——— für die Evangeliſche Kirche ½ im Großherzogtum Feſſen. Darmſtadt. G. Jonghaus'ſche Hofbuchhandlung, Verlag. 1883. Preis: Ungebunden 60 Pf. L. C. Wittich'ſche Hofbuchdruckerei in Darmſtadt. I. E VII. VIII. IX. Trinitatisfeſt. Allgemeine Lob⸗ un Kirche und Gn E XII Inhalt. Der Tag des Herrn Zum Anfang des Weihnachten Jahreswechſel, Darſtellung und Erſcheinung Jeſu Begräbnis Jeſu Himmelfahrt (Miſſionslieder) 5 Goitesdienſtes 4—10 edes Gottesdienſtes 11— 14 Nr. 1— 14 15— 30 31— 45 46— 52 53— 57 58— 75 73—75 76— 92 93—105 106— 122 123—127 d Danklieder 128— 147 148—210 148—176 165— 166 167—176 Gnadenmittel.... 177—210 Wort Gottes Sakramente Heilige Taufe... Konfirmation 188—194 Dash heilige Abendmahl 195— 210 Por und während der Feier Nach der Feier. 207—210 X. Wiedergebr rt und Heiligung% Buße. 231— 242 Glaube in viaung 243— 360 Heiligung.. 243—267 Nachfolge chri 268—290 Liebe 803 Gebet. 05 Allgemeine Fürbitte. 304. 5½ Friede und Freude.„ 306— b.“ irten 325— 360 XIV. Lieder für beſondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe Saheiten S WMorgen Mittä Vor Siſch Nach iſche Abeid Für Kinder. Am Schluſſe der Woche 1402— 403 Br Ehe und Hausſtand 1408—415 Siit Prdicamt Allgemeine Not 1418—420 Krieg und Frieden 1421—423 361—2 211— 360 60 F Mißwachs Eönte Wetterlieder Reiſe Krankheit. und Teurung Am Geburtstage Im Alter. Die letzten Vse d Sterbelieder Begräbnislieder Beim Tode von Eltern Beim Tode von Ehegatten Beim Tode von Kindern Gericht und Ewigkeit. Anhang. 424 425— 427 428— 429 430 431— 432 434— 435 436—476 436—457 458— 466 467— 468 469— 471 472— 476 477— 500 Gebete zur häuslichen Andacht. iene für den Geburtstag Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs. 436—500 Am Morgen. Mel. Mein Jeſu, dem die Sera⸗ phinen ꝛc. (Daß ich der Tugend Höh.) 4 Btſchwertes Herz, leg ab die Sorgen; er⸗ hebe dich, gebeugtes Haupt! Es kommt der angenehme Morgen, da Gott zu ruhen hat erlaubt, da Gott zu ruhen hat befohlen und ſelbſt die Ruhe eingeweiht; auf, auf, die ihm geraubte Zeit in ſeinem Dienſte einzu⸗ holen. 2. Auf, laß die Welt aus deinem Sinne, dein irdiſch Werk muß ſtille ſtehn; du ſollſt zu höherem Gewinne in deines Gottes Tempel gehn, ihm zu bezahlen deine Pflichten und zur Vermeh⸗ rung ſeines Ruhms die Werke deines Prieſtertums in tief⸗ ſter Andacht zu verrichten. 3. Mein Gott! ich bin vor dir erſchienen und gebe auf dein Winken acht; wie kann ich dir gefällig dienen, I. Der Jag des Ferrn. wenn mich dein Geiſt nicht tüchtig macht? Wie werde ich in dir erfreuet, wenn er nicht ſtillt der Sünde Schmerz? Wie bet ich, wenn er nicht das Herz durch ſeine Gnade mir erneuet? 4. Kann meine Harfe lieb⸗ lich klingen, wenn ſie dein Finger nicht berührt? Kann ich die finſtre Nacht durch⸗ dringen, wenn mich dein Licht nicht aufwärts führt? Kann ich ein reines Opfer werden, wenn deine Flamm nicht in michfährt und mich in deinerLieb verzehrt und hebet von dem Staub der Erden? 5. Mein Jeſus hat mein Herz ſo teuer zu ſeinem Tem⸗ pel eingeweiht: hier iſt dein Herd, hier iſt dein Feuer, die Fülle deiner Herrlichkeit, dein Heiligtum, dein Stuhl der Gnade; dein Licht und Recht, das Himmelsbrot, des Geiſtes Frucht und dein Ge⸗ boterfüllen dieſe Bundeslade. 6. In deinem Haus will ich mir bauen die 1 Hütte, —2 — Hütte, bis ich ſcheid einmal. Indeſſen gieb mir, dich zu ſchauen, o Lebenslicht, den Gnadenſtrahl! So feir ich recht den Tag der Sonnen, ſo hab ich meine Ruh in dir; ach, habe du dein Werk in mir! Vollführe, was du haſt begonnen! 7. Wenn ſich des Lebens Werktag enden, ſo ruh, von allem Frohndienſt los, mein Geiſt in Gottes Vaterhänden, mein Leib in ſeiner Mutter Schoß, bis beides feiern wird dort oben, wo man in ſicherm Frieden ruht, nichts denket, redet oder thut, als dich zu lieben, dich zu loben. Chr. Wegleiter, † 1706. Mel. Gott des Himmels ꝛc 2 Greßer Gott von alten Zeiten, deſſen Hand die Welt regiert, deſſen Treu auf allen Seiten mich von Jugend auf geführt: heute weckt des Tages Lauf mich zu lauter Andacht auf. 2. Ach, wie lieb ich dieſe Stunden; denn ſie ſind des Herren Feſt, das mit ſo viel Froſt verbunden, da mein Gott mich ruhen läßt und durch ſeinen guten Geiſt mir den Weg zum Leben weiſt. 3. Habe Dank für dieſen Morgen, der mir Zeit zum Guten ſchenkt; das ſind un⸗ ſre beſten Sorgen, wenn der Menſch an Gott gedenkt und Der Tag des Herrn. von Herzen betet, ſingt, daß es durch die Wolken dringt. 4. Was iſt ſchöner, als Gott loben? Was iſt ſüßer, als ſein Wort? Da dasHerz, ju Gott erhoben, offen ſieht des Himmels Pfort! Selig iſt, wer Tag und Nacht alſo nach dem Himmel tracht. 5. O mein Gott, ſprich ſelber Amen, denn wir ſind dein Eigentum; alles preiſe deinen Namen, alles mehre deinen Ruhm, bis es künftig wird geſchehn, daß wir dich im Himmel ſehn. Caſp. Neumann, † 1715. Mel Meinen Jeſum laß ich nicht ꝛc. 3 Lict vom Licht, erleuchte mich bei dem neuen Tageslichte; Gnadenſonne, zeige dich meinem muntern Angeſichte; wohne mir mit Glanze bei, daß mein Sabbat fröhlich ſei. 2. Brunnquell aller Selig⸗ keit, laß mir deine Ströme fließen; mache Mund und Herz bereit, deiner Gnade zu genießen; ſtreu das Wort mit Segen ein, laß es hun⸗ dertfrüchtig ſein! 3. Zünde ſelbſt das Opfer an, das auf meinen Lippen lieget; ſei mir Weisheit, Licht und Bahn, daß kein Irrtum mich betrüget und kein frem⸗ des Feuer brennt, welches dein Altar nicht kennt. 4. Laß mich heut und allezeit heilig, heilig, heilig ſingen und mich in die Ewig⸗ keit mit des Geiſtes Flügeln ſchwingen; gieb mir einen Vorſchmack ein, wie es mag im Himmel ſein. 5. Ruh in mir und ich in dir, bau ein Paradies im Herzen, offenbare dich doch mir, ſende meiner An⸗ dacht Kerzen immer neues zu, o du Liebesflamme u! 6. Dieſer Tag ſei dir ge⸗ weiht; weg mit allen Eitel⸗ keiten! Ich will deiner Herr⸗ lichkeit einen Tempel zube⸗ reiten, nichts ſonſt wollen, nichts ſonſt thun, als in deiner Liebe ruhn. B. Schmolck, † 1737. Zum Anfang des Gottes⸗ dienſtes. 4 omm, heiliger Geiſt, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und ent⸗ zünd in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe, der du durch Mannigfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt verſammelt haſt zur Einigkeit des Glaubens. Hallelujah! Hallelujah! Alte Kirche. 5 6 Jeſu Chriſt, dich zu uns wend, den heilgen Geiſt du zu uns Der Tag des Herrn. ſend; mit Hilf und Gnad er uns regier und uns den Weg zur Wahrheit führ. 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, bereit das Herz zur Andacht fein; den Glauben mehr, ſtärk den Verſtand, daß uns dein Nam werd wohl bekannt. 3. Bis wir ſingen mit Gottes Heer: heilig, heilig iſt Gott der Herr! und ſchauen dich von Angeſicht in ewger Freud und ſelgem Licht. 4. Ehr ſei dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geiſt in einem Thron; der heiligen Dreieinigkeit ſei Lob und Preis in Ewigkeit! Herzog Wilhelm II. von Weimar, † 1662. 2 6 Liebſter Jeſu, wir ſind hier, dich und dein Wort anzuhören; lenke Sin⸗ nen und Begier auf die ſüßen Himmelslehren, daß die Herzen von der Erden ganz zu dir gezogen werden. 2. Unſer Wiſſen und Ver⸗ ſtand iſt mit Finſternis ver⸗ hüllet, wonicht deines Geiſtes Hand uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten mußt du ſelbſt in uns verrichten. 3. O du Glanz der Herr⸗ lichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren, mach uns alle⸗ ſamt bereit, öffne Herzen, Mund —— Mund und Ohren; unſer Bitten, Flehn und Singen laß, Herr Jeſu, wohl ge⸗ lingen. Tob. Clausnitzer, † 1684. Mel. Ach, was ſoll ich Sünder machenc. (Sollt ich meinem Gott nicht trauen.) 7 es iſt ein Tag erſchienen, der mich in den Himmel weiſt und an Gott gedenken heißt; darum komm ich, dir zu dienen; richte du mich ſelber zu, daß ich deinen Willen thu. 2. Stille ſelbſt an dieſem Morgen den verwirrten Lauf der Welt, der uns hier ge⸗ fangen hält; brich die Nacht der eitlen Sorgen, daß ich heut, von allem frei, dir allein ergeben ſei. 3. Kröne mich mit deinen Gaben, zieh mich an mit deiner Kraft, die den neuen Menſchen ſchafft; ach, was Freude werd ich haben, wenn das Herz in meiner Bruſt ſucht am Herren ſeine Luſt. 4. Laß die Predigt wohl⸗ gelingen, ſteh auch deinem Worte bei, daß es in mir kräftig ſei. Unſer Beten, unſer Singen, und was ſonſt noch wird gethan, ſiehe du mit Gnaden an! C. Neumann, † 1715. Mel. Gott des Himmels ꝛc. 8 Thut mir auf die ſchöne — Pforte, führt in Gottes Haus mich ein; ach, Der Tag des Herrn. wie wird an dieſem Orte meine Seele fröhlich ſein! Hier iſt Gottes Angeſicht; hier iſt lauter Troſt undLicht. Ich bin, Herr, zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir; wo du Woh⸗ nung haſt genommen, da iſt lauter Himmel hier. Zeuch in meinem Herzen ein, laß es deinen Tempel ſein! 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, heilge du Leib, Seel und Geiſt, daß mein Singen und mein Beten dir ein lieblichOpfer heißt. Heilge du, Herr, Mund und Ohr, zeuch das Herz zu dir empor! 4. Mache mich zum guten Lande, wenn dein Saatkorn in mich fällt; gieb mir Licht in dem Verſtande, und was mir wird vorgeſtellt, präge meinem Herzen ein, laß es mir zur Frucht gedeihn! 5. Stärk in mir den ſchwachen Glauben, laß dein teures Kleinod mir nimmer aus dem Herzen rauben; halte ſtets dein Wort mir für, daß es mir zum Leit⸗ ſtern dient und zum Troſt im Herzen grünt. 6. Rede, Herr, ſo will ich hören, und deine Wille werd erfüllt! Nichts laß meine Andacht ſtören, wenn der Brunn des Lebens quillt; ſpeiſe mich mit Himmelsbrot, tröſte mich in aller Not! B. Schmolck, † 1737. Mel. Liebſter Jeſu, wir ſind ꝛc. 9 S. vor deinem An⸗ geſicht hat die An⸗ dacht uns verſammelt; ach, verwirf die Bitten nicht, die dein Volk dir, Höchſter, ſtammelt! Hör auf unſre ſchwachen Lieder und ſieh gnädig auf uns nieder! 2. Laß dein Wort, das hier erſchallt, viele gute Früchte bringen, und mit göttlicher Gewalt tief in unſre Seelen dringen. Laß es unſern Sinn erneuen und das Herz mit Troſt erfreuen! 3. Dein Gebot mach uns bekannt, und hilf ſelbſt es treulich üben, dich und den, den du geſandt, Jeſum Chri⸗ ſtum, herzlich lieben, daß kein Schmerz und keine Freude uns von deiner Liebe ſcheide! Dan. Schiebeler, † 1771. Mel. O Durchbrecher aller Bande ꝛc. (O du Liebe meiner Liebe.) 10 O wie freun wir uns der Stunde, da wir dir, Herr Jeſu, nahn, um aus deinem heilgen Munde Lebensworte zu em⸗ pfahn! Laß uns heute nicht vergebens Hörer deines Wor⸗ tes ſein; ſchreibe ſelbſt das Wort des Lebens tief in unſre Herzen ein. 2. Sieh, wir ſitzen dir zu Füßen: großer Meiſter, rede du; ſieh, wir hören deiner ſüßen Rede heilsbegierig zu. Der Tag des Herrn. Lehr uns, wie wir ſelig werden; lehr uns, wie wir unſre Zeit, dieſe kurze Zeit auf Erden, nützen für die Ewigkeit. 3. Nun ſo lege Licht und Liebe, Kraft und Feuer auf dein Wort; laß es mit lebendgem Triebe in uns wirken fort und fort; hilf uns, daß wir treu bewahren, was wir in das Herz ge⸗ faßt, und laß andre auch erfahren, daß du Lebens⸗ worte haſt. K. J. Ph. Spitta, † 1859. Zum Schluſſe des Gottes⸗ dienſtes. Mel. Liebſter Jeſu, wir ſind ꝛc. 1 4 nſern Ausgang ſegne Gott, un⸗ ſern Eingang gleichermaßen; ſegne unſer täglich Brot, ſegne unſer Thun und Laſſen, ſegne uns mit ſelgem Sterben und mach uns zu Himmels⸗ erben. Hartm. Schenk, † 1681. Mel. Unſer Herrſcher, unſer König ꝛc. 12 ater, dir ſei Preis geſungen, daß du uns ſo wohl gelehrt, daß dein Werk an uns gelungen, daß wir jetzt dein Wort ge⸗ hört; laß die Lehr den Glau⸗ ben ſtärken, mach uns reich an guten Werken! 2. Jeſu, dein Wort iſt ſehr ſüße, habe Dank für dieſe Lehr! Lenke nur auch unſre Füße, daß wir wan⸗ deln dir zur Ehr; laß uns deinen Troſt erquicken, bis wir deinen Thron erblicken! 3. Heilger Geiſt, ſchreib alle Worte nun in unſre Herzen ein, daß man ſtets an allem Orte deren einge⸗ denk mag ſein, daß wir täg⸗ lich Früchte bringen und im Himmel Amen ſingen! Mich. Wiedemann, † 1719. Mel. Liebſter Jeſu, wir ſind ꝛc. 13 H öchſter Gott, wir 0 danken dir, daß du uns dein Wort gegeben; hilf uns ferner, daß auch wir nach demſelben heilig leben; gieb dem Glauben ſolche Stärke, daß er thätig ſei im Werke! 2. Uns, o Vater! lehreſt du, was wir thun und glau⸗ ben ſollen; ſchenk uns deine Der Tag des Herrn. Kraft dazu, gieb zum Wiſſen auch das Wollen und zum Wollen das Vollbringen, ſo wird alles wohl gelingen. 3. Gieb uns, eh wir gehn nach haus, deinen väterlichen Segen, breite deine Hände aus, leite uns auf deinen Wegen, laß uns hier im Segen gehen, dort geſegnet auferſtehen! Joh. Ad. Haßlocher, † 1726 Mel. Chriſtus, der iſt mein Leben ꝛc 14 Aꝰ ſei mit deiner Gnade bei uns, Herr Jeſu Chriſt, daß uns fortan nicht ſchade des böſen Feindes Liſt. 2. Ach ſei mit deiner Liebe, Gott Vater, um uns her; denn wenn uns die nicht bliebe, fiel uns die Welt zu ſchwer. 3. Ach heilger Geiſt, be⸗ halte Gemeinſchaft allezeit mit unſerm Geiſt und walte nun und in Ewigkeit! C. B. Garve, † 1841. II. Advent. 15 Mht hoch die Thür, die Thor macht weit! Es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit ſich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden ſingt: gelobet ſei mein Gott, mein Schöpfer, reich von Rat! 2. Er iſt gerecht, ein Helfer wert, Sanftmütigkeit iſt ſein Gefährt, ſein Königs⸗ kron iſt Heiligkeit, ſein Scep⸗ ter iſt Barmherzigkeit; all unſre unſre Not zu End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freu⸗ den ſingt: gelobet ſei mein Gott, mein Heiland, groß von That! 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, ſo dieſen König bei ſich hat; wohl allen Herzen insgemein, da dieſer König ziehet ein! Er iſt die rechte Freudenſonn, bringt mit ſich lauter Freud und Wonn. Gelobet ſei mein Gott, mein Tröſter früh und ſpat! 4. Macht hoch die Thür, die Thore weit, das Herz zum Tempel macht bereit; die Palmen der Gottſeligkeit ſtreut hin mit Andacht, Luſt und Freud; ſo kommt der König auch zu euch, ja Heil und Leben mit zugleich Ge⸗ lobet ſei mein Gott, voll Rat, voll That, voll Gnad! 5. Komm, o mein Hei⸗ land, Jeſu Chriſt, des Her⸗ zens Thür dir offen iſt; ach, 66 mit deiner Gnade ein, ein Freundlichkeit auch uns erſchein. Dein heilger Geiſt uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit! Dem Namen dein, o Herr, ſei ewig Preis und Ehr! G. Weißel, † 1635. Mel. Nun komm, derHeidenHeilandꝛc. 16 ott ſei Dank durch alle Welt, der ſein Wort beſtändig hält und Advent. der Sünder Troſt und Rat zu uns hergeſendet hat. 2. Was der alten Väter Schar höchſter Wunſch und Sehnen war, und was ſie einſt prophezeit, iſt erfüllt in Herrlichkeit. 3. Zions Hilf und Abrams Lohn, Jacobs Heil und Davids Sohn, Wunderbar, Rat, Kraft und Held hat ſich treulich eingeſtellt. 4. Sei willkommen, o mein Heil, dir Hoſianna, o mein Teil! Richte du auch eine Bahn dir in meinem Herzen an! 5. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, es gehöret dir alleins mach es, wie du gerne thußt rein von aller Sündenluſt! 6. Und wie du voll Sanft⸗ mut kamſt, jedes Armen dich annahmſt, alſo ſei auch jederzeit deine Sanftmut mir bereit! 7. Tröſte, tröſte meinen Sinn, weil ich ſchwach und blöde bin, daß im Glauben ich fortan treu dir bleibe zugethan; 8. Daß, wenn du, o Lebens⸗ fürſt, prächtig wieder kom⸗ men wirſt, ich dir mög ent⸗ gegen gehn und vor dir ge⸗ recht beſtehn! H Held. † um 1660. Mel. Von Gott will ich ꝛc. 17 Mi Ernſt, o Men⸗ ſchenkinder, das Herz S — Herz in euch beſtellt! Bald wird das Heil der Sünder, der wunderſtarke Held, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben verſprochen hat zu geben, bei allen kehren ein. 2. Bereitet doch fein tüch⸗ tig den Weg dem großen Gaſt, macht ſeine Steige richtig, laßt alles, was er haßt; macht eben jeden Pfad, die Thale rings erhöhet, macht niedrig, was hoch ſtehet, was krumm iſt, macht gerad! 3. Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchſten ſteht; ein Herz, das Hoch⸗ mut übet, mit Angſt zu grunde geht; ein Herz, das richtig iſt und folget Gottes Leiten, das kann ſich recht bereiten, zu dem kommt Jeſus Chriſt. 4. Ach, mache du mich Armen in dieſer Gnadenzeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jeſu, ſelbſt bereit! Zeuch in mein Herz hinein, mach es zu deiner Krippen; ſo werden Herz und Lippen dir ewig dankbar ſein. V. Thilo, † 1662. Mel. Aus meines Herzens Grunde ꝛc. (Schwingt, heilige Gedanken.) 18 uf, auf, ihr Reichs⸗ genoſſen, der König kommt heran; empfahet un⸗ verdroſſen den großen Wun⸗ dermann. Ihr Chriſten, geht herfür, laßt uns vor allen Advent. Dingen ihm Hoſianna ſingen mit heiliger Begier! 2. Auf, ihr betrübten Herzen! Der König iſt nicht fern. Hinweg all Angſt und Schmerzen! Dort kommt der Morgenſtern. Der Herr will in der Not mit reichem Troſt euch ſpeiſen; er will euchHilf erweiſen, ja dämpfen gar den Tod. 3. Friſch auf in Gott, ihr Armen, der König ſorgt für euch; er will durch ſein Er⸗ barmen euch machen groß und reich; der alles hat be⸗ dacht, der wird auch euch ernähren; was Menſchen nur begehren, das ſteht in ſeiner Macht. 4. Friſch auf, ihr Hoch⸗ betrübten, der König kommt mit Macht. An uns, die Herzgeliebten, hat er ſchon längſt gedacht. Nun wird kein Angſt, noch Pein, noch Zorn hinfür uns ſchaden, dieweil uns Gott aus Gna⸗ den läßt ſeine Kinder ſein. 5. Auf, auf, mit ſchnellen Schritten den König eilt zu ſehn! Er kommt in unſre Mitten ſtark, herrlich, ſanft und ſchön. Nun tretet all heran, den Heiland zu be⸗ grüßen, der alles Kreuz ver⸗ ſüßen und uns erlöſen kann. 6. Der König will beden⸗ ken die, ſo er herzlich liebt, mit köſtlichen Geſchenken, als der ſich ſelbſt uns giebt durch ſeine ſeine Gnad und Wort. Ja, König, hoch erhoben, wir alle wollen loben dich freudig hier und dort. 7. Nun, Herr, du giebſt uns reichlich, wirſt ſelbſt doch arm und ſchwach; du liebeſt unvergleichlich, du eilſt den Sündern nach; drum wolln wir insgemein die Stimmen hoch erſchwingen, dir Ho⸗ ſianna ſingen und ewig dank⸗ bar ſein. Z. Riſt, † 1667. Mel. Aus meines Herzens Grunde ꝛc. (Schwingt, heilige Gedanken.) 19 Nun jauchzet all, ihr Frommen, in die⸗ ſer Gnadenzeit, weil unſer Heil iſt kommen, der Herr der Herrlichkeit; zwar ohne ſtolze Pracht, ch mächtig, zu verheeren und gänzlich zu zerſtören des Teufels Reich und Macht. 2. Kein Scepter, keine Krone ſucht er auf dieſer Welt; im hohen Himmels⸗ throne iſt ihm ſein Reich be⸗ ſtellt. Er will hier ſeine Macht und Majeſtät verhüllen, bis er des Vaters Willen im Leiden hat vollbracht. 3. Ihr Mächtigen auf Erden, nehmt dieſen König an, wollt ihr beraten wer⸗ den und gehn die rechte Bahn, die zu dem Himmel führt; ſonſt, wo ihr ihn verachtet und nur nach Hoheit trachtet, des Höchſten Zorn euchrührt. Advent. 4. Ihr Armen und Elen⸗ den in dieſer böſen Zeit, die ihr an allen Enden müßt haben Angſt und Leid, ſeid dennoch wohlgemut, laßt eure Lieder klingen, dem König lobzuſingen, der euer höchſtes Gut. 5. Er wird nun bald er⸗ ſcheinen in ſeiner Herrlich⸗ keit und euer Leid und Weinen verwandeln ganz in Freud; er iſts, der helfen kann. Macht eure Lampen fertig und ſeid ſtets ſein ge⸗ wärtig! Er iſt ſchon auf der Bahn. M. Schirmer, † 1673. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 20 ie ſoll ich dich empfangen, und wie begean ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier? O Jeſu, Jeſu, ſetze mir ſelbſt die Fackel bei, damit, was dich ergötze, be⸗ wußt und kund mir ſei. 2. Dein Zion ſtreut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Pſalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze ſoll dir grünen in ſtetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, ſo gut es kann und weiß. 3. Was haſt du unter⸗ laſſen zu meinem Troſt und Freud? Als Leib und Seele ſaßen in ihrem größten Leid, als mir das Reich gn a da Fried und Freude lacht, biſt du, mein Heil, gekommen und haſt mich froh gemacht. 4. Ich lag in ſchweren Banden, du kommſt und machſt mich los; ich ſtand in Spott und Schanden, du kommſt und machſt mich groß, und hebſt mich hoch zu Ehren und ſchenkſt mir großes Gut, das ſich nicht läßt verzehren, wie irdſcher Reichtum thut. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Him⸗ melszelt, als dein getreues Lieben, damit du alle Welt in ihren tauſend Plagen und großer Jammerslaſt, die kein Mund aus kann ſagen, ſo feſt umfangen haſt. 6. Das ſchreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer, bei welchem Gram und Schmerze ſich häuft je mehr und mehr; ſeid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Thür; der eure Herzen labet und tröſtet, ſteht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht bemühen, noch ſorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht; er kommt, er kommt mit Willen, iſt voller Lieb und Luſt, all Angſt und Not zu ſtillen, die ihm an euch bewußt. Auch dürft ihr nicht erſchrecken voreurerSünden⸗ ſchuld; nein, Jeſus will ſie Advent. decken mit ſeiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern zum Troſt und wahren Heil, ſchafft, daß bei Gottes Kindern verbleib ihr Erb und Teil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien der Feind und ihrer Tück? Der Herr wird ſie zerſtreuen in einem Augen⸗ blick. Er kommt, er kommt, ein König, dem alle Macht und Liſt der Feinde viel zu wenig zum Widerſtande iſt. 10. Er kommt zum Welt⸗ gerichte, zum Fluch dem, der ihm flucht, mit Gnad und ſüßem Lichte dem, der ihn liebt und ſucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, und hol uns allzumal zum Licht, zur ewgen Wonne in deinen Freudenſaal! P. Gerhardt, † 1676. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) arum willſt du 21 draußen ſtehen, du Geſegneter des Herrn? Laß dir, bei mir einzugehen, wohlgefallen, du meinStern, du mein Jeſu, meine Freud, Helfer in der rechten Zeit! Hilf, o Heiland, meinem Herzen von den Wunden, die mich ſchmerzen. 2. In der Welt iſt alles nichtig, nichts iſt, das nicht kraftlos wär. Hab ich Hoheit, die iſt flüchtig; hab ich Reich⸗ tum, was iſts mehr, als ein ein Stäublein armer Erd? Hab ich Luſt, was iſt ſie wert? Was iſts, das mich heut erfreue, das mich mor⸗ gen nicht gereue? 3. Aller Troſt und alle Freude ruht in dir, Herr Jeſu Chriſt; dein Erfreuen iſt die Weide, da man erſt recht fröhlich iſt. Leuchte mir, o Freudenlicht, ehe mir mein Herze bricht; laß mich, Herr, an dir erquicken, Jeſu, komm, laß dich erblicken! 4. Freu dich, Herz, du biſt erhöret, jetzo kommt und zeucht er ein; ſein Gang iſt zu dir gekehret, heiß ihn nur willkommen ſein und bereite dich ihm zu, gieb dich ganz zu ſeiner Ruh, öffne dein Gemüt und Seele, klag ihm, was dich drück und quälel 5. Alles dient zu deinem Frommen, auch was bös und ſchädlich ſcheint, weil dich Chriſtus angenommen und es treulich mit dir meint. Bleibeſt du dem wieder treu, iſts gewiß und bleibt dabei, daß du mit den Engeln droben ihn dort ewig werdeſt loben. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Ach, was ſoll ich Sünder machente (Sollt ich meinem Gott nicht trauen.) 22 Kommſt du, kommſt du, Licht der Hei⸗ den? Ja, du kommſt und ſäumeſt nicht, weil du weißt, Advent. 11 was uns gebricht. O du ſtarker Troſt im Leiden, Jeſu, meines Herzens Thür ſteht dir offen, komm zu mir! 2. Ja, du biſt bereits zu⸗ gegen, du Weltheiland, Gottes Sohn! Meine Sinnen ſpüren ſchon deinen gnadenvollen Segen und die Wunderdeiner Kraft, welche Frucht und Leben ſchafft. 3. Adle mich durch deine Liebe, Jeſu, nimm mein Flehen hin! Schaffe, daß mein Geiſt und Sinn ſich in deinem Lieben übe; denn zu lieben dich, mein Licht, ſteht in meiner Kraft ſonſt nicht. 4. Jeſu, rege mein Ge⸗ müte, Jeſu, öffne mir den Mund, daß dich meines Herzens Grund innig preiſe für die Güte, die du mir, o Seelengaſt, lebenslang er⸗ wieſen haſt.. 5. Laß durch deines Geiſtes Gaben, Liebe, Glauben und Geduld, durch Bereuung meiner Schuld, mich zu dir ſein hoch erhaben! Dann ſo will ich für und für Ho⸗ ſianna ſingen dir. E. Ch. Homburg, † 1681. Mel. Erſchienen iſt der herrlich Tagc. 23 un kommt das neue Kirchenjahr. des freut ſich alle Chriſten⸗ ſchar. Dein König kommt, drum 12 drum freue dich, du wertes Zion, ewiglich. Hallelujah! 2. Wir hören noch das Gnadenwort, das Wort vom Heiland immerfort, das uns den Weg zum Leben weiſt; Gott, ſei für ſolche Gnad gepreiſt. Hallelujah! 3. Gotti was uns deine Wahrheit lehrt, die unſern Glauben ſtärkt und mehrt, das bringe Frucht, auf daß wir dir lobſingen dankbar für und für. Hallelujah! Dr. Johann Olearius, † 1684. Mel. Meinen Jeſum laß ich nicht ꝛc. 24 Hrſnni Davids Sohn kommt in Zion eingezogen: ach, be⸗ reitet ihm den Thron, ſetzt ihm tauſend Ehrenbogen; ſtreuet Palmen, machet Bahn, daß er Einzug halten kann! 2. Hoſianna, ſei gegrüßt! Komm, wir gehen dir ent⸗ gegen; unſer Herz iſt ſchon gerüſt, will ſich dir zu Füßen legen. Zeuch zu unſern Tho⸗ ren ein, du ſollſt uns will⸗ kommen ſein! 3. Hoſianna, Friedefürſt, Ehrenkönig, Held im Streite! Alles, was du ſchaffen wirſt, das iſt unſre Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht, und dein Reich allein beſteht. 4. Hoſianna, lieber Gaſt, wir ſind deine Reichsge⸗ noſſen, die du dir erwählet Advent. haſt; ach, ſo laß uns unver⸗ droſſen deinemScepter dienſt⸗ bar ſein; herrſche du in uns allein! 5. Hoſianna, komme bald, die Verheißung zu erfüllen! Sollte gleich die Knechtsge⸗ ſtalt deine Majeſtät ver⸗ hüllen, o, ſo kennet Zion ſchon Gottes und auch Davids Sohn. 6. Hoſianna, ſteh uns bei! O Herr, hilf, laß wohl⸗ gelingen, daß wir ohne das Herz zum pfer bringen. Du nimmſt keinen Jünger an, der dir nicht gehorchen kann. 7. Hoſianna, nah und fern! Eile bei uns einzu⸗ gehen. Du Geſegneter des Herrn, warum willſt du draußen ſtehen? Hoſianna, biſt du da? Ja, du kommſt, Hallelujah! B. Schmolck, † 1737. Mel. Meinen Jeſum laß ich nicht ꝛc. 25 Sieh. dein König kommt zu dir! Seele, das ſind frohe Worte. Sprich: mein König, komm zu mir, ſieh, ich öffne dir die Pforte, zeuch mit deiner Sanftmut ein! Was du findeſt, das iſt dein. 2. Komm, ich bin dein Eigentum ſchon ſeit deinem Waſſerbade; komm, dein Evangelium werde mir ein Wort Wort der Gnade! Du ſchickſt ja dein Wort voran, daß mein König kommen kann. 3. Komm und räume alles aus, was du haſſeſt, was mich reuet; komm und reinige dein Haus, das die Sünde hat entweihet. Mache ſelbſt mit deinem Blut alles wieder rein und gut! 4. Komm in deinemAbend⸗ mahl, das du uns zum Heil gegeben, daß wir ſchon im Erdenthal mit dir als im Himmel ieben. Komm, Herr Jeſu, leb in mir, und mein Leben ſei in dir! 5. Komm und bring den Geiſt auch mit, deinen Geiſt, der dich verkläret, der mich im Gebet vertritt und des Königs Willen lehret, daß ich bis auf jenen Tag: komm, Herr Jeſu, rufen mag. Phl. L. Hiller, † 1769. Mel. Aus meines Herzens Grundeꝛc. (Schwingt, heilige Gedanken.) 26 Erhebt den Herrn, ihr Frommen! Er hält, was er verſpricht. Der Heiland iſt gekommen, der Völker Troſt und Licht. Gott, der uns nicht verſtößt, hat uns zum Heil und Leben ſelbſt ſeinen Sohn gegeben; durch ihn ſind wir erlöſt. 2. Erlöſt! Dwelche Liebe hat uns der Herr erzeigt, mit welchem Vatertriebe ſein Herz zu uns geneigt! Advent. 13 Von ſeiner Himmel Thron kommt, Rettung vom Ver⸗ derben uns Sündern zu er⸗ werben, ſein eingeborner Sohn. 3. Er kommt zu uns auf Erden in tiefer Niedrig⸗ keit, nimmt auf ſich die Beſchwerden von unſrer Pilgerzeit, enthält ſich ſeiner Macht, verleugnet Himmels⸗ freuden, bis er durch Todes⸗ leiden ſein großes Werk vollbracht. 4. Er hats vollbracht: o bringet Gott euren Lob⸗ geſang! Erlöſte Menſchen, ſinget dem Mittler ewig Dank! Wo niemand helfen kann, da hilft er aus Er⸗ barmen, wird Licht und Troſt uns Armen: o nehmt ihn gläubig an! 5. Du Freund der Men⸗ ſchenkinder, verwirf uns, Jeſu, nicht! Dein Name, Fe der Sünder, iſt unſre uverſicht. Gieb unſren Seelen Ruh; hilf jeden Reiz zu Sünden uns glücklich überwinden; gieb Mut und Kraft dazu! 6. Dich wollen wir er⸗ heben hier und in Ewigkeit, wo uns ein beſſres Leben vor deinem Thron erfreut. Dann ſind wir ewig dein, und nichts wird uns mehr fehlen, dann werden unſre Seelen vollkommen ſelig ſein. S. Diterich, † 1797. 14 Advent. Mel. Wie ſchön leuchtet der Morgen⸗ ſtern ꝛc.(Mein ganzer Geiſt.) 27 er Heiland kommt, lobſinget ihm, dem Herrn, dem alle Seraphim das Heil ig, Heilig ſingen! Er kommk, der eingeborne Sohn, und ſteigt von ſeines Himmels Thron, der Welt das Heil zu bringen. Preis dir, daß wir von den Sünden Rettung finden; höchſtes Weſen, durch dich werden wir geneſen. 2. Willkommen, Friede⸗ fürſt und Held, Rat, Vater, Kraft und Heil der Welt! willkommen hier auf Erden! Du kleideſt dich in Fleiſch und Blut, wirſt Menſch und willſt der Welt zu gut ſelbſt unſer Bruder werden. Ja du, Jeſu, kommſt uns ſrinen voll Erbarmen nun entgegen, wandelſt unſern Fluch in Segen. 3. Du bringſt uns Troſt, Zufriedenheit, Heil, Leben, ewge Seligkeit; ſei hoch dafür gepriefeni O Herr, wie wiel zu ſchwach ſind wir, die Treue zu vergelten dir, die du an uns bewieſeni Von dir, da wir im Verder⸗ ben müßten ſterben, kommt das Leben. O was kannſt du Größres geben! 4. Wir bringen dir ein dankbar Herz, gebeugt durch Buße, Reu und Schmerz, bereit, vor dir zu wandeln, und dir und unſrem Nächſten treu, aufrichtig, ohne Heuche⸗ lei, zu denken und zu handeln. Zu dir flehn wir; hilf uns Schwachen, daß wir wachen, beten, ringen und bes Fleiſches Luſt bezwingen. 5. Laß uns zu unſerm ewgen Heil an dir im wahren Glauben Teil durch deinen Geiſt erlangen; auch wenn wir leiden, auf dich ſehn, im Guten immer weiter gehn, nicht an der Erde hangen, bis wir zu dir mit den Frommen ewig kommen, dich erheben und in deinem Reiche leben. S. Diterich, † 1797. Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz geübet ꝛc (Wie groß iſt des Allmächtgen Güte.) 28 W wär ich ohne dich geweſen? Was würd ich ohne dich nicht ſein? Zu Furcht und Ingſten auserleſen, ſtänd ich in weiter Welt allein. Nichts wüßt ich ſicher, das ich liebte; die Zukunft wär ein dunkler Schlund, und wenn mein Herz ſich tief betrübte, wem thät ich meine Sorge kund? 2. Einſam verzehrt von Lieb und Sehnen, erſchien mir nächtlich jeder Tag; ich folgte nur mit heißen Thränen dem wilden Lauf des Lebens nach; ich fände Unruh im Getümmel und hoſſ⸗ Advent. hoffnungsloſen Gram zu haus; wer hielte ohneFreund im Himmel, wer hielte da auf Erden aus? 3. Hat Chriſtus ſich mir kund gegeben, und bin ich ſeiner erſt gewiß, wie ſchnell verzehrt ein lichtes Leben die bodenloſe Finſternis! Durch ihn erhalt ich tauſend Gaben, durch ihn bin ich ja Gottes Kind, gewiß, ihn unter uns zu haben, wo zwei auch nur verſammelt ſind. O geht hinaus auf allen Wegen und holt die Irrenden herein; ſtrecktjedem eure Hand entgegen und ladet froh ſie zu uns ein! Der Himmel iſt bei uns auf Erden, im Glauben ſchauen wir ihn an. Die eines Glaubens mit uns werden, auch denen iſt er aufgethan. 5. Das Herz, des Lebens reichſte Quelle, ein böſcs Weſen wohnte drin; und wards in unſerm Geiſte helle, ſo war nur Unruh der Gewinn. Ein eiſern Band hielt an der Erde die bebenden Gefangnen feſt; Furcht vor des TodesRichter⸗ ſchwerte verſchlang der Hoff⸗ nung überreſt. Da kam ein Heiland, ein Befreier, ein Menſchen⸗ ſohn voll Lieb und Macht und hat ein allbelebend Feuer in unſerm Innern angefacht. Nun ſahn wir 15 erſt den Himmel offen als unſer wahres Voterland; wir konnten glauben nun und hoffen und fühlten uns mit Gott verwandt. 7. Noch ſteht in wunder⸗ ſamem Glanze der heilige Geliebte hier; gerührt von ſeinem Dornenkranze und ſeiner Treue, weinen wir. Ein jeder Menſch iſt uns willkommen, der ſeine Hand mit uns ergreift und, in ſein Herz mit aufgenommen, zur Frucht des Paradieſes reift. Novalis(Fr. v. Hardenbergh, † 1801. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. (Herr, wir ſingen deiner Ehre.) 29 wir ſingen deiner Ehre, erbarm dich unſer und er⸗ höre, nimm gnädig unſer Loblied an! Herr, wir danken voll Entzücken; wo iſt ein Gott, der ſo beglücken, ſo lieben und ſo ſegnen kann? Der Gott, den wir erhöhn, er, deſſen Heil wir ſehn, iſt die Liebe; ſchon vor der Zeit, in Ewigkeit war Gott die Liebe, wird ſie ſein. 2. Um zu dir uns zu erheben, hauchſt du in unſre Bruſt das Leben und ſchenkeſt uns der Erde Glück; um zu dir uns zu erheben, entziehſt du unſrer Bruſt das Leben und ſchenkeſt uns des Him⸗ mels ———————— 16 Advent. mels Glück. Du giebſt das Leben, Gott! Du ſendeſt uns den Tod nur zum Segen, biſt liebevoll; nur unſer Wohl, nicht unſer Elend ſchaffeſt du! 3. Als wir, von der Sünde Plagen gequält, in unſerm Elend lagen und Nacht des Todes uns um⸗ fing, fern von deiner Wahr⸗ heit Pfade, da war es, Gott, als deine Gnade er⸗ barmend vor uns überging. Da rief der Liebe Blick ins Leben uns zurück; von der Sünde, von ihrer Macht ſind wir erwacht, erwacht, um Gottes Licht zu ſehn. 4. Preiſet ihn, ihr Jubel⸗ lieder! Zur Erde ſtieg ſein Sohn hernieder, ward Menſch und ſtarb der Sünder Tod. Chriſtus hat den Tod be⸗ zwungen; ein neues Lied werd ihm geſungen! Uns ſegnet und begnadigt Gott. Wir ſind mit ihm verſöhnt; ihr Lobgeſänge, tönt, tönt zum Himmel! Erſchallt ſchon hier! Einſt knieen wir an ſeinem Thron und beten an. J. J. Eſchenburg, † 1829. Mel. Ach Jeſu, meiner Seelen Freude ꝛc. 30 ein König kommt in niedern Hüllen ſanftmütig auf der Eſlin Füllen; empfang ihn froh, Jeruſalem! Trag ihm ent⸗ gegen Friedenspalmen, be⸗ ſtreu den Pfad mit grünen Halmen; ſo iſts dem Herren angenehm. 2. O mächtger Herrſcher ohne Heere, gewaltger Kämpfer ohne Speere, o Friedensfürſt von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren den Weg zu deinem Throne ſperren; doch du gewinnſt ihn ohne Schlacht. 3. Dein Reich iſt nicht von dieſer Erden; doch aller Erden Reiche werden dem, das du gründeſt, unter⸗ than. Bewaffnet mit des Glaubens Worten zieht deine Schar nach den vier Orten der Welt hinaus und macht dir Bahn. 4. Und wo du kommeſt hergezogen, da ebnen ſich des Meeres Wogen, es ſchweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommſt, auf den empörten Triften des Lebens neuen Bund zu ſtiften, und ſchlägſt in Feſſel Sünd und Tod. 5. O Herr von großer Huld und Treue, o komme du auch jetzt aufs neue zu uns, die wir ſind ſchwer ver⸗ ſtört! Not iſt es, daß du ſelbſt hienieden kommſt, zu erneuern deinen Frieden, dagegen ſich die Welt empört. 6. O laß dein Licht auf Erden ſiegen, die Macht der Finſter⸗ Weihnachten. Finſternis erliegen und löſch derZwietracht Glimmen aus, daß wir, die Völker und die 17 Thronen, vereint als Brüder wieder wohnen in deines großen Vaters Haus. Fr. Rückert, † 1866. IMI. Weihnachten. 31 Es iſt ein Ros ent⸗ ſprungen aus einer Wurzel zart, als uns die Alten ſungen, von Jeſſe kam die Art, und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht. 2. Das Röslein, das ich meine, davon Jeſaias ſagt, hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd. Aus Gottes ewgem Rat hat ſie ein Kind geboren, wohl zu der halben Nacht. Aus dem 16. Jahrhundert. Ein Kinderlied auf die Weihnachten vom Kind⸗ lein Jeſu. (Vom Himmel kam der.) om Himmel hoch, 32 V da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär; der guten Mär bring ich ſo viel, davon ich ſingn und ſagen will. 2. Euch iſt ein Kindlein heut geborn, von einerJung⸗ frau auserkorn, ein Kinde⸗ lein, ſo zart und fein, das ſu eur Freud und Wonne ein. 3. Es iſt der HerrChriſt, unſer Gott, der will euch führn aus aller Not; er will eur Heiland ſelber ſein, von allen Sünden machen rein. 4. Er bringt euch alle Seligkeit, die Gott, der Vater, hat bereit, daß ihr in ſeinem Himmelreich mit uns ſollt leben allzugleich. 5. So merket nun das Zeichen recht: die Krippen, Windelein ſo ſchlecht, da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt. 6. Des laßt uns alle fröhlich ſein und mit den Hirten gehn hinein, zu ſehn, was Gott uns hat beſchert, mit ſeinem lieben Sohn ver⸗ ehrt. 7. Sei uns willkommen, edler Gaſt, den Sünder nicht verſchmähet haſt, und kommſt ins Elend her zu mir: wie ſoll ich immer danken dir? 8. Ach, Herr, du Schöpfer aller Ding, wie biſt t o ſo gering, daß du da liegſt auf dürrem Gras, der in dem Schoß des Vaters ſaß! 9. Und wär die Welt viel⸗ mal ſo weit, mit Edelſtein und Gold bereit', ſo wäre ſie doch viel zu klein, um eine Wiege dir zu ſein. 10. Der Sammet und die Seiden dein, das müſſen Heu und Windeln ſein, worin du, König, groß und reich, her⸗ prangſt, als wärs dein Him⸗ melreich. 11. Das hat alſo gefallen dir, die Wahrheit anzuzeigen mir, wie aller Welt Macht, Ehr und Gut vor dir nichts gilt, nichts hilft noch thut. 12. Ach, du herzlieber Jeſu mein, mach dir ein Bette ſanft und rein, zu ruhn in meines Herzens Schrein, daß ich nimmer vergeſſe dein; 13. Davon ich allzeit fröh⸗ lich ſei, zu ſpringen, ſingen immer frei zu Ehren dir, o Gottesſohn, mit Herzensluſt den ſüßen Ton. 14. Lob, Ehr ſei Gott im höchſten Thron, der uns ſchenkt ſeinen eingen Sohn; des freuet ſich der Engel Schar und ſinget uns ſolch neues Jahr. Luther, † 1546. 33 elobet ſeiſt du, Jeſu Chriſt, daß du Menſch geboren biſt von einerJungfrau, das iſt wahr; Weihnachten. des freuet ſich der Engel Schar. Hallelujah! 2. Des ewgen Vaterseinig Kind jetzt man in der Krippen findt; in unſer armes Fleiſch und Blut verkleidet ſich das ewge Gut. Hallelujah! 3. Den aller Weltkreis nie beſchloß, der liegt in Mariens Schoß; er iſt ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Hallelujah! 4. Das ewge Licht geht da herein, giebt der Welt ein neuen Schein; es leucht wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Hallelujah! 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gaſt in der Welt hie ward und führt uns aus dem Jammerthal, macht Erben uns in ſeinem Saal. Hallelujah! 6. Er iſt auf Erden kom⸗ men arm, daß er unſer ſich erbarm und uns im Himmel mache reich und ſeinen lieben Engeln gleich. Hallelujah! 7. Das hat er alles uns gethan, ſein groß Lieb zu zeigen an; des freu ſich alle Chriſtenheit und dank ihm des in Ewigkeit. Hallelujah! Luther, † 1546. 34 Lobt Gott, ihr Chri⸗ ſten allzugleich, in ſeinem höchſten Thron, der heut ſchleußt auf ſein Him⸗ melreich w wi un ſe ul li Weihnachten. melreich und ſchenkt uns ſei⸗ nen Sohn. 2. Er kommt aus ſeines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein; er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein. 3. Der Herr begiebt ſich der Gewalt, wird niedrig und gering, nimmt an ſich eines Knechts Geſtalt, der Schöpfer aller Ding. 4. Er wechſelt mit uns wunderbar, nimmtFleiſch an, wird uns gleich und beut uns Gottes Klarheit dar in ſeines Vaters Reich. 5. Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechſel ſein! Wie könnte doch ſein freundlicher das liebe Chriſtkindlein! 6. Heut ſchleußt er wieder auf die Thür zum ſchönen Paradeis; der Cherub ſteht nicht mehr dafür, Gott ſei Lob, Ehr und Preis! N. Hermann, † 1561. 35 Fihic ſoll mein Herze ſpringen dieſer Zeit, da vor Freud alle Engel ſingen. Hört, hört, wie mit vollen Chören alle Luft jauchzt und ruft: Chri⸗ ſtus iſt geboren! 2. Heute geht aus ſeiner Kammer Gottes Held, der die Welt reißt aus allem Jammer. Gott wird Menſch, dir, Menſch, zu gute; Gottes 19 Kind, das verbindt ſich mit unſerm Blute. 3. Sollt uns Gott nun können haſſen, der uns giebt, was er liebt über alleMaßen? Gott giebt, unſerm Leid zu wehren, ſeinen Sohn aus dem Thron ſeiner Macht und Ehren. 4. Nun, er liegt in ſeiner Krippen, ruftzu ſich mich und dich, ſpricht mit ſüßenLippen: laſſet fahren, lieben Brüder, was euch quält, was euch fehlt; ich bring alles wieder. 5. Ei, ſo kommet ohn Ver⸗ weilen, ſtellt euch ein, groß und klein, laßt uns zu ihm eilen! Liebt den, der vor Liebe brennet, ſchaut den Stern, der uns gern Licht und Labſal gönnet. 6. Die ihr ſchwebt in großen Leiden, ſehet, hier iſt die Thür zu den wahren Freuden. Faßt ihn wohl, er wird euch führen an den Hrt, da hinfort euch kein Kreuz wird rühren. 7. Wer ſich fühlt beſchwert im Herzen, wer empfindt ſeine Sünd und Gewiſſensſchmer⸗ zen, ſei getroſt: hier wird efunden, der in Eil machet hell auch die tiefſten Wunden. 8. Die ihr arm ſeid und elende, kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände! Hier ſind alle guten Gaben und das Gold, dran ihr ſollt eure Herzen laben. 20 Weihnachten. 9. Süßes Heil! laß dich umfangen, laß mich dir, meine Zier, unverrückt anhangen! Du biſt meines Lebens Leben, nun kann ich mich durch dich wohl zufrieden geben. 10. Ich will dich mit Fleiß bewahren, ich will dir leben hier und mit dir heim⸗ fahren; mit dir will ichendlich ſchweben voller Freud, ohne Zeit dort im andern Leben. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Erſchienen iſt der herrlich Tagc. 36 Wir ſingen dir, Immanuel, du Lebensfürſt und Gnaden⸗ quell, daß du, o lang ge⸗ wünſchterGaſt, dich nunmehr eingeſtellet haſt. Hallelujah! 2. Vom Anfang, da die Welt gemacht, hat ſo manch Herz nach dir gewacht; dich hat gehofft ſo lange Jahr der Väter und Propheten Schar. Hallelujah! 3. Ach, daß der Herr aus Zion käm und unſre Bande von uns nähm! Ach, daß die Hilfe bräch herein, ſo würde dein Volk fröhlich ſein. Hallelujah! 4. Nun, du biſt hier, da liegeſt du, hältſt in dem Kripplein deine Ruh, biſt klein und machſt doch alles groß, bekleidſt die Welt und kommſtdoch bloß. Hallelujah! 5. Du kehrſt in freide Hauſung ein, und ſind doch alle Himmel dein; du liegſt an einer Menſchenbruſt und biſt doch aller Engel Luſt. Hallelujah! 6. Du biſt der Urſprung aller Freud und duldeſt ſo viel Herzeleid; du biſt der größte Menſchenfreund, doch ſind dir ſo viel Menſchen feind. Hallelujah! 7. Ich aber, dein geringſter Knecht, ich ſag es frei und mein es recht: ich liebe dich, doch nicht ſo viel, als ich dich gerne lieben will. Halle⸗ lujah! 8. Der Will iſt da, die Kraft iſt klein; doch wird dir nicht zuwider ſein mein armes Herz, und was es kann, wirſt du in Gnaden nehmen an. Hallelujah! 9. Darum hab ich ſoguten Mut, du wirſt auch halten mich für gut; o Jeſu Chriſt, dein frommer Sinn macht, daß ich ſo voll Troſtes bin. Hallelujah! 10. Und bin ich gleich der Sünde voll, hab ich gelebt nicht, wie ich ſoll, ſo kommſt du doch deswegen her, daß ſich der Sünder zu dir kehr. Hallelujah! 11. So faß ich dich nun ohne Scheu; du machſt mich alles Jammers frei; du trägſt dieSchuld, erwürgſt den Tod, verkehrſt in Freud all Angſt und Not. Hallelujah! 12. Du biſt mein Haupt, hin⸗ Weihnachten. hinwiederum bin ich dein Glied und Eigentum und will, ſo viel dein Geiſt mir giebt, ſtets dienen dir, wie dirs beliebt. Hallelujah! 13. Ich will dein Halle⸗ lujah hier mit Freuden ſingen für und für, und dort in deinem Ehrenſaal ſolls ſchal⸗ len ohne Zeit und Zahl. Hallelujah! P. Gerhardt, † 1676. Mel. Nun freut euch, lieben Chriſten ꝛc.(Es iſt das Heil uns.) 37 Och ſteh an deiner WKrippe hier, oJeſu, du mein Leben! Ich ſtehe, bring und ſchenke dir, was du mir haſt gegeben. Nimm hin, es iſt mein Geiſt und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin, und laß dirs wohl gefallen! 2. Da ich noch nicht ge⸗ boren war, da biſt du mir geboren und haſt mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren; eh ich noch war ans Licht gebracht, da hat dein Herze ſchon bedacht, wie du mein wollteſt werden. 3. Ich lag in tiefer Todes⸗ nacht, du wurdeſt meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glau⸗ bens in mir zugericht, wie ſchön ſind deine Strahlen! 4. Ich ſehe dich mit Freuden an und kann nicht 21 ſatt mich ſehen, und weil ich nun nicht weiter kann, ſo preis ich, was geſchehen. O daß mein Sinn ein Ab⸗ grund wär und meine Seel ein weites Meer, daß ich dich möchte faſſen! 5. Wenn oft mein Herz vor Leide weint und keinen Troſt kann finden, da ruft mirs zu: ich bin dein Freund, ein Tilger deiner Sünden; was trauerſt du, o Bruder mein? Du ſollſt ja guter Dinge ſein, ich zahle deine Schulden. 6. Du frageſt nicht nach Luſt der Welt, noch nach des Leibes Freuden; du haſt dich bei uns eingeſtellt, an unſrer Statt zu leiden; ſuchſt meiner Seele Troſt und Freud durch dein ſelbſt⸗ eignes Herzeleid; das will ich dir nicht wehren. 7. Eins aber, hoff ich, wirſt du mir, mein Heiland, nicht verſagen: daß ich dich möge für und für in meinem Herzen tragen. So laß mich deine Wohnung ſein, komm, komm und kehre bei mir ein mit allen deinen Freuden! 8. Zwar ſollt ich denken, wie gering ich dich bewirten werde; du biſt ein Schöpfer aller Ding, ich bin nur Staub und Erde; doch biſt du ein ſo lieber Gaſt, daß du noch nie verſchmähet haſt den, der dich gerne ſiehet. P. Gerhardt, † 1676. 22 Weihnachten. Mel. O, daß ich tauſend Zungen ꝛc. (Wer nur den lieben Gott, Nr. 2.) 38 Die⸗ iſt die Nacht, da mir erſchienen des großen Gottes Freund⸗ lichkeit. Das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit, und dieſes Welt⸗ und Himmels⸗ licht weicht hunderttauſend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, verſäume nicht den Gnadenſchein! Der Glanz in dieſer kleinen Höhle ſtreckt ſich in alle Welt hinein; er treibet weg der Höllen Macht, der Sünden und des Todes Nacht. 3. In dieſem Lichte kannſt du ſehen das Licht der klaren Seligkett. Wenn Sonne, Mond und Stern vergehen dereinſt am Ende dieſer Zeit, wird dieſes Licht mit ſeinem Schein dein Himmel und dein Alles ſein. 4. Laß nur indeſſen helle ſcheinen dein Glaubens⸗ und dein Liebeslicht; mit Gott mußt du es treulich meinen, ſonſt hilft dir dieſe Sonne nicht; willſt du genießen dieſen Schein, ſo darfſt du nicht mehr dunkel ſein. 5. Drum, Jeſu, ſchöne Weihnachtsſonne, beſtrahle mich mit deiner Gunſt; dein Licht ſei meine Weihnachts⸗ wonne und lehre mich die Weihnachtskunſt, wie ich im Lichte wandeln ſoll und ſei des Weihnachtsglanzes voll. K. F. Nachtenhöfer, † 1685. Mel. Lobe den Herren, den ꝛc 39 Cauchzet, ihrHimmel, Wfrohlocket, ihrEngel, in Chören! Singet dem Herren, dem Heiland der Menſchen, zu Ehren! Sehet doch da, Gott will ſo freund⸗ lich und nah zu den Ver⸗ lornen ſich kehren. 2. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Enden der Erden! Gott und derSünder, die ſollen zu Freunden nun werden. Friede und Freud wird uns verkündiget heut; freuet euch, Hirten und Herden! 3. Sehet dies Wunder, wie tief ſich der Höchſte ge⸗ neiget! Sehet die Liebe, die ganz ſich als Liebe nun zeiget! Sie wird ein Kid, träget und tilget die Sünd; alles anbetet und ſchweiget. 4. Gott iſt im Fleiſche! wer kann dies Geheimnis verſtehen? Hier iſt diePforte des Lebens nun offen zu ſehen. Gehet hinein, eins mit dem Kinde zu ſein, die ihr zum Vater wollt gehen. 5. Haſt du denn, Höchſter, auch meiner noch wollen gedenken? Du willſt dich ſelber, dein Herze voll Liebe mir mir ſchenken; ſollt nicht mein Sinn innigſt ſich freuen darin und ſich in Demut verſenken? 6. Konig der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, dem ich auch wieder mein Herze in Liebe verbinde, du ſollſt es ſein, den ich erwähle allein; ewig entſag ich der Sünde. 7. Treuer Immanuel, werd auch in mir noch ge⸗ boren; komm doch, mein Heiland, und laß mich nicht länger verloren! Wohne in mir, mache ganz eins mich mit dir, in dir zum Leben erkoren! 8. Menſchenfreund, Jeſu, dich lieb ich, dich will ich erheben, laß mich doch einzig nach deinem Gefallen nun leben; gieb mir auch bald, Jeſu, die Kindesgeſtalt, völlig mich dir zu ergebeni G. Terſtegen, † 1769. Mel. Vom Himmel hoch ꝛc. (Vom Himmel kam der.) 40 Dies iſt der Tag, den Gott gemacht, ſein werd in aller Welt ge⸗ dacht; ihn preiſe, was durch Jeſum Chriſt im Himmel und auf Erden iſt. 2. Die Völker haben dein geharrt, bis daß die Zeit erfüllet ward, da ſandte Gott von ſeinem Thron das Heil der Welt, dich, ſeinen Sohn. Weihnachten. 23 3. Wenn ich dies Wunder faſſen will, ſo ſteht mein Geiſt vor Ehrfurcht ſtill; er betet an, und er ermißt, daß Gottes Lieb unendlich iſt. 4. Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigſt du dich, Herr der Welt, nimmſt ſelbſt an unſrer Menſchheit teil, erſcheinſt im Fleiſch zu unſerm Heil. . Dein König, Zion, kommt zu dir:„Ich komm, im Buche ſteht von mir; Gott, deinen Willen thu ich gern.“ Gelobt ſei, der da kommt im Herrn! 6. Herr, der du Menſch geboren wirſt, Immanuel und Friedefürſt, auf den die Väter hoffend ſahn, dich, Gott, mein Heiland, bet ich an! 7. Du, unſer Heil und höchſtes Gut, vereineſt dich mit Fleiſch und Blut, wirſt unſer Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. 8. Durch Eines Sünde fiel die Welt, Ein Mittler iſts, der ſie erhält. Was zagt der Menſch, wenn der ihn ſchützt, der in des Vaters Schoße ſitzt? 9. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, den Tag der heiligſten Geburt, und Erde, die ihn heute ſieht, ſing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 24 10. Dies iſt der Tag, den Gott gemacht, ſein werd in aller Welt gedacht; ihn preiſe, was durch Jeſum Chriſt im Himmel und auf Erden iſt. Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. Kommt her zu mir ꝛc. 41 Biic an, du ſchönes Morgenlicht! Das iſt der alte Morgen nicht, der täglich wiederkehret; es iſt ein Leuchten aus der Fern, es iſt ein Schimmer, iſt ein Stern, von dem ich 2. Nun wird ein König aller Welt, von Ewigkeit zum Heil beſtellt, ein zartes Kind geboren; der Teufel hat ſein altes Recht am ganzen menſchlichen Ge⸗ ſchlecht verſpielt und ſchon verloren. 3. Der Himmel iſt jetzt nimmer weit, es naht die ſelge Gotteszeit der Freiheit und der Liebe; wohlauf, du frohe Chriſtenheit, daß jeder ſich nach langem Streit in Friedenswerken übe. 4. Ein ewig feſtes Liebes⸗ band hält jedes Haus und jedes Land und alle Welt umfangen; wir alle ſind ein heilger Stamm, der Löwe ſpielet mit dem Lamm, das Kind am Neſt der Schlangen. 5. Wer iſt noch, welcher ſorgt und ſinnt? Hier in Weihnachten. der Krippe liegt ein Kind mit lächelnder Geberde. Wir preiſen dich, du Sternenheld! Willkommen, Heiland aller Welt! Willkommen auf der Erde! M. v. Schenkendorf, † 1817. Mel. Lobe den Herren, den ꝛc. 42 Ehre jei ott in der Höhe! Der Herr iſt geboren! Laßt uns ihm ſingen, o Chriſten; auch wir ſind erkoren, ſein uns zu freun und durch ihn ſelig zu ſein; Chriſten, wir ſind nicht verloren. 2. Schatten und Dunkel bedeckten den Erdkreis; es irrten Völker umher, wie die Herden, verlaſſen vom Hirten. Jeſus erſchien, Nächte verſchwanden durch ihn, die auch den Weiſen verwirrten. 3. Menſchen, berufen, durch Liebe die Gottheit zu ehren, folgten der Zwietracht und haßten ſich vor den Altären. Jeſus erſchien, und es ward Friede durch ihn; ſinget es laut ihm zu Ehren! 4. Ehre ſei Gott in der Höhe! Ein ewiges Leben hat er durch ihn, den Geliebten, uns allen gegeben. Bis in das Grab ſtieg er vom Himmel herab, einſt uns zum Himmel zu heben. 5. Selige Ausſicht! Wie werd ich im Lichte der Höhe, Retter, Rett dort Dan ſei 6 — — Retter, dich preiſen, wenn dort ich verherrlicht dich ſehe! Danket ſchon hier, Chriſten, o dankt ihm mit mir: Ehre ſei Gott in der Höhe! A. H. Niemeyer, † 1827. Mel. Herr Gott, dich loben alle wir ꝛc. Gch komme vor dein Angeſicht.) 43 Enpor zu Gott, mein Lobgeſang! Er,dem das Lied der Engel klang, der hohe Freudentag iſt da; lobſinget ihm; Hallelujah! 2. Vom Himmel kam in dunkler Nacht, der uns das Lebenslicht gebracht; nun leuchtet uns ein milder Strahl wie Morgenrot im dunklen Thal. 3. Er kam, des Vaters Ebenbild, von ſchlichtem Pilgerkleid umhüllt, und führet uns mit ſanfterHand, ein treuer Hirt, ins Vater⸗ land. 4. Er, der jetzt bei dem Vater thront, hat unter uns, ein Menſch, gewohnt, damit auch wir ihm werden gleich und im Himmel⸗ reich. 5. Einſt führet er zur Himmelsbahn uns, ſeine Brüder, auch hinan und wandelt unſer Pilgerkleid in Sternenglanz und Herr⸗ ichkeit. 6 Empor zu Gott, mein tobgeſang! Er, dei der Weihnachten. 25 Engel Lied erklang, der hohe Freudentag iſt da; ihr Chriſten, ſingt Hallelujah! F. A. Krummacher, † 1845. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 44 Erfült ſind Stund und Zeiten, der neue Tag bricht an; das Licht der Ewigkeiten tritt auf die Siegesbahn; zur Mitternacht verſchwiegen hat es ſich eingeſtellt; die Engel Gottes fliegen und rufens in die Welt. 2. Hier liegts im Mutter⸗ ſchoße und iſt noch ſchwach und klein; nur zu geringem Loſe ſcheint es beſtimmt zu ſein, als ſollt es ſich ver⸗ lieren in tiefer Dunkelheit, und doch ſoll es regieren die Welt in Herrlichkeit. 3. Es muß vor dieſem Lichte der Erde Glanz ver⸗ gehn, vor dieſem Angeſichte die Sonne finſter ſtehn. Sein ſtill verborgnes Weſen hat eine ſolche Macht, daß Kranke drin geneſen und Totes neu erwacht. 4. Es freuen ſich die Armen, die Müden in dem Schein; es ladet voll Er⸗ barmen die Schwachen zu ſich ein. Die Stolzen nur erquicken ſich nicht an ſeinem Strahl; nur den verkehrten Blicken iſt dieſes Licht zur Qual. 4 26 Weihnachten. 5. O Licht, laß uns hie⸗ nieden als deine Kinder ſtehn, bis wir dereinſt in Frieden den höhern Aufgang ſehn! O Jeſu, Stern der Gnade, des Vaters Glanz und Zier, o leucht auf unſre Pfade, damit ſie gehn zu dir! Chr. R. Puchta, 1 1858. Mel. Aus meines Herzens Grundenc. (Schwingt, heilige Gedanken.) 45 Der heilge Chriſt iſt kommen, der teure Gottesſohn; des freun ſich alle Frommen am höchſten Himmelsthron. Auch wos auf Erden iſt, ſoll preiſen hoch und loben mit allen Engeln droben den lieben heilgen Chriſt. 2. Das Licht iſt aufge⸗ gangen, die lange Nacht iſt W. Jahreswechſel. Mel. Herr Jeſu Chriſt, dich ꝛc. 46 as alte Jahr ver⸗ gangen iſt; wir dauken dir, Herr Jeſu Chriſt, daß du in Not uns und Gefahr behütet haſt lang Zeit und Jahr. 2. Vir bitten dich, den ewgen Sohn des Vaters in dem höchſten Thron: du wollſt dein arme Chriſten⸗ heit bewahren ferner allezeit. hin; die Sünde liegt ge⸗ fangen, erlöſt iſt Herz und Sinn. Die Sündenangſt iſt weg, der Glaube geht zum Himmel nun aus dem Weltgetümmel auf einem ſichern Steg. 3. Nun ſind nicht mehr die Kinder verwaiſt und vaterlos; Gott rufet ſelbſt die Sünder in ſeinen Gnaden⸗ ſchoß, er will, daß alle, rein von ihren alten Schulden, vertrauend ſeinen Hulden, gehn in den Himmel ein. 4. Drum freuet euch und preiſet, ihr Seelen fern und nah! Der euch den Vater weiſet, der heilge Chriſt iſt da; er ruft ſo freundlich drein mit ſüßen Liebes⸗ worten: Geöffnet ſind die Pforten, ihr Kinder, kommt herein! 6. M. Arndt. 1 1860. 3. Entzeuch uns nicht dein heilſam Wort, der See⸗ len höchſten Troſt und Hort; vor Irrlehr und Abgötterei behüt uns, Herr, und ſteh uns bei! 4. Hilf, daß wir fliehn die Sündenbahn und fromn zu werden fangen an; der Sünd im alten nicht gedenk ein gnadenreich neu Jahr un ſchenk! — No 5. Hilf chriſtlich leben ſtetiglich, in dir einſt ſterben ſeliglich und darnach fröh— lich auferſtehn und mit dir in den Himmel gehn, 6. Zu loben und zu prei⸗ ſen dich mit allen Engeln ewiglich. O Jeſu, unſern Glauben mehr zu deines Namens Lob und Ehr. Von J. Steuerlein u. J. Tapp, um 1620. Mel. Herr, ich habe miß⸗ gehandelt ꝛc. 47 Hil Herr Jeſu, laß gelingen, hilf, das neue Jahr geht an; laß es neue Kräfte bringen, daß aufs neu ich wandeln kann. Neues Glück und neues Leben wolleſt du aus Gna⸗ den geben. 2. Meiner Hände Werk und Thaten, meiner Zunge Red und Wort müſſen nur durch dich geraten und ganz glücklich gehen fort. Neue Kraft laß mich erfüllen, zu verrichten deinen Willen. 3. Was ich dichte, was ich mache, das geſcheh in dir allein; wenn ich ſchlafe, wenn ich wache, wolleſt du, Herr, bei mir ſein; geh ich aus, wollſt du mich leiten, kehr ich heim, ſteh mir zur Seiten. 4. Laß mich beugen meine Kniee nur zu deines Namens Ehrz hilf, daß ich mich ſtets Jahreswechſel. 27 bemühe, dich zu preiſen mehr und mehr. Laß mein Bitten, Flehn und Singen zu dir in den Himmel dringen. 5. Laß dies ſein ein Jahr der Gnade, laß bereun mich meine Sünd; hilf, daß ſie mir nimmer ſchade und ich bald Verzeihung find, Herr, in dir; denn du, mein Leben, kannſt die Sünd allein ver⸗ geben. 6. Tröſte mich mit deiner Liebe, nimm, o Gott, mein Flehen hin, ſieh, wie ſehr ich mich betrübe, ja voll Angſt und Zagen bin. Stärke mich in meinen Nöten, daß mich Sünd und Tod nicht töten. 7. Herr, du wolleſt Gnade geben, daß dies Jahr mir heilig ſei, und ich chriſtlich könne leben, ſonder Trug und Heuchelei, daß ich noch allhier auf Erden fromm und ſelig möge werden. 8. Jeſu, richte mein Be⸗ ginnen, Jeſu, bleibe ſtets bei mir; Jeſu, zähme mir die Sinnen, Jeſu, ſei nur mein Begier; Jeſu, ſei mir in Ge⸗ danken, Jeſu, laſſe nie mich wanken. 9. Jeſu, laß mich fröhlich enden dieſes angefangne Jahr; trage ſtets mich auf den Händen, halte bei mir in Gefahr. Freudig will ich dich umfaſſen, wenn ich ſoll die Welt verlaſſen. Zoh. Riſt, † 1667. 28 Jahreswechſel. Mel. Nun laßt unsGott, demHerrenꝛc. (Wach auf, mein Herz, und ſinge.) 48 9 un laßt uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unſerm Leben bis hierher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten bis zum neuen. 3. Denn wie von treuen Müttern in ſchweren Unge⸗ wittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß be⸗ wahret werden: 4. Alſo auch und nicht minder läßt Gott ihm ſeine Kinder, wenn Not und Trübſal blitzen, in ſeinem Schoße ſitzen. 5. Ach, Hüter unſers Le⸗ bens, fürwahr, es iſt ver⸗ gebens mit unſerm Thun und Machen, wo nicht dein Augen wachen. 6. Gelobt ſei deine Treue, die alle Morgen neue; Lob ſei den ſtarken Händen, die alles Herzleid wenden! 7. Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten in unſerm Kreuz und Leiden ein Brunnen unſrer Freu⸗ den. 8. Gieb uns und allen denen, die ſich von Herzen ſehnen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das ſich ſich gedulde. 9. Sprich deinen milden Segen zu allen unſern We⸗ gen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadenſonne ſcheinen! 10. Sei der Verlaſſnen Vater, der Irrenden Be⸗ rater, der Unverſorgten Gabe, der Armen Gut und Habe! 11. Hilf gnädig allen Kranken, gieb fröhliche Ge⸗ danken den hochbetrübten Seelen, die ſich mit Schwer⸗ mut quälen! 12. Und endlich, was das meiſte, füll uns mit deinem Geiſte, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe! 13. Das alles wollſt du geben, o unſres Lebens Leben, uns und der Chriſten⸗ ſchare zum ſelgen neuen Jahre! P. Gerhardt, † 1676. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 49 2 bermals ein Jahr verfloſſen näher zu der Ewigkeit! Wie ein Pfeil wird abgeſchoſſen, ſo vergehet meine Zeit, Jehovah Zebaoth! Unver⸗ änderlicher Gotti Ach, was ſoll, was ſoll ich bringen, deiner Langmut Dank zu ſingen? 2. Ich etſchrecke, mächtig Weſen! Ich verſink in Angſt und Not; denn mein Beten, Singen, en ch ne nd Singen, Leſen, ach, das iſt ſo träg und tot. Heilig! Heilig! Heiliger! Großer Seraphinen⸗Herr! Wehe mir! ich muß vergehen; denn wer kann vor dir beſtehen? 3. Aber du biſt auch ſanft⸗ mütig, o getreues Vater⸗ herz! In dem Bürgen biſt du gütig, der gefühlt des Todes Schmerz. Steh ich nicht in deiner Hand einge⸗ zeichnet als ein Pfand, das du ewig willſt bewahren vor des böſen Feindes Scha⸗ ren?. 4. Auf, mein Herz, gieb dich nun wieder ganz dem Friedensfürſten dar! Opfre dem des Dankes Lieder, wel⸗ cher krönet Tag und Jahr. Fang ein neues Leben an, das zum Ziel dich führen kann, wo du durch ein ſelig Sterben wirſt die Himmels⸗ kron ererben. 5. Soll ich denn in dieſer Hütten mich ein Zeit lang plagen noch, ſo wirſt du mich überſchütten mit Ge⸗ duld, das weiß ich doch. Tragaufdeinem Herzenmich, Jeſu Chriſte, dir will ich heut von neuem mich ver⸗ ſchreiben, dir auf ewig treu zu bleiben. 6. An dem Abend und dem Morgen, Gott, mein Rat, beſuche mich! Laß der Heiden Nahrungsſorgen nim— mer ſcheiden mich und dich! Jahreswechſel. 29 Prjf mich jeden Augenblick, gieb, daß ich mein Haus be⸗ ſchick, daß ich wache, bet und flehe, ehe denn ich ſchnell vergehe. J. Neander, † 1680. Mel. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. (Befiehl du deine Wege.) 50 Durch Trauern und durch Plagen, durch Not, durch Angſt und Pein, durch Hoffnung und durch Klagen, durch Sorgen groß und klein bin ich, Gott Lob, gedrungen, dies Jahr iſt nun dahin: dir, Gott, ſei Lob geſungen! Bewegt iſt Herz und Sinn. 2. Der du mich haſt er⸗ bauet, in dir beſteht mein Heil; dir iſt mein Glück ver⸗ trauet, du biſt und bleibſt mein Teil. Du haſt mich wohl erhalten, du biſt mein Troſt und Hort; dich laß ich ferner walten; Herr, führ mich fort und fort. 3. Mein Gott, o meine Liebe, was du willſt, will auch ich; gieb, daß ich nichts verübe, was irgend wider dich; diriſt mein Will ergeben, ja, er iſt nicht mehr mein, dieweil mein ganzes Leben dein eigen wünſcht zu ſein. 4. Nach dir ſoll ich mich ſchicken, und, Herr, ich wills auch thun. Soll mich die Armut drücken? Ich will dabei beruhn. Soll mich Verfolgung plagen? Ja, 55 — — 30 Herr, befiehl du mir! Soll ich Verachtung tragen? Ach, ich gehorch auch hier. 5. Soll ich verlaſſen leben? Herr Gott, dein Wille gilt. Soll ich in Angſten ſchwe⸗ ben? Mein Heiland, wie du willt. Soll ich denn Krank⸗ heit leiden? Ich will gehor⸗ ſam ſein. Soll ich von hinnen ſcheiden? Herr, dein Will iſt auch mein. 6. Heut iſt das Jahr be⸗ ſchloſſen; Herr, deine Gnade ſei heut auf mich neu er⸗ goſſen, mein Herze werd auch neu. Laß ich die alten Sün⸗ den, ſo werd ich, Gott, bei dir auch neuen Segen fin⸗ den, dein Wort verſpricht es mir. G. W. Sacer, † 1699. Mel. Meinen Jeſum laß ich nicht ꝛc. 51 Oeſus ſoll die Loſung ſein, da ein neues Jahr erſchienen; Jeſu Na⸗ me ſoll allein denen zum Paniere dienen, die in ſeinem Bunde ſtehn und auf ſeinen Wegen gehn. 2. Jeſu Name, Jeſu Wort ſoll in der Gemeinde ſchallen, und ſo oft wir an den Ort, der nach ihm genannt iſt, wallen, mache ſeines Namens Ruhm unſer Herz zum Hei⸗ ligtum. 3. Sein Verſühnen und ſein Heil wollen wir im Glauben ehren; alſo wird Jahreswechſel. es uns zu teil, wird ſich täglich bei uns mehren; auch fürs neue Jahr uns beut Jeſu Name Seligkeit. 4. Unſre Wege wollen wir nun in Jeſu Namen gehen; geht uns dieſer Leitſtern für, ſo wird alles wohl beſtehen, und durch ſeinen Gnaden⸗ ſchein alles voller Segen ſein. 5. Alle Sorgen, alles Leid ſoll ſein Name uns verſüßen, ſo wird alle Bitterkeit uns ein Segen werden müſſen. Jeſu Nam ſei Sonn und Schild, welcher allen Kum⸗ mer ſtillt. 6. Jeſus, aller Bürger Heil, unſerm Ort ein Gna⸗ denzeichen, unſres Landes beſtes Teil, dem kein Kleinod zu vergleichen, Jeſus, unſer Schutz und Hort, bleib uns Loſung fort und fort. B. Schmolck, † 1737. Mel. Es iſt das Heil uns ꝛc. 52 Gott ruft der Sonn und ſchafft den Mond, das Jahr danach zu teilen; er ſchafft es, daß man ſicher wohnt, und heißt die Zeiten eilen; er ordnet Jahre, Tag und Nacht. Auf, laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Dank erteilen! 2. Herr, der da iſt und der da war! Von danker⸗ füllten Zungen ſei dir für das —— — das verfloſſne Jahr ein heilig Lied geſungen, für Leben, Wohlfahrt, Troſt und Rat, für Fried und Ruh, für jede That, die uns durch dich gelungen. 3. Laß auch dies Jahr ge⸗ ſegnet ſein, das du uns neu gegeben, verleih uns Kraft — die Kraft iſt dein—, in deiner Furcht zu leben! Du ſchützeſt uns, und du ver⸗ mehrſt der Menſchen Glück, wenn ſie zuerſt nach deinem Reiche ſtreben. 4. Hilf deinem Volke vä⸗ Jahreswechſel. 81 terlich in dieſem Jahre wie⸗ der, erbarme der Verlaſſnen dich und der bedrängten Glieder; gieb Glück zu jeder guten That, und laß dich, Gott, mit Heil und Rat auf unſern Fürſten nieder, 5. Daß Weisheit und Ge⸗ rechtigkeit auf ſeinem Stuhle throne, daß Tugend und Zufriedenheit in unſerm Lande wohne; daß Treu und Liebe bei uns ſei: dies, lieber Vater, dies verleih in Chriſto, deinem Sohne! Chr. F. Gellert, † 1769. V. Darſtellung und Erſcheinung Seſu Chriſti. Mel. Unſer Herrſcher, unſer Königrc. 53 Were Licht, du Stadt der Hei⸗ den, und du, Salem, werde Licht; ſchaue, welchein Glanz mit Freuden über deinem Haupt anbricht! Gott hat derer nicht vergeſſen, die im Finſtern ſind geſeſſen. 2. Dunkelheit, die mußte weichen, als dies Licht kam in die Welt, dem kein andres zu vergleichen, welches alle Ding erhält. Die nach dieſem Glaſze ſehen, dürfen nicht im Finſtern gehen. Ach, wie waren wir verblendet, ehe noch dies Licht brach an! Ja, da hatte ſich gewendet ſchier vom Himmel jedermann; unſre Augen und Geberden hingen einzig an der Erden. 4. Gottes Rat war uns verborgen, ſeine Gnade ſchien uns nicht; Klein und Große mußten ſorgen, jedem fehlt es an dem Licht, das zum rechten Himmelsleben ſeinen Glanz uns ſollte geben. 5. Aber wie hervorge⸗ gangen iſt der Aufgang aus der Höh, haben wir das Licht empfangen, welches ſo viel Angſt und Weh aus der Welt hinweggetrieben, daß nichts Dunkles iſt ge⸗ blieben. 32 Darſtellung und Erſcheinung Jeſu Chriſti. 6. Dieſes Licht läßt uns nicht wanken in der rechten Glaubensbahn. Ewig, Herr, will ich dir danken, daß du haſt ſo wohl gethan und uns dieſen Schatz ge⸗ ſchenket, der zu deinem Reich uns lenket. 7. Gieb, Herr Jeſu, Kraft und Stärke, daß wir dir zu jeder Zeit durch der Liebe Glaubenswerke folgen in Ge⸗ rechtigkeit und hernach im Freudenleben heller als die Sterne ſchweben. 8. Dein Erſcheinen müß erfüllen mein Gemüt in aller Not; dein Erſcheinen müſſe ſtillen meine Seel auch gar im Tod; Herr, in Freuden und im Weinen müſſe mir dein Licht er⸗ ſcheinen! 9. Jeſu, laß mich endlich gehen freudig aus der böſen Welt, dein ſo helles Licht zu ſehen, das mir dort ſchon iſt beſtellt, wo wir ſollen unter Kronen in der ſchön⸗ ſten Klarheit wohnen. Joh. Riſt, † 1667. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 5 4 Hr Jeſu, Licht der Heiden, der From⸗ men Schatz und Lieb! Wir kommen jetzt mit Freuden durch deines Geiſtes Trieb in dieſen deinen Tempel und ſuchen mit Begier, nach Simeons Exempel, dich, Gottes Sohn, allhier. 2. Du wirſt von uns gefunden, o Herr, an jedem Ort, dahin du dich verbun⸗ den durch dein Verheißungs⸗ wort; vergönnſt noch heut⸗ zutage, daß man dich glei⸗ cherweis auf Glaubensarmen trage, wie hier der fromme Greis. 3. Sei unſer Glanz in Wonne, ein helles Licht in Pein, in Schrecken unſre Sonne, im Kreuzein Gnaden⸗ ſchein, in Zagheit Glut und Feuer, in Not ein Freuden⸗ ſtrahl, in Banden ein Be⸗ freier, ein Stern in Todes⸗ qual! 4. Herr, laß auch uns gelingen, daß einſt, wie Simeon, ein jeder Chriſt kann ſingen den ſchönen Schwanenton: mir werden nun mit Frieden die Augen zugedrückt, nachdem ich ſchon hienieden den Heiland hab erblickt. 5. Ja, ja, ich hab im Glauben, mein Jeſu, dich geſchaut; kein Feind kann dich mir rauben, dräut er auch noch ſo laut. Ich wohn in deinem Herzen, und in dem meinen du; uns ſcheiden keine Schmerzen, kein Angſt, kein Tod dazu. Joh. Franck, † 1677. Mel. Lobt Gott, ihr Chriſten allzugleich ꝛc. uf, Seele, auf und 55 An ſäume nicht! Es bricht das Licht herfür; der Wunderſtern giebt dir Be⸗ richt, der Held ſei vor der Thür. 2. Geh aus von deinem Vaterland, zu ſuchen ſolchen Herrn, laß deine Augen ſein gewandt auf dieſen Morgen⸗ ſtern! 3. Gieb acht auf dieſen hellen Schein, der aufge⸗ gangen iſt; er führet dich zum Kind hinein, das heißet Jeſu Chriſt. 4. Er iſt der Held aus Davids Stamm, der alle Feinde ſchlägt; er iſt das teure Gotteslamm, das unſre Sünde trägt. 5. Drum mache dich be⸗ hende auf, befreit von aller Laſt, und laß nicht ab von deinem Lauf, bis du dies Kindlein haſt. 6. Halt dich im Glauben an das Wort, das feſt iſt und gewiß; das führet dich zum Lichte fort aus aller Finſternis. 7. Drum ſinke nur vor ſeinem Glanz in tiefſte Demut ein, und laß dein Herz erleuchten ganz von ſolchem Freudenſchein! 8. Gieb dich ihm ſelbſt zum Opfer dar mit Geiſt und Leib und Seel und ſinge Darſtellung und Erſcheinung Jeſu Chriſti. 33 mit der Engel Schar:„Hier iſt Immanuel!“ 9. Hier iſt das Ziel, hier iſt der Ort, wo man zum Leben geht; hier iſt des Paradieſes Pfort, die wieder offen ſteht. 10. Hier fallen ale Sorgen hin, zur Luſt wird alle Pein; es wird erfreuet Herz und Sinn; denn Gott iſt wieder dein. 11. Der zeigt dir einen andern Weg, als du vorher gekannt: den ſtillen Ruh⸗ und Friedensſteg zum ewgen Vaterland. M. Müller, † 1704 Mel. Jeſum laß ich nicht ꝛc. 56 ₰ eſu, großer Wunder⸗ Wſtern, der aus Jakob iſt erſchienen, meine Seele will ſo gern dir an deinem Feſte dienen; nimm doch nimm doch gnädig an, was ich Armer ſchenken kann. 2. Nimm das Gold des Glaubens hin, wie ichs von dir ſelber habe und damit beſchenket bin, ſo iſt dirs die liebſte Gabe; laß es auch bewährt und rein in dem Trübſalsfeuer ſein! 3. Nimm den Weihrauch des Gebets, laß denſelben zu dir dringen; Herz und Lippen ſollen ſtets ihn als Opfer vor dich wenn ich bete, nimm es auf, und ſprich Ja und Amen drauf! —— 34 Darſtellung und Erſcheinung Jeſu Chriſti. 4. Nimm die Myrrhen bittrer Ren; ach, mich ſchmerzet meine Sünde! Aber du biſt fromm und treu, daß ich Troſt und Gnade finde und nun fröhlich ſprechen kann: Jeſus nimmt mein Opfer an. E. Neumeiſter, † 1756. Mel. Kommt her zu mir ꝛc. 57 Wehlauf. mein Herz, verlaß die Welt, dem, der für dich ſich darge⸗ ſtellt, nun dich auch darzu⸗ ſtellen! Er iſt das Licht, drum ſei gewiß, er wird auch deine Finſternis durch ſeinen Glanz erhellen. 2. Ach, du ſollſt ihm ein Tempel ſein! Er ſelbſt macht dich von Sünden rein und hat Luſt hier zu wohnen. Doch, finſtres Herz, auf, werde Licht! Denn Jeſus wohnt in Herzen nicht, die noch der Lüſte ſchonen. 3. Wer dich begehret, Gottes Sohn, vom Geiſt erweckt, wie Simeon, zu ſeinem Heil zu haben, Gott fürchtet, ſich der Welt ent⸗ wöhnt, aus ihr ſich nach dem Himmel ſehnt, der opfert rechte Gaben. 4. Wer auf die Treue Gottes baut, im Glauben ſeinen Heiland ſchaut, der kann im Frieden fahren. Der Heiland hält, was er verſpricht, er wird ſich ihm in ſeinem Licht dort herrlich offenbaren. 5. Herr, mache michgerecht und rein, Herr, laß mich ſtets voll Glaubens ſein, mich ſtets im Geiſte leben, bis du auch mich, wenn dirs gefällt, im Frieden wirſt aus dieſer Welt zu deiner Wonn erheben. Nach Laurenti(1722) von J. A Schlegel, † 1793. VI. Baſſion. 58 Lamm Gottes unſchuldig, am Stamm des Kreuzes ge⸗ ſchlachtet, allzeit erfunden geduldig, wiewohl du wareſt verachtet; all Sünd haſt du getragen, ſonſt müßten wir verzagen; erbarm dich unſer, o Jeſu! 2. O Lamm Gottes un⸗ ſchuldig, am Stamm des Kreuzes geſchlachtet, allzeit erfunden geduldig, wiewohl du wareſt verachtet; all Sünd haſt du getragen, ſonſt müßten wir ver⸗ zagen; erbarm dich unſer, o Jeſu! ———— — 3. O Lamm Gottes un⸗ ſchuldig, am Stamm des Kreuzes geſchlachtet, allzeit erfunden geduldig, wiewohl du wareſt verachtet; all Sünd haſt du getragen, ſonſt müßten wir verzagen; gieb deinen Frieden, o Jeſu! N. v. Hof, † 1541. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) Geſu, deine tiefen 59 Wunden, deine Qual und bittrer Tod geben mir zu allen Stunden Troſt in Leibs⸗ und Seelennot; fällt mir etwas Arges ein, denk ich bald an deine Pein, die verleidet meinem Herzen, mit der Sünde je zu ſcherzen. 2. Will ſich dann in Lüſten weiden mein ver⸗ derbtes Fleiſch und Blut, ſo gedenk ich an dein Leiden: Pald wird alles wieder gut. Setzet der Verſucher mir heftig zu, halt ich ihm für deine Gnad und Gnaden⸗ zeichen: bald muß er von dannen weichen. 3. Will die Welt mein Herz verführen auf die breite Sündenbahn, wo ſo viele ſich verlieren, alsdann ſchau ich emſig an deiner Marter Zentnerlaſt, die du ausge⸗ ſtanden haſt; ſo kann ich in Andacht bleiben, alle böſe Luſt vertreiben. Paſſion. 35 4. Ja, für alles, das mich kränket, mir dein Leiden Hilfe ſchafft; wenn mein Herz hinein ſich ſenket, ſchöpf ich neue Lebenskraft. Deines Troſtes Süßigkeit wendet mir das bittre Leid, der du mir das Heil erworben, da du biſt für mich geſtorben. 5. Auf dich ſetz ich all mein Hoffen, du biſt meine Zuverſicht; dein Tod hat den Tod getroffen, daß er mich kann töten nicht. Daß ich an dir habe teil, bringet Troſt mir, Schutz und Heil; deine Gnade wird mir geben Auferſtehung, Licht und Leben. 6. PHab ich dich in meinem Herzen, du Brunn aller Gütigkeit, ſo empfind ich keine Schmerzen auch im letzten Kampf und Streit. Ich verberge mich in dich, kein Feind kann verletzen mich; wer vertraut auf deine Wunden, der hat ſelig über⸗ wunden. J. Heermann, † 1647. * 60 i Jeſu, was haſt du verbrochen, daß man ein ſolch ſcharf Urteil hat ge⸗ ſprochen? Was iſt die Schuld? In was für Miſſe⸗ thaten biſt du geraten? 2. Du wirſt gegeißelt und mit Dorn gekrönet, ins Angeſicht geſchlagen und ver⸗ 2* höhnet, 36 Paſſion. höhnet, du wirſt mit Eſſig und mit Gall getränket, ans Kreuz gehenket. 3. Was iſt doch wohl die Urſach ſolcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geſchlagen; ich, o Herr Jeſu, habe dies verſchuldet, was du erduldet. 4. Wie wunderbarlich iſt doch dieſe Strafe: der gute Hirte leidet für die Schafe, die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für ſeine Knechte. 5. O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, die dich gebracht auf dieſe Marter⸗ ſtraße; ich lebte mit der Welt mit Luſt und Freuden, und du mußt leiden. 6. Ach, großer König, groß zu allen Zeiten, wie kann ich gnugſam ſolche Treu ausbreiten? Kein Menſchenherz vermag es auszudenken, was dir zu ſchenken. 7. Ich kanns mit meinen Sinnen nicht erreichen, wo⸗ mit doch dein Erbarmen zu vergleichen; wie kann ich dir denn deine Liebesthaten im Werk erſtatten? 8. Doch iſt noch etwas, das dir angenehme; wenn ich des Fleiſches Lüſte dämpf und zähme, daß ſie aufs neue nicht mein Herz ent⸗ zünden mit alten Sünden. 9. Weil aber es nicht ſteht in eignen Kräften, feſt die Begierden an das Kreuz zu heften, ſo gieb mir deinen Geiſt, der mich regiere, zum Guten führe. 10. Dann werd ich dir zu Ehren alles wagen, kein Kreuz mehr achten, keine Schmach und Plagen, nichts von Verfolgung, nichts von Todesſchmerzen nehmen zu Herzen. 11. Dies alles, obs für ſchlecht zwar iſt zu ſchätzen, wirſt du es doch nicht gar bei ſeite ſetzen, in Gnaden wirſt du dies von mir an⸗ nehmen, michnicht beſchämen. 12. Wenn dort, Herr Jeſu, wird vor deinem Throne auf meinem Haupte ſtehn die Ehrenkrone, da will ich dir, wenn alles wird wohl klingen, Lob und Dank ſingen. J. Heermann, † 1647. Mel. Wie nach einer Waſſerguelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 61 Der am Kreuz iſt meineLiebe, meine Lieb iſt Jeſus Chriſt! Weg, ihr argen Sündentriebe, Welt und Fleiſch mit eurer Liſt! Eure Lieb iſt nicht von Gott, eure Lieb iſt gar der Tod. Der am Kreuz iſt meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 2. Der am Kreuz iſt meine Liebe! Frevler, was befremdets dich, daß ich mich im Glauben übe? Jeſus gab ſich ſelbſt für mich. So ward er mein Friedeſchild, aber auch mein Lebensbild. Der am Kreuz iſt meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 3. Der am Kreuz iſt meine Liebe! Sünde, du be⸗ ſiegſt mich nicht. Weh mir, wenn ich den betrübe, der für mich ging ins Gericht! Kreuzigt ich nicht Gottes, Sohn? Spräch ich ſeinem Blut nicht Hohn? Der am Kreuz iſt meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 4. Der am Kreuz iſt meine Liebe! Keine Not, wie hart und groß, Hunger, Blöße, Geißelhiebe, nichts macht mich von Jeſus los; nicht Gewalt, nicht Gold, nicht Ruhm, Engel nicht, kein Fürſtentum. Der am Kreuz iſt meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 5. Der am Kreuz iſt meine Liebe! Komm, Tod, komm, mein beſter Freund! Wenn ich wie ein Staub zerſtiebe, wird mein Jeſus mir vereint. Da, da ſchau ich Gottes Lamm, meiner Seele Bräutigam. Der am Kreuz iſt meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 1668. Paſſion. 37 62 enn mich mein Sünden kränken, o mein Herr Jeſu Chriſt, ſo laß mich wohl bedenken, wie du geſtorben biſt und alle meine Sündenlaſt am Stamm des heilgen Kreuzes auf dich genommen haſt. 2. D Wunder ohne Maßen, wenn mans betrachtet recht! Es hat ſich martern laſſen der Herr für ſeinen Knecht; ſelbſt ſeinen eingen Sohn hat Gott für mich verlornen Menſchen gegeben in den Tod. 3. Was kann mir denn nun ſchaden der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden; die Schuld iſt allzumal bezahlt durch Chriſti teures Blut, daß ich nicht mehr darf fürchten der Hölle Qual und Glut. 4. Drum ſag ich dir von Herzen, jetzt und mein Leben lang, für deine Pein und Schmerzen, o Jeſu, Lob und Dank, für deine Not und Angſtgeſchrei, für dein un⸗ ſchuldig Sterben, für deine Lieb und Treu. 5. Herr, laß dein bittres Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernſt zu meiden die ſündliche Begier, daß mir nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich gekoſtet, daß ich erlöſet bin. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, ſollts auch ſein Schmach und Spott, hilf mir 38 Paſſion. mir geduldig tragen; gieb, o mein Herr und Gott, daß ich verleugne dieſe Welt und treu dem Beiſpiel folge, das du mir vorgeſtellt. 7. Laß mich an andern üben, was du an mir ge⸗ than, und meinen Nächſten lieben, gern dienen jeder⸗ mann ohn Eigennutz und Heuchelſchein, und, wie du mir erwieſen, aus reiner Lieb allein. 8. Laß endlich deine Wun⸗ den mich tröſten kräftiglich in meinen letzten Stunden und des verſichern mich: weil ich auf dein Verdienſt nur trau, du werdeſt mich annehmen, daß ich dich ewig ſchau. Juſt. Geſenius, † 1673. Mel. Herzlich thut mich verlangen ꝛc, (Befiehl du deine Wege.) 63 O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn; o Haupt, zum Spott gebun⸗ den mit einer Dornenkron; o Haupt, ſonſt ſchön gkrönet mit höchſter Ehr und Zier, jetzt aber höchſt verhöhnet, gegrüßet ſeiſt du mir! 2. Du edles Angeſichte, davor das Reich der Welt erſchrickt und wird zu nichte, wie biſt du ſo entſtellt, wie biſt du ſo erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, dem ſonſt kein Licht mehr gleichet, ſo ſchändlich zugericht? 3. Nun, was du, Herr, erduldet, iſt alles meine Laſt, ich hab es ſelbſt verſchuldet, was du getragen haſt. Schau her, hier ſteh ich Armer, der Zorn verdienet hat; gieb mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad! 4. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, iſt mir viel Guts gethan; dein Wort hat mich gelabet mit ſüßer Gnadenkoſt, dein Geiſt hat mich begabet mit reichem Himmelstroſt.. 5. Ich will hier bei dir ſtehen, verachte mich doch nicht; von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht; wenn dein Haupt 1 erblaſſen im letzten Todesſtoß, alsdann will ich dich faſſen in meinen Arm und Schoß. 6. Es dient zu meinen Freuden und kommt mir herzlich wohl, wenn ich in deinem Leiden, mein Heil, mich finden ſoll. Ach, möcht ich, o mein Leben, an deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben, wie wohl ge⸗ ſchähe mir! 7. Ich danke dir von Herzen, o Jeſu, liebſter Freund“ für deines Todes Schmerien, da dus ſo gut gemeint. Ach, gieb, daß ich mich halte zu dir und deiner Tren, — —— Treu, und, wenn ich nun erkalte, in dir mein Ende ſei. 8. Wenn ich einmal ſoll ſcheiden, ſo ſcheide nicht von mir; wenn ich den Tod ſoll leiden, ſo tritt du dann herfür; wenn mir am aller⸗ bängſten wird um das Herze ſein, ſo reiß mich aus den Angſten kraft deiner Angſt und Pein. 9. Erſcheine mir zum Schilde, zum Troſt in meinem Tod, und laß mich ſehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot; da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich feſt an mein Herz drücken. Wer ſo ſtirbt, der ſtirbt wohl. P. Gerhardt, † 1676. Mel. O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (In allen meinen Thaten.) 64 Welt, ſieh hier dein Leben am Stamm des Kreuzes ſchwe⸗ ben, dein Heil ſinkt in den Tod! Der große Fürſt der Ehren läßt willig ſich be⸗ ſchweren mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und ſchau mit Fleiße, wie er mit Todesſchweiße und Blut iſt überfüllt; aus ſeinem edeln Herzen vor unerſchöpften Schmerzen ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer hat dich ſo ge⸗ ſchlagen, mein Heil, und dich mit Plagen ſo übel zugericht? Paſſion. 39 Du biſt ja nicht ein Sünder, wie wir und unſre Kinder, von übelthaten weißt du nicht. 4. Ich, ich und meine Sünden, die ſich wie Körn⸗ lein finden des Sandes an dem Meer, die haben dir erreget das Elend, das dich ſchläget, und deiner Martern ganzes Heer. 5. Du ſetzeſt dich zum Bürgen, ja läſſeſt dich er⸗ würgen für mich und meine Schuld; mir läſſeſt du dich krönen mit Dornen, die dich höhnen, und leideſt alles mit Geduld. 6. Ich bin, mein Heil, verbunden all Augenblick und Stunden dir überhoch und ſehr; was Leib und Seel vermögen, das ſoll ich billig legen allzeit an deinen Dienſt und Ehr. 7. Nun, ich kann nicht viel geben in dieſem armen Leben, eins aber will ich thun: es ſoll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele ſcheiden, mir ſtets in meinem Herzen ruhn. 8. Ich wills vor Augen ſetzen, mich ſtets daran er⸗ götzen, ich ſei auch, wo ich ſei; es ſoll mir ſein ein Spiegel der Unſchuld und ein Siegel der Lieb und unverfälſchten Treu. 9. Ich will darin erblicken, wie ich mein Herz ſoll ſchmücken mit ſtillem, em —— 40 Paſſion. tem Mut, und wie ich die ſoll lieben, die mich doch ſehr betrüben mit Werken, ſo die Bosheit thut. 10. Ich will mich mit dir ſchlagen ans Kreuz und dem abſagen, was meinem Fleiſch gefällt; was deine Augen haſſen, das will ich fliehn und laſſen, gefiel es auch der ganzen Welt. 11. Dein Seufzen und dein Stöhnen und die viel tauſend Thränen, die für mich weinteſt du, die ſollen mich am Ende in deinen Schoß und Hände begleiten zu der ewgen Ruh. P. Gerhardt, † 1676. Mel. An Waſſerflüſſen Babylon ꝛc. (Ein Lämmlein geht.) 65 Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und träget in Geduld die Sünden aller Sünder; es geht dahin, wird matt und krank, ergiebt ſich auf die Würgebank, verzicht auf alle Freuden; es nimmt auf ſich Schmach, Hohn und Spott, Angſt, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod und ſpricht: ich wills gern leiden. 2. Das Lämmlein iſt der große Freund und Heiland unſrer Seelen; den, den hat Gott zum Sündenfeind und Sühner wollen wählen: geh hin, mein Kind, und nimm dich an der Kinder, die von Anfang an verdienet Straf und Ruten; die Straf iſt ſchwer, der Zorn iſt groß, du kannſt und ſollſt ſie machen los durch Sterben und durch Bluten. 3. Ja, Vater, ja, von Herzensgrund, leg auf, ich wills gern tragen! Mein Wollen hängt an deinem Mund, mein Wirken iſt dein Sagen. O Wunderlieb, o Liebesmacht, du kannſt, was nie ein Menſch gedacht, Gott ſeinen Sohn abdringen; o Liebe, Liebe, du biſt ſtark, du ſtreckeſt den in Grab und Sarg, vor dem die Felſen ſpringen. 4. Mein Lebetage will ich dich aus meinem Sinn nicht laſſen; dich will ich ſtets, gleich wie du mich, mit Liebesarmen faſſen; du ſollſt ſein meines Herzens Licht, und wenn mir auch mein Herz zerbricht, ſollſt du mein Herze bleiben; ich will mich dir, mein höchſter Ruhm, hiermit zu deinem Eigentum beſtändiglich ver⸗ ſchreiben. 5. Ich will von deiner Lieblichkeit bei Nacht und Tage ſingen, mich ſelbſt auch dirzu aller ZeitzumFreuden⸗ opfer bringen. Mein Bach des Lebens ſoll ſich dir und deinem deinem Namen für und für in Dankbarkeit ergießen, und was du mir zu gut gethan, das will ich ſtets, ſo tief ich kann, in mein Gedächtnis ſchließen. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Alle Menſchen müſſen ſterben ꝛc. 66 Qeſu, meines Lebens X Leben, Jeſu, meines Todes Tod, der du dich für mich gegeben in die tießſte Seelennot, in das äußerſte Verderben, nur daß ich nicht möchte ſterben; tauſend, tauſendmal ſei dir, liebſter Jeſu, Dank dafür. 2. Du, ach du haſt aus⸗ geſtanden Läſterreden, Spott und Hohn, haſt getragen Strick und Banden, du ge⸗ rechter Gottesſohn, nur mich Armen zu erretten von den ſchweren Sündenketten; tau⸗ ſend, tauſendmal ſei dir, liebſter Jeſu, Dank dafür. Willig ließeſt du dich ſchlagen, mich zu löſen von der Pein, ließeſt fälſchlich dich anklagen, daß ich könnte ſicher ſein; daß ich möchte troſtreich prangen, haſt du ſonder Troſt gehangen; tauſend, tauſendmal ſei dir, liebſter Jeſu, Dank dafür. 4. Du haſt dich in Not verſenket, wurdeſt, ach, für meine Schuld mit dem Todes⸗ kelch getränket, litteſt alles mit Geduld; daß ich würde Paſſion. 41 freigegeben, gabſt du hin dein teures Leben; tauſend, tauſendmal ſei dir, liebſter Jeſu, Dank dafür. 5. Deine Demut hat ge⸗ büßet meinen Stolz und übermut, dein Tod meinen Tod verſüßet; es kommt alles mir zu gut; dein Verlaſſenſein, dein Schreien muß zu Ehren mir gedeihen; tauſend, tauſendmal ſei dir, liebſter Jeſu, Dank dafür. 6. Nun, ich danke dir von Herzen, Jeſu, für ge⸗ ſammte Not, für die Wun⸗ den, für die Schmerzen, für den herben, bittern Tod; für dein Zittern, für dein Zagen, deine tauſendfachen Plagen, für dein Ach und tiefe Pein will ich ewig dankbar ſein. C. Chr. Homburg, † 1681. 670 du Liebe meiner Liebe, du erwünſchte Seligkeit, die du dich aus höchſtem Triebe in das jammervolle Leid deines Leidens, mir zu gute, als ein Opfer eingeſtellt und be⸗ zahlt mit deinem Blute alle Miſſethat der Welt. 2. Liebe, die mit heißen Thränen an dem Hlberg ſich betrübt; Liebe, die mit heißem Sehnen unaufhörlich feſt geliebt; Liebe, die den eignen Willen in des Vaters Willen legt und, den viuch er ——— —— —————— — ———— —— 42 der Welt zu ſtillen, treu die Laſt des Kreuzes trägt. 3. Liebe, die mit ſtarkem Herzen Schmach und Läſte⸗ rung gehört; Liebe, die in Angſt und Schmerzen bis zum Tod blieb unverſehrt; Liebe, die ſich liebend zeiget, da der Atem geht zu End; Liebe, die ſich liebend neiget, da ſich Leib und Seele trennt. 4. Liebe, die für mich geſtorben und ein immer⸗ während Gut an dem Kreuzesholz erworben, ach, wie denk ich an dein Bluti Ach, wie dank ich deinen Wunden, du verwundte Liebe du, wenn ich in den letzten Stunden ſanft an deinem Herzen ruh. 5. Liebe, die ſich tot gekränket und für mein er⸗ kaltet Herz in ein kaltes Grab geſenket, ach, wie dank ich deinem Schmerz! Habe Dank, daß du geſtorben, daß ich ewig leben kann, und der Seelen Heil erworben; nimm mich ewig liebend an! A. Dreſe, † 1701. Mel. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende ꝛc.(Wer nur den lieben Gott läßt walten, Nr. 1.) 68 Es iſt vollbracht! Er iſt verſchieden, mein Jeſus ſchließt die Augen zu; der Friedefürſt entſchläft im Frieden, die Lebensſonne Paſſion. geht zur Ruh und ſinkt in ſtille Todesnacht. O großes Wort: es iſt vollbracht! 2. Es iſt vollbracht! Er hats geſprochen, das ewge Wort muß ſprachlos ſein; das Herz der Treue wird gebrochen, den Fels des Heils umſchließt ein Stein, die höchſte Kraft iſt nun ver⸗ ſchmacht. O wahres Wort: es iſt vollbracht! 3. Es iſt vollbracht! Ihr, meine Sünden, verdammet nun mein Herz nicht mehr. Vom Himmel her hör ich verkünden: des Sohnes Blut erlangt Gehör; am Kreuz hats Frieden uns gemacht. O ſüßes Wort: es iſt voll⸗ bracht! 4. Es iſt vollbracht! O welch Verlangen zieht mich zu deinem Grabe hin; dich wünſchen Engel zu um⸗ fangen: ruh auch in mei⸗ nem Herzen drin, wo dir die Liebe Raum gemacht. Otröſtlich Wort: es iſt voll⸗ bracht! 5. Es iſt vollbracht! ſ will mich legen zur Ruh auf Chriſti Grabesſtein; die Engel ſind allhie zugegen, ich ſchlummre ſanft wie Jacob ein; die Himmels⸗ pfort iſt aufgemacht. O Lebenswort: es iſt voll⸗ bracht! Sal Frank, † 1725. — Paſſion. 43 (Wer nur den lieben Gott läßtwalten, Nr. 1.) 69 Du geheſt in den Garten beten, mein treuer Jeſu, nimm mich mit; laß mich an deine Seite treten, ich weiche von dir keinen Schritt; ich will an dir, mein Lehrer, ſehn, wie mein Gebet ſoll recht ge⸗ ſchehn. 2. Du gehſt mit Zittern und mit Zagen und biſt bis in den Tod betrübt; ach, dies ſoll mir ans Herze ſchlagen, daß ich die Sünde ſo geliebt; drum willſt du, daß mein Herz voll Reu mein Anfang zum Gebete ſei. 3. Du reißt dich von der Jünger Seiten, du ſuchſt die ſtille Einſamkeit; ſo muß auch ich mich wohl bereiten und fliehen, was mein Herz zerſtreut. Zieh mich von aller Welt allein, daß nur wir zwei beiſammen ſein. 4. Zur Erde beugſt du deine Glieder, fällſt nieder auf dein Angeſicht; ſo ſinkt die ſtille Demut nieder; drum rühm ich Aſch und Staub mich nicht; ich bieg und beuge mich mit dir vor meinem Gott in Demut hier. 5. Du beteſt zu dem lieben Vater und rufeſt:„Abba!“ wie ein Kind; dein Vater iſt auch mein Berater, ſein Vaterherz iſt treu geſinnt. Ich halte mich getroſt an dich und rufe:„Abba, höre mich!“ 6. Du greifſt voll Zuver⸗ ſicht und Liebe dem Vater tief ins treue Herz und rufſt aus ſtärkſtem Herzenstriebe: „O Vater, Vater!“ himmel⸗ wärts. Ach, Glaub und Liebe ſind mir not, ſonſt iſt doch all mein Beten tot. 7. Geduldig Lamm, wie hältſt du ſtille und im Ge⸗ bete dreimal an! Dabei iſt auch für mich dein Wille, daß ich ſoll thun, wie du gethan. Gott hilft nicht ſtets aufs erſtemal; drum fleh und ruf ich ohne Zahl. 8. Dein Wille ſenkt ſich in den Willen des allerbeſten Vaters ein; in ihm muß auch mein Herz ſich ſtillen, wofern ich will erhöret ſein; drum betiich in Gelaſſenheit: „Was mein Gott will, ge⸗ ſcheh allzeit.“ 9. Du, Herr, erlangeſt auf dein Flehen Troſt, Kraft, Sieg, Leben, Herrlichkeit; und ſo wirds auch mit mir geſchehen, daß ich zur ange⸗ nehmen Zeit auf ernſtlich Beten freudevoll den gleichen Segen ernten ſoll. 10. Drum, Jeſu, hilf mir ſtets ſo beten, wie mich dein heilig Vorbild lehrt; ſo kann ich frei zum Vater un 44 Paſſion. und werde ſtets von ihm erhört; ſo bet ich mich zum Himmel ein und will dir ewig dankbar ſein. J. Mentzer, † 1734. Mel. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönigc. (Gott im Himmel und auf Erden.) 70 Ruhe hier, mein Geiſt, ein wenig und ſchau an dies Wunder groß, wie dein Herr und Ehren⸗ könig hängt am Kreuze bleich und bloß, den ſein Lieben hat getrieben zu dir aus des Vaters Schoß. 2. Wie dich Jeſus liebt von Herzen, kannſt du hier am Kreuze ſehn; ſchau, wie bittre Todesſchmerzen ihm durch Leib und Seele gehn, Fluch und Schrecken ihn be⸗ decken; höre doch ſein ſ ag⸗ getön! 3. Dies ſind meiner Sün⸗ den Früchte, die, mein Hei⸗ land, ängſtgen dich; dieſer Leiden ſchwer Gewichte zöge ſonſt zum Abgrund mich; dieſe Nöten, die dich töten, ſollt ich fühlen ewiglich. 4. Doch du haſt für mich beſieget Sünde, Tod und Höllenmacht, Gottes ewgem Recht genüget, ſeinen Willen ganz vollbracht, durch dein Sterben n zum Erben deines dort gemacht. 5. Ach, ich Sündenkind auf Erden! Jeſu, ſtirbſt du mir zu gut? Soll dein Feind erlöſet werden durch dein eigen Herzensblut? Ich muß ſchweigen und mich beugen für dies unverdiente Gut. 6. Seel und Leben, Leib und Glieder, alles giebſt du für mich hin; ſollt ich dir nicht ſchenken wieder alles, was ich hab und bin? Ich bin deine ganz alleine, dir verſchreib ich Herz und Sinn. 7. Zeuch durch deines Todes Kräfte mich in deinen Tod hinein; laß mein Fleiſch und ſein Geſ ſchäfte, Herr, mit dir gekreuzigt ſein, daß mein Wille ſanft und ſtille und die Liebe werde rein. 8. Laß in allen Leidens⸗ wegen deine Leiden ſtärken mich, daß mein Leiden mir zum Segen mag gedeihen ſtetiglich, daß mein Herze auch im Schmerze ohne Wanken liebe dich. 9. Wenn mich ſchrecken meine Sünden, wenn mich böſe Luſt anficht, ich nicht Kraft noch Gnad kann fin⸗ den, wollſt du mich verlaſſen nicht! Laß dein Sterben mir erwerben Troſt im Tod und im Gericht! 10. Jeſu, nun will ich ergeben meinen Geiſt in deine Hand; laß mich dir alleine leben, bis ich nach dem Lei⸗ densſtand bei dir wohne, in der Krone dich beſchau im Vaterland. G. Terſtegen, † 1769. Mel. Herzliebſter Jeſu, was haſt duꝛc. 7 Her ſtärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu verſenken, die dich bewog, von aller Schuld des Böſen uns zu erlöſen! 2. Du wollteſt, Herr, ein Menſch gleich uns auf Erden und bis zum Tod am Kreuz gehorſam werden, anunſrer ſtatt gemartert und zer⸗ ſchlagen, die Sünde tragen. 3. Welch wundervoll hoch⸗ heiliges Vollbringen! Mein Geiſt kann nicht in ſeine Tiefe dringen. Mein Herz erbebt; ich ſeh und ich em⸗ pfinde den Fluch der Sünde. 4. Gott iſt gerecht, ein Rächer alles Böſen; Gott iſt die Lieb und läßt die Welt erlöſen; dies kann mein Geiſt mit Schrecken und Entzücken am Kreuz erblicken. 5. Es ſchlägt den Stolz und mein Verdienſt dar⸗ nieder; es ſtürzt mich tief und es erhebt mich wieder, lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde. 6. O Herr, mein Heil, an deſſen Blut ich glaube, ich liege hier vor dir gebückt im Staube, verliere mich mit dankendem Gemüte in deine Güte. 7. Das größt in Gott iſt: Gnad und Lieb erweiſen. Uns kommt es zu, ſie de⸗ Paſſion. 45 mutsvoll zu preiſen, zu ſehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnaderzeiget, die Gnade ſteiget. S. So ſei denn ewig auch von mir geprieſen für das Erbarmen, das du mir be⸗ wieſen. Du haſt, mein Hei⸗ land, auch für mich dein Leben dahin gegeben. 9. Du liebteſt mich; ich will dich wieder lieben und ſtets mit Freuden deinen Willen üben. O gieb du, Herr, zu dieſem heilgen Werke mir Kraft und Stärke. Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. O Traurigkeit ꝛc. (So ſchlummerſt du.) 72 An Kreuz erblaßt, der Marter Laſt, der Todesqualen müde, fin⸗ det mein Erlöſer erſt in dem Grabe Friede. 2. Ein heilger Schmerz durchdringt mein Herz, und, Herr, was kann ich ſagen? Nur an meine Bruſt kann ich tief gebeuget ſchlagen. 3. Du ſchützeſt mich, und über dich gehn aller Trübſal Wetter; ſterben wollteſt du für mich, einziger Erretter! 4. Du haſts gethan, dich bet ich an, du König der Erlöſten! Dein will ich im Tode mich glaubensvoll ge⸗ tröſten. 5. Es iſt vollbracht! rieſſt du mit Macht; du zeigſt, daß 46 Puſſion daß du dein Leben, mein Verſöhner, göttlichfrei habeſt hingegeben. 6. Hochheilge That! Des Höchſten Rat will ich in Demut preiſen; mein Er⸗ löſer wird mir einſt ſeine weiſen. 7. Allmächtig rief er, der entſch hief, den Toten; ſie Seen Leicht entſchwingt der Lebensfürſt ſich des Todes Banden. 8. Das finſtre Thal will 9 einmal durchwandeln ne Grauen; e durch vih, Erlöſer, iſts mir der Weg zum Schauen. 9. Ich pe dich, erforſche mich und ſiehe, wie ichs meine; ja, du ſiehſt es, wenn ich ſtill meinen Dank dir weine. 10. Vergeß ich dein, ſo werde mein in Ewigkeit ver⸗ geſſen. Herr, ich will, ſo lang ich bin, deine Lieb er⸗ meſſen. Chr. F. Neander, † 1802. Begräbnis Jeſu. Mel. Nun laßt uns den Leib ꝛc. 73 Der du, Herr Jeſu, Ruh und Raſt in deinem Grab gehalten haſt, gieb, daß wir in dir ruhen all und unſer Leben dir gefall. 2. Verleih, o Herr, uns Stärk und Mut, die du erkauft mit deinem Blut, und führ uns in des Him⸗ mels Licht zu deines Vaters Angeſicht. 3. Wir danken dir, o Got⸗ tes Lamm, getötet an des Kreuzes Stamm: laß ja uns Sündern deine Pein den Eingang in das Leben ſein. G. Werner, † 1643. (So ſchlummerſt du.) 74 O Traurigkeit, o Herzeleid! Iſt das nicht zu beklagen? Gott des Vaters einger Sohn wird ins Grab getragen. 2. O große Not, der Herr liegt tot! Am Kreuz iſt er geſtorben, hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb erworben. 3. O Menſchenkind, nur deine Sünd hat dieſes ange⸗ richtet, da du durch die Miſſe⸗ that wareſt ganz vernichtet. 4. Dein Bräutigam, das Gotteslamm, liegt hie mit Blut befloſſen, welches er ganz mildiglich hat für dich vergoſſen. 5. O ſelig iſt zu aller Friſt, der dieſes recht beden⸗ ket, wie der Herr der Herr⸗ lichkeit wird ins Grab ver⸗ ſenket. 6. O Jeſu, du mein Hilf und Ruh, ich bitte dich mit Thränen; hilf, daß ich mich bis ins Grab nach dir möge ſehnen! J. Riſt, † 1667. Paſſion. 47 Mel. O Traurigkeit ꝛc. (So ſchlummerſt du) 7 5 So ruheſt du, o meine Ruh, in deiner Grabeshöhle und erweckſt durch deinen Tod meine tote Seele. 2. Man ſenkt dich ein nach vieler Pein, du meines Lebens Leben! Dich hat jetzt ein Felſengrab, Fels des Heils, umgeben. 3. Ach, du biſt kalt, mein Hort und Halt! Das macht dein heißes Lieben, das dich in das kalte Grab mir zu gut getrieben. 4. Z Preis ſei dir! Du konnteſt hier nicht die Ver⸗ weſung ſehen; bald ließ dich des Vaters Macht aus dem Grab erſtehen. 5. O Lebensfürſt, ich weiß, du wirſt mich wieder auf⸗ erwecken; ſollte denn mein gläubig Herz vor der Gruft erſchrecken? 6. Sie wird mir ſein ein Kämmerlein, da ich im Frieden liege, weil ich nun durch deinen Tod Tod und Grab beſiege. 7. Nein, nichts verdirbt der Leib nur ſtirbt; doch wird er auferſtehen und in ganz verklärter Zier aus dem Grabe gehen. 8. Indes will ich, mein Jeſu, dich in meine Seele ſenken und an deinen bittern Tod bis zum Tod gedenken. S. Frank, † 1725. vII. Oſtern. 76 Chriſt iſt erſtanden von der Marter alle. Des ſolln wir alle froh ſein, Chriſt will unſer Troſt ſein. Hallelujah! 2. Wär er nicht erſtanden, die Welt, die wär vergangen; ſeit daß er erſtanden iſt, ſo lobn wir den Herren Jeſum Chriſt. Hallelujah! 3. Hallelujah, Hallelujah, Hallelujah! Des ſolln wir alle froh ſein, Chriſt will unſer Troſt ſein. Hallelujah! Vor 1300. 77 Chriſt lag in Todes⸗ banden, für unſre Sünd gegeben; der iſt wie⸗ der erſtanden und hat uns bracht das Leben; des wir ſollen fröhlich ſein, Gott loben und ihm dankbar ſein und ſingen: Hallelujah, Hallelujah! 2. Den Tod niemand bezwingen konnt bei allen Menſchenkindern; das machte alles unſre Sünd, kein Un⸗ ſchuld war zu finden. Davon kam der Tod ſobald und nahm ——— 48 Oſtern. nahm auch über uns Ge⸗ walt; ſein Reich hielt uns gefangen. Hallelujah! 3. Jeſus Chriſtus, Gottes Sohn, an unſrer ſtatt iſt kommen und hat die Sünde abgethan, damit dem Tod genommen all ſein Recht und ſein Gewalt; da bleibet nichts denn Todsgeſtalt, den Stachl hat er verloren. Hallelujah! 4. Es war ein wunder⸗ licher Krieg, da Tod und Leben rungen; das Leben, das behielt den Sieg, es hat den Tod verſchlungen. Die Schrift uns die Kunde bringt, wie da ſein Tod den Tod bezwingt; ein Spott der Tod iſt worden. Halle⸗ lujah! 5. Hier iſt das rechte Oſterlamm, davon wir ſollen leben; das iſt uns an des Kreuzes Stamm aus heißer Lieb gegeben. Des Blut zeichnet unſre Thür, das hält der Glaub dem Tode für; nicht rührn kann uns der Würger. Hallelujah! 6. So feiern wir das Feſt mit Herzensfreud und Wonne, das uns der Herr erſcheinen läßt; er ſelber iſt die Sonne, der durch ſeiner Gnaden Glanz erleuchtet unſre Herzen ganz; der Sünd Nacht iſt ver⸗ gangen. Hallelujah! Luther, † 1546. Mel. Heut triumphieret Gottes ꝛc. 78 Fi morgens, da die Sonn aufgeht, mein Heiland Chriſtus auf⸗ erſteht. Hallelujah, Halle⸗ lujah! Vertrieben iſt der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Hallelujah, Hallelujah! 2. Nicht mehr als nur drei Tage lang hält meinen Heiland Todeszwang. Halle⸗ lujah, Hallelujah! Am drit⸗ ten Tag durchs Grab er dringt, mit Ehren ſeine Siegsfahn ſchwingt. Halle⸗ lujah, Hallelujah! 3. Jetzt iſt der Tag, da mich die Welt mit Schmach am Kreuz gefangen hält. Hallelujah, Hallelujah! Drauf ſolgt der Sabbat in dem Grab, allda ich Ruh und Frieden hab. Halle⸗ lujah, Hallelujah! 4. In kurzem wach ich fröhlich auf, mein Oſtertag iſt ſchon im Lauf. Hallelujah, Hallelujah! Ich wach auf durch des Herren Stimm, veracht den Tod mit ſeinem Grimm. Hallelujah, Halle⸗ lujah! 5. O Wunder groß, o ſtarker Held, wo iſt ein Feind, den er nicht fällt? Hallelujah, Hallelujah! Kein Angſtſtein liegt ſo ſchwer auf mir, er wälzt ihn von des Herzens Thür. Hallelujah, Halle⸗ lujah! 6. Lebt Chriſtus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt. Halle⸗ lujah, Hallelujah! Wenn mir gleich alle Welt ſtürb ab, gnug, daß ich Chriſtum bei mir hab. Hal lelujah, S Er nährt, er ſchützt, er trſiet mich; ſterb ich, ſo nimmt er mich zu ſich. Hallelujah, Hallelujah! Wo er jetzt lebt, da muß ich hin, weil ſeines Leibes Glied ich bin. Hallelujah, Hallelujah! 8. Durch ſeiner Aufer⸗ ſtehung Kraft komm ich zur Engel⸗Brüderſchaft. Halle⸗ lujah, Hallelujah! Durch ihn bin ich mit Gott verſöhnt, mit Gnad und ewgem Heil gekrönt. Hallelujah, Halle⸗ lujah! 9. Mein Herz darf nicht entſetzen ſich: Gott und die Engel lieben mich. Halle⸗ lujah, Hallelujah! Die Freude, die mir iſt bereit, vertreibet Furcht und Trau⸗ rigkeit. Hallelujah, Halle⸗ lujah! 10. Für dieſen Troſt, o großer Held, HerrJeſu, dankt dir alle Welt. Hallelujah, Hallelujah! Dort wollen wir mit größerm Fleiß er⸗ heben deinen Ruhm und Preis. Hallelujah, Halle⸗ lujah! Joh. Heermann, † 1647. Oſtern. 49 (Sollt ich meinem Gott nicht ſingen.) 79 uns den Herren preiſen, o ihr Chriſten überall! Kommet laßt uns Dank erweiſen unſerm Gott mit frohem Schall! Jauchzet: frei von Fodesbanden iſt der Held aus Judas Stamm; der zu uns Himmel kam, Jeſus Chriſtus, iſt erſtanden! Nun iſt aus der lange Streit; freue dich, o Chriſtenheit! 2. Chriſus hat nun über⸗ wunden des ergrimmten Todes Macht; der im Tode lag gebunden, hat das Leben neu gebracht und die Finſter⸗ nis bezwungen. Die Ver⸗ weſung ſchaute nicht, der des TodesKetten bricht; nunzum Himmelsthron gedrungen, giebt er uns ein frei Geleit; freue dich, o Chriſtenheit! 3. Wor er gleich am Kreuz geſtorben, warer gleich ins Grab gelegt: dennoch blieb er unverdorben. Als die Erde ward erregt, hat der Lebensfürſt erhoben ſein verklärtes Angeſicht, ſtirbet nun und nimmer nicht. Ewig werden wir ihn loben; Harf und Pſalter, ſeid bereit! Freue dich, o Chriſtenheit! 4. Grab, wo ſind nun deine Schrecken? Hölle, wo iſt dein Triumph? Tod, du kannſt kein Graun erwecken, deine Pfeile ſind jetzt ſtumpf. Chriſtus iſt dein Gift ge⸗ 8 weſen; 50 weſen; er, der ſtarke Gottes⸗ held, hat dir deinen Trotz gefällt, und wir Menſchen ſind geneſen. Nun, vom ſchweren Joch befreit, freue dich, o Chriſtenheit! 5. Sehnſuchtsvoll uns verlangen nach dem Herrn und ſeinem Heil; auch wir werden dann em⸗ pfangen unſer teur er⸗ worbnes Teil. Er geht auf in unſern Herzen; laßt uns mit ihm auferſtehn, mit ihm ein zum Himmel gehn, wo er ſtillet alle Schmerzen. Wonne wird dann alles Leid; freue dich, o Chriſtenheit! 6. Meinen Leib wird man begraben, doch er ſchläft auf ewig nicht; neues wird er haben, ſchön per⸗ klärt in Glanz und Licht. Das Verwesliche muß ſter— ben, irdiſch wird es ausge⸗ ſät, bis es himmliſch einſt erſteht, um das Reich des Herrn zu erben, ihn zu ſchauen allezeit. Freue dich, o Chriſtenheit! Nach Joh. Riſt, † 1667. laßt Mel. Nunfreuteuch, lieben Chriſten ꝛc. (Es iſt das Heil uns.) 80 Mrach auf, mein Herz, die Nacht iſt hin, die Sonn iſt aufge⸗ gangen! Ermuntre deinen Geiſt und Sinn, den Heiland zu empfangen, der heute durch des Todes Thor ge⸗ Leben Oſtern. brochen aus dem Grab her⸗ vor, der ganzen Welt zur Wonne. 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf und ſuch ein neues Leben, vollführe deinen Glaubenslauf und laß dein Herz ſich heben gen Himmel, da dein Jeſus iſt, und ſuch, was droben, als ein Chriſt, der geiſtlich auf⸗ erſtanden. 3. Vergiß nur, was da⸗ hinten iſt, und tracht nach dem, was droben, damit dein Herz zu jeder Friſt zu Jeſu ſei erhoben. Tritt unter dich die böſe Welt und ſtrebe nach des Himmels Zelt, wo Jefus iſt zu finden. 4. Drückt dich ein ſchwerer Sorgenſtein, dein Jeſus wird ihn heben; es kann ein Chriſt bei Kreuz und Pein in Freud und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn und ſorge nicht, er iſt nicht fern, weil er iſt auferſtanden. 5. Drum auf, mein Herz, fang an den Streit, weil Jeſus überwunden; er wird auch überwinden weit in dir, weil er gebunden der Feinde Macht, daß du auf⸗ ſtehſt und in ein neues Leben gehſt und Gott im Glauben dieneſt. 6. Ach, mein Herr Jeſu, der du biſt vom Tode auf⸗ erſtanden, bewahr uns vot des ch des Feindes Liſt, rett uns aus Todesbanden, damit wir alle insgemein zum neuen Leben gehen ein, das du uns haſt erworben. 7. Sei, Herr, gelobt⸗in dieſer Zeit von allen Gottes⸗ kindern, und ewig in der Herrlichkeit von allen Uber⸗ windern, die überwunden durch dein Blut! Herr Jeſu, gieb uns Kraft und Mut, daß wir auch überwinden! L. Laurenti, † 1722. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 81 Cxch geh zu deinem Grabe, du großer Oſterfürſt, weil ich die Hoff⸗ nung habe, daß du mir zeigen wirſt, wie man kann fröhlich ſterben und fröhlich auferſtehn, auch mit des Himmels Erben ins Land des Lebens gehn. 2. Du liegeſt in. der Erde und haſt ſie eingeweiht, wenn ich begraben werde, daß ſich mein Herz nicht ſcheut, auch in den Staub zu legen, was Aſch und Staub vermehrt, weil dir doch allerwegen die Erde zugehört. 3. Du ſchläfeſt in dem Grabe, daß ich auch meine Ruh an dieſem Orte habe; du ſchließt die Augen zu, ſo ſoll mir gar nicht grauen, wenn mein Geſicht vergeht: ich werde den wohl ſchauen, der mir zur Seite ſteht. Oſtern. 51 4. Dein Grab ſchließt Stein und Siegel, und du wirſt dennoch frei; auch meines Grabes Riegel bricht deine Hand entzwei. Du wirſt den Stein ſchon rücken, der auch mein Grab bedeckt; da werd ich den erblicken, der mich vom Tode weckt. 5. Du fähreſt in die Höhe und zeigeſt mir die Bahn, wohin ich endlich gehe, da ich dich finden kann. Dort iſt es ſicher wohnen, wo lauter Glanz um dich; da warten lauter Kronen in deiner Hand auf mich. 6. O meines Lebens Leben, o meines Todes Tod, ich will mich dir ergében in meiner letzten Not; ich will mein Lager machen in deine liebe Gruft, da werd ich ſchon erwachen, wenn deine Stimme ruft. B. Schmolck, † 1737. Mel. Chriſtus, der iſt mein Leben ꝛc. 82 Wn Held im Streite, aus deines Grabes Kluft! Wir triumphieren heute um deine leere Gruft. 2. Der Feind wird ſchau⸗ getragen und heißt nunmehr ein Spott; wir aber können ſagen: mit uns iſt unſer Gott. 3. In der Gerechten Hütten ſchallt ſchon das Siegeslied; du trittſt ſelbſt in 52 Oſtern. in die Mitten und bringſt den Oſterfried. 4. Ach, teile doch die Beute bei deinen Gliedern aus! Wir alle kommen heute deswegen in dein Haus. 5. Schwing deine Sieges⸗ fahne auch über unſer Herz, und unſern Weg uns bahne vom Grabe himmelwärts! 6. Laß unſer aller Sünden ins Grab verſcharret ſein, uns einen Schatz hier finden, der ewig kann erfreun! 7. Wir ſind mit dir ge⸗ ſtorben, ſo leben wir mit dir. Was uns dein Tod er⸗ worben, das ſtell uns täg⸗ lich für! 8. Wir wollen hier ganz fröhlich mit dir zu Grabe gehn, wenn wir dereinſt nur ſelig mit dir auch auferſtehn. 9. Der Tod kann uns nicht ſchaden, ſein Stachel iſt nun ſtumpf; wir ſtehn bei Gott in Gnaden und rufen ſchon Triumph! B. Schmolck, † 1737. Mel. Jeſu, meines Lebens Leben. (Alle Menſchen müſſen ſterben.) 83 wei der Jünger gehn mit Sehnen über Feld nach Emmaus; ihre Augen ſind voll Thränen, ihre Seelen voll Verdruß; man hört ihre Klageworte; doch es iſt von ihrem Orte unſer Jeſus gar nicht weit undvertreibt die Traurigkeit. 2. Ach, es gehn noch manche Herzen ihrem ſtillen Kummer nach, ſie bejammern voller Schmerzen ihre Not und Ungemach. Manches wandert ganz alleine, daß es nur zur Gnüge weine; doch mein Jeſus iſt dabei, fragt, was man ſo traurig ſei. 3. Oft ſchon hab ichs auch empfunden, Jeſus läßt mich nie allein; Jeſus ſtellt zur rechten Stunden ſich mit ſeinem Beiſtand ein. Wenn ich mich bei ihm beſchwere, gleich als ob er ferne wäre, o ſo iſt er mehr als nah und mit ſeiner Hilfe da. 4. Treuſter Freund von allen Freunden, bleibe ferner noch bei mir; kommt die Welt, mich anzufeinden, ach, ſo ſei du auch allhier! Wenn michTrübſalswetter ſchrecken, wollſt du kräftig mich be⸗ decken; komm in meinem Geiſt zu ruhn: was du willſt, das will ich thun. 5. Bin ich traurig und betrübet, Herr, ſo ruf mir in den Sinn, daß mich deine Seele liebet und daß ich der Deine bin. Laß dein Wort mich feſter gründen, laß es auch mein Herz ent⸗ zünden, daß es voller Liebe brennt und dich immer beſſer kennt! 6. Tröſt auch andre, die voll Jammer einſam durch die Fluren gehn, er n nd ne ch in , be ſer die ch in et der ſtillen Kammer tiefbe⸗ kümmert zu dir flehn! Wenn ſie von der Welt ſich trennen, daß ſie ſatt ſich weinen können, ſo ſprich ihrer Seele zu: liebes Kind, was trauerſt du? 7. Hilf, wenn es will Abend werden und der Lebenstag ſich neigt, wenn dem dunklen Aug auf Erden nirgends ſich ein Helfer zeigt; bleib alsdann in unſrer Mitten, wie dich deine Jünger bitten, bis du ſie getröſtet haſt; bleibe, bleibe, teurer Gaſt! J. Neunherz, † 1737. Mel. Jeſus, meine Zuverſicht ꝛc. 84 Qeſus lebt, mit ihm auch ich; Tod, wo ſind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten aufer⸗ wecken. Er verklärt mich in ſein Licht; dies iſt meine Zuverſicht. 2. Jeſus lebt, ihm iſt das Reich über alle Welt gegeben; mit ihm werd auch ich zu⸗ gleich ewig herrſchen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verſpricht; dies iſt meine Zuverſicht. 3. Jeſus lebt, wer nun verzagt, läſtert ihn und Gottes Ehre; Gnade hat er zugeſagt, daß der Sünder ſich bekehre. Gott verſtößt in Chriſto nicht, dies iſt meine Zuverſicht. Oſtern. 53 4. Jeſus lebt, ſein Heil iſt mein; ſein ſei auch mein ganzes Leben; reines Herzens will ich ſein und den Lüſten widerſtreben. Er verläßt den Schwachen nicht; dies iſt meine Zuverſicht. 5. Jeſus lebt, ich bin gewiß, nichts ſoll mich von Jeſu ſcheiden, keine Macht der Finſternis, keine Herr⸗ lichkeit, kein Leiden. Er giebt ſelbſt mir Kraft und Licht; dies iſt meine Zuverſicht. 6. Jeſus lebt, nun iſt der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Troſt in Todesnot wird er meiner Seele geben, wenn ſie gläubig zu ihm ſpricht: Herr, Herr, meine Zuverſicht! Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. O Jeſu Chriſt, meins Lebens ꝛc. 85 Erinnre dich, mein Geiſt, erfreut des hohen Tags der Herrlichkeit; halt im Gedächtnis Jeſum Thriſt, der von dem Tod erſtanden iſt! 2. Entbrenn in Lieb und Dank für ihn, als ob er heute dir erſchien und ſpräche: „Friede ſei mit dir!“— So freue dich, mein Geiſt, in mir! 3. Schau über dich und bet ihn an; er mißt den Sternen ihre Bahn; er lebt und herrſcht mit Gott ver⸗ eint 54 Oſtern. eint und iſt dein König und dein Freund. 4. Mein Heiland iſt für mich erhöht; was iſt der Erde Majeſtät, wenn ſie mein Geiſt mit der vergleicht, die ich durch Gottes Sohn erreicht? 5. Vor ſeinem Thron, in ſeinem Reich, unſterblich, heilig, Engeln gleich und ewig, ewig ſelig ſein: ach, welche Herrlichkeit iſt mein! 6. Herr, der du in dem Himmel thronſt, ich ſoll da wohnen, wo du wohnſt, und du erfülleſt mein Vertraun, dich in der Herrlichkeit zu ſchaun. 7. Ich ſoll, wenn du, o Lebensfürſt, in Wolken wie⸗ derkommen wirſt, verklärt aus meinem Grabe gehn und froh zu deiner Rechten ſtehn. 8. Mit deiner heilgen Engel Schar ſoll ich dich loben immerdar; mit allen Frommen aller Zeit ſoll ich mich freun in Ewigkeit. 9. Nie komm es mir aus meinem Sinn, was ich, mein Heil, dir ſchuldig bin! Gieb Kraft, daß ich in Lieb und Treu mich ſtets zu deinem Bild erneu! 10. Macht, Ruhm und Hoheit immerdar dem, der da iſt und der da war! Sein Name ſei gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit! 11. Sein iſt das Reich, ſein iſt die Kraft; er iſts, der alles in uns ſchafft. Halt im Gedächtnis Jeſum Chriſt, der von dem Tod erſtanden iſt! Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. Laſſei uns den Herrenpreiſenzc. (Sollt ich meinem Gott nicht ſingen 7) 7* 86 Uberwinder, nimm die Palmen, die dein Volk dir heute bringt, das mit frohen Oſterpſalmen den erkämpften Sieg beſingt. Wo iſt nun der Feinde Pochen und der Würger Mordgeſchrei, da des Todes Nacht vorbei und ſein Stachel iſt zerbrochen? Tod und Hölle liegen da: Gott ſei Dank, Hallelujah! 2. Stecke nun dein Sieges⸗ zeichen aus der dunklen Gruft empor! Was kann deinem Ruhme gleichen? Held und König, tritt hervor! Laß dir tauſend Engel dienen; denn nach harter Leidenszeit iſt dein Tag der Herrlichkeit, höchſte Majeſtät, erſchienen; Erd undHimmel jauchzen da: Gott ſei Dank, Hallelujah! 3. Teile, großer Fürſt, die Beute deiner armen Herde mit, die in froher Sehnſucht heute vor den Thron der Gnade tritt! Deinen Frieden gieb uns allen! O ſo jauchzet Herz und Mut, weil das Los uns — uns und aufs lieblichſte gefallen; denn der Hbweig grünet da: Gott ſei Dank, Hallelujah! Laß, o Sonne der Gerechten, deinen Strahl ins Herze gehn; gieb Erleuchtung deinen Knechten, daß ſie geiſtlich aufer ſchi. Hält der Schlaf uns noch gefangen, o ſo fördre den Lauf, rufe mächtig: wachet auft Denn die Schatten ſind ver⸗ gangen, und der helle Tag iſt da: Gott ſei Dank, Halle⸗ lujah! Tilg in uns des Todes Grauen, wenn die letzte Stunde ſchlägt, weil du denen, die dir trauen, ſchon die Krone beigelegt. Gieb uns in den höchſten Nöten, gieb uns mitten in der Pein deinen Troſt und Glauben ein; o ſo kann der Tod nicht töten, denn die Hoff⸗ nung blühet da: Gott ſei Dank, Hallelujah! 6. Zeige, wenn der blöde Kummer über Sarg und Grüften weint, wie die Schwachheit nach dem Schlummer dort in voller Kraft erſcheint. Sind ſterblich hier geboren, ſtreift das ſuhle Grab was ſterblich heißt. uns ab, und der Staub iſt unver⸗ loren; unſer Hirte hütet da: Gott ſei Dank, balleiujahi 7. Rufe die zerfallnen Oſtern. 55 Glieder endlich aus der dunklen Nacht; wenn der Deinen Aſche wieder in ver⸗ klärtem Glanz erwacht, dann wirſt du die Krone geben, dann wird unſre volle Bruſt, Herr, mit engelgleicher Luſt ewig deinen Sieg erheben, und wir ſprechen auch allda: Gott ſei Dank, Hallelujah! Chr. L. Taddel, † 1775 Mel. Laſſet uns den Herren preiſen ꝛe (Sollt ich meinem Gott nicht ſingen?) 87 rößter Morgen, der die Erde nach der tiefſten Nacht belebt, der ſie nach dem Wort:„es werde!“ nochmals aus dem Nichts erhebt! Nach der Nacht voll düſtrer Sorgen, da man angſt- und kummer⸗ voll ohne Jeſum leben ſoll, bringt der allerſchönſte Mor⸗ gen Jeſum aus des Todes Thor, Jeſum, unſer Licht, hervor. 2. Lebt nun auf, ihr ſtillen Seelun, die in Thränen ihr zerfloßt, die ihr euch in Kummerhöhlen ohne Licht und Kraft verſchloßt! Lebt nun auf: er iſt eiſttie Er, an den ihr doch geglaubt, iſt vom Tode nicht geraubt, nein, er lebt, iſt frei von Banden und mitKlarheit an⸗ gethanzbetet euren Khnigant 3. Jauchz, oErde, Himmel, tönet, rühme, neu geſchaffne Welt! Gott und ſind 56 ſind verſöhnet! Seht, wie glänzt der große Held, der des Abgrunds und der Höllen und der Himmel Schlüſſel führt und, mit Ehr und Schmuck geziert, ſeine Kirche ſicher ſtellen und nach tiefem Gottesplanewig ſelig machen kann! 4. Großer Hirte deiner Schafe, von den Toten aus⸗ geführt, dem, nach ganz er— littner Strafe unſrer Schuld, der Preis gebührt! Nimm ihn von den Millionen derer, die das Grab noch deckt, derer, die dein Ruf ſchon weckt, derer, die im Himmel wohnen, auch von uns hier unten an, wie dich jeder preiſen kann. 5. Hilf uns aus den Feſſeln gehen, womit uns die Welt beſtrickt; laß uns geiſt⸗ lich auferſtehen, allem Sün⸗ dendienſt entrückt! Schenk uns Kraft zum neuen Weſen, daß es täglich Oſtern ſei, dann kommt einſt der Tag herbei, da du völlig uns erlöſen und zu dir erheben wirſt, auferſtandner Sieges⸗ fürſt. J. A. Lehmus, † 1788. Mel. Laſſet uns den Herren preiſenzc. (Sollt ich meinem Gott nicht ſingen ²) 88 ſeren⸗ aufer⸗ ſtanden iſt der Herr, der uns verſöhnt; ſeht, wie hat nach Schmach und Banden Gott mit Ehren ihn Oſtern. gekrönt! Dort auf ſeines Vaters Throne, über Schmerz und Tod erhöht, herrſcht er nun in Majeſtät. Fallet nieder vor dem Sohne, der uns einſt zu ſich erhebt! Hallelujah! Jeſus lebt. 2. Singt dem Herrn! Er iſt erſtanden, da er ſtarb auf Golgatha; rühmt es laut in allen Landen: was ſein Mund verhieß, geſchah. Wer kann ihm noch widerſtreben? Mächtig ſteigt der Held em⸗ por, im Triumph bricht er hervor. Seht des Abgrunds Pforten beben, da ihr Sieger ſich erhebt! Hallelujah! Jeſus lebt. 3. Uns vom Tode zu be⸗ freien, ſank er in des Grabes Nacht; uns zum Leben zu erneuen, ſteht er auf durch Gottes Macht. Tod, du biſt in Sieg verſchlungen; deine Schrecken ſind gedämpft, deine Herrſchaft iſt bekämpft, und das Leben iſt errungen; ob man unſern Leib begräbt, Hallelujah! Jeſus lebt. 4. Aus dem Grab uns zu erheben, ging er zu dem Vater hin. Laßt uns ihm zur Ehre leben, dann iſt Sterben uns Gewinn. Haltet unter Luſt und Leiden im Gedächtnis Jeſum Chriſt, der vom Tod erſtanden iſt; unvergänglich ſind die Freu⸗ den des, der nach dem Himmel Himmel ſtrebt. Hallelujah! Jeſus lebt. 5. Freut euch ſeiner, Gottes Kinder! Er ſei euer Lobgeſang! Bringt dem Todesüberwinder ewig Ehre, Preis und Dank. Rühmt es in Verſuchungsſtunden, wenn euch Sünd und Elend droht, rühmt es in der Todesnot: unſer Herr hat überwunden! Der uns einſt zu ſich erhebt, Hallelujah, Jeſus lebt. Nach J. F. Danneil(† 1772) von Chr. Sturm, † 1786, und C. Lavater, † 1801. Mel Lobt Gott, ihr Chriſten allzu⸗ gleich ꝛc. 89 xch ſag es jedem, X daß er lebt und auferſtanden iſt, daß er in unſrer Mitte ſchwebt und ewig bei uns iſt. 2. Ich ſag es jedem, jeder ſagt es ſeinen Freunden gleich, daß bald an allen Orten tagt das neue Him⸗ melreich. 3. Jetzt ſcheint die Welt dem neuen Sinn erſt wie ein Vaterland; ein neues Leben nimmt man hin ent⸗ zückt aus ſeiner Hand. 4. Hinunter in das tiefe Meer verſank des Todes Graun, und jeder kann nun leicht und hehr in ſeine Zu⸗ kunft ſchaun. 5. Der dunkle Weg, den er betrat, geht in den Him⸗ Oſtern. 57 mel aus, und wer nur hört auf ſeinen Rat, kommt auch ins Vaterhaus. 6. Nun weint auch keiner mehr allhie, wenn eins die Augen ſchließt; vom Wieder⸗ ſehn, ſpät oder früh, wird dieſer Schmerz verſüßt. 7. Es kann zu jeder guten That ein jeder friſcher glühn; denn herrlich wird ihm dieſe Saat in ſchönern Fluren blühn. 8. Er lebt und wird nun bei uns ſein, wenn alles uns verläßt, und ſo ſoll dieſer Tag uns ſein ein Weltverjüngungsfeſt. Novalis(Fr. v. Hardenberg), † 1801. Mel. Wie ſchön leuchtet der Morgen⸗ ſtern ꝛc.(Mein ganzer Geiſt.) 90 Erhöbter Sieges fürſt und Held! Dir jauchzet die erlöſte Welt am Feſte deiner Wonne; du gehſt aus deines Grabes Thor als wie ein Bräutigam hervor, ſchön wie die Mor⸗ genſonne. Mächtig, prächtig kommſt du heute aus dem Streite, kommſt mit Segen uns aus deiner Gruft ent⸗ gegen. 2. Wie majeſtätiſch baueſt du am dritten Tage deiner Ruh den Leibestempel wie⸗ der! Trotz aller Feinde Liſt und Macht haſt du dein großes Wort vollbracht: Ich ſterb 58 Oſtern. ſterb und lebe wieder. Gehet, ſehet: alle Riegel, Band und Siegel ſind zerſtöret, Jeſus lebt und iſt verkläret! 3. Erlöſte, kommt zu dieſem Grab und blicket glaubensvoll hinab; iſt dies die Gruft der Schrecken? Seit Jeſus hier geſchlummert hat, ſind Gräber eine Ruhe⸗ ſtatt, die Fried und Hoff⸗ nung decken. Zagt nicht! Klagt nicht! Dieſe Glieder werden wieder ſich erheben und das Leben Chriſti leben. 4. Dann werd ich ihn im Lichte ſehn gekrönt vor ſeinem Throne ſtehn mit himmliſchemEntzücken. Dann iſt mein Aug von Thränen leer, dann ſchreckt mich Sünd und Tod nicht mehr, nichts kann mich ihm entrücken. Cwig, ſelig, ohne Mängel, wie die Engel werd ich leben und ihm Preis und Ehre geben. 5. Indes zerſtöre, ſtarker Held, was mich noch hier zurücke hält, daß ich zu dir mich ſchwinge. O gieb mir deinen Geiſt, dein Licht, daß ich, wenn Herz und Auge bricht, vom Tod ins Leben dringe! Mach mich mutig in dem Streite und bereite mich bei Zeiten zum Triumph der Ewigkeiten! Chr. G. Götz, † 1803. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. (Herr, wir ſingen deiner Ehre.) 91 S jauchzt, ihr Chöre, ſingt Jeſu Chriſto Preis und Ehre! Wie groß und herrlich iſt ſein Tag! Er, der Held, iſt von den Banden des Todes ſiegreich auferſtanden, er, der für uns im Grabe lag. Sein iſt Gewalt und Macht. Preis ihm, er hats vollbracht! Hallelujah! Er hats voll⸗ bracht, er, der die Macht des Todes und des Grabes hat. 2. Glorreich hat der Held gerungen, hat mächtig Grab und Tod bezwungen, von ihren Schrecken uns beſreit. Wir von Gott gewichne Sünder ſind nun mit ihm verſöhnte Kinder und Erben ſeiner Seligkeit. Bald, bald entſchlafen wir, entſchlafen, Chriſto, dir, ruhn in Frie⸗ den die kurze Nacht, bis deine Macht das Licht des ewgen Tages ruft. 3. Unſern Staub mag Staub bedecken, du wirſt ihn herrlich auferwecken, der du des Staubes Schöpfer biſt. Du wirſt unwergäng⸗ lich Leben und Kraft und Herrlichkeit ihm geben, dem Staube, der dir teuer iſt. Wir werden ewig dein, ge⸗ recht und ſelig ſein. Halle⸗ lujah! Tod und Gericht er⸗ ſchreckt uns nicht; denn Je⸗ ſus, unſer Mittler, lebt. 4. Ja, er lebt, uns zu er⸗ freuen und alles, alles zu zerſtreuen, was uns den Lebensfrieden raubt. Groß iſt ſeines Namens Ehre, und ewig gültig ſeine Lehre, und ewig ſelig, wer ihm glaubt. Wir gehn an ſeiner Hand durch dieſes Thränenland hin zum Himmel, und dort erhebt er, der da lebt, uns hoch zu Ehren ewiglich. 5. Tag des Lebens, Tag der Wonne, wie wird uns ſein, wenn Gottes Sonne durch unſers Grabes Dunkel bricht! O, was werden wir empfinden, wenn Nacht und Finſternis verſchwinden und uns umſtrahlt des Himmels Licht! Vollender, führe du uns dieſem Tage zu, uns, die Deinen. Die Todesbahn gingſt du voran; wir folgen dir in deine Ruh. G. Bened. Funk, † 1814. Oſtern. 59 Mel. Laſſet uns den Herren preiſen ꝛc. (Sollt ich meinem Gott nicht ſingen) 92 men! Deines Gra⸗ bes Friede wird auch unſer Grab durchwehn, wann wir, von der Wallfahrt müde, ruhn, um froher auf⸗ zuſtehn. Amen! Fürſt der Auferſtehung, der des Todes Siegel brach, zeuch durch Tod und Grab uns nach zu der ſeligen Erhöhung, wo dem Lamm, das uns verſöhnt, aller Himmel Loblied tönt. 2. Preis dem Herrn, wir werden leben; weil du auf⸗ erſtanden biſt, muß das Grab uns wieder geben; Preis und Dank dir, Jeſu Chriſt! Du das Haupt und wir die Glieder; weil du lebſt, ſo leben wir. Alle ziehſt du nach zu dir, großer Erſtling deiner Brüder. Preis und Dank, wir leben hier, leben ewig dort mit dir. B. Garve, T 1841. VIII. Himmelfahrt. 93 Chriſt fuhr gen Him⸗ mel; da ſandt er uns hernieder den Tröſter, den heiligen Geiſt, zu Troſt der armen Cyriſtenheit. Hallelujah! 2. Hallelujah! Hallelujah! Hallelujah! Des ſolln wir alle froh ſein, Chriſt will unſer Troſt ſein. Hallelujah! Aus dem 14. Jahrhundert. 94 Auf dieſen Tag be⸗ denken wir, daß Chriſtus aufgefahren, und flehn mit herzlicher Begier, Gott wolle nun bewahren uns arme Sünder hier auf Erd, die wir, von Not und Tod beſchwert, ohn ihn kein Hoffnunghaben. Hallelujah! Hallelujah!. 2. Gottlob, nun iſt der 3* Weg 60 Himmelfahrt. Weg gemacht, uns ſteht der Himmel offen! Chriſtus ſchleußt auf mit großer Pracht, vorhin konnts nie⸗ mand hoffen. Wers glaubt, des Herz iſt freudenvoll, da⸗ bei er ſich doch rüſten ſoll, dem Herren nachzufolgen. Hallelujah! Hallelujah! 3. Wer nun nicht ſeinen Willen thut, dem iſts nicht Ernſt zum Herren; der aber wird vor Fleiſch und Blut ſein Himmelreich verſperren. Am Glauben liegts, ſo der iſt echt, wird auch gewiß das Leben recht zum Him⸗ mel ſein gerichtet. Hallelu⸗ jah! Hallelujah! 4. Solch Himmelfahrt fäht in uns an, wenn wir den Vater finden und fliehen ſtets die breite Bahn, thun uns zu Gottes Kindern; wir ſehn hinauf, Gott ſieht herab, an Treu und Lieb geht uns nichts ab, bis wir zuſammen kommen. Halle⸗ lujah! Hallelujah! 5. Dann wird der Tag erſt freudenreich, wenn Gott uns zu ſich nehmen und ſeinem Sohn wird machen gleich, den wir hier treu be⸗ kennen. Da wird ſich finden Freud und Mut in Ewig⸗ keit beim höchſten Gut. Gott woll, daß wirs erleben! Hallelujah! Hallelujah! Joh. Zwick, † 1522. Mel. Erſchienen iſt der herrlich Tage. 95 Au, Jeſu Jünger, freuet euch! Der Herr fährt auf ſeinem Reich. Er triumphiert; lob⸗ ſinget ihm! Lobſinget ihm mit lauter Stimm! Halle⸗ lujah! 2. Sein Werk auf Erden iſt vollbracht; zerſtört hat er des Todes Macht. Er hat die Welt mit Gott ver⸗ ſöhnt, und Gott hat ihn mit Preis gekrönt. Halle⸗ lujah! 3. Weit, über alle Him⸗ mel weit, geht ſeine Macht und Herrlichkeit; ihm dienen ſelbſt die Seraphim; lob⸗ ſinget ihm mit lauter Stimm! Hallelujah! 4. Sein ſind die Völker aller Welt; er herrſcht als ſieggewohnter herrſcht, bis unter ſeinen Fuß der Feinde Heer ſich beugen muß. Hallelujah! 5. Er ſchützet ſeine Chri⸗ ſtenheit, erhält ſie bis in Ewigkeit; er iſt ihr Haupt; lobſinget ihm! Lobſinget ihm mit lauter Stimm! Halle⸗ lujah! 6. Ja, Heiland, wir er⸗ heben dich, und unſre Herzen freuen ſich der Herrlichkeit und Majeſtät, dazu dich Gott, dein Gott, erhöht. Hallelujah! 7. Bereitet haſt du ſchon den Ort, wo wir dich or Seld er ——— —— — fort und fort. Nach treu vollbrachtem Glaubenslauf nimmſt du uns in den Him⸗ mel auf. Hallelujah! 8. Dein Eingang in die Herrlichkeit ſtärk uns in unſrer Prüfungszeit, nur dir zu leben, dir zu traun, bis wir dereinſt dein Antlitz ſchaun. Hallelujah! 9. Dann werden wir uns ewig dein, erhöheter Erlöſer, freun. Dann ſingen wir von deinem Ruhm ein neues Lied im Heiligtum. Halle⸗ lujah! Nach E. Alberus(1 1553) von S. Diterich, † 1797. Mel. Nun freut euch, lieben Chriſten ꝛc.(Es iſt das Heil uns.) 96 Auf Chriſti Himmel⸗ fahrt allein ich meine Nachfahrt gründe und alle Zweifel, Angſt und Pein hiermit ſtets überwinde. Denn weil das Haupt im Himmel iſt, wird ſeine Glie⸗ der Jeſus Chriſt zur rechten Zeit nachholen. 2. Weil er gezogen him⸗ melan und große Gab em⸗ pfangen, mein Herz auch nur im Himmel kann, ſonſt nirgends Ruh erlangen. Denn wo mein Schatz ge⸗ kommen hin, dahin ſteht auch mein Herz und Sinn; nach ihm mich ſehr verlanget. Ach, Herr, laß dieſe Gnade mich von deiner Auf⸗ Himmelfahrt. 61¹ fahrt ſpüren, daß mit dem wahren Glauben ich mög meine Nachfahrt zieren, und dann einmal, wenn dirs ge— fällt, mit Freuden ſcheiden aus der Welt; Herr, höre dies mein Flehen! Nach Joſua Wegelin(† 1640) von J. Geſenius, † 1673. Mel. Wie ſchön leuchtet der Morgen⸗ ſtern ꝛc.(Mein ganzer Geiſt.) 97 2 ch, wundergroßer Siegesheld, du Sündentilger aller Welt, heut biſt du aufgeſahren zur Rechten Gottes in der Kraft, haſt herrlich dir den Sieg verſchafft trotz aller Feinde Scharen; mächtig, prächtig triumphierſt du und regierſt du; Tod und Leben iſt, Herr Chriſt, dir unter— geben. 2. Dir dienen alle Cheru⸗ bim, viel tauſend hohe Se⸗ raphim dich Siegesfürſten loben; du haſt den Segen wieder bracht und dich mit Majeſtät und Macht zur Herrlichkeit erhoben. Singet, bringet Jubellieder, fallet nieder, rühmt und ehret den, der auf zum Himmel fähret. 3. Du, Herr, biſt unſer Haupt, und wir ſind deine Glieder; nur von dir kommt auf uns Heil und Leben; Troſt, Friede, Freude, Licht und Kraft, und was dem Herzen 62 Himmelfahrt. Herzen Labſal ſchafft, wird uns durch dich gegeben. Dringe, zwinge, ewge Güte, mein Gemüte, daß es preiſe, dir Lob, Ehr und Dank er⸗ weiſe. 4. Zeuch, Jeſu, uns, zeuch uns nach dir; hilf, daß wir forthin für und für nach deinem Reiche trachten; laß unſern Wandel himmliſch ſein, daß wir der Erde eiteln Schein und üppigkeit ver⸗ achten; Unatt, Hoffart laß uns meiden, chriſtlich leiden, wohl ergründen, wo die Gnade ſei zu finden. 5. Sei, Jeſu, unſer Schirm und Hort und gründ uns auf dein göttlich Wort, dar⸗ auf wir uns verlaſſen. Laß ſuchen uns, was droben iſt; auf Erden wohnet Trug und Liſt und Feinde, die dich haſſen. Lügen, Trügen, Angſt und Zagen, ach, ſie plagen, ach, ſie quälen ſtündlich arme Chriſtenſeelen. 6. Herr Jeſu, komm, du Gnadenthron, du Sieges⸗ fürſt, Held. Davids Sohn, komm, ſtille das Verlangen! Du, du biſt allen uns zu gut, o Jeſu, durch dein teures Blut ins Heiligtum gegangen. Dafür ſoll dir von uns allen Preis er⸗ ſchallen; Herr, am Ende nimm uns auf in deine Hände! E. Chr. Homburg, † 1681. Mel. Aus meines Herzens Grundeꝛc. (Schwingt, heilige Gedanken.) 98 Der Herr fährt auf gen Himmel mit frohem Jubelton aus dieſem Weltgetümmel empor zu ſei⸗ nem Thron. Lobſingt, lob⸗ ſinget Gott! Lobſingt, lob⸗ ſingt mit Freuden dem Kö⸗ nige der Heiden, dem Herren Zebaoth! 2. Der Herr wird aufge⸗ nommen in ſeines Himmels Pracht; um ihn ſiehn alle Frommen, die er hat frei gemacht. Es holen Jeſum ein die heilgen Cherubinen, den lichten Seraphinen muß er willkommen ſein. 3. Wir wiſſen nun vom Siege, der unſer Haupt er⸗ höht; wir wiſſen zur Ge⸗ nüge, wie man zum Himmel geht; der Heiland geht voran, will uns zurück nicht laſſen; er zeiget uns die Straßen, er bricht uns ſichre Bahn. 4. Wir ſollen himmliſch werden, der Herr machtſelbſt uns Platz; wir gehen von der Erden dorthin, wo unſer Schatz. Ihr Herzen, macht euch auf! Wo Jeſus hinge⸗ gangen, dahin ſei das Ver⸗ langen, dahin ſei euer Lauf. 5. Laßt uns gen Himmel dringen mit herzlicher Be⸗ gier; laßt uns einmütig ſingen: dich, Jeſus, ſuchen wir! Dich, o du Gottes Sohn, dich Weg, dich wahres Leben, Leben, dem alle Macht ge⸗ geben, dich, unſers Hauptes Kron! 6. Fahr hin mit deinen Schätzen, du trugesvolle Welt; dein Tand kann nicht ergötzen! Weißt du, was uns gefällt? Der Herr iſt unſer Preis, der Herr iſt unſre Freude und köſtliches Ge⸗ ſchmeide; zu ihm gilt unſre Reiſ'. 7. Wann ſoll es doch ge⸗ ſchehen? Wann kommt die liebe Zeit, daß wir ihn wer⸗ den ſehen in ſeiner Herrlich⸗ keit? Du Tag, wann wirſt du ſein, daß wir den Hei⸗ land grüßen und fallen ihm zu Füßen? Komm, ſtelle dich doch ein! G. W. Sacer, † 1699 Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc (Freu dich ſehr, o meine Secle.) 99 auf Erden muß ich leiden und bin voller Angſt und Weh; warum willſt du von mir ſcheiden, warum fährſt du in die Höh? Nimm mich Armen auch mit dir, oder bleibe doch in mir, daß ich dich und deine Gaben täg⸗ lich möge bei mir haben. 2. Laß dein Herze mir zurücke, und nimm meines mit hinauf; wenn ichSeufzer zu dir ſchicke, thue mir den Himmel auf und, ſo ich nicht beten kann, rede du den Himmelfahrt. 63 Vater an; denn du ſitzſt zu ſeiner Rechten; darum hilf uns, deinen Knechten. 3. Zeuch die Sinne von der Erde über alles Eitle hin, daß ich mit dir himm⸗ liſch werde, ob ich gleich noch ſterblich bin und im Glau⸗ ben meine Zeit richte nach der Ewigkeit, bis wir auch zu dir gelangen, wie du biſt vorangegangen. 4. Meine Wohnung mache fertig droben in des Vaters Haus, da ich werde gegen⸗ wärtig bei dir gehen ein und aus. Dahin bringe mich zur Ruh, denn der Weg dahin biſt du, und nimm an dem letzten Ende meinen Geiſt in deine Hände. 5. Komme, wenn es Zeit iſt, wieder wie dein Wort uns hoffen lehrt, und er⸗ löſe meine Glieder, die das dunkle Grab beſchwert; rich⸗ teſt du dann dieſe Welt, die dein Wort für Lügen hält, dann nach überſtandnem Leide führ uns ein zu dei⸗ ner Frende. C. Neumann, † 1715. Nel. Jeſu, meines Lebens Leben 1c. (Alle Menſchen müſſen ſterben.) 100 roßer Mittler, der zur Rech⸗ ten ſeines großen Vaters ſitzt und die Schar von ſei⸗ nen Knechten in dem Reich der Gnaden ſchützt, den auf dem 64 Himmelfahrt. dem erhabnen Throne in der königlichen Krone alles Heer der Ewigkeit mit verhülltem Antlitz ſcheut! 2. Dein Erlöſungswerk auf Erden und dein Opfer iſt vollbracht; was vollendet ſollte werden, iſt geſchehn durch deine Macht. Da du biſt für uns geſtorben, iſt uns Gnad und Heil erwor⸗ ben, und dein ſiegreich Auf⸗ erſtehn läßt uns in die Frei⸗ heit gehn. 3. Nun biſt du ja Hort und Hüter in des Vaters Heiligtum, die erworbnen Segensgüter durch dein Evangelium allen denen mitzuteilen, die zum Thron der Gnade eilen; nun wird uns durch deine Hand Heil und Segen zugewandt. 4. Deines Volkes teure Namen trägſt du ſtets auf deiner Bruſt, und die gläu⸗ big zu dir kamen, ſind und bleiben deine Luſt. Du ver⸗ trittſt, die an dich glauben, daß ſie nichts dir möge rauben, bitteſt in des Va⸗ ters Haus ihnen eine Woh⸗ nung aus. 5. Doch vergißt du auch der Armen, die der Welt noch dienen, nicht, weil das Herz dir vor Erbarmen über ihrem Elend bricht; daß mein Vater ihrer ſchone, daß er nicht nach Werken lohne, daß er ändre ihren Sinn, darauf zielt dein Bitten hin. 6. Die Verdienſte deiner Leiden ſtelleſt du dem Vater dar und vettrittſt vor ihm mit Freuden deine teur er⸗ löſte Schar, daß er wolle Kraft und Leben deinem Volk auf Erden geben und die Seelen zu dir ziehn, die noch deine Freundſchaft fliehn. 7. Großer Mittler, ſei ge⸗ prieſen, daß du in dem Hei⸗ ligtum ſo viel Treu an uns bewieſen; dir ſei Ehre, Dank und Ruhm! Laß uns dein Verdienſt vertreten, wenn wir zu dem Vater beten; ſprich für uns in letzter Not, wenn den Mund ver⸗ ſchließt der Tod! J. J. Rambach, † 1735. Mel Schmücke dich, o liebe Seele zc. 101 König„dem kein König gleichet, deſſen Ruhm kein Mund erreichet, dem als Gott das Reich gebühret, der als Menſch das Scepter führet, dem das Recht gehört zum Throne als des Vaters ein⸗ gem Sohne, den ſo viel Voll⸗ kommenheiten krönen, zieren und begleiten! 2. Himmel, Erde, Luft und Meere nebſt dem unge⸗ zählten Heere der Geſchöpfe in den Feldern, in den Seeen, in den Wäldern ſind, Herr über in ter ter m er⸗ le em nd die ft in ſe e, rr er über Tod und Leben, dir zum Eigentum gegeben. Tiere, Menſchen, Geiſter ſcheuen, Menſchenſohn, dein mächtig Dräuen. 3. In des Gnadenreiches Grenzen ſieht man dich am ſchönſten glänzen, wo viel tauſend treue Seelen dich zu ihrem Haupt erwählen, die durchs Scepter deines Mundes, nach dem Recht des Gnadenbundes, ſich von dir regieren laſſen und wie du das Unrecht haſſen 4. In dem Reiche deiner Ehren kann man ſtets dich loben hören von dem himm⸗ liſchen Geſchlechte, von der Menge deiner Knechte, die dort ohne Furcht und Grauen dein verklärtes Antlitz ſchau⸗ en, die dich unermüdet preiſen und dir Ehr und Dienſt er⸗ weiſen. 5. Herr in allen dieſen Reichen! Dir iſt niemand zu vergleichen an dem über⸗ fluß der Schätze, an der Ordnung der Geſetze, an Vollkommenheit der Gaben, welche deine Bürger haben; du beſchützeſt deine Freunde, du bezwingeſt deine Feinde. 6. Herrſche auch in meinem Herzen über Zorn, Luſt, Furcht und Schmerzen; laß mich deinen Schutz genteßen, gläubig dich ins Herze ſchlie⸗ ßen, ehren, fürchten, loben, lieben und mich im Gehor⸗ Himmelfahrt. 65 ſam üben; hier mitringen, dulden, ſtreiten, dort mit⸗ herrſchen dir zu Seiten. J. J. Rambach † 1735. Mel Jeſu meines Lebens Leben ꝛ (Alle Menſchen müſſen ſterben.) 102 Siegesfürſt und Ehrenkönig, höchſtverklärte Majeſtät! Alle Himmel ſind zu wenig, du biſt drüber hoch erhöht. Sollt ich nicht zu Fuß dir fallen und mein Herz vor Freude wallen, wenn mein Glaubensaug entzückt deine Herrlichkeit erblickt? 2. Weit und breit, du Himmelsſonne, deine Klar⸗ heit ſich ergießt, daß ein Strom von Glanz und Wonne durch die Himmels⸗ geiſter fließt; prächtig wirſt du aufgenommen, freudig heißt man dich willkommen: ſchau, dein armes Kind auch hier rufet Hoſianna dir. 3. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, da ich deine Klarheit ſeh? Sollt mein Mut noch wollen ſinken, da ich deine Macht verſteh? Meinem König will ich trauen, nicht vor Welt noch Teyfel grauen, nur in Jeſu Namen mich beugen hier und ewiglich. 4. Geiſt und Kraft nun überfließen; drum wirk in uns kräftiglich, bis zum Schemel deinen Füßen alle Feinde 66 Himmelfahrt. Feinde legen ſich. Herr, zu deinem Scepter wende alles bis zum Weltenende; mache dir auf Erden Bahn, alle Herzen unterthan. 5. Du kannſt alles aller Orten nun erfülln und nahe ſein; meines armen Herzens Pfotten ſtehen offen, komm herein! Komm, du König aller Ehren, du mußt auch bei mir einkehren; ewig in mir leb und wohn, als in deinem Himmelsthron! 6. Dein zum Himmel Sicherheben bringt mir Gott und Himmel nah; lehr mich nur im Geiſte leben als vor deinen Augen da; fremd der Welt, der Zeit, den Sinnen, bei dir abgeſchieden drinnen, in das Himmelreich verſetzt, da mich Jeſus nur ergötzt. G. Terſtegen, † 1769. Mel. Alles iſt an Gottes Segen c. 103 Geſus Chriſtus herrſcht als König, alles wird ihm unter⸗ thänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Jede Zunge ſoll bekennen, Jeſus ſei der Herr zu nennen, dem man Chre geben muß. 2. Fürſtentümer und Ge⸗ walten, Mächte, die die Thronwacht halten, geben ihm die Herrlichkeit. Alle Herrſchaft dort im Himmel, hier im irdiſchen Getümmel, iſt zu ſeinem Dienſt bereit. 3. Gott iſt Herr, der Herr iſt Einer, und demſel⸗ ben gleichet keiner; nur der Sohn, der iſt ihm gleich; deſſen Stuhl iſt unumſtöß⸗ lich, deſſen Leben unauflös⸗ lich, deſſen Reich ein ewig Reich. 4. Nur in ihm— o Wundergaben!— können mir Erlöſunghaben, die Erlöſung durch ſein Blut. Hörts! das Leben iſt erſchienen, und ein ewiges Verſühnen kommt in Jeſu uns zu gut. 5. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen, klagt, ihr Kran⸗ ken, ihm die Schmerzen, ſagt, ihr Armen, ihm die Not. Er kann alle Wunden heilen, Reichtum weiß er auszuteilen, Leben ſchenkt er nach dem Tod. 6. Eil, es iſt nicht Zeit zum Schämen! Willſt du Gnade? du ſollſt nehmen! Willſt du leben? es ſoll ſein! Willſt du erben? du wirſts ſehen! Soll der Wunſch aufs höchſte gehen, willſt du Jeſum? er iſt dein. 7. Zwar auch Kreuz drückt Chriſti Glieder hier auf kurze Zeit darnieder, und das Leiden geht zuvor. Nur Geduld! Es folgen Freuden, nichts kann ſie von Jeſu ſcheiden, und ihr Haupt zieht ſie empor. 8. Ihnen ſteht ein Him⸗ mel offen, welcher über alles Hoffen ſ uf d r n, ſu ht Hoffen, über alles Wünſchen iſt. Die gereinigte Gemeine weiß, daß eine Zeit erſcheine, wo ſie ihren König grüßt. 9. Jauchz ihm, Menge heilger Knechte, rühmt, voll⸗ endeteGerechte, ünd duSchar, die Palmen trägt, und ihr Märtrer mit der Krone, und du Chor vor ſeinem Thryne, der die Gottesharfen ſchlägt! auch auf der ich will glauben, reden, rufen, ob ich ſchon noch Pilgrim bin: Jeſus Chriſtus herrſcht als König, alles ſei ihm unter⸗ thänig, ehret,liebet, lobet ihn! Ph. F Hiller, † 1769. Mel. Wie ſchön leuchtet der Morgen⸗ ſtern 1c.(Mein ganzer Geiſt.) 104 S it Wie lieblich ſtehn hoch über uns die Himmels⸗ höhn, ſeit du imHimmelſitzeſt, ſeit du vom ewgen Zion dort ausſendeſt dein lebendig Wort und deine Herde ſchützeſt! Fröhlich, ſelig ſchaut der Glaube von dem Staube auf zum Sohne: meine Heimat iſt am Throne! 2. Die Sterne leuchten ohne Zahl; was iſt ihr tauſendfacher Strahl? Was iſt der Glanz der Sonne? Ein Schatten nur von jenem Licht, das dir vom holden Angeſicht ausgeht mit ewger Wonne! Spende, ſende deine Himmelfahrt. 67 hellen Lebensquellen reichlich nieder, großes Haupt, auf deine Glieder! 3. Verhüllt den Erdkreis düſtre Nacht, ich weiß, daß dort ein Auge wacht, das einſt um uns geweinet, das einſt für uns im Tode brach; es iſt dein Aug, es bleibet wach, bis neu die Sonne ſcheinet. O wer nun⸗ mehr nimmer klagte, nim⸗ mer zagte, ſeit du wacheſt und aus Nächten Tage macheſt! 4. Wohin wir ziehn durch Land und Meer, ein Himmel neigt ſich drüber her, dein Himmel voller Gnaden. Da ſteigt erhörlich das Gebet, da wallt man ſicher früh und ſpät vor Feindesliſt und Schaden. Keiner deiner Auserwählten, Geiſtbeſeelten bleibt verlaſſen; treu will ihn dein Arm umfaſſen. 5. Wir fliehn zu dir mit allem Schmerz, zu dir, wenn ſich das arme Herz abhärmt in bittrer Reue. Du brichſt nicht das zerſtoßne Rohr, und wenn der Docht ſein Hl verlor, ſo tränkſt du ihn aufs neue. m Licht ſoll nicht eine fehlen von den Seelen, die zum Leben dir dein Vater übergeben. 6. O ſelger König Jeſu Chriſt! Wie wundervoll und heilig iſt, was uns in dir geſchenket! In dir, der Gottes Kinder 68 Himmelfahrt. Kinder ſchirmt, bleibt unſer Anker, wenn es ſtürmt, auf ewig eingeſenket. Hier, hier ſind wir feſtgebunden; unſre Stunden fliehn in Eile; dann hinauf zum ewgen Heile! A. Knapp, † 1864. Mel. Lobe den Herren, den ꝛc. 105 amm, das gelitten, und Löwe, der ſiegreich gerungen; blutendes Opfer und Held, der die Hölle bezwungen; brechendes Herz, das ſich aus irdiſchem Schmerz über die Himmel n 2. Du haſt in ſchauriger Tiefe das Höchſte vollendet, Gott in die Menſchheit ge⸗ hüllt, daß ſein Licht uns nicht blendet. Würdig biſt du,— jauchzt dir die Ewig⸗ keit zu,— Preiſes und Ruhms, der nicht endet. 3. Himmliſche Liebe, die Namen derErde nichtnennen! Fürſt deiner Welten, den einſt alle Zungen bekennen! Gingeſt du nicht ſelbſt in der Sünder Gericht, Sünder entlaſſen zu tönnen? 2 4. Uber des Todes um⸗ nachteten, graunvollen Klüf⸗ ten ſchwangſt du die Palme des Sieges in himmliſchen Lüften, Wer an dich glaubt, trägt nun, von Hoffnung umlaubt, ewiges Leben aus Grüften. 5. Menſchenſohn, Heiland, in dem ſich das ewge Er⸗ barmen milde zu eigen ge⸗ geben den ſchuldigen Armen! Dir an der Bruſt darf nun in Leben und Luſt jeder Erſtarrte erwarmen. 6. Wahl voller Wunder! Der einzige Reine von allen eint ſich mit Seelen, die ſündig im Staube hier wallen, trägt ihre Schuld, hebt in unendlicher Huld das, was am tiefſten gefallen. 7. Mir auch iſt ſüß über⸗ windend dein Rufen ertönet; Herr, auch mein feindliches Herz hat dein Lieben ver⸗ ſöhnet; ja, deine Hand, zu dem Verirrten gewandt, hat mich mit Gnade gekrönet. 8. Lobe den Herrn, meine Seele! Er hat dir vergeben, heilt dein Gebrechen, legt in dich ein ewiges Leben; Frie⸗ den im Streit, Wonnen im irdiſchen Leid weiß dir dein Heiland zu geben. 9. Hoffnung und Glaube und Liebe, ſie tragen auf Flügeln dich in das Land der Verheißung zu ewigen Hügeln, wo deine Wahl, dort in der Herrlichkeit Strahl, Lieb und Erbarmen beſiegeln. 10. Jauchze, Natur, in des Frühlings beginnendem Wehen; ſinge, du Welt, die das Werk der Erlöſung ge⸗ ſehen! Jauchze, du Heer dort am tryflullen?n Meer:„Ehre ſei Gott in den Höhen!“ M. Heußer⸗Schweizer, † 1876. r⸗ N⸗ ul er r! en ie et d, 5, e5 zu at ne in i⸗ m in e uf nd t l, in m Me rt re Pfingſten. IK. Pfingſten. Mel. Herr Gott, dich loben alle wir ꝛc. (Ich komme vor dein Angeſicht.) 106 Fm heilger Geiſt, o Schöpfer du, ſprich deinen armen Seelenzuzerfüll mitGnaden, ſüßer Gaſt, die Bruſt, die du gelchofſen haſt. 2. Der du ein Tröſter biſt genannt, des allerhöchſten Gottes Pfand, du Liebes⸗ quell, du Lebensbronn, du Herzensſalbung, Gnaden⸗ ſonn! 3. Duſiebenfaches Gnaden⸗ gut, du Hand des Herrn, die Wunder thut, du löſeſt aller Zungen Band, giebſt frei das Wort in alle Land. 4. Zünd uns ein Licht an im Verſtand, entflamm das Herz in Liebesbrand, ſtärk unſer ſchwaches Fleiſch und Blut durch deiner Gott⸗ heit ſtarken Mut. 5. Den Feind treib von uns fern hinweg und bring uns auf des Friedens Steg, daß wir, durch deine Hand geführt, vom Argen bleiben unberührt. 6. Lehr uns den Vater kennen wohl, und wie den Sohn man ehren ſoll; im Glauben mache uns bekannt, wie du von beiden wirſt geſandt. 7. Ehr ſei dem Vater, unſerm Herrn, und ſeinem Sohn, dem Lebensſtern; dem heilgen Geiſte gleicherweis ſei jetzt und ewig Lob und Preis! Alte Kirche. 107 omm, heiliger Geiſt, Herre Gott, erfüll mit deiner Gnaden Gut der Gläubigen Herz, Mut und Sinn, dein brünſtig Lieb entzünd in ihn! O Herr, durch deines Lichtes Glanz zum Glauben du verſammelt haſt das Volk aus aller Welt Zungen. Das ſei dir, Herr, zu Lob geſungen Hallelujah Halle⸗ lujah! 2. Du heiliges Licht, edler Hort, laß uns leuchten des Lebens Wort und lehr Gott uns recht erkennen, von Herzen Vater ihn nennen. O Herr, behüt vor fremder Lehr, daß wir nicht Meiſter ſuchen mehr, denn Jeſum mit rechtem Glauben, und ihm aus ganzer Macht ver⸗ trauen. Hallelujah! Halle⸗ lujah! 3. Du heilige Glut, ſüßer Troſt, nun hilf uns fröhlich und getroſt in dei⸗ nem Dienſt beſtändig bleibn, die Trübſal uns von dir nicht treibn. Durch deine Kraft 70 Pfingſten. Kraft uns, Herr, bereit und ſtärk des Fleiſches Blödig⸗ keit, daß wir hier ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen. Hallelujah! Hallelujah! V. 1 vorreformatoriſch; V. 2. u. 3 von Luther, † 1546. 108 un bitten wir den heiligen Geiſt um den rechten Glau⸗ ben allermeiſt, daß er uns behüte an unſerm Ende, wenn wir heimfahren aus dieſem Elende. Erbarm dich, Herr! 2. Du wertes Licht, gieb uns deinen Schein, lehr uns Jeſum Chriſt kennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Erbarm dich, Herr. 3. Du ſüße Lieb, ſchenk uns deine Gunſt, laß uns empfinden der Liebe Brunſt, daß wir uns von Herzen einander lieben und im Frie⸗ den auf einem Sinn bleiben. Erbarm dich, Herr! 4. Du höchſter Tröſter in aller Not, hilf, daß wir nicht fürchten Schand noch Tod; daß in uns die Sinne nimmer verzagen, wenn der Feind wird das Leben ver⸗ klagen. Erbarm dich, Herr! Luther, † 1546. V. 1 aus dem 13. Jahrhundert. riit⸗ o komm, du Geiſt des Gott von Ewigkeit! Deine Kraft ſei nicht vergebens, ſie erfüll uns jederzeit, ſo wird Geiſt und Licht und Schein in dem dunkeln Herzen ſein. 2. Gieb in unſer Herz und Sinnen Weisheit, Verſtand und Zucht, daß wir anders nicht beginnen, als nur, was dein Wille ſucht. Dein Erkenntnis werde groß und mach uns von Irr⸗ tum los. 3. Zeig uns, Herr', die rechten Stege zu der wahren Wohlfahrt an, räume alles aus dem Wege, was im Lauf uns hindern kann; wirke Reu durch deine Gnad, wenn der Fuß geſtrauchelt hat. 4. Laß dein Zeugnis uns empfinden, daß wir Gottes Kinder ſind, die auf ihn allein ſich gründen, wenn ſich Not und D rangſal findt; denn was Vaterliebe thut/ iſt uns allewege gut. 5. Reiz uns, daß wir zu ihm treten frei mit aller Freudigkeit; ſeufz auch in uns, wenn wir beten, und vertritt uns alle Zeit; ſo wird unſre Bitt erhört und die Zuverſicht vermehrt. 6. Wird uns auch nach Troſte bange, daß das Herz oft rufen muß: ach, mein Gott, 109 Lebens, 9 U 1 Gott, mein Gott, wie lange? Ei, ſo mach du den Beſchluß; ſprich der Seele tröſtlich zu und gieb Mut, Geduld und Ruh. 7. O du Geiſt der Kraft und Stärke, du gewiſſer, neuer Geiſt, fördre in uns deine Werke, wenn die Welt uns an ſich reißt. Schenk uns Waffen in dem Krieg und erhalt in uns den Sieg. 8. Herr, bewahr auch unſern Glauben, daß kein Feind, kein Tod, noch Spott uns denſelben möge rauben; du biſt unſer Schutz und Gott. Sagt das Fleiſch gleich immer nein, laß dein Wort gewiſſer ſein! 9. Wenn wir endlich ſollen ſterben, ſo verſichr uns mehr und mehr, als des Himmelreiches Erben, jener Herrlichkeit und Ehr, die Gott giebt durch Jeſum Chriſt und die unaus⸗ ſprechlich iſt. H. Held, † 1661. Mel. Wie ſchön leuchtet der Morgen⸗ ſtern ꝛc.(Mein ganzer Geiſt.) 110 O heilger Geiſt, kehr bei uns ein und laß uns deine Wohnung ſein; o komm, du Herzensſonne! Du Himwels⸗ licht, laß deinen Schein bei uns und in uns kräftig ſein zu ſteter Freud und Wonne! Sonne, Wonne, himmliſch Leben willſt du geben, wenn Pfingſten. 71 wir beten; zu dir kommen wir getreten. 2. Du Quell, draus alle Wahrheit fließt die ſich in fromme Seelen gießt, laß deinen Troſt uns hören, daß wir in Glaubenseinigkeit auch andre in der Chriſten⸗ heit dein wahres Zeugnis lehren. Höre, lehre, daß wir können Herz und Sinnen dir ergeben, dir zum Lob und uns zum Leben. 3. Steh uns ſtets bei mit deinem Rat und führ uns ſelbſt den rechten Pfad, die wir den Weg nicht wiſſen. Gieb uns Beſtändigkeit, daß wir getreu dir bleiben für und für, auch wenn wir leiden müſſen. Schaue, baue, was zerriſſen und befliſſen, dich zu ſchauen und auf deinen Troſt zu bauen. 4. O laß uns deine Gotteskraft empfinden und zur Ritterſchaft dadurch ge⸗ ſtärket werden; auf daß wir unter deinem Schutz begegnen aller Feinde Trutz mit freudigen Geberden. Laß dich reichlich auf uns nieder, daß wir wieder Troſt empfinden, alles Unglück überwinden. 5. O ſtarker Fels und Lebenshort, laß doch dein mildes Himmelswort in unſern Herzen brennen, daß wir uns mögen nimmer⸗ mehr von deiner weisheits⸗ reichen reichen Lehr und reiner Liebe trennen. Fließe, gieße deine Güte ins Gemüte, daß wir können Chriſtum unſern Heiland nennen. 6. Du milder Himmels⸗ tau, ſenk dich in unſre Seelen kräftiglich und ſchenk uns deine Liebe, daß unſer Sinn verbunden ſei dem Nächſten ſtets mit Liebes⸗ treu und ſich darinnen übe. Kein Neid, kein Streit dich betrübe, Fried und Liebe müß umſchweben und durch⸗ dringen unſer Leben. 7. Gieb, daß in reiner Heiligkeit wir führen unſre Lebenszeit, ſei unſres Geiſtes Stärke, daß uns forthin ſei unbewußt die Eitelkeit, des Fleiſches Luſt und ſeine toten Werke. Rühre, führe unſer Sinnen und Beginnen von der Erden, daß wir Himmelserben werden. M. Schirmer, † 1673. 111 ein zu dei⸗ nen Thoren, ſei meines Herzens Gaſt, der du, da ich geboren, mich neu geboren haſt, o hochge⸗ liebter Geiſt des Vaters und des Sohnes, mit beiden gleichen Thrones, mit beiden gleich gepreiſt. 2. Zeuch ein, laß mich empfinden und ſchmecken deine Kraft, die Kraft, die Pfingſten. uns von Sünden Hilf und Errettung ſchafft; entſündge meinen Sinn, daß ich mit reinem Geiſte dir Ehr und Dienſte leiſte, die ich dir ſchuldig bin. 3. Du biſt ein Geiſt, der lehret, wie man recht beten ſoll; dein Beten wird er⸗ höret, dein Singen klinget wohl, es ſteiget himmelan, es ſteiget ſonder Ende, bis der ſich zu uns wende, der allen helfen kann. 4. Du biſt ein Geiſt der Freuden, mit Trauern hältſt dus nicht, erleuchteſt uns im Leiden mit deines Troſtes Licht. Ach ja, wie manches⸗ mal haſt du mit ſüßen Worten mir aufgethan die Pforten zum güldnen Freu⸗ denſaal! 5. Du biſt ein Geiſt der Liebe, ein Freund derFreund⸗ lichkeit, willſt nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit. Der Feind⸗ ſchaft Feind du biſt, willſt, daß in Liebesflammen ſich wieder thu zuſammen, was voller Zwietracht iſt. 6. Du, Herr, haſt ſelbſt in Händen die ganze weite Welt, kannſt Menſchenherzen wenden, wie dir es wohlge⸗ fällt. So gieb doch deine Gnad zu Fried und Liebes⸗ banden, verknüpf in allen Landen, was ſich getrennet hat. 3 —— 7. Beſchirm die Obrig⸗ keiten, bau unſers Fürſten Thron; gieb Glück zu dieſen Zeiten; ſchmück, als mit einer Kron, die Alten mit Verſtand, mit Frömmigkeit die Jugend, mit Gottesfurcht und Tugend das Volk im ganzen Land. 8. Erfülle die Gemüter mit reiner Glaubenszier, die Häuſer und die Güter mit Segen für und für; vertreib den böſen Geiſt, der dir ſich widerſetzet und, was dein Herz ergötzet, aus unſern Herzen reißt. 9. Richt znſer ganzes Leben allzeit nach deinem Sinn, und wenn wirs ſollen geben ins Todes Hände hin, wenns mit uns hie wird aus, ſo hilf uns fröhlich ſterben und nach dem Tod ererben des ewgen Lebens Haus. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Wie nach einer Waſſerquelie ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 112 O du alletſüßte Freude, o du allerſchönſtes Licht, der du uns in Lieb und Leide un⸗ beſuchet läſſeſt nicht, Geiſt des Höchſten, höchſter Fürſt, der du hältſt und halten wirſt ohn Aufhören alle Dinge, höre, höre, was ich ſinge! 2. Du biſt ja die beſte Gabe, die ein Menſch nur Pfingſten. nennen kann; wenn ich dich erwünſch und habe, geb ich alles Wünſchen dran. Ach, ergieb dich, komm zu mir in mein Herze, das du dir, da ich in die Welt geboren, ſelbſt zum Tempel auserkoren. 3. Du wirſt als ein milder Regen ausgegoſſen von dem Thron, bringſt uns nichts als lauter Segen von dem Vater und dem Sohn. Laß doch, o du werter Gaſt, Gottes Segen, den du haſt und verwaltſt nach deinem Willen, mich an Leib und Seel erfüllen. 4. Du biſt weiſ' und voll Verſtandes, was geheim iſt, iſt dir kund, zählſt den Staub des kleinſten Sandes, gründſt des tiefſten Meeres Grund; nun, du weißt auch zweifelsfrei, wie verderbt und blind ich ſei; drum gieb Weisheit und vorallen, wie ich möge Gott gefallen. 5. Du biſt heilig, läßt dich finden, wo man rein und redlich iſt, fleuchſt hin⸗ gegen Schand und Sünden, haſſeſt Schlangentrug und Liſt. Mache du, o Gnaden⸗ quell, meine Seele rein und hell; laß mich fliehen, was du flieheſt, gieb mir, was du gerne ſieheſt. 6. Deine Huld hat keine Schranken, du biſt fromm und ſanften Muts, bleibſt im Leben ohne Wanken, 4 thuſt 74 Pfingſten. thuſt uns Böſen alles Guts. Ach, verleihe mir doch auch deinen edlen Sinn und Brauch, daß ich Freund und Feinde liebe, keinen, den du liebſt, betrübe. 7. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, wenn du mich nur nicht verſtößt; bleib ich von dir ungeſchie⸗ den, ſo bin ich genug getröſt. Laß mich ſein dein Eigen⸗ tum; ich verſprech hinwie⸗ derum, hier und dort all mein Vermögen dir zu Ehren anzulegen. 8. Nur allein, daß du mich ſtärkeſt und mir treu⸗ lich ſteheſt bei; hilf, mein Helfer, wo du merkeſt, daß mir Hilfe nöthig ſei. Brich des böſen Fleiſches Sinn, nimm den alten Willen hin, daß er ſich in dir erneue und mein Gott ſich meiner freue. 9. Sei mein Retter, führ mich eben; wenn ich ſinke, ſei mein Stab; wenn ich ſterbe, ſei mein Leben; wenn ich liege, ſei mein Grab; wenn ich wieder auferſteh, o ſo hilf mir, daß ich geh hin, wo du in ewgen Freu⸗ den wirſt die Auserwählten weiden. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 113 ott, gieb einen S milden Regen, denn mein Herz iſt dürr wie Sand; Vater, gieb vom Himmel Segen, tränke du dein dürſtend Land! Laß des heilgen Geiſtes Gab auf mich Armen doch herab wie in ſtarken Strömen fließen und ſich in mein Herz er⸗ gießen. 2. Jeſu, der du hinge⸗ gangen zu dem Vater, ſende mir deinen Geiſt, den mit Verlangen ich erwarte, Herr, von dir. Laß den Tröſter ewiglich bei mir ſein und lehren mich, in der Weisheit feſt zu ſtehen und auf dich im Glauben ſehen. 3. Heilger Geiſt, du Kraft der Frommen, kehre bei mir Armem ein und ſei tauſend⸗ mal willkommen, laß mich deinen Tempel ſein. Reinige du ſelbſt das Haus meines Herzens, wirf hinaus alles, was mich hier kann ſcheiden von den ſüßen Himmels⸗ freuden. 4. Schmücke mich mit deinen Gaben, mache neu mich, rein und ſchön; laß mich wahre Liebe haben und. in deiner Gnade ſtehn. Gieb mir einen ſtarken Mut, heilige mein Fleiſch und Blut, lehre mich vor Gott hin⸗ treten und im Geiſt und Wahrheit beten. 5. So will ich mich dir ergeben; dir zu Ehren ſoll mein Sinn dem, was himm⸗ liſch iſt, nachſtreben, bis ich werde in m — . — 8—— ——— ————— werde kommen hin, da mit Vater und dem Sohn dich im höchſten Himmelsthron ich erheben kann und preiſen mit den ſüßen Engelsweiſen. M. Kramer, † 1702. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 114 Geiſt vom Vater und vom Sohne, der du unſer Tröſter biſt und von unſres Gottes Throne hilfreich auf uns Schwache ſiehſt: ſtehe du mir mächtig bei, daß ich Gott ergeben ſei, o ſo wird mein Herz auf Erden ſchon ein Tempei Gottes werden. 2. Laß auf jedem meiner Wege deine Weisheit mit mir ſein, wenn ich bange Zweifel hege, deine Wahr⸗ heit mich erfreun. Lenke kräftig meinen Sinn auf mein wahres Wohlſein hin; lehrſt du mich, was recht iſt, wählen, ieen ich nie mein Heil verfehlen. 3. Heilige des Herzens Triebe, daß ich über alles tren meinen Gott und Vater liebe, daß mir nichts ſo wichtig ſei, als in ſeiner Huld zu en ſeinen Namen zu erhöhn, ſeinen Willen zu vollbringen, müſſe mir durch dich gelingen. 4. Stärke mich, ſo oft zur Sünde mein Gemüt verſuchet wird, daß ſie mich Pfingſten. hab ich o ſo ſtrafe ſelbſt mein Hetz, daß ich unter Reu und Schmerz nicht überwinde; irgend mich verirrt, mich vor Gott darüber beuge und mein Herz zur Beſſrung neige. 5. Reize mich, mit Flehn und Beten, wenn mir Hilfe nötig iſt, zu dem Gnaden⸗ ſtuhl zu treten. Gieb, daß ich auf Jeſum Chriſt als auf meinen Mittler ſchau, und auf ihn die Hoffnung bau, Gnad um Gnad auf mein Verlangen von dem Vater zu empfangen. Stehe mir in allen Leiden ſtets mit deinem Troſte bei, daß ich auch als⸗ dann mit Freuden Gottes Führung folgſam ſei. Gieb mir ein gelaſſen Herz; laß mich ſelbſt im Todesſchmerz bis zum frohen überwinden dieſes Troſtes Kraft em⸗ pfinden. Nach offnann⸗ Mel. Zeſu, mein⸗ c. 115 Smüt das Feſt mit Maien ,laſſet Blumen ſtreuen, aet Opfer an, denn der Geiſt der Gnaden hat ſich einge⸗ laden; machet ihm die Bahn! Nehmt ihn ein, ſo wird ſein Schein euch mit Licht und Heil erfüllen und den Kum⸗ mer ſtillen. 2. Tröſter der Betrübten, Siegel der Geliebten, vo 76 voll Rat und That, ſtarker Gottesfinger, Friedensüber⸗ bringer, Licht auf unſrem Pfad, gieb uns Kraft zur Pilgrimſchaft, laß uns deine teuren Gaben Herz und Seele laben. 3. Laß die Zungen brennen, wenn wir Jeſum nennen, führ den Geiſt em⸗ por; gieb uns Kraft zu beten und vor Gott zu treten, ſprich du ſelbſt uns vor. Gieb uns Mut, du höchſtes Gut, tröſt unskräftiglichvon oben bei der Feinde Toben. 4. Goldner Himmels⸗ regen, ſchütte deinen Segen auf das Kirchenfeld; laſſe Ströme fließen, die das Land begießen, wo dein Wort hinfällt, und verleih, daß es gedeih; hundertfältig Frucht zu bringen, laß ihm ſtets gelingen. 5. Schlage deine Flam⸗ men über uns zuſammen, heilge Liebesglut; laß dein ſanftes Wehen über uns er⸗ gehen, dämpfe Fleiſch und Blut; laß uns doch am Sündenjoch mit der Welt nicht ferner ziehen und das Böſe fliehen. 6. Gieb zu allen Dingen Wollen und Vollbringen, führ uns ein und aus; wohn in unfrer Seele, unſer Herz erwähle dir zum eignen Haus. Wertes Pfand mach uns bekannt, wie wir Jeſum Pfingſten. recht erkennen und Gott Vater nennek. 7. Mach das Kreuz uns ſüße, und durch Finſterniſſe ſei du unſer Licht; trag nach Zions Hügekln uns mit Glaubensflügeln und verlaß uns nicht, wenn der Tod, die letzte Not, mit uns will zu Felde liegen, daß wir fröhlich ſiegen. 8. Laß uns hier indeſſen nimmermehr vergeſſen, daß wir Gott verwandt. Dein laß uns ſtets dienen, und im Guten grünen, als ein fruchtbar Land, bis wir dort, du werter Hort, bei den grünen Himmelsmaien ewig uns erfreuen. B. Schmolck, † 1737. Mel. Erquicke mich, du Heil der Sünder ꝛc. 116 O Gott, o Geiſt, o Licht des Lebens, das uns im Todes⸗ ſchatten ſcheint, du ſcheinſt und lockſt ſo lang vergebens, weil Finſternis dem Lichte feind! O Geiſt, dem keiner kann entgehen, dich laß ich gern mein Herze ſehen. 2. Entdecke alles und verzehre, was nicht in deinem Lichte rein; wenn mirs gleich noch ſo ſchmerzlich wäre, die Wonne folget nach der Pein; du wirſt mich aus dem finſtren Alten in Jeſu Klarheit umgeſtalten. —,— — —— —— ———— ——„———=—— 3. Ich kann nicht ſelbſt der Sünde ſteuern, das iſt dein Werk, du Quell des Lichts! Du mußt von Grund aus mich erneuern, ſonſt hilft mein eignes Trachten nichts. O Geiſt, ſei meines Geiſtes Leben; ich kann mir ſelbſt nichts Gutes geben. 4. Du Odem aus der ewgen Stille, durchwehe ſauft der Seele Grund; füll mich mit aller Gottes⸗ fülle, und da, wo Sünd und Greuel ſtund, laß Glauben, Lieb und Ehrfurcht grünen, in Geiſt und Wahrheit Gott zu dienen. 5. Mein Wirken, Wollen und Beginnen ſei kindlich folgſamn deinem Trieb; be⸗ wahr mein Herz mit allen Sinnen untadelig in Gottes Lieb. Dein in mir Beten, Lehren, Kämpfen laß mich auf keine Weiſe dämpfen. 6. D Geiſt, o Strom, der uns vom Sohne eröffnet, und kryſtallenrein aus Gottes und des Lammes Throne nun quillt in ſtille Herzen ein, ich öffne meinen Mund und ſinke hin zu der Quelle, daß ich trinke. 7. Ich laß mich dir und bleib indeſſen, von allem abgewandt, dir nah; ich will die Welt und mich vergeſſen und innigſt glauben: Gott Pfingſten⸗ 77 iſt da! O Gott, o Geiſt, o Licht des Lebens, man harret deiner nie vergebens. G. Terſtegen, † 1769. Mel. Kommt her zu mir ꝛe. 1 1 7 Es ſaß ein frommes Häuflein dort und wollte nach des Herren Wort einmütig Pfingſten halten. Ach, laß auch jetzt im Chriſtenſtand, Herr Jeſu, deiner Liebe Band bei from⸗ men Gliedern walten! 2. Schnell fiel hernteder auf das Haus ein ſtarker Wind, der mit Gebraus ſich wunderſam erhoben. O Gotteshauch, ach, laſſe dich bei uns auch ſpüren kräftig⸗ lich und weh uns an von oben! 3. Er füllete die Wohnung ganz, azerteilter Zungen Feuerglanz ließ ſich auf jedem ſpüren. Ach, nimm auch unſre Kirchen ein, laß feurig unſre Lehrer ſein, und deine Sprach uns rühren! 4. Sie wurden all des Geiſtes voll und fingen an zu reden wohl, wie er gab auszuſprechen. Erfüll auch uns mit heilger Glut, daß wir des Herzens blöden Mut mit freier Rede brechen! 5. Das Volk von allen Zungen kann, was Gott zum Heil der Welt gethan, in 78 in ſeiner Sprache hören. Ach, heb der Zungen Irrſal auf; laß, Jeſu, deinem Wort den Lauf, daß dich die Völker ehren! 6. Die Welt zwar treibt nur ihren Spott, und wer nicht merkt die Kraft von Gott, ſpricht leider:„Sie ſind trunken!“ Den rechten Freudenwein uns gieb, er⸗ quick, o Herr, in deiner Lieb, was noch in Angſt verſunken! 7. Dein Licht treib in des Herzens Haus mit hellen⸗ Strahlen gänzlich aus die alten Finſterniſſe, daß Blind⸗ heit, Irrtum, falſcher Wahn und, was uns ſonſt verlei⸗ ten kann, auf ewig weichen müſſe. 8. Dein Feuer töt in unfrer Bruſt, was ſich noch regt von Sündenluſt; er⸗ wecke reine Triebe, auf daß wir ſchmecken wahre Freud, anſtatt der ſchnöden Eitel⸗ keit, in Jeſu ſüßer Liebe. Hier. Annoni, † 1770. Mel. Fröhlich ſoll mein Herze ꝛc. 118 Höchſter Tröſter, Okomm hernieder; Geiſt des Herrn, ſei nicht fern, ſtärke Chriſti Glieder. Er hat nie ſein Wort ge⸗ brochen, Jeſus hat deinen Rat ſeinem Volk ver⸗ ſprochen. Pfingſten. 2. Schöpfer unſres neuen Lebens, jeder Schritt, jeder Tritt iſt ohn dich vergebens. Mache unſer Heil uns wichtig; wer iſt wohl, wie er ſoll, treu zu handeln tüchtig? 3. Herr, wir fallen dir zu Fuße; eins iſt not für den Tod: Buße, wahre Buße. Zeig uns ſelbſt den Greul der Sünde, daß das Herz Angſt und Schmerz, Reu und Scham empfinde. 4. Zeig uns des Erlöſers Wunden, ruf uns zu: ihr habt Ruh, ihr habt Heil gefunden! Er hat Gnade euch erworben, Jeſu Blut machet gut, was die Welt verdorben. 5. Weck uns auf vom Sündenſchlafe, rette doch heute noch die verlornen Schafe. Reiß die Welt aus dem Verderben, laß ſie nicht im Gericht der Verſtockung ſterben. 6. Geiſt der Weisheit, gieb uns allen durch dein Licht Unterricht, wie wir Gott gefallen. Lehr uns freudig vor Gott treten, ſei uns nah, und ſprich: ja! wenn wir gläubig beten. 7. Hilf den Kampf des Glaubens kämpfen, gieb uns Mut, Fleiſch und Blüt, Sünd und Welt zu dämpfen⸗ Jaß uns Trübſal, Kreuz und Leiden, Angſt und Not, Schmerz Schmerz und Tod nicht von Jeſu ſcheiden. 8. Hilf uns nach dem Beſten ſtreben, ſchenk uns Kraft, tugendhaft und ge⸗ recht zu leben; gieb, daß wir nie ſtille ſtehen, treib uns an, froh die Bahn dei⸗ nes Worts zu gehen. 9. Sei in Schwachheit unſre Stütze, ſteh uns bei, mach uns treu in der Prüfungshitze. Führ, wenn Gott uns nach dem Leide ſterben heißt, unſern Geiſt in des Himmels Freude. E. Liebich, † 1780. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 119 er du uns als Vater liebeſt, treuer Gott, und deinen Geiſt denen, die dich bitten, giebeſt, ja, uns um ihn bitten heißt, demutsvoll fleh ich zu dir: Vater, ſend ihn auch zu mir, daß er meinen Geiſt erneue und mich dir zum Tempel weihe. 2. Ohne ihn fehlt meinem Wiſſen Leben, Kraft und Fruchtbarkeit, und mein „Herz bleibt dir entriſſen und dem Dienſt der Welt geweiht, wenn er nicht durch ſeine Kraft die Geſinnung in mir ſchafft, daß ich dir mich ganz ergebe und zu deiner Ehre lebe. Pfingſten. 79 3. Ewge Quelle wahrer Güter, Gottes⸗ geiſt, der du menſchliche Gemüter heiligſt und mit Troſt erfreuſt! Nach dir, Herr, verlangt auch mich, ich ergebe mich an dich; mache mich zu Gottes Preiſe heilig und zum Himmel weiſe. 4. Fülle mich mit heilgen Trieben, daß ich Gott, mein höchſtes Gut, über alles möge lieben, daß ich mit getroſtem Mut ſeiner Vater⸗ huld mich freu und mit wahrer Kindestreu ſtets vor ſeinen Augen wandle und rechtſchaffen denk und handle. 5. Geiſt des Friedens und der Liebe, bilde mich nach deinem Sinn, daß ich Lieb und Sanftmut übe undmirsrechne zum Gewinn, wenn ich je ein Friedens⸗ band knüpfen kann, wenn meine Hand zur Erleichtrung der Beſchwerden kann dem Nächſten nützlich werden. 6. Wenn der Anblick meiner Sünden mein Ge⸗ wiſſen niederſchlägt, wenn ſich in mir Zweifel finden, die mein Herz mit Zittern hegt, wenn mein Aug in Nöten weint und Gott nicht zu hören ſcheint: o dann laß es meiner Seelen nicht an Troſt und Stärkung fehlen. 7. Was ſich Gutes in mir findet, iſt dein Gnaden⸗ werk 80 Pfingſten. werk in mir; ſelbſt den Trieb haſt du entzündet, daß mich, Ser⸗ verlangt nach dir. ſo ſetze durch dein Wort deine Gnaden⸗ wirkung fort, bis ſie durch ein ſelig Ende herrlich ſich an mir vollende. Dav. Bruhn, † 1782. Mel. Nun komm, der Heiden Heiland ꝛc. 120 Geiſt vom Vater und vom Sohn, weihe dir mein Herz zum Thron! Schenke dich mir immerdar, ſo wie einſt der Jünger Schar! 2. Geiſt der Wahrheit, leite mich! Eigne Leitung täuſchet ſich, da ſie leicht des Wegs verfehlt und den Schein für Wahrheit wählt. 3. Geiſt des Lichtes, mehr in mir meinen Glauben für und für, der mich Chriſto einverleibt und durch Liebe Früchte treibt. 4. Geiſt der Andacht, ſchenke mir Salbung, In⸗ brunſt, Feur von dir; laß mein Bitten innig rein und vor Gott erhörlich ſein. 5. Geiſt der Liebe, Kraft und Zucht! Wenn mich Welt und Fleiſch verſucht, o dann unterſtütze mich, daß ich ringe; rette mich! 6. Geiſt der Heiligung, verklär Jeſum in mir mehr und mehr und erquicke innerlich durch den Frieden Gottes mich. 7. Geiſt der Hoffnung, führe du mich dem Himmels⸗ erbe zu; laß mein Herz ſich deiner freun und in Hoff⸗ nung ſelig ſein! G. J. Tode, † 1797. Mel. D Jeſu Chriſt, meins Lebens ꝛc. 121 O Gottes Geiſt und Chriſti Geiſt, der uns den Weg zum Him⸗ mel weiſt, der uns die dunkle Erdennacht durch ſeine Lichter helle macht; 2. Du Hauch, der durch das Weltall weht als Gottes ſtille Majeſtät, du aller Lichter reinſtes Licht, er⸗ leucht uns Herz und Ange⸗ ſicht. 3. Komm, leuchte mit dem Gnadenſchein hell in die weite Welt hinein; komm, mach uns in der Finſternis des lichten Him⸗ melswegs gewiß. 4. Ach, hier iſt alles Staub und Nacht, die Wahn und Sünde trübe macht; ach, hier iſt alles Not und Tod, geht uns nicht auf dein Morgenrot. 5. Das Morgenrot der“ beſſern Welt, das wie ein Strahl vom Himmel fällt, als Gottes Macht und Gottes Luſt durchblitzt die kranke Menſchenbruſt. 6. O Gottes Geiſt und Chriſti Geiſt, der uns wie Kinder beten heißt, der uns wie Kinder glauben heißt, o komm, o komm, du heilger Geiſt! 7. Komm, Gottes Frie⸗ den, Gottes Mut! Komm, ſtille Kraft, die nimmer ruht, komm, gieße deinen Gnadenſchein in Seele, Sinn und Herz mir ein. 8. Dann wandl ich, wie ein Kind des Lichts, im Glanze deines Angeſichts ſchon meinen kurzen Erden⸗ lauf ſtets himmelein und himmelauf. E. M. Arndt, † 1860. Schlußlied der Weihnacht⸗, Oſter⸗ und Pfingſtzeit. 1220 du fröhliche, o du ſelige, gnaden⸗ bringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Chriſt iſt geboren; freue, freue dich, o Chriſtenheit! O du fröhliche, o du ſelige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Chriſt iſt erſchienen, uns zu verſühnen; freue, freue dich, o Chriſten⸗ heit! 3. O du fröhliche, o du ſelige, gnadenbringende Weihnachtszeit! König der Schlußlied der Weihnacht⸗, Oſter⸗u. Pfingſtzeit. 81 Ehren, dich wolln wir hören; freue, freue dich, o Chriſtenheit! II 4. O du fröhliche, o du ſelige, gnadenbringende Oſterzeit! Welt lag in Banden, Chriſt iſt erſtanden; freue, freue dich, o Chriſten⸗ heit! 5. O du fröhliche, o du ſelige, gnadenbringende Oſterzeit! Tod iſt bezwungen, Leben errungen; freue, freue dich, o Chriſtenheit! 6. O du fröhliche, o du ſelige, gnadenbringende Oſterzeit! Kraft iſt gegeben, laßt uns ihm leben; freue, freue dich, o Chriſtenheit! III. 7. D du fröhliche, o du ſelige, gnadenbringende Pfingſtenzeit! Chriſt, unſer Meiſter, heitigt die Geiſter; freue, freue dich, o Chriſten⸗ heit! 8. O du fröhliche, o du ſelige, gnadenbringende Pfingſtenzeit! Führ, Geiſt der Gnade, uns deine Pfade; freue, freue dich, o Chriſten⸗ heit! 9. O du fröhliche, o du ſelige, gnadenbringende Pfingſtenzeit! Uns, die Er⸗ löſten, Geiſt, willſt dutröſten; freue, freue dich, o Chriſten⸗ heit! 3. Daniel Falk, † 1826. Trinitatisfeſt. J. FTrinitatisfeſt. 123 Hllein Gott in der Höh ſei Ehr und Dank für ſeine Gnade, darum, daß nun und nimmermehr uns rühren kann ein Schade. Ein Wohl⸗ gefalln Gott an uns hat, nun iſt groß Fried ohn Unterlaß, all Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir beten an und loben dich, wir bringen Ehr und danken, daß du, Gott Vater, ewiglich regierſt ohn alles Wanken; ganz ohne Maß iſt deine Macht, allzeit geſchieht, was du bedacht: wohl uns des ſtarken Herren. 3. O Jeſu Chriſte, Gottes Sohn, für uns ein Menſch geboren, der uns vertritt vor Gottes Thron und rettet, wasverloren; Lamm Gottes, heilger Herr und Gott, nimm an die Bitt von unſrer Not, erbarm dich unſer aller! 4. O heilger Geiſt, du höchſtes Gut, mit deinem Heil uns tröſte! Vor Satans Macht nimm uns in Hut, die Jeſus Chriſt erlöſte durch Marter groß und bittern Tod, wend unſern Jammer ab und Not; dar⸗ auf wir uns verlaſſen! N. v. Hof, † 1541. Mel. Nun danket alle Gott ve. 124 elobet ſei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben, mein Schöpfer, der mir Leib und Seele hat gegeben, mein Vater, der mich ſchützt von Mutterleibe an, der jeden Augenblick viel Guts an mir gethan. 4 2. Gelobet ſei der Herr, mein Gott, mein Heil, mein Leben, des Vaters liebſter Sohn, der ſich für mich ge⸗ geben, der mich erlöſet hat mit ſeinem teuren Blut, der mir im Glauben ſchenkt ſich ſelbſt, das höchſte Gut. 3. Gelobet ſei der Herr, mein Gott, mein Troſt, mein Leben, des Vaters werter Geiſt, den mir der Sohn gegeben, der mir mein Herz erquickt, der mir giebt neue Kraft, der mir in aller Not Rat, Troſt und Hilfe ſchafft. 4. Gelobet ſei der Herr, mein Gott, der ewig lebet, den alles rühmt und lobt, was durch ihn lebt und webet; gelobet ſei der Herr, des Name heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn und Gott der werte Geiſt. 5. Dem wir Hallelujah mit Freuden laſſen klingen und und mit der Engelſchar das Heilig! Heilig! ſingen; den herzlich lobt und preiſt die ganze Chriſtenheit; gelobet ſei mein Gott in alle Ewig⸗ keit! 3. Olearius, † 1684. Mel. Wie ſchön leuchtet der Morgen⸗ ſtern ꝛc.(Mein ganzer Geiſt.) 125 ni Lob, Preis und Ehr ſei unſerm Gott je mehr und mehr füralleſeine Werkel Von Ewigkeit zu Ewigkeit ſei in uns allen ihm bereit Dank, Weisheit, Kraft und Stärke! Klinget, ſinget: Gott iſt heilig, heilig, heilig! Preis Ehre ſei dem Herrn der Himmelsheere. 2. Hallelujah! Preis, Ehr und Macht ſei auch dem Gotteslamm gebracht, in dem wir ſind erwählet, das uns mit ſeinem Blut er⸗ kauft, damit beſprenget und getauft und ſich mit uns vermählet. Heilig, ſelig iſt die Freundſchaft und Ge⸗ meinſchaft, die wir haben, und darinnen uns erlaben. 3. Hallelujah! Gott heil⸗ ger Geiſt, ſei ewiglich von uns gepreiſt, durch den wir neu geboren, der uns mit Glauben ausgeziert, dem Bräutigam uns zugeführt, den Hochzeittag erkoren. Heil uns, Heil uns! Da iſt Freude, da iſt Weide, da iſt Manna und ein ewig Hoſianna. Trinitatisfeſt. wenn dus nicht biſt, o Geiſt, 83 4. Hallelujah! Lob, Preis und Ehr ſei unſerm Gott je mehr und mehr und ſeinem großen Namen! Stimmt an mit aller Himmelsſchar und ſinget nun und immerdar mit Freuden: Amen, Amen, Klinget, ſinget: Gott iſt heilig, heilig, heilig! Preis und Ehre ſei dem Herrn der Himmelsheere. Vor 1608. Mel. Wie ſchön leuchtet der Morgen⸗ ſtern ꝛc.(Mein ganzer Geiſt.) 126 W freut mich noch, wenn dus nicht biſt, Herr Gott, der doch mein Alles iſt, mein Troſt und meine Wonne? Biſt du nicht Schild, wer decket mich? Biſt du nicht Licht, wo finde ich im Finſtern eine Sonne? Keine reine, wahre Freude, auch im Leide, auch für Sünden, iſt, Herr, außer dir zu finden. 2. Was freut mich noch, wenn dus nicht biſt, mein Herr Erlöſet, Jeſus Chriſt, mein Friede und mein Leben? Heilſt du mich nicht, wo find ich Heil? Biſt du nicht mein, wo iſt mein Teil? Giebſt du nicht, wer wird geben? Meine eine wahre Freude, wahre Weide, wahre Gabe hab ich, wenn ich Jeſum habe. 3. Was freut mich noch, der 84 Allgemeine Lob⸗ der uns gegeben iſt zum Führer der Erlöſten? Biſt du nicht mein, was ſucht mein Sinn? Führſt du mich nicht, wo komm ich bin? Hilfſt du nicht, wer will kröſten? Meine eine wahre Freude, Troſt im Leide, Heil für Schaden iſt in dir. o Geiſt der Gnaden. V. 1. u. 2 von Ph. Fr. Hiller, 69 V. 3. v. A. Knapp, † 1864. 1 Mel. Erſchienen iſt der herrlich Tagc. Un ank und An⸗ 127 betung bringen 3 wir, Herr, unſer Gott und 128 Erſter Chor: Herr, Gott, dich loben wir, Dich, Vater in Ewigkeit, all Engel und Himmelsheer, auch Cherubim und Sera⸗ phim heilig iſt unſer Gott! 1 Erſter Chor: 2. Dein göttlich Macht und Herrlichkeit der heiligen zwölf BotenZahl die teuren Märtrer allzu⸗ mal und Danklieder. Vater, dir. Du biſt es, der die ganze Welt erſchaffen hat und noch erhält. Halle⸗ lujah! 2. Dank und Anbetung bringen wir, Herr, unſer Gott und Heiland, dir. Du littſt für uns des Todes Pein, uns vom Verderben zu befrein. Hallelujah! 3. Gelobet ſeiſt du, Geiſt des Herrn! Wir waren einſt von Chriſto fern; du haſt durch deines Wortes Macht auch uns zum Licht und Heil gebracht. Hallelujah! J. Chriſt. Stodhauſen, † 1784. RI. Allgemeine ob- und Dankilieder. Zweiter Chor vd. Gemeinde: Herr Gott, wir danken dir!, ehrt die Welt weit und breit; und was dienet deiner Ehr, ſingen immer mit hoher Stimm: heilig iſt unſer Gott! Beide Chöre: Heilig iſt unſer Gott! der Herr Zebaoth. Zweiter Chor od. Gemeinde: geht über Himmel und Erden weit; und die lieben Propheten all, loben dich, Herr, mit großem Schall; i , e den l, en Allgemeine Lob⸗ Erſter Chor: die ganze werte Chriſtenheit dich, Gott Vater, im höchſten Thron, den heilgen Geiſt und Tröſter wert 3. Du König der Ehren, Jeſu Cyriſt, du nahmeſt an, der Welt zu gut, du haſt dem Tod zerſtört ſein Macht du ſitzſt zur Rechten Gottes gleich ein Richter du zukünftig biſt 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, laß uns im Himmel haben teil Hilf deinem Volk, Herr Jeſu Chriſt, wart und pfleg ſein zu aller Zeit 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich Behüt uns heut, o treuer Gott, ſei uns gnädig, o Herre Gott, zeig uns deine Barmherzig⸗ keit, auf dich hoffen wir, lieber Herr, und Danklieder. 85 Zweiter Chor od. Gemeinde: kühmt dich anfErden alleZeit; deinen rechten und eingen Sohn, mit rechtem Dienſt ſie lobt und ehrt. Gott Vaters ewger Sohn du biſt; gleich MenſchenkindernFleiſch und Blut; und all Chriſten zum Himmel bracht; mit aller Ehr ins Vaters Reich; allem, das tot und lebend iſt. die durch dein teur Blut erlöſet ſein; mit den Heilgen am ewgen Heil. und ſegne, was dein Erbteil iſt; und heb es hoch in Ewigkeit. und deinen Namen ſtetiglich. vor aller Sünd und Miſſe⸗ that; ſei uns gnädig in aller Not; wie unſre Hoffnung zu dir ſteht; inSchanden laß uns nimmer⸗ mehr! Beide Chöre: Amen. Mel. Kommt, kommt, den Herrn tc. 129 un lob, mein Seel, den Herren, was in mir iſt, den Namen ſein; ſein Wohlthat Luther, † 1546. k thut er mehren, vergiß es nicht, o Herze mein; hat dir dein Sünd vergeben, heilt deine Schwachheit groß, er⸗ löſt dein armes Leben, nimmt dich 86 dich in ſeinen Schoß, mit Troſt dich überſchüttet, ver⸗ jüngt dem Adler gleich; der Herr ſchafft Recht, behütet, die leiden für ſein Reich. 2. Er hat uns wiſſen laſſen ſein heilig Recht und ſein Gericht, dazu ſein Güt ohn Maßen; es mangelt an Erbarmung nicht; den Zorn läßt er wohl fahren, ſtraft nicht nach unſrer Schuld; die Gnad thut er nicht ſparen, den Blöden iſt er hold; ſein Güt iſt hoch er⸗ haben ob dem, der fürchtet ihn. So fern der Oſt vom Abend, iſt unſre Sünd da⸗ hin. 3. Wie Väter ſich erbar⸗ men ob ihrer jungen Kinde⸗ lein, ſo thut der Herr uns Armen, wenn wir ihn kindlich fürchten rein; er kennt uns arme Knechte und weiß, wir ſind nur Staub, ein bald verwelkt Geſchlechte, wie Gras und fallend Laub; der Wind nur drüber wehet, ſo iſt es nimmer da; alſo der Menſch vergehet, ſein Ende iſt ihm nah. 4. Die Gottesgnad alleine ſteht feſt und bleibt in Ewig⸗ keit; ſie bleibt bei der Ge⸗ meine, die, ſtets in ſeiner Furcht bereit, will ſeinen Bund bewahren. Er herrſcht im Himmelreich; ihr ſtarken Engelſchaten, lobt ihn mit uns zugleich, und dient dem Allgemeine Lob⸗ und Danklieder⸗ Herrn der Ehren und breitet aus ſein Wort; mein Seel ſoll auch vermehren ſein Lob an allem Ort. Joh. Grammann, † 1541. 130 Nun preiſet alle Gottes Barm⸗ herzigkeit; lob ihn mit Schalle, dank ihm, o Chri⸗ ſtenheit! Er läßt dich freund⸗ lich zu ſich laden, freue dich, Israel, ſeiner Gnaden!:: 2. Der Herr regieret über die ganze Welt; was ſich nur rühret, alles zu Fuß ihm fällt; viel tauſend Engel um ihn ſchweben, Pſalter und Harfe ihm Ehre geben.:,: 3. Wohlauf, ihr Heiden, laſſet das Trauern ſein, zur grünen Weiden ſtellet euch willig ein; da läßt er uns ſein Wort verkünden, machet uns ledig von allen Sün⸗ den.: 4. Er giebet Speiſe reich⸗ lich und überall, nach Va⸗ ters Weiſe ſättigt er allzu⸗ mal; er ſchaffet Früh⸗ und ſpäten Regen, füllet uns alle mit ſeinem Segen.:,: 5. Drum preis und ehre ſeine Barmherzigkeit, ſein Lob verinehre, dank ihm, o Chriſtenheit; uns ſoll hin⸗ fort kein Unfall ſchaden; freue dich, Israel, ſeiner Gnaden!“,: Math. A. v. Löwenſtern, 1 1648. — zel l bo 1 31 un danket alle Gott mit Her⸗ zen, Mund und Händen, der große Dinge thut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindes⸗ beinen an unzählig viel zu gut und noch jetzund ge⸗ than. 2. Der ewig reiche Gott woll uns bei unſerm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben, und uns in ſeiner Gnad erhalten fort und fort, und uns aus aller Not erlöſen hier und dort. 3. Lob, Ehr und Preis ſei Gott, dem Vater und dem Sohne, und dem, der beiden gleich, im höchſten Himmelsthrone, dem ewig höchſten Gott; als es an⸗ fänglich war und iſt und bleiben wird jetzund und immerdar. M. Rinkärt, † 1649. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren ꝛc.(Kommt, kommt, den Herrn.) lobt di 132 M oei du hocherhabnerZions⸗Gott! Des Rühmens iſt die Fülle vor dir, du ſtarker Zebaoth! Du biſt doch Herr auf Erden. der Frommen Zuverſicht, in Trübſal und Beſchwerden läßt du die Deinen nicht. Drum ſoll dich ſtündlich ehren mein Mund vor jeder⸗ Allgemeine Lob⸗ und Danklieder. 87 mann und deinen Ruhm vermehren, ſo lang er lallen kann. 2. Es müſſe dein ſich freuen, wer deine Macht und Gnade kennt, und deinem Dienſt ſich weihen, wer dich in Chriſto Vater nennt. Hoch ſeiſt du ſtets geprieſen; du biſts, der Wunder thut, und haſt auch mir erwieſen das, was mir nütz und gut. Nun, das iſt meine Freude, zu halten feſt an dir, daß nichts von dir mich ſcheide, ſo lang ich walle hier. Herr, du haſt deinen Namen ſehr herrlich in der Welt gemacht; wenn Schwache zu dir kamen, haſt du gar bald an ſie gedacht. Du haſt mir Gnad erzeiget; nun, wie vergelt ichs dir? Ach, bleibe mir geneiget, ſo will ich für und für den Kelch des Heils erheben und preiſen allezeit dich, Herr Gott, hier im Leben und dort in Ewigkeit. Joh. Riſt, † 1667. Mel. Nun danket all und bringet zc. (Lobt Gott, ihr Chriſten allzugleich.) 133 Cch ſinge dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Luſt! Ich ſing und mach auf Er⸗ den kund, was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad und ewge Quelle 88 Allgemeine Lob⸗ und Danklieder. Quelle ſeiſt, daraus uns allen früh und ſpat viel Heil und Gutes fleußt. 3. Was ſind wir doch, was haben wir auf dieſer ganzen Erd, das uns, o Vater, nicht“ von dir aliein gegeben werd? 4. Wer hat das ſchöne Himmelszelt hoch über uns geſetzt? Wer iſt es, der uns unſer Feld mit Tau und Regen netzt? 5. Wer wärmet uns in Kält und Froſt? Wer ſchützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Hl und Moſt zu ſeinen Zeiten findt? 6. Wer giebt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit ſeiner Hand den güldnen, edlen, werten Fried in un⸗ ſerm Vaterland? 7. Ach, Herr, mein Gett, das kommt von dir, und du mußt alles thun! Du hältſt die Wacht an unſrer Thür und läßt uns ſicher ruhn. 8. Du nähreſt uns von Jahr zu Jahr, bleibſt immer fromm und treu und ſtehſt uns, wir in Gefahr geraien,! herzlich bei. 9. Bü ſrröfſt uns Sünder mit Geduld und ſchlägſt nicht allzu ſehr, ja endlich nnit du unſre Schuld und wirfſt ſie in das Meer. 10. Wenn unſer Herze ſeufzt und ſchreit, wirſt du gar leicht erweicht und giebſt uns, was uns hoch erfreut und dir zur Ehr gereicht. 11. Du zählſt, wie oft ein Chriſte wein, und was ſein Kummer ſei; kein Zähr⸗ und Thränlein iſt ſo klein, du hebſt und legt es bei. 12. Du füllſt des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig ſteht, und führſt uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd entgeht. 13. Wohl auf, mein Herze, ſing und ſpring und habe guten Mut! Dein Gott, der Urſprung aller Ding, iſt ſelbſt und bleibt dein Gut. 14. Er iſt dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, ſchafft Rat und läßt dich nicht. 15. Was kränkſt du dich in deinem Sinn und grämſt dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf ſie hin auf den, der dich gemacht! 16. Hat er dich nicht von Jugend auf verſorget und ernährt? und manchen ſchweren Unglückslauf zum Segen dir gekehrt? 17. Er hat noch niemals was verſehn in ſeinem Re⸗ giment; nein, was er thut undläßt geſchehn, das nimmt ein gutes End. 18. Ei nun, ſo laß ihn ferner thun und red ihm nichts Allgemeine Lob⸗ nichts darein, ſo wirſt du hier in Frieden ruhn und ewig fröhlich ſein. P. Gerhardt, † 1676. (Lobt Gott, ihr Chriſten allzugleich.) 13 4 un danket all und bringet Ehr, ihr Menſchen in der Welt, dem, deſſen Lob der Engel Heer im Himmel ſtets vermeldt. 2. Ermuntert euch und ſingt mit Schall Gott un⸗ ſerm höchſten Gut, der ſeine Wunder überall und große Dinge thut. 3. Der uns von Mutter⸗ leibe an friſch und geſund erhält und, wo kein Menſch mehr helfen kann, ſich ſelbſt zum Helfer ſtellt. 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, doch bleibet gutes Muts, die Straf er⸗ läßt, die Schuld vergiebt und thut uns alles Guts. 5. Er gebe uns ein fröh⸗ lich Herz erfriſche Geiſt und Sinn und werf all Angſt, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe hin. 6. Er laſſe ſeinen Frieden ruhn auf unſerm Vaterland; er gebe Glück zu unſerm Thun und Heil in allem Stand. 7 Er laſſe ſeine Lieb und Güt um, bei und mit uns gehn, was aber ängſtet und und Danklieder. 89 bemüht, gar ferne von uns ſtehn. 8. So lange dieſes Leben währt, ſei er ſtets unſer Heil und bleib auch, wenn wir von der Erd abſcheiden, unſer Teil. 9. Er drücke, wenn das Herze bricht, uns unſre Au⸗ gen zu und zeig uns drauf ſein Angeſicht dort in der ewgen Ruh. P. Gerhardt, † 1676. 13 5 Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren; ſtimme, du Seele, mit ein zu den himmliſchen Chören. Kom⸗ met zu Hauf; Peſt und Harfe, wacht auf, laſſet den Lobgeſang hören. 2. Lobe den Herren, der alles ſo herrlich regieret, der wie auf Flügeln des Adlers dich ſicher geführet, der dich erhält, wie es dir ſelber ge⸗ fällt; haſt du nicht dieſes verſpüret? 3. Lobe den Herren, der künſtlich und fein dich be⸗ reitet, der dir Geſundheit verliehen, dich freundlich ge⸗ leitet; in wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet? 4. Lobe den Herren, der deinen Stand ſichtbar ge⸗ ſegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe ge⸗ regnet; 90 Allgemeine Lob⸗ regnet; denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet. 5. Lobe den Herren; was in mir iſt, lobe den Namen; alles, was Odem hat, lobe des Heiligen Namen! Er iſt dein Licht; Seele, vergiß es ja nicht: lob ihn in Ewig⸗ keit! Amen. J. Neander, † 1680. 1 36 underbarer Kö⸗ nig, Herrſcher von uns allen, laß dir un⸗ ſer Lob gefallen; deine Va⸗ tergüte haſt du laſſen flie⸗ ßen, ob wir ſchon dich oft verließen; hilf uns noch, ſtärk uns doch! Laß die Zunge ſingen, laß die Stimm erklingen! 2. Himmel, lobe prächtig deines Schöpfers Werke, mehr als aller Menſchen Werke. Großes Licht der Sonne, lob ihn mit den Strahlen, die das große Rund bemalen. Lobet gern, Mond und Stern, ſeid be⸗ reit, zu ehren einen ſolchen Herren! 3. D du meine Seele, ſinge fröhlich, ſinge, ſinge deine Glaubenslieder! Was da Odem holet, jauchze, preiſe, klinge; wirf dich in den Staub darnieder. Er iſt Gott Zebaoth; er nur iſt zu loben hier und ewig droben. und Danklieder. 4. Hallelujah bringe, wer den Herren kennet, wer den Herren Jeſum liebet; Halle⸗ lujah ſinge, welcher Chriſtum nennet, ſich von Herzen ihm ergiebet. O wohl dir Glaube⸗ mir, endlich wirſt du dro⸗ ben ohne Sünd ihn loben. J. Neander, † 1680. Mel. Es iſt das Heil uns ꝛc. 2 ei Lob und Ehr 137 S dem höchſten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder thut, dem Gott, der mein Gemüte mit ſeinem reichen Troſt erfüllt, dem Gott, der allen Jammer ſtillt: gebt unſerm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer, o Herrſcher aller Thronen, und die in Lüften, Land und Meer in deinem Schatten wohnen, die preiſen deine Schöpfer⸗ macht, die alles hat ſo wohl bedacht; gebt unſerm Gott die Ehre! 3. Was unſer Gott ge⸗ ſchaffen hat, das will er auch erhalten, darüber will er früh und ſpat mit ſeiner Gnade walten. In ſeinem ganzen Königreich iſt alles recht, iſt alles gleich, gebt unſerm Gott die Ehre! 4. Ich rief dem Herrn in meiner Not: ach Gott, ver⸗ nimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod Allgemeine Lob⸗ Tod und ließ mir Troſt ge⸗ deihen. Drum dank, a Gott, drum dank ich dir; ach, danket, danket Gott mit mir; gebt unſerm Gott die Ehre! 5. Der Herr iſt noch und nimmer nicht von ſeinem Volk geſchieden; er bleibet ihre Zuverſicht, ihr Segen, Heil und Frieden⸗ Mit Mutterhänden leitet er die Seinen ſtetig hin und her; gebt unſerm Gott die Ehre! 6. Wenn Troſt und Hilfe mangeln muß, wie ſie die Welt erzeiget, ſo kommt und hilft der überfluß, der Schöpfer ſelbſt und neiget die Vateraugen denen zu, die ſonſten nirgends ſinden Ruh; gebt unſerm Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Leben lang, o Gott, non nun an ehren; man ſoll, Gott, deinen Lobgeſang an allen Orten hören; mein ganzes Herz ermuntre ſich, mein Geiſt und Leib erfreue dich; gebt unſerm Gott die Ehre! 8. Ihr, die ihr Chriſti Namen nennt, gebt unſerm Fott die Ehre! Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, gebt unſerm Gott die Ehre! Die falſchen Götzen macht zu Spott; der Herr iſt Gott! der Herr iſt Gott! Gebt unſerm Gott die Ehre! und Danklieder. 91 9. So kommet vor ſein Angeſicht, mit Jauchzen Dank zu bringen; bezahlet die ge⸗ lobte Pflicht, und laßt uns fröhlich ſingen: Gott hat es alles wohl bedacht und alles, alles recht gemacht; gebt unſerm Gott die Ehre! J. J. Schüt, † 1690. Mel. Allein Gott in der Höh ꝛc. 138 Bringt her dem Herren Lob und Ehr aus freudigem Ge⸗ müte! Ein jeder Gottes Ruhm vermehr und preiſe ſeine Güte! Ach, lobet, lobet alle Gott, der uns befreiet aus der Not, und danket ſeinem Namen! 2. Lobt Gott und rühmet allezeit die großen Wunder⸗ werke, die Majeſtät und Herrlichkeit, die Weisheit, Kraft und Stärke, die er beweiſt in aller Welt und dadurch alle Ding erhält; drum, danket ſeinem Na⸗ men! 3. Lobt Gott, der uns erſchaffen hat, Leib, Seele, Geiſt und Leben aus lauter väterlicher Gnad uns allen hat gegeben, der uns durch ſeine Engel ſchützt und täg⸗ lich giebet, was üns nützt; drum danket ſeinem Na⸗ men! 4. Lobt Gott, der uns ſchenkt ſeinen Sohn, der für uns iſt geſtorben und e 92 Allgemeine Lob⸗ des ewgen Lebens Kron durch ſeinen Tod erworben, der Tod und Hölle macht zu Spott und uns verſöhnt mit unſerm Gott; drum danket ſeinem Namen! 5. Lobt Gott, der in uns durch den Geiſt den Glau⸗ ben angezündet und alles Gute noch verheißt, uns ſtärket, kräftigt, gründet; der uns erleuchtet durch ſein Wort, regiert uud heiligt fort und fort; drum danket ſeinem Namen! 6. Lobt Gott, der auch das gute Werk, ſo in uns angefangen, vollführen wird und geben Stärk, dasKleinod zu erlangen, das er hat allen dargeſtellt und ſeinen Gläub⸗ gen vorbehält; drum danket ſeinem Namen! 7. Lobt Gott, ihr ſtarken Seraphim, ihr Fürſten und ihr Thronen! Es loben Gott mit heller Stimm, die hier auf Erden wohnen. Lobt Gott und preiſt ihn früh und ſpat! Ja alles, was nur Odem hat, das danke ſeinem Namen! C. Günther, † 1704. 139 Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis zum Tod; weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobſingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, und Danklieder. werde geprieſen früh und ſpat. Hallelujah, Hallelujah! 2. Fürſten ſind Menſchen, vom Weib geboren, und ſin⸗ ken nieder in den Staub; ihre Anſchläge ſind auch ver⸗ loren, wenn nun das Grab nimmt ſeinen Raub. Weil dann kein Menſch uns helfen kann, rufe man Goft um Hilfe an. Hallelujah, Halle⸗ lujah! 3. Selig, ja ſelig iſt der zu nennen, des Hilfe der Gott Jakobs iſt, der ſich vom Glauben durch nichts läßt trennen und hofft getroſt auf Jeſum Chriſt. Wer die⸗ ſen Herrn zum Beiſtand hat, findet am beſten Rat und That. Hallelujah, Halle⸗ lujah! 4. Dieſer hat Himmel und Meer und Erden und, was darinnen iſt, gemacht; alles muß treulich erfüllet werden, was er uns einmal zugedacht. Er iſts, der Herrſcher aller Welt, welcher uns ewig Glauben hält. Hallelujah, Hallelujah! 5. Zeigen ſich ſolche, die Unrecht leiden, er iſts, der ihnen Recht verſchafft; Hung⸗ rigen will er zur Speis be⸗ ſcheiden, was ihnen dient zur Lebenskraft. Die hart Gebundnen macht er frei, und ſeiner Gnad iſt man⸗ cherlei. Hallelujah, Halle⸗ lujah! Allgemeine Lob⸗ 6. Sehende Augen giebt er den Blinden, erhebt, die tief gebeuget gehn; wo er kann einige Frommen fin⸗ den, die läßt er ſeine Liebe ſehn. Sein Aufſehn iſt des Fremden Trutz, Witwen und Waiſen nimmt er in Schutz. Hallelujah, Halle⸗ lujah! 7. Aber der Gottesver⸗ geſſnen Tritte kehrt er mit ſtarker Hand zurück, daß ſie nur machenverkehrteSchritte und fallen ſelbſt in ihren Strick. Der Herr iſt König ewiglich; Zion, dein Gott ſorgt ſtets für dich. Halle⸗ lujah! Hallelujah! 8. Rühmet, ihr Menſchen, den hohen Namen des, der ſo große Wunder thut! Alles, was Odem hat, rufe Amen und bringe Lob mit frohem Mut. Ihr Kinder Gottes, lobt und preiſt Va⸗ ter und Sohn und heilgen Geiſt. Hallelujah, Halle⸗ lujah! J. D. Herrnſchmidt, † 1723. (Wer nur den lieben Gott, Nr. 2.) 140 daß ich tauſend Zungen hätte und einen tauſendfachen Mund, ſo ſtimmt ich damit um die Wette vom aller⸗ tiefſten Herzensgrund ein Loblied nach dem andern an von dem, was Gott an mir gethan. und Danklieder. 93 2. O daß doch meine Stimme ſchallte bis dahin, wo die Sonne ſteht! D daß mein Blut mit Jauchzen wallte, ſo lang es noch im Laufe geht! Ach, wär ein jeder Puls ein Dank und jeder Odem ein Ge⸗ ſang! 3. Was ſchweigt ihr denn, ihr meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euren Fleiß und ſtehet munter im Ge⸗ ſchäfte zu Gottes, meines Herren, Preis! Mein Leib und Seele, ſchicke dich und lobe Gott herzinniglich. 4. Ihr grünen Blätter in den Wäldern, bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr ſchwanken Gräslein in den Feldern, ihr Blumen, laßt doch eure Zier zu Gottes Ruhm belebet ſein und ſtim⸗ met lieblich mit mir ein. 5. Ach, alles, alles, was ein Leben und einen Odem in ſich hat, ſoll ſich mir zum Gehilfen geben; denn mein Vermögen iſt zu matt, die großen Wunder zu er⸗ höhn, die allenthalben um mich ſtehn. 6. Wer überſtrömet mich mit Segen? Biſt du es nicht, o reicher Gott? Wer ſchützet mich auf meinen Wegen? Du, du, o Herr, Gott Zebaoth! Du trägſt mit meiner Sündenſchuld unſäglich gnädige Geduld! 94 Allgemeine Lob⸗ und Danklieder. 7. Auch hab ich es mein Lebetage ſchon ſo manch liebes Mal geſpürt, daß du mich unter vieler Plage zwar wunderbar, doch wohl geführt; denn in der größe⸗ ſten Gefahr ward ich dein Troſtlicht ſtets gewahr. 8. Wie ſollt ich nun nicht voller Freuden in deinem ſteten Lobe ſtehn? Wie ſollt ich auch im tiefſten Leiden nicht triumphierend einher⸗ gehn? Und fiele auch der Himmel ein, ſo will ich doch nicht traurig ſein. 9. Ich will von deiner Güte ſingen, ſo lange ſich die Zunge regt; ich will dir Freudenopfer bringen, ſo lange ſich mein Herz be⸗ wegt; ja, wenn der Mund wird kraftlos ſein, ſo ſtimm ich doch mit Seufzen ein. 10. Ach, nimm das arme Lob auf Erden, mein Gott, in allen Gnaden hin; im Himmel ſoll es beſſer wer⸗ den, wenn ich verklärt und ſelig binz da ſing ich dir im höhern Chor viel tauſend Hallelujah vor! Joh. Mentzer, † 1734. Mel. Jeſu, meines Lebens Leben ꝛc. (Alle Menſchen müſſen ſterben.) 141 Wonit ſoll ich dich wohl loben, mächtiger Herr Ze⸗ baoth? Sende mir dazu von oben deines Geiſtes Kraft, mein Gott; denn ich kann mit nichts erreichen deine Gnad und Liebeszeichen. Tauſend, tauſendmal ſei dir, großer König, Dank dafür! 2. Herr, entzünde mein Gemüte, daß ich deine Wundermacht, deine Gnade, Treu und Güte ſtets erhebe Tag und Nacht; denn von deinen Gnadengüſſen Leib und Seele zeugen müſſen. Tauſend, tauſendmal ſei dir, großer König, Dank dafür. 3. Denk ich, wie ich dich verlaſſen undgehäufetSchuld auf Schuld, ſo möcht ich vor Scham erblaſſen vor der Langmut und Geduld, womit du, o Gott, mich Armen haſt getragen voll Erbarmen. Tauſend, tau⸗ ſendmal ſei dir, großer Kö⸗ nig, Dank dafür! 4. Bald mit Lieben, bald mit Leiden kamſt du, Herr, mein Gott, zu mir, nur mein Herze zu bereiten, ganz ſich zu ergeben dir, daß mein gänzliches Verlangen möcht an deinem Willen hangen. Tauſend, tauſend⸗ mal ſei dir, großer König, Dank dafür! 5. Wie ein Vater nimmt und giebet, wie's den Kindern nützlich iſt, ſo haſt du mich auch geliebet, Herr, mein Gott, zu jeder Friſt, und dich meiner angenommen, wenns auch gleich aufs höchſte 0 höchſte kommen. Tauſend, tauſendmal ſei dir, großer König, Dank dafür! 6. Mich haſt du auf Ad⸗ lersflügeln oft getragen vä⸗ terlich, in den Thälern, auf den Hügeln wunderbar er⸗ rettet mich; wenn ſchien alles zu zerrinnen, ward doch deiner Hilf ich innen. Tauſend, tauſendmal ſei dir, großer König, Dank dafür! 7. Fielen tauſend mir zu Seiten und zur Rechten zehn⸗ mal mehr, ließeſt du mich doch begleiten durch der Engel ſtarkes Heer, daß den Nöten, die mich drangen, ich bin dennoch ſtets ent⸗ gangen. Tauſend, tauſend⸗ mal ſei dir, großer König, Dank dafür. 8. Vater, du haſt mir erzeiget lauter Gnad und Gütigkeit; und du haſt zu mir geneiget, Jeſu, deine Freundlichkeit; und durch dich, o Geiſt der Gnaden, werd ich ſtets noch einge⸗ laden. Tauſend, tauſendmal ſei dir, großer König, Dank dafür! 9. Tauſendmal ſei dir ge⸗ ſungen, Herr, mein Gott, Preis, Lob und Dank, daß es mir bisher gelungen; ach, laß meinen Lebensgang ferner doch durch Jeſu Leiten nur gehn in die Ewigkeiten; da will ich, Herr, für und für ewig, ewig danken dir. L. A. Gotter, † 1735. Allgemeine Lob⸗ und Danklieder. 95 Mel. Wunderbarer König ꝛc. 1 42 Ute Liebe, gönne blöden Augen, die ſonſt kaum auf Erden taugen, daß ſie in die Strahlen deiner Langmut blicken, die den Erdkreis wärmend ſchmücken, und zugleich freu⸗ denreich Böſen und den Deinen mit der Sonne ſcheinen. 2. Waſſer, Luft und Erde, ja dein ganz Gebiete iſt ein Schauplatz deiner Güte; deiner Langmut Ehre wird durch neue Proben immer herrlicher erhoben. O wie weit, o wie breit, über Berg und Hügel ſtreckt ſie ihre Flügel! 3. Was wir davon denken, was wir ſagen können, iſt ein Schatten nur zu nennen. Tag für Tag zu ſchonen, Tag für Tag zu dulden ſo viel Millionen Schulden, und dazu ohne Ruh lieben für das Haſſen: Herr, wer kann das faſſen? 4. Du vergiebeſt Sünde, hörſt der Sünder Flehen, wenn ſie weinend vor dir ſtehen; deine Rechte dräuet und erbarmt ſich wieder, legt die Pfeile gerne nieder, da man doch, wenn du noch ſie kaum weggeleget, dich zum Zorn erreget. 5. Herr, es hat noch keiner, der zu dir gegangen, ſtatt 96 Allgemeine Lob⸗ und Danklieder. ſtatt der Gnade Recht em⸗ pfangen. Wer zu deinen Füßen ſich mit Thränen ſenket, dem wird Straf und Schuld geſchenket. Unſer Schmerz rührt dein Herz, und du willſt der Armen gnädig dich erbarmen. 6. König, ſei geprieſen, daß du ſo verſchoneſt und uns nicht nach Werken lohneſt; deiner Hand ſei Ehre, die ſo wohl regieret und mit Ruhm das Scepter führet. Fahre fort, Zions Hort, Langmut auszuüben und die Welt zu lieben. Joh. Jak. Rambach, † 1735. Mel. Es iſt das Heil uns ꝛe. 143 Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die für alle wacht, anbetend überlege, ſo weiß ich, von Bewundrung voll, nicht, wie ich dich erheben ſoll, mein Gott, mein Herr und Vater. 2. Mein Auge ſieht, wo⸗ hin es blickt, die Wunder deiner Werke; der Himmel, prächtig ausgeſchmückt, preiſt dich, du Gott der Stärke. Wer hat die Sonn an ihm erhöht? Wer kleidet ſie mit Majeſtät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde ſeinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Werſchließt den Schoß der Erde auf, mit Vorrat uns zu ſegnen? O Gott der Macht und Herrlichkeit! Gott, deine Güte reicht ſo weit, ſo weit die Wolken reichen. 4. Dich predigt Sonnen⸗ ſchein und Stürm, dich preiſt der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der ge⸗ ringſte Wurm, bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in ſeiner Pracht, mich, rüft die Saat, hat Gott gemacht, bringt unſerm Schöpfer Ehre! 5. Der Menſch, ein Leib, den deine Hand ſo wunder⸗ bar bereitet, der Menſch, ein Geiſt, den ſein Verſtand, dich zu erkennen, leitet, der Menſch, der SchöpfungRuhm und Preis, iſt ſich ein täg⸗ licher Beweis von deiner Güt und Größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geiſt, Namen! Gott, unſer Vater, ſei gepreiſt, und alle Welt ſag Amen! Und alle Welt fürcht ihren Herrn und hoff auf ihn und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen? Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz geübet ꝛc. (Wie groß iſt des Allmächtgen Güte.) 144 Wi groß iſt des Allmächtgen Güte! Iſt der ein wi en erhebe ſeinen — den ſie nicht rührt? der mit verhärtetem Gemüte den Dank erſtickt, der ihm gebührt? Nein, ſeine Liebe zu ermeſſen, ſei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergeſſen, vergiß, mein Herz, auch ſeiner nicht. 2. Wer hat mich wunder⸗ bar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmut mich geleitet? Er, deſſen Rat ich oft verwarf. Wer ſtärkt den Frieden im Gewiſſen? Wer giebt dem Geiſte neue Kraft? Wer läßt mich ſo viel Glück genießen? Iſts nicht ſein Arm, der alles ſchafft? 3. Schau, o mein Geiſt, in jenes Leben, zu welchem du erſchaffen biſt, wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig ſehn wirſt, wie er iſt. Du haſt ein Recht zu dieſen Freuden, durch Gottes Güte ſind ſie dein. Sieh, dar⸗ um mußte Chriſtus leiden, damit du könnteſt ſelig ſein. 4. Und dieſen Gott ſollt ich nicht ehren und ſeine Güte nicht verſtehn? Er ſollte rufen, ich nicht hören? den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will iſt mir ins Herz geſchrieben; ſein Wort beſtärkt ihn ewig⸗ lich. Gott ſoll ich über alles Allgemeine Lob⸗ und Danklieder. 97 lieben und meinen Nächſten gleich als mich. 5. Dies iſt mein Dank, dies iſt ſein Wille: ich ſoll vollkommen ſein, wie er. Solang ich dies Gebot er⸗ fülle, ſtell ich ſein Bildnis in mir her. Lebt ſeine Lieb in meiner Seele, ſo treibt ſie mich zu jeder Pflicht, und ob ich ſchon aus Schwach⸗ heit fehle, herrſcht doch in mir die Sünde nicht. 6. O Gott, laß deine Güt und Liebe mir immer⸗ dar vor Augen ſein! Sie ſtärk in mir die guten Triebe, mein ganzes Leben dir zu weihn. Sie tröſte mich zur Zeit der Schmerzen, ſie leite mich zur Zeit des Glücks, und ſie beſieg in meinem Herzen die Furcht des letzten Augenblicks. Chr. F. Gellert, † 1769. 145(Pott iſt mein Lied! Er iſt der Gott der Stärke; groß iſt ſein Nam, und groß ſind ſeine Werke, und alle Himmel ſein Gebiet. 2. Er will und ſprichts, ſo ſind und leben Welten, und er gebeut, ſo fallen durch ſein Schelten die Fine wieder in ihr Nichts. 3. Licht iſt ſein Kleid, und ſeine Wahl das Beſte; 5 er 98 Allgemeine Lob⸗ und Danklieder. er herrſcht als Gott, und ſeines Thrones Veſte iſt Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, ein Meer von Seligkeiten, ohn Anfang Gott und Gott in ewgen Zeiten, Herr aller Welt, wer iſt dir gleich? 5. Was iſt und war, im Himmel, Erd und Meere, das kennet Gott, und ſeiner Werke Heere ſind ewig vor ihm offenbar. 6. Er iſt um mich, ſchafft, daß ich ſicher ruhe; er ſchafft, was ich vor oder nachmals thue, und er erforſchet mich und dich. 7. Er iſt dir nah, du ſitzeſt oder geheſt; ob du ans Meer, ob du gen Him⸗ mel flöheſt, ſo iſt er allent⸗ halben da. 8. Er kennt mein Flehn und allen Rat der Seele. Er weiß, wie oft ich Gutes thu und fehle, und eilt, mir gnädig beizuſtehn. 9. Er wog mir dar, was er mir geben wollte, ſchrieb auf ſein Buch, wie lang ich leben ſollte, da ich noch un⸗ bereitet war. 10. Nichts, nichts iſt mein, das Gott nicht ängehöre; Herr, immerdar ſoll deines Ramens Ehre, dein Lob in meinem Munde ſein. 11. Wer kann die Pracht von deinen Wundern faſſen? Ein jeder Staub, den du haſt werden laſſen, verkün⸗ digt ſeines Schöpfers Macht. 12. Der kleinſte Halm iſt deiner Weisheit Spiegel. Du, Luft und Meer, ihr Auen, Thal und Hügel, ihr ſeid ſein Loblied und ſein Pſalm. 13. Du tränkſt das Land, führſt uns auf grüne Weiden, und Nacht und Tag, und Korn und Wein und Freuden empfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen; ſollt ich mein Herz nicht mit dem Troſte ſtillen, daß deine Hand mein Leben hält? 15. Iſt Gott mein Schutz, will Gott mein Retter wer⸗ den: ſo frag ich nichts nach Himmel und nach Erden und biete ſelbſt der Hölle Trutz. Chr. F. Gellert, † 1769. 146 ie Himmel rühmen des Ewigen Ehre; ihr Schall pflanzt ſeinen Namen fort; ihn rühmt der Erdkreis, ihn preiſen die Meere, vernimm, o Menſch, ihr göttlich Wort. 2. Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne? Wer führt die Sonn aus ihrem Zelt? Sie kommt und leuchtet und lacht uns von ferne und läuft den Weg gleich wie ein Held. Allgemeine Lob⸗ 3. Vernimms und ſiehe die Wunder der Werke, ſo die Natur dir aufgeſtellt. Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt? 4. Kannſt du der Weſen unzählbare Heere, den klein⸗ ſten Staub fühllos beſchaun? Durch wen iſt alles? O gieb ihm die Ehre!„Mir,“ ruft der Herr,„ſollſt du vertraun!“ 5.„Mein iſt die Kraft, mein iſt Himmel und Erde, an meinen Werken kennſt du mich. Ich bins, der ich war und der ich ſein werde, dein Gott und Vater ewig⸗ lich.“ 6.„Ich bin dein Schöpfer, bin Weisheit und Güte, ein Gott der Ordnung und dein Heil. Ich bins, mich liebe von ganzem Gemüte und nimm an meiner Gnade teil!“ Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. O daß ich tauſend Zungen ꝛc. (Wer nur den lieben Gott läßt walten, Nr. 2.) ht 147 Geeineibr Gedanken, ins weite Feld der Ewigkeit; erhebt euch über alle Schranken der alten und der neuen Zeit; erwägt, daß Gott die Liebe ſei, die ewig alt und ewig neu. und Danklieder. 99 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, der Him⸗ mel war noch nicht gemacht, ſo hat Gott ſchon den Trieb geheget, der mir das Beſte zugedacht; da ich noch nicht geſchaffen war, da reicht er mir ſchon Gnade dar. 3. Sein Ratſchluß war, ich ſollte leben durch ſeinen eingebornen Sohn; den wollt er mir zum Mittler geben, den macht er mir zum Gna⸗ denthron; in deſſen Blute ſollt ich rein, geheiliget und ſelig ſein. 4. O Wunderliebe, die mich wählte vor allem An⸗ beginn der Welt und mich zu ihren Kindern zählte, für welche ſie das Reich beſtellt! O Vaterhand, o Gnaden⸗ trieb, der mich ins Buch des Lebens ſchrieb! 5. Wie wohl iſt mir, wenn mein Gemüte hinauf zu dieſer Quelle ſteigt, von welcher ſich ein Strom der Güte zu mir durch alle Zei⸗ ten neigt, daß jeder Tag ein Zeugnis giebt: Gott hat mich je und je geliebt! 6. Wer bin ich unter Mil⸗ lionen der Kreaturen ſeiner Macht, die in der Höh und Tiefe wohnen, daß er mich bis hierher gebracht? Ich bin ja nur ein dütres Blatt, ein Staub, der keine Stätte hat. — —— —— — 100 Kirche und Gnadenmittel. 7. Ja freilich bin ich zu geringe der herzlichen Barm⸗ herzigkeit, womit, o Schöpfer aller Dinge, mich deine Liebe ſtets erfreut; ich bin, o Vater, ſelbſt nicht mein, dein bin ich, Herr, und bleibe dein. 8. Im ſichern Schatten deiner Flügel find ich die ungeſtörte Ruh. Der feſte Grund hat dieſes Siegel: wer dein iſt, Herr, den ken⸗ neſt du. Laß Erd und Him⸗ mel untergehn, dies Wort der Wahrheit bleibet ſtehn. 9. Wenn in dem Kampfe ſchwerer Leiden der Seele Mut und Kraft gebricht, ſo ſalbeſt du mein Haupt mit Freuden, ſo tröſtet mich dein Angeſicht; da ſpür ich deines Geiſtes Kraft, die in der Schwachheit alles ſchafft. 10. Die Hoffnung ſchauet in die Ferne durch alle Schatten dieſer Zeit; der Glaube ſchwingt ſich durch die Sterne und ſieht ins Reich der Ewigkeit; da zeigt mir deine milde Hand mein Erbteil und gelobtes Land. 11. Ach, könnt ich dich nur beſſer ehren, welchedles Loblied ſtimmt ich an! Es ſollten Erd und Himmel hören, was du, mein Gott, an mir gethan; nichts iſt ſo köſtlich, nichts ſo ſchön, als, höchſter Vater, dich er⸗ höhn. 12. Doch nur Geduld! Es kommt die Stunde, da mein durch dich erlöſter Geiſt im höhern Chor mit frohem Munde dich, ſchönſte Liebe, ſchöner preiſt; drum eilt mein Herz aus dieſer Zeit und ſehnt ſich nach der Ewigkeit. J. G. Hermann, † 1791. RI. Firche und Gnadenmittel. Kirche. 148 Ein feſte Burg iſt unſer Gott, ein gute Wehr und Waffen; er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat be⸗ troffen. Der alt böſe Feind, mit Ernſt ers jetzt meint; groß Macht und viel Liſt ſein grauſam Rüſtung iſt; auf Erd iſt nicht ſeins Gleichen. 2. Mit unſrer Macht iſt nichts gethan, wir ſind gar bald verloren; es ſtreit für uns der rechte Mann, den Gott hat ſelbſt erkoren⸗ Fragſt du, wer der iſt: er heißt Jeſus Chriſt, der Hert Herr Zebaoth, und iſt kein andrer Gott; das Feld muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verſchlingen, ſo fürchten wir uns nicht ſo ſehr, es ſoll uns doch ge⸗ lingen. Der Fürſt dieſer Welt, wie ſaur er ſich ſtellt, thut er uns doch nicht; das macht, er iſt gericht, ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort ſie ſollen laſſen ſtan und kein Dank dazu haben; er iſt bei uns wohl auf dem Plan mit ſeinem Geiſt und Gaben. Nehmen ſie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: laß fahren dahin, ſie habens kein Gewinn; das Reich muß uns doch bleiben! Luther, † 1546. 149 rhalt uns, Herr, bei deinem Wort und ſteur der Feinde Trug und Mord, die Jeſum Chri⸗ ſtum, deinen Sohn, wollen ſtürzen von deinem Thron. 2. Beweis dein Macht, Herr Jeſu Chriſt, der du Herr aller Herren biſt; be⸗ ſchirm dein arme Chriſten⸗ heit, daß ſie dich lob in Ewigkeit. 3. Gott heilger Geiſt, du Tröſter wert, gieb deim Volk einerlei Sinn auf Erd; Kirche. 101 ſteh bei uns in der letzten Not, leit uns ins Leben aus dem Tod. Luther, † 1546. 150 Aꝰ Gott, vom Himmel ſieh darein und laß dich des er⸗ barmen: wie wenig ſind der Heilgen dein, verlaſſen ſind wir Armen. Dein Wort man läßt nicht haben wahr, der Glaub iſt auch verloſchen gar bei allen Menſchen⸗ kindern. 2. Sie lehren eitel falſche Liſt, was eigner Witz er⸗ findet; ihr Herz nicht eines Sinnes iſt, in Gottes Wort gegründet; der wählet dies, der andre das, ſie trennen uns ohn alles Maß und gleißen ſchön von außen. 3. Gott woll ausrotten aller Lehr, die falſchen Schein uns lehren, und ſich vermeſſen hoch und ſehr: Trotz dem, ders uns will wehren! Wir haben Recht und Macht allein, was wir ſetzen, gilt allgemein; wer iſt, der uns ſoll meiſtern? 4. Darum ſpricht Gott: Ich muß auf ſein, die Armen ſind zerſtöret; ihr Seufzen dringt zu mir herein, ich hab ihr Klag erhöret; mein heilſam Wort ſoll auf den Plan, getroſt und friſch ſie greifen an, und ſein die Kraft der Armen. 102 Kirche und Gnadenmittel. 5. Das Silber, durchs Feur ſiebenmal bewährt, wird lauter funden; an Gottes Wort man warten ſoll desgleichen alle Stun⸗ den. Es will durchs Kreuz bewähret ſein; da wird ſein Kraft erkannt und Schein, und leucht ſtark in die Lande. 6. Das wollſt du, Gott bewahren rein vor dieſem argu Geſchlechte; und laß uns dir befohlen ſein, daß ſichs in uns nicht flechte. Der gottlos Hauf ſich um⸗ her findt, wo dieſe loſen Leute ſind in deinem Volk erhaben. Luther, † 1546. Mel. Erhalt uns, Herr, bei ꝛc. 151 Aꝰ bleib bei uns, Herr Jeſu Chriſt, weil es nun Abend worden iſt; dein göttlich Wort, das helle Licht, laß ja bei uns auslöſchen nicht. 2. In dieſer ſchwerbe⸗ trübten Zeit verleih uns, Herr, Beſtändigkeit, daß wir dein Wort und Sakra⸗ ment behalten rein bis an das End. 3. Gieb Glück und Heil zu deinem Wort, damit es ſchall an allem Ort; gieb deiner Kirche Gnad und Huld, Fried, Einigkeit, Mut und Geduld. 4. Den ſtolzen Geiſtern wehre doch, die mit Gewalt ſich heben hoch und bringen ſtets was Neues her, zu fälſchen deine rechte Lehr. 5. Die Sach und Ehr, Herr Jeſu Chriſt, nicht unſer, ſondern dein ja iſt; darum, ſo ſteh du denen bei, die ſich auf dichverlaſſen frei. 6. Dein Wort iſt unſers Herzens Trutz und deiner Kirche wahrer Schutz; dabei erhalt uns, lieber Herr, daß wir nichts andres ſuchen mehr. 7. Hilf leben uns in deinem Wort und darauf mutig fahren fort von hin⸗ nen aus dem Jammerthal zu dir in deinen Himmels⸗ ſaal. N. Selnecker, † 1592. Mel. Chriſtus, der iſt mein Leben ꝛc. 152 Ab bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jeſu Chriſt, daß uns hinfort nicht ſchade des böſen Feindes Liſt. 2. Ach, bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöſer wert, auf daß uns hier und dorte ſei Güt und Heil beſchert. 3. Ach, bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht; dein Wahrheit uns umſchanze, damit wir irren nicht. 4. Ach, bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; 6 Herr; dein Gnad und all Vermögen in uns reichlich vermehr. 5. Ach, bleib mit deinem Schutze bei uns, du ſtarker Held, daß uns der Feind nicht trutze, noch fäll die böſe Welt. 6. Ach, bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott, Beſtändigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not! Joſua Stegmann, † 1632 Guſtav Adolfs Feldlied. Mel. Kommt her zu mir ꝛc. 153 Verjage nicht, du Häuflein klein, obſchon die Feinde willens ſein, dich gänzlich zu zer⸗ ſtören, und ſuchen deinen Untergang, davon dir wird ganz angſt und bang; es wird nichtlang mehr währen. 2. Des tröſt dich nur, daß deine Sach iſt Gottes, dem befiehl die Rach, und laß es ihn nur walten; er wird durch einen Gideon, den er wohl weiß, dir helfen ſchon, dich und dein Wort erhalten. 3. So wahr Gott Gott iſt und ſein Wort, muß Teufel, Welt und Höllen⸗ pfort, und was dem thut anhangen, endlich werden zu Hohn und Spott; Gott Kirche. 103 iſt mit uns und wir mit Gott; den Sieg wolln wir erlangen. J. Altenburg, † 1640. Mel. Zion klagt mit Angſt ꝛc. 154 ion, gieb dich nur zufrieden, Gott iſt noch bei dir darin; du biſt nicht von ihm geſchieden, er hat einen Vaterſinn. Wenn er ſtraft, ſo liebt er auch, dies iſt ſein geliebter Brauch; Zion, lerne dies bedenken; warum willſt du dich ſo kränken? 2. Treiben dich die Meeres⸗ wellen in der wilden, tiefen See; wollen ſie dich gar zerſchellen, mußt du rufen: Ach und Weh! ſchweigt dein Heiland ſtill dazu, gleich als ſchlafend in der Ruh: Zion, laß dich nicht bewegenz dieſe Flut wird bald ſich legen. 3. Berg und Felſen mögen weichen, ob ſie noch ſo feſte ſtehn; ja die ganze Welt desgleichen möchte gar auch untergehn; dennoch hat es feine Not in dem Leben und im Tod; Zion, du rannſt doch nicht wanken aus des epgen BundesSchranken. 4. Müſſen ſchon allhier die Thränen deine ſchönſten Perlen ſein; ſtellt ſich Seuf⸗ zen nur und Stöhnen dir ſtatt ſchöner Lieder ein; iſt der 104 Kirche und Gnadenmittel. der Spott dein täglich Brot und dein Trank die bittre Not: Zion, laß dir doch nicht grauen; du kannſt deinem Gott vertrauen. 5. Droht man dir mit Schmach und Banden, mit viel QOual und Herzeleid, dennoch wirſt du nicht zu ſchanden, denk nur an die Ewigkeit; ſei getroſt und wohlgemut, denn der Herr iſts, der es thut; Zion, Gott wird dich ſchon ſtär⸗ ken, dieſes mußt du eben merken. 6. Freue dich, es kommt das Ende und der Abend ſchon herbei; gieb dich nur in Gottes Hände, der macht dich von allem frei. Für die Trübſal, Spott und Hohn giebt er dir die Freu⸗ denkron; Zion, Gott, dein Schutz, wird wachen und die Welt zu ſchanden machen. 7. Hallelujah! Deine Wonne bricht anjetzt mit Macht herfür; denn die ſchöne Gnadenſonne, Jeſus Chriſtus, naht zu dir, giebt dir einen Freudengruß und den rechten Friedenskuß; Zion, wo iſt nun dein Kla⸗ gen? Jetzt kannſt du von Freuden ſagen. 8. Freuet euch, ihr Him⸗ melserben, freuet euch mit Zion hier! Die vor Jam⸗ mer wollten ſterben, ſollen leben für und für. Dort iſt nicht mehr Angſt und Qual in dem ſchönen Him⸗ melsſaal. Zion, wer will dich nun ſcheiden von dem Lamm und ewgen Freuden? Joachim Pauli, † nach 1674. Mel. valet will ich dir geben ꝛc. rchalt uns deine 155 Erha Lehre, Herr, in der letzten Zeit; erhalt dein Reich und mehre dein edle Chriſtenheit; erhalt ſtandhaften Glauben, der Hoffnung hellen Strahl; laß uns dein Wort nicht rauben in dieſem Jammer⸗ thal. 2. Erhalt dein Ehr und wehre dem, was dir wider⸗ ſpricht; erleuchte und be⸗ kehre, allwiſſend ewges Licht, was dich noch nicht erkennet; entdecke doch der Welt, der du dein Licht ge⸗ gönnet, was einzig dir ge⸗ fällt. 3. Erhalt, was du gebauet und durch dein Blut erkauft, was du dir haſt vertrauet und mit dem Geiſt getauft. Ob grimme Feinde ſtürmen zu deiner Kirche Fall, ſo wollteſt du ſie ſchirmen als Hort und Felſenwall. 4. Erhalt uns, Herr, dein Erbe, dein wertes Heilig⸗ tum, zerbrich, zernicht, ver⸗ derbe, was wider deinen Ruhm; Ruhm; laß dein Geſetz uns führen, gönn uns dein Him⸗ melsbrot;laß deinenSchmuck uns zieren, heil uns durch deinen Tod. 5. Erhalt und laß uns hören dein Wort, das ſelig macht, den Spiegel deiner Ehren, das Licht in finſtrer Nacht; laß dieſen Born uns tränken im dürren Thal der Welt; laß dieſe Stimm uns lenken hinauf zum ewgen Zelt. 6. Erhalt in Sturm und Wellen der Kirche heilig Schiff und laß es nicht zerſchellen an Sand und Felſenriff; gieb, Herr, daß wir entrinnen der wilden Flut der Zeit, laß uns den Port gewinnen der ſelgen Ewigkeit. Nach Joſ. Stegmann,(† 1632) von A. Gryphius, † 1664. 156 Pen laßt euch wiederfinden, wie im erſten Chriſtentum, die nichts konnte überwinden; ſeht nur an ihr Märtyrtum, wie in Lieb ſie glühten, wie ſie Feuer ſprühten, daß ſich vor der Sterbensluſt ſelbſt die Hölle fürchten mußt. 2. In Gefahren uner⸗ ſchrocken und von ſchnöden Lüſten rein, die zum Eitlen konnten locken, war damals des Herrn Gemein. Ihr Kirche. 105 Sinn drang zum Himmel; fern aus dem Getümmel war erhoben Herz und Geiſt, ſuchte nicht, was zeitlich heißt. 3. Ganz großmütig ſie verlachten, was die Welt für Vorteil hält; nach dem Reiche Gottes trachten, darauf war ihr Sinn ge⸗ ſtellt. Im Unglück glück⸗ ſelig waren ſie und fröhlich, fern von Menſchenſklaverei und von ihren Banden frei. 4. O daß ich, wie dieſe waren, mich befänd auch in dem Stand! Laß mich doch im Grund erfahren deine ſtarke Helfershand, mein Gott, recht lebendig! Gieb, daß ich beſtändig bis zum Tod durch deine Kraft übe gute Ritterſchaft. 5. Gieb, daß ich mit Geiſteswaffen kämpf in meines Jeſu Stärk, und ja niemals mög erſchlaffen; daß mir dieſes große Werk durch dich mög gelingen, und ich tapfer ringen; daß ich in die Luft nicht ſtreich, ſondern bald das Ziel erreich. 6. Es dürft wieder dazu kommen, daß der Feinde tolle Wut zu der Schlacht⸗ bank deine Frommen führte und vergöß ihr Blut. Nach gemeiner Sage große Trüb⸗ ſalstage werden kommen uns zu Haus und noch ein ſehr harter Strauß. 106 7. Ei wohlan, nur fein ſtandhaftig! O ihr Brüder, tapfer drauf! Laſſet uns doch recht herzhaftig folgen jener Zeugen Lauf. Steht als Jeſu Glieder, wenn der Feind ſich wider euren Chriſtenglauben ſetzt und das Schlachtſchwert auf uns wetzt. §. Gebt euch in das Leiden wacker! Mit dem Blut der Märtyrer wird getränkt der Kirchenacker, und ſo treibt er um ſo mehr; alle Pflanzen ſproſſen, ſo damit begoſſen; o wie trägt er rreichlich Frucht, von der Trübſal heimgeſucht! 9. Komm, befrucht, o goldner Regen, uns, dein Erb, die dürre Erd, daß wir dir getreu ſein mögen und nicht achten Feur und Schwert, als in Liebe trunken und in dir verſunken; mach die Kirch an Glauben reich, daß das End dem Anfang gleich! 1712. 157 For fot, fahre fork, Zion, fahre fort im Licht! Mache deinen Leuchter helle, laß die erſte Liebe nicht, ſuche ſtets die Lebensquelle. Zion, dringe durch die enge Pfort! Fahre fort, fahre fort! 2. Leide dich, leide dich, Zion, leide ohne Scheu Kirche und Gnadenmittel. Trübſal, Angſt mit Spott und Hohne! Sei bis in den Tod getreu, ſiehe auf die Lebenskrone. Zion, fühleſt du der Schlange Stich, leide dich, leide dich! 3. Folge nicht, folge nicht, Zion, folge nicht der Welt, wenn ſie dich ſucht groß zu machen. Achte nichts ihr Gut und Geld, nichts ihr Dräuen, nichts ihr Lachen. Zion, wenn ſie dir viel Luſt verſpricht, folge nicht, folge nicht! 4. Prüferecht, prüfe recht, Zion, prüfe recht den Geiſt, der dirruft zu beiden Seiten; thue nicht, was er dich heißt, laß nur deinen Stern dich leiten. Zion, beides, was da gut und ſchlecht, prüfe recht, prüfe recht! 5. Dringe ein, dringe ein, Zion, dringe ein in Gott! Stärke dich mit Geiſt und Leben, ſei nicht, wie die andern, tot, ſei du gleich den grünen Reben. Zion, in die Kraft, ſtatt in den Schein, dringe ein, dringe ein! 6. Brich herfür, brich her⸗ für, Zion, brich herfür in Kraft! Weil die Bruderliebe brennet, zeige, was der in dir ſchafft, der als ſeine Braut dich kennet. Zion, durch die dir gegebne Thür brich herfür, brich herfür! 7. Halte aus, halte aus, Zion, halte deine Treu! Laß nicht — nicht lau und träg dich finden. Auf, das Kleinod rückt herbei! Auf, verlaſſe, was dahinten! Zion, in dem letzten Kampf und Strauß halte aus, halte aus. J. E. Schmidt, † 1745. Mel. O du Liebe meiner Liebe ꝛc. 158 Her und Herz vereint zu⸗ ſammen, ſucht in Gottes Herzen Ruh; laſſet eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu! Er das Haupt, wir ſeine Glieder, er das Licht und wir der Schein, er der Meiſter, wir die Brüder, er iſt unſer, wir ſind ſein. 2. Kommt, ach kommt, ihr Gnadenkinder, und erneuert euern Bund! Schwöret unſerm überwinder Lieb und Treu von Herzensgrund! Und wenn eurer Liebeskette Feſtigkeit und Stärke fehlt, o ſo flehet um die Wette, bis ſie Jeſus wieder ſtählt! 3. Legt es unter euch, ihr Glieder, auf ſo treues Lieben an, daß ein jeder für die Brüder auch das Leben laſſen kann. So hat uns der Herr geliebet, ſo vergoß er dort ſein Blut; denkt doch, wie es ihn betrübet, wenn ihr euch ſelbſt Eintrag thut. 4. Hallelujah! Welche Pöhen, welche Tiefen reicher Kirche. 107 Gnad, daß wir dem ins Herze ſehen, der uns ſo geliebet hat; daß der Vater aller Geiſter, der der Wun⸗ der Abgrund iſt, daß du, unſichtbarer Meiſter, uns ſo fühlbar nahe biſt! 5. O du treuſter Freund, vereine deine dir geweihte Schar, daß ſie es ſo herzlich meine, wies dein letzter Wille war, und daß, wie du eins mit ihnen, alſo ſie auch eines ſein, ſich in wahrer Liebe dienen und einander gern erfreun. 6. Liebe, haſt du es ge⸗ boten, man Liebe üben ſoll, o ſo mache doch die toten, trägen Geiſter lebens⸗ voll! Zünde an die Liebes⸗ flamme, daß ein jeder ſehen kann: wir, als die von einem Stamme, ſtehen auch für einen Mann. 7. Laß uns ſo vereinigt werden, wie du mit dem Vater biſt, bis ſchon hier auf dieſer Erden kein ge⸗ trenntes Glied mehr iſt, und allein von deinem Brennen nehme unſer Licht den Schein. Alſo wird die Welt erkennen, daß wir deine Jünger ſein. N. L. v. Zinzendorf. † 1760. Mel. Ein feſte Burg ꝛc. 159 Wn Chriſtus ſeine Kirche ſchützt, ſo mag die Hölle wüten: er. der zur Rechten Gottes 108 Kirche und Gnadenmittel. Gottes ſitzt, hat Macht, ihr Mel. Mein Jeſu, dem die Sera⸗ zu gebieten. Er iſt mit Hilfe nah; wenn er gebeut, ſtehts da. Er ſchützet ſeinen Ruhm und hält ſein Heilig⸗ tum; mag doch die Hölle wüten. 2. Gott ſieht die Fürſten auf dem Thron ſich wider ihn empören, denn den Ge⸗ ſalbten, ſeinen Sohn, den wollen ſie nicht ehren. Sie ſchämen ſich des Worts des Heilands, unſers Horts; ſein Kreuz iſt ſelbſt ihr Spott; doch ihrer lachet Gott, ſie mögen ſich em⸗ pören. 3. Der Frevler mag die Wahrheit ſchmähn; uns kann er ſie nicht rauben. Der Unchriſt mag ihr widerſtehn, wir halten feſt am Glauben. Gelobt ſei Jeſus Chriſt! Wer hier ſein Jünger iſt, ſein Wort von Herzen hält, dem kann die ganze Welt die Seligkeit nicht rauben. 4. Auf, Chriſten, die ihr ihm vertraut, laßt euch kein Drohn erſchrecken! Der Gott, der von dem Himmel ſchaut, wird uns gewiß bedecken. Der Herr Herr Zebaoth hält über ſein Gebot, giebt uns Geduld in Not und Kraft und Mut im Tod; was will uns denn erſchrecken? Chr. F. Gellert, † 1769. phinen ꝛc. (Daß ich der Tugend Höh.) 160 ein Wort, o Herr, bringt uns zuſammen, daß wir in der Gemeinſchaft ſtehn; es läßt an uns die heilgen Flammen des Glaubens und der Liebe ſehn. Wir werden durch das Wort der Gnaden auch zur Gemeinſchaft jener Schar, die bei dem Herrn iſt immerdar, gelockt und kräftig eingeladen. 2. Nur Menſchen, die von Gott geboren, die unter einem Haupte ſtehn, die hat der Herr ſich auserkoren, die läßt er Wunderliebe ſehn; Gemeinſchaft mit dem Vater haben und mit dem Sohn im heilgen Geiſt, das iſt, was ihre Seelen ſpeiſt; nur das kann ſie vollkommen laben. 3. Der Glaubensgrund, auf dem wir ſtehen, iſt Chriſtus und ſein teures Blut; das einge Ziel, darauf wir ſehen, iſt Chriſtus, unſer höchſtes Gut; ſein Wort die Regel, die wir kennen, ſein Geiſt das Band, das uns verbindt; die Seelen all, die er gewinnt, ſind, was wir heilge Kirche nennen. 4. Was iſt das für ein himmliſch Leben, mit Vater, Sohn und heilgem Geiſt in ſeliger Gemeinſchaftſchweben, genießen genießen das, was Gott ver⸗ heißt! Wie flammen da die ſelgen Triebe! Gott ſchüttet in ſein geiſtlich Haus die ganze Gnadenfülle aus. Hier wohnet Gott, die ewge Liebe. 5. Der Vater liebt und trägt die Kinder und ſchenkt den Geiſt, der Abba ſchreit; des Sohnes Trene ſchmückt die Sünder mit ewiger Ge⸗ rechtigkeit; der heilge Geiſt tritt mit dem Sle des Frie⸗ dens und der Freude zu; die Herzen ſchmecken Gottes Ruh, die Kraft durchdringet Leib und Seele. 6. Die Kinder, ſo ein Brot gegeſſen, die ſtehen auch für einen Mann; macht ſich der Feind an eins ver⸗ meſſen, ſobald greift er ſie alle an. Sie fallen betend Gott zu Füßen und ſiegen in des Herren Kraft; ſie wollen von der Brüderſchaft auch das geringſte Glied nicht miſſen. 7. Sie wallen mit ver⸗ bundnen Herzen durchs Thränenthal ins Vaterland, verſüßen ſich die bittern Schmerzen; eins reicht dem andern ſeine Hand; ſie wollen ſich mit Freuden dienen, mit Herz und Auge, Hand und Fuß bis zu dem völligen Genuß des großen Guts:„Ich, ich in ihnen.“ J. B. K. Allendorf, † 1773. Kirche. 109 Mel. Ein feſte Burg ꝛe. 161 S deine Kirche danket dir; noch wohnt dein Wort im Lande: von deiner Gnade haben wir noch deinen Geiſt zum Pfande. Kommt ſie in Gefahr durch der Feinde Schar, dann, o Jeſu Chriſt, beſiege Macht und Liſt und herrſch in jedem Lande. 2. Sei, Herr, mit uns! Verlaß uns nie, uns, deines Leibes Glieder; hilf deiner Kirch und ſchütze ſie, denn wir ſind deine Brüder. Sie, die dir vertraut, haſt du ſelbſt erbaut; ach, erhalt ſie rein, und die den Bund entweihn, die heilige dir wieder. 3. Eins, Herr, iſts, was den Frommen kränkt, daß unter deinen Chriſten noch mancher deiner nicht gedenkt, beherrſcht von ſeinen Lüſten. Vieler Glaub iſt ſchwach, kalt die Lieb, und ach, ſie bedenken nicht, es wartet ein Gericht auf träge, ſichre Chriſten. 4. Und, du, o Jeſu, biſt ſo treu! Ach, daß wir frömmer wären! Mach alle Herzen rein und neu, laß alle ſich bekehren. Gieb uns Wiſſenſchaft, Glaube, Lieb und Kraft, gieb Entſchluß und Mut, zu wagen Ehr und Blut zum Preiſe deiner Lehren. 110 5. Entferne Zwietracht, Krieg und Mord, erhalt uns Ruh und Frieden. Laß uns, geſtärket durch dein Wort, im Guten nie ermüden. Mache leicht, was drückt, gieb uns, was beglückt. Nach der Prüfungszeit ruf uns zur Seligkeit, zu deines Himmels Freuden. 6. Herr, deine Kirche ſtreitet noch: Hilf deiner Kirche ſiegen! Wie ſchwer ihr Kampf iſt, müſſe doch kein Kämpfer unterliegen. Hör ihr kindlich Flehn, eil, ihr beizuſtehn, daß ſie ſtand⸗ haft ſei, ſtets deiner Wahr⸗ heit treu, hilf deiner Kirche ſiegen. Nach Borchward, † 1776, und Cramer, † 1778. Mel Es iſt das Heil uns ꝛc. 1 62 ie Feinde deines Kreuzes drohn, dein Reich, Herr, zu zer⸗ ſtören; du aber, Mittler, Gottes Sohn, kannſt ihrem Trotze wehren. Dein Thron beſtehet ewiglich; vergeblich wird ſich wider dich die Macht der Hölle rüſten. 2. Dein Reich iſt nicht von dieſer Welt, kein Werk von Menſchenkindern; drum konnt auch keine Macht der Welt, Herr, deinen Fortgang hindern. Dein Erbe bleibt dir immerdar und wird ſelbſt durch der Feinde Schar zu deinem Ruhm ſich mehren. Kirche und Gnadenmittel. 3. Du wolleſt deine Herrſchaft noch auf Erden weit verbreiten und unter deinem ſanften Joch zum Heil die Völker leiten. Vom Aufgang bis zum Nieder⸗ gang bring alle Welt dir Preis und Dank und glaub an deinen Namen. 4. Auch deine Feinde, die dich ſchmähn, die frevelnd ſich empören, laß deiner Gnade Wunder ſehn, daß ſie ſich noch bekehren. Lehr ſie mit uns gen Himmel ſchaun und unerſchüttert im Vertraun auf deine Zukunft warten. 5. Uns, deine Gläubgen, wolleſt du feſt in der Wahrheit gründen, daß wir für unſre Seelen Ruh in deiner Gnade finden. Mach unſers Glaubens uns ge⸗ wiß; vor Irrtum und vor Finſternis bewahr uns bis ans Ende. 6. Dein Geiſt führ uns auf ebner Bahn und heilge unſern Willen, ſo wird dein Volk dir unterthan, gern dein Geſetz erfüllen, bis du erſcheineſt zum Gericht und dann vor deinem Angeſicht die Menſchenkinder ſammelſt. 7. Voll Zuverſicht er⸗ warten dich, Herr, alle deine Frommen und freun des großen Tages ſich, da du wirſt wieder kommen. Dann werden wir, o Renſcen en ——————— — Kirche. den uns verheißnen Gnaden⸗ lohn, dein Himmelreich, er⸗ erben. Balth Münter, † 1793. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 163 Bi hierher und nicht weiter! Koch lebt der ſtarke Held, der ſich, ein rechter Streiter, für ſeine Kirche ſtellt. Ihr Feinde möget wüten, euch ſchon des Sieges freun: uns wird der Herr behüten, euch auseinander ſtreun. 2. Wir ſtehn auf feſtem Grunde, wir haben Jeſum Chriſt, derunſerm Glaubens⸗ bunde einFels undEckſtein iſt. Wir wandeln in dem Glanze, der von dem Herrn ausgeht, und er iſt unſre Schanze, wenn unſer Feind aufſteht. 3. Wer will von ihm uns ſcheiden, der blutend uns erwarb, als er nach ſchwerem Leiden den Tod am Kreuze ſtarb? Vir bleiben an ihm hangen, in Not und Traurigkeit ge⸗ bunden und gefangen, mit Chriſtenfreudigkeit. 4. Ungläubge, ihr mögt ſpotten, erfinden böſen Rat und euch zuſammenrotten zu jeder Frevelthat: Er, Chriſtus, ganz alleine, be⸗ ſchützt, die ihm vertraut, die heilige Gemeine, auf ihn, den Fels, gebaut. 5. Und wenn auch Berge weichen und Hügel ſinken 111 ein, die Kirche ohne gleichen wird wohl bewahret ſein. Er wohnet bei ihr drinnen und hütet früh und ſpät; hell glänzen ihre Zinnen, darauf ſein Zeichen ſteht. Chr. A. Bähr, † 1846. Mel. Wachet auf! ruft uns ꝛc. (Herr, wir ſingen deiner Ehre.) 64 ottes Stadt ſteht feſt gegründet auf heilgen Bergen; es ver⸗ bündet ſich wider ſie die ganze Welt. Dennoch ſteht ſie wird ſtehen; man wird an ihr mit Staunen ſehen, wer hier die Hut und Wache hält. Der Hüter Israels iſt ihres Heiles Fels. Hallelujah! Lobſingt und ſprecht: wohl dem echt, das in ihr hat Beent. Zions Thore liebt vor allen der Herr mit gnädgem Wohlgefallen, macht ihre Riegel ſtark und feſt, ſegnet, die darinnen wohnen, weiß überſchwenglich dem zu lohnen, der ihn nur thun und walten läßt. Wie groß iſt ſeine Huld, wie trägt er mit Geduld all die Seinen! O Gottes Stadt, du reiche Stadt, die ſolchen Herrn und König hat! 3. Große, hee Dinge werden in dir wie auf Erden ſonſt unter keinem Volk 112 Volk man hört. Gottes Wort iſt deine Wahrheit, du haſt den Geiſt und haſt die Klarheit, die alle Finſter⸗ nis zerſtört. Da hört man fort und fort das teuer⸗ werte Wort ewger Gnade. Wie lieblich tönt, was hier verſöhnt und dort mitewgem Leben krönt. 4. Auch die nichts davon vernommen, die fernſten Völker werden kommen und in die Thore Zions gehn. Denen, die im Finſtern ſaßen, wird auch der Herr noch predgen laſſen, was einſt für alle Welt geſchehn. Wo iſt der Gottesſohn? Wo iſt ſein Gnadenthron? wird man fragen. Dann kommt die Zeit, wo weit und breit erſcheint der Herr der Herrlichkeit. 5. Darum ſtellet ein die Klagen! Man wird noch einſt zu Zion ſagen: wie mehrt ſich deiner Bürger Zahl! Voll Erſtaunens wird man ſchauen, wie Gott ſein Zion mächtig bauen und herrlich weitern wird einmal. Er⸗ hebet Herz und Sinn! Es iſt die Nacht ſchier hin für die Heiden; es kommt ihr Tag, ſie werden wach, und Israel folgt ihnen nach. 6. Gottes Stadt, du wirſt auf Erden die Mutter aller Völker werden, die ewges Leben fanden hier. Welch Kirche und Gnadenmittel. ein Jubel, wie im Reigen, wird einſt von dir zum Himmelſteigen! Die Lebens⸗ brunnen ſind in dir. In dir das Waſſer quillt, das alles Dürſten ſtillt. Hallelujah! Von Sünd und Tod, von aller Not erlöſt nur Einer, Zions Gott. K. 3. Ph. Spitta, † 1859. Kirchweihe. Mel. Meinen Jeſum laß ich nicht 1c. 165 Ad wie heilig iſt der Ort! Ach, wie ſelig iſt die Stätte! Hier, hier iſt des Himmels Pfort; hier erhöret Gott Gebete; hier erſchallt ſein teures Wort; o wie heilig iſt der Ort!. 2. Heil war in des Zöllners Haus, weil er Chriſtum aufgenommen, und hier rufet Jeſus aus ſelig ſind, die zu mir kommen! Deren Herzen nimmt er ein, daß ſie ſeine Tempel ſein. 3. O welch Heil iſt bis hierher dieſem Hauſe wider⸗ fahren! Wenn der Herrnicht bei uns wär, der ſich uns will offenbaren, woherhätten wir den Geiſt, der den Weg zum Himmel weiſt? 4. O wie lieblich, o wie ſchön ſind des Herren Gottes⸗ dienſte! Laßt uns froh zu ihnen gehn; hier verlangt man — c„— man zum Gewinſte einen Schatz, der ewig währt, den kein Roſt noch Raub ver⸗ zehrt. 5. Bleibe bei uns, liebſter Gaſt; ſpeis uns gnädig mit dem Worte, das du uns gegeben haſt, Jeſu, ſtets an dieſem Orte! Laß die Kirche feſte ſtehn, bis die Welt wird untergehn! B. Schmolck, †1737. Mel. Wie ſchön leuchtet der Morgen⸗ ſtern ꝛc.(Mein ganzer Geiſt.) 166 ott Vater, aller Dinge Grund, gieb deinen Vaternamenkund an dieſem heilgen Orte. Wie lieblich iſt die Stätte hier! Die Herzen wallen auf zu dir; hier iſt des Himmels Pforte. Wohne, throne hier bei Sündern, als bei Kin⸗ dern, voller Klarheit, heilge uns in deiner Wahrheit! 2. Sohn Gottes, Herr der Herrlichkeit, dies Gottes⸗ haus iſt dir geweiht, o laß dirs wohlgefallen! Hier ſchalle dein lebendig Wort, dein Segen walte fort und fortin dieſen Friedenshallen. Einheit, Reinheit gieb den Herzen; Angſt Schmerzen tilg in Gnaden, heil uns ganz vom Sündenſchaden! 3. Gott, heilger Geiſt, du wertes Licht, wend her dein göttlich Angeſicht, daß wir erleuchtet werden. Geuß über uns und dieſes Haus Kirchweihe. 113 dich mit allmächtgen Flam⸗ men aus; mach himmliſch uns auf Erden. Lehrer, Hörer, Kinder, Väter, früher, ſpäter gehts zum Sterben. Hilf uns Jeſu Reich ererben! 4. Dreieinger Lett Lob, Dank und Preis ſei dir von allen gleicherweis für dies dein Haus geſungen! Du haſts geſchenkt und aufer⸗ baut, dir iſts geheiligt und vertrautmit Herzen Händen, Zungen. Ach, hier ſind wir noch in Hütten; Herr, wir bitten: ſtell uns droben in den Tempel, dich zu loben. A. Knapp, † 1864. Ausbreitung der Kirche. (Miſſionslieder.) 167 wolle Gott uns gnädig ſein und ſeinen Segen geben; ſein Antlitz uns mit hellem Schein erleucht zum ewgen Leben⸗ daß wir erkennen ſeine Werk und was ihm lieb auf Erden, und Jeſus Chriſtus Heil und Stärk bekannt den Heiden werden und ſie zu Gott bekehren. 2. So danken dir und loben dich,„ Gott, die Völker alle, und alle Welt die freue ſich und ſing mit großem Schalle, daß du auf Erden Richter biſt und läßt die Sünd 114 Sünd nicht walten; dein Wort die Hut und Weide iſt, die alles Volk erhalten, in rechter Bahn zu wallen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich das Volk in guten Thaten. Das Land bringt Frucht und beſſert ſich, dein Wort iſt wohl geraten. Uns ſegne Vater und der Sohn, uns ſegne Gott der heilge Geiſt, dem alle Welt die Ehre thu, vor ihm ſich fürchte allermeiſt. Nun ſprecht von Herzen: Amen. Luther, † 1546. Mel. Dir, dir, Jehovah ꝛc. 1 68 Wao auf, du Geiſt der erſten Zeugen, der Wächter, die auf Zions Mauern ſtehn, die Tag und Nächte nimmer ſchweigen, und die getroſt dem Feind entgegengehn, ja, deren Schall die ganze Welt durchdringt und aller Völker Scharen zu dir bringt. 2. O daß doch bald dein Feuer brennte! O möcht es doch in alle Lande gehn! Gieb zu der Ernte doch die Hände! Gieb Knechte, die in kreuer Arbeit ſtehn! O Herr der Ernte, ſiehe doch darein: die Ernt iſt groß, die Zahl der Knechte klein. 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten uns dieſe Bitte in den Mund gelegt. O ſiehe, wie an allen Orten Kirche und Gnadenmittel. ſich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, dich herzin⸗ brünſtig darum anzuflehn; drum hör, oHerr, und ſprich: es ſoll geſchehn. 4. So gieb dein Wort doch großen Scharen, die in der Kraft Evangeliſten ſein; laß eilend Hilf uns wider⸗ fahren und brich in Satans Reich und Macht hinein. O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 5. Ach, daß die Hilf aus Zion käme! O daß dein Geiſt, ſo wie dein Wort verſpricht, dein Volk aus dem Gefängnis nähme! O würd es doch nur bald vor Abend licht! Ach, reiß, o Herr, den Himmel bald ent⸗ zwei und komm herab zur Hilf und mach uns frei! 6. Ach, laß dein Wort recht ſchnelle laufen! Es ſei kein Ort ohn deſſen Glanz und Schein. Ach, führe bald dadurch mit Haufen der Heiden Füll zu allen Thoren ein! Ja, wecke doch auch Israel bald auf, und alſo ſegne deines Wortes Lauf! 7. O beſſre Zions wüſte Stege, und was dein Wort im Laufe hindern kann, das räume bald aus jedem Wege; vertilg, o Herr, den falſchen Glaubenswahn, und mach uns bald von jedem Mietling N un Gl ni de K daß Kirch Mietling frei, in Garten und Schul ein Gottes ſei. 8. Laß jede hoh und niedre Schule die Werkſtatt deines guten Geiſtes ſein, ja, ſitze du nur auf dem Stuhle und präge dich der Jugend ſelber ein, daß treue Lehrer wir und Beter ſehn, die kräftig vor dem Riß der Kirche ſtehn. K. H. v. Bogatzky, † 1774. Mel. O Durchbrecher aller Bande ꝛc. (O du Liebe meiner Liebe.) 169 Vater, deines Geiſtes Wehen durch die ganze Chriſtenheit läßt uns ſchon von ferne ſehen deines Reiches Herr⸗ lichkeit; denn dein Wort wird ausgeſpendet durch die ganze weite Welt, millionenweis verſendet auf das große Ackerfeld. 2. Dieſer Samen wird bald blühen allenthalben hoch und hehr; denn Evan⸗ geliſten ziehen über Inſeln, Land und Meer, um die Saaten zu begießen; Geiſt der Pfingſten, komm herab; laß uns Lebensſtröme fließen bis zum Grabe tief hinab. 3. Sei gegrüßt, du ewger Morgen! Steige, Sonne, bald empor; weicht nun, all ihr bangen Sorgen, Tagver⸗ künder, tritt hervor! Seht, der Berge Spitzen glühen Ausbreitung der Kirche(Miſſionslieder). 115 ſchon im ewgen Morgenlicht, und die Frühlingsblumen blühen: Brüder alle, ſorget nicht! Joh. J. Jung, gen. Stilling, † 1817. Mel. Nun komm, der Heiden Heiland ꝛc. 170 alte, walte nah und fern, all⸗ gewaltig Wort des Herrn, wo nur ſeiner Allmacht Ruf Menſchen für den Himmel ſchuf. 2. Wort vom Vater, der die Welt ſchuf und in den Armen hält und aus ſeinem Schoß herab ſeinen Sohn zum Heil uns gab. 3. Wort von des Erlöſers Huld, der der Erde ſchwere Schuld durch des heilgen Todes That ewig wegge⸗ nommen hat. 4. Kräftig Wort von Gottes Geiſt, der den Weg zum Himmel weiſt und durch ſeine heilge Kraft Wollen und Vollbringen ſchafft. 5. Wort des Lebens, ſtark und rein, alle Völker harren dein. Walte fort, bis aus der Nacht alle Welt zum Tag erwacht. 6. Auf, zur Ernt in alle Welt! Weithin wogt das weiße Feld; klein iſt noch der Schnitter Zahl, viel der Garben überall. 7. Herr der Ernte, groß und gut, weck zum Werke Luſt —— —————— — —— 116 Kirche und Gnadenmittel. Luſt und Mut; laß die Völ⸗ ker allzumal ſchauen deines Lichtes Strahl! Jonath. F. Bahnmaier, † 1841. Mel. Laſſet uns den Herren preiſen ꝛc. (Sollt ich meinem Gott nicht ſingen?) 171 omm, o Herr, Ufomm bald, du Treuer! Gieb, ach gieb dich allen kund, und entzünd dein heilges Feuer auf dem ganzen Erdenrund. Großes haſt du ſchon begonnen, Großes willſt du ferner thun; deine Liebe kann nicht ruhn, bis die ganze Welt gewonnen, bis ein jedes Herz beſiegt, Herr, zu deinen Füßen liegt. K. A. Döring, † 1844. Mel. Großer Gott. wir loben dich c. (Meinen Jeſum laß ich nicht.) 172 Fine Herde und ein Hirt! Wie wird dann dir ſein, o Erde, wenn ſein Tag erſcheinen wird! Freue dich, du kleine Herde, mach dich auf und werde licht! Jeſus hält, was er verſpricht. 2. Hüter, iſt der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, und die Herrlichkeit des Herrn nahet dämmernd ſich den Heiden; blinde Pilger flehn um Licht: Jeſus hält, was er verſpricht. 3. Komm, o komm, du treuer Hirt, daß die Nacht zum Tage werde! Ach, wie manches Schäflein irrt fern von dir und deiner Herde! Kleine Herde, zage nicht! Jeſus hält, was er verſpricht. 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht vor des Morgen⸗ rotes Helle, und der Sohn der Wüſte kniet dürſtend an der Lebensquelle; ihn um⸗ leuchtet Morgenlicht: Jeſus hält, was er verſpricht. 5. Gräber harren aufge⸗ than; rauſcht, verdorrete Gebeine! Macht dem Bundes⸗ engel Bahn! Großer Tag des Herrn, erſcheine! Jeſus ruft: es werde licht! Jejus hält, was er verſpricht. 6. O des Tags der Herr⸗ lichkeit! Jeſus Chriſtus, du die Sonne, und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried und Wonne! Mach dich auf; es werde licht! Jeſus hält, was er verſpricht. F. A. Krummacher, † 1845. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 173 er du in Todes⸗ nächten erkämpft das Heil der Welt und dich als den Gerechten zum Bürgen dargeſtellt, der du den Feind bezwungen, den Himmel aufgethan, dir ſtimmen unſre Zungen ein Hallelujah an! 2. Im Himmel und auf Erden iſt alle Macht nun dein, —— dein, bis alle Völker werden zu deinen Füßen ſein, bis die von Süd und Norden, bis die von Oſt und Weſt ſind deine Gäſte worden bei deinem Hochzeitsfeſt. 3. Noch werden ſie ge⸗ laden, noch gehn die Boten aus, um mit dem Ruf der Gnaden zu füllen dir dein Haus. Es iſt kein Preis zu teuer, es iſt kein Weg zu ſchwer, zu ſtreun dein Lebens⸗ feuer ins weite Völkermeer. 4. So ziehen deine Flam⸗ men wie Sonnen um die Welt; Getrenntes fließt zu⸗ ſammen, das Dunkle wird erhellt, und wo dein Name ſchallet, du König Jeſu Chriſt, ein ſelig Häuflein wallet dahin, wo Frieden iſt. 5. O ſammle deine Herden dir aus der Völker Zahl, daß viele ſelig werden und ziehn zum Abendmahl! Schleuß auf die hohen Pforten! Es ſtrömt dein Volk heran. Wo's noch nicht Tag geworden, da zünd ein Feuer an! E. G. Barth, † 1862. Mel Gott des Himmels 1. 174 icht, das in die Welt gekommen, Sonne voller Glanz und Pracht, Morgenſtern, aus Gott entglommen, treib hin⸗ Ausbreitung der Kirche(Miſſivnslieder). 117 weg die alte Nacht. Zeuch in deinen Wunderſchein bald die ganze Welt hinein. 2. Gieb dem Wort, das von dir zeuget, einen recht geprieſnen Lauf, daß noch manches Knie ſich beuget, ſich noch manches Herz thut auf, eh die Zeit erfüllet iſt, wo du richteſt, Jeſu Chriſt. 3. Heile die zerbrochnen Herzen, baue dir Jeruſalem und verbinde unſre Schmer⸗ zen; denn ſo iſt dirs ange⸗ nehm. Herr, thu auf des Wortes Thür, rufe allen: kommt zu mir! 4. Es ſei keine Sprach noch Rede, da man nicht die Stimme hört, und kein Land ſo fern und öde, wo nicht dein Geſetz ſie lehrt. Laß den hellen Freudenſchall ſiegreich ausgehn überall! 5. Geh, du Bräutgam aus der Kammer, laufe deinen Heldenpfad; ſtrahle Tröſtung in den Jammer, der die Welt umdunkelt hat. O erleuchte, ewges Wort, Oſt und Weſt und Süd und Nord! 6. Komm, erquick auch unſre Seelen; mach die Augen hell und klar, daß wir dich zum Lohn erwählen; vor den Stolzen uns bewahr; ja, laß deinen Himmelsſchein unſres Fußes Leuchte ſein! R. Stier, † 1862. 118 Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme ꝛc. (Herr, wir ſingen deiner Ehre) 1575 Einer iſts, an dem wir hangen, der für uns in den Tod gegangen und uns erkauft mit ſeinem Blut. Unſre Leiber, unſre Herzen gehören dir, o Mann der Schmerzen; in deiner Liebe ruht ſichs gut. Nimm uns zum Eigentum, bereite dir zum Ruhm deine Kinder! Verbirg uns nicht das Gnadenlicht von deinem heil⸗ gen Angeſicht! 2. Nicht wir haben dich erwählet; du ſelbſt haſt unſre Zahl gezählet nach deinem ewgen Gnadenrat. Unſre Kraft iſt ſchwach und nichtig, und keiner iſt zum Werke tüchtig, der nicht von dir die Stärke hat. Drum brich den eignen Sinn; denn De⸗ mut iſt Gewinnfür den Him⸗ mel. Werinſich ſchwach,folgt, Herr, dir nach und trägt mit Ehren deine Schmach. 3. O Herr Jeſu, Ehren⸗ könig! Die Ernt iſt groß, der Schnitter wenig, drum ſende treue Zeugen aus; ſend auch uns hinaus in Gnaden, viel frohe Gäſte einzuladen zum Mahl in deines Vaters Haus. Wohl dem, den deine Wahl beruft zum Abendmahl im Reich Gottes. Da ruht der Streit, Kirche und Gnadenmittel. da währt die Freud heut, geſtern und in Ewigkeit. 4. Schau auf deine Mil⸗ lionen, die noch im Todes⸗ ſchatten wohnen, von deinem Himmelreiche fern! Seit Jahrtauſenden iſt ihnen kein Evangelium erſchienen, kein gnadenreicher Morgenſtern. Glanz der Gerechtigkeit, geh auf, denn es iſt Zeit! Komm, Herr Jeſu, zeuch uns voran, und mach uns Bahn; gieb deine Thüren aufgethan! 5. Deine Liebe, deine Wunden, die uns ein ewges Heil erfunden, dein treues Herz, das für uns fleht, wollenwir den Seelen preiſen und auf dein Kreuz ſo lange weiſen, bis es durch ihre Herzen geht. Denn kräftig iſt dein Wort; es richtet und durchbohrt Geiſt und Seele; dein Joch iſt ſüß, dein Geiſt gewiß, und offen ſteht dein Paradies.. 6. Heiland, deine größten Dinge beginneſt du ſtill und geringe; was ſind wir Armen, Herr, vor dir? Aber du wirſt für uns ſtreiten und uns mit deinen Augen leiten; auf deine Kraft vertrauen wir. Dein Senfkorn, arm und klein, wächſt endlich ohne Schein dochzum Vam weil du, Herr Chriſt, ſei dem es Hüter biſt, dem Gott vertrauet iſt. A. Knapp, † 186 5 n Nl. le Nn dich ſuc ſein Ma Sch 2 wi Vu unſ uns und ohn beſc mal 3 klei ſih wel Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 176 B du zum Heil erſchienen der allerärmſten Welt und von den Cherubinen zu Sündern dich geſellt, den ſie mit frechem Stolze verhöhnt für ſeine Huld, als du am Marterholze verſöhnteſt ihre Schuld: 2. Damit wir Kinder würden, gingſt du vom Vater aus, nahmſt auf dich unſre Bürden und bauteſt uns ein Haus. Von Weſten und von Süden, von Morgen ohne Zahl ſind Gäſte nun beſchieden zu deinem Abend⸗ mahl. 3. Im ſchönen Hochzeits⸗ kleide, von allen Flecken rein, führſt du zu deiner Freude die Völkerſcharen ein, und welchen nichts verkündigt, kein Heil verheißen war, die bringen nun entſündigt dir Preis und Ehre dar. 4. Drum kann nicht Ruhe werden, bis deine Liebe ſiegt, bis dieſer Kreis der Erden zu deinen Füßen liegt, bis du im neuen Leben die aus⸗ geſöhnte Welt dem, der ſie dir gegeben, vors Angeſicht geſtellt. 5. Und ſiehe, tauſend Fürſten mit Völkern ohne Licht ſtehn in der Nacht und dürſten nach deinem Ange⸗ ſich Auch ſie haſt du ge⸗ graben in deinen Prieſter⸗ Ausbreitung der Kirche(Miſſionslieder). 119 ſchild, am Brunnquell ſie zu laben, der dir vom Herzen quillt. 6. So ſprich dein gött⸗ lich„Werde!“ Laß deinen Odem wehn, daß auf der finſtern Erde die Toten auferſtehn, daß, wo man Greueln fröhnet und vor den Götzen kniet, ein willig Volk verſöhnet zu deinem Tempel zieht. 7. Wir rufen, du willſt hören; wir faſſen, was du ſprichſt. Dein Wort muß ſich bewähren, womit du Feſſeln brichſt. Wie piele ſind zer⸗ brochen! Wie viele ſinds noch nicht! O du, ders uns verſprochen, werd aller Heiden Licht! A. Knapp, † 1864. Gnadenmittel. Wort Gottes. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 1. 7 Rede liebſter Jeſu, rede; denn dein Kind giebt acht darauf. Stärke mich, denn ich bin blöde, daß ich meines Lebens Lauf dir zu Ehren ſetze fort. Ach, laß ſtets dein heilig Wort in mein Herze ſein verſchloſſen, dir zu folgen unverdroſſen. 120 Kirche und Gnadenmittel. 2. Ach, wer wollte dich nicht hören, dich, du liebſter Menſchenfreund! Sind doch deine Wort und Lehren alle herzlich wohlgemeint. Sie vertreiben alles Leid; aller Freuden Süßigkeit muß vor deinen Worten weichen, nichts iſt ihnen zu ver⸗ gleichen. 3. Deine Worte ſind mein Stecken, deſſen ich mich trö⸗ ſten kann, will der Feind zurück mich ſchrecken von der ſchmalen Lebensbahn; ja, ſie führen ohne Qual mich ſelbſt durch des Todes Thal, ſchirmen mich auf allen Wegen, machen auch das Kreuz zum Segen. 4. Jeſu, dein Wort ſoll mich laben, deine troſterfüllte Lehr will ich in mein Herze graben; ach, nimm ſie doch nimmermehr von mir weg in dieſer Zeit, bis ich in der Ewigkeit werde kommen zu den Ehren, dich, o Jeſu, ſelbſt zu hören. 5. Unterdes vernimm mein Flehen, liebſter Jeſu, höre mich! Laß bei dir mich feſte ſtehen, ſo will ich dich ewiglich preiſen mit Herz, Sinn und Mund; ich will dir zu jeder Stund Ehr und Dank in Demut bringen und dein hohes Lob be⸗ ſingen. Anna Sophie, Landgräfin von Heſſen⸗Darmſtadt, † 1683. Mel. Gott des Himmels n. 178 Feures Wort aus — Gottes Munde, das mir lauter Segen trägt, dich allein hab ich zum Grunde meiner Seligkeit ge⸗ legt. In dir treff ich alles an, was zu Gott mich führen kann. 2. Will ich einen Vor⸗ ſchmack haben von des Him⸗ mels Seligkeit, ſo kannſt du mich herrlich laben, weil bei dir ein Tiſch bereit, der mir lauter Manna ſchenkt und mit Lebenswaſſer tränkt. 3. Geiſt der Gnaden, der im Worte mich an Gottes Herze legt, öffne mir des Himmels Pforte, daß mein Geiſt hier recht erwägt, was für Schätze Gottes Hand durch ſein Wort ihm zuge⸗ ſandt. 4. Gieb dem Samen einen Acker, der die Frucht nicht ſchuldig bleibt; mache mir die Augen wacker und, was hier dein Finger ſchreibt, präge meinem Herzen ein, laß den Zweifel ferne ſein. 5. Was ich leſe, laß mich merken; was du ſageſt, laß mich thun; wird dein Wort den Glauben ſtärken, laß es nicht dabei beruhn, ſondern gieb, daß auch dabei ihm das Leben ähnlich ſei. 6. Hilf, daß alle meine Wege nur nach dieſer Rich⸗ ſchnur gehn; was ich hier zum 6 in id e en ir zum Grunde lege, müſſe wie ein Felſen ſtehn, daß mein Geiſt auch Rat und That in den größten Nöten hat. 7. Laß dein Wort mir einen Spiegel, Jeſu, deines Vorbilds ſein; drück darauf dein Gnadenſiegel, ſchließ den Schatz im Herzen, ein, daß ich feſt im Glauben ſteh, bis ich dort zum Schauen geh. B. Schmolck, † 1737. Mel. O Durchbrecher aller Bande ꝛc. (O du Liebe meiner Liebe.) err, dein Wort, 179 H die edle Gabe, dieſen Schatz erhalte mir; denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr ſoll gelten, worauf ſoll der Glaube ruhn? Mir iſts nicht um tauſend Wel— ten, aber um dein Wort zu thun. 2. Hallelujah, Ja und Amen! Herr, du wolleſt auf mich ſehn, daß ich mög in deinem Namen feſt bei deinem Worte ſtehn! Laß mich eifrig ſein befliſſen, dir zu dienen früh und Pat und zugleich zu deinen Füßen ſitzen, wie Maria that. N. L. Graf v. Zinzendorf, † 1760. Wort Gottes. 121 Mel. Schmücke dich, o liebe Seele ꝛc. 1 80 Pra der ſüßen Lehre, die ich mit Erſtaunen höre, großer Arzt der Menſchenkinder, du Evangeliſt der Sünder und Prophet des neuen Bundes, laß die Worte deines Mun⸗ des, deine Stimme an die Herden mir zu Geiſt und Leben werden! 2. Herr, dein Wort iſt wie ein Hammer, ſchlägt undzeigt den Seelenjammer; es erquickt mich wie der Regen, leuchtet mir auf allen Wegen, ſtärket meines Geiſtes Kräfte, giebt mirneue Lebensſäfte, iſt ein Stab für matte Glieder und ein Schwert dem Feind zuwider. 3. Dieſem Worte will ich trauen und darauf beſtändig ſchauen; ſonſt iſt doch kein Licht vorhanden, fremde Lehre macht zu ſchanden; aber dein Geſetz und Gnade leiten mich auf rechtem Pfade. Herr, mein Glauben und mein Lieben hat den Grund: es ſteht geſchrieben. 4. Lehre mich dein Wort betrachten, mit Begierde darauf achten; lehre michs im Geiſt verſtehen, laß es mir zu Herzen gehen; mache, daß ichs fröhlich glaube, und kein Zweifel mir es raube, daß ichs mit Gehor⸗ ſam ehre und ſonſt keine Stimme, 122 Kirche und Gnadenmittel. 5. Was die Welt bekennt und lehret, was mein Herz erdenkt und ehret, was der böſe Geiſt erdichtet, wird von Gottes Wort gerichtet. Weg mit euch, ihr falſchen Geiſter! Mir iſt gnug an einem Meiſter. Wißt, daß euch der Fluch verzehret, wenn ihr ſelbſt auch Engel wäret. 6. Selig, ſelig ſind die Seelen, die ſich ſonſt kein Licht erwählen, als allein das Wort des Lebens! Dieſe glauben nicht vergebens, weil ſie Gottes Rat ergründen und ſein Herz im Worte finden. O ein unſchätzbares Wiſſen! Andre Weisheit kann ich miſſen. 7. Licht und Kraft und Mut und Freude, wahrer Troſt im tiefſten Leide, Schutz vor allerlei Gefahren und ein ewiges Bewahren: das ſind dieſes Wortes Früchte. Alles andre wird zu nichte; alles andre muß vergehen; Gottes Wort bleibt ewig ſtehen. C. G. Woltersdorf, † 1761. Mel. Ach Golt und Herr ꝛc. 181 ott iſt mein Hort, und auf ſein Wort ſoll meine Seele trauen; ich wandle hier, mein Gott, vor dir im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort iſt wahr; laß immerdar mich ſeine Kräfte ſchmecken. Laß keinen Spott, o Herr mein Gott, mich von dem Glauben ſchrecken. 3. Wo hätt ich Licht, wo⸗ fern mich nicht dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne ſie verſtänd ich nie, wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt der Seele Wert, Unſterblichkeit und Leben; zur Ewigkeit iſt dieſe Zeit von dir mir über⸗ geben. 5. Den ewgen Rat, die Miſſethat der Sünder zu verſühnen, den kennt ich nicht, wär dies mein Licht nicht durch dein Wort er⸗ ſchienen. 6. Nun darf mein Herz in Reu und Schmerz der Sünden nicht verzagen; nein, du verzeihſt, lehrſt meinen Geiſt ein gläubig Abba ſagen. 7. Mich zu erneun, mich dir zu iſt meines Heils Geſchäfte. Durch meine Müh vermag ichs nie; dein Wort giebt mir die Kräfte. 8. Herr, unſer Hort, laß uns dies Wort; denn du haſt es gegeben. Es ſei mein Teil, es ſei mein Heil und Kraft zum ewgen Leben. Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. Was Gott thut, das iſt ꝛc. 182 Dein Wort, v Herr, iſt milder Tau für troſtbedürftge Seelen; laß keinem Pflänzchen deiner Au den Himmelsbalſam fehlen. Erquickt durch ihn laß jedes blühn und in der Zukunft Tagen dir Frucht und Samen tragen. 2. Dein Wort iſt, Herr, ein Flammenſchwert, ein Blitz, der Felſen ſplittert, ein Feuer, das im Herzen zehrt und Mark und Bein durchſchüttert. O laß dein Wort noch fort und fort der Sünde Machtzerſcheitern und alle Herzen läutern! 3. Dein Wort iſt uns der Wunderſtern für unſre Pil— gerreiſe; es führt die Thoren hin zum Herrn und macht die Einfalt weiſe. Dein Him⸗ melslicht verlöſch uns und leucht in jede Seele daß keine dich verfehle. 4. Ich ſuchte Troſt und fand ihn nicht; da ward das Wort der Gnade mein Labſal, meine Zuverſicht, die Fackel meiner Pfade. Sie zeigte mir den Weg zu dir und leuchtet meinen Schrit⸗ ten bis zu den ewgen Hütten. 5. Auf immer gilt dein Segensbund; dein Wort iſt Ja und Amen; nie weich es uns aus Herz und Mund, zu preiſen deinen Namen. Laß immerfort dein helles Wort Gottes. 106 Wort in allen Lebenszeiten uns tröſten, warnen, leiten. 6. O ſende bald von Ort zu Ort den Durſt nach dei⸗ nen Lehren, den Hunger aus, dein Lebenswort und deinen Geiſt zu hören, und ſend ein Heer von Meer zu Meer, der Herzen Durſt zu ſtillen und dir dein Reich zu füllen. C. B. Garve, † 1841. Mel. Herr Jeſu Chriſt, dich ꝛc. un geh uns auf, 183 N du Morgen⸗ ſtern, du ſeligmachend Wort des Herrn, du Pfand des Heils, das uns im Sohn der Vater gab von ſeinem Thron. 2. Bereitet iſt für dich die Bahn, die Herzen ſind dir aufgethan; wir ſehnen uns nach deinem Licht ſeuf⸗ zen auf: verſäum uns nicht! 3. Du Wort der Wahr⸗ heit, lautrer Quell, mach unſre dunklen Augen hell, daß wir die Wege Gottes ſehn, nicht in der Wahrheit irre gehn. 4. Du Wort der Buße, füll das Herz uns an mit tiefem Reueſchmerz, daß un⸗ ſer Flehn und Seufzen ſei: Gott ſteh uns armen Sün⸗ dern bei! 5. Du Wort der Gnade, tröſtend Wort, o bring uns Botſchaft fort und fort 124 von ihm, der für uns litt und ſtatb und uns Ge⸗ rechtigkeit erwarb. 6. Du Wort des Glau⸗ bens, gieb uns Kraft daß wir, der Eitelkeit t im gnädig dargebotnen Heil ergreifen unſer ewges Teil. 7. So geh uns auf, du Gottesglanz, durchdring uns und verklär uns ganz, du Wort, das noch in Kraft be⸗ ſteht, wenn Erd und Him⸗ mel untergeht. Julius Sturm, geb. 1816. Die Sakramente. Die heilige Taufe. Mel. Liebſter Jeſu, wir ſind ꝛc. 184 Lieftet eſt„wir ſind hier, deinem Worte nachzuleben; dieſes Kindlein kommt zu dir, weil du den Befehl gegeben, daß man ſie zu dir hinführe; denn das Himmelreich iſt ihre. 2. Ja, es ſchallet aller⸗ meiſt dieſes Wort zu unſern Ohren: wer durch Waſſer und durch Geiſt nicht zuvor iſt neugeboren, wird von dir nicht aufgenommen und in Gottes Reich nicht kom⸗ men. 3. Darum eilen wir zu dir, nimm das Pfand von unſern Armen, tritt mit Kirche und Gnadenmittel. deinem Glanz herfür und erzeige dein Erbarmen, daß dein Kind es hier auf Erden und im Himmel möge wer⸗ den. 4. Hirte, nimm dein Schäf⸗ lein an, Haupt, mach es zu deinem Gliede, Himmelsweg, 3 ihm die Bahn, Friede⸗ ürſt, ſei du ſein Friede, Weinſtock, hilf, daß dieſe Rebe auch im Glauben dich umgebe! 5. Nun, wir legen an dein Herz, was von Herzen iſt gegangen; führ die Seufzer himmelwärts und erfülle das Verlangen; ja, den Namen, den wir geben, ſchreib ins Lebensbuch zum Leben! B. Schmolc, † 1737. Mel. Liebſter Jeſu, wir ſind ꝛc. 185 un Gottlob, es iſt vollbracht und der Bund mit Gott ge⸗ ſchloſſen; was uns rein und ſelig macht, iſt auf dieſes Kind gefl oſſen; Jeſus hat es eingeſegnet und mit Him⸗ melstau beregnet. 2. O du dreimal ſelig Kind, vom Dreieinigen ge⸗ liebet“ dem der Vater ſich verbindt, dem der Sohn das Leben giebet, dem der Geiſt iſt eingefloſſen und der Him⸗ mel aufgeſchloſſen! 3. Nun ſo denk an dieſen Bund, weil du einen Odem hegeſt, hegeſt, daß auf einen feſten Grund du ſtets deinen Glau⸗ ben legeſt. Wer ſich läßt auf Jeſum taufen, muß in Jeſu Wegen laufen. 4. Werde fromm und wachſe groß, werde deiner Eltern Freude, und dein jetzt erlangtes Los tröſte dich in allem Leide; deine Taufe ſei die Thüre, welche dich zum Himmel führe. B. Schmolck, † 1737. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛc., Nr. 4. 186 armherziger, laß deiner Gnade jetzt dieſes Kind empfohlen ſein, das wir im heilgen Waſſerbade nach deines Sohns Befehl dir weihn; erfülle, was dein Wort ver⸗ heißt, an ihm, Gott Vater, Sohn und Geiſt! 2. Regiere nun das ganze Leben auch dieſes Kindes, treuer Gott! Dir ſei und bleib es ſtets ergeben; ſei du mit ihm in Glück und Not; ach, führ es ſelbſt auf rechter Bahn, nimm es zu⸗ letzt in Ehren an! 3. Laß uns die Wohlthat recht ermeſſen, die uns die Taufe zugewandt, und nie, o Herr, den Bund vergeſſen, der uns ſo feſt mit dir ver⸗ band; uns alle ſtärk zu neuer Treu, daß über uns dein Friede ſei! Die heil. Taufe. 425 Mel. Schmücke dich, o liebe Seele ꝛc.“ 187 Odu reicher Herr der Armen, mit welch herzlichem Erbar⸗ men biſt du uns zuvorge⸗ kommen, haſt dich unſer an⸗ genommen! Wie kamſt du mit allem Segen uns erbar⸗ mungsvoll entgegen ſchon an deines Reiches Pforte durch das Waſſerbad im Worte! 2. Sind wir ſelbſt doch un⸗ ausſprechlich kraftlos, hilf⸗ los und gebrechlich, ja, als Fleiſch vom Fleiſch geboren, ſündlich, ſterblich und ver⸗ loren; aber reinigend und heilend, Geiſt und Leben uns erteilend, ſchenkeſt du uns reiche Gnade in der Taufe heilgem Bade. 3. Und wir glauben dei⸗ nem Worte. Darum brin⸗ gen wir zur Pforte deines teuren Gnadenreiches dieſes Kind; thu an ihm gleiches! Die Verheißung, die zum Leben deinem Volke du ge⸗ geben, geht nach deiner Huld nicht minder über deines Volkes Kinder. 4. Sei auch dieſem Kinde gnädig, mach es aller Sünde ledig; ſchenke ihm die reine Seide der Gerechtigkeit zum Kleide; ſalbe es mit deinem Geiſte und ihm alle Hilfe leiſte, daß der Segen deiner Hände auf ihm bleibe bis ans Ende! K. J. Ph. Spitta, † 1859. Konfirmation. Mel. Wer när den lieben Gott läßt walten ꝛc., Nr. 4. 188 Sch bin getauft W auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heilger Geiſt! Und ſo iſt alles Ja und Amen, was mir dein teures Wort ver⸗ heißt; ich bin in Chriſtum eingeſenkt, ich bin mit ſei⸗ nem Geiſt beſchenkt. 2. Du haſt zu deinem Kind und Erben, mein lie⸗ ber Vater, mich erklärt; du haſt die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Hei⸗ land, mir gewährt; du willſt in aller Not und Pein, o guterGeiſt, mein Tröſter ſein. 3. Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe, Treu und Gehorſam zugeſagt; ich hab, o Herr, aus reinem Triebe dein Eigentum zu ſein ge⸗ wagt; hingegen ſagt ich bis ins Grab der Sünde ſchnö⸗ den Werken ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieſer Bund wohl feſte ſtehn; wenn aber ich ihn überſchreite, ſo laß mich nicht verloren gehn; nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall gethan. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin; er⸗ wecke mich zu neuer Treue, Kirche und Gnadenmittel. und nimm Beſitz von. mei⸗ nem Sinn. Es ſei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, deinen Willen thut. 6. Laß dieſen Vorſatz nim⸗ mer wanken, Gott Pater, Sohn und heilger Geiſt! Halt mich in deines Bundes Schranken, bis mich dein Wille ſterben heißt; ſo leb ich dir, ſo ſterb ich dir, ſo lob ich dich dort für und für. J. J. Rambach, † 1735. (Geſang der Gemeinde vor der Konfirmation.) Mel Auf dem ewgen Felſen ſtehen ꝛc. 189 Volt des Herrn, bring dein Ge⸗ ſchlechte nach dem alten Licht und Rechte her zum König aller Knechte, ſprich:„Herr, hie iſt dein Geſchöpf!“ 2. Dämpfe Fleiſch und Blut in ihnen, laß ſie nicht der Sünde dienen! Ziehe ſie durch dein Verſühnen, eh ſie ſterben, an dein Herz! 3. Kommt, ihr Kinder, die wir haben als viel teure Gottesgaben, nehmt vom Schatz, dran wir uns laben, den euch zugedachten Teil! 4. Einen Teil am Liebes⸗ bande mit dem ewgen Vater⸗ lande, aber auch am Kreu⸗ zesſtande und am Weltver⸗ leugnungsſinn. 5. Wollet ihr euch binden laſſen? Jeſu KreuzmitF —, den faſſen und die falſche Ruhe haſſen? Willſt du, liebes Kindervolk? 6. Ach, die ewig treue Liebe ſchenk euch ihre ſelgen Triebe, daß ein jedes Glau⸗ ben übe, bis ihr ſeht, was ihr geglaubt! Graf N. L. v. Zinzendorf, † 1760. Mel. Es iſt das Heil uns ꝛc. 1 90 Die hier vor deinem Antlitz ſtehen, ſind Jeſu Chriſti Glieder. Blick, wenn vereint wir für ſie flehn, erbarmend auf ſie nieder! Gieb ihnen, Vater, Sohn und Geiſt, das Gute, das dein Wort verheißt, im Leben und im Sterben! 2. Sie kennen, Vater, deinen Sohnund deſſen heilge Lehren. Iſt Freude, Gott, vor deinem Thron, wenn Sünder ſich bekehren, wie groß iſt unſre Freude nun, da dieſe das Gelübde thun, dir treulich anzuhangen. 3. O laß ſie nimmer zum Gericht ſich dem Altare nahen! Laß ſie in Glaubens⸗ zuverſicht das Bundesmahl empfahen! Dies ſtärke ſie in aller Not; dies reize ſie, des Heilands Tod zu preiſen durch ihr Leben. 4. Lacht ihnen bei dem Chriſtenlauf der Reiz der Welt entgegen,— hilf ihrem ſchwachen Glauben auf, wenn dann ſich Lüſte regen! Laß Konfirmation. 127 ſie hinauf auf Jeſum ſehn, die Welt mit ihrer Luſt verſchmähn, beharren bis ans Ende! 5. Den wichtgen Lohn der Ewigkeit, die Herrlichkeit dort oben, zeig ihnen, die auf alle Zeit jetzt Treue dir geloben! Der Blick müß ihnen Kraft verleihn! Herr, ſegne ſie, denn ſie ſind dein; erhalt ſie in der Wahrheit! G. v. Hippel, † 1796. (Geſang der Konfirmanden vor der Einſegnung.) Mel. Seelenbräutigam zc. 191 Von des Himmels Thron ſende, Gottes Sohn, deinen Geiſt, den Geiſt der Stärke! Gieb uns Kraft zum heilgen Werke, dir uns ganz zu weihn, ewig dein zu ſein. 2. Mach uns ſelbſt bereit, gieb uns Freudigkeit, unſern Glauben zu bekennen und dich unſern Herrn zu nennen, deſſen teures Blut floß auch uns zu gut. 3. Richte Herz und Sinn zu dem Himmel hin, wenn wir unſern Bund erneuern und gerührt vor dir be⸗ teuern, deine Bahn zu gehn, Weltluſt zu verſchmähn. 4. Wenn wir betend nahn, Segen zu empfahn, wolleſt du auf unſre Bitten uns mit 128 Kirche und überſchütten! Licht und Kraft und Ruh ſtröme dann uns zu. 5. Gieb auch, daß dein Geiſt, wie dein Wortverheißt, unauflöslich uns vereine mit der gläubigen Gemeine, bis wir dort dich ſehn und dein Lob erhöhn. S. Marot, † 1865. mit Gnade (Geſang der Konfirmanden nach der Einſegnung.) Mel. O du Liebe meiner Liebe ꝛc. 192 B dir will ich bleiben, ſtets in deinem Dienſte ſtehn; nichts ſoll mich von dir vertreiben, deine Wege will ich gehn. Du biſt meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft, wie der Weinſtock ſeinen Reben zuſtrömt Kraft und Lebens⸗ ſaft. 2. Könnt ichs irgend beſſer haben, als bei dir, der allezeit ſo viel tauſend Gnadengaben für mich Ar⸗ men hat bereit? Könnt ich je getroſter werden, als bei dir, Herr Jeſu Chriſt, dem im Himmel und auf Erden alle Macht gegeben iſt? 3. Wo iſt ſolch ein Herr zu finden, der, was Jeſus that, mir thut, mich erkauft von Tod und Sünden mit dem eignen, teuren Blut? Sollt ich dem nicht angehören, der ſein Leben für mich gab? Gnadenmittel. Sollt ich ihm nicht Treue ſchwören, Treue bis in Tod), Grab? 4. Ja, Herr Jeſu, bei dir bleib ich, ſo in Freude, wie in Leid; bei dir bleib ich, dir verſchreib ich mich für Zeit und Ewigkeit. Deines Winks bin ich ge⸗ wärtig, auch des Rufs aus dieſer Welt; denn der iſt zum Sterben fertig, der ſich lebend zu dir hält. . Bleib mir nur auf dieſer Erden nahe, bis mein Tag ſich neigt! Wenn es einſt will Abend werden und die Nacht hernieder ſteigt, wenn mein Ang wird dunkler, trüber, dann erleuchte meinen Geiſt, daß ich fröhlich zieh hinüber, wie man nach der Heimat reiſt. K. J. Ph. Spitta, † 1859. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc. (Der unſre Menſchheit an ſich nahm.) 193 Sch bin in dir und du in mir! Nichts ſoll mich, ewge Liebe, dir in dieſer Welt entreißen! Auf Erden, wo nur Sünder ſind, nennſt du mich freund⸗ lich ſchon dein Kind, o laß michs ewig heißen und treu mit Wandel, Herz und Mund bewahren deiten Friedensbund! 2. Ich bin in dir i du in mir; dreieinger G — — — du haſt zu dir mich frühe ſchon berufen. Was mir, dem Kindlein, war bereit, ergreif ich heut voll Innig⸗ keit an des Altares Stufen und ſag: o Liebe, du biſt mein, ich will dein Kind auf ewig ſein! 3. Ich bin in dir und du in mir; noch wohn ich völlig nicht bei dir, weil ich auf Erden walle; drum führ mich, Jeſu, treuer Hirt, daß mich, was locket, ſchreckt und irrt, nicht bringe je zu Falle! O daß, was ich dir heut verſprach, mir gehe tief und ewig nach! 4. Ich bin in dir und du in mir; komm, Herr, mir deine Tugendzier früh⸗ zeitig anzulegen, daß mir des Lebens Glück und Not, ja ſelbſt der letzte Feind, der Tod, nur kommen mög im Segen! Mit dir will ich durchs Leben gehn, dir leiden, ſterben, auferſtehn! A. Knapp, † 1864. (Geſang der Gemeinde nach der Konfirmation.) Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 194 roßer König unſrer Erden, Jeſu, dem die ganze Welt ewiglich muß dienſtbar wer⸗ den, deſſen Hand das Scepter Konfirmation. 129 hält, wir, dein Volk und Eigentum, wollen deines Namens Ruhm mit ver⸗ dientem Lob erheben und dir Preis und Ehre geben. 2. Herr, wir danken dir einmütig, daß du dir ein Volk erwählt und auch uns Verlorne gütig deiner Kirche zugezählt; wir ſind Chriſten, wir ſind dein, laß uns, was wir heißen, ſein und auf⸗ richtig darnach ſtreben, wie wir dir zu Dienſte leben. 3. Dir ſei Dank für deine Gaben, ſo du in die Kinder legſt, die den Bund beſtätigt haben, die du in den Armen trägſt. Herr, laß ihnen ewig nicht, was ihr Mund allhier verſpricht, was ſie heut ſich vorgenommen, aus demSinn und Herzen kommen. 4. Gieb, daß ſie durch dei⸗ nen Segen, dir, o Heiland, treu geſinnt, beſſre Chriſten werden mögen, als wir lei⸗ der alle ſind. Durch ſie ſei dein Reich vermehrt, durch ſie werdeſt du geehrt, bis wir all in Zions Höhen einſt dein Jubelfeſt begehen. Das heilige Abendmahl. (Vor und während derFeier.) 195 Cyriſte du Lamm * Gottes, der du trägſt die Sünd der Welt, erbarm dich unſer! 130 Kirche und Gnadenmittel. 2. Chriſte, du Lamm Gottes, der du trägſt die Sünd der Welt, erbarm dich unſer! 3. Chriſte, du Lamm Gottes, der du trägſt die Sünd der Welt, gieb uns deinen Frieden! Amen. Alte Kirche. 196 Shmücke dich, o liebe Seele, laß die dunkle Sündenhöhle, komm ans helle Licht ge⸗ gangen, fange herrlich an zu prangen; denn der Herr voll Heil und Gnaden will dich jetzt zu Gaſte laden; der den Himmel kann ver⸗ walten, will jetzt Herberg in dir halten. 2. Dürſtend nach dem Himmelsſegen eile deinem Herrn entgegen, der mit ſüßen Gnadenworten klopft an deines Herzens Pforten; eile, ſie ihm aufzuſchließen, wirf dich hin zu ſeinen Füßen; ſprich: o Herr, laß dich umfaſſen, von dir will ich nimmer laſſen! 3. Ach, wie hungert mein Gemüte, Menſchenfreund, nach deiner Güte; ach, wie pfleg ich oft mit Thränen mich nach deinem Mahl zu ſehnen; ach, wie pfleget mich zu dürſten nach dem Trank des Lebensfürſten, daß mit dieſem Brot und Weine ſich mein Heiland mir vereine. 4. Jeſu, meine Lebens⸗ ſonne, Jeſu, meine Freud und Wonne, Jeſu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen, hier fall ich zu deinen Fü⸗ ßen! Laß mich würdiglich genießen dieſer deiner Him⸗ melsſpeiſe, mir zum Heil und dir zum Preiſe. 5. Herr, es hat dein treues Lieben dich vom Himmel hergetrieben, daß du willig haſt dein Leben in den Tod für uns gegeben und dazu ganz unverdroſſen, Herr, dein Blut für uns vergoſſen, das uns jetzt kann kräftig tränken, deiner Liebe zu ge⸗ denken. 6. Jeſu, wahres Brot des Lebens, hilf, daß ich doch nicht vergebens, oder mir wohl gar zum Schaden ſei zu deinem Tiſch geladen; laß mich durch dies Seelen⸗ eſſen deine Liebe recht er⸗ meſſen, daß ich auch, wie jetzt auf Erden, mög dein Gaſt im Himmel werden! Joh. Franck, † 1677. Mel. Es iſt gewißlich an der Zeit zc. (Schon iſt der Tag.) 197 H Jeſu Chriſt, du höchſtes Gut, du Brunnquell aller Gna⸗ den! Wir kommen, deinen Leib und Blut, wie du uns haſt geladen, zum Preiſe deiner Herrlichkeit undunſrer Seelen Seelen Seligkeit zu eſſen und zu trinken. 2. O Jeſu, mach uns ſelbſt bereitzu dieſem hohen Werke! Schenk uns dein ſchönes Ehrenkleid durch deines Geiſtes Stärke; hilf, daß wir würdge Gäſte ſein und wer⸗ den dir gepflanzet ein zum ewgen Himmelsweſen. 3. Bleib du in uns, daß wir in dir auch bis ans Ende bleiben; laß Sünd und Not uns für und für von dir nicht wieder treiben, bis wir durch deines Nachtmahls Kraft in deines Himmels Bürgerſchaft dort ewig ſelig werden. Vor 1698. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 198 Hb Ahn einen reichen Tiſch gedeckt, wo das Brot der armen⸗ Kinder nach des Vaters Liebe ſchmeckt. Heute nun bin ich dein Gaſt, wie du mir befohlen haſt; aber hilf auch, daß mein Herze deine Wohlthat nicht verſcherze. 2. Räume mir aus dem Gemüte alles Arge völlig aus, daß auch meines Her⸗ zens Hütte werde dein ge⸗ weihtes Haus. Denn ich hoffe nur auf dich, liebſter Jeſu, liebe mich und laß dei⸗ nen Tiſch auf Erden mir des Himmels Vorſchmackwerden. Das heil. Abendmahl. 131 3. Kann der Herr dem Knechte ſchenken auch ſein eigen Fleiſch und Blut: ach, ſo hilf mir recht bedenken, was hier deine Liebe thut, und verleihe, daß ich nicht eß und trinke zum Gericht, was du, Jeſu, für mein Leben zur Erlöſung haſt gegeben. 4. Wirke heilige Gedanken in der Seel, die dir gehört; halte meinen Sinn inSchran⸗ ken, wenn mich Furcht und Zweifel ſtört. Fühl ich meiner Sünden Not, ſo erfülle mich dies Brot, dieſer Kelch mit neuem Mute; dein Blut floß auch mir zu gute. 5. Sind wir doch aus dir geboren, nähr uns auch durch deine Kraft, und weil alles da verloren, wo nicht Jeſus Hilfe ſchafft: ach, ſo laß dein Brot und Wein meines Herzens Labſal ſein, daß die Wirkung dieſer Speiſe künftig in der That ſich weiſe. 6. Laß mich deine Liebe ſchmecken und die Güter jener Welt; oder wenn auch Furcht und Schrecken mich zuweilen überfällt, ſo verſchaffe mir dein Blut einen rechten Freu⸗ denmut, daß ichmeinen Troſt im Glauben mir durch nie⸗ mand laſſe rauben. 7. Hilf mir recht ins Herze faſſen deinen herben, bittern Tod; laſſe mich auch nie⸗ mand haſſen, der mit mir genießt dein Brot; nimm 6* mich 132 Kirche und Gnadenmittel. mich ganz vollkommen ein, bis ich werde bei dir ſein und die Fülle deiner Gaben, meinen Gott undalles haben. K. Neumann, † 1715. Mel. Erquicke mich, du Heil der Sünder ꝛc. 199 ein Jeſu, der C du vor dem Scheiden in deiner letzten Trauernacht uns haſt die Früchte deiner Leiden ineinem Teſtament vermacht: es prei⸗ ſen gläubige Gemüter dich, Stifter dieſer hohen Güter! 2. Sooft wir dieſes Mahl genießen, wird dein Gedächt⸗ nis bei uns neu; man kann aus friſchen Proben ſchließen, wie brünſtig deine Liebe ſei. Dein Blut, dein Tod und deine Schmerzen erneuern ſich in unſern Herzen. 3. Es wird dem zittern⸗ den Gewiſſen ein neues Sie⸗ gel aufgedrückt, daß unſer Schuldbrief ſei zerriſſen, daß unſreHandſchrift ſeizerſtückt, daß wir Vergebung unſrer Sünden in deinen blutgen Wunden finden. 4. Und feſter, als es je geweſen, wird nun das Band, das uns vereint; von allem Seelenſchmerz geneſen ſchaun wir in dir den liebſten Freund; wir fühlen uns in ſolchen Stunden mit dir zu einem Geiſt verbunden. 5. Dies Brot kann wahre Nahrung geben, und dieſer Kelch erquickt den Geiſt; es mehrt ſich unſer innres Leben, wenn unſer Glaube dich geneußt; wir fühlen neue Kraft und Stärke in unſerm Kampf und Glau⸗ benswerke. 6. Wir treten in genaure Bande mit deines Leibes Gliedern ein; wir müſſen all in ſolchem Stande ein Herz und eine Seele ſein; der Geiſt muß mehr zuſammen⸗ fließen, da wir ein Fleiſch und Blut genießen. 7. Dein Leib muß uns zum Pfande dienen, daßunſer Fleiſch, jetzt ſchwachheits⸗ voll, einſt herrlich aus dem Staube grünen und unver⸗ weslich werden ſoll; ja, daß du uns ein ewig Leben nach dieſem kurzen werdeſt geben. 8. O teures Lamm, ſo edle Gaben haſt du in dieſes Mahl gelegt! Da wir dich ſelbſt zur Speiſe haben, wie wohl iſt unſer Geiſt gepflegt! Dies Mahl iſt unter allen Leiden ein wahrer Vorſchmack jener Freuden. 9. Dir ſei Lob, Ehr und Preis geſungen! Ein ſolcher hoher Liebesſchein verdient, daß aller Engel Zungen zu deſſen Ruhm geſchäftig ſein. Wird unſer Geiſt zu dir er⸗ hoben, ſo wird er dich voll⸗ kommen loben. J. J. Rambach, † 1735. —= S n—— Mel. Herr, wie du willſt, ſo ſchicks ꝛc. (Schon iſt der Tag.) 200 Wi heilig iſt die Stätte hier, wo ich voll Andacht ſtehe! Sie iſt des Himmels Pforte mir, die nun ich ofſen ſehe. O Lebensthor, o Tiſch des Herrn! Vom Himmel bin ich nicht mehr fern und fühle Gottes Nähe. 2. Wie heilig iſt dies Le⸗ bensbrot, dies teure Gna⸗ denzeichen, vor dem des Her⸗ zens Angſt und Not und alle Qualen weichen. O Brot, das meine Seele nährt, o Manna, das mir Gott beſchert, dich will ich jetzt genießen. 3. Wie heilig iſt doch dieſer Trank, der mein Verlangen ſtillet, der mein Gemüt mit Lob und Dank und heilger Freud erfüllet! O Lebens⸗ trank, o heilges Blut, das einſt gefloſſen mir zu gut, dich will ich jetzt empfan⸗ gen! 4. Welch unausſprechlich Glück iſt mein, welch Heil hab ich gefunden! Mein Jeſus kehret bei mir ein; mit ihm werd ich verbunden. Wie iſt mein Herz ſo freu⸗ denvoll, daß ich in Jeſu leben ſoll und er in mir will leben! 5. O wär doch auch mein Herz geweiht zu einer heilgen Stätte, damit der Herr der Das heil. Abendmahl. 133 Herrlichkeit an mir Gefallen hätte! O wäre doch mein Herz der Ort, an welchem Jeſus fort und fort aus Gnaden Wohnung machte! 6. Mein Jeſu, komm und heile mich, was ſündlich iſt, vertreibe, damit ich nun und ewiglich dein Tempel ſei und bleibe. Von dir ſei ganz mein Herz erfüllt; Herr, laß dein heilig Eben⸗ beſtändig in mir leuch⸗ en! 7. Nun, du haſt himmliſch mich erquickt, du haſt dich mir gegeben; in dir, der mich ſo hoch beglückt, will ich nun ſtündlich leben. Laß mich, mein Heiland, allezeit von nun an bis in Cwigkeit mit dir vereinigt bleiben! V. Löſcher, † 1749. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele ꝛc. 201 Kanm mein Herz, aus Jeſu Leiden ſtrömt auch dir ein Quell der Freuden. Stille hier deinſehnlich Dürſten aus dem Kelch des Lebensfürſten. Daß ich einen Heiland habe und in ſeinem Heil mich labe und in ſein Verdienſt mich kleide, das iſt meines Herzens Freude. 2. Darum will ich mit Verlangen nun ſein Abend⸗ mahl empfangen; hier darf ich mich ihm verbinden, und ſo werd ichs tief empfinden, daß 134 daß ich einen Heiland habe, der am Kreuz und in dem Grabe, wie ſein Wort mir ſagt und ſchreibet, mein Er⸗ löſer war und bleibet. 3. Ach, wie werd ich oft ſo müde! Wie entweicht der ſüße Friede! Sünd und Welt kann mich verwunden, wenn mir dieſes Licht ent⸗ ſchwunden: daß ich einen Heiland habe, der mit ſeinem Hirtenſtabe, ſanft und mild und voll Vergeben, mir nichts iſt, als Heil und Leben. 4. Sei geſegnet, ewge Liebe, daß du mir aus treuem Triebe, da das Miß⸗ traun mich vergiftet, ſolch ein Denkmal ſelbſt geſtiftet: daß ich einen Heiland habe, der den Gang zum Kreuz und Grabe gern gethan, mich zu erretten von des ewgen Todes Ketten. 5. Heilges Brot, ſei mir geſegnet, weil mir der mit dir begegnet, der mit ſeinen Todeswunden die Erlöſung mir erfunden! Daß ich einen Heiland habe, der erblaßt und tot im Grabe auch für meine Schuld gelegen, will ich ſchmecken und er⸗ wägen. 6. Heilger Kelch, ſei mir geſegnet, weil mir der mit dir begegnet, deſſen Blut mich läſſet finden die Ver⸗ gebung aller Sünden! Daß ich einen Heiland habe, der Kirche und Gnadenmittel. die dürre Seele kabe, muß nicht dies mein Dürſten ſtillen und mein Herz mit Wonne füllen? . gebietet mir zu eſſen, meir nes Jammers zu vergeſſen; er gebietet mir zu trinken und in Freude zu verſinken, daß ich einen Hei⸗ land habe, der ſich ſelbſt als Opfergabe hat für mich da⸗ hingegeben, mir zu Speis und Trank und Leben! 8. Will hinfort michetwas guälen, oder wird mir etwas fehlen, oder wird die Kraft zerrinnen, ſo will ich mich nur beſinnen, daß ich einen Heiland habe, der vom Kripp⸗ lein bis zum Grabe, bis zum Thron, wo man ihn ehret, mir, dem Sünder, zugehöret! E. G. Woltersdorf, † 1761. Mel. An Waſſerflüſſen Babylon ꝛc. (Ein Lämmlein geht.) 202 Cxch komme, Herr, B und ſuche dich, mühſelig und beladen; Gott, mein Erbarmer, würdge mich des Wunders deiner Gnaden! Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menſchen Sohn, mich dei⸗ ner zu getröſten; ich fühle meiner Sünden Müh; ich ſuche Ruh und finde ſie im Glauben der Erlöſten. 2. Dich bet ich zuver⸗ ſichtlich an, du biſt das S er der Ho wil dn M me für 6o die ve He der Sünder, du haſt die Handſchrift abgethan, und wir ſind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht und an dein Wort: es iſt vollbracht! Du haſt mein Heil verdienet; du haſt für mich dich dargeſtellt; Gott war in dir und hat die Welt in dir mit uns verſühnet. 3. So freue dich, mein Herz, in mir! Er tilget deine Sünden und läßt in ſeinem Mahle hier dich Gnad um Gnade finden. Du rufſt, und er erhört dich ſchon, ſpricht liebreich: ſei getroſt, mein Sohn, die Schuld iſt dir vergeben; du biſt in meinen Tod getauft, und du wirſt dem, der dich erkauft, von ganzem Herzen leben. 4. Dein iſt das Glück der Seligkeit; bewahr es hier im Glauben, und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir, ich bin der Weinſtock, bleib an mir, ſo wirſt du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich ſtärke dich, und durch die Liebe gegen mich wird dir der Sieg gelingen. 5. Ja, Herr, mein Glück iſt dein Gebot, ich will es treu erfüllen und bitte dich durch deinen Tod um Kraft' zu meinem Willen. Laß Das heil. Abendmahl. 135 mich von nun an würdig ſein, mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn und deinen Tod zu preiſen; laß mich den Ernſt der Heiligung durch eine wahre Beſſerung mir und der Welt beweiſen! Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele ꝛc. Oeſu, Freund der 203 Menſchenkinder, Heiland der verlornen Sün⸗ der, der zur Sühnung unſrer Schulden Kreuzesſchmach hat wollen dulden, wer kann faſſen das Erbarmen, das du trägeſt mit uns Armen! In der Schar erlöſter Brü⸗ der fall ich dankend vor dir nieder. 2. Ja, auch mir ſtrömt Heil und Segen, Herr, aus deiner Füll entgegen; in dem Elend meiner Sünden ſoll bei dir ich Hilfe finden; meine Schuld willſt du be⸗ decken, mich befrein von Furcht und Schrecken, willſt ein ewig ſelig Leben als des Glaubens Frucht mir geben. 3. Herr, du kommſt, dich mit den Deinen in dem Nachtmahl zu vereinen; du, der Weinſtock, giebſt den Reben neue Kraft zum neuen Leben. Nun, ſo ſteh bei mir und ſtärke mich zu jedem guten Werke; hilf, daß ich die Luſt der Sünde durch dich kräftig überwinde. ——— ——— 136 Kirche und Gnadenmittel. 4. Nun ſo ſei der Bund erneuet, unſer Herz dir ganz geweihet! Auf dein Vorbild wolln wir ſehen und dir nach, mein Heiland, gehen. Schaff ein neues Herz uns Sündern, mache uns zu Gotteskindern, die dir leben, leiden, ſterben, deine Herr⸗ lichkeit zu erben. 5. Großes Abendmahl der Frommen, Tag des Heils, wann wirſt du kommen, daß wir mit der Engel Chören, Herr, dich ſchaun und ewig ehren? Hallelujah, welche Freuden ſind die Früchte deiner Leiden! Danket, dan⸗ ket, fromme Herzen, ewig ihm für ſeine Schmerzen. K. Lavater, † 1801. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. (Herr, du wollſt ſie vorbereiten.) 204 Hir du wollſt unsvollbereiten zu deines Mahles Seligkei⸗ ten, ſei mitten unter uns, o Gott! Laß uns, Leben zu empfahen, mit glaubens⸗ vollen Herzen nahen, und ſprich uns los von Sünd und Tod. Wir ſind, o Jeſu, dein; dein laß uns ewig ſein! Amen,Amen! Anbetung dir! Einſt' feiern wir das große Abendmahl bei dir. 2. Nehmt und eßt zum ewgen Leben das Brot, das ench der Herr gegeben; die Gnade Jeſu ſei mit euch! Nehmt und trinkt zum ewgen Leben den Kelch des Heils, auch euch gegeben, ererbt, ererbt des Mittlers Reich! Wacht, eure Seele ſei bis in den Tod getreu! Amen, Amen! Der Veg iſt ſchmal; klein iſt die Zahl, die dort eingeht zum Abondmaht⸗ F. G. Klopſtock, 1 1803. Mel. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. (Befiehl du deine Wege.) 205 könnt ich ſein vergeſſen, der mein noch nie vergaß? Kann ich die Lieb ermeſſen, dadurch mein Herz genas? Ich lag in bittern Schmerzen, er ſchafft mein Leben neu, und ſtets quillt aus dem Herzen ihm neue Lieb und Treu! 2. Wie ſollt ich ihn nicht lieben, mir ſo hold ſich zeigt?“ Wie jemals ihn be⸗ trüben, der ſo zu mir ſich neigt? Er, der ans Kreuz erhoben, getragen meine Schmach, ruft er mir nicht von oben: komm, folge du mir nach! 3. Ich will ihn ewig lieben, der mir aus Todes⸗ nacht, von meinem Schmerz getrieben, Unſterblichkeit ge⸗ bracht; der noch zur letzten Stunde mir reicht die treue Hand, daß mich kein Feind verwunde im Lauf zum Heimatland. 4. Er giebt zum heilgen Pfande mir ſeinen Leib, ſein Blut, hebt mich aus Nacht und Schande, füllt mich mit Himmelsmut, will ſelber in mir thronen mit heilgem Gnadenſchein. Sollt ich bei ihm nicht wohnen? in ihm nicht ſelig ſein? 5. Bei Freuden und bei Schmerzen durchleuchte mich dein Bild, wie du, o Herz der Herzen, geblutet haſt ſo mild! Mein Lieben und mein Hoffen, mein Dulden weih ich dir. Laß mir die Heimat offen und dein Herz für und für! Chr. Kern, † 1835. Mel. Zeuch ein zu deinen ꝛ. 206 ni her, ihr ſeid geladen; der Heiland rufet euch, der treue Herr der Gnaden, an Huld und Liebe reich; der Erd und Himmel lenkt, will Gaſtmahl mit euch halten und wunderbar geſtalten, was er in Liebe ſchenkt. 2. Kommt her, verzagte Sünder, undwerftdie Angſte weg; kommt her, verſöhnte Kinder, hier iſt der Lebens⸗ ſteg! Empfangt die Him⸗ melsluſt, die heilge Geiſtes⸗ ſpeiſe, die auf verborgne Weiſe erquicket jede Bruſt. 3. Kommt her, betrübte Seelen, die Not und Jam⸗ mer drückt, mit Gott euch Das heil. Abendmahl. zu vermählen, der wunder⸗ bar beglückt. Kommt, legt auf ewig ab der Sünde bange Säumnis; empfanget das Geheimnis, das Gott vom Himmel gab. 4. O Wonne kranker Herzen, die mir von oben kam! Verſchwunden ſind die Schmerzen, getröſtet iſt der Gram; was von dem Him⸗ mel fleußt, hat lieblich ſich ergoſſen; mein Herz iſt gar durchfloſſen vom ſüßen Liebesgeiſt. 5. Drum jauchze, meine Seele, hell aus der Sünden⸗ nacht; verkünde und erzähle die tiefe Wundermacht, die unermeßlich ſüß, ein Born der Liebe, quillet und jeden Jammer ſtillet, der faſt ver⸗ zweifeln ließ. 6. Drum jauchze, meine Seele, drum jauchze deinem Herrn; verkünde und er⸗ zähle die Gnade nah und fern, den Wunderborn im Blut, die ſelge Himmels⸗ ſpeiſe, die auf verborgne Weiſe dir giebt das höchſte Gut. E. M. Arndt, † 1860. (Nach der Feier des heiligen Abendmahls.) Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herren ꝛc.(Wach auf, mein Herz. und ſinge.) 207 O Jeſu, meine Wonne, du meiner Seelen Sonne, du Freund⸗ 138 Freundlichſter auf Erden, laß mich dir dankbar werden! 2. Wie kann ich gnugſam ſchätzen dies himmliſche Er⸗ götzen und dieſe teuren Ga⸗ ben, die uns geſtärket haben? 3. Wie ſoll ich dirs ver⸗ danken, o Herr, daß du mich Kranken geſpeiſet und ge⸗ tränket, ja ſelbſt dich mir geſchenket? 4. Ich lobe dich von Her⸗ zen für alle deine Schmerzen; dir dank ich für dein Leiden, den Urſprung meiner Freu⸗ den. 5. Dir dank ich für dein Lieben, das ſtandhaft iſt geblieben; dir dank ich für dein Sterben, das mich dein Reich läßt erben. 6. Duwolleſt ja dieSünde, die ich noch in mir finde, aus meinem Herzen treiben und kräftig in mir bleiben. 7. Laß mich ſie ernſtlich meiden, laß mich geduldig leiden; laß mich mit An⸗ dacht beten, von deinem Weg nie treten. 8. So kann ich nicht ver⸗ derben, drauf will ich ſelig ſterben und freudig aufer⸗ ſtehen, o Jeſu, dich zu ſehen. Joh. Riſt, † 1667. Mel. Jeſu, meines Lebens Leben ꝛc. (Alle Menſchen müſſen ſterben.) anket, danket 208 Gott mit Freuden, danket ihm mit Kirche und Gnadenmittel. Herz und Mund! Macht die großen Seligkeiten dieſes heilgen Mahles kund, was der Herr für Gnaden ſchen⸗ ket, da er ſelbſt uns ſpeiſt und tränket; danket ihm vor dem Altar, daß er uns ſo freundlich war. 2. Ja, wir preiſen Gottes Güte, denn ſie währet ewig⸗ lich. O wie freut ſich das Gemüthe, daß der Herr ſo gnädig ſich gegen uns auch jetzt erwieſen! Immerdar ſei er geprieſen; groß iſt ſeine Huld und Treu; ſie war dieſesmal auch neu. 3. Heilig, heilig, heilig werde, Gott, dein Nam uns mehr und mehr; alle Him⸗ mel ſamt der Erde zeugen laut von deiner Ehr. Dir, Herr, ſingen Seraphinen dreimal heilig, die dir dienen; droben in dem Hei⸗ ligtum ſchallet deines Na⸗ mens Ruhm. 4. Gott, der Herr und Vater, ſegne uns in ſeinem lieben Sohn; und des Va⸗ ters Sohn begegne uns von ſeinem Gnadenthron; und der Herr, der Geiſt, bereite uns zur Herrlichkeit und leite uns zu ſeinem Frieden! Ja! Amen! ſprecht Halle⸗ lujah! N. Kaiſer, † 1800. —„—„— — Mel. O daß ich tauſend Zungen ꝛc (Wer nur den lieben Gott, Nr. 2.) imm hin den 209 N Dank für deine Liebe, erhöhter Mitt⸗ ler, Jeſu Chriſt! Gieb, daß ich dich nicht mehr betrübe, der du für mich geſtorben biſt; laß deines Leidens Angſt und Pein mir immer— dar vor Augen ſein. 2. Im Streite hilf mir überwinden und ſtärke mich zu jeder Pflicht; bewahre mich vor neuen Sünden, verlaß mich in Verſuchung nicht, und dein für mich vergoſſnes Blut ſchenk mir im Todeskampfe Mut. 3. Hilf, daß ich deines Leibes Glieder, die heut dein Heil, wie mich, erfreut, von Herzen lieb als meine Brü⸗ der, als Erben einer Herr⸗ lichkeit. Wir haben einen Herrn und Gott, uns ſpeiſt undtränkt ein Kelch, ein Brot. Das heil. Abendmahl. 139 4. Wie jetzt, o Herr, in deinem Namen dein Volk vor dir verſammelt war, ſo bring einſt wieder uns zu⸗ ſammen, daß wir mit dei⸗ ner Engelſchar, anbetend als dein Eigentum, ſtets preiſen deines Namens Ruhm. G. J. Zollikofer, † 1788, und J. C. Lavater, † 1801. Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz geübet ꝛc.(Wie groß iſt des All⸗ mächtgen Güte.) 210 ollbracht iſt nun die heiige Feier; verkündigt ward von uns dein Tod. O dein Gedächt⸗ nis ſei uns teuer und un⸗ vergeßlich dein Gebot! Laß nie des Himmels Vorgefühle in uns erkalten und ver⸗ gehn; laß würdig einſt am S Herr, deine Herrlichkeit uns ſehn! J. Ch. Wagner, † 1825. LIII. Wiedergeburt und Heiligung. Buße. ch i ir, 211 Sboll inrn Herze und gieb mir einen neuen, gewiſſenGeiſt.:,: Ver⸗ wirfmichnicht:, von deinem Angeſicht:, und nimm deinen heiligen Geiſt nicht von mir. Pſ. 51, V. 12, 13. (Schon iſt der Tag.) 212 Mus tiefer Not ſchrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen! Dein gnädig Ohr neig her zu mir und meiner Bitt es öffne; denn ſo du willſt das ſehen an, was Sünd und Unrecht iſt ge⸗ than: 140 than: wer kann, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunſt, die Sünde zu vergeben; es iſt doch unſer Thun umſonſt auch in dem beſten Leben; vor dir nie⸗ mand ſich rühmen kann; des muß dich fürchten jedermann und deiner Gnaden leben. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Ver⸗ dienſt nicht bauen; auf ihn allein verlaſſen mich und ſeiner Güte trauen, die mir zuſagt ſein wertes Wort; das iſt mein Troſt und treuer Hort; des will ich allzeit harren. 4. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, doch ſoll mein Herz an Gottes Macht ver⸗ zweifeln nicht noch ſorgen. So thu das Volk von rechter Art, das aus dem Geiſt erzeuget ward und ſeines Gottes harre. 5. Ob bei uns iſt der Sünden viel, bei Gott iſt viel mehr Gnäden; ſein Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch ſei der Schaden. Er iſt allein der gute Hirt, der Israel erlöſen wird aus ſeinen Sünden allen. Luther, † 1546. 213 Allein zu dir, Herr Jeſu Cyriſt, mein Hoffnung ſteht auf Wiedergeburt und Heiligung. Erden! Ich weiß, daß du mein Tröſter biſt, kein Troſt mag mir ſonſt werden. Von Anbeginn iſt nichts erkorn, auf Erden war kein Menſch geborn, der mir aus Nöten helfen kann: dich rufichan, du biſt der rechte Helfersmann. 2. Mein Sünd iſt ſchwer und übergroß und reuet mich von Herzen; derſelben mach mich frei und los durch deinen Tod und Schmerzen, und nimm dich mein beim Vater an, der du für mich genug gethan, ſo werd ich los der Sünden Laſt; mein Glaub erfaßt, was du mir, Herr, verſprochen haſt. 3. Ach, ſtärk durch dein Barmherzigkeit in mir ein recht Vertrauen, auf daß ich deine Freundlichkeit mög inniglich anſchauen, vor allen Dingen lieben dich und meinen Nächſten gleich als mich; ſend mir dein Hilf am letzten End, damit behend des Todes Graun ſich von mir wend. 4. Ehr ſei Gott in dem höchſten Thron, dem Vater aller Güte, und Jeſu Chriſto, ſeinem Sohn, der uns allzeit behüte, und ſeinem werten heilgen Geiſt, der uns ſein Hilfe allzeit leiſt, daß wir ihm wohlgefällig ſein hier in der Zeit und dort hernach in Ewigkeit. C. Huber, † 1577, oder Joh. Schneeſing, † 1567. 2=—= S ——— Mel. Erhalt uns, Herr, bei ꝛc. 214 O frommer und getreuer Gott, ich hab gebrochen dein Gebot und ſehr geſündigt wider dich! Das iſt mir leid und reuet mich. 2. Weil aber du, o gnädger Gott, nicht Luſt haſt an des Sünders Tod, ſo iſt dein herzliches Begehr, daß ich mich wieder zu dir kehr. 3. Auf dies Wort, lieber Vater fromm, ich armer Sünder zu dir komm und bitt durch deines Sohnes Tod: erbarm dich mein in meiner Not! 4. Verſchon, o Herr, laß deine Huld zudecken alle meine Schuld, ſo werd ich arm verlornes Kind ledig und los all meiner Sünd. 5. Ich will, o Herr, nach deinem Wort mich beſſern, leben fromm hinfort, damit ich mög nach dieſer Zeit ge⸗ langen zu der Seligkeit. B. Ringwald(2), † 1598. 215 Ao Gott und Herr, wie groß und ſchwer ſind mein begangne Sünden! Da iſt niemand, der helfen kann, in dieſer Welt zu finden. 2. Lief ich gleich weit zu dieſer Zeit, bis an der Erden Enden, und wollt los ſein des Elends mein, würd ich es doch nicht wenden. Buße. 141 3. Zu dir flieh ich, ver⸗ ſtoß mich nicht, wie ichs wohl hab verdienet. Ach, geh doch nicht, Gott, ins Gericht; dein Sohn hat mich verſühnet. 4. Solls ja ſo ſein, daß Straf und Pein auf Sünde folgen müſſen, ſo fahr hie fort und ſchone dort, und laß mich hier wohl büßen. 5. Gieb, Herr, Geduld, vergiß die Schuld, ſchaff ein gehorſam Herze, daß ich mein Heil, mein beſtes Teil, durch Murren nicht ver⸗ ſcherze. 6. Handle mit mir, wie's dünket dir, ich will es gerne leiden; nur wollſt du mich nicht ewiglich von deiner Gnade ſcheiden. M. Rutilius, † 1618. Mel. Aus tiefer Not ſchrei ich zu dir ꝛc.(Schon iſt der Tag.) 216 Qterberar herzigkeit, ich falle dir zu Fuße; verſtoß den nicht, der zu dir ſchreit und thut noch endlich Buße! Was ich begangen wider dich, verzeih mir alles gnädiglich durch deine große Güte. 2. Durch deiner Allmacht Wunderthat nimm von mir, was mich quälet; durch deine Weisheit ſchaffe Rat in allem, wo mirs fehlet; gieb Willen, Mittel, Kraft und Stärk, 142 Wiedergeburt und Heiligung. Stärk, daß ich mit dir all meine Werk anfange und vollende. 3. O Jeſu Chriſte, der du haſt am Kreuze für mich Armen getragen aller Sün⸗ den Laſt, wollſt meiner dich erbarmen! O Gottes und des Menſchen Sohn, erbarm dich mein und mein verſchon, hör auf mein kläglich Rufen! 4. O heilger Geiſt, du wahres Licht, Regierer der Gedanken, wenn mich die Sündenluſt anficht, laß mich von dir nicht wanken; ver⸗ leih, daß nun und nimmer⸗ mehr Begierd nach Reich⸗ tum, Luſt und Ehr in mei⸗ nem Herzen herrſche! 5. Und wenn mein Stünd⸗ lein kommen iſt, ſo hilf mir treulich kämpfen, daß ich des Satans Trutz und Liſt durch Chriſti Sieg mag dämpfen, auf daß mir Krankheit, Angſt und Not und dann der letzte Feind, der Tod, nur ſei die Thür zum Leben. Dav. Denicke, † 1680. Mel. Hüter, wird die Nacht der Sünden ꝛc. 217 Ao, was bin ich, mein Erretter und Vertreter bei dem un⸗ ſichtbaren Licht? Ich verzag in meinem Mute; denn das Gute, das ich will, das thu ich nicht. 2. Ach, was bin ich, mein Erbarmer? Sieh, ich Armer bin ein ſchwankes Rohr im Wind; wie ein Weberſchifflein ſchießet, ſo verfließet meines Lebens Lauf geſchwind. 3. Ach, was bin ich, mein Erlöſer? Immer böſer find ich meiner Seele Stand; drum, mein Helfer, nicht verweile, Jeſu, eile, reiche mir die Gnadenhand! 4. Ach, wann wirſt du mich erheben zu dem Leben? Komm, ach komm, und hilf mir doch! Demut kann dich bald bewegen, lauter Segen wirſt du laſſen fließen noch. 5. Trotzig iſt, o Gott, mein Herze, mir zum Schmerze, ja, es iſt mir leid dazu! Höre mich, hör an das Quälen; Arzt der Seelen, ſchaffe meinem Herzen Ruhl 6. Gieb, daß mir der Tod nicht ſchade; Herr, gieb Gnade, laß mich ſein dein liebes Kind! Ein Demütiger und Kleiner, aber Reiner, endlich Ruh und Gnade findt. J. Neander, † 1680. Mel. Nunſich der Tag geendet hatzc. (So fliehen unſre Tage.) 218 ein Gott, das Herz ich bringe dir als Gabe und Geſchenk; du forderſt dieſes ja von mir, des bin ich eingedenk. 5 5 n 2. Gieb mir, mein Sohn, dein Herz, ſprichſt du, das iſt mir lieb und wert; du findeſt anders auch nicht Ruh im Himmel und auf 3. Nun, du, mein Vater, nimm es an, mein Herz, veracht es nicht. Ich gebs, ſo gut ichs geben kann; kehr zu mir dein Geſicht! 4. Zwar iſt es voller Sündenluſt und voller Eitel⸗ keit, des Guten aber unbe⸗ und wahrer Frömmig⸗ eit. 5. Doch aber ſteht es nun in Reu, fühlt ſeinen übelſtand und träget jetzt vor allem Scheu, daran es Luſt erſt fand. 6. Schenk mir, Herr Chriſt, nach deiner Huld, Gerechtigkeit und Heil; nimm von mir meine Sünden⸗ ſchuld und meiner Strafe Teil. 7. O heilger Geiſt, nimm du auch mich in die Gemein⸗ ſchaft ein; ergieß um Jeſu willen dich tief in mein Herz hinein. 8. Dein göttlich Licht ſtrom in mich aus und Glut der reinen Lieb; tilg Finſternis, Haß, Falſchheit aus; ſchenk mir ſtets deinen Trieb. 9. Hilf, daß ich ſei von Herzen treu im Glauben dir, mein Gott, daß mich im Buße. 143 Guten nicht mach ſcheu der Welt Liſt, Macht und Spott. 10. Hilf, daß ich ſei von Herzen feſt in Hoffen und Geduld, daß, wenn auch alles mich verläßt, mich tröſte deine Huld. 11. Hilf, daß ich ſei von Herzen rein im Lieben, und erweis, daß mein Thun nicht ſei Heuchelſchein, durch Werke dir zum Preis. 12. Nimm ganz, o Gott, zum Tempel ein mein Herz hier in der Zeit; ja, laß es deine Wohnung ſein auch in der Ewigkeit. Casp. Schade, † 1698. Mel. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende ꝛc.(Wer nur den lieben Gott läßt walten, Nr. 1.) 219 Cch armer Menſch, ich armer Sün⸗ der ſteh hier vor Gottes Angeſicht! Ach Gott, ach Gott, verfahr gelinder und geh nicht mit mir ins Ge⸗ richt! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 2. Wie iſt mir doch ſo angſt und bange, wie kränkt mich meine große Sünd! Hilf, daß ich wieder Gnad erlange, ich armes und ver⸗ lornes Kind! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 3. Hör, ach erhör mein ſeufzend Schreien, und neig zu 144 zu mir dein Vaterherz; wollſt alle Sünden mir ver⸗ zeihen und lindern meines Herzens Schmerz! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 4. Nicht, wie ich hab ver⸗ ſchuldet, lohne, und handle nicht nach meiner Sünd; o treuer Vater, ſchone, ſchone, erkenn mich wieder als dein Kind! Erbarme dich erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 5. Sprich nur ein Wort, ſo werd ich leben; ſprich, daß ich armer Sünder hör: geh hin, die Sünd iſt dir vergeben; nur ſündige hin⸗ fort nicht mehr! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. 6. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, erhöret bin ich zweifelsfrei; weil ſich der Troſt im Herzen mehret, drum will ich enden mein Geſchrei. Ich weiß ja, du erbarmeſt dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Chr. Titius, † 1703. 220 Hier legt mein Sinn ſich vor dir nieder, mein Geiſt ſucht ſeinen Urſprung wieder; Herr, dein erfreuend Ange⸗ ſicht auf meine Armut gnä⸗ dig richt. 2. Schau her, ich fühle mein Verderben; laß mich Wiedergeburt und Heiligung. in Chriſti Tode ſterben; o möchte doch in ſeiner Pein die Eigenheit ertötet ſein! 3. Ich fühle wohl, daß ich dich liebe und mich in deinen Wegen übe; jedoch iſt von Unlauterkeit die Liebe noch nicht ganz befreit. Ich muß noch mehr auf dieſer Erden durch dei⸗ nen Geiſt geheiligt werden; der Sinn muß tiefer in dich gehn, der Fuß muß unbe⸗ weglich ſtehn. 5. Ich weiß mir zwar nicht ſelbſt zu raten, hier gelten nichts der Menſchen Thaten; wer macht ſein Herz wohl ſelber rein? Es muß durch dich gewirket ſein. 6. Doch kenn ich wohl dein treues Lieben: du biſt noch immer treu geblieben. Ich weiß gewiß, du ſtehſt mir bei und machſt mich von mir ſelber frei. 7. Indeſſen will ich treu⸗ lich kämpfen und ſtets die falſche Regung dämpfen, bis du dir deine Zeit erſiehſt und aus der Sünde Netz mich ziehſt. 8. In Hoſſnung kann ich fröhlich ſagen: Gott hat der Hölle Macht geſchlagen, Gott führt mich aus dem Kampf und Streit in ſeine Ruh und Sicherheit. 9. Drum will die Sorge meiner Seelen ich dir, mein Vater, ganz befehlen. Ach, drücke vrücke tief in meinen Sinn, daß ich in dir ſchon ſelig bin! Chr. Fr. Richter, † 1711. Mel. An Waſſerflüſſen Babylon ꝛc. (Ein Lämmlein geht.) 221 O König, deſſen Majeſtät weit über alles ſteiget, dem Erd und Meer zu Dienſte ſteht, vor dem die Welt ſich neiget, der Himmel iſt dein helles Kleid, du biſt voll Macht und Herrlichkeit, ſehr groß und wunderthätig. Armer, ich vermag nichts mehr, als daß ich ruf zu deiner Ehr: Gott, ſei mir Sünder gnädig! 2. Hier ſteh ich, wie der Zöllner that, beſchämet und von ferue, ich ſuche deine Hilf und Gnad, o Herr, von Herzen gerne. Doch weil ich voller Fehler bin und, wo ich mich nur wende hin, des Ruhmes vor dir ledig, ſo ſchlag ich nieder mein Geſicht vor dir, du reines Gott, ſei mir Sünder gnädig! 3. Die Schulden, der ich mir bewußt, durchängſten mein Gewiſſen; drum ſchlag ich reuig an die Bruſt und will von Herzen büßen. Ich bin, o Vater, ja nicht wert, daß ich noch wandle auf der Erd; doch, weil du winkſt, ſo bet ich mit ganz zer⸗ Buße. 145 knirſchtem, bangem Geiſt, der gleichwohl dich noch Vater heißt: Gott, ſei mir Sünder gnädig! 4. Mein Vater, ſchaue Jeſum an, den Heiland aller Sünder, der für die Welt genug gethan, durch den wir Gottes Kinder im gläubigen Vertrauen ſind: der iſts, bei dem ich Ruhe find, ſein Herz iſt ja gutthätig. Ich faſſe ihn und laß ihn nicht, bis dir das Herz mitleidig bricht: Gott, ſei mir Sünder gnädig! 5. Regiere doch mein Herz und Sinn in dieſem ganzen Leben; du biſt mein Gott, und was ich bin, bleibt ewig dir ergeben. Ach, i mich ganz und gar, aß meinen Glauben immer⸗ dar ſein durch die Liebe thätig. Und geht es nicht ſo, wie ich ſoll, ſo ruf ich, wie mein Ser iſt voll: Gott, ſei mir Sünder gnädig! 6. Mein Leben und mein Sterben ruht allein auf deiner Gnade; mir geh es böſe oder gut, gieb nur, daß es nicht ſchade. Kommt dann das letzte Stündlein an, ſo ſei mir auf der Todesbahn, nein Jeſu, ſelbſt noch gnädig. Und wenn ich nicht mehr ſprechen kann, ſo nimm den letzten Seufzer an: Gott, ſei mir Sünder gnädig! V. Loſcher, † 1749, 146 Wiedergeburt und Heiligung. 222 n dir allein, an dir hab ich ge⸗ ſündigt und übel oft an dir gethan. Du ſiehſt die Schuld, die mir den Fluch verkündigt, ſieh, Gott, auch meinen Jammer an. 2. Dir iſt mein Flehn, mein Seufzen nicht ver⸗ borgen, und meine Thränen ſind vor dir. Ach, Gott, mein Gott, wie lange ſoll ich ſorgen. Wie lang ent⸗ fernſt du dich von mir? 3. Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden, vergilt mir nicht nach mei⸗ ner Schuld. Ich ſuche dich; laß mich dein Antlitz finden, du Gott der Langmut und Geduld! 4. Früh wollſt du mich mit deiner Gnade füllen, Gott, Vater der Barmherzig⸗ keit! Erfreue mich um deines Sohnes willen; du biſt ein Gott, der gern erfreut. 5. Laß deinen Weg mich wieder freudig wallen und lehre du dein heilig Recht mich täglich thun nach deinem Wohlgefallen; du biſt mein Gott, ich bin dein Knecht. 6. Herr, eile, du mein Schutz, mir beizuſtehen, und leite mich auf ebner Bahn! Er hört mein Schrein, der Herr erhört mein Flehen und nimmt ſich meiner Seelen an. Chr. F. Gellert, † 1769. Mel Wie nach einer Waſſerquelle zc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 223 ott, vor deſſen Angeſichte nur ein reiner Wandel gilt, ewges Licht, aus deſſen Lichte nichts als reinſte Klarheit quillt, laß uns doch zu jeder Zeit deinen Strahl der Heiligkeit ſo durch Herz und Seele dringen, daß auch wir nach Heilgung ringen! 2. Du biſt rein im Werk und Weſen, und dein unbe⸗ flecktes Kleid, das von Ewig⸗ keit geweſen, iſt die reinſte Heiligkeit. Du biſt heilig, aber wir, großer Schöpfer, ſtehn vor dir, wie in einem Kleid voll Flecken, die wir dir umſonſt verſtecken. 3. Was dein Geiſt und Herze ſinnet, was dein weiſer Wille thut, was dein ſtarker Arm beginnet, iſt ſtets heilig, rein und gut. Und ſo bleibſt du ewiglich, während wir auf Erden dich durch das Böſe, das wir üben, ſtets von Jugend auf betrüben. 4. Herr, du willſt, daß deine Kinder deinem Bilde ähnlich ſein. Es beſteht vor dir kein Sünder, denn du biſt vollkommen rein; du biſt nur der Frommen Freund, übelthätern biſt du Feind; wer beharrt in ſeinen Sünden, kann vor dir nicht Gnade finden. ———— ——% — 8 — n 5. Uns von Sünden zu erlöſen, giebſt du deinen Sohn dahin; o ſo reinige vom Böſen durch ihn unſern ganzen Sinn. Gieb uns, wie dein Wort verheißt, gieb uns deinen guten Geiſt, daß er unſern Geiſt regiere und zu allem Guten führe. 6. Hilf, o Vater, unſern Seelen, glaubensvoll auf dich zu ſehn, deinen ewgen Weg zu wählen und ihn ohne Falſch zu gehn, bis wir mit der ſelgen Schar der Erlöſten immerdar Heilig! Heilig! Heilig! ſingen und die reinſten Opfer bringen. J. Chr. Zimmermann, † 1783. Mel. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig ꝛc. (Gott im Himmel und auf Erden.) 224 eineSeele, voller Fehle, ſuchet in dem Dunkeln Licht; Jeſu, neige dich und zeige mir dein tröſtlich Angeſicht; auf mein Flehen laß dich ſehen, und verbirg dich länger nicht. 2. Ich empfinde, meine Sünde ſei an allem Kummer ſchuld; ich geſtehe dirs und flehe um Vergebung und Geduld. Du, mein Leben, kannſt mir geben neue Hilfe, neue Huld. 3. Ach, von Herzen und mit Schmerzen ſuch ich dich, mein Troſt und Heil. Wie ſo lange iſt es bange meiner Buße. 147 Seele! Komm in Eil, laß dich nieder, komme wieder, meines Herzens beſtes Teil. 4. Richtig wandeln, weiſe handeln, wollſt du künftig mir verleihn; gieb die Triebe reiner Liebe voller in mein Herz hinein. Welch ein Segen iſt zugegen, wenn es heißt: du mein, ich dein! 5. Lehre, leite, vollbereite mich, wie du mich haben willt; gieb mir Klarheit, Geiſt und Wahrheit, daß ich gleich ſei deinem Bild; daß man merke, meine Stärke ſei in dir und du mein Schild. 6. Bis im Lichte dein Geſichte mir ſich droben völlig zeigt, wenn die Deinen nicht mehr weinen und die Klageſtimme ſchweigt. Drum ſo zeige mir die Steige, da man auf zum Himmel ſteigt! Magd. Sib. Rieger, † 1786. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 225 H dio i die du mir bisher erzeigt, o ſo wird mein ganz Ge⸗ müte zu der tiefſten Scham gebeugt, daß ich dich gering geſchäßt, häufig dein Gebot verletzt und dich, der mich ſo geliebet, mit Vergehungen betrübet. 2. Alle meine Seelen⸗ kräfte, meine Glieder ſind ja 148 Wiedergeburt und Heiligung. ja dein, und ſie ſollten zum Geſchäfte deines Dienſtes fertig ſein; doch hab ich der Eitelkeit unbedachtſam ſie geweiht; ja, zum ſchnöden Dienſt der Sünden lies ich mich oft willig finden. 3. Deine Huld war jeden Morgen über mir, o Vater, neu. Von wie manchen ſchweren Sorgen machteſt du das Herz mir frei! Was mir nützte, gabſt du mirz aber, ach, wie dankt ich dir? O wie hab ich ſo vermeſſen deines Wohlthuns Zweck ver⸗ geſſen! 4. Bei ſo hellem Licht der Gnaden ſollt ich ja die Sünde fliehn und um Kettung von dem Schaden meiner Seele mich bemühn. Deine Güte lockte mich oft zur Buße, aber ich floh vor ihrem ſanften Locken, ſuchte mich ſelbſt zu verſtocken. ee meine Sünden, beuge mich, mein Gott, vor dirz laß mich bei dir Gnade finden, neige, Herr, dein Ohr zu mir! Ach, vergieb, was ich gethan! Rimm mich doch erbarmend an! Führe mich vom Sünden⸗ pfade ſchnell zurück durch deine Gnade! 6. Dir ergeb ich mich aufs neue; gieb, daß mein ebeugter Geiſt deiner Vater⸗ hntd ſich freue, die dein tröſtend Wort verheißt. Was dein Sohn auch mir erwarb, als er für die Sünder ſtarb, Fried und Freude im Ge⸗ wiſſen, ach, das laß auch mich genießen! 7. Stärke ſelbſt in meiner Seele den Entſchluß, mich dir zu weihn; gieb, daß mirs an Kraft nicht fehle, folgſam deinem Wort zu ſein. Stehe mir ſtets mächtig bei, mache du mich ſelbſt getreu! Dich zu lieben, dir zu leben, ſei mein ernſtlichſtes Beſtreben! Nach Fabricius, † 1703, von S. Diterich, † 1797. Mel. Jeſu, meines Lebens Leben ꝛc. (Alle Menſchen müſſen ſterben.) 226 Cch erhebe mein G Gemüte, ſehn⸗ ſuchtsvoll, mein Gott, zu dir; ich erkenne deine Güte, o wie teuer iſt ſie mir! Gott der Liebe und des Lebens, keiner harrt auf dich vergebens; nur Verächter deiner Huld ſtürzet ihre eigne Schuld. 2. Lehre mich, Herr, deine Wege, zeige deinen Willen mir; daß ich richtig wandeln möge, führe du mich ſelbſt zu dir. Gott, du ſieheſt mein Vertrauen; ſicher kann ich auf dich bauen; deine Vatertreue iſt ewig, wie du ſelber biſt. 3. Ach, gedenke, Herr, der Sünden meiner Jugendjahre nicht; Jaß mich Gnade ir Buße. dir finden, geh nicht mit mir ins Gericht. Alle Sün⸗ den, die uns reuen, willſt du, Vater, ja verzeihen. O ſo höre denn auch ni Meine Seele hofft auf dich. 4. Gott, du willſt des Sünders Leben; dir iſt ſeine Seele wert. Gnädig willſt du ihm vergeben, wenn er ſich zu dir bekehrt. Mitten auf dem Sündenwege machſt du ſein Gewiſſen rege. Wohl dem, der zu ſeiner Pflicht um⸗ kehrt, du verwirfſt ihn nicht. 5. Allen, die zu dir ſich wenden, über ihre Schuld betrübt, willſt du Troſt und Rettung ſenden, wenn ihr Herz ſich dir ergiebt. Freude ſchenket deine Güte dem ge⸗ ängſteten Gemüte, welchem du die Sündenlaſt liebreich abgenommen haſt. 6. Dir will ich mich denn ergeben; Gott, mein Gott, verlaß mich nicht! Laß mich immer heilig leben, Herr, vor deinem Angeſicht! Keine ſchnöde Luſt der Sünden ſoll mich ferner überwinden. Ach, bewahr, ich bitte dich, meinen Geiſt und ſtärke mich! K. Lavater, † 1801. Mel. Es iſt gewißlich an der Zeit ꝛc. (Schon iſt der Tag.) 22 Whee lichkeit mit ſeines Reiches 149 Freuden? Wann kommt der Richter, Freud und Leid, und Bös und Gut zu ſcheiden? Er iſt nicht fern; er iſt uns nah; in unſerm Herzen iſt er da; du kannſt ihn nimmer meiden. 2. In unſerin Herzen ſpricht ſein Spruch; wer mag vor ihm beſtehen? Frei aufgeſchlagen iſt ſein Buch mit jeglichem Vergehen. Sein Blick wie Feuerflamme fährt und teilt, wie ein zweiſchneidig Schwert, was keine Augen ſehen. 3. Was keines Feindes Mund erzählt, erzählt uns das Gewiſſen; was ſich der Heuchler lang verhehlt, wird er ſich ſagen müſſen, wenn Gottes Zeit kommt und ihn ſchilt, wenn Gottes Zeit kommt und vergilt und läßt den Frevler büßen. 4. Wem kam nicht dieſe Gotteszeit ſo oft und oft im Leben? Wer muß nicht die Gerechtigkeit anflehn, ihm zu vergeben? und fühlt in ſeinem Innern noch viel ſtumme Schuld, ob deren doch er einſt wird müſſen beben! 5. Du HBerzensrichter, auf, erfahr und prüfe, wie wirs meinen! Mach uns die Fehler offenbar; was nützt es, gut zu ſcheinen? Dem Ausſpruch des Gewiſſens treu und feind ſein jeder Heuchelei, 150 Heuchelei, dies ſtellt uns zu den Deinen. 6. Denn wen ſein eignes Herz beſchämt mit innerſtem Beſchämen, die Schuld, die uns im Innern grämt, wer könnt uns die entnehmen? Herr, gieb, daß wir der Sünde Schritt und deiner Strafe leiſen Tritt, eh ſie uns naht, vernehmen! 7. Und wenn die letzte Stunde ſchlägt, der niemand kann entgehen, ſo gieb, Herr, daß wir unbewegt auf unſer Innres ſehen, daß unſer Leben uns dann klar und rein erſchein, und offenbar auch das geringſt Vergehen. 8. Dann ſprich in uns, o Richter:„Komm! Dein Lohn iſt dir beſchieden. Was du gethan haſt, gut und fromm, dem Dürftigſten hienieden, das haſt du deinem Herrn gethan, dem Menſchen⸗ ſohne; komm hinan! Genieße Himmelsfrieden!“ J. G. von Herder, † 1803. Mel. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig ꝛc. (Gott im Himmel und auf Erden.) 228 ott der Gnaden! Schwer beladen neigt ſich unſer Haupt vor dir; unſre Herzen ſind voll Schmerzen, Staub und Aſch iſt unſre Zier. Hab Erbarmen mit uns Armen! Aus der Tiefe rufen wir. Wiedergeburt und Heiligung. 2. Wir verzagen, denn wir tragen auf uns aller Sünden Laſt, aller Qualen volle Schalen, die du aus⸗ gegoſſen haſt. Hab Erbarmen mit uns Armen! Angſt und Not hat uns erfaßt. 3. Wir bekennen, Herr, wir nennen laut vor dir die Miſſethat; es iſt keiner hier ein Reiner, jeder erntet böſe Saat. Hab Erbarmen mit uns Armen! Sieh auf ihn, der für uns bat. 4. Herr, verzeihe; Jeſu leihe uns dein prieſterlich Gebet! Gott, verſchone, wenn vom Sohne das Erbarmen zu dir fleht! Hab Erbarmen mit uns Armen, wenn der Mittler vor dir ſteht! 5. Jeſu, rette! Brich die Kette unſrer Finſternis ent⸗ zwei, daß der Glaube tief im Staube unſer Troſt und Zuflucht ſei. Hab Erbarmen mit uns Armen, Jeſu, mach uns wieder frei! 6. Sei uns gnädig, mach uns ledig, führ uns aus dem finſtern Thal! Du kannſt lindern und vermin⸗ dern alle Not und Herzens⸗ qual. Hab Erbarmen mit uns Armen; Jeſu, hilf noch dieſesmal! 7. Du uußt ſiegen, wir erliegen, du biſt frei, wir ſind in Haft; du alleine biſt der Reine, wir ſind ſchwach, dein iſt die Kraft. Hab Er⸗ barmen barmen mit uns Armen; denk an deine Pilgrimſchaft! 8. Wenn du Frieden uns beſchieden, fürchten wir die Strafe nicht; dein Verſöhnen wird uns krönen mit Ge⸗ rechtigkeit und Licht; dein Erbarmen hilft den Armen; du biſt unſre Zuverſicht! H. Puchta, † 1858. 229 Kehre wieder, kehre wieder, der du dich verloren haſt! Sinke reuig bittend nieder vor dem Herrn mit deiner Laſt! Wie du biſt, ſo darfſt du kommen und wirſt gnädig aufge⸗ nommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen, und ſein heilig Wort verſpricht dir Vergebung, Heil und Segen; kehre wieder, zaudre nicht! 2. Kehre aus der Welt Zerſtreuung in die Einſam⸗ keit zurück, wo in geiſtiger Erneuung deiner harrt ein neues Glück, wo ſich bald die Stürme legen, die das Herz ſo wild bewegen; wo des heilgen Geiſtes Mahnen du mit ſtillem Beben hörſt und von neuem zu den Fahnen Jeſu Chriſti heilig ſchwörſt. 3. Kehrewieder, irre Seele! Deines Gottes treues Herz beutVergebungdeinem Fehle, Balſam für den Sünden⸗ ſchmerz; ſieh auf den, der Buße. voll Erbarmen dir mit aus⸗ geſtreckten Armen winket von des Kreuzes Stamme: kehre wieder, fürchte nicht, daß der Gnädge dich verdamme, dem ſein Herz vor Liebe bricht. 4. Kehre wieder, neues Leben trink in ſeiner Liebes⸗ huld; bei dem Herrn iſt viel Vergeben, große Langmut und Geduld. Faß ein Herz zu ſeinem Herzen; er hat Troſt für alle Schmerzen; er kann alle Wunden heilen, macht von allen Flecken rein; darum kehre ohne Weilen zu ihm um und bei ihm ein. 5. Kehre wieder, endlich kehre in der Liebe Heimat ein, in die Fülle aus der Leere, in das Weſen aus dem Schein; aus der Lüge in die Wahrheit, aus dem Dunkel in die Klarheit, aus dem Tode in das Leben, aus der Welt ins Himmelreich! Doch was Gott dir heut will geben, nimm auch heute: kehre gleich! Ph. Spitta, † 1859. Am Bußtage. Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr ꝛc. 230 ott, der du unſre Zuflucht biſt, Herr, unſer Mittler, Jeſu Chriſt, Geiſt Gottes, Geiſt der Gnaden! Unendlicher, verwirf uns nicht! Wir kommen 152 kommen vor dein Angeſicht, mit Miſſethat beladen. Nimm von uns unſre Sün⸗ denſchuld, du Gott der Lang⸗ mut und Erhöre gnädig unſer Flehn, daß wir dein Heil, Erbarmer, ſehn. Herr, unſer Gott, bin uns nicht dein An⸗ geſicht, und geh mit uns nicht ins Gericht! 2. Ward Recht und Pflicht von uns entweiht, gebrochen unſers Bundes Eid, dein Weg von uns verlaſſen: o ſieh, wir kehren voller Reu zurück zu dir; laß, Herr, aufs neu uns deine Gnade faſſen! Sie leit uns auf den ebnen Pfad, den uns dein Wort bezeichnet hat, daß Irrtum und Verſ ſuchung nie uns auf die Bahn des Laſters zieh. Herr, unſer Gott, groß von Geduld, vor neuer Schuld behüt uns deine Vaterhuld! 3. Dein Segen komm auf unſer Land; laß es, beſchirmt von deiner Hand⸗ des Friedens Ruh genießeni Vend ab von uns der Flammen Wut und die Verwüſtung wilder Flut, des Krieges Blutvergießen; ſei unſer Retter, wenn uns Not des Mangels und der Seuchen droht. Du, Vater, wolleſt mit uns ſein, daß wir uns deines Schutzes freun. Herr, unſer Gott, Wiedergeburt und Heiligung. verleih uns Mut! In dei⸗ ner Hut ſind wir, und was du thuſt, iſt gut. 4. Gieb Frieden, wo ſonſt Zwietracht war; vereine, was getrennet war; ſchenk uns der Eintracht Segen! Uns leite, Gott, dein guter Geiſt, und was dein teures Wort verheißt, ſei Licht auf unſern Wegen! Laß, Herr, in Lehr und Wandel rein die Diener deines Wortes ſein, und bringe zu der Wahrheit Glück zu dir die Irrenden zurück! Herr, unſer Gott, breit aus dein Wort an jedem Ort, gieb Geiſt und Kraft zu deinem Wort! 5. Auch die Regenten lenke du, daß weiſe ſie in ſichrer Ruh der Völker Wohl⸗ ſtand heben. Dem Firtor der uns ſchützt und liebt gieb, der in ihm ſo viel uns giebt, ein frohes, langes Leben. Noch lange ſei ſein Vaterblick uns, ſeinen Kin⸗ dern, Schutz und Glück! H ſchütt auf ihn und auf ſein Haus und ſeine Räte Seg⸗ nung aus! Herr, unſer Gott, in deiner Hand iſt unſer Land, beglüc es, ſegne jeden Stand! 6. Vernimm der Leiden⸗ den Gebet! Wer in der Not um Rettung fleht, dem hilf aus ſeinen Nöten; gieb Kranken Linderung und Ruh; die Sterbenden u, du, erhör ihr letztes Beten! Sei aller Unterdrückten Heil, der Witwen und der Waiſen Teil, vereitle der Verfolger Rat und lehre ſie den rechten Pfad. Herr, unſer Gott, durch alles Leid der Pilger⸗ zeit führ uns zu deiner Herrlichkeit! 7. Du thuſt weit mehr, als wir verſtehn, kannſt mehr gewähren, als wir flehn; laß uns Erhörung finden! O neig auf unſer Flehn dein Ohr, heb unſer Herz zu dir empor und mach uns rein von Sünden! Laß uns dir nun geheiligt ſein, im Leben und im Tode dein! Wir ſind durch Chriſti Blut erlöſt: o du, der Sün⸗ der nicht verſtößt, Herr, unſer Gott, erbarme dich, erbarme dich, vergieb uns, leit uns väterlich! J. J. Eſchenburg, † 1820. Glaube und Recht⸗ fertigung. Mel. Es iſt das Heil uns. un freut euch, 231 N lieben Chriſten gmein, und laßt uns fröh⸗ lich ſpringen, daß wir ge⸗ troſt und all in ein mit Luſt und Liebe ſingen, was Gott an uns gewendet hat und ſeine ſüße Wunderthat; gar teur hat ers erworben. Glaube und Rechtfertigung. 153 2. Dem Teufel ich ge⸗ fangen lag, im Tod war ich verloren; mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren; ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd hatt mich beſeſſen. 3. Mein gute Werk, die galten nicht, es war mit ihn verdorben; der frei Will haßte Gotts Gericht, zum Guten gar erſtorben; die Angſt mich zu verzweifeln trieb, daß nichts denn Ster⸗ ben bei mir blieb, zur Höllen mußt ich ſinken. 4. Da jammert Gott in Ewigkeit mein Elend über⸗ maßen; er dacht an ſein Barmherzigkeit, er wollt mir helfen laſſen; er wandt zu mir das Vaterherz, és war bei ihm fürwahr kein Scherz, ließ es ſein Beſtes koſten. 5. Er ſprach zu ſeinem lieben Sohn: es iſt Zeit, zu erbarmen; fahr hin, meins Herzens werte Kron, und ſei das Heil dem Armen, und hilf ihm aus der Sün⸗ den Not, erwürg für ihn den bittern Tod und laß ihn mit dir leben. 6. Der Sohn Gott gern gehorſam ward, er kam zu mir auf Erden, von einer Jungfrau rein und zart; er ſollt mein Bruder werden. In meiner armen Knechts⸗ geſtalt — 154 Wiedergeburt geſtalt ging er einher, um die Gewalt des Teufels zu zerſtören. 7. Er ſprach zu mir: Halt dich an mich, es ſoll dir jetzt gelingen; ich geb mich ſekber ganz für dich, da will ich für dich ringen; denn ich bin dein und du biſt mein, und wo ich bleib, da ſollſt du ſein; uns ſoll der Feind nicht ſcheiden. 8. Vergießen wird er mir mein Blut, dazu mein Leben rauben; das leid ich alles dir zu gut, das halt mit feſtem Glauben. Den Tod verſchlingt das Leben mein, mein Unſchuld trägt die Sünde dein, da biſt du ſelig worden. 9. Gen Himmel zu dem Vater mein fahr ich von dieſem Leben; da will ich ſein der Meiſter dein, den Geiſt will ich dir geben, der dich in Trübnis tröſten ſoll und lehren mich erkennen wohl und in der Wahrheit leiten. 10. Was ich gethan hab und gelehrt, das ſollſt du thun und lehren, daß Gottes Reich hier werd gemehrt zu ſeinem Lob und Ehren; und hüt dich vor der Menſchen Satz, davon verdirbt der edle Schatz; das laß ich dir zuletzte. Luther, † 1546. und Heiligung. Mel. Vater unſer im Himmelreich zc. (Gott, Vater, an Erbarmen.) 232 Sp wahr ich lebe, ſpricht dein Gott, mir iſt nicht lieb des Sünders Tod, vielmehr iſt dies mein Wunſch und Will, daß er von Sünden ſtill, von ſeiner Bosheit kehre ſich und lebe mit mir ewig⸗ lich. 2. Dies Wort bedenk, o Menſchenkind, verzweifle nicht in deiner Sünd! Hier findeſt du Troſt, Heil und Gnad, die Gott dir zugeſaget hat und zwar durch einen teuren Eid. O ſelig, dem die Sünd iſt leid! 3. Doch hüte dich vor Sicherheit; denk nicht: es iſt noch gute Zeit, ich will erſt fröhlich ſein auf Erd, und wenn ich lebensmüde werd, alsdann will ich bekehren mich, Gott wird wohl noch erbarmen ſich. 4. Wahr iſt es, Gott iſt ſtets bereit dem Sünder mit Barmherzigkeit; doch wer auf Gnade ſündigt hin, fährt fort in ſeinem böſen Sinn und ſeiner Seele ſelbſt nicht ſchont, dem wird mit Un⸗ gnad einſt gelohnt. 5. Gnad hat dir zugeſaget Gott durch Jeſu Chriſti Blut und Tod; doch ſagen hat er nicht gewollt, ob du bis morgen leben ſollt. Daß du mußt mußt ſterben, iſt dir kund: verborgen iſt des Todes Stund. 6. Heut lebſt du, heut bekehre dich! Eh morgen kommt, kanns ändern ſich. Wer heut iſt friſch, geſund und rot, iſt morgen krank, ja gar wohl tot. So du nun ſtirbeſt ohne Buß, dein Leib und Seel verderben muß. 7. Hilf, o Herr Jeſu, hilf du mir, daß ich noch heut mich wend zu dir und Buße thu den Augenblick, eh mich der ſchnelle Tod entrück, auf daß ich heut und jeder Zeit zu meiner Heimfahrt ſei be⸗ reit. J. Heermann, † 1647. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 233 Ewge Liebe, mein Gemüte waget einen kühnen Blick in den Abgrund deiner Güte! Send ihm einen Blick zurück, einen Blick voll Heiterkeit, der die Finſternis zerſtreut, die mein blödes Auge drücket, wenn es nach dem Lichte blicket. 2. Ich verehre dich, o Liebe, daß du dich erbarmet haſt und aus einem freien Triebe den erwünſchten Schluß ge⸗ ſaßt, der im Fluch verſenk⸗ ten Welt durch ein teures Löſegeld, durch des eignen Sohnes Sterben Gnad und Freiheit zu erwerben. Glaube und Rechtfertigung. 15⁵ 3. O ein Ratſchluß voll Erbarmen, voller Huld und Freundlichkeit, der ſo einer Welt voll Armen Gnade, Troſt und Hilfe beut! Liebe, die den Sohn nicht ſchont, der in ihrem Schoße wohnt, um die Sünder zu erretten aus den ſchweren Sünden⸗ ketten. 4. Doch du haſt, o weiſe Liebe, eine Ordnung auch be⸗ ſtimmt, daß ſich der darin⸗ nen übe, der am Segen Anteil nimmt; wer nur an den Mittler gläubt und ihm treu ergeben bleibt, der ſoll nicht verloren ſehen ſondern Heil und Leben ſehen. 5. Liebe, dir ſei Lob ge⸗ ſungen für den gnadenvollen Schluß, den die Schar ver⸗ klärter Zungen rühmen und bewundern muß, den der Glaub in Demut ehrt, die Vernunft erſtaunet hört und umſonſt ſich unterwindet, wie ſie deſſen Tief ergründet. 6. Liebe, laß mich dahin ſtreben, meines Heils gewiß zu ſein; richte ſelbſt mein ganzes Leben ſo nach deinem Willen ein, daß des Glau⸗ bens Frucht und Kraft, den dein Geiſt in mir geſchafft mir zum Zeugnis dienen möge, ich ſei auf dem Him⸗ melswege. 7. Laß mich meinen Na⸗ men ſchauen in dem Buch des Lebens ſtehn; dann ſo 7½ werd 156 werd ich ohne Grauen ſelbſt dem Tod entgegen gehn. Keine Kreatur wird mich, deinen Liebling, ewiglich dei⸗ ner Hand entreißen können, noch von deiner Liebe tren⸗ nen. J. J. Rambach, F 1735. (Ich eile meiner Heimat.) 234 ein Heiland nimmt die Sünder an; die unter ihrer Laſt der Sünden kein Menſch, kein Engel tröſten kann, die nirgend Ruh und Rettung finden, für deren Angſt und Seelenpein die weite Welt iſt ſelbſt zu klein, weil über ſie der Stab gebrochen, der Himmel ihnen abgeſprochen, die ſehn die Freiſtatt aufge⸗ than: mein Heiland nimmt die Sünder an.:,: 2. Sein mehr als mütter⸗ liches Herz trieb ihn von ſeinem Thron auf Erden; ihn drang der Sünder Not und Schmerz, an ihrer ſtatt ein Fluch zu werden; er ſenkte ſich in ihre Not und litt für ſie den bittern Tod; nun, da er denn ſein eigen Leben für ſie als Löſegeld gegeben und ſeinem Vater gnug gethan, ſo heißts: er nimmt die Sünder an. 3. O ſollteſt du ſein Herze ſehn, wie ſichs nach armen Sündern ſehnet, ſowohl wenn ſie noch irre gehn, als wenn Wiedergeburt und Heiligung. ihr Auge vor ihm thränet! Wie ſtreckt es ſich nach Zöll⸗ nern aus, wie eilt er in Zachäi Haus, wie ſanft ſtillt er dort Magdalenen den Strom der heißen Reue⸗ thränen und denkt nicht, was ſie ſonſt gethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an.:,: 4. Wie freundlich blickt er Petrum an, ſo tief der Jünger auch gefallen. Nun, dies hat er nicht nur ge⸗ than, da er auf Erden mußte wallen; nein, er iſt immer⸗ dar ſich gleich, an Liebe, Treu und Gnade reich, und wie er unter Schmach und Lei⸗ den, ſo iſt er auf dem Thron der Freuden den Sündern liebreich zugethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 5. So komme denn, wer Sünder heißt, wen ſeine Sündenſchuld betrübet, zu dem, der keinen von ſich weiſt und der Zerſchlagne Herzen liebet. Wie, willſt du dir im Lichte ſtehn und ohne Not verloren gehn? Willſt du der Sünde länger die⸗ nen, da, dich zu retten, er erſchienen? O nein! verlaß die Sündenbahn! Mein Hei⸗ land nimmt die Sünder an.:,: 6. Komm nur mühſelig und gebückt, komm nur, ſo gut du weißt zu kommen; wenn ——— „ wenn gleich die Laſt— niederdrückt, du wirſt au ſo noch angenommen. Sieh, wie ſein Herz dir offen ſteht, und wie er dir entgegen geht! Wie lang hat er mit vielem Flehen ſich brünſtig nach dir umgeſehen! So komm denn, armer Menſch, heran! Mein Heiland nimmt die Sünder an.:,: 7. Sprich nicht: ich ſün⸗ digte zu ſchwer, ich bin zu ſehr mit Schuld beladen, für mich iſt keine Rettung mehr, mich nimmt der Herr nicht an zu Gnaden. Wo⸗ fern dus jetzt nur redlich meinſt und deinen Fall mit Ernſt beweinſt, ſo ſoll ihm nichts die Hände binden, und du ſollſt ſeine Gnade finden. Er hilft, wenn ſonſt nichts helfen kann. Mein Heiland nimmt die Sünder an.:,: 8. Doch ſprich auch nicht: es iſt noch Zeit, ich muß erſt noch der Welt genießen; Gott wird ja eben nicht gleich heut die offne Gnaden⸗ pforte ſchließen. Nein, weil er ruft, ſo höre du und tritt zum Gnadenſtuhl hinzu; wer ſeiner Seele Heil ver⸗ träumet, der hat die Gna⸗ denzeit verſäumet, ihm wird hernach nicht aufgethan; heut komm, heut nimmt dich Jeſus an.:,: 9. Ja, zeuch uns ſelber recht zu dir, holdſelger Glaube und Rechtfertigung. 157 Heiland aller Sünder, erfüll mit ſehnender Begier auch uns und alle Adams⸗Kin⸗ der. Zeig uns bei unſerm Seelenſchmerz dein aufge⸗ ſchloſſnes Liebesherz, und wenn wir unſer Elend ſehen, ſo laß uns ja nicht ſtille ſtehen, bis daß ein jeder ſagen kann: Gottlob, auch mich nimmt Jeſus an.:,: L. F. F. Lehr, † 1744. Mel. Jeſus, meine Zuverſicht ꝛc. 23 5 Geſus nimmt die Sünder an! Saget doch dies Troſtwort allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen. Hier iſt, was ſie retten kann: Jeſus nimmt die Sünder an. 2. Keiner Gnade ſind wir wert, doch hat er in ſeinem Worte eidlich ſich dazu er⸗ klärt; ſehet nur, die Gnaden⸗ pforte iſt hier völlig aufge⸗ than: Jeſus nimmt die Sün⸗ der an. 3. Wenn ein Schaf ver⸗ loren iſt, ſuchet es ein treuer Hirte; Jeſus, der uns nie vergißt, ſuchet treulich das Verirrte, daß es nicht ver⸗ derben kann: Jeſus nimmt die Sünder an.. 4. Kommet alle, kommet her, kommet, ihr betrübten Sünder, Jeſus rufet euch, und er macht aus Sündern Gottes 158 Gottes Kinder; glaubt es doch und denkt daran: Jeſus nimmt die Sünder an. 5. Ich Betrübter komme hier und bekenne meine Sün⸗ den; laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade und Ver⸗ gebung finden, daß dies Wort mich tröſten kann: Jeſus nimmt die Sünder an. 6. Nun ſo faß ich frohen Mut, auf dich werf ich meine Sünden; dein am mich Vergebung finden, daß ich gläubig ſprechen kann: Jeſus nimmt die Sünder an. 7. Jeſus nimmt die Sün⸗ der an! Er hat mich auch angenommen und den Him⸗ mel aufgethan, daß ich ſelig zu ihm kommen und auf den Troſt ſterben kann: Je⸗ ſus nimmt die Sünder an. E. Neumeiſter, † 1756. Mel. O daß ich tauſend Zungen ꝛc. (Wer nur den lieben Gott, Nr, 2.) Cxch habe nun den 236 Grund gefun⸗ den, der meinen Anker ewig hält; wo anders, als in Jeſu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich ſteht, wenn Erd und Hiinmel unter⸗ geht. 2. Es iſt das ewige Er⸗ barmen, das alles Denken Blut läſſet Th Wiedergeburt und Heiligung. überſteigt, des, der mit off⸗ nen Liebesarmen ſich zu uns armen Sündern neigt, dem allemal das Herze bricht, wir kommen oder kommen nicht. 3. Wir ſollen nicht ver⸗ loren werden, Gott will, uns ſoll geholfen ſein; des⸗ wegen kam ſein Sohn auf Erden und nahm hernach den Himmel ein; deswegen klopft er für und für ſo ſtark an unſers Herzens ür. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden Chriſti Tod verſchlungen hat! Das heißt die Wunde recht ver⸗ binden; hier findet kein Ver⸗ dammen ſtatt, weil Chriſti Blutbeſtändig ſchreit:Barm⸗ herzigkeit, Barmherzigkeit! 5. Darein will ich mich gläubig ſenken, dem will ich mich getroſt vertraun, und wenn mich meine Sünden kränken, nur bald nach Got⸗ tes Herzen ſchaun; da findet ſich zu aller Zeit unendliche Barmherzigkeit. 6. Wird alles andre mir entriſſen, was Seel und Leib erquicken kann; darf ich von keinem Troſte wiſſen und ſcheine völlig ausgethan; iſt die Errettung noch ſo weit: mir bleibet doch Barmher⸗ zigkeit. 7. Muß ich an meinen beſten Werken, darinnen ich gewandelt 6 S—— —— —— r— gewandelt bin, viel Unvoll⸗ kommenheit bemerken, ſo fällt wohl alles Rühmen hin; doch iſt auch hier der Troſt bereit: ich hoffe auf Barmherzigkeit. 8. Es gehe mir nach deſſen Willen, bei dem ſo viel Er⸗ barmen iſt; er wolle ſelbſt mein Herze ſtillen, damit es dies nur nicht vergißt; ſo ſtehet es in Lieb und Leid in, durch und auf Barm⸗ herzigkeit. 9. Bei dieſem Grunde will ich bleiben, ſo lange mich die Erde trägt; das will ich denken, thun und treiben, ſö lange noch meinHerze ſchlägt: ſo ſing ich einſt in Ewig⸗ keit; o Abgrund der Barm⸗ herzigkeit! J. A. Rothe, † 1758. Mel. O daß ich tauſend Zungen ꝛc. (Wer nur den lieben Golt, Nr. 2.) 237 Aus Gnaden ſoll ich ſelig wer⸗ den! Herz, glaubſt dus oder glaubſt dus nicht? Was willſt du dich ſo blöd ge⸗ berden? Iſts Wahrheit, was die Schrift verſpricht, ſo muß auch dieſes Wahrheit ſein: aus Gnaden iſt der Himmel dein! 2. Aus Gnaden! Hier gilt kein Verdienen, die eignen Werke fallen hin. Der Mitt⸗ ler, der im Fleiſch erſchienen, hat dieſe Ehre zum Gewinn, Glaube und Rechtfertigung. 159 daß uns ſein Tod das Heil gebracht und uns aus Gna⸗ den ſelig macht. 3. Aus Gnaden! Merk dies Wort„aus Gnaden“, ſo oft dich deine Sünde plagt, ſo ſchwer du immer biſt beladen, ſo oft dich dein Gewiſſen nagt; was die Ver⸗ nunft nicht faſſen kann, das beut dir Gott aus Gnaden an. 4. Aus Gnaden kam ſein Sohn auf Erden und über⸗ nahm die Sündenlaſt; was nötigt ihn, dein Freund zu werden? Sprich, wo du was zu rühmen haſt! Wars nicht, daß er dein Beſtes wollt und dir aus Gnaden helfen ſollt? 5. Aus Gnaden! Dieſer Grund wird bleiben, ſo lange Gott wahrhaftig heißt; was alle Knechte Jeſu ſchreiben, was Gott in ſeinem Worte preiſt, worauf all unſer Glaube ruht, iſt Gnade durch des Sohnes Blut. 6. Aus Gnaden! Doch, du ſichrer Sünder, denk nicht: „wohlan, ich greif auch zu.“ Wahriſts, Gott rufet Adams Kinder aus Gnaden zur ver⸗ heißnen Ruh; doch nimmt er nicht zu Gnaden an, der noch auf Gnade ſündgen kann. 7. Aus Gnaden! Wer dies Wort gehöret, tret ab von aller Heuchelei; nur wenn —— 160 wenn der Sünder ſich be⸗ kehret, dann lernt er erſt, was Gnade ſei; beim Sünd⸗ gen ſcheint die Gnad gering, dem Glauben iſts ein Wun⸗ derding! 8. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen das Herz des Vaters aufgethan, wenns unter Angſt und hei⸗ ßen Schmerzen nichts ſieht und nichts mehr hoffen kann. Wo nähm ich oftmals Stär⸗ kung her, wenn Gnade nicht mein Anker wär? 9. Aus Gnaden! Hierauf will ich ſterben; ich glaube, darum iſt mir wohl; ich kenn mein ſündliches Ver⸗ derben, doch den auch, der mich heilen ſoll. Mein Geiſt iſt froh, die Seele lacht, weil mich die Gnade ſelig macht. Chr. L. Scheidt, † 1761. Mel. O daß ich tauſend Zungen ꝛc. (Wer nur den lieben Gott, Nr. 2.) 238 Mir iſt Erbar⸗ mung wider⸗ ſahren, Erbarmung, deren ich nicht wert; das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein ſtolzes Herz hats nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barm⸗ herzigkeit. 2. Ich hatte nichts als Zorn verdienet und ſoll bei Gott in Gnaden ſein; er hat mich mit ſich ſelbſt ver⸗ fühnet, macht durch das Wiedergeburt und Heiligung. Blut des Sohns mich rein. Warum? ich war ja Gottes Feind! Erbarmung hats ſo treu gemeint! 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen, das rühm ich, wenn ein Menſch mich fragt; ich kann es nur Er⸗ barmung nennen, ſo iſt mein ganzes Herz geſagt. Ich beuge mich und bin erfreut rühme die Barmherzig⸗ eit. 4. Dies laß ich kein Ge⸗ ſchöpf mir rauben, dies ſoll mein einzig Rühmen ſein; auf dies Erbarmen will ich glauben, auf dieſes bet ich auch allein, auf dieſes duld ich in der Not, auf dieſes hoff ich noch im Tod. 5. Gott, der du reich biſt an Erbarmen, nimm dein Erbarmen nicht von mir und führe durch den Tod mich Armen, durch meines Heilands Tod zu dir; da bin ich ewig hoch erfreut und rühme die Barmherzig⸗ keit. Ph. F. Hiller, † 1769. Mel. Wer nurden lieben Gottzc., Nr.4. 239 Sch weiß von Grunde, als den der Glaub in Chriſto hat; ich weiß von keinem andern Bunde, von keinem andern Weg und Rat, als daß man elend, arm und bloß ſich legt in ſeines Vaters Schoß. W keinem andern 2. Ich bin zu meinem Heiland kommen und eil ihm immer beſſer zu; ich bin auch von ihm aufgenommen und finde bei ihm wahre Ruh; er iſt mein Kleinod und mein Teil, und außer ihm weiß ich kein Heil. 3. Ich bleib in Chriſto nun erfunden und bin in ihm gerecht und rein; bleib ich mit ihm nur ſtets ver⸗ bunden, ſo kann ich immer ſicher ſein; Gott ſieht auch mich in Chriſto an,— wer iſt, der mich verdammen kann? 4. Ich fühle noch in mir die Sünde; doch ſchaden kann ſie mir nicht mehr, weil ich in Chriſto mich befinde; wohl aber beuget ſie mich ſehr. Ich halte nichts ge⸗ ring und klein, ſonſt dringt ein ſichres Weſen ein. 5. Ich kämpfe gegen mein Verderben im Glauben und in Chriſti Kraft; der alte Menſch muß täglich ſterben, der noch nicht tot am Kreuze haft; dies aber macht mich rein und klein und lehrt zu Jeſu ernſtlich ſchrein. 6. Und da ich ſo in Chriſto bleibe, ſtets vor ihm wan⸗ delnd auf ihn ſeh, das Wort des Friedens fröhlich treibe und unabläſſig zu ihm fleh, ſo bleib ich ſtets im Grunde ſtehn, da kann mein Wachs⸗ tum vor ſich gehn. Glaube und Rechtfertigung. 161 7. Ich bleib im tiefſten Demutsgrunde und will von Chriſto nimmer gehn; ich bleib im allgemeinen Bunde, in allgemeiner Liebe ſtehn und hang an Chriſto ganz allein; dies ſoll mein Grund auf ewig ſein! 8. O Jeſu, laß mich in dir bleiben, o Jeſu, bleibe du in mir; laß deinen guten Geiſt mich treiben, daß ich im Glauben folge dir; laß ſtets mich fromm und wach⸗ ſam ſein, ſo reißet nichts den Grund mir ein. K. H. v. Bogatzky, † 1774. met. Herntich Uet hab ih di, 0 Herr 1c. 240 J Cxch komme, Frie⸗ densfürſt, zu dir; rufeſt du auch mir, den Frieden zu empfangen. Der Laſt iſt mir zu ſchwer: laß mich nicht vom Lroſte leer, laß mich zur Ruh ge⸗ langen. Sieh an mein tief⸗ gebeugtes Herz! Sieh meiner Seele Angſt und Schmerz! Wer tröſtet mich, als du allein? wer machet mich von Sünden rein? Herr Jeſu Chriſt, mein Troſt, mein Licht, mein Troſt, mein Licht, verwirf mein ſehnlich Flehen nicht. 2. Du, du biſt meine Zu⸗ verſicht! Durch dich entflieh ich dem Gericht, dem ſchweren Lohn 162 Lohn der Sünden. Durch dich kann ich dem Fluch entgehn und mich mit Gott vereinigt ſehn, durch dich das Leben finden. Dein Tod iſt der Verlornen Heil; ſein Segen werd auch mir zu Teil; er ſei auch mir Be⸗ ruhigung und meines Le⸗ bens Heiligung. Herr Jeſu Chriſt, ich hoff auf dich, ich hoff auf dich, in dieſer Hoff⸗ nung ſtärke mich! 3. Mein ganzes Leben preiſe dich! Erlöſt, mein Mittler, haſt du mich, dein Eigentum zu werden. Bin ich nur dein, ſo fehlt mir nichts, nichts einſt am Tage des Gerichts, nichts hier auf dieſer Erden. Auf dieſer Bahn zum Vaterland ent⸗ zeuch mir niemals deine Hand; zu deinem Dienſte ſtärke mich, und laß mich ſiegen einſt durch dich. Herr Jeſu Chriſt, erhöre mich; einſt preis ich dich für deine Gnade ewiglich— Chr. Sturm, † 1786. Mel. Jeſu, meines Lebens Leben*c. (Alle Menſchen miſſſen ſterben.) 241 glauben, o du Armer, und du zweifelſt, zweifle nicht; du ſollſt beten zum Erbarmer, und du kannſt, du kannſt es nicht. Du ſollſt unbedingt vertrauen, dort wirſt du den Ausgang Wiedergeburt und Heiligung. ſchauen. Jeſu Ausgang ward erſt klar, als er auferſtan⸗ den war. 2. Glaube giebt der An⸗ dacht Flügel, Glaube hebt 3 Gottempor, Glaube bricht es Grabes Siegel, ſelbſt der Ewigkeiten Thor; Glaube geht durch Flamm und Flu⸗ ten, ließ die Zeugen Jeſu bluten und ſie überwinden weit, ſicher ihrer Seligkeit. 3. Glaube hilft in allem ſiegen, macht die ſchwerſte Tugend leicht; alles muß zu Füßen liegen, ſelbſt ge⸗ wohnte Sünde weicht. 8 du auch im Kampf erlageſt, ſchon an Glaubenskraft verzageſt: kämpfe ſtärker, kämpfe mehr, deine Hilfe iſt der Herr. 4. Haſt du nicht des Wun⸗ derbaren Wunderausgang oft geſehn? ſiehſt du nicht den Unſichtbaren groß durch Thaten bei dir ſtehn? mußt du denn ihn immer ſehen? bald des Ewgen Rat ver⸗ ſtehen? bald dich ſeiner Hilfe freun? würde dies dein Beſtes ſein? 5. Glaube dann noch, wenn zu glauben faſt kein Hoff⸗ nungsſtrahl mehr bleibt; laß dir nichts ſein Machtwort rauben:„Selig, ſelig iſt, wer glaubt!“ Ach, die er⸗ ſten dort am Throne glaub⸗ ten ohne Schaun die Krone, rangen, —— — rangen, ſtarben, wankten nie, und— empfingen!— Sei, wie ſie! G. Reiber, † 1809. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 242 Cxch weiß, an wen t ich glaube, ich weiß, was feſt beſteht, wenn alles hier im Staube wie Staub und Rauch verweht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weiſen trei⸗ bet und Trug die Klugen hält. 2. Ich weiß, was ewig dauert, ich weiß, was nie verläßt; auf ewgen Grund gemauert ſteht dieſe Schutz⸗ wehr feſt. Es ſind des Hei⸗ lands Worte, die Worte feſt und klar; an dieſem Felſen⸗ horte halt ich unwandelbar. 3. Auch kenn ich wohl den Meiſter, der mir die Feſte baut: es iſt der Herr der Geiſter, auf den der Himmel ſchaut, vor dem die Seraphinen anbetend nieder⸗ knien, um den die Heilgen dienen! Ich weiß und kenne ihn. 4. Das iſt das Licht der Höhe, das iſt mein Jeſus Chriſt, der Fels, auf dem ich ſtehe, der diamanten iſt, der nimmermehr kann wan⸗ ken, mein Heiland und mein Hort,— die Leuchte der Glaube und Rechtfertigung. 163 Gedanken, die leuchtet hier und dort. 5. Er, den man blutbe⸗ decket am Abend einſt be⸗ grub; er, der, von Gott erwecket, ſich aus dem Grab erhub; der meine Schuld verſöhnet, der ſeinen Geiſt mir ſchenkt, der mich mit Gnade krönet und ewig mein gedenkt. 6. Drum weiß ich, was ich glaube, ich weiß, was feſt beſteht und in dem Erdenſtaube nicht mit als Staub verweht. Es bleibet mir im Grauen des Todes ungeraubt; es ſchmückt auf Himmelsauen mit Kronen einſt mein Haupt. E. M. Arndt, † 1860. Heiligung. Nachfolge Chriſti. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle 1c. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 243 ei getreu bis an das Ende, daß nicht Marter, Angſt und Not dich von deinem Jeſu wende; ſei ihm treu bis in den Tod! Ach, das Leiden dieſer Zeit iſt nicht wert der Herrlichkeit, die dein Jeſus dir will geben dort in jenem Freudenleben. 2. Sei getreu in deinem Glauben! Laß dir deſſen feſten —— 164 feſten Grund ja nicht aus dem Herzen rauben, halte treulich deinen Bund, den dein Gott durchs Waſſerbad feſt mit dir geſchloſſen hat. Ach, du gingeſt ja verloren, wenn du treulos ihm ge⸗ ſchworen! 3. Sei getreu in deiner Liebe gegen Gott, der dich geliebt; auch die Lieb am Nächſten übe, wenn er dich auch oft betrübt. Denke, was dein Heiland that, als er für die Feinde bat! Du mußt, ſoll dir Gott ver⸗ geben, auch verzeihn und liebreich leben. 4. Sei getreu in deinem Leiden! Laſſe dich kein Un⸗ gemach, laß dich nichts von Jeſu ſcheiden, murre nicht in Weh und Ach! Denn du macheſt deine Schuld größer nur durch Ungeduld; leichter trägt, wer willig träget, was ſein Gott ihm aufer⸗ leget. 5. Sei getreu in deinem Hoffen! Traue feſt auf Got⸗ tes Wort; hat dich Kreuz und Not betroffen und Gott hilft nicht alſofort?— hoff auf ihn doch feſtiglich, ſein Herz bricht ihm gegen dich, ſeine Hilf iſt ſchon vor⸗ handen, Hoffnung machet nie zu ſchanden. 6. Nun wohlan, ſo bleib im Leiden, Glauben, Liebe, Hoffnung feſt! Ich Wiedergeburt und Heiligung. will treu ſein bis zum Scheiden, weil mein Gott mich nicht verläßt. Herr, den meine Seele liebt, dem ſie ſich im Kreuz ergiebt, ſieh, ich faſſe deine Hände: hilf mir treu ſein bis zum Ende! Nach Benj. Prätorius, um 1659. Mel. Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt ꝛc. (Auf, Chriſtenmenſch.) 244 Mn nach, ſpricht Chriſtus, un⸗ ſer Held, mir nach, ihr Chri⸗ ſten alle; verleugnet euch, verlaßt die Welt, folgt mei⸗ nem Ruf und Schalle; nehmt euer Kreuz und Un⸗ gemach auf euch, folgt mei⸗ nem Wandel nach! 2. Ich bin das Licht, ich leucht euch für mit heilgem Tugendleben; wer zu mir kommt und folget mir, darf nicht im Finſtern ſchweben; ich bin der Weg, ich weiſe wohl, wie man wahrhaftig wandeln ſoll. 3. Mein Herz iſt voll De⸗ mütigkeit, voll Liebe mein Gemüte, mein Mund voll Huld und Freundlichkeit, voll Sanftmut und voll Güte; mein Geiſt und Wille, Kraft und Sinn iſt Gott ergeben, ſchaut auf ihn. 4. Ich zeig euch das, was ſchädlich iſt, zu fliehen und zu meiden, und euer Herz von arger Liſt zu reingen und und zu ſcheiden; ich bin der Seelen Fels und Hort und führ euch zu der Himmels⸗ pfort. 5. Fällts euch zu ſchwer, ich geh voran, ich ſteh euch an der Seite, ich kämpfe ſelbſt, ich brech die Bahn, bin alles in dem Streite. Ein böſer Knecht, der ſtill mag ſtehn, ſieht er voran den Feldherrn gehn! 6. Wer ſeine Seel zu finden meint, wird ſie ohn mich verlieren; wer ſie hier zu verlieren ſcheint, wird ſie in Gott einführen. Wer nicht ſein Kreuz nimmt und folgt mir, iſt mein nicht wert und meiner Zier. 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn mit Leib und Seel nachgehen und wohl⸗ gemut, getroſt und gern in allen Leiden ſtehen. Denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron des ewgen Lebens nicht davon. Joh. Scheffler, † 1677. Mel. Laſſet uns den Herren preiſen ꝛc. (Sollt ich meinem Gott nicht ſingen.) 245 aſſet uns mit Jeſu ziehen, ſei⸗ nem Vorbild folgen nach, in der Welt der Welt ent⸗ fliechen, auf der Bahn, die er uns brach, immerfort zum Himmel reiſen, irdiſch noch, ſchon himmliſch ſein, Nachfolge Chriſti. 165 glauben recht und leben rein, in der Lieb den Glauben weiſen! Treuer Jeſu, bleib bei mir; geh voran, ich folge dir. 2. Laſſet uns mit Jeſu leiden, ſeinem Vorbild wer⸗ den gleich! Nach dem Leiden folgen Freuden, Armut hier macht droben reich; Thränen⸗ ſaat, die erntet Wonne, Hoffnungtröſtet mit Geduld; denn es ſcheint durch Gottes Huld nach dem Regen bald die Sonne. Jeſu, hier leid ich mit dir; dort teil deine Freud mit mir! 3. Laſſet uns mit Jeſu ſterben! Sein Tod rettet uns vom Tod, rettet von der Seel Verderben, von der ewiglichen Not. Laßt uns töten, weil wir leben, unſer Fleiſch, ihm ſterben ab, ſo wird er uns aus dem Grab in das Himmelsleben heben. Jeſu, ſterb ich, ſterb ich dir, daß ich lebe für und für. 4. Laſſet uns mit Jeſu leben! Weil er auferſtanden iſt, muß das Grab uns wiedergeben. Jeſu, unſer Haupt du biſt, wir ſind deines Leibes Glieder; wo du lebſt, da leben wir; ach, erkenn uns für und für, treuer Freund, als deine Brüder! Jeſu, dir ich lebe hier, dorten ewig auch bei dir. Siegmand v. Birken, † 1681. 166 Wiedergeburt und Heiligung. Mel. Großer Prophete miein ꝛc. 246 Geſu, hilf ſiegen, V du Fürſte des Lebens! Sieh, wie die Finſternis dringet herein, wie ſie ihr drohendes Heer nicht vergebens mächtig auf⸗ führet, mir ſchädlich zu ſein! Schau, wie ſie ſinnet auf allerlei Ränke, daß ſie mich ſichte, verſtöre und kränke. 2. Jeſu, hilf ſiegen; ach, wer muß nicht klagen! Herr, mein Gebrechen iſt immer vor mir; hilf, wenn die Sünden der Jugend mich nagen, die mein Gewiſſen mir täglich hält für! Ach, laß mich ſchmecken dein kräftig Verſühnen und dies zu meiner Demütigung dienen. 3. Jeſu, hilf ſiegen, wenn in mir die Sünde, Eigen⸗ lieb, Hoffart und Mißgunſt ſich regt, wenn ich die Laſt der Begierden empfinde, und ſich mein tiefes Verderben darlegt. Hilf dann, daß ich vor mir ſelber erröte und durch dein Leiden die Sün⸗ denluſt töte. 4. Jeſu, hilf ſiegen und lege gefangen in mir die Lüſte des Fleiſches und gieb, daß in mir lebe des Geiſtes Verlangen, aufwärts ſich ſchwingend durch heiligen Trieb. Laß mich eindringen ins göttliche Weſen, ſo wird derLeib und die Seele geneſen. 5. Jeſu, hilf ſiegen, da⸗ mit auch mein Wille dir, Herr, ſei gänzlich zu eigen geſchenkt, und ich mich ſo in dein Wollen verhülle, daß ſich die Seele zur Ruhe hinlenkt. Laß mich mir ſter⸗ ben und alle dem Meinen, daß ich mich zählen darf unter die Deinen. 6. Jeſu, hilf ſiegen und laß mich nicht ſinken! Wenn ſich die Kräfte der Lügen aufblähn und mit dem Scheine der Wahrheit ſich ſchminken, laß doch viel heller dann deine Kraft ſehn. Steh mir zur Rechten, o König und Meiſter, lehre mich kämpfen und prüfen die Geiſter. 7. Jeſu, hilf ſiegen im Wachen und Beten; Hüter, du ſchläfſt ja und ſchlum⸗ merſt nicht ein. Laß dein Gebet mich unendlich ver⸗ treten, der du verſprochen, Fürſprecher zu ſein. Wenn mich die Nacht mit Ermü⸗ dung will decken, wollſt du mich, Jeſu, ermuntern und wecken. 8. Jeſu, hilf ſiegen, wenn alles verſchwindet, und ich mein Nichts und Lerderben nur ſeh; wenn kein Ver⸗ mögen zu beten ſich findet, wenn ich muß ſein ein ver⸗ ſchüchtertes Reh, ach, Herr, ſo wollſt du im Grunde der Seelen A— Seelen dich mit dem innerſten Seufzen vermählen. 9. Jeſu, hilf ſiegen, wenns nun kommt zum Sterben; mach du uns würdig und ſtetig bereit, daß ich mich nenne des Himmelreichs Erben dort in der Ewigkeit, hier in der Zeit. Jeſu, mein Jeſu, dir bleib ich ergeben, hilf du mir ſiegen, mein Heil, Troſt und Leben! J. H. Schröder, † 1699. Mel. Eins iſt not ꝛc. 247 H erzog unſrer Se⸗ 0 ligkeiten, zeuch uns in dein Heiligtum, da du uns die Stätt bereiten und zu deines Namens Ruhm als deine Erlöſten ſieg⸗ prächtig willſt führen! Laß unſere Bitte dein Herze jetzt rühren; wir wollen dem Vater zum Opfer daſtehn und mit dir durch Leiden zur Herrlichkeit gehn. 2. Er hat uns zu dir ge⸗ zogen, und du wieder zu ihm hin; Liebe hat uns überwogen, daß an dir hängt Herz und Sinn. Nun wollen wir gerne mit dir auch abſterben dem ganzen natürlichen Seelenverderben; in deinen Tod, Herr, laß verpflanzet uns ſein, ſonſt dringen wir nimmer ins Leben hinein. 3. Fürſt des Lebens, komm und eile, führ das Todes⸗ Nachfolge Chriſti. 167 urteil aus; brich entzwei des Mörders Pfeile, wirf die Sünde ganz hinausi Ach, laß ſich dein neues, erſtandenes Leben in unſern erſtorbenen Herzen erheben: erzeig dich verkläret und herrlich noch hier und bringe ein neues Geſchöpfe herfür. 4. Kehre die zerſtreuten Sinnen aus der Vielheit in das Ein, daß ſie wieder Raum gewinnen, nur von dir erfüllt zu ſein! Ach, wirf du die Mächte der Fin⸗ ſternis nieder, erneure die Kräfte des Geiſtes uns wie⸗ der, daß er aus der Fülle der Gnade ſich nähr und gegen der Gottheit Verächter ſich wehr. 5. Lebe denn und lieb und labe in der neuen Kreatur, Lebensfürſt, durch deine Gabe die geneſene Na⸗ tur! Erwecke dein Paradies wieder im Grunde der See⸗ len und bringe noch näher die Stunde, da du dich in allen den Deinen verklärſt und ihnen das ewige Leben gewährſt. 6. Gönne uns noch Friſt auf Erden, Zeugen deiner Kraft zu ſein, deinem Bilde gleich zu werden, in dem Tod zu nehmen ein des Le⸗ bens vollkommene Freiheit und Rechte, als eines voll⸗ endeten Heilands Geſchlechte! Der Unglaub mag denken: wir 168 Wiedergeburt und Heiligung. wir bitten zu viel; du hörſt unſre Bitten, thuſt über ihr Ziell G. Arnold, † 1714. (D du Liebe meiner Liebe.) 2 48 O Durchbrecher aller Bande, der du immer bei uns biſt, bei dem Schaden, Spott und Schande lauter Luſt und Himmel iſt, übe ferner dein Gerichte wider unſern Adamsſinn, bis uns dein ſo treu Geſichte führet aus dem Kerker hin. 2. Iſts doch deines Va⸗ ters Wille, daß du endeſt dieſes Werk; hierzu wohnt in dir die Fülle aller Weis⸗ heit, Lieb und Stärk, daß du nichts von dem verliereſt, was er dir geſchenket hat, und es aus der Unruh füh⸗ reſt zu der ſelgen Ruheſtatt. 3. Ach, ſo mußt du uns vollenden, willſt und kannſt ja anders nicht; denn wir ſind in deinen Händen, dein Herz iſt auf uns gericht, ob wir wohl von allen Leu⸗ ten als geſangen ſind geacht, weil des Kréuzes Niedrig⸗ keiten uns der Welt zum Spott gemacht. 4. Schau doch aber unſre Ketten, da wir mit der Kreatur ſeufzen, ringen, ſchreien, beten um Erlöſung der Natur von dem Dienſt der Eitelkeiten, der uns noch ſo hart bedrückt, ob au ſchon der Geiſt in Zeiten ſich auf etwas Beßres ſchickt. 5. Ach, erheb die matten Kräfte, reiße du das Band entzwei, daß wir, durch die Weltgeſchäftedurchgebrochen, ſiehen frei l. Weg mit Men⸗ ſchenfurcht und Zagen, weich, Vernunftbedenklichkeit; fort mit Scheu vor Schmach und Plagen; weg des Fleiſches Zärtlichkeit! 6. Herr, zermalme, Herr, zerſtöre dieſe Macht der Finſternis; denn der preiſt nicht deine Ehre, den ſie fort zum Tode riß. Heb uns aus dem Staub der Sünden, wirf die Luſt der Welt hinaus; laß uns wahre Freiheit finden, Freiheit in des Vaters Haus! 7. Wir verlangen keine Ruhe für das Fleiſch in dieſer Zeit; wie dus nöthig findeſt, thue noch vor unſrer Abſchiedszeit; aber unſer Geiſt, der bindet dich im Glauben, läßt dich nicht, bis er die Erlöſung findet, die dein treuer Mund ver⸗ ſpricht. 8. Herrſcher, herrſche, Sieger, ſiege; König, brauch dein Regiment, führe deines Reiches Kriege, mach der Sklaverei ein End! Ach, die Laſt treibt uns zu. rufen, alle flehen wir dich an: zeig Zeig doch nur die erſten Stufen kr gebrochnen Frei⸗ heitsbahn! 9. Ach, wie teur ſind wir erworben, nicht der Menſchen Knecht zu ſein! Drum, ſo wahr du biſt ge⸗ ſtorben, mußt du uns auch machen rein, rein und frei und ganz vollkommen, in dein heilig Bild verklärt; der hat Gnad um Gnad genommen, wer aus deiner Füll ſich nährt. 10. Liebe, zeuch uns in dein Sterben, laß mit dir gekreuzigt ſein, was dein Reich nicht kann ererben; führ ins Paradies uns ein! Doch wohlan, du wirſt nicht ſäumen, laß nur uns nicht läſſig ſein; werden wir doch als wie träumen, wenn die Freiheit bricht hetein. G. Arnold, † 1714. Mel. O Jeſu Chriſt, meins Lebens ꝛc. 249 Ein reines Herz⸗ Herr, ſchaff in mir, ſchleuß zu der Sünde Thor und Thür, vertreibe ſie und laß nicht zu, daß ſie in meinem Herzen ruh! 2. Dir öffn ich, Jeſu, meine Thür; ach, komm und wohne du bei mir; was un⸗ rein iſt, das treib hinaus aus deinem Tempel, deinem Haus. 3. Laß deines guten Geiſtes Licht und dein hell⸗ Nachfolge Chriſti. 169 glänzend Angeſicht erleuchten mein Herz und Gemüt, o Brunnen unerſchöpfter Güt! 4. Und mache denn mein Herz zugleich an Himmels⸗ gut und Segen reich; gieb Weisheit, Stärke, Rat, Ver⸗ ſtand aus deiner milden Gnadenhand: 5. So will ich deines Namens Ruhm ausbreiten als dein Eigentum und dieſes achten für Gewinn, wenn ich nur dir ergeben bin. G. H. Neuß, † 1716. Mel. Straf mich nicht in deinem ꝛc. (Mache dich, mein Geiſt, bereit.) 250 Meache dich mein Geiſt, bereit, wache, fleh und bete, daß dich nicht die böſe Zeit un⸗ verhofft betrete; denn es iſt Satans Liſt über viele Frommen zur Verſuchung kommen. 2. Aber wache erſt recht auf von dem Sündenſchlafe; denn es folget ſonſt darauf eine lunge Strafe, und die Not ſamt dem Tod möchte dich in Sünden unvermutet finden. 3. Wache auf, ſonſt kannſt du nicht Chriſti Klarheit ſehen; wache, ſonſt wird dir ſein Licht ewig ferne ſtehen; denn Ghtt will für die Füll ſeiner Gnadengaben offne Augen haben. 8 170 4. Wache, daß dich nicht die Welt durch Gewalt be⸗ zwinge, oder, wenn ſie ſich verſtellt,wieder an ſich bringe; wach und ſieh, daß dich nie falſche Brüder fällen, die dir Netze ſtellen. 5. Wach, und hab auf dich wohl acht, trau nicht deinem Herzen; leicht kann, wer es nicht bewacht, Gottes Gnad verſcherzen; denn es iſt voller Liſt, kann ſich ſel⸗ ber heucheln und in Hoffart ſchmeicheln. 6. Bete aber auch dabei mitten in dem Wachen; denn der Herr nur kann dich frei von dem allem machen, was dich drückt und beſtrickt, daß du ſchläfrig bleibeſt und ſein Werk nicht treibeſt. 7. Doch getroſt, es muß uns ſchon alles glücklich gehen, wenn wir ihn durch ſeinen Sohn im Gebet an⸗ flehen; denn er will alle Füll ſeiner Gunſt ausſchüt⸗ ten, wenn wir gläubig bit⸗ ten. 8. Drum ſo laßt uns immerdar wachen, flehen, beten, weil die Angſt, Not und Gefahr immer näher treten; denn die Zeit iſt nicht weit, da uns Gett wird richten und die Welt vernichten. Joh. Burchh. Freyſtein, † 1720. Wiedergeburt und Heiligung. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. (Herr, wir ſingen deiner Ehre.) 251 Riſtet euch, ihr Chriſtenleute! Die Feinde ſuchen euch zur Beute, ja, Satan ſelbſt hat eur begehrt. Wappnet euch mit Gottes Worte und kämpfet friſch an jedem Orte, damit ihr bleibet unverſehrt! Iſt euch der Feind zu ſchnell, hier iſt Immanuel; Ho⸗ ſianna! Der Starke fällt durch dieſen Held, und wir behalten mit das Feld. 2. Reinigt euch von euren Lüſten, beſieget ſie, die ihr ſeid Chriſten, und ſtehet in des Herren Kraft. Stärket euch in Jeſu Namen, daß ihr nicht ſtrauchelt wie die Lahmen. Wo iſt des Glau⸗ bens Ritterſchaft? Wer hier ermüden will, der ſchaue auf das Ziel: da iſt Freude! Wohlän, ſo ſeid zum Kampf bereit, ſo krönet euch die Ewigkeit. 3. Streitet recht die wen⸗ gen Jahre, eh ihr kommt auf die Totenbahre; kurz, kurz iſt unſer Lebenslauf. Wenn Gott wird die Toten wecken, und das Gericht die Welt wird ſchrecken, ſo ſtehen wir mit Freuden auf. Gott⸗ lob, wir ſind verſöhnt! Daß uns die Welt noch höhnt, währt nicht lange, und Got⸗ tes Sohn hat längſtens ſchon uns uns beigelegt die Ehren⸗ kron. 4. Jeſu, ſtärke deine Kin⸗ der und mach aus ihnen Uüberwinder, die du erkauft mit deinem Blut; ſchaff in uns ein neues Leben, daß wir uns ſtets zu dir erheben, wenn uns entfallen will der Mut! Gieß aus auf uns den Geiſt, dadurch die Liebe fleußt in die Herzen; ſo hal⸗ ten wir getreu an dir im Tod und Leben für und für. W. C. Arends, † 1721. Mel. Wachet auf! ruft uns ꝛc. (Herr, wir ſingen deiner Ehre.) eilger Jeſu, 252 H Heilgungs⸗ quelle, mehr als Kryſtall rein, klar helle, du lau⸗ trer Strom der Heiligkeit! Aller Glanz der Cherubinen, die Heiligkeit der Seraphinen iſt gegen dich nur Dunkel⸗ heit. Ein Vorbild biſt du mir; ach, bilde mich nach dir, du mein Alles! Hilf, Jeſu, du auch mir dazu, daß ich mag heilig ſein wie du. 2. Stiller Jeſu, wie dein Wille dem Willen deines Va⸗ ters ſtille und bis zum Tod gehorſam war, alſo mach auch gleichermaßen mein Herz und Willen dir ge⸗ laſſen; ach, ſtille meinen Willen gar! Mach mich dir gleichgeſinnt, wie ein gehor⸗ ſam Kind ſtille, ſtille; hilf, Nachfolge Chriſti. 171 Jeſu, du auch mir dazu, daß ich fein ſtille ſei wie du. 3. Wacher Jeſu, ohne Schlummer, in großer Ar⸗ beit, Müh und Kummer biſt du geweſen Tag und Nacht; mußteſt täglich viel aus⸗ ſtehen, des Nachts lagſt du vor Gott mit Flehen und haſt gebetet und gewacht. Gieb mir auch Wachſamkeit, daß ich wie du allzeit wach und bete! Hilf, Jeſu, du auch mir ſerſ daß ich ſtets wachſam ſei wie du. 4. Gütger Jeſu, ach, wie gnädig, wie liebreich biſt du und gutthätig doch gegen Freund und Feind geſinnt! Deine Sonne ſcheinet allen, dein Regen muß auf alle fallen, ob ſie dir gleich un— dankbar ſind. Mein Herr, ach, lehre mich, damit 66 hierin ich dir nacharte! Hilf, Jeſu, auch mir dazu, daß ich ſo gütig ſei wie du. 5. Sanfter Jeſu, ganz unſchuldig ertrugſt du alle Schmach geduldig und übteſt niemals Rache aus. Wer kann deine Sanftmut meſſen, bei der du dennoch nie ver⸗ geſſen den Eifer um des Va⸗ ters Haus! Mein Heiland, ach, verleih mir Sanftmut und Se guten Eifer! Hilf, Jeſu, du auch mir dazu, daß ich ſanftmütig ſei wie du. —— ——— ———— 172 6. Hoher Jeſu, Ehren⸗ könig, du ſuchteſt deine Ehre wenig und wurdeſt niedrig und gering; wandelteſt ein⸗ her auf Erden in Demut und in Knechtsgeberden, er⸗ hobſt dich ſelbſt in keinem Ding. Herr, ſolche Demut lehr mich auch je mehr und mehr ſtetig üben! Hilf, Jeſu, du auch mir dazu, daß ich demütig ſei wie du. 7. Liebſter Jeſu, liebſtes Leben, mach mich in allem dir ergeben und deinem heil⸗ gen Vorbild gleich; gieb, daß mich dein Geiſt durchdringe, daß ich viel Glaubensfrüchte bringe und tüchtig werd zu deinem Reich. Ach, zeuch mich ganz zu dir, behalt mich für und für, treuer Heiland! Hilf mir dazu, daß ich wie du, und wo du biſt, einſt finde Ruh. Nach dem Holländ. des Jod. v. Lo⸗ venſtein, von B. Craſſelius, † 1724. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) chaffet, ſchaffet, 253 S Menſchenkinder ſchaffet eure Seligkeit! Bauet nicht, wie freche Sünder, nur auf gegenwärtge Zeit, ſondern ſchauet über euch, ringet nach dem Himmel⸗ reich, und bemühet euch auf Erden, wie ihr möget ſelig werden. Wiedergeburt und Heiligung. 2. Daß nun dieſes mög geſchehen, müßt ihr nicht nach Fleiſch und Blut und nach deſſen Neigung gehen, ſondern was Gott will und thut, das muß ewig und allein eures Lebens Richt⸗ ſchnur ſein, mag es eure ſchwachen Herzen nun er⸗ frenen oder ſchmerzen. 3. Ihr habt Urſach zu bekennen, daß in euch noch Sünde iſt, daß ihr Fleiſch von Fleiſch zu nennen, daß ihr fehlt zu jeder Friſt, und daß Gottes Gnadenkraft nur allein das Gute ſchafft, daß nichts außer ſeiner Gnade in euch iſt, als Seelenſchade. 4. Selig, wer im Glau⸗ ben kämpfet! Selig, wer im Kampf beſteht und die Sün⸗ den in ſich dämpfet! Selig, wer die Welt verſchmäht! Unter Chriſti Kreuzesſchmach jaget man dem Frieden nach; wer den Himmel will er⸗ erben, muß zuvor mit Chriſto ſterben. 5. Werdet ihr nicht treu⸗ lich ringen, ſondern träg und läſſig ſein, eure Neigung zu bezwingen, ſo bricht eure Hoffnung ein. Ohne tapfern Streit und Krieg folget nie ein rechter Sieg. Nur den Siegern wird die Krone bei⸗ gelegt zum Gnadenlohne. 6. Mit der Welt nach Luſt zu jagen, findet nicht bei Chriſten ſtatt; an dem Fleiſch Gefallen Gefallen tragen, macht des Geiſtes Kräſte matt; unter Chriſti Kreuzesfahn geht es wahrlich gar nicht an, daß man noch mit frechem Her⸗ en wolle ſicher thun und 7. Furcht muß herrſchen vor dem Richter, deſſen Hand das Scepter trägt, der die ſichern Böſewichter zur Ver⸗ dammnis niederſchlägt. Er iſts, der, wie's ihm beliebt, Wollen und Vollbringen giebt; o ſo laßt uns zu ihm gehen, ihn um Gnade anzu⸗ flehen! 8. Und, zu werden Chriſti Glieder, die ſein reiner Geiſt bewegt, kämpft den alten Menſchen nieder, bis ihm ſeine Macht gelegt. Was euch hindert, werfet ab; was euch ärgert, ſenkt ins Grab; und denkt ſtets an Chriſti Worte:„Dringet durch die enge Pforte!“ 9. Zittern will ich vor. der Sünde und dabei auf Jeſum ſehn, bis ich ſeinen Beiſtand finde, in der Gnade zu beſtehn. Ach, mein Hei⸗ land, geh doch nicht mit mir Armem ins Gericht! Gieb mir deines Geiſtes Waffen, meine Seligkeit zu ſchaffen, Amen, es geſchehe, Amen! Gott verſiegle dies in mir, auf daß ich in Jeſu Namen meinen Kampf zu Ende führ. Er verleihe Nachfolge Chriſti. 173 Kraft und Stärk und regiere ſelbſt das Werk, daß ich wache, bete, ringe und alſo zum Himmel dringe. L. A. Gotter, † 1735. Mel. Jeſus, meine Zuverſicht ꝛc. 254 Sn geht unſre Bahn; wir ſind Gäſte nur auf Er⸗ den, bis wir dort nach Ka⸗ naan durch die Wüſte kom⸗ men werden. Hier iſt unſer Pilgrimsſtand, droben unſer Vaterland. 2. Himmelan ſchwing dich, mein Geiſt; denn du biſt ein himmliſch Weſen und kannſt das, was irdiſch heißt, nicht zu deinem Ziel erleſen; ein von Gott erleuchter Sinn kehrt in ſeinen Urſprung hin. 3. Himmelan, ruft Gott mir zu, wenn ich ihn im Worte höre; das weiſt mir den Ort der Ruh, wo ich einmal hingehöre. Wenn mich dieſes Wort bewahrt, halt ich eine Himmelfahrt. 4. Himmelan! Mein Glaube zeigt mir das ſchöne Los von ferne, daß mein Herz ſchon aufwärts ſteigt über Sonne, Mond und Sterne; denn ihr Licht iſt viel zu klein gegen jenen Glanz und Schein. 5. Himmelan wird mich der Tod in die rechte Hei⸗ mat führen, da ich über alle 174 Wiedergeburt und Heiligung. alle Not ewig werde trium⸗ phieren. Jeſus mir ſelbſt voran, daß ich freudig folgen kann. 6. Himmelan! Ach, him⸗ melan! Das ſoll meine Lo⸗ ſung bleiben. Ich will allen eitlen Wahn durch die Him⸗ melsluſt vertreiben. Him⸗ melan ſteht nur mein Sinn, bis ich in dem Himmel bin. B. Schmolck, † 1737. Mel. Wer nur den lieben Gott ꝛc. 255 Wao hinket ihr be⸗ trognen Seelen noch immerhin auf jeder Seit? Fällts euch zu ſchwer, das zu erwählen, was euch des Himmels Ruf anbeut? O ſehts mit offnen Augen an und brecht hindurch auf ſchmaler Bahn. 2. Bedenkt, es ſind nicht Kaiſerkronen, nicht Reich⸗ tum, Ehr und Luſt der Welt, womit euch Gott will ewig lohnen, wenn euer Kampf den Sieg erhält: Gott ſelbſt iſts und die Ewigkeit, voll Luſt und Ruh, voll Seligkeit. 3. Es gilt hier nur ein ganzes Leben, Gott krönet kein geteiltes Herz; wer Jeſu ſich nicht recht ergeben, der macht ſich ſelber Müh und Schmerz und träget zum verdienten Lohn hier Unruh, dort die Qual da⸗ von. 4. Wer aber mit Gebet und Ringen auf ewig allem Abſchied giebt und Gott, den Herrn, von allen Dingen, von Herzen und allein nur liebt, der wird der Krone wert geſchätzt und auf des Königs Stuhl geſetzt. 5. Zerreißt doch die ge⸗ legten Schlingen, die euch in dieſem ſchönen Lauf ver⸗ hindern und zum Säumen bringen, und rafft euch heut von neuem auf! Auf, auf, verlaßt die falſche Ruh! Auf, auf„es geht dem Himmel zu! 6. Die Allmacht ſtehet euch zur Seiten, die Weis⸗ heit hält bei euch die Wach; die Gottheit ſelber will euch leiten, folgt nur mit treuen Schritten nach. Wie manchen hat nicht dieſe Hand ſchon durchgeführt ins Vaterland! 7. Nur ſpart es nicht auf andre Zeiten, ihr habt ſchon jetzo viel verſäumt; ihr mehrt euch ſelbſt die Schwierigkei⸗ ten, wenn ihr das ſüße Heut verträumt. Eilt, eilet, denn die Gnadenzeit fliegt pfeil⸗ geſchwind zur Cwigkeit. 8. Eilt, faßt einander bei den Händen! Seht, wie iſt unſer Ziel ſo nah! Wie bald wird unſer Kampf ſich enden; da ſteht dann unſer S6 a: da: der führt uns ein zur ſtillen Ruh und urteilt uns das Kleinod zu. L. F. F. Lehr, † 1744. Mel. Ach, was ſoll ich Sünder machenic. (Sollt ich meinem Gott nicht trauen.) 256 uf, ihr Streiter, durchgedrungen, auf und folgt dem Heiland nach, der durch Marter, Tod und Schmach ſich zum Him⸗ mel aufgeſchwungen! Ringt ihm nach in ſeiner Kraft; er iſts, der den Sieg ver⸗ ſchafft. 2. Kein Erlöſter müſſe ſagen, ihm gebreche Kraft und Mut zu dem Kampf mit Fleiſch und Blut. Alles ſoll der Jünger wagen, weil der Herr die Wunden heilt und den Schwachen Kraft erteilt. 3. Sind wir ſchwach: bei ihm iſt Stärke; ſind wir arm: der Herr iſt reich; weriſt unſerm Führer gleich? Unſer Gott thut Wunder⸗ werke. Sagt, ob der nicht helfen kann, dem die Him⸗ mel unterthan? 4. Ja, Gott kann und will uns ſchirmen. Drum, ſo dringet mutig ein; ſchämt euch, träg und feig zu ſein! Mag es drohen, mag es ſtürmen: nur durch Müh, Geduld und Streit führt der Weg zur Seligkeit. Nachfolge Chriſti. 175 5. Nun, ſo wachet, kämpft und ringet, bleibet wacker im Gebet, bis ihr auf der Höhe ſteht, wo der Sieg die Fahne ſchwinget! Iſt der Erde Werk gethan, hebt des Himmels Sabbat an.“ Nach J. S. Buchka, † 1752. Mel. Jeſus, meine Zuverſicht ꝛc. 257 Stele, was ermüdſt du dich in den Dingen dieſer Erden, die doch bald verzehren ſich und zu Staub und Aſche werden? Suche Jeſum und ſein Licht; alles andre hilft dir nicht. 2. Sammle den zerſtreu⸗ ten Sinn, laß ihn ſich zu Gott aufſchwingen, richt ihn ſtets zum Himmel hin, laß ihn in die Gnad eindringen. Suche Jeſum und ſein Licht; alles andre hilft dir nicht. 3. Oft verlangſt du Troſt und Ruh, dein betrübtes Herz zu laben; eil der Lebens⸗ quelle zu, da kannſt du ſie reichlichhaben. Suche Jeſum und ſein Licht; alles andre hilft dir nicht. Geh in Einfalt ſtets einher; laß dir nichts das Ziel verrücken; Gott wird aus dem Liebesmeer dich, den Kranken, wohl erquicken. Suche Jeſum und ſein Licht; alles andre hilft dir nicht. 5. Du biſt ja ein Hauch aus Gott und aus ſeinem Geiſt geboren, biſt erlöſt durch 176 Wiedergeburt und Heiligung. durch Chriſti Tod und zu ſeinem Reich erkoren. Suche Jeſum und ſein Licht; alles andre hilft dir nicht. 6. Schwinge dich fein oft im Geiſt über alle Himmels⸗ höhen; laß, was dich zur Erde reißt, weit von dir ent⸗ fernet ſtehen. Suche Jeſum und ſein Licht; alles andre hilft dir nicht. 7. Nahe dich dem lautern Strom, der vom Thron des Lammes fließet und auf die, ſo keuſch und fromm, ſich in reichem Maß ergießet. Suche Jeſum und ſein Licht; alles andre hilft dir nicht. 8. Laß dir ſeine Majeſtät immerdar vor Augen ſchwe⸗ ben; laß mit brünſtigem Gebet ſich dein Herz zu ihm erheben. Suche Jeſum und ſein Licht; alles andre hilft dir nicht. 9. Sei im übrigen ganz ſtill, du wirſt ſchon zum Ziel gelangen; glaube, daß ſein Liebeswill ſtillen werde dein Verlangen. Drum ſuch Jeſum und ſein Licht; alles andre hilft dir nicht. J. G. Wolf, † 1754. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 258 Cn unſers Königs Namen betreten wir die Bahn. So viele von ihm ſtammen, o ſchließt euch freudig an! Wir ziehn zum Friedenslande, ein Herz, ein Leib, ein Geiſt. Wohl dem, der alle Bande voll Helden⸗ mut zerreißt! 2. Der Weg iſt ſchmal, doch eben, und führt zur Seligkeit; die Straße dort daneben iſt zwar bequem und breit, doch wer ſie geht, muß ſterben, an ihrem Ende droht ein ewiges Verderben, Zorn und Qual und od. 3. Wir folgen deinem Locken, du ewig treuer Freund! Wer könnte ſich verſtocken? Du haſts ſo gut gemeint! Wir wandern ab⸗ geſchieden, und eh es geht zur Raſt, trägt jeder ſtill zufrieden ſein Kreuz und ſeine Laſt. 4. Der große Hirt der Herde geht ſeinem Volk voran; ſein Allmachtswort „es werde!“ bereitet ſelbſt die Bahn; es lähmt er⸗ zürnten Feinden Herz, Zunge, Fuß und Hand, knüpft zwiſchen frommen Freunden der Liebe Bruder⸗ band. 5. So wandeln wir ent⸗ ſchloſſen dem Himmelsführer nach und dulden unver⸗ droſſen und tragen ſeine Schmach und flehn im fin⸗ ſtern Thale: O Jeſu, ſteh uns bei und mach im Hoch⸗ zeitſaale bald alles, alles neu! 6. Seht, wie die Krone ſchimmert, die unſer Haupt einſt ſchmückt! Und wird der Leib zertrümmert, der Wel⸗ tenbau zerſtückt, erlöſchen Sonn und Sterne: kein Pilger werde matt! Dort glänzt uns ſchon von ferne es großen Königs Stadt. 7. Hinan, hinan, ihr Frommen, es koſte Schweiß und Blut! Hinan, hinan geklommen, mit wahrem Heldenmut! Bald hebt uns unſer Sehnen hoch über Tod und Grab; bald trock⸗ net unſre Thränen die Hand der Liebe ab. J. L. Frickert, † 1766. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren ꝛc. 259 emmte Brüder, laßt uns gehen, der Abend kommt herbei; es iſt gefährlich ſehen in dieſer Puſtenei Kommt, ſtärket euren Mut, zur Ewigkeit zu wandern“ von einer Kraft zur andern, es iſt das Ende gut. 2. Es ſoll uns nicht ge⸗ reuen der ſchmale Pilger⸗ pfad; wir kennen ja den Treuen, der uns gerufen hat. Kommt, folgt und trauet dem; ein jeder ſein Geſichte mit ganzer Wendung richte feſt nach Jeruſalem. 3. Schmückt euer Herz aufs beſte, und mehr als Leib und Haus; wir ſind Nachfolge Chriſti. 177 hier fremde Gäſte und ziehen bald hinaus. Wir gehn ins Ewge ein; mit Gott muß unſer Handel, im Himmel unſer Wandel und Herz und alles ſein. 4. Kommt, Brüder, laßt uns gehen; der Vater gehet mit! Er ſelbſt will bei uns ſtehen in jedem ſauren Tritt. Das Aug dahin gekehrt, wo ſeine Liebe winket und dem, der folgt und ſinket, den wahren Ausgang lehrt. 5. Kommt, Brüder, laßt uns wandern; wir gehen Hand in Hand; eins freuet ſich am andern in dieſem fremden Land. Kommt, laßt uns kindlich ſein, uns auf dem Weg nicht ſtreiten; die Engel ſelbſt begleiten als Brüder unſre Reihn. 6. Und ſollt ein Schwacher fallen, ſo greif der Stärkre zu; man trag, man helfe allen, man pflanze Fried und Ruh. Kommt, ſchließt euch S an! Ein jeder ſei der Kleinſte, doch wohl auch gern der Reinſte auf unſrer Pilgerbahn. 7. Kommt, laßt uns mun⸗ ter wandern; der Wegnimmt immer ab; ein Tag, der folgt dem andern; bald fällt das Fleiſch ins Grab. Nur noch ein wenig Mut, nur noch ein wenig treuer, von allen Dingen freier, gewandt zum ewgen Gut! 178 8. Es wird nicht lang mehr währen; harrt noch ein wenig aus! Es wird nicht lang mehr währen, ſo kommen wir nach Haus; da wird man ewig ruhn, wenn wir mit allen From⸗ men heim zu dem Vater kommen; wie wohl, wie wohl wirds thun. 9. Drauf wollen wirs denn wagen, es iſt wohl Wagens wert, und gründ⸗ lich dem abſagen, was auf⸗ hält und beſchwert. Welt, du biſt uns zu klein! Wir gehn durch Jeſu Leiten hin in die Cwigkeiten; es ſoll nur Jeſus ſein. G. Terſtegen, † 1769. Mel. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. (Befiehl du deine Wege.) 260 Cʒch ſoll zum Leben G dringen, für welches Gott mich ſchuf, ſoll nach dem Himmel ringen, das, das iſt mein Beruf! In einer Weit von Sünden ſoll ich nur ihm mich weihn, ſie fliehn, ſie überwinden, und dann erſt ſelig ſein. 2. Und wenn derPilger Gottes der Sünder Luſt verſchmäht, wenn er, trotz ihres Spottes, auf ſeinem Pfade geht; was wird ihm nicht zum Lohne, wenn er die kurze Zeit getreu war! Welche Krone! Welch eine Seligkeit! Wiedergeburt und Heiligung. 3. O Herr, auch mich verlanget, dein treues Kind zu ſein, und meine Seele hanget doch nicht an dir allein; ich weiß, ich werde ſterben, und liebe doch die Welt; o Herr, welch ein Verderben, das mich ge⸗ fangen hält! 4. Entſagt hab ich dem Böſen, und doch wird es vollbracht; ach, wer wird mich erlöſen aus dieſes Todes Nacht! Ich laſſe nach zu ringen, und doch iſts mein Beruf: ich ſoll zum Leben dringen, zu welchem Gott mich ſchuf. 5. Dir ſeufz ich anzu⸗ hangen, Erbarmer, dir allein! Du haſt es ange⸗ fangen, das gute Werk iſt dein! Vollende, Gott, vollende, was mir dein Wort verheißt; in deine Vaterhände befehl ich mei⸗ nen Geiſt. J. A. Cramer, † 1788. Mel. Jeſu, meines Lebens Leben zr. (Alle Menſchen müſſen ſterben.) 261 Unſer Wandel iſt im Himmel! Köſtlich Wort, wie ſtrömeſt du mir, umringt vom Welt⸗ getümmel, Mut und ſüße Hoffnung zu! Jeder Fuß⸗ tritt, den ich thue, bringet mich dem Land der Ruhe näher, immer näher zu. Wort, wie hoch erfreueſt du! 2. Haltets feſt, ihr teuren Brüder, haltets feſt, dies werte Wort! Nichts ſchlag eure Hoffnung nieder, wallet immer mutig fort! Mutig blicket hin zum Ziele; viele ſchon ergriffens, viele! Wir, ſo wahr es Gott verhieß, wir ergreifens auch gewiß. 3. Nur, wie fromme Pil⸗ ger müſſen, bleibet wacker, ſeid nie laß! Stets des hohen Zwecks befliſſen, wacht und kämpft ohn Unterlaß! Feinde ſtehn an euren Wegen, Stürme toben euch entgegen, Nebel, Klüfte, Felſen drohn; faßt nur Mut, groß iſt der Lohn. 4. Was kein Auge je geſehen, was kein Ohr ge⸗ höret hat, was kein Herz hier zu erflehen je ſich unter⸗ wunden hat: das, das hat Gott dem bereitet, der hier tapfer kämpft und ſtreitet; drum verlaßt nicht eure Bahn, Jeſus ſelbſt ging euch voran. 5. Unſer Wandel iſt im Himmel! Köſtlich Wort, wie ſtrömeſt du mir, umringt vom Weltgetümmel, Mut und ſüße Hoffnungz zu! Auf, mein Geiſt, ermüde nimmer; ſchon ſeh ich des Zieles Schimmer. Wenig, wenig Schritte noch: und getragen iſt mein Joch. J. Ch Fröbing, † 1805. Nachfolge Chriſti. 179 Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort ꝛc. (Der unſre Menſchheit an ſich nahm.) 262 ott, der du Herzenskenner biſt, Herr, dem die Falſchheit Greuel iſt und jede Lüg kein Wort ſpricht je ein falſcher Mund, das dir Auwiſſenber, nicht kund; du, Heiliger, wirſts rächeni Laß jederzeit mein Ja und kein, wie's Chriſten ziemt, aufrichtig ſein! 2. Und wenn ich ſchwörend vor dir ſteh, dir in dein heilig Antlitz ſeh, die Hand zum Himmel hebe, wenn ich zum He feierlich anrufe, Hocherhabner, dich, durch den ich bin und lebe: dann ſei von Trug und Heuchelei Herz und meine Zunge rei. 3. Wenn Frevler dich auch da noch ſchmähn und frech mit Lügen vor dir ſtehn, dann laß mein Herz erſchrecken! Weh dem, der Gott und Gottes Macht zum Siegel ſeiner Bosheit macht, ſie vor der Welt zu decken! Herz, ſchau den Gott mit Zittern an, der Seel und Leib verderben kann. 4. Gott, wenn du nicht mein Gott mehr biſt, dein Sohn nicht mehr mein Heiland iſt, dein Himmel nicht n wenn mich beim Leiden dieſer Zeit kein Troſt vom Himmel mehr 8* erfreut, 180 Wiedergeburt und Heiligung. erfreut, kein Troſt mehr, wenn ich ſterbe; wenn Gott und Jeſus nicht mehr mein: — dann beſſer, nie geboren ſein! 5. Nein, Ehre nicht, nicht Gut und Geld, kein Fürſten⸗ tum und keine Welt ſoll mich ſo weit verführen; um alle Leiden dieſer Zeit will ich doch Gott und Seligkeit mutwillig nicht verlieren! Wie klein mein Glück auch immer ſei: nur Gott und reines Herz dabei. 6. Gott, lehre mich bei jedem Eid, aus Furcht vor deiner Heiligkeit die Wahr⸗ heit treulich ſprechen. Be⸗ ſchwör ich aber Amt und Pflicht, ſo laß mich auch im kleinſten nicht die teure Zuſag brechen! Auch dir, Gott, ſchwur ich treu zu ſein, erhalt mich ewig, ewig dein. J. K. D. Bickel, † 1809. Mel. Gott des Himmels ꝛc. 263 das Wort voll Ernſt und Liebe, das zu euch der Hei⸗ land ſpricht, hörts und prüft des Herzens Triebe bei des Wortes hellem Licht! Was der Mund des Herrn gebeut, das iſt eure Seligkeit. 2. Nicht aus Sinais Ge⸗ wittern donnert hier des Herrn Gebot, daß die Herzen bang erzittern, weil es Zorn und Strafe droht; ſelig preiſend thut ſein Mund euch den Sinn des Vaters kund: 3.„Selig ſind die geiſt⸗ lich Armen, denn das Him⸗ melreich iſt ihr! Ihnen öffnet voll Erbarmen Gott der ewgen Gnade Thür; da wird ohne Maß gewährt, was ihr ſehnend Herz begehrt.“ 4.„Selig ſind, die Leid empfinden auf des Lebens ſchmaler Bahn! Ihre Trau⸗ rigkeit wird ſchwinden, reicher Troſt wird ſie umfahn; denn ſie wirkt zur Seligkeit Reue, welche nie gereut.“ 5.„Selig ſind, die ſanf⸗ ten Mutes und in Demut milde ſind! Sie erfreuen ſich des Gutes, das kein Trotz und Streit gewinnt. Durch der Sanftmut ſtille Macht wird das Schwerſte leicht vollbracht.“. 6.„Selig ſind, die hier mit Schmachten dürſten nach Gerechtigkeit, die nach Gottes Reiche trachten, nicht nach Gütern dieſer Zeit! Wo der Born des Lebens quillt, wird ihr Seelendurſt geſtillt.“ 7.„Selig ſind, die voll Erbarmen auf der Brüder Leiden ſehn und den S chen, Kranken, Armen freu⸗ dig eilen beizuſtehn! Noch vor Gottes Thron erfreut einſt auch ſie Barmherzigkeit.“ 8.„Selig ſind die reinen Herzen, die nicht Sünd und Welt — — Welt umſtrickt, die mit ſchnöder Luſt nicht ſcherzen, weil nur Heilges ſie entzückt! Einſt im reinen Himmels⸗ licht ſchaun ſie Gottes An⸗ geſicht.“ 9.„Selig ſind, die Frie⸗ den bringen, Schuld und Kränkungüberſehn, Feindes⸗ haß mit Huld bezwingen, für Verfolger ſegnend flehn! Trifft ſie auch der Menſchen Spott, ſeine Kinder nennt ſie Gott.“ 10.„Selig ſind, die als Gerechte dulden Kreuz, Ver⸗ folgung, Schmach, als des Herrn getreue Knechte bis zum Tod ihm folgen nach! Groß iſt dort vor Gottes Thron ſeiner überwinder Lohn.“ 11.„Seid ein Salz, ein Licht der Erde, laßt der Wahrheit Früchte ſehn, daß durch euch verherrlicht werde euer Vater in den Höhn. Ob der Erdball untergeht, ſein Gebot, ſein Wort be⸗ ſteht!“ K. L. Garve, † 1841 Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 264 A* irdiſchem Ge⸗ tümmel, wo nichts das Herz erquickt, wer kigt den Weg zum Himmel, hin die Hoffnung blickt? Wer leitet unſer Streben, wenn es das Ziel vergißt? Wer führt durch Tod zum Nachfolge Chriſti. 181 Leben? Der Weg heißt Jeſus Chriſt. 2. Hier irren wir und fehlen, gehüllt in tiefe Nacht; durch wen wird unſern Seelen ein wahres Licht ge⸗ bracht? Von oben kommt die Klarheit, die alles uns erhellt; denn Chriſtus iſt die Wahrheit, er iſt das Licht der Welt. 3. Wer giebt uns hier ſchon Freuden, die niemand rauben kann? Wer zeiget uns im Leiden den Himmel aufgethan? Wenn vor dem Tod wir beben, wer giebt dem Herzen Ruh? Heil! Chriſtus iſt das Leben, führt uns dem Vater zu. K. J. Aſchenfeld, † 1856. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 265 s kennt der Herr die Seinen und hat ſie ſtets gekannt, die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land; er läßt ſie nicht verderben, er führt ſie aus und ein; im Leben und im Sterben ſind ſie und bleiben ſein. 2. Er kennet ſeine Scharen am Glauben, der nicht ſchaut und doch dem Unſicht⸗ baren, als ſäh er ihn, ver⸗ traut; der aus dem Wort gezeuget und durch das Wort ſich nährt und vor dem Wort ſich beuget und mit dem Wort ſich wehrt. —————— 182 3. Er kennt ſie als die Seinen an ihrer Hoffnung Mut, die fröhlich auf dem Einen, daß er der Herr iſt, ruht, in ſeiner Wahrheit Glanze ſich ſonnet frei und kühn, die wunderbarePflanze, die immerdar iſt grün. 4. Er kennt ſie an der Liebe, die ſeiner Liebe Frucht, und die mit lauterm Triebe ihm zu gefallen ſucht; die andern begegnet, wie er das Herz bewegt; die ſegnet, wie er ſegnet, und trägt, wie er ſie trägt. 5. So kennt der Herr die Seinen, wie er ſie ſtets gekannt, die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land: am Werk der Gnaden⸗ triebe durch ſeines Geiſtes Stärk, an Glauben, Hoffnung, Liebe, als ſeiner Gnade Werk. 6. So hilf uns, Herr, zum Glauben, und halt uns feſt dabei; laß nichts die Hoffnung rauben; die Liebe herzlich ſei! Und wird der Tag erſcheinen, da dich die Welt wird ſehn, ſo laß uns als die Deinen zu deiner Rechten ſtehn! K. J. Ph. Spitta, † 1859. Mel. O Durchbrecher aller Bande ꝛc. (O du Liebe meiner Liebe.) 266 leibt bei dem, der euretwillen auf die Erde nieder kam, der, um euren Schmerz zu ſtillen, Wiedergeburt und Heiligung. tauſend Schmerzen auf ſich nahm! Bleibt bei dem, der einzig bleibet, wenn auch alles untergeht, der, wenn alles auch zerſtäubet, ſiegend überm Staube ſteht. 2. Alles ſchwindet, Herzen brechen, denen ihr euch hier ergabt, und der Mund hört auf zu ſprechen, der euch oft mit Troſt gelabt, und der Arm, der euch zum Stabe und zum Schilde ward, er⸗ ſtarrt, und das Auge ſchläft im Grabe, das euch ſorgſam einſt bewahrt. 3. Alles ſtirbt, das Irdſche findet in dem Irdiſchen ſein Grab; alle Luſt der Welt verſchwindet, und das Herz ſtirbt ſelber ab. Irdſches Weſen muß verweſen, irdſche Flamme muß verglühn, irdſche Feſſel muß ſich löſen, irdſche Blüte muß verblühn. 4. Doch der Herr ſteht überm Staubealles Irdiſchen und ſpricht: ſtütze dich auf mich und glaube, hoffe, lieb und fürchte nicht! Darum bleibt bei dem, der bleibet, und der geben kann, was bleibt, der, wenn ihr euch ihm verſchreibet, euch ins Buch des Lebens ſchreibt. K. J. Ph. Spitta, † 1850. Mel O Durchbrecher aller Bande ꝛc (O du Liebe meiner Liebe) 267 Voll des Herrn! du haſt hienie⸗ den einen langen, ſchweren Streit; — Streit; Kämpfe ſind dir hier beſchieden, Friede in der Ewigkeit. Lege an die rechte Wehre, ſtehe auf dem ewgen Fels, daß dir Sieg und Heil beſchere er, der Heiland Israels! 2. Träumeſt du von guten Tagen, oder wachſt du auf zum Streit? Wiegſt du dich in alten Sagen, oder kennſt du deine Zeit? Höreſt du den Ruf der Wächter: „Glaubet ihr, ſo bleibt ihr ſtehn! Aber wehe dem Ver⸗ ächter, denn ſein Troſt wird untergehn!“ 3. Volk des Herrn! du haſt hienieden einen langen, ſchweren Streit; nun, ſo ſuche keinen Frieden in der böſen Zeitlichkeit. Führe deines Gottes Kriege; Jeſu Kreuz iſt das Panier, unter dieſem Zeichen ſiege! Seine Schmach ſei deine Zier! S. Prejswerk, † 1871. Liebe. 268 Haiis lieb hab ich dich, o Herr, ich bitt, wollſt ſein von mir nicht fern mit deiner Hilf und Gaben! Die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Erd und Himmel frag ich nicht, wenn ich nur dich kann haben, und wenn mir gleich Liebe. 183 mein Herz zerbricht, biſt du doch meine Zuverſicht, mein Troſt und meines Herzens Teil, durch deſſen Wunden ich werd heil. Herr Jeſu Chriſt, mein Gott und Herr, mein Gott und Herr, in Schanden laß mich nimmer— mehr! 2. Es iſt ja dein Geſchenk und Gab mein Leib und Seel und, was ich hab in dieſem armen Leben; damit ichs brauch zum Lobe dein, zu Nutz und Dienſt des Nächſten mein, wollſt deine Gnad mir geben! Behüt mich, Herr, vor falſcher Lehr, des Satans Mord und Lügen wehr, in allem Kreuz erhalte mich, auf daß ichs trag geduldiglich! Herr Jeſu Chriſt, mein Herr und Gott mein Herr und Gott, tröſt mir mein Seel in Todesnot! 3. Ach, Herr, laß einſt die Engel dein am letzten End die Seele mein in Abrahams Schoß tragen, den Leib in ſeinem Kämmer⸗ lein gar ſanft ohn einge Qual und Pein ruhn bis zum jüngſten Tage; alsdann vom Tod erwecke mich, daß meine Augen ſehen dich in aller Freud, v Gottesſohn, mein Heiland und mein Gnadenthron! Herr Jeſu Chriſt, erhöre mich, erhöre mich! Ich will dich preiſen ewiglich. Mart. Schalling, † 1608. 184 Wiedergeburt und Heiligung. (Mein ganzer Geiſt.) 269 Wie ſchön leuchtet der Morgen⸗ ſtern, voll Gnad und Wahr⸗ heit von dem Herrn, aus Juda aufgegangen! Du Davids Sohn, aus Jakobs Stamm, du Gottesſohn und Gotteslamm, erfüllſt mich mit Verlangen, lieblich, freundlich, ſchön und mächtig, groß und prächtig, reich an Gaben, über alles hoch er⸗ haben. 2. O meine Perl, du werte Kron, Sohn Gottes und Marien Sohn, ein hoch⸗ geborner König! Du meines Herzens ſchönſte Blum, dein ſüßes Gvangelium iſt lauter Milch und Honig. Jeſu, Jeſu, Hoſianna! Himmliſch Man⸗ na, das wir eſſen, deiner kann ich nicht vergeſſen. 3. Geuß ſehr tief in mein Herz hinein, du helles Licht und Himmelsſchein, die Flamme deiner Liebe, und ſtärk mich, daß ich ewig bleib an deinem auserwählten Leib ein Glied voll Lebens⸗ triebe. In dir laß mir, ohn Aufhören, ſich vermehren Lieb und Freude, daß uns ſelbſt der Tod nicht ſcheide. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenſchein, wenn mich die heilgen Augen dein ſo mildiglich anblicken. Jeſu, du mein trautes Gut, dein Wort, dein Geiſt, dein Leib und Blut mich inner⸗ lich erquicken! Tröſt mich freundlich, hilf mir Armen aus Erbarmen, hilf in Gna⸗ den! Auf dein Wort komm ich geladen. 5. Gott Vater, o mein ſtarker Held, du haſt mich ewig vor der Welt in deinem Sohn geliebet; dein Sohn hat mich ihm ſelbſt vertraut, auf ihn mein Herz mit Freuden ſchaut, drum mich auch nichts betrübet. Heil mir, Heil mir! Himmliſch Leben wird er geben mir dort oben; ewig ſoll mein Herz ihn loben. 6. Spielt unſerm Gott mit Saitenklang, und laßt den ſüßeſten Geſang ganz freudenreich erſchallen; ich will mit meinem Jeſus Chriſt, der mir mein Eins und Alles iſt, in ſteter Liebe wallen. Singet, klinget, ju⸗ bilieret, triumphieret, dankt dem Herren; groß iſt der König der Ehren. 7. Wie freu ich mich, Herr Jeſu Chriſt, daß du der erſt und letzte biſt, der Anfang und das Ende! Du wirſt mich einſt zu deinem Preis aufnehmen in dein Paradeis; drauf faß ich deine Hände. Amen, Amen, komm, du ſchöne Freudenkrone, bleib nicht lange; deiner wart ich mit Verlängen. Ph. Nikolai, † 1608. er⸗ ich len na⸗ ein lich em hn ut, nit ich Kil ſch nir ein n ſer Mel. Es iſt gewißlich an der Zeit c. (Schon iſt der Tag.) 270 Such wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden: mein Herz allein bedacht ſoll ſein, auf Chriſtum ſich zu gründen. Sein Wort iſt wahr, ſein Werk iſt klar; ſein heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu überwinden. 2. Such, wer da wrill, Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben; hier iſt der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zu Teil; uns macht ge⸗ recht der treue Knecht, der für uns iſt geſtorben. 3. Ach, ſucht doch den, laßt alles ſtehn, die ihr das Heil begehret! Er iſt der Herr und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, ſucht ihn al⸗ lein; denn wohl wird ſein dem, der ihn herzlich ehret. 4. Mein Herzenskron, mein Freudenſonn ſollſt du, Herr Jeſu, bleiben; laß mich doch nicht von deinem Licht durch Eitelkeit vertrei⸗ ben; bleib du mein Preis, dein Wort mich ſpeis; bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr, an dich ſtets feſt zu glauben. Liebe. 185 5. Wend von mir nicht dein Angeſicht, laß mich in Kreuz nicht zagen; weich nicht von mir, mein höchſte Zier, hilf mir mein Leiden tragen; hilf mir zur Freud nach dieſem Leid, hilf, daß ich mag nach dieſer Klag dir ewig dort Lob ſagen. G. Weißel, † 1635. 274 Minen Jeſum ( laß ich nicht! Weil er ſich für mich ge⸗ geben, ſo erfordert meine Pflicht, unverrückt nur ihm zu leben; er iſt meines Lebens Licht, meinen Jeſum laß ich nicht. 2. Jeſum laß ich ewig nicht, weil ich ſoll auf Erden leben; ihm hab ich voll Zuverſicht, was ich bin und hab, ergeben; alles iſt auf ihn gericht, meinen Jeſum laß ich nicht. 3. Laß vergehen das Geſicht, alle Sinne mir entweichen; laß das letzte Tageslicht mich auf dieſer Lelt erreichen: wenn der Lebensfaden bricht, meinen Jeſum laß ich nicht. 4. Ich werd ihn auch laſſen nicht, wenn ich nun dahin gelanget, wo vor ſei⸗ nem Angeſicht meiner Viter Glaube pia aet; mich er⸗ freut ſein Angeſicht, meinen Jeſum laß ich nicht. ———— 186 Wiedergeburt und Heiligung. 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht meine Seel in mir ſich ſehnet; Jeſum wünſcht ſie und ſein Licht, der mich hat mit Gott ver⸗ ſöhnet und befreiet vom Ge⸗ richt; meinen Jeſum laß ich nicht. 6. Jeſum laß ich nicht von mir, geh ihm ewig an der Seiten; Chriſtus läßt mich für und für zu den Lebens⸗ bächen leiten. Selig, wer mit mir ſo ſpricht: meinen Jeſum laß ich nicht! Chr. Keymann, † 1662. Mel Komm, o komm, du Geiſt des Lebens ꝛc. 272 Qeſus,Jeſus, nichts als Jeſus ſoll mein Wunſch ſein und mein Ziel! Jetzund mach ich ein Verbündnis, daß ich will, was Jeſus will; denn mein Herz, mit ihm erfüllt, rufet nur: Herr, wie du willt. 2. Einer iſt es, dem ich lebe, den ich liebe früh und ſpat: Jeſus iſt es, dem ich gebe, was er mir gegeben hat; ich bin in dein Blut verhüllt, führe mich, Herr, wie du willt. 3. Scheinet was, es ſei mein Glücke, und iſt doch zuwider dir, ach, ſo nimm es bald zurücke, Jeſu, gieb, was nützet mir; gieb dich mir, mein Jeſu mild; nimm mich dir, Herr, wie du willt. 4. Und vollbringe deinen Willen in und an mir, o mein Gott; deinen Willen laß erfüllen mich im Leben, Freud und Not, ſterben als dein Ebenbild, Herr, wann, wie und wo du willt. 5. Sei auch, Jeſu, ſtets geprieſen, der du dich und viel dazu haſt geſchenkt und mir erwieſen, daß ich fröh⸗ lich ſinge nu: mir geſchehe, Gott, mein Schild, wie du willt, Herr, wie du willt! Ludämilia Eliſabeth, Gräfin zu Schwarzburg⸗Rudolſtadt, † 1672. Cchwill dichlieben, meine Stärke, ich will dich lieben, meine Zier; ich will dich lieben mit dem Werke und immer— währender Begier; ich will dich lieben, ſchönſtes Licht, bis mir das Herze bricht. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, als meinen allerbeſten Freund; ich will dich lieben und erheben, ſo lange mir dein Glanz er⸗ ſcheint; ich will mit reiner Liebesflamm dich lieben, Gotteslamm. 3. Ach, daß ich dich ſo ſpät erkannte, du hochgelobte Liebe du, daß ich nicht eher mein dich nannte, du höchſtes Gut und wahre Ruh! E iſt mir leid, ich bin betrübt daß ich ſo ſpät geliebt. 4. Ich lief verirrt und war verblendet, ich ſuchte dich und fand dich nicht; ich hatte mich von dir ge⸗ wendet und liebte das ge⸗ ſchaffne Licht; nun aber iſts durch dich geſchehn, daß ich dich hab geſehn. 5. 30h danke dir, du wahre Sonne, daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; ich danke dir, du Himmels⸗ wonne, daß du mich froh und frei gemacht; ich danke dir, du güldner Mund, daß du mich machſt geſund. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen, und laß mich nicht mehr irre gehn; laß meinen Fuß in deinen Wegen nicht ſtraucheln oder ſtille ſtehn; erleucht mir Leib und Seele ganz⸗ du ſtarker Himmels⸗ glanz. 7. Ich will dich lieben, meine Krone, ich will dich lieben, meinen Gott, dich lieben auch bei Schmach und Hohne, auch in der aller⸗ größten Not; ich will dich lieben, ſchönſtes Licht, bis mir das Herze bricht. Z. Scheffler, † 1677. Mel. Komm, o komm, du Geiſt des Lebens ꝛc. 274 iebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit haſt gemacht; Liebe, die du mich ſo milde nach Liebe. 187 dem Fall zurück gebracht; Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 2. Liebe, die du mich er⸗ koren, eh denn ich geſchaffen war; Liebe, die du Wit geboren und mir gleich wardſt ganz und gar; Lube dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 3. Liebe, die für mich gelitten und geſtorben in der Zeit; Liebe, die mir hat er⸗ ſtritien ewge Luſt und Selig⸗ keit; Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewig⸗ ich. 4. Liebe, die du Kraft 2 Leben, Licht und Wahr⸗ heit, Geiſt' und Wort; Lhe, L ſich ganz ergeben mir zum Heil und Seelenhort; Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 5. Liebe, die mich hat gebunden an ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden und mein Herz hat ganz dahin; Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. Liebe, die mich ewig liebet, die für meine Seele litt; Liebe, die das Lösgeld giebet und mich kräftiglich vertritt; Liebe, dir ergeb ich n dein zu bleiben ewig⸗ i 3. Liebe, die mich wird entrücken aus dem Grab der Sterblichkeit; Liebe, die mich einſt 188 einſt wird ſchmücken mit der Kron der Herrlichkeit; Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 3. Scheffler, † 1677. Mel. Jeſu, der du meine Seele ꝛc. (Alle Menſchen müſſen ſterben) 27 5 Cxeſus ſchwebt mir in Gedanken, Jeſus liegt mir ſtets im Sinn, von ihm will ic nimmer wanken, weil i hier im Leben bin. Er iſt meiner Augen Weide, meines Herzens höchſte Freude, meiner Seele ſchönſte Zier; Jeſum lieb ich für und für. 2. Jeſus funkelt mir im Herzen, wie ein Stern mit goldnem Schein; er ver⸗ treibt mir Angſt und Schmerzen, er iſt mein und ich bin ſein. Drum ergreif ich ihn mit Freuden, wenn ich ſoll von hinnen ſcheiden; er iſt meines Lebens Licht; Jeſum laß ich von mir nicht. 3. Jeſum will ich bei mir haben, wenn ich gehe aus und ein; ſeines Geiſtes Troſt und Gaben ruhn in meines Herzens Schrein. Wenn ich mich zur Ruh be⸗ gebe, oder mich vom Schlaf erhebe, bleibt doch Jeſus früh und ſpat meiner Seelen Schutz und Rat. 4. Jeſum will ich laſſen raten, der am beſten raten kann; er geſegne meine Wiedergeburt und Heiligung. Thaten, die ich fröhlich fange an, daß in ſeinem teuren Namen alles glücklich ſei und Amen; ſo wird alles werden gut, wenn nur Jeſus Hilfe thut. 5. Jeſus, meiner Jugend Leiter von des Lebens An⸗ beginn, wird auch ſein mein Troſtbereiter, wenn ich alt und kraftlos bin; wenn ſich krümmen meine Glieder und die Lebensſonn geht nieder, wenn verdunkelt mein Ge⸗ ſicht: meinen Jeſum laß ich nicht! 6. Jeſus ſoll in allen Leiden mein getreuer Bei⸗ ſtand ſein; nichts, nichts ſoll mich von ihm ſcheiden; keine Angſt und Herzenspein, keine Trübſal, keine Schmerzen reißen ihn aus meinem Set ob mir gleich das erze bricht, laß ich dennoch Jeſum nicht. 7. Jeſuleben, Jeſu ſterben, Jeſu einzig eigen ſein und mit Jeſu dorten erben: dies iſt mein Gewinn allein. Jeſu will ich ſein und bleiben, nichts, nichts ſoll mich von ihm treiben; laß ich gleich Gut, Blut und Ehr: Jeſum laß ich nimmermehr. Vor 1692. Mel. Jeſu, meines Lebens Leben ꝛc. (Alle Menſchen müſſen ſterben.) 276 meiner Seele Leben, meines Herzens höchſte Freud, n wi —*— — will ich mich ganz ergeben, jetzo und in Ewigkeit; meinen Herrn will ich dich nennen, und vor aller Welt bekennen, daß ich dein bin und du mein; ich will keines andern ſein. 2. Deine Güt hat mich umfangen, eh mich noch die Welt empfing; du biſt mir ſchon nachgegangen, als ich noch nach dir nicht ging, und du haſt mich aufge⸗ nommen, da ich an das Licht gekommen: ich bin dein, und du biſt mein; ich will keines andern ſein“ 3. Auf der Kindheit wilden Wegen folgte mir ſtets deine Güt; deines Geiſtes Trieb und Segen regte mir oft mein Gemüt, wenn ich etwa übertreten, daß ich wieder⸗ käm mit Beten: ich bin dein, und du biſt mein; ich will keines andern ſein. 4. Ach, wie oft hat meine Jugend deine Gnadenhand gefaßt, wenn die Frömmig⸗ keit und Tugend war in meinem Sinn verhaßt. Ach, ich wäre längſt geſtorben ohne dich, und längſt ver⸗ dorben! Ich bin dein, und du biſt mein; ich will ieines andern ſein. 5. Ja, in meinem ganzen Leben hat mich ſtets dein Licht geführt; du haſt, was ich hab, gegeben, du haſt meinen Lauf regiert; deine Liebe. 189 Güt, die täglich währet, hat mich immerdar ernähret: ich bin dein, und du biſt mein; ich will keines andern ſein. 6. Irr ich, ſucht mich deine Liebe; fall ich, hilfet ſie mir auf; iſt es, daß ich mich betrübe, ſtärkt ſie mich in meinem Lauf; bin ich arm, ſie giebt mir Güter; ſchlaf ich ein, ſie iſt mein Hüter: ich bin dein, und du biſt mein; ich will keines andern ſein. 7. Dein Geiſt zeiget mir das Erbe, das mir droben beigelegt; ich weiß, wenn ich heute ſterbe, wo man meine Seel hinträgt: zu dir, Jeſu, in die Freude, daß mich nichts mehr von dir ſcheide! Ich bin dein, und du biſt mein; ich will keines andern ſein. 8. Drum ich ſterbe oder lebe, bleib ich doch dein Eigentum; dir allein ich mich ergebe, du biſt meiner Seelen Ruhm, meine Zuver⸗ ſicht und Frende, meines Herzens Troſt im Leide; ich bin dein, und du biſt mein; ich will keines andern ſein. Ch. Scriver, † 1693. S not, ach Herr, dies eine lehre mich erkennen doch! Alles andre, wie's auch ſcheine, 190 Wiedergeburt und Heiligung. ſcheine, iſt ja nur ein ſchwe⸗ res Joch, darunter das Herze ſich naget und plaget und dennoch kein wahres Ver⸗ gnügen erjaget. Erlang ich dies eine, das alles erſetzt, ſo werd ich mit einem in allem ergötzt. 2. Seele, willſt du dieſes finden, ſuchs bei keiner Kreatur; laß, was irdiſch iſt, dahinten, ſchwing dich über die Natur. Wo Gott und die Menſchheit in einem vereinet, wo alle vollkommene Fülle erſcheinet, da, da iſt das beſte, notwendigſte Teil, mein ein und mein alles, mein ſeligſtes Heil. 3. Darum iſt auch mein Verlangen, liebſter Jeſu, nur bei dir; laß mich treu⸗ lich an dir hangen, ſchenke dich zu eigen mir. Wie viele dich auch mit der Menge verlaſſen, ſo will ich in Liebe dich dennoch um⸗ faſſen; denn dein Wort, o Jeſu, iſt Leben und Geiſt, der einzig den Weg uns zur Seligkeit weiſt. 4. Aller Weisheit höchſte Fülle in dir ja verborgen liegt; gieb nur, daß ſich auch mein Wille fein in ſolche Schranken fügt, worinnen die Demut und Einfalt regieret und mich zu der Weisheit, die himmliſch iſt, führet. Ach, wenn ich nur Jeſum recht kenne und weiß, ſo hab ich der Weisheit voll⸗ kommenen Preis. 5. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, als nur dich, mein höchſtes Gut; Jeſu, es muß mir gelingen durch dein heilig teures Blut. Die höchſte Gerechtig⸗ keit iſt mir erworben, da du biſt am Stamme des Kreuzes geſtorben; da hab ich die Kleider des Heiles erlangt, worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 6. Nun ſo gieb, daß meine Seele auch nach deinem Bild erwacht; du biſt ja, den ich erwähle, mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, iſt in dir, mein Heiland, mir alles gegeben; entreiße mich aller vergäng⸗ lichen Luſt; dein Leben ſei, Jeſu, mir einzig bewußt. 7. Ja, was ſoll ich mehr verlangen? Auf mich ſtrömt die Gnadenflut; du biſt einmal eingegangen in das Heilge durch dein Blutz du haſt mir die ewge Er⸗ löſung erfunden, daß ich nun von Tod und Vex⸗ dammnis entbunden; dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt; im kindlichen Geiſte das Abba nun klingt. 8. Volles Gnügen, Fried und Freude jetzo meine Seel ergötzt, weil auf eine friſche Weide mein Hirt Jeſus mich geſetzt. geſetzt. Nichts Süßres kann alſo mein Herze erlaben, als wenn ich nur, Jeſu, dich immer ſoll haben; nichts, nichts iſt, das alſo mich W erquickt, als wenn ich 1ej, im Glauben er⸗ blickt 9. Drum auch, Jeſu, du alleine ſollſt mein ein und alles ſein; prüf, erfahre, wie ichs meine, tilge allen Heuchelſchein; ſieh, ob ich auf böſem, betrüglichem Stege, und leite mich, Höchſter, auf ewigem Wege; laß Schmach mich nicht achten, nicht Leiden noch Tod, und Jeſum gewinnen; dies eine iſt not. J. H. Schröder, † 1728. 278 n Jeſu, Gottes Lamm! Habe Dankfür deine Liebe, die für mich aus reinem Triebe ſtarb am Kreuzesſtamm, Jeſu, Gottes Lamm. 2. Deine Liebesglut ſtärket Mut und Blut; wenn du freundlich mich anblickeſt und mit deinem Geiſt erquickeſt, macht mich wohlgemut dei⸗ ner Liebe Glut. 3. Wahrer Menſch und Gott, Troſt in Not und Tod! Du biſt darum Menſch geboren, zu erſetzen, was verlvren, durch den Kreuzes⸗ tod, wahrer Menſchund Gott. Liebe. 151 4. Meines Glaubens Licht laß verlöſchen nicht! Salbe mich mit Freudenöle, daß hinfort in meiner Seele ja verlöſche nicht meines Glau⸗ bens Licht. 5. So werd ich in dir bleiben für und für; deine Liebe will ich ehren und in mir dein Lob vermehren, weil ich für und für bleiben werd in dir. 6. Held aus Davids Stamm, deine Liebesflamm mich er nähre, und verwehre, daß die Welt mich nicht verſehre, ob ſie mir auch gram, Held aus Davids Stamm! 7. Deinen Frieden gieb aus ſo großer Lieb uns, den Deinen, die dich kennen, und nach dir ſich Chriſten nennen; denen du biſt lieb, deinen Frieden gieb. 8. Wer der Welt abſtirbt, ſich mit Ernſt bewirbt, dir zu leben und zu trauen, der wird bald mit Freudeſchauen, daß niemand verdirbt, der der Welt abſtirbt. 9. Nun ergreif ich dich, du mein ganzes Ich; ich will nimmermehr dich laſſen, ſondern gläubig dich um⸗ faſſen, weil im Glauben ich nun ergreife dich. 10. Hier durch Spott und Hohn, dort die Ehrenkron; hier im Hoffen und Ver trauen, dort im Haben und im 192 Wiedergeburt und Heiligung. im Schauen; denn die Chrenkron folgt auf Spott und Hohn. 11. Jeſu, hilf, daß i allhier ritterlich alles durch dich überwinde und in deinem Sieg empfinde, wie ſo ritterlich du gekämpft für mich. 12. Du mein Preis und Ruhm, werte Himmelsblum! In mir ſoll nun nichts er⸗ ſchallen, als was dir nur kann gefallen, werte Him⸗ melsblum, du, mein Preis und Ruhm! A. Dreſe, † 1701. Mel. Es iſt das Heil uns ꝛc. 279 S im Gedächt⸗ nis Jeſum Chriſt, den Heiland, der auf Erden vom Thron des Himmels kommen iſt, dein Bruder da zu werden; ver⸗ giß nicht, daß er dir zu gut hat angenommen Fleiſch und Blut; dank ihm für dieſe Liebe! 2. Halt im Gedächtnis Jeſum Chriſt, der für dich hat gelitten und dir, da er geſtorben iſt, am Kreuz das Heil erſtritten. Beſieget hat er Sünd und Tod und dich erlöſt aus aller Not; dank ihm für dieſe Liebel! 3. Halt im Gedächtnis Jeſum Chriſt, der auch am dritten Tage ſiegreich vom Tod erſtanden iſt, befreit von Not und Plage; be⸗ denke, daß er Fried gemacht, das Leben wieder hat ge⸗ bracht; dank ihm für dieſe Liebe! 4. Halt im Gedächtnis Jeſum Chriſt, der nach den Leidenszeiten gen Himmel gune iſt, die Stätt dir zu bereiten, da du ſollſt bleiben allezeit und ſehen ſeine Herrlichkeit; dank ihm für dieſe Liebe! 5. Halt im Gedächtnis Jeſum Chriſt, der einſt wird wiederkommen und ſich, was tot und lebend iſt, zu richten vorgenommen. O ſorge, daß du da beſtehſt und mit ihm in ſein Reich eingehſt, ihm ewiglich zu danken. 6. Gieb, Jeſu, gieb, daß ich dich kann mit wahrem Glauben faſſen, und nie, was du an mir gethan, mög aus dem Herzen laſſen, daß deſſen ich in aller Not mich tröſten mag und durch den Tod zu dir ins Leben dringen. Cyrlak. Günther, † 1704. Mel. Nunfreut euch,liebenChriſtenze. (Es iſt das Heil uns.) 6 Liebesglut, wie 280 O ſoll ich dich mit Lobe würdig zieren? In deine Tiefen will ich mich, o volle See, verlieren. Es flammet ——— flammet Gottes Herrlichkeit, es brennt die ganze Ewig⸗ keit: bleibt noch mein Herz erkaltet? 2. O Liebe, die Gott ſeinen Sohn aus ſeinem Schoß genommen! Er iſt von dem geſtirnten Thron zu uns herab gekommen; ſein Mangel, Knechtſchaft, Kreuz und Grab ſind uns ein Bild, zu malen ab, wie ſtark Gott lieben könne. 3. Hör auf zu grübeln, glaub allein! Kannſt du dies Meer nicht gründen, ſo wirf dich blindlings nur hinein mit allen deinen Sünden; laß dem das Herze ſein ge⸗ währt, der dir dein Herz hat ausgeleert; gieb Herz für Herz zum Opfer. 4. O liebſter Vater, nimm es hin! Gieb Kraft, um dich zu lieben; Herz und Begier⸗ den, Mut und Sinn ſei dir hiermit verſchrieben; brenn aus das Feuer böſer Luſt, laß ewig nichts in dieſer Bruſt als deine Liebe glühen. F. A. Lampe, † 1729. Mel. O fröhliche Stunden ꝛc. 281 O Urſprung des Lebens, o ewiges Licht, da niemand vergebens ſucht, was ihm gebricht! Lebendige Quelle, die lauter und helle ſich aus ſeinem heiligen Tempel ergießt und Liebe. 193 in die begierigen Seelen ein⸗ ießt. 2. Du ſprichſt: wer be⸗ gehret zu trinken von mir, was ewiglich nähret, der komme; allhier ſind himm⸗ liſche Gaben, die kräftiglich laben; er trete im Glauben zur Quelle heran; hier iſt, was ihn ewig beſeligen kann. 3. Mein Hirt und mein Hüter, ich komme zu dir, gewähre die Güter des Heiles auch mir; du kannſt dein Verſprechen mir Armem nicht brechen; du ſieheſt, wie elend und dürftig ich bin, drum gieb deine Gaben aus Gna⸗ den nur hin. 4. DO Brunnquell, du labeſt Geiſt, Seele und Mut, und wen du begabeſt, hat ewiges Gut; wenn man dich genießet, wird alles verſüßet; es jauchzet und ſinget das fröhliche Herz, es weichet zurücke der bittere Schmerz. 5. Drum gieb mir zu trinken, wie dein Wort ver⸗ heißt, laß gänzlich verſinken den ſehnenden Geiſt im Meer deiner Liebe, laß heilige Triebe mich immerfort trei⸗ ben zum Himmliſchen hin; es werde mein Herze ganz ſelig darin⸗ 6. Wenn du auch vom Leiden was ſchenkeſt mit ein, ſo laß mich mit Freuden gehorſam dir ſein; denn alle die, welche mittrinken 9 vom 194 vom Kelche, den du haſt ge⸗ trunken im Leiden allhier, die werden dort ewig ſich freuen mit dir. 7. Drum laß mich auch werden, mein Jeſu, erquickt, da, wo deine Herden kein Leiden mehr drückt, wo Freude die Fülle, wo lieb⸗ liche Stille, wo Wonne und Jauchzen, wo Herrlichkeit wohnt, wo heiliges Leben wird ewig belohnt. Ch. J. Koitſch, † 1735. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele ꝛc. 282 Hih deine Menſchenliebe war die Quelle deiner Triebe, die dein treues Herz bewogen, dich in unſer Fleiſch gezogen, dich mit Schwachheit über⸗ decket, dich vom Kreuz ins Grab geſtrecket. O der unge⸗ meinen Triebe deiner treuen Menſchenliebe! 2. üher ſeine Feinde weinen, jedermann mit Hilf erſcheinen, ſich der Blinden, Lahmen, Armen mehr als vä⸗ terlich erbarmen, der Betrüb⸗ ten Klagen hören, ſich in andrer Dienſt verzehren, ſterben für die ärgſten Sün⸗ der, das iſt Lieb, o Men⸗ ſchenkinder! 3. O du Zuflucht der Elenden, wer hat nicht von deinen Händen Segen, Hilf und Heil genommen, der Wiedergeburt und Heiligung. gebeugt zu dir gekommen? Owie iſt dein Herz gebrochen, wenn dich Kranke ange⸗ ſprochen! O wie pflegteſt du zu eilen, das Erbetne mit⸗ zuteilen! 4. Die Betrübten zu er⸗ quicken, zu den Kleinen ſich zu bücken, die Unwiſſenden zu lehren, die Verführten zu bekehren, Sünder, die ſich ſelbſt verſtocken, täglich lieb⸗ reich zu ſich locken: das war deines Werkes Weiſe, Herr, und deine liebſte Speiſe. 5. Deine Lieb hat dich getrieben, Sanftmut und Geduld zu üben, ohne Schelten, Drohen, Klagen andrer Schmach und Laſt zu tragen, allen freundlich zu begegnen, für die Läſte⸗ rung zu ſegnen, für der Feinde Schar zu beten und die Mörder zu vertreten. 6. O wie hoch ſtieg dein Erbarmen, da du für die ärmſten Armen dein unſchätz⸗ bar teures Leben in den ärgſten Tod gegeben; da du in der Sünder Händen, alle Leiden zu vollenden, und den Segen zu erwerben, als ein Fluch haſt wollen ſterben! 7. Herr, laß deine Liebe decken meiner Sünden Meng und Flecken; du haſt das Geſetz erfüllet, ſeinen Fluch haſt du geſtillet; laß mich wider deſſen Stürmen deiner Liebe Schild beſchirmen; heilge —— m— —— —— — n— heilge meines Herzens Triebe, ſalbe ſie mit deiner Liebe. J. J. Rambach, † 1735. Mel. Wie wohl iſt mir, o Freund. 283 Lebſ du in mir, o wahres Leben, ſo ſterbe nur, was du nicht biſt; ein Blick von dir kann mehr mir geben, als was der Welt das Liebſte iſt. O Jeſu, du ſollſt mein ver⸗ bleiben, nichts wird mich von der Liebe treiben, die du mir zugeſaget haſt. O ſüße Wonne, die michtränket, wenn ſich die Seel in dich verſenket und dich, o Seelen⸗ freund, umfaßt! 2. Herz, das in Liebes⸗ glut geſtorben, ach, laß mein Herz in Flammen ſtehn; entzünd das Herz, das du erworben, und laß dar⸗ innen untergehn, was du nicht biſt, o mein Vergnügen; laß mich in deiner Liebe ſiegen, ja, ſiege du nur ſelbſt in mir: ſo werd ich fröh⸗ lich triumphieren, ſo wird dein Todesſieg mich zieren, ſo leb und leid und ſterb ich dir. 3. Zünd auch in mir die Liebesflammen zum Dienſte deiner Glieder an; bind mich und ihre Not zuſammen, damit ich mich verſichern kann, ich ſei alſo wie du geſinnet, wenn mein Geiſt die Geſtalt gewinnet, die Liebe. 195 deinem Sinn recht ähnlich iſt: ſo werd ich Freund und Feinde lieben, ſo wird ihr Kummer mich betrüben, wie du mir vorgegangen biſt. 4. Gieb mir des Glaubens Licht und Kräfte, damit er wahre Früchte zeigt; mach mich zur Rebe voller Säfte, die ſich nach dir, dem Wein⸗ ſtock, neigt; du biſt der Fels, auf den ich baue, du biſt mein Heiland, dem ich traue, du biſt des Glaubens feſter Grund. Wenn ſich die Zweifelsſtunden finden, ſo laß die Hilfe nicht ver⸗ ſchwinden, und mach den kranken Geiſt geſund. 5. Hilf, daß die Hoffnung nicht erlieget, und daß dein Kreuz ihr Anker iſt; gieb, daß ſie alle Angſt beſieget durch dich, der du mein Alles biſt. Die Welt mag auf das Eitle bauen, ich aber will auf dich nur ſchauen, o Jeſu, meiner Hoffnung Licht; ich will dich ſtets in Lieb umfaſſen, dich, der du mich nicht wirſt ver⸗ laſſen, denn deine Liebe wanket nicht. 6. Willſt du mich noch im Leben wiſſen, ſo leb ich, weil es dir beliebt; werd ich vom Tode hingeriſſen, ſo bin ich gleichfalls nicht betrübt; dein Leben laß ſtets in mir leben, dein Sterben laß mir Stärke geben, 196 Wiedergeburt geben, wenn meines Lebens Ziel erſcheint. Ich will dir meinen Willen ſchenken, ich will im Tod und Leben denken, daß du es gut mit mir gemeint. „Ph. Balth. Sinold, † 1732. Mel. Nun ſich der Tag geendet hat ꝛc. (So fliehen unſre Tage.) 284 er du noch in der letzten Nacht, eh du für uns er⸗ blaßt, den Deinen von der Liebe Macht ſo ſchön gepre⸗ digt haſt: 2. Erinnre deine kleine Schar, die ſich ſo leicht ent⸗ zweit, daß deine letzte Sorge war: der Glieder Einigkeit. Graf N. L. v. Zinzendorf, † 1760. Mel. Alles iſt an Gottes Segen ꝛc. 285 Nun ſo will ich denn mein Leben völlig meinem Gott ergeben; nun wohlan, es iſt geſchehn! Sünd, ich will von dir nicht hören; Welt, ich will mich von dir kehren, ohne je zurück zu ſehn. 2. Hab ich ſonſt mein Herz geteilet, hab ich hie und da verweilet: endlich ſei der Schluß gemacht, mei⸗ nen Willen ganz zu geben, meinem Gott allein zu leben, ihm zu dienen Tag undNacht. 3. Herr, ich opfre dir zur Gabe all mein Liebſtes, das ich habe; ſchau, ich halte und Heiligung. nichts zurück; ſchau und prüfe Herz und Nieren; ſoll⸗ teſt du was Falſches ſpüren, nimm es dieſen Augenblick. 4. Ich ſcheu keine Müh und Schmerzen; gründlich und von ganzem Herzen will ich folgen deinem Zug. Kann ich ſtetig und in allem deinen Augen nur gefallen, ach, ſo hab ich ewig gnug. 5. Eines will ich nur be⸗ trachten, und nicht wiſſen, noch drauf achten, was ſonſt draußen mae geſchehn: fremd der Welt und ihren Sorgen will ich hier, in dir verborgen, als ein wahrer Pilger gehn. 6. Dich allein will ich erwählen; alle Kräfte meiner Seelen nimm nur ganz in deine Macht; ja, ich will mich dir verſchreiben; laß es ewig feſte bleiben, was ich dir hab zugeſagt. G. Terſtegen, † 1769. Mel. Was Gott thut, das iſt ꝛc. 286 Dio Jeſum laß ich ewig nicht; dir bleibt mein Herz ergeben; du kennſt dies Herz, das red⸗ lich ſpricht: nur Einem will ich leben. Du, du allein, du ſollſt es ſein; du ſollſt mein Troſt auf Erden, mein Glück im Himmel werden. 2. Dich Jeſum laß ich ewig nicht; ich halte dich im Glauben! Nichts kann mir meine meine Zuverſicht und deine Gnade rauben. Der Glau⸗ bensbund hat feſten Grund; die deiner ſich nicht ſchämen, die kann dir niemand neh⸗ men. 3. Dich Jeſum laß ich ewig nicht; aus göttlichem Erbarmen gingſt du für Sünder ins Gericht und büßteſt für mich Armen. Aus Dankbarkeit will ich allzeit um deines Leidens willen die Pflicht der Treu erfüllen. 4. Dich Jeſum laß ich ewig nicht; du ſtärkeſt mich von oben. Auf dir ſteht meine Zuverſicht, wenn meine Feinde toben. Ich flieh zu dir, du eilſt zu mir; wenn mich die Feinde haſſen, wirſt du mich nicht verlaſſen. 5. Dich Jeſum laß ich ewig nicht; nichts ſoll von dir mich ſcheiden. Es bleibet jedes Gliedes Pflicht, mit ſeinem Haupt zu leiden. Doch all mein Leid währt kurze Zeit; bald iſt es über⸗ ſtanden, und Ruh iſt dann vorhanden. 6. Dich Jeſum laß ich ewig nicht; nie ſoll mein Glaube wanken; und wenn des Leibes Hütte bricht, ſterb ich mit dem Gedanken: mein Freund iſt mein und ich bin ſein; er iſt mein Schutz und Tröſter, und ich bin ſein Erlöſter. Ehrenfried Liebich, † 1780 Liebe. 197 Mel. Herr, ich habe mißgehandelt ꝛc. 287 Seid barmherzig, Menſchen, höret, hört das heiligſte Gebot, das uns Jeſus Chriſtus lehret: ſeid barmherzig, ſeids wie Gott; gebt, ſo wird auch euch gegeben, was euch not iſt, Heil und Leben. 2. So viel Menſchen, ſo viel Brüder! Ein Gott iſts, der uns erſchuf. Wir ſind alle Chriſti Glieder; allge⸗ mein iſt Gottes Ruf. So den Böſen, wie den Seinen, läßt der Herr die Sonne ſcheinen. 3. Gottes Bild in euch zu ſehen, ſeid barmherzig, ſo wie er; eilt den Armen beizuſtehen; was ihr gebt, empfängt der Herr. Weiß es Gott und dein Gewiſſen, darfs die linke Hand nicht wiſſen. 4. Was ihr habt, mit Armern teilen, ſehn, wäs jedem frommt und nütt, des Verlaſſnen Wunden hei⸗ len, ſchützen den, den nie⸗ mand ſchützt, ohne Stolz, von Pflicht gedrungen, heißt: nach Ruhm bei Gott ge⸗ rungen. 5. Herr, wir geben von dem Deinen, Geber, dem der Dank gebührt! Laß, wenn unſre Brüder weinen, unſer Herz nie ungerührt; daß, wenn wir zu dir uns nahen, 198 Wiedergeburt nahen, wir auch Hilf und Troſt empfahen! Th. G. v. Hippel, † 1796. Mel. Wer nur den lieben Gott ꝛc. 288 u Vater deiner Menſchenkin⸗ der, der du die Liebe ſelber biſt, und deſſen Her auch gegen Sünder 3e gütig und voll Mitleid iſt, laß mich von ganzem Her⸗ zen dein, laß michs mit allen Kräften ſein! 2. Gieb, daß ich als dein Kind dich liebe, da du mich als ein Vater liebſt, und ſo geſinnt zu ſein mich übe, wie du mir ſelbſt die Vor⸗ ſchrift giebſt! Was dir ge⸗ fällt, gefall auch mir; nichts ſcheide mich, mein Gott, von dir! 3. in mir durch deine Liebe den Hang zur Liebe dieſer Welt, und gieb, daß ich Verleugnung übe, wenn mir was Eitles noch gefällt. Wie ſollte ich die Kreatur dir vorziehn, Schö⸗ pfer der Natur? 4. Laß mich um deiner Liebe willen gern thun, was mir dein Wort gebeut! Kann ichs nicht, wie ich ſoll, erfüllen, ſo ſieh auf meine Willigkeit und rechne mir nach deiner Huld die Schwachheit, Vater, nicht zur Schuld! und Heiligung. 5. Der liebt dich nicht, der noch mit Freuden das thut, was dir, o Gott, miß⸗ fällt; drum laß es mich mit Ernſt vermeiden, gefiel es auch der ganzen Welt. Die kleinſte Sünde ſelbſt zu ſcheun, laß, Vater, mich be⸗ fliſſen ſein. Aus Liebe laß mich alles leiden, was mir dein weiſer Rat beſtimmt; du führſt durch Trübſal den zu Freuden, der ſeine Laſt gern auf ſich nimmt; und wer ſein Leiden weislich nützt, wird mächtig von dir unter⸗ ſtützt. 7. In deiner Liebe laß mich ſterben, dann wird ſelbſt Sterben mein Gewinn; dann werd ich deinen Him⸗ mel erben, wo ich dir ewig nahe bin. Da lieb ich in Vollkommenheit dich, Vater der Barmherzigkeit. Nach B. Schmolck, † 1737, von S. Diterich, † 1797. Mel. Nun ſich der Tag geendet hatzc. (So fliehen unſre Tage.) 289 O Chriſt, wenn Arme manches⸗ mal vor deiner Thüre ſtehn, merk auf, ob nicht in ihrer Zahl der Herr ſei ungeſehn. 2. Und wenn ihr matter Ruf ſo bang erſchallt zu dir herein, horch auf, ob ſeiner Stimnie Klang nicht möchte drunter ſein. — 3. O nicht ſo feſt und eng verſchließ die Thüren und das Herz; ach, wer den Heiland von ſich ſtieß, was träfe den für Schmerz! 4. Drum reiche mild der Liebe Zoll dem Dürftigen hinaus, und öffne gern und mitleidsvoll dem Flehenden dein Haus. 5. Denn ehe du dich wirſt verſehn, wird dein Herr Jeſus Chriſt hinein zu deiner Thüre gehn, weil ſie ſo gaſt⸗ lich iſt. 6. Und ehe du ihn noch erkannt, der arm erſchien vor dir, erhebt er ſeine heilge Hand zum Segen für und für; 7. Zum Segen über deinen Tiſch und über all dein Gut, und über deine Kinder friſch und deinen frohen Mut; 8. Segen über deine Zeit, die du hienieden gehſt, und über deine Ewigkeit, wo du dort oben ſtehſt: 9. Dort oben, wo er dann die Thür dir auf mit Freu⸗ den thut, wie ihm und ſei⸗ nen Brüdern hier du thatſt mit frommem Mut. W. Hey, † 1854. Mel. Jeſu, meines Lebens Leben ꝛc. (Alle Menſchen müſſen ſterben.) 290 Weneunieen meine Rede fromm und Liebe. 199 ſchön; ja, wenn meine Zunge ſänge Engeln gleich in Him⸗ melshöhn: hätt ich keine Lieb im Herzen, ach, ſo wär ich gleich den Erzen, gleich der Schelle, die erklingt, doch kein Leben hat noch bringt. 2. Wenn ich mit Pro⸗ phetenklarheit ſchon die Zu⸗ kunft ſäh erfüllt; wenn mir kund wär alle Wahrheit, kein Geheimnis mehr ver⸗ hüllt; wenn ich jenen Glau⸗ ben hätte, der verſetzt der Berge Stätte: ach, das alles hilft mir nicht, wenns an Liebe mir gebricht. 3. Wenn ich alle meine Habe teilte den Bedürftgen aus, und den Greis am Bettelſtabe gaſtlich führte in mein Haus; wenn ich, Chri⸗ ſtum zu bekennen, meinen Leib ſelbſt ließe brennen: ach, das alles hilft mir nicht, wenns an Liebe mir gebricht. 4. Liebe, Liebe iſt die Krone, die den Baum des Glaubens ſchmückt, dran man, Dank dem Gottes⸗ ſohne, ſeiner Liebe Früchte pflückt. O welch edle Tugend⸗ blüte ziert das liebende Ge⸗ müte: Langmut, Freund⸗ lichkeit, Geduld, Demut, Sanftmut, Güt und Huld! 5. Und wie herrlich iſt die Liebe! Ewig hört ſie nimmer auf; da ſonſt nichts iſt, das da bliebe, das nicht ſchlöſſe 200 Wiedergeburt und Heiligung. ſchlöſſe ſeinen Lauf. Sprach und Weisſagung vergehen, Glaub und Hoffnung wird zum Sehen; alles währet ſeine Zeit, Liebe bleibt in Ewigkeit. 6. Herr, mein Gott, du biſt die Liebe, biſt der Liebe Quell allein! Hauche deines Geiſtes Triebe mir auch tief ins Herz hinein. O daß ich doch in der Liebe bis zum letzten Atem bliebe; Jeſu, ſo bleib ich in dir, und du ewiglich in mir! A. Stöber, geb. 1810. Gebet. (Goft, Vater, an Erbarmen.) der du uns alle heißeſt gleich Brüder ſein und dich rufen an und willſt, daß werd Gebet gethan; gieb, daß nicht bet allein der Mund, hilf, daß es geh von Herzens Grund. 2. Geheiligt werd der Name dein; dein Wort bei uns hilf halten rein, daß wir auch leben heiliglich, nach deinem Namen würdig⸗ lich; behüt uns, Herr, vor falſcher Lehr, das arm ver⸗ führte Volk bekehr. 3. Es komm dein Reich zu dieſer Zeit und dort her⸗ nach in Ewigkeit; der heilge Geiſt uns wohne bei mit ſeinen Gaben mancherlei: des Satans Zorn und groß Gewalt zerbrich; vor ihm dein Kirch erhalt. 4. Dein Will geſcheh, Herr Gott, zugleich auf Erden wie im Himmelreich; gieb uns Geduld in Leidenszeit, ge⸗ horſam ſein in Lieb und Leid, und wehre allem Fleiſch und Blut, das wider deinen Willen thut. 5. Gieb uns heut unſer täglich Brot, und was man braucht zur Leibesnot; be⸗ hüt uns vor Unfried und Streit, vor Seuchen und vor teurer Zeit, daß wir in gutem Frieden ſtehn, der Sorg und Geizes müßig gehn. 6. All unſre Schuld ver⸗ gieb uns, Herr, daß ſie uns nicht betrübe mehr, wie wir auch unſern Schuldigern ihr Schuld und Fehl vergeben gern; zu dienen mach uns all bereit in rechter Lieb und Einigkeit. 7 Führ uns, Herr, in keeſn nicht, wenn uns der böſe Geiſt anficht; zur linken und zur rechten Hand hilf uns thun ſtarken Wider⸗ ſtand, im Glauben feſt und wohl gerüſt, und durch des heilgen Geiſtes Troſt. 8. Von allem übel uns erlös, es ſind die Zeit und Tage bös; erlös uns von dem ewgen Tod, und t un uns in der letzten Not; be⸗ ſcher uns auch ein ſelig End, nimm unfre Seel in deine Händ. 9. Amen, das iſt, es werde wahr! Stärk unſern Glau⸗ ben immerdar, auf daß wir ja nicht zweifeln dran, es ſei die Bitte wohl gethan; auf dein Wort, in dem Namen dein: ſo ſprechen wir das Amen fein. Luther, † 1546. 292 Sch ruf zu dir, Wherr Jeſu Chriſt, ich bitt, erhör mein Klagen! Verleih mir Gnad zu dieſer Friſt, laß mich doch nicht verzagen. Den rechten Weg, o Herr, allein, den wolleſt du mir geben, dir zu leben, dem Nächſten nütz zu ſein, nach deinem Reich zu ſtreben. 2. Ich bitt noch mehr, o Herre Gott, du kannſt es mir wohl geben: daß ich nicht wieder werd zu Spott; die Hoffnung gieb daneben; vor⸗ aus, wenn ich muß hie da⸗ von, daß ich dir mög ver⸗ trauen und nicht bauen auf all mein eignes Thun, ſonſt wirds mich ewig reuen. 3. Verleih, daß ich aus Herzensgrund den Feinden mög vergeben; verzeih mir auch zu dieſer Stund, ſchaff mir ein neues Leben. Dein Wort mein Speis laß all⸗ weg ſein, damit mein Seel Gebet. 201 zu nähren, mich zu wehren, wenn Unglück geht daher, das mich möcht von dir kehren. 4. Laß mich nicht Luſt noch Furcht von dir in die⸗ ſer Welt abwenden; Getreu⸗ ſein bis ans End gieb mir, du haſts allein in Händen, und wem du's giebſt, der hats umſonſt; es mag nie⸗ mand ererben noch erwerben durch Werke deine Gnad, die uns erlöſt vom Sterben. 5. Ich lieg im Streit und widerſtreb; hilf, o Herr Chriſt, dem Schwachen! Von deiner Gnad allein ich leb, du kannſt mich ſtärker machen. Kommt nun An⸗ fechtung und Gefahr, wollſt du mich nicht verlaſſen, feſt mich faſſen, behüten immer⸗ dar; ich weiß, du wirſts nicht laſſen. P. Speratus, † 1551,(2), oder J. Agricola, † 1566. Mel. In dich hab ich gehoffet ꝛc. (Ich freue mich, mein Goit.) 293 Auf dich hab ich gehoffet, Herr, hilf, daß ich nicht zu ſchan⸗ den werd, noch ewiglich zu Spotte. Das bitt ich dich: erhalte mich dir treu, dir, meinem Gotte. 2. Dein gnädig Ohr neig her zu mir, erhör mein Bitt, tritt du herfür, eil, bald mich zu erretten. In Angſt ——— ——— 202 Wiedergeburt und Heiligung. Angſt und Weh ich lieg und ſteh; hilf mir in meinen Nöten. 3. Mein Gott und Schir⸗ mer, ſteh mir bei, ſei meine Burg, darin ich frei und ritterlich mög ſtreiten, ob mich bedräng der Feinde Meng hier und auf allen Seiten. 4. Du biſt mein Stärk, mein Fels, mein Hort, mein Schild, mein Kraft, ſagt mir dein Wort, mein Hilf, mein Heil, mein Leben, mein ſtar⸗ ker Gott in aller Not: wer mag mir widerſtrében? 5. Mir hat die Welt oft zugericht viel Lug und Trug und falſch Gedicht, viel Netz und heimlich Stricke; nimm meiner wahr, Herr, in Ge⸗ fahr; behüt vor falſcher Tücke. 6. Herr, meinen Geiſt befehl ich dir; mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, aus aller Not hilf mir am letzten Ende. 7. Lob, Ehre, Preis und Herrlichkeit ſei Vater, Sohn und Geiſt bereit! Lobt Got⸗ tes heilgen Namen! Die göttlich Kraft mach uns ſieg⸗ haft durch Jeſum Chriſtum! Amen. A. Reißner, † um 1575. Schon iſt der Tag.) 294 wie du willſt, ſo ſchicks mit mir im Leben und im Sterben! Allein zu dir ſteht mein Begier, laß mich, Herr, nicht verderben. Erhalt mich nur in deiner Huld, ſonſt wie du willſt; gieb mir Geduld, denn dein Will iſt der beſie. 2. Zucht, Ehr und Treu verleih mir, Herr, und Lieb zu deinem Worte; behüt mich, Herr, vor falſcher Lehr und gieb mir hier und dorte, was dient zu meiner Seligkeit; wend ab all Ungerechtigkeit in meinem ganzen Leben! 3. Soll ich einmal nach deinem Rat von dieſer Welt abſcheiden, verleih mir, Herr, nur deine Gnad, daß es geſcheh mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dirz o Herr, ein ſelig End gieb mir durch Jeſum Chriſtum. Amen. Kaspar Bienemann, † 1591. Mel. Herzlich thut mich verlangenzc. (Befiehl du deine Wege.) 295 aß mich dein ſein und bleiben, du treuer Gott und Herr! Von dir laß mich nichts treiben, halt mich bei deiner Lehr. Herr, laß mich nur nicht wanken, gieb mir Beſtändig⸗ keit; cM— keit; dafür will ich dir danken in alle Ewigkeit! N. Selnecker, † 1592. 296 Gott, dufrommer Gott, du Brunn⸗ quell guter Gaben, ohn den nichts iſt, was iſt, von dem wir alles haben, geſunden Leib gieb mir, und daß in ſolchem Leib ein unverletzte Seel und rein Gewiſſen bleib. 2. Gieb, daß ich thu mit Fleiß, was mir zu thun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet; gieb, daß ichs thue bald, zu der Zeit, da ich ſoll, und wenn ichs thu, ſo gieb, daß es gerate wohl. 3. Hilf, daß ich rede ſtets, womit ich kann beſtehen, laß kein unnützes Wort aus meinem Munde gehen; und wenn in meinem Amt ich reden ſoll und muß, ſo gieb den Worten Kraft und Nach⸗ druck ohn Verdruß. 4. Findt ſich Gefährlich⸗ keit, ſo laß mich nicht ver⸗ zagen, gieb einen Heldenmut, das Kreuz hilf ſelber tragen; gieb, daß ich meinen Feind mit Sanftmut überwind und, wenn ich Rat bedarf, auch guten Rat erfind. 5. Laß mich mit jeder⸗ mann in Fried und Freund⸗ ſchaft leben, ſo weit es chriſt⸗ lich iſt; willſt du mir etwas Gebet. 203 geben an Reichtum, Gut und Geld, ſo gieb auch dies dabei, daß von unrechtem Gut nichts untermenget ſei. 6. Soll ich auf dieſer Welt mein Leben höher brin— gen, durch manchen ſauern Tritt hindurch ins Alter dringen, ſo gieb Geduld, vor Sünd und Schanden mich bewahr, auf daß ich tragen mag mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End auf Chriſti Tod ab⸗ ſcheiden; die Seele nimm zu dir hinauf zu deinen Freu⸗ den; dem Leib ein Räumlein gönn bei frommer Chriſten Grab, auf daß er ſeine Ruh an ihrer Seite hab. 8. Wenn du die Toten wirſt an jenem Tag erwecken, ſo woll auch deine Hand zu meinem Grab ausſtrecken; laß hören deine Stimm, er⸗ wecke mein Gebein und führ mich ſchön verklärt in deinen Himmel ein. J. Heetmann, † 1647. Mel. Da Chriſtus geboren war ꝛc. (Um Erbarmen flehen wir.) 297 bitt ich von dir, zweier⸗ lei trag ich dir für, dir, der alles reichlich giebt, was uns dient und dir beliebt; gieb mein Bitten, das du weißt, eh ich ſterb und ſich mein Geiſt aus des Leibes Ban⸗ den ½ 204 Wiedergeburt und Heiligung. 2. Gieb, daß ferne von mir ſei Lügen und Abgöt⸗ terei; Armut, ſo die Maße bricht, großen Reichtum gieb mir nicht; allzu arm und allzu reich iſt nicht gut, ſtürzt beides gleich unſre Seel ins Sündenreich. 3. Laß mich aber, o mein Heil, nehmen mein beſcheiden Teil und beſchere mir zur Not hier mein täglich Biß⸗ lein Brot, ein klein wenig, da der Mut und ein gut Gewiſſen ruht, iſt fürwahr ein großes Gut. 4. Sonſt wohl möcht im überfluß ich empfinden überdruß, dich verleugnen, dir zum Spott fragen: wer iſt Herr und Gott? Denn das Herz iſt Frechheit voll, weiß oft nicht, wenn ihm ſoll 5. Wiederum, wenns ſtehet bloß und die Armut wird zu groß, wirds leicht untreu, ſtiehlt und ſtellt nach des Nächſten Gut und Geld, thut Gewalt, braucht Ränk und Liſt, iſt mit Un⸗ recht ausgerüſt, fragt gar nicht, was chriſtlich iſt. 6. Ach, mein Gott, mein Schatz, mein Licht! Dieſes beides ziemt mir nicht; bei⸗ des ſchändet deine Ehr, bei⸗ des ſtürzt ins Höllenmeer; drum ſo gieb mir Hüll und iſt wohl, wie es ſich erheben oll. Füll alſo, wie dein Herze will, nicht zu wenig, nicht zu viel. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Goitt im Himmel und auf rden ꝛc. 298 Sieh⸗ hier bin ich, Ehrenkönig, lege mich vor deinen Thron; ſchwache Thränen, kindlich Sehnen bring ich dir, du Menſchenſohn. Laß dich fin⸗ den, laß dich finden, bin ich gleich nur Aſch und Thon. 2. Sieh doch auf mich, Herr, ich bitt dich, lenke mich nach deinem Sinn. Dich alleine ich nur meine, dein erkaufter Erb ich bin. Laß dich finden, laß dich finden; gieb dich mir und nimm mich hin! 3. Herr, erhöre, ich begehre nichts als deine freie Gnad, die du giebeſt, wo du liebeſt, und man dich liebt in der That. Laß dich finden, laß dich finden; der hat alles, wer dich hat. 4. Hör, wie kläglich, wie beweglich dir die treue Seele ſingt, wie demütig und wehmütig deines Kindes Stimme klingt. Laß dich finden, laß dich finden; denn mein Herze zu dir dringt. 5. Dieſer Zeiten Eitelkei⸗ ten, Reichtum, Wolluſt, Ehr und Freud ſind nur Schmet zen meinem Herzen, welches ſucht ſucht die Ewigkeit. Laß dich finden, laß dich finden! Gro⸗ ßer Gott, ich bin bereit. J. Neander, † 1680. 299 ir, dir, Jehovah, will ich ſingen; denn wo iſt doch ein ſolcher Gott wie du? Dir will ich meine Lieder bringen; ach, gieb mir deines Geiſtes Kraft dazu, daß ich es thu im Namen Jeſu Chriſt, ſo wie es dir durch ihn gefällig iſt. 2. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir; dein Geiſt in meinem Herzen wohne und meine Sinnen und Verſtand regier, daß ich den Frieden Gottes ſchmeck und fühl und dir darob im Herzen ſing und ſpiel. 3. Verleih mir, Höchſter, ſolche Güte, ſo wird gewiß mein Singen recht gethan, ſo klingt es ſchön in meinem Liede, und ich bet dich im Geiſt und Wahrheit an; ſo hebt dein Geiſt mein Herz zu dir empor, daß ich dir Pſalmen ſing im höhern Chor. 4. Dein Geiſt kann mich bei dir vertreten mit Seuf⸗ zern, die ganz unausſprech⸗ lich ſind; der lehret mich recht gläubig beten, giebt Zengnis meinem Geiſt, daß ich dein Kind und ein Mit⸗ Gebet. 205 erbe Jeſu Chriſti ſei, daher ich Abba, lieber Vater, ſchrei. 5. Was mich dein Geiſt ſelbſt bitten lehret, dem neiget ſich dein gnädger Wille zu, das wird gewiß von dir erhöret, weil ichs im Namen deines Sohnes thu, durch welchen ich dein Kind und Erbe bin, und nehme von dir Gnad um Gnade hin. 6. Wohl mir, daß ich dies Zeugnis habe; drum bin ich voller Troſt und Freudigkeit und weiß es, alle gute Gabe, die ich von dir verlanget jederzeit, die giebſt du und thuſt überſchwenglich mehr, als ich verſtehe, bitte und begehr. 7. Wohl mir! Ich bitt in Jeſu Namen, der mich zu deiner Rechten ſelbſt vertritt; in ihm iſt alles Ja und Amen, was ich von dir im Geiſt und Glauben bitt. Wohl mir! Lob dir jetzt und in Ewigkeit, daß du mir ſchenkeſt ſolche Seligkeit! Barthol. Craſſelius, † 1724. Mel. O Gott, du frommer Goit c. 300 Ao Gott, verlaß mich nicht! Reich mir die Gnadenhände; ach, führe mich, dein Kind, daß ich den Lauf vollende zu meiner Seligkeit; ſei du mein Lebenslicht, mein Stab, mein 206 mein Hort, mein Schutz; ach, Gott, verlaß mich nicht! 2. Ach, Gott, verlaß mich nicht! Regiere du mein Wal⸗ len; ach, laß mich nimmer⸗ mehr in Sünd und Schande fallen; gieb mir den guten Geiſt, gieb Glaubens⸗Zuver⸗ ſicht, ſei meine Stärk und Kraft; ach, Gott, verlaß mich nicht. 3. Ach, Gott, verlaß mich nicht! Ich ruf aus Herzens⸗ grunde: ach, Höchſter, ſtärke mich in jeder böſen Stunde; wenn mich Verſuchung plagt und meine Seel anficht, ſo weiche nicht von mir; ach, Gott, verlaß mich nicht! 4. Ach, Gott, verlaß mich nicht! Ach, laß dich doch be⸗ wegen, ach, Vater, kröne doch mit reichem Himmelsſegen die Werke meines Amts, die Werke meiner Pflicht, zu thun, was dir gefällt; ach, Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach, Gott, verlaß mich nicht! Ich bleibe dir ergeben, hilf mir, o großer Gott, recht glauben, chriſtlich leben und ſelig ſcheiden ab, zu ſehn dein Angeſicht, hilf mir in Not und Tod; ach, Gott, verlaß mich nicht! S. Frank, † 1724. Mel. Wunderbarer König ꝛc. 01 Gott iſt gegenwär⸗ tig; laſſet uns anbeten und in Ehrfurcht Wiedergeburt und Heiligung. vor ihn treten. Gott iſt in der Mitten! Alles in uns ſchweige und ſich innigſt vor ihm benge. Wer ihn kennt, wer ihn nennt, ſchlag die Augen nieder; gebt das Herz ihm wieder! 2. Gott iſt gegenwärtig, dem die Cherubinen Tag und Nacht in Demut dienen. Heilig, heilig, heilig, ſingen ihm zur Ehre aller Engel hohe Chöre. Herr, vernimm unſre Stimm, da auch wir Geringen unſre Opfer brin⸗ gen. 3. Wir entſagen willig allen Eitelkeiten, dieſer Erden Luſt und Freuden; da liegt unſer Wille, Seele, Leib und Leben, dir zum Eigentum ergeben; du allein ſollſt es ſein, unſer Gott und Herre, dir gebührt die Ehre. 4. Majeſtätiſch Weſen, möcht ich recht dich preiſen und im Geiſt dir Dienſt er⸗ weiſen! Möcht ich, wie die Engel, immer vor dir ſtehen und dich gegenwärtig ſehen! Laß mich dir für und für trachten zu geſallen, liebſter Gott, in allen. 5. Geiſt, der alles füllet, drin wir ſind und weben, aller Dinge Grund und Le⸗ ben! Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder, ich ſenk mich in dich hinunterz ich in dir, du in mir, laß mi — mich ganz verſchwinden, dich nur ſehn und finden. 6. Du durchdringeſt alles; laß mit deinem Lichte, Herr, berühren mein Geſichte; wie die zarten Blumen willig ſich entfalten und der Sonne ſtille halten, laß mich ſo ſtill und froh deine Strahlen faſſen und dich wirken laſſen. 7. Mache mich einfältig, innig abgeſchieden, ſanft und ſtill in deinem Frieden; mach mich reines Herzens, daß ich deinè Klarheit ſchauen mag in Geiſt und Wahrheit; laß mein Herz himmelwärts wie ein Adler ſchweben und in dir nur leben. 8. Herr, komm in mir wohnen, laß den Geiſt auf Erden dir ein Heiligtum noch werden; komm, du nahes Weſen, dich in mir verkläre, daß ich dich ſtets lieb und ehre; wo ich geh, ſitz und ſteh, laß mich dein gedenken, mich in dich ver— ſenken. G. Terſtegen, † 1769. Mel. Es iſt das Heil uns ꝛc. 302 ott, deine Güte reicht ſo weit, ſo weit die Wolken gehen; du krönſt uns mit Barm⸗ herzigkeit und eilſt uns bei⸗ zuſtehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, ver⸗ ninim mein Flehn, merk auf mein Wort; denn ich will vor dir beten. Gebet. 2. Ich bitte nicht um überfluß und Schätze dieſer Erden; laß mir, ſo viel ich haben muß, nach deiner Gnade werden. Gieb mir nur Weisheit und Verſtand, dich, Gott, und den, den du geſandt, und mich ſelbſt zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm, ſo ſehr ſie Men⸗ ſchen rühren; des guten Na⸗ mens Eigentum laß mich nur nicht verlieren; mein wahrer Ruhm ſei meine Pflicht, der Ruhm vor dei⸗ nem Angeſicht und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt ich dich, mein Herr und Gott, auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demut, Mut in Not, das wolleſt du mir geben. In deiner Hand ſteht meine Zeit, laß du mich nur Barmherzig⸗ keit vor dir im Tode finden. Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. Wenn wir in höchſten Nöten ꝛc. 303 Jedenk ich deine große Treue, bedenk ich meine tiefe Schuld, dann fühl ich heiße Scham und Reue und preis in De⸗ mut deine Huld. 2. Ich bin nur Staub, aus Staub geboren, bin irdiſch und verweslich noch, und bin zur Herrlichkeit er⸗ koren, bin himmliſch auch und ewig doch. 208 3. O Vater, deine große Liebe, wie kann ein Menſch ſie hier verſtehn? Gieb daß ich mich in Einfalt übe, den Weg, den du mich führſt, zu gehn. 4. Gieb, daß ich dir nicht widerſtrebe, wenn Dornen meinen Pfad umziehn, und daß ich dir im Glauben lebe und nicht von dieſer Erde bin. 5. Gieb, daß der Erde Eitelkeiten mir unbewußt vorübergehn, und daß ich mag zu allen Zeiten auf Jeſu Kreuz und Sterben ſehn. 6. Gieb, daß ich nimmer möge ſchwanken, wenn mir der Erde Reichtum blinkt; laß mich von deinem Weg nicht wanken, wo mir am Ziel die Palme winkt. 7. Gieb, daß ich dulden mag und hoffen, und gieb mir deinen heilgen Geiſt, und zeige mir den Himmel offen, wenn mir der Tod das Herz zerreißt. L. Henſel, † 1876. Allgemeine Fürbitte. WMel O Welt, ich muß dich laſſen zc. (In allen meinen Thaten.) deines Namens Ehre an allen Orten aus! Behüte alle Stände durch deiner Wiedergeburt und Heiligung. Allmacht Hände, beſchütze Kirche, Land und Haus. 2. Ach, laß dein Wort uns allen noch ferner reich⸗ lich ſchallen, zu unſrer See⸗ len Nutz! Bewahr uns vor den Rotten, die deiner Wahr⸗ heit ſpotten, beut allen dei⸗ nen Feinden Trutz. 3. Gieb du getreue Lehrer und unverdroſſne Hörer, die beide Thäter ſein; auf Pflanzen und Begießen laß dein Gedeihen fließen und Früchte reichlich ernten ein. 4. Du wollſt uns hoch beglücken, mit hellen Gnaden⸗ blicken auf unſern Fürſten ſehn, ihn ſchützen auf dem Throne, auf ſeinem Haupt die Krone in vollem Glanze laſſen ſtehn. 5. Laß alle, die regieren, ihr Amt getreulich führen, ſchaff jedermann ſein Recht, daß Fried und Treu ſich müſſen in unſerm Bunde küſſen; ſegn uns als dein erwählt Geſchlecht. 6. Erhalt in jeder Ehe beim Glücke wie beim Wehe rechtſchaffne Frömmigkeit; in Unſchuld und in Tugend gedeihe unſre Jugend, zu deines Reiches Dienſt bereit. 7. O Vater, wend in Gna⸗ den Krieg, Seuche und den Schaden der Elemente ab! Bewahr des Landes Früchte und mache nicht zu nichte, was deine milde Hand uns gab. — — c 8. Gedenke voll Erbarmen der Leidenden und Armen; Verirrte bring herein; die Witwen und die Waiſen wollſt du mit Troſte ſpeiſen, wenn ſie zu dir um Hilfe ſchrein. 9. Hilf als ein Arzt den Kranken, und die im Glau⸗ ben wanken, laß nicht zu grunde gehn; die Alten heb und trage, damit ſie ihre Plage geduldig mögen über⸗ ſtehn. 10. Die Reiſenden be⸗ ſchütze, bleib den Verfolgten Stütze, die Sterbenden geleit mit deinen Engelſcharen, daß ſie in Frieden fahren zu Zions Freud und Herr⸗ lichkeit. 11. Nun, Herr, du wirſt erfüllen, was wir nach dei⸗ nem Willen in Demut jetzt begehrt; wir ſprechen gläu⸗ big Amen in unſers Jeſu Namen, ſo iſt gewiß der Wunſch gewährt! B. Schmolc, † 1737. Mel. Alles iſt an Gottes Segen ꝛc. 305 Oeſu, der du biſt alleine Haupt und König der Gemeine, ſegne mich, dein armes Glied! Wollſt mir neuen Einfluß geben deines Geiſtes, dir zu leben; ſtärke mich durch deine Güt. 2. Ach, dein Lebensgeiſt durchdringe, Gnade, Kraft Allgemeine Fürbitte. 209 und Segen bringe deinen Gliedern allzumal, wo ſie hier zerſtreuet wohnen unter allen Nationen, die du kenneſt überall. 3. O wie lieb ich, Herr, die Deinen, die dich ſuchen, die dich meinen; o wie köſt⸗ lich ſind ſie mir! Du weißt, wie michs oft erquicket, wenn ich Seelen hab erblicket, die ſich ganz ergeben dir. 4. Ich umfaſſe, die dir dienen, ich vereinge mich mit ihnen, und vor deinem An⸗ geſicht wünſch ich allen tau⸗ ſend Segen; ſtärke ſie in deinen Wegen, führ ſie ſelbſt zu deiner Pflicht. 5. Die in Kreuz und Lei⸗ den leben, ſtärke, daß ſie ganz ergeben ihre Seel in deine Hand; laß ſie dadurch werden kleiner und von allen Schlacken reiner, ganz allein in dich gewandt. 6. Laß die Deinen noch auf Erden ganz nach deinem Herzen werden; mache deine Kinder ſchön, abgeſchieden, klein und ſtille, ſanft, ein⸗ fältig, wie dein Wille, und wie du ſie gern willſt ſehn. 7. Sonderlich gedenke de⸗ ren, die es, Herr, von mir begehren, daß ich für ſie be⸗ ten ſoll. Auf dein Herz will ich ſie legen; gieb du jedem ſolchen Segen, wie es not; du kennſt ſie wohl. 210 Wiedergeburt und Heiligung. 8. beſuch zu dieſer Stunde ihre Herzen, und im Grunde ſie erfreu in dir allein; zeuch mit deinen Liebeszügen ihre Luſt und ganz Vergnügen weſentlich in dich hinein. 9. Ach, du haſt uns teur erworben, da du biſt am Kreuz geſtorben; denke, Je⸗ ſu, wir ſind dein! Halt uns feſt, ſo lang wir leben und in dieſer Wüſte ſchwe⸗ ben; laß uns nimmermehr allein. 10. Bis wir einſt mit allen Frommen dort bei dir zuſammen kommen und, von allen Flecken rein, dort vor deinem Throne ſtehen, uns in dir, dich in uns ſehen, ewig eins in dir zu ſein. G. Terſtegen, † 1769. Friede und Freude. Mel. Laſſet uns den Herren preiſenc. (Sollt ich meinem Gott nicht ſingen ²) 306 Soallt ich meinem Gott nicht ſingen, ſollt ich ihm nicht fröhlich ſein? Denn ich ſeh in allen Dingen, wie ſo gut ers mit mir mein. Iſts doch nichts als lauter Lieben, das ſein treues Herze regt, das ohn Ende hebt und trägt, die in ſeinem Dienſt ſich üben. Alles Ding währt ſeine Zeit, Got⸗ tes Lieb in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler ſein Gefieder über ſeine Jungen ſtreckt, alſo hat auch immer wieder mich des Höchſten Axm gedeckt, alſobald im Mutterleibe, da er mir mein Weſen gab und das Leben, das ich hab und noch dieſe Stunde treibe. Alles Ding währt ſeine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 3. Sein Sohn iſt ihm nicht zu teuer, nein, er giebt ihn für mich hin, daß er mich vom ewgen Feuer durch ſein teures Blut gewinn; o du Brunnen ohn Ergrün⸗ den, wie will doch mein ſchwacher Geiſt, ob er ſich gleich hoch befleißt, deines Grundes Tiefe finden? Alles Ding währt ſeine Zeit, Got⸗ tes Lieb in Ewigkeit. 4. Seinen Geiſt, den edlen Führer, giebt er mit in ſei⸗ nem Wort, daß er werde mein Regierer durch die Welt zur Himmelspfort, daß er mir mein Herz er⸗ fülle mit dem hellen Glau⸗ benslicht, das des Todes Reich zerbricht und die Hölle ſelbſt macht ſtille. Alles Ding währt ſeine Zeit, Got⸗ tes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seelen Wohl⸗ ergehen hat er ja recht wohl bedacht; will dem Leibe Not entſtehen, nimmt ers gleichfalls wohl in acht; wenn mein Können, mein Vermögen Vermögen nichts vermag, nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an, ſein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt ſeine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd und ihre Heere hat er mir zum Dienſt beſtellt; wo ich nur mein Aug hinkehre, find ich, was mich nährt und hält: Tier und Kräuter und Getreide, in den Gründen, in der Höh, in den Büſchen, in der See: überall iſt meine Weide. Alles Ding währt ſeine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 7. Wenn ich ſchlafe, wacht ſein Sorgen und ermuntert mein Gemüt, daß ich alle liebe Morgen ſchaue neue Lieb und Güt. Wäre nicht mein Gott geweſen, hätte nicht ſein Angeſicht mich ge⸗ leitet, wär ich nicht aus ſo mancher Angſt geneſen. Alles Ding währt ſeine Zeit, Got⸗ tes Lieb in Ewigkeit. 8. An wie mancher ſchwe⸗ ren Plage hat er mich vor⸗ beigeführt, daß ſie mich mein Lebetage niemals noch bis⸗ her berührt; und der Engel, den er ſendet, hat das Böſe, das der Feind anzurichten war gemeint, in die Ferne weggewendet. Alles Ding währt ſeine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 9. Wie ein Vater ſeinem Kinde niemals ganz ſein Herz Friede und Freude. 211 entzeucht, ob es wohl bis⸗ weilen Sünde thut und von der Bahn abweicht, alſo hält auch mein Verbrechen mir mein frommer Gott zu gut, will mein Fehlen mit der Rut und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt ſeine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Seine Strafe, ſeine Schläge, ob es mir gleich bitter ſcheint, ſind, wenn ich es recht erwäge, dennoch Zeichen, daß mein Freund, der mich liebet, mein gedenke und mich von der ſchnöden Welt, die uns hart gefangen hält, durch das Kreuze zu ſich lenke. Alles Ding währt ſeine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 11. Das weiß ich fürwahr und laſſe mirs nicht aus dem Sinne gehn: Chriſten⸗ kreuz hat ſeine Maße und mußendlich ſtille ſtehn; wenn der Winter ausgeſchneiet, tritt der ſchöne Sommer ein: alſo wird auch nach der Pein, wers erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt ſeine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 12. Weil denn weder Ziel noch Ende ſich in Gottes Liebe findt, ei, ſo heb ich meine Hände zu dir, Vater, als dein Kind, bitte: wollſt mir Gnade geben, dich aus aller meiner Macht zu um⸗ fangen Tag und Nacht, hier in 212 in meinem ganzen Leben, bis ich dich nach dieſer Zeit lob und lieb in Ewigkeit. P. Gerhardt, † 1676. 307 Ceſu, meine Freu⸗ A de, meines Her⸗ zens Weide, Jeſu, meine Zier! Ach, wie lang, ach, kange iſt dem Herzen bange und verlangt nach dir! Hab ich dich, wie reich bin ich! Außer dir ſoll mir auf Erden nichts ſonſt lieber werden. 2. Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei; laß von Ungewittern rings die Welt erzittern, mir ſteht Jeſus bei. Wenn die Welt in Trümmer fällt, wenn gleich Sünd und Hölle ſchrecken: Jeſus will mich decken. 3. Trotz des Feindes Lauern, trotz des Todes Schauern, trotz der Furcht dazu! Tobe, Welt, geringe halt ich dich und ſinge in gar ſichrer Ruh; Gottes Macht hält mich in acht; Erd und Abgrund muß ſich ſcheuen, ob ſie noch ſo dräuen. 4. Weg mit allen Schätzen; du biſt mein Ergötzen, Jeſu, meine Luſt! Weg, ihr eiteln Ehren, ich mag euch nicht hören, bleibt mir unbewußt! Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod ſoll mich, ob ich Wiedergeburt und Heiligung. viel muß leiden, nicht von Jeſu ſcheiden. 5. Gute Nacht, o Weſen, das die Welt erleſen, mir gefällſt du nicht; gute Nacht, ihr Sünden, bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr ans Licht; gute Nacht, du Stolz und Pracht; dir ſei ganz, du Sündenleben, gute Nacht gegeben! 6. Weicht, ihr Trauer⸗ geiſter, denn mein Freuden⸗ meiſter, Jeſus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, muß auch ihr Betrüben lauter Freude ſein; duld ich ſchon hier Spott und Hohn, den⸗ noch bleibſt du auch im Leide, Jeſu, meine Freude. Joh. Franck, † 1677. glänzet der 8 308 E Chriſten in⸗ wendiges Leben, obgleich ſie von außen die Sonne ver⸗ brannt; was ihnen der König des Himmels gegeben, iſt keinem, als ihnen nur ſelber bekannt; was niemand ver⸗„ ſpüret, was niemand be⸗ rühret, hat ihre erleuchteten Sinne gezieret und ſie zu der göttlichen Würde ge⸗ führet. 2. Denn innerlich ſind ſie von göttlichem Stamme, geboren aus Gott durch ſein mächtiges Wort; es lodert in ihnen die himmliſche Flamme, entzündet von oben, genähret ₰ genähret von dort; die Engel ſind Brüder, die ihre Loblieder mit ihnen hold⸗ ſelig und inniglich ſingen; das muß denn ganz herrlich und prächtig erklingen. 3. Sie wandeln auf Erden, und leben im Himmel; ſie bleiben ohnmächtig, und ſchützen die Welt; ſie ſchmecken den Frieden bei allem Ge⸗ tümmel, ſie haben, die Arm⸗ ſten, was ihnen gefällt. Sie ſtehen in Leiden, und blei⸗ ben in Freuden; ſie ſcheinen ertötet den äußeren Sinnen, und führen das Leben des Glaubens nach innen. 4. Wenn Chriſtus, ihr Leben, wirdoffenbar werden, wenn er ſich einſt dar in der Herrlichkeit ſtellt, ſo wer⸗ den ſie mit ihm als Fürſten der Erden auch herrlich er⸗ ſcheinen zum Wunder der Welt. Sie werden regieren, mit ihm triumphieren, den Himmel als prächtige Lichter auszieren; da wird man die Freude gar offenbar ſpüren. 5. Frohlocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, die⸗ weil ihr ſolch göttlichen Samen geneußt; denn das iſt des Ewigen göttliches Siegel, zum Zeugnis, daß er euch noch Segen verheißt; ihr ſollt noch mit ihnen aufs prächtigſte grünen, wenn erſt ihr verborgenes Leben er⸗ Friede und Freude. 213 ſcheinet, wonach ſich eur Seufzen mit ihnen vereinet. 6. O Jeſu, verborgenes Leben der Seelen, du heim⸗ liche Zierde der inneren Welt! Laß deinen verbor⸗ genen Weg uns erwählen, wenn gleich uns die Schmach deines Kreuzes entſtellt. Hier übel genennet und ewig erkennet, hier heimlich mit Chriſto im Vater gelebet, dort öffentlich mit ihm im Himmel geſchwebet. Chr. F. Richter, † 1711. 309 ie wohl iſt mir, o Freund der Seele, wenn ich in deiner Liebe ruh; ich ſteige aus der Schwermutshöhle und eile deinen Armen zu; da muß die Nacht des Trauerns ſcheiden, wenn mit der Fülle ſelger Freuden die Liebe ſtrahlt aus deiner Bruſt. Hier iſt mein Himmel ſchon auf Erden; wer ſollte nicht beſeligt werden, der in dir ſuchet Ruh und Luſt? 2. Die Welt mag meine Feindin heißen: es ſei alſo! ich trau ihr nicht, wenn ſie mir gleich will Lieb erweiſen bei einem freundlichen Ge⸗ ſicht. In dir vergnügt ſich meine Seele, du biſt mein Freund, den ich erwähle, du bleibſt mein Freund, wenn Freundſchaft weicht; der Welt Haß kann mich doch nicht 214 Wiedergeburt und Heiligung. nicht fällen, weil in den ſtärkſten Unglückswellen mir deine Treu den Anker reicht. 3. Will mich der Sünde Laſt erdrücken, blitzt auf mich des Geſetzes Weh, droht mir die Strafe ſchon im Rücken, ſo ſteig ich glän⸗ big in die Höh und flieh zu deinen heilgen Wunden, da hab ich ſchon den Ort gefunden, wo mich kein Fluͤchſtrahl treffen kann. Tritt alles wider mich zu⸗ ſammen, du biſt mein Heil, wer will verdammen? Die Liebe nimmt ſich meiner an. 4. Lenkſt du durch Wüſten meine Reiſe, ich folg und lehne mich auf dich; du giebſt aus Wolken mir die Speiſe und labeſt aus den Felſen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, ſie enden ſich in Lieb und Segen: genug, wenn ich dich bei mir hab! Ich weiß, wen du willſt herrlich zieren und über Sonn und Sterne führen, den führeſt du zuvor hinab. 5. Der Tod mag andern düſter ſcheinen, mir nicht, weil Seele, Herz und Mut in dir, der du verläſſeſt keinen, in dir, mein liebſtes Leben, ruht. Wen macht des Weges End erzittern, wenn aus Gefahr und Ungewittern er eingeht in die Sicherheit? Mein Licht, ſo will ich auch mit Freuden aus dieſer finſtern Wildnis ſcheiden zu deiner Ruh der Ewigkeit. 6. Wie iſt mir dann, o Freund der Seelen, ſo wohl, wenn ich mich lehn auf dich! Mich kann Welt, Not und Tod nicht qnälen, weil du, mein Gott, vergnügeſt mich. Laß ſolche Ruh in dem Ge⸗ müte nach deiner unum— ſchränkten Güte des Himmels ſüßen Vorſchmack ſein. Weg, Welt, mit allen Schmeiche⸗ leien! Nichts kann, als Jeſus, mich erfreuen. O reicher Troſt: mein Freund iſt mein! Wolfg. Chr. Deßler, † 1722. 310 Fiirde ach, Friede, ach, göttlicher Friede, vom Vater durch Chriſtum im heiligen Geiſt, welcher der Frommen Herz, Sinn und Gemüte in Chriſto zum ewigen Leben aufſchleußt! Den ſollen die gläubigen Seelen erlangen, die alles verleugnen und Chriſto anhangen. 2. Richte deswegen, fried⸗ liebende Seele, dein Herze im Glauben zu Jeſu hinan! Was da iſt droben bei Chriſto, erwähle, verleugne dich ſelbſt und deu irdiſchen Wahn; nimm auf dich das ſanfte Joch Chriſti hienieden, ſo findeſt du Ruhe und göttlichen Frieden. „ 3. Nahm doch der Mittler des Friedens viel Schmerzen, die Sünder mit Gott zu verſöhnen, auf ſich. Nimm dies, o Seele, recht fleißig zu Herzen, und ſiehe, was thut nicht dein Jeſus für dich! Am Kreuze dort bringt er dir Frieden zuwege und hilft dir, daß Jammer und Unruh ſich lege. 4. Nun, dafür biſt du ihm ewig verbunden, du ſollſt dafür gänzlich ſein Eigentum ſein; er hat die ewge Erlöſung erfunden und ſchließt in den Bund ſeines Friedens dich ein; drum ſiehe, daß du dich ihm gänz⸗ lich ergiebeſt und immer be⸗ ſtändig von Herzen ihn liebeſt. 5. Siehe, von all ſeinen Friedensgenoſſen erfordert er herzliche Liebe und Treu; drum ſollſt du treulich und tapfer ausſtoßen, was Jeſus dir zeiget, das wider ihn ſei. Welt, Satan und Sünde, die mußt du beſtreiten, was Jeſu zuwider iſt, fliehen und meiden. 6. Liebe und übe, was Jeſus dich lehret, und was er dir ſaget, dasſelbige thu; haſſe und laſſe, was ſein Wort verwehret, ſo findeſt du Frieden und ewige Ruh. Ja, ſelig, die alſo ſich Jeſu ergeben und gläubig und heilig nach ſeinem Wortleben. Friede und Freude. 215 7. Jeſu, duHerzog der Frie⸗ densheerſcharen, o König des Friedens, ach, zeuch uns nach dir, daß wir den Frie⸗ densbund treulich bewah⸗ ren, im Wege des Friedens dir folgen allhier; ach, laß uns doch deinen Geiſt kräf⸗ tig regieren und dir nach im Frieden zum Vater hin führen! B. Craſſelius, † 1724. Mel. Gott des Himmels ꝛc. 311 Wiicht ihr Berge, fallt, ihr Hügel, alle Felſen, brechet eini Gottes Gnade hat das Siegel, ſie will unverändert ſein: laßt die Welt zu Trümmern gehn, Gottes Gnade wird beſtehn. 2. Gott hat Gnade mir verſprochen, Gott hat einen Bund gemacht, der wird nimmermehr gebrochen, bis er alles hat vollbracht; er, die Wahrheit, trüget nicht; es geſchieht, was er ver⸗ ſpricht. 3. Seine Gnade ſoll nicht weichen, wenn gleich alles bricht und fällt, ſondern ihren Zweck erreichen, bis ſie mich zufrieden ſtellt. Iſt die Welt voll Heuchelei, Gott iſt fromm und gut und treu. 4. Will die Welt den Frieden brechen, hat ſie lauter Krieg im Sinn, Gott hält immer ſein Erbarmen läßt nicht 216 immer ſein Verſprechen; ſo fällt aller Zweifel hin, als wär er nicht immerdar, was er iſt und was er war. 5. Laßt ſein Antlitz ſich verſtellen, iſt ſein Hers doch treu geſinnt und bezeugt in allen Fällen, daß ich ſein geliebtes Kind, dem er beide Hände reicht, wenn auch Grund und Boden weicht. 6. Er will Friede mit mir halten, wenn die Welt ſich auch empört; ihre Liebe mag erkalten, achtet doch mein Gott mich wert; ob die Sonne ſich verhüllt, bleibt er mir doch Sonn und Schild. 7. Er, der Herr, iſt mein Erbarmer, ſo hat er ſich ſelbſt genennt; das iſt Troſt: ſo werd ich Armer nimmer⸗ mehr von ihm getrennt; daß er mir was Leides thu. 8. Nun, ſo ſoll mein ganz Vertrauen ankerfeſt auf ihm beruhn; Felſen will ich auf ihn bauen, was er ſaget, will er thun. Erd und Himmel kann vergehn, ſein Bund bleibet feſte ſtehn. V. Schmolck, † 1737. Mel. Meinen Jeſum laß ich nicht ꝛc. 312 H deine Luſt am Herrn, der dir ſchenket Luſt und Leben, ſo wird dir dein Gnaden⸗ ſtern tauſend holde Strahlen Wiedergeburt und Heiligung. geben; denn er beut dir treulich an, was dein Herz nur wünſchen kann. 2. Laß der Welt die eitle Luſt, die in Weinen ſich verkehret; wer das Herz in ſeiner Bruſt Gott allein zur Luſt gewähret, dieſer trifft in allem an, was das Herz nur wünſchen kann. 3. Luſt an Gott erfüllt mit Licht, wenn man ih durchs Wort erkennet; Lu am Herrn ſtärkt den zur Pflicht, der in ſeiner Liebe brennet; Luſt am Herrn beut alles an, was das Herz nur wünſchen kann. 4. Wer nur Luſt am Herren hat, hat auch Luſt an ſeinem Willen und be⸗ müht ſich früh und ſpat, ſolchen Willen zu erfüllen; und ſo wird er auch empfahn, was das Herz nur wünſchen kann. 5. Iſt die Luſt nicht ohne Laſt, trag geduldig die Be⸗ ſchwerden; wenn du wohl gelitten haſt, wirſt du erſt recht fröhlich werden und triffſt dort im Himmel an, was dein Herz nur wünſchen kann. VB. Schmolck, † 1737. Mel. Seelenbräutigam 26 313 We Ruh? Für uns alle koren, Leben derer, die — ich nicht loren, und ihr Licht dazu, Jeſu, ſüße Ruh! 2. Leben, das den Tod, mich aus aller Not zu er⸗ löſen, hat geſchmecket, meine Schuld hat zugedecket und mich aus der Not hat ge⸗ führt zu Gott! 3. Glanz der Herrlichkeit! Du biſt vor der Zeit zum Erlöſer uns geſchenket und in unſer Fleiſch verſenket in der Füll der Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld! Tod, Sünd, Höll und Welt haſt du mächtig überwunden und ein ewges Heil erfun⸗ den durch das Löſegeld dei⸗ nes Bluts, o Held! 5. Höchſte Majeſtät, König undProphet! DeinenScepter will ich küſſen, wie Maria dir zu Füßen ſitzen früh und ſpät, höchſte Majeſtät! 6. Laß mich deinen Ruhm, als dein Eigentum, durch des Geiſtes Licht erkennen, ſtets in deiner Liebe brennen, als dein Eigentum, aller⸗ ſchönſter Ruhm! 7. Deiner Sanftmut Schild, deiner Demut Bild mir anlege, in mich präge, daß kein Zorn noch Stolz ſich rege; vor dir ſonſt nichts gilt, als dein eigen Bild. 8. Steure meinem Sinn, der zur Welt will hin, daß mög von dir änen, ſondern bleiben in Friede und Freude. 217 den Schranken; ſei du mein Gewinn, gieb mir deinen Sinn! 9. Wecke mich recht auf, daß ich meinen Lauf unver⸗ rückt zu dir fortſetze und die Sünd in ihrem Netze mich nicht halte auf; fördre meinen Lauf! 10. Deines Geiſtes Trieb in die Seele gieb, daß ich wachen mög und beten, freudig vor dein Antlitz treten; ungefärbte Lieb in die Seele gieb! 11. Wenn der Wellen Macht in der trüben Nacht will des Herzens Schifflein decken, wollſt du deine Hand ausſtrecken; habe auf mich acht, Hüter in der Nacht! 12. Einen Heldenmut, der da Gut und Blut gern um deinetwillen laſſe und des Fleiſches Lüſte haſſe, gieb mir, höchſtes Gut, durch dein teures Blut! 13. Solls zum Sterben gehn, wollſt du bei mir ſtehn, mich durchs Todesthal begleiten und zur Herrlich⸗ keit bereiten, daß ich einſt mag ſehn mich zur Rechten ſtehn. J. A. Freylinghauſen, † 1739. Mel. O du Hüter Israel ꝛc. 314 Chriſen ſind ein göttlich Volk, aus dem Geiſt des Herrn gezeuget, ihm gebeuget und 10 von 218 von ſeiner Flammenmacht angefacht; vor des Bräut⸗ gams Augen ſchweben, das iſt ihrer Seelen Leben, und ſein Blut iſt ihre Pracht. 2. Königskronen ſind zu bleich für der Gottverlobten Würde; eine Hürde wird zum himmliſchen Palaſt; und die Laſt, drunter ſich die Helden plagen, wird den Kindern leicht zu tragen, die des Kreuzes Kraft gefaßt. 3. Ehe Jeſus unſer wird, ehe wir uns ſelbſt vergeſſen und geſeſſen zu den Füßen unſers Herrn, ſind wir fern von der ewgen Bundesgnade, von dem ſchmalen Lebens⸗ pfade, von dem hellen Morgenſtern. 4. Pilgrimſchaft zur Ewig⸗ keit bleibet immerdar be⸗ ſchwerlich, ja gefährlich, bis man ringt und dringt zu dir, einge Thür, einge Urſach der Vergebung, Glut der göttlichen Belebung, Jeſu, unſer Liebspanier! 5. Zeuch uns hin, erhöhter Freund, zeuch uns an dein Herz der Liebe! Deine Triebe führen mich, du Siegesheld, durch die Welt, daß ich deine Seele bleibe und ſo lange an dich gläube, bis ich lieb im innern Zelt. 6. Da iſt meine Hand und Herz! Du haſt deine Seel gewaget, unverzaget, und das alles bloß allein, Wiedergeburt und Heiligung. daß ich dein und du meine heißen könnteſt; wenn du nicht von Liebe brennteſt, hätte das nicht können ſein. 7. Nun, ihr Kronen, fahret hin, fahre hin, er⸗ laubte Freude! Meine Weide ſei des Herren letztes Mahl vor der Qual, meine Ehre ſeine Schande, meine Frei⸗ heit ſeine Bande, meine Zier die Ros im Thal. N. L. Graf v. Zinzendorf, † 1760. Mel. Jeſu, meine Freude ꝛr. 31 5 Allenugſan W das ichhab erleſen mir zum höchſten Gut, du vergnügſt alleine völlig, innig, reine, Seele, Geiſt und Mut. Wer dich hat, iſt ſtill und ſatt; wer dir kann im Geiſt anhangen, darf nichts mehr verlangen. 2. Wem du dich gegeben, kann in Frieden leben; er hat, was er will; wer im Herzensgrunde lebt mit dir im Bunde, liebet und iſt ſtill. Biſt du da und innig nah, muß das Schönſte bald erbleichen und das Beſte weichen. 3. Höchſtes Gut der Güter, Ruhe der Gemüter, Troſt in aller Pein; was Geſchöpfe haben, kann den Geiſt nicht laben; du ver⸗ gnügſt allein. Was ich mehr als dich begehr, kann mein — — —————„——-—————— — mein Seligſein nur hindern und den Frieden mindern. 4. Was genannt kann werden droben und auf Erden, alles reicht nicht zu; einer kann nur geben Freude, Ruh und Leben, eins iſt not: nur du! Hab ich dich nur weſentlich, ſo mag Leib und Seel verſchmachten: will ichs doch nicht achten. 5. Komm, du ſelges Weſen, das ich mir erleſen, werd mir offenbar! Meinen Hunger ſtille, und mein Herz erfülle mit dir ſelber gar! Bleib nur du mein Gut und Ruh, bis du wirſt in jenem Leben dich mir völlig geben. G. Terſtegen, † 1769. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwortc. (Der unſre Menſchheit an ſich nahm.) 316 Mein Glaub iſt meines Lebens Ruh und führt mich deinem Himmel zu, o du, an den ich glaube! Ach, gieb mir, Herr, Beſtändigkeit, daß dieſen Troſt der Sterblich⸗ keit nichts meiner Seele raube! Tief präg es meinem Herzen ein, welch Glück es iſt, ein Chriſt zu ſein! 2. Du haſt dem ſterb⸗ lichen Geſchlecht zur ſelgen Cwigkeit ein Recht durch deinen Tod erworben; zum Staube kehrt zurück der Staub, der Geiſt wird nicht Friede und Freude. des Todes Raub; du biſt für mich geſtorben. Mir, der ich dein Erlöſter bin, iſt dieſes Leibes Tod Gewinn. 3. Ich bin erlöſt und bin ein Chriſt! Mein Herz iſt ruhig und vergißt die Schmerzen dieſes Lebens. Ich dulde, was ich dulden ſoll, und bin des hohen Troſtes voll: ich leide nicht vergebens. Gott ſelber mißt mein Teil mir zu, hier kurzen Schmerz, dort ewge Ruh. 4. Was ſeid ihr, Leiden dieſer Zeit, mir, der ich jener Herrlichkeit mit Ruh entgegen ſchaue? Bald ruft mich Gott, und ewiglich belohnet und erquickt er mich, weil ich ihm hier ver⸗ traue. Bald, bald verſchwin⸗ det aller Schmerz, und Him⸗ ſchmeckt mein erz. 5. Bin ich gleich ſchwach, ſo trag ich doch nicht mehr der Sünde ſchmählich Joch in meinem Lauf auf Erden; mit Freuden üb ich meine Pflicht; doch fühl ich wohl, ich bin noch nicht, was ich dereinſt ſoll werden. Mein Troſt iſt dies: Gott hat Geduld und ſtraft mich nicht nach meiner Schuld. z. Der du den Tod für mich bezwangſt, du haſt mich, Mittler, aus der Angſt, in der ich lag, geriſſen! V ir 220 dir verdank ich meine Ruh; denn meine Wunden heilteſt du und ſtillteſt mein Ge⸗ wiſſen; und fall ich noch in meinem Lauf, ſo richteſt du mich wieder auf. 7. Dank ſei dir, Vater, Dank und Ruhm, daß mich dein Evangelium lehrt glau⸗ ben, hoffen, lieben. Was mir ſchon jetzt in dieſer Zeit den Vorſchmack giebt der Seligkeit, wie ſoll ich das nicht üben? Gott, präg es meinem Herzen ein, welch Glück es ſei, ein Chriſt zu ſein! Balth. Münter, † 1793. Mel. Nun bitten wir den heiligen ꝛe. 317 A mein Herr Jeſu, dein Nahe⸗ ſein bringt großen Frieden ins Herz hinein, und dein Gnadenanblick macht uns ſo ſelig, daß Leib und Seele darüber fröhlich und dank⸗ bar wird. 2. Wir ſehn dein freund⸗ liches Angeſicht voll Huld und Gnade wohl leiblich nicht; aber unſre Seele kanns ſchon gewahren, du kannſt ihr fühlbar dich offenbaren, auch ungeſehn. 3. O, wer nur immer bei Tag und Nacht dein zu genießen recht wär bedacht! Der hätt ohne Ende von Glück zu ſagen, und ſeine Wiedergeburt und Heiligung. Seele müßt immer fragen: wer iſt wie du? 4. Barmherzig, gnädig, geduldig ſein, uns täglich reichlich die Schuld verzeihn, heilen, tröſten, ſtillen, er⸗ freun und ſegnen und unfrer Seel als Freund begegnen, iſt deine Luſt. 5. Ach, gieb an deinem koſtbaren Heil uns alle Tage vollkommnen Teil, und laß unſre Seelen ſich immer ſchicken, aus Not und Liebe nach dir zu blicken ohn Unterlaß. 6. Und wenn wir weinen, ſo tröſt uns bald mit deiner heiligen Todsgeſtalt; ja, laß ſie uns immer vor Augen ſchweben und dein wahrhaf⸗ tiges Inunsleben zu ſpüren ſein. 7. Ein herzlich Weſen und Kindlichkeit ſei unſre Zierde zu aller Zeit, und die Tröſtung aus deinen Todeswunden erhalt uns Frieden zu allen Stunden, bei Freud und Leid⸗ 8. So werden wir in Himmel hinein in dir ver⸗ gnügt wie die Kinder ſein. Muß gleich unſer Aug ſich noch einmal netzen, wenn ſich das Herz nur an dir ergötzen und ſtillen kann. 9. Du reichſt uns deine durchgrabne Hand, die ſo viel Treue an uns gewandt, denked, daß wir, daran beſchämt beſchämt daſtehen, und unſer Auge muß übergehen vor Lob und Dank. Chr. Gregor, † 1801. 318 Wenn ich ihn nur habe, wenn er mein nur iſt, wenn mein Herz bis hin zum Grabe ſeine Treue nie vergißt: weiß ich nichts von Leide, fühle nichts, als Andacht, Lieb und Freude. 2. Wenn ich ihn nur habe, laß ich alles gern, ſolg an meinem Wander⸗ ſtabe treu geſinnt nur mei⸗ nem Herrn, laſſe ſtill die andern breite, lichte, volle Straßen wandern. 3. Wenn ich ihn nur habe, ſchlaf ich fröhlich ein; ewig wird zu ſüßer Labe ſeines Herzens Flut mir ſein, die mit ſanftem Zwingen alles wird erreichen und durchdringen. 4. Wenn ich ihn nur habe, hab ich auch die Welt, weil des Himmels ſchönſte Gabe meinen Blick nach oben hält; hingeſenkt im Schauen kann mir vor dem Irdiſchen nicht grauen. 5. Wo ich ihn nur habe, iſt mein Vaterland, und es fällt mir jede Gabe wie ein Erbteil in die Hand. Längſt vermißte Brüder Friede und Freude. 221 find ich nun in ſeinen Jün⸗ gern wieder. Novalis(Fr. v. Hardenberg), 1 1801. Mel. Jeſu, meine Freude ꝛc. 319 Wi getroſt und heiter, Herr, mein Licht und Leiter, machſt du meinen Geiſt! Der du, die dir trauen, führſt zu grünen Auen und ſo gern erfreuſt! Niemals wird bei dir, o Hirt und Beruhiger der Seelen, mir Erquickung fehlen. 2. Deinem Rat ergeben, freu ich mich zu leben; was du willſt, iſt gut. Nichts vermag ich Schwacher; du, mein Seligmacher, rüſteſt mich mit Mut. Wenn die Welt erbebt und fällt, wenn Gericht und Hölle ſchrecken, willſt du mich bedecken. 3. Ich kann ohne Grauen Gräber vor mir ſchauen; mein Erlöſer lebt; ich weiß, wem ich glaube, weiß, daß aus dem Staube mich ſein Arm erhebt. Todestag, dein Schrecken mag eines Frev⸗ lers Herz erſchüttern: was brauch ich zu zittern? 4. Auch in mir iſt Sünde; doch ich überwinde ſie, mein Hort, durch dich. Sink ich oft noch nieder, du erhebſt mich wieder, du begnadigſt mich. Deine Huld tilgt meine Schuld; nie entziehſt du deinem 222 Wiedergeburt und Heiligung. deinem Knechte der Erlöſten Rechte. 5. Daß ich Gott erkenne und ihn Vater nenne und mich ewig ſein, daß ich hier am Grabe Troſt und Hoff⸗ nung habe, dank ich dir allein. Daß dein Geiſt mich unterweiſt und mich führt auf deinem Pfade, das iſt deine Gnade. 6. Der du Blut und Leben für mich hingegeben, daß in meiner Not ich nicht hilflos bliebe, groß iſt deine Liebe, ſtärker als der Tod! Herr, und ich, ich ſollte mich deiner Huld nicht dankbar freuen, dir mein Herz nicht weihen? 7. Würdig dir zu leben, dies ſei mein Beſtreben, meine Luſt und Pflicht! Was die Welt vergnüget, o mein Heil, das gnüget meiner Seele nicht. Hab ich dich, wie gern will ich das, wo⸗ nach die Heiden trachten, reich in dir, verachten! 8. Macht ein Gut der Erde, daß ich glücklich werde durch Zufriedenheit? Sind nicht auch die Ehren, die die Welt bethören, Traum und Eitelkeit? Du erfreuſt des Menſchen Geiſt; Herr, du willſt, die dich verehren, ewig wieder ehren. 9. Deinen hohen Frieden ſchmeck ich ſchon hienieden, und was hoff ich dort? Unbegrenzte Zeiten voller Seligkeiten hoff ich auf dein Wort. Sie ſind mein durch dich allein. Bleib ich dir getreu im Glauben: wer kann ſie mir rauben? 10. Voll von deiner Güte frohlockt mein Gemüte, Gott, mein Heiland, dir. Dieſer Geiſt der Freuden ſtärke mich im Leiden, weiche nie von mir! Laß mich ſo be⸗ herzt und froh einſt durchs Thal des Todes dringen, dort dein Lob zu ſingen. Chr. Fr. Neander, † 1802. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele ꝛc. 320 om Geräuſch der — Welt geſchieden, ſchmeck ich des Erlöſers Frieden und die Freude ſchon auf Erden, Gott, mit dir vereint zu werden; ſehe dieſe Welt der Sünden unter meinen Füßen ſchwinden und das Glück von jenem Leben den entzückten Geiſt umgeben. 2. Was iſt aller Reiz von Lüſten über ſie er⸗ habnen Chriſten? Was der Glanz der eiteln Freu⸗ den? Was des Lebens kurze Leiden? Wenn ſie deinen Lohn erblicken, der ſie ewig wird beglücken, und des Kranzes Wert empfinden, den dort Engel für ſie win⸗ den? 3. Nun mag Trübſal auf mich ſtürmen! Gottes Troſt Troſt wird mich beſchirmen. Kurz ſind dieſes Lebens Pfade; ewig währt der Lohn der Gnade. Mit des Dankes ſtillen Zähren will ich Gottes Rat verehren, unter keiner Plage ſinken und den Kelch der Leiden trinken. 4. Du haſt ſelbſt der Menſchen Plagen, Heiland, voll Geduld ertragen, mit dem ſchwerſten Todgeſtritten, tauſendfaches Leid erlitten! Laß mich deine Kraft beleben, wenn die matten Hände beben! Hilf mir wachen, kämpfen, ſiegen! Friede lohnet nach den Kriegen. J. J. Eſchenburg, † 1820. Mel. Meinen Jeſum laß ich nicht ꝛc. 321 Mn rirden geb ich euch! Alſo hat der Herr verheißen. Auf, mein Herz, die Sorgen fleuch! Er wird aus der Angſt dich reißen. Sei ge⸗ troſt und unverzagt, glaube, was er zugeſagt. 2. Herr, du hältſt, was du verſprichſt, giebſt noch immer deinen Frieden, wenn du in die Herzen brichſt init dem Wahrheitsglanz hie⸗ nieden. Kehre eilig bei mir ein, laß in dir mich ſelig ſein! 3. Güter, die die Erde giebt, ſind nur mangelhafte Gaben; ewig, Herr, wird, wer dich liebt, in dir volle Friede und Freude. 223 Gnüge haben. Schütte auf mein ganzes Haus deine Gnadenfülle aus! 4. Ohne dich vermag ich nichts; eignes Ringen iſt vergebens; du allein, o Quell des Lichts, biſt der Grund des neuen Lebens. Rühre mich mit deiner Kraft, die den neuen Menſchen ſchafft! 5. Führe du mein Glau⸗ bensſchiff durch die ſturm⸗ bewegten Wellen, daß es nicht am Felſenriff harter Zweifel mög zerſchellen! Wenn ichs nicht mehr lenken kann, ſo ſei du der Steuermann. 6. Rette mich in jenen Port, wo die Erdenſtürme ſchweigen und vor dir, o Gnadenhort, alle Seligen ſich neigen! Dann in deines Vaters Haus werf ich mei⸗ nen Anker aus. Chr. A. Bähr, † 1846. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 322 O Jeſu, meine Sonne, vor der die Nacht entfleucht, o Jeſu, meine Wonne, die alle Not verſcheucht! Im Herzen klingt mir täglich der eine helle Ton: wie haſt du ſo unſäglich geliebt, o Gottes Sohn!. 2. Es faßt mich ſo ein tiefes, ein himmliſches Ge⸗ fühl; es iſt mir ſtets, als rief es: hier iſt dein einzig Ziel! 224 Ziel! Ja, wenn mir gar nichts bliebe, ich gäb mit frohem Sinn um Jeſu Chriſti Liebe auch noch das Letzte hin. 3. Um dieſe Perle wäre mir alles andre feil, ſelbſt Hab und Gut und Ehre, mein ganzes Erdenteil. Wie gerne will ich meiden das alles froh und ſtill, wenns von dem Herrn mich ſcheiden und ihn mir rauben will! 4. Ich kenn auch gar kein Leben, von dir, mein Herr, getrennt; du biſt mein einzig Leben und Lebensele⸗ ment. Ich kenne gar kein Sterben, ſeitdem ich leb in dir; denn was mich konnt verderben, die Sünde, nahmſt du mir. 5. Ich weiß nichts mehr von Leiden, denn alles Kreuz und Leid kann mich von dir nicht ſcheiden, du Born der Seligkeit; ja, wenn ich dich nur habe, dann gilt mir alles gleich, ich bin am Bettelſtabe noch wie ein König reich. 6. Ich bin ſchon hier auf Erden ſo ſelig und ſo leicht, und was wird dort erſt werden, wo alle Schwach⸗ heit weicht! Das macht ein ſelig Sterben, daß ich als Gnadenlohn ein Königreich ſoll erben und eine ewge Kron. Wiedergeburt und Heiligung. 7. D lieber Herrh ſo präg es recht meinen Sinnen ein; o lieber Herr, ſo leg es mir tief ins Herz hinein, daß ohne deine Liebe ich ganz verloren wär und ohne Hoffnung triebe auf wüſtem Meer umher; 8. Doch daß du mich allmählich zum Hafen haſt gebracht und mich ſo über⸗ ſelig aus Gnaden haſt ge⸗ macht, daß ich vor nichts erſchrecke, was andern ſchreck⸗ lich iſt, weil ich es ſeh und ſchmecke, wie du mein Hei⸗ land biſt. K. J. Ph. Spitta, † 1859. Mel. Herzlich thut mich verlangen zc. (Befiehl du deine Wege) 323 in Wohlſtand ohnegleichen iſt eines Chriſten Stand, wie er bei keinem Reichen von dieſer Welt bekannt. Den kann auch niemand rauben, wie feindlich er geſinnt; ein Chriſt iſt durch den Glau⸗ ben des reichſten Vaters Kind. 2. Er kann mit Freuden kommen vor Gottes Ange⸗ ſicht; da wird er angenom⸗ men, und niemand wider⸗ ſpricht. Was alles ihn be⸗ troffen, ſeis Freude oder Leid: ihm ſteht der Zugang offen zum Vater allezeit. 3. Er kann in großen Scharen als Diener um ſich ſehn, die einſt ihm Herren waren waren und nun zu Dienſte ſtehn. Er iſt umringt von ihnen den ganzen Lebenstag; denn ihm muß alles dienen, was ihm begegnen mag. 4. Und geht einmal auf Erden die Kindeszeit zu End, er weiß, was ihm muß wer⸗ den nach Chriſti Teſtament: ein Erbteil in dem reichen, geliebten Vaterland. Solch Wohlſtand ohnegleichen iſt eines Chriſten Stand. K. J. Ph. Spitta, † 1859. Mel. Ringe recht, wenn Gottes Gnade ꝛc. erz, mein Herz, 324 H nicht in der Weite, in der Nähe wohnt das Glück! Glaube, liebe, hoffe, leide, und kehr in dich ſelbſt zurück! 2. Wüchſen über Nacht dir Flügel, ſchneller als der Sonne Strahl, trügſt doch über Berg und Hügel raſt⸗ los deiner Sehnſucht Qual. 3. Denn die Welt kann dir nicht bieten das, wonach du heiß verlangſt; denn die Welt hat keinen Frieden, hat nur Streit und Not und Angſt. 4. Ewig wechſelnd iſt ihr Streben, ewig wechſelnd iſt ihr Ziel; was ihr heute Raſt gegeben, morgen iſts der Winde Spiel. 5. Drum, mein Herz, nicht in der Weite, in der Nähe Friede und Freude. 225 ſuch das Glück! Glaube, liebe, hoffe, leide, und kehr in dich ſelbſt zurück! J. Sturm, geb. 1816. Vertrauen. as mein Gott 325 will, geſcheh allzeit, ſein Will iſt ſtets der beſte; zu helfen dem er iſt bereit, der an ihn glaubet feſte. Er hilft aus Not, der fromme Gott, er züch⸗ tiget mit Maßen. Wer Gott vertraut, feſt auf ihn baut, den will er nicht verlaſſen. 2. Gott iſt mein Troſt, mein Zuverſicht, mein Hoff⸗ nung und mein Leben; was mein Gott will, das mir geſchieht, will ich nicht wider⸗ ſtreben. Sein Wortiſt wahr; denn all mein Haar er ſelber hat gezählet. Er ſchützt und wacht, nimmt uns in acht, auf daß uns gar nichts fehlet. 3. Nun muß ich Sünder von der Welt hinfahrn nach Gottes Willen zu meinem Gott, wenns ihm gefällt; ich will ihm halten ſtille. Mein arme Seel ich Gott befehl in meiner letzten Stunden; du frommer Gott, Sünd, Höll und Tod haſt du mir überwunden. 4. Noch eins, Herr, will ich bitten dich, du wirſt mirs nicht verſagen: wenn er 226 Wiedergeburt und Heiligung. der böſe Geiſt anficht, laß mich, Herr, nicht verzagen: hilf und auch wehr, ach Gott, mein Herr, zu ehren deinen Namen. Wer das begehrt, dem wirds gewährt; drauf ſprech ich fröhlich Amen. Markgraf Albrecht von Branden⸗ burg(2), † 1557. 326 arum betrübſt du dich, mein Herz, bekümmerſt dich und trägeſt Schmerz nur um das zeitlich Gut? Vertrau du deinem Herrn und Gott, der alle Ding erſchaffen hat. 2. Er kann und will dich laſſen nicht, er weiß gar wohl, was dir gebricht; Himmel und Erd iſt ſein; er iſt mein Vater und mein Gott, der mir beiſteht in aller Not. 3. Weil du mein Gott und Vater biſt, dein Kind du nimmermehr vergißt, du väterliches Herz. Ich bin nur Erd und weiß ohn dich auf Erden keinen Troſt für mich. 4. Der Reiche trotzt auf zeitlich Gut, ich trau auf dich mit feſtem Mut, ob ich gleich werd veracht; ich weiß und glaube feſtiglich, wer dir vertraut, dem mangelts nicht. 5. Du biſt, o Gott, ſo reich noch heut, als du es warſt von Ewigkeit, zu dir ſteht mein Vertraun; mach reich an meiner Seele mich, ſo gnügt mir hier und ewiglich. 6. Der eitlen Ehr ich gern entbehr; das Ewige mir nur gewähr, das du erworben haſt durch deinen herben, bittern Tod; das bitt ich dich, mein Herr und Gott. 7. Denn alles, was auf dieſer Welt, es ſei Gold, Silber oder Geld, Reichtum und zeitlich Gut, das währt nur eine kleine Zeit und hilft doch nichts zur Seligkeit. 8. Ich danke dir, Herr Jeſu Chriſt, daß ſolches kund mir worden iſt durch dein göttliches Wort; ver⸗ leih mir auch Beſtändigkeit zu meiner Seelen Seligkeit. 9. Lob, Ehr und Preis ſei dir gebracht, daß du haſt alles wohlgemacht; ich bitt demütig dich, du wollſt von deinem Angeſicht mich ewiglich verſtoßen nicht. H. Sachs, † 1576. Mel. Mag ich Unglück nicht ꝛc. 327 Och weiß, daß G mein Erlöſer lebt; was widerſtrebt die Welt denn meinem Glauben? Ohn meinen Gott krümmt ſie fürwahr mir nicht ein Haar, er woll es denn erlauben. Führt mich ſein Rat auf rauhem Pfad durch dieſe Welt: Welt: wie's ihm gefällt! Nur daß ichs mög ertragen. 2. Ich weiß, daß mein Herr Jeſus Chriſt viel grö⸗ ßer iſt, als alle Macht der Erden. O liebe Seel, was zageſt du? Gieb dich zur Ruh! Es kann bald beſſer werden. Aus aller Not hilft dir dein Gott, das iſt gewiß; trau feſt auf dies! Im Glau⸗ ben muß mans faſſen. 3. Von Herzen, Herr, ver⸗ trau ich dir; bleib ſtets bei mir, du König aller Ehren! Mein Hoffen ſteht zu dir allein; laß ferne ſein, was mich von dir möcht kehren, daß ich dein Wort, du treuer Hort, bekenne frei, ohn alle Scheu, auch in den größten Nöten. 4. Ich weiß, daß du mein Heiland biſt, o Jeſu Chriſt, drum laß ich mir nicht grauen. Mein Helfer iſt des Höchſten Sohn auf Gottes Thron; auf den will ich feſt bauen. Lebt er doch noch im Himmel hoch! Er wird mich wohl, wenns werden ſoll, nach meinem Leid ergötzen. K. Bienemann, † 1591. 328 Von Gott will ich nicht laſſen, denn er läßt nicht von mir, führt mich auf rechter Straßen, ſonſt ging in der Irr; er reicht mir ſeine Hand, Vertrauen. 227 den Abend wie den Morgen will er mich wohl verſorgen, wo ich auch ſei im Land. 2. Wenn ſich der Menſchen Treue und Wohlthat all ver⸗ kehrt, wird bald an mir aufs neue die Huld des Herrn bewährt; er hilft aus aller Not, befreit von Sünd und Schanden, von Ketten und von Banden, und wenns auch wär der Tod. 3. Auf ihn will ich ver⸗ trauen in meiner ſchweren Zeit; ſo kann mir gar nicht grauen, er wendet alles Leid. Ihm ſei es heimge⸗ ſtellt; mein Leib, mein Seel, mein Leben ſei Gott, dem Herrn, ergeben, er machs, wie's ihm gefällt. Es kann ihm nichts gefallen, denn was mir nützlich iſt; er meints gut mit uns allen, ſchenkt uns den Herren Chriſt, den ein⸗ gebornen Sohn; durch ihn er uns beſcheret, was Leib und Seele nähret; lobt ihn im Himmelsthron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, die er uns beide ſchenkt; das iſt ein ſelge Stunde, darin man ſein ge⸗ denkt; ſonſt iſt all unſre Zeit verloren hier auf Erden; wir ſollen ſelig werden und ſein in Ewigkeit. 6. Darum, ob ich ſchon dulde hier Widerwärtigkeit, wie ichs auch wohl ver⸗ 10* ſchulde, 228 Wiedergeburt und Heiligung. ſchulde, kommt doch die Ewigkeit, die, aller Freuden voll, dieweil ich Chriſtum kenne und mich von ihm nicht trenne, mein Erbteil werden ſoll. 7. Das iſt des Vaters Wille, der uns geſchaffen hat; ſein Sohn giebt uns die Fülle der Wahrheit und der Gnad; auch Gott, der heilge Geiſt, im Glauben uns regieret, zum Reich der Himmel führet; drum ſei er hoch gepreiſt! L. Helmbold, † 1598. 329 Auf meinen lieben Gott trau ich in Angſt und Not; er kann mich allzeit retten aus Trübſal, Angſt und Nöten; mein Unglück kann er wen⸗ den; es ſteht in ſeinen Händen. 2. Ob mich die Sünd anficht, will ich verzagen nicht; auf Chriſtum will ich bauen und ihm allein ver⸗ trauen; ihm will ich mich ergeben im Tod und auch im Leben. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, iſt Sterben mein Gewinn, und Chriſtus iſt mein Leben; dem will ich mich ergeben. Ich ſterb heut oder morgen, mein Seel wird er verſorgen. 4. O mein Herr Jeſu Chriſt, der du geduldig biſt für mich am Kreuz ge⸗ ſtorben, haſt mir das Heil erworben, uns allen auch beſchieden den ewgen Him⸗ melsfrieden: 5. Erhöre gnädig mich, mein Troſt, das bitt ich dich; hilf mir am letzten Ende, nimm mich in deine Hände, daß ſelig ich ab⸗ ſcheide zur ewgen Himmels⸗ freude. 6. Amen zu aller Stund ſprech ich aus Herzensgrund. Du wolleſt ſelbſt uns leiten, Herr Chriſt, zu allen Zeiten, auf daß wir deinen Namen ohn Ende preiſen. Amen. F. Beurhaus, † 1609. Mel O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (In allen meinen Thaten.) 330 On allen meinen Thaten laß ich den Höchſten raten, der alles kann und hat; er muß zu allen Dingen, folls anders wohl gelingen, ſelbſt geben Segen, Rat und That. 2. Nichts iſt es ſpät und frühe um alle meine Mühe, mein Sorgen iſt umſonſt; er mags mit meinen Sachen nach ſeinem Willen machen, ich ſtells in ſeine Vater⸗ gunſt. 3. Es kann mir nichts geſchehen, als was er aus⸗ erſehen, und was mir ſelig iſt Ich nehm es, wie ers giebet; was ihm von ir beliebet, beliebet, das hab ich willig auch erkieſt. 4. Ich traue ſeiner Gna⸗ den, die mich vor allem Schaden, vor allem übel ſchützt. Leb ich nach ſeinen Sätzen, ſo wird mich nichts verletzen, nichts fehlen, was mir ewig nützt. 5. Er wolle meiner Sün⸗ den in Gnaden mich ent⸗ binden, durchſtreichen meine Schuld. Er wird auf mein Verbrechen nicht ſtracks das Urteil ſprechen und mit mir haben noch Geduld. 6. Leg ich mich ſpäte nie⸗ der, erwach ich frühe wieder, lieg oder zieh ich fort, in Schwachheit und in Banden, und was mir ſtößt zu handen, ſo tröſtet mich ſein göttlich Wort. 7. Hat er es denn be⸗ ſchloſſen, ſo will ich unver⸗ droſſen an mein Verhäng⸗ nis gehn; kein Unfall unter allen wird je zu hart mir fallen, ich will mit Gott ihn überſtehn. 8. Ihm hab ich mich er⸗ geben, zu ſterben und zu leben, ſobald er mir gebeut; es ſei heut oder morgen, dafür laß ich ihn ſorgen; er weiß allein die rechte Zeit. 9. So ſei nun, Seele, ſeine, und traue dem alleine, der dich geſchaffen hat! Es gehe, wie es gehe, dein Vertrauen. 229 Vater in der Höhe, der weiß zu allen Sachen Rat. P. Flemming, † 1640. 331 Gieb dich zufrieden und ſei ſtille in dem Gotte deines Lebens; in ihm ruht aller Freuden Fülle, ohn ihn mühſt du dich vergebens; er iſt dein Quell und deine Sonne, ſcheint täglich hell zu deiner Wonne; gieb dich zufrieden. 2. Er iſt voll Lichtes, Troſt und Gnaden, unge⸗ färbten treuen Herzens; wo er ſteht, thut dir keinen Scha⸗ den auch die Pein des größten Schmerzens; Kreuz, Angſt und Not kann er bald wenden, ja, auch den Tod hat er in Händen; gieb dich zufrieden. 3. Wie dirs und andern oft ergehe, iſt ihm wahrlich nicht verborgen; er ſieht und kennet aus der Höhe der betrübten Herzen Sorgen; er zählt den Lauf der heißen Thränen und faßt zu hauf all unſer Sehnen; gieb dich zufrieden. 4. Wenn gar kein Ein⸗ ger mehr auf Erden, deſſen Treue du darfſt trauen, als⸗ dann will er dein Treuſter werden und zu deinem Beſten ſchauen. Er weiß dein Leid und heimlich Grämen, auch weiß er Zeit, dirs zu beneh⸗ men; gieb dich zufrieden. 230 5. Er hört die Seufzer deiner Seelen und des Her⸗ zens ſtilles Klagen, und was du keinem darfſt exzählen, magſt du Gott gar kühnlich ſagen; er iſt nicht fern, ſteht in der Mitten, hört bald und gern der Armen Bitten; gieb dich zufrieden. 6. Laß dich dein Elend nicht bezwingen; halt an Gott, ſo wirſt du ſiegen; ob alle Fluten dich um⸗ ringen, ſollſt du doch nicht unterliegen; denn wenn du wirſt zu hoch beſchweret, hat Gott, dein Fürſt, dich ſchon erhöret; gieb dich zufrieden. 7. Was ſorgſt du für dein armes Leben, wie dus halten wollſt und nähren? Der dir das Leben hat ge⸗ geben, wird auch Unterhalt beſcheren. Er hat die Hand voll aller Gaben, davon ſich Land und See muß laben; gieb dich zufrieden. 8. Sprich nicht: ich ſehe keine Mittel; wo ich ſuch, iſt nichts zum beſten; denn das iſt Gottes Ehrentitel: helfen, wenn die Not am größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr ſpüren, tritt er herzu, uns wohl zu füh⸗ ren; gieb dich zufrieden. 9. Bleibt gleich die Hilf in etwas lange, wird ſie dennoch endlich kommen; macht dir das Harren angſt und bange, glaube mir, es Wiedergeburt und Heiligung. iſt dein Frommen. Was langſam ſchleicht, faßt man gewiſſer, und was verzeucht, iſt deſto ſüßer; gieb dich zu⸗ frieden. 10. Es kann und mag nicht anders werden: alle Menſchen müſſen leiden; was lebt und webet auf der Erden, kann das Unglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab ſchlägt unſre Lenden bis in das Grab, dann wird ſichs enden; gieb dich zu⸗ frieden. 11. Es iſt ein Ruhetag vorhanden, da uns unſer Gott wird löſen; er wird uns reißen aus den Banden dieſes Leibes und vom Bö⸗ ſen; es wird einmal der Tod herdringen und aus der Qual uns ſämtlich bringen; gieb dich zufrieden. 12. Er wird uns bringen zu den Scharen der Erwähl⸗ ten und Getreuen, die hier mit Frieden heimgefahren, ſich auch nun in Frieden frenen, da ſie den Grund, der nicht kann brechen, den ewgen Mund ſelbſt hören ſprechen: Gieb dich zufrieden. P. Gerhardt, † 1676. 332 arum ſollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Chri⸗ ſtum noch, wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir 6 mir ſchon Gottes Sohn bei⸗ gelegt im Glauben? 2. Arm und bloß kam ich ins Leben, da es mir, Herr, von dir ward zuerſt gegeben. Arm und bloß werd ich hin⸗ ziehen, wenn ichwerd von der Erd als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben iſt nicht mein, Gott allein iſt es, ders gegeben. Will ers wie⸗ der zu ſich kehren, nehm ers hin, ich will ihn dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt herein Angſt und Pein, ſollt ich drum verzagen? Der es ſchickt, der wird es wenden; er weiß wohl, wie er ſoll all mein Unglück enden. 5. Gott hat mich bei guten Tagen oft ergötzt; ſollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm iſt Gott und übt mit Maßen ſein Gericht,kann mich nicht ganz und gar verlaſſen. 6. Unverzagt und ohne Grauen ſoll ein Chriſt, wo er iſt, ſtets ſich laſſen ſchauen; wollt ihn auch der Tod auf⸗ reiben, ſoll der Mut dennoch gut und fein ſtille bleiben. 7. Kann ja doch kein Tod uns töten, ſondern reißt unſern Geiſt aus viel tauſend Nöten, ſchleußt das Thor der bittern Leiden und macht Bahn, da man kann gehn zu Himmelsfreuden. Vertrauen. 231 8. Allda will in ſüßen Schätzen ich mein Herz auf den Schmerz ewiglich er⸗ götzen. Hier iſt kein recht Gut zu finden; was die Welt in ſich hält, muß wie Rauch verſchwinden. 9. Was ſind dieſes Lebens Güter? eine Hand voller Sand, Kummer der Gemü⸗ ter. Dort, dort ſind die edlen Gaben, da mein Hirt Chriſtus wird mich ohn Ende laben. 10. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du biſt mein, ich bin dein, nie⸗ mand kann uns ſcheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut mir zu gut in den Tod gegeben. 11. Du biſt mein, weil ich dich faſſe und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen laſſe. Laß mich, laß mich hingelangen, wo du mich und ich dich ewig werd um⸗ fangen. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. (Beſiehl du deine Wege.) efiehl du deine 333 B Wege, und was dein Herze kränkt, der aller⸗ treuſten Pflege des, der den Himmel lenkt; der Wolken, Luft und Winden giebt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. 232 2. Dem Herren mußt du trauen, wenn dirs ſoll wohl⸗ ergehn; auf ſein Werk mußt du ſchauen, wenn dein Werk ſoll beſtehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit ſelbſteigner Pein läßt Gott ſich gar nichts nehmen: es muß erbeten ſein. 3. Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und ſieht, was gut ſei oder ſchade dem ſterblichen Geblüt; und was du dann erleſen, das treibſt du, ſtarker Held, und bringſt zum Stand und Weſen, was deinem Rat g 4. Weg haſt du aller⸗ wegen, an Mitteln fehlts dir nicht; dein Thun iſt lauter Segen, dein Gang iſt lauter Licht; dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern er⸗ ſprießlich iſt, willſt thun. 5. Und ob gleich alle Teufel hier wollten wider⸗ ſtehn, ſo wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn; was er ſich vorge⸗ nommen und was er haben will, das muß doch endlich kommen zu ſeinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, hoff und ſei unver⸗ zagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kum⸗ mer plagt, mit großen Gna⸗ Wiedergeburt und Heiligung. den rücken; erwarte nur die Zeit, ſo wirſt du ſchon er⸗ blicken die Sonn der ſchönſten Freud. 7. Auf, auf, gieb deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht; laß fahren, was das Herze betrübt und traurig macht; biſt du doch nicht Regente, der alles führen ſoll: Gott ſitzt im Regimente und führet alles wohl. 8. Ihn, ihn laß thun und walten; er iſt ein weiſer Fürſt und wird ſich ſo ver⸗ halten, daß du dich wundern wirſt, wenn er, wie ihm ge⸗ bühret, mit wunderbarem Rat das Werk hinaus ge— führet, das dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile mit ſeinem Troſt ver⸗ ziehn und thun an ſeinem Teile, als hätt in ſeinem Sinn er deiner ſich begeben und ſolltſt du für und für in Angſt und Nöten ſchwe⸗ ben, als fragt er nichts nach dir; 10. Wirds aber ſich be⸗ finden, daß du ihm treu verbleibſt, ſo wirſt du Hilfe finden, da dus am mindſten gläubſt; er wird dein Herze löſen von der ſo ſchweren Laſt, die du zu keinem Böſen bisher getragen haſt. 11. Wohl dir, du Kind der Treue, du haſt d trägſt davon mit u — ———.c——— 1— Dankgeſchreie den Sieg und Ehrenkron! Gott giebt dir ſelbſt die Palmen in deine rechte Hand, und du ſingſt Freudenpſalmen dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unſrer Not; ſtärk unſre Füß und Hände, und laß bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen ſein, ſo gehen unſre Wege gewiß zum Himmel ein. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Da Chriſtus geboren war ꝛc. (Um Erbarmen flehen wir.) 334 Auf den Nebel folgt die Sonn, auf das Trauern Freud und Wonn, auf die ſchwere, bittre Pein ſtellt ſich Troſt und Labſal ein. Meine Seele, die zuvor ſank bis zu des Todes Thor, ſteigt nun bis zum Himmelschor. 2. Gott läßt keinen trau⸗ rig ſtehn, noch mit Schimpf zurücke gehn, der ſich ihm zu eigen ſchenkt und ihn in ſein Herze ſenkt; wer auf Gott ſein Hoffnung ſetzt, findet endlich und zuletzt, was ihm Leib und Seel er⸗ götzt. 3. Kommts nicht heute, wie man will, ſei man nur ein wenig ſtill: iſt doch mor⸗ gen auch ein Tag, da die Vertrauen. Wohlfahrt kommen mag. Gottes Zeit hält ihren Schritt; wenn die kommt, kommt unſre Bitt und die Freude reichlich mit. 4. Als ich furchtſam und verzagt mich mit ſchwerem Gram geplagt, als ich manche liebe Nacht mich mit Wachen krank gemacht, als mir aller Mut entfiel, tratſt, mein Gott, du ſelbſt ins Spiel, gabſt dem Unfall Maß und Ziel. 5. Nun, ſo lang ich in der Welt haben werde Haus und Zelt, ſoll mir dieſer Wunderſchein ſtets vor mei⸗ nen Augen ſein; ich will all mein Leben lang meinem Gott mit Lobgeſang hierfür bringen Preis und Dank. 6. Allen Jammer, allen Schmerz, den des ewgen Vaters Herz mir ſchon jetzo zugezählt oder künftig aus⸗ erwählt, will ich hier in dieſem Lauf meines Lebens allzuhauf friſch und freudig nehmen auf. 7. Ich will gehn in Angſt und Not, ich will gehn bis in den Tod, ich will gehn ins Grab hinein, und doch allzeit fröhlich ſein. Wem der Stärkſte bei will ſtehn, wen der Höchſte will erhöhn, kann nicht ganz zu grunde gehn. P. Gerhardt, † 1676. —.—— 234 Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 335 Oxſt Gott für mich, ſo trete gleich alles wider mich; ſo oft ich ruf und bete, weicht alles hinter ſich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir thun der Feinde und Widerſacher Rott? 2. Nun weiß und glaub ich feſte, ich rühms auch ohne Scheu, daß Gott, der Höchſt und Beſte, mein Freund und Vater ſei, und daß in allen Fällen er mir zur Rechten ſteh und dämpfe Sturm und Wellen und, was mir bringet Weh. 3. Der Grund, drauf ich mich gründe, iſt Chriſtus und ſein Blut; das machet, daß ich finde das ewge wahre Gut. An mir und meinem Leben iſt nichts auf dieſer Erd was Chriſtus mir ge⸗ geben, das iſt der Liebe wert. 4. Mein Chriſtus iſt mein Ehre, mein Glanz und helles Licht; wenn der nicht in mir wäre, könnt ich be⸗ ſtehen nicht. In ihm kann ich mich freuen, hab einen Heldenmut, darf kein Ge⸗ richte ſcheuen, wie ſonſt ein Sünder thut. 5. Sein Geiſt wohnt mir im Herzen, regieret meinen Sinn, vertreibt mir Sorg und Schmerzen, nimmt allen Wiedergeburt und Heiligung. Kummer hin, giebt Segen und Gedeihen dem, was er in mir ſchafſt, hilft mir das Abba ſchreien aus aller mei⸗ ner Kraft. 6. Und wenn an mei⸗ nem Orte ſich Furcht und Schwachheit findt, ſo ſeufzt und ſpricht er Worte, die unausſprechlich ſind mir zwar und meinem Munde, Gott aber wohl bewußt, der an des Herzens Grunde er⸗ ſiehet ſeine Luſt. 7. Sein Geiſt ſpricht meinem Geiſte manch ſüßes Troſtwort zu, wie Gott dem Hilfe leiſte, der bei ihm ſuchet Ruh, und wie er hab erbauet ein edle neue Stadt, da Aug und Herze ſchauet, was es ge⸗ glaubet hat. 8. Da iſt mein Teil, mein Erbe mir prächtig zugericht; wenn ich gleich fall und ſterbe, fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten mit Thränen meine Zeit, mein Jeſus und ſein Leuchten durchſüßet alles Leid. 9. Die Welt, die mag zerbrechen, du ſtehſt mir ewiglich; nicht Feur und Schwert der Frechen ſoll trennen mich und dich; kein Hunger und kein Dürſten, kein Armut, keine Pein, kein Zorn der großen i ſoll mir ein Hindrus 10. Kein Engel, keine Freuden, kein Thron, kein Herrlichkeit, kein Lieben und kein Leiden, kein Angſt, kein Herzeleid, was man nur kann erdenken, es ſei klein oder groß, der keines ſoll mich lenken aus deinem Arm und Schoß. 11. Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig ſein, iſt voller Freud und Singen, ſieht lauter Sonnenſchein: die Sonne, die mir lachet, iſt mein Herr Jeſus Chriſt; das, was mich ſingen machet, iſt, was im Himmel iſt. P. Gerhardt, † 1676. 336 Spwing dich auf zu deinem Gott, du betrübte Seele! Warum liegſt du Gott zum Spott in der Schwermutshöhle? Merkſt du nicht des Feindes Liſt? Er will durch ſein Kämpfen deinen Troſt, den Jeſus Chriſt dir erworben, dämpfen. 2. Stürme, Feind und Welt und Tod, was könnt ihr mir ſchaden? Deckt mich doch in meiner Not Gott mit ſeinen Gnaden, der Gott, der mir ſeinen Sohn ſelbſt geſchenkt aus Liebe, daß der ewge Spott und Hohn mich dort nicht betrübe. 3. Spreche alle Welt, es ſei mir Gott nicht gewogen; Vertrauen. 235 weiß ich doch, er bleibt ge⸗ treu, hat mich nie betrogen. Wär er gnädig nicht geſinnt, würd er ſeine Gaben, die mein eigen worden ſind, wohl behalten haben. 4. Was iſt unterm Him⸗ melszelt, was im tiefen Meere, was iſt Gutes in der Welt, das nicht mir gut wäre? Wem erglänzt das Sternenlicht? Wozu iſt ge⸗ geben Luft und Waſſer? Dient es nicht mir und meinem Leben? 5. Meine Seele lebt in mir durch die heilgen Lehren, ſo die Chriſten mit Begier alle Tage hören. Gott er⸗ öffnet früh und ſpat meinen Geiſt und Sinne, daß ſie ſeines Geiſtes Gnad freudig werden inne. 6. Nun, auf dieſen heilgen Grund bau ich mein Ge⸗ müte, ſehe, wie der Feind zur Stund zwar dawider wüte; gleichwohl muß er laſſen ſtehn, was Gott auf⸗ gerichtet, aber ſchmählichmuß vergehn, was er ſelber dichtet. 7. Ich bin Gottes, Gott iſt mein; wer iſt, der uns ſcheide? Dringtauchſchweres Kreuz herein mit dem bittern Leide: laß es dringen, kommt es doch von geliebten Hän⸗ den; ſchnell zerbricht des Kreuzes Joch, wenn es Gott will wenden. — — —— 236 8. Kinder, die der Vater ſoll ziehn zu allem Guten, die gedeihen ſelten wohl ohne Zucht und Ruten. Bin ich denn nun Gottes Kind, warum will ich fliehen, wenn er mich von meiner Sünd will zum Guten zie⸗ hen? 9. Es iſt herzlich gut ge⸗ meint mit der Chriſten Pla⸗ gen; wer hier zeitlich wohl geweint, darf nicht ewig klagen, ſondern hat voll⸗ kommne Luſt dort in Chriſti Garten, dem ſein Leiden iſt bewußt, endlich zu erwarten. 10. Gottes Kinder ſäen zwar traurig und mit Thränen, aber endlich bringt das Jahr, wonach ſie ſich ſehnen; denn es kommt die Erntezeit, da ſie Garben binden, da wird all ihr Gram und Leid ewiglich verſchwinden. 11. Ei, ſo faß, o Chriſten⸗ herz, alle deine Schmerzen; wirf ſie fröhlich hinterwärts, laß des Troſtes Kerzen dich entzünden mehr und mehr; gieb dem großen Namen deines Gottes Preis und Ehr! Er wird helfen! Amen. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Von Gott will ich ꝛc. 337 iſt euch vonnöten, wenn Sorge, Gram und Schmerz und, was euch Wiedergeburt und Heiligung. mehr will töten, euch ſchnei⸗ det in das Herz. O auser⸗ wählte Schar! Soll euch kein Tod je töten, iſt euch Geduld vonnöten; das iſt gewißlich wahr. 2. Geduld iſt Gottes Gabe und ſeines Geiſtes Gut; er ſchenkt ſie uns zum Stabe, ſobald er in uns ruht. Der edle werte Gaſt erlöſt uns von dem Zagen und hlilft uns treulich tragen die größte Bürd und Laſt. 3. Geduld kommt aus dem Glauben und hängt an Gottes Wort; das läßt ſie ſich nicht rauben, das iſt ihr Heil und Hort; das iſt ihr hoher Wall, da hält ſie ſich verborgen, läßt Gott, den Vater, ſorgen und fürchtet keinen Fall. 4. Geduld iſt wohl zu⸗ frieden mit Gottes weiſem Rat, läßt ſich nicht leicht ermüden durch Aufſchub ſeiner Gnad, hält friſch und fröhlich aus, läßt ſich ge⸗ troſt beſchweren und denkt: wer wills ihm wehren? Iſt er doch Herr im Haus. 5. Geduld dient Gott zu Ehren und läßt ſich nimmer⸗ mehr von ſeiner Liebe kehren; und ſchlüg er noch ſo ſehr, ſo iſt ſie doch bedacht, die heilge Hand zu loben, ſpricht: Gott, der hoch erhoben, hat alles wohlgemacht. —= 6. Geduld macht große Freude, bringt aus dem Himmelsthron ein ſchönes Halsgeſchmeide, dem Haupt ein edle Kron, iſt wie ein ſchönes Licht, davon, wer an ihr hanget, mit Gottes Hilf erlanget ein fröhlich Ange⸗ ſicht. 7. Geduld iſt mein Ver⸗ langen und meines Herzens Luſt, nach der ich oft ge⸗ gangen: das iſt mir wohl bewußt. Herr, voller Gnad und Huld! Ach, gieb mir und gewähre mein Bitten: ich be⸗ gehre nichts anders, als Ge⸗ duld. 8. Geduld iſt meine Bitte, die ich ſehr oft und viel aus dieſer Leibeshütte zu dir, Herr, ſchicken will. Kommt dann der letzte Zug, ſo gieb durch deine Hände auch ein geduldig Ende, ſo hab ich alles gnug. P. Gerhardt, † 1676. 338 Ales iſt an Gottes Segen und an ſeiner Gnad gelegen, über alles Geld und Gut. Wer auf Gott ſein Hoffnung ſetzet, der behält ganz unver⸗ letzet einen freien Helden⸗ mut. 2. Der mich hat bisher ernähret und ſo manches Glück beſcheret, iſt und blei⸗ bet ewig mein; der mich wunderbar geführet und noch Vertrauen. leitet und regieret, wird hin⸗ fort mein Helfer ſein. 3. Viele mühen ſich um Sachen, die nur Sorg und Unruh machen und ganz unbeſtändig ſind; ich begehr, nach dem zu ringen, was den Frieden pflegt zu brin⸗ gen, und man jetzt gar ſel⸗ ten findt. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken; was ich wün⸗ ſche, wird ſich ſchicken, ſo es anders Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Leben hab ich ſeiner Gnad ergeben und ihm alles heimgeſtellt. 5. Er weiß ſchon nach ſeinem Willen mein Ver⸗ langen zu erfüllen; es hat alles ſeine Zeit. Ich hab ihm nichts vorzuſchreiben; wie Gott will, ſo muß es bleiben; wann Gott will, ich bin bereit. 6. Soll ich länger allhier leben, will ich ihm nicht widerſtreben; ich verlaſſe mich auf ihn. Iſt doch nichts, das lang beſtehet, alles Irdiſche vergehet und fährt wie ein Strom dahin. Vor 1676. (Wer nur den lieben Gott läßt walten, Nr. 1.) 339 Mrer nur den lie⸗ ben Gott läßt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunder⸗ bar erhalten in aller Not und 238 und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchſten, traut, der hat auf keinen Sand ge⸗ baut. 2. Was helfen uns die ſchweren Sorgen? Was hilft uns unſer Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen beſeufzen unſer Un⸗ gemach? Wir machen unſer Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig ſtille und ſei doch in ſich ſelbſt vergnügt, wie un⸗ ſers Gottes Gnadenwille, wie ſein Allwiſſenheit es fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, der weiß auch ſehr wohl, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freudenſtunden, er weiß wohl, wann es nützlich ſei; wenn er uns nur hat treu erfunden und merket keine Heuchelei, ſo kommt Gott, eh wirs uns verſehn, und läſſet uns viel Guts ge⸗ ſchehn. 5. Denk nicht in deiner Drangſalshitze, daß du von Gott verlaſſen ſeiſt, und daß ihm der im Schoße ſitze, der ſich mit ſtetem Glücke ſpeiſt; die Folgezeit verän⸗ dert viel und ſetzet jeglichem ſein Ziel. 6. Es ſind ja Gott ſehr leichte Sachen und iſt dem Höchſten alles gleich, den Wiedergeburt und Heiligung. Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich; Gott iſt der rechte Wundermann, der bald erhöhn, bald ſtürzen kann. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, ſo wird er werden bei dir neu; denn welcher ſeine Zu⸗ verſicht auf Gott ſetzt, den verläßt er nicht. G. Neumark, † 1681. 340 Sollt es gleich bis⸗ weilen ſcheinen, als verließe Gott die Seinen, o ſo glaub und weiß ich dies: Gott hilft endlich doch gewiß. 2. Hilfe, die er aufgeſcho⸗ ben, hat er drum nicht auf⸗ gehoben; hilft er nicht zu jeder Friſt, hilft er doch, wanns nötig iſt. 3. Wie oft Väter nicht gleich geben, wonach ihre Kinder ſtreben, ſo hält Gott auch Maß und Ziel; er giebt, wem und wann er will. 4. Seiner kann ich mich getröſten, wenn die Not amallergrößten; er iſt gegen mich, ſein Kind, mehr als väterlich geſiunt. 5. Will der Feind mir bange machen,— ich kann ſeine Macht verlachen; drücht mich — mich ſchwer des Kreuzes Joch,— Gott, mein Vater, lebet noch. 6. Mögen mich die Men⸗ ſchen kränken, mag auf mein Verderben denken, wer mir ohne Urſach feind! Gott im Himmel iſt mein Freund. 7. Laß die Welt nur immer neiden! Will ſie mich nicht länger leiden, ei, ſo frag ich nichts danach; Gott iſt Richter meiner Sach. 8. Will ſie mich gleich von ſich treiben, muß mir doch der Himmel bleiben; iſt der Himmel mein Gewinn, geb ich alles andre hin. Herr, kann ich nur dich umfaſſen, will ich alles andre laſſen; legt man mich dereinſt ins Grab, gnug, Herr, wenn ich dich nur habi Ch. Titius, † 1703. Mel. Jeſu, meine Freude ꝛc. 341 Geſus iſt mein W Leben, dem ich mich ergeben feſt bis in den Tod; er iſt meine Sonne, meine Freud und Wonne in der größten Not. Leid ich gleich in ſeinem Reich, ſo werd ich mit ihm regieren und dort triumphieren. 2. Die mit Zeſu leiden, werden mit ihm weiden in dem Sternenzelt; die mit Jeſu ſterben, werden mit ihm erben, wo ihr Reich be⸗ ſtellt. Ihre Kron und Sieges⸗ Vertrauen. 239 lohn ſind, wo Gott die Engel loben, ſicher aufgehoben. 3. Die mit Thränen ſäen, wenn die Winde wehen, die der Feind erweckt, werden dort mit Freuden ernten nach dem Leiden, wo kein Feind mehr ſchreckt. Nach der Müh, die ſie allhie dul⸗ den, wird ſie Gott ergötzen mit des Himmels Schätzen. 4. O ihr frommen Seelen, die ihr euch mit Quälen bringet durch die Welt, die ihr öfters weinet, wenn kein Troſt erſcheinet, wenn euch Kreuz befällt, denket doch bei dieſem Joch an die Kron in jenem Leben, die euch Gott wird geben. 5. Wenn uns Sünden kränken, laſſet uns bedenken Gottes Gnadenrat! Jeſus hat erduldet, was wir hier verſchuldet; er giebt Gnad um Gnad. Kämpfen wir mit ihm allhier, ſo wird er uns helfen kämpfen und die Sünde dämpfen. 6. Seid getreu, ihr Herzen, bei des Kreuzes Schmerzen, treu bis in den Tod! Jeſus wird euch tröſten, wenn er die Erlöſten führt aus aller Not. Auf das Leid folgt Fried und Freud; Gott wird laſſen nach dem Weinen euch die Sonne ſcheinen. 7. Nun, Herr Jeſu, ſtärke uns zum guten Werke, hilf uns durch die Welt! u 240 du Herr der Ehren, unſer Herz zu kehren nach dem Himmelszelt. Sei uns Schutz und ſtarker Trutz, jetzt im Leben, dort im Sterben, daß wir alles erben. Freylinghauſens Geſangbuch, 1704. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 342 Mein⸗ Sorgen, Angſt und Plagen laufen mit der Zeit zu End; alles Seufzen, alles Klagen, das der Herr alleine kennt, wird Gottlob nicht ewig ſein; nach dem Regen wird ein Schein von viel tauſend Sonnenblicken mei⸗ nen matten Geiſt erquicken. 2. Meine Saat, die ich ge⸗ ſäet, wird zur Freude wachſen aus; wenn die Dornen ab⸗ gemähet, ſo trägt man die Frucht nach haus; wenn ein Wetter iſt vorbei, wird der Himmel wieder frei; nach dem Kämpfen, nach dem Streiten kommen die Erquickungszeiten. 3. Unſer Weg geht nach den Sternen, der mit Kreu⸗ zen iſt beſetzt; hier muß man ſich nicht entfernen, ob er gleich mit Blut benetzt. Zu dem Schloß der Ewigkeit kommt kein Menſch hin ohne Streit; die in Salems Mauern wohnen, zeigen ihre Dornenkronen. Wiedergeburt und Heiligung. 4. Es ſind wahrlich alle Frommen, die des Himmels Klarheit ſehn, aus viel Trüb⸗ ſal her gekommen; darum ſiehet man ſie ſtehn vor des Lammes Stuhl und Thron, prangend in der Ehrenkron und mit Palmen ausge⸗ zieret, weil ſie glücklichtrium⸗ phieret. 5. Gottes Ordnung ſtehet feſte und bleibt ewig unver⸗ rückt: ſeine Freund und Hochzeitsgäſte werden nach dem Streit beglückt; Israel behält den Sieg nach ge⸗ führtem Kampf und Krieg; Kanaan wird nicht gefun⸗ den, wenn man nicht hat überwunden. 6. Darum trage deine Ketten, meine Seel, und dulde dich! Gott wird dich gewiß erretten, das Gewitter leget ſich; nach dem Blitz und Donnerſchlag folgt ein angenehmer Tag; auf den Abend folgt der Morgen, und die Freude nach den Sorgen. Freylinghauſens Geſangbuch, 1704. Mel. Zu Gott in dem Himmel droben ꝛc. 343 Spoll ich denn mich täglich kränken, ängſtlich an das Künftge denken? Soll ich abends nie mit Ruh meine Augen ſchließen zu? Soll es immer vor mir ſtehen: wie wirds einſt einſt noch mir ergehen? Da die Sorge mich nur quält, und doch ihres Ziels ver⸗ fehlt? 2. Gott, der mich bisher erhalten, höret nimmer auf zu walten; oder ſollt er jetzt allein ſeines Waltens müde ſein? Wohl, ich will das Sorgen laſſen und zu ihm Vertrauen faſſen; wie er mich auch führen will, meine Seele bleibe ſtill. 3. Wies auch in der Welt mir gehet, er iſts, der allein verſtehet, was mir heilſam iſt und gut, oder was mir Schaden thut. Laß ich ihn für mich nur wählen, wird kein wahres Gut mir fehlen; aber eigner Will und Rat wähltofteinen falſchen Pfad. 4. Bleib ich ſtehn auf nie⸗ dern Stufen, will ich in das Herz mir rufen, daß ich, vieler Sorgen frei, vor dem Sturz geſichert ſei. Doch, wenn Gott mich wollt er⸗ heben, will ich ihm nicht widerſtreben; er wird mir die Kraft verleihn, im Be⸗ ruf getreu zu ſein. 5. Will die Armut mei⸗ ner Hütten er mit Segen überſchütten, ſo verleih er nur zugleich, daß die Seele werde reich. Doch iſt Ar⸗ mut mir beſchieden, bin ich auch damit zufrieden; denn auf dieſe arme Zeit folgt die reiche Gwigkeit. Vertrauen. 241 6. Wird mir Gott Ge⸗ ſundheit geben, will ich eifrig darnach ſtreben, daß ich fördre mehr und mehr mei⸗ nes Gottes Ruhm und Ehr. Aber auch in Krankheits⸗ tagen möge Gottes Geiſt mir ſagen, daß ſolch herbe Arzenei mir zum Heile nötig ei. 7. Soll ich noch viel Jahre zählen, mit des Lebens Not mich quälen, kommt doch auch wohl mancher Tag, daß mein Herz ſich freuen mag. Aber käm ich bald hinüber, wär mir ſolches deſto lieber, weil ich käm aus aller Not hin zu mei⸗ nem Herrn und Gott. 8. Alles ſei Gott heiinge⸗ geben, Freud und Trübſal, Tod und Leben; es geſchehe, was ſein Rat über mich beſchloſſen hat. Ich will mich nicht länger kränken, ſondern dies allein bedenken, daß nach Gottes Gnaden⸗ ſchluß Chriſten alles from⸗ men muß. Ph. Jak. Spener, † 1705. 344 W Gott thut das iſt wohl gethan, es bleibt gerecht ſein Wille; wie er fängt meine Sachen an, will ich ihm halten ſtille. Er iſt mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten; drum laß ich ihn nur walten. 11 242 2. Was Gott thut, das iſt wohl gethan; er kann ja nimmer trügen, er führet mich auf rechter Bahn; ſo laß ich mir genügen an ſeiner Huld und hab Ge⸗ duld, er wird mein Unglück wenden; es ſteht in ſeinen Händen. 3. Was Gott thut, das iſt wohl gethan; er wird mich wohl bedenken; er, als mein Arzt, der helfen kann, wird mir nicht Gift ein⸗ ſchenken für Arzenei, Gott iſt getreu; drum will ich auf ihn bauen und ſeiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das iſt wohl gethan; er iſt mein Licht und Leben, der mir nichts Böſes gönnen kann; ich will mich ihm ergeben in Freud und Leid, es kommt die Zeit, da öffent⸗ lich erſcheinet, wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das iſt wohl gethan; muß ich den Kelch gleich ſchmecken, der bitter iſt nach meinem Wahn, laß ich mich doch nicht ſchrecken, weil doch zu⸗ letzt ich werd ergötzt mit ſüßem Troſt im Herzen; da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das iſt wohl gethan; dabei will ich verbleiben; es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben, ſo Wiedergeburt und Heiligung. wird Gott mich ganz väter⸗ lich in ſeinen Armen halten; drum laß ich ihn nurwalten. S. Rodigaſt, † 1708. Mel. Alles iſt an Gottes Segen ꝛc. 345 Wanderanfang, herrlichs En⸗ de, wo die wunderweiſen Hände Gottes führen aus und ein! Wunderweislich iſt ſein Raten, wunderreich ſind ſeine Thaten, und du ſprichſt: wo wills hinaus? 2. Denke doch: es muß ſo gehen, was Gott weislich heißt geſchehen ihm und dir zur Herrlichkeit; ob der An⸗ fang ſeltſam ſcheinet, iſt das Ende gut gemeinet; Friede folget nach dem Streit. 3. Gottes Weg iſt wie in Flüſſen und in großen Waſſergüſſen, und du ſpürſt nicht ſeinen Fuß; ſo auch in dem Meer der Sorgen hält Gott ſeinen Pfad ver⸗ borgen, daß man nach ihm ſuchen muß. 4. Kein Beſinnen mag er⸗ ſinnen, wo man Hilfe kann gewinnen, die Vernunft iſt hier zu blind; nicht für das Verborgne taugen ihre halb⸗ gebrochnen Augen, weil ſie allzu blöde ſind. 5. Gott muß man in allen. Sachen, weil er alles wohl kann machen, End und An⸗ fang geben frei. Er läßt, was er angefangen, ſo zum Ende —,——— — Ende ſtets gelangen, daß es wunderherrlich ſei. 6. Drum laß dir doch nimmer grauen, lerne deinem Gott vertrauen, ſei getroſt und gutes Muts. Er, für⸗ wahr, er wird es führen, daß du wirſt am Ende ſpüren, wie er dir thut lau⸗ ter Guts. 7. Deinem Glauben wirds nicht fehlen; du wirſt noch der Welt erzählen, was die blinde Welt nicht kennt. Er wird dir dein Kreuz ver⸗ ſüßen, daß du wirſt be⸗ kennen müſſen: Wunder⸗ anfang, herrlichs End! H. A. Stoafleth, † 1708. 346 Gotte lebet noch! Seele, was verzagſt du doch? Gott iſt gut, der aus Erbarmen alle Hilf auf Erden thut, der mit Kraft und ſtarken Armen mächet alles wohl und gut; Gott kann beſſer, als wir denken, alle Not zum beſten lenken. Seele, ſo bedenke doch: lebt doch unſer Herr-Gott noch. 2. Gott lebet noch! Seele, was verzagſt du doch? Sollt der ſchlummern oder ſchla⸗ fen, der das Aug hat ju gericht? Der die Ohren hat erſchaffen, ſollte dieſer hören nicht? Gott iſt Gott, der hört und ſiehet, wo den Vertrauen. Frommen weh geſchiehet. Seele, ſo bedenke doch: lebt doch unſer Herr-Gott noch. 3. Gott lebet noch! Seele, was verzagſt du doch? Der den Erdenkreis verhüllet mit den Wolken weit und breit, der die ganze Welt erfüllet, iſt von uns nicht fern und weit. Wer Gott liebt, dem will er ſenden Hilf und Troſt an allen Enden. Seele, ſo bedenke doch: lebt doch unſer Herr⸗Gott noch. 4. Gott lebet noch! Seele, was verzagſt du doch? Biſt du ſchwer mit Kreuz be⸗ laden, nimm zu Gott nur deinen Lauf. Gott iſt groß und reich von Gnaden, hilft den Schwachen gnädig auf. Gottes Gnade währet immer, ſeine Treu vergehet nimmer. Seele, ſo bedenke doch: lebt doch unſer Herr⸗Gott noch. 5. Gott lebet noch! Seele, was verzagſt du doch? Wenn dich deine Sünden kränken, dein Verbrechen quält dich ſehr: komm zu Gott, er wird verſenken deine Sünden in das Meer; mitten in der Angſt der Höllen kann er dich zufrieden ſtellen. Seele, ſo bedenke doch: lebt doch unſer Herr⸗Gott noch. 6. Gott lebet noch! Seele, was verzagſt du doch? Will dich alle Welt verlaſſen, weißt du weder aus noch ein, 244 ein, Gott wird dennoch dich umfaſſ en und im Leiden bei dir ſein. Gott iſts, der es herzlich meinet, wo die Not am größten ſcheinet. Seele, ſo bedenke doch: lebt doch unſer Herr⸗Gott noch. 7. Gott lebet noch! Seele, was verzagſt du doch? Mußt du ſchon geängſtigt wallen auf der harten Dornenbahn: es iſt Gottes Wohlgefallen, dich zu führen himmelan; Gott will nach dem Jammer⸗ leben Fried und Freud und Himmel geben. Drum, o Seel, bedenke doch: lebt doch unſer Herr⸗Gott noch! Joh. Fr. Zihn, † 1719. 347 Cʒch laß dich nicht, du Hilf in allen Nöten; leg Joch auf Joch, ich hoffe doch, auch wenn es ſcheint, als wollteſt du mich töten. Machs, wie duwillſt, mit mir: ich weiche nicht von dir; verſtelle dein Geſicht: du Hilf in allen Nöten, ich laß dich nicht, ich laß dich nicht! 2. Ich laß dich nicht! Sollt ich den Segen laſſen? Mein Jeſu, nein, du bleibeſt mein, dich halt ich noch, wenn ich nichts mehr kann faſſen. Nach kurzer Nächte Lauf geht mir der Segen auf von dir, dem Segenslicht: ſollt ich den Segen laſſen? Ich Wiedergeburt und Heiligung. laß dich nicht, ich laß dich nicht 3. Ich laß dich nicht, mein Gott, mein Herr, mein Leben! Mich reißt das Grab von dir nicht ab, der du dich haſt für mich in Tod gegeben. Du ſtarbſt aus Liebe mir; ich ſag in Liebe dir, auch wenn das Herz zerbricht: mein Gott, mein Herr, mein Leben, ich laß dich nicht, ich laß dich nicht! M. Ch. Deßler, † 1722. Mel. Meinen Jeſum laß ich nicht ꝛc. 348 eine Seeleſen⸗ ket ſich hin in Gottes Herz und Hände und erwartet ruhiglich ſeiner Wege Ziel und Ende, liegt fein ſtille, arm und bloß in des liebſten Vaters Schoß: 2. Meine Seele murret. nicht, iſt mit allem wohl zufrieden; was der eigne Wille ſpricht, iſt zum Tode ſchon beſchieden; was die Ungeduld erregt, iſt in Chriſti Grab gelegt. 3. Meine Seele ſorget nicht, will vielmehr an nichts gedenken, was gleich ſpitzen Dornen ſticht und den Frieden nur kann kränken; Sorgen kommt dem Schöpfer ſ meine Seele ſucht nur uh. 4. Meine Seele grämt ſich nicht, liebt hingegen Gott im Leiden; er der das Herze bricht, trifft und ängſtet nur die Heiden. Wer Gott in dem Schoße liegt, bleibt in aller Not vergnügt. 5. Meine Seele klaget nicht; denn ſie weiß von keinen Röten, hängt an Got⸗ tes Angeſicht auch alsdann, wenn er will töten. Wo ſich Fleiſch und Blut beklagt, wird der Freudengeiſt ver⸗ jagt. 6. Meine Seel iſt ſtill zu Gott, und die Zunge bleibt gebunden; alſo hab ich allen Spott, alle Schmerzen über⸗ wunden, bin gleich wie ein ſtilles Meer voll von Gottes Preis und Ehr. . J. Winkler, † 1722. Mel.Ringerecht, wennGottes Gnaderc. 349 ott wills ma⸗ chen, daß die Sachen gehen, wie es heilſam iſt; laß die Wellen rings⸗ um ſchwellen, wenn du nur bei Jeſu biſt! 2. Wer ſich kränket, weil er denket, Jeſus liege in dem Schlaf, wird mit Kla⸗ gen nur ſich plagen, daß der Unglaub leide Straf. 3. Du Verächter! Gott, dein Wächter, ſchläfet ja noch ſchlummert nicht; zu den Höhen aufzuſehen, wäre deine Glaubenspflicht. 4. Im Verweilen und im Eilen bleibt er ſtets ein Vertrauen. Vaterherz; laß dein Weinen bitter ſcheinen, dein Schmerz iſt ihm auch ein Schmerz. 5. Glaub nur feſte, daß das Beſte über dich be⸗ ſchloſſen ſei; wenn dein Wille nur iſt ſtille, wirſt du von dem Kummer frei. 6. Willſt du wanken in Gedanken, faß dich in Ge⸗ laſſenheit; laß den ſorgen, der auch morgen Herr iſt über Leid und Freud. 7. Gottes Hände ſind ohn Ende, ſein Vermögen hat kein Ziel; iſts beſchwerlich, ſcheints gefährlich, deinem Gott iſt nichts zu viel. 8. Wenn die Stunden ſich gefunden, bricht die Hilf mit Macht herein, und dein Grämen zu beſchämen, wird es unverſehens ſein. 9. Drum wohl denen, die ſich ſehnen nach der ſtillen Willensruh! Auf das Wollen fällt dem Sollen bald auch das Vollbringen zu. 10. Nun ſo trage deine Plage fein getroſt und mit Geduld! Wer das Leiden will vermeiden, häufet ſeine Sündenſchuld. 11. Aber denen, die mit Thränen küſſen ihres Jeſu Joch, wird die Krone vor dem Throne ihres Heilands werden noch. 12, 3 Amen! In dem Namen meines Jeju halt ich ſtill; es geſchehe und 246 und ergehe, wie und wann und was er will. J. D. Herrnſchmidt, † 1723. Mel. Jeſu, meine Freude ꝛc. 350 Stele, ſei zufrie⸗ den! Was dir Gott beſchieden, das iſt alles gut; treib aus deinem Her⸗ zen Ungeduld und Schmer⸗ en, faſſe friſchen Mut. Iſt ie Not dein täglich Brot, mußt du weinen mehr als lachen: Gott wirds doch wohl machen. 2. Scheint der Himmel trübe und der Menſchen Liebe ſtirbt dir ganz dahin; kommt das Mißgeſchicke faſt all Augenblicke und quält deinen Sinn: nur Geduld! Des Himmels Huld ſieht auf alle deine Sachen: Gott wirds doch wohl machen. 3. Ungeduld und Grämen kann nichts von uns nehmen, macht nur größern Schmerz. Wer ſich widerſetzet, wird nur mehr verletzet; drum Geduld, mein Herz! Aus dem Sinn die Sorgen hin! Drücket gleich die Laſt die Schwachen: Gott wirds doch wohl machen. 4. Auf die Waſſerwogen folgt ein Regenbogen, und die Sonne blickt; ſo muß auf das WeinenlauterFreude ſcheinen, die das Herz er⸗ quickt. Laß es ſein, wenn Angſt und Pein mit dir Wiedergeburt und Heiligung. ſchlafen, mit dir wachen: Gott wirds doch wohl machen.. 5. Kronen ſollen tragen, die des Kreuzes Plagen in Geduld beſiegt; fröhlich aus⸗ zuhalten und Gott laſſen walten, das macht recht ver⸗ gnügt; drum nimm dir, o Seele, für, ſtets zu beten und zu wachen: Gott wirds doch wohl machen. 6. Alſo ſoll es bleiben! Ich will mich verſchreiben, Gott getreu zu ſein; beides, Tod und Leben, bleibe ihm ergeben, ich bin ſein, er mein; denn mein Ziel iſt: wie Gott will! Drum ſag ich in allen Sachen: Gott wirds doch wohl machen.“ B. Schmolck, † 1737. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛc., Nr. 1. 351 Oe größer Kreuz, je näher Him⸗ mel; wer Kreuz, iſt ohne Gott, denn bei dem eitlen Weltgetümmel vergißt man Hölle, Fluch und Tod. O ſelig iſt der Mann ge⸗ ſchätzt, den Gott in Kreuz und Trübſal ſetzt. 2 Je größer Kreuz, je beſſre Vhriſten; Gott prüft uns mit dem Probeſtein. Wie mancher Garten muß gleich Wüſten, weil ohne Thränenregen, ſein! Tas Gold wird auf dem Feuer⸗ herd, herd, ein Chriſt in mancher Not bewährt. 3. Je größer Kreuz, je ſtärkrer Glaube; die Palm erſtarket durch die Laſt; die Süßigkeit fließt aus der Traube erſt; wenn du ſie gekeltert haſt; und wie die Perl in Salzesflut, ſo wächſt im Kreuz der Glau⸗ bensmut. 4. Je größer Kreuz, je größre Liebe; der Sturm facht nur die Flammen auf; ſcheint auch der Himmel nbch ſo trübe, ſo lacht doch bald die Sonne drauf, und gleich wie Hl das Feuer nährt, wird Liebesglut durch Kreuz vermehrt. 5. Je größer Kreuz, je mehr Gebete, ſie ſtrömen aus dem Herzen fort; wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, ſo fragte man nicht nach dem Port. Wo kämen Davids Pſalmen her, wenn Kreuz ihm ferngeblieben wär? 6. Je größer Kreuz, je mehr Verlangen; im Thale ſteiget man bergon; wer durch die Wüſten oft ge⸗ gangen, der ſehnet ſich nach Kanaan. Die Seele findet hier nicht Ruh, drum Filt ſie Zions Hütten zu. 7. Je größer Kreuz, je lieber Sterben; man freut ſich recht auf ſeinen Tod, denn man entgehet dem Ver⸗ Vertrauen. 247 derben; es ſtirbt auf einmal alle Not. Das Kreuz, das unſre Gräber ziert, bezeugt, man habe triumphiert. 8. Je größer Kreuz, je ſchönre Krone, die Gott den Seinen beigelegt, und die einmal vor ſeinem Throne der überwinder Scheitel trägt; ach, dieſes teure Kleinod macht, daß man das größte Kreuz nicht acht. 9. Gekreuzigter! laß mir dein Kreuze je länger deſto lieber ſein; daß mich die Ungeduld nicht reize, ſo pflanz ein ſolches Herz mir ein, das Glaube, Liebe, Hoffnung hegt, bis dort mein Kreuz die Krone trägt. B. Schmolck, † 1737. Mel. Was Gott thut, das iſt zc. 352 ott lebt! Wie kann ich trau⸗ rig ſein, als wär kein Gott zu finden? Er weiß ja wohl von meiner Pein, die ich hier muß empfinden; er kennt mein Herz und meinen Schmerz, ſo darf ich nicht verzagen und ihm nur alles klagen. 2. Gott hört! Wenn nie⸗ mand hören will: wie ſoll ich lange ſorgen, mein Seuf⸗ zen dringe nicht zum Ziel und bleibe Gott verborgen? Schrei ich empor, ſo hört ſein 248 Wiedergeburt und Heiligung. ſein Ohr, ſo ſteigt die Hilfe nieder, ſo ſchallt das Amen wieder. 3. Gott ſieht! Wie klaget denn mein Herz, als ſäh er nicht mein Weinen! Vor ihm muß auch der tiefſte Schmerz ganz offenbar er⸗ ſcheinen; kein Thränlein fällt, ſo er nicht zählt und ſich vor Augen ſetzet, bis er uns drauf ergötzet. 4. Gott führt! So geh ich ruhig fort auf allen meinen Wegen; und wenn die Welt bald hier, bald dort will ihre Stricke legen, ſo pflegt er mic zwar wunderlich, doch ſelig auch zu führen, daß mich kein Fall kann rühren. 5. Gott giebt! Und wär ich noch ſo arm, doch ſoll ich nicht verderben; was hilft mir denn mein ſteter Harm, als müßt ich Hungers ſterben; er hat ja Brot, und wenn die Not uns nach der Wüſte weiſet, doch wer⸗ den wir geſpeiſet. 6. Gott lebt, wohlan, ich merke das; Gott hört, ich wills ihm ſagen; Gott ſieht, er ſetzt den Thränen Maß; Gottführt, ich darf nicht klagen; Gott giebt und liebt, nur unbetrübt! Er wird nir endlich geben, auch dort mit ihm zu leben. B. Schmolck, † 1737. Mel. Was Gott thut, das iſt ꝛc. 353 Got⸗ ſ mei ſort für mich, it i6 mich denn grämen? Will er doch alle Laſt auf ſich von meinen Schultern nehmen. Wenn noch ſo ſchwer mein Kreuz auch wär, es ſoll mich nicht erdrücken; er will mich ſtets erquicken. 2. Gott iſt mein Schild, er decket mich bei allen Un⸗ gewittern, auch wenn der Hölle Pforten ſich mit aller Macht erbittern; iſt ſein Panier nur über mir, ſo kann ihr blinder Schrecken mir keine Furcht erwecken. 3. Gott iſt mein Licht, er leitet mich auf allen meinen Wegen und führet mich ganz wunderlich bei Sonnenſchein und Regen; ſein Wort geht mir als Leitſtern für und leuchtet meinen Füßen bei allen Finſterniſſen. 4. Gott iſt mein Fels, er träget mich; laßt alle Berge ſinken, ſo ſteh ich un⸗ veränderlich und werde nicht ertrinken; obgleich die Flut mit aller Wut an meinen Anker ſchläget: doch werd ich nicht beweget. 5. Gott iſt mein Teil, er ſättigt mich; mir wird kein Gutes fehlen; was ſollte denn mein Herze ſich mit vielen Sorgen quälen? Wer Wer Gott nur hat, iſt in der That der reichſte Menſch auf Erden, ihm muß der Himmel werden. 6. Gott iſt mein Heil, er ſegnet mich; ich ſoll in Chriſto leben; mein Heiland hat aus Liebe ſich für mich in Tod gegeben. So fiel mein Los in Gottes Schoß; wer kann bei dieſem Glau⸗ ben mir Gott und Himmel rauben? 7. Gott iſt mein Hirt, er weidet mich auf reinen, grünen Auen, und ſeiner treuen Hut kann ich mich ohne Furcht vertrauen; zeigt hier und da ſich auch Ge⸗ fahr, er gehet mir zur Sei⸗ ten, ſein Auge muß mich leiten. 8. Gott iſt mein Alles hier und dort im Himmel und auf Erden; es ſoll mir auch mein Gott hinfort noch immer lieber werden, bis ich dorthin gelanget bin, wo ich, mit Gott ver⸗ bunden, das höchſte Gut gefunden. B. Schmolck, † 1737. Mel. Alles iſt an Gottes Segen ꝛc. mein Licht, 354 mein Heil, mein Leben, wie kann ich dich gnug erheben? Was für Lieder ſtimm ich an? Was ſoll ich für Dank er⸗ Vertrauen. 249 weiſen? Wie ſoll ich das Gute preiſen, ſo du, Herr, an mir gethan? 2. Zwar du hatteſt mich gebeuget, aber auch dabei gezeiget, wie du ſeiſt mit Hilfe nah. In der Nacht warſt du verborgen, doch kam bald ein froher Mor⸗ gen, da ich, Herr, dein Ant⸗ litz ſah. 3. Alſo haſt“ du mich geführet, wie ichs tauſend⸗ mal verſpüret, ſelbſt von meiner Jugend an, mit Ge⸗ duld und Liebesarmen, mit viel Gnade und Erbarmen, daß ichs nicht verdanken kann. 4. Dich recht lieben, heißt dich loben, dich recht loben, führt nach oben, wo du ewig wirſt verklärt. O, ſo laß denn alle Sinnen, Reden, Schweigen und Beginnen nach dem Himmel ſein ge⸗ kehrt. 5. Hier will ich dir feſt vertrauen und auf deine Gnade ſchauen, wenn des Kreuzes Laſt mich drückt; ich will in der Stille hoffen, bis mein Glaub dich ange⸗ troffen und dein Antlitz mich erquickt. 6. Willſt du mit der Hilf verziehen, eine Zeit lang von mir fliehen? Herr, ich bin ein ſündger Knecht. Willſt du ſtrafen, willſt du ſchlagen? 250 ſchlagen? Willſt du zücht⸗ gen, willſt du plagen? Herr, du bleibeſt ſtets gerecht. 7. Nun, ſo ſtärke mir den Glauben; laß mir nichts denſelben rauben, keine Welt⸗ luſt, keine Pein. Deine Liebe laß mich ſchmecken, deine Gnade mich erwecken, immer dankbar dir zu ſein. J. G. Wolf, † 1754. Mel. Was Gott thut, das iſt ꝛc. 355 Anf Gott und nicht auf meinen Rat will ich mein Glücke bauen und dem, der mich erſchaffen hat, mit ganzer Seele trauen. Er, der die Welt allmächtig hält, wird mich in meinen Tagen als Gott und Vater tragen. 2. Er ſah von aller Ewigkeit, wie viel mir nützen würde, beſtimmte meine Lebenszeit, mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Iſt auch ein Schmerz, der zu des Glau⸗ bens Ehre nicht zu beſiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt, und hätte, was ich bitte, mir gnädig, eh ichs bat, gewährt, wenns ſeine Weisheit litte. Er ſorgt für mich ſtets väterlich; nicht, was ich mir erſehe, ſein Wille, der geſchehe! 4. Iſt nicht ein unge⸗ ſtörtes Glück weit ſchwerer Wiedergeburt und Heiligung. oft zu tragen, als ſelbſt das widrige Geſchick, bei deſſen Laſt wir klagen? Die größte Not hebt doch der Tod, und Ehre, Glück und Habe verläßt mich doch im Grabe. 5. An dem, was wahr⸗ haft glücklich macht, läßt Gott es keinem fehlen; Ge⸗ ſundheit, Ehre, Glück und Pracht ſind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rat vor Augen hat, dem wird ein gut Gewiſſen die Trübſal auch verſüßen. 6. Was iſt des Lebens Herrlichkeit? Wie bald iſt ſie verſchwunden! Was iſt das Leiden dieſer Zeit? Wie bald iſts überwunden! Hofſt auf den Herrn, er hilft uns gern. Seid fröhlich, ihr Ge⸗ rechten; der Herr hilft ſei⸗ nen Knechten. Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. Was Gott thut, das iſt ꝛc. 356 DerHerriſt meine Zuverſicht, mein beſter Troſt im Leben. Dem fehlt es nie an Heil und Licht, der ſich dem Herrn ergeben.⸗ Gott iſt mein Gott; auf ſein Gebot wird meine Seele ſtille; mir gnügt des Vaters Wille. 2. Wer wollte dir, Herr, nicht vertraun? Du biſt des Schwachen Stärke; die Au⸗ gen, die auf dich nur ſchaun, ſehn ſehn deine Wunderwerke. Herr, groß von Rat und ſtark von That, mit gnaden⸗ vollen Händen wirſt du dein Werk vollenden. 3. Noch nie hat ſich, wer dich geliebt, verlaſſen ſehen müſſen; du läßt ihn, wenn ihn Not umgiebt, doch dei⸗ nen Troſt genießen. Des Frommen Herz wird frei von Schmerz; der Sünder eitles Dichten wird einſt dein Rat vernichten. 4. Drum hoff, o Seele, hoff auf Gott; der Thoren Troſt ver ſchwindet, wenn der Gerechte in der Not Hilf und Erbarmung findet. Wenn jener fällt, iſt er ein Held; er ſteht, wenn Sünder zittern, ein Fels in Ungewittern. 5. Wirf nicht die große Hoffnung hin, bie dir dein Glaube reichet. Weh denen, die zu Menſchen fliehn; weh dem, der von Gott weichet! Dein Heiland ſtarb; ja, er erwarb auf ſeinem Todes⸗ hügel dir deines Glaubens Siegel. 6. Sei unbewegt, wenn um dich her ſich Wetterwol⸗ ken ſammeln; Gott hilft, wenn Chriſten freudenleer zu ihm um Gnade ſtammeln. Die Zeit der Qual, der Thränen Zahl zählt er, er wägt die Schmerzen und wälzt ſie weg vom Herzen. Vertrauen. 251 7. Herr, du biſt meine Zuverſicht; auf dich hofft meine Seele. Du weißt, was meinem Glück wenn ich mich ſorgend quäle Wer wollte ſich nicht ganz auf dich, Allmächtiger, ver⸗ laſſen und ſich im Kummer faſſen? 8. In deine Hand befehl ich mich, mein Wohlſein und mein Leben. Mein hoffend Auge blickt auf dich, dir will ich mich ergeben; ſei du mein Gott und einſt im Tod mein Fels, auf den ich traue, bis ich dein Antlitz ſchaue. Ch. Sturm, † 1786. Mel. Alles iſt an Gottes Segen ꝛc. 357 Friſem ft und fortgerungen, bis zum Lihte durchgedrun⸗ en muß es, bange Seele, ſn. Durch die tiefſten Dunkelheiten kann dich Jeſus hinbegleiten; Mut ſpricht er den Schwachen ein. 2. Bei der Hand will er dich faſſen; ſcheinſt du gleich von ihm verlaſſen, glaube nur und zweifle nicht! Bete, kämpfe ſonder Wanken: bald wirſt du voll Freude danken, bu umgiebt dich Kraft und t. 3. Bald wird dir ſein Antlitz funkeln; hoffe, harre, glaub im Dunkeln! Nie ge⸗ reut ihn ſeine Wahl. Er will er im Glauben üben; Gott 252 Gott, die Liebe, kann nur lieben; Wonne wird bald deine Qual. 4. Weg von aller Welt die Blicke! Schau nicht ſeit⸗ wärts, nicht zurücke, nur auf Gott und Ewigkeit; nur zu deinem Jeſus wende Aug und Herz und Sinn und Hände, bis er himmliſch dich erfreut. 5. Aus des Jammers wilden Wogen hat dich oft herausgezogen ſeiner All⸗ macht treue Hand. Nie zu kurz iſt ſeine Rechte; wo iſt einer ſeiner Knechte, der bei ihm nicht Rettung fand? 6. Schließ dich ein in deine Kammer, geh und ſchütte deinen Jammer aus in Gottes Vaterherz; kannſt du gleich ihn nicht empfin⸗ den, Worte nicht, nicht Thränen finden, klag ihm ſchweigend deinen Schmerz! 7. Kräftig iſt dein tiefes Schweigen: Gott wird ſich als Vater zeigen; glaube nur, daß er dich hört! Glaub, daß Jeſus dich vertreten, glaube, daß, was er ge⸗ beten, Gott, ſein Vater, ihm gewährt. 8. Drum, ſo will ich nicht verzagen, mich vor Gottes Antlitz wagen, flehen, ringen fort und fort; ja, Wiedergeburt und Heiligung. ich werde überwinden; wer ihn ſucht, der wird ihn finden, wird ihn haben hier und dort. J. K. Lavater, † 1801. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 2 enn der Herr 358 W einſt die Ge⸗ fangnen ihrer Bande ledig macht, o dann ſchwinden die vergangnen Leiden, wie ein Traum der Nacht. Dann wird unſer Herz ſich freun, unſer Mund voll Dankes ſein; jauchzend werden wir erheben ihn, der Freiheit uns gegeben. Herr, erhebe deine Rechte, gieb uns einen Vater⸗ blick; aus der Fremde ruf die Knechte in die Heimat bald zurück! Ach, der Pfad iſt ſteil und weit! Kürze unſre Prüfungszeit; führ uns, wenn wir treu geſtrit⸗ ten, in des Friedens ſtille Hütten. 3. Ernten werden wir mit Freuden, was wir wei⸗ nend ausgefät; jenſeits reift die Frucht der Leiden, und des Sieges Palme weht. Unſer Gott auf ſeinem Thron, er, er ſelbſt iſt unſer Lohn; die ihm lebten, die ihm ſtarben, bringen jauch⸗ zend ihre Garben. S. G. Bürde, † 1831. Mel. O Jeſu Chriſt, meins Lebens Licht ꝛc. 359 voll Wolken ſchwer, ich ſeh das blaue Zelt kaum mehr; doch über Wolken hell und klar nehm ich ein freundlich Auge wahr. 2. Es tobt der Sturm mit wilder Macht, ſie wird ſo dunkel oft, die Nacht; doch wenn auch meine Seele bebt, ſie weiß, daß dort mein Heiland lebt. 3. Sie zöge gar zu gern hinaus ins große, weite Vaterhaus; doch hält in ſeiner Kraft ſie ſtill, bis er, bis er ſie löſen will. 4. Die Erd iſt mir ein morſches Boot, das unter mir zu ſinken droht; ich ſteh, nach oben hingewandt, mit einem Fuß auf ſeinem Rand. 5. Gebeutſt du, Herr, mit einem Blick, ſo ſchleudr ichs hinter mich zurück und ſchwinge mich an deiner Hand hinauf, hinauf und jauchze: Land! 6. Ich ginge gern, ſo gern zu dir! Doch wenn du mich noch länger hier in Sturm und dunklen Nächten läßt, ſo halt du meine Seele er Himmelhängt in Sturm und Nächten treu, zu deiner Ehre wacker ſei, bis du mir Vertrauen. 253 rufſt:„Nun iſt mirs recht, nun kannſt du kommen, treuer Knecht!“ H. Möwes, † 1834. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 360 O mein Herz, gieb dich zufrieden! O verzage nicht ſo bald! Was dein Gott dir hat be⸗ ſchieden, nimmt dir keiner Welt Gewalt. Keiner hin⸗ dert, was er will; harre nur, vertraue ſtill; geh des Wegs, den er dich ſendet; er begann und er vollendet. 2. Hüllt er dich in Dunkel⸗ heiten, ſo lobſing ihm aus der Nacht; ſieh, er wird dir Licht bereiten, wo dus nim⸗ mermehr gedacht. Häuft ſich Not und Sorg umher, wird die Laſt dir allzu ſchwer, faßt er plötzlich deine Hände und führt ſelber dich ans Ende. 3. Wär auch alle Welt dir feindlich, rottete ſich wider dich: dank ihm! O, der Herr iſt freundlich, ſeine Huld währt ewiglich. Sind auch Trauer, Angſt und Leid ſeines Segens dunkles Kleid: dank ihm! Er ſchickt ſeinen Segen auf geheimnis⸗ vollen Wegen. 4. Endlich wird dein Mor⸗ gen grauen; kennſt du nicht ſein Morgenrot? Darfſt du zagend rückwärts ſchauen, wenn 254 wenn dich Glut und Sturm bedroht? Denn auch Feuer⸗ flamm und Wind Boten ſeines Willens ſind; und kanns nur ein Wunder wenden: auch ein Wunder kann er ſenden. 5. O ſo laß denn alles Bangen! Wirke friſch, halt Lieder für beſondere Zeiten. mutig aus! Was mit ihm du angefangen, führet er mit dir hinaus. Und ob alles widerſteht: in Ver⸗ traun und in Gebet bleib am Werke deiner Hände, ſo führt ers zum ſchönſten Ende. V. v. Strauß, geb. 1809. XIV. Sieder für beſondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. Jahreszeiten. Frühling. Mel. Lobe den Herren, den ꝛe. ör ich euch wie⸗ 361 H der, ihr Töne des Frühlings, erklingen, jubelnde Stimmen des Preiſes ſich himmelwärts ſchwingen? Tief in der Bruſt regt ſich die ſehnende Luſt, mit euch ein Loblied zu ſingen. Soll mich die Amſel und ſoll mich die Lerche be⸗ ſchämen? Sang iſt ihr Leben und freudiges Lob ohne Grämen. Schweigeſt nur du, Seele, berufen dazu, Gnade um Gnade zu nehmen? 3. Iſt nicht dein Früh⸗ ling, der himmliſche, dir auch erſchienen? Sahſt du die Auen der Hoffnung in ihm nicht ergrünen, der bis ins Grab ſtieg aus dem Himmel herab, all deinen Jammer zu ſühnen? 4. König des Himmels und Freund einer ſündigen Seele, jeder Gedanke und jede Empfindung erzähle, was du mir biſt; aus dir ein Lebensſtrom fließt, daß ich mich nimmermehr quäle. 5. Laß mich dich loben! Ich weinte dir lange nur Klagen, wähnte dich hart, wenn aus Liebe du Wunden geſchlagen, habe die Hand ewiger Güte verkannt, irre von Sorgen und Zagen. 6. Doch wie der Winter von ſtarrenden, ſchneeigen Höhen ſpurlos zerrinnt, wenn ſie Lüfte des Früh⸗ lings umwehen, alſo ent⸗ fliehn, giebſt du dem Herzen dich hin, all ſeine ſtarrenden Wehen. di ri he N be d. 8 d 5 7. Gieb mir die Harfe und laß mich die himmliſchen Lieder fernher vernehmen! Sie hallen im Lyrinenthal wieder. Engelgeſang und der Erlöſeten Dank ſchwebe hinauf und hernieder! 8. Schön iſt die Schöpfung, die, ewiges Wort, du ge⸗ gründet; wundervoll haſt du die Berze und Thäler ge⸗ ründet; Frühlinges Pracht hat, wie der Tag und die Nacht, längſt deinen Namen verkündet. 9. Jauchze, Natur, in des Frählings beginnendem Wehen! Singe, du Welt, die das Werk der Erlöſung geſehen! Jauchze, du Heer, dort am kryſtallenen Meer: „Ehre ſei Gott in den Höhen!“ Meta Heußer⸗Schweizer, † 1876. Sommer. Mel. Kommt her zu mir ꝛc. 362 Gel aus, mein Herz, und ſuche Freud in dieſer lieben Sommerzeit an deines Got⸗ tes Gaben; ſchau an der ſchönen Gärten Zier und ſiehe, wie ſie mir und dir ſich ausgeſ ſchmücket haben. Die Bäume ſtehen n Laub, das Erdreich decket ſeinen Staub mit einem grünen Kleide; die Jahreszeiten. 255 Blümlein auf dem Wieſen⸗ plan, die ziehen ſich viel ſchöner an, als Salomonis Seide. 3. Die Lerche ſchwingt ſich in die Luft, das Täub⸗ chen fleugt aus ſeiner Kluft und macht ſich in die Wälder; die eithe Nachtigalt ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder. 4. Die Glucke führt ihr Völklein aus, der Storch baut und bewohnt ſein Haus, das Schwälblein ſpeiſt die Jungen; der ſchnelle Hirſch, das leichte Reh iſt froh und kommt aus ſeiner Höh ins tiefe Gras geſprungen. 5. Die unverdroſſne Bie⸗ nenſchar fleugt hin und her, ſucht hier und da ſich edle Honigſpeiſe; des ſüßen Wein⸗ ſtocks ſtarker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft in ſeinem ſchwachen Reiſe. 6. Der Weizen wächſet mit Gewalt; darüber jauch⸗ zet Jung und Alt und rühmt die große Güte des, der ſo überflüſſig labt und mit ſo manchem Gut begabt das menſchliche Gemüte. 7. Ich ſelber kann und mag nicht ruhn; des großen Gottes großes Thun erweckt mir alle Sinnen; ich ſinge mit, wenn alles ſingt, und laſſe, was dem Höchſten klingt, 256 klingt, aus meinem Herzen rinnen. 8. Ach, denk ich, biſt du hier ſo ſchön, und läßt dus uns ſo lieblich gehn auf dieſer armen Erden: was will doch wohl nach dieſer Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schloſſe werden! 9. Welch hohe Luſt, welch heller Schein wird wohl in Chriſti Garten ſein! Wie muß es da wohl klingen, da ſo viel tauſend Seraphim aus einem Mund, mit heller Stimm, ihr Hallelujah ſingen! 10. D wär ich da, o ſtünd ich ſchon, ach, lieber Gott, vor deinem Thron und trüge meine Palmen! So wollt ich nach der Engel Weis erhöhen deines Namens Preis mit tauſend ſchönen Pſalmen. 11. Doch will ich gleich⸗ wohl, weil ich noch hier trage dieſes Leibes Joch, auch nicht gar ſtille ſchwei⸗ gen; mein Herze ſoll ſich fort und fort an dieſem und an allem Ort zu dei⸗ nem Lobe neigen. 12. Hilf nur und ſegne meinen Geiſt mit Segen, der vom Himmel fleußt, daß ich dir ſtetig blühe; gieb, daß der Sommer dei⸗ ner Gnad in meiner Seele Lieder für beſondere Zeiten. früh und ſpat viel Glaubens⸗ frücht erziehe. 13. Mach in mir deinem Geiſte Raum, laß mich als einen guten Baum am Lebenswaſſer grünen; ſo will ich dir und deiner Ehr allein, und keinem andern mehr, hier und dort ewig dienen. P. Gerhardt, † 1676. Herbſt. Mel. Kommt her zu mir ꝛe. 63 D Jahres ſchöner Schmuck ent⸗ weicht, die Flur wird kahl, der Wald erbleicht, der Vöglein Lieder ſchweigen. Ihr Gotteskinder, ſchweiget nicht und laßt hinauf zum ewgen Licht des Herzens Opfer ſteigen! 2. Gott ließ der Erde Frucht gedeihn; wir greifen zu, wir holen ein, wir ſammeln ſſeinen Segen. Herr Jeſu, laß uns gleichen leiß an deiner Liebe Ruhm und Preis mit Herzensfreude legen. 3. Was Gottes Hand für uns gemacht, das iſt nun alles eingebracht, hat Dach und Raum gefunden. So ſammle dir zur Gnaden⸗ zeit, o Seele, was dein Herr dir beut, für deine Kreuzesſtunden. — 4. Denn wie die Felder öde ſtehn, die Nebel kalt darüber wehn und Reif ent⸗ färbt die Matten: ſo endet alle Luſt der Welt, des Lebens Glanz und Kraft zerfällt; ſchnell wachſen ſeine Schatten. 5. Es brauſt der Sturm, der Wald erkracht, der Wandrer eilt, um noch vor Nacht zu flüchten aus den Wettern. O Jeſu, ſei uns Dach und Thurm, wenn oft des Lebens rauher Sturm uns will zu Boden ſchmettern. 6. Es fällt der höchſten Bäume Laub und miſcht ſich wieder mit dem Staub, von dannen es gekommen. Ach, Menſch, ſei noch ſo hoch und wert: du mußt hinun⸗ ter in die Erd, davon du biſt genommen! 7. Doch wie der Land⸗ mann ſeine Saat ausſtreuet, eh der Winter naht, um künftig Frucht zu ſehen: ſo, treuer Vater, deckeſt du auch unſern Leib mit Erde zu, daß er ſoll auferſtehen. 8. Indes, wie über Land und Meer der Störche Zug, der Schwalben Heer der Sonn entgegen ſtreben: ſo laß zu dir die Seele fliehn, zu deinem Paradieſe ziehn, an deiner Sonne leben! V. v. Strauß, geb. 1809. Jahreszeiten. Winter. Mel. Gott ſei Dank in aller Welt ꝛc. Heiland, den uns Gott.) ( 364 Grober Schöpfer, Herr der Welt, deſſen Hand die Himmel hält! Zu der Sonne ſprichſt du: lauf, gehe unter, gehe auf! 2. Deine Macht und Herrlichkeit leuchtet auch zur Winterszeit in der wolken⸗ vollen Luft, in den Flocken, in dem Duft. 3. Alles ruht; auf dein Geheiß wird der Waſſer⸗ ſtrom zu Eis. Du giebſt, was der Landmann bat, deckſt und wärmeſt ſeine Saat. 4. Der des Sperlings nicht vergißt, ſorgt noch mehr für dich, o Chriſt! Gott ſei dir in Hitz und S Freude, Zuverſicht und roſt. 5. Bleibe du, mein Herz, nur warm! Iſt ein Bruder nackt und arm, brich ihm liebevoll dein Brot, lindre freundlich ſeine Not. 6. Nach des Winters kalter Nacht lebet alles, alles lacht; Bäume, Wieſen, Wäl⸗ der blühn, und die dürre Welt wird grün. 7. Alſo blüht nach kurzer Zeit aus dem Staub Un⸗ ſterblichkeit; neu und umge⸗ ſchaffen einſt ſind wir, wenn du, Herr, erſcheinſt. 258 8. Eile, Freudentag, heran, dem kein Winter folgen kann! Sonne, die nie unter⸗ geht, ſei gelobet und erhöht! J. K. Lavater, † 1801. Morgen. (Schwingt, heilige Gedanken.) 365 us meines Her⸗ zens Grunde ſag ich dir Lob und Dank in dieſer Morgenſtunde und all mein Leben lang, Herr Gott, auf deinem Thron, zu Lob dir, Preis und Ehren durch Chriſtum unſern Her⸗ ren, dein eingebornen Sohn; 2. Daß du mich haſt aus Gnaden in der vergangnen Nacht vor Not, Gefahr und Schaden behütet und be⸗ wacht. Ich bitt demütiglich, wollſt mir mein Sünd ver⸗ geben, womit in dieſem Leben ich hab erzürnet dich. 3. Du wolleſt auch be⸗ hüten mich gnädig dieſen Tag vor Satans Liſt und Wüten, vorSünden und vorSchmach, vor Feur und Waſſersnot, vor Armut und vor Schan⸗ den, vor Ketten und vor Banden, vor böſem ſchnellem Tod. 4. Mein Leib und Seel, mein Leben, mein Weib, Gut, Ehr und Kind ſei dir, Herr, übergeben, dazu mein Haus⸗ geſind, als dein Geſchenk und Lieder für beſondere Zeiten. Gab, die Eltern und Ver⸗ wandten, Geſchwiſter und Bekannten und alles, was ich hab. 5. Gott will ich laſſen raten, der alle Ding ver⸗ mag; er ſegne meine Thaten auch an dem heutgen Tag. Ihm hab ich heimgeſtellt Leib, Seele, Gut und Leben, und was er ſonſt gegeben; er machs, wies ihm gefällt. 6. Darauf ſo ſprech ich Amen und zweifle nicht dar⸗ an, Gott nimmt in Jeſu Namen mein Flehen gnädig an. Nun ſtreck ich aus die Hand, greif an mein Werk mit Freuden, das Gott mir will beſcheiden in meinem Amt und Stand. Joh. Mattheſius(e), † 1565. 366 Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und heil⸗ ger Geiſt, der es Tag und Racht läßt werden, Sonn und Mond uns ſcheinen heißt, deſſen ſtarke Hand die Welt und, was drinnen iſt, erhält: 2. Gott, ich danke dir von Herzen, daß du mich in die⸗ ſer Nacht vor Gefahr, Angſt, Not und Schmerzen haſt behütet und bewacht und bei aller meiner Schuld mich noch trägſt mit Vaterhuld. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden jetzt mit dieſer —— 13 1, il⸗ ud un en ie on , uſt bel ich ld. ich nit ſer dieſer Nacht vergehn; o Herr Jeſu, laß dich ſihden und dein Herz mir ofſen ſtehn, da alleine Hilf und Rat iſi für meine Miſſethat. 4. Hilf, daß ich mit die⸗ ſem Morgen geiſtlich auf⸗ erſtehen mag und für meine Seele ſorgen, daß, wenn nun dein großer Tag unserſcheint und dein Gericht, ich davor erſchrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; ſei und bleibe du auchheute mein Beſchützer und mein Hort! Nirgends, als von dir allein, kann ich recht bewahret ſein. 6. Meinen Leib und meine Seele ſamt den Sinnen und Verſtand, großer Gott, ich dir befehle unter deine ſtarke Hand; Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigen— tum! 7. Deinen Engel zu mir ſende, der des böſen Feindes Macht, Liſt und Anſchlag von mir wende und mich halt in guter Acht; der auch endlich mich zur Ruh trage nach dem Himmel zu! H. Alberti, † 1651. Mel. Herr Jeſu Chriſt, dich ꝛc. 367 Die Nacht nun⸗ mehr vergan⸗ gen iſt; wir danken dir, Herr Jeſu Chriſt, daß du uns frei Morgen. 259 von aller Plag geſund läßt ſehen jeden Tag. 2. Wir bitten dich, du Gnadenſtrahl, leucht uns in dieſem Erdenthal; beſchirm uns täglich und auch heut, bewahr uns ferner allezeit. 3. Daneben gieb uns Fried und Ruh und, was uns nötig iſt, dazu; durch deine ſtarke Gnadenhand beſchütze uns und unſer Land. 4. All Sünd und Schwach⸗ heit uns verzeih, ein gut Gewiſſen ſtets verleih; gieb, daß wir deines N amens Ehr ausbreiten immer mehr und mehr. 5. Und wenn es dir, o Herr, gefällt, uns uſt dern aus der Welt, ſo gieb ein ſelig Ende hier, daß wir dort ewig ſein bei dir 6. erbarme dich, hör unſre Bitten gnä⸗ tiglich; durch dein Verdienſt, durch deinen Tod erlöſe uns aus aller Not. Vor 1664. ie güldne Sonne, 368 voll Freud und Wonne, bringt unſern Gren⸗ zen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder, aber nun ſteh ich, bin mun⸗ ter und fröhlich, ſchaue den Himmel mit meinem Geſicht. 2. Mein Auge ſchauet, was Gott gebauet zu ſeinen Ehren, . 260 Ehren, und uns zu lehren, wie ſein Vermögen ſei mäch⸗ tig und groß, und wo die Frommen dann ſollen hin⸗ kommen, wenn ſie mit Frie⸗ den von hinnen geſchieden aus dieſer Erden vergäng⸗ lichem Schoß. 3. Laſſet uns ſingen, dem Schöpfer bringen Güter und Gaben; was wir nur haben, alles das ſei Gott zum Opfer geſetzt. Die beſten Güter ſind unſre Gemüter; vor ihn zu treten mit Singen und Beten, das iſt ein HOpfer, dran er ſich ergötzt. 4. Abend und Morgen ſind ſeine Sorgen; ſegnen und mehren, Unglück ver⸗ wehren, ſind ſeine Werke und Thaten allein. Wenn wir uns legen, ſo iſt er zugegen; wenn wir aufſtehen, ſo läßt er aufgehen über uns ſeiner Barmherzigkeit Schein. 5. Ich hab erhoben zu dir hoch droben mein ganzes Sinnen; laß mein Beginnen ohn allen Anſtoß und glück⸗ lich ergehn. Laſter und Schande, der Finſternis Bande, Fallen und Tücke treib ferne zurücke, laß mich auf deinen Geboten beſtehn. 6. Laß mich mit Freu⸗ den, ohn alles Neiden, ſehen den Segen, den du wirſt legen in meines Nächſten und Mitbruders Haus. Geiziges Brennen, unchriſtliches Ren⸗ Lieder für beſondere Zeiten. nen nach Gut mit Sünde, das tilge geſchwinde von meinem Herzen und wirf es hinaus. 7. Menſchliches Weſen, was iſts geweſen? In einer Stunde geht es zu grunde, ſobald die Lüfte des Todes drein wehn. Alles in allen muß brechen und fallen; Himmel und Erden, die müſſen das werden, was ſie geweſen vor ihrem Beſtehn. 8. Alles vergehet, Gott aber ſtehet ohn alles Wan⸗ ken; ſeine Gedanken, ſein Wort und Willen hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden, heilen im Herzen die tötlichen halten uns zeitlich und ewig geſund. 9. Gott, meine Krone, ver⸗ gieb und ſchone! Laß meine Schulden in Gnad und Hul⸗ den von deinen Augen ſein ferne gewandt! Sonſten re⸗ giere, mich lenke und führe, wie dirs gefället: ich habe geſtellet alles in deine Be⸗ liebung und Hand. 10. Willſt du mir geben, womit mein Leben ich kann ernähren, ſo laß mich hören allzeit im Herzen dies heilige Wort: Gott iſt das Größte, das Schönſte, das Beſte, Gott iſt das Süßte und Allerge⸗ wißte, aus allen Schätzen der edelſte Hort. Schmerzen, w. Morgen. 261 11. Willſt du mich krän⸗ ken, mit Galle tränken, und ſoll von Plagen ich auch was tragen, wohlan, ſo mach es, wie dir es beliebt! Was gut und tüchtig, was ſchäd⸗ lich und nichtig meinem Ge⸗ beine, das wit du alleine, haſt niemals einen zu ſehr noch betrübt. 12. Kreuz und Elende, das nimmt ein Ende; nach Meeresbrauſen und Windes⸗ ſauſen leuchtet der Sonne erwünſchtes Geſicht. Freude die Fülle und ſelige Stille darf ich erwarten im himm⸗ liſchen ren duhin ſind meine Gedanken gericht. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herren ꝛc.(Wach auf, mein Herz, und ſinge.) 369 W auf, mein Herz, und ſinge dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Gü⸗ ter, dem treuen Menſchen⸗ hüter. 2. Heut, als die dunkeln Schatten mich ganz umfan⸗ gen hatten, bedeckteſt du mich Armen, o Vater, mit Er⸗ barmen. 3. Du ſprachſt: mein Kind, nun dich beſiege; ſchlaf wohl, laß dir nicht grauen, du ſollſt die Sonne ſchauen. 4. Dein Wort, das iſt geſchehen, ich kann das Licht noch ſehen; von Not blieb ich befreiet, dein Schutz hat mich erneuet. 5. Du willſt ein Opfer haben: hier bring ich meine Gaben und opfere dir wie⸗ der mein Herz und meine Lieder. 6. Die wirſt du nicht verſchmähen; du kannſt ins Herze ſehen und weißt wohl, daß zur Gabe ich ja nichts Beſſres habe. 7. So wollſt du nun vollenden dein Werk an mir und ſenden, der mich an die⸗ ſem Tage auf ſeinen Händen trage. 8. Sprich Ja zu meinen Thaten, hilf ſelbſt das Beſte raten, den Anfang, Mitt und Ende, ach, Herr, zum beſten wende. 9. Mit Segen mich be⸗ ſchütte, mein Herz ſei deine Hütte, dein Wort ſei meine Speiſe, bis ich gen Himmel reiſe. P. Gerhardt, † 1676. Mel. O Herr, dein Ohren zu mir kehre ꝛc. 370 O aheh Menſchenhüter, du unbegreiflich großes Gut, ich will dir opfern Herz und Mut; ſtimmt an mit mir, gedenkt der Güter, all ihr Gemüter! ———— 262 2. Herr, deiner Kraft ichs nur zuſchreibe, daß ich noch Odem ſchöpfen kann; ach, nimm dich meiner gnä— dig an, du Vaterherz, mich nicht vertreibe, heut bei mir bleibe! 3. Jörgels Gott, da iſt mein Wille, der ſich dir wil⸗ lig untergiebt, dich über alles gerne liebt; das iſt mein Wunſch in früher Stille, o Gnadenfülle! 4. Dein Angeſicht mich heilig leite, dein Auge kräf⸗ tig auf mich ſeh; ich reiſe, ſitz, geh oder ſteh, mich zu der Ewigkeit begleite; Herr, mich bereite! 5. Laß Seel und Leib, ſo du gegeben, ſtets ſein in deiner Furcht bereit, als Glieder der Gerechtigkeit bis in den Tod dir ſein ergeben, o Seelenleben! 6. Geſegne mich auf mei⸗ nen Wegen, mein Thun und Laſſen lenke du; in Unruh bleibe meine Ruh, bis ich zuletzt mich werde legen in Fried und Segen. Joach. Neander, † 1680. 371 Menhe vom unerſchöpften Lichte, ſchick uns dieſe Morgenzeit deine Strahlen zu Geſichte, und veértreib durch deine Macht unſre Nacht. Lieder für beſondere Zeiten. 2. Deiner Güte Morgen⸗ tau fall auf unſer matt Gewiſſen; laß die dürre Le⸗ bensau lauter ſüßen Troſt genießen, und erquick uns, deine Schar, immerdar. 3. Gieb, daß deiner Liebe Glut unſre kalten Werke töte, und erweck uns Herz und Mut bei erſtandner Morgenröte, daß wir, eh wir gar vergehn, recht auf⸗ ſtehn. 4. Ach, du Aufgang aus der Höh, gieb, daß auch am jüngſten Tage unſer Leib verklärt erſteh und, entfernt von aller Plage, ſich auf jener Freudenbahn freuen kann. 5. Leucht uns ſelbſt in jene Welt, du verklärte Gnadenſonne, führ uns durch das Thränenfeld in das Land der ſüßen Wonne, wo die Luſt, die uns erhöht, nie vergeht. Chr. Knorr v. Roſenroth, † 1689. Mel. Hüter, wird die Nacht der Sünden ꝛc. 372 Stele⸗ du mußt munter werden, denn der Erden blickt her⸗ vor ein neuer Tag; komm, dem Schöpfer dieſer Strahlen zu bezahlen, was dein ſchwa⸗ cher Trieb vermag. 2. Deine Pflicht, die kannſt du lernen von den Sternen, deren Gold der Sonneweicht ſo laß auch vor Gott zer rinnen, rinnen, was den Sinnen hier im Finſtern ſchöne däucht. 3. Schau, wie das, was Odem ziehet, ſich bemühet um der Sonne holdes Licht, wie ſich, was nur Wachs⸗ tum ſpüret, freudig rühret, wenn ihr Glanz die Schatten bricht. 4. So laß dich auch fertig finden, anzuzünden deinen Weihrauch, weil die Nacht, da dich Gott vor Unglücks⸗ ſtürmen wollen ſchirmen, iſt ſo glücklich hingebracht. 5. Bitte, daß er dir Ge⸗ deihen mag verleihen, wenn du auf was Gutes zielſt, aber daß er dich mag ſtören und bekehren, wenn du böſe Regung fühlſt. 6. Kränkt dich etwas dieſen Morgen, laß ihn ſor⸗ gen, der es wie die Sonne macht, welche freundlich pflegt die Höhen anzuſehen, und auch in die Thäler lacht. 7. Denk, daß er auf dei⸗ nen Wegen iſt zugegen und erkennet, was du thuſt; daß er auch verborgne Flecken kann entdecken, und die tiefſte Sündenluſt. 8. Wir ſind an den Lauf der Stunden feſtgebunden, der entführt, was eitel heißt, und der dein Gefäß, o Seele, nach der Höhle eines Sterb⸗ gewölbes reißt. Morgen. 9. Drum, ſo ſeufz ich, daß mein Scheiden nicht ein Leiden, ſondern ſanftes Schlafen ſei, und daß ich mit Luſt und Wonne ſeh die Sonne, wenn des Todes Nacht vorbei. F. R. L. v. Canitz, † 1699. 373 wird die Nacht der Sün⸗ den nicht verſchwinden? Hüter, iſt die Nacht ſchier hin? Wird die Finſternis der Sinnen bald zerrinnen, darein ich verhüllet bin? 2. Möcht ich wie das Rund der Erden lichte wer⸗ den! Seelenſonne, gehe auf! Ich bin finſter, kalt und trübe; Jeſu, Liebe, komm, beeile deinen Lauf! 3. Wir ſind ja im neuen Bunde, da die Stunde der Erſcheinung kommen iſt; und ich muß mich ſtets im Schatten ſo ermatten, weil du mir ſo ferne biſt. 4. Wir ſind ja der Nacht entnommen, weil du kommen; aber ich bin lauter Nacht: darum wollſt du mir, dem Deinen, auch er ſcheinen, der nach Licht und Rechte tracht. 5. Wie kann ich des Lich⸗ tes Werke ohne Stärke in der Finſternis vollziehn? Wie kann ich die Liebe üben, Demut üeben und der Nacht Geſchäfte fliehn? 264 6. Ach, daß länger meine Seele ſich nicht quäle, zünd dein Feuer in mir an! Laß mich finſtres Kind der Erden helle werden, daß ich Gutes wirken kann. 7. Das Vernunftlicht kann das Leben mir nicht geben; Jeſus und ſein heller Schein, Jeſus muß das Herz an⸗ blicken und erquicken, Jeſus muß die Sonne ſein. 8. Nur die Decke vor den Augen kann nicht taugen, ſeine Klarheit kann nicht ein; wenn ſein helles Licht den Seinen ſoll erſcheinen, muß das Auge reine ſein. 9. Jeſu, gieb geſunde Au⸗ gen, die was taugen, rühre meine Augen an! Denn das iſt die größte Plage, wenn am Tage man das Licht nicht ſehen kann. Ch. F. Richter, † 1711. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛc., Nr. 4. 374 ein Gott, nun iſt es wieder Morgen, die Nacht vollendet ihren Laufz nun wachen alle meine Sorgen auf ein⸗ mal wieder mit mir auf. Die Ruh iſt aus, der Schlaf dahin; ich ſehe wieder, wo ich bin. 2. Ich bin noch immer auf der Erde, wo jeder Tag ſein Elend hat, wo ich nur Lieder für beſondere Zeiten. immer älter werde und nie⸗ mals rein von Miſſethat. O Gott, der täglich mich ernährt, wär ich doch deiner Gnad auch wert! 3. Du ſiehſt am Morgen 2 aufſtehen, regier mich auch in dieſer Welt; ich weiß nicht, wie mirs heut wird gehen, mach alles ſo, wie dirs gefällt; ſchließ mich in deine Vorſicht ein; dein will ich tot und lebend ſein. 4. Vergieb mir, Vater, meine Sünden, die ich bei Tag und Nacht beging, und laß mich vor dir Gnade finden, erhöre, was ich bet und ſing; denn wenn ich nur bei dir wohl ſteh, ſo acht ich gar nicht, wie es geh. 5. Hilf du in allen Sachen raten, denn ich bin ſelber mir nicht klug; behüte mich vor Miſſethaten, vor böſer Menſchen Liſt und Trug; laß mich den Tag wohl legen an und Gutes ſchaffen, wo ich kann. 6. Behüte mir mein Leib und Leben, mein Weib und Kind, mein Hab und Gut, und laß den Himmel Segen eben, wenn meine Hand bas Ihre thut; hilf, daß ich alles wohl verricht! Du wirſt es thun, ich zweifle nicht. C. Neumann, † 1715. en ch ut ſo, 5 ſd ut, gen „d ß Du ifle Morgen. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 375 Gott, du Licht, das ewig bleibet, das ohn allen Wechſel iſt, das die Finſternis vertreibet, der du bleibeſt, wie du biſt, ich verlaſſe meine Ruh; rufe: werde Licht! mir zu, daß ich, der ich Nacht und Erde, durch dein Licht ver⸗ kläret werde. 2. Wecke, da der Leib gelahenn auch die Seele geiſtlich auf, gieb ihr deines Lichtes Waffen, richt und leite ihren Lauf; laß mich ſein des Lichtes Kind, hilf mir, da ich geiſtlich blind, Jeſu, daß ich wieder ſehe und in deinem Lichte gehe. 3. Schenke mir, Herr, und gewähre, was die arme Seele ſtillt; ach, erneure und verkläre ſtets in mir dein Ebenbild! Sende mir den Geiſt der Kraft, der ein neues Leben ſchafft, daß ich himmliſch auf der Erde und ein Geiſt mit Chriſto werde. 4. Segne meiner Hände Werke, fördre mich in mei⸗ ner Fflicht; bleibe meiner Schwachheit Stärke, meines Lebens Kraft und Licht; laß mein Lebensziel allein deines Namens Ehre ſein; daß ich ſtets wahre gegen meinen Nächſten 265 5. Führ mich einſt zu jenem Lichte deiner höchſten Majeſtät, wo vor deinem Angeſichte die verklärte Seele ſteht, heller als der Sonnen⸗ ſchein, ſchön, unſterblich, engelrein laß ſie ſein mit dir vereinet, wenn mein letzter Tag erſcheinet. Sal. Franck, † 1725. Mel. Den die Hirten lobten ſehre ꝛ. 376 Fh am Morgen Jeſus gehet und vor allen Thüren ſtehet, klopfet an, wo man geflehet: komm, Herr Jeſu, unſer Gaſt! 2. Nun, ſo laſſet ihn nicht dorten, thut ihm auf des Herzens Pforten und ruft ihn mit ſüßen Worten; eile, Jeſu, kehre ein! 3. Wolleſt täglich bei uns bleiben, alle Feinde von uns treiben, uns ins Buch des Lebens ſchreiben und der gute Hirte ſein; 4. Weiden uns auf grünen Auen, daß wir deine Fülle ſchauen und auf deinen Reichtum bauen, mit dir gehen aus und ein. 4 5. Amen, ja, es ſoll ge⸗ ſchehen! Jeſus wird heut mit uns gehen, und wir werden fröhlich ſehen, daß er uns nicht läßt allein. 12 — —8 — 266 Mel. O Gott, du frommer Gott ꝛ. 377 O Jeſu, ſüßes Licht, nun iſt die Nacht vergangen; nun hat dein Gnadenglanz aufs neue mich umfangen; nun iſt, was an mir iſt, vom Schlafe auf⸗ geweckt und hat ſich, Herr, nach dir verlangend ausge⸗ ſtreckt. 2. Was ſoll ich dir denn nun, mein Gott, für Opfer ſchenken? Ich will mich ganz und gar in deine Gnade ſenken mit Leib, mit Seel, mit Geiſt, heut dieſen ganzen Tag; das ſoll mein Opfer ſein, weil ich ſonſt nichts vermag. 3. Mein Jeſu, ſchmücke mich mit Weisheit und mit Liebe, mit Keuſchheit und Geduld durch deines Geiſtes Triebe; auch mit der De⸗ mut mich vor allem kleide an, ſo bin ich wohl geſchmückt und köſtlich angethan. 4. Gieb, daß mir dieſen Tag ſtets vor den Augen ſchwebe, daß dein Allgegen⸗ wart mich wie die Luft um⸗ gebe, auf daß mein ganzes Thun durch Herz, durch Sinn und Mund dich lobe innig⸗ lich, mein Gott, zu aller Stund! 5. Ach, ſegue, was ich thu, ja rede und gedenke; urch deines Geiſtes Kraft es alſo führ und lenke, daß alles Lieder für beſondere Zeiten. nur geſcheh zu deines Na⸗ mens Ruhm, und daß ich unverrückt verbleib dein Ei⸗ gentum. J. Lange, † 1744. Mel. Ich dank dir ſchon ꝛc. (Mein erſt Geſchäft.) 378 Mein erſt Gefühl ſei Preis und Dank; erheb ihn, meine Seele! Der Herr hört dei⸗ nen Lobgeſang; lobſing ihm, meine Seele! 2. Mich ſelbſt zu ſchützen ohne Macht, lag ich und ſchlief in Frieden. Wer ſchafft die Sicherheit der Nacht und Ruhe für die Müden? 3. Du biſt es, Gott und Herr der Welt, und dein iſt unſer Leben; du biſt es, der es uns erhält und mirs jetzt neu gegeben. 4. Gelobet ſeiſt du, Gott der Macht, gelobt ſei deine Treue, daß ich nach einer ſanften Nacht mich dieſes Tags erfreue. 5. Laß deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege wallen, und lehre du mich ſelber thun nach deinem Wohlgefallen. 6. Nimm meines Lebens gnädig wahr, auf dich hofft meine Seele; ſei mit ein Retter in Gefahr, ein Vater, wenn ich fehle. 7. Gieb mir ein Herz Zuverſicht, erfüllt mit un und Ruhe, ein weiſes Herz, das ſeine Pflicht erkenn und willig thue; 8. Daß ich als ein ge⸗ treuer Knecht nach deinem Reiche ſtrebe, gottſelig, züch⸗ tig und gerecht durch deine Gnade lebe; 9. Daß ich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht genieße und meinen Lauf mit Freudigkeit, wenn du gebeutſt, beſchließe. Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 379 Wenn ich einſt von jenem Schlummer, welcher Tod heißt, auferſteh und, erlöſt von allem Kummer, jenen ſchönren Morgen ſeh: o dann wach ich anders auf. Schon am Ziel iſt dann mein Lauf; Träume ſind des Pilgers Sorgen, großer Tag, an deinem Morgen! 2. Hilf, daß keiner meiner Tage, Geber der Unſterb⸗ lichkeit, einſt mich im Gericht verklage, daß ich frevelnd ihn entweiht. Auch noch heute wacht ich auf; Dank ſei dir! Zu dir hinauf führ mich jeder meiner Tage, jede Freude, jede Plage: 3. Daß ich froh gen Himmel ſehe, wenn mein letzter Tag erſcheint. Wenn zm dunkeln Thal ich gehe, Morgen. 267 von den Meinigen beweint, lindre dann des Todes Pein, laß mich ſtark und freudig ſein, daß ich ſie zum Himmel weiſe und dich, Herr des Todes, preiſe. F. G. Klopſtock, † 1803. Mittag. Vor Tiſche. Mel. O Jeſu Chriſt, meins Lebens Licht zc. 380 Geſegn uns, Herr, die Gaben dein, die Speis laß unſre Nah⸗ rung ſein; hilf, daß dadurch erquicket werd der dürftge Leib auf dieſer Erd! 2. Doch dieſes zeitlich Brot allein kann uns nicht gnug zum Leben ſein; dein göttlich Wort die Seele ſpeiſt, hilft uns zum Leben allermeiſt. 3. Drum gieb uns beides, Herr und Gott, hilf endlich auch aus aller Not: ſo preiſen wit dein Gütigkeit hier und auch dort in Ewig⸗ keit. Vor 1562. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele ꝛc. 381 Speis, o Gott, — uns, deine Kin⸗ der, tröſte die betrübten Sünder, ſprich den Segen zu den Gaben, die wir jetzo vor uns haben, daß ſie uns zu dieſem Leben Stärke, Kraft 268 Kraft und Nahrung geben, bis wir endlich mit den Frommen zu dem Himmels⸗ mahle kommen. J. Heermann, † 1647. Mel. Jeſu, als du erſtlich kameſt ꝛc. 382 Hr wir kommen zu dem Eſſen; laß uns deiner nicht ver⸗ geſſen, denn du biſt das Himmelsbrot; ſpeis die Lei⸗ ber, ſtärk die Seelen, die wir dir jetzt anbefehlen, ſteh uns bei in aller Not; hilf uns, daß wir nach der Er⸗ den deine Gäſt im Himmel werden. Nach Tiſche. Mel. Nun lobt und dankt Gott allzuſammen ꝛc. 383 ir danken Gott für ſeine Ga⸗ ben, die wir von ihm em⸗ pfangen haben, wir bitten unſern lieben Herrn, er woll auch ferner ſie beſchern und ſpeiſen uns mit ſeinem Wort, daß wir ſatt werden hier und dort; ach, lieber Gott, du wollſt uns geben nach dieſer Welt das ewge Leben. Vor 1588. Mel. Da Chriſtus geboren war ꝛc. (Um Erbarmen flehen wir.) 384 Usſr uns, was uns gut iſt, giebt, Lieder für beſondere Zeiten. gab auch jetzt uns Speis und Trank; lobt ihn, ſagt ihm frohen Dank. Aller Segen kommt vom Herrn; dankt ihm und gehorcht ihm gern, liebt ihn, freuet euch des Herrn! Mel. Gott ſei Dank in aller Welt ꝛc. (Heiland, den uns Gott.) 38 5 uter Geber, Dank ſei dir; du be⸗ lebſt, drum leben wir; du giebſt Speiſe uns und Trank, dir ſei ewig Lob und Dank! Amen. J. K. Lavater, † 1801. Abend. Mel. Erhalt uns, Herr, bei ꝛc. 86 H iſt der Sonnen Schein, die finſtre Nacht bricht ſtark herein; leucht uns, o Herr, du wahres Licht, laß uns im Finſtern ſtraucheln nicht. 2. Dank ſei dir, daß du uns den Tag vor Schaden, Angſt und mancher Plag durch deine Engel haſt be⸗ hüt aus Gnad und väter⸗ licher Güt. 3. Womit wir heut er⸗ zürnet dich, das, Herr, ver⸗ zeih uns gnädiglich und rechn es unſrer Seel nicht zu; laß ſchlafen uns in Fried und Ruh. 4. Die Engel dein zur Wach beſtell, daß uns öſe —— böſe Feind nicht fäll; vor Schrecken, Angſt und Feuers⸗ not behüt uns dieſe Nacht, o Gott! N. Hermann, † 1561. Mel. In dich hab ich gehoffet ꝛc. (Ich freue mich, mein Gott.) 387 Mein ſchönſte Zier und Kleinod biſt auf Erden du, Herr Jeſu Chriſt; dich will ich laſſen walten und allezeit, in Lieb und Leid, in meinem Herz behalten. 2. Dein Lieb und Treu für alles geht, kein Ding auf Erd ſo feſt beſteht: das muß ich frei bekennen; drum ſoll nicht Tod, nicht Angſt, nicht Not von deiner Lieb mich trennen. 3. Dein Wort iſt wahr und trüget nicht und hält gewiß, was es verſpricht, un Tod und auch im Leben. Du biſt nun mein, und ich bin dein; dir hab ich mich ergeben. 4. Der Tag nimmt ab; ach, ſchönſte Zier, Herr Jeſu Chriſt, bleib du bei mir; es will nun Abend werden; laß doch dein Licht auslöſchen nicht bei uns allhier auf Erden. Aus dem 16. Jahrhundert. 388 erde munter, mein Gemüte, und ihr Sinne, geht herfür, daß ihr preiſet Gottes Güte, Abend. die er hat gethan an mir, da er mich den ganzen Tag vor ſo mancher ſchweren Plag durch ſein gnaden⸗ reiches Walten hat beſchir⸗ met und erhalten. 2. Lob und Dank ſei dir geſungen, Vater der Barm⸗ herzigkeit, daß mir iſt mein Werk gelungen, daß du mich vor allem Leid und vor Sünden mancher Art ſo getreulich haſt bewahrt, auch die Feinde weggetrieben, daß ich unverſehrt geblieben. 3. Herr, ich bin von dir gewichen, doch ich ſtell mich wieder ein; denn dein Sohn hat ausgeglichen meine Schuld durch ſeine Pein. Ich verleugne nicht die Schuld; aber deine Gnad und Huld iſt viel größer, als die Sünde, die ich täglich in mir finde. 4. O du Licht der frommen Seelen, o du Glanz der Ewigkeit, dir will ich mich ganz befehlen dieſe Nacht und alle Zeit. Bleibe doch, mein Gott, bei mir, weil es nunmehr dunkel hier; daß kein Unfall mich betrübe, tröſte mich mit deiner Liebe. 5. Laß mich dieſe Nacht empfinden eine ſanfte, ſüße Ruh; alles übel laß ver⸗ ſchwinden, decke mich mit Segen zu; Leib und Seele, Mut und Blut, Weib und Kinder, Hab und Gut, Freunde, 269 270 Lieder für beſondere Zeiten. Freunde, Feind und Haus⸗ genoſſen ſein in deinen Schutz geſchloſſen. 6. Ach, bewahre mich vor Schrecken, ſchütze mich vor überfall; laß mich Krank⸗ heit nicht aufwecken, halte fern des Krieges Schall; wend ab Feur und Waſſers⸗ not, Peſtilenz und ſchnellen Tod; laß mich nicht in Sünden ſterben, noch an Leib und Seel verderben. 7. O du großer Gott, erhöre, was dein Kind ge⸗ beten hat; Jeſu, den ich ſtets verehre, bleibe du mein Schutz und Rat; und mein Hort, du werter Geiſt, der du Freund und Tröſter heißt, höre doch mein ſehn⸗ lich Flehen! Amen, ja, es ſoll geſchehen. 3. Riſt, † 1667. Mel. O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (In allen meinen Thaten.) 38 un ruhen alle Wälder, Vieh, Menſchen, Städt und Felder, es ſchläft die ganze Weltz; ihr aber, meine Sinnen, auf, auf, ihr ſollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt. 2. Wo biſt du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, die Nacht, des Tages Feind. Fahr hin, ein andre Sonne, mein Jeſus, meine Wonne, gar hell in meinem Herzen ſcheint. 3. Der Tag iſt nun ver⸗ angen; die güldnen Stern⸗ ein prangen am blauen Himmelsſaal; alſo werd ich auch ſtehen, wenn mich wird heißen gehen mein Gott aus dieſem Jammerthal. 4. Der Leib, der eilt zur Ruhe, legt ab das Kleid und Schuhe, das Bild der Sterblichkeit; die zieh ich aus; dagegen wird Chriſtus mir ankegen den Rock der Ehr und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die ſl die Hände ſind froh, daß nun zum Ende die Arbeit kommen ſei; Herz, freu dich, du ſollſt werden vom Elend dieſer Erden und von der Sünden Arbeit frei. 6. Nun geht, ihr matten Glieder, geht hin und legt euch nieder, der Betten ihr begehrt; es kommen Stund und Zeiten, da man euch wird bereiten zur Ruh ein Bettlein in der Erd. 7. Mein Augen ſtehn verdroſſen, im Nu ſind ſie geſchloſſen, wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm ſie zu deinen Gnaden, ſei gut für allen Schaden, du Aug und Wächter Israel! 8. Breit aus die Flügel beide, o Jeſu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein! Will mich der Feind verſchlingen, ſo laß die p, ein Abend. 271 lein ſingen: dies Kind ſoll unverletzet ſein. 9. Auch euch, ihr meine Lieben, ſoll heute nicht be⸗ trüben ein Unfall noch Ge⸗ fahr; Gott laß euch ruhig ſchlafen, ſtell euch die güld⸗ nen Waſſen ums Bett und ſeiner Helden Schar. P. Gerhardt, † 1676. 390 D Tag mit ſei⸗ nem Lichte fleucht hin und wird zu nichte, die Nacht kommt angegangen, mit Ruhe zu umfangen den matten Erden⸗ kreis. Der Tag, der iſt ge⸗ endet; mein Herz zu dir ſich wendet, der Tag und Nacht geſchaffen zum Wachen und ſen Schlafen, will ſingen einen Preis. 2. Wohlauf, wohlauf, mein Pſalter! Erhebe den Erhalter, der mir an Leib und Seeien viel mehr, als ich kann zählen, hat heute Guts gethan. All Augen⸗ blick und Stunden hat ſich gar viel gefunden, womit er ſein Gemüte und uner⸗ ſchöpfte Güte mir klar ge⸗ zeiget an. 3. Gleich wie des Hirten Freude, ein Schäflein auf der Weide, ſich unter ſeiner Treue ohn alle Furcht und Scheue ergötzet in dem Feld und ſich mit Blumen füllet, den Durſt mit Quellen ſtillet, ſo hat mich heut ge⸗ führet, mit manchem Gut gezieret der Hirt in aller Welt. 4. Gott hat mich nicht verlaſſen, ich aber hab ohn Maßen mich nicht geſcheut, mit Sünden und Unrecht zu entzünden das treue Va⸗ terherz. Ach, Vater, laß nicht brennen den Eifer, noch mich trennen von deiner Hand und Seiten; mein Thun und überſchreiten er⸗ weckt mir Reu und Schmerz. 5. Erhöre, Herr, mein Beten und laß mein Uber⸗ treten zur Rechten und zur Linken ins Meeres Tiefe ſinken und ewig untergehn. Laß aber, laß hingegen ſich deine Engel legen um mich mit ihren Waffen; mit dir will ich entſchlafen, mit dir auch auferſtehn. 6. Darauf ſo laß ich nie⸗ der mein Haupt und Augen⸗ lider, will ruhen ohne Sor⸗ gen, bis daß der güldne Morgen mich wieder munter macht. Dein Flügel wird mich decken, ſo wird mich nicht erſchrecken der Feind mit tauſend Liſten, der mich und alle Chriſten verfolget Tag und Nacht. 7. Ich lieg hier oder ſtehe, ich ſitz auch oder gehe, ſo bleib ich dir ergeben, und du biſt auch mein Leben, das iſt ein wahres Wort. Was 272 Lieder für beſondere Zeiten. Was ich beginn und mache, ich ſchlaf ein oder wache, wohn ich, als wie im Schloſſe, in deinem Arm und Schoße, bin ſelig hier und dort. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Werde munter, mein ꝛc. 9 1 nfre müden Au⸗ genlider ſchlie⸗ ßen ſich jetzt ſchläfrig zu, und des Leibes matte Glie⸗ der grüßen ſchon die Abend⸗ ruh; denn die dunkle finſtre Nacht hat des hellen Tages Pracht nun verſenkt im tie⸗ fen Meere und entflammt der Sterne Heere. 2. Ach, bedenk, eh du gehſt ſchlafen, du, o meines Leibes Gaſt, ob du den, der dich erſchaffen, heute nicht erzürnet haſt; thu, ach thu beizeiten Buß, geh und falle ihm zu Fuß und bitt ihn, daß er aus Gna⸗ den dich der Strafe woll entladen. 3. Sprich: Herr, dir iſt unverhohlen, daß ich dieſen Tag verbracht anders, als du mir befohlen; ja, ich habe nicht bedacht des Be⸗ rufes ſchmalen Steg, deinen vorgeſchriebnen Weg, ſon⸗ dern dich, mein Gott, ver⸗ laſſen, bin gefolgt der Welt⸗ luſt Straßen. 4. Ach, Herr, laß mich Gnad erlangen, gieb mir nicht verdienten Lohn, laß mich deine Huld umfangen, ſieh an deinen lieben Sohn, der für mich genug gethan; Vater, nimm den Bürgen an! Dieſer hat für mich er⸗ duldet, was ich Sünder hab verſchuldet. 5. Laß mich, Herr, von dir nicht wanken; in dir ſchlaf ich ſanft und wohl; gieb mir heilige Gedanken, und bin ich gleich Schlafes voll, ſo laß doch den Geiſt in mir zu dir wachen für und für, bis die Morgen⸗ röt angehet und die Sonn äm Himmel ſtehet. 6. Vater droben in der Höhe, deſſen Nam uns teuer wert, dein Reich komm, dein Will geſchehe, unſer Brot werd uns beſchert, und vergieb uns unſre Schuld, ſchenk uns deine Gnad und Huld; laß uns nicht Ver⸗ ſuchung töten, hilf uns, Herr, aus allen Nöten. Joh. Franck, † 1677. 392 Der Tag iſt hin, mein Jeſu, bei mir bleibe! O Seelen⸗ licht, der Sünden Nacht ver⸗ treibe; geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, er⸗ leuchte mich, o Herr, denn es iſt Zeit! 2. Lob, Preis und Dank ſei dir, mein Gott, geſungen; dir ſei die Ehr, wenn alles wohl gelungen nach deinem Rat, Rat, ob ichs gleich nicht verſteh; du biſt gerecht, es gehe, wie es geh. 3. Nur eines iſt, das mich empfindlich guälet: Be⸗ ſtändigkeit im Guten mir noch fehlet; das weißt du 1l, o Herzenskündiger, ich ſtrauchle noch wie ein Un⸗ mündiger. 4. Vergieb mir, Herr! Es ſagt mir mein Gewiſſen: der Sünde Luſt hat mich von dir geriſſen; es iſt mir leid, ich ſtell mich wieder ein; hier iſt mein Herz, ich dein, Herr, und du mein! 5. Mein Herr und Gott, mein Hüter und mein Hirte, zu meinem Troſt dein ſieg⸗ haft Schwert umgürte; be⸗ wahre mich durch deine große Macht, wenn mir der Feind nach meiner Seele tracht. 6. Du ſchlummerſt nicht, wenn matte Glieder ſchla⸗ fen; ach, laß die Seel im Schlaf auch Gutes ſchaffenz o Lebensſonn, erquicke mei⸗ nen Sinn; dich laß ich nicht, mein Fels; der Tag iſt hin! J. Neander, † 1680. (So fliehen unſre Tage.) 393 Nun ſich der Tag geendet hat und keine Sonn mehr ſcheint, ſchläft alles, was von Arbeit Abend. matt, und was zuvor ge⸗ weint. 2. Nur du, mein Gott, haſt keine Raſt, du ſchläfſt noch ſchlummerſt nicht; die Finſternis dich nicht um⸗ faßt, weil du biſt ſelbſt das Licht. 3. Gedenke, Herr, doch auch an mich in dieſer fin⸗ ſtern Nacht, und ſchirme du mich gnädiglich mit deiner Engel Wacht. 4. Zwar fühl ich wohl der Sünden Schuld, die mich bei dir klagt an; doch deines lieben Sohnes Huld hat gnug für mich gethan. 5. Drauf thu ich meine Augen zu und ſchlafe fröh— lich ein; mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh, wer wollte traurig ſein? 6. Weicht, nichtige Ge⸗ danken, hin, hemmt nicht der Andacht Lauf! Ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. 7. Soll dieſe Nacht die letzte ſein in dieſem Jammer⸗ thal, ſo führ mich, Herr, zum Himmel ein zur aus⸗ erwählten Zahl. 8. Und alſo leb und ſterb ich dir, du Herr Gott Ze⸗ baoth; iin Tod und Leben hilfſt du mir aus aller Angſt und Not. J. F. Hertzog, † 1699. ————— 274 Mel. Werde munter, mein ꝛc. 394 H err, es iſt von 0 meinem Leben wiederum ein Tag dahin; lehre mich nun Achtung ge— ben, ob ich fromm geweſen bin; zeige mir auch ſelber an, ſo ich was nicht recht gethan, und hilf jetzt in allen Sachen guten Feierabend machen. 2. Freilich wirſt du man⸗ ches finden, das dir nicht gefallen hat; denn ich bin noch voller Sünden in Ge⸗ danken, Wort und That, und zu jeder Tagesſtund pfleget Herz und Hand und Mund ſo geſchwind undoft zu fehlen, daß ichs ſelber nicht kann zählen. 3. Aber, o du Gott der Gnaden, habe noch einmal Geduld! Ich bin freilich ſchwer beladen, doch vergieb mir alle Schuld! Deine große Vatertreu werde dieſen Abend neu; ſo will künftig deinen Willen ich noch mehr als heut erfüllen. 4. Heilige mir das Ge⸗ müte, daß der Schlaf nicht ſündlich ſei; decke mich mit deiner Güte, und dein Engel ſteh mir bei. Löſche Licht und Feuer aus, und be⸗ wahre ſelbſt das Haus, daß ich morgen mit den Meinen nicht im Unglück müſſe weinen. Lieder für beſondere Zeiten. 5. Steure den gottloſen Leuten, die im Finſtern Böſes thun; ſollte man gleich was bereiten, uns zu ſcha⸗ den, wenn wir ruhn, ſo zer⸗ ſtöre du den Rat und ver⸗ hindere die That; wend auch allen andern Schrecken, den die Bosheit kann er⸗ wecken. 6. Herr, dein Auge geht nicht unter, wenn es bei uns Abend wird; denn du blei⸗ beſt ewig munter und biſt wie ein guter Hirt, der auch in der finſtern Nacht über ſeine Herde wacht; darum hilf uns, deinen Schafen daß wir alle ſicher ſchlafen. 7. Laß mich dann geſund erwachen, wenn es rechte Zeit wird ſein, daß ich fer⸗ ner meine Sachen richte dir zu Ehren ein; oder haſt du, lieber Gott, heut beſtimmet meinen Tod, ſo befehl ich dir am Ende Leib und Seel in deine Hände. Casp. Neumann, † 1715. Mel. Ach, was ſoll ich Sünder ꝛc. (Sollt ich meinem Gott nicht trauen.) 395 A mein Jeſu, ſieh, ich trete, da der Tag nunmehr ſich neigt und die Finſternis ſich zeigt, hin zu deinem Thron und bete: neige du zu dei⸗ nem Sinn auch mein Herz und Sinnen hin. 2. Meine Tage gehn ge⸗ ſchwinde wie ein Pfeil zur Ewigkeit; auch die aller⸗ längſte Zeit rauſcht vorüber wie die Winde, fließt dahin als wie ein Fluß mit dem ſchnellſten Waſſerguß., 3. Aber, Jeſu, ſieh, ich Armer nehme mich doch nicht in acht, daß ich i bei Tag und Nacht herzli ſuchte, mein Erbarmer; o wie mancher Tag geht hin, daß ich kalt und träge bin. 4. Ach, ich muß mich herzlich ſchämen; du erhältſt und ſchützeſt mich Tag und Nacht ſo gnädiglich, und ich will mich nicht bequemen, daß ich ohne Heuchelei dir dafür recht dankbar ſei. 5. Nun, ich komme mit Verlangen, o mein Herzens⸗ freund, zu dir: neige du dein Licht zu mir, da der Tag nunmehr vergangen; ſei du ſelbſtmein Sonnenlicht, das durchalles Finſtre bricht. 6. Laß mich meine Tage zählen, die du mir noch gön⸗ nen willt; von dir ſei mein Herz erfüllt, ſo wird mich nichts können quälen; denn wo du biſt Tag und Licht, ſchaden uns die Nächte nicht. Lev. Joh. Schlicht, † 1723. Mel. Jeſu, meine Freude ꝛc. irte deiner Schafe 396 H der von keinem Schlafe etwas wiſſen mag, Abend. unter 275 deine Treu und Milde diente mir zum Schilde den ver⸗ gangnen Tag; ſei die Nacht auch auf der Wacht und laß mich von deinen Scharen um und um bewahren. 2. Decke mich von oben vor der Feinde Toben mit der Vaterhuld; ein verſöhnt Gewiſſen ſei mein Ruhe⸗ kiſſen, drum vergieb die Schuld! Denn dein Sohn hat mich davon durch die tiefgeſchlagnen Wunden gnä⸗ diglich entbunden. 3. Laß auch meine Lieben keine Not betrüben; ſie ſind mein und dein. Schließ uns mit Erbarmen in den Vater⸗ armen wohlgeborgen ein. Du bei mir und ich bei dir; alſo ſind wir ungeſchieden, und ich ſchlaf in Frieden. 4. Komm, verſchließ die Kammer und laß allen Jammer ferne von uns ſein. Sei du Schloß und Riegel, deine Flügel nimm dein Küchlein ein; deck uns u mit Schutz und Ruh, ſ wird uns kein Grauen wecken, noch der Feind uns ſchrecken. 5. Wie, wenn ich mein Bette heut zum Grabehätte? Wie bald rot, bald tot! Doch, haſt du beſchloſſen, daß mein Ziel verfloſſen, kommt die Todesnot, ſo will ich nichts wider dich. 12* Gerne, 276 Gerne, weil ich dich gefun⸗ den, ſterb ich alle Stunden. 6. Nun wohlan! ich thue in vergnügter Ruhe meine Augen zu. Seele, Leib und Leben hab ich dir ergeben, treuer Hüter du! Gute Nacht, nimm mich in acht; und erleb ich ja den Morgen, wirſt du weiter ſorgen. B. Schmolck, † 1737. Mel. Herzlich thut mich verlangenzc. (Befiehl du deine Wege.) 397 es geſcheh dein Wille! Der Körper eilt zur Ruh, es fallen in der Stille die mü⸗ den Augen zu. Vergieb der Schwachheit Sünden, ver⸗ ſchon mit Zorn und Straf; laß mich bereitet finden zum Tode wie zum Schlaf. 2. Dein Heil hab ich ge⸗ ſehen; in Frieden fahr ich hin, weil ich beim Aufer⸗ ſtehen in deinem Reiche bin. Wohl dem, der bis ans Ende ſich als ein Chriſt erweiſt! Mein Gott, in deine Hände befehl ich meinen Geiſt. J. F. v. Cronegk, † 1758. Mel. O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (In allen meinen Thaten.) 398 Nun ſich der Tag geendet, mein Herz zu dir ſich wendet und danket inniglich; dein holdes Angeſichte zum Segen auf mich richte, erleuchte und entzünde mich. Lieder für beſondere Zeiten. 2. Ich ſchließe mich aufs neue in deine Vatertreue und Schutz und Herze ein; die fleiſchlichen Geſchäfte und alle finſtren Kräfte vertreibe durch dein Naheſein. 3. Daß du mich ſtets umgiebeſt, daß du mich herz⸗ lich liebeſt und rufſt zu dir empor, daß du allein den Frieden mir geben kannſt hienieden, das ſtelle früh und ſpät mir vor. 4. Ein Tag der ſagts dem andern, mein Leben ſei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, du ſchöne, mein Herz an dich gewöhne! Mein Heim iſt nicht in dieſer Zeit. G. Terſtegen, † 1769. Mel. O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (In allen meinen Thaten.) 399 H der du mir das Leben bis dieſen Tag gegeben, dich bet ich kindlich an. Ich bin viel zu geringe der Treue, die ich ſinge, und die du heut an mir gethan. 2. Mit dankendem Ge⸗ müte freu ich mich deiner Güte; ich freue mich in dir. Du giebſt mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke und ſchaffſt ein reines Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh der Seelen, nach deines Worts Befehlen einher im Leben gehn, —— c — — Abend. gehn, auf deine Güte hoffen, im Geiſt den Himmel offen und dort den Preis des Glaubens ſehn! 4. Ich weiß, an wen ich glaube, und nahe mich im Staube zu dir, o Gott, mein Heil. Ich bin der Schuld entladen, ich bin bei dir in Gnaden, und in dem Him⸗ mel iſt mein Teil. 5. Bedeckt mit deinem Segen eil ich der Ruh ent⸗ gegen; dein Name ſei ge⸗ preiſt! Mein Leben und mein Ende iſt dein; in deine Hände befehl ich, Vater, meinen Geiſt. Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (In allen meinen Thaten.) 400 D Mond iſt auf⸗ gegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar. Der Wald ſteht ſchwarz und ſchweiget, und aus den Wieſen ſteiget der weiße Nebel wun⸗ derbar. 2. Wie iſt die Welt ſo ſtille und in der Dämmrung Hülle ſo traulich und ſo hold, als eine ſtille Kam⸗ mer, wo ihr des Tages Jammerverſchlafen und ver⸗ geſſen ſollt. 3. Seht ihr den Mond dort ſtehen? Er iſt nur halb zu ſehen und iſt doch rund und ſchön. So ſind 277 wohl manche Sachen, die wir getroſt belachen, weil unſre Augen ſie nicht ſehn. 4. Wir ſtolzen Menſchen⸗ kinder ſind eitel arme Sün⸗ der und wiſſen gar nicht viel; wir ſpinnen Luft⸗ geſpinſte und ſuchen viele Künſte und kommen weiter von dem Ziel. 5. Gott, laß dein Heil uns ſchauen, auf nichts Vergänglichs trauen, nicht Eitelkeit uns freun; laß uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden wie Kinder fromm und fröhlich ſein! 6. Wollſt endlich ſonder Grämen aus dieſer Welt uns nehmen durch einen ſanften Tod; und wenn du uns genommen, laß uns in Himmel kommen, du unſer Herr und unſer Gott! 7. So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Na⸗ men nieder; kalt iſt der Abendhauch. Verſchon uns, Gott, mit Strafen und laß uns ruhig ſchlafen und un⸗ ſern kranken Nachbar auch. M. Claudius, † 1815. Für Kinder. Jeſu, komm, doch ꝛc. üde bin ich, geh zu Ruh, Auglein zu. Vater, Mel. 401 Y ſchließe beide 278 Lieder für beſondere Zeiten. Vater, laß die Augen dein über meinem Bette ſein! 2. Hab ich Unrecht heut gethan, ſieh es, lieber Gott, nicht an! Deine Gnad und Jeſu Blut macht ja allen Schaden gut. 3. Alle, die mir ſind verwandt, Gott, laß ruhn in deiner Hand; alle Men⸗ ſchen, groß und klein, ſollen dir befohlen ſein. 4. Kranken Herzen ſende Ruh, naſſe Augen ſchließe zu; laß den Mond am Himmel ſtehn und die ſtille Welt beſehn. Louiſe Henſel, † 1876. Am Schluſſe der Woche. Mel. Du Lebensbrot ꝛc. (Gott Lob, ein Schritt zur Ewigleit.) 402 ott Lob, ein Schritt zur Ewigkeit iſt abermals vollen⸗ det; zu dir im Fortgang dieſer Zeit mein Herz ſich ſehnlich wendet, o Quell, daraus mein Leben fließt und alle Gnade ſich ergießt zu meiner Seele Leben. 2. Ich zähle Stunden, Tag und Jahr und wird mir faſt zu lange, bis es erſcheine, daß ich gar, o Leben, dich umfange, damit, was ſterblich iſt an mir, verſchlungen werde ganz in dir und ich unſterblich werde. 3. Doch ſei dir ganz anheim geſtellt die rechte Zeit und Stunde, wie wohl ich weiß, daß dirs gefällt, wenn ich mit Herz und Munde dich kommen heiße und darauf von nun an richte meinen Lauf, daß ich dir komm entgegen. 4. Ich bin vergnügt, daß mich nichts kann von deiner Liebe trennen und daß ich frei vor jedermann dich meinen Freund darf nennen, und daß du dort, o Lebens⸗ fürſt, dich ganz mit mir vereinen wirſt und mir dein Erbe ſchenken. 5. Drum preis ich dich aus Dankbarkeit, daß ſich die Woch geendet, und alſo auch von dieſer Zeit ein neuer Schritt vollendet, und freudig ſchreit ich weiter fort, bis ich gelange an die Pfort Jeruſalems dort oben. 6. Wenn meine Hände läſſig ſind und meine Kniee beben, ſo biet mir deine Hand geſchwind, mich wieder zu erheben; erfüll mit deiner Kraft mein Herz, damit ich freudig himmelwärts ohn Unterlaß aufſteige. 7. Geh, Seele, friſch im Glauben dran und ſei nur unerſchrocken; laß dich nicht von der rechten Bahn die Luſt der Welt ablocken; ſo dir der Lauf zu langſam deucht, ſo eile, wie ein Adler fleugt, fleugt, mit Flügeln ſüßer Liebe. 8. O Jeſu, meine Seele iſt zu dir ſchon aufgeflogen; du haſt, weil du voll Liebe biſt, mich ganz zu dir ge⸗ zogen. Fahr hin, was heißet Stund und Zeit! Ich bin ſchon in der Ewigkeit, weil ich in Jeſu lebe. A. H. Francke, † I727. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 2 ie Woche geht 403 D zu Ende, nicht aber Gottes Treu; denn wo ich mich hinwende, da iſt ſie immer neu. Die Zeit kann wohl verſchwinden, nur Gottes Güte nicht, ſie läßt ſich täglich finden und giebt mir Troſt und Licht. 2. Du gnädigſter Erhalter von allem, was ich bin, hör meines Mundes Pſälter und nimm mein Opfer hin. Unzählbar ſind die Gaben, die du geſchenket mir, und was ich nur kann haben, iſt alles ja von dir. 3. Die ganze Woche zeuget von deiner Gütigkeit, die du zu mir geneiget, getreu zu jeder Zeit. Auf meines Lebens Pfade rühmt jeder Augenblick die Wunder dei⸗ ner Gnade im Unglück, wie im Glück. 4. Allein mein Herze bebet, wenn es zurücke denkt, wie übel ich gelebet und Am Schluſſe der Woche. 279 dich, mein Gott, gekränkt; drum ruf ich Herr, erbarme, erbarm dich über mich! Ich fall dir in die Arme: ach, ſchone gnädiglich! 5. Mein Glaube heißt mich hoffen, es ſei durch Chriſti Blut ein neuer Bund getrofſen und alles wieder gut; drum will ich dir ge⸗ loben, auf ewig treu zu ſein; dein guter Geiſt von oben wird mir die Kraft verleihn. 6. Ich bin dein Kind aufs neue; drum gieb, daß dieſe Nacht mich auch dein Schutz erfreue, der alles ſicher macht. Ich werde gleichſam ſterben; der Schlaf iſt wie ein Tod; doch kann ich nicht verderben: du lebſt in mir, mein Gott. Soll das in dieſem Leben die letzte Woche ſein, will ich nicht widerſtreben, nein, mich im Geiſte freun auf jenen Feierabend, den Chriſti Tod gemacht, und dieſe Hoffnung habend ſprech ich nun: gute Nacht! B. Schmolck, † 1737. Beruf. Mel. O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (n allen meinen Thaten.) 404 Du ſollſt in allen Sachen mit Gott den Aufang machen aus ————— 280 aus treuer Schuld und Pflicht. Wem haſt du Dank zu geben, als ihm, für Heil und Leben? Von dir, o Menſch, entſpringt es nicht. 2. Was will dein kaltes Sinnen, du Staub der Zeit, beginnen, legt er nicht Hilfe bei? Der Menſch mit ſeinem Dichten weiß wenig auszu⸗ richten, das wahrhaft gut zu heißen ſei. 3. Drum ſei nicht zu verwegen auf des Berufes Stegen und bilde dir nicht ein, als könnteſt du Ver⸗ trauen auf deine Kräfte bauen; denn ſie ſind Gottes und nicht dein. 4. Wo Gottes Hand ſich reget, den Grund zur Arbeit leget, da zieht der Segen ein; verkehrt er ſein Geſichte, ſo wird ein Werk zunichte, wie trefflich auch die Meiſter ſein. 5. Schlag an die Himmels⸗ pforten mit ſtarken Glau⸗ bensworten, da bitte Bei⸗ ſtand aus. Daher wird Segen fließen und reichlich ſich ergießen auf dich und auf dein ganzes Haus. A. Tſcherning, † 1659. Mel. O Durchbrecher aller Bande ꝛc. (O du Liebe meiner Liebe.) 405 Ceſu, komm, ſei eingebeten! Meine Hände leg ich an; wolleſt mir zur Seite treten, daß mein Thun ſei wohlge⸗ Lieder für beſondere Stände. than. Auf dein Wort, zu deiner Ehre, will mein Netz ich ſenken ein; einen guten Zug beſchere, laß es voller Segen ſein. 2. Ohne dich macht nichts mein Machen, nichts kann alle meine Kunſt; ohne dich in allen Sachen alle Müh iſt ganz umſonſt. Ach, du mußt mit Hand anlegen, meine Hand iſt viel zu ſchwach. Nun ſo komm mit Hilf und Segen, meine Ohnmacht mächtig mach! 3. Gerne will ich thun das Meine, will es thun auf dein Geheiß; thu auch du dabei das Deine und beglücke meinen Fleiß. Laß mich und mein Haus er⸗ freuen einen reichen guten Zug; doch ſollt es nicht gleich gedeihen, hab ich dich, hab ich genug. 4. Zwar, wie ſollt es mir nicht glücken, da du ſelbſt Mithelfer biſt? Ach, du kannſt und willſt er⸗ quicken, wenn man fromm und gläubig iſt. Iſt nur Gott, ſo iſt daneben alles andre auch im Haus; du wirſt ſegnen, du wirſt geben, der du allen teileſt aus. 5. Ich verſeh mich deiner Gnaden, ob ich keines Segens wert; wirſt du mir mein Retz beladen, ſollſt du ſein mit Dank verehrt; ⸗ will ich wieder ge i 1 (3 , ein Teil davon ſoll dein, dein, o Gott, und auch da⸗ neben meines armen Nächſten ſein. S. von Birlen, † 1681. Mel. Es iſt das Heil uns ꝛc. 40 In fang ich an, was 2 zu thun gebühret; mit Gott wird alles wohl⸗ gethan und glücklich ausge⸗ führet. Was man in Gottes Namen thut, iſt allenthalben recht und gut und muß uns auch gedeihen. 2. Gott iſts, der das Vermögen ſchafft, das Gute zu vollbringen, er giebt uns Segen, Mut und Kraft und läßt das Werk gelingen, daß uns ein reicher Zug entſteht und Gottes Gab in Fülle geht, daß wir zur gnüge haben. 3. Gott iſt der Frommen Schild und Lohn, er krönet ſie mit Gnaden; der böſen Welt Haß, Neid und Hohn kann ihnen gar nicht ſchaden. Gott decket ſie mit ſeiner Hand, er ſegnet ihren Weg und Stand und füllet ſie mit Freuden. 4. Drum komm, Herr Jeſu, ſtärke mich, hilf mir in meinen Werken; laß du mit deiner Gnade dich bei meiner Arbeit merken. Gieb dein Gedeihen ſelbſt dazu, daß ich in allem, was ich erfahre deinen Segen. Beruf. 281 5. Regiere mich durch deinen Geiſt, den Müßiggang zu meiden, daß das, was du mich ſchaffen heißt, ge⸗ ſcheh mit lauter Freuden, auf daß ich dir mit aller Treu auf dein Gebot gehor⸗ ſam ſei und meinem Nächſten diene, 6. Nun, Jeſu, komm und bleib bei mir; die Werke meiner Hände befehl ich, liebſter Heiland, dir; hilf, daß ich ſie vollende zu deines Namens Herrlichkeit, und gieb, daß ich zur Abendzeit erwünſchten Lohn empfange! S. Liscow, † 1698. Mel. Erſchienen iſt der herrlich Tagc. 407 as walte Gott, der helfen kanni Mit Gott fang ich die Arbeit an, mit Gott nur geht es glücklich fort; drum iſt auch dies mein erſtes Wort: das walte Gott! 2. All mein Beginnen, Thun und Werk erfordert Gottes Kraft und Stärk; mein Herz ſucht Gottes An⸗ geſicht; drum auch mein Mund' mit Freuden ſpricht: das walte Gott! 3. Wenn Gott nicht hilft, ſo kann ich nichts; wo Gott nicht giebet, da gebrichts; Gott giebt und thut mir alles Guts; drum ſprech ich nun auch gutes Muts: das walte Gott! ———— 282 Lieder für beſondere Stände. 4. Will Gott mir etwas geben hier, ſo will ich dank⸗ bar ſein dafür; auf ſein Wort werf ich aus mein Netz und ſag in meiner Arbeit ſtets: das walte Gott! 5. Anfang und Mitte ſamt dem End ſtell ich allein in Gottes Händ; er gebe, was mir nützlich iſt; drum ſprech ich auch zu jeder Friſt: das walte Gott! 6. Legt Gott mir ſeinen Segen bei nach ſeiner großen Güt und Treu, ſo gnügets mir zu jeder Stund; drum ſprech ich auch von Herzens⸗ grund: das walte Gott! 7. Trifft mich ein Un⸗ glück: unverzagt! Iſt doch mein Werk mit Gott ge⸗ wagt; er wird mir gnädig ſtehen bei; drum dies auch meine Loſung ſei: das walte Gott! 8. Er kann mich ſegnen früh und ſpat, bis all mein Thun ein Ende hat; er giebt und nimmt, machts, wie er will; drum ſprech ich auch fein in der Still: das walte Gott! 9. Gott ſteht mir bei in aller Not und giebt mir auch mein täglich Brot; nach ſeinem alten Vater⸗ brauch thut er mir Guts; drum ſprech ich auch:; das walte Gott! 10. Nichts glücket ohne Gottes Gunſt, nichts hilft Verſtand, Witz oder Kunſt; mit Gott gehts fort, gerät auch wohl, daß ich kann ſagen glaubensvoll: das walte Gott! 11. Teilt Gott was mit aus Gütigkeit, ſo acht ich keiner Feinde Neid; laß haſſen, wers nicht laſſen kann, ich ſtimme doch mit Freuden an: das walte Gott! 12. Thu ich dann was mit Gottes Rat, der mir beiſtehet früh und ſpat, dann alles wohl gerathen muß; drum ſprech ich noch⸗ mals zum Beſchluß: das walte Gott! J. Betichius, † 1722. Ehe und Hausſtand. Mel. Nicht ſo traurig, nicht ſo ſehr ꝛc. 408 Ve Wunder, voller Kunſt, voll von hoher Weisheit Preis, voller Hulde, Gnad und Gunſt, Labſal bei des Lebens Schweiß, voller Wunder, ſag ich noch, iſt der keuſchen Liebe Joch. 2. Die ſich nach dem Angeſicht niemals je zuvor gekannt, auch ſonſt im ge⸗ ringſten nicht mit Gedanken zugewandt, derer Herzen, derer derer Hand knüpft Gott in ein Liebesband. 3. Dieſer Vater zieht ſein Kind, jener ſeins dagegen auf, beide treibt ihr ſondrer Wind, ihre ſondre Bahn und Lauf; aber wenn die Zeit nun dar, wirds ein wohl⸗ geratnes Paar. 4. Hier wächſt ein geſchickter Sohn, dort ein edle Tochter zu; eines iſt des andern Kron, eines iſt des andern Ruh, eines iſt des andern Licht, wiſſens aber beide nicht. 5. Bis ſolang es dem beliebt, der die Welt im Schoße hält und zur rechten Stunde giebt jedem, was ihm wohlgefällt, da erſcheint im Werk und That der ſo tief verborgne Rat. 6. Jeder findet, jeder nimmt, was der Höchſt ihm auserſehn; was im Himmel iſt beſtimmt, pflegt auf Erden zu geſchehn, und was dann nun ſo geſchicht, das iſt ſehr wohl ausgericht. 7. Hfters denkt man: das und dies hätte können beſſer ſein; aber wie die Finſternis nicht erreicht den Sonnenſchein, alſo geht auch Menſchenſinn hinter Gottes Weisheit hin. 8. Laß zuſammen, was Gott fügt; der weiß, wies am beſten ſei; unſer Denken fehlt und trügt, ſein Gedank iſt mangelfrei; Gottes Werk Ehe und Hausſtand. 283 hat feſten Fuß, wenn ſonſt alles fallen muß. 9. Siehe frommen Kin⸗ dern zu, die im heilgen Stande ſtehn, wie ſo wohl Gott ihnen thu, wie ſo ſchön er laſſe gehn alle Thaten ihrer Händ auf ein gutes ſelges End. 10. Ihrer Tugend werter Ruhm ſteht in ſteter voller Blüt; wenn ſonſt aller Liebe Blum als ein Schatten ſich verzieht, und wenn auf⸗ hört alle Treu, iſt doch ihre Treue neu. 11. Ihre Lieb iſt immer friſch und verjüngt ſich fort und fort; Liebe zieret ihren Tiſch und verſüßet alle Wort; Liebe giebt dem Her⸗ zen Raſt in der Müh und Sorgenlaſt. 12. Gehts nicht allzeit wie es ſoll, iſt doch dieſe Liebe ſtill, hält ſich in dem Kreuze wohl, denkt, es ſei des Herren Will, und ver⸗ ſichert ſich mit Freud einer künftig beſſern Zeit. 13. Unterdeſſen geht und fleußt Gottes reicher Segens⸗ bach, ſpeiſt die Leiber, tränkt den Geiſt, ſtärkt des Hauſes Grund und Dach, und was klein, gering und bloß, macht er mächtig, viel und groß. 14. Endlich, wenn nun ganz vollbracht, was Gott hier in dieſer Welt frommen Kindern 284 Lieder für beſondere Stände. Kindern zugedacht, nimmt er ſie ins Himmelszelt und drückt ſie mit großer Luſt ſelbſt an ſeinen Mund und Bruſt. 15. Nun ſo bleibt ja voller Gunſt, voll von hoher Weisheit Preis, voller Wun⸗ der, voller Kunſt, Labſal bei des Lebens Schweiß, voller Wunder, ſag ich noch, bleibt der keuſchen Liebe Joch. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Wie ſchön leuchtet der Morgen⸗ ſtern ꝛc.(Mein ganzer Geiſte) 409 Wie ſchön iſts doch, Herr Jeſu Chriſt, im Stande, da dein Segen iſt, im Stande heilger Ehe! Wie ſteigt und neigt ſich deine Gab und alles Gut ſo mild herab aus deiner heilgen Höhe, wenn ſich an dich fleißig halten Jung und Alten, die im Orden eines Lebens einig worden. 2. Wenn Mann und Weib ſich wohl verſtehn und Hand in Hand durchs Leben gehn im Bunde reiner Treue, da blüht das Glück von Jahr zu Jahr, da ſieht man, wie der Engel Schar im Himmel ſelbſt ſich freue. Kein Sturm, kein Wurm kann zerſchlagen, kann zer⸗ nagen, was Gott giebet dem Paar, das in ihm ſich liebet. 3. Der Mann wird einem Baume gleich, an Aſten ſchön, an Zweigen reich, das Weib gleich einem Reben, der ſeine Träublein trägt und nährt und ſich je mehr und mehr Früchten, die da leben. Wohl dir, o Zier, Mannes⸗ wonne, Hauſesſonne, Ehren⸗ krone! Gott denkt dein auf ſeinem Throne. 4. Sei gutes Muts! Nicht Menſchenhand hat auf⸗ gerichtet ſolchen Stand: es iſt ein höhrer Vater; der hat uns je und je geliebt und bleibt, wenn unſre Sorg uns trübt, der beſte Freund und Rater. Anfang, Aus⸗ gang aller Sachen, die zu machen wir gedenken, wird er wohl und weislich lenken. 5. Zwar bleibts nicht aus, es kommt ja wohl ein Stündlein, da man Leides voll die Thränen läſſet fließen; doch wer ſich ſtill und in Geduld ergiebt, des Leid wird Gottes Huld in großen Freuden ſchließen. Zage, trage nur ein wenig! ünſer König wird behende machen, daß die Angſt ſich wende. 6. Wohl denn, mein König, nah herzu! Gieb Rat in Kreuz, in Nöten Ruh, in Ingſten Troſt und Freude! Des ſollſt du haben Ruhm und Preis; wir wollen vermehrt mit ern woll und wir ju wi Si jug in nor ſie dei 9 em en das en, ügt nit en. es⸗ en⸗ auf 6! uf⸗ es der ebt rg nd 1 zu ird en. icht ein des ſtt till des in en. ig! nde ſch ein ot nd en ir n wollen ſingen beſter Weis und danken alle beide, bis wir bei dir, deinen Willen zu erfüllen, deinen Namen ewig loben werden. Amen! P. Gerhardt, † 1676. Mel. Werde munter, mein ꝛc. 410 orge doch für meine Kinder, Vater, nimm dich ihrer an; ob ſie gleich vor dir ſind Sünder, ſind ſie dir doch zugethan, und du haſt ſie in der Tauf väterlich ge⸗ nommen auf, daß ſie, wenn ſie ſollten ſterben, wären deines Reiches Erben. 2. Du haſt ſie bisher ernähret und ſo manchem Unglücksfall mehr als väter⸗ lich gewehret, der ſie hier und überall hätt in Angſt und Not geſtürzt, ja das Leben abgekürzt; aber deine Vatertreue bleibt bei ihnen täglich neue. 3. Sollt ich nicht für ſolche Güte immer dir ver⸗ pflichtet ſein und mit dank⸗ barem Gemüte ſolchen Glücks⸗ und Segensſchein rühmen und vor jedermann deine Wohlthat zeigen an, ach, ſo müßt ich ganz ver⸗ meſſen Gottes, meines Heils, vergeſſen. 4. Sammeln andre große Schätze, ſuchen in der Welt ihr Heil, daß ſie Geld und Gut ergötze, ſo biſt du mein Che und Hausſtand. 285 einzig Teil. Bleib auch mei⸗ ner Kinder Gott, laſſe ſie in keiner Not und in keinem Kreuz verderben, bis ſie end⸗ lich ſelig ſterben. 5. Der du ſie bisher erhalten, wolleſt ſtets ihr Schützer ſein, wollſt in Gnaden ihrer walten, bricht Gefahr für ſie herein. Regt in ihrer eignen Bruſt ſich mit Macht die böſe Luſt: gieb dann, daß ſie mutig kämpfen und den Reiz der Sünde dämpfen. 6. Schütze ſie vor böſen Leuten und vor der Ver⸗ führer Schar, daß ihr Fuß nicht möge gleiten; laß ſie ihre Lebensjahr in der Gnade bringen zu, bis du ſie, wie mich, zur Ruh wirſt ins kühle Grab verſenken und die Seligkeit uns ſchenken. 7. Können ſie in dieſem Leben hier und, wo es dir gefällt, was zu deiner Ehre geben, ſo laß in der ganzen Welt ihnen, wo ſie immer gehn, deine Furcht vor Augen ſtehn, daß ſie dich im Thun und Laſſen ſtets in ihre Herzen faſſen. 8. Gönne mir die große Freude, daß einſt an dem jüngſten Tag, nach ſo vielem Kreuz und Leide, ich mit Jauchzen ſagen mag; liebſter PVater, ich bin hier und die Kinder, die du mir haſt in jener 286 jener Welt beſcheret; ewig ſei dein Nam geehret! L. H. Schloſſer, † 1723. Mel. Seelenbräutigam ꝛc. 411 Geſu, geh voran Wauf der Lebens⸗ bahn, und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nach⸗ zueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland. 2. Solls uns hart ergehn, laß uns feſte ſtehn und auch in den ſchwerſten Tagen niemals über Laſten klagen; denn durch Trübſal hier geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz irgend unſer Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o ſo gieb Geduld zu beiden; richte unſern Sinn auf das Ende hin. 4. Ordne unſern Gang, Jeſu, lebenslang; führſt du uns durch rauhe Wege, gieb uns auch die nötge Pflege; thu uns nach dem Lauf deine Thüre auf. Graf N. L. v. Zinzendorf, † 1760. Mel. O Jeſu Chriſt, meins Lebens Licht ꝛc. 41 2 Wohl einem Haus, da Jeſus Chriſt allein das All in allem iſt! Ja, wenn er nicht darinnen wär, ſo ſtünd es öd und wüſt und leer. 2. Wohl ihm, wenn Mann und Weib und Kind im Lieder für beſondere Stände. rechten Glauben einig ſind, zu dienen ihrem Herrn und Gott nach ſeinem Willen und Gebot. 3. Wohl, wenn ein ſolches Haus der Welt ein Vorbild vor die Augen ſtellt, daß ohne Gottesdienſt im Geiſt das äußre Werk nichts iſt, noch heißt. 4. Wohl, wenn der Herzen fromm Gebet beſtändig in die Höhe geht, und man nichts treibet fort und fort, als Gottes Werk und Gottes Wort. 5. Wohl, wenn im äußer— lichen Stand mit fleißiger getreuer Hand ein jegliches nach ſeiner Art im Glauben ſeine Pflicht bewahrt. 6. Wohl, wenn die Eltern gläubig ſind, und wenn ſie Kind und Kindeskind ver⸗ ſäumen nicht am ewgen Glück, ſo bleibet ihrer keins zurück. 7. Wohl ſolchem Haus, denn es gedeiht; die Eltern werden hoch erfreut, und ihren Kindern ſieht mans an, wie Gott die Seinen ſegnen kann. 8. So mach ich denn zu dieſer Stund ſamt meinem Hauſe dieſen Bund: Wenn alles Volk vom Herren wich, ſo dienen wir ihm ewiglich. Ch. E. L. v. Pfeil, † 1784. ind, und llen hes bild duß eiſt iſt, en in n rt, tes en rm ſie e⸗ en ins 1s, rn nd lel Mel. Wie ſchön leuchtet der Morgen⸗ ſtern ꝛc.(Mein ganzer Geiſt.) 413 Och und mein Haus, wir ſind bereit, dir, Herr, die ganze Lebenszeit mit Seel und Leib zu dienen. Du ſollſt der Herr im Hauſe ſein; gieb deinen Segen nur darein, daß wir dir willig dienen. Eine kleine, fromme, reine Hausgemeine machaus allen. Dir nur ſoll ſie wohlge⸗ fallen. 2. Es wirke durch dein kräftig Wort dein guter Geiſt ſtets fort und fort an unſer aller Seelen; es leucht uns wie das Sonnenlicht, damits am rechten Lichte nicht im Hauſe möge fehlen. Reiche gleiche Seelenſpeiſe auch zur Reiſe durch dies Leben uns, die wir uns dir ergeben. 3. Gieß deinen Frieden auf das Haus und alle, die drin wohnen, aus, im Glau⸗ ben uns verbinde; laß uns in Liebe allezeit zum Dulden, Tragen ſein bereit, demütig, ſanft und linde. Liebe übe jede Seele; keinem fehle, dran man kennet den, der ſich den Deinen nennet. 4. Laß unſer Haus ge⸗ gründet ſein auf deine Gnade ganz allein und deine große Güte. Auch laß uns in der Nächte Graun auf deine treue Hilfe ſchaun mit kind⸗ Ehe und Hausſtand. lichem Gemüte; ſelig, fröh⸗ lich, ſelbſt mit Schmerzen in dem Herzen dir uns laſſen und dann in Geduld uns faſſen. 5. Giebſt du uns irdiſch Glück ins Haus, ſo ſchließ den Stolz, die Weltluſt aus, des Reichtums böſe Gäſte; denn wenn das Herz an Demut leer und voll von eitler Weltluſt wär, ſo fehlte uns das Beſte: jene ſchöne, tiefe, ſtille Gnadenfülle, die mit Schätzen einer Welt nicht zu erſetzen. 6. Und endlich flehn wir allermeiſt, daß in dem Haus kein andrer Geiſt, als nur dein Geiſt regiere; daß er, der alles wohl beſtellt und gute Zucht und Ordnung hält, uns alles lieblich ziere. Sende, ſpende ihn uns allen, bis wir wallen heim und droben dich in deinem Hauſe loben. g. J. Ph. Spitta, † 1859. 414 O ſelig Haus, wo man dich auf⸗ genommen, du wahrer Seelenfreund, Herr Jeſu Chriſt! wo unter allen Gäſten, die da kommen, du der gefeiertſte und liebſte biſt; wo aller Herzen dir entgegenſchlägen und aller Augen freudig auf dich ſehn; wo aller Lippen dein Gebot erfragen und alle deines Winks gewärtig ſtehn. 288 2. O ſelig Haus, wo Mann und Weib in einer, in deiner Liebe eines Geiſtes ſind, als beide eines Heils gewürdigt, keiner im Glau⸗ bensgrunde anders iſt ge⸗ ſinnt; wo beide unzertrenn⸗ bar an dir hangen in Lieb und Leid, Gemach und Un⸗ gemach, und nur bei dir zu bleiben ſtets verlangen, an jedem guten, wie am böſen Tag! 3. O ſelig Haus, wo man die lieben Kleinen mit Händen des Gebets ans Herz dir legt, du Freund der Kinder, der ſie als die Seinen mit mehr als Mutterliebe hegt und pflegt; wo ſie zu deinen Füßen gern ſich ſammeln und horchen deiner ſüßen Rede zu und lernen früh dein Lob mit Freuden ſtammeln, ſich deiner freun, du lieber Heiland, du! 4. O ſelig Haus, wo Knecht und Magd dich kennen und wiſſen, weſſen Augen auf dich ſehn, bei allem Werk in einem Eifer brennen, daß es nach deinem Willen mag geſchehn; als deine Diener, deine Hausgenoſſen, in Demut willig und in Liebe frei, das Ihre ſchaffen, froh und unverdroſſen, in kleinen Dingen zeigen große Treu! Lieder für beſondere Stände. 5. O ſelig Haus, wo du die Freude teileſt, wo man bei keiner Freude dein ver⸗ gißt! O ſelig Haus, wo du die Wunden heileſt und aller Arzt und aller Tröſter biſt; bis jeder einſt ſein Tagewerk vollendet, und bis ſie endlich alle ziehen aus dahin, woher der Vater dich geſendet, ins große, freie, ſchöne Vaterhaus. K. J. Ph. Spitta, 1 1859. Vor der Trauung. el. Wie ſchön leuchtet ꝛc. M zon dir, du Gott 415 V der Einigkeit, ward einſt der Ehebund ge⸗ weiht; von dir kommt auch der Segen. O ſegn auch jet von deinen Höhn, die hie o deinem Antlitz ſtehn, um Hand in Hand zu legen. Laß ſie, Vater, dir ergeben einig leben, treu ſich lieben und in deinem Wort ſich üben. Nach der Trauung. Mel. Wie ſchön leuchtet ꝛc. Nimm ſie in deine Vater⸗ hut, halt ihren Sinn bei frohem Mut, ihr Herz dem Himmel offen, und lehre ſie, ſich deiner freun, ein Herz und eine Seele ſein im Glauben, Lieben, Hoffen! Laß ſie, Vater, dir ergeben, glück⸗ du nan er⸗ du und ſter ſein his aus dich eie, zott eit uch uch die litz and ltel, ſen, in Obrigkeit. glücklich leben, freudig ſter⸗ ben und vereint den Himmel erben! G. E. Waldau, † 1817. Obrigkeit. Mel. Aus meines Herzens Grunde ꝛc. (Schwingt, heilige Gedanken) 416 Sehova, Herr und WKönig der Könige und Herrn, dir ſind wir unterthänig, du herrſcheſt nah und fern; du Herr im Himmelszelt, laß unter dei⸗ nem Leiten beſtehn die Obrig⸗ keiten, zu herrſchen in der Welt. 2. Es zeugen deine Knechte, daß keine Obrigkeit, als nur durch deine Rechte und deine Macht gebeut. Du haſt ſie hoch geſchätzt; wer ihr zuwider lebet, der trotzt und widerſtrebet dem, was du haſt geſetzt. 3. Du Gott der Ordnung, lehre mich ſelbſt durch deinen Geiſt, daß ich die Obern ehre, wie uns dein Wort es heißt. Sie tragen ja dein Bild; gieb, daß ich Demut übe und ſie mit Ehrfurcht liebe, ſo wird dein Wort erfülit. 4. Verleihe deine Güte und ſende Recht und Licht; gieb ihnen ins Gemüte viel Weisheit zum Gericht. Du herrſcheſt ſelbſt im Land; das Herz der Obrigkeiten Predigtamt. 289 kannſt du wie Bäche leiten; es ſteht in deiner Hand. 5. Gieb, daß durch ihr Regieren wir mit Zufrieden⸗ heit ein ruhig Leben führen in wahrer Frömmigkeit. Laß ſie die Pfleger ſein der gläubigen Gemeinde und als getreue Freunde ihr heilge Sorgfalt weihn. 6. Die uns allhier re⸗ gieren, Herr, die regiere du; laß deinen Geiſt ſie führen, dein Rat ſprech ihnen zu. Herr Gott, du ſegneſt gern; o, walte du hienieden, gieb deinem Volke Frieden durch Jeſum, unſern Herrn. Nach Ph. Frd. Hiller, † 1769. Predigtamt. Mel. Wie ſchön leuchtet ꝛc. (Mein ganzer Geiſt.) 417 O Jeſu, Herr der Herrlichkeit, du König deiner Chriſtenheit, du Hirte deiner Herde, du ſiehſt auf die erlöſte Welt, regierſt ſie, wie es dir ge⸗ fällt, ſorgſt, daß ſie ſelig werde. Von dir ſind wir auch erwählet, zugezählet den Erlöſten, die du ſegnen willſt und tröſten. 2. Wohl deinem Volk, daß du es liebſt, nach deinem Sinn ihm Hirten giebſt, die es zum Himmel führen, und die voll Eifer, Geiſt und Kraft, voll Glauben, Liebe, 13 Wiſſen⸗ 290 Lieder für beſondere Verhältniſſe. Wiſſenſchaft das Herz der Sünder rühren. Treue Hir⸗ ten laß den Seelen niemals fehlen, daß die Herden mit den Hirten ſelig werden. 3. Wir nehmen hier von deiner Hand den Lehrer, den du uns geſandt; Herr, ſegne ſein Geſchäfte! Die Seelen, die ſich ihm vertraun, durch Lehr und Leben zu erbaun, gieb Weisheit ihm und Kräfte. Lehr ihn, hilf ihm thun und leiten, dulden, ſtreiten, beten, wachen, ſelig ſich und uns zu machen. 4. Herr, deinen Geiſt laß auf ihm ruhn; laß ihn ſein Amt mit Freuden thun; nichts ſei, das ihn betrübe! Wenn er uns deine Wahr⸗ heit lehrt, gieb uns ein Herz, das folgſam hört, ein Herz voll treuer Liebe. Lehrer, Hörer laß in Freundſchaft und Gemeinſchaft feſte ſtehen und den Weg zum Himmel gehen. 5. Wenn einſt dein großer Tag erſcheint, laß unſern Lehrer, unſern Freund uns dir entgegen führen. Du giebſt ihm unter ſeine Hand die Seelen als ein teures Pfand; laß keine ihn ver⸗ lieren. Jeſu, hilf du, beut die Hände, daß am Ende Hirt und Herde treu vor dir erfunden werde. 6. Sei uns geſegnet, Knecht des Herrn! Wir heißen dich willkommen gern in Jeſu Chriſti Namen. O Hirte, nimm uns bei der Hand, führ uns zum ewgen Vater⸗ land. Gott mit dir! Amen! Amen! Mit dir gehn wir durch die Leiden dieſer Zei⸗ ten zu dem Leben, das uns unſer Gott will geben. Z. D. K. Bickel, † 1809. Allgemeine Not. 418 enn wir in höchſten Nöten ſein und wiſſen nicht, wo aus noch ein, und finden weder Hilf noch Rat, ob wir gleich ſorgen früh und pat: 2. So iſt dies unſer Troſt allein, daß wir zuſammen insgemein anrufen dich, o treuer Gott, um Rettung aus der Angſt und Not, 3. Und heben unſer Aug und Herz zu dir in wahrer Reu und Schmerz und bitten um Begnadigung und aller Strafen Linderung, 4. Die du verheißeſt gnä⸗ diglich all denen, die drum bitten dich im Namen des Herrn Jeſu Chriſt, der unſer Heil und Mittler iſt. 5. Drum kommen wir, o Herre Gott, und klagen ir all unſre Not, weil wir jetzt ſtehn verlaſſen gar in großer Trübſal und Gefahr. 6. Sieh nicht an unſre Sünden groß, ſprich uns davon in Gnaden los, ſteh uns in unſerm Elend bei, n uns von allen Plagen rei: 7. Auf daß von Herzen können wir nachmals mit Freuden danken dir, gehor⸗ ſam ſein nach deinem Wort, dich allzeit preiſen hier und dort. P. Eber, † 1569. Mel. Da Chriſtus geboren ꝛc. (Um Erbarmen flehen wir.) 419 Preuer Wächter — Israel, des ſich freuet Leib und Seel, der du kenneſt alles Leid deiner armen Chriſtenheit; o du Wächter, der du nicht ſchläfſt noch ſchlummerſt, zu uns richt jetzt dein hilfreich An⸗ geſicht! 2. Schau, wie große Not und Qual trifft dein Volk jetzt überall! Täglich wird der Trübſal mehr; hilf, ach hilf, ſchütz deine Ehr! Ach, wir Armen, wir vergehn, Troſt wir nicht vor Augen ſehn, wo du nicht bei uns wirſt ſtehn. 3. Kläglich ſchreien wir zu dir, klopfen an die Gnaden⸗ thür, wir, die du mit höch⸗ ſtem Ruhm haſt erkauft zum Eigentum. Dein Erbarmen hat kein End, deines Vaters Zorn abwend, der jetzt wie ein Feuer brennt. Allgemeine Not. 291 4. Jeſu, der du Jeſus heißt, als ein Jeſus Hilfe leiſt! Hilf mit deiner ſtar⸗ ken Hand, Menſchenhilf hat ſich gewandt; eine Mauer um uns bau, daß dem Feinde davor grau, er mit Zittern ſie anſchau. 5. Höchſter Hort, Imma⸗ nuel, du Beſchützer meiner Seel, Gott mit uns in aller Not, Gott um uns und in uns Gott, Gott für uns zu aller Zeit! Trotz dem, der uns thut ein Leid; Gottes Straf iſt ihm bereit. 6. Du, des Vaters ſtarker Arm, komm und unſer dich erbarm; laß jetzt ſehen deine Macht, drauf wir hoffen Tag und Nacht; aller Feinde Rotten trenn, daß dich alle Welt erkenn, aller Herren Herrn dich nenn. 7. Du biſt ja der Held und Mann, der den Kriegen ſteuern kann, der da Spieß und Schwert zerbricht, der die Bogen macht zunicht, der die Wagen garverbrennt, der der Menſchen Herzen wendt, daß der Krieg ge⸗ winnt ein End. 8. O du wahrer Friedens⸗ fürſt, der der Schlange Kopf zerknirſcht und durch ſeinen Kreuzestod Frieden wieder⸗ bracht bei Gott, gieb uns Frieden gnädiglich! So wird dein Volk freuen ſich und dich preiſen ewiglich. J. Heermann, † 1647. 292 Mel. Herzlich thut mich verlangen 1c. (Befiehl du deine Wege.) 420 Cn tiefen Angſten — ſchreien wir dich, Erbarmer, an, dich, der allein befreien, allein erhören känn. Haſt du denn ganz verbor⸗ gen dein Vaterangeſicht? Kommt uns in finſtern Sorgen nicht mehr ein Strahl von Licht? 2. Die Not von ſo viel Seiten beraubt uns aller Ruh; wir ſehn dem Sturm der Zeiten mit bangem Her⸗ zen zu. Die Hilfe im Ge⸗ dränge, wonach das Auge thränt, verzieht ſich in die Länge und iſt noch nicht erſehnt. 3. Wir fallen, müd im Herzen, nachts auf die La⸗ gerſtatt und träumen, was mit Schmerzen uns tags gefoltert hat; erwachen wir, ſo beben wir vor der neuen Laſt. Wie qualvoll iſt dies Leben! Herr, wir erliegen faſt! 4. Willſt du noch länger ſchweigen zu unſerm Kum⸗ merſtand, nicht uns Ver⸗ laſſnen zeigen die Allmacht deiner Hand? Laß endlich dich bewegen! Errett uns dir zum Ruhm! Kehr doch den Fluch in Segen, das Leid in Freuden um! 5. Verdienten wir als Sünder die Rut, ach, ſo ver⸗ gieb; hab uns und unſre Lieder für beſondere Verhältniſſe. Kinder in Chriſto denno lieb! Gieb uns, daß wir ehren, den Sinn, der dir gefällt! Komm, komm, uns zu erhören, Erbarmer aller Welt! J. G. Schöner, † 1818. Krieg und Frieden. 421 Verleih uns Frie⸗ den gnädiglich, Herr Gott, zu unſern Zei⸗ ten; es iſt ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte ſtreiten, denn du, unſer Gott, alleine. Luther, † 1546. Nun lob, mein Seel, den Mel. Herren ꝛc. (Kommt, kommt, den Herrn.) 422 ottlob, nun iſt erſchollen das edle Fried⸗und Freudenwort, daß nunmehr ruhen ſollen die Spieß und Schwerter und ihr Mord! Wohlauf! und nimm nun wieder dein Saitenſpiel hervor,o Deutſch⸗ land, und ſing Lieder im hohen vollen Chor; erhebe dein Gemüte zu deinem Gott und ſprich: Herr, deine Gnad und Güte bleibt dennoch ewiglich! 2. Sei tauſendmal will⸗ kommen, du teure werte Friedensgab! Jetzt ſehn wir, was für Frommen dein Bei⸗ unswohnen in ſich hab. In dich hat Gott verſenket all unſer — unſer Glück und Heil; wer dich betrübt und kränket, der drückt ſich ſelbſt den Pfeil des Herzleids in das Herze und löſcht aus Unver⸗ ſtand die güldne Freuden⸗ kerze mit ſeiner eignen Hand. 3. Ach, laß dich doch er⸗ wecken! Wach auf, wach auf, du harte Welt, eh, als das letzte Schrecken dich ſchnell und plötzlich überfällt. Wer aber Chriſtum liebet, ſei unerſchrocknen Muts: der Friede, den er giebet, be⸗ deutet alles Guts. Er will die Lehre geben: das Ende naht herzu, da ſollt ihr bei Gott leben in Fried und ewger Ruh. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Nun danket alle Gott ꝛc. 423 H Gott, dich . loben wir, wir preiſen deine Güte, wir rühmen deine Macht mit herzlichem Gemüte; es ſtei⸗ get unſer Lied bis an des Himmels Thür und tönt mit großem Schall: Herr Gott, dich loben wir! 2. Herr Gott, dich loben wir für deine großen Gna⸗ den, daß du das Vaterland von Kriegeslaſtentladen, daß du uns blicken läßt des güld⸗ nen Friedens Zier; drum jauchzet alles Volk: Herr Gott, dich loben wir! 3. Herr Gott, dich loben wir, die wir in langen Krieg und Frieden. 293 Jahren der Waffen ſchweres Joch und frechen Grimm erfahren; jetzt rühmet unſer Mund mit Begier: Gottlob, wir ſind in Ruh! Herr Gott, wir danken dir! 4. Herr Gott, dich loben wir, daß du uns zwar ge⸗ ſtrafet, jedoch in deinem Zorn nicht gar haſt weggeraffet. Es hat die Vaterhand uns deine Gnadenthür jetzt wie⸗ der aufgethan; Herr Gott, wir danken dir! 5. Herr Gott, wir danken dir und bitten, du wollſt geben, daß wir auch künftig ſtets in guter Ruhe leben. Krön uns mit deinem Gut, erfülle für und für, o Va⸗ ter, unſern Wunſch; Herr Gott, wir danken dir! Joh. Franck, † 1677. Mißwachs und Teurung. Mel. Großer Prophete, mein Herze ꝛc. 42 4 Chriſten erwarten in allerlei Fällen Jeſum mit ſeiner allmäch⸗ tigen Hand; mitten in Stürmen und tobenden Wellen ſind ſie gebauet auf felſiges Land. Wenn ſie die Nächte der Trübſal bedecken, kann doch ihr Grauen ſie wenig erſchrecken. 2. Jauchzen die Feinde zur Rechten und Linken, drohet 294 Lieder für beſondere Verhältniſſe. drohet und hauet ihr blin⸗ kendes Schwert, laſſen doch Chriſten die Häupter nicht ſinken, denen ſich Jeſus im Herzen verklärt. Wüten die Feinde mit Schnauben und Toben, ſchaun doch die Chri⸗ ſten voll Troſtes nach oben. 3. Geben die Felder den Samen nicht wieder, bringen die Gärten und Auen nichts ein, ſchlagen die Schloßen die Früchte darnieder, brennen die Berge von hitzigem Schein: kann doch ihr Herze den Frieden erhalten, weil es den Schöpfer in allem läßt walten. 4. Viele verzehren in ängſtlichen Sorgen Kräfte, Geſundheit und Kürze der Zeit, da doch im Rate des Höchſten verborgen, wann und wo jedem ſein Ende bereit. Sind es nicht alles unnötige Schmerzen, die ihr euch machet, ihr thörich⸗ ten Herzen? 5. Zweifel und Schmer⸗ zen verderben die Frommen; Glauben und Hoffen bringt Ehre bei Gott; Seele, ver⸗ langſt du zur Ruhe zu kommen, hoffe geduldig in Jammer und Not! Ob auch die göttliche Hilfe ver⸗ borgen, traue dem Höchſten und meide die Sorgen! 6. Gutes und alle erbe⸗ tenen Gaben folgen dir, bis man dich leget ins Grab, ja, du wirſt ſelber den Him⸗ mel noch haben; ei, warum ſagſt du den Sorgen nicht ab? Werde doch in dir recht ruhig und ſtille! Das iſt des Vaters, des ewigen, Wille. 7. Völlige Wonne, ver⸗ klärete Freude, himmliſche Güter, undenkliches Heil wer⸗ den dir dort auf der ewigen Weide unter den Menſchen und Engeln zu teil, wenn einſt in Herrlichkeit Chriſtus wirdkommen undzu ſich ſam⸗ meln die Herde der Frommen. 8. Seine allmächtigeStärke beweiſet in den Ohnmächti⸗ gen mächtige Kraft; dann wird alleine ſein Name ge⸗ preiſet, wenn er den Zagen⸗ den Freudigkeit ſchafft. Dar⸗ um, o Jeſu, gieb, daß ich dir traue, wenn ich die Hilfe nicht ſichtbarlich ſchaue. Ch. L. Edeling, † 1742. Ernte. Mel. O daß ich tauſend ꝛc. (Wer nur den lieben Gottläßt walten, Nr. 2.) 425 Gott, von dem wir alles ha⸗ ben, die Welt iſt ein ſehr großes Haus; du aber tei⸗ leſt deine Gaben recht wie ein Vater drinnen aus. Dein Segen macht uns alle reich: ach, lieber Gott, wer iſt dir gleich? 2. Wer kann die Men⸗ ſchen alle zählen, die ei bei dir zu Tiſche gehn? Doch darf die Notdurft keinem fehlen; denn du weißt allen vorzuſtehn und ſchaffeſt, daß ein jedes Land ſein Brot empfängt aus deiner Hand. 3. Du machſt, daß man auf Hoffnung ſäet und end⸗ lich auch die Frucht genießt. Der Wind, der durch die Felder wehet, die Wolke, ſo das Land begießt, des Him⸗ mels Tau, der Sonne Strahl ſind deine Diener allzumal. 4. Und alſo wächſt des Menſchen Speiſe, der Acker ſelbſt wird ihm zu Brot, es mehret ſich vielfältger Weiſe, was anfangs ſchien, als wär es tot, bis in der Ernte Jung und Alt erlanget ſei⸗ nen Unterhalt. 5. Nun, Herr, wer kanns genug bedenken? Der Wun⸗ der ſind hier gar zu viel. So viel, als du, kann nie⸗ mand ſchenken, und dein Er⸗ barmen hat kein Ziel; denn immer wird uns mehr be⸗ ſchert, als wir zuſammen alle wert. 6. Wir wollen es auch nie vergeſſen, was uns dein Segen träget ein; ein jeder Biſſen, den wir eſſen, ſoll deines Namens Denkmal ſein, und Herz und Mund ſoll lebenslang für unſre Nah⸗ rung ſagen Dank. C. Neumann, † 1715. Ernte. 295 Mel. Unſer Herrſcher, unſer ꝛc. 426 Here im Himmel, Gott auf Er⸗ den, Herrſcher dieſer ganzen Welt! Laß den Mund voll Lobes werden, da man dir zu Füßen fällt, für den rei⸗ chen Ernteſegen Dank und Opfer darzulegen. 2. Vater, du haſt aus Erbarmen uns Unwürdige genährt, du haſt Reichen, du haſt Armen milder Gaben viel gewährt. Sei gelobt und hochgeprieſen, daß du ſo viel Guts erwieſen. 3. Du haſt Sonnenſchein und Regen uns zu rechter Zeit geſchickt, und ſo hat man allerwegen Auen voller Korn erblickt; Berg undThä⸗ ler, Tiefen, Höhen ſahen wir im Segen ſtehen. 4. Ach, wer iſt, der ſolche Güte dir genug verdanken kann? Nimm ein dankbares Gemüte für die große Wohl⸗ that an! Alle Felder ſollen ſchallen: du machſt ſatt mit Wohlgefallen. 5. Lehr uns auch wohl anzuwenden, was uns deine Huld gewährt; nie zur Sünd es zu verſchwenden, daß es nicht der Fluch verzehrt. Bleiben wir in alten Sün⸗ den, kaun der Segen leicht verſchwinden. 6. Schenk uns auch zu⸗ friedne Herzen, Stolz und Geiz laß ferne ſein; laß den Undank 296 Lieder für beſondere Verhältniſſe. Undank nichts verſcherzen, ſtreu das Samkorn wieder ein, daß wir jetzt und künftig haben, auch die Dürftigen zu laben. 7. Laß dein Wort auch Früchte bringen, daß man reichlich ernten kann, ſo wird man hierjährlich ſingen, wie du uns ſo wohl gethan. Gieb auch nach dem Thrä⸗ nenſamen Freudenernt im Himmel. Amen. B. Schmolck, † 1737. Mel. Was Gott thut, das iſt wohl⸗ gethan! Es bleibt ꝛc. 427 as Gott thut, das iſt wohl⸗ gethan! So denken Gottes Kinder. Wenn man nicht reichlich ernten kann, liebt er uns doch nicht minder. Er zieht das Herz nur him⸗ melwärts, wenn er uns läßt auf Erden ein Ziel der Pla⸗ gen werden. 2. Was Gott thut, das iſt wohlgethan! Im Nehmen und im Geben ſind wir bei ihm ſtets wohl daran und könnenruhig leben. Ernimmt und giebt, weil er uns liebt, und ſeine Hände müſſen wir ſtets in Demut küſſen. 3. Was Gott thut, das iſt wohlgethan! Er zeigt uns oft den Segen, und ehe man ihn ernten kann, muß ſich die Hoffnung legen; weil er allein der Schatz will ſein, ſo nimmt er andre Güter zum Heile der Gemüter. 4. Was Gott thut, das iſt wohlgethan! Es geh nach ſeinem Willen, und läßt ſichs auch zum Mangel an, ſo weiß er ihn zu ſtillen. Obgleich das Feld nicht viel enthält, man kann bei wenig Gaben ſatt werden und ſich laben. 5. Was Gott thut, das iſt wohlgethan! Das Feld mag traurig ſtehen; wir gehn getroſt auf ſeiner Bahn und wollen ihn erhöhen. Sein Wort verſchafft uns Lebens⸗ kraft, es nennt uns Gottes Erben; wie können wir ver⸗ derben? 6. Was Gott thut, das iſt wohlgethan! So wollen wir ſtets ſchließen; iſt gleich bei uns kein Kanaan, wo Milch und Honig fließen: er, unſer Gott, weiß, was uns not, und wird es gern uns geben; kommt, laßt uns ihn erheben! B. Schmolck, † 1737. Wetterlieder. Mel. Wo Gott der Herr nicht bei uns hält ꝛc. 428 O Gott, der du das Firmament mit Wolken heißt ſich decken, der du ingleichen kannſt behend das Sonnenlicht er⸗ wecken, wecken, halt doch mit vielem Regen ein, und gieb uns wieder Sonnenſchein, daß unſer Land ſich freue. 2. Die Felder trauern weit und breit, die Früchte leiden Schaden, weil ſie von vieler Feuchtigkeit und Näſſe ſind beladen; dein Segen, Herr, den du gezeigt uns Armen, ſich zur Erde neigt und will faſt gar ver⸗ ſchwinden. 3. Das machet unſre Miſſethat und ganz ver⸗ kehrtes Leben, ſo deinen Zorn entzündet hat, daß wir in Nöten ſchweben. Wir müſſen zeigen unſre Schuld; weil wir die Buße nicht gewollt, ſo muß der Himmel weinen. Doch denke wieder an die Treu, die du uns haſt verſprochen, und wohne uns in Gnaden bei, die wir dich kindlich ſuchen. Wie hält ſo hart ſich dieſe Zeit dein Herz und ſanfte Freundlich⸗ keit? Du biſt ja unſer Vater! 5. Gieb uns von deinem Himmelsſaal dein klaresLicht und Sonne, und laß uns wieder überall empfinden Freud und Wonne, daß alle Welt erkenne frei, daß außer dir kein Segen ſei im Himmel und auf Erden. M. Schirmer, † 1673. Wetterlieder. 297 Nel. Auf meinen lieben Gott ꝛc. 429 Ein Wetter ſteiget auf: mein Herz, zu Gott hinauf! Fall kindlich ihm zu Fuße durch wahre Reu und Buße, da⸗ mit gleich deine Sünden durch Chriſti Tod ent⸗ ſchwinden. 2. Herr, der du gut und fromm, zu dir ich gläubig komm, ich bitt um dein Er⸗ barmen, ſieh Chriſtum in mir Armen; um deſſenwillen ſchone, mir nicht nach Sün⸗ den lohne. 3. Durch Chriſti teures Blut mach mir ein Herz und Mut, das ſich nicht knechtiſch ſcheue, vielmehr auf deine Treue in allem kindlich traue und auf dein Helfen baue. 4. Ich will mit dem, was mein, dir ganz gelaſſen ſein; dein Flügel wird uns decken, verjagen allen Schrecken, und laſſen uns aus Gnaden das Wetter gar nicht ſchaden. 5. Wohlan! Verlaß uns nicht; bleib unſre Zuverſicht, und laß dein Vaterlieben auch jetzt an uns ſich üben, ſo wolln wir, weil wir leben, dir Preis und Ehre geben. Aemilie Juliane, Gräfin v. Schwarzburg⸗Rudolſtadt, † 1706. 298 Reiſe. Mel. O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (In allen meinen Thaten) 430 Cch zieh in ferne ALande, zu nützen einem Stande, zu dem mich Gott beſtellt; ſein Segen wird mich laſſen, was gut und recht iſt, faſſen, zu die⸗ nen treulich ſeiner Welt. 2. Gott wird zu dieſen Reiſen gewünſchten Fortgang weiſen, wohl helfen hin und her; Geſundheit, Heil und Leben, Zeit, Wind und Wetter geben, und was in Demut ich begehr. 3. Sein Engel, der ge⸗ treue, macht meine Feinde ſcheue, tritt zwiſchen mich und ſie; durch ſeinen Schutz, den frommen, bin ich ſo weit gekommen, und weiß doch ſelber faſt nicht wie. 4. Leg ich mich ſpäte nieder, erwach ich frühe wieder, lieg oder zieh ich fort, in Schwachheit und in Banden, und was mir ſtößt zu handen, ſo tröſtet mich ſein göttlich Wort. 5. Hat er es denn be⸗ ſchloſſen, ſo will ich unver⸗ droſſen an mein Verhäng⸗ nis gehn; kein Unfall unter allen wird je zu hart mir fallen: ich will mit Gott ihn überſtehn. 6. Ihm hab ich mich er⸗ geben, zu ſterben und zu Lieder für beſondere Verhältniſſe. leben, ſobald er mir gebeut; es ſei heut oder morgen, dafür laß ich ihn ſorgen, er weiß allein die rechte Zeit. 7. Gefällt es ſeiner Güte, und ſagt mir mein Gemüte nicht was Vergeblichs zu: ſo werd ich Gott noch prei⸗ ſen mit manchen ſchönen Weiſen daheim in meiner ſtillen Ruh. 8. Indes wird er den Meinen mit Segen auch er⸗ ſcheinen, ihr Schutz wie mei⸗ ner ſein; wird beiderſeits gewähren, was unſer Wunſch und Zähren ihn bitten mögen insgemein. 9. So ſei nun, Seele, ſeine und traue dem alleine, der dich erſchaffen hat! Es gehe, wie es gehe, dein Va⸗ ter in der Höhe, der weiß zu allen Sachen Rat. P. Flemming, † 1640. Krankheit. Mel. O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (In allen meinen Thaten.) 431 Cch hab in guten W Stunden des Lebens Glück empfunden und Freuden ohne Zahl; ſo will ich denn gelaſſen mich auch in Leiden faſſen: welch Leben hat nicht ſeine Qual? 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, und ſtets u du gelinder, als es der Menſch verdient. Sollt ich, beſchwert mit Schulden, kein zeitlich Weh erdulden, das doch zu meinem Beſten dient? 3. Dir will ich mich er⸗ geben, nicht meine Ruh, mein Leben mehr lieben als den Herrn; dir, Gott, will ich vertrauenund nicht auf Men⸗ ſchen bauen; du hilfſt und du erretteſt gern. 4. Laß du mich Gnade finden, mich alle meine Sün⸗ den erkennen und bereun. Jetzt hat mein Geiſt noch Kräfte; ſein Heil laß mein Geſchäfte, dein Wort mir Troſt und Leben ſein. 5. Wenn ich in Chriſto ſterbe, bin ich des Himmels Erbe; was ſchreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade vertrau ich deiner Gnade; du, Herr, biſt bei mir in der Not. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld verehren, im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Tod bedenken, der Herr wird alles lenken, und was mir gut iſt, wird geſchehn. Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. 46 uf zu deinem Gott 432 Heten nun überwunden. Ach, wie Krankheit. 299 viel der Menſch vermag, das hab ich empfunden. Wie gebrechlich iſt die Kraft, wie verzagt der Glaubei Wenn der Herr nicht Hilfe ſchajt, liegen wir im Staube. Ach, wie könnt ich vig Nacht ohne dich be⸗ ſtehen? Ohne deine Huld und Macht müßt ich ganz vergehen. Trübe fällt der Abend ein, ſtille wirds auf Erden; doch in dieſem Kämmerlein wirds ſo ſtill nicht werden. 3. Jedes Auge thut ſich zu, alles ſucht den Schlummer; doch hier iſt noch keine Ruh, denn es wacht der Kummer. O ſo komm und bleibe hier bei dem armen Kranken; liebſter Jeſu, ſchenke mir tröſtliche Gedanken! 4. Zeuch empor das matte Herz aus der finſtern Höhle; ſalbe dieſen Leib voll Schmerz mit dem Lebensöle! Herr, du kannſt die Furcht und Pein in der Seele ſtillen. Laß mich ganz ergeben ſein in des Vaters Willen! 5. Wenn ich dieſe ganze Nacht wachen muß und weinen: Herr, du biſts, der bei mir wacht, du wirſt mir Du wirſt in der Dunkelheit freund⸗ lich mit mir ſprechen, ſollte gleich vor Traurigkeit mir das t gebrechen. 300 6. Wo ich auch gebettet bin, lieg ich dir in Händen; wo mein Ange ſiehet hin, wirds zu dir ſich wenden. Mein Gebet beſtärke du, laß es nicht ermatten; laß mich finden ſanfte Ruh unter deinem Schatten. H. Puchta, † 1858. Am Geburtstage. Mel. O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (In allen meinen Thaten.) 433 Dir dank ich für mein Leben, Gott, der du mirs gegeben, ich danke dir dafür. Du haſt, von Huld bewogen, mich aus dem Nichts gezogen, durch deine Güte bin ich hier. 2. Du, Herr, haſt mich bereitet, mich väterlich ge⸗ leitet bis dieſen Augenblick. Du gabſt mir frohe Tage und wandteſt auch die Plage zu meiner Seelen wahrem Glück. 3. Ich bin nicht wert der Treue, der ich mich täglich freue, der Huld, die mich bewacht. Damit ich Staub und Erde auf ewig glücklich werde, haſt du ſten ewig mein gedacht. 4. Du kannteſt ſchon mein Sehnen und zählteſt meine Thränen, eh ich be⸗ reitet war; noch konnt ich dich nicht denken, zu dir das Lieder für beſondere Verhältniſſe. Herz nicht lenken, da wogſt du ſchon mein Teil mir dar. 5. Für alle meine Sün⸗ den, Herr, ließeſt du mich finden in Chriſto Gnad und Huld. D Höchſter, welch Erbarmen! Du nah⸗ meſt an mich Armen und tilgteſt alle meine Schuld. 6. Daß du mich liebreich führeſt, mit deinem Geiſt regiereſt, dies, Vater, dank ich dir. Daß du mein Leben friſteſt, mit deiner Kraft mich rüſteſt, dies alles, Vater, dank ich dir. 7. Was noch in dieſem Leben mir frommt, wirſt du mir geben. Du giebſts, ich hoff auf dich. Ja, Va⸗ ter, ich befehle dir kindlich Leib und Seele; Herr, ſegne und behüte michl Nach Chr. F. Gellert, † 1769. Im Alter. Mel. Jeſu, meines Lebens Leben ꝛc. (Alle Menſchen müſſen ſterben.) 434 Hil Helfer, ſei nicht fernel Mein Beſchirmer, ſteh mir bei, hilf mir, daß ich thu und lerne, was dein heilger Wille ſei. Leite mich nach deiner Güte und erleuchte mein Gemüte; laß mir deine Vatertreu alle Morgen werden neu. i h r 2. Halte mich, o mein Erhalter! O mein Führer, weiche nicht; führe mich in meinem Alter, wenn mir Lebenskraft gebricht. Gieb, daß ich recht chriſtlich lebe und ſtets nach dem Himmel ſtrebe; hilf mir durch, wenn Qual und Schmerz bricht mein halb zerbrochnes Herz. 3. Stoß mich nicht von deiner Seiten, wenn ſich Angſt und Ohnmacht häuft, wenn die ſchwachen Tritte gleiten und man nach dem Stabe greift; faſſe du mich bei dem Arme, o mein Hei⸗ land, und umarme mich auch in der letzten Not, bis er⸗ folgt ein ſelger Tod. 4. Herrſcher über Tod und Leben, höchſter Tröſter, tritt herbei! Wenn ich ſoll den Geiſt aufgeben, ſo ver⸗ nimm mein Angſtgeſchrei; wenn mein Auge wird er⸗ blinden und die Lebensgeiſter ſchwinden, o ſo ſei du ſelbſt mein Licht, daß ich ſeh dein Angeſicht. 5. Meine Seele ſoll er⸗ heben dich, o Herr der Herr⸗ lichkeit, dort in jenem Freu⸗ denleben, wenn ich nach voll⸗ brachtem Streit dir mein Danklied werde bringen und vor deinem Throne ſingen, daß du mich ſo wohl be⸗ dacht und zum Himmel haſt gebracht. Zach. Henſel, † vor 1736. Im Alter. 301 Mel. O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (In allen meinen Thaten.) 435 Gott hat in mei— nen Tagen mich väterlich getragen von mei⸗ ner Jugend auf; ich ſah auf meinen Wegen des Höchſten Huld und Segen: er lenkte meines Lebens Lauf. 2. Sein Weg war oft verborgen; doch wie der helle Morgen aus dunkeln Nächten bricht, ſo hab ich ſtets geſpüret: der Weg, den Gott mich führet, bringt mich durchs finſtre Thal zum Licht. 3. War Menſchenhilf ver⸗ gebens, ſo kam der Herr des Lebens und half und machte Bahn; wußt ich mir nicht zu raten, ſo that Gott große Thaten und nahm ſich meiner mächtig an. 4.„Bis zu des Alters Tagen will ich dich heben, tragen und dein Erretter ſein“: dies hat mir Gott verſprochen, der nie ſein Wort gebrochenz ich werde ſein mich ewig freun. 5. Er wird mir ſchwachem Alten, was er verheißen, halten; denn er iſt fromm und treu. Bin ich gleich matt und müde, er giebt mir Troſt und Friede und ſteht mit Mut und Kraft mir bei. 302 Die letzten Dinge. 6. Noch wenig bange Stunden, dann hab ich über⸗ wunden: ich bin vom Ziel nicht weit. O welche große Freuden ſind nach dem letz⸗ ten Leiden vor Gottes Thron für mich bereit! 7. Ich harre froh und ſtille, bis meines Gottes Wille mich nach dem Kampfe krönt. An meiner Laufbahn Ende ſink ich in Jeſu Hände, der mich dem Vater hat ver⸗ ſöhnt. J. F. Fedverſen, † 1788. XV. Die letzten Dinge. Tod. Sterbelieder. ennmein Stünd⸗ 436 lein vorhanden iſt, und ich ſoll fahrn mein Straße, geleit du mich, Herr Jeſu Chriſt, mit Hilf mich nicht verlaſſe! Mein Seel an meinem letzten End be⸗ fehl ich dir in deine Händ, du wollſt ſie mir bewahren! 2. Mein Sünde wird mich kränken ſehr und mein Ge⸗ wiſſen nagen; denn ihr iſt viel, wie Sand am Meer, doch will ich nicht verzagen; will denken in der letzten Not, Herr Jeſu Chriſt, an deinen Tod, der wird mich wohl erhalten. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, des tröſt ich mich von Herzen! Von dir ich ungeſchieden bleib in Todesnot und Schmerzen; wenn ich gleich ſterb, ſo ſterb ich dir: ein ewig Leben haſt du mir mit deinem Tod er⸗ worben. 4. Weil du vom Tod er⸗ ſtanden biſt, werd ich im Grab nicht bleiben; mein höchſter Troſt dein Auffahrt iſt, kann Todesfurcht ver⸗ treiben; denn wo du biſt, da komm ich hin, daß ich ſ bei dir leb und bin; rum fahr ich hin mit Freuden. N. Hermann, † 1561. Mel. Vater unſer im Himmelreich ꝛc. (Gott, Vater, an Erbarmen.) 437 S Chriſte, wah⸗ rer Menſch und Gott, der du littſt Marter, Angſt und Spott, für mich am Kreuz auch endlich ſtarbſt und mir des Vaters Huld erwarbſt: ich bitt durchs bittre Leiden dein, du wollſt mir Sünder gnädig ſein. 2. Wenn ich nun komm in Sterbensnot und ringen werde mit dem Tod, wenn mir vergeht all mein Geſicht und meine Ohren hören nicht, nicht, wenn meine Zunge nicht mehr ſpricht und mir vor Angſt mein Herz zer⸗ bricht; 3. Wenn mein Verſtand ſich nichts beſinnt und mir all menſchlich Hilf zerrinnt: ſo komm, Herr Chriſte, mir behend zu Hilf an meinem letzten End und führ mich aus dem Jammerthal, ver⸗ kürz mir auch des Todes Qual! 4. Die böſen Geiſter von mir treib, mit deinem Geiſt ſtets bei mir bleib, bis ſich die Seel vom Leibe trennt; dann nimm ſie, Herr, in deine Händ! Der Leib hab in der Erde Ruh, bis naht der jüngſte Tag herzu. 5. Ein fröhlich Auferſtehn verleih, in dem Gericht mein Fürſprech ſei, und meiner Sünd nicht mehr gedenk; aus Gnaden mir das Leben ſchenk, wie du haſt zugeſaget mir in deinem Wort, das trau ich dir: 6. Fürwahr, fürwahr,euch ſage ich, wer mein Wort hält und glaubt an mich, der wird nicht kommen ins Gericht, den Tod auch ewig nicht; und ob er gleich hie zeitlich ſtirbt, mit ßicen er drum gar ver⸗ dirbt. 7. Vielmehr will ich mit ſtarker Hand ihn reißen aus des Todes Band und zu Sterbelieder. 303 mir nehmen in mein Reich; da ſoll er denn mit mir zugleich in Freuden leben ewiglich. Dazu hilf uns ja gnädiglich! 8. Ach, Herr, vergieb all unſre Schuld; hilf, daß wir warten mit Geduld, bis unſer t kommt her⸗ bei; auch unſer Glaub ſtets wacker ſei, aufs Wort zu trauen feſtiglich, bis wir entſchlafen ſeliglich. P. Eber, † 1569. (Dein ſind wir, Gott.) 438 J Cxch hab mein Sach Gott heimge⸗ ſtellt; er mit mir, wies ihm gefällt! Lang oder kurz ſei meine Zeit, ich bin bereit zu allem, was mein Herr gebeut. 2. Mein Zeit und Stund iſt, wann Gott will; ich ſchreib ihm vor nicht Maß und Ziel; es ſind gezählt Härlein mein, groß oder klein, fällt keines ohn den Willen ſein. 3. Es iſt allhier ein Jam⸗ merthal, Angſt, Not und Trübſal überall; des Blei⸗ bens iſt nur kurze Zeit, voll Müh und Leid, und wers bedenkt, iſt ſtets im Streit. 4. Heut ſind wir friſch, geſund und ſtark, ſchon mor⸗ gen liegen wir im Sarg; heut blühn wir wie die Roſen rot, bald krank ot; 304 Die letzten Dinge. tot; iſt allenthalben Müh und Not. 5. Man trägt eins nach dem andern hin; wohl aus den Augen, aus dem Sinn! Die Welt vergiſſet unſer bald, jung oder alt, auch unſrer Ehren mannigfalt. 6. Das macht die Sünd, du treuer Gott, dadurch kam uns der bittre Tod, der reißt dahin all Menſchen⸗ kind, wie er ſie findt, fragt nicht, von welchem Stand ſie ſind. 7. Doch ob mich ſchon mein Sünd anficht, dennoch will ich verzagen nicht; ich weiß, daß mein getreuer Gott für mich in Tod den eingen Sohn gegeben hat. 8. Dem leb und ſterb ich allezeit, von ihm der Tod mich nimmer ſcheidt; leb oder ſterb ich, bin ich ſein; er iſt allein der einge Troſt und Helfer mein. 9. Das iſt mein Troſt zu aller Zeit, in aller Not und Traurigkeit; ich weiß, daß ich am jüngſten Tag ohn alle Klag werd auferſtehn aus meinem Grab. 10. Den lieben Gott von Angeſicht werd ich dann ſchaun, dran zweifl ich nicht, in ewger Freud und Selig⸗ keit, die mir bereit; ihm ſei Lob, Preis in Ewigkeit! 11. Amen, mein lieber frommer Gott, beſcher uns einen ſelgen Tod; hilf, daß wir deinen Engeln gleich in deinem Reich mit dir dann leben allzugleich. Nach J. Leon, † um 1597. 439 Chriſtus. der iſt mein Leben und Sterben mein Gewinn; dem hab ich mich ergeben, mit Fried fahr ich dahin. 2. Mit Freud fahr ich von dannen zu Chriſt, dem Bruder mein, daß ich mög zu ihm kommen und ewig bei ihm ſein. 3. Nun hab ich überwun⸗ den Kreuz, Leiden, Angſt und Not; durch ſeine heilgen Wunden bin ich verſöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräſte brechen, ich kaum mehr at⸗ men kann und kann kein Wort mehr ſprechen, nimm, Herr, mein Seufzen an. 5. Wenn Sinne und Ge⸗ danken zergehn als wie ein Licht, das hin und her muß wanken, wenn ihm die Flamm gebricht: 6. Alsdann fein ſanft und ſtille laß mich, Herr, ſchlafen ein, wie es dein Rat und Wille, wenn kommt mein Stündelein. 7. Laß mich gleich einem Reben anhangen dir allzeit und ewig bei dir leben in Himmelswonn und Freud. Vor 1608. — Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) 440 Fr dich ſehr, o meine Seele, und vergiß all Not und Qual, weil dich Chriſtus nun, dein Herre, ruft aus dieſem Jammerthal. Aus der Trübſal, Angſt und Leid ſollſt du fahren in die Freud, die kein Ohr hat je gehöret, die in Ewigkeit auch währet. 2. Tag und Nacht hab ich gerufen zu dem Herren, meinem Gott, weil mich ſtets viel Kreuz betroffen, daß er mir hülf aus der Not. Wie ſich ſehnt ein Wandersmann nach dem Ende ſeiner Bahn, ſo hab ich gewünſcht, mein Leben hin in Gottes Händ zu geben. 3. Denn gleich wie die Roſen ſtehen unter einer Dornenſchar, alſo auch die Chriſten gehen ſtets in Angſten und Gefahr. Wie die Meereswellen ſind und der ungeſtüme Wind, alſo iſt allhier auf Erden unſer Lauf voll von Beſchwerden. 4. Wenn die Morgenröt aufgehet und der Schlaf ſich von uns wendt, Sorg und Kummer uns umſtehet, Müh ſich findt an allem End; unſre Thränen ſind das Brot, ſo wir eſſen früh und ſpat; wenn die Sonn auf⸗ hört zu ſcheinen, hört doch nicht auf Klag und Weinen. Sterbelieder. 305 5. Drum, Herr Chriſt, du Morgenſterne, der du ewig⸗ lich aufgehſt, ſei du jetzt von mir nicht ferne, weil dein Blut mich hat erlöſt. Hilf, daß ich mit Fried und Freud mög hinfahren aus der Zeit; ach, ſei du mir Licht und Straße, mich mit Beiſtand nicht verlaſſe! 6. Ob mir ſchon die Au⸗ gen brechen, ob mir das Gehör verſchwindt, meine Zung nicht mehr kann ſpre⸗ chen, mein Verſtand ſi nichts beſinnt, biſt du doch mein Licht, mein Hort, Le⸗ ben, Weg und Himmels⸗ pfort; du wirſt ſelig mich regieren und die Bahn zum Himmel führen. 7. Freu dich ſehr, o meine Seele, und vergiß all Not und Qual, weil dich Chriſtus nun, dein Herre, ruft aus dieſem Jammerthal. Seine Freud und Herrlichkeit ſollſt du ſehn in Ewigkeit, mit den Engeln jubilieren und auf ewig triumphieren. K. v. Warnberg, † vor 1620. (Befiehl du deine Wege.) 441 Hric thut mich verlangen nach einem ſelgen End, weil ich hier bin umfangen mit Trüb⸗ ſal und Elend. Ich hab Luſt abzuſcheiden von dieſer argen Welt, ſehn mich nach ewgen Freuden; ————— 306 Die letzten Dinge. Freuden; o Jeſu, komm nur bald! 2. Du haſt mich ja er⸗ löſet von Sünde, Tod und Höll; es hat dein Blut ge⸗ koſtet, drauf ich mein Hoff⸗ nung ſtell; warum ſollt mir denn grauen vor Hölle, Tod und Sünd? Weil ich auf dich kann bauen, bin ich ein ſelig Kind. 3. Wenn gleich ſüß iſt das Leben, der Tod ſehr bitter mir, will ich mich doch ergeben, zu ſterben willig dir. Ich weiß ein beſſer Leben, da meine Seel fährt hin: des freu ich mich gar eben; Sterben iſt mein Gewinn. 4. Der Leib zwar in der Erden zum Staube wieder kehrt, doch auferweckt wird werden durch Chriſtum, ſchön verklärt, wird leuchten als die Sonne und leben ohne Not in ewger Freud und Wonne; was ſchadet mir der Tod? 5. Ob mich die Welt auch reizet, zu leben länger hier, und mir auch immer zeiget Ehr, Gut und all ihr Zier: doch ich das gar nicht achte, es währt nur kurze Zeit; nach Himmliſchem ich trachte, das bleibt in Ewigkeit. 6. Wenn ich auch gleich nun ſcheide von meinen Freunden gut, für mich und ſie zum Leide: doch tröſtet meinen Mut, daß wir in größern Freuden zuſammen kommen ſchon, wo nichts uns mehr wird ſcheiden, dort an des Himmels Thron. 7. Muß ich auch hinter⸗ laſſen betrübte Waiſelein, dern Not mich über Maßen jammert im Herzen mein, will ich doch gerne ſterben und trauen meinem Gott; er läßt ſie nicht verderben, er hilft aus aller Not. 8. Geſegn euch Gott der Herre, ihr Wielgeliebten meinl Trauertnicht allzu ſehre über den Abſchied mein! Beſtändig bleibt im Glauben! Wir werdn in kurzer Zeit ein⸗ ander wieder ſchauen dort in der Ewigkeit. 9. Nun will ich mich ganz wenden zu dir, Herr Chriſt, allein; gieb mir ein ſelig Ende, ſend mir die Engel dein; führ mich ins ewge Leben, das du erwor⸗ ben haſt, als du dich hinge⸗ geben für meine Sünden⸗ laſt.. 10. Hilf, daß ich ja nicht wanke von dir, Herr Jeſu Chriſt; den ſchwachen Glau⸗ ben ſtärke in mir zu aller Friſt! Hilf ritterlich mir ringen, dein Hand mich halt mit Mlacht, daß ich mög fröhlich ſingen: Gottlob, es iſt vollbracht! Chr. Knoll, † 1621. r lt ig e5 442 Vlet will ich dir geben, du arge falſche Welt; dein ſündlich böſes Leben durchaus mir nicht gefällt. Im Himmel iſt gut wohnen, hinauf ſteht mein Begier, da wird Gott herrlich lohnen dem, der ihm dient allhier. 2. Rat mir nach deinem Herzen, o Jeſu, Gottes Sohn! Sollt ich ja dulden Schmerzen, hilf mir, Herr Chriſt, davon; verkürz mir alles Leiden, ſtärk meinen blöden Mut, laß ſelig mich abſcheiden, ſchenk mir dein ewig Gut. 3. In meines Herzens Grunde dein Nam und Kreuz allein funkelt all Zeit und Stunde; drauf kann ich fröhlich ſein. Erſchein mir in dem Bilde, zum Troſt in meiner Not, wie du dich, Herr, ſo milde ge⸗ blutet haſt zu Tod 4. Herr, meinen Namen ſchreibe ins Buch des Lebens ein; laß mich an deinem Leibe ein Glied mit jenen ſein, die in dem Himmel grünen und vor dir leben frei: ſo will ich ewig rüh⸗ men, daß treu dein Herze ſei. V. Herberger, † 1627. (Auf, Chriſtenmenſch.) 443 Machs mit mir, Gott, nach dei⸗ ner Güt, hilf mir in meinem Sterbelieder. 3 Leiden! Verſag mir nicht, was ich dich bitt: wenn meine Seel will ſcheiden, ſo nimm ſie, Herr, in deine Händ!'s iſt alles gut, wenn gut das End. 2. Gern will ich folgen, liebſter Herr, du läßt mich nicht verderben; ach, du biſt doch von mir nicht fern, ob ich gleich hie muß ſterben und laſſen meine lieben Freund, dies mit mir herzlich gut gemeint. 3. Ruht doch der Leib ſanft in der Erd, die Seel ſich zu dir ſchwinget, in deiner Hand ſie unverſehrt durch Tod ins Leben dringet. Hier iſt doch nur ein Thrä⸗ nenthal, Angſt, Not und Mühe überall. 4. Der Tod, die Hölle, Welt und Sünd mir können nichts mehr ſchaden; an dir, o Herr, ich Rettung find, ich tröſt mich deiner Gnaden; dein einger Sohn aus Lieb und Huld für mich bezahlt hat alle Schuld. 5. Was ſollt ich denn nun traurig ſein, weil ich kann wohl beſtehen, ge⸗ ſchmückt mit Chriſti Unſchuld rein zu meinem Gotte gehen? Gehab dich wohl, du ſchnöde Welt! Bei Gott zu leben mir gefällt. J. H. Schein, 4 1630. Mel. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. (Befiehl du deine Wege) 444 Cxch hab mich Gott 1 W ergeben, dem liebſten Vater mein; hier iſt kein Immerleben, es muß geſchieden ſein. Der Tod kann mir nicht ſchaden, er iſt nur mein Gewinn; in Gottes Fried und Gnaden fahr ich mit Freud da⸗ hin. 2. Mein Weg geht jetzt vorüber; o Welt, was acht ich dein? Der Himmel iſt mir lieber, da muß ich gehen ein und mich nicht mehr beladen, weil ich wegfertig bin; in Gottes Fried und Gnaden fahr ich mit Freud dahin. 3. Ach, ſelge Freud und Wonne hält mir der Herr bereit, da Chriſtus iſt die Sonne der ewgen Seligkeit. Was kann mir doch nun ſchaden, weil ich bei Chriſto bin? In Gottes Fried und Gnaden fahr ich mit Freud dahin. 4. Geſegn euch Gott, ihr Meinen, ihr Liebſten allzu⸗ mal! Um mich ſollt ihr nicht weinen, ich weiß von keiner Qual. Was Chriſtus euch beſchieden, laßt nicht aus eurem Sinn; in Gottes Gnad und Frieden fahrt dann auch ihr dahin. . Siegfried, † 1636. Die letzten Dinge. Mel. O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (In allen meinen Thaten.) 4 45 Die Herrlichkeit der Erden muß Rauch und Aſche werden, kein Fels, kein Erz beſtehn. Was uns hier mag ergötzen, was wir für ewig ſchätzen, wird als ein leichter Traum vergehn. 2. Der Ruhm, nach dem wir trachten, den wir un⸗ ſterblich achten, iſt nur ein falſcher Wahn; ſobald der Geiſt gewichen und dieſer Mund erblichen, fragt keiner, was man hier gethan. 3. Es hilft nicht Kunſt noch Wiſſen; wir werden hin⸗ geriſſen, der morgen, dieſer heut. Was nützt der Güter Menge? Dem hier die Welt zu enge, dem wird ein enges Grab zu weit. 4. Dies alles wird zer⸗ rinnen, was Müh und Fleiß gewinnen und ſaurerS chweiß erwirbt; was Menſchen hier beſitzen, kann vor dem Tod nicht ſchützen: dies alles ſtirbt uns, wenn man ſtirbt. 5. Iſt eine Luſt, ein Scher⸗ zen, die nicht ein heimlich Schmerzen mit Herzensangſt vergällt? Was iſts, womit wir prangen? Wo wirſt du Ehr erlangen, die nicht in Hohn und Schmach verfällt? 6. Was pocht man auf die Throne, da keine Macht noch Krone kann unver⸗ gänglich gänglich ſein? Es mag vom Totenreihen kein Scepter dich befreien, kein Purpur, Gold noch Edelſtein. 7. Wir rechnen Jahr auf Jahre, indeſſen wird die Bahre uns vor die Thür gebracht; drauf müſſen wir von hinnen und, eh wir uns beſinnen, der Erde ſagen gute Nacht. 8. Wach auf, Herz, und bedenke, daß dieſer Zeit Ge⸗ ſchenke den Augenblick nur dein; was du zuvor genoſſen, iſt als ein Strom verfloſſen; was künftig,— weſſen wird es ſein? 9. Trau nicht auf Men⸗ ſchenlehre, auf Weltgunſt, Macht und Ehre, und fleh den Herren an, der immer König bleibet, den keine Zeit vertreibet, der einzig ewig machen kann. 10. Wohl dem, der auf ihn trauet! Er hat recht feſt gebauet, und ob er hier gleich fällt, wird er doch dort beſtehen und nimmer⸗ mehr vergehen, weil ihn die Stärke ſelbſt erhält. A. Gryphius, † 1664. Mel. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. (Gefiehl du deine Wege.) 446 On Chriſto will ich ſterben, wenns meinem Gott gefällt: hier iſt nichts zu erwerben in dieſer argen Welt. Es Sterbelieder. 309 iſt ein elend Leben in dieſer ſchnöden Zeit; dort wird ein beſſres geben Gott in der Ewigkeit. 2. Mit Chriſto will ich ſcheiden von dieſer Erden⸗ qual, der wird mich ſelber leiten durchs finſtre Todes⸗ thal; drum laß ich mir nicht grauen vor dieſem Augen⸗ blick: bald werd ich ewig ſchauen mein einzig wahres Glück. 3. Zu Chriſto will ich fah⸗ ren in das gelobte Land, der wird mich wohl bewah⸗ ren in ſeiner ſtarken Hand. Trotz ſei dem Feind geboten, daß er mich reiß heraus: dort will ich ſeiner ſpotten im ſchönen Friedenshaus. 4. Bei ßhriſto will ich bleiben in alle Ewigkeit und ohn Aufhören treiben ſein Lob mit höchſter Freud: mit Jauchzen und mit Singen will ich ihm dankbar ſein; nun laß mirs, Herr, gelingen zu deinem Preis allein. P. Frank, † 1675. Mel. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. (Befiehl du deine Wege.) Cch bin ein Gaſt 447 W auf Erden und hab hier keinen Stand; der Himmel ſoll mir werden, da iſt mein Vaterland. hie muß ich Unruh haben, hier reis ich ab und zu, dort wird 310 Die letzten Dinge. wird mein Gott mich laben in ſeiner ewgen Ruh. 2. Was iſt mein ganzes Weſen von meiner Jugend an, als Müh und Not ge⸗ weſen? So lang ich denken kann, hab ich ſo manchen Morgen, ſo manche liebe Nacht mit Kummer und mit Sorgen des Herzens zuge⸗ bracht. 3. So gings den lieben Alten, an deren Fuß und Pfad wir uns noch täglich halten, wenns fehlt an gutem Rat. Sie zogen hin und wieder, ihr Kreuz war immer groß, bis daß der Tod ſie nieder legt in des Grabes Schoß. 4. Ich habe mich ergeben in gleiches Glück und Leid; was will ich beſſer leben in dieſer Zeitlichkeit? Es muß ja durchgedrungen, es muß gelitten ſein; wer nicht hat wohl gerungen, geht nicht zur Freude ein. 5. So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt, doch denk ich nicht zu bleiben in dieſem fremden Zelt; ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt, da mich ohn alle Maße mein Vater tröſten wird. 6. Mein Heimat iſt dort oben, da aller Engel Schar den großen Herrſcher loben, der alles ganz und gar in ſeinen Händen träget und für und für erhält, 6, alles hebt und leget, nach dems ihm wohlgefällt. 7. Zu dem ſteht mein Ver⸗ langen, da wollt ich gerne hin; die Welt bin ich durch⸗ gangen, daß ichs faſt müde bin; je länger ich hier walle, je wenger find ich Freud, die meinem Geiſt gefalle; das meiſt iſt Eitelkeit. 8. Die Herberg iſt zu böſe, der Trübſal iſt zu viel; ach, komm, mein Gott, und löſe mein Herz, wenn dein Herz will! Komm, mach ein ſelig Ende mit meiner Wander⸗ ſchaft, und was mich kränkt, das wende durch deinen Arm und Kraft. 9. Wo ich bisher geſeſſen, iſt nicht mein rechtes Haus; wenn mein Ziel ausgemeſſen, ſo tret ich dann hinaus, und was ich hier gebrauchet, das leg ich alles ab, und wenn ich ausgehauchet, ſo legt man mich ins Grab. 10. Du aber, meine Freude, du meines Lebens Licht, du zeuchſt mich, wenn ich ſcheide, hin vor dein Angeſicht, ins Haus der ewgen Wonne, da ich ſtets freudenvoll, gleich als die helle Sonne, nächſt andern leuchten ſoll. 11. Da will ich immer wohnen und nicht nur als ein Gaſt, bei denen, die mit Kronen du ausgeſchmücket haſt; da will ich herrlich ſingen — — — S— r —= 8— ſingen von deinem großen Thun und, frei von ſchnöden Dingen, in meinem Erbteil ruhn. P. Gerhardt, † 1676. (Wer nur den lieben Gott läßt walten, Nr. 1.) 448 Wer weiß, wie nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod; ach, wie geſchwinde und behende kann kommen meine Todes⸗ not! Mein Gott, ich bitt durch Chriſti Blut: machs nur mit meinem Ende gut! 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war; dieweil ich leb auf dieſer Erden, leb ich in ſteter Tods⸗ gefahr. Mein Gott, ich bitt durch Chriſti Blut: machs nur mit meinem Ende gut! 3. Herr, lehr mich ſtets mein End bedenken und, wenn ich einmal ſterben muß, die Seel in Jeſu Tod verſenken und ja nicht ſpa⸗ ren meine Buß. Mein Gott, ich bitt durch Chriſti Blut: machs nur mit meinem Ende gut! 4. Laß mich bei Zeit mein Haus beſtellen, daß ich bereit ſei für und für und ſage friſch in allen Fällen: Herr, wie du willſt, ſo ſchicks mit mir! Mein Gott, bitt durch Chriſti Blut: Sterbelieder. 311 machs nur mit meinem Ende gut! 5. Ach, Herr, mach ſüße mir den Himmel und bitter mir die Luſt der Welt; gieb, daß mir in dem Weltgetüm⸗ mel die Ewigkeit ſei vorge⸗ ſtellt. Mein Gott, ich bitt durch Chriſti Blut: machs nur mit meinem Ende gut! 6. Ach, Vater, deck all meine Sünde mit dem Ver⸗ dienſte Jeſu zu, darauf ich mich feſtgläubig gründe, das giebt mir die erſehnte Ruh. Mein Gott, ich bitt durch Chriſti Blut: machs nur mit meinem Ende gut! 7. Nichts iſt, das mich von Jeſu ſcheide, nichts, es ſei Leben oder Tod; ich leg die Hand in ſeine Seite und ſage: o, mein Herr und Gott! Mein Gott, ich bitt durch Chriſti Blut: machs nur mit meinem Ende gut! 8. Ich habe Jeſum ange⸗ zogen ſchon längſt in meiner heilgen Tauf; du biſt mir daher auch gewogen, haſt mich zum Kind genommen auf. Mein Gott, ich bitt durch Chriſti Blut: machs nur mit meinem Ende gut! 9. Ich habe Jeſu Leib gegeſſen, ich hab ſein Blut getrunken hier; nun kannſt du meiner nicht vergeſſen; ich bleib in ihm und er in mir. Mein Gott, ich bitt durch 312 durch Chriſti Blut: machs nur mit meinem Ende gut! 10. So komm mein End heut oder morgen, ich weiß, daß mirs mit Jeſu glückt; ich bin und bleib in deinen Sorgen, mit Jeſu Gnaden ſchön geſchmückt. Mein Gott, ich bitt durch Chriſti Blut: machs nur mit mei⸗ nem Ende gut! 11. Ich leb indes in dir vergnüget und ſterb ohn alle Kümmernis; mir gnü⸗ get, wie mein Gott es füget; ich glaub und bin es ganz gewiß: durch deine Gnad und Chriſti Blut machſt dus mit meinem Ende gut! Aemilie Juliane, Gräfin von Schwarzburg⸗Rudolſtadt, † 1706. 4 49 Abꝰ was iſt do unſre Zeit? Flüchtigkeit, Nebel, Rauch und Wind und Schatten; Menſchen können nicht be⸗ ſtehn; ſie vergehn wie die Blumen auf den Matten. Unſer Leben fleucht behende: Menſch, bedenke doch das Ende! 2. Menſchen ſind zerbrech⸗ lich Glas, nichtig Gras, Blu⸗ men, die nicht lange ſtehen; ach, wie bald wird ihre Kraft hingerafft, wenn die Todes⸗ lüfte wehen. Unſer Leben fleucht behende: Menſch, be⸗ denke doch das Ende! Die letzten Dinge. 3. Jugend, die den Ro⸗ ſen gleicht, die verbleicht; ihre Schönheit muß ver⸗ ſchwinden; es vergeht durch Todesmacht alle Pracht, die wir an den Menſchen finden. Unſer Leben fleucht behende: Menſch, bedenke doch das Ende! 4. Menſchen ſind der Zei⸗ ten Spiel und ein Ziel, drauf die Todespfeile flie⸗ gen; die wie ſchlanke Cedern ſtehn, groß und ſchön, müſ⸗ ſen durch den Tod erliegen. Unſer Leben fleucht behende: Menſch, bedenke doch das Ende! 5. Ach, der Tod iſt dir gewiß; drum vergiß alles Eitle dieſer Erden; lenke dich 5 Ewigkeit jederzeit, willſt u dort unſterblich werden. Unſer Leben fleucht behende⸗ Menſch, bedenke doch das Ende! 6. Schwinge dein Ge⸗ müt und Herz himmel⸗ wärts, wo nicht Tod, nicht Not, nicht Leiden; denk an das, was ewig iſt, lieber Chriſt, ſoll dich einſt der Himmel weiden. Unſer Le⸗ ben fleucht behende: Menſch, bedenke doch das Ende! Sal. Franck, † 1725. Mel. O Gott, der du ein Heerfürſt ꝛc. 450 Mein Leben iſt ein Pilgrim⸗ ſtand; ich reiſe nach dem Vaterland, ich m Vaterland, nach dem Jeru⸗ ſalem dort oben, wo eine ewge Ruheſtatt Gott ſelber mir gegründet hat; da werd ich ohne End ihn loben. Mein Leben iſt ein Pilgrim⸗ ſtand; ich reiſe nach dem Vaterland. 2. Wie Schatten vor der Sonne fliehn, ſo flieht mein Leben ſchnell dahin, und was vorbei iſt, kommt nicht wie⸗ der; ich eile zu der Ewigkeit; Herr Jeſu, mach mich nur bereit und öffne meine Au⸗ genlider, daß ich, was zeit⸗ lich iſt, veracht und nur nach dem, was ewig, tracht. 3. Der Sonne Glanz mir oft gebricht, der Sonne, die ihr Gnadenlicht in unver⸗ fälſchteHerzen ſtrahlet. Wind, Regen ſtürmen auf mich zu, mein matter Geiſt findt nir⸗ gends Ruh; doch alle Müh iſt ſchon bezahlet, wenn ich die güldne Himmelsthür mir ſtell im feſten Glauben für. 4. Du treuer Hüter, Jeſu Chriſt, der du ein Pigrim worden biſt, da du mein Fleiſch haſt angenommen, jeig mir im Worte deine Tritt, laß mich bei einem jeden Schritt zu deinem Heil ſtets näher kommen. Mein Leben fleucht; ach, eile du, und fleuch mit Gnad und Hilf herzu. 5. Durch deinen Geiſt mich heilig leit, gieb in Sterbelieder. 313 Geduld Beſtändigkeit; vor Straucheln meinen Fuß be⸗ ſchütze. Ich falle ſtündlich, hilf mir auf und richte zu dir meinen Lauf; ſei mir ein Schirm in Trübſalshitze; laß deinen milden Gnaden⸗ in Finſternis nie ferne ein. 6. Wenn mir mein Herz, o Gnadenfüll, vor Durſt nach dir verſchmachten will, ſo laß mich dich zum Labſal finden; und ſchließ ich meine Augen' zu, ſo bring mich zu der Siegesruh, wo Streit und alle Müh verſchwinden, und wo ich kann, von Sün⸗ den rein, dein Freund und Hausgenoſſe ſein. 7. Bin ich denn hier, im fremden Land, der blinden Welt gleich unbekannt: dort ſind die Freunde, die mich kennen; dort werd lich mit der Himmelsſchar dir jauch⸗ zend dienen immerdar und in der reinſten Liebe brennen. Mein Heiland, komm, ach, bleib nicht lang! Hier in der Fremde wird mir bang. F. A. Lampe, † 1729. Mel. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende ꝛc.(Wer nur den lieben Gott läßt walten, Nr. 1.) 451 J Cxch ſterbe täglich, und mein Le⸗ ben eilt immerfort zum Grabe hin. Wer kann mir einen Bürgen geben, ob ich 14 noch 314 noch morgen lebend bin? Die Zeit geht hin, der Tod kommt her: ach, wer nur immer fertig wär! 2. Es ſchickt der Tod nicht immer Botenz er kommet oft unangemeldt und fordert uns ins Reich der Toten; wohl dem, der Haus und Herz beſtellt! Denn ewig Uünglück oder Glück hängt nur an einem Augenblick. 3. Herr aller Herren, Tod und Leben haſt du allein in deiner Hand. Wie lange du mir Friſt willſt geben, das iſt und bleibt mirunbekannt; hilf, daß ich jeden Glocken⸗ ſchlag an meinen Abſchied denken mag. 4. Es kann vor Abend anders werden, als es am Morgen mit mir war; den einen Fuß hab ich auf Erden, den andern auf der Toten⸗ bahr; ein kleiner Schritt iſt nur dahin, wo ich der Wür⸗ mer Speiſe bin. 5. Ein einzger Schlag kann alles enden und Fall und Tod beiſammen ſein; doch ſchlage nur mit Vater⸗ händen und ſchließ in Chriſti Tod mich ein, daß, wenn der Leib zu Boden fällt, die Seel an Jeſu Kreuz ſich hält. 6. Kann ich die Meinen nicht mehr ſegnen, ſo ſegne du ſie mehr als ich; wenn lauter Thränen um mich regnen, o Tröſter, ſo erbarme Die letzten Dinge. dich und laſſe der Verlaſſnen Schrein durch deinen Troſt erhörlich ſein. 7. Dringt mir der letzte Stoß zum Herzen, ſo ſchließe mir den Himmel auf; ver⸗ kürze mir des Todes Schmer⸗ zen und hole mich zu dir hinauf; ſo wird mein Ab⸗ ſchied keine Pein, zwar eilig, dennoch ſelig ſein. B. Schmolck, † 1737. Mel. Wer nur den lieben Gott ꝛc. 452 ein Gott, ich weiß wohl, daß ich ſterbe; ich bin ein Menſch, der bald vergeht, und finde hier kein ſolches Erbe, das unveränderlich beſteht; drum zeige mir in Gnaden an, wie ich recht ſelig ſterben kann. 2. Mein Gott, ich weiß nicht, wann ich ſterbe, kein Augenblick geht ſicher hin; wie bald zerbricht doch eine Scherbe! Wie kann die Blume ſchnell verblühn! Drum mache mich nur ſtets bereit hier in der Zeit zur Ewigkeit. 3. Mein Gott, ich weiß nicht, wie ich ſterbe, dieweil der Tod viel Wege hält; dem einen wird das Scheiden herbe, ein andrer ſanft in Schlummer fällt. Doch wie du willſt; gieb nur dabei, iu mir mein Ende ſelig ei. 4 nic wel 4. Mein Gott, ich weiß nicht, wo ich ſterbe, und welche Erde mich einſt deckt; doch wenn ich nur den Troſt erwerbe, daß mich dein Ruf zum Leben weckt, ſo nehm ich jede Stelle ein; die Erd iſ allenthalben dein. 5. Nun, liebſter Gott, wenn ich einſt ſterbe, ſo nimm du meinen Geiſt zu dir, auf daß ich dort mit Chriſto erbe; hab ich nur den im Glauben hier, ſo gilt mirs gleich und geht mir wohl, wann, wo und wie ich ſterben ſoll. B. Schmolck, † 1737. Mel. O du Liebe meiner Liebe ꝛc. nſer keiner lebt 453 1 ihm ſelber, keiner ſtirbt ihm ſelber hier; was wir leben, was wir ſterben, kommt, o Herr, allein von dir. Du mußt helfen, tragen, heben, du biſt unſer beſtes Teil, bleibſt im Tode, bleibſt im Leben unſer Troſt und unſer Heil. 2. Glauben, ſchauen,— leben, ſterben, gilt mit dir uns alles gleich; wenn wir nur mit Chriſto erben, macht der Tod uns ewig reich. Dann erſt fängt des Chriſten Leben und das rechte Wohl⸗ ſein an, wenn er ſich zu dir erheben und dein Antlitz ſchauen kann. Sterbelieder. 315 3. Nun, es ſcheiden oder bleiben unſre Lieben oder wir: Jeſu, dir uns einver⸗ leiben, das ſei unſre Sorge hier! Selig, wer entſchläft in Frieden, ſelig wir, die noch nicht tot! Sind die Leber geſchieden, ſind die Geiſter doch in Gott. 4. Heil und Wahrheit, Kraft und Stärke giebt Jehovah mehr und mehr. Alle ſeine Weg und Werke ſind voll Herrlichkeit und Ehr. Singet ihm, ihr Got⸗ teskinder, der uns liebt am Kreuzesſtamm! Bringet Ruhm, ihr überwinder, Gott, dem Vater, und dem Lamm! Ph H. Weiſſenſee, † 1767. Mel. Jeſus, meine Zuverſicht ꝛc. 454 N eine Lebenszeit verſtreicht, ſtündlich eil ich zu dem Grabe, und wie wenig iſts vielleicht, daß ich noch zu leben hahe! Denk, o Menſch, an deinen Tod, ſäume nicht; denn eins iſt not. 2. Lebe, wie du, wenn du ſtirbſt, wünſchen wirſt, ge⸗ lebt zu haben! Güter, die du hier erwirbſt, Würden, die dir Menſchen gaben, nichts wird im Tod erfreun; dieſe Güter ſind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Jeſum liebt, nur ein ruhiges Gewiſſen, 316 Gewiſſen, das vor Gott dir Zeugnis giebt, wird dir dei⸗ nen Tod verſüßen; dieſes Herz, von Gott erneut, giebt im Tode Freudigkeit. 4. Daß du dieſes Herz erwirbſt, fürchte Gott und bet und wache; ſorge nicht, wie früh du ſtirbſt; deine Zeit iſt Gottes Sache. Lern nicht nur den Tod nicht ſcheun, lern auch ſeiner dich erfreun. 5. überwind ihn durch Vertraun, ſprich: ich weiß, an wen ich glaube, und ich weiß, ich werd ihn ſchäun; denn er weckt mich aus dem Staube; er, der rief: es iſt vollbracht! nahm dem Tode ſeine Macht. 6. Tritt im Geiſt zum Grab oft hin, ſiehe dein Gebein verſenken; ſprich: Herr, daß ich Erde bin, lehre du mich ſtets bedenken; lehre du mich jeden Tag, daß ich weiſer werden mag. Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. Erhalt uns, Herr, bei ꝛc. 455 Wi ſicher lebt der Menſch, der Staub! Sein Leben iſt ein fallend Laub, und dennoch ſchmeichelt er ſich gern, der Tag des Todes ſei noch fern. 2. Der Jüngling hofft des Greiſes Ziel, der Mann noch ſeiner Jahre viel, der Die letzten Dinge. Greis zu vielen noch ein Jahr, und keiner nimmt den Irrtum wahr. 3. Sprich nicht: ich denk in Glück und Not im Her⸗ zen oft an meinen Tod; der, den der Tod nicht weiſer macht, hat nie mit Ernſt an ihn gedacht. Wir leben hier zur Ewigkeit, zu thun, was uns der Herr gebeut, und unſres Lebens kleinſter Teil iſt eine Friſt zu unſerm Heil. 5. Der Tod rückt Seelen vor Gericht; da bringt Gott alles an das Licht und macht, was hier ver⸗ borgen war, den Rat des Herzens, offenbar. 6. Drum, da dein Tod dir täglich dräut, ſo ſei doch wacker und bereit, prüf dei⸗ nen Glauben als ein Chriſt, ob er durch Liebe thätig iſt. 7. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, ihr folgt und ſich vom Böſen kehrt, ein gläubig Herz, von Lieb er⸗ füllt, dies iſt es, was vor Gott nur gilt. 8. Gieb, Herr, daß ich mit jedem Tag vor dir mein Herz erforſchen mag, ob Liebe, Demut, Fried und Treu die Frucht des Geiſtes in mir ſei: 9. Daß ich zu dir um Gnade fleh, ſtets meiner Schwachheit widerſteh und einſtens in des Glaubens Macht ni Macht mit Freuden ruf: es iſt vollbracht. Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. Herzlich thut mich verlangen c. (Beſiehl du deine Wege.) 456 Die auf der Erde wallen, die Sterblichen, ſind Staub; ſie blühen 1 und fallen, des Todes ſichrer Raub. Ver⸗ borgen iſt die Stunde, da Gottes Stimme ruft; doch jede, jede Stunde bringt näher uns der Gruft. 2. Getroſt gehn Gottes Kinder die öde dunkle Bahn, zu der verſtockte S verzweiflungsvoll ſich nahn, wo ſelbſt der freche Spötter nicht mehr zu ſpotten wagt, vor dir, Gott, ſeinem Retter, erzittert und verzagt. 3. Wenn dieſe Bahn zu gehen, dein Will einſt mir gebeut, wenn nahe vor mir ſtehen Gericht und Ewigkeit, wenn meine Kräfte beben und ſchon das Herz mir bricht: Herr über Tod und Leben: o dann verlaß mich nicht! 4. Hilf, Todesüberwinder, hilf mir in dieſer Angſt, der du zum Heil der Sünder ſelbſt mit dem Tode rangſt; und wenn des Kampſes Ende gewaltiger mich faßt, nimm mich in deine Hände, den du erlöſet haſt. Sterbelieder. 317 5. Des Himmels Wonn und Freuden ermißt kein ſterblich Herz; o Troſt für kurze Leiden, für kurzen Todesſchmerz! Dem Todes⸗ überwinder ſei ewig Preis und Dank; Preis ihm, der für uns Sünder den Kelch des Todes trank! 6. Heil denen, die auf Erden ſich ſchon dem Him⸗ mel weihn, die aufgelöſt zu werden mit heilger Furcht ſich freun! Bereit, es Gott zu geben, wenn er, ihr Herr, gebeut, gehn ſie getroſt durchs Leben, hin zur Un⸗ ſterblichleit G. Bened. Funck, † 1814. Mel. Chriſtus, der iſt mein Leben ꝛc. 457 ch weiß, an wen ich glaube, und daß mein Heiland lebt, der aus dem Todesſtaube den Geiſt zu ſich erhebt. Ich weiß, an wem ich hange, wenn alles wankt und weicht, der, wenn dem Herzen bange, die Retterhand mir reicht. 3. Ich weiß, wem ich vertraue, und, wenn mein Auge bricht, daß ich ihn ewig ſchaue, ihn ſelbſt von Angeſicht. 4. Er trocknet alle Thrã⸗ nen ſo tröſtend und ſo mild, und mein unendlich Sehnen wird nur durch ihn geſtillt. 5. Ich weiß, beim Aufer⸗ ſtehen, wenn ich verkläret bin, werd ich mit Jeſu gehen durch Ewigkeiten hin. Vers 1—4 von A. H. Niemeyer, 4 1828. Vers5 von A. Knapp, † 1864. Begräbnislieder. Mel. Schwing dich auf zu 1. 458 Einen guten Kampf hab ich auf der Welt gekämpfet; denn Gott hat mir gnädiglich all mein Leid gedämpfet, daß ich meines Lebens Lauf ſeliglich vollendet und die Seele him⸗ melauf Chriſto zugeſendet. 2. Forthin iſt mir beige⸗ legt der Gerechten Krone, die mir wahre Freud erregt vor des Himmels Throne; fort⸗ hin meines Lebens Licht, dem ich hier vertrauet; mei⸗ nes Gottes Angeſicht meine Seele ſchauet. 3. Dieſe gar verderbte Welt iſt, was meinem Leben nun⸗ mehr gänzlich nicht gefällt; drum ich mich ergeben mei⸗ nem Jeſu, da ich bin jetzt in lauter Freuden; denn ſein Tod iſt mein Gewinn, mein Verdienſt ſein Leiden. 4. Gute Nacht, ihr meine Freund, ihr, o meine Lieben! Alle, die ihr um mich weint, laßt euch nicht betrüben die⸗ ſen Schritt, den ich nun thu in die Erde nieder; Die letzten Dinge. ſchaut, die Sonne geht zur Ruh, kommt doch morgen wieder. H. Alberti, † 1651. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt ꝛc. 459 Ruht wohl, ihr Totenbeine, in der ſtillen Einſamkeit! Ru⸗ het, bis das End erſcheine, da der Herr euch zu der Freud rufen wird aus euren Grüften zu den freien Himmelslüften. 2. Nur getroſt, ihr wer⸗ det leben, weil das Leben, euer Hort, die Verheißung hat gegeben durch ſein teuer wertes Wort: die in ſeinem Namen ſterben, ſollen nicht im Tod verderben. 3. Und wie ſollt im Grabe bleiben, der ein Tem⸗ pel Gottes war, den der Herr ließ einverleiben ſeiner auserwählten Schar, die er ſelbſt mit ſeinem Sterben hat gemacht zu Himmels⸗ erben? 4. Nein, die kann der Tod nicht halten, die des Herren Glieder ſind. Muß der Leib im Grab erkalten, da man nichts als Aſche findt: wenn des Herren Hauch drein bläſet, grünet neu, was hier verweſet. 5. Jeſus wird, wie er erſtanden, auch die Seinen einſt mit Macht führen aus des Todes Banden, führen aus des Grabes Nacht zu dem dem ewgen Himmelsfrieden, den er ſeinem Volk beſchieden. 6. Ruhet wohl, ihr Toten⸗ beine, in des Grabes Dun⸗ kelheit! Ruhet, bis der Herr erſcheine an dem Ende die⸗ ſer Zeit! Da ſollt ihr mit neuem Leben herrlich ihm entgegen ſchweben. F C. Hiller, † 1726. Mel. Jeſus, meine Zuverſicht ꝛc. eute mir und 460 H morgen dir! So hört man die Glocken klin⸗ gen, wenn wir die Ver⸗ ſtorbnen hier auf den Todes⸗ acker bringen. Aus den Gräbern rufts herfür: heute mir und morgen dir! 2. Heute rot und mor⸗ gen tot! Unſer Leben eilt auf Flügeln, und wir habens täglich not, daß wir uns an andern ſpiegeln; wie bald ruft des Hertn Gebot: heute rot und morgen tot! 3. Menſch, es iſt der alte Bund, und der Tod zählt keine Jahre; biſt du heute noch geſund, denk an deine Totenbahre; jedem kommt die letzte Stund: Menſch, das iſt der alte Bund. 4. Ach, wer weiß, wie nah mein Tod! Ich will ſterhen, eh ich ſterbe; ſo wird mir die letzte Not, wenn ſie kommt, doch nicht Begräbnislieder. 319 ſo herbe. Rüſte mich dazu, mein Gott! Ach, wer weiß, wie nah mein Tod! 5. Selig, wer in Chriſto ſtirbt! denn ihm wird der Tod zum Leben; wer das Leben hier erwirbt, dem nur wird es dort gegeben. Wer nicht lebet, der verdirbt; ſe⸗ lig, wer in Chriſto ſtirbt! B. Schmolck, † 1737. Mel. Der lieben Sonne Licht und ꝛc. 461 Die Chriſten gehn von Ort zu Ort durch mannigfaltgen Jam⸗ mer, und kommen in den Friedensport und ruhn in ihrer Kammer. Gott nimmt ſie nach dem Lauf in ſeinen Armen auf; das Weizen⸗ korn wird in ſein Beet auf Hoffnung reicher Frucht geſät. 2. Wie ſeid ihr doch ſo wohl gereiſt! Gelobt ſein eure Schritte, du allbereits befreiter Geiſt, du jetzt ver⸗ laßne Hütte! Du, Seele, biſt beim Herrn, dir glänzt der Worgenſtern; euch Glie⸗ der deckt mit ſanfter Ruh der Liebe ſtiller Schatten zu. 3. Wir freun uns in Gelaſſenheit der großen Of⸗ fenbarung; indeſſen bleibt das Pilgerkleid in heiliger Verwahrung. Wie iſt das Glück ſo groß: in Jeſu Arm und Schoß! Die Liebe führ 320 führ uns gleiche Bahn, ſo tief hinab, ſo hoch hinan. N. L. Graf v, Zinzendorf, † 1760. Mel. Heiland, den uns Gott ꝛc. 462 ller Gläubgen Sammelplatz iſt da, wo ihr Herz und Schatz, wo ihr Heiland Je⸗ ſus Chriſt und ihr Leben hier ſchon iſt. 2. Eins geht da, das andre dort in die ewge Hei⸗ mat fort, ungefragt, ob die und der uns nicht hier noch nützlich wär. 3. Doch der Herr kann nichts verſehn; und wenn es nun doch geſchehn, hat man nichts dabei zu thun, als zu ſchweigen und zu ruhn. 4. Manches Herz, das nicht mehr da, geht uns freilich innig nah; doch, o Liebe, wir ſind dein, und du willſt uns alles ſein. Nach N. L. Graf v. Zinzendorf, † 1760, und Chr. Gregor, † 1801. Mel. Nun laßt uns den Leib ꝛc. 463 un bringen wir den Leib zur Ruh und decken ihn mit Erde zu, den Leib, der nach des Schöpfers Schluß zu Staub und Erde werden muß. 2. Er bleibt nicht immer Aſch und Staub, nicht im⸗ mer der Verweſung Raub; Die letzten Dinge. er wird, wenn Chriſtus einſt erſcheint, mit ſeiner Seele 3. Hier, Menſch, hier lerne, was du biſt, lern hier, was unſer Leben iſt. Nach Sorge, Furcht und mancher Not kommt endlich noch zuletzt der Tod. 4. Schnell ſchwindet unſre Lebenszeit; auf Sterben folgt die Ewigkeit. Wie wir die Zeit hier angewandt, ſo folgt der Lohn aus Got⸗ tes Hand. 5. So währen Reichtum, Ehr und Glück, wie wir ſelbſt, einen Augenblick; ſo währt auch Kreuz und Trau⸗ rigkeit, wie unſer Leben, kurze Zeit. 6. O ſichrer Menſch, be⸗ ſinne dich! Tod, Grab und Richter nahen ſich. In allem, was du denkſt und thuſt, bedenke, daß du ſterben mußt. 7. Hier, wo wir bei den Gräbern ſtehn, ſoll jeder zu dem Vater flehn: ich bitt, o Gott, durch Chriſti Blut, machs einſt mit meinem Ende gut! 8. Laßt alle Sünden uns bereun, vor unſerm Gott uns kindlich ſcheun. Wir ſind hier immer in Gefahr; nehm jeder ſeine Seele wahr! 9. Wenn unſer Lauf voll⸗ endet iſt, ſo ſei uns nah, Herr neu vereint. Begräbnislieder. Herr Jeſu Chriſt! Mach uns das Sterben zum Ge⸗ winn; zieh unſre Seelen zu dir hin! 10. Und wenn du einſt, du Lebensfürſt, die Gräber mächtig öffnen wirſt, dann laß uns fröhlich auferſtehn und dort dein Antlitz ewig ſehn! Ghrenf. Liebich, † 1780. ferſtehn, ja, auf⸗ 464 Anſeehnjunr⸗ mein Staub, nach kurzer Ruh! Unſterblichs Leben wird, der dich ſchuf, dir geben! Hallelujah! 2. Wieder aufzublühn, werd ich geſät! Der Herr der Ernte geht und ſammelt Garben uns ein, uns ein, die ſtarben! 3. Tag des Freudenthränen Tag! du meines Gottes Tag! Wenn ich im Grabe genug ge⸗ ſchlummert habe, erweckſt du mich! 4. Wie den Träumenden wirds dann uns ſein; mit Jeſu gehn wir ein zu ſeinen Freuden! Der müden Pilger Leiden ſind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligſte führt mich mein Mittler dann, lebt ich im Heilig⸗ tume zu deines Namens Ruhme. Hallelujah! F. G. Klopſtock, † 1803. Danks, der 32¹ Mel. Jeſus, meine Zuverſicht ꝛc. 465 Geht nun hin und grabt mein Grab, denn ich bin des Wanderns müde; von der Erde ſcheid ich ab, denn mir ruft des Himmels Friede, denn mir ruft die ſüße Ruh von den Engeln droben u. 2. Geht nun hin und grabt mein Grab; meinen Lauf hab ich vollendet, lege nun den Wanderſtab hin, wo alles Irdſche endet; lege ſelbſt mich nun hinein in das Bette ſonder Pein. 3. Was ſoll ich hienieden noch in dem dunkeln Thale machen? Denn wie mächtig, ſtolz und hoch wir auch ſtellen unſre Sachen, muß es doch wie Sand zergehn, wenn die Winde drüber wehn. 4. Darum, Erde, fahre wohl, laß mich nun in Frieden ſcheiden! Deine Hoffnung, ach, iſt hohl, deine Freuden ſelber Leiden, deine Schönheit Unbeſtand, eitel Wahn und Trug und Tand. 5. Darum letzte gute Nacht, Sonn und Mond und liebe Sterne, fahret wohl mit eurer Pracht! Denn ich reiſ in weite Ferne, reiſe hin zu jenem Glanz, worin ihr verſchwindet ganz. 6. Die ihr nun in Trauern geht, fahret wohl, ihr lieben Freunde; ——— 322 Freunde; was von oben niederweht, tröſtet ja des Herrn Gemeinde; weintnicht ob dem eitlen Schein, droben nur kann ewig ſein. 7. Weinet nicht, daß ich nun will von der Welt den Abſchied nehmen, daß ich aus dem Irrtum will, aus dem Schatten, aus dem Schemen, aus dem Eiteln, aus dem Nichts hin ins Land des ewgen Lichts. 8. Weinet nicht! Mein ſüßes Heil, meinen Heiland hab ich funden, Und ich habe auch mein Teil in den warmenHerzenswunden, woraus einſt ſein heilges Blut floß der ganzen Welt zu gut. 9. Weint nicht, mein Er⸗ löſer lebt! Hoch vom finſtern Erdenſtaube hell empor die Hoffnung ſchwebt, und der Himmelsheld, der Glaube, und die ewge Liebe ſpricht: Kind des Vaters, zittre nicht! C. M. Arndt, † 1860. Mel. Ich hab mein Sach ꝛc. (Dein ſind wir, Gott, in Ewigkeit.) à. 466 Whlauf wohlan, zum letzten Gang! Kurz iſt der Weg, die Ruh iſt lang. Gott führet ein, Gott führet aus: wohlan, hinaus! Kein Blei⸗ ben iſt im Erdenhaus. Die letzten Dinge. 2. Du Herberg in der Wanderzeit, gehab dich wohl und laß dein Leid! Schleuß nur getroſt die Pforte zu! Was trauerſt du? Dein Geiſt geht hin zur ewgen Ruh. 3. Tragt ihn fein ſanft ins Schlafgemach, ihr Lie⸗ ben, folgt ihm ſegnend nach! Hab gute Nacht! Der Tag war ſchwül im Erdgewühl: hab gute Nacht, die Racht iſt kühl. 4. Ein Feſtſchmuck iſt des Sarges Tuch, ein Siegeszug der Leichenzug. Triumph, der Herr macht gute Bahn ſein Kreuz voran,— das winkt und deutet himmelan. 5. Ihr Glocken, tönt hoch⸗ feſtlich drein und läutet hell den Sabbat ein, der nach des Werktags kurzer Friſt durch Jeſum Chriſt fü⸗ Gottes Volk vorhanden iſt. b. 6. O ſelig, wer das Heil erwirbt, daß er im Herrn, in Chriſto ſtirbt! O ſelig, wer, vom Laufe matt, die Gottesſtadt, die droben iſt, gefunden hat! 7. Was ſuchſt du, Menſch, bis in den Tod? Du ſuchſt ſo viel, und eins iſt not! Die Welt beut ihre Güter feil; denk an dein Heil, und wähl in Gott das beſte Teil. Begräbnislieder. 8. Was ſorgſt du bis zum letzten Tritt? Nichts brachteſt du, nichts nimmſt du mit. Die Welt vergeht mit Luſt und Schmerz; ſchau himmelwärts! Da, wo dein Schatz iſt, ſei dein Herz. 9. Mit Gott beſtell dein Haus bei Zeit, eh dich der Tod an Tote reiht; ſie ru⸗ fen: geſtern wars an mir, heut iſts an dir! Hier iſt kein Stand, kein Bleiben hier. 10. Vom Freudenmahl zum Wanderſtab, aus Wieg und Bett in Sarg und Grab! Wann, wie und wo, iſt Gott bewußt. Schlag an die Bruſt! Du mußt von dannen, Menſch, du mußt! 11. Da iſt kein Sitz zu reich, zu arm, kein Haupt zu hoch, kein Herz zu warm, da blüht zu ſchön kein Wangenrot; im Finſtern droht der Tod und überall der Tod. 12. Ach, banges Herz im Leichenthal, wo iſt dein Sicht, dein Lebensſtrahl? Du biſt es, Jeſu, der mit Macht aus Gräbernacht das Leben hat ans Licht gebracht. 13. Dein Troſtwort klingt ſo hoch und hehr:„Wer an mich glaubt, ſtirbt nimmer⸗ mehr!“ Dein Kreuz, dein Grab, dein Auferſtehn, dein Himmelgehn läßt uns den Himmel offen ſehn. 323 14. Wohl dem, der, Herr, mit dir vertraut, ſchon hier die ewgen Hütten baut! Er ſieht das Kleinod in der Fern und kämpfet gern und harrt der Zukunft ſeines Herrn. c. 15. Nun, Thor des Frie⸗ dens, öffne dich! Hinein!— hier ſchließt die Wallfahrt ſich. Ihr Schlummernden im Friedensreich, gönnt all⸗ zugleich auch ihm(ihr) ein Räumlein neben euch. 16. Viel Gräber ſind an dieſem Ort, viel Wohnungen im Himmel dort; bereitet iſt die Stätte ſchon am Gnadenthron, bereitet ihm (ihr) durch Gottes Sohn. 17. Sein iſt das Reich mit Allgewalt; er zeugt und ſpricht: Ich komme bald! Ja, komm, Herr Jeſu, führ uns ein! Wir harren dein; Amen, dein laß uns ewig ſein! Chr. Fr. H. Sachſe, † 1860. Beim Tode von Eltern. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt ꝛc. 467 ater, hier im Erdenſchoße ruhſt du lange nun forthin; bald wird auch mit grünem Mooſe ſich dein ſtilles Grab umziehn; Stürme werden drüber fliegen, Schnee auf Säne i liegen. 324 2. Doch in unſern treuen Herzen wird dein Geiſt, dein Bild, dein Wort unter tiefen Liebesſchmerzen unvergäng⸗ lich leben fort, wie du liebend uns umfangen und in Frie⸗ den hingegangen. O wie heilig iſt dies Bette, wo der Herr dich hingelegt! O wie teuer dieſe Stätte, die nun dein Gebeine hegt, das im ewgen Oſterwehen himmliſch klar ſoll auferſtehen! 4. Schlafe wohl, o Vater, ſchlafe deiner Wallfahrt Leiden aus, bis der Hirte ſeine Schafe ſammelt in des Vaters Haus! Sanft ſei dir der letzte Schlummer, dein Erwachen ohne Kummer! 5. Jeſus Chriſtus, Herr der Toten! der du nichts von dem verlierſt, was dein Vater dir geboten, daß dus zur Vollendung führſt: dieſes Vaters Geiſt und Ende legen wir in deine Hände! 6. Komm, in unſer Herz zu geben deiner Wahrheit hellen Schein, daß, wenn ſich die Toten heben, unſer Vater ohne Pein ſpreche bei des Herrn Erſcheinen:„Sieh, hier bin ich und die Meinen!“ A. Knapp, † 1864. Mel. Wie nach einer Waſſerquelle ꝛc. (Freu dich ſehr, o meine Seele.) i 468 Eſgea Eenhn mer, blaß, in weißem Die letzten Dinge. (ſchwarzem) Sterbekleid, ohne Schmerzen, ohne Kum⸗ mer, ſeh ich dich mit ſtillem Leid, vielgetreue Mutter du! Jetzo trägt man dich zur Ruh: ſchlummre ſüß im kühlen Grunde bis zur Auf⸗ erſtehungsſtunde! 2. Ange, das mit Lieb und Sehnen oft die Seinen angeblickt, ſegnend, mit viel tauſend Thränen haben wir dich zugedeckt. Nie auf dieſer Erde mehr blickſt du zärtlich auf uns her; doch zu Wiederſehens Grüßen wirſt du heller dich er⸗ ſchließen. die treulich uns geleitet, die uns nichts als Liebe gab, Freud und Troſt um uns verbreitet, ruhe nun im ſtillen Grab! Unermüdet war dein Fleiß, und dein Tagewerk war heiß. Wenn die Toten auf⸗ erſtehen, wird in dir die Palme wehen. 4. Edler Mund, zum Reinen, Großen, und zu Lieb und mildem Wort freund⸗ lich, lieblich aufgeſchloſſen, nimmer töneſt du hinfort; aber was die Lippe reh tönt in unſerm Herzen nach, bis du, wenn die Gräber ſpringen, Gott wirſt Halle⸗ lujah ſingen. 5. Herz, das ohne Falſch geſchlagen, das in Liebe nie geruht, das uns ſterbend no Beim Tode von Ehegatten. 325 noch getragen, ruhe ſanft in Gottes Hut! Weinend, dankend rufen wir: ewger Segen folge dir! Wenn die Grüfte ſich bewegen, ſchlage wieder uns entgegen! 6. Dann wird froh die Thräne fließen, wie ſie jetzt in Trauer fließt; froh wird dich dein Kind begrüßen, das dich heut in Thränen grüßt; dann, dann wird der ſchwere Stein weg von dei⸗ nem Grabe ſein. Chriſtus war im Tod dein Leben; ewig darfſt du vor ihm ſchweben. A. Knapp, † 1864. Beim Tode von Ehe⸗ gatten. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛc., Nr. 1. 469 Metrübtes Herze, ſei zufrieden, ob dich ſchon ſchwerer Kummer plagt; der Himmel bleibt dir doch beſchieden, den dir dein Jeſus zugeſagt; kein Kummer, keine Not und Pein kann dir, mein Herz, im Wege ſein. 2. Zwar ſchwimmeſt du in heißen Thränen, das iſt der Witwen täglich Brot; du quäleſt dich mit bangem Sehnen, denn dein Geliebter iſt ja tot. Iſts möglich, wenn das Herz entzwei, daß noch der Menſch lebendig ſei? 3. Die Krone fiel von deinem Haupte, der Baum ſtarb, ſo dir Schatten gab; die Sonne, die kein Nebel ranbte, geht unter und ſinkt in ihr Grab. O welch ein Schmerz, welch eine Nacht, in welche dich der Tod ge⸗ bracht! 4. Die armen Waiſen ſtehn verlaſſen, wie Schäf⸗ lein, wenn der Hirte fehlt; ihr Herze weiß ſich nicht zu faſſen, indem es ſieht, was deines quält; ihr fragend Wort, ihr Schmerzensblick ruft dir, was du verlorſt, zurück. 5. So weine nur, be⸗ trübtes Herze, und klage Gott dein ſchweres Leid; er iſt auch in dem größten Schmerze mit ſeiner Hilf und Troſt bereit; er iſts, der, was dich jetzt erfüllt, er iſts, der deinen Jammer ſtillt. 6. Drum halte ein mit deinen Thränen, verſinke nicht in ihrem Meer; es bringt kein Klagen und kein Sehnen dir, was duwünſcheſt, wieder her; doch wirſt du, glaub, es wird geſchehn, einſt, den du liebeſt, wiederſehn. 7. Da wird kein Tod die Herzen ſcheiden, kein Kummer um das Lager ſtehn; da werdet ihr in tau⸗ ſend Freuden auf Salems ſchönen Höhen gehn und, heller als der Sterne Schein, Mann 326 Die letzten Dinge. Mann, Weib und Kinder ewig ſein. 8. Indeſſen ſtille dein Gemüte, dein Jeſus ſorget ſelbſt für dich; er hört der frommen Witwen Bitte, ſein treues Herz erbarmet ſich; er iſt und bleibet allezeit auch dir mit Hilf und Troſt bereit. G. B. Scharff, † 1744. Mel. Wenn mein Stündlein ꝛc. 470 Ao Gott, ich muß in Traurigkeit mein Leben nun beſchließen, dieweil der Tod von meiner Seit ſo eilends hat geriſſen mein treues Herz, der Tugend Schein; des muß ich jetzt beraubet ſein. Wer kann mein Elend wenden? 2. Wenn ich an ihre Freundlichkeit gedenk in meinem Herzen, die ſie mir hat zu jeder Zeit, in Freud und auch in Schmerzen, er⸗ wieſen ganz beſtändiglich, mein Kreuz und Weinen mehret ſich, vor Angſt möcht ich vergehen. 3. Bei wem ſoll ich auf dieſer Welt rechtſchaffne Liebe finden? Der meiſte Teil nicht Glauben hält, die Treu will gar verſchwinden. Ich glaub und red es ohne Scheu: die beſt iſt doch getraute Treu; der muß ich jetzt ent⸗ raten. 4. Fürwahr, mir geht ein ſcharfes Schwert jetz⸗ und durch meine Seele, die abzuſcheiden oft begehrt aus ihres Leibes Höhle. Wo du nicht, o Herr Jeſu Chriſt, in ſolchem Kreuz mein Tröſter biſt, muß ich vor Leid ver⸗ zagen. 5. O treugeliebtes ſelig Herz, zu dir will ich mich wenden in dieſem meinem großen Schmerz, ob ſich mein Angſt wollt wenden; ich will betrachten deinen Stand, wie Gott dir alles Kreuz gewandt in höchſte Freud und Wonne. 6. Kein Angſt, kein Trüb⸗ ſal, Weh und Not kann dich jetzund verletzen; im Him⸗ mel will der fromme Gett mit Liebe dich ergötzen. Die Seele ſchaut mit Luſt und Freud den Herrn in ſeiner Herrlichkeit mit allen Aus⸗ erwählten. 7. Du kommſt nicht wieder her zu mir in dies betrübte Leben, ich aber komm hinauf zu dir; da werd ich mit dir ſchweben in höchſter Freude, Wonn und Luſt, die deine Seele täglich koſt, drauf ich mich herzlich freue. 8. O wie mit großer Freudigkeit wolln wir ein⸗ ander kennen; da wird uns dann zu keiner Zeit der bittre Tod mehr trennen. Ach, welche Freude wird dann ſein, wenn ich ie Beim Tode von Ehegatten. die ich jetzt bewein, mit Freuden werd umfangen. 9. Dies will ich ſtets in meinem Leid mir zu Ge⸗ müte führen, erwarten in Geduld die Zeit, wie Chriſten will gebühren. Gott alles Troſtes ſteh bei mir und mich durch ſeinen Geiſt regier zu ſeines Namens Ehren. 3. Heermann, † 1647. Mel. Sich, hier binich, Ehrenkönigc. (Gott im Himmel und auf Erden.) 471 Geh zum Schlum⸗ mer ohne Kum⸗ mer, teures, gottvertrautes Herz! Nun iſts ſtille, deine Hälle ſchläft hier aus den letzten Schmerz, und die Liebe, wenn auch trübe, ſchaut durch Thränen him⸗ melwärts. 2. Geh zur Ruhe, thu, o thue friedevoll die Augen zu! Vielgeliebte, Vielgeübte, deines Gatten Wonne du! All die Deinen, die hier weinen, gönnen doch dir deine Ruh! 3. Schlafe, ſchlafe! Seine Schafe kennt auch hier der treue Hirt. O hier ſchwindet, was da bindet, was die Seelen quält und irrt! Dies Verweſen ſchafft Ge⸗ neſen, das dich ewig freuen wird. 4. Jauchzend ſtehen, wiederſehen wird dich unſre 327 Liebe dann, deren Zähre Gott zur Ehre bitter, doch im Glauben rann. Dann beim Krönen wird ertönen, was die ewge Liebe kann. 5. Herr, umfaſſe uns und laſſe leuchten hell dein Angeſicht; ſtets behüte deine Güte dieſes Grab mit Freudenlicht! Laß dich loben hier und droben; denn die Liebe ſtirbet nicht! A. Knapp, † 1864. Beim Tode von Kindern. Mel. Ermuntre dich, mein ꝛc. 472 Du biſt zwar mein und bleibeſt mein; wer will mirs anders ſagen? Doch biſt du nicht nur mein allein; der Herr von ewgen Tagen, der hat das meiſte Recht an dir, der fordert und erhebt von mir— dich, o mein Kind, mein Wille, mein Herz und Wunſches Fülle. 2. Ach, gält es wünſchen, wollt ich dich, du Sternlein meiner Seelen, vor allem Weltgut ewiglich mir wün⸗ ſchen und erwählen; ich wollte ſagen:„Bleib bei mir; du ſollſt ſein meines Hauſes Zier; an dir will ich mein Lieben bis in mein Sterben üben.“ 3. So ſagt mein Herz und meint es gut; Gott aber meints noch beſſer; groß 328 Die letzten Dinge. groß iſt die Lieb in meinem Mut; in Gott iſt ſie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr,— Gott iſt der Väter Haupt und Ehr, ein Quell, daraus die Jungen und Alten ſind ent⸗ ſprungen. 4. Ich ſehne mich nach meinem Sohn, und der mir ihn gegeben, will, daß er nah an ſeinem Thron im Himmel ſolle leben. Ich ſprech: Ach weh, mein Licht verſchwindt! Gott ſpricht: Willkommen, liebes Kind, dich will ich bei mir haben und ewig reichlich laben. 5. O ſüßer Rat, o ſchönes Wort und heilger, als wir denken! Bei Gott iſt ja kein böſer Ort, kein Unglück und kein Kränken, kein Angſt, kein Mangel, kein Verſehn; bei Gott kann keinem Leid geſchehn; wen Gott verſorgt und liebet, wird nimmer⸗ mehr betrübet. 6. Ach, dürft ich doch von ferne ſtehn und nur ein wenig hören, wenn deine Sinne ſich erhöhn und Gottes Namen ehren, der heilig, heilig, heilig iſt, durch den du auch geheiligt biſt; ich weiß, ich würde müſſen vor Freuden Thränen gießen. 7. Nun denn, es ſei und bleib alſo! Ich will nicht um dich weinen; du lebſt und biſt von Herzen froh, ſiehſt lauter Sounen ſcheinen, die Sonnen ewger Freud und Ruh: da leb und bleib nur immer zu; wills Gott, will ich mit andern auch bald hinüber wandern. P. Gerhardt, † 1676. Mel. Vater unſer im Himmelreichzc. (Gott, Vater, an Erbarmen.) 2 o geh nun hin, 473 S dem Grabe zu, du liebes Kind ſo hold und fein! Geh hin und ſchlaf in ſtiller Ruh in deinem engen Kämmerlein! Schlaf, bis der Toten Schar erwacht, ſchlaf ſanft! Viel tauſend gute Nacht! 2. Wohl dir, du ſchloſſeſt früh den Lauf in dieſem armen Fremdlingsland; die Seele eilte himmelauf, zu ruhen in des Herren Hand. Schlaf, bis der Toten Schar erwacht, ſchlaf ſanft! Viel tauſend gute Nacht! 3. Dich hat noch nie die Welt betrübt mit ihrer fal⸗ ſchen Sündenluſt; nun haſt du, was dir Wonne giebt, du ruhſt an deines Jeſu Bruſt und ſchläfſt, bis alle Welt erwacht. Schlaf ſanft! Viel tauſend gute Nacht! 4. Dich hat des Vaters Herz verſorgt, du lebſt in ſeinem Himmelshaus; hier hat er deinen Leib geborgt der Erd, daß ſie ihn geb heraus, Beim Tode von Kindern. 329 heraus, wenn wieder alle Welt erwacht. Schlaf ſanft! Viel tauſend gute Nacht! 5. Ihr Engel, ſtehet um die Gruft, bewahret freund⸗ lich dies Gebein, bis der⸗ maleinſt die Stimme ruft: „Komm her, mein Kind, ach, komm herein!“— Nun ſchlaf, bis alle Welt erwacht. Schlaf ſanft! Viel tauſend gute Nacht! 6. Geh hin! Ich folge dieſer Bahn, die Seligkeit mit dir zu ſehn; da werd ich, neu dir zugethan, er⸗ freut vor meinem Heiland ſtehn. Wohl mir, wenn ich, dir gleich gemacht, der Welt darf geben gute Nacht! S. Bornmeiſter, † 1688. Mel. Herzlich thut mich verlangen ꝛc. (Befiehl du deine Wege.) 474 So hab ich obge⸗ ſiegst, mein Lauf iſt nun vollbracht; ich bin gar wohl vergnüget und ſag euch gute Nacht! Ihr aber, meine Lieben, klagt nicht ſo ängſtiglich. Was wollt ihr euch betrüben? Stehts doch ſehr gut um mich. 2. Fahrt hin, o Angſt und Schmerzen, fahrt im⸗ mer, immer hin! Ich freue mich von Herzen, daß ich erlöſet bin. Ich leb in tau⸗ ſend Freuden in meines Schöpfers Hand; mich trifft und rührt kein Leiden, ſo dieſer Welt bekannt. 3. Die noch auf Erden wallen in irrtumsvoller Zeit, vermögen kaum zu lallen von froher Ewigkeit. Viel beſſer wohl geſtorben, als in der Welt gelebt; die Schwachheit iſt verdorben, worinnen ich geſchwebt. 4. Zum Schmucke bringt mir Kränze, damit mein Sarg noch prangt; aus jenem Himmelslenze hat meine Seel erlangt die ewig grüne Krone; die werte Siegespracht rührt her von Gottes Sohne, der hat mich ſo bedacht. 5. Noch netzet ihr die Vangen, ihr Eltern, über mir; euch hat das Leid um⸗ fangen, das Herze bricht euch ſchier. Des Vaters treue Liebe ſieht ſehnlich in mein Grab, die Mutter ſtehet und kehrt die Augen ab. 6. Ich war euch nur ge⸗ liehen auf eine kurze Zeit; Gott will mich zu ſich zichen/ drum werfet hin das Leid und ſprecht: Gott hats ge⸗ geben, Gott hats zu nehmen Macht; er nimmts zum ewgen Leben, er hat es wohl gemacht. G. W. Sacer, † 1699. 330 Mel. Es iſt genug, ſo nimm, Herric. (Es iſt genug, Goit iſt getreu.) 475 hin, mein Kind! Gott ſelber fordert dich aus dieſer argen Welt. Ich leide zwar, dein Tod betrübet mich; doch weil es Gott gefällt, ſo unterlaß ich alles Klagen und will mit ſtillem Geiſte ſagen: Zeuch hin, mein Kind!:: 2. Zeuch hin, mein Kind! Der Schöpfer hat dich mir nur in der Welt geliehn; die Zeit iſt aus, darum be⸗ fiehtt er dir, nun wieder fortzuziehn. Zeuch hin, Gott hat es ſo verſehen, was dieſer will, das muß ge⸗ ſchehen; zeuch hin, mein Kind!:, 3. Zeuch hin, mein Kind! Im Himmel findeſt du, was dir die Welt verſagt; denn nur bei Gott iſt wahrer Troſt und Ruh, kein Schmers, der Seelen plagt. Hier müſſen wir in Angſten ſchweben, dort kannſt du ewig fröhlich leben; zeuch hin, mein Kind!:,: 4. Zeuch hin, mein Kind! Wir folgen alle nach, ſobald es Gott gefällt; du eileſt fort, eh dir das Ungemach verbittert dieſe Welt. Wer lange lebt, ſteht lang im Leide, wer frühe ſtirbt,kommt bald zur Freude; zeuch hin, mein Kind!:,: Die letzten Dinge. 5. Zeuch hin, mein Kind! Die Engel warten ſchon auf deinen frommen Geiſt; nun ſieheſt du, wie Gottes lieber Sohn dir ſelbſt die Krone weiſt. Nun wohl, die Seele iſt entbunden, du haſt durch Jeſum überwunden; zeuch hin, mein Kind! ,: G. Hoffmann, † 1712. Mel. O Welt, ich muß dich laſſen ꝛc. (In allen meinen Thaten.) 476 Wen kleine Him⸗ melserben in ihrer Unſchuld ſterben, ſo büßt man ſie nicht ein; ſie werden nur dort oben vom Vater aufgehoben, damit ſie unverloren ſein. 2. Sie ſind ja in der Taufe zu ihrem Chriſten⸗ laufe für Jeſum eingeweiht; ſie ſind bei Gott in Gnaden; was ſoll es ihnen ſchaden, wenn er nun über ſie gebeut? 3. O wohl auch dieſem Kinde; es ſtirbt nicht zu ge⸗ ſchwinde. Zeuchhin, du liebes Kind! Du geheſt ja nur ſchlafen und bleibeſt bei den Schafen, die ewig unſers Jeſu ſind. A. Rothe, † 1758. Gericht und Ewigkeit. 477 An dem Zorntag, an dem hohen, ſtürzt die Welt, in Feuer⸗ lohen, wie Prophetenſchwüre drohen. Gericht und Ewigkeit. 2. Welch ein Graun wird ſein zur Stunde, wenn der Richter kommt und Kunde ſn von allem bis zum Grunde! 3. Die Poſaun im Wun⸗ dertone dröhnt durch Grüfte r Zone, ſent alle vor em Throne. 4. Erd und Tod wird ſchaun mit Beben alle Krea⸗ tur ſich heben, Antwort vor Gericht zu geben. 5. Und ein Buch wird aufgeſchlagen, drin ſteht alles eingetragen, des die Welt iſt anzuklagen. 6. Wenn der Richter alſo ſitzet, wird, was dunkel war, durchblitzet, vor der Rache beſchützet. 7. Ach, wie werd ich Ar⸗ mer ſtehen? wen zum An⸗ walt mir erflehen, wenn Gerechte ſchier vergehen? 8. König voll erhabner Schrecken! Gnade nur deckt unſre Flecken, Gnade, Gnade laß mich decken! 9. Jeſu, milder Heiland, ſiehe, wie ich Ziel war deiner Mühe, daß ich jenem Zorn entfliehe! 10. Haſt dich matt um mich geſchritten, haſt am Kreuze mich erſtritten; das ſei nicht umſonſt gelitten. 11. Richter mit der heil⸗ gen Wage, tilge wider mich die Klage vor dem großen Rachetage. 331 12. Sieh, ich ſeufze ſchuld⸗ beladen, ſchamrot über ſchweren Schaden! Hör mein Flehen, Gott, in Gnaden! 38 der ſchuldfrei ſprach Marien und dem Schächer noch verziehen, haſt auch Hoffnungmir verliehen. 1. Mein Gebet gilt nicht ſo teuer, aber laß mich, o du Treuer, nicht vergehn im ewgen Feuer! 15. Zu den Schafen mich geleite, von den Böcken in die Weite ſtelle mich zur rechten Seite. 16. Wenn Verworfne ſich entfärben, die du hinſprichſt ins Verderben, rufe mich mit deinen Erben. 17. Tief im Staub ring ich die Hände; zum zerknirſch⸗ ten Geiſt dich wende; Herr, verwalte du mein Ende! Nach dem Lateiniſchen(dies irae) des Thomas von Celano(† um 1255) von A. Knapp, † 1864. 478 Leben ſind mit dem Tod umfangen. Wer iſt, der uns Hilfe thu, daß wir Gnad erlangen? Das biſt du, Herr, alleine. Uns reuet unſre Miſſethat, die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott, heiliger ſtarker Gott, heiliger, barm⸗ herziger Heiiand, du ewiger Gott, laß uns nicht verſinken in des bittern Todes Not! Erbarm dich unſer! Du, itten wir im 332 2. Mitten in dem Tod anficht uns der Höllen Ra⸗ chen. Wer will uns aus ſolcher Not frei und ledig machen? Das thuſt du, Herr, alleine. Es jammert dein Barmherzigkeit unſre Sünd und großes Leid. Hei⸗ liger Herre Gott, heiliger, ſtarker Gott, heiliger, barm⸗ herziger Heiland, du ewiger Gott, laß uns nicht verzagen vor der tiefen Höllen Glut! Erbarm dich unſer! 3. Mitten in der Höllen Angſt unſre Sünd uns trei⸗ ben. Wo ſolln wir denn fliehen hin, da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Chriſt, alleine! Vergoſſen iſt dein teures Blut, das gnug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott, heiliger, ſtarker Gott, heiliger, barmherziger Heiland, du ewiger Gott, laß uns nicht entfallen von des rechten Glaubens Troſt! Erbarm dich unſer! Luther, † 1546. (Herr, wir ſingen deiner Ehre.) 479 Waott auf! ruft uns die Stimme der Wächter ſehr hoch auf der Zinne, wach auf, du Stadt Jeruſalem! Mitternacht„heißt dieſe Stunde; ſie rufen uns mit hellem Munde:„Wo ſeid ihr klugen Jungfrauen? Wohl⸗ auf, der Bräutgam kömmt! Die letzten Dinge. Steht auf, die Lampen nehmtl Hallelujah! Macht euch be⸗ reit zu der Hochzeit; ihr müſſet ihm entgegen gehn.“ 2. Zion hört die Wächter ſingen, das Herz will ihr. vor Freude ſpringen, ſie wachet und ſteht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gna⸗ den ſtark, von Wahrheit mächtig, ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werte Kron, Herr Jeſu, Gottes Sohn! Hoſianna! Wir folgen all zum Freudenſaal und halten mit das Abendmahl. 3. Ehr und Preis ſei dir geſungen mit Menſchen⸗ und mit Engelzungen, mit Harfen und mit Cymbeln ſchön. Von zwölf Perlen ſind die Thore an deiner Stadt; wir ſtehn im Chore der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug hat je geſehn, kein Ohr hat je gehört ſolche Freude; drumjauchzenwir und ſingen dir das Hallelujah für und für. Ph. Nicolai, † 1608. 480 Ceruſalem, du hochgebaute Stadt, wollt Gott, ich wär in dir! Mein ſehnlich Herz ſo groß Verlangen hat und iſt nicht mehr bei mir, Weit über Berg und Hügel, weit über Thal und Feld ſ N Gericht und Ewigkeit. 335 es die Glaubensflügel und eilt aus dieſer Welt. 2. O ſchöner Tag und noch viel ſchönre Stund, wann biſt du endlich hier, da ich mit Luſt und freiem Freudenmund die Seele geb von mir in Gottes treue Hände, zum auserwählten Pfand, daß ſie mit Heil an⸗ lände in jenem Vaterland? 3. O Ehrenburg, ſei nun gegrüßet mir, thu auf der Gnaden Pfort! Wie große Zeit hat mich verlangt nach dir, eh ich bin kommen fort aus jenem böſen Leben, aus jener Nichtigkeit, und mir hat Gott gegeben das Erb der Ewigkeit! 4. Was für ein Volk, was für ein edle Schar kommt dort gezogen ſchon? Was in der Welt von Aus⸗ erwählten war, ſeh ich, die beſte Kron, die Jeſus mir, der Herre, entgegen hat geſandt, da ich noch war von ferne in meinem Thränenland. 5. Propheten groß und Patriarchen hoch, auch Chri— ſten insgemein, die weiland trugen dort des Kreuzes Joch und der Tyrannen Pein, ſchau ich in Ehren ſchweben, in Freihit ubelull mit Klar⸗ heit hell umgeben⸗ mit ſon⸗ nenlichtem Strahl. 6. Wenn dann zuletzt ich angelanget bin im ſchönen Paradeis, von höchſter Freud 05 erfüllet wird der Sinn, der Mund von Lob und Preis; das Hallelujah reine man ſingt in Heiligkeit, das Ho⸗ ſianna feine ohn End in Ewigkeit: 75 Mit Jubelklang, mit Inſtrumenten ſchön, in Chö⸗ ren ohne Zahl, daß von dem Schall und lieblichen Getön ſich regt der Freudenſaal, mit hunderttauſend Zungen, mit Stimmen noch viel mehr, als von Anfang geſungen das ſelge Himmelsheer. J. M. Meyfart, † 1642. 481 Schöner Fimmels⸗ ſaal, Vaterland der F Frommen, die aus gro⸗ ßer Qual dieſes Lebens kom⸗ men, und von keiner Luſt in der Welt gewußt! 2. Sei mir hoch gegrüßt; dich ſuch ich vor allen, weil ich öd und wüſt in der Welt muß wallen und von Kreuz und Pein nie befreit kann ſein. Deinetwegen bloß trag ich dies mein Leiden, dieſen Herzensſtoß willig und mit Freuden; du verſüßeſt mir alles Bittre hier. 4. Trüg mein armes Herz nicht nach dir Verlangen, o, in meinem Schmerz wär ich längſt vergangen; du biſt, einzig du, nichts ſonſt meine Ruh. 334 5. Gott, du kennſt vor⸗ hin alles, was mich kränket, und woran mein Sinn Tag und Nacht gedenket; niemand weiß um mich, als nur du und ich. 6. O wie werd ich mich dort an dir erquicken! Du wirſt mich, und ich werde dich erblicken, ewig herrlich, reich und den Engeln gleich. 7. Schöner Himmelsſaal, Vaterland der Frommen, Ende meiner Qual, heiß mich zu dir kommen! Denn ich wünſch allein bald bei dir zu ſein. S. Dach, 1 1659. wie ſelig ſeid 482 ihr doch, ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr ſeid entgangen aller Not, die uns noch hält gefangen. 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, da nur Sorge, Furcht und Schrecken ſchweben; was wir hier ken⸗ nen, iſt nur Müh und Herze⸗ leid zu nennen. 3. Ihr dagegen ruht in eurer Kammer, ſicher und befreit von allem Jammer; kein Kreuz und Leiden iſt euch hinderlich in euren Freuden. 4. Chriſtus wiſchet ab euch alle Thränen; ihr habt das ſchon, wonach wir uns ſehnen; euch wird geſungen, was in keines Ohr allhier gedrungen. Die letzten Dinge. 5. Ach, wer wollte denn nicht gerne ſterben und den Himmel für die Welt er⸗ werben? Wer wollt hier hleiben, ſich vom Jammer länger laſſen treiben? 6. Komm, o Herr, uns aus dem Joch zu ſpannen, lös uns auf und führ uns bald von dannen! Bei dir, o Sonne, iſt der frommen Seelen Freud und Wonne. S. Dach, † 1659. 483 Ceſus, meine Zu⸗ X verſicht und mein Heiland, iſt im Leben. Dieſes weiß ich, ſollt ich nicht darum mich zufrieden geben, was die lange Todes⸗ nacht mir auch für Gedanken macht? 2. Jeſus, er mein Hei⸗ land, lebt, ich werd auch das Leben ſchauen, ſein, wo mein Erlöſer ſchwebt, warum ſollte mir denn grauen? Läſſet auch ein Haupt ſein Glied, welches es nicht nach ſich zieht? 3. Ich bin durch der Hoff⸗ nung Band zu genau mit ihm verbunden; meine ſtarke Glaubenshand wird in ihn gelegt befunden, daß mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin Fleiſch und muß daher auch einmal zu Aſche werden. Dieſes weiß ich; doch wird er mich er⸗ wecken Gericht und Ewigkeit. wecken aus der Erden, daß ich in der Herrlichkeit um ihn ſein mög allezeit. 5. Dann wird meiner Au⸗ gen Licht dieſen meinen Hei⸗ land kennen, und ich ſelbſt, ich zweifle nicht, werd in ſeiner Liebe brennen; nur die Schwachheit um und an wird von mir ſein abgethan. 6. Seid getroſt und hoch⸗ erfreut, Jeſus trägt euch, ſeine Glieder; gebt nicht ſtatt der Traurigkeit! Sterbt ihr, Chriſtus ruft euch wie⸗ der, wenn einſt die Poſaun erklingt, die auch durch die Gräber dringt. 7. Nur, daß ihr den Geiſt erhebt von den Lüſten dieſer Erden, und euch dem ſchon jetzt ergebt, dem ihr dort vereint ſollt werden. Schickt das Herze da hinein, wo ihr ewig wünſcht zu ſein. Luiſe Henriette, Churfürſtin von Brandenburg, † 1667. (Der unſre Menſchheit an ſich nahm.) 484 O Ewigkeit, du Donnerwort, o Schwert, das durch die Seele bohrt, o Anfang ſonder Eude! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, ich weiß vor großer Traurigkeit nicht, wo ich mich hinwende; mein ganz erſchrocknes Herz erbebt, wenn mir dies Wort im Sinne ſchwebt. 335 2. Kein Unglück iſt in aller Welt, das endlich mit der Zeit nicht fällt, nicht endlich muß vergehen; nur die unſelge Ewigkeit iſt ohne Maße, Ziel und Zeit, bleibt unverändert ſtehen; ja, wie mein Heiland ſelber ſpricht: ihr Wurm und Feuer ſtirbet nicht. 3. O Ewigkeit, du machſt mir bang! O ewig, ewig iſt zu lang! Hier gilt fürwahr kein Scherzen. Drum wenn ich dieſe lange Nacht zuſamt der großen Pein betracht, erſchreck ich recht von Herzen. Nichts iſt zu finden weit und breit ſo ſchrecklich, als die Ewigkeit. 4. Ach, Gott, wie biſt du ſo gerecht, wie ſtrafeſt du den böſen Knecht ſo hart mit ewgen Schmerzen! Auf kurze Sünden dieſer Welt haſt du ſo lange Pein be⸗ ſtellt. Ach, nimm es wohl zu Herzen, bedenk es oft, o Menſchenkind: kurz iſt die Zeit, der Tod geſchwind! 5. Wach auf, o Menſch, vom Sündenſchlaf, ermuntre dich, verlornes Schaf, und beſſre bald dein Leben! Wach auf, es iſt ſehr hohe Zeit, es kommt heran die Ewig⸗ keit, dir deinen Lohn zu geben. Vielleicht iſt heut der letzte Tag; wer weiß doch, wie er ſterben mag! 336 Die letzten Dinge. 6. D Ewigkeit, du Donner⸗ wort, o Schwert, das durch die Seele bohrt, o Anfang ſonder Ende! D Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, ich weiß vor großer Traurigkeit nicht, wo ich mich hinwende. Nimm du mich, wenn es dir ge⸗ fällt, Herr Jeſu, in dein Freudenzelt! Zoh. Riſt, † 1667. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort ꝛc. (Der unfre Menſchheit an ſich nahm.) 485 O Ewigkeit, du Frendenwort, das mich erquicket fort und fort, o Anfang ſonder Ende! DO Cwigkeit, Freud ohne Leid, ich weiß vor Herzens⸗ ſröhlichkeit nichts mehr vom Weltelende, das uns in die⸗ ſem Leben quält, weil ich die Ewigkeit erwählt. 2. Kein Herrlichkeit iſt in der Welt, die endlich mit der Zeit nicht fällt und gänzlich muß vergehen; allein die ſelge Ewigkeit bleibt ohne Jahre, Ziel und Zeit, bleibt unver⸗ ändert ſtehen; ja, wie das Wort des Herren ſpricht: ſie welket und vergehet nicht. 3. O Ewigkeit, du währeſt lang! Wenn mir auf Erden gleich iſt bang, weiß ich, daß dies aufhöret; drum, wenn ich dieſe lange Zeit erwäge ſamt der Seligkeit, die ewig nichts zerſtöret, ſo acht ich alles Leiden kaum als einen ängſtlich böſen Traum. 4. Im Himmel lebt der Chriſten Schar bei Gott viel tauſend, tauſend Jahr und werden des nicht müde; ſie haben mehr als Sonnenlicht, ſie ſehen Gottes Angeſicht, ſie haben goldnen Frieden, wo Chriſtus giebt, wie er verheißt, das Manna, ſo die Engel ſpeiſt. 5. Ach, wie verlanget doch nach dir mein mattes Herze mit Begier, du über⸗ ſelig Leben! Ach, bringe mich, mein Gott, dahin, wo⸗ nach jetzt Seele, Mut und Sinn mit allen Kräften ſtreben. Der ſchnöden Welt vergeß ich ganz und ſehn mich nach des Himmels Glanz. 6. O Cwigkeit, du Freu⸗ denwort, das mich erquicket fort und fort, o Anfang ſonder Ende! O Ewigkeit, Freud ohne Leid, ich weiß von keiner Traurigkeit, wenn ich mich zu dir wende. Herr Jeſu, gieb mir ſolchen Sinn, bis ich dort ewig bei dir bin. Nach C. Heuniſch, 7 1690. Mel. Jeſu, meines Lebens Leben c. (Alle Menſchen müſſen ſterben.) 48 6 lle Menſchen müſ⸗ ſen ſterben, alles Fleiſch vergeht wie Heu; was da lebet, muß verderben, ſoll es anders werden neu. Die⸗ ſer Leib, der muß verweſen, wenn er anders ſoll geneſen zu —— ——== 8—— —————— e— u der großen Herrlichkeit, ie den Frommen iſt bereit. 2. Drum ſo will ich die⸗ ſes Leben, weil es meinem Gott beliebt, auch ganzwillig von mir geben, bin darüber nicht betrübt; denn in mei⸗ nes Jeſu Wunden hab ich ſchon Erlöſung funden, und mein Troſt in Todesnot iſt des Herren Jeſu Tod. 3. Chriſtus iſt für mich geſtorben, und ſein Tod iſt mein Gewinn; er hat mir das Heil erworben; drum fahr ich mit Freuden hin, hin aus dieſem Weltgetüm⸗ mel in den ſchönen Gottes⸗ himmel, da ich werde allezeit ſchauen Gottes Herrlichkeit. 4. Da wird ſein das Freu⸗ denleben, da viel tauſend Seelen ſchon ſind mit Him— melsglanz umgeben, dienen Gott vor ſeinem Thron, da die Seraphinen prangen und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott, der Vater, Sohn und Geiſt! 5. Da die Patriarchen wohnen, die Propheten all⸗ zumal; wo auf ihren Ehren⸗ thronen ſitzet der Apoſtel Zahl; wo in ſo viel tauſend Jahren alle Frommen hin⸗ gefahren, wo dem Herrn, der uns verſöhnt, ewig Halle⸗ lujah tönt. 6. O Jeruſalem, du ſchöne ach, wie helle glänzeſt du! Gericht und Cwigkeit. 337 Ach, wie lieblich Lobgetöne hört man da in ſanfter Ruh! O der großen Freud und Wonne! Jetzo gehet auf die Sonne, jetzo gehet an der Tag, der kein Ende nehmen mag. 7. Ach, ich habe ſchon er⸗ blicket alle dieſe Herrlichkeit; jetzo werd ich ſchön ge⸗ ſchmücket mit dem weißen Himmelskleid, mit der güld⸗ nen Ehrenkrone, ehe da vor Gottes Throne, ſchaue ſolche Freude an, die kein Ende nehmen kann. J. G. Albinus, † 1679. Mel. Ich hab mein Sach Gott heimgeſtellt ꝛc. (Dein ſind wir, Gott, in Ewigkeit.) 487 Wi fleucht dahin der Menſchen Zeit, wie eilet man zur Ewig⸗ keit! Wie wenig denken an die Stund von Herzensgrund, wie ſchweigt davon der träge Mund! 2. Das Leben iſt gleich wie ein Traum, ein nichtger leerer Waſſerſchaum, ein Au⸗ genblick, der ſchnell vergeht und nicht beſteht, wie ihr dies täglich vor euch ſeht. 3. Nur du, Jehovah, blei⸗ beſt mir das, was du biſt; ich traue dir. Laß Berg und Hügel fallen hin, mir iſts Gewinn, wenn ich allein bei 338 Die letzten Dinge. 4. So lang ich in der Hütte wohn, ſo lehre mich, o Gottes Sohn! Gieb, daß ich zähle meine Tag und munter wach, daß, eh ich ſterb, ich ſterben mag. 5. Was hilft die Welt in letzter Not? Luſt, Ehr und Reichtum in dem Tod? O Menſch, du läufſt dem Schatten zu! Das merke du; du kommſt ſonſt nicht zu wahrer Ruh. 6. Weg, Eitelkeit, der Thoren Luſt! Mir iſt das höchſte Gut bewußt; das ſuch ich nur, das bleibet mir, ſo dort, wie hier; Herr ſeh⸗ zeuch mein Herz nach ir! 7. Was wird das ſein, wenn ich dich ſeh und bald vor deinem Throne ſteh? Du unterdeſſen lehre mich, daß ſtetig ich mit klugem Herzen ſuche dich. J. Neander, † 1680. Mel. Herzlich thut mich verlangen zc. (Gefiehl du deine Wege) 488 edenke, Menſch, das Ende, be⸗ denke deinen Tod! Der Tod kommtoft behende; der heute friſch und rot, kann mor⸗ gen und geſchwinder hinweg⸗ geſtorben ſein; drum bilde dir, o Sünder, ein täglich Sterben ein. 2. Bedenke, Menſch, das Ende, bedenke das Gericht! Es müſſen alle Stände vor Jeſu Angeſicht; kein Menſch iſt ausgenommen, dort muß ein jeder nahn und wird den Lohn bekommen, nachdem er hier gethan. 3. Bedenke, Menſch, das Ende, der Hölle Angſt und Leid, daß dich die Welt nicht blende mit ihrer Eitelkeit. Hier iſt ein kurzes Freuen, dort aber ewiglich ein kläg⸗ lich, ſchmerzlich Schreien; ach, Sünder, hüte dich! 4. Bedenke, Menſch, das Ende, bedenke doch die Zeit, daß dich ja nichts abwende von jener Herrlichkeit, wo⸗ mit vor Gottes Throne die Seele wird gepflegt; dort iſt die Lebenskrone den Frommen beigelegt. 5. Herr, lehre mich be⸗ denken der Zeiten letzte Zeit, daß, ſich nach dir zu lenken, mein Herze ſei bereit. Laß mich den Tod betrachten und deinen Richterthron, laß mich auch nicht verachten der Hölle Sündenlohn! 6. Hilf, Gott, daß ich in Zeiten auf meinen letzten Tag mit Buße mich bereiten und täglich ſterben mag. Im Tod und vor Gerichte ſteh mir, o Jeſu, bei, daß ich im Himmelslichte zu wohnen würdig ſei. Sam. Liscov(4), † 1689. ———————— ———e ——— Mel. Erquicke mich, du Heil der ꝛc. 489 Cch ruhe nun in Gottes Armen, mein Leib ſchläft ſanft und ſelig ein; die Liebe läſſet mich erwarmen bei ewig gnadenreichem Schein. Dort ich wenig Ruheſtunden, hier hab ich ſie in Gott ge⸗ funden. 2. Hier hab ich alles zu genießen, worauf mein Glaube ſich gefreut; der Lebensquell läßt auf mich fließen die Ströme ſeiner Seligkeit. Mein Freuden⸗ meer iſt Gottes Fülle; bei dem iſt meine Seele ſtille. 3. Mein matter Leib ſchläft in der Erden, er ſchläft, bis ihn mein Freund erweckt. Die Aſche wird zur Sonne werden, ob ſie gleich finſtre Nacht jetzt deckt; er wird mit Freuden aufer⸗ ſtehen, mit mir vereint zur Hochzeit gehen. 4. Da wird das Lamm mich ewig weiden auf Auen ſelger Sicherheit; da iſt das Himmelsbrot der Freuden in Ewigkeit für mich bereit; das hab ich ſchon von Gott empfangen mit denen, die vorangegangen. 5. Ihr, die ihr jetzo Thrä⸗ nen ſpeiſet, denkt an des Himmels Freudenmahl; ob ihr noch durch die Wüſte reiſet, Gott bringt euch in den Ehrenſaal: da werdet Gericht und Ewigkeit. 339 ihr mit Freuden ſehen, wie wohl mir durch den Tod geſchehen. Vor 1694. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. 490 Ermuntert euch, ihr Frommen! Zeigt eurer Lampen Schein; der Abend iſt gekommen, die finſtre Nacht bricht ein; es hat ſich aufgemachet der Bräutigam mit Pracht. Auf, betet, kämpft und wachet! Bald iſt es Mitter⸗ nacht. 2. Macht eure Lampen fertig und füllet ſie mit Ol und ſeid des Herrn gewär⸗ tig; bereitet Leib und Seel. Die Wächter Zions ſchreien: der Bräutigam iſt nah. Be⸗ gegnet ihm in Reihen und ſingt Hallelujah! 3. Ihr klugen Jungfraun alle, hebt nun das Haupt empor mit Jauchzen und mit Schalle zum frohen Engelchor! Die Thür iſt aufgeſchloſſen, die Hochzeit iſt bereit; auf, auf, ihr Reichsgenoſſen! Der Bräut⸗ gam iſt nicht weit. 4. Er wird nicht lang verziehen; drum ſchlafet nicht ein! Man ſieht die Bäume blühen, der ſchönſte Frühlingsſchein verheißt Er⸗ quickungszeiten; die Abend⸗ röte zeigt den ſchönen Tag von weitem, davor das Dunkel weicht. 340 5. Begegnet ihm auf Er⸗ den, ihr, die ihr Zion liebt, mit freudigen Geberden und ſeid nicht mehr betrübt! Es ſind die Freudenſtunden ge⸗ kommen, und der Braut wird, weil ſie überwunden, die Krone nun vertraut. 6. Die ihr Geduld ge⸗ tragen und mit geſtorben ſeid, ſollt nun nach Kreuz und Klagen in Freuden ſon⸗ der Leid mit leben und re⸗ gieren und vor des Lammes Thron mit Jauchzen trium⸗ phieren in eurer Siegeskron. 7. Hier ſind die Sieges⸗ palmen, hier iſt das weiße Kleid; hier ſtehn die Weizen⸗ halmen in Frieden nach dem Streit und nach den Winter⸗ tagen; hier grünen die Ge⸗ bein, die dort der Tod er⸗ ſchlagen; hier quillt der Freudenwein. 8. Hier iſt die Stadt der Freuden, Jeruſalem, der Ort, wo die Erlöſten weiden; hier iſt die ſichre Pfort, hier ſind die güldnen Gaſſen; hier iſt der Freudenſaal, da wir uns niederlaſſen zum ewgen Hochzeitsmahl. 9. O Jeſu, meine Wonne, komm bald und mach dich auf! Gehauf, erſehnte Sonne, und fördre deinen Lauf! O Jeſu, mach ein Ende und führ uns aus dem Streit; wir heben Haupt und Hände nach der Erlöſungszeit. L. Laurenti, † 1722. Die letzten Dinge. Mel. Gott des Himmels ꝛc. 491 Wa ſind die vor Gottes Throne, was iſt das für eine Schar? Jeder träget eine Krone, glänzet gleich den Sternen klar; Hallelujah ſingen all, loben Gott mit hohemSchall. 2.. Wer ſind die, ſo Pal⸗ men tragen, wie ein Sieger in der Hand, wenn er ſeinen Feind erſchlagen, hingeſtrecket in den Sand? Welcher Streit und welcher Krieg hat erzeuget dieſen Sieg? 3. Wer ſind die in reiner Seide göttlicher Gerechtig⸗ keit, angethan mit weißem Kleide, das beſtäubet keine Zeit und veraltet nimmer⸗ mehr? Wo ſind dieſe kom⸗ men her? 4. Es ſind die, ſo wohl gekämpfet für des großen Gottes Ehr, haben Fleiſch und Blut gedämpfet, folgend nicht dem Sünderheer; die erlanget auf den Krieg durch des Herren Arm den Sieg. 5. Es ſind die, ſo durch⸗ gedrungen durch viel Trüb⸗ ſal, Angſt und Not, im Gebet auch oft gerungen mit dem hochgelobten Gott; nun hat dieſer Kampf ein End, Gott hat all ihr Leid gewendt. 6. Es ſind die, ſo ſtets erſchienen hier als Prieſter vor dem Herrn, Tag und Nacht bereit zu dienen, un ———— — und Seel geopfert gern; nunmehr ſtehn ſie all herum vor dem Stuhl im Heilig⸗ tum. 7. Dahin ſtreck auch ich die Hände, o Herr Jeſu, zu dir aus; mein Gebet zu dir ich wende, der ich noch in deinem Haus hier auf Erden ſteh im Streit: treibe, Herr, die Feinde weit! 8. Hilfmir in dem Kampfe ſiegen wider Sünde, Höll und Welt; laß mich nicht darnieder liegen, wenn ein Sturm mich überfällt; führe mich aus aller Not, Herr, mein Fels, mein treuer Gott! 9. Daß mein Teil ſei bei den Frommen, welche, Herr dir ähnlich ſind, und aus großer Trübſal kommen; hilf, daß ich auch überwind alle Vitbſal Not und Tod, bis ich komm zu meinem Gott. 10. O wie groß wird ſein die Wonne, wenn ich mit der heilgen Schar in dem Strahl der reinen Sonne leuchte wie die Sterne klar! Amen, Lob ſei dir bereit, Dank und Preis in Ewigkeit! Th. Schenck, † 1727. Mel. Jeſu, meines Lebens Leben ꝛc. (Alle Menſchen müſſen ſterben.) 492 O wie fröhlich, o wie ſelig wir im Himmel ſein! Dro⸗ ben ernten wir unzählig Gericht und Ewigkeit. 341 unſre Freudengarben ein. Gehen wir hier hin und wei⸗ nen, dorten wird die Sonne ſcheinen; dort iſt Tag und keine Nacht, dort, wo man nach Thränen lacht. 2. Ach, wer wollte ſich nicht ſehnen, dort in Zion bald zu ſtehn und aus die⸗ ſem Thal der Thränen an den Freudenort zu gehn, wo ſich unſer Kreuz in Palmen, unſer Klagelied in Pſalmen, unſre Laſt in Luſt verkehrt und das Jauchzen ewig währt! 3. O wie werden wir ſo ſchöne bei der Klarheit Got⸗ tes ſein! Wie wird uns das Lobgetöne ſeiner Engelſchar erfreun! Wie wird unſre Krone glänzen bei ſo vielen Siegeskränzen! Wie wird unſer Kleid ſo⸗ rein, heller als die Sonne ſein! 4. Ach, wann werd ich dahin kommen, daß ich Got⸗ tes Antlitz ſchau? Werd ich nicht bald aufgenommen in den ſchönen Himmelsbau, deſſen Grund den Perlen glei⸗ chet, deſſen Glanz die Sonne weichet, deſſen wundervolle Pracht alles Gold beſchämet macht? 5. Nun, ſo ſtille mein Ver⸗ langen, o du großer Lebens⸗ fürſt! Laß mich bald dahin gelangen, wo du mich recht tröſten wirſt. Unterdeſſen laß auf Erden ſchon mein Herz 342 Die letzten Dinge. Herz recht himmliſch werden, bis mein Los auf jener Welt auf das Allerhöchſte fällt. B. Schmolck, † 1737. Mel. Wer nur den lieben Gottzc.⸗Nr. 1. 493 Nach einer Prüfung kurzer Tage er⸗ wartet uns die Ewigkeit! Dort, dort verwandelt ſich die Klage in göttliche Zu⸗ friedenheit. Hier übt die Tugend ihren Fleiß, und jene Welt reicht ihr den Preis. 2. Wahr iſts, der Fromme ſchmeckt auf Erden ſchon manchen ſelgen Augenblick; doch alle Freuden, die ihm werden, ſind ihm ein unvoll⸗ kommnes Glück. Er bleibt ein Menſch, und ſeine Ruh nimmt in der Seele ab und zu. 3. Bald ſtören ihn des Körpers Schmerzen, ba das Geräuſche dieſer Welt, bald kämpft in ſeinem eignen Herzen ein Feind, der öfter ſiegt, als fälkt; bald ſinkt er durch des Nächſten Schuld in Kummer und in Ungeduld. 4. Hier, wo die Tugend oftmals leidet, das Laſter oftmals glücklich iſt,wo man den Glücklichen beneidet und des Bekümmerten vergißt, hier kann der Menſch nie frei von Pein, nie frei von eig⸗ ner Schwachheit ſein. 5. Hier ſuch ichs nur, dort werd ichs finden; dort werd ich, heilig und verklärt, der Tugend ganzen Wert em⸗ pfinden, den unausſprechlich großen Wert; den Gott der Liebe werd ich ſehn, ihn lieben, ewig ihn erhöhn. 6. Da wird des Vaters heilger Wille mein Will und meine Wohlfahrt ſein und lieblich Weſen, Heil die Fülle am Throne Gottes mich er⸗ freun. Dann läßt Gewinn ſtets auf Gewinn mich füh⸗ len, daß ich ewig bin. 7. Da werd ich das im Licht erkennen, was ich auf Erden dunkel ſah, das wun⸗ derbar und heilig nennen, was unerforſchlich hier ge⸗ ſchah; da denkt mein Geiſt mit Preis und Dank die Schickung im Zuſammen⸗ hang. 8. Da werd ich zu dem ld Throne dringen, wo Gott, mein Heil, ſich offenbart, ein Heilig, Heilig, Heilig! ſingen dem Lamme, das erwürget ward, und Cherubim und Seraphim und alle Himmel jnuchen ihm. Da werd ich in der Engel Scharen S ihnen gleich und heilig ſehn, das nie geſtörte Glück erfahren, ſtets fromm mit Frommen umzugehn. Da wird durch je⸗ den Augenblick ihr Heil mein Heil, Glück mein Glück. 16. Da werd ich dem den Dank bezahlen, der Gottes Weg mich gehen hieß, ihn ihn zu millionen Malen noch ſegnen, daß er ihn mir wies; da find ich in des Höchſten Hand den Freund, den ich auf Erden fand. 11. Da ruft, o möchte Gott es geben, vielleicht auch mir ein Selger zu: Heil ſei dir; denn du haſt mein Leben, die Seele mir gerettet, du! O Gott, wie muß dies Glück erfreun, der Retter einer Seele ſein! 12. Was ſeid ihr, Leiden dieſer Erden, doch gegen jene Herrlichkeit, die offenbar an uns ſoll werden von Ewig⸗ keit zu Ewigkeit! Wie nichts, wie gar nichts gegen ſie iſt doch ein Augenblick voll Müh! Chr. F. Gellert, † 1769. Mel. Wie wohl iſt mir, o Freund c. 494 Die Seele ruht in Jeſu Armen, der Leib ſchläft ſanft im Erden⸗ ſchoß; nun kann ſich Her an Herz erwarmen; die Ruh iſt unausſprechlich groß, die ſie nach wenig Kampfesſtun⸗ den bei ihrem holden Freund gefunden; ſie ſchwimmt im ſtillen Friedensmeer. Gott hat die Thränen abgewiſchet, ihr Geiſt wird durch und durch erfriſchet, des Herren Glanz iſt um ſie her. 2. Sie iſt nun aller Not entnommen, ihr Schmerz und Seufzen iſt dahin; ſie Gericht und Ewigkeit. 343 iſt zur Freudenkronekommen, ſie ſteht als Braut und Kö⸗ nigin im Golde ewger Herr⸗ lichkeiten dem großen König an der Seiten; ſie ſieht ſein klares Angeſicht. Sein freu⸗ denvolles lieblich Weſen macht ſie nun durch und durch geneſen; ſie iſt ein Licht im großen Licht. 3. Sie jauchzt dem Sterb⸗ lichen entgegen: Ja, ja, nun iſt mir ewig wohl! Ich bin durch meines Mittlers Segen des Lebens, Lichts und Freu⸗ den voll! Mein ſchönes Erb⸗ teil iſt mir worden; viel tauſend aus der Selgen Orden bewundern jauchzend meine Pracht. Man kann in allen Himmelschören gleichwie mit Donnerſtim⸗ men hören: der Herr hat alles wohl gemacht. 4. Ja wohl gemacht durchs ganze Leben, recht wohl in meiner Todespein! Sein mütterliches Tragen, Heben bracht mich heraus, hindurch, hinein: heraus aus dieſer Erde Lüſten, hindurch durch die Verſuchungswüſten, hin⸗ ein ins ſchöne Kanaan. Da darf ich auf den grünen Auen den Helden, der mich führte, ſchauen, der große Ding an mir gethan. 5. Nun kann das Kind den Vater ſehen, es⸗ fühlt den ſanften Liebestrieb; nun kann es Jeſu Wort verſtehen: er 344 er ſelbſt, der Vater, hat mich lieb! Ein unergründlich Meer des Guten, ein Abgrund ewger Segensfluten entdeckt ſich dem verklärten Geiſt; er ſchauet Gott von Ange⸗ ſichte und weiß, was Gottes Erb im Lichte und ein Mit⸗ erbe Chriſti heißt. 6. Der matte Leib ruht in der Erden, er ſchläft, bis Chriſtus ihn erweckt; dann wird der Staub zur Sonne werden, den jetzt die finſtre Gruft bedeckt; dann werden wir mit allen Frommen, wer weiß, wie bald, zuſam⸗ menkommen und bei dem Herrn ſein allezeit; dann werden wir ihn ewig ſehen. Wie wohl, wie wohl wird uns geſchehen! Herr Jeſu, komm, mach uns bereit! J. B. E. Allendorf, † 1773. Mel. Wie wohl iſt mir, o Freund ꝛc. 495 Es iſt noch eine Ruh vorhanden; auf, müdes Herz, und werde Licht! Du ſeufzeſt hier in deinen Banden und deine Sonne ſcheinet nicht. Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden dort wird vor ſeinem Stuhle weiden; wirf hin die Laſt und eil herzu! Bald iſt der heiße Kampf geendet, bald, bald der ſaure Lauf vollendet; ſo gehſt du ein zu deiner Ruh. Die letzten Dinge. 2. Die Ruhe hat Gott auserkoren, die Ruhe, die kein Ende nimint; es hat, da noch kein Menſch geboren, die Liebe ſie uns ſchon be⸗ ſtimmt. Der gute Hirte wollte ſterben, uns dieſe Ruhe zu erwerben; er ruft, er locket weit und breit: Ihr müden Seelen und ihr Frommen, verſäumet nicht, heut einzukommen zu meiner Ruhe Lieblichkeit! 3. So kommet denn, ihr matten Seelen, die manche Laſt und Bürde drückt; eilt, eilt aus euren Kummerhöh⸗ len, geht nicht mehr müde und gebückt. Ihr habt des Tages Laſt getragen, dafür läßt euch der Heiland ſagen: Ich ſelbſt will eure Ruhſtatt ſein! Ihr ſeid ſein Volk, gezeugt von oben; ob Sünde, Welt und Hölle toben, ſeid nur getroſt und gehet ein! 4. Da wird man Freuden⸗ garben bringen, denn unſre Thränenſaat iſt aus. O, welch ein Jubel wird er⸗ klingen und ſüßer Ton im Vaterhaus! Schmerz, Seuf⸗ zen, Leid wird ferne weichen, es wird kein Tod uns mehr erreichen, wir werden den Erlöſer ſehn; die Thräne wird vom Aug er wiſchen, ſein Lebensſtrom wird uns erfriſchen. Wer weiß, was ſonſt noch ſoll geſchehn! 5. Kein Durſt, noch Hunger wird uns ſchwächen, denn die Erquickungszeit iſt da; die Sonne wird uns nicht mehr ſtechen; der Herr iſt ſeinem Volke nah. Er ſelbſt will über ihnen wohnen und ihre Treue wohl belohnen mit Licht und Troſt, mit Ehr und Preis. Es werden die Gebeine grünen, der große Sabbat iſt erſchienen, da man von keiner Arbeit weiß. 6. Da ruhen wir und ind in Frieden und leben ewig ſorgenlos. Ach, faſſet dieſes Wort, ihr Müden! Legt euch dem Heiland in den Schoß! Ach, Flügel her! Wir müſſen eilen und uns nicht länger hier ver⸗ weilen, dort wartet ſchon die frohe Schar. Fort, fort, mein Geiſt, zum Jubilieren, auf, gürte dich zum Trium⸗ phieren! Auf, auf, es kommt das Ruhejahr! J. S. Kunth, † 1779. Mel. Wie ſchön leuchtet der Morgen⸗ ſtern ꝛc.(Mein ganzer Geiſt.) 496 Mein Geiſt, o Gott, wird ganz entzückt, wenn er hinau gen Himmel blickt, dahin dein Rat uns leitet; wo deine milde Vaterhand aus neuen Wundern wird er⸗ kannt, die du daſelbſt ver⸗ breitet. Mächtig fühl ich mich erhoben, dich zu loben, Gericht und Ewigkeit. 345 der zum Leben, das dort iſt, mich will erheben. 2. Was ſind die Freuden dieſer Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit, die dort bei dir zu finden? Du ſtellſt uns hier auf Erden zwar viel Wunder deiner Güte dar, um fröhlichen Empfinden; och hier ſind wir bei den Freuden noch mit Leiden ſtets umgeben; dort nur iſt voll⸗ kommnes Leben. 3. Kein Tod iſt da mehr und kein Grab; dort wiſcheſt du die Thränen ab von deiner Kinder Wangen. Da iſt kein Leid mehr, kein Ge⸗ ſchrei; denn du, o Herr, machſt alles neu, das Alte iſt vergangen; hinfort ſind dort von gerechten Gottes⸗ knechten keine Plagen mehr zur Prüfung zu ertragen. . In unſres Gottes Heiligtum ſchallt ſeines Namens hoher Ruhm von lauter frohen Zungen. Hier ſtrahlt die Herrlichkeit des Herrn; hier ſchäut man ſie nicht mehr von fern, hier wird ſie neu beſungen. Völlig giebt ſich, ſie zu tröſten, den Erlöſten zu erkennen der, den ſie ſchon Vater nennen. 5. Vor ſeinem Antlitz wan⸗ deln ſie, auf ewig frei von aller Müh, und ſchmecken ſeine Güte. Hier ſtört den Frieden ihrer Bruſt und ihre tauſendfache Luſt kein feind⸗ liches 346 Die letzten Dinge. liches Gemüte; kein Neid, kein Streit hemmt die Triebe reiner Liebe unter Seelen, die hinfüro nicht mehr fehlen. 6. Gott, welche Schar iſt dort vereint! Die Frommen, die ich hier beweint, die find ich ewig wieder. Dort ſam⸗ melt deine Vaterhand, die deine Liebe hier verband, Herr, alle deine Glieder. Cwig werd ich, frei von Mängeln, ſelbſt mit Engeln Freundſchaft pflegen; o ein Umgang voller Segen! 7. Wo iſt mein Freund, des Höchſten Sohn, der mich geliebt? Wo glänzt ſein Thron? In jenen Himmels⸗ höhen, da werd ich dich, Herr Jeſu Chriſt, ſo menſchen⸗ freundlich als du biſt, auch mit Entzücken ſehen; da wird, mein Hirt, von den Freuden nichts mich ſcheiden, die du droben deinen Freunden aufgehoben. 8. Wie herrlich iſt die neue Welt, die Gott den Frommen vorbehält! Kein Menſch kann ſie erwerben. O Jeſu, Herr der Herrlich⸗ keit, du haſt die Stätt auch mir bereit; hilf ſie mir auch ererben! Laß mich eifrig darnach ſtreben und ſo leben auf der Erde, daß ich dort dein Erbe werde. J. S. Diterich, 1797(nach Ahasverus Fritſch, † 1701). Mel. Es iſt gewißlich an der Zeit ꝛc. (Schon iſt der Tag.) 497 Schon iſt der Tag . von Gott be⸗ ſtimmt, da, wer auf Erden wandelt, ſein Los aus Got⸗ tes Händen nimmt, nach⸗ dem er hier gehandelt. Er kommt, er kommt, des Men⸗ ſchen Sohn; er kommt, und Wolken ſind ſein Thron, der Erde Kreis zu richten. 2. Hier, an dem Rand der Ewigkeit, verſammeln ſich die Scharen, die ſeit dem erſten Tag der Zeit der Erde Bürger waren, nur dem Allwiſſenden bekannt, unzählbar, wie des Meeres Sand; hier ſtehn ſie vor dem Richter. 3. Hier muß der falſche Wahn der Welt der Wahr⸗ heit unterliegen. Hier, wo das Recht die Wage hält, wird keine Sünde ſiegen. Hier iſt zur Buße i mehr Friſt, hier gilt nicht mehr Betrug und Liſt, hier gilt kein falſcher Zeuge. 4. Der Richter ſpricht; der Himmel ſchweigt, und alle Völker hören erwar⸗ tungsvoll und tief gebeugt: Kommt, erbt das Reich der Ehren! So ſpricht er zu der frommen Schar; zu der, die ihm nicht folgſam war: Hinweg von mir, Verbrecher! 5. Sie gehn verzweifelnd, jammern, flehn: Stürst über uns — uns zuſammen, ihr Welten, fallt, daß wir vergehn, die wir uns ſelbſt verdammen! Die Frommen aber ſtehn im Licht des Friedens, und ihr Angeſicht ſtrahlt ſeliges Entzücken. 6. Frohlockend ziehn ſie in das Reich, das Gott für ſie bereitet, wo er ſie, ſeinen Engeln gleich, von Licht zu Lichte leitet. Das Stück⸗ werk wird Vollkommenheit; kein Kummer, keine Trau⸗ rigkeit ſtört ihre ſelgen Freuden. 7. Mein Heiland, laß mich dein Gericht oft und mit Ernſt. bedenken! Es ſtärke mich mit Zuverſicht, ſo oft mich Leiden kränken! Es reize mich, gewiſſenhaft und, eingedenk der Rechen⸗ ſchaft, nach deinem Wort zu wandeln. S. Diterich, † 1797. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. (Herr, wir fingen deiner Ehre.) 498 Selig ſind des Himmels Er⸗ ben, die Toten, die im Herren ſterben, zur Aufer⸗ ſtehung eingeweiht! Nach den letzten Augenblicken des Todesſchlummers folgt Ent⸗ zücken, folgt Wonne und Un⸗ ſterblichkeit! Im Frieden ruhen ſie, frei von der Erde Müh, Hoſianna! Vor Gottes Gericht und Ewigkeit. 347 Thron zu ſeinem Sohn be⸗ gleiten ihre Werke ſie. 2. Dank, Anbetung, Preis und Ehre, Macht, Weisheit, ewig, ewig Ehre ſei dir, Verſöhner Jeſu Chriſt! Ihr, der überwinder Chöre, bringt Dank, Anbetung, Preis und Ehre dem Lamme, das ge⸗ opfert iſt! Er ſank wie wir ins Grab, wiſcht unſre Thränen ab, alle Thränen! Er hats vollbracht! Nicht Tag, nicht Nacht wird an des Lammes Throne ſein. 3. Nicht der Mond, nicht mehr die Sonne ſcheint uns alsdann; er iſt uns Sonne, der Sohn, die Herrlichkeit des Herrn. Heil, nach dem wir weinend rangen, nun biſt du, Heil, uns aufge⸗ gangen, nicht mehr im Dunkeln, nicht von fern! Nun weinen wir nicht mehr; das Alte iſt nicht mehr. Hallelujah! Er ſank hinab, wie wir, ins Grab; er ging zu Gott, wir folgen ihm. F. G. Klopſtock, † 1803. Mel. Nun preiſet alle ꝛc. 499 Cch hab von ferne, Herr, deinen Thron erblickt, und hätte gerne mein Herz vorausge⸗ ſchickt und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer der Geiſter, dir hingegeben!;: 2. Das war ſo prächtig, was ich im Geiſt geſehn! 15* Du 348 Die letzten Dinge. Du biſt allmächtig; drum iſt dein Licht ſo ſchön! Könnt ich an dieſen hellen Thronen doch ſchon von heut an ewig wohnen!:,: 3. Nur bin ich ſündig, der Erde noch geneigt; das hat mir bündig dein heilger Geiſt gezeigt; ich bin noch nicht genug gereinigt, noch nicht ganz innig mit dir vereinigt.:,: 4. Doch bin ich fröhlich, daß mich kein Bann er⸗ ſchreckt; 6 bin ſchon ſelig, ſeitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Leiden üben und dich zeit⸗ lebens inbrünſtig lieben.:,: 5. Ich bin zufrieden, daß ich die Stadt geſehn, und ohn Ermüden will ich ihr näher gehn und ihre hellen, goldnen Gaſſen lebenslang nicht aus den Augen laſſen.:,: J. Timoth. Hermes, † 1821. 500 ir werden bei dem Herrn ſein allezeit! Du Heimatlaut in fremden Pilgerthalen! Tiefdunkel iſt die ernſte Ewigkeit,— doch wie durch Nachtgewölk des Mondes Strahlen, glänzt der Verheißung Licht durch Todesleid: wir werden bei dem Herrn ſein allezeit! 2. Bei ihm daheim! In ſeiner Liebe ruht die Seele aus von ihrer Irrfahrt Schmerzen. Der langen Sehnſucht Ziel, das höchſte Gut, der Herzen Heimat iſt in ſeinem Herzen; er ging voran, die Stätte ſteht bereit; wir werden bei dem Herrn ſein allezeit! 3. Bei ihm verſammelt! Seinem Salem geht die Wall⸗ fahrt zu. Wie oft in guten Stunden, wenn ſeiner Nähe Odem uns umweht, hat es ſein Volk vor ihm vereint empfunden; das iſt die Fülle aller Seligkeit: wir werden bei dem Herrn ſein allezeit! 4. Hier trennt die Welt; was heut ſich liebend fand, ſehnt morgen ſich nach Blick und Wort vergebens; es drängt ſich zwiſchen Seelen Meer und Land, und ſtarrer noch das Machtgebot des Lebens. Der Himmel ſam⸗ melt, was die Welt zer⸗ ſtreut; wir werden bei dem Herrn ſein allezeit! 5. Und waren wir hier jemals ganz vereint? Ach, nur das Reine eint ſich mit dem Reinen! Die Schuld, die täglich noch das Herz beweint, ſie ſcheidet es von den geliebten Seinen. Der Fürſt des Friedens tilgt, was uns entzweit; wir werden bei dem Herrn ſein allezeit! 6. Wir irren alle, ſind erlöſt noch nicht von alter Sinnverwirrung ſchweren Banden; die Sprache, die ein Kind des Hauſes ſpricht, wird von dem andern Kinde nicht verſtanden. Das Wort des Vaters löſt der Rede Streit: wir werden bei dem Herrn ſein alle⸗ zeit! Anhang. 349 7. Du Gotteswort, dem froh der Glaube traut, wohl magſt du allen Erdenjammer ſtillen, das finſtre Thal, vor dem der Seele graut, mit Morgenrot und heilgem Frieden füllen! O Heimat⸗ licht aus dunkler Ewigkeit: wir werden bei dem Herrn ſein allezeit! Meta Heußer⸗Schweizer, † 1876. Anhang. acht auf mich in aller Not, o großer Gott, Herr aller Herren, wann Satans Wut, die Höllen⸗ rott den Rachen gegen mich aufſperren, wann ſie mich ſuchen zu verſchlingen und in die höchſte Not zu bringen, ſo bitt ich dich herzinniglich, mein Vater, ſo hab acht auf mich. 2. Hab acht auf mich; wann mich die Sünd will von dem höchſten Gut ab⸗ wenden, ſo halte mich, Herr, als dein Kind mit deinen treuen Vatershänden; bleib du mir ſtets in dem Ge⸗ danken, laß mich von deinem Wort nicht wanken; wann Sünden in mir regen ſich, mein Vater, ſo hab acht auf mich. 3. Hab acht auf mich, wanns gehet wohl; wann mir die Glückesſonn will ſcheinen, die meine Seel macht freudenvoll, daß ſie nichts wiſſen mag von Weinen, daß ich dem blinden Glück nicht traue, vielmehr auf deine Güte ſchaue, weil oft das Glücksrad wendet ſich: mein Vater, ſo hab acht auf mich. 4. Hab acht auf mich und ſteh mir bei, wann mir das Unglück brauſt entgegen, daß ich nicht zu verzaget ſei und weichenmög von deinen Wegen, die mir zu wandeln ſind befohlen; und wann mir auch des Kreuzes Kohlen mein Herze brennen bitterlich, mein Vater, ſo hab acht auf mich. 350 Anhang. 5. Hab acht auf mich, wann ich geſund, wann ich empfinde keine Schmerzen, wann keine Klag in meinem Mund noch Trauern iſt in meinem Herzen; damit ich bei geſundem Leibe dir dank⸗ bar und gehorſam bleibe; auf daß ich nie vergeſſe dich, mein Vater, ſo hab acht auf mich. 6. Hab acht auf mich, auch wann ich krank, wann die Geſundheit will ver⸗ ſchwinden, daß ich geduldig und mit Dank annehme die Arznei der Sünden; laß mich nicht ungeduldig wer⸗ den und denke, daß ich Staub und Erden; auch wann die Schmerzen mehren ſich, mein Vater, ſo hab acht auf mich. 7. Hab endlich dann auch acht auf mich, wann ich der Welt Valet ſoll geben, daß ich im Glauben halte dich, bis ich komm in ein ander Leben, da mir das frohe Glaubensende erteilen wer⸗ den deine Hände; daß ich bei dir leb ewiglich, mein Vater, ſo hab acht auf mich. 8. Ach, laß mich doch nicht aus der Acht, wann uns dein jüngſter Tag er⸗ ſcheinet, der Tag, da vor Gericht wird bracht auch das, ſo man hier nicht ge⸗ meinet; laß mich zu deiner Rechten ſtehn und zu des Lammes Hochzeit gehn; mein Jeſu, dann hab acht auf mich, ſo will ich ewig preiſen dich. H. L. Schloſſer, † 1723. Abermals ein Jahr verfl. 45 Ach bleib bei uns, Herr 151 Ach bleib mit deiner 152 Ach Gott, ich muß in 470 Ach Gott und Herr, wie 215 Ach Gott, verlaß mich n. 300 Ach Gott, vom Himmel 150 Ach, mein Herr Jeſu 317 Ach, mein Jeſu, ſieh, ich 395 Ach ſei mit deiner Gnade 14 Ach, was bin ich, mein 217 Ach, was iſt doch unſre 449 Ach, wie heilig iſt der 165 Ach wundergroßer Sieg. 97 Allein Gott in der Höh ſ. 123 Allein zu dir, Herr Jeſu 213 Alle Menſchen müſſen 486 Aller Gläubgen Samm. 462 Alles iſt an Gottes S. 338 Allgenugſam Weſen 315 Amen, deines Grabes 92 Am Kreuz erblaßt 72 An dem Zorntag, an 477 An dir allein, an dir 222 Auf, auf, ihr Reichsgen. 18 Auf Chriſti Himmelfahrt 96 Auf den Nebel folgt d. 334 Auf dich hab ich gehoffet 293 Auf neſen Tag bedenken 94 Auferſtanden, auferſt. 88 Auferſtehn, ja auferſt. 464 Auf Gott und nicht auf 355 Auf, ihr Streiter, durchg. 256 Nr. Auf, Jeſu Jünger, fr. 95 Auf meinen lieben Gott 329 Auf, Seele, auf, und 55 Aus Gnaden ſoll ich 237 Aus irdiſchem Getümm. 264 Aus meines Herzens 365 Aus tiefer Not ſchrei 212 Barmherziger, laß d. 186 Bedenke, Menſch, das 488 Bedenk ich deine große 303 Befiehl du deine Wege 333 Bei dir, Jeſu, will ich 192 Beſchwertes Herz, leg ab Betrübtes Herze, ſei zuf. 469 Bis hierher und nicht w. 163 Bleibt bei dem, der 266 Brich an, du ſchönes 41 Bringt her dem Herren 138 Chriſte, du Lamm G. 195 Chriſten erwarten in 424 Chriſten ſind ein göttl. 314 Chriſt fuhr gen Himmel 93 Chriſt iſt erſtanden von 76 Chriſt lag in Todesb. 77 Chriſtus der iſt mein 439 Danket, danket Gott m. 208 Dank und Anbetung 127 Das alte Jahr verg. 46 Das walte Gott, der 407 Dein König kommt in 30 352 Dein Wort, o Herr, br. 160 Dein Wort, o Herr, iſt 182 Der am Kreuz iſt meine 61 Der du, Herr Jeſu, Ruh 73 Der du in Todesnächten 173 Der du noch in der l. 284 Der du uns als Vater 119 Der du zum Heil erſch. 176 Der Heiland kommt 27 Der heilge Chriſt iſt k. 45 Der Herr fährt auf gen 98 Der Herr iſt meine Z. 356 Der Himmel hängt voll 359 Der Mond iſt aufgeg. 400 Der Tag iſt hin, mein 392 Der Tag mit ſeinem 390 Des Jahres ſchöner S. 363 Dich Jeſum laß ich ewig 286 Die auf der Erde wallen 456 Die Chriſten gehn von 461 Die Feinde deines K. 162 Die güldne Sonne, voll 368 Die Herrlichkeit der E. 445 Die hier vor deinem A. 190 Die Himmel rühmen des 146 Die Racht nunmehr ver. 367 Die Seele ruht in Jeſu 494 Dies iſt der Tag, den G. 40 Dies iſt die Nacht, da 38 Die Woche geht zu E. 403 Dir dank ich für m. L. 433 Dir, dir, Jehovah, will 299 Du biſt zwar mein und 472 Du geheſt in den Garten 69 Durch Trauern und d. 50 Du ſollſt glauben, o du 241 Du ſollſt in allen Sach. 404 Du Vater deiner Men. 288 Ehre ſei Gott in der 42 Eine Herde und ein 172 Regiſter. Nr Nr. Einen guten Kampf hab 458 Einer iſts, an dem wir 175 Ein feſte Burg iſt unſer 148 Eingeſargt zum letzten 468 Ein Lämmlein geht und 65 Ein reines Herz, Herr 249 Eins iſt not, ach Herr 277 Ein Wetter ſteiget auf 429 Ein Wohlſtand ohne G. 323 Empor zu Gott, mein 43 Erfüllt ſind Stund und 44 Erhalt uns deine Lehre 155 Erhalt uns, Herr, bei 149 Erhebt den Herrn, iht F. 26 Erhöhter Siegesfürſt u. 90 Frinnre dich, mein Geiſt 85 Ermuntert euch, ihr F. 490 Es glänzet der Chriſten 308 Es iſt ein Ros entſpr. 31 Es iſt noch eine Ruh 495 Es iſt vollbracht! Er 68 Es kennt der Herr die 265 Es ſaß ein frommes 117 Es wolle Gott uns g. 167 Ewge Liebe, mein Gem. 233 Fahre fort, fahre fort 157 Fortgekämpft und fortg. 357 Freu dich ſehr, o meine 440 Friede, ach Friede, ach 310 Fröhlich ſoll mein H. 35 Früh am Morgen Jeſus 376 Früh morgens, da die 78 Geduld iſt euch von 337 Geh aus, mein Herz, u. 362 Geht hin, ihr gläubigen 147 Geht nun hin und grabt 465 Geh zum Schlummer 471 Geiſt vom Vater und 114 Geiſt v. Vater u. v. S. 120 7 — Regiſter. 353 Nr. Gelobet ſei der Herr 124 Gelobet ſeiſt du, Jeſu 33 Geſegn uns, Herr, die 380 Gieb dich zufrieden und 331 Gott, deine Güte reicht 302 Gott, der du Herzensk. 262 Gott, der du unſre Zufl. 230 Gott der Gnaden, ſchw. 228 Gott des Himmels und 366 Gott, du Licht, das ewig 375 Gottes Stadt ſteht feſtg. 164 Gott, gieb einen milden 113 Gott hat in meinen T. 435 Gott iſt gegenwärtig 301 Gott iſt mein Gott, er 353 Gott iſt mein Hort, u. 181 Gott iſt mein Lied 145 Gott lebet noch! Seele 346 Gott lebt, wie kann ich 352 Gott Lob, ein Schritt 402 Gott Lob, nun iſt erſch. 422 Gott ruft der Sonn u. 52 Gott ſei Dank durch 16 Gott Vater, aller Dinge 166 Gott, vor deſſen Angeſ. 223 Gott wills machen, daß 349 Größter Morgen, der die 87 Großer Gott von alten 2 Großer König unſrer 194 Großer Mittler, der zur 100 Großer Schöpfer, Herr 364 Guter Geber, Dank ſei 385 Hab acht auf mich(501¹) Habe deine Luſt aum 312 Hallelujah! jauchzt, ihr 91 Hallelujah! Lob, Preis 125 Hallelujah! wie lieblich 104 Halt im Gedächtnis J. 279 Heiland,deine Menſchenl. 282 Heilger Jeſu, Heilgungs. 252 Nr. Herr, auf Erden muß ich 99 HerrChriſte, wahrer M. 437 Herr, deine Kirche dank. 161 Herr, dein Wort, die 179 Herr, der du mir das 399 Herr, du haſt für alle 198 Herr,du wollſt uns vollb. 204 Herr, ein ganzer Leid. 432 Herr, es geſcheh dein 397 Herres iſt ein Tagerſch. 7 Herr, es iſt von meinem 394 Herr Gott, dich loben wir, Herr Gott, wir 128 Herr Gott, dich loben w. 423 Herr, höre⸗ Herr, erhöre 304 Herr im Himmel, Gott 426 Herr Jeſu Chriſt, dich 5 Herr Jeſu Chriſt⸗ du 197 Herr Jeſu, Licht der H. 54 Herr, mein Licht, mein 354 Herr, ſtärke mich, dein 71 Herr, vor deinem Angeſ. 9 Herr, wie du willſt, ſo 294 Herr, wir kommen zu 382 Herr, wir ſingen 29 Herzlich lieb hab ich d. 268 Herzlich thut mich verl. 41 Berztichſtet Jeſu, was 60 Herz, mein Herz, nicht 324 Herzog unſrer Seligk. 247 Herz und Herz vereint 158 Heute mir und morgen 460 Hier legt mein Sinn ſich 220 Hilf, Herr Jeſu, laß 47 Himmelan geht unſre 254 Hinunter iſt der Sonn. 386 Hirte deiner Schafe, d. 396 Höchſter, denk ich an 225 Höchſter Gott, wir d. 13 Höchſter Helfer, ſei n. 434 Höchſter Tröſter, komm 118 354 d. Hör ich euch wieder 361 Hört das Wort voll E. 263 Hoſianna! DavidsSohn 24 Hüter, wird die Racht 373 Jauchzet, ihr Himmel 39 6 armer Menſch, ich 219 3 ch ch bin ein Gaſt auf 447 bin getauft auf d. 188 bin in dir und du 193 erhebe mein Gem. 226 geh zu deinem Grabe 81 habe nunden Grund 236 it in guten St. 431 hab mein Sach G. 438 hab mich Gott erg. 444 hab von ferne 499 komme, Friedensf. 240 komme, Herr, und 202 laß dich nicht, du 347 ruf zu dir, Herr 292 ruhe nun in Gottes 489 ſag es jedem, daß 89 ſinge dir mit Herz 133 ſoll zum Leben dring. 260 ſch ſteh an deiner Krippe 37 Ic ſterbe täglich und 451 Ich und mein Haus, w. 413 Ich weiß, an wen ich gl. 242 Ich weiß, anwen ich gl. u. 457 Ich weiß, daß mein Erl. 327 Ich weiß von keinem a. 239 Ich will dich lieben, m. 273 Ich zieh in ferne Lande 430 Je größer Kreuz, je 351 Jehovah, Herr u. Kön. 416 du hochgeb. 480 Jeſu, deine tiefen Wunden 59 Jeſu, der du biſt allein 305 Jeſu, Freund der Men. 203 Jeſu, geh voran 411 eDe⸗Oe⸗ OeOe⸗OeeOcOe⸗Oce⸗ SSSSSSSS 0 ee cee⸗eeee⸗ SSSS Regiſter. Nr Nr. Jeſu, t Wunderſt. 56 Jeſu, hilf ſiegen, du F. 246 Jeſu, komm, ſei eingeb. 405 Jeſu, meine Freude 307 eſu, meiner Seele Leb. 276 eſu, meines Lebens L. 66 eſus Chriſtus herrſcht 103 us, Jeſus, nichts als 272 us iſt mein Leben 341 us lebt, mit ihm 84 us, meine Zuverſicht 483 us nimmt die Sünder 235 us ſchwebt mir 275 Jeſus ſoll die Loſung ſ. 51 allen meinen Thaten 330 In Chriſto will ich ſt. 446 In Gottes Namen fang 406 In tiefen Angſten ſchr. 420 In unſers Königs Nam. 258 Iſt Gott für mich, ſo 335 Kehre wieder, kehre 229 König, dem kein König 101 Komm, heiliger Geiſt, erf. 4 Komm, e Geiſt 107 Komm, heilger Geiſt, o 106 Komm, mein Herz, aus 201 Komm, o Herr, komm 171 Komm, o komm, du 109 Kommſt du, kommſt du 22 Kommt, Brüder, laßt 259 Kommt her, ihr ſeid 206 Lamm, das gelitten, u. 105 Laſſet uns den Herren 79 Laſſet uns mit Jeſu z. 245 Laß mich dein ſein und 295 Lebſt du in mir, o w. 283 icht, das in die Welt 174 5 3 J 3 5 S S Licht vom Licht, erleuchte 3 Liebe, die du mich zum 274 Regiſter. 355 Nr. Liebſter Jeſu, w. ſ. hier, deinem 184 Liebſter Jeſu, wir ſind 6 Lobe den Herren, den 135 Lobe den Herrn, o m. 139 Lobt Gott, ihr Chriſten 34 Löwen, laßt euch wieder 156 Mache dich, mein Geiſt 250 Machs mit mir, Gott 443 Macht hoch die Thür 15 Man lobt dich in der 132 Mein erſt Gefühl ſei P. 378 Meine Lebenszeit verſtr. 454 Meinen Frieden geb ich 321 Meinen Sn laß ich 271 Meine Seele ſenket ſich 348 Meine Seele, voller F. 224 Meine Sorgen, Angſt 342 Mein Geiſt, o Gott, w. 496 Mein Glaub iſt meines 316 Mein Gott, das Herz 218 Mein Gott, ich weiß w. 452 Mein Gott, nun iſt es 374 Mein Heiland nimmt 234 Mein Jeſu, der du vor 199 Mein Leben iſt ein P. 450 Mein ſchönſte Zier und 387 Mir iſt Erbarmung w. 238 Mir nach, ſpricht Chriſt. 244 Mit Ernſt, o Menſchenk. 17 Mitten wir im Leben 478 Morgenglanz der Gwigk. 371 Müde bin ich, geh 401 Nach einer Prüfung k. 493 Nimm hin den Dank 209 Nun bitten wir den h. 108 Nun bringen wir den 463 Nun danket alle Gott 131 Nun danket all und br. 134 Nun freut euch, lieben 231 Nr. Nun geh uns auf, du 183 Nun Gott Lob! Es iſt 185 Nun jauchzet, all ihr 19 Nun kommt das neue 23 Nun laßt uns gehn und 48 Nun lob, mein Seel 129 Nun preiſet alle Gottes 130 Nun ruhen alle Wälder 389 Nun ſich der Tag geendet 393 Nun ſich der Tag g., m. 398 Nun ſo will ich denn 285 O allerhöchſter Menſch. 370 O Chriſt, wenn Arme 289 O daß ich tauſend Z. 140 O du allerſüßte Freude 112 O du fröhliche, o du 122 O du Liebe meiner L. 67 O Durchbrecher aller 248 O du reicher Herr der 187 O Ewigkeit, du D. 484 O Ewigkeit, du F. 485 O frommer und getr. 214 O Gott, der du das F. 428 O Gott, du frommer 296 O Gottes Geiſt und 121 D Gott, o Geiſt, o L. 116 O Gott, von dem wir 425 D Haupt voll Blut u. 63 O heilger Geiſt, kehr bei 110 D Jeſu, Herr der H. 417 O Jeſu, meine Sonne 322 O Jeſu, meine Wonne 207 O Jeſu, ſüßes Licht 377 O König, deſſen Majeſt. 221 D Lamm Gottes, unſch. 53 O Liebesglut, wie ſoll 280 O mein Herz, gieb dich 360 O ſelig Haus, wo man 414 O Traurigkeit, o Herzel. 74 O Urſprung des Lebens 281 60 S — 356 O Vater der Barmherz. 25 D Welt, ſieh hier dein 64 O wie freun wir uns 10 O wie fröhlich, o w. ſ. 492 O wie ſelig ſeid ihr d. 482 Prediger der ſüßen L. 180 Rede, liebſter Jeſu, r. 177 Rüſtet euch, ihr Chr. 251 Ruhe hier, mein Geiſt 70 Ruhet wohl, ihr Totenb. 459 Schaffe in mir, Gott 211 Schaffet, ſchaffet, M. 253 Schmücke dich, o liebe 196 Schmückt das Feſt mit 115 Schöner Himmelsſaal 481 Schon iſt der Tag von 497 Schwing dich auf zu 336 Seele, du mußt munter 372 Seelenbräutigam, Jeſu 278 Seele, ſei zufrieden 350 Seele, was ermüdſt du 257 Seid barmherzig, M. 287 Sei getreu bis an das 243 Sei Lob und Ehr dem 137 Selig ſind des Himmels 498 Siegesfürſt und Ehrenk. 102 Sieh, dein König kommt 25 Sie hier bin ich 298 eh nun hin, dem 473 So geh ich obgeſieget 474 S ich denn mich tägl. 343 Sollt es gleich bisweil. 340 Sollt ich meinem Gott 306 Sorge doch für meine 410 So ruheſt du, o meine 75 So wahr ich lebe, ſpr. 232 Speis, o Gott, uns 381 Such, wer da will, ein 270 Fz Nr. Teures Wort aus 178 Thut mir auf die ſchöne 8 Treuer Wächter Israel 419 Ueberwinder, nimm die 86 Unſer keiner lebt ihm 453 Unſern Ausgang ſegne 14 Unſer Vater, der uns 384 Unſer Wandel iſt im 261 Unſre müden Augenl. 391 Unumſchränkte Liebe 142 Valet will ich dir geben 442 Vater, deines Geiſtes 169 Vater, dir ſei Preis 12 Vater, hier im Erdenſch. 467 Vater unſer im Himm. 291 Verleih uns Frieden 421 Verzage nicht, du Häufl. 153 Volk des Herrn, bring 189 Volk des Herrn, du h. 267 Vollbracht iſt nun die 210 Voller Wunder, voller 408 Vom Geräuſch der W. 320 Vom Himmel hoch, da 32 Von des Himmels Thron 191 Von dir, du Gott der E. 415 Von Gott will ich nicht 328 Wach auf, du Geiſt der 168 Wach auf, mein Herz, die 80 Wach auf, mein Herz, u. 369 Wachet auf, ruft uns 479 Walte, walte nah und 170 Wann kommt Herr 227 Warum betrübſt du dich 326 Warum ſollt ich mich 332 Warum willſt du dr. 21 Was freut mich noch 126 Was Gott thut, das 6 wohlgethan Was Gott thut, das iſt wohlgethan, ſo denken 427 Was hinket ihr betrog. 255 Was mein Gott will 325 Was wär ich ohne dich 28 Weicht ihr Berge, fallt 311 Wenn auch wie ein Pſ. 290 Wenn Chriſtus ſeine 159 Wenn der Herr einſt 358 Wenn ich einſt von jenem 379 Wenn ich ihn nur habe 318 Wenn ich, o Schöpfer 143 WennkleineHimmelserb. 476 Wenn mich mein Sünden 62 Wenn mein Stündlein 436 Wenn wir in höchſten 418 Werde Licht, du Stadt 53 Werde munter, mein G. 388 Wer iſt wohl wie du 313 Wer nur den lieben 339 Wer ſind die vor Gottes 491 Wer weiß, wie nahe m. 448 Wie fleucht dahin der 487 Wie getroſt und heiter 319 Nr. Wie groß iſt des Allm. 144 Wie heilig iſt die Stätte 200 Wie könnk ich ſein verg. 205 Wie ſchön iſts doch, Herr 409 Wie ſchön leuchtet der 269 Wie ſicher lebt der M. 455 Wie ſoll ich dich empf. 20 Wie wohl iſt mir, o 309 Willkommen, Held im 82 Wir danken Gott für 383 Wir ſingen dir, Imm. Wir werden bei dem Wohlauf, mein Herz Wohlauf, wohlan zum Wohl einem Haus, da 412 Womit ſoll ich dich 141 Wunderanfang,herrlichs 345 Wunderbarer König 136 Zeuch ein zu deinen 111 Zeuch hin, mein Kind 475 Zion, gieb dich nur zufr. 154 Zwei der Jünger gehn 83 Zweierlei bitt ich von 297 Gebete zur häuslichen Andacht. I. Allgemeine Gebete. 1. Bſalm 67. Gott ſei uns gnädig und ſegne uns; er laſſe uns ſein Antlitz leuchten, daß wir auf Erden erkennen ſeinen Weg, unter allen Heiden ſein Heil. Es danken dir, Gott, die Völker; es danken dir alle Völker. Die Völker freuen ſich und jauchzen, daß du die Leute recht richteſt und regiereſt die Leute auf Erden. Es danken dir, Gott, die Völker, es danken dir alle Völker. Das Land giebt ſein Gewächs; es ſegne uns Gott, unſer Gott. Es ſegne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn! Amen. 2. Bitte um die Gabe des Gebets. Herr, höre meine Worte, merke auf meine Rede, ver⸗ nimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. Pſ. 5, 1. 2 Gnädiger, liebreicher Vater! Du haſt mir befohlen zu beten, und dein lieber Sohn hat es mich gelehrt; dein heiliger Geiſt erinnnert mich oft in meinem Herzen des Gebets. Ich weiß auch, daß alle vollkommenen Gaben von dir, Vater des Lichtes, kommen müſſen, und daß kein wahres beſtändiges Gut, keine Hilfe und kein rechter Troſt ohne Gebet erlangt werden können. Dennoch bin Allgemeine Gebete. Gemeinde auf Erden und im Himmel, die deinen Willen thut und dich mit gläubiger Zuverſicht der Erhörung im Namen Jeſu Chriſti anruft. Amen. Lied Nr. 301: Gott iſt gegenwärtig. 3. Allgemeine Fürbitte. Gebet, darum kommt alles Fleiſch zu dir. 5, 3. Herr Gott, dreieiniger Gott, du haſt in deinem heiligen Worte uns geboten, daß wir für einander beten ſollen. Darum unterwinden wir uns, mit dir zu reden und dir unſeres Herzens Anliegen vorzutragen. Du wolleſt unſer Flehen nicht verwerfen, ſondern gnädiglich annehmen und erhören. Wir bitten dich, du getreuer Gott und Heiland, für deine Kirche; erhalte, ſchütze, regiere und führe ſie; ſchenke ihr allezeit treue Hirten und Lehrer und falbe dieſelben mit deinem Geiſte und ſegne ihre Arbeit; wehre allen Feinden, dämpfe alle Irrlehren, bewahre deine Gemeinde vor Argernis und Spaltung und laß die Ehre deines heiligen Namens in der Welt immer mehr ausgebreitet werden. Erleuchte die Irrenden, bekehre die Gottloſen, habe Langmut mit uns armen Sündern, vergieb den Bußfertigen undzüchtige die loſen Verächter zu ihrem Heil. Erbarme dich aller Heiden und ſegne die Boten des Friedens, welche du zu ihnen ſendeſt, daß ſie dir ein großes Volk gewinnen und dein Name an allen Enden der Erde geheiligt werde. Segne die chriſtlichen Schulen, alle Lehrer und die liebe Jugend, damit dieſelbe aufwachſe in wahrhaftiger Gottesfurcht und rechtſchaffenem Glauben. Nimm in deine anädige Obhut alle Anſtalten, die zur Förderung deines Reiches und zur Ausbreitung deines Evangeliums dienen, und erfülle mit deinem Geiſte alle, die daran arbeiten. Beſchütze auch, du ſtarker, allmächtiger Gott, unſer Regiment und gemeines Weſen und gieb allen Fürſten und Obrigkeiten rechte Weisheit und Gottſeligkeit. Hilf, daß ſie deiner Kirche, des ganzen Vaterlandes und aller Unterthanen ſich treulich annehmen, und ſegne ihr Thun reichlich. Insbeſondere befehlen wir in deine 4 Allgemeine Gebete. den deutſchen Kaiſer und unſern Großherzog ſamt dem ganzen Großherzoglichen Hauſe. Pflanze in die Herzen aller Gewaltigen Gedanken des Friedens; gieb allen Räten heilſame Ratſchläge; verleihe allen Richtern Gerechtigkeit, allen Beamten Barmherzigkeit, auf daß bei uns und überall das Böſe beſtraft, das Gute belohnt, dem übel geſteuert und, was löblich iſt, erhalten und gefördert werde. Sei mit allem Volke, daß es die Obrigkeit liebe, ihre Herrſchaft ehre und den Geſetzen folge. Segne einen jeden in ſeinem Stande und Berufe; walte gnädig über unſerer Gemeinde und unſerem ganzen Vaterlande. Segne auch den Hausſtand und verleihe allen Hausvätern und Hausmüttern Frieden in ihrer Ehe, Glück in ihrer Rahrung und ihrem Gewerbe und Freude an ihren Kindern. Den Kindern gieb willigen Gehorſam, kindliche Furcht, rechtſchaffene Demut und Ehrerbietung und laß allen Segen ihrer Eltern reichlich an ihnen erfüllt werden. Beſchere allen Hausherren und Hausfrauen gute Dienſt⸗ boten; allem Geſinde aber verleihe herzliche Liebe und Gehorſam, Treue und Redlichkeit. Laß dir, o Herr, alle Menſchen befohlen ſein und gieb einem jeden, was er bedarf. Insbeſondere erbarme dich aller Armen und Elenden; tröſte alle Traurigen und Betrübten; nimm dich der Kranken an; bekehre alle Ver⸗ brecher und erlöſe alle unſchuldig Gefangenen. Verſorge die Witwen und Waiſen, trage die Alten, ſtärke und tröſte die Sterbenden. Sei gnädig allen, die uns feind ſind, und mache ſie uns freundlich geſinnt. Halte in deiner Gnade alle, die ſich unſerem Gebet befohlen haben und die du gar wohl kennſt.(Insbeſondere bitten wir dich für u. ſ. w. Hier ſind etwaige beſondere Fürbitten einzuſchalten.) Zuletzt aber laß dir, lieber Gott, noch beſonders befohlen ſein alle unſere Ange⸗ hörigen in der Nähe und in der Ferne; behüte ſie vor allem übel, gieb ihnen alles Gute und regiere ſie mit deinem heiligen Geiſte. Sei mit ihnen und uns allen heute und alle Tage, und hilf uns endlich, unſer Stündlein kommt, aus zum ewigen Leben. men. Lied Nr. 304: Herr, höre! Herr, erhöre! Allgemeine Gebete. 4. Juthers Morgenſegen. Wenn ich mich zu Bette lege, ſo denke ich an dich; wenn ich erwache, ſo rede ich von dir. Pſ. 63, 7. Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geiſt! Amen. Ich danke dir, mein lieber himmliſcher Vater, durch Jeſum Chriſtum, deinen lieben Sohn, daß du mich dieſe Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet haſt, und bitte dich, du wolleſt mich dieſen Tag auch behüten vor Sünden und allem übel, auf daß dir all mein Thun und Leben gefalle. Ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel ſei mit mir, daß der böſe Feind keine Macht an mir finde. Amen. Lied Nr. 291: Vater unſer im Himmelreich. 5. Cuthers Abendſegen. Herr, ich gedenke des Nachts an deinen Namen. Pſ. 119, 55. Das walte Gott Vater, Sohn und heilger Geiſt! Amen. Ich danke dir, mein lieber himmliſcher Vater, durch Jeſum Chriſtum, deinen lieben Sohn, daß du mich dieſen Tag ſo gnädiglich behütet haſt, und bitte dich, du wolleſt mir vergeben alle meine Sünden, wo ich Unrecht gethan und dich beleidigt habe, und mich dieſe Nacht auch ſo gnädiglich behüten. Ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heilicker Engel ſei mit mir, daß der böſe Feind keine Macht an mir finde. Amen. Lied Nr. 386: Hinunter iſt der Sonnen Schein. II. Morgen⸗ und Abendgebete auf die Tage der Woche. 6. Morgengebet am SFonntage. Eeeins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hauſe des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu ſchauen die ſchönen Gottesdienſte des Herrn und ſeinen Tempel zu beſuchen. Pſ. 27, 4. ———— 6 Morgen⸗ und Abendgebete. Vater des Lichts, der du das natürliche Licht dieſer Welt uns ſcheinen läſſeſt, ſende doch auch heute und alle Zeit das wahrhaftige Licht, Jeſum Chriſtum, in unſere Herzen und laſſe ihn darin leuchten und alle Finſternis vertreiben, damit wir dich, ewiger Gott, in deinem lieben Sohne erkennen und liebgewinnen mögen. Siehe, wir ſind durch die Sünde in der Finſternis der Eitelkeit dieſer Welt gefangen; darum lehre uns ſelber durch deinen heiligen Geiſt aus deinem Worte, wie wir uns zu dir bekehren und dir im Glauben gehorſam werden können. Lieber himmliſcher Vater, wir danken dir im Namen Jeſu Chriſti, daß du uns in der vergangenen Nacht vor jedem Unfall ſo väterlich bewahrt und geſund zu dieſem Tag haſt kommen laſſen. O getreue Liebe, laß doch mit der vergangenen Nacht auch das Gedächtnis unſerer Sünden vor deinem Ange⸗ ſicht vergangen ſein. Und weil heute der Tag der Auf⸗ erſtehung deines Sohnes iſt, ſo erwecke uns vom Schlaf der Thorheit und Trägheit unſerer Herzen zu einem neuen Leben in dir. Vater des Lichts und Geber aller guten und vollkommnen Gaben, gönne uns heute dein heiliges Wort und laß es unſeres Herzens höchſte Freude und Wonne ſein. Lehre uns durch dasſelbige den alten Menſchen aus⸗ und den neuen anziehen, der nach dir ge⸗ ſchaffen iſt in rechtſchaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Gieb uns zu dieſem Ende reichlich die Gabe deines heiligen Geiſtes, daß wir ſchnell und aufmerkſam ſeien am heutigen Tage dein köſtliches Wort zu hören, langſam aber zu reden allerlei eitle Dinge und faule Geſchwätze, die nicht zur Beſſerung dienen und nicht holdſelig ſind zu hören. Stärke uns, alles zu meiden, was deinen heiligen Tag entheiligt, und ſchenke uns ſehende Augen, hörende Ohren, verſtändige Herzen, zu merken, wo es uns fehlt. Pflanze dein Wort ſelbſt in uns, daß es unſere Seelen ſelig mache. Gieb auch allen denen, die hier und an andern Orten der ganzen Chriſtenheit heute dein Wort verkündigen, die Gabe des heiligen Geiſtes, daß ſie deine und nicht ihre Worte predigen, und daß ſie ſolches thun mit fröhlichem Aufthun ihres Mundes zum Heile derer, die ſie hören. Ja komme ſelbſt mit deinem heiligen Geiſte zu uns und halte deinen Sabbat und Feiertag in unſern Seelen. Morgen⸗ und Abendgebete. 7 Laß unſer Herz deinen Tempel ſein, in welchem dein Geiſt durch wahren Glauben das Verdienſt deines Sohnes uns zueigne, uns in rechter Liebe gegen dich entzünde, zu dankbarem Gehorſam führe, und wir alſo einen dir gefälligen Gottesdienſt alle Tage verrichten. Führe uns aus Glauben in Glauben, aus Liebe in Liebe, aus Kraft in Kraft, aus Leben in Leben, aus Licht in Licht, bis an das Ende unſerer Wallfahrt; bis wir würdig werden, jene Welt zu erlangen und den ewigen Sabbat mit dem Volke Gottes in den ſicheren Wohnungen des Friedens zu feiern; dann wollen wir dich für alle deine Liebe und deine Wohlthaten herzlich lieben, loben und preiſen ewig⸗ lich, durch Jeſum Chriſtum unſern Herrn. Amen. Lied Nr. 3: Licht vom Licht, erleuchte mich. 7. Ibendgebet am Sonntage. Das iſt ein köſtlich Ding, dem Herrn danken und lobſingen deinem Namen, du Höchſter, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen. Pſ. 92, 2, 3. Herr, allmächtiger Gott und himmliſcher Vater, wir danken dir von Grund unſerer Herzen für deine Güte und Wohlthat, die du uns an dieſem heiligen Tag ſo väterlich erzeigt haſt. Insbeſondere ſagen wir dir Lob und Dank für dein göttliches Wort, welches du uns auch heute haſt verkündigen laſſen, und bitten dich, du wolleſt uns ſolches allezeit rein und lauter erhalten, auch dasſelbe immer weiter ausbreiten und deine Kirche mehren und gnädiglich ſchützen und bewahren. Wir bitten dich auch, du treuer Gott, als deine lieben Kinder, du wolleſt uns bei deinem allein ſeligmachenden Wort bis an unſer letztes Seufzen erhalten und unſre Herzen mit deinem heiligen Geiſt erleuchten, daß wir mögen erkennen, was gut und böſe iſt. Du wolleſt auch alle Sünden, die wir heute wiſſentlich oder unwiſſentlich gethan haben, auch die ver⸗ borgenen Fehler, durch deine Barmherzigkeit uns vergeben, und in der kommenden Nacht uns eine chriſtliche Ruhe ver⸗ leihen, daß wir friſch und geſund zu deinem Lobe morgen wieder aufſtehen. Hilf endlich, lieber Vater, daß wir durch deine Gnade ein neues, dir wohlgefälliges Leben anfangen — 8 Morgen⸗ und Abendgebete. zu unſerer Seelen Seligkeit, in Chriſto Jeſu, deinem lieben Sohn, unſerem einigen Helfer. Amen. Lied Nr. 151: Ach bleib bei uns, Herr Jeſu Chriſt. s. Morgengebet am Montag. Der Herr, unſer Gott, ſei uns freundlich und fördere das Werk unſerer Hände bei uns; ja das Werk unſerer Hände wolle er fördern. Pſ. 90, 17. O Herr! Durch deine Güte fangen wir mit dieſem Morgen unſere Wochenarbeit von neuem an. Laß des⸗ halb deine ewige Liebe und Treue, die uns mit deinem Segen bisher überſchüttet hat, auch heute uns abermals aufgehen. Wer ſind wir, o Gott, daß du uns bis hier⸗ her gebracht haſt? Wir ſind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den wir an dir haben ſollten. Ach, ſo ge⸗ denke denn auch heute unſer nach deiner großen Barm⸗ herzigkeit und nach deiner Verheißung, daß alle, die an deinen Sohn glauben und nach dieſem Glauben leben, nicht ſollen verloren werden, ſondern das ewige Leben haben. Verlaß uns nicht uud ziehe deine Hand nicht von uns ab, Gott unſer Heil! Lehre uns heute und die ganze Woche thun nach deinem Wohlgefallen; dein guter Geiſt führe uns auf ebner Bahn. Wir wiſſen nicht, was uns in dieſer angefangenen Woche begegnen kann, Ach, be⸗ hüte uns vor allem übel, behüte unſere Seele und unſeren Leib, unſeren Eingang und Ausgang. Wehre allem Böſen, welches uns das Ziel unſeres Chriſtenlaufs verrücken könnte. Laß uns aufſehen auf Jeſum, den Anfänger und Vollender unſeres Glaubens, damit alles, was wir thun, in dir gethan ſei! Gieb zu unſerer Arbeit dem Leibe Kraft und Geſundheit, dem Gemüte Ruhe und Zufriedenheit und erhalte uns den Segen, den du ſeither uns haſt zufließen laſſen. Ernähre, verſorge, be⸗ ſchütze uns. Gieb uns Weisheit, unſere Zeit wohl anzu⸗ wenden. Legeſt du uns eine Laſt auf, ſo hilf ſie uns auch tragen, und laß uns allezeit erfahren, daß du ein Gott ſeieſt, der uns von allem übel erlöſen will. Sei mit uns und zeige uns dein Heil. Und wie alles auf dich wartet, ſo ſegne auch heute und in dieſer Woche alle dir wohlgefällige Arbeit und gieb, daß ein jeder ſich .——— — Morgen⸗ und Abendgebete. redlich nähre und mit gutem Gewiſſen vor dir wandle. Ja denke an uns und ſegne uns! Segne, die dich lieben, beide, Große und Kleine! Segne uns je mehr und mehr um deines lieben Sohnes Jeſu Chriſti willen. Amen. Lied Nr. 365: Aus meines Herzens Grunde. 9. Ibendgebet am Montag. Ich liege und ſchlafe ganz in Frieden; denn du allein, Herr, hilfſt mir, daß ich ſicher wohne. Pſ. 4, 9. Ich lobe und preiſe deinen heiligen Namen, ewiger Gott, daß du mich erhört und mein Gebet nicht ver⸗ ſchmäht haſt, das ich heute in der Morgenſtundè vor dein heiliges Angeſicht geruht habe. Ich preiſe dich mit Herz und Mund nach dem Maße deiner Gnade, die du mir dazu darreicheſt, beides für die erkannten und uner⸗ kannten Wohlthaten, die ich heute wieder von dir em⸗ pfangen habe. Ich preiſe dich auch für das Kreuz, welches du mir, als einem Jünger Jeſu, täglich auflegſt, um meine Seele von den Lüſten dieſer Welt zu entwöhnen und zu dir zu ziehen. So nimm mich denn jetzt zur Ruhe, lieber Vater! Ich lege mich in deine Arme, in ſtuih Ver⸗ trauen auf deine Gnade Schließe du mir mit deiner ſegnenden Vaterhand die S zu und bleibe indeſſen vereinigt mit meinem Geiſte. Behüte gnädiglich meinen Leib und meine Seele und alles, du mir gegeben haſt. Behüte insbeſondere auch alle meine Lieben und laß ſie niemand aus deiner Hund zen Erbarme dich aller Menſchen in der Welt, vornehmlich meiner Mitbrüder und Mitſchweſtern in Chriſto Jeſu, und laß ſie auch einer Frucht aus meinem armen Gebet teilhaftig werden.— An dem morgenden Tag aber öffne wieder meine Augen und erfülle meinen Mund aufs neue mit deinem Lobe, damit ich ſo lange dich preiſe und dir zur Ehre lebe, bis mein Abend dieſes zeitlichen Lebens herankommt, du meinen Leib ins Grab zur Ruhe legſt und mich aufweckſt zum großen Freudentag deiner Kinder, da meine Sonne ewiglich nicht untergehen wird, ſondern ich immerdar in Wahrheit und Klarheit vor dir leben Amen. Lied Nr. 300: Ach, Gott, verlaß mich nicht. Morgen⸗ und Abendgebete. 10. Morgengebet am Dienstag. Bei dir iſt die lebendige Quelle und in deinem Licht ſehen wir das Licht. Breite deine Güte aus über die, die dich kennen, und deine Gerechtigkeit über die From⸗ men. Pſ. 36, 10, 11. O du allmächtiger Gott und Vater des Lichts, der du wohneſt in einem Lichte, da niemand zukommen kann, der du aus der Finſternis den Morgen machſt und die Sonne dem Tage zum Lichte giebſt, dir bringe ich das frühe Dankopfer meines Mundes dar, weil du mich das Sonnenlicht nach der Finſternis wieder haſt erblicken und den Tag geſund antreten laſſen. Ach, Herr, laß mit dem Tageslicht mir und den Meinen, allen Chriſten und allen Menſchen, meinen Freunden und denen, die mir feind ſind, auch deine Gnade neu aufgehen. Gieb allenthalben neues Licht, neue Freudigkeit, neues Leben und neue Seligkeit! Laß mein Glück und meine Wohlfahrt hervor⸗ brechen, wie die ſchöne Morgenröte, und wenn ich in Finſternis und Schatten des Todes wandle, ſo ſei du mein Licht. O Herr Jeſu Chriſte, du Sonne der Ge⸗ rechtigkeit, gehe auf mit deiner Gnade in meinem Herzen. Erleuchte, erwärme und erfreue dasſelbe. Lehre mich denken an dein Gericht, bewahre mich vor den Werken der Finſternis, laß mich in deinem Lichte wandeln, dir folgen, immer frommer werden und dereinſt gelangen zu e himmliſchen Klarheit um deines Verdienſtes willen. men. Lied Nr. 373: Hüter, wird die Nacht der Sünden. 11. Ibendgebet am Dienstag. Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht; denn vor dir iſt kein Lebendiger gerecht. Pſ. 143, 2. Herr, du Hüter Israels, der du weder ſchläfſt noch ſchlummerſt, gedenke unſer und wache über uns mit deinem Vaterauge auch in dieſer Nacht. Deine Hand decke alles, was da lebet! Erhöre in dieſer Abendzeit, o barm⸗ herziger Vater, aller frommen Chriſten Abbaruf. Schone nach deiner großen Güte derer, die heute wider dich ge⸗ ſündigt haben. Laß niemand unter uns deiner Gerichte Morgen⸗ und Abendgebete. 11 vergeſſen und daß wir offenbar werden müſſen vor dem Richterſtuhl Chriſti, auf daß ein jeglicher empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es ſei gut oder böſe. Laß uns bedenken, daß wir ſterben müſſen, auf daß wir klug werden; denn es iſt uns geſetzt einmal zu ſterben und dann das Gericht!— Gieb, daß alle, die heute uneins mit einander ge ſind, die Sonne nicht über ihrem Zorn untergehen laſſen. Ach, erbarme dich auch derer, die ohne Andacht und Gebet ſich niederlegen. Er⸗ quicke mit ſanfter Ruhe alle Menſchen, welche dieſen Tag über müde geworden ſind. Stärke die, nichr aus Not auch in dieſer Nacht arbeiten müſſen. Hilf den Reiſenden zurecht, die jetzt noch der Straße wallen. Sch haffe denen ihr Unterkommen, welche heute keine Ferbe fanden. Labe, die ſich hungrig müſſen. Wache ſelbſt über den K ranken, pflege der Kinder und Säuglinge, kürze die Zeit denen, die nicht ſchlafen können, und ſtehe mit deinem Troſt allen Notleidenden bei, die heute eine elende Nacht haben werden.— Behüte unſere ganze Gemeinde in dieſer Nacht vor Lärm und Aufruhr, vor Not und Gewalt, vor Feuers⸗ und Waſſersgefahr, vor Mord und Totſchlag, vor allem Schaden und Unglück. Hilf, daß alle, die für uns wachen, auf ihrer Hut ſiehen, und erhalte einem jeden das Stine in Ruhe und Frieden, bis wir endlich aus der Finſternis dieſer Welt kommen zu deinem ewigen Licht! Amen. Lied Nr. 296: O Gott, du frommer Gott. 12. Morgengebet am Mittwoch. Herr, lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, denn du biſt mein Gott; S guter Geiſt führe mich auf ebner Bahn. Pſ. 143, 10. Lieber himmliſcher Vater, durch deine Gnade bin ich wieder in die Mitte einer Voche eingetreten und preiſe dafür deinen heiligen Namen. Deine Güte iſts, daß wir nicht gar aus ſind, deine Barmherzigkeit ie noch kein ſondern ſie iſt alle Morgen über neu, und deine Treue iſt groß. So laß auch an dieſem neuen Morgen und immerdar das rechte götuche, geiſtliche und —— ————— 12 Morgen⸗ und Abendgebete. himmliſche Leben, das aus dir iſt, durch den Geiſt der Gnade in mir neu werden, damit nicht ich lebe, ſondern Chriſtus in mir. Dir ergebe ich mich aufs neue, o Vater; mache mit mit, was dir wohlgefällt. Reinige, läutere und bewähre mich, daß ich ein rechtſchaffener Chriſt ſei; denn ich begehre keine Ehre, als deine Kind⸗ ſchaft, keinen Reichtum, als die Gerechtigkeit Chriſti, keine Freude, als die gnadenreiche Einwohnung deines heiligen Geiſtes. Für meine leibliche Rotdurft wirſt du wohl ſorgen; denn du haſt geſagt: ich will dich nicht verlaſſen noch verſäumen. Doch bewahre mich vor Müßiggang nnd laß mich arbeiten, nicht aus Geiz, ſondern weil es dein Wille iſt, und aus herzlicher Liebe gegen meinen Nächſten. Laß deine Barmherzigkeit ſich ausbreiten über alle Menſchen und deine Güte über alle deine Geſchöpfe. Ge⸗ denke deiner Kinder, die dich kennen und in der Einigkeit des Geiſtes verbunden ſind, als lebendige Glieder an ihrem hochgelobten Haupte, Jeſu Chriſto. Laß unſer aller Gebet Ein Gebet ſein vor dir durch Chriſtum, in welchem du uns dir ſelbſt angenehm gemacht haſt. Sei du eine ewige Vergeltung denen, die mir Liebe beweiſen. Meine Seleidiger ſiehe mit erbarmendem Auge an und vergieb ihnen, gleichwie ich ihnen von Herzen vergebe. Alle meine Anverwandten lege ich in deine Liebesarme. Kirchen und Schulen, Obrigkeiten und Unterthanen befehle ich dir, mein Gott. Ach, ſiehe an das Sündenelend in allen Ständen; mache dich guf und hilf uns, daß deine Ehre gerettet und des gottloſen Weſens ein Ende werde. Hilf den Armen und Elenden, die zu dir ſchreien. Herr, mein Gott, verſchmähe mein Gebet nicht, ſondern erhöre mich um Jeſu Chriſti willen! Amen. Lied Nr. 111: Zeuch ein zu deinen Thoren. 13. Abendgebet am Mittwoch. Gott, höre mein Gebet und verbirg dich nicht vor meinem Flehen; merke auf mich und erhöre mich. Pſ. 55, 1,2. Barmherziger Gott, lieber himmliſcher Vater! Ich ſage dir Lob und Dank für alles Gute, das du mir in meinem bisherigen Leben erwieſen haſt, für allen Segen, Morgen⸗ und Abendgebete. 13 mit welchem du mich im Leiblichen, wie im Geiſtlichen gekrönt, für alle Hilfe und allen Beiſtand, den du mich immer wieder erfahren, und alle Rettungen, welche du mir ohne mein Verdienſt und Würdigkeit haſt zu teil werden laſſen. Insbeſondere danke ich dir von ganzem Herzen für deine Gnade und Wohlthat, die du mir, o Gott, an dem vergangenen Tage erzeigt, für die Freude, die du mir geſchenkt, für den Schutz gegen alle übel des Leibes und der Seele, den du mir gewährt, und für die Langmut und Geduld, womit du meine Fehler getragen haſt. Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan haſt, und bitte dich mit herzlicher Reue um Vergebung alles Böſen, das ich begangen und womit ich bis heute und auch dieſen Tag deine Gnade mißbraucht habe. Herr, gehe nicht ins Gericht mit mir, ſondern erbarme dich mein, und laß deine Güte und Treue mich auch dieſe Nacht und ferner behüten. In deine Hand befehle ich meinen Leib und meine Seele, mein Gut und Vermögen, mein Wachen und Schlafen, mein Leben und Sterben. Decke mich mit deinem Schilde und bewahre mich vor allem übel und vor aller Gefahr. Laß mich morgen wieder fröhlich erwachen, damit ich aufs neue dir die Opfer meines Dankes bringe und meinen Chriſtenlauf zu deinem Preiſe fortſetze. Und wenn einſt die Nacht auch für mich kommt, da niemand mehr wirken kann, dann reiche mir deine allmächtige Hand und nimm mich auf zu dir in dein himmliſches Reich. Amen. Lied Nr. 298: Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig. 14. Morgengebet am Donnerstag. Herr, höre meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten! Herr, frühe wolleſt du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir ſchicken. Pſ. 5, 2— 4. O allmächtiger, ſtarker und gewaltiger Gott, lieber himmliſcher Vater, der du uns bis auf dieſe Stunde le⸗ bendig erhalten haſt, wir kommen vor dein heiliges An⸗ geſicht an dieſem Morgen und preiſen dich um alle deine 16* 14 Morgen⸗ und Abendgebete. Barmherzigkeit, die du wiederum in dieſer Nacht an uns erwieſen häſt. Du haſt uns ſicher ruhen laſſen, unſeren Leib und alle unſere Kräfte neu erquickt und uns fröhlich gemacht im Anſchauen deines freundlichen Lichtes. Du, unſer Gott und Herr, erforſcheſt und kenneſt uns; du ſieheſt auf unſere geheimſten Gedanken; wir aber müſſen mit herzlichem Leid bekennen, daß wir nicht alſo vor dir wandeln, wie ſichs gebührt, und des Ruhmes mangeln, den wir vor dir haben ſollten. Wir ſündigen oft und werden übereilt von unſrem eignen Fleiſch und Blut. Es iſt uns leid, ja es iſt uns leid, daß wir dich ſo oft verſuchen. Ach, Vater, vergieb uns doch um deines Namens willen unſereübertretungen! Gedenke der Fürbitte deines Sohnes, unſeres gekreuzigten Heilands, und nimm uns wieder zu Gnaden an. Du biſt ja unſer Vater; von Ewigleit her iſt das dein Name. Dein heiliger Geiſt re⸗ giere uns zu allem Guten. Siehe, o Herr, unſeren Leib und unſere Seele und alles, was uns deine Gnadenhand gegeben hat, befehlen wir in deine treuen Vaterhände. Sei du unſer und aller Menſchen, die dich erkennen und fürchten, Licht und Heil. Sei mit uns in all unſerem Thun; gieb, daß wir mit aller Treue warten des Berufes, in den du uns geſetzt haſt. Laß alles wohlgelingen; laß uns auch heute unſer täglich Brot nach deiner Zu⸗ ſage von deiner Hand mit Dankſagung empfangen. Ach, Herr, bewahre unſere Zunge und alle unſere Glieder vor dem Böſen. Laß uns dieſen Tag in deiner Furcht zu⸗ bringen, dir zur Ehre und uns zur Seligkeit, um Jeſu Chriſti, unſeres Heilands willen. Amen. Lied Nr. 369: Wach auf, mein Herz, und ſinge. 15. Abendgebet am Donnerstag. Behüte mich, wie einen Augapfel im Auge; beſchirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Pſ. 17, 8. Lieber, barmherziger Gott und Vater! Wir kommen vor dein Angeſicht, um dir zu danken, daß du uns auch dieſen Tag wieder durch deinen Schutz vor Schaden und Gefahr gnädiglich behütet haſt. Wir ſind nicht wert aller der Güte und Treue, die du auch heute wieder an uns —— Morgen⸗ und Abendgebete. 15 gethan haſt. So du, Herr, wollteſt Sünde zurechnen, wer wird beſtehen? Aber du biſt langmütig und freund⸗ lich und läſſeſt dich gnädig finden denen, die dich ſuchen. Darum bitten wir dich, du wolleſt uns alle Sünden ver⸗ geben, welche wir in Gedanken, Worten und Werken be⸗ gangen haben, und uns auch jetzt in dieſer Nacht und alle Zeit unſeres Lebens vor aller Gefahr und allem Schaden des Leibes und der Seele gnädiglich beſchirmen. Zu dir ſteht unfre Hoffnung; denn du biſt unſer Gott, der Hort, auf den wir bauen. Darum laß deine Augen offen ſtehen über uns und decke uns mit deinem Schilde. Laß uns heute in Frieden entſchlafen und morgen fröhlich zu deinem Preiſe wieder erwachen. Führe uns durch Nacht zum Licht, bis endlich der letzte Tag unſeres Lebens kommt und ein Tag anbricht, der kein Ende nimmt; dann führe uns gnädig in die ewigen Hütten. Amen. Lied Nr. 396: Hirte deiner Schafe. 16. Morgengebet am Freitag. Gott, ſei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Waſche mich wohl von meiner Miſſethat und reinige mich von meiner Sünde; denn ich erkenne meine Miſſethat, und meine Sünde iſt immer vor mir. Pſ. 51, 3—5. Gnädiger und liebreicher Gott! Ich erhebe in dieſer Morgenſtunde mein Herz und meine Hände auf zu dem Thron deiner göttlichen Majeſtät, von welchem mir Zeit meines Lebens und auch wieder in der vergangenen Nacht ſo viele Wohlthaten zugefloſſen ſind. Du biſt in derſelben meine Stärke und meine Burg, mein Schutz und Schirm geweſen. Mitten in der Finſternis haſt du an mich ge⸗ dacht und, da mich die dunkeln Schatten umgaben, mir Leib und Seele vor Gefahr und Schaden bewahrt. Darum danke ich dir und preiſe deinen heiligen Namen; du haſt Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich. Sei, o lieb⸗ reicher Gott, auch heute mein Beiſtand, leite mich nach deinem Rat und nimm mich endlich mit Ehren an. Gieb mir heute und allezeit ein, was ich reden ſoll, daß ich nichts übles rede; lehre mich, was ich thun ſoll, daß ich nichts Böſes thne. Laß deines Geiſtes Zucht an mein 16 Morgen⸗ und Abendgebete. Herz klopfen, wenn meine Gedanken ſich von dir verirren wollen. Und da der heutige Tag ein Gedenktag des Leidens und Sterbens meines Herrn und Heilands iſt, ſo ſtelle ſein Kreuz vor meine Augen, damit ich ſchaue, was er für mich gelitten hat, und alle Luſt meines Herzens zur Sünde erlöſche. Laß mir dieſen Freitag einen rechten Freiheitstag von allem Böſen werden und einen Wegweiſer zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Gedenke auch im Leiblichen an mich und ſegne mich; laß mich aber auch alles Irdiſche als ein vergängliches Gut anſehen, daß ich meine Seele nicht daran hänge, ſondern nach dem Ewigen trachte. Wenn ich arbeite, ſo ſtärke mich; wenn ich bete, ſo erhöre mich; wenn ich ausgehe, ſo begleite mich; wenn ich heimkehre, ſo weiche nicht von mir. Umgieb mich und die Meinen mit deinem Schutze, daß wir den Abend fröhlich erleben. Halte traurige Botſchaft fern und laß uns hören Freude und Wonne. Amen. Lied Nr. 62: Wenn mich mein Sünden kränken. 17. Abendgebet am Freitag. Herr, auf dich traue ich; laß mich nimmermehr zu Wden werden; errette mich durch deine Gerechtigkeit. Wir danken dir, Herr, unſer Gott, für die wunder⸗ bare Liebe, mit welcher du uns Unwürdige durch deinen geliebten Sohn errettet haſt. Alſo haß du die Welt ge⸗ liebt, daß du deinen Eingebornen dahin gabſt, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, ſondern das ewige Leben haben. O unermeßliche Liebe, du gabſt den Sohn dahin, um den Knecht zu erlöſen und jeder Ge⸗ walt des Böſen zu entreißen. Wie ſollen wir dich loben und dir Dank ſagen für dieſe deine Barmherzigkeit? Laß dir wohlgefallen das Stammeln unſeres Mundes und den kindlichen Dank unſeres Herzens. Vernimm in deiner Herrlichkeit die ſchwachen Seufzer unſerer Seelen, die wir dir darbringen für alle Erbarmungen, womit du uns in deinem Sohne, unſerem Heiland, zu Hilfe kamſt. Er ſtarb für unſere Sünden und ſtand auf zu unſerer Gerechtigkeit und herrſchet nun in Ewigkeit zu deiner Rechten und bittet für uns. Du haſt ihm alle Macht ————„„ Morgen⸗ und Abendgebete. 17 gegeben, daß in ſeinem Namen ſich unſere Kniee beugen und alle Zungen bekennen ſollen, daß er der Herr ſei zu deiner Ehre. Gott, allmächtiger Vater, gelobet ſei dein heiliger Name in Ewigkeit! O mache uns würdig, himmliſcher Vater, der großen Lerheiß ung deines daß wir in ihm Leben und Seligkeit haben ſollen. Vollende, was du begonnen haſt, und laß uns immer tcn zum Genuſſe deiner Gnade gelangen. Würdige uns tieferer Blicke in das Geheimnis deiner Erbarmungen und zerſtreue alle Finſterniſſe unſeres Herzens durch die Strahlen deines ewigen Lichtes. Stärke, kräftige, gründe uns durch die helle Erkenntnis unſeres Erlöſers. Siehe, wir lieben ihn, hilf uns ſtärker ihn lieben. Siehe, wir glauben, hilf unſerem Unglauben. Amen. Lied Nr. 387: Mein ſchönſte Zier und Kleinod biſt. 18. Morgengebet am Zamstag. Herr Gott, du biſt unſere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge worden und die Erde und die Welt geſchaffen worden, biſt du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Pſ. 90, 2. Rühmet den Herrn, die ihr ihn fürchtet; denn er hat nicht verachtet noch verſchmäht das Elend der Armen und ſein Antlitz vor ihnen nicht verborgen! Ja, du erhörſt das Gebet, du getreuer Gott; darum kommt alles Fleiſch zu dir. Du machſt fröhlich, was da lebt, beides des Morgens und des Abends. Auch in dieſer Nacht haſt du uns wieder geholfen und läſſeſt uns heute unter deinem Schutze den Schluß einer Woche erleben. O Herr, deine Güte reicht, ſo weit der Himmel iſt, und deine Wahrheit, ſo weit die Wolken gehen. Darum danken wir dir für alle deine Gnade und lobſingen deinem Namen, du Höchſter. Ach, gieb doch, daß wir ohne Unterlaß deiner Treue gedenken und des Morgens deine Gnade, des Nachts deine Wahr⸗ heit verkündigen. Und hilf uns, daß auch all unſer Wandel dich preiſe und unſer Thun und Luſſen dich ehre. Heilige du uns zu Opfern, die dir angehören und die da lebendig, heilig, uirirli und dir wohlgefällig ſind. Dazu erwecke uns alle Morgen; wirke beſtändig in unſeren Herzen durch deinen heiligen Geiſt und mache uns zu neuen Menſchen, auf daß wir in dir bleiben und einen 18 Morgen⸗ und Abendgebete. Fels des Heils haben mögen, wenn auch eine Woche um die andere dahinflieht. Es iſt ja alles eitel; alles Fleiſch iſt wie Gras und alle Herrlichkeit des Menſchen wie des Graſes Blume. Das Gras verdorrt, die Blume fällt ab, du allein bleibſt, wie du biſt, und deine Jahre nehmen kein Ende. Darum nehmen wir unſere Zuflucht zu dir und bitten dich: ſei unſer allmächtiger Schutz und leite uns an deiner Hand, daß wir nicht von deinen Wegen abweichen. Hilf uns zu einem geſegneten Schluſſe dieſer Woche; ſegne uns zu ernſtlicher Selbſtprüfung, damit wir unſere Gedanken und Werke dieſer Woche überſchauen und merken, wo wir gefehlt haben, und uns demütigen vor dir. O Herr, wirke du ſelbſt in uns eine wahre Buße an Herz und Sinn. Bereite uns zu, daß du unter uns wohnen könneſt; mache uns den heutigen Tag zu einem ſtillen Vorſabbat unſerer Seelen, damit wir morgen deinen heiligen Sabbat⸗ tag im rechten Segen feiern mögen. O treuer Vater, ſchenke uns heute deine Hilfe unter allen Umſtänden und laß nichts Böſes über uns herrſchen. Sei uns gnädig und erfülle an uns deine Verheißung: es ſollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade ſoll nicht von euch weichen und der Bund meines Friedens ſoll nicht hinfallen. Ja, offenbare an uns deine Treue, Vater, Sohn und heiliger Geiſt. Hilf, o Herr, und laß alles wohlgelingen. Erhebe dein Angeſicht über uns und gieb uns deinen zeitlichen und ewigen Frieden! Amen. Lied Nr. 375: Gott, du Licht. 19. Ibendgebet am Samstag. Herr, lehre mich, daß es ein Ende mit mir haben muß und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Siehe, meine Tage ſind einer Hand breit bei dir, und mein Leben iſt wie nichts vor dir. Wie gar nichts ſind alle Menſchen, die doch ſo ſicher leben! Sie gehen daher wie ein Schatten und machen ſich viel vergebliche Unruhe; ſie ſammeln und wiſſen nicht, wer es kriegen wird. Nun, Herr, wes ſoll ich mich tröſten? Ich hoffe auf dich. Pſ. 39, 5—8. Danket dem Herrn, denn er iſt freundlich und ſeine Güte währet ewiglich! Ich lobe dich täglich und preiſe auch jetzt, am letzten Abend dieſer Woche, deinen heiligen Morgen⸗ und Abendgebete. 19 Namen. Denn wer bin ich, Herr, und was iſt mein Haus, daß du mich bis hierher gebracht haſt? Du haſt in dieſer Woche nicht mit mir gehandelt nach meinen Sünden und mir nicht vergolten nach meiner Miſſethat, haſt mir Leben und Wohlthat erzeigt und durch dein Aufſehen meinen Odem bewahrt; des Tages bin ich unter deinem Schatten geſeſſen und des Nachts durfte ich unter deinem Schirm ruhen. Du warſt und biſt meine Zu⸗ verſicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich traue. Darum danke ich dir von Grund meines Herzens, und wenn du auch mich und die Meinen mit allerlei Leiden dieſer Welt heimfuchſt, ſo lobe ich doch deine Güte, die durch Trübſal uns in dein Reich führen will. Ach, vergieb mir um Jeſu Chriſti willen meine Sünden, welche ich wider dich, meinen Nächſten und mich ſelbſt in dieſer Woche begangen habe. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz durch das Blut deines Sohnes und einen neuen Geiſt durch deinen heiligen Geiſt. Und wie du aus Gnaden mir meine Sünden erläſſeſt, ſo neige auch mein Herz, daß ich denen vergebe, die ſich wider mich verſündigt haben. Ich weiß ja nicht, ob du nicht mit dem Ende dieſer Woche und in dieſer Nacht mich aus dem zeitlichen Leben abrufſt. Darum laß mich weder in der Sünde des Zornes und der Unverſöhnlichkeit, noch ſonſt in einem Laſter ſterben oder verderben, ſondern in Jeſu Chriſto, meinem Heiland, erfunden werden. Herr, du biſt unſre Zuflucht für und für! Sei mit mir, mit den Meinen, mit allen Menſchen, ſchütze und ſchirme ſie und laß ſie immerdar deine Wege gehen. Durch deine Kraft bereite alle, die nach dir fragen und dein Heil lieb haben, daß ein jeder das Werk, das du ihm befohlen haſt, von Tag zu Tag treulich ausrichte und am Ende ſeines Lebens mit Freuden vollendet habe, damit das Ende, es komme heut oder morgen, eine Befreiung von dem Dienſt des vergänglichen Weſens und ein Anfang der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes in jener Welt ſei. Bereite uns zum ewigen Sabbat, da nicht Leid noch Geſchrei noch Schmerz mehr iſt, ſondern Freude in Fülle und liebliches Weſen zu deiner Rechten. Das thue, lieber Vater, um Jeſu Chriſti, deines Sohnes, willen. Amen. Lied Nr. 402: Gott Lob, ein Schritt zur Ewigkeit. Feſtgebete. III. Feſtgebete. 20. Auf Reihnachten. Laß dir wohlgefallen die Rede meines Mundes und das Geſpräch meines Herzens vor dir, Herr, mein Hort und mein Erlöſer. Pſ. 19, 15. Ewiger und allmächtiger Gott, du haſt alſo die Welt geliebt, daß du deinen eingeborenen Sohn ſandteſt, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, ſondern das ewige Leben haben. Wir danken dir dafür von Grund unſerer Herzen und loben deine große Barm⸗ herzigkeit, daß uns beſucht hat der Aufgang aus der Höhe, dein Sohn Jeſus Chriſtus, und unſer Fleiſch und Blut angenommen, damit er durch ſein Leben unſer Leben heilige und durch ſeinen Tod dem Tode die Macht nähme und Leben und unvergängliches Weſen an das Licht bringe durch das Evangelium.— Wir bitten dich herzlich, verleihe uns die Gnade, daß wir dir unſer Leben lang danken und von Tag zu Tag mehr erkennen, wie uns dein Sohn gemacht iſt zur Weisheit, zur Gerechtig⸗ keit, zur Heiligung und Erlöſung, daß wir alles für Schaden achten gegen die überſchwengliche Erkenntnis Jeſu Chriſti. Gieb, daß wir an ihn, unſern Heiland, aufrichtig glauben, uns ihm gänzlich ergeben, ihm willig dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit, und durch ihn deine Kinder und Miterben ſein mögen deiner ewigen Herrlichkeit. Ehre ſei dir in der Höhe, Friede auf Erden und den Menſchen ein Wohlgefallen! Amen. Lied Nr. 37: Ich ſteh an deiner Krippe hier. 21. Zum Zahreswechſel. Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage. Deine Jahre währen für und für. Du haſt vorhin die Erde gegründet, und die Himmel ſind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, aber du bleibeſt. Sie werden alle veralten, wie ein Gewand; ſie werden verwandelt, wie ein Kleid, wenn du ſie ver⸗ Feſtgebete. 21 wandeln wirſt. Du aber bleibeſt, wie du biſt, und deine Jahre nehmen kein Ende. Pſ. 102, 25— 28. Allmächtiger, ewiger Gott, barmherziger Vater, wir haben jetzt abermals ein Jahr unſerer Pilgerſchaft auf Erden zu Ende gebracht und fangen in deinem Namen ein neues an. Ach, Herr und Gott, wie groß iſt deine Gnade, die du uns ſeither erzeigt haſt, da wir doch durch unſere Sünden ſo viel Strafen vetdient hätten. Wir rühmen und preiſen deine große Barmherzigkeit und danken dir für alle deine Güte und Treue.— Wir bitten dich aber auch durch deinen Sohn, unſern Heiland, gehe nicht mit uns ins Gericht und vergilt uns vicht nach unſerer Miſſethat, ſondern vergieb uns unſere Sünden und führe uns auf deinen Wegen. Regiere uns, daß wir keine alte Unreinigkeit in das neue Jahr bringen, ſondern den alten Menſchen aus⸗ und den neuen anziehen, der nach dir geſchaffen iſt. Fange an, o Vater, uns aufs neue zu ſegnen. Gieb uns rechten Mut, rechten Glauben und rechte Werke. Nimm von uns alles herzeleld⸗ und weil wir im künftigen Jahre, wie in unſerer ganzen Lebenszeit, vor allem deines Schutzes bedürftig ſind, ſo halte deine Gnadenhand väterlich über uns.— Getreuer Gott, erhöre unſer Gebet und erbarme dich aller Menſchen; erhalte uns dein reines Wort, heilige alle Lehrer und Prediger; erbaue Kirchen und Schulen. Behüte uns vor falſcher Lehre. Stärke alle Regenten, fördere jeden guten Rat und jede gute That. Segne Väter und Mütter, regiere Kinder und Geſinde. Bewahre uns vor Krieg und Blutvergießen, vor Feuers⸗ und Waſſersnot, vor Teurung und Krankheiten. Kröne das Jahr mit deinem Gut; gieb Frieden im Lande, unſeren Herzen Frieden, unſerem Leibe Segne unſere Nahrung und fördere das Werk unſerer Hände. Bekehre die Sünder, ſtärke die Frommen, bringe zurecht die Irrenden, erleuchte unſere Feinde, wehre allen Verfolgern, ſchütze Witwen und Waiſen, verſorge die Armen, tröſte die Elenden, er⸗ rette die Bedrängten, pflege die Kranken, ſei bei den Sterbenden, durch Jeſum Chriſtum, deinen lieben S unſeren Heiland und Erlöſer. Amen. Lied Nr. 48: Nun laßt uns gehn und treten. Feſtgebete. 22. Auf Charfreitag. Der Gerechte muß viel leiden, aber der Herr hilft ihm aus dem allen. Pſ. 34, 20. Herr Gott, heiliger, barmherziger Vater, der du kein Gefallen haſt an unſerem Tode, ſondern willſt, daß wir uns bekehren und leben: in tiefer Demut preiſen wir deine Gnade, daß du deines eingeborenen Sohnes nicht verſchont, ſondern ihn für uns alle dahingegeben haſt zum Opfer und Löſegeld für unſere Sünden.— Herr Jeſus Chriſtus, du Mittler des neuen Bundes, demütige uns heute durch den Anblick deines Leidens und Sterbens. Wir, wir haben dir Mühe und Arbeit gemacht mit unſeren Sünden, und um unſerer Miſſethat willen biſt du verwundet. O laß es uns nie vergeſſen, wie ſchwer die Strafe auf dir lag, damit wir Friede hätten für unſere Seelen. Treuer Heiland und Verſöhner! Du haſt das große Werk unſerer Erlöſun vollbracht. O laß dein Sterben unſer Leben, deine Gerechtigkeit unſer Heil, deinen Todeskampf unſern Sieg und ewigen Frieden werden. Ergreife uns mit der Hand deines heiligen Geiſtes und verſetze uns in die Gemeinſchaft deines Lebens, daß von heute an unſer alter Menſch ſamt dir gekrenzigt und begraben werde in den Tod, und wir zu einem neuen Leben mit dir auferſtehen. Entzünde unſere Herzen durch die Liebe, damit du uns geliebt haſt bis in den Tod, daß wir dich wiederum lieben mit rechter Inbrunſt des Geiſtes und dir dein Kreuz nachtragen im Glauben und in Geduld. Herr Jeſu, wie du ſelbſt deinen Geiſt be⸗ fohlen haſt in die Hände deines himmliſchen Vaters, ſo befehlen auch wir im feſten Vertrauen auf die Kraft deiner Erlöſung unſern Geiſt ganz ſamt Seele und Leib in deine allmächtige Hand.— Laß, Herr, das Wort vom Kreuz eine Gotteskraft und Friedensbotſchaft werden bei allen Menſchen und unter allen Völkern, damit auch die, welche noch ferne ſtehen, erlöſt werden von ihren Sünden und ſamt uns deine Gnade und Herrlichkeit rühmen. Denn du, Herr, haſt uns erkauft mit deinem Blute; du biſt würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Lied Nr. 63: O Haupt voll Blut und Wunden. Feſtgebete. 23 23. Auf Oſtern. Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Pſ. 150, 6. Wir loben und preiſen dich, allbarmherziger Gott, und danken dir von Herzen, daß du deinen Sohn, Jeſum Chriſtum, den großen Hirten der Schafe, ausgeführt haſt von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, welche er hatte, ehe denn die Welt war. Und dir, du großer Siegesfürſt, ſei ewig Ehre und Preis gebracht für deine unausſprechliche Liebe und den Segen deiner Auferſtehung. Stärke und mehre nun unſeren ſchwachen Glauben, daß wir gewiß werden, du ſeieſt um unſerer Sünden willen geſtorben und um unſerer Gerechtigkeit willen auferweckt. Wirke in uns durch deine Gnade, daß wir die Frucht und Kraft deiner herrlichen Auferſtehung recht an unſeren Seelen fühlen und den beſtändigen Troſt empfinden, daß weder Tod noch Hölle uns ſchrecken können. Erwecke uns durch deinen Geiſt zu einem neuen Leben in dir und ſtärke uns, die Lüſte des Fleiſches zu beſiegen und die Werke des Geiſtes zu vollbringen. Erhalte uns und unſeren Nachkommen die Predigt von deiner Auferſtehung. Sei mit allen, die für dein Reich arbeiten, damit das Reich dieſer Welt ſeine Macht verliere auf Erden. Kehre ein mit dem Segen deiner Auferſtehung in alle Häuſer und gieb, daß in unſerem Lande Ehre wohne, Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede ſich küſſen. Komme zu Hilfe deiner bedrängten Kirche und erwecke auch ſie zu neuem Leben und neuer Kraft; gieb ihr Sieg gegen ihre Feinde. Tröſte mit deiner Oſterbotſchaft alle betrübten Herzen und errette alle, die in Not und Gefahr ſind. Beſchere uns durch die Kraft deiner Auf⸗ erſtehung einen ſeligen Heimgang zu deinem und unſerem Vater und gieb, daß wir an jenem Tage fröhlich von den Toten auferſtehen und mit dir in himmliſcher Freude und Herrlichkeit ewig leben mögen. Amen. Lied Nr. 86: überwinder, nimm die Palmen. 24. Auf Himmelfahrt. Du biſt in die Höhe gefahren und haſt das Gefäng⸗ nis gefangen; du haſt Gaben empfangen für die Menſchen, auch die Abtrünnigen. Gelobet ſei der Herr täglichi Gott legt uns eine Laſt auf, aber er hilft uns auch. ——— Feſtgebete. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Pſ. 68, 19— 21. Allmächtiger Gott, Vater unſeres Herrn Jeſu Chriſti, ich ſage dir von Herzen Dank für deine große Gnade, die du uns armen Sündern erzeigt haſt durch deinen Sohn, unſeren Herrn, welcher auferſtanden iſt von den Toten, aufgefahren gen Himmel, ſitzet zu deiner Rechten und vertritt uns. Ich bitte dich, du wolleſt auch mich er⸗ wecken aus dem Grabe aller Sünden und zu dir hinauf ziehen, daß ich allein Luſt, Liebe und Verlangen habe nach den himmliſchen Gütern. Laß meinen Leib auf Erden leben und ſeines Berufes warten, mein Herz aber, Ge⸗ danken und Sinne laß bei dir im Himmel ſein. Behüte und bewahre mich vor Sünden und allem übel, erhalte mich in deiner wahren Erkenntnis, ſo lange ich noch hier auf Erden zu leben habe, bis ich einſt ganz zu dir komme, dich von Angeſicht zu Angeſicht ſehe und ewig bei dir bleibe in deiner Herrlichkeit. Amen. Lied Nr. 96: Auf Chriſti Himmelfahrt allein. 25. Auf Bjingſten. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gieb mir einen neuen, gewiſſen Geiſt. Verwirf mich nicht von deinem Angeſicht und nimm deinen heiligen Geiſt nicht von mir. Tröſte mich wieder mit deiner Hilfe, und der freudige Geiſt enthalte mich. Pſ. 51, 12— 14. O Gott, der du die Herzen deiner Gläubigen ſo gnädig und reichlich mit deinem heiligen Geiſt am heili⸗ gen Pfingſtfeſt beſucht und begabt haſt: ach, gieße dieſen deinen Geiſt auch über unſere dürren, verſchmachteten Her⸗ zen aus; erquicke doch dein Erbteil und labe die Elenden⸗ Komm, o heiliger Geiſt, und ziere uns mit deinen ſo vielfältigen Gaben, daß wir die großen Thaten Gottes, welche durch Jeſum Chriſtum geſchehen, wahrhaftig er⸗ kennen und preiſen und mit neuen Zungen dein Wort reden, rühmen und ausbreiten. Komme in deiner Fülle in die Kirche, welche durch dich gegründet iſt, und laß ſie immerdar deine Wohnung ſein. Entzünde uns mit dem Feuer deiner göttlichen Liebe, brenne aus alle innerliche Feſtgebete. 25 Bosheit, ſamt allen anderen fleiſchlichen Lüſten und Be⸗ gierden. Zünde an das Licht deiner Wahrheit, daß wir inbrünſtig mit rechtem Ernſt und Eifer unſerem Gotte dienen. O du Geiſt des Friedens, verbinde unſere Her⸗ zen mit deinem Bande des Friedens, daß wir in Sanft⸗ mut und Demut, in Friede und Einigkeit bei einander bleiben und leben. O du Geiſt der Geduld, gieb uns Geduld in Leidenszeit und bis ans Ende Beſtändigkeit. O du Geiſt des Gebets, erwecke unſere Herzen, damit wir ſie ſamt heiligen Händen zu Gott erheben und ihn in allen Nöten anrufen. Und da wir nicht wiſſen, was wir bitten ſollen, noch wie es ſich gebührt, ſo vertritt du uns mit unausſprechlichem Seufzen. Sei unſer Schutz in der Not, unſere Hilfe in Trübſal, unſer Troſt in aller Widerwärtigkeit. Komm, du ſtarker Gott, und ſtärke die Schwachen, lehre die Elenden deinen Weg, hilf den Gefallenen auf, bringe die Irrenden zurecht und erhalte ſie bei deiner treuen Hand. Komm, o du ewiges Licht, ſei unſer Licht im Finſtern, unſer Heil im Leben, unſer Troſt im Sterben und führ uns auf ebner Bahn zum ewigen Leben, damit wir dich, heiliger Geiſt, ſamt dem Vater und dem Sohne mit allen Engeln und Auserwählten dort in deinem Reiche am rechten Pfingſttag rühmen und preiſen immer und ewiglich. Amen. Lied Nr. 110: O heilger Geiſt, kehr bei uns ein. 26. Im Bußtage. Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme, laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens. So du willſt, Herr, Sünde zurechnen: Herr, wer wird beſtehen? Denn bei dir iſt Vergebung, daß man dich fürchte. Pſ. 130, 1—3. Herr der Welten, Richter der Seelen, Vater in Chriſto! Heute bekennen wir dir unſere Sünden, und ein Volk von vielen tauſenden bekennt ſie dir mit uns. Wir ſind ja allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den wir an dir haben ſollten, und wenn unſere Lippen hiervon ſchwiegen, ſo würden unſere Thaten reden. Bei dir, Herr, aber iſt Gnade und Erbarmung, darum ſinken wir vor dir nieder und bitten dich: Herr, gehe nicht mit uns ins ——— 2 Feſtgebete. Gericht und vergilt uns nicht nach unſerer Miſſethat. Barmherzig und gnädig biſt du, geduldig und von großer Güte, und kein Wechſel des Lichts und der Finſternis iſt in dir. O lege das Gefühl davon recht tief in unſere kranken, verwundeten Herzen; laß uns nicht erliegen unter der Laſt unſerer Schuld. Siehe an unſere Trauer und unſer Heimweh nach deinem Himmel. Siehe auch an unſer Vertrauen auf die Gnade, die du uns angeboten haſt in Chriſto. Um Jeſu Chriſti willen vergieb uns unſere Sünden. Verſtoße uns nicht von deinem Angeſicht und laß es nicht mit uns gar aus ſein, ſondern wie i6 ein Vater über ſeine Kinder erbarmt, alſo erbarme di auch über uns. Siehe an, Herr, unſeren Entſchluß, der Sünde abzuſterben und der Gerechtigkeit zu leben; gründe ihn, ſtärke ihn, vollbereite ihn, damit der Zuſtand unſerer Seelen und unſerer Werke zu deinem Preiſe und zu unſe⸗ rer Seligkeit erneuert werde. O erleuchte unſere Herzen, daß wir rechtſchaffene, wahre Buße thun, alle wiſſentlichen, vorſätzlichen Sünden fliehen und meiden, hingegen dich und dein heiliges Wort ſtets vor Augen haben und durch deine Gnade dem wohlverdienten Verderben zeitlich und ewiglich entgehen mögen. Erbarme dich deines Chriſten⸗ volkes und aller Völker, daß ſie ſuchen und finden dein Heil. Weihe uns zu deinen Tempeln. Sei bei uns in all unſerer Not und höre auf unſer Flehen in unſerer Trübſal. Das alles wolleſt du thun, o treuer und barm⸗ herziger Gott, um des teuern Verdienſtes und der kräftigen Fürbitte deines geliebten Sohnes, Jeſu Cyriſti, unſeres Herrn und Heilands, willen. Amen. Lied Nr. 230: Gott, der du unſere Zuflucht biſt. IV. Gebete in beſonderen Lebenslagen und Verhältniſſen. 27. Am Beichttage(Vorbereitung zum h. Abendmahl). a. Anleitung zur Selbſtprüfung. Erforſche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich es meine, und ſiehe, ob ich a — ————.—— Gebete in beſonderen Lebenslagen. 27 auf böſem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Pſ. 139, 23— 24. Erforſche und frage dich, ob du nicht immer noch: ſo fleiſchlich uud weltlich geſinnt biſt,— ſo wenig frei von Leidenſchaften,— ſo voll von Regungen der böſen Luſt,— ſo unbewacht in Rückſicht auf das, was den Sinnen uih— ſo ergeben vielen eitlen Träume⸗ reien,— ſo ſehr geneigt zum Außeren, ſo nachläſſig in Rückſicht auf das Innere,— ſo ſchnell aufgelegt zur Freude und Zerſtreuung,— ſo ſchwer zu bewegen zur Reue und Zerknirſchung,— ſo bereit zur Gemächlichkeit und Unthätigkeit,— ſo träge zur Verleugnung deiner ſelbſt und zur Tugendübung,— ſo begierig, Neues zu und„ zu ſehen,— ſo wenig bereit, das Geringe und Verachtete dir gefallen zu laſſen,— ſo be⸗ gierig zu haben, ſo karg im Geben, ſo ürtie im Be⸗ halten, ſe unvorſichtig im Reden, ſo unenthaltſam im Schweigen,— ſo unordentlich im Betragen, ſo heftig im Handeln,— ſo unmäßig in Speiſe und Trank,— ſo taub gegen Gottes Wort,— ſo ſchnell zur Ruhe, ſo lang⸗ ſam zur Arbeit,— ſo munter zu unnützem Geſchwätz, ſo ſchläfrig zu frommen Betrachtungen,— ſo nachläſſig im Gebet, ſo lau im Gottesdienſt, ſo kalt beim Abendmahl,— ſo ſchnell zerſtreut, ſo ſelten ganz geſammelt,— ſo plötz⸗ lich zum Zorn bewegt, ſo leicht bereit, andern wehe zu thun, ſo ſtreng im Tadel, ſo vorſchnell zum Verdammen,— ſo wenig treu den ſo unverſöhnlich gegen die Feinde,— ſo fröhlich im Glück, ſo verzagt im Unglück,— ſo voll frommer Entſchlüſſe und ſo arm an guten Werken. (DieSelbſtprüfung kann auch nach den 10 Geboten geſchehen.) Der Menſch prüfe ſich ſelbſt und alſo eſſe er von dieſem Brot und trinke von dieſem Kelch. Denn welcher unwürdig iſſet und trinket, der iſſet und trinket ſich ſelber das Gericht. 1. Cor. 11, 28. 29. b. Sündenbekenntnis. Ich bekenne dir meine Sünde und verhehle dir meine Miſſethat nicht. Ich ſprach: ich will dem Herrn meine übertretung bekennen; da vergabſt du mir die Miſſethat meiner Sünde. Pſ. 32, 5. 28 Gebete in beſonderen Lebenslagen. O allmächtiger Gott, barmherziger Vater! Ich armer, elender Sünder bekenne vor deinem Angeſicht alle meine Miſſethat und Sünde, womit ich dich erzürnt und deine Strafe zeitlich und ewig wohl verdient habe. Sie ſind mir aber alle herzlich leid und reuen mich ſehr. Darum bitte ich um deiner unergründlichen Barmherzigkeit und des unſchuldigen, bitteren Leidens und Sterbens deines lieben Sohnes, Jeſu Chriſti, meines Heilands, willen, du wolleſt mir meine Sünden verzeihen und deinen heiligen Geiſt geben, daß ich durch ſein Eingeben mein Leben beſſere und von Herzen fromm werde. Ach, Gott, ſei mir Sünder gnädig! Amen. c. Gebet um Vergebung der Sünden. Die Angſt meines Herzens iſt groß, führe mich aus meinen Nöten. Siehe an meinen Jammer und Elend und vergieb mir alle meine Sünden. Pſ. 25, 17. 18. Mein Gott und Herr! Meine Seele iſt betrübt, mein Herz voll Angſt und mein Gewiſſen voll Traurigkeit um meiner Sünden willen. Sie gehen über mein Haupt und ſind mir wie eine ſchwere Laſt. Du aber biſt voll Gnade. Darum komme ich zu dir und flehe: gedenke nicht meiner Sünden, gedenke aber an deine Barmherzigkeit, die von der Welt her geweſen iſt. Vergieb mir um deines Sohnes willen, der gekommen iſt, das Verlorene zu ſuchen und die Sünder ſelig zu machen. Hier bin ich als verlorenes Kind; nimm mich in Gnaden an und ſchenke mir deine Barmherzigkeit. Hilf mir meine Sünden herzlich bereuen und deine Verzeihung mit gläubigem Herzen ergreifen. Stärke mich durch deinen heiligen Geiſt, daß ich hinfort ein chriſtliches und gottſeliges Leben führe und dir alle⸗ zeit diene in Heiligkeit und Gerechtigkeit, wie es dir wohl⸗ gefällig iſt. Laß mir den Genuß des heiligen Mahles deines lieben Sohnes gereichen zur Kräftigung meines ſchwachen Glaubens, zur Beſſerung meines ſündlichen Lebens und zum Pfand meiner ewigen Seligkeit. Und ſollte ich wieder ſtraucheln und fallen, dann, Herr, richte mich auf um deines heiligen Namens willen. Hilf, daß mein Leben eine ſtete Buße ſei, daß ich mich allezeit nach deinem Wort und Willen richte, bis ich endlich in dein 5 n d te 1 Gebete in beſonderen Lebenslagen. 29 Reich komme, wo alle Schwachheit aufhört und keine Sünde mehr begangen wird, wo man dich anſchaut und dir dient in vollkommener Liebe und Freude von Ewig⸗ keit zu Ewigkeit. Amen. Lied Nr. 224: Meine Seele, voller Fehle. 28. Am Abendmahlstag. a. Vor dem Abendmahl. Der Herr iſt mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum friſchen Waſſer. Er erquicket meine Seele; er führet mich auf rechter Straße um ſeines Namens willen. Pſ. 23, 1—3. Herr Jeſus Chriſtus, mein getreuer Hirte und Biſchof meiner Seele, du haſt geſagt: ich bin das Brot des Lebens, wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürſten. Siehe, ich komme zu dir und bitte dich, du ſeibſt wolleſt mich recht bereiten und zum würdigen Gaſt deines himmliſchen Mahles machen. Bewahre mich vor dem einen, daß ich unwürdig von dem heiligen Brot eſſe und von dem heiligen Kelche trinke und damit mir ſelbſt eſſe und trinke das Gericht. Gieb rechte Reue über meine Sünden in mein Herz und feſten Glauben an dein heiliges Verdienſt zum Troſt in meine Seele. Gieb mir auch einen demütigen und verſöhnlichen Sinn, daß ich meinen Feinden vergebe, und tilge in mir die Wurzel aller Bitterkeit und Feindſeligkeit. Pflanze in mein Gemüt herzliche Liebe und Barmherzigkeit, daß ich meinen Bruder und Rächſten, ja alle Menſchen, wie mich ſelber in dir lieb habe. Ach, Herr, ich komme zu dir mit Sünden beladen, nimm die Laſt von mir; ich komme als Unreiner, reinige mich; als Blinder, erleuchte mich; als Armer, mache meine Seele reich; als Verirrter, ſuche mich; als Ver⸗ lorener, mache mich ſelig. Mein himmliſcher Arzt, ich bringe zu dir eine kranke Seele, heile ſie; ein Herz, das Mangel hat an wahrer Gottſeligkeit, Heiligkeit und Ge⸗ rechtigkeit, erfülle es mit deiner Gnade, mit deinem Geiſte, deiner Liebe, deiner Demut und Sanftmut, deiner Ge⸗ duld und deinem Frieden. Du wahrhaftiges Brot des 30 Gebete in beſonderen Lebenslagen. Lebens, ſpeiſe mich zum ewigen Leben. Nur in dir habe ich volles Genüge, darum bleibe ewig in mir und laß mich ewig in dir bleiben, wie du geſagt haſt: wer mein Fleiſch iſſet und trinket mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm, und ich werde ihn auferwecken am jüngſten Tage. Amen. Lied Nr. 202: Ich komme, Herr, und ſuche dich. b. Vor dem Hintritt zum Tiſche des Herrn. O Gott, ſei mir armem Sünder gnädig; gieb deinen heiligen Geiſt in mein Herz, daß ich das heilige Sakrament würdiglich empfangen, meinen ſchwachen Glauben ſtärken, mein blödes Gewiſſen tröſten, mein Leben beſſern und ewig ſelig werden möge. Solches verleihe mir, o Gott, um Jeſu Chriſti willen. Amen. c. Nach dem Abendmahl. Ich danke dir, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen und ehre deinen Namen ewiglich. Pſ. 86, 12. Barmherziger Gott und Vater, ich lobe und preiſe deinen heiligen Namen und danke dir für deine unaus⸗ ſprechliche Güte, daß du mich armen, unwürdigen Sünder mit dem Leibe und Blute deines Sohnes Jeſu Chriſti ge⸗ ſpeiſt und getränkt haſt. Ach, Herr, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir thuſt. So hilf mir denn, getreuer Gott, daß an mir dieſes Mahl gedeihen möge zur Stärkung meines Glaubens und ze Liebe gegen die Brüder, zum Wachstum in der Gott⸗ eligkeit, zur Geduld im Leiden und dereinſt zu einem freudigen, ſeligen Sterben. Mache mich brünſtig im Geiſt, fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübſal, laß mich an⸗ halten am Gebet, auf daß ich die guten Vorſätze, welche ich durch deine Gnade gefaßt habe, durch deine Kraft nun auch ins Werk ſetzen und alle Anfechtungen der Welt und des Fleiſches überwinden möge. Erhalte deine Kirche im rechten Glauben und in wahrer Einigkeit des Geiſtes und hilf uns alleſamt aus zu deinem himmliſchen Reiche, das du aufgerichtet haſt durch Jeſum Chriſtum, welchem ſei ſamt dir und dem heiligen Geiſte Dank, Lob, Ehre, Preis und Herrlichkeit von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Lied Nr. 207: O Jeſu, meine Wonne. — — ————————————————„———— Sn—— Gebete in beſonderen Lebenslagen. 31 d. Gebet eines Kranken vor dem Abendmahl. Ich will zu Gott rufen, und der Herr wird mir helfen. Pſ. 55, 17. Mein Herr und Heiland, der du das Seufzen der Elenden hörſt und ein geängſtetes und zerſchlagenes Herz nicht verachteſt, blicke auf mich in meiner Trübſal und Anfechtung in Gnaden herab und erquicke meine Seele, die nach deiner Erbarmung dürſtet, mit himmliſchem Troſte. Nahe dich zu mir in deinem heiligen Mahle und ſtärke mich durch den Genuß deines Leibes und Blutes. Gieb mir Kraft, daß auch Krankheit und Schmerz mein Vorhaben nicht hindern, mich mit dir zu vereinigen. Lehre du ſelbſt mich deinen Tod auf rechte Art verkündigen und an dein Leiden und Sterben, deine Marter und Pein und alles gedenken, was du für mich gethan und gelitten haſt. Ich weiß, daß ich in deinem Mahle dich ſelbſt empfange zur Verſöhnung mit Gott, und bin gewiß, daß ich nicht ſoll verloren gehen, ſondern das ewige Leben haben. Erhalte mich bei dieſem beſeligenden Glauben und ſtärke ihn durch deine Kraft. Mein Herr und mein Gott, tröſte mich in meinem Leide und ſei bei mir in meiner Trübſal, und haſt du beſtimmt, daß ich abſcheiden ſoll von dieſer Erde, ſo ſcheide nicht von mir. Stehe mir bei im letzten Kampfe und laß deinen Tod mein Leben ſein. Iſts aber dein gnädiger Ratſchluß, daß ich noch länger ein Pilgrim ſein ſoll in dieſer argen Welt, dann reinige mir Herz und Sinn, daß ich nach deinem Wohl⸗ gefallen meine Wege gehe. Herr, wie du willſt, ſo ſchicks mit mir im Leben und im Sterben. Amen. Lied Nr. 294: Herr, wie du willſt, ſo ſchicks mit mir. e. Gebet eines Kranken nach dem Abendmahl. Ich danke dir, Gott, denn du kannſt es wohl machen, und will harren auf deinen Namen. Pſ. 52, 11. O du gnädiger und getreuer Gott und Vater, ich ſage dir Lob und Dank, daß du mich durch dieſes heilige Mahl erquickt und geſtärkt haſt. Ich bitte dich um deiner Barmherzigkeit willen, du wolleſt durch dieſe himmliſche Speiſe und durch dieſen Trank des Lebens meine Seele 32 Gebete in beſonderen Lebenslagen. heiligen, damit ich meinen Lauf im Glauben vollende, deinem väterlichen Willen mich demütig unterwerfe und auch unter Kreuz und Trübſal deinen Namen preiſe. Gieb, daß ich ewig dein Eigentum bleibe, und daß weder Gegen⸗ wärtiges noch Zukünftiges, weder Leben noch Tod mich ſcheiden möge von deiner Liebe in Chriſto. Amen. Lied Nr. 295: Laß mich dein ſein und bleiben. 29. Gebete in Krankheit. à. Herr, ſei mir gnädig, heile meine Seele, denn ich habe an dir geſündigt. Pſ. 41, 5. Es hat dir gefallen, mein Schöpfer und Vater, mich mit Krankheit heimzuſuchen. Meine Kraft hat mich ver⸗ laſſen, mein Odem iſt ſchwach, meine Heiterkeit dahin; Mattigkeit und Sie haben meine Glieder befallen, und mein natürliches Leben iſt dem Grabe nahe. All⸗ mächtiger, der du geſagt haſt:„Ich bin der Herr, dein Gott“, zu dir nehme ich meine Zuflucht, auf dich ſetze ich auch in dieſer Prüfung mein Vertrauen. Vor allen Dingen bitte ich dich, daß du dich gnädig meiner Seele annehmen, mir um Chriſti willen meine Sünden ver⸗ geben und mir Hoffnung und Glaubensfreudigkeit im Tode ſchenken wolleſt. Laß die Krankheit meines Leibes zur Geſundheit meiner Seele gereichen, daß das Gefühl meiner Schwachheit den Glauben an dich ſtärke und meine Buße aufrichtiger und ernſthaft mache. Sei mir freund⸗ lich, mein Gott, in dieſem Leiden, und laß die Gebeine, die du zerſchlagen haſt, wieder Freude und Wonne fühlen; denn ich habe niemand im Himmel und auf Erden, der mir helfen, mich ſtärken und beruhigen könnte, als dich, den treuen Helfer in aller Not. O mein Vater, du haſt mir eine Laſt aufgelegt, hilf ſie mir auch tragen; lindere meine Schmerzen; erquicke meine matte Seele mit deinem himmliſchen Troſte; ſchenke mir chriſtliche Geduld und Gelaſſenheit; läutere meinen Glauben in der Hitze der Trübſal und ſegne den Gebrauch der Arzneimittel zur Wiederherſtellung meiner verlorenen Geſundheit. Herr, 6 n, in e Gebete in beſonderen Lebenslagen. 33 du Allmächtiger, bei dir iſt kein Ding unmöglich; wenn du willſt, kannſt du mich wieder geſund machen. Bin ich noch nicht bereit zum Sterben, noch nicht reif für die Ewigkeit, o ſo verlängere noch meine Gnadenzeit. Reiß mich nicht weg aus dem Lande der Lebendigen, ſondern ſtärke mich noch ferner durch deinen Geiſt, daß ich künftig als ein fruchtbarer Baum dir wohlgefällige Früchte bringen möge. Ja, Herr, ich gelobe es, daß ich mit Leib und Seele mich dir heiligen will, wenn du mich wieder aufkommen läſſeſt. Sollte aber in deinem heiligen Rat mein Ende beſchloſſen ſein, ſo bitte ich dich flehentlich um die Gnade, ſelig ſterben zu dürfen. Ach, nur ſelig, welchen Ausgang auch die Krankheit nehmen wird; ſie mag zum Leben oder zum Tode ſein, laß ſie nur zu deiner Ehre und zu meinem wahren Beſten dienen. Vater, nicht mein, ſondern dein Wille geſchehe. Herr, dir lebe ich; Herr, dir ſterbe ich; Herr, dein bin ich tot und lebendig. Amen. Lied Nr. 293: Auf dich hab ich gehoffet. b. Die Angſt meines Herzens iſt groß; führe mich aus meinen Nöten. Pſ. 25, 17. Du frommer und getreuer Gott und Vater unſeres Herrn Jeſu Chriſti, ich bitte dich von Herzen, du wolleſt mich in meiner Not nicht verlaſſen, ſondern mit dem Licht deiner wahren Erkenntnis erleuchten, daß ich in demſelben aus der Finſternis dieſer Welt und meiner ſchweren Krankheit zu dir, dem ewigen Lichte, möge wan⸗ deln. O Herr, ſei du bei mir, wenn ich ſterben ſoll; ſtehe du mir zur rechten Hand, wenn ich meinen Geiſt auf⸗ geben muß; errette mich aus der Hand des Feindes unſerer Seelen, tröſte und ſtärke mich, erhalte mich in deiner Erkennt⸗ nis und im feſten, ſtarken Vertrauen auf deine große Gnade und Barmherzigkeit. Ach, Herr, laß das letzte Wort deines lieben Sohnes am Stamme des Kreuzes auch mein letztes Wort ſein, daß ich mit gläubiger Zuverſicht im Herzen ſagen darf: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geiſt; denn du haſt mich erlöſet, du getreuer Gott. Und wenn ich aus Schwachheit und Größe meiner Krankheit ſolches 34 Gebete in beſonderen Lebenslagen. nicht mehr könnte mit dem Munde reden, ſo laß doch mein Herz alſo in der Stille zu dir rufen und ſeufzen. Amen. Lied Nr. 439: Chriſtus, der iſt mein Leben. c. Morgengebet eines Kranken. Ich komme frühe und ſchreie; auf dein Wort hoffe ich. Pſ. 119, 17. Herr, du Vater des Lebens, deſſen Güte alle Morgen neu iſt, ſei gelobt und geprieſen, daß du mich armen Kranken in dieſer Nacht ſo gnädig bewahrt und erhalten haſt. Noch kann ich das Licht ſchauen im Lande der Lebendigen und deine über mich erneuerte Güte preiſen. Sollte aber dieſer Tag mein letzter auf Erden ſein, ach, ſo bewahre doch in meinem Herzen das Licht des Glaubens und laß Jeſum Chriſtum, das ewige Licht, mit ſeiner Gnade mir leuchten bis ans Ende, daß ich ſelig einſchlafen möge in ſeiner ſelig machenden Erkenntnis. Nun, Herr, dein Wille geſchehe! Nimm dich meiner Seele treulich an, daß ſie nicht verderbe. Mein Gott und Vater, erbarme dic über mich! Mein treuer Heiland, Herr Jeſu, erbarme dich meiner! O heiliger Geiſt, du Tröſter in aller Not, erbarme dich über mich und gieb mir deinen Frieden! Amen. Lied Nr. 371: Morgenglanz der Ewigkeit. d. Abendgebet eines Kranken. Der Herr iſt mein Licht und mein Heil; vor wem ſollte ich mich fürchten? Pſ. 27, 1. Deinem Namen, mein treuer Gott und Heiland, ſage ich von Herzen Dank und Lob, daß du mir dieſen Tag haſt überwinden helfen, und daß deine Kraft in mir Schwachem mächtig war. Aber ſiehe, hier liege ich noch unter deiner Heimſuchung und ſeufze zu dir: ach, Herr, mein Gott, wie lange verziehſt du mit deiner Hilfe! Siehe doch an meinen Jammer und mein Elend, vergieb mir alle meine Sünden und errette mich! Dir befehle ich meinen hinfälligen Leib und meine ſo teuer erkaufte Seele. Laß meinen Leib ruhen, die Seele aber ſtets zu dir wachen, damit ich deine herrliche Ankunft mit Ver⸗ langen erwarte. Stärke mich im Glauben und in der Gebete in beſonderen Lebenslagen. 35 Geduld alſo, daß ich vor dir beſtehen und das himmliſche Erbe durch deine Gnade erlangen möge. Dazu hilf mir, mein Heiland und Erlöſer, um deines bitteren Leidens und Sterbens willen. Amen. Lied Nr. 397: Herr, es geſcheh dein Wille. e. GebetderElternbeiErkrankungeines Kindes. Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit, der du mich tröſteſt in der Angſt; ſei mir gnädig und erhöre mein Gebet. Pſ. 4, 2. Barmherziger, gnädiger Gott und Vater, du ſiehſt, welcher Jammer unſer Herz erfüllt. Die Freude an unſerem lieben Kinde iſt in ſchwere Sorge und großes Herzeleid verwandelt. Da liegt es vor unſeren Augen, und jeder Zug ſeines Antlitzes bricht unſer Herz. Wir möchten gern helfen und können doch nicht. Darum er⸗ barme du dich, allmächtiger Helfer, denn bei dir iſt kein Ding unmöglich. Gebiete du, dann wird die Krankheit weichen; laß es dein Wohlgefallen ſein, ſo werden wir die heißerſehnte Freude haben, unſer Kind geneſen zu ſehen. Doch es iſt dein Kind, du biſt ſein rechter Vater, denn du haſt es geſchaffen und in der heiligen Taufe als dein Kind aufgenommen. So haſt du ein größeres Anrecht an es, als wir. Deshalb, dein Wille geſchehe. Wir wollen nicht murren, wenn du es uns nimmſt aus unſeren Armen in deine treuen Vaterarme. Vor dir liegt ja alle Zukunft, wie ein aufgeſchlagenes Buch, und du weißt am beſten, was unſerem teuren Kinde heilſam iſt, Leben oder Sterben. Gedenkſt du es zu verſetzen als Pflanze in dein Paradies, dann wollen wir uns tröſten, daß du es auch bewahrſt vor den Sünden dieſer Welt und es frühe führeſt zu deinem ewigen Heile. Willſt du unſer liebes Kind uns aber noch laſſen, dann, o Herr, wollen wir es von neuem freudig aus deiner Vaterhand nehmen als lebendigen Zeugen deiner Macht und deiner Gnade. Dann aber ſchenke uns auch Kraft und Weisheit, es für dich und dein himmliſches Reich zu erziehen. Endlich, getreuer Gott, laß uns wieder vereinigt werden in dem Himmel⸗ reich unſeres Herrn und Heilandes Jeſu Chriſti, da, wo 36 BGebete in beſonderen Lebenslagen. kein Leid, kein Schmerz, kein Tod mehr unſere Freude ſtört und wo wir in vollkommener Seligkeit dich ewig loben und preiſen werden. Amen. Lied Nr. 333: Befiehl du deine Wege. t. Fürbitte der Angehörigen für einen Kranken. Hilf uns, Gott, unſer Helferz um deines Namens Ehre willen! Pſ. 79, 9. Vater, wir flehen zu dir für den Kranken, der uns ſo wert und teuer iſt. Kann es nach deiner Weisheit, die höher iſt als alle Weisheit dieſer Welt, geſchehen, ſo laß ihn geneſen und erhalte uns ihn, den wir ſo innig lieben. Doch wir unterwerfen uns mit Demut deinem heiligen Willen, wenn auch mit banger Beſorgnis und mit Thränen. Ach, verwandle unſere Angſt und Traurig⸗ keit durch Erhörung unſeres heißen Gebetes in Freude und Wonne. Hilf, Helfer, hilf, denn wenn du willſt, ſo kannſt du uns wohl helfen. In deinem heiligen Worte haſt du uns ja geſagt: rufe mich an in der Not, ſo will ich dich erretten, ſo ſollſt du mich preiſen. Vater, wir rufen dich an: iſt es möglich, ſo laß uns den bittern Kelch der Trennung nicht trinken, gieb vielmehr, daß wir für Rettung und Erhaltung dich preiſen und dir danken können. Mildere, o Gott, die Schmerzen unſeres lieben Kranken und tröſte, beruhige, ſtärke ihn durch deinen Geiſt. Und ſoll, o Herr über Leben und Tod, nach deinem väterlichen Ratſchluß ſeine Todesſtunde herannahen, ach, ſo mache ſie ihm ſanft und ſelig. Stärke dann mit Kraft aus der Höhe den Scheidenden und uns, die Zurückblei⸗ benden. Laß ihn und uns im Geiſte hinüberblicken in die ewigen Wohnungen, wohin diejenigen, die vor uns ſterben, vorangehen und wohin wir ihnen folgen werden. Laß ihn und uns alle feſtſtehen im Glauben an unſeren Er⸗ löſer und Heiland, der dem Tode die Macht genommen und Leben und unvergängliches Weſen ans Licht gebracht hat. In ſolchem Glauben laß uns leben, leiden und ſterben. Amen. Lied Nr. 344: Was Gott thut, das iſt wohlgethan. —— Gebete in beſonderen Lebenslagen. 37 g. Fürbitte der Angehörigen für einen Sterbenden. Wo iſt jemand, der da lebet und den Tod nicht ſehe? Pſ. 89, 40. Heiliger, barmherziger Vater, ſiehe in Gnaden an unſeren Miterlöſten, der mit dem Tode ringt. Erbarme dich ſeiner in ſeiner letzten Angſt. Erbarme dich ſeiner im Gerichte. Wir empfehlen dir ſeine Seele, die du zum ewigen Leben erſchaffen haſt; erlöſe ſie von allem übel und nimm ſie auf in deine Hände. Göttlicher Erlöſer, Jeſus Chriſtus, auch für dieſen Sterbenden haſt du dein Blut vergoſſen, auch für ihn die heißen Todeskämpfe gekämpft. Stehe ihm bei in ſeiner letzten Not. Du haſt ſeine unſterbliche Seele erlöſt zum ewigen Leben. Rufe den ſcheidenden Geiſt in die Heimat zu dir, auf daß er deine Herrlichkeit ſchaue. Heiliger Geiſt, göttlicher Tröſter, ſei Licht, Troſt und Kraft dieſem Sterbenden, deſſen Auge jetzt bricht. Stärke ihn in ſeinem letzten Kampfe; hilf ihm durchdringen durch die enge Pforte zum ewigen Leben. Bringe ſeine Seele zum ewigen Frieden. Amen. Lied Nr. 453: Unſer keiner lebt ihm ſelber. h. Kurze Sprüche, Sterbenden vorzuſprechen. O Vater, ich befehle meinen Geiſt in deine Hände! Du haſt mich erlöſet und wirſt mich auch jetzt erlöſen, o Herr, du getreuer Gott. Amen. Ach Herr, erlöſe mich von allem übel und hilf mir zu deinem himmliſchen Reiche. Amen. Herr Jeſu, dein bitteres Leiden und Sterben komme mir zu Hilfe in meiner Todesnot und vor deinem Ge⸗ richte. Amen. Herr, ich warte auf dein Heil! Führe mich nach deinem Worte ins rechte Vaterland. Amen. 3 Herr Jeſu, dir leb ich, Herr Jeſu, dir ſterb ich; dein bin ich tot und lebendig. 6 176 38 Gebete in beſonderen Lebenslagen. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur mich ſcheiden kann von der i Gottes, die in Chriſto Jeſu iſt, unſerem Herrn. men. Erlöſe mich, o mein Gott, von meinen Leiden; doch nicht wie ich will, ſondern wie du willſt; Herr, dein Wille geſchehe. Amen. 30. Hebet nach dem Verſcheiden eines Kranlen. Nun, Herr, wes ſoll ich mich tröſten? Ich hoffe auf dich. Pſ. 39, 8. Herr, allmächtiger Gott und Vater, verleihe unſerem Dahingeſchiedenen um deines lieben Sohnes willen die ewige Freude und Ruhe; laß ihm leuchten dein ewiges Licht und gieb ihm das ewige Leben! Uns aber, die wir hienieden bleiben und dem Ent⸗ ſchlafenen nachſchauen, tröſte aus der Fülle deiner Barm⸗ herzigkeit! Sei unſer aller Pfleger, Helfer und Beiſtand und laß uns deine Güte und Gnade reichlich e bis auch unſer Stündlein kommt und wir ſelig dahinfahren. O getreuer Herr und Heiland, geleite die Seele unſeres Entſchlafenen, die du ſelber durch dein Blut erkauft haſt, in die Herrlichkeit Gottes um deiner Liebe willen. Amen. Lied Nr. 242: Ich weiß, an wen ich glaube. 31. Dankgebet nach erlangter Geneſung. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir iſt, ſeinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat; der dir alle deine Sünde und heilet alle deine Gebrechen; der dein Leben vom Verderben erlöſt; der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Pſ. 103, 1—4. Ich preiſe dich, Herr, denn du haſt mich erhöret; da ich ſchrie zu dir, machteſt du mich geſund. Du haſt mein Herzeleid in Herzensfreude verwandelt. Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. Siehe, um Troſt war mir ſehr bange, aber du, Herr, haſt dich meiner Seele Gebete in beſonderen Lebenslagen. 39 angenommen, daß ſie nicht verdürbe. Stricke des Todes umfingen mich und ich dachte: nun bin ich gar dahin. Aber du haſt mein Flehen erhört und meine Seele vom Tode errettet. Herr, mein Gott, wie groß ſind deine Wunder, die du an mir bewieſen haſt! Ich will ſie verkündigen, ſo lange ich lebe. Gelobt ſeiſt du, Herr, täglich, und gerühmt ſei dein herrlicher Name immer und ewiglich. Getreuer Vater, wende nun deine Barmherzigkeit nicht von mir, ſondern vollführe das gute Werk, das du in mir ange⸗ fangen huſt, und ſtärke mich von Tag zu Tag mehr und mehr; leite mich durch deinen guten Geiſt, daß ich hin⸗ fort nicht mehr ſündige, damit mir nicht Argeres wider⸗ fahre, ſondern daß ich dir mein Lebenlang diene in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig iſt. Laß deine Güte und Treue allewege mich behüten und befiehl deinen heiligen Engeln, deinen ſtarken Helden, über mir, daß ſie mich auf meiner Lebensreiſe begleiten und auf den Händen tragen, damit ich meinen Fuß nicht an einen Stein ſtoße. Verlaß mich nicht, Herr, mein Gott; ſei nicht fern von mir; eile, mir immerdar beizuſtehen, Herr, meine Hilfe, auf daß ich allezeit deinen heiligen Namen lobe und deine Erbarmung und Gnade preiſe. Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. Amen. Lied Nr. 137: Sei Lob und Ehr dem höchſten Gut. 32. Gebet in innerer Anſechtung. Siehe mein Elend und errette mich; hilf mir aus, denn ich vergeſſe deines Geſetzes nicht. Führe meine Sache und erlöſe mich; erquicke mich durch dein Wort. Pſ. 119, 153. 154. Lieber himmliſcher Vater, ich danke dir, daß du mich in der heiligen Taufe zu deinem Kinde aufgenommen und durch dein Wort geheiligt und bisher in demſelben er⸗ halten haſt. 5 Weil ich aber mit großer nigit meines Herzens beladen bin und täglich geängſtigt werde, ſo daß ich meine Betrübnis nicht ausſagen noch beſchreiben kann, ſo bitte ich dich, treuer Gott, verlaß mich doch nicht, und 40 Gebete in beſonderen Lebenslagen. halte mich feſt bei deiner Hand, daß ich nimmermehr ſinke, noch von dir geſchieden werde. Mit traurigem Herzen ſtehe ich des Morgens auf, mit betrübtem Geiſte eſſe ich meine Speiſe, mit Angſt lege ich mich nieder und habe keine Ruhe in mir. Ach Gott, ſiehe an meinen Kummer! Ich wollte dir gerne mit fröhlichem Herzen dienen, aber ich vermag es nicht; wie ſtark ich mi wehre und wider das Elend meines Herzens ſtreite, i bin zu ſchwach zu dieſem großen Darum hilf mir Schwachem, o du ſtarker Gott, und gieb mir deinen heiligen Geiſt, daß er mich tröſte und erfreue in aller meiner Traurigkeit. Ich bin ja dein im Tode und im Leben, und weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Trübſal noch Angſt kann mich ſcheiden von dir und deiner Liebe, obgleich ich jetzt in Angſt und Kummer ſchwebe. Herr, ich hoffe auf deine Gnade, du wirſt mich nicht unerhört laſſen, ſondern alle Angſt aus meinem Herzen nehmen. Darum will ich dich für deine Güte rühmen, loben, preiſen, dir danken und dienen hier und in Ewig⸗ keit. Amen. Lied Nr. 334: Auf den Nebel folgt die Sonn. 33. Hebet in äußerer Armut. Ich bin arm und elend; der Herr aber ſorget für mich; du biſt mein Helfer und Erretter; mein Gott, ver⸗ ziehe nicht. Pſ. 40, 18 Allmächtiger, allbarmherziger Gott und Vater, der du die Schickſale der Menſchen in deiner Hand trägſt und jedem das ſeine zuteilſt nach deinem Wohlgefallen, von dir kommt Armut und Reichtum, Mangel und über⸗ fluß. Ich preiſe deine Güte für alle deine Gaben und danke dir für alle deine Geſchenke, ſelbſt für die in den Augen der Menſchen kleinſten und geringſten. Ich danke dir auch für die Armut, die du mir beſchieden haſt, denn du weißt am beſten, was deinen Menſchenkindern um Frieden dient, das große Gut des Reichen oder die rbeit, Sorge und Bangigkeit des Armen. Du haſt ja Gedanken des Friedens mit mir mitten in meiner Armut Gebete in beſonderen Lebenslagen. 41 und Not; nur mein ſchwaches Herz will nicht tragen, was du mir auferlegteſt. Darum bitte ich dich, ſtärke und tröſte mich und laß an mir wahr werden das Wort deiner Verheißung: rufe mich an in der Not, ſo will ich dich erretten, ſo ſollſt du mich preiſen. Erhalte und mehre in mir den Glauben an deine väterliche Güte und Erbarmung und an die Gewißheit, daß denen, die dich lieben, alle Dinge müſſen zum beſten dienen. Es iſt ein köſtlich Ding, daß das Herz feſt werde; ſo mache denn mein Herz feſt, im Aufſehen auf dich treulich auszuharren in meinem Elend, aber auch treu und fleißig zu wirken und zu arbeiten, daß ich mein beſcheiden Teil Speiſe dahinnehme. Bewahre mich durch deine Kraft vor aller Trägheit, vor aller Untreue, vor allem Verzagen und allem Murren. Lehre mich in Geduld leiden, was ich nach deinem Ratſchluß leiden ſoll, immerdar aber auch auf dich hoffen und dir vertrauen. Und da du die Herzen der Menſchen lenkeſt, wie Waſſerbäche, ſo erwecke mir liebreiche Freunde, die ſich meiner Not annehmen und als deine Boten an mir Barmherzigkeit thun, wie du ſie an ihnen gethan haſt.— Gieb mir ein dankbares Herz, daß jede Gabe der Menſchen mich bereit mache zum Lobe gegen ſie und gegen dich, den Geber aller guten und vollkommenen Gaben.— Vor allem aber ſtehe mir bei durch deinen heiligen Geiſt, daß ich mich nicht gegen dich ver⸗ ſündige in meiner Armut, und daß meine Not mich nicht errege, deine und der Menſchen Geſetze zu übertreten. Laß mir vielmehr mein Elend zur Beſſerung dienen und lehre mich erkennen, daß, gleich wie Gold durchs Feuer, alſo werden die, ſo dir gefallen, durchs Feuer der Trübſal bewährt. Lehre mich, daß Trübſal bringt Ge⸗ duld, Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung bringt Hoffnung, und Hoffnung läßt nicht zu ſchanden werden.— Ja, Herr, laß mich nicht zu ſchanden werden; ſende den Armen wieder beſſere Zeit und gieb meiner Seele die rechte Kraft, auch das Argſte zu überwinden und das Feld zu behalten. In deine treue Vaterhand befehle ich mein Leben; du biſt der Armen Schutz und Zuverſicht. Amen. Lied Nr. 328: Von Gott will ich nicht laſſen. 42 Gebete in beſonderen Lebenslagen. 34. Hebete in allgemeiner Rot. Gott iſt unſere Zuverſicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben; darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer ſänken. Pſ. 46, 2. 3. O du Richter alles Fleiſches, der du nicht nach dem richteſt, was vor Augen iſt, ſondern das Herz anſiehſt, erwecke unſere Herzen, daß wir uns freiwillig richten, damit wir nicht von dir gerichtet werden. Wir wiſſen und fühlen es, daß wir die große Not, welche du uns geſandt haſt, wohl verdient haben durch unſere mannig⸗ faltigen und großen Sünden. Aber dennoch bringen wir unſere Klagen vor dich, weil die dringende Gefahr uns antreibt, vor dir niederzufallen mit Bitten und Flehen. Ach, räche nicht die Untreue und Falſchheit des menſch⸗ lichen Herzens, ſondern erwecke uns aus dem Schlafe der Sicherheit, damit wir uns nicht mehr verſündigen, und erlöſe uns von Schuld und Strafe um deines Sohnes willen! Beweiſe alſo an deinen Geſchöpfen anſtatt des gedrohten Untergangs deine große Geduld und Er⸗ barmung, auf daß wir Vertrauen zu dir ſchöpfen, uns in der NRot an dich halten und nach ihr beſtändig an dir hangen. Hilf uns aus unſeren Trübſalen! Ergreife die Deinigen durch deine ſtarke Rechte, reiße ſie aus der Gefahr und laß ſie deine Kraft und Gnade erfahren. Den Blöden und Schwachen ſende Rettung, daß ſie im Elend nicht verzagen, und den Troſtloſen komme zu Hilfe, daß ſie ihre Trübſal überwinden. Segne uns die jetzige Gefahr zur rechten Buße, und leite die Feinde deines Wortes zur Umkehr, daß ihr Gewiſſen aufwache und ſie die Zeit der Gnade recht anwenden. Mache allen fleiſchlichen Troſt zu nichte, hinter welchen ſich ſo viele verſtecken möchten, und füge es alſo, daß wir nur auf dich trauen und bauen, denn deiner Hand können wir nicht entfliehen. Verlaß an den heimgeſuchten Orten die Deinen nicht und erbarme dich auch derer, die wider dich ſind. Und weil ſo manche dir bisher nur wenig gedient haben und gehorſam waren, ſo lehre ſie auf dein Wort merken, deine Stimme in ihrem Gewiſſen wahrnehmen und ſo ihr ewiges Heil ſuchen.— Ach Herr, laß alle Gnade Gebete in beſonderen Lebenslagen. 43 finden, die im Namen Jeſu Chriſti vor dich kommen. Sei barmherzig gegen dein armes Volk und ſchone deiner Geſchöpfe, die du gemacht haſt. Gieb allen Seelen Buße und Vergebung der Sünden, erhöre diejenigen, welche mit dem Tode ringen, und erzeige dich ihnen gnädig und freundlich. Wir trauen auf dich, denn wir haben einen Gott, der da hilft, einen Herrn, Herrn, der vom Tode errettet. Amen. Lied Nr. 418: Wenn wir in höchſten Nöten ſein. 35. Dankgebet für Errettung aus der Rot. Pſ. 103. Lobe den Sn meine Seele, und was in mir iſt, ſeinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der dir alle deine Sünden vergiebt und heilet alle deine Gebrechen; der dein Leben vom Verderben erlöſet; der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit; der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirſt, wie ein Adler. Der Herr ſchafft Gerechtigkeit und Gericht allen, die Unrecht leiden. Er hat ſeine Wege Moſen wiſſen laſſen, die Kinder Israels ſein Thun. Barmherzig und gnädig iſt der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten. Er handelt nicht mit uns nach unſern Sünden und vergilt uns nicht nach unſerer Miſſethat. Denn ſo hoch der Himmel über der Erde iſt, läßt er ſeine Gnade walten über die, ſo ihn fürchten. So fern der Morgen iſt vom Abend, läßt er unſere übertretungen von uns ſein. Wie ſich ein Vater über Kinder erbarmet, ſo erbarmet ſich der Herr über die, ſo ihn fürchten. Denn er kennet, was für ein Gemächte wir ſind; er gedenkt daran, daß wir Staub ſind. Der Menſch iſt in ſeinem Leben wie Gras, er blühet wie eine Blume auf dem Felde. Wenn der Wind darüber geht, ſo iſt ſie nimmer da und ihre Stätte kennt ſie nicht mehr. Die Gnade aber des Herrn währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, ſo ihn fürchten, und ſeine Gerechtig⸗ keit auf Kindeskind, bei denen, die ſeinen Bund halten und gedenken an ſeine Gebote, daß ſie darnach thun. Der Herr hat ſeinen Stuhl im Himmel bereitet, und ſein —— 44 Gebete in beſonderen Lebenslagen. Reich herrſchet über alles. Lobet den Herrn, ihr ſeine Engel, ihr ſtarken Helden, die ihr ſeinen Befehl ausrichtet, daß man höre die Stimme ſeines Wortes. Lobet den Herrn, alle ſeine Heerſcharen, ſeine Diener, die ihr ſeinen Pillen thut. Lobet den Herrn, alle ſeine Werke an allen Se ſeiner Herrſchaft. Lobe den Herrn, meine Seele! men. Gottesdienſtordnung für den Geburtstag Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Heſſen. Cied der Gemeinde. „Komm, heiliger Geiſt,“ oder ein anderes paſſendes Ein⸗ gangslied. Der Geiſtliche: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes. Unſere Hilfe ſteht im — des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Laſſet uns zu dem allheiligen Gott alſo beten: Allmächtiger Gott, barmherziger Vater! In tiefer Demut erkennen und bekennen wir vor dir, daß wir durch Gedanken, Worte und Werke deine heiligen Gebote vielfach übertreten haben. Wir haben dich nicht geliebt von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte, auch nicht unſern Nächſten wie uns ſelbſt, und ſind abgewichen von deinen Wegen. Aber unſere Sünden ſind uns von Herzen leid, und mit reuigem Gemüte ſuchen wir deine Gnade.— Siehe erbarmend auf uns herab, vergieb uns um deines lieben Sohnes, unſeres Herrn und Heilandes, willen und ſende uns deinen hei⸗ ligen Geiſt, damit wir allem Böſen von ganzem Herzen entſagen und dir dienen mögen in der Gerechtigkeit, welche dir wohlgefällt. Chor: Amen. Amen. Amen. 46 Gottesdienſtordnung. Der Geiſtliche: Der allmächtige Gott erbarmt ſich über uns und vergiebt uns alle unſere Sünden, ſo wir Buße thun und glauben an den Namen ſeines eingeborenen Sohnes, der um unſerer Sünden willen geſtorben und um unſerer Gerechtigkeit willen auf⸗ erwecket iſt. Darum ſei gelobet der Herr, der Gott aller Gnade, denn er hat beſuchet und erlöſet ſein Volk, hat uns aufgerichtet einen Fels des Heils und unſere Füße geſeßzt auf den Weg des Friedens. Amen. Chor: Ehre ſei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiſte, wie es war von Anfang, jetzt und immerdar, von Ewigkeit zu Ewigkeit.— Hallelujah, Hallelujah, Hallelujah. Der Geiſtliche: Ehre ſei Gott in der Höhe! Chor: Und Friede auf Erden und den Menſchen ein Wohlgefallen. Der Geiſtliche: Der Herr ſei mit euch! Chor: Und mit deinem Geiſte. Der Geiſtliche: Allmächtiger Gott, der du durch deinen heiligen Geiſt die ganze Chriſtenheit heiligeſt und regiereſt, erhöre unſer Gebet und gieb gnädiglich, daß wir dein Wort mit Andacht vernehmen, und alle, die den Namen deines eingeborenen Sohnes bekennen, in reinem Glauben durch deine Gnade dir dienen, durch Jeſum Chriſtum, unſeren Heiland und Herrn. Chor: Meine Seele erhebe den Herrn, und mein Geiſt freue ſich Gottes, meines Heilands! Der Geiſtliche: Vernehmet mit Andacht, was geſchrieben ſteht Pſalm 21, 2—8: Herr, der König freuet ſich in deiner Kraft, und wie ſehr fröhlich iſt er über deine Hilfe! Du giebſt ihm ſeines Herzens Wunſch und weigerſt nicht, was ſein Mund bittet. Denn du überſchutteſt ihn mit gutem Segen, du ſetzeſt eine goldne Krone auf ſein Haupt. Er bittet dich um das Leben, ſo giebſt du ihm langes Leben immer und ewiglich. Er hat große Ehre an deiner Hilfe, du legeſt Lob und Schmuck auf ihn. Denn du Gottesdienſtordnung. 47 ſetzeſt ihn zum Segen ewiglich, du erfreueſt ihn mit Freuden deines Antlitzes. Denn der König hoffet auf den Herrn und wird durch die Güte des Höchſten feſt bleiben. Chor: Hallelujah, Hallelujah, Hallelujah. Oder: 1. Petr. 2, 13— 17: Seid unterthan aller menſch⸗ lichen Ordnung um des Herrn willen, es ſei dem Könige, als dem Oberſten, oder den Hauptleuten, als den Ge⸗ ſandten von ihm, zur Rache über die übelthäter und zu Lobe der Frommen. Denn das iſt der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verſtopfet die Unwiſſenheit der thörichten Menſchen, als die Freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit, ſondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott, ehret den König. Hauptlied der Gemeinde. 1. Allein Gott in der Höh ſei Ehr und Dank für ſeine Gnade, darum, daß nun und nimmermehr uns rühren kann ein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat, nun iſt groß Fried ohn Unterlaß, all Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir beten an und loben dich, wir bringen Ehr und danken, daß du, Gott Vater, ewiglich regierſt ohn alles Wanken; ganz ohne Maß iſt deine Macht, allzeit geſchieht, was du bedacht; wohl uns des ſtarken Herren. 3. O Jeſu Chriſte, Gottes Sohn, für uns ein Menſch geboren, der uns vertritt vor Gottes Thron und rettet, was verloren; Lamm Gottes, heilger Herr und Gott, nimm an die Bitt von unſrer Not, erbarm dich unſer aller! Bredigt. V. U. Fr. G. 4. O heilger Geiſt, du höchſtes Gut, mit deinem Heil uns tröſte! Vor Satans Macht nimm uns in Hut, die Jeſus Chriſt erlöſte durch Marter groß und bittern Tod, wend unſern Jammer ab und Not; darauf wir uns verlaſſen! Gottesdienſtordnung. Gebet an dem Altar. Allmächtiger Gott, himmliſcher Vater! Wir ſtehen vor deinem Angeſicht, um deine Gnade zu preiſen, die du verherrlicht haſt an unſerem Großherzoge und ſeinem ganzen Hauſe. Nimm heute, wo wir des Tages gedenken, an dem du unſeren Landesfürſten das Licht der Welt haſt erblicken laſſen, die Opfer unſeres Dankes für all den Segen, womit du ihn krönteſt, gnädig an. Unzählige Wohlthaten haſt du ihm vom Anfange ſeines Lebens bis auf dieſe Stunde erwieſen. Du haſt deine allmächtige Hand über ſein teures Leben gehalten und biſt ihm in allen Gefahren nahe geweſen mit deinem himmliſchen Schutze. Du haſt auf ſein Haupt die Krone geſetzt und ihn auf den Thron ſeiner Väter erhöht. Schütze ihn auch ferner, du treuer Gott. Erleuchte ihn mit deinem Geiſte, daß er ſich halte in deinen Wegen und ſeinen Wandel führe in deiner Furcht. Rüſte ihn aus mit Weisheit, Mut und Kraft, daß er ſein Volk zu deinem Preiſe regiere. Laß ihn ein rechter Schutz und Schirm deiner Kirche ſein, damit auch durch ihn ihr heiliges Werk gefördert werde. Verbreite die Erweiſungen deiner Güte über die Groß⸗ herzogin, ſeine Gemahlin, über den Erbgroßherzog, über das ganze Großherzogliche Haus und alle, die ihm an⸗ verwandt ſind. Gieb unſerem Fürſten allezeit treue Diener, die mit Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe ihres Amtes warten, und laß ihre Dienſte geſegnet ſein. Gieße deinen Geiſt aus in alle Kirchen und Schulen, in alle Herzen⸗ Familien und Gemeinden, damit ein lebendiger laube und eine thatkräftige Liebe wachſe und ſich mehre in unſerem ganzen Volke. Vereinige Fürſt und Volk durch das Band der Liebe und des Friedens. Beſchütze unſer ganzes deutſches Vaterland und wende gnädig alles ab, was ſeine Ruhe und ſeinen Wohlſtand ſtört. Segne den Kaiſer und laß wohl gelingen, was er zu Deutſch⸗ lands Ehre und Wohlfahrt unternimmt. Hilf einem jeden in ſeiner Not und ſei ein Heiland aller Menſchen, vor⸗ züglich deiner Gläubigen. Herr unſer Gott, dir befehlen wir unſern Großherzog und ſein Haus, unſer Volk und alle Menſchen. Herr, wir bauen auf dich; gelobt ſei dein hochheiliger Name. Amen. Gottesdienſtordnung. 49 Cied der Gemeinde. 1. Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge thut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut und noch jetzund gethan. 2. Der ewig reiche Gott woll uns bei unſerm Leben ein immer ihit Herz und edeln Frieden geben, und uns in ſeiner Gnad erhalten fort und fort, und uns aus aller Not erlöſen hier und dort. 3. Lob, Ehr und Preis ſei Gott, dem Vater und dem Sohne und dem, der beiden gleich, im höchſten Himmelsthrone, dem ewig höchſten Gott, als es anfäng⸗ lich war und iſt und bleiben wird jetzund und immerdar! Segen. ——— .. — * 4 „ 4 4. „ .* F——„——— 3 „ * 8 g14 ezaenqae