Allgemeines Evangelisches Gesang buch Eü r d Großherzogthum Hessen. Im Verlage der Großherzoglichen Invaliden⸗ und Soldaten-Waisen⸗Anstalt. Da er m stgdet, 1848. Druck der L. C. Wittich'schen Hofbuchdruckerei. Inhalt. Allgemeine Lieder beim Anfange und Schluß 7 der öffentlichen Gottesverehrung. Nr. 1— 9. Er ste Abtheilung. Lieder über die christlichen Glaubenslehren. Nr. 10— 289. Von Gott, dessen Wesen und Eigenschaften. Nr. 10— 41. Daseyn Gottes 10. Einheit Gottes 11. 12. Majestät und Größe Gottes 13— 17. Auch 11. 56. 57. Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes 18— 20. Allgegegenwart und Allwissenheit Gottes 21. 22. 24. 25. Allmacht Gottes 23. Auch 50. 72. Weisheit Gottes 26. 27. Auch 50. 59. Heiligkeit und Ge⸗ rechtigkeit Gottes 28. 29. Auch 270-275. Wahr⸗ haftigkeit und Treue Gottes 30. 31. Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes 32— 39. Geduld, Langmuth und Gnade Gottes 40. 41. 703. Von der heiligen Dreieinigkeit. Nr. 42— 46. Von den Werken und Wohlthaten Gottes. Nro. 47— 242. 0 Schöpfung 47— 53. Auch 420 und 589. Vorsehung oder Erhaltung und Regierung der Welt 54 66. Auch 26. 34. 36. Von den Engeln 67— 69. Der Mensch; seine Würde und Verzüge 70— 73. Bestimmung des Menschen 74— 77. 4 x⸗ Erlösung 78— 187. Sündhaftigkeit des Menschen 78— 83. Folgen der Sünde 84— 88. Erlösung und Veredlung des Menschen durch Christum 89- 100. Würde des Erlösers 101— 103. Sendung und Ge⸗ burt Jesu(Adventslieder) 104— 109. 704. (Weihnachtslieder) 110— 119. Erscheinung Christi 120. 121. Darstellung Christi im Tempel 122. 123. Johannes, der Vorgänger Jesu 124. 125. Lehre, Leben und Thaten Jesu 126— 134. 333. 479. Leiden, Tod und Begräbniß Jesu.(Passionslie⸗ der) 135— 173. Auferstehung Jesu(Osterlie⸗ der) 174— 184. 705. Christi Hingang zum Vater und Verherrlichung 185— 187. 706. Heiligung 188— 242. Sendung des heiligen Gei⸗ stes(Pfingsßlieder) 188— 197. Vom Worte Gottes 198— 208. 707. Von der heiligen chriftli⸗ chen Kirche 218— 309. Am Reformationsfest 210. Bei der heiligen Taufe 219— 224. Bei dem heili⸗ gen Abendmahle 225— 242. Auch 133. 161. 164. 165. 312. 335. Von der Unsterblichkeit und Vergeltung nach dem Tode. Nr. 243— 289. Vom Tode 243— 263. 665. 666. Von der Aufer⸗ stehung der Todten 264— 269. Auch 699. 708. Vom füngsten Gerichte 29. 270— 275. 709. 710. Seligkeit der Frommen nach dem Tode 276— 287. 289. Auch 77. 178. 312. Verdammniß der Gott⸗ losen 273. 275. 288. Zweite Abtheilung. Lieder über die christlichen Lebenspflichten. Nr. 290— 498. Gesinnung und Verhalten des Christen im All⸗ gemeinen. Nr. 290— 354. Eigenschaften des Christen überhaupt 290. 292. 293. 317. 325. 328. 336. 346. 347. 354. Werth und* ei v keit der christlichen Tugend 291. 296. 310-312. 314. 318. 319. 322. 324. 334. 342. 353. Entschluß zur christlichen Tugend 297. 313. 323. 330. 341. Selbstprüfung 295. 300. 338. 349. Erkenntniß der Sünde und Reue 294. 306. Auch 78. 79. 83. Buße oder Sinnesänderung und Lebensbesserung 298. 299 301. 304. 711. Bitte um Gottes Beistand zum Guten 337. 339. 340. Auch 80. Wider den Aufschub der Besserung 303. 307. Am allgemeinen Bußtage 309. Trost der Sündenvergebung durch Christum 302. 305. 308. 316. Auch 144. Thäti⸗ ger Glaube an Jesum Christum, und würdige Gefin⸗ nungen gegen ihn 312. 320. 321. 326. 331— 333. 335. 343— 345. 347. 348. 504. Wachsamkeit auf unsern Sinn und Wandel 81. 274. 349. Beharr⸗ lichkeit und Fortschritte in der Besserung 315. 327. 332. 350— 352. Gesinnung und Verhalten des Christen in Hin⸗ sicht auf Gott. Nr. 355— 420. Erkenntniß Gottes 355— 358. Ehrfurcht vor Gott und Heilighaltung des Eides 359— 361(c). Liebe zu Gott 362. 365. Gehorsam gegen Gott 366. 367. Freude in Gott 368— 370. Vertrauen auf Gott 371— 390. Gebet 391— 403. Dankbarkeit ge⸗ 713 115 401 411. 712. Lob Gottes 412— 420. Gesinnung und Verhe U 6 8 . alten des Christen gegen sich selbst. Nr 76 . 421— 476. Selbsterkenntniß und Demuth 421— 425. Selbstliebe 426. Selbstachtung 71. 73—76. 443(b). Sorge für die Seele 427— 431. Sorge für Leib, Leben und Gesundheit 432— 435. Berufstreue 436— 439. Würdigung und weiser Gebrauch der irdischen Güter 440— 448. Weiser Gebrauch der 2 445. 445— 448. 260— 262. Genügsamkeit und Zu ⸗ friedenheit 449— 452. Streben nach Herzens⸗ und Gewissensruhe 453. 454, 500- 503. Weiser Genuß der Lebensfreuden 455— 458. Geduld und Gelas⸗ senheit im Leiden 459— 476. Gesinnung und Verhalten des Christen gegen andere Menschen. Nro. 477— 498. Allgemeine Menschenliebe 477— 482. Mitfreude und Mitleid 482.(b). Gerechtigkeit und Billigkeit 483. 484.(c). Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit 485.4886. Diensifertigkeit und Gefälligkeit 487. Sanftmuth, Friedlichkeit und Eintracht 488(a) und(b). Versöhn⸗ lichkeit und Feindesliebe 489— 491. Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit 492— 496. Gutes Beispiel 497. Bescheidenheit 498. Auch 421— 424. Glückseligkeit wahrer Christen 499— 509 Auch 316. 319. Dritte Abtheilung. Lieder über die Pflichten des Christen in besonderen Verbindungen, Zeiten und Umständen. Nro. 510— 702. Gesinnung und Verhalten des Christen in beson⸗ deren gesellschaftlichen Verbindungen. Nro. 510— 559. Häusliche Gesellschaft 510— 532. Der Ebe⸗ stand 512. 513. Bei Trauungen 514. 515. Nach der Trauung 516. Aelternpflicht 517 521. Kin⸗ despflicht 522— 524. Geschwisterliebe 525. Für Herrschaften 526. 527 Für Dienende 528. Sir ur VII Für Wittwen 530. Für Waisen 531. Dankbarkeit gegen Wohlthäter 532. Kirchliche Gesellschaft 533 544. Lehrer und Zuhörer 533 Bei Einführung eines Religionslehrers 534. Bei der Konfirmation 535— 542. 198. 330. Vor der Einsegnung 539. Nach der Einsegnung 540. Nach der Konfirmation 541. 542. Bei Einweihung einer Kirche 543. Bei Einführung eines Schulleh⸗ rers 544. Bürgerliche Gesellschaft 545— 556. Vaterlands⸗ liebe 546. Regent, Obrigkeit und Unterthan 402. 547. 548. Hoher Stand 549. Der Richter 550. Der Soldat 551. Der Landmann 552 Der Nach⸗ bar 553. Umgang 554. Freundschaft 555. 556. Christliches Verbalten in Ansehung der Thiere und Bäume 557— 559. Gesinnung und Verhalten des Christen zu beson⸗ deren Zeiten. Nro. 560— 624. Tageszeiten. Am Morgen 560— 570. Am Sonn⸗ tagmorgen 571. Beim Anblicke der aufgehenden Sonne 572. Am Abend 573— 583. Unter gestirn⸗ tem Himmel 584. Jahreszeiten 63. Im Frühling 585— 587. Im Sommer 588— 590. Im Herbst 591. 592. Im Winter 593. 594. Saat⸗ und Aerntezeit. Zur Saatzeit 595. Nach einer reichen Aernte 596. 597. Auch 62. Nach einer sparsamen Aernte 598. Witterung. Flehen um Regen 599. Nach verliehenem Regen 600. Flehen um Sonnenschein 601. Nach verliehenem Sonnenschein 602. Beim Gewitter 603. 604. Nach dem Gewitter 605 Jahreswechsel. Neujahrslieder 606— 613. Beim Anfang des Kirchenjahres 614. Auch 212. Lebenszeiten. Am Geburtstage 615. 616. 66. 407. 411. 418. 576. Die Lebensalter 617. Für die Ju⸗ gend 618— 620. Für Jünglinge 621. 134(a) 433(b). 447. 455. 457. Für Jungfrauen 622. 433(c). Für das Alter 623 624. Ge⸗ VII Gesinnung und Verhalten des Christen unter be— sondern Umständen. Nr. 625— 702. Bei allgemeinem Wohlstand 625. In allgemeiner Noth 626. 627. In Kriegszeiten 628— 630. Zur Frie · densfeier 631. 632. In Theuerung 633. In Was⸗ sersnoth 634. 635. Nach überstandener Noth 636. Nach einer Feuersbrunst 637. Nach einem großen Verluste 638. Auf der Reise 639. Der reisende Jüngling 640. Fürbitte für liebe Abwesende 641. Bei ansteckenden Krankheiien 642. Nach denselben 643. In Krankheiten 644— 652. 252. 378. 382. 462. 463. 474. Abendmahlsfeier eines Kranken 653. 654. Fürditte für Kranke und Leidende 655. 656. Nach der Genesung 657. 274. Vorbereitung auf den Tod, und Trost für Sterbende 658— 668. 247. 260— 262. 268. 270. 282— 287. Der sterbende Jüngling 669. Das sterbende Kind 670. Fürbitte für Sterbende 671. 672. Einsegnung eines Ster- benden 673. Der Tod des Frommen 674. Beim Tode guter Aeltern 675. Beim Tode hoffnungsvoller Kinder 676. 677. Beim Tode eines guten Chegat⸗ ten oder eines Freundes 678. Bei Beg räbnissen 679— 702. Auch 243. 250. 258. 264. 265. 267. 269. 276. 278— 287. 289. Am Trauerhause und beim Zug zum Grabe 243. 246. 248. 253. 254. 258. 260. 262. 679. 680. Am Grabe 681— 691. Beim Grabe eines Verunglückten 692. Am Grabe Frühverstorbener 693— 695. Am Grabe eines ver⸗ dienstvollen Lehrers und Seelsorgers 697. Trost und Gelübde auf Gräbern 698— 700. Trost des Wie⸗ dersehens 701. 702. Allgemeine Lieder bei der öffentlichen Gottesvere hrung, Bei dem Anfange der Gottesverehrung. Komm, heiliger Geist! Erfüll' die Herzen dei⸗ ner Glaͤubigen, und entzünd' in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe, der du durch Mannigfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammelt hast, in Einigkeit des Glau⸗ bens! Halleluja! Halle⸗ Iuja! 2 chöpfer, Gott, Herr der Zeit und Ewig⸗ keit, Vater der Barmher⸗ zigkeit, aller Welt Erhalter und Regierer! Erbarme dich! 2. Christe, aller Welt Licht, unser Heil und Trost und Zuversicht, du Gottes ew'ger Sohn, ach, unser Mittler vor des Höchsten Thron, Heiland! brünstig seufzen wir zu dir! Er⸗ barme dich! 3. Heiliger Geist, dich, In eigener Melodie. dich flehen wir: führ' uns, stärk' uns, und erhalt' uns dir! Mit deinem Trost, o Gott, verlaß uns nicht in unsrer letzten Noth! Er⸗ barme dich! In eigener Melodie. 3 Lob, Preis und Ehre bringen wir, Gott, Vater, Sohn und Geist, nur dir! Es müsse jedes Land auf Erden mit deinem Ruhm erfüllet werden! Wie selig, wie begnadigt ist ein Volk, deß Zuversicht zu bist! O Höchster, deinem großen Namen sei ewig Ruhm und Ebre! Amen! Erhör' uns, Gott! Erhör' uns Gott! Vor der Predigt. In eigener Melodie. 4 Outer Jesu, wir find hier, um dein gött⸗ lich Wort zu hören; lenke Sinnen und Begler zu des A Him⸗ 4 Von Gott, dessen Wesen Gott, unsern Eingang und Guten Kräfte, daß wir, sei⸗ Geschäfte; er sei bei uns in nes Himmels Erben, ihm der Noth, er verleih' zum nur leben, ihm nur sterben! Erste Abtheilung. Lieder über die christlichen Glaubens lehren. Von Gott, dessen Wesen und Eigenschaften. Daseyn Gottes. Mel. Kommt her zu mir Nuer könnte zwei⸗ 10 Wiens, daß du bist, o Gott! Der ganze Weltbau ist ein Zeuge deines Lebens. Zu sichtbar ist's, daß Güt' und Macht mit Weisheit ihn hervorgebracht. Nichts ist daran vergebens. 2. Wohin auch nur mein Auge blickt, da seh' ich Ord⸗ nung, die entzückt, im Gro⸗ ßen und im Kleinen; ich seh', und ganz erstaunt bin ich, wie der Geschöpfe Heere sich zu Einem Ziel vereinen. 3. Eins muß dem andern nutzbar seyn, daß die sich ib⸗ res Dasehns freun, die sich empfinden können. Und wie? doch wäre die Natur und ihre weise Ordnung nur des Zu⸗ falls Werk zu nennen? 4. Nein, wahrlich nicht von ohngefähr entstanden Himmel, Erd' und Meer: so konnte Nichts entstehen! Nur du, Gott, schufest die Natur, und einzig deine Kreatur ist Alles, was wir sehen. 5. Du bist's, der die ge⸗ schaffne Welt in ihrer Ord⸗ nung stets erhält, mit Weis⸗ heit sie regieret. Du bist es, der, nach seinem Rath, auch uns auf unsers Lebens Pfad mit weiser Gnade führet. 6. O wohl mir, Höchster, daß du bist, daß dein Werk Erd' und Himmel ist! Nun ist gewiß mein Leben nicht eines blinden Zufalls Spiel; ich darf nach meiner Wün⸗ sche sche Ziel nun nicht vergeb⸗ lich streben. 7. Mein Sehnen nach Zu⸗ friedenheit, mein Durst nach ew'ger Seligkeit wird sicher nun gestillet, wenn nur zu dir mein Geist sich hält und nicht die schnöde Lust der Welt hier mein Gemüth er⸗ füllet. 8. Drum soll es stets mir Freude seyn, dir, Gott, mein ganzes Herz zu weibn, zur Ehre dir zu leben. Du wirst mir dann in jeder Notb hier reichen Trost und einst im Tod des Himmels Wonne geben. Einheit Gottes. Mel. Es ist das Heil uns * er Herr ist Gott 11 Mus keiner mehr. Frohlockt ihm alle From⸗ men! Wer ist ihm gleich? Wer ist, wie er, so herr⸗ lich, so vollkommen? Der Herr ist groß, sein Nam' ist groß, er ist unendlich, gränzenlos in seinem gan⸗ zen Wesen. 2. Er ist und bleibet, wie er ist. Wer strebet nicht vergebens, ihn auszuspre⸗ chen? Wer ermißt die Dauer seines Lebens? Wir Menschen find von gestern her; eh' noch die Erde war, war er, noch eher als die Himmel. und Eigenschaften. 3. Um seinen Thron her strömt ein Licht, das ihn vor uns verhüllet; ihn fas⸗ sen alle Himmel nicht, wie weit er sie erfüllet. Er blei⸗ bet ewig, wie er war, ver⸗ borgen und auch offenbar in seiner Werke Wundern. 4. Wo wären wir, wenn seine Kraft uns nicht gebil⸗ det hätte? Er kennt uns, kennet, was er schafft, der Wesen ganze Kette. Bei ihm ist Weisheit und Ver⸗ stand, und Kraft und Stär⸗ ke; seine Hand umspannet Erd' und Himmel. 5. Ist er nicht nah? ist er nicht fern? weiß er nicht alle Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn ein Mensch verbergen möge? Umsonst hüllt ihr in Fin⸗ sterniß, was ihr beginnt; er sieht's gewiß, er sieht es schon von ferne. 6. Wer schützt den Welt⸗ bau ohne dich, o Herr, vor seinem Falle? Allgegenwär⸗ tig breitet sich dein Fittig über Alle. Du bist voll Freundlichkeit, voll Huld, barmherzig, gnädig, voll Geduld, ein Vater, ein Verschoner. 7. Gerecht bist du, bist heilig, gut, und reiner als die Sonne! Wohl dem, der deinen Willen thut, denn du vergiltst mit Wonne! Du hast Unsterblichkeit allein, 22 bist 6 Von Gott, dessen Wesen bist selig, wirst es ewig seyn, der Seligkeiten Fülle! 8. Du nur verdienest Lob und Dank, du nur Gesang und Ehre! Kommt, werdet Gottes Lobgesang, ihr alle seine Heere! Der Herr ist Gott, und keiner mehr! Wer ist ihm gleich? wer ist, wie er, so herrlich, so vollkommen? Mel. Mein erst Geschäft sei Preis 5 Es ist nur Einer 12 E Herr und Gott im Himmel und auf Erden. Nur sein allmächtiges Ge⸗ bot hieß Erd' und Himmel werden. 2. Was er erschuf, das kann allein durch seine Kraft bestehen; will er, die Welt soll nicht mehr seyn, so muß die Welt vergehen. 3. Mit Allge walt und Majestät ist er nur Welt⸗ regierer, der Sterne, die er ausgesät, und unsers Lebens Führer. 4. Groß ist sein Name, mit der That, kann er's der Welt beweisen. Herr! groß an Huld, an Macht und Rath! wer sollte dich nicht preisen? 5. Dich preist entzückt der Himmel Heer; es kennt nicht deines Gleichen! Nur du bist Gott, sonst keiner mehr; sollt' ich von dir je weichen? 6. Nein, ewig bleibst du mir allein der Herr, dem ich anhange; und ewig soll's kein Andrer seyn, von dem ich Heil verlange. 7. Mein ganzes Leben weih' ich dir, du Gott, auf den ich traue, bis ich dich einst noch mehr als hier in deiner Größe schaue. Majestät und Größe Gottes. In eigener Melodie. Dcwingt, beilige 13 Scedanken, euch von der Erde los! Gott, frei von allen Schranken, ist unaussprechlich groß. Lobsinget Gott, lobfingt vor seinem Angesichte! Er wohnt in einem Lichte, zu dem kein Auge dringt. 2. Kein Sinn kann ihn erreichen, kein endlicher Verstand; was kann sich ihm vergleichen? Wer hat ihn ganz erkannt? Macht euch von ihm kein Bild, der aller Welten Kreise, zu seinem ew'gen Preise, mit Herrlichkeit erfüllt. 3. Die Sonn' in hober Ferne mag strablenreicher glühn; glänzt heller noch, ihr Sterne, was seid ihr gegen ihn? Ihr seid mit eurer Pracht in eurem schön⸗ sten Lichte, vor seinem An⸗ ge⸗ gesichte, nur Schimmer sei⸗ ner Macht. l ˖ 4. Wie sollen wir dich nennen, dich Vater der Na⸗ tur? Was wissen wir? Wir kennen der Wesen Hülle nur. Der Weisen Scharf⸗ sinn steigt nie zur Natur der Geister. Hier staunt der klügste Meister, er glaubet nur und schweigt. 5. Von dir strömt alles Leben, du bist der reinste Geist; du hast die Kraft gegeben dem Engel, der dich preist. In deinem Heilig thum ertönen Lobgesänge in seiner Brüder Menge, zu deines Namens Ruhm. 6. Stimm' in der Engel Chöre, o meine Seele, auch; sei voll von Gottes Ehre, du, seines Odems Hauch! Wie groß ist dein Beruf! Auf, widme deine Kräfte dem würdiasten Geschäfte, wozu dich Gott erschuf. 7. Im Geiste bet' ihn, Seele, bet' ihn in Wahrheit an! Liebst du des Herrn Be⸗ fehle, wie selig bist du dann! Er hat Unsterblichkeit und Seligkeit und Leben: das Alles wird er geben dem, der sich ganz ihm weiht. Mel. Nun danket Alle Gott 1 4 Arrtungswürd ger Gott, mit Ehr⸗ furcht stets zu nennen, du bist unendlich mehr, als wir und Eigenschaften. begreifen können. O flöße meinem Geist die tiefste Demuth ein, und laß mich stets vor dir voll Ehrerbie⸗ tung seyn! 2. Du bist das höchste Gut, du weißt von keinem Leide; böchst selig in dir selbst, schmeckst du voll⸗ kommne Freude. Dein ist die Herrlichkeit; auch ohne Kreatur bist du dir selbst ge⸗ nug, du Schöpfer der Natur. 3. Du riefst dem, das nicht war, um Lust und Selig⸗ keiten auf's Mannigfaltigste rings um dich auszubreiten. Du bist die Liebe selbst; Ver⸗ stand und Rath find dein: und du gebrauchst sie gern, zu segnen, zu erfreu'n. 4. Du sprichst, und es geschieht. Auf dein allmäch⸗ tig: Werde! entstand dein großes Werk, der Himmel und die Erde. Mit deinem kräft'gen Wort trägst du die ganze Welt, und deine Macht vollführt, was uns unmöglich fällt. 5. Du bist der Herren Herr, der Erde Majestäten sind, Höchster, vor dir Staub; auch Geister kannst du tödten. Wen du ernie⸗ drigest, Gott, wer kann den erhöhn? wen du erhöhen willst, deß Hoheit muß be⸗ stehn. 6. Du bist es, der allein der Le⸗ Unsterblichkeit befitzet, A 4 8 Leben gibt und nimmt, der unsern Odem schützet; den Geist, der in uns lebt, den haben wir von dir. Willst du, so wird er Nichts, doch du bleibst für und für. 7. Wer hat, Unendlicher, wer hat dich je gesehen? Kein slerblich Auge reicht bis zu des Lichtes Höhen, von welchen du mit Huld auf deine Schöpfung blickst, und Alles, was da lebt, mit Se⸗ ligkeit beglückst. 8. Was wir, Unendli⸗ cher, von deinem Wesen wissen, das hast du selbst zu⸗ vor uns offenbaren müssen. Die Schöpfung zeugt von dir; und deines Sohnes Mund macht uns noch deut⸗ licher, Gott, deine Liebe kund. 9. Wir schaun dich nur von fern, noch schwach, noch unvollkemmen; doch wird die grobe Hüll' dereinst hin⸗ weg genommen, die, Un⸗ begreiflicher! dich unserm Blick verschließt, dann sehen wir dich, Gott, so herrlich, wie du bist. 10. Indeß sei auch schon hier dein Ruhm von uns be⸗ sungen. Verschmähe nicht ein Lob von lallend schwa⸗ chen Zungen! Dort soll, wenn wir dereinst vor dir verherrlicht stehn, ein beß⸗ rer Preisgesang dich, großer Gott, erhöhn. Von Gott, dessen Wesen Mel. Freu' dich sehr, o meine 15 H öchster, wer ist's 9 der dir gleichet? Was find Engel? was bin ich? Du, an den kein Se⸗ raph reichet, wer, ach! wer begreifet dich? Niemand war und Niemand ist, was du warst und immer bist. Wer ersteigt des Himmels Höhen, um dich selbst im Licht zu sehen? 2. Unerschaffner, Erster, Bester, Schöpfer, Vater der Natur; du, der höhern Geister Größter, Gott der Menschen, Gott der Flur! du bist ganz Vollkommen⸗ heit, lebst und wirkst von Ewigkeit. Wer verkennt bei dem Gedanken seiner Einsicht enge Schranken? 3. Du, der Ursprung al⸗ ler Gaben, und Beherrscher jeder Welt, über Alles hoch erhaben, was ihr Umfang in sich hält, du bist unveränder⸗ lich, Alles, Alles blos durch dich. Nur in deines Reiches Gränzen sehn wir deine Wunder glänzen, 4. Ja, du wohnst in ei⸗ nem Lichte, das kein Mensch durchdringen kann. Deine Wege und Gerichte staunet selbst der Engel an. Kein Erschaffner siehet ganz dei⸗ ner Hoheit vollen Glanz. Stets wird neue Tiefen finden, wer's versucht, sie zu ergründen. 5. Den 5. Dennoch foll mir mei⸗ nen Glauben, daß du bist, und auch für mich, nie der Thor und Spötter rauben, der vom Tugendpfade wich. Sei gleich unerforschlich mir; dennoch bleib' ich stets an dir. Welten sind's, die von dir zeugen und mein Herz zum Glauben neigen. In eigener Melodie. 16 rhabner Gott! was reicht an deine Größe? Denk' ich an dich, so fühl' ich meine Blöße; ich fühle, Herr, daß du unendlich bist, und daß umschränkt mein forschend Denken ist. 2. Du wohnst im Licht, wozu kein Mensch kann kom⸗ men. Was haben wir von deinem Ruhm vernommen? Den kleinsten Theil von dei⸗ ner Majestät, die dir ge⸗ bührt, und über Alles geht. 3. Dein ew'ges Seyn, dein ganz vollkommnes We⸗ sen; das, was du wirkst, und was dein Rath erlesen, ist viel zu hoch für menschlichen Verstand: von Engeln selbst wird es nie ganz erkannt. 4. Wie sollt' ich denn, ich Staub, mich unterwinden, Unendlicher, dich völlig zu ergründen? O mache mich von solchem Dünkel frei, daß mir dein Wort des Glaubens Richtschnur sei. und Cigenschaften. 9 5. Mein eigner Geist kann sich leicht hintergehen. Dein Wort ist wahr, es bleibet ewig stehen. Er⸗ forsch' ich gleich dein gött⸗ lich Wesen nicht, so genüge mir davon dein Unterricht! 6. Von dir, durch dich, zu dir find alle Dinge; gib, daß ich dir mich selbst zum Opfer bringe. Begreif ich's nicht, wie du die Welt re⸗ gierst, so sei mir's g'nug, daß du mich selig führst. 7. Einst wirst du dich mir näher offenbaren; einst werd ich mehr von deinem Rath erfahren, wenn ich nur dem, was mich dein Wort gelehrt, geglaubt, gefolgt, und treu dich hier verehrt. 8. Drum hilf, daß ich mit Ehrfurcht vor dir wandle; in allem Thun nach deinem Willen handle; zufrieden sei, wie du mich hier re⸗ gierst, bis du mich einst zu deinem Himmel führst. 9. Dann werd ich dich im hellern Lichte sehen, und froh in dir, dein ewig Lob erhöhen! Herr! du bist groß, und zeigst es mit der That, unendlich groß an Huld, an Macht und Rath. In eigener Melodie. 17 ott ist mein Lied! Er ist der Gott der Stärke; groß ist sein Nam', und groß find seine A 5 er⸗ 10 Werke und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und spricht's, so find und leben Weltenz und er gebeut, so fallen durch sein Schelten die Him⸗ mel wieder in ihr Nichts. 3. Licht ist sein Kleid und seine Wahl das Beste. Er herrscht als Gott, und sei⸗ nes Thrones Feste ist Wahr⸗ heit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, ein Meer von Seligkeiten, ohn' Anfang Gott, und Gott in ew'gen Zeiten! Herr aller Welt, wer ist dir gleich? 5. Was ist und war in Himmel, Erd' und Meere, das kennet Gott, und seiner Werke Heere sind ewig vor ihm offenbar. 6. Er ist um mich, schafft daß ich sicher ruhe; er schafft, was ich vor oder nachmals thue, und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, du sitzest oder gehest. Ob du ans Meer, ob du gen Himmel flöhest; so ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Flehn und allen Rath der Seele. Er weiß, wie oft ich Gutes thu' und fehle, und eilt, mir gnädig beizustehn. 9. Er wog mir dar, was er mir geben wollte, schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben sollte, da ich noch unbe⸗ reitet war. Von Gott, dessen Wesen ist mein, das Gott nicht ange⸗ 10. Nichts, Nichts höre. Herr! immerdar soll deines Namens Ehre, dein Lob in meinem Munde seyn! 11. Wer kann die Pracht von deinen Wundern fassen? Ein jeder Staub, den du hast werden lassen, verkündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm ist deiner Weisheit Spiegel. Du Luft und Meer, ihr Auen, Thal und Hügel, ihr seid sein Loblied und sein Psalm. 13. Du tränkst das Land, führst uns auf grüne Wei⸗ den; und Nacht und Tag und Korn und Wein und Freuden empfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen; sollt' ich mein Herz nicht mit dem Troste ftillen, daß deine Hand mein Leben hält? 15. Ist Gott mein Schutz, will Gott mein Retter wer⸗ den, so frag' ich Nichts nach Himmel und nach Erden, und biete selbst der Hölle Trutz. Ewigkeit und Unverän⸗ derlichkeit Gottes. Mel. Liebster Jesu, wir sind 18 Ged. du bist von Ewigkeit, und dein herrlich großes Wesen ändert sich zu keiner Zeit. Du Du bleibst stets, was du gewesen. Laß dies meinen Geist beleben, ehrfurchts⸗ voll dich zu erheben! 2. Ewig und unwandel⸗ bar ist, o Gott, dein hohes Wissen! Was dir einmal Wahrheit war, wird es ewig bleiben müssen. Nie⸗ mals kann dein Ausspruch fehlen. Laß mich ihn zum Leitstern wählen. 3. Herr! du bist kein Menschenkind, daß dich Et⸗ was reuen sollte; immer bleibst du gleich gesfinnt. Was dein Rathschluß vor⸗ mals wollte, willst du noch. O hilf uns Allen thun nach deinem Wohlgefallen! 4. Sünden bleibst du ewig Feind; wehe denen, die sie lieben. Ewig bleibst du derer Freund, die, was recht und gut ist, üben. Laß uns darin schon auf Erden deinem Bilde ähnlich werden. 5. Deine Worte trügen nicht. Du bist ewig der Ge⸗ treue, der da hält, was er verspricht. O, daß dies mich stets erfreue! Laß nur dei⸗ nen Geist mich treiben, dir, Herr, auch getreu zu blei⸗ ben. 6. Stets ist Wohlthun deine Lust: ewig währet deine Liebe. Wohl mir, wenn ich auch mit Lust mich in deinem Willen übe! Dann, o Herr, wird's mei⸗ und Cigenschaften. 11 ner Seelen nie an wahrem Wohlsepn fehlen. 7. Erd' und Himmel wird vergehn; alle Welt wird mich verlassen. Nur durch dich kann ich bestehn. Deine Hand wird mich umfassen, wann ich nun von hinnen scheide. Ewig bist du meine Freude. 8. Laß mir doch zu je der Zeit, Herr des Himmels und der Erden! diese deine Ewig⸗ keit einen starken Antrieb werden, dich zu lieben, dir zu trauen und mein Glück auf dich zu bauen. Mel. Erbabner Gott 19 H err Gott, du bist 8 die Zuflucht aller Zeiten, denn du bist Gott in allen Ewigkeiten. Du warst es schon, eh' Erd' und Him⸗ mel ward, eh' noch dein Arm sich uns geoffenbart. 2. Was bin ich, Herr, und alle Menschenkinder? Staub find vor dir der Heilige, der Sünder. Wie schnell entflieht das Leben doch von mir! Du, Höchster, du nur bleibest für und für. 3. Du hast vorhin die Erde zubereitet; dein Arm hat, Gott, den Himmel ausgebreitet Doch sie ver⸗ gehn, veralten wie ein Kleid; du aber bleibst in alle Ewigkeit. 4. Es werden noch die A 6 Him⸗ 12 Himmel und die Erden, wie ein Gewand, von dir ver⸗ wandelt werden, du bleibest, wie du bist; denn welche Zeit umgränzet wohl, Herr, die Unendlichkeit? 5. Das ist der Trost, die Hoffnung deiner Knechte, du schützest sie mit deiner star⸗ ken Rechte, du läßt ihr Herz sich ewig deiner freun, und bleibst ihr Gott; denn sie * ewig dein. „Das sei mein Trost in alen trüben Stunden; vom Tode selbst bleibt er unüber⸗ wunden. Kein Tod, kein Grab trennt mich, o Gott, von dir; mein Fels, mein Heil, das bleibst du ewig mir. freue mi 1 20 do wie 2 biß, warst du—— Gott, ehe du von deinem Thron Geschöpfe, die nicht waren, beriefst zu seyn, um deine Macht und Güte zu erfahren! 2. Du wirst auch seyn, so wie du bist, wenn längst die Erde nicht mehr ist, wenn längst schon Ewigkeiten uns Mel. Ich Kämpfer krönen, die wir hier um deinen Himmel streiten! 3. Von Ewigkeit zu Ewig⸗ teit kann deines Wesens Herrlichkeit sich selbst nicht ungleich werden, bedarf Von Gott, dessen Wesen auch nie, sich gleich zu seyn, der Himmel und der Erden. 4. Gott, mit dir unverän⸗ derlich, bezeugte deine Weis⸗ heit sich Geschöpfen, die da waren, und wird den Wel⸗ ten, die du schufst, fich fer⸗ ner offenbaren. 5. Ob Felsen weichen, Berg' ins Thal sich stürzen, daß von ihrem Fall die Erde weit erzittert, bleibt deiner Liebe Bund mit mir doch ewig unerschüttert. 6. Was zaget denn mein Herz in mir; was klag' ich ängfilich, daß ich hier kein dauernd Gut genieße, und daß in Unbeständigkeit dies Leben mir verfließe? 7. Was klag' ich, der dein Wort noch hat, den Trost, daß meine Misse⸗ that mich einst gewiß nicht richte, und daß mein Erb⸗ theil ewig sei vor deinem Angesichte? 8. Was klag' ich? Liebest du mich doch mit aller dei⸗ ner Liebe noch, und willst mich ewig lieben! Hast sel⸗ ber meinen Namen dir in deine Hand geschrieben! 9. Ja, ich bin Gottes, Gott ist mein; und ewig, — wirst du's seyn. Von dir kann mich Nichts schei⸗ den. Die Welt vergeht mit ihrer Lust, nicht du und deine Freuden. Allgegenwart Gottes. Mel. Auf, Christenmensch 21 Nis bist du, Höch⸗ ster, von uns fern; du wirkst an allen En⸗ den. Wo ich nur bin, Herr aller Herrn, bin ich in dei⸗ nen Händen. Durch dich nur leb' und athme ich; denn deine Rechte schützet mich. 2. Was ich gedenke, weis⸗ sest du; du prüfest meine Seele. Du siehst es, wann ich Gutes thu'; du siehst es, wann ich fehle. Nichts, Nichts, kann deinem Aug' ent⸗ fliehn, und Nichts mich dei⸗ ner Hand entziehn. 3. Wann ich in stiller Ein⸗ samkeit mein Herz an dich ergebe und, über deine Huld erfreut, lobsingend dich er⸗ bebe; so hörst du es, und stehst mir bei, daß ich dir immer treuer sei. 4. Du merkst es, wann des Herzens Rath verkehrte Wege wählet; und bleibt auch eine böse That vor aller Welt verhehlet, so weißt du sie, und ftrafest mich zu mei⸗ ner Beßrung väterlich. 5. Du hörest meinen Seufzern zu, daß Hülfe mir erscheine. Voll Mitleid, Vater, zählest du die Thrä⸗ nen, die ich weine! Du siehst und wägest meinen Schmerz, und stärkst mit deinem Trost mein Herz. und Eigenschasten. 13 6. Odrück', Allgegenwär⸗ tiger! dies tief in meine Seele, daß, wo ich bin, nur dich, o Herr! mein Herz zur Zuflucht wähle; daß ich dein heilig Auge scheu, und, dir zu dienen, eifrig sei. 7. Laß überall gewissen⸗ haft nach deinem Wort mich handeln, und stärke mich dann auch mit Kraft, vor dir getrost zu wandeln! Daß du, o Gott! stets um mich sei'st: das tröst' und beßre meinen Geist! In eigener Melodie. Oe lüÜgegenwärtiger! 22 A ich bin dir nicht verborgen, wo ich bin, wollt' auch auf schnellen Schwin⸗ gen mich an die fernsten Meere hin die Morgenröthe bringen. 2. Flieg' ich zum Himmel hoch empor, mich unter sei⸗ nem Sternenchor im Glanze zu verstecken, so bist du da, ziehst mich hervor, und Schande wird mich decken. 3. Steig' ich vor deinem Drohn hinab ins Haus der Finsterniß, das Grab: du bist auch da zugegen; auch da folgt mir dein Richter⸗ stab auf schauervollen We⸗ gen. 4. Der Alles schuf, ist überall: o fürchterlicher Donnerschall in aller Sün⸗ der Obren! Sie fürchten A7 kei⸗ 14 keinen Ueberfall: nun zit⸗ tern sie, die Thoren. 5. Der Gott des Himmels ist so nah, das heiligste der Wesen sah, was wir im Her⸗ zen dachten; was in gehei⸗ mer Nacht geschah, wann wir und Satan wachten. 6. Wir Thoren haben wohl gedacht, du würdest uns, o Mitternacht, mit schwarzen Flügeln decken! Umsonst! Gott wacht um uns, er wacht mit allen sei⸗ nen Schrecken. 7. Noch keines Herzens böser Rath, ihr Sünder, keine schnöde That ist seinem Aug' entronnen. Er kennet den geheimen Pfad des Staubes und der Sonnen. 8. O gehe nicht, Herr, ins Gericht, wann wider die gelobte Pflicht wir, deine Knechte, handeln! Laß uns vor deinem Ange⸗ ficht in frommer Ehrfurcht wandeln! 9. Daß deinem Blicke Nichts entflieht, was war und ist, und einst geschieht, sei meine Ruh' und Freude! Ein Gott, der Alles weiß und sieht, der weiß auch, wann ich leide. Allmacht Gottes. In eigener Melodie. deine All⸗ 23 Hemacht 1800 so Von Gott, dessen Wesen weit, als selbst dein Wollen reichet. Nichts ist, das dei⸗ ner Herrlichkeit und deinen Thaten gleichet. Was ist zu groß, was ist zu schwer, das dir zu thun unmöglich wär'? 2. Du sprichst, und auf dein mächtig Wort fällt Alles dir zu Füßen. Du führest deinen Rathschluß fort bei allen Hindernissen, Wenn du gebeutst, so steht auch da, was noch zuvor kein Auge sah. 3. Du hast dein großes Schöpfungswerk allmächtig ausgeführet. Es bleibet stets dein Augenmerk, und wird durch dich regieret. Noch immerfort besteht die Welt, weil deine Allmacht sie erhält. 4. Die Größe deiner Thaten zeigt, daß, Schöp⸗ fer, dein Vermögen weit über alle Kräfte steigt, die die Natur bewegen. Du bleibst ihr Herr, in deiner Hand bleibt Alles, was durch dich entstand. 5. Was für ein Wunder deiner Macht wird unser Aug' nicht sehen, wann nach der langen Grabesnacht die Todten auferstehen, wann du von unserm Staub den Rest zu neuen Körpern wer⸗ den laßt. 6. Allmächtiger! erstaunt fall' ich vor deinem Throne nieder; mein blöder Geist ver⸗ verlieret sich, und lallt nur schwache Lieder, bewundert dich und deine Kraft, die aus dem Tode Leben schafft. 7. O, schenke mir die Zuversicht, die deiner Macht vertrauet; der Macht, die Hülf und Trost verspricht, wenn man auf dich nur bauet, auf dich und deines Armes Kraft, die Alles kann unb Alles schafft. Allwissenheit Gottes. Mel. O Gott, du frommer Gott err, du erforschest 24 H mich, dir bin ich unverborgen; du kennst mein ganzes Thun und alle meine Sorgen. Was meine Seele denkt, war dir bereits be⸗ kannt, eh' der Gedanke noch in meiner Seel' entstand. 2. Nie spricht mein Mund ein Wort, das du, o Herr, nicht wissest. Du schaffest, was ich thu'; du ordnest, du beschließeß, was mir begeg⸗ nen soll. Erstaunt seh' ich auf dich: wie groß ist dein Verstand! wie wunderbar für mich! 3. Wohin, wohin soll ich vor deinem Geiste fliehen? Wo könnt' ich jemals wohl mich deinem Aug' entziehen? Führ' ich gen Himmel auf, so bift du, Höchster, da; führ ich zur Tief hinab, auch hier bist du mir nah. und Eigenschaften. 15 4. Nöhm' ich auch, schnell zu fliehn, die Fittige vom Morgenz selbst an dem fern⸗ sten Meer blieb' ich dir nicht verborgen. Auch da um⸗ schlösse mich doch deine All⸗ machtshand, denn du bist überall und dein ist jedes Land. 5. Spräch' ich zur Fin⸗ sterniß: Sei um mich, mich zu decken! so sucht' ich doch um⸗ sonst vor dir mich zu ver⸗ ftecken; denn auch die Fin⸗ sterniß ist vor dir helles Licht; die Nacht glänzt, wie der Tag vor deinem Angesicht. 6. Du warst schon über mir, in meiner Mutter Leibe; du bildetest mein Herz, Gott, deß ich bin und bleibe! Ich danke dir, daß du mich wunderbar gemacht, und meiner, eh ich war, schon väterlich gedacht. 7. Du kanntest mein Ge⸗ bein, eh ich ane Licht gekom⸗ men, da ich im Dunklen erst die Bildung angenommen. Dein Auge sah mich schon, eh ich bereitet war, und mei⸗ ner Tage Lauf war dir schon offenbar. 8. Was für Erkenntnisse, für köstliche Gedanken! Un⸗ zählbar sind sie mir, denn sie sind ohne Schranken Mit Ehrfurcht will ich stets auf dich, mein Schöpfer! sehn, dir folgen, und dein Lob, so gut ich kann, erhöhn. 9. Er⸗ 16 9. Erforsche mich, mein Gott, und prüfe, wie ich's meine; ob ich rechtschaffen bin, wie ich von außen scheine? Sieh, ob mein Fuß vielleicht auf falschem Wege geht, und leite mich den Weg, der mich zu dir erhöht. Men We groß ist des Allmächt'⸗ Den Güte 2 E sind die Weisen, 2 die mich lehren, wie unse Gott allwissend ist? Wer kann mir For⸗ schenden erklären, was sein Verftand faßt und ermißt? Wer kennet ihn von Ange⸗ sichte? wer, wenn er noch so hoch sich schwingt? Be⸗ kennt's: Er wohnt in einem Lichte, zu dem kein sterblich Auge dringt. 2. Könnt' ich die Sterne Gottes zählen, der Erde Staub, den Sand am Meer, und die Gedanken aller See⸗ len von ihrem ersten Ur⸗ sprung her; so wär' ich wei⸗ ser, als auf Erden ein Mensch ist, als am Strom des Lichts vielleicht selbst Engel jemals werden; doch wüßt' ich ge⸗ gen Gott noch Nichts; 3. Nichte gegen ihn, der sie durchschauet, die Tiefe der Unendlichkeit und jede Welt, die er gebauet und je⸗ den Punkt der Ewigkeit. O du, der Alles weiß und nen⸗ net, was ist, was werden soll und war, wie bist du Je⸗ Von Gott, dessen Wesen dem, der dich kennet, unend⸗ lich groß und wunderbar! 4. Ja, dich bewundern, dir vertrauen, ist meines Geistes erste Pflicht. Mit Ehrfurcht darf ich nach dir schauen, doch dich begreifen kann ich nicht. Gott, nach dem Licht, in dem du woh⸗ nest, schau' ich mit heiliger Begier; du fiehst es gnädig und belohnest mit Weisheit meinen Blick nach dir. 5. Die Weisheit warnet mich vor Sünden, vor Selbstbetrug und Heuchelei. Ich denke siets: Gott kann mich finden, wie tief verbor⸗ gen ich auch sei. Vor ihm kann keine Nacht mich de⸗ cken, kein falscher Schein betrüget ihn. Mich würde stets sein Daseyn schrecken, könnt' ich gleich aus der Welt entfliehn. 6. Wer kennet seines Her⸗ zens Tiefen? wer darf, o Gott, sich selber traun? All⸗ wissender! du woll'st mich prüfen, du wollest ganz mein Herz durchschaun. Erblickst du mich auf bösen Wegen, so führe mich auf deine Bahn, und laß mich einst am Ziel den Segen der Frömmigkeit von dir empfahn! Weisheit Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott 26 Da weiser Schöpfer aller Dinge,— Alles weiß, erkennt, ver⸗ steht! Nichts ist so groß, Nichts so geringe, das nicht nach deiner Ordnung geht. Denn der Geschöpfe ganzem Chor schreibst du Maaß, Ziel und Regel vor. 2. Die vielen wundervol⸗ len Werke, was unsern Au⸗ gen fern und nah, stehn als Beweise deiner Stärke, als Zeugen deiner Weisheit da. Unendlich, Herr, ist dein Verstand: der ganze Welt⸗ bau macht's bekannt. 3. Mit eben diesen Mei⸗ sterhänden, mit welchen du die Welt gemacht, regierst du auch an allen Enden, was dein Verstand hervor⸗ gebracht. Du brauchst, o unerschaffnes Licht! der Menschen Rath und Beistand nicht 4. Was du zu thun dir vorgenommen, krönt auch, sobald du willst, die That; wenn tausend Hindernisse kommen, so triumphirt dein hoher Rath. Den besten Zweck wählt dein Versland; die Mittel stehn in deiner and. 5. Die Menge so ver⸗ schiedner Willen, wo jeder seinen Weg erwählt, muß doch den deinen bloß er⸗ füllen, der seines Zieles nie verfehlt, und aller Feinde flolzen Wahn als Unver⸗ nunft beschämen kann. und Eigenschaften. 6. O Weisheit! decke meiner Seele die angeborne Thorheit auf, damit sie dich zum Leitstern wähle auf ih⸗ rem sonst verwirrten Lauf. Ich weiß den Weg zur Wohlfahrt nicht, drum leite mich dein sichres Licht. 7. Du hast mich durch mein ganzes Leben nach deinem weisen Rath ge⸗ führt. Mein Geist muß dir die Ehre geben, daß du auf's Beste mich regiert; o leite mich durch Welt und Zeit hinüber in die Ewigkeit! Mel. Gott des Himmels und der Erde 5 Jnerforschlich sei 27 u mir immer mei⸗ nes Gottes Weg und Rath, und die Nacht sei ohne Schimmer, die mich hier umschattet hat; doch ist Al⸗ les, was er thut, wie's auch scheine, weis und gut. 2. Sollt' ich meinen Gott nur loben, wenn ich seine Absicht seh'? Pflicht ist's, ihn auch dann zu loben, wenn ich sie noch nicht ver⸗ steh'! Frevelt der nicht, welcher klagt, daß ihm Gott mehr Licht versagt? 3. Soll ein Vater unter⸗ lassen, was dem Kinde Thor⸗ heit ist? Kühner Tadler! Engel fassen das, wo du im Dunkeln bist. Hier sollst du dem Herrn vertraun, glau⸗ ben, noch nicht völlig schaun. 4. Sollt' 18 4. Sollt' er zu Regiere⸗ rinnen seiner Werke, seiner Welt meine Lüste setzen? finnen, ordnen, thun, was mir gefällt? Wohl uns, wenn er nie gewährt, was ein thöricht Herz begehrt! 5. Hier in meinem Pilger⸗ stande sei mein Theil Zufrie⸗ denheit; dort in meinem Valerlande wohnt die wah⸗ re Seligkeit. Führt mein Gang zum Himmel ein, mag er immer dunkel seyn. 6. Wenn du auch auf rauhen Wegen wandelst, ach! so klage nicht. Was hier schmerzet, wird dort Segen; was hier Nacht ist, wird dort Licht, und ich fass' erst Gottes Sinn, wann ich ganz vollendet bin. Heiligkeit und Gerechtig⸗ keit Gottes. Mel. Fren' dich sehr, o meine 28 ott, vor dessen Angesichte nur ein reiner Wandel gilt; ew'ges Licht, aus dessen Lichte stets die reinste Wahr⸗ heit quillt: deines Namens Heiligkeit werde stets von uns gescheut! Laß sie uns doch kräftig dringen, nach der Heiligung zu ringen! 2. Heilig ist dein ganzes Wesen, und kein Böses ist an dir. Ewig bist du so ge⸗ wesen, und so bleibst du für Von Gott, dessen Wesen und für. Was dein Wille wählt und thut, ist untadel⸗ haft, ist gut; und mit dei⸗ nes Armes Stärke wirkst du stets vollkommne Werke. 3. Herr! du willst, daß deine Kinder deinem Bilde ahnlich sei'n. Nie besteht vor dir der Sünder; denn du bist vollkommen rein. Nur der Fromme darf sich dein, deiner Gnad' und Huld er⸗ freun. Wer beharrt in sei⸗ nen Sünden, kann vor dir nicht Gnade finden. 4. O! so laß uns nicht verscherzen, was du uns noch zugedacht. Schaff in uns stets reine Herzen; tödt' in uns der Sünden Macht! Denn was sind wir, Gott! vor dir? Du bist heilig, aber wir sind verderbt, und wer kann zählen, großer Gott, wie oft wir fehlen? 5. Uns von Sünden zu erlösen, gabst du deinen Sohn dahin! O! so reinige vom Bösen unsern ganzen Sinn durch ihn. Gib uns, wie dein Wort verheißt, gib uns deinen guten Geist, daß er unsern Geist regiere und uns zu dem Himmel führe. 6. Jede Neigung und Be⸗ gierde, jede That sei dir geweiht! Unsers Wandels größte Zierde sei recht⸗ schaffne Heiligkeit! Mach' uns deinem Bilde gleich, denn zu deinem Himmelreich wirst wirst du, Herr! nur die erheben, die im Glauben heilig leben. Mel. Schon ist der Tag von Gott 29 erechter Gott, vor dein Ge⸗ richt muß alle Welt sich stellen; du wirst in ihrem Angesicht auch mir mein Ur⸗ theil fällen. O! laß mich jede Suͤnde scheun, und hier mit Ernst beflissen seyn, vor dir einst zu bestehen. 2. Du siehst von deinem hohen Thron herab auf dei⸗ ne Kinder, bestimmest jedem seinen Lohn, dem Frommen und dem Sünder. Nicht siehst du die Personen an; — das 2 was wir gethan, fiehst du, gerechter Richter.— 3. Das Vorgefühl der Seligkeit gibst du schon hier den Frommen; du schützest sie vor manchem Leid, in das die Sünder kommen. So zeigest du vor aller Welt, daß dir der Eifer wohlge⸗ fällt, den man der Tugend widmet. „4. Du liebst, was recht ist, Herr! und gut, du bist ein Freund der Frommen. Wer deinen Willen gerne thut, wird von dir aufge⸗ nommen. Sein Tugendfleiß gefällt dir wohl, ist er gleich nicht so, wie er soll, ganz heilig, ganz vollkommen. und Eigenschaften. 19 5. Doch dem, der dich o Gott! nicht scheut, dem frevelnden Verbrecher, der dein Gesetz und Recht ent⸗ weiht, bist du ein strenger Rächer. Verachtung, Elend, Schmerz und Hohn, Gewis⸗ sensmartern sind sein Lohn oft schon in diesem Leben. 6. Bleibt hier viel Böses ungestraft, viel Gutes unbe⸗ lohnet: so kommt ein Tag der Rechenschaft, der keines Sünders schonet. Da zeigest du im hellsten Licht, wie recht und billig dein Gericht; dann triumphirt der Fromme. 7. Gerechter Gott! laß mich, wie du, das Gute eifrig lieben; verleihe mir die Kraft dazu, es willig auszuüben! Regt sich die Sünde noch in mir, so stärke mich die Furcht vor dir, daß ich sie überwinde! Treue und Wahrhaftig⸗ keit Gottes. Mel. Wer nur den lie en Gott 30 Nose baß du dein Wort gebrochen, nie deinen Bund, o Gott! verletzt. Du hältst getreu, was du versprochen, voll⸗ führst, was du dir vorgesetzt. Wenn Erd' und Himmel auch vergebn, wird ewig noch dein Wort bestehn. 2. Du bist kein Mensch/ daß dich gereue, was uns dein 20 dein Wort verheißen hat; nach deiner Macht, nach dei⸗ ner Treue bringst du, was du versprichst, zur That. Scheint die Erfüllung gleich noch weit, so kömmt sie doch zur rechten Zeit. 3. Und wie du das unfehl⸗ bar giebest, was deine Lieb' uns zugedacht: so wird, wann du Vergeltung übest, die Drohung auch gewiß vollbracht: wer hier verletzet seine Pflicht, entgehet deiner Strafe nicht. 4. O drücke tief dieß in mein Herze, daß es vor dei⸗ nem Wort sich scheut; gib, daß ich nie leichtsinnig scherze mit deiner Strafge⸗ rechtigkeit. Nie werde das von mir gewagt, was dein Befehl mir untersagt. 5. Doch laß mich auch mit festem Glauben dem Worte deiner Gnade traun. Wer kann den Trost uns jemals rauben, den wir auf dein Versprechen baun? Du bist ein Fels, dein Bund steht fest; wohl dem, der sich auf Gott verläßt! 6. Erwäge dieß, o meine Seele, und traue Gott, der's treulich meint. Sei stets, nach feines Worts Befehle, der Wahrheit Freund, der Lügen Feind; beweise dich als Gottes Kind, dem Treu' und Wahr⸗ heit heilig sind. Von Gott, dessen Wesen Mel. Gott des Himmels und (a) eicht, ihr Ber⸗ 31 W᷑ ge, fallt, ihr Hügel, brecht, ihr Felsen, stürzet ein! Fester wird, als Berg und Hügel, Gottes Vatertreue seyn, unbeweg⸗ ter noch, als sie. Seine Wahrheit trüget nie. 2. Gnade hat er mir ver⸗ sprochen, das ist Gottes Bund mit mir. Dieser Bund wird nie gebrochen; seine Treue bürgt dafür. Erd' und Himmel mag vergehn; was er zusagt, muß geschehn. 3. Nicht auf Menschen will ich bauen; wie betrüg⸗ lich ist die Welt! Meinem Gott will ich vertrauen, der, was er gelobt, auch hält! Er, ein Feind der Heuchelei, ist wahrhaftig, ist getreu. 4. Dräut die Welt mir, mich zu hassen, und verfolgt mich, will ich mich immer auf den Herrn verlassen; er erbarmt doch meiner sich. Denn er bleibet immerdar was er ist und was er war. 5. Scheint auch er mich nicht zu achten, und verbirgt sein Angesicht, läßt mich ru⸗ fen, läßt mich schmachten: so vergißt er mich doch nicht; denn er bleibet immerdar, was er ist, und was er war. 6. Friede will er mit mir halten, wenn sich auch die Welt empört; ihre Liebe mag erkalten, bleib' ich mei⸗ nem nem Gott nur werth. Er, der meinen Kummer stillt, bleibt mir immer Sonn' und Schild. 7. Er, der Herr ist mein Erbarmer; so hat er sich selbst genennt; das ist Trost genug: ich Armer werde nie von ihm getrennt. Er will meine Zuflucht seyn; sollte nicht mein Herz sich freun? 8. Ihm allein will ich ver⸗ trauen, will auf diesem Fel⸗ sen ruhn, will mein Glück auf ihn nur bauen; was er sagt, wird er auch thun! Erd' und Himmel mag ver⸗ gehn! Ewig wird sein Bund bestehn. In eigener Melodie. (b) ott ist getreu! 31 Geda Perz, sein Vaterherz verläßt die Sei⸗ nen nie Gott ist getreu! Im Wohlseyn uud im Schmerz erfreut und schützt er sie. Mich decken seiner Allmacht Flügel. Stürzt ein, ihr Berge; fallt, ihr Hügel! Gott ist getreu! 2. Gott ist getreu! Er ist mein treuster Freund! Dies weiß, dies hoff ich fest: ich bin gewiß, daß er mich kei⸗ nen Feind zu hart versuchen läßt. Er stärket mich, nach seinem Bunde, in meiner Prüfung trübster Stunde. Gott ist getreu! 3. Gott ist getreu! Er thut, was er verheißt. Er und Eigenschasten. sendet mir sein Licht. Wenn dieses mir den Weg zum Le⸗ ben weist, so irr und gleit' ich nicht. Das Laster soll mich nicht belügen, mich um den Himmel nicht betrügen. Gott ist getreu! 1 4. Gott ist getreu! Er handelt väterlich, und was er thut, ist gut. Auch Trüb⸗ sal ist's; mein Vater bessert mich durch Alles, was er thut. Die Trübsal gibt Ge⸗ duld und Stärke zum Fleiß in jedem guten Werke. Gott ist getreu! 5. Gott ist getreu! Er, dem ich theuer bin, führt mich nach weisem Plan, im Wechsellauf der Dinge zum Gewinn des ew'gen Heils hinan; vergibt mir gnädig meine Sünden, und läßt mich Trost durch Christum finden. Gott ist getreu! 6. Gott ist getreu! Stets hat sein Vaterblick auf seine Kinder Acht. Auch freut es ihn, wenn schon ein irdisch Glück sie froh und dankbar macht. Was uns zu schwer wird, hilft er tragen, und endlich stillt er alle Klagen. Gott ist getreu! 7. Gott ist getreu! Mein Herz, was fehlt dir noch, dich Gottes stets zu freun? Sei Gott getreu und fürchte Nichts; mag doch die Welt fal 1 9 0 2 7 Selbst alscher Menschen Neid und 5 0 Tücke 22 Tücke gereichen mir alsdann zu Glücke. Gott ist getreu! 8. Gott ist getreu! Ver⸗ giß, o Seel', es nicht, wie zärtlich treu er ist! Ihm treu zu seyn, sei deine liebste Pflicht, weil du so werth ihm bist! Halt' fest an Gott, sei treu im Glauben! Laß Nichts den starken Trost dir rauben: Gott ist getreu! Liebe, Güte und Barm⸗ herzigkeit Gottes. In eigener Melodie. 32 Wi, groß ist des All⸗ mächt'gen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? der mit verhär⸗ tetem Gemüthe den Dank erstickt, der ihr gebührt? Nein, seine Liebe zu ermes⸗ sen, sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen; vergiß, mein Herz, auch seiner nicht. 2. Wer hat mich wunder⸗ bar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer bat mit Langmuth mich ge⸗ leitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer gibt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück genießen? Ist's nicht der Herr, der Alles schafft? 3. Schau', o mein Geist! in jenes Leben, zu welchem du erschaffen biff; wo du, Von Gott, dessen Wesen mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden, durch Got⸗ tes Güte sind sie dein. Auch darum mußte Christus lei⸗ den, damit du könntest selig seyn. 4. Und diesen Gott sollt' ich nicht ehren, und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören? den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will' ist mir in's Herz geschrieben; sein Wort bestärkt ibn ewig⸗ lich. Gott soll ich über Alles lieben, und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: ich soll vollkommen seyn, wie er. So lang ich dies Gebot er⸗ fülle, stell' ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb in meiner Seele, so treibt sie mich zu jeder Pflicht! und ob ich schon aus Schwach⸗ heit fehle, herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. O Gott! laß deine Güt' und Liebe mir immer⸗ dar vor Augen seyn. Sie stärk' in mir die guten Triebe, mein ganzes Leben dir zu weihn. Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, sie leite mich zur Zeit des Glücks, und sie besieg' in meinem Herzen die Furcht des letz⸗ ten Augenblicks Mel. Mel. Herzliebster Jesu! 3 3 FTauchzt unserm Gott! A Er ist von gro⸗ ßer Güte, barmherzig und von duldendem Gemüthe; will Allen Heil und ew'ge Lust gewähren, die ihn ver⸗ ehren. 2. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und läßt verschonend uns das nicht empfinden, was wir, weil wir ihm unser Herz nicht gaben, verschul⸗ det haben. 3. Hoch ist der Himmel über seiner Erde. So groß ist auch, daß er geliebet werde, die Huld des Herrn bei denen, die ihn lieben, und Gutes üben. 4. Wem bleibt sein Ant⸗ litz, wann er's sucht, ver⸗ borgen? So weit der Abend ist entfernt vom Morgen, entfernt auch Gott der Sün⸗ de Schuld und Schmerzen von unsern Herzen. 5. So zärtlich sich ein Vater seiner Kinder erbar⸗ met, so erbarmt sich Gott der Sünder, wenn sie von Herzen sich zu ihm bekehren, ihm Treue schwören. 6. Er schlägt und heilt, verwundet, läßt genesen. Er weiß, der Mensch ist ein zerbrechlich Wesen; er denkt daran, daß das Geschöpf aus Erde doch Asche werde. 7. Von Ewigkeit zu Ewig⸗ und Eigenschaften. 23 keiten währet die Güte Got⸗ tes Jedem, der ihn ehret. Ach leite denn auch mich auf deinem Pfade, du Gott der Gnade! 8. So werd' ich ewig dei⸗ ner Huld genießen; so wird mein Leben sanft vor dir verfließen; so werd ich dort mit allen Engelchören dich fröhlich ehren. Mel. Mein Gott, das Herz (a) enn sich mein 34 W᷑ Geist, All⸗ mächtiger! der Gnaden Menge denkt, womit du mich, mein Gott und Herr! so unverdient beschenkt: 2. Dann ist mein Herz so hoch erfreut, ganz deiner Güte voll, und weiß vor heißer Dankbarkeit, nicht wie es danken soll. 3. Als ich noch in der Mutter Schooß, in Nacht verborgen schlief, bestimm⸗ test du, o Herr! mein Loos, das mich zum Leben rief. 4. Du wählst des Sterb⸗ lichen Geschick, eh er gebo⸗ ren ist; und so ward ich, o welch ein Glück! durch die Geburt ein Christ. 5. Schwach an der Brut, vernahmst du schon, was kein Gebet noch war, und neigtest du des Weinens Ton dein Ohr gefällig dar. 6. Wann ich als Jüngling Jungfrau) von dem N er 24 der Tugend mich verirrt, hat mich unsichtbar, Herr! dein Rath oft wieder drauf geführt. 7. Du warst mein Schutz und meine Wehr vor Un⸗ glück und Gefahr, und vor dem Laster, das noch mehr, wie sie, zu fürchten war. 8 Ich sah, vor Krankheit bleich, durch dich mein Leben hergestellt, und deine Gnade schmückte mich, wann Sünde mich entstellt. 9. Von Freudenstrahlen glänzt mein Blick, da du so hoch mich liebst, und mir, in wahrer Freundschaft Glück, mehr, als ich wünschte, gibst. 10. Und welche Wohl⸗ that, Herr! ist nicht dies Herz, das fühlen kann, dies Herz, ganz dein, das dank⸗ bar spricht, was du an mir gethan! 11. Kein Tag soll würd ⸗ ger mir vergehn, als, Ew'⸗ ger, dir zum Preis; ich will frohlockend dich erhöhn, als Jüngling und als Greis. 12. In Schrecken, Angst, Gefahr und Noth, trau' ich allein auf dich. Durch dich gestärkt, ist selbst der Tod mir nicht mehr fürchterlich. In eigener Melodie. (b) s lebt ein Gott 34 E der Menschen liebt! Ich seh's, wohin ich blicke, am Nebel, der den Von Gott, dessen Wesen Himmel trübt, so wie am Sonnenblicke. 2. Ich seh's an jeder dunklen Nacht, wo auch kein Stern mir leuchtet; am Mond, wann er in stil⸗ ler Pracht mir meinen Pfad erleuchtet. 3. Ich seh's, wann Don⸗ nerwolken glühn, und Berg und Wald bewegen, ich seh's, wann sie vorüber fliehn, am fruchtbar sanften Regen. 4. Nicht nur, wann Früh⸗ lingslüfte wehn durch Laub und junge Blüthe, nicht nur, wann reife Saaten stehn, seh' ich des Schöpfers Güte; 5. Ich seh' sie auch, wann tiefer Schnee die starre Flur bedecket, und brausend von des Himmels Höh' der Nord den Wandrer schrecket. 6. Ja, wie sie sich in der Na⸗ tur allliebend meinem Blicke entdeckt, so seh' ich ihre Spur beim wechselnden Geschicke. 7. Ich sehe sie nicht nur im Gluck, bei dieses Lebens Freuden; ich seh' sie mit bethräntem Blick auch in des Lebens Leiden. 8. Einst seh' ich ohne Thränen sie, noch heitrer, als die Sonne, und singe, frei von aller Müh, ihr Lob in ew'ger Wonne. Mel. Mein ganzer Geist, Gott 35 S Gott, deß starke Hand die Welt er⸗ erschaffen hat, und noch er⸗ haͤlt! Ich spuͤre deine Guͤte hier auf der Welt an jedem Ort. Sie hilft mir Schwa⸗ chen gnaͤdig fort; und wann ich mein Gemuͤthe von hier zu dir, o Gott, wende, streckst du Haͤnde voll Er⸗ barmen und voll Wohl⸗ thun nach mir Armen. 2. Seh' ich den weiten Himmel an, so viel ich da⸗ von sehen kann; so seh' ich deine Guͤte. Der Himmels⸗ koͤrper Lauf und Pracht, das Sternenheer, das du ge⸗ macht, erreget mein Ge⸗ muͤthe, maͤchtig, freudig, dir zu singen, dir zu brin⸗ gen Ehr und Stärke. Groß sind deiner Haͤnde Werke. 3. So oft ich athme und den Hauch der Lüfte fuͤhle, fuͤhl ich auch, Gott, deine große Guͤte Wind, Wasser, Feuer, Schnee und Eis sind deines Wohlthuns lauter Preis, und ruͤhren mein Ge⸗ muͤthe, taͤglich hier mich dein zu freuen, und von Neuem, Herr mein Leben dir zum Dienste zu 5 ben 4. Herr! dazu bitt ich, hf du mir. Zeuch immer naͤher mich zu dir durch dane große Guͤte. O heilige zu desen Preis mich ganz, daß ich mit allem Fleiß mich vor dem Undank huͤte. Laß mich, was ich bitt', erlan⸗ gen; dir anhangen hür auf und Eigenschaften. 25 Erden, bis mir Himmel werden. wird der Mel. Wer— den lieben Gott 36 S Se weit, 8 deine Himmel reichen, reicht deine Huld, die uns erhaͤlt. Eh' werden Berg und Huͤgel weichen, als deine Gnade wankt und faͤllt; gleich maͤchtigen Ge⸗ birgen steht die Guͤte, die dein Volk erhoͤht. 2. Gott, dir ist kein Ge⸗ schoͤpf verborgen, nicht eins vom Seraph bis zum Thier. Du wuͤrdigst alle deiner Sorgen sie danken Lust und Leben dir. Es mag auch klein und niedrig seyn: dir, Gott! ist Nichts zu groß, zu klein. 3. Mit frommem, freu⸗ digem Gemuͤthe, erheb' ich, Gott der Gnade, dich; wie theuer ist doch deine Guͤte! Wie liebst du uns so vaͤter⸗ lich, uns, die wir ohne Furcht und Graun dem Schatten deiner Fluͤgel rp welch hem erfuͤllst d dein Haus! ihn Allen zum 4. Mit Ueberflusse 0 Welt, theilst Ge⸗ nusse so vaͤterlich, so reich⸗ lich aus. Herr! unsers Le⸗ bens Que lle fließt aus dir, der du das Leben bist. 5. Wir sehn, o Herr, in deiner Sonne den Schatten deiner Huld, dein Licht. Ent⸗ uns deiner Guͤte Wonne, dein gnadenvolles Antlitz nicht! Herr, deine Huld erfreue die, die dich verehren, segne sie! Entzeuch — Mel. Herzliebster Jesu! 37 Ge ist die Liebe! Gott kann nur begluͤcken! Dies ruft uns Alles zu, wohin wir blicken. Sei blau der Himmel, sei er schwarz und truͤbe: Gott ist die Liebe! 2. Gott ist der Menschen Vater, und ich faͤnde, selbst wenn ich an dem Saum der Erde stände, selbst, wenn ich in die tiefste Gruft mich gruͤ⸗ be, dich, Gott der Liebe! 3. So sei es denn mein hoͤchstes Ziel auf Erden, dir, Geist der Liebe, aͤhnlich hier zu werden! der heißeste, der erste meiner Triebe sei Menschenliebe! Mel. Es ist das Heil uns 38 We viele Freuden dank' ich dir, die du mir, Herr, verliehen; und wie viel Suͤnden hast du mir aus Gnaden schon verzie⸗ hen! O Gott voll Lang⸗ muth und Geduld! noch taͤg⸗ lich haͤuf ich meine Schuld, und deine Liebe waͤhret. 2. Bedenk' ich, Schoͤpfer, deine Macht, blick ich in jene Ferne, und uͤberseh des Him⸗ Von Gott, dessen Wesen mels Pracht, und Sonne, Mond und Sterne; so bet' ich dich voll Ehrfurcht an. Was ist der Mensch, ruf' ich alsdann, daß du dich sein erbarmest! 3. Dein Auge schaut auf ihn herab: so geht er nicht verloren; nicht fuͤr die Welt, nicht fuͤr das Grab ist er al⸗ lein geboren. Die Welt ver⸗ geht mit ihrer Lust; der du den Willen Gottes thust, dein Gluͤck soll ewig dauern. 4. Warm ich erwache, denk ich dein, und wann ich schlafen gehe; denn du, mein Vater, kannst ver⸗ leihn, um was ich kindlich flehe. Drum seufz' ich kind⸗ lich stets zu dir: Herr, was mir nuͤtzet, schenke mir um deiner Guͤte willen! Mel. Herr, wir singen 39 Hees Gott, ihr frohen Triebe! Der Gott des Himmels ist die Liebe! Er ist's in alle Ewigkeit! O, wo kann ich Worte finden, den Ruhm der Liebe zu verkuͤnden, die ewig segnet und erfreut? Wer bin ich, Herr! vor dir? Nur stammeln kann ich hier: Liebe! Liebe! Kein Mensch ermißt, wie gut du bist; ja selbst der Engel faßt es nicht. 2. Wundervoll sind deine Werke. Ich sehe Weisheit, Macht und Starke, und mei⸗ ne Seele beuget sich. Aber deine deine Liebe thronet da auch wo Macht und Weisheit wohnet; ich seh es und er⸗ hebe mich. Was ist's, das mich erschreckt? Mein heller Blick entdeckt Nichts, als Liebe. Der kleinste Wurm, der Donnersturm, und Alles, Alles preiset ste. 3. Huldreich riefst du mich in's Leben, um hohe Kraͤfte mir zu geben, um Freude um mich her zu streu'n. Jeder Tag erzaͤhlt's dem andern: die Erde, wo die Menschen wandern, soll Vorhof ihres Himmels seyn. Ich jauchze, daß ich bin, und oͤffne Herz und Sinn deiner Liebe. Von dir geschuͤtzt und unter⸗ stützt, durchlauf' ich fröhlich meine Bahn. 4. Truͤben sich auch meine Tage; hinweg mit jeder Jammerklage! Nur du, mein Vater, truͤbest sie. Licht ent⸗ stroͤmt den Dunkelheiten; du willst nur Segen mir be⸗ reiten, und Trost und Hoff⸗ nung fehlt mir nie. Vor dir entweicht der Schmerz, und froh erfahrt mein Herz deine Liebe. Wenn Alles bricht; ich zage nicht! Du reichst mir deine Vaterhand. 5. Ach! wie kann ich dir vergelten, was du, Beherr⸗ scher aller Welten, mir armen Erdbewohner gibst? Sunde haͤuf ich oft auf Suͤnde, und dennoch seh' ich und Eigenschaften. und empfinde, daß du, Er⸗ barmer, mich noch liebst. Du hast Geduld mit mir, und lockst mich hin zu dir durch die Liebe. Und wer dich ehrt und wiederkehrt, o Preis dir! den begnadigst du. 6. Ja, du willst der Suͤn⸗ der Leben. Selbst deinen Sohn hast du gegeben, daß er ihr Seelenretter sei. Weisheit kam mit ihm her⸗ nieder; er litt und starb fuͤr seine Bruͤder, und sprach ihr Herz von Aengsten frei. O Gott, was fuͤhlt mein Geist! Wie staunt er nun und preist deine Liebe! Dein Sohn erschien, du sandtest ihn! Wie hoch hast du die Welt geliebt! 7. Gott, ich will dir folg⸗ sam werden. Wer ist im Himmel und auf Erden, der so, wie du, begluͤcken kann? Einst umstrahlet, gleich der Sonne, mich ewig, ewig Licht und Wonne, geh' ich nur gern auf seiner Bahn. Dann schwebt mein Geist empor, und singt im Sternenchor: Liebe! Liebe! O Herr der Zeit und Ewigkeit! Ich weiß, daß du die Liebe bist. Geduld, Langmuth und Gnade Gottes. Mel. Ein Lämmlein geht Mit welcher Lang⸗ 40 M muth und Ge⸗ B 2 duld duld traͤgst du die Menschen⸗ kinder, o Gott! Auch bei gehaͤufter Schuld traͤgst du die frechen Suͤnder! Sie nahen dem Verderben sich; du siehst es, und es jammert dich des Elends dieser Ar⸗ men. Daß sie demselben noch entfliehn, suchst du ihr Herz zu dir zu ziehn, aus innigem Erbarmen. 2. Du goͤnnest ihnen Zeit und Raum, noch in ihr Herz zu gehen, du laͤßt den un⸗ fruchtbaren Baum nicht ohne Pflege stehen. Du schonest sein von Zeit zu Zeit; ver⸗ ziehest, voll Barmherzig⸗ keit, ihn gaͤnzlich abzuhauen. O welche Langmuth und Geduld! Wer sollte! deiner Vaterhuld nicht inniglich ver⸗ trauen? 3. Erbarmest du dich schon so sehr selbst frevelhaf⸗ ter Suͤnder: so traͤgst du schonend noch viel mehr die U 1 Frommen, deine Kinder. Laͤßt ihrer Tugend Eifer nach, und werden sie im Glauben schwach, und traͤg' zu guten Werken: so zuͤrnst du nicht; du denkst daran, wie leicht ein Herz sich taͤu⸗ schen kann, und eilest, sie zu staͤrken. 4 Laß diese Langmuth und Geduld, Gott! unsre Herzen ruͤhren! Nie muͤsse deine Vaterhuld zur Sicher⸗ heit uns fuͤhren! Ach! Kei⸗ Von Gott, dessen Wesen ner haͤufe Schuld auf Schuld durch kuͤhnen Mißbrauch deiner Huld! Nur Tugend sei uns Freude, damit uns in der Pruͤfungszeit der Reichthum deiner Guͤtig⸗ keit zur wahren Beßrung leite. In eigener Melodie. 41 Ale Welten Herr⸗ . scher! Gott! dein ganz Gebiete ist ein Schau⸗ platz deiner Guͤte. Sie ver⸗ herrlicht taͤglich fich auch an uns Allen, die wir noch auf Erden wallen. Ja, sie pflegt, naͤhrt und traͤgt nicht nur deine Kinder, selbst die groͤß⸗ ten Suͤnder. 2. Dieser Langmuth Groͤße sich zwar empfinden; aber, wer kann sie ergruͤn⸗ den? Suͤnder so verschonen, Millionen Schulden mit so vieler Nachsicht dulden, und dabei doch so treu warnen, die dich hassen: Herr! wer kann dies fassen? 3. Doch du strafst nicht gerne; liebst nur unser Le⸗ ben; Zeit zur Beßrung uns zu geben, dringt dich deine Liebe, zaͤrtliches Erbarmen. Darum hast du mit uns Ar⸗ men, so voll Huld, noch Ge⸗ duld, daß wir darauf achten, und nach Beßrung trachten. 4. O daß doch der Reich⸗ thum deiner Vaterliebe uns zur Sinnesaͤndrung 1 O daß wir, voll Reue, unsre Schuld bedaͤchten, und wir willig folgen moͤchten! Unser Schmerz ruͤhrt dein Herz, Schulden, die uns kranken, gnaͤdig uns zu schenken 5. Dank sei dir, o Vater, daß du unser schoncst, und Eigenschaften. 29 und nicht nach Verdienst uns lohnest. Stets noch ist uns Schwachen noͤthig deine Gnade, selber auf dem Tu⸗ gendpfade. Leit' uns doch damit noch, bis wir dich einst droben ohne Suͤnden loben. Von der heiligen Dreieinigkeit. Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist. In eigner Melodie. 42 llein Gott in der Höͤh' sei Ehr' und Dank fuͤr seine Gnade! Er sorget, daß uns nimmermehr Gefahr und ungluͤck schade. Uns wohl zu thun, ist er bereit; er will nur unsre Seligkrit. Erhebet ihn mit Freuden! 2. Ja, Vater! wir erhe⸗ ben dich mit freudigem Ge⸗ muͤthe; du herrschest unver⸗ aͤnderlich mit Weisheit und mit Gute. unendlich groß ist deine Macht, und was sie wirkt, ist wohl bedacht. Wohl uns, daß du regierest! 3. O Jesu Christ, des Hoͤchsten Sohn! dich, seinen Eingebornen, dich sandte Gott vom Himmelsthron zur Rettung der Verlornen. Du Mittler zwischen uns und Gott, hilf uns im Leben und im Tod: erbarm dich unser Aller! 4. O heil'ger Geist, du Geist von Gott, erleuchte, beßre, troͤste, die Jesus Christ durch seinen Tod vom Suͤndendienst erloͤste. Auf deinen Beistand hoffen wir; ach! leit' uns stets, so sind wir hier begluͤckt, dort ewig selig. Mel. Erschienen ist der herr⸗ ich Tag 43 Dont und Anbetung bringen wir, Herr, unser Gott und Vater, dir. Du bist es, der die ganze Welt erschaffen hat und noch erhaͤlt. Halleluja! 2. Dank und Anbetung bringen wir, Sohn Gottes, Herr und Heiland, dir. Du littst fuͤr uns des Todes Pein, uns vom Verderben zu be⸗ befrein. Halleluja! 3. Gelobet seist du, Geist des Herrn! Wir waren einst von Christo fern. Du hast durch deines Wortes Macht uns Allen Licht und Heil gebracht. Halleluja] B 3 In 30 In eigener Melodie. 44 Wi glauben an den ein'gen Gott, Schoͤpfer Himmels und der Erden. Er, Aller Vater, unser Gott, hieß uns seine Kinder werden. Er will uns auch stets ernaͤhren, jedes wahre Gut gewaͤhren. Er erwog schon, eh' wir waren, unsre Rettung in Gefahren. Er ist's, der fuͤr uns sorgt, und wacht, und Alles steht in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, Gottes Sohn, den Eingebornen, den Herrn, der Mensch geworden ist, den Erretter der Verlornen. Er, er achtete sein Leben nicht zu theu'r, fuͤr uns zu geben. Er erstand, herrscht, hoch erhoͤhet, in dem Reich, das nie vergehet. Er laͤßt uns auch im Grabe nicht, und kommt dereinst zum Welt⸗ gericht. 3. Wir glauben an den heil'gen Geist, unsern goͤtt⸗ lichen Regierer, den Jesus Christus uns verheißt, uns zum Beistand und zum Fuͤh⸗ rer, der in Truͤbsal seine Christen eilt mit Muth und Kraft zu ruͤsten; der uns lehrt Vergebung fin⸗ den, und der Tugend Werth empfinden. Er floͤ⸗ ßet uns im Todesschmerz des ew'gen Lebens Trost ins Herz. Von der heiligen Dreieinigkeit. Mel. Mein ganzer Geist, Gott 45 QNobsinget Gott! ö& Dank, Preis und Ehr' sei unserm Gott je mehr und mehr, fuͤr alle seine Werke! Von Ewig⸗ keit zu Ewigkeit lebt er und herrschet weit und breit, mit Weisheit, Guͤt' und Staͤrke. Singet, bringet frohe Lie⸗ der! fallet nieder! Gott ist herrlich, unaussprechlich groß und selig. 2. Lobsinget Gott! Dank, Preis und Ruhm sei von uns, deinem Eigenthum, Herr Jesu, dir gesungen. Du Mittler zwischen uns und Gott, hast durch Ge⸗ horsam bis zum Tod das Le⸗ ben uns errungen. Heilig, selig ist die Freundschaft und Gemeinschaft aller Frommen, die durch dich zum Vater kommen. 3. Lobsinget Gott! Du Geist des Herrn, sei nie von unserm Geiste fern, mit Kraft ihn auszuruͤsten! Du machst uns glaͤubig, weiß und rein, hilfst uns getrost und siegreich seyn im Streit mit unsern Luͤsten. Leit' uns, staͤrk' uns in der Freude, wie im Leide, Gott ergeben und der Tugend treu zu leben. Mel. Es woll' uns Gott Du Du bist das hoͤchste Wesen! und doch hast du, an Gnade reich, uns dir zum Dienst erlesen. Gemeinschaft sollen wir mit dir, du Allerhoͤchster, haben. Mit deinem Heil willst du uns hier und ewig einst begaben, du Quelle al⸗ les Segens. 2. Wir beten dich, o Va⸗ ter, an. Sind wir gleich vor dir Suͤnder, so nimmst du dich doch unser an, wie Vaͤ⸗ ter ihrer Kinder. Du hast fuͤr uns aus großer Huld selbst deinen Sohn gegeben; dein Herz, voll Guͤte und Geduld, verleih' uns Trost und Leben, daß wir dich kindlich fuͤrchten. 3. O Jesu, ew'ger Got⸗ tes Sohn! Du Heil, darauf wir hoffen! Durch dich steht zu des Vaters Thron der Weg uns wieder offen. Uns zu befreiin von Suͤnd' und Tod, kamst du zu uns auf Von der heiligen Dreieinigkeit. 31 Erden. O laß uns, unser Herr und Gott! froh deines Segens werden, und dir im Glauben dienen. 4. O heil'ger Geist, du Geist von Gott, wehr' in uns dem Verderben! Im Glauben an des Mittlers Tod hilf uns der Suͤnde sterben! Du gibst zum Gu⸗ ten Lust und Kraft, laß es uns stets erfahren. Staͤrk' uns in unsrer Pilgrim⸗ schaft, bewahr' uns vor Ge⸗ fahren, hilf uns dir willig folgen. 5. Laß, Gott! uns dein auf Erden schon, als unsers Gottes, freuen. Herr, segne uns von deinem Thron, daß wir vor dir gedeihen! Dein ist das Reich, die Herrlich⸗ keit, dir wollen wir hier leben; und du wirst, nach vollbrachter Zeit, uns einst dahin erheben, wo wir dich ewig schauen. Von den Werken und Wohlthaten Gottes. Von der Schöpfung. Mel. Es ist das Heil uns 47 We machte diese schöͤne Welt? das Nahe und das Ferne 2 Wer hat am Himmel hin⸗ gestelt die Sonne. Mond und Sterne? Wer schuf die Walder, Feld und Au? befahl dem Regen, sprach zum Thau: und Bluͤthen? 2. Auf wessen maͤchtiges Geheiß entstanden Stroͤm' und Seeen? Wer gab dem Winter Schnee und Eis? Wer hieß die Winde wehen? Wer rief der Thiere zahllos Heer in Flur und Wald, in Luft und Meer, in Staub selbst frohe Wesen? B 4 3. Das Erquicke Saat 32 Werke und W 3. Das Alles, Alles, groß und klein, ist dein Werk, Un⸗ sichtbarer! Du bist der Er⸗ ste, du allein bist Schoͤpfer und Bewahrer. Durch deine Macht und dein Gebot ist Alles, liebevoller Gott, ist auch der Mensch geworden. 4. Wie gut, wie liebevoll du bist, seh' ich, wohin ich blicke; denn gut ist, was ge⸗ schaffen ist, und dient zu mei⸗ nem Gluͤcke. Luft, Sonn und Mond, und Pflanz' und Thier, und Stein und Was⸗ ser nuͤtzen mir, und nuͤtzen allen Menschen. 5. Fuͤr dich nicht, fuͤr Ge⸗ schoͤpfe nur, daß jedes gluͤck⸗ lich werde, schufst du die praͤchtige Natur, den Him⸗ mel und die Erde. O du, der uns als Vater liebt, und Allen alles Gute gibt, was kann der Mensch dir geben? 6. Wie bin ich froh! du machst auch mich zum Zeu⸗ gen deiner Guͤle. Ich danke dir und denk an dich mit freudigem Gemuͤthe. Ich seh dich nicht, doch lieb' ich dich; du schufst und du er⸗ haͤltst auch mich zu immer groͤßern Freuden. In eigener Melodie. 2 Nobsinget Gott! er 48 Lschuf die Welt zum Schauplatz seiner Guͤte; lobsingt ihm, der sie noch erhalt, mit freudigem Ge⸗ 7 Loh lthaten Gottes. muͤthe, Gott ist die Liebe! ruͤhmt es laut, Geschoͤpfe, die ihr ihm vertraut, die ihr ihn kennt und ehret! Ruͤhmt es, daß seine Guͤtigkeit mit jedem Morgen sich erneut und ewig, ewig waͤhret! 2. Du wolltest, daß vor dir Nichts leer von Freud' und Leben bliebe: drum schufst du, Gott, der Him⸗ mel Heer, schufst unsre Welt aus Liebe. Du selbst be⸗ durftest ihrer nie; Unendli⸗ cher! du ließest sie zu ihrem Heil nur werden. Dich aber, dich erfreuet nun die Wonne, Allen wohl zu thun im Himmel und auf Erden. 3. Kein Mensch, kein En⸗ gel selbst ermißt dein Wohl⸗ thun, deinen Segen; wie groß, wie weis heits voll du bist in allen deinen Wegen. Gott! deine Guͤte reicht so weit, als deines Reichs Un⸗ endlichkeit, so weit, Herr, als dein Leben. Ach! was sind wir, die deine Macht aus todtem Staub hervor⸗ gebracht, uns ewig Heil zu geben! 4. O Vater, welchem Keiner gleicht an Liebe wie an Staͤrke! Kein Dank, kein Lobgesang erreicht die Wunder deiner Werke; doch ist dir's angenehmer Dank, dir ist es mehr als Lob ge⸗ sang, wenn ich dich thaͤtig liebe, und gern in 2 E ⸗ Lebenszeit Erbarmen und Wohlthaͤtigkeit an andern Menschen uͤbe. 5. Du bist die Liebe! Dank sei dir, daß ich dich so erkenne, und dir zum Ruhm, zum Troste mir, dich meinen Vater nenne! Auch will ich gerne liebreich seyn; will gluͤcklich machen; will er⸗ freun; will helfen und dir gleichen. Von diesem Heil und dieser Pflicht, o Gott der Liebe, laß mich nicht, so lang' ich lebe, weichen! Mel. Gott, der du die Menschen 49 Gore aus deinen Schoͤpferhaͤnden ging die herrliche Natur. Solchen Bau so schoͤn voll⸗ enden, konnte solch ein Schoͤpfer nur. O wie koͤnnt' ich deine Werke, ihre Regel⸗ maͤßigkeit, Pracht und Man⸗ nigfaltigkeit, wie die Zeugen deiner Staͤrke, deiner Huld und Weisheit sehn, und doch stumm voruͤbergehn? 2. Rings auf Erden hallt es wieder: Gut und groß ist, der uns schuf! Betend werf' auch ich mich nieder: Herr! dein Preis sei mein Beruf! Preis, daß ich dich Vater nenne, Preis, daß ich dich preisen kann, daß auch ich durch dich begann, dich als meinen Schoͤpfer kenne, und von hohem Ei⸗ Schöpfung. fer voll, mehr dich kennen lernen soll! 3. Ja, wenn Thraͤnen mir entgleiten: will ich deine Schoͤpfung sehn, und durch ihre Herrlichkeiten stets mit offnem Herzen gehn. Alle stehn ja unverschlossen, sind dem Aermsten ja bekannt. Naher werd' ich dir gewandt, hab' ich schuldlos sie genossen. Still und heiter wird mein Sinn, wenn ich hier nicht fuͤhllos bin. 4. Du gedachtest meiner Leiden, eh' noch dieses Herz dir schlug; sorgtest schon fuͤr meine Freuden vor dem er⸗ sten Athemzug. Zum Genuß fuͤr Leib und Seele hast du, Herr! mit Freundlichkeit so viel Gaben ausgestreut, daß ich im Genuß oft waͤhle. Wer so viel, so gern mir gibt, o der zeigt, daß er mich liebt. 5. O, wer wollte je ver⸗ messen mitten in der schoͤnen Welt deiner Macht und Huld vergessen, und nicht thun, was dir gefaͤllt? Du, der selbst dem kleinsten Wurme seine Vatersorge weiht, du bist's, der auch mich erfreut, in der Stille wie im Stur⸗ me. Herr, dir will ich ganz vertraun, und mein Heil auf dich nur baun! Mel. Sei Lob und Ehr' dem 7 g S 8 2 5 W cler dein Wache 5 die 34 die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die fuͤr Alles wacht, anbetend uͤberlege; so weiß ich, von Bewundrung voll, nicht, wie ich dich erheben soll, mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Mein Auge sieht, wo⸗ hin es blickt, die Wunder dei⸗ ner Werke. Der Himmel, praͤchtig ausgeschmuͤckt, preist dich, du Gott der Staͤrke! Wer hat die Sonn' an ihm erhoͤht? Wer kleidet sie mit Majestaͤt? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schooß der Erde auf, mit Vorrath uns zu segnen? Du Gott der Macht und Herrlichkeit! Gott, deine Guͤte reicht so weit, als Erd' und Himmel reichen. 4. Dich predigt Sonnen⸗ schein und Sturm, dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, bringt meinem Schoͤpfer Eh⸗ re! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott ge⸗ macht; bringt unserm Schoͤ⸗ pfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand so wunder⸗ bar bereitet; der Mensch, ein Geist, den sein Verstand, dich zu erkennen, leitet; der Mensch, der Schoͤpfung Werke und Wohlthaten Gottes. Ruhm und Preis, ist sich ein taͤglicher Beweis von deiner Guͤt' und Groͤße. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, erhebe seinen Namen! Gott, unser Va⸗ ter, sei gepreist, und alle Welt sag': Amen! Und alle Welt fuͤrcht' ihren Herrn, und hoff' auf ihn und dien' ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen? In eigener Melodie. 51 Di Himmel ruͤhmen Gottes Ehre, ihr Schall pflanzt seinen Namen fort. Ihn ruͤhmt der Erd⸗ kreis, ihn die Meere; ver⸗ nimm, o Mensch, ihr goͤtt⸗ lich Wort! 2. Wer traͤgt die unzaͤbl⸗ baren Sterne? Wer fuͤhrt die Sonn' in ihrem Zelt? Sie kommt und leuchtet uns von ferne, und laͤuft den Weg, gleich als ein Held 3. Vernimm's, und sieh die Wunderwerke, die die Na⸗ tur dir aufgestellt! Verkuͤn⸗ digt Weisheit, Ordnung, Staͤr⸗ ke dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt? 4. Kannst du die unzaͤhl⸗ baren Heere der Wesen fuͤhl⸗ los wohl beschau'n? Durch wen ist Alles? Gib ihm Ehre! Mir, ruft der Herr, sollst du vertrau'n! 5. Mein sind die Himmel, mein die Erde; an meinen Wer⸗ Werken kennst du mich. Ich werde seyn, der ich seyn werde, dein Gott und Vater ewiglich. 6. Ich bin dein Schöpfer, Weisheit, Guͤte, ein Gott der Ordnung, und dein Heil! Ich bin's! Mich liebe dein Gemuͤthe, und nehm' an mei⸗ ner Gnade Theil. Mel. Herr, wir singen deiner 52 Urbr Gott ist groß und maͤchtig, und seine Schoͤpfung schoͤn und praͤchtig, voll Weisheit und Vollkommenheit. O ihr, sei⸗ ner Allmacht Heere, verkuͤn⸗ digt eures Schoͤpfers Ehre und preiset seine Herrlich⸗ keit! Sein Kleid ist reines Licht, er haͤlt im Gleichge⸗ wicht ganze Welten. Der Wesen Heer, das weite Meer, den Engel und den Wurm schafft er. 2. Allmacht sprach zum Nichts: Es werde! Da trat auch unsre schoͤne Erde vor ihren Herrn, um aufzubluͤhn. Allmacht spricht: so stuͤrzen Welten, die Berge fliehn vor ihrem Schelten, und sinken vor dem Donner hin. Er hat wie ein Gewand die Him⸗ mel ausgespannt. Durch ihn gehet, gleich wie ein Held aus seinem Zelt, die Sonne und erfreut die Welt. 3. Er, der auf den Win⸗ den schwebet, er schaut die Schäpfung. 35 Erde an: sie bebet! Er ruͤhrt den Berg an: und er raucht! Voͤgel naͤhrt er, speist die Heerde, verneuert die Ge⸗ stalt der Erde, erfreut, was in ihr lebt und haucht. Mit milder Freundlichkeit gibt er zu seiner Zeit Allen Speise, liebt und erhaͤlt die ganze Welt, und traͤnkt die Thiere auf dem Feld. 4. Kraͤuter schuf er, uns zu heilen; den Mond, das Jahr darnach zu theilen; der Sonne Licht zur Fruchtbar⸗ keit. Gott ist gnaͤdig, Gott regieret, wenn er die Flur mit Blumen zieret, und sie mit Saaten uͤberstreut. Der Wallfisch und der Wurm der Bluͤthenduft und Sturm zeugt vom Schoͤpfer. Der Tag, die Nacht ruͤhmt seine Macht und ruͤhmt, daß er fur Alles wacht. 5. Gott, voll Weisheit! Gott, voll Staͤrke! Wie viel und groß sind deine Werke! Wie reich an Guͤtern ist das Land! Schiffe gehn in wei⸗ ten Meeren; da wimmelts von den frohen Heeren der Thiere, zahllos wie der Sand. Mit Mannigfaltig⸗ keit, mit Regelmaͤßigkeit prangt die Erde; wohin entzuͤkt mein Auge blickt, da ist die Welt mit Reiz ge⸗ schmuͤckt. 6. Wer vergaͤnglich Gras bekleidet, die Fische naͤhret, B 6 Laͤm⸗ 36 Werke und Laͤmmer weidet, der sorgt als Vater auch fuͤr mich. Scele, wolltest du fuͤr mor⸗ gen schon heute bang' und ängstlich sorgen? Nein, sei getrost, ermanne dich! Ver⸗ traue Gott! Auf ihn werf' alle Sorgen hin. Er wird sorgen: er, der uns hoͤrt, und gern gewaͤhrt, was unser wahres Wohl ver⸗ mehrt. 7. Dank dem guten Gott, zu singen, und stets mein Heil ihm darzubringen, neine hoͤchste Freude seyn. Laut soll ihm mein Lob er⸗ schallen, mein Opfer wird ihm wohlgefallen; geruͤhrt will ich mich seiner freun. Sein Lob ist Seligkeit! Es macht schon hier bereit fuͤr den Himmel. Dort werd' ich stehn, entzuͤckt ihn sehn, und eig seinen Ruhm erhoͤhn. Mel. ur den lieben Gott 5 Gott des Himmels und der Erden, der du allgegenwaͤrtig bist, von Niemand kannst begriffen werden, vor dem kein Ding verborgen ist! Ach, ziehe mich doch ganz zu dir,— offen⸗ bar' dich selber mir! 2. Wohin ich Herz und Augen lenke, da find' ich dei⸗ ner Gottheit Spur. Wenn ich voll Andacht uͤberdenke dein Werk, die praͤchtige Natur; so ruft mir Alles, Wohlt hate soll N Gottes. Alles zu: Wie groß ist Gott! wie klein bist du! 3. Mir zeigen alle Ele⸗ mente Macht, Guͤt' und Weisheit uͤberall. O wenn das Stumme reden koͤnnte, wie groß waͤr' stets der Jr belschall: Ruͤhmt, Menschen! Gottes Guͤt' und Macht, die euch und uns hervorgebracht. 4. Herr Gott! wie groß ist deine Liebe! Die Erd' ist deiner Guͤte voll. O gib mir dankbarfromme Triebe, daß ich dich preise, wie ich soll. Nimm, was ich kann und hab' und bin, zu deinem Dienst auf ewig hin. 5. Hilf, daß die Guͤter dieser Erden mich zu dir lok⸗ ken, hoͤchstes Gut! daß sie mir nicht zum Fallstrick wer⸗ den, und ihr Genuß mir Schaden thut Laß allen Miß⸗ brauch ferne seyn; mein letztes Ziel sei du allein. 6. Hier ist mein Leben eine Reise, ich geh' nach jener hoͤhern Welt. Drum mache du mich fromm und weise, daß ich hier thu', was dir gefaͤllt. Und end' ich diesen kurzen Lauf, so nimm zu hoͤherm Gluͤck mich auf. Vorsehung, oder Erhal- tung und Regierung der Welt. Mel. Nun danket Alle Gott 5 4 N hel ein großer Gott Vorsehung. 37 Gott regieret, ein Gott, der seine Welt mit reichem Se⸗ gen zieret. Auch was uns Zufall heißt, ist, eh' es noch geschieht, in seinem Plan bestimmt, und einer Kette Glied. 2. Er sah vor aller Zeit, was kuͤnftig werden sollte, und Nichts ist, Nichts wird seyn, als was sein Rath⸗ schluß wollte: und Alles, was er will, ist weise, recht, und gut. O wohl mir, daß mein Gluͤck in Gottes Haͤn⸗ den ruht! 3. Wie duͤrft' ich mißver⸗ gnuͤgt in meinem Stande leben? Kann jemals boͤse seyn, was Gott mir pflegt zu geben? Der Thor nur klagt und murrt, und laͤstert Gottes Rath; er hat nicht, was er will, und will nicht, was er hat. 4. Wer wahre Weisheit liebt, der liebt auch den Ge⸗ danken: Mein Heil, mein Fels ist Gott, und wenn auch Welten wanken! Ich sollte, was ich bin, nicht etwas Anders seyn, und mein besondres Loos stimmt mit dem Ganzen ein. 5. Mein Unmuth aͤndert nie die Ordnung aller Dinge. Ich quale nur mich selbst, wenn ich die Haͤnde ringe. Doch folg' ich mei⸗ nem Gott, so lindert sich mein Schmerz; denn, was mich elend macht, ist immer nur mein Herz. 6. Wie thoͤricht wuͤrd' ich seyn, wenn ich begehren woll⸗ te, daß alles Ungemach nur mich verschonen sollte! Mein Vater liebt auch mich, und mischt mit Freundlichkeit in seinen Segenskelch des Leidens Bitterkeit. 7. Im Leiden lern' ich mich und meinen Gott erkennen, und mich mit edlem Sinn von falschen Freuden tren⸗ nen. Wie kann mir schreck⸗ lich seyn, was mich voll⸗ kommner macht? Mehr ist die Tugend werth, als Sin⸗ nenlust und Pracht. 8. Die Tugend wird bald schwach im Schooße niedrer Freuden, und stark erschei⸗ net sie, umringt von stillen Leiden. Sie strahlt am goͤtt⸗ lichsten aus tiefer Dunkelheit; da leuchtet sie der Welt, und uͤberlebt die Zeit. 9. Hinweg mit bloͤder Furcht! Der Herr will mich regieren, mich auch auf rau⸗ her Bahn zu meinem Ziele fuͤhren. Hier bin ich, Herr, mein Gott! O stehe du mir bei, daß selbst in Noth und Tod mein Herz dir folg⸗ sam sei! In eigener Melodie. 55 n allen meinen „J Thaten laß ich den Soͤchsten rathen, der Alles B 7 kann ö 10 116 0 8 kann und hat. allen Dingen, soll's anders wohl gelingen, mein Helfer seyn mit Rath und That. 2. Nichts hilft mein ban⸗ ges Sorgen vom Abend bis zum Morgen, Nichts meine Ungeduld. Er mag's mit meinen Sachen nach seinem Willen machen: ich traue sei⸗ ner Vaterhuld. 3. Es kann mir Nichts ge⸗ schehen, als was sein Rath ersehen, und mir fuͤr heil⸗ sam haͤlt. Mit dem, was Gott beschieden, bin ich, sein Kind, zufrieden: mir geh es, wie es ihm gefallt. 4. Ich traue seiner Gna⸗ Er muß in de, die mich auf meinem Pfade vor allem Uebel schuͤtzt. Leb' ich nach seinen Saͤtzen, so wird mich Nichts verletzen, Nichts fehlen, was mir ewig nuͤtzt. 5. Leg' ich zum Schlaf mich nieder, weckt mich der Morgen wieder zu meines Lebens Pflicht; irr ich auf finstern Wegen, geh' ich dem Leid entgegen: so sei sein Wort mir Trost und Licht. 6. Was uͤber mich beschlos⸗ sen, dem will ich unverdros⸗ sen, getrost entgegen gehn. Kein Unfall unter allen soll je zu hart mir fallen; ich will ihn maͤnnlich uͤberstehn. 7. Ihm hab' ich mich er⸗ geben, leben, zu sterben und zu wie es sein Wink Werke und Wohlthaten Gottes. gebeut. Sei mir mein End' verborgen, komm' es heut' oder morgen, er weiß dazu die beste Zeit. 8. So sei nun, Seele, stille, dich leitet dessen Wille, der dich erschaffen hat. Es gehe, wie es gehe! Dein Vater in der Hoͤhe, der weiß zu allen Sachen Rath. Mel. Es ist das Heil uns 56 Don unser Gott, ist Niemand gleich im Himmel und auf Erden. Du bist der Hoͤchste und dein Reich kann nie begriffen werden. Unendlich ist die Majestaͤt, die uͤber alle dich erhoͤht, die Kron' und Zepter tragen. 2. Wie weit erstreckt sich dein Gebiet! Wo ist der, der es messe? Wohin auch nur mein Auge sieht, da seh' ich deine Groͤße. Weit, uͤber alle Himmel weit geht deines Reiches Herrlichkeit. Du herr⸗ schest uͤber Alles. 3. Du herrschest weislich, recht und gut, nach heiligen Gesetzen. Du willst auch dei⸗ ner treuen Hut das Kleinste wuͤrdig schaͤtzen. Auf Alles geht dein Augenmerk, und immer ist's dein liebstes Werk, zu segnen, zu be⸗ gluͤcken. 4. Wohl uns, daß du das Regiment, Gott! uͤber Alles fuͤhrest! und wohl dem,— en Vorsehung. den Zweck erkennt, dazu du uns regierest! Ich, dein so schwacher Unterthan, ich bete dich in Demuth an. O sieh' auf mich mit Gnade. 5. Ich bin verderbt und fehlervoll, bin auf dem Tu⸗ gendwege nicht stets so eif⸗ rig, wie ich soll, bin oft zum Guten traͤge. Doch du bist gnaͤdig, und voll Huld vergibst du Reuenden die Schuld. Drum hoff ich auf Vergebung. 6. Ich hoffe, weil mich der vertritt, den du fuͤr mich gegeben. Mein Jesus, wel⸗ cher fuͤr mich litt, erwarb mir Recht zum Leben. Sein Tod macht mich vom Zweifel frei, ob ich der Gnade faͤhig sei; auch mich hat er ver⸗ soͤhnet. 7. Herr, ewig will ich deinen Ruhm mit Lob und Dank erheben. Dir will ich, als dein Eigenthum, mich ganz zum Dienst erge⸗ ben. Mit Lust will ich bis in den Tod nach deinem hei⸗ ligen Gebot, durch deinen Beistand wandeln. In eigener Melodie. 57* kommt, den Herrn zu preisen, der groß von Rath ist, groß von That, den Guͤtigsten, den Weisen, der keinen sei⸗ nes Gleichen hat. Der Herr thut große Werke. Wer 39 beuget seine Kraft? Wer seines Armes Staͤrke, die alles Gute schafft? Er deh⸗ net, gleich Gezelten, den weiten Himmel aus; er spricht, so gehen Welten aus ihrem Nichts heraus. 2. Er will, und Sonnen flammen; auch draͤngt das Wasser, wenn er spricht, in Wolken sich zusammen, und ihre Schlaͤuche reißen nicht. Er ruft den Uungewittern, das Meer wird ungestuͤm, des Himmels Saͤulen zit⸗ tern, die Erde bebt vor ihm. Er will, und Blitze zuͤnden, daß Staͤdte flammend stehn. Er winkt und droht den Winden, schnell wird sein Himmel schoͤn. 3. Er, er gebeut den Wellen: Bis hieher!— Ihm gehorchen sie. Er legt in Felsen Quellen; sie rieseln und versiegen nie. Er fuͤl⸗ let Wuͤsteneien mit seinen Wundern an; heißt Thiere da sich freuen, wo kein Mensch wohnen kann. Wer kann die Sterne fuͤhren? Wer kann, als er allein, der Dinge Lauf regieren, zerstören und erneu'n? 4. Herr! dein ist alle Staͤrke, und alle Huͤlfe, Gott! ist dein. Das prei⸗ sen deine Werke, die deiner Allmacht sich erfreuen. Auch wir erfreun uns ihrer; ihr Lob sei unsre Pflicht! O Va⸗ 4⁰ Vater, o Regierer, wen haͤlt, wen schuͤtzt sie nicht? Du lebst, du wirkst in Allen; wir leben nur in dir. Erhal⸗ ter, wer kann fallen? Dir, dir vertrauen wir! Mel. Von Gott will ich, oder: Zeuch ein zu deinen Thoren 58 Gel, der an allen Enden viel große Wunder thut! Du bist's, in dessen Haͤnden mein gan⸗ zes Schicksal ruht; hast in der Pruͤfungszeit mir jeden meiner Tage, mein Glück und meine Plage, bestimmt von Ewigkeit. 2. Da ich noch tief ver⸗ borgen im Mutterleibe lag, wacht uͤber mich dein Sor⸗ gen. Ach! Vater, wie ver⸗ mag mein duͤrftiger Verstand das Gute zu erheben, das du in meinem Leben mir huld⸗ reich zugewandt? 3. Druͤckt mich auf mei⸗ nen Wegen gleich manche Last und Muͤh', so fuͤhrt auch sie zum Segen, und du versuͤßest sie. Du bleibest mitleibsvoll, hilfst liebreich deinen Kindern sie tragen und vermindern, befoͤrderst stets ihr Wohl. 4. Stets hat in meinem Leben mir dieses Trostes Licht von Neuem Kraft ge⸗ geben und frohe Zuversicht. Wenn ich bekuͤmmert war, so, eufzt ich und war stille, Werke und Wohlthaten Gottes. und dein stets guter Wille entriß mich der Gefahr. 5. Dein Name sei geprie⸗ sen, der jederzeit an mir so herrlich sich erwiesen! Mein Herz und Mund soll dir, du Retter aus Gefahr! mein schuldig Opfer bringen, von deiner Guͤte singen jetzund und immerdar. 6. Du hast mir wohl ge⸗ rathen, und lauter Guts gethan, daß deiner Liebe Thaten ich nicht aussprechen kann. Hilf, Vater, daß ich dort, verklaͤrt und ganz voll⸗ kommen, mit allen deinen Frommen, dir danke fort und fort! Mel. Wer nur den lieben Gott 59 Tuͤrwahr, du bist, o Gott! verborgen, dein Rath bleibt fuͤr uns wunderbar. Umsonst sind alle unsre Sorgen; du sorgtest, eh' die Welt noch war, fuͤr unser Wohl schon vaͤterlich. Dieß sei genug zum Trost fuͤr mich. 2. Dein Weg ist zwar in Finsternissen vor unsern Au⸗ gen oft versteckt; doch, wenn wir erst den Ausgang wissen, wird uns die Ursach' auch entdeckt, warum dein Rath, der niemals fehlt, den uns so dunkeln Weg gewahlt. 3. Mie sind die Tiefen zu ergruͤnden von deiner Weis⸗ heit, deiner Macht; du kannst viel viel tausend Wege finden, wo die Vernunft sie nie gedacht. Aus Finsterniß bringst du das Licht; dir folgen, sei stets unsre Pflicht. 4. Drum will ich mich dir uͤberlassen mit Allem, was ich hab' und bin; und kann ich auch nicht Alles fassen, so trau' ich dir mit frohem Sinn. Der Ausgang macht mir endlich klar, daß stets dein Rath voll Guͤte war. 5. Gib, daß dies mein Vertrauen mehre in Gluͤck und Ungluͤck, Freud' und Leid; denn Alles wirkt zu dei⸗ ner Ehre und meiner Seele Seligkeit, und einst preis' ich vollkommen dich, und freue deiner ewig mich. Mel. Warum sollt' ich mich Dei zufrieden, mein 60 S Gemuͤthe! Gott ist gut; was er thut, ist voll Lieb' und Guͤte. Er nur weiß in allen Sachen, groß von Rath, wie von That, Alles wohl zu machen. 2. Beides, Erd' und Him⸗ mel, preisen seine Macht; Tag und Nacht muͤssen sie be⸗ weisen. Sonn' und Mond, das Heer der Sterne, was sich regt und bewegt, lobt ihn nah und ferne. 3. Schau' die Werke seiner Haͤnde, Mensch und Thier melden dir seinen Ruhm ohn Ende. Was wir noch so Klei⸗ Vorsehung. 41 nes nennen, Gras und Laub, selbst der Staub, gibt ihn zu erkennen. 4. Was auf Bergen und in Gruͤnden, in der Hoͤh', in der See, oder sonst zu fin⸗ den, ruͤhmt die Weisheit seiner Werke; jeder Wurm, Wind und Sturm preisen seine Staͤrke. 5. Sollt' ich denn nicht ihn erheben? Wie so gar wunderbar gab er mir das Leben! Was ich hab', ist sein Geschenke, auch der Geist, der ihn preist, mit dem ich ihn denke. 6. Wie mich sein getreues Sorgen Tag und Nacht nimmt in Acht, das zeigt je⸗ der Morgen. Ja, kein Au⸗ genblick verschwindet, der mich nicht, Gott mein Licht! dir zum Dank verbindet. 7. Setzten mir des Kreu⸗ zes Plagen heftig zu, so halfst du, o mein Gott! sie tragen. War kaum noch Geduld vor⸗ handen, deine Kraft hat ge⸗ schafft, daß ich uͤberstanden. 8. Nun, mein Herz! das hat schon lange Gott gethan; denke dran, wird dir jemals bange, als wollt' er dich ganz verlassen. Es geschicht wahr⸗ lich nicht; er kann dich nicht hassen. 9. Drum ergib dich sei⸗ nem Willen, heiße gut, was er thut, er wird's auch er⸗ fuͤllen. Denn er ist in allen Sa⸗ 42 Werke und Sachen groß von Rath, wie von That; er, er wird's wohl machen. In eigener Melodie. 61 lles ist an deinem Segen, großer Gott, allein gelegen; du bist unser hoͤchstes Gut. Ueber Alles hoch dich schaͤtzen, und auf dich Vertrauen setzen, gibt allein getrosten Muth. 2. Du, der mich bisher ernaͤhrte, manche Freude mir gewaͤhrte, bist und bleibest ewig mein. Du, mein Schoͤpfer und Regierer, wirst mein Helfer und mein Fuͤhrer durch mein ganzes Leben seyn. 3. Sollt' ich aͤngstlich mich um Sachen, die nur Sorg' und Unruh' machen, nur um eitles Gluͤck bemuͤhn? Nein, ich will nach Guͤtern streben, die mir wahre Ruhe geben, und im Tode nicht entfliehn. 4. Auch die Hoffnung kann erquicken: Was mir gut ist, wirst du schicken; du bist Herr der ganzen Welt. Dir will ich mich froh ergeben; Gluͤck und Ungluͤck, Tod und Leben, Alles sei dir heimgestellt. 6. Ist mein Wunsch nach deinem Willen, o so wirst du ihn erfuͤlen, und gewiß zu rechter Zeit. Dir hab' ich Nichts vorzuschreiben; wie du willst, so soll es bleiben; was du willst, ist Seligkeit. Wohlthaten Gottes. 6. Soll ich hier noch laͤn⸗ ger leben, o so woll'st du Kraft mir geben, daß ich stets dir folgsam sei. Alles Irdische vergehet; nur die Froͤmmigkeit bestehet, und sie macht mich forgenfrei. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 62 Got sorgt fuͤr uns. O singt ihm Dank, ihr Christen, singt ihm gern! Vom Aufgang bis zum Nie⸗ dergang traͤgt uns die Huld des Herrn. 2. Vom Menschen bis zum kleinsten Wurm reicht seine Gnad' und Macht; im Son⸗ nenschein, so wie im Sturm, ist er auf Heil bedacht. 3. Mit frohgeruͤhrter Seele bringt ein Herz voll Dank ihm dar! Die Aehre, die vom Segen sinkt, ist sein; Gott kroͤnt das Jahr. 4. Ja, Hoͤchster, wir ver⸗ ehren dich mit kindlich fro⸗ hem Dank; du naͤhrst uns und gibst vaͤterlich auch mehr als Speis' und Trank. 5. Fried' und Gesundheit, Kraft, Gedeihn zu unsrer Haͤnde Fleiß, auch das gibst du, und dir allein gebuͤhrt dafuͤr der Preis. 6. Laß deines Segens Ueberfluß uns nun auch nuͤtz⸗ lich seyn, und hilf uns, daß wir beim Genuß uns dessen maͤßig freun. 7. Vermehr' in uns die Zu⸗ Zuversicht, dir ewig zu ver⸗ traun, bis wir dereinst in deinem Licht, des Glaubens Aernte schaun. Mel. Lobt Gott, ihr Christen, Mein Gott das Herz ich bringe 63 Nech immer wech⸗ seln ordentlich des Jahres Zeiten ab, und fruͤh und spaͤt ergießet sich dein Segen, Gott, herab. 2. Noch oͤffnest du die milde Hand, Herr! wie du stets gethan; du segnest und du fuͤllst das Land mit deinen Guͤtern an. 3. Von deinem Himmel Hoͤchster! traͤuft Gedeihn und Fruchtbarkeit; die Saat geht auf und bluͤht und reift und saͤttigt und erfreut. 4. Von dir gesegnet gibt der Baum, wenn einer Schatten sucht, ihm unter seinen Zweigen Raum, Er⸗ frischung und auch Frucht. 3. Wie froͤhlich laͤchelt jede Flur! es fließt, sich im⸗ mer gleich, der Freude Quell, und die Natur ist unerschoͤpf⸗ lich reich. 6. Wem stroͤmt sie nicht, von dir erfullt, Lust und Erquickung zu? Wer ist so gut, so treu, so mild, so vaͤ⸗ terlich, wie du? 7. Herr! ohne dich ver⸗ gingen wir, und wir ver⸗ dienten's auch, und dennoch Vorsehung. leben wir in dir, beseelt durch deinen Hauch 8. Nicht Einem mangelt deine Huld; wem strahlet nicht dein Licht? Mit wel⸗ cher Langmuth und Geduld verschonst du unsrer nicht! 9. O betet, Menschen, betet an! Erwaͤgt's, und denket nun: Was hat Gott schon an uns gethan? was will er nicht noch thun? Mel. Mein Gott, das Herz ich bringe ein Auge sieht, o 64 M en e von deinem Throne hilf du mir; mein Heil koͤmmt nur von deiner Macht, die diese Welt hervorgebracht 2. Getrost, mein Herz! Mein treuer Hirt schafft, daß mein Fuß nicht gleiten wird; der mich behuͤtet, schlummert nicht; in Finsterniß ist er mein Licht. 3. Kein Uebel sei mir fuͤrchterlich!; denn Gottes Rechte schuͤtzet mich. Durch seine treue Vaterhand wird, was mir schadet, abgewandt. Sein Schutz gewaͤhrt mir Sicherheit, sein Trost fuͤllt mich mit Freudigkeit. Er leitet mich auf ebner Bahn, und nimmt mich einst zu Ehren an. 5. Herr! segne und behuͤte mich! Du bist mein Heil: ich hoff“ auf dich. Dein Se⸗ 4⁴ Segen folg' aus dieser Zeit hinuͤber mir zur Ewigkeit! Mel. Gott Vater, an Erbarmen 65 Get deine weise 2 Macht erhaͤlt die ganze lebenvolle Welt, und Aller Augen freuen sich, und warten hoffnungsvoll auf dich, auf dich, der du sie Alle liebst, und Allen ihre Speise gibst. 2. Du oͤffnest deine Hand, so fließt herab, was Jedem noͤthig ist; mit Wohlgefallen saͤttigt sie dein Aufsehn, und versaͤumt sie nie. Nie sind Geschoͤpfe deiner Hand dir unwerth oder unbekannt. 3. Auch mir gabst du, mein Gott und Heil! noch taͤglich mein bescheiden Theil, gabst mir's mit Huld und Freundlichkeit, so lang' ich bin, zu rechter Zeit. Kein Vater sorgt so vaͤterlich fuͤr seinen Sohn, als du für mich. 4. Ich bin's gewiß, du kannst mich nicht verlassen, meine Zuversicht! Ich bin's gewiß, du thust mir wohl, so lang ich hier noch leben soll. Nicht Ueberfluß bitt ich von dir: was ich bedarf, das gibst du mir. 5. Der Vogel bauet nicht das Land; du naͤhrst ihn doch mit milder Hand. Du schmuͤckst die Blume koͤnig⸗ lich, die nicht zur Arbeit eilt, wie ich. Vergiß es, meine Werke und Wohlthaten Gottes. Seele, nie, weit mehr bin ich vor Gott, als sie. 6. Mich schufst du nicht fuͤr diese Zeit, mein Ziel ist in der Ewigkeit. Du gabst mir Weisheit und Verstand, und machtest selbst dich mir bekannt. Nichts, was die Erde zeugt und naͤhrt, gleicht mir an Hoheit und an Werth. 7. Von dir, der das an mir gethan, werd' ich auch Speis und Trank empfah'n. Selbst dem, der dich mit Suͤnden schmaͤht, gibst du sie ohne sein Gebet; und fleht' ich nicht darum zu dir, ge⸗ waͤhrtest du sie dennoch mir. 8. Laß du mich nur genuͤg⸗ sam seyn, und deiner Gaben mich erfreun, mehr aber Deiner, der du dich so freundlich zeigest gegen mich, der du des Lebens Quelle bist, aus welcher alle Wohl⸗ fahrt fließt. 9. Bei deiner Gaben Ue⸗ berfluß erhalt' mich maͤßig im Genuß; bewahr' mich in der Duͤrftigkeit vor Schmach und Unzufriedenheit. Du naͤhrst mich immer; Preis und Dank bring' ich dir, Gott! mein Lebenlang. Mel. Jesu, meines Lebens Leben Meßter, weisester 66 B Regierer! Aller Welten Preis sei dir! Dir, auch meines Lebens Fuͤhrer, sei auch ewig Preis von mir! Un⸗ Unter allen Millionen, die dein weites Reich bewohnen, siehst du huldreich auch auf mich, und versorgst mich vaͤterlich. 2. Kann ich dich genug er⸗ heben? Du, der Alles wer⸗ den heißt, gabst mir mit des Leibes Leben auch die Seele, die dich preist. Ich, ein Wunder deiner Guͤte, seh' mit staunendem Gemuͤthe, das sich selbst nicht fassen kann, als ein Bild von dir mich an 3. Auf der Menschheit ho⸗ he Stufe stellte, Herr! mich deine Hand, wo den Schall von deinem Rufe fruͤh ich hoͤrte, fruͤh verstand. Aus unendlichem Erbarmen zogst du mich mit Vaterarmen in der Kindheit schon zu dir. O wie preis' ich dich da⸗ fuͤr! 4. Taͤglich warest du mir nahe; deine Weis heit lehrte mich. Was ich hoͤrte, was ich sahe, zeigte mir, o Va⸗ ter! dich. Ja, du kamst mit neuem Segen jeden Morgen mir entgegen. Was nur je mir heilsam war, reichte deine Hand mir dar. 5 Wie so viele frohe Tage schenkte deine Euͤte mir! Sandtest du auch eine Plage, o so kam auch Trost mit ihr. und wer zahlt die Guͤter alle, die mir, seit ich hier schon walle, deine Va⸗ Vorsehung. terhuld verlieh? Nein, zu zaͤhlen sind sie nie. 6. Sollt' ich dir denn nicht mit Freuden dankbar und ergeben seyn? Sollt' ich zagen, wenn mir Leiden widerfahren oder draͤun? Nein, o Herr! dich laß ich walten, du, du wirst mich aufrecht halten. Sende Wonne, sende Schmerz, dankvoll nimmt's von dir mein Herz. 7. Fleh'n mich auch die besten Freunde, fehlt' auch andre Freude mir, waͤren viel auch meine Feinde; den⸗ noch blieb' ich stets an dir, dennoch will ich nicht ver⸗ zagen, will aufs Ziel von meinen Tagen, auf die beßre Zukunft schaun, und von Herzen dir vertraun. 8. Besser noch, als selbst das Leben, ist, o Vater! deine Huld. Was mir nuͤtzt, wird sie mir geben, und mich tragen mit Geduld. Laß mich nur, du Allerbester! immer inniger und fester hier mit dir vereinigt seyn, dei⸗ ner Gnade mich zu freun. 9. O der seligen Verbin⸗ dung, Allerguͤtigster, mit dir! Gib, o Vater, stets Empfindung deiner Vater⸗ liebe mir! Mache du mich immer reiner, daß mein Herz auch einst noch deiner sich in deinem Reiche freu', und in dir ganz selig sei! Die Werke und Wohlthaten Gottes. Die vorzüglichsten Geschöpfe. Engel und Geister. Mel. 67 ott, deine Guͤte, 1 0 deine Macht kann nie ein Mensch ergruͤnden. Sie zeigt sich in der Erde Pracht, und in den tiefsten Schluͤnden: und noch be⸗ greift, bei aller Muͤh', der groͤßte Weise niemals sie. 2. Du bildetest im Stu⸗ fengang, uns deiner zu er⸗ freuen, durch Ordnung und Zusammenhang der Wesen lange Reihen; vom Men⸗ schen bis zum Thier und Baum ist nirgends leerer Zwischenraum. 3. Auch Engel, deren Gei⸗ sterblick kein schwaches Licht begraͤnzet, und denen hohes Himmelsgluͤckk im reichen Maaße glaͤnzet, schufst du, o Gott! Unendlicher! der Wesen Vater und ihr Herr! 4. Fern von dem Hang zur Sinnlichkeit, die uns so oft entehret, vom Blendwerk jedes Wahns befreit, der die Vernunft bethoͤret, voll Kraft zu jeder guten That, betreten sie der Tugend Pfad. 5. Voll Eifer und voll Thaͤtigkeit sucht jeder deinen Willen, und was dein hoher Wink gebeut, gehorsam zu erfuͤllen, und preist in lauten Auf Christenmensch Jubeln gern dich, seinen Vater, seinen Herrn. 6. Auch Menschengluͤck und Menschenheil vermehret ihre Freuden, froh nimmt an ihnen jeder Theil, er wird sie nie beneiden; wird, wenn der Suͤnder Reue weint, und Tugend liebt, des Suͤnders Freund. 7. Gott! laß mich, deinen Engeln gleich, mit reinen, frommen Trieben, wie sie, an Tugendfruͤchten reich, dich, und die Bruͤder lieben, so werd' ich einst ganz engel⸗ rein mich deiner, o mein Vater, freun. Mel. Vom Himmel kam der 68 Wer zaͤhlt, unendli⸗ cher, die Reih'n der Wesen, die sich deiner freu'n, hinauf zu dir, als Vater sehn, aus allen Wel⸗ ten zu dir flehn? 2. Unzaͤhlbar ist der See⸗ len Schaar, die einst an Staub gefesselt war, nun losgewunden, diese Welt nicht mehr in ihren Schran⸗ ken haͤlt, 3. Unzaͤhlbar ist der See⸗ len Schaar, die unbegreif⸗ lich wunderbar du noch zur Erde senden wirst, und durch den Tod zum Leben fuͤhrst. 4. Auf diesem Erdball nicht allein sind Wesen, die sich Vorsehung. sich deiner freun, hinauf zu dir als Vater sehn, dir jauch⸗ zen, betend dich erhoͤhn. 5. Ein ungezaͤhltes Gei⸗ sterheer riefst du ins Leben, Guͤtigster! dein Reich ist unermeßlich groß, ist, Al⸗ lerhoͤchster! graͤnzenlos. 6. Wann einst auf deinen Wink mein Geist sich seinen Fesseln auch entreißt, misch' ich in eure sel'gen Reih'n mich, Mitanbeter Gottes, ein. 7. Entzuͤckt vernimmt mein schaͤrfres Ohr das hoͤh re Lied im Geisterchor, und meine Seele strebt und ringt euch nach, wann sie dem Vater singt; 8. Dem Vater, dessen All⸗ machtsruf auch sie mit euch verschwistert schuf, nur mei⸗ ner Huͤlle hier ein Grab, un⸗ sterblichkeit dem Geiste gab. Mel. Alle Menschen müssen 69 Wo cn wir unsern Lauf vollenden, wann wir unsre Seele nun uͤbergeben deinen Haͤnden, bald in deinem Schooße ruhn: eilen wir aus allen Leiden hin zu deiner Engel Freuden, ewig, Gott, bei dir zu seyn, ewig deiner uns zu freun. 2. Wir, zu Gnaden an⸗ genommen, hoffen, Vater, voll Vertrau'n, auch wie sie, mit allen Frommen dei⸗ 47 ne Herrlichkeit zu schau'n. Gleiche Hoheit wird uns schmuͤcken, gleiche Wonn' uns dann entzuͤcken: wir, erhoben in dein Reich, wer⸗ den deinen Engeln gleich. 3. Dieses Heiles der Er⸗ loͤsten, dieser Wonne, dich zu seh'n, duͤrfen wir im Tod uns troͤsten, wenn wir deine Wege geh'n; wenn wir rin⸗ gen, schon auf Erden deinen Engeln gleich zu werden, standhaft in der Heiligkeit, dir zu dienen stets bereit. 4. Wenn wir vor Begier⸗ de brennen, und, den Engeln gleich, uns freun, immer mehr dich zu erkennen, im⸗ mer heiliger zu seyn; wenn wir huͤlfreich gern mit ihnen unsern schwaͤchern Bruͤdern dienen; wenn ohn allen Eigennutz wir ihr Beistand sind, ihr Schutz. 5. Welch ein Heil, Gott, schon auf Erden Engeln an Vollkommenheit immer ahnlicher zu werden, aͤhnlich einst an Seligkeit! Laß uns nicht in eitlen Traͤumen die⸗ ses große Heil versaͤumen; lehr uns deine Wege geh'n: einst, wie sie, dich auch zu seh'n. Der Mensch. Seine Würde und Vorzüge. Mel. Wer nur den lieben Gott 70 Dein ich bin Gott! Dein ist mein 48 Leben! Erfreulich ist mein Ursprung mir! Du hast das Daseyn mir gegeben; mein ganzes Wesen kommt von dir. Du, Vater, riefst mich aus dem Nichts zum frohen Anschaun deines Lichts. 2. Du gabst mir die ver⸗ nuͤnft ge Seele, die nur so lang den Leib belebt, bis 5 daß ihr kein Wohlseyn fehle, dein Ruf zum hoͤhern Geist erhebt. Du gabst Verstand und Willen mir, Vernunft und Freiheit dank ich d un ich 1 Koͤrper sehe, den du so kunst⸗ schmuͤckt: so, wird, in der Hoͤhe, mein Herz von Freude ganz ent⸗ zuͤckt. Ein jeder—5 ein jedes Glied er zum Preise mein Gem äth. 4. Ich bin nicht werth großen Guͤte, die du —* an dir, meinen Holl au voll au o Vater der mein voll mein dich in Dir will ich Demuth an. Herz und Leben weih'n, un stets ein Freund der Tugen seyn. Mel.* r nur den lieben Gott (s werde Gott von 76 E 2 dir erhoben, du, seines Odems Hau mein Geist! Sollt ich mei nen Vater loben, den jedes seiner Werke der mich schuf, preist; ihn, sein Bild zu Werke und Wohlthaten Eottes. seyn und seiner Liebe mich zu freun? 2. Schoͤn ist der sonnen⸗ reiche Himmel, den er zu seinem Stuhle waͤhlt; doch ist der sonnenreiche Himmel gedanke nlos und unbeseelt: mir nur, dem Thone seiner Hand gab er Gefuͤhl, gab er Verstand. 3. Anmuthig, praͤchtig Entzuͤcken ist seine ganze Koͤrperwelt. Wer zahlt die Reize, die sie schmuͤcken? Was ich nur sehen kann, gefallt; und dennoch kann sie nicht, wie schoͤn, wie wundervoll sie sei, verstehn. 4. Fuͤr Engel nur, und zum nur fuͤr Seelen, die Gott zu ihrer Wuͤrd' erhob, sind sie so lich; sie erzählen nur G meines S choͤp⸗ fers Lob. O Seele, jauchze, daß der Ruf der Allmacht ste schuf. kann den⸗ dich zum 5. Ich, Gott! ken; ich weil ich zu einem Geiste ward, durch die Empfindung mei⸗ ner Sinne Gedanken tau⸗ sendfacher Art. Ach, strebt' ich, alle Gott zu weihn: wie fselig koͤnnt! ich hier schon seyn! 6. Ich kann sie sammeln, sie verbinden, sie trennen, wie es mir gefaͤllt, die Welt empfinden, mich empfinden, mich unterscheiden der Welt. Zu tausend Thaten hab 901 vor hab' ich Kraft; die gibt mir Gott, der Alles schafft. 7. Wie feurig duͤrstet mei⸗ ne Seele nach Gluͤck und Lust und Seligkeit! Nur, daß ich oft betrogen waͤhle, was mich nach dem Genusse reut. Doch das ist, Vater, meine Schuld, du schaffest, was du schaffst, aus Huld. 8. Begabt mit wundervol⸗ len Sinnen, mit Freiheit, mit Vernunft von dir, sollt' ich nur dich, Gott, liebge⸗ winnen, dich nur, und was gebraͤche mir? Ach, moͤchte meine Scele dein mit allen ihren Kraͤften seyn! 9. Gott, meine Lust sei, dich zu kennen, dich, Urauell der Vollkommenheit; von deiner Liebe ganz zu bren⸗ nen, das sei mir Ruhm und Seligkeit! Nimmst du zum Erben, Gott, mich an, hab' ich nur dich, was fehlt mir dann? 10. Es werde Gott von dir erhoben, du, seines Odems Hauch, mein Geist! Sollt' ich nicht meinen Vater lo⸗ ben, den jedes seiner Werke preist? Ihn, der mich schuf, sein Bild zu seyn, zu lieben ihn, mich ihm zu weihn? Mel. Es ist das Heil uns (Dir Gott, sci Preis 72 D und Dank ge⸗ bracht! Dich ruͤhme Harf' und Psalter! Ich bin ein Vorsehung. 49 Wunder deiner Macht, mein Schoͤpfer und Erhalter! Mein ganzer Leib, erbaut von dir, ein jeder Sinn und Nerv an mir beweiset deine Größe 2. Haupt, Aug' und Ohr, Herz, Mund und Hand, die ich zu dir erhebe, die Haut, so kuͤnstlich ausgespannt, der Adern fein Gewebe und alle Glieder sagen mir: ich sei, o Gott, ein Werk von dir, und deiner Weisheit Spie⸗ gel. 3. O haͤttest du mein Auge nicht so kuͤnstlich zubereitet, was nuͤtzte mir der Sonne Licht, der Glanz, den sie verbreitet? Dann saͤh' ich nicht, mit welcher Pracht du, Herr, durch deine weise Macht die ganze Schoͤpfung schmuͤckest. 4. Ich jauchze, daß ich sehen kann und hoͤren und empfinden; froh bet' ich meinen Schoͤpfer an; ihn uͤberall zu finden, in allen Werken, die er schuf, das ist mein seligster Beruf, mein Lobgesang und Opfer. 5. Wer leitet meines Blu⸗ tes Lauf? Wer lenkt des Herzens Scklaͤge? Wer regt die Lung' und schwellt sie auf, damit ich athmen moͤge? Gott ist es, der dies Alles thut. Preis, Schoͤpfer, dir! Dir wallt mein Blut, mein Herz schlaͤgt dir, o Schoͤpfer! C 6. Ja 6. Ja, dir sei Lob und Dank gebracht! Dich ruͤhme Harf und Psalter! Ich bin ein Wunder deiner Macht. mein Schoͤpfer und Erhalter! Gib, daß ich nie mich selbst entweih', auf daß mein Herz ein Tempel sei, in welchem dein Geist wohnet. Mel. Mein erst Geschäft sei Preis — welch ein Gluͤck, 73 2 ein Mensch zu seyn! Wer kann genug es preisen? Laß des Berufs, ein Mensch zu seyn, Gott, wuͤrdig mich erweisen! 2. Den Leib, die Sinne dank' ich dir; du gabst mir auch die Seele, Verstand, Vernunft, Gefuͤhl mit ihr, durch die ich denk' und waͤhle. 3. Mich allen Wesen vor⸗ zuzieh'n, die auf der Erde leben, hast du auch Freiheit mir verlich'n, Gewissen mir gegeben. 4. Der Mensch nur ist's, der reden kann, sonst kein Geschoͤpf auf Erden; der Mensch nur ruft dich, Schoͤ⸗ pfer, an, kann Andrer Leh⸗ rer werden. 5. Ihn schufst du zur Ge⸗ selligkeit, gabst ihm ein Herz voll Triebe zum Mitgefuͤhl fuͤr Freud und Leid, zur Freundschaft und zur Liebe. 6. Und dieser Gaben Fuͤlle schafft mir unzaͤhlbare Freuden, gibt mir zu edlen Werke und Wohlthaten Gottes. Thaten Kraft und Ruh' und Trost im Leiden. 7. Dich, meinen Gott, er⸗ kenn' ich hier in jedem deiner Werke. Du bist, dies find' ich selbst an mir, voll Weis⸗ heit, Guͤt' und Staͤrke. 8. Ich hoͤre deinen heil⸗ gen Ruf; die Tugend ist dein Wille! Du, dessen Guͤte mich erschuf, gib, daß ich ihn erfuͤlle! 9. Ich bin ein Mensch, und darf vor dich getrost, und freudig treten; ich darf, du hoͤrest liebreich mich, dich preisen, zu dir beten. 10. Heil mir! o Heil der Zuversicht, die ich im Staube habe: Ich bin unsterblich! Gott, dein Licht erhellt die Nacht am Grabe! 11. O welch' ein Gluͤck, ein Mensch zu seyn! Ich will es dankbar preisen, und des Berufs, ein Mensch zu seyn, mich wuͤrdig stets er⸗ weisen. Bestimmung des Men⸗ schen zur Gottähnlichkeit. Mel. Nun danket Alle Gott 74 2 Umaͤchtig großer Gott, wer kann dich g'nug erheben? Du gabst der ganzen Welt Be⸗ wegung, Kraft und Leben. Was Geist und Koͤrper heißt, was Erd' und Himmel hegt hegt, hat deine Huld gebaut, die jetzt noch Alles traͤgt. 2. Du schufst, ich dank es dir, auch mich zu deiner Ehre, und wolltest, Guͤtig⸗ ster! daß ich dein Bildniß waͤre. Darum hast du den Geist, der in mir lebt und denkt, mir zur Unsterblichkeit aus deiner Huld geschenkt. 3. O welch' ein großer Zweck, dazu du, Gott, mich schufest! Wie herrlich ist das Theil, dazu du mich berufest! Dir, Hoͤchster, aͤhnlich seyn, vollkommen seyn, wie du! O wohl mir, wenn ich's bin! Hilf du mir selbst dazu! 4. Laß mir dies große Ziel doch stets vor Augen schweben; mein allerstaͤrk⸗ ster Wunsch, mein eifrigstes Bestreben in allem meinem Thun sei dies, o Gott, al⸗ lein, daß ich auch, so wie du, gesinnet moͤge seyn. 5. Du bist der Wahrheit Freund; laß mich auch Wahrheit lieben, und mit stets muntrem Fleiß in Allem dem mich uͤben, was mich zur Weisheit fuͤhrt, zur Weisheit, die dich ehrt, und Allem Beifall gibt, was du uns selbst gelehrt. 6. Laß deine Helligkeit mich stets zum Muster neh⸗ men. Hilf mir die Suͤnde flieh'n, des Fleisches Luͤste zaͤhmen, nur das, was recht ist, thun, des Guten mich er⸗ Vorsehung. 51 freu'n, und dem, der's uͤben will, auch gern behuͤlflich seyn. 7. Gib, daß ich so, wie du, ein Freund der Men⸗ schen werde, dem Wohlthun Freude macht, der Kummer und Beschwerde dem Naͤch⸗ sten gern erspart, sein Leben ihm versuͤßt, und, wo er hel⸗ fen kann, zu helfen willig ist. 8. Noch bin ich weit ent⸗ fernt, o Gott, von diesem Ziele; du weißt, was mir noch fehlt, und ich, ich sel⸗ ber fuͤhle, wie wenig ich dir noch im Guten ahnlich bin. O bilde du mich ganz nach dir und deinem Sinn! 9. Begluͤckt ist nur als⸗ dann mein Lebenslauf auf Erden, wann ich dir immer mehr schon hier kann aͤhnlich werden. Dann werd' ich ewig auch mit dir vereinigt seyn, und mich ohn Unterlaß, Gott! deiner Guͤte freu'n. Mel. Mein Gott, das Herz n Occh bin, o Gott, 15 dein Eigenthum. Du schufst mich, dein zu seyn, mein ganzes Leben dir zum Ruhm, und deinem Dienst zu weih'n. 2. Du gabst mir den ver⸗ nuͤnft'gen Geist, bewun⸗ dernd einzuseh'n, wie dich, Herr! deine Schoͤpfung preist, mit ihr dich zu erhoͤh'n. 3. Was um mich ist, ver⸗ kuͤndigt mir, Gott! deine C2 Herr⸗ 52 Werke und Wo Herrlichkeit; zu ihrem Preise reizt mich hier selbst jede Jahreszeit. 4. Und ich, ich sollte fuͤhl⸗ los seyn? Ich ruͤhmte dich, Herr, nicht? Ein Herold deines Ruhms zu seyn, bleibt meine groͤßte Pflicht. 5. O mache dieser Pflicht mich treu, so treu, Herr, als ich soll. Mein Herz, mein Mund, mein Wandel sei stets deiner Ehre voll! 6. Wer dich verehrt, haͤlt dein Gebot, ihm ist's nicht Last, nicht Pein. Drum gib auch mir die Kraft, o Gott! gehorsam dir zu seyn. 7. Was du goebeutst, ist fuͤr uns gut; du willst nur unser Heil. Wohl dem, der deinen Willen thut! Du bist sein Trost und Theil 8. Er wandelt hier auf ebner Bahn, und soilbst in Traurigkeit schmeckt er, dir, Hoͤchster! zugethan, in dir Zufriedenheit 9. Nach hier vollbrachter Pruͤfungezeit nimmt ihn der Himmel ein. Herr, laß nach dieser Seligkeit mein ganz Bestreben seyn. Mel. Schon ist der Tag von Gott — err! lehre mich, 76 H den wahren Werth empfinden, was mich entehrt, scheu mich entwinden! des Menschen tief und Allem dem, voll Ah⸗ Nie hlthaten Gottes. komm' es mir aus meinem Sinn, was ich als Mensch vermag und bin durch deine weise Guͤte. 2. Ich, ich bin mehr, als Fleisch und Bein. Du hauch⸗ test, Gott, aus Liebe mir auch die rege Seele ein, und gabst ihr Kraft und Triebe, mehr, als was diese Sinne rührt, und nur zu Sinnen⸗ freuden fuͤhrt, zu fuͤhlen und zu fassen. 3. Gott, diesen Vorzug gabst du mir vor so viel die auch beseelt, auf deiner Millionen, genaͤhrt von dir, Erde wohnen. Was ihnen fehlt, gabst du mir hin, Vernunft und Freiheit und den Sinn fuͤr Wahrheit, Weisheit, Tugend 4. Du schufst mich zur Ge⸗ selligkeit und fuͤr der Freund⸗ schaft Freuden, gabst mei⸗ nem Herzen Fuͤhlbarkeit fuͤr Andrer Gluͤck und Leiden, und setztest auch mich in den Stand, das, was ich dachte und empfand, in Worten auszudruͤcken 5. Ich kann mich selbst und deine Welt und dich er⸗ kennen lernen; ich kann von dem, was dir mißfaͤllt, mich ohne Zwang entfernen. Und wer, wer zeigt die Graͤnzen an, wo ich nicht weiter stre⸗ ben kann nach Licht und Her⸗ zensguͤte? 6. In stiller Andacht kann mein Vorsehung. mein Geist sich bis zu dir erheben, und dir, den Erd' und Himmel preist, auch Preis und Ehre geben. Ich kann mich deiner Liebe freu'n, dir folgen, dir ergeben seyn und deiner Vorsicht trauen. 7. Nicht blos fuͤr diese kurze Zeit rüfst du mich in dies Leben. Zum Vollgenuß der Seligkeit soll einst die Seele schweben. Und wird auch einst mein Leib zu Staub, er bleibt doch nicht des Grabes Raub; du, Herr! wirst ihn verklaͤren. 8. Vom Himmel kam, ge⸗ sandt von dir, dein Sohn zu uns auf Erden; er kam und ward ein Mensch, wie wir, um Heiland uns zu werden. Wie hoch sind wir durch ihn geehrt! wie ernst⸗ lich durch ihn selbst belehrt, der Menschheit Werth zu schaͤtzen! 9. Und ich, ich sollte mich entweih'n, und gleich den Thieren handeln, der Flei⸗ scheslust ergeben seyn, und Herr, vor dir nicht wandeln? Fern sei ein solcher Sinn von mir! Bewahre mich, daß ich mich hier so frevel⸗ haft nicht schaͤnde! 10. Gib. daß ich jetzt und allezeit auf mein Gewissen achte, nach Weisheit und Gerechtigkeit mit allem Ei⸗ fer trachte, dich liebe und mich deiner freu', und so des 53 Vorzugs wuͤrdig sei, den du mir hast verliehen. Mel. Es ist das Heil uns . ie wichtig ist doch 77 W᷑ der Beruf, den uns der Herr gegeben! Gott! als uns deine Liebe schuf, da schuf sie uns zum Leben. Zum Leben, welches ewig waͤhrt, das weder Leid noch Angst beschwert, willst du uns hier erziehen. 2. Nicht hier ist unser Va⸗ terland; allein bei dir, dort oben, da ist der Ort, wo deine Hand das Gluͤck uns aufgehoben, das nie ein trau⸗ rig Ende nimmt. Hier sind wir nur von dir bestimmt, uns dazu anzuschicken 3. O laß mir doch dies große Ziel durch Nichts ver⸗ ruͤcket werden! Was hilft's, wenn ich auch noch so viel von Guͤtern dieser Erden, von Ehre, Geld und Lust ge⸗ winn', wenn ich dabei nicht tuͤchtig bin, dein Himmel⸗ reich zu erben? 4. Dein Pilgrim bin ich ja nur hier; laß mich dies nie vergessen. Nur wenig Tage hast du mir zur Wall⸗ fahrt zugemessen. Schnell, wie ein Traum sind sie vollbracht, und dann wird dieser Erde Pracht auf ewig mir vergehen. 5. Drum laß des Himmels Herrlichkeit mich stets vor C 3 Au⸗ und Augen haben. Laß mich in meiner Pruͤfungszeit um jene beßre Gaben, die mir im Tode nicht entflieh'n, am ersten und mit Ernst bemühn, damit ich nicht einst darbe. 6. Ein Herz, das dich, o Vater, liebt, und deines Sohns sich freuet, das in dem Glauben Tugend uͤbt, und sich vor Suͤnden scheuet; ein solches Herz, das wird allein sich ewig deiner Guͤte freu'n, und einst dein Antlitz schauen. 7. Und solch' ein Herz, das woll'st du mir, Gott, aus Erbarmen geben, damit ich moge auch schon hier nach den Gesetzen leben, die selbst im Himmel guͤltig sind, bis ich, als dein bewaͤhrtes Kind, zu deiner Freude gehe. Die Erlösung von Sün⸗ den durch Christum. Von der Suͤnde. Mel. Auf meinen lieben Gott — Du, der kein Boͤses 78 D thut, du schufst den Menschen gut; du gabst ihm Licht und Kraͤfte zum seligen Gesckaͤfte, in Heilig⸗ keit zu wandeln, und recht vor dir zu handeln. 2. Wo ist der Unschuld Ruhm? Ach, wir, dein Ei⸗ genthum, wie tief sind wir gefallen! Wo ist jetzt unter Wohlthaten Gottes. Allen ein Mensch ganz rein von Suͤnden, vor dir, o Gott, zu finden? 3. Hier ist kein Unter⸗ schied. Dein Auge, Hoͤch⸗ ster, sieht auf alle Men⸗ schenkinder, und sieht sie alle Suͤnder. Vor dir, o Herr, ist keiner ganz schuldlos, auch nicht Einer. 4. Verderbt ist unser Sinn; die Weisheit ist da⸗ hin, die uns regieren sollte, nur, was dein Wille wollte, mit freudenvollen Trieben zu waͤhlen und zu lieben. 5. Der Sinne Lust und Schmerz ruͤhrt leider! unser Herz mehr, als die hoͤhern Freuden, mehr als die groͤ⸗ ßern Leiden, die wir auf Ewigkeiten selbst unserm Geist bereiten. 6. Dir folgen, duͤnkt uns Zwang; des Herzens boser Hang reißt uns mit starkem Triebe zu schnoͤder Suͤnden⸗ liebe, und wer vermag's zu zaͤhlen, wie oft wir vor dir fehlen? 7. O Herr, gib uns dein Licht, daß wir, was uns ge⸗ bricht, beschaͤmt vor dir be⸗ kennen, und stets von Ernst entbrennen, der Suͤnde zu entsagen, der Beßrung nach⸗ zujagen. 8. Wohl dem, der sie ge⸗ winnt! Gott, so verderbt wir sind, so willst du doch uns heilen, und neue Kraft er⸗ ertheilen, durch Christum schon auf Erden von Suͤnden frei zu werden. 9. Ach, laß durch unsre Schuld uns deine Vaterhuld nicht freventlich verscherzen! Erwecke unsre Herzen, dir nicht zu widerstreben, damit wir ewig leben. Mel. Schon ist der Tag von Gott 79 Ken danch o Gott, ist suͤndenfrei: wer duͤrfte sich erheben? Was hilft uns Trug und Heuchelei? Du kennest Herz und Leben. Umsonst, umsonst verbergen wir selbst die geheimsten Triebe dir; dein Blick durch⸗ schauet Alles. 2. Du weißt, wie oft wir frevelhaft uns boͤser Thaten freuen, und unsers Geistes edle Kraft dem Suͤndendienste weihen. Gereizt von Welt und Sinnlichkeit, verscherzen wir oft unsre Zeit, und un⸗ sers Herzens Ruhe. 3. Wir sollten stets auf dein Gebot mit frommer Seele merken: wir koͤnnen's auch; denn du, o Gott! willst gern die Schwachen staͤrken. Und dennoch unter⸗ druͤcken wir so oft die Ehr⸗ furcht, Herr! vor dir, und folgen unsern Luͤsten. 4. Wie leicht entwoͤhnt sich unser Herz, im Gluͤck auf dich zu schauen! Wie bald vergessen wir im Schmerz, Erlösung. 55⁵ dir kindlich zu vertrauen! Wie maͤchtig reizen Stolz und Neid uns oft zur Un⸗ zufriedenheit mit deiner freien Guͤte! 5. Du hast mit Menschen uns vereint, die dir, Gott! angehoͤren; wir sollen, aller Bosheit Feind, auch ihre Freuden mehren. Doch wer ist immer liebevoll? sorgt fuͤr den Naͤchsten, wie er soll? Wer hilft, so viel er koͤnnte? 6. Oft wirkt auch unsers Beispiels Macht, daß Andre, wie wir fehlen. Sie seh'n auf, uns, die Lust erwacht, das Boͤse zu erwaͤhlen. Gleich uns, verschmaͤh'n sie deine Huld, und ihr Verderben, ihre Schuld vermehret unsre Schulden. 7. O großer Gott! hier stehen wir verklagt von un⸗ sern Suͤnden. Vor dir, All⸗ heiliger! vor dir ist keiner rein zu finden. Wie kuͤm⸗ mert unsre Seele sich! Wir Alle fehlen wider dich! Er⸗ barm' dich unser Aller! Mel. Alle Menschen müssen sterb. 80 Vor! heilig moͤcht' ich leben, Recht⸗ thun waͤre meine Lust; aber Luͤste widerstreben dem Ge⸗ setz in meiner Brust, und der Suͤndentrieb im Herzen ist noch oft mir Quell von Schmerzen. Mich beschwert C 4 der 56 der Suͤnden Joch; was ich nicht will, thu' ich doch. 2. Sieh' um Kraft mich Schwachen beten; mei⸗ nem Vorsatz trau' ich nicht. Lockende Begierden treten zwischen mich und meine Pflicht. Selbst den heil gen Andachtsstunden, wo, der niedern Welt entschwun⸗ den, ich von dir und Tu⸗ gend sprach, folgten Suͤn⸗ der tage nach. 3. O wie oft hab' ich ge⸗ weinet, schmerzlich meinen Fall bereut, glaͤubig mich mit dir vereinet, und mich deiner Huld gefreut! Gnaͤ⸗ dig sahst du zu mir nieder, aber bald vergaß ich wieder meine Pflicht und, Vater! dich, und die Welt besiegte mich. 4. Du allein, du kannst mich retten, wo mich Suͤnd' und Wahn zerstreut. Mach' mich ledig von den Ketten truͤger'scher Sinnlichkeit! Tilg' die Quelle meiner Schmer⸗ zen, die Begier aus meinem Herzen! Tief im Staube bitt' ich dich: leite selbst zur Tugend mich! 5. Sieh, mich duͤrstet nach dem Guten Fruͤh und spaͤt ruf' ich zu dir: laß mein Herz nicht laͤnger bluten! deinen Geist verleihe mir! Hilf die boͤse Lust bezwin⸗ gen, und nach deinem Bei⸗ mich fall ringen! Staͤrke Werke und Wohlthaten Gottes. mit hoher Kraft, das zu thun, was Segen schafft! 6. Ja, du hoͤrst mein kind⸗ lich Flehen! Du erquickst mein Herz mit Ruh! Leben werd' ich, nicht vergehen; meine Staͤrke, Gott! bist du! Ueberwinden, uͤberwin⸗ den werd' ich durch dich alle Suͤnden. Meine Seele, fasse Muth! Endlich werd' ich fromm und gut. Mel. O Gott du frommer Gott 81 Wer nur Ein Laster V lebt, wie leicht faͤllt der in alle! Wer Ein Gesetz entweiht, entheiligt in dem Falle die andern auch zugleich in seinem Herzen mit, und schwaͤcht die Kraft in sich, die sonst fuͤr's Gute stritt. 2. Ein Fehltritt kann den Grund zu hundert andern legen und gibt nicht selten uns das schreckliche Vermoͤ⸗ gen, dann, dreist und ohne Furcht vor des Gewissens Pein, auch jede andre Pflicht vorsaͤtzlich zu entweihn. 3. Wie oft versucht der Mensch, aus Scham, aus Furcht und Schrecken, durch eine zweite Schuld die erste zu bedecken! So fuͤhrt zur Lasterbahn ein einz'ger Feh⸗ ler hin; und wo die Tugend weicht, muß auch die Ruhe flieh'n. 4. So sei es mir denn Pflicht Pflicht, der kleinsten Schuld zu wehren und jede Tugend stets mit Eifer zu verehren. Kein Fehltritt scheine mir und kein Vergehen klein; dies konnte leicht der Grund von schweren Suͤnden seyn. 5. Durch Tugend steigen wir zum goͤttlichen Ge⸗ schlechte, und ohne Tugend sind selbst Koͤnige nur Knechte. Sie, sie nur macht uns erst des Lebens Anmuth schoͤn, nur sie kann uͤber Zeit und Schicksal uns erhoͤh'n. 6. Im letzten Augenblick, wenn Alle von uns gehen, wird sie in Lichtgestalt zu unsrer Seite stehen. Hell wird durch sie der Blick auf die durchlaufne Bahn, und muthig treten wir die neue Wallfahrt an. 7. Denn Tugend wird in's Reich der ew'gen Herr⸗ lichkeiten den Geist, der sie geliebt, vor Gottes Thron begleiten. und wie? mir Sterblichen waͤr dieses Gluͤck zu klein, um strenge gegen mich und tuß ndhaft zu seyn? Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 5 unde ist nie klein 82 Si schaͤtzen. Nennt sie klein; doch bringt sie Schuld. Denn sie Vider⸗ spricht Gesetzen, die ä mit Weisheit und voll buld uns der Leilige gegeben, Erlösung. um durch sie begluͤckt zu leben. 2. Sein Gesetz ist gut und weise, wie sein Wille selbst es ist. Mensch befolg' es, und beweise, daß du seiner nicht vergißt! Ewig muß Gott Suͤnde hassen, kann nie ungestraft sie lassen. 3. Aber gibt es nicht selbst Dinge, die der Suͤn⸗ den Schuld erhoͤh'n? O! die Schuld ist nicht geringe, wenn wir sein Gesetz ver⸗ steh'n, es als wahrhaft gut zwar schätzen, doch aus Leichtsinn oft verletzen. 4. Suͤnd'gen wir mit Ue⸗ berlegung wider des Gewis⸗ sens Spruch; achten nicht des Herzens Regung, nicht des innern Richters Fluch: so ist das, was wir voll⸗ brachten, schon fuͤr groͤßre Schuld zu achten 5. Hat dich Gott hervor⸗ gezogen und mit Wohlthun uͤberhaͤuft und du bleibest dem gewogen, was der Pflicht entgegen laͤukt: so mehrt Undank deine Suͤn⸗ den; wichtiger wird Gott sie finden. 6. Fuͤhlest du in dir schon Kraͤfte, Licblingssuͤnden zu entflieh'n, und eilst doch zu dem Geschaͤfte, welchem Gott dich wollt' entzieh'n; wirst, gestaͤrkt durch ihn nicht bes⸗ ser: so rurd deine Schuld noch groͤsier. C 5 7. Wenn 58 7. Wenn dich Nichts von außen reizet, und nur inn're boͤse Lust bloß nach solchen Dingen geizet, deren Unrecht dir bewußt: o! so ist dann dein Vergehen groͤßer, als sonst, anzusehen. 8. Machen ganz besondre Dinge gutes Beispiel dir zur Pflicht; und du schaͤtzest sie geringe, aͤrgerst, aber besserst nicht: großer wird dann dein Verbrechen, und der Richter wird es raͤchen. 9. Doch wer kann das Alles zaͤhlen, was Trotz, Unbesonnenheit, Wahn, Stolz, Heuchelei sich waͤhlen, das der Thaten Suͤndlichkeit vor dem Richter nur vermehret, weil es sein Gesetz entehret! 10. Gott! laß mich dies wohl bedenken, und, entfernt von Sicherheit, meines Le⸗ bens Gang so lenken, daß ich mit Behutsamkeit das nur thu', was dem gebuͤhret, der den Christennamen fuͤhret. 11. Laß mir niemals eine Suͤnde klein und unbedeutend seyn! Vater, floͤße deinem Kinde Redlichkeit und Kraͤfte ein, folgsam dem Gesetz zu leben, und nach Tugend nur zu streben. Alle Menschen müssen Groben Gott! er⸗ 0 habnes Wesen, voll segnender Begier, Mel. 83 das, Werke und Wohlthaten Gottes. Menschen sich zum erlesen; ach, was Mensch vor dir? Wenn ich deine Groͤß' erwaͤge, und, was ich bin, uͤberlege: o wie niedrig und wie klein muß ich mir nicht selber seyn? Dienst ist der 2. Ach, es herrscht der Tricb zur Suͤnde maͤchtig oft in dem Gemuͤth, und macht mich zu einem Kinde, das vor seinem Vater flieht. Ach, ich seh' mit Reu' und Schrecken tausend Fehler, tausend Flecken, und in der verderbten Brust regt sich oͤfters boͤse Lust. 3. Was ich Gutes an mir habe, ist von deiner Vater⸗ hand! O! wie manche gute Gabe hast du, Herr, mir zugewandt! Selber auf dem Suͤndenpfade traͤgt mich schonend deine Gnade. Naͤh⸗ mest du zuruͤck, was dein, ach! was wuͤrd' mir üuͤbrig seyn? 4. Doch die Menge deiner Gaben klagt nur meinen Undank an, weil ich sie oft ganz vergraben, oder damit groß gethan; oft voll Leicht⸗ sinn sie verschwendet und zu Suͤnden angewendet. O! wie haͤuft sie meine Schuld durch Verachtung deiner Huld! 5. Sieh', hier lieg' ich in dem Staube tief vor dir, mein Gott, gebuͤckt! Doch mein demutho voller Glaube, der der auf meinen Heiland blickt, hofft auf deine Va⸗ terguͤte, und mein tief be⸗ schaͤmt Gemuͤthe, das den Muth fast ganz verlor, hebt sich noch zu dir empor. 6. Ja, die Wunder deiner Liebe ziehen ganz mein Herz zu dir. Ach, erhalte selbst die Triebe treuer Dankbar⸗ keit in mir! Vater! laß das schwache Lallen meines Lobes dir gefallen! Bilde mich, dein Eigenthum, ganz zu deines Namens Ruhm. 7. Meine Kraͤfte, meine Glieder sind zu deinem Dienst bereit! Herr! ich falle vor dir nieder, voller Ehrerbietigkeit. Was du willst, zu thun und leiden, dies gelob' ich dir mit Freu⸗ den. Gott und Herr der ganzen Welt, thu' mit mir, was dir gefallt! Folgen der Sünde. Mel. Jesus, meine Zuversicht 84 S wie sanft ist, Herr, dein Joch! o wie leicht dein guter Wille! Oft gedenkt die Seele noch jener Ruhe, jener Stille, die in reinen Herzen wohnt, und den Fleiß der Tugend lohnt. 2. Aber, ach! ist er ent⸗ flohn, des Gewissens sanfter Friede; dann wird Qual der Suͤnde Lohn, und ihr Erli sung. 59 Dienst macht krank und muͤde. Keine wahre Freude bluͤht, wo des Herzens Un⸗ schuld flieht. 3. Druͤckend ist des Lasters Joch, schwer der Suͤnden harte Bande, und ihr Sklave waͤhlt sie doch, taumelt an des Abgrunds Rande, duͤnkt sich gluͤcklich, groß und frei bei der tiefsten Sklaverei. 4. In der ungestuͤmen Brust weilet keine Freude lange. Unmuth folgt auf Suͤndenlust; angstvoll bebt sein Herz und bange, sucht vergebens Fried und Ruh', und eilt neuen Lastern zu. 5. Unter schuldlos frohen Reihen wandelt er mit truͤ⸗ bem Blicke, will und kann nicht froͤhlich seyn, wuͤnscht vergangne Zeit zuruͤcke, wird, das Herz voll Groll und Neid, Störer ihrer Fröhlichkeit. 6. Gottes schoͤn ge⸗ schmuͤckte Welt ist umsonst fuͤr ihn geschmuͤcket; Blu⸗ menau und Saatenfeld, was den Tugendfreund entzuͤk⸗ ket, dem sein Herz entge⸗ gen wallt, laͤßt die stumpfe Seele kalt. 7. Herr, dein heiliges Ge⸗ richt trifft die Suͤnder, die dich hassen, die Veraͤchter ihrer Pflicht! Herr, ich will dich nie verlassen; steh' mir in Versuchung bei, und er⸗ halte selbst mich treu. C 6 7 el 60 Werke und Mel. Auf, Christenmensch 85 W Suͤnde thut, der liebt nur Wahn, nur Träume, die ihn truͤgen. Er wandelt auf des Irrthums Bahn, und lernt sich selbst beluͤgen. O! hüf mir, Gott, daß ich dir treu, und fern vom Selbst⸗ betruge sei! 2. Wer Suͤnde thut, der unterdruͤckt und schwͤͤcht die Seelenkraͤfte, wird frech und blind und ungeschickt zum Heiligungsgeschaͤfte. O Va⸗ ter, gib, daß nie mein Geist sich seine Wuͤrde selbst ent⸗ reißt. 3. Wer Suͤnde thut, der haßt das Licht, das Gott uns hat ent zuͤndet; er kennt die wahre Weisheit nicht, die uns mit ihm verbindet. O lehre, Gott, mich weise seyn und stets den Reiz zur Suͤnde scheu' n! 4. Wer Suͤnde thut, der tretzt dem Herrn, durch den wir sind und leben; er bleibt von jenem Reiche fern, nach dem die Frommen streben. Wie thoͤricht und wie un⸗ dankbar! Entreiße, Gott, 5 der Gefahr! Wer Sünde thut, ach! ber entzieht sich stolz dem Ruf der Gnade. Ver⸗ kehrt, verstockt wird sein Gemuͤth, und tief sein Seelenschade. O welch' ein frevelhafter Sinn, wenn Wohlthaten Gottes ich dir, sam bin! 6. Wer Suͤnde thut, ver⸗ wirft das Wort, das Heil und Frieden stiftet; er eilet auf dem Pfade fort, wo sich sein Herz vergiftet, wo sein Gewissen einst ihn nagt, und laut ihn, Herr, vor dir verklagt. 7. Wer Suͤnde thut, sieht schreckenvoll die letzte Stun⸗ de kommen; die Hoffnung, die ihn troͤsten soll, ist sei⸗ nem Geist benommen. Er liebte Gott und Jesum nicht; nun droh'n ihm Tod und Weltgericht. 8. So taͤuscht die Suͤnde ihren Freund! So lohnt sie schon auf Erden! Ach, wann Gott, nicht folg⸗ die Ewigkeit erscheint, ach, wie wirds dann ihm wer⸗ den 2 Viel Gutes, Wr ist mir! verlieh nz o lehre mich auch Suͤnden flieh'n! Mel liebster Jesu 22 Maos ist wohl Noth 36 und Eiend auf der Erde, das nicht geboren werde? wandeln sich nicht Thorheit Freuden Leiden? 2. O waͤren wir vom Juͤngling bis zum Greise dir, Gott, gehorsam, immer gut und weise; was 5 wir mit freudigem Gewisser fuͤr Gluͤck genießen! Ver⸗ stets der in bittre Erlösung. 61 3. Erhoͤhet wuͤrde jede Lust auf Erden, und jede Buͤrde uns erleichtert wer⸗ den, wenn unser Herz den Lockungen der Suͤnde stets widerstüͤnde! 4. Doch, ach, sie herrscht, um Alles zu zerruͤtten, er⸗ schuͤttert Thronen und ver⸗ wuͤstet Huͤtten, truͤbt jeden Segensqucll, droht unsern Tagen mit harten Plagen. 5. Wann koͤnnen Suͤnder froh zum Himmel schauen, an dich, Herr, denken ohne Furcht und Grauen? an Tod und Grab und an der Zukunft Leben, und nicht erbeben? 6. Die Lust zum Boͤsen fesselt sie und wuͤthet; sie leiden selbst durch das, was sie gebietet; sie bahnen sich den Weg durch ihre Freuden zu Gram und Leiden. 7. O du, zu dem wir fromm die Haͤnde falten, gib, daß wir fest uns an die Tugend halten, und, sie⸗ gend in Versuchung, uns zum Leben in Gott erheben! Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 87 G wie schreck⸗ lich sind Ver⸗ brechen, weil sie, kaum voll⸗ endet, sich selbst verfolgen, furchtbar raͤchen, Richter! dein Gesetz und dich! Ach! dem Laster folgt Verderben, Armuth, Schmach und fruͤ⸗ hes Sterben! 2. Und wie quaͤlt den sein Gewissen, der verworfne Tha⸗ ten uͤbt! Kann er jenes Trosts genießen, den nur reine Tugend gibt? Kann er, ohne zu erbeben, denken an ein kuͤnftig Leben? 3. Nur Ein Fehltritt auf den Wegen, die wir wan⸗ deln sollen, Gott! was ver⸗ nichtet der fuͤr Segen, wie versenkt oft der in Noth! Ach! was muͤssen wir oft leiden, blos fuͤr Einer Thor⸗ heit Freuden? 4. Starke, Gott! verfol⸗ gen Schwache; Schwache Schwaͤch're! Geiz und Neid, Menschenhaß und Durst nach Rache, Wollust, Stolz und Ueppigkeit: wie erfuͤllen die mit Plagen deine Welt, mit welchen Klagen! 5. Wie die Arglist Frevel bruͤtet! Wie Gewalt und Tyrannei, gleich der Pest im Mittag, wuͤthet! Wie im Finstern Heuchelei trachtet, uͤber alle Zeiten Fluch und Jammer zu verbreiten! 6. Und wir Suͤnder koͤnn⸗ ten waͤhnen, Gottes heiliges Gericht strafe keines Elends Thraͤnen, acht' auf unser La⸗ ster nicht? der Gerechte, der Verbrecher gelt' ihm gleich; es sei kein Raͤcher? 7. Waͤren wir nur gut und weise, deinem Willen unterthan; gingen Juͤng⸗ linge und Greise immer auf C 7 der ö ö ö 62 Werke und der Tugendbahn: o wie stroͤmte Heil und Segen Jeg⸗ lichem von dir entgegen! 8. Wuͤrde nicht, wenn schon auf Erden keiner je der Noth entgeht, jede Last erleichtert werden, jede wahre Lust erhoͤht, wenn den Lok⸗ kungen der Suͤnde unser Herz stets widerstuͤnde? 9. Ich erschrecke, Herr, ich bebe, daß mein Herz so oft vergißt, daß, wenn ich nicht heilig lebe, eitel meine Hoffnung ist: selig dort, und schon auf Erden ruhig und getrost zu werden. 10. Laß des Lasters bittre Fruͤchte mir stets in Gedan⸗ ken seyn, mich nie zweifeln am Gerichte, auch den klein⸗ sten Fehltritt scheu'n! Staͤr⸗ ke mich, daß ich die Suͤnde immer glorreich uͤberwinde! Mel. Wie groß ist des Allmächt'. 88 Ab. welch ein Kampf in mei⸗ ner Seele, welch' steter Wi⸗ derspruch in mir! Mein Geist will, daß ich Gutes waͤhle, er sehnt sich, Gott! so heiß nach dir; allein das Fleisch verfuͤhrt den Willen, macht ihn den Sinnen un⸗ terthan, strebt, ihre Luͤstern⸗ heit zu stillen, und schmiegt sich, ach! den Suͤnden an. 2. Ein doppeltes Gesetz regieret mein Wesen; o wie raͤthselhaft! Wenn mich der Wohlthaten Gottes. Wahrheit Strahl beruͤhret, dann schmeck' ich Frieden, fuͤhle Kraft; doch schnell ent⸗ zieht ein Todes schatten mir dieses himmlisch reine Licht, ich muß im halben Lauf er⸗ matten, ich will, doch ich vollbringe nicht. 3. Der gute Vorsatz, den ich fasse, er bleibt ein Traum der Phantasie; ich thu' das Boͤse, das ich hasse, und scheue oft der Tugend Muͤh'. Getrieben, wie ein Schiff vom Winde, dem Mast und Steuerruder brach, reißt sie mich hin, die Macht der Suͤnde; zu spaͤte Thraͤnen folgen nach. 4. Wer loͤst mich von den Sklavenketten? Wer schafft in meinem Innern Ruh'? Wer kann mich vor mir selbst erretten? Nur du, Allmaͤchtiger, nur du! Ein Strahl von deiner Gnade g'nuͤget zur seligsten Gene⸗ sung mir; o send' ihn, daß mein Glaube sieget, und schenke Kraft zur Tugend mir! Von der Erlösung. In eigener Melodie. err, wir singen 89 H deiner Eyre. Er⸗ barm' dich unser, und er⸗ hoͤre, nimm gnaͤdig unser Loblied an! Herr, wir dan⸗ ken voll Entzuͤcken; wo ist ein Erlösung. 3 ein Gott, der so begluͤcken, so lieben und so segnen kann? Der Gott, den wir erhoͤh'n, er, dessen Heil wir seh'n, ist die Liebe; schon vor der Zeit in Ewigkeit war Gott die Liebe, wird sie scyn. 2. um zu dir uns zu er⸗ heben, hauchst du in unsre Brust das Leben und schen⸗ kest uns der Erde Glück. um zu dir uns zu erheben, entziehst du unfrer Brust das Leben, und schenkest uns des Himmels Gluck. Du gibst das Leben, Gott! und fuͤhrst auch durch den Tod uns zum Leben. Du suchst allein, uns zu er⸗ freu'n; daß wir verderben, willst du nicht. 3. Als wir, von der Suͤnde Plagen gequaͤlt, in unserm Elend lagen, und Nacht des Todes uns umfing, fern von deiner Wahrheit Pfade, da war es, Gott, als deine Gnade erbarmend vor uns uͤberging. Da rief dein Vaterblick durch Jesum uns zuruck von der Suͤnde. Aus ihrer Nacht sind wir er⸗ wacht, erwacht, um Gottes Licht zu seh'n. 4. Preiset ihn, ihr Jubel⸗ lieder! der Sohn des Höoch⸗ sten stieg hernieder, ward Mensch und starb der Suͤn⸗ der Tod. Christus hat den Tod bezwungen; ein Sie⸗ geslied werd' ihm gesungen! Uns segnet und begnadigt Gott. Wir sind mit ihm versohnt; ihr Lobgesaͤnge tönt! toͤnt zum Himmel! Herr, Preis sei dir! Einst knieen wir an deinem Thron, und beten an. Mel. Mache dich mein(Geist, bereit nser Gott, der Herr 90 1 der Welt, schaut der Zukunft Zeiten, kann, was ihm zu thun gefallt, lange vorbereiten. Stets zur That wird sein Rath; auf verborgnen Wegen kommt uns Heil entgegen. 2. Jesus ward zum Heil der Welt einer unsrer Bruͤ⸗ der; freudig, wie zum Sieg der Held, kam zu uns er nieder; rang mit Noth, Schmach und Tod, um zu edlerm Leben Menschen zu erheben. 3. Seiner Ankunft frohe Zeit ließ in frühen Jahren Gott mit ihrer Herrlichkeit Voͤlkern offenbaren. Was geschah, fern und nah', wußt' er dann zu lenken, um uns ihn zu schenken. 4. Preiset ihn voll Zuve⸗ sicht, der die Welt regieret! Immer wird, was er ver⸗ spricht, herrlich ausgefuͤhret. Ehret ihn, der erschien, uns zu Gott zu leiten; folget ihm mit Freuden! Mel. 64 Mel. Mein erst Geschäft sei Preis 91 Gans, der uns Leben gibt, wer kann dich ganz durchdenken? Also hat Gott die Welt ge⸗ liebt, uns seinen Sohn zu schenken. 2. Hoch uͤber die Vernunft erhoͤht, umringt mit Finster⸗ nissen, fuͤlst du mein Herz mit Majestaͤt und stillest mein Gewissen. 3. Ich kann der Sonne Wunder nicht, noch ihren Bau ergruͤnden; und doch kann ich der Sonne Licht und ihre Waͤrm' empfinden. 4. So kann ich auch nicht Gottes Rath von Je⸗ su Tod ergruͤnden; allein das Goͤttliche der That, das kann mein Herz em⸗ pfinden. 5. Nimm mir den Trost, daß Jesus Christ nicht meine Schuld getragen, nicht Gott und mein Erloͤser ist: so werd' ich angstvoll zagen. 6. Ist Christi Wort nicht Gottes Sinn; werd' ich stets irren muͤssen, und, wer Gott ist, und was ich bin und werden soll, nicht wissen. 7. Nein, diesen Trost der Christenheit soll mir kein Zweifel rauben; ich fuͤhle seine Goͤttlichkeit und halte fest am Glauben. 8. Des Sohnes Gottes Eigenthum, durch ihn des Werke und Wohlthaten Gottes. Himmels Erbe; dies bin ich, und das ist mein Ruhm, auf den ich leb' und sterbe. 9. Du gibst mir dei⸗ nen Geist, das Pfand, im Glauben mich zu staͤrken, und bildest mich durch deine Hand zu allen guten Wer⸗ ken. 10. So lang ich deinen Willen gern mit reinem Herzen thue; so fuͤhl' ich eine Kraft des Herrn, und schmecke Fried' und Ruhe. 11. und wenn mich meine Sünde kraͤnkt, und ich zum Kreuze trete; so weiß ich, daß er mein gedenkt und thut, warum ich bete. 12. Ich weiß, daß mein Erloͤser lebt und mich einst aus der Erde erweckt und zu dem Reich erhebt, da ich dich schauen werde. 13. Erfuͤll' mein Herz mit Dankbarkeit, so oft ich dich nur nenne; und hilf, daß ich dich allezeit treu vor der Wel bekenne. 14. Soll ich dereinst auch vuͤrdig seyn, fuͤr deinen Ruhm zu leiden; so laß mich keine Schmach und Pein von deiner Liebe scheiden. 15. Hat Gott uns seinen Sohn geschenkt, laß mich noch sterbend denken, wie sollt' uns der, der ihn ge⸗ schenkt, mit ihm nicht Alles schenken! Erlösung. Mel. Schwing' dich auf zu 92 Ken mit Dank vor Gottes Thron! Preiset Gott auf Erden! Denn er sandte seinen Sohn, unser Heil zu werden. Ehret, preist ihn, der da kam, daß wir selig wuͤrden! Er ward Mensch, und uͤbernahm schwe⸗ rer Leiden Buͤrden. 2. Treu vollbracht' er seine Zeit. Seines Vaters Ehre, Wahrheit und Gerechtigkeit war des Heil gen Lehre; Menschen troͤsten und er⸗ freu'n immer sein Bestreben; und um Aller Heil zu seyn ließ er selbst sein Leben. 3. Nun als Herr, von Gott erhoͤht, nach vollbrach⸗ tem Werke, herrschet er voll Majestaͤt, und mit Gnad' und Staͤrke, sammelt All' uns in sein Reich, die wir darnach streben. Fromme sollen, Engeln gleich, mit ihm ewig leben. 4. Ehrfurcht und Gehor⸗ sam soll ihm der Mensch bezeigen, Aller Knie sich de⸗ muthsvoll vor dem Mittler beugen, freudig jede Nation es mit Dank bekennen: Er sei Gottes hoͤchster Sohn, unser Herr zu nennen. 5. Wer ihn ehret, ehrt zugleich Gott, durch den wir leben; denn der Tugend hei⸗ lig Reich ist ihm uͤbergeben. Wer zu Jesu: Herr, Herr! spricht, und doch Boses uͤbet, 65 kennt ihn und den Vater nicht, der nur Fromme liebet. 6. Laßt uns, Christen, laßt uns ihn reines Herzens lieben, auch die kleinste Suͤn⸗ de fliehn, jede Tugend üuͤben, eifrig thun, was er gebeut, auf sein Vorbild sehen, und wie er, mit Freudigkeit auch durch Leiden gehen. 7. Koͤnnen wir: Es ist vollbracht! froh, wie er, einst sprechen, o dann schreckt uns nicht die Nacht, wann die Augen brechen. Sicher wird uns seine Hand zu den Seligkeiten seines Reiches, in das Land der Verklaͤrten leiten. Mel. Vom Himmel hoch, da 93 A* freue dich, mein Geist in mir, und preise deinen Gott, der dir selbst seinen Sohn zum Hel⸗ fer gibt; preis' ihn, daß er so sehr dich liebt! 2. Er, den dir Gott zum Heil gesandt, er machte dir den Trost bekannt, wie innig seine Vatertreu', wie werth ihm deine Wohlfahrt sei. 3. Durch ihn hat er die sichre Bahn zur Seligkeit dir kund gethan; durch ihn hat er dir Muth und Kraft, auf dieser Bahn zu gehn, verschafft. 4. Vergiß, vergiß zu kei⸗ ner Zeit die Große seiner Guͤ⸗ 66 Guͤtigkeit; denk' oft und stets mit Freuden dran, und bete Gott in Demuth an. 5. Aus Gegenlieb' und Dankbarkeit sei ihm dein ganzes Herz geweiht, dein Herz, das ihm ganz zuge⸗ hoͤrt und selig ist, wenn es ihn ehrt. 6. Dem, den er dir zum Helfer gab, dem folge red⸗ lich bis ins Grab; folg' ihm und wende dankbar an, was er zu deinem Heil gethan. 7. Erwecke dich dadurch zum Fleiß der Heiligung: das ist der Preis, den aͤchte Dankbarkeit dem gibt, der dich so goͤttlich groß geliebt. 8. In diesem Preise uͤbe dich, mein Geist, so hilft er sicherlich dir zu dem Gluck, das Gottes Rath durch ihn der Welt bereitet hat. Mel. 9Pimm unsre Dank⸗ 94 N gefuͤhle an, die wir dir, Vater, weihen; durch Jesum zeigtest du die Bahn der Tugend uns von Neuem. Ja, ewig, ewig Dank sei dir; belehrt durch Jesum, koͤnnen wir uns un⸗ srer Wuͤrde freuen. 2. Sonst sah'n mit Furcht im Angesicht auf Graͤber unsre Bruͤder; doch bald erschien ein neues Licht dem bangen Herzen wieder. Des Menschen Geist Allein Gott in der Höh unischließt Werke und Wohlthaten Gottes. kein Grab, nur seine Huͤlle sinkt hinab: dies lehrte Je⸗ sus glauben. 3. Mit edler Waͤrme lehrte er als erste Pflicht die Liebe, und jedes Gute im⸗ mer mehr zu thun aus rei⸗ nem Triebe. Er selbst, er gab sein Leben hin, aus edlem, reinem Tugendsinn, zum Besten fuͤr die Bruͤder. 4. Auf, Christen, ehrt ihn Lebenslang durch reine Tu⸗ gendliebe! O, daß ihm Kei⸗ ner diesen Dank, kein Christ ihm schuldig bliebe! Wir sind erloͤset: Dank sei dir, o Vater! Moͤchten alle wir frei von der Suͤnde leben. Mel. Sei Lob und Ehr' dem A*, Christen, laßt 95 uns unsern Gott mit frohem Dank erheben! Er hat nicht Lust an unserm Tod, will, daß wir ewig leben. Was uns zum Heile noͤthig ist, das hat er uns durch Jesum Christ erbar⸗ mungsvoll bereitet. 2. Nach seinem gnaden⸗ vollen Rath kam er, sein Sohn, auf Erden, von uns⸗ rer Schuld und Missethat ein Retter uns zu werden. Er ward's und hat sein Werk vollbracht, und sich, nach kurzer Grabesnacht, gen Himmel aufgeschwun⸗ en. 3. Wo ist des Todes Herr⸗ schaft Erlösung. 67 schaft nun? Hier ist sein Ue⸗ berwinder; die Furcht davor hinweg zu thun, starb er, das Heil der Suͤnder. Ge⸗ brochen ist uns nun die Bahn, die von der Erd' uns himmelan zur ew'gen Wonne leitet. 4. Wie hat uns doch der Herr so lieb! Wie sucht er unser Bestes! Er gibt fuͤr uns aus freiem Trieb sein Liebstes und sein Größtes! Preis ihm, der so viel an uns thut! Preis stinem Sohn, der uns zu Gut, sich bis zum Tod erniedrigt! 5. Was er zu unserm Gluͤck verschafft, das ist in seinen Haͤnden; sein ist das Reich, sein ist die Kraft, das Heil uns zuzuwenden, das er so liebreich uns er⸗ warb, als er fuͤr uns am Kreuze starb. Wohl Allen, die ihm trauen. 6. O laßt uns ihm uns anvertrau'n, und seine Stim⸗ me hoͤren, auf seine Mitt⸗ lershuͤlfe baun, ihn mit Ge⸗ horsam ehren! Das ist der Weg zum ew'gen Wohl, der Weg, auf dem man frieden⸗ voll auch schon auf Erden wandelt. 7. Herr, leite selbst uns diesen Pfad, zeuch uns zu deinem Sohne, daß Glaub' an ihn auch mit der That in unsern Herzen wohne: so ha⸗ ben wir an seinem Heil, zur Freude fuͤr uns, ewig Theil; so preisen wir dich ewig. Mel. Schon ist der Tag von G. 2 un laßt uns Alle 96 N froͤhlich seyn, daß Gott uns Jesum sandte! Laßt uns des Gottes hoch erfreun, den Jesus Vater nannte; der Alles schuf und liebt und naͤhrt, der alle seine Kinder lehrt, und alle gut erziehet. 2. Zur Reife der Voll⸗ kommenheit, die schon hie⸗ nieden keimet, erzieht er Alle weit und breit; nicht Einer ist versaͤumet. O wohl mir, ich bin Gottes Kind! O wohl mir, alle Men⸗ schen sind des hoͤchsten Va⸗ ters Kinder! 3. Er schaut auf alle mild herab, fuͤhrt auf verschiednen Wegen uns Alle uͤber Tod und Grab zu hoͤherm Licht und Segen. Der Gott, den jede Sprache nennt, der Gott, den Niemand ganz verkennt, hat Jesum uns gegeben. 4. Vertrauensvoll auf Gott zu sehn, der mit Ver⸗ nunft uns zieret, und kind⸗ lich fromm den Weg zu gehn, der uns zum Ziele fuͤhret, der Menschheit hohen Zweck und Werth hat Jesus Christus uns gelehrt: Gott sei dafuͤr gepriesen! 5. Wie Wahrheit nie. dem Trug erliegt; wie Pflicht und 9 9 0 0 N 68 und Weisheit handelt; wie Tugend uber Alles siegt, und fest zum Ziele wandelt, auch wenn ihr Hohn und Marter droht, verkuͤndigt Jesu Lehr' und Tod: Gott sei dafuͤr gepriesen! 6. Wir zagen nicht; was kann uns je des Vaters Lie⸗ be nehmen? Fuͤr Armuth, Sorgen, Schmach und Weh, fuͤr Krankheit, Schmerz und Graͤmen, und fuͤr den schwe⸗ ren Schritt ans Grab beut Jesus einen festen Stab: Gott sei dafuͤr gepriesen! 7. O guter Gott, wir zagen nicht; du wirst zum hoͤhern Leben, wirst zu des Himmels reinstem Licht einst unsern Geist erheben. Wohl uns! Die Lehre Jesu beut uns Hoffnung der Unsterb⸗ lichkeit: sei hoch dafuͤr ge⸗ priesen! Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren 97(Erhebt den Herrn, ihr Frommen! Er haͤlt, was er verspricht. Der Heiland ist gekommen, der Voͤlker Trost und Licht. Gott, der uns nicht verstoͤßt, hat uns zum Heil und Leben selbst seinen Sohn gegeben; durch ihn sind wir erlöͤst. 2. Erloͤst! o welche Liebe hat uns der Herr erzeigt; mit welchem Vatertriebe sein Herz zu uns geneigt! Von seines Himmels Thron Werke und Wohlthaten Gottes. kommt, Rettung vom Verder⸗ ben uns Suͤndern zu er⸗ werben, sein hocherhabner Sohn. 3. Er kam zu uns auf Erden in tiefer Niedrigkeit, nahm auf sich die Beschwer⸗ den von unsrer Pilgerzeit, enthielt sich seiner Macht, verlaͤugnet Himmelsfreuden, bis er durch Todesleiden sein großes Werk vollbracht. 4. Er hat's vollbracht! O bringet Gott euern Lobge⸗ sang! Erloͤste Menschen, sin⸗ get dem Mittler ewig Dank! Wo Niemand helfen kann, da hilft er gern aus Gnaden, heilt unsrer Seele Schaden. O nehmt ihn glaͤubig an! 5. Du Freund der Men⸗ schenkinder, verwirf uns, Jesu, nicht! Dein Name, Heil der Suͤnder, ist unsre Zuversicht! Drum kommen wir zu dir. Hilf jeden Reiz zu Suͤnden uns gluͤcklich uͤberwinden, denn dein, o Herr, sind wir. 6. Bei dir steht unser Le⸗ ben. Zu unserm ew'gen Heil hast du dich hingegeben. Gib uns am Himmel Theil! Laß uns dir folgsam seyn? Was wird uns, Herr, dann fehlen? Dann werden unsre Seelen sich Gottes ewig freu'n. 98 tel. Herzliebster Jesu Gau der du fuͤr uns deinen Sohn ge⸗ Erloͤsung. 69 gegeben; o wer kann genug: sam deine Huld erheben? Wie herrlich zeigst du im Erloͤsungswerke der Gnade Staͤrke! 2. Dein ew'ger Sohn stirbt fuͤr die Menschenkin⸗ der; der Heiligste tritt an die Statt der Suͤnder; der Seligste begibt sich seiner Freuden, fuͤr uns zu leiden. 3. Er wird das Lamm, das Aller Suͤnden traͤget, d' rauf du die Strafe weislich selbst geleget: daß du die Schuld an den verlornen Schaafen nicht duͤrftest strafen. 4. Was ist der Mensch, daß du sein so gedenkest, und deinen Sohn ihm zum Ver⸗ soͤhner schenkest? Was fin⸗ dest du an mir und an uns Allen fuͤr Wohlgefallen? 5. Verdient Verachtung goͤttlicher Gesetze, verdient Verschwendung unschaͤtzbarer Schaͤtze, verdient gehaͤufte groͤbliche Verschuldung so viele Duldung? 6. O welche Tiefe deiner Menschenliebe! Wer faßt, o Gott, die Groͤße ihrer Triebe? Du thust weit mehr zu unserm Wohlergehen, als wir verstehen. 7. Ach! lehre mich recht deine Huld erkennen, voll Zuversicht dich meinen Vater nennen, und zum Gehorsam dir mein ganzes Leben willig ergeben. 8. Was mir dein Sohn, da er fuͤr mich gestorben, von deiner Huld durch seinen Tod erworben, das werde mir, zu meinem ew' gen Heile, nun auch zu Theile! 9. Dein Friede wohne steis in meinem Herzen, und troͤste mich bei des Ge⸗ wissens Schmerzen; dein Geist sei mit mir, deinen guten Willen treu zu er⸗ fuͤllen. In eigener Melodie. 99 Heer: den uns 2 Gott verhieß, den der Himmel jauchzend pries, als du, Sterblichen zum Dienst, huldreich auf der Erd' erschienst. 2 Wie dein Nam', ist auch dein Ruhm. Jesu, wir, dein Eigenthum, ehren dank⸗ voll und erfreut deine große Guͤtigkeit. 3. Du, deß Hand die Himmel haͤlt, du kamst wil⸗ lig in die Welt, uns von Sünden zu befrein, unser Licht und Trost zu seyn. 4. Stark in deines Va⸗ ters Kraft, hast du Leben uns verschafft. Wir, von Rath und Huͤlf entblößt, sind, o Herr, durch dich erloͤst. 5. Preis sei dir in Ewig⸗ keit! Auf! die ihr erloset seid, ruͤhmt den, der mit Lehr“ und That euch vom Tod erloͤset hat! 6. Der 6. Der du liebreich zu uns kamst, unsre Rettung uͤber⸗ nahmst, dein uns theu'r er⸗ worbnes Heil sei auf ewig unser Theil. 7. Unsre Seele trau' auf dich, unser Leben preise dich; und du selber, Heil der Welt, hilf uns thun, was dir ge⸗ faͤllt! In eigener Melodie. 100 Men Gent the, schau' ich, G voll Dankbegier, in die Tiefen deiner Guͤte, und verliere mich in ihr. O wie groß ist deine Huld! Unsre ganze Suͤndenschuld willst du uns so gern vergeben; denn du hast nur Lust am Leben. 2. Ich verehre, Gott voll Liebe, deiner Gnade weisen Rath, die aus eignem freien Triebe, unsrer sich erbarmet hat. uns Verlornen dach⸗ test du Rettung vom Ver⸗ derben zu, und dies Heil uns zu erwerben, sollte dein Ge⸗ liebter sterben. 3. O ein Rathschluß voll Erbarmen, voller Huld und Freundlichkeit, der uns, uns verlassnen Armen, Gnad' und reichen Trost verleiht! O wie hast du uns geliebt, daß dein Sohn sich fuͤr uns gibt, die verscherzten Selig⸗ keiten wiederum uns zu be⸗ reiten. und Wohlthaten Gottes. 4. Ja, du zeigst aus wei⸗ ser Liebe uns zur Gnade selbst die Bahn, fuͤhrst durch deines Geistes Triebe uns zu Buß' und Glauben an. Wer nicht in der Suͤnde bleibt, standhaft an den Mittler glaͤubt, soll befreit von dem Verderben, Him⸗ melsseligkeiten erben. 5. Du bestimmtest zum Verderben auch nicht Einen; deine Huld hilft auch Suͤn⸗ dern. Wenn sie sterben, ster⸗ ben sie aus eigner Schuld. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, den trifft seines Fre⸗ vels Lohn; sein beharrlich Widerstreben raubt ihm Gna⸗ de, Heil und Leben. 6. Ewig sei mit Dank besungen, was dein Rath beschlossen hat. Mit un preisen Engelzungen diesen weisen, heil'gen Rath, den der Glaub' in Demuth ehrt, die Vernunft erstaunend hoͤrt, wo der Engel Tiefen findet, die er niemals ganz ergruͤndet. 7. Vater, hilf mir dar⸗ nach streben, meines Heils gewiß zu seyn. Richte du mein ganzes Leben nur nach deinem Willen ein. Laß des Glaubens Frucht und Kraft, die dein Geist nur in uns schafft, mir das sichre Zeug⸗ niß geben, ich sei auf dem Weg zum Leben. 8. Ueberzeugt von deiner Gna⸗ Gnade, und gewiß, dich einst zu seh'n, will ich selbst des Todes Pfade ohne Grau'n und muthig geh'n. Hab' ich deine Gnade nur; so wird keine Kreatur mich von deiner Liebe trennen, mich dir Nichts entreißen koͤnnen. Bürde des Erlösers. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren 101 De kamst herab zum Staube, herab von deinem Thron; in dir erblickt mein Glaube des ew'gen Vaters Sohn. Glanz seiner Herrlichkeit! Wer kann dich g'nug erhe⸗ ben? Du schenkst uns neues Leben und Herzensfreudig⸗ keit. 2. Wer reicht an deine Groͤße? Im weiten Schoͤ⸗ pfungsreich fuͤhlt Jeder seine Bloͤße, fuͤhlt Keiner dir sich gleich. Du warst, eh' Meer und Land, eh' Sonne, Mond und Erde durch jenes Macht⸗ wort: Werde! hervorging und entstand. 3. Der hoͤchste Seraph beuget sich demuthsvoll vor dir, verhuͤllt sein Antlitz, schweiget, bewundert dich, wie wir; und deiner Hoheit Glanz, wagt er's, sie zu er⸗ gruͤnden, wird er zu blen⸗ dend finden: auch er schaut nie sie ganz. Erlösung. 4. Du hast durch deine Lehren des Irrthums Nacht zerstreut. Wenn wir sie folg⸗ sam hoͤren, wird unser Herz erfreut. Es lernt mit Kraft und Muth nach wahrer Tu⸗ gend streben, lernt fuͤr die Zukunft leben, gewinnt das hoͤchste Gut. 5. Um unser Heil zu gruͤn⸗ den, nahmst du so bruͤder⸗ lich den Sold der schwersten Suͤnden, des Kreuzes Last auf dich. Du tilgtest fremde Schuld, ertrugest Haß und Bande, und starbst bei Qual und Schande mit göttlicher Geduld. 6. Doch, Herr, im Siegs⸗ gepraͤnge kommst du zur Welt zuruͤck. Dann steht der Volker Menge vor dei⸗ nem Richterblick. O welche Angst und Pein verfolget dann den Suͤnderl Und Gottes fromme Kinder, wie wirst du sie erfreu'n! 7. Dich, Heiland, zu ver⸗ ehren, sei stets mir theure Pflicht! Befolg' ich deine Lehren, so seh' ich einst dein Licht. Du bist, was Keiner war, im Himmel und auf Erden, was auch nicht En⸗ gel werden; du bleibst es immerdar. Mel. Kommt, kommt den Herrn 102 N ein Heiland, deine Groͤße geht uͤber alle Himmel weit. Wer Wer ist, der sie ermesse? Du warst bei Gott in Ewigkeit. Du bist der Erstgeborne vor aller Kreatur, kamst zwar fuͤr uns Verlorne in mensch⸗ licher Natur; doch in der Menschheit Orden tratst du erst in der Zeit; eh' noch die Welt geworden, warst du voll Herrlichkeit. 2. Der Himmel und die Erde sind durch dein kraͤft'⸗ ges Wort gemacht. Auf dein allmaͤchtig: Werde! ent⸗ stand die Welt mit ihrer Pracht. Du bist auch unser Meister; auch uns schuf deine Hand, so wie das Heer der Geister, das dich noch nie erkannt. Ein Erbe uͤber Alles! Das ist dein ew'ger Ruhm; drum jammert dich des Falles von deinem Ei⸗ genthum. 3. Du traͤgest alle Dinge durch deiner Allmacht star⸗ kes Wort. Das Große und Geringe geht bloß durch deinen Willen fort. Sohn Gottes, du regierest den ganzen Kreis der Welt; weil du das Ruder fuͤhrest, geschieht, was dir gefallt Bei dir steht Tod und Leben, drum wird einst jene Gruft die Todten wieder geben, wann deine Stimme ruft. 4. Gott laͤßt dir Ehr' er⸗ zeigen, die keinem Andern widerfaͤhrt. Dir soll sich Alles beugen; denn goͤttlich Werke und Wohlthaten Gottes. groß ist, Herr, dein Werth. Du bist das Heil der Er⸗ den. Wer auf dein Wort nicht hoͤrt, der kann nicht selig werden; wer aber dich verehrt, dem hilfst du vom Verderben, schaffst ihm Zu⸗ friedenheit, und machst ihn einst zum Erben vollkomm⸗ ner Seligkeit. 5. Wie herrlich ist dein Name schon jetzt, o Herr, in aller Welt! Dich prcist der Frommen Saame, der glaͤubig dir zu Fuße faͤllt. Dich preisen Seraphinen, erhabner Menschensohn! Mit Freuden dir zu dienen, steh'n sie vor deinem Thron. Wer sollte dein sich schaͤmen? Werth bist du, Preis und Ruhm auch, Herr, von uns zu nehmen, uns, deinem Eigenthum. 6. Sohn Gottes, ich ver⸗ ehre und bete dich in De⸗ muth an; beschaͤme und be⸗ kehre die, die dir noch nicht zugethan, die deinem Wort nicht glauben, und dir, der fuͤr sie litt, die schuld'ge Ehre rauben. Theil' ihnen Gnade mit, dich glaͤubig zu erkennen; laß Nichts, die dich erkannt, von deiner Liebe trennen. Dein Ruhm fuͤll' jedes Land! Mel. Mein ganzer Geist 5 5, 7. 103 WV ae dein Erlösung. 73 dein Nam', o Heiland, Jesu Christ! Wie theuer deinem Volke! Welch Licht ging in der Finsterniß mit dir der Welt auf! Wie zerriß, wie floh des Irrthums Wolke! Als du kamest, hörten Tau⸗ be, und der Glaube half den Kranken, Stumme san⸗ gen, dir zu danken. 2. Nur Schwache wa⸗ ren's, die dein Licht ver⸗ breiteten, die Weisen nicht. Wo sind sie? wo die Ho⸗ hen? und wo die Reichen? Wo die Macht, vor der des Götzendienstes Nacht und seine Schatten flohen? Macht nicht, List nicht, deine Gaben, Mittler, haben dich verkläret, uns den Weg zu Gott gelehret. 3. Wir werden deinen Ruhm erhöh'n; wir werden deinen Himmel seh'n, den Preis von deinen Leiden; genießen, was du uns er⸗ warbst, da du für uns am Kreuze starbst, der Engel hohe Freuden. Welche Gna⸗ de, daß wir Sünder Got⸗ tes Kinder werden sollen, wenn wir an dich glauben wollen. 4. Du hast dich deiner Herrlichkeit entäußert eine kurze Zeit, für uns von Gott verlassen. Und nun mit Ehr' und Ruhm gekrönt, nun machst du selig, die, ver⸗ söhnt, der Sünden Gräuel hassen. Ihnen willst du Heil und Leben gerne geben, und uns Allen helfen, daß wir Gott gefallen. 5. Vom Aufgang bis zum Untergang erschallet dir der Lobgesang erretteter Gerechten. Unzählbar sind die Schaaren schon, die gerne dir vor deinem Thron ein würdig Loblied brächten. Ihrer mehr noch, Jesu, wer⸗ den schon auf Erden dir lob⸗ fingen, Preis und Dank und Ruhm dir bringen. 6. Wie groß, wie ange⸗ betet ist dein Nam', o Hei⸗ land, Jesu Christ! wie herr⸗ lich bei den Deinen! Führst du uns einst zu deiner Ruh': o wie weit herrlicher wirst du den Frommen dann er⸗ scheinen! Ewig müsse, dir zur Ehre, ihrer Chöre Lob erschallen, durch die Him⸗ mel widerhallen! Dankbares Andenken an die Sendung Jesu. (Adventslieder.) Mel. Jesu, komm doch selbst zu 104 Gott sei Dank in Galler Welt, der sein Wort beständig hält, und der Sünder Trost und Rath zu uns her gesendet hat! 2. Was der frommen Vä⸗ ter Schaar Wunsch und 8 Trost — —— ——— — Trost und Hoffnung war, was sie fern im Dunkeln sah, Heil uns! ist im Lichte da Hi ter ist mehr, als Da⸗ vids Sohn. Unvergänglich ist sein Thron; denn der Tugend Reich il sein, hier und dort uns zu erfreun. 4. Licht der Seelen, ew'⸗ ges Heil ward durch ihn der Welt zu Theil. Menschen⸗ freund, wie dank ich dir; du schenkst dieses Heil auch mir! 5. Deines Segens mich zu freu'n, laß mein Herz dein eigen seyn, mach' es von der Sklaverei jeder Sünde vollig frei. 6. Und wie deine Ankunft war Hülf' und Rettung aus Gefahr: so erscheine 5 auch mir Hülf und Rettung Herr, von dir. 7. Deine Wahrheit leuch⸗ te mir, Herr, bei Allem, was ich hier zur Beförd'rung meiner Ruh', denke, wün⸗ sche, wähle, thu'. 8. Trifft mich Traurig⸗ keit und 1 tröste dann mein zagend Herz! Wenn kein Men sch mir hel⸗ fen kann, so nimm du dich meiner an! 9. Und, o Jesu, wann du inst berrlich zum Gericht erscheinst, laß mich freudig zu dir geh'n und gerecht vor dir besteh n Herzens Grun us meines Mpit Ernst, o 103 9 Menschenkin⸗ der, bereitet euch dem Herrn! Er kommt, das Heil der Sün⸗ der, er rettet sie so gern. Er kommt, den Gott allein aus Gnaden uns zum Leben ver⸗ sprochen hat zu geben; ihr könnt nun selig seyn. 2. Kommt, reinigt eure Seelen, seid heilig, seid be⸗ reit, was ihm gefällt, zu wählen, zu fliehn, was er verbeut! Eilt willig in sein Reich, verabscheut und ver⸗ lasset, was euer König bas⸗ set, vertraut ihm, bessert uch! 3. Das hat der Herr ge⸗ boten, sein Sohn hat's selbst gelehrt; das lehren seine Boten, und selig ist, wer hört! Ach, leben wird, wer gläubt, und wer nicht glaubt wird sterben. Ein Jeder wird verderben, der noch ein Sün⸗ der bleibt. 4. Wer wahre Demuth liebet, den will Gott e erhöhn; wer aber Hochmuth übet, der wird ihn nimmer sehnz wer ihm sein Herz er⸗ Riebt wird gut und selig werden, nicht dort nur, schon — Erden erfahren, wie Gott liebt. 5. Doch was vermag ich Schwacher, ich Sünder, ohne dich? Mein Heil, mein Seligmacher, bereite sel⸗ Erkenntniß Gottes. selber mich! Schon seufzt mein Herz nach dir, es seuf⸗ zet dir entgegen: Komm, komm mit deinem Segen, und wohne stets in mir! Mel. Mein ganzer Geist, Gott . Der Heiland 106 D kommt, lob⸗ singet ihm, dem Herrn, dem alle Seraphim das: Heilig! Heilig! singen. Er kommt, der eingeborne Sohn, und steigt von seines Himmels Thron, der Welt das Heil zu bringen. Preis dir, daß wir vor der Sünde Rettung finden, höchstes Wesen! durch dich werden wir ge⸗ nesen. 2. Willkommen, Friede⸗ fürst und Held, Rath, Va⸗ ter, Kraft und Heil der Welt, willkommen hier auf Erden! Du kleidest dich in Fleisch und Blut, wirst Mensch, und willst, der Welt zu Gut, selbst unser Bruder werden. Ja du, Jesu, reichst die Arme voll Erbarmen uns entgegen, und verwandelst Weh in Segen. 3. Du bringst uns Trost, Zufriedenhett, Heil, Leben, ew'ge Seligkeit! Sei hoch dafür gepriesen! O Herr, wie viel zu schwach sind wir, die Treue zu vergelten dir, die du an uns erwiesen! Von dir, da wir im Verder⸗ ben müßten sterben, kommt 75 das Leben, o was kannst du Größres geben? 4. Wir bringen dir ein dankbar Herz, gebeugt durch Buße, Reu' und Schmerz, bereit vor dir zu wandeln: ja, dir und unserm Näch⸗ sten treu, aufrichtig, ohne Heuchelei, zu denken und zu handeln. Zu dir flehn wir: hilf uns Schwachen, daß wir wachen, beten, ringen, und des Fleisches Lust be⸗ zwingen. 5. Laß uns zu unserm ew'gen Heil an dir im wah⸗ ren Glauben Theil durch deinen Geist erlangen, auch, wenn wir leiden, auf dich sehn, im Guten immer wei⸗ ter gehn, nicht an der Erde hangen, bis wir zu dir mit den Frommen ewig kommen, dich erheben, und in deinem Reiche leben. Mel. Befiehl du deine Wege 107 N die soll ich dich empfangen, Heil aller Sterblichen! Du Freude, du Verlangen der Trostbedürftigen! Gib selbst mir zu erkennen, wie, deiner Güte voll, dich meine Seele nennen, dich würdig prei⸗ sen soll. 2. Einst streute man dir Palmen: jetzt soll die Dank⸗ begier, mein Heil, in Freu⸗ denpsalmen ergießen sich vor dir! Dich, dich will ich D 2 er⸗ 76 erheben, so gut ich Schwa⸗ cher kann, mein Herz will ich dir geben: o nimm es gnädig an! 3. Damit du mich befrei⸗ test, gabst du dich selbst für mich; mich zu erretten, freu⸗ test du, Seligmacher, dich. Du sahest, daß hier Keiner vermögend war dazu: da jammerte dich meiner, da kamst und halfest du! 4. O du, an den ich glau⸗ be, was war's, das dich bewog? Was war's, das dich zum Staube, zu mir hernieder zog? Dein gött⸗ liches Erbarmen. Ja, du, o Jesu, hast mit mitleids⸗ vollen Armen die ganze Welt umfaßt. 5. Das schreibt in eure Herzen, Betrübte! klagt nicht mehr! Zagt nicht in euren Schmerzen, als ob kein Helfer wär'? O sehet auf! Ihr habet den besten Helfer nah, der eure Seele la⸗ bet: der treue Freund ist da. 6. Die ihr mit ernster Reue still eure Schuld be⸗ weint, wißt, daß er euch verzeihe. Er selbst, der Men⸗ schenfreund, ruft heilbegier'⸗ gen Sündern der Gnade Trostwort zu, macht sie zu Gottes Kindern, schafft ih⸗ ren Seelen Ruh'. 7. Er übersiehet Keinen, und weiß, was Jedem nützt. Hat er nicht stets die Sei⸗ Werke und Wohlthaten Gottes. nen von Anbeginn beschützt? Nicht sie in ihrem Leide zu trösten stets gewußt? Er⸗ freun ist seine Freude, und Wohlthun seine Lust. 8. Er macht uns von dem Bande des Tod's auf ewig los, entreißet uns der Schande der Sünd' und macht uns groß, gibt Weis⸗ heit, Muth im Leiden und Kraft zu jeder That, ver⸗ sichert uns die Freuden, die Gott bereitet hat. 9. Er kommt zum Welt⸗ gerichte; der Bösewicht ver⸗ geht, wenn da im hellen Lichte der Tugendfreund besteht. Wohl ewig Allen denen, die seine Wege gehn, und einst mit Freudenthrä⸗ nen zu seiner Rechten stehn! Mel. Gott, der du die Menschen 1082 er du uns das Heil errungen, Mensch geword'ner Gottes⸗ sohn! Ewig sei dir lobgesun⸗ gen, daß du von des Him⸗ mels Thron, uns zu Gut, ins Fleisch gekommen; der du voller Freundlichkeit, längstens schon vor meiner Zeit, dich auch meiner ange⸗ nommen und mein Bru⸗ der worden bist, sei gelobt, Herr Jesu Christ! 2. Sei gelobt! denn dir gehöret Preis und Dank und Ruhm mit Recht. O wie hoch hast du geehret unser sterb⸗ Erlösung. sterbliches Geschlecht! Herr, du hast es seibst vermählet mit der göttlichen Natur, und vor aller Kreatur es zum Wohlthun dir erwäh⸗ let; ja in dir, du Gottes⸗ sohn, herrscht die Menschheit auf dem Thron. 3. Du, du bist der Völker Segen, kamst, von Noth uns zu befrei'n; und wir können deinetwegen jetzt schon Kin⸗ der Gottes seyn. Hat die Sünd' uns gleich verdorben: o so hast du neue Kraft uns zur Heiligung verschafft, und die Tüchtigkeit erworben, einst, von Sünde völlig rein, ähnlich dir, o Herr, zu seyn. 4. Du, du bist der Mitt⸗ ler worden, der die Welt mit Gott versöhnt; hast der schwachen Menschheit Or⸗ den wieder mit dem Recht belehnt, in den Himmel einzugehen, und da Gottes Herrlichkeit, nach vollbrach⸗ ter Prüfungszeit, ewig einst verklärt zu sehen. Fromme! fasset Zuversicht, glaubet fest: nur sündigt nicht. 5. Sollte mich wohl Gott verlassen, wenn ich krank und hülflos bin? Nein, sein Heil wird mich umfassen, trösten den betrübten Sinn. Und da kann mich Nichts anfechten. Er, der meinen Jammer kennt, und mich gnädig Bru⸗ der nennt, sitzt als Herr zu Gottes Rechten, durch ihn 2 bin ich Gott vereint; Gott ist Vater und mein Freund. 6. Herr, wie groß ist deine Güte! Meine Seele freut sich dein. Laß doch stets mein ganz Gemüthe voll von deinem Ruhme seyn! Nimmer will ich dein vergessen; dir will ich mich ganz vertrau'n, freudig fol⸗ gen, auf dich bau'n. Deine Huld ist nicht zu messen: gib, daß ich für deine Treu' dir auf ewig dankbar sei. Mel. Nun danket Alle Gott 109 Er ist gekommen, er, auf den die Väter harrten, und länger dürfen wir nun keines An⸗ dern warten. Sein Lob er⸗ schalle laut in aller Welt um⸗ her! Wer brachte je der Welt mehr Licht und Heil, als er? 2. Gott ist mit uns! wir seh'n den Sohn, den Einge⸗ bornen, des Vaters Eben⸗ bild, den Retter der Verlor⸗ nen, der Reuevollen Trost. Ihr Sünder, nehmt ihn an! Freut des Erlösers euch, der selig machen kann! 3. Gott ist mit uns! nun hört der Arme seine Lehren, und, was er lehrt, ist Heil. Er ist's! die Tauben hören; der Blinde sieht und schaut voll Dank zu Gott hinauf; des Lahmen Füße gehn; die Todten steben auf. 4. Er ist gekommen, uns D 3 dem dem Vater zu versöhnen, und mit der Tugend Kranz die Gläubigen zu krönen. Gott ist mit uns! Er will die Traurigen erfreu'n; er will der Schwachen Kraft, der Müden Stärke seyn. 5. Gott sei gelobt! Er ist's, auf dem die Väter barr⸗ ten. Heil uns! wir dürfen nun nicht eines Andern war⸗ ten. Er schließt den Him⸗ mel auf; er nimmt die Sün⸗ der an. Frohlockt, und betet ihn und seinen Vater an. Geburt Jesu. (Weihnachtslieder.) Mel. Lobet den Herren. 1 10(Ebre sei Gott in der Höhe! der Herr ist geboren, Sündern zum Heiland vom Höchsten aus Gnaden erkoren. Lasset uns sein dankvoll, ihr Chri⸗ ffen, uns freu'n! Ist er nicht uns auch geboren? 2. Schatten und Dunkel bedeckte den Erdkreis; es irrten Völker umher, wie die Heerden, verlassen vom Hirten. Jesus erschien, Nächte verschwanden durch ihn, die auch den Weisen verwirrten. 3. Menschen, berufen, durch Liebe die Gottheit zu ebren, folgten der Zwie⸗ tracht und haßten sich vor den Altären. Jesus er⸗ schien, und es ward Friede durch ihn. Friede! Singt's laut ibm zu Ehren! 4. Unschuld und Tugend entkeimten des Göttlichen Tritten, Troft und Erqui⸗ ckung trug er in der Wei⸗ nenden Hütten, ward ihnen Freund, hatte oft selber ge⸗ weint, selber geduldet, ge⸗ litten. 5. Ehre sei Gott in der Höhe! ein ewiges Lehen hat er durch ihn, seinen Sohn, uns erbarmend gegeben. Bis in das Grab stieg er vom Himmel herab, einft uns zum Himmel zu beben. 6. Selige Hoffnung, einst Jesum, den Retter, zu sehen, und mit den Schaaren der Herrlichen ibn zu erhöhen! Völlig beglückt, sing' ich dann himmlisch entzückt: Ehre sei Gott in der Höhe! In eigener Melodie. 111 Gobt Gott, ihr T Christen, freuet euch! Von seiner Gnade Thron beruft er uns zu sei⸗ nem Reich, und sendet sei⸗ nen Sohn. 2. Er kommt nach seines Vaters Rath, mit Heil uns zu erfreu'n, und auf des ew'gen Lebens Pfad der Welt ein Licht zu seyn. 3. Bei seinem Eintritt in die Welt umgibt ihn keine Pracht, die glänzend in die Au⸗ Erlösung. Augen fällt und groß vor Menschen macht. 4. Er wird dem ärmsten Knechte gleich, begehrt kein Erdenglück, verlangt allbier kein Königreich von einem Augenblick. 5. Er kommt, durch seiner Wahrheit Macht zu Gott uns hinzuziehn. Vor seinem Lichte muß die Nacht des Aberglaubens fliehn. 6. Er lehret uns die Sün⸗ de scheu'n, spricht Muth dem Schwachen zu und schafft uns, wenn wir sie bereu'n, Begnadigung und Ruh'. 7. Er bringt den Trost der bessern Welt vom Himmel uns herab. Nun schreckt, wenn unsre Hülle fällt, uns weder Tod noch Grab. 8. Er öffnet uns dereinst die Thür zu seinem Himmel⸗ reich. Ihr Christen, wie be⸗ glückt sind wir! Lobt Gott und freuet euch! Mel. Allein Gott in der Höb' 11 Qaßt uns mit ebr⸗ 112 ifurchtsvollem den Gott der Lieb' erhöhen, mit feierlichem Lob⸗ gesang des Heilands Fest be⸗ geben! Preis sei dem Va⸗ ter, der ihn gab! Preis sei dem Sohn! Er kam herab, und ward das Heil der Men⸗ schen. 2. If der ein Cbrift, der dieses Heil nicht schätzt und 5 Dank 79 liebgewinnet? Nimm frob an seiner Liebe Theil und werd' ihm gleich gefinnet! Wer nicht, wie er, gefinnet ist, der ehrt ihn nicht, der ist kein Christ. Der Herr erkennt die Seinen! 3. In Dürft'gen laßt uns ihn erfreu'n, bekleiden, spei⸗ sen, tränken! Ja, laßt uns frohe Geber seyn und sein dabei gedenken! Was ihr den Meinen habt gethan, das, spricht er, habt ihr mir gethan; und er, er will's vergelten. 4. Wer ihn mit treuem Herzen ehrt, den wird sein Name trösten. Vertraut auf ibn, von ihm gelehrt, lob⸗ singt ihm, ihr Erlösten! Es freut sich deine Christen⸗ heit, Herr, deiner Menschen⸗ freundlichkeit. Dir, dir sei ewig Ehre! Rel, Mein ganzer Geist, oder Wie schön leucht uns 113 Ofimm' auch du a— mit frohem Dank, mein Geist, in jenen Lobgesang, von dem der Himmel tönte, als er zur Welt bernieder kam und unsre Menschheit an sich nahm, der uns mit Gott versöhnte! Freu' dich innig! Er, dein Führer und Re⸗ gierer, kam auf Erden, Licht und Heil auch dir zu werden. 2. Ja, Preis und Ehre, D 4 Gott 80 Gott, sei dir! Wie gna⸗ denvoll bist du auch mir in deinem Sohn erschienen! Du sandtest aus Erbarmen ihn, die dem Verderben zu entziehn, die schnöden Lüsten dienen. Preis dir, daß mir neue Pfade zu der Gnade offen stehen, mich der Sünd' entrückt zu sehen! 3. Und wie vergelt' ich, Heiland, dir die große Treue, die du mir, schon eh' ich war, bewiesen? Du bahntest un⸗ ter bitterm Leid auch mir den Weg zur Seligkeit: sei hoch dafür gepriesen! Durch dich kann ich nun hienieden Got⸗ tes Frieden schon empfan⸗ gen und einst volles Heil erlangen. 4. O gib, daß ich an die⸗ sem Heil nun auch im wah⸗ ren Glauben Theil durch deinen Beistand nehme; daß ich hinweg vom Eitlen seh', die Wege deiner Wahrheit geb', und deiner nie mich schäme; bis ich durch dich, wann ich fterbe, zu dem Erbe deiner Frommen auch der⸗ einst werd aufgenommen! 5. Ich bringe dir ein dank⸗ bar Herz, bereit in Freuden und in Schmerz, wie dir's gefällt, zu wandeln. Ver⸗ leihe du mir selbst die Kraft, nach deinem Wort gewissen⸗ haft zu denken und zu han⸗ deln. Fröhlich will ich hier im Leben dich erheben, und Werke und Wohlthaten Gottes. einst oben wonnevoll dich ewig loben. Mel. Fröhlich soll mein 1 1 4 Laßt uns unserm Gott lobsingen! hocherfreut laßt uns heut' ihm Verehrung bringen! In des Himmels hohe Chöre stimmet ein, Gott allein, unserm Gott sei Ehre! 2. Jeder, der sich fühlt verloren, freue sich inniglich; Christus ist geboren. Er, der König aller Wesen, steigt herab bis ins Grab, Sün⸗ der zu erlösen. 3. Wer kann Gottes Rathschluß fassen? Aber dies ist gewiß: wir find nicht verlassen! Kommt sein Sohn aus freien Trieben zu uns her; wie sollt' er nicht die Menschen lieben? 4. Wenn er uns verwor⸗ fen hätte, nähm' er dann Menschheit an? Er spricht: Ich errette! Deß soll sich der Erdkreis freuen! Zum Ge⸗ richt kommt er nicht, son⸗ dern zum Verzeihen. 5. Eilt im Geist nach Bethlems Hütten, seht, was dort euer Hort schon für euch gelitten. Er wird nie⸗ drig euretwegen! Welch' ein Freund! er erweint seinen Feinden Segen. 6. Er, er will für eure Schulden Armuth, Noth, Schmach und Tod göttlich⸗ groß Erlösung. groß erdulden. Lernt den Menschenfreund erkennen: gnadenreich will er euch sei⸗ ne Bruͤder nennen. 7. Dankt ihm, der eu'r innres Sehnen sehen kann; betet an; weinet Freuden⸗ thränen; liebt ihn, der von Liebe brennet; preist den Herrn, der euch gern seine Brüder nennet. 8. Wenn euch eure Sün⸗ den kränken, eilt berzu, su⸗ chet Ruh': er will sie euch schenken. Schaut auf ibn mit Glaubensblicken; zit⸗ tert nicht; denn er spricht: Ich will euch erquicken. 9. Ihr Erdulder schwerer Tage, euren Schmerz fühlt sein Herz. Kein Erlöster zage! Bringet ihm zu seinem Feste Zutraun her! Wisset, er wählt für euch das Beste. 10. Er verläßt euch nicht, ihr Schwachen; mehr als ihr litt er hier, euch beglückt zu machen. Eure kleine Zeit der Leiden und der Müh', was ist sie gegen ew'ge Freuden? 11. Herr, du nahmst auch meine Bürde gern auf dich, daß auch ich frei und selig würde. Wer kann deine Lieb ergründen? Ewig soll freudenvoll sie mein Herz empfinden! 12. Dir, mein göttlicher Befreier, folg' ich nach, ob⸗ wohl schwach, doch um so 81 viel treuer. Keine Kreatur, kein Leiden, keine Noth und kein Tod soll von dir mich scheiden. 13. Du koͤmmst einst zum Weltgerichte. Dann werd' ich, Richter, dich schaun von Angesichte; und wenn dann die Frevler beben, so werd' ich deiner mich freun und ewig leben. Mel. Jesu, meine Freude 115 G oltes Sohn ist kommen! Dankt ihm, seine Frommen, dankt ihm, daß er kam, daß er hier auf Erden, unser Heil zu werden, seine Wohnung nahm! Mensch, wie wir, erschien er hier, um an uns des Vaters Willen liebreich zu erfüllen. 2. Laßt uns niederfallen, danken, daß er Allen Freund und Bruder ist! Gott, auf seinem Throne, liebt uns in dem Sohne, hilft durch Je⸗ sum Christ. Welch ein Heil, an Christo Theil, Theil durch seiner Sendung Gaben selbft an Gott zu haben! 3. Keine Macht der Lei⸗ den soll von ihm uns schei⸗ den; er bleibt ewig treu. Dort wird er vom Bösen völlig uns erlösen; hier steht er uns bei. Unser Freund, mit Gott vereint, kann nicht seine Brüder hassen oder hülflos lassen. D 5 4. Wann 1 82 Werke 4. Wann wir einst ermü⸗ den, führt er uns zum Frie⸗ den durch des Grabes Nacht. Unsre todten Glieder gibt die Erde wieder ihm, der sie bewacht. Jesus ruft uns aus der Gruft, er, der selbst den Tod einst schmeckte, den das Grab auch deckte. 5. Auf dem Richterthrone werden wir im Sohne un⸗ sern Bruder schau'n. Heil und ewig Leben wird er Al⸗ len geben, die ihm hier ver⸗ traun. Er ward hier ver⸗ sucht, wie wir: überschwäng⸗ lich wird er lohnen, und der Schwachbeit schonen. 6. Eilet, eilt ihr Sün⸗ der! Werdet Gottes Kin⸗ der! Werdet seiner werth! Eilet, eilt ihr Frommen! Seid, wie er, vollkommen! Bleibet seiner werth! Prei⸗ set ihn, daß er erschien; daß er sich für euch gegeben durch ein göttlich Leben. und Wo V In eigener Melodie. 116 A schicke dich, recht feierlich des Heilands Fest mit Dan⸗ ken zu begehen! Lieb' ist der Dank, der Lobgesang, durch den wir ihn, den Gott der Lieb', erhöhen. 2. Sprich dankbar froh: Also, also hat Gott die Welt in seinem Sohn geliebet! O! wer bin ich, Herr, daß blthaten Got ttes. du mich so herrlich boch in deinem Sohn geliebet? 3. Er, unser Freund, mit uns vereint zur Zeit, da wir noch seine Feinde waren, er wird uns gleich, um Gottes Reich und seine Lieb' als Mensch zu offenbaren. 4. An ihm nimm Theil! Er ist das Heil. Thu' täg⸗ lich Buß' und glaub' an sei⸗ nen Namen. Der ehrt ihn nicht, wer Herr! Herr! spricht, und doch nicht sucht, sein Beispiel nachzuahmen. 5. Aus Dank will ich in Brüdern dich, dich Gottes⸗ sohn, bekleiden, speisen, tränken; der Frommen Herz in ihrem Schmerz mit Trost erfreun, und dein dabei ge⸗ denken. 6. Rath, Kraft und Held, durch den die Welt und Alles ist im Himmel und auf Er⸗ den! Die Christenheit preist dich erfreut, und Aller Knie soll dir gebeuget werden. 7. Erhebt den Herrn! Er hilft uns gern; und wer ihn ehrt, den wird sein Name trösten. Gelobt sei Gott! Gelobt sei Gott! Freut euch des Herrn und jauchzt ihm, ihr Erlösten! Mel. Er muntr e dich, mein 1 1 7G Het, deine Gna⸗ de sei gepreift! Sie schuf uns Heil und Le⸗ ben. Ermuntre dich in mir, mein Erlösung. mein Geist, ihr Wohlthun zu erheben! Denk' an die Nacht, da auf der Welt des Höchsten Sohn sich darge⸗ stellt, um sein so theures Le⸗ ben für Sünder hinzugeben. 2. O große That! er⸗ wünschte Nacht! von En⸗ geln selbst besungen! Du hast den Mittler uns ge⸗ bracht, der uns das Heil er⸗ rungen. In dir erschien der starke Held, der Alles schuf und Alles hält, der Freund der Menschenkinder, des Todes Ueberwinder. 3. Der du, zu uns gesandt vom Herrn, aus deinem Himmel kamest und unser Fleisch und Blut so gern in Demuth an dich nahmest, Sohn Gottes! o wie hast du dich so tief erniedrigt auch für mich! wie arm bist du erschienen, um mir zum Heil zu dienen! 4. O lehre mich, den gro⸗ ßen Werth von deiner Huld recht fassen! Was reizte dich, auf dieser Erd' dich so herab zu lassen? Hier warteten dein nichts als Noth, Verachtung, Kum⸗ mer, Schmerz und Tod, und doch kamst du auf Erden, ein Menschensohn zu werden. 5. Viel stärker, Herr, als Schmerz und Tod, war deine Menschenliebe. D sabest unsre Sündennoth mit mitleidsvollem Triebe. Du 83 stelltest, unser Heil zu seyn, nach deines Vaters Rath dich ein, wardst Mensch und kamst, mit Freuden für uns den Tod zu leiden. 6. Dein, Sohn des Höch⸗ sten, freu' ich mich; du bist auch mein Erretter. Auch mir zum Troste sandte dich der Herr, der Gott der Göt⸗ ter. Was mir ein wahres Wohl verschafft, Erleuch⸗ tung, Friede, Beßrungs⸗ kraft und Freuden, die stets währen, willst du auch mir gewähren. 7. Was soll ich dir, mein größter Freund, für deine Treue geben? Du bist's, der mich mit Gott vereint, du bringst mir Heil und Leben. Herr! was ich hab' und was ich bin, das geb' ich dir zum Dienste hin; ich will dich ohn' Aufhören mit Leib und Geist verehren. 8. Ich sehe dich zwar hier noch nicht; doch du wirft wieder kommen, und dann schau'n dich von Angesicht, Herr! alle deine Frommen. Dann werd' auch ich, Herr Jesu Christ! dich schau'n, so herrlich, als du bist; dann wirst du mich zum Leben, das bei dir ist, erheben. Mel. Vom Himmel kam der 1 1— Des ist der Tag, den Gott ge⸗ macht; sein werd' in aller D 6 Welt 8⁴ Welt gedacht! Ibn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist! 2. Die Völker haben dein geharrt, bis daß die Zeit erfüllet ward; da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wun⸗ der fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an und er ermißt, daß Gottes Lieb' unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad' erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, erscheinst im Fleisch zu unserm Heil. 5. Dein König, Zion, kommt zu dir! Ich komm', im Buche steht von mir: Gott! deinen Willen thu' ich gern: Gelobt sei, der da kommt im Herrn! 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel, du Friedefürst, auf den die Väter hoffend sab'n, dich bet auch ich, mein Hei⸗ land, an. 7. Du, unser Heil und höchstes Gut, verbindest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder bier, und Gotteskinder wer⸗ den wir. 8. Gedanke voller Maje⸗ stät! du bist es, der das Herz erhößt. Gedanke vol⸗ Werke und Wohlthaten Gottes. ler Seligkeit! du bist es, der das Herz erfreut. 9. Durch Eines Sünde fiel die Welt. Ein Mittler ist's, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, der in des Va⸗ ters Schooße sitzt? 10 Jauchzt Himmel, die ihr ihn erfuhrt, den Tag der heiligsten Geburt; und Erde, die ihn heute sieht, sing' ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 11. Dies ist der Tag, den Gott gemacht; sein werd' in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist! Mel. Kommt, kommt den . om Grab, an 119 V dem wir wal⸗ len, soll, Jesu Christ, dein Lobgesang empor zum Him⸗ mel schallen! Dir opfre jede Seele Dank! und jeder der Gebornen erfreu' sich, Mensch zu seyn; und jeder der Verlornen rühm' es, er⸗ löst zu seyn! Uns Sündern ward gegeben einst Jesus, Gottes Sohn; mit ihm er⸗ schien das Leben, mit ihm des Himmels Lohn. 2. Kommt, laßt uns nie⸗ derfallen vor unserm Mitt⸗ ler, Jesus Christ, und dan⸗ ken, daß er Allen Erretter, Freund und Bruder ist. Er gleicht Erlösung. gleicht der Morgensonne mit ihrem ersten Strahl, ver⸗ breitet Licht und Wonne und Leben überall. Durch ihn kommt Heil und Gnade auf unsre Welt herab; er leuchtet unserm Pfade durch's Leben bis ans Grab. 3. Frohlockt, ihr Mitge⸗ nossen der Schwachheit und der Sterblichkeit! Nicht län⸗ ger ist verschlossen der Ein⸗ gang zu der Herrlichkeit. Zu unsrer Erd' hernieder kam Gottes ew'ger Sohn; nun hebt er seine Brüder empor zu Gottes Thron. Er ward das Heil der Sünder, und der Verlornen Hort. Hier sind wir Gottes Kin⸗ der und Gottes Erben dort. 4. O du, dem laut die Menge der Engel und Ver⸗ klärten singt, vernimm die Lobgesänge, die dir dein Volk im Staube bringt! Auch du warst einst auf Er⸗ den, was deine Brüder find, ein Dulder der Beschwerden, ein schwaches Menschenkind. Was du nun bist, das wer⸗ den einst deine Brüder seyn, wenn sie, entrückt der Erden, sich deines Anschaun's freun. 5. Bald sind wir zu dem Lohne der Himmelsbürger dort erhöht. Nah sind wir dann dem Throne und schau⸗ en deine Majestät. Nicht mehr aus dunkler Ferne dringt dann der Dank zu 8⁵ dir; weit über Sonn und Sterne erhaben, jauchzen wir. Mit aller Himmel Hee⸗ re schallt unser Lobgesang. Dem Ewigen sei Ehre, dem Weltversöhner Dank. Erscheinung Christi. Mel. Was mein Gott will 120 erfreue dich des Heils, mein Geist, das Gott für dich erkohren! Der Heilige, der Jesus heißt, ward auch für dich geboren. Er machte klar, was dunkel war, daß uns kein Zweifel bliebe. Wem leuchtet nicht sein rei⸗ nes Licht hinauf zum Gott der Liebe. 2. Der Mensch soll von der Sinnlichkeit die Freiheit sich erringen, und, von der Sünde Macht befreit, zum hohen Leben dringen, gut⸗ thätig seyn, wie Gott, er⸗ freu'n, und stets zufrieden leben. Dazu verschafft der Herr auch Kraft, den Gott uns hat gegeben. 3. Drum sei uns sein Er⸗ scheinungsfest ein Fest der Liebe Gottes. Wohl dem, der sich auf ihn verläßt, trotz aller Macht des Spottes! Der ihn uns gab, blickt hold herab auf seine frommen Kinder; und väterlich er⸗ barmt er sich der reuerfüll⸗ ten Sünder. D 7 4. Mit 4. Mit dieser frohen Zu⸗ verficht geh' ich dem Tod ent⸗ gegen. Ich weiß, mein dunk⸗ ler Pfad wird Licht, und Leid und Schmerz mir Segen. Schließt sich mein Lauf, werd' ich hinauf zu Jesu mich erheben und mit der Schaar, die treu ihm war, in seinem Himmel leben. Gottlob, Mel. ein Schritt zur 5 Dem ganzen Erd⸗ 121 L kreis ist vom Herrn ein helles Licht er⸗ schienen; es leuchtet nah, es leuchtet fern. Zahllose Völ⸗ ker dienen den todten Gö⸗ tern nun nicht mehr; sie ken⸗ nen ihn, den Herrn, und er läßt sie im Lichte wandeln. 2. Kaum sandte Gott durch seinen Sohn der Erde große Freuden, so sammelt er sich selber schon die Erstlinge der Heiden. Der Wahrheit Bild, ein schöner Stern führt fie zu ihrem neuen Herrn. Sie kommen, anzubeten. 3. O wär' uns nicht dein Licht, o Gott, so hell und rein erschienen; wir würden, der Vernunft zum Spott, noch jetzt den Götzen dienen. Nicht sie, nicht eig ne Wür⸗ digkeit, nur deine Huld hat uns befreit von jenen Fin⸗ sternissen. 4. D'rum laß mit frober Dankbarkeit uns nun im Lichte wandeln, uns in der gnadenreichen Zeit stets fromm und weise handeln, auf dich, bei treu erfüllter Pflicht, zufrieden und voll Zuversicht in Noth und Tod vertrauen. 5. Es müsse, wer dich, Gott, erkennt, erkennen dei⸗ nen Willen, und wer das Thun vom Wissen trennt, nun seine Pflicht erfüllen! Nichts helfen Opfer des Gebets dem, der da glaubet und noch stets der Sünde sklavisch dienet. 6. Und wo noch bange Dunkelheit und falsche Schatten liegen, wo Irr⸗ thum, Wabn und Sinnlich⸗ keit noch Sterbliche betrü⸗ gen, auch da geb' nun im Siegeslauf das schöne Licht der Wahrheit auf, daß alle Welt dir diene. Daorfgteflur Jos 1 Darstellung Jesu im 42„ tgter weihte, am heiligen Altar, jetzt die Ge⸗ benedeite den Sohn, den sie gebar. 1 22 Dem großen Va⸗ 2. Da betete im Tem⸗ pel ein Greis zu seinem Gott, und ward uns ein Exempel von einem schönen Tod. 3. Gott sab ihn still und f Erlösung. 87 geh'n, verhieß dem frommen Greise, den Heiland noch zu seh'n. 4. Jetzt lag vor seinen Blicken das Kind, des Him⸗ mels Lust; er nahm es mit Entzücken und drückt' es an die Brust, 5. Und rief: Nun, Herr, mit Freuden neig' ich mein Haupt zur Gruft; voll Dankes will ich scheiden, sobald dein Wink mich ruft. 6. Dein Heil hab' ich ge⸗ sehen; hier ist der Völker Hirt, der Israel erhöhen, die Welt erleuchten wird. 7. So schloß am Pilger⸗ stabe der Fromme seinen Lauf; und Gott, du thatft am Grabe ihm deinen Him⸗ mel auf. 8. Gib, daß auch ich mit Treue den Weg der Tugend geh', wie er den Tod nicht scheue, mit Freuden Je⸗ sum seh'. 9. Zwar werd' ich ihn nicht seben, nicht hier, wie Simeon; doch in des Lich⸗ tes Höhen erwartet er mich schon. 10. Dort tönen meine Lieder: Heil mir, nun seh ich ihn! Der Himmel tönet wieder: Heil dir, nun fiehst du ihn! Mel. Kommt ber zu mir, spricht 1286 6 dem, der für dich sich dar⸗ gestellt, nun dich auch, dar⸗ zustellen! Er ist das Licht; drum sei gewiß, er wird auch deine Finsterniß durch seinen Glanz erhellen. 2. Er macht das Herz von Sünden rein, um dich zum Leben einzuweih'n, zum sittlich schönen Leben. Er gibt dir Kraft zu jeder Pflicht, und stärket deine Zuverficht, zu Gott dich zu erheben. 3. Wer noch der nie⸗ dern Sinnlichkeit, wer noch des Lasters sich erfreut, ach, der verscherzt den Segen! Nie wird ihm wahres Glück und Heil; nie wird ihm Seelenruh' zu Theil auf sei⸗ nen bösen Wegen. 4. Wer aber wünscht, wie Simeon, das Heil der Welt, des Höchsten Sohn, zu sei⸗ nem Heil zu haben; wer recht thut, sich der Welt entwöhnt, nach wahrer Hei⸗ ligung sich sehnt, der opfert ächte Gaben. 5. Wer durch das Wort, darauf er traut, im Glauben seinen Heiland schaut, kann einst im Frieden fahren. Der Herr erfüllt, was er verspricht; er wird sich einst in seinem Licht ihm herrlich offenbaren. 6. Ich kene Herr, mich dir zu weih'n. O mache mich von Sünden rein, 1 aß 88 laß mich heilig leben, bis du auch mich, wenn dir's gefälll, im Frieden wirst aus dieser Welt zu deiner Wonn' erheben. Johannes, der Vorgän⸗ ger Jesu. In eigener Melodie. 1 24 Es ging ein Mann voll Gnad' und Segen, Johannes, dem Er⸗ löser vor. Die Hügel bahnt' er ihm zu Wegen, hob Her⸗ zen aus dem Staub empor. Es bebte, wer ihn reden hörte, bekannte seine Feh⸗ ler, kehrte gerührt, mit thränenvollem Blick, zur Tugend und zu Gott zurück. 2. Er schreckte Heuchler, strafte Sünder. Er rief: Das Himmelreich ist nah'! Thut Buße, werdet Gottes Kinder; denn der Verhei⸗ ßene ist da! Er kommt und wird die Menschheit sichten, partheilos alle Thaten rich⸗ ten. Heil krönet die er⸗ füllte Pflicht, den Frevler trifft sein Strafgericht! 3. Ein himmlisch Licht ist seine Lehre, und Geist wird seine Taufe seyn. Ihm, ihm allein gebührt die Ehre! Er kommt, und jedes Herz ist sein. Schon wurden ganze Völker rege; schon ffrömte froh es auf dem Wege nach dem erßellten Werke und Wohlthaten Gottes. Kanaan, und Heiden riefen Jesum an. 4. Und wir, die Jesu Stimme hören, wir sollten träg und sicher ruhn? wir nicht still weinend uns be⸗ kehren? nicht froh des Höch⸗ sten Willen thun? Laßt uns entrinnen dem Verder⸗ ben, fromm leben, um einst fromm zu sterben! Dann werden wir nie muthlos seyn, wenn Trübsal, Noth und Tod uns dräun. In eigener Melodie. 5 mmer sich bestre⸗ 125 2 ben, zu erfül⸗ len seine Pflicht, fromm und gut zu leben, bis das Auge flerbend bricht: dies nur ist, nach Jesu Lehre, wahre Weisheit, Tugend, Chri⸗ stenehre. 2. Heil dir schon auf Er⸗ den, Freund der Wahrheit und des Rechts! Denn durch Tugend werden Men⸗ schen göttlichen Geschlechts. Unter aller Leiden Bürde bleibt die Tugend unsre höchste Würde. 3. So, in höhrer Klar⸗ heit, so umstrahlt mit Got⸗ tes Licht, ging den Weg der Wahrheit ein Johan⸗ nes, wankte nicht, fest ent⸗ schlossen, selbst sein Leben für die Pflicht zum Opfer hinzugeben. 4. Und vergebens drohte Ker⸗ Erlösung. 89 Kerker, Marter, Blutge⸗ haft zu leben, christlich weise, rüst; treu dem Pflichtge⸗ christlich gut, daß mich we⸗ bote, das Gebot des Ew'⸗ gen ist, stirbt er, stirbt mit edlem Muthe, zeugt für Wahrheit selbst mit seinem Blute. 5. Tugend, Segensfülle, du, o Ziel des böchsten Ruhms, du der Gottheit Wille, Geist des wahren Christenthums, durch dich kann der Mensch auf Erden Gottes höhern Geistern ähn⸗ lich werden. 6. Tugend, unter Freu⸗ den dieses Lebens bist du schöͤn; doch nur unter Lei⸗ den kann man deinen Ur⸗ sprung sehn; sehn, daß du vom Himmel stammest, und den Geist für's Göttliche entflammest. 7. Du, o hehre Sonne, strahlst mit überird' schem Schein, schaffst dem Geiste Wonne, weihst zu Gottes Himmel ein; du veredelst unsre Freuden, du veredelst uns durch Schmerz und Leiden. 8. Unter deinem Strahle blühn auf Gräbern Blumen auf; aus dem Todesthale ringen wir zum Ziel hinauf, wo in deinen lichtern Höhen wir die Wunder Gottes hel⸗ ler sehen. 9. Heil'ge mein Bestre⸗ ben; gib, o Gott, mir Kraft und Muth, tugend⸗ der Schmerz noch Freude, noch der Tod von wahrer Tugend scheide. Lehre, Leben und Thaten Jesu. Mel. Lieb ster Jesu, wir sind 126 Fe kommenheit, Lehrer, Muster uns zu wer⸗ den hoher, reiner Sittlich⸗ keit, wurdest du ein Mensch auf Erden. Dir schlägt un⸗ ser Herz entgegen, Jesu, dir, der Menschheit Segen! 2. Du gabst unserm Gei⸗ ste Licht, lehrtest uns Gott näher kennen, und mit fro⸗ her Zuversicht unsern Schö⸗ pfer Vater! nennen, der uns liebt, versorgt, beschützet, und uns gibt, was wahr⸗ haft uit 9. u hast uns der Menschheit Werth durch dein Leben und die Lehre, die von Gott kommt, auf⸗ geklärt, uns gelehrt, des Geistes Ehre nur auf wahre Tugend gründen, und das Laster überwinden. 4. Dann auch, wenn das Auge bricht, Todesschrecken uns umgeben, blickt, erhellt von deinem Licht, unser Geist in jenes Leben, in das Land vollkommner Ren en 90 den, um mit frohem Muth zu scheiden. 5. Danket, Christen, be⸗ tet an! Laßt uns Christum berzlich ehren, wandeln auf der Tugend Bahn, willig folgen seinen Lehren, treu . Noth und Leiden ge⸗ ben, um sein ew' ges Licht zu sehen! Mel. Wer nur den lieben Gott 127 A Wahr⸗ heit auszubrei⸗ ten, die Wahrheit, die vom Himmel stammt, und, uns zum ew'gen Glück zu leiten, das Herz zu Gotles Lieb entflammt: dazu erschienst du, Jesus, hier, von Gott gesandt, zum Heil auch mir. 2. Dies war das tägliche Geschäfte, darin dein Geist Vergnügen fand. Wie em⸗ sig hast du Zeit und Kräfte, beseelt von Liebe, 0 4 5 durch deiner Lehre bellen Schein der Menschen Seelen Licht zu seyn! i Licht, den Weg zu Gottes Gnade und ih⸗ rem Heil recht einzuseh n; ihr Licht, auf diesem sel'gen Pfade mit sichern Schritt einher zu geh'n; ihr Licht, mit freudigem Vertrau'n 3. Ihr hin in die Ewigkeit zu 1 4. Und um der Welt die cht zu werden, wie willig Abena du selbst nicht auch die größesten Be⸗ Werke und Wohlthaten Gottes. schwerden! Und drückte dich gleich ihr Gewicht, so trugst du doch, voll Büt' und Huld, sie gern mit himmlischer Geduld. 5. Fürwahr, noch immer ist das Leben, das du auf Erden hast geführt, ein Se⸗ gen, den uns Gott gegeben, dafür ihm ew'ger Dank ge⸗ bührt; ein Segen, dessen auch mein Geist sich freut, und dich, Erlöser, preist. 5. Ja, Preis sei dir, du bester Lehrer, auch mir zum Heil von Gott gesandt! O würde Jeder dein Vehrerer, der deinen Werth noch nicht erkannt! Hilf, daß ich dei⸗ ner Wahrheit treu, und ewig durch sie selig sei! Mel. esu, wir sind 128 Jbeuer sei mir —. Herr, mein Heiland, deine Lehre! Gib, daß ich mit Folgsam⸗ keit neulich ihre Vorschrift ehre, dem, was sie— traue, fest mein Hoffen dar⸗ auf baue. Nur bei deiner Wahr⸗ heit Licht lernen wir Gott recht erkennen, ihn mit fro⸗ her Zuversicht unsern Gott und Vater nennen, und nach seinem beil'gen Wil⸗ len unsre Pflichten treu erfüllen! 3. Was die Weisen dieser Welt vor dir nicht erforschet ha⸗ Erloͤsung. baben, das haft du uns auf⸗ gehellt; und durch deines Geißes Gaben wirkest du in unsern Seelen, daß wir Heil und Leben wählen. 4. Du entdeckst uns unsre Schuld und der Sünde gro⸗ hen Schaden, doch auch dei⸗ nes Vaters Huld und den Reichthum seiner Gnaden; lehrt uns aller unfrer Sün⸗ den gnädige Vergebung fin⸗ den. 5. Huldreich rufest du uns zu: Kommt zu mir, beschwer⸗ te Seelen; es soll euch zu eurer Ruh' nicht bei mir an Troste fehlen, wollt ihr an⸗ ders von mir lernen, euch von Sünden zu entfernen. 6. Herr, dein Evangeltum hat viel tausend, tausend Zeugen, die zu deines Na⸗ mens Ruhm dankbar ihre Kniee beugen, daß du noch dein Wort erfüllest und der Seele Kummer stillest. 7. O nimm gnädig an den Dank, den ich dir voll Ehrfurcht bringe! Höre mei⸗ nen Lobgesang, den ich hoch⸗ erfreut dir singe! Du be⸗ freist auch mich aus Gnaden von der Sünde Macht und Schaden. 8. Köstlicher, als Gold, sei mir, was dein göttlich Work mich lebret! Dank, ja ewig Dank sei dir für den Trost. den es gewähret! Werd ich einst zu dir er⸗ 91 hoben, will dich loben. 9 Stets, so lang ich bier noch bin, will ich dir zur Ehre wandeln, täglich mit erneutem Sinn nur nach deinem Worte handeln: so nimmst du mich einst im Scheiden auf zu deinen hö⸗ hern Freuden. ich würdiger Mel. Liebster Jesu, wir sind 129 Sb auf Erden 8 können wir Himmelsseligkeit empfinden, wenn nur Lieb' und Ein⸗ tracht hier unfre Herzen sest verbinden, wenn wir dich nach Jesu Lehren, dich, o Gott der Liebe, ehren. 2. Diese Herzensfreudig⸗ keit danken wir dir, Gott der Gnade; Jesu Christi Lehre ftreut Freuden auf des Lebens Pfade, lehrt uns Mäßigung in Freuden, gibt uns hohen Muth im Leiden. 3. Sie gewährt uns Trost und Rath in den allerbang⸗ sten Leiden; sie erleuchtet unsern Pfad, wenn wir von der Erde scheiden; uns, von Todesnacht umgeben, leitet sie zum bessern Leben. 4. Wenn uns Erdenglück erläßt, unsre Lieben uns erlassen, bält sie unsern ith noch fest, lehrt uns ohe Hoffnung fassenz lehrt duld uns, gibt uns Stä Stärke latte 1982 — 22 —— 92 Stärke zur Vollbringung guter Werke. 5. Sie lehrt: Menschen zu erfreuen, sei des Herzens größter Segen; lehrt uns, Feinden selbst verzeih'n, die in Noth find, troͤsten, pfle⸗ gen, brüderlich die Men⸗ schen lieben, segnen die, die uns betrüben. 6. Heil dem Menschen, der sie übt, diese schönen Tugendlehren! Seil dem, der die Brüder liebt, sich bestrebt, dich, Gott, zu eh⸗ ren! Ewig selig wird er leben, stets nach höh'rer Tu⸗ gend streben. Mel. Schmücke dich, e liebe S. 130 Hen deine Menschenliebe war die Quelle jener Trie⸗ be, die dein treues Herz regieret, und dich selbst da⸗ bin geführet, daß du, un⸗ serm Heil zu dienen, bist in Knechtsgestalt erschienen. O wer faßt die starken Triebe deiner treuen Menschenliebe! 2. Ueber seine Feinde wei⸗ nen, Jedermann mit Hülf' erscheinen, sich der Blinden, Lahmen, Armen mehr als väterlich erbarmen, der Be⸗ trübten Klagen hören, sich in Andrer Dienst verzehren; das find Proben wahrer Güte, und so, Herr, war dein Gemüthe. 3. O du Zuflucht der Elen⸗ Werke und Wohlthaten Gottes. den! Wer hat nicht von dei⸗ nen Händen Segen, Trost und Heil genommen, der ge⸗ beugt zu dir gekommen? Wie ist dir dein Herz ge⸗ brochen, wenn dich Kranke angesprochen! Und wie pflegtest du zu eilen, das Erbetne mitzutheilen! 4. Die Betrübten zu er⸗ quicken, sie dem Kummer zu entrücken, die Unwissenden zu lehren, die Verkehrten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, langmuths⸗ voll zu dir zu locken: das war täglich dein Geschäfte, war's mit Aufwand aller Kräfte. 5. O wie hoch stieg dein Erbarmen, Heiland, da du für uns Armen, Angst und unerhörte Schmerzen littest mit gelaßnem Herzen, dich von Sündern ließt verhöh⸗ nen, und zur Schmach mit Dornen krönen, ja, uns Le⸗ ben zu erwerben, willig warst, am Kreuz zu sterben. 6. Deine Huld hat dich getrieben, Sanftmuth und Geduld zu üben, Haß mit Haß nicht zu vergelten, dei⸗ ne Schmäher nicht zu schel⸗ ten, Allen freundlich zu be⸗ gegnen, die dich lästerten, zu segnen, deine Mörder zu vertreten und für sie zu Gott zu beten. 7. Aller Welten Herr und König, Sohn des Höchsten, o Erlösung. o wie wenig hast du je nach Ruhm getrachtet und auf Menschenlob geachtet! Wil⸗ lig littst du, um den Willen deines Vaters zu erfüllen, Armuth und Erniedrigun⸗ gen. Lob sei dir dafür ge⸗ sungen! 8. Laß mich, Herr, zu reichem Segen, deinen Wan⸗ del oft erwägen! Laß mich in der Angst der Sünden Trost und Hülfe bei dir finden! Heilige auch meine Triebe zu rechtschaffner Men⸗ schenliebe: laß mich immer mehr auf Erden deinem Bil⸗ de ähnlich werden! Mel. Gott, Vater, an Erbarmen 1 3 1 N ist dir, Jesu, gleich! An Weisheit und an Liebe reich, bist du sowohl durch Wort als That der schwa⸗ chen Menschen sichrer Rath. Es freut mein Geist im Glauben sich, Herr Jesu, dein, und lobet dich. 2. Du kamst zu uns, von Gott gesandt, und machtest uns den Weg bekannt, wie wir, befreit von Sünden⸗ schuld, tbeilhaftig werden seiner Huld. Auf ewig sei dir Dank und Ruhm, Herr, für dein Evangelium! 3. Du sahest in der Gott⸗ heit Licht mit aufgeklärtem Angesicht, was nach des Höchsten weisem Rath die 93 Welt noch zu erwarten hat; du machtest selbst durch dei⸗ nen Mund das Künftige den Menschen kund. 4. Dies und die Wunder deiner Hand sind uns ein göttlich Unterpfand, was man aus deinem Mund ge⸗ hört, sei Wahrheit, die uns Gott gelehrt. Nie schwäche mir der Frevler Spott den Glauben an dies Wort von Gott. 5. Diu lehrtest uns durch Wort und That; man trifft der reinsten Tugend Pfad in deinem heil'gen Wandel an. Gib, Herr, daß ich auf dieser Bahn, gestärkt von dir, mit steter Treu dir nach⸗ zufolgen eifrig sei! 6. Du bist es, Herr, von dem das Amt, das die Ver⸗ söhnung predigt, stammt: du machst durch treuer Leh⸗ rer Mund noch jetzt dein Heil den Menschen kund. Begleite stets mit deiner Kraft ihr Amt, damit es Nutzen schafft! 7. Noch immer hilfst du deinem Wort in seinem Siege mächtig fort; du sen⸗ dest, wie dein Mund ver⸗ heißt, noch immer deinen guten Geist, der dem, der Wahrheit sucht und liebt, zum Glauben Licht und Kräfte gibt. 8. Mein Heiland, send' ihn auch zu mir, daß 1 mi Wer 0 Me 1 0 94 Werke und Wohlthaten Gottes Begier nach fromm Lebren deiner „bis mich bei it ein hellres ie göttlich sind doch Jesu Leh⸗ wie überzeugend seine Macht! Wer könnte seine Thaten hören, wer, was ür Wunder er vollbracht, und cht dem E Ro Ja* 18 daß er der Welt⸗ 2. Erbarmen war es vol⸗ ler Gnaden, was man in sei⸗ nen Zeichen sah. Nie 99 1 es zu Jemands Schade u von Propheten sel lb geschah; er raffte nie in ih⸗ rem Sinn die Sünder schnell im Zorne hin. 3. Er schenkte das Ge⸗ sicht den Blinden, den Tau⸗ er das Gehör, der Aus z. mußte vor ihm schwinden, der Stumme ihm Dank und Ehr'. Sein Machtwort hieß die Lahmen gehn, und selbst die Todten auferstehn. 4. Sein Segen speiste ganze Heere, da, wo es selbst an Brod gebrach; und kaum gebot er Wind, und Meere, so ließ ihr Sturm gehorsam nach. O sah man nicht bei allem ven gab . sang un auf ihm t Fülle ruhn? 5. Wir danken, Höchfter, deiner Stärke, die Jesum vor der Welt verklärt, der durch so große Wunder⸗ werke als dein Gesandter fich 3 Wir nehmen sol⸗ chen gläubig an, und find ihm willig unterthan. Th der Goit⸗ hei 6. Erfüll', o Herr, nur unsre Herzen mit seiner Lehre Göttlichkeit, damit wir nicht das Heil verscher⸗ zen, das uns dein Sohn allein verleiht, und schaffe, daß ihm unsre Treu' bis in den Tod ergeben sei. Mel. Was mein Gott will 33 K die ihr nicht gewohnet seid, daß ihr euch selbst ent⸗ saget, die ihr nur stets nach Eite keit, Ruhm, Vortheil, Wolluft fraget, kommt, schauet Jesu Vorbild an! Dies, dies muß euch be⸗ schämen. Kommt, lernt, ge⸗ heilt von eurem Wahn, hin⸗ fort euch selbst bezähmen! 2. Gott war sein Alles 1 nur an dem hing seine ganze Liebe. Dem dienen 195 ihm angenehm; dem veiht' er seine Triebe. Wo⸗ 10 er stets sich willig fand, war dies: den ganzen Wil⸗ len des Vaters, welcher ihn gesandt, vollkommen zu er⸗ füllen. 3. Hoch über Welt und Erlösung. 95 blieb sein Herz an ibm, trotz alles Spottes. Sein Eitelkeit, ganz heilig, ganz Gott eigen, vermied er nie aus Schüchternheit, sich, wie er war, zu zeigen; und wann er Bosheit freveln sah, war er voll edler Schmerzen; wann aber Gottes Wort geschah, quoll Freud' aus seinem Herzen. 4. Die Freude, die die Welt verheißt, verlangt er nicht zu schmecken. Und rein bewahrte sich sein Geist, ganz rein von allen Flecken. In Allem sah er immerdar mit Eifer, nie zum Scheine, uf das, was seinen Brüdern war, nicht aber auf das Seine. 5. Stets floh er das Ge⸗ räusch des Ruhms, blieb niedrig und geringe, ent⸗ schlug sich alles Eigenthums, der Erbe aller Dinge. Arm ward er selber, daß wir reich aus seiner Armuth würden. Er ist der Herr, sein ist das Reich, doch trug er fremde Bürden. 6. War Gottes Hand auf ihm schon schwer: er fand's doch gut und billig; denn jeden Tropfen Blut war er ibm aufzuopfern willig. Stets zeigt' er, daß ihn keine Noth auch nur zur Klage reize. Er ward gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuze. 7. Von Gott verlassen, Sehnen war im bängsten Schmerz, Nichts als das Ant⸗ litz Gottes. Folgt, Men⸗ schen, seinem Vorbild nach! Er hat für euch gelitten; er selbst hat euch, ihr seid nicht schwach, die Kraft da⸗ zu erstritten. 8. Hilf meinem Glauben, daß ich dir, mein Heiland, ähnlich werde! Bezähm' das Fleisch, vertilg' in mir die Liebe dieser Erde, daß ich dein großes Beispiel mir allstets vor Augen setze; des Vaters Willen thun, gleich dir, für Freud' und Leben schätze! Mel. O Gott, du frommer Gott 1 34(a) Erscen mei⸗ nem Geist, erhabnes Bild der Tugend, du Muster jeder Pflicht, des Alters, wie der Jugend! O Jesu, Himmlischer, dein Beispiel leite mich! Ich irr und strauchle nicht, seh' ich nur fest auf dich! 2. Wie unschulds voll, wie rein, wie unentweiht von Sünde floh deine Jugend hin! Wie theuer war dem Kinde, wie lieb dem Jüng⸗ ling schon, was Gottes Wille wählt! Doch ach, wie oft hab' ich, noch jung, doch schon gefehlt! 3. So arm, so freuden. os 96 los und allem Glanz ent⸗ rissen, durch frühen Druck geübt in Müh' und Küm⸗ mernissen, floß dir das Le⸗ ben hin, und dennoch bliebst du groß; nie riß das Elend dich von deinem Vater los. 4. Gehorsam, warst du stets bereit, des Vaters Willen selbst bis zum Kreu⸗ zestod mit Freuden zu er⸗ füllen; trugst mit Geduld und Muth des Lebens herb⸗ sten Schmerz; du sahst die Glücklichen und neidlos blieb dein Herz. 5. Nie hast du deine Pflicht, die kleinste nie ver⸗ letzet; nie Leidende geseh'n und nicht mit Trost ergößet; stets hast du Irrende ge⸗ warnt, belehrt, gerührt und sie mit Freundeshand auf bessern Weg geführt. 6. Versuchung ohne Zahl, hier Ruhm und Schmei⸗ cheleien, dort lockender Ge⸗ winn, da bittrer Feinde Dräuen umgaben, wo du gingst, dich Heiliger, doch du gingst mitten durch sie hin mit Festigkeit und Ruh'. 7. Voll stillen Friedens blieb dein Herz bis an das — da gabst du deinen Geist in deines Vaters Hände. Vollendet war der Lauf; am Ziele deiner Bahn sahst du den großen Lohn der Ewigkeit dir nahn. 8. Vollendeter, auch ich, Werke und Wohlthaten Gottes. auch ich kann ohne Beben am Ziele einst den Geist dem Vater übergeben, wenn er dir ähnlich war an Tu⸗ gend und Geduld; denn du, Erlöser, tilgst der Schwach⸗ heitssünden Schuld. 9. Schau' drum, mein Geist, auf ihn; verschmäh' des Lasters Freuden! Der Sünden Sold ist Tod und ihre Frucht find Leiden. Wie Jesus, weihe Got t des Lebens kurze Zeit! Dann gehst auch du, wie er, ins Reich der Herrlichkeit. In eigener Melodie. 13400 Nee dir erhebt ft ich! meinGe⸗ müthe, du Freund der Men⸗ schen, Jesu Christ, der du durch deines Herzens Güte der Welt ein Vorbild wor⸗ den bist! Du lebtest Sün⸗ dern nur zum Besten; sie zu befreien, sie zu trösten, ent⸗ sagtest du der Herrlichkeit. Nur wohlzuthun, war dein Bestreben; der Zweck von deinem ganzen Leben war deiner Menschen Selig keit. 2. Nicht schrecklich wa⸗ ren deine Werke: du kamst nicht Sündern zum Gericht. Du warst der blöden See⸗ len Stärke, und der Be⸗ drängten Zuversicht. Dein Blick war so wie dein Gemüthe, voll Mitleid, Freundlichkeit und Güte, und Erlösung. und deine Hand gab Armen Brod. Du sahst die Thraͤ⸗ nen der Betruͤbten, die Sehnsucht derer, die dich liebten; auf deinen Wink entfloh der Tod. 3. Du fuͤhltest deiner Freunde Leiden mehr, als du eigne Noth empfandst. Du schmecktest Nichts von Ruh' und Freuden, so oft du Menschen leidend fandst. Aufopfernd deines Lebens Kraͤfte, war es dein taͤgli⸗ ches Geschaͤfte, als Men⸗ schenfreund umher zu ziehn. Eh noch ein Leidender es wagte, und dir sein Elend thraͤnend klagte, erquickte schon dein Beistand ihn. 4. Errettung, Nachsicht und Erbarmen fand Jeder, der sich dir genaht. Mit⸗ leidig schenktest du dem Ar⸗ men die Huͤlfe, die er sich erbat. Dem Lahmen stärk⸗ test du die Glieder, dem Stummen kam die Sprache wieder, dir dankten Blinde das Gesicht Nie wurdest du des Wohlthuns muͤde. Reuvolle fuͤhlten Ruh und Friede: sie glaubten, und verzagten nicht. 5. Herr, wo du gingst, auf jedem Schritte, da folgten Lieb' und Mitleid nach; sie folgten in des Reichen Huͤtte und unter der Verlaßnen Dach. Der Tempel, wie die oden Walder, die Staͤdte, 97 wie die freien Felder, em⸗ pfanden deine Guütigkeit. Wo Kummer war, warst du zugegen; dein holder Zu⸗ spruch und dein Segen ver⸗ trieb des Lebens Bitterkeit. 6. So gingst du still auf deinem Pfade dem dir be⸗ stimmten Tode zu. Noch war in deinen Blicken Gnade, in deiner Seele Himmelsruh'. Auch dann, als Schrecken und Gefahren von allen Ses⸗ ten nahe waren, verließ dich nicht dein Edelmuth. Du bliebst ein Schutzgott deiner Freunde, bliebst ein Erbar⸗ mer deiner Feinde, und lieb⸗ test sie bei ihrer Wuth. 7. O Jesu, waͤre doch mein Leben dem deinen gleich! Waͤr' ich, wie du, so ganz der Menschenlieb' er⸗ geben, so sanft, so mitleids⸗ voll, wie du! O pflanz' in mich die holden Triebe des Mitleids und der Menschen⸗ liebe, und gib mir dei⸗ nen edlen Sinn! So ziert mein Wandel deine Lehre; so kroͤnt vor dir mich einst die Ehre, daß ich dein Freund und Erbe bin. Leiden, Tod und Be⸗ gräbniß Jesu. (Passionslieder.) Mel. Wie groß ist des Allmächt'. aß mir die Feier 1 3 5 deiner Leiden, E o 98 o großer Dulder, heilig seyn! Sie lehre mich die Suͤnde meiden, und dir mein gan⸗ zes Leben weihn, dir, der so ruhig und entschlossen fuͤr mich die Last des Kreuzes trug, deß Herz, als schon sein Blut geflossen, fuͤr mich noch heiß von Liebe schlug 2. In der Betrachtung heil gen Stunden will ich am Leidenshuͤgel stehn, und dich fuͤr deine Pein und Wunden mit tief geruͤhrtem Dank er⸗ hoͤhn; ich will die Lieb' und Huld ermessen, womit dein Herz die Welt umfaßt, und nie gefuͤhllos es vergessen, was du fuͤr mich erduldet hast. 3. Mir sollen diese Feier⸗ zeiten der groͤßten Liebe hei⸗ lig seyn; sie soll mich staͤr⸗ ken, soll mich leiten, was dir mißfaͤllig ist, zu scheun. Dein Leiden sei auch mir zum Se⸗ gen, dein Tod mir seliger Gewinn. Dir schlage stets mein Herz entgegen, weil ich durch dich gerettet bin. 4. Bleibt mir in diesen Tagen theuer, Gethsemane und Golgatha! Ihr Oer⸗ ter, wo die Welt die Feier der allerhoͤchsten Liebe sah! Nach euch will ich voll An⸗ dacht schauen, wo mein Erloser litt und starb, und hoffnungsvoll auf den ver⸗ trauen, der mir die Seligkeit erwarb. Werke und Wohlthaten Gottes. 5. Da will ich lernen Tu⸗ gend uͤben, in Noth und Tod gelassen seyn, die Menschen, so wie du, zu lieben, und selbst dem Todfeind zu ver⸗ zeih'n Dann wird dein Leiden mir zum Segen, dein Tod mir seligster Gewinn. Dir schlage stets mein Herz entgegen, da ich durch dich gerettet bin! Mel. Herzliebster Jesu! 1202 err, staͤrke mich, 136 H dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld des Boͤsen uns zu erloͤsen! 2. Vereint mit Gott, ein Mensch, gleich uns, auf Erden, und bis zum Tod am Kreuz gehorsam wer⸗ den; an unsrer Statt ge⸗ martert und zerschlagen, die Suͤnde tragen! 3. Welch wundervoll hoch⸗ heiliges Geschaͤfte! Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kraͤfte, mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde den Fluch der Suͤnde. 4. Gott ist gerecht, ein Raͤcher alles Boͤsen; Gott ist die Lieb, und laͤßt die Welt erloͤsen. Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzuͤcken am Kreuz erblicken. 5. Es schlaͤgt den Stolz und mein Verdienst darnie⸗ der; Erlösung. der; es stuͤrzt mich tief, und es erhebt mich wieder; lehrt mich mein Gluͤck, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde. 6. O Herr, mein Heil, an den ich kindlich glaube, ich liege hier vor dir gebuͤckt im Staube, verliere mich mit dankendem Gemuͤthe in deine Guͤte 7 Sie uͤbersteigt die menschlichen Gedanken; allein sollt' ich darum im Glauben wanken? Ich bin ein Mensch, darf der sich unterwinden, Gott zu ergruͤnden? 8. Des Hoͤchsten Thun ist: Gnad' und Lieb' erwei⸗ sen. Uns kommt es zu, sie demuthsvoll zu preisen, zu sehen, wie hoch wann Gott uns Gnad' erzeiget, die Gnade steiget. 9 So sei denn ewig auch von mir gepriesen fuͤr das Erbarmen, das du mir er⸗ wie sen, da du, mein Heilayd, auch fuͤr mich dein Leben da⸗ hin gegeben. 10. Du liebtest mich; ich will dich wieder lieben und stets mit Freuden deinen Willen üben! O gib zu die⸗ sem seligen Geschaͤfte, Herr, selbst mir Kraͤfte! In eigener Melodie. esu, meines Le⸗ 137 J bens Leben, deß sich me ine Seele freut, der 99 fuͤr mich sich hingegeben, Stifter meiner Scligkeit, du, der lieber wollt' erblassen, als mich im Verderben las⸗ sen, ach, wie dank, wie dank' ich dir, mein Erloser, g'nug dafuͤr! 2. Menschenfreund, von Gott gesendet, seines Raths Verkuͤndiger! laͤngst hast du dein Werk vollendet: Preis sei dir, Erhabener! Doch in den Gedaͤchtnißtagen dei⸗ ner Leiden, Jesu, sagen dei⸗ ne Hochbegluͤckten dir billig neuen Dank dafuͤr 3. Du betratst, fuͤr uns zu sterben, willig deine Lei⸗ densbahn, stiegst uns Leben zu erwerben, gern den To⸗ desberg hinan, dachtest nicht an deine Schmerzen, trugst uns Menschen nur im Her⸗ zen. Diese Liebe preisen wir; unvergeßlich sei sie mir 4. Meinetwegen trugst du Bande, littest frecher Laͤst⸗ rer Spott, achtetest nicht Schmach und Schande, Elend nicht, nicht Kreuz und Tod. Du warst werth der höchsten Freuden und trugst willig Gram und Lei⸗ den. O wie dank', wie dank ich dir wuͤrdig, Heiligster, dafuͤr! 5. Frevler kroͤnten dich zum Hohne; deine Stirne blutete unter einer Dornen⸗ krone, Köͤnig aller Koͤnige! Mir zu gut hast du gelit⸗ E2 ten, 100 Werke und Wohlthaten Gottes. ten, mir die Lebenskron' er⸗ stritten. Preis, Anbetung, Dank sei dir, Ehrfurchtswuͤr⸗ digster, dafur! 6. Du, der tausendfache Schmerzen, mir zu Liebe, gern ertrug, deinem groß⸗ muthsvollen Herzen war mein Heil Belohnung g'nug. Trost in meinen letzten Stunden floß fuͤr mich aus deinen Wunden. Herr, ich dank', ich danke dir einst im Tode noch dafuͤr! 7. Ruh im Leben, Trost am Grabe! unaussprechli⸗ cher Gewinn, den ich dir zu danken habe, du, deß ich nun ewig bin! Jesu, dir mein Herz zu geben, deiner Tugend nachzustreben, dir zu traum, zu sterben dir, dies, dies sei mein Dank dafuͤr. Mel. O Jesu Christ, mein'sLebens 'in deine Leiden 138 A denken wir, Herr Jesu Christ, und dan⸗ ken dir, daß du so willig ihre Last zu unserm Heil ge⸗ tragen hast. 0 2. Im Geiste folgen wir dir nach von Schmerz zu Schmerz, von Schmach zu Schmach; wir schau'n zu deinem Kreuz hinan, und beten dich mit Freuden an. 3. Auch uns zu Gut, o Herr, betrat dein Fuß den dornenvollen Pfad. Auch uns stroͤmt Beßrungskraft und Ruh' aus deinem bit⸗ tern Leiden zu. 4. Daß Gott uns als ein Vater liebt, gern Reuen⸗ den die Schuld vergibt; daß ewig unsre Seele lebt, und sich zur bessern Welt erhebt; 5. Daß deine Lehre fest besteht, und daß dein Reich nie untergeht: den großen Trost von dir, o Gott, be⸗ lebt und staͤrket Jesu Tod. 6. Und wir, wir glaub⸗ ten an dich nicht? Herr, ohne sichern Trost und Licht, mit ungewissen Schritten geht des Lebens Pfad, wer dich verschmaͤbt. 7. Mit Dank und Freude folgen wir dir, unserm Heil und Retter, hier; und du wirst uns, wenn wir dich seh'n, zu deines Himmels Wonn erhoͤh'n. Mel. Schwing' dich auf zu 139 Mein Erldser, L auch für mich gingst du hin zum Leiden, und begabst, Erretter, dich aller deiner Freuden Du sah st Bande, Schmerz und Hohn, sah st den Tod von ferne, doch ertrugst du, Gottes Sohn, alle Leiden gerne. 2. Du entflohst nicht der Gefahr, die dem Leben drohte; als die Stund' er⸗ schie⸗ Erlösung. 101 schienen war, gingst du froh zum Tode. Willig uͤbergabst du dich in der Feinde Hande und bliebst unveraͤnderlich treu bis an das Ende. 3. Lehre mich, wie du, so still und so froh zu leiden, und wenn es dein Rathschluß will, selig zu verscheiden. Staͤrke mich, wenn ich ein⸗ mal sterbend zu dir flehe, daß ich durch des Todes Thal ohne Schrecken gehe. 4. Dank, o Jesu, Dank sei dir fuͤr dein willig Lei⸗ den, denn dadurch erwarbst du mir deines Himmels Freuden. Nunmehr weiß ich, daß im Tod ich nicht ewig sterbe; denn ich bin versoͤhnt mit Gott, bin des Himmels Erbe. Herzliebster Jesu 140 aß deinen Geist & mich stets, mein Heiland, lehren, dein goͤtt⸗ lich Kreuz im Glauben zu verehren, daß ich getreu in dem Beruf der Liebe mich christlich uͤbe. 2. Das Gute thun, das Boöͤse fliehn und meiden, Herr, diese Pflicht lehrt mich dein heilig Leiden. Kann ich zugleich das Boͤse mir erlau⸗ ben, und an dich glauben? 3. Da du dich selbst fuͤr mich dahin gegeben, wie könnt' ich noch nach meinem illen leben? und nicht vielmehr, weil ich dir an⸗ gehoͤre, zu deiner Ehre? 4. Ich sollte nicht, wann Leiden dieser Erden, wann Kreuz mich trifft, gelaßnen Verzens werden, da du so viel fuͤr uns, die wir's ver⸗ schuldet, liebreich erduldet? 5. Für welche du dein Leben selbst gelassen, wie koͤnnt' ich sie, sie meine Bruͤ⸗ der hassen? und nicht wie du, wenn sie mich unter⸗ treten, fuͤr sie noch beten? 6. Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten; wenn man mich schilt, nicht raͤchend wieder schelten. Du Leiliger, du Herr und Haupt der Glieder, schaltst auch nicht wieder! 7. Ein reines Herz, gleich deinem edlen Herzen, dieß ist der Dank fuͤr deines Kreu⸗ zes Schmerzen. Und Gott gibt uns die Kraft in deinem Namen, dir nachzuahmen. 8. unendlich Gluͤck! du littest uns zu Gute. Ich bin versoͤhnt in deinem theuren Blute. Du hast mein Heil, da du fuͤr mich gestorben, am Kreuz erworben 9. So bin ich denn schon selig hier im Glauben! So wird mir Nichts, Nichts meine Krone rauben! So werd' ich dort, von Verrlichkeit umge⸗ ben, einst ewig leben! 10. Ja, wenn ich stets der Tugend Pfad betrete, im E 3 Glau⸗ r—— 102 Glauben kaͤmpf', im Glauben wach' und bete: so ist mein Heil schon so gewiß erstrebet, als Jesus lebet 11. Lockt boͤse Lust mein Ferz mit ihrem Reize, so schrecke mich dein Wort, das Wort vom Kreuze! und werd' ich matt im Laufe guter Werke, so sei mir's Stärke! 12. Seh' ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden ein Aergerniß und eine Thorheit werden; so sei's doch mir, trotz alles frechen Spottes, die Weisheit Gottes! 13. Wenn endlich, Kerr, mich meine Suͤnden kraͤn⸗ ken, so laß dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken: dein Kreuz dies sei, wenn ich den Tod einst leide, mir Früd' und Freude! riger Melodie 141 Dei hoch geprie⸗ sen, Herr, fuͤr deine Liebe! Sie drang dich zu dem mitleidsvollen Trie⸗ de, fuͤr eine Welt voll Suͤn⸗ der, selbst dein Leben dahin zu geben. 2. Fuͤrwahr, du trugest unsrer Suͤnde Schmerzen. O welch ein Herz gleicht dei⸗ nem edlen Ferzen! Du lie⸗ ßest unsre Schuld an dir be⸗ strafen, uns Heil zu schaffen. 3. O laß dies Heil doch auch mein Erbe werden! Was hab' ich son st fuͤr sichern Werke und Wohlthaten Gottes. Trost Erden? Was gibt mir sonst wohl wahren auf Grund zur Freude, ich einst scheide? 4. Fuͤr mich, o Herr, bist du ja auch gestorben! Was du der Welt durch deinen Tod erworben, das hast du ja, von großer Treu' gelei⸗ tet, auch mir bereitet. 5. O staͤrke selbst mein Herz in diesem Glauben! Kein banger Zweifel muͤsse ihn mir rauben! Er muͤsse mich zum Fleiß in guten Werken bestaͤndig staͤrken! 6. Sollt' ich mich nun noch frevelhaft erkuͤhnen, der Suͤnde, die dich toͤdtete, zu wann dienen; so waͤr' ich ja, o Herr, nicht dein Erloͤster: du nicht mein Troͤster. 7. Nein, dir allein, der du durch deine Wunden auf ewig mich zu deinem Dienst verbunden, nur dir, mein Heiland, sei mein ganzes ben zum Dienst ergeben! 8. Nichts soll mich je von deiner Liebe scheiden. Ich bleibe dein, bis du mich dort wirst weiden, wo deine Liebe mit verklaͤrten Zungen stets wird besungen. Wel. 10 Mein Erloͤser, 142 M Gottes Sohn, der du fuͤr mich littest, und auch auf der Pimmel Thron jetzt noch fuͤr mich bittest, wel⸗ Seh wing' dich auf zu Erlösung. welche Wohlthat ist fuͤr mich dein versoͤhnend Leiden! O wie preis ich wuͤrdig dich, Ursprung meiner Freuden? 2. Unermeß'ne Herrlich⸗ keit war dir, Herr, gegeben; und du konntest jederzeit voller Freuden leben. Aber, o der großen Huld! daß ich selig wuͤrde, uͤbernahmst du mit Geduld schwerer Leiden Burde. 3. Nun kann meine Mis⸗ sethat noch Vergebung fin⸗ den; denn du starbst nach Gottes Rath auch fuͤr mei⸗ ne Suͤnden. Unsre Strafe trugest du, uns vom Fluch zu retten, daß wir im Ge⸗ wissen Ruh', mit Gott Frie⸗ den haͤtten. 4. Was uns Lust zur Bess'rung schafft, was zur Tugend leitet, dazu hast du neue Kraft durch dein Kreuz bereitet. Nicht vergebens darf ich nun mich um Kraft bewerben, Gottes Willen noch zu thun, Suͤnden ab⸗ zusterben. 5. Nun kann ich auf's Todesthal noch mit Freuden sehen, und zu jener Welt einmal ohne Schrecken ge⸗ den. Du, Herr, hast aus aller Noth Rettung mir er⸗ rungen, und durch deinen Kreuzes tod meinen Tod be⸗ zwungen. 6. Herr, was bin ich, daß du mein so dich angenom⸗ 103 men? Laß die Frucht von deiner Pein nun auch auf mich kommen; gib mir Weis⸗ heit, gib mir Kraft: du hast sie in Haͤnden, was du mir zum Heil verschafft, glaͤubig anzuwenden! 7. Laß das Wort von dei⸗ nem Kreuz mich mit Muth beleben, siegreich jedem Suͤn⸗ denreiz hier zu widerstreben, und voll Dankes dir zum Ruhm, alle meine Pflichten, als dein theures Eigenthum treulich zu verrichten! 8 Druͤckt mich meine Suͤndennoth, straft mich mein Gewissen, o dann laß aus deinem Tod mich den Trost genießen: daß du auch fuͤr meine Schuld buͤ⸗ ßend bist gestorben, und Ver⸗ gebung, Gnad' und Huld mir bei Gott erworben! 9. S:aͤrke mich durch del⸗ nen Tod in den letzten Stun⸗ den! Wie du deine Todes⸗ noth siegreich uͤberwunden: o so hilf dazu auch mir! Laß mich froͤhlich scheiden! Herr, so dank' ich ewig dir fuͤr dein bittres Leiden. Mel. Freu' dich sebr, o meine 143 esu, deine tiefe 2 Wunden, deine Qual, dein bittrer Tod ge⸗ ben mir in bangen Stunden Kraft zur Tugend, Trost in Noth. Mich sollt' ich durch Suͤnd' entwiihen? Nein, ich E 4 denk' 10⁴ denk' an deine Pein; sie, sie lehrt mich Suͤnden las⸗ sen, und sie als mein Un⸗ gluͤck hassen 2. Die Erinnrung deiner Leiden staͤrke mich mit Kraft und Muth, alle schnoͤde Lust zu meiden, zu bekaͤmpfen Fleisch und Blut! Auch wenn meine Seele zagt, Gram an meinem Herzen nagt, laß, im Glauben mich zu staͤrken, mich auf deine Leiden merken! 3. Will die Welt mein Herz verführen auf der Ei⸗ telkeiten Bahn, wo so Viele sich verlieren und sich dem Verderben nah'n: dann denk' ich, o Jesu, nach uͤber deine grosse Schmach, daß ich dir getreu verbleibe und die boͤse Lust vertreibe 4. Gib bei Allem, was mich kraͤnket, mir aus dei⸗ nem Leiden Ruh'! Wenn mein Herz daran gedenket, stroͤme neuer Trost mir zu! Wenn mich meine Febler reu'n, muͤsse mich dein Tod erfreu'n; denn du hast, da du gestorben, diesen Trost auch mir erworben! 5. Auf dich sitz' ich mein Vertrauen, Jesu, meine Zu⸗ versicht. Du vertreibst des Todes Grauen, durch dich schadet er mir nicht. Sicher ist bei dir mein Heil! Hab' ich, Herr, an dir nur Thall, wirst du ew'ges Leben o so Werke und Wohlthaten Gottes mir auch einst aus Gnaden geben. 6. Hab' ich dann in mei⸗ nem Herzen Hoffnung jener Herrlichkeit, so besieg' ich auch die Schmerzen von dem litzten Kampf und Streit. Wenn gleich meine Luͤlle bricht, quaͤlt doch Todes⸗ furcht mich nicht, uͤberwun⸗ den, uͤberwunden hab' ich, durch dich uͤberwunden. In eigener Melodi 144 Wer, mich die Suͤnden kraͤn⸗ ken, so laß, Herr Jesu Christ, mich glaubensvoll bedenken, wie du gestorben bist, und Rettung von der Schulden⸗ last den reuerfuͤllten Suͤn⸗ dern am Kreuz erworben hast. 2. O wundervolle Liebe, bedenk ss, o Sele, recht! Es starb aus freiem Triebe der Herr fuͤr seinen Knecht. Selbst seinen eignen Sohn gab Gott fuͤr mich verlor⸗ nen Menschen in Marter, Schmach und Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden der Fluch, der Suͤndern droht? Gott sieht auf mich in Gnaden; durch Jesu Mittlertod bin ich von diesem Fluch befreit, und darf nicht aͤngstlich fuͤrchten Gericht und Ewigkeit. 4. D'rum sag ich dir von Herzen jetzt und mein Lebe⸗ lang Erlösung. Lang fuͤr deine Todes schmer⸗ zen, Erloͤser, Lob und Dank. Hilf, daß ich dir fuͤr deine Treu' auf ewig ganz ergeben und thaͤtig dankbar sei. 5. Herr, laß dein bittres Leiden mich reizen, als ein Christ mit allem Ernst zu meiden, was vor dir suͤnd⸗ lich ist! Nie komme mir's aus meinem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erloͤset bin! 6. Mein Kreuz und meine Plagen, und waͤr's auch Schmach und Spott, hilf mir geduldig tragen. Laß nur, mein Herr und Gott, mich fliehen jede Lust der Welt, und dem Exempel fol⸗ gen, das du mir vorgestellt! 7. Laß mich an Andern uͤben, was du an mir ge⸗ than, und meinen Naͤchsten lieben, gern dienen Jeder⸗ mann, ohn' Eigennutz und Heuchelei, und, wie du mir's erwiesen, aus wahrer Lieb' und Treu'! 8. In meinen letzten Stunden erquicke mich dein Tod, daß ich, mit dir ver⸗ bunden, besieg auch diese Noth! Du bist es, Herr, auf den ich trau'! Staͤrk meine Seel im Tode, ich dich ewig schau'! Mel. Besiehl du deine Wege einst ant daß 10⁵ bis zum Tod und Grab, aus mitleidsvollem Triebe zu unsrer Rettung gab, ach, unter welchen Plagen schloß sich dein Lebenslauf! Mit Zittern und mit Zagen stiegst du zum Oelberg auf. 2. Die schauervollen Stunden der Martern wa⸗ ren da. Du sahest Hohn und Wunden, dein Kreuz auf Golgatha, den Tod, die Grabeshoͤhle, und fuͤhl⸗ test Angst und Noth; be⸗ truͤbt war deine Seele, be⸗ truͤbt bis in den Tod. 3. Ach! welche Angstge⸗ fuͤhre ergriffen da dein Herz! Im nagenden Ge⸗ wuͤhle von Bangigkeit und Schmerz lagst du vor Gott im Staube, mit Todes⸗ schweiß bedeckt. Wie kaͤmpf⸗ te da dein Glaube, von banger Furcht erschreckt. 4. Auf dich, der Men⸗ schen Bester, drang Angst auf Angst herzu, und doch hing Niemand fester an sei⸗ nem Gott, als du. Wie sehnlich bat dein Flehen um Schonung, und wie still: Es soll nur das ge⸗ schehen, was Gott, mein Vater, will! 5. So warest du mit Freuden gehorsam und be⸗ reit, nach Gottes Rath zu eiden, und gingst mit Wil⸗ ligkeit der frechen Schaar entgegen, die blutbegierfg 5 kam, 106 Werke kam, dir Bande anzulegen, und dich gefangen nahm 6. Der Me acchen Heil zu fordern, gabst du mit sanf⸗ tem Sinn dich willig deinen Roͤrdern und ihren Martern hin. um dich war truͤbe; doch du bliebst ruhe voll. So stark war deine Liebe zu uns und unserm Wohl! 7. O Freund der Men⸗ schenkinder, den nun kein A Leid mehr druͤckt, wie hoch hast du uns Suͤnder durch diese Huld begluͤckt! Dich wollen wir erheben, so viel die Schwachheit kann, und dir zur Ehre leben. Nimm unser Opfer an. Mel. 2 die Sünden 146 C(Einst als im Angstgebete, Herr,— Seele rang, und immer heißer flehte, so tief gebeugt, so bang: da fand st du k Trost, kein Licht, da schwebte Nichts als Marter vor dei⸗ nem Angesicht. 2. Auch sie, die so ent⸗ schlossen, so maͤnnlich dich bekannt, sind muthlos, sind verdrossen, vom Schlummer uͤbermannt. Sie schauen der Seele Schmerz und r deiner Bruͤder spricht Labsal in dein Herz. diese schwachen deine Lieb 5 Doch und Wohlthaten Goltes und Huld „ wie sehr sie gleich⸗ wohl a fehlen, mit schonender Geduld. Erbarmend sprichst du: Freunde, wacht! o wacht mit mir und betet, nah ich des Feindes Macht! 4. Du Troͤster schwacher Bruder, Herr, nimm dich meiner an! Wie leicht fall' ich auch nieder, verfuͤhrt durch stolzen Wahn! Ach! oftmals schlummr ich sor los ein, bin ruhig bei Ge⸗ fahren, die meiner Seele draͤu'n ette du mich wenn Stolz und Sicher heit den Geist verdrossen machen. Gib Kraft und—— im Streit; Herr, 5. Schwachen, floͤß' meiner Seele Tröstung ein; sprich zu ihr: Kaͤmpf und bete! bald ist die Krone dein! Mel. Herzliebster 6 12 Bema ier Jesu, 40 werdet nie vermessen! Der Fall ist nahe, wenn wir je ver⸗ Slut Bestaͤndigkeit und Sicherheit vor Suͤnden auf Golt zu gründen. 2. Dann gleichen selbst die feurigsten Entschluͤsse den lichten Duͤnsten, die durch Finsternisse schnell in die Hoͤhe schimmern und vergehen, wie sie entstehen 2 N.. Ar 74 3. Die Junger staͤ ernsten nd Stunde Er Wachen und Gebet sich nicht im Bunde mit ihrem Herrnz sie fielen selbst vor Kummer in tiefen Schlummer. 4. Als der Verraͤther kam mit seinen Schaaren, wie bebten sie vor drohenden Gefahren! Wo war ihr Muth, fuͤr ihren Herrn mit Freuden den Tod zu leiden? 5. Uneingedenk des Hir⸗ ten flohn die Schafe. Er ward verlassen, er, der un⸗ sre daß werde. 6. O welche Liebe! Jesu, welche Treue! Du littest, daß der Mensch sich deiner freue; ach, laß uns nie mit Strafe so willig duldete, seine Heerde gerettet zweifelnden Gedanken im Glauben wanken! 7. Wer dich bekennet, fuͤrchte, Herr, auch Alles von seiner Schwachheit! Einge⸗ denk des Falles der bessern Juͤnger, streb' er, sein Ver⸗ trauen auf dich zu bauen! 8. Laß deinen Geist uns, Herr, zur Seite treten! Er lehrt uns wachen, lehrt uns ernstich beten! So werden wir im Kampfe nicht erliegen; wir rden siegen. werd Mel. 8 Lamm 3 lag mit Le be⸗ lösung. 107 decket, dein troͤste sich mein Glaube, wenn Tod und Suͤnde mich schrecktt; dein tiefer Schmerz, dein Kla⸗ gen, dein Todeskampf, dein Zagen sei meine Ruhe, Herr Jesu! 2. Du littest ganz von unschul⸗ . vlern Schmaͤ⸗ hmerzen, und tr geduldig sie mi verzeihendem Herzen. Dein Geist soll uns beleben, 10 dulden, zu vergeben, „zu lieben, Herr Jesul 3. Am Kreuze hingst du, klaͤglich entstellt, gemartert, verschmachtet, Dein Tod belehr' uns taͤglich, wie hoch du Scelen geachtet! Er schreck' uns ab von Suͤnden; er muͤss' uns dir verbinden zu ew'ger Liebe, Herr Jefu! dig hung wie Wie In eigener Melodie. 1496 Christe, du Sohn Gottes! der du traͤgst die Suͤnde der Welt: erbarm' dich unser! 2. Christe, Gottes, der du Suͤnde der Welt: dich unser! 3. Christe, du Sohn Gottes, der du traͤgst die Suͤnde der Welt: gib uns deinen Frieden! Amen. Mel. In allen meinen Thaten 150 Wi E 6 du 108 du, o Herr, gelassen fuͤr mich erbuldet hast? Daß ich ge⸗ rettet wuͤrde, trugst du die schwerste Buͤrde, und uͤber⸗ nahmst auch meine Last. 2. Laß deine letzten Stun⸗ den, und was du da em⸗ pfunden, mich troͤsten und erfreuun! Es lehre mich dein Leiden, den Dienst der Suͤnde meiden, und dir mich jetzt und ewig weih'n. 3. Du starbst mit einem Herzen, das auch in Todes⸗ schmerzen fuͤr deine Feinde bat. Wie du, will ich mich uͤben, auch meinen Feind zu lieben; oft wußt' auch er nicht, was er that. 4. Du troͤstetest den Ar⸗ men, der fich auf dein Er⸗ barmen am Kreuze fest ver⸗ ließ. Auch ich bin, wann ich sterbe, war ich dir treu, dein Erbe, und folge dir in's Paradies. 5. Du sorgtest, voll von Liebe aus regem Mitleids⸗ triebe, noch fuͤr der Deinen Ruh. Ach, wenn auch ich muß leiden und von den Meinen scheiden: so sende Trost und Muth mir zu! 6. Du mußtest, matt von Plagen, auch uͤber Durst noch klagen und Keiner labte dich. Warum sollt' ich denn beben, wann Leiden mich umgeben? du labst ja und erquickest mich. 7. Du riesst voll tiefer Werke und Wohlthaten Gottes. Trauer im bangen Todes⸗ schauer: Verlaͤßt du mich, mein Gott? Nun mag ich einst erblassen, du wirst mich nie verlassen; du fuͤhltest selbst des Todes Noth. 8. Du sprachst am Ziel der Leiden mit namenlosen Freuden: Mein Werk ist nun vollbracht! Lehr' es auch mich vollbringen, und einst zum Ziele dringen durch meines Todes dunkle Nacht! 9. Du gabst am Lei⸗ densende in deines Vaters Haͤnde getrost die Seele hin. Wann ich auch meine Seele ihm einst, wie du, be⸗ fehle: dann ist auch mir der Tod Gewinn. Mel. B du deine Wege 1 755 1 Der Herrscher al⸗ 512 ler Lande muß sich gebunden seh'n, er muß, bedeckt mit Schande, vor seinen Knechten stehn, und hier sich richten lassen. Sie Sie suchen ihre Wuth, womit sie laͤngst ihn hassen, zu saͤttigen mit Blut. 2. Die Unschuld seiner Lehren, wem war sie un⸗ bewußt? Wer war's, der ihn mehr ehren, wer, der ihn schuͤtzen mußt'? Wem waren dies sonst Pflichten, als denen, die ihr Stand, ein recht Gericht zu richten, auf's Heiligste verband? 3. Doch hier wird fal⸗ scher Erle sung. Verlaͤumdung hier wird der Hei⸗ hier wird scher Zeugen gern gehoͤrt; durch Lasterungen ligste entehrt; das Recht gebeuget, ent⸗ weiht das Richteramt; hier wo die Falschheit zeuget, die Unschuld frech verdammt. 4. Entweiht ist zwar die Staͤtte, entheiligt dies Ge⸗ richt, in dem man Jesum schmähte, doch seine Un⸗ schuld nicht. Er schweigt; es macht sein Schweigen, und selbst der Luͤgner Mund, die wider ihn hier zeugen, schon seine Unschuld kund. 5. O wuͤrde nie mit Raͤn⸗ ken der Ungerechtigkeit, die Recht und Unschuld kraͤn⸗ ken, ein Richterstuhl ent⸗ weiht! entweiht an keinem Orte die Wahrheit und das Recht, daß nie durch Laͤster⸗ worte die Unschuld leiden moͤcht! 6. Lehr' mich, Herr, wo ich schweigen, und wo ich reden soll! Mein Schwei⸗ gen und mein Zeugen sei klug und wahrheitsvoll! Laß meinen Mund nie truͤ⸗ gen, mach' mich von Falsch⸗ heit frei, daß ich ein Feind der Luͤgen, ein Freund der Wahrheit sei! 7. Laß mich nie wieder schelten, wenn mich die Bosheit schilt, nie Haß mit Haß vergelten! Mein Herz sei sanft und mild! Lehr 109 mich die Rache meiden; und muß ich ohne Schuld doch Schmach und unrecht leiden, so troͤst' mich deine Huld! Mel. So schlummerst du 6 O Durst nach 1 52 Blut, o blinde Wuth, die kaum erhoͤrt ist worden! den Erloͤser will sein Volk grausam schaͤndlich morden. 2. Da geht er hin, ach seht auf ihn! gefesselt durch die Straßen, muß vom heid⸗ nischen Gericht sich verdam⸗ men lassen. 3. Sein Richter sieht, wie Alles gluͤht von Grimm und wilder Rache, und ver⸗ theidiget zuerst des Gerechten Sache. 4. Doch zittert er, wankt hin und her, verlangt des Volkes Stimme; und sie rufen: Barrabas! mit er⸗ bostem Grimme. 5. Da gibt er ihn zur Geißlung hin, die Wache darf ihn hoͤhnen, die mit einem Dornenkranz ihn zum Koͤnig kroͤnen. 6. Wer hat ein Herz, und fuͤhlt den Schmerz des Heiligen, des Besten nicht mit Wehmuth? Moͤchte ihn doch ein Mitleid troͤsten! 7. Seht, welch ein Mensch! seht, welch ein Mensch! spricht selbst* 8 la⸗ 0 110 Werke und datus, stellet ihn zur Sch dar, eh' er noch ihm Artheil fäͤllet! 8. An's Kreuz an's Kreuz mit ihm! so schreit die tolle Menge; und der feige Richter kommt endlich ins Gedraͤnge. 9. So sterb' er dann sprach jetzt der Mann, der ihn erretten sollte, aber nie um Recht und Pflicht Et⸗ was leiden wollte. 10. Ach! uns zu hier dein Blut mit stillem 8 sein mit ihm! edlen Seele Qua alle deine Schmerzen. 11. Du hast's Wir beten an mit dan dem Gemuͤthe, nit wunderung und Preis, Treu' und Guͤte. 12. Dir wollen Herr, dafür uns selbst Hy(87 dor bringen. ib dem Be⸗ deine welch in ch! Wi ihm die l Wie unaussprechlich duldet er fuͤr euch, ihr Menschen⸗ kinder! So leiden sah von Anbeginn die Erde Keinen ihn, so wird auch K eiden 2. Der Sohn des Soͤch⸗ Wohlthaten Gottes. sten ins mit Gott, ein Helfer, ein Gerechter, ward frecher Missethaͤter Spott, und seines Volks Sclaͤchter. Wie ein Verbrecher stand er da, verklagt, verleumdet. Wer ihn sah, der sah ihn mit 3 war der Frevler Wuth, er find risch, ihn zu plagen. Sein Leib war ganz bedeckt mit Blut, voll Striemen und zerschla⸗ gen. Mit einer Dornen⸗ kron' gekrdne, in Koͤnigs⸗ kleidern ausgehoͤhnt, er vor stinen Feinden. 4. Den Heiden, der sein stand Richter war, ergriff ein menschlich Schrecken; er stellt' ihn seinen Bruͤdern dar, ihr Mitleid zu er⸗ wecken. Scht, welch ein Mensch! Ich kann ihn nicht verdam men; denn die Unschuld spricht zu maͤchtig fuͤr sein Leben. 5 rgeblich, ach! ver⸗ dar die Menschlich⸗ Heiden; die auf⸗ gebrachte wilde Schaar sah Jesu Schmach mit— Sein Tod befriedigt siee alle sie stuͤrmten auf der ein, und schrie'n: am Kreuze! 6. Du denkest ohne Schau⸗ dern nie an diese Wuth der Suͤnder, du sprichst: Die Rache strafte sie! noch straft sie ihre Kinder O Erloͤsung. Seele, denkst du auch dabei an deine Suͤnden? Bist du frei von Schuld am Tode Jesu? 7. Sieh, welch ein Mensch! er wird fuͤr dich verschmaͤ⸗ het und zerschlagen! Hoͤr' ihn, er spricht: Ich selber, ich muß deine Suͤnden tra⸗ gen. Die Schuld ist dein, durch meinen Tod versoͤhn' ich, Suͤnder, dich mit Gott, und sterb' um dei⸗ netwillen. 8. O hochgelobter Got⸗ tessohn, du Tilger meiner Suͤnden, erhoͤht auf deines Vaters Thron, ach, laß mich Gnade finden! Laß deines Todes Schmach und Pein Gerechtigkeit und Heil mir seyn, um deiner Libe Willen! 9. Ich schwoͤre, Welter⸗ loser, dir, und willig will ich's halten: so wahr du le⸗ best, soll in mir nie deine Lieb erkalten! Dein Lei⸗ den und dein Tod soll mich, so lang ich lebe, Herr, an dich und deine Lieb' erinnern! 10. Lockt mich die Welt, lockt Fleisch und Blut mich auf den Weg der Suͤnde; so ruͤste mich mit Kraft und Muth, daß ich sie uͤberwinde. Dann rufe du mir liebreich zu: Denk', welch ein Mensch ich war! und du, du woll⸗ test mich nicht lieben? 111 In voriger Melokie . ie groß, o Herr, 154W er scheinest du auf deinen Leidenswegen! Mit welcher hohen Seelen⸗ ruh' gehst du dem Tod ent⸗ gegen! Voll Zaͤrtlichkeit und Edelmuth warst du be⸗ reit, nur uns zu Gut, des Kreuzes Schmach zu tragen. 2. Die Menschen fuͤr die Ewigkeit voll Weisheit zu erziehen, war stets bei dei⸗ ner Lebenszeit dein ernstli⸗ ches Bemuͤhen, und selbst im Tode wolltest du fuͤr sie Heil, Trost und See⸗ lenruh' voll Großmuth noch erwerben. 3. D'rum stiegst du auf der Leidensbahn, voll Hel⸗ denmuth, mit Freuden ge⸗ rost auf Golgatha hinan, den Kreuzestod zu leiden; hier zeigest du dich, Gottes Sohn, bei Schmerzen, Mar⸗ tern, Spott und Hohn in deiner wahren Groͤße. 4. Mit hoher Wuͤrde dul⸗ dest du des Kreuzes Schmach und Schmerzen, sprichst Tros betruͤbten Seelen zu, und bitt'st mit edlem Herzen selbst in der letzten Todes⸗ noth fuͤr deine Moͤrder noch zu Gott; du stirbst als Men⸗ schenretter 5. Ach, sieh ihn hier, er⸗ loͤster Christ, schuldlos zum Kreuze bringen! sieh, wie sein Blut zur Erde fließt; sieh 112 sich ihn zum Tode ringen! Sieh leine Wunden, seinen Schmerz! Denk an sein liebevolles Herz! Ach, sieh ihn duldend sterben! 6. Hier denk an jenen Zweck zuruͤck, der ihn hie⸗ her getrieben! Nun sag bei diesem Trauerblick: willst du noch Suͤnden lieben? Nein, hier, o Christ, entschließe dich bei seinem Tode feier⸗ lich, dein Leben ihm zu weihen! 7. Entsag' den Suͤnden dieser Welt und suͤndenvol⸗ len Freuden; flieh' Men⸗ schenhaß, der ihm mißfaͤllt; such' Alles zu vermeiden, was dich zur Suͤnde reizen kann; geh' standhaft auf der Tu⸗ gendbahn der bessern Welt entgegen! 8. O Jesu! der du fuͤr uns starbst zur Rettung vom Verderben, uns so viel Heil und Trost erwarbst durch Lehren, Leiden, Ster⸗ ben, steh' uns mit deiner Huͤlfe bei, daß wir, stets unsrer Pflicht getreu, nach deiner Lehre leben! 9. Doch auch bei unsrer Suͤndenschuld und bei dem Druck der Leiden woll'st du uns Trost, Muth und Ge⸗ duld durch deinen Tod be⸗ reiten; und naht einst un⸗ ser Tod heran, so laß uns diese Pilgerbahn als Glau⸗ bie dige beschlie ßen! Werke und Wohlthaten Gottes. M rzliebster Jesu 155 1 Ff en doch ward das Todesurtheil dir gespro⸗ chen! Du, Hoallgster, bist ja in Missethaten niemals gerathen. 2. Und doch wirst du verworfen und verhoͤhnet, mit einem Dornenkranz zur Schmach gekroͤnet, gegei⸗ ßelt, und, von Schmerzen schon entkraͤftet, an's Kreuz geheftet. 3. Was ist die Ursach' al⸗ ler solcher Plagen? Ach, unsre Suͤnden haben dich geschlagen! Zu ihrer Tilgung hast du, Herr, erduldet, was wir verschuldet. 4. O große Lieb'! o Lie⸗ be, kaum zu fassen! Auch mir zum Heil hast du dich martern lassen. Damit ich lerne Suͤnden ernstlich meiden, willst du, Herr, leiden! 5. Ach, großer Mittler, groß zu allen Zeiten, wie kann ich gnugsam deine Treu' ausbreiten? Wer hat dich je fuͤr deiner Liebe Pro⸗ ben genug erhoben? 6. Doch dir gefaͤllt's, wenn ich mich selbst bekaͤmpfe, dir folge, und des Fleisches Luͤste daͤmpfe; so sei denn auch forthin mein ganzes Leben nur dir ergeben! Gib selbst zu diesem hei⸗ Geschaͤfte mir Schwa⸗ chen verbrochen; ligen ligen Erlosung. chen deines guten Geistes Kraͤfte, daß er mich auf den Pfad der Tugend fuͤhre, und mich regiere! 8. Dann werd' ich dank⸗ voll deine Huld betrachten, dich lieben und die Lust der Welt verachten, mit allem Eifer suchen, deinen Willen treu zu erfuͤllen. 9. Zu deiner Ehre will ich Alles wagen, kein Drohen achten, keine Schmach, noch Plagen; mich sollen auch des vaͤngsten Todes Leiden nicht von dir scheiden. 10. Empfang' ist einst vor unsers Gottes Throne, wie du empfingst, die Seligkeit zum Lohne, dann will ich wuͤrdiger dein Lob besingen, und Dank dir bringen. Mel. K 2 ein Jesu, fuͤr 156 M dein Herz welch ein so herber Schmerz, den du weit mehr empfun⸗ den, als Striemen, Schlaͤg' und Wunden! Die kleine Zahl von Freunden kraͤnkt dich, gleich deinen Feinden. 2. Kaum naht sich die Gefahr: so bebt der Jün⸗ ger Schaar. Die erst sich hoch vermessen, eh' sie der Treu vergessen, den Tod selbst vorzuziehen, verlassen dich und fliehen! 3. Der kühn sein Schwert gezüͤckt, dein Petrus selbst Auf meinen lieben Gott 113 erschrickt; er flieht, eh Ban⸗ de drohen; schaͤmt sich, daß er geflohen: kehrt um und eilt verwegen dem tiefern Fall entgegen. 4. Wie ist der Mensch so schwach! So viel sein Muth versprach; dort liegt er, tief im Staube; erloschen ist sein Glaube, sein kuͤh⸗ ner Muth gedaͤmpfet. Ach, Christen, wacht und kaͤmpfet! Mel. Wenn mich die Sünden 1 57 Ven Furcht dahin 5 gerissen, ver⸗ laͤugnet Petrus dich. Bald straft ihn sein Gewissen, da weint er bitterlich. Tief dringet ihm dein Blick ins Herz, er fleht zu dir um Gnade, und du stillst seinen Schmerz. 2. Wie wuchs nun dei⸗ nem Zeugen Bestaͤndigkeit und Muth! Furcht konnt' ihn nicht mehr beugen; fuͤr dich floß selbst sein Blut. Dich, seinen Herrn, und sei⸗ nen Gott, verherrlichte sein Leben, verherrlichte sein Tod. 3. Bewegt ist meine Scele, erfuͤllt mit Reu' und Schmerz, was hilft's. daß ich's verhehle? Du schaust mir ja in's Herz! Beken⸗ nen will ich's, Jesu, dir: Auch ich hab' dich verleugnet; vergib, vergib es mir. 4. Wenn deines Namens Spoͤt⸗ 114 Werke und Wohlthaten Gottes. Spotter dich schmaͤhten; wenn ihr Spott dich hoͤhnte, Welterretter! dich, ihren Herrn und Gott; dann schwieg ich furchtsam, schaͤm⸗ te mich, ein Christ zu seyn, und scheute mehr ihren Spott, als dich. 5. O du, der du dein Le⸗ ben, du Herr der Ewigkeit, so willig hingegeben fuͤr meine Seligkeit, wie un⸗ dankbar, wie schwach war ich, daß ich den Spott der Suͤnder mehr fuͤrchtete, als dich! 6. Ach Vater, ich em⸗ pfinde die Groͤße meiner Schuld. Vergib auch diese Suͤnde nach deiner großen Huld! Erbarmend sahst du Petrum an, laß eine gleiche Gnade mich, o mein Heil, empfahn! 7. Laß mich bei meiner Reue den Bund mit dir er⸗ neu'n, Standhaftigkeit und Treue, dir, mein Versoͤhner, weihn! Dich zu verlaͤugnen, Herr, mein Gott, das fürchte meine Secle weit mehr, als selbst den Tod. 8. Ich will dich frei be⸗ kennen. Wann Gott Ge⸗ richt einst haͤlt, wirst du mich auch bekennen dem Richter aller Welt. Dein Kreuz ist meine Zuversicht, dein Kreuz ist meine Ehre, dich laß ich ewig nicht. 9. Beschirmt von deiner Gnade, fuͤrcht' ich selbst nicht den Tod. Wer ist es, der mir schade? Du bist mein Schild. o Gott; von mei⸗ nem Haupte faͤllt kein Haar, und drohte mir von allen die schrecklichste Gefahr. Mel. Wie wobl ist mir, o Freunk N en groͤßten 158 D Sterbenden zu sehen, schwing' dich, mein Geist, auf Golgatha, wo man des Mittlers Kreuz er⸗ hoͤhen, den Weltbegluͤcker bluten sah! Erwaͤg' in die⸗ sem heil'gen Orte des ster⸗ benden Erloͤsers Worte und rufe Gott um Glauben an; sie koͤnnen dir den Trost im Leben und einst den Trost im Tode geben, wenn bier dich Nichts mehr troͤsten kann. 2. Geduldig bei den groͤß⸗ ten Schmerzen, nimmt er sich seiner Feinde an und ruft mit sanftmuthsvollem Wer⸗ zen: Sie wissen nicht, was sie gethan! Der göttliche, der groͤßte Beter fleht liebreich noch fuͤr Misse⸗ thaͤter, Werkzeuge seiner Pein und Schmach. Mensch, wenn dich Rach und Zorn verfuͤhren, laß dich durch ieses Beispiel r' hren, und bete deinem Heiland nach. 3. Welch Beispiel kind⸗ lich⸗frommer Triebe, als, unter Leiden ohne Zahl, der Erlösung. der Herr dem Juͤnger seiner Liebe die Mutter sterbend noch empfahl! Ach, wird mein Aug einst um die Meinen in meinen leitzten Stunden weinen: so soll dies Wort mir Trost ver⸗ leih n. Der, als der Tod schon um ihn schwebte, die Seinen noch zu schuͤtzen strebte, wird auch der Mei- nen Pfleger seyn. 4. Frohlockt, bußfertige Verbrecher! Wer glaubet, kommt nicht ins Gericht. Hoͤrt, was zu dem gebeug⸗ ten Schaͤcher der Mund der Liebe sterbend spricht: Du wirst, so ruft er ihm ent⸗ gegen, noch heute, deines Glaubens wegen, mit mir im Paradicse seyn! O Herr, laß an des Todes Pforte einst diese trostes⸗ vollen Worte mich auch im letzten Kampf erfreu'n! 5. Wer kann die hohen Lriden fassen, als Christus an dem Kreuze rief: Mein Gott, wie hast du mich verlassen! Wie beuget ihn die Last so tief, die freche Sünder auf ihn brachten! Vor Angst und Pein muͤßt er verschmachten, waͤr Gott nicht seine Zuversicht. Lerr, der fuͤr mich zum Tod ze⸗ gangen, fuͤr mich verlassen da gehangen, o Herr, mein Trost, verlaß mich nicht! 6. Der Herr des Him⸗ 115 mels und der Erde, von allem Labsal jetzt entblößt, wuͤnscht, daß sein Durst gestillet werde. O Mensch, der dich so theu'r erloͤst, der Heiland rufet dich noch heute im Armen, den an deiner Seite auch Hunger, Durst und Mangel druͤckt. O stclig, wer den Ruf er⸗ fuͤlet! Denn wer des Ar⸗ men Mangel stillet, der hat den Heiland selbst erquickt. 7. Nun enden sich die schweren Leiden, der Hei⸗ land spricht: Es ist voll⸗ bracht! O Wort des Sie⸗ ges, Wort der Freuden! du nimmst dem Tode seine Macht. Heil uns! wer darf es nun wohl wagen, uns, die Erloͤsten, zu ver⸗ klagen? Der Friede ist mit Gott gemacht. Gib, daß am Ende meiner Tage auch ich, o Herr, mit Freu⸗ den sage: Es ist vollbracht! es ist vollbracht! 8. Das letzte Wort aus deinem Munde soll, Jesu, auch das meine seyn! Laß es in meiner Todesstunde mir Muth und Zuoversicht verleihn! Du rufest: Va⸗ ter, ich befehle in deine Haͤnde meine Seele: du, der du Allen Hail erwarbst. Nun war das groͤßte Werk vollendet, wozu der Vater dich gesendet, du neigtest sanft dein Haupt und starbst. 9. Mensch! 416 Werke und Wohlthaten Gottes. 9. Mensch! kannst du ohne fromme Zaͤhren den Liebling Gottes sterben seh'n? Mußt du ihn nicht mit Freuden ehren, und willig seinen Ruhm erhoͤh'n? O weine fromm bei sei⸗ nen Plagen, und froͤhlich sieh ihn nach drei Tagen aus seinem Grabe aufer⸗ stehn! Und wenn ihn Spoͤt⸗ ter hier entehren, dort wirst du ihn als den Ver⸗ klaͤrten, zur Rechten seines Vaters seh'n! Mel. O Jesu Christ, mein's 159 Du denkest in der 5 5 tiefsten Noth, ergriffen, Herr, von Qual und Tod, an deiner Freunde Gram und Schmerz, und floßest ihnen Trost ins Herz. 2. Du siehst die Mut⸗ ter, siehst den Freund, und sprichst zu ihr, die trostlos weint: Sieh, Mutter, dieser Sohn ist dein; was ich dir war, wird er dir seyn. 3. So innig bis zum Tod, so treu sei meine Zaͤrtlich⸗ keit, ich sei so willig, An⸗ dern beizustehn, und ihnen Beistand zu erfleh'n! 4. Wenn euch, die hier mein Herz geliebt, ihr Freunde, einst mein Tod betruͤbt: dann uͤbergeb' ich euch dem Herrn, er hoͤrt, er hilft, er segnet gern. 5. Froh geh' ich, wenn es ihm gefällt, den Weg zu jener bessern Welt, euch sag' ich, die ihr um mich weint: Getrost, bald werden wir vereint! 6. Den Trost, o Jesu, dank' ich dir; du brachtest ihn vom Pimmel mir. Du hast verheißen: Ihr seid mein; wo ich bin, sollt' ihr ewig seyn! Mel: Besiebl du deine Wege 160 Du, dessen Augen — flossen, sobald sie Zion sah'n, zur Frevel⸗ that entschlossen, sich seinem Falle nah'n; wo ist das Thal, die Hoͤhle, die, Jesu, dich verbirgt? Verfolger seiner Seele, habt ihr ihn schon erwuͤrgt? 2. Welch jammervolles Klagen seufzt in Gethse⸗ mane! Wer ist der Mann der Plagen, der langsam Sterbende? Ist Jesus das, der Beste, den je die Erde sah? Er fuͤhlt der Qua⸗ len groͤßte? Er ist dem Tode nah? 3. Ach, wie er tief im Staube, bedeckt mit Angst⸗ schweiß, liegt, mit dem Ge⸗ fuͤhl sein Glaube im Kampfe dennoch siegt! Schon kommt der Moͤrder Rotte, die kein Erbarmen ruͤhrt, die ihn zu Hohn und Spotte, ihn, ach! zum Kreuze fuhrt. 4. Sein Volk im bittern Grim⸗ Erlosung. Grimme erweicht sein An⸗ blick nicht, nicht fremden Mitleids Stimme, die von dem Richtstuhl spricht. Er ist ihr Hohngelaͤchter; sie drohn mit wildem Ton: Auf uns, auf Soͤhn' und Tochter, komm' seines Blu⸗ tes Lohn! 5. Zur staͤtte traͤgt fernen Schaͤdel⸗ er sein Kreuz hinan. Sie kreuz gen ihn! O bete, mein Geist, mit Wehmuth an. Noch hoͤhnt in frechen Mienen das Volk des Dulders Schmerz. Er ruft: Vergib es ihnen! ver⸗ gebend bricht sein Herz 6. Es bricht, und schwer von Kummer sinkt auf die Brust zur Ruh sein Haupt; nun schließt der Schlummer sein muͤdes Auge zu. Am Kreuze ruht die Hulle, der Geist schwebt sanft entruͤckt zu Gott, wo ihn die Fuͤlle des hohen Lohns erquickt. 7. O Freund der Men⸗ schenkinder, wir danken dir geruͤhrt! Dein Leiden hat uns Suͤnder zu großem Gluͤck gefuͤhrt! Dich ehre unser Glaube, Anbetung sei dein Dank; hoͤr' ihn, ver⸗ nimm vom Staube den schwa⸗ chen Lobgesang. ul. Werde munter, mein 161 er am Kreuz ist meine Liebe! Meine Lieb ist Jesus Christ, 117 Weich' von mir, des Eitlen Liebe, Alles, was nicht ewig ist! Was du gibst, ist nicht von Gott; und womit du lohnst, ist Tod! Der am Kreuz ist meine Liebe, dem ich treu zu seyn mich uͤbe. 2. Der am Kreuz ist meine Liebe! Frevler, was befremdet's dich, daß ich Jesum Christum liebe? Je⸗ sus gab sich selbst fuͤr mich; sollt' ich nicht sein eigen seyn, mich ganz seinem Dienste weihn? Der am Kreuz ist meine Liebe, dem ich treu zu seyn mich uͤbe. 3. Der am Kreuz ist meine Liebe! Suͤnde, du bist mir verhaßt! Weh mir, wenn ich den betruͤbe, der fuͤr mich am Kreuz er⸗ blaßt! Undank fuͤr so her⸗ ben Schmerz, nie beflecke er mein Herz! Der am Kreuz ist ꝛc. 4. Der am Kreuz ist meine Liebe! Was ist mir noch fuͤrchterlich? Ruh', Ge⸗ wissen! Er, die Liebe, Je⸗ sus starb ja auch fuͤr mich. Wer verdammt nund Gott ist hier; Gott verzeiht durch Christum mir. Der am Kreuz ist ꝛc. 5. Der am Kreuz ist mein Vertrauen! Nichts, wie furchtbar es auch ist, keines, keines Todes Grauen reißt von dir mich, Jesu Christ! Nicht Gewalt, nicht Gold, * * 118 Werke und Wohlthaten Gottes. Gold, nicht Ruhm! Engel nicht, kein Fuͤrstenthum! Dir, dir will ich lebend trauen; sterbend dir! Dich werd ich schauen! 6. Der am Kreuz ist meine Liebe! Komm, o Tod! Du bist mein Freund! Wenn ich, wie ein Staub, verstiebe, wird mein Geist mit Gott vereint. Da, da schau' ich Gottes Sohn, aͤrnte seiner Leiden Lohn Der am Kreuz ist meine Liebe, dem ich treu zu seyn mich uͤbe. Mel. In allen meinen Thaten 162 O bete ba Stamm des Kreuzes schwe⸗ ben! Dein Heil sinkt in den Tod. Der große Herr der Ehren laͤßt willig sich beschweren mit Banden, Schlaͤgen, Hohn und Spott 2. Komm, schaue seine Schmerzen! Erwäge, was im Herzen der Unschuldvolle fuͤhlt, was er am Leibe lei⸗ det, wie, bis er endlich schei⸗ det. die Qual in seinen Adern wuͤhlt. 3. Wer ist's, der dich ge⸗ schlagen, mein Heil, und diese Plagen dir aufgebuͤrdet hat? Ou warst ja nicht ein Suͤnder, wie andre Men⸗ schenkinder, und rein von Waller Missethat. 4. Du gingest melnetwe⸗ gen dem Todeskampf entge⸗ gen mit wahrem Helden⸗ muth; du starbst, mir vom Verderben Errettung zu er⸗ werben, und littest Alles mir zu Gut. 5 Wie bin ich dir ver⸗ bunden, durch den ich Heil gefunden, zur tiefsten Dank⸗ barkeit! Dir sei mein gan⸗ zes Leben zum Opfer hinge⸗ geben, dir, Jesu, Leib und Seel' geweiht. 6. Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mir stets vor Augen seyn, von meinen Christen⸗ pflichten mich taglich unter⸗ richten, und mir zur Tugend Kraft verleihn! 7. Dein Beispiel soll mich lehren, den Rath des Hoͤch⸗ sten ehren, ihm gern gehor⸗ sam seyn; auch meine Bruͤ⸗ der lieben, und, wenn sie mich betruͤben, mit edlem Wohl⸗ thun sie erfreun 8. Als Chr st will ich mich uͤben, die Feinde selbst zu lieben, wie du, der fuͤr sie bat Ich will des Lebens Plagen getrost und willig tragen, und thun, wie mein Erloͤser that. 9. Nie will ich wieder schelten, nie Spott mit Spott vergelten, nie, wenn ich leide, draͤu n. Selbst un⸗ recht will ich dulden, dem Naͤchsten feine Schulden, wie Erlö sung. wit du, verzeihn. 10. Geruͤhrt von deinen Plagen will ich mit Ernst entsagen dem, was dir nicht gefaͤllt; was deine Augen hassen, das will ich fliehn und lassen, gefiel es auch der ganzen Welt. 11. und soll ich endlich sterben, so laß dein Reich mich erben, mich so getrost, wie du, in deine Vaterhaͤnde den Geist an meinem Ende von Herzen gern empfehlen zu der ew' gen Ruh. Mel. Besiehl du deine Wege 0 er du voll Blut 163 D und Wunden fuͤr uns am Kreuze starbst, und unsern letzten Stunden den hoͤchsten Trost erwarbst; der du dein theures Leben, noch eh ich war, auch mir zur Rettung hingegeben: mein Heil, wie dank ich dir! 2. Wie viel hast du erdul⸗ det, erhabner Menschensohn, als du, der Nichts verschul⸗ det, empfingst der Suͤnder Lohn! Da folgte Schmerz auf Schmerzen, da traf dich Schmach auf Schmach; da lag auf deinem Herzen Angst, die das verz dir brach. 3. Entbloͤßt von allem Reize, der Menschen wohl⸗ gefallt, hingst du an deinem Kreuze, ein Fluch vor aller Welt. Dich flohen deine 119 Freunde; du warst der Leute Spott, dich hoͤhnten deine Feinde: Wo ist denn nun dein Gott? 4. Wer kann dir nach⸗ empfinden den Schmerz, die Todesangst, mit welcher du von Suͤnden uns zu erretten rangst? Die Last gehaͤuf⸗ ter Plagen siel da so schwer auf dich, daß sie dich drang zu klagen: Gott, wie verlaͤßt du mich! 5. Ach, diese Last und Muͤhe hab' ich auch dir ge⸗ macht! O mein Erldser, siehe vom Throne deiner Macht in Gnaden auf mich Armen, der sie verschuldet hat und hilf mir aus Erbar⸗ men von meiner Missethat! 6. Ich will auf dich stets sehen mit aller Zuversicht; wohin soll ich sonst gehen? Verwirf nur du mich nicht! Wo soll ich Ruhe finden, wenn du mich, Herr, nicht liebst? wo Reinigung von Suͤnden, wenn du sie mir nicht giebst? 7. Du hast mr durch dein Leiden zur Tugend Muth und Kraft, in Truͤb⸗ sal, Trost und Freuden, die ewig sind, verschafft. O gib an dieser Gnade auch mei⸗ nem Glauben Theil, und auf des Lebens Pfade mir Muth, Kraft, Trost und Heil! 8 Soll ich, o Herr, einst schei⸗ 120 Werke und Wohlthaten Gottes. scheiden, o so verlaß mich nicht: sei du in Todeslei⸗ den mein Trost, mein Heil, mein Licht! Wenn mir am allerbaͤngsten wird in dem Herzen seyn, so reiß mich aus den Aengsten Kraft dei⸗ ner Angst und Pein! 9. Laß du mein ganzes Hoffen dann in Erfuͤllung gehn, und mich im Geiste offen, Herr, deinen Him⸗ mel sehn! Mit heiligem Entzuͤcken will ich dann glau⸗ bensvoll nach dir, mein Hei⸗ land blicken. Wer so stirbt, der stirbt wohl! In eigener Melodie. 1 64 A* sieh' ihn dul⸗ den, bluten, sterben! O meine Seele, sag' ihm frommen Dank! Sieh' Gottes ein'gen Sohn dort sterben, weil Menschen⸗ liebe ihn so heftig drang! Wo ist ein Freund, der je, was er, gethan, der so wie er, fuͤr Suͤnder sterben kann? 2. Ja mir zum Trost und ihm zur Ehre gereicht sein ganzer Kampf, sein Kreuzestod; bestaͤtigt ist nun seine Lehre; ich baue fest darauf in jeder Noth. Unschuldig litt er zwar; doch Preis und Ruhm ist auch im Kampf der Unschuld Eigenthum. 3. Mich soll das Beispiel Jesu lehren, der frommen Unschuld Lohn sei Selig⸗ keit. Auch ich will Gott durch Tugend ehren, und willig thun, was sein Ge⸗ setz gebeut. Die Pflicht des Danks dringt innig mich dazu, und Tugend gruͤndet wahre Seelenruh'. 4. Nie will ich mich am Feinde raͤchen: auch dies lehrt Jesu hehes Beispiel mich; in bange Klagen nie ausbrechen, verloͤr' auch gleich mein Pfad im Dun⸗ kel sich. Durch Leiden ging zum Ziele Jesus hin; ich folge ihm, weil ich sein Schuͤler bin. 5. Was fuͤrcht' ich noch des Todes Schrecken? Im Grabe schlief auch einst der Menschenfreund. Mag Erde meine Asche decken, wenn einst des Todes dunk⸗ le Nacht erscheint! Der Gott, der ihm das Leben wieder gab, ruft einst auch mich aus meinem dunklen Grab. 6. Nimm hin den Dank fuͤr deine Liebe, mein Ret⸗ ter, den mein ganzes Herz dir bringt! Dort dank ich dir mit reinem Triebe, wenn dich mein Geist unsterblich einst besingt. Dann stim⸗ men alle Sel'gen froͤhlich ein; dann soll der ganze Himmel Zeuge seyn!. Mel. Erlösung. Mel. Wer nur den lieben Gott 165. starb, der größ⸗ te Freund der Tugend, er starb, von sei⸗ nem Volk verkannt, das nicht in ihm den Freund der Jugend, des Mannes und des Greises fand; in ihm, der nie auf Rang und Pracht, nur Anspruch auf das Herz gemacht. 2. Wie aber werden wir erkennen, daß wir den größ⸗ ten Menschenfreund nicht auch, wie einst sein Volk, verkennen, daß unser Herz es besser meint mit Jesu, dessen Tod uns rührt, dem unser ganzer Dank gebührt? 3. Wenn seinem liebe⸗ vollen Herzen auch unser Herz an Liebe gleicht; wenn unter Leiden, unter Schmer⸗ zen es nie von seinen Pflich⸗ ten weicht; wenn wir dem Feinde selbst verzeihn, und ihn mit Rath und Trost erfreun; 4. Wenn wir stets rei⸗ nes Herzens leben; wie Je⸗ sus, uns der Tugend weihn; und unser eifrigstes Bestre⸗ ben nur das ist: Gott er⸗ geben seyn; und wenn wir jede böse That vermeiden, wie es Jesus that: 5. Dann können wir den Trost uns geben, daß unser Herz ihn ehrt und liebt, und hoffen, daß nach diesem Leben 6 tt jene Seligkeit 121 uns gibt, mit der er in der Ewigkeit den, der die Tu⸗ gend ehrt, erfreut. In voriger Melodie. 166 u Bester aller TMenschenkin⸗ der, wie martert dich voll blinder Wuth der Frevel ausgelaßner Sünder! Aus allen Adern strömt dein Blut, und tiefer, nie ge⸗ fühlter Schmerz durchdrin⸗ get Glieder, Sinn' und Herz. 2. Doch Sanftmuth ist in deinen Mienen, in dei⸗ ner Seele Zuversicht; du flehst: Vergib, o Vater! ih⸗ nen; was sie jetzt thun, verstehn sie nicht! Und ru⸗ hig, bis dein Herz dir brach, trugst du des Kreuzes Qual und Schmach. 3. Dein hohes Beispiel soll mich lehren, das Un⸗ recht dulden und verzeihn. Will Rachsucht meinen Geist empören, Gekreuzigter, dann denk' ich dein, wie du, ge⸗ martert und geschmäht, für deine Peiniger gefleht. 4. Wie sollt ich nun nicht Alle lieben, für welche du gestorben bist? Wie könnt' ich Einen noch betrüben, für den du littest, Jesu Christ? Wie nun nicht freudig Gu⸗ tes thun, und still in Got⸗ tes Willen ruhn? 5. Schreckt mich der Lohn der Uebertreter, und 1 51 ie 122 Werke und Wohlthaten Gottes. die Schuld der Sünde mich; dann denk ich, göttlicher Vertreter, mit froher Zuver⸗ sicht an dich. Auch mir, auch mir hat dein Gebet Begna⸗ digung und Heil erfleht. Mel. Herzlich lieb hab' ich dich 167 1 m Gnade für die Sünder⸗ welt rufst du, mein Heil, am Kreuz, gequält von fre⸗ cher Sünder Rotten. Dir blutet das bedrängte Herz, wann dich bei deinem her ben Schmerz die Bösewich 5 ter spotten. Du stehst mit segensvollem Blick von ih⸗ nen weg auf den zurück, den diese Schaar in dir entehrt; rufst, daß es Erd' und Him⸗ mel hört: Vergib, o Gott, und führe nicht sie ins Ge⸗ richt, denn was sie thun, verstehn sie nicht! 2. Erstaunend seh' ich diese Huld. Wie mitlei li die Geduld, die Mörd erträget! Ihr, di Heiland ehrt, f Großmuth hohen Werth, und danket ihm beweget! Er hat durch segnendes Gebet auch uns ein ewig Heil er⸗ fleht. Er sagt auch uns, zu unsrer Ruh', Erbarmen und Vergebung zu. Herr Jesu Christ! gelobt seist du für deinen Tod! Gott ist durch dich noch unser Gott! Gott mit Lang mit rang muth und Geduld, auch selbst bei sehr gehäufter Schuld, der Sünder dennoch schonet, daß er so liebreich ihrer denkt, und ihnen Frist zur Buße schenkt, eh nach Ver⸗ dienst er lohnet; daß ich noch fröhlich sagen kann: Auch mich, mich Sünder, nimmt Gott an; hast du durch dei⸗ nes Fürspruchs Kraft, mein treuer Heiland, mir ver⸗ schafft. O Jesu Christ, mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! vertritt du mich bis an den Tod! 4. Wird je mein Herz von Troste leer, weil meiner Sünden furchtbar Heer aufs Neue mich erschrecket: o dann versichre mich aufs Neu', du stehest mir als Mittler bei, der meine Schuld bedecket! Mein Geist blickt glaubens⸗ voll auf dich. Sei du mir nur nicht fürchterlich! und schließt sich meine Pilgrim⸗ schaft, so stärke mich mit neuer Kraft, Herr Jesu Christ! Der letzte Kampf wird mir versüßt, wenn du mein Trost im Tode bist. 5. Den sanften, liebevol⸗ len Sinn, daß ich ein Freund der Feinde bin, flöß', Herr, in meine Seele; gib, daß bei der Verfolgung Schmerz ich dir des Feindes hartes Herz und meine Sach' em⸗ pfeble. Besänftige mein re⸗ lammt des Zor⸗ ges Blut, und Erlösung. Zornes wilde Glut mein Herz zur Rachbegierde an: o so erinnre mich daran, Herr Jesu Christ, wie du am Kreuz durch dein Ge⸗ bet selbst deinen Mördern Gnad' erflehtl 6. Mich tröste dein Ver⸗ söhnungstod; es bilde mich dein Geist, mein Gott, daß ich dir ähnlich werde! O zeuch mich, du erhöhter Held, zu dir hinauf vom Dienst der Welt, zum Himmel von der Erde! Du bist der Dei⸗ nen Schutzpanier. Zeuch dir uns nach, so laufen wir, so wollen wir uns deiner Pein und deiner Fürbitt ewig freu'n. Herr Jesu Christ! wie selig ist, wie selig ist der Mensch, dem du ein Heiland bist. Mel. Wer nur den lieben Gott 168 S Golgatha, zu deinen Höhen erheb' ich andachtsvoll mein Herz. Ich will den Heil gen Gottes sehen in seines Opfertodes Schmerz; ich will für seine Todespein mein ganzes Leben ihm nur weih'n. 2. Wie rührend scheidet der Gerechte, im Tod als Gottes Sohn bewährt! Zwar leidet er den Tod der Knechte, von Frevlern noch am Kreuz entehrt; doch seines Muths Erhabenheit 123 zeugt laut von seiner Gött⸗ lichkeit. 3. Er fleht für die, die ihn verkannten, mit himmlischer Gelassenheit; bemerkt die traurigen Verwandten, und sorgt für sie voll Zärtlich⸗ keit; spricht hohen Trost und Fried' und Ruh' den kummer vollen Seelen zu. 4. Stets eifrig, seines Vaters Willen, auch wann er Leiden vor sich sah, durch Lehr' und Thaten zu erfül⸗ len, fühlt er sich nun dem Ziele nah, und, Demuth auf dem Angesicht, freut er sich der vollbrachten Pflicht. 5. Jetzt nähert sich die ernste Stunde, wo Mancher schon nicht Fassung hielt; doch seht, wie er, mit Gott im Bunde, getrost ihm sei⸗ nen Geist empfiehlt, und unsrer Seelen hohen Werth durch dieses letzte Wort er⸗ klärt! 6. So stirbt denn Jesus, seine Lehren von Tugend und Unsterblichkeit der Welt als göttlich zu bewähren, und macht die Seinigen bereit, Verkündiger des Worts zu seyn, und weder Schmerz noch Tod zu scheun. 7. Er stirbt, der Wohl⸗ thun ausgebreitet, oft Näch⸗ e im Gebet durchwacht, er Irrende zu Gott gelei⸗ und Leidende gesund gemacht! So freudenvoll 8 2 stirbt 12⁴ Werke und Wohlthaten Gottes. stirbt auch der Christ, dem Jesus Licht und Beispiel ist. 8. Schon viele tausend Fromme schieden, dir, Jesu, nach mit Freudigkeit, em⸗ pfanden jenen Seelenfrie⸗ den, den nur die Tugend uns verleiht. Ihr will ich denn mein Leben weihn; so wird mein Tod, wie deiner, seyn. In voriger Melodie. (Deht, Christen, 169 S sehet Jesum scheiden, wie er im Tode standhaft ist, wie nach dem bängsten Erdenleiden sein Auge sich so ruhig schließt; und wißt, daß, wer die Tugendbahn stets wandelt, ruhig sterben kann! 2. Die Welt mit ihrer Lust verachten, des Reich⸗ thums eitlen Glanz ver⸗ schmähn, und Tugend über Alles achten, in jedem Tu⸗ gendkampf bestehn, das machte, daß auf Golgatha man Jesum ruhig sterben sah. 3. Des ewig guten Va⸗ ters Willen durch seine ganze Lebenszeit treu und gewissenhaft erfüllen, war Jesu größte Seligkeit. Ihn schreckte Grab und Zukunft nicht; denn Gott war seine Zuversicht. 4. Er liebte herzlich seine Brüder, selbst noch im letzten Augenblick; schalt nie, ward er gescholten, wieder, be⸗ förderte des Feindes Glück. Und diese Menschenfreund⸗ lichkeit gab sterbend ihm noch Heiterkeit. 5. Auf! laßt an Jesu To⸗ destage den Vorsatz lebhaft uns erneun: Wir wollen unsre Lebenstage, wie Je⸗ sus, nur der Tugend weihn! Dann strahlt auch uns ein helles Licht, wenn sterbend unser Auge bricht. In voriger Melodie. Fe ist vollbracht! 1 70 so ruft am Kreu⸗ ze des sterbenden Erlösers Mund. O Wort voll Trost und Leben, reize zur Freu⸗ de meines Herzens Grund! Das große Opfer ist ge⸗ schehn, das Gott auch mir zum Heil ersehn. 2 Mein Jesus stirbt, die Felsen beben, der Sonne Schein verlieret sich, in Todte dringt ein neues Le⸗ ben, der Heil'gen Gräber öffnen sich, der Vorhang reißt, die Erde kracht, der Welt Versöhnung ist voll⸗ bracht. 3. Wie viel, mein Heil, hast du vollendet, als dir das Herz im Tode brach! Du hast den Fluch hinweggewen⸗ det, der auf der Welt voll Sünder lag, und uns die Bahn durch's Todes Nacht zur frohen Ewigkeit ge⸗ macht. 0 4. Dank⸗ Erlösung. 4. Dankvolle Thränen, netzt die Wangen! Mein Glaube sieht nun offenbar die Schuldschrift an dem Kreuze hangen, die wider meine Seele war. Er, den mir Gott zum Trost ge⸗ macht, rief auch für mich: Es ist vollbracht! 5. O hilf mir, Herr, nun auch vollbringen, was wah⸗ re Dankbarkeit begehrt! Laß nach der Heiligung mich ringen, dazu dein Tod mir Kraft gewährt! O stärke mich dazu mit Macht, bis meine Beß'rung ist voll⸗ bracht! 6. Du littst so viel zu meinem Leben. Wie sollt' ich nicht voll Eifer seyn, mich deinem Dienste zu er⸗ geben? Sollt' ich dabei vor Schmach mich scheun? Dein Dienst, mein Heiland, sei mein Ruhm; denn ich bin ganz dein Eigenthum. 7. Soll ich, bei dir er⸗ gebnem Herzen, auch hier durch manche Trübsal gehn, und hat mein Gott gehäufte Schmerzen zu meiner Prü⸗ fung ausersehn; so laß die Hoffnung mich erfreun: Auch das wird einst geendigt seyn! 8. Ja, fühlt mein Herz des Todes Schrecken, so stärke mich in solcher Last; laß mich den Trost auch ster⸗ bend schmecken, daß du ihn überwunden hast! So tret 12⁵ auch ich in's Todes Nacht mit dem Triumph: Es ist vollbracht! In eigener Melodie. 171 o schlummerst du in stiller Ruh, der du für uns ge⸗ storben, uns am Kreuz in schwerer Müh' ew'ges Heil erworben! 2. Du bist erblaßt, o Herr, und hast doch in dir selbst das Leben. Gleich als Sterbliche hält dich nun das Grab umgeben. 3. Doch, Heil sei mir! Herr, du willst hier nicht die Verwesung sehen; son⸗ dern bald aus eigner Kraft aus dem Grabe gehen. 4. Ich weiß, du wirst, mein Lebensfürst, wie dich, auch mich erwecken. Sollte denn mein gläubig Herz vor der Gruft erschrecken? 5. Hier werd ich einst, bis du erscheinst, in sanf⸗ tem Frieden liegen, denn durch deinen Tod kann ich Tod und Grab besiegen. 6. Ihr, die die Welt ge⸗ fesselt hält, zagt nur vor der Verwesung! Ich, ich hoff in Christo einst meines Leibs Erlösung. 7. Nein, Nichts verdirbt! Selbst das, was stirbt, der Leib wird auferstehen, und zu Himmelsglanz verklärt aus dem Grabe gehen. F 3 8. So 2 Mes uud M 126 Werke und Wo 8. So sink ins Grab, mein Leib, hinab; ich will mich drum nicht kränken; Jesu, an dein Grab will ich, mir zum Trost, ge⸗ denken. In voriger Melodie. 17 n der Martern Last und Todesqualen müde, findet mein Erlöser erst in dem Grabe Friede. 2. Ein heil'ger Schmerz durchdringt mein Herz, und, Herr, was kann ich sagen? Nur an meine Brust kann ich tiefgerübret schlagen. 3. Du schützest mich, und über dich gehn aller Trüb⸗ sal Wetter; sterben woll⸗ test du für mich, einziger Erretter! 4. Du hast's gethan: dich bet ich an, du König der Erlösten! Dein will ich im Tode mich glaubensvoll ge⸗ trösten. 5. Es ist vollbracht! riefst du mit Macht; du zeigst, daß du dein Leben, mein Versöhner, göttlich frei ha⸗ 2. 6. Hochheil'ge That! des Höchsten Rath will ich in Demuth ehren; der Erwer⸗ ber meines Heils wird mir's einst erklären. 7. Allmächtig rief er, der entschlief, den Todten: sie erstanden; leicht entschwingt blthaten Gottes. der Lebensfürst sich des To⸗ des Banden. 8. Das finstre Thal will ich einmal durchwandeln ohne Grauen; denn durch dich, Erlöser, ist's mir der Pfad zum Schauen. 9. Ich preise dich: erfor⸗ sche mich, und siehe, wie ich's meine; ja du siehst es, wenn ich still meinen Dank dir weine. 10. Vergeß' ich dein, so werde mein in Ewigkeit ver⸗ gessen! Herr, ich will, so lang ich bin, deine Lieb' er⸗ messen. Mel. Nun laßt uns den Leik 4 ch endlich, Dul⸗ 1 73 A der, findest du ein stilles Grab zu deiner Ruh', das nach der Noth, die dich gedrückt, mit sanf⸗ tem Schlummer dich er⸗ quickt! 2. Wohl dir, daß du ge⸗ funden hast, wo, nach des heißen Tages Last, dein Haupt du legtest, einmal nun von langer Arbeit aus⸗ zuruhn! 3. Nicht modernder Ver⸗ wesung Raub wird, Hei⸗ liger des Herrn, dein Staub. Aus dunklen Todesnächten bricht bald deiner Auferste⸗ hung Licht. 4. O daß, wann einst mein ew'ger Geist der Er⸗ denhülle sich entreißt,— i Erlösung. ich von edlen Thaten ruh! auch Ruh verdiene, Herr, wie du! Auferstehung Jesu. (Osterlieder. Mel. Wer nur den lieben Gott 174 Heil ihm, dem 2 Todesüber⸗ winder! Aus seiner Gruft geht er hervor. Als Retter der verlornen Sünder em⸗ pfängt ihn nun der Engel Chor, und aller Himmel Jubelton preist ihn, des großen Gottes Sohn. 2. Er hat des Grabes Ruh' empfunden; doch kur⸗ zer Schlummer war sein Tod. Er hat gekämpft und überwunden; dahin ist alle seine Noth. Ihm, der das Felsengrab durchdrang, er⸗ schallt nun ein Triumph⸗ gesang. 3. Das segenreichste sei⸗ ner Werke, die Rettung einer Menschenwelt, voll⸗ endet ist's mit Gottes Stär⸗ ke, die Nacht des Irrthums ist erhellt. Sein göttlich Evangelium steht fest zu sei⸗ nes Namens Ruhm. 4. Auf Felsen ruht des CThristen Glaube, da sein Erlöser ewig lebt, und einst mit Macht aus seinem Stau⸗ be ihn zur Unsterblichkeit er⸗ hebt. Nun wird der Tod 127 an Jesu Hand ihm Hingang in ein beßres Land. 5. Ja, Christen, singt: Er ist erstanden! Singt ihm Triumph und Preisgesang! Entfesselt von der Sünde Banden, sei nun Gehor⸗ sam euer Dank! Nicht mehr der Welt und Eitelkeit, nein, ihm weiht eure Lebenszeit! 6. Ein Tag erscheint, er⸗ löste Brüder! Freut euch, es ist ein Wonnetag! Dann kommt der Herr von Neuem wieder, und Engelheere fol⸗ gen nach. Dann dringet auch in euer Grab des Tod⸗ tenweckers Ruf hinab. 7. Dann werdet ihr zum höhern Leben, zum Lohn der Frommen auferstehn, und mit des Himmels Glanz um⸗ geben, getrost zum Richter⸗ stuhle gehn, dann wird euch der erstandne Held ein Füh⸗ rer in der bessern Welt. Mel. Jesus, meine Zuversicht 175 Cesus lebt, mit — ihm auch ich. Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt, und wird auch mich von den Todten auferwecken. Ex verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt; ihm ist das Reich über alle Welt gegeben; mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben. Goit erfüllt, F 4 was 128 Werke und Wohlthaten Gottes. was er verspricht; dies ist meine Zuversicht. 3. Jesus lebt; wer nun verzagt, lästert ihn und Gottes Ehre. Gnade hat er zugesagt, daß der Sün⸗ der sich bekehre. Gott ver⸗ stößt in Christo nicht; dies ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt; sein Heil ist mein; sein sei auch mein ganzes Leben! Reines Her⸗ zens will ich seyn, und den Lüsten widerstreben. Er ver⸗ läßt den Schwachen nicht; dies ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt; ich bin ge⸗ wiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsterniß, keine Herr— lichkeit, kein Leiden. Er gibt Kraft zu dieser Pflicht; dies ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt; nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnoth wird es meiner Seele geben, wann sie gläu⸗ big zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Mel. Vom Himmel kam der 1 76 Deczbeune an, er⸗ standner Held, Erretter einer Sündenwelt; du, unsre Zuflucht für und für, froh huldigt meine Seele dir! 2. Um deinen Thron, der ewig steht, glänzt Wahr⸗ heit, Heil und Majestät. Ich nahe mich voll Zuver⸗ sicht zu dir; denn du ver⸗ wirfst mich nicht. 3. Herr, meine Seele preiset dich! Erlost, erlöset hast du mich, so wahr du selbst vom Himmel kamst, dein Leben gabst und wie⸗ der nahmst. 4. Wer ist's, der mich ver⸗ dammen kann? Ich glaub' an dich und sage dann: Der Gott, durch den die Himmel sind, der ist mein Vater, ich sein Kind. 5. Nun ist dies erste Le⸗ ben mir ein segenreicher Weg zu dir. So lang ich hier bin, Herr, mein Heil, hab' ich an deinem Frieden Theil. 6. Holdselig sprachst du: Erde, sei der Schauplatz meiner Huld und Treu! Wir sehen deine Huld und Treu' auf deiner Erde täg⸗ lich neu. 7. Zwar trifft noch man⸗ cher Schmerz uns hier; noch, o Erbarmer, sterben wir! Doch du regierst, und wir sind dein, und, Herr, wir werden's ewig seyn. 8. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! Du Trost, der meinen Geist erhebt, ich seh', durch dich gestärkt, aufs Grab mit unerschrock⸗ nem Aug' hinab. 9. Welch neue Welt voll Seligkeit erwartet mich nach die⸗ Erlösung. dieser Zeit! Dort findet der verklärte Christ das Heil, das unaussprechlich ist. 10. Der du für unsre Seelen wachst, sie zu dir ziehst, und selig machst, laß mich mit freudigem Ver⸗ traun im Tod auf dich, Voll⸗ ender, schaun. Mel. Wer nur den lieben Gott 1779 uf, meine Seele, auf zur Freude! denn dein Erretter, Jesus, lebt, der dich nach uͤber⸗ wundnem Leide einst zur Unsterblichkeit erhebt. Halt' im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstan⸗ den ist! 2. Denk' lebend ihn, wenn dich die Sünde mit der Ver⸗ suchung überfällt. Er lehrte dich die stärksten Gründe, sie zu besiegen und die Welt. Halt' im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 3. Denk' ihn im Leben, wenn die Bürde des Stan⸗ des und Berufs dich drückt; denn, wer sie trägt, wird einst mit Würde zum Lohne seines Kampfs geschmückt. Halt im Gedächiniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 4. Fühlst du die Schmer⸗ zen harter Leiden, denk', wie's dem frommen Dulder ging. Sein neues veben ist 129 voll Freuden, die er von Gott zum Lohn empfing. Halt' im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 5. Dich schrecket Tod und Grabeshöhle? Denk' ihn, den Sieger, der erstand; im Tode stärke deine Seele mit Hinblick in das beßre Land. Halt' im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 6. Du weinst beim Gra⸗ be deiner Lieben, wie Jesu Schüler ihn beweint; doch, wie sie nicht verlassen blie⸗ ben, wird auch mit dir dein Freund vereint. Halt' im Ge⸗ dächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist!l 7. Ja, ewig werth sei dir das Leben des Ueber⸗ winders Jesu Christ! Folg“ ihm, so wird er dir auch ge⸗ ben die Stärkung, die dir nöthig ist. Halt im Ge⸗ dächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! Mel. Christ lag in Todesbanden 5 Miringt Preis und 1 78 Ruhm dem Hei⸗ land dar! Frohlockt ihm alle Frommen! Er, der für uns getödtet war, der ist dem Grab entnommen. Sei ge⸗ lobt, o Jesu Christ, daß du für uns gestorben bist, und siegreich auferstanden! Hal⸗ leluja! ö 8 5 2. Dein 130 2. Dein Leben in der Majestät befestigt unsern Glauben. Wer kann nun, da dich Gott erhöht, den großen Trost uns rauben, daß du von der Sünde Macht Befreiung hast ans Licht gebracht, den Himmel hast geöffnet? Halleluja! 3. Gott selbst, der dich dem Grab entrückt, hat dem, was du gelehret, der Wahr⸗ heit Siegel aufgedrückt und dich als Sohn geebret. Dei⸗ nes Todes hohen Werth hat er aufs Herrlichste erklärt da er dich auferwecket. Hal⸗ leluja! 4. Erstandner, ich froh⸗ locke dir; mein ist dein Sieg und Leben! Du lebst und herrschest, um auch mir ein ew'ges Heil zu geben, mei⸗ ner Seele Trost zu seyn zur Tugend Kraft mir zu verleihn, und mich zu Gott zu führen. Halleluja! 5. Mein Herr, mein Heil, hilf mir dazu, befreie rich von Sünden! Laß mich für meine Seele Ruh' im Frieden mit Gott finden! Pflanze deinen Sinn in mir, damit ich, Gott er⸗ geben, hier als dein Erls ster wandle! Halleluja! 6. Dein ist das Reich; dein ist die Macht, Ver⸗ storbne zu erwecken. Du rufst einst, und der Gräber Nacht wird Todie nicht mehr Werke und Wohlthaten Gottes. decken. Wie du auferstan⸗ den bist, so werd' auch ich, Herr Jesu Christ, durch dich einst auferstehen. Halleluja! 7. O laß, so lang ich hier noch bin, mich treu im Glau⸗ ben wandeln; und jederzeit nach deinem Sinn recht- schaffen seyn und handeln, daß ich, wann ich aufersteh', und dich, der Menschen Richter seh', vor dir nicht angstvoll bebe! Halleluja! 8. Da, wo du bist, soll auch dein Freund, mit Herr⸗ lichkeit umgeben, mit al⸗ len Seligen vereint, durch Ewigkeiten leben. Laß dies Heil mein Erbe seyn, so werd ich ewig deß mich freu'n, daß du vom Tod erstanden! Hal leluja! Mel. Jesu, meine Freude — us des Grabes 79 A Banden ist der Herr erstanden, er, des Höchsten Sohn. Jesus hat gesieget; Alles, Alles lieget unter seinem Thron. Unser Freund hat jeden Feind un⸗ frer Seligkeit bezwungen: Lob sei ihm gesungen! 2. O wie hoch erhoben lebt nun Jesus oben in der Herrlichkeit! Seiner Herr⸗ scherehre jauchzen Engelchö⸗ re, ihm zum Dienst bereit. Er hat nun, uns wohlzuthun und sein Heil uns zuzuwen⸗ den, alle Macht in Händen, 3. Freu 3. Freu' dich deß, o Seele, bring ihm Preis und wähle ihn zum Führer dir! Auf die sichern Pfade zu des Höchsten Gnade bringt er dich schon hier. Welche Ruh' strömt dann dir zu! Und wie wird zum höhern Leben er dich einst erheben! 4. Eitelkeit der Erde, flieh von mir! ich werde nie dein Sklav', o Welt! Unter allen Gaben wünsch' ich Nichts zu haben, als was Gott gefällt. Mich erquickt, wenn Noth mich drückt, dort, nach über⸗ standnen Leiden, Gott mit seinen Freuden. J. Sterb' ich, meine See⸗ le, die ich Gott empfehle, steigt zu ihm empor. An des Heilands Throne strahlt des Sieges Krone glänzend mir hervor. Möcht' ich hier doch mehr nach ihr, als nach al⸗ len eitlen Dingen dieser Er⸗ de ringen! 6. O der hohen Freude, wenn im Siegeskleide der Erlöste prangt! Herr, zu deinen Frommen und zu dir zu kommen, ist, was mich verlangt! Hilf du mir, daß ich bei dir einst in steter Wonne lebe, und dich froh erhebe! Mel. Vom Himmel kam der 180 Cech men mGeist, erfreut des hohen Tags der Herr⸗ Erlösung. 131 lichkeit; halt' im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist. 2. Fühl' alle Dankbarkeit für ihn, als ob er heute dir erschien', als spräch' er: Frie⸗ de sei mit dir! O freue dich, mein Geist, in mir! 3. Schau' über dich, und bet' ihn an; er mißt den Sternen ihre Bahn; er lebt und herrscht mit Gott ver⸗ eint, und ist dein König und dein Freund. 4. Macht, Ruhm und Ho⸗ heit immerdar dem, der da ist und der da war! Sein Name sei gebenedeit, von nun an bis in Ewigkeit! 5. O Glaube, der das Herz erhöht, was ist der Erde Majestät, wenn sie mein Geist mit der ver⸗ gleicht, die ich durch Got⸗ tes Sohn erreicht? 6. Vor seinem Thron in seinem Reich, unsterblich, heilig, Engeln gleich, und ewig, ewig selig seyn! Herr, welche Herrlichkeit ist mein! 7. Mein Herz erliegt froh unter ihr, Lieb' und Ver⸗ wundrung kämpft in mir, und voll von Ehrfurcht, Dank und Pflicht, fall' ich, Herr, auf mein Angesicht. 8. Du, der du in dem Himmel thronst, ich soll da wohnen, wo du wohnst! Und du erfüllst einst mein § 6 Ver⸗ 132 Werke und Wohlthaten Gottes. Vertrau'n, in höherm Lichte dich zu schau'n! 9. Ich soll, wann du, des Lebens Fürst, in Wolken göttlich kommen wirst, er⸗ weckt aus meinem Grabe gehn, und rein zu deiner Rechten stehn! 10. Mit Engeln und mit Seraphim, mit Thronen und mit Cherubim, mit allen Frommen aller Zeit soll ich mich freu'n in Ewigkeit! 11. Zu welchem Glück, zu welchem Ruhm erhebt uns nicht das Christenthum! Mit dir gekreuzigt, Gottes Sohn, sind wir auch auf⸗ erstanden schon. 12. Nie komm' es mir aus meinem Sinn, was ich, mein Heil, dir schuldig bin, da⸗ mit ich mich, in Liebe treu, zu deinem Bilde stets erneu'! 13. Er ist's, der Alles in uns schafft; sein ist das Reich, sein ist die Kraft. Halt' im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! Mel. Was Golt thut, das ist 181 f Js debt! sten, Jesus lebt! Lobsingt dem Ueberwinder! O betet an, erhebt, er⸗ hebt den Retter aller Sün⸗ der! Er starb für sie; er starb für uns. Heil uns, nun lebt er wieder für alle seine Brüder! 2. Er lebt, er lebt! O weiht ihm Dank mit reiner, frommer Seele! Ihn preise jeder Festgesang, und jedes Herz erzähle, wie viel er litt, wie gern er starb, um tausend Seligkeiten uns Ar⸗ men zu bereiten! 3. Er starb, geschmückt mit Heiligkeit; er starb von Frevlerhänden! Wo wal⸗ tet hier Gerechtigkeit? Wie konnt' er hier schon enden? O Christen jauchzt! Er ist erhöht! Er drang durch To⸗ desnächte an seines Vaters Rechte. 4. Besiegt ist seiner Fein⸗ de Macht, und er mit Ruhm gekrönet. Er hat sein gro⸗ ßes Werk vollbracht, und uns mit Gott versöhnet. Wer an ihn glaubt, wird selig seyn. O laßt euch diesen Glauben durch keine Leiden rauben! 5. Schaut hin zu seiner Herrlichkeit, und lernt als Helden leiden! Schaut hin! Die Leiden dieser Zeit sind Keime hoher Freuden. Seid unverzagt! Seid hoffnungs⸗ voll! Nach wenig bangen Stunden ist Alles uͤberwun⸗ den. 6. Was ist der Tod? Ein Schlaf ist er. O sanfter Schlaf des Müden! Bald glänzt ein schönrer Tag da⸗ her; dann steh'n wir auf im Frieden. O Tag des Danks O O Tag des Heils! Gern wollen wir nun sterben; wir wissen, was wir erben. 7. Erstand'ner, gib nur, daß wir hier auf deinen Pfaden wandeln, und stets mit reinster Dankbegier als Kinder Gottes handeln! Unsterblich seyn, unsterblich seyn, und einst dir näher kommen: o welch ein Lohn der Frommen! Mel. Erschienen ist der herrlich 182 Era erstanden, —Jesus Christ, der unser Trost und Helfer ist. Als Sieger trat er auf den Staub, hinfort nicht mehr des Todes Ranb. Frohlocket ihm! 2. Er hat erfüllt, was er verhieß, eh er für uns sein Leben ließ. Drei Tage sol⸗ len nicht vergeh'n, so wer⸗ det ihr mich wieder seh'n. Er hat's erfüllt. 3. Ich lebe, sprach er, und auch ihr sollt leben, selig seyn mit mir. Ich komme, meine Stimme ruft auch euch, ihr Lieben, aus der Gruft zur Herrlichkeit. 4. Er wird's erfüllen, Je⸗ sus Christ, der selbst vom Tod erstanden ist! Er weckt auch mich, und volles Heil ist dann gewiß bei ihm mein Theil in Ewigkeit. 5. Auch führt er nach des Grabes Ruh mir meine Erlösung. frommen Freunde zu. Er⸗ wachen werden wir zugleich, uns wieder seh'n in seinem Reich. Gott, welch ein Tag! 6. Wie sollt' ich, Herr, den Tod noch scheu'n? Nein, fromm will ich mich seiner freu'n; dich preisen noch an meiner Gruft, wenn lieb⸗ reich deine Stimme ruft: Entschlafe nun! 7. Gib nur, daß ich im Glauben treu, und treu in meinem Wandel sei! So komm' ich nicht in dein Ge⸗ richt, wenn deine Stimme zu mir spricht: Erwache nun! 8. Herr, rufe mich, wenn dir's gefällt, von dieser un⸗ vollkommnen Welt, und füh⸗ re mich an deiner Hand einst in das beßre Vaterland! Preis ewig dir! Mel. Kommt, kommt, den Herrn 183 Lobsinge, meine Seele, dem Welterlöser, bet' ihn an! Lobsing' ihm und erzähle, was er aus Huld für dich gethan! Er hat für dich ge⸗ rungen; durch seine Macht hat er des Todes Macht be⸗ zwungen, und seiner Schrek⸗ ken Heer. Du darfst nun nicht mehr beben; sein Sieg hat dich befreit. Dein ist unsterblich's Leben, dein Gottes Seligkeit. 2. Froh führte Gottes Sonne den festlich hohen J 7 Tag 134 Werke und Wohlthaten Gottes. 9 Tag herauf. Da stand, be⸗ lohnt mit Wonne, nach kur⸗ zem Schlaf mein Jesus auf. Gedanke, der zu Freuden des Himmels mich erhebt! Gedanke, der in Leiden mein Herz mit Trost belebt; der schönsten Hoffnung Quelle, wenn die Zerstörung droht! Wo ist dein Sieg, o Hölle? Wo ist dein Stachel, Tod? 3. Der Felsen Grund er⸗ bebet; die Hüter fliehn; das Grab ist leer. Der todt war Jesus, lebet, und geht vor seinen Freunden her! Die schwachen Jünger wanken; er stärkt die Wankenden. Sie sehn ihn, freun sich danken dem Auferstandenen. Sie sehn empor ihn steigen, und gehn, wie er gebot, mit Freuden hin und zeugen von ihm bis in den Tod. 4. Herr, deine Boten siegen, von dir und deinem Geist belehrt; die Götzen⸗ tempel liegen; der Erdkreis wird zu Gott bekehrt. Ich weiß, an wen ich glaube, bin freudenvoll ein Christ. Ihn bet' ich an im Staube, ihn, der mein Retter ist. Ich werd ihn ewig schauen, wann er auch mich erhebt. Der Herr ist mein Vertrauen; er ssarb für mich und lebt! Mel. Lobt Gott, ihr Christen Nom Todesthal 18 1 D hinauf zu Gott erhebt sich mein Gesang; dem Sieger über Grab und Tod erschallet laut mein Dank. 2. Die Sonn' in ihrer Majestät erhellet kaum die Nacht, als Jesus Christus aufersteht und herrlicher er⸗ wacht. 3. Die Erde bebte, als der Held aus seinem Grabe stieg; hinauf bis zu dem Sternenzelt erschallete sein Sieg. 4. Fallt nieder vor ihm in den Staub, der sich dem Grab entschwang! Er ist nicht mehr des Todes Raub; Erlöste, singt ihm Dank! 3. Sein großes Werk ist nun vollbracht; errungen ist sein Sieg, weil er aus sei⸗ ner Todesnacht empor zum Leben stieg 6 Heil, Leben und Un⸗ sterblichkeit, im Tode Trost und Ruh', und Hoffnung ho⸗ her Seligkeit ruft uns sein Grabmal zu. 7. Gedanke, der das Herz erhöht: wir werden aufer⸗ stehn; auf Hoffnung in das Grab gesät, um schöner auf⸗ zugehn. 5 23 S. Heil dir, wenn dieser Hoffnung Licht dein Herz für ihn durchglüht, dich stärkt zu jeder Christenpflicht und ganz zu ihm dich zieht! 9. O Auferstehungsfest, du bist des beßren Lebens Pfand! Dich feire dankbar jeder jeder Christ, Trost empfand. der deinen Christi Hingang zum Va⸗ ter und Verherrlichung. (Himmelfahrtslied er.) Mel. Freu' dich sehr, o meine 185 Hern du fährst mit Glanz und Freuden auf zu deiner Herr⸗ lichkeit; doch mich drücken noch die Leiden dieses Le⸗ bens, dieser Zeit. Gib mir, Jesu, Muth und Kraft, daß ich meine Pilgerschaft so in dir zurücke lege, daß ich stets dein bleiben möge! 2. Laß mir deinen Geist zurücke, dir mein ganzes Herz zu weih'n! Wenn ich nach dem Himmel blicke, laß mich seinen Trost erfreu'n! Steigt mein Fleh'n zu dir hinauf, helf er meiner Schwachheit auf, und du selber woll'st im Beten bei dem Vater mich vertreten! 3. Lehre mich die Welt verachten, und was in ihr Eitles ist, und nach dem, was dort ist, trachten, wo du, mein Erlöser, dist! Wollust, Ehrsucht und Gewinn soll mich nicht zur Erde ziehn, da ich jenseits überm Grabe eine größre Hoffnung habe. 4. Diese müsse Nichts mir rauben; du erwarbst sie theuer mir! Jetzo seh' ich sie Crlösung. 135 im Glauben; dort find' ich sie selbst bei dir. Dort belohnst du das Vertrau'n deiner Gläubigen durch Schau'n, und verwandelst ihre Leiden in unendlich große Freuden. 5. Dort bereit' auch mir die Stätte in des Vaters Hause zu! Rufst du frühe oder späte mich zu meines Grabes Ruh', so erleuchte du die Nacht, die des Todes Thal mir macht! Du haft ja den Tod bezwungen, und den Sieg für uns errungen. 6. Kommst du endlich glorreich wieder an dem Ende dieser Zeit, o so sammle meine Glieder aus dem Staub zur Herrlich⸗ keit! Heil'ge und verklär' sie ganz, daß der Leib in Himmelsglanz, frei von die⸗ sem Staub und Erde, ähn⸗ lich deinem Leibe werde! Mel. Es ist das Heil uns 186 Laßt das Voll⸗ X endungsfest uns heut in heil'gen Freuden feiern; froh schauen über Welt und Zeit, und das Ge⸗ lübd' erneuern: Gott und der Tugend treu zu seyn, treu auch in Trübsal, Schmach und Pein, wie Jesus, zu vollenden! 2. Er kam zu uns, von Gott gesandt, und heiligte die Erde, daß sie der Ein⸗ tracht stilles Land, ein 2 er 136 Werke und Wohlthaten Gottes. der Tugend werde. Nach seinem Beispiel sollen wir uns Alle bilden, Alle hier, daß wir zum Vater kommen. 3. Zum Vater! O wir kennen ihn: um ähnlich ihm zu werden, folgt Jesu; denn in ihm erschien sein Ebenbild auf Erden. Sein Gruß war Friede, sein Gebot nur Lieb' und Tugend, bis zum Tod war That auch seine Lehre. 4. Wie groß, wie edel durch sein Herz, wie treu der hohen Sendung, wie herrlich unter Spott und Schmerz, rang er sich zur Vollendung! Die Krone ward ihm dargereicht. Nun macht sein Sieg den Kampf uns leicht, sein Lohn die Zukunft heiter. 5. Zerstörend war der Sünde Macht; er hat sie überwunden. Wir bebten vor des Grabes Nacht; sie ist durch ihn verschwunden. Seitdem er sich dem Grab entschwang, ist uns der Tod nur Uebergang zu einem beßren Leben. 6. Er schwang zum Him⸗ mel sich hinauf, die Stätt' uns zu bereiten. Zum Him⸗ mel geht nun unser Lauf; zu ew'gen Seligkeiten. So hoch, so hoch steht unser Ziel! Der schönen Woh⸗ nungen sind viel in seines Vaters Hause. 7. Wie sinkt das Schat⸗ tenwerk der Zeit! Wer kann noch darnach streben? Wer ruh'n im Schooß der Sinnlichkeit? dem Laster sich ergeben? Die Zeit ist rasch, oft schwer der Lauf; schaut, Christen, schaut zum Ziel hinauf, und eilet zu vollenden. 8. Ein Himmel wird schon unsre Welt, wenn wir ein⸗ ander lieben, mit Freuden thun, was Gott gefällt, treu unsre Kräfte üben. Dann führ' ans Grab uns die Natur; aus einem Him⸗ mel geh'n wir nur in einen schönern Himmel. 186 eber aller Him⸗ mel Heere er⸗ hobst du dich in Sieg und Ehre, du Geber der Un⸗ sterblichkeit! Engel singen Freudenlieder, und alle die erlösten Brüder verehren deine Herrlichkeit. Du, du bist Gottes Sohn! Gott hebt dich auf den Thron seiner Ehre! Wir steh'n von fern, freu'n uns des Herrn, vertrau'n und dienen ihm nun gern. 2. Der du, deines Va⸗ ters Willen zu unserm Heile zu erfüllen, gehorsam warst bis in den Tod, du regierst nun auf dem Throne; Gott gibt dir seine Welt zum Lohne; dich nennt dein Volk nun Mel. Herr, wir singen nun Herr und Gott! Er⸗ höhter Gottes Sohn, wie herrlich ist dein Lohn nach dem Siege! Wir folgen dir mit Freuden hier; einst loh⸗ net Gott auch uns, wie dir. 3. Deine trauernden Er⸗ lösten im Kampf zu stärken und zu trösten, gabst du vom Himmel deinen Geist. Gib auch uns in unsern Lei⸗ den den Geist des Trostes und der Freuden, den uns dein treues Wort verheißt! Er zieh' uns in dein Reich, mach' unser Herz dir gleich, dir zu folgen! Du gingst voran; wir seh'n die Bahn, die uns zum Himmel füh⸗ ren kann. 4. Uns die Stätte zu be⸗ reiten, um die wir Pilger hier noch streiten, gingst du voran ins Vaterland. Herr⸗ lich wirst du wiederkommen; dann führst du alle deine Frommen mit dir hinauf in's Vaterland. Durch dei⸗ nen Mittlertod sind wir ver⸗ söhnt mit Gott. Wo du le⸗ best und Gott mit dir, da sollen wir auch mit dir, le⸗ ben für und für. 5. Welch ein Jubel wird es werden, wenn wir dich wieder seh'n auf Erden in aller Majestät des Herrn! Das wird seyn kein Tag des Bebens, o nein, ein Tag des höhern Lebens, dann schau'n wir dich nicht mehr Erlösung. 137 von fern; dann seh'n wir, hocherfreut, ganz deine Herr⸗ lichkeit, Welterlöser; dann führest du der Wonn' uns zu, dort in des Himmels ew'ger Ruh'. Mel. Vom Himmel kam der Osuf, Jesu Jün⸗ 187 1 euch! Der Herr fährt auf zu sei⸗ nem Reich. Er triumphirt! Lobsinget ihm! Lobsinget ihm mit hoher Stimm'! 2. Sein Werk auf Erden ist vollbracht; zerstört hat er des Todes Macht; er hat die Welt mit Gott ver⸗ föhnt, und Gott hat ihn mit Preis gekrönt. 3. Weit über alle Him⸗ mel weit geht seine Macht und Herrlichkeit, ihm dienen selbst die Seraphim. Lobsin⸗ get ihm mit hoher Stimm'! 4. Sein sind die Völker aller Welt; er herrscht als sieggewohnter Held; er herrscht, bis unter seinem Fuß der Feinde Heer sich beugen muß. 5. Er schützet seine Chri⸗ slenheit, erhält sie bis in Ewigkeit. Er ist ihr Haupt. Lobsinget ihm! Lobsinget ihm mit hoher Stimm'! 6. Ja, Heiland, wir er⸗ heben dich; und unsre Her⸗ zen freuen sich der Herr⸗ lichkeit und Majestät, wozu dich Gott, dein Gott, erhöht. 7. Wohl 138 Werke und Wohlthaten Gottes. 7. Wohl nun auch uns! denn, Herr, bei dir steht Kraft und Macht, und dein sind wir. Nimmst du dich unsrer hülfreich an: was ist, das uns gebrechen kann? 8. Dein Eingang in die Herrlichkeit stärk' uns in unsrer Prüfungszeit, nur dir zu leben, dir zu trau'n, bis wir dereinst dein Antlitz schau'n. 9. Dann werden wir uns ewig dein, du größter Men⸗ schenfreund, erfreu nn; dann singen wir von deinem Ruhm ein neues Lied im Heilig⸗ thum. Heiligung des Menschen durch den Geist Gottes. (Pfingstlieder.) Mel. Vom Himmel hoch 188 Ardetung sei dir, Gott, gebracht! Du hast uns diesen Tag gemacht. Dich preise, wer durch Jesum Christ erleuch⸗ tet und geheiligt ist! 2. Der Erdkreis lag in Nacht verhüllt, mit Wahn und Götzendienst erfüllt; da kam von deinem Angesicht dein Geist, mit ihm der Wahrheit Licht. 3. Auf Jesu Boten ließ er sich herab mit Segen sicht⸗ barlich. In fremden Spra⸗ chen that ibr Mund, Gott, deine großen Thaten kund. 4. Von ihm gestärkt, geh'n lie nun gern und sammeln Jünger ihrem Herrn. Vom Aufgang bis zum Nieder⸗ gang wird alles Licht und Lobgesang. 5. Umsonst bestürmt sie Grimm und Spott; sie sie⸗ gen stark durch ihn, o Gott! Ihr Schutz ist Jesus, und ihr Ruhm sein theures Evan⸗ gelium. 6. Und ihrer Predigt froh⸗ her Schall erfüllt den Erd⸗ kreis überall; und selbst die fernste Nation kennt dich und Jesum, deinen Sohn. 7. Noch dauert dieser Segen fort; noch siegt, o Ewiger, dein Wort; und daß wir glauben, danken wir dem Glanze jenes Lichts von dir. 8. Erhalt' uns deiner Wahrheit treu, mach' uns von Sünd' und Irrthum frei; dein Geist treib' uns zum Guten an, und leit uns auf der Tugend Bahn! 9. Bis wir dereinst im hellern Licht von Angesicht zu Angesicht dich schau'n, und in des Himmels Höh'n durch dich auch uns verherr⸗ licht seh'n. 5 In In eigener Melodie. 8 un bitten wir 189 9 den heil'gen Geist, welchen Jesus Chri⸗ stus uns verheißt, daß er uns behüte vor falscher Lehre, Alle, die im Irr⸗ thum sind, bekehre. Erbarm' dich, Herr! 2. Du Geist der Weis⸗ heit und der Kraft, mach' uns durch dein Wort auch tugendhaft; hilf' uns fest ihm glauben, dem treuen Heiland, der uns bringt zum himmlischen Vaterland! Er⸗ barm' dich, Herr! 3. Du Geist der Lieb' und Einigkeit, mach' uns alle⸗ sammt dazu bereit, daß wir uns von Herzen einander lieben, gern verzeih'n, Nie⸗ mand gern betrüben! Er⸗ barm' dich, Herr! 4. Du höchster Trost in aller Noth, hilf, daß wir nicht fürchten Grab noch Tod; laß, wenn wir einst sterben, uns nicht verzagen, sondern mach' uns frei von allen Plagen! Erbarm dich, Herr! Mel. Kommt her zu mir, spricht 190 Nollendet hatte Gottes Sohn sein großes Werk auf Erden schon; und seine Jünger zagten. Doch Gottes Geist gab ihnen Muth, daß sie Heiligung. 139 bald Alles, Gut und Olut, für Jesu Lehre wagten. 2. Da that der Ungelehr⸗ ten Mund des Welterlösers Thaten kund, die Völker zu bekehren. Der Heiden Tem⸗ pel wurden leer; es stürzte jenes Götzenheer von seinen Prunkaltären. 3. Umsonst, umsonst em⸗ pörten sich selbst Fürsten, Jesu, wider dich, und töd⸗ teten die Jünger. Unüber⸗ windlich war ihr Muth; und schwiegen sie, so sprach ihr Blut, und zeugte neue Jünger. 4. Wie Gottes Sonne, ging dein Wort bis an der Erde Gränzen fort; der Irr⸗ thum wich dem Lichte. Die Völker wurden menschlicher, die Menschen lebten heiliger vor Gottes Angesichte. 5. Auch wir begeh'n, o Gott, dies Fest, das deine Huld uns feiern läßt, dem Christenthum zur Ehre. Wir leben froher, glücklicher, und, helf' uns Gott! auch heiliger, durch deines Soh⸗ nes Lehre. In eigener Melodie. 191 omm, o komm, du Geist des Lebens! Hilf uns Schwachen mächtig auf! Wir bemüh'n uns sonst vergebens hier in unserm Pilgerlauf um das Heil 140 Werke und Wohlthaten Gottes. Heil, das Gottes Rath für uns ausersehen hat. 2. Gib in unser Aller See⸗ len wahre Weisheit, helles Licht, daß wir uns zur Richtschnur wählen Jesu Wort und Unterricht! Stehe du uns kräftig bei, und mach' uns vom Irrthum frei! 3. Zeig' uns selbst die rech⸗ ten Stege zu der wahren Wohlfahrt an, räume Alles aus dem Wege, was daran uns hindern kann! Wirke Reue nach der That, wenn der Fuß gestrauchelt hat! 4. Laß uns stets dein Zeugniß haben, daß wir Gottes Kinder sind! Stärke uns mit deinen Gaben, wenn sich Noth und Trübsal find't! Lehr' uns, daß des Vaters Zucht einzig unser Bestes sucht! 5. Treib' uns, daß wir zu ihm treten kindlich und mit Freudigkeit, nur nach sei⸗ nem Willen beten, und ver⸗ tritt uns alle Zeitz so wird unser Fleh'n erhört, und die Zuversicht gemehrt. 6. Wird uns auch um Hülfe bange, seufzt das Herz voll Traurigkeit: Ach, mein Gott! mein Gott! wie lan⸗ ge! o so wende unser Leid! Sprich der Seele tröstend zu, gib ihr Muth, Geduld und Ruh'! 7. O du Geist der Kraft und Stärke, der in uns das Gute schafft, fördre in uns deine Werke, und im Kam⸗ pfe gib uns Kraft, wenn Versuchung auf uns dringt, daß uns dann der Sieg ge⸗ lingt. 8. Herr, bewahr' uns un⸗ sern Glauben, daß Verfol⸗ gung, Schmach und Spott niemals ihn uns möge rau⸗ ben! Du bist unser Schutz, o Gott! Spricht das Herz gleich zweifelnd: Nein! laß dein Wor gewisser seyn! 9. Wenn wir endlich sol⸗ len sterben, o so steh' mit Trost uns bei; gib, daß uns, als Gottes Erben, jene Herr⸗ lichkeit erfreu', die uns unser Gott bestimmt, und die nie ein Ende nimmt! Mel. Mein ganzer Geist, Gott 192 O heil'ger Geist, kehr' bei uns ein, und laß uns deine Woh⸗ nung seyn, du Beistand uns'⸗ rer Seelen! Erleucht' uns durch dein göttlich Licht, ent⸗ zieh' uns deine Hülfe nicht, und zeig' uns, was wir feh⸗ len! Triebe, Triebe, fromm zu leben, willst du geben, wenn wir beten, gläubig vor den Vater treten. 2. Du Quell, woraus die Wahrheit fließt, die uns zum Heil so nöthig ist, o schenk' aus deiner Fülle uns so viel Einsicht und Verstand, daß heilsam von uns werd' er⸗ kannt kannt des Höchsten gnäd'ger Wille! Ja, gib den Trieb unsern Seelen, nur zu wäh⸗ len und zu üben, was er uns hat vorgeschrieben! 3. Steh' uns stets bei mit deinem Rath, und führ' uns auf den rechten Pfad des Heils, den wir nicht wissen! Verleih' uns Willigkeit, daß wir dir treulich folgen, wenn wir hier auch darum leiden müssen. Drückt Last uns fast muthlos nieder, laß uns wie⸗ der Trost empfinden, und die Trübsal überwinden. 4. Stärk' uns durch dei⸗ ner Wahrheit Kraft zum Kampf mit jeder Leiden⸗ schaft, darüber Herr zu wer⸗ den! und sind wir wo dem Falle nah, so sei mit deiner Hülfe da, erheb' uns von der Erden! Neue Treue gib uns Schwachen, du kannst ma⸗ chen, daß wir siegen, und im Kampf nicht unterliegen. 5. Erhalte bei uns immer⸗ fort den Glauben an dein göttlich Wort! Nichts müss' uns von ihm trennen! Gib, daß wir ihn von Herzens⸗ grund mit Thaten, so wie mit dem Mund, vor aller Welt bekennen! Jesum Chri⸗ stum ohn' Aufhören recht zu ehren, mach' uns tüchtig, und sein Heil uns werth und wichtig! 6. Hilf, daß in wahrer Heiligkeit wir führen unsre Heiligung. 141 Lebenszeit; du kannst uns dazu stärken. Es bleibe uns stets unbewußt die Eitelkeit, die Sinnenlust, mit ihren bösen Werken! Vater, Va⸗ ter, laß uns streben, so zu leben hier auf Erden, daß wir gut und selig werden! Mel. Gott des Himmels und 1935 eil'ger Geist, von 0 Gott gegeben, komm', erleucht' und heil'ge mich! Weise, fromm und gut zu leben: dies vermag ich nur durch dich. Mache täglich Ernst und Treu', mich zu bessern, in mir neu! 2. Ach, ich irr' in Finster⸗ nissen, Geist der Wahrheit, ohne dich; von Begierden hingerissen, täuscht die trunk⸗ ne Seele sich, suchet Ruh' und findet sie in der Erde Gütern nie. 3. Hilf mir nach dem Him⸗ mel streben, der den Lohn mir aufbehältz hilf mir Gott und Jesu leben, nicht den Lüsten dieser Welt; lehre mich von Sünden rein, hei⸗ lig, wie mein Heiland, seyn! 4. Leite du mich auf dem Pfade deines Lichts zum Le⸗ ben hin; und mich stärke dein Gnade, wann ich schwach und muthlos bin, daß ich näher jeden Tag meinem Ziele kommen mag! 5. Gib zu jedem guten Werke meiner Seele 1 5 n 142 Werke und Lust und im Kampfe flöße Stärke mir in meine schwache 2 gib mir Trost in jeder Noth; hilf mir treu— bis zum Tod! 6. Sei mein Beistand, wann ich sterbe; zeige mei⸗ nem Geist von fern das mir aufbehaltene Erbe in der Herrlichkeit des Herrn! So gestärkt durch deine Kraft, end' ich froh die Pilgerschaft. Mel. Mein Gott, das Herz 19 icht um ein flüch⸗ 194 tig Gut der Zeit, ich fleh' um deinen Geist, Herr, den zu meiner Seligkeit dein theures Wort verheißt. 2. Die Weisheit, die vom Himmel stammt, o Vater, kehr er mich, die Weisheit, die das Herz entflammt zur Liebe gegen dich! 3. Dich lieben, Gott, ist Seligkeit. Gern thun, was dir gefällt, wirkt reinere Zu⸗ 2 als alles Glück der Welt. 4. Vertrauen hab' ich dann zu dir; dann schenket selbst Geist das freu⸗ dige Bewuß tseyn mir daß du mir gnädig seist. 5. Er leite mich zur Wahrheit hin, zur Tugend stärk' er mich, und zeige, wenn— traurig bin, auch ir als Tröster sich! schaff; in mir ein und Wohlthaten Gottes. reines Herz, voll Dank für deine Huld, und er bewaffne mich im Schmerz mit Muth und mit Geduld! Mel. Freu' dich sehr, o meine 195 Ge vom Vater nd vom Soh⸗ ne, der du unser Tröster bist, und von unsers Gottes Throne hülfreich auf uns Schwache siehst, stehe du mir mächtig bei, daß ich Gott ergeben sei: o so wird mein Herz auf Erden schon ein empel Gottes werden! 2. Laß auf jedem meiner Wege deine Weisheit mit mir seyn; wann ich bange Zweifel hege, deine Wahr⸗ heit mich erfreun! Lenke kräftig meinen Sinn auf mein wahres Wohlseyn hin! Lehrst du mich, was recht ist, wählen, werd' ich nie mein Heil verfehlen. 3. Heilige des Herzens Triebe, daß ich über Alles treu meinen Gott und Va⸗ ter liebe, daß mir Nichts so wichtig sei, als in seiner Huld zu stehn! Seinen Na⸗ men zu erhöhn, seinen Wil⸗ len zu vollbringen, müsse mir durch dich gelingen! 4. Stärke mich, so oft zur Sünde mein Gemüth versuchet wird, daß sie mich nicht übe erwinde! Hab' ich irgend mich verirrt, o so du mein Herz, daß 1 1 Tęe rühre rührt ich unter Reu' und Schmerz mich vor Gott darüber beu⸗ ge, und mein Herz zur Beß⸗ rung neige! 5. Reize mich, mit Flehn und Beten, wenn mir Hülfe nöthig ist, zu dem Vater hin⸗ zutreten; gib, daß ich auf Jesum Christ, als auf mei⸗ nen Mittler, schau', und auf ihn die Hoffnung bau', Gnad' um Gnad' auf mein Verlangen von dem Vater zu empfangen! 6. Stehe mir in allen Lei⸗ den stets mit deinem Troste bei, daß ich auch alsdann mit Freuden Gottes Füh⸗ rung folgsam sei! Gib mir ein gelaßnes Herz; laß mich selbst im Todesschmerz, bis zum frohen Ueberwinden, deines Geistes Trost em⸗ pfinden! Mel. Wer nur den lieben Gott 196 großer Gott, du reines We⸗ sen, du hast nur reine Her⸗ zen dir zu deiner Wohnung auserlesen: ach, schaff' ein reines Herz in mir, ein Herz, das unbefleckt und frei von allen bösen Lüsten sei! 2. Laß, guter Vater, mein Gemüthe der steten Besserung sich weihn; dein Geist vermehr' des Herzens Güte, so werd' Schüler seyn. ö ich hier schon in der Zeit Heiligung. 143³ der Tugend Werth und Se⸗ ligkeit. 3. Dein guter Geist, o Gott, regiere mein ganzes Herz, und stehe mir in mei⸗ ner Schwachheit bei, und führe mich von der Eitel⸗ keit zu dir! Gib einen Geist, der dir getreu und willig zu gehorchen sei! 4. Entzieh' mir Schwa⸗ chen, wann ich fehle, nur deine Vaterliebe nicht, und gib, damit ich Gutes wähle, mir deines Geistes Kraft und Licht. Im Kampfe laß mich fest bestehn, um einst zum Himmel einzugehn! 5. Nimm deinen Geist, den Geist der Liebe, den Geist des Glaubens nie von mir und stärke mich durch seine Triebe, durch seinen Beistand für und für! So leite durch die Pilgerzeit mich aus der Welt zur Seligkeit! Mel. Freu' dich sehr, o meine 197 7 er du uns als Vater liebest, treuer Gott, und deinen Geist denen, die dich bitten, giebest, ja uns um ihn bit⸗ ten heißt: demuths voll fleh' ich zu dir: Vater, send' ihn auch zu mir, daß er meinen Geist erneue, und ihn dir zum Tempel weihe! 2. Ohne ihn fehlt meinem Wissen Leben, Kraft und Fruchtbarkeit; und mein Herz 144 Werke und Wohlthaten Gottes. Herz bleibt dir entrissen und dem Dienst der Welt ge⸗ weiht, wenn er nicht durch seine Kraft die Gesinnung in mir schafft, daß ich dir mich ganz ergebe und zu deiner Ehre lebe. 3. Auch dich kann ich nicht erkennen, Jesu, noch mit ächter Treu' meinen Gott und Herrn dich nen⸗ nen, stehet mir dein Geist nicht bei. Drum so laß ihn kräftiglich in mir wirken, daß ich dich glaubensvoll als Mittler ehre, und auf deine Stimme höre! 4. Ew'ge Quelle heil'ger Güter, hochgelobter Gottes⸗ geist, der du menschliche Gemüther besserst und mit Trost erfreust; nach dir, Herr, verlangt auch mich; ich ergebe mich an dich. Mache mich zu Gottes Prei⸗ se heilig und zum Himmel weise! 5. Fülle mich mit heil'gen Trieben, daß ich Gott, mein höchstes Gut, über Alles möge lieben, daß ich mit ge⸗ trostem Muth seiner Vater⸗ huld mich freu', und mit wah⸗ rer Kindestreu' stets vor sei⸗ nen Augen wandle und recht⸗ schaffen denk und handle. 6. Geist des Friedens und der Liebe, bilde mich nach deinem Sinn, daß ich Lieb' und Sanftmuth übe, und mir's rechne zum Gewinn, wenn ich je ein Friedensband knüpfen kann, wenn meine Hand, zur Erleicht'rung der Beschwerden, kann dem Nächsten nützlich werden. 7. Lehre mich, mich selber kennen, die verborg'nen Feh⸗ ler seh'n, sie voll Demuth Gott bekennen, und ihn um Vergebung fleh'n. Mache täglich Ernst und Treu', sie zu bessern in mir neu; zu dem Heiligungsgeschäfte gib mir immer neue Kräfte. 8. Wann der Anblick mei⸗ ner Sünden mein Gewissen niederschlägt; wann sich in mir Zweifel finden, die mit Angst mein Herze hegt; wann mein Aug' in Nöthen weint, und Gott nicht zu hören scheint: o dann laß es meiner Seelen nicht an Trost und Stärkung fehlen. 9. Was sich Gutes in mir findet, ist dein Gnadenwerk in mir; selbst den Trieb hast du entzündet, daß mich, Herr, verlangt nach dir. O so setze durch dein Wort deine Gnadenwirkung fort, bis sie durch ein selig Ende herrlich sich an mir vollende! Das Wort Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott 198 Religion vone gegeben, sei ewig meinem Herzen werth! Wie dunkel ist der Wege* 2 Leben dem, der dein himm⸗ lisch Licht entbehrt! Nur du, du fuͤhrst an sichrer Hand den Pilger hin in's beßre Land. 2. Du bist es, die mich Gott erkennen, mich meinen Schoͤpfer lieben lehrt. Ich darf getrost ihn Vater nen⸗ nen, darf sicher seyn, daß er mich hoͤrt. Du russt mir zu: Dein Gott ist gut! Wohl dem, der seinen Willen thut. 3. Wer reizt mein Herz, sich selbst zu richten? Wer schaͤrfet meines Geistes Blick zur hellen Einsicht meiner Pflichten, und schreckt vom Bösen mich zuruͤck? Du staͤr⸗ kest den Gewissenstrieb, und machst mir Recht und Tu⸗ gend lieb. 4. Du leitest mich auf allen Wegen; du zeigest mir das hoͤchste Gut, du machst mir jedes Gluͤck zum Segen, und gibst im Ungluͤck frohen Muth. Wo Nichts, sonst Nichts mich troͤsten kann, da hebt dein wahrer Trost erst an. 5. Du gibst dem Geiste suͤ⸗ ßen Frieden, erheiterst mild den truͤben Sinn, reichst dem Belasteten und Muͤden den sichern Stab der Hoffnung bin. In Angst, Gefahr und Todesschmerz erquickt und heilt dein Trost das Herz. 6. Du lehrst mich glau⸗ ben, lieben, hoffen, ver⸗ Heiligung. 145 kuͤndigst mir Unsterblichkeit. Der Himmel steht durch dich mir offen, und mein ist seine Seligkeit. Ich glaube fest und zweifle nicht: Du, du bist meine Zuver sicht! 7. Ja, du, des Lebens reinste Wonne, begleite du mich bis an's Grab, und leuchte dann mir, gleich der Sonne, den Weg ins Todes⸗ thal hinab! Mein erster Laut an Gottes Thron sei Dank fuͤr dich, Religion! Mel. Nun danket Alle Gott 199 Mon Herzen preis' O ich dich, Gott, für der Bibel Lehre, die ich als dein Geschenk mit Dank⸗ barkeit verehre. Sie ist das Gluͤck der Welt, der Ruhm der Christenheit, mein Klei⸗ nod, Trost und Licht bis in die Ewigkeit. 2. Zum Licht, in dem du wohnst, kann die Vernunft nicht dringen; mit Zweifeln und mit Wahn muͤßt' ich voll Unruh' ringen, haͤtt' ich dein göttlich Wort, den klaren Unterricht von dir und dei⸗ nem Sohn und meiner See⸗ le, nicht. 3. Wie kraͤftig ist dein Wort! Gott vielen tausend Christen gab deine Bibel Sieg im Kampf mit boͤsen Luͤsten. ie bessert sanft das Herz, staͤrkt mich zu meiner Pflicht, ist in Gefahr G mein 14 Werke und Wohlthaten Gottes. mein Schutz, in Finsterniß mein Licht. 4. Der Fromme wird ge⸗ staͤrkt, der Suͤnder tief schuͤttert, der Zweifler wird beschaͤnt, des Spoͤtters Seele zittert; es tröͤstet sich am Grab der Seinigen der Christ, wenn er vom Wie⸗ dersehn im bessern Leben liest. 5. Hier lernt der Weiseste der wahren Weisheit Schaͤz⸗ ze; hier faßt der Bloͤdeste die göttlichen Gesetze; hier findet jeder Stand fuͤr jede Lebenspflicht in allen Fällen Rath und hellen Unterricht. 6. Wer fuͤhlt nicht deinen Geist und seiner Wirkung Staͤrke! Wer nicht des Glaubens Kraft, und Trieb zum guten Werke, der mit dem lautern Wunsch nach Licht und Froͤmmigkeit, mit Ehrfurcht und Gebet der Schrift die Andacht weiht! 7. So kann kein andres Buch die Größe Gottes preisen, so faßlich ruͤhrend nicht den Weg zur Tugend weisen. Durch keine Redner⸗ kunst wird so das Herz er⸗ quickt, zu jeder guten That so willig und geschickt. 8. Bei diesem unterricht laß deinen Geist mich ruͤh⸗ ren, und seine Gotteskraft an meinem Herzen spuͤren! Wer deinen Lehren folgt, fühlt ihre Göttlichkeit; sie geben Licht und Trost, im Tode Freudigkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott 200 Der Wort, o Hoͤchster, ist vollkommen, es lehrt uns unsre ganze Pflicht; es gibt dem Suͤnder und dem From⸗ men zum Leben sichern Un⸗ terricht. O selig, wer es achtsam hoͤrt, bewahrt und mit Gehorsam ehrt. 2. Es leuchtet uns auf unsern Wegen, zerstreut des Irrthums Finsterniß, verkün⸗ kuͤndigt Gnade, Heil und Se⸗ gen, und machet unser Herz gewiß. Es lehrt uns, Hoͤch⸗ ster, was du bist, und was dir wohlgefaͤllig ist. 3. Dein Wort erweckt uns, dich zu lieben, und lehrt, wie viel du denen gibst, die dein Gebot mit Freuden uͤben, wie du so vaͤterlich uns liebst. Was uns darin dein Mund verspricht, bleibt ewig wahr und truͤget nicht. 4. Gott, deine Troͤstun⸗ gen sind besser, und mehr der Sehnsucht werth, als Geld; ein Schatz, weit kost⸗ licher und großer, als alle Schaͤtze dieser Welt. Wer gern thut, was dein Wort gebeut, dem ist dein Segen stets bereit. 5. So laß mich denn mit Lust betrachten die Wahr⸗ heit, die dein Wort nich lehrt! lchrt! Laß mich auf das gehorsam achten, was dein Befehl von mir begehrt; so fließen Trost und Seelenruh auch mir aus deinem Worte 211 zu Mel. Liebster Jesu! wir sind 5 err, mein Licht, 201 H erleuchte mich, daß ich mich und dich erken⸗ ne, daß ich voll Vertrauen dich meinen Gott und Vater nenne! oͤchster, laß mich doch auf Erden we ist zu dem Himmel werden! 2. Lauter Wahrheit ist dein Wort. Lehre mich, es recht verstehen! Hilf selbst meinem Forschen fort, rich⸗ tig daraus einzusehen, was zu meinem Heil mich fuͤhret und mir, deinem Kind, ge⸗ buͤhret! 3. Aber laß mich nicht allein deines Wortes Sinn verstehen; laß mein Herz auch folgsam seyn, den er⸗ kannten Weg zu gehen! Denn sonst wuͤrd' ich bei dem Wissen doppelt Strafe leiden muͤffen. 4. Gib, daß ich den Unter⸗ richt deines Wortes treu bewahre, daß ich, was es mir verspricht, reichlich an mir selbst erfahre! Ja, es sei in meinem Leiden mir ein Quell von Trost und Freu⸗ den. 5. Hilf, daß sich von Zeit Heiligung. 147 zu Zeit meine Kenntnisse ver⸗ mehren! Find ich manche Dunkelheit bei geheimnißvol⸗ len Lehren, laß mich Zweifel⸗ sucht entfernen, und in De⸗ muth glauben lernen! 6. Laß mich, Herr, in dei⸗ nem Licht immer ruͤhrender erkennen jener Herrlichkeit Gewicht, und wie gluͤcklich der zu nennen, der darnach mit Eifer trachtet, und die Lust der Welt verachtet! 7. O verleihe mir die Kraft, deinem Wort gemaͤß zu handeln, und vor dir ge⸗ wissenhaft, als dein treues Kind zu wandeln; so wird einst in jenem Leben mich ein hellres Licht umgeben. Mel. O Gott, du frommer Gott Tool dein ver⸗ 202 DS derbtes Herz zur Heiligung genesen, Christ, so versaͤume nicht, das Wort des Herrn zu lesen; bedenke, daß dies Wort das Heil der ganzen Welt, den Rath der Seligkeit, den Geist aus Gott enthaͤlt. 2. Merk auf, als ob dir Gott, dein Gott, gerufen haͤtte; merk auf, als ob er selbst zu dir vom Himmel red'te! So lies, mit Ehr⸗ furcht lies, mit Lust und mit Vertraun, und mit dem frommen Ernst, in Gott dich zu erbaun. 3. Sprich fromm: O Gott, G 2 vor — 148 Werke und Wohlthaten Gottes. vor dem ich meine Haͤnde fal⸗ te, gib, daß ich dein Gebot fuͤr dein Wort ewig halte, und laß mich deinen Rath empfindungs voll versteh'n, die Wunder am Gesetz, am Wort vom Kreuze seh'n! 4. Er, aller Wahrheit Gott, kann dich nicht irren lassen. Lies, Christ, sein heilig Buch, lies oft; du wirst es fassen, so viel dein Heil verlangt. Gott ist's, der Weisheit gibt, wenn man sie redlich sucht, und aus Gewissen liebt. 5. Lies, frei von Leiden⸗ schaft und ledig von Geschaͤf⸗ ten, und sammle deinen Geist mit allen seinen Kraͤf⸗ ten. Der beste Theil des Tags, des Morgens Heiter⸗ keit, und dann der Tag des Herrn, der sei der Schrift geweiht! 6. Ruͤhrt dich ein starker Spruch; so ruf' ihn, dir zum Gluͤcke, des Tags oft in dein Herz, im Stillen oft zuruͤcke; empfinde seinen Geist, und staͤrke dich durch ihn zum wahren Edelmuth, das Gute zu vollzieh'n. 7. Um tugendhaft zu styn, dazu sind wir auf Erden. Thu', was die Schrift gebeut; dann wirst du inne werden, die Lehre sei von Gott, die dir verkuͤndigt ist, und dann das Wort versteh n, dem du gehor sam bist. 8. Spricht sie geheimniß⸗ voll, so laß dich dies nicht schrecken. Ein endlicher Verstand kann Gott nie ganz entdecken; Gott bleibt unendlich hoch. Wenn er sich dir erklaͤrt, so glaube, was er spricht, nicht, was dein Witz begehrt. 9. Sich seines schwachen Lichts bei Gottes Licht nicht schaͤmen, ist Ruhm; und die Vernunft alsdann gefangen nehmen, wenn Gott sich of⸗ fenbart, ist der Geschoͤpfe Pflicht; und weise Demuth ist's, das glauben, was Gott spricht. 10. Drum laß dich, from⸗ mer Christ, durch keinen Zweifel kranken. Hier bist du Kind, doch dort wird Gott mehr Licht dir schen⸗ ken. Dort waͤchst mit dei⸗ nem Gluͤck dein Licht in Ewigkeit; dort ist die Zeit des Schau'ns und hier des Glaubens Zeit. 11. Verehre stets die Schrift; und siehst du Dun⸗ kelheiten: so laß dich deinen Freund, der mehr als du steht, leiten. Ein forschen⸗ der Verstand, der sich der Schrift geweiht, ein heilver⸗ langend Herz hebt manche Dunkelheit. 12. Halt fest an Gottes Wort; es ist dein Gluͤck auf Erden, und wird, so wahr Gott ist, dein Gluͤck im Him⸗ mel mel werden. Verachte christ⸗ lich groß des Bibelfeindes Spott. Die Lehre, die er schmäht, bleibt doch das Wort aus Gott. Mel. Vom Himmel boch, da 5 ott, heilig sei 203 G dein Nam' und Recht dem ganzen mensch⸗ lichen Geschlecht! Dich bete, wer dich denken kann, im Gesst und in der Wahrheit an! 2. Verbreite deines Wor⸗ tes Schall, wie deine Werke, uͤberall, daß Alle lernen, wer du seist, der reinste, aller⸗ hoͤchste Geist. 3. Durch Jesum Christ, den du gesandt, werd' immer mehr der Welt bekannt, daß du, Gott, unser Vater bist, . er der Volker Heiland ͤst. 4. Lehr' uns, die deinen Rath versteh'n, gehorsam deine Wege geh'n. Durch deines Geistes Licht und Kraft, mach weise uns und tugendhaft. 5. Durch Wahrheit daͤm⸗ pfe jeden Wahn; erleucht uns Allen unsre Bahn; das Laster tilg“ aus unsrer Brust und toͤdt in uns die boͤse Lust. 6. So preiset deine Chri⸗ stenheit, Herr, deinen Na⸗ men in ber Zeit; sie ist und bleibt dein Eigenthum, und ihre Thaten sind dein Ruhm. Heiligung. 149 7, Du sättigst sie mit Se⸗ ligkeit von nun an bis in Ewigkeit, und ewig ist ihr frommer Dank, Herr, dei⸗ nes Namens Lobgesang. Mel. Ach Gott und Herr 6 ott ist mein 204 Gore und auf sein Wort soll meine Seele trauen. Ich wandle hier, mein Gott, vor dir im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr; laß immerdar mich seine Kraͤfte schmecken. Laß kei⸗ nen Spott, o Herr, mein Gott, mich von dem Glau⸗ ben schrecken! 3. Wo haͤtt ich Licht, wosern mich nicht dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie verstuͤnd ich nie, wie ich dich wuͤrdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt der Scele Werth, unsterblich⸗ keit und Leben; daß diese Zeit zur Ewigkeit mir sei von dir gegeben. 5. Den ew'gen Rath, die Missethat der Suͤnder zu versühnen, den kennt' ich nicht, waͤr mir dies Licht nicht durch dein Wort er⸗ schienen. 6. Nun darf mein Herz in Reu' und Schmerz der Suͤn⸗ den nicht verzagen; nein, du verzeihst, lehrst meinen Geist im Glauben: Vater! sagen. 7. Mich zu erneu'n, mich G 8 dir A 150 Werke und Wohlthaten Gottes. dir zu weih'n, ist meines Heils Geschaͤfte. Durch meine Muͤh vi rmag ich's nie, dein Wort gibt mir die Kraͤfte. 8. Herr, unser Hort, laß dieses Wort mir Licht und Freude geben! Es sei mein Theil, es sei mein Heil und Kraft zum ew'gen Leben! Mel. Freu' dich sehr, o meine 205 Got, durch den wir sind und leben, deine Guͤte sei ge⸗ preist, daß du uns dein Wort gegeben, das zum Heil uns unterweist, das uns unsre Pflichten lehrt, warnt, er⸗ mahnet, straft, bekehrt, und, wenn uns ein Leiden druͤ⸗ cket, uns mit reichem Trost erquicket. 2. Gib, daß wir es innig lieben; ernstlich, ohne Heu⸗ chelschein das darin Befohl⸗ ne uͤben, und nicht bloße Hoͤrer sein; denn, wer dei⸗ nen Willen weiß, und ihn doch nicht thut mit Fleiß, der ist aͤrger als die Heiden, und muß doppelt Strafe leiden. 3. Darum praͤge deine Lehren tief in unsre Scelen ein z laß sie uns mit Nutzen hoͤren, und derselben Thaͤter seyn; treib' uns dadurch kraͤftig an, daß wir dich vor Jedermann froh bekennen, kindlich lieben, und mit Suͤnden nicht betruͤhen. 4. In der Seele Finster⸗ nissen sei dein Wort uns stets ein Licht! Laß uns Trost daraus genießen, wenn es uns an Trost ge⸗ bricht! Es versuͤß' uns jede Noth; es erquick' uns auch im Tod durch die Hoffnung, ganz zu schauen, was wir deiner Wahrheit trauen. Mel, Schwing' dich au? zu 5 2 er du selbst die 206 D Wahrheit bist, Gott, zu dem ich singe, Gott, den kein Verstand er⸗ mißt, Ursprung aller Dinge: alle Weisheit kommt von dir zu den Menschenkindern; sie erleuchtet uns, wenn wir selbst ihr Licht nicht hindern. 2. Vorurtheil und Fin⸗ sterniß fuͤllen unsre Seelen; unser Blick ist ungewiß, unsre Schluͤsse fehlen; aber dein Verstand weicht nicht von der lautern Wahrheit. Was du denkest, das ist Licht, Richtigkeit und Klarheit. 3. Wirf dich, sterbliches Geschlecht, dankbar ihm zu Fuͤßen! Seine Wahrheit und sein Recht laͤsset er dich wissen. Weit erschallt das Wort des Herrn, das die Welt bekehret: glaubt es freu dig, folgt ihm gern, Vol⸗ ker, die ihr's hoͤret! 6 4. Gott, was uns dein Wort verspricht, wird und muß geschehen; deine Droh⸗ ung hung kann auch nicht leer voruͤber gehen. Haben Tau⸗ sende nicht schon, welche vor uns waren, deine Strafen, deinen Lohn, dir zum Ruhm erfahren? 5. Seele, wolltest du nicht Gett zuver sichtlich glauben? Soll der Leicht sinn, soll der Spott deinen Trost dir rau⸗ ben? Die die Himmel auf⸗ gebaut, kann die Wahrheit luͤgen? Kann sie den, der ihr vertraut, heuchlerisch betruͤgen? 6. Erd' und Himmel wird vergeh'n; Gott, dein Wort wird bleiben. Lasterhafte, die es schmaͤh'n, werden's nicht vertreiben. Könige sind Staub vor dir, sie mit ihren Heeren. Du im Him⸗ mel lachest ihr, wann sie sich empoͤren. 7. Du bist Wahrheit! Ewig soll mich von dir Nichts trennen, mich die Welt, von Arglist voll, nicht er⸗ schuͤttern konnen. Muß ich hier gleich um dein Wort Schmach und Truͤbsal lei⸗ den, so belohnst du mir's doch dort, Gott, mit Ehr' und Freuden. Gesetz. In eigener Melodie. 207 W'e gut, wie heilig ist, was Gott den Kindern Abra⸗ Heiligung. 151 hams gebot! Verehre keinen Gott, als mich; mich liebe, mir vertraue dich. So sprach der Herr! 2. Mißbrauche meinen Namen nicht. Weh dem, der laͤsternd von mir spricht! Mit Ehrfurcht nenn' den Schoͤpfer nur, und balte redlich deinen Schwur. Das will dein Gott! 3. Stets heilig sei mein Sabbath dir! Dein Knecht auch ruh' und weih ihn mir. Da staͤrke dich zu dem Beruf, zu dem dich meine Guͤte schuf. Das will dein Gott! 4. Ehr' deinen Vater, ehre sie, die dich gebar, und saͤume nie, den Aeltern lieb⸗ reich wohl zu thun; dann wird auf dir mein Segen ruh'n. Das will dein Gott! 5. Du sollst nicht toͤdten; sollst dich scheu'n vor Zorn und Haß; die Rach ist mein. Wem ich die Suͤnd' erlassen soll, der thu' auch seinen Feinden wohl. Das will dein Gott! 6. Die Ehe halte keusch und rein; auch selbst dein Herz soll heilig seyn. Dein Leib und Geist sei mir ge⸗ weiht, dein Ruhm sei Zucht und Maäßigkeit. Das will dein Gott! 7. Mit Unrecht mehre nicht dein Gut. Der Fluch trifft den, der Unrecht thut. Betruͤge nie, und wuchre G 4 nicht. 152 Werke und Wohlthaten Gottes. nicht. Den Armen zu er⸗ freu'n ist Pflicht. Das will dein Gott! 8. Du sollst kein falscher Zeuge seyn; sollst Luͤgen und Verleumdung scheu'n. Des nächsten Unschuld rette du, und seine Fehler decke zu. Das will dein Gott! 9. Des Naͤchsten Haus begehre nie, auch nicht sein Weib, Gesind noch Vieh. Wenn meine Huld auch ihn erfreut, goͤnn ihm sein Gluͤck, und flieh' den Neid. Das will dein Gott! 10. Und wiss es: eifrig ist der Herr; die Uebertre⸗ tung strafet er; doch lohnt er auch dem treuen Knecht bis in das tausendste Geschlecht. Drum folg' ihm treu. 11. Durch Jesum hat be⸗ staͤtigt Gott, was er durch Mosen einst gebot. Von ganzem Herzen liebe mich, und deinen Naͤchsten gleich als dich. So sprach der Herr! 12. Dics, Christen, laßt zu aller Zeit erfuͤllen uns mit Freudigkeit; erfuͤllen treu bis in den Tod, was Gott aus Liebe nur gebot. Er sei gelobt! Mel. Gottlob, ein Schritt zur 2070 H. dein Ge⸗ setz und dein Gebot, wornach wir sollen leben, hast du, o liebevoller Gott, mir in mein Herz ge⸗ geben, daß ich zum Guten willig sei, mit Sorgfalt, fern von Heuchelei, was du l vollbringe. 2. Gib, daß ich dir allein vertrau', allein dich ehr' und liebe, auf Menschenhuͤlf' al⸗ lein nicht bau', in deiner Furcht mich uͤbe, daß Bei⸗ fall, Lob und Menschen⸗ gunst, Gewalt, Pracht, Reichthum, Witz und Gunst mir nicht zum Abgott werde. 3. Hilf, daß ich redlich mich bemuͤh', dich, Vater zu erkennen, und laß mich deinen Namen nie ohn Ehr⸗ erbietung nennen. Gott, unvergeßlich sei es mir, was ich in meiner Taufe dir so feierlich versprochen. 4. Am Tag der dir ge⸗ weihten Ruh laß mich, Gott, mit den Deinen in der Versammlung, so wie du befiehlst, vor dir erschei⸗ nen: dann deiner im Ge⸗ bet mich freu'n, ein Hörer deines Wortes seyn, und, wie ich soll, ein Thaͤter. 5. Gib, daß ich Eltern, Obrigkeit und Lehrer ehr und liebe, sie nie durch Wi⸗ dersetzlichkeit und boͤses Herz betruͤbe; viclmehr fuͤr ihre Sorg' und Treu erkenntlich und gehorsam sei, und dei⸗ nen Segen erbe,. 6. Hilf, daß ich nie mit bitterm Sinn, Herr, Rach und und Feindschaft uͤbe, und wenn ich auch beleidigt bin, verzeih' und Feinde liebe, und Jedem goͤnne, was er hat, und Alle segne, mit der That gern jedem Menschen diene. 7. Laß mich, wie du ge⸗ boten hast, unkeusche Werke meiden. Unreinigkeit ist dir verhaßt; auf Wollust folgen Leiden. Schaff' du in mir ein reines Herz, das Ueppig⸗ keit und frechen Scherz sich nimmermehr erlaube. 8. Gib, Herr, daß ich mich redlich naͤhr und boͤser Ranke schaͤme, mein Herz dom Geiz und Unrecht kehr, durch Macht und List Nichts nehme; daß ich nie Fleiß und Arbeit scheu', wohlthaͤ⸗ tig und zufrieden sei, nicht karg und nicht verschwen⸗ drisch. 9. Hilf, daß ich meines Nächsten Ehr zu retten mich befleiße, das, was ich kann, zum Besten kehr, doch Boͤ⸗ ses nicht gut heiße; stets zeige Treu und Redlichkeit, und Abscheu trage jederzeit an Falschheit, Schmaͤh'n und Luͤgen. 10. Laß mich des Naͤch⸗ sten Haus mit List und Un⸗ recht nicht begehren: das aber, was mir noͤthig ist, woll st du mir, Gott, gewaͤh⸗ ren. Doch laß mich auch das groͤßte Gut, ein ruhig Herz Heiligung. 153 und frohen Muth und deine Gnade haben,. 11. Wie gern moͤcht ich, o Herr, mein Gott, nach deinem heil gen Willen, wie gern moͤcht' ich ganz dein Ge⸗ hot, das du mir gabst, erfuͤl⸗ len; allein du weißt, was mir gebricht; ich Schwa⸗ cher, ich vermag es nicht aus meinen eignen Kraͤften. 12. Drum gib du mir von deinem Thron, Gott Vater, Gnad' und Staͤrke, daß ich, o Jesu, Gottes Sohn, stets auf dein Vor⸗ bild merke! O heil ger Geist, hilf mir, daß ich Gott uͤber Alles, und wie mich, auch meinen Naͤchsten liebe. Evangelium. Mel. Jesu, meine Freut 8 2 Mort aus Got⸗ 208 W̃᷑ tes Munde, Wort vom Friedensbunde, Evangelium! Quelle wah⸗ rer Freuden, Trost in allen Leiden, unser hoͤchster Ruhm! Kraft, die Glauben Frohe uns zum Leben felbst Gott gegeben! 2. Was sein len vor der Welt sersehen hat; 50 von Wohlgefal⸗ uns Allen was erst Schatten vorgebildet das vollfuͤhrt sein Daß sein Eid ihn gereut, ruͤhmen wir G 5 ir 154 in Jesu Namen wird und Amen. 3. Alles ist vollendet; Gott hat den gesendet, der verheißen war. Jesus hat sein Lehen fuͤr uns dargege⸗ ben, willig gab er's dar. Ja, er Ja er hat des hoͤchsten Rath ganz vollbracht zu seiner Ehre. O erwuͤnschte Lehre! 4. Da uns Strafen droh⸗ ten, riefen seine Boten: Heiligt euch und Raubt! 1 Gott will euch vergeben; ewig sollt ihr leben, wenn ihr Jesu glaubt! Seine Huld tilgt eure 00 nur muͤßt ihr die Suͤnde hassen, Muth zur Tugend fassen! 5. Sesu, voll Vertrauen will ich auf dich bauen, und in dir mich freu'n, dir nur will ich leben, dir mich ganz ergeben, ewig treu dir seyn. So werd' ich auch einst durch dich, o mein Heiland, selig sterben, und den Himmel erben! Die heilige christliche Kirche. In eigener Melodie 209 Echt, uns, Herr, bei deinem Wort; den finstern Irrthum treibe sort; bewahr' uns vor Gewisse senszwang, so preist dich unser Lobgesang! 2. Die Volker sei'n dir unterthan! Es weiche fal⸗ Werke und Woh 7 lthaten Gottes scher Lehre Wahn vor dei⸗ ner Wahrheit klarem Licht! Gewalt hüft dem Gewissen nicht. 3. Die Herrschsucht, die den fremden Knecht, er glau⸗ be falsch, er glaube recht, gewaltsam zieht vor's Rich⸗ teramt, bleib' unter unserm Volk verdammt! 4. Nur geistlich sei der Wahrheit Krieg! Gib wi⸗ der Irrthum ihr den Sieg. Durch Gruͤnde sieg' sie und Beweis, und durch des from⸗ men Beispiels Fleiß. 5. Wir geh'n in Daͤmm'⸗ rung, irren bald! Die Weis⸗ heit uͤbet nicht Gewalt. Laß Fried' und Duldung allge⸗ mein, nicht maͤchtig die Ver⸗ folger seyn! 6. Der Scepter uͤbe Bil⸗ ligkeit, verbiete nicht der Gruͤnde Streit! Wer fried⸗ sam ist, nicht Laster lehrt, deß Freiheit bleibe unge⸗ stoͤrt. 7. Zerbrich des Zwanges hartes Joch: die freie Wahr⸗ heit sieget doch. Sie mache uns von Irrthum frei und von der Suͤnde Sklaverei. Am Wanne Mel. Allein Gott in der Höh' 210% dir, Herr, nken wir erfreut an unsrer Vaͤter Glauben. Der Feind erhob sich . sich kuhn zum Streit, dein Wort der Welt zu rauben: sie aber kaͤmpften ritterlich, gestaͤrkt, Allmaͤchtiger! durch dich; sie kaͤmpften und sie siegten. 2. Dein Wort war ih⸗ nen Schwert und Schild, Schutz, Heereskraft und Bo⸗ gen. Lang war's in Dunkel eingehuͤllt, der Christenwelt entzogen; sie brachten's wie⸗ der an das Licht, und ach⸗ teten Gefahren nicht, sie sangen heldenmuͤthig: In eigener Melodie. 3.„Ein' feste Burg ist unser Gott, ein' gute Wehr und Waffen; er hilft uns frei aus aller Noth, die uns jetzt hat betroffen; der alt boͤse Feind, mit Ernst er's jetzt meint, groß Macht und viel List sein grausam Ruͤstung ist: auf Erd ist nicht sein's Gleichen. 4. Mit unsrer Macht ist Nichts gethan, wir sind gar bald verloren; es streit't fuͤr uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erko⸗ ren. Fragst du: wer er ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott; das Feld muß er behalten. 5. Und wenn die Welt voll Teufel waͤr', und wollten uns verschlingen; so fuͤrch⸗ ten wir uns nicht so sehr; Heiligung. 155 es soll uns doch gelingen. Der Fuͤrst dieser Welt, wie sau'r er sich stellt, thut er uns doch Nichts; das macht, er ist gericht't: ein Woͤrt⸗ lein kann ihn fallen. 6. Das Wort sie sollen lassen stahn, und keinen Dank dazu haben; er ist bei uns wohl auf dem Plan, mit seinem Geist und Gaben. Nehm'n sie uns den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, laß fahren dahin, sie haben's kein'n Gewinn; das Reich muß uns doch bleiben.“ Mel. O Gott, du frommer Gott 7. So sangen sie: und weit erschollen ihre Lieder; die Voͤlker kehrten froh zum freien Glauben wieder. Der Aberglaube floh, es wich die duͤstre Nacht, das Evange⸗ lium ward an das Licht gebracht. 8. Triumph! die Wahr⸗ heit siegt! Gott war mit ih⸗ ren Streitern! Gott ist und bleibt mit ihr; er wird ihr Reich erweitern. Auf! die ihr sie erkennt, und dank⸗ bar sie verehrt, auf! haltet fest an ihr! Sie sei uns ewig werth! Mel. Sei Lob und Ehr' dem 5(b) Dein Volk, o 210 D Herr, singt frohen Dank zu deines Na⸗ mens Ehre. Es stimm' auch G 6 un⸗ 156 unser Lobgesang in alle heil gen Choͤre, die heut in dei⸗ nem Heiligthum zu deines großen Namens Ruhm, dir Jubellieder singen. 2. Dies ist ein Tag, von dir gemacht. Von dir, Herr, ist's geschehen, daß wir, frei von des Irrthums Nacht, das Licht der Wahrheit se⸗ hen, daß wir, von Menschen⸗ tand befreit, dich, wie dein eignes Wort gebeut, ver⸗ nuͤnftig ehren können. 3. O welche Wohlthat, Gott, ist dies, was uns ist widerfahren! Es lag dein Wort in Finsterniß seit mehr als tausend Jahren. Du hast, trotz aller Feinde Macht, es wieder an das Licht gebracht. Wir freu' n uns dieser Gnade. 4, Du laͤssest hier im Hei⸗ ligthum dein lautres Wort uns hoͤren, zu unserm Heil, zu deinem Ruhm laͤßt du es reichlich lehren. In unsern Haͤusern ist es auch zu unserm taglichen Gebrauch. Lehr' diescs Gluͤck uns schaͤtzen. 5. In unsern Se bildet man Verstand und Herz der Jugend. Man fuͤhrt nach deinem Wort sie an zur Weisheit und zur Tugend. Das Anseh'n unsrer Obrigkeit bleibt gekraͤnkt, und Sicherl d Ruß' und Ordnung 4 5 Ee un 9 aten Wattog Werke und Wohlthaten Gottes 6. So können wil bei dei⸗ nem Licht ein frohes Leben fuͤhren, wenn wir nach un⸗ sers Wandels Pflicht nur deine Lehre zieren. Und bricht einst unser Tod her⸗ ein, so spricht dein Geist den Trost uns ein: Von nun an seid ihr selig. 7. So gluͤcklich hast du uns gemacht durch deines Wortes Lehre. Dir, Herr, sei ewig Dank gebracht, die Ruhm und Preis und Ehre! Dir jauchzet unser Herz und Mund. Es mach auch unser Leben kund, daß . wir dich dankbar preisen! Mel. Christus, der ist mein 2 f 1 A* bleib' mit dei⸗ „ner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ! da⸗ mit kein Feind uns schade mit seiner Macht und List. 2. Entzieh' uns deine Leh⸗ rt der Wahrheit ihre Kraft ge⸗ mmer Trost und Ou hre uns i Laß deinen Geist uns treiben, daß wir, von Irr⸗ thum frei, bei deiner Rede bleiben, dir folgsam, dir getreu. 4. Komm' uns mit Kraft entgegen, hilf unsrer hheit auf, und staͤrke nögen zum ernsten pfen, hilf uns den Reiz der Welt und ihren Trotz be⸗ kaͤmpfen, du sieggewohnter Held. 6. Ja bleib' mit deiner Treue bei uns, Herr, unser Gott! Bestaͤndigkeit verleihe, hilf uns aus aller Noth. Mel. Ein' feste Burg ist unser 5 err, deine Kir⸗ 212 che danket dir: noch wohnt dein Wort im Lande! Von deiner Gnade haben wir noch deinen Geist zum Pfande. Kommt sie in Gefahr durch der Feinde Schaar: dann, o Jesu Christ besiege Macht und List, und herrsch' in jedem Lande! 2. Sei, Herr, mit uns! Verlaß uns nie, uns, deines Leibes Glieber. Hilf deiner Kirch“, und schuͤtze sie; denn wir sind deine Bruͤder. Sie, die dir vertraut, hast du selbst erbaut. Ach, erhalt' sie rein; und die den Bund entweih'n, die heilige dir wieder. 3. Eins ist's, was deine Treuen krankt: daß unter deinen Ehristen noch man⸗ cher deiner ni cht gedenkt, beherrscht von scinen Lu sten. Vieler Glaub' ist schwach, kalt die Lieb', und, ach, sie bedenken nicht: es wart“ ein schwer Gericht auf trage, 3 Christen. 4. Und d o Jesu, bist so treu! 1 9 95 wir e Heiligung. 157 mer waren! Mach alle Her⸗ zen rein und neu, laß alle sich bekehren. Gib uns Wis⸗ senschaft, Glaube, Lieb und Kraft, gib Entschtuß und Muth, zu wagen Ehr' und Blut zum Preise deiner Lehren. 5. Entferne Zwietracht, . und Mord, erhalt? ns Ruh' und Frieben. Laß aus, gestaͤrket durch dein Wort, im Guten nie er⸗ muͤden. Mache leicht, was druͤckt, gib uns, was begluͤckt. der Pruͤfungszeit ruf' zu dei⸗ Nach uns zur Seligkeit, nes Himmels Freuden. 6. Herr, deine streitet noch: hilf si 38 5 mi kein Kaͤmpfer unterli Hör' ihr kindlich Eil', ihr beizusteh'n, standhaft sei, stets Wahrheit treu. Hil Kirche siegen! Mel. Herzliebster Jesu 2136 dee wird dein Wort und Erd Him⸗ vergehen, eh' s Reich, das jemals ver⸗ be estehen, und mel werden eh eine Me du errichtet nichtet. 2. Immer noch sammelst ir auf der Erden Men⸗ schen, die willig dir gehor⸗ sam werden und deinen Fr G 7 de 15 Werke und Wohlthaten Gottes. den hier schon im Gewissen froͤhlich genießen. 3. Reizt blendende Ver⸗ suchung sie zu Suͤnden, bist du ihr Beistand und hilfst uͤberwinden. Nichts wird sie jemals deiner Hut entrei⸗ ßen. Du hast's verheißen. 4. Wohl Allen denen, die dir, Jesu, trauen! Was sie dir glanben, wird ihr Aug' einst schauen, dich, und die Freuden, womit du belohnest da, wo du thronest. 5. Dann schallen froͤhlich von der Deinen Menge dir, unserm Haupte, hoͤh' re Lob⸗ gesaͤnge, wenn einst dein Volk, das hier dein Geist regieret, dort triumphiret. Mel. Erschienen ist der herrlich obsinget Gott! 214 L denn seine Macht vertrieb des Aber⸗ glaubens Nacht. Uns deckte bange Finsterniß; der Herr war's, der uns ihr entriß. Lobsinget ihm! 2. Verdunkelt war der Wahrheit Licht; selbst Chri⸗ stenlehrer sah'n es nicht. Aus Unterricht ward Glaubens⸗ zwang; in harte Sklaverei versank das Volk des Herrn. 3. Wie tobte der Verfol⸗ ger Wuth! Wie stroͤmte treuer Christen Blut! Und ihre Wuͤrger ruͤhmten doch sich ihrer Gottesliebe noch. O welch' ein Wahn! 4. Gott kam und stand der Kirche bei; da wurden die Gewissen frei; da schwanden Aberglaub' und Wahn. Das hat der Herr, der Herr gethan. Singt, singt ihm Dank! 5. Vereint nun, Christen, jederzeit mit Wahrheits sinn Vertraͤglichkeit. Die Liebe sei der Kirche Zier. Dann sieget sie; Gott ist mit ihr; er ist ihr Schutz. 6. Und wenn auch seines Wortes Licht nicht gleich durch alle Nebel bricht, und Spotter stolz die Wahrheit schmaͤh'n: verzaget nicht! Sie wird besteh en; sie ist von Gott. 7. Schaut auf zur Son⸗ ne; sie erhellt nicht gleich den ganzen Raum der Welt. Laßt, Christen, unsers Lichts uns freu'n, und Gott durch Thaten dankbar seyn, wie er sie liebt. 8. Lobsingt, lobsingt dem Herrn, und freut voll Hoff⸗ nung euch der Ewigkeit! Dort wird nur Liebe, dort allein ein Hirt und eine Heerde seyn. Lobsingt dem Herrn! Mel. Herzliebster Jesu 51 daß doch, o Jesu, 215 L laß dein Reich auf Erden nie unterdruͤcket, stets erweitert werden! Gib allen Menschen deiner Lei⸗ den den wegen, Licht, Heil und Segen! 2. Erleuchte sie, daß sie dich recht erkennen, und glaubensvoll dich ihren Hei⸗ land nennen! O lehre sie mit Eifer deinen Willen schon hier erfuͤllen! 3. Laß sie die Schrift mit frommer Achtung ehren; denn sie enthaͤlt der wahren Weisheit Lehren; und ohne diese sucht man doch verge⸗ bens den Weg des Lebens. 4. Ach, steure, Herr, dem Toben deiner Feinde, und vor dem Irrthum warne deine Freunde! Gib, daß sie pruͤfen, und dem Aberglau⸗ ben die Herrschaft rauben! 5. Sei du ihr Licht in bangen Finsternissen, und wecke selbst ihr schlafendes Gewissen! Erhebe troͤstend, schlaͤst sie Kummer nieder, ihr Herz auch wirder! 6. Herr, schuͤtz' uns maͤch⸗ tig vor der List der Boͤsen, bis du von ihnen ganz uns wirst erloͤsen, und wir zum Kreise der verklaͤrten From⸗ men frohlockend kommen. In voriger Melodie 216 S Schuͤtze die Dei⸗ Se nan, die nach dir sich nennen, und dich, o Jesu, vor der Welt beken⸗ nen. Laß deinen Haͤnden, wie du selbst verheißen, Nichts sie entreißen. Heiligung. 159 2. Laß deine Wahrheit rein verkuͤndigt werden; mach ihre Siege herrlicher auf Erden. Gib Muth und Weisheit denen, die sie leh⸗ ren, dein Reich zu mehren. 3. Du hast noch niemals, Herr, dein Wort gebrochen. Fuͤhre die Deinen, wie du selbst versprochen, fuͤhre sie endlich aus dem Kampf hie⸗ nieden zum ew'gen Frieden. 4. Ewig, o Heiland, sei dein Nam' erhoben! Ewig frohlockend muͤsse dich einst loben, o du Beschirmer dei⸗ ner schwachen Heerde, Him⸗ mel und Erdel Mel. Ein' feste Burg ist 217 Won Chris seine Kirche schuͤtzt, so mag die Holle wuͤthen; er, der zur Rech⸗ ten Gottes sitzt, hat Macht, ihr zu 900 bieten. Er ist mit Hülfe nah'; wenn er gebeut, steht's da. Er schuͤtzet seinen Ruhm, und haͤlt das Chri⸗ stenthum. Mag doch die Hole wuͤthen. „Und wenn auch Fuͤrsten auf dem Thron sich wider ihn empoͤren; stets werden ihn, des Hoͤchsten Sohn, zahllose Voͤlker ehren. Sein Wort ist wahr; Nichts ist der Großen Macht und List. Wie lange waͤhrt ihr Spott? Auch sie sind Staub — 160 Werke und Wohlthaten Gottes Staub vor Gott. Sie moͤ⸗ gen sich empoͤren! 3. Der Frevler mag die Wahrheit schmaͤhn; uns kann er sie nicht rauben. Der Unchrist mag ihr widersteh en; wir halten fest am Glauben. Gelobt sei Jesus Christ! Wer hier sein Juͤnger ist, sein Wort von Herzen haͤlt, dem kann die ganze Welt die Seligkeit nicht rauben. 4. Auf, Christen, die ihr ihm vertraut, laßt euch kein Droh'n erschrecken! Der Gott, der von dem Himmel schaut, wird uns gewiß be⸗ decken. Der Herr, der starke Gott, haͤlt uͤber sein Gebot; gibt uns Geduld in Notl und Kraft und Muth im Tod. Was kann uns denn erschrecken? Mel. Gott des Himmels unt 218 Herrlich ist's in 0 deinem Reiche, Konig der erloͤsten Schaar! Jede Sinnenlust entweiche; dennoch beutst du Wonne dar, Wonne, die den Geist erhoht, und dem Strom der Zeit entgeht. 2. Was sind Rang und eitle Schaͤtze? Was sind Kronen dieser Welt? Freun⸗ de deiner Reichsgesetze sind einst Engeln zugesellt. Edel e ist ihr deine Huld ih ist Tugend, wo dein großer Geist regiert, wo das Alter, wo die Jugend sich mit dei⸗ nem Sinne ziert. Selbst der Suͤnder preist sein Gluͤck, eilet er zu dir zuruͤck. 4. Ja, du herrschest nicht mit Strenge; nur von Liebe wallt dein Herz und du lockst der Menschen Menge nur hinweg von Angst und Schmerz. Selig, wer dir seine Zeit, seine Kraft, sein Leben weiht! 5. Mag der Krieg die Welt zerruͤtten! Friede schwebt um deinen Thron. In Palaͤsten, in den Huͤtten groß ist uͤberall dein Lohn. Jeder, jeder, der dich ehrt, ist und bleibt dir ewig werth. 6. Droh'n dir gleich die Frevler alle, ruͤstet sich der Spotter Heer; ach, sie na⸗ pen sich dem Falle, und dann sie nicht mehr! Ewig dein Reich besteh'n; Wahrheit kann nicht unter⸗ geh'n. Reiche dieser Welt ver⸗ schwanden, Kronen sanken in den Staub; aber seit dein —— entstanden, ward es nie der Zeiten Raub. Jetzt noch blickt dein Unterthan hochentzuͤckt zu dir hinan. S. In den fernsten Him⸗ melsstrichen glaͤnzt, o Herr/ dein mildes Licht. Thoren nur, die von dir wichen, sehen seine Strahlen nicht; doch doch der Weise bleibt dir treu und du machst ihn groß und frei. 9. Mehre selbst die Zahl der Weisen! Herr, erweit re dein Gebiet, und laß einst auch den dich preisen, der noch blind vor Goͤtzen kniet! Zeig' uns Allen nach der Zeit deines Reiches Herrlichkeit! Heilige Taufe. (Vor der Taufe.) Mil. Sollt' es gleich bisweilen 5 Dir, Gott, der so 219 D gern erfreuet, immer seine Huld erneuet, weihen durch die Taufe wir dieses Kind, o Vater! dir. 2. Gib ihm Wachsthum und Gedeihen, laß es stets das Boͤse scheuen, und be⸗ gluͤke das Bemuͤhn, es zum Himmel zu erzieh'n. 3. Starke kuͤnftig seinen Glauben, laß ihm den die Welt nicht rauben; nicht den Trost, daß es ein Christ, daß du, Gott, sein Vater bist. 4. Laß es stets dich froh bekennen, daß es Niemand von dir trennen, Niemand auf der Tugend Bahn Heil und Ruh ihm rauben kann. Mel. Wer nur den lieben Gott 220 err, der du selbst die Tauf' befoh⸗ len, dir, dessen Treu' un⸗ wandelbar, dir sei auch die⸗ Heiligung. 161 ses Kind empfohlen! Wir bringen es dir flehend dar: o segne es, Herr Jesu Christ, der du der Taufe Stifter bist! Mel. Liebster Jesu, wir sind hier 6(a) err, wir ste⸗ 221 Hon hier dor dir: laß dies Kind auf un⸗ sern Armen dir gefallen, bit⸗ ten wir, und erzeige dein Erbarmen, laß es hier be⸗ gluͤckt auf Erden, dort des Himmel Erbe werden! (Nach der Taufe.) Mel. Kommt, kommt, den Herrn 010 eweiht zum 221 G Chriten⸗ thume ist dieses Kind, dir, Gott, geweiht. Erzieh' es dir zum Ruhme, zur Tugend und zur Seligkeit. Gib, daß es deiner Liebe sich immer dankbar freu', und durch des Geistes Triebe dir stets ge⸗ horsam sei; daß froͤhlich es dem Lohne der Treu' ent⸗ gegen geh', und vor des Mittlers Throne sich einst verherrlicht seh! Mel. Wer nur den lieben Gott 5 ch bin getauft 222J auf deinen Na⸗ men, Gott, Vater, Sohn und heil ger Geist! Ich bin gezahlt zu deinem Saa⸗ men, zum Volk, das dir geheiligt heißt. O welch ein Gluck ward dadurch mein! 162 mein! Laß, Herr, mich dessen wuͤrdig seyn! 2. Du hast mich fuͤr dein Kind erklaͤret, mein Vater, und ein selig Theil hast du, Sohn Gottes, mir gewaͤhret an dem von dir erworb' nen Heil! Du willst, mein Leben Gott zu weih'n, Geist Got⸗ tes, selbst mein Beistand yn. 3. Die Liebe ist nicht zu ermessen, die du, mein Gott, mir zugewandt. O laß mich nie die Pflicht vergessen, da⸗ zu ich selbst mich dir ver⸗ band, als du in deinen Bund mich nahmst, und mir mit Heil entgegen kamst. 4. Du bist getreu; auf deiner Seite bleibt dieser Bund stets feste steh'n. Ja selbst, wann ich ihn uͤber⸗ schreite, laͤßt du dein Vater⸗ herz mich seh'n. Du regest mein Gewissen an und lenkst mich auf die rechte Bahn. 5. Ich gebe, o mein Gott, auf's Neue mich ganz zu dei⸗ nem Opfer hin. Ermwecke mich zu neuer Treue, und bilde mich nach deinem Sinn. Weich, eitle Welt! 3 Suͤnde, weich! 2 hoͤrt es: jetzt entsag' ich euch. 6. Befestige dieß mein Versprechen, mein Vater, und bewahre mich, daß ich es niemals moͤge brechen! Mein ganzes Leben preise dich! Gott meines Heils, Werke und Wohlthateu Gottes. sei ewig mein, und laß mich dein auch ewig seyn! Mel. Liebster Jesu, wir sind (a) Mein Erloͤser, 2230 M der du mich dir zum Eigenthum erkau⸗ fet: als dein Juͤnger bin auch ich vormals auf dein Wort getaufet. O erwecke mich zum Fleiße, recht zu seyn das, was ich heiße. 2. Laß mich oft mit Acht⸗ samkeit meiner Taufe Bund betrachten, und nur das zu jeder Zeit fuͤr mein groͤßtes Wohlseyn achten, daß ich, Jesu, deinen Willen treulich suche zu erfuͤllen! 3. Dieser Erde Gut und Ruhm bleibt im Tode doch zuruͤcke; nur ein wahres Christenthum folgt uns nach zum ew'gen Gluͤcke. Davon ist auch, nach dem Sterben, ewig Segen zu ererben. 4. Laß mich denn, wie dir's gefaͤllt, deinem Dienst, Herr, ganz ergeben, und entfernt vom Sinn der Welt, als dein treuer Juͤn⸗ ger leben, daß ich einst auch, wann ich sterbe, das verheiß'ne Leben erbe! Mel. Wer nur den lieben Gott 22300 ch bin getauft nach Jesu Lehren, dich, Vater, dei⸗ nen Sohn und Geist so zu bekennen und zu ehren, daß Herz Herz und Mund und That dich preist, und dann des Gluͤcks, ein Christ zu seyn, mich hier schon und einst dort zu freu' n. 2. Du hast zu deines Rei⸗ ches Erben, o treuer Vater, mich erklart; es hat die Frucht aus seinem Sterben dein Sohn, mein Heiland, mir gewährt; und dir mein Leben ganz zu weih'n, soll selbst dein Geist mein Bei⸗ stand seyn. 3. Gelobt, mein Gott, sei deine Liebe, die mir, noch eh' ich dich gekannt, aus freiem väterlichem Triebe schon so viel Gutes zugewandt! Wie huldreich hast du mein ge⸗ dacht, und fuͤr mein wah⸗ res Wohl gewacht! 4. Dir geb' ich mich, mein Gott, aufs Neue, nun ganz aus Dank und Liebe hin. Erwecke mich zu steter Treue, und bilde mich nach deinem Sinn. Was dir mißfaͤllt, sei fern von mir, und hei⸗ lig sei mein Leben dir! 5. Damit ich, was ich hier verspreche, auch redlich halte und getreu, nie mein Ge⸗ luͤbd' aus Leichtsinn breche, steh', Gott, mit deiner Kraft mir bei, und fall' ich, so ver⸗ wirf mich nicht, o Herr, von deinem Angesicht! 6. Erwecke mich durch dei⸗ ne Gnade zum steten Ernst der Besserung, und leite Heiligung. 163 mich auf sicherm Pfade des Glaubens und der Heili⸗ gung. Gott meines Heils, sei ewig mein und laß mich stets dein eigen seyn. Mel. Jesus, meine Zuvepsicht 22 4 wig, ewig bin ich dein. theuer dir, mein Gott, erkaufet, bin auf dich, um dein zu seyn, Vater, Sohn und Geist, getaufet! Dessen soll mein Herz sich freu'n; ewig, ewig bin ich dein! 2. Welch ein göttlicher Gewinn, daß ich durch der Taufe Gabe Gottes Kind und Erbe bin, daß ich ihn zum Vater habe! Heilig, heilig will ich seyn; ewig, Vater, bin ich dein! 3. Ich gelobt“ es, und dennoch brach ich oft den Bund der Taufe, kaͤmpfte schon, und wurde doch schwach im Kampf und matt im Laufe. Dennoch will noch Icsus mein, Gott will noch mein Vater scyn! 4. Dieß, o Gott, ver⸗ sprachst du mir; das hat Jesus mir verheißen. Und ich sollte, Suͤnde, dir, dir, o Welt, mich nicht entrei⸗ ßen 2 Ja, ich will's, ich will nicht dein, ich will meines Gottes seynl 5. Jesum, dem ich bin getauft, bin von ihm so hoch erhoben, bin ihm del e lut * 164 Werke und Blut erkauft, Jesum soll mein Leben loben! Ihm will ich, denn ich bin sein, mei⸗ ne ganze Seele weih' n. 6. Wachen will ich, fleh'n um Kraft, daß ich stets auf seinem Wege, heilig und ge⸗ wissenhaft und im Glauben wandeln moͤge. Und er wird mir Kraft verleih'n; treu bis in den Tod zu seyn. 7. Hoͤre mich, denn ich bin dein, theuer dir, mein Gott erkaufet; bin auf dich, um dein zu seyn, Vater, Sohn und Geist, getaufet! Ewig, ewig laß mich dein, ewig laß mich selig seyn. Das heilige Abendmahl. Mel. Befiehl du deine Wege 5 Jersammelt hat⸗ 225 a 5 te Jesus die Juͤnger feierlich; es nahte seine Stunde, die Abschieds⸗ stunde sich. Die sich der Hoffnung freuten, mit ihm zum Thron zu geh'n, sie soll⸗ ten nun ihn dulden, ach, blu⸗ ten, sterben seh'n. 2. Sie sollten nun Be⸗ kenner der heil'gen Wahr⸗ heit seyn; fuͤr sie, und fuͤr die Bruder, wie er, den Tod nicht scheu'n. Ach, wie er jetzt so ruͤhrend beim frommen Abschiedsmahl den Freunden, den Erwaͤhlten, noch Lieb' und Treu' empfahl! 3. Er sah am Kreuz sich Woblthaten Gottes. sterben, und weihte Brod und Wein, den Blick zu Gott erhoben, fuͤr sie laut dankend ein. Nehmt, sprach er, diese Gaben, das ist mein Leib, mein Blut; o denket mein, ihr Lieben, so oft ihr solches thut! 4. Wie konnten sie ver⸗ gessen, was jetzt ihr Lehrer that, der scheidende Geliebte jetzt, ach, so zaͤrtlich bat! Nehmt hin, fuͤr euch gege⸗ ben wird dieser Leib, dies Blut; o denket mein, ihr Lie⸗ ben, so oft ihr solches thut! 5. Nun ward dies Mahl zur Feier; stets schwebte liebreich, mild und hehr vor ihren Blicken des treusten Freundes Bild, gab ihnen rein're Liebe, zur Tugend hoͤhern Muth. Sie opfer⸗ ten der Wahrheit mit Freu⸗ den Gut und Blut. 6 Auch uns zum Heil ge⸗ stiftet ward sein Gedaͤchtniß⸗ mahl; fuͤr uns auch starb aus Liebe er unter Schmach und Qual. Wer konnte sein vergessen, vergessen, was er bat, eh' er den Weg des Todes zu unser m Heil be⸗ trat? 7. O laßt nun am Altare uns seiner dankbar freu'n, und froh den Bund der Lie⸗ be, der Tugend Bund er⸗ neu'n! Sein Mahl staͤrk un⸗ sern Glauben, staͤrk ihn in Schmerz und Noth, mach * mach' heilig unser Leben, freudig unsern Tod. Mel. Liebster Immanuel 99 Maht dem Altare, 226 N Unsterbliche, nahet, und feiert hier den Tag der Besserung! Segnet den Festtag des Bundes! Empfahet bei Jesu Mahle Kraft zur Heiligung. Fuͤhlt Gottes Frieden! Denn schon hienieden gewaͤhrt die Tugend euch Beseligung. 2. Aber gebietet auf rau⸗ heren Wegen die Tugend euch zu gehn; o wanket nicht! Blicket auf Jesum! Mir ewigem Segen, mit Ruhm vor Gott belohnt er⸗ fuͤlte Pflicht. Auf, auf, und ringet zum Ziel! Voll⸗ bringet den Ruf der Gott⸗ heit! Auf, und wanket nicht! 3. Bei dem Gedaͤchtniß des Heiligen schwoͤret, dem hohen Tugendbund getreu zu seyn! Schwoͤrt bei dem Tode des Heiligen! Hoͤret, ihr Mitunsterbliche, den Schwur: Wir weihen in die⸗ ser Stunde dem großen Bunde der wahren Tugend uns. Gott, wir sind dein! 4. Singt dem erhabenen Muster der Frommen, des Bundes Erstem, Preis und Lobgesang! Er ist zum Se⸗ gen der Menschheit gekom⸗ men; vom Himmel bracht' er Licht. Nun Lebenslang Heiligung. 165 im Licht zu wandeln, wie er zu handeln: dies, Christen, sei der ihm geweihte Dank. Mel. Ein Lämmlein geht 9952 u, Herr, hast 22 7 D aus Barmher⸗ zigkeit, zum Denkmal deiner Gnaden, das ganze Volk der Christenheit wohlthaͤtig ein⸗ geladen. Du rufst: Muͤh⸗ sel ge kommt zu mir! Ich komme, Heiland, ja zu dir erheb' ich meine Seele. Ent⸗ zeuch mir deine Gnade nicht, sei auch mein Trost, mein Heil, mein Licht. Du siehst, wie oft ich fehle. 2. Ja, meiner Schulden sind weit mehr, als ich ver⸗ mag zu zahlen. Ich fühl es wohl, und leide sehr vor Unruh' meiner Seilen. Doch du bist meine Zuversicht. Verlaß mit deinem Trost mich nicht; du siehest meine Reue. Erbarmer, nimm sie gnaͤdig an; du bist, der hel⸗ fen will und kann, daß sich mein Herz erfreue. 3. Nach deinem CTroste sehn ich mich, gebuͤckt vor dir im Staube. Dein kroͤst ich mich, und nur auf dich, Erlöser, hofft mein Glaube. gebeugte willst du nicht ver⸗ schmaͤhn, versprichst, den Schwachen beizusteh'n, die nach der Beß rung trachten. Stets bleibst du deinen Worten treu, und wirst ein l glaͤu⸗ 168 Werke und Wohlthaten Gottes. glaͤubig Herz voll Reu', und meines nicht verachten. 4. Regiere nur auch kuͤnf⸗ tig mich, daß ich vorsichtig handle, und heilig, voll Vertraun auf dich, nach dei⸗ nem Willen wandle. Gib, daß, aus Dank fuͤr deine Huld, in Liebe, Glauben und Geduld ich dir auf Er⸗ den lebe, bis ich dereinst in deinem Reich, verklaͤrt, un⸗ sterblich, Engeln gleich, dich ewig froh erhebe. Mel. Wer nur den lieben Gott 5 ier bin ich, Jesu, 228 H zu erfuͤllen, was zu in deiner Leidensnacht, nach deinem gnadenvollen Willen, zur Pflicht und Wohl⸗ that mir gemacht. Ver⸗ leih' zur Uebung dieser Pflicht mir deines Geistes Kraft und Licht! 2. Es werde, Herr, fuͤr mein Gewissen, dein Mahl ein troͤstlich Unterpfand, daß ich, der Suͤndenschuld entris⸗ sen, durch dich bei Gott Ver⸗ gebung fand. So freuet meine Seele sich in deinem Heil, und lobet dich. 3. Bewundernd denk' ich an die Liebe, womit du un⸗ ser Heil bedacht. Wie stark sind deine Mitleids triebe, die dich bis an das Kreuz ge⸗ bracht. O gib von deinem Todesschmerz jetzt neuen Ein⸗ druck in mein Herz! 4. Laß mich mit Ernst die Suͤnden scheuen, fuͤr welche du, dich opfernd, starbst; durch schnoͤden Mißbrauch nie entweihen, was du so theuer mir erwarbst! Nie fuͤhre mich zur Sicherheit der Trost, den mir dein Tod verleiht! 5. Ich uͤbergebe mich aufs Neue, o du, mein Herr und Gott, an dich; ich schwoͤre dir bestaͤnd'ge Treue vor deinem Tische feierlich. Dein eigen will ich ewig seyn. Du starbst fuͤr mich; drum bin ich dein. 6. Nie will ich mich vor Spoͤttern schaͤmen des Dien⸗ stes, den man dir erweist, mich nie zu einem Schritt bequemen, den mein Ge⸗ wissen suͤndlich heißt. O floͤße mir den Eifer ein, wie du, o Herr, gesinnt zu seyn! 7. Laß mich mit Ernst den Naͤchsten lieben, und, wenn er strauchelnd sich versieht, Versoͤhnlichkeit und Sanft⸗ muth uͤben! Nie komm' es mir aus dem Gemuͤth, welch eine schwere Suͤndenlast du mir aus Huld erlassen hast! 8. Es staͤrke sich in mir der Glaube, daß meine Seele ewig lebt, und daß einst aus des Grabes Staube mich dein allmaͤcht'ger Ruf erhebt, wenn du dich, großer Lebens⸗ furst, den Voͤlkern sichtbar zeigen wirst! 9. Ge⸗ 9. Gebeugt lieg ich zu dei⸗ nen Füßen mit Dank und Lob, Gebet und Flehn. Laß auf mich neue Gnade fließen! Mein Heiland, laß es doch geschehn, daß mir zur Staͤr⸗ kung meiner Treu' dein Abend⸗ mahl gesegnet sei! Mel. Ein Lämmlein geht 229 Ich komme, Herr, 2 und suche dich, muͤhselig und beladen. Gott, mein Erbarmer, wuͤrd'ge mich des Wunders deiner Gnaden. Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Got⸗ tes und des Menschen Sohn, mich deiner zu getroͤsten. Ich fühle meiner Suͤnden Muͤh'; ich suche Ruh, und finde sie im Glauben der Erloͤsten. 2. Dich bet' ich zuver⸗ sichtlich an: du bist das Heil der Sünder, hast ihre Schul⸗ den abgethan, und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Nacht, und an dein Wort: Es ist vollbracht! Du hast mein Heil verdienet. Du hast für mich dich dargestellt; Gott war in dir, und hat die Welt in dir mit sich versohnet. 3. So freue dich, mein Herz in mir! Er tilget deine Sünden, und laßt an scei⸗ ner Tafel hier dich Gnad' um Gnade finden. Du rufst, und er erhoͤrt dich schoy, Heiligung. 167 spricht liebreich: Sei getrost, mein Sohn! die Schuld ist dir vergeben. Du bist in meinen Tod getauft und du wirst dem, der dich er⸗ kauft, von ganzem Herzen leben. 4. Dein ist das Gluͤck der Seligkeit; bewahr' es hier im Glauben, und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir; ich bin der Weinstock, bleib' an mir: so wirst du Fruͤchte bringen. Ich helfe dir, ich staͤrke dich; und durch die Liebe gegen mich wird dir der Sieg ge⸗ lingen. 5. Ja, Herr, mein Gluͤck ist dein Gebot, ich will es treu erfuͤllen, und bitte dich durch deinen Tod um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an wuͤrdig seyn, mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn, und deinen Tod zu preisen! Laß mich den Ernst der Heiligung durch eine wahre Besserung mir und der Welt beweisen! Mel. Es ist das Heil uns 2 30 ch preise dich, o Herr, mein Heil, fuͤr deine Todesleiden. Hab' ich an ihren Fruͤchten Theil, was fehlt dann meinen Freuden? Du wardst ein Opfer auch fuͤr mich; o gib, daß daß meine Seele sich deß ewig freuen moͤge! 2. Was kann mein Geist durch deinen Tod nicht noch fuͤr Segen finden! Erquik⸗ kung in der Todesnoth, Vergebung aller Suͤnden, Gewissensruh', zur Beß rung Kraft: das hast du, Herr, auch mir verschafft, da du am Kreuze starbest. 3. Dein Mahl ist mir ein Unterpfand von deiner gro⸗ ßen Guͤte. Wie viel hast du an mich gewandt! O staͤrke mein Gemuͤthe zum glaͤubigen Vertrau'n auf dich, daß ich, so lang ich lebe, mich an deine Gnade halte! 4. Ich fuͤhle, Herr, voll Reu' und Schmerz, die Last von meinen Suͤnden. Laß mein vor dir gebeugtes Herz den suͤßen Trost empfinden, daß ich in deines Vaters Huld gewiß Vergebung mei ner Schuld auf Buße fin⸗ den werde! 5. Der Trost, den mir dein Tod verschafft, werd' ewig mir zum Segen! Er staͤrke mich mit neuer Kraft, auf allen meinen Wegen, nur das zu thun, was dir gefällt, und alle Furcht und Lust der Welt standhaft zu uͤberwinden! 6. Laß mich mit Glau⸗ bensfreudigkeit vom Bun⸗ desmahle essen, und der Verbruͤd rung hell gen Eid Werke und Wohlthaten Gottes. undankbar nie vergessen, daß ich aus aͤchter Gegen⸗ treu' dir bis zum Tod er⸗ geben sei, dir und den Bruͤ⸗ dern lebe! 7. Laß deines Leidens großen Zweck mir stets vor Augen stehen! Nimm alle Hindernisse weg, die eb' ne Bahn zu gehen, die mir dein heilig Vorbild weist, und die einst den erloͤsten Geist zu deiner Freude fuͤhret! 8. Zum ew'gen Leben hast du dich fuͤr mich dahin gegeben. Dein Abendmahl erwecke mich, mit Ernst dar⸗ nach zu streben! Herr, mache mich dazu geschickt, und werd ich einst der Welt entruͤckt, so sti dein Tod mein Leben! Mel Gott Vater, an Erbarmen 6 hrist. cile nie mit 231 Cob sicherm Sinn zum Liebesmahle Jesu hin, denk nicht: De e groben Dul⸗ ders Blut— edes Suͤn⸗ ders Laster gut! Weh dem, der dieses Mahl entweiht durch Selbstbetrug und Si⸗ cherheit! 2 Wer sich zu ihm un⸗ wuͤrdig naht, der haͤuft die Schuld der Missethat. Sei nicht dein Feind; empfah es nicht dir, ach, zum stren⸗ geren Gericht! Nan, erst empfinde tief dein Herz der Suͤnde Sünde Schmach, der Reue Schmerz! 3. Erst sei dein Vorsatz fest und rein, nicht mehr der Sünde Sklav' zu seyn; erst gib zutück, was deine Hand durch List, durch Trug, durch Raub entwand; erst, Zürnender, versöhne dich mit deinem Bruder brü⸗ derlich! 4. Besiegst du so in deiner Brust des Lasters Macht, die böse Lust; bist du entschlos⸗ sen und bereit, zu kämpfen manchen harten Streit: dann nahst du dich der Tu⸗ gendbahn, dann gehe zum Altar hinan. 5. Beschämt und mit ge⸗ beugtem Sinn schau' auf den großen Dulder hin, der lieb⸗ reich für die Sünder starb, und ihnen Gottes Huld er⸗ warb; dann glaube froh, daß Gott uns liebt, gern Reuigen die Schuld vergibt. 6. So, frei von Heuche⸗ lei und Wahn, müss' Jeder sich dem Mahle nah'n, das du in deiner letzten Nacht, o Herr, zum Denkmal uns gemacht! Da dämpfe der Gedank an's Kreuz der Thorheit Lust, der Sünde Reiz! 7. Da rühr' uns tief dein göttlich Bild, und mach' uns liebreich, sanft und mild; da schenk' dein Geic uns Muth und Kraft zum Kam⸗ Heiligung. 169 pfe mit der Leidenschaft, daß heilig wir durch's Leben geh'n, dem Tode froh ent⸗ gegen seh'n! Mel. Meinen Jesum laß ich nicht 295 Maht mit Andacht 232 N im Gemuͤth, Brüder, christlich dem Al⸗ tare; wer in Jugendfülle blüht, und der Greis im Silberhaare, hoch und nie⸗ drig, arm und reich, naht; hier seid ihr Alle gleich! 2. Stärkt euch für die höh're Welt! Fließt, der Lie⸗ be Thränen, fließet! Wer vom Brode jetzt erhält, wer vom Weine jetzt genießet, fühl' Entzücken inniglich, stärke für den Himmel sich! 3. Slärkt euch, bleibe! rein und gut; denket Alle: Wir sind Brüder! Denket: Jesu Christi Blut floß für uns am Kreuze nieder; Menschenwürde, Menschen⸗ sinn uns zu lehren, floß es hin. 4. Der uns lehrte, Kraft und Gut für der Brüder Wohl zu geben, gab für Wahrheit hin sein Blut, gab für Tugend hin sein Leben, hat, was er em⸗ pfahl, geübt. O, wie hat er uns geliebt! 5. Denket seiner; Thrä⸗ nen fließt! Freudenthränen weinet, Brüder! Wer vom Brode jetzt genießt, wer vom 8 Weine 0 170 Werke und Wohlthaten Gottes. Weine trinlet, Brüder, den⸗ ket an den Menschenfreund, denkt an Jesum, denkt, und weint! 6. Laßt mit heiligem Ge⸗ müth All' uns nahen dem Altare; wer von Lebens⸗ kräften glüht, und der Greis an naher Bahre, hoch und niedrig, arm und reich; Brüder, hier sind Alle gleich! 7. Alle geh'n wir eine Bahn, Alle geh'n wir zu dem Ziele edler Menschlichkeit hinan. Voll der seligsten Ge⸗ fühle bete Jeder inniglich, stärke für den Himmel sich! 8. Wer den Kelch des Nachtmahls trinkt, wer vom Brode jetzt genießet, wer in Andacht fromm versinkt, wem der Reue Thräne flie⸗ ßet, ist mein Bruder, ist mein Freund; und ich habe keinen Feind. 9. Fließt, der Liebe Thrä⸗ nen, fließt! Vorgefühl der Himmelsfreuden fuͤhle, wer das Mahl genießt, Kraft zum Guten, Trost im Lei⸗ den; fühlt euch All' als 9 schen gleich, fühlt als Him⸗ melsbürger euch. 10. Jesus Christus hat sein Blut für der Menschen Wohl gegeben; laßt uns Kräfte, Geist und Gut Menschen widmen, für sie leben; laßt uns zu des Him⸗ nels Höh'n auf der Bahn der Liebe geh'n! Mel. Freu' dich sehr, o meine S 233 Valar Ehrfurch, Dank und Freu⸗ den komm' ich Herr, auf dein Gebot, zu dem Denk⸗ mal deiner Leiden, und ge⸗ denk' an deinen Tod. Mitt⸗ ler, der du für mich starbst, mir ein ewig Heil erwarbst, dir zur Ehre stets zu leben, sei mein eifriges Bestreben! 2. Ich empfind es jetzt auf's Neue, was ich dir, Herr, schuldig bin. Du, du gabst mit großer Treue ganz dich mir zum Dienste hin; wiesest mir den Weg zu Gott, und ertrugst 170 schwersten Tod, mir im Le⸗ ben und im Sterben sichre Tröstung zu erwerben. 3. Durch dich ist zu Got⸗ tes Gnade freier Zutritt und die Kraft, auf der Tugend sel'gem Pfade fest einher⸗ zugeh'n, verschafft. Und du rufst auf's Neue mir durch dein Nachtmahl, daß ich hier Theil an deinem Se⸗ gen nehme und mich deiner niemals schäme. 4. Sollt' ich, Jesu, denn vergebens diese deine Huld empfah'n? Nicht zur Beß⸗ rung meines Lebens mich Zu deinem Tische nah'n? Ja, mit neuem Ernst will ich mich vor Sünden scheu'n, und dich durch ein dir ge⸗ heiligt Leben mit vermehr⸗ tem Fleiß erheben. 5. Die⸗ 5. Diesen Vorsatz, den ich habe, thätig dankbar dir zu seyn, präg' ihn, Jesu, bis zum Grabe tief in meine Seele ein! Gib mir Kraft, ihn zu vollzieh'n! Lehre mich mit Vorsicht flieh'n, was ihn könnte bei mir schwächen, was mich reizt, ihn gar zu brechen! 6. Laß mich über Alles schätzen dein mir theu'r er⸗ worb'nes Heil, und nie aus den Augen setzen, wie nur der daran hat Theil, der auf deine Stimme hört, mit Gehorsam— verehrt, und in deinem Dienst auf Erden immer besser sucht zu werden! 7. Geh' mir, wo ich bin und wandle, immerfort mit Hülfe nach, daß ich als ein Christ stets handle; 7 und wird je mein Glaube schwach, o so hilf mir liebreich auf, daß ich in dem Tugendlauf nim⸗ mer wanke, nie ermüde! So erquicke mich dein Friede! 8. Ewig will ich dir es danken, daß du so barmher⸗ zig bist, daß auch, wenn wir Schwache wanken, deine Treu' beständig ist. Herr, ich hoff' es froh und fest, daß sie mich auch nie verläßt. Zu des Himmels Seligkeiten wird sie 5 gewiß auch leiten. Schmücke dich, o liebe Dchicke dich, er⸗ 231 Siege See, Heiligung. 171 gläubig nach des Herrn Be⸗ fehle, seinen Mittlertod zu feiern, deinen Dank ihm zu erneuern. Auch für dich hat er sein Leben in den bang⸗ sten Tod gegeben, dir auf Zeit und Ewigkeiten Heil und Wohlfahrt zu bereiten. 2. Zum Genusse seiner Gnaden wirst du von ihm eingeladen; eil' ihm demuths⸗ voll entgegen, und nimm Theil an seinem Segen. Komm' getrost, es ist sein Wille, komm' und schöpf' aus seiner Fülle neuen Muth und neue Triebe zur Verehrung seiner Liebe. 3. Herr, ich komme mit 8 Seelenrube zu empfangen. Deine Liebe soll mich stärken in dem Fleiß zu guten Werken. Mit den heiligsten Entschlüssen will ich Brod und Wein genie⸗ ßen, mich der Bruderliebe weihen, deines Todes mich erfreuen. 4 O, wie sehnt sich mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ich ge⸗ lob' dir neue Treue; siehe, Herr, mein Herz voll Reue! Meinem kindlichen Begeh⸗ ren woll'st du deinen Trost gewähren, meiner Sünden nicht gedenken, mir Gewis⸗ sensruhe schenken! 5. Ja, ich hoff' auf deine Inade, daß sie mich der . entlade, und mit neuer Ns D 172 Werke und Wo neuer Kraft zum Werke mei⸗ ner Heiligung mich stärke. Was du, da du für uns starbest, Jedem, der Gott sucht, erwarbest, Seelenruh' und ew'ges Leben, wirst du mir gewiß auch geben. 6. Deiner will ich mich stets freuen, ganz mich mei⸗ nen Pflichten weihen, nur nach deinem Willen leben, und dich dankbar froh erhe⸗ ben. Deine Huld ist uner⸗ meßlich; sie sei mir unvergeßlich, daß ich dich aus frommem Triebe thätig ehre, folgsam liebe! 7. Du, dem dort der Frommen Schaaren, die, wie ich, auch Sünder wa⸗ ren, ewig Dank und Jubel singen, daß sie hier dein Heil empfingen, laß auch mich einst dahin kommen, daß ich mich mit allen Frommen ewig deiner Huld erfreue, und dir einst mein Danklied weihe! Derr, Mel. Schon ist der Tag von G. 235 Ich will den Bund mit meinem Herrn bei seinem Mahl er⸗ neuern, ich will, von Welt⸗ geschäften fern, heut' sein Gedächtniß feiern. Der Tag sei hehr und heilig mir! Froh soll mein dankbar Herz zu dir, Erlöser, sich erheben! 2. Mich führe nicht Ge⸗ wohnheit hin, nicht der Be⸗ lthaten Gottes. trug dex Sünde, als ob ein unbekehrter Sinn dadurch schon Gnade finde. Nein, frei von niedrer Heuchelei, von eitlem Selbstbetruge frei, will ich dein Mahl heut' feiern! 3. Zum Eigenthume will ich mich auf's Neue dir er⸗ geben; bekennen will ich's öffentlich, dein Sterben sei mein Leben. So lang ich athme, will ich dein und deiner Liebe mich erfreu'n, und sie noch sterbend preisen 4. Mit Reue will ich meine Schuld vor meinem Gott gestehen, und, unwerth seiner Vaterhuld, ihn um Vergebung flehen. Laß mich mit gläubigem Ver⸗ trau'n auf dich, mein treuer Mittler, schau'n, und See⸗ lenruhe finden. 5. Es sei das Mahl der Liebe mir ein Pfand von Gottes Gnade, daß ich mit frohem Muthe dir folg' auf der Tugend Pfade, mich immer meines Vaters freu', und voll der frohen Hoffnung sei, den Himmel einst zu erben. 6. Hilf, daß ich, jeder Sünde feind, Gott über Alles liebe, durch dein Ver⸗ dienst mit ihm vereint, das Gute eifrig übe! Gefällig ist dir dieser Dank; ihn will ich dir mein Leben lang mit reinem Herzen bringen. Mel. Mel. Herr, wir singen deiner err, wir feiern 236 H dein Gedächt⸗ niß. Uns freut das heilige Vermächtniß vor deinem blut'gen Opfertod. Deiner nimmer zu vergessen, nah'n wir uns dem Altar und essen mit Dankgefühl des Bundes Brod. Wir trinken, Herr, mit Dank des Bundes heil'⸗ gen Trank, und geloben vor dir auf's Neu' der Tugend Treu', daß uns dein Tod stets Segen sei. 2. Zu der Tugend höhern Werken, zur Liebe jedes Herz zu stärken, dazu ward dieses Mahl geweiht. Wie sein Stifter hier zu wan⸗ deln, stets liebreich, gut und fromm zu handeln, sind wir entschlossen und bereit. Reicht, Christen, euch die Hand. Wir geh'n ins Va⸗ terland beßrer Wesen. Mit Freudigkeit geht im Geleit der Liebe durch Gefahr und Streit! 3. Sie erfüllt mit Muth die Herzen; sie duldet Alles. Denkt der Schmerzen, die Jesus für uns Menschen litt! Laßt uns treu einander lie⸗ ben, treu jede Liebespflicht uns üben, für sie auch strei⸗ ten, wie er stritt! Der Menschenliebe weih'n bei seinem Brod und Wein wir uns Alle. Wer Mit⸗ leid übt, gern hilft und Heiligung. 173 gibt, der ist's, der Jesum Christum liebt. 4. Gott zu leben, Gott zu sterben, und seinen Himmel zu ererben, dieß ist des Le⸗ bens hohes Ziel. Jesus, hilf es uns erringen; hilf Sünd' und Laster uns bezwingen; richt' auf den Schwachen, welcher fiel! O stärk' uns All' im Lauf; schließ' uns den Himmel auf, wenn wir ster⸗ ben! Von dir herab strömt Licht ins Grab; wir trock⸗ nen unsre Thränen ab. Der Chor. Mel' Herr, wir singen deiner 237 Here woll'st sie vorbereiten zu deines Mahles Seligkeiten; sei mitten unter ihnen, Gott! Heil und Leben zu empfahen, laß sie, o Sohn, sich würdig nahen, durch dich vergessen Sünd' und Tod! Denn nur von Sünde rein, sind sie, o Jesu, dein, deine Freunde. Laß, laß sie seh'n in jenen Höh'n von fern der veberwinder Lohn! Die Gemeinde. Mel. Jesus, meine Zuversicht 1. Die ihr seine Laufbahn lauft, theure, miterlöste Brüder, all' auf Christi Tod getauft, alle seines Leibes Glieder, kommt, Versöhnte, H 3 kommt, 174 Werke kommt, erneut euren Bund der Seligkeit. 2. Nehmet hin, und eßt sein Brod. Jesus Christus ward gegeben für die Sün⸗ der in den Tod. Nehmt und trinkt! Ihr trinkt das Le⸗ ben! Seht, wie er die Sünder liebt, da er selbst sich für sie gibt. 3. Die mit voller Zuver⸗ sicht deines Heils, o Sohn, sich freuen, laß sie stets in diesem Licht wandeln, ewig dir sich weihen! Laß ihr Herz vom Stolze rein, voll von deiner Demuth seyn! Tröste, die in Trau⸗ rigkeit über ihre Seele wa⸗ chen; stärke, Herr der Herr⸗ lichkeit, ihren Glauben; hilf den Schwachen! Die ge⸗ beugt von ferne steh'n, kön⸗ nen unerhört nicht fleh'n. 5. Nehmet hin und eßt sein Brod! Jesus Christus ward gegeben für die Sün⸗ der in den Tod! Nehmt und trinkt! Ihr trinkt das Leben! Hingegeben in den Tod ward er, in der Sün⸗ der Tod! 6. Hoherpriester, Jesu Christ, du bist einmal einge⸗ gangen in das Heiligthum, du bist als ein Fluch ans Kreuz gehangen. Also bist du durch den Tod eingegan⸗ gen, Sohn, zu Gott! 7. Hoherpriester, ja, du bist auch für diese eingegan⸗ ind Wohlthaten Gottes. gen! Sprich sie los, Gott, Jesu Christ, wann sie nun dein Mahl empfangen! Laß sie fühlen, ins Gericht kom⸗ men, die da glauben, nicht! 8. Augenblick voll heil“ gen Grau'ns, voller Wonn' und süßen Bebens! Theu⸗ res Pfand des künft'gen Schau'ns, Ueberzeugung je⸗ nes Lebens! Schütte deine Gnad' auf sie, alle deine Gnad' auf sie! 9. Nehmet hin, und eßt sein Brod! Jesus Christus ward gegeben für die Sün⸗ der in den Tod! Nehmt und trinkt! Ihr trinkt das Leben! Hingegeben in den Tod ward er, in der Sün⸗ der Tod! Der Chor. 2. Nehmt und eßt zum ew'gen Leben! Nehmt hin, und trinkt zum ew'gen Le⸗ ben! Der Friede Christi sei mit euch. Nehmt und eßt zum ew'gen Leben! Nehmt hin und trinkt zum ew'gen Leben! Ererbt, ererbt des Mittlers Reich! Wacht! Eure Seele sei bis in den Tod getreu! Amen! Amen! Der Weg ist schmal; klein ist die Zahl der Sieger, die der Richter krönt! Die Gemeinde. 10. Jesu Christi Mittler⸗ tod werd' in aller Welt ver⸗ kündigt! Jesu Chrif 2— er⸗ lertod, der vorm Richter uns entsündigt! Jesus Christ, mit Preis gekrönt, hat uns Staub mit Gott versöhnt. 11. In das Chor der Himmel schwingt, Herr, sich unser stammelnd Lallen. Wenn, von Seligen um⸗ ringt, wir vor dir einst niederfallen, singt ein beß⸗ rer Lobgesang für dein Sterben Preis und Dank. 12. Ausgeschüttet warest du, warst, wie Wasser, hin⸗ gegossen; suchtest, fandest keine Ruh'! Deine Todes⸗ wunden flossen, strömten über, ach, vom Blut, dei⸗ nes großen Opfers Blut! 13. Nehmet hin und eßt sein Brod! Jesus Christus ward gegeben für die Sün⸗ der in den Tod! Nehmt und trinkt! Ihr trinkt das Le⸗ ben. Hingegeben in den Tod ward er, in der Sünder Tod! 14. Deiner Zunge Durst war heiß; heißer noch der Durst der Seele! Müd', in deines Todes Schweiß hing dein Leib, und deine Seele lechzte schmachtender zum Herrn! Doch schien seine Hülfe fern. 15. O wie warst du fürch⸗ terlich, Tod der Sünder! Sterben, sterben sollte der Versöhner, dich, dich zu ret⸗ ten vom Verderben! Ewig fassen dein Gericht endliche Gedanken nicht! Heiligung. 175 16. Jesus rief: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? starb darauf den Kreuzes⸗ tod. Wer kann diese Liebe fassen! Fluch und Tod sind nun nicht mehr! Gebt, ach gebt dem Mittler Ehr'! 17. Nehmet hin, und eßt sein Brod! Jesus Christus ward gegeben für die Sün⸗ der in den Tod! Nehmt und trinkt! Ihr trinkt das Leben! Hingegeben in den Tod ward er, in der Sün⸗ der Tod! Der Chor. 3. Die dein Kreuz in je⸗ nen Tagen der Märtyrer dir nachgetragen, verließen oft des Bundes Mahl, um vorm Blutgericht zu stehen, mit dir bis in den Tod zu gehen, voll Freuden in des Todes Qual! Gib, Herr, Bestän⸗ digkeit auch uns; nicht Lust, nicht Leid laß uns scheiden von dir, daß treu die Seele sei dir, der uns bis ans Kreuz geliebt! Mel. Wer nur den lieben Gott 5 imm hin den 238 N Dank fur deine Liebe, erhabner Mittler, Je⸗ sus Christ! Gib, daß ich nun mit Freuden übe, was dir, Herr, wohlgefällig ist! Es müsse deines Todes Pein mir immerdar zum Segen seyn! H 4 2. Heil 176 Werke und Wohlthaten Gottes. 2. Heil mir! dein Brod ward mir gebrochen; ich trank, Herr, deines Bun⸗ des Wein. Von Herzen hab' ich dir versprochen, dir bis zum Tode treu zu seyn; und feierlich gelobt ich's dir: sei du nun Hülf und Beistand mir! Mel. Schmücke dich, oliebe Seele 5 eiland, gro 239 H an Huld 25 Treue, sieh, ich widme dir auf's Neue, bei dem Denkmal deiner Liebe, dieß mein Herz voll heißer Triebe, dir in meinem Lauf auf Erden im⸗ mer dankbarer zu werden, und an deines Segens Ga⸗ ben auch auf immer Theil zu haben. 2. Laß dies Opfer dir ge⸗ fallen! Du versprichst ja selbst es Allen, die nach dei⸗ nem Heil verlangen, daß sie Gnad' um Gnad' empfan⸗ gen, und, wenn sie dich lieben wollen, Kraft dazu empfan⸗ gen sollen. O wie könntest du das Flehen meines Her⸗ zens denn verschmähen! 3. Nein, ich trau' auf dein Versprechen. Herr, du kannst es mir nicht brechen; denn du siehest mein Bestre⸗ ben, nur nach deinem Wort zu leben. Stärke mich denn zum Genusse deines Heils in dem Entschlusse, dich und deine heil'gen Lehren mit Gehorsam zu verehren. 4. Diesen Dank für deine Liebe, wenn ich den dir schul⸗ dig bliebe: wie verwerflich würd' ich handeln, wie der Huld zuwider wandeln, die dich trieb, auch mir zum Le⸗ ben in den Tod dich hinzu⸗ geben! Welche Qualen im Gewissen würd' ich einmal fühlen müssen! 5. Nein, so strafbar, so vermessen will ich nie der Pflicht vergessen, die dir, Herr, von mir gebühret, die zum wahren Heil mich füh⸗ ret. Ewig dir nur anzu⸗ bangen, ist mein sehnlichstes Verlangen. Hilf du selbst nur meiner Seele, daß ste nicht dies Ziel verfehle! 6. Bringe mich durch dei⸗ ne Gnade auf des wahren Glaubens Pfade immer nä⸗ her zu dem Ziele, wo ich ganz mich selig fühle. Laß indes⸗ sen mich hienieden deinen mir erworb' nen Frieden im⸗ mer reichlicher genießen, bis sich meine Tage schließen. 7. O wie wird mein Herz sich freuen! Welche Jubel wird dir's weihen, wenn du mich dorthin erhebest, wo du ewig herrschend lebest! Nichts wird dann mich wei⸗ ter stören, dankvoll, Heiland, dich zu ehren; und du wirst mich mit den Freuden deines Himmels ewig weiden. Mel. Mel. Wann mein Stündlein N Heiland, des⸗ 240 O sen hohen Werth des Sünders Herz empfindet, der reuvoll sich zu Gott bekehrt, auf dich sein Heil nur gründet: auch ich, ich Sünder suche dich; er⸗ barme dich auch über mich, und laß mich Gnade finden! 2. Ich nehm' an deinem Segen Theil; daß ich nicht trostlos bliebe, reichst du auch mir zu meinem Heil, dein Mahl, dies Pfand der Liebe. Ich nehm' es und empfinde dann, wie viel du auch für mich gethan, wie viel, mich zu beglücken. 3. Hier ist dein Leib, hier ist dein Blut, für mich da⸗ hin gegeben: du starbst, der ganzen Welt zu gut; er⸗ warbst auch mir das Leben. Ich eß dad Brod, ich trink den Wein, um ganz mit dir vereint zu seyn, um ganz für dich zu leben. 4. O laß mich deines Mahles Kraft in meinem Glauben stärken! Die Zu⸗ versicht, die es verschafft, treib mich zu guten Werken, zum Eifer in der Heiligung, zur wahren Herzensbesse⸗ rung, zum Kampf mit bö⸗ sen Lüsten! 935. Wie? sollt' ich diesen düsten noch zu meiner Schande dienen? Ich trüge noch ihr sklavisch Joch? Ich Heiligung. 177 sollte mich erkühnen,„den Heiland, der für mich auch starb, mir Gnade, Trost und Heil erwarb, durch Sünden zu verläugnen? 6. Nein, göttlicher Er⸗ retter, nein, laß mich das Böse hassen, mich jeden Reiz der Sünde scheu'n, und Muth zum Kampfe fassen, dein Mahl nicht unbekehrt ent⸗ weih'n und den Entschluß, dir treu zu seyn, mit Freu⸗ digkeit vollbringen. Mel. Schmücke dich, o liebe S. 5 err, der du dein 241 H theures Leben für mich in den Tod gege⸗ ben, mich soll deine Liebe dringen, deinen Willen zu vollbringen; drum komm' ich, von dir geladen, zu dem Mahle deiner Gnaden, dir mein ganzes Herz zu wei⸗ hen, und den Bund heut zu erneuen. 2. Ja, dir schwör' ich's, mein Befreier von dem To⸗ de, hoch und theuer, dich will ich mit allen Trieben meiner ganzen Seele lie⸗ ben; immer will ich mich bestreben, nur nach deinem Sinn zu leben; mich soll weder Lust, noch Leiden, Herr, von deiner Liebe scheiden! 3. Ich gelob' aus treuem Herzen, meiner Brüder 95 Noth und Schmerzen täg⸗ lich lich brüderlich zu lindern, Elend, wo ich kann, zu mindern. Ich gelobe dir, mit Freuden auch das Un⸗ recht still zu leiden, unge⸗ duldig nie zu klagen, an Gott niemals zu verzagen. 4. Was du hassest, will ich hassen, ganz von dir mich leiten lassen, nie mit Vorsatz dich betrüben, Alles, was du liebest, lieben. Doch ich kenne meine Schwäche, Jesu, da ich dies verspreche. Morgen ist wohl schon ge⸗ brochen, was ich heute dir versprochen. 5. Darum hilf du mir, und stärke mich zu jedem guten Werke; komm und eile, mich vom Bösen, das ich thun will, zu erlösen; hilf den ersten Reiz der Sünden, den, ach, den wir überwinden; laß mich ihre Folgen schrecken, und der Unschuld Freuden schmek⸗ ken! 6. Laß mich deine Treu ermessen, deine Liebe nie vergessen! Laß mich, weich ich ab vom Guten, Herr, dich seh'n am Kreuze blu⸗ ten! Liebe schlug dir deine Wunden; das soll mich in dunkeln Stunden, wenn mich Angst und Zweifel drücken, mit erhabnem Trost rauicken. 7. Gib, daß ich und alle Christen sich auf deine Zu⸗ Mannen et 7 Wohlthaten Gottes. kunft rüsten, daß, wenn heut dein Tag schon käme, keiner, Herr, vor dir sich schäme! Großes Abend⸗ mahl der Frommen, Tag des Heils, wann wirst du kommen, daß wir mit der Engel Chören, Herr, dich seh'n und ewig ehren? (Nach der Kommunion.) Mel. Wie groß ist des Allmächt 5 Nollbracht ist 242 V nun die heil⸗ ge Feier; verkündigt ward von uns dein Tod. O dein Gedächtniß sei uns theuer, und unvergeßlich dein Ge⸗ bot! Laß nie des Himmels Vorgefühle in uns erkal⸗ ten und vergeh'n; laß wür⸗ dig einst am Kronenziele, Herr, deine Herrlichkeit uns seh'n! oder Mel. Besitz' ich nur ein ruhiges Menschenfreund, mein Heiland, sei gepriesen für alle Treu', die du an mir erwiesen! durch dich bin ich mit Gott vereint. 2. Dein Beispiel zeigt den Pfad, den ich soll wallen. O führe mich nach deinem Wohlgefallen, bis sich mein Haupt im Tode neigt neigt f Un⸗ Der Tod. Unsterblichkeit und Vergeltung. Der Tod. Mel. Besiebl bu uf 0 12 5 ie auf der Erde 243 D wallen, die Sterblichen, sind Staub. Sie blühen auf und fallen, des Todes sichrer Raub. Verborgen ist die Stunde, da Gottes Stimme ruft; doch jede, jede Stunde bringt näher uns zur Gruft. 2. Getrost geh'n Gottes Kinder die öde, dunkle Bahn, zu der verstockte Sünder verzweiflungsvoll sich nah'n, wo selbst der freche Spötter nicht mehr zu spotten wagt, vor dir, vor seinem Retter, erzittert und verzagt. 3. Wann, diese Bahn zu gehen, dein Will' einst mir gebeut; wann vor mir offen steben Gericht und Ewig⸗ keit; wann meine Kräfte be⸗ ben und nun das Herz mir bricht: Herr über Tod und Leben, o dann verlaß mich nicht! 4. Hilf, Todesüberwin⸗ der, mir dann in meiner Angst, der du zum Heil der Sünder selbst mit dem Tode rangst! Und wann des Kampfes Ende gewaltiger mich faßt, nimm mich in deine Hände, den du erlöset hast. 5. Des Himmels Wonn und Freuden ermißt kein sterblich Herz. O Trost für kurze Leiden, für kurzen Todesschmerz! Dem Sün⸗ denüberwinder sei ewig Preis und Dank! Preis ihm, der für uns Sün⸗ der den Kelch des Todes trank! 6. Heil denen, die auf Erden sich schon dem Him⸗ mel weihn, die, aufgelöst zu werden, mit heil'ger Furcht sich freun! Bereit, es ihm zu geben, wenn Gott, ihr Gott, gebeut, gehn sie ge⸗ trost durchs Leben hin zur Unsterblichkeit. Mel. Was Gott thut, das ist 54 ur kurz ist hier 244 N mein Aufent⸗ halt; ich bleibe nicht auf Er⸗ den. Das Herz, das jetzt noch kräftig wallt, wird einst entkräftet werden. Zerrüt⸗ tet sinkt, wann Gott mir winkt, mein Staub zum Staube nieder; mich selbst erhebt Gott wieder. 2. Ich selbst bin mehr, weit mehr als Staub; er ist nur mein Hülle. Ich selbst bin nicht des Todes Raub; ein Geist hat Le⸗ bensfülle. Wenn auch die Welt in Trümmer fällt; er jauchzt, daß er noch le⸗ 8 6 bet. 180 Unsterblichkeit und Vergeltung. bet, und aus den Trüm⸗ mern schwebet. 3. Was fürcht' ich denn des Todes Macht? Sie kann mich nicht erreichen. Was kümmert mich des Grabes Nacht? Sie muß dem Tage weichen. O Tag des Danks, des Preisgesangs! Wann wirst du meinen Blicken das dunkle Thal entrücken? 4. Hier glänzt noch nicht mein höchstes Ziel. Was kann die Erde geben? Sie gibt, und gäb' sie noch so viel, kein reines Freuden⸗ leben. Mein Geist begehrt, was ewig währt, und ihn auch dann erheitert, wann alles Andre scheitert. 5. Er ist ein Glied der höhern Welt; er ist von Gott geboren. Für ihn ist, kämpft er nur als Held, die Krone nicht verloren. Er tritt hervor, und schaut empor; die Krone strahlt im Himmel, nicht hier im Erdgetümmel. 6. So kämpfe denn, mein froher Geist! Sei muthig: du wirst siegen. Nur deines Leibes Band zerreißt; du selbst wirst nicht erliegen. Dein Lebensquell fließt ewig hell; er tränkt nach kurzen Leiden dich mit des Siegers Freuden. 7. Nur kurz ist hier dein nthalt. O Dank dem Freudengeber! Wer weiß, Aufe Au wie bald die Stimme schallt: Verlaß das Land der Grä⸗ ber! Dein Vaterland ist dir bekannt. O sei nur gut und weise, und rüste dich zur Reise! Mel. Jesus, meine Zuversicht 245 Wiz im Herbste fällt das Laub, wirst du einst, mein Leib, zerfallen; wirst verstäuben, Staub zu Staub, und, wie leicht Gewölk, verwallen, ruhen in des Grabes Schooß jedes Erdenkummers los. 2. Doch nicht für die Er⸗ de nur gab der Vater mir das Leben; ich bin höherer Natur, soll vom Staube mich erheben; hier ist nur mein Uebungsstand, jen⸗ seits ist mein Vaterland. 3. Jenseits überm Staub beginnt erst mein ächtes, wahres Leben; dort erst reist zum Mann das Kind, dort erst werd' ich mich erheben zu der Tugend, die nicht fehlt, Irrthum nicht für Wahrheit wählt. 4. Dort erst ist mein Auge nicht trüb und schwach mehr für die Wahrheit; dort um⸗ gibt mich reines Licht; dort wird Alles mir zur Klar⸗ heit; dort erscheint mir un⸗ verhüllt sie, die Wahrheit, nicht ihr Bild. 5. Auf der immer lichtern Bahn seh' ich dann mit hel⸗ lern Der lern Blicken, was, Erbarmer, du gethan, Menschen ewig zu beglücken. Dunkel war mir hier dein Plan; dort bet ich ihn freudig an. 6. Jauchz', o Seele, fühle dich! Einst schwingst du dich auf vom Staube! Heil mir! Einst belohnet mich, wenn er thätig war, mein Glaube! Furchtbar ist mir nicht der Tod, wenn ich that, was Gott gebot. 7. Ohne Furcht und ohne Grau'n werd' ich ihm ent⸗ gegen gehen, werde Gott anbetend schau'n, werde, wie er ist, ihn sehen, weil mein Tod durch Jesum Christ Eingang in den Him⸗ mel ist. Mel Alle Menschen müssen sterben 246 Dir zu leben, dir zu ster⸗ ben, ewig, Vater, dein zu seyn, mit des Himmels from⸗ men Erben hier schon dei⸗ ner mich zu freu'n, und mit ruhigem Gewissen einst mein Auge sanft zu schließen; diese Gnade wünsch' ich mir; die erbitt' ich mir von dir! 2. Daß ich's könne, laß mich streben, frei vom Wahn und glaubensvoll und ge⸗ recht vor dir zu leben, und zu leisten, was ich soll! Ja, mein Gott, gib Licht und Stärke, daß im Fleiße gu⸗ ter Werke ich beffändig dir Tod. 181 getreu, jeder Tugend Vor⸗ bild seil 3. Allen will ich nützlich werden, ungehorsam keiner Pflicht, nie ein Aergerniß auf Erden, auch nach mei⸗ nem Tode nicht. Seelen noch nach seinem Sterben ihre Freuden zu verderben, sie zu reizen, dich zu flieh'n: welch' ein Fluch! wie fürcht ich ihn! 4. O wer wollte nicht auf Erden immer streben, gut zu seyn, um ein Denkmal einst zu werden, deß sich die Gerechten freun? Ja, ich will die Sünder locken, daß sie nie ihr Herz verstocken und mit mir zum Ziele geh'n deine Herrlichkeit zu seh'n. 5. Daß auch, was ich hin⸗ terlasse, nie zur Ungerech⸗ tigkeit, nie zu Zank und bitterm Hasse meinen Er⸗ ben Reiz verleiht, will ich früh schon weislich sorgen; denn mein Tod ist nicht verborgen. Freudig scheid' ich von der Welt, hab' ich so mein Haus bestellt. 6. In den letzte gen⸗ blicken sei mein Herz von Sorgen frei! Sagen müss' ich voll Entzücken: Du, mein Vater, stehst mir bei, du, dem ich nun meine Seele und die Meinigen empfehle! Welch' ein Ende! Guter Gott, gib' mir einen sol⸗ chen Tod! 9 7 Mel. 182 Unsterblichkeit und Vergeltung. Mel. Valet will ich dir geben 247 Gem will ich mich ergeben, dich zu verlassen, Welt; ich geh' zum bessern Leben, so⸗ bald es Gott gefällt. Was wär's, was mich betrübte? Dort schau' ich ewig den, den meine Seele liebte, noch eh ich ihn gesehn. 2. Er ruft zur Zeit der Schmerzen uns voll Erbar⸗ men zu: Kommt her, belad⸗ ne Herzen, zu mir und fin⸗ det Ruh'! Dies Wort aus deinem Munde laß, Herr, mich zu erfreun, in meiner letzten Stunde mir Geist und Leben seyn! 3. Mit dir muß es mir glücken, den Kampf zu über⸗ stehn. Im gläubigen Ent⸗ zücken laß meine Seele sehn, wie im Gericht für Sün⸗ der du mit dem Tode rangst, und wie du, Ueberwinder allmächtig ihn bezwangst. 4. Der frohe Siegsge⸗ danke: Wo ist dein Sta⸗ chel, Tod? stärk' mich, daß ich nicht wanke in meiner Todesnoth! So ist, ob⸗ gleich ich sterbe, doch Ster⸗ ben mein Gewinn. Ich bin des Himmels Erbe; dein Wort sagt, daß ichs bin 5. Du schriebst ins Buch des Lebens auch meinen Namen ein. Dein Blut kann nicht vergebens für mich vergossen seyn. Dir trauet meine Seele, dich lobt, was in mir ist, Er⸗ löser meiner Seele, der du die Liebe bist. Mel. Nun laßt uns den Leib 5 ie sicher lebt 248 W̃ der Mensch, der Staub! Sein Leben ist ein fallend Laub; und dennoch schmeichelt er sich gern, der Tag des Todes sei noch fern. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, der Mann noch seiner Jahre viel, der Greis zu vielen noch ein Jahr, und keiner nimmt den Irrthum wahr. 3. Sprich nicht: Ich denk im Glück und Noth im Her⸗ zen oft an meinen Tod. Der, den der Tod nicht weiser macht, hat nie mit Ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur Ewigkeit, zu thun, was uns der Herr gebeut; und unsers Lebens kleinster Theil ist eine Frist zu un⸗ serm Heil. 5. Der Tod ruft Seelen vor's Gericht; da bringt Gott Alles an das Licht, und macht, was hier ver⸗ borgen war, den Rath der Herzen offenbar. 6. Drum, da dein Tod dir täglich dräut, so sei stets wachsam und bereit; prüf' deinen Glauben als ein ein Christ, ob er durch Liebe thätig ist. 7. Ein Seufzer in der letzten Noth, ein Wunsch, durch des Erlösers Tod vor Gottes Thron gerecht zu seyn: dies macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Got⸗ tes Stimme hört, ihr folgt und sich vom Bösen kehrt, ein gläubig Herz, von Lieb' erfüllt: dies ist es, was vor Gott nur gilt. 9. Die Heiligung erfor⸗ dert Müh; du wirkst sie nicht, Gott wirket sie. Du aber ringe stets nach ihr, als wäre sie ein Werk von dir! 10. Der Zweck, zu wel⸗ chem du hier lebst, dein Ziel, wornach du weise strebst, und was dir ewig Heil verschafft, ist Tugend durch des Glaubens Kraft. 11. Ihr alle seine Tage weihn, heißt eingedenk des Todes seyn; und wachsen in der Heiligung, ist wahre Todserinnerung. 12. Wie oft vergeß' ich diese Pflicht; Herr, geh' mit mir nicht ins Gericht; drück tief des Todes Bild mir ein, und laß es in mir wirksam seyn; 13. Daß ich mein Herz mit jedem Tag vor dir, o Gott, erforschen mag, ob Liebe, Demuth, Fried' und Tod. 183 Treu' die Frucht des Gei⸗ stes in ihm sei; 14. Daß ich zu dir um Gnade fleh', stets meiner Schwachheit widersteh', und freudig durch des Glaubens Macht im Tode ruf: Es ist vollbracht! Mel. Wann mein Stündlein 249 u wirst, o Va⸗ * ter, für mein Wohl auch einst im Tode sorgen; nur wann und wie ich sterben soll, das hast du mir verborgen. Mein Ende steht allein bei dir. Erhalte nur den Glauben mir, daß du es weislich ordnest! 2. Gib, daß ich meine höchste Lust an meinem Hei⸗ land habe, und, seiner Liebe mir bewußt, ihm folge bis zum Grabe! Auf ihn, der für die Sünder starb, und Trost und Hoffnung mir erwarb, laß freudig mich vertrauen! 3. Die Kraft, zu denken, bleibe mir, wenn's seyn kann, bis ans Ende, damit mein Geist sich stets zu dir und deiner Gnade wende, und voll Gedanken, Gott, an dich zuletzt von diesem Leibe sich getrost und ruhig scheide. 4. Soll ich gewaltsam, o mein Gott, und schnell und angstvoll sterben; so führe nur auch dieser Tod mich zu des Himmels Erben! 15 i hilf nur, daß ich allezeit zur Rechenschaft vor dir bereit, als Christ die Welt verlasse! 5. Empfind' ich keine Freu⸗ digkeit, entweicht in großen Schmerzen die Stille der Gelassenheit aus meinem bangen Herzen; dann, guter Vater, rechne du die Schwachheitsfehler mir nicht zu, die ich begehen könnte! 6. Nimm auch verborgne Seufzer an, und laß, wenn ich nicht beten, nicht den⸗ ken und empfinden kann, mich deinen Sohn vertreten! Geheiligt müss ich dir nur seyn; dann bin ich, Gott, mein Vater, dein im Le⸗ ben und im Tode! 7. Ja, bleib' ich immer, wo ich bin, nur dir, o Herr, ergeben, dann ist der Tod nur mein Gewinn, und Cyri⸗ stus ist mein Leben. Und geh' ich nur zum Himmel ein, so will ich mich des Endes freu'n, ich flerb' auch, wie ich wolle. Mel. Wer nur den lieben Gott 250 Och will dich noch I im Tod erheben, 1 z is selbst nah am Grabe preis ich dich: zum Segen gabst du mir mein Leben; nimmst du es mir, du segnest mich. n Leben sucht ich dir zu hen: mein Tod soll auch dir heilig seyn ind Vergeltung. 2. Gott, welche feierliche Stunden, wann du mich nun der Erd' entziehst, auf mich, den du getreu befun⸗ den, voll schonender Erbar⸗ mung siehst! Allmächtiger, in dein Gericht gehst du mit mir Erlösten nicht. 3. Der Leib wird schwach, die morsche Hütte, in der mein Geist hier wohnt, zer⸗ fällt; ich eile bier mit je⸗ dem Schritte entgegen ei⸗ ner bessern Welt. Ich bin getrost und zittre nicht; denn Gott ist meine Zu⸗ versicht. 4. Wie sollt' ich vor dem Tode beben, da du für mich, Erlöser, starbst? Er ist durch dich der Weg zum Leben, das du am Kreuze mir erwarbst. Du gingst voran: ich folge dir; zum Leben wird der Tod auch mir. 5. Laß Qual und Leid mein Grab umringen, und mir den letzten Schrecken dräu'n; du halfst mir, Herr, die Welt bezwingen; den Tod darf ich mit dir nicht scheun. So nah dem Lohn, den Gott verspricht, so nah am Ziele sink' ich nicht. 6. Du wachest über meine Seele, wann ihre Stärke sich verliert, gibst deinem Engel schon Befehle, der sie zu deinen Freuden führt, des Todes Nacht um mich ver⸗ s scheucht, Der scheucht, und mir des Lebens Krone reicht. 7. Ich will dich noch im Tod erheben, Herr, noch am Grabe preis' ich dich; denn ewig werd' ich bei dir leben, und ewig freu' ich dei⸗ ner mich. Durch dich ist Sterben mir Gewinn! Wohl mir, daß ich erlöset bin! Mel. Jesus, meine Zuversicht 251 Herr, ich hab aus 2 deiner Treu', mir zum Heil, noch Zeit in Händen. Gib, daß ich stets eifrig sei, sie auch weislich anzuwenden; denn wer weiß, wie bald zur Gruft deiner Vorsicht Wink mich ruft! 2. Schnell und unaufhalt⸗ bar fliehen die mir zugezähl⸗ ten Stunden. Wie ein Traum sind sie dahin, und auf ewig dann verschwun⸗ den. Dieser Augenblick ist mein; wird es auch der künft ge seyn? 3 Laß mich bei der Flüchtigkeit meiner Tage nie vergessen, wie unschätz⸗ bar sei die Zeit, die du, Herr, uns zugemessen; wie, was hier von uns geschieht, ew'ge Folgen nach sich zieht! 4 Reize mich dadurch zum Fleiß, eh die Zeit des Heils verlaufen, mir zur Wohl⸗ fahrt, dir zum Preis, jede Stunde auszukaufen, die zu Tod. meiner Seligkeit deine Gna⸗ de mir verleiht! 5. Deine schonende Ge⸗ duld trage hier mich nicht vergebens! Herr, verzeihe mir die Schuld, wenn ich manchen Theil des Lebens nicht zu meiner Seele Wohl so benutzte, wie ich soll! 6. Laß mich meine Besse⸗ rung fuͤr mein Hauptge⸗ schäfte achten und nach mei⸗ ner Heiligung mit so treuen Eifer trachten, als erwar⸗ tete noch heut mich Gericht und Ewigkeit. 7. Deine Gnade steh' mir bei, daß mein Leben auf der Erde reich an Tugendfrüch⸗ ten sei, und ich reif zum Himmel werde! Nahet dann mein Ende sich, o so stärk' und tröste mich. Mel. Dein sind wir, Gott, in dein Leben steht 252 M in Gottes Hand; er thu', was er mir heilsam fand! Er zählte mir, so wie mein Haar, schon eh' ich war, auch meine Lebens⸗ stunden dar. 2. Ich nütze mit Zufrie⸗ denheit die Tage meiner Sterblichkeit. Wie väter⸗ lich versüßt sie Gott! Doch Müh' und Noth sind ihr Gefolg', und dann der Tod. 3. Die Blume pranget und fällt ab; so blüht der Mensch und sinkt ins Grab. Nicht 180 Unsterblichkeit und Vergeltung. Nicht Jugend schützt, nicht Stand, noch Geld; Nichts in der Welt ist, was ihn davor sicher stellt. 4. Wer rüstet mich mit Muth und Kraft aufs Ende meiner Pilgerschaft? Und wer beruhiget mich hier? Allein von dir, o Herr, kommt Muth und Ruhe mir. 5. Du bringst mich, bin ich nur bereit, zum sichern Glück der Ewigkeit, wo man des kurzen Grams vergißt, wo mancher Christ schon froh vorangegangen ist. 6. Froh werd' auch ich, wenn dirs gefällt, ein Bür⸗ ger der vollkommnen Welt. Den Meinen sag ich auf dein Wort: Gott, unser Hort, vereint uns bald auf ewig dort. 7. Den Trost, o Jesu, dank' ich dir; du brachtest ihn vom Himmel mir. Du hast's verheißen: Ihr seid mein, auch ihr sollt seyn, wo ich bin, und euch ewig freun. Mel. Jesus, meine Zuversicht eine Lebenszeit 253 M verstreicht; stündlich eil ich zu dem Gra⸗ be. und was ist's, das ich vielleicht hier noch zu erwar⸗ ten habe? Denk', o Mensch, an deinen Tod, säume nicht: denn Eins ist Noth. 2. Lebe, wie du, wann du stirbst, wünschen wirst, ge⸗ lebt zu haben! Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, Nichts wird dich im Tod erfreun; diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Gutes liebt, nur ein ruhi⸗ ges Gewissen, das vor Gott dir Zeugniß gibt, wird dir deinen Tod versüßen; die⸗ ses Herz, von Gott erneut, gibt im Tode Freudigkeit. 4. Wann in deiner letzten Noth Freunde hülflos um dich beben, dann wird über Welt und Tod dich dies reine Herz erheben; dann erschreckt dich kein Gericht! Gott ist deine Zuversicht. 5. Daß du dieses Herz erwirbst, fürchte Gott, und bet' und wache. Sorge nicht, wie bald du stirbst; deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur, den Tod nicht scheun, lern' auch, sei⸗ ner dich erfreun. 6. Ueberwind ihn durch Vertraun, sprich: Ich weiß, an wen ich glaube; weiß/ ich schwinge, Gott zu schaun, mich empor einst aus dem Staube. Er, der rief: Es ist vollbracht! nahm dem Tode seine Macht. 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, siehe dein Gebein versenken; sprich: Hert, daß ich Erde bin, lehre Der lehre du mich selbst beden⸗ ken; lehre du mich's jeden Tag, daß ich weiser wer⸗ den mag! Mel. Wer nur den lieben Gott 5 ein Gott, ich 254 M weiß wohl, daß ich sterbe; ich bin ein Mensch, der bald vergeht, und finde hier kein solches Erbe, das ewig dauert und besteht. D'rum zeige mir in Gnaden an, wie ich recht selig sterben kann! 2. Mein Gott, ich weiß nicht, wann ich sterbe; kein Augenblick geht sicher hin. Wie bald zerbricht doch eine Scherbe! die Blumen müs⸗ sen bald verblüh'n. D'rum mache du mich stets bereit hier in der Zeit zur Ewig⸗ keit! 3. Mein Gott, ich weiß nicht, wie ich sterbe, weil auch der Tod viel Wege hält. Dem Einen wird das Schei⸗ den herbe, sanft geht ein Andrer aus der Weit. Doch, wie du willst; gib nur dabei, daß ich wohl zubereitet sei. 4. Mein Gott, ich weiß nicht, wo ich sterbe, und welcher Sand mich einst bedeckt. Doch wenn ich nur den Trost ererbe, daß mich dein Ruf zum Leben weckt; so nehm' ich jede Stelle ein: — Erd' ist allenthalben ein. Tod. 5. D'rum, liebster Gott, wann ich nun sterbe, so nimm du meinen Geist zu dir! Bin ich durch deinen Sohn dein Erbe, und hab' ich ihn im Glauben hier, so gilt mir's gleich, und geht mir's wohl, wann, wie und wo ich sterben soll. Mel. Mein ganzer Geist, Gott 255 N ie wird mir dann, o dann mir seyn, wann ich mich, ganz des Herrn zu freu'n, in ihm entschlafen werde? Von keiner Sünde mehr entweiht, entladen von der Sterblichkeit, nicht mehr der Mensch von Erde! Freu' dich innig, meine Seele, und erwähle schon hienie⸗ den, was dir dient zum ew'gen Frieden. 2. Besiege denn des To⸗ des Grau'n, mein Geist; er ist ein Weg zum Schau'n, der Weg im finstern Thale. Er sei dir nicht mehr fürchter⸗ lich! In's Allerheiligste führt dich der Weg im fin⸗ stern Thale. Gottes Ruh' ist un vergänglich, überschweng⸗ lich! Die Erlösten wird sie unaussprechlich trösten. 3. Herr, Herr, ich weiß die Stunde nicht, die mich, wenn nun mein Auge bricht, zu deinen Todten 4 Vielleicht umgibt mich ihre Macht, eh' ich dieß Flehen noch 188 Unsterblichkeit u noch vollbracht, mein Lob dir ausgestammelt. Vater, Vater, ich befehle meine Seele deinen Händen; laß mich meinen Lauf gut enden! 4. Vielleicht sind meiner Tage viel; ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, an dem die Krone schimmert. Bin ich von meinem Ziel noch weit; die Hütte meiner Sterblichkeit, wird sie erst spät zertrümmert: laß mich, Vater, reiche Saaten guter Thaten dann begleiten vor den Thron der Ewigkeiten! 5. Wie wird mir dann, o dann mir seyn, wann ich, mich ganz des Herrn zu freu'n, ihn dort anbeten werde? Von keiner Sünde mehr entweiht, ein Mit⸗ genoß der Ewigkeit, nicht mehr der Mensch von Erde! Heilig! heilig! heilig! sin⸗ gen wir dir, bringen Preis und Ehre! dir, der war und seyn wird, Ehre! Mel. Christ: der ist mein 5 Ich geh' einst ohne 256 Beben zu mei⸗ nem Tode hin; denn Chri⸗ stus ist mein Leben, und Sterben mein Gewinn. 2. Ich scheue nicht die Schrecken der nahen dunklen Gruft; Gott wird mich auferwecken, der mich zum Grabe ruft. 3. Und rief mich, abzu⸗ nd Vergeltung. scheiden, auch heute schon mein Gott; so geh' ich hin mit Freuden, und sterb' auf auf sein Gebot. 4. Ich hoff' ein beßres Leben, das nimmermehr verfließt. Ein Leib wird mich umgeben, der ewig herrlich ist. 5. Dann eil' ich dir ent⸗ gegen, mein triumphirend Haupt, und seh' entzückt den Segen des Heils, das ich geglaubt. Mel. Wann mein Stündlein 51 enn meine Zeit 257 W᷑ vorhanden ist, von dieser Welt zu scheiden, ach, so verlaß, Herr Jesu Christ, mich nicht in meinen Leiden! An meinem End' empfehl' ich dir, Herr, meine Seele, die du hier zum Him⸗ mel hast gebildet. 2. Wenn Angst und To⸗ desfurcht mich drückt, mich mein Gewissen naget: so wird mein Herz mit Trost beglückt, das sonst voll Un⸗ ruh' zaget. Mich tröstet in der letzten Noth dein Lei⸗ den und dein Kreuzestod, dadurch du mich erlöset. 3. Ich bin, o Herr, mit dir vereint: deß freu' ich mich von Herzen; ich weiß, du bleibest auch mein Freund in Todesnoth und Schmer⸗ zen. Und sterb' ich, o so sterb' ich dir; die frohe Hoff⸗ nung nung hast du mir durch dei⸗ nen Tod erworben. 4. Weil du vom Tod er⸗ standen bist, werd' ich einst auferstehen, ins Reich, das mir verheißen ist, aus mei nem Grabe gehen; denn wo du bist, soll ich auch seyn, und deiner Herrlich⸗ keit mich freu'n, die dir dein Gott gegeben. 5. So wird mein Ster⸗ ben mir versüßt; der Tod kann mich nicht schrecken: er ist ein Schlaf auf kurze Frist, und Jesus wird mich wecken. Er, mein Erlöser, Gottes Sohn, wird mich mit sich zu Gottes Thron in's ew'ge Leben führen. Mel. Herr, wir singen d = TDellig sind des 258 S— Er⸗ ben, die Todten, die im Herren sterben, zu A. ifer⸗ stehung eingeweiht. Nach den letzten Augenblicken des Todesschlummers folgt Ent⸗ n; folgt Wonne der iner uche Im Frieden 10 sie frei von der Erde 2 Müh Gelobt sei Gott! Vor seinen Thron, zu sei⸗ nem Sohn begleiten ihre Werke sie. In eigener Melodie. 0 as st st d 259 Waal fer dein Leben? Es Gott ge⸗ einer 189 lassen übergeben, ist wahre Ruh und deine Pflicht. Du sollst es lieben, w islich ützen, es dankbar, als ein Glück, besitzen, verlieren, als ve—* nicht. 2. Der Tod soll dich nicht traurig schr* doch dich zur Weisheit zu er vecken, soll er dir stets vor Augen seyn. Er soll den Wunsch zum Leben mindern, doch dich in deiner Pflicht nicht hindern, vielmehr dir Kraft dazu ve erleih'n. 3. Ermattest du in deinen o laß den Tod ich Gutes w Sollt' schieben? Nein, me 8 auszuüben, ist kurz, sie verfliegt geschwind. 4. Denk' an den wann böse Triebe, wann Lust der Welt und ihre Liebe dich reizen, und er⸗ sticke sie. Sprich: Kann ich nicht noch heute sterben? Und könnt' ich auch die Welt erwerben, der Sünde Lockung folg' ich nie. 5. Denk' an den Tod, wann Ruhm und Ehren, wann deine Schätze sich ver⸗ mehren, daß du sie nicht zu heftig liebst. Denk' an die Eitelkeit der Erden, daß, . — int und Tod, wann sie dir entrissen wer den, du dann dich nicht so sehr betrübst. 6. Denk' 6. Denk' an den Tod bei frohen Tagen. Kann deine Lust sein Bild vertragen, so ist sie gut und unschulds voll. Sprich, dein Vergnügen zu versüßen: Welch' Glück werd' ich erst dort genießen, wo ich unendlich leben soll! 7. Denk' an den Tod, wann deinem Leben das fehlt, wornach die Reichen streben. Sprich: Bin ich hier, um reich zu seyn? Heil mir, wann ich in Christo sterbe! Dann ist ein unbe⸗ flecktes Erbe, dann ist des Hi mmels Reichthum mein. 8. Denk' an den Tod, wann Leiden kommen. Sprich: Alle Trübsal eines Frommen ist zeitlich und im Glauben leicht. Ich leide; doch von allem Bösen wird mich der Tod bald, bald erlösen; er ist's, der mir die Krone reicht. 9. Denk' an den Tod, wann freche Rotten des Glaubens und der Tugend spotten, und Laster stolz ihr Haupt erhöh'n. Sprich bei dir selbst: Gott trägt die Frechen; doch endlich kommt er, sich zu rächen, und plötz⸗ lich werden sie vergeh'n. 10. Denk' an den Tod zur Zeit der Schrecken, wann Pfeile Gottes in dir stecken; du rufst und er antwortet nicht. Sprich: Nein, mich kann der Herr nicht hassen; Unsterblichkeit und Vergeltung. er wird mich sterbend nicht verlassen; dann zeigt er mir sein Angesicht. 11. So suche dir in allen Fällen den Tod oft lebhaft vorzustellen; so wirst du ihn nicht zitternd scheu'n; so wird er dir ein Trost in Klagen, ein weiser Freund in guten Tagen, ein Schild in der Versuchung seyn. Mel Wer nur den lieben Gott 572 er weiß, wie 260 W̃ nahe mir mein Ende? Die Zeit geht hin, es kommt der Tod. Ach, wie geschwind, ach, wie behende kann kommen meine Todesnoth! Gott, gebe dann mir Kraft und Muth, und mach's mit mei⸗ nem Ende gut! 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war; so lang ich lebe auf der Er⸗ den, leb' ich in steter Tod's⸗ gefahr. Ich, der ich jetzt gesund noch bin, sink', eh ich's denke, kraftlos hin. 3. Herr, lehr' mich stets an's Ende denken, und laß mich, eh' ich sterben muß, das Heil der Seele wohl bedenken, und nicht verschie⸗ ben meine Buß', denn jener ernste Augenblick bestimmt mein ewiges Geschick. 4. Laß zeitig mich mein Haus bestellen, daß ich be⸗ reit reit sei für und für, und sagen könn' in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schick's mit mir! Hilf, daß bei jedem Glockenschlag ich an mein Eude denken mag. 5. Erhebe meinen Sinn zum Himmel, verbitt're mir der Sünden Lust. Gib, daß in diesem Weltgetümmel mir Nichts, als Unschuld, sei bewußt; so eilt, wann diese Hütte fällt, der Geist in eine bess're Welt. 6. Ach, Vater, deck' all' meine Sünde um Jesu Christi Willen zu, damit ich hier Vergebung finde, und dort bei dir vollkomm'⸗ ne Ruh'! Du warst mein Gott in jeder Noth; drum sei auch Vater mir im 0 7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sei Leben oder Tod; er bleibt im Leiden meine Freude, mein Schutz, mein lles in der Noth. Er endet selig meinen Lauf, und nimmt mich dann im Himmel auf. 8. So komm' mein End' heut' oder morgen; ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt. Er ist's, der mich in allen Sorgen, er ist's, der mich 12 Tod erquickt. Er stär⸗ ket mir dann meinen Muth, und macht's mit meinem Ende gut. 191 In voriger Melodie. 5 Moch leb' ich Ob 261 N ich morgen le⸗ be, ob diesen Abend, weiß ich nicht. Wohl mir, wenn ich mich Gott ergebe, und treu' erfülle meine Pflicht! Dann bin ich, ruft er mich noch heut', zu meiner Re⸗ chenschaft bereit. 2. Am Morgen blüht und glänzt die Blume, und fällt oft schon am Abend ab. So sinkt mit seinem Glück und Ruhme der Mensch, oft eh' er's denkt, in's Grab; und Seele, du mißbrauchst so leicht ein Leben, das so schnell entfleucht? 3. Entziehe dich dem Weltgetuͤmmel: hier ist der Kampf, dort ist die Ruh'. Auf! streb' und ringe nach dem Himmel, eil' deiner bess'ren Heimath zu! Wie bald verfließt der Prüfung Zeit, und dann, dann kommt die Ewigkeit! 4. Verschiebe niemals deine Pflichten. Was du zu thun jetzt schuldig bist, das eile heute zu verrichten; wer weiß, ob's morgen möglich ist? Nur dieser Augenblick ist dein; der nächste wird's vielleicht nicht seyn. 5. O Gott, verleihe mir die Gnade, führ' du mich selbst durch deine Kraft der Tugend ebne, sichre Pfade, erhalte mich gewissendaßt un 192 Unsterblichkeit und Vergeltung. und immer treu in dem Beruf, zu dem mich deine Liebe schuf! 6. Dann wird mir jeder Theil des Lebens ein Segen für die Ewigkeit, ich lebe dann hier nicht vergebens, und nütze redlich meine Zeit, und seh', mit dir ergeb' nem Sinn auf Tod und Grab und Zukunft hin. In voriger Melodie. 2629 ker weiß, wie * bald in tiefer Stille die Stunde meines Abschieds schlägt, wie bald man meines Geistes Hülle zu meinen Vätern schlafen legt? Wer weiß, ach, wer bestimmt die Zeit des Ein⸗ tritts in die Ewigkeit? 2 Du weißt es, Gott, der meine Tage schon längst mit Weisheit niederschrieb, du, der im Glück und unter Plage mein liebevoller Va⸗ ter blieb. Von dir, der mir den Odem gab, hängt auch mein letzter Odem ab. 3. Vielleicht in wenig Augenblicken rückt schon das große Ziel heran, wo ich nicht Andre mehr beglücken, nicht an mir selbst mehr bes⸗ sern kann. Wie bald, wie schnell erscheint die Nacht, die meinem Thun ein Ende macht. 4. Vielleicht ist dies der letzte Arme, der kläglich mich um Hülfe fleht. Wenn ich mich heute nicht erbarme, vielleicht ist's morgen schon zu spät; und dann, was bringt die Aerntezeit? Die Frucht der Ungerechtigkeit. 5. Mein Pfund erst mor⸗ gen wuchern lassen, welch“ ein Gedanke voll Gefahr! Kann ich nicht Abends schon erblassen, wenn ich noch Morgens fröhlich war? O Mensch, ach, säum' im Wohlthun nicht! Nur dies ist Weisheit und ist Pflicht. 6. Die Kraft von meinen besten Jahren sei Gott, dem Heiligen, geweiht. Die Buße bis in's Alter sparen, ist schreckliche Vermessen⸗ heit. Zu spät verschwindet oft der Wahn, da man auch schlafend sterben kann. 7. Wie leicht raubt Schmerz und Fieberhitze mir Ueberlegung und Ver⸗ stand! Wenn ich in Todes⸗ ängsten schwitze, wer macht mich dann mit dir bekannt? O Gott, vielleicht ein Fall, ein Schlag bestimmt mir meinen Sterbetag. 8. Laß, Höchster, deinen Geist mich leiten! Er mache mich von Sünden rein! Dann wird der Tod zu al⸗ len Zeiten mir nur ein Frie⸗ densbote seyn. Du kommst, vielleicht zu Mitternacht! O wohl dann ewig dem, der wacht. Mel. Mel. Was Gott thut, das ist 263 ch bebe nicht A vor Tod und Grab! Im Grabe ruht der Müde; auf den Ent⸗ schlummernden herab sinkt schon des Himmels Friede. Aus aller Noth erlöst der Tod; der Augenblick des Scheidens ist auch das Ziel des Leidens. 2. Es gibt ja Nichts auf dieser Welt, was meine Sehnsucht stillet; nur dann, wann diese Hülle fällt, wird erst mein Wunsch er⸗ füllet. Zum Sternenchor steig' ich empor, vom Schat⸗ tenthal zur Klarheit, von Täuschung zu der Wahr⸗ heit; 3. Von hier, wo oft die Unschuld weint, und oft das Laster sieget, bis der Vergeltungstag er⸗ scheint, wo dieses unterlie⸗ get. Die Klage schweigt; der Jubel steigt! Der Unschuld schönste Freuden blüh'in aus der Saat der Leiden. 4. Drum freu' ich mich im Glauben schon auf je⸗ nes beßre Leben, denn un⸗ srer Tugend vollen Lohn will Gott uns dort erst geben. Was Tod uns heißt, befreit den Geist; er muß zu allen From⸗ men als Engel Gottes kommen, 193 Tod. Die Auferstehung. In eigener Melodie. 2 6 4* meine Zu⸗ versicht, lebt und ich soll mit ihm leben! Dieses weiß ich; sollte nicht sich mein Herz zufrieden ge⸗ ben, was die lange Todes⸗ nacht mir auch für Gedan⸗ ken macht? 2. Jesus, mein Erlöser, lebt! Ich erwarte mit Ver⸗ trauen, daß er mich zu sich erhebt; warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, wel⸗ ches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoff⸗ nung Band zu genau mit ihm verbunden. Er, der selbst den Tod empfand, hat für mich ihn überwunden; auch im Tode bleib' ich sein, ewig seiner mich zu freun. 4. Dieser Körper nur ist Staub; er nur sinkt zurück zum Staube. Nie wirst du des Todes Raub, du, mein Geist! O sel'ger Glaube! Heil mir! Mein Erlöser lebt, der mich einst zu sich erhebt. 5. Dann wird mich, statt dieser Haut, ein verklärter Leib umgeben, für die neue Welt gebaut, ein Gebild' fürs höh're Leben; und in diesem Leib seh' ich, mein Erlöser, ewig dich! 6. Ob dies Aug' im Tod auch bricht, wird's doch sei⸗ 3 nen 194 Unsterblichkeit und Vergeltung. nen Retter kennen; und wie freudig werd' ich nicht dann ihn den Vollender nennen, wann er von der Sterblich⸗ keit dieser Erde mich befreit! 7. Was hier leidet, seufzt und fleht, wird und kann nicht untergehen. Irdisch werd' ich ausgesät, himm⸗ lisch werd' ich auferstehen. Nimm, Verwesung, mein Gebein; ich, ich werd' un⸗ sterblich seyn! 8. Seid getrost und hoch⸗ erfreut: Jesus kennt euch, seine Glieder! Christen, wehrt der Traurigkeit; sterbt ihr, Jesus weckt euch wie⸗ der, wann sein mächt'ger Ruf erschallt, der durch alle Gräber hallt! 9. Wo ist dein Triumph, o Tod? Nimm den Staub hin. Ohne Grauen folgen wir, wir werden Gott, wer⸗ den den Erlöser schauen. Un⸗ ser ist der Sieg, und Heil ewig, ewig unser Theil! 10. Darum, Christen, auf! erhebt euren Geist von dieser Erden; lebet hier dem Heiland, lebt ihm, dem ihr sollt ähnlich werden! Wer sich seiner dort will freu'n, muß hier rein und heilig seyn! Me del. Wer nur den lieben Gott JR ch bin zur Ewig⸗ 2 65 1 keit geboren, für eine beßre Welt be⸗ stimmt; mein Leben geht dann nicht verloren, wann hier das Grab den Leichnam nimmt. Zu groß bin ich für diese Zeit; mein Loos ist die Unsterblichkeit. 2. Was ist die Welt, was Glück und Ehre? Wär' auch ihr ganzer Reichthum mein; er bliebe, wenn kein Him⸗ mel wäre, für meine Wün⸗ sche doch zu klein. Mein Geist find't nicht im Staube Ruh'; er eilt erhab'nern Gütern zu. 3. Es schuf mich ja der Gott der Liebe zum höh'ren Glück, zu höh'rer Lust, und pflanzte selbst dazu die Trie⸗ be so stark, so tief in meine Brust. Er, der mit Sehn⸗ sucht mich erfüllt, läßt wahr⸗ lich sie nicht ungestillt. 4. Der Wunsch, ihn ewig treu zu lieben, der höh'ren Wahrheit Licht zu seh'n, der hier noch unerfüllt geblie⸗ ben, muß einst noch in Er⸗ füllung geh'n. So wahr Gott d iesen Trieb mir gab, erstirbt er nimmer in dem Grab. 5. Gott ist gerecht, er wird einst richten: die Tu⸗ gend wird durch ihn gekrönt. Er wird, was sie gedrückt, vernichten; erhöhen, die man hier verhöhnt. Das Laster, mag es hier sich freu'n; dort kann es nim⸗ mer glücklich seyn. 6. Ist's möglich, kann Gott Gott anders handeln? Gilt denn kein Recht in seinem Reich? Die Frommen, die hier vor ihm wandeln, sind die den Uebelthätern gleich? Nein, Tugend siegt! Ich sterbe drauf: Gott weckt mich zur Vergeltung auf. 7. Er weckt mich auf aus meinem Staube: dies hofft mein Herz, dies sagt sein Wort. Dies Wort, laut triumphirt mein Glaube, treibt mächtig alle Zweifel fort. Wie froh erhebt sich nun mein Geist, da Gott ihn selbst unsterblich heißt! 8. Mein Jesus lebt! Wer will mich tödten? Er sichert mir Unsterblichkeit. Er gibt mir Muth in Todesnöthen, und leitet mich zur Selig⸗ keit. Auch dieser Leib muß auferstehn, vollkommner einst zum Himmel gehn. 9. Ihr Thäler sinkt! Fallt, Berge, nieder! Mein fester Glaube fürchtet Nichts. Ich sterbe; doch erwach' ich wieder am Morgen eines ew'gen Lichts. Dann fängt mein neues Leben an, und, Gott, wie selig bin ich dann! In voriger Melodie. 5 Ver Lenz erfreuet, 266 D was da lebet, er bricht des Winters Fes⸗ seln los; der Blumen schö⸗ ner Flor erhebet verfüngt sich aus der Erde Schooß Die Auferstehung. und freundlich lächelt er mir zu: Unsterblich, freu' dich, Mensch, bist du! 2. Die Sonne löst dem Schmetterlinge das Band mit ihrer Strahlenmacht, sieh, er erhebt die zarte Schwinge, geschmückt mit neuer Frühlingspracht, und winkt in höh'rer Lust mir zu: Unsterblich, freu' dich, Mensch, bist dul 3. Mir hat Gott For⸗ schungsgeist gegeben, und Wünsche, die die Welt nicht stillt. Heil mir! sie bür⸗ gen mir ein Leben, wo sich des Höchsten Rath enthüllt. O, Himmelsahnung ruft mir zu: Unsterblich, freu' dich, Mensch, bist du! In eigener Melodie. 267 2 uferstehn, ja auferstehn wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh'; unsterblich Le⸗ ben wird, der dich schuf, dir geben! Halleluja! 2. Wieder aufzublühn, werd' ich gesät. Der Herr der Aernte geht, und sammelt Garben uns ein, uns ein, die starben! Halleluja! 3. Tag des Danks, der Freudenthränen Tag, du meines Gottes Tag! Wann ich im Grabe genug ge⸗ schlummert habe, erweckst du mich. 4. Wie den 32 Träumenden wird's 196 wird's dann mir seyn. Mit Jesu geh' ich ein zu seinen Freuden. Der müden Pilger Leiden sind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich mein Mittler dann; lebt' ich im Heilig⸗ thume zu seines Namens Ruhme! Halleluja! Mel. Wer nur den lieben Gott 268 2 arum erbebst du, meine Seele, bei dem Gedanken an das Grab? Nicht dich umschließt einst seine Höhle; nur deine Hülle sinkt hinab. Nur sie, weil sie Gott schuf aus Staub, nur sie wird der Verwesung Raub. 2. Du, zur Unsterblichkeit erlesen, schwingst dich empor zu Gottes Licht, und schaust den Ursprung aller Wesen von Angesicht zu Angesicht; bewunderst deines Gottes Macht in fener Welten Bau und Pracht. 3. Dann, Seele, wirst du das verstehen, was hier kein Sterblicher erklärt, was hier vollkommen einzusehen der Weiseste umsonst be⸗ gehrt. Dann täuscht dich Wahn und Irrthum nicht, und selbst die Finsterniß wird Licht. 4. Dann wirst du den, o den erblicken, den hier allein der Glaube sieht, den, der, dich ewig zu beglücken, nach Unsterblichkeit und Vergeltung. Gottes Rath am Krenz ver⸗ schied. Dann jauchze, daß kein Wahn, kein Spott, dich hier getrennt von dei⸗ nem Gott. 5. Wenn nun der Tag des Herrn erscheinet, verläßt dein Leib der Gräber Ruh'. Zum zweitenmal mit dir vereinet, wird er unsterblich, so wie du. O Seele, zittre länger nicht, daß deiner Hütte Bau zerbricht! Mel. Jesus, meine Zuversicht, (Delig, Jesu, sind, 269 S die nun schon im friedenvollen Grabe von des Lebens Arbeit ruhn, und sich Gottes größter Gabe, eines ew'gen Lebens freun! Möchten wir es auch schon seyn! 2. Doch du willst, wir leben noch mühsam hier in Pilgerhütten. Alle trugen einst dies Joch, die des Le⸗ bens Kron' erstritten End⸗ lich aber führt der Tod uns auch so, wie sie, zu Gott! 3. Du, du selber lebtest hier vormals auch in Pil⸗ gerhütten. Noch unendlich mehr, als wir, hast du, Gött⸗ licher, gelitten. Standhaft laß im Kampf mich stehn, stets auf dich, Vollender, sehn! 4. Was ist diese Lebens⸗ zeit? Ach, nur eine kurze Stunde gegen jene Ewig⸗ keit. keit. Aber an der kurzen Stunde hängt(dies präge tief uns ein) ew'ge Wonn' und ew'ge Pein. 5. Gib uns Weisheit, gib uns Kraft, diese Stunde wohl zu nützen, und beim Schluß der Pilgerschaft wollest du uns unterstützen! Laß auf dich uns freudig schaun, dein begehren, dir vertraun! 6. Daß wir dein sind, nicht der Welt, daß du uns wirst auferwecken, diese Kraft der beßren Welt laß uns, wenn wir sterben, schmecken! Flöß' uns jetzt den Muth schon ein, in dem Tod getrost zu seyn! 7. Und wenn wir vom Kampfplatz nun zu den Tod⸗ ten Gottes gehen, woll'st du mehr noch an uns thun, als wir bitten und verstehen. Auch für unsre Todesnacht riefst du einst: Es ist voll⸗ bracht! Das Gericht. In voriger Melodie. 270 Ammer näher kommt die Zeit, stündlsch eil' ich ihr entgegen, wo der Herr auch mir gebeut, meine Rech⸗ nung abzulegen. Dann wird Alles, Alles klar, wie ich lebte, wer ich war. 2. Selbst des Herzens stil⸗ Die Auferstehung. 197 len Rath wird der Richter offenbaren. Jedem wird für jede That dann Vergeltung widerfahren; wie er hier den Saamen streut, ärntet er in Ewigkeit. 3. Dann verstummt der Thoren Spott, Frevler ste⸗ hen dann und beben. Hei⸗ lig und gerecht ist Gott, und er sah ihr Sündenleben. Wer beschränkt des Richters Kraft, wenn er ruft zur Rechenschaft? 4. Wer hier seine Zeit verträumt, nur nach Sin⸗ nenfreuden schmachtet, sei⸗ nes Geistes Wohl versäumt, Menschen quälet und ver⸗ achtet, und sich reuvoll nicht bekehrt, fühlt sich dann der Strafe werth. 5. Nur ein weises from⸗ mes Herz darf nicht vor dem Richter zittern; nur den Christen wird kein Schmerz dort am Gnadenthron er⸗ schüttern. Heilig war ihm seine Pflicht; es verdammt sein Herz ihn nicht. 6. Christen, Christen, richtet nicht! Laßt den Herrn das Urtheil fällen! Er bringt Alles einst ans Licht, wird einst jede Nacht erhellen. Lieber duldet, lie⸗ ber weint, bis sein großer Tag erscheint! 7. Laßt uns nur gewissen⸗ haft stets nach Gottes Wil⸗ len handeln, eingedenk der 33 Re⸗ 198 Rechenschaft, fromm auch im Verborgnen wandeln, selbst die kleinste Sünde scheu'n, und Verehrer Jesu seyn! Mel. Wer nur den lieben Gott i Nzenn ich auf 271 Wecntes We. gen wanke, und straucheln will, so schrecke mich der herzerschütternde Gedanke: Gott richtet einst die Welt und dich! Er hat's verkün⸗ digt, sein ist unaus⸗ bleiblich: strauchle nicht! 2. Der Weg der Tugend, den ich walle, sei rauh und steil, wo führt er hin? Zum Himmel, wenn ich Gott gefalle, wenn ich getreu und standhaft bin, gestärkt, o Gott, durch deine Huld zur Selbstverleugnung, zur Geduld. 3. Oft will ich zu mir sel⸗ ber sagen: Die Welt vergeht mit ihrer Lust! Wohl mir, bin ich bei allen Plagen nur keines Frevels mir bewußt! Es kommt, es kommt die Ewigkeit, die mich aus je⸗ der Noth befreit. 4. Einst werd' ich Jesu Stimme hören: Der du zu meiner Rechten bist, du warst gehorsam meinen Leh⸗ ren; nimm hin was dir bereitet ist! Komm', erbe meines Vaters Reich; sei selig und den Engeln gl ich! 5. Solch' eine Wonne Unsterblichkeit und Vergeltung. wartet meiner, wenn ich mit brüderlichem Sinn den Nächsten lieb', und gern mich seiner erbarm', und Jesu ähnlich bin. Wie könnt' ich hart und lieblos seyn? Betrübte seh'n, und nicht erfreun? 6. Dort, dort trifft den, der ohn' Erbarmen nie men⸗ schenfreundlich sich beweist, der, fühllos bei der Noth der Armen, Bedrängte nie erquickt, noch speist, den Hungrigen sein Brod nicht bricht, ein unbarmherziges Gericht 7. Fühllose, wird der Richter sagen, verschlossen habt ihr eure Hand, verach⸗ tet eurer Brüder Klagen. Entweicht! Ich hab' euch nie erkannt! Für den, der Brü⸗ der nicht erfreut, ist freu⸗ denleer die Ewigkeit! 8. So wirst du jede Sün⸗ de richten, gerechter Richter, wenn du einst den Uebertre⸗ tern ihrer Pflichten in deiner Majestät erscheinst. Dann wird der Fromme sich er⸗ freunn, dem Bösen Alles schrecklich seyn. 9. Gib mir, o Vater, Muth und Stärke, damit mein Glaube, dir getreu, geübt in jedem guten Werke, bewährt und dir gefällig sei; so werd' ich ewig selig syn, mich ewig deiner, Bott, erfreu'n. a Mel. Mel. Aus der Tiefe rufe ich Kerr und Richter 2 f 2 Haller Welt, der auch mir mein Urtheil fällt, Jesu, nimm dich meiner an, daß ich einst bestehen kann! 2 Mache mich von Sün⸗ den frei, fest im Guten, dir getreu; so erschrickt, hältst du Gericht, vor dir meine Seele nicht. 3. Millionen preisen schon deine Hülfe, Gottes Sohn. O bereite auch an mir solche Lobgesänge dir! 4. Die dir folgen, führest du sicher deinem Himmel zu. Führ' auch mich einst dahin ein; nur der Deine will ich seyn 5. Folgen will ich deinem Wort; hilf mir gnädig dar⸗ in fort, bis mein Lauf, Herr Jesu Christ, selig hier vollendet ist. 6. Fröhlich hör' ich's dann von dir: Komm, Gesegne⸗ ter, zu mir! Nimm an mei⸗ ner Wonne Theil! Dein ist nun mein ganzes Heil! 7. Und frohlockend preis ich denn, was du, Herr, an mir gethan; freue, mit den Deinen mich deiner Güte ewiglich. In eigener Melodie. 273(Schon ißt der Tag 5 von Gott be⸗ stimmt, da, wer auf Erden wandelt, sein Loos aus Got⸗ Das Gericht. 199 tes Händen nimmt, nach⸗ dem er hier gehandelt. Er kommt, er kommt, des Men⸗ schen Sohn; er kommt, und Wolken sind sein Thron, der Erde Kreis zu richten. 2. Hier, an dem Rand der Ewigkeit, versammeln sich die Schaaren, die seit dem ersten Tag der Zeit der Er⸗ de Bürger waren, nur dem Allwissenden bekannt, un⸗ zählbar, wie des Meeres Sand; hier stehn sie vor dem Richter. 3. Hier muß der falsche Wahn der Welt der Wahr⸗ heit unterliegen. Hier, wo das Recht die Waage hält, wird keine Sünde siegen. Hier ist zur Buße nicht mehr Frist, hier gilt nicht mehr Betrug und List; hier gilt kein falscher Zeuge. 4 Der Richter spricht; der Himmel schweigt, und alle Völker hören erwar⸗ tungsvoll und tief gebeugt: Kommt, erbt das Reich der Ehren! So spricht er zu der frommen Schaar; zu der, die ihm nicht folgsam war: Hinweg von mir, Verbrecher! 5 Sie gehn verzweifelnd, jammern, flehn: Stürzt über uns zusammen, ier Welten, fallt, daß wir ver⸗ gehn, die wir uns selbst verdammen! Die Frommen aber ste en im Licht des Frie⸗ J 4 dens 200 Unsterblichkeit und Vergeltung. dens, und ihr Angesicht strahlt seliges Entzücken. 6. Frohlockend zieh'n sie in das Reich, das Gott für sie bereitet, wo er sie, sei⸗ nen Engeln gleich, von Licht zu Lichte leitet. Das Stück⸗ werk wird Vollkommen⸗ heit; kein Kummer, keine Traurigkeit stört ihre sel⸗ gen Freuden. 7. Mein Heiland, laß mich dein Gericht oft nnd mit Ernst bedenken! Es stärke mich mit Zuversicht, so oft mich Leiden kränken! Es reize mich, gewissenhaft und eingedenk der Rechen⸗ schaft, nach deinem Wort zu wandeln! Mel. Straf' mich nicht in deinem 274 Her ich bin dein Eigenthum; dein ist auch mein Leben! Mir zum Heil und dir zum Ruhm hast du mir's gege⸗ ben! Väterlich führst du mich auf des Lebens Wegen meinem Ziel entgegen. 2. Einst kommst du mit großer Kraft zum Gericht auf Erden; dann soll ich zur Rechenschaft vorgefordert werden. Dein Gericht scho⸗ net nicht; Richter aller Welten, du, du wirst ver⸗ gelten. 3. Weh' dann mir in Ewigkeit, wenn ich deine Gabe, meine Kräfte, meine Zeit hier gemißbraucht habe! Weh' dann mir, hab' ich hier sie nicht treu verwendet, sorglos sie verschwendet! 4. Möchte täglich dein Gericht mir vor Augen schweben! Möcht' ich mich, stets meiner Pflicht treu zu seyn, bestreben, daß ich nie thöricht sie aus den Augen setze, nie sie frech verletze! 5. Lehre mich gewissen⸗ haft meine Tage zählen, eingedenk der Rechenschaft, nur, was gut ist, wählen! Gib, daß ich ernstlich mich täglich und auch heute, dar⸗ auf vorbereite! 6. Zeigt sich erst die Ewig⸗ keit furchtbar in der Nähe, o, dann ist es nicht mehr Zeit, daß ich Gnad' erflehe! Wann der Tod schon mir droht, kann ich deinen Wil⸗ len, Herr, nicht mehr er⸗ füllen. 7. Mein Gewissen strafe mich gleich bei jeder Sünde, daß ich, Mittler, bald durch dich Gnade such' und finde! Rufe du dann mir zu: Bes⸗ serst du dein Leben, so ist dir vergeben. 8. Einst am Tage des Gerichts, werd' ich mit den Frommen zu dem Anschaun deines Lichts gnädig auf⸗ enommen. Wonnevoll, esu, soll dich im höhern Leben dann mein Dank erheben! Mel. Mel. Wann mein Stsndlein 4 Zroß wird des 2 75 Gebaders Elend seyn, unendlich schwer zu tra⸗ gen! Ach, unter des Gewis⸗ sens Pein wird seine Seele zagen, wann ihn, den Nichts zur Buße weckt, der Tag des Weltgericht, erschreckt, zur Rechenschaft ihn fordert! 2. Verschwendet ist die Gnadenzeit! Wie viele sei⸗ ner Stunden sind in dem Dienst der Eitelkeit verge⸗ bens ihm entschwunden! Er hat des Lebens Zweck ver⸗ fehlt; o welche Reu ergreift und quält zu spät nun seine Seele! 3. Wo bleibt nun jedes Er⸗ dengut, worauf sein Wunsch sich lenkte? Wo bleibt der Stolz, der Uebermuth, wo⸗ mit er Andre kränkte? Ge⸗ beugt ist jetzt sein trotzig Herz, und jede Lust wird nun in Schmerz, in Pein und Qual verwandelt. 4. Nun flucht ihm, wer des Lasters Bahn, durch ihn verführt, erwählte. Nun klagen ihn die Seelen an, die er aus Bosheit quälte; und jeder Schmerz, durch ihn vermehrt, und jedes Glück, durch ihn gestört, tritt furchtbar ihm vor Augen 5. Des Richters ernste Stimme spricht: Weicht von mir, Uebelthäter! und in ihm sein Gewissen spricht: Das Gericht. Du bist ein Uebel häter! Von Gott und Seligkeit verbannt, fühlt er, was er sonst nie empfand: gerecht sei seine Strafe. 6. O Sünder, sichre Sün⸗ der, eilt, euch reuvoll zu bekehren! Laßt nicht, weil das Gericht verweilt, euch durch den Wahn bethören: zur Beßrung sei noch immer Zeit, und fern sei noch die Ewigkeit, fern noch Gericht und Strafe! 7. Sie kommt, ihr mögt, was Gott euch droht, be⸗ zweifeln oder glauben. Wie leicht kann euch ein schneller Tod die Zeit zur Beßrung rauben! Jetzt noch will Gott Erbarmer seyn, will eure Sünden noch verzeihn. O suchet seine Gnade! Das künftige Leben. In eigener Melodie. 276 Ale„Menschen müssen fler⸗ ben; ihre Herrlichkeit ver⸗ blüht! Keiner kann den Himmel erben, der zuvor den Tod nicht sieht. Staub wird dieser Leib von Erde; doch, damit er himmlisch werde, wird er einst von Gott erneut, und erhält Unsterblichkeit. 2. Willig werd' ich dieses Leben, wenn es deinem Rath gefällt, dir, mein Vater, 33 wie⸗ 202 Unsterblichkeit und Vergeltung. wieder geben, gern verlassen diese Welt; denn nach die⸗ sem Erdenleiden warten mei⸗ ner höh're Freuden. Ich, als Christ, ich fürchte nicht Grab und Tod und Welt⸗ gericht. 3. Nichts soll mir den Trost entreißen, er soll mir stets heilig seyn: Gott er⸗ füllt, was er verheißen; sei⸗ ner will ich stets mich freun. Mir macht nun der Tod nicht bange, weil durch Jesum ich erlange eine frohe Seligkeit, wenn ich nüße diese Zeit. 4. Dort bei ihm ist wah⸗ res Leben; Millionen stehen schon, ihren Retter zu er⸗ heben, und erwarten ihren Lohn; hohe Himmelsgeister ringen, mitanbetend ihm zu singen, der des Ruhms so würdig ist, dem Erlöser, Jesu Christ. 5. Vaterland verklärter Frommen! Heil, Unsterb⸗ lichkeit und Ruh', was kein Sterblicher vernommen, Gottes Heil gewährest du! Freudenärnten schenkt Gott denen, welche hier gesä't mit Thränen; alle Thrä⸗ nen trocknet er; Sünd' und Elend sind nicht mehr. 6. Möcht ich doch, sie zu empfangen, diese große Herrlichkeit, hier nur thun und nur verlangen, was im Tode hoch erfreut! Diese Hülle mag zerstäuben; denn mein Geist wird ewig blei⸗ ben. Mir ist Sterben ein Gewinn; denn ich geh' zum Vater hin. 7. Welche Tröstung, dies zu wissen! Dieser großen Hoffnung voll, zag' ich nicht in Kümmernissen, die ich hier noch dulden soll. Leicht und kurz sind diese Leiden; sie verwandeln sich in Freu⸗ den, wenn ich christlich sie ertrug, bis Gott spricht: Es ist genug. Mel. Wann mein Stündlein 51 zin Pilgrim bin 2 77 Eich in 8 Welt, und kurz sind meine Tage. So manche Noth, die mich befällt, reizt mich hier noch zur Klage. Doch, Vater, jene Ewigkeit versüßt mir meine Pilgrimszeit, und stärket mich im Leiden. 2. Jetzt, da die Sünde mich noch drückt, seufzt mei⸗ ne bange Seele. Wie bald ist nicht mein Herz berückt! Wer merkt, wie oft es fehle? Doch einst werd' ich vollkom⸗ men rein, ganz heilig und ganz selig seyn; dies tröstet meine Seele. 3. In stiller Nacht wein ich, o Herr, hinauf zu dei⸗ ner Höhe. Mein schwaches Herz seufzt freudenleer, wenn ich den Morgen sehe. Ein Blick gen Himmel trö⸗ stet mich; denn meine e ne nen stillen sich einst ganz in jenem Leben. 4. Wenn mich der Zu⸗ kunft Schicksal schreckt, die Noth der fernen Tage; wenn sie in mir die Sorg' erweckt, ob ich sie auch ertrage: so stärket mich die Ewigkeit, daß bei dem Elend dieser Zeit mein Glaube nicht erliege. 5. Wenn einst, der jetzt noch ferne dräut, der Tod mir näher winket; wenn nach der Arbeit dieser Zeit mein Haupt zum Schlummer sinket: so sterb' ich froh; die Ewigkeit zeigt mir des Himmels Herrlichkeit, den großen Lohn der Treue. 6. Herr, diesen Trost, der mich erfreut, vermehr' in meinem Herzen! Es stärke mich die Ewigkeit hier unter Müh' und Schmerzen! Ein ewig unvergänglich Heil er⸗ wartet mich und wird mein — wenn ich am Ziele ehe. Mel. Wer nur den lieben Gott 278 E⸗ ist noch eine Ruh' vorhan⸗ den für jeden gottergebnen Geist, wann er sich dieses Körpers Banden nach Got⸗ tes Willen einst entreißt, und dann nicht mehr so eingeschränkt, als hier auf Erden, lebt und denkt. 2. Zu dieser Ruhe werd' ich kommen, und, Gott, Das künftige Leben. 203 wie selig bin ich dann! In deinen Himmel aufgenom⸗ men, fang' ich das beßre Leben an, wo nach der Last, die mich hier drückt, der Freuden Fülle mich erquickt. 3. Wie Mütter ihre Kin⸗ der trösten, so tröstet deine Freundlichkeit mich mit der Wonne der Erlösten nach wohl vollbrachter Uebungs⸗ zeit; dann wird mir hell und offenbar, wie gut hier deine Führung war. 4. Da schweigen alle mei⸗ ne Klagen; da bringt mein froher Lobgesang dir selbst für dieses Lebens Plagen mit nie gefühlter Regung Dank. Froh jauchz' ich dann: Es ist vollbracht; der Herr hat Alles wohl gemacht! 5. Auf ewig trifft mich dann kein Leiden, kein Schmerz und keine Schwach⸗ heit mehr; ich fühle dann die reinsten Freuden, gekrönt von dir mit Preis und Ehr'. Fest steht mein Glück und, Herr, dein Heil bleibt dann in Ewigkeit mein Theil. 6. Gott, laß mich das zu Herzen fassen, daß du den, der dich redlich liebt, nicht stets willst in der Unruh' lassen, die dieses Leben noch umgibt! Dies flöße Kraft und Muth mir ein, dir auch im Leiden treu zu seyn! 7. Mein Heiland, der du selbst auf Erden der Leiden J 6 Joch 204 Joch getragen hast! will ich des Lebens müde werden, und fühl' ich dieser Tage Last: so stärke mächtig mei⸗ nen Geist, daß er dem Un⸗ muth sich entreißt. 8. Gib, daß in Hoffnung jener Ruhe, die einst der Frommen Erbtheil ist, ich gern des Vaters Willen thue, wie du darin mein Vorbild bist; so lohnt nach dieser Prüfungszeit mir einst vollkommne Seligkeit. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren 279 Ich hoff' ein ew'⸗ 8 ges Leben und eine Seligkeit, die einst der Herr wird geben dem, der in dieser Zeit gern seinen Willen that, der sich schon hier auf Erden, vollkomme⸗ ner zu werden, mit Ernst bemühet hat. 2. Die Tugend lohnt mit Freuden; doch kämpft sie hier noch oft mit unverdien⸗ ten Leiden; das Glück, das sie gehofft, umwölkt der Haß der Welt: dort aber wird sie siegen, dort ärntet sie Vergnügen, wo sie den Preis erhält. 3. Dem Laster folget Schande. Zwar geht es oft umher in glänzendem Ge⸗ wande, gekrönt mit Ruhm und Ehr; doch wird den Bösewicht gewiß ein Tag mit Schrecken aus seinem Unsterblichkeit und Vergeltung. Taumel wecken: dem Tag entflieht er nicht! 4. Ich hoff' ein ew'ges Le⸗ ben! Kann meine Seele hier sich schon zu Gott erheben, wünscht sie sich mit Begier des Dasepns stets zu freun; so wird auch unsern Seelen ihr heißer Wunsch nicht feh⸗ len, unsterblich dort zu seyn. 5. Dies tröstet mich in Tagen der Widerwärtigkeit. Ich darf nicht trostlos kla⸗ gen, und kann nun ohne Neid den Nächsten glücklich sehn. Gott leitet und re⸗ gieret mein Schicksal; wie er's führet, dient mir's zum Wohlergehn. 6. Bei Reizungen zu Sünden gibt diese Hoffnung Kraft und Muth, zu über⸗ winden die böse Leidenschaft. Ist auch die Mühe groß, so werd' ich dennoch siegen, und göttliches Vergnügen ist nach dem Kampf mein Loos. 7. Wie ruhig kann ich sterben! Ich fürchte nicht den Tod. Die Seligkeit zu erben, eilt dann mein Geist zu Gott, der ihn zum Leben schuf. Dort wird von beß⸗ ren Freuden der Tod mich nicht mehr scheiden. Wie groß ist mein Beruf! 8. Laß mich ihm würdig wandeln, o Herr der Ewig⸗ keit! Laß immer recht mich handeln in dieser Prüfungs⸗ zeit! Nach diesem kurzen Lauf Lauf wird ewig sel ges Leben mir dort bei dir gegeben; mich nimmt der Himmel auf! In eigener Melodie. 8 Wein ganzer 280 Moeis, Gott wird entzückt, wenn er hin⸗ auf zum Himmel blickt, da⸗ hin dein Rath uns leitet: wo deine milde Vaterhand aus neuen Wundern wird erkannt, die du daselbst verbreitet. Mächtig fühl' ich mich getrieben, dich zu lie⸗ ben, der zum Leben, das dort ist, mich will erheben. 2. Was sind die Freuden dieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit, die dort bei dir zu finden? Du stellst uns hier auf Erden zwar viel Wunder deiner Güte dar, daß wir sie froh em⸗ pfinden; doch hier sind wir bei den Freuden noch mit Leiden stets umgeben. Dort nur ist vollkommnes Leben. 3. Kein Tod ist da mehr und kein Grab. Dort trock⸗ nest du die Thränen ab von deiner Kinder Wangen; da ist kein Leid mehr, kein Ge⸗ schrei; denn du, o Herr, machst Alles neu: das Alte ist vergangen. Hinfort sind dort für Gerechte, deine Knechte, keine Plagen mehr zur Prüfung zu extragen. 4. In deinem höhern Hei⸗ ligthum schallt deines Na⸗ Das künftige Leben. mens hoher Ruhm von lau⸗ ter frohen Zungen. Da strahlt die Herrlichkeit des Herrn; da schaut man sie nicht mehr von fern; da wird sie neu besungen. Hel⸗ ler, schneller, als hienieden, obn' Ermüden sehn wir dro⸗ ben, Gott, wie hoch du bist zu loben. 5. Mit höh'rer Liebe lie⸗ ben wir dich, Vater, dann und dienen dir mit reinerem Gemüthe. Nichts stört den Frieden unsrer Brust und unsre tausendfache Lust an deiner großen Güte. Kein Neid, kein Streit hemmt die Triebe dieser Liebe un⸗ ter Seelen, die dann wei⸗ ter nicht mehr fehlen. 6. Gott, welche Schaar ist dort vereint! Die From⸗ men, die ihr hier beweint, die find' ich droben wieder. Dort sammelt deine Vater⸗ hand, die deine Liebe hier verband, Herr, alle deine Glieder. Ewig werd' ich, frei von Mängeln, mit den Engeln, mir zum Segen, da die reinste Freundschaft pflegen. Mel. Wer nur den lieben Gott ach einer Prü⸗ 281 N fung kurzer Tage erwartet uns die Ewigkeit. Dort, dort verwandelt sich die Klage in göttliche Zufriedengett. 3 7 Hier 20 Hier übt die Tugend ihren Fleiß und jene Welt reicht ihr den Preis. 2. Wahr ist's, der From⸗ me schmeckt auf Erden schon mauchen sel'gen Augenblick; doch alle Freuden, die ihm werden, sind ihm ein un⸗ vollkommnes Glück. Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh' nimmt in der Seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, bald das Geraͤusch der eitlen Welt; bald kämpft in sei⸗ nem eignen Herzen ein Feind, der öfter siegt, als fällt; bald sinkt er durch des Nächsten Schuld in Kum⸗ mer und in Ungeduld. 4. Hier, wo die Tugend öfters leidet, das Laster öf⸗ ters glücklich ist; wo man den Glücklichen beneidet, und des Bekümmerten ver⸗ gißt: hier kann der Mensch nie frei von Pein, nie frei von eigner Schwachheit seyn 5. Hier such' ich's nur; dort werd' ich's finden; dort werd' ich, heilig und verklärt, der Tugend ganzen Werth em⸗ pfinden, den unaussprechlich großen Werth: den Gott der Liebe werd ich sehn, ihn lieben, ewig ihn erhöhn. 6. Da wird der Vorsicht heil'ger Wille mein Will und meine Wohlfahrt seyn, Unsterblichkeit und Vergeltung. und lieblich Wesen, Heil die Fülle am Throne Gottes mich erfreun. Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn 5 fühlen, daß ich ewig n. 7. Da werd' ich das im Licht erkennen, was ich auf Erden dunkel sah; das wun⸗ derbar und heilig nennen, was unerforschlich hier ge⸗ schah; da denkt mein Geist mit Preis und Dank die Schickung im Zusammen⸗ hang. 8. Da werd' ich zu dem Throne dringen, wo Gott, mein Heil, sich offenbart; ein Heilig, Heilig, Heilig! sin⸗ gen dem Lamme, das erwür⸗ get ward, und Cherubim und Seraphim und alle Himmel jauchzen ihm. 9. Da werd' ich in der Engel Schaaren mich ihnen gleich und heilig sehn, das nie gestörte Glück erfahren, mit Frommen stets fromm umzugehn; da wird durch jeden Augenblick ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück. 10. Da werd' ich dem den Dank bezahlen, der Gottes Weg mich gehen hieß, und ihn zu Milltonenmalen noch segnen, daß er mir ihn wies; da find' ich in des Höchsten Hand den Freund, den ich auf Erden fand. 5 11. Da ruft, o möchte Gott Gott es geben! vielleicht auch mir ein Sel'ger zu: Heil sei dir, denn du hast mein Leben, die Seele mir gerettet, du! O Gott, wie muß dies Glück erfreun, der Retter einer Seele seyn! 12. Was seid ihr Leiden dieser Erden doch gegen jene Herrlichkeit, die offenbart an uns soll werden, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Wie Nichts, wie gar Nichts gegen sie, ist doch ein Augenblick voll Müh'! Mel. Alle Menschen müssen 282 O wie unaus⸗ . sprechlich se⸗ lig werden wir im Himmel seyn! Da, da ärnten wir unzählig unsers Glaubens rüchte ein; da wird, ohne eid und Zähren, unser Le⸗ den ewig währen. Gott, zu welcher Seligkeit führst du uus durch diese Zeit! 2. Hier ist zwar, was du den Frommen dort für Glück bereitet hast, noch in Keines Herz gekommen. Welcher Mensch auf Erden faßt dei⸗ nes Himmels große Freu⸗ den? Doch nach dieses Le⸗ bens Leiden werden Alle, die dir traun, mehr noch, als sie hoffen, schaun. 3. Neue Wunder deiner Güte werden da ihr Glück erhöhn. Mit erstaunendem Gemüthe wird dann unser Das künftige Leben. 207 Auge sehn, deine Huld sei überschwenglich und die Wohlfahrt unvergänglich, die dem, der dich redlich liebt, deine Vaterhand dort gibt. 4. Dann wirst du dich unsern Seelen offenbaren, wie du bist. Keine Wonne wird uns fehlen da, wo Alles Wonne ist. Zu vollkomm⸗ nen Seligkeiten wird uns dort der Mittler leiten, der uns dieses Heil erwarb, als am Kreuz er für uns starb. 5. Da wird deiner From⸗ men Menge Ein Herz, Eine Seele seyn, Dienst und Dank und Lobgesänge dir, erhabner Gott, zu weihn, dir und dem, der selbst sein Leben willig für uns hinge⸗ geben. Mit ihm, unserm größten Freund, sind wir ewig dann vereint. 6. O, wer sollte sich nicht sehnen, aufgelöst und da zu seyn, wo nach ausgewein⸗ ten Thränen ew'ge Güter uns erfreun, wo sich unser Kampf in Palmen, unser Klagelied in Psalmen, unsre Angst in Lust verkehrt, die forkhin kein Kummer stört! 7 Was ist unser Loos auf Erden? Ob's auch noch so köstlich sei, ist's doch nie ganz von Beschwerden, Sorgen, Furcht und Kummer frei. Schnell folgt hier auf Lust oft Weinen: dort nur wird die Zeit erscheinen, wo kein Wech⸗ 208 Wechsel mehr uns beugt, wo das Glück beständig steigt. 8. Sei, o Seele, hoch erfreuet über das erhabne Glück, das dir einst dein Gott verleihet! Richte dei⸗ nes Glaubens Blick oft nach jener Stadt der Frommen, mit dem Ernst, dahin zu kommen! Trachte, weil du hier noch bist, nur nach dem, was droben ist. 9. Ohne Heiligung wird Keiner, Herr, in deinen Himmel gehn; o so mache immer reiner hier mein Herz, dich einst zu sehn! Hilf, o Vater, meiner Seele, daß sie nicht den Weg verfehle, der mich sicher dahin bringt, wo man ewig dir lobsingt! Mel. Schon ist der Tag von G. 283 Einst, freuet euch, einst reift die Saat zum Tag der frohen Garben. Nicht hier wird jede gute That der Edlen, welche starben, belohnt mit voller Seligkeit; drum hofft mein Geist Unsterblichkeit, ein Leben ohne Ende. 2. O Glaube, der das Herz erhebt: du, Gott, schufst unsre Seele; du, der erhält, was ist und lebt, erhältst auch unsre Seele; zum steten Wirken schufst du sie. Heil uns! Darum vergeht sie nie; sie lebt für Ewigkeiten. Unsterblichkeit und Vergeltung. 3. Nun können wir hier in der Zeit voll froher Hoff⸗ nung leben! Gott wird die größte Seligkeit dem Tu⸗ gendfreunde geben, der das, was ihm die Pflicht gebot, mit reinem Herzen bis zum Tod treu suchte zu erfüllen. 4. Nach diesem Glück der Ewigkeit laßt uns mit Eifer ringen; laßt, Christen, uns in dieser Zeit treu unsre Pflicht vollbringen! Belohnt wird einst der Tugend Müh', ein guter Gott belohnet sie in jenem beßren Leben! Mel. Der unsre Menschheit 284 11sterblichkeit! . M AuUnsterblich⸗ keit! Gedanke, der das Herz erfreut, den Geist zu Gott erhebet, der Trost für alle Schmerzen schafft, mit ho⸗ hem Muth, mit Gotteskraft zum Todeskampf belebet! Fühlt des Gedankens Se⸗ ligkeit; denkt, Menschen, daß ihr ewig seid! 2. Sei's, daß der Erde Bau zerbricht, erlösche einst der Sonne Licht: wir, mehr als Erd' und Sonne, wir leben für die Ewigkeit! Schon in des Daseyns erster Zeit füllt dies das Herz mit Wonne; und seine Würde fühlt der Geist, der ewig seinen Schöpfer preist. 3. Gott, dir sei Dank! Gott, dir sei Dank! Nun mischt mischt sich in den Schmerz⸗ gesang an unsrer Brüder Grabe der Ewigkeit Tri⸗ umphlied ein. Nur unser sterbliches Gebein wird, Erde, deine Gabe. Hoch schwingt sich, wenn die Hülle fällt, der Geist em⸗ por zu jener Welt. 4. Gott, dir sei Dank! Gott, dir sei Dank! und unser würd'ger Lobgesang sei hier ein heil'ges Leben! Gott, Heiligster! wir weihn uns dir; nach Jesu Beispiel wollen wir mit eifrigstem Bestreben der Tugend edlen Saamen streun; dort wird die Aernte uns erfreun. Mel. Schon ist der Tag von G. 285 enn oft zu je⸗ ner Seligkeit mein Geist empor sich schwin⸗ get, und, über sie schon hier erfreut, dem Herrn ein Lob⸗ lied singet; dann fühl' ich mich hier nur als Gast, und leicht wird dieses Lebens Last, die sonst so oft ermüdet. 2. So kann auch hier schon selig seyn, wer sich im Guten übet; auf Erden schon darf der sich freun, der Gott und Tugend liebet. O Vorschmack jener Him⸗ melslust, entflamme doch in meiner Brust den Trieb zu jeder Tugend. 3. Dort, Gott, belohnst du mein Vertraun vor dei⸗ Das künftige Leben. 209 nem Angesichte; führst mich vom Glauben hin zum Schaun, vom Dunkel hin zum Lichte. Dich preis' ich dann und deinen Sohn, der mich des Himmels Vor⸗ schmack schon im Glauben läßt genießen. 4. An Kenntniß und an Herrlichkeit wachs' ich durch Ewigkeiten. Verwandelt ist in Glück mein Leid, und in Triumph mein Streiten. Und diese hohe Seligkeit hat nie ein End', ist ohne Zeit; kein Tod ist mehr, kein Weinen. 5. Dann heb' ich meine Händ' empor, und falle jauchzend nieder und stimme mit der Engel Chor in frohe Jubellieder; und unsern ho⸗ hen Lobgesang, voll Halle⸗ luja, Preis und Dank, hallt jeder Himmel wieder. Mel. Mein ganzer Geist, Gott 286 ie freu' ich mich der Wonne⸗ zeit, wenn bald der Herr der Herrlichkeit mir winket, heimzugehen! Gedanke, wie entzückest du: Gott läßt des letzten Abends Ruh' mich in der Nähe sehen! Tröstlich, köstlich, Wort vom Frieden! kannst du Müden Labung geben, ihre Hoffnung neu beleben! 2. Drum, o mein Geist, ermanne dich! Nimm Naß ast, 210 Last, und gürte dich zum letz⸗ ten Wallfahrtstage! Bald legst du deinen Pilgerstab, legst deine Last auf ewig ab, mit aller ihrer Plage. Bange, lange Pilgerstunden sind verschwunden; allen Kummer tilgt ein süßer Abendschlummer. 3. Und wenn nach einer kurzen Rast du, Mäder! ausgeschlummert hast, weckt dich ein schönrer Morgen. Dann schreckt dich Finster⸗ niß nicht mehr, kein banger Traum schwebt um dich her, dich beugen keine Sorgen. Eine reine Frühlingswonne strömt die Sonne dort her⸗ unter, lächelt ewig, geht nie unter. 4. Dann kämpfst du nicht mit Krankheit mehr, siehst hinter dir der Schmerzen Heer, kennst keine Noth, kein Leiden; mit neuer Kraft, mit neuem Sinn eilst du von Welt zu Welten hin, trinkst stündlich neue Freu⸗ den. Reiner, feiner fühlst du immer; wechselst nimmer im Gemüthe; dein Genuß ist ew'ger Friede. 5. Dort schielet nicht mit gift'gem Blick die Mißgunst nach der Gei⸗ ster Glück; dort flicht der Neid nie Netze; die Rache gräbt dir da kein Grab, kein Stolzer drückt auf dich herab; dort stiehlt kein Unsterblichkeit und Vergeltung. Geiz dir Schätze. Dro⸗ ben toben keine Feinde; Engel, Freunde, Brüder üben ewig sich mit dir im Lieben. 6. Hier nähret oft zu sei⸗ nem Schmerz, statt eines Freunds, das traute Herz die Natter in dem Schooße; oft welkt in einem Augen⸗ blick sein treuster Freund, mit ihm sein Glück, gleich einer Frühlingsrose. Drü⸗ ben lieben deine Werthen, die Verklärten, dich auf immer, deine Seligkeit wankt nimmer. 7. Wie freu' ich mich der Wonnezeit, wenn bald der Herr der Herrlichkeit mir winket, heimzugehen! Ge⸗ danke, wie entzückest du: Gott läßt des letzten Abends Ruh' mich in der Nähe se⸗ hen! Tröstlich, köstlich, Wort vom Frieden! kannst du Müden Labung geben, ihre Hoffnung neu bele⸗ ben! 8. Nun trag' ich meiner Bürde Last, die du mir, Gott, gegeben hast, froh bis zur Wallfahrt Ende. War sie sonst schwer, jetzt ist sie leicht; denn meine schönste Hoffnung reicht mir lächelnd ihre Hände. Tröstlich, köstlich, Wort vom Frieden! kannst du Müden Labung geben, sie mit Himmelskraft beleben! Mel. Mel. Sei Lob und Ehr' dem 287 Der Freuden Quell ist, Gott, bei dir; dort in dem höhern Leben wird deine Vaterhuld auch mir in vol⸗ lem Maaße geben, was mich mit reiner Lust erfüllt, was meiner Seele Sehn⸗ sucht stillt, und sich ohn' Ende mehret. 2. Dich lern' ich dann im hellern Licht, in deiner Grö⸗ ße kennen, und mit voll⸗ kommner Zuversicht dich meinen Vater nennen. Mit hoher Freude bet' ich dann auf ewig deine Guͤte an, die mich zum Himmel führte. 3. Wenn mein erhöhter Geist da sieht, wo er hier still vertrauet, wenn er dein unumschränkt Gebiet weit heller überschauet; Gott, welche Wonne ist dann mein! wie werd' ich deiner da mich freun! wie selig da mich fühlen! 4. Noch größre Werke seh' ich dann von deiner Va⸗ tergüte, als ich auf Erden sehen kann, und mein ent⸗ zückt Gemütze verliert voll Dank und Freude sich in deiner Herrlichkeit, die ich in vollem Glanz erblicke. 5. Da werd' ich deinen beil'gen Rath noch mehr, als bier verstehen, dir danken, daß du mich den Pfad der Tugend hießest gehen, und Das künftige Leben. 211 selbst durch Leiden dieser Zeit mich zu dem Glück der Ewigkeit so väterlich be⸗ reitet. 6. In höherer Vollkom⸗ menheit werd' ich dann, Gott, dich lieben, und was dein Wille mir gebeut, mit frohem Herzen üben. O wel⸗ che Quelle reiner Lust, sich keiner Sünde mehr bewußt, in Allem richtig handeln! 7. Mit allen Bürgern jener Welt werd' ich dich dann erheben, werd' ich dort, ihnen zugesellt, in reinster Freundschaft leben. Es schlägt dann froh in meiner Brust mein ganzes Herz voll Lieb' und Lust, die ich mit ihnen theile. 8. Ja, ewig ist, mein Gott, bei dir der Freuden reinste Quelle! Sie fließet täglich und bleibt mir stets unversiegt und helle. Mein Glück währt da in Ewig⸗ keit; Nichts fehlt ihm an Vollkommenheit. Herr, hilf es mir erreichen! der Tag von Mel. Schon ist de 57 Mergelten wirst 288 D du denen, Gott, die hier die Tugend übten; doch auch bestrafen nach dem Tod, die stets das Laster liebten. Vergebens ist dann ihr Bemühn, sich und dir, Richter, zu ent⸗ fliehn Mel. S 212 fliehn und deiner heil'gen Ordnung. 2. O schrecklich wird es für sie seyn, sich selbst dann anzuklagen, die Leiden alle, jede Pein, durch eigne Schuld zu tragen; die sie verführten, selbst zu sehn, wie sie umsonst Erbarmung flehn, und ihrem Beispiel fluchen. 3. Weh' dem, der nun ein höh'res Glück als wirk⸗ lich vor sich siehet, und doch bemerkt, wie es zurück vor ihm Unwürd'gen fliehet, wie Sinnenlust im Tod zerfloß, und Freuden, die er hier genoß, er nun vergebens heischet! 4. Welch Elend, sich so weit vom Ziel mit dem Be⸗ wußtseyn sehen: Auch dir gab Gott der Mittel viel, zum Heile einzugehen; und doch selbst keines Trostes Spur, des innern Richters Stimme nur zu steter Qual zu hören! 5. Verbunden überdies zu seyn mit vielen Lasterhaf⸗ ten, die nur an Bosheit sich erfreun und Wuth der Lei⸗ denschaften, und gegenseitig sich zur Last, weil jeder nur den andern haßt, zur ew⸗ gen Marter werden. 6. Und wer in dieser Lei⸗ dennacht sein Unglück ganz empfindet, vom Lasterschlafe nun erwacht, und sich doch Unsterblichkeit und Vergeltung. kraftlos findet zum Streben nach Vollkommenheit: o, Qual für eine Ewigkeit liegt dann in dem Gefühle! 7. Das ist das Feuer, welches brennt im Innersten des Herzens; das sind Ge⸗ fühle, die nur kennt der Jam⸗ mersohn des Schmerzens! O Vater, Vater, welch ein Bild! wenn sich's so jam⸗ mervoll vergilt, von unsrer Pflicht zu weichen. 8. Was könnt' uns also eine Welt mit ihrem Reich⸗ thum nützen, wenn wir nicht das, was dir gefällt, der Tugend Schatz, besttzen? Nur sie währt ewig, sie be⸗ glückt! O, hilf mir, Gott, daß sie mich schmückt und schützt vor solchem Elend. Mel. Gottlob, ein Schritt zur 289 Veluendet freudig enren Pfad, bleibt, Christen! Gott er⸗ geben; einst wird vergolten jede That in jenem beßren Leben. Der Fromme harret wonnevoll des Richters; denn wer glaubt, der soll Gott nicht als Richter fürchten. 2. Die stillste That, der Pflicht geweiht, wird Gott einst offenbaren, Lob wird der wahren Frömmigkeit vor Allen widerfahren. welch ein Ruhm, den sie gewinnt! Selbst 97. e Gedanken sind bestimmt, belohnt zu werden. 3. Wen keine Wollust, wen kein Geiz, kein eitles Lob bethörte; wer, selbst bei aller Lüste Reiz, die Stimme Gottes ehrte; wer strebte, mäßig, keusch und rein, demüthig, sanft und mild zu seyn, dem wird Gott reichlich lohnen. 4. Wer eines der Ge⸗ ringsten sich erbarmte; was ihn drückte, ihm tragen Das künftige Leben. 21³ half und brüderlich die Lei⸗ denden erquickte: das siehet der Gerechte an, als hätt' er solches ihm gethan; und er will's ihm vergelten. 5. Laßt, Christen! tu⸗ gendhaft und rein uns wan⸗ deln hier im Leben; dort wird uns Gott Vergelter seyn und ew'ge Wonne ge⸗ ben; dort reift die hier ge⸗ streute Saat, dort lohnet jede gute That mit himm⸗ lischem Entzücken. Zweite Abtheilung. Lieder über die christlichen Lebenspflichten. Gesinnung und Verhalten des Christen im Allgemeinen. Mel. Schon ist der Tag von G. 290 Wer Jesum kennt, ver⸗ ehrt und liebt, mit Ernst die Sünde scheuet; wer in der Frömmigkeit sich übt, und sich der Tugend freuet, nie seines Daseyns Zweck vergißt, nur der wird als ein wahrer Christ stets den⸗ ken, leben, handeln. 2. Gott ist es, den er kindlich ehrt; bekannt mit seinem Willen, sucht er als Christ, von ihm belehrt, ihn treulich zu erfüllen; liebt jede Vorschrift, jede Pflicht, und unterwirft mit Zuversicht sich ihm, dem Menschenvater. 3. Wie edel ist des Chri⸗ sten Herz, wie liebreich ge⸗ gen Brüder! Er theilt mit ihnen ihnen ihren Schmerz, und freuet sich auch wieder, wenn ihnen auf des Kummers Nacht ein heitrer Tag der Freude lacht und ihre Kla⸗ gen schweigen. 4. Er dienet ihnen, wo er kann, hört des Bedräng⸗ ten Flehen, als Menschen⸗ freund, erbarmend an, kann ihn nicht leiden sehen, eilt, ihn zu retten und erquickt den, den die Last der Sor⸗ gen drückt, durch seines Wohlthuns Segen. 5. Er betet, und er be⸗ tet gern, weil ihn sein Herz dies lehret, und weil er Gott, der Welten Herrn, als Vater fromm verehret, entfernt von aller Heuche⸗ lei, vom Wahn des Aber⸗ glaubens frei, mit Andacht und mit Eifer. 6. Er freut sich der Gele⸗ genheit, den Vortrag heil'⸗ ger Lehren, und jede Pflicht, die Gott gebeut, auch öffent⸗ lich zu hören. Der Brüder Andacht reizet ihn, sich der Zerstreuung zu entziehn, im Guten sich zu stärken. 7. Gott, laß mich jede Christenpflicht mit frommem Eifer üben! Aus Wahn und Leichtsinn laß mich nicht den Schein der Tugend lieben! Laß, deines Beifalls mich zu freun, laß meine Pflicht mir heilig seyn; als Ehrist stets denken, handeln! 214 Gesinnung und Verhalten des Christen Mel. Erschienen ist er herrlich 0 Empfinde deinen 291 8 hohen Werth; Gott selbst, o Mensch, hat dich geehrt, hat mit Ver⸗ stand dich ausgeschmückt, und über Staub empor ge⸗ rückt. Vergiß es nie! 2. Du schmähest, was dein Gott dir gab, du würdigt dich zum Thier herab, wenn deines Lebens kurze Zeit in Thorh eit dir und Eitelkeit vorüberflieht. 3. Gebrauchen sollst du den Verstand. Nur darum gab ihn Gottes Hand. Du sollst ihn treu der Wahrheit weih'n, ihn bilden, und ihm Licht verleih'n, so viel du kannst. 4. O sieh umher, wie roh/ wie blind noch viele deiner Brüder sind! Ihr Geist, umhüllt von dunkler Nacht, ist immer noch nicht aufge⸗ wacht. Bedaure sie! 5. Entreiße dich der Dun⸗ kelheit! Erwache, Sohn der Ewigkeit, und strebe mit entzücktem Sinn zum hohen Ziel der Weisheit hin! Das fordert Gott! 6. Die tausend Wunder in der Welt hat er umsonst nicht aufgestellt. Mit Froh⸗ gefühl sollst du sie seh n, und ihres Schöpfers Ruhm er⸗ höh'n und dankbar seyn. 7 Er lenkt mit Liebe was er schuf, und dir er, tönt tönt der sanfte Ruf: O siehe, wie dein Gott regiert, und Alles, Alles herrlich führt und Nichts versäumt. 8. Bedenke, was die Menschheit ehrt und reine Freuden ihr gewährt! Er⸗ hebe deines Geistes Blick vom wandelbaren Erden⸗ glück zum höchsten Gut! 9. Dich selbst, dein Stre⸗ ben, deine Kraft erforsche stets gewissenhaft, und lerne, schnödem Wahn entfloh'n, von Jesu die Religion, die dich verklärt. 10. Ja, sei ein Christ, ein wahrer Christ; dann sie⸗ hest du, was Weisheit ist, dann stürzet des Unglaubens Reich, dann schwingt dein Geist sich, Engeln gleich, zum Licht empor. 11. O Weisheit Jesu, leite mich! Ich bin ein Christ und liebe dich. Ich fühle sie, die rege Kraft, die Gott in meiner Seele schafft, dir treu zu seyn. 12. Mag jeder Reiz der Welt verblüh'n, und meines Lebens Hauch entflieh'n; o Weisheit, du wirst mich erfreun und meines Geistes Zierde seyn in Ewigkeit. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht 29 Terne sei der Irr⸗ 2 68 thum, fern, daß auch diese Christen wä⸗ ren, welche Jesum zwar als im Allgemeinen. 215 Herrn wohl mit ihrem Mun⸗ de ehren, aber ihm nicht gleich gesinnt, nicht der Tu⸗ gend Freunde sind! 2. Ferne sei von uns der Wahn: sich mit dem allein zu trösten, was einst Jesus hat gethan; einen Christen und Erlösten sich zu nennen, wenn man nicht treu erfüllt des Christen Pflicht! 3. Schände nie, wer Je⸗ sum kennt, Jesum durch ein Sündenleben! Wer den Göttlichen bekennt, der muß sich auch ernst bestreben, stets zu wandeln auf der Bahn, wo uns Jesus ging voran. 4. Gott, ergreife meinen Geist, daß kein unfruchtba⸗ rer Glaube, der dich nur durch Worte preist, mir den frommen Eifer raube, Christ durch Werk und That zu seyn, jedes Unrecht stets zu scheun! 5. Was wir säen, ärnten wir. Reicher Segen wird gegeben dem, der treulich sä'te hier für das künft'ge beßre Leben. Laß mich reich⸗ lich Saamen streun, und mich dort der Aernte freu'n! In eigener Melodie. 5 2MNier hat den 293 2 Glauben, dessen Früchte beweisen, daß er Gott gefällt, und einst vor seinem Angesichte der Tu⸗ gend hohen Preis erhält? 2. Der 2. Der, der durch seines Geistes Triebe zu allem Guten sich entschließt, und Gott aus Dankbarkeit und Liebe gehorsam und ihm ähnlich ist; 3. Der, der vor Gott unsträflich wandelt, Nichts lieber thut, als seine Pflicht; der heilig denkt und heilig handelt und gern die Wahr⸗ heit sucht und spricht; 4. Der alle Menschen herzlich liebet, gerecht, ge⸗ lind, voll Redlichkeit und mild ist, keinen je betrübet, und, Andre zu erfreu'n, sich freut; 5. Der gern verzeiht dem, der ihn schmähet, an Fein⸗ den auch das Gute schätzt, nicht lästert und nicht stolz sich blähet und seinen Näch⸗ sten nie verletzt; 6. Der die Verehrer Got⸗ kes ehret, und thut, wie sie, was Gott gefällt; der, was er seinem Nächsten schwöret, und schwür' er sich zum Schaden, hält; 7. Der nie, zum Trotze der Gesetze, auf ungerech⸗ ten Wucher leiht, und durch gerecht erworbne Schätze der Armen trauernd Herz erfreut; 8. Der die Bedrängten und die Armen erquickt, in Schutz die Unschuld nimmt: der findet auch bei Gott Erbarmen, dem 216 Gesinnung und Verhalten des Christen ist des Glaubens Preis be⸗ stimmt. 9. Der, der im Glücke stets bescheiden, in Trübsal stets geduldig ist, der, Gott! erbt deines Himmels Freu⸗ den: der ist dein Kind, der ist ein Christ! Mel. Freu' dich sehr, o meine 294 öchster, denk' ich an die Güte, die du mir bisher erzeigt/ o so wird mein ganz Gemü⸗ the zu der tiefsten Schaam gebeugt, daß ich dich gering geschätzt, häufig dein Gebot verletzt, und dich, der mich so geliebet mit Vergehungen betrübet. 2. Alle meine Seelen⸗ kräfte, meine Glieder sind ja dein, und sie sollten zum Geschäfte deines Dienstes fertig seyn; doch hab' ich der Eitelkeit unbedachtsam sie geweiht; ja zum schnö⸗ den Dienst der Sünden ließ ich mich oft willig finden. 3. Deine Huld war jeden Morgen über mir, o Vater, neu. Von wie manchen schweren Sorgen machtest du das Her; mir freil Was mir nützte, gabst du mit; aber, ach, wie dankt' ich dir? O wie hab' ich so ver⸗ 45— 9 weck vergessen 4. Bei so hellem Licht der Gnaden sollt ich ja die Sünde Sünde flieh'n, und um Ret⸗ tung von dem Schaden mei⸗ ner Seele mich bemühen Deine Güte lockte mich oft zur Buße, aber ich floh vor ihrem sanften Locken, suchte mich selbst zu verstocken. 5. Ich erkenne meine Sünden, beuge mich, mein Gott, vor dir. Laß mich bei dir Gnade finden; neige, Herr, dein Ohr zu mir! Ach, vergib, was ich gethan! Nimm mich doch erbarmend an! Führe mich vom Sün⸗ denpfade schnell zurück durch deine Gnade! 6. Dir ergeb ich mich auf's Neue. Gib, daß mein ge⸗ beugter Geist deiner Vater⸗ huld sich freue, die dein trö— stend Wort verheißt! Was dein Sohn auch mir erwarb, als er für die Sünder starb, Fried' und Freude im Ge⸗ wissen, ach, das laß auch mich genießen! 7. Stärke selbst in meiner Seele den Entschluß, mich dir zu weih'n; gib, daß mir's an Kraft nicht fehle, folgsam deinem Wort zu seyn! Stehe mir stets mächtig bei; mache du mich selbst getreu! Dich zu lieben, dir zu leben, sei mein ernstlichstes Bestreben! Mel. O Gott, du frommer Gott 8 Gel du erfor⸗ 295 schest mich; dir kann ich Nichts verhehlen; im Allgemeinen. 217 du siehest jede That, kennst jeden Rath der Seelen. Ich flehe, Herr, zu dir; erhöre huldvoll mich: entdecke mir mein Herz, denn ach, oft täuscht es sich. 2. Ich bin ein Christ, o Gott, getauft auf deinen Namen. Erfüllt' ich jede Pflicht des Christenthums, und kamen die Werke, die ich that, aus Frömmigkeit und Pflicht? Bin ich ein Heuch⸗ ler nur, so ehr' ich Chri⸗ stum nicht. 3. Hab' ich dich, Gott, geliebt, und durch ein weises Leben der Tugend mich ge⸗ weiht, mein Herz dir ganz ergeben? Hat mich dein Unterricht gebessert und er⸗ freut? War ich, was er befiehlt, auch stets zu thun bereit? 4 Dankt' ich dir für mein Glück, für jede meiner Freu⸗ den? Vertraut' ich stand⸗ haft dir in Kummer, Noth und Leiden? War ich beim Reiz der Welt auf's Ewige bedacht? Und hab' ich jeden Tag so, wie ich soll, voll⸗ bracht? 5. Gebraucht' ich meinen Geist mit allen seinen Kräf⸗ ten zu meiner Brüder Wohl, zu nützlichen Geschäften? Hab' ich für meinen Leib mit Weisbeit stets gewacht, und keine böse Lust genährt und angefacht? K 6. Hab' 6. Hab' ich die, welche du zur Aufsicht mir ver⸗ trauet, durch eignes Bei⸗ spiel gern gebessert und er⸗ bauet? Sorgt' ich stets für ihr Wohl und ihre Selig⸗ keit, und straft' ich ihr Vergeh'n mit Ernst und Freundlichkeit? 7. Blieb ich der Wahrheit treu? War ich voll Men⸗ schenliebe, und regten sich in mir des Mitleids edle Triebe? Brach ich dem Hungrigen mit Freudigkeit mein Brod? Half ich durch Rath und That Bedräng- ten aus der Noth? 8. War ich der Unschuld Trost, und hab' ich sie ver⸗ theidigt? Hab' ich durch Härte nie den Dürftigen beleidigt? Floh ich den Uebermuth, des eitlen Stol⸗ zes Reiz? Verschloß ich Aug' und Herz der Miß⸗ gunst und dem Geiz? 9. Hab ich, wie Jesus that, gesegnet, die mir fluch ten? geliebet, Jesu gleich, die mir zu schaden suchten? beherrschet stets den Zorn? gezeigt Versöhnlichkeit? mich nie am Feind gerächt? ver⸗ mieden Zank und Streit? 10. Allwissender, wer kann, wie oft er fehlet, mer⸗ ken? Sei gnädig, handle nicht mit mir nach meinen Werken! Vergebung ist bei dir; laß ihren Trost auch 218 Gesinnung und Verhalten des Christen mein, und mich durch ihn gestärkt zum Fleiß der Beß⸗ rung seyn. In voriger Melodie. er Gottes We⸗ 296 0 ge geht, nur der hat Seelenfrieden. Wie herrlich ist sein Lohn, ihm selbst von Gott beschieden! Voll Glaubens widersteht er jeder bösen Lust, ist sei⸗ ner Tugend sich, sich ihres Werths bewußt. 2. Er merkt auf seinen Gang, geht ihn mit fe⸗ stem Muthe; wird in der Schwachheit stark, liebt im⸗ mer mehr das Gute. Ihn machet Gottes Geist gerecht und tugendhaft, und er nimmt immer zu an Einsicht und an Kraft. a 3. Gott hat er allezeit vor Augen und im Herzen, bekämpft die Sinnlichkeit, scheut nicht des Kampfes Schmerzen. Er eilet, wenn er fehlt, den Fehler zu be⸗ reu'n, und strebt mit ernstem Fleiß, der Tugend sich zu weih'n. 4. Getreu in seinem Stand, genießt er Gottes Gaben vergnügt, wenn An⸗ dre gleich mehr Glück und Ansehn haben, als Christ, bei Wenigem zufrieden, frei von Neid, von Habsu und von Geiz, von Stolz und Eitelkeit. Schenkt 5. Schenkt Gottes Hand ihm viel, so wird er Vielen nützen, des Freundes Glück erhöh'n, verlaßne Tugend schüzen. Auch selbst Be⸗ leidiger wird er in Noth erfreu'n, und wie sein Gott gesinnt, wird er auch gütig seyn. 6. Er kränkt den Bruder nicht, er schützt sein Glück, sein Leben. Er ist, nach Jesu Sinn, stets willig zum Vergeben, voll Achtung eh⸗ ret er in ihm des Höchsten Bild, denkt: Gott, der Hei⸗ lige, ist gegen mich ja mild. 7. Im Guten sucht sein Herz die Brüder zu bestär⸗ ken; er muntert Alle auf zu guten, edlen Werken. Mit Christensinn nimmt er an ihrer Tugend Theil, und denkt: Wir haben ja nur Einen Herrn, Ein Heil! 8. Das Heil der Ewig⸗ keit, das hier der Fromme schmecket, erhält sein Glück und macht, daß keine Noth ihn schrecket, gibt ihm im Leiden Muth und stillet je⸗ den Schmerz. Im Tode freut sich noch sein Gott ergebnes Herz. In eigener Melodie. 8 s hebt sich auf 297 E der Andacht Schwingen, Unendlicher, mein Geist zu dir empor, den frommen Vorsatz dir zu im Allgemeinen. 219 bringen: Den Tugendpfad, den ich so oft verlor, will ich, o Gott mit neuer Treue gehn, und, groß durch sie, der Sünde Reiz verschmähn. 2. Wohin sich nur mein Auge wendet, erblick' ich deiner Liebe Segensspur. Wer wachte für mein Glück? Wer spendet der Freuden Fülle aus durch die Natur? Gott, deine Liebe! Liebe weih' ich dir mit Freuden⸗ thränen, Ewiger, dafür! 3. Wenn einst vielleicht sich bang und leise zu mei⸗ nem Herzen trübe Sorge schleicht, Gefährtin meiner Pilgerreise nun Schwer- muth wird, und jede Hoff⸗ nung weicht; dann will ich auf zu dir, mein Vater, schaun, und selbst im Schmerz dir kindlich noch vertraun. 4. Nie will ich fragen: ob zu Freuden der Pfad der Tugend und des Rechtthuns führt? Nie zaghaft ihn zu wandeln meiden, wenn er in Nacht und Dunkel sich verliert. Du winkst, o Gott; Gehorsam ist mir Pflicht: mein Glaube gibt mir Muth und Zuversicht. 5. Dir will ich suchen nachzuahmen, o Jesus! Menschenfreund, der du so gern den Leidenden, die zu dir kamen, Erretter warst; nie soll mein Herz mehr fern dem Armen, der ver⸗ K 2 lassen lassen trauert, seyn, ich will ihm Hülfe, Trost und Liebe weihn! 6. Mit warmem, liebe⸗ vollem Herzen, will ich mich immer mit den Froh⸗ hen freun, der unverdienten Kränkung Schmerzen nicht ahnden, dem Beleidiger ver⸗ zeihn. Bescheidenheit und Sanftmuth sei mein Ruhm, Gewissensruh' mein großes Eigenthum! 7. Die Kräfte, die du mir gegeben, will ich getreu zu nützen mich bemühn; zu großen Zwecken war dies Leben von dir, o Gott, aus Liebe mir verliehn. Um herrlicher dort wieder auf— zublühn, sinkt es auf deinen Wink zum Grab einst hin. 8. Wenn, von Versuchun⸗ gen umgeben, mein Blick in Labyrinthe sich verirrt; der Sünde Reiz zu widerstre⸗ ben, die täuschend lockt, oft schwer dem Herzen wird: blick' ich zu dir; du wirst mir Muth verleihn, kein Opfer, das die Pflicht ge⸗ beut, zu scheun. „9. Ja, treu zu seyn, bis einst am Ziele auch mir dort der Vergeltung Palme weht, gelobt mit heiligem Gefühle dir jetzt mein Herz, das kind⸗ lich zu dir fleht; gib Kraft dazu, und leit' an deiner Hand den müden Pilger hin ins Vaterland! 220 Gesinnung und Verhalten des Christen Mel. Alle Menschen müssen 29875 erhebe mein 5 Gemüthe sehn⸗ suchtsvoll/ mein Gott, zu dir. Ich verehre deine Gü⸗ te; o wie theuer ist sie mir! Gott der Liebe und des Lebens, Keiner harrt auf dich vergebens; nur Ver⸗ ächter deiner Huld stürzet ihre eigne Schuld. 2. Lehre mich, Herr, deine Wege; zeige deinen Willen mir; leite mich die rechten Stege, daß kein Abweg mich verführ'! Gott, du siehest mein Vertrauen! Sicher kann ich auf dich bauen; deine Vatertreue ist ewig, wie du selber bist. 3. Ach gedenke, Herr, der Sünden meiner Ju- gend ahre nicht! Laß mich Gnade vor dir finden; geh' nicht mit mir ins Gericht! Alle Sünden, die uns reuen, willst du väterlich verzeihen. O so höre denn auch mich! Meine Seele hofft auf dich! 4. Gott, du willst des Sünders Leben; dir ist seine Seele werth. Gnädig willst du ihm vergeben, wenn er sich zu dir bekehrt. Mit⸗ ten auf dem Sündenwege machst du sein Gewissen rege. Wohl dem, der zu seiner Pflicht umkehrt! Den verwirfst du nicht. 5. Allen, die zu dir sich wenden, über ihre 5— 5 betrübt, willst du Trost und Rettung senden, wenn ihr Herz sich dir ergibt. Freude schenket deine Güte dem geängsteten Gemüthe, dem du seine Sündenlast liebreich abgenommen hast. 6. Herr, zu was für Se⸗ ligkeiten du in jener bessern Welt jeden Sterblichen willst leiten, der dir Treu' und Glauben hält, offenbarst du allen Seelen, die zu ihrem Heil dich wählen. Deinen ganzen Gnadenbund machst du deinen Kindern kund. 7. Dir will ich mich denn ergeben; Gott, mein Gott, verlaß mich nicht! Laß mich heilig vor dir leben, treu seyn meiner ganzen Pflicht! Keine schnöde Lust der Sün⸗ den soll mich ferner über⸗ winden. Nimm du dich nur meiner an, daß ich stand⸗ haft bleiben kann! Mel. Sollt' ich meinem Gott 299 ilden soll ich mich auf Er⸗ den, Gott, für deine Ewig⸗ keit; hier, in ungewisser Zeit, täglich weiser, besser werden; und nach dieser großen Pflicht richtet mich einst dein Gericht. 2. Jede Stunde meines Lebens, selbst Minuten, zähltest du, wogest jede Kraft mir zu; keine gabst du im Allgemeinen. 221 mir vergebens! Wuchern stets mit Kraft und Zeit soll ich für die Ewigkeit. 3. Und ich lebte nur auf Erden, um den Sinnen wohl zu thun, konnte trag und sicher ruhn; suchen, glücklich nur zu werden durch Gewinn der Eitelkeit, den ein Augenblick zerstreut! 4. Gott, wie war mein Geist verblendet! Wie viel Tage sind mir schon un⸗ genützt zum Heil entflohn! wie viel Kräfte schon ver⸗ schwendet! Doch mich ru⸗ fet noch die Pflicht, und ich säume länger nicht. 5. Zu befrein mich von dem Hange meiner fündli⸗ chen Begier, wurde täglich schwerer mir; und ich weiß ja nicht, wie lange mich noch deine Langmuth trägt, nicht, wann meine Stunde schlägt. 6. Drum will ich nicht länger weilen, wo das Eitle mich belügt, mich um ew'⸗ ges Heil betrügt; eilen will ich, Gott, nun eilen, auf der Bahn der Besserung zu dem Ziel der Heiligung. 7. Ich will stets mich selbst bezwingen; eingedenk der Rechenschaft, wuchern noch mit Zeit und Kraft; will mich durch Versuchung ringen, um ver dir einst zu bestehn, und zum Leben einzugehn. K 3 Mel. Mel. O Gott, du frommer Gott 300 Ich blick empor zu bir, du Ewiger, der Allen, die durch der Prüfung Land zum großen Ziele wallen, Vergelter, Richter ist, und fleh' voll Innigkeit: Gedenk' der Sün⸗ den nicht, die tief mein Herz bereut! 2. Wie oft gelobt' ich der in ernster Andacht Stille: Mein heiligstes Gesetz, o Gott, sei stets dein Wille! Du kennst mein Herz; du weißt, es war der Vorsatz rein, dir treu auf jedem Pfad den du mich führst, zu seyn. 3. Und dennoch fehlt' ich oft! Wer kennt des Herzens Tiefen? Ach, böse Lüste, die so tief verborgen schliefen, erwachten, aufgereizt vom Sturm der Leidenschaft; betäubt und überrascht er⸗ lag bald meine Kraft. 4. Nun schau' ich prüfend hin auf die durchlebten Ta⸗ ge; sie bringt kein Wunsch zurück und keine bange Kla- ge; doch ihre Thaten führt mit richterlichem Blick mir ernst und warnend oft Er⸗ innerung zurück. 5. Der Edle, der sein Herz schon früh der Tugend weihte, fühlt hohe Selig⸗ keit, sieht er an ihrer Seite auf die durchlaufne Bahn mit stiller Heiterkeit Er hat ge⸗ sät in ihr für eine Ewigkeit. 222 Gesinnung und Verhalten des Christen 6. Und diese Seligkeit, des Herzens süßen Frieden, das höchste Gut, das hier den Sterblichen beschieden, erwarb ich mir noch nicht! Den bleibenden Gewinn gab ich, von Schein ge⸗ täuscht, für kurze Lust oft hin. 7. Ich unterließ die Pflicht, die Reizungen zu Sünden, durch Weisheit und durch Muth gestärkt, zu überwinden, ergebungsvoll und still mit ruhigem Ver⸗ traun, auf dornenvollem Pfad zu Gott empor zu schaun. 8. Verzeih', Allgütiger! Du siehst der Reue Zähren. Du wirst dem Schwachen Kraft und Hülfe gern ge⸗ währen. Mit neuer Treue will ich deine Wege gehn; laß einst am großen Ziel, o Gott, dein Heil mich sehn! Mel. So flieben unsre Tage Jein Herz, 301 2(Gott, Va⸗ ter, will ich dir zum Eigen⸗ thume weihn. Es forderk's ja dein Wort von mir; drum sei es ewig dein! 2. Zwar hat es durch den Hang der Welt durch Lust und Eitelkeit, die, Heiliger, dir nicht gefällt, sich oft, ach oft, entweiht. 3. Doch sieh, es fühlet seine Schuld, 9 dir esse⸗ Besserung und fleht zu dir um Gnad' und Huld, um Kraft zur Heiligung. 4. Verwirf, verwirf mein Flehen nicht; sei mir mit Gnade nah! Zu dir steht meine Zuversicht; mein Va⸗ ter bist du ja. 5. Dies bürgte mir, ge⸗ sandt von dir, dein Sohn mit seinem Blut; verleih' durch deinen Geist nur mir zur Beßrung Kraft und Muth! 6. Hilf, daß ich dir, mein Herr und Gott, im Glauben stets getreu, und gegen List, Gewalt und Spott im Gu⸗ ten standhaft sei! 7. Hilf, daß ich sei im Leiden fefk, durch Hoffnung und Geduld; mein Trost, wenn Alles mich verläßt, sei deine Vaterhuld! 8. Hilf, daß ich gegen Jedermann, von Stolz und Neide frei, aufrichtig und so viel ich kann, zu dienen willig sei! 9. Hilf, daß ich wohlzu⸗ thun mich freu', und, fern von Rachbegier, selbst mei⸗ nem Feinde gern verzeih'; denn du verzeihst auch mir. 10. Dich, Gott, vereh⸗ ren, sei mein Ruhm, ent⸗ fernt von Heuchelei, damit mein ganzes Christenthum dir wohlgefällig sei! 11. So nimm es denn zum Tempel ein, mein Herz, im Allgemeinen. 223 hier in der Zeit; und laß es deine Wohnung seyn auch in der Ewigkeit! 12 Weg, Welt und Sünd'! Euch dien ich nicht! Nur Gott, nur Gott allein: dies, dies ist meine Zuver⸗ sicht, kann ewig mich erfreun. Mel. Wer nur den lieben Gott 20 ein Gott, zu 302 M dem ich 1 nend flehe, erbarme deines Kindes dich! Ach, sieh' auch jetzt von deiner Höhe mit gnadenvollem Blick auf mich! Vergib' mir, Vater; gehe nicht mit mir, dem Sünder, ins Gericht! 2. Wie oft hast du mir schon vergeben, wenn reu'⸗ voll ich um Gnade bat; wie oft versprach ich dir ein Le⸗ ben, gereiniget von Misse⸗ that; wie feierlich war dann mein Eid des Glaubens und der Frömmigkeit! 3. Ach, aber bald ergriff mich wieder die Sünd' und ihre Lust mit ihr, riß mei⸗ nen frommen Vorsatz nieder, und herrschte, wie zuvor, in mir! Zum Widerstande viel zu schwach, floh ich nicht, sondern gab ihr nach. 4. Wie viele sündenvolle Tage durchlebt' ich, Vater, als im Traum, und sam⸗ melte mir Schmach und Pla⸗ ge, und fühlte dies mein Elend kaum! Verwundet K 4 blu⸗ blutete mein Herz; betäubt empfand ich keinen Schmerz. 5. Ich ging den Weg zum Untergange, den dein gerech⸗ ter Ernst mir droht. Jetzt ist um Trost mir Sünder bange; wer rettet mich aus meiner Noth? Mein rich⸗ tendes Gewissen wacht, und Alles um mich her ist Nacht. 6. Zu wem, o Vater, soll ich fliehen? Wo findet meine Seele Ruh'? Wer kann sie aus dem Elend zie⸗ hen, in dem sie seufzet, als nur du? Mein ganz Ver⸗ trau'n setz' ich auf dich: du, Freund des Lebens, rettest mich! 7. Für alle, auch für meine Sünden, floß einst des Welterlösers Blut. O laß durch ihn mich Gnade finden, du, meiner Seele höchstes Gut! Noch einmal, Vater, sprich zu mir: Auch diese Schuld erlaß ich dir. 8. Gott sei mein Zeuge, da ich schwöre: Mein Herz soll dir gebeiligt seyn! Dir, deinem Willen, deiner Ehre will ich mein ganzes Leben weih'n; der Sünde will ich widersteh'n und standhaft deine Wege geh'n! 9. Vergiß nicht wieder, meine Seele, wie oft du schon gefallen bist! Vergiß nicht mehr des Herrn Be⸗ fehle, nicht mehr, daß er dein Retter ist! Ruf' ihn 224 Gesinnung und Verhalten des Christen im Glauben täglich an: Er⸗ halt' mich, Herr, auf eb'ner Bahn! Mel. Freu' dich sehr, o meine Schafet, schaffet, 303 S Menschenkin⸗ der! schaffet eure Seligkeit! Bauet nicht, wie sichre Sünder, auf die ungewisse Zeit! Unverweilt bekehret euch! Ringet nach dem Himmelreich! Strebet, hei⸗ lig hier auf Erden, strebet, selig dort zu werden! 2. Doch soll dieses recht geschehen, so müßt ihr mit festem Muth jeder Sünde widerstehen; nur was Gott, das höchste Gut, von euch fordert, muß allein eures Lebens Richtschnur seyn; es mag eurem schwachen Herzen Freude bringen oder Schmerzen. 3. Selig, wer im Glau⸗ ben kämpfet, selig, wer im Kampf besteht, wer des Flei⸗ sches Lüste daͤmpfet, und den Reiz der Welt verschmäht! O, so strebt dem Guten nach, seht dabei auf Christi Schmach! Wer den Him⸗ mel will ererben, muß erst seinen Sünden sterben. 4. Werdet ihr nicht stand⸗ haft ringen, sondern träg und lässig seyn, eure Nei⸗ gung zu bezwingen: wie kann euch der Sieg erfreun? Ohne tapfern Streit im Krieg Krieg folget nie Triumph und Sieg. Nur den Sie⸗ ger schmückt, zum Lohne seines Kampfs, die Him⸗ melskrone. 5. Sich voll Leichtsinn stets zerstreuen, thun, was Fleisch und Welt uns heißt, und den Kampf der LKüste scheuen, ist der Welt, nicht Christi Geist. Wer ihn ha⸗ ben will, der kann auf der Tugend rauhen Bahn nicht in sicherm Stolze leben, und den Lüsten sich ergeben. 6. Brünstig beten, all⸗ zeit wachen, die Versuchung weislich flieh'n, sich die Pflicht zur Freude machen, und mit Sorgfalt sich be⸗ müh'n, selbst beim Spott und Hohn der Welt das zu thun, was Gott gefalle; dies nur wollen und voll bringen, heißet: nach dem Himmel ringen. 7. Drum entreißet euch den Lüsten, die ihr noch gefesselt seid, und beweiset euch, als Christen, muthig und getrost im Streit! Schont der liebsten Neigung nicht; übet auch die schwerste Pflicht! Dentet oft an Christi Worte: Oringet durch die enge Pforte! 8. Zittern muß ich vor der Sünde, und auf 5 Vorbild sehn! Suchen will ich, daß ich finde, was mein lück einst wird erhöhn! im Allgemeinen. 2²⁵ Fehl) ich, o so gehe nicht, Richter, mit mir ins Ge⸗ richt! Gib mir deines Gei⸗ stes Waffen, meine Selig⸗ keit zu schaffen! 9. Gib zum Wollen das Vollbringen! Gib mir Muth und Kraft zum Streit! Lehre mich mit Ernst be⸗ zwingen Alles, was mein Herz entweiht! Zeige mir von deinem Thron den ver⸗ heißnen Gnadenlohn, daß ich wache, bete, ringe und empor zum Himmel dringe! Mel. We r den lieben Gott 304 6 Hott, lehre mich versteh'n und fassen, was Buße, wahre Buße sei! Hilf mir die Sünden ernstlich hassen, da⸗ mit ich ohne Heuchelei mein Leben beßre, selbst mir treu, un) dir, Herr, wohl⸗ gefällig sei! 2. Dein Wort gebeut und spricht: Thu' Buße, ver⸗ ändre, beßre deinen Sinn; fall' deinem Gott voll Reu' zu Fuße; sei nicht mehr Sünder, wie vorhin; von nun an sei, als Gottes Kind, ihm folgsam, ähn⸗ lich ihm gesinnt! 3. Bezähme stets in dir die Liebe zu Allem dem, was Sünde heißt, und folge je⸗ dem guten Triebe, den Gott erweckt durch seinen Geist; flieh', 5 5 die Lüste dieser 5 elt, Welt, und thue nur, was ihm gefällt! 4. Erstatte deinem Näch⸗ sten wieder, was du mit Unrecht ihm entwandt, und leite die verführten Brüder zurück zur Tugend; beut die Hand dem Unterdrückten lie⸗ bevoll; thu' Jedem, auch dem Feinde, wohl! 5. Flieh' Neid, Verläum⸗ dung, Haß und Lügen, be⸗ gehr' nicht, was des Näch⸗ sten ist; zeig' durch den Ab⸗ scheu vor Betrügen, daß du ein Feind des Lasters bist; sei friedlich, weise, stets bereit, zu sterben, wenn dein Gott gebeut! 6. Herr, dies befiehlt mir deine Lehre. Du weißt am besten, wie ich bin; hilf, daß ich deine Stimme höre, und ändre du selbst meinen Sinn. Sieh, Besserung gelob' ich dir; gib Kräfte zum Vollbringen mir. Mel. Gott Vater, an Erbarmen o wahr ich lebe! 305 S spricht dein Gott, mir ist nicht lieb des Sünders Tod; ich will, daß er vom Bösen sich mit Ernst bekehr' und suche mich; vom Elend seiner Sünden frei, geheiligt mir und selig sei. 2. Vernimm, o Mensch, dies Gnadenwort, und wandle nicht zum Tode fort! Gern will dein Gott dir 228 Gesinnung und Verhalten des Christe gnädig seyn; gern alle Sün⸗ den dir verzeih'n. Sei reu⸗ voll; doch verzage nicht, und fasse Muth zu deiner Pflicht. 3. Nur hüte dich vor Si⸗ cherheit! Denk' nicht: Noch ist zur Beßrung Zeit; erst will ich mit der Welt mich freu'n, und werd' ich ihrer muͤde seyn, dann beßr' ich, dann bekehr' ich mich, und Gott erbarmt noch meiner sich. 4. Wiß, der jetzt liebreich dir verzeiht, übt auch als Gott Gerechtigkeit; und, Sünder, dir ist unbewußt, ob du nicht morgen sterben mußt. Dann wehe dir, sinkst du ins Grab frech von des Lasters Pfad hinab! 5. Heut' lebst du; heut' bekehre dich! Eh' Morgen kommt, kann's ändern sich. Wer jetzt gesund ist, stirbt vielleicht, eh' er den Abend noch erreicht. D'rum wandle nicht in Sünden fort; du weißt, zu spät ist Buße dort. 6. Hilf denn, o Vater, hilf, daß ich noch heute, heute beßre mich, eh meine Schuld noch mehr sich häuft, eh' mich ein schneller Tod ergreift, damit ich heut und jederzeit zu meinem Ende sei bereit. Mel. Wer nur den lieben Gott 306 A* Gott, wie mancher von den Tagen der mir beschied⸗ nen nen Lebenszeit floh schon dahin, mich anzuklagen, ins Meer der langen Ewigkeit! Nicht jeden hab' ich dir ge⸗ lebt, nicht stets der Tugend nachgestrebt. 2. Gar oft empörte sich im Leiden mein murrend Herz voll Ungeduld: und schenktest du, mein Gott, mir Freuden, o dann vergaß ich deiner Huld genoß nicht jede, wie ich soll, nicht im⸗ mer reinen Dankes voll. 3. So war mein Herz auch gegen Brüder nicht immer sanft und liebevoll. Schlug mich erlittnes Un⸗ recht nieder, so übernahm mich oft der Groll; und ich vergaß der Sanftmuth Pflicht, und folgte Jesu Vor⸗ bild nicht. 4. Dir, Herzenskündiger, ist keine von meinen Sünden unbekannt. Vergib, was ich vor dir beweine, und leite mich an deiner Hand zu besserer Gesinnung hin, bis ich ganz frei von Feh⸗ lern bin! Mel. O Gott, du frommer Gott „ eillst du die 307 W̃ Buße noch, die Gott gebeut, verschieben, so schändest du sein Wort, und mußt dich selbst nicht lieben. Ist deine Besserung nicht deiner Seele Glück! im Allgemeinen. 22⁷ Und wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick? 2. Allein wie schwer ist's nicht, sein eigen Herz be⸗ kämpfen, Begierden wider⸗ stehn und seine Lüste däm⸗ pfen? Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh' ist dies der einz'ge Weg. Und dem entsagest du? 3. Ist deine Pflicht von Gott, wie kannst du sie ver⸗ gessen? Nach deinen Kräf⸗ ten selbst hat er sie abge⸗ messen. Was weigerst du dich noch? Gott ist nicht ein Tyrann, der mehr von mir verlangt, als ich ihm leisten kann. 4. Sprich selbst: Gewin⸗ net Gott, wenn ich ihm kindlich diene, und seiner werth zu seyn, im Glauben mich erkühne? Wenn du die Tugend übst, die Gott, dein Herr, gebeut, wem dienst du? Ningst du nicht nach deiner Seligkeit? 5. Was weigerst du dich noch, das Laster zu verlas⸗ sen? Weil es dein Unglück ist, befiehlt es Gott zu has⸗ sen. Was weigerst du dich noch, der Tugend Freund zu seyn? Weil sie dich glück⸗ lich macht, befiehlt sie Gott allein. 6. Gott beut die Kraft dir an, das Gute zu voll⸗ bringen. Soll er durch All⸗ macht di ihm zu gehor⸗ 6% bm z en 228 Gesinnung und Verhalten des Chrisien chen, zwingen? Er gab dir die Vernunft: und du verleugnest sie? Er sendet dir sein Wort: und du ge⸗ horchst ihm nie? 7. Sprich nicht: Gott kennt mein Herz; ich hab' es ihm verheißen, mich noch dereinst, mich bald vom La⸗ ster loszureißen; jetzt ist dies Werk zu schwer. Doch diese Schwierigkeit, die heute dich erschreckt, wächst sie nicht durch die Zeit? 8. Je öfter du vollbringst, was Fleisch und Blut befoh⸗ len, je stärker wird der Hang, die That zu wiederholen. Scheust du dich heute nicht, des Höchsten Feind zu seyn, um wie viel weniger wirst du dich morgen scheun! 9. Ist denn die Buß ein Werk von wenig Augen⸗ blicken? Kann dich kein schneller Tod der Welt noch heut' entrücken? Ist ein Ge⸗ schrei zu Gott, ein Wunsch nach Besserung, und Angst der Missethat die wahre Heiligung? 10. Ist's g'nug zur Se⸗ ligkeit, des Glückes der Er⸗ löͤsten, wenn uns der Tod ergreift, sich sicher zu ge⸗ trösten; ist das Bekenntniß g'nug, daß uns die Sünde reut; so ist kein leichter Werk, als deine Seligkeit. 11. Doch fordert Gott von uns die Reinigkeit der Seelen; ist keine Seele rein, der Glaub' und Liebe fehlen; ist dieses dein Beruf, Gott dienen, den du liebst; so zittre vor dir selbst, wenn du dies Werk verschiebst. 12. Der Glaube heiligt dich. Ist dieser dein Ge⸗ schäfte? Nein, Mensch! Und du verschmähst des Gei⸗ stes Gottes Kräfte? Er⸗ schreckt dich nicht sein Wort? Eibt in verkehrten Sinn den Sünder, der beharrt, nicht Gott zuletzt dahin? 13. Hat Christus uns er⸗ löst, damit wir Sünder blei⸗ ben, und, sicher durch sein Blut, das Laster höher trei⸗ ben? Gebeut uns Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht; so ist es nicht von Gott. Gott wider⸗ spricht sich nicht. 14. Noch heute, weil du lebst, und seine Stimme hö⸗ rest, noch heute schicke dich, daß du vom Bösen kehrest. Begegne deinem Gott, willst du zu deiner Pein dein hier versäumtes Glück nicht ewig noch bereu'n! 15. Entschließe dich be⸗ herzt, dich selber zu besiegen; der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnü⸗ gen. Was zagst du? Geht er gleich im Anfang lang; sam fort; sei wacker, Gott ist nah, und stärkt dich durch sein Wort! K 16. Auf 16. Ruf' ihn in Demuth an; er tilget deine Sünden. Und läßt dich sein Gesetz erst ihren Fluch empfinden: so widerstreb' ihm nicht; denn Gottes Traurigkeit wirkt eine Reu' in dir, die niemals dich gereut. 17. So süß ein Laster ist, so gibt's doch keinen Frieden. Der Tugend nur allein hat Gott dies Glück beschieden. Ein Mensch, der Gott ge⸗ horcht, erwählt das beste Theil; ein Mensch, der Gott verläßt, verläßt sein eignes Heil. 18. Die Buße führt dich nicht in eine Welt voll Lei⸗ den; Gott kennt und liebt dein Glück; sie führt zu dei⸗ nen Freuden, macht deine Seele rein, füllt dich mit Zuversicht, gibt Weisheit und Verstand, und Muth zu deiner Pflicht. 19. Sprich selbst: Ist dies kein Glück, mit ruhigem Ge⸗ wissen die Güter dieser Welt, des Lebens Glück genießen, und mäßig und gerecht in dem Genusse seyn, und sich der Seligkeit schon hier im Glauben freu'n? Mel. Wer nur den lieben Gott 308 We theuer, l 5 Gott, ist deine Güte, die alle Misse⸗ that vergibt, sobald voll Reue die das Gemüthe im Allgemeinen. 229 Sünden, die es sonst geliebt, erkennt, bereut und ernstlich haßt, und Zuversicht zum Mittler faßt! 2. Doch laß mich ja nicht sicher werden, weil du so reich an Gnade bist! Wie kurz ist meine Zeit auf Er⸗ den, die mir zum Heil ge⸗ geben ist! Gib, daß sie mir recht wichtig sei, daß ich sie meiner Beßrung weih'! 3. Zwar deine Gnade zu verdienen, sind Reu' und Veßrung viel zu klein: doch darf sich auch ein Mensch erkühnen, zu glauben, dir versöhnt zu sehn, wenn er noch liebt, was dir mißfällt, und nicht dein Wort von Herzen hält? 4. Nie kannst du dem die Schuld erlassen, der frevelnd Schuld auf Schulden häuft. Der kann kein Herz zu Jesu fassen, der zwar auf sein Verdienst sich steift, doch in der Sünde noch beharrt, da⸗ für er selbst ein Opfer ward. 5. Drum fall' ich dir, mein Gott, zu Füßen: vergib mir gnädig meine Schuld, und heile mein verwundt Gewis⸗ sen mit Trost aus deiner Vaterhuld! Ich will mit Ernst die Sünde scheun, und willig dir gehorsam seyn. 6. Daß mit Gerechtigkeit auch Stärke zur Tugend mir verliehen sei, laß mich durch Uebung guter Werke bewei⸗ K 7 sen; 230 Gesinnung und Verhalten des Christen sen; mache selbst mich treu, Herr, in der Liebe gegen dich! Sie leite und regiere mich! 7. Laß mich zu deiner Ehre leben, der du die Misse⸗ that vergibst, das hassen, was du mir vergeben, das lieben, was du selber liebst! Laß, Vater, mein Gewissen rein und heilig meinen Wan⸗ del seyn! Am allgemeinen Bußtage. Mel. Herzlich lieb bab' ich dich 309 5 ott, der du un⸗ sre Zuflucht bist, Herr, unser Mittler, Jesu Christ, Geist Gottes, Geist der Gnaden, Unend⸗ licher, verwirf uns nicht! Wir kommen vor dein An⸗ gesicht, mit Missethat bela⸗ den. Nimm von uns unsre Sündenschuld, du Gott der Langmuth und Geduld! Er⸗ höre gnädig unser Flehn, daß wir dein Heil, Erbar⸗ mer, sehn! Herr, unser Gott, verbirg uns nicht dein Angesicht, und geh' mit uns nicht ins Gericht! 2. Ward Recht und Pflicht von uns entweiht, gebrochen unsers Bundes Eid, dein Weg von uns verlassen: o sieh, wir kehren voller Reu' zurück zu dir; laß, Herr, auf's Neu' uns deine Gnade fassen! Sie leit uns auf den ebnen Pfad, den uns dein Wort bezeichnet hat, daß Irrthum und Versuchung nie uns auf die Bahn des Lasters zieh'! Herr, unser Gott, groß von Geduld, vor neuer Schuld behüt' uns deine Vaterhuld! 3. Dein Segen komm' auf unser Land; laß es, beschirmt von deiner Hand, des Frie⸗ dens Ruh' genießen! Wend' ab von uns der Flammen Wuth, und die Verwüstung wilder Fluth, des Krieges Blutvergießen! Sei unser Retter, wenn uns Noth des Mangels und der Seuchen droht! Du, Vater, wol⸗ lest mit uns seyn, daß wir uns deines Schutzes freun! Herr, unser Gott, verleih uns Muth! In deiner Hut sind wir; und was du thust, ist gut. 4. Gib Frieden, wo sonst Zwietracht war; vereine, was getrennt war; schenk uns der Eintracht Segen! Uns leite, Gott, dein guter Geist, und was dein theures Wort verheißt, sei Licht auf unsern Wegen! Laß, Herr, in Lehr' und Wandel rein die Diener deines Wortes seyn, und bringe zu der Wahrheit Glück, zu dir, die Irrenden zurück! Herr, unser Gott, breit aus dein Wort an je⸗ dem Ort; gib Geist und Kraft zu deinem Wort 5. An 5. Auch die Regenten lenke du, daß weise sie, in sichrer Ruh', der Völker Wohlstand heben! Dem Fürsten, der uns schützt und liebt, gib, der in ihm so viel uns gibt, ein frohes, langes Leben! Noch lange sei sein Vaterblick, uns, seinen Kin⸗ dern, Schutz und Glück! O schütt auf ihn und auf sein Haus und seine Räthe Seg⸗ nung aus! Herr, unser Gott, in deiner Hand ist unser Land; beglück' es, segne jeden Stand! 6. Vernimm der Leiden⸗ den Gebet! Wer in der Noth um Rettung fleht, dem hilf aus seinen Nöthen! Gib Kranken Linderung und Ruh'; die Sterbenden erlöse du, erhör' ihr letztes Be⸗ ten! Sei aller Unterdrück⸗ ten Heil, der Wittwen und der Waisen Theil, vereitle der Verfolger Rath und lehre sie den rechten Pfad! Herr, unser Gott, durch al⸗ les Leid der Pilgerzeit fuͤhr' uns zu deiner Herrlichkeit! 7. Du thust weit mehr, als wir verstehn, kannst mehr gewähren, als wir flehn; laß uns Erhörung finden! O neig' auf unser Fleh'n dein Ohr, heb' unser Herz zu dir empor und mach uns rein von Sünden! Laß uns dir nun geheiligt seyn, im Leben und im Tode dein! Wir sind im Allgemein en. 231 durch Christi Blut erloͤst: o du, der Sünder nicht ver⸗ stößt, Herr, unser Gott! erbarme dich, erbarme dich! Vergib uns, leit' uns vä⸗ terlich! Mel. Befiehl du Ast Gott für mich/ 310 so trete gleich Alles wider mich! So oft ich zu ihm bete, verliert mein Kummer sich. Hab ich nur ihn zum Freunde, wie selig bin ich dann! Was acht' ich aller Feinde? Er nimmt sich meiner an. 2. Ja, dies ist's, was mich stärket: ich glaube fest, als Christ, daß Gott auch mich bemerket, auch mir ein Va⸗ ter ist; daß er zu allen Zeiten mit Huld hernieder blickt, im Kampfe mir hilft streiten, in Angst mein Herz erquickt. 3. Wenn ich aus Schwach⸗ heit fehle und nur aus Vor⸗ satz nicht, so stärket meine Seele die hohe Zuversicht: Den, Herr, der deinen Wil⸗ len, so gut er immer kann, sucht redlich zu erfüllen, siehst du mit Gnade an. 4. Dein Geist wohnt mir im Herzen und tröstet mei⸗ nen Sinn; stillt alle meine Schmerzen, nimmt jede Sorge hin; zeigt mir, daß Erdenleiden nicht zu verglei⸗ chen sei mit jenen Himmels⸗ freu⸗ deine Wege freuden, dem Lohn bewähr⸗ ter Treu'. 5. Auf dies mein Heil und Erbe seh' ich voll Zuver⸗ sicht. Wenn ich gleich fall' und sterbe, fällt doch mein Himmel nicht. Geh' ich, auch unter Zähren, hier manche rauhe Bahn, nimmt mich doch Gott zu Ehren dereinst auf ewig an. 6. Dies stärkt mich, auch im Leiden, dir, Höchster, treu zu seyn! Nichts soll von dir mich scheiden, auch nicht die größte Pein; du lenkst sie mir zum Besten, bist mir mit Troste nah'; und wann die Noth am größten, ist deine Hülfe da. 7. Kein glänzend Loos im Leben, nicht unsehn, Ruhm und Macht, wornach nur Stolze streben, nicht Reich— thum, Glück und Pracht, Nichts soll mir je den Glau— ben an deine Vatertreu' vermindern oder rauben; Nichts, was es immer sei! 8. Was könnte sonst mich scheiden von deiner Lieb', o Gott? Verfolgung? Trüb⸗ sal? Leiden? Schwerdt? Hunger? Blöße? Tod? Nichts, Nichts! Ich über⸗ winde in dem, der mich geliebt, und sich für meine Sünde zum Opfer selber gibt. 9. Ist Gott für mich, so trete gleich Alles wider 232 Gesinnung und Verhalten des Christen mich! So oft ich zu ihm bete, verliert mein Kum⸗ mer sich. Deß ist mein Herz voll Wonne! Was ist's, das mir gebricht? Der Herr ist meine Sonne, mein Schutz, mein Heil, mein Licht! Mel Warum sollt' ich mich 311 Mee dera U reinste Freude ist nur die, daß ich nie mich von Jesu scheide, daß ich ihn durch Glauben ehre, jeder⸗ zeit hocherfreut seine Stim⸗ me höre. 2. Freundlich ruft er alle Müden, und erfüllt, sanft und mild, ihren Geist mit Frieden; seine Last ist leicht zu tragen; er macht Bahn, geht voran, tröstet, wenn wir zagen 3. Ja, er kennt die Leidensstunden; größern Schmerz hat kein Herz, als sein Herz empfunden. Da⸗ rum blickt, wenn seiner Brüder einer weint, unser Freund mitleidsvoll hernie⸗ der. 4. Will das Herz der Noth erliegen, dann hilft er, unser Herr, kämpfen uns und siegen. Die auf ihn zu allen Zeiten folgsam schau'n, ihm vertrau'n, ärn⸗ ten Seligkeiten. 5. Jesu, treuster Freund von Allen, mit dir will, froh und still, ich durch's Leben wal⸗ wallen! Auch der Tod kann mich nicht schrecken; denn du wirst, Lebens fürst, einst mich auferwecken. Mel. Wann mein Stündlein 312 Ich weiß, an wen J mein Glaub sich hält; kein Feind soll ihn mir rauben! Als Bürger einer beßren Welt, leb' ich hier nur im Glauben: dort schau' ich, was ich hier geglaubt. Wer ist's, der mir das Erb⸗ theil raubt, das Jesus mir erworben? 2. Mein Leben ist ein kur⸗ zer Streit, und herrlich ist die Krone, die Gott dem Ueberwinder beut, zum ew'⸗ gen Siegeslohne. Ob auch des Kampfes Müh' mich schreckt: du, der den Tod für mich geschmeckt, du stärkst mich, daß ich siege. 3. O Herr, du bist mein döchster Ruhm, mein bester Trost im Leben; einst wirst du mich, dein Eigenthum, zu deinem Reich erheben. Der Freuden Fülle ist bei dir; dort hab' ich Alles, was ich hier nur suche und nicht finde. 4. Herr, lenke meines Geistes Blick von dieser Welt Getümmel auf dich, auf meiner Seele Glück, auf Ewigkeit und Himmel! Kurz ist der Erde berrlich⸗ im Allgemeinen. 233 keit, vergänglich alles Glück der Zeit: im Himmel sei mein Wandel! 5. Jetzt, da mich dieser Leib beschwert, ist mir noch nicht erschienen, was uns die künft'ge Welt gewährt, wo wir Gott heilig dienen. Dann, wann mein Auge nicht mehr weint, wann mein Vollendungstag er⸗ scheint, dann werd' ich's froh empfinden. 6. Im Dunkeln nur, Herr, seh' ich hier, wo ich dir gläubig traue, die Se⸗ ligkeit, die dort bei dir in vollem Licht ich schaue. Hier ist mein Werth mir noch verhüllt: dort wird er sicht⸗ bar, wann dein Bild in mir sich ganz verkläret. 7. Zu diesem Glück bin ich erkauft, o Herr, durch deine Leiden; auf deinen Tod bin ich getauft; wer kann mich von dir schei⸗ den? Nicht Glück und Lust, nicht Leid und Noth, das Leben nicht und nicht der Tod! Mein sind des Himmels Freuden! 8. Wie groß ist meine Herrlichkeit! Empfinde sie, o Seele! Vom Tand der Erde unentweiht, erhebe Gott, o Seele! Der Erde glänzend Nichts vergeht; nur des Gerechten Glück besteht durch alle Ewig⸗ keiten. In In eigener Melodie. 0 einen Jesum 313 M laß ich nicht! Er hat sich für mich gege⸗ ben; fordert es nicht Dank und Pflicht, ihn zu lieben, ihm zu leben? Er ist mei⸗ nes Lebens Licht; meinen Jesum laß ich nicht! 2. Er, in diese Welt ge⸗ sandt, uns zu lehren, uns zu retten, gab sein Leben uns zum Pfand, daß wir Gottes Gnade hätten. O wie bin ich ihm verpflicht't! Meinen Jesum laß ich nicht! 3. Durch ein Herz voll Dankbarkeit, durch Gehor⸗ sam, den ich übe gegen das, was er gebeut, halt' ich fest an seiner Liebe, traue dem, was er verspricht, und ver⸗ laß ihn ewig nicht! 4. So ist er mein Theil und Ruhm bis an meines Lebens Ende; ihm geb' ich zum Eigenthum ganz mich hin in seine Hände. Er ist meine Zuversicht; meinen Jesum laß ich nicht! 5. Wenn mein Auge schon erlischt, Wang' und Lippen sich entfärben, mich kein Lab⸗ sal mehr erfrischt, alle Sin⸗ ne mir ersterben, und das matte Herz nun bricht: laß ich meinen Jesum nicht! 6. Dort auch laß ich Je⸗ sum nie, hange stets an sei⸗ nen Blicken; denn nach die⸗ ses Lebens Müh will er ewig sinnung und Ver halten des Christen mich erquicken Ewig strahlt mir dort sein Licht; meinen Jesum laß ich nicht! 7. Nichts auf diefer Erde ist's, was des Herzens Wün⸗ sche stillet. Du, o Jesu, du nur bist's, du nur, der sie ganz erfüllet. Dich, mein Reichthum, Ruhm und Licht, dich, mein Jesu, laß ich nicht! 8. Dich, mein Jesu, halt' ich fest, lasse Nichts von dir mich scheiden. Weh euch, die ihr ihn vergeßt; ihr beraubt euch ew'ger Freuden. Selig, wer in Wahrheit spricht: Meinen Jesum laß ich nicht! Mel. Wie groß ist des Allmächt' 314 We, wär' ich oh⸗ ne dich gewe⸗ sen, was würd' ich ohne dich, Herr, seyn? Zu Furcht und Aengsten auserlesen, ständ' ich in weiter Welt allein. Nichts wüßt' ich sicher, was ich liebte; die Zukunft wär' ein dunkler Schlund; und wenn mein Herz sich tief be⸗ trübte, wem thät' ich meine Sorge kund? 2. Einsam verzehrt von Lieb' und Sehnen, erschien' mir finster jeder Tag; ich folgte nur mit heißen Thrä⸗ nen dem wilden Lauf des Lebens nach; ich fände Un⸗ ruh' im Getümmel und hoff⸗ nungslosen Gram zu Haus. Wer hielt denn ohne 3 i im im Himmel, wer hielte da auf Erden aus? 3. Hat Christus sich mir kund gegeben, und bin ich seiner erst gewiß, wie schnell verzehrt ein lichtes Leben die bodenlose Finsterniß! Mit ihm bin ich erst Mensch ge⸗ worden: das Schicksal wird verklärt durch ihn, und Eden muß an allen Orten um den. Geliebten wieder blüh'n. 4. Das Leben ward zum Freundschaftsbunde; die ganze Welt spricht Lieb und Lust. Ein Balsam träuft für jede Wunde, und frei und voll klopft jede Brust. Durch ihn erhalt' ich tausend Ga⸗ ben; durch ihn bin ich ja Gottes Kind; gewiß, ihn unter uns zu haben, wo zwei auch nur versammelt sind. 5. O geht hinaus auf allen Wegen, und holt die Irren⸗ den herein! Reicht jedem eure Hand entgegen und la— det froh zu uns ihn ein! Der Himmel ist bei uns auf Erden; im Elauben schauen wir ihn an. Die Eines Glaubens mit uns werden, auch denen ist er aufgethan. 6. Ein alter schwerer Wahn von Sünde war fest an unser Herz gebannt. Wir irrten in der Nacht, wie Blinde, von Reu' und Lust zugleich entbrannt. Ein je⸗ des Werk schien uns Ver⸗ der Mensch ein brechen, Allgemeinen. 9 5 235 Gottesfeind zu seyn. Bang hörten das Gesetz wir spre⸗ chen; denn ach, es drohte Tod und Pein! 7. Das Herz, des Lebens reiche Quelle, ein böses We⸗ sen wohnte drinn, und ward's in unserm Geiste helle: so war nur Unruh' der Ge⸗ winn. Ein eisern Band hielt an der Erde den beben⸗ den Gefangnen fest; und Furcht, daß er vernichtet werde, verschlang der Hoff— nung Ueberrest. 8. Da kam der Heiland, der Befreier, ein Menschen⸗ sohn voll Lieb' und Macht, und hat ein allbelebend Feuer in unserm Innern angefacht. Nun sah'n wir erst den Himmel offen, als unser heil ges Vaterland; wir konnten glauben nun und hoffen und fühlten uns mit Gott verwandt. 9. Seitdem verschwand die Macht der Sünde, und fröhlich wurde jeder Schritt Man gab zum schönsten An⸗ gebinde den Kindern diesen Glauben mit. Durch ihn geheiligt zog das Leben vor⸗ über, wie ein sel'ger Traum; und ew'ger Lieb' und Treu! ergeben, bemerkte man den Abschied kaum. 10. Noch steht im wun⸗ dervollen Glanze der heilige Geliebte hier. Gerührt von seinem Dornenkranze und ei⸗ seiner Treue weinen wir. Ein jeder Mensch ist uns willkommen, der seine Hand mit uns ergreift, und, in sein Herz mit aufgenommen, zur Frucht des Paradieses reift. Mel. Kommt her zu mir, spricht 2 o hoff ich denn 315 S mit festem Muth auf Gottes Gnad' und Christi Blut; ich hoff' ein ewig Leben. Gott ist ein Vater, der verzeiht, hat mir das Recht der Seligkeit in seinem Sohn gegeben. 2. Herr, welch' ein un⸗ aussprechlich Heil, an dir, an deiner Gnade Theil, Theil an dem Himmel ha⸗ ben; im Herzen durch den Glauben rein, dich lieben und versichert seyn von dei⸗ nes Geistes Gaben! 3. Dein Wort, das Wort der Seligkeit, wirkt gött⸗ liche Zufriedenheit, wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns Trost im Elend zu, versüßet uns des Lebens Ruh', und stärkt uns in Ge⸗ fahren 4. Erhalte mir, o Herr, mein Hort, den Glauben an dein göttlich Wort, um deines Namens Willen; laß ihn mein Licht auf Erden seyn, ihn täglich mehr mein Herz erneu'n und mich mit Trost erfüllen! 236 Gesinnung und Verhalten des Christen Mel. Jesu, meines Lebens 316 Ochweiget, bange S3ceifel,schwei⸗ get! Mein Erlöser ist ge⸗ treu, und sein Geist in mir bezeuget, daß ich Gott ver⸗ söhnet sei. Mag auch selbst mein Herz mich richten, mich verdammen, mich vernich⸗ ten; Gott ist größer, als mein Herz und gibt Ruh' auf bangen Schmerz. 2. Er, der das Verborg⸗ ne kennet, kennt auch mich und weiß allein, wie mein Herz von Eifer brennet, ganz sich seinem Dienst zu weih'n; schaut den Kummer meiner Seele, der mich beugt, so oft ich fehle, und sieht nicht, was ich gethan, sondern mehr den Willen an. 3. Wer will ferner den verklagen, welchen Gott zum Kind erwählt? Wer darf zu verdammen wagen, den Gott selber losgezählt? Menschen zwar, und selbst die Engel sind vor ihm nicht ohne Mängel; doch das menschliche Geschlecht wird in seinem Sohn gerecht. 4. Mir ist auch sein Sohn gegeben; durch den Glauben ist er mein. Ja, ich weiß, ich werde le⸗ ben, und in ihm einst selig seyn. Such' ich nur den Hang zu Sünden im⸗ mer treu zu überwinden, mich der Tugend stets zu weih'n, weih'n, so will Gott mir gnädig seyn. 5. Theuer bin ich ihm er⸗ worben! Wohl mir, hier ist Jesus Christ, er, der auch für mich gestorben, auch für mich erstanden ist, nun zur Rechten Gottes sitzet, auf mich sieht, mich mächtig schützet, mich vertritt, mich nie verstößt, mich aus aller Noth erlöst! 6. Nun so mag das Un⸗ glück stürmen! Alles um mich her sei Nacht! Gott, mein Gott wird mich be— schirmen, der für seine Kin⸗ der wacht. Wenn ich hier auch hülflos bliebe, leitet mich doch seine Liebe durch die Leiden dieser Zeit zur beglückten Ewigkeit, Mel. Auf, Christenmensch ier Gottes 31 7 Wort nicht hält, und spricht: Ich kenne Gott! der trüget; in sol⸗ chem ist die Wahrheit nicht, die durch den Glauben sieget. Wer aber sein Wort glaubt, und hält, der ist von Gott, nicht von der Welt. 2. Der Glaube, den sein Wort erzeugt, muß auch die Liebe zeugen. Je höher dein Erkenntniß steigt, je mehr wird diese steigen. Der Glaub' erleuchtet nicht al⸗ lein; er stärkt das Herz und macht es rein. im Allgemeinen. 237 3. Durch Jesum rein von Missethat, sind wir nun Gottes Kinder. Wer solche Hoffnung zu ihm hat, der flieht den Rath der Sünder; folgt Christi Beispiel als ein Christ, und reinigt sich, wie er rein ist. 4. Alsdann bin ich Gott angenehm, wenn ich Gehor⸗ sam übe. Wer die Gebote hält, in dem ist wahrlich Gottes Liebe. Ein täglich thätig Christenthum, das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. 5. Der bleibt in Gott, und Gott in ihm, wer in der Liebe bleibet. Die Lieb' ist's, die die Cherubim Gott zu gehorchen treibet. Gott ist die Lieb', an seinem Heil hat ohne Liebe Niemand Theil. Mel. Jesu, meine Freude 318 Wi getrost und heiter, Herr, mein Licht und Leiter, machst du meinen Geist! Alle, die dir trauen, führst du zu den Auen, wo du sie erfreust. Niemals wird bei dir, o Hirt, Freund und Tröster unsrer Seelen, mir Erquik⸗ kung fehlen. 2. Deinem Rath ergeben, freu' ich mich zu leben; was du willst, ist gut. Nichts vermag ich Schwacher; du, mein Seligmacher, rüstest mich mich mit Muth. Ob auch Noth und Elend droht! Ob auch Furcht und Angst mich schrecken: du wirst mich be⸗ decken. 3. Ich kann ohne Grauen Gräber vor mir schauen: mein Erlöser lebt! Ich weiß, wem ich glaube, weiß, daß aus dem Staube mich sein Arm erhebt. Todestag, dein Schrecken mag frecher Sünder Herz erschüttern; ich, ich darf nicht zittern! 4. Auch in mir ist Sünde; doch ich überwinde sie, ge⸗ stärkt durch dich. Sink ich oft noch nieder: du erhebst mich wieder und begnadigst mich. Deine Huld tilgt alle Schuld, und dem reuerfüll⸗ ten Knechte schenkst du Kin⸗ desrechte. 5. Daß ich Gott erkenne, und ihn Vater nenne, dank ich dir allein! Daß ich hier am Grabe Trost und Hoff⸗ nung habe, ewig dein zu seyn; daß dein Geist mich unterweist, und mich führt auf deinem Pfade, dank ich deiner Gnade! 6. Der du Leib und Leben hin für mich gegeben, daß in meiner Noth ich nicht hülflos bliebe, groß ist deine Liebe, stärker, als der Tod. Herr, und ich, ich sollte mich deiner Huld nicht dankbar freuen? dir mein Herz nicht weihen? 238 Gesinnung und Verhalten des Christen 7. Würdig dir zu leben, dies sei mein Bestreben, sei mir heil'ge Pflicht! Was die Welt erfreuet und sie oft gereuet, das genügt mir nicht. Hab ich dich: wie gern will ich das, wornach die Eitlen trachten, reich in dir, nicht achten! 8. Macht ein Gut der Erde, daß ich glücklich werde in der Ewigkeit? Sind nicht hohe Würden oft nur schwere Bürden, Traum und Eitelkeit? Du erfreust nur stets den Geist, und du willst, die dich verehren, ewig wieder ehren. 9. Deinen hohen Frieden schmeck ich schon hienieden; und was hoff ich dort? Un⸗ begränzte Zeiten voller Se⸗ ligkeiten hoff ich auf dein Wort! Sie sind mein, durch dich allein. Bleib' ich dir getreu im Glauben, wer kann sie wir rauben? 10. Voll von deiner Gü⸗ te jauchzet mein Gemüthe⸗ Herr, mein Heiland, dir! Dieser Geist der Freuden stärke mich im Leiden, weiche nie von mir! Laß mich so beherzt und froh einst durchs Thal des Todes dringen, dort dein Lob zu singen! In eigener Melodie. 3 1 9 Wie wohl ist mir/ o Freund der Seelen, wenn ich in deiner Liebe Liebe ruh'! Ich trau're nicht; was kann mich quälen? Mein Licht, mein Trost, mein Heil bist du. Bei dir vergeß ich meine Leiden; denn o wie viele hohe Freu⸗ den genieß' ich nicht, ver⸗ eint mit dir! Hier ist mein Himmel schon auf Erden; wie könnt' ich jemals muth⸗ los werden? Du, du bist überall mit mir! 2. Hab' ich, Erlöser, dich zum Freunde: was fehlt mir dann? Du sorgst für mich. Hätt' ich auch eine Welt voll Feinde: ich bin getrost; ich trau' auf dich. Auch wenn die Sünden mich verklagen, darf ich nicht hoffnungslos verzagen: ich weiß, was du für mich ge⸗ than. Trät' Alles wider mich zusammen: ich bebe nicht; wer will verdam⸗ men? Gott nimmt sich meiner gnädig an. 3. Hier wall ich zwar auf rauhen Wegen; doch du bist meine Zuversicht. Auch Leiden werden mir einst Segen; aus dunkler Nacht stradlt mir dein Licht. Nur Sünder zittern vor dem Grabe; ich, der ich dich zum Freunde habe, kann über Tod und Grab mich freu'n; denn ich gehöre zu den Dei⸗ nen. Bald wird nicht mehr mein Auge weinen, bald werd' ich völlig selig seyn. im Allgemeine n. 239 4. Gelobt seist du, o Freund der Seelen! In dei⸗ ner Huld, wie wohl ist mir! Was kann, da du mich liebst, mir fehlen? Ich finde jedes Heil bei dir. In noch so drückenden Beschwerden hab' ich den Himmel schon auf Erden; denn du bist durch den Glauben mein. Ich darf, ich will nicht ängstlich klagen: wer kann, wo Je⸗ sus ist, verzagen? Mein Freund ist mein, und ich bin sein! Mel. Seelenbräntigam 320 J ir ergeb ich mich, Jesu, der du dich auch zu meinem Heil und Leben in den Tod hast hingegeben! Ewig will ich dein, mein Erlöser seyn! 2. Laß mich dir zum Ruhm, als dein Eigenthum, recht und nach Gewissen handeln, meinen Weg dann freudig wandeln! Hilf mir, sündenrein hier auf Erden seyn! 3. Nach dir bilde mich, Jesu, daß auch ich gegen Feinde Sanftmuth übe, Alle ohne Ausnahm liebe! Haß und Rachbegier bleib ee fern von mir! 4. Neiget sich mein Sinn zu dem Ird schen hin; o dann warne meine Seele, daß sie nicht ihr Ziel ver⸗ fehle! fehle! Denn ein wahrer Christ sucht, was ewig ist. 5. Wecke mich stets auf, meinen Pilgerlauf nur nach deinem Wort zu enden; lei⸗ te mich mit treuen Händen auf der Tugendbahn; leit' mich himmelan. 6. Stärke mich und gib mir des Geistes Trieb; laß mich wachen und mit Beten kindlich vor den Vater treten: so erlischt das Licht meines Glaubens nicht. 7. Ohn Prüfung ist hier kein wahrer Christ. Willst du mich ins Leiden führen, laß mich nur dich nicht ver⸗ lieren! In der Trübsal Nacht nimm mich, Herr, in Acht! 8. Einen Heldenmuth, der auch Gut und Blut gern um deinetwillen lasse, und des Fleisches Lüste hasse, gib zu deiner Ehr' mir je mehr und mehr! 9. Jesu, hilf, daß ich Alles hier, was mich von dir locket, überwinde, und durch deine Kraft empfinde, daß ein wahrer Christ treu und standhaft ist! 10. Wird's von hinnen geh'n, woll'st du bei mir steb'n, mich durch's Todes⸗ thal begleiten, und zu dei⸗ nem Himmel leiten, daß ich da mich dein ewig möge freu'n! 240 Gesinnung und Verhalten des Christen Nel. Gott im Himmel und 5 esum ewig zu ver⸗ 321J ehren, ist mir sanfte, heil'ge Pflicht; seine weisheitsvollen Lehren ge⸗ ben meinem Geiste Licht, und zu jedem guten Werke gibt sein Beispiel Kraft und Stärke. 2. Sollt' ich den nicht dankbar preisen, der das Heil der Menschheit ist? Nennt den Edlen, nennt den Weisen, welcher so, wie Je⸗ sus Christ, reine Tugend, die er lehrte, durch ein gött⸗ lich Leben ehrte; 3. Der mit liebevollem Herzen hohen, festen Muth verband; der selbst bei des Todes Schmerzen Mitleid gegen die empfand, die mit Grausamkeit ihm fluch ten, seine Qual zu mehren such⸗ ten; 4. Den kein Sturm des Schicksals beugte, der ge⸗ recht und tadellos sich in Wort und Werken zeigte, göttlich edel, göttlich groß, willig, freudig Glück und Leben für die Menschheit hingegeben! 5. O ich weil an deinem Bilde gern, erhab'ner Men⸗ schenfreund, wo mit so viel sanfter Milde hohe Würde sich vereint; und zu jedem guten Werke find' ich An⸗ trieb hier und Stärke. 6. Durch mein Leben dich 3 zu preisen, sei mir hohe, heil'ge Pflicht; dich, den Liebevollen, Weisen, dich, der Menschheit Heil und Licht! Aehnlich, Jesu, dir zu werden, sei mein höchstes Ziel auf Erden! In eigener Melodie. 322 Eine ist Noth, 2 und, Herr, dies Eine ist, was alles Heil umfaßt. Alles Andre, wie's auch scheine, ist nur Tand und schwere Last, wor⸗ unter das Herz sich oft äng⸗ stigt und quälet, und immer der Ruhe, der wahren, ver⸗ fehlet. Es wohnet kein Frie⸗ de im Reich der Natur; die Sinnlichkeit täuschet den Suchenden nur. 2. Dich erwählen, ist das Cine. Welches Theil! O gib, daß ich ewig mich mit dir vereine, Nichts so innig lieb', als dich! Es mögen die Klugen der Welt dich verachten; ich will dein Ver⸗ dienst, Herr, mit Ehrfurcht betrachten. Wer war je die Zierde der Menschheit, wie du? Wer brachte mehr Licht ihr, mehr Segen und Ruh'? . In dir ist der Weisheit Fülle. Du nur zeigst, was mich beglückt. Durch dein Wort uur wird mein Wille niedrer Erdenlust entrückt. Gern will ich mich sam⸗ meln, die heiligen Lehren im Allgemeinen. 241 der himmlischen Weisheit mit Andacht zu hören, um fern in den Rathschluß der Gottheit zu sehn, und freu⸗ dig die Wege der Tugend zu gehn. 4, Mit Vergebung meiner Sünden, Herr, begnadigst du mich dann; lässest mich den Frieden finden, den die Welt nicht geben kann. Was kann mir dann fehlen, was jemals mir schaden? Ich bin ja beim Vater, dem Höch⸗ sten, in Gnaden. Fallt, Welten! Ich schwebe ver⸗ herrlicht empor; ein Him⸗ mel ersetzt mir, was hier ich verlor. 5. Jesu, du bist meiner Seele auch zur Heiligung gemacht. Daß ich dich zum Vorbild wähle, hast du treu dein Werk vollbracht. In dir ging die Tugend hier sichtbar durchs Leben; wie sollt' ich, nach dir mich zu bilden, nicht streben! Dir ähnlich zu werden, welch hoher Beruf! Dann bin ich deß Bild erst, der daz mich schuf. 6. Darum sollst du mir das Eine, Jesu, du mein Alles seyn. Siehe, daß ich's redlich meine! Ewig, ewig bin ich dein! So segne mit Kraft mich, stets weiser auf Erden, entsündigt, gehei⸗ ligt, dir ähnlich zu werden, und treu dir zu bleiben im L Le⸗ Leben und Tod! Dies Herr, ist das Eine; dies Eine ist Noth. In eigener Melodie. Daß ich der Tu⸗ 323 D gend Höh' er⸗ klimme, wo unten tief die Erde liegt, wo Glaube der Verführung Stimme und jedes Hinderniß besiegt, wo in des Himmels reinem Scheine dies Eine Ziel nur glänzend steht;— ach, Gott, erhöre mein Gebet!— nur darum bet' ich, flehe, weine. 2. Es stieg voran die stei⸗ len Stufen der Menschen⸗ sohn mit Kraft und Muth. Er hört im Jordan sich ge⸗ rufen, und nimmt den Ruf mit aus der Fluth; und geht, daß er zur That sich rüste, die außer ihm kein Mensch begreift, die nur in seiner Seele reift, zum stillen Den⸗ ken in die Wüste. 3. Da steht er an dem Scheidewege; vor ihm die schauderhafte Wahl; hier aller Leiden Donnerschläge auf seinem Weg zum blut'gen Pfahl. Gott, was nur Men⸗ schen reizt, verlassen? selbst ihre Liebe? Müh' und Noth und Angst und Schmach, zuletzt den Tod mit seiner schärfsten Qual umfassen? 4. Dort liegt der Erde reicher Segen; dort hangt der Ehre schoͤner Kranz; 242 Gesinnung und Verhalten des Christen Bewundrung jauchzet mir entgegen; die Ruhe winkt, des Goldes Glanz. Ich sehe von des Berges Spitze die schönsten Reiche ausgedehnt. Auf, folge! und Judäa krönt dich, knieend vor dem Kö⸗ nigssitze. 5. Nein, Gott gebeut! Weicht, Erdenfreuden! Fort, Satan, hebe dich von mir! Ich tret' in diese Nacht der Leiden, und hange, Vater, nur an dir. Selbst in des Sturms ergrimmten Flu⸗ then umschlingt dein Arm allmächtig mich. Ich fühle dich, ich fühle dich, wenn alle meine Adern bluten. 6. Entschlossen nun, voll innerm Frieden, wirft er sich ins Gedräng der Welt; er kämpfet, ohne zu ermüden, und überwindet als ein peld; und hält sein Werk nicht für geendet, bis er, nah' an der Todesnacht, zum lauten Sie⸗ gesruf: Vollbracht! den letzten Athemzug verwendet. In eigener Melodie. 324 Fesu, meine Freu⸗ 2 del bester Trost im Leide! Meines Herzens Theil! Deine Mittlertreue macht, daß ich mich freue deiner, Herr, mein Heil! Hab' ich dich, wie reich bin ich! Ohne dich kann ich auf Erden nie recht glücklich werden. 2. Unter 2. Unter deinem Schirme können keine Stürme mir erschrecklich seyn. Laß auch Felsen splittern; laß den Erdkreis zittern und den Einsturz dräu'n! Was ist's mehr? Rings um mich ber mag es stürmen, donnern, blitzen! Er, er wird mich schützen. 3. Wenn der Sünde Schrecken Angst in mir erwecken, Jesus stillet sie. Mag der Tod sich nahen, mich das Grab umfahen, Jesus läßt mich nie. Mich schreckt nicht das Weltge⸗ richt: freudig, daß ich Je⸗ 75 sehe, blick ich auf zur öhe. 4. Wer ist, der den Glau⸗ ben meinem Herzen rauben, ihn erschüttern kann? Bei der Feinde Toben stimm' ich, Gott zu loben, Freudenlie⸗ der an. Ich vertrau' auf Gottes Macht; er wird, wenn mich Feinde hassen, niemals mich verlassen. 5. Lockt nur, Gold und Schätze! Ehre sei der Götze der betrognen Welt! Mich sollt ihr nicht blenden, nicht von dem mich wen⸗ ben, der mich treu erhält. Elend, Noth und Schmach und Tod soll mich, ob ich viel muß leiden, nicht von Jesu scheiden. 6. Weich', verbotne Lie⸗ be! Weich', der Wollust im Allgemeinen. 243 Triebe! Thoren lockt nur ihr. Mich sollt ihr, ihr Sünden, nimmer willig finden; fliehet fern von mir! Ueppigkeit, Geiz, Schmähsucht, Neid, ihr be⸗ schweret das Gewissen; euch will ich nicht wissen. 7. Weichet Sorg' und Zagen! Schweiget, bange Klagen! Jesus ist ja mein. Jeden, der ihn liebet, muß, was erst betrübet, noch zu⸗ letzt erfreun. Hab' ich hie selbst Noth und Müh'; Je⸗ su, auch im bängsten Leide bleibst du meine Freude. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund 325 uf dich, Erlöser, flets zu sehen, so wie du warst, gesinnt zu seyn, der Tugend Weg dir nach zu gehen, der Brüder Glück sich ganz zu weihn, hast du den Deinen, die dich lieben, als Pflicht aus Liebe vorgeschrieben; wie drin⸗ gend ist sie, Herr, wie süß! Wenn jeder Mensch nach deinem Bilde so eifrig seine Pflicht erfüllte, die Erde wär' ein Paradies. 2. Entflammt war deine ganze Seele von reinster Lie⸗ be gegen Gott, war seinem heiligen Befehle gehorsam bis zum Kreuzestod. Du suchtest nur des Vaters Eh⸗ re; im Tempel war sie deine Lehre, und was dem Heilig⸗ L 2 sten 244 Gesinnung und Verhalten des Christen sten gefällt. Den Schöpfer aller Kreaturen verkündig⸗ test du auf den Fluren als Vater, der die Welt erhält. 3. Wie eifrig warst du, seinen Willen, als Bürger und als Unterthan, als Sohn, als Bruder zu er⸗ füllen, auf deiner ganzen Lebensbahn! Als Freund, wie zärtlich gegen Freunde! Verfolgt, wie duldend ge⸗ gen Feinde! Für Aller Wohl schlug deine Brust. Die Menschen trösten und er⸗ quicken, erfreuen, heilen und beglücken, war dein Ge⸗ schäft, war deine Lust 4. Tief rührte dich die Noth der Sünder! Wie forgsam gingst du ihnen nach! Wie viele wurden Gottes Kinder, wenn rüh⸗ rend deine Liebe sprach! Du kämpftest, Wahrheit zu ver⸗ breiten, und Alle zu dem Heil zu leiten, das nicht mit Welt und Zeit vergeht. Ent⸗ zogst du matt dich dem Ge⸗ tümmel, da war die Einsam⸗ keit dein Himmel, dein Geist beim Vater im Gebet. 5. Du warst demüthig und bescheiden, ein Freund erlaubter Heiterkeit; bewie⸗ sest bei den schwersten Leiden Geduld, Muth und Gelas⸗ senheit, vergabst, von Liebe tief durchdrungen, die här⸗ testen Beleidigungen, im Le⸗ ben, und dem Tode nah; und starbst so rührend und erbauend, so freudig, stand⸗ haft, Gott vertrauend, so göttlich groß auf Golgatha! 6. Wie du gesinnt zu seyn, zu handeln, ist deiner Schü⸗ ler höchste Pflicht; der muß nach deinem Vorbild wan⸗ deln, der von Verehrung Christi spricht. Dann wird zum Fleiß in guten Werken uns göttlich der Gedanke stärken, daß wir des Vaters Willen thun, und daß sein heilig Wohlgefallen, sein Geist und Segen auf uns Allen hier und im Himmel lohnend ruhn. Mel. Gott, der du die Menschen % MNelterlöser, dich 326 W̃᷑ zu lieben, bis das Aug' im Tode bricht, mit des Herzens reinsten Trieben, ist uns theure, heil'ge Pflicht. Von der Liebe Gluth durchdrungen, kamst du, wardst uns Men⸗ schen gleich, gründetest ein neues Reich, hast uns Ruh' und Heil errungen. Froher Herzen Preisgesang sagt nun deiner Liebe Dank. 2. Keine lockende Be⸗ gierde drängte dich zum Eit⸗ len hin; Heiligkeit war dei⸗ ne Zierde, Menschenrettung dein Gewinn. Willig trugst du deine Bürde, tratest sanft und still hervor, hobst die Welt zu Gott eme a daß sie ewig selig würde. Niedrigkeit war, Herr, dein Loos, und doch dein Ver⸗ dienst so groß! 3. Mächtig selbst im tief⸗ sten Staube, schufest du der Seelen Glück. Zweifelsucht und Aberglaube schwanden in die Nacht zurück. Hin zum Heiligthum der Wahr⸗ heit führtest du der Deinen Schaar, und wer dir nur folgsam war, sah sein Heil in voller Klarheit. O wer bebt vor Freude nicht? Uns, auch uns umglänzt dein Licht. 4. Nun entfliehen Furcht und Schrecken vor dem gro⸗ ßen Weltenherrn. Nichts kann Sorg' in uns erwecken; er ist nimmer von uns fern. Seine Liebe, Nichts als Lie⸗ be predigt uns die schöne Welt, die er täglich noch erhält, daß sie uns im Lie⸗ ben übe. Menschenfreund, seit du erschienst, ist die Liebe Gottes dienst 5. Selbst der Sünder darf nicht beben, eilt er nur zu dir zurück. Deine Stimme: Du sollst leben! heitert sei⸗ nen Thränenblick. Ach, du blutetest am Kreuze, trugest Schmach und Angst und Noth; starbst für ihn, damit dein Tod ihn zum frommen Leben reize! Folgt er dir, o welche Huld! ausgetilgt ist seine Schuld. im Allgemeinen. 245 6. Dank sei dir von allen Frommen, Preis und Dank sei dir geweiht! Ja, durch dich ist Heil gekommen in das Land der Sterblichkeit. Wer dir folgt durch's Er⸗ denleben, athmet hier schon Himmelslust; Friede wohnt in seiner Brust; einst wird Gott die Kron' ihm geben. Wie verklärt des Todes Thal, Herr, ihm deines Lichtes Strahl! Mel. Auf, Christenmensch 5 ir nach, spricht 327 M Christus, un⸗ ser Held, folgt meinem Vor⸗ bild, Christen! Verläugnet euch, besiegt die Welt mit ihren schnöden Lüsten; gebt ihren Reizungen nicht nach, erduldet lieber Ungemach! 2. Ja, Herr, dein Vor⸗ bild leuchtet mir zu einem heil'gen Leben! Wem sollt' ich auch, wem sonst, als dir, zu folgen mich bestreben? Du zeigst den Weg zum wahren Wohl, zeigst mir, wie ich ihn wandeln soll. 3. Dein Herz, voll Gott⸗ ergebenheit, war auch voll Menschenliebe, voll De⸗ muth, Sanftmuth, Freund⸗ lichkeit, und reger Mitleids⸗ triebe; selbst deinen Fein⸗ den wandtest du großmüthig Hülf' und Wohlthat zu. 4. Dein Beispiel lehrt, was schädlich ist, mit weiser L 3 Vor⸗ Vorsicht fliehen; es lehret mich, mein Herz der List und Heuchelei entziehen. O wohl mir, wenn mit from⸗ mem Sinn ich dir, mein Heiland, ähnlich bin! 5. Du gingst als Führer einst voran, stehst mir auch noch zur Seite; du kämpf⸗ test selbst, und brachst die Bahn, stärkst nun auch mich zum Streite. Wie könnt' ich denn so zaghaft seyn, und mich, dir nachzufolgen, scheu'n? 6. Wer hier sein Glück zu finden meint, wird's ohne dich verlieren, wer's bei dir zu verlieren scheint, den wirst du dazu führen. Wer dich als seinen Herrn verehrt, und dir nicht folgt, ist dein nicht werth. 7. So will ich denn dir, meinem Herrn, getreu und froh nachgehen, will wohl⸗ gemuth, getrost und gern, der Tugend Kampf beste⸗ hen; denn wer nicht kämpft, trägt einst die Kron' des ew'gen Lebens nicht davon. Mel. Es wolle Gott uns gnädig 328 7s preise Gott, wer Jesum Christ als seinen Heiland kennet, wer seiner Kirche Mitglied ist, und seinen Herrn ihn nennet! Sein höchstes Ziel hienieden sei, daß er nach seiner Lehre, 246 Gesinnung und Verhalten des Christen entfernt von aller Heuchelei, aufrichtig ibn verehre als ächter Christusjünger! 2. Der ächte Jünger Jesu hält stets fest an sei⸗ nem Glauben. Er läßt durch allen Hohn der Welt sich nie dies Kleinod rauben. Denn dieser Glaube gibt ihm Kraft und Muth zum edlen Streben, vor seinem Schöpfer tugendhaft und kindlich froh zu leben, zu dulden und zu sterben. 3. Der ächte Jünger Jesu lernt, von Gottes Geist ge⸗ trieben, und von des Lasters Pfad entfernt, stets herzli⸗ cher ihn lieben. Er weiß, was Jesus that und litt, die Sünder zu beglücken. Er zählt dazu sich selber mit, und rühmt es mit Entzücken: Auch mich hat er geliebet! 4. Der ächte Jünger Jesu weiht dem Heiligungsge⸗ schäfte die Tage seiner Le⸗ benszeit und alle seine Kräf⸗ te. Er glaubt und liebt; wie sollt' er nicht der Lüste Reiz verschmähen, und unverrückt den Weg der Pflicht, wie Jesus Christus, gehen, um ähnlich ihm zu werden? 5. Der ächter Jünger Je⸗ su liebt die Menschen edel⸗ müthig; er tröstet, bessert, bilft und gibt, ist gegen Feinde gütig, und liebreich eilt er Jedermann, der sein bedarf, entgegen. Er 1 u⸗ Gutes, wo er kann, und lebt der Welt zum Segen, wie Jesus ihm gebietet. 6. Der ächte Jünger Je⸗ su trägt getrost des Lebens Bürde. Auch Noth, die Gott ihm auferlegt, erhöhet seine Würde. Er bleibet selbst im herben Schmerz noch muthvoll und geduldig; des Gottes tröstet sich sein Herz, vor dem er bier unschuldig zur Ehre Jesu wandelt. 7. Der ächte Jünger Je⸗ su siegt auch über Todes⸗ schrecken; denn seinen Geist, der aufwärts fliegt, wird Grabesstaub nicht decken. Er kennet den, der für ihn starb, und ihm durch To⸗ desleiden des Himmels Se⸗ ligkeit erwarb; drum jauchzt er im Verscheiden: Ich weiß, an wen ich glaube! 8. Gib, Jesu, daß der Deinen Schaar sich stets auf Erden mehre, und daß auch ich dich immerdar im Glau⸗ ben recht verehre! Nimm nach vollbrachtem Pilgerlauf zu jenen Seligkeiten den Geist, der dich verehret, auf! Ihm Wohnung zu bereiten, bist du vorangegangen. Mel. Auf, Christenmensch 329 Du, deines Va⸗ 7 ters Ebenbild, ihm gleich an Menschenliebe, du warst, o Jesu, ganz im Allgemeinen. 247 erfüllt mit gottgeweihtem Triebe! Er war dein Ziel, dein höchstes Gut; ihm folg⸗ test du mit Heldenmuth. 2. Du warst mit ihm Ein Sinn, Ein Herz, sein Wille war dein Wille; du ehrtest auch im größten Schmerz ihn mit zufriedner Stille. Selbst auf der allerrauhsten Bahn sahst du ihn noch als Vater an. 3. Du suchtest Nichts als sein Gebot vollkommen zu erfüllen, und unterwarfst dich bis zum Tod ganz dei⸗ nes Vaters Willen. Dein Hauptgeschäft war das al⸗ lein, Vollender seines Raths zu seyn. 4. Zum Kreuze gingst du ruhig hin, uns Ruhe zu er⸗ werben; bereit, mit gött⸗ lich großem Sinn zum Heil der Welt zu sterben, warst du zur tiefsten Schmach ge⸗ faßt, und trugst der schwer⸗ sten Leiden Last. 5. Herr, lehre mich, dein Eigenthum, nach deiner Tu⸗ gend streben! Dir gleich ge⸗ sinnt seyn, sei mein Ruhm, und Wonne, so zu leben! O hilf, daß ich so gern, wie du, den Willen deines Va⸗ ters thu'! Mel. Schwing' dich auf zu TDollt' ich jetzt 330 S noch, da mir schon deine Güt' erschienen, L 4 dich dich verlassen, Gottes Sohn, und der Sünde dienen? mit den Lüsten dieser Zeit wie⸗ der mich beflecken, und nicht mehr die Freudigkeit deiner Liebe schmecken? 2. Hab' ich doch allein bei dir meine Ruh' gefun⸗ den; Mittler, heiltest du doch mir liebreich meine Wunden; und ich sollte dein Gebot, wie die Sün⸗ der, hassen, und mein Recht n deinem Tod wieder fah⸗ ren lassen? 3. Nein, ich bin und bleib' ein Christ, folge deinen Leh⸗ ren, lasse weder Macht, noch List meinen Glauben stören. Fielen tausend ab; nicht ich; mag's die Welt ver⸗ drießen! Sie wird mein Vertrau'n auf dich mir doch gönnen müssen. 4. Zeigt sie mir ein Heil, wie du? Bringt sie Kraft den Müden, den Bedräng⸗ ten Trost und Ruh', Sün⸗ dern Gottes Frieden? Gibt sie mir die Zuversicht, daß ich, trotz dem Grabe, dei⸗ ner Ewigkeiten Licht zu er⸗ warten habe? 5. Rettet sie mich, wann vor Gott einst die Völ⸗ ker stehen, und das Le⸗ ben und den Tod ihm zur Seite sehen; wann der Sichre nun zu spät aus dem Schlaf erwachet, und der Spötter, der hier 248 Gesinnung und Verhalten des Christen schmäht, glaubt und nicht mehr lachet? 6. O wie thöricht, wenn ich mich noch verführen ließe, Jesu, da ich schon durch dich Gottes Huld genieße, da ich weiß, auf wessen Wort ich die Hoffnung gründe, daß auch ich unfehlbar dort Gnad' und Leben finde! 7. Nicht das Leben, nicht der Tod, Trübsal nicht, noch Freuden, sollen mich, mein Herr und Gott, jemals von dir scheiden. Welt und Sünd' und Eitelkeit und des Fleisches Triebe, Alles überwind' ich weit, Herr, durch deine Liebe! Mel. Freu' dich sehr, o meine 331 Göllce, dich zu erheben und mit frommer Zuversicht dei⸗ ner Tugend nachzustreben, ist dein Ruf und meine Pflicht! Sieh, ein Beispiel laß ich dir, sprichst du: komm' und folge mir! O welch' Beispiel sonder Gleichen! Streb', o Geist, es zu erreichen! 2. Armuth, Haß, Ver⸗ folgung, Schmerzen trugst du still und mit Geduld; du vergabst mit edlem Herzen deinen Feinden ihre Schuld; hörtest der Verlaßnen Fleh'n, eiltest ihnen beizusteh'n; kanntest keine höh're Freu⸗ den, als die Lindrung ihrer Leiden. 3. Ich auch will in Noth und Schmerzen standhaft und geduldig seyn; will mit liebevollem Herzen meinen Feinden gern verzeih'n. Nie soll mir des Elends Fleh'n unerhört vorübergeh'n; fest und innig will ich streben, deinem Beispiel nachzuleben. 4. Du, den ich zum Vor⸗ bild wähle, hebest meine Seel' empor. Wann ich wanke, wann ich fehle, schwebe mir dein Beispiel vor! Dir geheiligt sei mein Geist! Wann er sich dem Staub entreißt: dann, o dann werd' ich im Sterben Freud' und Wonn' auf ewig erben. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht „ Danft, o Christ, 332— ist Jesu Joch; und was kann bei ihm uns fehlen? O wie selig sind wir doch durch den Retter un⸗ srer Seelen! Welche Wonn' und Herrlichkeit wartet un⸗ srer nach der Zeit! 2. Freue deines Glau⸗ bens dich, deines Gottes, seines Sohnes! Deine Seele rühme sich ihrer Hoffnung, seines Lohnes, voller Muth und unverstellt freudig vor der ganzen Welt! 3. Hat gleich sein Be⸗ kenntniß hier seine Leiden und Beschwerden; dennoch sei ihm treu; denn dir sol⸗ im Allgemeinen. 249 len ew'ge Freuden werden. Was ist gegen solch ein Glück dieses Lebens Augenblick? 4. Schäme seines Worts dich nie vor den Frevlern, vor den Spöttern, wenn sie ihn verschmäh'n, wenn sie sich und ihren Witz vergöttern! Was vermag der Lästrer Spott wider Jesum, wider Gott? 5. Was vermag er, tobt er gleich wider dich und dei⸗ nen Glauben? Gottes Bei⸗ fall, Gottes Reich kann doch keine Macht dir rauben. Halte dich an dem nur fest, der die Seinen nie verläßt. 6. Welchen Kampf hat nicht dein Herr für dein ew'⸗ ges Heil gestritten? Jene Schaar der Märtyrer, was hat die für ihn gelitten? Schmach und Marter, selbst den Tod, litten sie getrost für Gott. 7. Und der Spötter Witz und Hohn könnte je dein Herz verführen, deinen An⸗ theil an dem Lohn deines Glaubens zu verlieren? Nein, o Christ, nein, wanke nie, fleh' um Rettung auch für sie! 8. Sei getreu bis in den Tod; denn du glaubest nicht vergebens. Nach dem Tode führt dich Gott zu der Won⸗ ne jenes Lebens. Und auf 2 ne 5e Streit krönt dich seine Herrlichkeit. L 5 Mel Mel. Auf, Christenmensch · 2Neelch hohes Bei⸗ 333 W̃᷑ spiel gabst du mir, mein Heiland, durch dein Leben! Sollt' ich nicht gern und mit Begier, dir nachzuahmen streben? nicht geh'n den Weg, den du be⸗ tratst, nicht freudig thun, was du, Herr, thatst? 2. Dein Herz, von Sün⸗ de nie entweiht, war rein, wie deine Lehre; dein gan⸗ zer Wandel Heiligkeit; dein Endzweck Gottes Ehre: hier Leitung zur Vollkommenheit und dort der Menschen Se⸗ ligkeit. 3. D'rum führtest du zur Tugend an, und, standhaft ihr ergeben, gingst du uns selbst den Weg voran, mit Muth uns zu beleben; und wenn du littest ohne Schuld, ertrugst du Alles mit Geduld. 4. Der Kummervollen Trost zu seyn; zu wehren jedem Leide, nur wohlzu⸗ thun, nur zu erfreu'n, war deine Sorg' und Freude; und jede Thräne, jeder Schmerz drang in dein lie⸗ bevolles Herz. 5. Du trugst mit Sanft⸗ muth und mit Huld die Schwachheit deiner Freun⸗ dez mit Sündern hattest du Geduld und batst für deine Feinde. Du warst ge⸗ horsam bis zum Tod und ehr⸗ test selbst im Tode Gott. 250 Gesinnung und Verhalten des Christen 6. Dies große Beispiel hast du mir zum Vorbild hinterlassen, daß ich gesin⸗ net sei, gleich dir, in meinem Thun und Lassen. Komm', sprichst du, nimm mein Joch auf dich, komm', folge mir und sieh auf mich! 7. Ich komme, Herr! Gib Kraft und Licht, daß ich mein Heil erkenne, dein wahrer Jünger sei, und nicht mich nur den deinen nenne, damit ich, deinem Vorbild treu, auch Andern gutes Beispiel sei! Mel. Wer nur den lieben Gott 25 Meglückt, beglückt 334 ist, wer auf Er⸗ den mit allen seinen Kräf⸗ ten strebt, an edlen Thaten reich zu werden, und nicht für diese Welt nur lebt, stets vorwärts dringt, und nie vergißt, daß seine Seel unsterblich ist. 2. Er forschet nach der Tugend Wegen, was gut und Pflicht ist, schnell zu thun, spricht nicht(so spre⸗ chen nur die Trägen): Noch will ich schlummern, will noch ruh'n. Er säet früh und nützt die Zeit zur Aus⸗ saat für die Ewigkeit. 3. Erfüllet von der Tu⸗ gend Sorgen, denkt er, und denkt mit Lust daran, wie er hier sichtbar, dort ver⸗ borgen, ein gutes Werk voll⸗ en⸗ enden kann, und nützet je⸗ den Augenblick für Tugend und für Brüderglück. 4. Ihn schrecken keine Hindernisse, durch edle Thaten stärkt er sich, und seine heiligen Entschlüsse sind fest und unerschütter⸗ lich. Wie sehr er auch zu kämpfen hat, reift jeder Vorsatz doch zur That. 5. Er widersetzt mit fe⸗ stem Muthe dem Unrecht sich, gestärkt durch Gott. Träf' ihn im Kampfe für das Gute der Welt Ver⸗ folgung oder Spott; so bleibt ihm doch der Preis im Streit Er kämpft, weil es die Pflicht gebeut. 6. So laßt auch uns als Christen handeln, aus rei⸗ ner Achtung für die Pflicht; laßt uns die Bahn der Tu⸗ gend wandeln: da strahlet immer helles Licht, und unser Loos in Ewigkeit ist reiner Tugend Seligkeit! Mel. Auf, Christenmensch Mald oder spät 335 B des Todes Raub, wall' ich noch hier auf Erden: doch nur mein Leib wird wieder Staub; ich soll unsterblich werden. Und dann, dann ist mein ew'ges Theil, o Gott, Ver⸗ werfung oder Heil. 2. Mit Ernst und Eifer soll der Christ nach seinem im Allgemeinen. 251 Heile ringen, gern lassen. was auf Erden ist; hinauf zu Gott sich schwingen; ge⸗ trost den Pfad der Trübsal geh'n; und standhaft in Versuchung steh'n. 3. Noch weiß ich, daß ich laufen muß; noch bin ich in den Schranken, noch nicht am Ziele: doch mein Fuß beginnet oft zu wan⸗ ken. Herr, stärke mich durch deine Kraft, auf dieser kur⸗ zen Pilgerschaft. 4 So lang ich noch, ein Fremdling hier, in diesem Leibe walle, schaff' du ein reines Herz in mir, ein Herz, das dir gefalle, und leite mich auf ebner Bahn durch deinen Geist zu dir hinan! 5. Es sei mein Ruhm, dir werth zu seyn, was du gebeutst, zu üben; mein höchstes Gut, mich dein zu freu'n, von Herzen dich zu lie⸗ ben; mein Trost, auf deinen Schutz zu bau'n, und dir, Allliedender, zu trau'n! 6. Nie soll des Zweifels Dunkelheit mir diesen ho⸗ hen Glauben, dies Vorge⸗ fühl der Seligkeit, des Him⸗ mels Hoffnung rauben Was lindert sonst des Lebens Noth? Und was versüßt mir einst den Tod? 7. Du, der mir dieses Heil erwarb, laß, Jesu, mich's ererben; du, der für seine Menschen starb, L 6 laß aß, 252 Gesinnung und Verhalten des Christen laß, Jesu, dir mich sterben! Gib, daß ich dir im Leben treu, getreu bis in den Tod dir sei! Mel. O Gott, du frommer Gott 336 Du sagst: Ich bin 5 ein Christ! Wohl dir, wenn Herz und Leben dir dessen, was du sagst, Beweis und Zeugniß geben! Wo ist ein höh'rer Ruhm? Welch Glück kann größer seyn, als Gottes Wege geh'n und seiner Huld sich freu'n? 2. Du sagst: Ich bin ein Christ! Der ist's, der Chri⸗ stum kennet, nicht mit dem Munde nur ihn Herr und Heiland nennet, nein, gern und willig thut, was auch sein Herr gebeut. Thust du das nicht, so ist dein Ruhm nur Eitelkeit. 3. Du sagst: Ich bin ein Christ! Mit Ernst das Böse hassen, den Lüsten wider⸗ steh'n, gewohnte Sünden lassen, dies ist des Herrn Befehl; dies seiner Lehre Sinn; kein todter Glaube 3 zur ew'gen Wohlfahrt in. 4 Du sagst: Ich bin ein Christ, getauft zu Gottes Erben, sein Kind und Freund zu seyn und selig einst zu sterben! Du bist's; doch prüfe dich, erfüllest du auch Zern, treu deiner Christen⸗ pflicht, den Bund mit dei⸗ nem Herrn? 5. Hast du nicht diesen Bund schon längst und oft gebrochen? Du hast, als Gottes Kind, Gehorsam ihm versprochen; hast du mit Treue denn dem Guten nachgestrebt? Hat nicht die Sünde noch sehr oft in dir gelebt? 6. Du sagst: Ich bin ein Christ, betrachte, les' und höre, vom Irrthum unver⸗ führt, des Heilands reine Lehre! Wohl dir! Doch thust du auch, was Gottes Wort dich lehrt? Nur selig ist, wer's thut, nicht, wer's blos liest und hört. 7. Du sagst: Ich bin ein Christ! Mit Gott mich zu verbinden, nehm' ich oft Je⸗ su Mahl; mich reuen meine Sünden. Doch zeiget sich bei dir in deinen Werken auch rechtschaffne Besserung nach dieses Mahls Ge⸗ brauch? 8. Nur dann erst, wenn dein Sinn, wenn alle deine Triebe dem Herrn geheiligt sind in reiner Kindesliebe, wenn du, wie Christus war, ein Freund der Menschen bist, gerecht und wahr und mild; dann sag: Ich bin ein Christ! 9. Wenn, Gutes aus⸗ zustreun, die Unschuld zu beschützen, und selbst dem Feind, Feind, so viel du immer kannst, zu nützen, ohn' Ei⸗ gennutz und Stolz, dein Herz stets willig ist, auch wenn's Verläugnung gilt; dann sag': Ich bin ein Christ! 10. Denn, wenn noch Lei⸗ denschaft dir dein Gemüth regieret, wenn Wollust, Ei⸗ telkeit und Schmähsucht dich verführet, wenn Geiz und Haß und Neid noch über dich gebeut: so kennest du noch nicht die wahre Hei⸗ ligkeit. 11. Sprich nicht: Ich bin ein Christ! bis daß dir Herz und Leben von diesem Ruh⸗ me erst ein sichres Zeugniß geben. Der Nam' ist nicht genug. Ein Christ muß ohne Schein, das, was er heißen will, in seinem Wandel seyn, 12. Ach, Gott, gib mir doch Kraft, mich ernstlich zu befleißen, ein wahrer Christ zu seyn und nicht blos so zu heißen! Denn, wer den Namen hat und nicht die That zugleich, betrügt sich und gelangt nicht in dein Himmelreich. Mel. Wer nur den lieben Gott 337 Get, dir gefällt kein gottlos Wesen; wer bös ist, bleibet nicht vor dir. D'rum laß von Sünden mich genesen, und schaff' ein reines Herz in mir, ein Herz, das sich im Allgemeinen. 253 vom Sinn der Welt entfernt und unbefleckt erhält! 2. Laß mich auf die be⸗ gangnen Sünden mit inni⸗ ger Beschämung sehn; durch Christum vor dir Gnade fin⸗ den, und standhaft deine Wege gehn! Ich will fort⸗ bin die Sünde scheu'n, und deinem Dienst mein Leben weih'n. 3. Du kennst und lenkest die Gedanken! Gib meinem Vorsatz Festigkeit; und will mein schwaches Herz je wan⸗ ken, so hilf der unentschlos⸗ senheit. Wie viel vermag ich, Gott, mit dir! Nimm dei⸗ nen Geist nur nicht von mir! 4. Gib, daß er mir stets Hülfe leiste, und Muth und Kräfte mir verleih', daß ich mit kindlich treuem Geiste dir bis zum Tod ergeben sei; so sieg' ich über Fleisch und Welt, und thue, was dir wohlgefällt. 5. Doch wann ich je aus Schwachheit fehle, mein Vater, dann verwirf mich nicht! Verbirg nicht der bedrängten Seele, wann sie dich sucht, dein Angesicht; und mache in Bekümmerniß mich deiner Gnad' und Huld gewiß! 6. Erquicke mich mit dei⸗ nen Freuden; schaff' ein ge⸗ trostes Herz in mir, und stärke mich in allen Leiden: so halt' ich mich, mein Gott, L 6 zu 254 Gesinnung und Verhalten des Christen zu dir, bis nach vollbrach⸗ ter Prüfungs zeit der Dei⸗ nen Erbtheil mich erfreut. Mel. Freu' dich sehr, o meine 338 5 ott, ich will mich ernstlich prü⸗ fen, ob ich redlich bin vor dir! Du kennst meines Her⸗ zens Tiefen; ach, entdecke sie auch mir! Laß mich se⸗ hen, ob ich treu dir in mei⸗ nem Wandel sei; ob ich recht zu thun mich übe, weil ich dich von Herzen liebe! 2. Eitelkeit und Eigen⸗ liebe sind die Götzen dieser Welt; aber nie sind sie die Triebe, deren Wirkung dir gefällt. Wer das Gute, das er übt, nicht mit reiner Seele liebt, Richter, dem gibst du die Krone der Ge⸗ rechten nicht zum Lohne. 3. Die um deiner Liebe Willen wandeln, wie dein Wort gebeut, diese, diese nur erfüllen das Gesetz der Frömmigkeit. Nicht nur das, was wir gethan, auch die Absicht siehst du an; dei⸗ ne Liebe soll uns dringen, gute Werke zu vollbringen. 4. Wie ein leichter Ne⸗ bel schwinden meine Tu⸗ genden vor dir; denn noch trennendieblingssünden mich, o Heiligster, von dir! Dei⸗ ne Liebe trieb mich nicht zur Erfüllung meiner Pflicht; ich vergaß, an dich zu denken, ließ von lenken. 5. Oft gehorcht' ich dei⸗ nem Rechte nur, daß meine Folgsamkeit mir bei Men⸗ schen Ehre brächte und den Ruhm der Frömmigkeit. Wenn ihr Beifall mich er⸗ hob, o wie süß war mir dies Lob! Nur von ihm ließ ich mich treiben, dei⸗ nen Rechten treu zu bleiben. 6. Ach, wie konnt' ich dich vergessen, wie so undank⸗ bar dir seyn, deine Liebe nicht ermessen, deines Bei⸗ falls nicht mich freun! Mei⸗ nen Lohn hab' ich dahin; eitler Ruhm ward mein Gewinn: aber ihn sollt' ich verachten, nur nach deinem Beifall trachten. 7. Gott, der jedes Herz voll Reue gern mit seinem Trost erfreut, sei mir gnä⸗ dig und verzeihe die unlau⸗ tre Frömmigkeit! Mache rei⸗ ner meinen Sinn; lenk' ihn zu dem Einen hin, dich zu lieben, und vor Allem dir, o Höchster, zu gefallen! 8. Laß, Herr, alle meine Werke Früchte deiner Liebe seyn; gib mir täglich neue Stärke, ganz der Tugend mich zu weihn! Ich bin, Gott, dein Eigenthum; dies sei mir der höchste Ruhm! Was ist mir das Lob der Erde, wenn ich deiner würdig werde! Eigennutz mich Mel. O Gott, du frommer Gott 0 err, höre mein 339 Hcecbel und laß es dir gefallen! Es ist mein ganzer Ernst, auf dei⸗ ner Bahn zu wallen. Er⸗ greife, leite, Herr, den Schwachen, der dir fleht; verwirf die Bitte nicht, die mir von Herzen geht! 2. Du willst, daß ich mich treu in jeder Tugend übe. Der Glaube, sagt dein Wort, soll fruchtbar durch die Liebe in wahrer Heilig⸗ keit, in guten Werken seyn; dir soll ich, Herr, mein Gott, mein ganzes Leben weihn! 3. Dies will ich, und doch macht die Schwäche meiner Seele, und der Versuchung Reiz, daß ich so oft noch fehle. Ich seh' der Tugend Glück; ich wünsche, gut zu seyn; und immer hab' ich doch so viel noch zu bereu'n. 4. Das siehst du, Herr, mein Gott; o sieh es mit Erbarmen, und reiche deine Hand voll Vaterhuld mir Armen! Gib meinem Geiste Licht: gib meinem Vorsatz Kraft, so kämpf ich glück⸗ licher mit Welt und Lei⸗ denschaft. 5. Eröffne den Verstand, stets heller einzusehen, daß Sünd uns elend macht; daß wahres Wohlergehen, und innrer Friede nur aus reinem Herzen fließt, daß im Allgemeinen. du mit deiner Huld der Freuden Quelle bist. 6. Laß in Versuchung mich nicht zaghaft unter⸗ liegen; ermuntre mich zum Muth und hilf dem Schwa⸗ chen siegen. Mein Auge laß allein auf deine Weis⸗ heit schau'n, mein Herz dir folgsam seyn, und dann dir froh vertrau'n. 7. Ich bin ein Pilger hier, umringt von vielen Sündern; ihr Beispiel könnte leicht der Tugend Eifer mindern. Wenn der Verführung Gift, des Leicht⸗ sinns frecher Spott dem Geist gefährlich wird; dann steh' mir bei, mein Gott! 8. Bewahre mein Ge⸗ müth, daß mich, bis an mein Ende, die falsche Fröhlichkeit der Sünder nie verblende! Der Thoren Jauchzen wird bald lange Reu' und Pein; laß diesen Wechsel mir doch ja vor Augen seyn! 9. So werd' ich, Herr, mein Gott, dir nicht umsonst vertrauen; einst, wenn ich treu dir war, der Freuden Fülle schauen, und, wann du ewig lohnst für jede gute That, frohlocken, daß mein Herz sich dir geheiligt hat. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 340 H err, wie lange A muß ich ringen, eh' ich auf der steilen 2 ki⸗ deim Rechts zum Himmel dringen, und vom Kampfe ruhen kann? Werd' ich mei⸗ nen Hang zu Sünden end⸗ lich völlig überwinden? 2. Ach, wenn mich die Lust der Erde, oder kühner Sün⸗ der Spott reizet, daß ich träger werde, wirst du mein vergessen, Gott? Wirst du, mich zu unterstützen, eilen? wirst du dann mich schützen? 3. Ach, ich zittre, Gott! wie lange soll ich käm⸗ pfen? Dieser Streit mei⸗ ner Schwachheit macht mir bange, bei so viel Gefähr⸗ lichkeit, daß ich doch noch unterliege und mein Kleinod nicht ersiege. 4. Schaue her zu deinem Kinde; höre mich und steh' mir bei! Herr, bewahre mich vor Sünde; mache mich getrost und treu, daß ich standhaft deine Wege wandeln, und nicht strau⸗ cheln möge; 5. Daß die Welt mich nicht verführe, daß sie mich nicht ungetreu mach und spot⸗ tend triumphire, daß ich auch gefallen sei; daß sie sich nicht ihrer Siege rüh⸗ me, weil ich unterliege. 6. Der du Kraft und Muth gewährest, hilf des Schwachen Schwachheit auf! Ja, ich hoffe, daß du hö⸗ rest, und ich freue mich darauf. Rühmen will ich's, 256 Gesinnung und Verhalten des Christen und dir singen, daß du Stärke gibst zum Ringen. Mel. Herzliebster Jesu! 341 ch habe, Gott, mir ernstlich vorgenommen, nie auf der Uebertreter Pfad zu kom⸗ men, vor dir zu wandeln, dir mich und mein Leben treu zu ergeben. 2. Erforsche mich, sieh, ob ich's redlich meine; gib, daß ich nicht blos, was ich seyn soll, scheine; mit al⸗ len Kräften strebe, deinen Willen froh zu erfüllen. 3. Wenn deine Furcht mich überall begleitet, und meinen Gang, wo mich kein Mensch sieht, leitet; wie sicher werd' ich deine Wege wallen! Wie kann ich fal⸗ len? 4. Laß auch im Dunkeln mich dein Auge scheuen, nicht achten auf der Sünde Schmeicheleien, aufmerksam des Gewissens Stimme hö⸗ ren, dich thaͤtig ehren! 5. Gib Eifer, Kraft und Muth zu meinen Pflichten; so mag die Welt, wie ihr's gefällt, mich richten! Ehrt mich dein Beifall, so kann ich mit Freuden Verachtung leiden. 6. Du achtest nicht das Ansehn der Personen; ge⸗ recht wirst du einst richten und belohnen, mit* ei keit und Ehre deine Kinder, mit Schmach die Sünder. 7. Vollend' ich meines Le⸗ bens Prüfungsstunden, und werd' ich bis zum Tode treu erfunden: wie schön ver⸗ wandeln sich dann meine Leiden in ew'ge Freuden! Mel. Wann mein Stündlein 5 Och bin ein Christ! 342 N Gott ist mein Freund! In dieser hohen Würde steh' ich und fürchte keinen Feind, trag' muthig meine Bürde. Heil mir! In meines Gottes Kraft be⸗ herrsch' ich jede Leidenschaft, im Dulden wie im Handeln. 2. Mein Glaube steht und wanket nicht; stark, fest ist er gegründet! Er stützt voll hoher Zuversicht auf Jesum sich, und findet bei ihm Kraft, Ruhe, Rath und Heil, und nimmt an jedem Segen Theil, den er uns hat erworben. 3. Mich soll daher nicht Eitelkeit, nicht Bitterkeit der Leiden, auch nicht ein Schlaf der Sicherheit von Gottes Liebe scheiden. Wer Jesu glaubt und freudig thut, wie Jesus will, hat hohen Muth im Leben und im Sterben. 4. Was sind die Leiden dieser Zeit doch gegen jene Kronen, womit Gott in der Ewigkeit die Frommen im Allgemeinen. 257 will belohnen? Was ist die eitle Lust der Welt, wenn man das Glück dagegen hält, das Gott uns dort will schenken? 5. So soll denn selbst des Todes Macht mein Herz von Gott nicht scheiden! Er führt mich durch des Gra⸗ bes Nacht zu jenem Licht der Freuden, wo, frei von allem Erdenleid, in seines Himmels Herrlichkeit ich ewig mit ihm lebe. Mel. Ach sieh' ihn dulden 343 ir immer ähn⸗ 2 licher zu wer⸗ nen, du hohes Urbild der Vollkommenheit, das sei mein Ziel schon hier auf Er⸗ den, das bleibt mein Ziel, dem in der Ewigkeit mit höhrer Kraft mein Geist ent⸗ gegen strebt, ob er sich gleich nie ganz zu ihm erhebt. 2. Wenn ich aus reiner Menschenliebe, die selbst den Schein des Eigennutzes flieht, des Wohlthuns edle Pflichten übe, auch wenn mein Thun kein sterblich Auge sieht; dann bin ich ähnlich dem, der einst die Welt aus Liebe schuf, aus Liebe noch erhält. 3. Wenn ich auf seine Weisheit achte, die nicht dem kleinsten seiner Werke fehlt; wenn ich den edlen Zweck betrachte, zu dem er stets stets die besten Mittel wählt, und selbst mit Weisheit handle, so wie er: dann werd' ich meinem Vorbild ähnlicher. 4. Wenn ich mit immer regem Triebe das Böse hasse, das mich elend macht, und als mein Glück das Gute lie⸗ be, wie sinnenreizend auch das Laster lacht; und in Gefahr mein Herz sich nie vergißt: dann gleich ich dem, der rein und heilig ist 5. Wenn ich, um Tugend auszubreiten, Verdiensten helfe, lohne Fleiß und Treu'; wenn ich, zur Beßrung ihn zu leiten, den Frevler stra⸗ fe; selbst das Unrecht scheu': dann gleich ich dem, der mit Gerechtigkeit belohnt und straft, so gern sein Herz verzeiht. 6. Wenn ich durch Täu⸗ schung nie betrüge, die Wahrheit ehre, Feind der Falschheit bin, mein Wort nie breche, niemals lüge, und brächt' es mir auch einer Welt Gewinn: dann gleich ich dem, der es auf⸗ richtig meint, und stets es ist, dem großen Wahrheits⸗ freund. 7. Wenn ich mich Leiden⸗ der erbarme mit brüderli⸗ chem, liebevollem Sinn; nicht stolz erst frage, ob der Arme es werth sei, daß ich sein Erretter bin: dann 258 Gesinnung und Verhalten des Christen gleich ich dem, der ewig gütig ist, und keines Menschen, keines Wurms vergißt. 8. So sei, dir ähnlicher zu werden, du hohes Urbild der Vollkommenheit, mein höchstes Ziel schon hier auf Erden, mein Ziel, zu wel⸗ chem einst in Ewigkeit mit höhrer Kraft mein Geist zu dringen strebt, ob er sich gleich nie ganz zu ihm erhebt. Mel. Freu' dich sehr, o meine Dommt und laßt 341 K uns Christi deh⸗ ren, laßt uns, was er uns verheißt, Wahrheit Gottes von ihm hören, hören, wen er selig preist! Die im Glauben fest bestehn, freu⸗ dig Gottes Wege gehn, den Erlöser frei bekennen, dur⸗ fen sich die Seinen nennen. 2. Selig, wer in Demuth lebet, seiner Schwachheit nie vergißt, nie sich selbst voll Stolz erhebet, wenn er groß und glücklich ist! Gottes Huld wird ihn erfreun, und das Himmelreich ist sein. Gott wird Seil und ew'ges Leben ihm zum Lohn der Tugend geben. 3. Selig ist, wer seine Sünde wehmuthsvoll vor Gott bereut, und, damit er *nade finde, sich vor neuen Sünden scheut. Gott will ihm die Schuld verzeihn, und zum Guten Kraft verleihn; froh froh im Geist schon hier auf Erden, soll er dort ganz glücklich werden. 4. Selig ist, wer Sanft⸗ muth übet, niemals seinem Feinde flucht; gern Belei⸗ digern vergiebet, nie sich selbst zu rächen sucht; ru⸗ hig seine Pflicht vollbringt, und sein eignes Herz be⸗ zwingt. Gott wird über ihn stets wachen, und ihn reich an Segen machen. 5. Selig, die mit Ernst verlangen, heilig und ge⸗ recht zu seyn; welche fest am Guten hangen, nicht blos an des Guten Schein; deren Herz nicht mehr be⸗ gehrt, als was ihre Tugend mehrt. Gott wird ihr Ver⸗ langen stillen, sie mit höh'⸗ rer Kraft erfüllen. 6. Selig sind, die, voll Er⸗ barmen, Keinem ihre Hülf' entziehn; bei dem Kranken, bei dem Armen nie des Elends Anblick fliehn; gern behülflich sind mit Rath, und nach Kräften mit der That. Diese werden Hülf' empfangen, und Barmher⸗ zigkeit erlangen. 7. Selig sind, die ihrer Herzen reine Unschuld nie entweihn; züchtig, auch in ihren Scherzen, den Ver⸗ dacht des Leichtsinns scheun. Die dem Reize böser Lust, regt er sich in ihrer Brust, dennoch standhaft widerste⸗ im Allgemeinen. 259 hen, werden Gottes Ant⸗ litz sehen. 8. Selig, wer in Frieden lebet, wer stets Ruh' und Einigkeit zu erhalten sich bestrebet, und, wenn Feind⸗ schaft, Haß und Streit sei⸗ ner Brüder Glück zerstört, sie die Pflicht der Eintracht lehrt! Die des Friedens sich befleißen, werden Got⸗ tes Kinder heißen. 9. Selig, die des Guten wegen dulden Schmach und Haß und Pein! Ihrer war⸗ tet Heil und Segen, wenn sie hier den Kampf nicht scheun. Gott steht ihnen mächtig bei, und wird sie für ihre Treu' einst mit Wonn' und Siegeskronen in der Ewigkeit belohnen. 10. Herr, du wollest selbst mich leiten auf der Tugend sichrer Bahn, wo ich dieser Seligkeiten hier und dort mich freuen kann! Gib, daß ich in Freud und Schmerz treu dir bleibe, daß mein Herz sich durch deines Gei⸗ stes Stärke stets befleiße guter Werke. In eigener Melodie. aß mich, o Herr, 345 Lin allen Dingen auf deinen Willen sebn, und dir mich weihn; gib selbst das Wollen und Vollbrin⸗ gen, und laß mein Herz dir ganz geheiligt seyn! Nimm mei⸗ meinen Leib und Geist zum Opfer hin; dein, Herr, ist Alles, was ich hab' und bin. 2. Gib meinem Glauben Muth und Stärke, und laß ihn in der Liebe thätig seyn, daß man an seinen Früchten merke, er sei kein eitler Traum und falscher Schein. Er stärke mich in meiner Pilgrimschaft, und gebe mir zum Kampf und Siege Kraft. 3. Laß mich, so lang' ich hier soll leben, in gut und bösen Tagen seyn vergnügt, und deinem Willen mich er⸗ geben, der mir zum Be⸗ sten Alles weislich fügt; gib Furcht und Demuth, wann du mich beglückst; Geduld und Trost, wann du mir Trübsal schickst! 4. Ach, hilf mir beten, wachen, ringen; so will ich dir, wann ich den Lauf vollbracht, stets Dank und Ruhm und Ehre bringen, dir, der du Alles hast so wohl gemacht. Dann werd' ich heilig, rein und unent⸗ weiht, dein Lob verkündi⸗ gen in Ewigkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott ein Gott, ach 346 N lehre mich er⸗ kennen den Selbstbetrug und Heuchelschein, daß Tausend, die sich Christen nennen, mit nichten Christi Glieder sei'n. Ach, wirk' in mir, zu deinem 260 Gesinnung und Verhalten des Christen Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 2. Hilf, daß ich dir allein ergeben, der Sünde abge⸗ storben sei; laß mich dir ster⸗ ben und dir leben, und mach' in mir, Herr, Alles neu! Ach wirk' in mir, zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 3. Reiß' los mein Herz von dieser Erden, laß mich, der ich unsterblich bin, nach dei⸗ nem Bild erneuert werden, und gib mir meines Heilands Sinn! Ach wirk' in mir, zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 4. Regiere du selbst meine Seele, damit ich Christo folge nach, und stets den schmalen Steg erwähle, ja Ehre such' in Christi Schmach. Ach, wirk' in mir, zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 5. Gib mir zum Streite Muth und Kräfte; hilf, daß ich dir verbleibe treu, daß ich an Christi Kreuz mich hefte, und mir die Welt gekreuzigt sei. Ach, wirk in mir, zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 6. Laß in mir Glaube, Hoffnung, Liebe beständig fest und thätig seyn; daß ich bis an mein Ende übe das Christenthum ohn' Heuchel⸗ schein. Ach wirk' in 5 ei deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 7. So hab' ich schon auf dieser Erde, was mich be— ruhigt und erfreut; wann ich mit Gott vereinigt werde, schmeck ich des Himmels Se⸗ ligkeit. Ach, wirk' in mir, zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christen⸗ thum! Mel. O Gott, du frommer Gott 0 ein Schöpfer, 347 M dessen Hauch mich, todten Staub, beseel⸗ te; Sinn und Vernunft mir gab, in Christo mich erwähl⸗ te, regiere feiner mich mit deinem guten Geist, daß jede Handlung dich, Gott, meinen Schöpfer preist. 2 Laß, da du heilig bist, mich alle Lüste fliehen, und mich nur um den Schatz, der droben ist, bemühen; gib Stärke zu dem Streit, Herr, mit der Welt und mir; und Hoffnung zu dem Sieg: er kommt allein von dir. 3. Laß mich, ich bin ein Christ, nach Christi Lehre wandeln; mein ganzer Got⸗ tesdienst sei Glaub und richtig Handeln! Die Lust an dem Gesetz ist mehr, als Lust der Welt, die nur der Frevler liebt, der Thor für Freude hält. 4. Entzünde du mein Herz mit Frömmigkeit und Liebe; im Allgemeinen. gib, daß ich auch, wie mich, den ärmsten Bruder liebe, und segne meinen Feind! Herr, was ich hab', ist dein. Laß mich im Unglück groß, im Glück bescheiden seyn! 5. Dein Himmel sei mein Glück; das Irdische verge⸗ het: weh Jedem, dessen Herz mit ihm im Bunde stehet! Wohl dem, deß erster Wunsch, Gott, dein Er⸗ kenntniß ist! friedenheit, Alles mißt. 6. Nimm alle Laster weg, die der Gesellschaft schaden. Wir sind ja, was wir sind, aus unverdienten Gnaden. Haß, Falschheit, Heuchelei, und Stolz und Bruderneid sind unsrer Tage Pest, und kurz ist unsre Zeit. 7. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Schutz in allen Nöthen, früh such ich dich; des Nachts will ich zu dir auch beten. Mein Stand sei dir geweiht, bei meines Amtes Pflicht ver⸗ gesse ja mein Herz des Chri⸗ sten Pflichten nicht! 8. Zuletzt erlöse mich von mir beschiednem Lei⸗ den; laß meinen Geist voll Trost aus seiner Hütte scheiden! Herr, ihn befehl' ich dir; mich führe deine Hand durchs ͤͤde Todes⸗ thal ins rechte* * Er hat Zu⸗ wann er auch — 262 Mel. O Gott, du frommer Gott ein Vater und 348 N mein Gott, der du in diesem Leben, zur Leuchte meinem Fuß, dein heil'ges Wort gegeben: re⸗ giere doch mein Herz durch deinen guten Geist, daß ich dem folgsam sei, was, Gott, dein Wort mich heißt! 2. Verleih', daß ich zuerst nach deinem Reiche trachte, und kein vergänglich Gut mehr, als es werth ist, ach⸗ te! Wer nach dem Ewigen mit rechtem Eifer ringt, em⸗ pfängt schon hier zum Lohn, was wahre Ruhe bringt. 3. Gib, daß ich von der Welt mich unbefleckt erhalte, und daß in mir der Trieb zum Guten nie erkalte; hilf, daß ich immer wach, im Kampf des Glaubens treu, und in der Hoffnung stark und fest gegründet sei! 4. Gib, daß ich als ein Christ mich Christo ähnlich zeige, und achtsam mein Ge⸗ müth zu seiner Lehre neige! Sein Geist regiere mich, und nicht der Geist der Welt! So wandl' ich, Herr, vor dir den Weg, der dir gefällt. 5. Hilf, daß ich dich, mein Gott, von ganzer Seele liebe, und Lieb' und Gütigkeit auch an dem Nächsten übe! Laß fern von Uebermuth mich bei des Glückes Schein, und Gesinnung und Verhalten des Christen frei von Ungeduld in trü⸗ ben Tagen seyn! 6. Nie müsse sich mein Herz des Fleisches Lust er⸗ geben, und nie dem schnöden Geiz! Mein dir geweihtes Leben, sei von Betrug und Neid, von Unbarmherzig⸗ keit, von ungerechtem Gut und stolzem Sinn befreit! 7. Will deine Hand mich hier auf rauhe Wege leiten; so unterstütze mich, wann meine Tritte gleiten! Laß mich in aller Noth auf deine Hülfe baun, und auch, wann sie verzieht, dir doch getrost vertraun! 8. Erlöse endlich mich von allen meinen Leiden; und ist die Stunde da, aus die⸗ ser Welt zu scheiden, o Va⸗ ter, so verlaß, wenn meine Hütte bricht, mich Sterben⸗ den mit Trost und froher Hoffnung nicht! Mel. Wer nur den lieben Gott icht, daß ich's 349 Nischen ergriffen hätte; die beste Tugend bleibt noch schwach; doch, daß ich meine Seele rette, jag' ich dem Kleinod eifrig nach. Denn Tugend ohne Wachsamkeit verliert sich bald in Sicherheit. 5 2. So lang ich hier im Leibe walle, bin ich ein Kind, das strauchelnd geht. Der ehe zu, daß er nicht falle sehe zu, daß— der, wenn sein Nächster fällt, noch steht. Auch die be⸗ kämpfte böse Lust stirbt nie⸗ mals ganz in unsrer Brust. 3. Nicht jede Besserung ist Tugend, oft ist sie nur das Werk der Zeit. Die wilde Hitze roher Jugend wird mit den Jahren Sitt⸗ samkeit; und was Natur und Zeit gethan, sieht un⸗ ser Stolz für Tugend an. 4. Oft ist die Aendrung deiner Seelen ein Tausch der Triebe der Natur. Du fühlst, wie Stolz und Ruhm⸗ sucht quälen, und dämpfst sie; doch du wechselst nur: dein Herz fühlt einen an⸗ dern Reiz, dein Stolz wird Wollust oder Geiz. 5. Oft ist es Kunst und Eigenliebe, was Andern strenge Tugend scheint. Der Trieb des Neids, der Schmähsucht Triebe erweck⸗ ten dir so manchen Feind; du wirst behutsam, schränkst dich ein, fliehst nicht die Schmähsucht, nur den Schein. 6. Du denkst, weil Dinge dich nicht rühren, durch die der Andern Tugend fällt: so werde Nichts dein Herz ver⸗ führen; doch jedes Herz hat seine Welt. Den, welchen Stand und Gold nicht rührt, hat oft ein Blick, ein Wort verführt. 7. Oft schläͤft der Trieb in im Allgemeinen. 263 deinem Herzen. Du scheinst von Rachsucht dir befreit; jetzt sollst du eine Schmach verschmerzen, und sieh, dein Herz wallt auf und dräut, und schilt so lieblos und so hart, als es zuerst geschol⸗ ten ward. 8. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, das Herz im Stillen tugendhaft. Kaum lachet uns die Welt entgegen: so regt sich unsre Leidenschaft. Wir werden im Geräusche schwach, und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst Gott die leichtern Triebe durch einen strengen Lebenslauf; doch opferst du, will's seine Liebe, ihm auch die liebste Neigung auf? Dies ist das Auge, dies der Fuß, die sich der Christ entreißen muß. 10. Du fliehst, geneigt zu Ruh' und Stille, die Welt, und liebst die Einsamkeit; doch bist du, fordert's Got⸗ tes Wille, auch dieser zu entfliehn bereit. Dein Herz haßt Habsucht, Neid und Zank; flieht's Unmuth auch und Müßiggang? 11. Du bist gerecht; bist du bescheiden? bist mäßig; übst du auch Geduld? Du dienest gern, wenn Andre leiden; vergibst du Fein⸗ den auch die Schuld? Von allen Lastern sollst du rein, zu aller Tugend willig segn. 12. Sei 12. Sei nicht vermessen! Wach' und streite; denk' nicht, daß du schon g'nug gethan. Dein Herz hat seine schwache Seite, die greift der Feind der Wohlfahrt an. Die Sicherheit droht dir den Fall; drum wache flets, wach' überall! In eigener Melodie. 350 0 Gott, du from⸗ mer Gott, du Quelle aller Gaben, ohn' den Nichts ist, was ist, von dem wir Alles haben, erhalte meinen Leib gesund und gib dabei, daß auch mein Geist gesund, rein mein Gewissen ei! 2. Gib, daß ich fleißig thu', was mir zu thun ge⸗ bühret, wozu mich dein Be⸗ fehl in meinem Stande füh⸗ ret! Gib, daß ich bald es thu', zu der Zeit, da ich soll; und was ich also thu', Herr, das gerathe wohl! 3. Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen; laß kein unnützes Wort aus meinem Munde gehen! Wenn aber Amt und Pflicht zu reden mir gebeut, dann gib den Worten Kraft, doch ohne Bitterkeit! 4. Gerath' ich in Gefahr, so laß mich nicht verzagen; gib wahren Christenmuth, das Kreuz hilf selber tragen! Gib, daß ich meinen Feind Gesinnung und Verhalten des Christen mit Sanftmuth überwind', und sende Hülf' und Rath, wenn sie mir nöthig sind! 5. Laß mich mit Jeder⸗ mann in Fried' und Ein⸗ tracht leben, so weit es christlich ist! Willst du mir etwas geben an Reichthum, Ehr' und Glück: so gib auch dies dabei, daß ich nicht ungerecht, nicht stolz, noch sicher sei! 6. Soll ich in dieser Welt mein Leben höher bringen, durch manchen sauren Tritt hindurch ins Alter dringen; so gib nur, daß ich stets ein frommes Herz bewahr', auf daß ich tragen mag mit Eh⸗ ren graues Haar! 7. Laß mich auf Christi Tod getrost von hinnen scheiden; die Seele nimm zu dir hinauf zu deinen Freu⸗ den; es ruhe sanft der Leib in seiner stillen Gruft, bis ihn dein Allmachtswort ins neue Leben ruft! 8. Wenn alle Todten dann auf dein Gebot erwachen, so wird auch meinen Staub dein Ruf lebendig machen. Dann führe mich verklärt in deinen Himmel ein, und laß mich selig dort mit allen Frommen seyn! Mel. Was mein Gott will 351 ft klagt dein Herz, wie schwer es sei, den Weg des Herrn Herrn zu wandeln, und taglich, seinem Worte treu, zu denken und zu handeln. Wahr ist's, die Tugend ko⸗ stet Muͤh', sie ist der Sieg der Luͤste; doch richte selbst, was waͤre sie, wenn sie nicht kaͤmpfen muͤßte? 2. Die, die sich ihrer La⸗ ster freun, trifft die kein Schmerz hienieden? Sie sind die Sklaven eigner Pein, und haben keinen Frieden Der Fromme, der die Luͤste daͤmpft, hat oft auch seine Leiden; allein der Schmerz, mit dem er kaͤmpft, verwandelt sich in Freuden. 3. Des Lasters Bahn ist Anfangs zwar ein breiter Weg durch Auen; allein sein Fortgang wird Gefahr, sein Ende Nacht und Grauen. Der Tugend Pfad ist An⸗ fangs steil, laßt Nichts als Muͤhe blicken; doch weiter fort fuͤhrt er zum Heil, und endlich zum Entzuͤcken. 4. Nimm an, Gott haͤtt' es uns vergoͤnnt, nach un⸗ sers Fleisches Willen, wann Wollust, Neid und Zorn entbrennt, die Luͤste frei zu stillen; nimm an, Gott ließ den undank zu, den Frevel, dich zu kranken, den Menschenhaß: was wuͤr⸗ dest du von diesem Gotte denken 2 5. Gott will, wir sollen im Allgemeinen. gluͤcklich seyn, drum gab er uns Gesetze. Sie sind es, die das Herz erfreun, sie sind des Lebens Schaͤtze. Er red't in uns durch den Verstand, und spricht durch das Ge⸗ wissen, was wir, Geschoͤpfe seiner Hand, fliehn oder waͤhlen muͤssen. 6. Ihn fuͤrchten, das ist Weisheit nur, und Freiheit ists, sie waͤhlen. Ein Thier folgt Fesseln der Natur, ein Mensch dem Licht der See⸗ len. Was ist des Geistes Eigenthum? Was sein Be⸗ ruf auf Erden? Die Tu⸗ gend! Was ihr Lohn, ihr Ruhm? Gott ewig aͤhnlich werden! 7. Lern' nur Geschmack am Wort des Herrn und seiner Gnade finden, und uͤbe dich getreu und gern, dein Herz zu uͤberwinden. Wer Kraͤfte hat, wird durch Gebrauch von Gott noch mehr bekom⸗ men; wer aber nicht hat, dem wird auch das, was er hat, genommen. 8. Diu streitest nicht durch eigne Kraft; drum muß es dir gelingen. Gott ist es, welcher beides schafft, das Wollen und Vollbringen. Wann gab ein Vater einen Stein dem Sohn, der Brod begehrte? Bet' oft; Gott muͤßte Gott nicht seyn, wenn er dich nicht erhoͤrte. 9. Dich staͤrket auf der M Tu⸗ 89 Tugend Pfad das Beispiel sel ger Geister: ihn zeigte dir, und ihn, betrat dein Gott und Herr und Meister. Dich muͤsse nie des Frechen Spott auf diesem Pfade hindern! Der wahre Ruhm ist Ruhm bei Gott, und nicht bei Menschenkindern. 10. Sei stark, sei maͤnn⸗ lich allezeit, tritt oft an deine Bahre; vergleiche mit der Ewigkeit den Kampf so kurzer Jahr Das Klei⸗ nod, das dein Glaube haͤlt wird neuen Muth dir ge⸗ ben; und Krafte der zu⸗ kunft gen Welt, die werden ihn beleben. 11. Und endlich, Christ, sei unverzagt, wenn dir's nicht immer gluͤcket, wenn dich, so viel dein Herz auch wagt, stets neue Schwach⸗ heit druͤcket! Gott sieht nicht auf die That allein, er sieht auf deinen Willen. Ein goͤttliches Verdienst ist dein! Dies muß das Herz dir stillen. Mel. Wer n Gott 8 F er stets mit rei⸗ 352 W̃᷑ nem Wohl⸗ gefallen der Tugend hohe Schönheit sieht, und, frei vom Stolz und Eigennutze, fur alles wahre Gute gluͤht, wer jedem Laster sich ent⸗ reißt der sammelt Schaͤtze fuͤr den Geist. den 266 Gesinnung und Verhalten des Christer 2. Er trachtet nach dem hoͤchsten Gute, nach Weis heit und denn wenn ihr das besitzt, spricht Jesus, ist Alles An⸗ dre euch bereit; ihr habt dann Friede, Seelenruh', Gorochtia eit Gerechtigkeit: und Alles Andre faͤllt euch auch Erdenglück Wie Mancher fand her Jugend Licht und Kraft; cher sorgte fuͤr und fuͤhlte dennoch oft auch Schmerz. 4. Die Tugend nur, nur Herzensgüte, nur das, was innern Werth verleiht, nicht eitles Gluͤck, nicht Macht und Schimmer beruht auf deiner Thaͤtigkeit. Wer bloß nach außerm Glanze strebt, der tauscht sich selbst, so lang er lebt. 5. Nie mache dir zum hoͤchsten Zwecke den Vor⸗ theil, den die Tugend bringt! Sei fromm, sei fromm, wenn auch nicht immer die fromme? lbsicht dir gelingt! Frag' nicht: Was bringt die That mir ein? Sie selbst, o Mensch, muß Lohn dir 6. Doch uͤbst du redlich deine Pflichten; so sei ge⸗ trost und zage nie! Dein Gott war Zeuge deiner Tu⸗ gend, dein Gott, Ein Herz, von Lastern rein, immer elend nicht nur Tugend* Seligkeit. 2 auch hohe find oft beide einet; nur droben kommenheit Da 0 der Edle sich empor, der hier im Dunkeln sich ver⸗ lor 9. Drum will ich, Gott, stets edel handeln, dem Mu⸗ ster treu, das Jesus gab! Nichts soll den hohen Muth mir rauben, und fuͤhrt er auch ins öde Grab! Mein hoͤchster Wahlspruch sei allein: Wer christlich denkt, wird selig seyn. In voriger Melodie. 353 Sen Verlangen, ganzen Liebe werth. aller Kraft ihr gen, hat meine oft bh. Ach ichs, wie wuͤrd' die ugend, mein meiner Mit 5 anzuhan⸗ Seel auch koͤnnt ich mich freun! selig seyn. 2. G zott ist der i Fuͤlle von Ew 335 zu Wer h ten E denn sein Ver⸗ st ist Licht, sein Wille ist Ordnung und Vollkom⸗ * Ewiakei menheit. war er immer, fliehn die heiligsten Ent⸗ schluͤsse, den Morgenträu⸗ men gleich, dahin. Bald waͤhl' ich, was dir, Gott, ge⸗ faͤllt, bald deinen Sklaven⸗ dienst, o Welt! 4. Ich U ommt kein Friede in mein verschmachtendes Haben, Wie bin ich Wechfels muͤde! Wann werd' ich fest im Guten seyn? wann nicht mehr straucheln, alle⸗ zeit nur deinem Dienst, o Gott, geweiht? 5. Unwandelbar ist deine Wahrheit, Herr, aller gu⸗ ten Gaben Quell! Sie leuchte mir in voller Klar⸗ heit und mache mein Er⸗ kenntniß hell, daß nie der Suͤnde T scherei gefaͤhrli deinem Kinde sei! 6. O bilde, Vater, mei⸗ ne Seele, nach deinem Wil⸗ len bilde sie, daß ich das Gute stets erwaͤhle, das Boͤse immer ernstlich 1 7 l M 2 2 um diese Gnade bitt' ich dich; ich weiß es, du erhoͤ⸗ rest mich. Mel. Ein Laͤmmlein geht 354 Wo hilft es mir, ein Christ zu seyn, wenn ich nicht christ⸗ lich lebe, wenn ich nicht fromm, gerecht und rein zu wandeln mich bestrebe? Wenn ich dem seligen Be⸗ ruf, zu welchem mich mein Gott erschuf, nicht wuͤr⸗ dig mich beweise, und den, der mich erloͤset hat, in Worten blos, nicht durch die That und gute Werke preise? 2. Was hilft der Glaub' an Jesum Christ, den ich im Munde fuͤhre, wenn nicht mein Herz rechtschaffen ist und ich die Frucht verliere? Wenn mich die Eitelkeit der Welt mit ihrer Lust ge⸗ fangen haͤlt, ich ihre Fes⸗ seln liebe, und, fuͤhlbar fuͤr der Suͤnde Reiz, Zern, Hoffahrt, Fleischesluͤste, Geiz und andre Laster uͤbe? 3. Weit strafenswerther bin ich dann, ich, der ich Christum kenne, weiß, was er einst fuͤr mich gethan, ihn Herrn und Meister nenne, als der, der in der Finsterniß des Irrthums tappt, noch ungewiß, ob er auch richtig wandle. Was nuͤtzet mir der Wahrheit 268 Gesinnung und Verhalten des Christen Licht; was hilft mir aller Unterricht, wenn ich nicht darnach handle? 4. Und woher nehm' ich Trost und Ruh', wann Lei⸗ den mich umgeben, und meine Suͤnden noch dazu mir dann vor Augen schwe⸗ ben? Was hilft mir in der letzten Noth, wann sich der schaucrvolle Tod mir zeigt mit seinen Schrecken, und mein Gewissen wachet auf, von meinem ganzen Lebens⸗ lauf die Schuld mir auf⸗ zudecken? 5. Weh mir! Was hilft es mir einst dort, erweckt aus meinem Grabe, daß ich an Christum und sein Wort zum Schein geglau⸗ bet habe, wenn keine from⸗ me gute That mein Leben hier bezeichnet hat, den Glauben zu beweisen? Nur Glaub', durch aͤchte Froͤm⸗ migkeit bewaͤhrt, wirkt mei⸗ ne Seligkeit, kann wahrer Glaube heißen 6. Gott, dieser Hoffnung werth zu seyn, hilf, daß ich christlich lebe und vor dir heilig, fromm und rein zu wandeln mich bestrebe! Gib Weisheit mir und Muth und Kraft, damit ich Welt und Leidenschaft im Glauben uͤberwinde und dann, na wohldurchlebter Zeit, den Lohn in jener Ewigkeit fuͤr meine Werke finde! Ge⸗ in Hinsicht auf Gott. 269 Gesinnung und Verhalten des Christen in Hinsicht auf Gott. Erkenniniß Gottes. Mel. Lobsinget Gott 3 5 5 Dich kennen, Gott, ist Seligkeit; und sich zu dir erheben, ist Wonne, dit nicht Welt und Zeit mir sonst vermag zu geben! Sie staͤrkt mein Perz, sich dir zu weihn, und laͤßt das Gluͤck, ein Mensch zu seyn, mich inniger empfinden; lehrt mich, daß du mein Vater bist, und daß dein weiser Rathschluß ist, schon hier mein Heil zu gruͤnden. 2. Leicht kann ich deiner Groͤße Spur bei jedem Blick entdecken. Die ganze herrliche Natur, in allen ihren Zwecken, zeigt Ord⸗ nung und Zusammenhang; ja aller deiner Werke Gang, vom Staube bis zur Sonne und der Gestirne fernstem Heer, zeigt deine Macht mir taͤglich mehr, gibt stets mir neue Wonne. 3 Je mehr ich lerne, was du bist, je mehr ich deine Wege, und was mit mir dein Rathschluß ist, nachden⸗ kend uͤberlege; je mehr ent⸗ deckt mein froher Blick das mir bestimmte ew'ge Gluͤck, kuͤnftig beßres ein Leben. Ich weiß, der mir geschenkte Geist, der sich dem Erden⸗ staub entreißt, wird sich zu dir erheben. 4. O laß von deiner Herr⸗ lichkeit mich immer mehr entdecken, und wenn mein Geist sich ihrer freut, ihn immer mehr erwecken, daß er nur Wahrheit sucht und liebt; doch, wenn er sich im Forschen uͤbt, laß ihn bei Dunkelheiten, wo er sich leicht zu weit verliert, wo Faͤuschung leicht ihn irre fuhrt, die Pflicht des Glaubens leiten! 5. Denn ganz kann mei⸗ ne Fassungskraft nicht deine Groͤße sehen, nicht Alles, was dein Rathschluß schafft, ergruͤnden und verstehen. Wagt darum die Vernunft zu viel; will sie das ihr ge⸗ setzte Ziel aus Vorwitz uͤber⸗ schreiten: so laß mich diesen Vor witz scheun; du wirst mir einst mehr Licht verleihn nach diesen Lebens Zeiten, 6. Dann werd' ich, was ich hier nicht weiß, erfahren und verstehen; dann laßt des Geistes reger Fleiß mich immer weiter sehen; dann wird mir Alles offenbar, was mir hier unerforschlich war in deiner Weisheit Wegen. M 3 Er⸗ 270 14 Erhaben uͤber W̃ Zeit, eil' ich 1 kommenheit und entgegen. Me er nu e U · W. n Gott, du 3565 A wohnest zwar im Lichte, dahin kein sterb⸗ lich Auge Fring; doch gibst du uns zum Unterrichte dein Wort, das uns Erkenntniß „ du bringt, was ster, bist, 2 5 dein Endzweck ist. 2. So gib denn, daß ich darauf achte, als auf ein Licht im dunkeln Ort; und wenn ich ernstlich es be⸗ trachte, so hilf selb tt mei⸗ nem Forschen fort! Laß fuͤr der Wahrheit hellen Schein mein Aug' und Herz stets offen seyn! 3. Hilf, daß ich deinem Worte glaube, wenn es mich warnt, ermahnt, belehrt; daß weder Lust noch Wahn mir raube, was mir den besten Trost gewaͤhrt! Kein Spott der Welt verfuͤhre mich, kein Zweifel sei mir hinderlich. 4. Bas ist der Weg zum ew'gen Leben, daß wir, o Vater, dich und den, den du zum Heil uns hast gege⸗ ben, erkennen, lieben und er⸗ hoͤhn. O fuͤhre du auf dieser Bahn mich felbst durch deine Wahrheit an! stets leben dein Erkennt sam weih'! Hilf, daß ich th mit allem Fleiß, was ich von deinem Willen weiß! hilft das richtigste Erkenntniß, wenn's nicht zu deiner Liebe treibt? Was nuͤtzt ein aufgekl a Ver⸗ 8 Herz ibt? Drum hilf, wenn doc ch noch bose daß ich der Wahrheit treu, und daß mein Glaube thaͤ⸗ tig sei! 7. Laß dein Erkenntniß mir im Leiden die Quelle wahren Trostes seyn! Laß, wann sich Leib und Seele 1 mich deiner noch im lauben freun! Dort seh' ch dich im hellen Licht von Angesicht zu Angesicht. Mel. Scho Tag von G. 357 Gott, der du mein Schoͤ⸗ pfer bist, Herr, dem ich an⸗ gehöre, dich richtig zu erken⸗ nen, ist mir ewig Pflicht und Ehre. Stets algen durch dich zu seyn, mich deiner im⸗ mer mehr zu freun, dich im⸗ mer mehr zu lieben, will ich mich taͤglich uͤben. 2. Ich kann ja, Ewiger, schon hier durch eifriges Be⸗ streben, wie schwach ich bin, mich doch zu dir mit meinem — Geist st erheben. Nur laß mich uf den Unterricht in deiner barung Licht, und, wie n Werken du dich uns zeigest, merken! 3. Dann wird mir nicht aus eigner Schuld entgehn, was du mich lehrest, wie du, voll Weisheit, Macht und Huld, uns jeden Tag ernaͤh⸗ rest; wie Alles schoͤn geord⸗ net sich vereinigt, wie so vaͤterlich du uns auf tau⸗ send Wegen entgegen kommst mit Segen. 4. Ich sehe dann, und seh' erfreut die von deiner Huld und Freund⸗ lichkeit zu deinem Ruhm und Preise. Zum Licht wird mir die Finsterniß, die dich verbirgt; mir wird's gewiß, es seien deine Pfade stets Herrlichkeit und Gnade. 5. Und welchen Aufschluß gibt mir nicht vom Ziele meines Lebens dein Wort, das ew'ges Heil verspricht! Nie merk' ich drauf verge⸗ bens. lerne dich und deinen yn, der Seele Werth, der Tugend Lohn, was wahres Gluͤck zu nen⸗ nen, daraus stets besser kennen. 6. So werd' ich stets er⸗ leuchteter, von Vorurtheilen freier, zum Guten immer williger, standhafter und ge⸗ treuer. Ein groͤßres Maaß der Weisheit gibt dem, der Ich Erkenntniß Gottes. 271 die Wahrheit sucht und liebt, mehr Trost in seinen Lei⸗ den, und selbst im Tode Freuden. 7. Gewaͤhrt der Morgen⸗ roͤthe Licht mir hier schon so viel Wonne, wie viel verschafft mir kuͤnftig nicht des vollen Tages Sonne! Dann, Vater, wirst du naͤher dich mir offenbaren, dann werd' ich, was wir hier dunkel nennen, im hoͤh⸗ ren Licht erkennen. 8. O laß von heiliger Begier mich immer mehr entbrennen, dich, Gott, und deinen Sohn schon hier stets besser zu erkennen, daß ich, von Wahn und Irrthum frei, dir immer mehr gehor⸗ sam sei, und taͤglich mehr mich uͤbe, o Gott, in deiner Liebe. In eigener Melodie. 358 Wo ist im Him⸗ mel, Hoͤchster, was auf Erden, das so, wie du, verdient erkannt zu wer⸗ den? Nur du bist groß; du bist der Wesen Fuͤlle, und weise, heilig ist dein Wille 2. Dich kennen, sei die erste meiner Sorgen! Bist du gleich unerforschlich und verborgen; so koͤnnen wir doch uͤberall dich finden, und deinen Rath mit uns er⸗ gruͤnden. lauter Stimme leh⸗ 3. Mit M 4 272 Ehrfurcht vor Gott. Werke uns deine Huld lehren deine deine Weisheit, und Staͤrke; die Naͤh' er⸗ zaͤhlt von dir, von dir die Ferne; die Pracht der Blu⸗ men, wie der Sterne 4. Ruft deine Stimme nicht in unsrer Seele uns zu: Das Bose flieh', das Gute waͤhle? Ward nicht, um uns zum Lichte zu er⸗ heben, dein Sohn zum Fuͤh⸗ rer uns gegeben? 5. Und immer mehr willst du dich offenbaren, wenn wir nur deine Lehren treu bewahren, und auch den Weg, den wir betreten sol⸗ len, mit Ernst und Eifer wandeln wollen 6. Zu diesem großen, heiligen Geschaͤfte erheb und staͤrke meiner Seele Kraͤfte; gib, daß ich dich in deinem Worte hoe, aus deinen Werken mich belehre! 7. Gib, daß ich demuths⸗ voll aus meinem Staube zu dir hinauf schau'; freudig an dich glaube; mit Eifer mich durch Trug und Zwei⸗ fel ringe und immer naͤher zu dir dringe! 8. So werd' ich immer besser dich erkennen, und immer kindlicher dich: Va⸗ ter! nennen; dir fest ver⸗ trauen, froͤhlich dich erhe⸗ ben, o großer Gott, und ganz dir leben. Ehrfurcht vor Gott. Mel. O großer Gott, von ie groß bist du, 359 W̃ o Gott! Wie groß ist, Herr, dein Reich! Wer ist auf Erden dir, wer dir im Himmel gleich? Die Welt erbebt, das Licht wird Nacht, gehst du einher in deiner Macht; es muß mit tiefem Schweigen sich Alles vor dir beugen. 2. Du hast durch deine Kraft die Himmel aus ge⸗ streckt, der Erde Grund ge⸗ legt, dem Meer sein Ziel gesteckt. Dein Wort bewegt der Berge Grund und stuͤrzt sie in des Meeres Schlund. Wer kann, wer kann ent⸗ fliehen, um dir sich zu ent⸗ ziehen? 3. Wir Alle sind durch dich, sind Werke deiner Hand; Leib, Seele, Hab' und Gut hast du uns zu⸗ gewandt. Du lehrst das menschliche Geschlecht, Herr, durch Vernunft und Schrift dein Recht; willst, daß wir deinen Willen mit Kindes⸗ treu' erfuͤllen. 4. Erleuchte meinen Geist mit immer hellerm Licht; be⸗ lebe taͤglich mehr mein Herz fuͤr Recht und Pflicht, damit ich, als dein Unterthan, auf meiner ganzen Lebensbahn mit Eifer moͤge streben, ge⸗ faͤllig dir zu leben! Laß Ehrfurcht 5. Laß deine Gegenwart mir immer heilig seyn; laß auch im Dunkeln mich dein helles Auge scheu'n. Erinnere mich an meine Pflicht, an deine Macht, an dein Ge⸗ richt bei jedem Reiz zur Suͤnde, daß ich ihn uͤber⸗ winde! 6. Doch gib, daß meine Furcht vor dir nie knechtisch sei; befreie mein Gemuͤth von Zwang und Heuchelei, daß ich, was dein Gesetz ge⸗ beut, erfuͤlle stets mit Freu⸗ digkeit, aus Ehrfurcht nur und Liebe mich im Gehor⸗ sam uͤbe. Mel. Wer nur den lieben Gott 0 Nor dir, o Gott, 360 2 sich kindlich scheuen, ist unsre allergroͤßte Pflicht. Kein Mensch kann deiner Huld sich freuen, scheut er dein heilig Auge nicht. Drum wirk' in mir durch deinen Geist die Ehr⸗ furcht, die dich kindlich preist. 2. In Allem, was ich thu' und denke, laß, Herr, das meine Weisheit seyn, daß ich mein Herz zur Sorgfalt lenke, vor jeder Suͤnde mich zu scheun. Denn wer noch Lust zur Suͤnde hat, der fuͤrchtet dich nicht in der That. 3. Gib, daß ich stets zu Herzen nehme, daß du allge⸗ genwaͤrtig bist, und das zu vor Gott. 273 thun mich ernstlich schaͤme, was dir, mein Gott, zuwi⸗ der ist. Der Beifall einer ganzen Welt hilft dem ja nicht, der dir mißfaͤllt. 4. Laß immer dein Ge⸗ richt mich scheuen, und wirke steten Ernst in mir, mein Leben deinem Dienst zu weihen, daß ich die Gnade nicht verlier, die mich bei mancher Missethat so liebreich noch getragen hat. 5. Ja, Vater, laß mit Furcht und Zittern mich schaffen meine Seligkeit! Soll Nichts mein ewig Gluͤck erschuͤttern, so laß mich in der Gnadenzeit mit Vorsicht alles Unrecht fliehn, mich nur um deine Gunst bemuͤhn! 6. Erhalt' in mir ein gut Gewissen, das weder Spott noch Truͤbsal scheu', und mache von den Hindernissen der wahren Tugend selbst mich frei! Nie stoͤre Furcht und Lust der Welt mich, das zu thun, was dir gefaͤllt! 7. In deiner Furcht nur will ich wandeln, und stets, ich sei auch, wo ich sei, nach deinem heil gen Willen han⸗ deim, entfernt von aller Heu⸗ chelei. Nur wer von Herzen dich verehrt, nur der ist dir, o Vater, werth. 8. In deiner Furcht laß mich auch sterben: so schreckt das dunkle Grab mich nicht; ich werde deinen Himmel M 5 er⸗ ———— erben, dich schauen f kommnerm eicht. Wie wer wie Mittagslicht. mich deiner freu'n: 5. Den Höchsten off Gott, wie selig lich verehren sowohl, als in der Einsamkeit, auf des Ge⸗ wissens Stimme hören, und In voriger Melodie willi . ig thun, was sie gebeut, 36 1 0 N it du der auch das lehrt dich die Furcht Wẽ̃ Weisheit des Herrn, auch das thut, Quelle kennen? Es ist die wer ihn ehret, gern. Furcht vor Gott, dem Herrn. 6. Laͤßt dich der Thor Nur der ist weis' 1 eat Verachtung merken, wenn du zu nenn f 0 sernst hten Arn, gebeut, v n voll — n 150 deine. nie dich unterwinden, mi thörichter Vermessenheit zu tadeln, was sein Rath e⸗ 7 ießt, der wunderbar, doch was m recht He ist. ge beut. Ist 5 Miu N* N 3. W᷑̃ rst du den Hoͤck 4 N 9 2ur ix Pflicht z1 Nur 16 du du d We ech lich A u⸗ mal nals dem Verbrecher leih'n, wird dich die 8 8 erwecken, was auch ann zu 2* 1 ur, 8 so oft er, Gott, dich nennet, dich, den mit heil ger Furcht der Geister Heer erkennet, daß nie durch Unbedacht ich strafbar ihn entweih'; daß nie mir Spiel und Scherz dein großer Name sei! 2. Stets heilig bleib' er mir! Und muß mein Ohr es hoͤren, daß Andre dich, o Herr, und dein Gebot enteh⸗ ren; so reiße nie der Strom der Frevler mich dahin! Die Schuld wird mein, wenn ich ihr Mitgenosse bin. Auch Jesus Christus sei zu jeder Zeit und Stun⸗ de, so oft ich sein gedenk', so oft in meinem Munde sein hoher Name toͤnt, mir hei⸗ lig! Ihn entweiht nur der, ihn nicht kennt, nicht seines Heils sich t 4. Von meinen fern sei Fluch und freches Schwoͤren! Fern sei scham⸗ oser Scherz! Der Mund k nicht ehren, auf Lippen kann dich sppen schwebt, was Tugend schmaͤht. Den du nicht, der Ehrfurcht fleht. dich ohn Mel. Es woll' uns Gott 36 J(c) Du schaust 5 2 mein Schoͤpfer und mein Herr, in's Innerste der Seelen, und Niemand kann, Allwis⸗ sender, dir, was er denkt, verhehlen. Laß deine Macht Heilighaltung des Eides. 275 und Hoheit mich mit Ehr⸗ furcht ganz erfuͤllen, wann ich als Wahrheitszeuge dich, nach meiner Obern Willen, anruf' und bei dir schwoͤre! 2. Arglistig koͤnnen Men⸗ schen zwar oft Menschen hin⸗ tergehen; doch dir ist Alles offenbar; du siehst, was sie nicht sehen. Im Zorn schaust du die Luͤgner an. Ver⸗ heimlichte Verbrechen, die Menschenmacht nicht strafen kann, wird deine Macht einst raͤchen, die jeden Fre⸗ vel richtet. 3. Und ich, ich koͤnnt' aus Geiz, aus Neid, aus falscher Scham, aus Rache verkehren die Gerechti und meines Naͤchsten Sache; koͤnnt' ihm durch Meineid frech den Ruhm der Redlich⸗ keit entwenden, und so der Unschuld Eigenthum, die Wahrheit, frevelnd schaͤn⸗ den und mich in's Elend stuͤrzen? 4. Gott! nein, so frech, so freventlich beug' ich nicht deine Rechte, daß ich den schwersten Fluch auf mi durch 0 Verbr braͤchte! Ach, ein dammter wuͤrd' ich schon hier in diesem Leben, des nagenden Gew Pein von mir selbst uͤber geben; was braͤchte mir die Zukunft? 5. Nein! Lug und Trug M 6 will —̃—— — 276 will ich, o Gott, aus vollem Herzen hassen, der Wahrheit treu bis in den Tod, von deinem Wort nicht lassen. Kein Gluͤck, so groß es sei, soll mich je reizen und be⸗ thoͤren, daß ich es wage, wissentlich deswegen falsch zu schworen, und mir den Him⸗ mel raube. Mel. Der unsre Menschheit d ott, der d 361 2 8 kenner bist, dem Falschheit stets ein Graͤuel ist, und Luͤgen ein Verbrechen, kein Wort spricht je ein falscher Mund: Allwissender, dir ist es kund, und einst wirst du es raͤchen. Laß jederzeit mein Ja und Nein aufrichtig und voll Wahrheit seyn! 2. Gott, wenn ich schwoͤ⸗ rend vor dir steh', hinauf zu deinem Himmel seh', und meine Hand erhebe, wenn mit des Geistes Sammlung ich zum Zeugen dich anrufe, dich, durch den ich bin und lebe: dann sei von Trug und Heuchelei mein Herz und meine Zunge frei! 3. Wenn Frevler auch noch da dich schmaͤh'n, und frech vor dir mit Lügen steh'n; dann laß mein Herz erschrecken Weh' dem, der dich und deine Macht zur Huͤlle seiner Bosheit macht, sie vor der Welt zu decken! Heilighaltung des Eides. er stuͤrzet fre⸗ ewiges Verder⸗ Weh' ihm, ventlich in ben sich. 4. O Seele, wenn du noch dich liebst, bedenk, was du zum Pfande gibst: dein Gluͤck, dein ew'ges Leben! Verwirf nicht mit Verwe⸗ genheit dein Theil an Gott und Seligkeit; wer kann dir's wiedergeben? Was hilft dir dann die ganze Welt? Nichts hat sie, was dich schadlos haͤlt. 5. Gott, wenn du nicht mein Gott mehr bist, dein Sohn nicht mehr mein Hei⸗ land ist, dein Himmel nicht mein Erbe; wenn bei den Leiden dieser Zeit dein Trost nicht mehr mein Herz er⸗ freut, dein Trost nicht, wann ich sterbe: wer wird mich dann von Qual be⸗ fre'n? Dann beasser, nie ge⸗ boren seyn! 6. Wie thoͤricht, wer noch denkt und spricht: Gott sieht es nicht, Gott achtet's nicht! So laͤstern Frevlerrot⸗ ten. Zwar seine Langmuth ist bekannt, er laͤhmt nicht jede falsche Hand: doch läßt er sein nicht spotten; ist Richter uns schon in der Zeit, einst Richter in der Ewigkeit! 7. Drum soll nicht Ehre, Gut und Geld, und nicht die Macht der ganzen Welt, mich blenden und verfuͤh⸗ ren; ö ren; und drohten mir auch Schmerz und Leid, ich will doch meine Seligkeit muth⸗ willig nicht verlieren. Es gilt kein Leid, kein Gluͤck der Zeit, nein, es gilt Gott und Ewigkeit! 8. Gott, heilige du selbst mein Herz, daß ich nicht fre⸗ velnd Spott und Scherz mit Wort und Eidschwur treibe; daß ich der Wahrheit treuer Freund, auch wenn es mir zu schaden scheint, mit fro⸗ hem Muthe bleibe! Dann kann ich ohne Furcht und Grau'n dem Tode selbst in's Antlitz schau'n. Mel. Wer nur den lieben Gott (e) Mer, Gott, 361 2 bei deinem Namen schworet und treulos sein Versprechen bricht, der ist ein Frevler, denn er ehret dich, Gott, den Gott der Wahrheit, nicht. Er kann nicht froh, nicht mit Ver⸗ trau'n zu dir hinauf gen Himmel schau' n. 2. Wir sollen ja nach deinem Willen, wie du, der Wahrheit Freunde seyn, und, was sie fordert, gern erfuͤl⸗ len und uns vor keinen La⸗ sten scheu'n Wer sie ver⸗ latzt, verwirft sein Heil, ihm wird des Meincids Qual zu Theil. 3. Wie darf der hoffen, dich zu sehen, der hier die Heilighaltung des Eides. 277 Wahrheit frech entehrt, den Naͤchsten sucht zu hinterge⸗ hen und falsch bei deinem Namen schwoͤrt? Vor dei⸗ nem heiligen Gericht besteht ein solcher Frevler nicht. 4. Und floͤh' er zu dem fernsten Meere: du findest allenthalben ihn! Wenn er auch noch so maͤchtig waͤre, kann er der Allmacht sich entziehn? Hier hilft nicht Ehre, Macht und Geld, nicht Beifall, Gunst und Schutz der Welt. 5 Drum laß mich eher Nichts betheuern, bis ich er⸗ wogen, was ich thu', und den Gedanken oft erneuern: Des Eides Richter, Gott, bist du! Du schaust ins Herz und dein Gericht bringt auch mein Innerstes ans Licht. Liebe zu Gott. Mel. Von Gott will ich n dich, mein 362 A Gott! geden⸗ ken, ist Pflicht und Trost fuͤr mich. Wann Sorg' und Gram mich kraͤnken, so sieht mein Aug' auf dich; dann mindert sich mein Schmerz, dann flieh'n die bangen Sor⸗ gen, wie Nebel vor dem Morgen, und Ruh erfullt mein Herz. 2 Denk ich an deine Lie⸗ be, wie werd' ich hoch erfreutl Mit dankbar frohem Triebe ie M7 fuͤhl fuͤhl' ich mich dann bereit, dir ganz mein Herz zu weih'n, dich freudig zu erheben, zur Ehre dir zu leben, vor Suͤn⸗ den mich zu scheu'n. 3. Mit froͤhlichem Gemuͤ⸗ the denk' ich an deine Treu'; denn, Vater, deine Guͤte ist alle Morgen neu. Seh' ich nur stets auf dich, so gibst du Muth und Staͤrke mir auch zum schwersten Werke; es wird mir leicht durch dich. 4. Du gabst mir aus Er⸗ barmen den Sohn, der fuͤr mich starb und liebevoll mir Armen die Seligkeit er⸗ warb. Mit ihm ist Alles mein; du willst mir's gnaͤ⸗ dig schenken, willst liebreich an mich denken und stets mein Vater seyn. 5. Wie gut ist's, dein zu — Welt mag im⸗ fett an dies bringt mir wah⸗ reude, dies staͤrkt m ich, und ist mein Drum m vill ich an dich denken, so lang' ich denken kann. Mag man in's Grab mich senken; mein Geist steigt himmelan! se mich die Walt; du, Herr, gedenkst 00 iner, wenn auch auf Keiner mich im Ge⸗ Galt Verg Liebe zu Gott. Mel. Alle Menschen müssen sterb. ott der Lieb 363 G a meine Seele sich in mir! Wie getroͤstet, wie belebet 7 fuͤhl' ich mich, o Gott, von dir! Jeder Blick auf deine Werke, deine Weisheit, Huld und Staͤrke, wie befreiet er mein Herz von Bekuͤmmerniß und Schmerz! 2. Floß aus deiner Se⸗ gensfuͤlle mir nicht stuͤndlich Gutes zu? Daß ich ward, das war dein Wille; daß ich noch bin, das schaffst du. Daß ich denke, daß ich waͤh⸗ le, dankt dir, Vater, meine Seele; dankt 5 daß sie dich erkennt, dich durch Je⸗ sum Vater nennt. 3. Heil und unvergaͤnglich Leben thatst du, Gott, durch ihn mir kund. Um zu dir mich zu erheben, schloß dein Sohn der Liebe Bund, den er, in sten Streite, selbst mit seinem Blute weihte. Und nun zeigt den Weg zu dir nur der Geist der Liebe mir. 4. Und ich sollte dich nicht lieben, der du mich zuerst geliebt? Nicht aus Liebe Gutes uͤben, auch wenn sich mein Leben truͤbt? Koͤnnt' ich ohne sie auf Erden ruhig und zufrieden werden? ohne sie nach dieser Zeit wuͤrdig seyn der Seligkeit? 5. Heil mir, daß ich es dem ba a welcher Liebe 55 meine Willie werth du bist, meiner das nur würdig finde, was dir wohlg gefblig ist! Einst werd' ich deinen erkennen und der reinsten L 8„anz f. in dir ganz sel Y Wer n„un 36. u Vater deiner f — Vans enkin⸗ seyn! sel⸗ Herz noch uͤn unde der du daß ich als ein ind dich liebe, da du mich als ein 2 st, und so Liebe laß nn wir hie te Sterben mein Ge⸗ dann werd' ich dei⸗ 6 nmel erben, wo ich mein Gott, von dir! dir, Vater, naͤher bin; dann Bewahr mich durch lie ich meine Seele rein, i Allem, was und end wird sie 3 * n Hor Kreatur dir vor pfer der Natur? 4. ich Nino 4 lebe was mir dein beut! Kann i deut! Kann er Gute rathen: so thue noch so große Thaten; du hast vor Gott den Lohn dahin. 2. Sei durch die Gaben der Natur das Wunder und das Gluͤck auf Erden! Be⸗ gluͤckst du die Menschen nur, um vor der Welt ge⸗ ehrt zu werden; erfullt die Liebe nicht dein Herz: so bist du bei den groͤßten Ga⸗ ben, bei dem Verstand, den Engel haben, vor Gott doch nur ein toͤnend Erz. 3. Erbaue Kirchen; brich dein Brod, das Volk der Armen zu verpflegen, ent⸗ reiß die Wittwen ihrer Noth und sei der Waisen Schutz und Segen; gib alle deine Habe hin: vor Gott hast du noch Nichts gegeben. Wenn Lieb' und Pflicht dich nicht beleben, so ist dir Alles kein Gewinn. 4. Thu' Thaten, die der Heldenmuth noch jemals hat verrichten koͤnnen; vergieß fuͤrs Vaterland dein Blut; laß deinen Leib fuͤr Andre brennen! Beseelet dich nicht Lieb' und Pflicht; bist du die Absicht deiner Thaten: so schuͤtz' und rette ganze Staaten; Gott achtet deiner Werke nicht. 5. Läg' ihm an unsern Werken nur z so koͤnnt' er uns, sie zu vollbringen, sehr leicht durch Fesseln der Na⸗ tur, durch Kraͤfte seiner All⸗ Liebe zu Gott. macht zwingen. Vor ihm, der Alles schafft und gibt, gilt Weisheit Nichts, Nichts Macht und Staͤrke. Er will die Absicht deiner Werke, ein Herz, das ihn verehrt und liebt. 6. Ein Herz, von Ei genliebe fern, fern von des Stolzes eitlem Triebe, ge⸗ heiligt durch die Furcht des Herrn, erneut durch Glau⸗ ben zu der Liebe; dies ist's, was Gott von uns verlangt. Und wenn wir nicht dies Herz besitzen: so wird ein Leben uns Nichts nuͤtzen, das mit den groͤßten Thaten prangt. 7. Drum taͤusche dich nicht durch den Schein, nicht durch der Tugend bloßen Namen. Sieh nicht auf deine Werk' allein; sich' auf den Quell, aus dem sie ka⸗ men Pruͤf dich vor Gottes Angesicht, ob seine Liebe dich bescelet. Ein Herz, dem nicht der Glaube fehlet, dem fehlet auch die Liebe nicht. 8. Wohnt Liebe gegen Gott in dir: so wird sie dich zum Guten staͤrken. Du wirst die Gegenwart von ihr an Liebe zu dem Naͤchsten merken. Die Liebe, die dich schmücken soll ist guͤtig ohne Neid und Tuͤcke, ist sitisam, ist nie stolz im Gluͤcke, lang⸗ muͤthig und erbarmenvoll. 9. Sie deckt des Naͤchsten Feh⸗ Fehler zu, und freut sich nie⸗ mals scines Falles. Sie su⸗ chet nicht blos ihre Ruh'; sie hofft und glaubt und duldet Alles. Sie ist's, die dir den Muth verleiht, des Hoͤch⸗ sten Wort gern zu erfuͤllen; macht seinen Sinn zu dei⸗ nem Willen, und folgt dir in die Ewigkeit. Gehorsam gegen Gott. Mel. So fliehen unsre Tage 2(a) u, Gott, bist 366 D uͤber Alles Herr, die ganze Welt ist dein. Wer sollte dir, All⸗ guͤtiger, nicht gern gehorsam seyn? 2. Was du gebeutst, ist recht und gut, ist fuͤr uns Seligkeit. Wohl dem, der deinen Willen thut, und gut zu seyn sich freut! 3. Wer aber seine Pflicht vergißt, der bringt sich selbst in Nolh; denn nur, was boͤ' und schaͤdlich ist, ver⸗ beutst du uns, o Gott! 4. Du bist, wenn du Ge⸗ setze gibst, nur Vater, nicht Tyrann; und haäͤltst uns blos, weil du uns liebst, dir zu gehorchen an. 5. Nehm' ich auf mich dein sanftes Joch, so setz ich meinen Lauf mit Freuden fort. und fall' ich noch, so hilfst du selbst mir auf. 6. Mich warnt dein Gehorsam gegen Gott. 281 Wort; es droht, verheißt, legt Heil und Tod mir vor. Und ich verschloͤsse deinem Geist gefuͤhllos Herz und Ohr? 7. Wie koͤnnte der, der dich nicht hoͤrt, dein Kind, o Vater, seyn? Nur die sind dieses Namens werth, die deinem Dienst sich weihn. 8. So sei dir denn mein Herz geweiht! Ich bin dein Eigenthum. Gib diesem Willen Festigkeit; dir fol⸗ gen, sei mein Ruhm! Mel. Wer nur den lieben Gott (b) ott, deinen 366 G heiligen Befehlen will ich, dein Kind, gehorsam seyn, sie nur zu meiner Richtschnur waͤhlen und dir mein ganzes Leben weihn. Dein Wille ist ge⸗ recht und gut; wohl dem, der ihn mit Freuden thut! 2. Gehorsam forderst du von Allen, die dich zu kennen faͤhig sind. Auch ich kann dir nur wohlgefallen, wenn ich, dir folgsam, als dein Kind, thu', was du willst, aus Lieb und Dank und nicht aus Sklavenfurcht und Zwang. 3. Dein Sohn gehorchte dir so gerne; o hilf mir, daß ich immerdar dir, Vater, so gehorchen lerne, wie Je⸗ sus dir gehorsam war! Er war's auch unter 1 un und Noth bis zum J uft, leicht ie Last, die du uns auf⸗ zet hast. 5. Sobald ich deine Stim⸗ me bre, so mache du mich it, daß ich sie durch 1 hre und thue, sie mir gebeut! Ich soll nur allein; ich auch Thaͤter 6. Beut mir die Welt auch ta use nd Freuden auf uner⸗ laubten Wegen an; sie soll mich, Herr, nicht irre leiten. Was ist's, das sie mir geben kann? Im Anfang Lust, am Ende Pein, und die wird groß und schrecklich seyn. 7. Wenn ich mich im Ge⸗ horsam uͤbe und deinen Wil⸗ len treulich thu'; so bleib ich, Gott, in deiner Liebe, und hab' in des G ens Ruh' den Himmel hier schon in der Zeit, und mehr noch in der Ewigkeit! Mel. Was mein Gott will 367 Se Gott getreu, halt' seinen Bund; bekenn' ihn durch dein Leben! Dein Glaube ruht auf festem Grund: l ihm stets erge⸗ ben! Denk', wie er dich ver⸗ pflichtet sich durch seine Huld und Gnade;— reu dem Herrn und wandle gern der nd sichre J babe Tuge 2. Sei Gott getreu! Du mußt als Kind ihn auch im Leiden ehren; dein Va⸗ ter waltet ja gelind und bil⸗ det dich zum Hoͤh ren. Ein edler Muth macht still und gut, der wird durch Gott dir werden, wenn Jesus Christ dein Fuͤhrer ist zum Himmel hier auf Erden. 3. Sei Gott getreu von Jugend auf! Laß dich nicht eitle Freuden in deinem gan⸗ zen Lebenslauf von seiner Liebe scheiden: denn seine Treu' ist täglich neu; sein Wort kann niemals truͤgen. Was er verspricht, das bricht er nicht; daran laß dir genuͤgen! 4. Sei Gott getreu in jedem Stand, in welchen er dich setzet; dann schuͤtzt dich seine starke Hand. Wer ist, der dich verletzet? Schau' nur auf ihn voll Glaubens hin und folge dem Ge⸗ wissen; dir wird, was dir begegnet hier, zum Besten dienen muͤssen. a 5. Sei Gott getreu, sein theures Wort freimuͤthig zu bekennen, vor Jedermann an jedem Ort dich seinen Freund zu nennen! Was diese U diese Welt nur in sich haͤlt, muß Alles inst vergehen: nur vird hier und dort zu unserm Heil getreu zetreb dan dann wirst ftig 3 u bestehen! 7. Sei Gott getreu bis in den Tod; laß von ihm dich wenden! Er kann, er will in jeder Noth dir sei⸗ nen Beistand senden. Der Leiden Nacht, der Bosheit Macht laß nie dein Herz erschrecken! Es ist dir ja dein Retter nah; sein Schild wird dich bedecken. 8. Bleibst du so deinem Gott getreu, so wirst du's auch erfahren, daß er dein lieber Vater sei; und nach vollbrachten Jahren der Sterblichkeit kommt dort die Zeit, wo Gott einst 10 Treuen durch seinen Soh mit hoͤhrem Lohn auf 100 wird erfreuen. Freude in Gott. Mel. Schwing' dich auf zu dene Gottes freue dich, 368 —— Herr U d 4 Gott, 1 liebe; dein Gebo 58 uͤbe: 0 so wohl; wie muͤthe seliger Empfindung voll, voll von deiner Guͤte! 4. Dann darf ich mit Zuversicht nach dem Him⸗ mel blicken; meine Leiden acht' ich nicht, wie sie mich auch druͤcken. Hoffnung und Zufriedenheit wohnen mir im Herzen, troͤsten und er⸗ hoͤhn mich weit uͤber alle Schmerzen. 5. Du bist mein! So jauchz' ich dann: wer ist, der nir schade? Heil mir, daß ich's ruͤhmen kann, mein ist deine Gnade! Dir ait meine Wohlfahrt werth! Du gabst mir mein Leben, wirst auch, was was mein Leben naͤhrt und erfreut, mir geben. 6. Jesus ist nach deinem Rathl in die Welt gekom⸗ men; alle meine Missethat hat er weggenommen. Ihm vertrau' ich, bet' ihn an, glaub an seine Leiden, folg' ihm treulich, und so kann Nichts von dir mich scheiden. 7. Dich, du Trost der Sterblichkeit, Heil des beß⸗ ren Lebens, himmlische Voll⸗ kommenheit, such' ich nicht vergebens. Wenn mein Lauf vollendet ist, und vollbracht mein Leiden, ruft mein Mittler, Jesus Christ, mich zu seinen Freuden. 8. Meine Freud' an dir, mein Gott, wird dann ewig waͤhren. Noch so furchtbar sei der Tod: er wird sie nicht stoͤren. Willig werd' ich mein Gebein der Verwesung ge⸗ ben; Sterben macht mich frei von Pein, fuͤhrt zum neuen Leben. 9. Gib mir nur, so lang' ich hier in der Fremde walle, das Bewußtseyn, daß ich dir, Herr, mein Gott, gefalle! Diese sanfte Freudigkeit, die ich zu dir habe, sei mein Heil in dieser Zeit, und mein Trost am Grabe 10. Laß die Lust zur Suͤnde nie dieses Heil mir rauben! Ruͤste selbst mich wider sie mit Vernunft und Glauben! Gib mir deinen Freude in Gott. Geist, der mich und mein Thun regiere, daß ich mein Vertrau'n auf dich ewig nicht verliere! Mel. Jesus, meine Zuversicht 369 Hu deine Lust am Herrn! Bei dem Herrn ist Freud! und Leben; und er wird, denn er gibt gern, dir auch, was dir dienet, ge⸗ ben. Seine Liebe beut dir an, was dein Herz nur wuͤnschen kann. 2. Laß der Welt die eitle Lust, die in Weinen sich ver⸗ kehret. Wisse, wer in sei⸗ ner Brust Gottes Liebe fuͤhlt und naͤhret, findet stets auf seiner Bahn, was das Herz nur wuͤnschen kann. 3. Lust am Herrn erfullt mit Licht, wenn man ihn durchs Wort erkennet. Lust am Herrn staͤrkt den zur Pflicht, der von seiner Liebe brennet, Lust am Herrn beut Alles an, was das Herz nur wuͤnschen kann. 4. Wer die Lust am Hoͤch⸗ sten hat, hat auch Lust an seinem Willen, suchet ihn durch Wort und That unver⸗ drossen zu erfüllen, und so trifft er Alles an, was das Herz nur wuͤnschen kann. 5. Bleibst du auch nicht ohne Last; trage willig die Beschwerden. Wenn du wohl gelitten hast,* dir ew'ge Freude und im Himmel hast du dann, was dein Herz nur wuͤnschen kann. werden; In eigener Melodie. 370 Och freue mich, N mein Gott, in dir! Du bist mein Trost, und was kann mir in deiner Liebe fehlen? Du, Herr, bist mein und ich bin dein! Was mangelt meiner Seelen? 2. Du hast mich vor der Welt erwaͤhlt und deinen Kindern zugezaͤhlt; nie wirst du mein vergessen! Du liebst mein Wohl, hast gnadenvoll mein Gluͤck mir zugemessen. 3. Du traͤgst mich lieb⸗ reich mit Geduld, vergibst in Christo mir die Schuld, wenn ich aus Schwachheit fehle. Du gibst mir Theil an seinem Heil; dies troͤstet meine Secle. 4. Du bist mir der be⸗ waͤhrte Freund, der es aufs Beste mit mir meint; wo sind ich deines Gleichen? Du stehst mir bei und bleibst mir treu, wann Berg' und Huͤgel weichen. 5. Du bist mein Leben, Trost und Licht, mein Fels und Heil; drum frag' ich nicht nach allem Tand der Erde. Herr, ohne dich ist Nichts fuͤr mich, das mir er⸗ freulich werde! Freude in Gott. 6. Du bist mein aller⸗ hoͤchstes Gut, darauf mein wahres Wohl beruht. In dir leb' ich zufrieden. So dort, als hier, Herr, bleiben wir in Liebe ungeschieden. 7. Du segnest mich, wenn man mir flucht, und wer hier mein Verderben sucht, dem wird's doch nicht ge⸗ lingen. Selbst, was mich kraͤnkt, das muß, gelenkt von dir, mir Segen bringen. 8 Du laͤßt mir's ewig wohlergehn. Einst werd' ich dich noch naͤher sehn, du Ursprung wahrer Freuden! An dir wird sich dann ewiglich mein ganzes Herz, Herr, weiden. 9. Noch hat's kein mensch⸗ lich Ohr gehoͤrt, was uns dein Himmel einst gewaͤhrt; doch seh' ich's schon im Glau⸗ ben. Vollkommnes Heil ist da mein Theil, das wird mir Niemand rauben. Vertrauen auf Gott. Nel. Was Gott thut, das ist 1 suf Gott, und 3 71 Auschtouf Men schen Rath, will ich mein Gluͤcke bauen, und dem, der mich erschaffen hat, mit gan⸗ zer Seele trauen. Er, der die Welt allmaͤchtig haͤlt, wird mich in meinen Tagen als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewig⸗ keit, — — Was zagt Ist auch eit U 25 1 Schmerz, bens 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt, und haͤtte, was ich bitte, mir gnaͤdig, eh' ich's bat, gewaͤhrt, wenn's 11 Nef heft 7 5 y f. Jeisheit litte r sorgt Nicht h mir 1 E 2. 1 Ville, der ge he! 1 N ent in mae dr⸗ 4. Ist nicht ein ungestoͤr⸗ schwerer oft selbst das bei dessen Die groͤß⸗ te Noth hebt doch der Tod; 5 tes Gluͤck wei und E Gluͤck und Ha⸗ be ve mich doch im Grabe. 5. An dem, was wahr⸗ haft glücklich macht, laͤßt Gott es Keinem fehlen; G sundheit, Ehre, Gluͤck und Pracht sind nicht das Gluͤck der Seelen. Wer Gottes Rath vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Truͤbsal auch versuͤßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ist's uͤberwunden! Hofft auf den Herrn! Er hilft uns gern. Seid froͤh⸗ Gerecht 1 t seinen n einen An Gg Pflick trauen. an Gluͤck gebri fern; du kannst rschmaͤhen; du segnest und zoͤrest auf wagen, dr auch dem Thoren er begehrt, versa Wenn gleich bei aller unsrer Schuld dein Herz noch lieb⸗ reich denket, so wird doch deine Vaterhuld von Weis! heit nur gelenket. 3. Wie leicht, o Gott, kann deine Macht des Men⸗ schen Wunsch erfüllen! Wie leicht, noch eh er es gedacht, des Herzens Klage stillen! der Wunderkraft Doch dem, begehrt und Wunder hofft zu sehen, wird nie sein kuͤh⸗ ner Wunsch gewaͤhrt; er suͤndigt durch sein Flehen. 4. Wer deiner Huld ver⸗ sichert ist, darf deinen Segen hoffen. Ihm steht, weil du sein Vater bist, der Himmel immer offen. Doch wer dich nicht als Vater liebt, und auf Nertra l rauen der Bahn des Lebens dir sein ganzes Herz ergibt, der sucht sein Gluͤck vergebens 5. Ja, wenn er auch mit Sicherheit sich seiner An⸗ dacht freuet, und dabei, fern von Froͤmmigkeit, doch nie die Suͤnde scheuet; so mag sein heuchlerisches Herz nur immer Hoffnung fassen: er suͤhlt bei des Gewissens Schmerz sich endlich doch ver⸗ lassen. 6. Wie Mancher, der noch wirken kann, bleibt muͤßig oder traͤge, verfolgt mit Blindheit Plan, geht ungerechte ge! Er hofft umsonst, du werdest ihn den Uebeln doch entziehen. Der Thor! Will er sie selbst nicht fliehn, sie duͤrfen ihn nicht fliehen. 7. Diu, weiser Gott, ent⸗ fernst uns nicht von dro⸗ henden Gefahren, die ohne Nachtheil unsrer Pflicht leicht zu vermeiden waren. Wir sollen mit Besonnenheit auch Rath und Warnung nutzen; denn nie wird deine Heiligkeit uns auch beim Leichtsinn schuͤtzen 8. Gott, laß verwegne Zuversicht doch nie mein Herz verfuͤhren! Sie schafft mir deinen Beifall nicht; sie läßt mich ihn verlieren. Nur kindlich soll ich dir vertraun, nie thoͤricht, nie vermessen; auf Gott. 287 soll, um getrost auf di 1 schau'n, nie meiner Pflicht vergessen. er Melodie. Nesichl du deine Wes ge und Al⸗ kraͤnkt, deß, In e 2 373 B les, was dich treuer der der terpflege den Der Sternen, Wolken, nden be zeichne ihre r wird auch Wege finden, die dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herrn mußt du vertrauen, wenn dir's soll wohl ergehn; auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Er laͤßt durch g' und Graͤmen und selbstgemachte Pein sich keine Wohlthat nehmen; sie muß erbeten s 3. Dir, Gnade, kannt, voller be⸗ Vater dir ist allein was gut sei oder schade Geschoͤpfen deiner Hand; und was du auser⸗ sehen zum Besten deiner Welt, das wird und muß geschehen, sobald es dir gef 4. An Mitteln und an Wegen fehlt dir's, Allwei⸗ ser, nicht. Dein Thun ist lauter Segen; dein Gang ist lauter Licht. Wenn du, Herr, deinen Kindern ein Gluͤck hast zugedacht, so kann dein Werk Nichts hin⸗ dern; du willst, so ist's voll⸗ bracht! 5. Und 5. Und wollten Welt und Teufel dir boshaft wider⸗ stehn; o naͤbre keinen Zwei⸗ fel, dein Gluͤck wird doch bestehn. Was er sich vor⸗ genommen, was er vollen⸗ den will: auf's Herrlichste wird's kommen zu dem be⸗ stimmten Ziel. 6. Hoff' nur, bedraͤngte Seele, hoff' und sei unver⸗ zagt, was dich auch immer quäle, ein schoͤnrer Morgen tagt! Gott laͤßt nicht von den Seinen, erwarte nur die Zeit: dir wird die Sonne scheinen mit neuer Heiter⸗ keit. 7. Auf, aufl Gib dei⸗ nen Schmerzen und Sorgen gute Nacht! Verbann' aus deinem Herzen, was dich so traurig macht. Du bist ja nicht Regente, der Alles fuͤhren soll. Gott sitzt im Regimente, und er fuhrt Alles wohl. 8. Ihn, ihn laß thun und walten; er ist ein weiser Fuͤrst und wird sich so verhal⸗ ten, daß du ihn preisen wirst, wenn er, wie ihm gebuͤhret, mit wunderbarem Rath das Werk hinausgefuͤhret, das dich bekuͤmmert hat. 9. Verzoͤg' der Trost auch lange, weil dir es heilsam ist, so werde dir nicht bange, daß deiner Gott vergißt. Er wird dir Huͤlfe senden, wenn du's am mind'sten glaͤubst, Pflichten gegen Gott. und all' dein Ungluͤck wenden, wenn du nur treu verbleibst. 10. Wohl dir und deiner Treue! Sie traͤgt den Sieg davon Daß dich der Kampf nicht reue, blick' hin auf sei⸗ nen Lohn; steh' fest im groͤß⸗ ten Leide, das dir begegnen kann: bald bricht der Tag der Freude, des ew'gen Friedens an. 11. Mach', Herr, ein froͤh⸗ lich Ende mit aller unsrer Noth; staͤrk' unser Herz und sende uns Trost bis in den Tod! Laß stets uns deiner Pflege und Treu' empfohlen seyn, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. Mel. Was Gott thut, das ist 374 Der Herr ist mei⸗ ne Zuversicht, mein hoͤchster Trost im Le⸗ ben! Dem fehlt es nie an Trost und Licht, der sich dem Herrn ergeben. Gott ist sein Gott; auf sein Ge⸗ bot wird's in dem Herzen stille. Ihm gnuͤgt des Va⸗ ters Wille. 2. Wer wollte dir, Herr, nicht vertraun? Du bi des Schwachen Staͤrke. Die Augen, welche auf dich schaun, sehn deine Wun derwerke. Herr, groß von Rath und stark von That, mit gnadenvollen Haͤnden wirst du dein Werk voll⸗ enden. 3. Noch 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, verlassen sehen müssen; du läß'st ihn, wann ihn Noth umgibt, Beruhi⸗ gung genießen. Des From⸗ men Herz wird frei von Schmerz; der Sünder eitles Dichten weißt du, Herr, zu zernichten. 4. Drum hoff', o Seele, hoff' auf Gott! Der Thoren Trost verschwindet, wenn der Gerechte in der Noth Hülf' und Exrettung findet. Wenn jener fällt, ist er ein Held; er steht, wenn jene zittern, ein Fels in Unge⸗ wittern. 5. Wirf nicht die große Hoffnung hin, die dir dein Glaube reichet! Vergebens wird zu Menschen fliehn, wer von dem Höchsten weichet. Dein Heiland starb, und er erwarb, auf seines Todes Hügel, dir deines Glaubens Siegel. 6. Sei unbewegt, wann um dich her sich Ungewitter sammeln! Gott hilft, wenn Christen freudenleer zu ihm um Gnade stammeln. Die Zeit der Qual, der Thrä⸗ nen Zahl zählt er, und deine Schmerzen nimmt er dir von dem Herzen. 7. Herr, du bist meine Zupersicht; auf dich hofft meine Seele! Du weißt, was meinem Wohl gebricht, wenn ich mich sorgend quäle. Vertrauen auf Gott. 289 Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger, ver⸗ lassen, und sich im Kummer fassen? 8. In deine Hand befehle ich mein Wohlseyn und mein Leben. Mein hoffend Auge blickt auf dich, dir will ich mich ergeben. Sei du mein Gott und einst im Tod mein Fels, auf den ich traue, bis ich dein Antlitz schaue. Mel. Jesus, meine Zuversicht, n er auf seinen 3 75 W̃᷑ Gott ver⸗ traut, ängstigt sich durch kei⸗ ne Sorgen; ihm, auf den er sicher baut, bleibt sein Kum⸗ mer nicht verborgen. Gott verläßt die Seinen nicht: dies ist meine Zuversicht! 2. Er, der Schöpfer aller Welt, der Versorger seiner Kinder, der, was er ver⸗ spricht, auch hält, huldreich selbst noch gegen Sünder, er, der uns hervorgebracht, hat auch, uns zu helfen, Macht. 3. Ihm, ihm ist es im⸗ mer leicht, unsre Wünsche zu erfüllen; wie unmöglich es uns däucht, kann er doch den Kummer stillen, helfen stets, wenn Noth uns quält, wenn uns Rath und Bei⸗ stand fehlt. 4. Und wer ist ihm gleich, dem Hern? Wer so reich, wie er, an Segen? Nie⸗ mand hilft, wie er, so gern N auf — — 2 — 4 9 0 90 1400 1 1 5 290 Pflichten g auf des Lebens rauhen We⸗ gen, er, der liebreich unsrer denkt, und zum Glück die Trübsal lenkt. 5. Wenn mein Auge lange weint, ich nicht seine Hülfe sehe, und sie nicht so früh erscheint, als ich sie von ihm erflehe; weiß ich doch voll Zuversicht, daß sie mir nicht stets gebricht. 6. Dann auch, wann, wie mir es scheint, selbst der Hoffnung Trost verschwin⸗ det, weiß ich doch: Gott ist mein Freund, der auch da noch Wege findet, wo fich keiner mir entdeckt, wo der Zukunft Nacht mich schreckt. 7. Drum sei ihm, dem Herrn der Welt, ganz mein Schicksal überlassen! Er, der auch den Wurm erhält, kann und wird mich nicht verlassen. Bleib' ich nur der Tugend treu; so steh er mir huldreich bei. Mel. Sollt' ich meinen Gott 220 Täelig, wer mit 3 76 Sdisfem Herzen dem Allweisen, der uns liebt, ganz sein Schicksal übergibt, und auch in den tiefsten Schmerzen seinem Kummer muthig wehrt, durch Geduld den Herrn verehrt. 2. Ach, kein Schicksal mei⸗ es Lebens, sorgt' ich auch on Jugend auf, nimmt 1 n v drum einen andern Lauf! gegen Gott. 8 0 Sorge quält und quält ver⸗ gebens; meine Kräfte zehrt ste ab, stürzt nur früher mich ins Grab. 3. Eh' ich noch das Licht erblickte, wog er, der mir Leben gab, meines Lebens Schicksal ab; ehe mich noch Kummer drückte, eh' noch meine Thräne rann, sah mich Gott schon gnädig an 4. Dankbar nehm' ich Glück und Freuden aus des Höchsten milder Hand; und ist Kreuz mir zuerkannt, 9 so faß ich Muth zu leiden! Gut ist Alles, was Gott will; willig duld' ich, dulde fill. 5. Will mein Anschlag nicht gedeihen, und miß⸗ lingt mir mein Bemühn; denk' ich: Was mir Glück erst schien, muß ich oft nachher bereuen. Wohlthat ist's für nich gewiß, daß mir's Gott mißlingen ließ. 6. Wenn Gott nicht so reichen Segen, als dem Nächsten mir verlieh; soll doch Andrer Wohlstand nie Neid in meiner Brust erre⸗ gen! Fremden Glücks will ich mich freun; fremdes Jlück wird dadurch mein. Wenn mir Frevler Angst erwecken; wenn ihr Haß mich drückt und kränkt: bält sie Gottes Macht um⸗ schränkt. Droht der Tod mit seinen Schrecken; 5 1 m vom Tode retten kann, nimmt sich meiner gnädi an 8. Ich bin unverzagt und heiter; im Vertraun auf Gottes Wort setz' ich meine Wallfahrt fort. Der bisher half, hilft mir wei⸗ ter; er hält fest, was er verspricht! Gott, mein Gott, verläßt mich nicht. 1 hab' ich dick Mel. Herzlie 222 ir trau' ich, 10 Gott, und wanke nicht, wenn gleich von meiner Hoffnung Licht der letzte Schimmer schwin⸗ det. Mein Helfer und mein Gott bist du, durch den mein Herz doch endlich Ruh' und Freude wieder findet. Von jeher hast du mich geführt und meines Lebens Lauf regiert; mit segensvoller Vaterhand so manche Noth von mir ge⸗ wandt. Unendlicher! ich trau' auf dich; du leitest mich. Ich kämpf' und siege, Gott, durch dich. 2. Zwar ist der Kampf der Leiden schwer; oft fühl' ich kaum noch Stärke mehr, zu kämpfen und zu siegen; doch ewig, Vater, währt er nicht. Wenn mir dein Belstand nicht gebricht, so werd' ich nicht erliegen. Bald ist der Thränen Maaß gefüllt, bald meiner Seele auf Gott. 291 Schmerz gestillt; bald hast du, Gott, mein Flehn er⸗ hört, mich ganz geprüft und mich bewährt. Du Gott der Huld, erhört von dir, lobsing' ich hier mit dankerfüllter Seele dir. 3. Ach, alle Leiden dieser Zeit sind doch nicht werth der Herrlichkeit, die du wirst offenbaren. Bald wird auch mir des Dulders Lohn; bald steh' auch ich vor deinem Thron, mit treuer Kämpfer Schaaren, und dauke dann dir, Gott, verklärt, der jetzt mich prüft, mich dann bewährt, daß ich, von allen Leiden frei, ein Seliger des Himmels sei. Barmherzi⸗ ger! fest, ohne Graun, will ich dir traun; denn einst werd' ich dein Antlitz schaun! Mel. Wer nur den lieben Gott 222 Kerr, mache mei⸗ 378 ne Seele stille! Bei jedem Leiden, das mich kränkt, geschieht doch nur dein weiser Wille, der Alles mir zum Besten lenkt. Du bist's, der Alles ändern kann; und, was du thust, ist wohl gethan. 2. Du führst uns selbst auf rauhen Wegen zu höhe⸗ rer Vollkommenheit. Auch Widerwärtigkeit wird Se⸗ gen für Jeden, welcher dir sich weiht. Sieht's gleich der blöde Geist nicht ein, N 2 wird — — 292 Pflichten gegen Gott. wird doch der Ausgang herrlich seyn. 3. Drum laß mich stille seyn und hoffen! Hast du mir Prüfungen bestimmt; so steht dein Vaterherz dem offen, der seine Zuflucht zu dir nimmt. Wer still in dei⸗ ner Fügung ruht, mit dem machst du es immer gut. 4. Uns bleibt oft, was uns nützt, verborgen; genug für uns, du hast's erkannt! Wie oft find unsre Wünsch' und Sorgen kurzsichtig und voll Unverstand! Du siehst, was schädlich ist, von fern, und deine Güte hindert's gern. 5. Nur du erkennst und wählst das Beste! O Vater, mache selbst mein Herz in diesem hohen Glauben feste; dann überwältigt mich kein Schmerz. Ich duld' ihn mit Gelassenbeit; was mein Gott will, gescheh' allzeit. 6. Die Stunde wird doch endlich kommen, da mich vollkommnes Glück erfreut; denn endlich führest du die Frommen zur völligen Zu⸗ friedenheit: und dann wird Jedem offenbar, daß, Gott, dein Rath der beste war. 7. Dann wird auch mich von allen Plagen ein ewiger Gewinn erfreun; dann wird mein Herz statt aller Kla⸗ gen voll Dankes und voll Lobes seyn: der Herr hat für mein Heil gewacht, hat Alles mit mir wohl⸗ gemacht! Mel. Auf, schicke dich 379 E⸗ herrscht ein Gott, der schützt in Noth, und hilft, wenn sie ihm traun, so gern den Seinen! Drum sei ver⸗ gnügt, wie er es fügt! Bald folgt dir Ruh' und Trost nach kurzem Weinen. 2. O murre nicht, wann dir gebricht, was öfters lü⸗ stet den bethörten Sinnen! Dir nützt der Schmerz, dein eitles Herz zu bessern und für's Ew'ge zu gewin⸗ nen. 3. Erkenn' die Schuld und üb' Geduld, wann du um deine Sünde hier mußt leiden! Fleh' ibn um Gnad, geh' seinen Pfad getrost, Nichts laß von feiner Lieb' dich scheiden. 4. Dann führt er dich stets väterlich die sichern Wege, die dein Heil bezie⸗ len. Sei'n sie auch hier oft dunkel dir; entzückt wirst du ihr End' einst sehn und fühlen. 5. Drum guüge mir der Weg allhier, den ich muß gehn in meinem Amt und Stande! Sei er auch raub! Wenn ich dir trau', komm ich auf ihm zum wahren Vaterlande. Mel. Vertrauen Mel. Was Gott thut, das ist 380 Hott, dir ver⸗ traun, ist meine Pflicht, ist Seligkeit im Leben! Sie kann dem Herzen Zuversicht und Trost und Freude geben. Des Lebens Müh versüßet sie, und lässet uns bienieden im Laufe nicht ermüden. 2. Auf Erden wechseln bis ins Grab Zufriedenheit und Sorgen beständig mit ein⸗ ander ab, wie Mitternacht und Morgen. Das Unglück flieht, die Freude blüht; und kaum ist sie empfunden, ist wieder sie verschwunden. 3. Wie würde da voll Aengstlichkeit uns jeder Tag verfließen, und bei des Le⸗ bens Heiterkeit das Herz schon beben müssen, wenn Zuversicht zu dir uns nicht dann Sicherheit gewährte, und ruhig bleiben lehrte? 4. Du theilst das Alles aus, was hier den Sterb⸗ lichen begegnet. Im Glück und Unglück werden wir von dir doch stets gesegnet. Wenn wir nur auch durch den Gebrauch so weise wer⸗ den wollten, als wir, o Gott, es sollten! 5. Nicht unser Wille soll geschehn; du wählest stets das Beste. Wenn Erd' und Himmel untergehn, steht diese Wahrheit feste. O daß wir sie durch Leicht⸗ 293 sinn nie an unsern Seelen schwächten, sie nie verken⸗ nen möchten! 6. Dann würde diese Uebungszeit nicht traurig uns verschwinden, des Le⸗ bens Widerwärtigkeit uns niemals muthlos finden. Dann sähen wir, voll Hoffnung hier, mit Pal⸗ men und mit Kronen die Ueberwinder lohnen. 7. Gott, heilige du selbst mein Herz, damit ich dir vertraue, und mit Gelas⸗ senheit im Schmerz hinauf gen Himmel schaue. Einst preis' ich auch auf ewig dich für überstandne Leiden im Lande sichrer Freuden. auf Gott. Mel Besiehl du deine Wege Thrist, wann di 381 C 0 S Träbsal kränket, vertraue nur dem Herrn! Er, der die Himmel lenket, ist auch von dir nicht fern. Erwach' aus deinem Schlum⸗ mer, zu Gott erhebe dich; er siehet deinen Kummer; er liebt dich väterlich! 2. Sei auch in deinem Leiden ein Christ, voll Muth und Kraft; einst kom⸗ men deine Freuden, bleibst du nur tugendhaft. Erwarte nur im Glauben getrost die Ewigkeit; wer kann das Heil dir rauben, das ewig dich erfreut? g. 72 froh, dein Gott N 3 re⸗ Ucten 294 Pfiichten ge regieret, sein Rath ist wun⸗ berbar. Einst wirst du über⸗ führet, daß er der beste war. Und denkest du vermessen: Der Herr erbarmt sich nicht, der Herr hat mein vergessen; so höre, was er spricht: 4. Ist auch der Mütter Eine, die ihres Kinds ver⸗ gißt? Denk' an dies Wort und weine Gott Freuden⸗ thränen, Christ! Und könnt sie es vergessen; will ich doch deiner nicht, ich dei⸗ ner nicht vergessen! Der Herr ist's, der es spricht! 5. Mit ruhigem Gemüthe verlaß auf ihn dich fest, weil seine Vatergüte dich ewig nicht verläßt. Was ist das größte Leiden, das dir be⸗ gegnen kann, bricht einst der Tag der Freuden, des ew'gen Friedens an? Mel. Wer nur den lieben Gott ein Hort ist 382 M Gott! Ihn laß ich walten; ich hoff' auf ihn: er kennet mich. Ihm fehlt's, die Seinen zu erhal⸗ ten, an Mitteln nie, und sein bin ich! Ich gründe meine Zuversicht auf diesen Fels und wanke nicht. 2. Was quäl' ich mich? Bin ich ein Heide, der ohne Gott und Hoffnung ist? Nein, das ist meines Her⸗ zens Freude, daß du mein Gott und Helfer bist. Hilf, gen Gott. m nein Erbarmer, stärke mich; denn Nichts vermag ich ohne dich. 3. Der Herr erzieht bier seine Kinder zur Ewigkeit mit weiser Huld. Er schont, er züchtigt vlel gelinder, als wir verdient, und hat Ge⸗ duld. Er hat nicht Lust an unserm Schmerz; er hat ein väterliches Herz. 4. Gott ist die Lieb', wie kann ich zagen? Gab er für mich nicht Jesum Christ? Was könnte mir ein Gott versagen, der so unendlich gütig ist? Erhabner Trost, der nimmer trügt, und je⸗ den Zweifel überwiegt! 5. Ich harre seiner und bin stille. Wie bald ver⸗ streicht die Prüfungszeit! Dann nehm' ich dort aus seiner Fülle unendliche Zu⸗ friedenheit. Er leite mich nach seinem Rath, wie er mir zugesaget hat! Mel. Kommt her zu mir, spricht 383 Erfuue redlich dei⸗ ne Pflicht, und hoffe dann mit Zuversicht: Gott sorgt mit Vaterliebe für deines Lebens wabres Glück! Zu ihm erhebe dei⸗ nen Blick, wär' auch dein Himmel trübe! 2. Die Wolken werden sich verziehn, im milden Sonnenscheine blühn dir wieder neue Freuden.— Vertrauen wird zur Wohlthat dir der Schmerz; veredelt werden Geist und Herz durch Prü⸗ fungen und Leiden. 3. Oft führt die dornen⸗ volle Bahn weit sichrer dich zum Ziel hinan, als sanfte Blumenpfade. Drum dulde fromm, mit festem Muth! Was Gott, der Menschen Vater, thut, ist Weisheit, Huld und Gnade. 4. Doch deines Gottes dich zu freun, im Sturme, wie im Sonnenschein, Be⸗ rubigung zu finden, benutze selbst gewissenhaft Verstand und Zeit und jede Kraft, dein wahres Wohl zu grün⸗ den! 5. Daß ich gewissenhaft und treu in meinem Amt und Stande sei und meine Pflicht erfülle: zu dem Entschlusse stärke mich, und dann ver⸗ trau' ich, Gott, auf dich! Herr, es gescheh' dein Wille! In eigener Melodie „ 1 TDollt' ich meinem 384 S Gott nicht trauen, der mich liebt so väterlich? der so herzlich sorgt für mich? Sollt' ich auf den Herrn nicht bauen, welcher, unbewegt und fest, seine Kinder nie verläßt? 2. Er weiß Alles, was mich drücket, mein Anliegen, meine Notb; er steht bei mir bis in Tod; er weiß, was auf Gott. 295 mein Herz erquicket. Seine Lieb' und Vatertreu' wird mir jeden Morgen ueu. 3. Der die Vögel alle nähret, königlich die Blu⸗ men schmückt, jedes dürre Land erquickt, Speise jedem Wurm gewäbret: sollte der verlassen mich? Neil, weit mehr als sie bin ich! 4. Wenn nach seinem Reich ich trachte, wenn ich nur in Frömmigkeit suche meine Seligkeit, und sie über Alles achte: segnet Gott mir früh und spat Wort' und Werke, Rath und That. 5. Heiter sei der andre Morgen, oder nicht: was känftig ist, quält mich nicht; ich bin ein Christ. Ich laß meinen Vater sorgen, froh bei Allem, was sein Rath über mich beschlossen hat. 6. Gott sei Lob! Was mich erfreuet, stehet uner⸗ schütterlich: er, der Höchste, sorgt für mich. Ewig wird er's mir beweisen; Seele, freue seiner dich! Ewig sor⸗ get Gott für mich! Mel. Wer nur den lieben Gott 22 KEntschwinge dich, 385 E mein Geist, den Nächten, in welche dich die Schwermuth hüllt! Willst du mit deinem Schöpfer rechten, daß er nicht je⸗ den Wunsch erfüllt? Jetzt N 4 kennst 296 kennst du, was dir gut ist, nicht; einst strahlet dir ein höhres Licht. 2. In Finsternissen wankt hienieden des Menschen un⸗ gewisser Schritt; was Got⸗ tes Vorsicht ihm beschieden, was ihn erfreute, was er litt, klärt sich am Ziel von seinem Lauf für ihn als gleiche Wohlthat auf. 3. Dort sindest du, von Licht umflossen, auch deiner Erdethränen Lohn. Schaub, ihre Saat ist aufgeschossen; sie blüht der nahen Aernte schon. Im Kummer ward sie ausgestreut, bald reift sie für die Ewigkeit. 4. Drum heb' empor die trüben Blicke, wann sich in Nacht dein Weg verliert! Dich leitet Gott. O denk' zurücke, wie gut er immer dich geführt; wie oft, wann Dunkel um dich lag, das Licht dir selbst aus Nächten brach! 5. Gott! gnaͤdig, wenn du uns erhörest, oft gnädi⸗ ger, wenn du den Plan, den unsre Thorheit schuf, zerstö⸗ rest, dich, Vater, bet' ich kindlich an. Ich hoff' auf dich mit festem Muth; denn was du sendest, ist mir gut. 6. Die Liebe hat den Pfad bestimmet, den ich auf Er⸗ den wandeln soll. Ob er sich auch durch Dornen krümmet, ich geh' ihn, hoher Ahnung Pflichten gegen Gott. voll. Einst werd' ich in des Himmels Höhn ganz deiner Führung Weisheit sehn. Mel. Fröhlich soll mein TJarum willst du 386 Wẽ̃᷑ doch für mor⸗ gen, banges Herz, dir zum Schmerz, immer ängfllich sorgen? Wozu dient dein täglich Grämen? Nur da⸗ zu, dir die Ruh' ohne Noth zu nehmen. 2. Wer, als Gott, gab mir das Leben? Wer, als er, hat bisher Alles mir ge⸗ geben, was, mein Leben zu erhalten, nöthig war? Im⸗ merdar laß ich, Gott, dich walten. 3. Der das Größre uns gegeben, einen Geist, der ihn preist, diesen Leib, dies Leben, wird uns auch das Kleinre schenken. Sein bin ich; auch an mich wird er liebreich denken. 4. Was auf meiner Le⸗ bensreise mir noch fehlt, was mich quält, weiß er/ der Allweise. Sollt er mei⸗ ner je vergessen? Er, mein Heil, hat mein Theil längst mir zugemessen. g 5. Nährt den Vogel in den Lüften nicht der Herr! Weidet er nicht das Thier auf Triften? Kleidet er des Grases Blume nicht mit Pracht, 5 Macht, seinet u uhme? Huld zum Ruh 6. Nur Vertrauen B. Nur auf mich sollt' er nicht achten? In der Noth ließ' mein Gott hülflos mich verschmachten? Nein, mir soll vor Nichts mehr grauen. Väterlich liebt er mich; ihm will ich vertrauen. 7. Nützen will ich Zeit und Kräfte; widmen sie spät und fruͤh nützlichem Geschäfte; immer geh'n auf seinen We⸗ gen: wird es mir dann all⸗ hier mangeln je an Segen? 8. Vor der fernen Zu⸗ kunft zagen will ich nicht; es gebricht keinem Tag an Plagen. Heute leb' ich; bin ich morgen nicht vielleicht schon erbleicht? Warum will ich sorgen? 9. Sorge du nur; ich be⸗ feble glaubensvoll, wie ich soll, dir, Herr, Leib und Seele. Sorge duz dir halt' ich stille; ich soll dein ewig seyn: es gescheh' dein Wille! Mel. In allen meinen Thaten 387 as soll ich Wängflich kla⸗ gen und in der Noth verza⸗ gen? Der Höchste sorgt für mich. Er sorgt, daß meiner Seele kein wahres Wohl⸗ seyn fehle. Genug zum Trost, mein Herz, für dich! 2. Was nützt es, ängst⸗ lich sorgen und jedem neuen Morgen mit Furcht entge⸗ gen geh'n? Du, Vater mei⸗ ner Tage, kennst, eh' ich auf Gott. 297 dir's noch klage, mein Leid und eilst mir beizusteh'n. 3. Auf deinen Wink zu schauen, dir kindlich zu ver⸗ trauen, das, Herr, ist meine Pflicht. Ich will sie treu⸗ lich üben, und dich, mein Vater, lieben; denn du ver⸗ säumst die Deinen nicht. 4. Der du die Blumen kleidest, und alle Thiere weidest, du Schöpfer der Natur, siehst Alles, was mir fehlet. Drum Seele, was dich quälet, bestehl dem Herrn und glaube nur. 5. Herr, alle meine Sor⸗ gen, die Noth, die oft ver⸗ borgen an meinem Herzen nagt, werf' ich auf dich, den Treuen; du weißt den zu erfreuen, der fromm nach deiner Hülfe fragt. 6. Wenn meine Augen thränen, und sich nach Hülfe sehnen, so klag' ich dir's, dem Herrn. Dir, Vater! dir befehle ich jeden Wunsch der Seele; du hörst, du hilfst, du segnest gern. 7. Der du mir hier im Leben schon größres Heil gegeben, und deinen Sohn geschenkt: du wirst mir Al⸗ les schenken, und stets zum Besten lenken, was mich be⸗ kümmert, quält und kränkt. 8. Du führest, Herr, die Deinen nicht so, wie sie es meinen, doch stets nach wei⸗ sem Rath. Ob ich mich auch N 5 be⸗ ————— 298 Pflichten gegen Gott. betrübe, bleibt doch dein Rath voll Liebe; das zeigt der Ausgang mit der That. 9. Wenn ich hier Tiefen sehe, und es nicht ganz verstehe, was du mit mir gethan, kann ich doch deß mich trösten: du nimmst mich, den Erlösten, gewiß dereinst zu Ehren an. 10. Dort, bei der From⸗ men Schaaren, dort werd' ich es erfahren, wie gut du mich geführt. Da bring' ich dir mit Freuden, nach über⸗ stand'nen Leiden, den Dank, der deiner Huld gebührt. Mel. Was Gott thut, das ist Tas zagst du? 388 Wẽ᷑ Gott regiert die Welt; und Gott ist ja allmächtig. Den Arm, der dieses Weltall hält, was macht dir den verdächtig? Wenn Meeresfluth und Feuersgluth uns schon er⸗ eilet bätten, so kann er doch noch retten. 2. Was zagst du? Gott regiert die Welt; und Gott ist ja allwissend. Selbst was dein Herz verborgen hält, ist dennoch ihm wohlwissend. Sein Auge sieht in dein Gemüth. Die Bitte, die du thatest, vernahm er, eh' du batest. 3. Was zagst du? Golt regiert die Welt; und Gott ist der Allweise. Stets dient der Weg, der ihm gefällt, zum Heil dir, ihm zum Preise. Er führt gewiß durch Finsterniß, durch jede Nacht der Leiden zum Lichte reiner Freuden. 4. Was zagst du? Gott regiert die Welt und ist all⸗ gegenwärtig Der Fromme, der an ihn sich hält, ist seines Heils gewärtig. O glaub' es gern! Gott ist nicht fern; er, wo auch Jeder walle, hält allenthalben Alle. 5. Was zagst du? Gott regiert die Weltz und Gott ist ja die Liebe. Nichts ist, was dem, der ihm gefällt, ein Quell des Elends bliebe. Auf, fasse Muth! Selbst Jesu Blut sagt dir bei jedem Leiden: Gott segnet uns mit Freuden. 6. Was zagst du? Gott regiert die Welt; und Gott i auch geduldig. Zwar wenn er vor's Gericht uns stellt, sind selbst die From⸗ men schuldig. Doch sein Gericht trifft Fromme nicht Drum sei gewiß, er schone auch dein in seinem Sohne. 7. Nun, Gott! da du die Welt regierst; wie dürft ich ängstlich zagen? Ein Leid, in welches du mich führst, soll nie mich nieder schlagen. Ich hoff auf dich. Du lässest mich bald deine Hülfe schauen. Dir, dir will ich vertrauen! 33 In eigener Melodie. 389(a) Owar wird noch man⸗ che Thräne auf Gottes Welt geweint; doch laß den Muth nicht sinken; nein, wirke, Menschenfreund, voll Glau⸗ ben fort auf Erden! Es wird doch besser werden! 2. Nie werden wir hienie⸗ den von allem Schmerz be⸗ freit, nur über Blumen wan⸗ deln. Vollkommne Seligkeit erwartet nicht auf Erden! Doch besser wird es werden! 3. Wir schaffen selbst uns Leiden durch Unzufrieden⸗ heit, durch Leidenschaft und Thorheit und Ungerechtig⸗ keit. Wenn wir nur weiser werden, wird's besser auch auf Erden. 4. Wenn wir bescheidner wünschen, und uns zufried⸗ ner freun; wenn Pflicht uns über Alles wird iheu'r und heilig sehn; wenn wir selbst besser werden: wird's besser auch auf Erden. 5. Wenn nun des Irr⸗ thums Binde von unsern ugen fällt; wenn wir das Unrecht meiden, und dann zum Wohl der Welt verei⸗ nigt wirken werden: wird's besser auch auf Erden. 6. Uns selbst hier zu ver⸗ edeln, und dann mit Thä⸗ tigkeit zum Wohl der Welt zu wirken; dies ist's, was Gott gebeut. Gott, laß Vertrauen auf Gott. 299 uns deinen Willen zu un⸗ serm Heil erfüllen. Mel. Was Gott thut, das ist (b) in Gott re⸗ 389 Egan a zagen wir? Ein Gott er⸗ zieht durch Freuden und durch des Schmerzes Druck uns hier. Was ist des Le⸗ bens Leiden? Ein ernster Streit um Seligkeit. Es mag uns übel gehen: wir werden's überstehen! 2. Wir werden, was am Herzen nagt, mit Hoffnung überleben, und über Alles, was uns plagt, uns siegend einst erheben. Die Welt vergeht, der Geist besteht. O laßt den Schöpfer walten! Er will den Geist erhalten. 3. Der Geist erkennt des Höchsten Spur, des Vaters Macht und Milde im großen Reiche der Natur, in Wäl⸗ dern, im Gefilde, im klein⸗ sten Wurm, im Winter⸗ sturm, im Frühlingsschmuck, im Regen und in des Herb⸗ stes Segen. 4. Der Gott, durch wel⸗ chen Alles ist, der selber im Gewimmel der Thiere keines Wurms vergißt, der unter seinem Himmel, was lebet, speist, wird unsern Geist für Licht und Heil erhalten. O laßt den Höchsten walten! 5. So mag denn, was die Welt uns gab, zerfallen N 6 und 300 Pflichten gegen Gott. und zerstäuben! So drohe Krankbeit, Tod und Grab! Des Schöpfers Huld wird bleiben. Er leitet gut, wir baben Muth; es mag uns übel gehen: wir werden's überstehen! 6. Wir zagen nicht: du, Gott, regierst, und wenn du Menschenherzen durch Lei⸗ den für das Gute rührst, so segnen wir die Schmerzen. Wir haben Muth; sind wir nur gut, so mag's uns übel gehen; wir werden's über⸗ stehen! Melodie In eigener ie. Mer nur den lie⸗ 390 W̃öbben Gott laßt walten, und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunder⸗ bar erhalten in aller Noth und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerböchsten, traut, der hat auf einen Fels gebaut. 2. Was belfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir ma⸗ chen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Trau⸗ rigkeit. 3. Man halte nur ein we⸗ nig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein allerweiser Rath es fügt! Gott, der uns ihm hat aus⸗ erwählt, der weiß auch gar wohl, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß, wann Hülfe nützlich sei. Wenn er uns nur hat treu erfunden, geduldig ohne Heuchelei; so kommt er, eh wir's uns verseh'n, und lässet uns viel Guts gescheh'n. 5. Denk' nicht in deiner Drangsalshitze, daß du von Gott verlassen seist und der dem Glück im Schooße sitze, den alle Welt für glücklich preist! Die Zukunft ändert oft sehr viel und setzet Jeg⸗ lichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen, und seiner Allmacht gilt es gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich. Er ist der Herr, der Jedermann leicht boch erhöh'n, leicht stürzen kann! s 7. Sing', bet“ und geh auf Gottes Wegen, verricht' das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Se⸗ gen, so wird er bei dit werden neu. Denn, welcher seine Zuverficht auf Gott setzt, den verläßt er nicht. e Mel. O Gott, du frommer Gott Gott, verlaß 391 2 went e Gebet. du mir selbst die Hände, daß ich die Pilgrimschaft des Le⸗ bens wobl vollende! Irr' ich im finssern Thal; so sei du selbst mein Licht, mein Stab, mein Hort, mein Schutz! Ach Gott, verlaß mich nicht! 2. Ach Gott, verlaß mich nichtz lehr' deinen Weg mich wallen und laß mich nimmer⸗ mehr in Sünd' und Thorheit fallen! Gib mir den guten Geist, des Glaubens Zuver⸗ sicht; und, wann ich strau⸗ cheln will, Gott, so verlaß mich nicht! 3. Ach Gott, verlaß mich nicht in Nöthen und Gefah⸗ ren, und laß zu rechter Zeit mir Hülfe widerfahren. Ist mein Gemüth in Angst, erzittr' ich in der Noth: o so verlaß mich nicht mit deinem Trost, o Gott! 4. Ach Gott, verlaß mich nicht, gib Wollen und Ver⸗ mögen; in allem meinem Thun begleite mich dein Segen! Die Werke meines Amts, die Werke meiner Pflicht laß, Herr, vor dir gedeih'n! Ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht; bilf, daß ich dir erge⸗ ben voll Lieb' und Hoffnung sei; fest glauben, christlich leben und selig sterben mag, um dich von Angesicht zu Angesicht zu schau'n! Ach Gott, verlaß mich nicht! 301 Mel. Wer nur den lieben Gott ein Heil, o 392 D Christ, nicht zu verscherzen, sei wach und nüchtern zum Gebet! Ein kindlich Flehn aus reinem Herzen hat Gott, dein Va⸗ ter, nie verschmäht. Er ist die Liebe selbst; er hört, was seiner Kinder Herz begehrt. 2. Erhebe dich zu seinen Höhen mit Dank und Fle⸗ ben oft und gern. Er lässet, was dir nützt, geschehen, ist, dir zu helfen, niemals fern; er thut, so du nur zu ihm flehst, mehr, als du bittest und verffehst. 3. Welch Glück, so hoch geehrt zu werden, und im Gebet vor Gott zu steh'n! Der Herr des Himmels und der Erden, bedarf der eines Menschen Fleh'n? Er will blos deine Seligkeit, wenn er zu beten dir gebeut. 4. Sagt Gott nicht: Bit⸗ tet, daß ihr nehmet? Ist des Gebetes Frucht nicht dein? Wer sich der Pflicht zu beten schämet, der schämt sich, Gottes Freund zu seyn, und stößt das ihm bestimmte Glück, feindselig gegen sich, zurück. 5. Sein Glück von dir, o Gott, begehren, wie leicht, wie süß ist diese Pflicht! Des Herzens Wünsche dir erklären, wie stärkt das meine Seele nicht! Gebet N 7 gibt gibt Muth; Gebet gibt Kraft zur Dämpfung jeder Leidenschaft. 6. Was kann zum Fleiß in guten Werken mir kräfti⸗ ger den Geist erhöh'n? Was mehr in Leidensstunden stär⸗ ken, als gläubig, Gott, auf dich zu seh'n? Ich treffe Nichts auf Erden an, was mich so sehr erquicken kann. 7. Gott! laß mich nicht mein Heil verscherzen, gib Lust und Kraft mir zum Gebet! Und wenn aus rei⸗ nem, frommem Herzen mein Mund zu dir um Hülfe fleht, so höre mich von deinem Thron durch Jesum Chri⸗ stum, deinen Sohn! In eigener Melodie. 393 ch komme vor dein Angesichtz verwirf, o Gott, mein Fle⸗ hen nicht: vergib mir alle meine Schuld, du Gott der Gnade und der Huld! 2. Schaff' du ein reines Herz in mir, ein Herz voll Lieb und Furcht vor dir, ein Herz voll Demuth, Preis und Dank, ein ruhig Herz mein Lebenlang! 3. Sei mein Beschützer in Gefahr; ich harre deiner immerdar. Ist wohl ein Ue⸗ bel, das mich schreckt, wenn deine Rechte mich bedeckt? 4. Ich bin ja, Herr, in deiner Hand. Von dir em⸗ Pflichten gegen Gott. pfing ich den Verstand; er⸗ halt' ihn mir, o Herr, mein Hort, und stärk' ihn durch dein göttlich Wort! 5. Laß, deiner Liebe mich zu freu'n, sie stets vor mei⸗ nen Augen seyn! Laß, mei⸗ nes Glaubens mich zu freun, ihn stets durch Liebe thätig seyn! 6. Das ist mein Glück, was du mich lehrst. Das sei mein Glück, daß ich zuerst nach deinem Reiche tracht', und treu in allen meinen Pflichten sei! 7. Ich bin zu schwach aus eigner Kraft zum Siege mei⸗ ner Leidenschaft; du aber ziehst mit Kraft mich an, daß ich den Sieg erringen kann. 8. Gib von den Gütern dieser Welt mir, Herr, so viel, als dir gefällt; bei Wenigem Zufriedenheit; zur Arbeit Muth und Hei⸗ terkeit! 9. Schenkt deine Hand mir Ueberfluß: so laß mich mäßig im Genuß, so laß mich mild und gütig seyn, und dürft'ge Brüder gern erfreun! 10. Gib mir Gesundheit und verleih', daß ich sie nütz' und dankbar sei; doch, sie zu schonen, zaghaft nie mich einer höhern Pflicht entzieh'! 11. Erwecke mir stets ei⸗ nen Freund, der's treu mit meiner Wohlfahrt weiß m Gebet. 303 mit mir in deiner Furcht sich übt, mir Rath und Trost und Beispiel gibt. 12. Bestimmst du mir ein längres Ziel, und werden meiner Tage viel: so sei, Herr, meine Zuversicht; ver⸗ laß mich auch im Alter nicht! 13. Und wird sich einst mein Ende nahen: so nimm dich meiner gnädig an, und sei durch Christum, deinen Sohn, mein Schirm, mein Schild und großer Lohn! Mel. Wer nur den lieben Gott 394 Domm betend oft und mit Ver⸗ gnügen, o Christ, vor Got⸗ tes Angesicht. Nie müsse Trägheit dich besiegen in der Erfüllung dieser Pflicht! O übe sie zu Gottes Preis und deinem Heil mit treuem Fleiß! 2. Bet' oft in Einfalt reiner Seelen: Gott sieht auf's Herz, Gott ist ein Geist. Wie kann es dir an Worten fehlen, wenn nur dein Herz dich beten heißt? Der Glaub' an Gott und seinen Sohn rührt ihn, nicht leerer Worte Ton. 3. Wer das, was ihm zum Frieden dienet, durch Beten sucht, der ehret Gott. Wer das zu bitten sich erkühnet, was er nicht wünscht, entehret Gott. Wer schnell vergißt, was er ihm schwur, der spottet seines Schöpfers nur. 4. Bet' oft zu Gott, und schmeck in Freuden, wie freundlich er, dein Vater, ist! Bet oft zu Gott, und fühl im Leiden, wie gött⸗ lich er das Leid versüßt! Gott hörts, Gott ist's, der Hülfe schafft. Er gibt den Müden Trost und Kraft. 5. Bet' oft, und heiter im Gemüthe schau dich an seinen Wundern satt! Schau auf den Ernst, schau' auf die Güte, womit er dich geleitet hat! Oft irrtest du: er trug Geduld; erkenn und preise seine Huld! 6. Bel' oft, durchschau' mit frohem Muthe das Wunder der Barmherzig⸗ keit deß, der mit seinem theuren Blute uns von der Sünde Joch befreit: und eigne dir, zu deiner Rußh' und Heiligung, sein Opfer zu! 7. Bet' oft; Gott wohnt an jeder Stätte, in keiner minder oder mehr; denk' nicht: Wenn ich mit Vielen bete, so find' ich eh'r bei Gott Gehör. Ist, was du wünschest, recht und gut; so sei gewiß, daß Gott es thut! 8. Doch säume nicht, in den Gemeinen auch öffent⸗ lich Gott anzufleh'n, und sei⸗ nen Namen mit den Seinen, mit deinen Brüdern zu er⸗ hoben! höhn! Fühl' der vereinten Andacht Werth, die deine eigne flärkt und nährt! 9. Bet' oft zu Gott für deine Brüder, für alle Men⸗ schen, als ihr Freuud; denn wir find Eines Leibes Glie⸗ der: es sei kein Glied des andern Feind! Solch Bit⸗ ten, das aus Liebe fließt, ebrt Gott, der selbst die Liebe ist. 10. Bet' oft, so wirst du Glauben halten, dich prü⸗ fen und das Böse scheun, an Lieb' und Eifer nicht erkalten, und reich an gu⸗ ten Werken seyn. Denn Muth und Kraft und See⸗ lenruh' sagt Gott dem frommen Beter zu. Mel. Was Gott thut, das ist ich ho 395 Wil schenkst du mir, o du, dem Seraphinen mit Ehrfurcht und mit Dankbegier im höhern Leben dienen! Es darf mein Geist, wie schwach er heißt, sich aus dem Staube schwingen, und betend zu dir dringen. 2. Ich darf mit froher Zuversicht vor deinem Thron erscheinen, und du, mein Gott, verwirfst mich nicht; du zählst mich zu den Deinen. Du zeigest dich mir väterlich, so oft ich zu dir trete, und kindlich vor dir bete. Pflichten gegen Gott 3. Erstickt die Sinnlich⸗ keit in mir des Herzens fromme Triebe; so stärkt mich das Gebet zu dir in neuer Tugendliebe. Was sündlich ist, kann ich, als Christ, durch deine Kraft bezwingen, und so den Sieg erringen. 4. Gebricht es mir an sanftem Sinn, an Liebe gegen Brüder; so flieh' ich betend zu dir hin, und hasse nun nicht wieder. Mein Herz verzeiht mit Freundlichkeit, und sucht der Feinde Schelten mit Großmuth zu vergelten. 5. Betracht' ich im Gebet mit Schmerz mein fehler⸗ volles Leben; so wird und kann fich nie mein Herz, von Stolz gereizt, erheben. Ich fleh' zu dir: Verzeihe mir! und du willst gern verzeihen, und mich mit Trost erfreuen. 6. Wenn Kummer mich zur Erde zieht, und wenn mich Sorgen quälen, wenn mir des Lebens Glück ent⸗ flieht, und edle Freunde fehlen; so wend' ich mich getrost an dich: du lehrst mich mit Entzücken im Elend Heil erblicken. 7 In stillen Stunden denk ich oft: Was seid ihr, eitle Freuden? Ach, wie geschwind, wie unverhofft verkebrt ihr euch in Leiden! Und denk' ich dies, so 8 8 2 Gebet. gewiß mein Herz fich ange⸗ trieben, nur dich, Herr, stets zu lieben. 8. O welchen Muth gibt das Gebet mir in Berufs⸗ geschäften! Du lohnest dem, der zu dir fleht, mit Weis⸗ beit und mit Kräften. Wer dir vertraut und auf dich baut, den krönest du mit Se⸗ gen auf allen seinen Wegen. 9. Du Geist der Kraft und des Gebets, du Geist der reinsten Liebe, erweck' und stärke du nur stets zur Andacht meine Triebe! Und kann ich nicht mit Zuversicht zu meinem Vater treten; so lehre du mich beten! Mel. Wer nur den lieben Go Mein bester Trost 396 M in diesem Le⸗ den ist ein Gebet zu meinem Gott. Dies kann mir Kraft in Schwachheit geben, Ge⸗ duld und Muth in jeder Noth; bei jedem Gram, bei jedem Schmerz ein ruhiges, zufriednes Herz. 2. Wie kann ich Trost und Ruhe finden, wann mein Gewissen mich ver⸗ klagt, wann bei der Menge meiner Sünden mein Herz vor seinem Richter zagt? Nichts tröstet mehr, als ein Gebet, das, Gott, bei dir um Gnade fleht. . Muß ich, um des Ge⸗ wissens Willen, ein Spott 305 der Lasterhaften seyn: so bet' ich demuthsboll im Stillen meinem Gott. Er hört mein Schrei'n, nimmt väterlich sich meiner an und stärkt mich auf der Tugend Bahn. 4. Ich will mich nie zu rächen suchen, wann mich ein Feind zu kränken sucht; und dem will ich nicht wieder flu⸗ chen, der mir aus Unver⸗ stande flucht. Nein, meine Rach' sei ein Gebet, das Gnade ihm von Gott erfleht. 5. Und wenn ein Kum⸗ mer mich verzehret, den ich der Welt nicht klagen kann, dann ruf' ich Gott, der mich erhöret, um Trost in die⸗ sem Kummer an. Wer ihm sein Leid mit Zuversicht ent⸗ decket, den verwirft er nicht. 6. Ruf' ich ihn an bei dem Geschäfte des Standes, den er mir verlieh: so fleh' ich nie umsonst um Kräfte; der Gott der Stärke gibt mir sie. Er gibt, aus väterli⸗ cher Huld, mir Segen, Klugheit und Geduld. 7. Wann, böser Lüste Macht zu dämpfen, mir Schwachen Muth und Kraft gebricht: dann bitt' ich Gott; er hilft mir kämpfen, er gibt mir Muth zu jeder Pflicht; und stark durch meines Gottes Kraft, be⸗ sieg ich jede Leidenschaft. 8. Wann ich im letzten Kampf zu 9 0 306 Pflichten ge Kampf des Lebens bei Nie⸗ mand Hütfe finden kann; so ruf' ich Gott doch nicht vergebens um seinen Trost und Beistand an, der, wann die Sprache mir vergeht, selbst meine Seufzer noch versteht. Mel. Ermuntre dich, mein 397 Jie sanft, mein Vater, ist die Pflicht, als Kind zu dir zu treten, voll Demuth und voll Zuversicht zu dir, o Gott, zu beten! Welch Glück, das Alles übersteigt, wird im Gebete mir erzeigt, wenn ich mit Kindestreue mein Herz, o Gott, dir weihe! 2. Allwissender! zwar bet' ich nicht, um dich erst zu belehren; nicht mit dem Wahn, was mir gebricht, das müssest du gewähren; nicht, Wunder von dir er⸗ flehn; nicht, andern Pflich⸗ ten zu entgehn; nicht, träge, dich zum Segen durch Bit⸗ ten zu bewegen; 3. Nein, guter Vater, nur um dich recht innig zu empfinden, zum Dank, zur Ehrfurcht feierlich die Seele zu entzünden, zur Demuth, Liebe, Freundlichkeit, zu kindlicher Ergebenheit, zum Fleiß in guten Werken mein Herz vor dir zu stärken. 4. Denn, wann ich in der Einsamkeit mein Herz zu dir gen Gott. erhebe, dir, Vater, voll Zu⸗ friedenheit mein Schicksal übergebe; dann schöpf' ich für die Tugend Kraft, Muth in dem Kampf mit Leiden⸗ schaft, Erquickung in dem Leiden und Hoffnung ew'ger Freuden. 5. Mit keiner Welt ver⸗ tausche ich die wonnevollen Stunden, wo betend dich mein Herz, o dich, mein Vater, hat empfunden; wo ich mit Thränen vor dir stand, tief deine Vaterhuld empfand, die liebevoll mich führte, mit Weisheit mich regierte. 6. Wie wird vor deinem Angesicht der Christen Glau⸗ be wichtig; wie warm mein Herz für jede Pflicht, zu je⸗ der Tugend tüchtig! Wann böse Luft in mir sich regt, eil' ich, von deinem Geist bewegt, mich im Gebet mit Thränen nach Kraft von dir zu sehnen. 7. Dein denk' ich, froh von Dank gerührt, wann ich mich niederlege, die Pfa⸗ de, die du mich geführt, bewundrungsvoll erwäge. Dich rühm' ich, wann nach sanfter Nacht zu neuer Lust mein Aug' erwacht, das die Natur entzücket, zu neuer Lust erquicket. 8. Bin ich am Ziel von meinem Lauf zu schwach, noch laut zu beten; dann blick Gebet. blick ich, Gott, zu dir hin⸗ auf, und will im Geiste beten. Noch sterbend, Va⸗ ter, dank' ich dir, der du so vieles Gute mir im Le⸗ ben hast erwiesen. Sei ewig, Herr, gepriesen! Mel. Wer nur den lieben Gott 0 Qu dir, o Gott, 398— das Herz er⸗ heben, zu dir mit frommer Andacht flehn, um uns zum Guten zu beleben, und unsre Tugend zu erhöhn, ist dein Befehl und meine Pflicht, und stärket meine Zuversicht. 2. Laß diese Pflicht mich nie vergessen; laß mich, be⸗ kannt mit ihrem Werth, es täglich und mit Dank er⸗ messen, welch Heil von dir, mir widerfährt, von dir der alle Menschen liebt, und Allen gern das Gute gibt. 3. Wenn ich vor dich, mein Vater, trete, dir mei⸗ nen stillen Wunsch verltrau'; wenn ich in meinem Kummer bete, und auf zu dir nach Hülfe schau'; dann sei mein Geist von Heuchelei und ganz von Eigendünkel frei! 4. Nie müss' ich das von dir begehren, was deine Weisheit nicht erlaubt; nie bitten, das mir zu gewäh⸗ ren, was Andern ihre Wohl⸗ fahrt raubt! Denn du er⸗ börest kein Gebet, das zu des Andern Schaden fleht. 307 5. Wünsch' ich mir Güter dieser Erde; so sei auch dies mein herzlich Flehn, daß ihr Besitz mir Mittel werde, der Brüder Wohlfahrt zu er⸗ höhn, daß ich, von Geiz und Habsucht fern, mit Weis⸗ heit sie gebrauchen lern'. 6. Wünsch' ich bei kummer⸗ vollen Leiden von ihrer Last mich frei zu sehn, und sehn' ich mich nach Lebensfreuden; so laß mich doch um das nur flehn, was deine Weisheit, Gott, beschließt, und was mir gut und nützlich ist! 7. Dann wird dir mein Gebet gefallen, und nie werd' ich mich trostlos sehn; du, Herr und Vater von uns Allen, erhörst gewiß mein kindlich Flehn; gibst mir im Glück Zufrieden⸗ heit, in Trübsal Ruh' und Heiterkeit. Mel. Es ist das Heil uns 399 Zott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken gehen; du krönst uns mit Barm⸗ berzigkeit, und eilst, uns beizustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort; denn ich will vor dir beten! 2. Ich bitte nicht um Ueberfluß und Schätze dieser Erden. Laß mir, so viel ich haben muß, nach deiner Gnade —ůů— ——— 8 308 Pflichten gegen Gott. Gnade werden. Gib mir nur Weisheit und Ver⸗ tand, dich, Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um Ehr' und Ruhm, so sehr sie Menschen rühren; des gu⸗ ten Namens Eigenthum laß mich nur nicht verlieren! Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, der Ruhm vor deinem Angesicht, und frommer Freunde Liebe! 4. So bitt' ich dich, mein Herr und Gott, auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demuth, Muth in Noth, das wollest du mir geben! In deiner Hand steht meine Zeit; laß du mich nur Barmherzigkeit vor dir im Tode finden! In eigener Melodie. 7 icht um Reich⸗ 400 N 1 nicht um Ehre bitt' ich, Gott, mein Vater, dich. Wenn ich Weltbesitzer wäre: ohne dich, wie arm wär' ich! Nicht um thränenlose Tage steigt mein Flehn zu dir hinan; sende Freude, sende Plage, wenn ich dich nur lieben lann! 2. Weisheit nur, dich zu erkennen, dich in Freude, dich im Schmerz meinen Vater froh zu nennen: dies erflehet sich mein Herz! Dankgefühl bei deinen Ga⸗ ben, Lust am Guten, Freud in dir, und Gewissensruh' zu haben: dies, Allgüt'ger, wünsch' ich mir! 3. Kraft und Muh und Herzensfreude, mei⸗ nen Nächsten wohlzuthun; Trost und Stärke, wann ich leide, sanft und still in dir zu ruhn; Muth, die Laster zu bekämpfen, ihre Reize zu verschmähn, jede Leidenschaft zu dämpfen: dies, Herr, ist mein kindlich Flehn. 4. Nur auf deinen Willen sehen, dich, o Gott, sonst Niemand scheun, fest in dei⸗ ner Liebe stehen, und dir, Vater, ähnlich seyn; diesen heißen Wunsch zu stillen, wer vermag es? Du allein. Ja, um deiner Liebe Willen wirst du, was ich bat, verleihn. Das Gebet des Herrn. Mel. Erschienen ist der herrlich N(a) u, deß sich 401 D alle Him⸗ mel freun, auch unsre Seele freut sich dein, daß du, deß Macht unendlich ist, daß du, Gott, unser Va⸗ ter bist, in Ewigkeit. 2. Weit, über unser Den⸗ ken weit, geht deines Na⸗ mens Herrlichkeit. Ihn beilige, von Lieb' ent⸗ brennt, wer deinen. Gebet. Namen nennt, Unend⸗ licher! 3. Verbreite deines Rei⸗ ches Ruhm durch Jesu Evangelium! Mach' unser Herz ihm unterthan; so beten wir dich freudig an, Allguͤtiger! 4. Der du in deiner Wahl nie irrst, und wohlzuthun nie müde wirst, dein Wil⸗ le, Weisester, gescheh' auf Erden so wie in der Höb', mit Freudigkeit! 5. Sei mit uns in des Lebens Noth, und gib uns unser täglich Brodz in dieser Erde Freud' und Schmerz sei still in dir und froh das Herz und voll Vertraun! 6. Vergib, vergib uns unsre Schuld; trag' un⸗ sre Schwachheit mit Ge⸗ duld; wir wollen auch, von Rachsucht rein, des Näch⸗ sen Fehler gern verzeihn. Wir wollen's, Herr! 7. Zu hart sei die Ver⸗ suchung nicht; Herr, stärk uns, wann uns Kraft ge⸗ bricht; steh' uns zum Siege mächtig bei; mach' uns im Guten fest und treu, Er⸗ barmender! 8. Erlös', erlös' uns, unser Gott, nach deinem Rath aus aller Notb! Nimm nach vollbrachtem Prüfungs⸗ lauf uns zu dem bessern Le⸗ ben auf! Allliebender! 309 9. In deines Himmels Heiligthum, auf deiner Erd' erschallt dein Ruhm. Dein ist die Macht, die Herr⸗ lichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Hallelujah! In eigener Melodie. 40100 Nater, den 2 uns Jesus offenbaret, den der Geist mit hoher Andacht nennt; Vater, den kein Himmel von der Erde, keine Welt von seinen Kindern trennt! 2. Hochgelobet sei dein großer Name, angebetet deine Herrlichkeit! Hei⸗ lig ehre dich der Mensch im Staube, von der Wiege bis zur Ewigkeit. 3. Dein Reich komme! Jenes Reich des Friedens, das durch Weisheit und durch Liebe blüht; jenes Reich, das Jesus Christus baute, das die Menschen für den Himmel zieht! 4. Es gescheh' dein Wille hier auf Erden, wie in jenem hohen Geisterreich; und die Wahrheit und die Tugend mache alle Men⸗ schen deinen Engeln gleich! 5. Gib uns, ewigtreuer Menschenvater, gib uns, was wir brauchen in der Noth! Ach, wir bitten nicht um Gold und Schätze; gib uns, Herr, Zufriedenheit und Brod! 6. Wann 310 6, Wann wir auf dem Pfad der Tugend straucheln, so vergib uns Schuld und Missethat; so wie wir auch gern vergeben wollen, wann ein Nächster uns gekränket hat. 7. Schütze uns in der Versuchungsstunde, wo die Tugend mit dem Laster ringt; laß uns auf die Himmelskrone blicken, wann die Erde unser Herz umschlingt! 8. So erlöse uns von al⸗ lem Uebel, das den Geist und unser Herz bedroht! Gram und Reue werden dann verschwinden, und wir siegen über Welt und Tod. 9. Dein, Herr, ist das Reich, die Macht und Stärke! Ewig währet dei⸗ ne Herrlichkeit! Alle Himmel rühmen deine Eh⸗ re, und dein Tempel ist die Ewigkeit. + ir 0 N n tte für den Regen⸗ Mel. Lobt Gott, ihr Christen 0(a)(es freu' der 402 E Fürst des Landes sich, Gott, deiner allezeit! Sein Auge sehe stets auf dich; sein Herz sei dir geweiht! 2. Begnadigt, Herr, mit deiner Kraft und deines Geisles voll, gedenk' er stets Pflichten gegen Gott. der Rechenschaft, die er dir geben soll! 3. Sehr groß und schwer ist seine Pflicht, und er, ein Mensch, wie wir; wie sehr braucht er vor Andern Licht und Rath und Kraft von dir! 4. Verleih' ihm das! Wenn er begehrt, dir ähn⸗ lich, Gott, zu seyn, so hilf ihm, in dein Bild verklärt, sein Volk, wie du, erfreun! 5. Er fördre willig dei⸗ nen Ruhm; er denke gern daran: das Land sei, Herr, dein Eigenthunm, und er dein Unterthan! 6. Der über Christen, Gott, von dir zum Herrn verordnet ist, sei deiner Kirche Schutz und Zier, ein edler Mensch und Christ! 7. Er zeig' in seinen Thaten sich als deinen treu⸗ sten Sohn! Den Lastern sei er fürchterlich, der Tu⸗ gend Schutz und Lohn! 8. Der Unterthanen Liebe sei sein edelster Gewinn, und kein gerechter Seufzer schrei' um Rache wider ihn. a 9. Um seinen Thron sei immerdar Recht und Ge⸗ rechtigkeit, und dann be⸗ schütz' ihn in Gefahr, wann ihm und uns sie dräut! 10. Sein eignes Beispiel wirke mehr, als jede Strafe tbut, und es verbreite um ibn her zu jeder Tugend th! — 11. Ver⸗ 11. Verdienste heb' er gern empor; er folge weisem Rath und öffne freundlich Herz und Ohr, wann ihm ein Armer naht! 12. Auch ihm bestimmtest du das Ziel, das er errei⸗ chen soll; Herr, mache sei⸗ ner Tage viel und jeden segensvoll! 13. Sein werd' in jedem Flehn zu dir mit Lieb' und Dank gedacht! Erhör' uns, Gott: dann fauchzen wir und preisen deine Macht. 40 Herr, die Obrigkeit! Du gabst sie uns, auf Erden mit Wohl⸗ stand und mit Sicherheit durch sie beglückt zu werden! Verleih' ihr Weisheit, Trieb und Kraft, was wahres Wohl dem Lande schafft, mit Sorgfalt wahrzunehmen! 2. Gib, daß sie, deinem Vorbiid gleich, uns väterlich regiere, zu uns den Segen und dein Reich durch gute Anffalt führe, der Unschuld Schirm und Wächter sei, Verdienst und ResbliSchkeit erfreu', dem Unrecht kräftig steure! 3. Laß uns, von ihrem Schutz bewacht, des Frie⸗ dens Glück genießen; laß ruhig unter ihrer Mach Leben uns verfließer Sei Lob und Ehr' dem 1 (b) Erhalt uns, Gebet. 311 daß wir in Gottseligkeit dir dienen, und schon in der Zeit die Frucht der Tugend ärnten! 4. Beschirme sie durch dei⸗ nen Schutz, daß, die ihr Uebels gönnen, mit aller List, Gewalt und Trutz ihr niemals schaden können! Nie feble jeder guten That, die sie sich vorgenommen hat, dein segnendes Gedeihen! 5. Gib denen Eifer, Fleiß und Treu', die du ihr un⸗ tergeben, daß jeder freudig thätig sei, nach seiner Pflicht zu leben! Erleichtre ihres Amtes Müh', mit deinem Segen kröne sie, und sei ihr Lohn auf ewig! 6. Laß sie mit uns beflis⸗ sen seyn, in deiner Furcht zu leben, uns deiner Ober⸗ herrschaft freun, mit ihr dein Lob erheben; daß so vor deiner Majestät, die über alle Hoheit geht, Regent und Volk sich beuge! Allgemeine Fürbitte. Mel. Wo Gott zum Haus 403 Tur alle Menschen beten wir, o Höchster, wie für uns, zu dir. Du, der du Aller Vater bist, gib Jedem, was ihm heilsam ist! 2. Dir tönet unser Lob⸗ gesang; wir bringen Ehre dir und Dank, daß du sie x Alle, 1 312 Alle, Alle liebst, und lie⸗ bend Allen Gutes gibst. 3. Deß freun wir uns; dies preisen wir, und beten herzlicher zu dir für Alle, die dein hoher Ruf, wie uns, o Gott, zu Menschen schuf. 4. Nimm Aller väterlich dich an, und leite sie auf ebner Bahn; es sei zu dei⸗ nem Preis und Ruhm ein jedes Volk dein Eigenthum, 5. Verirrte führe, Herr, zurück zu dir, zu ihrem wahren Glück; und wer von dir sich führen läßt, der werd' im Guten treu und fest! 6. Entreiß' der Laster Ty⸗ rannei die Sünder; mache, Gott, sie frei, daß sie der Tugend Pfade gehn, und freudig einst dein Antlitz sehn! 7. Gib allen Menschen frohen Muth; bewahr' ihr Leben und ihr Gut; laß ihrer Hände Werk gedeihn, verdiente Achtung sie er⸗ freun. 8. In ihrer Noth verlaß sie nie; und find sie traurig, tröste sie! Gib ihnen hier Zufriedenheit, und dort der Frommen Seligkeit. 9. Wir Alle, einst den Engeln gleich, erheben dich in deinem Reich, und ewig, ewig danken wir dir, un⸗ ser Aller Vater, dir. Pflichten gegen Gott. Dankbarkeit Mel. Lobt Gott, ihr Christen 404 Du bist's, dem Ehr' und Ruhm gebührt; und das, Herr, bring' ich dir. Mein Schicksal hast du stets regiert und stets warst du mit mir. 2. Wann Angst und Noth sich mir genaht, so hörte Gott mein Flehn, und ließ durch seinen gnäd'gen Rath mich nicht darin vergehn. 3. Wann ich in Schmerz und Krankheit sank, und rief: Herr, rette mich! so half mir Gott. Mit wel⸗ chem Dank, mein Gott! erheb' ich dich? 4. Betrübte mich des Feindes Haß: so klagt' ich Gott den Schmerz. Er half mir, daß ich ihn vergaß, und gab Geduld ins Herz. 5. Wann ich den richt'gen Pfad verlor und mich ver⸗ schuldet sah, rief ich zu dir, mein Gott, empor, und Hülfe war mir nah. 6. Oft, wann nach Trost die Seele rang, Gott sich von mir gewandt, rief ich voll Sehnsucht: Herr, wie lang! Und mich hielt seine Hand. 7. Er half; noch hilft er stets, der Herr, denn er ist fromm und gut. Aus der Versuchung rettet er, und ibt zur Tugend Muth gibt z 9 8. Pert 8. Herr, fuͤr die Leiden dank ich dir, dadurch du mich geuͤbt, wie fuͤr die Freuden, welche mir dein milder Segen gibt! 9. Dir dank' ich, Herr, daß die Natur mich naͤhrt und mich erfreut. Ich schmeck' in jeder Kreatur, Gott, deine Freundlichkeit. 10. Ich danke dir fuͤr dei⸗ nen Sohn, der fuͤr mich Suͤn⸗ der starb und der zu deinem Gnadenthron den Zutritt mir erwarb. 11. Lobt Gott in seinem Heiligthum! Erheb' ihn, Volk des Herrn! Die Erd' ist voll von seinem Ruhm; er hilft und rettet gern. 12. Er hilst und laͤßt die Traurigkeit bald uns voruͤ⸗ bergeh'n, will uns, nach kur⸗ zer Pruͤfungszeit, zu ew'gem Gluͤck erhöh n. 13. Vergiß nicht, Seele, deinen Gott; was er an dir gethan! Verehr und halte sein Gebot und bet! ihn ewig an. N Alle Gott Nun Ib. 0 405 Diaet durch dich bin ich vorhan⸗ denz die Himmel und ihr Heer sind durch dein Wort entstanden Denn, wenn du sprichst, geschiehts; wenn du gebeutst, stehts da, Mit Allmacht bist du Dankbarkeit. 313 mir, und auch mit Guͤte nah'. 2. Du bist der Gott der Kraft; dich preisen Erd' und Meere, und Himmel pre⸗ digen die Wunder deiner Ehre. Dich bet' ich dankend an! Mein Heil kommt von dem Herrn Du hoͤrst der Menschen Flehen, und du er⸗ rettest gern. 3. Und wenn sch deiner Huld, o Gott, gewuͤrdigt werde, was frag' ich außer dir nach allem Gluͤck der Erde! Im Himmel donnerst du, und Schrecken fuͤllt das Land: doch fuͤrcht' ich Nichts; denn du deckst mich mit dei⸗ ner Hand 4. Wenn ich die Himmel seh', die du, Herr, ausgebrei⸗ tet, der Sonne Majestaͤt, den Mond, den du bereitet; so sprech' ich Was ist doch der Mensch, daß du sein denkst, und daß du taͤglich uns un⸗ zaͤhlig Gutes schenkst! 5. Voll Guͤte laͤß'st du uns auf gruͤnen Auen wei⸗ den, naͤhrst uns mit Speis' und Trank, und fuͤllst das Herz mit Freuden. Du dach⸗ test mein, eh' mich die Mut⸗ ter noch gebar; ja sahst mich, eh' der Grund der Welt geleget war. 6. Du wogst mein Gluͤck mir ab, und Leiden, die mich uͤben; und meiner Tage zahl war in dein Buch ge⸗ O schrie⸗ 314 Pflichten gegen Gott. schrieben. Du bist der From⸗ men Schutz, du bist der Muͤden Ruh'; ein Gott, der gern verzeiht. Wie gnaͤdig, Gott, bist du! 7. Wem sollt' ich sonst vertrau'n, als dir, du Gott der Goͤtter? wen ehren so, wie dich, mein Schutz und mein Erretter? Wie sanft ist dein Befehl: Gib mir dein Herz, mein Sohn, und wandle meinen Weg; ich bin dein Schild und Lohn! 8. Herr, dein Gebot ist Heil, dein Weg ist Fried und Leben! Wie koͤnnt' ich einem Gott der Liebe wider⸗ streben? Der Lasterhafte mag in stolzem Gluͤcke bluͤh'n; mich soll er dennoch nicht in seine Netze zieh'n l 9. Auch wenn kein Mensch mich sieht, will ich die Suͤn⸗ de fliehen; denn du wirst Aller Werk vor dein Ge⸗ richt einst ziehen. Ich will, wenn meinem Fleisch was Boses noch geluͤst t, bedenken, daß mein Leib, o Gott, dein Tempel ist. 10. Sollt ich nach Ehr und Ruhm mit Suͤnd' und Unrecht trachten? Nein, Herr, wenn du mich ehrst! mag mich die Welt ver⸗ achten! Du bist es, dem zum Dienst ich Leib und Seele weih'; gib, daß mein Wandel stets dir wohlge⸗ faͤllig sei! Mel. Alle Menschen müssen 406 Fol nieder! fal⸗ let nieder! Be⸗ tet Gottes Hoheit an! Men⸗ schen, Christen, Freunde, Bruͤder! viel hat er an uns gethan. Seht, wir schoͤpfen, was wir haben, aus dem Strome seiner Gaben, jedes Gut, das uns entzuͤckt, jeden Vorzug, der uns schmuͤckt! 2. Keiner ruͤhme seiner Staͤrke, seiner Kunst und Weisheit sich! Jeder ruͤhme deine Werke, Vater, Jeder ruͤhme dich! Voll von tie⸗ fer Demuth preise dich der Starke, dich der Weise! Ihre Kraft und ihr Ver⸗ stand sind Geschenke deiner Hand. 3. Dich, mein Vater, will ich loben demuths voll bis in den Tod. Ewig sei von mir erhoben uͤber Alles, o mein Gott! Angebetet sollst du werden, weil im Him⸗ mel und auf Erden Keiner dir an Groͤße gleicht, Keiner je dich ganz erreicht! Mel. Sollt' ich meinem Gott 407 Abe hast du mir gegeben, Alles, Gott, bin ich durch dich; du, nur du begluͤcktest mich! Glieder, Kraͤfte, Sinne, Le⸗ ben, Triebe, Freiheit und Verstand gab mir deine Schoͤpferhand. 2.65 ich noch dich Vater nannte, nannte, eh' ich reif zum Da⸗ seyn war, eh' ich Schmerzen und Gefahr, eh' ich Gluck und Freude kannte, sorgtest du schon vaͤterlich fuͤr mein Daseyn und fuͤr mich. 3. In den Jahren meiner Jugend, wo ich schwach an Einsicht war, warntest du mich vor Gefahr, gabst du mir Gefuͤhl fuͤr Tugend, segnetest du mein Bemuͤh'n, mich Verfuͤhrern zu ent⸗ zieh'n. 4. Alle meine Lebensfreu⸗ den hab' ich, Vater, nur von dir; Gluͤck und Wohlfahrt gibst du mir, frohen Muth in meinen Leiden; und wie oft traͤgt deine Huld meine Fehler mit Geduld! 5. Taͤglich kann ich es er⸗ fahren, wie du deine Men⸗ schen liebst, ihnen Schutz und Beistand gibst, sie vor Uebeln zu bewahren; wie du sie versorgst und naͤhrst, ihnen manchen Wunsch ge⸗ waͤhrst. 6. Wie du stets mich weise fuͤhrest, vaͤterlich an mich gedenkst, Uebel auch zum Guten lenkst; wie du mein Geschick regierest, meine Wohlfahrt zu erhohen, lern' ich immer mehr versteh' n. 7. Mit dem freudigsten Gemuͤthe fuͤhl ich jeder Wohlthat Werth, die mir taͤgich widerfaͤhrt, preise deine weise Guͤte, und er⸗ Dankbarkeit 315 fleh' auch kuͤnftig mir Segen, Trost und Heil von dir. In eigener Melodie. 408 Hallelulah! Brin⸗ 9 get Ehre, Preis und Ruhm, ihr Jubelchoͤre; jauchzt, Beseligte des Herrn! Bringet Ruhm, ihr Erden⸗ soͤhne, singet eure Jubel⸗ toͤne; er, der Herr, begluͤckt uns gern! 2. Sollten wir dem Herrn nicht singen, ihm nicht Freu⸗ denopfer bringen? Er er⸗ schafft und er erhaͤlt! Tief im Staub, verehrt ihn, Kin⸗ der! Kinder heißt er uns, uns Suͤnder; er ist Vater seiner Welt! 3. Zwar sein Thron steht unerschuͤttert, und die weite Schoͤpfung zittert tief ge⸗ beugt vor ihrem Herrn; wenn gleich unsre Lieder schweigen, seht die Millio⸗ nen Zeugen, laut verkuͤnden sie den Herrn! 4. Aber unsre Seelen he⸗ ben sich zum Gluͤck der Engel, leben schon des Himmels Le⸗ ben hier. Welche göttlich hohe Freuden, welchen Trost fur alle Leiden, welche Ruhe fuͤhlen wir: 5. Wenn der Geist zu ihm sich waget, ein Gedank' dem andern saget: Er ist Vater seiner Welt; still entzuckend dem Gemuͤthe dann die Fulle seiner Gute 0 2 sich —— 316 Pflichten gegen Gott. sich zum großen Zeugen stellt! 6. Naht euch zu ihm, seine Kinder! Zittert nicht, seid ihr gleich Suͤnder, Suͤnder ihr: die Lieb' ist er! Denkt den goͤttlichen Gedan⸗ ken, fuͤhlt die Wonne, ibm zu danken: groß und gnaͤdig ist der Herr! 7. Hallelujah! Bringet Ehre, Preis und Ruhm, ihr, Jubelchöͤre, jauchzt, Beseligte des Herrn! Bringet Ruhm, ihr Erdensoͤhne, singet eure Jubeltoͤne; er, der Herr, be⸗ gluͤckt uns gern! In eigener Melodie. Hun danket Alle 409 AM Gott mit Her⸗ zen, Mund und Haͤnden, der große Dinge thut hier und an allen Enden, der uns so vaͤterlich von unsrer Kind⸗ heit an bis diesen Augenblick unzaͤhlig Gut's gethan! 2. Der ewigreiche Gott woll' uns, so lang' wir leben, ein immer froͤhlich Herz und edlen Frieden geben, und uns in seiner Gnad' erhalten fort und fort, und uns aus aller Noth erloͤsen hier und dort! 3. Lob, Ehr' und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne und seinem heil'gen Geist! Er, der vom Himmelsthrone voll Liebe auf uns sieht, bleibt, wie er ewig war, unendlich groß und gut Lob sei ihm immerdar! Mel. Lobt Gott, ihr Christen 410 Ae Christen, bringet Preis und Ehr' dem Herrscher al⸗ ler Welt, dem Maͤchtigen, der Erd' und Meer und alle Himmel haͤlt! 2. Frohlockt mit jubel⸗ reichem Schall Gott, un⸗ serm hoͤchsten Gut, der große Wunder uͤberall, auch an uns Menschen, thut! 3. Von unsrer zarten Kindheit an hat er uns un⸗ terstuͤtzt, er, der allein uns helfen kann, und gern uns hilft und schuͤtzt. A. Aus seiner Fuͤlle neh⸗ men wir noch immer, was uns naͤhrt, und unsern See⸗ len auch schon hier Zufrieden⸗ heit gewaͤhrt. 5. Er streut auf dieses Lebens Pfad viel Freuden um uns her. Die Noth, womit sein weiser Rath uns pruͤft, erleichtert er. 6. Er fordert uns zur Tugend auf, die hin zum Gluck uns fuͤhrt; er ist's, der unsern Lebenslauf mit weiser Hand regiert. 7. Er bleibt uns treu; sein Wort steht fest. Wer hier sich zu ihm haͤlt. kommt, wenn er diese Welt verlaͤßt, zum Gluͤck der beßren Welt. 8. Singt, Christen, singt ihm ihm Preis und Dank fuͤr seine Guͤtigkeit! Einst wird sie euer Lobgesang noch mehr in Ewigkeit. Mel. Jesu, meines Lebens Leben 41 1(a) alte dich mit hoher Liebe an den Herrn, und opfre Dank! Weih' ihm jeden deiner Triebe! Seele, Gott sei dein Gesang! Selig einst vor ihm zu werden, schuf er mich, und schon auf Erden seh' und fuͤhl' ich's wonnevoll, was ich kuͤnftig werden soll. 2. Jeder Tag gebiert mir Freude, Freude jeder Au⸗ genblick; selbst die Schmer⸗ zen, die ich leide, werden Segen mir und Glück. Rie⸗ seln nicht im Pilgerlande Quellen auch im duͤrrsten Sande? Immer strahlt die Sonne nicht, aber auch die Nacht hat Licht. 3. Jedes Gluͤck, das ich gewinne, wer gewaͤhrt mir's, Herr, als du? Strömen nicht durch alle Sinne Lust mir und Vergnuͤgen zu? Ist's, o Gott, nicht deine Gabe, daß ich diese Sinne habe, und zum taglichen Genuß Nothdurft und oft Ueberfluß? 4. O wie viele frohe Tage flossen, weil mir Nichts ge⸗ brach, ruhig hin und frei von lage, frei von jedem Un⸗ gemach! Hatt' auch einer Dankbarkeit. 317 Muͤh' und Sorgen; sie ent⸗ floh'n, und jeden Morgen, wenn ich deine Sonne sah, waren neue Freuden da. 5. Ja, ich hab' aus deiner Fuͤle, was mein Herz nur wuͤnschen mag, Speis und Trank und Dach und Hulle, Schutz und Huͤlfe jeden Tag. Immer kam und kommt dein Segen unerwartet mir ent⸗ gegen, und, wo mir ein Uebel droht, Rettung oder Trost in Noth. 6. Ruh' und Sicherheit im Lande, Ordnung und Gesetz und Recht, diese star⸗ ken, festen Bande fuͤr das menschliche Geschlecht, und des Umgangs suͤße Freuden, und der Freundschaft Trost im Leiden, Rath und Bei⸗ stand hab' auch ich; Gott, wie preis' ich wuͤrdig dich! 7. Dies gewaͤhrst du die⸗ sem Leben, dieser kurzen Uebungszeit. O was wirst du, Herr, mir geben einst in jener Ewigkeit! Ewig selig dort zu werden, schufst du mich; und schon auf Erden seh' ich's, fuͤhl' ich's wonnevoll, was ich kuͤnftig werden soll. Mel. Nun danket Alle Gott 41105 auf mit Huld und Vater⸗ guͤte fuͤr mich, mein Gott, gesorgt, mit dankendem Ge⸗ O 3 muͤthe 318 Pflichten gegen Gott. muͤthe denk' ich voll Ruͤhrung nach, was du an mir gethan, wie wenig ich verdient, wie schwach ich danken kann. 2. An treuer Aeltern Hand entfloh die erste Ju⸗ gend; sie zeigten sorgsam mir den Weg zur wahren Tugend. Wann ihre Stim⸗ me schwieg, sprach guter Lehrer Mund, und machte redlich mir der Weisheit Schaͤtze kund. 3. Wie weit waͤr' ich viel⸗ leicht vom Tugendpfad ent⸗ fernet, haͤtt' ich durch ihren Rath nicht die Gefahr geler⸗ net, zu der das Laster fuͤhrt! Leicht werden wir sein Raub; uns mache Leicht sinn nie fuͤr ihre Lehren taub! Wie Manchem ward das Gluͤck, das du mir gabst, entzogen; wie Man⸗ cher von der Lust der Sinn⸗ lichkeit betrogen, weil un⸗ gewarnt sein Fuß nicht jene Schlange mied, die unter Blumen lauscht, verletzt, eh' man sie sieht! 5. Was gut und edel ist, was dir gefaͤllt, was nuͤtzet, was auf der Lebensbahn uns vor dem Fall beschuͤtzet, was Muth im Leiden gibt, vor guten Menschen ehrt, hast du mich, guter Gott, von Kind⸗ heic an gelehrt. 6. Die aͤchte Froͤmmig⸗ keit, die nicht in Mienen heuchelt, die aus dem Herzen quillt, mit falschem Trost nicht schmeichelt, die Jesu Geist und Sinn nachahmt und in sich naͤhrt, hast du von Jugend auf mich, guter Gott, gelehrt. 7. Wie dank ich wuͤrdig dir? Durch Thaten will ich danken. Und wollte ja mein Fuß vom Tugendwege wan⸗ ken: o dann erinnre du mit deiner Gotteskraft, durch mein Gewissen, mich der schweren Rechenschaft. Lob Gottes. Mel. Mein Gott, das Herz 412 Ven allen Him⸗ meln toͤnt dir, Herr, ein froher Lobgesang. Zu dir, Anbetungswuͤrdi⸗ ger, steig' auch der Menschen Dank! 2. Du brauchst zwar un⸗ sers Preises nicht, wirst durch ihn großer nie; doch bleibet stets dein Lob uns Pflicht, und, Gott, wie schoͤn ist die! 3. Dich preisen, ist uns Seligkeit; dir danken, hohe Lust; schon hier fuͤhlt, wer sich deiner freut, den Himmel in der Brust. 4. Wir stammeln zwar dein Lob hier nur, so hei das Herz auch gluͤht; denn deinen Ruhm, Herr der Na⸗ tur, erreicht kein sterblich Lied. 5. Doch 5. Doch du verschmaͤhst das Opfer nicht, das dir die Andacht bringt, die sich mit Kindeszuversicht zu dir, Erhabner, schwingt. 6. So soll dein Lob denn allezeit in unserm Munde seyn; stets unser Herz voll Dankbarkeit sich deiner Guͤte freun. Das Te Deum. In eigener Melodie. 413(a) Hen Gott, dich loben wir! Herr Gott, wir dan⸗ ken dir! Der Hoͤchste ist von Ewigkeit! Er schuf die Welt, das Werk der Zeit. Die ganze weite Schoͤ⸗ pfung preist, Gott, Vater, dich! dich Sohn! dich Geist! Die Cherubim, die Sera⸗ phim, die Himmel alle singen ihm: Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Hei⸗ lig ist unser Gott, der all⸗ gewalt'ge Gott! Weit, uͤber alle Himmel weit, geht deine Macht und Herrlich keit! Sie, die den Erd⸗ kreis wunderbar bekehrien, dei⸗ ner Boten Schaar, der Lehre Jesu Maͤrtyrer, sie preisen ewig dich, o Herr! Auch deine ganze Christenheit preist dich auf Erden weit und breit, dich, Vater, auf der Himmel Thron, dich, Je⸗ su Christ, des Vaters Sohn, Lob Gottes. 319 und dich, o Geist, deß Wun⸗ derkraft in Suͤndern neues Leben schafft! Du Hoherpriester! du Prophet! du Koͤnig, deß Reich nie vergeht! Du wardst ein Mensch, doch suͤn⸗ denrein, um uns von Suͤn⸗ den zu befrein. Dem Tode nahmst du seine Macht, zum Himmel hast du uns ge⸗ bracht. Zur Rechten Got⸗ tes sitzest duz mit Macht und Guͤte herrschest du. O, der fuͤr uns geblutet hat, erwuͤrgt fuͤr unsre Misse⸗ that, im Grabe laͤssest du uns nicht; du kommst, du kommst und haͤltst Gericht! Einst sei im Himmel ew'ges Heil, mit allen From⸗ men unser Theil! Hilf dei⸗ nem Volke, Jesu Christ, und segne, was dein Erbtheil ist! Leit' uns durch unsre Pruͤ⸗ fungszeit den Weg zur frohen Ewigkeit! Die Erd' ist auch dein Heiligthum! Auch sie erfuͤlle stets dein Ruhm! In dieser unsrer Pilgerschaft ist, Herr, dein Wort uns Licht und Kraft. Es ist ein reines, helles Licht; wer ihm ge⸗ horcht, der suͤndigt nicht; und wer noch faͤllt und es bereut, der findet da Barm⸗ herzigkeit. Die Erd' erfuͤll, Herr, stets dein Ruhm, so wie des Himmels Heiligthum! Amen! O 4 In In voriger Melodie. (b) Cerr Gott, 413 0 dich loben wir! Herr Gott, wir dan⸗ ken dir! Dein Segen stroͤmt durch deine Welt; du bist es, der auch uns erhaͤlt! Drum steig' im hohen Jubelton auch unser Lied zu deinem Thron! unendlicher, wer ist, wie du? Uns rufen alle Himmel zu: Der uns erschuf, ist groß, an Macht und Weisheit groß, an Huld und Liebe groß, ist unermeß⸗ lich groß! Wie groß war deine Herr⸗ lichkeit schon vor dem Anbe⸗ ginn der Zeit! Doch wolltest du, und es geschah: zahllose Welten standen da, und jede trat die weite Bahn, auf deinen Wink, mit Freuden an. Nie hob ihr Gleichge⸗ wicht sich auf; noch immer lenkst du ihren Lauf; und froh ist Jeder, der es denkt: du bist's, der auch die Erde lenkt. Wie weise, groß und herrlich ist, Allherrscher, was dein Rath beschließt! Die Kronen sind in dei⸗ ner Hand; den Weisen gibst du den Verstand, den Hel⸗ den ihren Heldenmuth: und Alles, was du thust, ist gut. Durch dich erringt ein Volk den Sieg; durch dich ent⸗ fleucht der wüde Krieg, und Friede fuͤhrt uns Ruh' und Gluck, die Ordnung und das Pflichten gegen Gott. Recht zuruͤck. Das Feld be⸗ lohnt durch dein Geheiß des treuen Landmanns regen Fleiß; es bluͤhet Kunst und Wissenschaft, und Alles, Herr, durch deine Kraft. In unserm Staube flehen wir voll froher Zuversicht zu dir, zu dir, der uns im Him⸗ mel hoͤrt, und liebreich unsre Freuden mehrt. Kein We⸗ sen ist vor dir zu klein; du willst sein milder Vater seyn. Von deines hohen Na⸗ mens Ruhm erschall' auch jetzt dein Heiligthum! Wie wohl hast du an uns gethan! Nimm unsers Dankes Opfer an, und oͤffne deine Vater⸗ hand auch ferner noch füuͤr unser Land! Laß jeden Stand gesegnet seyn, und fromm sich deines Segens freun! Dann toͤnt einst lauter noch als hier, Gott, unser Dank, hin⸗ auf zu dir! Amen! Mel. Mein ganzer Geist, Gott 414 Eric; feiernder N Gesang, An⸗ betung Gott und Ruhm und Dank vor seinen Thron zu bringen! Er hoͤrt der Men: schen Loblied gern, obgleich die Engel ihm, dem Herrn, in hoͤhern Psalmen singen. Darum hat er mit den Hee⸗ ren, die ihn ehren, zu den Stufen seines Throns auch mich gerufen. 2. Wie groß ist Gottes Herr⸗ Herrlichkeit! Er sprach zu seinen Himmeln: Seid! und zu dem Erdkreis: Werde! Da standen sie voll Reiz und Pracht vor ihm, zum Preise seiner Macht, die Himmel und die Erde. Wie er's ausrief, da begon⸗ nen tausend Sonnen und er⸗ hellten ein unzaͤhlbar Herr von Welten. 3. Er hat der Sonnen hohes Zelt, die Himmel, uͤber diese Welt fuͤr mich auch aus⸗ gebreitet; hat seiner Erde Lustgefild fuͤr mich auch lie⸗ bevoll und mild bepflanzet und bereitet. Lachen mir nicht alle Waͤlder, alle Fel⸗ der froh entgegen, reich fuͤr mich von seinem Segen? 4. Wem bluͤht das Thal? Fuͤr wen erhebt sich das Gebirg? Wem toͤnt und schwebt der Saͤnger in den Luͤften? Fuͤr wen bevölkert sich das Meer? Wem lebt der Thiere zahllos Heer auf seinen gruͤnen Triften? Quellen rieseln, Winde c⸗ hen, Fluͤss' und Seeen wer⸗ den Meere mir zum Segen, ihm zur Ehre. 5. Noch strahlt mir un⸗ geschwaͤcht sein Licht: noch weigert die Natur sich nicht, die Welt fuͤr mich zu schmuͤk⸗ ken. Noch stroͤmt ihr Freu⸗ denquell fur mich; noch ist sie schon und jugendlich, mein Auge zu entzücken. Seine Lob Gottes. 321 Guͤte wird die Werke seiner Staͤrke stets erhalten; schuͤz⸗ zend uͤber mir auch walten. 6. So hat der Herr an mich gedacht! So sorgt fur mich die Huld und Macht, die mich so hoch erhoben! O stroͤmt aus meiner vollen Brust, stroͤmt hin, Empfin⸗ dungen der Lust, den Guͤti⸗ gen zu loben! Schoͤpfer! Vater! dich erhebe, weil ich lebe, meine Seele, meine hochbegluͤckte Seele! In eigener Melodie. 415 Lenden Herren, e den maͤchtigen Koͤnig der Ehren! Laßt uns den Weltenbeherrscher in Demuth verehren! Tretet heran; stimmet ein Freuden⸗ lied an, des Hoͤchsten Lob zu vermehren! 2. Lobet den Herren, der Alles auf's Beste regieret, der uns mit Weisheit und Guͤte bis hieher gefuͤhret, der uns erhaͤlt in der gefaͤhr⸗ lichen Welt, daß man sein Vaterherz spuͤret! 3. Lobet den Herren, der unserer Seelen gedenket, geist⸗ lichen Segen in himmlischen Guͤtern uns schenket, der das Gemuͤth troͤstet und himmel⸗ warts zieht, wann zeitli h Truͤbsal es kraͤnket! 4. Lobet den Herren, der große Barmherzigkeit übet, der, wann wir Menschen O 5 mit mit Sünden ihn haͤufig be⸗ truͤbet, noch mit Geduld göttlicher Gnade und Huld uns trägt und Suͤnden ver⸗ giebet! 5. Lobet den Herren, der kahrung dem Leibe besche⸗ ret, der uns Gesundheit und Freude und Huͤlfe gewaͤhret! In wie viel Noth hat nicht der gnaͤdige Gott das Leid in Freude verkehret! 6. Lobet den Herren, der unser Thun sichtbar gesegnet! Stroͤme des Guten hat auf uns sein Wohlthun geregnet. Denket daran, was der All⸗ maͤchtige kann, wie er uns huldreich begegnet! 7. Lobet den Herren, der, wenn wir als Christen einst sterben, uns auch im Tode nicht laͤsset vergehen und ver⸗ derben, und nach dem Tod uns liebt und segnet als Gott, ewige Freuden laͤßt erben! 8. Lobet den Herren und seinen hochheiligen Namen! Lobt ihn mit Allen, die von ihm das Leben bekamen! Nahe und fern frohlocket Alle dem Herrn; lobt ihn, in Ewigkeit! Amen! tel. Allein Gott in der Hob 416 ob, Ehr und Preis dem hoͤch⸗ sten Gut, dem Vater aller Guͤte, dem Gott, der so viel Wunder thut, dem Gott, der Pflichten gegen Gott. mein Gemuͤthe mit seinem reichen Trost erfullt, dem Gott, der allen Jammer stillt! Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danket dir des Him⸗ mels Heer, Beherrscher aller Thronen; und die, die in der Luft, im Meer und auf der Erde wohnen, die alle preisen deine Macht, die uns und sie hervorgebracht. Gebt unserm Gott die Ehre! 3 Was unser Gott ge⸗ schaffen hat, das will er auch erhalten, darüber will er fruͤh und spat mit seiner Guͤte walten. In seinem ganzen Königreich ist Alles recht, ist Alles gleich. Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Ich rief zum Herrn in meiner Noth: Ach Gott, vernimm mein Weinen! Da half mein Helfer; da ließ Gott mir Heil und Trost erscheinen. Drum dank ich, Gott, drum dank' ich dir! Ach danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Gott ist uns nah und niemals nicht von seinem Volk geschieden; er, er! seine Zuversicht, sein Segen, Heil und Frieden. Mit sei⸗ ner Allmacht leitet er, der Herr, durch's Feuer und durch's Meer. Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Menschenkraft nicht nicht helfen kann, kein Ret⸗ ter uns sich zeiget, nimmt Gott sich unser maͤchtig an; der Allerbarmer neiget zu unserm Angstgebet sein Ohr; sein starker Arm haͤlt uns empor. Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will mein ganzes Leben lang, o Gott, dich freudig ehren; einst sollen meinen Lobgesang auch dei⸗ ne Himmel hoͤren! Mein Geist, o Gott, erhebe dich; mein ganzes Herz erfreue sich! Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Ihr, die ihr Christi Namen nennt, gebt unserm Gott die Ehre! Ihr, die ihr Gottes Macht erkennt, gebt unserm Gott die Ehre! Der Suͤnde Goͤtzen macht zu Spott! Der Herr ist Gott! Der Herr ist Gott! Gebt unserm Gott die Ehre! 9. Kommt, kommet vor sein Angesicht, ihm Dank und Preis zu bringen! Be⸗ zahlet die gelobte Pflicht und laßt uns froͤhlich singen: Der Herr hat Alles wohl bedacht und Alles recht und gut gemacht! Gebt unserm Gott die Ehre! In eigener Melodie. 417—— und Anbe⸗ tung sei unserm Gotte! Denn er ist sehr freundlich; weit uͤber Erd Lob Gottes. und alle Himmel gehet seine Gnad' und Guͤte. Laßt uns mit Danken vor sein Antlitz kommen, und unserm Gotte mit Psalmen jauchzen. 2. Vaͤterlich liebt er uns, seine Kinder; singt zu sei⸗ nem Preise! Ein Loblied ihm sei unser ganzes Leben! Ihn, ihn laßt uns lieben, der vor der Welt Beginn uns schon geliebt hat! Wer wollte Gott nicht von Herzen lieben? 3. Zwar kann der Mensch nicht ihn wuͤrdig preisen; doch mit Wohlgefallen ver⸗ nimmt er hoch herab von seinem Himmel unser frohes Danklied, und geußt der Freu⸗ den viel in unsre Seele, wenn wir ihm danken, dem Gna⸗ den vollen. 4. Schon hier auf Erden quillt Freud' und Leben uns aus seiner Gnade. Doch groͤßre Seligkeit ist dort bereitet denen, die ihn lie⸗ ben, wenn sie dereinst, er⸗ neut zu seinem Bilde, ver⸗ klaͤrt und heilig, vom Tod erwacht sind. 5. Laßt unsers Gottes uns ewig freuen! Halle⸗ lujah! Amen! O welche Seligkeit ist's, sein sich freuen; hier und einst im Himmel ihm ganz sich hei⸗ ligen und ganz ihm leben! Denn ewig liebt er uns, seine Kinder. O 6 Mel. 323 324 Pflichten gegen Gott. Mel. Jesu meines Lebens Scboͤpfer der er⸗ 7 418 S schaffnen Hee⸗ re, freudig ruͤhm' ich deine Macht, daß du mich zu dei⸗ ner Ehre hast ans Licht der Welt gebracht! Sinne, Leib und Seel' und Leben hat mir deine Huld gege⸗ ben. Großer Schoͤpfer, nimm dafür ewig Dank und Lob von mir! 2. Wunderbar bin ich bereitet, und mit Kraͤften ausgeziert; wunderbar ward ich geleitet, meinem Gluͤcke zugefuͤhrt. Fuͤr die treue Vaterpflege, fuͤr die Guͤte deiner Wege, wunderbarer Gott, sei dir ewig Dank und Lob von mir! 3. Weislich hast du Ort und Zeiten fuͤr mein Daseyn auserwaͤhlt. Hat mir's an Gelegenheiten, fromm zu werden, je gefehlt? Nie⸗ mals hast du mein vergessen, immer Heil mir zugemessen. Weiser Gott, ich bringe dir ewig Preis und Dank dafuͤr! 4. Herr, du zaͤhltest meine Thraͤnen; eh' ich weinte, sahst du sie. Liebreich merk⸗ test du mein Sehnen unter dieses Lebens Muͤh'; und an jedem Leidenstage lindertest du meine Plage. Nimm, o Vater, nimm dafuͤr ewig fro⸗ hen Dank von mir! 5. Hatt' ich. Heiligster, mit Suͤnden mein verführtes Herz befleckt: o dann ließest du mich finden Gnade, die zur Buße weckt. Mit unend⸗ lichem Erbarmen uͤberstroͤm⸗ test du mich Armen. Nimm, Barmherziger, dafuͤr reinen Herzensdank von mir! 6. O was bin ich Mensch von Erde, daß du meiner so gedenkst, und damit ich heilig werde, mich so treulich zu dir lenkst; daß so viele deiner Gaben mich an jedem Tage laben? Dir, du ew'ge Liebe, dir opfr' ich heißen Dank dafuͤr! 7. Treu im Glauben laß mich enden, Vater meinen Lebeuslauf! Fuͤhr', o fuhr an deinen Haͤnden mich zum hohen Ziel hinauf! Mit des Himmels Erstgebornen, mit des Mittlers Auserkohr⸗ nen jauchz' ich dann einst, Hoͤchster, dir ewig, ewig Dank dafuͤr. 2 zur den lieben Gott Mel. Wer 419 9 koͤnnt' ich dich mein Gott, recht preisen, wie du des Preiscs wuͤrdig bist! Koͤnnt ich dir ganz den Dank be⸗ weisen, den dies mein Her; dir schuldig ist, dies Herz, das deiner Gütigkeit sich taͤg⸗ lich mit Entzuͤcken freut! 2. Wer überstroͤmet mi mit Segen? Wer theilt mir mit, was mir gebricht? Wer schuͤtzet mich auf— n Lob Gottes. nen Wegen? Wer schenkt dem Geiste Trost und Licht? Wer gibt zu meinem Thun Gedeihn? Allguͤtiger, du bist's allein. 3. Zu zaͤhlen sind sie nicht, mein Vater, die Werke deiner Segenshand. Du warst schon meines Wohls Berather, eh' mein Beduͤrfniß ich empfand. Noch eh' ich war, da maßest du mir schon mein Schicksal liebreich zu 4. Du stärkst mir das ge⸗ schenkte Leben, und laͤssest es nie freudenleer; zum hoͤhern Gluck mich zu erheben, schickst du auch manche Truͤbsal her: doch steyst du auch mit Kraft mir bei, daß ich, o Herr, nicht muthlos sei. 5. Schon oft hat dies in meinen Tagen zu Freuden⸗ thraͤnen mich geruͤhrt, wie du mich unter manchen Pla⸗ gen, zwar dunkel oft, doch gut gefuͤhrt. In wie viel drohender Gefahr halfst du mir treu und wunderbar! 6. Wie sollt' ich denn nicht, voller Freuden, bestaͤn⸗ dig deinen Ruhm erhoͤh n? Wie sollt ich, auch im tief⸗ sten Leiden, nicht freudig trauend auf dich seh'n? Ja, tritt die groͤßte Noth auch ein, wirst du doch, Gott, mein Helfer seyn. 7. Von deiner Guͤte will ich singen, so lange sich die Zunge regt; dir will ich 325 Dank und Ehre bringen, so lange sich mein Herz bewegt; und wird mein Mund einst kraftlos seyn: so stimm' ich noch mit Seufzen ein. 8. Nur Dank und Lob kann ich dir geben; nimm es, mein Gott, mit Gnaden an, bis ich in jenem bessern Leben dich wuͤrdiger erheben kann! Da steigt in sel' ger Geister Chor mein Lobgesang zu dir empor. In voriger Melodie. 420 O Gott, den alle 20 Wesen ehren, von dir kommt aller Welten Pracht. Was wir empfin⸗ den, sehn und hoͤren, hat deine Huld hervorgebracht. Herr, deiner hohen Weisheit Licht erforscht der groͤßte Weise nicht. 2. Du bist's, der die Ge⸗ schoͤpfe weidet, und ihnen Lust und Wohlseyn schenkt; du bist es, der die Erde klei⸗ det und sie mit Thau und Re⸗ gen traͤnkt; du bist s, Erhab⸗ ner, dessen Kraft dem Fruͤh⸗ ling seine Anmuth schafft: 3. Daß Fluren, Gaͤrten sich verjuͤngen, und Alles neues Leben fuͤhlt; daß alle Baͤume Bluͤthen bringen, das Feld in tausend Farben spielt. Der Blume Wohlgeruch und Pracht verkundigt, Schoͤpfer, deine Macht 4. Du gabst, o Urquell O 7 alles 326 Pflichten gegen Gott. alles Lichtes, der Sonne Waͤrme, gabst ihr Schein; du bist der Schoͤpfer des Gesichtes, und willst auch dadurch uns erfreu'n, daß uns die Schoͤnheit deiner Welt hellstrahlend in die Augen faͤllt. 5. Was lehrt das Licht von tausend Sternen, der Welten Abglanz in der Nacht? Erkennen soll ich, fuͤhlen lernen die Groͤße deiner Schoͤpfermacht. Weit, uͤber meine Fassung weit, geht, Schoͤpfer, deine Herr⸗ lichkeit. 6. So oft ich sie bewun⸗ dernd sehe, fuͤhr mich ihr Anblick, Gott, auf dich; und wo ich steh' und wo ich gehe, erfuͤlle heil ge Ehrfurcht mich vor dir, der du stets um mich bist und meines Herzens Tiefe siehst. 7. O laß mich stets mit frommen Blicken die Wun⸗ der deiner Werke seh'n! Laß mich mit dankendem Ent⸗ zuͤken dich, ihren Schoͤpfer, gern erhoͤh'n, mich deiner schoͤnen Schoͤpfung freu'n, dir meines Herzens Andacht weih'n! Selbsterkenntniß und Demuth. Mel. In allen meinen Thaten 421 Wir Je, Gottes milde Gabe; Nichts ist mein Eigenthum! Fuͤr das, was ich besitze, wo⸗ durch ich Andern nuͤtze, ge⸗ buͤhrt, Herr, dir, nicht mir der Ruhm! 2. Mit Einsicht und mit Kraͤften zu des Berufs Ge⸗ schaͤften beschenkt mich deine Huld. Durch dich allein ge⸗ rathen mir meine guten Tha⸗ ten; an Fehlern bin allein ich Schuld. 3. Das Gluͤck, deß ich mich freue, schaffst du nach deiner Treue, du Herr der ganzen Welt! Du ordnest unsre Tage, ihr Gluͤck und ihre Plage, wie deiner Weis⸗ heit es gefallt. 4. Sollt' ich mich nun er⸗ heben, wenn mir in diesem Leben viel Gutes wider⸗ faͤhrt? Was hat dich, Herr, bewogen, daß du mich vor⸗ gezogen? Bin ich auch je⸗ mals dessen werth? 5. Nein, ich bin zu geringe der Huld, die ich besinge, und werd' es ewig seyn. Dies will ich nie vergessen, so werd' ich nicht vermessen durch Stolz und Hochmuth mich entweih'n. 6. Das weislich anzuwen⸗ den, was du mit Vaterhaͤn⸗ den mir guͤtig zugewandt: dies sei in diesem Leben mein eifrigstes Bestreben! Dazu gib Demuth und Verstand! In In eigener Melodie. 422 Wi leicht ver⸗ kenn' ich mei⸗ nes Herzens Schwaͤche, wenn ich zu viel mir von mir silbst verspreche, und dann aus Wahn, aus Stolz und Ei⸗ gensinn nicht sehen will, wie klein, wie schwach ich bin! 2. Gib, Gott, daß ich mir keine Nachsicht goͤnne, daß ich mich selbst und meine Fehler kenne, auch je⸗ den Trieb, der sich in mir empört, zum Boͤsen reizt und meine Ruhe stoͤrt! 3. Entdecke mir der Tu⸗ gend wahre Große und je⸗ des Lasters Niedrigkeit und Blöße, daß nie sein Reiz mich blendet und verfuͤhrt, daß immer nur der Tugend Werth mich ruͤhrt. 4. Nie laß, o Herr, mich selbst die kleinsten Suͤnden entschuldigen und unerheblich finden! Gib, daß ich sie voll tiefer Scham bereu', und ernstlich auch den kleinsten Fehler scheu'! 5. Wenn mein Gemuͤth der Wahrheit Weg verfehlet, gern gut seyn will, und doch das Boͤse waͤhlet, leichtsinnig ist und nicht den Irrthum sieht: so gib ihm Licht, daß es den Irrthum flieht! 6. Verhehl ich mir beim Heiligungsgeschaͤfte aus stol⸗ zem Wahn den Mangel mei⸗ ner Krafte: so lehre mich Selbsterkenntniß und Demuth. 327 ihn redlich mir gestehn, und voll Vertraun zu dir um Huͤlfe flehn! 7. Wenn ich mich meines Sinns und Wandels freue, und doch nicht ganz mich wahrer Tugend weihe: so gib, daß ich, von Eigenduͤn⸗ kel frei, sie recht zu wuͤrdi⸗ gen, stets sorgsam sei! 8. Wie manche That ent⸗ springt aus niedrem Triebe, aus Eigennutz und nicht aus Menschenliebe! Wie man⸗ che That gewinnt den Ruhm der Welt, die doch nicht dir, Allsehender, gefaͤllt! 9. Du ließest mich von jeder meiner Pflichten und ihrem Werth schon fruͤhe unterrichten; sie sind mein Gluͤck, besoͤrdern stets mein Wohl: und doch thu' ich nicht immer, was ich soll. 10. O lehre mich, wie oft, wie schnell ich fehle, wie gern ich noch mich vor mir selbst verhehle, und fuͤhre du, zu meinem wahren Glück, mich in mich selbst und in mein Herz zuruͤckl Mel. In allen meinen Thaten 5 ib, Gott, wenn 423 G ich dir diene, daß ich mich nie erkuͤhne, darüber stolz zu seyn! Wer kann bei seinen Werken, wie oft er fehlet, merken? Wer ist von Maͤngeln vollig rein? 2. Such' ich stets 2 I 328 Pflichten gegen uns selbst. Willen so eifrig zu erfuͤllen, als es dein Wort gebeut? Trag' ich der Tugend Buͤrde, aus Kenntniß ihrer Wuͤrde, auch immer mit Zufrieden⸗ heit? 3. Entzieh' ich mich den Suͤnden auch stets aus rech⸗ ten Gruͤnden? aus wahrer Froͤmmigkeit? Oft sind die guten Triede nicht Fruͤchte deiner Liebe, nur Fruͤchte der Natur und Zeit. 4. Der Suͤnden meiner Jugend, der Maͤngel meiner Tugend, o Herr, gedenke nicht! Willst du mit deinen Knechten, wie sie's verdienen, rechten, so trifft sie alle dein Gericht. 5. Doch wenn auch, dir zur Ehre, rein meine Tugend waͤre; weß ist dies Eigen⸗ thum? Wer ließ mich unter⸗ richten? Wer ließ in meinen Pflichten mein Gluͤck mich seh'n und meinen Ruhm? 6. Wer gab mir, dich zu lieben, und dein Gebot zu uͤben, die Lust und Freudig⸗ keit? Wer staͤrkte meine Kraͤfte im Heiligungsgeschaͤfte? Wer gab mir Muth und Kraft im Streit? 7. Du schaffst, daß ich dich waͤhle; du rufst mich, wann ich fehle, auf rechten Weg zuruͤck; du ziehst mich ab von Suͤnden, und laßt mich Gnade finden, und gibst zu meiner Beßrung Gluͤck. 8. Sollt' ich mich deß er⸗ heben, was du mir, Herr, gegeben? Hab' ich zum Stolz ein Recht? Koͤnnt ich auch Alles uͤben, was du mir vor⸗ geschrieben, wer bin ich? Ein unnuͤtzer Knecht! Mel. O Gott, du frommer 49, err, der du Alles 424 gibst, von dem ich Alles habe, was ist mein Stand, mein Gluͤck und je⸗ de gute Gabe? Es ist nicht mein, es ist ein unverdientes Gut, darum bewahre mich vor Stolz und Uebermuth! 2. Wenn ich vielleicht der Welt mehr, als mein Naͤch⸗ ster nuͤtze, und wenn ich mehr Verstand, als er besitzt, besitze; bin ich d'rum mehr als er? O nein! Wer schenkte mir Verstand und Tuͤchtigkeit? Ach, Alles kommt von dir. 3. Wenn mir ein großer Gluͤck nach deinem Rath begegnel und deine Guͤtig⸗ keit mich mehr, als Andre, segnet, gibt diese deine Huld mir wohl zum Stolz ein Recht? Bin ich darum nicht auch, was Andre sind, dein Knecht? 4. Wenn ich geehrt und groß in hohen Würden ste⸗ he, und Andre unter mir in kleinerm Gluͤcke sehe; wer machte sie gering, und wer erhoͤhte mich? Ist nicht mein mein Naͤchster oft viel wuͤr⸗ diger, als ich? 5. Wie koͤnnt' ich mich, o Gott, des Guten uͤber⸗ heben? Was ich besitz', ist dein. Du sprichst: so bin ich Leben; du sprichst: so bin ich Nichts. Von dir kommt das Gedeihn. Drum laß mich ewig fern von Stolz und Hochmuth seyn! Mel. Wer nur den lieben Gott 425 We bin ich? Welche wich⸗ t'ge Frage! Gott, lehre sie mich recht versteh'n! Gib, daß ich mir die Wahrheit sage, um mich, so wie ich bin, zu sehn! Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, bleibt von der Weisheit weit entfernt. 2. Ich bin ein Werk von deinen Haͤnden, geschaffen, Gott, zu deinem Preis. Mein Leben nuͤtzlich anzu⸗ wenden, will mein Beruf und dein Geheiß. Doch leb' ich, als dein Eigenthum, auch, wie ich soll, zu deinem Ruhm? 3. Ich bin ein Christ nach dem Bekenntniß; doch bin ich das auch in der That? Herr, oͤffne selbst mir das Verständniß, recht einzu⸗ sehn, ob ich den Pfad, den Jesus mir gewiesen, geh', und ob ich auch im Glau⸗ ben steh'! Selbsterkenntniß und Demuth. 329 4. Du kennest meines Her⸗ zens Tiefen, die mir selbst unergruͤndlich sind; drum laß mich oft und ernstlich pruͤfen, ob ich sei Christo gleich gesinnt? Befrese mich vom falschen Wahn, der auch den Kluͤgsten taͤuschen kann! 5. Wer Alles weiß, und doch verborgen und unbe⸗ kannt sich selbst noch bleibt, wie will der fuͤr sein Bestes sorgen? Was ist, das den zur Beßrung treibt? Sich selbst recht kennen, ist Ver⸗ stand, drum mache mich mit mir bekannt! 6. Was mir zu meinem Heil noch fehlet, mein Va⸗ ter, das entdecke mir! Hab' ich der Wahrheit Weg erwaͤh⸗ let; so gib, daß ich ihn nicht verlier!! Erleuchte mich mit deinem Licht, so taͤuschen mich Verfuͤhrer nicht. 7. Bin ich noch fern vom rechten Stege, der mich zum ew'gen Leben fuͤhrt; so bringe mich zuruͤck vom Wege, der in's Verderben sich verliert! Gib mir zur Beßrung Lust und Kraft; du bist's, der beides in mir schafft! 8. Ich muß es einmal doch erfahren, was ich hier war, und hier gethan. O laß mich's nicht bis dahin sparen, wo Reue nichts mehr helfen kann! Hier mache mich zum Himmel klug und frei von Wahn und Selbstbetrug! Selb st⸗ a— a Selbstliebe. Mel. O Gott, du frommer Gott 0 Dein Wille ist's, 426 2 o Gott; ich soll mich selber lieben. O laß mich diese Pflicht nach deiner Vorschrift uͤben, und schraͤnke selbst den Trieb: froh und begluͤckt zu seyn, den du mir eingepflanzt, in heil'ge Graͤnzen ein! 2. Gib, daß mein ganzes Herz sich deiner Liebe weihe, und daß in Allem ich dein Auge kindlich scheue! Wer als ein Christ sich liebt, der flieht auch als ein Christ, was wider Gottesfurcht und Menschenliebe ist. 3. Kein schnoͤder Eigen⸗ nutz beherrsche meine Seele! und wann zu meinem Gluͤck ich Weg und Mittel waͤhle, so laß mich stets dabei auf Recht und Wahrheit schau'n, auch nie mein Wohlergehn auf Andrer Elend bau'n! 4. Der Fluch trifft jedes Gluͤck, dabei die Tugend lei⸗ det, dabei der, der es sucht, Gott, deine Wege meidet. Wer Unrecht liebt und thut, hat deinen Beifall nicht. Nie treffe mich, o Gott, dies schreckliche Gericht! 5, Nie blende mein Ge⸗ muͤth der Eitelkeiten Schim⸗ mer! Der Erde Reiz ent⸗ flieht ja doch im Tod auf im⸗ mer. Was hilft uns kurze Pflichten gegen uns selbst. Lust? Was hilft uns eitle Pracht? Nicht ein vergaͤng⸗ lich Gut ist's, was uns selig macht. 6. Ein Gott ergebnes Herz, ein unverletzt Gewis⸗ sen, nur das kann mir allein des Lebens Last versuͤßen; das bleibt mir auch im Tod, und folgt mir aus der Zeit zum großen Segen nach bis in die Ewigkeit. 7. O selig, wer darnach mit heil'gem Eifer trachtet, und fuͤr sein groͤßtes Gluͤck, Gott, deinen Beifall achtet! Der liebt allein sich recht; der findet in der Zeit schon wahre Ruh' und einst voll⸗ kommne Seligkeit! 8. Dies sei auch mir mein Ziel! O laß es mir gelingen, des Herzens wahres Gluͤck nach Wunsche zu erringen! Laß mich verachten, Herr, die Eitelkeit der Welt, gib, daß ich so mich lieb', wie dir es wohlgefaͤllt! Sorge für die Seele. Mel. Kommt ber zu mir a) err, meiner 427 i Heede gro⸗ ßen Werth, den mir Ver⸗ nunft und Schrift erklart, laß mich mit Ernst beden⸗ ken und auf die Sorge für ihr Wohl so unermuͤdet, als ich soll, den groͤßten Eifer lenken!. 2. Wie 2. Wie huldreich hast du uns bedacht; wie viel hat deine weise Macht schon hier an uns gewendet! Du schufst uns, Gott, dein Bild zu seyn, und hast, in uns es zu erneu'n, selbst deinen Sohn gesendet. 3. Zu groß fuͤr diese kurze Zeit, bestimmt zum Gluͤck der Ewigkeit, genieß ich die⸗ ses Leben, durch Glauben und durch Froͤmmigkeit zu hoͤherer Vollkommenheit der⸗ einst mich zu erheben. 4. Mit großer Treue willst du mich auf diesem Pfade vaͤterlich zu jenem Ziele führen. O laß mich nicht durch eigne Schuld das Heil, das deine Vaterhuld mir zugedacht, verlieren! 5. Mit dir, o Gott, ver⸗ eint zu seyn, mich ewig dei⸗ ner Huld zu freu'n und dich zum Trost zu wahlen: das sei mein Ziel und mein Be⸗ muͤh'n! Laß mich den rechten Weg dahin aus Leichtsinn nicht verfehlen! 6. Wer bose ist, bleibt nicht vor dir. Drum schaffe selbst, o Gott, in mir ein Herz, das Unrecht fliehet, das auch die kleinste Schuld bereut, mit Vorsatz keine Pflicht entweiht, fuͤr Alles Gute gluͤhet! 7. Wie werd' ich dann so selig seyn! Schon hier werd' ich mich deiner freu'n, Sorge für 331 in dir, Gott, ruhig leben; und du wirst nach vollbrach⸗ ter Zeit auch mich gewiß zur Herrlichkeit in deinem Reich erheben! Mel. Es ist das Heil uns (b)„Mach meiner 4270 Nie e ligkeit laß, Herr, mich eifrig ringen! Sollt ich die kurze Gnadenzeit in Sicherheit verbringen? Wie wurd ich einst vor dir bestehn? Wer in dein Reich wuͤnscht einzu⸗ gehn, muß reines Herzens werden. 2. Erst, wann die letzten Stunden nah'n, erst, wann wir sterben sollen, zu dir sich wenden, und die Bahn der Suͤnde meiden wollen: das ist der Weg zum Leben nicht, den uns, o Gott, dein unterricht durch Jesum Chri⸗ stum zeiget. 3. Du rufest uns zur Hei⸗ ligung; drum soll schon hier auf Erden mir meines Her⸗ zens Besserung die hoͤchste Sorge werden. Gib mir da⸗ zu nur Lust und Trieb; Nichts sei zu groß mir und zu lieb, der Tugend es zu opfern! 4. Gewaͤnn' ich auch die ganze Welt mit Allem, was den Sinnen und meinen Luͤ⸗ sten wohlgefaͤllt, was wuͤrd ich dann gewinnen? Was huͤfen Glück und Schätze mir, was Macht und Glanz, wenn wenn ich dafuͤr mein ewig Heil verscherzte? 5. Was fuͤbrt mich zur Zufriedenheit schen hier in diesem Leben? Was kann mir Trost und Freudigkeit in Noth und Tod noch ge⸗ ben? Nicht Menschengunst, nicht irdisch Gluͤck; nur Got⸗ tes Gnade und der Blick auf jenes Lebens Freuden. 6. Herr, laß nach diesem Kleinod mich vor allen Dingen trachten; mich im⸗ mer, Heiligster, auf dich, auf Recht und Tugend ach⸗ ten! Daß ich auf deinen Wegen geh', und im Gericht vor dir besteh', sei meine groͤßte Sorge! Mel. Gott Vater, an Erbarmen 428 H ier ist noch unsre 0 Prüfungszeit. Hier sind wir immerdar im Streit; hier, wo uns Irr⸗ thum leicht beruͤckt, das schwache Herz sich bald ver⸗ strickt, die Sinne jedes Blendwerk ruͤhrt, auch boͤses Beispiel oft verfuͤhrt. 2. Oft nehmen Laster uͤberhand und stroͤmen uͤber's ganze Land. Drum huͤte dich! Das Weltgericht bringt alle Suͤnden an das Licht. Christ, sei zum Kampfe stets bereit, und flieh' den Schlaf der Sicherheit. 3. Mein Vorsatz ist: Ich will ihn fliehn! Doch, wie Pflichten gegen uns selbst. gelingt mir mein Bemuͤh'n? Gefahr nehm' ich hier bei Gefahr, ein Netze bei dem andern wahr. Wie so viel Feinde drohen mir! Ich Schwacher, wie entrinn' ich hier? 4. Die Welt huͤllt in der Tugend Schein oft ihre Laster kuͤnstlich ein, preist den Genuß des Lebens an, schilt Froͤmmigkeit fuͤr finstern Wahn. Ihr Weg ist lustig, breit und voll. Sie winkt mir, daß ich folgen soll. 5. Du, Jesu, mußt das Beste thun! Mein Hoffen soll auf dir beruh'n. Ach, durch dein Blut bin ich ja dein! Du wollest Staͤrke mir verleih'n, daß ich un⸗ uͤberwindlich treu, o Herr, in jeder Pruͤfung sei! 6. Der SEuͤndendienst scheint zu erfreun, und en⸗ digt sich in Schmach und Pein. Drum steh' dein gu⸗ ter Geist mir bei, daß ich kein Knecht der Suͤnde sei. Gestatte dem Versucher nie, daß er mich deiner Hand entzieh'! 7. Zwar ist mein Glaub oft klein; doch du, du star⸗ ker Held, sagst Huͤlfe zu. Mein ganzes Herz ergibt sich dir. Ich weiß, durch dich ge⸗ lingt es mir. Auf dich ver⸗ laͤßt in aller Noth 2 Herz ich fest bis in den Tod. sacz 2 schon die* sal auf mich dringt, und Angst mich uͤberall um⸗ ringt, bleib' ich doch stets in deiner Hand, und halt' in jeder Pruͤfung Stand. Du, du bist durch den Glauben mein, nun muß mir heilsam seyn. 9. Mit dir, o Herr, kann ich besteh'n, sollt' auch der Weltkreis untergeh'n. Es fuͤrchte sich der Heuchelchrist, und wer ein Sklav' der La⸗ ster ist. Ich will nicht zagen. Ins Gericht kommt, Herr, wer an dich glaubet, nicht. 10. Dir, st ich stets vertrau'n, stets f dig hoffend auf dich schau'n. Bis dort, wohin mein Herz sich sehnt, den Sieger Preis und Ehre kroͤnt, steh', Herr, in jedem Streit mir bei, daß ich durch dich ein Sieger sei! Mel. Freu' di o meine 429 Lee mich, Herr, recht bedenken, was wahrhafte Weisheit sei; meinen Fleiß darauf zu len⸗ ken, steh' mir selbst mit Gna⸗ de bei! Denn was eitler Wahn der Welt oft fuͤr hohe Weisheit haͤlt, fordert nicht mein Wohlergehen und kann nicht vor dir bestehen. 2. Weisheit ist's, wenn unsre Seelen sich, Herr, dei⸗ nes Wortes Licht nur allein zum Leitstern waͤhlen, und mit fester Zuversicht die⸗ Alles Sorge für die Seele. 333 sem Licht sich anvertrau'n. Denn die folgsam darauf schau'n, ihre Hoffnung dar⸗ auf gruͤnden, werden Heil und Leben finden. 3. Weisheit ist es, dar⸗ nach trachten, recht mit sich bekannt zu seyn; ich nicht schon vollkommen achten und den Eigenduͤnkel scheu'n; oft auf seine Fehler sehn, reuig sie vor Gott gestehn; eifrig stets nach Beßrung streben, und doch nie sich stolz er heben. 4. Weisheit ist es, Chri⸗ stum ehren, seiner Mittler⸗ huld vertraun; so auf seine Stimme hoͤren, und auf seinen Wandel schaun, daß man falsche Wege flieht, und mit Eifer sich bemuͤht, sei⸗ nem Bilde hier auf Erden immer aͤhnlicher zu werden. 5. Weisheit ist es, Alles meiden, was mit Reu' das Herz beschwert; fern sich halten von den Freuden, die der Suͤndendienst ge⸗ waͤhrt; eitlen Ruhm, der bald verbluͤht, Lust, die im Genuß noch flieht, nicht fuͤr wahre Wohlfahrt achten; nein, nach bessern Guͤter n trachten. 6. Weisheit ist es, Got⸗ tes Gnade sich zu seinem Ziel ersehn, und auf seiner Wahr⸗ heit Pfade diesem Gluͤck ent⸗ gegen gehn; gern auch Got⸗ tes Willen thun; froh in sei⸗ ner 171 110 10 100 10 ö 9 334 Pflichten gegen uns selbst. ner Fuͤgung ruhn, und, wann Leiden uns beschweren, hof⸗ fend mit Geduld ihn ehren. 7. Weisheit ist es, stets bedenken, daß, was irdisch ist, vergeht; Wunsch und Hoffnung dahin lenken, wo das Ziel des Glaubens steht; seine Blicke unverwandt nach dem ew'gen Vaterland rich⸗ ten, und sich hier bestreben, wie man droben lebt, zu leben. 8. Diese Weisheit ist auf Erden, Hoͤchster, unser bestes Theil. Die von ihr geleitet werden, deren Weg ist Licht und Heil. Solche Weisheit kommt von dir, Gott! ver⸗ leihe sie auch mir; laß sie mich zu allen Zeiten auf den Weg des Friedens leiten. In eigener Melodie. ache dich, mein 430 M Geist, bereit; wache, bet' und flehe, daß auch in der boͤsen Zeit fest dein Glaube stehe. Sicher ist nie der Christ; Gott laͤßt auch die Frommen in Ver⸗ suchung kommen. 2. Sage nicht: Ich habe Zeit; jetzt noch darf ich schlafen. Denk an Tod und Ewigkeit, an der Suͤnde Strafen; sieh', der Tod, der dir droht, kann dich leicht in Suͤnden unbereitet finden. 3. Wache! dir ist unbe⸗ kannt, ob dich nicht auf Er⸗ den Pruͤfungen von Gottes Hand noch betreffen werden. Der faͤllt leicht, dem es daͤucht, daß er sicher stehe auf der Tugend Hoͤhe. 4. Wache! denn hier hat der Christ noch von allen Seiten, was der Seele schaͤd⸗ lich ist, muthig zu bestreiten. Gott laͤßt zu, daß auch du, wenn du sorglos wallest, in Versuchung fallest. 5. Wache, daß die Macht der Welt nicht dein Herz ver⸗ kehre; nicht, wenn sie sich freundlich stellt, dich durch List bethoͤre. Wach' und sieh', daß dich nie die Ver⸗ fuͤhrer faͤllen, die dir Netze stellen. 6. Wach' und hab' auf dich wohl Acht, daß dich nicht die Suͤnde, wenn zu ihr die Lust erwacht, schimpflich uͤberwin⸗ de. Sie betruͤgt und besiegt leicht den, der sich heuchelt, fest zu stehn sich schmeichelt. 7. Bete aber auch dabei, bete bei dem Wachen; das wird dich von Traͤgheit frei und behutsam machen. Gott verleiht Festigkeit dir, durch seine Gnade, auf dem rechten Pfade.. 8. Drum so will ich im⸗ merdar wachen, beten, fle⸗ hen, um in jeglicher Gesahr glorreich zu bestehen! Kurze Zeit währt der Streit, und dann wird zum Lohne mit * b die Siegeskrone. Ml. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren 431% M bezwingen, um dir, Gott, treu zu seyn; das Gute zu vollbringen, die Suͤnden⸗ lust zu scheu'n, muß ich mit edlem Muth mich auf den Kampfplatz wagen, mir man⸗ chen Wunsch versagen und jedes falsche Gut. 2. Ich soll kein Uebel fliehen, wenn mir die Pflicht gebeut, mich ihm zu unter⸗ ziehen; soll mit Entschlos⸗ senheit da, wo Gefahren sind, auch die Gefahr nicht scheuen, um mich des Lohns zu freuen, den Kampf und Sieg gewinnt. 3. Wer gibt mir zum Geschaͤfte der Selbstbeherr⸗ schung Kraft? Wie schwach sind meine Kraͤfte! Wie stark die Leidenschaft! Du, Vater, kannst allein zu mei⸗ nem treuen Streben mir Muth und Staͤrke geben, und mir den Sieg verleihen! 4. Auf jeden meiner Triebe, laß, Herr, mich achtsam seyn; laß mich die Eigenliebe und jeden Duͤn⸗ kel scheu'n. Will Wollust, Zorn und Geiz mein schwa⸗ ches Herz beruͤcken, hilf mir sie unterdrücken, besiegen ih⸗ ren Reiz! 5. Auf dich nur will ich sehen; gestaͤrkt durch dich, o Herr, den Streit mit mir Sorge für die Seele. 335 er sei mir noch so schwer. Du unterstuͤtzest mich, mich selber zu be⸗ kaͤmpfen, der Luͤste Macht zu daͤmpfen; ich siege, Gott, durch dich! bestehen, Mel. Alle Menschen müssen sterb. 431(b) 1 Wandel ist im Him⸗ mel! Koͤstlich Wort, wie stroͤmest du mir, umringt vom Weltgetuͤmmel, Muth und suͤße Hoffnung zu! Je⸗ der Fußtritt, den ich thue, bringet mich dem Land der Ruhe naͤher, immer naͤher zu. Wort, wie hoch er⸗ freuest du! 2. Haltet's fest ihr theu⸗ ren Bruͤder, haltet's fest, dies werthe Wort! Nichts schlag“ eure Hoffnung nie⸗ der! Wallet immer muthig fort! Muthig blicket hin zum Ziele; Viele schon er⸗ griffen's, Viele! Wir, so wahr es Gott verhieß, wir ergreifen's auch gewiß. 3. Nur, wie fromme Pil⸗ ger wuͤssen, bleibet wacker, seyd nie laß! Stets des ho⸗ hen Zwecks beflissen, wacht und kaͤmpft ohn' Unterlaß! Feinde steh'n an euren We⸗ gen; Stürme toben euch ent⸗ gegen; Nebel, Kluͤfte, Felsen drohn; faßt nur Muth: groß ist der Lohn. 4. Was kein Auge je ge⸗ sehen, was kein Ohr he 336 Pflichten gegen uns selbst. hat, was kein Herz hier zu erflehen je sich unterwunden hat, das, das hat Gott dem bereitet, der hier tapfer kaͤmpft und streitet. Drum verlaßt nicht eure Bahn; Jesus selbst ging euch voran. 5. Unser Wandel ist im Himmel! Koͤstlich Wort, wie stroͤmest du mir, umringt vom Weltgetuͤmmel, Muth und suͤße Hoffnung zu! Auf, mein Geist, ermuͤde nimmer! Schon seh' ich des Zieles Schimmer. Wenig, wenig Schritte noch, und getragen ist das Joch. ze für Leib, Leben und N Mel. Wer nur den lieb 12 es babes war⸗ 432 D ten und ihn naͤhren, das ist, o Schoͤ⸗ pfer, meine Pflicht. Muth⸗ willig seinen Bau versehren, verbietet mir dein Unterricht. O stehe mir mit Weisheit bei, daß diese Pflicht mir hei⸗ lig sei! 2. Sollt' ich mit Vorsatz das verletzen, was deine Hand mir anvertraut? Sollt' ich gering ein Kunst⸗ werk schaͤtzen, das du, o Schoͤpfer, selbst erbaut? Weß ist mein Leib? Er ist ja dein; Sollt ich denn sein Zerstoͤrer seyn? 3. Ihn zu erhalten, zu n Gott beschuͤtzen, gibst du mit mil⸗ der Vaterhand die Mittel, die uns dazu nuͤtzen, und zum Gebrauch gibst du Ver⸗ stand. Dir ist die Sorge nicht zu klein: wie sollte sie denn mir es seyn? 4. Gesunde Glieder, mun⸗ tre Kraͤfte, o Gott, wie viel sind die nicht werth! Wer taugt zu des Berufs Ge⸗ schaͤfte, wenn Krankheit sei⸗ nen ib beschwert? Ist nicht der Erde groͤßtes Gut Gesundheit und ein heitrer Muth? 5. So laß mich denn mit Sorgfalt meiden, was meines Korpers Wohlseyn stoͤrt, daß 1 venn meine Kraͤfte leiden, mein Geist den innern Vorwurf hoͤrt: Du selbst bist Störer deiner Ruh'; du zogst dir selbst 2 Uebel zu! 6. Laß jeden Sinn und alle Glieder mich zu bewahren sorgsam seyn! Druͤckt mich die Last der Krankheit nied. r, so floͤße selbst Geduld mir ein! Gib heitern Muth und dann verleih', daß auch des Arztes Rath 1 7. Doch gib, daß ich nicht uͤbertreibe, was auf des Lei⸗ bes Pflege zielt; nein, ste ts in jenen Schranken bleibe, die dein Gesetz mir anbesiehlt! Des Körpers Wohl laß nie allein den Endzweck meiner Sorge seyn! ge ser 8. Mein 8. Mein größter Fleiß auf dieser Erde sei meiner Seele Wohl geweiht, daß sie zum Himmel weise werde und reife zur Vollkommenheit! Dazu, Herr, segne meinen Fleiß, so leb' und sterb' ich dir zum Preis. Mel. Wer nur den lieben Gott (a) er Wolluft 433 D Reiz zu wi⸗ derstreben, laß, Höchster, meine Weisheit seyn! Sie ist ein Gift für unser Leben, und ihre Freuden werden Pein. Drum fleh' ich de⸗ muths voll zu dir: o schaff' ein reines Herz in mir! 2. Die Wollust kürzet unsre Tage, sie raubt dem Körper seine Kraft; und Armuth, Seuchen, Schmerz und Plagen sind Früchte die⸗ ser Leidenschaft. Der haßt sich selbst, der Wollust liebt, und sich in ihre Fesseln gibt. 3. Sie raubt dem Herzen Muth und Stärke; schwächt den Verstand, der Seele Licht; erstickt den Eifer ed⸗ ler Werke, den Ernst, die Lust zu jeder Pflicht; führt Reue und Gewissensschmerz in das ihr hingegebne Herz. 4. Der Mensch finkt unter ihrer Bürde noch tiefer, als zum Thier, herab; er schän⸗ det und entehrt die Würde, die ihm sein weiser Schöp⸗ ler gab; vergißt den Zweck, Sorge für Leib, Leben und Gesundheit. 337 zu dem er lebt, wenn er nach niedern Lüsten ffrebt. 5. So schimpflich sind der Wollust Bande! Schon vor der Welt sind sie ein Spott; sie sind vor dem Gewissen Schande, und noch weit mehr vor dir, o Gott! Wer sich in ihre Knecht⸗ schaft gibt, wird nicht von dir, o Gott, geliebt. 6. Den übergibst du dem Verderben schon hier, der seinen Leib entweiht; und nie wird deinen Himmel er⸗ ben, wer sich unreiner Lüste freut. Ach, laß mich ihre Reizung fliehn, und keusch zu seyn mich stets bemuͤhn! 7. Gib, daß ich allen bö⸗ sen Lüsten mit Mut) und Nachdruck widerfteb', und stets, dawider mich zu rü⸗ sten, auf dich, Allgegen⸗ wärt'ger, seh'! Wer dich, o Gott, vor Augen hat, flieht auch verborgne Missethat. In voriger Melodie. 4(b) Tei, aller 433 S Wolluft Reiz zu wehren, o Mensch, ein Freund der Nüchtern⸗ heit! Laß Speis' und Trank dich nie beschweren und steure deiner Sinnlichkeit! Sei deiner Schwachheit dir bewußt, und meid' oft selbst erlaubte Lust! 2. Um rohe Triebe zu verhüten, sei schamhaft ge⸗ 9 gen gen deinen Leib; laß nicht dein Auge dir gebieten; flieh' eitlen Scherz und Zeit⸗ vertreib! des frechen Witz⸗ lings freier Scherz ernie⸗ drigt und verdirbt das Herz. 3. Entzieh' der Wollust ihre Kraͤfte durch, Fleiß und edle Thaͤtigkeit! Der Keuschheit Schutzwehr sind Geschaͤfte; die Traͤgheit naͤhrt die Sinnlichkeit. Bei Spielsucht und bei Muͤßig⸗ * jo ogt n ie der Haß gang besiegt uns jeder boͤse Villst du den Trieb der Wollust daͤmpfen, eh er die Freiheit dir verwehrt, mußt du ihn ungesaͤumt bekaͤm⸗ pfen, sobald er sich in dir empoͤrt! Hast du ihn nicht schon fruͤh erstickt, leicht wird er dann nicht unterdruͤckt. 5. Oft taͤuschen dich des Lasters Triebe, und du er⸗ blickst nicht die Gefahr; oft wird zu unerlaubter Liebe, was Anfangs nichts als Freundschaft war. Ein lan⸗ ger umgang macht dich dreist, und du vergißt, was Unschuld heißt. 6. Dein fuͤhlend Herz wird sich's verzeihen, daß des Lasters Triebe naͤhrt; es wird nur ihren Ausbruch scheuen, weil dieser vor der Welt entehrt; wird kleine 0 hler uͤbersehn, und so zu größern 1 7. Ist's Suͤnde nur, die selbst. That vollbringen? Ist, der's nicht thut, schon tu⸗ gendhaft? Nein, auch den Trieb soll ich bezwingen, den Hang und Wunsch der Leidenschaft! Nicht unser Wandel nur soll rein, auch unsre Seele soll es seyn. 8. Die Luͤste sind es, die uns schaͤnden, und sie ver⸗ letzen unsre Pflicht, auch ohne daß wir sie vollenden. Drum ruͤhme dich der Keusch⸗ . nicht heit micht, guter Geist scha aft dich entreiß 9. Denk' oft de n r mächtigen Gedanken: Die Unschuld ist der Seele Gluͤck, und werfe, faͤngst du an zu wanken, auf Gott und Zukunft deinen Blick! Dir gibt dein ganzer Lebenslauf sie nicht zuruͤck, gibst du sie auf. 10. Drum fliehe vor der Wollust Pfade, und lockt dich schmeichelnd ihre Bahn, so rufe bruͤnstig Gott um Gnade und Weisheit in Versuchung an. Erzittre vor dem ersten Fall; du fällst gewiß mehr, als Einmal. Mel. Werde munter, mein 4 3 3(e) 8 Gott, mein Wille, züchtig stets und keusch zu seyn; in der Unschuld heitern Stil deiner Gnade mich zu freun! Keine Freude dieser Welt, wenn wenn sie noch so sehr ge⸗ faͤllt, laß mich wider mein Gewissen, wuͤnschen, suchen und genichen! 2. Weiß ich doch, daß deine Guͤte, die so reich und freundlich ist, niemals Etwas uns verbiete, was das Leben uns versuͤßt. uns zum Be⸗ sten nur gebeut dein Gesetz Enthalt samkeit, Zucht und Ordnung im Genusse, Maͤß⸗ ßigung im ucberflusse. 3. Unsre Kindheit, unsre Jugend, unser Alter darf sich freun. Auch die Freude, Gott, ist Tugend, lig muß fie seyn; Taumel, der bethoͤr 0 Gefuͤhl und Kraft zerstoͤrt; wilde Luͤste soll ich scheuen, und die Seele nie entwe 4. Nur in einem reinen Herzen, nur in einer keu⸗ schen Brust toben nie der Reue Schmerzen, wohnet Ruh' und wahre Lust. Un⸗ beherrschte Sinnlichkeit toͤd⸗ tet die Zufriedenheit; sie vergiftet alle Freuden und verwandelt sie in Leiden. 5. O so will ich ernstlich streben, reines Herzens stets zu seyn; keusch und zuͤch⸗ tig will ich leben, jeden Reiz der Luͤste scheun. Keine Lo⸗ ckung taͤusche mich, und mein Herz ergebe sich keiner schaͤndlichen Begierde! Rei⸗ nigkeit sei meine Zierde! 6. Dann umgibt mich u Net Legs 1 So 51 für Leib, Leben und Gesundheit. — 92 339 Heil und Segen; himmli⸗ sche Zufriedenheit leitet auf der Unschuld Wegen mich zu groͤßrer Seligkeit. Reinen Herzen fließt der Quell jeder Wonne rein und hell und sie koͤnnen fest vertrauen, Got⸗ tes Antlitz einst zu schauen. as ist mein M N 1 a er 51 4 1 43 1 zeitlich Le⸗ ben, das du mir, Gott, gegeben? Ein unschaͤtzbares Gut. Du gabst mir's, hier auf Erden zum Himmel reif zu werden, worauf mein wahres Gluͤck beruht. 2. Hier wird— Saat gestrei 25 dort, wenn sie wohl gedeihet, wi 1 reich die Aernte seyn. Je laͤnger ich hier lebe, und gut zu han⸗ deln strebe, je groͤßer wird mein Gluͤck dort seyn. 1 Sollt. ich dies Gluͤck mir rauben? O Herr, laß mir, im Glauben der künft'⸗ gen Aerntezeit, mein Leben hier auf Erden so werth und wichtig werden, wie mir's dein heilig Wort gebeut! 4. Mir selbst es zu ver kuͤrzen, mich in den Tol zu stuͤrzen, ist wider meine Pflicht. Du, Herr, riefst mich ins Leben, dir soll ich's wieder geben, wenn du ge⸗ beutst, doch fruͤher nicht. 5. Was leicht in Krank⸗ heit stürzet, das Leben leicht P 2 ver⸗ Thaten 340 Pflichten gegen uns selbst. verkürzet, laß mich mit Sorgfalt fliehn; doch auch nicht ängstlich zagen, es für die Pflicht zu wagen; auch dazu hast du mir's verliehn. 6. In deine Vaterhände befehl' ich, Herr, mein Ende, und meiner Tage Lauf. Es sei mein ganzes Leben dir hier zum Dienst ergeben; hilf du nur selbst der Schwachheit auf! 7. Was nützt ein langes Leben, wenn man nicht, Gott ergeben, nach wahrer Tugend strebt? Wer Gott und Menschen liebet, und sich im Glauben übet, nur der hat lang und wohl gelebt. Mel. Wer nur den lieben Gott 435 Wi mannigfal⸗ tig find die Gaben, womit uns deine Güte nährt, die, uns zu stär⸗ ken und zu laben, so viel des Guten uns gewährt! Ja, Alles, was der Mensch genießt, beweist, wie freund⸗ lich, Gott, du bist! 2. Du segnest Auen und Gefilde mit unerschöpfter Fruchtbarkeit, die deine vä⸗ terliche Milde und Allmacht jedes Jahr erneut, damit der Mensch, von Sorgen frei, sich sättige und dankbar sei. 3. Du lässest uns nicht Mangel leiden; du gibst uns unser täglich Brod; du gibst noch mehr, gibst uns auch Freuden für einen jeden Sinn, o Gott! Wie groß, zum Wechsel im Genuß, ist deiner Gaben Ueberfluß! 4. Drum will ich mäßig im Genusse der Gaben deiner Güte seyn, und Nichts von meinem Ueberflusse durch niedre Schwelgerei entweihn. Denn schon des Dankes Pflicht gebeut mir Mäßi⸗ gung und Nüchternheit. 5. Mit Speis' und Trank den Leib beschweren, ist schimpflich, ziemet Christen nicht. Gott gibt sie uns, daß sie uns nähren, uns stärken zu Beruf und Pflicht. Was ist, das mehr den Geist entweiht und schwächt, als rohe Sinnlichkeit? 6. Unmäßigkeit lähmt alle Kräfte, bringt Krankheit, Armuth, Zank und Streit; macht treulos im Berufsge⸗ schäfte, raubt des Gewissens Seligkeit; setzt zu den Thie⸗ ren uns herab, und ftürzet vor der Zeit ins Grab. 7. Ach, Mancher starb schon längst und modert durch Trunk zu früh ins Grab gestreckt, von Gott zur Rechenschaft gefodert, mit Schmach im Grabe noch bedeckt. Gott, laß mich ja dies Laster scheun; enthal⸗ sam, mäßig, nüchtern seyn! 8. So oft ich Speis und Trank genieße, so laß es mit Vernunft geschehn, und, 7. i ich beides mir versüße, mit Dank auf dich, den Geber, sehn; auf dich, der du uns zärtlich liebst und Nahrung und Erquickung gibst! Arbeitsamkeit und Berufstreue. Mel. O Gott, du frommer Gott Du hast uns, 436 D Herr, die Pflicht zur Arbeit auferle⸗ get, und Fleiß in dem Beruf uns ernstlich eingepräget. Dir ist, o Heiligster, der Müssiggang verbaßt: für uns des Unheils Quell, für Andere der Last. 2. In deine Ordnung, Herr, laß willig mich be⸗ quemen, und Bürden des Berufs entschlossen auf mich nehmen! Wenn auch mein Angesicht der Arbeit Schweiß benetzt: wohlauf! du hast mich selbst in den Beruf gesetzt. 3. Bewahre nur mein Herz vor eitlen Nahrungs⸗ sorgen! Gib mir mein täg⸗ lich Brod, und sorge du für morgen! Ich will an mei⸗ nem Theil das Meine fleißig thun, und dann mit Zuver⸗ sicht in deiner Fügung ruhn! 4. Auch föͤrdre, großer Gott, die Werke meiner Hände, den Anfang segne du, beglücke du das Ende! Laß mich bei jeder Last auf Arbeitsamkeit und Berufstreue. 341 jenes Leben sehn, wo wir nach treuem Fleiß zu dei⸗ ner Ruhe gehn. Mel. In allen meinen Thaten 1928 um Fleiße ward 43 7 das Leben vom Schöpfer uns gegeben, und nicht zu träger Ruh'. Wie Fruchtbarkeit dem Regen, so folgt dem Fleiße Segen; er strömt uns Glück und Freuden zu. 2. Er stärkt des Leibes Kräfte; er fördert die Ge⸗ schäfte, gibt uns ein fröh⸗ lich Herz; er schafft uns sü⸗ ßern Schlummer, erleichtert Gram und Kummer und lindert oft den herbsten Schmerz. 3. Er hilft den Hang be⸗ siegen zu sündlichem Ver⸗ gnügen. Was mehr, was stets erfreut: der Unsern Wohlfahrt schützen, der Welt und Nachwelt nüz⸗ zen, das ist das Glück der Thätigkeit. 4. Drum laß uns, Gott, auf Erden nie träg im Guten werden; du gabst der Kraft uns viel! Dich, unsern Herrn, zu ehren, und Men⸗ schenglück zu mehren, sei immer unser schönstes Ziel! 5. Wenn Andre trostlos klagen, dann werden wir nicht zagen, und keinen Tag bereun. Wenn Träge trau⸗ ern müssen: dann spricht P 3 uns uns das Gewissen getrosten Muth und Hoffnung ein. 6. Wenn einst viel edle Thaten um uns, gleich reifen Saaten, mit reichen Früchten stehn, wenn Tau sende sich freuen und heißen Dank uns weihen: wie ist dann unser Lohn so schön! 8 und sie ins J gelloge mit ihm nur wird, wenn's llen ftir mt, nicht ohn Segen bleiben. 2. Wer sich's zur ersten Sorge macht, vor ihm ge⸗ recht zu werden und erst ihr Herz mit Trost Hoffnung. Drum gib, o Gott, ich auf dich be ich auf dich bei meiner N Weis segne mich, daß ich nie Wege gehe, die mir dein heilig Wort verbeut! Nach deines Reichs Ge⸗ htigkeit laß mich vor lllem trachten. 5. Laß Müssiggang und Trägbelt mich mit aller Sorgfalt meiden; thun was ich soll, gestärkt durch gehorsan und mit ö n, daß ich in mei⸗ nem und mei⸗ nen Brüdern nüßlich sei/ und dir zur Ehre lebe! 6. Sei überall, mein 25 mit mir! Die Werle Hände befehl' ich, vollende ie vollende zu 1 3 ßen Namens Preis, und 75 die Frucht von meinem Fle in jen W̃ Velt mir fo olge! 2 In licht zum ggang, sind wir 9 „auf Ex auch mich me in Lebenlang durch Arbeit lich wer⸗ den! Gib mi t und Lust und 4 af ge chickt, treu und gewi ft mein Werk bier zu v errichten. 2. Hast du ein Amt, 1 warte fein; das ist, o Got dein Wille O flöße f gelb den Trieb mir ein, daß ich ihn treu erfülle; hilf, daß ich Einsicht und an Tüchtigkeit zu meinem Amte wa achse. auch vor träger i 0 mich f stet 1 mein wil ich 1 reine fille mich zu neuer Ar⸗ 05 5 Weis hei„ 8 laß mich nicht die Zeit git Nebend n i Nrschwenerisg verb mich den Geschäß ften zu w veihn, die du mir deiner Furcht, 55 15 dag b Guten nem Dien zu Wahn; 0 fend ache als ich kann, 0 f mir Ehr' und reue. 343 ich tbu', mein Heil dein Wohlgefallen, so werd' ich mit Gewissensruh' auf eb⸗ nem Wege wallen! Denn wer dir, He iliger, mißfällt, 5 nützet dem die ganze Velt mit allen ihren Schä⸗ auf Erden dein weises All⸗ machtswort erschuf, doch eine Leiter werden, worauf ich einst in jener Welt, die höheren Beruf enthält, zu höhern Würden steige! llein Gott in der Höh' 439(b) U ins strömt 1 aus deiner Segenshand, He err täglich Heil entgegen. Durch dich erhebt sich Mee und Land zur Fruchtbarkeit, zum Se⸗ gen. Durch dich strömt ring aus der Natur Ge⸗ dei ihn auf jede Kreatur; du bit des Segens Quelle. 2. Von dir kommt Weis⸗ heit und Verstand; du machst die Reiche blühen du führest Weise in das Land 5 segnest ihr Be⸗ mühen; du gibst dem Geiste Thätigkeit; du bist's, der Jedem Kraft verleiht, den Näch sten zu begluͤcken. 3. dich, Herr, bringt uns Land und Meer die Auer deiner Erde von weit entlegnen Völkern her, P 4 da⸗ 344 damit gesegnet werde mit allen Gütern deiner Hand das fernste Volk, das fernste Land und deine Liebe preise. 4. Du zeigest ihren Wir⸗ kungskreis den Bürgern dieser Erde, daß Jeglicher durch seinen Fleiß dem An⸗ dern nützlich werde. Daß Jeder, den dein Wink er⸗ schuf, froh sei im eigenen Veruf, ist dein allweiser Wille! 5. Gib uns, o Vater, Redlichkeit in des Berufs Geschäften! Lehr' weis' uns brauchen unsre Zeit, nach unsern besten Kräften! Hilf nützlich werden Jedermann, wenn Rath und That ihm helfen kann zu seinem bes⸗ sern Glücke! 6. Wie du für Alle Va⸗ ter bist, für Böse und Ge⸗ rechte, so sei, wer Erden⸗ bürger ist, von jeglichem Geschlechte uns Nächsser, Bruder, sei uns werth; und wenn er Hülfe, Trost begehrt, find' er stets Rath und Beistand! 7. Du bist der Vater, der erfreut, verbreitest dei⸗ nen Segen; du rufst: Zum Segnen seid bereit, geht Brüdern gern entgegen! Wie du die Lieb' und Güte bist, so sei ein Jeder, der sich Christ nach Jesu Ehristo nennet! Pflichten gegen uns selbst. Würdigung und weiser Gebrauch der irdischen Güter. Mel. Es ist das Heil uns 440 Herr, laß mich 0 doch gewissen⸗ haft mein zeitlich Gut ver⸗ walten! Gib selbst mir Weisheit, gib mir Kraft, damit so hauszuhalten, wie es mir nützt und dir gefällt, damit ich nicht in jener Welt an ew'gen Gütern darbe! 2. Mein Hab und Gut kommt ja von dir; es ist dein milder Segen. Nicht zum Verderben gabst du mir mein zeitliches Vermögen; du gabst es mir zum wah⸗ ren Wohl. So hilf denn, daß ich's, wie ich soll, nach deiner Vorschrift brauche! 3. Was ist das mir ge⸗ schenkte Gut? Vergäng⸗ lich, wie die Erde. Gib, daß ich nie zum Uebermuth dadurch verleitet werde! Nie reiß' ein irdischer Ge⸗ winn mein Herz so weit zum Eitlen hin, daß ich mein Heil vergesse!. 4. Was hülfe mir die ganze Welt mit allen ihren Schätzen, verführt' mich zeitlich Gut und Geld, sorg⸗ los hintan zu setzen, was meiner Seele Heil begehrt, und mir ein ewig Glück ge⸗ währt? Wie strafbar würd ich handeln? a 5. Mein 5. Mein erstes Trachten sei allhier nach deines Gei⸗ stes Gaben! Wie reich bin ich, o Gott, in dir, wenn ich nur dich kann haben! Hab' ich nur, Höchster, dei⸗ ne Huld, bin ich voll Glau⸗ ben und Geduld, was fehlt dann meiner Seele? 6. Den Geiz laß ferne von mir seyn, die Wurzel alles Bösen! Von Unruh' und Gewissenspein kann Reich⸗ thum nicht erlösen. Er hilft in Todesstunden Nichts, und Nichts am Tage des Gerichts. Da schützt er keinen Sünder. 7. Lehr' du mich weise Sparsamkeit, um das nicht zu verschwenden, was du mir gabst; nein, in der Zeit es nützlich anzuwen⸗ den! Gib mir die Klugheit, daß ich hier dadurch dem Nächsten, so wie mir, des Lebens Müh' erleichtre! 8. Es kommt ein Tag der Rechenschaft; das laß mich stets bedenken, und mein Jemüth gewissenhaft zur Treu' im Ird'schen lenken, daß selbst von Gütern die⸗ ser Zeit ich einst noch in der Ewigkeit, den reichsten Segen ärnte! Mel. O Gott, du frommer Gott 441 C05 mich doch nicht, o Gott, den Schätzen dieser Erden so meine Neigung weihn, Weiser Gebrauch der irdischen Güter. 345 daß sie mein Abgott wer⸗ den! Oft fehlt beim Ueber⸗ fluß doch die Zufriedenheit, und was ist ohne sie des Lebens Herrlichkeit? 2. Kann ein vergänglich Gut auch unsre Wünsche flil⸗ len? Es steht ja sein Besitz nicht stets in unserm Willen; nicht stets wird's dem zu Theil, der ängstlich darnach ringt, und schnell verliert's oft der, dem sein Bemühn gelingt. 3. Ein Gut, das unsern Geist wahrhaftig soll beglük⸗ ken, darf nicht vergänglich seyn, muß für den Geist sich schicken. Der Thor hat Geld und Gut; er hat's und wünscht noch mehr; er darbt in seinem Glück, sein Herz bleibt freudenleer. 4. O Gott, so wehre doch der Habsucht niedern Trie⸗ ben, und heilige mein Herz, nie das zu sehr zu lieben, was man mit Müh gewinnt, bald schwelgerisch verzehrt, bald unrubvoll bewacht, und bald mit Fluch vermehrt. 5. Ein weises, frommes Herz, das sei mein Schatz auf Erden! Sonst Alles, nur nicht dies, kann mir entrissen werden. Dies bleibt im Tod auch mein; dies folgt mir aus der Zeit, zum seligsten Ge⸗ winn, bis in die Ewigkeit. 6. Was sind, wenn dieses fehlt, die herrlichsten Ver⸗ P 5 gnü⸗ gnügen? 2 Nur sü sind's, die unsert trügen. Drum lente, den Wunsch vom irdisch Gewinn, durch deines! s Kr raft, zu ew'gen C G——0 en Mel. Wer nur den lieben Gott Och bin der rei 14 44289 2 ste Mensch 25 Erden: ich hab' drum hab' ich v drer wie e will! 2 als Gott bes der größte 2. Der 9 n 0 in den Gemüthern: wer sich J e 5 ist nimm ner leer. irhroßen immer selbst v als sich selbst, Welt, verzehrt und spart sein Geld. 4. Wie ungetrübt fließt dagegen mein Leben bei ügsamkeit! Gibt mein* nur Einen bin ich schon voll und denke: sich ver⸗ 5 als ein 5 Geizhals gel het zum Verderben, weil er nach Geld und Eut nur ftrebt; ich aber kann mit Freuden sterben, weil an der Welt mein Herz nicht klebt. So fährt die le selig hin, wo ich bei Gott der Reichste b bin. Seel ott zu mir, spricht 9 der sich mit Ernst der „ ist auch ein Sparsamkeit; „zu verschwen⸗ um; ter soll es nur mit Red⸗ * S 2 ö 10 ig⸗ keit heißt ihn die Klugheit meiden. 4. Er suchet, was Fleiß gewinnt, und w leicht und schnell mit Sorgfalt zu Moor Gehra Weiser Seba er weiß, der Wechsellauf der Zeit bringt Mangel oft und Duͤrftigkeit und mancherlei Gefahren. 5. Doch nie verletzt er seine Pflicht. Aus Geiz und Habsucht spart er nicht; er spart mit mildem Herzen. Wie ruͤhrt ihn seiner Bruͤder Noth! Er theilt mit Hung⸗ rigen sein Brod; er lindert Gram und Schmerzen. 6. Er hilft im Stillen, wo er kann; was er durch Sparsamkeit gewann, wird zu der Menschheit Segen. Ihm stromet Dank und zu, und froh kann er sich einst zur Ruh' des Grabes niederlegen. 7. Sollt' ich, o Gott, nicht sparsam seyn, nicht weislich die Verschtbendung scheun, den Mißbrauch dei⸗ ner Gaben? Ja, heilig sei mir diese Pflicht! Ich kann zu dir dann Zuversicht auch selbst im Mangel haben. Mel. W̃ Sünden 443(b) ab H Herr, nach X eitlen Ehren mich niemals geizig seyn! Laß deinen Geist mich leh⸗ ren, der Ehre mich zu freun, die selbst vor dir, o Gott besteht, und Erde zum H Vater, immer mein Ruhm, was bir gefallt, wie bal verfuͤhrt ein stolzer Sinn mich von der Demuth Pfadez verbirgt mir, wer ich bin! 3. Nicht im 2 von Schaͤtzen und Ouͤtern dieser zeit laß meinen Ruhm mich setzen; sie sind doch Eitel⸗ keit; sie sind doch nur des Thoren Gluͤck, verlassen uns im Tode, und bleiben hier zuruͤck. 4. Nicht Stand 0 und aͤußre Wuͤrde verblende meinen Sinn! Wie oft zieht ihre Buͤrde den Geist zur Erde hin! Verdienst und Tugend sei allein der Ruhm, nach dem ich ringe; nur er bleibt ewig mein Dich kennen; meine Pflick* 2 Fleiß und Red⸗ lichkeit, mit Muth und Treu' 24 vie, Herr, dein Wort gebeut, und uͤberall mein; Christenthum nach Je⸗ su Beispiel uͤben, das sei mir wahrer Ruhm! 6. Es sei, daß auf der Erde das Gute, das ich that, verkannt, vergessen werde; 110 es bleibt doch stille Saat, die aufkeimt fuͤr die keit; und o dein Beif net mich mit 3 enheit. 7. Wenn ei die ernste Wage Weltenricht ter, nimmst, und am Vergel⸗ der Thaten Werth dann muͤsse mei⸗ 6 men 4 b 3 ——— 348 nem ew'gen Geist des Him⸗ mels Krone werden, die mir dein Wort verheißt! Mel. Auf! Christenmensch, 444 W dem, der beßre Schaͤtze liebt, als Schaͤtze dieser Er⸗ den! Wohl dem, der sich mit Eifer uͤbt, an Tugend reich zu werden, und in dem Glauben, deß er lebt, sich uber diese Welt erhebt! 2. Wahr ist es, Gott ver⸗ wehrt uns nicht, hier Guͤter zu besitzen. Er gab sie uns, und auch die Pflicht, mit Weisheit sie zu nuͤtzen. Sie duͤrfen unser Herz erfreun, und unsers Fleißes Antrieb seyn. 3. Doch nach den Guͤtern dieser Zeit mit ganzer Seele schmachten, nicht erst nach der Gerechtigkeit und Got⸗ tes Reiche trachten: ist die⸗ ses eines Menschen Ruf, den Gott zur Ewigkeit erschuf? 4. Der Geiz erniedrigt unser Herz, erstickt die edlern Triebe. Die Liebe fuͤr ein schimmernd Erz verdraͤngt der Tugend Liebe, und machet der Vernunft zum Spott, ein elend Gold zu deinem Gott. 5. Der Geiz, so viel er an sich reißt, laͤßt dich kein Gut genießen; er quaͤlt durch Habsucht deinen Geist, und toͤdtet dein Gewissen, Pflichten gegen uns selbst. und reißt durch schmeicheln⸗ den Gewinn dich blind zu jedem Frevel hin. 6. um wenig Vortheil wird er schon aus dir mit Meineid sprechen, dich zwin⸗ gen, der Arbeiter Lohn un⸗ menschlich abzubrechen; er wird in dir der Wittwen Flehn, der Waisen Thraͤnen widerstehn. 7. Wie koͤnnt' ein Herz, vom Geize hart, der Wohl⸗ that Freuden schmecken; und in des Ungluͤcks Gegenwart den Ruf zur Huͤlf' entdecken.? Und wo ist eines Standes Pflicht, die nicht der Geiz entehrt und bricht? 8. Du bist ein Vater; und aus Geiz entziehst du dich den Kindern, und laͤssest dich des Goldes Reiz, ihr Herz zu bllden, hindern, und glaubst, du habst sie wohl bedacht, wenn du sie reich, wie dich, gemacht. 9. Du hast ein richterli⸗ ches Amt; und du wirst dich erfrechen, die Sache, die das Recht verdammt, aus Habsucht recht zu sprechen; und selbst der Tugend groͤß⸗ ter Feind erkauft an dir sich einen Freund. 10. Gewinnsucht raubt dir Muth und Geist, die Wahrheit frei zu lehren; du schweigst, wenn sie dich reden heißt, ehrst, wo du nicht sollst ehren, und wirst um Weiser Gebrauch um ein verächtlich Geld ein Schmeichler und die Pest der Welt. 11. Erhalte mich, o Gott, dabei, daß ich mir g'nügen lasse, Geiz ewig als Abgöt⸗ terei von mir entfern' und hasse. Ein weises Herz und guter Muth sei meines Le⸗ bens größtes Gut! Weiser Gebrauch der Lebenszeit. Mel. Wer nur den lieben Gott „ E u gabst mir, 445 D Ew'ger, die⸗ ses Leben nicht für den Au⸗ genblick der Zeit: du hast es mir, mein Gott, gegeben zur Aussaat für die Ewig⸗ keit. Hier ist der Vorberei⸗ tungsort: Bestrafung und Belohnung dort. 2. Du schenktest mir Verstand und Willen; die Wahrheit zu erkennen, Licht; Kraft, deine Vor⸗ schrift zu erfüllen; und lehr⸗ test selbst mich meine Pflicht. Für Tugend gabst du mir Gefühl, und Freiheit, was ich wählen will. 3. Du gossest zwar auf dieser Erde viel Anmuth, Pracht und Schönheit aus und schmücktest durch dein mächt'ges: Werde! auch meiner Seele irdisch Haus, gabst mir der Sinne fein 349 Gefühl und auch dadurch der Freuden viel! 4. Doch einst muß ich dies Leben schließen, weil dies mein irdisch Haus zerbricht. Drum soll ich zwar die Welt genießen, doch als genöss' ich ihrer nicht. Ich soll der Sinne Lüste fliehn, wann ste mich zu der Erde ziehn. 5. Der Freude soll ich oft nicht achten, so sehr sie auch die Sinne reizt; nach Wollust, Ehr' und Gold nicht trachten, wornach der Mensch so lüstern geizt; nie scheuen, was die Pflicht ge⸗ beut, und wär' es auch voll Bitterkeit. 6. Dein Unterricht sei nicht vergebens! Gib, Va⸗ ter, daß ich ihm getreu und beim Genusse dieses Lebens einst auch zu jenem tüchtig sei! Vollkommne Freude wohnt nicht hier, wohnt nur im Himmel, Gott, bei dir. 7. Wohl mir, wenn ich es muthig wage, der großen Hoffnung werth zu seyn, und diese kurzen Uebungstage Gott und der Tugend ganz zu weihn, wenn nie mein Fuß den Pfad verliert, der mich zum beßren Leben führt! 8. Wohl mir, wenn ich den Hang zur Sünde, die Lust des Fleisches und der Welt, und jede Lockung überwinde, die meinem Her⸗ zen Netze stellt, wenn ich; o P 7 se⸗ der Lebenszeit. 2 seliger Gewinn! als dort 8 5 bin! g. gib mir deines Gei⸗ stes Stärke, der du in Schwa⸗ chen maͤchtig bist, mir, der zu diesem großen Werke zu schwach und noch zu sinnlich ist! Das Eitle lehre mich verschmähn, und auf das Ewige nur sehn! 16. Laß mich oft in gesun⸗ den Tagen n im Geist zu mei⸗ nem Grabe gehn, und da bei Freuden und bei Plagen auf dich und jenes Leben sehn; damit ich, meiner Pflicht getreu, der hoͤhern Freuden wuͤrdig sei! Sieger Mel. Wer nur den lieben Gott 446& Fs eilt der letzte von den Tagen, die du hier lebest, Mensch, herbei; erkauf' die Zeit, und, statt zu klagen, sie sei zu kurz, gebrauch' sie treu! Nimm mit tlichem Gemuͤth der na Stunde wahr: sie ficht! 2. Getaͤuscht eitlen Kleinigkeiten, verlierst du deines Lebens Zweck, ver⸗ schiebst dein Heil auf fern Zeiten, und wirfst so sicher Jahre weg. Bist du, zu kuͤh⸗ ner Sterblicher, des naͤchsten Augenblickes Herr? 8 21 ewig Gluͤck einst zu , sollst du des kurzen Lebens Zeit als deine Saat⸗ rebens Sei. slick und von nuͤtzen, thun, was dir der Herr ge⸗ beut. Er ruft dir menschen⸗ freundlich zu: Sieh, Eins ist Noth! Was saͤumest du? 4. Drum eil' und rette deine Seele, und denke nicht: Ein andermal! Sei wacker, bet' und uͤberzaͤhle der Menschentage kleine Zahl. Sei fromm u nd wandle vor dem Herrn, waͤr' auch dein Ende noch so fern! 5. Mit jedem neu geschenk⸗ ten Morgen erwecke dich zu dieser Pflicht! Sprich: Dir, o Gott, ist Nichts verborgen; ich bin vor deinem Angesicht, und will, mich deiner Huld zu freun, mein Leben gern der Tugend weihn. 6. Erleucht' und starke meine Seele, weil ohne dich ich Nichts vermag. Du schenkst, daß ich mein Heil erwähle, so huldvoll mir noch diesen T Was ist 8 eine Stunde werth, die eine Guͤte mir gewaͤhrt! 7. Wohl mir, wenn ich aus allen Kraͤften nach Got⸗ tes iche hier gestrebt, in Gott gefaͤlligen Geschaͤften die Pluͤgertage durchgelebt, und einst im Glauben sagen kann: Du nimmst mich, Herr, zu Ehren an! 8. Meir sprachlos Flehn an meinem Ende hoöͤrst du dann, Herzenskuͤndi ger; n deine treuen Vaterhen befehl' ich meinen R in 7 Weiser Geb Herr! Er schwingt sich uͤber Grab und Welt zu dir, wann seine Huͤtte faͤllt ihr e hn 4 47 W⸗ 1 Lebens ⸗ stunden? Zeit, edle Zeit, wo flichst du hin? Wie n Tag ist schon v seit ich der Er Ein groß ner Zeit ist der Ewigkeit. Ermuntre dich aus ummer! Auf, ste ermuntre Dies sei dein Gr sei dein Kummer, daß man⸗ cher Tag umsonst verstrich! Den ungenuͤtzten Augenblick bringt keine Reue dir zuruck. e seine Jahre, eh' er des Le⸗ bens Werth l r Gott Got el 5 on mei⸗ im Meer ram, 50 t het fruͤher fich der Bahre, als er den Weg der Tugend Was ist das hen werth, das un⸗ rfaͤhrt? Mensch! und nuͤtz⸗ r zu seyn! fang' an, dem Guten nach⸗ zustreben, bring' das Ver⸗ saͤumte doppelt ein, daß, wenn man dei Leib be⸗ graͤbt, dei Werk und dein Gedaͤchtniß 5. Sei klein⸗ 1 du rauch der Lebenszeit. 2 51 nicht deine Pflicht erfüllt; du hast den Tag nicht uͤber⸗ issig, den du so frech ver⸗ schwenden willst. Wiss', ein Verlust, der ewig reut, ist der Verlust der edlen Zeit. 6. Gib dir von einem je⸗ den Tage, den dir Gott schen⸗ ket, Krchenschaft; durchdenk' ihn, leg' ihn auf die Wage: Vollbrachtest du ihn tugend⸗ haft? Hast du nach Moͤg⸗ lichkeit gethan, was Gott von dir einst fordern kann? 7. Herr meines Lebens, i doch undes mein Heil 7 2 Kraft; 0 ich J vernu leb als ich dank' ich dir in fuͤr die mir hier v Zeit. J 2lick' hin in die 448 O vergangnen Zeiten, mein Geist, und sammle Weisheit ein, um frei vom der Eitel⸗ ufrieder 1 dem fuͤr alle Freuden, we seine Huld erquickt; da m fuͤr 2 dir 1 z 0 Denn was er an dir thut, i f ewig gut. — ä . 1 352 3. Vergiß nicht, wie er dich beschuͤtzte, wenn sich Gefahren dir genaht; dir schenkte, was dir wahrhaft nuͤtzte, oft eh' ihn noch dein Flehen bat; und wie er oft dir mehr gewaͤhrt, als je dein Wunsch von ihm be⸗ gehrt. 4. Denk' an die hingefloß⸗ nen Stunden, die der All⸗ liebende dir gab. Sind sie in seinem Dienst verschwun⸗ den, dann schrecken dich nicht Tod und Grab; dann ist die hier verfloßne Zeit Ge⸗ winn dir fuͤr die Epigkeit. 5. Doch blick' auch voller Scham und Reue auf Fehler vor ger Zeit zuruͤck, und lern' aus ihnen beßre Treue und groͤßre Sorge fuͤr dein Gluͤck; so werden Fehler, die dich reun, selbst Mittel dir zur Weisheit seyn. 6. Ermanne dich, dies kurze Leben dem weisesten Gebrauch zu weih'n; es ward vom Schoͤpfer dir ge⸗ geben, hier guten Samen auszustreun, der, reifend fuͤr die Ewigkeit, am Tag der Aernte dich erfreut. 7. Dann blickest du am Ziel der Zeiten mit Ruh' in das Vergangne hin, und freuest dich der Seligkeiten des Himmels mit entzuͤck⸗ tem Sinn, der Wonne, die dort den umgibt, der hier sich treu im Guten uͤbt. Pflichten gegen uns selbst. Genügsamkeit und Zufriedenheit. Mel. Wie groß ist des Allmächt'. 449 Du klagst und fuͤhlest die Beschwerden des Stands, in dem du duͤrftig lebst; du strebest gluͤcklicher zu wer⸗ den, und siehst, daß du ver⸗ gebens strebst. Ja, klage! Gott erlaubt die Zaͤhren, doch denk' im Klagen auch zuruͤck: Ist denn das Gluͤck, das wir begehren, fuͤr uns auch stets ein wahres Gluͤck? 2. Nie schenkt der Stand, nie schenken Guͤter dem Menschen die Zufrieden⸗ heit; die wahre Ruhe der Gemuͤther ist Tugend und Genuͤgsamkeit. Genieße, was dir Gott beschieden, entbehre gern, was du nicht hast. Ein jeder Stand hat seinen Frieden, ein jeder hat auch seine Last. 3. Gott ist der Herr, und seinen Segen vertheilt er stets mit weiser Hand; nicht so, wie wir's zu wuͤnschen pflegen, doch so, wie er's uns heilsam fand. Willst du zu denken dich erkuͤhnen, daß seine Liebe dich vergißt? Er gibt uns mehr, als wir verdienen, und niemals, was uns schaͤdlich ist. 4. Verzehre nicht des Le⸗ bens Krafte in traͤger une rie⸗ friedenheit; besorge deines Stands Geschäfte und nütze deine Lebenszeit. Bei Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben, ein ewig Glück in Hoffnung sehn, dies ist der Weg zu Ruh' und Leben. Herr, leh⸗ re diesen Weg mich gehn! In voriger Melodie. 450 ntehre nicht, mein Herz, mit Klagen den Gott, der dich zum Glück erschuf! Des Lebens Muͤhe zu ertragen, und froh zu seyn, ist dein Beruf. Erdulde standhaft die Beschwerden, die keine Klugheit hindern kann; schaff' nur, daß sie dir heil⸗ sam werden, und bete Got⸗ tes Willen an. 2 Gott selbst hat dir dein Loos beschieden; nimm's dankbar aus der Vorsicht Hand! Erfülle jede Pflicht zufrieden, die sie mit diesem Loos verband! Sie gibt dir Munterkeit und Kräfte, und nährt und stärkt sie väterlich. Sie brauchen, das ist dein Geschäfte und ihr Gebrauch ist Glück für dich. 3. Hat Andern deines Va⸗ ters Segen mehr Güter an⸗ vertraut, als dir: darf dies wohl deinen Neid erregen? Denk: Wer ist Gott? und wer sind wir? Weiß er nicht besser, was dir nützet, und deinem Nächsten frommt, als Genügsamkeit und Zufriedenheit. 353 du? Wenn er dich nährt, re⸗ giert und schützet, was feh⸗ let dann noch deiner Ruh'? 4. Du prangest nicht in hohen Würden; beneide nicht der Großen Glück. Sie seufzen unter schweren Bürden, und oft stürzt sie ein Augenblick. Dir ward kein Ueberfluß gewähret; wünsch' ihn auch nicht aus Selbstbetrug! Wer gern, was er nicht braucht, ent⸗ behret, der ist beglückt und reich genug. 5. Herr, der du mir zum frohen Leben, was ich be⸗ darf, und mehr verliehn, laß eifrig sich mein Herz bestreben, die Unzufrieden⸗ beit zu fliehn! In Demuth laß mein Herz sich üben, Gott, deiner Güte sich zu freun; dich ehren, dir ver⸗ traun, dich lieben, müss' ewig meine Wonne seyn. Mel. Wer nur den lieben Gott Ich bin in meinem 451 N Gott zufrieden, mit dem, was er zu meinem Theil an Glück und Unglück mir beschieden: sein weiser Rath sucht stets mein Heil. Ob er mir gleich oft widrig scheint, doch weiß ich, daß er's treulich meint. 2. Er weiß allein, wo⸗ durch auf Erden sein großer Name für und für muß herr⸗ lich und gepriesen N Er⸗ Erreicht er diesen Zweck an mir, so bin ich ruhig und vergnügt mit Allem, wie er's mit mir fügt. 3. Muß mir die Freuden⸗ sonne scheinen, so dank ich fröhlich seiner Huld; muß aber ich in Trübsal weinen, so neh'm ich's auch an mit Geduld. Denn das, was seine Weisheit thut, ist Al⸗ les ewig recht und gut. 1 Scheint mir freu⸗ 45 S denleer das Leben, freudenleer mein Stand, mein Loos; ist mein böchster Wunsch, mein Stre⸗ ben, reich zu seyn, geehrt und groß: dann verfließen meine Tage mir in Miß⸗ muth, Sorg' und Plage. 2. Lernt' ich mäßiger be⸗ gehren, mäßiger in Wün⸗ schen seyn, jetzt genießen, dann entbehren: o wie glücklich würd' ich seyn! Meine Freuden, meine Schmerzen fließen nur aus meinem Herzen. 3. Hober Stand und große Güter schaffen nicht Zu⸗ friedenheit; wahre Ruhe der Gemüther wohnt nur bei Genügsamkeit, die mit Weisheit sich verbindet und ihr Glück auf Tugend grün⸗ det. 4. Gott vertheilet seinen Segen stets mit weiser Va⸗ terhand; nicht, wie wir's zu wünschen pflegen: nur wi er es heilsam fand. Auch mich hat er nicht vergessen; auch mein Theil mir zuge⸗ messen. 5. Ringet um der Tugend Willen, Brüder, nach Zufrie⸗ denheit! Schwere Pllichten zu erfüllen, hilft nur Geistes⸗ heiterkeit. Gram, im Her⸗ zen tief verschlossen, macht zu jeder Pflicht verdrossen. 6. Laß mich, Gott, in meinem Leben redlich meine Pflichten thun, still und kindlich dir ergeben, fromm in deiner Fügung ruhn; und ein Blick auf ew'ge Freuden stärke dann mich auch im Leiden! 2 In eigen e. 2 Wicht auf den 453 4 Höhn nicht in den stillf i bist, süßer Friede, du zu finden, der Paradiesespal⸗ men trägt! Dein Reich ist nicht der Welt Getümmel; du herrschest segnend in dem Himmel: in der Brust, die für ihn schlägt.. 2. Du weinst, o Mensch, dich treffen schwere Leiden; du ringest mit dem Druck der Zeiten vergebens, bist du nicht ein Christ? Hier wel n Streb len Kampf und Streit und Müh hen; willst du ins Land des Friedens ziehen, so ler⸗ ne, wo der Himmel ist. 8 Nicht Alle, die zu Chr i⸗ stus sich bekennen, nicht Alle, die ihn Herr, Herr! nennen, sind würdig, auserwählt zu seyn. Drum suchen Viele falsch 11 in Gold und 25 ihre n Frieden, und ge⸗ zun F 75 ein. immer ist Diel Wer mag von eln Fei sen; auch 5 Delt kann d geben, was Das rechte Let in 7 rom ier Dorn be hüten, dann sidu, w a0 dich still erhält. oben Schrecken und Ge⸗ n: du kannst nur Him 1 lisches bewahren! Das A dre aber, das zerfäll S in der Natur. 2 sei mein Theil! Dieg oll mir Niemand 155 ben. Ein rein es Herz vo ungefärbtem Glauben, 12 Friede Gottes nur ist Heil. 3. Welch ein Ger binn, wenn 11 0 Sü 15 vei⸗ get, und meinem rost in meinem L für La 9. Mag mich selber zu be schwerste f doch welch sie nach * 7 Moch 8 6. Welch M Wah fühlt' in mir des len tracht Herz, dies gr 10. ist der Spott, den ein Gerechter leidet? Sein wahrer Rubn Denn wer das Böse meidet, 1 Bu⸗ 556 Pflichten gegen uns selbst. Gute thut, hat Ruhm bei Gott. 11. Im Herzen rein, hin⸗ auf zum Himmel schauen, und sagen: Gott, du Gott, bist mein Vertrauen! Welch Glück, o Mensch, kann grö⸗ ßer seyn? 12. Wenn Alles weicht, und du wirst sterben müssen; was kann alsdann dir dei⸗ nen Tod versüßen? Ein gut Gewissen macht ihn leicht. 13. Heil dir, o Christ, der diese Ruh empfindet, und der sein Glück auf das Bewußt⸗ seyn gründet, daß nichts Verdammlich's an ihm ist! 14. Laß Erd und Welt, so kann der Fromme sprechen, laß über mir den Bau des Himmels brechen! Gott ist es, dessen Hand mich hält. Weiser Genuß der Lebensfreuden. Mel. Nun danket Alle Gott u, der so gern 455 D beglückt, gern Freuden uns bereitet, wie selig, wer von dir an Va⸗ terhand geleitet, nur dann sich glücklich fühlt, wann er zu dir sich hält, und nur Vergnügen sucht, das dir, o Gott, gefällt! 2. Wie selig, wenn sein Geist zu dir, durch den er lebet, durch den er denkt und wählt, sich oft und gern erhebet: wenn er die Freude kennt, dir näher, Gott, zu seyn, erstaunt, sich deiner Macht und deiner Huld zu freun! 3. Wie selig, wenn er selbst der Erde kleinre Freu⸗ den mit Maaß und Weis⸗ heit wählt! Ihr Uebermaaß wird Leiden. Nach arbeit⸗ voller Müh' erquicket der Genuß; wer nur der Freude lebt, fühlt endlich Ueber⸗ druß. 4. O gib, Allgütiger, gib, daß auch meine Seele, wenn sie nach Freude strebt, nie jene Freuden wähle, die uns dereinst gereun! Es schlage meine Brust, durch Lasler nie entweiht, nur für die reine Lust! 5. Laß meine Tage mich durch eitles Spiel nicht töd⸗ ten; die Unschuld müsse nie vor meinem Scherz erro⸗ then! Nach treu vollbrach⸗ ter Pflicht darf ich der Ruh' mich freun; doch kei⸗ nen Augenblick den falschen Freuden weih'n. 6. Vernunft und Tu⸗ gend, seid Gefährten meiner Freuden! Dem Schwelger will ich nie sein kurzes Glück beneiden! Was mir an Reichthum fehlt, ersetzt Zufriedenheit: der frobste Sinn wohnt gern bei frommer Häuslichkeit. 7. Der Tag der Fröhle, ei keit sei niemals ganz verlo⸗ ren! Ich ward zum Dienst der Welt, zum Spielwerk nicht geboren. Erholung sei er mir! Es stärke sich mein Muth, des Guten mehr zu thun, so oft ich ausgeruht! 8. Nie soll durch meine Lust der arme Bruder lei⸗ den! Der Tag, der mich beglückt, sei ihm auch Tag der Freuden! Ist er ver⸗ lebt: wohl mir, wenn er mich nie gereut! Nie scheid' er ohne Dank für den, der mich erfreut! Mel. Mache dich, mein Geist, ber. 456 Niele Freuden streust du hin auf den Weg des Lebens. Schöpfer, diesen Vaterfinn zeigst du nicht vergebens. Du erfreust unsern Geist, um ihn anzutreiben, stets dir treu zu bleiben. 2. O wie schön ist deine Welt und wie reich an Se⸗ gen! Nur ein Thor, dem Nichts gefällt, sinkt dem Gram entgegen. Was ist Noth, was der Tod, gegen so viel Gaben, die den Weisen laben? 3. Uns, o Gott, gabst du Gefühl für den Reiz der Erde, daß der Lauf zum hohen Ziel uns erleichtert werde; und auch ich freue mich; denn du hast mir Leben und Gefühl gegeben. Weiser Genuß der Lebensfreuden. 357 4. Doch ich soll des Le⸗ bens Lust menschlich nur ge⸗ nießen, meiner Würde mir bewußt, jeden Tag beschlie⸗ ßen. Deine Hand gab Ver⸗ stand, Triebe zu beschrän⸗ ken, die zum Bösen lenken. 5. Nie darf das Vergnü⸗ gen mich meiner Pflicht ent⸗ locken; nie mich, Vater, ge⸗ gen dich und mein Heil ver⸗ stocken. Wer vergißt, was er ist, und nur thierisch le⸗ bet, steht einst da und bebet. 6. Ach, wie Mancher hängt sein Herz fest an Erdenfreu⸗ den! Und wie tobt in ihm der Schmerz, wenn sie von ihm scheiden! Gott, laß nie mich an sie ganz den Geist gewöhnen, nie den Sinnen fröhnen! 7. Wilde Freude kann gar leicht die Gesundbeit schwächen. O wie wird sich, wenn sie weicht, das Ge⸗ wissen rächen! Steh' mir bei! Gott, verleih', daß, wenn ich erkranke, doch mein Trost nicht wanke! 8. Nur ein mäßiger Ge⸗ nuß stärkt des Lebens Kräf⸗ te; er verscheucht den Ueber⸗ druß, fördert die Geschäfte, und mein Geist, der dich preist, wird dabei getrie⸗ ben, ewig dich zu lieben. 9. Gib denn, daß ich weise sei, wenn mir Freuden winken! Laß mich nie, dir ungetreu, in den* n⸗ 280 308 finken! Leite daß ich dich auch in Freuden ehre, und mein Hell nicht stoͤre! 10. Alle Lust der Sinn⸗ lichkeit wird voruͤberfließen; nur, was Geist und Herz erfreut, werd' ich stets ge⸗ nießen. Guter Gott, laß im Tod, wenn die Sinne schwinden, mich dies Gluͤck empsinden. Mel. Got nmels und 157 r Tod ihm 4910 ink zum e, danke seinem Gott der Christ, dem die theure Seelengabe, Heiterkeit, ver⸗ liehen ist, der auch nie sie frech entweiht, immer sich in Unschuld freut. 2. Er verzehret seine Kraͤfte nicht in unzufried⸗ nem Sinn; unter nuͤtzli⸗ chem Geschaͤfte fliehen seine Tage hin. Heitrer glaͤnzt sein Angesicht im Gefuͤhl erfuͤllter Pflicht. 3. Leichtsinn, der sich Freude nennet, aber von der Tugend gern sich im wilden Taumel trennet, bleibet von dem Christen fern, dessen heitrer, fester Muth auf der Tugend nur beruht. 4. Wenn auch jedes Gluck ihm schwaͤnde, und die Erde freudenleer ihm vor seinen Augen staͤnde, Hoff⸗ nung ieht ihn nimmer⸗ mehr; muthvoll geht an 4 ihrer Hand er ins beßre Vaterland. 5. Staͤrke, Gott, auch meine Seele, daß sie sich zum Guten neigt; gib, daß ich den Pfad erwaͤhle, den mir Jesu Lehre zeigt! Nichts stoͤrt meinen heitern Sinn, wenn ich fromm und weise bin. Mel. Mein erst Geschäft sei Preis 4 aß unser Gott 1 s Leben gab, deß wollen wir uns freuen, und von der Wiege bis us Grab ihm unsern Dank erneuen. 2. Denn auch zur Freude gab uns Gott auf dieser Welt das Leben und hat verheißen, nach dem Tod der Wonne mehr zu geben. 3. Die Fruͤhlingswaͤrme haucht sein Mund und Kuͤhlung wehn die Wogen. Am Himmel zeugt von sei⸗ nem Bund der schoͤne Re⸗ genbogen. 4. Und Gaͤrten, Waͤlder, Berg und Flur verkünden seine Gnade. Wir finden seiner Guͤte Spur auf le⸗ dem unsrer Pfade. 5. Drum konnen wir bei frommem Fleiß getrost auf Segen warten. Von heitrer Stirne fließt der Schweiß herab auf Feld und Garten. 6. Doch geben wollen wir auch gern, wie wir von* ge⸗ 2 n, und aͤhnlich wer⸗ en unserm Herrn, zu dem dereinst wir kommen. Wir schaun die Wun⸗ der seiner Hand aus unsern tiefen Fernen, und wissen: unser Vaterland ist uͤber jenen Sternen. 8. Auf unserm Leben schwimmt, wie Schaum, ein wenig Muͤh' und Kummer. Das Leben ist ein Morgen⸗ traum, der Tod ein kurzer Schlummer. 9. Wir sinken freudig in den Staub, der unsre Väter decket, und mern ihren Gott uns auferwecket. eg d und Gelassenheit im Leiden. Mel. s mein Gott will 459 6(Jott, immer groß an weiser Huld, du Geber meiner Freuden, behuͤte mich vor Ungeduld bei dieses Lebens Leiden! Auch sie verhaͤngst du uͤber mich nach ewig weisen Schluͤs⸗ sen; fie werden mir, trau' ich auf dich, zum Besten dien en muͤssen. 2. Ich raube mir durch Ungeduld selbst viele meiner Freuden, verkenne deine Vaterhuld vermehre meine Leiden, vergess' oft des Be⸗ rufes Yfli cht und quaͤl' mich jeden Morgen, beim Mangel im Leiden. 359 Zuversicht mit im⸗ froher mer neuen Sorgen. 3. Mein banges, unruh⸗ volles Herz, unfaͤhig sich zu fassen, wird sich dem Gram, dem kleinsten Schmerz ganz 4 trostlos uͤberlassen, bekaͤm⸗ pfet seinen Kummer nie; wuͤnscht zwar, ihn zu ver⸗ mindern, und sucht doch, ohne Fleiß und Muͤh', um⸗ sonst ihn zu verhindern. 4. Du, Vater, weißt, was mir gebricht, du ken⸗ nest meine Leiden. Wie leicht verwandeln sie sich nicht, wenn du es willst, in Freuden! Die Last, die du mir auferlegt, kann mich nicht niederdruͤcken; wenn sie mein Herz nur willig traͤgt, wirst du mich bald beglücken. 5. Gott, deine Huͤlfe ist nicht fern, wenn man sich ganz dir weihet; du rettest, troͤstest, segnest gern den, der sich ihrer freuet. O laß mein dir ergebnes Herz auf diese Huͤlfe sehen, so werd' ich auch im groͤßten Schmerz durch dich, mein Gott! bestehen! Zuversicht Mel. Jesus, meine 460 See deine Thraͤ⸗ nensaat, from⸗ mer Dulder, hier im Glau⸗ ben! Noch so dunkel sei dein Pfad: lasse dir den Trost en, daß nach die⸗ ser nicht raub nicht 360 Pflichten gegen uns selbst. ser Dunkelheit dich ein hel⸗ les Licht erfreut. 2. Ausgerungen haben schon Viele, die im Glauben litten. Sieh', sie stehn vor Gottes Thron; ihre Krone ist erstritten. Du, auch du wirst Sieger seyn, und dich bald der Krone freun. 3. Weislich hat des Va⸗ ters Hand manches Kreuz dir auferleget. Ihm ist deine Noth bekannt; er ist's, der dich liebreich träget. Väter⸗ lich ist sein Bemühn, dich zum Himmel zu erziehn. 4. Es ist Liebe, wenn er dir Lebensglück und Freude schenket; es ist Liebe, wenn dich hier Angst und Schmerz und Kummer kränket. Gott ist Vater, mild und gut; Lieb' ist Alles, was er thut. 5. Lerne denn Gelassen⸗ heit, Unterwerfung und Ver⸗ trauen! Einst am Ziel der Prüfungszeit wirst du froh hernieder schauen auf den Weg, der durch die Nacht dich ins Land des Lichts gebracht. 6. O dann fließet ihr nicht mebr, Thränen, die ihr hier geflossen! Wie ein Strom von oben her, wird dann Trost ins Herz gegossen, und vor dem verklärten Blick schwebt des Himmels ew'ges Glück. 7. Drum sei, Dulder, unverzagt, harr' in deiner Nächte Grauen! Wann der große Morgen tagt, wirst du die Gefilde schauen, die dem Sieger offen stehn; dir die Krone winken sehn. 8. Dort verschwindet al⸗ les Leid, wie der Nebel vor der Sonne; vor dir liegt die Ewigkeit und das heil'ge Land der Wonne. In die Heimath gehst du ein, ewig selig da zu seyn. Mel. Wer nur den lieben Gott 461 8 doblthätig find der Erde Lei⸗ den. Dies glaube fest und murre nicht! Am Ende folgen ihnen Freuden; auf Nacht und Graun folgt Sonnenlicht. Drum dulde mit Gelassenheit und Muth die Leiden dieser Zeit! 2. Durch Leiden will dich Gott bewähren, entwöhnen von der Lust der Welt, zur Weisheit leiten und dich leh⸗ ren, mit Ernst zu thun, was ihm gefällt; du sollst mit kindlichem Vertraun auf ihn und seine Hülfe schaun. 3. Wirst du bei lauter Erdenfreuden und in des Glückes Sonnenschein so leicht der Thorheit Bahn vermeiden? so gern der Sünde Lockung scheun? Wird nicht, wenn nie ein Schmerz dich rührt, dein schwaches Herz gar leicht verführt? 4. Was 4. Was predigt stärker dir die Lehre: Vergänglich ist die Lust der Welt! als wenn in Trübsal manche Zähre herab von deinem Auge fällt? Was lehrt dich mehr Abhängigkeit, mehr Demuth, Gottergebenheit? 5. Wenn alle deine Stü⸗ en brechen, auf welche sich dein Arm gestützt; wenn Krankheit, Gram und Schmerz dich schwächen, und Macht und Reichthum dich nicht schützt: dann lernst du freudig Gott vertraun, und nur auf seine Hülfe baun. 6. Ja, der Allweise schickt dir Leiden, damit er dich zur Tugend führt; schafft dir durch sie selbst künft'ge Freu⸗ den, indem er dein Gewissen rührt. Verehre seine Weis⸗ heit, Christ, die strafend selbst noch Güte ist! 7. Gott will, wie gute Väter handeln, durch weise Zucht dich auferziebn; gut sollst du und unsträflich wandeln, die Welt und ihre Lüste fliehn, dich bilden in der Prüfungszeit zum Leben der Unsterblichkeit. 8. So nimm in Demuth und Vertrauen den Kelch des Leidens willig an, und walle ohne Furcht und Grauen auch auf der allerrauhsten Bahn! Ihr Ende wird dich einst erfreun, und Wonne, Ruh' und Friede seyn. Geduld und Gelassenheit im Leiden. 361 Mel. In allen meinen Thaten .(ch hab' in guten 462 A Stunden des Lebens Glück empfunden und Freuden ohne Zahl: so will ich denn gelassen mich auch in Leiden fassen; welch Le⸗ ben hat nicht seine Qual? 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, und stets strafst du gelinder, als es der Mensch verdient. Will ich, beschwert mit Schulden, kein zeitlich Weh erdulden, das doch zu meinem Besten dient? 3. Dir will ich mich er⸗ geben, nicht meine Ruh', mein Leben mehr lieben als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen, und nicht auf Men schen bauen; du hilfst und du errettest gern. Laß du mich Gnade finden, mich alle meine Sün⸗ den erkennen und bereun! Jetzt hat mein Geist noch Kräfte; sein Heil laß mein Geschäfte, dein Wort mir Trost und Leben seyn. 5. Wenn ich in Chrifto sterbe, bin ich des Himmels Erbe. Was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade vertrau' ich deiner Gnade; du, Herr, bist bei mir in der Noth. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld verehren, im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Tod bedenken. Der Herr wird Q Al⸗ — . —— ˖————— 362 Pflichten gegen uns selbst. Alles lenken, und was mir gut ist, wird geschehn. Mel. Allgegenwäͤrtiger, ich 463 n Trübsal, J Cbriß, sei unverzagt! Wann Schwer⸗ muth an dein Herz sich wagt, erheitre dein Gemüthe; du weißt, auch dich liebt väter⸗ lich der Vater aller Güte. 2. Kein Leiden kommt von ohngefähr; dein Gott schickt es dir zu, und er zeigt sich in seinen Wegen so groß von Rath, als groß von That und reich an Gnad' und Segen. 3. Der dich in Jesu herz⸗ lich liebt, sucht, wann er dich durch Kreuz betrübt, das wahre Heil der Seele; weckt dich, daß nicht zu dei⸗ ner Pflicht dir Trieb und Eifer feble. 4. Das Krenz beugt Stolz und Uebermuth; er⸗ stickt der Wollust wilde Gluth; bricht die Gewalt der Sinne; erweicht das Herz, daß Andrer Schmerz dein Mitleid leicht gewinne. 5. Auch übt das Kreuz dich in Geduld; erhöht den Werth von Gottes Huld; stärkt mächtig dein Ver⸗ trauen; lehrt im Verluft dich nun mit Lust aufs Un⸗ sichtbare schauen. 6. Der Leiden Zucht er⸗ hebt dich stets zu größrer Andacht des Gebets und stärket deinen Glauben. Weit minder kann Verfüh⸗ rung dann vir deine Krone rauben. 7. Zwar stört das Kreuz oft deine Ruh'; mit bangen Thränen säest du und unter viel Beschwerden. Christ, hoffe doch! Es wird dir noch zur reichen Aernte werden. 8. Verschmerzt ist bald ein irdisch Leid; kurz ist der Au⸗ genblick der Zeit; doch ewig, ewig währet dort dein Ge⸗ nuß, ohn Ueberdruß, wie ihn der Geist begehret. 9. Auch bleibet stets dein Gott getreu; steht dir als Vater liebreich bei; sorgt, daß er dich erquicke. Er schafft dir Rast, daß deine Last dich nie ganz nieder⸗ drücke. 10. Verbirgt er auch sein Angesichtz dies raube deinen Muth dir nicht! Gott kann sein Kind nicht hassen. Wer ihn nur liebt, sich ihm ergibt, den wir er nicht verlassen. 11. Durch Trübsal sind zu aller Zeit die Frommen in die Herrlichkeit, gleich Jesu, eingegangen. Denkst denn nur du, in träger Ruh' die Krone zu erlangen? 12. Demuͤthige dich, gleich als sie; gleich ihnen det' und zage nie: denn Gott erhört dein Flehen. Bald weicht dein 2 2 seiner Zeit wird dich dein Gott erhöhen! 1 Mel. Herzliebster a inbHerz, o Gott, 464 in Leid und Kreuz geduldig, das bin ich dir und meinem Heile schul⸗ dig. Laß mich die Pflicht, die wir so oft vergessen, täglich ermessen. 2. Bin ich nicht Staub, wie alle meine Väter? Bin ich vor dir, Herr, nicht ein Uebertreter? Thu ich zu viel, wenn ich die schweren Tage standhaft ertrage? 3. Wie oft, o Gott, wann wir das Böse dulden, er⸗ dulden wir nur unsrer Thor⸗ heit Schulden, und nennen Lohn, den wir verdient be⸗ kommen, Trübsal der From⸗ men. 4. Ist Dürftigkeit, in der die Trägen klagen, sind Haß und Pein, die Stolz und Wollust tragen, des Schwel⸗ gers Schmerz, des Neids vermißte Freuden, des Chri⸗ sten Leiden? 5. If deren Qual, die deinen Rath verachtet, nach Gottesfurcht und Glauben nie getrachtet, und die nun büßen ihrer Thorheit Freu⸗ den, christliches Leiden? 6. Doch selbst, o Gott, in Strafen unsrer Sünden läßt du den Weg zu unserm Heil uns finden, wenn wir Jesu und Gelassenheit im Leiden. 363 sie uns, die Missethat zu hassen, züchtigen lassen. 7. Streb' ich nur nach dem Frieden im Gewissen, wird Alles mir zum Besten dienen müssen. Du, Herr, regierst und ewig wirkt dein Wille Gutes die Fülle. 8. Ich bin ein Gast und Pilger auf der Erden; nicht hier, erst dort, dort soll ich glücklich werden; und was sind gegen euch, ihr ew'gen Freuden, dieser Zeit Leiden? 9. Wenn ich nur nicht mein Elend selbst verschulde, wenn ich als Christ gelassen leid' und dulde; so kann ich mich der Hülfe der Erlösten sicher getrösten. 10. Ich bin ein Mensch, und Leiden müssen kränken; doch in der Noth an seinen Schöpfer denken, und ihm vertraun, dies stärket unsre Herzen mitten in Schmer⸗ zen. 11. Schau' über dich! Wer trägt der Himmel Heere? Merk' auf! Wer spricht: Bis hierher! zu dem Meere? Ist er nicht auch dein Helfer und Berather, dein bester Vater? 12. Willst du so viel, als ver Allweise, wissen? Jetzt weißt du nicht, warum du leiden müssen; allein du wirst, was seine Wege wa⸗ ren, nachmals erfahren. 13. Er züchtigt uns, da⸗ mit wir zu ihm nahen, die Q 2 Hei⸗ 364 Heiligung des Geistes zu empfaphen, und mit dem Trost der Hülfe, die wir merken, Andre zu stärken. 14. Das Kreuz des Herrn wirkt Weisheit und Erfah⸗ rung; Erfahrung gibt dem Glauben Muth und Nah⸗ rung. Ein starkes Herz steht in der Noth noch feste. Hoffe das Beste! Mel. Wer nur den lieben Gott 465 Hroß ist der Herr! Die Berge zit⸗ tern vor seiner Gottesma⸗ jestät, wenn er in dunkeln Ungewittern, der Heilige, vorübergeht. Doch Liebe strömt aus seiner Hand in vollen Wolken auf das Land. 2. Vom Raum, wo sich der Halm entfaltet, bis zu der letzten Sonn' hinaus, herscht sein Gesetz; als Va⸗ ter waltet er durch das große Weltenhaus. Der Leben gibt und Freude schafft, mit Liebe waltet er und Kraft. 3. Was dich auch drückt, mein Herz, er rettet! Ver⸗ traun zu ihm ist deine Pflicht. Er, der den Wurm im Lager bettet, der Gott verläßt den Menschen nicht. Der so viel gibt und mehr verheißt, erhebe dankend ihn, mein Geist! 2 Vermiß dich nicht, mit ihm zu rechten; mit Demuth nahe dich dem Herrn! In Pflichten gegen uns selbst. trauervollen Mitternächten ist dir der Ewige nicht fern. Mit deinem Leiden, deinem Harm wirf seiner Huld dich in den Arm! 5. O schwinge dich empor vom Staube, verfinstern deine Tage sich; zu ihm blick auf, und bei' und glaube: versagend selbst erhört er dich; doch nie enthüllt die Ungeduld das heil'ge Dun⸗ kel seiner Huld! 6. Gott fehlet nicht! O Seele, thue, was dir ge⸗ bührt, sei from und gut! Versage dir nicht diese Ruhe; aus ihr erwacht der hohe Muth, der, wenn das Unglück uns umstürmt, uns rettet, tröstet, hebt und schirmt. 7. Vertraue Gottes Va⸗ terhänden, wenn er den frömmsten Wunsch versagt; was hier beginnt, wird dort vollenden, wo dir ein neues Leben tagt. Es ruhn im engen Raum der Zeit die Keime deiner Ewigkeit. Mel. Wann mein Stündlein 4 ir trocknen un⸗ 466 sre Thränen ab: erhebet euch, Gefühle! Wir schauen vorwärts auf das Grab und weiter hin zum Ziele; und drückt uns auch die größte Noth, aus allen Leiden führt der Tod, wir wollen nicht verzagin * 2. Und wären wir auch noch so arm und hätten Nichts als Sorgen, und Mangel, Blöße, Frost und Harm, und ach! kein Brod für morgen; zur Weisheit führt des Lebens Noth, und Glück und Fülle bringt der Tod; wir wollen nicht ver⸗ zagen! 3. Und wären wir auch noch so krank; zur Tugend führen Schmerzen. Für je⸗ des Leiden Preis und Dank! Erbebt euch, bange Herzen! Durch immer wechselndes Geschick zieht Gott uns zu des Himmels Glück: wir wollen nicht verzagen! 4. Wir blicken auf so man⸗ ches Grab geliebter Men⸗ schen nieder, und manche Thräne rollt hinab; doch Eins erhebt uns wieder: Gott Lob, sie sind im Vater⸗ land. Was hier zerstäubt, war nur Gewand. Wir wollen nicht verzagen. 5. Sie wandeln dort auf höbrer Bahn, sie blüb'n in neuer Jugend: wie frei ist nun ihr Geist von Wahn wie lauter ihre Tugend! Drückt uns auch mancher heiße Tag; sie gingen vor, wir kommen nach. Wir wollen nicht verzagen! 6. Das Leid, das schmerz⸗ lich uns zerreißt. veredelt die efühle: es stärkt und läu⸗ tert unsern Geist, und führt Geduld und Gelassenheit im Leiden. 365 empor zum Ziele. Wir trock⸗ nen uns're Thränen ab, und schauen über Tod und Grab, und wollen nicht verzagen! Mel. Jesu, meine Freude 22 scbrist, aus dei⸗ 467 C nem Herzen banne Gram und Schmer⸗ zen! Fasse neuen Muth! Wenn schon Kreuz dich drük⸗ ket: Gott ist's, der es schik⸗ ket; was er schickt, ist gut. Wenn dich Noth ringsum bedroht, Sorgen stets mit dir erwachen: doch wird's Gott wohl machen. 2. Ist der Himmel trübe; wankt der Freunde Liebe; stehst du wie verwaist; schreckt mit jedem Tage eine neue Plage den bedrängten Geist; weicht das Glück auch stets zurück, scheint's dich nie mehr anzulachen: doch wird's Gott wobl machen. 3. Bürden bz inebmen; dazu dient kein Grämen: Gram sei dir verhaßt! Un⸗ geduld macht Bürden, die dir leicht seyn würden, erst zur Felsenlast. Za jend Herz, besieg' den Schmerz! Drückt die Bürde gleich den Schwa⸗ chen: doch wird's Gott wohl machen. 4. Du fübhrst Christi Na⸗ men; treu ihm nachzuah⸗ men, das ist deine Pflicht. Werde nicht erschüttert, wenn die Erde zittert und der ———— 5 366 der Himmel steht fest, wer Gott nicht läßt. Laß rings um dich Wetter krachen: doch wird's Gott wohl machen. 5. Herrlich ist die Krone, die der Christ zum Lohne seines Kampfs empfängt. Nur nicht selbst verschuldet, und dann froh erduldet, was dein Gott verhängt! Steh' als Held vor aller Welt! Mag sie deiner Hoff⸗ nung lachen: doch wird's Gott wohl machen. 6. Dabei soll es bleiben! Nie will ich mich sträuben, Gott getreu zu seyn. Stets, im Tod und Leben, bleib' ich ihm ergeben; ich bin sein, er mein. Was er will, sei stets mein Ziel! Er weiß, alle meine Sachen ewig wohl zu machen. bricht! Der In eigner Melodie. TDollt' es gleich 468— bisweilen scheinen, als verließ' der Herr die Seinen; auch in Sturm und Finsterniß glaub' ich doch: Er hilft gewiß! 2. Wird die Huͤlfe gleich verschoben, sieht er doch mein Leid von oben. Hilft Gott nicht zu jeder Frist; hilft er doch, wann's nö⸗ thig ist. 3. Pflegen Väter stets zu geben, wornach ihre Kinder ftreben? Weis' ist Gott, ich Pflichten gegen uns selbst. harre still; er gibt, wann und wie er will. 4. Kann ich, ist die Noth am größten, mich doch na⸗ her Hülfe trösten: er ist ge⸗ gen mich, sein Kind, mehr als väterlich gefinnt. 5. Laß den Feind mir bange machen: Gott, mein Schutz, wird für mich wa⸗ chen! Schwer sei meines Kreuzes Joch: Gott, mein Vater, lebet noch. 6. Fließt so manche stille Thräne, wenn ich mich nach Ruhe sehne: jede, die mein Auge weint, zählt der treue Menschenfreund. 7. Werd' ich gleich ver⸗ folgt vom Neide; leb' mit Bösen ich im Streite; folgt mir Spott und Lästrung nach: Gott tilgt alle Noth und Schmach. 8. Will mich auch die Welt vertreiben, muß mir doch der Himmel bleiben. Dort folgt Ruhe nach dem Krieg, und die Palme schmückt den Sieg. 9. Ich will gern das Eitle lassen; Fürst und Bettler muß erblassen; Glück ver⸗ schimmert, und der Tod führt den Dulder aus der Noth. a 10. Ach Herr, wenn ich dich nur habe, fehlt mir keine gute Gabe! Aus der Welt durchs dunkle Grab führt zum Himmel mich dein Stad. J In eigener Melodie. .„Nzarum sollt' ich 469 W mich denn grä⸗ men? Hab' ich doch Chri⸗ stum noch. Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beige⸗ legt im Glauben? 2. Nichts bracht' ich in dieses Leben, da es mir einst allhier ward von Gott gegeben. Nichts nehm' ich mit von der Erde, wann ich sie, nach viel Müh', einst verlassen werde. 3. Gut und Blut, Leib, Seel' und Leben ist nicht mein; Gott allein hat es mir gegeben. Soll ich es ihm wiedergeben, geb' ich's hin, preise ihn, blick' aufs beßre Leben. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt ber⸗ ein Angst und Pein: sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird's auch wen⸗ den; er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. 5. Gott hat mich bei gu⸗ ten Tagen oft ergötzt; sollt' ich jetzt nicht auch Etwas tragen? Liebt er mich drum doch nicht minder! Nie zu schwer züchtigt er seine treuen Kinder! 6. Stolz, Haß, Neid und bre Rotten können mir Nichts mehr hier thun, als meiner spotten. Laß sie Geduld und Gelassenheit im Leiden. 367 spotten, laß sie lachen! Gott, mein Heil, wird in Eil' sie zu Schanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, seinem Gott ver⸗ trauen. Was sollt' er zu schmerzlich finden? Selbst den Tod hilft ihm Gott freudig überwinden. 8. Kann mich doch der Tod nicht tödten; nein, er reißt meinen Geist aus viel tausend Nöthen; endet die⸗ ses Lebens Leiden, und gibt mir einst dafür alle Him⸗ melsfreuden. 9. O dann wird an hö⸗ hern Schätzen Geist und Herz, frei von Schmerz, ewig sich ergötzen. Bleibend Gut ist nicht zu finden in der Welt, sie enthält Güter, die verschwinden. 10. Sind nicht dieses Le⸗ bens Güter Unbestand, eit⸗ ler Tand, Lasten der Gemü⸗ ther? Dort, dort sind die edlern Gaben; denn mein Hirt, Christus, wird dort mich ewig laben. 11. Herr, mein Heil, Quell aller Freuden, du bist mein, ich bin dein! Nie⸗ mand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut mir zu Gut in den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein Licht, aus dem Her⸗ Q 4 zen 368 Pflichten gegen uns selbst. zen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, wo du mich und ich dich ewig werd' umfangen. In eigener Melodie. oa Mas Gott thut, 4 70 W̃᷑ das ist wohl⸗ gethan! Voll Weisbeit ist sein Wille. Ihn bete ich in Demuth an, und halt' ihm kindlich stille. Er ist mein Gott, der in der Noth mich wohl weiß zu erhalten; drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Sein Wort kann ja nicht trügen; er füh⸗ ret mich auf rechter Bahn zum seligsten Vergnügen. Trost und Geduld gibt seine Huld: er wird mein Unglück wenden; es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Er wird mich wohl bedenken; wenn ich mir selbst nicht helfen kann, wird er mir Hülfe schenken. Ja seine Treu ist täglich neu: drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Er ist mein Licht und Leben, der nie mein Unglück wollen kann: ibm will ich mich ergeben in Freud' und Leid. Es kommt die Zeit, da öffentlich er⸗ scheinet, wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Muß ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, laß ich mich doch nicht schrecken; weil mich zuletzt mein Gott ergötzt mit süßem Trost im Herzen: da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben: so wird Gott mich doch väter⸗ lich in seinem Schutz erhal⸗ ten. Drum laß ich ihn nut walten. In eigener Melodie. 47 1 Wos mein Gott 5 will, gescheh allzeit! Sein Will' ist flets der beste. Zu helfen ist er dem bereit, der an ihn glau⸗ bet feste. Der treue Gott hilft in der Noth und züch⸗ tiget mit Maßen. Wer ihm vertraut, fest auf ihn baut, den wird er nie verlassen. 2. Er ist mir Trost und Zuversicht, Rah', Hoffnung Freude, Leben: drum, was er will, dem will ich nicht un⸗ muthig widerstreben. Sein Wort ist wahr: er hat mein Haar auf meinem Haupt gezählet! Des Höchsten Macht, die für mich wacht, gibt gibt mir stets, was mir fehlet. 3. Wann es sein Wille mir gebeut, das Leben zu verlassen: so will ich voll Ergebenheit in seinem Rath mich fassen. Dir, Gott, befehl' ich meine Seel' in meinen letzten Stunden; dein Sohn, o Gott, hat Höll' und Tod für mich auch überwunden. Mel. Wer nur den lieben Gott 5 as ist mein Le⸗ 472 W̃ ben auf der Erde? Ein Wechsel ist's, von Freud' und Leid. Hier stört oft Unruh und Beschwerde mein Wohl und meine Hei⸗ terkeit; bier wohn' ich noch in einer Welt die kein voll⸗ kommnes Glück enthält. 2. Weß soll ich mich, o Herr, denn trösten? Nur deiner Huld. Du bist mein Heil, und bleibst, wenn auch die Noth am größten, doch meines Herzens Trost und Theil; und stehst nach dei⸗ ner Vatertreu' mir stets mit Rath und Hülfe bei. 3. Du stärkst mir unter aller Plage, o Gott, auf mein Gebet den Muth, daß ich gelassen sie ertrage, und machest endlich Alles gut. Auf Kummer folgt zufried⸗ zer Dank, auf Klagen fro⸗ her Lobgesang. 4. Erwarte nicht beständ'⸗ Geduld und Gelassenheit im Leiden. 369 ge Freuden, mein Geist, in deinem Uebungsstand; denn bliebst du frei von allen Lei⸗ den, wie würde deine Treu' erkannt? Vollkommne Ruh' und Sicherheit ist nur ein Glück der Ewigkeit. 5. Was bist du denn, o meine Seele, in deiner Noth so kummervoll? Vertraue Gott! Nur ihn erwähle zu deinem Troff: er schützt dein Wohl. Einst dankst du ihm nach der Gefahr, daß er dein Gott und Retter war. 6. Er wird es seyn! Ruf' in Gefahren ihn gläubig nur als Helfer an! Er weiß dich mächtig zu be⸗ wahren, und da, wo Nie⸗ mand helfen kann, fehlt ihm die Kraft, zu helfen, nicht! Dies stärke deine Zuversicht! 7. Befiehl dich seiner Vaterpflege; hoff und ver⸗ trau' ihm allezeit! Auch auf dem allerrauhsten Wege sieh fröhlich hin zur Ewigkeit; da wirst du, frei von aller Pein, ganz selig, ganz zu⸗ frieden seyn. 8. So laß mich, Gott, stets dahin schauen und dann mit starkem Muth auf dich auch in der größten Noth vertrauen! Du bist bei mir, dies stärke mich! Wer dessen stets versichert ist, der lebt und ftirbt getrost als Christ! Q 5 In In eigner Melodie — Herr, mein 473 O Gott, durch den ich bin und lebe, gib, daß ich mich in deinen Rath ergebe; laß ewig deinen Willen mein, und was du thust, mir theuer seyn! 2. Du, du regierst, bist Weisheit, Lieb' und Stärke. Du, Herr, erbarmst dich aller deiner Werke. Was zag' ich einen Augenblick? Du bist mein Gott, und willst mein Glück. 3. Von Ewigkeit hast du mein Loos entschieden. Was du bestimmst, das dient zu meinem Frieden. Du wogst mein Glück, du wogst mein Leid, und was du schickst, ist Seligkeit. 4. Gefällt es dir: so müsse keine Plage sich zu mir nah'n; gib mir zufriedne Tage. Allein verwehrt s mein ewig Heil: so bleibe nur dein Trost mein Theil. 5. Du gibst aus Huld uns dieser Erde Freuden; aus gleicher Huld verhängst du Unsre Leiden. Ist nur mein Weh' nicht meine Schuld: so zag' ich nicht. Du gibst Geduld. 6. Soll ich ein Glück, das du mir gabst, verlieren, und willst du, Gott, mich rauhe Wege führen: so wirst du, denn du hörst mein Fleh'n, Pflichten gegen uns selbst. mir dennoch eine Hülf' er⸗ seh'n. 7. Vielleicht muß ich nach wenig Tagen sterben. Herr, wie du willst! Soll ich den Himmel erben, und dieser ist im Glauben mein, wie kann der Tod mir schrecklich seyn? Mel. In allen meinen Thaten. 474 Wos isf s, daß ich mich quäle, Harr' Seiner, meine Seele, barr und kei unverzagt! Du weißt nicht, was dir nützet; Gott weiß es, und Gott schützet, er schützet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine Tage, mein Glück und meine Plage eh' ich die Welt noch sah. Eh ich mich selbst noch kannte, eh' ich ihn Vater nannte, war er mir schon mit Hülfe nah. 3. Die kleinste meiner Sorgen ist dem Gott nicht verborgen, der Alles sieht und hält; und was er mir beschieden, das dient zu mei⸗ nem Frieden, wär's auch die größte Last der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Er⸗ den, um glücklich hier zu werden; die Lust der Welt vergeht Ich lebe hier, im Segen den Grund zum Glück zu legen, das ewig, wie mein Geist, besteht. 5. Was dieses Glück ver⸗ mebret, sei mir von dir ge⸗ währet! Gott, du gewähre e es gern. Was dieses Glück verletzet, wenn's alle Welt auch schͤtzet, sei, Herr, mein Gott, mir ewig fern! 6. Sind auch der Krank⸗ beit Plagen, der Mangel schwer zu tragen, noch schwe⸗ rer Haß und Spott: so barr' ich, und bin stille zu Gott; denn nicht mein Wille, dein Wille nur gescheh', o Gott! 7. Du bist der Müden Stärke, und aller deiner Werke erbarmst du ewig dich. Was kann mir wider⸗ fabren, wenn Gott mich will bewahren? Und er, mein Gott, bewahret mich! Mel. Schon ist der Tag von G. 475 Wenn gleich aus tiefer Mitter⸗ nacht Gewitter um mich bliz · ten, so zag' ich nicht: mein Vater wacht, er wacht und wird mich schützen Die Gü⸗ te, die mich werden hieß, die den Bedrängten nie verließ, die wird mich nie verlassen 2. Sein Auge schaut auf meinen Schmerz, und seine Blicke zählen die Sorgen, die mein armes erz mit Angst uad Kummer quälen. Er sandte mir das Leiden zu, daß nicht mein Herz in folzer Ruh' des Ewigen vergesse. 3. Gesegnet sind die Lei⸗ den mir, die mich der Welt entziehen, mich lehren, Gott, allein zu dir nach Geduld und Gelassenheit im Leiden. 371 Trost und Hülfe fliehen. Ich weiß, einst bringst du meinem Blick der Sonne sanftes Licht zurück, das Dunkel mir verhüllet. 4. Wie will ich dann, vom Schmerz befreit, Herr, dei⸗ ne Huld erheben; wie freu⸗ dig dir selbst für das Leid Lob, Preis und Ehre geben! Wohl denen, die dem Herrn vertrau'n, und ihre Hoff⸗ nung auf ihn bau'n! Nie werden sie zu Schanden. In allen meinen Thaten 476 Wil wic„ 0 Gott, hie⸗ nieden des Lebens Last ermü⸗ den, so stärke meinen Geist! Wann mich die Leiden krän⸗ ken so laß mich wohl be⸗ denken: auch das sei gut, was Trübsal heißt! 2. Nicht ewig soll sie wäh⸗ ren; oft werden unsre Zäh⸗ ren schnell von dir abge⸗ wischt. Und seufzen wir: Wie lange ist meiner Seele bange! so wird mit Trost das Herz erfrischt. 3. Dir wendest solche Bür⸗ den, die uns erdrücken wür⸗ den, Gott, gnädig von uns ab. Du siehst bei unsern Plagen auch auf die Kraft zu tragen, die deine Hand uns selber gab. 4. Dein väterlich Bemü⸗ hen will deine Kinder ziehen, zu thun, was dir gefällt. 6 Du 372 Pflichten gegen den Nächsten. Du willst die Lüste schwä⸗ chen, den eignen Willen brechen, uns bilden für die bessre Welt. 5. Du willst den Eifer mehren, geborsam dich zu ehren mit Glauben und Ge⸗ duld; daß, wenn uns Feinde hassen und Freunde uns ver⸗ lassen, wir stets vertrauen deiner Huld. 6. Was will uns, Herr, auch scheiden von dir und jinen Freuden, die du für uns ersehn? Wir leben oder sterben, so wird uns, dei⸗ nen Erben, des Himmels Wonne nicht entgebn. 7. Zu jenem bessern Leben willst du auch mich erheben; der Tod ist mein Gewinn. Muß gleich mein Leib ver⸗ wesen, wirb doch mein Geist genesen, er eilt zu seinem Schöpfer hin. 8 O drücke meinem Her⸗ zen bei Sorgen, Gram und Schmerzen dies doch auf's tiefste ein: der, den du, Vater, liebest, kann, wenn du ihn betrübest, doch nie⸗ mals unglückselig seyn. Allgemeine Men⸗ schenliebe. Mel. Schwing' dich auf zu 22 eilig, heilig ist 4 14 Hbdas Band, das die Menschen bindet; ist geknüpft von dessen Hand, der die Welt gegründet; ist geknüpft, daß besser mir seine Welt gefalle! Einen Schöpfer haben wir, Einen Vater Alle; 2. Einen Vater; Einen Gott, der uns Alle liebet, der uns täglich unser Brod, Kraft und Freude giebet; der nicht nur mit Freundlichkeit schaut auf Fürstenthronen, der auch segnet und erfreut, die in Hütten wohnen. 3. Wohl mir! Auch auf mich, sein Kind, blickt er, freundlich nieder. Nah und fern die Menschen sind alle meine Brüder. Froh und herzlich sollen wir uns ein⸗ ander lieben; wohltbun, Elend mildern hier, Keinen je betrüben. 4. Und ich fühlte keinen Schmerz bei des Bruders Leiden? Kalt und fübllos blieb' mein Herz bei des Bru⸗ ders Freuden 2 Und es sollt in meiner Bruß Stolz und Haß entbrennen? Könnt' ich dann wohl Gott mit Lust meinen Va'er nennen? 5. Brüder, nein, dies Herz soll nie sich vor euch verschließen; immer will ich Sorg' und Müh' liebreich euch versüßen. Alle, Alle leben wir, um uns zu be⸗ glücken; und ihr seid nur theurer mir, wenn euch Lei⸗ den drücken.' 6. Immer will ich, ich i ich kann, sie euch helfen tra⸗ gen; kann ich's nicht, euch trösten dann, trösten, mit euch klagen. Dann sollt ihr an meiner Brust euren Gram verweinen, bis die Sonne neue Lust euch in's Herz wird scheinen. 7. O gewiß, dann werdet ihr froh den Vater preisen, und auch Duldern gern mit mir hülfreich euch erweisen; werdet, süßer Trost! auch mich, wenn mich Leiden drü⸗ cken, mitleidsvoll und brü⸗ derlich trösten und erquicken. Mel. Jesus, meine Zuversicht 12 llen Christen 478 2 und auch mir hat der Herr dies vorge⸗ schrieben: Euren Nächften sollet ihr, als euch selbst, von Herzen lieben! Heilig sei uns allezeit, was der Herr uns bier gebeut! 2. Wir sind Bürger Einer Welt, Kinder Eines Va⸗ ters, Brüder, die er huld⸗ reich All erhält; Alle Ei⸗ nes Leibes Glieder, die sein weiser Allmachtsruf Alle, sich zu lieben, schuf. 3. Eine sterbliche Natur hat er Allen uns gegeben, und auch Eine Hoffnung nur: Hoffnung auf ein beßres Leben, wenn wir hier in dieser Welt redlich thun, was ihm gefällt 4. Und wir sollten uns Allgemeine Menschenliebe. 373 entzwei'n? lieblos uns ein⸗ ander hassen? Uns, zu un⸗ srer eignen Pein, Stolz und Neid beberrschen lassen 2 Wer kein Freund des Näch⸗ ssen ist, ist fürwahr kein Mensch, kein Christ. 5. Was wir auch aus Got⸗ tes Hand reichlicher als An⸗ dre haben: Ansehn, Reich⸗ thum, hoher Stand, Leides⸗ kräfte, Geistesgaben, Alles dies befreit uns nicht von der Menschenliebe Pflicht. 6. Nein, der Gaben Un⸗ terschied knüpft das große Band auf Erden, und wobl dem, der sich bemüht, nütz⸗ lich, wie er kann, zu wer⸗ den; sich der Menschheit Dienst zu weib'n, auch im Kleinsten treu zu sepn 7. Darum gib uns, Gott, ein Herz, voll von wahrer Menschenliede, das an An⸗ drer Freud' und Schmerz Antheil nehm' und gern das übe, was der Liebe Pflicht begehrt, wie sie uns dein Sohn erklärt. 8. Diesem großen Men⸗ schenfreund laßt uns Alle ähnlich werden, daß wir, hier mit ihm vereint nach vollbrachtem Lauf auf Erden, dort verklärt, auf ewig sein, seiner Lieb uns ganz erfreun! In eigener Melodie. 12 enschenfreund, 4 79 M nach deinem Q 7 Bil⸗ 374 Pflichten gegen den Nächsten. Bilde bilde sich mein ganzer Sinn! Deine Sanftmuth, deine Milde neig' auch mich zur Güte hin! Unwerth wär' ich, dich zu kennen, liebt» ich meine Brüder nicht; unwerth, mich nach dir zu nennen, wich' ich von der Liebe Pflicht! 2. Wo du, Jesu, Men⸗ schen nahtest, folgte Wohl thun deiner Spur; wo du segnend Gutes thatest, in den Hütten, auf der Flur, an dem Lager kranker Brü der, wo du je nur hinge⸗ blickt, kehrte Freud und Hoffnung wieder, und die Menschbeit ward erqquickt 3. Menschenfreundlichster von Allen, Keinen hast du je verschmäht. Wer verirrt war und gefallen, wer um Trost zu dir gefleht, hat für alle seine Wunden, Herr. in deiner treuen Hand Rettung, Heil und Trost gefunden, Hülfe, wie er nirgends fand. 4. Brüder, kommt in meine Arme; wer da leidet, ruhe bier! Wenn ich sein mich nicht erbarme, wende sich mein Gott von mir! Oyne Liebe ist kein Leben; liebend nur gleich ich dem Herrn: sein Verschonen, sein Vergeben, o mein Herz, stets üb' es gern! 5. Ob mich auch mein Nächster kräaket: Jesus, denk' ich, litt wohl mehr. Ob er Böses von mir denket: besser will ich seyn, als er. Wenn mir Jemand Gram bereitet, irrt vielleicht nur sein Verstand, und ich reich ihm, wenn er gleitet, den⸗ noch liebreich meine Hand. 6. Nimmer soll mein Herz ermüden, reiner Liebe sich zu weih'n! O es schafft so süßen Frieden woblzuthun und zu erfreun? Wer nach Dank und Lohn nur ringet, hat schon seinen Lohn da⸗ hin; wen das Herz zur Liebe dringet, ärntet dauernden Gewinn. 7. Zwar der Wehmuth Zähr' enkfließet dem, der reiche Sat gestreut, wenn der Hoffnung Feld nicht sprießet, oder wenig Frucht ihm beut; doch des Segens seiner Güte freut er einst sich, wir's auch spät; endlich, Heil uns! steigt zur Blüthe, was die Liebe ausgesät. Mel. O Gott, du frommer Gott 480 G⁰ mir, o Gott, ein Perz, das jeden Menschen liebet, bei seinem Wohl sich freut, bei seiner Noth betrübet: ein Herz, das Eigenautz und Neid und Härte flieht, und sich um Andrer Glück als um sein Gluck bemüht! 2. Seb' ich den Dürfti⸗ gen, so laß mich gütig etlen, von dem, was du mir gibst, ihm ihm hülfreich mitzutheilen; nicht aus dem eitlen Trieb, groß vor der Welt zu seyn, und mich verehrt zu sehn; nein, Menschen zu erfreun. 3. Dies sei mein Gottes⸗ dienst! Auch unbemerkt von ihnen, müss' Andern stets mein Herz mit Rath und Hülfe dienen! Mich treibe nicht erst Dank zu milder Wohlthat an; nein, was ich Brüdern thu', das sei dir, Gott, gethan. 4. Ein Trunk, mit dem mein Dienst dem Durstigen begegnet; ein Blick voll Trost, mit dem mein Herz Bedrängte segnet; ein Rath, mit dem mein Mund in Kum mer Andre stärkt: Nichts bleibt, so klein es ist, von dir, Herr, unbemerkt. 5. Eilt wo ein boshaft Herz Unfrieden anzurichten, so laß mich sorgsam seyn, der Brüder Zwist zu schlichten. Aus Schmähsucht kräyke nie mein Mund des Nächsten Ruh'; er rühme sein Ver⸗ dienst, deck' seine Febler zu! 6. Die Rach' ist dein, o Gott, du sprichst: Ich will vergelten. Drum laß mich stille seyn, wenn Menschen auf mich lten! Gib, daß ich dem verzeib', der mir zu schaden sucht, den liebe, der mich haßt, den segne, der mir flucht! 7. Doch laß mich nicht Allgemeine Menschenliebe. 375 allein auf zeitlich Wohl⸗ ergehen mit eingeschränktem Blick bei meinem Nächsten sehen! Noch stärker müsse mich sein ewig Glück er⸗ freun, noch mehr sein See⸗ lenheil mir angelegen seyn! 8. Den, der im Glauben wankt, im Glauben zu be⸗ ffärken, den, der noch sicher ist bei seines Fleisches Wer⸗ ken, von der verkehrten Bahn des Lasters abzuziehn, dazu verleih' mir Kraft und segne mein Bemühn! 9. O heilige du selbst, Herr, meiner Seele Triebe, durch deine Lieb' und Furcht zu wahrer Menschenliebe! Wer nicht den Nächsten liebt, geht nicht zum Him⸗ mel ein. Laß diese Wahr⸗ heit, Gott, mir stets vor Augen seyn! Mel. Wer nur den lieben Gott Nereinigt laßt 481 V uns Gutes wirken! O Thristen, füget Hand in Hand! Es schlin⸗ ge sich um unsre Herzen der Menschenliebe sanftes Band; und Jeder liebe Recht und Pflicht, bis einst sein Aug' im Tode bricht! 2. Wir sind ja Eines Va⸗ ters Kinder, in jedem Stan⸗ de vor ihm gleich; sind ohne Unterschied hier Brüder, wir mögen arm seyn, oder reich. In Eintracht sollen wir 376 wir uns freun, einander Hülf' und Beistand seyn. 3. So schlage denn für Menschenfreude, für Men⸗ schenwohl auch unser Herz! und leidet irgendwo ein Armer, gemildert sei durch uns sein Schmerz. Sein beitrer, dankerfüllter Blick erhöhet unser eignes Glück. O Wonne, Menschen glücklich machen! O Won⸗ ne, Menschen glücklich sehn! Durch sie wird Gottes schöne Erde dem Herzen noch ein⸗ mal so schön. Ja, eine freu⸗ denreichre Pflicht, als Men⸗ schenliebe, gibt es nicht. 5. Erscheint des Todes ernste Stunde dir, Men⸗ schenfreund, so naht mit ihr ein Engel Gottes und ver⸗ kündigt den Lohn der Men⸗ schenliebe dir. Des Grabes Nacht wird dir erhellt; du sä'test für die beßre Welt. 6. Ja, Christen, wer sein Herz hienieden der wahren Menschenliebe weiht, der streut zu einer reichen Aernte den Samen für die Ewig⸗ keit. O laßt uns diesen Samen streun! O laßt uns Menschenfreunde seyn! Mel. Auf, Christenmensch 7(a) o Jemand 482 Sßberict⸗ Ich liebe Gott! und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott, Pflichten gegen den Nächsten. und handelt ganz dawider. Gott ist die Lieb' und will, daß ich den Nächsten liebe, gleich als mich. 2. Wir haben Einen Gott und Herrn, sind Eines Lei⸗ bes Glieder: drum diene deinem Nächsten gern, denn wir sind alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht blos für mich; mein Nächster ist sein Kind, wie ich. 3. Ein Heil ist unser Aller Gut. Ich sollte Brüder has⸗ sen, die Gott durch seines Sohnes Blut so hoch er⸗ kaufen lassen? Daß Gott mich schuf und mich ver⸗ sühnt, hab' ich dies mehr, als sie, verdient? 4. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, du Herr von meinen Tagen! Ich aber sollte nicht Geduld mit mei⸗ nen Brüdern tragen? dem nicht verzeih'n, dem du ver⸗ gibst, und den nicht lieben, den du liebst? 5. Was ich den Frommen hier gethan, dem Kleinsten auch von diesen, das siehst du, mein Erlöser, an, als hätt' ich's dir erwiesen. Und ich, ich sollt' ein Mensch noch seyn, und dich in Brüdern nicht erfreun? 6. Ein unbarmherziges Gericht wird über den erge⸗ hen, der nicht barmherzig ist, der nicht die retlet, die ihn flehen. Drum gib mir, Gott, Gott, durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe preist! Mitfreude und Mitleid. Mel. Mein erst Gechäft sei Preis 482(b) 9 2 du schufst mein Herz, bei meines Näch⸗ sten Freuden mich mit zu freu'n, und fühlt er Schmerz, dann auch mit ihm zu leiden. 2. O laß mich diese heil'ge Pflicht nie aus den Augen setzen, und auch an dem Geringsten nicht gering sein Wohlseyn schätzen. 3. Nie reize mich des Nächsten Glück zur Miß⸗ gunst und zum Neide; nie Andrer widriges Geschick zu niedrer Schadenfreude! 4. Hilf mir vielmehr, in Andrer Wohl, o Gott, mein eignes finden, und, wenn ich kann, auch, wie ich soll, gern ihre Wohlfahrt gründen! 5. Laß mich auch selber meinem Feind des Mitleids Thräne weihen, und ihn, wenn er im Unglück weint, mit Hülfe gern erfreuen! 6. Goit, welch ein seliger Gewinn ist dann schon auf Erden, wenn ich a dir lerne liebevollem& 1 ähnlich werden 7. Dein Beifall ist mir dann gewiß und unter dei⸗ nem Segen geh' ich dein Gerechtigkeit und Billigkeit. 377 Wort verspricht mir dies, froh jener Welt entgegen. 8. Da wirst du dann, mein Vater, mir das Glück des Himmels geben; ich werd' erfreut, belohnt von dir, im Reich der Deinen leben. Gerechtigkeit und Billigkeit. Mel. Kommt her zu mir, spricht 4 Du liebst, o Gott, 483 D Gerechtigkeit, und strafest den, der sie ent⸗ weiht, am Nächsten Unrecht übet. Du bist's, der Jedem seinen Lohn, ohn' alles An⸗ sebn der Person, nach seinen Werken giebet. 2. Gerechter Gott, laß deinen Geist zu dem, was recht und billig heißt, siets meine Seele lenken! Nie komm' es mir doch in den Sinn, aus schnöder Hab⸗ sucht, um Gewinn, des Nächsten Recht zu kränken! 3. Pflanz' Redlichkeit in meine Brust, und laß mich stets mit wahrer Lust der Liebe Pflichten üben. Ein Herz, das nur auf Unrecht denkt, nur Schaden sucht und Andre kränkt, wie kann das Brüder lieben? 4. Nie seufze Jemand über mich! Mein ganzes Herz bestrebe sich, dem Nächsten gern zu geben, was er mit Recht in 378 Recht verlangen kann, und immerfort mit Jedermann in Einigkeit zu leben! 5. Laß mich beständig da⸗ hin sehn, mit Jeglichem so umzugehn, wie ich's von ihm begehre; damit ich keines Menschen Herz durch Druck und Härte je mit Schmerz und Kümmerniß beschwere! 6. Herr, mit dem Maaß, womit ich hier dem Nächsten messe, wirst du mir dereinst auch wieder messen. Dies reize mich zur Billigkeit und lasse mich zu keiner Zeit der Liebe Pflicht vergessen! el. Alle Menschen müssen sterb. (a) ller meiner 484 A Brüder Rechte laß mir, Gott, stets heilig seyn! Wenn ich sie zu kränken dächte, ihres Kum⸗ mers mich zu freun, über sie mich zu erheben, oder mir allein zu leben; dann verletzt' ich meine Pflicht, ehrte deinen Willen nicht. 2. Könnt' ich, taub bei ihren Klagen, ihnen das aus Eigensinn oder Neid und Geiz versagen, was ich ibnen schuldig bin; könnt' ich ohne Treu' und Glauben Andern Gut und Ehre rau⸗ ben, welchen Haß verdient' ich nicht, welch ein schreck⸗ liches Gericht! 3. Nein, ich will das Un⸗ recht hassen, Recht erzeigen Pflichten gegen den Nächsten. Jedermann, Jedem geben, Jedem lassen, was er hat und fordern kann. Lieber will ich Unrecht leiden, als bege⸗ hen, und mit Freuden lieber niedrig seyn und bloß, als durch Unrecht reich und groß. 4. Würden der Bedräng⸗ ten Zähren, würden ihre Seufzer nicht Rettung, Gott, von dir begehren, und erschweren mein Gericht? Würd ich nicht einst zittern müssen? Würde nicht selbst mein Gewissen mir mit Angst und Schrecken dräun, und ihr erster Rächer seyn? 5. Eines Unterdrückten Thränen, o, wie furchtbar sind nicht die! Eh' es Un⸗ gerechte wähnen, trifft, Herr, deine Strafe sie. Und wenn du nicht eilen solltest, wenn du, Richter, säumen woll⸗ test, harrt gewiß dem Bö⸗ sewicht einst ein schreckliches Gericht. 6 Nein, ich will gerecht und billig selbst auch gegen Feinde seyn; Keinen drücken, vielmehr willig dem Belei⸗ diger verzeih n. Hab' ich Macht, ich will sie nützen, den Bedrängten zu beschü⸗ tzen; eilen, wo Verlass'ne flehn, ihnen liebreich bei⸗ zustehn. 7. Schützen will ich meine Rechte, aber sanft und mit Geduld. Wir sind alle deine Knechte; und wie broß, 1 et⸗ deine Huld! Du vergibst mir meine Schulden; sollt' ich denn kein Unrecht dulden, nicht gelind seyn, mich nicht freun, wie du, Vater, zu verzeihn? 8. Hilf mir immer richtig wandeln, und, von allem Unrecht fern, billig, scho⸗ nend, liebreich handeln, ähn⸗ lich Jesu, meinem Herrn! Du, der Richter aller Wel⸗ ten, wirst mir Alles einst vergelten, was ich meinen Brüdern that, wenn dein großer Tag sich naht! Mel. In allen meinen Thaten 484% Nadel lehren darf ich nicht stets be⸗ gehren, was vor dem Rich⸗ ter giltz nicht immer darauf dringen, den durch Gewalt zu zwingen, der meine For⸗ drung nicht erfüllt. 2. Oft mangelt's ihm an Kräften, an Fortgang in Geschäften, bei aller Thätig⸗ keit; und bei dem besten Willen kann er oft nicht er⸗ füllen, was ihm Gesetz und Pflicht gebeut. 3. Wie sollt' ich es denn wagen, dem Nachsicht zu versagen, der nicht mit Vor⸗ satz fehlt, und, taub bei seinem Flehen, es ohne Rührung sehen, wie sehr ihn meine Strenge quält? 4. Nein, lieber will ich Gerechtigkeit und Billigkeit. 379 dulden, als dessen Gram verschulden, für den sein Un⸗ glück spricht! Zur Schonung mich zu neigen, und Billig⸗ keit zu zeigen, das fordert meine Chriflenpflicht. 5. Auf seine Rechte drin⸗ gen, gewaltsam sie erzwin⸗ gen, und keine Härte scheun; sich nicht der Noth des Ar⸗ men und Dürftigen erbar⸗ men, heißt: schändlich alles Recht entweihn. 6. Wenn du mit deinen Knechten, o Höchster, woll⸗ test rechten, wer könnte dann bestehn? Doch wirst du streng die richten, die, tro⸗ tzend allen Pflichten der Bil⸗ ligkeit, aufs Recht nur sehn. 7. Daß ich einst Gnade finde, laß mich, o Gott, gelinde, mild und barmher⸗ zig seyn, mein Recht nicht übertreiben, und immer bil⸗ lig bleiben von aller Streng und Härte rein! Mel. Gott des Himmels und (e) Nichte nicht 484 R mit harter Strenge, wenn du Andre fehlen siehst! Groß ist auch der Fehler Menge, die du selber noch nicht fliehst. Sei bedachtsam, richte nicht! Schonung ist des Christen Pflicht. 2. Siehst du stets die tie⸗ fern Gründe von des Näch⸗ fren Handlung ein? Ist auch, 380 Pflichten gegen den Nächsten. auch, was du tadelst, Sünde? oder trüget dich der Schein? Urtheilst du gewissenhaft? oder reizt dich Leidenschaft? 3. Hast du auch in seiner Jugend stets den Blick ihm zugewandt? Und die Feinde seiner Tugend, sind sie alle dir bekannt? Ach, was rechnest du ihm zu, daß er Mensch ist, so wie du? 4. Oft vollbringt er nur im Stillen, was vor Gott ihm rübhmlich bleibt; fehlt auch oft mit Widerwillen, oft nur, weil ihn Irrthum treibt; zeigt nicht Klugheit bei der Pflicht, aber Bos⸗ heit übt er nicht. 5. Christ, vergiß nicht, zu bedenken, was dein Nachster fordern kann! Ach, wie würd' es dich nicht kränken, griff' er deine Ehre an! Deiner schont ja auch der Herr; zeig' dich nachsichts voll, wie er! 6. Selbst bei wirklichem Vergehen meide mit Be⸗ scheidenheit alles unbefugte Schmähen, Härte, Spott und Bitterkeit! Menschen⸗ freundlich decke du deines Nächsten Fehler zu. 7. Mit dem reinften Her⸗ zen biete ibm die Hand zu seinem Glück! Bringe, wenn du kannst, voll Güte, aus der Irre ihn zurück! Hüte selbst dich, wenn du stebst, daß du keinen Fall begebst! 8. Siehe nicht des Näch⸗ sten Leiden gleich als Strafe Gottes an! Gonne dem er⸗ laubte Freuden, der sie noch genießen kann! Nie gib sei⸗ nen frohen Sinn scheinbar⸗ frommer Schmähsucht hin! 9. Laß die Liebe dich be⸗ seelen, die nur ungern Arg⸗ wohn hegt, und, wenn Andre wirklich feblen, ihre Fehler sanft erträgt! Meh⸗ re niemals ihren Schmerz! Rühre, beßre nur ihr Herzl 10. Gott, der Richter al⸗ ler Welten, richtet mit Ge⸗ rechtigkeit. Jedem wird er einst vergelten, wie er lebt in dieser Zeit Ueberlaß ihm das Gericht! Richte du den Nächsten nicht! Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit. M In allen meinen Thaten E(a) Qu, aller 4 35 2 Menschen 0 ster Bera⸗ ther in Allem, was uns drückt! Was wir bier Gu⸗ tes h ben, sind einzig deine Gaben; du bist's, der unser Herz erquickt 2. Du läsest von uns Sündern durch Undank nie dich bindern, uns segnend zu erfreu'n! Zu(w'gen Se⸗ ligkeiten uns Sterbliche zu leiten, wird ewig dein Ver⸗ nügen seyn s 3. Wie groß ist deine 1 de! Barmherz'ger Vater, bilde mein Herz nach deinem Sinn! Daß ich der Noth der Armen mich willig mög' erbarmen, nimm alle Härte von mir hin. 4. Gib, daß ich willig gebe; mich, wohlzuthun, bestrebe, so wie mein Hei⸗ land that, der göttliche Er⸗ barmer, den kein bedräng⸗ ter Armer vergebens je um Hülfe bat. 5. Erhalt' in mir die Trie⸗ be der mitleidsvollen Liebe! Wie du mir Gut's gethan, so laß um deinetwillen mich Andrer Nothdurft stillen, so oft ich sie nur ftillen kann! 6. Zum Fleiß in guten Werken laß mich die Hoff⸗ nung flärken: vor dir, dem Herrn der Welt, der frohe Geber liebet, sei, was man willig giebet, ein Opfer, das dir wohlgefällt! 7. Laß mich hier reichlich säen; denn das, was hier geschehen, folgt uns in jene Zeit. Wer hier den Näch⸗ sten liebet und sich im Wohl⸗ thun übet, der ärntet dort die Seligkeit. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt .(b) oblzuthun 485 W᷑ und mit⸗ zutheilen, Christen, das ver⸗ gesset nicht! Den Bedräng⸗ ten zuzueilen. Armen beizu⸗ stehn, ist Pflicht; Pflicht, Wohlthaͤtigkeit und Barmherzigkeit. 381 die Jesus selbst uns lehret, und die Gott, den Höchsten, ehret! 2. Speiset die, die Hun⸗ ger leiden, und die durstig find, die tränkt; kommt, die Nackenden zu kleiden, tröstet die, die Kummer kränkt; Schwache eilt zu unterstützen, Unterdrückte zu beschützen. 3. Nicht nur denen, die euch lieben, und zu euch um Huͤlfe flehn, Allen eilt, von Gott getrieben, nach Ver⸗ mögen beizustebn; führt zu unverhofften Freuden die auch, die im Stillen leiden! 4. Liebe sei dir keine Bürde, keine Last, beglückter Christ! Hoheit ist es, Ruhm und Würde, wenn du mild und hülfreich bist! Welch ein Ruhm für den Erlösten, arme Bruͤder Christi trösten! 5. O wie lohnt's mit sü⸗ ßen Freuden, der Verlaßnen Helfer seyn; sehn, wie sie in ihren Leiden sich, durch uns gestärkt, erfreun! Ein be⸗ trübtes Herz erquicken, schaf⸗ fet himmlisches Entzücken! 6. Heil und Glück auf unsern Wegen, innige Zu⸗ friedenheit, Huld bei Men⸗ schen, Gottes Segen folgen auf Barmherzigkeit! Was ist Mühe, was Beschwerden, wenn sie so belohnet werden! 7. Laßt uns eilen, unsre Gaben, weil es Zeit ist, aus⸗ zu⸗ 382 Pflichten gegen zustreun! Was wir hier gesäet haben, ärnten wir dort reichlich ein. Seid barmberzig; helft den Ar⸗ men! Gott wird euer fich erbarmen. Mel. Auf, Christenmensch! Mer dieser Erden 486 W᷑ Güter hat und fieht den Nächsten leiden, und macht den Hungrigen nicht satt, läßt Nackende nicht kleiden: der übertritt die erste Pflicht und liebt dich, Gott der Liebe, nicht. 2. Wer seines Nächsten Ehre schmäht und gern sie schmähen höret; sich freut, wenn sich sein Feind ver⸗ geht, und Nichts zum Besten kehret, nicht dem Verleum⸗ der widerspricht: der liebet seinen Nächsten nicht. 3. Wer zwar mit Rath, mit Trost, mit Schutz den Nächsten unterstützet, doch nur aus Stolz, aus Eigen⸗ nutz, aus Weichlichkeit ihm nützet; nicht aus Gehorsam, nicht aus Pflicht: auch der liebt seinen Nächsten nicht. 4. Wer harret, bis, ihn anzuflehn, ein Dürft'ger erst erscheinet; nicht eilt, dem Frommen beizustehn, der im Verborgnen weinet; nicht gütig forscht, ob's ihm ge⸗ bricht; auch der liebt seinen Nächsten nicht. * 5. Wer Andre, wenn er den Nächsten. sie beschirmt, mit Härt' und Vorwurf quälet, und ohne Nachsicht straft und stürmt, sobald sein Nächster fehlet: wie bleibt bei diesem Unge⸗ stüm, Gott, deine Liebe wohl bei ihm? 6. Wer für der Armen Heil und Zucht mit Rath und That nicht wachet; dem Uebel nicht zu wehren sucht, das oft sie dürftig machet; nur sorglos ihnen Gaben gibt: der hat sie wenig noch geliebt. 7. Zwar du, mein Herz, vermagst es nicht, stets durch die That zu lieben. Doch bist du nur geneigt, die Pflicht getreulich auszu⸗ üben, und wünschest dir die Kraft dazu, und sorgst da⸗ für: so liebest du. 8. Ermattet dieser Trieb in dir, so such' ihn zu bele⸗ ben! Denk' oft: Gott ist die Lieb' und mir hat er sein Bild gegeben. Ja, Höchster, was ich hab', ist dein; sollt' ich, wie du, nicht gütig seyn? Mel. O Gott, du frommer Gott 18a ie selig lebt 48— W̃᷑ ein Mensch, der Dienstbegierde kennet, und, Andern wohlzuthun, aus Menschenliebe brennet; der, wenn ihn auch kein Eid zum Dienst der Welt verbindtt, Beruf und Eid und Amt schon in sich selber find't! 2. Dir 2. Dir, Höͤchster, ahmt er nach, dir, als dein Bild, zu gleichen; durch Dienstbeflis⸗ senheit sucht er dies zu er⸗ reichen. Er hält für eignes Wobl sich nicht allein ge⸗ macht; er hält sich für die Welt von dir hervorge⸗ bracht. 3. Die Welt, denkt er, hat Recht auf meinen Dienst und Kräfte; ihr nützen, ist für mich ein seliges Geschäfte. Als Glieder schuf uns Gott, als Bürger einer Welt, in der des Einen Hand die Hand des Andern hält. 4. So denkt der Men⸗ schenfreund, und das ist sein Bestreben, so treu, als er sich lebt, zum Wohl der Welt zu leben. Ibm wird des Nächsten Heil sein eig⸗ nes Himmelreich; er fühlet fremde Noth, als träf' ihn selbst der Streich. 5. Er eilt, dem, der's be⸗ darf, mit Hülfe beizuste⸗ ben, sein Ansebn und sein Freund, sein Stand und Wohlergehen sind Mittel, die er braucht, woblthätig stets zu seyn, und auch den Leidenden gern tröstend zu erfreun. 6. Was Andrer Notbdurft heischt, das reizet seine Trie⸗ be, auch ohne Ruhm und Lohn, zu wahrer Menschen⸗ liebe. Nicht Stolz, nicht Ei⸗ gennutz treibt ihn zur Gü⸗ Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit. 383 tigkeit; er sieht auf seinen Gott, der Liebe ihm gebeut. 7. So laß mich auch ge⸗ sinnt, mein Gott, durch Chri⸗ stum werden! Voll regen Eifers sei mein Leben hier auf Erden, so nützlich als ich kann, dem Nächsten stets zu seyn; dann geh' ich einst, o Gott, ins Reich der Liebe ein. Mel. Gott des Himmels und 4 Sb) Deid barmher⸗ 48 4 Dzia. Men⸗ schen! Höret, hört das hei⸗ lige Gebot, das uns Jesus Christus lehret: Seid barm⸗ herzig, seid's, wie Gott! Gebt, so wird euch auch ge⸗ geben, was euch Noth ist, Heil und Leben. 2. So viel Menschen, so viel Brüder; Ein Gott ist's, der uns erschuf. Wir find Alle Christi Glieder; allge⸗ mein ist Gottes Ruf. Seine Sonne läßt er scheinen so den Bösen, wie den Seinen. 3. Gleicht dem Vater im Erbarmen! Seid barmher⸗ zig, seid's wie er! Gebt den Dürftigen und Armen; was ihr gebt, empfängt der Herr. Helft und eilt, auch ungesehen, euern Brüdern beizustehen! 4. Hülfreich zu Bedräng⸗ ten eilen, ihnen Schutz und Retter seyn, Kummer lin⸗ dern, Wunden heilen, wohl⸗ thun, 384 Pflichten gegen thun, trösten und erfreun, und dies thun aus edlem Triebe, das ist wahre Men⸗ schenliebe! 5. Herr, wir geben von dem Deinen, was wir ge⸗ ben; laß uns nie fühllos seyn, wo Brüder weinen: unser Mitleid tröste sie, daß, wenn wir zu dir uns naben, wir auch Trost und Hülf' empfahen! Sanftmuth, Friedlich⸗ keit, und Eintracht. In eigener Melodie. (a) ott, der du 488 G die Men⸗ schen liebest, der du nicht ein strenges Recht, sondern lauter Gnade übest an dem sündigen Geschlecht: laß mich deinen Geist beleben, daß ich, Vater, als dein Kind, liebreich sei, wie du gefinnt! Herr, du woll'st den Sinn mir geben, der bei Fehlern Nachsicht zeigt, und mit Sanftmuth spricht und schweigt. 2. Laß mich meines Näch⸗ sten schonen, ihm erleichtern seine Last, und so lang ich hier soll wohnen, bleibe Zanksucht mir verhaßt. Denn das ist, o Gott, dein Wille; Fried und Ein⸗ tracht liebest du: o so hilf auch mir dazu! Gib ein Herz mir, das die Stille den Nächsten. und den Frieden sucht und liebt, das statt Rache Sanftmuth übt! 3. O wie wird das Herz beschweret durch des Zornes Leidenschaft! Zwietracht, Zorn und Haß verzehret selbst des Stärksten Lebens⸗ kraft; kürzt den Lauf von unsern Jahren, macht zum Himmel ungeschickt. Herr, der auf mich Schwachen blickt, ach, du wollest mich bewahren, daß des Jähzorns Raserei nie des Herzens Meister sei! 4. Wer mir flucht, den will ich segnen, so wie mein Erlöser thatz will dem nach⸗ sichtsvoll begegnen, der zum Streiten Neigung hat; für die Feinde will ich beten, und vor dich, du Friedens⸗ fürst, wenn du Menschen richten wirst, ausgesöhnt mit ihnen, treten. Gott des Friedens, stärke du mich mit deiner Kraft dazu! 5. Ewig Heil ist dem be⸗ schieden, der nach frommer Eintracht strebt! Höchster, gib mir deinen Frieden, der zur Sanftmuth uns erhebt. Er regiere Herz und Sin⸗ nen; denn, wenn er das Herz regiert, wird, was zu der Zwietracht führt, niemals Uebermacht gewin⸗ nen: bis einst in der Herr⸗ lichkeit ew'ger Friede uns erfreut. Mel. Mel. Befsiehl du deine Wege (b ach frommer 488 N 1 1957 streben, mit Allen in der Welt, ist's möglich, fried⸗ lich leben, dies ists, was Gott gefällt. Doch dem nur kann's gelingen, der seinen Nächsten liebt, sich selbst weiß zu bezwingen, Belei⸗ digung vergibt. 2. Nachgebend und ge⸗ fällig, des Haders größter Feind, zeigt er sich stets gesellig, erhält sich seinen Freund. Er sucht mit Ernst zu meiden, was seine Brü⸗ der kränkt, weil er von sich bescheiden, von ihnen rühm⸗ lich denkt. 3. So oft sie Zwist erre⸗ gen, so eilet er, den Streit mit Klugheit beizulegen und stiftet Einigkeit. Der Ueber⸗ eilung Sünden entrüsten nie sein Herz er läßt sie Nach⸗ sicht finden und hemmt des Unmuths Schmerz. 4. Nie spottet er der Brü⸗ der, so viel er Witz besitzt; und zürnet nicht gleich wie⸗ der, wenn sie ihr Zorn er⸗ hitzt. Er freut sich ihrer Freuden, trotzt und erbittert nicht, und hält sich stets bescheiden, wenn mau ihm widerspricht. 5. So Fried' und Ein⸗ tracht lieben und nie durch Haß und Streit des Nächsten Tage trüben, ist Pflicht, die Sanftmuth, Friedlichkeit und Eintracht. 385 Gott gebeut. Sie, Herr, stets hoch zu schätzen, ihr ganz mein Herz zu weih'n, sie nimmer zu verletzen, soll meine Weisheit seyn! 6. Mich selbst zu überwin⸗ den, gib, Eifer, Muth und Kraft; dann werd' ich froh empfinden, welch Glück die Eintracht schafft. Von al⸗ ler Noth geschieden, werd' ich einst selig seyn, und mich in ew'gem Frieden des Lohns der Liebe freu'n! Versöhnlichkeit und Feindesliebe. Mel. Herzliebster Jesu 489 Jerr, deine Sauft⸗ muth ist nicht zu ermessen. Wie viel hast du vergeben und vergessen! Ach führe mir doch deine große Güte recht zu Gemüthe! 2. Du segnetest, die dir, Erlöser, fluchten; du heil⸗ test selbst, die dich zu fangen suchten; du zeigtest stets bei deiner Feinde Toben der Sanftmuth Proben. 3. Ach, glich' ich dir, o Heiland! ich bekenne, daß ich noch oft von schnellem Zorn entbrenne, und mich vor dir gar leicht durch eigne Rache verwerflich mache. 4. Ich muß es wehmuths⸗ voll, ach Herr, dir klagen: mein stolzes Herz kann noch so wenig tragen; wie schwer R w eiß ——— —— 386 Pflichten gegen den Nächsten. weiß ich, wenn Andere mich hassen, mich recht zu fassen! 5. Vergib mir, Herr, und wende mein Verderben! Bei Zorn und Haß läßt sich dein Reich nicht erben, und jener Tag vergilt nach strengem Rechte dem harten Knechte. 6. So hilf mir denn die Rachbegier ersticken! Laß sich dein Bild in meine Seele drücken! So werd' ich mich versöhnlich finden lassen, nicht wieder hassen. 7. Flucht mir mein Feind; so gib, daß ich ihn segne, und seinem Grimm mit Freundlichkeit begegne, daß mich das Böse, das ich dann empfinde, nicht überwinde. 8. Verleih' mir das um deiner Sanftmuth willen; so erb' ich auch im Lande deiner Stillen die Selig⸗ keit, wozu sie jenes Leben einst wird erheben. Mel. Herzliebster Jesu 490 Her mein Ver⸗ söhner, der du für mich littest, und noch zur Rechten Gottes für mich bittet, erweck in mir, du Muster wahrer Liebe, der Sanftmuth Triebe! 2. Wann hast du jemals Haß mit Haß vergolten? Du schaltst nicht wieder, als man dich gescholten. Du segnetest mit Wohlthun nicht blos Freunde, auch deine Feinde! 3. Und ich, Herr, sollte mich den Deinen nennen, und doch von Rachgier gegen Andre brennen? Ich sollte feindlich Haß mit Haß ver⸗ gelten und wieder schelten? 4. Wie kann ich: Vater! zu dem Höchsten sagen, und Groll im Herzen gegen Brü⸗ der tragen? Wie kann ich zu ihm fleh'n, mir zu ver⸗ zeihen, und Rache schreien? 5. Wer nicht vergibt, der wird für seine Sünden auch nicht bei dir, o Herr, Ver⸗ gebung finden. Dein Jün⸗ ger ist nur, wer, wie du, vergiebet und Feinde liebet. 6. So heilige denn meiner Seele Triebe, mein Heiland, durch den Geist der wahren Liebe, daß nie die unglück⸗ sel'ge Lust der Rache mich strafbar mache! 7. Wenn Brüder sich an mir worin vergehen, so lehre mich ihr Unrecht über⸗ sehen, und sollten sie mich noch so bitter kränken, an dich nur denken! 8. Erwecke dann, o Herr, in meinem Herzen auf's Neue das Gedächtniß jener Schmerzen, die du in dei⸗ nen schweren Leidensstun⸗ den für mich empfunden! 9. Laß mich mit Sauft⸗ muth meinem Feind begeg⸗ nen, den, der mir 9761 vo voll Großmuth, wie du, segnen! Herr, mache gegen Alle, die mich hassen, mein Herz gelassen. 10. Will zu der Rachsucht mich die Furcht verführen, als würd' ich sonst mein gan⸗ zes Glück verlieren: o Herr, so laß mich, ihr zu wider⸗ stehen, auf dich dann sehen! 11. Du schützest den, der redlich vor dir wandelt, und überall nach deinem Vorbild handelt. Drum laß in Allem mich schon hier auf Erden dir ähnlich werden! Mel. Christus, der ist mein ö a) ie will ich 491. N wieder flu⸗ chen, wenn mir mein Hasser flucht; nie dem zu schaden su⸗ chen, der mir zu schaden sucht. 2. Ich will ihm sanft be⸗ gegnen, nicht drohen, wenn er droht; schilt er, so will ich segnen, dies ist des Herrn Gebot. 3. Mein Jesus, der Ge⸗ rechte, vergalt die Schmach mit Huld; die Wuth er⸗ grimmter Knechte ertrug er mit Geduld. 4. Sollt' ich denn wieder schelten, da er nicht wieder schalt? nicht so den Haß vergelten, wie er den Haß vergalt? 5. Verleumdung dulden müssen, ist schwer; doch diese Pflicht wird leicht, Versöhnlichkeit und Feindesliebe. 387 wenn das Gewissen für meine Unschuld spricht. 6. Dies will ich treu be⸗ wah ren: so bessert mich mein Feind, lehrt weiser mich ver⸗ fahren, indem er's böse meint. 7. Ich will die Fehler mei⸗ den, die er von mir ersann; auch die will ich bestreiten, die er nicht wissen kann. 8. Durch Huld will ich mich rächen, an ihm das Gute seh'n, und Gutes von ihm sprechen: wie könnt' er länger schmäb'n? 9. Im Haß ihn zu ermü⸗ den, will ich ihm gern ver⸗ zeih n, und als ein Christ zum Frieden, zu Diensten willig seyn. 10. Wann, mich zu un⸗ tertreten, ihn Güte mehr erhitzt: so will ich für ihn beten, und Gott vertrau'n. Gott schützt! Mel. Auf, Christenmensch b) Merbitt're dir 491 V dein Leben nicht, o Christ, durch eigne Rache! Vergeben ist des Menschen Pflicht; vergel⸗ ten Gottes Sache. ie Sanftmuth, die sein Wort gebeut, liebt Feinde, segnet und erfreut. 2. Wahr ist's, empfindlich ist der Schmerz, Unrecht und Kränkung leiden; und den⸗ noch soll des Christen Herz Zorn, Haß und Rachsucht R 2 mei⸗ 388 Pflichten gegen den Nächsten. meiden, soll nicht sein eig⸗ ner Richter seyn, vergessen soll er und verzeih'n. 3. So schwer auch diese Pflicht dir scheint, so mußt du sie doch üben; sonst bist du nicht des Heilands Freund, der sie dir vorge⸗ schrieben. Empört dein Herz dawider sich: so sieh auf ihn; besiege dich! 4. Wer hat wohl größern Widerspruch von Sündern hier erduldet, als er, der Herr, der Schmach und Fluch von Andern nie ver⸗ schuldet? Und dennoch fleht' er langmuthsvoll zum Vater für der Feinde Wohl. 5. Ihm folgen ist dein größter Ruhm! Beleidigern verzeihen, gebietet dir das Christenthum. Dich ihres Falls nicht freuen; den, der dich schmäht, nicht wieder schmähn, gereicht dir selbst zum Wohlergehn. 6. Im Zorne denket Nie⸗ mand nach, was Gott ge⸗ fallen sollte; die Rach' ver⸗ mehret noch die Schmach, die man bestrafen wollte. Kein Schimpf wird unge⸗ scheh'n gemacht, wenn wilde Rachbegier erwacht. 7. Die Rachgier reißt der Menschlichkeit Gefühl aus deinem Herzen, zerstört des Geistes Freudigkeit, und straft mit bittern Schmer⸗ zen; sie hindert Dank, Ge⸗ bet, Vertraun, und raubt den Muth, auf Gott zu baun. 8. Durch Sanftmuth, übe nur die Pflicht! wirst du den Feind besiegen. O raube dei⸗ ner Seele nicht dies göttliche Vergnügen; dann wird der Herr auch dir verzeihn, dein Vater und Vergelter seyn! Wahrhaftigkeit, Aufrich⸗ tigkeit und Redlichkeit. Mel. Alle Menschen müssen 492 Las mich, Höch⸗ ster, darnach streben, stets der Wahrheit Freund 42 seyn! Vor dir müssen Lügner beben und dein heilig Auge scheun; ja vor deinem Angesichte wer⸗ den sie beschämt zu nichte, weil Verstellung, Trug und List dir, o Gott, ein Ab⸗ scheu ist. 2. Andern zu gefallen lügen, leeren Schwätzern gleich zu seyn, und durch Heuchelei betrügen, Herr, das falle mir nicht ein! Wahrheit leit' an allen Or⸗ ten mich in Werken und in Worten; redlich sei des Her⸗ zens Grund, redlich sprech auch stets der Mund! 3. Die der Falschheit sich ergeben, sind vor dir, o Gott ein Gräu'l, und ein unglück⸗ selges Leben ist gewiß ihr künftig Theil. Hier schon trifft verdiente Schande 2 bei Redlichen im Lande; denn ein jeder Menschen⸗ freund ist der Falschheit Ränken Feind. 4. Schmäht mich ohne mein Verschulden der Ver⸗ leumder Lästermund, Herr, so laß mich's still erdulden; einst wird doch die Wahr⸗ heit kund. Darf ich ja nicht länger schweigen, meine Un⸗ schuld zu bezeugen, o so gib, daß stets dabei Herz und Mund voll Sanftmuth sei! 5. Daß du, Herr, an jedem Orte Zeuge meines Wandels bist; daß kein einz'ges meiner Worte dei⸗ nem Ohr verborgen ist: dies erwecke mein Gemüthe, daß ich mich vor Lügen hüte; denn du liebst den Wahr⸗ heitsfreund und bist aller Falschheit Feind. Mel. Befiehl du deine Wege 493 ohl dem, der richtig wan⸗ delt, der als ein Wahrheits⸗ freund in Wort und Werken handelt, und das ist, was er scheint; nie täuschet und nie schmeichelt, nie doppel⸗ züngig spricht, nie Redlich⸗ keit blos heuchelt, nie Treu' und Glauben bricht! 2. Wohl dem, der Lügen hasset, der, wie die Pflicht gebeut, stets seine Reden fasset, und Spott und Drohn nicht scheut; die Wahrheit Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit. 389 nie verletzet, weil er an jedem Ort es sich vor Augen setzet: Gott merkt auf jedes Wort! 3. Wohl dem, der Gut und Leben, droht ihm Ge⸗ fahr und List, für Wahr⸗ heit hinzugeben, bereit und willig ist! Du, Gott, wirst ihn erhöhen, wenn einst in ihrem Licht die Lügner schamroth stehen, enthuͤllt durch dein Gericht. 4. Herr, laß drum alles Lügen stets ferne von mir seyn; behüte mich vor Truͤ⸗ gen mit gleißnerischem Schein! Erinnre mein Ge⸗ wissen: du hassest Heuchelei, damit ich stets beflissen der Treu' und Wahrheit sei! 5. Laß niemals mich ver⸗ sprechen, was ich nicht hal⸗ ten kann, mich nie Zusagen brechen, die ich einmal ge⸗ than; nie Leichtsinn mich verleiten und nie des Bei⸗ spiels Macht, als Wahrheit auszubreiten, was Schmäh⸗ sucht nur erdacht! 6. Doch laß zu allen Zei⸗ ten auch deiner Weisheit Licht, Herr, meine Seele leiten, damit ich meine Pflicht mit Klugheit üb' und wisse: wann ich für Andrer Wohl, wann für mich reden müsse, und wann ich schweigen soll! 7. Wenn je, um mich zu drücken, des Feindes Rath gelingt, wenn er mit bösen R 3 ük⸗ 1 —— 8— 390 Pflichten gegen den Nächsten. Tücken in Kümmerniß mich bringt: so stärke meine Seele, daß sie nicht unter⸗ liegt, und Alles dir befehle, durch den die Unschuld siegt! 8. Ein Herz voll Treu' und Glauben, das, Gott, zu dir sich hält, das soll mir Niemand rauben! So kann ich aus der Welt einst mit der Hoffnung gehen: ich werde als dein Kind, dich mit den Frommen sehen, die reines Herzens sind. Mel. Allein Gott in der Höh' 494 O blickt hinauf zur Ewigkeit, empor vom Staube, Brü⸗ der! Was unsre Sinne nur erfreut, vergeht und kommt nicht wieder. Die Tugend blühet ewig schön; drum laßt des Lebens Pfad uns gehn, geleitet von der Tugend. 2. O, was sind Schätze, was ist Geld? Und wären's Millionen. Was sind die Reiche dieser Welt? Was aller Reiche Kronen? Wer gäbe für der Welt Gewinn des Herzens innern Frieden hin? Hinweg mit Trug und Lügen! 3. Ach! Alles, was die Welt verleiht, enteilt, als hätt' es Flügel; ein enger Sarg, ein Todtenkleid und ein bemooster Hügel ist hier des Menschen letztes Loos; fürwahr! drum ist der Mensch zu groß, für Welt⸗ gewinn zu lügen. 4. Wir sind nicht blos für diese Zeit Gefährten, Freund' und Brüder; im Reiche der Vollkommenheit begegnen wir uns wieder. Drum auf! bis Herz und Auge bricht, entweihet Recht und Treue nicht; hinweg mit Trug und Lügen! 5. Es winde sich der Treue Band um jedes Reich der Erde; die Treue schütze je⸗ des Land, und wohn' an jedem Heerde; o Menschen, Brüder, brechet nicht, was Wort und Hand und Schwur verspricht! Hinweg mit je⸗ der Lüge! 6. Hinauf, hinauf zur Ewigkeit, o blickt gen Him⸗ mel, Brüder! Im Reiche der Vollkommenheit begeg⸗ nen wir uns wieder. Der Weg der Pflicht, der Wahr⸗ heit Bahn leit uns zum schö⸗ nen Ziel hinan, und fern sei Lüg' und Laster! Mel. Werde munter, mein 495 b wir sind, wie wir erscheinen, ob wir reden recht und wahr, wie wir denken, wie wir's meinen, ist dir, Höchster, offenbar. Heilig, liebevoll und rein soll des Menschen Innres seyn, und du wägst an jedem Orte—— Men⸗ en Herz und Worte. schen Herz* 2. Herr, du gabest uns die Sprache; was uns deine Huld verleiht, werde dir, der guten Sache und dem Menschenwohl geweiht! Un⸗ ser Ja und unser Nein möge fest und redlich seyn! Wir sind deines Reiches Glie⸗ der, deine Kinder, wir sind Brüder. Mel. Schwing' dich auf zu 496 Reddit mit dir im Bund auf der Erde wandeln; red⸗ lich seyn mit Herz und Mund, nach Gewissen han⸗ deln; sonder Trug und Heu⸗ chelei Recht und Wahrheit lieben, und entfernt von Menschenscheu, Recht und Wahrheit üben: 2. Dieser schönen Tu⸗ gendpflicht sei mein Herz ergeben! Redlich, bis mein Auge bricht, redlich will ich leben, redlich, wenn die Welt mich sieht, redlich ohne Zeugen. Kann, was auch dem Tag entflieht, Gott die Nacht verschweigen? 3. Finsterniß ist ihm, wie Licht, Mitternacht, wie Morgen. Oft bin ich der Welt, doch nicht meinem Gott verborgen. Was ich denk' und thu, erspäht er im hellsten Lichte; und kein Lügengeist entgeht seinem Strafgerichte. 4. Meines Namens höch⸗ Wahrhastigkeit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit. 391 ster Ruhm unter meinen Brüdern, und mein liebstes Eigenthum sei der Ruf des Biedern. Wer nach eiteln Schätzen ringt, ringt nach Sorg und Plage; aber Red⸗ lichkeit nur bringt Muth und frohe Tage. 5. Zwar sucht mancher Bösewicht, Redliche zu drük⸗ ken, weil ihr Freimuth straft und nicht schweigt zu seinen Tücken. Aber dieses rückt sie nie aus der Wahrheit We⸗ gen, ihnen wird, das wissen stie, dennoch Gottes Segen. 6. Menschenvater, Geld und Gut will ich gern ver⸗ schmerzen; aber einen fro⸗ hen Muth, Redlichkeit im Herzen, Redlichkeit in Wort und That und ein rein Ge⸗ wissen laß mich auf dem Lebenspfad nie, o nie ver⸗ missen! 7. Ich will redlich seyn, bis ich hier vollendet habe! Gute Menschen segnen mich dann noch einst im Grabe. In ihr Herz geschrieben bleibt meine Tugend immer; und wann auch mein Leib zerstäubt, stirbt mein Name nimmer. Gutes Beispiel. Mel. Gott Vater, an Erbarmen 2 di d 497 Bm schuf, ist auch mein heiliger R 4 Be⸗ —— 4— e 392 Pflichten gegen den Nächsten. Beruf, im Herzen und im Wandel rein, und nützlich in der Welt zu seyn. Wer diese große Pflicht nicht ehrt, ist keiner wahren Freude werth. 2. Es war, o Vater, dei⸗ ne Hand, die mit den Men⸗ schen mich verband. Ich sollte redlich mich bemühn, auch sie zum Guten hinzu⸗ ziehn; und leuchtet ihnen stets mein Licht, so fehlt mir deine Liebe nicht. 3. Wie groß ist jedes Bei⸗ spiels Macht! O würd' es stets von uns bedacht, wie viel im Stillen um sich her es wirkt und täglich mehr und mehr die schwächern Herzen, die es rührt, zum Guten oder Bösen führt! 4. O wehe dem, der sorg⸗ los bleibt und kühn des Lasters Werke treibt, den nicht der Blick der Unschuld schreckt und aus des Lasters Taumel weckt; der selbst die Schwachen gern berückt und listig in sein Netz ver⸗ strickt! 5. Wie trostlos wird er einst sich sehn, wenn um ihn die Verführten stehn, und wenn nun Jeder laut ihm flucht, ihm seine Qual zu mehren sucht, vor dir, o Richter, ihn verklagt, und dann sein frecher Geist ver⸗ zagt! 6. Fern sei so schwere Schuld von mir! Ja, Va⸗ ter, ich gelob' es dir! Mein Beispiel reize jederzeit zur Tugend nur und Frömmig⸗ keit! Gib selbst, o Gott, gib mir die Kraft zu dem, was Heil und Segen schafft! Bescheidenheit. Mel. Wer nur den lieben Gott 498 on dir in diese Welt gerufen, stehn, Vater, alle Menschen hier auf niedern und auf höhern Stufen, und, was sie haben, kommt von dir; du machest arm, du machest reich: doch vor dir sind wir Alle gleich. 2. Nicht Jeder hat, was Andre haben, und das ist Güte; denn du gibst dem diese, jenem andre Gaben, weil du, als Vater, Alle liebst; es sollen Alle glück⸗ lich seyn und Jeder sich des Andern freun. 3. Beglücken und selbst glücklich werden, ist Aller Ruf, ist Aller Loos. Darum ist dieser hier auf Erden ge⸗ ring und arm, der reich und groß; der hat mehr Kraft, der mehr Verstand und jener braucht, was der erfand. 4. Wer hat mich Andern vorgezogen? Wer wieder andre Menschen mir? Du, Gott, durch freie Huld be⸗ wogen; denn alles Gute kommt kommt von dir. Ich gab dir Nichts zuvor, und ich bin Alles, was ich bin, durch dich. 5. Und ich, ich sollte nicht bescheiden und fern von al⸗ lem Stolze seyn; ich den, der mehr empfing, beneiden, mit ihm mich seines Glücks nicht freun? Wär ich wohl, hätt' ich mehr als er, auch besser dann und seliger? 6. Nein, gerne will ich Andre ehren: wie arm, wie niedrig sie auch sei'n. Sie können meiner nicht entbeh⸗ ren; ich kann mich ohne sie nicht freun Nähm' Keiner meines Glücks sich an: wie Glückseligkeit wahrer Christen. 393 arm, wie hülflos wär' ich dann! 7. Wer eitler Ehre gern entbehret, und Tugend an Geringen gern erkennt und schätzet, der verehret der Rie⸗ dern und der Hohen Herrn! Wohl ihm! Denn mit Zu⸗ friedenheit lohnt Demuth und Bescheidenheit. 8. Sie schmückt das Alter, gibt der Jugend Reiz, Lie⸗ benswürdigkeit und Werth; gibt Würd und Hoheit jeder Tugend, die eitlen Schim⸗ mer gern entbehrt. Sie sei, o Gott, mein Eigenthum, vor dir und vor der Welt mein Ruhm! Glückseligkeit wahrer Christen. Mel. Wie groß ist des Allmaͤcht'. 499 Eu euch, un el'ge Spöt⸗ ter! Ihr zittert, wo der Fromme glaubt; mein Herz hat einen Gott zum Ret⸗ ter, und eine Hoffnung, die Nichts raubt. Ich sehe meinen Heiland leben; ich weiß, daß ich nicht sterben kann z weiß, mit verklärtem Leib umgeben, schau' ich ihn einst im Himmel an. 2. Was seid ihr, stolze Weltbezwinger, wenn euch die größte Hoffnung fehlt? Dem Höchsten seid ihr viel geringer, als euch der Skla⸗ ve, den ihr quält. Wie kurze Zeit, mit wie viel Sorgen genießt ihr eurer Ehrsucht Raub! Man rühmt euch heute, haßt euch morgen; ihr waret Götter, und seid Staub 3. Was sind, Weltmen⸗ schen, eure Freuden? Die Wollust, die eum trunken macht? Ein Christ sollt' euer Glück beneiden? Folgt es euch in des Grabes Nacht? Ihr rechnet mit erhitztem Blute des fernen Tages Wollust aus? Die nahe schreckliche Minute tilgt euer Glück auf ewig aus. 4. Ibr seid dahin. Des Christen Größe geht auf, be⸗ N 5 siegt 394 siegt die kurze Nacht, am Tage, da Gott eure Blöße zum Abscheu aller Augen macht. Der Tag macht Kö⸗ nige den Knechten und Bett⸗ ler den Monarchen gleich; der Tag gibt Adel dem Ge⸗ rechten, und macht des Chri⸗ sten Seele reich. 5. Ein Blick in meine Zukunft treibet Verdruß und Angst aus meiner Brust; ein Herz, das nicht auf Erden bleibet, ist sich des Himmels stets bewußt. Kein Unglück kann mich niederschlagen; ich weiß, mein Glück entgeht mir nie: ich darf vor Fein⸗ den nicht verzagen; ich weiß, mein Tod entwaffnet sie. 6. Diwu letzte Stunde mei⸗ nes Lebens, die du den Chri⸗ sten heilig bist, ich warte nicht auf dich vergebens; ich thu', was deiner würdig ist. Du lehrst mein Leben mich genießen; du bist mein Lohn aus Gottes Hand. Wie sanft wird sich mein Auge schließen! Mein Geist erblickt sein Vaterland. Mel. In allen meinen Thaten 500 Ein ruhiges Ge⸗ wissen laß, Herr, mich stets genießen; denn hab' ich dieses nur, so ist für mich in Tagen, wann Andre ängstlich zagen, nichts Schreckliches in der Natur. 2. Wenn meine Sünde Glückseligkeit wahrer Christen. schweiget und mir dein Geist bkzeuget, daß ich begnadigt bin; wenn mich dein Trost erquicket, so oft mich Trüb⸗ sal drücket: wie unschätzbar ist mein Gewinn! 3. Sollt ich solch' ruhig Leben für Lust der Sinne geben, und dann die inn' re Pein, mich selber zu verkla⸗ gen, in meinem Busen tra⸗ gen? Groß würde meine Thorheit seyn! 4. Sein eignes Herz be⸗ kämpfen, und seine Neigung dämpfen, ist freilich schwere Pflicht; doch, wenn wir uns besiegen, welch' seliges Ver⸗ gnügen gewährt der Pflicht Erfuͤllung nicht! 5. Nichts kann im Wohl⸗ ergehen so unser Glück er⸗ höhen, als ein geruhig Herz; das schaffet inn're Freuden, selbst in den größten Leiden, und stillt in Schmerzen selbst den Schmerz. 6. Die Güter zu verach⸗ ten, wornach die Thoren schmachten, was gibt uns dazu Muth? Was tröstet Gottes Kinder beim Spotte frecher Sünder? Ein ruhig Herz, dies größte Gut. 7. Zu dir, gen Himmel schauen, o Gott, und mit Vertrauen sich rühmen: ich bin dein; gezählt zu den Er⸗ lösten, darf ich mich deiner trösten: welch' Glück, mein Gott, kann größer seyn! 8. Läßt 8. Läßt du mich im Ge⸗ wissen einst diesen Trost ge⸗ nießen, wann Alles von mir weicht; wann ich den Lauf vollendet und sich mein Le⸗ ben endet: so wird mir selbst das Sterben leicht. 9. O laß zu allen Zeiten mich deine Weisheit leiten, und mache selbst mich treu! Zum Fleiß in guten Werken laß mich die Hoffnung stär⸗ ken, daß Nichts verdammlich an mir sei! Mel. Schon ist der Tag von G. 501 O welch ein un⸗ schätzbares Gut ist, Herr, ein gut Gewissen! Wer dieses hat, der hat auch Muth, wenn Andre zagen müssen. Sein ruhig Herz erzittert nicht; ihn schreckt kein Tod und kein Gericht; denn mit dir hat er Friede. 2. Sich deines Beifalls, Gott, bewußt, ruht er in deiner Gnade. Dein Friede wohnt in seiner Brust; und wer ist, der ihm schade? Auf dich sieht er in aller Noth, womit die Zukunft ihn be⸗ droht. Ihn tröstet deine Vorsicht. 3. Trifft ihn auch hier zu⸗ weilen noch das Gift der Lä⸗ sterungen, wird seines Her⸗ zens Ruhe doch dadurch nicht ganz bezwungen. Genug, er weiß davon sich rein, und flieht auch sorgsam bösen Glückseligkeit wahrer Christen. 395 Schein. Gott wird die Un⸗ schuld retten. 4. Sein Geist sieht mit Zufriedenheit der künft'gen Welt entgegen. Die gibt ihm Muth und Freudigkeit auf allen seinen Wegen. Denn dort macht selbst, o Herr, dein Mund den wahren Werth der Menschen kund; da wird der Fromme siegen. 5. So hilf denn, daß ich, mir zum Heil, ein unverletzt Gewissen, des Lebens aller⸗ besten Theil, zu haben, sei beflissen. Mit dir, Gott, ausgesöhnt zu seyn; dein heilig Recht nicht zu ent⸗ weiyn: das sei mein größter Eifer! 6. Gib, daß ich des Ge⸗ wissens Spruch als deine Stimme ehre, und immer aufmerksam genug auf sei⸗ ne Warnung höre. Erin⸗ nert's mich an meine Schuld, so laß mich, Vater, deine Huld voll Reu' und Glau⸗ ben suchen! 7. Mit deiner Gnade trö⸗ ste mich, und stärke meine Seele, daß sie vor Sünden hüte sich, und nie aus Vor⸗ satz fehle. Denn wer nur rei⸗ nes Herzens ist, hat immer dich, durch Jesum Christ, Allwissender, zum Troste. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele 502 Ven Geräusch der Welt ge⸗ R 6 schie⸗ 396 Glückseligkeit wahrer Christen. schieden, schmeck' ich des Er⸗ lösers Frieden und die Freu⸗ de schon auf Erden, Herr, mit dir vereint zu werden Diese Welt mit ihren Sün⸗ den seh ich unter mir ver⸗ schwinden, und das Heil von jenem Leben den entzückten Geist umgeben. 2. O was achten weise Christen jenen Reiz von nie⸗ dern Lüsten, jenen Glanz der eitlen Freuden, und des Lebens kurze Leiden, wenn sie schon im Geist am Thro⸗ ne deiner treuen Streiter Krone und den hohen Lohn erblicken, der sie dort einst wird entzücken? 3. Mag doch Trübsal mich umstürmen; deine Huld wird mich beschirmen. Kurz nur sind des Jam⸗ mers Pfade: ewig währt der Lohn der Gnade. Mit des Dankes stillen Zähren will ich deinen Rath ver⸗ ehren, unter keiner Bürde sinken, und den Kelch in Ruhe trinken. 4. Du hast selbst der Menschen plagen Heiland, voll Geduld ertragen tau⸗ sendfaches Leid gelitten, und den schwersten Kampf gestritten. Gib, wann ich ermattet bebe, daß mich deine Kraft belebe! Hilf mir wachen, kämpfen, sie⸗ gen! Friede lohnet nach den Kriegen. Mel. Wer nur den lieben Gott 503 enn ich ein gut Gewissen ha⸗ be, so hab' ich große Selig keit: es ist des Himmels be⸗ ste Gabe, das höchste Glück in dieser Zeit: in Freud und Leiden gibt es hier die wah⸗ re Ruh der Seele mir. 2. Ich bebe nicht, wann Sünder beben, daß Gott gerecht und heilig ist. Mein Herz gibt Zeugniß meinem Leben, daß ich gewandelt als ein Christ, des göttlichen Berufes werth, der mich im Himmel wandeln lehrt. 3. Getrost wag ich's, vor Gott zu treten, urd ihn voll Glaubensfreudigkeit als meinen Vater anzubeten, der, was ich habe, mir ver⸗ leiht, und Jedem Heil und Segen gibt, der ihn von Grund des Herzens liebt. 4. Mit Muth trag ich des Lebens Leiden; sie sind ein herber Augenblick; doch des Gewissens inn're Freuden sind süßer, als der Erde Glück: und was kann höhern Trost verleihn, als ohne Schuld in Leiden seyn! 5. Die Freudigkeit in mei⸗ nem Herzen verbreitet sich auf mein Gesicht; sie ist mein Labsal in den Schmerzen, und in der Finsterniß mein Licht. Sie macht getrost, wann eine Welt erzittert und in Trümmern fällt. 6. Der 6. Der bangen Todes⸗ furcht entwöhnet, eil' ich der letzten Stunde zu; dem kei⸗ be, der nach Rast sich seh⸗ net, zeigt sich im Grabe sanf⸗ te Ruh, indem mein Geist, der Gott gelebt, zu seinem Ursprung sich erbebt. 7. Und droht mir ja noch ein' ge Sünde, mein Heiland gibt mir Trost und Muth; ich weiß, daß ich stets Ruhe finde in der Versöhnung durch sein Blut: er, der für mich gebüßet hat, tilgt alle meine Misset at. 8. O Seele! darum sei beflissen, daß Frömmigkeit und Heiligkeit dir immerdar ein gut Gewissen und Glau⸗ beuszuversicht verleie t. Und du, mein Gott, regiere mich! Denn, o was könnt' ich ohne dich? Mel. Herzliebster Jesu! 7 en wird, o 504 Wẽ̃᷑ Gott, die Wonne der Erlösten nach die⸗ ses Lebens kurzem Kampfe trösten? Wen schmückt im Himmel einst vor deinem Throne des Mittlers Krone? 2. Wer heilig wird; wer, abgewandt vom Bösen sich von der Sünde Herrschaft läßt erlösen; wer an den Sohn glaubt, seinen Herrn ihn nennet, ihn frei beken⸗ net; 3. Wer deine Wahrheit Glückseligkeit wahrer Christen. 397 unter Adams Kinder ver⸗ breitet, sie erleuchtet, und die Sünder durch Thaten reizt, mit einem bessern Le⸗ ben dich zu erheben; 4. Wer, was er glaubt, gewissenhaft auch übet, die Menschen all' als seine Brü⸗ der liebet, nicht lästert, ste nicht kränkt, nicht stolz sich blähet, und keinen schmähet; 5. Wer Sünden hasset, und doch mit den Sündern Mitleiden fühlet, und an deinen Kindern die Gottes⸗ furcht und ihre Gaben ehret; hält, was er schwöret; 6. Wer nicht der Brüder Ruhm und Glück beneidet, selbst reich, die Armen speist, die Nackten kleidet, froh, ohne Wucher auch mit mil⸗ den Gaben, genützt zu haben; 7. Wer, züchtig in Ge⸗ danken, keusch auch lebet; wer seines Werthes sich nie überhebet, im Glücke mäßig, gütig und bescheiden, getrost im Leiden: 8. Den, den wird, Gott, die Wonne der Erlösten nach dieses Lebens kurzem Kampfe trösten; den schmückt im Himmel einst vor deinem Throne des Mittlers Krone. Mel. Mein ganzer Geist, Gott 505 ie groß ist uns⸗ re Seligkeit, o Gott, schon in der Prüfungs⸗ zeit, selbst unter viel Be⸗ R 7 schwer⸗ 398 schwerden, wenn unser Herz sich dir ergibt, und treu in Jesu Dienst sich übt! Wie groß wird sie einst werden, wann sich herrlich jenes Leben wird anheben, wo man Freu⸗ den ärntet von der Saat der Leiden! 2. O wie erhaben ist das Recht, das du uns schenkest, dein Geschlecht und Bundes⸗ volk zu heißen! Bei dir ist unser Vaterland; und wer will deiner starken Hand, Allmächt'ger, uns entreißen? Wenn wir gleich hier müssen streiten, und zu Zeiten schwach uns finden, hilfst du uns doch überwinden. 3. Du deckest unsre Schul⸗ den zu, gibst unsern Seelen wahre Ruh), und stärkest uns mit Freude. Dein Sohn ist unser Haupt und Ruhm, wir sein erkauftes Eigenthum, und Schafe seiner Weide. Gutes Muthes sind auf Er⸗ den, in Beschwerden, unsre Seelen. Herr, was kann bei dir uns fehlen? 4. Es bleibet zwar der hohe Werth der Gnade, die uns widerfährt, verborgen hier auf Erden. Doch wann der Herr vor aller Welt in Majestät Gericht einst hält, dann wird er sichtbar wer⸗ den. Alsdann sieht man ihn mit Kronen uns belohnen, als die Seinen, ewig uns mit ihm vereinen. Glückseligkeit wahrer Christen. 5. Wie glücklich, Gott, sind wir alsdann! Wie viel hast du an uns gethan! O laß uns unsre Würde vor Augen haben jederzeit; so tragen wir mit Willigkeit der kurzen Leiden Bürde. Herr, gib den Trieb in die Seelen, dich zu wählen, und im Leben uns dir gänz⸗ lich zu ergeben. Mel. Schon ist der Tag von Gott 50 6 ie heiter fließt mein Leben hin und jeder meiner Tage, wenn ich dir, Gott, ergeben bin, der Sündenlust entsage, von jeder bösen Neigung frei, und deiner heil'gen Vorschrift treu, rechtschaffen denk' und handle! 2. Sanft führt dann dei⸗ ne Vatertreu', mich auf des Lebens Wegen; mit jedem Morgen wird ste neu zu reicherm Heil und Segen. Du, dessen Allmacht mich beschützt, gewährst mir Alles, was mir nützt, lenkst Böses selbst zum Guten. 3. Dich kennt, dich liebt, dir traut mein Herz; wie könnt' ich je verzagen! Ich dulde standhaft jeden Schmerz; du hilfst die Last mir tragen. Verlassen kannst du, Gott, mich nicht; stets warst du meine Zuversicht: du wirst es ewig bleiben. 4. Wenn 4. Wenn deine Gnade mich erquickt, und Ruh' ins Herz mir sendet, Gott, wenn dein Friede mich be⸗ glückt, und keine Reu' mich kränket: wie selig bin ich dann in dir! Wie ahn' und fühl' ich dann schon hier des Himmels hohe Freuden! 5. Die Bahn der Tugend und der Pflicht führt hin zum ew'gen Leben! O Gott, mein Gott, ich zweifle nicht, du wirst zu dem Bestreben, sie treu zu wandeln, deine Kraft, die Alles Gute wirkt und schafft, mir Schwachen nicht versagen! Mel. Eins ist Noth, ach ieblich sind der 507 L Tugend Pfade, Heil des Himmels ist ihr Ziel. Hier empfind' ich Got⸗ tes Gnade und der hohen Freuden viel. Was hift es mir, wenn ich auch Welten gewinne? Vergänglich ist jedes Vergnügen der Sinne. Nur Freuden der Tugend entfliehen mir nicht; sie bleiben, wenn Alles auch wanket und bricht. 2. Die Natur streut Lust und Wonne Jedem in den Pilgerlauf; aber schöner geht die Sonne für den Freund der Tugend auf Ihm strahlet von Sternen ein höh'res Entzücken; ihm pflegen die Auen sich schö⸗ Gluckseligkeit wahrer Christen. 399 ner zu schmücken. Die ir⸗ dischen Gaben sind Labsal ihm nur; drum beut sie ihm süßer die milde Natur. 3. Furchtlos und mit sich im Frieden geht er seine hohe Bahn. Keine Last kann ihn ermüden, täuschen ihn kein eitler Wahn. Ihn leitet die Wahrheit durchs Lebensgetümmel; sein Sinn und sein Wandel ist schon in dem Himmel. Ihm folget der Beifall der Edlen und Ruh' strömt ihm von dem Throne des Ewigen zu. 34. O wer wollte diese Freuden, diese Seligkeit verschmäh'n? Wer nicht selbst im tiefsten Leiden auf der Bahn der Tugend geh'n? Wenn oft auch die Kräfte des Pilgers ermatten; bald laben ihn wieder sanft küh⸗ lende Schatten. Drum mu⸗ thig, ihr Christen! Das Ziel ist nicht fern. Uns winket ein Vorbild; o fol⸗ get dem Herrn! Mel. Der unsre Menschheit ein Glaub' ist 308 M meines Lebens Ruh' und führt mich dei⸗ nem Himmel zu, o du, an den ich glaube! Ach gib mir, Herr, Beständigkeit, daß diesen Trost der Sterb⸗ lichkeit Nichts meiner Seele raube! Tief präg' es mei⸗ nem Herzen ein, welch Glů 400 Glückseligkeit wahrer Christen. Glück es sei, ein Christ zu seyn. 2. Du hast dem sterblichen Geschlecht zu deiner Ewig⸗ keit ein Recht durch deinen Tod erworben. Zum Stau⸗ be kehr' zurück der Staub; mein Geist wird nicht des Todes Raub, du bist für mich gestorben. Mir, der ich dein Erlöster bin, ist die⸗ ses Leibes Tod Gewinn. 3. Ich bin erlöst und bin ein Christ; mein Herz ist ru⸗ hig und vergißt die Schmer⸗ zen dieses Lebens. Ich dul⸗ de, was ich dulden soll, und bin des hohen Trostes voll: Ich leide nicht vergebens. Gott selber mißt mein Theil mir zu; hier kurzen Schmerz, dort ew'ge Ruh'. 4. Was seid ihr Leiden dieser Zeit, mir, der ich jener Herrlichkeit mit Ruh' entgegen schaue? Bald ruft der Herr, und ewiglich be⸗ lohnet und erquickt er mich, weil ich ihm hier vertraue; bald, bald verschwindet al⸗ ler Schmerz, und Him⸗ melsfreuden schmeckt mein Herz. 5. Bin ich gleich schwach, so trag' ich doch nicht mehr der Sünden schimpflich Joch in meinem Lauf auf Erden. Die Tugend ist mir süße Pflicht; und wenn ich gleich hienieden nicht ganz frei von Fehlern werde, so ist mein Trost: Gott hat Geduld und straft mich nicht nach meiner Schuld. 6 Der du den Tod für mich bezwangst, der du mich, Mittler, aus der Angst, die ich verdient, gerissen! Dir, dir verdank' ich meine Ruh', du heilest meine Wunden zu; du stillest mein Gewissen; und fall' ich noch in meinem Lauf: so richtest du mich wieder auf. 7. Gelobt sei Gott! Ich bin ein Christ, und seine Gnad' und Wahrheit ist an mir auch nicht vergebens. Ich wachs in meiner Hei⸗ ligung; ich spüre täglich Besserung des Herzens und des Lebens. Ich fühle, daß des Geistes Kraft den neuen Menschen in mir schafft. 8. Dank sei dir, Jesu, Dank und Ruhm! Mich lehrt dein Evangelium fest glauben, hoffen, lieben! Es macht mich ruhig; es erfreut und führet mich zur Seligkeit: d'rum will ich's willig üben. Hier rühm' ich meines Glaubens mich; für ihn preis' ich dort ewig dich! Mel. Wer nur den lieben Gott 509 Dem Wandrer gleich, der auf der Reise das festgesetzte Ziel verfehlt, durch Wüsten irrt, und sich im Kreise von Furcht Furcht und Hoffnung sor⸗ gend quält, lebt auch der Chrisi, deß Leitstern nicht ist Jesu Lehre helles Licht. 2. Er irrt umher auf düsterm Pfade, sucht See⸗ lenruh' und find't sie nicht; wünscht den Besitz von Got⸗ tes Gnade, allein er wan⸗ delt ohne Licht; greift nach dem Halm, der ihn verläßt; er zagt, sein Glaube steht nicht fest. 3. Willst du das Glück des Christen kennen, so sammle nur Erfahrung ein. Sie wird die Segnungen dir nennen, die ihn hienieden schon erfreun. Sein Glau⸗ be hebet über Zeit und Grä⸗ ber seine Seligkeit. 4. Betracht' ihn im Besitz der Güter, der Ehr' und Hoheit dieser Welt: das Christenthum ist sein Behü⸗ ter, daß er durch sie nicht wankt und fällt; kein irdisch Gut ist ihm ein Reiz zur Wollust, Ueppigkeit und Geiz. 5. Gerührt durch Mitleid und Erbarmen beim Anblick Glückseligkeit wahrer Christen. 401 seiner Brüder Noth, deckt er die Blöße nackter Armen, theilt mit dem Hungrigen sein Brod; er schmecket die Zufriedenheit, womit das Wohlthun uns erfreut. 6. Wirf einen Blick auf ihn, wann Leiden und Trüb⸗ sal ihn zu Boden drückt. Mein Vater, spricht er, hat durch Freuden in guten Ta⸗ gen mich erquiet Ich kenn' in Leiden Gottes Huld, und trag' die Prüsung mit Ge⸗ duld. 7. Sieh ihn im Kreise der Geschäfte; wie würdig scheint der Christ dir nicht! Gewissenhaft braucht er die Kräfte zur Uebung seiner heil'gen Pflicht. Sein Fleiß, dem Menschenwohl geweiht, erfüllet ihn mit Seligkeit. 8. Schau' auf ihn hin, wann nun das Ende dem Wirkungskreise ihn ent⸗ reißt. Mein Gott, spricht er, in deine Hände befehl' ich sterbend meinen Geist Du bist mein Trost auch in der Nacht des Todes. Herr, es ist vollbracht! — Dritte Abtheilung. Lied er über die Pflichten des Christen in besonderen Ver⸗ bindungen, Zeiten und Umstaͤnden. Gesinnung und Verhalten des Christen in beson⸗ deren gesellschaftlichen Verbindungen. Häusliche Gesellschaft. Mel. Wer nur den lieben Gott 510 ohl dem, der in dem Ehe⸗ bunde in fester Lieb' und Eintracht lebt! Ihm wird so manche Lebensstunde mit Lust und Heiterkeit durch⸗ webt; er blickt mit ruhig frobem Sinn auf seiner Zu⸗ kunft Tage hin. 2. Wohl dem, dem from⸗ mer Kinder Segen den Ehe⸗ bund noch schöner macht; wenn sie im Herzen Tugend hegen; in ihren Blicken Un⸗ schuld lacht; wenn sie der Aeltern Beispiel rührt und auf den Weg zum Heile führt! 3. Wohl denen, deren Hausgenossen die Furcht des Herrn vor Augen schwebt; wenn Jeder treu und unver⸗ drossen das, was er soll, zu leisten strebt, wenn Ein tracht und Zufriedenheit das Haus zum Sitz des Segens weiht! 4. Wohl uns, wenn auch bei unsern Freuden sich freut der Nachbar und der Freund; wenn er, an unserm Schmerz und Leiden theilnehmend, tröstend, mit uns weint; die Bruderhand uns willig reicht und Hülf und Bei⸗ stand gern erzeigt! 5. Ja, denen, die dich kindlich ehren, o Vater, strömt dein Segen zu. Sie wandeln, folgsam deinen Lehren, und trau'n auf dich und finden Ruh'; sie finden Freude, deren Werth und Dauer keine Zeit zersört. 6. Zwar wird auch oft der Kelch der Leiden den Dei⸗ nen, Herr, von dir gesandt; oft muß die Tod und Tren⸗ nung scheiden, die Blut und Treue fest verband; oft stört des Grams, des Unfalls Wuth Wuth, oft Krankheit ihren heitern Muth! 7. Doch trinken sie den Kelch gelassen, den du, ihr Vater, eingeschenkt: du wirst, du kannst sie nicht verlassen, du, Gott, der seiner Kinder denkt, und, wenn ihr Glaube standhaft ringt, durch Leiden sie zur Wonne bringt. 8. Drum mag des Todes Arm uns trennen: wir wer⸗ den einst uns wiederseh'n, vor Gottes Thron die unsern kennen, mit ihnen dankend vor ihm stehn, da, wo nicht Trennung und nicht Tod den Neuvereinten ferner droht. Mel. In allen meinen Thaten 511 selig, wer zu⸗ frieden mit dem, was Gott beschieden, den Weg durchs Leben geht; von Herzen ihm vertrauet, und fest auf das nur bauet, was mit der Frömmigkeit besteht! 2. O selig, wenn die Her⸗ zen, gefaßt auf Freud' und Schmerzen, vereint durch Einen Sinn, sich liebend hier verbinden, das wahre Gut zu finden, den ewig dauern⸗ den Gewinn! 3. Es wobnet schon hie⸗ nieden des Himmels hoher Frieden bei stiller Häus⸗ lichkeit. Der Liebe reiner Seelen kann keine Freude Gesinnung und Verhalten des Christen. 403 fehlen, kein Segen der Zu⸗ friedenheit. 4. Sie mildert Sorg' und Leiden, versüßt der Erde Freuden, führt Menschen Hand in Hand, im fest vereinten Streben, durch's kurze Pilgerleben, zum Ziel im bessern Vaterland. Der Ehestand. Mel Wer nur den lieben Gott 512 on dir, Gott, sind der Ehe Freuden, du, der du Mann und Weib erschufst, und sie im Glück, so wie im Leiden zu großer Pflichten Uebung rufst! Uns diesen Pflichten ganz zu weih'n, laß unsers Bundes Endzweck seyn. 2. Erhalt uns stets auf deinen Wegen, nimm gnä⸗ dig unsers Thuns dich an! Laß Wohlstand uns und je⸗ den Segen mit Dank aus deiner Hand empfah'n, und fördre unsrer Hände Fleiß, uns, Herr, zum Glück und dir zum Preis! 3. Verleih' uns deines Geistes Triebe; erfülle un⸗ ser ganzes Herz mit reiner, fester, treuer Liebe in Glück und Unglück, Freud' und Schmerz; mit Liebe, die in Frömmigkeit durch Blick und Wort und That erfreut! 4. Kein Theil verbitt're seine Tage dem andern je durch 404 Gesinnung und Verhalten des Christen durch Ungestüm; und trifft den Einen Last und Plage: so mildre sie der Andre ihm! Das Glück, deß sich der Eine freut, schaff' auch dem Andern Heiterkeit! 5. Laßt uns einander, wo wir fehlen, sanftmüthig nachsehn und verzeihn, und stets, mit dir geweihten See⸗ len, im Guten uns zu wach⸗ sen freun! Dann wächst in jedem Augenblick mit unsrer Tugend unser Glück. Mel. Mein ganzer Geist 513 Der Ehestand soll heilig seyn! Du, Schöpfer, setztest selbst ihn ein, der Welt zum Glück und Segen. Noch immer fließt in diesem Stand aus deiner milden Vaterhand den Frommen Heil entge⸗ gen. Vater! Vater! dich erhöhen, die in Ehen dein sich freuen, durch dich blühen und gedeihen. 2. Wie glücklich lebt ein frommer Mann, wenn die sein Herz ihm abgewann, die Gott ihm ausersehen! Wie glücklich lebt an seiner Hand die Fromme, die ihm Gott verband, ihm hülfreich bei⸗ zustehen! Wohl euch, Wohl euch, fromme Gatten! In dem Schatten seiner Güte jauchzt mit freudigem Ge⸗ müthe! 3. So strecket weit sich um ein Haus ein rebenreicher Weinstock aus; so blühn auch Eh'genossen. Ringsum umringen ihren Tisch die Kinder fröhlich, munter, frisch, wie junge Frühlinge⸗ sprossen. Sorgt nicht! Sorgt nicht! Wie viel Beter zählt ihr, Väter, zählt ihr, Muͤt⸗ ter! Sorg' und Müh' ist hier nicht bitter. 4. Gott, die du hier ver⸗ bunden hast, erleichtre ihres Lebens Last; gib, daß kein Segen fehle! Laß nie sie ihren Bund entweihn, laß treu sie, züchtig, friedsam seyn, Ein Herz und Eine Seele! Lenke, lenke, Geist der Liebe, ihre Triebe weg von Sünden, daß sie häus⸗ lich Glück empfinden! 5. O leite sie von Ueppig⸗ keit auf Freuden, die man nie bereut, auf Freuden äch⸗ ter Tugend, damit auch einst ihr Alter frei von drückenden Beschwerden sei, und heiter, wie die Jugend! Segne, segne, o du Vater und Be⸗ rather frommer Ehen, alle sie, die auf dich sehen! Bei Trauungen. Mel. Vom Himmel kam der 51 4 Get Schöpfer, Stifter beil⸗ ger Eh', schau' auf dies Paar aus deiner Höh', das vor dir steht, den festen Bund Bund hier vor dir schließt mit Herz und Mund! 2. Mit Gnade schau' auf sie herab, daß sie zusammen bis ins Grab verträglich, freundlich, gleichgesinnt, vor Allem gottesfürchtig sind. 3. Laß sie einander in⸗ niglich stets lieben, doch nie mehr, als dich; von Untreu' auch im Herzen rein, und keusch in Wort und Werken seyn! 4. Zusammen laß sie dir vertraun, zusammen ihre Seel' erbau'n; zusammen deinen Ruhm erhöh'n und deinen Segen sich erfleh'n! 5. Was ihnen ihr Beruf gebeut, das laß sie thun mit Freudigkeit, und so geling' ihr frommer Fleiß zu ihrem Wohl und deinem Preis! 6. Empfinden und erfah⸗ ren sie des Erdenlebens Last und Müh', so trage jeder gern sein Theil zu seines Gatten Trost und Heil! 7. Willst du durch Kinder sie erfreu'n, so gib zu ihrer Zucht Gedeihen, daß an den Pfändern ihrer Eh' ihr Herz nie Gram und Jammer seh'! 8. Wenn dein Rath ihnen Trübsal schickt, laß sie darin nicht unerquickt; gib heit're Tage nach dem Leid, und segn' es für die Ewigkeit! 9. Und trennet einst auch sie der Tod, so sei ihr Trost: daß unser Gott, die tugend⸗ in besondern Verbindungen. 405 haft sich hier geliebt, ein⸗ ander ewig wieder gibt. Mel. Mein ganzer Geist, Gott 51 5 on dir, du Gott der Einigkeit, ward einst der Ehe Bund ge⸗ weiht; o weih' auch sie zum Segen, die hier vor deinem Angesicht entschlossen steh'n, den Schwur der Pflicht ver⸗ einigt abzulegen! Laß ste, Vater, dir ergeben, einig le⸗ ben, treu sich lieben, treu die Pflicht der Christen üben! 2. O du, der du so gern beglückst, so liebreich zu uns niederblickst auf allen un sern Wegen, Herr, laß ste stets sich deiner freu'n; gib auch zu ihrem Thun Gedeih'n, und ihr Beruf sei Segen! Laß sie, Vater, dir ergeben, glücklich leben, freudig ster⸗ ben und vereint den Himmel erben! Nach der Trauung. Mel. Mein Gott, das Herz 516 G˙ hin! Der Gott der Ei⸗ nigkeit hat euern Wunsch erhört! Geht hin und macht durch Frömmigkeit euch sei⸗ nes Segens werth! 2. Ihm heiliget Beruf und Stand! Ihm heiligt euer Herz, und folgt der Leitung seiner Hand durch Freuden und durch Schmerz. 3. Euch 3. Euch nehme, schließt nach seinem Rath ihr einst den Pilgerlauf, er, der euch hier vereinigt hat, in seinen Himmel auf. Aelternpflicht. Mel. Alle Menschen müssen sterb. 517 enschen weis' und gut er⸗ ziehen, die zum Leben Gott erschuf: welch' ein wichtiges Bemühen, welch ein seliger Beruf! Gott zum Ruhm, der Welt zum Segen, ihres eig'nen Heiles wegen, Kinder weis' und gut erzieh'n: welch ein wichtiges Bemüh'n! 2. Wächst der Mensch in früher Jugend roh und ohne Zucht heran, ohn' Erkennt⸗ niß, ohne Tugend: kann er dann des Lebens Bahn wür⸗ dig, wit Vernunft betreten? würvig dich, o Gott, anbe⸗ ten? seinem Nächsten nütz⸗ lich seyn? deiner Liebe sich erfreu'n? 3. Jeder, dem du hier auf Erden Kinder gnädig anver⸗ traut, sorge, daß sie weise werden, daß er ihre Wohl⸗ fahrt baut; lehre früh sie Tu⸗ gend lieben, und das Gute willig üben! Diese Pflicht ist ernst und groß; Nichts, ihr Aeltern, spricht euch los. 4. Menschenschöpfer! Tu⸗ gendmehrer! Laß, zu för⸗ dern Menschlichkeit, Väter, 406 Gesinnung und Verhalten des Christen. Mütter, Pfleger, Lehrer, Fürsten und die Obrigkeit mit vereinter Sorgfalt wa⸗ chen, unsre Jugend fromm zu machen; sie durch Lehr' und Beispiel zieh'n, selber Sünd und Laster flieh'n! 5. Pflanz' in aller Kinder Herzen weisen, frommen Tugendsinn, daß sie nicht ihr Wohl verscherzen; laß sie Trägheit, Eigensinn, Aer⸗ gerniß und Leichtsinn flie⸗ hen, und um Unschuld sich bemühen! Führe sie auf ebner Bahn, daß ihr Fuß nicht gleiten kann! 6. Dort vor deinem An⸗ gesichte werden die Erzieher steh'n; selig, wenn sie im Gerichte ibre Kinder vor dir seh'n, und dann sagen kön⸗ nen: Keinen, Herr, verlor ich von den Meinen; und dann Kinder fleh'n für sie: Gott, vergilt nun ihre Müh'! 7. Menschen weis und gut erziehen, die dein Wort zum Leben schuf: welch' ein wichtiges Bemühen! welch' ein seliger Beruf! Laß, o Heil ger, deinen Willen alle Aeltern treu erfüllen, lohne hier schon ihre Müh, lohn', Vergelter, ewig sie! Mel. Wer nur den lieben Gott 518 err! welch ein wichtiges Ge⸗ schäfte für Aeltern: Kinder u erzieh'n! Gib Segen, a Weis⸗ in besondern Weisheit, Lust und Kräcte zu jedem redlichen Bemüh'n, wodurch man unter weiser Zucht der Kinder Herz zu bilden sucht! 2. Du rufst die Menschen in das Leben, und willst, sie sollen glücklich seyn; hast ih⸗ nen auch den Ruf gegeben, sich gern zu Andrer Dienst zu weih n. Durch Zucht zu beiden führet man sie früh zu weiser Ordnung an. 3. Wohl Aeltern, welche deinen Willen hierin mit Redlichkeit vollzieh'n, und diese Absicht zu erfüllen, sich nach Vermögen treu be⸗ müh'n! Wohl ihnen hier in dieser Zeit und einst in jener Ewigkeit! 4. Sie bau'n das Wohlseyn ihrer Jugend zu deines gro⸗ ßen Namens Preis; sie leh⸗ ren Weisheit sie und Tu⸗ gend durch eignen und durch Andrer Fleiß; und um Ge⸗ deih'n fleht ihr Gebet zu dir, in dessen Hand es steht. 5. Ste prägen früh den jungen Seelen vor dir die tiefste Ehrfurcht ein. Viel Gutes ihnen zu erzählen und sich mit ihnen fromm zu freu'n, ist guter Väter, Mütter Lust, flößt Tugend in der Kinder Brust. 6. Mit weiser Liebe sie zu lenken, mit Freundlichkeit in ihr Gemüth die edlern Triebe früh zu senken, ist Verbindungen ihre Sorgfalt stets bemüht. Doch, widerstrebt das Kind der Pflicht, schont weise Zucht des Lieblings nicht. 7. O welch' ein wonne⸗ reicher Segen für Aeltern, Kinder und die Welt, wenn fromme Zucht auf deinen Wegen, o Herr, der Absicht nicht verfehlt! Lust strömt den Aeltern; Glück und Heil ist hier und dort der Kinder Theil 8. Und für ein Volk, für ganze Staat n, o welch' ein seliger Gewinn, wenn junge Bürger wohl gerathen, erzo⸗ gen, Herr, nach deinem Sinn! Fleiß, Ordnung, Wohlstand, Fried' und Ruh' nimmt dann durch sie auf Erden zu. 9. Ach aber, welche Pest auf Erden bringt nicht ver⸗ säumte Kinderzucht! Sie häuft den Aeltern selbst Be⸗ schwerden, die oft hernach ihr Herz verflucht. Die Opfer ihrer Lässigkeit vermehren selbst noch dort ihr Leid. 10. O Gott, lehr' Aeltern dies erwägen; erweck' und stärke ihr Bemühen, daß, unter deinem milden Segen, sie ihre Kinder wohl er⸗ zieh'n! O laß sie einst so glücklich seyn, mit ihnen sich noch dort zu freu'n! Mel. Wo Gott zum Haus 519 Gn ist, ihr Aeltern, eure Pflicht! r Pflicht! Verwahrlost eure Kinder nicht! Gewöhnet sie von srüher Zeit mit Gott zu frommer Thätigkeit. 2. Wohl euch, wenn kei⸗ nes je vergißt, was aller Weisheit Anfang ist, daß Liebe gegen Gott und Scheu vor ihm die beste Klugheit sei! 3. Lehrt sie, wenn ihr Verstand erwacht, Gott kennen, seine Huld und Macht! Lehrt sie auf seine Werke seh'n, und, was sie lernen, auch versteh'n! 4. Besorgt für ihren Leib, doch mehr für ihren Geist, schaut stets umher, was ih⸗ rer Unschuld schaden kann, und führt ste selbst zur Tu⸗ gend an! 5. Erstickt durch gute Lehr und Zucht der ersten Sünden Keim und Frucht; sorgt, daß sie werden Gottes Bild, ge⸗ recht und liebevoll und mild! 6. Zerstört des Lehrers Unterricht zu Haus durch bö⸗ ses Beispiel nicht; schützt vor der Strafe seiner Hand nie ihren Trotz mit Unverstand! 7. Wißt, daß sie recht und irre gehn, so wie sie euren Wandel sehn! Sie sind durch Beispiel leicht regiert; weh', weh' euch, wenn ihr sie verführt! 8. Ihr junges Herz ist schwach und weich; drum rühmt vor ihren Ohren 408 Gesinnung und Verhalten des Christen euch der Uebertretung eurer Pflicht in eurer eignen Ju⸗ gend nicht! 9. Muthwillen nennt nie Witz; nie preist des Kna⸗ ben schadenfrohen Geist als Munterkeit, ein trüglich Herz und Lügen nie als Spiel und Scherz! 10. Lehrt friedlich sie und g'nügsam seyn, entbehren und sich dennoch freu'n; tilgt Geiz und Neid aus ihrer Brust, macht ihnen Christensinn zur Lust! 11. Gewöhnt sie an der Tugend Müh', an Ernst und Fleiß, und lehret sie, daß Arbeit keine Sklaverei, daß 25 Glück des Menschen ei! 12. So nehmt euch ihrer Seelen an: Gott richtet einst und fordert dann, wenn ihr nicht, was ihr thun sollt, thut, von eurer Hand der Kinder Blut. 13. Erwägt's und fürchtet sein Gericht, um auch vor seinem Angesicht euch ewig ihrer zu erfreun; denn sie sind sein Geschenk und sein. Mel. Vom Himmel kam der 520 ie Kinder, de⸗ ren wir uns freu'n, sind alle, Gott und Vater, dein; sind deine beste Gab', o Herr: bewahre sie, Barmherziger! 2. Wenn treuer Aeltern Lie⸗ in besondern Liebe sucht' sie aufzuziehen in der Zucht; so steh', da⸗ mit sie glücklich sei, mit dei⸗ ner Weisheit ihnen bei! 3. Gib allen Kindern Lernbegier, zum Guten Lieb', und Lust zu dir, und laß sie meiden, ohne Zwang: Trotz, Eigensinn und Müs⸗ siggang! 4. Gesegnet sei ihr Unter⸗ richt! Laß sie durch deines Wortes Licht dich recht er⸗ kennen; laß sie nie gefähr⸗ lich irren, leite sie! 5 Im Glauben mache sie gewiß, bewahre sie vor Aer⸗ gerniß, und naht Versu⸗ chung ihnen sich, so stärke du sie väterlich! 6. Hilf, daß sie dich an jedem Ort vor Augen haben und dein Wort, und sich be⸗ fleißen jederzeit der Tugend, Zucht und Frömmigkeit; 7. Daß wir in ihnen Chri⸗ sten sehn, die freudig deine Wege gehn; und Bürger einst, voll Lust und Muth, zu thun, was edel ist und gut! 8. Erhöre, Höchster, dies Gebet; verlei', was wir von dir erfleht! Dann dan⸗ ken einst, Allvater, wir mit allen unsern Kindern dir! Mel. Freu' dich sehr, o meine Meine Kinder, 521 Möott befehle ich dir an; du gabst sie mir. Preis sei dir von ganzer Verbindungen. 409 Seele, Preis uud Dank, o Herr, dafür! Ach verlaß, verlaß sie nie, segne und behüte sie, daß sie, dir zum Wohlgefallen, früh schon deine Wege wallen! 2. Aber ach, wie viel“ e⸗ fahren warten ihrer in der Welt! Wer vermag sie zu bewahren, wenn nicht deine Hand sie hält? Unbezwing⸗ lich laß sie seyn allen Lüsten, fromm und rein nur nach deinem Beifall trachten, auf des Lasters Reiz nicht achten! 3. Nicht, daß du mit allen Leiden hier auf Erden sie ver— schonst; nicht, daß du durch stete Freuden ihrer Tugend bier schon lohnst, jeden ihrer Wünsche stillst, jede Hoff⸗ nung gleich erfüllst; nicht um Schätze, die vergehen, darf und will ich für sie fleßen. 4. Gib auf ihrer Lebens⸗ reise wie es längst dein Rath bedacht, ihnen das nur, was sie weise und des Himmels würdig macht! Wichen sie von dir zurück; ihr verlornes Seelenglück wär' mit allen Erdenschätzen nimmer ihnen zu ersetzen. 5. Doch die Bitte, die ich wage, finde gnädiges Ge⸗ hör! Laß nicht ihre vebens⸗ lage, guter Gott, ganz freu⸗ Lenleer. Werden sie geprüft durch dich, o so sei es väter⸗ lich, und dann laß es ihren S See⸗ Ner Orr 410 Gesinnung und Seelen nicht an Trost und Stärkung fehlen! 6. Keins von meinen Kin⸗ dern werde durch das Laster elend, Gott; keins dem Nächsten zur Beschwerde, oder seiner Feinde Spott! Nützlich laß der Welt sie seyn, keine Müh' und Arbeit scheu'n, still sich ihres Flei⸗ ßes nähren, und durch ihn dem Mangel wehren! Jener Sieg'stag der 15 Gerechten sei auch mir ein Freud entag! mir zu deiner Rechten ihrer kei⸗ nes fehlen mag! Dann froh⸗ lock' ich: Vater, sieh, hier bin ich; hier sind auch die, die mir deine Huld geliehen, sie zum Himmel zu erziehen! Hilf, daß Fee Mel. Gott d immels und RO Dinder, die ihr 522 K. noch im Kreise eurer guten Aeltern weilt, und um Kleidung, Trank und Speise sorglos nur zu ihnen eilt; noch durch sie in jeder Pflicht Lehr empfangt und Unterricht! 2. Kinder, o bedenket frühe, was sie thun für euer Glück! denkt der na⸗ menlosen Mühe, die sich euch vom Augenblick eures Auf⸗ blübn's bis zur Zeit eurer Reife stets geweiht. 3. Aelternlieb' ist ohne ha ten ten des Christen Schranken. Kinder, nie belohnt ihr sie; danken aber könnt ihr, danken euren Ael⸗ tern Lieb' und Müh', danken manche lange Nacht, sorgen⸗ voll für euch durchwacht. 4. Sie aus reinem Herzen lieben, ihnen treu und folg⸗ sam seyn; nie mit Vorsatz sie betrüben, jede Kränkung schnell bereu'n; ohne Klü⸗ geln ihnen trau'n, und auf ihre Winke schau n; Ringen, daß der Treuen Pflege nicht— euch verlo ren sei, daß ihr auf der Tugend Wege, eurem hohen Rufe treu, jedem La⸗ ster trotzend, geht, bis ihr einst am Ziele steht; 6. Eure Kraft den Aeltern leihen, wenn sie kraftlos sind und schwach; sie mit Trost und Hülf' erfreuen bei des Alters Ungemach: dies ist Kindesdank und Pflicht. Kinder, dies vergesset nicht! 5 sus, meine Zuversicht 523 Gel mein Va⸗ ter, Danf, sei dir: du hast Gutes, Leib und Leben durch die Hand der Aeltern mir ohne mein Verdienst gegeben. Mir beglückst du ihre Müh', und auch mir erhältst du sie⸗ 2. Oft hab' ich sie zwar betrübt, sie, die von den ersten Tagen doch so zärtlich mich geliebt, mich mit viel Ge⸗ Beduld getragen. Gott, da⸗ durch kränkt ich auch dich: o wie beugt mein Undank mich! 3. Was ich ihnen chuldig bin, hafte tief in meinem Einen Laß mich ja durch igensinn n emals ihre Gunst verscherzen; gib, daß meine Dankbarkeit, mein n sie erfreut! 4 0 4. Laß mich, Gott, wie verlangst, jede Kinds⸗ flicht gern erfüllen! Denn vie oft hat Sorg' und Angst 5 ch! ert um meinetn ht, wann ich schlief, für durchwacht? Durch! 5. Jesus stelle sich mir dar, er, das Beispiel aller der der Herr vom Himmel war, Gottes das Heil der Sünder doch von Kindheit an seinen Aeltern unterthan. 6. Ihren Willen thun, sei mir meine Lust! Denn das ist billig, auch gefällig, Gott, Sohn er wa er wa vor dir; dazu mache selbst mich willig! Wohl mir dann! Dann wird auch mein dein verheißner Segen seyn! 7. Laß auf ihre Wünsche mich kindlich und mit Sorg⸗ falt achten; ja selbst ihren Wünschen mich noch zuvor⸗ zukommen trachten; nicht für sie Beschwerden scheun, und ihr Glück mir Freude seyn] 8. Ehrerbietig laß mein Herz wirklich seyn, und nicht blos scheinen Laß mich auch, trifft siez ein Schmerz, zu dir hei 5e Th Lünen weinen; ihnen deine Hü erflehn, nach der Hülfe öhn! 9. Meiner Aeltern sei du! Ihrer Wallfa zeit auf Erden legen viele Fahr 5 1* 7 Jahre zu alt im Segen werden und erhör' auch ihr Gebet, de f mich um Weisheit fleht! 10. Alles Kreuz n mach nen leicht; es Vater, selber tragen und wenn sie ihr Ziel erre icht nach den spätsten Lebenstagen, so gib du vor deinem Thron ihnen frommer Aeltern Lohn! Mel. Wer nur den lieben Gott iir flehn für un⸗ Je V jsrer Aeltern Leben dich, aller Menschen Vater, an. Du hast sie uns zum Heil gegeben, sie leiten ins auf deiner Bahn. Von ganzem Herzen danken wir für deine Vaterliebe dir. 2. Verleih' uns stets für ihre Lehren ein offnes, wei⸗ ses, sanftes Herz, und laß uns gern ste kindlich ehren, daß niemals Kummer, Gram und Schmerz der treuen Ael⸗ tern Herzen kränkt, und ihre Liebe von uns lenkt! 3. Gib ihnen deinen be⸗ sten Segen und Alles, was S2 ihr ihr Herz erfreut! Beschirme sie auf ihren Wegen in ihrer ganzen Lebenszeit! Geseg⸗ net sei ihr Erdenloos, und einst ihr Lohn im Himmel groß! Geschwisterliebe. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 593 Wen Geschwi⸗ 5 25 ster fromm und weise, nachsichtsvoll und gütig sind; wenn in ihrem stillen Kreise stets des Frie— dens Quelle rinnt: o dann ruht auf ihnen allen Gottes Blick und Wohlgefallen. 2. Durch das Band des Bluts verbunden, sollen sie durchs Leben gehn, und den Reiz der schnellen Stunden freundlich mehren und er⸗ höh'n; sollen Haß und Neid entfernen, und a ich Andre lieben lernen. 3 niit entschloßnem fro⸗ hen Herzen üben sie, was Gott gebot; theilen Freu⸗ de, Gram und Schmerzen, mindern jedes Tages Noth; warnen sich, so oft sie fehlen, und veredeln ihre Seelen. 4. O wer wollt in früher Jugend nicht schon sanft und friedlich seyn? Aus den Häusern dringt die Tugend in die große Welt hinein Wer die Seinen kann be⸗ trüben, wird der Andre redlich lieben? 412 Gesinaung und Verhalten des Christen . Nur das Haus, wo Liebe wohnet, wird gesegnet und erfreut Aeltern seh'n sich dort belohnet, Kindern ist ihr Glück bereit; alle Hausgenossen streben, sich mit Freunden zu umgeben. 6. Liebe! Komm' herab vom Himmel! Konm' in un⸗ ser Herz herab! Leite durch das Weltgetümmel auch die Unsern bis ans Grab! Laß durch deine Macht auf Erden jedes Haus regieret werden! Für Herrschaften. Mel. Nicht so traurig, nicht 5 u vertheilst der 526 D Menschen Loos, Gott, nach deinem weisen Rath, machst oft Ei⸗ nen reich und groß, wenn der Andre Mangel hat; aber weise, gut, gerecht bist du für den Herrn und Knecht! 2. Wer bei ärmerem Ge⸗ schick seine Zeit und Kraft mir leiht; wer zu meines Hauses Glück treu sich mei⸗ nem Dienste weiht; wer durch Folgsamkeit mich ehrt: der ist meiner Liebe werth. 3. Er hat Recht auf Güt und Huld, wenn ihn Redlichkeit beseelt; Recht auf Nachsicht und Geduld, wenn er ohne Vorsatz fehlt. Ich bin selbst nicht fehler⸗ frei; kann ich fordern, daß ers sei? 4. Hoch⸗ 4. Hochmuth, Stolz und Eigensinn ist Verletzung meiner Jflicht. Wenn ich gleich beglückter bin; den- noch ziemt mir Herrschsuch— nicht. Lieblos, hart und grausam seyn, heißt: der Menschheit Recht entweihn. 5. Herr der Herren, gib mir Kraft, daß ich stets ge⸗ recht und treu, liebreich und gewissenhaft gegen jeden Menschen sei! Jeder ist dein Kind, wie ich, und erhält sein Recht durch dich. Mel. Auf, Christenmensch 6(Durch dich, Gott, 527 D bin ich, was ich bin, und es ist deine Gabe, daß ich, als Herr, so viel Gewinn vor ärmern Brü⸗ dern habe. Sie leihen ihre Dienste mir: dies, höchster Herr, verdank' ich dir. 2. Erfüllen sie mit Red⸗ lichkeit und Aufwand ihrer Kräfte, was ihnen ihre Pflicht gebeut, in ihrem Dienstgeschäfte: so gib, daß ich für ihre Treu' auch dank⸗ bar und gefällig sei! 3. Hilf, daß ich jedem seine Pflicht auf's Möglichste versüße; daß wenn an Hülf' es ihm gebricht, er sie von mir genieße; daß ich ihm Feh⸗ ler gern verzeib', und, wird er krank, sein Pfleger sei! 4. Gib, daß ich auch zu rechter Zeit Erholung ihm in besondern Verbindungen. 413 vergönne, gern seine treue Thätigkeit, gern seinen Werth erkenne, und ja aus nicht gem Vorwand nie ihm den verdienten Lohn ent⸗ zieh'! 5. Auch der geringste Die⸗ ner ist bestimmt zu höherm Leben; für mich und ihn hat Jesus Christ sich in den Tod gegeben. Vor dir, o Eott, hat einst der Knecht mit keinem Herrn ein glei⸗ ches Recht 6. O präge dieses tief mir ein! Nie müss' ich mich er⸗ kühnen, gefühllos gegen die zu seyn, die meinem Hause dienen. Der mir hier dient, ist Mensch, wie ich; ich soll ihn lieben, gleich als mich. Für Dienende. Mel. In allen meinen Thaten 5 zott, deinen wei⸗ 5 28 G sen Willen soll Jeder hier erfüllen: laß ihn mir heilig seyn! Laß alle meine Kräfte mich eif⸗ rig dem Geschäfte, zu dem du mich berufen, weihn! 2 Du heißt mich Andern dienen; und dien' ich redlich ihnen: so folg ich dir, mein Gott. Drum laß der Herr⸗ schaft Willen mich gern und treu erfüllen; dies ist dein Wille, dein Gebot! 3. Lehr' ohne bittre Kla⸗ gen des Lebens Last mich S 3 tra⸗ 414 Gesinnung tragen, und Weichlichkeit verschmäh'n; im Reden und im Schweigen mich ehrer⸗ bietig zeigen, und gern den Weg der Demuth gehn! 4. Der Herrschaft Wohl zu mehren, und Schaden ab⸗ zuwehren, soll meine Freude seyn! Ich will sie herzlich lieben, mit Vorsatz nie be⸗ trüben, verdroß nen Sinn und Frechheit scheu'n! 5 Ich will sie nie be⸗ nden; will alle Trägheit meiden, und alle Zanksucht flieh'n; will Recht thun, nicht betrügen, nicht lästern und nicht lügen, und allem Leichtsinn mich entzieh'n! 6. In meinem Dienst auf Erden geschickter stets zu werden, sei Freude mir und Pflicht! Wer treu ist hier im Kleinen, den zählst du zu den Deinen, und er be⸗ reut sein Leben nicht. 7. Du bist stets der Ge⸗ rechte, der Herr der Herrn und Knechte, und beider Trost und Heil. Wer niedrig ist auf Erden, kann groß im Himmel werden, hat an ihm, wie der Höchste, Theil. 8. Dies laß mich stets er⸗ wägen; denn dies gibt Trost und Segen, und reicht die Hoffnung dar: Einst wirst du, Herr der Welten, den Fleiß noch mehr vergelten, womit ich Menschen nützlich war. und Verhalten des Christen 0 Mein erst Geschä't sei Preis ERC Nerufen hast du 528 B mich, mein Gott, in Andrer Dienst zu leben, um mir dadurch mein tägllich Brod in dieser Welt zu geben. 2. Auch ich soll hier in meinem Stand nach meinen Kräften nützen, und du, Gott, willst mit Vaterhand mich dabei unterstützen. 3. O laß in meinem Dienst dies nie mich aus den Augen setzen, und ko⸗ stet mirs auch Kampf und Müh', nie meine Pflicht verletzen! 4. Gib, daß ich, meinem Rufe treu, stets meiner Herr⸗ schaft Willen, damit sie mei⸗ nes Dienst's sich freu', mit Eifer mög' erfüllen! 5. Hilf, daß ich, wie mein eignes Gut, das Ihrige be⸗ trachte; auf Alles, was sie meiner Hut vertraut, mit Sorgfalt achte. 6. Nie komme mir es in den Sinn, mit raubbegier'⸗ gen Händen, aus schnöder Liebe zum Gewinn, ihr Et⸗ was zu entwenden! 7. Die Freude, die ihr widerfährt, ihr Wohlstand, ihre Ehre, das Alles sei auch mir so werth, als ob's das Meine wäre! 8. Erkennt sie meine Treue nicht, so sei's mein Trost auf Erden, daß sie, Gott, dei⸗ nem in be nem Angesicht kann entzogen werden. 9. Mit Wohlgefallen stehst du sie, und wirst schon hier im Leben mir auch bei aller meiner Müh', Gott, deinen Frieden geben. 10. Kommt meines Le⸗ bens Abend dann, so nimmst du, der die Müden gern aufnimmt, mich mit Ehren an, und schenkst mir ew'gen Frieden. nicht Für Wittwen. n ler n mie 530 Au, Gottnur will ich sehen; er hört der Wittwen Flehen, und nimmt sich ihrer an. In allem Schmerz und Leide ist er mir Trost und Freude, der Fels, auf den ich bauen kann. 2. Mich leitet seine Gnade auf meines Lebens Pfade bis an das stille Grab. Er wird mich nie verlassen! Dies Trostwort will ich fassen; es ist mein stärkster Wander⸗ stab. 3. Wo seit viel tausend Jahren betrübte Wittwen waren, da sah Gott gnädig hin. Er pflegte der Betrüb⸗ ten, wenn sie nur stets ihn liebten, und wandelten nach seinem Sinn. 4. Auch mich wird er be⸗ merken, mich trösten, seg⸗ sondern Verbindungen. 3 nen, stärken Seite steh'n. seine ng Gemüthe wil Wegen geh'n. 5. Ich will ihn gläubig ehren, und meine Tugend mehren in stiller Einsam⸗ keit. Er sieht ja, wie ich's meine; er sieht auch, wann ich weine, und gibt mir, was mein Herz er⸗ freut. 6. Auch wenn ich mehr noch litte; bis zu dem letz⸗ ten Schritte will ich ihm folgsam seyn. Er prüft mich nur durch Leiden und führt zu höhern Freuden bewährt erfund'ne Dulder ein. 7. So eilen meine Tage mit jeder Last und Plage, wie Träume, leicht dahin; ich lege meine Glieder im Tode ruhig nieder, und weiß, daß ich erlöset bin. 8. Einst geh' ich, den zu schauen, der ewig mein Vertrauen, mein Gott ist, und mein Freund. Wie will ich dann ihn ehren, ihm danken für die Zähren, die ich als Wittwe hier ge⸗ weint! 9. Dann find' ich, die ich liebte, und deren Tod mich trübte, in meines Gottes Hand; dann trennt kein Tod uns wieder, dann schallen unsre Lieder durch's thränenfreie Vaterland. S 4 Für Für Waisen. In voriger Melodie. 7 m Frühling mei⸗ 53 1 4 Gott, sah ich schon die Bahre des guten Vaters stehn; und sie, die mich geboren, war früh für mich verloren, als Kind mußt ich ihr Grab schon sehn. 2 Unwissend, was mir nütze, so schwach und ohne Stütze muß ich verlassen gehn! Wer wird mir Rath ertheilen, wer mir zu Hülfe eilen, wer hört auf armer Waisen Fleh'n? 3. Doch wer war's, der mich beugte, so tief zum Staube neigte? Warst du's nicht, großer Gott? Dein weiser Rath regieret der Menschen Schicksal, füh⸗ ret es fort durch Leben und durch Tod. 4. Du willst dich an den Waisen als Vater ja bewei⸗ sen, und Armen Gutes thun; Verlaßne willst du hören, die Aelternlosen nähren; dein Segen soll auf ihnen ruh'n. 5. Und seit viel tausend Jahren hast du, die Waisen waren, so väterlich ernährt; die sich auf dich verließen, sah'n, Gott zu deinen Fü⸗ ßen ihr heißes Fleh'n von dir erhört. 6. Auch mich kannst du nicht hassen, du wirst mich nicht verlassen; ich will dir 416 Gesinnung und Verhalten des Christen ganz vertrau'n. Dein Herz ist mir ja offen, fest will ich auf dich hoffen, nur dich in trüben Stunden schaun! 7. Ja, du wirst mich ernäh⸗ ren, mir Rath und Hülf' gewähren: wo ist ein Gott, wie du? Nur was mir nützt, das schenke mir, deinem Kind, und lenke mir from⸗ mer Menschen Liebe zu! 8. Und wenn in diesen Jahren Verführung und Gefahren und Laster um mich sind: o dann sei treuer Vater, mein Führer, Freund, Berather, ach dann verlaß nur nicht dein Kind! 9. Es schlag' von früher Jugend für Gottesfurcht und Tugend und Unschuld nur mein Herz! Fromm seyn auf deinen Wegen, sei meine Lust, mein Segen, und Un⸗ recht thun und sehn, mein Schmerz! 10. Arbeitsamkeit und Treue, begangner Fehler Reue, ein wahres Christen⸗ thum; ein zärtlich Herz für Freunde, und Sanftmuth gegen Feinde, dies sei mir mehr, als Glück und Ruhm! 1m. Und die, die mich er⸗ ziehen mit redlichem Bemü⸗ hen, an Aeltern Statt mir sind, mich warnen und be⸗ lehren, laß herzlich mich ver⸗ ehren, sie dankbar lieben, wie ihr Kind. 12. Ihr Lohn sei, Gott! dein dein Segen! Auf allen ihren Wegen woll'st du ihr Führer seyn, und wenn sie dann einst sterben und deinen Hin mel erben, laß jenseits mich mit ihnen freu'n. 13. Verklärt werd' ich dann stehen, die Aeltern wie⸗ der seten, um die ich hier geweint; ich werde vor dich treten, zu dir, Erlöser, be— ten: Lohn! ihnen ewig, Menschenfreund! Dankbarkeit gegen Wohl thäter. Mel. Wer nur den lieben Gott denn Menschen 532 streben, dir an Güte und Woehlthun, Vater, gleich zu seyn; wenn sie mit willigem Gemüthe durch Rath und Hülfe mich erfreu'n: mit reichem Segen segne dann sie, die ich nicht belohnen kann! 2. Ich will mich aller ih⸗ rer Freuden und ihres Glücks von Herzen freun; voll Kum⸗ mer über ihre Leiden, gern, wie ich kann, ihr Tröster seyn; und kann ich lindern ihre Noth: mit Freuden will ich's thun, o Gott! 3 Und kann ich's nicht, dann, Vater, dringe mein eifrigstes G bet zu dir; was ihnen gut ist, das gelinge! denn, Herr, sie thaten wohl an mir. Auf Jeden komme in besondern Verbindungen. 417 Freud' herab, der seinen Brüdern Freude gab!! 4. Ich will sie lieben und sie ehren; will über mein Bedürfniß sie mit meinen Klagen nicht beschweren, bescheiden stets und lästig nie; will, wenn ihr Herz auch Andre liebt, nie nei⸗ disch seyn und nie betrübt. 5. Ersreue sie mit deiner Güte; dein Segen komme über sie; sei stets ihr Helfer und behüte vor Widerwär— tigkeiten sie! Empfinden sie Gefahr und Schmerz: so tröst' und heile selbst ihr Herz! 6. Nimm sie zu deines Reiches Erben, wann einst sie scheiden. gnädig an! Er⸗ quicke sie mit Trost im Ster⸗ ben, die mir im Leben wohl⸗ gethan; und dort, o Gott, vor deinem Thron sei herr— lich einst und groß ihr Lohn! Kirchliche Gesellschaft. Lehrer und Zuhörer. Mel. Wo Gott zum Haus 533 Des Amt der Lehrer, Herr, ist dein; dein soll auch Dank und Ehre seyn, daß du der Kirche, die du liebst, noch immer treue Lehrer gibst. 2. Gesegnet sei ihr Amt und Stand! Sie pflanzen, Herr, von dir gesandt, von S 5 Zeit Zeit auf Zeit dein heil'ges Wort, und Licht mit ihm und Tugend fort. 3. Wie freut ein guter Lehrer sich, wenn er, er⸗ leuchtet selbst durch dich, den Jüngern Jesu gleich gesinnt, viel Seelen für dein Neich gewinnt! 4. Dank dir, da du auch uns so liebst, daß du uns treue Führer gibst, die weise sind und tuͤgendhaft, in Lehr' und That voll Geist und Kraft! 5. Laß ihres Unterrichts uns freu'n, gewissenhafte Hörer seyn, und schätzen dei⸗ ner Wahrheit Werth, die uns ihr Unterricht erklärt! 6. Dein Wort ist, was sie lehren, Herr! Laß uns dadurch stets heiliger und besser werden; nur alsdann geh'n wir einher auf rechter Bahn. 7. Ermahnen, warnen, strafen sie; so weig're, wer sie hört, sich nie, zu hassen, was du uns verbeutst, zu thun, was du durch sie ge⸗ beutst. 8. Das ist der Lehrer beß⸗ ter Lohn, wenn ihrer Mühe Früchte schon sie hier in un⸗ srer Tugend seh'n, mit uns den Weg zum Himmel geh'n. 9. Fern sei von uns der Frevel, Gott, durch Undank sie, durch Haß und Spott zu kränken; daß sie, was * 418 Gesinnung und Verhalten des Christen sie thun, mit Freuden, nicht mit Seufzen thun. 10. Ja, Gott, wir wol⸗ len sie erfreu'n, und dank⸗ bar fromme Hörer seyn: so führst du einst auch uns zugleich mit ihnen in dein ew ges Reich. eine eines Bei Einführung Religionslehrers. anzer Geist, Gott Wer tel 0 Mein 6 Mohl uns! Wohl 0 34 Wuns, daß Gott uns liebt, uns immer treue Lehrer gibt, die uns zum Himmel führen; die, auf⸗ geklärt durch Wissenschaft, voll Tugendliebe, Geist und Kraft, der Sünder Herzen rühren! Rühmet, preiset seine Treue! Wieder neue ward sie heute. Dank sei unsre heil'ge Freude! 2. Wir reichen segnend ihm die Hand, den Gott zum Lehrer uns gesandt. Heil ihm zum Lehrgeschäfte! Zu bilden uns hier in der Zeit, zum Leben in der Ewigkeit, gib, Herr, ihm Licht und Kräfte. Lehr ihn, hilf ihm thun und leiden, dulden, streiten, beten, wachen, selig sich und uns zu machen. 3. Laß deinen Geist stets auf ihm ruh'n; laß ihn sein Amt mit Freuden thun; Nichts sei, was ihn betrübe! Gib für die Wahrheit, die er in besondern re lehrt, ein Herz uns, das sie willig hört, ein Herz voll reiner Liebe! Ueben hilf uns dann in Leiden, wie in Freu⸗ den, seine Lehre, uns zum Heil und dir zur Ehre! 4. Wann einst dein großer Tag erscheint, laß ihn, laß unsern besten Freund uns dir entgegen führen! Die —.— sind ihm zugezählt; gib, daß dort ihm keine felt! Laß keine sich verlie⸗ u„wie werden wir us freuen um den Treuen, e in zum Lohne deine Hand Nach der Handlung. 5. So sei gesegnet, Knecht des Herrn! Nie sei dein Herz nun von uns fern; du kommst in Gottes Namer Wir reichen freudig dir die Hand; wir geh'n mit dir in's Vaterland; du führst uns. Amen! Amen! Heilig bleib uns diese Stunde! Unserm Bunde treu zu leben, sei stets unser freudig Streben! Bei der Konfirmation. Mel. ist das Heil uns 535 5 Die hier vor dei⸗ nem Antlitz steh'n, sind, Jesu, deine Glieder. Blick, wenn ver⸗ eint wir für sie fleh'n, er⸗ barmend auf sie nieder; gib ihnen, Herr, durch deinen Verbindungen. 419 Geist das Gute, das dein Wort verheißt, im Leben und im Sterben! 2. Sie kennen dich, o Got⸗ tes Sohn, und deine heil'gen Lehren. Ist Freude dort vor deinem Thron, wann Sün⸗ der sich bekehren; so laß auch heute Freude seyn, da diese Kinder dir sich weih'n, und ihren Bund erneuen! 3. O laß sie Gnad' und nicht Gericht in dieser Stund empfahen, wenn sie mit Glaub' und Zuversicht zu deinem Tische nahen! Es stärke sie dies Lebensbrod, damit si ie, Jesu, deinen Tod verk kündet gen dutch ihr Leben! 4. Lacht ihnen bei dem edlen Lauf die falsche Welt entgegen, so hilf du ihrer Schwachheit auf; und wann sich Lüste regen: so laß sie gläubig auf dich sehn, die Welt mit ihrer Lust ver⸗ schmäh' n, und muthig über⸗ winden! 5. Zeig', Herr, der Ew gkeit von fern den theuren Seelen, die jetzt auf ihre Lebenszeit sich hier mit dir vermählen! O treuer Heiland, sie sind dein! Schreib' heut in's Buch des Lebens ein die Namen die⸗ ser Christen! Mel. Mit 536 S den Lohn Strke, Mittler, ᷓ stärke sie, deine 6 theu'r theu'r Erlösten! Laß sie ihr Vertrau'n auf dich unaus⸗ sprechlich trösten! Wach' über ihre Seelen! Sie fleh n und schwören alle dir: Herr, dein Eigenthum sind wir! Heiliger, Schöpfer, Gott! Heiliger, Mittler, Gott! Heiliger, Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Laß sie nie vergessen ihr Gelübde: treu zu seyn dir bis an's Ende! 2. Ach, wie Viele schwuren auch, fest an dir zu halten, aber treulos ließen sie ihre Lieb' erkalten; Verderben war ihr Ende. Beständig laß dir diese seyn, die dir schwören, dir sich weih n! Heiliger, Schöpfer, Gott! Heiliger, Mittler, Gott! Heiliger, Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Bott! Stärke sie, die Deinen, in des Glaubens Zuversicht und wahrer Tugend! 3. Locken wird sie nun die Welt, Herr, zu ihren Lüsten; ach, du wollest sie mit Kraft aus der Höhe rüsten! Laß streiten sie und siegen Die Triebe zu verbot'ner Lust dämpfe früh in ihrer Brust! Heiliger, Schöpfer, Gott! Heiliger, Mittler, Gott! Heiliger, Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Laß sie alle Feinde ihres ho⸗ ben Seelenheils weit über⸗ winden! 420 Gesinnung und Verhalten des Christen 4. In der Todesnoth laß sie, deine theu'r Erlösten, daß ihr Glaube standhaft blieb, unaussprechlich trö⸗ sten! Herr, laß sie bei dir leben! Einst sammle sie mit uns zugleich in dein unver- gänglich Reich! Heiliger, Schöpfer, Gott! Heiliger, Mittler, Gott! Helliger, Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Laß sie nie vergessen ihr Gelübde: treu zu seyn dir bis an's Ende! Mel. Freu' dich sehr, o meine 537 Seierl in dei⸗ nem Glauben; laß dir dessen festen Grund ja nicht aus dem Herzen rau⸗ ben; halte treulich deinen Bund, den dein Herz durch's Wasserbad fest mit Gott geschlossen hat! Denn wie leicht geht der verloren, der ihm treulos hat geschworen! 2. Sei getreu in deiner Liebe gegen Gott, der dich geliebt; auch die Lieb' am Nächsten übe, wenn er dich gleich oft betrübt! Denke, wie dein Heiland that, als er für die Feinde bat! Du mußt, soll dir Gott verge⸗ ben, auch verzeihn und lieb⸗ reich leben. 3. Sei getreu in deinen Leiden, und laß dich kein Ungemach, keine Noth von Jesu scheiden; murre nicht in in Weh! und Ach! Denn du machest deine Schuld größer durch die Ungeduld. Selig ist, wer willig träget, was der Herr ihm auferleget! 4. Sei getreu in deinem Hoffen, wenn dich Gott nicht bald erhört, und der Noth, die dich betroffen, nicht so, wie du wünschest, wehrt. Halt' an seine Treu' dich fest; glaub', daß er dich nie ver⸗ läßt; seine Hülf' ist schon vorhanden Wer so hofft, wird nie zu Schanden. 5. Sei getreu bis an das Ende, daß kein Leid und keine Noth je von deinem Gott dich wende; sei ihm treu bis in den Tod! O das Leiden dieser Zeit ist nicht werth der Herrlichkeit, die dein Jesus dir will geben dort in seinem Freudenleben! Mel. O du Liebe meiner 538 Y ittler, schau' 9 auf sie her⸗ nieder, die sich deiner Gnade freun, und als deiner Kirche Glieder dir geloben, treu zu seyn; dir, der mit der größten Treue auch für sie dahin sich gab! Segnend schau' bei ihrer Weihe, seg⸗ nend schau' auf sie herab! 2. Laß die Blülhe ihrer Jugend dir, nur dir gehei⸗ ligt seyn, daß sie nie vom Pfad der Tugend in der Irre sich zerstreu'n! Schütze sie in besondern Verbindungen. 421 vor allen Schlingen, vor den Lockungen der Welt; laß es nimmer ihr gelingen, daß sie ihre Tugend fällt. 3. Laß sie treu in deiner Liebe, fest in deiner Lehre seyn, und durch deines Gei⸗ stes Triebe Wunsch und That des Bösen scheun! Stärke fie durch deine Gnade, wenn zu dir sie kindlich flehn, daß sie auf der Unschuld Pfade zu dem höhern Leben gehn! 4. Halte sie mit starken Armen, wenn sie straucheln wollen, fest; laß sie fühlen dein Erbarmen, das die Schwachen nie verläßt! Und wenn eins sich je ver⸗ irrte und verließ der Tugend Bahn; ach, dann nimm dich, treuer Hirte, des ver⸗ itrten Kindes an! 5. Keines, keines, ach, von Allen, die mit dir den Bund erneun, laß aus deiner Gnade fallen und von dir geschieden seyn! Herr, ver⸗ siegle ihren Glauben, der sie ewig glücklich macht: Kei⸗ nem laß die Krone rauben, die du Allen zugedacht! 6. Sieh hernieder auf die Deinen, die sich jetzt zu dir gewandt; sieh die Thränen, die sie weinen, Zeugen, was ihr Herz empfand. Laß die seligen Gefühle nie erkalten, nie vergehn; bis zu ihrem Lebensziele laß sie treu im Glauben stehn! S 7 7. Samm⸗ 7. Sammle sie einst Alle wieder dort in deines Vaters Reich! Sie sind deines Bun⸗ des Glieder; einst, den En⸗ geln Gottes gleich, singen sie dir, Herr, zu Ehren, dann ihr Loblied hocherfreut, in der Auserwählten Chören, laut durch alle Ewigkeit. Vor der Einsegnung. (Die Gemeinde allein.) Mel. Christus, der ist 0 Sieh diese jun⸗ 539 0 gen Seelen, die, Vater, dir sich nah'n! Sie kommen, deinen Segen von Neuem zu empfah'n. 2. Sie kommen, dir, o Vater, sich feierlich zu weih'n, und heilig zu gelo⸗ ben, dir ewig treu zu seyn; 3. Versuchungen zur Sünde mit Muth zu wider⸗ steh'n; den Weg, den Jesus lehrte und selbst betrat, zu geh'n. 4. O blick' auf sie mit Se⸗ gen, Allliebender, herab, daß sie vom Weihaltare treu wandeln bis an's Grab! (Die Konfirmanden allein.) 5. Gott, welche beil'ge Stunde! Laß sie gesegnet seyn! Dir, Heiligster, dir wollen wir Herz und Leben weih'n. 6. Dich immer kindlich lieben, gehorchen willig dir, 422 Gesinnung und Verhalten des Christen und gern dem Nächsten die⸗ nen, ja, Gott, das wollen wir. 7. Wir wollen jede Sün⸗ de, das kleinste Unrecht scheuin und immer besser werden, und uns in Un⸗ schuld freu'n. 8. O blick auf uns mit Segen von deinem Thron herab, und laß uns dem Gelübde getreu seyn bis ans Grab. N J Der K. 5 115 Nach der Einseg lung, (Die Gemeinde allein.) Mel. Wer nur den lieben Gott K Kinder, dieser 540 L Tag des Bun⸗ des sei eurem Herzen ewig werth; denn das Verspre⸗ chen eures Mundes hat der Allwissende gehört. Ihr jun⸗ gen Christen denket nach, was heute euer Mund versprach! 2. Bedenkt, wozu ihr euch verpflichtet: Gott und der Tugend treu zu seyn. Von Neuem habt ihr euch ver⸗ pflichtet, Gott euer Leben ganz zu weih'n. O heilig sei euch diese Pflicht! Ver⸗ gesset dieses Tages nicht! (Die Konfirmirten allein.) Mel. Werde munter, mein 3. Heilig soll uns diese Stunde, ewig unvergeßlich seyn! Mit dem Herzen, mit dem Munde schwuren wir, Gott Gott treu zu seyn; nicht zu weichen von der Pflicht, bis das Aug' im Tode bricht. Gott, der Alles weiß und richtet, weiß, wozu wir uns verpflichtet. 4. Ja, wir wollen uns er⸗ geben unserm Gott und nicht der Welt, und in unserm gan⸗ zen Leben willig thun, was ihm gefällt! Wer hier säet in der Z ärntet einst in Ewigkeit.„dort wird der Herr der Welten Jedem nach Verdienst vergelten! (Die Gemeinde allein.) Mel. Wer nur den lieben Ge 5. O wohl euch, wenn ihr Gott wollt leben, wenn euer Herz es redlich meint! Dann wird auch Gott euch Segen geben; dann bleibt Gott ewig euer Freund; dann wird euch großes Glück und Heil hier und in Ewigkeit zu Theil. (Die Gemeinde allein) Mel. Jesus 3 rsicht 541 Gele 8 mit euch! Sie verleih' euch Kraft 4 Se⸗ gen! Wallet freudig, En⸗ geln gleich, eurem hohen Ziel entgegen! Groß ist einst der Tugend Lohn vor des Allvergelters Thron. 2. Heilig sei euch dieser Tag; heilig, was ihr jetzt versprochen] Ach, was euer in besondern Verbindungen. 423 Mund versprach, werde nie von euch gebrochen! Bleibt auch in Gefahr und Noth fromm und treu bis in den Tod. (Die Konfirmirten allein.) 3. Ja, zu treuer Folg⸗ samkeit haben wir uns dir verpflichtet. Unser Herz sei dir geweiht; unser Geist auf dich gerichtet! O wie selig werden wir in dem Bunde, Gott, mit dir! 4. Stärk' uns nur mit deiner Kraft! Schütz' uns vor der Macht der Sünden! Gib, daß wir gewissenhaft böse Lüste überwinden! Hilf, das er Herz dir treu, standhaft unsre Tugend sei. (Alle.) Sieh, err, wir Alle fleh'n Stärke lie ebreich unsre Seelen! Laß ins niemals irre geh'n, nie die Bahn des Heils verfe ehl en schwindet mit der nicht wahre Fröm Zum Schluß der Konfir⸗ ane J Mel ein Gott in der§ 542 Herde was irdisch ist, ver⸗ gebt, und schnell e enteilt das Leben; Herr Gott! was ewig fest besteht, hast du dem Geist gegeben: es bleibt der Wahrheit helles Licht, es bleibet Tugend, Recht und Pflicht 424 Gesinnung und Verhalten des Christen Pflicht und Jesu heil'ge Lehre 2. Die Lehre bleib' uns bis an's Grab ein Licht auf allen Wegen, der Jugend Schutz, des Alters Stab, des Herzens Trost und Se— gen! Sie leit' in aller Freud' und Noth, in jedem Kampf und durch den Tod uns in das beßre Leben. Bei Einweihung einer Kirche. Mel. Nun danket Alle Gott [Jon heiligemGe⸗ 543 V fühl ber An- dacht tief durchdrungen, sei, Gott, dir heut' von uns Lob, Preis und Dank gesungen! Hier wollen wir vereint uns deiner Liebe freu'n; drum weihen wir dies Haus zu deinem Tempel ein. 2. Anbetend dir sich nah'n, dich ehrfurchtsvoll erheben, wie süß ist diese Pflicht, wie wichtig für das Leben! Drum wende zum Gebet, zum Dank, zu deinem Ruhm oft unser Herz sich hier in diesem Heiligtbum. 3. Hier sollen wir den Sinn von Christi Lehren fas⸗ sen, und zur Befolgung uns, zur Treu ermuntern lassen; hier strahlt dem Geiste Licht, hier quillt dem Herzen Ruh'; hier spricht dein Wort, o Gott, Geduld und Trost uns zu. 4. Hier sollen am Altar sich dir, du Gott der Liebe, die Neuverbund'nen nah'n, dir heil'gen ihre Triebe; vor deinem Angesicht sich schwö⸗ ren Lieb' und Treu', damit ihr Leben dir stets wohlge⸗ fällig sei 5. Hier wird mit Dank⸗ gebet das Kind in früher Jugend geweiht dem Kin— derfreund, dem Vorbild je⸗ der Tugend; hier schwört es einst den Schwur: Gott ewig treu zu seyn, und tritt dann in den Bund erwachs'⸗ ner Christen ein. 6. Hier sollen wir vereint das Mabl der Liebe feiern, und ernstlich den Entschluß der Besserung erneuern: er- innern uns an ihn, der auf der Liebe Bahn, durch Le— ben und durch Tod, uns muthvoll ging voran. 7. Laß dieser Wohlthat Werth uns, Vater, stets erwägen, und dieses Hauses Zweck recht ernstlich überle⸗ gen Dann wird der Tag der Weih' ein Tag des Se⸗ gens seyn, und seiner wird sich noch die späte Nachwelt freu'n. Bei Einführung eines Schüullehrers. Mel. Laß mich, o Herr 5 aßt danlbar uns 544 die Lehrer eh⸗ ren ren, die stets mit Ernst und Sorgfalt sich bemüh'n, den Geist der Jugend zu beleh⸗ ren, ihr Herz von seinen Fehlern abzuzieh'n! O wel⸗ che Saat wird durch sie aus⸗ gestreut! Sie keimt empor für Zeit und Ewigkeit 2. Bedauerns würdig sind die Seelen, die unbelehrt durch dieses Leben gehn. Wie können sie das Gute wählen, wenn sie nicht auch das Licht der Wahrheit sehn? Wo bleibt ihr Werth? Wo⸗ her kommt ihnen Kraft zum Kampfe gegen Welt und Lei⸗ denschaft? 3. Preis dir und Dank, der du der Jugend, auch unter uns, mit Vaterhuld gedenkst, und zu der Weis⸗ heit und der Tugend durch treue Führer ihre Schritte lenkst! Wie weise, Gott, wie liebreich, Herr, bist du! Durch Schulen auch strömst du uns Segen zu. 4. Froh sehn der Zukunft wir entgegen, wenn unser Blick auf gute Kinder fällt. Durch sie verbreitet sich dein Segen einst weit umher in deiner Menschenwelt; und naht sich uns der Tod einst auf dein Wort, so setzen sie dein Werk auf Erden fort. 5. Drum gib, o Gott, den Lehrern Kräfte und re⸗ gen Trieb, die Kinder dir zu weih'n! Laß treuen Fleiß in besondern Verbindungen. im Lehrgeschäfte stets ibren Ruhm und ihre Freude seyn! Erfülle sie mit Achtung für ihr Amt, aus dem das Heil so vieler Seelen stammt! 6. Laß sie durch Ernst dem Leichtsinn wehren, durch Freundlichkeit die Herzen an sich zieh'n, auch, wenn sie strafen, noch belehren, und sorgsam selbst den Schein des Unrechts flieh'n! Reli⸗ gion und reine Sittlichkeit verbreite sich durch sie zu jeder Zeit 7. O welche Pflichten! Welche Würde! Gott, steh' auch diesem neuen Lehrer bei! Erleichtre seines Amtes Bürde, damit er stets getrost und muthvoll sei, und gib auch uns ein Herz, das gern ihn ehrt und dankbar ist, und seine Freuden mehrt! 8. Wenn ihn des Tages Lasten drücken, wenn ihm der heitre frohe Sinn ent⸗ weicht: dann laß ibn jenen Lohn erblicken, den deine Hand einst treuen Lehrern reicht; und immer zeig' er dann sich als ein Christ, der muthig wirkt, so lang' es Tag noch ist. 9. O Gott, laß jede Schu⸗ le blühen und reich an Frucht für Welt und Nachwelt seyn! Laß jedes Lehrers Eifer glühen, die Dunkelheit der Seelen zu zerstreun, und einst erheb' ihn die beglückte Schaar, Schaar, für die er hier ein weiser Führer war! Bürgerliche Gesellschaft. Mel. Herr Jesu Christ, dich 5 ach Gottes 545 N weisheits⸗ vollem Rath, der Alles angeordnet hat, wird Völ⸗ kern dauerhaftes Heil durch der Gesellschaft Band zu Theil. 2. Nur durch vereinte Thätigkeit, die sich dem Dienst des Staates weiht, durch gegenseitiges Be⸗ müh'n sieht man der Bür⸗ ger Wohlfahrt blüh'n. 3. Bedürfniß und des Fleißes Gang wirkt Ord⸗ nung und Zusammenhang; der nützt durch Kunst dem Vaterland und durch die Arbeit seiner Hand; 4. Der durch Verstand und Geisteskraft, durch Ein⸗ sicht, Kenntniß, Wissen⸗ schaft; der nützt mit seinem kühnen Muth, und der mit seinem Erdengut. 5. So knüpfst du, Gott, durch jeden Stand der all⸗ gemeinen Wohlfahrt Band; vertheilst mit Weisheit und mit Wahl des Fleißes Gang, der Kräfte Zahl. 6. Glück, Segen, Reich⸗ thum, Ueberfluß und aller⸗ seitiger Genuß, Bequem⸗ lichkeit und Freud und 426 Gesinnung und Verhalten des Christen Ruh' fließt uns durch die⸗ se Ordnung zu. 7. Wer wollte denn nicht thätig seyn, nicht seines Standes sich erfreu'n, auf der ihm angewies'nen Bahn nicht wirken, was er wirken kann? 8. Wer jede ihm verlieh'⸗ ne Kraft gebraucht, und durch sie Gutes schafft, der le⸗ bet, wie es Gott gefällt, zum Segen sich und fuͤr die Welt. Vaterlandsliebe. Mel. Schon ist der Tag von G 5 46 as Land, das Gott mir vaͤ⸗ terlich zur Wohnung ange⸗ wiesen, läßt seines treuen Schutzes mich in Glück und Noth genießen; es gibt mir Nahrung, Sicherheit, erhält Recht und Gerechtigkeit und schützt mein Gut und Leben. 2. Drum will ich stets er⸗ kenntlich seyn, durch nütz⸗ liche Geschäfte mich der ge⸗ meinen Wohlfahrt weih'n, will Zeit, Beruf und Kräfte dem Vaterlande, das mich schützt, und mir und meinen Brüdern nützt, mit treuem Eifer widmen. 3. Nie will ich Ruh und Sicherheit im Staate fre⸗ velnd stören; will meine Landesobrigkeit, als Got⸗ tes Ordnung, ehren, und ih⸗ ren Willen jederzeit, mit treuer in besondern treuer Unterwürfigkeit, nach Möglichkeit erfüllen. 4. Auch will ich meiner Brüder Glück durch meine Schuld nie hindern; will stets ihr widriges Geschic, so viel ich kann, vermin⸗ dern; will freundlich die⸗ nen Jedermann, und helfen, wo ich helfen kann, zum allgemeinen Besten. 5. Auf, Brüder, die ihr's redlich meint, nützt eurem Vaterlande, das euch zu gleichem Zweck vereint, in jedem Amt und Stande! Und fordert es des Landes Wohl, so opfert, wie es Jeder soll, ihm freudig Gut und Leben! 6. Gott steh' uns bei, daß Alle wir nach unsern Pflich⸗ ten leben, und schon, als gute Bürger, hier nach je⸗ nem Reiche streben, in das nur treue Knechte geh'n, die in dem Dienste hier besteh'n, zu dem du sie berufen! . und Unterthan. om Himmel kam der 547 6 ott, der zum Segen für die Welt uns Fürsten gibt und sie erhält, du willst, daß ih⸗ nen Jeder treu, gehorsam — ergeben sei. Sie wachen stets mit Hf nem Blick und sorgsam für der Länder Glück; durch Verbindungen. sie fließt Sicherheit und Ruh' den Bürgern aller Stände zu. 3. Nicht Jeder ist in Würden groß: oft ist ein nied'rer Stand sein Loos; doch Jeder, sek er noch so klein, kann achtungswerth ale Bürger seyn. 4. Er ist's, wenn er den Fürsten liebt, und den Ge⸗ setzen, die er gibt, Zeit, Kräfte, Sorgfalt, Eifer weiht, gern thut, was jedes ihm—— J 5. Wenn er gewissenhaft stets ist, nie seines Bürger⸗ eids vergißt; und das, was er entrichten soll, gern bei⸗ trägt zu des Ganzen Wohl. 6. Er ist's, wenn er als Bürger denkt, nie and'rer Bürger Rechte kränkt, und fern von schlauer Ränke List, zum Wohl des Lan⸗ des thätig ist. 7. Er weiß: Nur des Ge⸗ setzes Kraft, und wär' es auch noch mangelhaft, ge⸗ währt dem Volke Sicherheit und Ordnung und Zufrie⸗ denheit. 8. Er lebt, von Trug und Unrecht frei, stets folgfsam dem Gesetz und treu, und fühlt, wenn er es gern voll⸗ führt, sich dann so frei, als der regiert. 9. O Gott, laß mich ge⸗ wissenhaft, und stark durch deines Geistes Kraft, mich allen 428 Gesinnung und Verhalten des Christen allen meinen Fflichten weihn; so kann ich deiner Huld mich freu'n. Mel. Aus der Tiese ruke ich — Ter gehorcht, 548 W̃᷑ der thu's mit Lust! Jeder Bürger, sich be⸗ wußt, daß nicht Jeder herr— schen kann, sei ein guter Unterthan! 2. Bist du niedrig, bist du groß; sei vergnügt mit deinem Loos! Schäm' dich deines Standes nicht; nö— thig ist ja Jedes Pflicht. 3. Zur gemeinen Wohl⸗ fahrt sei dem Gesetze stets getreu! Wer ihm gern ge⸗ horchen kann, der nur ist ein freier Mann. 4. Schaue Jesum Chri⸗ stum an; er, wie du, ein Unterthan, und doch aller Fürsten Gott, that, was das Gesetz gebot. 5. Ehre dem, dem Ehr' gebührt! Schoß und Zoll dem, der regiert! Gib, als gäbst du Gott, dem Herrn, was dir auferlegt ist, gern! 6. Ordnung und Gerech⸗ tigkeit, Schutz und Fried' und Sicherheit, welch' ein Glück, das man nur hat durch der Obern Rath und That! 7. Lebe selbst gewissen⸗ haft; ihres Wandels Re⸗ chenschaft laß dem Herrn, und sieh' nur du, daß du selbst gerecht sei'st zu. 8. Obrigkeit und Unter⸗ than, betet Gott den Höch— sten, an! Fürchtet ihn; denn sein Gericht wird gerecht seyn: sündigt nicht! Hoher Stand. Mel. Vom Himmel kann der . er höher durch 549 Geburt schon ist, als seine Brüder, kenn', als Christ, des bessern Adels Werth und Pflicht; den fühl' er, den entehr' er nicht. 2. Er, sind ihm Brüder unterthan, er sei ihr Vater, kein Tyrann; so mild und liebreich als gerecht; er ist, wie sie, auch Gottes Knecht! 3 Nicht wähn' er, weil er groß und frei vor den Geringern ist, er sei erha⸗ ben über Recht und Pflicht und Rechenschaft; das wähn' er nicht! 4. Er sehe, mehr beglückt von Gott, nicht mit Verach⸗ tung oder Spott auf den, von dessen Schweiß er lebt, der ihm erwirbt, was ihn erhebt! 5. Er hasse Grausamkeit und Zwang, verprasse nicht durch Müßiggang, was Gott ihm gibt, beglückt zu seyn mit Andern, aber nie allein! 6. Froh neben ihm, mit ihm vergnügt sei, wer— ei⸗ seine Felder pflügt! Wohl⸗ thätig soll er seyn; denn er ward darum nur des Armen Herr! 7. Er,(denn er hat mehr Macht und Zeit zu höhern Thaten) sei bereit, auch mehr zu thun für Volk und Statt, von dem er seinen Vorzug hat! 8. Verächtlicher, als Skla⸗ ven, ist im Tod einst Jeder, der vergißt, daß er des Va⸗ terlandes Wohl auch mehr, als Andre, fördern soll. 9. Doch, wenn ers nicht vergißt, so freut der Nie⸗ drige sich ohne Neid, weil der der Welt zum Segen lebt, der wohlzut un sich stets bestrebt; 10. Und spricht in seinem Tode dann: Das war ein edler, großer Mann! Er, durch der Tugend Glanz verklärt, war seines Glücks und Vorzugs werth! Der Richter. Mel. Schon ist der Tag von 550 ewöbne dich, durch Wort und That Gerechtigkeit zu üben, und wandle stets den rechten Pfad, den Gott dir vorgeschrieben! Ein Richter, der dies je vergißt, partei⸗ isch und bestechlich ist zer⸗ stört das Glück der Erde. 2 O wehe denen, welche in besondern Verbindungen 429 nicht ihr Ohr zur Unschuld neigen, die mit Verletzung ihrer Pflicht Gesetz und Rechte beugen! Sie säen Fluch und ärnten Fluch durch ihren feilen Richterspruch, denn Gott beschützt die Wahrheit. 3. Wenn sie nicht treu im Amte sind; Gott kennt der Wahrheit Sache. Der Unterdrückten Thräne rinnt und schreit zu ihm um Rache. Gefoltert von Gewissens— qual, erscheinen sie im To⸗ desthal und am Vergel— tungstage. 4. Der Redliche nur wird beglückt, der nie das Recht verdrehet, die Einfalt nie durch List berückt, und nie die Unschuld schmähet. Er gibt und nimmt und redet Nichts, wodurch die Stätte des Gerichts entheiligt wer⸗ den könnte. 5 Er geht, entfernt von Sucht nach Geld, auf des Gesetzes Wegen, und jedes Urtheil, das er fällt, bringt seinem Herzen Segen O wohl dem Land, wo jeder- zeit nur Wahrheit und Ge⸗ rechtigkeit in allen Ständen blühen! 6. Laß Jeden hier fein Amt getreu, o Gott, vor dir ver⸗ walten, und sein Gewissen vorwurfsfrei bis in den Tod erhalten! In unserm gan⸗ zen Vaterland bewahr', o a- 430 Vater, jeden Stand vor Un⸗ recht und vor Frevel. 7. Es suche Jeder, der dich kennt, im Guten sich zu stär⸗ ken, und wer den Namen Jesu nennt, laß ab von bösen Werken! Gib deinen Knechten Kraft dazu! Wer kann es anders, Gott, als du? Du bist der Tugend Quelle! 8. Gerechter Gott, beloh⸗ ne die, die sich vom U recht t wenden! Erquick 4 Gesinnung und? Müh, w enn sie en Lauf vollenden! Zu deinen Freuden nimm sie auf; denn sie vollendeten den Lauf, der Tausende be⸗ glückte. Der Soldat. Mel. Erhalt' uns, Herr, bei 551 Be vaffnete, der D Krieger Stand bewacht, beschützt das Va⸗ terland und stehet dem Ge⸗ setze bei, damit sein Aus⸗ spruch wirksam sei. 2. Gehorsam, Treu' und Tapferkeit zeigt drum vor Allem jederzeit; vergeßt in Krieg und Frieden nicht den edlen Endzweck eurer Pflicht! 3. Welch' wicht'ger Ruf, wie ehrenwerth! O daß ihr immer ihn nur hört! Weh! wer ihn aus den Augen setzt und frevelnd seine Pflicht verletzt! Kampf und Verhalten des Christen 4. Ehrt Wahrheit, Recht, und fürchtet Gott; nie wer⸗ de Tugend euer Spott! Die Krieger sind zu keiner Zeit von ihrer Christenpflicht befreit. 5. Zieht ihr in Krieg: so störet nie die Rechte Andrer; schützet sie! Gewalt übt ungeheißen nicht; stets leit euch Ehrgefühl und Pflicht! 6. O daß nicht Einer Frevel treib! Daß Jeder schone Greis und Weib und Kind und Säugling, wie den Mann, der widerstehn nicht mag noch kann! 7. Wer vor euch nieder⸗ fällt, den hebt mit Brüder⸗ armen auf; wer bebt, den tröstet, Brüder: nie ver⸗ gießt Blut, wenn der Feind entwaffnet ist! 8. Dann seid ihr wahre Helden, seid Vertheidiger der Menschlichkeit, dem Volk, wie dem Regenten werth, von Vaterland und Gott geebrt. 9. Gott sei mit euch in Fried und Krieg, mit euch in jedem Kampf und Sieg, mit euch im Leben und im Tod! Hier segne, dort be⸗ glück euch Gott! Der Landmann. Mel. Erschienen ist der herrlich 552 Wen mir, o Schöpfer, denn besondern denn mein Stand ist auch von dir; du schufst das Land für meinen Fleiß; und vä terlich beglückst und segnest du auch mich: gelobt seist du! 2. Gelobt sei Gott! denn herrlicher und schöner und gesegneter wird jede Flur und jedes Feld durch mei⸗ nen Fleiß für Gottes und auch für mich! 3. Im Schweiße meines Angesichts arbeite ich: doch wann gebricht's mir, wann ich thu', was Gott gebeut an Segen, an Zufried Was brauch 100 mehr? 4. Wie lächeln freudig Au und Flur! In meiner Hütte wohne nur die Unschuld, die nie Arges thut: und Gottes Wohlgefallen ruht und wohnt bei mir. 5. Was hat der Reiche dann voraus? Mehr Macht und Pracht, ein glänzend Haus; doch auch mehr Sorg' und Ueberdruß; bei allem seinem Ueberfluß mehr Furcht und Gram; 6. Nicht mehr Gesundheit, Ruh' und Kraft, wohl aber größ re Rechenschaft. Und wenn ich fromm und gut bin, werd' ich selig, wie der Fürst der Erd', wenn er gut ist. 7. Mübhseligkeit ist Aller Loos, der Mensch sei niedrig oder groß; doch kommen wahre Ruh' und Lust auch Welt Verbindungen. 431 gern, doch nur in dessen Brust, der Gott gefällt. 8 In seiner Werke Herr⸗ lichkeit seh' ich ihn täglich; mich erfreut der Sonne Glanz, der stille Mond; Wald, Thal und Berg und Flur belohnt mir meinen Fleiß 9 Des Weisen Achtung fehlt mir nicht, erfüll' ich redlich meine Pflicht; ich bin ein Mann fürs Vaterland, ich nähr' es und durch meine Hand lebt Volk und Fürst. 10. Wohl mir, wohl mir! en Acker Got⸗ es, meines Herrn, und ärnt ich nicht schon hier den Lohn, ich ärnt' ihn einst vor Gottes Thron in Ewigkeit. Der Nachbar. N tel. Was Gott thut. das ist 5538 cer daß ich fromm und treu auch meine Nachbarn liebe; daß mir ihr Glück erfreulich sei, ihr Unglück mich betrübe; daß ich mich nicht entzieh' der Pflicht, mit auf ihr Wohl zu sehen, und ihnen beizustehen! 2. Laß mich durch mein Benehmen nie, Gott, ihnen Kummer machen! Mein Herz sei willig, auch für sie zu beten und zu wachen! Ermuntre mich, stets nach⸗ barlich das Gut, das sie be⸗ sitzen, sitzen, nach Möglichkeit zu schützen! 3. Gib, daß ich gern ver⸗ schwiegen sei und stets den Frieden suche; nie nähre Neid und Heuchelei, nie heimlich Nachbarn fluche! Und thun sie mir auch Un⸗ recht hier; hab' ich's nur nicht verschuldet: so wird es leicht erduldet. 4. Was hilft ein feind⸗ schaftlicher Sinn? Er führt nur ins Verderben Wie schnell eilt unsre Zeit dahin! Wer weiß, wie bald wir sterben? O Freunde, seid entfernt vom Streit! Denkt, daß ich euch im Grabe zu stillen Nachbarn habe. 5. Herr, präge du den Sinn mir ein, der mich vor Haß behütet, und laß mich auch als Nachbar seyn, was mir dein Wort gebietet! Wer liebreich ist, wie du es bist, wird einst, wenn Feinde beben, in ew gem Frieden leben! umgang(zu Seite 390.) Mel. Schon ist der Tag von G. 554 Die Zunge, di vernehmlich spricht, hat mir mein Gott gegeben. O, mifbraucht' ich doch ihrer nicht! Sie bringet Tod und Leben; sie stürzt in Unglück, bilft in Noth; sie flucht und seg⸗ 432 Gesinnung und Verhalten des Christen net, fleht und droht; kann heilen und verwunden. 2. Hilf, daß in meines Herzens Grund, Herr, deine Furcht stets wohne, und daß gewissenhaft mein Mund der Wahrheit Rechte schone; daß ich, von niedrer Schmei⸗ chelei, von Schmähung und Verstellung frei, was sünd⸗ lich ist, nie rede! 3. Auf deinen Ruhm und Andrer Wohl soll stets mein Sinn sich lenken; hilf mir, so oft ich reden soll, mit Ernste dies bedenken! Zum Guten rege selbst mich an, damit ich wo ich nützen kann, aus Menschenfurcht nicht schweige. 4. O wehe dem verweg⸗ nen Mund, der Fluch und Schwur nicht scheuet! Wie bald wird da der Leichtsinn kund; wie oft zu spät be⸗ reuet! Ach, Fluchen bringet Fluch und Noth, entfernet immer mehr von Gott! Herr, lehr' es mich bedenken! 5. Auch Wehe dem, der Tücke liebt, und dessen Wor⸗ te trügen; der seinen Näch⸗ sten gern betrübt mit Falsch⸗ heit und mit Lügen! Nur Redlichkeit, nur off'ner Sinn, nur Wahrheitsliebe schafft Gewinn, der ewig uns begleitet. 6. Was züchtig, keusch und ehrbar ist, was wohl und lieblich klinget, das re⸗ redet uͤberall der Christ; spricht, wenn es Nutzen bringet, und scheut den Zorn der Menschen nicht; doch wird auch Schweigen ihm zur Pflicht, wenn es die Liebe fordert. 7. O gib mir, Gott, ein reines Herz, und laß mich Spottereien und frechen, sit⸗ tenlosen Scherz mit from⸗ mem Eifer scheuen! Zum Sprechen gabst du mir die Kraft; doch soll ich einst auch Rechenschaft von meinen Worten geben. Freundschaft. Mel. Vom Himmel kam der * welch ein Se⸗ 555 O gen ist ein Freund, der, Gott, durch dich mit mir vereint, mit herzlichem Vertraun mich liebt, mit mir sich freuet und betruͤbt! 2. Der, fest vereinigt erst mit dir, in Einem Geiste dann mit mir fuͤr Wahrheit nur und Tugend lebt, mit mir nach Einem Ziele strebt! 3. Wir tueilen bruͤderlich dein Licht, ermuntern uns zu jeder Pflicht; wir bitten dich vereint um Kraft, gleich fromm zu seyn, gleich tu⸗ gendhaft. 4. Vom Irren haͤlt er mich zuruͤck durch weisen Rath, durch sanften Blick; und in besondern Verbindungen. 433 wenn er mir zu irren scheint, so warn' ich treulich ihn als Freund. 5 Nicht Argwohn, Miß⸗ trau oder Streit, nicht Freude und nicht Traurig⸗ keit, auch nicht des Gluͤckes Unbestand trennt unsrer Freundschaft festes Band. 6. Wir theilen Alles, Freud' und Leid mit bruͤ⸗ derlicher Herzlichktit; und treues Mitgefuͤhl versuͤßt uns Alles, was uns schmerz⸗ lich ist. 7. Trennt auch das Schick⸗ sal Freund von Freund; die Herzen bleiben doch vereint durch Liebe, durch Gebet und Rath, und, wo wir koͤnnen, durch die That. 8. Vollenden wir einst unsern Lauf, so nimmt uns dann Ein Himmel auf. Un⸗ endlich ist die Seligkeit, die ewig uns vereint erfreut. In eigener Melodie. Aerrlich ist's, an 556 H Freundes Hand durch das Leben wandeln, und durch Tugend und Ver⸗ stand fest vereinigt handeln! 2. Ohne Freundschaft gleicht die Welt einem dden Grabe. Wohl mir, daß ich mehr, als Geld, daß ich Freunde habe! 3. Aber da ist Freund⸗ schaft nicht, wo nicht Tu⸗ gend wohnet, wo nicht auf T dem 434 Gesinnung und Verhalten des Christen dem Angesicht thronet. 4. Sittsam ist sie; nicht beim Spiel; nicht bei Trink⸗ gelagen, nicht im laͤrmenden Gewuͤhl darfst du nach ihr fragen. 5. Aber o, du findest sie bei unschuld'gen Scherzen; nur bei der Verlaͤumdung nie, nie bei boͤsen Herzen. 6. Freundschaft lehrt be⸗ scheiden seyn, Andrer Vor⸗ zuͤg ehren; Freundschaft wird dir manche Pein in Vergnuͤgen kehren. 7. Freundschaft zeigt dir klar und frei alle deine Fehle, schmeichelt nicht und macht dabei froͤhlich deine Seele. 8. Laͤchelst du, sie laͤchelt mit, weint bei deinen Leiden; unter ihrem sanften Tritt sprossen tausend Freuden. 9. Moͤcht' ein Jeder doch recht fruͤh ihrer wuͤrdig wer⸗ den! Dann vermehrte sich durch sie Menschengluͤck auf Erden. Christliches Verhalten in Ansehung der Thiere und Bäume. Mel. Es ist das Heil uns N er weise Schoͤ⸗ 557 D pfer, dessen Ruf einst maͤchtig scholl! Es werde! und aller Welt Be⸗ wohner schuf, bestimmte diese Erde nicht fuͤr den Herzensguͤte Menschen nur allein, auch Thiere schuf er, sich zu freu'n auf seiner schoͤnen Erde. 2. Ihm, der fuͤr Alles Sorge hegt, dem Vater aller Dinge, ist Nichts, was seine Erde traͤgt, zu klein und zu geringe. Er, dessen Huld kein Engel mißt, er, der des Menschen Vater ist, ist auch des Wurmes Schoͤpfer. 3. und er, der alle Wesen liebt, er sollte mir erlauben, dem Thiere, dem er Leben gibt, muthwillig es zu rau⸗ ben? Was gaͤbe mir wohl den Beruf, ein Leben, das die Allmacht schuf, gefuͤhllos zu zerstoͤren? 4. Nein, kein Geschoͤpf, das mit mir lebt, darf ich aus Frevel quaͤlen; mag, was mich uͤbers Thier er⸗ hebt, mag auch Vernunft ihm fehlen Sie macht mich zu der Gottheit Bild; allein sie lehrt auch, goͤttlich mild, Gluͤck um mich her ver⸗ breiten. 5. Vernunft, du sollst mich immer mehr die wahre Weisheit lehren! In der Geschoͤpfe großem Herr will ich den Schoͤpser ehren. Wer stolz ein Mitgeschoͤpf verschmaͤht, das unter Gottes Aufsicht steht, entehrt auch seinen Schoͤpfer. 6. Wen eines Thieres Qual erfreut, der wird, das kann nicht fehlen, kalt und ge⸗ gefuͤhllos mit der Zeit gewiß auch Menschen quaͤlen. Wer frech sein Mitgeschoͤpf be⸗ truͤbt, und Haͤrt' und Grau⸗ samkeit veruͤbt, der kann auch Gott nicht lieben. Mel. Kommt her zu mir, spricht 558 Die Thiere, deren Herr du bist, erwaͤg' es oft mit Ernst, o Christ, sind auch des Ganzen Glieder! Der Schoͤpfung Buͤrgerrecht verlieh Gott ihnen auch; drum blick' auf sie nicht mit Verachtung nieder. 2. Sie, Wunder auch von Gottes Hand, sind, stolzer Mensch, dir nah verwandt durch innern Bau und Trie⸗ be; sie zeigen oft des Den⸗ kens Spur, sind alle Kinder der Natur, und freun sich ihrer Liebe. 3. Du hast durch Geistes⸗ uͤbermacht sie unter wuͤrfig dir gemacht, kannst ihre Wildheit zaͤhmen; darfst, was dich staͤrket, was dich schuͤtzt, was dir zu deinem Leben nuͤtzt, von ihrem Le⸗ ben nehmen. 4. Doch ihnen auch, ver⸗ giß es nicht, verband der Schoͤpfer dich zur Pflicht; er hat der Thiere Leben, um milde gegen sie zu seyn, und nicht dich ihrer Qual zu freun, o Mensch, dir untergeben. 5. Du kannst, was deine in besondern Verbindungen. 435 Hand gemacht, was dein Verstand hervorgebracht, ge⸗ faͤllt dir's nicht, vernichten; doch uͤber eines Thieres Tod, der dir Nichts nuͤtzte, wird dich Gott, des Thieres Schoͤpfer, richten. 6. Zwar sind fuͤr dich, der Thiere Herr, o Mensch, noch Pflichten wichtiger, die Pflichten fuͤr die Armen; doch sollst du auch, wie Gott gebot, des armen Thiers in seiner Noth dich mitleids voll erbarmen. Mel. Es ist das Heil uns 559 Mon deiner Weis⸗ heit, Gott der Macht, und deiner Vater⸗ guͤte zeugt auch der Baum in seiner Pracht, zeigt seine Frucht und Bluͤthe; zum Segen pflanzt“ ihn deine Hand, zur Lust und Zierde jedem Land, so weit als Menschen wohnen. 2. Wie koͤnnt' ich denn je einen Baum aus Frevelmuth zerstoren! O nein, in jedem Schattenraum will ich dich, Schoͤpfer, ehren; im Bau⸗ me, der die Erde schmuͤckt, von dem man suͤße Fruͤchte pfluͤckt, erfreut Gott seine Kinder. 3. Wenn mich in seiner Bluͤthenpracht der Baum erfuͤlt mit Wonne, wenn er zur Kuͤhlung Schatten macht bei heißem Strahl 272 der 436 Gesinnung und Verhalten des Christen der Sonne; und wenn er reich die Zweige senkt und freundlich seine Gaben schenkt zur Nahrung und Erquickung; 4. Wenn mich sein Holz erwaͤrmt und schuͤtzt vor Frost, um froh zu leben, wenn es der Hand des Kuͤnst⸗ lers nuͤtzt, mir Hausgeraͤth zu geben; wenn Wohnung und Bequemlichkeit, wenn Hain und Garten mich er⸗ freut: dann will ich freudig danken. 5. Kein guter Mensch, der boͤse nur kann seine Wuͤrde schaͤnden, nur der kann Gaben der Natur mit frevelhaften Haͤnden aus Schadenfreud, aus Haß entweih'n, kann strafbar ihr Zerstoͤrer seyn. Ich, ich will Gutes schaffen! 6. Ich will dem Urbild aͤhnlich seyn, mit ihm zum Wohl des Ganzen nach Kraͤften wirken, gern er⸗ freu'n, auch fuͤr die Nach⸗ welt pflanzen. In deiner Schoͤpfung Heiligthum, o Gott, laß nur zu deinem Ruhm mich, dein Geschoͤpf, stets leben! Gesinnung und Verhalten des Christen zu besondern Zeiten. Am Morgen. Mel. Mein ganzer Geist 560 ich seh' ich wie⸗ der, Morgen⸗ licht, und freue mich der edlen Pflicht, dem Hoͤchsten Lob zu singen. Ich will, ent⸗ brannt von Dankbegier, o mildester Erbarmer dir, mit heil gem Muth lobsingen. Schoͤpfer, Vater, deine Treue ruͤhrt aufs Neue mein Gemuͤthe. Froh empfind' ich deine Guͤte. 2. Du warst auch diese Nacht um mich. Was waͤr' ich, haͤttest du nicht dich so huͤlfreich mir bewiesen? Zu meinem Leben setzest du jetzt einen neuen Tag hinzu, sei hoch dafuͤr gepriesen! Durch dich bin ich, und ich merke neue Staͤrke: dich erhebe Herz und Mund, so lang ich lebe. 3. Verleih', o Gott der Lieb' und Macht, daß Suͤnd' und Gram, wie diese Nacht, auf ewig von mir flie he, daß, ich die kurze Lebenszeit in christlicher Zufriedenheit zu nuͤtzen mich bemuͤhe! Pruͤfe, siehe, wie ich's meine, dir ist keine meiner Sorgen, auch die kleinste nicht, verborgen. 4. Ich bin ein Christ, o Herr, verleih', daß ich des Namens wuͤrdig sei! Mein Ruhm sei deine Gnade! Denn Denn ach, was bin ich ohne dich? Ein Irrender! Erhalte mich, mein Gott, auf deinem Pfade. Stärk mich, daß ich stets mich uͤbe, deine Liebe zu betrachten, uͤber Alles dich zu achten. 5. Auch im Geraͤusch der Welt soll mich der heilige Gedank' an dich oft still zu dir erheben. Im dunklen Thale wall' ich hier; einst nimmst du mich hinauf zu dir, zum Licht und hoͤhern Leben. Auf dich hoff ich! Herr, ich werde mich der Erde gern entschwingen, dir dort ewig Lob zu singen. Mel. Wer nur den lieben Gott 561 oll Dank an diesem neuen Morgen, blick' ich zu dir em⸗ por, mein Gott! Du hoͤrst nicht auf, fuͤr mich zu sorgen, mein Schutz zu seyn vor je⸗ der Noth; du schuͤtztest mich auch diese Nacht; durch dich gestaͤrkt, bin ich erwacht. 2. Wem dank ich's sonst, als deiner Guͤte, daß mich, o Gott, kein Unfall traf? Mit innig freudigem Ge⸗ muͤthe dank' ich dir Staͤr⸗ kung, Ruh' und Schlaf! Auch heute wirst du mit mir seyn, und Kraft zum Guten mir verleihn! 3. Wie viele Tausend mei⸗ ner Bruͤder sind jetzt nicht mehr mit mir erwacht; sie zu besondern Zeiten. 437 sehen nicht die Sonne wieder, nicht deiner Schoͤpfung neue Pracht! Ich lebe noch, und mich erfreut des neuen Mor⸗ gens Heiterkeit! 4. Erhalter, dir soll jede Stunde auch dieses Tages heilig seyn! Ich schwoͤre dir mit Herz und Munde, vor allem unrecht mich zu scheun! Entzieh' zur Uebung meiner Pflicht mir, Herr, nur dei⸗ nen Beistand nicht. 5. Froh werd' ich dann den Tag vollenden, dir, Herr, getreu und meiner Pflicht, Mein Leben steht in deinen Haͤnden; drum schrecket auch der Tod mich nicht; und endet heute sich mein Lauf, so eilt mein Geist zu dir hinauf! In eigener Melodie. 562 Got des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und heil'ger Geist, der es Tag und Nacht laͤßt werden, Mond und Sonne scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt, und was drinnen ist, erhalt; 2. Gott, ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen hast behuͤtet und bewacht, und bei aller meiner Schuld mich noch traͤgst mit Vaterhuld. 3. Gleich der Nacht laß meine Suͤnden vor der Gna⸗ 2323 de de Glanz vergehn, die durch Christum Alle finden, welche glaͤubig auf dich sehn, der fuͤr unsre Missethat sich am Kreuz geopfert hat. 4. Hilf, daß ich an diesem Morgen geistlich auferstehen mag und fuͤr meine Seele sorgen, daß ich, kommt dein großer Tag, meines Richters Antlitz dann ohne Schrecken schauen kann. 5. Auf der Bahn der Tu⸗ gend leite du mich, Herr, verlaß mich nicht; und ver⸗ leihe mir auch heute Muth und Kraft zu jeder Pflicht. Dein Geschenk, die Gnaden⸗ zeit, werde nie von mir ent⸗ weiht! 6. Deinem Schutze sei ergeben Alles, was ich hab' und bin! Dir vertrau' ich Seel' und Leben, werf' auf dich die Sorgen hin. Herr, mein Heil, mein Schild und Ruhm, segne mich, dein Ei⸗ genthum! 7. Huͤlfe wollest du mir senden, wenn Gefahr und Noth mir droht; Alles mir zum Besten wenden, es sei Leben oder Tod! Sterb' ich, Herr, so nimm mich hin, wo ich nicht mehr sterblich bin! Mel. Besiehl du deine Wege 563 ob sei Gott, der den Morgen uns sendet nach der Nacht; der, wenn wir ohne Sorgen ent⸗ 438 Gesinnung und Verhalten des Christen schlummern, fuͤr uns wacht, der uns im Schlaf erquicket und unsre Kraft erneut: Gott, der die Erde schmuͤk⸗ ket, und, was er schuf, erfreut! 2. Von dir ist mir gege⸗ ben, Herr, was ich hab' und bin. Und dies mein irdisch Leben flieht schnell zum Tode hin. Bald ist sie ganz ver⸗ schwunden, der Wallfahrt kurze Zeit; doch haͤngt an ihren Stunden das eil der Ewigkeit. 3. O suͤßer, hoher Glaube, vom Tod einst aufzustehn! Mein Leib nur wird zu Staube; mein Geist wird nicht vergehn! Ach, laß mich's nie vergessen! Der heil gen Hoffnung voll, laß taglich mich ermessen, was einst ich werden soll! 4. Sollt' ich nach Wollust schmachten? Ihr Lohn ist Reu' und Schmerz! Nach Reichthum aͤngstlich trach⸗ ten? Nie komm' es in mein Herz! Hienieden schon auf Erden soll meine Seele rein, ein Tempel Gottes werden, ganz ihm geheiligt seyn! 5. Getrost, mein Geist! Ermuͤde in deinem Kampfe nicht! Dich staͤrket Gottes Friede mit Kraft und Zuver⸗ sicht. Ermunt're dich und streite: des Sieges Lohn ist nah! Getrost! Vielleicht ist heute des Kampfes Ende 5 n In eigener Melodie. 564 M. Ge⸗ schaͤft sei Preis und Dank! Erhebe Gott, o Seele! Der Herr hoͤrt deinen Lobgesang; lob⸗ sing' ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schuͤtzen ohne Macht, lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht und Ruhe fuͤr die Muͤden? 3. Wer wacht, wann ich von mir Nichts weiß, mein Leben zu bewahren? Wer staͤrkt mein Blut in seinem Fleiß, und schuͤtzt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, sich ficher zu bedecken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, die Seele zu erwecken? 5. Du bist es, Herr und Gott der Welt, und dein ist unser Leben. Du bist es, der es uns erhaͤlt, und mir's jetzt neu gegeben. 6. Gelobet seist du, Gott der Macht, gelobt sei deine Treue, daß ich nach einer sanften Nacht mich dieses Tags erfreue! 7. Laß deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege wallen; und lehre du mich selber thun nach deinem Wohlgefallen! 8. Nimm meines Lebens gnaͤdig wahr; auf dich hofft zu besondern Zeiten. meine Seele! Sei mir ein Retter in Gefahr, ein Va⸗ ter, wenn ich fehle! 9. Gib mir ein Herz voll Zuversicht, erfuͤllt mit Lieb' und Ruhe; ein weises Herz, das seine Pflicht erkenn' und willig thue; 10. Daß ich mit Freudig⸗ keit und Muth mich stets zu bessern strebe, gottselig, zuͤchtig, fromm und gut in Sinn und Thaten lebe; 11. Daß ich, dem Naͤch⸗ sten beizustehn, nie Fleiß und Arbeit scheue, mich gern an Andrer Wohlergeh'n und ihrer Tugend freue; 12. Daß ich das Gluͤck der Lebenszeit in deiner Furcht genieße, und meinen Lauf mit Freudigkeit, wann du gebeutst, beschließe! Mel. Von Sott will ich nicht Ümaͤchtiger, ich 565 A hebe 55 Aug' empor zu dir. Preis dir, durch den ich lebe, und neuer Dank dafuͤr! Herr, deine Huld ist groß, und niemals hat das Lallen des Dankes dir mißfallen, das aus dem Herzen floß! 2. Daß nicht in tiefem Schlummer des Lebens Licht verlischt, und daß mich, frei von Kummer, ein sanfter Schlaf erfrischt: dies dank' ich deiner Macht und deiner Vatertreue. Durch sie bin T 4 ich * ich auf's Neue mit heitrem Muth erwacht. 3. Beschuͤtzer unsrer See⸗ len; ich traue stets auf dich. Was soll ich fuͤr mich waͤh⸗ len? O waͤhle du fuͤr mich! Gib, was mir heilsam ist! Gott, dem ich Alles danke, mich staͤrke der Gedanke, daß du stets um mich bist! 4. Er staͤrke mich, mit Freuden zu thun, was dir gefallt; er troͤste mich im Leiden; und will die Lust der Welt mich jemals nach sich zieh'n, helf er mein Herz bewahren, helf' er mir die Gefahren der Suͤnde sehn und fliehn! 5. Begluͤcke du die Mei⸗ nen nach deiner Guͤtigkeit! Verlaß der Armen keinen; wend' alles Herzeleid! Du willst zwar gern erfreu'n, eilst Allen beizustehen; doch soll der Liebe Flehen dir auch gefaͤllig seyn. 6. Gott, dem ich ange⸗ hoͤre, dein Friede ruh' auf mir! Mein Seufzer, meine Zaͤhre, Erbarmer, ist vor dir. Deß soll mein Herz sich freu'n. Wer dir nicht traut, der bebe; ich sterbe oder lebe, so bin ich ewig dein! Mel. Gett des Himmels und „ ott sei Dank, 566 ich lebe wieder, fuͤhle und empfinde mich. Herr, dir bring' ich meine 440 Gesinnung und Verhalten des Christen Lieder, und mein Herz erhe⸗ bet dich; denn dein Aug' hat in der Nacht uͤber mich, dein Kind, gewacht. 2. Wenn ich einst vollen⸗ det habe diese meine Pilger⸗ zeit, ruh' ich auch also im Grabe, Samen fuͤr die Ewigkeit. Auch in dieser langen Nacht wird mein Staub von dir bewacht. 3. Aber ich erwach' auch wieder, und mein Lobgesang mit mir; dann erschallen meine Lieder maͤchtiger und reiner dir. Ewig wird der Morgen seyn; ewig schlaf' ich nicht mehr ein. 4. Wach auch uͤber meine Tage, Gott, du meine Zuversicht, daß mich keiner einst verklage, wenn du kommst zum Weltgericht, daß ich hier der Pflicht ge⸗ 5 und dort unerschrocken sei 5. Keinen Tag zaͤhlst du vergebens, Gott, durch den ich bin, mir zu. Jeder ist ein Theil des Lebens, jeden, jeden richtest du. Lehr' mich wachen, daß mir nie unge⸗ nuͤtzt ein Tag entflieh'! 6. Heute leb' ich; laß auch heute nicht umsonst mein Leben seyn! Laß mich nach vollbrachtem Streite dieses Tags auch mich er⸗ freun; recht zu handeln, gib mir heut Staͤrke, Lust, Gelegenheit! Mel. Mel. Christus, der ist mein Moch laßt der 567 N Herr mich le⸗ ben! Mit froͤhlichem Ge⸗ muͤth eil ich ihn zu erheben; er hoͤrt mein fruͤhes Lied. 2. Zu ihm entzuͤckt mich wieder der Morgensonne Pracht; ich falle vor ihm nieder, der sie und mich gemacht. 3. Du, Herrscher aller Welten, nimmst dich auch meiner an; wie soll ich dir vergelten, was du an mir gethan? 4. Wirst du nach Opfern schauen? Sie gelten Nichts vor dir. Du forderst nur Vertrauen, nur kiebe, Gott, von mir. 5. Dein sei mein ganzes Leben, mein Herz sei ewig dein! Dir will ich Ehre geben und deiner Huld mich freu'n. 6. O Tilger meiner Suͤn⸗ den, mein Mittler, Jesu Christ, laß mich den Trost empfinden, daß du mir gnaͤ⸗ dig bist. 7. Dir hab' ich mich erge⸗ ben, ich freue mich in dir; du Bester, mehr als Leben ist deine Guͤte mir. 8. Sie fuͤhre mich auch heute auf deiner Tugend Pfad! Du, Ewigweiser, leite mich selbst nach deinem Rath! 9. Nur Eins laß mich er⸗ flehen: Gib mir ein weises zu besondern Zeiten. Herz; auf dich laß stets mich sehen in Freude, wi im Schmerz! 10. Daß ich am ersten trachte nach dem, was dir gefaͤllt, mehr deinen Beifall achte, als allen Ruhm der Welt! 11. Daß ich, dir innig trauend, das Gute standhaft thu' und froh, gen Him⸗ mel schauend, denk': Herr, mich siehest du. 12. Bereit den Lauf zu schließen auf deinen Wink, o Gott, und lauter im Ge⸗ wissen: so finde mich der Tod! Mel Es ist das Heil uns 568 If Gottes Namen fang' ich an, was mir zu thun gebuͤhret. Mit Gott wird Alles wohlgethan und standhaft ausgefuͤhret. Was man in Gottes Namen thut mit frommem Sinn und festem Muth, das muß zuletzt gedeihen. 2. Gott ist's, der das Vermoͤgen schafft, das Gute zu vollbringen. Er gibt Verstand und Lust und Kraft und laͤßt das Werk gelingen. Ist er mit uns, so fehlt uns nicht, was unserm wahren Wohl gebricht; er kroͤnet uns mit Segen. 3. Drum leite mich sein guter Geist, den Muͤßiggang zu meiden, und das, was er T 5 mich mich wirken heißt, geschehe stets mit Freuden! Er staͤrke mich, damit ich treu, gewis⸗ senhaft und redlich sei und gern dem Nächsten diene! 4. Ja, segne, Gott, auch heute mir die Werke meiner Haͤnde, und lenke meinen Blick zu dir, wenn ich sie froh vollende! Vergaͤnglich ist der Erde Lohn; doch ewig ist vor deinem Thron der Preis der Arbeitstreue. In eigener Melodie. ach auf, mein 569 W̃᷑ Herz, und singe dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Guͤ⸗ ter, des Menschen treuem Huͤter! 2. Gott, Vater, mit Er⸗ barmen bedecktest du mich Armen; du sprachst: Schlaf“ ohne Grauen; die Sonne sollst du schauen! 3. Dein Wort, Herr, ist geschehen; ich kann das Licht noch sehen: du machst, daß ich auf's Neue mich mei⸗ nes Lebens freue. 4. Steig' auf, mein Dank, zum Throne! Dem Vater und dem Sohne, dem Geist des Herrn sei Ehre! Anbe⸗ tung Preis und Ehre! 5. Hoͤr', Guͤtigster, mein Flehen; du kannst in's Herze sehen: ach moͤchte dir gefal⸗ len, Herr, meines Herzens Lallen! 412 Gesinnung und Verhalten des Christen 6. Dein Werk woll st du vollenden; dich nimmer von mir wenden, und mich in meinen Tagen stets mit Verschonen tragen! 7. In allen meinen Tha⸗ ten woll'st du mir selber ra⸗ then; mich stets zum Besten leiten, zum Himmel mich bereiten! 8. Auf allen meinen We⸗ gen begleite mich dein Se⸗ gen: dein Wort sei meine Speise auf meiner Pilger⸗ reise! Mel. Werde munter, mein 570 Wen ich einst von jenem Schlummer, welcher Tod heißt, aufersteh, und, von dieses Lebens Kummer frei, den schoͤnern Morgen seh': o dann wach' ich anders auf; schon am Ziel ist dann mein Lauf! Traͤume sind des Pil⸗ gers Sorgen, großer Tag, an deinem Morgen. 2. Hilf, daß keiner mei⸗ ner Tage, Geber der Un⸗ sterblichkeit, einst mich im Gericht verklage, daß ich straͤflich ihn entweiht! Auch noch heute wacht' ich auf! Dank sti dir! Zu dir hinauf muͤsse jeder Tag mich leiten, zur Unsterblichkeit bereiten! 3. Daß ich gern sie vor mir sehe, wenn ihr letzter nun erscheint; wenn zum dunklen Thal ich gehe, und mein mein Freund nun um mich weint. Lindre dann des Todes Pein, und laß mich den Staͤrksten seyn, meinen Freund gen Himmel weisen, und dich, Herr des Todes, preisen. Am Sonntagmorgen. Mel. Es ist das Heil uns 571 Far, wach ich Va⸗ ter, wach auf am Tage deiner En Mein Morgenopfer dringt hinauf in's Lied der Engel⸗ choͤre und dankt, daß deine Guͤtigkeit mir heute wieder Ruh' und Zeit zur Seelen⸗ bildung schenket. 2. Dich beten Erd' und Himmel an, o Schoͤpfer aller Dinge! Wohl mir! Auch ich darf mich dir nah'n: du hoͤrst, wenn ich dir singe. Du selbst bedarfst zwar meiner nicht; doch ewig bleibt es meine Pflicht, dich kindlich zu verehren. 3. Drum heilig sei die Staͤtte mir, wohin, Gott, deine Frommen mit Dank und Lust und Lehrbegier, dich anzubeten, kommen! Ich liebe fie und walle gern zum Hause Gottes, meines Herrn, mit ihnen anzubeten. 4. Hier fuͤhl' ich durch den frommen Dank, womit dich Christen loben, durch ihren heiligen Gesang zum Himmel zu besondern Zeiten. 443 mich erhoben! Hier hoͤr' ich, Gott, im Geiste schon die Seligen vor deinem Thron ihr Heilig, Heilig! singen. 5. Hier seh' ich jeder Tu⸗ gend Preis an deinem Throne prangen, und ringe nun mit Ernst und Fleiß, das Kleinod zu erlangen. Hier staͤrkst du mich durch deine Kraft zur Treu' in meiner Pilgerschaft, zur Liebe und zur Hoffnung. 6. So wird dein Tag, o Vater, mir ein Tag des Segens werden! So seh' ich und empfind' ich hier den Himmel schon auf Erden! So werd' ich nach der Pruͤ⸗ fungszeit einst im Genuß der Seligkeit, verklaͤrt, dich ewig preisen. Beim Anblicke der auf— gehenden Sonne. In eigener Melodie. 572 Se mir gegruͤßt zu meines Gottes Ehre, du, seiner Schoͤpfung Koͤnigin! Steig auf und geuß aus deinem Flammenmeere Erstaunen vor dich hin! 2. Daß alle Welt anbe⸗ tend niederfalle vor dem, der dich so schoͤn gemacht, der Menschen schuf und vaͤ⸗ terlich fuͤr Alle mit seiner All⸗ macht wacht; 3. Daß uͤberall bis zur entfernt'sten Zone, die stau⸗ nend 444 Gesinnung und Verhalten des Christen nend deine Groͤße sieht, Zu⸗ friedenheit und Lieb' und Eintracht wohne, die oft den Erdkreis flieht! 4. Und so sei du, was du ihm stets gewesen, dem Er⸗ denvolke Gottes Blick, dem Lande Frucht, dem Kranken froh Genesen, dem Armen Trost und Gluͤck! 5. Auch mir, wenn ich in Unmuth aufwärts blicke, weil Gottes Weg ich nicht versteh', gieß' Heiterkeit in's kranke Herz und schicke mir Kraft, daß ich's besteh'! 6. Und lehre mich in Freu⸗ digkeit hienieden mich jeder Christentugend weih'n; voll Duldsamkeit bereit zum sel'⸗ gen Frieden und mild, wie du, zu seyn! Am Abend. Mel. In allen meinen Thaten Mun sinkt die 573 N Sonne nie⸗ der, die stille Nacht kommt wieder und mit ihr Schlaf und Ruh; sie schenkt uns neue Krafte, beschließt des Tags Geschaͤfte und druͤckt die muͤden Augen zu. 2 Noch wach' ich und er⸗ zaͤhle mit tiefgeruͤhrter See⸗ le, was Gott an mir ge⸗ than. Mt dankendem Ge⸗ muͤthe lobsing' ich seiner Guͤ⸗ te; er hoͤrt mein frommes Loblied an. 3. Von ihm kommt jede Gabe: das Leben, das ich habe, die Ruhe dieser Nacht. Er ist der Quell der Guͤter, mein Schutz und treuer Huͤ⸗ ter, der, wenn ich schlummre, fuͤr mich wacht. 4. Er laͤßt es finster wer⸗ den und huͤllt den Kreis der Erden in schwarze Dunkel⸗ heit; doch auch in dunkler Stille wohnt er mit seiner Fuͤlle, und zeigt mir seine Herrlichkeit. 5. Er fuͤhrt aus dunkler Ferne den Mond und tausend Sterne mit Majestaͤt herauf. Sie leuchten, ihm zur Ehre, hoch uͤber Erd' und Meere, und seine Hand lenkt ihren Lauf 6. Groß, wenn der Mor⸗ gen grauet; groß, wenn der Abend thauet; groß in der stillen Nacht, im Sonnen⸗ schein und Sturme, am Menschen und am Wurme, groß, Vater, zeigst du deine Macht. 7. Voll Majestaͤt und Starke steh'n lauter Wun⸗ derwerke in deiner Schoͤp⸗ fung da. Wie kann ich dir's vergelten? Du Gott und Herr der Welten, warst auch mir Armen heute nah'. 8. Woher mein Glück, mein Leben? Du hast es mir gegeben; du bist's, der fuͤr mich wacht. Woher auf mei⸗ nen nen Wegen so mancher rei⸗ che Segen? Du bist's, der Alles wohlgemacht. 9. Gott, groß von Macht und Treue, jetzt, da ich dein mich freue, wird auch die Nacht mir Licht. Leg' ich die muͤden Glieder in deinem Namen nieder: so wachest duz ich sorge nicht. 10. Soll mir der Schlaf zum Leben erneute Kräfte geben, so will ich deß mich freu'n. Soll er mein Leben enden, so wirst du mich vol⸗ lenden, mein Gott auch noch im Tode seyn. Mel. O Gott, du frommer Gott 8 er Tag ist wie⸗ 574 D der hin; und diesen Theil des Lebens, wie hab' ich ihn vollbracht? Ent⸗ floh er mir vergebens? Hab' ich mit allem Ernst dem Gu⸗ ten nachgestrebt? Hab' ich vielleicht nur mir, nicht mei⸗ ner Pflicht gelebt? 2. War's in der Furcht des Herrn, daß ich ihn angefan⸗ gen? Mit Dank und mit Gebet, mit eifrigem Ver⸗ langen, als ein Geschoͤpf von Gott, mich seinem Dienst zu weih'n, und zuͤch⸗ tig und gerecht und Got⸗ tes Freund zu seyn? 3. Hab' ich in dem Beruf, den Gott mir angewiesen, durch Eifer und durch Fleiß zu besondern Zeiten. 4⁴⁵ mir und der Welt genuͤtzt und jeden Dienst gethan, weil ihn der Herr gebot, nicht, weil mich Menschen sahn? 4. Wie hab' ich diesen Tag mein eigen Herz regieret? Hat mich im Stillen oft ein Blick auf Gott geruͤhret? Erfreut' ich mich des Herrn, der unser Fleh'n bemerkt? und hab' ich im Vertrau'n auf ihn mein Herz gestaͤrkt? 5. Dacht' ich bei dem Ge⸗ nuß der Guͤter dieser Erden an den Allmaͤchtigen, durch den wir sind und werden? Verehrt' ich ihn im Staub? Empfand ich seine Huld? Trug ich das Gluͤck mit Dank, den Unfall mit Ge⸗ duld? 6. Und wie genoß mein Herz des Umgangs suͤße Stunden 2 Fuͤhlt' ich der Freundschaft Gluͤck, sprach ich, was ich empfunden? War auch mein Ernst noch sanft, mein Scherz noch un⸗ schuldsvoll? und hab ich Nichts gesagt, was ich be⸗ reuen soll? 7. Hab' ich die Mein igen durch Sorgfalt mir ver⸗ pflichtet, sie durch mein Bei⸗ spiel still zum Guten unter⸗ richtet? War zu des Mit⸗ leids Pflicht mein Herz nicht zu bequem? Ein Gluck, das Andre traf, war dies mir ihn, meinen Gott, gepriesen; angenehm? * 8. War 8. War mir der Fehltritt leid, sobald ich ihn began⸗ gen? Bestritt ich auch in mir ein unerlaubt Verlan⸗ gen? Und wenn in dieser Nacht Gott uͤber mich ge⸗ beut, bin ich vor ihm zu steh'n auch willig und be⸗ reit? 9. Gott, der du Alles weißt, was koͤnnt' ich dir verhehlen? Ich fuͤhle taͤg⸗ lich noch die Schwachheit meiner Seelen. Vergib durch Christi Blut mir die verletzte Pflicht; vergib und gehe du nicht mit mir in's Gericht! 10. Ja, du verzeihest dem, den seine Suͤnden kraͤnken; du liebst Barmherzigkeit und wirst auch mir sie schenken. Auch diese Nacht bist du der Waͤchter uͤber mir; leb' ich, so leb' ich dir; sterb' ich, so sterb' ich dir! Mel. Besiehl du deine Wege 2 Irmuͤdet von den 575 Eggen und der Geschaͤfte Last, die du mir jeden Morgen hier auferle⸗ get hast, eilt, Herr, nach deinem Willen der Koͤrper jetzt zur Ruh', weint dir vorher im Stillen Dank meine Seele zu. 2. Du gabst Verstand und Krafte zu Allem, was ich that; gabst Segen dem Ge⸗ schaͤfte, fuͤr das ich Segen 446 Gesinnung und Verhalten des Christen bat; du wandtest allen Scha⸗ den, warst mir Vertrau'n und Licht und uͤbergabst aus Gnaden mich dem Verder⸗ ben nicht. 3. Vergiß es nicht, o Seele, was Gott an dir gethan, verehr' des Herrn Befehle, bet' ihn in De⸗ muth an, ihn, der von seinem Sitze gern auf dein Flehen hoͤrt, und auch der Last und Hitze der Kreuzes⸗ tage wehrt! 4. Mit deinem Schilde decke dein Kind auch diese Nacht, auf daß mich Nichts erschrecke, auf daß, wann ich erwacht, und durch den Schlaf erquicket, mein Geist befreit von Gram, froh nach der Hoͤhe blicket, von wel⸗ cher Huͤlfe kam! 5. Die Meinen, Weib und Kinder und Freund'; und Hab' und Gut, auch meinen Feind nicht minder, nimm, Herr, in deine Hut! Nie wird dein Auge muͤde, nie, Huͤter, schlummerst du; gib unserm Lande Friede, gib Jedem Gluck und Ruh! 6. Versag' auch diese Bit⸗ te mir, mein Erbarmer, nicht: Wann diese morsche Huͤtte des Leibes einst zer⸗ bricht, so laß, o Gott, mein Sterben dem Schlummer aͤhnlich seyn, und nimm mich, deinen Erben, in dei⸗ nen Himmel ein!— Mel. In allen meinen Thaten 2 Kerr, der du mir 576 H das Leben bis diesen Tag gegeben, dich bet ich kindlich an! Ich bin viel zu geringe der Treue, die ich singe, und die du heut' an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemuͤ⸗ the freu' ich mich deiner Guͤ⸗ te; ich freue mich in dir. Du gibst mir Kraft und Staͤrke, Gedeih'n zu mei⸗ nem Werke und schaffst ein reines Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh' der Seele, nach deines Worts Befehle einher im Leben geh'n; auf deine Guͤte hoffen, im Geist den Himmel offen und dort den Preis des Glaubens sehn! 4. Ich weiß, an wen ich glaube und nahe mich im Staube zu dir, o Gott, mein Heil! Ich bin der Schuld entladen, ich bin bei dir in Gnaden, und in dem Him⸗ mel ist mein Theil. 5. Bedeckt mit deinem Se⸗ gen, eil' ich der Ruh entge⸗ gen; dein Name sei gepreist! Mein Leben und mein Ende ist dein; in deine Haͤnde be⸗ fehl' ich, Vater, meinen Geist. Ju eigener Melodie. Do fliehen unsre 5 577 OSgage bin! auch dieser ist nicht mehr! Die zu besondern Zeiten. 447 Nacht, der Muͤden Troͤsterin, eilt wieder zu uns her. 2. Herr, du nur bleibest, wie du bist; du schlaͤfst und schlummerst nicht; die Fin⸗ sterniß, die uns umschließt, ist deinem Auge Licht. 3. Dir übergeb' ich voll Vertrau'n mich auch in die⸗ ser Nacht; wovor, Herr, sollte mir denn grau'n? Mich schuͤtzet deine Macht. 4. Hab' ich an deiner Gna⸗ de nur stets Theil, o Herr, mein Gott; so fuͤrcht' ich Nichts in der Natur! so scheu' ich nicht den Tod. 5. Zwar ich erkenne mei⸗ ne Schuld, mit Reue fühl ich sie; doch, mein Erbar⸗ mer, deine Huld, wie trost⸗ voll ist mir die! 6. Ich eil im Glauben zu dir hin, und weiß, wie sicher ich im Schutze deiner All⸗ macht bin; dein Schirm be⸗ decket mich. 7. Flieht, finstre Sorgen weit von mir! Herr Jesu, du allein seist mein Gedank; o weihe dir mein Herz zum Tempel ein. 8. Vielleicht ist dies die letzte Nacht in meiner Pruͤ⸗ fungszeit; dann führe mich durch deine Macht zum Licht der Ewigkeit! 9. Ich lebe dir, ich sterbe dir, dein bin ich auch im Tod. Du, mein Erretter, bist bei mir und hilfst aus aller 2 el. Mel. In allen meinen Thaten 578 Die stillen Abend⸗ 0 stunden, wie schnell sind sie entschwunden in haͤuslich froher Ruh'! Nun senkt die Nacht sich nieder und druͤckt uns allen wieder mit sanfter Hand die Augen zu. 2. O laßt uns ihn erwaͤ⸗ gen, den unverdienten Se⸗ gen, den uns der Tag ge⸗ bracht! Laßt uns von Dank entbrennen, und tiefgeruͤhrt bekennen: Der Herr hat Al⸗ les wohlgemacht! 3. Ou hast, o Gott, voll Gnade, auf segenvollem. Pfade uns bis hierher ge⸗ fuͤhrt. Nicht uns, nur dir sei Ehre! Ein jeder Tag vermehre in uns den Dank, der dir gebuͤhrt. 4. Der Schlaf, den du den Muͤden nach Tageslast beschieden, auch er sei dir geweiht! Wir schlummern ohne Sorgen; denn du er⸗ weckst uns morgen hier oder in der Ewigkeit. Mel. So fliehen unsre Tage 579 Wer unter dei⸗ nem Schirme ruht, o Gott, von dir be⸗ wacht, der trotzt mit un⸗ erschrocknem Muth dem Grauen dunkler Nacht. 2. Umringt von stiller Fin⸗ sterniß sing ich dir, Herr, ein Lied. Mein Herz froh⸗ 448 Gesinnung und Verhalten des Christen lockt und ist gewiß, daß mich dein Auge sieht. 3. Der Tag ist schnell da⸗ hin geeilt, und deine Vater⸗ hand hat mir viel Gutes zu⸗ getheilt, viel Boͤses abge⸗ wandt. 4. Auch in der Noth und wenn ich litt, nahmst du dich meiner an, und so ist nun ein neuer Schritt zur Ewig⸗ keit gethan. 5. Du, Herr, wirst auch noch immerdar mein guter Vater seyn, und jetzt und auch bei grauem Haar mich segnen und erfreu'n. 6. Doch dir befehl' ich meine Zeit. Ich leb' in dieser Welt, o Vater der Barm⸗ herzigkeit, so lang es dir gefaͤllt. 7. Ich trau' auf dich und zittre nicht; kein Unfall wird sich nahn: du warst ja meine Zuversicht von meiner Ju⸗ gend an. 8. Ich schließ' auch jetzt in dunkler Nacht getrost die Augen zu; ich fuͤrchte keine ird sche Macht: du sicherst meine Ruh'! Mel. Freu' dich sehr, o meine 580 2 uf, o Seele, sei noch munter! Gottes Lob ist deine Pflicht. Seine Sonne gehet unter, aber seine Guͤte nicht. Er hat mich auch heut' ernaͤhrt, manche Freude mir gewaͤhrt, vor vor Gefahren mich beschuͤtzet, mich in Schwachheit unter⸗ stuͤtzet. 2. Stets verehrt und hoch⸗ gepriesen seist du, treuer Gott, von mir! Was du Gutes mir erwiesen, danket meine Seele dir. Du hast, war ich's gleich nicht werth, liebreich das Gebet erhoͤrt, das ich heut', als ich er⸗ wachte, dir im Namen Jesu erachte. 3. Gib nun bis zum fro⸗ hen Morgen meinem Leibe sanfte Ruh'! Durch dich schlaf' ich ohne Sorgen; wenn ich schlafe, wachest du. Leib und Seel befehl' ich dir, walte gnaͤdig uͤber mir! Sei auch du der Gott der Meinen, zaͤhl' sie alle zu den Deinen! 4. Laß uns doch kein ban⸗ ges Schrecken, Raͤuber nicht, nicht Feuersgluth plotzlich aus dem Schlummer wecken, halt' uns fest in deiner Hut! Hilf, wenn Krankheit oder Tod uns im sichern Schlafe droht, oder laß uns, wenn wir ster⸗ ben, deines Himmels Freuden erben! Mel. Werde munter, meine 581 Sim ich einst in jenen Schlum⸗ mer, aus dem Keiner mehr er⸗ wacht, geh' ich aus der Welt voll Kummer, Todesruh', in deine Nacht: o dann schlaf ich zu besondern Zeiten. 449 anders ein. Weg aus dieses Lebens Pein, wall' ich hin zu deren Huͤtten, die, nun gluͤcklich, hier auch stritten. 2. Jetzt entschlaf ich, auf⸗ zuwachen noch fuͤr Tage die⸗ ser Zeit! Laß mich fertig stets mich machen, Vater, zu der Ewigkeit, daß ich Wanderer dann sei leicht, bereit, von Buͤrden frei, von den Lasten dieser Erde, wenn ich nun unsterblich werde. 3. Gern laß einst den Tag mich sehen, der als Retter mir erscheint: wenn mit nicht erhoͤrtem Flehen, wer mich liebet, um mich weint! Staͤrker, als mein Freund im Schmerz, sei mein hoff⸗ nungsvolles Herz, und, noch sterbend dich zu preisen, laß mich ihn gen Himmel weisen! Mel. Wo Gott zum Haus 582 ch seh' im Abend⸗ rothe schoͤn, Herr, deine Sonne unter⸗ gehn. Noch untergehend freut ihr Glanz, erhebt ein fuͤhlend Herz so ganz. 2. Von einer halben Welt nimmt sie den Segen mit, und sucht ihn nie. So geht von edler That dein Freund, entweicht dem Dank, den man ihm weint. 3. Sie sinkt. Ich blick' ge⸗ ruͤhrt ihr nach; nicht mehr ist jetzt mein Aug' zu schwach. So scheucht zu starker Glanz zu 450 Gesinnung und Verhalten des Christen zuruͤck, bescheid' ne staͤrkt den Blick. 4. Versunken ist sie. So versinkt, sobald, Herr, deine Weisheit winkt, auch unsre Herrlichkeit und Pracht; all unser Glanz verlischt in Nacht. 5. Sie sank und floh von uns, um schoͤn dort andern Bruͤdern aufzugeh'n, die jetzt sich ihrer Ankunft freu'n, und dir nun Morgenlieder weih' n. 6. So gehn auch wir der⸗ einst, erwacht vom Schlum⸗ mer unsrer letzten Nacht, schließt hier sich unser Lebens⸗ lauf, zu einer hoͤhern Wall⸗ fahrt auf. Tugend Mel. In allen meinen Thaten 583 er Mond ist aufgegangen; die goldnen Sterne prangen am Himmel hell und klar; der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wie⸗ sen steiget der weiße Nebel wunderbar. 2. Wie ist die Welt so stille, und in der Daͤmm' rung Huͤlle so feierlich und hold; gleich einer stillen Kammer, wo ihr des Lebens Jammer verschlafen und vergessen sollt. 3. Gott, laß dein Heil uns schauen, auf nichts Ver⸗ gaͤnglichs bauen, dem Eit⸗ len nie uns weihn! Laß uns nur weise werden und vor dir hier auf Erden von Her⸗ zen fromm und froͤhlich seyn! 4. Woll'st endlich ohne Graͤmen aus dieser Welt uns nehmen durch einen sanften Tod; und wann du uns genommen, so laß uns zu dir kommen, du lieber, treuer, frommer Gott! 5. So legt euch denn, ihr Glieder, in Gottes Namen nieder; kalt ist der Abend⸗ hauch. Verschon' uns, Gott, mit Strafen und laß uns ruhig schlafen und unsre kranken Bruͤder auch! Unter gestirntem Himmel. Mel. Nicht um Reichthum 584 Einem bin ich; tiefe Stille herrscht um mich in der Na⸗ tur! Unter einer dunkeln Huͤlle liegt der Farben⸗ schmuck der Flur. Alles ruht, sich zu erquicken; mir noch lohnet wach die Zeit; aufge⸗ than vor meinen Blicken hat sich die Unendlichkeit. 2. Welche Tiefen! Welche Hoͤhen! Heil'ge Schauer fas⸗ sen mich! Wie viel tausend Welten drehen hier um ihre Sonnen sich! Und wo sind des Raumes Graͤnzen, wo sich keine Welt mehr dreht, keine Sonnenstrahlen glaͤn⸗ zen, und kein Lebensodem weht? 5 3. Wie 3. Wie viel Millionen Le⸗ ben freuen sich in jeder Welt, freuen sich, den zu erheben, der sie schuf und sie erhaͤlt! Und wer ist's, der stets sie alle liebend, segnend uͤber⸗ schaut? Wer, der seines Tempels Halle ins Unend⸗ liche gebaut? 4. Kann mich bier sein Name truͤgen? hier mir leuchten ohne Sinn? Er schrieb ihn mit Flammen⸗ zuͤgen; und sein Name heißt: Ich bin. Ja du bist, den GOT wir nennen, dem das Weltall eigen ist! Se⸗ ligkeit ist's, dich zu kennen, der du Aller Vater bist. 5. Deine aͤltre Offenba⸗ rung liegt jetzt aufgeschlagen da; und im Lande der Erfah⸗ rung fand ich dich mir immer nah. Du, der woͤlbte diesen Bogen und der Sterne Kreis bewegt, hast den Puls auch aufgezogen, der in meinen Adern schlaͤgt; 6. Hast den Funken mir gegeben, der in mir die Nacht erhellt, diesen Geist, der in das Leben aufstrebt aus der Sinnenwelt, in das Leben, wo er freier, naͤher schaut dich, Weltengeist, dich, bei seiner heil gen Feier, frei vom Staub der Erde, preist. 7. O dies Sehnen, o dies Streben, dieser hohe Lebens⸗ sinn buͤrgt mir ein unend⸗ zu besondern Zeiten. 451 lich Leben, fuͤhrt mich zur Vollendung hin! Nein, dein Kind wird nicht verschmach⸗ ten in der tiefsten Dunkel⸗ heit; wird von Licht nach Lichte trachten in der Uner⸗ meßlichkeit. 8. Ist mein Leben hier verronnen; wird es Nacht auf meiner Bahn: o dann leuchten tausend Sonnen mir den Stufengang hinan. Ich steig' auf zum Quell der Strahlen, ihn zu schau'n, der nie versiegt, wo vor mir in tiefen Thalen dann der Welten Schoͤpfung liegt. Im Frühling. Mel. Allein Gott in der Höh' 585 Nob sei Gott, der den Fruͤhling schafft, Gott, der den Erd⸗ kreis schmuͤcket! Preis sei ihm, Ehre, Staͤrk' und Kraft, der, was er schuf, begluͤcket! Der Herr erschafft, der Herr erhaͤlt; er liebt und segnet seine Welt: lobsinget ihm, Geschoͤpfe! 2. Das Land, das erst er⸗ storben lag, erwacht und lebt nun wieder. Es stroͤmt an jedem neuen Tag sein Segen neu hernieder. Der Wurm, der in dem Staube lebt, der Vogel, der in Luͤften schwebt, er freut sich seines Lebens. 3. Der Erde Antlitz ist verjuͤngt; erheitert gn er der Himmel; Gebirg' und Thal und Wald erklingt von freudigem Getuͤmmel. Mit Wohlgefallen schaut herab, der Allen Seyn und Leben gab, auf seiner Schoͤpfung Werke. 4. Lobsinget ihm, er ist uns nah'! Singt, alle seine Heere! Der Herr ist in den Himmeln da, auf Erden und im Meere. Ich preise dich, ich singe dir; denn du bist, wo ich bin, bei mir mit All⸗ macht und mit Liebe. 5. Du rufst die Wolken in das Land und stillst den Durst der Erde, daß mit den Gaben deiner Hand der Mensch gesegnet werde. Du machest Hagel, Thau und Wind, die deiner Allmacht Boten sind, zu unsrer Freu⸗ den Quellen. 6. Selbst, wann von Don⸗ nersturm bedraͤut, erschrock⸗ ne Laͤnder zittern, stroͤmt Staͤrkung, Segen, Frucht⸗ barkeit aus Nacht und un⸗ gewittern. Dann bricht die Sonne neu hervor, und Al⸗ les jauchzt zu dir empor, vor dem die Wetter schwei⸗ gen. 7. Von dir kommt, was uns hier erfreut, du Brunn⸗ quell aller Gaben. Dort wirst du uns mit Seligkeit in reichern Stroͤmen laben. Wohl, wohl den Menschen, die schon hier sich dir erge⸗ 452 Gesinnung und Verhalten des Christen ben, und einst dir, als Chri⸗ sten freudig sterben! Mel Gott, der du die Menschen 586 oͤher hebt sich Gottes Sonne, laͤnger strahlt uns nun ihr Licht; Alles athmet neue Wonne, wenn sie durch die Wolken bricht. Schau', der Fruͤhlig senkt sich nieder in die Walder, auf die Flur. Die erstorbene Natur lebet auf und wirket wieder. Opfre Gott, dem Schoͤpfer, Dank! Preis' ihn froͤhlich, mein Gesang! 2. Munter zu der Arbeit wallet nun der Landmann hin auf's Feld, und sein fro hes Loblied schallet laut em⸗ por zum Herrn der Welt. Er vertraut die Saat der Erde, ehrt durch fromme Zuversicht seinen Gott und zweifelt nicht, daß sie wohl gerathen werde; bringt schon hoffnungsvoll ihm Dank. Preis' auch du ihn, mein Gesang! 3. Glaͤnzend und im Feier⸗ kleide prangt die bluͤthen⸗ reiche Flur. Jede Blume duftet Freude, preist den Schoͤpfer der Natur, der den Thau schafft, den sie trinket, daß sie nicht zu bald verbluͤh', der ihr Saamen gibt, wenn sie welkend end⸗ lich niedersinket. Bring' auch du ihm Lob und Dank, preis preis' ihn froͤhlich, mein Gesang! 4. Dieser Fruͤhling, wie geschwinde, o wie schnell wird er verbluͤh'n! Wie die Spreu, verweht vom Win⸗ de, so wird seine Pracht ent⸗ flieh n! Aber, Gott, vor dei⸗ nem Throne wird ein ew'ger Fruͤhling seyn; ewig wird er uns erfreu'n, ringen wir nur nach dem Lohne reiner Tugend lebenslang. Gott, dich preise mein Gesang! 5. Alle Herrlichkeit der Erde ist nur Schimmer von dem Licht, das ich ewig schauen werde dort vor Got⸗ tes Angesicht. Auch das freudenreichste Leben hier auf Erden ist nur Tod ge⸗ gen jenes, was mir Gott dort verheißen hat zu geben. Dir, mein Gott, sei Lob und Dank! Ewig preist dich mein Gesang! Mel. Lobt Gott, ihr Christen 587 n Reize sind erneut. Auf Bergen, wie im Thal, ist Freud' an Freude hingestreut und Schoͤnheit uberall. 2. Belebend ist der Wiese Gruͤn, entzuͤckend jede Flur; und wie viel tausend Blu⸗ men bluͤh'n im Garten der Natur! 3. Mit reichen Bluͤthen prangt der Baum, und oben ausgespannt, wie strahlt der zu besondern Zeiten. 453 blaue Himmelsraum, ein un⸗ bekanntes Land! 4. Blickt hin in Tiefen und auf Hoͤhn, auf Flur und Wald und Feld! Fuͤhlt, was unnennbar ist: wie schoͤn ist unsers Gottes Welt! 5. Doch nur dem Tugend⸗ haften, nur dem Menschen⸗ freunde lacht, die schoͤne herr⸗ liche Natur in aller ihrer Pracht. 6. Drum seid und machet froh und gut; reicht gern die Bruͤderhand; naht dann der Tod, so geht mit Muth ins unbekannte Land. 7. Macht diese Erde schon so schoͤn entfernter Sonnen⸗ schein; o Gott, wie wird in jenen Hoͤh'n der Sel gen Wohnung seyn Im Sommer. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund 588 Wer um mich her ist Alles Freude; verschoͤnt ist, Schoͤ⸗ pfer, deine Welt! Es prangt in einem Feierkleide Gebirg und Thal und Wald und Feld! Wie heilig wird mir jede Staͤtte! Wohin ich seh', wohin ich trete, bist du mir nah, und fuͤhl' ich dich; wo⸗ hin ich schau', auf allen Flu⸗ ren, in allen deinen Kreatu⸗ ren, erblick ich, Welterhalter, dich. 2. Wie rr r 454 Gesinnung und Verhalten des Christen 2. Wie hast du, Gott der Macht und Guͤte, so liebe⸗ voll an uns gedacht! Schon war des Fruͤhlings bunte Bluͤthe; reich ist des Som⸗ mers ernste Pracht. Zum vollen, froͤhlichen Genusse empfaͤngt von deinem ueber⸗ flusse, o Gott, was lebet, Speis' und Trank. Gebirge geben, Thaler geben, was Allen noͤthig ist zum Leben; und Alle jauchzen froh dir Dank. 3. Weit um mich her ist Alles Freude; o freu' auch, meine Seele, dich in Gottes schoͤnem Weltgebaͤude! Sein Segen reifet auch fuͤr mich. Hoch muͤsse dessen Lob er⸗ schallen, der mir so wohl thut, Allen, Allen, so wohl thut, der so freundlich ist! Stimm' ein in der Geschoͤpfe Choͤre: dir, Gott, sei Preis, dir Dank und Ehre, der du so mild und gnaͤdig bist! Mel. Wer nur den lieben Gott llguͤtiger, dir 589 A will ich singen auf jeder segenreichen Flur; dir meine Dankgefuͤhle brin⸗ gen im großen Tempel der Natur. Vom Aufgang bis zum Niedergang erschalle, Gott, dein Lobgesang! 2. Du bist der Geber aller Freude, des Segens Schoͤ⸗ pfer, bist du, Gott! Den Heerden gibst du ihre Weide und deinen Kindern allen Brod. Genaͤhrt, geschuͤtzt. gepflegt durch dich, freut Alles, was da lebet, sich. 3 Und Leben stroͤmt mit deiner Sonne in jeden Halm, in jede Brust; sie gibt den Bluͤthenthaͤlern Wonne, und allen Wesen neue Lust. Ver⸗ juͤngt durch ihren milden Strahl, jauchzt Hain und Flur und Berg und Thal. 4. Auf unsre Saaten traͤu⸗ felt Segen herab mit jedem Morgenthau. Gott, wie erfrischt dein sanfter Regen das Gras, die Blumen auf der Au! Der Bach, der aus dem Berge quillt, erquickt den Wandrer und das Wild. 5. Da steh'n die Zeugen deiner Milde hier in der Schoͤpfung Heiligthum. Weit durch die reichen Korngefilde toͤnt himmelan dir Lob und Ruhm; sie dringen, Herr, zu dir empor, aus aller We⸗ sen frohem Chor. 6. Auch du frohlocke, mei⸗ ne Seele, und ruͤhme deines Schoͤpfers Macht! Dein lauter Lobgesang erzaͤhle, wie herrlich Alles er gemacht! Vom Aufgang bis zum Nic⸗ dergang erschall' ihm Ehre, Preis und Dank! Mel Herzliebster Jesu 590 S: weit nur Men⸗ schen deine Welt bewohnen, bist du der Va⸗ ter ter aller Nationen, die Zu⸗ flucht Aller, die auf Land und Meeren dein Heil begehren. 2. Du blickst hernieder und die Fluren lachen, du waͤs⸗ serst sie mit Thau, sie reich zu machen. Dein Strom ist voll; du sorgest fuͤr die Saaten, daß sie gerathen. 3. Die tiefgepfluͤgten Fur⸗ chen fuͤllt dein Segen; das lechzende Gesild erfrischt dein Regen. Der Sommer gluͤht; es reifet das Getreide zu unsrer Freude. 4. Die Hoͤh'n und Tiefen schmuͤckest du mit Heerden, und schaffest, daß sie froh gesaͤttigt werden. Dem Schnitter rauscht der vollen Felder Segen zur Aernt' entgegen. 5. Und Dank und Freud' und Jubel jauchzt aus Allen, und Hain und Auen und Ge⸗ fild erschallen vom lauten, dir frohlockenden Getuͤmmel, bis in den Himmel. Im Herbste. Mel. Vom Himmel kam der 591 Geda ist der Felder Saat. Vom Herrn der Zeit geru⸗ fen, naht der Herbst mit sei⸗ ner Fuͤlle sich und naͤhret und erfreut auch mich 2. Der segenreiche Garten prangt mit vollen Zweigen, und verlangt, von seiner zu besondern Zeiten. Frucht befreit zu seyn, um Gottes Menschen zu erfreu'n. 3. Der Saͤnger in den Luͤf⸗ ten schweigt, der hin in ferne Lande fleucht, wo Gott schon eine neue Saat und Frucht fuͤr ihn bereitet hat. 4. Auf traubenvollen Huͤ⸗ geln schallt des Winzers Lob und wiederhallt von Berg auf Berg; auch Most und Wein gibt uns der Herr, uns zu erfreu'n. 5. Wie liebevoll, wie mild und gut ist Gott, der so viel Wunder thut! Das Kind, der Juͤngling, Mann und Greis sei froͤhlich, ihm zum Ruhm und Preis! 6. Auch, wenn du alterst, sorgt fuͤr dich dein Herr und Gott noch vaͤterlich; er, der auch, wenn dein Herbst sich naht, fuͤr dich noch viel der Freuden hat. 7. Froh kannst du sterben, wenn du nur, wie seine seg⸗ nende Natur, gesegnet hast, wenn er die Frucht, die er verlangt, umsonst nicht sucht. 8. So bluͤh' und reife in der Zeit zu groͤßerer Voll⸗ kommenheit! Still keimt der Tugend Saat hervor und reift zur reichen Aernt' empor. Mel. Lob singet Gott! 59 2 Truͤh, mit umwoͤlk⸗ 5 tem Angesicht, geht schon die Sonne* u —. ——-——— und spaͤt erscheint ihr schwaͤ⸗ cher Licht am truͤben Himmel wieder. Die schoͤnste Zeit ist nun entfloh'n; die rauhen Stuͤrme rauschen schon durch die bereiften Felder. Die letzte Blume neigt ihr Haupt; des Herbstes kalter Hauch entlaubt die schattenreichen Waͤlder. 2. Verlassen steht die ode Flur, entbloͤßt von ihrem Segen; entkraͤftet sieht nun die Natur der Winterruh' entgegen. Die Voͤgel, die dem Frost entflieh'n, begin⸗ nen schon daher zu zieh'n weit uͤber Land und Meere. Gott nimmt der Wandernden sich an, bezeichnet ihnen ihre Bahn und saͤttigt ihre Heere. 3. Uns, seine Menschen, will er hier im Winter selbst versorgen. Ja, seiner Huld vertrauen wir; neu wird sie jeden Morgen. Er schafft, daß wir in Sicher⸗ heit des Herbstes rauhe Jah⸗ reszeit beginnen und vollen⸗ den. Die Erde ruht, doch er gewaͤhrt voll Liebe das, was uns ernaͤhrt, mit vaͤ⸗ terlichen Haͤnden. 4. Wie sind nicht unsre Kammern voll von seiner Guͤte Gaben, vom Segen, der uns naͤhren soll, vom Vorrath, uns zu laben! Durch deine Vorsicht mußt' o Gott, das Land uns fuͤr den Winter Brod, dem Vieh 456 Gesinnung und Verhalten des Christen sein Futter geben; und Wein, der unser Herz er⸗ freut, und unsers Lebens Kraft erneut, quillt aus der Frucht der Reben. 5. Wie jetzt das Feld um uns verbluͤht, verbluͤh'n auch wir im Alter. Doch wohl uns! Gott, der auf uns sieht, ist maͤchtiger Erhalter! Er ist es, der die Schwachen schuͤtzt, die Muͤden maͤchtig unterstuͤzt, die an dem Grabe wanken. Gebeugt vom Alter werden wir mit frohem Herzen, Vater, dir wie in der Jugend danken. 6. Wohl Allen, die sich ih⸗ rer Pflicht von ganzem Her⸗ zen weihen! Sie werden ihre Jugend nicht im Alter einst bereuen. Wohl dem, der redlich sich bemuͤht, weil sei⸗ ner Jahre Kraft noch bluͤh t, der Tugend Frucht zu tra⸗ gen! Ihm wird das Alter Jugend seyn, und dankbar wird er sich noch freu'n in seinen letzten Tagen! Im Winter. Mel. Vom Himmel kam der 593 Nicht fuͤr der Fel⸗ der Segen nur, auch fuͤr den Schlummer der Natur, fuͤr Frost und Win⸗ ter danken wir, Herr, unser Gott und Vater, dir. 2. Zwar liegt ihr gruͤ⸗ ner Schmuck zerstoͤrt, von Schnee Schnee und Eis und Sturm verheert; ein weites, weißes Grabgewand deckt Berge, Huͤgel, Thal und Land. 3. Doch hegt die Erde, still und groß, die zarte Saat in ihrem Schooß, die sich im Fruͤhling segensvoll entwickeln und uns naͤhren soll. 4. So naͤhret liebreich und geheim der holden Tugend ersten Keim die Mutter mit verborgner Lust in ihrer zar⸗ ten Kinder Brust. 5. So thut, was Andre segnen kann, der gute, der bescheid'ne Mann, sucht, wenn sein Thun nur Gott gefallt, nicht das Geraͤusch des Ruhms der Welt. 6. Doch wachsen soll der Tugend Saat; aufßbluͤh'n, was er im Stillen that, zu reichen Aernten in der Zeit, zu reichern in der Ewigkeit. 7. Mag brausen dann wohl um uns her des Win⸗ ters Sturm: auch er, auch er ist deines Segens Diener, Gott, so fuͤrchterlich er im⸗ mer droht. 8. Und wie viel Freuden danken wir selbst in des Win⸗ ters Tagen dir, der du so väterlich uns traͤgst, und saͤt⸗ tigest, erwaͤrmst und pflegst! 9. Durch alle Zeiten, Va⸗ ter, sei dir, wer dich kindlich ehrt, getreu! Laß Jeden deinen Ruhm erhoͤh'n und freudig deine Wege geh'n! zu besondern Zeiten. Mel Auf, Christenmensch Zerschwunden 594 V ist der Erde Pracht, nur Schnee bedeckt die Felder. Der Winter⸗ sturm durchbraust mit Macht Gebirge, Thal und Waͤlder! Das Land erstarrt vom Fro⸗ ste nun, und seine Nah⸗ rungssaͤfte ruh'n. 2. Wohl mir in dieser rauhen Zeit! Ich darf vor Frost nicht beben; mich schuͤtzt mein Dach, mich waͤrmt mein Kleid und Brod erhaͤlt mein Leben. In meinem Bette schlaf ich ein und kann mich sanft er Ruhe freu'n. 3. So hat's der arme Bru⸗ der nicht, dem Brod und Kleidung fehlen, er, dem das Noͤthigste gebricht, den Frost und Hunger quaͤlen. Und dreifach fuͤhlt er seine Pein, wenn Krankheit plagt und Kinder schrei'n. 4. O zaud're, zaud re nicht, mein Herz, ihm liebreich zu⸗ zueilen! Fuͤhl' seinen Jam⸗ mer, seinen Schmerz, dein Brod mit ihm zu theilen! Wer seines Naͤchsten Noth vergißt, verdient nicht, daß er gluͤcklich ist. 5. Vor Tausenden bist du begluͤckt, die in der Stille klagen, da Waͤrm' uud Nah⸗ rung dich erquickt in diesen rauhen Tagen. Lobsinge, frohes Herz, in mir, und opfere Gott Dank dafuͤr! u 6. Sieh —.—ê0 r 6. Sieh nicht auf das, was dir noch fehlt und Mancher mehr besitzet; nein, auf die Noth, die Andre quaͤlt, auf Gott, der dich beschuͤtzet! Ach Vater, lind're jeden Schmerz und gib mir ein mitleidig Herz! Zur Saatzeit. Mel. Allein Gott in der Höh' 595 E' af ben Gr heiß der Menschen Hand die Erde, voll froher Hoffnung, daß ihr Fleiß von dir geseg⸗ net werde. Auf dein Ver⸗ sprechen trauen sie: Du sollst dein Brod bei Fleiß und Muͤh', so lang du lobest, essen! 2. Dies Wort traf Herr, noch immer ein. Gib jetzt auch deinen Segen, daß Saat und Pflanzen wohl gedeih'n; gib Sonnenschein und Regen! Der Landmann baut umsonst das Land, wenn, Vater, deine All⸗ machtshand nicht seine Arbeit segnet. 3. D'rum kroͤne du mit Fruchtbarkeit das Land nach deiner Guͤte, und wenn die Aussaat dann gedeiht: All⸗ vater, so verhuͤte, daß Kaͤlte nicht, nicht Sonnengluth, nicht Hagelschlag, noch Re⸗ genfluth ihr zum Verderben werde. 458 Gesinnung und Verhalten des Christen 4. Wir traun auf dich, o großer Gott; du, du wirst gnaͤdig walten. Du kennst am besten unsre Noth, hast lange hausgehalten. Ja, Herr, du wirst zu deinem Ruhm fuͤr uns, dein Werk und Eigenthum, auch dies Jahr wieder sorgen. Nach einer reichen Aernte. Mel. Wie groß ist des Allmächt 2 ir Alle, Men⸗ 596 W᷑ schenvater, bringen dir unsern feierlich⸗ sten Dank, und unsre fro⸗ hen Herzen singen dir ihren lauten Preisgesang! Ge⸗ kroͤnt hast du mit deiner Milde rings um uns her das ganze Land; dein Segen floß auf die Gefilde aus rei⸗ cher, vaͤterlicher Hand. 2. Du schenktest Sonnen⸗ schein und Regen fuͤr jede Frucht zu rechter Zeit, und gabst Gedeihen, Kraft und Segen dem Samen, den wir ausgestreut. Wie prangte nicht im Feierkleide das volle, aͤhrenreiche Feld! Wie schlug von Hoffnung und von Freude dir unser Herz, o Herr der Welt! 3. O welchen Reichthum deiner Gaben hast du mit liebevoller Hand, uns zu er⸗ nähren und zu laben, von Neuem uns herab gesandt! Fuͤr Millionen deiner— er der ist jetzt ein voller Tisch bereit; du naͤhrst den From⸗ men, naͤhrst den Suͤnder und Alles wird durch dich erfreut. 4. Wer kann die Guͤte ganz ermessen, die weiter als die Wolken reicht? Wer kann sie undankbar verges⸗ sen, da jede Stunde von ihr zeugt? Nimm deiner Kin⸗ der Freudenzaͤhren, nimm an, Allvater, unsern Dank! Wir wollen ewig dich ver⸗ ehren durch Thaten, wie durch Lobgesang. 5. Was du uns gabst, wohl anzuwenden, verleih' uns Weisheit und Verstand. Nicht, um es uͤppig zu ver⸗ schwenden, empfingen wir's aus deiner Hend. Du willst, wir sollen froh genießen, doch maͤßig, mild und dank⸗ bar seyn; so guͤtig, wie du dich bewiesen, soll jeder der Begluͤckten seyn. 6. Drum freu' den Armen auch der Segen, den deine Hand uns reichlich gab; wir wollen seiner liebreich pfle⸗ gen; wir trocknen seine Thraͤnen ab! Er dank' auch heute mit uns Allen, frohlocke laut und bete an, daß du nach deinem Wohl⸗ gefallen, so viel, o Gott, an uns gethan. Mel. Wach' auf, mein Herz laßt 597 Kea been zu besondern Zeiten 359 und Preis und Dank ihm bringen fuͤr alle milde Ga⸗ ben, die wir geaͤrntet haben! 2. Aus seinem Ueberflusse zum freudigem Genusse hat er uns, was zum Leben uns noͤthig ist, gegeben. 3. Die Scheuern sind voll Segen; denn er gab Thau und Regen und Wachsthum und Gedeihen der Frucht, der wir uns freuen. 4. Preis, Herr, sei deiner Milde, daß Gaͤrten und Ge⸗ silde, was wir gesaͤet haben, so reichlich wieder gaben! 5. Preis sei dir, unserm Retter! Es drohten Sturm und Wetter, Verderben un⸗ sern Saaten. Dank dir, sie sind gerathen. 6. Uns reiften suͤße Fruͤch⸗ te im milden Sonnenlichte an Baum und Strauch und Reben; Herr, Preis sei dir gegeben! 7. Du ließest froh uns aͤrnten. O daß wir dank⸗ voll lernten, dir ähnlich, uns der Armen mit mildem Sinn erbarmen. 8. Wenn wir die gern erquicken, die Sorg und Mangel druͤcken, so wirst du, was zum Leben wir brauchen, ferner geben. 9. Du wirst einst deine Treuen, die gute Saat hier streuen, zu hoͤhern Festen schmuͤcken, und ewig sie be⸗ gluͤcken. 460 Gesinnung und Verhalten des Christen Bei sparsamer Aernte. Mel. Was Gott thut, das ist 598 Pa Christen, mit Zufrieden⸗ heit, preist Gott, den Herrn der Aernte, daß sich nicht ganz die Fruchtbarkeit von unsrer Flur entfernte! Noch stets erhaͤlt er seine Welt; was noͤthig ist zum Leben, wird er uns Allen geben. 2. Er ist der Herr; in seiner Hand steht, was die Erde bringet. Der Men⸗ schen Muͤhe baut das Land; Gott gibt, daß sie gelinget. Von ihm allein kommt das Gedeihn; nur er, er laßt die Saaten bluͤh'n, reifen und gerathen. 3. Was trauern wir? Er sorgt ja doch; Gott sorgt fuͤr unser Leben. O laßt uns selbst beim Mangel noch ihm Ruhm und Ehre geben! Preis sei dem Herrn! Von Unmuth fern laßt ihm zum Wohlgefallen ein frohes Lied erschallen! 4. Wie manches segen⸗ reiche Jahr hat er uns schon bescheeret; wie gnaͤdig uns noch immerdar von Jugend auf ernaͤhret! Wer sollte nicht mit Zuversicht auf dich, Allvater, schauen, und deiner Vorsicht trauen? 5. Ja, Hoͤchster, wir verehren dich in allen deinen Wegen, und trauen unper⸗ aͤnderlich auf deinen milden Segen. Auch unser Brod wirst du in Noth und Theu⸗ rung uns gewaͤhren, wenn wir dich kindlich ehren. 6. Wir beten demuths⸗ voll dich an, der Alles weis⸗ lich fuͤget, deß Vorsicht nie⸗ mals irren kann, deß Wohl⸗ thun niemals truͤget. Froh danken wir, Erhalter dir, und preisen deine Guͤte mit g'nuͤgsamem Gemuͤthe. Flehen um Regen. Mel. Komm, o komm, du 599 Gott von gro⸗ ßer Macht und Guͤte, deine Huͤlfe su⸗ chen wir; mit geaͤngstetem Gemuͤthe schauen wir em⸗ por zu dir. Herr, du weißt, was uns gebricht: o verlaß, verlaß uns nicht! 2. Ach dem todten duͤrren Sande gleichet bald, Herr, unser Land; und versengt vom Sonnenbrande, welkt die Frucht, die kraftvoll stand. Schrecklich droht uns ihr Verlust; Sorge nagt an unsrer Brust. 3. O erhalt' uns deinen Segen; laß uns wachsen unser Brod! Ende bald durch milden Regen unsre Angst und unsre Noth! Gott, wir trauen dir es zu! was uns gut ist, schickest du. 4. Stärke du uns dies Ver⸗ Vertrauen; unser Wohl ver⸗ saͤumst du nicht. Auf dich, Gnadenvoller, bauen wir die feste Zuversicht: du, der helfen will und kann, nimmst gewiß dich unsrer an. Nach verliehenem Regen. Mel. Kommt, kommt, den Herrn 600 En milder Re⸗ gen sinket er⸗ quickend auf die duͤrre Flur; wie labt sie sich, wie trinket ihn jetzt die schmachtende Natur! Die sanften Stroͤ⸗ me kuͤhlen die Luͤfte weit umher, und die Geschoͤpfe fuͤhlen sich nicht mehr traͤg' und schwer. Gott spricht: und Seufzer schweigen und Hitz' und Duͤrre flieh'n, und fromme Lieder steigen empor und preisen ihn. 2. Mit Freud' im Ange⸗ sichte beschaut der Landmann nun sein Feld. Erquickt hat Gott die Fruͤchte; er ist Versorger seiner Welt. Wie wallen nun die Aehren, vom Mark der Erde voll, das seine Menschen naͤhren, das sie erfreuen soll! Auf, preiset Gottes Milde! Er ist's, der Regen schickt und lechzende Gefilde voll Vater⸗ huld erquickt. 3. Erhalter unsers vLe⸗ bens, Gott, dem wir uns jetzt dankbar nah'n, o laß uns nicht vergebens die Ga⸗ zu besondern Zeiten. 461 ben deiner Hand empfahn! Du sendest Thau und Regen, gibst milden Sonnenschein; du eilst, mit deinem Segen urs Alle zu erfreu'n. Wir wollen dich erheben, dir Hoͤchster stets vertraun, und fromm und weise leben, bis wir dich ewig schaun. Flehen um Sonnenschein. tel. Mache dich, mein Geist 601 Schar und Klage fuͤllt das Land; traurig stehn die Fruͤchte; hilft uns, Gott, nicht deine Hand, sind sie bald zu nichte. Zeig' uns doch Gnade noch! Vater, voll Erbarmen, hilf, ach hilf uns Armen! 2. Du regierst der Wol⸗ ken Lauf und besiehlst dem Regen. Sprich ein Wort, so hoͤrt er auf, und uns bleibt dein Segen. Steh' uns bei und zerstreu', Herr, mit starker Rechte unsers Kummers Naͤchte! 3. Sende warmen Son⸗ nenschein, der die Frucht er⸗ quicke! Sieh', wir schaun auf dich allein mit des Glaubens Blicke. Guter Gott, gib uns Brod und nach mancher Plage wieder Freudentage! 4. Preis und Ruhm sei dir geweiht, Vater aller Gnade! Hilf, daß uns die schwere Zeit nicht am Her⸗ u 3 zen PFPPPTCCTCTCCTCTGT0TCT0T0TTTTTTTTTT zen schade! Dir, nur dir wollen wir gern zur Ehre leben und uns ganz ergeben. Nach verliehenem Son⸗ nenschein. Mel. Nun laßt uns Gott 602 Ertan ihr Freu⸗ denlieder! Sie scheint, sie scheinet wieder! Wir seh'n sie, welche Wonne! die lang verhuͤllte Sonne. 2. Uns druͤckten bange Sorgen an jedem neuen Morgen, so oft sich Wolken thuͤrmten und Regenwetter stuͤrmten. 3. Des Feldes Fruͤchte sahen wir dem Verderben na⸗ hen. Was Thier' und Men- schen naͤhret, schien ganz durch Fluth verheeret. A. Da drang zu deinen Hoͤhen, Gott, unsers Herzens Flehen. Du hoͤrtest, was wir baten, und schuͤtztest unsre Saaten. 5. Schon senkten sie sich nieder; doch du erhobst sie wieder. O Herr der milden Sonne, du segnest uns mit Wonne. 6. Wir preisen deine Guͤte mit froͤhlichem Gemuͤthe. Ja, unser ganzes Leben sei ewig dir ergeben. Beim Gewitter. Mel. Wie groß ist des Allmächt'. er Maͤchtige, 603 De—— 462 Gesinnung und Verhalten des Christen Götter, vor dem der Engel niederfaͤllt, Gott redet don⸗ nernd aus dem Wetter und ruft voll Majestaͤt der Welt. Anbetend sinkt der Erdkreis nieder; der Wald ertoͤnt, es bebt die Flur, und Blitze sa⸗ gen's Blitzen wieder: Gott ist der Herrscher der Natur. 2. Auch dich laß seine Stimme ruͤhren, sei ganz Empfindung, o mein Herz! Den Dank, das Lob, die ihm gebuͤhren, entweihe kein unheil ger Scherz! Auch Donner rufen Gottes Kin⸗ dern des Weltenvaters Segen zu; sie rufen schonend sichern Suͤndern, und ihren Ruf ver⸗ stehst auch du. 3. Verstumme, freches Heer der Spoͤtter! Furcht und Verzweiflung warten dein. Der Herr ist Gott! Es sagt's das Wetter; die Welt, die ganze Welt ist sein. Ihr bebt? Elende, wollt ihr fliehen? Kein Ort schuͤtzt euch vor Angst und Noth; Nichts kann dem Maͤcht'gen euch entziehen. Er kennt, er straft euch; er ist GOTT. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 604 Der hohe Himmel dunkelt sich, ein Weiter Gottes draͤut; ich bebe nicht: ich freue mich, Gott, deiner Herrlichkeit. 2. Diu zuͤrnest, wenn du donnerst, nicht; du bist der Men⸗ Menschen Freund. Nicht blaͤsser wird mein Ange⸗ sicht, wenn uns dein Blitz erscheint. 3. Dem Suͤnder nur, der dich nicht kennt, bist du Herr, fuͤrchterlich; dem aber, der dich Vater nennt, zeigst du als Vater dich. 4. Uns Segen ist der Sonne Licht, uns Segen Tag und Nacht; auch Se⸗ gen ist uns dein Gericht und deines Blitzes Pracht. 5. Du reinigst durch den Blitz die Luft; dein Regen traͤnkt die Saat; es staͤrkt ein balsamreicher Duft, was erst geschmachtet hat. 6. Laß frei das Herz von Aengsten seyn, wenn uns dein Wetter droht! Weg, bange Furcht, wir sind ja dein; du bist die Lieb, o Gott! Nach dem Gewitter. Mel. Wer nur den lieben Gott 605 We gnaͤdig ist des Hoͤch⸗ sten Wille! Der Donner schweigt; die Blitze flieh'n; es schmuͤckt in angenehmer Stille der Sonne Glanz das frische Gruͤn. O du, mein Geist, nun opfre Dank! Erhebe deinen Lob⸗ gesang. 2. Ja, preise freudig den Erretter, der seine große zu besondern Zeiten. 463 Kraft bewies, den Welten⸗ herrn, der sich im Wetter so majestaͤtisch hoͤren ließ, den Blitzen ihre Strahlen lenkt, und gnaͤdig seines Volks gedenkt! 3. Nimm mit Bewun⸗ drung seine Guͤte auch selbst im Ungewitter wahr; denn jedem forschenden Gemuͤthe stellt sich auch hier ihr Schau⸗ platz dar. Zum Besten jeder Kreatur bemerkt man ihres Segens Spur. 4. Wie kraͤftig hebt sich das Getreide, getraͤnket durch den Regenguß, und wie vergnuͤgt betritt die Weide des neubelebten Thie⸗ res Fuß! Wie athmen wir so sanft und leicht, wenn schwuͤle Luft dem Donner weicht! 5. Herr, deine Guͤte sei erhoben, im Wetter wie im Sonnenschein! Wer wollte dich nicht ewig loben? Du kannst und willst uns stets erfreun. Mich schrecken Blitz und Donner nicht; denn du bist meine Zuversicht. Beim Jahres wechsel. In voriger Melodie. 606 es neuen Jah⸗ res erster Mor⸗ gen bricht, meine Seele, fuͤr dich an; ermuntre dich zu ed⸗ len Sorgen und wandle auf der Tugend Bahn. Bleibst u 4 du du ihr treu, folgst du ihr nach, so weckt dich einst ein schoͤnrer Tag. 2. Was ist es anders denn, als Gnade, daß Gott dir dieses Jahr noch schenkt, und dich so gern auf seine Pfade mit treuen Vaterhaͤn⸗ den lenkt? Was ist es an⸗ ders, als Geduld, als Nach⸗ sicht gegen deine Schuld 2 3. So nütz' auch dieses Jahres Tage, als Tage dei⸗ ner Pruͤfungszeit, daß kei⸗ ner dich vor Gott verklage, daß keiner dich im Tode reut. Gott fordert, dem denk' im⸗ mer nach, einst Rechenschaft von jedem Tag. 4. Ermuntre dich zu dei⸗ nen Pflichten, sei zu den schwersten auch gefaßt: sie gern und willig zu verrich⸗ ten, such' dir den Muth, besieg' die Last! Schnell fliehen deine Tage hin; ach, unbenutzt laß sie nicht flieh'n! 5. Gebrauch, o Christ, dies Pilgerleben, wozu dir's Gott, dein Gott, verlieh'n; zur Tugend hat er's dir ge⸗ geben, so gib's denn auch der Tugend hin. Sie reichet dir nach kurzer Zeit das schoͤnste Loos der Ewigkeit. 6. Weih' jede Stunde dem Bestreben fuͤr dein und dei⸗ ner Bruͤder Gluck, so siehst du einst auf dieses Leben mit ruhig heiterm Blick zuruck; 464 Gesinnung und Verhalten des Christen du sagst, o welche Wonne! dann. Ich habe meine Pflicht gethan; 7. Und segnest noch an Gottes Throne dies Jahr als eine Zeit der Saat, nimmst du aus seiner Hand die Krone, die er fuͤr dich bereitet hat. Drum, Christ, halt' aus in deinem Streit, du kaͤmpfest fuͤr die Ewig⸗ keit. Mel. Es ist das Heil uns 2 u, Gott, du 607 D bift der Herr der Zeit und auch der Ewig⸗ keiten. Laß mich auch jetzt mit Freudigkeit dein hohes Lob verbreiten! Ein Jahr ist abermals dahin. Wem dank' ich's, Gott, daß ich noch bin? Nur deiner Gnad' und Guͤte. 2. Dich, Ewiger, dich bet' ich an, unwandelba⸗ res Wesen! dich, den kein Wechsel treffen kann. Wir werden, sind gewesen, wir bluͤhen und vergehn durch dich; nur du bist unveraͤn⸗ derlich, du warst und bist und bleibest. 3. Herr, ewig waͤhret dei⸗ ne Treu' mit Huld uns zu begegnen: und jeden Mor⸗ gen wird sie neu, mit Wohl⸗ thun uns zu segnen. Ich kenne keinen Augenblick, da nicht von dir stets neues Gluͤck mir zugeflossen waͤre. 4. Du 4. Du hast auch im ver⸗ flossnen Jahr mich vaͤterlich geleitet; und wann mein Herz voll Sorgen war, mir Huͤlf; und Trost bereitet. Von ganzer Seele preis' ich dich; aufs Neue, Gott, ergeb' ich mich ganz deiner weisen Fuͤhrung. 5. Vergib mir alle meine Schuld von den verflossnen Tagen, und laß mich deine Vaterhuld in Christo ferner tragen! Laß mich in deiner Gnade ruhn und lehre le⸗ benslang mich thun nach deinem Wohlgefallen! 6. Gib neue Lust und neue Kraft, vor dir ge⸗ recht zu wandeln! Laß mich, Herr, stets gewissen⸗ haft mit mir und Andern handeln! Dein Geist belebe Herz und Muth, dich, o du allerhoͤchstes Gut, und nicht die Welt, zu lieben! 7. Die Welt vergeht: dies reize mich, die Lust der Welt zu fliehen; um beßre Freuden muͤsse sich mein Geist mit Ernst bemuͤhen! Den Engeln bin ich ja ver⸗ wandt, im Himmel ist mein Vaterland; dahin, Herr, laß mich tracht en! 8. O lehre selbst mich mei⸗ ne Zeit recht weislich aus⸗ zukaufen; laß mich die Bahn zur Ewigkeit mit heil ger Vorsicht laufen! Der Tage Last erleichtre mir, bis mei⸗ zu besondern Zeiten. 465 ne Ruhe einst bei dir kein Wechsel weiter stoͤret! Mel. Allein Gott in der Höh 608 Genn der Sonn und schafft den Mond, das Jahr darnach zu theilen; er schafft es, daß man sicher wohnt, und heißt die Zeiten eilen; er ordnet Jahre, Tag und Nacht. Auf, laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Ehr ertheilen! 2. Herr, der da ist, und der da war, von dankerfuͤll⸗ ten Zungen sei dir fuͤr das verfloßne Jahr ein heilig Lied gesungen; fuͤr Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, fuͤr Fried und Ruh', fuͤr jede That, die uns durch dich gelungen! 3. Laß auch dies Jahr gesegnet seyn, das du uns neu gegeben! Verleih uns Kraft, die Kraft ist dein, in deiner Furcht zu leben! Du schuͤtzest uns, und du vermehrst der Menschen Gluͤck, wann sie zuerst nach deinem Reiche streben. 4. Gib mir, wofern es dir gefallt, des Lebens Ruh' und Freuden. Doch schadet mir das Gluͤck der Welt: so gib mir Kreuz und Leiden. Nur staͤrke mit Geduld mein Herz, und laß mich nicht in Noth und Schmerz die Gluͤcklichern beneiden. u 5. Hilf deinem Volke vaͤ⸗ terlich in diesem Jahre wie⸗ der. Erbarme der Verlaß⸗ nen dich, und der bedraͤng⸗ ten Glieder. Gib Gluck zu jeder guten That, und laß dich, Gott, mit Heil und Rath auf unsern Fuͤrsten nieder; 6. Daß Weisheit und Ge⸗ rechtigkeit auf seinem Stuhle throne, daß Tugend und Zufriedenheit in unserm Lande wohne; daß Treu' und Liebe bei uns sei: dies, lieber Vater, dies verleih' in Christo deinem Sohne! Mel. Schwing' dich auf zu 609 Fwig und umwan⸗ delbar, Gott, ist deine Gnade, und von dir stroͤmt immerdar Heil auf unsre Pfade. Tag und Jahre ändern sich und wir elbst veralten, doch du blei⸗ best, und durch dich werden wir erhalten. 2. Jedes unsrer Jahre schmuͤckt deine Hand mit Se⸗ gen; deine Vaterhuld be⸗ gluͤckt uns auf allen Wegen. Jeden Morgen sendest du Le⸗ benskraft und Wonne; du verbreitest sanfte Ruh' mit der Abendsonne. 3. Auch des Jahres Lauf, den wir froh vollendet ha⸗ ben, war erfuͤllt, o Herr, von dir mit des Segens Ga⸗ 466 Gesinnung und Verhalten des Christen ben. Huͤll' und Fuͤlle, Trank und Brod hast du mild ge⸗ waͤhret, und in Wohlthat selbst die Noth und den Schmerz verkehret. 4. Daß uns deiner All⸗ macht Hand liebevoll gelei⸗ tet; daß du uͤber Stadt und Land Ruh' und Gluͤck ver⸗ breitet; daß gewissenhafter Fleiß uns durch dich gelun⸗ gen: Gott, dafuͤr sei Dank und Preis herzlich dir ge⸗ sungen. 5. Freudig, Vater, tre⸗ ten wir in dies Jahr des Lebens. Wann, o Herr, vertraute dir unser Herz vergebens? Ja, du wirst uns fernerhin, wenn wir dir nur leben, Unterhalt und frohen Sinn, Muth und Kraͤfte geben. 6. Flüͤchtig ist die edle Zeit, groß sind unsre Pflichten; lehr' uns fuͤr die Ewigkeit unser Werk verrichten! Jede gute, fromme That laß uns wohl gelingen! Frucht laß jede Tugendsaat für den Himmel bringen! Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 610 Gon, mit allen seinen Freuden schwand ein Jahr des Lebens hin, aber auch mit seinen Leiden schwand dies Jahr; und, Gott, ich bin, lebe noch und soll auf Erden noch euͤbt, gebildet werden. geuͤbt, g 2* 2. Vor so manchem, man⸗ chem Grabe fuͤhrtest du vor⸗ uͤber mich. Im Genuß der hohen Gabe der Gesundheit preis' ich dich, preise dich fuͤr alle Freuden, preise dich fuͤr alle Leiden. 3. Ja, auch fuͤr die truͤ⸗ ben Stunden meines Lebens dank' ich dir; denn auch sie sind nun verschwunden, und sie wurden Wohlthat mir. Auch auf dornenvollen We⸗ gen fuͤhrst du mich dem Ziel entgegen. 4. Uebung ist das Erden⸗ leden, Bildung fuͤr die beßre Welt. Meinen Wuͤnschen, meinem Streben ist ein hoͤh⸗ res Ziel gestellt: ringen soll ich hier auf Erden, ew'ger Freuden werth zu werden. 5. Herr, dies soll mich Weisheit lehren! Jeder Tropfen meiner Zeit, ohne je zuruͤckzukehren, stroͤmt in's Meer der Ewigkeit! Nichts kann Zeitverlust ersetzen: laß den Werth der Zeit mich schaͤtzen! 6. Laß auch dieses Jahr des Lebens nuͤtzen mich zur Besserung; es verfließe nicht vergebens fuͤr des Geistes Heiligung! Laß mich, Gott, nach deinem Willen meine Pflichten treu erfuͤllen! 7. Alles, Alles, was ich habe, Leben und des Lebens Gluͤck, Alles, Herr, ist dei⸗ zu besondern Zeiten. ne Gabe! Dankend heb' ich meinen Blick auf zu dir, gelobe Treue heute dir, o Gott, auf's Neue! 8. Gib uns Allen deinen Segen! Knuͤpfe fest der Liebhe Band! Auf der Tu⸗ gend heil'gen Wegen laß uns wandeln Hand in Hand! Fried' und Heil dem Vater⸗ lande! Fried' und Heil in jedem Stande! Mel. O Jesu Christ, mein's Lebens 611 Her ech Aschnell entfliehn die Tage, die uns Gott ver⸗ liehn. Ein Jahr tritt ein und eilt davon. Wie man⸗ ches ist bereits entfloh'n! 2. Dank sei dir, ewig treuer Gott, fuͤr deinen Bei⸗ stand in der Noth, fuͤr tau⸗ send Proben deiner Huld, fuͤr deine Schonung und Geduld! 3. Dank dir, wenn jetzt voll Freudigkeit das Herz sich mancher That erfreut! Weß war die Kraft? Wer gab Gedeih n? Dir, Herr, gebuͤhrt der Ruhm allein. 4. Doch oft verletzten wir die Pflicht; oft fehlten wir und merkten's nicht. Nimm an, Erbarmer, unsre Reu'; um Christi Willen sprich uns frei! 5. Wir eilen mit dem Strom der Zeit stets naher hin zur Ewigkeit. Du hast u 6 die die Stunden zugcezaͤhlt, die letzte weislich uns verhehlt. 6. Du gibst, uns laͤnger zu erziehn, uns Tage, Mon⸗ den, Jahre hin; doch an dem Ziel der Pilgrimschaft kommt unsre große Rechen⸗ schaft. 7. O dann laß uns, wir alle flehn, mit Freudigkeit vor dir bestehn! Denn ach, wer dann vor dir erbebt; hat thoͤricht, hat umsonst gelebt. Mel. Werde munter, mein 612 Nun ist das alte Jahr entflohn; wir leben in dem neuen schon. O Christen, preiset Gott, den Herrn! Er half bisher und hilft so gern. 2. Wie Mancher, der im alten Jahr froh und voll Kraft noch um uns war, sank, eh' wir's dachten, schnell dahin; nun deckt des Gra⸗ bes Huͤgel ihn. 3. O Schauplatz der Ver⸗ gaͤnglichkeit! O schnelle Flucht der Lebenszeit! Wie thoͤricht ist, wer immer fest sich auf das naͤchste Jahr verlaͤßt! 4. Doch bin ich stets nur eifervoll, zu wirken, was ich kann und soll; dann fliehe meine Zeit dahin, sie bringt doch herrlichen Gewinn. 5. Auch komm' ich durch die Flucht der Zeit dir naͤ⸗ her, Himmelsseligkeit! Gott⸗ 468 Gesinnung und Verhalten des Christen lob, des Lebens Ungemach folgt mir nicht in den Him⸗ mel nach. 6. Im Staube beug ich mich vor dir. Bis hierher hast du, Hoͤchster, mir mit liebevoller Vaterhand mehr, als ich werth bin, zuge⸗ wandt. 7. Sieh ferner, Gott, mit Freundesblick auf mein und meines Naͤchsten Gluck! Entreiß uns jeder wahren Noth und gib uns unser taͤglich Brod. 8. Behuͤt' uns in dem neuen Jahr vor Theurung und vor Kriegsgefahr! Uns treffe keiner Seuche Wuth, kein zehrend Feuer, keine Fluth! 9. Entferne jeden Un⸗ gluͤcksfall! Gib Heil und Wohlfahrt uberall; und, bricht ein Kreuz von dir herein, so laß es uns er⸗ traͤglich seyn. 10. Ja, segn' uns, Herr, in dieser Zeit und fuͤhr' uns dann zur Herrlichkeit! Da sagen wir dir ewig Dank; da preist dich hoͤhrer Lobge⸗ sang! Mel. Wach' auf, mein Herz Mit Freuden laßt 613 Man treten vor Gott, ihn anzubeten; vor Gott, der unserm Leben bisher hat Kraft gegeben! 2. Wir Erdenpilger wan⸗ dern von einem Jahr zum andern; die schnelle Flucht der Stunden wird kaum von uns empfunden. 3. Und diese Wandertage sind nie ganz frei von Plage; wir gehn auf rauhen Wegen der Ewigkeit entgegen! 4. Doch du bist voll Er⸗ barmen, und wirst mit Va⸗ terarmen in Noͤthen und Gefahren uns schuͤtzen und bewahren. 5. Erhalter unsers Le⸗ bens, wir sorgen nur ver⸗ gebens, wenn du uns nicht beschuͤtzest, mit Kraft uns unterstuͤtzest! 6. Lob dir, o Gott, dem Treuen, durch den wir uns erfreuen; Lob deinen Va⸗ terhaͤnden, die so viel Noth abwenden. 7. Hoͤr' ferner unser Fle⸗ hen, und eil', uns beizuste⸗ hen! Gib Maͤßigung in Freuden, Geduld und Trost im Leiden. 8. Gib uns und allen de⸗ nen, die sich von Herzen seh⸗ nen, zu thun, Herr, deinen Willen, auch Kraft, ihn zu erfuͤllen. 9. Herr, wehre du den Kriegen! Laß Menschen⸗ liebe siegen; und wo nur Thraͤnen fließen, sich deinen Trost ergießen. 10. Gib deinen milden Segen zu allen guten We⸗ gen, laß Großen, Herr, zu besondern Zeiten. 469 und Kleinen die Gnaden⸗ sonne scheinen. 11. Sei der Verlaßnen Vater, der Irrenden Be⸗ rather, der Unversorgten Gabe, der Armen Huͤlf' und Habe! 12. Hilf gnaͤdig allen Kranken, gib froͤhliche Ge⸗ danken den kummervollen Seelen, die gen quaͤlen! 13. Vor Allem, Herr, ver⸗ leihe uns deinen Geist auf's Neue, der uns mit Tugend ziere, und so zum Himme fuͤhre. 14. Das wollest du uns geben, du Herr von unserm Leben: so gehen wir im Se⸗ gen der Ewigkeit entgegen. sich mit Sor⸗ Beim Anfang des Kir⸗ chenjahres. Mel. Wer nur den lieben Gott 21 Test steht dein 614 F Bund, wie Felsen stehen, du Gott der Gnade, Gott der Treu'! Jahr' und Jahrhunderte ver⸗ gehen; doch deine Guͤt' ist taglich neu. Wie bringen heute, Vater, wir dir wuͤr⸗ dig unsern Dank dafuͤr? 2. Kein Feind zerstoͤrte die Altaͤre, kein Feind zer⸗ trat dein Heiligthum. Noch singen wir von deiner Ehre, noch predigt man von dei⸗ nem Ruhm. Durch Tau⸗ u 7 fe, fe, Abendmahl und Wort pflanzt sich auch hier die Kirche fort. 3. Doch, fragst du nach des Wortes Fruͤchten, und bringst, was wir gethan, an's Licht, nach unsern Wer⸗ ken uns zu richten: Gott, Richter! so beste n wir nicht. Du trugest uns mit viel Geduld; wir aber haͤuf⸗ ten Schuld auf Schuld. 4. O laß es deinem Geist gelingen, in diesem neuen Kirchenjahr die Suͤnde maͤchtig zu bezwingen, wo sie bisher noch herrschend war! Heut schwoͤren wir, o Gott, auf's Neu' dir und der Tugend ew'ge Treu'! 5. Laß ferner hier dein Wort erschallen; gib daß es frevle Suͤnder schreckt, so wie, die deine Wege wal⸗ len, zu freudenreicher Hoff⸗ nung weckt! Laß, wenn wir hier in Andacht flehn, uns Alle deine Gnade sehn. 6. Gib, daß dich forthin Alle ehren, als dein geweih⸗ tes Heiligthum! Einst fuͤhrst du uns zu jenen Choͤren, wo man, erfuͤllt von deinem Ruhm, das Leben, das uns dort beseelt, nicht mehr nach Tag und Jahren zaͤhlt. Am Geburtstage. Mel. In allen meinen Tbaten 615 De zen Lern 470 Gesinnung und Verhalten des Christen Gott, der du mir's gegeben; ich danke dir dafuͤr. Du hast, von Huld bewogen, mich aus dem Nichts gezogen; durch deine Gute bin ich hier. 2. Du, Herr, hast mich bereitet, mich vaͤterlich ge⸗ leitet bis diesen Augenblick. Du gabst mir frohe Tage, und selbst der Leiden Plage verwandeltest du in mein Glück. 3. Ich bin, Herr aller Dinge, der Treu' viel zu ge⸗ ringe, mit der du mich be⸗ wacht. Damit ich, Staub und Erde, auf ewig glüͤck⸗ lich werde, hast du schon ewig mein gedacht. 4. Du hoͤrtest schon mein Sehnen und zaͤhltest meine Thraͤnen, eh' ich bereitet war; noch war mir nicht das Leben von dir, o Gott, gegeben, da wogst du schon mein Theil mir dar. 5. Fuͤr alle deine Treue, Herr, deren ich mich freue, lobsinget dir mein Geist! Er, den du mir geschenket, er ist's, der dein gedenket, und freudig dich, o Vater, preist. 6. Daß du mit Kraft mich ruͤstest, und mir mein Leben fristest: dies Vater, dank ich dir. Daß du mich lieb⸗ reich fuͤhrest, mit deinem Geist regierest: dies Alles, Vater, dank' ich dir. 7. Was mir in diesem Le⸗ ben noch nuͤtzt, wirst du mir ge⸗ geben; du gibst's! Ich hoff auf dich. Dir, Vater, dir befehle ich kindlich Leib und Seele; Herr, segne, Herr, behuͤte mich! Mel. Mein Gott, das Herz 616 7 u laßt den Tag 0 mich wieder sehn, da ich, nach deinem Rath, o Gott, zu meinem Wohlergehn, des Lebens Bahn betrat. 2. Von ganzem Herzen preis' ich dich, daß mich dein Arm bis jetzt ganz unver⸗ dient so vaͤterlich gesegnet und beschuͤtzt. 3. Ol haͤtt' ich doch aus Dankbarkeit das nun ver⸗ floßne Jahr so dir und dei⸗ nem Dienst geweiht, als meine Pflicht es war! 4. Beschaͤmt, o Gott, fleh' ich zu dir: Vergib mir meine Schuld, und schaff ein reines Herz in mir, nach deiner Vaterhuld! 5. Hilf, daß ich in der Folgezeit, geruͤhrt von dei⸗ ner Treu', voll inniger Er⸗ kenntlichkeit dir thaͤtig dank⸗ bar seil 6. Schnell fliehen meine Tage hin. Mein Auge sieht nicht ein, wie lang ich noch auf Erden bin; dein Auge sieht's allein. 7. Vielleicht ist bald mein Ende da. Hilf, daß ich in der Zeit, die mein noch ist, zu besondern Zeiten. 471 mit Sorgfalt ja schaff meine Seligkeit. 8. Dann darf ich von der Pilgerzeit den letzten Tag nicht scheun. Er wird zur frohen Ewigkeit mir mein Geburtstag seyn. Die Lebensalter. Mel. Wer nur den lieben Gott 8 er du den Men⸗ 617 D schen schaffst und leitest, und huldreich ihn als Vater liebst, was ihn erfreut, ihm mild berei⸗ test, Heil ihm in jedem Al⸗ ter gibst: es lebe, Herr, zu deinem Preis der Juͤngling und der Mann und Greis! 2. Verleih' dem Juͤngling Kraft und lehre ihn Maͤßi⸗ gung, wenn er sich freut; gib Demuth auf der Bahn der Ehre, gib Muth ihm, wenn Gefahr ihm draͤut! O laß ihn thaͤtig, gut und rein und stark in der Versuchung seyn. 3. Dem Mann hilf wir⸗ ken: hilf ihm ringen, den Eigennutz, den Hang zur Rast, die Lust der Welt, sich selbst bezwingen, und tra⸗ gen seiner Arbeit Last; sein Lebenstag sei nicht zu schwuͤl, und immer vor ihm sei sein Ziel! 4. Erscheint sein Abend dann dem Greise, so gib dem Muͤden einen Stab; er freue freue sich des Guten weise, was er hier that, was er hier gab; dies sei ihm, wenn er sterbend faͤllt, ein Fuͤhrer zu der bessern Welt! Für die Jugend. Mel. Werde munter, mein. 618 nsre Kindheit, unsre Jugend, jedes Alter darf sich freun. Auch die Froͤhlichkest ist Tu⸗ gend, aber heilig muß sie seyn; nicht ein Taumel, der bethoͤrt, der Gefuͤhl und Kraft zerstoͤrt; wilde Luͤste muß sie scheuen und die Seele uicht entweihen. 2. Nur in einem reinen Herzen, nur in einer keu⸗ schen Brust toben nie der Reue Schmerzen, wohnet wahre Ruh' und Lust. Un⸗ beherrschte Sinnlichkeit toͤd⸗ tet die Zufriedenheit; sie vergiftet alle Freuden und erzeuget bittre Leiden. 3. Reiner Sinn und Un⸗ schuld schmuͤcket mehr, als Schoͤnheit; denn sie mehrt jede Lust, die uns entzuͤcket, jedes Gluͤckes Reiz und Werth. Reinen Herzen fließt der Quell jeder Wonne rein und hell: sie nur koͤn⸗ nen voll Vertrauen hoffen, Gott dereinst zu schauen. 4. Drum, o Gott, laß uns gesellig, froh und willig zu erfreun, liebenswuͤrdig 472 Gesinnung und Verhalten des Christen und gefaͤllig, aber nur durch Tugend seyn, offen, ohne Schmeichelei, stets beschei⸗ den und doch frei, ohne Frechheit, stets bedaͤchtig, kde unsers Herzens maͤch⸗ tig! 5. Laß die Frechheit wil⸗ der Sitten niemals unser Herz entweihn! Laß, o Gott, Palaͤst' und Huͤtten stets der Tugend Wohnung seyn! Jeder strebe, wer ein Christ, wessen Wunsch die Tugend ist, daß sein Haus und daß die Erde nur durch Tugend schöner werde. Mel. Wie groß ist des Allmächt'. 619 Wo dem, der seines Lebens Morgen nur seinem Herrn und Schoͤpfer weiht! Be⸗ schaͤftigt mit den edlen Sor⸗ gen der Aussaat fuͤr die Ewigkeit, wird er die wilde Lust der Jugend und jedes Lasters Reize fliehn; sein Herz wird nur fuͤr Gott und Tugend, fuͤr Pflicht und Recht und Wahrheit gluͤhn. 2. Von Sorgen frei, voll Muth und heiter wallt er der Weisheit Erdenbahn mit festen Schritten immer wei⸗ ter und blickt getrost zu Gott hinan, besiegt durch fortge⸗ setztes Streben, durch Fleiß und Ernst und Wachsamkeit, Verfuͤhrer, wenn sie ihn um⸗ umgeben, und seine eigne Sinnlichkeit. 3. Wie freudenreich sind seine Tage! Wie sanft ent⸗ fließt ihm seine Zeit! Er fuͤrchtet keiner Zukunft Pla⸗ ge, ihn reut nicht die Ver⸗ gangenheit. Er saͤ't den Saamen jeder Tugend, und freut sich seiner Aernte schon; die schoͤne Bluͤthe seiner Ju⸗ gend verheißet ihm im Alter Lohn. Mel. Warum sollt' ich mich 620 Hobe deine Lust, A o Jugend, im⸗ mer gern an dem Herrn, und dem Reiz der Tugend! Was dein schwaches Herz begehret, dein Verstand nicht erfand, wird dir dann gewaͤhret. 2. Schnell muß nicht vor⸗ uͤberrauschen diese Lust; dei⸗ ne Brust muß sie nicht ver⸗ tauschen gegen Luͤste dieser Erden, die dein Herz, vol⸗ ler Schmerz, bald vergiften werden. 3. Nicht erst, wann des Alters Sorgen dich zer⸗ streun, Jugend, nein, schon am fruͤhen Morgen, in der Bluͤthe deines Lebens dien' ihm gern, und dem Herrn dienst du nie vergebens. 4. Gluͤck, Gesundheit, lan⸗ ges Leben wird dafuͤr willig dir dein Erschaffer geben. Weisheit sei nur dein Be⸗ zu besondern Zeiten. 473 gehren; dann wird er dir schon mehr, wenn dir's nuͤtzt, gewaͤhren. 5. Auch in den gesunden Tagen laß nicht ab, in das Grab einen Blick zu wagen. Suche fern von dem Ver⸗ derben Seelenruh'; dann wirst du Himmelssegen er⸗ ben. Für Jünglinge. Mel. Ermuntre dich, mein 621 ch trete vor dein Angesicht, du Schoͤpfer Verwirf mein kindlich Fle⸗ hen nicht um Weisheit und um Tugend! O nimm dich meiner Schwachheit an, und wenn sich mir Gefahren nahn: so stehe mir zur Seite, damit mein Fuß nicht gleite! 2. Mein Herz, von Lastern zwar noch rein, doch jung und unerfahren, wird leicht geblendet durch den Schein, und stuͤrzt sich in Gefahren: o mache mich mir selbst be⸗ kannt, und gib mir Weis⸗ heit und Verstand, damit ich meine Wege unstraͤflich wandeln moͤge! 3. Zum Leichtsinn, der das Herz verfuͤhrt, das Boͤ⸗ se zu erwaͤhlen; zum Ehr⸗ geiz, der den Stolz gebiert, dies Merkmal schwacher Seelen; zur Traͤgheit, die den Geist verzehrt und jeden Tr ĩeb meiner Jugend! Trieb zum Laster naͤhrt: laß nie zu diesen Suͤnden in mir sich Neigung finden! 4. Wenn mir auf meiner Jugendbahn, mich in ihr Netz zu ziehen, Verfuͤhrer sich voll Arglist nah'n, so laß mich weislich fliehen. Ihr Beispiel, Herr, entferne nicht mein Herz von dir und mei⸗ ner Pflicht: ihr Spotten und ihr Lachen soll nie mich wan⸗ kend machen! 5. Der Tugend heilige mich ganz, mein Schoͤpfer und Erhalter; sie werden mei⸗ ner Jugend Glanz und einst mein Trost im Alter! Er⸗ halte mein Gewissen rein; laß keiner meiner Tage seyn, der nicht zu deiner Ehre wohl angewendet waͤre! Für Jungfrauen. Mel. Ermuntre dich, mein 622 ch will in stiller 2 Einsamkeit zu dir mich, Gott, erheben! Dir sei mein ganzes Herz ge⸗ weiht, geweiht zum frommen Leben! Gib du mir Kraft, sie kommt von dir, und staͤrke den Entschluß in mir, stets deinen heil gen Willen mit Freuden zu erfuͤllen! 2. Du bist mein Vater, ich dein Kind: mein Heil ist, dich zu lieben; ach, mache mich dir gleichgefinnt in allen meinen Trieben! Laß 474 Gesinnung und Verhalten des Christen meine Seele keusch und rein, unstraͤflich meinen Wandel seyn, um, Vater, dir vor Allen durch Unschuld zu ge⸗ fallen! 3. Vor eitler Selbstgefaͤl⸗ ligkeit bewahre meine Ju⸗ gend! Mein Vorzug sei Bescheidenheit und meine Schoͤnheit Tugend! Gib mir den sanften stillen Geist, der dich durch fromme De⸗ muth preist, den Naͤchsten liebt und achtet, sich selbst zu bessern trachtet. 4. Sucht zu gefallen muͤsse nicht mein schwaches Herz bethoͤren; sie wuͤrde mein Gefuͤhl fuͤr Pflicht und mei⸗ ne Ruh' zerstören. Ein eit⸗ ler Glanz und Pracht der Welt ist nicht der Schmuck, der dir gefaͤllt; drum will ich mich bescheiden in Zucht und Demuth kleiden. 5. Wenn Umgang mir Verfuͤhrung droht: so lehre mich, ihn meiden, und lenke stets mein Herz, o Gott, zu reinen edlen Freuden! Die Unschuld sei mein hoͤchster Ruhm, ein guter Ruf mein Eigenthum, den Jeder gern mir goͤnne, und Niemand laͤstern koͤnne!. 6. Die edle Freundin laß in mir ein Herz, wie ihres finden, damit in frommer Eintracht wir der Freund⸗ schaft Gluck empfinden! Laß unsre Liebe sanft und rein, wie zu besondern Zeiten. wie deiner Engel Umgang, seyn, daß nimmer unsre Seelen Neid oder Argwohn quaͤlen! 7. Der du mich selbst durch dein Gebot den Weg zum Himmel lehrest, ich will ihn wandeln, Herr, mein Gott, damit du mich erhorest. Durch Unschuld, Sanft⸗ muth, Froͤmmigkeit, durch frohen Sinn bei Haͤuslich⸗ keit laß, Vater, mich auf Erden geliebt und gluͤcklich werden. Für das Alter. Mel. Mein erst Geschaͤft sei Preis 62 3 tets warst du meine Zuver⸗ sicht, und bist es noch im Alter; verlaß auch nun mich Schwachen nicht, mein Schoͤpfer, mein Erhalter! 2. Ich fuͤhle die Beschwer⸗ lichkeit gehaͤufter Lebensjahre, und steh' am Rande meiner Zeit. Nah' sind mir Sarg und Bahre. 3. Gelobt sei deine Vater⸗ treu', die mich bis hieher brachte, mir wohl that und mein Herz dabei mit dir zu⸗ frieden machte! 4. O sei auch ferner noch mit mir, daß ich bis an mein Ende dir folg', und, voll Vertrau'n zu dir, das Leben wohl vollende! 475 5. Viel heitre Tage gabst du mir, von Sorgen frei und Graͤmen; wie sollte ich denn nicht von dir jetzt auch die truͤben nehmen? 6. Es waͤhret ja nur kurze Zeit, was ich noch etwa lei⸗ de, und dann lohnt eine Ewigkeit mit ungetruͤbter Freude. 7. Dann druͤckt mich keine Schwachheit mehr; verjuͤngt ist dann mein Leben; dann werd' ich, Gott, dir Preis und Ehr' im Chor der Engel eben. 8. Hilf, daß ich taͤglich meinen Blick auf diesen Wechsel lenke, und dies mir immer naͤh're Gluͤck zu meinem Trost bedenke! 9. So bleib' ich in Zufrie⸗ denheit auch bei des Alters Schwaͤche, und harre, bis dein Werk gebeut, daß mei⸗ ne Huͤtte breche. Mel. In allen meinen Thaten 624 x u! Herr von meinen Ta⸗ gen, hast mich voll Huld getragen von meiner Ju⸗ gen auf; auf allen meinen Wegen umgab mich, Gott, dein Segen; du lenktest mei⸗ nen Lebenslauf. 2. Ich hatt' oft große Sorgen; doch, wie ein hei⸗ trer Morgen durch dunkle Naͤchte bricht, so hab' ichs stets erfahren. Der Herr weiß weiß zu bewahren, und fuͤhrt durch Finsterniß zum Licht. 3. War Menschenrath vergebens, so kamst du, Herr des Lebens, und halfst und machtest Bahn. Dich ließ ich thun und rathen; denn du thust große Thaten und nimmst dich unser huldreich an. 4. Du willst in meinem Alter mein Stab seyn, mein Erhalter, nach deiner Vater⸗ treu'. Bin ich gleich schwach und muͤde, bei dir ist Trost Gesinnung und Verhalten des Christen und Friede; du stehst mir in der Schwachheit bei. 5. Wie flieh'n des Lebens Stunden, wie bald ist es verschwunden! Ich bin dem Ziele nah', dem Ziele aller Leiden. O welche hohe Freu⸗ den erwarten meine Seele da! 6. Ich harre fromm und stille, bis, Herr, mein Gott, dein Wille mich nach dem Kampfe kroͤnt. An meiner Laufbahn Ende sink' ich in Jesu Haͤnde, denn er hat mich mit dir versoͤhnt. Gesinnung und Verhalten des Christen unter besondern Umständen. Bei allgemeinem Wohl⸗ stande. In eigener Melodie. 625 31 Himmel er⸗ hebe dich, Freu⸗ dengesang! Hoch toͤne aus froͤhlichem Herzen der Dank! Auf, Alle, von Vaterlands⸗ liebe durchgluͤht, singt mit uns dem Hoͤchsten ein feiern⸗ des Lied! 2. Er laͤßt uns bewoh⸗ nen ein gluͤckliches Land; be⸗ schirmt und erfreut es mit wohlthaͤt'ger Hand, sein Se⸗ gen ergießt sich auf Alle herab, und vaͤterlich wendet Gefahren er ab. 3. Die Berge, mit Baͤu⸗ men und Reben besetzt, die Auen, mit schlaͤngelnden Baͤ⸗ chen benetzt, die Gaͤrten, die Flaͤchen der Felder umher, wie tragen sie immer an Fruͤchten so schwer! 4. Es bluͤhen Gewerbe und Kuͤnste im Land, und Nahrung und Wohlfahrt in jeglichem Stand. Mild wer⸗ den hier Fleiß und Ver⸗ dienste belohnt; bier ist es, wo Recht und Gerechtigkeit wohnt. 5. Religion strahlt uns so himmlisch, so mild. Da, wo uns nicht leuchtet die Sonne, ihr Bild, erhellt sie uns Erdenbewohnern den Pfad und gibt uns Erleuch⸗ tung, Erquickung und Rath. 6. Wuͤnscht, 6. Wuͤnscht, Gluͤckliche, wuͤnschet dem Vaterland Gluͤck! Ein Jeder bezeuge mit freudigem Blick: er schaͤtze das Gute dem Hoͤch⸗ sten zum Preis; es jauchze der Juͤngling, der Mann und der Greis! 7. Uns bleibe das Chri⸗ stenthum theuer und werth; Gott werde durch Weisheit und Tugend verehrt; Ge⸗ rechtigkeit ziere den fuͤrstli⸗ chen Thron, den Boͤsen zum Schrecken, den Guten zum Lohn. 8. Wohl Jedem, der's fuͤh⸗ let, wie gluͤcklich er ist im Lande, wo Eintracht und Liebe sich kuͤßt! Ein Jeder befoͤrd're, so viel er nur kann, des Vaterlands Be⸗ ste, und freue sich dann! 9. Gott, sei uns stets freundlich, und foͤrdere du das Werk unsrer Haͤnde in Frieden und Ruh; so leben wir gluͤcklich und wallen von hier zum Vaterland droben, o Vater, zu dir! In allgemeiner Noth. Mel. Auf meinen lieben Gott 5 Js zuͤchtigt deine 626 C Hand, o Hoͤch⸗ ster, jetzt das Land. Zu dei⸗ nem Vaterherzen erhebt in Furcht und Schmerzen sich das Geschrei der Armen; erhoͤr' es mit Erbarmen! unter besondern Umständen. 477 2. Du siehst des Landes Noth; sie kam auf dein Ge⸗ bot. Du kannst mit starken Haͤnden sie lindern und auch enden. Ein Wort aus dei⸗ nem Munde veraͤndert Zeit und Stunde. 3. O Herr, wir murren nicht. Gerecht ist dein Ge⸗ richt bei Allem, was wir dulden; denn groß sind unsre Schulden. Du zuͤchtigst doch noch minder, als wir's ver⸗ dient, wir Suͤnder. 4. Ja, Vater, deine Huld ist groͤßer als die Schuld. Gedenke denn der Deinen, die reuig vor dir weinen; laß tiefgebeugten Seelen nicht Trost und Hoffnung fehlen! 5. Verkuͤrze, guter Gott, die Dauer unsrer Noth, und die voll Kummer flehen, laß bald Erleicht'rung sehen! Verwandle du ihr Leiden in neue Lebensfreuden! 6. Doch wenn, o Herr der Welt, es dir noch nicht gefallt, die Truͤbsal zu ent⸗ fernen, so staͤrk uns, daß wir lernen, mit ehrfurchts⸗ vollem Schweigen vor dir uns kindlich beugen! 7. Herr, deine Zuͤchtigung leit uns zur Besserung! Laß sie die Sichern schrecken, die Schlummernden erwecken und Redlichfromme staͤrken, auf dein Gebot zu merken! 8. Wenn unser Herz dich liebt: so wird, was uns be⸗ truͤbt truͤbt, uns doch zum Heil gedeihen und uns zuletzt er⸗ freuen; es wird uns deine Gnade ein Licht auf dunklem Pfade. 9. So staͤrke denn das Herz, daß auch im groͤßten Schmerz es nie an Muth ihm fehle. O sprich zu uns⸗ rer Seele: Getrost! dich soll kein Leiden von meiner Liebe scheiden. 10. Am Schluß von un⸗ serm Lauf klaͤrt einst sich Alles auf! Dann wird die Aus sicht heiter; dann thraͤnt kein Auge weiter; dann finden unsre Herzen nur Wonne nach den Schmerzen. In eigener Melodie. 627 Wen wir in hoͤchsten Noͤthen seyn und wissen nicht, wo aus, noch ein; und finden weder Huͤlf noch Rath, ob wir gleich sorgen fruͤh und spat: 2. Dann bleibt das un⸗ ser Trost allein, daß wir uns deiner Huͤlfe freu'n; wir fliehen zu dir, du treuer Gott, du einz'ger Helfer in der Noth! 3. Wir heben unser Aug' und Herz hinauf zu dir in unserm Schmerz und fleh'n dich um Begnadigung und unsers Elends Linderung. 4. Nach deiner Gnade sa⸗ 478 Gesinnung und Verhalten des Christen gest du sie Allen, die d'rum bitten, zu durch den, der unser Mittler ist, durch un⸗ sern Heiland Jesum Christ. 5. D'rum kommen wir, Herr, unser Gott, und kla⸗ gen dir all' unsre Noth. Ach, deine Vateraugen seh'n, wie huͤlflos, Herr, wir vor dir steh'n. 6. Nur du bist unsre Zuversicht! Vergilt nach unsrer Schuld uns nicht; steh' uns in unsern Noͤthen bei und mach' uns aller Plage frei. 7. Dann danken und lob⸗ singen wir mit freudevol⸗ lem Herzen dir; gehorsam deinem theuern Wort, Herr, preisen wir dich hier und dort. In Kriegszeiten. Mel. Wer nur den lieben Gott 5 Cs zieht, o Gott, 628 C dh Kriegeswet⸗ ter jetzt uͤber unser Haupt einher. Doch, bist du unser Schutz und Retter, so schreckt uns keines Feindes Heer, wie sehr es auch Gefahr und Noth den Voͤlkern und den Laͤndern droht. 2. O gib in diesen bangen Tagen uns, Herr, den Sinn, auf dich zu sehn, und da, wo And re trostlos zagen, mit Zuversicht zu dir zu fleh'n, weil Menschenhuͤlfe wenig nutzt, nuͤzt, wenn deine Macht uns nicht beschuͤtzt. 3. Nicht blinder Zufall herrscht auf Erden: du bist es, der die Welt regiert. Laß jetzt die Menschen inne werden, daß deine Hand das Ruder fuͤhrt. Du, Herr, bist meine Zuversicht! Wir trau'n auf dich, verlaß uns nicht! 4. Dir werfen wir uns in die Arme und flehen um Barmherzigkeit! Sei unser Vater und erbarme dich uͤber uns zur boͤsen Zeit! Beschuͤze gnaͤdig Stadt und Land vor Blutvergießen und vor Brand! 5. Doch findet dein allwei⸗ ser Wille noch haͤrt're Pruͤ⸗ fungen uns gut; so fassen wir in frommer Stille, voll Zuversicht und Glauben, Muth. Du bist gewiß zu rechter Zeit zu retten uns, o Herr, bereit. 6. Froh werden wir dann ruͤhmen muͤssen, wenn du uns wieder wohlgethan: Gott brach nach uns ver⸗ borg'nen Schluͤssen zum Heil uns auch durch Noth die Bahn. Du bleibest unsre Zuversicht! Barm⸗ herziger, verlaß uns nicht. In eigener Melodie. 629 Ute vr en und Vater, jetzt zu dir. unter besondern Umständen. 479 Steh' uns bei, Allliebender, Herr der Welt, Allmaͤchti⸗ ger! Hoͤr' uns, rett' uns aus der Noth! Hilf; denn al⸗ lenthalben droht Raub, Verwuͤstung, Elend, Tod! 2. Ach des Krieges Flam⸗ men gluͤh'n! Ordnung, Ruh' und Segen flieh'n. Keine Huͤlfe sehen wir, keine Huͤl⸗ fe, als bei dir. Denk an uns in Gnad' und Huld, nicht an unsrer Suͤnden Schuld; gib uns Hoffnung und Geduld! 3. Du, der zu dem Meere spricht: Bis hieher und wei⸗ ter nicht! Sprich, o Hoͤch⸗ ster, nur ein Wort, und die Schrecken fliehen fort; Fried und Ordnung, Gluͤck und Ruh' eilen uns von Neuem zu. Unsre Zuflucht, Gott, bist du! 4. Gibst du Frieden: dann, o Herr, bebet unser Herz nicht mehr. Ach, wir Alle beten dann deine Macht mit Freuden an. Aber jetzt noch seufzen wir, jetzt noch fleh'n wir angstvoll hier um Er⸗ barmen, Gott, zu dir! Mel. Wann mein Stündlein 630 He du denn ganz dein Angesicht, o Herr, vor uns verborgen? Vernimmst du unsre Seuf⸗ zer nicht; entgeh'n dir unsre Sorgen? Uns druͤcket eine schwere Macht; Gott, wenn nicht —— nicht deine Vorsicht wacht, so muͤssen wir verderben. 2. Der Krieg im blutigen Gewand verheeret die Ge⸗ silde, und Noth und Armuth druͤckt das Land, das sonst dein Segen fuͤllte. Ach, Al⸗ ler Herz ist freudenleer und keine Ruh' erquickt uns mehr; sie ist von uns gewichen. 3. Gefahr umgibt uns in der Nacht und waͤchst mit jedem Tage. Sind wir von kurzem Schlaf erwacht, so wacht auch unsre Plage. Der harten Krieger wilde Wuth droht uns mit Feuer und mit Blut; o wer, wer kann uns schuͤtzen? 4. Du kannst es, du er⸗ hab'ner Gott! Es steht in deinen Haͤnden, uns zu er⸗ retten, unsre Noth zu un⸗ serm Gluͤck zu wenden. Du kannst dem Elend, das uns druͤckt, das dein Gericht uns zugeschickt, allein allmaͤchtig steuern. 5. Es haben Lanzen, Spieß und Schwert, mit welchen Feinde drohten, schon oft in Sicheln sich verkehrt, so⸗ bald dein Wink geboten. So maͤchtig bist du immer noch; ach so gebeut, so rede doch! Was du sprichst, muß geschehen. 6. Vergib uns gnaͤdig unsre Schuld, vertilge unsre Suͤnden! Du bist ein Gott voll Vaterhuld: so laß auch 480 Gesinnung und Verhalten des Christen nun dich finden! Ach, daͤmpfe unsrer Feinde Wuth, losch aus des Krieges wilde Glut, eh' sie uns ganz verzehret! 7. Gib deiner Gnade theu⸗ res Pfand, gib uns den Frieden wieder! Errette das bedraͤngte Land, erhalt' uns unsre Guͤter, damit wir dir, von Angst befreit, die Opfer unsrer Dankbarkeit in sichern Tempeln bringen. 8. Regiere du selbst unsern Sinn, daß wir, dir ganz ergeben, des Lasters Bahn mit Abscheu flieh'n und nur der Tugend leben! Wir las⸗ sen dich, Erbarmer, nicht, bis uns dein huldreich An⸗ gesicht zum Segen wieder strahlet! Zur Friedensfeier. Mel. Herr, Gott! dich loben 25 Qu dir, Unendli⸗ 631 3 cher, zu dir, All⸗ guͤtiger, der Voͤlkern still zu seyn gebot und Frieden sandte, zu dir, Gott, steigt unser Jubelton empor! Zu unsrer hoͤhern Bruͤder Chor singt unser Herz, entflammt von Dank, den lauten hohen Lobgesang: Gelobt, gelobt sei Gott! der Weltbeherr⸗ scher, Gott! der Weltbe⸗ gluͤcker, Gott! der Friedens⸗ geber, Gott! 2. Wer ist an Majestaͤt dir gleich! An Güte und an gleich Macht Macht so reich. Du sprichst ein Wort: der Himmel schweigt. Du sprichst ein Wort: der Erdkreis neigt sich tief anbetend vor dir, Gott, und ehret schweigend dein Gebot! Du siehest Völker sich entzwei'n, mit Schwert und Waffen sich bedräu'n; die Waffen finken und der Streit wird still, wird Ruh' und Einigkeit, sobald, Herr, deine Rechte dräut, und Völkern still zu seyn gebeut. 3. Wie schreckend, wie verheerend war empörter Völker Zwist! Gefahr und Angst und Noth und Tod umgab uns drohend; offen stand das Grab, und unsre Brüder sanken hin, bei Schaaren in das Grab da⸗ hin; und Schmerz der Mut⸗ terherzen brach, und blut'⸗ ge Thränen folgten nach. Gott, furchtbar war der Völker Zwist. Dank dir, Allgütiger, er ist durch dich, der Erd' und Simmel trägt, geschlichtet und nun beige⸗ legt! 4. Das Schwert, das Bruderblut vergoß, ist weg⸗ gelegt, aus deinem Schooß strömt uns des Friedens sanfte Ruh' und Ueberfluß und Segen zu. Hier liegen wir und beten an dich, Gott, der dies an uns ge⸗ than! unter besondern Umständen. 481 5, Laß ihn, laß ihn be⸗ ständig seyn, den Frieden, deß wir uns jetzt freun; in seinem Schooße laß uns nun, und spät noch unsre Nachwelt ruhn! O segne, Gott, das Vaterland, den Fürsten, segne jeden Stand! So lang du uns noch wallen heißt im Pilgerthal, laß dei⸗ nen Geist den treuen Führer Aller seyn! Dann führ' zur ew'gen Ruh' uns ein! Amen! Mel. Lobet ben Herren 229 YVahet, anbetend 632 N dem Gnädigen, nahet Beglückte! Singt ihm; er ists, der den Frie⸗ den vom Himmel uns schick⸗ te! Preiset ihn hoch, weg ist das härteste Joch, das unser Vaterland drückte. 2. Vater, du weißt es, was wir von der Zwietracht erfuhren; grause Verhee⸗ rungen sind noch die trauri⸗ gen Spuren! Aber wie hell rinnt nun der Segnungen Quell durch die verwüsteten Fluren! 3. Hör', o Allgütiger, gnä⸗ dig das Jauchzen der Dei⸗ nen! Höre, Erretter, den Jubel der Großen und Klei⸗ nen! Friede gabst du, Friede und sichere Ruh, Freude nach Klagen und Weinen. 4. Dank dir, o Vater, und Ehre und Preis deinem Namen! Sie sind erduldet, die die Leiden, die über uns kamen; fern ist die Noth! Segnend erhalt' uns, o Gott, was du verliehen hast! Amen. In Theuerung. Mel. Von Gott will ich 633 Du bester Trost der Armen, Beherrscher aller Welt, du Vater voll Erbarmen, der, was da lebt, erhält, schau' her auf unsre Noth; er⸗ barme dich der Deinen; wir Armen gehn und weinen und schmachten, Herr, nach Brod. 2. Erbarmender, ach wen⸗ de der Zeiten schweren Lauf! Thu' deine milden Hände, uns zu versorgen, auf! Was irgend Leben hat, nährst du mit Wohlgefallen. Nähr' uus auch, schaff uns Allen bei unserm Mangel Rath! 3. Den Reichen gib Er⸗ barmen, Gefühl für Andrer Schmerz, und zu erfreun die Armen, ein mitleidsvol⸗ les Herz, damit sie mild ihr Brod trostlosen Brüdern brechen und nicht gefühllos sprechen: Geht hin; es helf“ euch Gott! 4. Laß unsre Frucht gera⸗ then, uns wieder zu erfreun; und allen unsern Saaten gib Wachsthum und Gedeihn! Mit milder Vaterhand gib 482 Gesinnung und Verhalten des Christen Wärme, Thau und Regen: so kehrt dein reicher Se⸗ gen zurück in unser Land. In Wassersnoth. Mel. Herzliebster Jesu! 634 Och will dem 2 Herrn zu je⸗ der Zeit vertrauen, und stets mein Heil auf diesen Felsen bauen; auch in den nächsten schrecklichsten Ge⸗ fahren kann er bewahren. 2. Ich will ihm trauen auch in Ungewittern, vor denen selbst der Erde Säu⸗ len zittern, und da, wo, Bergen gleich, empörte Wel⸗ len zum Himmel schwellen. 3. Sei Alles Sturm und Aufruhr und Getümmel: Gott schuf das Meer, den Erdkreis und den Himmel. Was er gedeut im Himmel und auf Erden, das, das muß werden. 4. Zum wilden Strome spricht er; Fleuß mit Stille! und allgewaltig ist sein Herr⸗ scherwille; der Strom ge⸗ horcht, die Wogen sinken nieder und ruhen wieder. 5 Wer händeringend sein Geschick beklagte, den Ab⸗ grund offen sah und schon verzagte, frohlocket dann und rufet: Gott ist Net⸗ ter im Sturm und Wetter! 6. So mögen denn Ge⸗ fahren mich n is⸗ Eisgebirge sich im Strome heben, und furchtbar dro⸗ hend jeden Damm erschüt⸗ tern; ich will nicht zittern. 7. Zu dir empor will ich am Strome schauen und das thun, was ich soll, und dir vertrauen. Du, Herr, kannst stets uns retten und bewahren in den Gefahren. Mel. Was mein Gott will 635 Wired in goth, laß uns, o Gott, die Fluth nicht über⸗ schwemmen! Nimm uns in Acht; wehr' ihrer Macht! Du kannst die Wogen hem⸗ men. Verbirg jetzt nicht dein Angesicht, gedenk' an uns in Gnaden! Gott, wenn uns jetzt dein Arm beschützt, was kann die Fluth uns schaden? 2. Ach, hilf uns, Herr, Allmächtiger, um Jesu Chri⸗ sti Willen! Ach, du allein kannst uns befrein, kannst Sturm und Wellen stillen. Erbarme dich, hilf väterlich; beschütz' uns Gut und Leben! Dann wollen wir dir, Gott, dafür Dank, Preis und Ehre geben. Nach überstandner Noth. Mel. Nun danket Alle Gott 636 ob, Ehr und Dank sei dir, o großer Gott, gesungen, unter besondern Umständen. 483 daß du durch deine Macht die wilde Fluth bezwungen! Verheerend brach sie los, gleich dem empörten Meer, die Wellen rauschten schon fast üder uns daher. 2. Doch mitten in der Fluth bewiesest du Erbar⸗ men und halfst uns väterlich. Du zeigtest an uns Armen, daß du, Allvater, nie uns allzusehr betrübst, uns nie verlassen kannst, uns auch im Leiden liebst. 3. Dies thatst du, Mäch⸗ tiger, der jeder Fluth ge⸗ bieten, der Meere zähmen kann, so mächtig sie auch wüthen! Du schützest, du erhältst, du hilfst in jeder Noth; du bist der Fluthen Herr, du bist der Meere Gott. 4. Wer wollte dir, o Herr, durch Sünden widerstreben, und nicht in Heiligkeit zu deiner Ebre leben? Folgt deinem Wink der Strom, gehorcht dir alle Welt: wie sollten wir nicht thun, was, Vater, dir gefällt? Nach einer Feuersbrunst. Mel. Wann wir in höchsten Zott, d 637 C 5 1 Feuers Kraft zum Segen und Verderben schafft; mit welcher schrecklichen Gewalt 1 2 ver⸗ verwüstet's, und wie leicht, wie bald! 2. Ach, manche Häuser hat's verzehrt, und mancher Menschen Glück zerstört! Auch dies hat deine Hand gethan; wir weinen, Herr, und beten an. 3. Wir weinen und ver⸗ ehren doch auch deine Huld; sie half uns noch und hielt der Flammen schnellen Lauf, der Uebrigen zu schonen, auf. 4. Mit unsern Brüdern seufzen wir in ihrem Jam⸗ mer, Gott zu dir. Laß sie nicht hülflos, tröste die, die du gebeugt hast, segne sie! 5. Ach, der Verschonte fliehe nicht die Uebung sei⸗ ner schönsten Pflicht, der Pflicht: Betrübte zu er⸗ freun, barmherzig durch die That zu seyn! 6. Uns wieder segnen kannst du, Gott, in Heil verwandeln jede Noth. Ja, weise, liebevoll, und gut ist Alles, was dein Wille thut. 7. Gib Unterwerfung und Geduld, und laß uns deiner Vaterhuld mit frommer Zu⸗ versicht vertraun, und stets auf deine Hülfe baun! 8. Schütz! unser ganzes Vaterland vor Mangel, Seuchen, Krieg und Brand! Gib, weil du unser Vater bist, uns Allen, was uns heilsam ist! 484 Gesinnung und Verhalten des Christen Nach großem Verlust. Mel. 638 u hast es mir gegeben und genommen: Preis dir, o Herr! Zwar ist mein Herz beklommen; doch mein Ver⸗ traun, mein Glaube soll nicht wanken; ich will dir danken! 2. Verborgen mir, doch gütig ist dein Wille! Du bist mein Gott, und meine Seel' ist stille. Du führst gewiß mich auch auf rauhen Wegen dem Heil entgegen. 3. Wenn's nützlich mir und wenn es deiner Ehre, Allwissender, gemäß gewe⸗ sen wäre; du hättest lieber Glück mir zugewendet, als Noth gesendet, 4. Du sahst vielleicht, ich würd' in guten Tagen nicht mehr nach dir und deinen Rechten fragen; ich würde stolz des Glücks mich über⸗ heben und sündlich leben. 5. Gott, wenn ich dies im Stillen überlege, so preis' ich dich und ehre deine Wege. Was hülf' es mir, die ganze Welt zu erben und zu der derben? 6. Und viel des Guten ist mir noch geblieben, mein guter Nameée; Freunde die mich lieben, und, Dank sei dir, es ist mein gut Gewis⸗ sen mir nicht entrissen. 141* Herzliebster Jesu! Wie 7. Wie sollt' ich nicht auf deine Güte schauen: nicht ruhig seyn und standhaft dir vertrauen? Auch künftig wirst du, was zu meinem Leben mir Noth ist, geben. 8. Herr, segne du die Ar⸗ beit meiner Hände und leite gnädig mich bis an mein Ende! Mit Allem, was du fügst und mir beschieden, bin ich zufrieden. Auf der Reise. Mel. Befiehl du deine Wege Meglücke meine 639 B Resse; Gott, ich vertrane dir! Sei gnä⸗ dig und beweise, wie treu du bist, an mir! Auf allen meinen Wegen begleite vä⸗ terlich mit deinem Heil und Segen, mit deinem Schutze mich! 2. Ich bin in deinen Hän⸗ den, deß darf mein Herz sich freun; denn du kannst Hülfe senden, wo mir Gefahren dräun. Bin ich bei dir in Gnaden, so fürcht' ich Nichts, o Gott, du wehrest allem Schaden, mein Helfer in der Noth! 3. So will ich denn mein Leben, mein zeitlich Glück und Gut mit Ruhe übergeben, Gott, deiner treuen Hut. Erhalte mei⸗ ner Kräfte, beglücke mei⸗ nen Fleiß und meiner Pflicht unter besondern Umständen. 485 Geschäfte zu deinem Ruhm und Preis! 4. Laß dir auch meine Lieben empfohlen seyn, o Gott! Nichts müsse sie be⸗ trüben, kein Unfall, keine Noth! Gesund laß sie mich wieder bei fro her Rückkehr seh'n; dann sollen unsre Lieder, Herr, dankbar dich erhöhn! Der reisende Jüngling. Mel. Lobt Gott ihr Christen 640 Auch außer mei⸗ 5 nem Vaterland wirst du, Gott, mit mir seyn. Wo immer nur mich deine Hand hinführt, da bin ich dein. 2. Vergeß' ich dieser Wahrheit nicht; bin ich von Herzen gut und üb' ich treulich meine Pflicht, so hab' ich frohen Muth. 3. Doch, Herr, ich fühle mich noch schwach; drum stärke du mein Herz! O hilf du meinem Streben nach, und sichre mich vor Schmerz! 4. Der Reiz der Sünd' und Eitelkeit entlocke dir mich nie! Was kurz ver⸗ gnügt und lang gereut, gib, daß ich's weislich flieh'!l 5, Wo man mich sieht und Freund mich nennt, laß tugendhaft mich seyn, und dort auch, wo kein Mensch * 3 mich 486 Gesinnung und Verhalten des Christen mich kennt, das Laster ernst⸗ lich scheun! 6. Nur wer die Tugend ehrt und liebt, deß Bei⸗ spiel führt zu dir; o du, der Alles hat und gibt, Gott, solchen Freund gib mir! 7. Dem Freunde wilder Fröhlichkeit, dem Freund von List und Spott, von Wollust, Spiel und Ueppig⸗ keit entreiße mich, mein Gott! 8. Wer Wahrbeit, Pflicht und Recht verdreht, der flöße Gram mir ein; vor dem Verruchten, der dich schmäht, erzittre mein Ge⸗ bein! 9. Mich lehre stets dein heilig Wort auf guten We⸗ gen gehn, und, wenn ich kann, an jedem Ort im Tempel dich erhöhn! 10. Dann bin ich meiner Aeltern Lust, im Alter einst ihr Stab und keines Lasters mir bewußt, begleit' ich sie an's Grab. 11. Mir folgt ihr Se⸗ gen durch die Welt, bis kinst mein Auge bricht, und meinen Geist, der dit gefällt, erschrecket kein Ge⸗ richt. 12. Gedanke der Un⸗ sterblichkeit, erhebe meinen Geist! Wohl mir, es ist die Ewigkeit, wohin der Glaube weist! Fürbitte für liebe Ab⸗ wesende. Mel. Der unsre Menschheit 7 u, welchen 641 2 keine Welt umschließt, der du allgegen⸗ wärtig bist mit allen deinen Segen, wo meine Lieben sind, auch da bist du voll Huld, bist ihnen nah auf allen ihren Wegen! Dies istis, was meine Thränen stillt, wenn banges Sehnen mich erfüllt. 2. Mach' ihnen mild das ferne Land, und laß, an deiner Vaterhand, sie dort auch Freunde finden. Sei, wenn ein Unfall ihnen droht, ihr Schutz, ihr Retter in der Noth; bewahre sie vor Sünden! Auch dort sei stets der Tugend Ruhm ihr unverletztes Eigenthum. 3. O kehren sie mir einst zurück: des Wiedersehens großes Glück macht froh schon meine Seele. Doch säh' ich auch ihr Angesicht nun ferner hier auf Erden nicht; was ist's, daß ich mich quäle? Ich weiß, o Gott, ein Tag erscheint, der wieder mich und sie vereint. 1. O wie gedenk ich dein so gern, du Tag des Lebens, Tag des Herrn! Wann wir dein Licht erscheinen? O Tag, der die mir wieder gibt, gibt, die trauernd meine Seele liebt, die Seligen, die Meinen! Wie wird sich unsre Seele freu'n]! Wie se⸗ lig werden dann wir seyn! Bei ansteckenden Krank⸗ heiten. Mel. Allgegenwärtiger, ich 642 41 unserm Kum⸗ mer fallen wir gebeugt und demuths voll vor dir, o Herr des Lebes, nieder. Ach, uns bedroht ein schneller Tod; schon würgt er unsre Brüder. 2. Der Seuchen Gift ver⸗ breitet sich, und Gott, wen haben wir, als dich, der seine Wuth ihm raube? Wo deine Macht uns nicht be⸗ wacht, so werden wir zu Staube. 3. Ach, Viele sanken schon ins Grab so unerwartet schnell hinab. Wie ist um Hülf uns bange! O schone noch! Entreiß uns doch dem nahen Untergange! 4. Oft retten Kunst und Vorsicht nicht. Wir haben keine Zuversicht, als nur zu deiner Güte; du bist der Herr! Gib, daß nicht mehr der Tod so schrecklich wüthe! 5. Wir glauben an den Sohn und dich; o darum schaue väterlich auf tiefge⸗ beugte Sünder! Denn du unter besondern Umständen. 487 allein kannst uns befrei'n, und wir sind deine Kinder. 6. In deiner teuen Va⸗ ter hand ruht Tod und Le⸗ ben, Volk und Land. Ent⸗ ferne jede Plage! Verzag⸗ ten Sinn nimm von uns bin! Gib wieder heit're Tage! 7. Doch willst du uns noch nicht befrei'n, so lehr“ uns doch geduldig seyn, und dir uns ganz ergeben; und sterben wir, laß uns vor dir in deiner Wonne leben! 8. Zeig allen Sterbenden dein Heil, und gib, daß sie ihr bestes Theil im Himmel nicht verlieren! Laß ste den Tod aus jeder Noth zum bessern Leben führen! 9. Laß unser gläubiges Gebet, das, Herr, zu dir um Gnade fleht, dir, Vater, wohlgefallen. Der reinste Dank und Lobge⸗ sang wird dann bei uns erschallen. Dank für Gottes Hülfe. Mel. Ein Lämmlein geht 643 Wir kommen, Helfer, dir Gesang und Ruhm und Preis zu bringen. Des ganzen Volkes lauter Dank soll, Retter, dir lobsingen. Wir schwebten in Gefahr und Noth; wir sahen überall den Tod mit seinen Schrecken X 4 dro⸗ drohen. Nun wüthet seiner Seuchen Heer durch unser Vaterland nicht mehr; sie sind vor dir entflohen. 2. Wir sahen dort und sahen hier so viele Brüder sterben, und allenthalben waren wir umfangen vom Verderben. Da galt kein Schonen! Stündlich war uns nah und furchtbar die Gefahr und alle Kunst ver⸗ gebens. Den Würger trieb kein Arzt zurück, auch ihm schien jeder Augenblick der letzte seines Lebens. 3. Allmächtiger, wir Alle schrie'n zu dir mit bangen Herzen. Wir sind erhört! die Seuchen fliehen; du bei⸗ lest unsre Schmerzen. O du Erbarmer voll Geduld, du hast nach unsrer Sünden⸗ schuld auch diesmal nicht gelohnet. Gezüchtigt, o wir preisen dich, gezüchtigt hast du väterlich und väter⸗ lich verschonet. 4. Dich, der du von Ge⸗ fahr befreist, dich müssen Alle loben! Sei ewig, Vater, Sohn und Geist, von deinem Volk erhoben! Dich, Retter, bete Jeder an! Es jauchze, wer nur danken kann, und ehre dei⸗ nen Namen, und rühme: Gott ist unser Gott! Er hilft uns gnädig in der Noth! Erhebt ihn! Amen! Amen! 488 Gesinnung und Verhalten des Christen In Krankheiten. Mel. Wie groß ist des ier lieg ich, 644 Herr, in Angst und Schmerzen und flehe, weil ich flehen kann, aus vollem, tiefgerührtem Her⸗ zen dich kindlich um Erbar⸗ men an. Wen hab' ich sonst in diesen Stunden? Wer kennt so ganz mein Leid, wie du? Wer heilt die mir geschlagenen Wunden? Wer sendet mir Erquickung zu? 2. O Gott, du Vater aller Väter, der gern den Leidenden erfreut, zu dem so mancher fromme Beter, und nie umsonst, um Hülfe schreit, auch mich laß nicht vergeblich flehen! Auch mei⸗ nes Herzens nimm dich an und lehre mich auf Alles se⸗ hen, was Freude mir ge⸗ währen kann! 3. Du wirst ja nie des Helfens müde; du weiß es, was der Kranke fühlt, und gibst ihm Hoffnung, Trost und Friede, wenn Schmerz in seinem Innern wühlt. Dies sagt mir, der ich dir vertraue, zu meiner Ruh' dein göttlich Wort; dies treibt, so oft ich auf dich schaue die Furcht aus mei⸗ ner Seele fort. 4. Auch dieser Krankheit schweres Leiden verhingst du liebreich über mich. Auch hier hier, wie im Genuß der Freuden, erkennt mein Herz als Vater dich. O gib, daß ich dies stets empfinde! O stärke selbst mich in Geduld! Vergilt mir, dem verirrten Kinde, nicht ganz nach mei⸗ ner Sünden Schuld! 5. Verlängre, Herr, mein Erdenleben, wenn's deinem weisen Rath gefällt! Und dann sei es nur dir ergeben, nur dir, mein Retter, nicht der Welt! Doch soll ich mei⸗ nen Lauf vollenden! dann hebe meinen Geist zu dir, und ist mein Geist in deinen Händen, o, guter Gott, was fehlet mir? Mel. Alles ist an deinem Segen 645 H mir, Gott, der Krankheit Plagen, die mich drücken, still ertragen, und mit kind⸗ lichem Vertrau'n bei der Sehnsucht meines Herzens um Erleicht'rung meines Schmerzens nur auf deine Vorsicht schau'n! 2. Deiner Weisheit kann's nicht fehlen, immer das nur zu erwählen, was das Beste für uns ist. Dies will ich zu Herzen fassen, und mich ganz dir überlassen, der du auch mein Vater bist. 3. Sanfter Antrieb, ernste Lehre, daß ich in mich sel⸗ ber kehre, sei der Schmerz, die Krankheit mir! Ihre unter besondern Umständen. 489 Last nicht zu vergrößern, hilf mir meine Seele bessern; alle Hülfe kommt von dir. 4. Vater, Helfer aller Kranken, Quelle tröstender Gedanken, steh' mir bei mit deiner Kraft! Sie nur kann erretten, stärken; lehre mich auf sie stets merken, die aus Leiden Freude schafft! 5. Guter Muth und heit⸗ res Wesen sei in meinem Blick zu lesen; Ruh' er⸗ fülle meine Brust! Hoff⸗ nung stärke mich, und Freude sei mein Glaube, wenn ich leide; dir zu fol⸗ gen, meine Lust! Mel. Wer nur den lieben Gott 646 Nicht mehr, als meine Kräfte tragen, Barmherziger, legst du mir auf! Nicht immer wird der Schmerz mich na⸗ gen; es folgt gewiß Er⸗ quickung drauf. Auf meinem Krankenlager hier lobsing' ich, o mein Vater, dir. 2. Weil mich die Welt zu sehr zerstreute, rufst du mich in die Einsamkeit; weil ich den Kampf zu ängstlich scheu⸗ te, führst du mich mitten in den Streit, und übst durch körperlichen Schmerz, mein von Geduld entwöhntes Herz. 3. Den Kelch der Trübsal soll ich leeren! Ach, Herr, du weißt, das zleisch ist 4 5 schwach schwach! Vergib, wenn eine Fluth von Zähren hervor aus meinen Augen brach O stärke, Gott, voll Vater⸗ huld, mein Herz durch Glau⸗ ben und Geduld! 4. Der Schmerz, der mei⸗ ne Glieder schwächte, berau⸗ bet mich der sanften Ruh'; ich bring, o Gott, die lan⸗ gen Nächte auf meinem Lager schlaflos zu; der Men⸗ schen Hülf' ist schwach und klein; doch du, du wirst mein Helfer seyn 5. Dein Wille mag allein entscheiden, wie lang die Prüfungsstunde währt! Und wenn auch ganz im Kampf der Leiden sich, meine Le⸗ benskraft verzehrt; wenn auch mein Herz im Tode bricht: Du, Herr, bist meine Zuversicht! Mel. Wer nur den lie 2[Gott, der du 647 G Schmerz und Freude sendest, mit Weis⸗ heit unser Schicksal lenkst, und Alles uns zum Besten wendest, was du nur über uns verhängst, du hast nicht Lust an meiner Pein; auch sie soll mir zum Heil gedeihn. 2. Auch durch die Noth führt mich zum Ziele der Seligkeit, Gott, deine Hand und deine Tröstungen, wie viele hast du mir schon ins Herz gesandt! Wie oft ruft 490 Gesinnung und Verhalten des Christen mir dein Wort nicht zu: Gott ist dein Vater; Kind bist du! 3. O du, mein bester Va⸗ ter, glaubte nur meine Seele kindlich dir! O daß mir doch kein Zweifel raubte den sü⸗ ßen Trost: Gott ist bei mir! Ja, Vater deine Huld und Kraft ist Allem nah, was sie erschafft. 4. Wenn Schmerz und Leiden mich bestürmen, so denk ich dein und deiner Huld. In allem Weh, in allen Stürmen verleih' mir Weisheit und Geduld! Be⸗ ruhige mein Herz, und sprich: Sei nur getrost und hoff' auf mich! 5. Wie litt im allerbäng⸗ sten Leiden so stille duldend Jesus Christ! Leid' ich ihm nach, ein Meer von Freu⸗ den, das ewig unerschöpflich ist, umfließt mich dann vor seinem Thron. Wie meine Leiden, so mein Lohn! 6. Durch Leiden wird mein Herz ihm offen; durch Glauben naht fich ihm mein Geist. Der stille Dulder nur darf hoffen, darf hoffen das, was Gott verheißt. Zu solcher Hoffnung stärke mich: So preif ich auch in Schmerzen dich! Mel. Wann mein Stuündlein 648 8 ist dein Wille Herr, mein Gott, Gott, daß ich jetzt Schmer⸗ zen leide: doch du bist Hel⸗ fer in der Noth und kehrst sie gern in Freude. Was ich bedarf, ist dir bekannt; mein Leben steht in deiner Hand; deß soll mein Herz sich trösten! 2. Voll Hoffnung wend' ich mich zu dir; ich bleibe dir ergeben Herr, wie du willst, so schickss mit mir, zum Sterben oder Leben! Bei dir allein steht meine Zeit; nur mache mich der Selig⸗ keit durch deine Gnade wür⸗ dig! 3. Verhüte, daß der Krank⸗ heit Pein zu schwer mir Schwachen werde. Laß mir Erquickung angedeihn, er⸗ leichtre die Beschwerde. Du Vater, weißt, was jeden Tag zu tragen ich, dein Kind, vermag; hilf und erbarm' dich meiner! 4. Erquicke, Gott, und stärke sie, die liebreich meiner pflegen; lohn' ihnen ihre Treu und Müh' mit deinem besten Segen! Gib gegen sie mir Freundlichkeit; gib ihnen, Gott, Gelassen⸗ heit, Geduld mit meiner Schwäche. 5. Soll tödtlich meine Krankheit seyn, und steht mein Grab schon offen, so laß mich Herr, von Sünden rein, auf deinen Himmel hoffen! Des leßten bangen unter besondern Umständen. 491 Kampfes Schmerz erleichtre mir und laß mein Herz noch sterbend dir vertrauen! 6. Doch willst du wieder Kräfte mir zu längerm Le⸗ ben schenken: dann laß, so lang ich lebe hier, mich dank⸗ bar dein gedenken, damit ich künftig jederzeit, mit aller Treu' und Redlichkeit, der Tugend Wege wandle! Mel. Wer nur den lieben Gott 5 er Morgen 649 kommt, und meine Plage wird mit dem Morgen wieder neu. Wie traurig fließen meine Tage, wie bang die Nächte mir vorbei! Der Morgensonne neues Licht erheitert meine Seele nicht. 2. Noch immer bin ich auf der Erde, wo Schmerz und Kummer mich umringt, wo täglich größere Beschwer⸗ de zu Klagen mich und Thrä⸗ nen zwingt; noch immer fleh ich unerhört um Stärkung, ie mein Herz begehrt. 3. Erbarm' dich; eil mir beizustehn! verlaß mich, o mein Helfer, nicht! Ach zeig' mir wieder auf mein Flehen dein väterliches Angesicht! Gib mir Geduld, gib mir im Schmerz ein ruhig dir ergebnes Herz. 4. Noch ist mein Schicksal mir verborgen, das diesen Tag mich treffen soll; 115 6 i 492 Gesinnung und Verhalten des Christen ich bin ohne Gram und Sor⸗ gen, du, Vater, kennst mein wahres Wohl. Und was dein Rath beschließt und trut, ist heilig, ist gerecht und gut. 5. Soll ich die Last noch länger tragen, ich halte dei⸗ ner Fügung still. Dein Will' geschehe, will ich sa⸗ gen, wie du, Herr, willst, nicht, wie ich will! So, Vater, laß bei Schmerz und rein geduldig mich, wie Jesus, seyn! 6. Einst kommen doch der Ruhe Stunden; einst rückt mein Abend auch herbei! dann, dann ist Alles über⸗ wunden, ich bin von aller Trübsal frei; dann folgt auf Sorgen, Gram und Leid, dort ewige Zufriedenheit. 7. Gestärkt durch diesen hohen Glauben, vollend' ich meiner Leiden Pfad. Nichts soll mir meine Hoffnung rau⸗ ben; auch dann Nichts, wann der Tod mir naht. Vielleicht noch heut erscheint er mir, und führt mich, Gott, hin⸗ auf zu dir. Mel. Wann mein Stündlein Mach einer schmer⸗ 650 N zenvollen Nacht seh' ich den Morgen wieder. Dein Auge, Gott, hat mich bewacht; dich preisen meine Lieder. In großer Angst verliehst du mir nicht Lind⸗ rung nur; ich danke dir auch Trost, Geduld und Fassung. 2. So trag' ich ruhig mei⸗ nen Schmerz und die ser Krankheit Plage; zu, dir erhebe sich mein Herz du Schöpfer meiner Tage! Durch Leiden zogst du mich zu dir, und nun, mein Va⸗ ter, bist du mir ein Fels, auf den ich baue. 3. Du bist es, der mich nicht verläßt, wenn auch der Tod erscheinet, dich hält mein Glaube dann noch fest, wann Alles um mich weinet. Ich bin getrost, wenn gleich betrübt die Freunde, deren Herz mich liebt, jetzt um mein Leben zittern. 4. Auch sie verlaß, o Va⸗ ter, nicht; stärk' ihre ban⸗ gen Herzen, erfülle sie mit Zuversicht und lindre ihre Schmerzen! Ja, dir empfehl' ich sie, o Herr! Sei du ihr Schutz, Allgütiger, und trockne ihre Thränen! 5. Doch, sollten meiner Tage viel noch unter Leiden werden; bin ich noch fern von meinem Ziel, dem Ende der Beschwerden: so gib mir, Vater, deine Kraft, die Muth in jedem Leiden schafft, die kämpfen hilft und siegen. Mel. Wann wir in höchsten 651 Saen wieder Nacht; und Gram Gram und Schmerz zerna⸗ gen immer noch mein Herz! Wie manche, manche lange Nacht hab' ich schon seufzend durchgewacht! 2. Da schleicht so langsam mir die Zeit; da ist so öd' die Einsamkeit! Ich seufz' und ring' umsonst nach Ruh', kein Schlaf drückt mir die Augen zu. 3. Doch trenn ich mich noch nicht von dir, o Hoff⸗ nung! Nein, du bleibest mir. Gelegt, zu lindern Noth und Schmerz, hat Gott dich liebend an mein Herz. 4. Er ist's, der Muth und Zuversicht durch dich zu diesem Herzen spricht. Die Hülfe kommt; ich sehe schon durch dich des frommen Dul⸗ ders Lohn. 5. O wär' kein Himmel, der einst lohnt; du, Vater, hättest mich verschont mit diesem Kelch voll Bitter⸗ keit, versüßt mir meine kurze Zeit 6. Noch flebt vor dei⸗ nem Angesicht dein leidend Kind: Ist's möglich nicht, daß dieser Kelch vorüber geh? Doch nur dein Wille, Herr, gescheh'! 7. Fest halt' ich immer mich an dich! Ach, stärk' in meiner Schwachheit mich! Du bist so reich, so reich an Ruh'; send mir nur ei⸗ nen Tropfen zu! unter besondern Umständen. 493 8. Doch bringt ihn nicht der Schlaf zu mir; so bringt mir doch gewiß von dir bald mehr sein Bruder, ach, der Tod, der letzte treue Freund in Noth. Mel. Wer nur den lieben Gott 09 Ho ist mit aller 652 seiner Plage nun abermals ein Tag voll⸗ bracht, Daß ich der Leiden Last ertrage, hilfst du mir immer, Gott der Macht. Auch heute warst du Bei⸗ stand mir, und herzlich dank' ich dir dafür. 2. Nur auf die Nacht wird mir jetzt bange; denn immer mehrt sie meinen Schmerz. Da seufzet: Ach, mein Gott, wie lange! oft das beklommne matte Herz; da zähl' ich jeden Stunden⸗ schlag, und immer wird so spät es Tag. 3. Es flieht der Schlaf vor meinem Kummer; die Glücklichen besucht er nur. Nur selten sinkt ein leiser Schlummer auf die entkräf⸗ tete Natur; doch schließt er mir die Augen kaum, so schreckt mich schon ein schwe⸗ rer Traum. 4. Wie traurig ist ein solches Leben! Wie schwer ein Loos voll Noth und Schmerz! Ward dies mir nur zur Qual gegeben? zum Dulden nur ein füh⸗ E 7 lend 494 Gesinnung und Verhalten des Christen lend Herz? Flieh, lästern⸗ der Gedanke, flieh! Ein Gott der Liebe quälet ne. 5. Er läßt nur Trübsal mich ergreifen, um höhren Freuden mich zu weihn. Ich soll durch sie zur Tugend rei⸗ fen, um ihrer ewig mich zu freun. Den innern Men⸗ schen weckt der Schmerz; er läutert und erbebt das Herz. 6. So wird das Leiden mir zum Segen; und kurz ist hier mein Aufenthalt. Oft weht mir's auch schon kühl entgegen; heim ziehen die Gewitter bald. Viel⸗ leicht seh ich noch herbstlich schön des Lebens Sonne niedergehn. 7. Drum will ich mich nicht trostlos grämen, nein, ruhig seyn in meiner Noth. Das wunde Herz mir ab⸗ zunehmen, kommt endlich doch als Freund der Tod; er legt es sanft und kühl zur Ruh': den Geist führt er dem Himmel zu. Bei der Abendmahls feier in der Krankheit. Mel. Wer nur den lieben Gott lch, könnt' ich 653 A doch mit mei⸗ nen Brüdern im Tempel, Jesu, dich erhöhn, und froh mit deines Reiches Glie⸗ dern, Herr, deines Todes Mahl begehn! Doch da mich Schmerz und Krank⸗ beit plagt, ist diese Freude mir versagt. 2 Ach hier, wo ich im Stillen bete, fei'r ich dein Abendmahl allein; doch, Herr, ich weiß, an jeder Stätte dast du verheißen, nah' zu seyn. Wo je ein Frommer seufzt und weint, da bist du, großer Men⸗ schenfreund! 3. Laß das Gedächtniß deiner Leiden mir Schwa⸗ chen Trost und Kraft ver⸗ leihn! Laß es die Quelle hoher Freuden und Vor⸗ gefühl des Himmels seyn. Dein Leiden, dein Versöͤh⸗ nungstod erquicke mich in meiner Noth! 4. Wohl mir! Ich seh' den Himmel offen; ich fühle meine Seligkeit; ich kann von dir nun Alles hoffen der gnädig mir die Schuld ver⸗ zeiht. Umringt mich auch der Leiden Heer; mein Herz erbangt davor nicht mehr. 5. Erscheint der Tod mit seinen Schrecken: ich bin getrost und zage nicht. Wirst du vom Tode mich erwecken: ich bebe nicht vor dem Ge⸗ richt. O mich erfüllt dein Leib und Blut so hier wie dort mit frohem Muth! Mel. Wer nur ben lieben Gokt k 7 654 Db* Er⸗ Erbarmen auf seine schwa⸗ chen Kinder blickt! Wie hast du, o mein Gott, mich Armen durch dieses heil'ge Mahl erquickt! Du bist die Liebe, wandelst Noth in Segen und in Heil den Tod. 2. Nun laß mich sterben oder leben, Herr, wie du willst, ich folge gern; von Schmerz gequält, mit Angst umgeben, freut meine Seele sich des Herrn. Ich bin erlöst; drum schreckt mich nicht des Grabes nicht das Gericht. 3. Uud kommt sie dann, die ernste Stunde, die mich dem Irdischen entreißt: wohl mir, ich steh mit dir im Bunde, ein frohes Ur⸗ theil hofft mein Geist. Dein bin ich, dein, und ew'ges Heil ist deiner Auserwähl⸗ ten Theil. Nacht, Fürbitte für Kranke und Leidende. Mel. Bestehl du deine Wege E armherziger, er⸗ 655 höre des Liebe heißes Fleh'n! Laß den (die) wir innig lieben, bald deine Hülfe seh'n! Er liegt und ringt und duldet, ge⸗ quält von vielem Schmerz; wir sehn ihn an und wei⸗ nen: wie blutet unser Herz! unter besondern Umständen. 495 2. Du pflanztest ja dem Menschen des Mitleids Triebe ein; wie solltest du nicht Helfer, du nicht Er⸗ barmer seyn? Wir würden gern ihn retten, doch ach, wir sind zu schwach. Thu', Vater, thu', was Keiner von uns für ihn vermag. 3. Sieh', deine Kinder flehen für diese Krankeu dich. Gieß Balsam in die Wunde und hilf ihm väter⸗ lich! O laß des Leidens Stunden bald bald vorüber⸗ gehn! Doch nicht, Herr, unser Wille, dein Wille soll geschehn! 4. Reichst du den Kelch des Todes vielleicht ihm heute schon und rufst aus unsrer Mitte du ihn vor deinen Thron: dann steh' ihm bei und führe ihn selbst durchs dunkle Thal; dann lindre ihm, Erbarmer, des Todes letzte Qual! Mel. Alle Menschen müssen 2 Gott der Tage, 656 G Gott der Näch⸗ te, unsre Seele harret dein, hofft auf deine starke Rechte, weiß, du kannst nicht ferne seyn. Auch in stiller Nächte Stunden hat dich manches Herz gefunden, wenn es im Gebete sich sehnte, Herr, zu finden dich. 2. Vater, viele Men⸗ schen weinen, viele— en 496 Gesinnung und Verhalten des Christen ken schmachten jetzt! Aber du verlässest keinen, der auf dich Vertrauen setzt; trocknest liebreich Kummer⸗ thränen und erfüllst der Deinen Sehnen, die um Ruh' und Lind'rung fleh'n und auf dich voll Hoffnung sehn. 3. Sende, Vater, Muth den Schwachen, Licht in je⸗ des trübe Herz! Allen die bekümmert wachen, mildre freundlich ihren Schmerz! Laß die Wittwen, laß die Waisen deine Huld und Treue preisen! Gib den Kranken sanfte Ruh'! Sterbenden sprich Trö⸗ stung zu! 4. O du treuer Menschen⸗ hüter! Nacht ist, wie der Tag, vor dir! Herr, all⸗ mächtiger Gebieter, deinen Schutz erflehen wir! Allen, Allen, die jetzt leiden, öffne bald den Quell der Freu⸗ den, daß sie, frei von ihrer Pe in, deiner Huld sich dank⸗ bar freun! 5. Jesus Christus, viele Nächte hast du für uns durchgewacht, und dem menschlichen Geschlechte durch dein Wachen Ruh' gebracht. Tröster, willst du deinen Kindern nicht durch Schlaf den Kummer lindern: o so lenke ihren Sinn hoffnungsvoll zum Himmel hin! Nach der Genesung. Mel. Nun danket Alle Gott 657 it welchem Dank kann dich, o Gott, mein Lied erheben? Nur deine Va⸗ terhuld erhielt mir noch das Leben. Du standst mit deiner Kraft mir in der Schwachheit bei, und von Gefahr und Schmerz bin ich nun wieder frei. 2. Dem Tode war ich nah; schon sah ich für mein Leben an meinem Lager, ach, Verwandte, Freunde, beben; allein ich bebte nicht; mich schreckte nicht das Grab; gestärkt durch deinen Geist, sah ich ge⸗ trost hinab. 3. Allmächtig stärktest du die halb erstorb'nen Glie⸗ der; ich fand in neuer Kraft auch neue Freuden wieder; und, Herr, nun gibst du mich den Meinigen zu⸗ rück! Dir dank' ich, Gott, nur dir, des neuen Lebens Glück. 4. Herr, durch mein Le⸗ ben selbst will ich dir Dank beweisen, durch frommen Wandel dich an jedem Tage preisen, und redlich meine Kraft dem Wohl der Men⸗ schen weihn, um ewig einst bei dir des Lebens werth zu seyn. Vor Vorbereitung auf den Tod und Trost für Ster⸗ bende. Mel. Mein Gott, das Herz Jald leg' ich 658 B Sorg' und Schmerzen ab, und diesen Prüfungsstand; die Erde nehme, was sie gab; ich ruh' in Gottes Hand! 2. Ich geh' den Weg zum ew'gen Licht; er mag mir dunkel seyn; des Todes Schlaf erschreckt mich nicht; ich geh' zum Leben ein. 3. Ich werde durch des Todes Nacht zum Himmel eingeweiht; die unerforsch⸗ lich weise Macht führt mich zur Seligkeit. Mel. Wann mein Stündlein 659 8 oit, wann mein sterbend Auge bricht, mein letzter Hauch ver schwindet, mein Leib er⸗ starrt, und selbst es nicht, daß er entschläft, empfindet; wann um mich, den Ent⸗ schlummernden, nun alle meine Lieben steh'n, und angstvoll mich beweinen: 2. Dann, Vater, nimm ihn auf, den Geist, der freudig zu dir fliehet, der dankbar deine Güte preist, daß er den Tod nicht siehet; dann tröste, die betrübt um mich mit Thränen kla⸗ unter besondern Umständen. 497 gen; laß sie sich mehr mei⸗ ner Wonne freuen! 3. Mein hingefallner Leib bleibt hier, ihn wird das Grab verschließen. Doch einst wird es verkläret mir ihn wiedergeben müssen. Du kommst, Erwecker! Deine Macht, die ihn aus Nichts hervorgebracht, kann neu ihn wieder bauen. 4. Wie könnt' ich trauern, daß im Tod mein Leib zu Staub vermodert? Wie könnt' ich klagen, da ihn Gott vom Tode wieder fo⸗ dert? O. Hoffnung, daß nach kurzer Ruh mein Leib erwacht, wie groß bist du, und welch' ein Trost im Tode! 5. Des Todes Schmer⸗ zen, Gott, will ich, wenn er nun kommt, nicht ach⸗ ten und mit getrostem Blick auf dich nach meinem Ziele trachten, und mich dem Ziele freudig nahn, mein himm⸗ lisch Kleinod zu empfahn, das Jesus mir erworben. Mel. O Gott, du frommer Gott 660 Schon naht sich meines Laufs und meiner Leiden Ende. Gott, meines Lebens Herr, ich fall' in deine Hände! Du bist, o Vater, nie mit deiner Hülfe fern; du rufst: hier bin ich, Herr, dir folgen will ich gern. 918 2. Preis 498 Gesinnung und Verhalten des Christen 2. Preis dir, der seine Hand stets über mich ge⸗ breitet, dir Gott, der bis an's Grab mich wunderbar geleitet! Wie oft vergaß mein Herz sein Heil und seine Pflicht; doch gingst du, Heiliger, mit mir nicht ins Gericht. 3. Vernimm des Dankes Lied, das sterbend ich dir bringe! Ich bin viel zu ge⸗ ring, der Treu' viel zu ge⸗ ringe und der Barmherzig⸗ keit, die du an mir gethan. Frohlockend bet' ich dich mit allen Himmeln an. 4. Du Heil der ganzen Welt, erfülle mein Ver⸗ trauen, und deine Herr⸗ lichkeit laß meine Seele schauen. Du bist die Lieb', o Gott, und Gnade für und für; mein Geist wird selig seyn: denn ihn em⸗ pfehl ich dir. 5. Mit allen eiligen von Herrlichkeit umgeben; unsterblich, Engeln gleich, werd' ich dich schau'n und leben. Noch einem kurzen Kampf: so krönt vor dei⸗ nem Thron, Erbarmender, auch mich der Ueberwinder Lohn! In eigener Mels die. 661 ch eile meiner Heimath zu in's ew'ge Paradies der Freu⸗ den; dort, dort nur ist die wahre Ruh' und Quelle al⸗ ler Seligkeiten; dort ärntet man der Tugend Lohn, und bei dem Vater hat der Sohn auch eine Stätte mir berei⸗ tet, wohin er gnadenvoll mich leitet. Er ist es, der nun meinen Geist auf ewig jeder Noth entreißt. 2. Hier lieg' ich, wie ge⸗ bunden da; dort werd' ich voll von Kraft und Leben dem göttlichen Befreier nah, frohlockend weiter vorwärts streben, in Weisheit, Tu⸗ gend, Heiligkeit, in edler Liebe Thätigkeit, befreit von Schwachheit und von Sünden, das Glück der Tu⸗ gend ganz empfinden. Dort seh ich Jesu Herrlichkeit, und sie wird meine Selig⸗ keit. 3. Dann, dann wird nim⸗ mermehr ein Schmerz mich, den Vollendeten, verletzen; dann wirst du ewig dich, mein Herz, beglückt am Himmlischen ergötzen. Ich eile über Welt und Zeit hin zu dem Sitz der Seligkeit, zu der verklärten Geister Chören; ich werde ihr: Willkommen hören, und wen ich hier im Herrn ge⸗ kannt, den finde ich im bes⸗ sern Land. 4. O drum getrost, mein Geist! O steh, in welche göttlich große Freuden des kurzen Pilgerlebens Müh ver⸗ verwandelt wird nach die⸗ sem Leiden! Ergib in kind⸗ licher Geduld dich deines Vaters Lieb' und Huld! Dein Jesus wird mit treuen Händen dich unaussprechlich schön vollenden, und ehe du dich wirst versehn, wirst du verklärt dort oben stehn! Mel. Mer nur den lieben Gott 662 Och fasse, Vater, 5 deine Hände, und halte sie im Glauben fest; verlaß den nicht an seinem Ende, der ewig sich auf dich verläßt! Du bist mein Gott von Jugend auf; hilf glücklich enden meinen Lauf! 2. Du hast nach deiner Vatergüte beständig wohl an mir gethan, erhör' auch meine letzte Bitte: Nimm, Gott, mich dort zu Ehren ar! Ach, Vater, ach noch Eins ist Noth, ein gutes End', ein sel'ger Tod! 3. Du hast mich je und je geliebet, versorgt, ge⸗ stärkt, geschützt, regiert, mich oft erquickt, durch Leid geübet, oft wunderbar, stets woll geführt, wohin ich ging, wohin ich sah, war mir stets deine Güte nah. 4. Auch jetzt, auf meinem Sterbebette, sieh meine Noth, o Vater, an! Er⸗ quicke, lindere, errette; unter besondern Umständen. 499 denn du bist's, der mir hel⸗ fen kann. Stärk' mich im Guten bis ans End', damit ich treu den Lauf vollend'! 5. Mein Heiland treib' die Furcht zurücke, besiege meinen letzten Feind! Lenk' auch im Sterben meine Blicke auf deinen Tod, o Seelenfreund; sprich Muth mir, Trost und Freude zu, mach' Ende, bringe mich zur Ruh'! 6. Ihr eitlen Güter dieser Erden, ihr machet mir den Tod nicht schwer, Jetzt soll ich ewig selig werden; drum brauch' ich eurer nun nicht mehr. Du, Gott, bist's, wann das Eitle weicht, der mir des Lebens Krone reicht. 7. Ich übergebe dir die Meinen, du Vater der Barmherzigkeit, laß ihnen stets dein Trostlicht schei⸗ nen, und bleib ihr Gott zu aller Zeit! Behüte sie vor Ungemach, und bringe mir sie selig nach! stu r ist mein Mel. Christus, der Mald ist sie nun 663 B vollendet, die kurze Prüfungszeit; mein Erdenlauf geendet, es naht die Ewigkeit. 2. Ich bin bei meinem Ende getrost und hoffnungs⸗ voll; sinkt doch in Gottes Hände mein Geist, und ist ihm wohl. 3. Und 500 Gesinnung und Verhalten des Christen 3. Und manche gute Tha⸗ ten, Heil mir, daß ich sie that! stehn vor mir, schön, wie Saaten, die Gott ge⸗ segnet hat. 4. Sie reifen nun entge⸗ gen dem großen Aerntetag. Welch' schöner, reicher Se⸗ gen folgt mir im Tode nach! 5. Nun geh', mein Geist, geh' wieder zu Gott, von dem du bist! Seht, Schwestern, sehet Brüder: so selig stirbt ein Christ! Mel. Jesus, meine Zuversicht Delig sind, die in 664 S dem Herrn, die in ihrem Schöpfer sterben; denn es spricht der Geist des Herrn, daß sie ew'ge Ruhe erben, daß von nun an Alle sie ruhen von des Lebens Müh'. 2. Göttlich Wort, wie labest du jeden Schwachen, jeden Müden! Wie so trö⸗ siend senkest du in mein Herz des Himmels Frieden: ich soll einst auch selig seyn, ewig mich der Ruhe freun! 3. Nun so komme denn, o Tod, wann du willst, zu meiner Hütte; mich, mich macht das Wort von Gott stark. bei jedem deiner Schrit⸗ te. Da der Herr sein Wort nicht bricht, schreckt mich auch dein Drohen nicht. 4. Schrecklich magst du Zweiflern seyn; mir, ich weiß, an wen ich glaube, mir macht Sterben keine Pein, keinen Schmerz dein Wort vom Staube. Staub bin ich und werde Staub, aber nicht des Moders Raub. 5. Aus dem Staube neu gebaut ohne Schwachheit, ohne Mängel schwebt mein Leib empor und schaut Nichts als Sel'ge, Nichts als En⸗ gel. Sterblichkeit, die hier gebeut, reicht nicht in die Ewigkeit. 6. Gönnet mir mein na⸗ hes Glück, weinet nicht, ihr meine Werthen! Nur noch einen Augenblick: dann, dann wohn ich bei Verklärten. Fasset Muth, ich geh' voran, ihr, ihr folgt auf dieser Bahn. 7. Der du mir mit deinem Tod diese Hoffnung hast er⸗ rungen, auch in meiner To⸗ desnoth, Jesu, sei dir Preis gesungen! Bald jauchz ich im Engelchor dir ein höhres Lied empor. In eigener Melodie. 665 hristus, der ist mein Leben und Sterben mein Gewinn. Ihm hab' ich mich ergeben: in Frieden scheid' ich hin. 2. Ich freue mich zu ster⸗ ben; denn nach vollbrachtem Lauf soll ich den Himmel er⸗ ben: mein Heiland nimmt mich auf. 3. Bald 3. Bald hab' ich überwun⸗ den des Lebens Angst und Noth; nach wenig Prü⸗ fungsstunden, leb' ich bei dir, mein Gott! 4. Wann mir die Augen brechen, sei, Jesu, du mein Licht! Und kann ich nicht mehr sprechen, verwirf mein Seufzen nicht! 5. Wann Sinnen und Gedanken, wie ein verlö⸗ schend Licht, bald hie⸗ bald dahin wanken, ach, dann verlaß mich nicht! 6. Es fliehe Furcht und Kummer, die Seele stärke sich, und, wie des Müden Schlummer, sanft sei mein Tod durch dich! 7. Herr Jesu, ich vollen⸗ de im Glauben meinen Lauf, nimm mich in deine Hände; o Jesu, nimm mich auf! Mel. Wer nur den lieben Gott 666 EE Herr und Vater meiner Tage, du weißt, daß ich, dein schwaches Kind, des Todes Keim in Gliedern trage, die irdisch und zer⸗ brechlich sind; drum gib, daß ich zu jeder Zeit zu meinem Tode sei bereit! 2. Daß du hier meinem ersten Leben ein mir ver⸗ borgnes Ziel bestimmt, und daß die Zeit, die mir ge⸗ geben, vielleicht gar bald ein Ende nimmt: das flöße unter besondern Umständen. 501 mir die Weisheit ein, stets auf mein Heil bedacht zu seyn! 3. Hier hab' ich lebens⸗ lang zu lernen, mein Herz von Sünden abzuziehn, mich von der Weltlust zu ent⸗ fernen und um den Him⸗ mel zu bemühn: o mache mich dazu geschickt, eh' mich der Tod der Welt ent⸗ rückt. 4. Nicht auf der Erde, nein, nur droben bei dir, Gott, meiner Seele Theil, ist mir das Beste aufge⸗ hoben; dort ist für mich vollkommnes Heil. Wo Je⸗ sus ist, da sei mein Herz! Herr, lenke selbst es himmel⸗ wärts! 5. Hier allen Sünden ab⸗ zusterben, zu leben der Ge⸗ rechtigkeit, um dort des Himmels Glück zu erben: dazu laß meine Sterblichkeit mir stets, mein Gott, vor Augen seyn, und deine Hülfe mich erfreun! 6. Willst du mich länger leben lassen, so laß es mir zum Heil geschehn; doch soll ich heute noch erblassen, so höre, Vater, auf mein Flehn: sei, wenn mein Herz im Tode bricht, mein Trost und meine Zuversicht! 7. Dir will ich gänzlich mich ergeben, dir, dessen Eigenthum ich bin; bist du, mein Heiland, nur mein Le⸗ ben ben, so bleibt selbst Ster⸗ ben mein Gewinn. Ich lebe dir, ich sterbe dir; sei nur mein Trost, so gnüget mir. Mel. Herr, wir singen deiner 667 H eil dir, Seele! Dootterscheinet. Mein Auge hat bald ausge⸗ weinet, der Himmel öffnet sich vor mir. Gottes En⸗ gel steigen nieder; bald werd' ich nun, verklärte Brüder, an Gottes Thro⸗ ne stehn, wie ihr. Mein Leben endet schon; bald ist es ganz entflohn: doch ein beßres, Gott, wartet mein, unsterblich seyn soll ich, soll ewig dein mich freun. 2. Welt und Sünde sind bezwungen; bald ist der hohe Lohn errungen, der nach dem Sieg den Strei⸗ ter krönt. Matt am schwe⸗ ren Pilgerstabe, sehnt' ich mich oft nach Ruh' im Grabe, wie sich nach Ruh der Wandrer sehnt. Heil mir! Halleluja! ich bin dem Ziele nah! Von der Hülle der Sterblichkeit nun bald befreit, schwing' ich mich über Welt und Zeit! 3. Gott, mein Heil und mein Vertrauen, du führst vom Glauben mich zum Schauen; Dank dir! Mir ist der Tod Gewinn. Wer, 502 Gesinnung und Verhalten des Christen wer winkt mir dort am Throne? Wer zeiget mir die Siegeskrone? Ich eile zu dem Throne hin. Wie wird mir! Wie entstellt sinkt unter mir die Welt! Bald, bald seh' ich von Angesicht zu Angesicht, in deinem Licht, Gott, das Licht. Mel. Ermuntre dich Nott, öffne deinen 6688 Himmel mir! Bald nahn die letzten Stun⸗ den; bald steigt mein Geist empor zu dir; bald hab' ich überwunden; bald tröstet mich nach Schmerz und Leid des höhern Lebens Herr⸗ lichkeit. Ich sterbe hier auf Erden, um selig dort zu werden. 2. Herr, meine Seel' em⸗ pfehl' ich die in deine Vater⸗ hände. Sei gnädig, Gott, mein Vater, mir, und mache sanst mein Ende! Du, der mich für den Himmel schuf, ich höre deiner Stimme Ruf, ich will mit Ruh' und Freuden von dieser Erde scheiden. Der sterbende Jüngling. Mel. Wann mein Stündlein 669 Nich lang ein Pilger die⸗ ser Zeit schon reif zum bessern Leben, steh ich am Rand Rand der Ewigkeit, vom Himmelsglanz umgeben; bald geht der freie Geist hervor aus seiner Hütte, steigt empor, empor zum Sitz der Wonne. 2. O Heil mir! Heil mir, daß ich nie die edle Zeit der Jugend den eitlen Lüsten, daß ich sie nur dir geweiht, o Tugend; und eingedenk der Rechenschaft, und des Gerichts, das Sünder straft, rein und unschuldig lebte. 3. Nicht jenes Lebens Vorgefühl könnt' mich nun⸗ mehr erquicken, mit Schau⸗ dern säh' ich nun das Ziel des Lebens näher rücken; vor mir säh' ich den Rich⸗ terthron, an dem, zum wohlverdienten Lohn, Ver⸗ dammung mich durchbebte. 4. Jetzt kann ich freudig zu dem Thron des Welten⸗ richters treten; denn Jesus Christus, Gottes Sohn, wird mich vor ihm vertre⸗ ten. Ihm war mein Daseyn hier geweiht, und er hat meine Seligkeit mir hier und dort erworben. 5. O Trost in meiner letzten Noth, daß ich an Jesum glaube! Willkom⸗ men ist mir nun der Tod; er hebt mich aus dem Staube; führt mich zur Ewigkeit empor, wo in der Auserwählten Chor mir neues Leben blühet. unter besondern Umständen. 503 Das sterbende Kind. Mel. Wer nur den lieben Gott ch sterbe schon, 6 70 jedoch ich ster⸗ be, damit ich ewig leben kann; daß ich nicht in der Welt verderbe, schließt sich mein Lauf, der kaum be⸗ gann. Ich werd' in meiner Frühlingszeit als Himmels⸗ pflanze Gott geweiht. 2. An meiner Gruft stärkt euren Glauben, ihr Aeltern, die ihr mich geliebt! Der Tod kann mich nicht ganz euch rauben, da Gott mich einst euch wieder giebt. Dank sei dir, Vaterl dar⸗ gebracht, für deine Sorg⸗ falt! Gute Nacht! 3. Nach langem Schmerz und kurzen Freuden reißt mich der Tod aus viel Ge⸗ fahr; doch ach, was fühlt das Herz für Leiden, darun⸗ ter ich gebildet war! Dir sei der treuste Dank ge⸗ bracht. Getreue Mutter; gute Nacht! 4. Beruhigt euch, ihr an⸗ dern Meinen, die ihr mir durch das Blut verwandt; ihr dürft um mich nicht trostlos weinen, der Geist ist ja in Gottes Hand; der Leib verwes't zu schönrer Pracht; wir sehn uns wie⸗ der; gute Nacht! 5. Gleich Frühlingsblu⸗ men wird mein Leben beim Auf⸗ Aufblühn schon des Todes Raub; dies kann dir, Mensch, die Lehre geben: du seist, wie ich, nur Asch' und Staub. Bei meinem Grabe lenk' den Sinn vom Irdischen zum Ew'gen hin! 6. Ich sterbe schon; lernt Alle sterben! Vielleicht ist euer Grab nicht weit. Sind eure Kinder auch bald Er⸗ ben, wie ich, der Himmels⸗ herrlichkeit; so denkt: Sie gehn uns nur voran, wir treffen sie dort wieder an! Fürbitte für Sterbende. Mel. Freu' dich sehr, o meine 671 Unter manchen bangen Schmer⸗ zen ist er(sie) schon dem Tode nah. Er, so theuer unserm Herzen, matt und hülflos liegt er da, ist sich seiner nicht bewußt, röchelnd athmet seine Brust; ohne Kraft, sich auszudrücken, spricht er bloß in starren Blicken. 2. Bald, ach bald ent⸗ flieht sein Leben; hin, hin ist der Jahre Zahl, die du ihm, o Gott, gegeben, hin auch seiner Schmerzen Qual; er wird nun der Welt entrückt; jede Last, die ihn gedrückt, seines Jammers bange Stunden sind bald durch den Tod verschwunden. 504 Gesinnung und Verhalten des Christen 3. Nimm, da er uns nicht verstehen, und zu dir nicht beten kann, seines Herzens stummes Flehen, seiner Lip⸗ pen Seufzer an; gib ihm Muth und Zuversecht, und, durch deiner Lehren Licht, auf des Todes dunklem Pfade das Gefühl von dei⸗ ner Gnade! 4. Daß er vor dem Tod nicht bebe, frei den Blick hin auf die Gruft, froh den Geist zu dir erhebe, der den Staub ins Leben ruft; daß er sicher deiner Huld, und befreit von Sünd' und Schuld ruhig und gelassen sterbe und das Glück des Himmels erbe! Mel. Dein sind wir, Gott, in (Du woll'st erhö⸗ 672 2 ren, Gott, sein(ihr) Flehn, nicht ins Gerichte mit ihm gehn, der jetzo deiner Ewigkeit sich naht, befreit nun bald von dieser Eitelkeit! 2. Des Lebens und des Todes Herr! Nun ist für ihn die Zeit nicht mehr. Du hast gezählt des Haup⸗ tes Haar, sein Todesjahr bestimmt, als keine Zeit noch war. 3. Erfüllt ist seiner Lei⸗ den Zahl, er leidet jetzt zum letztenmal. Ach sei in seiner Todesnoth sein Freund und Gott; ein Schlum⸗ Schlummer sei für ihn der Tod. 4. Vollende, Vater, sei⸗ nen Lauf; nimm ihn zu dei⸗ nem Frieden auf! Verlaß ihn, wenn sein Herz nun bricht, verlaß ihn nicht, Herr, Herr, mit deinem Gnadenlicht! 5. Erleichtre ihm den letz⸗ ten Schmerz! Von dir er⸗ quicket, ruh' sein Herz! Durch Jesu Todesschweiß und Blut, das ihm zu Gut er einst vergoß, stärk' ihm den Muth! 6. In ihm vermehre deine Ruh', sein armes Herz erquicke du! Geist Got⸗ tes/ laß ihn mit Vertraun auf Jesum schaun, und so entgehn des Todes Graun! 7. Mach' ihn getrost, o Geist des Herrn! Zeig' ihm den Gnadenlohn von fern: laß ihn den Himmel offen sehn, und Jesum stehn, bereit, ihn gnaͤdig zu er⸗ höhn! 8. Ach Gnade, Gnad' er⸗ geh' für Recht! Denn von dem menschlichen Geschlecht ist selbst der Heiligste nicht rein! Wer kann wohl dein, Gott, ohne deine Huld sich freun? 9. Sei, Richter, ihm nicht fürchterlich! Erbarme seiner Seele dich! Auch aus der Tiefe rufet sie; erhöre sie, erlöse Gott, erlöse sie! unter besondern Umständen. 10. Behüte ihn in sei⸗ nem Tod; ihn segne, seg⸗ ne, segne, Gott! Wann nun sein Auge sterbend bricht, leit' ihn dein Licht; trös' ihn vor deinem An⸗ gesicht! Einsegnung eines Ster—⸗ benden. Mel. Herr, wir singen deiner gesegnet, 673 Ses Amen! Amen! Entschlaf' in jenem großen Namen, vor dem sich Erd' und Himmel beugt! Deine Laufbahn hat ein Ende! Dein Vater nimmt in seine Hände die Seele, die der Erd' entfleucht. Heil dir, erlöster Geist, der bald am Thron ihn preist! Je⸗ sus Christus hat dich ver⸗ söhnt; von ihm gekrönt, empfängst du nun des Glau⸗ bens Lohn. 2. Welcher Glanz wird dich umfangen, ist nun der Tag dir aufgegangen, des Lebens Tag nach To⸗ desnacht! Sei gesegnet, Amen! Amen! Ruh' sanft in Jesu Christi Namen! Für dich auch ward sein Werk vollbracht. Sie tru⸗ gen ihn ins Grab vom Golgatha herab, Gottes Opfer! Er über wand; der Herr erstand, und der Er⸗ standne nimmt dich auf. 2 3. Nimm 3. Nimm von uns den letzten Segen! Zwar sinkt dein Leib dem Grab entge⸗ gen; doch deine Seele zittre nicht! Irdisch werden wir dich saͤen; doch himmlisch wirst du auferstehen und schauen deines Gottes Licht. Geh' ein zu deiner Ruh! Du gehst dem Vater zu, der dich geliebet. O Tod⸗ ter, du, nach kurzer Ruh' wirst du zum Leben aufer⸗ steh'n. Der Tod des Frommen. Mel. In allen meinen Thaten 674 Wi sanft seh'n wir den Frommen, wie frei, wie unbeklommen sich seinem Ziele nah'n! Wo Erdengluͤck und Leiden von ihm auf im⸗ mer scheiden, wird ihm der Himmel aufgethan. 2. Er sieht sein Pilgerle⸗ ben gleich einem Traum ver⸗ schweben, steht ohne Reu' am Ziel. Es bluͤhen seine Saaten; schon lohnt fuͤr seine Thaten ihm Ruh' und reines Selbstgefuͤhl. 3. Von keiner Angst be⸗ troffen, sieht er sein Grab nun offen; er geht und fuͤrch⸗ tet Nichts. Ein Strahl der ew'gen Gnade schwebt auf dem dunkeln Pfade ihm vor; nah' ist das Reich des Lichts. 506 Gesinnung und Verhalten des Christen 4. Auf seinem Angesichte ruht schon vom Himmels⸗ lichte ein sanfter Wider⸗ schein. Oft spricht aus sei⸗ nen Blicken ein seliges Ent⸗ zucken, ihn laden Boten Gottes ein. 5. Er segnet froh die Seinen, die um sein Lager weinen, ermahnt und troͤstet sie; und seiner Treue wegen erfuͤlt Gott diesen Segen. versaͤumet und verlaͤßt sie nie. 6. Er faltet noch am Ende zur Gottheit seine Haͤnde, um dankend sich zu freu'n: Preis dir, Herr! Ich be⸗ fehle dir, Vater, meine Seele! Er spricht's und schlummert laͤchelnd ein. 7. O laßt, wie er, uns le⸗ ben und nach dem Sinn uns streben, der uns dies Gluͤck erwirbt; damit auch wir als Erben der Selig⸗ keit einst sterben, wie der bewaͤhrte Fromme stirbt. Beim Tode guter Aeltern. Mel. Auf, schicke dich 675 Goc, welch ein Schmerz trifft unser Herz! Wie groß und hart ist dieses unser Leiden! Was sehen wir? Den Va⸗ ter(die Mutter) hier so fruͤhe schon aus unsrer Mitte scheiden. 2. Gott, welch Geschick! Ach Ach, einen Blick warf er (sie) noch selbst auf unsern bangen Kummer. Doch ach, er(sie) neigt das Haupt, erbleicht und sinkt dahin, dahin in Todes schlummer. 3. O Freunde, habt ihr Thraͤnen; labt damit als Trost die jammervollen Her⸗ zen. O weint fuͤr sie, die Waisen, die nun fast ver⸗ geh'n in ihren tiefen Schm er⸗ zen. 4. Ach Sorg' und Muͤh' war spaͤt und fruͤh fuͤr uns sein stetes eifrigstes Geschaͤf⸗ te; uns zu erzieh'n nach Gottes Sinn, dem weihte er mit Wonne Zeit und Kraͤfte. 5. Wie manche Nacht ward durchgewacht, zu pfle⸗ gen uns in Krankheit und in Leiden, die wir doch nicht allzeit nach Pflicht ganz willig ihm dankbare Herzen weihten! 6. Wer wird uns, Gott, in unsrer Noth erquicken nun und helfen, schuͤtzen, trosten? Du kannst allein nun Helfer seyn, du bist ja stets Er barmer der Er⸗ loͤsten. 7. Du nennest dich selbst vaͤterlich den treuen Gott verlaßner, armer Waisen: so mildre doch, Herr, un⸗ ser Joch, wie du uns selbst so gnaͤdig hast verheißen. 8. Sei unser Licht, staͤrk' unter besondern Umständen. 507 uns zur Pflicht, zur Tugend uns auf allen unsern We⸗ gen! Uns folge, Gott, bis in den Tod, wenn fromm wir sind, des besten Vaters Se⸗ gen! 9. Wir schauen hin mit Kindessinn auf seinen Tod, auf seines Glaubens Ende! Wir folgen nach; doch wir sind schwach, o reich' uns gnaͤdig deine Vaterhaͤnde! 10. Gib, Herr, daß wir im Glauben hier getreu und fest den Pfad der Tugend gehen, damit wir einst, wann du erscheinst, im bes⸗ sern Land die Aeltern wieder sehen! Beim Tode hoffnungs⸗ voller Kinder. Mel. Der unsre Menschheit 676 Tuͤr deinen Him⸗ mel reiften sie, ach, meinem Wunsch nach viel zu fruͤh, doch, Herr, nach deinem Willen! Wie blutet mein verwundet Herz! Wie kaͤmpf' ich wider meinen Schmerz! Was find ich, ihn zu stillen? Zwar fuͤr den Himmel reiften sie; f doch meinem Wunsch nach viel zu fruͤh! 2. Ach, meine Kinder sind nicht mehr! Mein armes Herz ist hoffnungsleer und freudenlos mein Leben!. sah sie, wie den Frühling, Y 2 bluͤhn; blühn; dir, dir hofft' ich sie zu erziehn, Gott, der sie mir gegeben! Mein Alter sollten sie erfreun, und Trost mir noch im Tode seyn. 3. Da, Ew'ger, sprachst du: Gib sie mir! Ich selbst, ich selbst erzieh' sie dir; ich will sie hoch erhöhen. Sie werden nicht dein Alter freun, nicht Trost dir noch im Tode seyn; du sollst sie sterben sehen. Dein Wille, Herr, mein Gott, geschahz ich war es, der sie sterhen sah. 4. Herr, ich verehre dein Gebot; nur laß mich mei⸗ ner Kinder Tod, ach laß mich ihn beweinen! Du, der du aller Vater bist, du weißt, wie schwer mein Herz mir ist! Wie könnt' ich froh erscheinen? Verzeih' Gefüh⸗ len der Natur! Nicht murren, weinen will ich nur. 5. Auch meine Thränen preisen dich! Sie find die Zeugen, Gott, daß ich die liebte, die du liebest, und nun im Lichte deines Throns, in der Gemeinschaft deines Sohns, in höhrer Tugend übest. Herr, meine Seuf⸗ zer danken dir; du, du ver⸗ trautest sie nur mir. 6. Mit Thränen preis' ich dich auch einst, wann du zum Weltgericht erscheinst; doch dann mit Freudenthrä⸗ nen! Dann werd' ich meine 508 Gesinnung und Verhaten des Christen Kinder sehn, mit ihnen dan⸗ kend vor dir stehn, mich nicht mehr trostlos sehnen. Dann werd' ich froh bei ihnen seyn und ewig mich mit ihnen freun. * Mel. Der unsre Menschheit 677 E= ist nicht mehr, für mich nicht mehr mein theures Kind! Wie freudenleer ist nun mein Erdenleben? Wie eine Rose sah ich's blühn; und weis' und fromm es zu erziehn, war immer mein Bestreben. Ach, meine Hoffaung sank ins Grab, und alle Lust mit ihr hinab. 2. Gott, wie verwundet ist mein Herz. Der Morgen findet mich voll Schmerz, die Nacht in heißen Zähren. Doch wider dich, Herr, klag' ich nicht; nein, heilig ist mir stets die Pflicht, dich auch in Schmerz verehren. Auch weinend will ich dankbar seyn; du gabst, du nahmst, es war ja dein. 3. Wohl ihm! in Un⸗ schuld brach sein Herz, ge⸗ sichert nun vor Noth und Schmerz, genießt es höb're Freuden. Vielleicht war es zu schwach zum Streit mit Sünde, Welt und Eitelkeit, zu schwach für schwere Lei⸗ den. Gerettet ist's in deiner Hand; ging mir voran ins Vaterland. N Beim Beim Tode eines guten Ehegatten, oder eines Freundes. Mel. Kommt her zu mir, spricht 22 ich, bier nicht 678 2 mehr! ach, fern von mir! Du bist nicht mehr auf Erden bier, o theure gute Seele! Dich sucht umsonst mein trüber Blick; du kehrst nicht mehr zu mir zurück, was auch mit dir mir feble. 2. Der Freundschaft Lab⸗ sal ist dahin, dein Trost, wann ich verlassen bin, dein Mitleid, wann ich leide. Es fehlt mir deine treue Hand auf meinem Pfad zum bessern Land, und mit ihr alle Freude! 3. Doch, sei mein Schmerz auch noch so groß, du ru⸗ hest nun in Gottes Schooß: vor Gott will ich mich beu⸗ gen. Du lebst, geliebte Seele, noch, erloͤst von deines Leibes Joch: ge⸗ duldig will ich schweigen. 4. Das Irdische nur deckt das Grab; Gott nahm dir deine Schmerzen ab und jede Last der Leiden. Emporge⸗ hoben ist der Geist zu Gott, der Aller Vater heißt, zu seines Heilands Freuden. 5. O Trost, o hober Trost für mich! mein banges Herz, erheitre dich, und stille deine unter besondern Umständen. 509 Klagen! Die Seele, die hier heilig war, vereint sich mit der Engel Schaar. Wie könnt' ich heidnisch zagen? 6. Zwar hört, wenn einst mein Auge bricht, mein Ohr von dir, o Theurer,(Theure) nicht Gebet und Trost und Segen; doch wenn durch Gottes Kraft mein Geist sich auch dereinst dem Staub entreißt, so eilst du mir ent⸗ gegen. 7. Du Seliger(Selige) wirst vor mir stehn; ich werde dich vollkommner sehn: o freudenvolle Stunde! Ich eil' dir dann voll Wonne zu, unsterblich ich, unsterblich du, zum neuen Freund⸗ schaftsbunde. 8. Dann schau' und bet' ich an mit dir; Ein Herz und Seele fingen wir von weggeweinten Leiden und von der Tugend hohem Lohn, und preisen Gott und seinen Sohn für unsre höhre Freuden 9. Gedanke der Unsterb⸗ lichkeit, erheitre jede Dun⸗ kelheit, und stärk' mich, wann ich wanke; veredle jede Lei⸗ denschaft, erfülle mich mit Muth und Kraft, du himm⸗ lischer Gedanke! Bei Begraͤbnissen. Mel. Nun laßt uns den Leib 679 Wi gehn, ans Grab und 9 3 hof⸗ hoffen doch: dein Geist, En tschlafner, lebet noch, von Schmerz und Erdennoth befreit, im Lande der Un⸗ sterblichkeit. 2. Ruh' sanft! Dein Auge schloß sich zu, und nun umgibt dich suͤße Ruh'! Dein Gott hat wohl an dir gethan; nun ruͤhrt dich keine Qual mehr an. 3. Du gingst voran, wir folgen dir! Auch deine Freunde wallen hier auf ihrer Pilgerbahn hinab zur Abendruh ins stille Grab. 4. Du wirst uns unver⸗ geßlich seyn; dein Herz war liebreich, fromm und rein, mit List und Falschheit un⸗ bekannt; nun ruht's in Got⸗ tes Vaterhand. 5. O Gott, nun blickt bei sanftem Schmerz auch unser Glaube himmelwaͤrts, wo Jesus Christus, unser Hirt, all' unsre Thraͤnen trocknen wird. 6. Du, der einst den ent⸗ schlafnen Freund, wie wir den uns'rigen beweint, sei, Jesus unsre Zuversicht, wann unser Herz im Tode bricht! In eig ener Melodie. 680 Neun bringen wir ( den Leib zur Ruh' und decken ihn mit Erde zu, den Leib, der nach des Schoͤpfers Schluß 510 Gesinnung und Verhalten des Christen zu Staub und Erde werden muß. 2. Er bleibt nicht immer Erd' und Staub, nicht im⸗ mer der Verwesung Raub; er wird, wann Christus einst erscheint, mit seiner Seele neu vereint. 3. Hier, Mensch, hier lerne, was du bist; lern' hier, was unser Leben ist! Nach Sorg' und Furcht, nach mancher Noth und Ar⸗ beit kommt zuletzt der Tod. 4. Schnell schwindet unsre Lebenszeit; auf's Sterben folgt die Ewigkeit; wie wir die Zeit hier angewandt, so folgt der Lohn aus Gottes Hand. 5. So waͤhren Reichthum, Ehr' und Gluͤck, wie wir selbst, einen Augenblick; so waͤhrt auch Leid und Trau⸗ rigkeit, wie unser Leben, kurze Zeit. 6. O sichrer Mensch, be⸗ sinne dich! Tod, Grab und Richter nahen sich; in Allem, was du denkst und thust, bedenke, daß du ster⸗ ben mußt! 7. Hier, wo wir bei den Graͤbern stebn, soll Jeder zu dem Vater fleh'n: Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, mach's einst mit meinem Ende gut! 8. Laßt alle Suͤnden uns bereun; vor unserm Gott uns kindlich scheun! Wir sind sind hier immer in Gefahr; nimm Jeder seine Seele wahr! 9. Wenn unser Lauf vol⸗ lendet ist, so sei uns nah, Herr Jesu Christ! Mach uns das Sterben zum Ge⸗ winn; zeuch unsre Seele zu dir hin. 10. Und wenn du einst, du Lebensfuͤrst, die Graͤ⸗ ber maͤchtig oͤffnen wirst, so laß uns froͤhlich aufersteh'n und dann dein Antlitz ewig seh'n. Mel. Jegrabt den Leib 681 B in seine Gruft, bis ihn des Richters Stim⸗ me ruft! Wir saͤen ihn; einst bluͤht er auf und steigt verklaͤrt zu Gott hinauf. 2. Aus Staube schuf ihn einst der Herr; er war schon Staub und wird's nur mehr. Er schlaͤft, er ruht, und einst erwacht er wieder aus des Todes Nacht. 3. Des Frommen Seele lebt bei Gott, der sie aus aller ihrer Noth, aus aller ihrer Missethat durch seinen Sohn erloͤset hat. 4. Hier hat ihn Truͤbsal oft gedruͤckt; nun wird er dort von Gott erquickt. Hier trug er Jesu sanftes Joch, entschlief im Tod und lebt doch noch. Nun laßt uns den Leib unter besondern Umständen. 511 5. Gott blieb er treu bis an sein Grab, nun wischt Gott seine Thraͤnen ab. Was sind die Leiden dieser Zeit, Gott, gegen deine Herrlichkeit! 6. Nun, du Erloͤster, schlaf in Ruh'? Wir gehen unsern Huͤtten zu, und ma⸗ chen zu der Ewigkeit durch Glaub' und Tugend uns be⸗ reit. 7. Ach, Jesu Christ, dein Mittlertod staͤrk!“ uns in unsrer letzten Noth! Laß unsre ganze Seele dein, und selig unser Ende seyn! Mel. Jesus, meine Zuversicht. 26 Denkt den Leich⸗ 682 S nam, senkt ihn ein, ehret noch des Geistes Huͤlle; ruh' zerfal⸗ lendes Gebein, in des Tod⸗ tenackers Stille! Was da lebet, folget dir; wie du ruhest, ruh'n einst wir. 2. Was du, Todter, tha⸗ test, bleibt wohlbewahrt von Gottes Guͤte; so das Sa⸗ menkorn und treibt aus dem Boden Laub und Bluͤthe. Gruͤß erfreut den neuen Tag; was du wirktest, folgt dir nach. 3. Die wir hier am Grabe steh'n, sinken All' ins Grab einst nieder: laßt an unser Werk uns geh'n, weis' und redlich wirken, Bruͤder! Ach wer weiß den Todtestag? Y 4 Was 512 Was wir thaten, folgt uns nach. Mel. Nun laßt uns den Leib (Die Ver sammlung.) 2 enkt nun den 683 S Leib in seine Gruft, und preiset Gott, der uns auch ruft! Hier ud wir Saat; einst blühn wir auf, zum bessern Leben blühn mir auf. (Der Chor.) 2. Grabt mein verwesli⸗ ches Gebein, o ihr, noch Sterbliche, nur ein! Es bleibt, es bleibt im Grabe nicht, denn Jesus kommt und hält Gericht. 3.(Vers.) Des Frommen Seele trifft dort nicht des Lasterhaften Strafgericht. Sie, selig auch im Tode schon, empfängt der Auser⸗ wählten Lohn. 4.(Chor.) Gott ist allgü⸗ tig und vereint dereinst mit sich den Tugendfreund; ihn führet er zu höherm Licht; drum, Christen, bebt am Grabe nicht. 5.(Vers.) Auch Jesus litt bier Angst und Qual, und ging durchs finstre Todes⸗ thal. Auch du gingst deinem Retter nach, auch dir glänzt nun der Freudentag! 6.(Chor.) Oft hat bei euch mich Gott erquickt; doch hat auch Trübsal mich Gesinnung und Verhalten des Christen gedrückt. Im finstern Thale wandelt' ich, doch führte Gottes Rechte mich. 7.(Vers.) Vollendeter, genieße du nun ungestört die stille Ruh'! Einst gehn auch wir, o Herr der Zeit, durch Grab und Tod zur Ewigkeit. 8.(Chor.) Heil uns, wenn euch, die ihr jetzt weint, mit mir einst wieder Gott ver⸗ eint! Dann werden wir uns ewig freun, dann ewig, ewig selig seyn. 9.(Vers.) Nach dieser kurzen Lebenzeit erwartet uns Unsterblichkeit; wenn wir uns hier der Tugend weih'n, kann uns der Tod nicht schrecklich seyn. Schwing' dich auf zu Mel. 684 Laßt dem Tode seinen Raub, Würmern ihre Habe! See⸗ len werden nicht zu Staub, schlummern nicht im Grabe. Senkt auch diesen Leichnam ein! Laßt ihn niederrollen, uns ihn segnen und uns freun, daß wir leben sollen. 2. Seht, da liegt der Todte nun in geweihter Stille! Freunde, laßt den Theuren ruhn! Es ist Got⸗ tes Wille. Weinet nicht; er bat nun schon, was wir erst ersehnen. Ihn erweckt kein Klageton! Trocknet eure Thränen! 3. Stim⸗ 3. Stimmet an das hohe Lied von der Auferstehung! Wißt, als Jesus einst ver⸗ schied, folgte bald Erhö⸗ hung. Fromme ruhn in sei⸗ ner Hand, ruhn in sanftem Frieden. Er, der starb und auferstand, hat ihr Heil entschieden. 4. Aerntefeld! Hier ru⸗ hen sie, Christen, unsre Brü⸗ der: kämpften, aber käm⸗ pfen nie nun auf Erden wie⸗ der. Heil dem Guten, der bier fand sanfte Ruh' der Müden! Für das beßre Va⸗ terland schlummre er hie⸗ nieden! 5 Saaten der Unßerb⸗ lichkeit! Heilige Gebeine! Bald verströmt auch unsre Zeit, ruft der Tod: Er⸗ scheine! Ruf' er dann; wir sind bereit. Wer des Le⸗ bens Gabe nützet für die Ewigkeit, zittert nicht am Grabe. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt HNuhet wohl, ihr 685 eee in der stillen Einsamkeit; ru⸗ het, bis der Herr erscheine einst am Ende dieser Zeit, euch, die Nacht und Gräber decken, durch der Allmacht Ruf zu wecken. 2. Nur getrost, ihr wer⸗ det leben! Der das Leben selber ist, wird euch neues Leben geben! Er gelobt's, unter besondern Umständen. 513 er, Jesus Christ: die in sei⸗ nem Namen sterben, sollen nimmermehr verderben. 3. Und wie sollt' im Grabe bleiben, der ein Tem⸗ pel Gottes war? den der Herr ließ einverleiben sei⸗ ner auserwählten Schaar, die er selbst durch Blut und Sterben hat erkauft zu Himmelserben? 4. Nein, die kann der Tod nicht halten, die des Herren Glieder find. Laßt den Leib im Tod erkalten, laßt, weil wir von Erde sind, in der Gruft ihn im⸗ mer modern! Gott wird ihn zurücke fodern. 5. Jesus wird, wie er erstanden, auch die Seinen einst mit Macht führen aus des Todes Banden, führen aus des Grabes Nacht zu dem ew'gen Him⸗ melsfrieden, den er seinem Volk beschieden. 6. Ruhet wohl; ihr Tod⸗ tenbeine, ungestört in eurer Gruft; ruhet, bis der Tag erscheine, da des Richters Stimm' euch ruft! Nach des Lebens kurzen Leiden geht ihr ein zu ew'gen Freu⸗ den. Mel. Nun laßt uns den Leib 686 Se gib denn, fromme Chri⸗ stenschaar, der Erde das, was Erde war; sie beut 2 5 dem dem Muͤden Ruhe hier in ihrem Schooß, so wie einst dir. 2. O Ruhe, Wunsch des Leidenden, du letzter Trost des Weinenden, wo alle Noth vergessen ist, wo keine Thraͤne weiter fließt! 3 Hier endet sich der Feinde Trutz; hier findet der Bedraͤngte Schutz, hier wird in suͤßem Schlaf er⸗ quickt, den manche schwere Last gedruͤckt. 4. Hier weicht die Hoheit mit dem Gluͤck; es bleibt der bloße Mensch zuruͤck. Ein enger Sarg, ein Lei⸗ chenkleid sind nun die ganze Herrlichkeit. 5. Hier hoͤrt der Kampf des Christen auf; vollendet ist der schwere Lauf; der Geist eilt in sein Vaterland zur Wonne, die er hier nicht fand. 6. Erinnre uns zu aller Zeit, o Gott, an Tod und Ewigkeit, damit wir ihren Wink verstehn und freudig ihr entgegen gehn! Mel. So schlummerst du Moch stehen wir, 687 N o Gott, vor dir an dieses Grabes Rande; noch erhaͤlt uns deine Macht hier im niedern Lande. 2. Wer weiß, wie bald dein Ruf erschallt: Hinweg vom Erdenpfade! Sei uns 514 Gesinnung und Verhalten des Christen dann nicht fuͤrchterlich, nimm uns auf mit Gnade. 3. O gib uns Kraft, ge⸗ wissenhaft zu leben und zu leiden! Fuͤhr' uns alle durch den Tod zu des Himmels Freuden! Mel. In allen meinen Thaten 688 D za stehen wir, die Deinen, W und weinen ein Grablied an der Gruft. Wir singen auf vom Staube, uns staͤrkt der Christenglaube, daß Gott uns einst zum Leben ruft. 2. Fließt nur, ihr Thraͤ⸗ nen, fließet! Ein Sterbli⸗ cher beschlicßet des Lebens kurzen Lauf. Nimm muͤtter⸗ liche Erde, dein Kind, frei von Beschwerde, in deine mil⸗ den Arme auf! 3. Sei ihm ein Ruhebette, nachtvolle Grab esstaͤtte, und deck' ihn kuͤhlend zu! Er schlafe hier in 8 den sanften Schlaf der Muͤdenz hier find' er die erseufzte Ruh'! 4. So wie in heil'gen Hai⸗ nen naht sich hier den Ge⸗ beinen nicht Frost, nicht Sonnengluth. Ihr Stuͤrme, braust gelinde, und wehet sanft, ihr Winde, wo eines Christen Asche ruht! 5. Senkt dann den Leich⸗ nam nder zum Staube sei⸗ ner Bruder, die lavaße r⸗ Erde deckt. Im Grab ist sanfter Schlummer; ihn stoͤrt kein Erdenkummer; Gott ist es, der ihn einst erweckt. 6 Zum Leben ohne Sor⸗ gen weckt ihn der frohe Mor⸗ gen, wo eine Welt erwacht. Heil diesem todten Staube, so singt der Christenglaube; auch er erwacht, auch er erwacht. 7. Schaut, schauet auf, Betruͤbte! Dort wandelt der Geliebte im hohen Himmels⸗ licht. Vergoͤnnt ihm seine Freude und wehret eurem Leide, und wischt die Thraͤ⸗ nen vom Gesicht! Mel. Gott des Himmels und 6899 HMuhig ist des To⸗ des Schlummer und der Schooß der Erde kuͤhl: da sloͤrt unsre Ruh kein Kummer, nicht der Lei⸗ denschaften Spiel. Unsre Sorgen, groß und klein, schlummern alle mit uns ein. 2. ueber unsern Huͤgel schwinget die Vergessenheit den Stab und der Schmaͤh⸗ sucht Stimme dringet nicht in's dunkle, stille Grab. Feh⸗ ler, die uns hier besiegt, wer⸗ den dann nicht mehr ge⸗ ruͤgt. 3. Unsre Seufzer, unsre Thraͤnen werden ewig dann unter besondern Umständen 515 gestillt; unsre Wuͤnsche, unser Sehnen, Alles, Alles wird erfuͤlt. Herzen, die sonst heiß gewallt, liegen ruhig dann und kalt. 4. Läg' auch meines, von den Sorgen dieses Lebens un⸗ empoͤrt, in der Erde Schooß verborgen, wo Nichts sei⸗ nen Frieden stoͤrt! Kuͤh⸗ les Grab; o wann nimmst du mich in deine stille Ruh? Mel. Ehristus, der ist mein 2 Das Grab ist tief 690 D und stille, und schauderhaft sein Rand; es deckt mit schwarzer Huͤlle ein unbekanntes Land. 2. Das Lied der Nachti⸗ gallen toͤnt nicht in seinem Schooß Der Freundschaft Rosen fallen nur auf des Huͤgels Moos. 3. Verlaßne Braͤute rin⸗ gen umsonst die Haͤnde wund; der Waisen Klagen dringen nicht in der Tiefe Grund. 4. Doch sonst an keinem Orte wohnt die ersehnte Ruh'; nur durch die dunkle Pforte geht man der Hei⸗ math zu. 5 Das arme Herz, hie⸗ nieden von manchem Sturm bewegt, erlangt den wahren Frieden nur, wo es nicht mehr schlaͤgt. Y 6 Mel. Mel. Seelenbraͤutigam 691 till erheben wir unsern Blick zu dir. Herr, wie könnten wir mit Grauen nur ins Grab hernieder schauen? Hoffnung sendest du uns vom Himmel zu. 2. Du bist's, der uns liebt, wenn er nimmt und gibt. Ja selbst, was wir hier be⸗ weinen, wird einst freuden⸗ reich erscheinen, wenn auch uns zur Gruft deine Stimme ruft. 3. Gott, wir zagen nicht. Du gibst Trost und Licht, und du willst zum bessern Leben auch durch Leiden uns erheben. Bis zum Tode sei unser Herz dir treu! Bei Beerdigung eines Verunglückten. Mel. Christus, der ist mein Jerzeih' der tie⸗ 692 V fen Trauer, die unser Herz erfüllt! Wir sehn mit bangem Schauer des Todes Schreckenbild. 2. Was ist des Menschen Leben! Was ist des Men⸗ schen Kraft? Wie schnell, von Angst umgeben, wird er dahin gerafft! 3. Gesund und muthig schreitet er durch die Welt einher. Ein Unglück wird bereitet, und ach, er ist nicht mehr. 516 Gesinnung und Verhalten des Christen 4. Wer zählet die Gefah⸗ ren, die uns auf Erden drohn? Willst du uns nicht bewahren, so stürzen sie uns schon. 5. Auf allen unsern We⸗ gen umhüllt uns Dunkelheit und oft ist Noth zugegen, wo unser Herz sich freut. 6. Doch Alles, was ge⸗ schiehet, erfolgt auf dein Gebot. Du willst; der Tod entfliehet. Du willst; so kommt der Tod. 7. Ach, dies nur macht uns stille: wir sind in dei⸗ ner Hand, und gnädig ist dein Wille, allweise dein Verstand. 8. Wo wir oft ängtftlich zagen, erhöhst du unser Glück, und lenkst von trü⸗ bern Tagen uns wunderbar zurück. 9. Auch wenn des Todes Grauen uns plötzlich nieder⸗ reißt, darf unser Geist dir trauen. Du liebest unsern Geist. 10. Er kann und wird nicht sterben, er eilet nur hervor, entreißt sich dem Verderben und schwebt zu dir empor 11. O lehr' uns wachen, beten, und stets besonnen seyn, daß, wenn wir vor dich treten, wir deines Heils uns freun. 12. Da schwinden dann die Schrecken auf ewig von uns uns hin. Da sehen wir und schmecken: der Tod war nur Gewinn. Am Grabe Frühverstor⸗ bener. In eigener Melodie. 2 ur frühen Gruft 6933 wirst du von uns begleitet! So will es Golt, der dir dein Loos be⸗ reitet, und nun dich von uns zu sich ruft. 2. Er nahm dich auf zum Kinde seiner Gnade; er führte dich auf seines Soh⸗ nes Pfade, und lenkte dei⸗ nes Lebens Lauf. 3. O kurze Bahn! Kaum kennst du Welt und Freu⸗ den, so heißt dich Gott schon wieder von uns sckei⸗ den. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 4. Diu bist beglückt. Ent⸗ ronnen den Gefahren, trifft nun dich nicht, was oft in frühen Jahren dem Christen schon sein Ziel verrückt. 5. In steter Ruh', in un⸗ gestörtem Frieden, wohnt nun dein Geist, und trö⸗ stend sieht hienieden Gott deiner Aeltern Thränen zu. 6. Klagt nicht so sehr bei eures Kindes Bahre! Es ging zu Gott im Frühling seiner Jahrr, und dieser Gott ist unser Herr. 7. Es war sein Pfand, er unter besondern Umständen. hat es euch geliehen. O gebt's ihm gern! Laßt eu⸗ ren Liebling ziehen! Er zieht ja in sein Vaterland. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 694 Werne Stifter Oder Geschlech⸗ ter unsre Lieben zu sich ruft; wenn die Söhne, wenn die Töchter finken in die frühe Gruft: ach, dann fühlen unsre Herzen unaussprech⸗ lich tiefe Schmerzen. 2. Wenn der Säugling, kaum geboren, gleich der Blume, schnell verblüht, und die Mutter nun verloren ihre ganze Hoffnung sieht: ach, dann will ihr Herz ver⸗ zagen, dieser Trennung Schmerz zu tragen. 3. Wenn der Tod im edlen Sohne seine Lust dem Va⸗ ter raubt; wenn des Hau⸗ ses Stütz' und Krone sinket mit des Vaters Haupt; Mütter von den Kindern scheiden: Gott, was glei⸗ chet diesen Leiden! 4. Ach, es müßte unter⸗ liegen, dieses arme, schwache Herz, hülfest du nicht, Herr, uns siegen über Tod und Trennungsschmerz. Deine Rechte schlägt uns nieder; deine Rechte hebt uns wie⸗ der. 5. Wandeln nicht in hohen Freuden unsre Lieben dort am Thron? Sollten wir sie 27 nicht nicht beneiden um den fruͤh errungnen Lohn? Du wirst uns im bessern Leben die Verlornen wieder geben! 6. Vater, deines Trostes Quelle trocknet auch am Grabe nicht. Selbst des Todes Nacht wird helle durch des Glaubens mildes Licht. Alles was wir hier beweinen, wird uns dort als Gluͤck erscheinen. Mel. Alle E rdentoͤchter, Er 695 Eid densoͤhne, seid nicht stolz auf Reiz und Schoͤne; trotzet nicht auf eure Kraft! Eures Mundes Hauch verflieget, eures Le⸗ bens Quell versieget, und des Starken Arm erschlafft. 2. Doch, ihr Christen, seid nicht traurig, wenn so fruͤh, so dumpf, so schaurig euch die Sterbeglocke ruft: edler, kraͤftiger, verklaͤrter, liebevoller, liebenswerther, uͤberfliegt der Geist die Gruft. 3. O was ist des Grabes Hoͤhle! Eine tugendhafte Seele fuͤrchtet nicht, hinab zu seh'n! Ueber Grab und Grabestruͤmmer wird der Geist im Sonnenschim⸗ mer himmlischer Erkenntniß steh n. 4. Nein, umsonst ist Nichts geboren. Alles ruhet unver⸗ loren in des ew'gen Vaters 518 Gesinnung und Verhalten des Christen Schooß! Suͤße Hoffnung! Holder Glaube! Alles windet einst vom Staube herrlicher sich wieder los. 5. Leibes schoͤnheit wird ver⸗ bluͤhen; Seelenschoͤnheit nie entfliehen; sie ist fuͤr die Ewigkeit. Reiner Sinn und aͤchte Tugend lohnt mit ewig froher Jugend, lohnt mit Himmelsseligkeit. 6. Himmelsseligkeit beste⸗ het; nur der Erde Gluͤck vergehet, nur das Eitle bleibt zuruͤck. Wie die Gott⸗ heit unvergaͤnglich, wie der Himmel uͤberschwenglich, ist des Christen wahres Gluͤck. Am Grabe eines edeln und verdienten Mannes. Mel. Alle Menschen müssen 696 Neer mit Lust und * Eifer strebte, seine Bruͤder zu erfreu'n; wer der Welt zum Segen lebte, soll uns unvergeßlich seyn! Sein Gedaͤchtniß bleib und daure! Seine Nach⸗ welt klag' und traure! Wo sein Grab ist, weine dann, wer, was gut ist, schaͤtzen kann. 2. Laßt uns Alle heute klagen, denn es starb ein edler Mann! O wie Viele muͤssen sagen: Mir auch hat er wohlgethan! Ja, gerecht sind unsre Zaͤhren, die ihn noch im Tode ehren. Ihn und und unser eignes Herz ehret unser Leid und Schmerz! 3. Seines schoͤnen Lebens Thaten bleiben segnend uns zuruck; und die Frucht der edlen Saaten sei fuͤr Nach⸗ welt Heil und Gluͤck! Preis und Ruhm dem theuren Na⸗ men! Seine Tugend nach⸗ zuahmen; edel, wie er war, zu seyn, wolle Gott uns Kraft verleihen. Am Grabe eines ver— dienstvollen Lehrers. Mel. Liebster Jesu! wir sind 6 9 7 Set T hat, endete, zum Trost der Seinen, dieses Edlen Erden⸗ pfad, und wir schau'n ihm nach und weinen. O er hat uns treu belehret und zum Guten hingekehret. 2. Was dein Wort uns lieben heißt, Vater, das hat er verkuͤndet, und, ge⸗ staͤrkt durch deinen Geist, Vieler Seelen Heil gegruͤn⸗ det. Uns zu Jesu zu er⸗ heben, war sein eifrigstes Bestreben. 3. Treulich ging er selbst den Pfad hoher Tugend bis ans Ende, und gab nun nach deinem Rath seinen Geist in deine Haͤnde. Nur die Kraft von seiner Lehre trocknet unsre Wehmuths⸗ zaͤhre. unter besondern Umständen. 519 4. In der Naͤhe seiner Gruft, die nur seine Huͤlle raubet, hoͤren wir, wie Jesus ruft: Selig ist, wer an mich glaubet! Ja, des Himmels Heil und Frieden ist den Red⸗ lichen beschieden. 5. Laß, o Herr, die edle Saat, ausgestreut von un⸗ serm Lehrer, fruchtbar seyn in Wort und That, und uns wuͤrdige Verehrer wahrer Froͤmmigkeit auf Erden, dort des Himmels Buͤrger werden! Trost und Gelübde auf Gräbern. Mel. Auf, Christenmensch 60s Gage Gott gesaͤt, dem großen Tage der Aernte reift! Sei mir gegruͤßt, du Ort, wo jede Klage verstummt, wo mancher Ruhe fand, der sie auf Erden nie gekannt. 2. Zwar flossen hier der Thraͤnen viel, wenn von des Freundes Herzen den treusten Freund das Schick⸗ sal riß; mit tiefgefuͤhlten Schmerzen hab' ich auch selbst, ach, manchem Freund die Abschiedszaͤhre schon ge⸗ weint! 3. Doch Schlaf ist ja des Menschen Tod; er schaf⸗ fet Ruh' den Muͤden, nimmt Leidenden die Buͤrde ab, und bringt bringt zum ew'gen Frieden. Weint, Freunde, nicht; denkt: Wiedersehn! Die Todten werden auferstehn! 4. Belebend sinkt ein Sonnenstrahl einst auf die Gräber nieder; und was hier schläft, erwachet dann zum schönern Leben wie⸗ der. Im Winter starb die Blume; seht, sie blüht, vom Frühlingshauch um⸗ weht! 5. Und was man hier der Erde gibt, ist nur des Gei⸗ stes Hülle. Unsterblich ist des Menschen Geist; Ver⸗ nunft und guter Wille er⸗ hebt uns über Welt und Zeit, die Tugend führt zur Seligkeit! 6. Drum kann mein Blick vom Todtenfeld zum Himmel sich erheben; und winkt auch mir das kühle Grab, darf ich nicht ängstlich beben. Ich pflücke nach vollbrachter Zeit die Blume der Unsterb⸗ lichkeit. 7. Was ihr einst war't, das bin ich jetzt, ein Pilger hier auf Erden; was ihr, entschlafne Brüder, seid, werd' ich vielleicht bald wer⸗ den. Nun dann; durch's Todesthal eilst du, mein Geist, dem Vaterlande zu! 8. Doch dem nur wird der Uebergang zu jenem Vater⸗ lande ein Weg zum Heil, der muthig hier des Lasters 520 Gesinnung und Verhalten des Christen Sklavenbande zerriß, der in der Prüfungszeit sein Herz der Tugend treu ge⸗ weiht. 9. Auf Gräbern der Ent⸗ schlafnen sei der Tugend Bund auf's Neue versiegelt; hier gelobe ich der Tugend ew'ge Treue! Ja, heilig sei mir jede Pflicht, bis einst mein sterbend Auge bricht! Mel. Es ist das Heil uns 7 Jein Heiland 699 M lebt und hat die Macht des Todes ganz bezwungen, und sieg⸗ reich aus des Grabes Nacht zu Gott sich aufgeschwun⸗ gen. Er ist mein Haupt, sein Sieg ist mein. Sein soll mein ganzes Leben seyn; und ihm will ich auch ster⸗ ben. 2. Nicht ewig wird, wer dein Wort hält, den Tod, o Jesu, schauen. Das ist's, was mich zufrieden stellt, selbst bei der Gräber Grauen. Ich bin getrost und unverzagt, weil du den Deinen zugesagt: Ich leb', und ihr sollt leben. 3. Wird gleich mein Leib des Todes Raub; er wird doch wieder leben, und einst aus der Verwesung Staub sich neu gebild't erheben. Wann du, o großer Lebens⸗ fürst, nun deinen Todten ru⸗ rufen wirst, zum Leben auf⸗ zuwachen. 4. Wie froh und herrlich werd' ich dann vor dir, mein Heiland, stehen! Dann nimmst du mich mit Ehren an, läßt in dein Neich mich gehen. Forthin von keiner Last beschwert, an Leib und Seele ganz verklärt, leb' ich bei dir dann ewig. 5. O welch ein sel'ges Theil ist mir in jener Welt bereitet! Der Freuden Fülle ist bei dir. Von dir, o Herr, geleitet, werd' ich in deinem Himmelreich, unsterblich, deinen Engeln gleich, voll⸗ kommne Lust genießen. 6. Denn wo du bist, da sollen die, die dir hier fol⸗ gen, leben, und ewig frei von Schmerz und Müh', von Seligen umgeben, ge⸗ nießen deine Herrlichkeit. O was find Leiden dieser Zeit, Herr, gegen jene Freuden! 7. Laß die zukünft'ge Herrlichkeit mir ssets vor Augen schweben; und oft in dieser Prüfungszeit mein Herz dahin erheben, wo keine Schwachheit uns mehr drückt, wo wir der Sterb⸗ lichkeit entrückt, frohlockend vor dir wandeln 8. Exwcecke mich dadurch zum Fleiß, der Tugend nach⸗ zuftreben, und als dein Jünger, dir zum Preis, nach unter besondern Umständen. 521 deinem Wort zu leben! Und fühl' ich hier noch Notb und Schmerz; so tröste selbst da⸗ mit mein Herz: Es kommt ein beßres Leben! In eigener Melodie. wie selig seid 700 O a vac, dr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seid entgangen allen Leiden, die uns noch um⸗ fangen. 2. Hier, ach hier ist auch das beste Leben immer noch mit Sorg' und Furcht um⸗ geben. Was wir hier ken⸗ nen, ist noch kein vollkomm⸗ nes Glück zu nennen. 3. Ihr hingegen ruht in sicherm Frieden, der euch nach dem Kampfe ward be⸗ schieden. Kein Schmerz, kein Leiden stört euch im Genusse reiner Freuden. 4. Abgetrocknet sind all' eure Thränen, ihr genießt schon, wornach wir uns seh⸗ nen; ihr hört und sehet, was des Menschen Geist hier nicht verstehet. 5. Ach, wer wollte denn nicht fröhlich sterben, und statt Erdenglücks, den Him⸗ mel erben? Wer wollt' in Zeiten sich auf diesen Wech⸗ sel nicht bereiten? 6. Hilf uns, Jesu, ernst⸗ lich darnach streben! Komm' und führ' uns zu dem hö⸗ a hern hern Leben, wo deine From⸗ men erst zur vollen Ruh' und Freude kommen! Trost des Wiedersehens. Mel. Wann mein Stündlein 701 chwer liegt der Trennung Last auf mir; wie lieb' ich sie, die Meinen! O laß, mein Gott, mein Gott, vor dir mich diese Frage weinen: Werd ich, nach meinem Tode gleich, werd' ich, o Herr, in deinem Reich die Meinen wieder sehen? 2. Wohl mir, o Gott, ich hoͤre schon des Geistes Stimme wehen; sie ruft mir zu mit sanftem Ton: Du wirst sie wieder sehen! Bist du nur fromm, sind sie nur gut, dort oben unter Gottes Hut wirst du sie wieder sehen! 3. Des Frommen Seele trennt sich nicht von gleich⸗ gesinnten Frommen. Sie werden All' in Gottes Licht auf's Neu' zusammen kom⸗ men, forthin durch keinen Tod getrennt; denn Got⸗ tes Engel, der sie kennt, fuͤhrt Alle dort zusammen. 4. Der Freund sieht seine Freunde dann am Throne Gottes wieder; der Gatte trifft den Gatten an, der Bruder seine Bruͤder. Die Gesinnung und Verhalten des Christen Mutter sieht, umarmt ihr Kind; denn alle gute See⸗ len sind in Gottes Stadt beisammen. 5. Drum laßt uns hier schon, Hand in Hand, auf Gottes Wegen gehen, damit wir dort im Vaterland uns einst beisammen sehen. Wie wird uns seyn, wann wir uns sehn, wann wir uns froh entgegen gehn, fort⸗ hin uns nie zu trennen! 6. So seid getrost und freuet euch; laßt nicht die Hoffnung schwinden: wir werden in des Vaters Reich uns Alle wieder finden! O Wiederseh'n, o Wiederseh'n, wie wirst du unser Gluͤck erhoͤh'n; wie troͤstest du die Seele! Mel. Halleluja! Bringet Ebre 6 iederseh' n! mit 702 Wẽ̃ lauten Schlaͤ⸗ gen klopft dir jede Brust entgegen! Nimmer kann das untergehn, was ins Herz wir liebend schlossen; und wenn Abschiedsthraͤnen flossen, hoffte Freundschaft Wiederseh'n. 2. Wiederseh'n! In holden Bildern will uns die Natur dich schildern; drum ver⸗ juͤngt sie sich so schon. Wenn der Morgenroͤthe Strahlen nach der Nacht die Berge malen; spricht die Sonne: Wiederseh'n! 3. Wie⸗ 3. Wiederseh'n! Zu dei⸗ nen Freuden wachsen Blu⸗ men frisch und kleiden herr⸗ lich sich im Fruͤhlingsweh'n; und der frohen Nachtigal⸗ len kummerfreie Lieder schallen: Hofft getrost ein Wiederseh'n! 4. Wiederseh'n! Mit Gruß und Segen o wie schmacht' ich dir entgegen uͤber Auen, Stroͤm' und unter besondern Umständen. 523 Hoͤh'n! Theure, aller Welt Gewalten sollen meinen Fuß nicht halten: ja, ich werd' euch wiederseh'n! 5. Wiederseh'n! Dich darf ich hoffen! O, ich seh' den Himmel offen, winkt der Herr mir, heim zu geh'n! Theure, in der letz⸗ ten Stunde ruf' ich mit schon blassem Munde: Ewig, ewig Wiederseh'n! Nach trag einiger, bei Mehreren beliebten, älteren Lieder. Mel. Wunderbarer König — Fnumschränkte 703 U'eeebe! gönne blöden Augen, die zum Ir⸗ dischen kaum taugen, daß sie in die Strahlen deiner Langmuth blicken, die den Erdkreis huldreich schmük⸗ ken, und zugleich freuden ⸗ reich, Bösen und den Dei⸗ nen, wie die Sonne, scheinen. 2. Wasser, Luft und Er⸗ de, ja dein ganz Gebiete ist ein Schauplatz deiner Güte. Deiner Langmuth Ebre wird durch neue Proben immer herrlicher erhoben. O wie weit, o wie breit streckt sie ihre Flügel über Berg' und Hügel. 3. Was wir davon den⸗ ken, was wir sagen können, ist ein Schatten nur zu nen⸗ nen. Tag vor Tag zu scho⸗ nen, Tag vor Tag zu dulden so viel Millionen Schulden, und dazu ohne Ruh' lieben, die dich has⸗ sen! Herr, wer kann das fassen? 4. Du vergiebest Sünde, hörst der Sünder Flehen, wann sie weinend vor dir ste⸗ hen. Deine Rechte dräuet, und erbarmt sich wieder, legt die Pfeile gerne nieder, da man doch, wenn du noch sie kaum weggeleget, dich zum Zorn erreget. 5. Herr, es hat noch Keiner, der zu dir ge⸗ gangen, statt der Gnade Recht empfangen: wer zu deinen Füßen sich mit Thrä⸗ nen senket, dem wird Straf' und Schuld geschenket. Un⸗ ser Schmerz rührt dein Herz und du willst der Armen gnädig dich erbar⸗ men. 6. Höchster! sei geprie⸗ sen, daß du so verschonest, und uns nicht nach Werken lohnest. Deiner Hand sei Ehre, die so wohl regieret, und mit Ruhm den Zepter führet. Fahre fort, Zions Hort, Langmuth aus zu⸗ üben, und die Welt zu lieben! Mel. Na ch Mel. Schon ist der Tag von G. 2 8 ie Erd' ist Jesu 704 Ehristi; sein, wer auf der Erde wohnet! deß müsse sich die Erde freun, und wer auf Erden wohnet! Er schuf, er rettete die Welt; er trägt, er segnet, er erhält die Welt, die er beherrschet 2. Wer auf der Erde, wer gehört zum Volke der Erlösten? Wer darf, des bohen Segens werth, sich seiner Herrschaft trösten? Der, der zu dir, o Mitt⸗ ler, sich bekehrt, und gläu⸗ big wird, und dich zu sei⸗ nem Herrn erwählet. 3. Und wer, in deinem Blute rein, der Unschuld sich befleißet; wagt, sich vom Wahne zu befrein der nur den Lüsten gleißet; wer fromm ist, wandelt, wie er glaubt, sich keine Misse⸗ that erlaubt, nie bricht den Bund der Gnade. 4. Wer, auch umringt mit Leiden, gern erfüllet sein Verlangen, der wird den Segen seines Herrn im vol⸗ fen Maaß empfangen; den macht er seiner Herrschaft werth; der ist sein Erbe, der gehört zum Volke der Erlösten. 5. Kommt, Sünder, kom⸗ met in sein Reich! Macht weit der Herzen Thüren! Empfangt den König; er tar a g. 525 will euch auch segnen, auch regieren. Wer, fragt ihr, ist der Herr? Der Sohn! Der Himmel Himmel ist sein Thron, der Erdkreis seine Fuß bank. 6. Kommt willig, willig, in sein Reich! Macht weit der Herzen Thüren! Em⸗ pfangt den König: er will euch auch segnen, auch re⸗ gieren. Wer, fragt ihr, dieser König sei? Der Sohn, der seinem Bunde treu, den Himmel gibt den Seinen. Mel. Mein ganzer Geist, Gott Triumph! Tri⸗ 705 2 umph! und Lob und Dank dem, der des Todes Macht bezwang und uns, den Staub, er höhte. Der hohe Sieger überwand. Nacht war um ihn, und sie verschwand in helle Morgenröthe. Bebet! gebet, ftolze Spötter, un⸗ serm Retter Preis und Ehre, glaubt an ihn und seine Lehre. 2. Heil uns! Triumph! das Grab ist leer. Fest steht es, wie ein Fels im Meer, das Wort, das er gespro⸗ chen! O selig, wer sich ihm vertraut! Er hat den Tem⸗ pel neu gebaut, den blinde Wuth gebrochen! Hölle! fälle nun den— Got⸗ tes Krieger, der erstanden, macht 526 macht nun deinen Stolz zu Schanden. 3. Leer ist die Gruft, die ihn umgab. Sei mir ge⸗ gruͤßt, mein kuͤnftig Grab, du Wohnung ernster Stille. Nur wenig Tage werden's seyn, o so empfaͤngst du mein Gebein in deiner Schatten Huͤlle. Ewig se⸗ lig werden wieder diese Glieder auferstehen, werden die Verklaͤrung sehen Mel. Es ist das Heil uns . it lautem 706 M Schall froh⸗ locken wir: Der Herr ist auf⸗ gefahren! Wir sind zwar Pilger noch allhier und un⸗ ter viel Gefahren; doch sinkt drum unser Muth nicht hin; durch Jesum wissen wir, wohin uns unsre Wall⸗ fahrt fuͤhret. 2. Das Leben ist ans Licht gebracht, uns steht der Him⸗ mel offen. Ihn schloß uns auf mit großer Pracht der Herr, auf den wir hoffen. Wer glaubt, deß Herz ist freudenvoll, nur daß er sich bestreben soll, des Heilands Pfad zu wandeln. 3. Wer den nicht geht, wird nimmermehr dort sei⸗ nes Heils genießen. Wer nicht sein Wort haͤlt, dem wird er den Himmel einst verschließen Wer wünscht, zum Himmel einzugeh'n, der Nachtrag. laͤßt in seinen Thaten seh'n, sein Wandel sei im Himmel. 4. Uns treibt sein Geist, daß wir der Welt uns im⸗ mer mehr entwoͤhnen; stets sorgen, was dem Herrn gefaͤllt; zu ihm hinauf uns sehnen. Er aber sieht auf uns herab; von uns laͤßt seine Treu' nicht ab, bis wir zusammen kommen. 5. Tag, noch an groͤßern Freuden reich, wann wirst du uns erscheinen? Gott macht uns dort dem Sohne gleich, und stillet Leid und Weinen. O Wonne, wann in Ewigkeit uns nun das hoͤchste Gut erfreut! O Gott, schenk' uns dies Le⸗ ben. Mel. Nun danket Alle Gott 707 elobet seist du, o Gott, fuͤr deines Wortes Lehre! Gib, Vater, daß ich sie mit An⸗ dacht fleißig höre! O mache doch mein Herz von Vor⸗ urtheilen rein, und laß dein Wort mein Licht auf meinen Wegen seyn. 2. Laß mich im Forschen doch die Wahrheit nie ver⸗ fehlen, und nie, was schaͤd⸗ lich ist, fuͤr wahres Heil er⸗ wahlen! O Hoͤchster, leite selbst den forschenden Ver⸗ stand: so wird, was du mich lehrst, auch recht von mir erkannt. 3. Wie Nachtrag. 3. Wie thoͤricht ist es doch, blos andern Menschen glau⸗ bes! Das heißt sich selbst den Grund zur ew'gen Ruhe rauben. Wer treulich hier dein Wort zu seiner Richt⸗ schnur macht, dem gibt es Licht und Trost auch in der Todesnacht 4. Mein Gott, bewahre mich vor aller falschen Leh⸗ re, und hilf, daß ich dein Wort mit festem Glauben ehre! Verleih' mir deinen Geist, der Lust und Kraͤfte gibt, daß man die Wahr⸗ heit sucht, pruͤft, glaubt, bewaͤhrt und uͤbt! Mel. Auf, Christenmensch 708 Hr, du bist meine Zu⸗ verficht! Du lebst, auch ich werd' leben! Du wirst mir, was dein Wort ver⸗ spricht, Unsterblichkeit, einst geben. Dein Juͤnger kommt nicht ins Gericht! Dies stärket meine Zuversicht! 2. Hier geh' ich oftmals weinend hin, den Saamen auszustreuen: dort wird der herrlichste Gewinn der Aernte mich erfreuen. Ich leide, doch verzag' ich nicht: denn du bist meine Zuver⸗ sicht! 3. Hier trag' ich deine sanfte Last. Wie groß ist meine Wuͤrde! Jedoch die Welt, die sie nicht faßt, nennt's faͤlschlich schwere Buͤrde. Einst trifft den Suͤnder dein Gericht, und dann siegt meine Zuversicht! 4. Sink' immer hin, mein Leib, in Staub! Gott wird dich neu beleben. Hier werd' ich nur des Todes Raub; dort werd' ich ewig leben. Wie stark ist dieses Trost's Gewicht! Wie sicher meine Zuversicht! 5. Herr, diesen Segen dank' ich dir. Mich aus der Gruft zu heben, gingst du aus deinem Grab herfuͤr. Du lebst und ich soll leben. Ich glaub' es dir und zweifle nicht: dein Wort ist meine Zuversicht! 6. In diesem Glauben staͤrke mich! Laß mich den Trost empfinden, den großen Trost, daß ich durch dich den Tod soll uͤberwinden. Grab und Verwesung schreckt mich nicht: denn du bleibst meine Zuversicht! Mel. Der unsre Menschheit 709 Ewbar Jesu! Gottes Sohn! der du schon laͤngst der Him⸗ mel Thron als Herrscher eingenommen, du wirst der⸗ einst zu rechter Zeit, in gro⸗ ßer Kraft und Herrlichkeit, vom Himmel wieder kommen. Gib, daß dann froh und mit Vertrau'n dich, Herr, auch meine Augen schau'n! 2. Wer 2. Wer faßt, o Heiland! jetzt die* die deinen Tag einst hertlich macht? Wie groß wirst du dich zei⸗ gen! Wann du auf lichten Wolken einst mit deiner En⸗ gel Heer erscheinst, die sich vor dir, Herr, beugen; dann —— die Welt die Maj estät, 1 der dich Gott, dein Gott, erhöht. 3. Dann tönt dein Ruf in jedes Grab mit allmachts⸗ volle r Kraft hinab, und schafft ein ne Leben. Auf deinen Wink muß Erd' und Meer, das große unzählba⸗ re Heer! der Todten wieder⸗ geben. Sie stehn durch dich/ Herr, neu beseelt, nun alle auf und keiner fehlt. 4. Du sammelst sie vor deinem Thron, um jedem den bestimmten Lohn nach seiner That zu n Dann trifft den Bösen Schmach und Pein; den Frommen aber führst du ein in das verheißne Leben. Nun zeigt die That, Herr Jesu Christ, daß du der Erde Richter bist. 5. O gib, wann nun dein Tag erscheint, daß ich in dir dann noch den Freund und Heiland wieder findez daß ich mit Freuden vor dir steh, und mit dir in den Himmel geh', befreit von Fluch und Sünde! Laß mich im Glauben standhaft Nachtrag. seyn, und auch die kleinste Sünde scheun! 6. Dein Name sei wir ewig werth und was dein Wort von mir begehrt, das laß mich treulich üben! Nie⸗ mals ermüde hier mein Geist, dich, den schon jetzt der Himmel preist, aus al⸗ ler Kraft zu lieben; so hab' 2 in der Ewigkeit auch Theil an deiner Herrlichkeit. ine Ich denk' an dein 7 103 Gerichte, du Richter 12 Welt! Der Thor nennt's ein Gedichte, das Schwachen nur gefällt! Mich soll sein Wahn nicht säören weil mich dein gött⸗ lich Licht und mein Gewis⸗ sen lehren: du haltest einst Gericht. 2. Ich höre d ie Posaunen, o Herr, im Geiste schon; ich sehe mit Erst men dich auf dem Richterthron, um den die heil'ge Menge erhabner Engel fleht. Welch herrli ches Gepränge! Welch hohe Kajestät! 3. Umsonst sucht nun der Sünder* deiner Macht zu fliehn. Herr, alle Men⸗ urs wirst du zur Rechnung ziehn. Du rufst und sie erscheinen vor dei⸗ nem Richterthron; den Sündern und den Deinen gibst du gerechten Lohn. 4. Froh⸗ 4. Frohlockend seh'n die Frommen dein göttlich An⸗ gesicht; schon hier dem Fluch entronnen, zagt ihre Seele nicht. Nun triumphirt ihr Hoffen; erlös't von aller Müh', sehn sie den Himmel offen, und du, Herr, seg⸗ nest sie. 5. Wie angstvoll aber be⸗ ben, die hier dein Wort verhöhnt, und durch ein fleischlich Leben das eitle Herz verwöhnt! Du gibst der Sünde Knechten ihr Theil in ew'ger Pein; und führest die Gerechten zu dei⸗ ner Freude ein. 6. Laß, Jesu, dein Ge⸗ richte mir stets vor Augen seyn und drücke sein Ge⸗ wichte in mein Gewissen ein! Vor dir laß mich fromm wandeln, und hier zu aller Zeit so, wie ein Weiser handeln, der seinen Richter scheut. 7. Ist dann dein Tag vor⸗ banden; wird diese Welt vergehn: so hoff' ich nicht mit Schanden vor deinem Thron zu stehn. Du stellst mich dann zur Rechten, von aller Schuld befreit; führst mich mit deinen Knechten in deine Herrlichkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott 711 Zott, bilf mir, daß ich Buße ihue, weil mich noch deine Nachtrag. Stimme lockt. Bewahre mich vor falscher Ruhe, da⸗ bei das Herz sich leicht ver⸗ stockt, wenn du selbst das Gewissen rührst, und zum Gefühl der Sünden führft. 2. Du willst nach deiner großen Güte, nicht eines einzigen Sünders Tod: drum weckst du oftmals sein Gemüthe, zu fühlen seine Sündennotbh. Wohl dem, der deine Stimme hört, und redlich sich zu dir bekehrt! 3. Den rettest du von dem Verderben, nimmst seine Buße gnädig an, machst ihn zu deinem Kind und Erben, daß er frohlockend rühmen kann: Wie groß ist Gottes Vaterhuld; er tilget meine Sündenschuld! 4. Sollt' ich die Güte denn verachten, die mir noch Kraft zur Beßrung reicht? Vom Troste leer muß der verschmachten, von dem, Gott, deine Gnade weicht. Sie aber weicht von dem zuletzt, der frevelhaft gering sie schätzt. 5. So gib, daß deiner Gnadenlockung, o Gott, mein Herz stets offen sei; damit mich ja nicht die Verstockung, wenn ich mein Leben ohne Reu im Sündendienste zu⸗ gebracht, zu deinem Zorn⸗ gefäße macht. 6. Sich bessern ist der Weg zum Leben, drum laß 3 mich mich in der kurzen Frist, die du zum Heile mir gegeben, und die für mich so wichtig ist, nur dafür sorgen, daß mein Geist dem Sünden⸗ elend sich entreißt. 7. Verleihe mir dazu die Gnade, die uns vom Sün⸗ dendienst befreit, und leite mich selbst auf dem Pfade der christlichen Rechtschaf⸗ fenheit! Wie selig bin ich dann schon hier; wie glück⸗ lich einst, mein Gott, bei dir! In voriger Melodie. — Jein Herz, er⸗ 712 M j dich zum Preise des Gottes, der dein Vater ist! Bedenke, auf wie viele Weise du ihm zum Dank verpflichtet bist. Bring' ihm, der stets dein Helfer war, mit Freuden Ruhm und Ehre dar. 2 Herr, deine Hand ist immer offen, zu geben, was mir nuͤtzlich ist. Und doch bin ich oft schwach im Hof⸗ fen auf dich, der du die Liebe bist. Mein Gott, wie wenig bin ich's werth, daß mir noch Hülfe widerfährt. 3. Unendlich groß i dein Erbarmen. Nur wohl zu thun bist du gewohnt. D'rum wird auch mir, mein Gott, mir Armen, von dir nicht nach Verdienst ge⸗ lohnt. Noch immer steßt mir deine Treu' mit Segen, Trost und Hülfe bei. 4. Du bist es, der in mei⸗ nen Sorgen mit Rettung mir entgegen eilt; und wenn sie, noch für mich verborgen, nach meinem Wahn zu lang verweilt, so kommst du, eh' ich mich's versehn, und hilfst mir und erhörst mein Fleh'n. 5. Du wählst und wirkest stets das Beste. Und wenn auch meine Noth sich häuft, so steht durch dich mein Wohl doch feste. Wenn mich das Elend ganz er⸗ greift, so legt sich dein Er⸗ barmen drein, mich vom Verderben zu befrei'n. 6. Du bist mein Heil! Mein ganz Gemüthe ist dei⸗ nes Ruhms, mein Retter, voll. O könnt' ich deine große Güte doch so erhe⸗ ben, wie ich soll! Doch meine Kraft reicht nicht dahin: du weißt es, Gott, wie schwach ich bin! 7. Und hätt' ich auch viel tausend Zungen, so würde deines Wohlthuns Preis nie würdig g'nug von mir be⸗ sungen, auch bei dem aller⸗ größten Fleiß. Denn mehr, st Herr, als ich rühmen kann, hat deine Huld an mir ge⸗ than. 8. Jedoch, du siehst mit Wohlgefallen auch auf des Herzens Redlichkeit; und hörest selbst das sonee al⸗ Lallen der Deinen mit Zu⸗ friedenheit; du hörst es, wie ein Vater pflegt, der seiner Kinder Schwachheit trägt. 9. Drum soll mir deine Huld und Güte beständig, Gott, vor Augen seyn. Ich will mit redlichem Gemü⸗ the mein Leben deinem Lobe weihn, bis ich vollkomm⸗ ner deinen Ruhm erheb' im höhern Heiligthum. Mel. Herzliebster Jesu! 713 ch will, mein J Gott, du Kö⸗ nig, dir lobsingen, und ewig Ehre deinem Namen brin⸗ gen. Sei täglich, ewig sei von mir erhoben! Dich will ich loben! 2. Der Herr ist groß; wer kann ihn g'nug erhe⸗ eben; wer kann mit seinem eifrigsten Bestreben, wie groß er ist, begreifen und empfinden, wer Gott er⸗ gründen? 3. Von unsern Vätern wurdest du erhoben, dich werden unsrer Kinder Kin⸗ der loben, und deine Macht besingen, deiner Stärke preisvolle Werke. 4. Wie herrlich bist du, Gott, wie schön und präch⸗ tig, wie groß in deinen Wundern, Herr, wie mäch⸗ tig! Das preis' ich, daß dein Nam' erhoben werde, der ganzen Erde. Nachtrag. 5. Daß deiner Wunder Ruhm umher erschalle, die Welt von deinen Thaten wiederhalle, und deine Wahr⸗ heit, deine Huld besinge und Preis dir bringe. 6. Der Herr ist mild, von duldendem Gemüthe, barm⸗ herzig, gnädig, und von großer Güte; erbarmt sich seiner Werke, hat an allen sein Wohlgefallen. 7. Jehovah, alle deine Werke sollen dir jauch zend danken. Deine Frommen wollen aus allen ihren Kräf⸗ ten sich bestreben, dich zu erheben! 8. Ja, ewig will ich dei⸗ nen Namen loben! Von allen Menschen werde Gott erhoben! Was lebet, müsse, Herr, zu allen Zeiten dein Lob verbreiten. Mel. Allein Gott in der Höh' 714 timmt unserm Gott ein Lob⸗ lied an mit freudigem Ge⸗ müthe; es rühm und preise, wer da kann, den Geber al⸗ ler Güte! Er macht uns frei von aller Noth; drum lobet ihn, drum lobet Gott, und danket seinem Namen! 2. Lobt Gott, und rühmet allezeit die großen Wun⸗ derwerke, die Majestät und Herrlichkeit, die Weisheit, Kraft und Stärke, die er beweist in aller Welt, indem 32 er Na ch er alle Ding' erhält: drum danket seinem Namen! 3. Lobt Gott, der uns er⸗ schaffen hat, der Seele, Leib und Leben aus väterlicher Huld und Gnad' uns Allen hat gegeben; der uns durch seinen Engel schützt; der täglich schenket: was uns nützt, drum danket seinem Namen! 4. Lobt Gott! Er gibt uns seinen Sohn, der selbst für uns gestorben, der uns die ew'ge Lebenskron' durch seinen Tod erworben, der Frieden hat mit Gott ge⸗ macht, und seinen ganzen Rath vollbracht: drum dan⸗ ket seinem Namen! 5. Lobt Gott, der in uns durch den Geist den Glauben angezündet und seinen Bei⸗ stand uns verheißt, wenn er uns treu ersindet; der uns fets durch sein Wort re⸗ giert, und auf den Weg des Lebens fübrt: drum dan⸗ ket seinem Namen! 6. Lobt Gott! Er hat dies gute Werk selbst in uns an⸗ gefangen, vollbringt es auch, gibt Kraft und Stärk', das Kleinod zu erlangen, das er am Ziel uns vorgestellt, und das den Himmel in sich haͤlt: drum danket seinem Namen! 7. Lobt Gott, ihr flar⸗ ken Seraphim, ihr Engel und ihr Thronen! Es loben Gott mit heller Stimm', die hier auf Erden wohnen! trag. Lobt Gott, und preistt ihn früh und spat; ja Alles, was nur Odem hat, das danke seinem Namen! In eigener Melodie. 715 2 in aller Noth, o großer Gott, Herr aller Her⸗ ren, wann Satans Wuth die Höllenrott', den Rachen gegen mich aufsperren, wann sie mich suchen zu verschlin⸗ gen und in die höchste Noth zu bringen, so bitt' ich dich herzinniglich, mein Vater, so hab' Acht auf mich. 2. Hab' Acht auf mich, wann mich die Sünd' will von dem höchsten Gut ab⸗ wenden, so halte mich, Herr, als dein Kind, mit deinen treuen Vaterhänden; bleib' du mir stets in den Gedan⸗ ken; laß mich von deinem Wort nicht wanken; wann Sünden in mir regen sich, mein Vater, so hab' Acht auf mich. 3. Hab' Acht auf mich, wann's gehet wohl, wann mir die Glückessonn' will scheinen, die meine Seel“ macht freudenvoll, daß sie Nichts wissen mag von Wei⸗ nen, daß ich dem blinden Glück nicht traue, vielmehr auf deine Güte schaue: weil oft das Glücksrad wendet sich, mein Vater, so hab' Acht auf mich. 4. Hab 4. Hab' Acht auf mich, und steh' mir bei, wann mir das Unglück braus't entgegen, daß ich nicht zu verzaget sei, und weichen mög' von deinen Wegen, die mir zu wandeln find befohlen; und wann mir auch des Kreuzes Kohlen mein Herze brennen bitterlich, mein Vater, so hab' Acht auf mich. 5. Hab' Acht auf mich, wann ich gesund, wann ich empfinde keine Schmerzen; wann keine Klag' in meinem Mund, noch Trauren ist in meinem Herzen; damit ich bei gesundem Leibe dir dank⸗ bar und gehorsam bleibe, auf daß ich nie vergesse dich, mein Vater, so hab' Acht auf mich. 6. Hab' Acht auf mich, auch wann ich krank, wann die Gesundheit will ver⸗ schwinden, daß ich geduldig und mit Dank annehm' die Arzenet der Sünden; laß Nachtrag. mich nicht ungeduldig wer⸗ den, und denke, daß ich Staub und Erden; auch wann die Schmerzen mehren sich, mein Vater, so hab' Acht auf mich. 7. Hab' endlich dann auch Acht auf mich, wann ich der Welt Valet soll geben, daß ich im Glauben halte dich, bis ich komm' in ein ander Leben, daß mir das frohe Glaubensende ertheilet werd' in deine Hände; daß ich bei dir leb' ewiglich, mein Vater, so hab' Acht auf mich. 8. Ach! laß mich doch nicht aus der Acht, wann uns dein jüngster Tag erscheinet: der Tag, da vor Gericht wird bracht auch das, so man hie nicht gemeinet; laß mich zu deiner Rechten steh'n, und zu des Lammes Hochzeit geh'n; mein Jesu, dann hab' Acht auf mich, so will ich ewig preisen dich. Reg er A Seite ch bleib mit deiner 156 Ach endlich, Dulder, 126 Ach Gott, verlaß mich 300 Ach Gott, wie mancher 226 Ach, bier nicht mehr, 509 Ach könnt' ich doch mit 494 Ach sieh ihn dulden, bl. 120 Ach welch ein Kampf 62 Allein Gott in der Höh' 29 Alle Menschen müssen 2 Allen Christen und auch 37 Aller meiner Brüder Aller Welten Herrscher, 28 Alles hast du mir gegeb.? Alles ist an deinem S. Allgegenwärtiger! ich 13 Allgütiger, dir will ich 454 Allliebender du schufst Allmächtiger, ich hebe Allmächtig großer Gott 50 Am Kreuz erblaßt 126 Anbetung sei dir, Gott 138 Seite Anbetungswürd'ger G. 7 An deine Leiden denk. An dich, mein Gott! 277 Auch außer meinem Auf, Christen, bringet Auf, Christen, laßt uns 66 Auf, dich, Erlöser, stets 243 Auf Erden Wahrheit 90 Auferstehn, ja auferst. 195 Auf, freue dich, mein 65 Auf Gott nur will ich Auf Gott und nicht auf Auf, Jesu Jünder fr. Auf, meine Seele auf Auf, o Seele, sei noch Auf, schicke dich, recht f. Aus des Grabes Band. 130 Bad ist sie nun voll. 499 Bald leg ich Sorg und 497 Bald oder spät des T. 251 3 3 Barm⸗ Seite 495 287 485 250 511 106 414 355 44 430 274 221 358 351 129 Barmherziger, erhöre Besiehl du deine Wege Beglücke meine Reise Beglückt, beglückt ist, Begrabt den Leib in s. Bekenner Jesu, werdet Berufen hast du mich Befitz ich nur ein ruhig. Bester, weisester Reg. Bewaffnete, der Krieg. Bewahre meinen Mund, Bilden soll ich mich auf Bis der Tod im winkt Blick hin in die vergang. Bringt Preis und R. Cp, aus deinem H. Christe, du Sohn G.! Christ eile nie mit sich. Christus, der ist mein L. Christ, wann dich Trüb. 365 107 168 500 293 29 494 417 515 42 242 358 514 47 283 301 155 330 146 D Dank und Anbetung Dank, Vater dir, der Das Amt der Lebrer, Das Grab ist tief und Das Land, das Gott Daß ich der Tugend Daß unser Gott uns L. Da stehen wir, die Dei. Dein bin ich Gott! D. Deines Gottes freue Dein Heil, o Christ, n. Dein Volk, o Herr, s. Dein Wille ist's, o G. Dein Wort, o Höchst. Regi Seite Dem ganzen Erdkreis 86 Dem großen Vater w. 86 Demutbsvoll komm ich 2 Dem Wand'rer gleich, 400 Den größten Sterbend. 114 Der am Kreuz ist meine 117 Den du den Menschen s. Der du selbst die Wahr. Der du stets unsre Zufl. 3 Der du uns als Vater Der du uns das Heil er. 7 Der du voll Blut und Der du von Jugend auf 317 Der Ehestand soll heilig 404 Der Erde Reiz sind er. 453 Der Freuden Quell ist 211 Der Heiland kommt, I. 75 Der Herr ist Gott und 5 Der Herr ist meine 288 Der Herrscher aller L. 108 Der hohe Himmel dunk. 462 Der Lenz erfreut, was 195 Der Mächtige, der H. 462 Der Mond ist aufgeg. 450 Der Morgen kommt u. 491 Der Tag ist wieder hin; 445 Der weise Schöpfer, d. 434 Der Wollust Reiz zu 337 Des Leibes warten und 336 Des neuen Jahres erst. 463 Dich bet' ich an, erst. 128 Dich kennen, Gott, ist 269 Dich seh ich wieder, 436 Die auf der Erde wal. 179 Die Erde ist Jesu 52⁵ Die hier vor deinem 419 Die Himmel rühmen 34 Die Kinder, deren wir 408 Dies ist der Tag, den 83 Die stillen Abendstund. 8 ie Rezßister. Seite Die Thiere, deren Herr Die Zunge, die vern. Dir dank ich für mein Dir ergeb' ich mich, Dir, Gott, der so gern Dir, Gott, sei Preis u. Dir immer ähnlicher zu Dir trau' ich, Gott, u. Dir, unser Gott, ist Dir zu leben, dir zu Du, aller Menschen V. Du bester aller Mensch.! Du bester Trost der A.“ Du bist's, dem Ehr' und! Du, deines Vaters Du denkest in der tief. Du, der kein Böses thut, Du, der sich einst voll. Du, der so gern begl.? Du, dessen Auge floss. Du, deß sich alle Himm. s Du gabst mir, Ew'ger! Du, Gott, bist über Al. Du, Gott, du bist der Du hast es mir gegeben Du hast uns, Herr, die? Du, Herr, hast aus B. Du, Herr und Vater Du, Herr von meinem Du kamst herab zum Du klagst und fühlest? Du läßt den Tag mich Du liebst, o Gott, G. Durch dich, Gott, bin Durch dich, o großer G. Du sagst, ich bin ein Ch, 2 Du schaust, mein Sch. 2 Du Vater deiner Men. Du vertbeilst der Men. Du weiser Schöpfer 43⁵ 432 470 279 412 16 Seite Du, welchen keine Welt Du wirst, o Vater, für Du wollst erhören G. Ehre sei Gott in der Ein feste Burg ist Ein Gott regiert; was Ein Herz, o Gott, in Ein milder Regen finket Ein Pilgrim bin ich in Ein ruhiges Gewissen Einsam bin ich; tiefe Eins ist Noth! Und H. Einst, als im Angftgeb. Einst freuet euch, einst Empfinde deinen hohen Entehre nicht, mein H. Entfernet euch, unsel'ge Entreiße dich, mein G. Entschwinge dich, mein Erdentöchter, Erdens. Erfreue dich des Heiis Erfuͤlle redlich deine P. Erhabner Gott, was r. Erhalt' uns, Herr, bei Erhalt' uns, Herr, die? Erhebt, den Herrn, ihr Erhöhter Jesu! Gottes! Erinnre dich, mein Gott Er ist erstanden, Jesus Er ist gekommen, er, Erlöser, der im Staube Ermüdet von den S. Erscheine meinem Geist, Er starb, der größte Fr. Ertöne, feiernder Ges.? Ertönt, ihr Freudenl. Es baut, o Gott, auf 3 4 486 183 504 78 155 299 363 461 202 394 450 241 106 208 214 353 393 462 458 Es Seite Es eilt der letzte von 350 Es freu' der Fürst des 310 Es ging ein Mann voll 88 Es hebt sich auf der A. 219 Es herrscht ein Gott, d. 292 Es ist dein Wille, Herr 490 Es ist nicht mehr, für 508 Es ist noch eine Ruh v. 203 Es ist nur einer Herr 6 Es ist vollbracht, so r. 124 Es lebt ein Gott, der 24 Es preise Gott, wer J. 246 Es werde Gott von dir 48 Es zieht, o Gott, ein K. 478 Es züchtigt deine Hand 477 Ewig, ewig bin ich dein, 163 Ewig, o Jesu, wird dein 157 Ewig und unwandelbar 466 Feet nieder, fallet Ferne sei der Irrthum 2 Fest steht dein Bund, Frohlockend, Vater, w. Frohlockt ihr Christen, Früh, mit umwölktem Führer zur Vollkomm. Für alle Menschen bet. Für deinen Himmel Fürwahr, du bist, o G. Glare ist der Feld. 455 Gedanke, der uns Leb. 64 Geht hin! der Gott 405 Geist vom Vater und 142 Gelobt seist du, o Gott 526 Gerechter Gott, vor d. 19 Register. Gern will ich mich erg. Geweihter Ort, wo S. Geweiht zum Christent. Gewöhne dich, durch Gib, Gott, wenn ich d. Gib Höchster, daß ich Gib mir, o Gott, ein Gott, aus deinen Sch. Gott, deine Gnade sei Gott, deine Güte, deine Gott, deine Güte reicht Gott/ deinen heiligen Gott, deinen weisen W. Gott, deine weise Macht Gott, der an allen End. Gott, der du die Men. Gott, der du für uns Gott, der du Herzensk. Gott, der du Schmerz Gott, der du unsre Zuf. Gott der Liebe, wie er. 2 Gott der Tage, Gott d. Gott, der zum Segen f. Gott des Himmels und Gott, dessen Macht des Gott, dir gefällt kein Gott, dir vertrau'n ist 2 Gott, du bist von Ewig. Gott, du erforschest mich Gott, durch den wir sind Gottes Gnade sei mit Gottes Sohn ist kom. Gott, beilig sei dein N. Gott, hilf mir, daß ich Gott, ich will mich Gott, immer groß an Gott ist die Liebe, Gott Gott ist getreu, sein H. Gott ist mein Hort und Gott ist mein Lied, er 21 149 9 Gott Seite Gott ist's, der das Ver. 342 Gott, lehre mich verst. 225 Göttlicher, dich zu erh. 248 Gott, mein Vater, D. 410 Gott, mit allen seinen 466 Gott, öffne deinen Him. 502 Gott ruft der Sonn' u. 465 Gott, Schöpfer, St. 404 Gott sei Dank, ich lebe 440 Gott sei Dank in aller 73 Gott sorgt für uns. O 42 Gott von großer Macht 460 Gott, vor dessen Anges. 18 Gott, wann mein sterb. 497 Gott, welch ein Schm. 5 Gott, wie schrecklich s. 61 Großer Gott, erhabnes Groß ist der Herr, die! Groß ist, ihr Aeltern, Groß wird des Sünd. 201 Hab Acht auf mich in 532 Habe deine Lust am 284 Habe deine Lust o J. 473 Hallelujah, bringet Eh. Halte dich mit hoher L. Hast du denn ganz dein Heiland deine Mensch. 92 Heiland, den uns Gott 69 Heiland, groß an Huld 176 Heil dir, Seele, Gott 502 Heiliger Geist, von G. 141 Heilig, heilig ist das 372 Heil ihm, dem Todes 127 Herr, deine Allmacht 14 Herr, deine Kirche dan. 157 Herr, deine Sanftmuth 385 Herr, dein Gesetz und 152 Herr, der du alles g. 328 Register. Seite Herr, der du dein th. 177 Herr, der du mir das 447 Herr, der du selbst die 161 Herr, du bist meine Z. 527 Herr, du erforschest mich 15 Herr, du fährst mit 135 Herr, du wollst sie 173 Herr Gott dich loben 319 Herr Gott, dich l.(b) 320 Herr Gott, du bist die 11 Herr Gott, was irdisch 423 Herr, höre mein Gebet 255 Herr, ich bin dein Eig. 200 Herr, ich hab' aus deiner 185 Herr, laß mich doch g. 344 Herr, lehre mich den w. 52 Herrlich ist's an Freund. Herrlich ist's in deinem Herr, mache meine S. 2 Herr, meiner Seele g. Herr, mein Licht erl. Herr, mein Versöhner Herr, stärke mich, dein Herr und Richter aller Herr, unser Gott, wer Herr, vor deinem Ang. 2 Herr! welch ein wicht. 406 Herr, wie lange muß Herr, wir feiern dein Herr, wir singen dei. Herr, wir stehen hier Hier, bin ich, Jesu, zu Hier ist noch unsre P. Hier lieg ich, Herr, in Hilf mir, Gott, der K. 489 Höchster, denk' ich an 216 Höchster Gott, wir d. 3 Höchster, wer ist's, der 8 Höher hebt sich Gottes 452 Huldigt Gott, ihr frob. 26 35 Jauchzt 62 161 166 332 488 Seite Jauchzt unserm Gott 23 Ich bebe nicht vor Tod 193 Ich bin der reichste M 346 Ich bin ein Christ! G. 257 Ich bin getauft auf d. Ich bin getauft nach J. Ich bin in meinem G. Ich bin, o Gott, dein Ich bin zur Ewigkeit Ich blick empor zu dir Ich denk an dein G Ich eile meiner Heim. Ich erhebe mein G. Ich fasse, Vater, deine Ich freue mich mein G. Ich geh' einst ohne B. Ich habe, Gott, mir e. Ich hab' in guten St. Ich hoff' ein ew'ges L. Ich komme, Herr, und Ich komme vor dein Ich preise dich, o Herr, Ich seh' im Abendrothe Ich sterbe schon, jedoch Ich trete vor dein Ang. Ich weiß, an wen mein Ich will dem Herrn zu Ich will den Bund mit Ich will dich noch im Ich will in stiller Eins. Ich will, mein Gott, du Jesu, deine tiefe Wund. Jesu, meine Freude, Jesu, meines Lebens L. Jesum ewig zu verehr. Jesus lebt, mit ihm Jesus, meine Zuversicht Im Frühling meiner J. Immer näher kommt Immer sich bestreben 285 188 256 361 204 167 302 167 449 503 473 233 482 172 184 474 591 103 242 99 240 127 193 416 197 88 Register. Seite In allen meinen Thaten 37 In Gottes Namen f. 441 In Trübsal, Christ, sei 362 In unserm Kummer 487 Ist Gott für mich, so 231 Ken Lehrer, ist dir J. Kein Mensch, o Gott, Kinder, die ihr noch im Komm betend oft und Komm, o komm, du G. Kommt die ihr nicht Kommt, kommt den H. Kommt, laßt uns Gott Kommt mit Dank vor Kommt und laßt uns La6 deinen Geist mich Laß doch, o Jesu, laß Laß, Herr, nach eitlen Laß mich doch nicht, o Laß mich, Höchster, d.? Laß mich, o Herr, in Laß mir die Feier deiner Laß dankbar uns die Laß das Vollendungsf. Laßt dem Tode seinen 5 Laßt uns mit ehrfurchts. 7 Laßt uns unserm Gott Lehre mich, Herr, recht Lieblich sind der Tugend Liebster Jesu wir find 1 Lob, Ehr' und Dank sei Lob, Ehr' und Preis 322 Lobet den Herren, Lob, Preis und Ehre br. 1 1 Seite Lob sei Gott, der den F. 451 Lob sei Gott, der den 438 Lobfinge, meine Seele, 133 Lobsinget Gott! Dank 30 Lobsinget Gott, denn s. 158 Lobfinget Gott, er schuf 32 Lobt Gott, ihr Christen, 78 Mache dich, mein 334 Mein Auge sieht, o Gott 43 Mein besler Trost in 305 Meine Kinder, Gott, 409 Meine Lebenszeit ver⸗ 186 Meinen Jesum laß ich 234 Mein Erlöser, auch für 100 Mein Erlöser, der du 162 Mein Erlöser, Gottes 102 Mein erst Geschäft 439 Meines Herzens reinste 232 Mein ganzer Geist, G. 205 Mein Glaub' ist meines 399 Mein Gott, ach lehre 260 Mein Gott, du wohnest 270 Mein Gott, ich weiß 187 Mein Gott, zu dem ich 223 Mein Heiland deine 71 Mein Heiland lebt und 520 Mein Herz, ermuntre d. 530 Mein Herz, Gott, V. 222 Mein Hort ist Gott! 294 Mein Jesu, für dein 113 Mein Leben steht in G. 185 Mein Schöpfer, dessen 261 Mein Vater, und mein 262 Menschenfreund, nach 373 Menschen weis und gut 406 Mich selbst muß ich bez. 353 Mir nach, spricht Chr. 245 Register. Seite Mit Ernst, o Menschenk. 74 Mit Freuden laßt uns 468 Mit frohlockendem G. 70 Mit lautem Schall fr. 526 Mittler, schau auf sie 421 Mit welchem Dank 496 Mit welcher Langmuth 27 Nach einer Prüfung Nach einer schmerzenv. Nach frommer Eintracht 385 Nach Gottes weisheits. 426 Nach Jesu Weisbeitsl. Nach meiner Seele Sel. Nahet anbetend dem Naht dem Altare, Unst. Naht mit Andacht im Nicht auf den Höb'n, n. Nicht, daß ich's schon Nicht für der Felder Nicht lang ein Pilger Nicht mehr, als meine Nichts ist von ungefähr! 36 Nicht um ein flüchtig Nicht um Reichthum, Nie bist du, Höchster, 13 Nie will ich wieder fluch. Nimm unsre Dankgef. 66 Noch immer wechseln 43 Noch läßt der Herr Noch leb ich. Ob ich m. Noch nie hast du dein 19 Noch stehen wir, o G. 514 Nun bitten wir den h. 139 Nun bringen wir den 510 Nun danket Alle Gott 316 Nimm hin den Dank 175 Nun ist das alte Jahr 468 Nun Seite Nun laß uns Alle fröhl. 67 Nun sinkt die Sonne 444 Nur kurz ist hier mein 179 O , blickt hinauf zur E. Ob wir sind, wie mir O Durst nach Blut, o Oft klagt dein Herz, w. O Golgatha, zu deinen O Gott, den alle Wesen O Gott, der du mein O Gott des Himmels 36 O Gott, deß starke H. 24 O Gott, du bist mein 2 O Gott, du frommer 264 O großer Gott, du r. 143 O Heiland, dessen hoh. 177 O heil'ger Geist, kehr' 140 O Herr, mein Gott, d. 370 O Kinder, dieser Tag 422 O könnt' ich dich, mein 324 O Menschenfreund, mit 178 O selig, wer zufrieden 403 O stimm' auch du mit 79 O welch' ein Glück, ein 50 O welch' ein Segen ist 433 O welch' ein unschätzb. 395 O Welt, sieh' hier dein 118 O wie selig seid ihr 521 O wie sanft ist, Herr, 59 O wie unaussprechlich 207 390 3900 109 264 123 32⁵ 270 Piceiß, Christen, mit Preis und Anbetung 460 323 8 Röucgtei, mit dir Religion, von Gott geg. 391 144 Register. Seite Richte nicht mit harter 37 Ruhet wohl, ihr Todt. 513 Ruhig ist des Todes 515 Sa deine Thränens. Sanft, o Cbrist, ist J. Sanft, wie er gewand. Schaffet, schaffet, M. Scheint mir freudenleer Schicke dich, erlöste S. Schmerz und Klage fuͤllt Schon auf Erden könn. Schon ist der Tag von Schön ist die Tugend, Schon naht sich meines Schon wieder Nacht 492 Schöpfer der erschaffn. 324 Schöpfer, Gott, Herr 1 Schütze die Deinen, d. 159 Schweiget, bange Zw. 236 Schwer liegt der Tren. 522 Schwingt, heilige G. 6 Seht, Christen, sehet J. 124 Seht, welch' ein M.! 110 Sei, aller Wollust Reiz 337 Seid barmherzig, M. 383 Sei gesegnet! Amen, 505 Sei getreu in deinem 420 Sei Gott getreu, halt 282 Sei hochgepriesen, H. 102 Sei mir gegrüßt zu Sei zufrieden, mein G. Selig, Jesu, find, die Selig find des Himmels Selig find, die in dem Selig, wer mit stillem Senkt den Leichnam, Senkt nun den Leib in Sieh' diese jungen* 359 249 519 224 354 171 461 91 199 267 497 Seite Sink' ich einst in jenen 449 So fliehen unsre Tage 447 So gib denn fromme 513 So boff' ich denn mit 236 So Jemand spricht, ich 376 So ist mit aller seiner 493 Soll dein verderbtes 147 Sollt' es gleich bisw. 366 Sollt' ich jetzt noch, da Sollt' ich meinem Gott 295 So schlummest du in So wahr ich lebe! s. So weit, Herr, deine H. 25 So weit nur Menschen 45 So, wie du bist, so 12 Standhaft sei, o Gott,! Stimmt unserm Gott Stärke, Mittler, stärke 411 Stets warst du meine Still erbeben wir uns. 5 Sünde ist nie klein zu 57 3 sei mir allezeit 90 Triumph! Triumph! u. 525 Ulloe aller Himmel H. 136 Um Erbarmen flehn 479 Um Gnade für die S. 122 Unerforschlich sei mir 17 Unschuldigster, du hatt. 112 Unser Gott, der Herr d. 63 Unser Gott ist groß u. 35 Unser Wandel ist im H. 335 Unsre Kindheit, unsre 472 Uns strömt aus deiner 343 Unsterblichkeit, Unsterbl. 208 Registe Seite Unter manchen bangen 504 Unumschränkte Liebe 524 Unwiderbringlich schen. 467 Vater, den uns Jesus 309 Vater, heilig möcht' ich 55 Verbittre dir dein Leben 387 Vereinigt laßt uns Gut. 375 Vergelten wirst du den 211 Versammelt hatte Jesus 164 2 wunden ist der 457 Vertrauen ist des Chr. 286 Verzeih' der tiefen Trau. 516 Viele Freuden streust du 357 Vollbracht ist nun die 178 Voll Dank an diesem 437 Vollendet freudig euren 212 Vollendet hatte Gottes 139 Voller Ehrfurcht, Dank 170 Vom Geräusch der W. 395 Vom Grab, an dem wir 84 Vom Todesthal hinauf 134 Von allen Himmeln t. 318 Von deiner Weisheit; 435 Von dir, der meine 391 Von dir, du Gott der 405 Von dir, Gott, sind der 403 Von dir in diese Welt 392 Von Furcht dahin ger. 113 Von heiligem Gefühl 424 Von Herzen preis' ich 145 Vor dir, Herr, denken 154 Vor dir, o Gott, sich 273 Wach auf, mein Herz, 442 Wann wir unsern Lauf 47 Wa⸗ Seite Warum erbebst du, m. 196 Warum, sollt' ich mich 367 Warum willst du doch 296 Was Gott thut, das ist 368 Was hilft es mir, ein 268 Was ich nur gutes h. 326 Was ist im Himmel, 271 Was ist mein Leben 369 Was ist mein zeitlich 339 Was ist's, daß ich mich 370 Was mein Gott will, 368 Was soll ich ängstlich 297 Was sorgst du ängstlich 189 Was wär' ich ohne dich 234 Was zagst du? Gott 298 Weicht, ihr Berge, fallt 20 Weit um mich her, ist A. 453 Welch hohes Beispiel 250 Welch' hohes Vorrecht Welterlöser, dich zu l. Wenn Christus seine Wenn der Stifter der Wenn Geschwifter fr Wenn gleich aus tiefer 371 Wenn ich auf Gottes 198 Wenn ich ein gut Gew. Wenn ich einst von jen. 4 Wenn ich, o Schöpfer, Wenn meine Zeit vorh. 188 Wenn Menschen slre. Wenn mich die Sünd. Wenn oft zu jener S. 2 Wenn sich mein Geist Wenn wir in böchsten Wenn zur Erfüllung Wen wird, o Gott, die! Wer auf seinen Gott v. Wer bin ich? welche Wer dieser Erden G. Wer gehorcht, der 428 ie Seite Wer, Gott, bei dei. 277 Wer Gottes Wege g. 218 Wer Gottes Wort n. Wer hat den Glauben, Wer höher durch Geb. Wer Jesum kennt, ver. Wer kann die Leiden f. Wer könnte zweifeln, Wer machte diese schöne Wer mit Lust und Eifer Wer nur den lieben G. Wer nur ein Laster l. Wer sich mit Ernst der Wer stets mit reinem Wer Sünde thut, der Wer unter deinem Sch. Wer weiß, wie bald in Wer weiß, wie nahe m. Wer zählt, Unendlich. Wiedersehn! mit laut. Wie freu' ich mich der Wie getrost und heiter Wie gnädig ist des Höch. Wie göttlich find doch Wie groß bist du, o G. Wie groß ist des Allm. Wie groß ist unsre S. Wie groß, o Herr, ers. Wie groß, wie angebet. Wie gut, wie heilig ist Wie heiter fließt mein Wie im Herbste fällt Wie leicht verkenn' ich Wie mannigfaltig sind Wie sanft, mein Vater, Wie sanft seh'n wir den Wie selig lebt ein M. Wie sicher lebt der M. Wie soll ich dich empf. Wie theuer, Gott, ist 237 215 428 213 107 4 31 518 300 56 346 266 60 448 192 190 46 522 209 237 463 94 272 22 397 111 72 151 398 180 327 340 306 506 382 182 75 229 ie Seite Wie viele Freuden dank' 26 Wie wichtig ist doch der 53 Wie wird mir dann, o 187 Wie wohl ist mir, o Fr. 238 Will mich, o Gott, hie. 371 Willst du der Weish. 274 Willst du die Buße noch 227 Wir Alle, Menschenv. 458 Wir flehn für unsrer A. 411 Wir gehn ans Grab u. 509 Wir glauben an den ein. 30 Wir kommen, Helfer, d. 487 Wir sind in Noth, laß 483 Wir trocknen unsre Th 364 Wo eilt ihr hin, ihr Leb. 351 Wobl dem, der beßre 348 Wohl dem, der in dem 402 Wohl dem, der richtig 389 rr Seite Wohl dem, der seines 472 Wohl mir, o Schöpfer; 430 Woblthätig sind der E. 360 Wohl uns! Wohl uns 418 Wohlzuthun u. mitzuth. 381 Wo ist wohl Noth und 60 Wort aus Gottes M. 153 Wo sind die Weisen, d. 16 31 dir erbebt sich mein 96 Zu dir, o Gott, das H. 307 Zu dir, Unendlicher, zu 480 Zum Fleiße ward das 341 Zum Himmel erhebe 476 Zur Arbeit, nicht zum 342 Zur frühen Gruft 517 Zwar wird noch manche 299 aa n e. Farbkarte 413 8 — 2 1 —— 2 . 24 — — — 3 * 2 A X( e S.