe vergeſſen und Dich um ein Nichts verlaſſen. Ich bedaure mehr als Alles die Beleidigungen, die ich Dir zugefügt habe, ſie mögen groß oder gering geweſen ſit Du biſt ja mein beſter Vater, Du biſt d Urquell aller Schönheit und Güte, allit t und Erbarmung, das allerhöchſte Gut el Mein Jeſus, o ſo verzeihe mir, ehe ich Dich in meinem Herzen empfange. Da Du in e Zeit in meinem Herzen wohnen willſt, ſo bitte ich Dich, Du wolleſt mir zu⸗ vor Deine Liebe und Freundſchaft wieder ganz und voll zuwenden. Verlangen. Komm', o mein Jeſus, komm' in mein Herz, das nach Dir verlangt. O mein ein⸗ ziges, mein unendliches Gut, mein Leben, meine Liebe, mein Alles, ich möchte Dich heute Morgen mit derſelben Liebe mit der Dich jene Seelen empfangen haben, die Dich am meiſten geliebt, ich möchte Dich —— ——— 35 empfangen, wie Deine heilige Mutter Maria, wie ein hl. Franciscus, wie eine hl. Eliſabeth; ich vereinige dieſe meine hl. Communion mit der ihrigen. O allerſeligſte Jungfrau, meine liebe Mutter Maria, hilf du mir, daß mein Herz erfüllt werde mit Andacht, feſtem Glauben, inbrünſtiger Liebe und vollem Vertrauen. Sage du ihm, daß ich dein Diener bin, denn alsdann wird er mich heute, da er zu mir onn mit deſto größerer Liebe an ſein Herz rücken. Mach der hk. Gommunion. Die Zeit nach der hl. Communion iſt eine koſtbare Zeit, um große Gnadenſchätze zu erlangen, denn die Acte und Gebete, die man zu einer Zeit verrichtet, da Jeſus ſo eng mit unſerer Seele verbunden iſt, haben weit mehr Verdienſt und Werth, als andere. Die heilige Thereſia ſagt, daß der Herr ſich alsdann in der Seele gleichwie auf einem Gnadenthrone befinde und zu derſelben ſpreche:„Bitte mich, o meine Tochter, um was immer du willſt, denn bloß um dir Gutes zu er⸗ weiſen, bin ich zu dir Der ehrwürdige Pater Avila unterließ es nie, nach der hl. Com⸗ munion zwei Stunden lang im Gebete zu ver⸗ harren. Der heilige Aloyſius dankte Jeſus drei Tage lang für die empfangene Gnade. Erwecken wir alſo die nachſtehenden Acte und ſuchen wir den ganzen übrigen Theil des Tages durch An⸗ muthungen und Stoßgebete mit demſelben Feſus uns zu unterhalten, den wir am Morgen in unſerm Herzen empfangen haben. Prgrüßung und Aufopferung. Siehe, mein eſt ſchon biſt Du zu mir gekommen, Du befindeſt Dich in meinem Herzen. Du biſt ſchon ganz mein Eigenthum geworden. Ich begrüße Dich, mein geliebter Heiland! Ich bete Dich an, ich werfe mich vor Dir auf die Kniee, ich umarme Dich, ich drücke Dich an mein Herz, ich danke Dir, daß Du in mein unreines Herz haſt einkehren wollen. O Maria, o ihr meine hl. Für⸗ ſprecher, hl. Eliſabeth, mein hl. Schutzengel, danket Jeſu ſtatt meiner. Weil Du denn alſo, mein göttlicher König, mich ſo liebevoll haſt heſuchen wollen, ſo ſchenke ich Dir mei⸗ nen Willen, meine Freiheit, ganz mich ſelbſt. Du haſt Dich ganz mir geſchenkt, auch ich ſchenke mich Dir ganz und gar; in der Folge will ich nicht mehr mir ſelbſt angehören, nein, von heute an will ich Dein, ganz Dein ſein. Ich will, daß meine Seele ganz Dir angehöre, daß mein Leib, daß alle meine Fähigkeiten, meine Sinne nur Dir dienen, nur Dir zu gefallen ſuchen. Dir, o mein Jeſu, weihe ich alle meine Gedanken, Worte und Werke, meine Wünſche, meine Neigungen, mein ganzes Leben. Ich hab e Dich lange genug beleidigt, o mein Jeſu! Die übrigen Tage meines Lebens will ich ganz dazu an⸗ wenden, Dich zu lieben, da Du mich ſo innig geliebt haſt. Nimm, o Gott meines Herzens, nimm das Opfer an, welches ein armer Sünder Dir heute darbringt. Mache mit mir und verfüge über mich und über Alles, was mein iſt, wie es Dir gefällt. Möge Deine Liebe in meinem Herzen alle Neigungen zerſtören, die Dir nicht gefallen, damit ich ganz Dir angehöre und nur lebe, um Dir zu gefallen. Bitte. Ich bitte Dich nicht, o mein Jeſu, um die Güter dieſer Welt, ich bitte Dich nur, Du wolleſt mir, um der Verdienſte Deines hl. Leidens willen, einen fortwährenden Schmerz über meine Sünden verleihen. Er⸗ leuchte Du mich, damit ich die Eitelkeit der Güter dieſer Welt erkenne, damit ich erkenne, wie ſehr Du es verdienſt, von uns geliebt zu werden. Mache, daß ich mich von aller Neigung zur Sünde losreiße, und knüpfe mich an Deine hl. Liebe, damit mein Wille von heute an nichts Anderes verlange und wünſche, als was Du ſelbſt willſt. Gib mir Geduld und Ergebung in Krankheit, Trübſal und Leiden, oder wenn mir ſonſt etwas zu ſtößt, was meiner Eigenliebe mißfällt. Mache, daß ich recht ſanftmüthig werde gegen Die⸗ jenigen, die mich verachten. Gib mir Deine heilige Liebe, aber vor Allem bitte ich Dich, Du wolleſt mir die Beharrlichkeit in Deiner Gnade bis an meinen Tod verleihen. Laſſe es nicht zu, daß ich mich jemals wieder von Dir trenne. Zugleich bitte ich Dich auch um die Gnade, daß ich in allen Verſuchungen — 382— zu Dir, o Jeſus, meine Zuflucht nehme, zu Dir um Hülfe rufe. O ewiger Vater, Dein lieber Sohn Jeſus hat mir verſprochen, daß Du mir Alles geben wolleſt, um was ich Dich in ſeinem Namen bitten würde.„Wenn ihr den Vater in mei⸗ nem Namen um etwas bitten werdet, ſo wird er es euch geben.“(Joh. 16.) Im Namen und um der Verdienſte Deines lieben Sohnes willen bitte ich Dich denn alſo um Deine Liebe und um die endliche Beharrlichkeit, damit ich Dich eines Tages im Himmel aus all meinen Kräften lieben und die ganze Ewigkeit hindurch Deine Barmherzigkeit ver⸗ kündigen könne, nachdem ich ſicher bin, mich nie wieder von Dir trennen zu können. allerſeligſte Jungfrau Maria, meine Hoffnung, erlange du mir dieſe Gnade, um welche ich dich bitte; mache auch, meine große Königin, daß ich mich in all meiner Noth dir anempfehle. Gebet zur Gewinnung eines vollkommonen Ablaſſes vor einem Erurifisbilde. Siehe, o gütiger und ſüßeſter Jeſus, vor Deinem Angeſichte werfe ich mich auf meine Kniee nieder, und bitte und beſchwöre Dich mit heißeſter Inbrunſt meiner Seele, Du wolleſt meinem Herzen einflößen die leben⸗ digen Gefühle des Glaubens der Hoffnung und der Liebe, eine wahre Reue über meine Sünden und den nnerſchütterlich feſten Vorfatz, — 383— mich zu beſſern. Darum bitte ich Dich, wäh⸗ rend ich mit innigſter Liebe und ſchmerz⸗ vollem Mitleiden Deine heiligen fünf Wunden betrachte und zu Herzen führe und mir vor Augen halte, was ſchon der Prophet David von Dir, o liebſter Jeſus, geſagt hat:„Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, ſie haben meine Gebeine gezählt.“(Pſ. 21, 17, 18.) Zur Gewinnung dieſes vollkommenen Ablaſſes muß ſeio eine Zeit lang auf die Meinung des hl. Va⸗ ————— Andllhten zum hhl. Altarsſucramente. Belehrung. Murdeſt du nicht, mein Chriſt, dich glücklich ſchätzen, die Orte beſuchen zu dürfen, wo dein Heiland geboren ward— wo er gearbeitet — Wunder gewirkt— wo er gelitten hat, um uns zu erlöſen. Und ſiehe, das Alles haſt du in deiner Kirche.— Dort findeſt du deinen Gott und Heiland ſelbſt, denn es iſt Glaubensſatz, daß im hhl. Altarsſacramente Jeſus Chriſtus ſelbſt zugegen iſt, mit Fleiſch und Blut, als wahrer Gott und Menſch, lebendig und verklärt. Wie auf einem Throne der Liebe und Barm⸗ herzigkeit, ſo weilt der liebe Erlöſer fortwährend bei uns im hhl. Sacramente im Tabernakel, um uns zu zeigen, wie ſehr er uns liebt, und um dort ſeine Gnaden auszutheilen unter Jene, die ihn wieder lieben, ihn verehren, ihn beſuchen. Eines Tages, als die ſel. Schweſter Margaretha Alacoque vor dem hhl. Sacramente betete, erſchien — 384— ihr der göttliche Heiland und klagte ihr, daß die. Menſchen ihm ſo wenig Dank bezeigten, ja ihm ſeine Liebe noch durch Unehrerbietigkeit und Gottes⸗ raub lohnten. Einen Freund, einen Wohlthäter grüßeſt du oft, beſucheſt du oft— und hier, deinen beſten Freund, deinen größten Wohlthäter, ſollteſt du nicht kennen, ihm nicht an Sonntagen(z. B. nach der Vesper), ja vielleicht auch an Werktagen (wenn deine Berufsgeſchäfte es dir erlauben) eine Viertelſtunde ſchenken? Oft bedarf es nur eines einzigen Beſuches, um dir in Leiden Troſt, in Widerwärtigkeiten Stärke, in Verſuchungen und Betrübniſſen Kraft, Ruhe und Zufriedenheit zu verſchaffen. Wie hat die liebe hl. Eliſabeth ſich das zu nutze gemacht! Kann er dir nicht zurufen:„Ich bin gefangen, und du, mein Kind, kommſt mich nicht beſuchen? Ich habe hier viele und große Gnaden in Hän⸗ den, um ſie dir auszutheilen; verlangſt du nicht darnach?— Dein ſehnlicher Wunſch iſt es, wenn ich bei deinem Tode als heilige Wegzehrung auf dem Wege zur Ewigkeit dich begleite,— und du thuſt jetzt ſo wenig für mich.“ Als zur Zeit des gelehrten Biſchofs Boſſuet im königlichen Schloſſe des Louvre in Paris Feuer ausgebrochen war und die Flammen, vom Winde gepeitſcht, in raſender Wuth um ſich griffen, bot der berühmte Marſchall Türenne mehr als zehntauſend Mann zum Löſchen auf— vergebens: das Feuer griff immer wilder um ſich. Da trat der Biſchof mit dem hhl. Altars⸗ ſacramente ſegnend vor das Feuermeer— augen⸗ blicklich legte ſich der Wind und das Feuer war ſchnell gelöſcht. Alle warfen ſich nieder vor dem Herrn im Sacramente, und Türenne, der als — 385— Proteſtant gar nicht an die wirkliche Gegenwart glauben wollte, war von der Stunde an bekehrt. (Ott, Euchariſt.) So auch wird der Segen deines Heilandes, wenn du ihn andächtig beſuchſt im Tabernakel, den Stürmen deiner Leiden und Verſuchungen Stille gebieten, das Feuer deiner Leidenſchaften und böſen Neigungen löſchen, Heil und Gnade bringen für Zeit und Ewigkeit. Titanei vom allerhl. Snernmente des Altars. Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, erbarme Dich unſer! Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, höre uns! Chriſte, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel,— Erbarme Dich unſer! Gott Sohn, Erlöſer der Welt, Gott heiliger Geiſt, Hl. Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du Brod der Engel, Du lebendiges Brod, welches vom Himmel gekommen iſt, Du welches alle Süßigkeit in ſich be— greift, Du Brod, welches Du für das Leben der Welt gegeben biſt, Du verborgener Gott und Heiland, Du Krone der Auserwählten, Du Frucht vom Baume des Lebens, Du Brunnquell aller Gnaden, Du immerwährendes Opfer, St. Eliſabeth. Du unbeflecktes Lamm,— Erbarme Dich unſer! Du Speiſe der Engel, Schatz der Gläubigen, Du Freude der gottſeligen Gemüther, Du Gedächtniß der göttlichen Wunderwerke, Du Verſöhnung der Sünder, Du Band des Friedens und der Liebe, Du Troſt der Betrübten, Du Speiſe der Hungrigen, Du Heil der Kranken, Du Wegzehrung der Sterbenden im Herrn, Du Pfand der zukünftigen Herrlichkeit, Sei uns gnädig!— Verſchone uns, o Herr! Sei uns gnädig!— Erhöre uns, o Herr! Von dem unwürdigen Genuſſe Deines hei⸗ ligſten Fleiſches und Blutes,— Erlöſe uns, o Herr!* Von der Begierlichkeit des Fleiſches, Von der Begierlichkeit der Augen, Von der Hoffart des Lebens, Von aller Gelegenheit zu ſündigen, Durch Dein Verlangen, mit welchem Du Dich nach der Einſetzung dieſes Sacra⸗ mentes geſehnt haſt, Durch die tiefe Demuth, mit welcher Du Deinen Jüngern die Füße gewaſchen haſt, Durch die inbrünſtige Liebe, mit welcher Du dieſes allerhl. Sacrament eingeſetzt haſt, Durch Dein hl. Fleiſch und Blut, welches Du in dieſem allerhl. Sacramente hinter⸗ — laſſen haſt, S Wir arme Sünder!— Wir bitten Dich, er⸗ höre uns! Daß Du in uns den Glauben, die Ehr⸗ furcht und die Andacht gegen dieſes aller⸗ heiligſte Sacrament vermehren und erhal— ten wolleſt, Daß Du uns von dem Tode der Sünden zu dem ewigen Leben auferweckeu wolleſt, Daß Du uns in Deiner Gnade beſtätigen und erhalten wolleſt, Daß Du uns in aller Nachſtellung des böſen Feindes beſchützen wolleſt, Daß Du unſer Gemüth mit der Gnade Dei⸗ ner Heimſuchung erleuchten und regieren wolleſt, Daß wir uns allseit in Dir erfreuen mögen, Daß Du das Feuer Deiner Liebe in uns entzünden wolleſt, Daß Du mit dem Bande der ewigen Liebe uns vereinigen wolleſt, Daß Du in der Stunde unſers Todes mit iet chen Wegzehrung uns ſtärken wolleſt, Daß Du uns zum Gaſtmahle des ewigen Lebens führen wolleſt, O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg⸗ nimmſt die Sünden der Welt!— Ver⸗ ſchone uns, o Herr! Du Lamm Grttez, welches Du hinweg⸗ nimmſt die Sünden der Welt,— Erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg⸗ nimmſt die Sünden der Welt,— Erbarme Dich unſer, o Herr! Chriſte, höre uns! Chriſte, erhöre uns! Gebet. O Gott, der Du uns unter dem wunderbaren Sacramente das Gedächtniß Deines Leidens hinterlaſſen haſt, gewähre uns, wir bitten Dich, die heiligen Geheim⸗ niſſe Deines Leibes und Blutes ſo zu ver⸗ ehren, daß wir die Frucht Deiner Erlöſung immer mehr in uns empfinden, der Du lebſt und herrſcheſt von Ewigkeit zu Ewigkeit. men. Erſte Beſuchung. (Vom hl. Alphons von Liguori.) Jedesmal 300 Tage Ablaß. Monatlich vollkommener Ablaß. Pius IX 1. September 1854. Mein Herr Jeſus Chriſtus, der Du aus Liebe zu den Menſchen Tag und Nacht in dieſem Sacramente gegenwärtig biſt und voll Erbarmen und Liebe Alle, die kommen, Dich zu beſuchen, erwarteſt, einladeſt und auf⸗ nimmſt, ich glaube, daß Du in dem aller⸗ heiligſten Sacramente des Altars gegenwärtig biſt; ich bete Dich an aus dem Abgrunde meines Nichts und danke Dir für ſo viele mir erwieſene Gnaden, beſonders aber dafür, daß Du Dich ſelbſt mir in dieſem Sa⸗ eramente geſchenkt, daß Du mir Deine hei⸗ ligſte Mutter Maria zu einer Fürſprecherin gegeben und daß Du mich gerufen haſt, Dich in dieſer Kirche zu beſuchen. So grüße ich denn heute Dein liebevolles Herz und mache die Meinung, es in drei⸗ facher Abſicht zu begrüßen: erſtens, um Dir zu danken für dieſes unſchätzbare Geſchenk; zweitens, um alle Unbilden zu erſetzen, die Du von Deinen Feinden erduldet haſt; drittens endlich, um Dich durch dieſe Be⸗ ſuchung zugleich an allen Orten in der gan⸗ zen Welt anzubeten, wo Du in Deiner ſacra⸗ mentaliſchen Gegenwart am wenigſten verehrt und am meiſten verlaſſen biſt. O mein Jeſus, ich liebe Dich, es ſchmerzt mich, daß ich Deine unendliche Güte bisher ſo oft betrübt habe; mit dem Beiſtande Deiner Gnade nehme ich mir vor, Dich in Zukunft nicht mehr zu be⸗ leidigen; für jetzt aber ſchenke und übergebe ich mich Dir, ſo elend ich auch bin, und ent⸗ ſage allem eigenen Willen, allen Wünſchen und Neigungen, und Allem, was mein iſt, um es Dir aufzuopfern. Verfüge von nun an mit mir und mit Allem, was ich beſitze, wie es Dir gefällt; ich ſuche und verlange Nichts von Dir, als Deine heilige Liebe, die endliche Beharrlichkeit und die vollkommene Erfüllung Deines heiligſten Willens. Ich empfehle Dir die Seelen im Feg⸗ feuer, vorzüglich die verlaſſenſten unter ihnen und die, welche eine beſondere Andacht zum hl. Sacramente und zu Maria, der hl. Jung⸗ frau, hatten. Ich empfehle Dir anch aße ———— —— 3 armen Sünder. Endlich, mein geliebter Hei⸗ land, vereinige ich alle meine Anmuthungen mit den Anmuthungen Deines liebreichſten Herzens, und ſo vereinigt bringe ich ſie Dei⸗ nem ewigen Vater dar und bitte ihn in Deinem Namen, daß er ſie aus Liebe zu Dir annehmen und erhören wolle. Abbitte vor dem hochwürdigſten Gutr. Jedesmal 200 Tage Ablaß. Pius VII. 21 Jan. 1815. Leo XII. 13. Auguſt 1828. Ich bete Dich an mit jener tiefſten Ehr⸗ furcht, welche der Glaube mir einflößt, o mein Gott und Erlöſer Jeſus Chriſtus; ich liebe Dich, o wahrer Gott und wahrer Menſch, im hl. Sacramente des Altars eingeſchloſſen, von ganzem Herzen zum Erſatze für alle Un⸗ ehrerbietigkeiten, Verunehrungen und gottes⸗ räuberiſchen Entweihungen, die ich bis jetzt unglücklicher Weiſe begangen haben könnte, die begangen worden ſind, und die(möge es nie geſchehen) in Zukunft begangen werden könnten. Ich bete Dich alſo an, o mein Gott, nicht ſo, wie Du würdig biſt, angebetet zu werden, auch nicht ſo, wie ich es ſchuldig wäre, aber wenigſtens ſo gut, als ich kann, und ich wünſche es mit all jener Vollkom⸗ menheit zu thun, deren vernünftige Geſchöpfe fähig ſind. Und ſo mache ich die Meinung, Dich jetzt und für immer anzubeten, nicht allein für jene Katholiken, welche Dich nicht lieben, ſondern auch zum Erſatze und für die Bekehrung aller Irrgläubigen, Schismatiker, Gottesleugner, Läſterer und aller gottloſen Künſten Ergebenen, der Mohamedaner, Juden und Götzendiener. Ach ja, mein Jeſus, möch⸗ teſt Du allzeit von Allen erkannt, angebetet, geliebt und dankbar verehrt werden in dem heiligſten und göttlichſten Sacramente. Amen. Zweite Beſuchung. Mein Chriſt, es iſt nicht nöthig, daß du viel weißt, um mir wohlgefällig zu ſein; es iſt genug, wenn du mich viel liebſt.— Rede einfältig mit mir, als ob du mit deinem vertrauteſten Freunde redeteſt. Haſt du nicht Jemanden, den du mir em⸗ pfehlen willſt? Was ſoll ich thun für deine Eltern, deine Brüder, deine Schweſtern, deine Freunde.... Fordere viel, ſehr viel; ich liebe die großmüthigen Herzen, die ſich ſelbſt ver⸗ geſſen um der Andern willen.... Nenne mir Arme, denen du helfen möchteſt— Kranke, die du haſt leiden ſehen— Sünder, die du bekehren möchteſt— Perſonen, welche dir abgeneigt ſind und die du verſöhnen möchteſt. — Für Alle ſage ein andächtiges Gebet. Erinnere mich daran, daß ich verſprochen habe, jedes Gebet, verrichtet in meinem Na⸗ men, zu erhören. Haſt du nicht einige Gnaden, die du für dich erbitten möchteſt?— Mache, wenn du willſt, eine lange Liſte aller Bedürfniſſe deiner Seele, und komm', komm' und leſe ſie mir vor. Sage mir einfach, wie ſinnlich, ſtolz, empfindlich, eigenliebig, feige und träge du biſt, und bitte, daß ich dir helfe in allen Anſtrengungen, die du machſt, davon loszu⸗ kommen. Arme Seele, ſcheue dich nicht; im Himmel ſind viele Auserwählte, viele Heilige, die mit Fehlern behaftet waren wie du, ſie haben zu mir gefleht, und nach und nach alle abgelegt. Ebenſo wenig ſcheue dich, leibliche und geiſtige Güter zu erbitten, Geſundheit, Ver⸗ ſtand, Gedächtniß, Erfolg... ich kann Alles geben und gebe es immer, wenn es zu deinem ewigen Heile erſprießlich iſt. Kennteſt du doch mein Verlangen, dir Gutes zu thun! Haſt du jetzt keine Wünſche?.. Woran denkt du nun?— Was wünſcheſt du? Willſt du etwas thun für deinen Bruder, deine Schweſter? oder Andere? Denkſt du auch an mich und meine Ehre? Willſt du nicht etwas Gutes thun für die Seelen Derjenigen, die du liebſt und die meiner nicht gedenken? Sage mir nur, was dir am meiſten am Herzen liegt, welche ſind deine Beweggründe, welche die Mittel, die du anwenden willſt?... Kommſt du nicht zum Ziele, ſo ſag' es mir, ich will dir dann die Urſache davon angeben. Wen gedenkſt du für dein Unternehmen zu gewinnen? Ich hin Herr über die Herzen, mein Hind, und lenke ſie ſanft, wohin ich will.. Ich werde dir die zur Seite ſtellen, welche dir nöthig i darüber kannſt du ruhig ſein. Haſt du auch Feinde? Erzähle mir aus⸗ führlich deinen Kummer? Wer hat dich be⸗ leidigt? Wer deine Eigenliebe verletzt? Wer dich verachtet? Sage mir Alles, und du wirſt am Ende verzeihen, Alles verzeihen... und ich werde dich ſegnen! Fürchteſt du irgend etwas? Haſt du eine unbeſtimmte Beſorgniß in deiner Seele, die zwar unbegründet iſt, dich aber quält? Ver⸗ traue dich gänzlich meiner Vorſehung an. Ich bin da, ich ſehe Alles und werde dich nicht verlaſſen. Haſt du Leute um dich, deren Herz dir nicht mehr ſo zugethan iſt, wie früher, ohne daß du ihnen Anlaß gegeben haſt? Bitte für ſie zu mir und ich werde ſie dir wieder zu⸗ führen, wenn ſie dir zu deiner Heiligung dienlich ſind. Haſt du nichts Freudiges mir mitzuthei⸗ len? Warum ſollteſt du mich an deinem Glücke nicht theilnehmen laſſen? Sage mir Alles, was dich getröſtet, dich erfreut hat. Das Alles, mein Kind, hab' ich dir be⸗ reitet, warum ſollteſt du dich dafür nicht dankbar zeigen und mir ſagen: Schönen Dank! Haſt du mir nicht ein Verſprechen zu machen? Ich leſe, wie du weißt, in der Tiefe — 394— deiner Seele: Menſchen kann man hinter⸗ gehen, Gott niemals; ſei alſo aufrichtig.... Biſt du entſchloſſen, jene Gelegenheit, zu ſündigen, gänzlich zu meiden? jene Sache von dir zu thun, die dich zum Böſen verleitet? Willſt du alsbald freundlich und liebreich gegen Den oder Die ſein, die dich beleidigt haben? Gut, mein Kind,. gehe jetzt wieder an deine Arbeit, ſei ſchweigſam, züchtig, ergeben, unterwürfig, liebreich, und habe die hl. Jung— frau recht lieb.... Und dann komm' bald und bring' mir ein noch ergebeneres und liebevolles Herz. Ich werde dann neue Gnaden und neuen Segen für dich haben. Dritte Brſuchung. Jeſus ſpricht: Mein Chriſt, es iſt mir ſehr angenehm, deinen Beſuch im Sacramente meiner Liebe zu empfangen. So wenig Men⸗ ſchen kennen mich, ihren Gott und Erlöſer! So Wenige lieben mich, der ich in meiner unendlichen Liebe für ſie aus dem Himmel herniedergeſtiegen bin. Die meiſten Menſchen ſuchen Troſt in den Geſchöpfen; thuſt du nicht auch dasſelbe, mein Kind?... Bedenke doch, daß ich jedem Geſchöpfe das Gute ver⸗ liehen habe, das darin ſich findet. Iſt es redlich, den Geber alles Guten zu vergeſſen und nach weltlichen Gütern und Freuden zu ſtreben? i 1 — 895— Siehe, ich komme zu dir, ich, der Weg, die Wahrheit und das Leben! Siehe, wie arm ich bin, wie verlaſſen; wie beraubt von vielen Sachen, nach welchen du ſo begierig verlangſt! Im Himmel war ich ſo reich, und doch habe ich für dich Entbehrung leiden wollen vom erſten Augenblicke meiner Geburt an bis zum letzten Athemzuge am Kreuze, damit du lernteſt, in kein Geſchöpf deine Ruhe oder deine Hoffnung zu ſetzen, damit du lern⸗ teſt, die Kreuze dieſes Lebens mit Geduld zu ertragen? Iſt dein Herz nicht ſo an ein oder das andere Geſchöpf gefeſſelt, daß du mich da⸗ durch beleidigſt?— Bringe mir dieſe Ge— ſchöpfe zum Opfer, und zwar aus Liebe. Siehe, meine Arme ſind geöffnet, wie auf dem Kreuze. Mehr noch als meine Hände aber iſt mein Herz geöffnet. O könnteſt du meine Liebe begreiſen, wie ekelhaft würde dir Alles vorkommen, was dein Herz zum Sklaven macht. Meine Seele, entäußere du dich für mich, und du wirſt glücklich werden. Schaue meine Erniedrigungen! Ich, der Sohn Gottes, in Allem meinem Vater gleich, ich bin Menſch geworden, und zwar der nie⸗ drigſte der Menſchen. Ich habe nicht allein meine Allmacht verborgen, ſondern auch meine Weisheit, ja meine Menſchheit ſogar. Des⸗ halb bin ich immer gehorſam geblieben und habe immer viel geſchwiegen.— Schmerzlich iſt es mir, daß Viele, welche ſich dennoch — 30— meine Freunde nennen, dieſes Stillſchweigen nicht achten und noch weniger nachahmen. Iſt es nicht wahr, mein Kind, daß du oft mit der Zunge dich verſündigt haſt? Haſt du nicht oft und oft die ſchöne Tugend der Nächſtenliebe verletzt, welche ich wie meinen Augapfel anſehe? Schweige viel, und du wirſt demüthig werden. Die Demuth klagt nicht mit Bitter⸗ keit, wenn man vergeſſen oder verlaſſen wird, wenn Andern mehr Achtung oder Freund⸗ lichkeit zu Theil wird. Bedenke, wie man mich behandelt hat!— Betrübe dich nicht, wenn man deine Güte mit Undank vergilt. Welche Belohnung hatte ich auf Erden?— Ueber⸗ denke, wie meine Herabkunft auf dieſe Erde und mein ganzes Leben ein fortwährender Streit war gegen allerlei Schwierigkeiten. Ich ſah aus der Höhe des Himmels nicht nur die Leiden, welche ich zu erdulden hatte, ſondern auch die Schmerzen und die Betrüb⸗ niß, welche meine geliebte unbefleckte Mutter, mein theurer Nährvater, der hl. Joſeph, und alle meine Freunde bis an's Ende der Welt für mich ausſtehen ſollten. Und doch habe ich das Werk der Erlöſung angefangen und vollendet. Aus der Demuth ſproßt das Vertrauen hervor. Weshalb kommſt du zu mir mit einem furchtſamen Herzen? Bin ich nicht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt? Für wen bin ich hierher gekommen? — 3— Iſt es nicht für die Sünder und für die Ge⸗ brechlichen? Weshalb ſollteſt du fürchten? Ich bin ja mit dir, ich, dein Erlöſer, dein Freund. Weder durch dich noch durch alle Sterblichen zuſammen wird der Schatz mei⸗ ner Barmherzigkeit je erſchöpft werden. Sprich zu mir alſo immer mit vollem Vertrauen, klage mir alle deine Nöthen, ich werde dich erquicken. Vielleicht haſt du, mein Chriſt, an deinem Körper etwas zu leiden? Denke an das, was ich gelitten habe. In der Krippe ſchon fing ich an, den bitteren Kelch zu trinken, den ich auf dem Kreuze für deine Seligkeit ge⸗ leert habe. Iſt etwa der Schüler über den Meiſter? Geziemt es ſich, unter einem mit Dornen gekrönten Haupte ein weichliches Glied zu ſein? Wer hat ſo viel gelitten, wie ich? An der Seele und an dem Leibe? Weſſen Herz war ſo zermalmt, wie das Und dieſes einzig Alles aus Liebe zu dir. Klage alſo nicht, mein Kind! Klage über⸗ haupt nicht viel vor den Menſchen. Komme zu mir in deiner Betrübniß, ich bin der Va⸗ ter alles Troſtes; komme zu mir in deinen Zweifeln, ich bin der Vater alles Lichtes; komme zu mir in deinen Gebrechen und Sün⸗ den, ich bin der Vater der Barmherzigkeit; komme zu mir in deiner Verlaſſenheit, ich bin der Vater aller Verlaſſenen und Bedrängten. Bin ich nicht dein Gott, dein Freund, dein Heil, kann ich dir nicht Alles erſetzen, was dir fehlt? Gehe jetzt, mein Kind, ich ſegne dich, ich ſegne Alles, was dir jetzt am Herzen liegt; gehe voll Muth— aber vergiß meiner nicht, ich bleibe hier— für dich Tag und Nacht. Komme bald wieder, um nochmals meine Stimme zu vernehmen, um dein Herz mir zu öffnen und von deinen Angelegenheiten, aber auch von den meinigen zu reden. —.————— Andachten um hl. Herzen Zeſt. Litanei vom hl. Herzen Zeſu. Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, erbarme Dich unſer! Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, höre uns!— Chriſte, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel,— Erbarme Dich unſer! Gott Sohn, Erlöſer der Welt, Gott heiliger Geiſt, Hl. Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Herz Jeſu, mit dem Worte Gottes weſenhaft vereinigt, Herz Jeſu, Du Heiligthum der Gottheit, Herz Jeſu, Du Tempel der hl. Dreifaltigkeit, Herz Jeſu, Du Abgrund der Weisheit, Herz Jeſu, Du Meer der Gütigkeit, rz Jeſu, Du Thron der Barmherzigkeit, * 399— Herz Jeſu, unerſchöpflicher Schatz— Erbarme Dich unſer! Herz Jeſu, aus deſſen Fülle wir Alle em⸗ pfangen haben, Herz Jeſu, unſer Friede und unſere Ver⸗ ſöhnung, Herz Jeſu, Du Vorbild aller Tugenden, Herz Jeſu, unendlich liebreich und unendlich liebenswürdig, Herz Jeſu, Du Quelle des Waſſers, das in's ewige Leben fließt, Herz Jeſu, 3 dem der Vater ſein Wohl⸗ gefallen hat, Herz Jeſu, Du' Sühnopfer für unſere Sünden, Herz Jeſu⸗ unſertwegen mit Bitterkeit erfüllt, Herz Jeſu, im Garten bis zum Tode betrübt, Herz e mit Schmach geſättigt, Herz Zeſ u, von Liebe verwundet, Herz Zeſu, mit der Lanze durchbohrt, Herz Jeſu, am Kreuze ſich verblutend, Herz Jeſu, Du Zuflucht der Sünder, Herz Jeſu, Du Stärke der Schwachen, Herz Jeju, Du Troſt der Betrübten, Herz Jeſu, Du Beharrlichkeit der Gerechten, S Du Heil Derer, die auf Dich offen, Herz Jeſu, Du Hoffnung der Sterbenden, Jeſu, Du ſüßer Schatz Deiner Ver⸗ ehrer, Herz Jeſu, Du Wonne aller Heiligen, Herz Jeſu, unſere Hülfe in den F die uns gar ſehr getroffen, — 05— Du Herz unſers himmliſchen Königs und barmherzigen Hirten,— Erbarme Dich unſer! Du Zufluchtsſtätte in Verſuchungen und Trübſalen, Du Spiegel der Sanftmuth und Demuth, Du Grundquell aller hl. Gedanken und Be⸗ gierden, Du Altar der Verſöhnung und Quell der göttlichen Liebe, Herz Jeſu, Du ewige Freude der Heiligen im Himmel, Sei uns gnädig!— Verſchone uns, o Jeſu! Sei uns gnädig!— Erhöre uns, o Jeſu! Von aller Lauigkeit und Sünde,— Erlöſe uns, o Jeſu! Von unreinen Gedanken und Begierden, Von Verblendung und Verſtocktheit des Herzens, Durch Deine bittere Todesangſt, Durch Deine Armuth, Deinen Gehorſam und Deinen Kreuzestod, Durch das Waſſer und Blut, das zu unſerer Heiligung Deinem heiligſten Herzen ent⸗ floſſen, Wir arme Sünder!— Wir bitten Dich, er⸗ höre uns! Daß Du unſerm Herzen die hl. Liebe ein⸗ flößen wolleſt, 6 Daß Du uns Reinheit, wahre Demuth, Sanftmuth und inneren Frieden verleihen wolleſt, — 401— Daß Du in den Verſuchungen und Trüb⸗ ſalen dieſes Lebens uns ſtärken und tröſten wolleſt,— Wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns einen guten Tod und eine ſelige Ewigkeit verleihen wolleſt, O Du Lamm Gottes..(Wie gewöhnlich.) Vater unſer... Gegrüßet.. V. Jeſu, an Demuth und Milde reich, B. Mach' unſer Herz dem Deinigen gleich. Gebet. Laß uns, o Herr Jeſus Chriſtus, mit den Tugenden Deines hl. Herzens be⸗ kleidet und von ſeinen Liebesflammen ent⸗ zündet werden, damit wir es verdienen, dem Bilde Deiner Güte gleichförmig und Deiner Erlöſung theilhaftig zu werden, der Du lebſt und regierſt mit Gott dem Vater in Einig⸗ keit des hl. Geiſtes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Zlehentliches Zittgebet zum hl. Herten Zeſu. (Von der ſel. Margaretha Alacoque.) Im Gefühle meiner tiefſten Niedrigkeit werfe ich mich vor Dir hin, o Du allerhl., göttlichſtes Herz Jeſu, um Dir meine Hul⸗ digung darzubringen, Dich anzubeten, zu lieben und zu preiſen, ſo viel ich kann. Dir, als dem liebreichſten Freunde meiner Seele, empfehle ich mit feſtem Vertrauen alle meine Bedürfniſſe und Nöthen, all mein geiſtiges Elend, meine Armuth, meine Schwächen, meine Trägheit und Lauheit, mit einem Worte, alle Wunden meiner Seele, und ich bitte Dich St. Eliſabeth. 26 inſtändigſt, daß Du Dich durch dieſelben zum Mitleid bewegen laſſeſt und nach der Menge Deiner Erbarmungen mir zu Hülfe eileſt. O Herz der Liebe, errette mich. Durch Alles, was fähig iſt, Dich zu bewegen, be— ſchwöre ich Dich, daß Du mir und Allen, die in derſelben Gefahr des Heiles ſchweben, die Gnade verleiheſt, in Deiner Liebe zu verharren. Ach, göttliches Herz, laß mich nicht umkommen in der Sündfluth meiner Miſſethaten; wenn ich nur in Deiner Liebe ewig verbleibe, dann ſchalte mit mir nach Deinem Wohlgefallen. Nur verwirf mich nicht von Dir; denn auf Dich habe ich mein ganzes Vertrauen gegründet. Ich flehe zu Dir, ich rufe Dich an als die einzige Ret⸗ tung gegen alle meine Uebel, wovon die Sünde das allergrößte iſt. Zerſtöre dieſelbe in mir und vergib mir alles Böſe, das ich gegen Dich verübt. Es ſchmerzt mich über Alles, daß ich Dich je beleidigt habe, und ich bitte Dich von ganzem Herzen um Verzeihung. O liebenswürdigſtes Herz, laſſe mich und Alle, die ſich in mein Gebet empfohlen haben oder für die ich zu beten ſchuldig bin, Deine höchſte Gewalt fühlen. Stehe uns bei, einem Jeden nach ſeinen Bedürfniſſen.“ O Herz voll Erbarmungen, erweiche die verſtockten Herzen der Sünder und erguicke die Seelen der Verſtorbenen im Reinigungs⸗ orte. Sei Du die Zufluchtsſtätte der Ster⸗ benden, der Troſt aller Bedrängten und — 403— Nothleidenden, und ſei endlich mir, o Herz der Liebe, Alles in Allem; beſonders aber ſei die Zuflucht meiner Seele in der Stunde meines Todes und nimm ſie alsdann in die Hände Deiner Barmherzigkeit auf. Amen. Weihe an das hl. Herz Jeſn. Ich... weihe und übergebe dem hl. Herzen unſers Herrn Jeſu Chriſti meine Perſon, mein Leben, meine Handlungen, meine Mühſeligkeiten und Leiden, um in Zukunft mich ganz zu ſeiner Liebe und Ver⸗ herrlichung zu verwenden. Es iſt mein feſter, unwiderruflicher Entſchluß, ihm ganz anzu⸗ gehören, Alles aus Liebe zu ihm zu verrichten, und von meiner ganzen Seele Allem zuentſagen, was dieſem göttlichen Herzen mißfallen könnte. Daher erwähle ich Dich, o hl. Herz, zum Hauptgegenſtande meiner Liebe, zum Be⸗ ſchützer meines Lebens, zur Sicherheit meines Heiles, zur Stütze in meiner Schwachheit und zum Erſatze für alle Fehler meines ganzen Lebens. Herz der Milde und Güte, ſei Du auch meine ſichere Zufluchts⸗ ſtätte in der Stunde meines Todes; ſei Du meine Rechtfertigung vor Gott, und wende die Strafe ſeines gerechten Zornes von mir ab. O Herz der Liebe, auf Dich ſetze ich mein ganzes Vertrauen; von meiner Bosheit fürchte ich Alles, aber von Deiner Güte hoffe ich auch Alles. Vertilge denn in mir Alles. was Dir mißfallen oder widerſtehen kann, — 404— Deine reine Liebe präge ſich ſo tief in mein Herz ein, daß ich Dich niemals vergeſſen, noch von Dir getrennt werden könne. Gött⸗ liches Herz, ich beſchwöre Dich durch Deine unendliche Güte, daß mein Name tief in Dir eingegraben ſei; denn in Deinem Dienſte will ich leben und ſterben. Amen. Dügliches Gebet der hl. Gertrud. Ich grüße Dich, hochhl. Herz Jeſu, Herz meines Erlöſers, lebendige und unerſchöpf⸗ liche Quelle der Wonne und des ewigen Lebens, unendliche Schatzkammer der Gott⸗ heit, ſprühender Feuerherd der göttlichen Liebe! Du biſt meine Zuflucht, meine Ruheſtätte, mein Alles! Herz voll der Liebe, entflamme mein Herz mit der hl. Gluth, die Dich ver— zehrt! Gieße alle jene Gnaden in mein Herz, welche in Dir, als ihrer Quelle, entſpringen! Laß meine Seele beſtändig mit der Deinen vereint und meinen Willen in Allem dem Deinigen gleichförmig ſein. Dies Eine nur verlange ich, daß Dein hl. Wille die einzige Richtſchnur und das einzige Ziel aller meiner Gedanken, aller meiner Wünſche, aller meiner Handlungen ſei! Und dieſes hoffe ich zuver⸗ ſichtlich von Dir. Amen. Ghrenerſatzleiſtung an das hl. Herz Zeſu. Heiligſtes Herz Jeſu, in Demuth vor Dir niedergeworfen, wollen wir jetzt uns Dir auf⸗ opfern und den feſten Vorſatz betheuern, daß i —— — — —— — = =— — —— wir durch Vermehrung unſerer Liebe und Treue die Beleidigungen wieder gut machen wollen, die Dir von den Menſchen zugefügt werden. Ja, wir geloben Dir: Je mehr man die Wahrheiten unſerer hl. Religion läſtert, deſto mehr wollen wir daran glauben, o Herz Jeſu, Du Sitz der ewigen Weisheit. — Je mehr der Unglaube ſich bemüht, unſere Hoffnungen uns zu rauben, deſto mehr wollen wir auf Dich hoffen, o Herz Jeſu, einzige Hoff⸗ nung der Sterblichen.— Je mehr die Herzen den Beweiſen Deiner göttlichen Liebe wider⸗ ſtehen, deſto mehr wollen wir Dich lieben, o unendlich liebenswürdiges Herz Jeſu.— Je mehr man Deine Gottheit angreift, deſto mehr wollen wir ſie anbeten, o göttliches Herz Jeſu. — Je mehr man Deine hl. Gebote übertritt, deſto mehr wollen wir ſie beobachten, o hl. Herz Jeſu.— Je mehr Deine hl. Sacramente ver⸗ achtet werden, deſto mehr wollen wir ſie mit Liebe und Ehrfurcht empfangen, o freigebigſtes Herz Jeſu.— Je mehr man Deine anbetungs⸗ würdigen Tugenden aus den Herzen verbannt, deſto mehr wollen wir uns bemühen, ſie aus⸗ zuüben, o Herz Jeſu, Du Muſter aller Tugen⸗ den.— Je mehr die Hölle am Verderben der Seelen arbeitet, deſto mehr wollen wir zu ihrem Heile beitragen, o Herz Jeſu, Du Eiferer der Seelen.— Je mehr die Sinn⸗ lichkeit und der Stolz ſich bemühen, die Selbſt⸗ verlengnung und Setene zu zerſtören, deſto mehr wollen wir uns ſelbſt überwinden — 406— und unſere Pflichten treu erfüllen, o mit Schmach erſättigtes Herz Jeſu.— Je mehr man Deine hl. Kirche verachtet, deſto mehr wollen wir uns beſtreben, ihre getreuen Kin⸗ der zu ſein, o mit Dornen gekröntes Herz Jeſu.— Je mehr man den hl. Vater, Deinen Stellvertreter auf Erden, betrübt und ver⸗ folgt, deſto mehr wollen wir ihm anhangen und für ihn beten, o verwundetes Herz Jeſu. — O Herz unſers Gottes, verleihe uns ſo viele und ſo kräftige Gnaden, daß wir Deine Apoſtel hier auf Erden und Deine Krone in der ewigen Glückſeligkeit ſein mögen. Amen. Gebet um die Pereinigung mit dem hl. Berzen Jeſu. (Vom hl. Alphonſus.) O mein Jeſu, Du haſt Dich nicht geweigert, für mich Dein Blut und Dein Leben dahin zu geben, und ich ſollte mich weigern, Dir mein elendes Herz zu ſchenken? ein, mein geliebter Heiland, ich ſchenke es Dir ganz und gar, ich übergebe Dir meinen Willen; nimm ihn gnädig an und verfüge über mich, wie es Dir gefällt. Ich habe Nichts, ich vermag Nichts; aber ich beſitze dies Herz, das Du mir geſchenkt haſt, welches mir Niemand zu rauben u man kann mir mein Vermögen, mein Blut, mein Leben rauben,— aber nicht mein Herz. Mit dieſem Herzen kann, mit dieſem Herzen will ich Dich lieben. ————— Lehre Du mich, o mein Gott, die voll⸗ kommene Verleugnung meiner ſelbſt: zeige mir, was ich thun muß, um Deine reine Liebe zu erlangen, denn Deine Güte hat mir die Begierde darnach eingeflößt. Siehe, ich bin feſt entſchloſſen, Dir zu gefallen: aber um dies durch die That zu beweiſen, hoffe und verlange ich Deinen Beiſtand. Von Dir allein, o liebendes Herz Jeſu, hängt es ab, ob mein armes Herz, das früher ſo undankbar gegen Dich geweſen, und das durch eigene Schuld Deiner Gnade beraubt war, in der Folge Dir ganz ange⸗ höre. Mache, o mein Heiland, daß mein armes Herz von Liebe zu Dir entzündet werde, gleichwie Dein Herz von Liebe zu mir entbrannt iſt. Mache, daß mein Wille ganz mit Dei⸗ nem heiligen Willen vereinigt ſei, ſo daß ich in der Folge Nichts wolle, als was Du willſt, und daß von heute an Dein heiliger Wille die Richtſchnur all meiner Handlungen, all meiner Gedanken, all meiner Wünſche ſei. Ich hoffe, o mein Heiland, daß Du mir die Gnade nicht verſagen werdeſt, den Entſchluß in's Werk zu ſetzen, den ich jetzt hier zu Deinen Füßen faſſe. Siehe, ich will freudig Alles annehmen, was Du über mich und Alles, was mein iſt, verhängſt, ſowohl im Leben als im Tode. O allerſeligſte und allezeit unbefleckte Jungfrau Maria, dein Herz war immer — 408— in allen Dingen mit dem Herzen Jeſu ver⸗ einigt; o meine liebe Mutter, erlange mir alſo die Gnade, daß ich in der Folge Nichts wolle und wünſche, als was du, als was Jeſus von mir verlangt. Amen. Liebesreue und Zehnſucht nach Vereinigung mit dem Herzen Zeſu. (Vom hl. Alphonſus.) O göttliches Herz meines Erlöſers, Du Inbegriff alles Guten und aller Voll— kommenheit, o möchte ich Dich ſo inbrünſtig lieben, als Du verdienſt, geliebt zu werden. Reinige mein Herz von Allem, was Dir zuwider iſt, und entflamme dasſelbe mit Deiner göttlichen Liebe, damit ich nichts Anderes ſuche und wünſche, als Dich, meinen Gott und mein Alles. Ach, wenn ich die koſtbare Zeit, die ich unnütz verſchwendet habe, zurückrufen könnte! Wenigſtens will ich von nun an aus ganzem Herzen Dich lieben, alle Augenblicke meines Lebens Dir weihen und ſo meine frühere Kälte und Gleich— gültigkeit gegen Dich zu erſetzen trachten. Glückliche Seelen, die ſchon von ihrer zarteſten Jugend an Dir ihr Herz geſchenkt und es ſtets verwendet haben, um Dich zu lieben! Wie war es doch möglich, o du ewige Schönheit, daß ich Dich habe verachten und beleidigen können? Ach, wie reuet es mich, Dir jemals mißfallen zu haben! O wenn n ni i6 e im Himmel beſitzen werde! Dort werde ich — 409— Du dei daß ich einſt wieder von Deiner Liebe weichen und Dich durch eine ſchwere Sünde beleidigen werde, ſo bitte ich Dich, laß mich lieber jetzt in Deiner Liebe ſterben; denn leben, und Dich nicht lieben, iſt mir bitterer als der Tod. Gott, mein höchſtes Gut, meine Seele verlangt nach Dir. Wie ſehr ſehne ich mich nach dem glücklichen Augenblicke, wo ich Dich Dich anſchauen und erkennen, dort aus ganzem Herzen und aus allen Kräften mei⸗ ner Seele Dich lieben und Deine unend⸗ liche Barmherzigkeit loben und preiſen in Ewigkeit. Ach, wie klein, wie elend iſt miein Herz und wie ſchwach iſt die Liebe, die es zu Dir hegt, o liebenswürdigſter Jeſu! Ich bitte Dich, erweitere dasſelbe durch Deine Gnade, entzünde es mit dem Feuer der Liebe, die Dein Herz verzehrt, und vereinige es mit Deinem Herzen, um Dich zu lieben 3 in Deiner Liebe zu leben und zu ſterben. men. — 410— Andacht zum bitteren Teiden Chriſti. s gibt wohl keine Andacht, die geeigneter wäre, dein Herz für die Liebe deines Got⸗ tes zu entflammen, dir einen heilſameren Ab⸗ ſcheu vor der Sünde und Liebe zu jeglicher Tu⸗ gend einzuflößen, dich zu tröſten und zu ſtärken in deinen Leiden und Widerwärtigkeiten, dich zur gewiſſenhaften Erfüllung deiner Standes⸗ pflichten anzuſpornen, als eben die Andacht zum bitteren Leiden deines Heilandes. Ach, Gott hat ſo unſäglich viel gelitten— und du denkſt ſo wenig daran! Wie wird ihm ſeine Liebe ver⸗ golten? Scheint es dir nicht manchmal, o Chriſt, als erſchien dir Jeſus bleich, mit Blut überronnen, am ganzen Leibe zerfleiſcht, die Dornenkrone auf dem Haupte, und als blickte er dich ſo wehmüthig und doch ſo liebevoll an und als würde er ſagen: Sieh', o Seele, deinetwegen habe ich ſo furchtbar gelitten! Willſt du dieſe Leiden durch neue Sün⸗ den erneuern? Denkſt du oft darand Die Er⸗ wägung meines Leidens iſt eines der kräftigſten Mittel, chriſtlich und tugendhaft zu leben und ſelig zu ſterben; weil man dies verſäumt, darum iſt die ganze Welt voll Uebel und Sünde.— Willſt du mich nicht begleiten auf meinem Leidens⸗ gange durch den hl. Kreuzweg? „Das Kreuz Chriſti“, ſagt der hl. Auguſtinus, „iſt nicht allein das Todesbett des ſterbenden, ſondern auch der Predigtſtuhl des lehrenden Chriſtus; denn alle Tugenden, die er in ſeinem Leben geübt und gelehrt, übt und lehrt er auch in ſeinem Leiden, bei ſeinem Tode.— Stelle dir alſo jedes Mal bei der Betrachtung des Leidens — 411— Chriſti ſein Beiſpiel lebhaft vor Augen— er⸗ wäge die Tugend, die er geübt— frage dich, ob du ſie haſt, oder wohl gar das entgegengeſetzte Laſter noch in dir findeſt— bereue demüthig deine Fehler gegen dieſe Tugend— faſſe den Vorſatz, jene Sünde auszurotten und jene Tugend dir anzueignen, und bitte den Herrn um Beiſtand. Vetrachtung des bittern Leidens auf jeden Dag des Monats mit entſprechender Mebung. (Wer einen Monat lang täglich eine Viertelſtunde betrachtet, gewinnt einen vollkommenen Ablaß, wenn er beichtet, communicirt und auf die Meinung des heiligen Vaters betet.) Geheimniſſe des Uebungen. Leidens Chriſti. Monatstag. Betrachte: Aus Liebe zu Gott: Jeſus nimmt Abſchied Seine Leiden geduldig ertra⸗ von ſeiner heiligen; gen und bei Gott Troſt Mutter. ſuchen. Jeſus wäſcht ſeinen Auch unliebſame, niedrige Füngern die Füße. Arbeiten gern machen. 3 Jeſus ſetzt das hoch⸗ Oefters geiſtlicher Weiſe com⸗ heilige Altarsſacra⸗ municiren und beim Eſſen ment ein. ſich eine kleine Abtödtung auflegen. 4 Jeſus gibt ſeinen Apo⸗ Gern bei Andern ein gutes ſteln vor ſeinem Lei⸗ Wort anbringen und ſelbſt den die letzten Er⸗ Gottes Einſprechungen be⸗ mahnungen. folgen. Jeſus betet auf dem Mit Eifer die vorgeſchriebenen Oelberge undſchwitzt Andachten verrichten. Blut um unſers Hei⸗ les willen. — — Geheimniſſe 3 des Uebungen. 2 Leidens Chriſti. S Betrachte: Aus Liebe zu Gott: 6 Jeſus wird von Judas Freundlich mit Denen um⸗ mit einem Kuſſe ver⸗ gehen, die uns unangenehm rathen. und zuwider ſind. 7 Jeſus wird wie ein Seinen eigenen Willen ver⸗ Uebelthäter gefangen leugnen und gern gehor⸗ und gebunden. chen. 8 Jeſus wird zu Annas Das Gute, das man ſich vor⸗ geführt. genommen hat oder be⸗ fohlen iſt, ſchnell thun. 9 Jeſus wird von einem Sich nicht leicht entſchuldigen, Knechte mit einem wenn man auch unſchuldig Backenſtreiche miß⸗ getadelt oder geſtraft wird. handelt. 10 Jeſus wird von Petrus Nicht zu viel auf Menſchen dreimal verleugnet. bauen, mehr auf Gott ver⸗ trauen. 11 Jeſus wird die ganze In allen Gelegenheiten ſich Nacht verſpottet und abtödten, doch ſo, daß es erduldet insgeheim Andere nicht merken. viele Mißhandlungen und Qualen. 12 Jeſus wird mit an⸗ Dem Nächſten mit freund⸗ brechendem Tage zu lichen Worten begegnen. Pilatus geführt. 13 Jeſus wird gebunden Aus menſchlicher Rückſicht zu Herodes geführt. nichts Gutes unterlaſſen. 14 Jeſus, die ewige Weis⸗ Alle Verdemüthigungen, von heit, wird mit einem! wo ſie auch kommen, gern weißen Gewande an⸗ annehmen. gethan und verhöhnt. 15 Jeſus wird unter gro⸗ In Kreuz und Trübſal be⸗ ſer Schmach wieder von Herodes zu Pila⸗ tus zurückgeführt. ſtändig die heilige Geduld bewahren. — 413— Monatstag. Geheimniſſe des Leidens Chriſti. Uebungen. Betrachte: Jeſus, das höchſte Gut, wird dem Mörder Barabbasnachgeſetzt. Jeſus wird grauſam gegeißelt. Jeſus, der König des Himmels und der Erde, wird mit Dor⸗ nen gekrönt. Jeſus wird in ſeiner Schmerzensgeſtalt dem Volke vorge⸗ ſtellt. Jeſus wird ungerech⸗ ter Weiſe zum Tode verurtheilt. Jeſus trägt das ſchwere reuz. Jeſus begegnet mit dem Kreuze ſeiner betrübten Mutter. Jeſus wird nach voll⸗ brachtem Kreuzwege ohne Labung und Er⸗ holung gelaſſen. Jeſus wird ſchmählich und unter großen chmerzen ſeiner Kleider beraubt. Jeſus wird mit Nägeln an das Kreuz ge⸗ ſchlagen. Aus Liebe zu Gott: Nichts zum eigenen Lobe reden und jede Abneigung ablegen. DieAugen ſorgfältigim Zaume alten, zur Ehre des ent⸗ lößten Heilandes. Dieſen Tag beſonders dem Nächſten in allen erlaubten Dingen nachgeben. Nicht verlangen, den Men⸗ ſchen zu gefallen, und nicht zu ſehr fürchten, ihnen zu mißfallen. Dem Nächſten Alles zum Beſten auslegen. Zur Ehre des kreuztragenden Jeſus ſeine mühſame Arbeit gern verrichten. Eine Andacht zur ſchmerzhaf⸗ ten Mutter verrichten und die Betrübten tröſten. Außer der Mahlzeit Nichts genießen, und jede Er⸗ müdung gern ertragen. Im Bußgeiſte Kälte oder Hitze geduldig leiden, und ſich immer ehrbar kleiden. Neuen Eifer in Bekämpfung ſeines Hauptfehlers ent⸗ wickeln. — 414— 8 ₰ Geheimniſſe 3 des Uebungen. 8 Leidens Chriſti. 5 Betrachte: Aus Liebe zu Gott: 26 Jeſus bittet unter den Für erlittene Unbild dem Schmerzen und Ver⸗ Nächſten verzeihen und ihm ſpottungen für ſeine! Gutes erweiſen. Feinde. 27 Jeſus ruft:„Mich dür⸗ ſtet!“ Und es wird ihm Galle und Eſſig gereicht. 28 Jeſus gibt unter den größten Schmerzen ſeinen Geiſt auf. 29 Das heil. Herz Jeſu wird mit einer Lanze durchſtochen. 30 Jeſus wird vom Kreuze abgenommen und in das Grab gelegt. Maria, die ſchmerzens⸗ volle Mutter, harret ſtandhaft aus in Lei⸗ den, ganz Gott er⸗ geben. 3 — Sich im Eſſen und Trinken abtödten und ſich nie über das Eſſen beklagen. Gehorſam leiſten, auch in ſchweren Dingen— und auch an den Tod denken. Uebung werkthätiger Näch⸗ ſtenliebe— Andenken an Liebe des Herzens e Jeſu. Anunſere einſtige Verweſung im Grabe denken. Sich der Beharrlichkeit im Guten befleißigen und Alles gleichmüthig von der Hand Gottes annehmen. Abläſe an jedem Freitage. 1. Wer am Freitage einige Zeit im Gebete zubringt, ſich dabei andächtig der Todesangſt Jeſu erinnert und auf das Leiden Chriſti ſich be⸗ ziehende Andachtsübungen verrichtet, gewinnt einen Ablaß von 200 Tagen. 2. Wer am Freitage Pius vII. 14. Febr. 1815. gegen Abend(drei Stun⸗ den vor Sonnenuntergang) knieend fünf Vater ———= unſer und Gegrüßet ſeiſt du Maria zum An⸗ denken an das Leiden und die Todesangſt Jeſu betet(nach der Meinung des hl. Vaters und für die Bekehrung der Sünder), gewinnt einen Ablaß von 100 Tagen. Benedict XIv. 23. December 1740. 3. Wer am Freitage eine Kirche oder eine öffentliche Capelle beſucht und nach der Meinung des hl. Vaters vor einem Erucifixe zum An⸗ denken an das Leiden Chriſti ſieben Vater unſer, Gegrüßet ſeiſt du Maria und Ehre ſei dem Vater betet, gewinnt einen Ablaß von 300 Tagen; und einen völlkommenen Ablaß unter den gewöhn⸗ lichen Bedingungen, wenn er dieſe Andacht an ſieben aufeinander folgenden Freitagen verrichtet und an einem dieſer Freitage beichtet und communicirt. Pius vn. 6. April 1816. Gregor XvI. 4. Auguſt 1837. Alle dieſe Abläſſe können den armen Seelen im Fegfeuer fürbittweiſe zugewendet werden. Titnnei vom bitteren Leiden Ghriſti. Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, erbarme Dich unſer! Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, höre uns!— Chriſte, erhöre uns! Vater im Himmel,— Erbarme Dich unſer! Gott Sohn, Erlöſer der Welt, Gott heiliger Geiſt, Hl. Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Jeſus, der Du am Helberge Angſt des Todes. empfunden und Blut geſchwitzt haſt, Jeſus, der du in der Todrsangſt beteteſt und vom Engel des Himmels geſtärkt wurdeſt, — 416— Jeſus, der Du von Judas, Deinem Jünger, verrathen wurdeſt,— Erbarme Dich unſer! Jeſus, der Du Dich gelaſſen den Händen der Feinde übergeben haſt, Jeſus, der Du unſchuldig zum ſchmählichen Tode des Kreuzes verurtheilt wurdeſt, Jeſus, der Du von den Jüngern verlaſſen und von Petrus verleugnet wurdeſt, Jeſus, der Du gegeißelt und mit einer Dor⸗ nenkrone gekrönt wurdeſt, Jeſus, der Du ſanftmüthig Unrecht aller Art erduldet haſt, Jeſus, der Du ſelbſt Dein Kreuz zur Richt⸗ ſtätte tragen mußteſt, Jeſus, der Du Deiner Kleider beraubt wurdeſt, Jeſus, der Du, an's Kreuz geheftet, drei Stunden lang zwiſchen Mördern hingeſt, Jeſus, der Du Deine Mutter und Deinen getröſtet haſt, Jeſus, der Du ſterbend für Deine Feinde gebetet haſt, Jeſus, der Du dem bußfertigen Sünder das Paradies verſprochen haſt, Jeſus, der Du in Deinem Durſte mit Eſſig und Galle getränkt wurdeſt, Jeſus, der Du ſterbend Deinen Geiſt in die Hände Deines Vaters übergeben haſt, Jeſus, durch deſſen Blut wir ſind geheiligt worden, Sei uns gnädig!— Verſchone uns, o Jeſu! Sei uns gnädig!— Erhöre uns, o Jeſu! Von allem Uebel,— Erlöſe uns, o Jeſu! — 417— Von aller Sünde,— Erlöſe uns, o Jeſu! Von Kleinmuth und Ungeduld in Freuz und Leiden, Von Murren und Klagen wider Gott und Menſchen, Von Haß und aller Feindſeligkeit, Von unchriſtlicher h vor Leiden und Tod, Von dem ewigen Tode, Wir arme Sünderſ— Wir bitten Dich, er⸗ höre uns! Daß Du uns verſchoneſt, Daß Du uns verzeiheſt, Daß Dein Leiden und Sterben uns vom Sündigen, zurückhalte, Daß Dein Leiden und Sterben uns in allen guten Vorſätzen ſtärke, Daß Dein Leiden und Sterben uns zur Ge⸗ duld und Ergebung in den Willen Gottes ermuntere, Daß Dein Leiden und Sterben an uns nicht verloren gehe, O Du Lamm Gottes.... Wie gewöhnlich.) Vater unſer. Gegrüß ßet Gebet. O Jeſu, der Du durch Dein Leiden und Sterben die ganze Welt erlöſt und uns ein Beiſpiel hinterlaſſen haſt, wie wir uns im Leben, im Leiden und im Tode verhalten ſollen, gib uns die Gnade, daß wir Deine Lehre und Dein Beiſpiel immer vor Augen haben, denſelben getreulich nachfolgen und dadurch die Deiner Erlöſung erlangen mögen. Amen. St. Eliſabeth. 27 — 118 ½ Gebetu Jeſus, um durch diehl. fünf Wunden eine glückſelige Eterbeſtunde zu erlangen. O mein Jeſus, voll der Schmerzen, Dein heiligſter Name ſei in meinem Herzen. Jeſus, liebſter Jeſus mein, in Deine heiligen fünf Wunden ſchließe mich ein und laß Dir mei⸗ nen Leib und meine Seele anempfohlen ſein. Seid gegrüßt, ihr heilſamſten Wunden meines Herrn und Heilandes Jeſu Chriſti, in der Allmacht des Vaters, der euch gegeben(zu⸗ gelaſſen), ſeid gegrüßt in der Weisheit des Sohnes, der durch euch gelitten, ſeid gegrüßt in der Gütigkeit des hl. Geiſtes, der in euch und durch euch das Werk der Erlöſung voll— bracht hat. In euch verberge ich mich, in euch empfehle ich mich, in euch verſenke ich mich, damit ich in euch und durch euch von allem Uebel befreit werde. Zu Dir, o Herr Jeſus, Du Gott meines Herzens, zu Dir rufe und ſeufze ich als Dein unwürdiges Geſchöpf, für deſſen Heil Du Dich in die Hände der Peiniger über⸗ geben und den Tod des Kreuzes erlitten haſt. Bei Deiner unermeßlichen Güte bitte ich Dich flehentlich durch jene heiligſten fünf Wunden, welche Dir Deine Liebe zu mir am Kreuze zugefügt hat, durch alle Deine Bitter⸗ keit und Schmerzen, beſonders aber durch jenen Schmerz, den Deine Seele empfunden hat, als ſie von Deinem gebenedeiten Leibe geſchieden iſt, erbarme Dich meiner armen Scele, die Du mit Deinem koſtbaren Blute —— — — ——— erlöſet haſt, in der Stunde ihres Hintrittes, Sage Deinem Vater für mich Sterbenden: „Vater, verzeihe ihm(ihr)“; ſage Deiner Mutter:„Siehe, dieſer iſt dein Sohn C!ieſe iſt deine Tochter)“; ſage der heiligen Anna: „Siehe, dieſes Waiſenkind(Oieſes arme Kind)“; ſage meiner Seele:„Heute wirſt du mit mir im Paradieſe ſein.“ Mein Gott, mein Gott, verlaß mich nicht! Verleihe mir das Einzige und höchſt Noth⸗ wendige, nämlich, den Lauf meines Lebens gut zu vollenden, ſelig zu ſterben und im Frieden zu ruhen. In Deine Hände befehle ich meinen Geiſt, der Du biſt unſer Heil, unſer Leben und unſere Auferſtehung, in dem und durch den wir erlöſt und befreit worden ſind. Dir ſei Lob, Ehre, Preis, Dankſagung und Anbetung zu ewigen Zeiten. Amen. Rreuzwegandacht. Maria„die ſeligſte Jungfrau und Gottes⸗ mutter, war die Erſte, die nach dem qualvollen Verſöhnungstode ihres göttlichen Sohnes den gan⸗ zen Leidensweg Jeſu wandelte und alle Stellen ſeiner Schmerzen beſuchte, vom Richthauſe bis zum Kreuze auf Calvaria, Alles fühlend und inner⸗ lich ſchauend, was der Erlöſer gelitten. Ihr folg⸗ ten die Apoſtel und die erſten Gläubigen, und zi jeder Zeit zollten die Chriſten dieſen hl. Stätten eine beſondere Ehrfurcht und Verehrung, und ſie wurden zum andächtigen Beſuche dieſer Leidens⸗ ſtationen von der Kirche aufgemuntert durch mancherlei Gnadenverleihungen und zahlreiche Abläſſe. Tauſende und Tauſende aus allen Län⸗ dern und Völkern ſtrömten nach dem hl. Lande, um nach unſäglichen Mühen und Opfern jene ewig denkwürdigen Orte, die der Erlöſer durch ſein Leben und Leiden geweiht, mit der größten Andacht zu beſuchen und die reichlichen Abläſſe zu gewinnen. Weil aber die meiſten Chriſten ſelbſt mit dem beſten Willen die weite und höchſt beſchwerliche Reiſe nach dem hl. Lande zu den Leidensſtationen nicht unternehmen können, ſo bietet die hl. Kirche ihnen dadurch Erſatz, daß ſie in den Kirchen aller Länder den Kreuzweg nach dem Muſter der 14 Stationen in Jeruſalem errichten läßt und allen Jenen, welche dieſen hl. Kreuzweg vorſchriftsmäßig gehen, viele vollkommene und unvollkommene, ja alle Abläſſe bewilligt, welche ſie erlangen wür⸗ den, wenn ſie perſönlich die hl. Orte in Jeruſalem und im hl. Lande beſuchen würden. Alle dieſe Abläſſe können den armen Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Um nach gültig verrichtetem Kreuzwege die Ab⸗ läſſe zu gewinnen, muß man im Stande der Gnade ſein, die Meinung haben, die Abläſſe zu gewinnen, alle 14 Stationen der Reihe nach beſuchen, bei jeder eine kurze, andächtige und reumüthige Erwägung über das betreffende Geheimniß des Leidens Chriſti anſtellen. Beſondere Gebete ſind nicht vorgeſchrie⸗ ben, doch werden die folgenden mit Nutzen gebraucht. So betrete denn oft und andächtig dieſen hl. Weg, den Jeſus ſelbſt gebahnt und durch ſein Blut geheiligt hat. Dort wirſt du erkennen die Bos⸗ heit der Sünde, wegen welcher Jeſus ſo viel ge⸗ litten; erkennen die unendliche Liebe Jeſu, der unſere Schuld auf ſich genommen und bezahlt hat; erkennen auch deine große Undankbarkeit. Dort lernſt du üben alle Tugenden, von denen Chriſtus — —=—— —— — — — — — —— — — 421— uns das Beiſpiel gegeben; dort ſammelſt du dir einen Schatz von Verdienſten für den Himmel; dort findeſt du ein vorzügliches Mittel, den armen Seelen zu helfen und ſie zu befreien! Vorbereitungsgebet. O unendlicher, gütigſter, barmherzigſter Gott, ich armes ſündhaftes Geſchöpf werfe mich zur Erde nieder, und in tiefſter Demuth bete ich Dich an, meinen Gott und Herrn. An Dich glaube ich, auf Dich hoffe ich, Dich liebe ich über Alles; und darum iſt es mir von Herzen leid, daß ich Dich, das höchſte Gut, jemals beleidigt habe. Zu Deiner größeren Ehre, zu meinem Heile und um die vielfachen Abläſſe zu gewinnen, will ich jetzt den hl. Kreuzweg beten. Den erſten vollkom⸗ menen Ablaß will ich für meine arme Seele, die übrigen für die armen Seelen im Feg⸗ ſeuer(beſonders für dieſen... und dieſen. gewinnen, und ſo trete ich mit Deiner Gnade, in Begleitung Deiner ſchmerzhaften Mutter Maria und meines hl. Schutzengels Deinen hl. Leidensweg an. Grſte Station. Feſus wird zum Tode verurtheilt. V. Ich bete Dich an, Herr Jeſu Chriſte, und benedeie Dich, B. Denn durch Dein hl. Kreuz haſt Du die Welt erlöſt.¹) ¹) Wird vor jeder Station wiederholt. Der unſchuldigſte Jeſus, der niemals eine Sünde begangen, noch begehen konnte, wird zum Tode verurtheilt, und zwar zum ſchmählichſten Tode des Kreuzes. Damit Pilatus für einen Freund des Kaiſers gehalten werde, übergibt er Jeſum dem Willen ſeiner Feinde. Eine erſchreck⸗ liche Ungerechtigkeit! Die Unſchuld zum Tode verdammen und Gott mißfallen, damit man den Menſchen gefalle! Ach, unſchuldigſter Jeſu, ich habe geſün⸗ digt; ich bin des ewigen Todes ſchuldig. Da⸗ mit ich aber lebe, nimmſt Du das Todes⸗ urtheil willig an. Wie ſollte ich denn künftig leben können, als Dir allein. O Jeſu, ſo lange ich ſuche, den ſündhaften Menſchen zu gefallen, kann ich Dein Diener nicht ſein; ſo will ich denn den Menſchen und der gott⸗ vergeſſenen Welt mißfallen, auf daß ich Dir allein gefalle. Vater unſer... Gegrüßet... V. Gekreuzigter Herr Jeſu Chriſte, er— barme Dich meiner. B. Aller abgeſtorbenen Chriſtgläubigen Seelen laß, o Herr, ruhen im Frieden. Amen.) Zweite Station. Jeſus nimmt das Kreuz auf ſeine Schultern. 6 Als Jeſus das Kreuz erblickte, hat er ſeine bluttriefenden Arme mit höchſter Begierde nach demſelben ausgeſtreckt; nachdem er es liebreich ¹) Wird nach jeder Station wiederholt. — 423— umfangen und herzlich geküßt, ladet er es auf ſeine von Wunden zerfleiſchten Schultern; und obſchon er todſchwach war, frohlockte er dennoch, wie ein Rieſe ſeinen Weg zu laufen. Werde ich wohl ein Freund Chriſti ſein, wenn ich ein Feind bin des Kreuzes ſeiner Gebote und der Leiden, die er mir zuſchickt? O ſüßes, o liebes Kreuz, ich umfange, ich küſſe dich, und nehme dich mit Freuden von der Hand Gottes an. Es ſei ferne von mir, mich mehr zu rühmen, als in dem Kreuze meines Herrn, durch welches mir die Welt und ich der Welt ſoll gekreuzigt ſein. Auf daß ich allein Dein ſei, o Jeſu, ſo laß mich Deines Leidens theilhaftig werden. Dritte Station. Jeſus fällt zum erſten Male unter dem Kreuze. Da der liebreichſte Jeſus mit dem Kreuze be⸗ laden daherging, war er durch die Schwere des⸗ ſelben dermaßen gedrückt, daß er hart zur Erde niederfiel. Es haben nämlich unſere Sünden dieſe unerträgliche Laſt zuwege gebracht Demjenigen, welchem ſonſt das Kreuz leicht und wegen ſeiner Liebe zu uns ſüß geſchienen. Ach, mein Jeſu, Du haſt das ſchwere Joch meiner Sünden getragen, und meine Miſſe⸗ thaten ſind ſchwer geworden über Dir, wie eine ſchwere Bürde: warum ſollte mir es denn ſchwer fallen, das Joch Deiner Gebote — 424— willig auf mich zu nehmen, damit wir alſo Einer des Andern Laſt tragen 5 Dein Joch iſt ſüß, und Deine Bürde iſt leicht: ſo will ich ſie denn willig und mit Freuden auf mich nehmen und, ſo lange ich lebe, ſie zu tragen mich bemühen. Du, o Jeſu, ſtärke mich mit Deiner Gnade, damit ich nicht mehr durch ſchwere Sünden fallen möge. Pierte Station. Der das Kreuz tragende Jeſus begegnet ſeiner betrübten Mutter. Was für ein ſchmerzhafter Anblick für die be⸗ trübteſte Mutter Maria, da ſie ihren lieben Sohn erblickte mit dem ſchweren Kreuze beladen, von Wunden und Blut ganz überronnen, durch die ſchändliche Henkersrotte mit heftigem Grimme ſortgetrieben? Welch unausſprechliche Schmerzen empfand nicht dieſes zarteſte Mutterherzd O welches Verlangen trug ſie nicht, für Jeſu, oder doch mit Jeſu zu ſterben. O Jeſus, o Maria, ich bin ſchuld an den Schmerzen, welche eure einander auf's Höchſte liebenden und auf's Aeußerſte betrübten Herzen empfinden. Ach, daß auch mein Herz an euren Schmerzen Theil hätte.— O Maria, ich bitte dich demüthig, du wolleſt mir, da ich den Weg des Todes antreten werde, mit deiner mütterlichen Güte begegnen, und mit deinem allerſüßeſten Sohne mich tröſten und zum Himmel führen. — 425— Fünfte Station. Simon von Cyrene hilft Jeſu das Kreuz tragen. Simon, der Cyrenäer, wird genöthigt, dem durch unſere Laſter kraftloſen und todſchwachen Jeſu das Kreuz nachzutragen, und Jeſus nimmt ſeine Hülfe an. O was für ein angenehmer Be⸗ gleiter wäre dieſer geweſen, wenn er freiwillig und nicht gezwungen Theil an dem Leiden Chriſti ge⸗ nommen hätte! Aber auch dich, o meine Seele, würde er gern annehmen, wenn du nur wollteſt. Er ruft dich, er ladet dich ein und ſpricht: Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach! Du aber weigerſt dich, und— o der Schande, ladeſt dein Kreuz nicht auf, als durch Zwang. O Jeſu, ſo wahr haſt Du geſagt: Wer ſein Kreuz nicht auf ſich nimmt und mir nachfolgt, der iſt meiner nicht werth. Sieh', auf daß ich Deiner würdig werde, ſo will ich mich aus freiem Willen Dir in Deinem Kreuzwege zugeſellen; ich will alle Trübſale erdulden, und alle Leiden, die Du mir ſchicken willſt, gutwillig ertragen. Alles werde ich, um Dir nachzufolgen, bis an mein Lebensende geduldig leiden. Bechste Ztation. Veronica reicht Jeſu das Schweißtuch dar. Veronica, aus Andacht und Mitleiden be⸗ wogen, reicht Jeſu ihren Hauptſchleier hin, um ſein mit Blut und Speichel bedecktes hl. Angeſicht abzutrocknen. Er aber ſtellte ihr denſelben mit 6 dem Bildniſſe ſeines allerhl. Angeſichtes wieder zurück. O wohl eine geringe Gefälligkeit, und eine überaus große Vergeltung! Welchen Dienſt, o meine Seele, und welchen Dank erweiſeſt du wohl deinem Heilande für ſo viele Wohlthaten? Bedenke es nochmal, laß es dir leid ſein, und nimm dir vor, dich zu beſſern. O Jeſu, was ſoll ich Dir vergelten für Alles, was Du für mich gethan und mir gegeben haſt? Ich will mich gänzlich Deinem Dienſte widmen, Dir mein ganzes Herz dar⸗ bieten; ſetze Dich wie ein Siegel auf dasſelbe, und drücke Dein Bildniß hinein, damit ich ohne Unterlaß Deiner wohl gedenke, und auch Du Deines Werkeſt nicht vergeſſeſt in Ewigkeit. Siebente Station. Der zweite Fall Jeſu bei der Pforte. Der ſchmerzenvolle Jeſus liegt abermals unter der ſchweren Laſt des Kreuzes mit ſeinem allerhl. Angeſichte zu Boden darnieder. Dennoch wird ihm durch die hölliſche Grauſamkeit der Henkers⸗ knechte nicht einmal eine augenblickliche Ruhe vergönnt, ſondern er wird mit Stricken gezogen und mit Schlägen zum Fortgehen angetrieben.— Dieſen abermaligen Fall haben unſere häufig wiederholten Sünden veranlaßt; und ich ſollte mir noch gelüſten laſſen, ferner zu ſündigen? O Jeſu, erbarme Dich meiner; reiche mir Deine barmherzige Hand und zteie mich, auf daß ich nicht mehr in vorige Sünden zurückfalle. Soll ich denn noch dieſe Sünde, meine Gewohnheitsſünde..., mit Wiſſen und und Willen wieder begehen!— Dies ſei fern von mir. Ich habe es bei mir beſchloſſen, von nun an ſoll es bewerkſtelligt werden; von dieſem Augenblicke an ſei es im Ernſt feſt⸗ geſtellt, lieber tauſendmal zu ſterben, als nur noch einmal zu ſündigen. Du, o mein Jeſu, ſtärke mich durch Deine Gnade, ohne welche ich Nichts vermag. Achte Station. Jeſus redet die weinenden Töchter Feruſalems an. Dieſe andächtigen Weiber weinten vor Be⸗ trübniß über den leidenden Heiland; er aber wandte ſich zu ihnen um und ſprach: Ihr Töchter von Jeruſalem, weinet nicht über mich, der ich unſchuldig bin, ſondern wei⸗ net über euch ſelbſt und über eure Kinder, die ihr Alle ſchuldig ſeid; weinet über eure Sünden, welche dieſes Leidens Urſache ſind. So weine denn auch du, meine Seele, weil Chriſto Nichts angenehmer und dir Nichts nützlicher iſt, als Thränen, die aus Reue über die begangenen Sünden fließen. 5 O Jeſu, wer gibt meinem Haupte Waſſer und meinen Augen eine Thränenquelle, da⸗ mit ich Tag und Nacht meine Sünden be⸗ weine? Durch Deine bitteren und blutigen Thränen bitte ich Dich, mir die Gnade der Reue zu verleihen; zerknirſche mein Herz der⸗ geſtalt, daß ich alle meine Miſſethaten durch wahre Reue austilgen möge. — 428— Meunte Station. Der dritte Fall Jeſu beim Aufſteigen des Calvarienberges. Der verachtete Jeſus, ein Mann voller Schmer⸗ zen, der die Schwachheit, welche er unſertwegen angenommen und ausgeſtanden, wohl erfahren hat, fällt am Fuße des Calvarienherges ſchon zum dritten Male.— O welch eine entſetzliche, ſchwere Laſt muß doch die Sünde ſein, welche Jeſ ſo oft zur Erde niedergedrückt und mich ſchon kängſt in den Abgrund der Hölle geſtürzt hätte, wenn mich nicht die Verdienſte ſeines bit⸗ teren Leidens davor bewahrt hätten. O gütigſter Jeſu, ich ſage Dir unendlichen Dank, daß Du mich ſündigen Menſchen in meinen Miſſethaten nicht haſt ſterben laſſen und mich, wie ich es hundertmal verdient, nicht in die Tiefe der Hölle verſtoßen haſt. Entzünde in mir einen neuen Eifer zum Guten, erhalte ihn ohne Unterlaß, und be⸗ wahre mich in Deiner Gnade, damit ich ſelbe niemals mehr verliere, oder in mein voriges ſündiges Leben verfalle, ſondern daß ich, im Guten geſtärkt, ein chriſtliches Leben führe, Buße thue und nach dieſem Leben in den Himmel gelange. Zehnte Station. Jeſus wird nackt ausgezogen und mit Galle getränkt. Die Kleider werden meinem Jeſu ausgezogen oder vielmehr mit grimmiger Wuth weggeriſſen. Aber ach, mit welch großen Schmerzen, da auch — — — —— — — 429— die durch das Blut an dieſelben angeklebte Haut auf's Schmerzlichſte mit abgeriſſen wird. Er wird ſeiner Kleider beraubt, damit er nackt ſterbe.— O wie wohl, wie glückſelig würde ich ſterben, wenn ich die alten Fehler abgelegt hätte und reich an Tugend und guten Werken ſterben würde. Es geſchehe, mein Jeſu, es geſchehe, daß ich den alten ſündigen Menſchen ausziehe und ein neues bußfertiges und tugendhaftes Leben beginne. Wie bitter es meiner Em⸗ pfindlichkeit vorkommen mag, ſo will ich meiner doch nicht ſchonen. Ich begehre, von allen irdiſchen Eitelkeiten entblößt zu ſterben, damit ich mit Dir ewig lebe im Himmel. Glfte Station. Jeſus wird an das Kreuz genagelt. Nachdem Jeſus ſeiner Kleider beraubt, wird er grauſamer Weiſe auf dem Kreuze ausgedehnt und an Händen und Füßen mit entſetzlichen Nägeln an dasſelbe angenagelt. O welche Qual, o was für Schmerzen! Und er ſchweigt, weil es dem himmliſchen Vater alſo gefällt. Er erträgt Alles mit Geduld, weil er uns zu Liebe leidet. O mein Seele, wie verhältſt du dich in Trübſal und Leiden? Welche Ungeduld zeigſt du, welche Klagen führſt du! O geduldigſter Jeſu, o ſanftmüthigſtes Lämmlein, ich verabſcheue und verfluche alle meine Ungeduld. Wohlan, mein Gott, kreuzige mein Fleiſch ſammt ſeinen Laſtern und böſen Lüſten. Hier brenne, hier ſchneide in dieſem Leben, auf daß Du meiner in dem — — 430— verſchonſt. Ich werfe mich gänzlich in Deine Arme; es geſchehe in Allem Dein hl. Ville. Schenke mir Deine Gnade, und mehr begehre ich nicht. Zwölfte Ztation. Jeſus ſtirbt am Kreuze. Siehe, wie Jeſus am Kreuze hängt, nackt und voller Wunden! Betrachte die Streiche, die er dir zu Liebe empfangen. Seine ganze Geſtalt iſt ein Merkmal ſeiner Liebe: das Haupt iſt ge⸗ neigt, dich zu küſſen; die Arme ſind ausgeſpannt, dich zu umfangen; ſo viele Wunden, ſo viele Liebespfänder deines vielgeliebten Jeſu. O wie groß iſt dieſe Liebe! Jeſus ſtirbt, damit der ſün⸗ dige Menſch lebe und vom ewigen Tode befreit werde. Aber ach, ſo groß auch dieſe Liebe immer iſt, wie übel wird ſie vergolten! Vielgeliebter Jeſu, wer gibt mir, daß ich Dir zu Liebe ſterbe? Verſchaffe, daß ich wenig⸗ ſtens den irdiſchen Eitelkeiten und Sünden aus Liebe zu Dir gänzlich abſterbe. O wie verächtlich iſt mir die Welt, wenn ich Dich am Kreuze hangen ſehe! Nimm mich auf, o Jeſu, in Dein durchſtochenes Herz. Dein bin ich ganz und ich begehre weder zu leben, noch zu ſterben, als Dir allein. Dreizehnte Ztation. Feſus wird vom Kreuze abgenommen. Jeſus wollte nicht lebendig vom Kreuze herab⸗ ſteigen, ſondern bis in den Tod an demſelben geheftet verbleiben. Als er aber nach ſeinem Tode herabgenommen worden, hat er, gleichwie leben⸗ dig, auch todt in dem jungfräulichen Schooße ſeiner allerreinſten Mutter liegen wollen. Bleibe auch du beſtändig in deinem guten Vorhaben, und ſteige nicht von deinem Kreuze herunter; denn wer bis an's Ende im Guten verharrt, der wird ſelig werden. Gedenke zugleich, von welch großer Reinigkeit ein Herz glänzen müſſe, in welches der Leib Chriſti in der hl. Communion aufgenommen wird. O Jeſu, ich bitte Dich demüthigſt, Du wolleſt nicht geſtatten, daß ich von Deinem Kreuze abgenommen werde, denn an demſelben verlange ich zu leben und zu ſterben. Er⸗ ſchaffe in mir, o Gott, ein reines Herz, da⸗ mit ich bei dem hl. Abendmahle Deinen allerhl. Leib würdig empfangen möge, ich in Dir ver⸗ bleibe, und niemals von Dir getrennt werde. 8 Pierzehnte Station. Chriſti Begräbniß. Der Leichnam Chriſti wird in ein fremdes Grab gelegt. Derjenige, welcher am Kreuze nicht ſo viel hatte, wo er ſein hl. Haupt legen konnte, fand auch auf der Welt kein eigenes Grab, weil er nämlich nicht von dieſer Welt war. Du aber, der du ſo viel an den Eitelkeiten der Welt hängſt, nicht wahr, du biſt von derſelben? Aber fliehe ſie, verachte ihre ſündhafte Luſt und ihre falſchen damit du nicht mit ihr zu Grunde geheſt. O Jeſu, Du haſt mich von der Welt auserwählt, damit ich Dir diene, was ſoll ich denn ſo ſehr an der Welt hangen? Du —— haſt mich erſchaffen für den Himmel, was ſoll ich jetzt von Dir begehren auf Erden, auf welcher, leider, meine Seele lange ein Fremdling geweſen! Fort mit dir, o Welt, ſammt allen deinen ſündhaften Eitelkeiten: ich will auf dem Kreuzwege, welchen mein Heiland mit ſeinen hl. Fußſtapfen bezeichnet hat, unermüdlich fortwandern, und meinen Lauf nach dem himmliſchen Vaterlande rich— ten, allwo meine Wohnung und meine Ruhe ſei in Ewigkeit. Aufopferung. Gütigſter Jeſu, ich danke Dir demüthigſt für die unendliche Barmherzigkeit, welche Du mir auf dieſem Kreuzwege verliehen haſt. Sieh', ich opfere Dir abermals dieſe meine geringe Andacht auf zur Nachlaſſung meiner Sünden und deren Strafen, zur Begünſtigung und zum Troſte der armen Seelen im Feg⸗ feuer, beſonders, für welche ich dieſen Ablaß zu gewinnen mir vorgenommen habe.— Endlich bitte ich vertrauensvoll, o Jeſu, Du wolleſt nicht zugeben, daß der unausſprechliche Werth Deines koſtbaren Blutes und bitteren Todes umſonſt für mich ſei dargebracht wor⸗ den; Du wolleſt nicht geſtatten, daß meine Seele, die Du mit ſo großen Leiden erlöſt haſt, ewig zu Grunde gehe. Amen. ——„——— Gebet zum Teiden Chriſti. (Auch für einen Sterbenden zu beten.) (Vom hl. Auguſtinus.) Täglich 300 Tage; monatl. vollk. Ablaß. Pius VII. 25. Auguſt 1820. O Gott, der Du, um die Welt zu er⸗ löſen, geboren, beſchnitten, von den Juden verworſen, von Judas, dem Verräther, mit einem Kuſſe verrathen, mit Stricken gebunden, wie ein unſchuldiges Lamm zur Schlachtbank geſchleppt, dem Annas, Kaiphas, Pilatus und Herodes ſchmählich vorgeführt, von falſchen Zeugen angeklagt worden, der Du gegeißelt, mit Schmach überhäuft, mit Speichel beſudelt, mit Dornen gekrönt, mit dem Rohre ge⸗ ſchlagen, im Angeſichte verhüllt, Deiner Kleider beraubt, der Du mit den Nägeln an das Kreuz geſchlagen, auf dem Kreuze er⸗ hoben, unter Miſſethäter gezählt, mit Galle und Eſſig getränkt und mit der Lanze ver⸗ wundet werden wollteſt: würdige Dich, o Herr, durch Dein hl. Leiden, deſſen ich Unwürdiger gedenke, durch Dein hl. Kreuz und Deinen Tod mich(und Deinen ſterbenden Diener...) von den Peinen der Hölle zu befreien und dahin zu führen, wohin Du den mit Dir gekreuzigten Schächer geführt haſt. Der Dumit dem Vater und dem hl. Geiſte lebſt und regierſt Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 5 Vater unſer... 5 Gegrüßet... 5 Ehre ſei dem Vater.. ——————— St. Eliſabcth. — 434— Anducht zr alethl. Preifaltigit. Aufopferungsgebete zur hhl. Dreifaltigkeit. Pius IX. verlieh am 18. Juni 1876 allen Gläubigen, ſo oft ſie dieſe drei Aufopferungen zur hhl. Dreifaltigkeit verrichten, um einen guten Tod zu erlangen, einen Ablaß von 100 Tagen: denjenigen, welche dieſelben einen ganzen Monat hindurch jeden Tag verrichtet haben, einen voll⸗ kommenen Ablaß einmal im Monate an einem beliebigen Tage am Ende des Monats, wofern ſie reumüthig beichten, communiciren und nach der Meinung Sr. Heiligkeit beten. 1. Wir opfern der allerheiligſten Dreifal⸗ tigkeit die Verdienſte Jeſu Chriſti auf zur Dankſagung für das koſtbare Blut, das Jeſus für uns im Oelgarten vergoſſen hat, und durch ſeine Verdienſte bitten wir die gött⸗ liche Majeſtät, uns unſere Sünden zu ver⸗ zeihen. Vater unſer... Gegrüßet... Ehre ſei... IH. Wir opfern der allerheiligſten Drei⸗ faltigkeit die Verdienſte Jeſu Chriſti auf zur Dankſagung für den koſtbaren Tod, den er für uns am Kreuze erduldet hat, und durch ſeine Verdienſte bitten wir die göttliche Ma⸗ jeſtät, uns die Strafen nachzulaſſen, welche wir für unſere Sünden verdient haben. Vater unſer... Gegrüßet... Ehre ſei... III. Wir opfern der allerheiligſten Drei⸗ faltigkeit die Verdienſte Jeſu Chriſti auf zur Dankſagung für die unausſprechliche Liebe, mit welcher er vom Himmel auf die Erde — 435— herabſtieg, um unſere menſchliche Natur an— zunehmen und für uns am Kreuze zu leiden und zu ſterben; und durch dieſe ſeine Ver⸗ dienſte bitten wir die göttliche Majeſtät, nach dem Tode unſere Seelen in die himmliſche Herrlichkeit einzuführen. Vater unſer... Gegrüßet... Ehre ſei... LTitanei von der hl. Dreifaltigkeit. Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, erbarme Dich unſer! Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, höre uns! Chriſte, erhöre uns! S Vater vom Himmel,— Erbarme Dich unſer! Gott Sohn, Erlöſer der Welt, Gott heiliger Geiſt, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, O ungeborener Vatet, O eingeborener Sohn, O heiliger Geiſt, der Du von dem Vater und dem Sohne ausgehſt, Heiligſte Dreifaltigkeit, die Du Alles er⸗ ſchaffen haſt und regierſt, Du unermeſſene Macht des Vaters, Du unbegreifliche Weisheit des Sohnes, Du unendliche Güte des heiligen Geiſtes, Du einzige Gottheit in drei Perſonen, Du Herr der Heerſchaaren, Du heiliger, ſtarker, unſterblicher Gott, Du ewiger König aller Zeiten, — 436 Du allgegenwärtiger und ewiger Gott,— Erbarme Dich unſer! Du wunderbarlicher Gott aller Dinge, Sei uns gnädig!— Verſchone uns, aller⸗ heiligſte Dreifaltigkeit! Sei uns gnädig!— Erhöre uns, allerhei⸗ ligſte Dreifaltigkeit! Sei uns gnädig!— Erlöſe uns, allerhei⸗ ligſte Dreifaltigkeit! Von allem Uebel, Von aller Sünde, Von Deinem Zorne, Vom jähen und unverſehenen Tode, Von den Nachſtellungen des Teufels, Von allem böſen Willen, Von dem Geiſte der Unkeuſchheit, Von Blitz und Ungewitter, Von dem ewigen Tode, Durch Deine ſtarke Allmacht, Durch Deine unendliche Weisheit, Durch Deine ſüße Gütigkeit, Durch Deine vielfältige Barmherzigkeit, Durch Deine unergründliche Herrlichkeit, Wir arme Sünder!— Wir bitten Dich, er⸗ höre uns! Daß wir Deinen hl. Namen preiſen und ehren mögen, Daß wir Dir in Gerechtigkeit dienen mögen, Daß wir Dich aus ganzem Herzen und den Nächſten wie uns ſelbſt lieben mögen, Daß wir der Anſchauung Deiner Herrlich⸗ keit theilhaftig werden mögen, O Du Lamm Gottes.„— Verſöhne uns mit Deinem Vater! O Du Lamm Gottes...— Begnadige uns arme Sünder! O Du Lamm Gottes..„— Gib uns den hl. Geiſt! Heilige Dreieinigkeit, höre uns! Heilige Dreieinigkeit, erhöre uns! Vater unſer... Gegrüßet... Ehre ſei... V. Laſſet uns preiſen den Vater, den Sohn und den heiligen Geiſt! B. Laſſet uns ihn loben und erheben in Ewigkeit! Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, Du haſt uns, Deinen Dienern, die Gnade ver⸗ liehen, daß wir in dem Lichte des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Drei⸗ einigkeit erkennen und in Deiner allmäch⸗ tigen Majeſtät die Einheit anbeten; verleihe uns auch, daß wir durch Feſtigkeit dieſes Glaubens ſelbſt in den widrigſten Schick⸗ ſalen der Tugend treu bleiben, und daß uns Nichts von Deiner Liebe zu trennen vermöge. Durch Jeſum Chriſtum, Deinen 3 Sohn, unſern Herrn, welcher mit Dir und dem hl. Geiſte als gleicher Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Bindliches Gebet zu Gott dem Pnter. Mein Herr und Gott, Du biſt die höchſte Majeſtät, und dennoch zugleich mein Vater; denn Du haſt mich nicht nur nach — 438— Deinem göttlichen Ebenbilde erſchaffen, ſon⸗ dern liebſt mich als Dein theuerſtes Kind. Zwar bin ich ein Sünder und ſollte es nicht wagen, Dich Vater zu nennen. Aber Jeſus Chriſtus, Dein Sohn, flößt mir Ver⸗ trauen ein, und ich thue nur nach Deinem Befehl, wenn ich Dich„Vater“ nenne. In ſeinem allerheiligſten Namen nehme ich alſo, o Vater, ewiger, allmächtiger Gott, zu Dir meine Zuflucht, und damit ich vor Deinem hl. Angeſichte nicht leer erſcheine, bringe ich Dir die Verdienſte des Leidens und Ster⸗ bens Jeſu Chriſti, Deines mit Dir gleich ewigen göttlichen Sohnes, als einen ange⸗ nehmen Wohlgeruch dar. Schaue alſo, o himmliſcher Vater, von Deinem Heiligthume auf dieſen Deinen Sohn herab, der Dir gehorſam geworden bis zum Tode am Kreuze, und vergib mir ſeinetwegen meine Sünden. Gott und Herr, Du biſt mein Vater. Welch ein ſüßes Wort! Welch eine Fülle des Troſtes, welch eine Menge der Freuden liegt in dieſem Namen! Weil Du mein Vater, und zwar der göttliche Vater biſt, ſo vergiſſeſt Du meiner, Deines Kindes, nicht. Dir ſind alle meine Nöthen bekannt; Du kennſt alle meine Bedürfniſſe, Du weißt alle meine Sorgen. Du haſt die Haare meines Hauptes gezählt, und ohne Deinen Willen fällt keines aus. Du ernähreſt die Vögel in der Luft, Du kleideſt die Lilien auf dem Felde, Du erbarmſt Dich aller Geſchöpfe. Du 1 ſorgſt auch für mich und läſſeſt mich in der Trübſal nicht allein. Du ſagſt ja ſelbſt: „Wenn auch eine Mutter ihres Kindes ver⸗ geſſen könnte, ſo kann ich doch des Menſchen nicht vergeſſen.“ Darum, o Gott, will ich auf Dich vertrauen und in jeder Noth zu Dir meine Zuflucht nehmen. Da Du mein beſter, liebevollſter Vater biſt, ſo verſtößeſt Du Dein Kind nicht, das aus der Tiefe zu Dir um Hülfe ruft. Gett, mein Vater, merke auf meine Hülfe! Herr, eile, mir zu helfen! Amen. —— Andacht zum hl. Geiſtt. Der Hymnus Veni Creator Spiritns. Papſt Pius Vl. verlieh durch Breve vom 26. Mai 1796 allen Gläubigen, welche ein⸗ oder mehrmal im Tage mit wenigſtens reumüthigem Herzen und andächtig den Hym⸗ nus Veni Creator Spiritus oder die Sequenz Veni sancte Spiritus beten, einen vollkommenen Ablaß einmal im Monat an einem beliebigen Tage, wo ſie wahrhaft reu⸗ müthig beichten und communiciren und für die Eintracht der chriſtlichen Fürſten, für die Ausrottung der Ketzereien und für die Erhöhung der hl. Mutter, der Kirche, beten. Einen Ablaß von 300 Tagen denjenigen, welche am Pfingſtſonntage und während der Octav den Hymnus oder die Sequenz ſprechen; einen Ablaß von 100 Tagen an allen übrigen Tagen des Jahres, ſo oft man dieſen Hymnus oder die Sequenz betet. Romm', Schöpfer, Geift, Du höchſte Luſt. Brſuche Deiner Diener Bruſt, 8 Erfüll' das Belz mik Himmelsgnad' Das Deine Baud erſchaffen hak. — Der Du der Tröſter wirſt genannk, Geſchenk aus Gokkes höchſter Band, Lebend'ge Euelle, Liebe, Feu'r, Und Geiftesſalbung, hych und kheu'r. Skrömſt uns in ſieben Gaben zu, Der Bechten Goktes Finger Du, Pom Pater uns verheißen längſt, Der reiche Sprachengab' Du ſchenkſt. Den Sinn erleuchk' mik Gnadenſchein Und gieße Lieb' dem Berzen ein; Stärk' unſ'res Lrib's Gebrechlichkeit Mik Deiner Gnad' in Ewigkeik. Den Widerſacher kreibe fern, Perleihe Frirden in dem Berrn; Führſt Du den Weg uns ſo vvran, So darf uns nie was Böſes nah'n. Erkennen mögen wir durch Pich Den Sohn des Pakers gnädiglich; Mnd Pich, der Beider Geiſt Du biſt, Lah glauben uns zu jeder Friſt. Es ſei dem ew'gen Paker Ehr'! Dem Sohn auch, der vvm Grabr her Ram nrubelebk; in Ewigkrit Hei Lob dem hril'gen Geiſt geweihk. Amrn. Außerhalb der öſterlichen Zeit iſt die letzte Strophe ſolgende: Es ſei dem ew'gen Pater Ehr', Dem reinz'gen Sohn, den ewig er Grzeuget; jeßt und alle Zeit Sei Lob dem hreil'gen Geiſt geweiht. Amen. — Die Bequenz: Veni sanete Spiritus. Romm', v heil'ger Geiſt, wir flehen, 5 Send' uns von des Bimmels Höhrn Pirder Brines Tichtes Strahl. Rymm', v Paker aller Armen, Gnadenſpender voll Erbarmen, Rvmm', v blinder Berzen Lichk. Tröfler mild, wenn Erübſal nahet, Luſt der Seel', dir Dich umfahrt, Süßer Labung ew'ger Euell. In der Arbeik ſanfte Ruh', In der Biße Rühlung Du, Erorkneſt bitt'rer Thränen Skrym. D Du Picht, beglürkend immer, Romm', erfüll' mit hellem Schimmer Deiner Gkäub'gen Berzensgrund. Dhne Drin allmächtig Walten Rann im Wenſchen Bichls ſich halken, 5 Pichts zum Beil erſprießlich ſein. 0 Waſche rein, wwo Wakel hängt, Cräufle Thau, wo Dürre ſengk, Brile, wo die Wunde brennt. Beuge, was da ſpröd' und hark, Wärme, was in Frvſt erſtarrk, Führe Den, der irre geht. — 442— Gläubigen, die mit Perkraurn Feſt auf Deine BHülfe bauen, Gib der ſieben Gaben Pfand. Gib, daß wir nach Tugend ringen, Skandhaft unſer Beil vollbringen, Gib der ew'gen Freuden Tohn. Amen. Litnnei vom hl. Geiſte. Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, erbarme Dich unſer! Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, höre uns! Chriſte, erhöre uns! vom Himmel,— Erbarme Dich unſer! Gott Sohn, Erlöſer der Welt, Gott heiliger Geiſt, Hl. Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Hl. Geiſt, Du Geiſt der Wahrheit und Weisheit, Geiſt des Verſtandes und der Stärke, Geiſt der Andacht und des guten Rathes, Geiſt des Glaubens und der Hoffnung, Geiſt der hl. Furcht und Liebe, Geiſt der S und des Friedens, Geiſt der Güte, der Sanftmuth und Geduld, Geiſt der Enthaltſamkeit und Reinigkeit, Geiſt der Demuth und Abtödtung, Geiſt des Lebens und des Heiles, Geiſt der Tugend und der heiligmachenden Gnade, F — 443— Du n Geit aller Kinder Gottes,— Erbarme Dich unſer! Du Lehrer und Regierer der hl. katholiſchen Kirche, Du Ergründer der Gedanken und Herzen, Du Troſt der Betrübten und Stärke der frommen Seelen, Du Krone der Vollendeten, Du Freude der Engel, Du Erleuchter der Patriarchen, Du Einſprecher der Propheten, Du Weisheit der Apoſtel, Su Sieg der Martyrer und Bekenner Chriſti, Du Reinigkeit der Jungfrauen, Du Salbung aller Heiligen, Sei uns gnädig!— Verſchone uns, o hl. Geiſt! Sei uns gnädig!— Erhöre uns, o hl. Geiſt! Sni des Irrthums,— Erlöſe uns, o Vom Geiſte der Gottesläſterung, Bynt aller Sünde und Verſuchung zu der⸗ elben, Von Widerſtrebung gegen die anerkannten Wahrheiten des Heiles, Vom vermeſſenen Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, Von Verzweiflung an der göttlichen Gnade, Von Bosheit, Mißgunſt und aller Lieb— loſigkeit, Von Verſtockung und Unbufßfertigkeit, Von aller Nachläſſigkeit und Trägheit im Guten,— Erlöſe uns, o hl. Geiſt! Von allen böſen, unreinen und unlauteren Geſinnungen und Handlungen, Von einem plötzlichen und unſeligen Tode, Von dem ewigen Verderben, Wir arme Sünder!— Wir bitten Dich, er⸗ höre uns! Daß Du die hl. katholiſche Kirche erhöhen, ihre Hirten erleuchten und alle ihre Mit⸗ glieder heiligen wolleſt, Daß Du uns die Gnade verleihen wolleſt, Dich nie zu betrüben, Daß Du in uns die Andacht und Gott⸗ ergebenheit immerdar vermehren wolleſt, Daß Du uns, gleich den Apoſteln, Sanſt⸗ muth und Liebe einflößen wolleſt, Daß Du alle unſere Gedanken, Worte und Werke in Dir vereinigen und heiligen wolleſt, Daß Du uns durch und durch reinigen und zu Deiner Wohnung einweihen wolleſt, Daß Du unſern Leib und unſere Seele als Deinen Tempel unbefleckt erhalten wolleſt, Daß Du in Leiden uns tröſten und auf⸗ richten wolleſt, Daß Du uns Gewiſſensruhe und wahre Gottſeligkeit verleihen wolleſt. Daß Du uns in Deiner Gnade befeſtigen und ſelig machen wolleſt, Daß Du die Irrenden erleuchten und in den Schooß Deiner hl. Kirche führen wolleſt' — 45 S Daß Du uns Alle in die Geſellſchaft der Auserwählten aufnehmen wolleſt,— Wir bitten Dich, erhöre uns! O Du Lamm Gottes...(Wie gewöhnlich.) Vater unſer.. Ge grüßet. Sende Deinen belebenden Geiſt, ſo wird Alles wieder erſchaffen; B. Und die Geſtalt der' Erde wird er⸗ neuert werden. Gebet. O Gott, der Du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des hl. Geiſtes gelehrt haſt: gib, daß wir in dem— ſelben Geiſte, was recht iſt, erkennen und uns ſeines Troſtes allzeit erfreuen mögen. Durch Chriſtum, unſern Herrn. Amen. Fieben Bitten um die ſieben Gaben des hl. Geiſtes. Komm', o Geiſt der Weisheit, und unterrichte mein Herz, damit ich mein letztes Ziel und Ende ſtets lebhaft vor Augen habe und mich bei allen meinen Werken von reiner Abſicht leiten laſſe. Laß mich die irdiſchen Güter nur inſoweit ſchätzen und ſuchen, als ſie zu den Bedürfniſſen meines Standes und meiner Seele nothwendig ſind. Die himmliſchen Güter aber laß mich immer mehr hochſchätzen und darnach ſtreben. Zeige mir auch den Weg, auf welchem ich ſie am ſicherſten erlangen und beſitzen möge Amen.— Vater unſer. — 446— Komm', o Geiſt des Verſtandes, er⸗ leuchte meine Seele, daß ich die Geheimniſſe des Heiles durch den Glauben recht erkenne, ſie mit dankbarer Liebe unfaſſe, und endlich in Deinem Lichte das ewige Licht erſchaue, und zu Deiner wie auch des Vaters und des Sohnes vollkommenen Erkenntniß gelangen möge. Amen.— Vater unſer... Komm', o Geiſt des Rathes, ſtehe mir bei in allen Geſchäften dieſes unſteten Lebens; neige mein Herz zum Guten, ſchrecke es ab vom Böſen, und leite mich in allen zweifel— haften Fällen, damit ich auf dem rechten Wege Deiner Gebote das erwünſchte Ziel des ewigen Heiles erreiche. Amen.— Vater unſer Komm'“ o Geiſt der Stärke, gib mei⸗ nem Herzen Kraft; halte es qufrecht in jeder Verirrung und Widerwärtigkeit; verleihe mir Muth und Stärke wider alle boshaften An⸗ fälle meiner Feinde, damit ich nie von ihnen dazu verleitet werde, Dich, o mein höchſtes treulos zu verlaſſen. Amen.— Vater unſer... Komm',o Geiſt der Wiſſenſchaft, leite meine Wißbegierde, daß ich Nichts zu wiſſen oder zu kennen trachte, was mir ſchädlich oder unnütz iſt. Laß mich die Nichtigkeit alles Irdiſchen lebhaft erkennen. Gib mir wahren Eifer, meine Religions⸗ und Standespflichten immer beſſer kennen zu lernen und auszuüben; gib mir auch zu erkennen, wie ich dieſelben auf eine Dir wohlgefällige Weiſe erfü llen möge Amen.— Vater unſer. Komm', o Geiſt der Frömmigkeit, rühre mein Herz zu wahrer Andacht und zu heiliger Liebe gegen Gott, meinen Herrn, da⸗ mit ich ihn in allen meinen Andachtsübungen ſtets ſuchen und durch wahre Liebe finden möge. Amen.— Vater unſer. Komm', o Geiſt der Furcht Gottes, durchdringe mein Herz mit Deiner heilſamen Furcht, damit ich Dich, meinen Gott und Herrn, allzeit vor Augen habe, und mich ſorg⸗ fältig hüte vor Allem, was den reinſten Augen Deiner göttlichen Veſ mißfallen kann. Amen.— Vater unſer. ——————— Andacht zum hl. Vamen Zrſis. Gebet zu Ghren des hl. Namens Zeſus. (Vom hl. Bernard.) gütigſter Jeſu, o liebreichſter Jeſu, o ſüßeſter Jeſu! S Jeju⸗ Sohn Gottes, Sohn der Jungfrau Maria, voll der Barm⸗ herzigkeit und Liebe! O holdſeligſter Jeſu, nach Deiner großen Barmherzigkeit erbarme Dich meiner! O gütigſter Jeſu, ich bitte Dich durch das koſtbare Blut, welches Du für uns Sünder vergoſſen haſt, Du wolleſt alle meine Miſſethaten gnädigſt abwaſchen und Deine gnadenreichen, barmherzigen Augen auf mich elenden Menſchen wenden, der ich Dich de⸗ müthig um Verzeihung bitte und Deinen hl. Namen Jeſus anrufe. O wohl ein ſüßer und angenehmer Name! Jeſus, ein Name, welcher alle Freude und allen Troſt bringt; ein Name, der unſer ſchwaches Herz ſtärkt, denn Jeſus heißt ja nichts Anderes als Hei⸗ land. Deswegen, o Jeſus, um Deines hl. Namens willen hilf mir und laß mich, den Deine Güte aus dem Nichts in das Daſein rief, nicht verdammt werden. O gütigſter Jeſu, laß mich wegen meiner Sünden nicht in's Verderben fallen, ſondern gib mir Gnade zur Buße und Beſſerung meines Lebens. Erkenne an mir, was Dein iſt, und nimm hinweg, was Dir zuwider iſt! O holdſelig⸗ ſter Jeſu, erbarme Dich meiner, ſo lange es noch die Zeit des Erbarmens iſt! Ach, ver⸗ damme mich nicht im Gerichte, denn welchen Nutzen würdeſt Du wohl von meinem Unter⸗ gange haben? Die Todten werden Dich, o Herr Jeſu, nicht loben, und viel weniger noch Die, welche zur Hölle hinfahren. O aller⸗ liebſter Jeſu, nach welchem ich ſo ſehnlich verlange, laß mich einſt in die Zahl Deiner Auserwählten kommen. O Jeſu, Du Heil Derer, die an Dich glauben und ihr ganzes Vertrauen auf Dich ſetzen, o mein Jeſu, Du Troſt und Heil Aller, die zu Dir ihre Zu⸗ flucht nehmen, Du ſüße Vergebung der Sünden; o Jeſu, Du Sohn der Jungfrau Maria, gib mir Deine Gnade, Weisheit, Liebe, — — Du liebenswürdiger Jeſu, — 449— Keuſchheit, Geduld und Suititt damit ich Dich vollkommen lieben, Dich loben, Deine Gnade und Freundſchaft genießen, Dir dienen, mich in Dir und Deines Beiſtandes mich rühmen kann mit Allen, welche da auch an⸗ Deinen hl. Namen, welcher Jeſus iſt. men. Litanei vom hl. Numen Aeſus. 300 Tage Ablaß. Pius IX., 22. Auguſt 1862. Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, erbarme Dich unſer! S erbarme Dich Chriſte, höre uns! Chriſte, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel,— Erbarme Dich unſer! Gott Sohn, Erlöſer der Welt, Gott heiliger Geiſt, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Jeſu, Du Sohn des lebendigen Gottes, Jeſu, Du Abglanz des Vaters, Jeſu, Du Glans des ewigen Lichtes, Seſu, Du König der Glorie, Jeſu, Du Sonne der Gerechtigkeit, Jeſu, Du Sohn der Jungfrau Maria, Du wunderbarer Jeſu, Jeſu, Du ſtarker Gott, Jeſu, Du Vater der Ewigkeit, Jeſu, Du Engel des großen Kachſchtuße Du mächtigſter Jeſu, St. Eliſabeth. 29 Du geduldigſter Jeſu,— Erbarme Dich unſer! Du gehorſamſter Jeſu, Jeſu, ſanft und demüthig von Herzen, Jeſu, Du Freund der Keuſchheit, Jeſu, Du unſer Freund, Jeſu, Du Gott des Friedens, Jeſu, Du Urheber des Lebens, Jeſu, Du Vorbild der Tugenden, Jeſu, Du Eiferer der Seelen, Jeſu, unſer Gott, Jeſu, unſere Zuflucht, Jeſu, Du Vater der Armen, Jeſu, Du Schatz der Gläubigen, Jeſu, Du guter Hirt, Jeſu, Du wahres Licht, Jeſu, Du ewige Weisheit, Jeſu, Du unbegrenzte Güte, Jeſu, unſer Weg und Leben, Jeſu, Du Freude der Engel, Jeſu, Du König der Patriarchen, Jeſu, Du Meiſter der Apoſtel, Jeſu, Du Lehrer der Evangeliſten, Jeſu, Du Stärke der Martyrer, Jeſu, Du Licht der Bekenner, Jeſu, Du Reinigkeit der Jungfrauen, Jeſu, Du Krone aller Heiligen, Sei uns gnädig!— Verſchone uns, o Jeſu! Sei uns gnädig!— Erhöre uns, o Jeſu! Von allem Uebel,— Erlöſe uns, o Jeſu! Von aller Sünde, Von Deinem Zorne, — Von den Nachſtellungen des Teufels,— Er⸗ löſe uns, o Jeſu! Von dem Geiſte der Unlauterkeit, Von dem ewigen Tode, Von der Vernachläſſigung Deiner Einſprech⸗ ungen, Durch das Geheimniß Deiner hl. Menſch— werdung, Durch Deine Geburt, Durch Deine Kindheit, Durch Dein ganz göttliches Leben, Durch Deine Mühen, Durch Deine Todesangſt und Dein Leiden, Durch Dein Kreuz und Deine S Durch Deine Todesſchwäche, Durch Deinen Tod und Dein Besräbniß Durch Deine Auferſtehung, Deine Himmelfahrt, O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg⸗ nimmſt die Sünden der Welt, Ver⸗ ſchone uns, o Jeſu! O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg⸗ nimmſt die Sünden der Welt,— uns, o Jeſu! Dich unſer, o Jeſu! Jeſu, höre uns!— Jeſu, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, erbarme Dich unſer! Herr, erbar e is unſer! Vater un Gegrüßet Erhöre O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg⸗ nimmſt die Sünden der Welt,— Erbarme V. Der Name des Herrn ſei gebenedeit, B. Von nun an bis in Ewigkeit. Gebet. O Herr Jeſus Chriſtus, der Du geſagt haſt:„Bittet und ihr werdet em⸗ pfangen, ſuchet und ihr werdet finden, klopfet on und es wird euch aufgethan“, wir bitten Dich, gib uns auf unſer Flehen die An⸗ muthung Deiner hl. Liebe, auf daß wir Dich aus ganzem Herzen mit Wort und That lieben und von Deinem Lobe niemals ab⸗ laſſen. Laß uns, o Herr, Deinen hl. Namen all⸗ zeit ebenſo fürchten, als lieben, weil Du Den⸗ jenigen niemals Deine Leitung entziehſt, die Du in der Feſtigkeit Deiner Liebe erziehſt. Der Du lebſt und regierſt in Ewigkeit. Amen. ————————— Andalhten u Maria, der ſtl. Jungfrau und Mutter. Gebet, um ſich unter den Schutz Mariü zu ſtellen. 200 Tage Ablaß, welcher auch den armen Seelen zu⸗ wendbar iſt. Pius VII., 1804. Leo XII., 10. Mai 1828. Belligſt Jungfrau, Mutter des fleiſchgewor⸗ denen Wortes, Bewahrerin des Schatzes der Gnaden, unſere und aller armſeligen Sünder Zuflucht: wir wenden uns mit le⸗ bendigem Glauben an deine mütterliche Liebe und bitten dich, uns die Gnade zu erlangen, ————— ——— —— —— immer den Willen Gottes und den deinigen der Jungfrauen; Mutter, zu dir komme ich — 453— zu thun. Wir legen unſer Herz in deine Hände, o heiligſte Mutter, wir begehren von dir das Heil der Seele und des Leibes und wir hoffen zuverſichtlich, daß du, unſere lieb⸗ reichſte Mutter, uns erhören werdeſt, und ſprechen daher mit lebendigem Glauben: Gegrüßet... Dreimal.) Laſſet uns beten. Bewahre, o Herr, wir bitten Dich, durch die Fürbitte der ſe⸗ ligſten und immerwährenden Jungfrau Maria vor aller Krankheit Deine Diener, die zu Deinen Füßen hingeworfen von ganzem Her⸗ zen zu Dir flehen, und beſchütze ſie gnädig gegen alle Nachſtellungen des Feindes. Durch Chriſtum, unſern Herrn. Amen. Das Memorare des hl. Bernard. Jedesmal 300 Tage; monatlich vollkommener Ablaß. Pius IX., 11. December 1846. Gedenke, o gütigſte Jungfrau Maria, daß es noch niemals erhört wurde, daß du Jemanden verlaſſen hätteſt, der zu dir ſeine Zuflucht nahm, deine Hülfe anrief und um deine Fürbitte dich anflehte. Von dieſem Vertrauen beſeelt, eile ich zu dir, o Jungfrau und erſcheine als ein armer Sünder ſeufsend vor dir; Mutter, des ewigen Wortes, ver ſchmähe meine Worte nicht, ſondern höre und * erhöre mich huldreich. Die lauretaniſche Litanei. Wer die lauretaniſche Litanei reumüthig betet, ge⸗ winnt jedesmal 300 Tage Ablaß; wer ſie täglich betet, gewinnt einen vollkommenen Ablaß an den Feſten Mariä Empfängniß, Geburt, Verkündigung, Reinigung(Licht⸗ meß) und Himmelfahrt, wenn er an dieſen Tagen die hl. Sacramente empfängt und in einer Kirche auf die Meinung des hl. Vaters betet. Kyrie, eleison! Christe, eleison! Kyrio, eleison! Christe, audi nos! Christe, exaudi nos! Pater de coelis Deus, — Miscrere nobis! Fili, redemptor mundi, Meus, Spiritus sancte Meus, Sancta Trinitas unus Peus, Sancta Maria,— Ora Pro nobis! Sancta Dei Genitrix, Sancta Virgo virginum, Mater Christi, Mater divinae gratiae, Mater purissima, (Verſchiedene Päpſte.) Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, erbarme Dich unſer! Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, höre uns! Chriſte, erhöre uns! Gott Vater vom Him⸗ mel,— Erbarme Sich unſer Gott Sohn, Erlöſer der Welt, Gott heiliger Geiſt, Hl. Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Hl. Maria,— Bitte für uns! Hl. Gottesgebärerin, Hl. Jungfrau aller Jungfrauen, Du Mutter Chriſti, Du Mutter der gött⸗ lichen Gnade, Du reinſte Mutter, —— Mater Ora Mater castissima, pro nobis! inviolata, Mater intemerata, amabilis, admirabilis, Mater Mater Mater Creatoris, Mater Salvatoris, Virgo Virgo prudentissima, a, veneranda, Virgo pracdicanda, Virgo potens, Virgo clemens, Virgo fidelis, Speculum justitiae, Sedes sapientiae, Causa nostrae laetitiae, Vas spirituale, Vas honorabile, Vas insigne devotionis, 455 Du keuſcheſte Mutter, — Bitte für uns! Du unbefleckte Mut⸗ ungeſchwächte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbare Mut⸗ ter, Du Mutter des Schöpfers, Du Mutter des Er⸗ löſers, Duweiſeſte Jungfr au, Du ehrwürdige J Jung⸗ frau, Du lobwürdige J Jung⸗ frau, Du mächtige Jung⸗ frau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Fungfrau, Du Spiegel der Ge⸗ rechtigkeit,— Du Sitz der Weisheit, Du S unſerer Du vudüches Gefäß, Du ehrwürdiges Ge⸗ Du ſr S— fäß der Rosa mystica,— Ora pro nobis! Turris Pavidica, Turris eburnea, Domus aurea, Foederis arca, Janua coeli, Stella matutina, Salus infirmorum, Refugium peccatorum, Consolatrixafflictorum, Auxilium Christiano- rum, Regina Angelorum, Regina Patriarcharum, BRegina Prophetarum, Regina Apostolorum, Regina Martyrum, Regina Confessorum, Regina Virginum, — 656— Regina Sanctorum om- nium, Du geiſtliche Roſe,— itte für uns! Du Thurm Davids, Du elfenbeinerner Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Pforte des Him⸗ mels, Du Morgenſtern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sün⸗ er, Du Tröſterin der Be⸗ trübten, Du Helferin der Chri⸗ en, DuKönigin der Engel, Du Königin der Pa⸗ triarchen, Du Königin der Pro⸗ pheten, Du Königin der Appſtel, Du Königin der Martyrer, Du Königin der Beichti Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller „ Heiligen, * — — 457 Regina sine labe origi- nali conc6pta, Ora pro nobis! Regina sacratissimi Ro- sarii, Agnus Dei, qui tollis poccata mundi,— Parce nobis, Do- mine! Agnus Dei, qui tollis peccata mundi,— Exaudi nos, Domine! Agnus Dei, qui tollis peccata mundi,— Miserere nobis!. Christe, audi nos! Christe, exaudi nos! Kyrie, cleison! Christe, eleison! Kyrie, eleison! Pater noster Du Königin, ohne Makel der Erbſünde empfangen,— Bitte für uns! Du Königin des hl. Roſenkranzes, O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg⸗ nimmſt die Sün⸗ den der Welt,— Verſchone uns, o err! O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg⸗ nimmſt die Sünden der Welt,— Erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg⸗ nimmſt die Sünden der Welt,— Er⸗ barme Dich unſer, o Herr! Chriſte, höre uns! Chriſte, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unſer! unſer! unſer! Vater unſer Chriſte, erbarme Dich Herr, erbarme Dich — 458— Drei Gebete zur allerfel. Lungfrau Maria um die hl. Reinigkeit. Jedesmal 100 Tage: monatlich vollkommener Ablaß. Leo XII., 21. October 1823. 1. Ich verehre dich von ganzem Herzen, o heiligſte Jungfrau, über alle Engel und Heilige des Himmels, als die Tochter des ewigen Vaters, und ſchenke und weihe dir meine Seele mit allen ihren Kräften. Gegrüßet... 2. Ich verehre dich von ganzem Herzen, o heiligſte Jungfrau, über alle Engel und Heilige des Himmels als die Mutter des eingeborenen Sohnes, und ſchenke dir meinen Leib mit allen ſeinen Sinnen. Gegrüßet... 3. Ich verehre dich von ganzem Herzen, o heiligſte Jungfrau über alle Engel und Heilige des Himmels, als die geliebte Braut des heiligen Geiſtes, und ſchenke und weihe dir mein Herz mit allen ſeinen Gefühlen, indem ich dich bitte, mir von der allerheiligſten Dreieinigkeit alle nöthigen Mittel, um zur Seligkeit zu gelangen, zu erwirken. Gegrüßet... Gebet zum hl. Herzen Mari. Papſt Pius VII. verlieh am 18. Auguſt 1807: 1. einen Ablaß von 60 Tagen einmal des Tages allen Gläubigen, welche mit wenigſtens reumüthigem Herzen und andächtig dieſes Gebet nebſt dem Lobſpruche verrichten; 2. einen vollkommenen Ablaß an den drei Feſten der Geburt, der Himmelfahrt und des Herzens Mariä für Alle, welche das Jahr hindurch täglich dieſes Gebet verrichtet, weun ———— * — — — 459— ſie beichten, commmiciren, eine der allerſeligſten Jung⸗ frau geweihte Kirche oder einen derſelben gewidmeten Altar beſuchen, und dort nach der Meinung des heiligen Vaters beten; 3. einen vollkommenen Ablaß in der Stunde des Todes für Die, welche es während ihres Lebens täglich gebetet haben. O Herz Mariä, der Mutter Gottes und unſerer Mutter, liebenswürdigſtes Herz, du Gegenſtand des Wohlgefallens der anbetungs⸗ würdigen Dreifaltigkeit und würdig aller Ver⸗ ehrung und Liebe der Engel und Menſchen, du dem Herzen Jeſu ähnlichſtes Herz, deſſen vollkommenſtes Abbild du biſt, Herz voll der Güte und ſo voll Mitleid für unſer Elend: würdige dich, das Eis unſerer Herzen zu ſchmelzen, und mache, daß ſie ſich gänzlich dem Herzen des göttlichen Erlöſers ergeben. Durchdringe ſie mit der Liebe zu deinen Tugenden und entflamme ſie mit dem hei⸗ ligen Feuer, von welchem du ſelbſt ſtets brenneſt. Schließe in dich ein die heilige Kirche, beſchütze ſie, ſei immer ihre ſüße Zu⸗ flucht und ihre unüberwindliche Schutzwehr gegen die Angriffe ihrer Feinde. Sei unſer Weg zu Jeſus und der Canal aller zu un⸗ ſerm Heile nothwendigen Gnaden. Sei unſere Hülfe in unſern Nöthen, unſer Troſt in Trübſalen, unſere Stärke in den Ver⸗ ſuchungen, unſere Zuflucht in den Verfolg⸗ ungen, unſer Schutz in allen Gefahren, aber beſonders in den letzten Kämpfen unſers Lebens, in der Todesſtunde, in jenem furcht⸗ baren Augenblicke, von dem unſere Ewigkeit ————FFÜ — 460— abhängt; dann, wenn die gunze Hölle ſich gegen uns entfeſſeln wird, um unſere Seelen zu verſchlingen, o dann, o mildreichſte Jung⸗ frau, laß uns die Zärtlichkeit deines mütter⸗ lichen Herzens und alle Macht, welche du über das Herz Jeſu haſt, erfahren, indem du uns in der Quelle der Barmherzigkeit ſelbſt eine ſichere Zufluchtsſtätte eröffneſt, auf daß wir in den Himmel gelangen mögen, um ihn da mit dir in alle Ewigkeit zu preiſen. Amen. Lobſpruch zu Ehren der hhl. Her— zen Jeſu und Mariä. Erkannt, gelobt, gebenedeit, geliebt, verehrt und verherrlicht ſeien allzeit und überall das göttliche Herz Jeſu und das reinſte Herz Mariä. Amen. Litaneizu Maria, der Tröſterin der Betrübten. Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, erbarme Dich unſer! Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, höre uns! Chriſte, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel,— Erbarme Dich unſer! Gott Sohn, Erlöſer der Welt, Geiſt Hl. Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Hl. Maria,— Bitte für uns! Du Mutter Jeſu, unſers Erlöſers, Du mächtige Mittlerin zwiſchen Gott und den Menſchen, Du Ausſpenderin der göttlichen Gnade,— Bitte für uns!“ Du huldvolle Mutter des Troſtes, Du Mutter der Gnade und Barmherzigkeit, Du Quelle des Friedens und der Ruhe, Du Freude der Weinenden, Du Stärke der Schwachen, Du Labſal der Kranken, Du Stütze der Lahmen, Du Licht der Blinden, Du Schild der Unterdrückten, Du Troſt der Kleinmüthigen, Du Stab der Büßenden, Du Rathgeberin der Zweifelnden, Du Schrecken der Feinde, Du mächtige Schutzfrau der Verfolgten, Du Hoffnung und Zuverſicht der Sterbenden, Du wahre Tröſterin aller Nothleidenden, Du Segen aller Länder, Du Schatzmeiſterin der göttlichen Gnade, Du goldener Schlüſſel des Himmels, Du erſchloſſene Pforte unſers Heiles, Du überfließende Luſt der Heiligen, Du Jubel der engliſchen Schaaxen, Du Troſt und Süßigkeit aller Geſchöpfe, Du Königin der Freude und Herrlichkeit, Wir arme Sünder!— Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns auf der Pilgerreiſe dieſes Lebens beſchützen und ſegnen wolleſt, Daß du uns in unſern Trübſalen und Wider⸗ wärtigkeiten tröſten und aufrichten wolleſt, — 45— Daß du uns vor Krankheit, Hunger und drieg bewahren wolleſt,— Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns von allem Unglück, Feuers⸗ gefahr und Hagelſchlag befreien wolleſt, Daß du uns und unſere Wohnungen ohne Unterlaß beſchirmen wolleſt, aß du unſer Vaterland in Frieden und Eintracht erhalten wolleſt, aß du uns vor jeder Sünde und jeglicher Gefahr zur Sünde behüten wolleſt, Daß du uns beiſtehen wolleſt im Kampfe wider die Feinde unſers Heiles, Daß du uns weder im Leben noch im Tode verlaſſen wolleſt, Daß du uns nach dieſem Leben in den Hafen der ewigen Ruhe geleiten wolleſt, Maria, du Tröſterin der Betrübten, O Du Lamm Gottes..(Vie gewöhnlich.) Vater unſer.. Gegrüßet.. N. In aller Trübſal, Angſt und Noth: R. Bitte für uns, o Tröſterin der Be⸗ trübten! Gebet. O Gott, der Du der Urquell alles Troſtes biſt und in Deiner Barmher⸗ zigkeit die Mutter Deines eingeborenen Sohnes auch zu unſerer Mutter beſtimmt haſt: wir bitten Dich, daß wir durch ihren Schutz er⸗ freut und durch ihre Fürſprache geſtärkt wer⸗ den; durch unſern Herrn Jeſum Chriſtum. men. ———— — 463— Gebet zu Maria, der Tröſterin der Betrübten, in einem beſondern Anliegen. O liebevolle Mutter meines Gottes und auch meine gütige Mutter, du, deren Mutter⸗ auge ſtets über die dir anvertrauten Pflege⸗ kinder wacht und deren Mutterherz Leid und Freud' liebevoll mit ihnen empfindet; dieſe deine große Güte und Treue ermuntert mich, in meinem gegenwärtigen Anliegen zu dir meine Zuflucht zu nehmen. Es fehlt dir ja nicht an Macht, mir zu helfen, weil du die Mutter meines Gottes biſt, deren Fürbitte bei ihm Alles vermag. Wohlan denn, o Mutter, blicke nur ein einzig Mal auf mich herab, und ich bin verſichert, der Anblick meiner Noth wird dein Mitleid erregen und be⸗ wirken, daß du den Balſam deines Troſtes in mein trauerndes Herz gießen wirſt. Ich bin zwar eine große Sünderin und n nicht, von dir erhört zu werden, aber deine Barmherzigkeit iſt größer als meine Miſſethaten. Du biſt ja die Tröſterin der Betrübten: ich ſetze daher meine ganze Hoff⸗ nung auf dich und weiß, du wirſt mich nicht zu Schanden werden laſſen. Ich ver⸗ ſpreche dir auch, in Zukunft deinem Sohne und dir treuer dienen zu wollen, um mich der Erhörung würdiger zu machen und ſo⸗ dann dir meine Dankbarkeit zu bezeigen. Hilf mir durch deine kräftige Fürbitte, dieſer Sr getreulich auszuführen. Amen. — 464— Andacht zum hl. Zoſtyh. Titanei vom hl. Joſeph. erbarme Dich unſer! Chriſte, erbarme Dich unſer! Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, höre uns!— Chriſte, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel,— Erbarme Dich unſer! Gott Sohn, Erlöſer der Welt, Gott heiliger Geiſt, Hl. Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Hl. Maria,— Bitte für uns! Hl. Gottesgebärerin, Hl. Jungfrau der Jungfrauen, Hl. Joſeph, Du zärtlich ſorgender Pflegevater Jeſu Chriſti, Du kcuſcheſter Bräutigam der ſeligſten Jungfrau, Du gerechter Mann nach dem Ferzen Gottes, Du Sproſſe aus dem Hauſe Davids, Du Theilnehmer der göttlichen Geheimniſſe Du Zierde der Patriarchen, Du Liebhaber der Reinigkeit, Du Vorbild aller Tugenden, Du Lehrmeiſter des Gebetes, Du Vater der Armen, Du Troſt der Bedrängten, Du Hülfe der Nothleidenden, tic Fürſprecher deiner Pflege⸗ inder, 1 — Du beſonderer Schutzpatron der Sterbenden In Angſt und Schmerzen, — 465— — Bitte für uns! In allen Anliegen,— Hilf uns, o hl. Joſ eph! In aller Anfechtung, In allen Seel⸗ und Leibsgefahren, In der Stunde des Todes, Im kommenden Gerichte, Durch deine Auserwählung, Durch deine makelloſe Unſchuld, Durch deine reinſte Vermählung, Durch deine väterliche Treue, Durch deine Mühen und Arbeiten, Durch deine Leiden und Freuden, Durch deine Tugenden, Durch deine Verdienſte, Durch deine Kümmerniſſe, Durch deine Freude über das Geheimniß der Menſchwerdung des Sohnes Gottes, Durch deine ſchmerzliche Armuth im Stalle zu Bethlehem, Durch deine Freuden in der hl. Weihnacht, Durch deinen Schmerz beim Anblicke des Blutes Jeſu Chriſti, Durch deine Freuden über den Namen Jeſus, Durch deinen Schmerz bei Simeons Weis⸗ ſagung, Durch deine Freude über das Heil unzähliger Seelen, Durch deine angſtvolle Flucht nach Aegypten, Durch deine Freude, als die Götzenbilder Aegyptens zuſammenſtürzten, St. Eliſabeth. 30 Durch deine Furcht vor Archelaus,— Hilf uns, o hl. Joſeph! Durch deine ſtillen Freuden zu Nazareth, Durch deinen Schmerz, als Jeſus dir ver⸗ loren war, Durch deine Freude, als du ihn im Tempel wiederfandeſt, Durch deinen koſtbaren Tod, Durch deine himmliſche Glorie, Zur Liebe Jeſu und Mariens, Zu einem gottſeligen Leben, Zur ſtandesmäßigen Reinigkeit, um würdigen Empfange der hhl. Sacra— mente in der Sterbeſtunde, u einem ſeligen Tode in der Gegenwart Jeſu und Mariens, Aus den Qualen des Fegfeuers, O Du Lamm Gottes...(Wie gewöhnlich.) Vater unſer... Gegrüßet... N. Bitte für uns, o ſeligſter Joſeph, R. Auf daß wir würdig werden der Ver⸗ heißungen Chriſti. Gebet. O barmherziger Gott, der Du den hl. Joſeph zum Bräutigam der aller⸗ ſeligſten Jungfrau Maria und zum Nähr⸗ vater Deines allerliebſten Sohnes, Jeſu Chriſti, unſers Erlöſers, erwählt haſt: wir bitten Dich, Du wolleſt uns durch ſeine Fürbitte die Reinheit der Seele und des Leibes gnädigſt verleihen, damit wir einſt zur Anſchauung Deiner Gottheit gelangen mögen; durch Chr.tum, unſern Herrn. Amen. ———— 2—— — —— — ʒ— — Gebet zur Verehrung der ſieben Trenden und Ichmerzen des hl. Joſeph. Täglich 100 Tage Ablaß; an Mittwochen 300 Tage; monatlich vollkommener Ablaß. Wer dieſe Gebete an den 9 Tagen vor dem Feſte des hl. Joſeph und vor dem Schutzfeſte des hl. Joſeph täglich betet, gewinnt an jedem Tage 300 Tage Ablaß. Vollkommener Ablaß am Feſte des hl. Joſeph und am Schutzfeſte des hl. Joſeph, wenn man nach vorausgegangener Beicht und Communion dieſe Ge⸗ bete verrichtet. Pius VII., 9. December 1819. Wer zu irgend einer Zeit des Jahres an ſieben ununterbrochen aufeinander folgenden Sonn⸗ tagen dieſe Gebete verrichtet, beichtet, communicirt, eine Kirche oder öffentliche Capelle beſucht und dort nach der Meinung des heiligen Vaters betet, gewinnt an jedem dieſer Sonntage einen vollkommenen Ablaß. Dieſe Ge⸗ bete zu Ehren der Schmerzen ꝛc. können auch durch ſieben Vater unſer, Gegrüßet und Ehre ſei erſetzt werden für Diejenigen, welche ſie nicht verrichten können. Pius IX., 1. Februar und 22. März 1847. Wer an ſieben aufeinander folgenden Sonntagen die Gebete zu Ehren der Schmerzen ꝛc. betet, gewinnt an jedem Sonntage 300 Tage Ablaß und am ſiebenten Sonn⸗ tage einen vollkommenen Ablaß, wenn er an demſelben beichtet und communicirt und nach der Meinung des hl. Vaters betet. Gregor XVI., 22. Januar 1826. 1. O reinſter Bräutigam der hl. Jung⸗ frau Maria, glorreicher hl. Joſeph, gleich⸗ wie groß der Kummer und die Angſt deines Herzens war, als du unſchlüſſig warſt, ob du deine unbefleckte Braut verlaſſen ſolleſt, ſo war auch unbeſchreiblich deine Freude⸗ als dir von dem Engel das erhabene Geheimniß der Menſchwerdung geoffenbart wurde. Durch dieſen deinen Schmerz und dieſe deine Freude bitten wir dich, unſere Seelen jetzt und in den Schmerzen des Todes zu tröſten mit dem Troſte eines guten Lebens und eines hl. Todes, der deinem Tode in Gegenwart Jeſu und Mariä ähnlich ſei. Vater unſer... Gegrüßet... Ehre ſei... 2. O glückſeliger Patriarch, glorreicher hl. Joſeph, auserwählt zu den Fflichten eines vermeintlichen Vaters des menſch⸗ gewordenen Wortes: der Schmerz, den du empfandeſt, als du das Kindlein Jeſus in ſolcher Armuth geboren ſaheſt, verwandelte ſich unverzüglich in himmliſchen Jubel, als du die Lobgeſänge der Engel vernahmſt und die Glorie jener von Licht ſtrahlenden Nacht ſahſt. Durch dieſen deinen Schmerz und dieſe deine Freude bitten wir dich, uns die Gnade zu erlangen, daß wir nach zurückgelegter Wanderſchaft dieſes Lebens würdig ſeien, die Lobgeſänge der Engel zu vernehmen und des Glanzes der himmliſchen Herrlichkeit uns zu erfreuen. Vater unſer... Gegrüßet... Ehre ſei... 3. Gehorſamer Befolger des göttlichen Geſetzes, glorreicher hl. Joſeph, das koſt⸗ barſte Blut, welches das göttliche Kindlein, unſer Heiland, bei der Beſchneidung vergoß, hat⸗dir das Herz zerſchnitten, allein der Name Jeſus, der demſelben gegeben wurde, hat es alsbald wieder getröſtet und mit Freude erfüllt. Durch dieſen deinen Schmerz und dieſe deine Freude bitten wir dich, erlange uns e ſ n 2— „ — 469 die Gnade, von allen Laſtern während un⸗ ſers Lebens befreit zu ſein, und mit dem hl. Namen Jeſus im Herzen und im Munde freudig aus dieſem Leben zu ſcheiden. Vater unſer... Gegrüßet... Ehre ſei... 4. Treueſter Heiliger, der du theilge⸗ nommen haſt an den Geheimniſſen unſerer —— Erlöſung, glorreicher hl. Joſeph: wenn die Weisſagung Simeons von den Leiden, welche Jeſus und Maria erdulden ſollten, dir einen tödtlichen Schmerz verurſachte, ſo erfüllte doch auch das Heil und die glorreiche Auf⸗ erſtehung unzähliger Seelen, welche nach derſelben Weisſagung jenem Leiden folgen ſollten, dich mit ſeliger Freude. Durch dieſen deinen Schmerz und dieſe deine Freude bitten wir dich, erlange uns, daß wir von der Zahl Derjenigen ſeien, welche durch die Verdienſte Jeſn und die Fürbitte Mariä einſt glorreich auferſtehen werden. Vater unſer... Gegrüßet... Ehre ſei... 5. Wachſanrſter Hüter und innigſter Ver⸗ trauter des Sohnes Gottes, glorreicher hl. Joſeph: wie ſehr haſt du dich abgemüht, um den Sohn des Allerhöchſten zu erhal⸗ ten und ihn zu pflegen, beſonders als du mit ihm nach Aegypten fliehen mußteſt, aber wie groß war auch dein Troſt, deinen Gott immer um dich zu haben, und zu ſehen, wie die Götzenbilder Aegyptens vor ihm zu Boden ſtürzten. — 4170— Durch dieſen deinen Schmerz und dieſe deine Freude bitten wir dich, erlange uns die Gnade, daß wir den hölliſchen Feind, beſonders durch die Flucht gefährlicher Ge— legenheiten, immer von uns fern halten, daß in unſern Herzen alle Götzenbilder irdiſcher Anhänglichkeit zuſammenſtürzen, und daß wir, ganz dem Dienſte Jeſu und Mariä ergeben, nur für ſie leben und mit ihnen ſelig ſterben. Vater unſer... Gegrüßet... Ehre ſei... 6. Irdiſcher Engel, glorreicher hl. Joſeph, der du ſtaunend den König der Himmel jedem deiner Winke gehorchen ſahſt: war deine Freude, ihn aus Aegypten zurückzubringen, getrübt durch die Furcht vor Archelaus, ſo wurdeſt du doch durch den Engel beruhigt und verweilteſt froh und freudig mit Jeſn und Maria zu Nazareth. Durch dieſen deinen Schmerz und dieſe deine Freude bitten wir dich, erlange uns, daß unſere Herzen frei ſeien von aller ſchäd— lichen Furcht, daß wir uns immer des Frie⸗ dens eines guten Gewiſſens erfreuen und, mit Jeſu und Maria in Sicherheit lebend, auch in ihrer Mitte aus dieſem Leben ſchei— den mögen. Vater unſer... Gegrüßet... Ehre ſei... 7. Vorbild aller Heiligkeit, glorreicher hl. Joſeph, nachdem du ohne deine Schuld den Knaben Jeſus verloren hatteſt, ſuchteſt du ihn mit größtem Schmerze drei Tage lang, bis du ihn, der dein Leben war, mit Freude —— =— ———= — — — — — — — —— —— S W 5 und Frohlocken im Tempel unter den Leh⸗ rern wiederfandeſt. Durch dieſen deinen Schmerz und dieſe deine Freude flehen wir dich mit Herz und Mund an, du wolleſt für uns fürſprechen, daß es uns nie widerfahre, Jeſum durch eine ſchwere Sünde zu verlieren; wenn es aber zum größten Unglücke dennoch geſchehen ſollte, daß wir ihn mit nicht ruhendem Schmerze aufſuchen, bis wir ihn wieder⸗ finden und ſeiner Gnade uns erfreuen, be⸗ ſonders im Augenblicke unſers Todes, um in den Himmel einzugehen und ihn dort in Ewigkeit zu genießen und mit dir das Lob ſeiner göttlichen Erbarmungen zu ſingen. Vater unſer... Gegrüßet... Ehre ſei... Antiphon. Jeſus begann damals un⸗ gefähr ſein dreißigſtes Jahr und ward für den Sohn Joſephs gehalten. XV. Bitte für uns, o hl. Joſeph, h. Auf daß wir würdig werden der Ver— heißungen Chriſti. Laſſet uns beten. O Gott, der Du in Deiner unausſprechlichen Vorſehung den hl. Joſeph zum Bräutigam Deiner hl. Ge⸗ bärerin zu erwählen Dich gewürdigt haſt: verleihe uns, wir bitten Dich, daß wir Den⸗ jenigen, welchen wir als unſern Beſchützer auf Erden verehren, zu unſerm Fürſprecher im Himmel zu haben verdienen. Der Du und regierſt von Ewigkeit zu Ewigkeit. men. 3 Reſponſorium zum hl. Zoſeph. Wer geſund am Geiſte leben* Und mit einem ſel'gen Tode* Seinen Lauf be— ſchließen will,* Rufe Joſephs Hülfe an. 1. Er, der Jungfrau Bräutigam,* Den man Jeſu Vater glaubte,* Der Gerechte, Treue, Keuſche* Bittet nie bei Gott ver⸗ gebens.* Wer geſund... 2. Er verehrt im Stall den Heiland,“ Tröſtet ihn im fremden Lande,“ Sucht ihn, als er ihn verloren,* Findet ihn mit Freu— den wieder.* Wer geſund.. 3. Der die ganze Welt erſchaffen,“ Ward durch ſeine Müh' ernährt,* Und der Sohn des Allerhöchſten* Iſt ihm willig unterthan. * Wer geſund.. 4. Jeſus und Maria ſtehen* Ihm im Tode tröſtend bei,* Er entſchläft in ihrer Mitte* Sanft und ſüßen Troſtes voll.* Wer gd Ehre ſei dem Vater... Wer geſund... Antiphon. Siehe da, der treue und kluge Knecht, den der Herr über ſeine Familie geſetzt hat. N. Bitte für uns, o ſeliger Joſeph, B. Auf daß wir würdig werden... Laſſet uns beten. O Gott, der Du in Deiner unausſprechlichen Vorſehung den ſeligen Joſeph zum Bräutigam Deiner hl. ebärerin zu erwählen Dich gewürdigt haſt: verleihe uns, wir bitten Dich, daß wir Den⸗ ienigen, welchen wir als unſern Beſchützer —— S — —— —— S— —— auf Erden verehren, zu unſerm Fürſprecher im Himmel zu haben verdienen. Der Du — lebſt und regierſ Jedesmal einen Ablaß von einem Jahre. Pius VII., 1804. Rurze Ablaßgebete zum hl. Zoſeph. Gedenke, o keuſcheſter Bräutigam Mariens, o mein liebenswürdiger Be⸗ ſchützer, hl. Joſeph, daß es niemals iſt erhört worden, daß Jemand dich um deinen Schutz oder um deine Hülfe angefleht habe, ohne ge⸗ tröſtet worden zu ſein. Ich komme mit dieſem Vertrauen, mich dir vorzuſtellen und mit aller Inbrunſt mich dir zu empfehlen. Verſchmähe meine Bitten nicht, du Pflegevater des Hei⸗ landes, ſondern nimm ſie gnädig an. Amen. — Täglich 300 Tage Ablaß. Pius IX., 26. Juni 1863. O glorreicher hl. Joſeph, Vater und Beſchützer der Jungfrauen, treuer Wächter, dem Gott die Unſchuld ſelbſt, Jeſus Chri⸗ ſtus, und Maria, die Jungfrau der Jung⸗ frauen, anvertraut hat, ach, ich bitte und beſchwöre dich durch Jeſus und Maria, dieſe beiden dir ſo theuren Unterpfänder, erwirke mir die Gnade, daß ich, vor aller Unlauter⸗ keit bewahrt, mit reinem, keuſchem Herzen Jeſu und Maria diene und in ihrem Dienſte in vollkommener Keuſchheit ausharre. Amen. — Täglich 300 Tage Ablaß. Pius IX., 3. Februar 1863, Hl. Joſeph, Freund des göttlichen Herzens, bitte für uns!— Zedesmal 100 Tage Ablaß. ——————— Uruntägige Andacht u Ehren dr h. Eliſabeth. (Es iſt auch rathſam, dieſe Gebete oft je nach Umſtänden zu verrichten, da ſie geeignet ſind, uns dem himmliſchen Vaterkande zuzuführen.) Vorerinnerung. Die beſte und wirkſamſte Art und Weiſe, die Heiligen zu ehren, beſteht in der Betrach⸗ tung ihrer erhabenen Tugenden, verbunden mit dem Entſchluſſe, dieſelben, ſoweit die menſchliche Schwachheit es erlaubt, in ſeinem Stande und ſeinem Lebensberufe nachzuahmen. Go⸗ rade ihre hohen Tugenden waren es ja, die ſie zu Lieblingen Gottes gemacht und ſo vorzüglich befähigt, in wirkſamſter Weiſe unſere Anliegen bei ihm zu vertreten. Ihre Fürſprache werden ſie uns auch um ſo bereitwilliger angedeihen laſſen, wenn ſie ſehen, wie wir eifrig beſtrebt ſind, das Wohlgefallen jenes Gottes zu erwerben, den ſie als das höchſte Gut erkannt und dem ſie all ihre Liebe geweiht haben. Der Erhörung unſerer Bitten ſetzen wir oft ſelbſt das größte Hinderniß entgegen, indem wir mit einem ſchuldbeladenen oder wenigſtens zur Sünde geneigten Herzen zu Gott beten. Suchen wir alſo dieſe neuntägige Andacht in gottgefälliger Weiſe zu verbringen, indem wir beſonders unſere Gewohnheitsſünde meiden und uns der Uebung der Tugend be⸗ fleißigen. Vor Allem aber reinigen wir unſer Herz durch den Empfang der hl. Sacramente, auf daß es geeignet werde, den Gnadenthau des Himmels in ſich aufzunehmen. Hören wir auch, wenn möglich, in dieſen neun Tagen täglich die hl. Meſſe zu Ehren der hl. Eliſabeth und, einge⸗ denk ihrer großen Wohlthätigkeitsliebe, theilen wir nach Vermögen Almoſen an Hülfsbedürftige aus. Dies wird unſer Gebet in wirkſamer Weiſe unterſtützen und deſſen Erhörung fördern. Lieben wir, was die hl. Eliſabeth geliebt, und üben wir im Werke, was ſie durch ihr Beiſpiel uns gelehrt, ſo werden wir hier auf Erden ihres Schutzes und ihrer Fürſprache in allen Lebens⸗ lagen uns erfreuen und im Himmel ihre ſelige Geſellſchaft genießen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Erſter Tag. Vorbereitungsgebet. O liebe hl. Eliſabeth, die du nach einem mühe⸗ und leidenvollen Erdenwandel in ewiger Glorie thronſt, wirf einen liebevollen und mitleidigen Blick herab auf mich arme Sün⸗ derin, die ich, in ſtaunender Bewunderung deiner erhabenen Tugenden, deinen heilig⸗ mäßigen Lebenswandel in getreuer Erfüllung meiner Chriſten⸗ und Standespflichten nach Kräften nachahmen will. Deine Fürbitte iſt ja ſo mächtig bei Gott und du haſt deinen treuen Verehrern ſchon ſo viele Gnaden und Wohlthaten Leibes und der Seele erwirkt, daß ich das größte Vertrauen hege, du werdeſt mir Alles erlangen, um was ich dich anflehe. Ich bitte dich daher demüthigſt, du wolleſt dich vor Allem meiner armen Seele erbarmen und ihr alle zum Heile nothwendigen Gnaden und Tugenden, beſonders aber die Tugend der..., erwirken. In deine Hände lege ich auch alle meine zeitlichen Anliegen, Hoff— nungen und Befürchtungen, beſonders die— ſes.. Ich verſpreche dir, von nun an jede freiwillige Sünde und gefährliche Gelegenheit aus Liebe zu Gott zu meiden, treu mitzu⸗ wirken mit allen Gnaden des Heiles, die der liebe Gott mir zu Theil werden läßt, und in werkthätiger Liebe das Seelenheil des Neben— menſchen, beſonders meiner Angehörigen, zu befördern, damit wir dereinſt Alle vereint in unausſprechlichen Himmelswonnen die Barm— herzigkeit Gottes lobpreiſen mögen in alle Ewigkeit. Amen. Gebet um einen lebendigen Glnnben. Glorreiche hl. Eliſabeth, wenn ich dein hl. Leben und deine heldenmüthigen Tugenden betrachte, die aus einem wahren und leben— digen Glauben hervorgingen, und mein bisheriges ſündhaftes Leben mit dem deinen vergleiche, ſo werde ich von Scham und Reue erfüllt. Ich habe mich des chriſtlichen Glau— bens ſo unwürdig gezeigt und das Eine Nothwendige in ſo unverantwortlicher Weiſe oft aus den Augen verloren. Ach, wie oft vergaß ich, daß jch geſchaffen bin von Gott und für Gott, um ihm allein zu dienen und in ihm ewig ſelig zu werden; nicht aber, um das eigene„Ich“ zum Götzen zu erheben und demſelben in träger Gemäch⸗ lichkeit, in eitler Genußſucht und in Befrie⸗ digung der Leidenſchaften dienſtbar zu jein. = c— —— ——— Ich bitte und beſchtotn dich alſo, o liche hl. Eliſabeth, du wolleſt durch mächtige Fürbitte bewirken, daß ich von nun an nicht allein glaube, ohne Wanken und Schwanken, ſondern auch dem Glauben gemäß lebe, immer in Gottes Allgegenwart wandle und meiner ewigen Beſtimmung ſtets eingedenk ſei, auf daß nicht die große Wohlthat des katholiſchen Glaubens mir zum Verderben ſtatt zum Heile 6 Vater unſer... Gegrüßet. Litanei zu Ehren derhl. Eliſabeth. Herr, erbarme Dich unſer!— Chriſte, erbarme Dich unſer!— Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, höre uns!— Chriſte, erhöre uns! Vater vom Himmel,— Erbarme Dich unſer! Gott Sohn, Erlöſer der Welt, Gott heiliger Geiſt, Hl. Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Hl. Maria, Mutter der Barmherzigkeit,— Bitte für uns! Hl. Eliſabeth, die du dich von Jugend auf der ſeligſten Jungfrau anbefohlen haſt, Die du dich dem Schutze des hl. Svan Johannes ganz ergeben haſt, Du hochgeachtete Prinzeſſin aus Ungarn, Du gottliebende Fürſtin von Thüringen, Du hl. Dienerin Gottes mitten im Hofleben, Du Lehrmeiſterin des chriſtlichen Wandels, Du herrliches Beiſpiel der guten Sitten, 5— * Bitte für uns! Du eifrige Nachfolgerin des hl. Franciscus, Du wohlbekannte Mutter der Armen, Du liebevolle Ernährerin der Waiſen, Du ſorgfältige Gaſtgeberin der Fremden, Du mildherzige Helferin der Nothleidenden, Du liebreiche Tröſterin der Betrübten, Du dienſtbare Krankenwärterin der Aus⸗ ſätzigen,“ Du heldenmüthige Verächterin der Welt, Du Zierde und Ehre des dritten Ordens des hl. Vaters Franciseus, Du getreue Braut Chriſti, Du ſeufzende Taube in den Wunden des Gekreuzigten, Du beſtändige Liebhaberin der Armuth, Du geduldige Wittwe in den Trübſalen, Du willige Beobachterin des Gehorſams, Du gnädige Erleuchterin der Blinden, Du wunderbare Erweckerin der Todten, Du mächtige Fürbitterin bei dem Gnaden⸗ throne Gottes, Du Schmuck Deutſchlands, Du wachſame Beſchützerin deiner Verehrer, Zu dir, als unſerer Mutter, fliehen wir, Zu dir, als einer Braut des Allerhächſten, rufen wir, dir, o Troſt der Betrübten, ſeufzen wir, große Patronin, zu dir rufen wir, O Du Lamm Gottes...(Wie gewöhnlich.) Vater unſer... Gegrüßect... Du wohlriechendes Veilchen der Demuth,— V. Bitte für uns, hl. Mutter Eliſabeth, B. Auf daß wir würdig werden der Ver⸗ heißungen Chriſti. Gebet. O gütigſter Gott, der Du die vielfältigen guten Werke und Tugendübungen der hl. Eliſabeth in den ewigen Freuden reichlich belohnſt: verleihe uns durch ihre Fürbitte, daß wir auch allzeit das Böſe meiden, das Gute ohne Unterlaß wirken und uns mit Dir in der Ewigkeit erfreuen mögen, der Du lebſt und regierſt in Ewig⸗ keit. Amen. Zweiter Tag. Vorbereitungsgebet ſiehe Seite 475. Gebet um Boffnung und Gottvertrauen. O ſelige hl. Eliſabeth, welch unerſchütter⸗ liches Gottvertrauen haſt du in den Wechſel⸗ fällen deines mit ſo mancherlei Widerwärtig⸗ keiten heimgeſuchten Lebens an den Tag gelegt! Schien auch Alles ſich zu deinem Verderben zu vereinigen, ſo verloreſt du doch nie den Muth, und im Hinblick auf das verheißene Erbe des Himmels ertrugſt du geduldig und ergeben den Verluſt aller hinfälligen Güter und Ehren dieſer Welt. Von den Menſchen verlaſſen, ſuchteſt du Hülfe und in innigem, vertrauensvollen Gebete u Gott. So erwirke denn auch mir die Bnade in Leid und Kreuz nie zu verzagen, ſondern deſto eifriger zum Gebete meine Zufl ucht zu nehhen und mit gläubiger Zuverſicht auf die göttliche Vatergüte zu ver⸗ trauen. Gott will ja nur mein Beſtes und lenkt Alles zu meinem Wohle. Sollte auch manchmal Furcht und Ban— gigkeit mich beſchleichen beim Andenken an mein laues, ſündhaftes Leben und die Un⸗ gewißheit meines Heiles, ſo belebe meine Hoffnung auf die göttlichen Verheißungen ſowie mein Vertrauen auf die Wirkſamkeit des beharrlichen Gebetes, das ja nie uner— hört bleibt. Erlange mir die Gnade, nie im Gebete nachzulaſſen, beſonders wenn die Stürme der Verſuchungen über mich herein⸗ brechen, ſo wird mein Heil geſichert ſein. Auf deine mächtige Fürbitte, o hl. Eliſabeth, die ſchon ſo Viehen geholfen, ſetze auch ich mein volles Vertrauen; du wirſt es nicht zu Schan— den werden laſſen. Amen. Vater unſer... Gegrüßet... Litanei zur hl. Cliſabeth ſiehe Seite 477. Drikter Tag. Vorbereitungsgebet ſiehe Seite 475. Gebet um Gottesliebe. Liebreiche und mächtige Freundin des Allerhöchſten, hl. Eliſabeth, deren ſeraphiſche Liebesgluth Alles, auch das Theuerſte, Gott dem Herrn zum Opfer brachte, entflamme durch deine Fürbitte auch mein Herz in inniger Liebe zu Gott, dem höchſten Gute, das allein unſere ganze Liebe verdient. Be⸗ wirke, daß ich Alles aus meinem Lersen ——— — 481— entferne, was derunendlichen Heiligkeit Gottes mißfällt und ſeinen Gnadenwirkungen in mir hinderlich iſt. Erwecke in meinem Herzen eine lebhafte Liebesreue über meine vielfäl— fältigen Sünden und kräftige mich in dem Entſchluſſe, die Sünde, als Beleidigung des liebevollſten und beſten Vaters, zu fliehen und zu verabſcheuen. Gib, daß ich der Lei⸗ den und Todesqualen meines für mich ge— ſtorbenen Heilandes oft gedenke, durch einen frommen Lebenswandel ihm treu nachfolge und mich gern und oft im hl. Sacramente der Liebe mit ihm vereinige. Laß mich in kindlichem Verkehr mit dem himmliſchen Vater, in Gebet und Arbeit zur Ehre Gottes meine größte Freude finden, damit ich ſo, von ſeiner väterlichen Hand geleitet und durch deine träftige Fürbitte unterſtützt, den Weg zum himmliſchen Vaterhauſe finde, allwo ich mit dir vereint den göttlichen Bräutigam meiner Seele ewig lieben, loben und preiſen werde Amen.— Vater unſer... Gegrüßet... Litanei zur hl. Eliſabeth ſiehe Seite 477. Pierter Tag. Vorbereitungsgebet ſiehe Seite 475. Gebet um Mächſtenliebe. Gütigſte heilige Eliſabeth, du liebliches, ſchönes und erhabenes Muſter chriſtlicher Nächſtenliebe, die du insbeſondere in Pflege der Kranken und Unterſtützung der Armen St. Eliſabeth. 31— Heldenmüthiges geleiſtet, bitte für mich, daß ich dein herrliches Beiſpiel in der Liebe des Nächſten nachahme, denſelben in Gott und für Gott liebe und ſo unſerm gütigſten Heilande und barmherzigſten Erlöſer immer ähnlicher und ihm ſtets wohlgefälliger werde. Erlange deshalb meinem Herzen eine Fülle von Mitleid gegen die armen Sünder, die ihrem zeitlichen und ewigen Verderben entgegeneilen; gib, daß ich denſelben durch Gebet, Bußübungen und Werke des Seeleneifers zu Hülfe komme, um ſie von ihren Abwegen zurückzuführen. Erbitte mir wahren Opfergeiſt, damit ich die Armen und Kranken, die Lieblinge Gottes, mitleidig unterſtütze und menſchliches Elend nach Kräften zu lindern ſuche. Bewege mich zu Friedfertigkeit und Verſöhnlichkeit, daß ich Niemanden obſichtlich beleidige, alle mir zugefügten Kränkungen großmüthig ver⸗ zeihe und meinen Feinden Böſes mit Gutem vergelte. Bewirke, daß ich nie meinen Mund öffne zu leichtfertigen und boshaften Reden wider die Ehre des Nächſten; laſſe mich ſeine Fehler und Schwachheiten mit dem Mantel der Liebe bedecken. Möchte ich wie du ſtets meine reinſte Freude und meinen Troſt finden in Ausübung der Werke geiſtlicher und leiblicher Barmherzigkeit, und ſo Allen Alles werden, um Alle für Chriſto zu gewinnen. Amen. Vater unſer... Gegrüßet... Litanei zur hl. Eliſabeth ſiehe Seite 477. —— —— —„———— Fünfter Tag. Vorbereitungsgebet ſiehe Seite 475. Gebet um Demuth. Glorreiche heilige Eliſabeth, ich freue mich mit dir und danke Gott, der dich ſo hoch erhoben und deine tiefe Demuth durch eine ſolche Fülle von Glorie und Herrlich⸗ keit belohnt hat. Welch glänzende Edelſteine bilden jetzt in deiner Ehrenkrone die vielen Verdemüthigungen, Schmähungen und Zurück⸗ . ſetzungen, die du von früheſter Jugend an * von Seite deiner nächſten Anverwandten und der falſchen Hofleute in aller Demuth und Geduld ertragen haſt! Wie herrlich er— ſtrahlſt du jetzt in himmliſcher Verklärung, die du, obgleich im Glanze des Hoflebens geboren und erzogen, doch ſtets alle eitle Kleiderpracht und hohlen Tand gemieden, ſowie alle Ehren, Auszeichnungen und Lob⸗ ſprüche verachtet haſt! Demüthige Dienerin des Herrn, wie unähnlich bin ich dir in dieſer erſten und nothwendigſten aller Tu⸗ genden! So erflehe mir denn rechte Einſicht, daß ich erkenne, daß ich aus mir Nichts bin, Nichts habe und Nichts vermag, und folglich als armes, elendes Geſchöpf ganz von der Güte des allmächtigen Schöpfers abhängig bin. Bewirke, daß ich in wahrer Selbſterkenntniß einſehe, wie Alles, was ich bin und habe, nur ein unverdientes Geſchenk der göttlichen Güte und Barmherzigkeit iſt, und nur Schwachheit und Sünde mein eigen ſind. Laſſe mir dein hehres Tugend— beiſpiel ſtets vor Augen ſchweben, daß ich allen eitlen Prunk meide und nie mich ſtolz über Andere erhebe, ſondern in richtiger Würdigung meines Nichts mich ſelbſt ver— achte, meiner Schwäche mißtraue und ſo Gottes Gnade, die er dem Demüthigen gibt, auf mich herabziehe. Amen. Vater unſer... Gegrüßet... Litanei zur hl. Eliſabeth ſiehe Seite 477. Bochster Tag. Vorbereitungsgebet ſiehe Seite 475. Gebet um Gehorſam. O große heilige Eliſabeth, du haſt Alles dem Herrn zum Opfer gebracht, auch das Schwerſte: deinen eigenen Willen. Dir ſelbſt wollteſt du gänzlich abſterben, um ein fügſames Werkzeug in der Hand deines Gottes zu ſein und einzig und allein der Erfüllung ſeines heiligſten Willens zu leben. Gehorſam warſt du deinem Gemahl, in heldenmüthigem Selbſtvergeſſen haſt du dich ſogar durch ein Gelübde zum Gehorſam gegen deinen ſtrengen Seelenführer verpflichtet und biſt ſo auf der Leiter des heiligen Ge⸗ horſams von Tugend zu Tugend bis zum Gipfel der Vollkommenheit emporgeſtiegen. Dein Gehorſam hatte das geſegnetſte Erdreich — ——— — 485— in dir bereitet, ſo daß jede Gnade ihre Frucht brachte und du, obgleich noch jung an Jahren, doch als Muſter an Tugend und Heiligkeit allen Lebensſtänden vorge⸗ leuchtet haſt. O daß auch ich dieſe ſo nothwendige Tugend höher ſchätzte und bereitwilliger übte, daß auch ich mich jederzeit erinnerte, wie Gehorſam beſſer und Gott angenehmer ſei als Opfer. Erwirke mir dieſe Gnade, gehorſame Dienerin des Herrn, auf daß ich in willigem Gehorſam gegen Gott, der in meinen Vorgeſetzten zu mir ſpricht, vor — Irrwegen bewahrt bleibe und ſtets auſ dem rechten Wege wandle, der zum Himmel führt. Amen. Vater unſer... Gegrüßet... Litanei zur hl. Eliſabeth ſiehe Seite 477. Hiebenter Tag. Vorbereitungsgebet ſiehe Seite 475. Gebet um ſtandesmäßige Reuſchheit. Heilige Eliſabeth, du Zierde und Mu⸗ ſter des weiblichen Geſchlechtes, wie hoch achteteſt du die ſchönſte aller Tugenden, wie werth ſchätzteſt du dieſe koſtbare Perle in dei⸗ nem jungfräulichen, ehelichen und Wittwen⸗ ſtande! Auch ich, die ich in einer Welt voll Gefahren lebe, möchte dieſes theuerſte Kleinod jederzeit bewahren, und darum erwähle ich dich heute zu meiner beſondern Beſchützerin 6 und ſtelle meine Reinheit und Keuſchheit unter deine wachſame Obhut. Sei alſo meine Fürſprecherin bei dem göttlichen Bräu— tigam meiner Seele, bitte die reinſte Jung— frau Maria, die Mutter und Königin der Jungfrauen, den hl. Joſeph und den jung⸗ fräulichen hl. Johannes, den auch du zu deinem Schutzpatron erwählt, ſie mögen ihre Bitten mit den deinen am Throne des unbefleckten Lammes vereinigen. Laß mich meine Schwachheit recht erkennen, damit ich mir ſelbſt mißtraue, jede gefährliche Ge⸗ legenheit mit Sorgfalt meide und Hülfe und Beiſtand von oben durch andächtiges Gebet und öfteren Empfang der hhl. Sacramente nachſuche. Bewahre durch deine Fürbitte mein Herz vor allen anhaltenden, heftigen Verſuchungen, meinen Geiſt vor Eitelkeit und Gefallſucht, Leib und Seele vor jeder unreinen Sünde. Und wenn Verſuchungen auf mich einſtürmen, ſo erinnere mich rechtzeitig daran, daß meine Seele das Ebenbild Gottes, daß mein Leib in der hl. Taufe zum Tempel des hl. Geiſtes eingeweiht worden; erinnere mich insbeſondere an Tod, Gericht und Ewigkeit. Erflehe mir wahre und innige Liebe zu Gott, damit ich vor Allem ihm zu gefallen ſuche und Alles fliehe, was ſeinen reinſten Augen mißfallen könnte. Amen. Vater unſer... Gegrüßet... Litanei zur hl Eliſabeth ſiehe Seite 477. Achter Tag. Vorbereitungsgebet ſiehe Seite 475. Gebet um Losſchälung von dem Irdiſchen. Würdige Schülerin des hl. Vaters Fran⸗ ciscus, der die Armuth zu ſeiner Braut er⸗ koren, wie lieb haſt auch du dieſe Tugend gewonnen, die uns dem göttlichen Heilande ſo ähnlich macht. Obgleich in Reichthum geboren und erzogen, lernteſt du doch den⸗ ſelben geringſchätzen und zogſt den Umgang mit den Armen und Nothleidenden dem der Großen und Reichen bei Weitem vor. Aus Liebe zu Jeſus, der in einem Stalle geboren, in Armuth gelebt, von Allem entblößt und von der Welt verachtet am Kreuze geſtorben iſt, wollteſt auch du die Welt verachten, dich alles Zeitlichen entäußern, um Hab und Gut nur zur Unterſtützung der Armen zu ver⸗ venden. So bitte denn für mich, daß auch ich die ſündhafte Welt verachte, und mein Herz nicht allzu ſehr hänge an die hinfälligen Güter dieſer Erde, ſondern daß ich dieſelben nach Gottes heiligem Willen benutze, Armuth und Noth lindere und zu guten Zwecken nach meinem Vermögen beitrage. Vom Ir⸗ diſchen gänzlich losgeſchält, werde ich alsdann in Wahrheit mit dem hl. Franciscus aus⸗ rufen können: Gott iſt mein Alles! Amen. Vater unſer... Gegrüßet.. Litanei zur hl. Eliſabeth ſiehe Seite 477. —— Arunter Tag. Vorbereitungsgebet ſiehe Seite 475. Grbet um Geduld und chriſtlichen Btarkmuth. O hl. Eliſabeth, deren ganzes Leben faſt nur eine Kette von Leiden und Widerwärtig⸗ keiten, Verdemüthigungen und Verfolgungen, Trübſalen und Bedrängniſſen aller Art war, wie freut es dich jetzt in der himmliſchen Glorie, daß du ſo Vieles auf Erden erduldet und dafür unnennbare Seligkeit eingetauſcht haſt; wie vankſt du jetzt Gott, der dich in ſeiner barmherzigen Liebe ſo ſchwer heimge— ſucht, um dich in alle Ewigkeit mit unaus⸗ ſprechlichen Freuden belohnen zu können! Bewirke, daß auch ich die unausbleiblichen Leiden und Drangſale meines irdiſchen Pilger⸗ lebens im Lichte des Glaubens als ein Gnadengeſchenk des gütigſten Vaters und ein Unterpfand ſeiner Liebe betrachte und durch Geduld und Ergebung himmliſchen Gewinn ernte. Erlange mir die Gnade, nach deinem heiligen Beiſpiele Alles zu er— tragen aus Liebe zu dem gekreuzigten Hei— lande, der aus Uebermaß ſeiner Liebe zu mir ſo Unnennbares erduldet hat, und meine Leiden mit den ſeinen zu vereinigen zur Abbüßung meiner Sünden, zur Abwendung der mir drohenden Strafen und zur Er⸗ langung aller zu meinem Seelenheile noth— wendigen Gnaden. ſu —— N —— cS) S S= S— —— d — 489— Doch dein Leidensdurſt, o großmüthige Liebhaberin des Kreuzes, war ſo groß, daß du die Leiden gleich koſtbaren Edelſteinen ſuchteſt und aufſammelteſt, daß du aus freier Wahl harte Arbeit und bittere Armuth zu deinem Antheil wählteſt und deinen unſchul⸗ digen Leib durch ſtrenge Bußübungen züch— tigteſt. Und ich, ich bin ſo beſorgt, meinen ſündhaften Leib zu ſchonen, und ihm alle Annehmlichkeiten zu verſchaffen! Ja, in mei— ner Weichlichkeit und Bequemlichkeitsliebe laſſe ich mich ſogar häufig verleiten, meine Standes⸗ und Berufspflichten zu vernach⸗ läſſigen und die koſtbare Zeit, die ich zu nützlicher und geſegneter Thätigkeit verwenden ſollte, in ſträflichem Leichtſinn zu vergeuden! O ſtarke Frau, theile mir doch mit von dei⸗ nem heldenmüthigen Buß⸗ und Opfergeiſte, auf daß ich mich ſelbſt verleugne, das Joch der göttlichen Gebote und meiner Standes⸗ pflichten ſtarkmüthig auf mich nehme und dem kreuztragenden Heilande nachfolge bis an mein Lebensende, wo ich, nachdem ich mit ihm gelitten, auch mit ihm verherrlicht werde. Amen. Vater unſer.. Gegrüßet... Litanei zur hl. Eliſabeth ſiehe Seite 477. ————2——— — 400— Perſchirdene Gebete. Ablaßgebet zur hl. Gliſabeth. Täglich 300 Tage Ablaß; Pius IX., 9. Auguſt 1861. Dieſer Ablaß iſt auch den armen Seelen zuwendbar. D hl. Eliſaheth, du auserwähltes Gefäß der erhabenſten Tugenden, du haſt der Welt durch dein hellleuchtendes Beiſpiel ge⸗ zeigt, was die Liebe, der Glaube und die Demuth in einer chriſtlichen Seele vermögen. Du haſt alle Kräfte deines Herzens an⸗ gewandt, um deinen Gott allein zu lieben, und du haſt ihn mit einer ſo reinen und glühenden Liebe geliebt, daß er dich würdig machte, ſchon hier auf Erden einen Vorge⸗ ſchmack jener himmliſchen Süßigkeit zu ver⸗ koſten, welche den Seelen verliehen worden, die zur Hochzeit des anbetungswürdigen gött⸗ lichen Lammes geladen ſind. Erleuchtet von einem übernatürlichen Lichte und einem unerſchütterlichen Glauben, be⸗ wieſeſt du dich als eine wahre Tochter des Evangeliums und erblickteſt in der Perſon deines Nächſten die Perſon unſers Herrn Jeſu Chriſti, des einzigen Gegenſtandes dei⸗ ner Liebe. Und darum kannteſt du keine größere Freude, als mit den Armen umzu⸗ gehen, ſie zu bedienen, ihre Thränen zu trock⸗ nen, ihre Seelen aufzurichten und ihnen in Krankheiten und all dem Elende, welchem das menſchliche Geſchlecht unterworfen iſt, alle möglichen Liebesdienſte zu erweiſen. — 491 Du wollteſt arm ſein, um der Armuth in deinem Nächſten zu Hülfe zu kommen; du warſt arm an Gütern dieſer Welt, um dich mit den Gütern des Himmels zu bereichern. Nachdem du den Thron mit einer elenden Hütte, den Königsmantel mit dem armen Kleide des ſeraphiſchen hl. Franciscus ver⸗ tauſcht hatteſt, warſt du ſo demüthig, daß du dich, wiewohl unſchuldig, einem Leben der Buße und der Entbehrung unterwarfſt. Mit heiliger Lieblichkeit umpfingſt du das Kreuz des göttlichen Erlöſers, indem du nach ſeinem Vorbilde die ungerechteſten Beſchimpfungen und Verfolgungen freudig auf dich nahmſt. Du haſt die Welt und dich ſelbſt vergeſſen, um nur allein an Gott zu denken. O liebenswürdige Heilige, wir vereinigen unſere Stimme mit den Stimmen ſo vieler deiner andächtigen Verehrer und wagen es, dich unſere theuere Eliſabeth zu nennen. Ach, du ſo ſehr von Gott Geliebte, würdige dich, die himmliſche Freundin unſerer Seelen zu ſein, und hilf ihnen, daß ſie Freundinnen deines Freundes, deines dich liebenden Jeſus werden. Wende uns von den Höhen des Himmels einen jener liebevollen Blicke zu, mit denen du hier auf Erden die ſchrecklichſten Krankheiten der Menſchen geheilt hatteſt. In dieſer Zeit, in der wir leben, in dieſer Zeit, die in ihren Sitten ſo verderbt und zugleich ſo kalt und gleichgültig iſt gegen göttliche Dinge, nehmen wir vertrauensvoll zu dir unſere Zuflucht, damit du uns mit deinem Lichte erkeuchten, mit dem Feuer dei— ſih ner erhabenen Liebe erwärmen und uns den u Frieden der Seele erlangen mögeſt. ut Wir ſtiten und preiſen den Herrn, daß 16 er ſeinen Namen auf dieſer Welt durch den zit Glanz deiner Tugenden und durch den ewigen 18 Lohn, den er dir verlieh, verherrlicht hat; 7 n wir bitten dich aber, o theure hl. Eliſabeth, daß auch du von dem ſeligen Sitze, den du 1 neben dem Heiligen der Heiligen einnimmſt, 6 uns ſegnen und auf unſerer gefahrvollen Pilgerfahrt beſchützen, uns die Vergebung unſerer Sünden erlangen und uns den Weg 6 eröffnen wolleſt, um mit dir in das Reich Gottes einzugehen. Amen.* Fürzere Gebete zur hl. Eliſabeth. 1. O Brunnen aller Güte, Chriſte Jeſu, der Du die hl. EFliſabeth in ihrem erſten Alter ſchon mit ſolcher Liebe bei Betrach⸗ tung Deiner hl. Leiden entzündet haſt, daß. ſie vor Mitleid ohnmächtig wurde und keinen 1 weltlichen Kopfputz mehr tragen wollte, weil ſie Dich mit Dornen gekrönt ſah: bewege auch mein hartes Herz, daß es ſich von der Welt und der Anhänglichkeit an dieſelbe los⸗ mache und reumüthig zu Dir bekehre, der Du lebſt und regierſt in Ewigkeit. Amen. 2. O Herr Jeſu Chriſte, dem die hl. Eliſabeth mitten unter den weltlichen Freu⸗ 4 den und Beluſtigungen ſo treu gedient; die — — — „— — 493— ſich derſelben mwöglichſt eutſchlagen, unter ihren Kleidern einen Bußgürtel getragen, mitten unter den Mahlzeiten der Speiſen ſich enthalten, und wenn Andere ſchliefen, viele Stunden knieend im Gebete zugebracht hat: ich bitte Dich durch alle dieſe Dir gefälligen Werke, verleihe mir, daß ich auch mein Leben nach Deinem Wohlgefallen einrichten möge. Amen. 3. O Vergelter alles Guten, gütigſter Gott, der Du der hl. Eliſabeth ſtatt des Kleides, welches ſie aus Liebe den Armen geſchenkt hatte, ein ſehr köſtliches, mit vielen Edelſteinen beſetztes Kleid vom Himmel ge⸗ ſendet haſt: erhalte auch in mir die Liebe zu den Armen, damit ich der himmliſchen Ver- geltung könne theilhaftig werden. Der Du lebſt und regierſt in Ewigkeit. Amen. 4. O auserwählte hl. Eliſabeth, du haſt zwar deinen Geliebten gefunden, aber ganz mit Wunden und Schmerzen erfüllt; ich bitte dich durch jene Freude und jenes Leid, welche du in dieſer Erſcheinung zugleich gehabt haſt, bitte für mich den verwundeten Heiland, daß ich oft an ſein bitteres Leiden denke und er mir ſein hl. Leiden und Sterben wolle zu Nutzen kommen laſſen, damit ich ihn ewig in der himmliſchen Glorie anſchauen möge. Amen. 5. O König aller Könige, Chriſte Jeſu, dem zu Liebe die hl. Eliſabeth nach dem Tode ihres Gemahls eine königliche Heirath — 49— ausgeſchlagen hatte, die, weil Du auf dieſer Welt arm geweſen, auch mit Dir hat wollen arm ſein: nimm auch mich zu Deinem be⸗ ſondern Dienſte in Verachtung der eitlen Welt, der Du als höchſter König regierſt in Ewigkeit. Amen. 6. O barmherziger Jeſu, der Du durch eine Stimme vom Himmel der hl. Eliſabeth, als ſie für ihre Verfolger gebetet hatte, offen⸗ barteſt, dieſes Gebet ſei zu Gott gedrungen, und es ſeien die Sünden ihnen verziehen und ſie wieder zu Gnaden angenommen wor⸗ den: verleihe mir, daß ich allen meinen Fein⸗ den von Herzen verzeihe, und nimm ſie, ſammt mir auf in Deine göttliche Gnade. Der Du lebſt und gegierſt in Ewigkeit. Amen. 7. O Tröſter aller Betrübten, liebreichſter Jeſu, verlaſſe mich nicht in meinen Leiden und Anliegen, ſondern ſiehe auf mich mit Dei⸗ nem göttlichen Gnadenblicke und ſtehe mir bei; um dies bitte ich Dich durch Deine hl. Dienerin Eliſabeth, welche Du ſo liebreich getröſtet haſt. Der Du lebſt und regierſt in SWit Amen. Q barmherziger Gott, erleuchte die Deiner Gläubigen und verleihe durch das Gebet der hl. Eliſabeth, welche Du vor und nach ihrem Tode mit vielen großen Wundern geziert haſt, daß wir die Glück⸗ ſeligkeiten dieſer Welt verachten und uns allzeit des himmliſchen Troſtes erfreuen. Der Du lebſt und regierſt in Ewigkeit. Amen. ——————— Aufopferung.. Sei gegrüßet ohne Endr, Brilige Eliſabeth! Dir zu Ehrr ich vollende Und aufvpf're dies Gebek. Du haſt Gnaden auszukhrilen, Rrich' uns deine milde Fand, Wpll' die kranke Seele hrilen, Bringe uns in guken Skand. Wenn die Serl' vvm Neib' muß ſcheiden, Bilf, v Wukter! Pach dem Tvd' Führe uns zu Bimmelsfreuden, Daß wir ewig loben Gykt. Amen. Hymnus zur hl. Gliſabeth. Dem ſtarken Weib mit Wannesbruſt Lobſingen wir mit hoher Luſt, Die mik dem Glanz der Beiligkeik Dir ganze Rirche hych erfreuk. Die, vyn der heil'gen Liebe wund, Der Welt enkſagt' und ihrem Bund, Und auf der Tugend ſteiler Bahn Bu Bimmelshöh'n ſich rang hinan. Mit Falten ſie das Fleiſch bezwang, In brünſtigem Gebet erſchwang Sich aus dem Thränenkhal ihr Berz Bum Berrn der Berren himmelwärks. Der Starken Rraft, der Du allein Bu allem Gryßen ſchenkſt Grdeih'n, Sir bringt für uns ihr Fleh'n Dir dar, Erbarm' Dich Deiner Rnechte Schaar. Dem Paker auf dem ew'gen Ehron Mnd ſeinem ringebvr'nen Sohn, Dem heil'gen Geiſt auch ſei geweiht Kuhm, Ehr' und Preis in Ewigkeit. Amen. Ant. Ihre Hand hat ſie dem Pürſtigen aufgethan, und ihre offenen Hände gegen den Armen ausgeſtreckt, und hat ihr Brod nicht in Wüßiggang gegeſſen. X. Holdſeligkeit iſt ausgegoſſen auf deinen Lwpin z. Darum hat dich der Herr geſegnet in Ewigk St Gebet. Barmherziger Gott, erleuchte die Herzen Deiner Gläubigen, und auf die glorreichen Fürbitten der ſeligen Eliſabeth laß uns das Glück der Welt und himmliſcher uns erfreuen; durch unſern Herrn. Litnnei von allen Heiligen. Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, erbarme Dich unſer! Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, höre uns!— Chriſte, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel,— Eth Dich unſer! Gott Sohn, Erlöſer der Welt Gott heili Geiſt, S Dreiſaltigkeit, ein einiger Göott, Hl Matia, Bitte für uns! L Gottesgebärerin, — — —— ——— — — .—, e. ——— e — e c.— — c 5———„—„—„—— c—, Hl. Jungfrau aller (bittet) für uns! Hl. Hl. Hl. Michael, Gabriel, Raphael, 4 Jungfrauen, Alle hl. Engel und Erzengel, hl. Chöre der ſeligen Geiſter, Alle hl. Patriarchen und Propheten, Hl. Petrus, Paulus, Andreas, Jakobus, Johannes, Thomas, Jakobus, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, .Simon, Thaddäus, .Matthias, .Barnabas, l. Lukas, Hl. Markus, Alle hl. Apoſtel und Evangeliſten, Johannes der Täufer, S Jofep h, Alle hl. Jünger des Herrn, Alle hl. unſchuldigen Kinder, Hl. Stephanus, Hl. Laurentius, Hl. Vincentius, St. Eliſabeth. — 498— Hl. Fabianus und Sebaſtianus,— Bittet 5 (bltte) für uns! 5 Hl. Johannes und Paulus, Hl. Cosmas und Damianus, Hl. Gervaſius und Protaſius, Alle hl. Martyrer, Hl. Sylveſter, Hl. Gregorius, Hl. Ambroſius, 1 Hl. Auguſtinus, — Hl. Hieronymus, Hl. Martinus, Hl. Nikolaus, Alle hl. Biſchöfe und Bekenner, 6 Alle hl. Kirchenlehrer, Hl. Antonius, Hl. Benedictus, Hl. Bernardus, Hl. Dominicus, Hl. Franciscus, Alle hl. Prieſter und Leviten, Alle hl. Mönche und Einſiedler, Hl. Maria Magdalena, Hl. Agatha, Hl. Lucia, Hl. Agnes, Hl. Cäcilia, Hl. Katharina, Hl. Anaſtaſia, Alle hl. Jungfrauen und Wittwen, Alle Heiligen Gottes, Sei uns gnädig!— Verſchone uns, o Herr! 35 Sei uns gnädig!— Erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel,— Erlöſe uns, o Herr! Von aller Pon Deinem Zorne, Von jähem und unverſehenem Tode, Von den Nachſtellungen des Teufels, Von Zorn und Haß und allem böſen Willen, Vom Geiſte der Unlauterkeit, Von Blitz und Ungewitter, Von der Geißel des Erdbebens, Von Peſt, Hunger und Krieg, Vom ewigen Tode, Durch das Geheimniß Deiner hl. Menſ k werdung, Durch Deine Ankunft, Durch Deine Geburt, Durch Deine Taufe und Dein hl. Faſten, Durch Dein Kreuz und Leiden, Durch D Deinen Tod und Dein Begräbniß, Durch Deine hl. Auferſtehung, Durch Deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Ankunft des hl. Geiſtes, des Tröſters, Am Tage d des Gerichtes, Wir arme Sünder!— Wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns verſchoneſt, Daß Du uns verzeiheſt, Daß Du uns zur wahren Buße führen wolleſt, Daß Du Deine hl. Kirche regieren ii er⸗ halten wolleſt, 6 Daß Du den apoſtoliſchen Oberhirten und alle Stände der Kirche in Deiner hl. Re⸗ ligion erhalten wolleſt,— Wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du die Feinde der hl. Kirche demüthigen wolleſt, Daß Du den chriſtlichen Königen und Für⸗ ſten Frieden und wahre Eintracht verleihen wolleſt, Daß Du dem ganzen chriſtlichen Volke Frie⸗ den und Einigkeit ſchenken wolleſt, Daß Du uns ſelbſt in Deinem hl. Dienſte ſtärken und erhalten wolleſt, Daß Du unſere Herzen zu himmliſchen Be⸗ gierden erheben wolleſt, Daß Du alle unſere Wohlthäter mit ewigen Gütern belohnen wolleſt, Daß Du unſere Seelen und die Seelen un— ſerer Brüder, Anverwandten und Wohl⸗ thäter vor der ewigen Verdammniß be⸗ wahren wolleſt, Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wolleſt, Daß Du allen abgeſtorbenen Chriſtgläubigen die ewige Ruhe verleihen wolleſt, Daß Du uns erhören wolleſt, Du Sohn Gottes, O Du Lamm Gottes... Wie gewöhnlich). Vater unſer... Gegrüßet... Gebet. Wir bitten Dich, o Herr, Du wolleſt Deinen Gläubigen verleihen, daß ſie in der Verehrung Deiner Heiligen ſich erfreuen — 501— und durch deren beſtändige Fürbitte Deines Schutzes theilhaftig werden mögen, durch Jeſum Chriſtum, unſern Herrn. Amen. O Herr, erzeige uns gnädig Deine un— ausſprechliche Barmherzigkeit, auf daß Du uns alle Sünden nachlaſſeſt und zugleich von den Strafen, die wir dafür verdienen, befreieſt. S Gott, der Du durch die Sünde be⸗ leidigt und durch die Buße verſöhnt wirſt, ſiehe gnädig auf das Gebet Deines flehenden Volkes, und wende ab die Geißeln Deines Zornes, welche wir für unſere Sünden ver⸗ dienen. 6ebet für den Papſt. Allmächtiger, ewiger Gott, erbarme Dich Deines Dieners, unſers Papſtes und lenke ihn nach Deiner Milde auf den Weg des ewigen Heiles, damit er, was Dir wohl⸗ gefällig iſt, durch Deine Gnade wolle und mit ganzer Kraft vollbringe. Grebet für Tebendige und Abgeſtorbenr. Allmächtiger, ewiger Gott, der Du über Lebende und Todte herrſcheſt und Dich Aller erbarmeſt, welche Du im Glauben und Wandel als die Deinigen vorher erkennſt, wir bitten Dich demüthig, daß Alle, für welche zu beten wir uns vorgenommen haben, ſowohl Le⸗ bende als Abgeſtorbene, durch die Fürbitte aller Deiner Heiligen nach der Milde Dei⸗ ner Gütigkeit Vergebung aller ihrer Sünden — 502— erlangen mögen. Durch unſern Herrn Jeſum Chriſtum, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiſtes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet für die allgemeinen Anliegen der Chriſtenheit. Allmächtiger, ewiger Gott, Herr, himm⸗ liſcher Vater, ſiehe an mit den Augen Deiner grundloſen Barmherzigkeit unſern Jammer, unſer Elend und unſere Noth. Erbarme Dich über alle Chriſtgläubigen, für welche Dein eingeborener Sohn, unſer lieber Herr und Heiland Jeſus Chriſtus, in die Hände der Sünder freiwillig gekommen iſt und ſein koſtbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes vergoſſen hat. Durch dieſen Herrn Jeſum wende ab, gnädigſter Vater, die wohl⸗ verdienten Strafen, egenwärtige und zukünf⸗ tige Gefahren, ſwüdliche Empörung, Kriegs⸗ rüſtung, Theuerung, Krankheiten und betrübte armſelige Zeiten. Erleuchte und ſtärke in allem Guten die geiſtlichen und weltlichen Vorſteher und Regenten, damit ſie Alles hefördern, was zu Deiner göttlichen Ehre, zu unſerm Heile, zum gemeinen Frieden und zur Wohlfahrt der ganzen Chriſtenheit ge⸗ deihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens, wahre Vereinigung im Glauben, ohne alle Spal⸗ tung und Trennung. Bekehre unſere Herzen zur wahren Buße und Beſſerung unſers le ſe ———————— — Lebens. Zünde in uns an das Feuer Dei⸗ ner Liebe, gib uns einen Hunger und Eifer zu aller Gerechtigkeit, damit wir, als ge⸗ horſame Kinder, im Leben und Sterben Dir angenehm und wohlgefällig ſeien. Wir bitten auch, wie Du willſt, o Gott, daß wir bitten ſollen, für unſere Freunde und Feinde, für Geſunde und Kranke, für alle betrübten und elenden Chriſten, für die Lebenden und Abgeſtorbenen. Dir, o Herr, ſei einmal em⸗ pfohlen unſer Thun und Laſſen, unſer Handel und Wandel, unſer Leben und Sterben. Laß uns Deine Gnade hier genießen, und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in ewiger Freude und Seligkeit Dich loben, ehren und preiſen mögen. Das verleihe uns, o Herr, himmliſcher Vater, durch Jeſum Chriſtum, Deinen Sohn, unſern Herrn und Heiland, welcher mit Dir und dem hl. Geiſte als gleicher Gott lebt und regiert in Ewig⸗ keit. Amen. Gebet um einen guten Vod. 100 Tage Ablaß einmal des Tages für Alle, welche dieſes Gebet verrichten und eine Zeit lang auf die Meinung des hl. Vaters beten.— Dieſes Gebet iſt von einer frommen Convertitin verfaßt, die in ihrem 18. Lebensjahre eines heiligmäßigen Todes ſtarb. Jeſus, mein Herr, Gott aller Güte, Vater der Erbarmung, ich erſcheine vor Dir mit einem gedemüthigten, reuigen und zerknirſchten Herzen; ich empfehle Dir meine letzte Stunde und Alles, was nach derſelben mich erwartet. 8 — 504— Wenn meine Füße, keiner Bewegung mehr fähig, mich daran erinnern werden, daß meine Laufbahn auf dieſer Welt ſich zu Ende neigt, dann, barmherziger Jeſu, erbarme Dich meiner! Wenn meine zitternden und erſtarrten Hände Dein Kreuzesbild nicht mehr ergreifen und feſthalten können, ſondern wider meinen Willen es hinfallen laſſen auf mein Schmer⸗ zenslager, dann, barmherziger Jeſu, erbarme Dich meiner! Wenn meine verdunkelten und vom nahen⸗ den Todesſchauer gebrochenen Augen einmal noch zu Dir die matten und ſterbenden Blicke wenden, dann, barmherziger Jeſu, erbarme Dich meiner! Wenn meine kalten und bebenden Lippen Deinen anbetungswürdigen Namen zum letzten Male ausſprechen, dann, barmberziger Jeſu, erbarme Dich meiner! Wenn meine bleichen und eingefallenen Wangen den Umſtehenden ein Gegenſtand des Mitleids und des Schreckens werden, und meine vom Todesſchweiß befeuchteten Haare ſich auf dem Haupte ſträuben, das nahe Ende mir verkündend, dann, barmher⸗ ziger Jeſu, erbarme Dich meiner!— Wenn meine Ohren, bald nun für menſch— liche Reden auf immer geſchloſſen, ſich auf⸗ thun werden, um Deine Stimme zu hören, da ſie das unwiderrufliche Urtheil ausſprechen wird, das mein Loos für die ganze Ewigkeit i en beſtimmt, S barmherziger Jeſu, erbarme Dich meiner! Wenn meine Einbildungskraft von ſchauer⸗ lichen Schreckniſſen beängſtigt, in tödtliche Traurigkeit ſinken will; wenn mein Geiſt, vom Anblicke meiner Sünden und von der Furcht vor Deinem Gerichte bedrängt, gegen den Engel der Finſterniß ſtreiten wird, der die tröſtliche Ausſicht auf Deine Erbar⸗ mungen mir nehmen und in den Abgrund der Verzweiflung mich wird ſtoßen wollen, dann, barmherziger Jeſu, erbarme Dich meiner! Wenn mein kraftloſes Herz, von den Schmerzen der Krankheit erdrückt und von Schreckniſſen des Todes ergriffen, durch die Anſtrengungen gegen den Feind meiner Seele gänzlich erſchöpft ſein wird, dann, barmher⸗ ziger Jeſu, erbarme Dich meiner! Wenn ich meine letzten Thränen, die Zei⸗ chen meiner Auflöſung, vergieße, ſo nimm ſie an als ein Verſöhnungsopfer, damit ich als wahres Opfer der Buße dahinſcheide; und in dieſem ſchrecklichen Augenblicke, o barm⸗ herziger Jeſu, erbarme Dich meiner! Wenn meine Verwandten und Freunde, die um mich verſammelt ſtehen, über meinen leidenden Zuſtand ſich bettüber und Deinen Namen für mich anrufen werden, dann, barmherziger Jeſu, erbarme Dich meiner! Wenn ich den Gebrauch aller meiner Sinne verloren habe, und die ganze Welt mir verſchwunden ſein wird; wenn ich in den Bedrängniſſen des letzten“ Todeskampfes aufſeufzen werde; dann, o barmherziger Jeſu, erbarme Dich meiner! Wenn die letzten Kämpfe des Herzens meine Seele zwingen werden, von dem Leibe zu ſcheiden, ſo nimm dieſe Seufzer auf als Wirkungen einer heiligen Ungeduld, zu Dir zu gelangen, und Du, o barmherziger Jeſu, erbarme Dich meiner! Wenn meine Seele, wie auf meinen Lippen ſchwebend, für immer aus dieſer Welt ziehen, und meinen Leib bleich, kalt und ſtarr zurücklaſſen wird, ſo nimm dieſe Auflöſung i irdiſchen Daſeins als eine Huldigung an, die ich Deiner göttlichen Majeſtät dar⸗ bringe, und dann, o barmherziger Jeſu, er— barme Dich meiner! Wenn endlich meine Seele vor Dir er— ſcheinen und zum erſten Male den unſterb⸗ lichen Glanz Deiner Herrlichkeit ſchauen wird, dann verſtoße ſie nicht von Deinem Ange⸗ ſichte, ſondern würdige Dich, in den Schooß Deiner Barmherzigkeit mich aufzunehmen, damit ich ewiglich Dich lobpreiſe; dann alſo, o barmherziger Jeſu, erbarme Dich meiner! O Gott, der Du zum Sterben uns ver⸗ urtheilt, aber die Stunde und den Angenblick des Todes uns verborgen haſt: verleihe, daß ich in Gerechtigkeit und heiligem Beſtreben alle Tage meines Lebens zubringe, damit ich — 507— würdig werde, in Deiner heiligen Liebe aus dieſer Welt zu ſcheiden, durch die Verdienſte unſers Herrn Jeſu Chriſti, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des hl. Geiſtes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Titanei zu Anſerer gieben Mntter von der immerwührenden Hülfe. Herr, erbarme Dich unſer! Chriſte, erbarme Dich unſer! Herr, erbarme Dich unſer! hriſte, höre uns!. Chriſte, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel,— Erbarme Dich unſer! Gott Sohn, Erlöſer der Welt, Gott heiliger Geiſt, Hl. Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Hl. Maria,— Bitte für uns! Hl. Gottesgebärerin, ˙ Hl. Jungfrau, ohne Makel der Erbſünde empfangen, O Unſere Liebe Frau von der immerwäh⸗ renden Hülfe, Mutter von der immerwährenden Hülfe, der dein Jeſus, am Kreuze verblutend, uns anvertraut mit den Worten:„Siehe, da deinen Sohn!“— O Maria, hilf! Mutter von der immerwährenden Hülfe, du, welche dein ſterbender Sohn uns zur Mutter gab mit den Worten:„Siche da deine Mutter! — 508— Mutter von der immerwährenden Hülfe, welche du durch das Verdienſt deiner Schmerzen ſo viel zu unſerm Heile beigetragen haſt,— O Maria, hilf! Mutter von der immerwährenden Hülfe, durch deren Hände Gott uns alle Gnaden zu⸗ kommen läßt, Mutter von der immerwährenden Hülfe, Mutter Gottes und auch unſere gütige und barmherzige Mutter, Mutter von der immerwährenden Hülfe, deren Liebe zu uns größer iſt, als die aller Mütter der Welt zuſammengenommen, Mutter von der immerwährenden Hülfe, all⸗ mächtig durch deine Fürbitte bei deinem göttlichen Sohne, Mutter von der immerwährenden Hülfe, ſo barmherzig, daß du unſere Leiden nicht ſehen kannſt, ohne dieſelben mitzuleiden, Mutter von der immerwährenden Hülfe, die du jedem, auch dem größten Sünder, der zu dir ſeine Zuflucht nimmt, Verzeihung und Gnade erlangſt, Mutter von der immerwährenden Hülfe, die du ſo gern„Königin der Barmherzigkeit“ genannt wirſt, Mutter von der immerwährenden Hülfe, du Tröſterin der Betrübten, du Helferin im Kampfe, du unſere Erleuchtung in Weh'und Leid, du nach Gott unſere einzige Hoffnung, Mutter von der immerwährenden Hülfe, die noch Keiner vergebens angerufen, — —=— Wir arme Sünder rufen zu dir,— O Ma⸗ ria, hilf! Daß wir Gott, das höchſte Gut, aus ganzem Herzen lieben, Daß wir Jeſu, deinem göttlichen Sohne, in Allem gleichförmig werden,— Daß wir zu dir, allerſeligſte Jungfrau, eine zarte und innige Andacht tragen, Daß wir die Sünde, das einzige Uebel, aus allen Kräften haſſen, Daß wir häufig unſerer letzten Dinge ge⸗ denken, Daß wie die hl. Sacramente oft und würdig empfangen, Daß wir die nächſten Gelegenheiten zur Sünde nach Kräften meiden, Daß wir keinen Tag unſers Lebens das hl. Gebet unterlaſſen, Daß wir beſonders in der Stunde der Ver⸗ ſuchung beten, Daß wir großmüthig unſern Feinden ver⸗ zeihen und allen Menſchen Gutes wünſchen, Daß wir unſere Bekehrung nicht von einem Tage auf den andern verſchieben, Daß wir mit allem Eifer an der Ausrottung unſerer böſen Gewohnheiten arbeiten, Daß wir in der Gnade und Freundſchaft Gottes leben und ſterben, In allen Anliegen des Leibes und der Scele, In Krankheit und Schmerz, In Armuth und Nothdurft, In Verfolgung und Verlaſſenheit, — 510— In Kummer und Betrübniß aller Art,— O Maria, hilf! In Zeiten unſeliger Kriege und anſteckender Seuchen, In den Anfällen der hölliſchen Geiſter, In den Verſuchungen von Seiten der trü— geriſchen Welt, In den Kämpfen gegen die Neigungen der verderbten Natur, In den Anfechtungen wider die ſchöne Tu⸗ gend der Reinheit, In jeder Gefahr zu ſündigen, Wenn wir am Ende unſerer irdiſchen Lauf— bahn angelangt ſind, Wenn wir auf dem Sterbelager hingeſtreckt liegen, Wenn der Gedanke an die nahe Auflöſung mit Furcht und Schrecken erfüllen wird, Wenn in der Alles entſcheidenden Stunde die hölliſchen Geiſter uns in Verzweiflung bringen wollen, Wenn der Prieſter des Herrn die Los⸗ ſprechung und ſeinen letzten Segen uns ertheilen wird, Wenn Verwandte und Freunde unſer Todes⸗ bett umgeben und ſchluchzend für uns beten werden, Wenn die Augen erlöſchen und das Herz zu ſchlagen aufhört, enn wir unſern Geiſt in die Hände des Schöpfers aushanchen,* — — 511— Wenn unſere arme Seele vor dem göttlichen Richter erſcheint,— O Maria, hilf! Wenn der entſetzliche Urtheilsſpruch er— gehen ſoll, Wenn wir in den Flammen des Fegfeuers leiden und nach der Anſchanung Gottes ſchmachten, O Du Lamm Gottes... Wie gewöhnlich.) Vater unſer... Gegrüßet... V. Bitte für uns, o heilige Gottesge⸗ bärerin, k. Auf daß wir würdig werden der Ver⸗ heißungen Chriſti. S Geber O Gott, der Du gewollt haſt, daß die Mutter Deines eingeborenen Sohnes die immerwährende Hülfe der Chriſten auf Erden ſei, verleihe uns die Gnade, ſie in allen Anliegen des Leibes und der Seele vertrauensvoll anzurufen, damit wir, durch ihren Schutz und Beiſtand gerettet, zur immer⸗ währenden Anſchauung Deiner Herrlichkeit im Himmel gelangen mögen. Durch denſelben Jeſum Chriſtum, unſern Herrn. Amen. i a2 3 Vuchnittusundahht. Auch zu gebrauchen zur Vesper oder zur Beſuchung des hl. Sacramentes. Anbetung. D Jeſu, mein Gott und Erlöſer, in feſtem Glauben und in tiefſter Demuth werfe ich mich nieder hier vor Deiner göttlichen Majeſtät; mit allen hl. Engeln, die den Thron Deiner Liebe und Erbarmung um⸗ ſchweben, und mit allen frommen Chriſten, die jetzt in der ganzen Welt vor Dir knieen, will ich Dich anbeten, loben und preiſen. Die Cherubim und Seraphim, ja die hl. Mutter Gottes ſelbſt mögen mir von ihrer Liebesgluth mittheilen, damit meine Anbetung, mein Lob und Dank Dir angenehmer und wohlgefälliger ſei. Ehre ſei dem Vater... Dankſagung. Wie armſelig bin ich doch vor Dir, dem Schöpfer Himmels und der Erde, vor Dir, dem unendlich großen und heiligen Gott! Von Dir habe ich Daſein und Leben, Hab und Gut, Dir verdanke ich Alles, was ich habe und bin. Dank ſei Dir, viel tauſendmal Lob und Dank für alles Gute, das Du mir er⸗ wieſen an Leib und Seele alle Tage meines Lebens. Insbeſondere danke ich Dir, daß ich von guten katholiſchen Eltern geboren, daß ich die hl. Taufe empfangen habe und — — 515— tröſte mich durch Deine Barmherzigkeit, be⸗ ſchütze mich durch Deine Allmacht. Ich opfere Dir auf alle meine Gedanken und Begierden, alle meine Worte, Werke und Leiden, auf daß ich immer an Dich denke, nach Deinem Wohlgefallen handle und für Dich leide.— Herr, ich will nur das, was Du willſt; ich will es, weil Du es willſt; ich will es, wann, wo und ſo lange Du es willſt.— Ich bitte Dich, erleuchte meinen Verſtand, entzünde meinen Willen, reinige mein Herz und heilige meine Seele und mei⸗ nen Leib. Laß mich doch nicht vom Stolze angeſteckt, von Schmeichelei eingenommen, von der Welt getäuſcht und vom Satan überliſtet werden. Verleihe mir die Gnade, mein Gedächtniß zu läutern, meine Zunge zu zügeln, meine Augen zu hüten und alle meine Sinne zu bewahren. Mein Gott, ſtärke mich, daß ich meine begangenen Sünden abbüße, die Verſuchungen überwinde, meine herrſchenden böſen Net gungen unterdrücke und jegliche Tugend nach dem Beiſpiele Jeſu ausübe. Erfülle mein Herz mit dankbarer Liebe gegen Deine Güte, mit einem hl. Haſſe gegen meine Fehler, mit Seeleneifer für den Nächſten und mit Verachtung der böſen Welt.— Laß mich eingedenk ſein, daß ich meinen Obern Gehor⸗ ſam, meinen Feinden Liebe, meinen Freunden — 516— Treue und meinen Untergebenen Nachſicht ſchuldig bin. Hilf mir, o Gott, daß ich die Hoffart durch Demuth, die Wolluſt durch Abtödtung, den Geiz durch Almoſengeben, den Zorn durch Sanftmuth und die Lauigkeit durch eifrige Frömmigkeit ſtets überwinde.— Gib mir Klugheit in den Unternehmen, Muth in den Gefahren, Geduld im Unglücke und Demuth im Glücke. Möge ich doch nie vergeſſen, eine gute Meinung zu machen vor meinem Thun und Leiden— nie vergeſſen, aufmerkſam beim Gebete, mäßig bei den Mahlzeiten, aufrichtig in den Amtsverrichtungen und ſtandhaft in meinen guten Vorſätzen zu ſein.— Gib, o Herr, daß ich mich ſorgfältig bemühe, immer ein gutes Gewiſſen, ein ſittſames Betragen, einen auferbaulichen Umgang und eine wohl⸗ geordnete Aufführung zu haben; daß ich un⸗ aufhörlich beſtrebt ſei, meine böſe Natur zu bezähmen, mit der Gnade mitzuwirken, die Gebote zu halten und die ewige Seligkeit zu erlangen.— Hierauf bete man die Litanei vom hl. Herzen Jeſu ſtehe Seite 398.. Sedichte. S S Banrt Elipabetl. Wlie ein Stern in wilde Wogen, Schienſt du in die Welt hinein, Stiller Friede, heilige Liebe Blühten auf in deinem Schein, Und von deiner Hand erquicket Ward das Leid zur Luſt entzücket. Frühe ſitzt die Königstochter, Sitzet noch am Abend ſpät Mit den Mägden in der Kammer Bei der Lampe, ſpinnt und näht Micht zum Schmuck für Feſtesſtunden, Für die Kranken, für die Wunden. Ihre Schätze, ihre Frenden Schenkte ſie den Menſchen gern, Nahm zum Lohne herbe Leiden Als ein Gpfer für den Berrn; Denn um Einem ganz zu leben. Hat ſie Alles hingegeben. Weiſe theilte ſie die Gaben, Pflug und Acker ward dem Fleiß, Milder Troſt dem bitt'ren Kummer, Und ein Stab dem ſchwachen Greis; Selbſt die Kinder froh zu machen, Gab ſie ihnen bunte Sachen. Jeden Morgen, jeden Abend Ging ſie zu den Kranken hin; Wo vor ſchandervollen Leiden Alle Mägde bange flieh'n, 5 Hat die eitervollen Wunden Sie, die Fürſtin, mild verbunden. Ihr Gemahl, der Creugeliebte, Sog für Gott in's heil'ge Land, Und als Codesboten kehrten Mit dem ſchwarzen Leidgewand, Hat den Schmuck ſie abgeleget, Creu die Kranken nur gepfleget. Und zum Lohn hinausgeſtoßen, Ohne Dach und ohne Bab, Von den Menſchen all' verlaſſen, Die den Menſchen Alles gab, Ließ ſie, Gott den Dank zu bringen, Ein Cedeum fröhlich ſingen. Als ihr Leben dann verklungen In dem hohen, heil'gen Lied, Das die Engel mit ihr ſangen, Da ſie von der Erde ſchied, Hat der Berr im andern Leben Veue Kraft dem Mruell gegeben. — 1 Beilung fort und fort zu ſpenden, Jedem Leiden, jedem Gram, Der, auf Gottes Hülf' vertrauend, Su dem Quelle ſchöpfen kam, Daß die Lahmen, Blinden, Wunden Bei Eliſabeth geſunden. Und ein Baum iſt aufgeſproſſen An der Quelle, klar und rein, Milder Frau'n ein heil'ger Grden, Die dem Berren ganz ſich weih'n, Jedem Kranken Hülfe reichen, Dir, Eliſabeth, zu gleichen. (Feſtkalender von Pocci⸗Görres.) Trennung. Purch⸗ Thor der Wartburg zichen Piel Ritter aus und ein, Es ſtrahlt in ihren Panzern Der gold'ne Morgenſchein; Und in den friſchen Lüften Das Kreuzesbanner wallt, Ringsum von Berg und Bügel Das Waldhorn wiederhallt. Was ſoll dies frohe Jauchzen, Der Jubel und Geſang, Das ritterliche Prangen, Der laute Waffenklang* ————————————„ 520— Es gilt das höchſte Streben. Es gilt den höchſten Ruhm: Für Chriſtus zu erproben Ein heilig Ritterthum. Da ſteht Berr Landgraf Ludwig Im hohen Ahnenſaal, Eliſabeth umarmend, Sein treues Eh'gemahl; Ein Ehepaar, wie keines In Liebe je erglüht: An Reuſchheit und an Cugend Die ſchönſte Gottesblüth. „Und willſt dn von mir ſcheiden Und läßt mich hier allein? Soll von ſo kurzer Dauer Denn unſ're Liebe ſeind?“ „Pielliebe, gute Schweſter, Ich hab' mich Gott geweiht. Die Schwüre muß ich halten Creu bis in Ewigkeit.“ „Und haſt du's Gott gelobet, So halte ſein Gebot, Gern will den Schmerz ich tragen, Will dulden jede Roth So zieh' in Gottes Mamen Sum heil'gen Grab des Berrn— Es kennet ja die Liebe Wicht Nähe und nicht Fern'.“ Sie ſchlingt um ihn die Arme Und Hrückt ihn an die Bruſt, Sie küßt den treuen Gatten Mit letzter Schmerzensluſt; Dann bringt ſie ihre Kleinen, Legt ſie in ſeinen Arm, Daß ſie noch einmal ruhen Am Paterherz ſo warm. Und wie er ſie anſchauet, Da wird's ihm weh um's Berz, Er blickt in ihre Angen, Er blicket himmelwärts, Die Kinder aber flüſtern, Ach, mit ſo ſtiller Macht: „Gute Nacht, herzguter Pater, Pieltauſend goldige Nacht! „Gute Nacht, ihr lieben Kinder, Gute Nacht, mein tren' Gemahl!“ Und Chräne ſich auf Thräne Aus ſeinen Augen ſtahl. Dann greift er nach dem Belme Und gürtet um das Schwert, Das ihm beim Ritterſchlage Srin Kaiſer einſt verehrt. Und noch ein Bändedrücken Und noch ein heißer Kuß, Und noch ein Wort des Troſtes Und noch ein letzter Gruß. ————————— Die Börner draußen ſchallen Empor zum hohen Saal: „Lebt nochmals wohl auf ewig Ihr Kinder, du Gemahl!“. Er eilt hinab die Stufen,* Er ſchwingt ſich auf das Roß, Perläßt mit ſeinen Rittern Das liebe Beimathſchloß.— Mur noch aus weiter Ferne Das weiße Banner weht, Darin, ein Pfand des Troſtes, Das Kreuzeszeichen ſteht. Das war ein ſchweres Scheiden, Ein ſchmerzenreiches Leid, Doch ward die ird'ſche Liebe Durch Gotteslieb' geweiht: Eliſabeth erſtrahlet Seitdem im Blüthenkranz Der heil'gen deutſchen Frauen Im allerſchönſten Glanz. Sie hielt mit Gpferliebe Das Krenzesholz umfaßt, Und trug mit dem Erlöſer Auf Golgatha die Taſt, Die Gaben ihrer Liebe hin. — 32 Bis ſie den treuen Gatten Im Dimmel wiederfand, Mit dem ſie ſegnend ſchauet Auf's liebe, deutſche Land. (J. Bapt. Diel.) 6 Der Wantel der hl. Elifabeth. In Wartburg's hochgewölbtem Saal, Pereint zum frohen Frendenmahl, Saß Landgraf Ludwig ſtolz und hehr, Und ſeine Ritter um ihn her. Wie nun der Landgraf hochbeglückt Pon ſeinem Chron herniederblickt, Da ſucht ſein Auge in dem Saal Eliſabeth, ſein Eh'gemahl. Sie weilte ſorgſam in der Schaar Der Armen, deren Troſt ſie war, Su üben heil'ge Chriſtenpflicht, Perhindert ſelbſt das Feſt ſie nicht. Dort unter'm reinen Bimmelsblan Stand ſie, die fromme, hehre Frau, Und reichte mit demüth'gem Sinn — 524— Und in der Armen Mitte war Ein nackter Greis im Silberhaar; Er blickt ſie an, er redet nicht, Doch himmliſch war ſein Angeſicht. Da reicht ſie Speiſ' und Trank ihm hin Und pfleget ſein mit Engelsfinn, Reicht ihm den Fürſtenmantel dar, Der ihr zum Schmuck erkoren war. Und wie ſie zu der Frauen Kranz Binwandelt ſonder Schmuck und Glanz, Da hat ihr eines Engels Hand Gebracht ein himmelblau Gewand, Mit gold'nen Sternlein ausgeſchmückt, Und hat ſie freundlich angeblickt; So trat ſie in den hohen Saal, Umglänzet von des Himmels Strahl. Ihr Blick, ſo engelmild und rein, Perdunkelt Gold und Edelſtein: Der Greis, der Beiland, hatt' geſandt Den Engel ihr mit Prachtgewand. Der Frauen Schmuck und Ehrenkleid Iſt Wohlthun und Beſcheidenheit. Wer wohlthut, ſegnet und beglückt, Der wird mit Bimmelsglanz geſchmückt. (Mey. — 35 Sanrt Elifabeth und das rirle und. 5 edweder, der vertrauend S Eliſabeth genaht, Der kehrt von ihr nur wieder Mit Gabe oder Rath. Als einſt beſchenkt ſie Alle Kun fort in Freude geh'n, Da ſieht ſie, ſchüchtern ferne, WKur noch ein Mägd'lein ſteh'n. Ein blühend junges Röschen Mit Augen treu und klar Und langen, gold'nen Flechten, Wie nie ſie ward gewahr. Da winkt die Beil'ge milde Das Mägd'lein zu ſich hin; 6 Rit ſchüchtern kleinen Schritten Vaht dies der Spenderin. „Wie Allen, die mir nah'ten, So ſoll auch dir geſcheh'n, Kicht ohne Wohlthat, Kleine Darfſt du von hinnen geh'n.“ — Sie trennt, wie von der Roſe Der Wind ein Blatt ſich ranbt, Die langen, gold'nen Flechten Mit raſchem Schnitt vom Baupt. 526 Aufſchreit wohl da die Kleine: „Weh' mir! mein ſchönſtes Gut! Und ſinkt zur Erd', ſie netzend Mit heißer Chränenfluth. Die Beil'ge aber wiſchet Vom holden Angeſicht Der Jammernden die Thränen mit ſanfter Hand und ſpricht: „Nicht zürne, meine Kleine, Und ſieh' mich freundlich an; wiſſ', eine Wohlthat war es, Was ich an dir gethan. Denn ließ ich dir die Flechten, Die dich ſo reich umhüllt So hätte bald der Bochmuth Dir Berz und erfüllt. Es hätt' als ge n Der Böſe ſie gebraucht, Bis in den Pfuhl der Sünde Er gänzlich dich getaucht. Run aber kannſt du wahren, Was nicht ſo ſchnell verbleicht: Die Schönheit deiner Seele, Der keine ird'ſche gleicht.“(ogl.) „. Dir hl. Elirabrth auf der Arrfahrt. Si iſt verbannt aus Schloß und Gut, Dort praßt der Feinde Uebermuth; Perſagt iſt ihr das eig'ne Land, Beſtraft wird jede milde Band. Wwer Schutz und GObdach ihr verleiht, Den trifft des Kerkers Nacht und Leid. D'rum irrt ſie einſam über Land, Gehüllt in Si Gewand der Abend graut⸗ Etiſabeth Im Wald auf blindem pfade geht Der Cag wär feucht, die Nacht wird kaſt Und immer dunkler Buſch und Wald. Sie wandert ſchnell, ſie hungert ſehr; Der Pfad bricht ab, ſie irrt umher, Pon wildem Dickicht weit umringt, Bis ſie ermattet niederſinkt. „ . Da plät tzlich hört ſie frohen ang Ein Knabe aus den Büſchen drang, Zieht eine Bürde Bolz hervor, D'rum klang ſo froh ſein Lied empor. — 328— Ach, liebes Kind, wie kömmſt du mir Als ein geſandter Engel hier! Ich bin verirrt im wilden Wald, Wo iſt ein Derfd? Bin müd' und kalt.“ „Das Dorf iſt allzu weit von hier, In unſ're Hütte kommt mit mir! Hier hab' ich Folz, das macht Euch warm. Eßt Brod mit uns, auch wir ſind arm.“ Die Gräfin folgt; des Knaben Lied So mild durch ihre Seele zieht. Noch ſind ſie nicht zum Wald hinaus, Da winkt ein kleines Beil'genhaus. Da kniet der Knabe betend hin, Eliſabeth betrachtet ihn;— Und als er wieder vorwärts geht, Da fragt ſie ihn um ſein Gebet. „Für unſ're Gräfin bet' ich hier Wir beten alle Cäg' dafür. Sie iſt ſo gut; die Mutter ſagt, Die Böſen hätten ſie verjagt.“ Die Gräfin möchte weinen ſchier, So frendig wird's im Berzen ihr. Sie fühlt es tief: auf Erden ſchon Empfängt das Gute Gottes Lohn. m. — 529— „Da ſind wir!“ ruft der Kleine,„ſeht, Die Mutter an der Chüre ſteht.“ Die ſieht ihr Kind, da eilet ſie Und kömmt und finkt auf ihre Knie'. „Ach Gott, Frau Gräfin! ſeid Ihr noch ſo ſchön in Eurem Leid Kennt Ihr mich nicht! Vergaßet Ihr, Was Ihr erzeigt für Ehre mird? Ich war ſo arm, dies Kind ſo klein, Und NRiemand wollte Pathe ſein; Liebreich gingt Ihr zu Fuß mit mir, wurd't Pathin dieſem Knaben hier.“ (Bone.) Die Ryſen der hl. Eliſabeth. Sie ſtieg herab wie ein Engelsbild, T Die heil'ge Eliſabeth, fromm und mild, Die Gaben ſpendende hohe Frau, Vom Wartburgſchloß auf die grüne Au. Sie trägt ein Körblein, es iſt verhüllt, Mit milden Gaben iſt's voll gefüllt. Schon harren die Armen am Bergesfuß Auf der Berrin freundlichen Liebesgruß. St. Eliſabeth. 34 — 530— So geht ſie ruhig, doch Argwohn ſtahl Durch des Perräthers Mund ſich zu dem — Gemahl, Und plötzlich tritt Ludwig ihr zürnend nah Und fragt die Erſchrock'ne:„Was trägſt du da?“ „Es ſind., ſo bebt's von den Tippen ihr. „Ich will es ſehen! Zeig' es raſch mir!“ Wie des Grafen BHand das Rörbchen ent⸗ hüllt, Mit duftenden Roſen iſt's angefüllt. K Da wird das zürnende Wort gelähmt, Por der edlen Berrin ſteht er beſchämt, Pergebung erflehet von ihr ſein Blick,„ Pergebung lächelt ſie ſanft zurück. — 5 Er geht, und es fliegt ihres Auges Strahl. Fromm dankend empor zu dem Bimmels⸗ ſaal. 1 Dann hat ſie zum Chal ſich herabgewandt Und die Armen geſpeiſt mit milder Band. 3 (Bechſtein.) Biktgeſang am Feſte der hl. Elifabeth. (Beſonders für die Ingend.) Marburgs gnädige, Wunderthätige* Landgräfin Eliſabeth, Wir, die Kleinen, Sind die Deinen, Merk' auf unſer Bittgebet. Wohnſt ſo prächtig, Chronſt ſo mächtig Droben über'm Sternenzelt, Möchten gehen, Dich zu ſehen, Mutter, hilf uns dnt die Welt. Führe eilig Und getreulich Uns den rechten Weg zu Gott. Lehr' uns meiden Sünd'ge Freuden Dieſer Erde, mehr als Tod. Gib den Knaben Geiſtesgaben, Pon der Wahrheit Licht durchglüt Mädchen ſenke Als Geſchenke Lilienreinheit in's Gemüth. ₰ 4 Aehnlich milde Deinem Bilde Gib uns Allen als Die Juwelen 3 Deiner Seele: Liebe und Barmherzigkeit. 3 Sie zu tragen GOhne Zagen Gib uns, Mutter, bis zum Cod; Siegeskronen Himmelswonnen,. Gibt uns dann der liebe Gott. S — Sd S+ O. Teben der tieben pi. Siee5 Seite Vorrede VII Gruß und Gebet zu St. Ctiſabeth. 1. Eliſabeths Geburt und erſte Kindheit.. 3 2. Clinſors Weisſagung und verioomn 7 Freude und Leid. 11 Knospen. Bornen Ren 21 Helle Tage.. St. Eliſabeths Liebe für Abtödtung und Wor thätigkeit 8 St. Eliſabeths Liebe zu den Kranken und zur hl. Armuth. 37 Die demüthige und worn Lo des Franciscus. 42 Die Hungersnoth 35 Gewitterwolken 55 Ein harter Schlag 62 Die Ausweiſung. 68 Troſt im Leid. Treue und Gottergebenheit. Die Krenzesbraut Inhultsurrzeichniss. 1. Chril. Seite d Bahei ſeitem Pfad 2. Chril. Betrachtungen. Erſter Abſchnitt: Allgemeine Wahrheiten 121 1. Das Eine dein 124 5 Die Sünde. 4. Das beſondere Gericht 7. Die hl. Communion.. 156 8. Die Andacht zu Maria, der Suun der Jungfrauen.. 161 9. Das ſüße Joch und die leichte Bürde des Herrn 168 10. Das wahre Glück... 177 Zweiter Abſchnitt: Seder She zigungen fürſchriſtliche 1 Juendeit 113 3. Die Keuſchheit.. 4. Die Unterhaltungen und veruten 5. Körperſchönheit... 7. Der Umgang.. 8. Demuth und Betebenen Se Gehorſaimnn 11. Die Standeswahl... 12. Die Vorbereitung zum Cyeſtande —— — —— — Seh Seite 13. Die Wahl der Perſon= 14 Der Bräntſtand 257 Dritter Abſchnitt: Beſondere Beher⸗ 2 zigungen für chriſtliche Gattinnen und 0 Mütter 263 1. Die eheliche Liebe und Treue. 2. Der Gehorſam.. 3. Gefallſucht und Eiferſucht 4. Ordnungsliebe und Reinlichkeit... 277 5. Friedfertigkeit, Geduld und Sanftmuth 279 1 6. Frommer, gottgefälliger Lebenswandel 285 7. Würde der Mutter und S t Piichen 290 t 8. Die mütterliche Erziehung. 9. Strafe, Aufſicht, S 6 10 Der Unterricht.. 41. Beſondere Wine 6 12. Erwachſene Söhne und Licher 13. Standeswahl... n 14. Die chriſtliche Wittwe 3. Chril. — Gebete. Morgengebete.. 5 Schußgebete während des Tages mit Abläſſen. 320 6 Abendgebete.. 332 Erſte Meßandacht. Zu Ehren der heil. Eliſabeth 335 Zweite Meßandacht. Zu Ehren der ſeligſten Jung⸗ 4 frau Maria als Mutter von der Beichtgebete . Communionandacht. Andachten zum hhl. Altarsſaeramente Belehrung.. 63 Litanei vom allerhl. Saeramente des Altars 385 Erſte Beſuchung.. Abbitte vor dem twniren Gute Zweite Beſuchung Pritte Beſuchung Andachten zum hl. Herzen Jeſu Litanei vom hl. Herzen Jeſu Flehentliches Bittgebet zum hl. Herzen Jeſn Weihe an das hl. Herz Jeſu. Tägliches Gebet der hl. Gertrud Ehrenerſatzleiſtung an das hl. Herz Jeſu Gebet um Vereinigung mit dem heil. Herzen ſ Liebesreue und Sehnſucht nach vru init dem Herzen Jeſu. Andacht zum bitteren Leiden Chriſti Betrachtung des bitteren Leidens auf jeden ag des Monats mit entſprechender Abläſſe an jedem Freitage Litanei vom bitteren Leiden Chriſti... Gebet zu Jeſus, um durch die hl. fünf Wunden eine glückſelige S zu Kreuzwegandacht.. Gebet zum Leiden Chriſti Andacht zur allerhl. Dreifaltigkeit Drei Aufopferungsgebete zur hl. drnuuten Litanei von der hl. Dreifaltigkeit. Kindliches Gebet zu Gott dem Vater Sach zum hl. Geiſte Der Hymnus Veni Creator Spiitus. Die Sequenz Veni sancte Spiritus. Litanei vom hl. Geiſte. S Andacht zum hl. anen Zeſus Gebet zu Ehren des hl. Namens Jeſus Litanei vom hl. Namen Jeſus. 437 410 411 4¹4 415 418 419 434 434 ¹35 439 439 411 Sieben Bitten um die ſieben Gaben des wuen 445 447 447 4⁴¹9 3 45 4 40 433 3 3 37 30 1 — Andachten zu Maria, der ſeligſten Jungfrau und Kutter. Gebet, um ſich unter den Schutz Mariä zu weue Das Memorare des hl. Bernard. Die lauretaniſche Litanei. Drei Gebete zur allerſel. Jungfrau Maria um die hl. Reinigkeit. Gebet zum hl. Herzen Mariä Litanei zu Maria, der Tröſterin der Betrübten Gebet zu Maria, der Tröſterin der Lenhte in einem beſondern Anliegen. Andacht zum hl. Joſeph Litanei vom hl. Joſeph. Gebete zur Verehrung der ſieben Frenden und der ſieben Schmerzen des hl. Joſeph. Reſponſorium zum hl. Joſeph Kurze Ablaßgebete zum hl. Joſeph Neuntägige Andacht zu etiue Vorerinnerung. Erſter Tag. Litanei zu Ehren der eubeh Zweiter Tag Dritter Tag Vierter Tag Fünfter Tag Sechster Tag. Siebenter Tag. Achter Tag. Neunter Tag Verſchiedene Gebete. Ablaßgebet zur hl. Eliſabeth. Kürzere Gebete zur hl. S Aufopferung Hymnus zur hl. Eliſabeth Litanei von allen Heiligen Gebet für den Papſt Seite 452 453 454 458 458 460 463 464 464 467 472 473 474 474 475 477 479 1480 481 483 484 485 487 488 490 490 492 495 495 496 50¹ Gebet für Lebendige und Abgeſtorbene. Gebet für die Aen der heit Gebet um einen guten Tod zu Unſerer Lieben Mutter von der immer⸗ währenden Hülfe Nachmittagsandacht. Gedichte Sanct Eliſabeth Treunung Der Mantel der hr. Eliſabeth Sanct Eliſabeth und das eitle Kind Die hl. Eliſabeth auf der Irrfahrt Die Roſen der hl. Eliſabeth. Bittgeſang am Feſte der hl. Eliſabeth Seite 501 502 503 507 512 517 517 519 523 525 527 529 531 2 A. Paumann'ſche Guchhandkung, Dülmen i. W. Verleger des heil. Apoſtol. Stuhles. Für chriſtliche Zungfrauen: ie chriſtliche Zungfrau von A. von Liebenau. Preis gebunden in Prachtband 4 Mk. D chriſtliche Jungfrau ſoll unſerer katho⸗ v liſchen Töchterwelt als treue berathende Freundin zur Seite ſtehen, um ihr das Leben ſchön, leicht und glücklich zu geſtalten. Zu dieſem Zwecke lenkt ſie dieſelbe auf das religiöſe Leben und auf die Tugendübungen der Jugendzeit hin, um ihr gleichzeitig noch beſſere Winke für die hochwichtige Zeit der Sr zu e theilen. A. Paumann' ſche csuchhandkung, Dülmen i. W. Verleger des heil. Apoſtol. Stuhles. Sce— ungfrauenherz himmelwärts! Ein Gebet und Betruchtungsbuch in Porſie für gebildete Mädchen. Zweifarbiger Druck. — SCCC Herausgegeben von P. Philibert Feeböck, 0. S. Fr. Preis in Einband 10 b biegſam(echt Kalbleder mit Goldſchnitt) Mk. 3.75; in Einband 542 (echt Seehundleder gepolſtert, mit Goldſchnitt) Mk. 4.—; in Einband 2000 (Maroquinleder, gepolſtert, mit Goldſchnitt) Mk. 385 ndieſem Büchlein bietet der bekannte hoch⸗ würdige Herr Verfaſſer eine Sammlung religiöſer Erhebungen des Jungfrauen⸗ herzens zu Gott in verſchiedenen Stimmungen der Andacht— der Freude, des Troſtes, der Hoffnung, des Heimwehs, der Liebe zu Jeſus und Maria— der jungen katholiſchen Damen⸗ welt für Kirche und Haus. Der Inhalt iſt herrlich und die Ausſtattung ſehr ſchön. ——— 8 A. Paumann'ſche Guchhandkung, Dülmen i.(W. Verleger des heil. Apoſtol. Stuhles. Woſenblüthen und Sdelweiß. Den katholiſchen Jungfrauen gewidmet von A. von Liebenau. 2. Auflage. — Feinſter Geſchenkband 6 Mark.— er bekannte Kritiker Dr. Armin Kauſen ſchreibt:„Die A. Laumann'ſche Buchhandlung in Dülmen hat ſich durch die beiden Prachtbände von A. von Liebenau in der katholiſchen Geſchenkliteratur einen ausgezeichneten Ruf erworben. Wie das herrliche Buch„An's Frauenherz“, ſo hat auch das für junge Mädchen beſtimmte und ganz beſonders den katholiſchen Jungfrauen gewidmete Pendant„Roſenblüthen und Edelweiß“ im Sturm die Herzen erobert. Wir können dieſes goldene Buch, welches ſich auch ſchon durch ſeinen überaus zarten und geſchmackvollen Einband bei den jungen Leſerinnen einſchmeicheln dürfte, nur wiederholt auf's Wärmſte empfehlen. Nicht minder verdient„An's Frauenherz“ immer wieder als ſinnreiches Geſchenk für katholiſche Frauen hervorgehoben zu werden. A. Paumann'ſche Guchhandkung, Dülmen i.(W. Verleger des heil. Apoſtol. Stuhles. Pie künftige ausfrau von A. von Liebenau. — Preis elegant geb. 2 Mk.— . uch in dieſem Jahre erfreut uns die emſige Schrift⸗ S ſtellerin, die unſerer katholiſchen Damenwelt längſt bekannt, mit einer Weihnachtsgabe. Dieſes Mal behandelt ſie einen hochwichtigen Punkt im Frauen⸗ leben: Die praktiſche gührung des Haushaltes. Mit Rath und That ſoll dieſe neueſte Arbeit unſerer jugend⸗ lichen Frauenwelt an die Hand gehen, damit ſie ſich im öffentlichen Leben richtig benehme und ganz beſonders im häuslichen Kreiſe eine geordnete, verſtändnißvolle und ausreichende Wirkſamkeit entfalten möge. Das vorliegende Werk iſt kein Kochbuch im eigent⸗ lichen Sinne, gibt aber doch ſehr erſchöpfende Abhand⸗ lungen über die Kochkunſt und werthvolle Recepte. A. Paumann'ſche Guchhandkung, Dülmen i.(W. Verleger des heil. Apoſtol Stuhles. Bimmliſcher Wiliengarten. Zathol. Gebet und Indachtsbuch für die chriſtlichen Jungfrauen. 5. Auflage. 551 Seiten. Preis geb. Mk. 1.50 und theurer. orſtehendes Gebetbuch iſt eine überaus geſchickte, trefflich geordnete Sammlung der ſchönſten, vor⸗ züglichſten, zumeiſt aus den Schriften der Heiligen entnommenen Gebete; daher es von vornherein die ſicherſte Gewähr ſeiner Brauchbarkeit und die beſte Empfehlung für eine große Verbreitung beſitzt. Die betende Jung⸗ frau findet in demſelben für die einzelnen Feſtzeiten des Kirchenjahres, für ihre religiöſen Bedürfniſſe, für ihre kleinen und großen Anliegen die paſſendſten Andachts⸗ übungen. Mit Recht ſind die Uebungen zur lieben Gottes⸗ mutter in ausgedehnterem Maaße angegeben; ferner iſt es ein Vorzug, daß zumal diejenigen Heiligen, zu denen ſich die chriſtliche Jungfrau beſonders hingezogen fühlt, berückſichtigt find. Möge das Buch in den Beſitz viele: chriſtlichen Jungfrauen gelangen. A. aumann ſche Guchhandkung, Dülmen i.(P. Verleger des heil. Apoſtol. Stuhles. Hamacher, Bt. Agnesbüchlein. Der weib⸗ lichen Jugend gewidmet zur Erbauung und Belehrung. Mit Genehmigung der geiſtlichen Obrigkeit. Preis geb. 75 Pf. Vorſtehendes Büchlein iſt ein gediegenes Geſchenk⸗ büchlein für die weibliche Jugend. Die Darſtellung des Lebens der heiligen Agnes iſt ſehr anſprechend und er⸗ reicht vollkommen den Zweck, dem jungen Mädchen ein herrliches Vorbild vor Augen zu ſtellen. Der angefügte Gebetstheil iſt gut ausgewählt und entſprechend. Wir empfehlen das St. Agnesbüchlein als ein vorzüglich ge⸗ eignetes Geſchenkbuch für junge Mädchen, Die ſchöne Ausſtattung und der billige Preis ſichern dem prächtigen Büchlein einen großen Abſatz. Kinn, Guchnriſtiſche Movene. Neun Lehr⸗ ſtücke nebſt Meß⸗ und Communion⸗Andachten — zur Gewinnung eines tiefern Verſtändniſſes der Lehre vom heiligſten Altarsſacramente. 160. 276 Seiten. Preis geb. 75 Pf. „Alle Leſeſtücke ſind gut eingetheilt, vollſtändig durch⸗ gearbeitet, erſchöpfend ausgeführt, klar und ergreifend dargelegt und ſtützen ſich ſtets mit peinlicher Genauigkeit auf die Lehren der heiligen Schrift und des katholiſchen Katechismus. Was aber in beſonderer Weiſe darin auf⸗ ſcheint, iſt ein warmer Hauch von Frömmigkeit, der nicht verfehlen wird, dem aufmerkſam betrachtenden Leſer ſeine Wärme mitzutheilen. Auch das gute Denutſch, in welchem das Büchlein geſchrieben iſt, gereicht demſelben zur Em⸗ pfehlung.“ Münſter, Literar. Handweiſer Nr. 627, 1895. . .———— —