Verfertigt bei Albert Häbecker, Katharinenkirchhof 1 in Braunschweig. 00000000000000000000000 Gb 4 307 Gb 4 307 Stahlstich v. Carl Mayer's Kunst- Anstalt in Nürnberg. Raffer die Kindlein ju mir kommen! Luc.48.46. 27. Verlag von Carl Mayer in Nürnberg * XXX Neues Braunschweigisches Gesangbuch, nebst einem kurzen Gebetbuche zu m öffentlichen und häuslichen Gottesdienste. Mit Herzogl. Braunschw. Lüneb. gnädigstem Special Privilegio. = Braunschweig, 1866. Druck und Verlag von Johann Heinrich Meyer. 3081 * HIG 120* 108 GB 4307 10 blomdalsi delle fre 10 101 si 100 Univ.- Bibl. Giessen #DR Inhalt des Gesangbuch 8. 1. 2. Erste Abtheilung. Uleber die Glaubenslehren. Vom Dajeyn und Wesen Gottes, Nro. 1-7. Von den göttlichen Eigenschaften insbes sondere. Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes, 8.11. Allgegenwart und Allwissenheit, 12-17. Weisheit, 18. 19. Allmacht, 20. 21. Heiligkeit, 22. Gerechtigkeit, 23. 24. Liebe und Güte, 25-28. Langmuth und Geduld, 39. Wahrheit und Treue Gottes, 30. 31. 3. Von der heiligen Dreieinigkeit, 32-38. 4. Von der Schöpfung, 39-41. 5. 6. 7. Von den Engeln, 42-44. Von der göttlichen Vorsehung, 45-51. Von der Natur und Würde des Menschen, 52-56. Von der Bestimmung des Menschen, 57-59. 9. Von der Verdorbenheit des Menschen, 60-64.. 10. Von der Erlösung des Menschen durch Christum, 65-71. 11. Von der Menschen werdung und Geburt Jesu, 72-84. Der den Weisen geoffenbarte Weltheiland, 85 a) und b). 12. Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. Von der Person Jesu, 86. 87. Vom Namen Jefu, 88. 89. Auf die Darstellung Jesu im Tempel, 90. Von dem Vorläuferamte Johannis, 91. Von dem Lehramte Jesu, 92. Von dem heiligen Leben Jefu, 93. 94. Ueber die Thränen Jesu, 95. 13. Vom Leiden und Tode Jesu. Erweckung zur Betrachtung seines Leidens, 96-98. Von seinem innerlichen Leiden, 99. 100. Leiden Jesu über seine Jünger, 101. Neußerliche Leiden: Die an ihm verübten Grausamkeiten, 102-104. Kreuzigung Jesu, 105. 106. Legte Reden Jesu am Inhalt des Gesangbuchs. Frenze, 107. 108. Seine Fürbitte am Kreuze für seine Feinde, 109. 110. Der Tod Jesu, 111-113. Erweckung aus dem Leiden Jefu zur Dankbarkeit, 114-118. Zur Buße, 119-121. 3um Glauben, 122-125. Zur Gegenliebe, 126. 127. Zur Tugend, 128-130. 3ur Geduld im Leiden, 131. 132. 3ur Selbstverleugnung, 133. 3um Troste und Beruhigung, 134-136. Begräbniß Jefu, 137. 14. Von der Auferstehung Jesu überhaupt, 138-141. Jefu Auferstehung, ein Beweis seiner göttlichen Sendung, 142. 143. Erwedung, mit Jesu geistlicher Weise zu auferstehen, 144. Hoffnung und Trost aus der Auferstehung Jesu, 145-150. 15. Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Siken zur Rechten Gottes, 151-153. Königliche Herrlichkeit des erhöhten Jefu, 154. 155. Erweckung zu himmlischen Gesinnungen, 156. Von der Fürbitte Jeſu zur Rechten Gottes, 157. 158.) 16. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben und Wirkungen, 159-167. 17. Von dem Worte Gottes überhaupt, 168-172. Erweckung, die heilige Schrift fleißig und auf gehörige Weise zu lefen, 173. Ueber die zehn Gebote, 174. 175. Von dem Evangelio, 176. Vortrefflichkeit der christlichen Religion, 177. 18. Von der christlichen Kirche. Um Erhaltung und Beschützung der christlichen Kirche, 178-184Um Ausbreitung und Beförderung der christlichen Religion, 185-187. 19. Von der heiligen Taufe. Von der Taufe, 188-190. Erneuerung des Taufbundes, 191. 192. Bei einer Taufhandlung, 193. 194. Vor und nach der Confirmation junger Christen, 195. 196. 20. Vom heiligen Abendmahl, 197-213. 21. Von der Vergebung der Sünden und ihren seligen Folgen, 214-217. Dankbare Empfindung über die Vergebung der Sünden, 218220. Friede und Ruhe in Gott, 221. Hoffnung der Seligkeit, 222. 223. Heiligung des Lebens, eine Frucht der Rechtfertigung, 224. 22. Vom Tode, 225-230. Begräbnißlieder, 231. 232. 23. Von der Auferstehung der Todten, 233-238. 24. Von dem zukünftigen Weltgerichte. Wiederkunft Jefu zum Weltgerichte, 239-241. Von dem Weltgerichte selbst, 242-245. 25. 1. Erwedung zur Buße und wider den Aufschub der Bekehrung, 254-257. Von dem Gnadenrufe Gottes an die Sünder, 258. Gehorsam gegen den Gnadenruf, 259. Selbstprüfung, 260. 261. Wider den Selbstbetrug, 262. Bußgefänge, 263-277. Ueber Schwachheitssünden, 278. 279. Wider die Lieblingsfünde, 280. Eines vieljährigen Sünders, 281. 282. Bußlied für junge Leute, 283. Bei einbrechenden göttlichen Strafgerichten, 284. 2. Vom Glauben, 285-291. 4. 6. Inhalt des Gesangbuchs. Vom ewigen Leben, 246-252. Gewißheit der Verdammniß der Gottlosen, 253. 3. Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. Eigenschaften Nothwendigkeit eines frommen Lebens, 301-304. des Frommen, 305. 306. Quelle guter Handlungen, 307. Entschließung zum frommen Sinn und Leben, 308. Vortheile der Gottseligkeit, 309. Um das wahre Christenthum, 310. 311. Tägliche Erneuerung zur Frömmigkeit, 312. Beharrlichkeit und Wachsthum im Guten und Erweckung dazu, 313-315. Standhaftigkeit und Kampf der Tugend, 316. 317. Wider die Versuchungen, 318-321. Frömmigkeit der Jugend, 322. Von den Pflichten gegen Gott. Von der Erkenntniß Gottes, 323-327. 7. 8. Zweite Abtheilung. Ueber die Sittenlehre. Von der Buße und Bekehrung. -9. Um Stärkung des Glaubens, 292. Standhaftigkeit, getrofter Muth, Freudigkeit, Kampf, Sieg des Glaubens, 293-299. Thätiges Bekenntniß des Glaubens, 300. Von der Furcht Gottes, 328-330. Heiligkeit des Eidschwurs, 331. Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott, 332-339.. Von dem Gehorsam gegen Gott, 340-342. Von dem Vertrauen auf Gott, 343-347. Vertrauen im Leiden, Zufriedenheit mit Gott, und Ergebung in feinem Willen, 348-353. Freude in Gott, 354. 355. Vom Gebete. Pflicht des Gebets, 356. Erweckung zum Gebet, 357. Eigenschaften des Gebets, 358. Fehler des Gebets; auch beim Mangel der Andacht, 359. Nöthige Einmüthigkeit beim Gebet, 360. Um die Gabe des Gebets, 361. Zuversicht eines gläubigen Beters, 362. Kraft, Nußen und Segen des Gebets, 363. 364. 10. Gebet- und Bittlieder. Das Gebet des Herrn, 365. 366. Allgemeine Bittlieder, 367371. Um geistliche Wohlthaten und Beistand im Guten, 372-375. Inhalt des Gesangbuchs. Um göttliche Regierung und Leitung, 376-383. Um Gesundheit, 384. Um Ernährung und irdischen Segen, 385. Um Segen in Berufs- und Nahrungsgeschäften, 386. Allgemeine Fürbitte, 387. Fürbitte für die Fürsten und Obrigkeit, 388. 389. Für angehende Eheleute, vor und nach der Trauung, 390. 391. Für die Erziehung der Jugend, 392. Für alle Kranke, 393. Um langmüthige Verschonung der Sünder, 394. smakspop. 11. Vom Lobe Gottes. Pflicht des Lobes Gottes, 395. Ermunterung zum Lobe Gottes, 396-400. 982933 12. Lob und Danklieder. Das Te Deum, 401. Allgemeine Lob- und Danklieder, 402-410. Lobgefang Mariä, 411. Preis der Vollkommenheiten Gottes, 412. 413. Cob der Schöpfung, 414. Lob der Allmacht und Herrlichkeit Gottes in der Natur, 415. 416. 2ob der Güte Gottes, 417419. Preis der göttlichen Vorsehung, 420. Für geistliche Wohlthaten, 421. 422. Für die Heiligung der Seele, 423. Für die feligen Führungen Gottes, 424-426. Für die Gesundheit, 427. Für die wiedererlangte Gesundheit, 428-429. Für die Ernährung und irdischen Segen, 430. Für Rettung aus Noth und Gefahren, 431-434. 13. Vom öffentlichen Gottesdienste. Pflicht und Nußen desselben, 435. Würdige Sonntagsfeier, 436439. Vor der Predigt, 440. 441. Beim Beschluß des Gottesdienstes, 442. Pflicht und Nugen des häuslichen Gottesdienstes, 443. 14. Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, den Erlöser der Menschen. Lobpreisung für die Erlösung, 444-446. Gläubige Zuversicht zu Jefu, 447. Liebe gegen Jesum, 448. 449. Freude an Jesu, 450. Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Jefu, 451. Freimüthiges Bekenntuiß der Religion Jesu, 452. Nachfolge Jesu, 453-455. Nachfolge Jefu im Leiden, 456. Jesus und sein Heil, das einzige Nothwendige, 457. 15. Von den Pflichten gegen uns selbst. Pflicht der Selbstliebe, 458. Selbsterkenntniß, 459. Demuth, 460. 461. Wider Stolz und Vermessenheit, 462. 463. Sorge für die Seele, 464-466. Bewahrung eines guten Gewiffens, 467. Wachsamkeit, 468. Sorge für den Leib und die Erhaltung des Lebens, 469. Mäßigkeit, 470. Keuschheit, 471. 472. Vorsichtigkeit im Reden und im Umgange, 473. Rechtmäßige Anwendung der zeitlichen Güter, 474. Wider den Geiz, 475. 476. Arbeitsamkeit und Fleiß in Berufsgeschäften, 477. 478. Zufriedenheit und Genügsamkeit, 479-481. Rechtmäßige Anwendung der Zeit und des Lebens, 482-484. Selbstverleugnung, 485. Verleugnung der Welt und des Irdischen, 486. 487. Vorbereitung zum Tode und zur Ewigkeit, 488-493. Inhalt des Gesangbuchs. 16. Von den Pflichten gegen den nächsten. Pflicht der Nächstenliebe, 494. 495. Allgemeine Liebe gegen Teden Nächsten, 496-498. Sorgfalt für die Seele des Nächsten, 499. Gerechtigkeit gegen den nächsten, 500. 501. Gerechtigkeit gegen das Eigenthum des Nächsten, 502. Gegen seine Ehre und guten Namen, 503. 504. Dienstfertigkeit, 505. Wohlthätigkeit und Liebe gegen Arme, 506. 507. Aufrichtigkeit, 508-510. Freundschaft, 511. 512. Sanftmuth und Friedfertigteit, 513. Versöhnlichkeit und Liebe gegen Feinde, 514-517. Dritte Abtheilung. Vom Kreuze und Troste des Christen. 1. Vom Leiden und Kreuze des Christen. Wohlthätigkeit und Nußen des Kreuzes, 518. 519. Rechtmäßiges Verhalten im Leiden, Geduld und Gelassenheit, 520-522. Vertrauen und Hoffnung auf Gott, 523. 524. Gebet, 525. Trostgesänge, oder Ermunterungen zur Geduld, Zufriedenheit, Vertrauen auf Gott und Ergebung in seinen Willen. Allgemeine Trostlieder, 526-529. Beim Verzug der göttlichen Hülfe und Erhörung des Gebets, 530. In Kleinmüthigkeit und beim Mangel am Vertrauen auf Gott, 531. Wider Verzagtheit und Trostlosigkeit, 532. 533. Bei Schwachheit des Glaubens und Zweifel an der Gnade Gottes, 534. In Gewissensangst und Schwermuth, 535. 536. Troft aus der Erlösung, 537-539. Troft aus der göttlichen Vorsehung, 540. 541. Bei betrübenden Führungen Gottes, 542-544. roft unter den Mühseligkeiten des Lebens aus der Betrachtung der Ewigkeit, 545-547. Bei Unglücksfällen im Zeitlichen, 548. Wider ängstliche Sorgen um das Irbische, 549-551. In Dürftigkeit und Armuth, 552. 553. Bei Haß und Verfolgung böser Menschen, 554. dem Glücke der Gottlosen und dem Unglücke der Frommen, 555. Leibes und siechem Leben, 556. Jn Krankheiten, 557. 558. Fürbitte für einen Kranken, 559. Trost wider die Schrecken des Todes, 560-567. Verlangen nach dem Tode, 568. 569. Freudigkeit des Frommen im Tode, 570-572. Gebet eines sterbenden Christen, 573. Fürbitte für einen Sterbenden, 574. 3. Von der Glückseligkeit des Christen. Bei Bei Leiden des 2. Würde und Größe des Christen, 575-577. Werth der Tugend, 578. Glück eines guten Gewiffens, 579. 580. Ruhe der Seele, 581. 582. Irdischer Segen des Christen, 583. Häusliches Glück des Christen, 584. Ewige Belohnung des Christen, 585. 586. Vierte Abtheilung. Auf besondere Zeiten, Umstände und Personen. 1. Neujahrsgesänge, 587-592. 2. Am Reformationsfeste, 593. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. Inhalt des Gesangbuchs. ardiszchs( 3 In An öffentlichen Bußtagen, 594. og 390 18 allgemeinen Nöthen und öffentlichen Trübfalen, 595-599. In Kriegeszeiten, 600-602. gorg Danklieder für wiederhergestellten Frieden, 603. 604. Um Erhaltung des Friedens, 605. 606. Bei ansteckenden Krankheiten, 607. 608. Nach geendigten Seuchen, 609. In Theurung, 610. Nach geendigter Theurung, 611. Für die Feld- und Landfrüchte überhaupt, 612-615. Um Gesegnung der Feldfrüchte, 616. Um Regen bei großer Dürre, 617. Danklied für verliehenen Regen, 618. Bei anhaltendem Regen und Sonnenschein, 619. Danksagung für den Sonnenschein nach anhaltendem Regen, 620. Danklied für die Ernte, 621. Bei Gewittern. Chrfurcht gegen Gott bei Gewittern, 622-624. Nach dem Gewitter, 625. 626. Morgengesänge, 627-644. Morgengefang eines Kindes, 645. Bei Antretung der Arbeit, 646. Morgenlied im Leiden, 647. Tischlieder, 648-650. Abendgesänge, 651-659. Prüfung am Abend, 660. Am Sonnabend Abend, 661. Abendlied eines Kindes, 662. Nach der Arbeit, 663. Abendlied im Leiden, 664. 13. In besondern persönlichen Umständen. Am Geburtstage, 665. 666. Christlicher Eheleute, 667. Einer schwangern Frau, 668. Der Eltern für ihre Kinder, 669. Der Kinder für ihre Eltern, 670. Lied eines Jünglings, 671. Eines jungen Frauenzimmers, 672. Im Alter, 673. 674. Fürbitte für abwesende Freunde, 675. Giner Herrschaft, 676. Eines Diensta boten, 677. Der Eltern beim Absterben ihrer Kinder, 678. Beim Absterben unserer Anverwandten und Freunde, 679. Einer Wittwe, 680. Einer Waise, 681. Vor, auf und nach der Reife, 682. 683. isd Eines in fremde Länder reisenden Jünglings, 684. 14. Des fel. D. M. Luthers sämmtliche Lieder, 685-718. stadendus ACUDA Mel. Erste Abtheilung. od 1996 Bege die mu od 198 tistindtand tu Ueber die wichtigsten Stücke der Glaubenslehre. odtis dej Vom Daseyn und Wesen Gottes. Es ist das Heil uns kommen. berzig, gnädig, voll geduld, Ein vater, ein verschoner! er herr ist gott, und keiner mehr; Frohlockt ihm, 7. Unsträflich bist du, heilig, alle frommen! Wer ist ihm gleich? gut, Und reiner, als die sonne! wer ist wie er? So herrlich, so Wohl dem, der deinen willen thut; vollkommen? Der herr ist groß! Denn du vergiltst mit wonne! Du jein nam m groß! allein, Bift lich, grenzenlos In seinem ganzen weſen. 2. Ihn trifft kein wechsel flüchtger zeit; Nie größer oder kleiner Wird seines namens herrlichkeit, Der erst' ist er, sonst keiner. Wir menschen sind von gestern her; Eh noch die erde war, war er, Noch eher als die himmel! 3. Um seinen thron her strömt ein licht, Das ihn vor uns verhüllet. Ihn faffen alle himmel nicht, Wie weit er sie Er bleibet ewig, wie er war, Verborgen, und nur offenbar In seiner werke wundern! 4. Wo wären wir, wenn seine kraft Uns nicht gebildet hätte? Er kennet uns, kennt, was er schafft, Der wesen ganze kette. Bei ihm ist weisheit und verstand, Die kraft und stärke seiner hand Umspannet erd und himmel. 5. Ist er nicht nah? ist er nicht fern? Weiß er nicht aller wege? Wo ist die nacht, da herrn Ein mensch verbergen möge? Die finsterniß ist vor ihm licht; Gedanken selbst entfliehn ihm nicht, Stoch ehe sie entstehen. felig, wirst es ewig sein; Hast freuden, gott, die fülle. 8. Du nur bist würdig, lob und dank zu nehmen, preis und ehre. Kommt, werdet gottes lobgesang, Ihr alle seine heere! Der herr ist gott, und keiner mehr! Wer ist ihm gleich? wer ist, wie er, So herrlich, so vollkommen? Mel. Nun danfet alle Gott. 2. Anbetungswürd'ger gott! Mit ehrfurcht stets zu nennen! Du bist unendlich mehr, Als wir begreifen können. D flöße meinem geist Die tiefste Demuth ein, Und laß mich stets vor dir Voll ehrerbietung seyn. 2. Du riefft dem, das nicht war, Um luft und seligkeiten Aufs mannigfaltigste Um dich her auszubreiten. Die liebe bist du selbst. Verstand und rath sind dein; Und du gebrauchst sie gern, Zu segnen, zu erfreun. sich dem 3. Du sprichst, und es geschieht. Auf dein allmächtig: werde! Entstand dein großes werk, Der himmel und die erde. Mit deinem kräftgen wort Trägst du die ganze welt, Und deine macht vollführt, Was uns unmöglich fällt. 4. 6. Wer schützt den weltbau ohne dich, O herr, vor seinem falle? Allgegenwärtig breitet sich Dein Du bist der herr n herr; fittig über alle! Du bist voll Der erde majestäten Sind, höchfreundlichkeit und huld, Barm- ster, vor dir staub. Auch geister A Vom Daseyn und Wesen Gottes. kannst du tödten. Wen du ernie- sonst erst ein unendlich gut zu drigest, Gott, wer kann den er höhn? Wen du erhöhen willst, Deß hobeit muß bestehn. suchen, Sich dann zu fluchen. 5. Wir flögen gleich dem staub auf, sänken wieder, Wie leicht verwebter staub, zur erde nieder. Schen ist das laster, wenn ich gott nicht finde, Die tugend fünde. 5. Wer hat dich je gefehn? Wer kann im fleisch dich sehen? Kein sterblich auge reicht Bis zu des lichtes Höhen, Wo du voll majestät Auf deinem stuhle thronst, Und unterm frohen lob Der himmelsheere wohnst. 6. Was hülfs, daß ich mich gut zu werden übe? Was könnt ich hoffen? wer verdiente liebe? Verzweiflung wär' der beste trost dem herzen In seinen schmerzen. 6. Was wir, unendlicher! Von deinem wesen wissen, Das haſt du selbst zuvor Uns offenbaren müssen. Die schöpfung zeugt von dir; Und deines sobnes mund Macht uns noch deutlicher, Gott! deinen namen fund. 7. Flieht, tödtende gedanken! ihr beflecket Von ferne schon die seele, die ihr schrecket! Flieht! denn ich kenne meines Lebens quelle; Entweicht zur hölle! 7. Doch hier erkennen wir Dich noch gar unvollkommen. Wird aber dermaleinst. Der vorbang weggenommen, Der dich, unendlicher, Noch unserm blick verschließt, Dann sehen wir dich, gott, So herrlich, wie du bist. 8. Ich weiß, daß gott ist, weiß, an wen ich glaube; Weß hauch die seel ist, wer den leib vom staube So fünstlich baut, mich trägt, mich unterstüßet, Und täglich schüßzet! 8. Indeß sey auch schon jetzt Dein ruhm von uns besungen. Verschmähe nicht ein lob Von la lend schwachen zungen! Dort soll, wenn wir dereinst Ver dir verherr9. Ich weiß, auf welchen grund mein glück ich baue, Wen ich verehre, wem ich mich vertraue. Ihm zu gefallen, will ich mich nun üben: Und ihn nur lieben. Met. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. licht ſtehn, Ein lied im höhern 4. Web dem, der leugnet, daß chor Dich, großer gott! erhöhn. Unendlicher! 2 Mel. Wend ab deinen Zorn. sein leben ist Ihm leer von edler freude; Sein wilder lasterhafter 3. Wüßt ich nicht: gott ist, blick Sehnt sich umsonst nach wahgott hat mich erschaffen; Was hätt' ich wider furcht und gram für waffen? Gleich steuerlosen schiffen in den seen, Würd ich vergehen. rem glück, Umsonst nach trost im leide. Die lust zu edlen thaten flieht Vor ihm, der seinen gott nicht sieht; Nie fühlet sich sein herz erfreut Von wonne der unsterblichkeit. Gott, unser gott! Wie jammervoll, wie fürchterlich Wird unser leben ohne dich! 2. Dann würd ich unter mir das thier beneiden, und mir vers siegte jeder quell der freuden; Und jedes Eden würde mir auf erden Zur wüste werden. 3. Wär ich nicht efend? wär ich nicht verloren? Ach besser wärs, ich wäre nie geboren, Als nichts in gräuelvollen finsternissen Von gott zu wiſſen. 2. Wenn du nicht bist, wer trägt und hält, Und wer regieret dann die welt? Wer sorgt auch für mein leben? Zu wem soll sich mein lobgejang, Daß ich einst ward, zu wem mein dank, Daß ich noch bin, erheben? Verhängniß oder ohngefähr Ist dann mein gott! und blind ist der; Vernunft und wahl find ihm ein 4. Die menschen hätten sinne, hätten seelen, Vit tausend bangen zweifeln sich zu quälen. Um that deiner hand, Was nügt ein du nicht, Vom Daseyn und Wesen Gottes. spott, Und seine wohlthat ist der freut sich in dir, Unsterblicher, tod! Gott, wahrer gott! Wie graunvoll wird mir deine welt, Wenn nicht dein arm sie führt und hält. weich nicht von mir! Was sind die leiden dieser zeit Dem, der sich deines dafeyns freut? Dort im gericht, Wenn erd und himmel untergehn, Wirds, daß du bist, der leugner sehn. 3. Kann ohne dich ein glück er freun, Für mich ein gut auf er den seyn, Und kann ichs froh genießen? Was hilft mir freiheit und verstand? Ists keine wohlGO 4. Ach wüßt ich keinen gott, wohin Wollt ich vor starken haf fern fliehn? Wem klag ich ihr verbrechen? Der unschuld thränen, ihren tod, Erhöbe sich kein mensch, kein gott, An ihren feind zu rächen. Vor schmach und ungerechtigkeit Gäb ihr das grab nur sicherheit. Mit ihrem hauch wird auch ihr flehn Um recht und um gericht verwehn. Und er ihr feind, Der fünder, welcher gott nicht glaubt, Erhöbe, wie ein berg, sein haupt. 3 5. Gedanke, der mein herz erhöht, Daß dies mein fleisch einst aufersteht, Daß seelen nimmer sterben! Wenn gott nicht lebt, was trau ich dir? Nur falsche hoffnung giebst du mir, Und endigit mit verderben, Mich ruft mit huld im angesicht, Kein gott aus grabesnacht ans licht, Mein geist ist auch des todes raub, Nie auferstehn wird dieser staub. Gott richtet nicht! Auf tugend wartet dort kein lohn! Hier ist ihr erbtheil schmach und hohn! 6. Nein! eh ich zweifle, daß du feyst, Unwandelbarer, ewger geist, Mag mich die welt verspotten! Laut will ich zeugen, daß du bist, Und daß es schnöder frevel ist, Dich fühlen und dich spotten! Mein geist und leib erfreun sie nie, Ein traum ist ursprung schon Von ewigkeit stund, ihre lust, wie sie, Die erd ist finsterniß, kein licht Entströmet deinem angesicht, Kein himmel jauchzt! Auf erden opfert niemand dank Vom aufgang bis zum untergang. und bestehet, Ob alles wiederum vergehet. Mit wollust sättigt sich mein geist, So oft er deinen namen preist. Wie köstlich ist mirs, dir lobsingen, Dir danken, herr, dir ehre bringen, Und im gebet mich zu dir nahn! 2. Du, der du bist, und der da war, Dein nam ist groß und wunderbar. Wer kann sich bis zu dir erheben, Dein antlig schauen und noch leben? Kein bild ist, was dir, herrscher, gleicht, So weit auch deine schöpfung reicht. Du bist ein geist; nur geiſter können Dich fühlen, daß du biſt, dich nennen, Herr, unser gott! unendlicher! Mel. Komm, heilger Geist, Herre. 5. Du unsichtbarer, deſsen weiten 3. Untheilbar bist du, dem kein tod Durch tausend ewigkeiten droht. Dir, quell des lebens, hat dein leben, Kein ältres wefen je gegeben. Du lebst durch dich; dein leben ist Ein strom, der unaufhaltsam fließt, Rings um dich her glückseligkeiten Und leben zu verbreiten, Von ewigkeit zu ewigkeit. neues 4. Du geist des lebens! himmlisch licht Umstrahlt dein göttlich angesicht; Vernunft, die alles fennt und siehet, Der kein geheimniß je entfliehet. Du schauest schnell mit einem blick Auf ewig vorwärts und zurück; Ermüdest nie, und kannst nicht irren, Und keine zahl kann dich verwirren, Und sollte sie unnennbar seyn. 5. Du willst, und was dein mund gebeut, Ist wahrheit und gerechtigkeit. Dein rathschluß, 21 2 Vom Daseyn und Wesen Gottes. herr, weiß nicht zu fehlen, Weiß aus dem nichts hervorgebracht, nur das beste zu erwählen; So Voll durst nach weisheit frage; oft ich dir auf deiner bahn Von So nennt er mir, du erster, dich, ferne nachseh, bet ich an, Und Du wesen aller wesen! Gott, fromme zuversicht im leiden Er- deinen namen nur kann ich Auf füllt mein herz mit sanften freu- allen dingen lesen, und keines anden, Und meinen mund mit preis dern namen. und dank. 3. Der sterne unzählbares heer, Die deinen thron umgeben, Die erd, o gott! die luft, das meer, Und die in ihnen leben, Wie preiset ihre harmonie Dich, o du geist der geister! Mit welcher eintracht rufen sie: Der schöpfung herr und meister Ist einer, ist Jehovah! 4 6. Du geist der geister, führe du Uns dir, dem schöpfer, wieder zu, Die du nach deinem bilde schufest, Und zu dir alle nun berufest; Auch wir sind geister, danken dir, Daß du uns leben gabst, daß wir Die größte unter deinen gaben, gott! vernunft und freiheit haben, Dir danken wirs, unendlicher! 7. Des fleisches lüfte zwingen noch Den geist der freiheit in ihr joch; Preis dir, du wirst von al len bösen Die deinen einst gewiß erlösen; Bald mach uns von der knechtschaft frei! Lehr jeden christen, wer er sey, Lehr, in den banden selbst uns streiten Ums nahe heil der ewigkeiten, Wozu dein sohn erkauft uns hat. 8. O land der freiheit, stadt des Herrn, Wärst du mir seufzendem nicht fern! Wann wirst du, gott, mein seufzen stillen, Und meine hoffnung froh erfüllen? Noch bet ich dich in schwachheit an, Wie ich im fleische beten kann; Dann werd ich freier vor dich treten, Und ganz im geiste zu dir beten! Hallelujah! Hallelujah! 4. Sinkt in den staub hin! betet an! Jehovah ist der höchste! Er ist allein! und keiner kann Ihm gleich seyn, ihm der nächste! Gott spricht: ich bin allein der herr, Ich bin, ich war, ich werde Seyn, der ich bin: kein anderer, Im himmel, auf der erde, Hat meinen ruhm und namen. 5. Und ewig bleibst du mir allein Der gott, an dem ich hange! Und ewig solls kein andrer seyn, Von dem ich heil verlange! Mein ganzes leben weih ich dir, Mein gott, auf den ich traue! Und weiß gewiß, einst giebst du mir, Daß ich dein antliß schaue, Dich selbst, du unsichtbarer! Mel. Chrift, unser Herr, zum Jordan. 7. selbst bereit, Vor deinen thron zu treten, und deine große herrlichkeit Voll ehrfurcht anzubeten. Laß, herr, vor deinen angesicht Mein Herz sich deiner freuen, Und einen strahl von deinem licht Die finsterniß zerstreuen, Die mich hier noch umgiebet. 2. Du bist der Herr, und keiner mehr, Nichts sind der beiden göt ter, Nur dir gebühret preis und ehr, Kein helfer, noch erretter 2. Wenn ich den weltbau, wessen Ist außer dir; laß mich allein macht Am ersten aller tage Shn Auf dich, n herr, vertrauen, Mel. Gs woll uns Gott genädig. 6. We er ist dir gleich, du einziger! Wer thut, gott, deine werke? Wem jauchzet sonst der himmel heer, Und nennt ihn: gott der stärke! Du warst, und deiner allmacht ruf Befahl der welt zu werden. Befennt es, völker, die er schuf: Im himmel und auf erden Ist keiner seines gleichen! Vom Dasern und Wesen Gottes. Mein ganzes Leben dir nur halben noth, Du, herr, weißt weihn Mein glück nur auf dich rath zu finden. Gieb, daß ich dir bauen, Und dich niemals ver: stets traue zu, Du werdest für leugnen. mich sorgen, Auch übles weder denk noch thu; Denn dir ist nichts verborgen, Du prüfest herz und nieren. 3. Du bist der höchstvollkommne geist, Der vater aller geister, Dich preiset, was vernünftig heißt, Als feinen berrn und meiſter. Laß meiner seele hohen werth Mich reine tugend lehren, Und so wie es dein wort begehrt, Dich unge Heuchelt ehren, Im geist und in der wahrheit. 8. Gott, du bist heilig und gerecht, Kannst keine sünden dülden; Wer sagen will, er sey dein knecht, Der meide sündenschulden. Gieb, daß ich mich der heiligkeit Mit rechtem ernst befleiße, Nachjage der gerechtigkeit, und deine wege preise, So wunderbar sie scheinen. 4. Du bist, o gott, von ewigkeit, Und wirst allzeit bestehen, bleibet deine herrlichkeit, Wenn himmel selbst vergehen. Laß von der erde eitelm tand Mein herz sich stets erheben Zu meinem wahren vaterland, Und nur nach dem mich streben, Was ewig mich erfreuet. 5. O gott, was seyn wird, ist und war, Und was wir thun und dichten, Das ist dir alles offen: bar, Du wirst einst alles richten. Laß mich dein heilig auge scheun, Aufrichtig vor dir wandeln, Und deines beifalls mich zu freun, Auch dann rechtschaffen handeln, Wenn finsterniß mich decket. 6. Unendlich ist, herr, deine macht, zu retten, die dich lieben, Und wenn der frevler dich verlacht, Auch rach an ihm zu üben. Gieb, daß mich deiner allmacht schutz Stets, als ein schild bedecke, Mich auch nicht menschen grimm und truß, Nur deine strafe schrekte! Du tödtest leib und seele. 5 9. Du bist sehr gnädig, fromm und gut, Vergiebst die schuld dem sünder, Erbarmst dich, wie ein vater thut, Von Herzen deiner kinder. Laß reichen trost von deiner gnad Auf meine seele fommen. Von mir sey meine missethat So fern hinweggenommen, So fern der oft vom abend. 10. Gott, deffen wahrheit stets besteht; Wohl denen, die dir gläuben! Wenn erd und himmel einst vergeht, Wird dein wort ewig bleiben. Gieb, daß ich fürchte dein gericht, und alles, was du dräuest, Auch hoffe, was dein wort verspricht, Daß du mirs gern verleihest; Wer hofft, wird nicht zu schanden. 11. Gott, wenn ich dich so kenn und ehr, Dein wort zum grunde sezze, Erfreu ich mich darüber mehr, Als über alle schäße, Bis ich dort, o mein heil und licht, 7. Voll Höchster weisheit bist Dich ohne lallen nenne, Von andu, gott, Kein mensch kann sie gesicht zu angesicht Dich schaue, ergründen; Umringt uns allent- dich erkenne, Und unaufhörlich lobe. Mel. Nun fomm der Heiden Heiland. 8. 11nermeßlich ewig ist Gott der höchste! herr, du bist, Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes. Wie du dich uns offenbarst, Nun und ewig, der du warst. 2. Ewig bleibst du selbst dir gleich, Weif' allein und gnadenreich, Ewig mächtig und voll kraft, Heilig und untadelhaft. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 3. Alle werke deiner hand Wa- Was dein rathschluß vormals ren dir, o gott, bekannt, Eh die wollte, Willst du noch; o hilf welt auf dein geheiß Da stand, uns allen Thun nach deinem wohldeiner weisheit preis. gefallen. 4. Wie gegoßne spiegel stehn Deine himmel; doch vergehn Deine himmel, und die welt Sinkt, wenn fie dein arm nicht hält. 4. Immer bleibst du, gott, ein feind Derer, die das unrecht üben. Immer bleibst du, gott, ein freund Derer, die das gute lieben. Laß uns darin schon auf erden Deinem bilde ähnlich werden. 5. Deine worte trügen nicht. Du bist ewig der getreue, Der das hält, was er verspricht. O daß dies mich stets erfreue! Laß nur deinen geist mich treiben, Dir herr, auch getreu zu bleiben. 6 5. Nur du bleibeft wie du bist. Was dein weifer rath beschließt, Ist unwandelbar, wie du, Gut und heilig stets, wie du. 6. Du bist nicht ein menschenkind, Daß du ligest; nicht gefinnt, Wie der mensch, der wandelbar Nimmer bleibet, was er war. 7. Was du zusagst, ist gewiß; Zwischen licht und finsterniß Tappt der mensch hier, wählt, bereut Plötzlich wieder, was ihn freut. 8. Sollt ich denn auf menschen traun, Nicht mein heil auf dich nur baun? Ohne weisheit und verstand Brunnen graben in den sand? 9. Nein, unwandelbarer, dein Soll sich meine seele freun. Sey mein fels, gott, sey mein licht, Ewig meine zuversicht. 10. Und in allgemeine nacht Sinke dann mit seiner pracht Jeder himmel, und die welt Stürze hin, wenn gott mich hält. gewesen. beleben, erheben. 2. Ewig und unwandelbar Ist, o gott, dein hohes wissen. Was dir einmal wahrheit war, Wird es ewig bleiben müssen. Niemals kann dein ausspruch feh: len, Laß mich ihn zum leitstern wählen. 3. Herr, du bist kein menschenkind, Daß dich etwas reuen follte. Immer bleibst du so gesinnt. 6. Stets ist wohlthun deine lust, Ewig währet deine liebe. Wohl mir, wenn ich auch mit lust, Mich in deinem willen übe! Dann, o herr, wirds meiner feelen Nie an wahrem wohlseyn fehlen. 7. Erd und himmel wird vergehn, Alle welt wird mich verlassen; Nur durch dich kann ich bestehn, Deine hand wird mich umfassen, Wenn ich nun von hinnen scheide; Ewig bist du meine freude. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 9. Gott ott, du bist von ewigkeit, Und dein herrlich großes wesen Aendert sich zu keiner 10. Hen feiner zeit, Du bleibst was du Laß dies meinen geist Ehrfurchtsvoll dich zu 8. Laß mir doch zu jeder zeit, Herr des himmels und der erden! Diese deine ewigkeit Einen starken antrieb werden, Dich zu lieben, dir zu trauen, Und mein glück auf dich zu bauen. Mel. Mein Herz und Seel den Herren. 10. Herr gott, du biſt die zuflucht aller zeiten; Denn du bist gott, in allen ewig keiten. Du warst es schon, eh erd und himmel ward, Eh noch dein arm sich uns geoffenbart. 2. Was bin ich, herr, und alle menschenkinder? Staub sind vor dir der heilige, der fünder. Wie schnell entflieht das leben doch von mir! Du, höchster, du nur bleibest für und für. 3. Du hast vorhin die erde zu= bereitet, Dein arm hat, gott, den himmel ausgebreitet. Doch sie E Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. vergehn, veralten wie ein kleid; tur, Im schatten deiner werke Du aber bleibst in alle ewigkeit. 4. Es werden noch die himmel und die erden, Wie ein gewand, vor dir verwandelt werden. Du bleibeft wie du bist; denn welche zeit Umgränzet wol, herr, die unendlichk it! Nur dunkel, wie im spiegel nur, Die größe deiner stärke. Wie schön ist, was dein auge sieht! Doch ach, o gott, wie viel entflieht Dem blöden trägen blicke! 5. Das ist der trost, die hoff nung deiner knechte. Du schüßest sie mit deiner starken rechte, Du läßt ihr herz sich ewig deiner freun, Und bleibst ihr gott; denn sie sind ewig dein. 6. Das sey mein troft in allen trüben stunden. Vom tode selbst bleibt er unüberwunden. Kein tod, kein grab trennt mich, o gott, von dir. Mein fels, mein heil, das bleibst du ewig nitr. Mel. Es ist das Seif uns kommen. 11. er gleicht dir, gott? undenkbar ist Die zahl von deinen jahren. Doch warst du, schöpfer, was du bist, Eh alle sonnen waren. Schon eh 2. Jehovah, tausend jahre sind Dir weniger, als stunden, Dir schneller, als ein tropf verrinnt, Begonnen und verschwunden; Entflohn, und dir noch immer da, Dein auge sieht sie, wie's sie fah, Nicht schöner, nicht vollkommnner. 3. Co bin ich, gott, vor dir; ich staub, Ich leicht verblühte blume, Ich allzubald des grabes raub, Mit glück und luft und ruhme. Wie ein geschwäß des tags entfleucht Mein pilgrimms leben, gott, und gleicht Kaum einem morgentraume. 1 7 4. Und dennoch zeigst du mir von dir So viel in augenblicken, Entdeckest dich darinnen mir, Mich ewig zu beglücken. Du machst dies leben, dir sey dank! Zu einem heitern übergang In ein beglückters leben. 5. Hier seh ich, vater der na6. Nein, vater, deß mein herz sich freut, Du schufst mich nicht vergebens; Was schmeck ich nicht für seligkeit Im traume dieses lebens! Wie wenig ist, was ich hier seh, hier, o mein gott, von dir versteh! Doch macht mich dies schon selig. Mel. Mein Herz und Seel den. dein arm die welten trug, warit 12. großer gott, der alle du dir ohne sie genug, keiner welt bedürftig. 7. Es fliehe denn dies leben hin Schnell, wie ein traum, noch schneller; Ich weiß, daß ich unsterblich bin, Dort wird dies auge heller. Dich werd ich dort sehn, wie du bist, Und meine freude, vater, ist Dann ewig und vollkommen. Allgegenwart und Allwissenheit Gottes. sen blick kein dunkles uns verhüllet; Bohin soll ich vor deinem anblick gehn? Und wohin fliehn, von dir, herr, ungefehn? 2. Könnt ich auch schnell mich zu den wolken schwingen, Und wieder schnell bis in die tiefe dringen; So hielte mich doch deine hand auch da; Denn wo ich bin, da bist du, herr, mir nah. 3. Dein auge sieht, was nacht und abgrund decken, Es kann sich nichts vor deinem licht verstecken; Du kennst genau das innre der natur, Der ganzen welt und jeder creatur. 4. Kein falscher gott, aus falschem wahn verehret, at je sein volk das tünftige gelebret. Qu aber weißt, was künstig wird geschehn, und läßt auch uns in Beinem wort es sehn. 5. Du weißt und hörst, was deine kinder beten; Du siehst, Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. wenn sie im stillen vor dich tre- gegenwärtig stehen. Dir stellt sich ten; Noch eh ihr mund dir ihren alles deutlich dar, Das, was erst kummer sagt, Vernimmst du schon, noch soll werden, Und was nun was dir ihr seufzen klagt. ist, and was einst war, Im him6. Vor menschen bleibt hier mel und auf erden. Wer sollte manche that verborgen; Dir aber dich nicht fürchten? ist die nacht ein heller morgen; Und was hier noch in finsterniß geschieht, Entdeckt einst dein gericht, dem nichts entflieht. 7. Wohl dem, der hier vor deinem antlih wandelt, Und der vor dir und menschen redlich handelt; Der steht alsdann als dein bewährter freund Getrost vor dir, wenn nun dein tag erscheint. 8. O prüfe selbst die innersten. gedanken, Cb sie vielleicht von deiner richtschnur wanken. Bin ich, o gott, noch auf verkehrtent steg, So führe du mich auf der wahrheit weg. 8 Mel. Christ, unser Herr, zum Jordan. 13. Allwissender, vollkommner geist, Deß auge alles fiehet, was nacht und abgrund in schleußt, sich nichts entziehet! Es kann vor deinem hellen licht Sich kein geschöpf verstecken. Was in der finsterniß geschicht, Das weißt du aufzudecken Und an den tag zu bringen. 2. Selbst die gedanken kennest du, Eh sie in mir entstehen, Und was ich wünsche, rede, thu, Das kann dein auge sehen. Vor dir ist alles offenbar; Du prüfest herz und nieren, Und alle gründe siehst du klar, Die unser thun regieren; Nichts bleibt vor dir verborgen. 3. Was deiner freunde herz begehrt, Das weißt du, eh sie beten; Ihr seufzen wird von dir erhört, Eh sie noch vor dich treten. Was deiner feinde rath beschließt, Das ist dir unverborgen; Dir, der du ihren anschlag siehst, Als wie den lichten morgen, Den keine schatten decken. 4. Was nach verfließung vieler zeit Noch künftig wird geschehen, Das sieht dein auge allbereit Als 5. Bleibt gleich vor menschen manches noch In dieser welt verschwiegen, So wird dein auge künftig doch Die finsternig befiegen. Dein unpartheiisches gericht Wird alles einst entdecken, Was im verborgnen jetzt geschicht; Und schande, furcht und schrecken Wird dann die heuchler treffen. 6. Laß mich, o höchste majestät! Dein helles auge scheuen, Das nie ein heuchler hintergeht mit fal schen schmeicheleien. Durchdringe träftig feel und geist Mit deinen heilgen blicken. Laß, was geheime schande heißt, Sammt allen. bösen tücken, Mich stets sorgfältig meiden. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 14.11msonst, umsonst verhüllſt du dich, mein in finsternisse; Was kann ich gott verbergen? ich? Das er nicht alles wisse? Sey, kannst du, dunkler als das grab, Das auge gottes schaut hinab, Und kennet deine tiefen. 2. Wo ist die nacht der einsamkeit, Die mich vor ihm verhehle? Er sieht euch schon, eh ihr noch seyd, Gedanken meiner feele! Ch ich euch selbst empfinden kann, Von eurer ersten bildung an, Bis ihr euch ganz entfaltet. 3. Er tennet und erforschet euch, Wenn ihr euch schnell entziehet, Bemerkt euch, wenn ihr, strahlen gleich, Schnell auffahrt, schnell entfliehet; Vergebens wünsch ich: sterbt! vergeht! Ich haß euch! aufgezeichnet steht Ihr all' in seinem buche. 4. Der Herr gedenket ihrer noch; Jahrhunderte verschwinden, Sie bleiben und ich träume doch, Als wärens keine fün Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. den. Sie alle müffen an licht, Wenn gott kömmt, er im gericht Der herzen rath enthülle. 5. Dann wird das siegel seines buchs Vor aller welt gebrochen, Das urtheil des verdienten fluchs, Gedanken selbst gesprochen. Wo ist die nacht, die sie verhehlt? Der richter hatte sie gezählt, Und keinen sterben laſsen. das Dies tief in meine seele; Daß, daß wo ich bin, nur dich, o Herr! Mein Herz zur zuflucht wähle; Daß ich dein heilig auge scheu, Und dir zu dienen eifrig sey. Laß überall gewissenhaft Nach deinem wort mich handeln. Und stärke mich denn auch mit kraft, Vor dir gerecht zu wandeln. Dağ du, o gott, stets um mich feyst, Das tröst' und begre meinen geiſt. 6. Seyd heilig, seyd von gott nur voll, Gedanken meiner feele! Daß, wenn gerichtet werden soll, Mel. Wend ab deinen Zorn. Kein einziger mich quäle. Seyd 16. dann fürchtet nichts! Gott wird am tage des gerichts, Gleich thaten, euch belohnen. Mel. Machs mit mir, Gott, nach. Die bist höchster, Du 15. Neht und fern. wirkst an allen enden. Wo ich nur bin, herr aller Herrn! Bin ich in deinen Händen. Durch dich nur leb und athme ich; Denn deine rechte schüßzet mich. 9 dh habe, gott, mir Nie auf der übertreter pfad zu kommen, Vor dir zu wandeln, dir mich und mein leben zu übergeben. 2. mich! ob redlich meine, Gieb, daß ich nicht bloß, was ich seyn soll, scheine, Mit allen träften strebe, deinen willen Ganz zu erfüllen. 3. Wenn deine furcht mich überall begleitet, Und meinen gang, wenn mich fein mensch sieht, lets tet, Wie sicher werd ich deine wege wandeln! Wie richtig handeln! 4. Caß auch im dunkeln mich dein auge scheuen, Verschließ mein ohr der fünde schmeicheleien; Stets werde mir das gleißende der laster Nur mehr verhafter. 5. Gieb eifer, kraft und muth zu meinen pflichten, So mag die welt, wie ihrs gefällt, mich richten! Gefall ich dir, mein gott, will ich mit freuden Verachtung leiden. 2. Was ich gedenke, weißest du, Du prüfest meine seele. Du siehst es, wenn ich gutes thu, Du siehst es, wenn ich fehle. Nichts, nichts kann deinem aug' entfliehn, Und nichts mich deiner huld entziehn. 3. Wenn ich in stiller einsamfeit Mein Herz an dich ergebe, Und über deine huld erfreut, obfingend dich erhebe, So hörst du es, und stehst mir bei, Daß ich dir immer treuer sey. let. 4. Du merkst es, wenn des herzens rath Verkehrte wege wähUnd bleibt auch eine böfe 6. Du achteft nicht that Vor aller welt verhehlet, So weißt du sie, und strafest mich, 3u meiner beßrung väterlich. 5. Du hörest meinen seufzern zu, Daß hülfe mir erscheine. Voll mitleid, vater! zähleft du Die thränen, die ich weine. Du siehst und im tode mur bewährt wägest meinen schmerz, Und stärkst mit deinem trost mein herz. 6. O drück, allgegenwärtiger! das ansehn der personen, Wirst billig alles richten und belohnen, mit herrlichkeit und ehre deine kinder, Mit schmach die fünder. 7. Bald, bald vollend ich meiner prüfung stunden; Werd ich erfunden; Wie schön verwandeln sich dann meine leiden, Und werden freuden! 10 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. Mel. Ain Wasserflüssen Babylon. 17. außen und von innen, Mein thun und lassen kömmt vor dich, Gehn, err, du erforschst und sterben! Weisheit Gottes. Mel. Von Gott will ich nicht. ſtehen und beginnen; Was meine 18. Ich lobe dich und preise feele Dich, o lein! Wer ist, wie du, so weise? Verstand und rath ist dein; Ach möchte, herr, mein geist In allen deinen werken Auf deine weisheit merken, Die, wer dich kennet, preist! 2. Wohin mein auge blicket, st alles harmonie, Gut und zugleich geschmücket, Voll kunst, voll pracht durch sie. Sie schaffet, sie erhält, Zu segnen, zu ergößzen, Nach herrlichen gesetzen, Den weiten bau der welt. 3. Sie hing in lichten fernen Hoch über uns hinauf, Die sonne mit den sternen, Uns zu erleuchten, auf. Da hänget sie an nichts; Von dir nur unterstüßet, Särmt, leuchtet und erhitzet Gie, schimmer deines lichts! 4. Wer hält im gleichgewichte So vieler körper kraft? Wer füllt die welt mit lichte, Als du, der alles schafft? Wer lenkt der strahlen flug, Daß sie nur nüßen können; Beleben, nicht verbrennen, So wunderbar, so klug? vorher, und fehlest nicht, Du prüfest herz und nieren; Du kannst auch, wenn ich bin allein, Und gerne wollt verborgen seyn, All meine weg' ausspüren. 2. Es ist kein wort in meinem mund, Das ich dir könnt' verhehlen. Du, herr, siehst in des her zens grund, Ins innerste der seelen. Wo geh ich hin vor deinem geist, Da du selbst die gedanken weißt? Wohin könnt ich doch fliehen? Führ ich gen himmel; biſt du da! Im tiefsten abgrund bleibst du nah! Was kann mich dir entziehen? 3. Ja, höchster, es kann deine hand Mich allenthalben finden; Nichts bleibet dir, herr unbekannt, Nicht die geheimsten fünden. Selbst finsterniß ist vor dir licht, Ins dunkle dringt dein an gesicht, Nichts, nichts kann dir entgehen; Was ich gethan, geredt, gedacht, Wird einst vor dein gericht gebracht, Da muß ich vor dir stehen. dann seyn, Wie freudig einstens 4. Ach präge mir dies ernsthaft ein, Das böse zu vermeiden, Laß all mein thun rechtschaffen seyn, Mich nie von tugend scheiden, Mich lieben nur, was dir gefällt, Und die verbotne lust der welt, Sammt ihrem reiz verachten. Laß mich vor dir, nach deinem wort, In frommer forgfalt immerfort Nach deinem beifall trachten. 5. Allwissender, erforsche du Mein herz, sinn und gedanken! Bin ich geneigt, von meiner ruh, Der tugend pfad zu wanken, Ja bin ich schon auf bösem weg, So führe mich den rechten steg, Entreiß mich dem verderben! Gott! möcht ich stets dich kindlich scheun! wie getrost könnt ich 5. Wer läßt uns stets umgeben Die luft, die alles trägt? Durch sie hat alles leben, und alles wird bewegt; Da sammeln dünste sich Und werden thau und regen, Und fruchtbarkeit und segen Für deine thier und mich. 6. Wer hat sie so bereitet, Daß sie den blitz gebiert, Daß sie den wind verbreitet, Den schall zum ohre führt, Den leichten vogel hebt, Den fisch, damit er schwimme, Und unsers mundes stimme Für deinen ruhm belebt? 7. Wer hob, o gott, die erde Aus deinem meer heraus, Theilt, daß sie fruchtbar werde, So gleich die wasser aus? Wer sammlet sie? wer bricht Die flüsse, wenn sie schwellen? Spricht zu der Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. seen wellen: Bis hieher! weiter 6. D weisheit! decke meiner nicht! 8. Wer hat den wald gepflanzet? Durch wen wächst gras herauf? Wer giebt uns korn? wer schanzet Gebirg und thäler auf? Wer schmückt sie überall? Wer gräbt dem feuer schlünde, Legt in der tiefe gründe Den marmor, das metall? feele Die angeborne thorheit auf, Damit sie dich zum leitstern wähle, In ihrem sonst verz. wirrten lauf. Ich weiß den weg des friedens nicht, O gönne mir dein sichres licht! 9. Herr, deine weisheit schmükket, Bereichert und erhält, Und fegnet und beglücket Die leben Sie rühme mein gefang! Ich finge dir und preiſe Dich, gott! denn du bist weiſe; Dir weih ich lob und dank. 7. Du hast mich durch mein ganzes leben Nach deinem klugen rath geführt; Mein geist muß dir die ehre geben, Daß du aufs beste mich regiert. O leite mich durch welt und zeit hinüber in die ewigkeit. volle welt. Allmacht Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gett. Mel. Machs mit mir, Gott, nach. err, allmacht 19. Du weiser schöpfer aller 20. ſo weit, Alls ſelbſt dein dinge, Der alles weiß, erkennt, versteht; Nichts ist so groß, nichts so geringe, Das nicht nach deiner ordnung geht. Denn der geschöpfe ganzem chor Schreibst du maaß, ziel und regeln vor. wefen reichet. Nichts ist, was deiner herrlichkeit und deinen thaten gleichet, Es ist kein ding so groß und schwer, Das dir zu thun nicht möglich wär. 2. Die vielen wundervollen werke, Was unserm auge fern und nah, Steht alles, wie durch deine stärke So auch durch deine weisheit da. Unendlich, herr, ist dein verstand! Der ganze weltbau machts bekannt. 2. Du sprichst, und auf dein mächtig wort Fällt alles dir zu füßen. Du führest deinen anschlag fort Bei allen hindernissen. Du winkst; was noch kein auge sah, Steht augenblicklich vor dir da. 3. Du hast das große weltgebäu Allmächtig aufgeführet, Und erd und himmel zeugt, es sey Dein arm, der sie regteret. Dein wort, das sie geschaffen hat, Ist ihnen an der pfeiler statt. 4. Die menge vieler wunder zeigt, Daß, schöpfer, dein vermögen Weit über die geseße steigt, Die die natur bewegen. Du bleibst ihr herr, und ihren lauf Hebst du nach weiser willkühr auf. 3. Mit eben der allweisen stärke, Mit welcher du die welt gemacht, Regierst du alle deine werke, Die dein verstand hervorgebracht. Du brauchst, o unerschaffnes licht! Der menschen rath und beistand nicht. 4. Was du zu thun dir vorgenommen, Das kommt ohnfehlbar auch zur that. Wenn tausend hindernisse kommen, So triumphirt dein hoher rath. Den besten zweck wählt dein verstand, Die mittel stehn in deiner hand. 11 5. Die menge so verschiedner willen, Wo jeder seinen weg er= wählt, Muß doch den deinen bloß erfüllen, Der feines zieles nie verfehlt, Und aller feinde stolzen wahn, Als unvernunft beschämen kann. 5. Was für ein wunder deiner macht Wird unser aug einst sehen, Wenn nach der langen grabesnacht Die todten auferstehen, Wenn du von unserm staub den rest Zu neuen förpern werden läßt! 6. Allmächtger! mein erstaunter geist Wirft sich vor dir darnieder; Die ohnmacht, wie du selber weißt, Umgiebt noch meine glieder. Mach mich zum zeu 12 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. gen deiner kraft, Die aus dem tode leben schafft. 7. D! zind in mir den glauben an, Der sich auf dich verlasſe. das ich fürchten Wenn ich dich, herr, Nun, gott, ich traue deiner kraft, Die alles kann und alles schafft. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. kann, umfasſe? 22. Gott, vor deſſen angesichte Nur reiner wandel gilt! Ewges licht, aus deffen lichte Stets die reinste klarheit quillt! Deines namens heiligkeit Werde stets von uns gescheut! Laß sie uns doch kräftig dringen, Nach der heiligung zu ringen. 2. Heilig ist dein ganzes wesen! Und kein böses ist an di Ewig bist du so gewesen, Und so bleibſt du für und für. Was dein wille wählt und thut, Ist unsträflich, recht und gut, Und mit deinesarmes stärke Wirkst du stets vollkommne werke. Mel. Lobt Gott, ihr Christen. 21.9th ich preif' ich, herr, mit Herz und mund; Denn dir gebühret preis! Froh mach meinen brüdern kund, Was ich von dir nur weiß. 2. Ich weiß, gott, groß von macht und rath, Daß du die quelle bist, Woraus uns allen früh und spat Viel heil und gutes fließt. 3. Was sind wir doch? was haben wir, Wenn du nicht segen giebst? Kommt uns nicht alles bloß von dir, Der du die menschen liebst? 4. Wer hat das schöne himmelszelt Hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser feld Mit thau und regen neßt? 5. Wer ists, der uns gedeihen läßt? Wer hält mit seiner hand Den edlen güldnen frieden fest In unserm vaterland? 6. Allmächtiger, das kommt von dir! Du, du mußt alles thun, Dein schild bedeckt und schützt uns hier, Und läßt uns sicher ruhn. 7. Du nährest uns von jahr zu jahr, Bleibst immer fromm und treu, Und stehst uns, wenn wir in gefahr Gerathen, treulich bei. 8. Du füllst des lebens mangel aus Mit dem, was ewig steht; Und führst uns in des himmels haus, Wenn uns die erd entgeht. 9. Wohlauf, mein herz, frohlock und sing, Und habe guten muth! Dein gott, der ursprung aller ding, Ist selbst und bleibt dein gut. Heiligkeit Gottes. 10. O feele, laß ihn ferner thun, Und red ihm nichts darein; So wirst du hier in friede ruhn, Und ewig fröhlich seyn. 3. Herr, du willst, daß deine kinder Deinem bilde ähnlich seyn. Nie besteht vor dir der fünder, Denn du bist vollkommen, rein. Du bist nur der frommen freund, Uebelthätern bist du feind; Wer beharrt in seinen sünden, Kann vor dir nicht gnade finden. 4. Oso laß uns nicht verscherzen, Was du uns noch zugedacht, Schaff in uns stets reine herzen; Tödt in uns der fünden macht. Denn was sind wir, gott! vor dir? Du bist heilig, aber wir Sind verderbt, und wer fann zählen, Großer gott! wie oft wir fehlen? 5. Uns von fünden zu erlösen, Gabst du deinen sohn dahin. so reinige vom bösen Durch ihn unfern ganzen sinn. Gieb ans, wie du selbst verheißt, Gieb uns deinen guten geist, Daß er unfern geist regiere, Und zu allem guten führe. 6. Keiner fündlichen begierde Bleibe unser Herz geweiht; Unsers wandels größte zierde Sei rechtschaffne heiligkeit. Mach uns deinem bilde gleich! Denn zu deinem himmelreich Wirst du, herr! nur die erheben, Die im glauben heilig leben. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 13 Gerechtigkeit Gottes. licht, Wie recht und billig dein cht; Dann triumphirt de fromme. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 23. Gerechter gott, vor dein gericht Muß alle welt sich stellen! Du wirst in ihrem angesicht Auch mir ein urtheil fällen. D laß mich dein gericht stets scheun, Und hier mit ernst beflissen seyn, Vor dir einst zu bestehen. S. Gerechter gott! laß mich wie du, Das gute eifrig lieben; Gieb selber mir die kraft dazu, Wirk inniges betrüben, Wenn sich die sünd in mir noch regt; Dein herz, das lauter gutes hegt, Sey meines herzens muster. 9. Und weil vor dir, gerechter gott, Nur die allein bestehen, Die gläubig auf des mittlers tod Bei ihrer reue sehen, So laß mich die gerechtigkeit, Die midy von straf und schuld befreit Im glauben eifrig suchen. 2. Du siehst von deinem festen thron Auf alle menschenkinder, Bestimmest jedem seinen lohn, Dem frommen und dem fünder. Nie siehst du die personen an! Allein auf das, was wir gethan, Siehst du als rechter richter. 3. Viel gutes und barmherzigkeit Giebst du schon hier den from men, vor manchem leid, Darein die fünder kommen. So zeigest du vor aller welt, Daß dir der eifer wohlgefällt, Den man der tugend widmet. 4. Ja, herr, du liebst, was recht und gut, Und bist ein freund der frommen. Wer deinen willen gerne thut, Wird von dir aufgenommen, Sein werk und dienst gefällt dir wohl, Ist er gleich nicht, so wie er soll, Ganz rein von allen fehlern. 5. Doch dem, der dich, o gott, nicht scheut, Dem frevelnden verbrecher, Der dein gesetz und recht entweiht, Bist du ein strenger rächer. Verachtung, elend, schmerz und hohn, Und tod ist seiner bosheit lohn Oft schon in diefem leben. 6. Der untergang der ersten welt, Die aus der art geschlagen, Das feuer, das auf Sodom fällt, Aegyptens lange plagen, Und andre wunder deiner macht, Sind zeugen, wenn dein zorn erwacht, Wie du den fünder lohnest. 7. Bleibt hier viel böses unbe straft, Biel gutes unbelohnet; So kömmt ein tag der rechenschaft, Der keines sünders schonet. Da stellst du, herr! ins hellste Mel. Machs mit mir, Gott, nach. 24. 8 sey mein ernſtlicher widerstreben, Auch, wenn ich darum leiden muß, Vor ihm gerecht zu leben; Es sey nun leben oder tod, Stets heilig sey mir sein gebot. 2. Empöret euch nicht wider ihn, Der übertretung finder! Wer fann euch seinem fluch entziehn? Vermeßne stolze fünder! Er, wel cher baut und auch zerbricht, Wie leicht vertilgt er fünder nicht! 3. Fragt jedes vorige geschlecht, Geht, fraget eure väter! Ist er nicht mächtig, nicht gerecht, Ein feind der übertreter? Wer hat noch ungestraft die macht, Die keine grenzen hat, verlacht? 4. Wenn er, der wesen schöpfer, dräut, Erzittern alle wele ten. Die himmel, wenn sein wink gebeut, Vergehn von seinem schelten. Die erde bebt vor seiner macht! Vor ihm wird seine sonne nacht. 5. Beschließt nur thaten, führt sie aus, Braucht, fünder, eure stärke, Beredet euch; doch wird nichts draus, Nur gott thut große werke. Versammlet, rüstet euch, versucht Vor ihm zu stehn, und gebt die flucht. 6. Entsetzet euch, und betet an Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. Die macht, die leib und feele ursprung aller gaben! Du weißt, Verderben bis zur Hölle kann, was uns gebricht; Und was wir Daß noth und weh sie quäle! nöthig haben, Versagst du, gott, Ach! wer kann seine macht ver- uns nicht. Vom wohlthun, das stehn, Und sein gebot und recht du übest, Sind unsre tage voll, verschmähn? Auch wenn du uns betrübest, Geschiehts zu unserm wohl. 14 7. Ich will ihn fürchten; nimmer will Ich ihm entgegen streben! Oft duldet er, und schweiget still; Doch nur in diesem leben! Kömmt nicht der tod? rächt fein gericht Dort unbeweinte sünden nicht? Liebe und Güte Gottes. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. 25. gott! du bist die liebe! Allein hast du lust, Der qualsucht harte triebe Sind deinem Herzen unbe: wußt. Ganz ohne alle grenzen Ist deine gütigkeit, So weit die himmel glänzen, lebst du barm herzigkeit. Du, herr, hast wohlgefallen An dem, was du ge= macht, Und hast uns fündern allen Noch leben zugedacht. 2. Als du uns hießest werden, Da schufst du uns zum ewgen wohl. Nicht nur auf dieser erden Ist alles deiner güte voll; Auch in dem himmel droben Hat deine Die noch kein aug erkannt. Dorthin uns zu erheben, Ist stets dein wille, gott! Drum gab für uns sein leben Dein sohn selbst in den güte tod. 3. Wie groß ist deine gnade! Wer ist so reich an huld wie du? Auch auf dem fündenpfade Siehst du uns voller langmuth zu. Du lockest uns zur buße, Und fällt voll ren und leid Der fünder dir zu fuße, So ist ihm trost bereit; Du siehest auf uns armen Mit väterlicher huld, Und schenkst uns aus erbarmen Die ganze sündenschuld. 4. Mit jedem neuen morgen Wird über uns dein wohlthun neu, Du kömmst selbst unsern sorgen Zuvor mit deiner vatertreu. Du 5. Wer sollte dich nicht lieben? Du hast uns ja zuerst geliebt, Und bist uns treu geblieben, Wie viel wir wider dich verübt. Mit gnade uns zu segnen, Ist ewig deine lust, Mit dank dir zu begegnen, Sey, herr, auch unsre lust. Laß uns, treu zu erfüllen, Was du befiehlst, nie ruhn. Wer sollte deinen willen Nicht gern, o vater, 6. Wer hier auf deinen wegen Sich willig deinem dienste weiht, Den setzest du zum segen Schon hier, noch mehr in ewigkeit, Du frönest seine leiden Mit herrlichem gewinn, Und führest ihn zu freuden, Zu ewgen freuden hin. Wie theur ist deine güte! Gott, laß mich ihrer freun, Und stets mein ganz gemüthe Voll deines ruhmes seyn. Mel. Wer nur den lieben Gott. 26. So weit, herr, deine reichen, Reicht deine huld, die uns erhält. Ch werden berg und hügel weichen, Als deine gnade wankt und fällt. Gleich mächtigen gebürgen steht Die heiligkeit, die dich erhöht. 2. Gott! dir ist kein geschöpf verborgen, Reins ist vor dir ge= ring geacht, Du würdigst jedes deiner sorgen, Und bist auf aller wohl bedacht. Vom menschen bis auf jedes thier, Dankt alles seine hülfe dir. 3. Mit heilig freudigem gemüthe Erheb ich, gott der gnade, dich! Wie theuer ist doch deine Wie liebst du uns so väterlich! Daß menschen ohne furcht und graun Ini schatten deiner flügel traun! güte! 4. Mit welchem reichen über Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 15 flusse Von gütern füllest du dein währet Die güte gottes jedent, haus! Du theilst sie allen zum der ihn ehret. Ach! leite denn genuffe, Bis sie gesättigt werden, auch mich auf deinem pfade, Du aus. Herr, unsers lebens quelle gott der gnade. fließt Aus dir, der du das leben bist. 9. So werd ich ewig deiner huld genießen, So wird mein leben sanft vor dir verfließen! So werd ich dort mit allen engelchören Dich fröhlich ehren. 5. Wir, unerschaffne sonne! schauen In deinem lichte nur das licht. Entzeucht von denen, die dir trauen, Dein gnadenvolles antliß nicht! Gott, deine huld Eigene Melodie. fey über die, Die dich verehren, 28. Wie groß iſt des allder ein mensch, den sie nicht rührt? Der mit verhärtetem gemüthe Mel. Wend ab deinen Zorn. 27. Jauchzt unserm gott! er den dank erſtickt, der ihr ge ist liebe zu ermessen, Sei ewig meine größte pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen; Vergiß, mein herz, auch seiner nicht. Barmherzig und von duldendem gemüthe. Er zürnt nicht ewig, will mit feinen knechten Nicht ewig rechten. 2. Er handelt nicht mit uns nach unsern sünden, Und läßt verschonend uns das nicht empfinden, Was wir, weil wir ihm unser Herz nicht gaben, Verschuldet haben. 3. Hoch ist der himmel über feiner erde; So groß ist auch, daß er geliebet werde, Die huld des Herrn bei denen, die ihn lieben, Und gutes üben. 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der gott, der meiner nicht bedarf, Wer hat mit langmuth mich geleitet? Er, dessen rath ich oft verwarf. Wer stärkt den frieden im gewissen? Wer giebt dem geiste neue fraft? Wer läßt mich so viel glück genießen? Ists nicht sein arm, der alles schafft? 4. Wem bleibt sein antlig, wenn ers sucht, verborgen? So weit der abend sich entfernt vom morgen, Entfernt auch gott der fünde schuld und schmerzen Von unfern herzen. 5. So zärtlich sich ein vater seiner kinder Erbarmet, so erbarmt fich gott der fünder, Wenn sie von Herzen sich zu thm bekehren, Ihm treue schwören. 6. Er schlägt und heilt; ver wundet, läßt genesen, Er weiß, der mensch ist ein zerbrechlich wesen; Er denkt daran, daß das geschöpf aus erde Bald asche werde. 7. Ach! er ist gras, er blüht, wie blumen blühen; Die winde wehn darüber, sie verblühen, Und ihre stätte wird, nach wenig stun: Den Richt mehr gefunden. 8. Von ewigkeit zu ewigkeiten 3. Schau, o mein geist, in jenes leben, zu welchem du erschaffen bist, Wo du, mit herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein recht zu die sen freuden, Durch gottes güte sind sie dein; Sieh, darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig seyn! 4. Und diesen gott sollt ich nicht ehren? Und seine güte nicht ver= stehn? Er sollte rufen; ich nicht hören? Den weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein will ist mir ins herz geschrieben, Sein wort bestärkt ihn ewiglich; Gott soll ich über alles lieben, Und meinen nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein dank, dies ist sein wille: Ich soll vollkommen seyn, wie er. So lang ich dies gebot erfülle, Stell ich sein bild 16 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. niß in mir her. Lebt seine lieb in meiner seele, So treibt sie mich zu jeder pflicht, und ob ich schon aus schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die sünde nicht. 6. O gott! laß deine güt und liebe mir immerdar vor augen seyn! Sie stark in mir die guten triebe, Mein ganzes leben dir zu weihn, Sie tröste mich zur zeit der schmerzen, Ste leite mich zur zeit des glücks, Und sie besieg in meinem Herzen Die furcht des letzten augenblicks. Langmuth und Geduld Gottes. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 29. Getreuer gott! wie viel geduld Erzeigest du uns armen! Wir häufen täglich unsre schuld; Du häufest dein er barmen. Was ist des menschen lebenslauf? Er ist verderbt von jugend auf, Sein sinn ist dir entgegen, Und doch, o vater, suchst du ihn Von seinen fünden abzuziehn, Zur reue zu bewegen. 2. Der menschen elend jammert dich; Selbst, wenn sie sich verstocken, Willst du sie dennoch väterlich Durch güte zu dir locken. Wie lange sahst und riefest du Nicht ehmals deinem volke zu, Daß sich ihr herz bekehrte! Wie trugst du nicht so lange zeit Die erste welt mit gütigkeit, Eh sie die fluth verheerte! sicher, matt und träge, Sie straucheln, sie vergehen sich, Sie fallen oft, verlassen dich und deine heilgen wege. 5. Verdienen die nicht fluch und tod, Die dich, o vater, fliehen? Mit wie viel recht könntst du nicht, gott, Dich ihnen ganz entziehen? Doch nein, das kann dein herze nicht, Dein herz, das aus erbarmen bricht, Wenn deine finder fehlen; Es hat geduld, es denkt daran, Wie leicht der mensch sich irren kann, Und wacht für ihre seelen. 6. Du warneft sie vor der ge= fahr, So oft fie irre gehen, Reichst ihnen hand und stärke dar, Von sünden aufzustehen. Du trä-. gest sie mit vaterhuld, Bist willig, ihre fündenschuld Durch Christum zu vergeben, Schenfft ihnen glauben, geist und kraft, Und nach vollbrachter pilgrimschaft Sieg, ruhe, freud und leben. 7. Laß diese langmuth und geduld, Gott, unsre herzen rühren! Nie müsse deine vaterhuld Zur ficherheit uns führen! Trag uns erbarmend fernerhin; Doch gieb uns auch dabei den finn, Daß wir die sünde hassen, Und uns noch in der gnadenzeit Den reichthum deiner gütigkeit Zur buße leiten laffen. Wahrheit und Treue Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott. 3. Co giebst du fündern zeit und raum Der strafe zu entge: 30. Nowort gebrochen, Nie Noch hen. Du läßt den unfruchtbaren baum Nicht ohne pflege stehen, Du wartest sein, du suchest frucht, Und wenn du gleich umsonst gefucht, Hörst du nicht auf zu bauen. Du schonest sein von jahr zu jahr, Dein vaterherz hofft immerdar, Noch frucht von ihm zu schauen. deinen bund, o gott, verletzt! Du hältst getreu, was du versprochen, Vollführst, was du dir vorgesetzt. Wenn erd und himmel auch vergehn, Bleibt ewig doch dein wort bestehn. 2. Du bist kein mensch, daß dich gereue, Was uns dein mund verheißen hat, Nach deiner macht, nach deiner treue, Bringst du, was du versprichst, zur that. Scheint die erfüllung gleich noch weit So kömmt sie doch zu rechter zeit. 4. Gerechter gott! so große huld Bezeigst du frechen fündern, und wie viel nachsicht und geduld Haft du mit deinen kindern! Sie wer den ja, wenn fleisch und welt Hier ihnen häufig neße stellt, Oft Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 17 3. Und wie du das unfehlbar. 2. Gott hat mir ein wort gegiebest, Was deine lieb uns zuge- sprochen, Seinen bund mit mir dacht; So wird, wenn du ver- gemacht, Der wird nimmermehr geltung übest, Dein drohwort auch gebrochen, Bis er alles hat vollgewiß vollbracht. Wer dich, o gott, bracht. Er, die wahrheit, trüget beharrlich haßt, Fühlt deiner strafe nicht, Was er faget, das geschwere last. schicht. 4. O! drücke dies tief in mein herze, Daß es vor deinem wort sich scheut. Gieb, daß ich nie leichtsinnig scherze Mit deiner strafgerechtigkeit. Nie werde das von mir gewagt, Was dein befehl mir untersagt. 5. Doch laß mich auch mit fe= stem glauben Dem worte deiner gnade traun. Wer kann den trost uns jemals rauben, Den wir auf dein versprechen baun? Du bist ein fels, dein bund steht fest, Wohl dem, der sich auf gott verläßt! 6. Wie stark sind unsers glaubens gründe! Hier ist dein wort, das niemals trügt. Und daß dies allen beifall finde, Hast du den eid hinzugefügt, Wahrhaft'ger! was dein mund beschwört, Ist völlig unsers glaubens werth. 7. Laß, feele, laß dich dies beschämen. Vertraue gott, der treu es meint. Such ihn zum muster anzunehmen; Der wahrheit freund, der lügen feind, Beweise dich, als gottes find, Dem treu und wahrheit heilig find. Mel. Alle Welt, was lebt. 31. Weicht, ihr berge! fallt, felfen stürzet ein; Gottes treu hat dieses siegel, Sie soll fest und ewig seyn. Laßt den weltkreis untergehn; Gottes gnade muß bestehn. 3. Seine gnade soll nicht weichen, Wenn gleich alles bricht und fällt; Sie soll ihren zweck erreichen, Den sie ewig sich gestellt. Ist die welt voll heuchelei; Gott ist fromm, gut und getreu. 4. Will die welt den frieden brechen, Hat sie krieg und streit im sinn; Gott hält immer sein versprechen, Ihm vertraun ist stets gewinn. Denn er bleibet immerdar, Was er ist, und was er war. 5. Laßt sein antlig sich verstellen; Ist sein herz doch treu gesinnt und bezeugt in allen fäl len, Ich sei jein geliebtes kind, Dem er beide hände reicht, Wenn auch alle hoffnung weicht. 6. Er will friede mit mir halten, Wenn sich schon die welt empört; Ihre liebe mag erkalten, Ich bin seinem herzen werth. Und wenn höll und abgrund brüllt, Bleibt doch er mir sonn und schild. 7. Er, der Herr, ist mein erbarmer, So hat er sich selbst ge= nennt; Welch ein trost! nun werd ich armer Nimmermehr von ihm getrennt. Sein erbarmen läßt nicht ihn Sich mir jemals ganz entziehn. 8. Nun so soll mein ganz vertrauen Unbeweglich auf ihm ruhn. Felsen will ich auf ihn bauen. Was er sagt, das wird er thun. Erd und himmel kann vergehn Doch sein bund bleibt ewig stehn. 18 Von der heiligen Dreieinigkeit. Mel. Wir gläuben all an einen Gott. 32. Wi ir glauben an den eingen gott, Schöpfer himmels und der erden! Er aller vates, unser gott, Hieß uns seine kinder werden. Er will uns auch stets ernähren, Jedes wahre gut gewähren. Er erwog schon, eh wir waren, Unfre rettung in gefahren. Er ists, der für uns forgt und wacht, und alles steht in seiner macht. 3. Der heilige schont unsrer schuld Und trägt uns fünder mit geduld Auf seinen väterlichen armen; Mit unergründlichem erbarmen Verkürzt er unsre prüfungszeit, Und lohnet uns mit ſeligkeit: Er überschüttet uns mit freuden, Und schickt zu unserm heil uns leiden, Der gnädige! der gnädige! 4. Anbetung und dank, Christe, dir! Verlorne sünder waren wir; Du bist, ein fluch für uns, gestorben, Haft ewig uns das heil erworben. Wer zu dir fliehet, an dich gläubt, Und, lockt die sünd ihn, treu dir bleibt, Der soll, befreit vom fluch der sünden, Erbarmung, gnad und leben finden, In ewigkeit, in ewigkeit! 5. Gelobet feyst du, geist des herrn! Wir waren einst von Christo fern, Entfernt von dir und von dem leben, Mit finsternissen ganz umgeben; Du haft durch deines wortes macht Auch uns zum licht aus gott gebracht; Mel. Komm, heilger Geist, Herre. 33. Anbetung und dank brin- Du lehrst uns leben, hilft uns wir, Herr, unser Und zu himgott und vater, dir, Dein ruhm melserben Durch Christi tod, durch soll unter uns erschallen. Laß Christi tod! unser lob dir wohlgefallen! Laßt, menschen, seiner lieb uns freun, Und ewig, ewig dankbar seyn. Lobsingt ihm, christen, unfre brüder, Fallt vor dem gott der liebe nieder, Und betet an, und 6. Anbetung und dank bringen wir, Dreieiniger, Jehovah, dir! Es müsse jedes land der erden Stets deiner herrlichkeit voll werden! Wie selig, wie begnadigt ist Ein volk, deß zuversicht du bist! Jehovah, deinem großen namen Sey ewig ruhm und ehre! amen! Hallelujah! hallelujah! betet an! 2. Wir glauben auch an Jefum Chrift, Gottes sohn, den eingebornen, Den herrn, der mensch geworden ist, Den erret ter der verlornen. Er, er achtete sein leben Nicht zu theur für uns zu geben. Er erstand, herrscht, hoch erhöhet, In dem reich, das nie vergehet. Er läßt auch uns im grabe nicht, Und kömmt dereinst zum weltgericht. 3. Wir glauben an den Heilgen geist, Unsern göttlichen regierer, Den Jesus Christus uns verheißt, Uns zum beistand und zum führer! Der in trübsal seine christen Eilt mit muth und kraft zu rüsten, Der uns lehrt vergebung finden, Und der tugend werth empfinden. Er flößet uns in todesschmerz Des ewgen lebens trost ins herz. wir sind dein! Wie groß und viel sind deiner werke, Du gott der allmacht und der stärke! Dein ist der erdkreis, und in dir, O höchster, sind und leben wir. Du schufest seraphim und thronen, Und uns, die auf der erde wohnen, Uns sterbliche! uns sterbliche! 2. Er hat uns gemacht! wir sind sein! Du bist die lieb', und Von der heiligen Dreieinigkeit. Mel. Christ, unser Herr, zum Jordan. seyn mein licht, Mich irrenden 34. zu leiten; Und wenn es mir an muth gebricht, Mit tröstung stehn zur seiten, Und mich in schwachheit stärken. 7. Laß ihn, o herr! mich allezeit Zu seinem tempel weihen Und mit rechtschaffner heiligkeit Mein herze benedeien; Laß ihn die sündliche natur Stets bessern, daß auf erden Zu einer neuen creatur Ich mag bereitet werden, Und so dein erb' erlangen. 8. So gieb uns, der du heilig heißt, Dich, den wir vater nennen, Sammt deinem sohn und heilgem geist Jm glauben zu erkennen. Weil dich erkennen, wie du bist, Und deine liebe schmekken, Des ewgen lebens vorschmack ist; Bis du uns wirst entdecken Das volle licht im schauen. beiliger, gerechter gott! Entdecke meiner seele Dich, wie du bist, und dein gebot, Damit sie dich nur wähle. Denn sie kann dich nicht von natur Erkennen, noch dich lieben; Ach zeige mir dazu die spur, Wie ich mag beides üben Nach deinem wohlgefallen. 19 2. Gieb, vater! daß ich deine macht Und liebestreu anbete, Auch deine weisheit wohl betracht Und kindlich vor dich trete. Gieb deine allmacht mir zum schuß, Zum labsal dein erbarmen. Dein recht und wahrheit sey mein trup; Dein licht erfren mich armen, Zum lobe deiner gnade. 3. Laß mich auch deinen lieben sohn In deinem licht erkennen, Daß er sey unser gnadenthron Und ewig heil zu nennen; Ein Mel. Es woll' uns Gott genädig. err, gott, wer ist wahrer mensch, und doch mit dir 35. Heit gleich? Du bist das Auch gott vom gleichem wesen, Das licht vom licht, durch wel ches hier nun alle wohl genejen, Die durch die sünd erstorben. höchste wesen; Und doch hast du, an gnade reich, Uns dir zum dienst erlesen. Gemeinschaft sollen wir mit dir, Du allerhöchster, haben. Mit deinem heil willst du uns hier Und ewig einst begaben, Du quelle alles fegens! 4. Denn drum ist er, das höchste gut, Vom himmelsthrone kommen. Das ewge wort hat unser blut Und fleisch an sich ge= nommen, Daß es vom menschlichen geschlecht Ungnad und fluch abkehrte, Den fegen aber wiederbrächt, Der uns sonst nicht gehörte, Durch thun und auch durch leiden. 5. Ja, Jesu! du, du bist der weg, Der uns zum himmel führet; Laß mich den eingen glau benssteg So gehn, wie sich's gebühret. Sey meine wahrheit, welcher ich Von ganzem Herzen glaube, Sey mir das leben, auf daß mich Nicht tod und Hölle raube; O meines lebens leben! 6. Caß mich, o höchste majeståt! Den heilgen geist auch eh ren, Der von dir und dem sohn ausgeht, Und uns durchs wort will lehren. Ach! laß denselben 2. Wir beten dich, o vater! an. Sind wir gleich vor dir sünder; So nimmst du dich doch unser an, Wie väter ihrer finder. Du hast für uns aus großer huld Selbst deinen sohn gegeben. Dein herz, voll güte und geduld, Verleih uns trost und leben, Daß wir dich kindlich fürchten. 3. Jefu, ewger gottessohn! Du heil, darauf wir hoffen. Durch dich steht zu des vaters thron Der weg uns wieder offen. Uns zu befrein von sünd und tod, Kamst du zu uns auf erden. O laß uns, unser herr und gott! Froh deines jegens werden, Und dir im glauben dienen. 4. heilger geist, du geist von gott! Wehr in uns dent verderB2 Von der heiligen Dreieinigkeit. ben! Im glauben an des mittlers gnade! Sein auge wacht für uns, tod Hilf uns der fünde sterben! Du giebst zum guten lust und kraft; Laß es uns stets erfahren! Stärk uns in unsrer pilgrimmschaft, Bewahr uns vor gefahren, Laß uns dir willig folgen. Daß uns kein unfall schade. Der herr verwirft uns nicht, Vergiebt uns unsre schuld Und blickt auf uns herab Mit väterlicher huld. 2. Wir preisen deinen ruhm, Wir beten an und danken; Dein ist die erde, gott! Dein reich hat keine schranken; Erbarmung ist dein rath Und wohlthun deine macht; Wohl uns, daß über uns Dein vaterauge wacht. 3. D Jefu, gottes sohn! Für uns am kreuz gestorben; Versöhnung ist uns nun Durch deinen tod erworben. Sohn gottes, unser heil Und unser schutz bei gott, Erbarme dich, nimm an Die bitten unsrer noth. 4. Dheilger geist, zum trost Des glaubens uns gegeben! Laß uns, durch dich regiert, Werth der erlösung leben. Führ uns auf ebner bahn, Und stärk uns in der noth, Und leit uns fromm und sanft Ins leben durch den tod. 20 5. Laß, gott, uns dein auf erden schon, Als unsers gottes freuen. Herr, segne uns von deinem thron, Daß wir vor dir gedeihen! Dein ist das reich, die herrlichkeit; Dir wollen wir hier leben. Und du wirst nach vollbrachter zeit Uns einst dahin erheben, Wo wir dich ewig schauen. Mel. Allein Gott in der Höh sey. 36. Allein gott in der höh sey ehr Ünd dank für seine gnade! Sein auge wacht rings um uns her, Daß uns kein unfall schade! Der herr vergiebt uns unsre schuld, Mit wohlgefallen und voll huld Sieht er uns vor ihm wandeln. 2. Wir preisen deines namens ruhm, Wir beten an und danken; Der erdkreis ist dein eigenthum, Dein reich hat keine schranken. Wer mißt die größe deiner macht? Was du gebietest, wird vollbracht; Wohl uns, daß gott uns schützet! 3. D Jefu Christe, gottes sohn, Für uns am kreuz gestorben! Erbarmung gottes ist der lohn, uns tod erwor ben. Versöhner, heilger herr und gott, Nimm an die bitten unsrer noth; Erbarm dich unser aller! 4. O, heilger geist, du höchstes gut, Zum tröster uns gegeben! Laß uns, erlöst durch Christi blut, Werth der erlösung leben. Stärk uns im leiden und in noth, Versüß uns einst den herben tod, Und laß uns sanft ent schlafen. 5. Gott vater, ewig soll Dich unser dank erheben! Sohn gottes, dir geweiht Sey unfer tod und leben! Leit uns, du geist des heils! Wir sind dein eigenthum; Dir sey, dreiein'ger gott, Anbetung, preis und ruhni! Mel. Herr Jesu Christ, mein's. 38. Depreiſe dich wäit mund Dreiein'ger gott, und Herzen inniglich! Denn deine gnade, güt und treu Ist über mir, herr, täglich neu. 2. Laß, vater, stets dein kind mich seyn! Schließ stets in deine huld mich ein! Sohn gottes, dein so theures blut Komm noch im tode mir zu gut. 3. Gott, heilger geist, verlaß mich nicht, So oft versuchung mich anficht! Sey du mein betMel. Nun danfet alle Gott. 37. Gott in der höh sey ehr stand allezeit, Und leite mich zur für Von der Schöpfung. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 39. Wenn ich, schöpfer! macht, Die weisheit deiner wege, Die liebe, die für alles wacht, Anbetend überlege; So weiß ich, von bewundrung voll, Nicht, wie ich dich erheben soll, Mein gott, mein herr und vater! 2. Mein auge sieht, wohin es blickt, Die wunder deiner werke. Der himmel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, du gott der stärke! Wer hat die sonn' an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit majestät? Wer ruft dem heer der sterne? 3. Wer mißt dem winde seinen lauf? Wer heißt die himmel regnen? Wer schließt den schooß der erde auf, mit vorrath uns zu segnen? gott der macht und Herrlichkeit! Gott! deine güte reicht so weit, So weit die wolten reichen. 4. Dich predigt sonnenschein und sturm, Dich preist der sand am meere. Bringt, ruft auch der geringste wurm, Bringt meinem schöpfer ehre! Mich, ruft der baum in seiner pracht, Mich, ruft die faat, hat gott gemacht; Bringt unserm schöpfer ehre! 5. Der mensch, ein leib, den deine hand So wunderbar bereitet; Der mensch, ein geist, den sein verstand Dich zu erkennen leitet, Der mensch, der schöpfung ruhm und preis, st sich ein täglicher beweis Von deiner güt und größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein geist, Erhebe seinen namen! Gott! unser vater, sey gepreist, Und alle welt fag: amen! Und alle welt fürcht' ihren herrn, Und auf ihn, und ihm gern! Wer wollte gott nicht dienen? 21 Mel. Wer nur den lieben Gott. der 40. gott des himmels und erden du Von nieallgegenwärtig bist, mand kannst begriffen werden, Da niemand dir verborgen iſt, Ach! ziehe meinen sinn zu dir, und offenbare dich in mir. 2. Wohin ich herz und augen lenke, Da sind ich deiner gottheit spur. Wenn ich voll andacht überdenke Dein werk, die prächtige natur, So ruft mir alles, alles zu: Wie groß ist gott, wie klein bist du? 3. Uns zeigen alle elemente Macht, güt' und weisheit überall. O! wenn das stumme reden könnte, Wie groß wär stets der jubelschall! Rühmt, menschen, gottes gut und macht, Der uns für euch hervorgebracht! 4. Herr deine liebe! güte voll. gieb mir deines geistes triebe, Daß ich dich preise, wie ich soll! Nimm, was ich kann und hab' und bin, Zu deinem dienst auf ewig hin. gott! wie groß iſt Die erd ist deiner 5. Hilf, daß die güter dieser erden Mich zu dir locken, höchstes gut! Daß sie mir nicht zum fallstrick werden, Der, statt des nußens, schaden thut, Laß allen mißbrauch ferne seyn, Mein schatz und ziel sey du allein. 6. Hier ist mein leben eine reise, Hier geht mein weg zur andern welt; Drum mache du mich fromm und weise, Daß ich hier thu, was dir gefällt. Und end ich diesen kurzen lauf, So nimm in deine ruh mich auf. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 41. Wie herrlich biſt du, Unendgott! du lich gut! wir finden Dich, der unendlich gütig ist, Wo wir 22 Von der Schöpfung. nur find; empfinden, herrscher, deine majestät, Daß erd und himmel dich erhöht, Erfüllt von deiner güte. gro2. Der jüngling, herr, schweigt von dir nicht, Der ohne dich nicht wäre, Der säugling, Ber schöpfer, spricht Von deiner macht und ehre! Von allem, was ich seh vor mir, Erschallen lobeslieder dir, vater aller dinge! 3. Die himmel sind von deiner hand, Die alles hat bereitet, Weit, wie ein teppich, ausge spannt, Und dir zum ruhm verbreitet; Du, der im höchsten himmel thront, Du schufft die sterne, schufft den mond, Uns in der nacht zu leuchten! 4. Den menschen hast du, herr, gemacht! Von dir hat er sein leben; Du hast durch deine güt und macht Ihm, was er hat, gegeben! Was ist vor dir, o gott, was ist Der mensch, daß zen welt, Der so viel tausend geister Um seinen thron bestellt! Wie herrlich mußt du wohnen, Wie groß mußt du nicht seyn, Da cherubim und thronen Sich deinem dienste weihn! du so gnädig bist, Ihn deiner würdig achtest? 5. Du hast ihn mit verstand geziert und freiheit ihm verliehen; Jhu hast du in die welt geführt, Zum himmel ihn zu ziehen; Er ist sowol, o Herr! dein kind, Als es die höhern engel sind, Du liebst ihn wie ein bater! 6. Stimmt, menschen, lobgesänge an, Daß gott erhöhet werde, Gott, der uns alles unterthan, Was ist und lebt auf erde! Wie viel ist hier, das uns erquickt, Wie sehr sind wir durch dich beglückt! Was kannst du mehr uns schenken! Von den Mel. Herzlich thut mich verlangen. ott, meines lebens meiBei 42. Gerou herr der gan- Sind wachsam und geschwinde, Geschmückt mit glanz und licht. Nichts schwächet ihre stärke, Sie dürfen niemals ruhn; Und das sind ihre werke, Den willen got= tes thun. 2. Mir ist es noch verborgen, Was diese geister sind, Bis daß heut oder morgen Ich, dein ge liebtes kind, Mit allen seraphinen In jenem hellen licht Dir ewig werde dienen Vor deinem angesicht. 3. Von keinem leib bedecket, Sind sie ganz kraft und geist; Von dem ganz unbeflecket, Was schwach und sterblich heißt. Ihr wissen übersteiget Den menschlichen verstand, Weil ihnen gott sich zeiget, Wie ihn kein mensch erfannt. 7. Wie herrlich bist du! gott! du bist Unendlich gut! wir finden Dich, der unendlich gütig ist, Wo wir nur sind; empfinden, herrscher, deine majestät, Daß erd und himmel dich erhöht, Erfüllt von deiner güte. Engeln. 4. Sie leben frei von sünde und altern nicht; 5. Sie sind die hochvertrauten Des herren zebaoth, Die ihn von anfang schauten, Ihn, den verborgnen gott. Ihr heilig, heilig, heilig, Entzücket jedes ohr, Und jeder drängt sich eilig, Sobald gott winket, vor. 6. Wie manches wort der freude That uns ihr froher mund, Zum trost in unserm leide, Auf gottes rathschluß kund! Sie waren Christi boten, Da er geboren ward Und aufstand von den todten Und bei der himmelfahrt. 7. Mein gott! sey hoch gepriefen, Daß du der armen welt Von den Engeln. Sie engel uns bestellt, unsern wegen Hülfreich zur feite stehn, Wenn wir, o herr, um segen Und hülfe zu dir flehn. Die wohlthat hast erwiesen Und Den laß auch mich erfüllen. Die uns auf leben heilig, rein; Olaß mich schon auf erden Auch ihnen ähnlich werden, Stets diese reinen geister scheun. 8. Die zeit wird auch einst kommen, Da ich verklärt und rein, Und aller angst entnommen, Bei engeln werde seyn; Dann schallt in ihre chöre Mein hoher Lobgefang, Und bringt dir ewig ehre, Anbetung, preis und dank. 7. Silf aug' und herz bezähmen, Kein ärgerniß zu nehmen, Lehr mich behutsam seyn, Nie durch ein fündlich leben Dem nächsten anstoß geben; Denn dieses stürzt in eige pein. 8. Wenn ich denn endlich scheide, So führe mich zur freude Auf ihren Händen ein; Da werd ich dich erst loben, und in dem himmel droben Dir und den engeln ähnlich seyn. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 43. Du herr der seraphinen, Dem tausend engel die nen, Stets zu gebote stehn! Gott, aller wesen meister, Und vater aller geister! Mein mund soll deinen ruhm erhöhn. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 2. Die mächte und die thro: 44. Höchster, deſſen starte nen, Die in dem himmel woh- und schatten giebt, Der das nen, Giebst du zu meiner wacht! menschliche geschlechte Wie ein Sie schaun im hellen lichte Dein trener vater liebt, Der in dieser herrlich angesichte, Doch nehmen großen welt Alles, was er schuf, sie auch mich in acht. erhält, Der als herr uns in gefahren Mächtig kann und will bewahren! 2. Viele tausend seraphinen Jauchzen und lobsingen dir. Dich zit loben dir zu dienen, Sind fie willig für und für. Aber auch auf uns zu sehn, Und uns schwachen beizustehn, Sind sie, wenn du winkest, fertig, und den deinen gegenwärtig. 3. Ich preise deine güte mit dankbarem gemüthe Für deiner engel schaar. Das menschliche geschlechte Beschüßzet deine rechte Durch ihren beistand in gefahr. 4. Laß ihren schuß mich decken, Wenn angst und noth mich schrekken, Daß mich kein leid betrübt. Ich sey in meinem leben Von ihnen stets umgeben, Von ihnen immerdar geliebt. 5. Doch sollen sie nicht wei chen, So laß mich ihnen gleichen An wahrer heiligkeit. Wie sie die kinder lieben Und wahre demuth üben, So mach auch mich dazu bereit. 6. Sie thun ja deinen willen; 23 3. Gott der engel! gott der welten! Ach was sind wir menschen doch, Daß wir so viel vor dir gelten? wie hältst du uns so hoch! Deine engel dienen uns, Und sind, zeugen unsers thuns. Laß uns einst in ihren chören Ewig dich im himmel ehren. Von der göttlichen Vorsehung. Mel. Mein Herz und Seel den. sind seine werke. So weit der 45.Gott ist mein lied! er ist weltbau reicht, geht sein gebiet, Nichts ist, das er nicht schafft und kennt und sieht. der gott der stärke; Herr ist sein nam', und groß Von der göttlichen Vorsehung. 2. Er will und sprichts; so 11. Wer kann die zahl von sind und leben welten, Und er deinen wundern fassen? Ein je gebeut; so fallen durch sein schel- der staub, den du hast werden ten Die himmel wieder in ihr lassen, Der creaturen heer und nichts zurück; Ohn ihn vergeht die ihre pracht Verkündiget des groerd' im augenblick. Ben schöpfers macht. 24 3. Licht ist sein kleid, und seine wahl das beste. Er herrscht als gott, und seines thrones feste ft treue, wahrheit und gerechtigkeit, Und was er thut, ist gnad und gütigkeit. 4. Ein unerschöpflich meer von feligkeiten, Chn anfang gott, und gott in ewgen zeiten! Herr aller welten! wer, wer ist dir gleich? Wer herrscht, wie du, im unumschränkten reich? 5. Was ist und war, im himmel, erd' und meere, Das kennet gott, und seiner werke heere Sind jetzt und ewig vor ihm of fenbar; Er hält und nährt, was ist, was wird und war. 6. Er ist um mich, schafft, daß ich sicher ruhe, Er schafft, was ich vor oder nachmals thue, Und er erforscht und kennt, was jeder thut, Prüft das verborgne, richtet weif und gut. 7. Er fiehet dich, du sigest oder geheft; Ob du ans meer, ob du gen himmel flöhest, So ist er da, ist allenthalben da, Im licht und er 8. Er kennt mein herz und allen rath der seele, Er weiß, wie oft ich gutes thu und fehle; Auch meine noth sieht er, und hört mein flehn, Und eilet dann, mir gnädig beizustehn.. 9. Er wog mir dar, was er mir geben wollte, Schrieb auf fein buch, wie lang. ich leben follte; Noch eh' ich war, eh' meine augen sahn, Entwarf er huldreich meines schicksals plan. 10. Nichts, nichts ist mein, das gott nicht angehöre. Herr, immerdar soll deines namens ehre, Dein lob und preis in meinem munde seyn! Denn alles, was ich bin und hab, ist dein. 12. Der kleinste wurm in deiner weisheit spiegel. Du, luft und meer, ihr, auen, thal und hügel, Der bäume wuchs, und selbſt der kleinste halm, Ihr seid sein lautes loblied und sein pfalm. 13. Du tränfst die erd', und schaffest grüne weiden, Und nacht und tag, und forn und wein und freuden Empfangen wir aus deiner vaterhand; Voll früchte machst du, schöpfer, unser land. 14. Rein sperling fällt, herr, ohne deinen willen; Sollt ich mein herz nicht mit dem troſte stillen, Daß deine hand mein leben mir erhält, Und nur geschieht, was dir, herr, wohlgefällt? 15. Ist gott mein schuß, will gott mein retter werden, frag ich nichts nach himmel und nach erden, So biet' ich jedem feind und unfall truß, und lebe sicher durch der allmacht schußz. Mel. Von Gott will ich nicht. 46. 46. Gott! der an allen enden Viel große wunder thut, In deffen treuen händen Mein ganzes leben ruht, Der in der Prüfungszeit Mir je: den meiner tage, Mein glück und meine plage, Bestimmt von ewigfeit. 2. Da ich noch tief verborgen Im mutterleibe lag, Wacht über mich dein sorgen. Ach, vater, wie vermag Mein dürftiger verstand Das gute zu erheben, Daß du in meinem leben Mir huldreich zugewandt! 3. Du fängst uns an zu lieben, Noch eh wir sind, und hast Nie lust, uns zu betrüben; Doch schickst du eine last, So bleibst du mitleidsvoll, Hilfft liebreich 25 Von der göttlichen Vorsehung. deinen kindern, Sie tragen und In dieser und der künftgen zeit, vermindern, Beförderst stets ihr Beim strafen und belohnen. wohl. 4. Es hat in meinem leben Mir diese zuversicht Stets neue kraft gegeben, Und fehlt noch jeho nicht. Wenn ich bekümmert war, So seufzt ich, und ward stille, Und dein stets guter wille Entriß mich der gefahr. 5. Wohl uns, daß du das regiment, Gott! über alles führeſt, Ünd wohl dem, der den zweck erkennt, Dazu du uns regiereſt! Ich, dein geringster unterthan, Herr, bete dich in demuth an. O! sich auf mich in gnaden! 5. Dein name sey gepriesen, Der jederzeit an mir So herrlich sich erwiesen! Mein Herz und mund soll dir, Du retter aus gefahr! Mein schuldig opfer bringen, Von deiner güte fingen Jeßund und immerdar. 6. Ich bin verderbt und schuldenvoll, Und auf dem tugendwege Nicht stets so eifrig, als ich soll, Bin oft zum guten träge! Doch du bist gnädig, und voll huld Vergiebst du reuenden die schuld; Drum hoff auch ich vergebung. 7. Ich hoff es, weil mich der vertritt, Den du für mich gegeben. Mein Jesus, welcher für mich litt, Erwarb mir recht zum leben. Sein tod macht mich vom zweifel frei, Ob ich der gnade fähig sey; Auch mich hat er verföhnet. 6. Du hast mir wohl gerathen, Und lauter guts gethan; Daß deiner liebe thaten Ich nicht gnug rühmen kann. Hilf, vater, daß ich dort, Verklärt und ganz vollkommen, Mit allen deinen frommen Dir danke fort und fort. 8. Herr, ewig will ich deinen rum Mit lob und dank erheben. Dir will ich, als dein eigenthum, Mich ganz zum dienst ergeben. mit luft will ich bis in den tod Nach deinem heiligen gebot Durch deinen beistand wandeln. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 47. Dir, unser gott, ist niemand gleich Sm himmel und auf erden; Du bist der höchste, und dein reich Kann nie begriffen werden. Unendlich ist die majestät, Die über alle dich erhöht, Die kron und scepter tragen. Mel. Wend ab deinen Zorn. 2. Wie weit erstreckt sich dein 48. Dein reich, o gott! ist gebiet! Wo ist der, der es messe? ewig Wohin auch nur mein auge sieht, Dein reich und deine macht, die Da seh ich deine größe. Weit, wir verehren. Und ewig wird über alle himmel weit, Geht dei von aller völker zungen nes reiches herrlichkeit; Du herr- lob besungen. schest über alles. Dein 2. Der Herr bewahret alle, welche fallen; Der höchste hilft den unterdrückten allen, Und eilt, mit heil die, die um heil ihn bitten, 3u überschütten. 3. Nach dir, gott, schauen aller wesen blicke, Daß deine Hand fie väterlich erquicke; Du giebſt auch einem jeden seine speise, Dağ er dich preise. 3. Du herrschest weislich, recht und gut, Nach heiligen geseßen. Du willst auch deiner treuen hut Das kleinste würdig schäßen. Auf alles geht dein augenmerk, Und immer ists dein liebstes werk, zu segnen, zu beglücken. 4. Wie recht ist, höchster, dein gericht, Der du die wahrheit liebest! Wie unpartheiisch bist du 4. Herr, du erhältst mit deinicht, Wenn du vergeltung übest! nem wohlgefallen Was lebt; Du handelst stets nach billigkeit, thust deine hand auf, und giebst Von der göttlichen Vorsehung. allen, Was sie bedürfen; keiner liebt, Und deiner führung sich erfucht vergebens Dich, quell des giebt. lebens! 5. Drum will ich mich dir überlassen Mit allem, was ich hab und bin. Ich werfe, was ich nicht kann faffen, Auf deine macht und weisheit hin. Der ausgang zeigt doch immerdar, Daß stets dein rath voll güte war. 6. Gieb, daß dies mein vertraun vermehre, Jm glück und unglück, freud und leid. Schick alles, herr, zu deiner ehre, Und meiner seelen seligkeit! So preis' ich einst vollkommen dich, So freu ich dein auf ewig mich. 26 5. In allen wegen gottes strahlet gnade; Untadelhaft find alle feine pfade, Und was er thut, gereicht zu seinem preise, Ist gut und weise. 6. Der herr ist nahe denen, die ihn bitten, Die ernstlich ihn um feine hülfe bitten. Er thut, was die gerechten, die ihn ehren, Von ihm begehren. 7. Der herr behütet alle, die ihn lieben; Die aber, die gewalt und frevel üben, Verfolgt er, daß er sie zum fluche mache, Mit rache. igeruf ewig will ich seinen na- 50. GottMacht deinen ruhm Mel. Herzlich thut mich verlangen. ganze feele 8. men loben; Von allen menschen werde gott erhoben! Was lebet, müsse, herr, zu allen zeiten Dein lob ausbreiten. Mel. Wer nur den lieben Gott. 49. ürwahr, du bist, o gott, bleibt für uns wunderbar. Umsonst sind alle unsre sorgen, Du forgtest, eh die welt noch war, Für unser wohl schon väterlich. Dies sey genug zum trost für mich. 2. Dein weg ist zwar in finsternissen Für unsre augen oft ver steckt, Doch wenn wir erst den ausgang wissen, Wird uns die ursach auch entdeckt, Warum dein rath, der niemals fehlt, Den uns so dunkeln weg gewählt. 3. Nie sind die tiefen zu ergründen Von deiner weisheit, macht und güt. Du kannst viel tausend wege finden, Wo die vernunft nicht einen sieht. Aus finsterniß bringst du das licht, Du sprichst, o gott, und es geschicht. 4. So weicht denn, ängstliche gedanken; Gott kann weit mehr, als ihr versteht. Bleib, feele! in der demuth schranken; Die Demuth wird von gott erhöht. Ja, herr, du liebst den, der dich befannt. Dir dank ich, und ers zähle Die wunder deiner Hand. Mein Herz ist froh, ich finge: Herr, meine lust bist du. Dir. dem ich lieder bringe, Dir, höchster, jauchz' ich zu. 2. Du sigest auf dem throne Als richter aller welt, Der jeglichen zum lohne Das rechte urtheil fällt. Wenn dich die menschen schmähen, Dann rächst du ihren spott, Du schiltst; und fie vergehen Vor deinem zorn, o gott! 3. Der herr hat zum gerichte Sich seinen thron erhöht. Vor seinem angesichte Bleibt nicht, wer widersteht. Ihr kühnen süne der, zittert, Bereut noch euren spott. Sein thron wird nie erschüttert, Der herr bleibt ewig gott. 4. Der herr regiert, und liebet, Was ungerecht ist, nicht. Er wägt die welt, und übet Partheilos sein gericht. Die waage sinkt und steiget, Wie sein gesetz gebeut; Und jedes land bezeuget Des richters heiligkeit. 5. Gott ist ein fels der armen, Ein fels in jeder noth, Sie traum auf sein erbarmen, Wenn ihnen unfall droht. Die thränen, die sie weinen, Sind dir bekannt und werth, Du, gott, versäuUniv.- Bibl. Giessen Von der göttlichen Vorsehung. mest keinen, Der deinen schuß begehrt. 6. Ihr bürger zions, preiset, Verkündigt in der welt, Wie groß sich gott beweiset, Der, was er zujagt, hält. Er denkt daran, und fraget Nach des gerechten blut, Er hört ihn, wenn er klaget, Und stillt der wetter wuth. 7. Herr! sey mir gnädig, schaue Voll huld auf meine noth; Du bists, dem ich vertraue, Du hilfst auch selbst vom tod. Nach überwundnen leiden ich ins heiligthum, Und über dich voll freuden, Erheb ich deinen ruhm. Mel. Alles ist an Gottes Segen. 51.Her err, mein licht, mein heil, mein leben! Wie kann ich dich gnug erheben? Was für lieder stimm ich an? Was soll ich zum dank dir bringen, Und wie soll ich würdig singen, Was du, herr, an mir gethan. 2. Oft hast du mein herz ge= beuget, Aber auch mir bald gezeiget, Daß du stets den deinen nah. In der nacht warst du verborgen; Doch bald kam der frohe morgen, Da ich, herr, dein antlig sah. 27 2. Du bildetest mir mein gebein, Du hauchtest mir die seele Allmächtig, o mein schöpfer, ein, Durch die ich denk und wähle! Vor tausenden, durch dich er3. Heilig, herr, sind deine wege, Wunderbar sind alle stege Die du deine kinder führst. Wer muß nicht aus deinen werken, Dir zum preise, es bemerken, gerecht du, herr, regierst? Wie 4. Nun, ich will dir fest vertrauen, Und auf deine gnade schauen, Wenn des freuzes laft mich drückt; Ich will still seyn, hoffen, schweigen, Stets vor dir, o herr, mich beugen, Bis dein beistand mich erquickt. 5. Willst du deine Hülf auf schieben, Willst du meine demuth üben; Herr, ich bin dein sündger knecht! Willst du strafen, willst du schlagen, Schickst du trübsal, noth und plagen; Herr, du bleibest stets gerecht! 6. Doch weiß ich, daß deine treue Ewig ist, und täglich neue, Selbst zur schwersten prüfungszeit. Deine strafen, deine schläge, Sind ja, wenn ichs recht erwäge, Mittel meiner feligkeit. 7. Ach, so stärke mir den glauben! Laß ihn nichts, mein gott, mir rauben, Keine freude, keine pein! Laß mich deine liebe schmecken, Laß in noth und angst und schrecken Deine gnade mich erfreun. Von der Natur und Würde des Menschen. Mel. Was mein Gott will, gescheh. 52. nährt, Vor tausend deiner werke Gabst du mir einen höhern werth, Mir weisheit, kunst und stärke. welch ein glück, ein mensch zu seyn! Wie kann ich gott gnug preisen? Wie des berufs, ein mensch zu seyn, Mich würdig hier erweisen? Sch bin ein wunder feiner macht und weisheit, lieb' und güte! O mensch, nimm deinen werth in acht! Er kenn es, mein gemüthe! 3. Vernunft und freiheit dank ich dir; Welch glück, sie zu be sizen! Ach, dir zum ruhm, zum heile mir, Lehr du mich, gott, ste nüßen! Der mensch ists nur, der reden kann, Sonst kein geschöpf auf erden; Der mensch nur Kann ruft dich, schöpfer, an, andrer lehrer werden. 4. Du schufft mich zur geselligfeit, Gabft mir ein herz voll triebe Zum mitgefühl, zur mensch 28 Von der Natur und Würde des Menschen. lichkeit, Zur freundschaft und zur liebe. Und diese menschlichkeit, gott, schafft schafft Mir unzählbare frenden, Giebt mir zur tugend muth und kraft, Und ruh und trost in leiden. 5. Dich, meinen schöpfer, meinen gott, Erkenn ich, deine werke, Dein göttlich wort und dein gebot, Und weisheit, macht und stärke. Für deine väterliche huld Dankt freudig meine seele, Und um erbarmung und geduld Fleh ich dich, wenn ich fehle. 6. Ich bin ein mensch, und darf vor dich Mit freudigkeit stets treten, Ich darf dich, du hörst, vater, mich, Getrost und froh anbeten! Heil mir, o heil der zuversicht, Die ich als mensch hier habe! Du rufft zur ewigkeit ans licht Mich wieder aus dem grabe. 7. Dein sohn, der schöpfung herr mit dir, Kam mitleidsvoll auf erden, Und ward ein mensch, ein mensch wie wir, Der menschen heil zu werden. Er nahm uns auf in dein geschlecht, Wir wurden seine brüder; Er bracht uns frömmigkeit und recht, Und gnad und leben wieder. 8. Noch einmal sehn wir deinen sohn Vom himmel wieder kommen, Und dann stellt er um seinen thron Als richter alle frommen, Und aller himmel heer ist sein, Ihr erbtheil giebt er ihnen, Sie werden ihres Heils sich freun, Und ewig dann ihm dienen. 9. D welch ein glück, ein mensch zu seyn! Wie kann ich gott gnug preisen? Wie, des be rufs, ein mensch zu seyn, Mich würdig hier erweisen? Ich bin ein wunder seiner macht und weisheit, lieb' und güte! O mensch, nimm deinen werth in acht! Erfenn es, mein gemüthe! Mel. Es ist das Heil uns kommen. 53. Dir, gott, sey preis und dank gebracht! Dich rühme harf und pfalter! Ich bin ein wunder deiner macht, Mein schöpfer, mein erhalter! Mein ganzer leib, erbaut von dir, Sammt einem jeden. sinn an mir, Beweiset deine größe. 2. Haupt, aug und ohr, und mund und hand, Die ich zu dir erhebe, Die haut, so künstlich ausgespannt, Der nerven fein gewebe, Und alle glieder sagen mir, Ich sey, o gott, ein werk von dir, Ein werk von deiner weisheit. 3. Wie biegsam, wie gelenkvoll schließt, Den thoren zu vers dammen, Ders leugnet, daß ein schöpfer ist, Sich glied an glied zusammen! Wie willig, herr, gehorchen sie, Wenn meine seele spät und früh Des leibes dienst verlanget! 4. Ach hättest du mein auge nicht So meisterlich bereitet; Was nüßte mir der sonnen licht, Ihr glanz vor mir verbreitet! Dann säh ich nicht, mit welcher pracht Du, herr, durch deine weise macht, Was du erschaffen, schmückest. 5. Ich jauchze, daß ich sehen kann, Und hören und empfinden, Und reden; beten will ich an, Gott sehen und empfinden. Mein mund sey voll von deinem dank, und deiner schöpfung lobgesang Sey mein gehör gewidmet. 6. Wer leitet meines Blutes lauf? Wer lenkt des Herzens schläge? Wer regt die lung und schwellt sie auf, Damit ich leben möge? Gott ist es, der dies alles thut. Schlag, herz! entflamme mich, o blut! Daß ich den höchsten preise. 7. O prief' ich, höchster, immer dich, Wenn ich die sinne brauche! Geh, lieg und ausruh, oder mich Bewege, athme, hauche! Gieb, daß ich dein mich ewig freu, Und daß mein leib ein tempel sey, Worin dein geiſt stets wohne! Von der Natur und Würde des Menschen. Mel. Wer nur den lieben Gott. 54. 8 werde gott von dir erhoben, Du feines odems hauch, mein geist! Sollt ich nicht meinen vater loben, Den jedes seiner werke preist? Ihn, der mich schuf, sein bild zu seyn, Und seiner wunder mich zu freun? 2. Schön ist der sonnenreiche himmel, Den er zu seinem stuhle wählt; Doch ist der sonnenreiche himmel Gedankenlos und unbefeelt; Und mir, dem thone seiner hand, Giebt er empfindung und verstand. 4. Für geister nur, und nur für seelen, Die zu den geistern gott erhob, Sind sie so herrlich, und erzählen Nur ihnen meines schöpfers tob. seele, jauchze, daß der ruf Der allmacht dich zum geiste schuf. 5. Gott, ich kann denken, und gewinne, Weil ich zu einem geiste ward, Durch die empfindung meiner sinne Gedanken tausend facher art. Groß, mannigfaltig ist ihr heer, Und doch wird ihrer täglich mehr. 29 willen giebst! O möcht ich es doch stets erwägen, mit welcher güte du mich liebst! Möcht ich mit allen kräften dein, Dein mit vers stand und willen seyn! 10. Es werde gott von dir erhoben, Du seines odems hauch, mein geist! Sollt ich nicht meinen vater loben, Den jedes fei 3. Anmuthig, prächtig zum zum ner werke preist? Jhn, der mich entzücken, Ist gottes ganze för- schuf, sein bild zu seyn, Und seiperwelt. Wer zählt die reize, die sie schmücken? Was ich nur fehen kann, gefällt; Und dennoch kann ich nicht, wie ſchön, wie ner liebe mich zu weihn? wundervoll sie sey, verstehn. 9. Gott, meine lust sey, dich zu kennen, Dich, urquell der vollkommenheit! Von deiner liebe ganz zu brennen, Das sey mir ruhm und seligkeit. Bin ich in Christo nur mit dir, Mein gott, vereint, was fehlet mir? Mel. Wer nur den lieben Gott. Mas ist vor deinem ans W 55. gott, daß du sein gedenkst, Und einen strahl von deinem lichte Auf ihn, den staub, hernieder sentst? Was ist er, wär er noch so groß? Ein bald zerfallner erdenklos. 2. Du sahest an den menschenKindern Den schweren fall vor langer zeit; Und dennoch hast du diesen sündern Aus göttlicher barmherzigkeit Unzählig viel zu gut gethan, Ia mehr, als jemand fassen kann. 3. Du hast den leib, obschon aus erde, Doch wunderbar und schön gebaut; Daß er der seele würdig werde, Ihm sprach und sinnen anvertraut. Du hast ihn selbst zum herrn der welt, Dem alles dienen soll, beſtellt. 4. 6. Ich kann sie sammeln und verbinden, Und trennen, wie es mir gefällt, Die welt empfinden, mich empfinden, Weit unterschieden von der welt. Zu tausend thaten hab ich kraft; Wer giebt sie? gott, der alles schafft. 7. Wie feurig dürftet meine feele Nach glück und lust und seligkeit; Nur daß ich oft betrogen wähle, Was mich nach dem genusse reut. Doch das ist, vater, meine schuld; Denn was du gesagt. schaffst, zeugt nur von huld. 5. Drum laß es stets mich 8. Wie wundervoll ist das ver- wohl bedenken, Was du, o gott, Dir leib und mögen, Gott, das du meinem an mir gethan, Du hast ihm noch viel mehr geschenket; Du gabest ihm zum bessern theil Die seele, welche will und denket, Und ihr hast du ein ewges heil, Noch ehe sie nach dir gefragt, In deinem worte zu 30 Von der Natur und Würde des Menschen. feele wieder schenken, Da ich dir sonst nichts schenken kann; Damit sie beide nach der zeit Dich preisen in der ewigkeit. 6. Und nimm indeß sie alle beide, Allmächtiger, in deinen schut; So bieten wir in allem leide, Mit dir auch welt und Hölle truß. Wenn wir in deiner gnade stehn, So muß es uns stets wohlergehn. 7. Doch wenn erhöhet von der erden, Im himmel, deiner ewgen stadt, Dich leib und seele schauen werden, Von deinem licht stets froh und fatt, So sollen sie auch beide dich Vollkommen rühmen ewiglich. 2. Wie viel hab ich dir 3u verdanken, Herr, der du mich bereitet haft! Als mich die engen finstern schranken Des ersten da feyns noch umfaßt, Da war dein auge über mir, Da lebt ich, höchster, nur in dir. Mel. Wer nur den lieben Gott. 56. Dift mein leben; Wie De ein bin ich, gott! dein tig feel und leib befleckt. tröstlich ist mein ursprung mir! Du hast den odem mir gegeben; Mein ganzes wesen kömmt von dir. Du, vater, riefst mich aus dem nichts zum frohen anschaun deines lichts. 3. Du gabst mir die vernünft'ge feele, Die nur so lang im fleische lebt, Bis sie, daß ihr kein wohlfeyn fehle, Dein ruf zum höhern geist erhebt. Da haft mir sinnen und verstand, Begierd und willen zugewandt. 4. Wenn ich auf meinen körper sehe, Den du so kunstvoll ausgebildt, So wird, o vater in der höhe! Mein Herz mit ehrfurcht ganz erfüllt. Ein jedes glied, ein jeder sinn, Reißt mich zu deinem lobe hin. 5. Durch deiner vorsicht gnädigs walten, Die mich von findheit an umfing, Bin ich bis hieher noch erhalten, So daß der tod vorüberging. Ich stehe noch und preise dich, Herr, deine rechte schützet mich. 6. Ich bin nicht werth der großen güte, Die du, mein gott, an mir gethan; Beschämt empfindet mein gemüthe Die schuld, die ich nicht leugnen kann. Ich habe, was mich sehr erschreckt, Vielfäl Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 57. Mie wichtig ist doch uns Von der Bestimmung des Menschen. 7. Ja, herr, ich habe meine glieder Zu sündengliedern oft ge macht. Vor dir fall ich in demuth nieder; Vergieb, was ich nicht recht bedacht! Verwirf mich, vater, nicht von dir! Schaff selbst ein reines herz in mir. 8. Hilf, daß ich dir zur ehre lebe, Und redlich thu, was dich erfreut, Und geist, und leib und glieder gebe Zu waffen der gerechtigkeit; Daß ich bis in den tod dir treu, Und stets ein freund der tugend sey. 9. Fällt dieses Leibes hütte nieder, Vollend ich dieses lebens lauf, O gott, so richte du mich wieder Verherrlicht aus dem staube auf. Dein ewges leben sey mein theil; So preis' ich ewig dich, mein heil! der der herr gegeben! Gott, als uns deine liebe schuf, Da schuf sie uns zum leben; Zum leben, welches ewig währt, Das weder leid noch angst beschwert, Willst du uns 2. Nicht hier ist unser vaterland; Allein bei dir, gott, droben, Da ist der ort, wo deine Von der Bestimmung des Menschen. hand Das glück uns aufgehoben, 3. Was um mich ist, verkünDas nie ein traurig ende nimmt. digt mir, Gott, deine herrlichHier sind wir nur von dir be- feit. Zu ihrem preise reizt mich stimmt, Uns dazu anzuschicken. hier Selbst jede jahreszeit. 3. D laß mir doch dies große ziel Durch nichts verrücktet werden! Was hilfts, wenn ich auch noch so viel Von gütern dieser erden, Von ehre, geld und luſt gewinn, Wenn ich dabei nicht tüchtig bin, Dein himmelreich zu erben? 31 schauen. 7. Und solch ein herz, das wollst du mir, Gott, aus erbarmen geben, Damit ich möge auch schon hier Nach den geseßen leben, Die selbst im himmel gültig find, Bis ich als dein bewährtes find Zu deiner freud eingehe. 4. Und ich, ich sollte fühllos feyn? Ich rühmte dich, herr, nicht? Ein herold deines ruhms zu sein, Bleibt meine größte pflicht. 5. O mache dieser pflicht mich treu, So treu, herr, als ich soll. Mein herz, mein mund, mein wandel sey Stets deiner ehre voll. 4. Dein pilgrimm bin ich ja nur hier; Laß mich dies nie vergessen! Nur wenig tage hast du mir Zur wallfahrt zugemessen. Schnell wie ein traum, sind sie vollbracht, Und dann wird dieser erde pracht Auf ewig mir vergehen. 5. Drumi laß des himmels herrlichkeit Mich stets vor augen haben. Laß mich in meiner prüfungszeit Um jene beßre gaben, Die mir im tode nicht entfliehn, Am ersten und mit ernst bemühn, Damit ich nicht einst darbe. 6. Ein herz, das dich, o va ter! liebt, und deines sohns sich freuet, Das in dem glauben tugend übt, Und sich vor fünden scheuet, Ein solches herz, das Mel. O Gott, du frommer Gott. wird allein Sich ewig deiner 59. Allmächtig großer gott, freun, antlitz Wer kann dich gnug erheben? Du gabst der ganzen welt Ihr daseyn, kraft und leben. Was geist und körper heißt, Was erd und himmel hegt, Hat deine hand gebaut, Die jetzt noch alles trägt. 2. Du schufft, ich dank es dir, Auch mich zu deiner ehre, Und wolltest, gütigfter! Daß ich dein bildniß wäre. Drum hast du auch den geist, Der in mir lebt und Mel. Nun sich der Tag geendet. 58. Ich bin, gott, dein denkt, Mir zur unsterblichkeit eigenthum. deiner mich, dein zu seyn, Mein ganzes leben dir zum ruhm, Und deinem dienst zu weihn. 2. Du gabst mir den vernünfte gen geist, Bewundernd einzusehn, Wie dich, herr, deine schöpfung preist, Mit ihr dich zu erhöhn. 6. Wer dich verehrt, hält dein gebot; Jhm ists nicht last, nicht pein. Drum gieb auch mir die kraft, o gott, Gehorsam dir zu seyn. 7. Was du gebeutſt, ist für uns gut. Du willst nur unser heil. Wohl dem, der deinen willen thut! Du bist sein trost und theil. 8. Er wandelt hier auf ebner bahn, Und selbst in traurigkeit Schmeckt er, dir, höchster! zugethan, In dir zufriedenheit. 9. Nach hier vollbrachter prüfungszeit Nimmt ihn der himmel ein. Herr! laß nach dieser seligkeit Mein ganz bestreben seyn! 3. D welch ein großer zweck, Dazu du, gott, mich schufest! Wie herrlich ist das theil, Dazu du mich berufest! Dir, höchster, ähnlich seyn, Ist unser größtes glück. Owohl mir, wenn ichs bin! Hilf mir zu diesem glück. 32 Von der Bestimmung des Menschen. 4. Laß mir dies große ziel Doch stets vor augen schweben! Mein allerstärkster wunsch, Mein eifrig stes bestreben In allem meinem thun, Sey dies, o gott, allein, Daß ich auch so, wie du, Gesinnet möge seyn. 5. Du bist der wahrheit freund; Laß mich auch wahrheit lieben, Und mit stets munterm fleiß In allem dem mich üben, Was mich zur weisheit führt, Zur weisheit, die dich ehrt, und allem beifall giebt, Was du uns selbst gelehrt. 6. Laß deine heiligkeit stets zum muster nehmen, mir die fünde fliehn, Des sches lüste zähmen, Nur das, was recht ist, thun, Des guten mich erfreun. Und dem, ders üben will, Auch gern behülflich seyn. Mich Hilf fleimeiner brust, Wie bei allen adamserben, Sich noch immer böse lust, Die mein herz, herr, von dir neiget, Und viel böse thaten zeiget. 2. Wie verderbt sind meine wege! Wie verkehrt mein eigner sinn, Ich empfind es, gott, wie träge Ich dir zu gehorchen bin. Ach! wer wird vom hang zum bösen Mich noch endlich ganz erlösen? Von der Verdorbenheit des Menschen. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. du kennest mein 5. Schaffe denn ein reines durch err, 60. Herben; Ach es regt in geift in mir, daß ich nicht mein heil verscherze. Laß der fündlichen begier Mich mit nachdruck widerstehen, Und auf deine hülfe sehen. 6. Unter wachen, beten, ringen, Hilf mir selbst mein fleisch und blut Unter deinen willen zwingen; Denn dein wille, gott, ist gut. Was nicht kann dein reich ererben, Laß schon hier an mir ersterben. 3. Hilf mir durch den geist der gnaden Von der angeerbten noth, Heile meiner seele schaden Durch des mittlers freuzestod! Tilge alle meine sünden, Laß mich vor dir gnade finden! 7. Gieb, daß ich so, wie du, Ein freund der menschen werde, Dem wohlthun freude macht, Der fummer und beschwerde Dem nächsten gern erspart, Dem nächsten gern verfüßt, Und wo er helfen kann, Zum helfen willig ist. 8. Wie weit bin ich noch fern, gott! von diesem ziele! Du weißt, was mir noch fehlt, Und ich, ich selber fühle, Wie wenig ich dir noch Im guten ähnlich bin; O bilde du mich ganz Nach dir und deinem sinn! 4. Deinen willen hier auf erden Zu vollbringen, wird mir schwer. Soll ich dazu tüchtig werden, Mußt du selbst von oben her Mir dazu die kraft verleihen, und mein sündhaft Herz erneuen. 9. Beglückt ist nur alsdann Mein lebenslauf auf erden, Wenn ich dir immer mehr Schon hier kann ähnlich werden, Dann werd ich ewig auch Mit die vereinigt seyn, Und mich ohn unterlaß Gott, deiner güte freun. 7, Reize mich durch jene krone, Die mir droben beigelegt, Dağ ich meiner niemals schone, Wenn die sünd in mir fich regt: Hilf mir selber muthig kämpfen, Alle böse lüste dämpfen. 8. Sollt ich etwa unterliegen, O so bilf mir wieder auf! Laß in deiner kraft mich siegen, Daß ich meinen lebenslauf, Unter deinen treuen händen, Möge gut and felig enden. 33 Von der Verdorbenheit des Menschen. Deinen Mel. Jesu, meines Lebens Leben. Voller ehrerbietigkeit. 61. Großer gott! erhabnes willen thun und leiden, Sey die quelle meiner freuden. Gott und Herr der ganzen welt! Thu mit mir, was dir gefällt. wesen, Das, voll segnender begier, Menschen sich zum dienst erlesen! Ach was ist der mensch vor dir? Wenn ich deine größ erwäge, Und, was ich bin, überlege; wie dürftig und wie ich nicht seyn? sünde müth, 2. Fluch und elend, tod und Drücken, leider! mein ge Machen mich zu einem finde, Das vor seinem vater flieht. Tausend mängel, tausend flecken Schänden mich zu meinem schrecken, und in der verderbten brust Regt sich täglich böse luſt. 3. Was ich gutes an habe, Ist von deiner vaterhand. Dwie manche gute gabe Hast du, herr, mir zugewandt! Selber auf dem fündenpfade Trägt mich schonend deine gnade. Nähmest du zurück, was dein, Ach! was würd mir übrig seyn? mir 4. Doch die menge deiner gaben Klagt nur meinen undank an, Weil ich sie oft ganz vergraben, Oft damit nur groß gethan, Oft voll leichtsinn sie verschwendet, Und zut sünden angewendet. D! wie häuft sich meine schuld Durch verachtung deiner huld! 5. Sieh, hier lieg ich in dem staube, Tief vor dir, mein gott! gebückt; Doch mein demuthsvoller glaube, Der auf meinen heiland blickt, Hofft auf deine vatergüte, Und mein tief beschämt gemüthe, Daß den muth fast ganz verlor, Hebt sich noch zu dir empor. 6. Ja, die wunder deiner liebe Ziehen ganz mein Herz zu dir. Ach! erhalte selbst die triebe Treuer dankbarkeit in mir. Vater! laß das schwache lallen Meines lobes dir gefallen. Bilde mich, dein eigenthum, Ganz zu deines namens ruhm. Mel. Wo soll ich fliehen hin. 62. Mein gott! dir ist bes Die innre lust, Die quelle meiner fünden, Die menschen nicht ergründen. O! heile du aus gnaden Der feele tiefen schaden. 2. Des bösen Herzens grund Wird oft durch thaten kund, Die mich vor dir verklagen Und mein gewissen nagen. Herr, willst du sie bestrafen, Wer wird mir rettung schaffen? 3. Ich habe wider dich, Den nächsten und auch mich Vielfältig, herr, gehandelt; Ich bin den weg gewandelt, Der menschen von dir wendet, und sich mit schrecken endet. 4. Ein jegliches gebot Zeugt wider mich und droht, Weil ich ( dies schlägt mich nieder) Nur gar zu oft dawider Gedacht, ge= Und deinen than, gesprochen, bund gebrochen. 5. Verwirf mich nicht von dir; Hilf! herr, erbarmend mir, Erneure meine seele, Daß sie nur gutes wähle. Wer kann mich sonst vom bösen, Als du, o herr, erlösen? 6. Drückt mich der sünde joch Gleich mächtig, so bleibt doch Weit mächt'ger deine gnade. Wie groß auch nur mein schade, So kannst du ihn doch heilen, Und leben mir ertheilen. 7. Hat sonst des fleisches macht In mir ihr werk vollbracht, So gieb mir luft und stärke, Daß ich nur gute werke Beschließe und vollbringe, Und ewig dir lobsinge. Mel. Wo soll ich flichen hin. 63. Du, der nichts böses thut, 7. Meine Fräfte, meine glieder Sind zu deinem dienst bereit. schen gut; Du, höchster! gabst Herr, ich falle vor dir nieder ihm Fräfte 3um seligsten geschäfte, C Von der Verdorbenheit des Menschen. 34 In heiligkeit zu wandeln, Stets recht vor dir zu handeln. 2. Wo ist der unschuld ruhm? Herr! wir, dein eigenthum, Wie tief sind wir gefallen! Wo ist jeßt unter allen Ein mensch ganz rein von fünden Vor dir, o gott! zu finden? 3. Hier ist kein unterschied. Dein helles auge sieht Auf alle menschenkinder, Und sieht sie alle sünder. Da ist vor dir, herr, keiner Unschuldig, auch nicht einer. 4. Verderbt ist aller sinn; Die weisheit ist dahin, Die uns regieren sollte, Nur was dein wille wollte, Mit freudenvollen trieben Zu wählen und zu üben. 5. Fleisch sind wir von natur, Uns rühren, leider nur Die güter dieser erden, Die uns entrissen werden, Mehr, als die höhern gaben, Die uns auf ewig laben. 6. Dir folgen, dünkt uns zwang. Des Herzens böser hang Reißt uns mit starkem triebe zu schnöder fündenliebe. Und können wir wol zählen, Wie oft wir vor dir fehlen? 7. Herr! was uns gebricht, Laß in der wahrheit licht So heil sam uns erkennen, Daß wir von ernst entbrennen, Der sünde zu entsagen, Der beßrung nachzujagen. 8. Wohl dem, der sie gewinnt! Gott! so verderbt wir sind, So willst du uns doch heilen, Und kräfte uns ertheilen; Schon wiederum auf erden Dir gleichgesinnt zu werden. 9. Herr! diese deine huld Laß uns durch neue schuld Nie frevent= lich verscherzen. Erwecke unsre Herzen, Dem guten nachzustreben, Damit wir ewig leben. ter! gott ist der! Wenn ich verkehrte wege wähle, So richtet und verdammet er. Sollt ich, durch meinen mittler rein, Aufs neu ein gräuel gottes seyn? 2. Er, wieder zu der tugend tüchtig Durch seines Jesu licht und kraft, Ist heilig, denkt und wandelt richtig, Unsträflich und gewissenhaft, Er lernt, was gott gebeut, und übt Das gute, weil er Jesum liebt. kinder Sind auch gefallen, auch 3. Ach! Adam fiel, und seine entweiht, Gefallen alle, thoren, fünder, Und achten nicht, was gott gebeut. Untüchtig sind sie gut ist, thun. alle nun, Und keiner kann, was 4. Da fandte gott zu Adams herab, Der für sie litt und allen kindern Den mittler, seinen sohn sündern Heil, leben, licht und weisheit gab. Er gab den geiſt aus goit; und nun kann, wer ihm folgt, was gut ist, thun. 5. D, fünder! wollet ihr nicht merken, Wie gut der herr ist? wollt ihr nicht, Durch ihn erneut zu guten werken, Der weisheit folgen und der pflicht? Solls denn umsonst seyn, daß er euch Vergebung anbeut und sein reich? 6. Empfanget feines geistes gabe! Lernt weisheit! lernet glauben! lernt, Wie gut es der gerechte habe, Der von den la stern sich entfernt! Er fürchtet ist seine zuversicht. tod und zukunft nicht; Denn gott 7. Ach, daß sie alle weise würFrei von der sünde harten bürden, Erneuert zur gerechtigkeit! den! Zu kindern gottes eingeweiht! Die engel würden fröhMel. Wer nur den lieben Gott. 64 Der weise fagt zu seiner lich seyn, Und sich des heils der freun. feele: Es ist ein rich Von der Erlösung des Menschen durch Christum. Mel. Es ist das Heil uns kommen. eil uns! aus unsrer 65. 35 5. Was er zum leben uns verschafft, Das ist in seinen händen; Sein ist das reich, sein ist die kraft, Das heil uns zuzuwenden, Das er so liebreich uns erwarb, Als er für uns am kreuze starb. Wohl allen, die ihm trauen! 6. O, laßt uns ihm uns anvertraun, Und niemals sein uns schämen! Auf seine mittlershülfe baun, Und sein joch auf uns nehmen. Das ist der weg zum ewgen wohl, Der weg, auf dem man friedensvoll Auch schon auf erden wandelt. uns erworben. Der Herr will nicht des sünders tod; Das, was an uns verdorben, Hat er aus gnaden uns ersetzt. Wie werth sind wir vor ihm geschätzt! Wie groß ist sein erbarmen! 2. Selbst seinen eingebornen sohn Sandt er zu uns auf erden, Von dem verdienten fündenlohn Ein uns werden. Er fam, und mit ihm unſer heil. 66. N fröhlich ſeyn, Gott Mel. Nun freut euch, lieben Christen. un, christen! laßt uns Er kam, am ewgen leben theil Uns wieder zu erwerben. 3. Wo ist, o tod, dein stachel nun? Hier ist dein überwinder. Für unsre schuld genug zu thun, Starb er, das heil der fünder. Wo ist nun, sünde! deine kraft? Hier ist der, der uns kräfte schafft, Dein joch von uns zu werfen. dank und ehre bringen, Von herzen seines heils uns freun, Mit lieb und lust ihm singen. Wer faßt die große wunderthat, Was gott an uns gewendet hat, Wie theur er uns erworben? 4. Gelobt sey gott! gelobt sein sohn, Der retter unsrer seelen! Nun kann uns auch auf erden schon Das wahre glück nicht fehlen, Getrost und froh in gott zu seyn, Wenn wir uns nur dem heiland weihn, Den gott für uns verordnet. 7. Herr! laß uns diese seligkeit Doch über alles schäßen. Nie fönnen güter dieser zeit Den mangel uns erseßen, Wenn uns nes das größte gut gebricht, Ein reidir, gott, unser vater! glück 8. D lenk auf dies erhabne Der seele stärkſte triebe! Zeuch mächtig unser herz zurück Von schnöder fündenliebe! An dem uns theur erworbnen heil Laß uns im wahren glauben theil Stets suchen und gewinnen. 2. In sünden hart verstrickt, war ich Todt, elend und verloren. Stets quälte mein gewissen mich, Verderbt war ich geboren. Ich sank auch immer tiefer drein, That niemals gutes, war allein Von fünde ganz besessen. 3. Mein bestes thun galt dennoch nicht, War durch und durch verdorben. Ich haßte gott und sein gericht, Zu seiner lieb erstorben. Die angst wuchs zur verzweiflung an, Daß ich ihr nirgends hin entrann, Zur hölle mußt ich sinken. 4. Gott jammerte von ewigkeit Mein elend ohne maaßen. Er dachte der barmherzigkeit, Mir wollt er helfen lassen; Zu mir wandt er sein vaterherz, Zu heilen meiner wunden schmerz, Ließ ers sein bestes fosten. 5. Er sprach zu seinem lieben sohn: Die zeit kommt zu erbarmen! Eil, meines herzens werthe kron! Sey du das heil der armen! Hilf ihnen aus der tiefen ( 652 36 Von der Erlösung des noth, Für sie entwaffne du den tod, Und laß sie mit dir leben! 6. Der sohn, der ihm gehorsam war, Kam selbst zu uns auf erden, Als eine jungfrau ihn ge= bar. Mein bruder wollt er werden! Enthielt sich seines arms gewalt, Und ging einher in knechtsgestalt, Des satans reich zu stürzen. Menschen durch Christum.] 3. Ich kann der sonne wunder nicht, Noch ihren bau ergründen, Und doch kann ich der sonne licht Und ihre wärm empfinden. 4. So kann ich auch nicht gottes rath Von Jesu tod ergründen! Allein das göttliche der that, Das kann mein herz empfinden. 5. Nimm mir den trost, daß Jesus Christ Nicht meine schuld ge= tragen, Nicht gott und mein er= löser ist; So werd ich angstvoll zagen. 6. Ist Chrifti wort nicht gottes sinn, Werd ich stets irren müssen. Und wer gott ist, und was ich bin Und werden soll, nicht wissen. 7. Er sprach zu mir: halt dich an mich! Es soll dir jetzt gelingen. Mich selber geb ich ganz für dich; Will mächtig für dich ringen. Denn ich bin dein und du bist mein, Auch du sollst, wo ich bleibe, seyn, Uns soll der tod nicht scheiden. 8. Vergießen wird man mir mein blut; Voll grimms mein leben rauben. Gern leid ich alles dir zu gut; Das halt mit festem glauben. Dein leben, sterblicher, ist mein, Und mein verdienst ist, fünder, dein. So bist du selig worden. 9. Den himmel nehm ich wieder ein Und scheid aus diesem leben. Da will ich stets dein muster seyn Und meinen geist dir geben, Der dir in trübsal trost gewährt, Dich, wenn er mich in dir verklärt, In alle wahrheit leitet. 10. Was ich gethan, was ich gelehrt, Das sollst du thun und lehren: Daß gottes reich sich stets vermehrt, Zu seines namens ehren. Nur hute dich vor menschenwahn, Der dir den schatz leicht rauben kann; Dies sey mein abschiedssegen. 7. Nein, diesen trost der christenheit Soll mir kein spötter rauben; Ich fühle seine göttlichkeit, Und halte fest am glauben. 8. Des sohnes gottes eigenthum, Durch ihn des himmels erbe, Dies bin ich, und das iſt mein ruhm, Auf den ich leb und sterbe. 9. Er giebt mir seinen geiſt, das pfand, Im glauben mich zu stärken, Und bildet uns durch seine hand Zu allen guten werken. 10. So lang ich seinen willen gern Mit reinem Herzen thue, So fühl ich eine kraft des Herrn, Und schmecke fried und ruhe. 11. Und wenn mich meine sünde kränkt, Und ich zum kreuze trete; So weiß ich, daß er mein gedenkt, Und thut, warum ich bete. 2. Hoch über die vernunft er höht, Umringt mit finsterniffen, Füllst du mein Herz mit majestät Und stillest mein gewissen. 12. Ich weiß, daß mein erlösſer lebt, Der mich einst aus der erde Erweckt und zu dem reich erhebt, Da ich ihn schauen werde. Mel. Ich dank dir, Gott, durch. 13. Kann unsre lieb im glauben hier Für ihn jemals erkalten? Dies 67. Sedanke, der uns Leben ist die lieb, o gott, zu dir, Dein wort von herzen halten. giebt, Wer kann dich ganz durchdenken? Also hat gott die welt geliebt, Uns seinen sohn zu schenken! 14. Erfüll mein herz mit dankbarkeit, So oft ich dich nur nenne, Und hilf, daß ich dich allezeit Treu vor der welt bekenne. 15. Soll ich dereinst noch würdig seyn, Für dich hier schmach zu leiden, So laß mich keine Von der Erlösung des Menschen durch Christum. 37 dich hingegeben. Gieb uns am himmel theil! Laß uns dir folgsam seyn! Was wird uns, herr, dann fehlen? Dann werden unsre seelen Sich gottes ewig freun. schmach noch pein Von deiner liebe scheiden. - 16. Und soll ich, gott, nicht für und für Des glaubens freud empfinden, So wirk er doch sein werk in mir Und rein'ge mich von sünden. Mel. O Gott, du frommer Gott. 17. hat gott uns seinen john 69. Didir find ich mein geschenkt;( Laß mich noch sterbend denken!) Wie sollt uns der, der ihn geschenkt, Mit ihm nicht alles schenken. leben, Weil du zu meinem heil Dich in den tod gegeben. Dein freuz scheint thorheit dem, Der stolz und laster liebt, Doch dem ists gottes kraft, Der sich dir Mel. Von Gott will ich nicht. 68. Erhebt den herrn, ihr ganz ergiebt. frommen! Er hält, was er verspricht. Der heiland ist gekommen, Der völker trost und licht. Gott, der uns nicht verstößt, hat uns zum heil und leben Selbst seinen sohn gegeben. Durch ihn sind wir erlöst. 2. Erlöst! o welche gnade Hat uns der Herr erzeigt! Der uns betroffne schade, Der uns so tief gebeugt, Ist nun nicht unheilbar. Von sünden und verderben Uns rettung zu erwerben, Gab gottes sohn sich dar. 2. Du kamst, erlöser, uns Zunt himmel zu bereiten, Lehrtst uns der tugend pfad, Riefft uns zu feligkeiten. Gleich groß war, herr, dies werk: Der welt ein schöpfer seyn, Und eine sünd'ge welt Vor sünden zu befrein. 3. Wer kann, Herr! deine huld, Wer deine lieb umfassen? Als sohn des ewigen Der himmel thron verlassen, Sich selbst erniedrigen, Einher in demuth gehn, Der wahrheit herold seyn, Und sich verspottet sehn! 4. Die wunder gottes thun, Und an das kreuz geschlagen, Mit himmlischer geduld Der menschen schulden tragen, Um der zu seyn, der uns Ein ew'ges heil erwirbt; Deß herz ist göttlich groß, Der selbst für feinde stirbt! 5. Dies müffe mein vertraun Zu dir, o herr! erwecken. Zu schwach, der gottheit rath Für sünder zu entdecken, Bet ich der liebe macht, Die ich nicht faffen kann, Mit froher zuversicht, Doch auch in demuth an. 3. Er kam zu uns auf erden In armer knechtsgestalt, Voll mühe und beschwerden War hier fein aufenthalt. Der ihm gegebnen macht Enthielt er sich mit freuden, Bis er durchs todes leiden Sein großes werk vollbracht. 4. Er hats vollbracht! bringet Gott euren lobgefang! Erlöste menschen! singet Dem mittler ewig dank. Wo niemand helfen kann, Da hilft er gern aus gnaden, Heilt unsrer seele schaden. Snehmt ihn gläubig an! 5. Du freund der menschenkinder! Verwirf uns, Jesu! nicht. Dein name, heil der fünder! Ist unsere zuversicht. Drum kommen wir zu dir. Hilf uns, die macht glaube, der erfreut! der fünden Noch glücklich über winden; Denn dein, o herr, sind wir. 6. Herr! deine ewigkeit Wird mir mehr licht gewähren, Und deine große lieb Im schauen mir erklären. Unendlich ist mein heil! Gelobet sey der herr! Gelobt in ewigkeit. Mel. Herzlich thut mich verlangen. Zu unserm ew'gen 6. Bei dir ſteht unfer leben, 70. Wie soll ich dich empfangen, Von der Erlösung des Menschen durch Christum. 38, lichen! Du freude, du verlangen Der trostbedürftigen! Gieb felbst mir zu erkennen, Wie deiner güte voll, Dich meine seele nennen, Dich würdig preifen soll! 2. Dein zion streut dir palmen; Und meine dankbegier Ergießt in freudenpsalmen Sich, gütigster, vor dir. Dich, dich will ich erheben, So gut ich schwacher kann: Mein herz will ich dir geben: Ach nimm es gnädig an! 3. Nur daß du mich befreitest, Gabst du dich selbst für mich; Mich zu erretten, freutest Du, feligmacher, dich, Du sahst, es wäre keiner Vermögend gnug dazu; Da jammerte dich meiner, Da kamst und halfest du. 4. Du machst mich von den Mel. Von Gott will ich nicht. o banden Des tods auf ewig los; 71. Mit ernst, menschenden Der fünde, machst mich groß, Und hebst mich hoch zu ehren, Und schenkest güter mir, Die unvergänglich währen. Dank, ewig dank sey dir! 5. O du, an den ich glaube! Was wars, das dich bewog? Was wars, das dich zum staube, Zu mir hernieder zog? Dein göttliches erbarmen! Ja du, o Jesu! hast Mit mitleidsvollen armen Die ganze welt umfaßt. 6. Das schreibt in eure herzen, Betrübte! traurt nicht mehr; Bagt nicht in euren schmerzen, Als ob kein helfer wär. O! sehet auf! ihr habet Den besten helfer nah: Der eure seele labet, Der treue freund ist da. 7. Die ihr mit ernster reue Still eure schuld beweint, Wißt, daß er euch verzeihe, Er selbst, der menschenfreund, Ruft heilbegiergen fündern Der gnade trostwort zu, macht sie zu gottes tindern, Schafft ihren seelen ruh. 8. Er übersiehet keinen, Und weiß, was jedem nüßt. Hat er nicht stets die seinen Von anbeginn geschüßt? Nicht sie in ihrem leide zu trösten stets gewußt? Erfreun ist feine freude! Und wohlthun seine luſt. 9. Was fragt ihr nach dem dräuen Der feinde? traut auf ihn. Er wird sie schnell zerstreuen, Der herr gebeut; sie fliehn. Er fömmt, er tömmt, er kömmt, ein könig, Dem auch ein zahllos heer Von feinden viel zu wenig Zum widerstande wär. 10. Er wird einst wiederkommen Als richter aller welt: Dann bringt er heil den frommen, Und fluch der lasterwelt. Wohl ewig allen denen, Die seine wege gehn, Und einst mit freudenthränen An seiner rechten stehn! herz bereit! Er kömmt, das heil der fünder, Der Herr der herrlichfeit! Er kömmt von seinem thron Voll huld zu uns hernieder, Wird einer unsrer brüder, Er, gottes einger sohn. 2. Gilt, fünder, voll verlangen, Eilt, euch zu ihm zu nahn! Ihn würdig zu empfangen, Bereitet ihm die bahn! Auf! wer det seiner werth! Thut buße, flieht die fünden! Dann könnt ihr gnade finden, Dann seyd ihr seiner werth. 3. Nur der, der demuth übet, Ist des erlösers freund; Wer aber hochmuth liebet, Ist und bleibt gottes feind. Nur der, der redlich ist Und folget gottes leiten, Der kann sich recht bereiten, Zu dem kömmt Jesus Christ. 4. Doch was vermag ich schwacher, Ich fünder, ohne dich! Mein heil, mein feligmacher, Bereite selber mich! Mein herz sehnt sich nach dir, Ich eile dir entgegen; Komm, komm mit deinem segen, Und wohne ſtets in mir! Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. Mel. Vom himmel hoch da komm. heute sieht, Sing ihm, dem herrn, ein neues lied. 72. Dies ist der tag, den gott gemacht; Sein werd in aller welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ Im himmel und auf erden ist. 11. Dies ist der tag, den gott gemacht; Sein werd in aller welt gedacht! Ihn preise, was durch Jefunt Christ Im himmel und auf erden ist. 2. Die völfer haben dein geharrt, Bis daß die zeit erfüllet ward, Da fandte gott von sei nem thron Das heil der welt, dich, seinen sohn. 3. Wenn ich dies wunder faffen will, So steht mein geist vor ehrfurcht still: Er betet an, und er ermißt, Daß gottes lieb unendlich ist. 4. Damit der fünder gnad erhält, Erniedrigst du dich, herr der welt! Nimmst selbst an unfrer menschheit theil, Erscheinst im fleisch, wirst unser heil. 5. Dein könig, zion, kömmt zu dir. Ich komm, im buche steht von mir: Gott, deinen willen thu ich gern. Gelobt sey, der da kömmt im Herrn! 6. Herr, der du mensch geboren wirst, Immanuel und friedefürst! Auf den die völker hoffend sahn, Dich, gott, mein heiland, bet ich an. 7. Du, unser heil und höchstes gut, Vereinest dich mit fleisch und blut, Wirst unser freund und bruder hier, Und gottes kinder werden wir. 39 8. Gedanke voller majestät! Du bist es, der das Herz erhöht, Gedanke voller seligkeit! Du bist es, der das Herz erfreut. 9. Durch eines sünde fiel die welt, Ein mittler ists, der sie er hält. Was zagt der mensch, wenn der ihn schüßt, Der in vaters schooße sigt? des 10. Mel. Wir Christenleut. 73. Auf, schide dich, Recht feierlich heilands fest mit danken zu begehen! Lieb ist der dank, Der lobgefang, Durch den wir ihn, den gott der lieb, erhöhen. 2. Sprich dankbar froh: Also, also hat gott die welt in seinem sohn geliebet! wer bin ich, Herr, daß du mich So herrlich hoch in deinem sohn geliebet? 3. Er, unser freund, Mit uns vereint, Zur zeit, da wir noch seine feinde waren, Er wird uns gleich um gottes reich und seine lieb im fleisch zu offenbaren. 4. An ihm nimm theil, Er ist das heil, Thu täglich buß, und glaub an seinen namen. Der ehrt ihn nicht, Wer herr, herr, spricht, Und doch nicht sucht, sein beispiel nachzuahmen. 5. Aus dank will ich In brüdern dich, Dich, gottes sohn, bekleiden, speisen, tränken, Der frommen Herz In ihrem schmerz Mit trost erfreun, und dein dabei gedenken. 6. Rath, kraft und held, Durch den die welt Und alles ist, im himmel und auf erden! Die christenheit Preist dich erfreut, Und aller knie soll dir gebeuget werden. 7. Erhebt den herrn! Er hilft uns gern, Und wer ihn sucht, den wird sein name trösten. HalJauchzt, himmel, die ihr, lelujah! Hallelujah! Freut euch erfuhrt, Den tag der heilig- des Herrn, und jauchzt ihm, ihr sten geburt, Die erde, die ihn erlösten! ihn 40 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. Mel. Lobt Gott, ihr Christen. 74. lo hat gott die welt Der erde lobgesang!:,: geliebt, Daß er aus freiem trieb uns seinen sohn zum heiland giebt. Wie hat uns gott 2. Was sein erbarmungsvoller rath Schon in der ewigkeit Zu unserm heil beschlossen hat, Vollführt er in der zeit.:,: 3. Er, aller menschen höchstes gut, Der alle segnen kann, Nimmt, wie die kinder, fleisch und blut, Doch ohne fünde, an.:,: 4. Ich freue mich, mein heil, in dir. Du nimmst mein fleisch an dich. Was fehlt mir nun? ist gott mit mir, Wer ist denn wider mich!: 5. Du, sohn des allerhöchsten, wirst Auch mir rath, kraft und held, Mein vater und mein friedefürst, So, wie das heil der welt.:,: 6. Was mir zum seligseyn gebricht, Das, herr, erwarbst du mir. Versöhnung, leben, trost und licht, Das hab' ich nun an Dir.:,: 7. Dein mangel wird mein reithes theil, Dein leiden stillt mein leid. Durch deine knechtsgestalt, mein heil! Gewinn ich herrlich feit.:,: 8. Gelobt sey gott! gelobt sein sohn! Durch den er gnad erweist. Lobt, engel, ihn vor seinem thron! Erheb ihn auch, mein geift!:,: dank. An deiner krippe schalle dir Mel. Lobt Gott, ihr Christen. 75.& r tömmt, er kömmt, der starke held, Voll göttlich starker macht! Sein arm zer streut, sein blick erhellt Des to des mitternacht.:,: Mel. Ermuntre dich, mein. 76. Gott, deine gnade fey Sie schuf Ermuntre gepreist! uns heil und leben. dich, mein träger geiſt! Ihr wohlthun zu erheben. Denk an die nacht, da auf der welt Des höchsten sohn sich eingestellt, Um sein so theures leben Für fünder hinzugeben. 2. O große that! erwünschte nacht! Von engeln selbst besungen! Du hast den mittler uns gebracht, Der uns das heil errungen. In dir erschien der starke held, Der alles schuf und alles hält, Der freund der menschenkinder, Des todes überwinder. 3. Der du zu uns, gesandt vom Herrn, Aus kameſt, und unser fleisch und blut so gern In demuth an dich nahmest, Sohn gottes! o wie hast du dich So tief. erniedrigt auch für mich! Wie arm bist du erschienen, Um meinem heil zu dienen! 4. Olehre mich den großen werth Von deiner huld recht fassen! Was reizte dich, auf dieser erd Dich so herab zu lassen? Hier wartete dein nichts als noth, Verachtung, fummer, schmerz und tod; Und doch kamst du auf erden, Ein menschensohn zu werden. 5. Viel stärker, herr, als schmerz und tod, War deine menschenliebe. Du sahest unfre sündennoth Mit mitleidsvollem triebe. Du stimmtest, unser heil zu seyn, In deines vaters rathschluß ein. Wardst mensch, und kamst mit freuden, Für uns den tod zu leiden. 2. Wer tömmt? wer kömmt? wer ist der held Voll göttlich starter macht? Messias ist's! lobsing' ihm, welt! Dir wird dein heil gebracht.:,: 3. Dir, menschgewordner sin. Auch mir zum troste sandte dich gen wir Anbetung, preis und Der Herr, der gott der götter. 6. Immanuel! dein freu ich nich, Du bist auch mein erretter. Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. Was mir ein wahres wohl ver- Christ! Daß du mensch geboren schafft, Erleuchtung, friede, beßz- bist! Dir ist der erdkreis unterrungskraft, Und freuden, die than, Dich beten alle himmel an. stets währen, Willst du auch mir Hallelujah! gewähren. 7. Was soll ich dir, mein größter freund! Für deine treue geben? Du bist's, der mich mit gott vereint, Du bringst mir heil und leben. Herr! was ich hab, und was ich bin, Das geb ich dir zum dienste hin. Ich will dich ohn aufhören Mit leib und geist verehren. 8. Zwar seh ich dich im fleisch noch nicht; Doch du wirst wieder kommen, Und dann schaun dich von angesicht, Herr, alle deine frommen. Dann werd auch ich, herr Jefu Chrift! Dich schaun, so herrlich als du bist. Dann wirst du mich zum leben, Das bei dir iſt, erheben. Mel. Geløbet feyst du, Jesu Chrift. elobet feyst du, gottes 3. Gerecht ist gott, und sein gericht Ist so gerecht, wie er. Es gelten alle himmel nicht Vor dir, erschrecklicher!:,: 4. Sterbt, sprachst du, mehr als einen tod! Da lagen wir vor dir, Umringt mit elend und mit noth, Und starben für und für.:,: 5. Dein zorn, herr, soll versöh77. den tod des kreuzes ein net seyn, Dein sohn erbarmet sich, Für eine welt! für mich!:,: 6. Und als die zeit erfüllet war, Da sandte seinen sohn,( Hier staunet selbst der engel schaar!) Gott sandte seinen sohn!:,: allmacht thron Jeßt herrschest, und einst warst, wie wir, Anbetung, preis und dank sey dir! Hallelujah! 2. Dich sahn die väter schon von fern, Davids sohn und Da vids herrn! Ihr heil und ihre zuversicht, und aller völker trost und licht. Hallelujah! 3. Die nacht entflieht, der tag bricht an Ueber die, so nie ihn sahn! Auf die, so finsterniß um gab, Glänzt gottes wahrheit nun herab. Hallelujah! 41 4. Durch den die welt einst worden ist, Der einst richtet, Jesus Christ, Der schöpfung herr, kömmt in sein reich, Erniedrigt sich und wird uns gleich. Hallelujah! 5. Jauchzt, himmel! erde, freue dich! Gott verföhnt die welt mit sich! Uns, Adams fündiges geschlecht, Entfündigt er, macht uns gerecht! Hallelujah! 6. Gelobet feyst du, Jesu Mel. Lobt Gott, ihr Chriften. 8. ingt dem verföhner, fingt ihm dank! Herr gott! wir danken dir! Es danket dort der lobgesang Dir, überwinder, dir.:,: 2. Er, welcher schon von anbeginn Der welt mein retter war, Wird fleisch, wie ich, und was ich bin. Wie göttlich wunderbar!:: 7. Der, welcher erd und himmel trägt, Hüllt sich in dunkelheit. In eine krippe wird gelegt Der herr der herrlichkeit.:,: 8. Die erde kennt nicht ihren herrn, Die himmel kennen ihn, Und leuchten treu durch einen stern Die weisen zu ihm hin.:,: 9. Im staube lieg' ich und bet an, Mein könig und mein gott! Ich dein geschöpf, dein unterthan, Bin reich durch deine noth.:,: 10. Mein ganzes leben will ich dir, Dir, herr! zum danke weihn; Mit freuden arm, ein pilger hier, und dort ein bürger seyn.: 11. Hier gingst du, herr, in knechtsgestalt; Dort aber im gericht Ist dir gegeben die gewalt, Und finsterniß wird licht.:: 12. Kommt, sterbliche, und küßt 42 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. den sohn, Eh noch sein zorn ent- er sich für euch gegeben, Durch brennt, Und eh er noch von sei- ein göttlich leben! nem thron, Weh euch, verfluchte! nennt.:: Mel. Nun ruhen alle Wälder. Mel. Jesu, meine Freude. 80. Willkommen, quell der freuden, Mein süßzer. 79. Gottes john ist kommen! troſt im leiden, Mein schuß im Danft ihm, seine from men! Dankt ihm, daß er kam, Daß er hier auf erden, Unser heil zu werden, Seine wohnung nahm! Mensch, wie wir, Erschien er hier, Der zur schöpfung sprach: entstehe! Der einst spricht: vergehe! finstern thal! Willkommen, heil der fünder, Du freund der menschenkinder, Willkommen tausend, tausendmal! 2. Laßt uns niederfallen, Danken, daß er allen Freund und bruder ist! Gott, auf seinem throne, Liebt uns in dem sohne, Brüder, Jesu Christ! Welch ein heil, Am sohne theil, Theil durch feiner zukunft gaben An gott felbst zu haben! 3. Keine macht der leiden Kann von ihm uns scheiden; Er bleibt ewig treu! Dort wird er vom bösen Gänzlich uns erlösen, Hier steht er uns bei! Unser freund, Mit gott vereint, Kann nicht feine brüder haffen, Noch fie hülflos laffen. 4. Wenn wir einst ermüden, Führt er uns in frieden In des grabes nacht. Unfre todten glieder Giebt die erde wieder Ihm, der sie bewacht. Jesus ruft Uns aus der gruft, Er, der selbst den tod einst schmedte, Den das grab bes 5. Auf dem richterthrone Werden wir im sohne Unsern bruder schaun. Heil und ewigs leben Wird er allen geben, Die noch dann ihm traun. Er ward hier Versucht, wie wir; Ueberschwenglich wird er lohnen, Und der schwachheit schonen. 6. Eilet, eilt ihr fünder! Werdet gottes finder! Werdet seiner werth! Eilet, eilt ihr from men! Seyd, wie er, vollkommen! Bleibet seiner werth! Preiset ihn, Daß er erschien, Daß 2. Zwar niedrig und geringe, Beherrscher aller dinge, Erschei nest du allhier: Doch, was dem aug entfliehet, Des heilands größe, siehet Mein glaube selbst im stall an dir. 3. Unendliches erbarmen; Zu fündern, ewig armen, Kehrt deine hoheit ein; Uns freiheit, würde, leben, Einst kronen uns zu geben, Muß knechtsgestalt die deine seyn. 4. Mit dankerfüllten lippen Nah ich mich deiner krippen. Zwar arm ist nur mein dank; Doch laß ihn dir gefallen, Des säuglings schwaches lallen Ist, Herr, vor dir ein lobgesang. 5. Hier schlägt uns fünde nieder; Doch hoffnung stärkt uns wieder. Bald kommt die zeit heran, Wo ich, zu deiner ehre, Entbrannt in höh're chöre Den frohen jubel mischen kann. Mel. Lasset uns den Herren preiſen. 81. Der du uns das heil errungen, Menschgewordner gottessohn! Ewig sey dir lob gesungen, Daß du von des himmels thron Uns zu gut ins fleisch gekommen! Der du voller freundlichkeit, Längstens schon vor meiner zeit, Dich auch meiner angenommen, Und mein bruder worden bist; Sey gelobt, herr Jefu Christ! 2. Sey gelobt! denn dir gehöret Preis und dank und ruhm mit recht. O wie hoch hast du geehret Unser sterbliches geschlecht! Herr! du hast es selbst vermäh Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. let Mit der göttlichen natur, Und 2. Jeder, der sich fühlt verlovor aller creatur Es zur lust ren, Freue sich Inniglich; Chridir auserwählet. Ja, in dir, du stus ist geboren! Er, der könig gottessohn! Sißt der mensch auf aller wesen, Steigt herab Bis gottes thron. ins grab, Sünder zu erlösen. 3. Du, du bist der völker se= gen, Kamst, vom fluch uns zu befrein, Und wir können deinetwegen Nun noch kinder gottes seyn. Hat die sünd uns gleich verdorben, so hast du neue kraft Uns zur heiligung verschafft, Und die tüchtigkeit erworben, Einst von fünden völlig rein, Deinem bilde gleich zu seyn! 3. Wer kann gottes rathschluß fassen? Aber dies Ist gewiß: Gott kann uns nicht haffen! Kömmt der sohn aus freien trieben Zu uns her; Wie sollt er Nicht, die menschen lieben? 4. Wenn er uns verworfen hätte, Nähm er dann Menschheit an? Er spricht: ich errette! Deß soll sich der erdkreis freuen! Zum gericht Kömmt er nicht, Sondern zum verzeihen. 5. Gilt im geist nach bethlems hütten; Seht, was dort Euer hort Schon für euch erlitten! Er wird niedrig euretwegen. Welch ein freund! Er erweint Seinen feinden segen. 6. Er, er will für eure schulden Armuth noth, Schmach und tod Göttlich groß erdulden. Lernt den menschenfreund erkennen! Gnadenreich Will er. euch Seine brüder nennen. 7. Dankt ihm, der eu'r innres sehnen Sehen kann! Betet an! Opfert freudenthränen! Liebt ihn, der von liebe brennet, Traut dem herrn, Der euch gern Seine brüder nennet! 4. Du, du bist der mittler worden, Der die welt mit gott versöhnt, Hast der schwachen menschheit orden Wieder mit dem recht belehnt, In den himmel einzugehen, und des herren herrlichkeit Nach der kurzen prüfungszeit Ewig einst verklärt zu sehen. Nun hat meine zuversicht Einen anter, der nicht bricht! 5. Sollte gott mich nun wol haffen? Hier ist ja Immanuel! Sollt er mich wol hülflos laffen? Hier ist ja der hülfe quell! Was vermag mich anzufechten? Er, der meinen jammer kennt, und mich seinen bruder nennt, Sißt als herr zu gottes rechten. Durch ihn bin ich gott vereint, Gott ist mein versöhnter freund. 6. Herr, wie groß ist deine güte! Meine seele freut sich dein. Laß doch stets mein ganz gemüthe Voll von deinem ruhme feyn. Nimmer will ich dein vergessen, Dir will ich mich ganz vertraun, Freudig folgen, auf dich baun. Deine huld ist unermessen. Gieb, daß ich für deine treu Dir auf ewig dankbar sey. Mel. Warum sollt ich mich denu. 82. Laßt uns unserm gott lob fingen! Hoch erfreut Laßt uns heut Ihm verehr bringen! In des himmels hohe chöre Stimmet ein: Gott allein, Unserm gott sey ehre! 43 8. Wenn euch eure sünden kränken; Eilt herzu, Suchet ruh! Er will sie euch schenken. Schaut auf ihn mit glaubensblicken! Zittert nicht! Denn er spricht: Ich will euch erquicken. 9. Ihr erdulder schwerer tage Euren schmerz Fühlt sein herz, Kein erlöster zage! Bringet ihm an seinem feste Zutraun her, Wisset, er Wählt für euch das beste. 10. Er verläßt euch nicht, ihr schwachen! Mehr, als ihr, Litt er hier, Euch beglückt zu machen. Eure kleine zeit der leiden Und der müh; Was ist sie Gegen ewge freuden? Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. 11. Gottmensch! du nahmst leuchte mich! Dir nachzufolgen, meine bürde Gern auf dich, Daß gieb mir kraft! Nur du biſts, auch ich Frei und selig würde. der mir hülfe schafft. Wer kann deine lieb ergründen? Ewig soll Freudenvoll Sie mein Herz empfinden. 44 12. Dir, mein göttlicher befreier, Folg' ich nach, Obwol schwach, Doch um so viel treuer. Keine creatur, kein leiden, Keine noth, Und kein tod Soll von dir mich scheiden. 13. Du kömmst einst zum weltgerichte! Dann werd ich, Richter, dich Schaun von angesichte. Gott, wie wird dein haffer beben! Dann werd ich Deiner mich Freun und ewig leben. Mel. Wer nur den lieben Gott. 83. ( eht, gottes gnade ist erschienen; Erlöste menschen, auf! und eilt, Des großen heils euch zu bedienen, Das euch sein lieber sohn ertheilt! Er ist's, der einer sünd'gen welt Mit gott den frieden hergestellt. 2. Allein so herrlich, groß und wichtig Auch dieser friede für uns ist, So bleibt doch alle hoffnung nichtig, Wenn nicht der heiland Jesus Christ Auch unser ganzes herz gewinnt, Und wir nicht got tes kinder sind. 3. Wollt ihr denn, menschen, schon auf erden Gott angenehm und dankbar seyn, So müßt ihr fromm und heilig werden; Sonst ist eu'r glaube nur ein schein. Der dank, der nicht von sünden frei, Ist sünde selbst und heuchelei. 4. Drum kehret um, seyd wie die kinder, Legt ab den stolz und übermuth! Bedenkt, bedenkt, verlorne sünder! Nur euch zum beispiel, euch zu gut Wird gottes sohn selbst arm und klein; Ach laßt ihn euer muſter seyn! 5. Mein Heiland, meiner feele führer! Was kann ich schwacher ohne dich? Sey du mein beistand, mein regierer, Zu deiner ehr' er1 6. Gieb mir dein herz! dies ist dein wille; Ich geb es dir zum opfer hin. Doch wie ich dieses recht erfülle, Dies, dies bekümmert meinen sinn. Doch du hilfft meiner schwachheit auf, Und stärkst mich in der tugend lauf. 7. Du kannst mein Herz zum guten lenken; schenk ihm ganz des himmels sinn. Laß dein bei allem thun mich denken, Nimm alles eitle von mir hin. Gieb glauben mir und frömmigkeit, Bereite mich zur ewigkeit. 8. Die unermeßlich große liebe, Die dich herab vom himmel zog, Dich aus erbarmungsvollem triebe Selbst in den tod zu gehn bewog, Die ziehe mich vom faster ab, Daß ich dir treu sey bis ins grab. 9. Dann werd ich einst in jenem leben, Dem stande der vollkommenheit, Dir lob und preis und ehre geben Und singen: herr der herrlichkeit, Der du dies leben mir erwarbst, Preis dir, daß du für fünder starbſt! Mel. Es ist das Heil uns kommen. 84. Wie, höchster aller väwie, können wir dir danken? O! deine huld, wie groß ist sie! Wie ohne nam' und schranken! O liebe! von dem höchsten thron Der himmelsthronen kam dein sohn Huldreich zu uns hernieder! 2. In finsternissen waren wir Vertieft in tausend sünden; Den weg zur freiheit und zu dir, Wie konnten wir ihn finden? Wir tappten, strebten immerdar Nach lust, die uns verderben war, Und hatten dein vergessen. 3. Doch du vergaßest unser nicht, Dich jammert das verderben. Mit liebevollem angesicht Sprachst du: ihr sollt nicht sterben; Der sünder ist noch mensch und mein. Soll besser werden, Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. felig seyn; Sey, sohn, der tod- licht ist auch zugleich Den völkern ten leben! aufgegangen. Dies sey dir, welt, ein freudentag! Die nacht, die auf den völkern lag, Durchbrach zuerſt sein schimmer. 2. Kaum fandte gott mit sei nem sohn Der erde große freuden, So fammelt er sich selber schon Die erstlinge der heiden. Zu ihrem neugebornen herrn Muß sie ein wunderbarer stern Aus fernen landen führen. 3. Der vor'gen zeit denkt, christen, doch! Heil euch! sie ist verschwunden. Was wart ihr, eh der herr euch noch, Eh ihr noch ihn gefunden? Fragt euch nur selbst, was waret ihr? O deutsches volt, erwecket dir Dein vorigs bild nicht grauen? 4. Ein volk, mit gott ganz unbekannt, Von seiner lehr entfernet, Das von der tugend abgewandt, Nur böses thun gelernet, Das todten stein, geschnit tes holz, Wol gar auf seine blindheit stolz, Als seine götter ehrte. 5. Beglückter tag, der jene macht Des gözendiensts entwendet! Daran uns gott nach langer nacht Sein licht und heil gesendet! Da gott in dir, Immanuel, Mit deinem wahren Israel Nun auch die heiden danken! 4. Der sohn der liebe liebt, wie du! Hier bin ich!( wort voll gnade!) Ich eile den verlornen zu, Und wandle menschenpfade. Mit deiner kraft, mit deinem blick Voll huld, führ ich sie dir zurück; Ihr bruder will ich werden. 5. Du kamst, du kamst, o Jesus Christ! Mit göttlichem erbarmen, Mit allem, was des vaters ist, Herab zu uns, uns armen! Und du, durch den die himmel sind, Du hocherhabner! wirst ein kind, Wirst der verlornen bruder. 6. In armuth, blöße, noth und schmerz Sinkst du aus gottes freuden Herab, aus licht in nacht, dein Herz Will menschenleiden leiden, Will lernen, in der herbsten pein Gott folgsam, gott gehorsam seyn, Und gottestugend lehren. 7. Du nahmst an kraft und weisheit zu, Wie andre menschen kinder; Was gott gebot, das thatest du, Das lehrtest du die fünder, Arbeiteteſt, ach, tag und nacht, Die fünde, die uns elend macht, Ach, die uns zu verbittern. 8. Das alles thatst du, Jesus Christ! Daß wir die tugend lernen, Von dem, was uns verder ben ist, Uns ewiglich entfernen, Daß wir, von furcht, vom laster rein, Dir, bester! bester! ähnlich seyn An weisheit, kraft und güte. 9. sey mit dankerfüllter brust Gepriesen, großer retter! Du, erster bruder, höchste lust! Herr! mittler! heil! vertreter! Unendlich mehr hast du gethan, Als menschenfinn je faffen kann! Anbetung dir, und liebe! Der den Weisen geoffenbarte Weltheiland. Mel. Nun freut euch, lieben Christen. 85 a. Heut hat den juden sich dein reich zu nähern angefangen. Ein helles 45 6. Nun prüfe heut, volk gottes, dich Vor seinem angesichte. Beharrst du unveränderlich In seiner wahrheit lichte? Was helfen opfer des gebets Zum wahren gott, wenn du noch stets Der fünde sclavisch dienest? 7. Was hilft es, daß du gott erkennst, Und seinen ganzen willen, Wenn du das thun und wissen trennst, zu träg ihn zu erfüllen? brichst; Zwar christlich glaubst und Wenn du oft treu gelobst und christlich sprichst, Und doch als heide wandelst? 8. Ach prüfe dich! gott nimmt sein licht, Wenn mans nicht schäßt, zurücke. Steh auf vont 46 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. schlaf, damit er nicht Sein wort schenkinder, Hier ein bürge für auch dir entrücke. Gott! hör uns die fünder, Hier steht allen, die nicht zu tragen auf, und fördre sein hoffen, Nun der weg zum deiner lehre lauf Noch zu den himmel offen. fernsten heiden. 4. Lob und preis, und dank und ehre, Herr, fey dir für diese lehre, Die dein sohn, den du zum leben Der verlornen welt gegeben, und den du zum licht erwecket, Uns auf erden selbſt entdecket! Ihre wahrheit, werth und stärke Zeigten seine großen werke. 5. Gott! wię reich an trost und segen, Und wie groß in deinen wegen, Lehrt dich uns dies wort vom glauben! Wer will uns den himmel rauben, Wenn wir auf dein zeugniß bauen, Deiner vaterhuld vertrauen, Unsern mittler gläubig kennen, und in deiner liebe brennen? Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 85 b. Gott, ott, dein unsicht bares wesen Läßt sich in dem lichte lesen, Das du uns, um dir zu leben, Schon durch die vernunft gegeben. Herr, ich muß aus deinen werken Dein nothwendigs daseyn merken, Und die pflicht, dich zu verehren, Kann mich deine schöpfung lehren. 2. Die vernunft zeigt deine größe Und entdeckt mir meine blöße, Ruft, mit dir mich zu verbinden; Doch dies hindern meine sünden! Diese kann ich nicht verfühnen, Meine kraft kann nichts verdienen. Ach vernunft! dies ist der schade; Aber wie find ich nun gnade? 6. Aber ists von uns geschehen? Vater, trage das vergehen, Trag uns noch nach deiner treue! Gieb uns glauben nach der reue; Laß uns nichts von dir entfernen; Stets getren von Jesu lernen, Und uns einst, bewährt durch ringen, In das reich des lichtes 3. Hier erscheint in größrer klarheit Uns ein licht, das wort der wahrheit. Dies verspricht den geistlich armen Güter, frieden und erbarmen; Hier ist heil für men- dringen. Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. Von der Person Jesu. werde! Entstand die welt in ihrer pracht. Du bist auch unser meister! Auch uns schuf deine Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. 86. Mein heiland! deine gröBe Geht über alle Himmel weit. Wer ist, der sie ermesse? Du warst bei gott von ewigkeit. Du bist der erstgeborne Vor aller creatur; Kamst zwar für uns verlorne In menschlicher natur, Doch in der menschheit orden Tratst du erst in der zeit. Denn eh' die welt geworden, Hatt'st du schon herrlichkeit. hand, So wie die welt der geister, Die dich noch ehr erkannt, Dich, erbherr über alles! Das ist dein ewger ruhm Drum jammert dich des falles Von deinem eigenthum. 3. Du trägest alle dinge Durch deiner allmacht starkes wort. Das große und geringe Geht bloß durch deinen willen fort. Sohn gottes! du regierest Den ganzen kreis der welt! Weil du das scepter führest, Geschieht, was dir gefällt. Bei dir steht tod 2. Der Himmel und die erde Sind auf dein träftigs wort gemacht. Auf dein allmächtig: Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. und leben! Drum wird einst jede nichts verblendet, Mein berz gruft Die todten wieder geben, nichts von dir wendet, Nichts Wenn deine stimme ruft. meine liebe schwächt. 5. Laß uns, mit dir begraben Mit dir auch auferstehn; Mit dir zur höh erhaben, Nicht auf das eitle sehn; Dich wissen und dich hören, Nach dir allein begehren, Dein todt und lebend seyn. 4. Wie herrlich ist dein name Schon jetzt, o herr, in aller welt! Dich preist der frommen saame, Der gläubig dir zu fuße fällt. Dich preisen seraphinen, Erhabner menschensohn! Mit freuden dir zu dienen, Stehn sie vor deinem thron. Wer wollte dein sich schämen? Werth bist du, preis und ruhm, Auch, herr, von uns zu nehmen, Uns, deinem eigenthum. 6. Dank, lob und preis und ehre Sey gott in ewigkeit Für folche füße lehre, Mit der er uns erfreut. Sie tröst uns, wenn wir leiden, Sie stärk uns, wenn wir scheiden, Sie schüß uns im gericht. 5. Sohn gottes! ich verehre Und bete dich in demuth an. Beschäme und bekehre Die, die dir noch nicht zugethan, Die deinem 88. A deel und auf erden Von dem Namen Jesu. Mel. O Gott, du frommer Gott. [ ch himmel wort nicht glauben, Und dir, der für sie litt, Die schuldge ehre rauben; Theil ihnen gnade mit, Dich gläubig zu erkennen. Laß nichts, die dich erkannt, Von deiner liebe trennen. Dein ruhm füll jedes land. Durch keine zunge kann Genug gepriesen werden! Ich danke dir, daß du Des zornes schwere last, Im fleisch geoffenbart, Von mir genommen hast. 2. Wie leicht, wie bald wird nicht mein banges herz gestillet, Wenn mich mit seinem trost Dein füßer nam erfüllet. So lieblich ist kein trost, Als den dein name giebt, Der name deß, der uns Bis in den tod geliebt. 3. O Jesu, höchstes gut! Nur du kannst freude bringen. Mir kann nichts lieblicher, Als Jesu name klingen. Dein name kündigt mir, Hab ich des trauerns viel, In dir den heiland an, Der selig machen will. 4. Will des gesetzes fluch, Will tod und grab mich schrecken, So soll dein name, herr, Mich schüBen und bedecken. Er sey mir frost und hülf In aller angst und noth; So bin ich unverzagt Im leben und im tod. 5. Er sey mein licht, wenn ich Im finstern thale walle; Er sey mein fester stab. Daß ich nicht gleit und falle, In hiß ein schatten mir, Mein schirm vor feinde wuth, Mein reichthum, ehr und ruhm, Er sey mein höchstes gut. Mel. Herr Christ, der ein'ge Gottes. 87. Christe, eingebør'ner, Von ewigkeit gezeugt! Des vaters auserkor'ner, Zu dem sein herz sich neigt! Mit ihm von einem wesen, Bleibst du, der du gewesen, Der glanz der herrlichkeit. 2. Für uns ein mensch geboren, Der keuschen jungfrau sohn, Wie gottes eid geschworen, Erlittſt du qual und hohn; Starbst, daß wir leben möchten, Erhubst uns zu gerechten Und erben deines reichs. 3. Gieb stets in reicherm maaße Erkenntniß deines heils, Daß feiner je verlaffe Die wahl des besten theils. Laß uns im glau ben bleiben, Durch ihn zur lieb uns treiben, Und zu der lust an dir. 4. Der du trägst alle dinge, Des baters ewge kraft! Ohn den ich nichts vollbringe: Der alles gute schafft! Hilf, daß mich 47 48 Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. 6. Er sey mir stets der weg, kraft, Von heißer lieb entbrenDie wahrheit und das leben; Er wolle mir zuletzt Aus gnaden die fes geben, Daß ich, erscheinet nun Auch mir mein sterbetag, Mit großer freudigkeit In ihm entschlafen mag. nen, Mich, was dein name gutes schafft, Stets aus erfahrung kennen. So wird der fündennoth ge= wehrt, In hoffnung meine furcht verkehrt, Und seligkeit mein erbe. 7. Bis dahin helf er mir, So lang ich hier noch wandle. Daß ich in meinem thun, Wie fich's gebühret, handle. Er steh auch immerdar Mit seiner kraft mir bei, Erhalt in meinem amt Und stande mich getreu. 8. Dir leb ich, und in dir, In dir will ich auch sterben; Herr! sterben will ich dir, In dir will ich ererben Das ew'ge himmelreich; Denn das erwarbst du mir. Von dir verklärt will ich Dir danken für und für. Mel. Es ist das Heil uns kommen. der für dich sich dargestellt, Nun dich auch darzustellen! Er ist das licht; drum fey gewiß, Er werd auch deine finsterniß Durch seinen glanz erhellen. 2. Ach! du sollst ihm sein teme pel seyn, Er selbst macht dich von sünden rein, Und hat hier lust zu wohnen. Doch hoffe nicht, daß Jesus Christ In solchen her89. der ein Jesu, du hast unstrafe plagen, unerhörte lieb und huld! Freiwillig wollen tragen. Du, der gerechte, ließest dich Zur sünde machen, daß ich mich In dir gerecht kann nennen. 2. So heißest du nicht Jesus nur, Du bist auch, was du hei Best, Da du die menschliche natur Aus allem jammer reißest. Die that stimmt mit dem namen ein, Du wolltest, was du hei Best, seyn, Mein heil, mein seligmacher. 3. In keinem andern iſt ja heil; Kein nam' ist uns gegeben, Darin wir könnten nehmen theil An seligkeit und leben; Du bist's allein, der jedermann Ein ewigs leben schenken kann. Gelobet sey dein name! Auf die Darstellung Sesu im Tempel. 4. O name! werde doch in mir Durch gottes geist verkläret, Da, was verborgen ist in dir, Kein fleischlich herz erfähret. Denn die vernunft begreift es nicht; Ohn deines geistes gnadenlicht Blieb es unaufgeschlossen. 5. Laß mich empfinden deine Mel. Kommt her zu mir, spricht. 90. Mohlauf mein herz! vers lüste schonen! 3. Was nur dem fleische wohlgefällt, Das opfre die verkehrte welt Dem fatan, ihrem gotte. Sie erntet schaden blos für müh, Für ihren sündendienst wird sie Einst ewiglich zu spotte. 4. Doch wer vom geiſt, wie Simeon, Sich treiben läßt, nur gottes sohn Zum heil begehrt zu haben, Gott fürchtet, sich der welt entwöhnt, Aus ihr sich nach dem himmel sehnt, Der opfert rechte gaben. 5. Wer durch das wort, darauf er traut, Im glauben seinen heiland schaut, Der kann in frieden fahren. Der heiland hält, was er verspricht. Er wird sich ihm in feinem licht Dort herrlich offenbaren. 6. Herr, mache mich gerecht und rein! Herr, laß mich stets voll glaubens seyn, Mich stets im geiste leben! Bis du auch mich, wenn dirs gefällt, In frieden wirst aus dieser welt In Deine wonn' erheben. K Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. Von dem Borläuferamte Johannis. Mel. Nun danket alle Gott. 8 91. lag die ganze welt beladen; Da öffnetest du, gott, Die fülle deiner gnaden. Dein sohn erscheint; du schickst Den, deffen dienst die bahn Dem Herrn bereiten soll, Als seinen knecht 4. Das kind wird stark am geist, Der gnade treuer lehrer, Ein brennend scheinend licht, Ein mächtiger bekehrer, Ein heil'ger eiferer, Der ohne schonen straft; Auf seiner seele ruht Eliä geist und kraft. 8. Wohl dem, der dieses lamm, Auf das Johannes weiset, Mit festem glauben faßt, Und auch im leben preiset, Wer, seinem ganz ergiebt, Der ist in ihm von gott Begnadigt und geliebt. voran. 9. Das werd auch unser theil! Johannis amt und lehre Verherrliche noch stets, Gott, deines namens ehre. Wer buße thut und gläubt, Hat troft auf alle zeit. Wer buße thut und gläubt, Der bleibt in ewigkeit. 2. Gott! wer kann thun, wie du? Schon wohlbetagt an jahren Gebiert Elisabeth. Der sohn der unfruchtbaren, Den jenes engels mund Verheißen, sollt allein Der keuschen jungfrau sohn Ein würd'= ger herold seyn. Von dem Lehramte Jesu. Mel. Vater unser im Himmelreich. 3. Du willst durch ihn die welt 92. Kein Dein lehrer ist dir, Jesu gleich. An weisheit und Von deinem heil belehren, Und ihn auch ehrest du, Um deinen sohn zu ehren. Sein vater wird erst stumm, Der stumme schnell beredt, Und weisfagt, da auf ihn Der geist des Herrn geräth. 5. welch ein gnadenwort! O welche füße stimme, Die in der wüst' erschallt! Gott straft nun nicht im grimme Die fündenvolle welt; Sein himmelreich ist nah; Denn, der die welt mit gott Verföhnen soll, ist da. 49 6. Euch ist solch heil bereit, Ihr fünder! nehmts zu ohren! Freut mit Johanne euch! Wie er noch ungeboren Des heilands sich erfreut, So freut er sich auch nun, Durch tauf und predigen Ihn allen kund zu thun. 7. Allein zu Jesu hin Verweist er seine jünger, Allein auf Jefum zeigt Sein ausgestreckter finger Seht, das ist gottes lamm, Das, mit dem fluch belegt, Für uns geschlachtet wird Und aller fünden trägt. an liebe reich Bist du, sowol durch wort und that, Der schwachen menschen sichrer rath. freut mein geist im glauben sich, Herr Jesu, dein und lobet dich. 2. Du kamst zu uns von gott gesandt, Und machtest uns den weg bekannt, Wie wir, befreit von sündenschuld, Theilhaftig werden seiner huld. Auf ewig sey dir dank und ruhm, Herr, für dein evangelium. 3. Du sahest in der gottheit licht Mit aufgeklärtem angesicht, Was, nach des höchsten weisem rath, Die welt noch zu erwarten hat; Du machtest selbst durch deinen mund Das künftige den menschen kund. 4. Dies und die wunder deiner hand Sind uns ein göttlich unterpfand, Was man aus deinem mund gehört, Sey wahrheit, die uns gott gelehrt. Nie schwäche mir der frevler spott Den glauben an dies wort von gott. 5. Du lehretest durch wort und that, Man trifft der reinsten tugend pfad In deinem heilgen wandel an. Gieb, herr, daß ich auf dieser bahn, Gestärkt von 50 Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. dir, mit steter treu Dir nachzufolgen eifrig sey. 6. Du bist es, herr, von dem das amt, Das die versöhnung predigt, stammt; Du machst durch treuer lehrer mund Noch jetzt dein beil den menschen kund. Begleite 94. Hellebe Bar die quelle Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. eiland! deine ftets mit deiner kraft Ihr amt, damit es nußen schafft. 7. Noch immer hilfst du deinem wort In seinen siegen mächtig fort. Du sendest, wie dein mund verheißt, Noch immer deinen guten geist, Der dem, der wahrheit sucht und liebt, Zum glauben licht und kräfte giebt. jener triebe, Welche dich ins fleisch gezogen, Zu so großer treu bewogen, Dich mit schmach und schmerz bedecket, Dich vom kreuz ins grab gestrecket, wer faßt die starken triebe Deiner treuen schenliebe! men: 8. Mein heiland! send ihn auch zu mir, Daß er mich zu der wahrheit führ, Vom eigendünkel mich befrei, Damit ich dir gehorsam sey, Bis mich bei dir in ewigkeit Ein hellres licht dereinst erfreut. 2. Ueber seine feinde weinen, Jedermann mit hülf erscheinen, Sich der blinden, lahmen, armen, Mehr als väterlich erbarmen, Der betrübten klagen hören, Sich in andrer dienst verzehren, Ster ben für die ärgsten fünder; Das ist lieb, o menschenkinder! Bon dem heiligen Leben Jesu. 3. D du zuflucht der elenden! Wer hat nicht von deinen händen Mel. Machs mit mir, Gott, nach. 93. Du wesentliches ebenbild Der allerhöchsten liebe! Du warst, o Jesu, ganz erfüllt Mit gottgeweihtem triebe. Gott war dein zweck, dein höchstes gut; Ihm folgtest du mit heldenmuth. 2. Du warst mit ihm ein sinn, ein herz; Sein wille war dein wille. Du ehrtest ihn, auch unter schmerz, Stets mit zufriedner stille. Selbst auf der allerrauhsten bahn Sahst du ihn noch als vater an. 3. Du suchtest nichts als sein gebot Vollkommen zu erfüllen, Und unterwarfst dich bis zum tod Ganz deines vaters willen. Dein hauptgeschäft war das allein, Ein herold seines ruhms zu seyn. 4. Du gingst verstummt zur schlachtbank hin, Gehorsam zu bezeigen; Man sah dich mit gelaßnem sinn 3nr schädelstätte steigen. Du warst zur tiefsten schmach ge= faßt, Und trugst. die schwere kreu zeslast. 5. O heiland! der du mich versöhnt, Laß dein verdienst mich decken, Wenn mich, der ich oft gott verhöhnt, Verdiente strafen schrecken. Hilf mir, daß ich, so gern wie du, Den willen deines vaters thu. Segen, hülf und heil genommen, Der gebeugt zu dir gekommen? Wie ist dir dein herz gebrochen, Wenn dich kranke angesprochen! Und wie pflegtest du zu eilen, Das gebetne mitzutheilen! 4. Die geängsteten zu stärken, Auf die kinder selbst zu merken, Die unwissenden zu lehren, Die verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, Liebreich zu dir hinzulocken; War, mit schwächung deiner kräfte, Herr, dein tägliches geschäfte. 5. O wie hoch stieg dein erbarmen, Da du, heiland, für uns armen, Dein unschäßbar theures leben In den ärgsten tod gege: ben! Da, zur tilgung unsrer schulden, Du die strafe wolltst erdulden, Und, uns segen zu erwerben, Als ein fluch am Freuze sterben! 6. Deine huld hat dich getrie ben, Sanftmuth und geduld zu üben, Haß mit haß nicht zu vergelten, Deine schmäher nicht zu schelten, Allen freundlich zu begegnen, Für die lästerung zu seg Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. 51 nen, Deine feinde zu vertreten, sünden joch, Mein innerstes beUnd für mörder selbst zu beten. 7. Demuth war bei spott und hohne Deiner tugend schmuck und krone; Nie hast du nach ruhm getrachtet, Und auf menschenlob geachtet! Deines vaters heilgen willen mit gehorsam zu erfüllen, Und uns heil und trost zu geben, War der zweck von deinem leben. 8. Laß mich, herr, zu reicherm segen, Deinen wandel oft erwägen! Laß mich in der angst der sünden Trost und hülfe bei dir finden. Heilige auch meine triebe Zu rechtschaffner menschenliebe. Laß mich immer mehr auf erden Deinem bilde ähnlich werden. Ueber die Thränen Jesu. Mel. Allein zu dir, Herr Jesu Christ. 95.& weinet um Jerusalem Mein Jesus heiße zähren; Bezeugt, es sey ihm angenehm, Wenn sünder sich bekehren. Wie sollte je vor unserm schrein Sein zärtlich herz verschlossen seyn? Aus seinen thränen, sünder! wißt, Daß Jesus Christ Ein treuer hoherprieſter ist. 2. Ja, heiland, diese thränen finds, Die kräftig für mich bitten, Wenn ich die pflichten eines finds Treubrüchig überschritten. Wie hoch sind sie vor gott geschäßt; Wer sie zu seinem troste seßt, Der wird, wenn er, voll traurig keit Sein thun berent, Mit gnad und heil von gott erfreut. 3. Ach! diese thränen mache doch, mein mittler, mir zum segen! Laß sie, drückt mich der Erweckung zur fruchtbaren Betrachtung des Leidens Jesu. wegen; Daß nicht, wenn jeder kummer leicht zu bittern thränen mich erweicht, Mein Herz allein bei seiner reu Die thränen scheu, Ihr quell mur dann verschloffen sey. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 96. Meine feel, ermuntre dich, Jesu liebe zu bedenken. 4. Ich muß ja oft vor herbem schmerz Hier bange thränen weinen, Der bosheit anblick quält mein herz, Auch kränkt die welt die deinen. Bemächtiget dann meiner sich Der kummer; o! so tröſt ich mich: Der grimm, den die an dir verübt, Die du geliebt, Hat bis zu thränen dich betrübt. Von dem Leiden und Tode Jesu. 5. Herr, du siehst meine thränen an, Und du bists, der fie zählet, Wenn ich sie selbst nicht zählen kann, Daß dir nicht eine fehlet. Sie bleiben immerdar vor dir, Und neigen bald dein herz zu mir, Daß es, da du oft gletche last Erfahren hast, Bei meinem fummer mitleid faßt. 6. Der christ, der hier mit thränen sä't, Zu gott in demuth stille, Der erntet, wenn er aufersteht, Der freuden reichste fülle, Er sammelt freuden, welche man hier nicht verstehn noch nennen kann. Dem kurzen leiden dieser zeit Folgt seligkeit Dereinst in alle ewigkeit. 7. Du selbst erduldest quaal und spott, Eh wonn' und preis dich krönen. Auch thränen weintest du zu gott, Uns sünder zu verföhnen. Du strittest erst; dann gingest du Aus allem streit in deine ruh. Dorthin erhebst du einst auch mich; Dann preif' ich dich Für deine huld, herr, ewiglich! Auf sein leiden müsse sich Deine ganze andacht lenken; Daß dein herz der großen treue Deines Jesu fich erfreue. 2. Sieh! der wahre gottessohn, Ist für dich ans kreuz geheftet; 02 52 Von dem Leiden und Tode Jeſu. Hier hängt er voll schmach und hohn, Blutig, schmerzenvoll, entkräftet! Ach für dich mit fluch beschweret! Wo ist größre lieb erhöret? 3. Du, du solltest große pein Ewig in der hölle leiden Und von gott verstoßen seyn, Ewig fern von allen freuden. Nun trägt Jefus deine fünden, Daß du könntest gnade finden. 4. Sein verdienstlich leiden stillt Deines richters zorn und rache. Er hat das gesetz erfüllt, Gut gemacht die böse sache; Sünde, teufel, tod bezwungen Und das leben dir errungen. 5. Nun, was liegt dir ob, mein herz, Dem dich dankbar zu beweisen, Der sogar durch blut und schmerz Seine lieb an dir will preisen? Kannst du wol in schwachen liedern Ihm so große lieb erwiedern? 6. Ach, ich kann ja nimmermehr Das geringste nur vergelten! Er verbindt mich ihm zu sehr. Meine trägheit muß ich schelten, Daß ich ihn so lau geliebet, Ja durch sünden oft betrübet. 7. Was geschehen ist, das soll Ferner nicht von mir geschehen. Fest entschlossen, eifersvoll, Einen andern weg zu gehen, Will ich nun nur Jesum suchen, Und was ihn betrübt, verfluchen. Was du liebst, will ich auch lieben, Was dich kränkt, soll mich betrüben. 11. Drohten mir sogar um dich Tod und marter, schmach und bande, Mich schreckt nichts; von dir hab ich Deinen geist zum theuren pfande, Daß ich soll den himmel erben. Darauf kann ich fröhlich sterben. 9. Dir, mein Jesu, dir, mein heil, Will ich ganz mich übergeben! Als dein eigenthum und theil Will ich dir alleine leben. Dir zu ehren will ich leiden, Und in dir einst selig scheiden. 10. Du, mein Jesu, sollst es seyn, Auf den stets mein auge blicket. Du bist mein, ich bleibe dein Immer ganz und unverrücket. 12. Nun so bleibt es fest dabei: Jesus soll es seyn und bleiben, Dem ich lebe, deß ich sey; Nichts soll mich von Jefu treiben. Du wirst, Jesu, mich nicht laf fen; Ewig will ich dich umfassen. 13. Ist schon jetzo, ist schon hier Solche freud und ruh zu finden, Wenn in glauben wir mit dir Uns, mein Jesu, recht verbinden, Schenkst du schon so viel auf er den, was wird im himmel werden! 14. Was für wonne nach dem leid! Nach dem elend, was für ehre! Was für ruhe nach dem streit! Was für frohe jubelchöre! Ewig werd ich gott dort loben, Wenn er mich zu sich erhoben. 15. Täglich, täglich freu ich mich Auf dies freudenvolle leben. Heiland, dir sey dank, durch dich Wird es mir dereinst gegeben! Laß, im glauben mich zu halten, Deine kraft in mir stets walten. mir! Guch kann ich an mir nicht 97. Hereiden zu bedenken, Weg ihr von Mel. Wend ab deinen Zorn. err, stärke mich, leiden! Welch ein schnöder gräul feyd ihr! Ach! von dem wollt ihr mich scheiden, Ohne welchen ist kein leben, Keine gnade, kein vergeben! Mich in das meer der liebe zu versenken, Die dich bewog, von aller schuld des bösen Uns zu erlösen. 2. Vereint mit gott, ein mensch gleich uns auf erden, und bis zum tod am kreuz gehorsam werden, An unsrer statt gemartert und zerschlagen, Die fünde tragen. 3. Welch wundervoll hochheiliges gefchäfte! Sinn ich ihm nach, so zagen meine kräfte, Mein herz erbebt; ich seh und ich empfinde Den fluch der fünde. Von dem Leiden und Tode Jesu. 4. Gott ist gerecht, ein rächer alles bösen, Gott ist die lieb', und läßt die welt erlösen; Dies kann mein geist mit schrecken und entzücken Am kreuz erblicken. 5. Es schlägt den stolz und mein verdienst darnieder, Es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder, Lehrt mich mein glück, macht mich aus gottes feinde Zu gottes freunde. 6. O herr, mein heil, an des sen wort ich glaube, Ich liege hier vor dir gebückt im staube, Verliere mich mit dankendem gemüthe In deiner güte. 7. Sie übersteigt die menschlichen gedanken; Allein sollt ich darum im glauben wanken? Ich bin ein mensch; darf der sich unter winden, Gott zu ergründen? 8. Das größt' in gott ist, gnad und lieb erweisen, Uns kömmt es zu, sie demuthsvoll zu preisen, Zu sehn, wie hoch, wenn gott uns gnad erzeiget, Die gnade steiget. 9. So sey denn ewig auch von mir gepriesen Für das erbarmen daß du mir erwiesen, Da du, mein heiland, auch für mich dein leben Dahin gegeben. 10. Du liebtest mich; ich will dich wieder lieben, und stets mit freuden deinen willen üben. gieb zu diesem seligen geschäfte, Herr, selbst mir kräfte. 53 mit blute Ihm aus den adern dringt. 3. Er wird verkauft, verrathen, Man legt ihm fesseln an; Auch unsre missethaten, Die haben dies gethan. Er lässet sich verklagen, Er wird verhöhnt, verspeit, Verspottet und geschlagen, Der Herr der herrlichkeit. 4. Man setzt dir, gottes sohne, Mit geiffeln grausam zu; Du trägst die dornenkrone, Du himmelskönig, du! Du wirst ans kreuz geheftet, Das du getragen haft; Doch was dich mehr entträftet, Das ist die fündenlast. 5. Wer hätte bei den mördern, Unschuld'ger, dich gesucht? Den segen zu befördern, Wirst du für uns verflucht. Die dich zu boden treten, Verspotten und verspein, Für diese willst du beten, Bei gott ihr mittler seyn! 6. Dein durst, du lebensquelle, Geht auf mein seelenheil; Du fühlest tod un hölle; Das leben ist mein theil. Du wirst von gott verlassen, Damit er bei mir sey; Und weil du mußt erblaffen, Bin ich vom tode frei. 7. Die ausgestreckten hände Sind gegen mich gewandt; Du neigst das haupt am ende, Das ist ein liebespfand. Ich seh in deinem streite Die ruhe für den schmerz, Und durch die offne seite Seh ich, herr, in dein herz. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 8. Die welt mag voller freuden Den weg zur hölle gehn; Ich will 98. Weg, welt, mit deinen bei Jeſu leiden Und ſeinem Freuze stehn. O Jesu! deine liebe Trieb dich in tod und grab; Drum sterb aus gleichem triebe Ich meinen lüfreuden, Und was dir wohlgefällt! Mein Jesus muß jest leiden, Der sich zum opfer stellt. Entfernet euch, ihr lüſte! ſten ab. Der herr trägt quaal und pein; Wie kann sein knecht, ein christe, Dabei wol fröhlich seyn? 2. Ach, seht sein seelenschrecken! Mel. An Wasserflüssen Babylon. Er wird in tod betrübt, Und muß 99. So gehſt du, Jefu, wilDen zornkelch schmecken, Den ihm sein vater giebt. Seht, wie er uns zu gute Selbst mit dem tode ringt, Und wie sein schweiß liglich Dein leiden anzutreten, mit heißen thränen auch für mich zu kämpfen und zu beten. Du, der du nichts verBon dem innerlichen Leiden Jesu. 54 Von dem Leiden und Tode Jesu. brochen hast, Gehst hin, um aller fünden last Auf dich allein zu laden. Da schon das schwerdt gezücket war, Stellst du dich seinen streichen dar, Damit sie uns nicht schaden. 2. Du held, der andern stärke giebt, Was kann dich so erschüttern? Ach! ſeine ſeele wird be trübt, Des Ach, hingesunken auf die knie, Arbeitet er in schwerer müh, Und fämpfet im gebete. Er wünscht den bangen kampf verkürzt; Wer sieht dies, und wird nicht bestürzt? schandervolle stätte! 3. Gott, wie bist du so wunderbar In allen deinen werken! Ein knecht, ein engel, muß sogar Den herrn vom Himmel stärken. Er ringt, von seinem angesicht Träuft schweiß; ach, wer entsetzt sich nicht! Für schweiß träuft blut zur erden. Der du in reinster unschuld prangst, Wie konntest du von solcher angst, O herr, bestürmet werden? 4. Ach, herr, der sündenknecht war ich! Ich sollte blutschweiß schwitzen. Es sollten billig nur auf mich Der rache wetter blißen. Ich armer, wie entränn ich da! Vor gottes zorne müßt ich ja Ohn allen trost versinken. Und da, kömmst du, daß du ihn stillst! Sohn gottes, du, du selber willst Den ganzen zornfelch trinken. 5. Heil mir! der sohn des höchsten hat Für mich sich richten lasfen. Gott, welch ein wundervolfer rath! Wer kann dein thun doch faffen? Ach! da uns fluch und strafe drohn, Da trägt er sie für uns, der sohn, Den gott uns felbst gegeben. Nun, jauchze, seele, du kömmst nicht In gottes schreck liches gericht! Du dringst hindurch ins Leben. 6. Doch denk, um welchen theuren preis Dein heiland dich erkaufet! Für dich rang er in to desschweiß, Für dich mit blut getaufet! Ach feele, sorge, daß dich nie Die sünd in ihre neße zieh, Nichts deine treu erschüttre! Reizt dich das fleisch; ach höre nicht! Schau hin, wie furchtbar das gericht, Das Jesum traf; und zittre! Mel. Christus, der uns felig macht. 100. Was für leiden, ſtarfür angstbeschwerden Fühlest du! liegst blaß, entstellt, Bebend an der erden! Trost ist es, was du verlangst, Tröster unsrer feelen; Da dich bangigkeit und angst Unaussprechlich quälen! 2. Blut im antliß, mußt du hier mit dem tode ringen! Welchen jammer sieht man die Seel und herz durchdringen! Ach! es stürzt auf dich daher Gottes zornesbürde, Die, selbst engeln viel zu schwer, Uns vernichten würde. 3. Was sind gegen deine last Kerker, hunger, blößze? Kein verstand der engel faßt Deines leidens größe. Doch muß stärkung dir sogar, Herr, ein engel geben, Dir, der selbst vermögend war, Jede noth zu heben. 4. Vor dir liegt( denn dir kann ja, Herr, sich nichts verhehlen!) Eine welt voll sünden da; O wer kann sie zählen? Niemand, als nur gott und du, Kann ihr maaß ergründen; Alle fallen auf dich zu, Als obs deine fünden. 5. Ach! da unsre schulden dich, Heiligster, ergreifen; Sollt in meinem Herzen sich nicht auch wehmuth häufen? Welche lieb, o menschenfreund! Uns gerecht zu machen, Läsfest du, der fünde feind, Dich zur fünde machen! 6. Hier fühl ich der fünde gräul, Tief von angst erschüttert, Auch für mich hast du, mein heil, Hier im staub gezittert. Ach! da fluch und zorngericht Dich so niederschlagen, Sollt ich vor dem laster nicht Ewig abscheu tragen? 7 Heiland, du verföhntest mich! Mir, auch mir zum segen Von dem Leiden und Tode Jesu. Ließest du allein auf dich Fluch 7. Er sucht und findet sie, Verund strafe legen. Ach laß mich zagt drum, fünder, nie! Kleinauch demuthsvoll Deines vaters müthge zweifel, schweiget, Die willen, Wenn ich leiden dulden innre angst erzeuget! So groß soll, Williglich erfüllen. sind keine sünden, Sie können gnade finden. 8. Sey du meine zuversicht, Trost für meine seele, Daß einst furcht und schrecken nicht mich im tode quäle. Laß, Herr, deinen blut'gen schweiß, Wenn, von angst beklommen, Ich dann keine hülfe weiß, Mir zu statten kom8. Daß der verräther doch, Auch nach dem frevel noch, Um gnade hätt' geflehet, Nicht gottes huld verschmähet! In des verrathnen wunden Hätt' er auch heil gefunden. men! 55 9. Zwar schrecklich war die that, Daß er den untertrat, Der ihn den Leiden Jesu über seine Jünger. zum freunde wählte, Und zu zwölfen zählte, Daß er, da Jesus lockte, Sein freches herz ver= stockte. 10. Doch für die ganze welt, Welch köstlich lösegeld! So wahr der lebt, der leben Uns allen hat gegeben;( So schwört es selbst der rächer;) Es gilt auch für verbrecher. 11. Doch sein herz foltert ihn, Der folter zu entfliehn, Erwählt er, gleich den teufeln, Ach, ewig zu verzweifeln, Zum schrecklichen verderben Von eigner hand zu sterben. Mel. Wo soll ich flichen hin. 101. M herz Welch ein ſo Mein ein Jesu, für dein herber schmerz, Den du weit mehr empfunden, Als striemen, schläg und wunden! Die kleine zahl von freunden Kränkt dich, gleich deinen feinden. Die 2. Kaum naht sich die gefahr, So bebt der jünger schaar. erst sich hoch vermessen, Eh sie der treu vergäßen, Den tod auch vorzuziehen, Verlaffen dich und fliehen. 3. Der fühn sein schwerdt ge= zückt, Dein Petrus selbst erschrict. Er flieht, eh bande drohen, Doch da er feig entflohen, Ermannt er sich vor allen, Um schrecklicher zu fallen. 12. O schreckliches gericht! D menschen, daß euch nicht Der fünde list berücke! Gott! wehre ihrer stricke! Gieb kraft aus deiner höhe, Daß ich ihr widerstehe. 13. Doch trennt der fünde list, Die stets geschäftig ist, Mich je, gott, von den deinen; Laß mich mit Petro weinen, Um gnad in ist sein glaube, Sein fühner demuth beten, Nie Juda weg muth gedämpfet. Ach, chriften, wacht und kämpfet! 4. Wie ist der mensch so schwach! So viel sein muth versprach, S liegt er da im staube, Erlöschen betreten!: 5. Wo ist nun Petri treu? Der vormals Jefum frei Für gottes sohn bekannte, Für ihn von eifer brannte, Der hat vor Jesu ohren Bald frech ihn abgeschworen. 6. Doch, herr, dein liebesblick Bringt ihn alsbald zurück. fühlet fein verbrechen, Kann nun Mel. Wend ab deinen 3orn. 102. Unschuld ger Jeſu, was vor Und hast verbrochen? weint nur bittre thränen, Die sich Dein todesurtheil haben sie ge= nach gnade sehnen. sprochen! Ein fluch gemacht, sollst Neußerliche Leiden Jesu. Die an ihm verübten Grausamkeiten. 56 Von dem Leiden und Tode Jesu. du am freuze sterben, Wie fünder sterben! 2. Gegeißelt wirst du und zur schmach gekrönet, Ins angesicht geschlagen und verhöhnet, Mit finsterniß des todes schon umschat tet, Gehst du ermattet! 3. Du trägst dein kreuz, du eilft auf blutgen wegen Voll zu versicht, voll muth dem tod entgegen! Ich sehe dich, gekreuzigt, dich entfärbend, Voll wunden sterbend! 4. Was ist die ursach dieser deiner plagen? Ach unsre sünden haben dich geschlagen! Ich, groBer mittler, ich hab das verschuldet, Was du erduldet! 5. Wie wunderbar ist, richter, deine strafe! Der gute hirte leidet für die schaafe, Die schuld bezahlt der bürge, der gerechte, Für seine knechte! 6. Der fromme stirbt, der recht und richtig wandelt, Der böse lebt, Die unschuld stirbt! der das gesetz gebrochen, Wird losgesprochen! 7. Ach ich, ich war verderbt und voller sünden, Nichts war an mir, nichts guts vor gott zu finden; Drum hätt ich billig mein verbrechen müssen Auf ewig büßen. 8. liebe, liebe, die nicht auszusprechen! Du läßt an dir, was ich gefündigt, rächen! Wir lebten mit der welt in ihren freuden, Und du willst leiden! 9. Wer kann, o herr, die groBen seligkeiten, Die du uns gabst, mit vollem dank ausbreiten? Wer hat dich je für deiner liebe proben Genug erhoben? 10. Doch eins, sagst du, eins werde dir gefallen, Wenn wir vor dir in buße niederfallen, Und unsre herzen nicht mit alten fünden Aufs neu entzünden. II. Doch, es ist nicht ein werk von eignen fräften, Die lust zur sünde an das kreuz zu heften; O! gieb mir deinen geist, der mich regiere, Und es vollführe. 12. Dann werd ich deine huld mit dank betrachten, Dich, dich nur lieben, und die welt nicht achten! Dann will ich wachen, beten, deinen willen Mit freud erfüllen. 13. Dann will ich dir zur ehre alles wagen, Kein kreuz nicht achten, keine schmach, noch plagen; Mich sollen spott, verfolgung, tod und leiden Nie von dir scheiden. 14. Dies alles ist zwar nur für schlecht zu achten, Weil wir noch sterblich sind, im staube schmachten; Doch nimmst du's an, du wirst dein ewig's leben Mir dennoch geben. 15. Da werd ich denn, o herr, vor deinem throne, Geschmücket mit der überwinder krone, Dein großzes lob viel würdiger besingen, Stets dank dir bringen. Met. Herr Jesu Christ, du höchstes. 103. Seht, welch ein mensch! Auf ihm die last der fünder! Wie unaussprechlich duldet er Für euch, ihr menschenkinder! So leiden sah von anbeginn Die erde keinen je, als ihn, So wird auch keiner leiden. 2. Der sohn des vaters, unser gott, Ein Helfer, ein gerechter, Ward frecher miſsethäter spott, Und seines volks gelächter. Wie ein verbrecher stand er da, Berklagt, verläumdet; wer ihn sah, Der sah ihn mit verachtung! 3. Geschäftig war der frevler wuth, Erfindrisch, ihn zu plagen, Bedeckt mit striemen und mit blut, Und seinen leib zerschlagen, Gekrönt mit dornen, in der Hand Ein rohr, verhöhnt durch sein gewand! So fahn ihn seine feinde! 4. Den heiden, der sein richter war, Ergriff ein menschlich schrekken. Er stellt ihn seinen brüdern dar, Ihr mitleid zu erwek ken. Seht, welch ein mensch! ich kann ihn nicht Verdammen Von dem Leiden denn die unschuld spricht Zu mächtig für sein leben. 5. Vergeblich, ach! vergeblich war Die menschlichkeit des heiden! Die wüthende, die stolze schaar Sah Jesu schmach mit freuden! Sein tod befriedigt sie allein, Sie stürmten auf den richter ein, Und schrien: er sterb am kreuze! 6. Du denkest ohne schauder nie An diese wuth der fünder; Du sprichst: die rache strafte sie, Und straft noch ihre kinder! seele, denkst du auch dabei An deine sünden? bist du frei Von schuld am tode Jesu? 7. Sieh, welch ein mensch! wie er für dich Verschmäht wird und zerschlagen! Hör ihn, er spricht: ich selber, ich muß deine sünden tragen! Die schuld ist dein; durch meinen tod Versöhn ich, sünder, dich mit gott, Und sterb' um deinetwillen. 8. D du gerechter gottessohn! Du tilger meiner fünden! Erhöhter auf des vaters thron! Ach laß mich gnade finden! Laß deines todes schmach und pein Gerechtigkeit und heil mir seyn, Um deiner liebe willen! 9. Ich schwöre, gottversöhner! dir, Und ewig will ichs halten: So wahr du lebest, soll in mir Nie deine lieb erkalten! Dein leiden und dein tod soll mich, So lang ich leben werd, an dich Und deine lieb erinnern. 10. Wenn mich die welt und fleisch und blut Verleiten will zur sünde, So rüste mich mit kraft und muth, Daß ich sie überwinde! Dann rufe du mir lieb reich zu: Denk, welch ein mensch ich war! und du, Du wolltest mich nicht lieben? und. Tode Jesu. 2. Den heiland meint Sein stolzer feind, Die bosheit, zu befiegen; Durch der hölle rachsucht soll Gottes sohn erliegen. 3. Welch ein bemühn, Ums leben ihn, Die unschuld selbst, zu bringen! Daß auf seine Freuzigung Alle juden dringen. 4. Ach, seht, sogar Die kriegesschaar Den heilgen leib entkleiden! Er soll, ist er gleich ges recht, Ihre streiche leiden! 5. Kein schonen mehr! Sie geisseln sehr Den leib, daß er zerrissen Aus unzähl'gen wunden läßt Ströme blutes fließen. 6. Frech, ruchlos, blind, Unmenschen sind, Die ihn so grausam höhnen, Daß sie den zergeisselten Noch mit dornen krönen. 7. Noch beugen die Vor ihm die knie, Die keinen frevel scheuen, Beten ihn als könig an, Drauf ihn zu verspeien. 57 8. Und doch wird nicht Vor dem gericht Der juden haß gestillet, Bis sein martervoller tod Ihre rach erfüllet. 9. Ach, hilf, daß ich, Mein Jesu, dich Ins herz zeitlebens faffe, Und mich auf dein theures blut Ganz und gar verlasse. 10. Ogroße huld! Für fremde schuld läßt sich der Herr zerschlagen! Jesu, meine missethat Wirkte deine plagen. 11. Hilf, gotteslamm, Am kreuzesstamm Zu unserm heil geschlachtet! Daß mein geist, wenn sünde lockt, Deine pein betrachtet. 12. Auch muß allein, Herr, deine pein Mein trost sein, wenn ich sterbe! Daß ich sanft entschlaf auf dich Und dein reich ererbe. Kreuzigung Jesu. Mel. O Traurigkeit, o Herzeleid. Mel, An Wasserflüssen Babylon. 104. blinde wuth! 105. Erhebe vom geräusch der nach blut, welt, O Als nie erhöret worden! Ihn, den lebensfürsten selbst, Wagt man zu ermorden. flügel! Hin, wo die wuth ihr opfer hält, zu jenem leidenshügel! Ihr himmel! welch ein mensch. Von dem Leiden und Tode Jesu. 58 ist das! Wie drückt ihn seiner feinde haß Mit höllisch wilden freuden! Er, der die todten auf= erwedt, Er muß, mit wunden überdeckt, Den tod der mörder leiden! noch, wenn wir zu dir um hilfe weinen, Beschämst du keinen. 6. Mel. Wend ab deinen Zorn. 106. 2m frenze rief der sohn, versenkt in leiden, Entkräftet und beraubet aller freuden: Mein gott! mein gott! wie? du hast mich verlasfen? Kannst du mich haffen? 2. Ach, welche bittre, schaudervolle klagen Des sohnes gottes! unter welchen plagen! Ach, warum konnt ihn gott, sein gott, verlassen? Konnt er ihn haffen? 3. Herr, du bist heilig, zürnst nur mit den fündern! Und er, dein sohn, dem unter deinen findern Kein engel gleicht, dein sohn! von dir geschlagen, Muß fast verzagen! 4. Die je bekümmert, hülflos, in gefahren Verlassen, nah am untergange waren, Die haft du, wenn sie sich auf dich verließen, Herausgerissen. 5. Sie riefen, der du gern bedrängte tröstest, Zu dir um schuß und rettung; du erlöstest, Und Ihm halfst du nicht, und er rief dir so sehnlich; Er war ein wurm, und menschen kaum noch ähnlich, So tief versenkt in pein, des grimmes beute, Ein spott der leute. 7. Kopfschüttelnd schmähten ihn die feinde, feiner Von allen, die ihn sahen, schonte seiner; Er flag es, schrien sie, gott; der laß ihn retten, Will er ihn retten. 8. 2. Geduldig siehet er sein blut In vollen strömen fließen; Fleht für die haffer, die voll wuth Es im triumph vergießen. Schau! jetzt umhüllt ihn finstre nacht; Er ruft, er ruft: es ist vollbracht! Nun senkt sein haupt sich nieder. O meine seele! freue dich; Dir Er, vor der welt zum sohne gab, der hier am freuz erblich, dir erkoren, Ward durch ein Das recht zum himmel wieder. wunder deiner macht geboren, 3. Er, er hat deine missethat, Unschuldiger als die verklärten Den fluch für dich getragen. Ofrommen, Gerecht, vollkommen. feele, deine fünde hat Den from- 9. Zahllose marter litt er, ein men fo zerschlagen. Durch ihn gerechter, Wie keiner war, der nimmt dich der vater an. Die fünder hohngelächter; Und du wunder seiner güte kann Kein entzogst bei ihrem grimm und sterblich lied erheben, Doch hört hohne Dich deinem sohne! er unfre lieder gern. Anbetung, preis und ruhm dem Herrn, Der uns sein heil gegeben! 10. Wie war fein heiliges gebein zerrüttet! Wie hing er da, wie wasser ausgeschüttet, Bis auf den tod verwundet und entkräftet, Ans freuz geheftet. 11. Und händ und füße wurden ihm durchgraben, Und wermuth, wermuth wars, was sie ihm gaben; So lachte seines dursts mit bitterm spotte Der mörder rotte. 12. Dies litt dein sohn, und solche gräuel übten Die fünder wider ihn, den hochgeliebten; Er litt, mit wunden, uns mit seinen thränen Dir zu verföhnen. 13. O du, des eingebornen gott, der armen Elenden fünder gott, uns im erbarmen Auch furchtbar! heiliger, erbarm dich unser! Erbarm dich unser! 14. Herr, er bezahlte dir, was wir bezahlen, Wir dulden sollten, namenlose quaalen. Er ward gegeißelt! gott! erbarm dich unser! Erbarm dich unser! 15. Er ward, ach, vater, könntest du uns haffen? Er ward von dir, für uns von dir verlassen! Er starb den tod des fluchs; er Von dem Leiden und Tode Jesu. barm dich unser! Erbarm dich unser! Letzte Reden Jesu am Kreuze. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 107. Begleite mich nach Golgatha, O chrift, auf dessen höhen Die welt die höchste liebe sah, Sah, was sie nie gesehen! Komm, denke jenen worten nach, Die sterbend dein erlöser sprach; Sie können dir im leben, und, betest du gott gläubig an, Einst, wenn dich nichts mehr trösten kann, Noch troft im tode geben. 2. Sieh, sieh mit zittern, from mes herz, Den blutberg dort von weitem! Auf! werde ganz gefühl, ganz schmerz! Sieh deinen retter streiten! Hier hing er, deines le bens pfand, Und starb durch sei ner feinde hand Für uns verlorne sünder. Hier trug er unsre straf und schuld, Und bracht uns wieder gottes huld, Schenkt uns das recht der finder. 3. Sieh ihn bei seinem größten schmerz Für seine feinde beten! Und sein so sanftmuthvolles herz Noch sterbend sie vertreten! Vergieb! Vergieb! ruft er gott an, Sie wissen nicht, was sie gethan! Muß, mensch, dich dies nicht rühren? Auf! ahme seinem beispiel nach! Laß nie beleidigung und schmach Zur rache dich verführen. 4. Dein zärtlichs herz, o herr, empfahl Aus kindlich frommem triebe Die mutter, unter deiner quaal Dem jünger deiner liebe. Ach! wenn mein aug um freunde weint, Einst sterbend für die meinen weint; So soll dies wort mich trösten! Du wirst auch ihnen schuß verleihn, Ihr beistand, helfer, pfleger seyn! Auch sie sind dein' erlösten. 59 spricht Zu dem gebeugten schächer: Du wirst noch heut mit mir dich freun, Mit mir im paradiese feyn! So ruft er ihm entgegen. Dherr! dies gnadenreiche wort Sey mir einst an des todes pfort' Erquicung, heil und segen. 6. Als Iefusan dem kreuze rief: Gott, hast du mich verlassen? Wie beuget ihn sein schmerz so tief! Wer kann die leiden fassen, Die er für unsre fünden trug, Da er unschuldig als ein fluch, Verlaffen da gehangen? Mein herr und gott! verlaß Du bist auch mir deinen tod ge= mich nicht! zur zuversicht In gangen. 7. Von allem, was erquickt, entblößt, Wünscht er, der herr der erde, Daß ihm, der uns so theur erlöst, Sein durst gestillet werde. mensch, noch jeßt ruft er zu dir Aus tausend armen neben dir, Die noth und mangel drücket! O felig, wer den ruf erfüllt! Denn wer den durst des armen stillt, Hat Jesum selbst er= quicket. 8. Der heiland spricht: es ist vollbracht! Nun endigt sich sein leiden. Du nimmst dem tode seine macht, wort des siegs und freuden! Heil uns! wer flagt uns nun noch an, Da er für uns ge= nug gethan? Wer kann von gott uns scheiden? Gieb, daß an meinem sterbetag Auch ich mit freuden sagen mag: Vollbracht ist mun mein leiden! 9. Das letzte wort aus deinem mund Laß mir zum troft gedeihen, Mir noch in meiner fodesstund, Herr, muth und kraft verleihen. Du rufest: vater, ich befehl In deine hände meine feel! Laß mich auch nicht verderben.. Der du der menschheit heil erwarbst, Neigst nunmehr sanft dein haupt und starbst; Ach laß auch mich so sterben! 5. Wer glaubt, der kommt nicht ins gericht; O reuige verbrecher! 10. Du hast, o christ! ihn sterHört, was der mund der liebe ben sehn; weih ihm stille zäh. 60 Von dem Leiden und Tode Jesu. ren. ren! Bald wirst du seinen ruhm erhöhn Und ihn lobsingend ehDen deine thräne jetzt beklagt, Der wird, wie er vorher gefagt, Vom grabe auferstehen! Den frecher spott hier hat entehrt, Den wirst du siegreich dort verklärt Zur rechten gottes sehen. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 108. Grniedrigt hatte sich Ich hoffe nicht vergebens! bereits bis zum tod am kreuz; Auch unter schmach und plagen Blieb er sich gleich, sein Herz und sinn Blieb göttlich groß; so zeichnet ihn Sein heiliges betragen. 2. Erbarme, vater, ihrer dich! Vergieb es, sie verkennen mich! So bat der herr für feinde. Ach wenn er so für feinde spricht, Wie liebevoll wallt ihm denn nicht 11 freit. Hilf, herr, auch mir vollbringen! Zu dir um beistand flehe ich; Du siehst mich kämpfen, stärke mich, Das kleinod zu erringen! 8. Dir, vater, geb ich meinen geist In deine hand;- o fey ge= preist! Die hoffnung jenes lebens Bewährtest du noch sterbend mir; Erfüllt wird sie gewiß von dir; 5. Da flehte er: mein gott! mein gott! Verläsfest du mich in der noth? Mein Heiland! mich verlassen Wird gott, um deinet willen, nicht; Und wenn mir noch so viel gebricht, Wird gott mich nie verlassen! 6. Mich dürftet! rief er, matt von schmerz. So lernt in jeder noth sein herz Mitleid mit uns zu haben. Wenn keinen trost mein herz mehr fühlt, Wenn nun kein labfal mehr mich fühlt, Wird er, wird er mich laben! Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. Sein herz für seine freunde! 3. Dem schächer schenkt er fees 109. 11m gnade für die fünlenruh, Spricht: wahrlich, heute noch bist du Mit mir im bessern leben! Du wirst auch mich, wenn du dereinst Als richter aller welt erscheinst, Zur seligkeit er heben. derwelt Rufft du, mein heil! am kreuz gequält Von frecher fünder rotten. Dir blutet das bedrängte herz, Wenn dich bei deinem herben schmerz Die bösewichter spotten. Du siehst mit segensvollem blick Von ihnen weg auf den zurück, Den diese schaar in dir entehrt, Rufft, daß es erd und himmel hört: Vergieb, o gott! Und führe nicht sie ins gericht, Das, was sie thun, verstehn sie nicht. 4. Er sah die mutter, sah den freund. Liebt, sprach der treue menschenfreund, Liebt euch; wir sehn uns wieder! So sag ich einst den meinen auch: Liebt euch; dann liebet gott euch auch! Liebt euch! wir sehn uns wieder! 2. 7. Es ist vollbracht! in ewigkeit Hat er gestegt, und uns be9. Wie rührt dein hohes beispiel mich! Vergeben will ich, sehn auf dich, Nach dir gen hintmel schauen, Die meinen lieben und in noth, Und noch dereinſt in meinem tod, Wie du, dem vater trauen! Fürbitte Jesu am Kreuze für seine Feinde. Erstaunend seh ich diese huld; Wie mitleidsvoll ist die geduld, Die mörder so erträget! Ihr, die ihr euren heiland ehrt! Fühlt seiner großmuth hohen werth, Und danket ihm beweget. Er hat durch segnendes gebet Auch uns ein ewig heil erfleht. Er sagt auch uns, zu unsrer ruh, Erbarmen und vergebung zu. Herr Jesu Christ! Gelobt feyst du für dei nen tod! Gott ist durch dich noch unser gott! 3. Daß gott mit langmuth und geduld, Auch selbst bei sehr gehäufter schuld, Der fünder dennoch schonet; Daß er so liebreich Von dem Leiden und Tode Jesu. Es ist vollbracht. ihrer denkt, Und ihnen frist zur buße schenkt, Eh nach verdienst er lohnet; Daß ich noch fröhlich Mel. Nun sich der Tag geendet. sagen kann: Auch mich, mich fün 110. Lobsingt, ihr völker, der, nimmt gott an! Hast du durch deines fürspruchs kraft, Mein treuer heiland! mir verschafft. Jesu Christ, Mein Herr und gott! mein herr und gott! Vertritt du mich bis an den tod! preist den sohn! Bringt ehr und ruhm ihm her! Fallt nieder, niet vor seinem thron; Denn er ist würdig! er! 2. Den aller engel lobgefang, Noch eh ihr wart, erhob, Dem jauchze, menschen, euer dank Ein jubelvolles lob! 3. Ihn soll der sünder preisen! soll Frohlocken seiner macht; Die stimme Jefu Christi scholl Vom kreuz: es ist vollbracht! 4. Des tempels vorhang reißt entzwei! Sie schallt, die erd erbebt, Der fels stürzt ein; auf ihr geschrei Erwacht der todt' und lebt. 5. Die stimme schallet durch die welt Zu jeder nation, Und jeder gößentempel fällt, Und jeder götterthron. 6. Die stimme Jefu geht mit macht; Der sünder hörts und bebt! Er hört, es sey sein heil vollbracht, Er hörts, er glaubt, er lebt! 4. Wird je mein herz von troste leer, Weil meiner fünden furchtbar heer Aufs neue mich erschrekket, dann versichre mich aufs neu, Du stehest mir als mittler bei, Der meine schuld bedecket. Mein geist blickt glaubensvoll auf dich, Sey du mir nur nicht fürch terlich! Und schließt sich meine pilgrimmschaft, So stärke mich mit neuer kraft. Herr Jesu Christ! Der letzte kampf wird mir verfüßt, Wenn du mein trost im tode bist. 5. Den sanften liebevollen sinn, Daß ich ein freund der feinde bin, Flöß, herr, in meine seele! Gieb, daß bei der verfolgung schmerz Ich dir des feindes hartes herz, Und meine sach empfehle. Besänftige mein reges blut; Und flammt des zornes wilde glut Mein Herz zur rachbegierde an, Oso erinnre mich daran, Herr Jefu Chrift! Wie du am kreuz durch dein gebet Selbst deinen mördern gnad erfleht. 61 6. Mich tröste dein versöhnungstod! Es bilde mich dein geist, mein gott, Daß ich dir ähnlich werde! zeuch mich, du erhöhter held, zu dir hinauf vom dienst der welt, Zum himmel von der erde! Du bist der deinen schußpanier. Zeuch dir uns nach, so laufen wir, So wollen wir uns deiner pein, Und deiner für bitt ewig freun. Herr Jesu Christ! Wie selig ist, wie selig iſt Der mensch, dem du ein heiland bist! 7. Die stimme Jesu ladet euch, Jhr, die ihr elend seyd, zu sich in seiner wahrheit reich, Belehrt euch und erfreut. 8. Auf ihr gewaltiges gebot Giebt, wenn er kömmt, das meer, Das grab, der abgrund und der tod Die todten gottes her. 9. Sie donnert dann, ihr fünder, euch Tief in den pfuhl herab; Euch, fromme, ruft sie in sein reich, Das ihm der vater gab. 10. Shm sey ihr ewig lob ge= weiht! Erlöste, freuet euch! Von ewigkeit zu ewigkeit Währt eures königs reich. 11. Ein voller strom der wonne fließt Von seinem throne her! Lobsingt dem könig, würdig iſt Er, euer jubel, er! 62 Von dem Leiden und Tode Jesu. Der Tod Jesu. Mel. Ich hab mein Sach Gott. 111. n Jun ist es alles wohl gemacht, Mein Jesus ruft: es ist vollbracht! Der neigt sein haupt, o mensch, und stirbt, Der dir erwirbt Das erbe, welches nie verdirbt. 2. Der, dent an hoheit keiner. finstert, Der mittag wärd zur nacht; Nun hatt' er überwunden, Und sprach: es ist vollbracht. 2. Der erde furchtbar beben Hob das gebirg empor, Und todte from me gingen Aus ihrem grab hervor. 3. Den todesüberwinder Umgab des grabes nacht; Und engel gottes jauchzten: Er hats, er hats vollbracht! gleicht, Der Herr der herrlichkeit erbleicht. Was wunder, daß die erde kracht! Die welt deckt nacht; Denn gottes fohn wird umgebracht. 3. Das heiligthum steht aufgedeckt; Die felfen bersten, alles schreckt. Die freudenlose creatur Klagt jetzo nur Den tod des herrschers der natur. 4. Weil denn die creatur sich regt, So werd auch du, o mensch, bewegt! Der fels zerreißt, und du wirst nicht Durch dies gericht Beweget, daß dein herz dir bricht! 5. Du selbst,( hast du es gnug bedacht?) Du hast den herrn ans kreuz gebracht. Ihm, der für dich sein leben gab, Folg in sein grab, Und stirb dem sündengräuel ab. 6. Ach, vater! ach! in pein und hohn Erbleicht am kreuz dein einger sohn; Nun ist kein zweifel, deine huld Tilgt meine schuld, Und trägt forthin mit mir geduld. 7. Ich will mit ihm zum grabe gehn, Und, wo die unschuld bleibet, sehn. Sein tod soll meine zu flucht seyn, Auf ihn allein Schlaf ich einst sanft und selig ein. 8. Und nun dient ich der sünde noch? Wie drücket mich ihr schweres joch! Auf, seele! daß du dich erhebst, Nur Jesu lebst, Nur Jesu zu gefallen strebit. 9. Tödt, Jesu, selbst in meiner brust, Was sich noch find't von böser lust! Dein tod, der mir das leben schafft, Giebt mir auch kraft Zu einer guten ritterschaft. 11. Wie dank ich gnug dir, Jesu Christ, Daß du für uns gestorben bist! Dich preif' ich auch in angst und leid', Doch nach der zeit Noch würd'ger in der ewigkeit. 10. Ja, herr, mein heiland, fräftiglich Stärkst du in meinem vorsatz mich! Ich seßze freudig, auf dein wort, Den kampf stets fort. Der reiche lohn erfolget dort. Mel. Christus, der ist mein Leben. ie 4. Das opfer für die fünde Ift dargebracht vor gott! Er starb; und heil und leben Wird aller welt sein tod! 5. Nun wird kein opfer wieder In ewigkeit gebracht; Der, den sein volk erwürgte, Der hat es ganz vollbracht! 6. D du, der mich versöhnte Dem richter aller welt, Du hast das heil der erde Allmächtig hergestellt. 7. Nun wohnt in ewgem frieden Das menschliche geschlecht, Und du regierst die völker Mit wahrheit und mit recht. 8. Du kommst und führst die deinen In deines vaters reich, Du machst an heil und würde Sie deinen engeln gleich. 9. Wie herrlich ist dein name! Wie groß ist deine macht! Preis dir und dank und ehre, Daß du dein werk vollbracht! 10. Laß mich dein beispiel stärken, Daß ich im glauben treu, Und standhaft in der liebe Bis an mein ende sey! 11. Darf ich den tod noch fürchten? Herr, meines Lebens kraft! Auch ich werd überwinden Durch dich, der hülfe schafft! 12. Du führst mich hin zum ziele! Vollbracht ist dann mein lauf, Dann nimmt in seine Hände Auch mich dein vater auf. Von dem Leiden und Tode Jesu. Mel. O Traurigkeit, o Herzeleid. Für uns, der fünden knechte, Den 113. Am freuz erblaßt, Der bittern zornkelch trinkt; Wie er für frevler bittet! Wie waffer ausgeschüttet, Hängt er, da er im tod hinsinkt. marter last, Der todesquaalen müde, Findet mein erlöser erst In dem grabe friede. 2. Ein heilger schmerz Durchdringt mein herz; Und, Herr, was kann ich sagen? Nur an meine brust kann ich Tief gerühret schlagen. 3. Wir fünder sollten sterben, Fluch lag auf adams erben, Fluch auf der fündgen welt; Doch er kam uns zu gute Und gab mit seinem blute Für uns ein ewges lösegeld. mit 3. Du schüßest mich, und über dich Gehn aller trübsal wetter. Sterben wolltest du für mich, Einziger erretter! 4. Kein freund meint es freunden So treu, als es mit feinden, Er, unser mittler, meint. Preis ihm, dem überwinder! Nun sind wir gotteskinder, Mit gott versöhnt durch unsern freund. 4. Du hafts gethan! Dich bet ich an, Du könig der erlösten! Dein will ich im fode mich Glaubensvoll getrösten. Mel. Wend ab deinen Zorn. 5. Es ist vollbracht, Riefst du mit macht! Du zeigtst, daß du 115. Sey hochgepriesen, berr, dein leben, Mein versöhner! göttlich frei Habest hingegeben. 6. Hochheil'ge that! Des höchsten rath Will ich in demuth eh Der erfinder meines heils Wird mirs einst erklären. liebe! Sie drang dich zu dem mitleidsvollen triebe, Für eine welt voll fünder selbst dein leben Dahin zu geben. ren. 2. Fürwahr, du trugest unsrer sünden schmerzen. welch ein Herz gleicht deinem edlen herzen? Du ließest unsre schuld an dir bestrafen, Uns heil zu schaffen. 3. O laß dies heil doch auch mein erbe werden! Was hab ich sonst für sichern troft auf erden? Was giebt mir sonst wol wahren grund zur freude, Wenn ich einst scheide? 7. Allmächtig rief Er, der entschlief, Den todten; sie erstanden! Leicht entschwingt der lebensfürst Sich des todes banden. 8. Das finstre thal Will ich einmal Durchwandern ohne grauen. Denn durch dich, erlöser, ist Mir der pfad zum schauen. 9. Ich preise dich! Erforsche mich Und siehe, wie ichs meine. Ja, du siehest, wenn ich still Meinen dank dir weine. 10. Vergeß ich dein, So werde mein In ewigkeit vergessen. Herr! ich will, so lang ich bin, Deine lieb ermessen. 63 Erweckung zur Dankbarkeit für Jesu Leiden. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 114. Froblode, mein gemüthe, Und bete gottes güte In deinem heiland an! Was selbst der engel schaaren Zu thun nicht fähig waren Das hat des menschen sohn gethan. 2. Schau hier, wie der gerechte 4. Für mich, o herr, bist du ja auch gestorben! Was du der welt durch deinen tod erworben, Das hast du ja, von großer treu geleitet, Auch mir bereitet. 5. O stärke selbst mein herz in diesem glauben! Kein banger zweifel müsse ihn mir rauben! Gr müsse mich zum fleiß in guten werken Beständig stärken. 6. Sollt ich mich nun noch frevelhaft erkühnen, Der sünde, die dich tödtete, zu dienen; So wär ich ja, o herr, nicht dein erlöster, Du nicht mein tröſter. 7. Nein, dir allein, der du durch deine wunden Auf ewig mich zu deinem dienst verbunden, Nur dir, mein heiland! sey mein ganzes leben 3um dienst ergeben! 64 Von dem Leiden und Tode Jeſu. 8. Nichts soll mich je von deiMel. Jesu, meines Lebens Leben. ner liebe scheiden; Ich bleibe dein, 117. Jefu, meines Lebens le dort Wo deine liebe mit verklärten zungen Stets wird befungen. Mel. Wend ab deinen Zorn. 116. Gott, der du für uns deinen sohn gegeben! Wer kann doch gnugsam deine huld erheben! Wie herrlich zeigst du im erlösungswerke Der gnade stärke! 2. Dein ewger sohn selbst stirbt für menschenkinder, Der heiligste tritt an die statt der fünder, Der feligste begiebt sich seiner freuden, Für uns zu leiden. 3. Er wird das lamm, das aller sünden träget, Drauf du die strafe weislich selbst geleget, Daß du die schuld an den verlornen schaafen Nicht dürftest strafen. 4. Was ist der mensch, daß du sein so gedenkest, Und deinen sohn ihm zum versöhner schenkest? Was findest du an mir und an uns allen Für wohlgefallen? 5. Verdient verachtung göttlicher gesetze, Verdient verschwendung unschäßbarer schäße, Verdient ein felbst gemachter böser schade Des richters gnade? 6. welche tiefe deiner men schenliebe! Wer faßt, o gott, die größe ihrer triebe? Du thust noch mehr zu unserm wohlergehen, Als wir verstehen. 7. Ach lehre mich recht deine huld erkennen, Voll zuversicht dich meinen vater nennen! Und zum gehorsam dir mein ganzes leben Willig ergeben! 8. Was mir dein sohn, da er für mich gestorben, Aus deiner huld durch seinen tod erworben, Das werde mir, zu meinem ewgen heile, Nun auch zu theile. 9. Dein friede wohne stets in meinem herzen, Und tröste mich bei des gewissens schmerzen. Dein geift sen mit mir, deinen guten willen Treu zu erfüllen.. seele freut, Der für mich sich hingegeben, Ursprung meiner seligkeit! Du, der lieber wollte fterben, Als mich lassen im verder= ben, Ach wie dank, wie dank ich dir, Mein erlöser, gnug dafür! 2. Menschenfreund, von gott gesendet, Seines raths verkündiger! Längst hast du dein werk vollendet; Preis sey dir, erhöheter! Doch in den gedächtnißtagen Deiner leiden, Jesu, sagen Deine theurerlösten dir Billig neuen dank dafür! 3. Du betratst, für uns zu sterben, Willig deine leidensbahn, Stiegst, uns leben zu erwerben, Gern den todesberg hinan, Trugst vergessend eigner schmerzen, Deine menschen nur im herzen. Diese liebe preisen wir, Ünvergeßlich sey sie mir! 4. Meinetwegen trugst du bande, Littst du lästerung und spott, Achtetest du nicht der schande, Gingest willig in den tod. Mich hast du der schmach entriffen, Die mich hätte treffen müssen. Wie verpflichtet bin ich dir, Mein verföhner, stets dafür! 5. Frevler krönten dich zum hohne; Deine stirne blutete Unter einer dornenkrone, König aller könige, Mir zu gut hast du's erlitten, Mir die ehrenkron erstritten. Preis, anbetung, dank sey dir, Ehrfurchtswürdigster, dafür! 6. Du, der tausendfache schmerzen Willig, mir zu lieb, ertrug, Deinem großmuthsvollen Herzen War mein heil belohnung gnug. Trost in meinen letzten stunden Floß für mich aus deinen wunden. Herr, ich dank, ich danke dir Einst im tode noch dafür! 7. Ruh im leben, trost am grabe; Unaussprechlicher gewinn, Den ich dir zu danken habe, Du, deß ich nun ewig bin! Jesu, dir Von dem Leiden mein Herz zu geben, Deiner tugend nachzustreben, Dir zu traun, zu sterben dir; Dies, dies sey mein dank dafür! 8. Nun, so dank ich dir von Herzen Für die ausgestandne noth, Für die wunden, für die schmerzen, Für den Herben kreuzestod, Für dein zittern, für dein zagen, Und für alle deine plagen. Jesu, dir für deine pein Will ich ewig dankbar seyn. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 118. Herr Jesu, deine angst deine schweren leiden Laß allzeit mir vor augen seyn, Die fünden zu vermeiden. An deine ausgestandne noth, An deinen martervollen tod Laß fruchtbar mich gedenken. 2. Will mich der fünde starker reiz Auf lasterwege führen; Laß den gedanken an dein kreuz Mein Herz durchdringend rühren. Und dann laß mich die lüste fliehn, Dem sündendienste mich entziehn, Dir mich zum dienst ergeben. 3. Gekreuzigter, mein heil! auch ich hab alles das verschuldet, Was du so willig nahmst auf dich, Was huldreich du erduldet. Ach! laß mich meine schuld bereun, Um gnade flehn, die fünde scheun, Für die du bist gestorben. 4. Du kamest von des himmels thron Ins elend hier hernieder, Ertrugest schläge, spott und hohn, Und starbst für deine brüder, Um uns, nach deines vaters rath, Von unsrer sünd und missethat Auf ewig zu erretten. 5. Drum will ich hier zur dankbarkeit Von Herzen dir lobsingen; Und wenn du einst zur seligkeit, Erlöser, mich wirst bringen, So will ich dann zu deiner ehr Mit jenem felgen himmelsheer Dich ewig dafür loben. und Tode Jesu. Dann hilf, daß ich durch deinen tod Beschließe alle meine noth, Und selig sterbe. Amen. 6. Laß, Jesu, deine angst und pein Und deine schweren leiden Mir kraft und trost im leben seyn; Und wenn ich werde scheiden, 65 Erweckung zur Buße aus den Leiden Jesu. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 119. Erforsche mich, erfahr mein herr, wie ichs meine; Ich denk an deines leidens schmerz, An deine lieb, und weine. Dein kreuz sey mir gebenedeit! Welch wunder der barmherzigkeit Hast du der hab ich dies genug bedacht, Und dich aus aller meiner macht Genug dafür gepriesen!? 2. Rath, kraft und friedefürst und held! In fleisch und blut ge= kleidet, Wirst du das opfer für die welt, Und deine seele leidet. Du ringst mit angst und todesnoth, Und gehst doch willig in den tod; O liebe sonder ende! Du nimmst auf dich der menschen schuld, Und giebst mit göttlicher geduld Dich in der fünder hände. 3. Du trägst der misfethäter lohn, Und hattest nie gesündigt, Du, der gerechte, gottes sohn! So wars vorher verkündigt. Der frechen schaar begehrt dein blut, Du duldest, göttlich groß, die wuth, Um seelen zu erretten. Dein mörder, Jesu, war auch ich: Denn gott warf aller sünd auf dich, Damit wir friede hätten. 4. Erniedrigt bis zur knechtsgestalt, Und doch der größt im herzen, Erträgst du spott, schmach und gewalt, Voll krankheit und voll schmerzen. Wir sahn dich, der verheißung ziel: Doch da war nichts, das uns gefiel, Und nicht gestalt noch schöne. Vor dir, herr, unsre zuversicht! Verbarg man selbst das angesicht, Dich schmähn des bundes söhne. 5. Ein opfer, nach dem ewgen rath, Belegt mit unsern plagen, 66 Von dem Leiden und Tode Jesu. Um deines volkes missethat Gemartert und zerschlagen, Gehst du den weg zum kreuzesstamm, In unschuld stumm, gleich als ein lamm, Das man zur schlachtbank führet. Freiwillig, alg der Helden held, Trägst du, aus liebe für die welt, Den tod, der uns gebühret. 6. Du neigst dein haupt, es iſt vollbracht. Du stirbst, die erd' erschüttert. Die arbeit hab ich dir gemacht; Herr, meine seele zitfert. Was ist der mensch, den du befreit? wär ich doch ganz dankbarkeit! Herr! laß mich gnade finden. Und deine liebe dringe mich, Daß ich dich wieder lieb, und dich Nie kreuzige mit fünden. 7. Welch warten einer pein Für die, die dich verachten, Die solcher gnade werth zu seyn, Nach keinem glauben trachten! Für die, die dein verdienst gestehn, Und dich durch ihre laster schmähn, Als einen fündendiener! Wer dich nicht liebt, kömmt ins gericht. Wer nicht dein wort hält, liebt dich nicht; Ihm bist du kein verfühner. ewgen 8. Du hafts gesagt, du wirst die kraft Zur heiligung mir schenfen. Dein blut ists, das mir trost verschafft, Wenn mich die fünden kränken. Laß mich im ei fer des gebets, Laß mich in lieb und demuth stets Vor dir erfunden werden. Dein heil sey der schirm in noth, Mein stab im glück, mein schild im tod, Mein legter trost auf erden. mir liebt. In heißen ängsten schwebt er da, Mit unsrer schuld beladen, Dem opfertode nah. 3. Fallt nieder! bebt, ihr fün der! Verhüllt das angesicht! Jetzt ist für Adams kinder Der mittler im gericht! Er leidet unsers todes pein, Fühlt unnennbare quaalen, Uns menschen zu befrein! 4. So liebt er uns verbrecher! So groß ist unsre schuld! Gott ist der fünden rächer, Und gott ist gnad und huld! Wer nun der fünden gräul nicht haßt, Häuft auf den tag des zornes Sich felbft des zornes last. 5. Hörts, die ihr eure herzen Noch ihrem dienst ergebt! Der preis so vieler schmerzen Ist, daß ihr ewig lebt. D! nehmt an seiner gnade theil, Erkennet feine liebe, Verwerft nicht euer heil. 6. Vernehmts auch ihr, o spöt ter, Die ihr den mittler schmäht! Er ist auch euer retter! Hört für euch sein gebet: Sie wissens nicht, was sie begehn; Vergieb, o vater, ihnen, Wenn einst sie zu dir flehn!" 7. Ihr, eurer brüder feinde, O schlagt an eure brust! Seyd aller menschen freunde, Verdammt der rache lust! Vergeltet euren hassern nie, Den feinden, die euch fluchen, Vergebt, und segnet sie! 8. Noch währen seine quaalen! Noch trinkt er ohne rast Des zornes volle schaalen, Trägt unfre fünden läst, Und fühlt für uns des todes noth! Und nun ergreift den müden Der fürchterlichste tod. 9. Vor seines todes schrecken Verlischt der sonne licht, Die engel gottes decken Ihr bebend angesicht! Nun sinkt er in die todesnacht! Erbarm, o gott, dich unser! Er stirbt, es ist vollbracht! Mel. Wenn meine Sünd mich fräufen. 120, Si in an dein kreuz zu treten, In deinem letden dich Voll glauben anzube ten, Versöhner, stärke mich! Zaß mich mit zittern und vertraun, Wie du dich für die fünder Hin in den tod gabst, schaun! Mel. Sesns, meine Zuversicht. 2. Wie ist des besten seele Bis 121. Schwing dich auf gen Golgatha! Seel', an an den tod betrübt! So brünstig, deines Heilands kreuze, Nimm zu meine feele, Hat Jesus dich ge- herzen, wie dich da Gottes zork Von dem Leiden zur buße reize! Härter bist du noch, als stein, Wenn du hier kannst fühllos seyn. 2. Schaue doch das jammerbild Zwischen erd und himmel hangen; Wie das blut in strömen quillt, Daß ihm alle kraft entgangen! Schau, ach schau! erschrickst du nicht? Wie sein sterbend Herz ihm bricht! 3. lamm gottes ohne schuld! Alles das hatt' ich verschuldet; Und du hast aus freier huld Pein und schmach für mich erduldet. Aus des ewgen feuers glut Mich zu retten, fließt dein blut. 4. Du, für uns erwürgtes lamm! Groß, ach groß ist deine liebe! Schau von deines kreuzes stamm, Wie ich mich um dich betrübe! Ich bin schuldig; aller schmerz, Der dich trifft, durchbohrt mein herz. 5. Herr, was kann ich dir da für, Daß du mich so liebest, geben? Nimm, was ich vermag, von mir, Dir, nur dir gehört mein leben! Wie du mein, so will ich dein Lebend, leidend, sterbend seyn. 6. Nur bei dir allein such ich Hülf in meinen bängsten stunden, Schmachtend, lechzend sehn ich mich Nach dem trost aus deinen wunden, Wie ein hirsch nach wasser schreit, Bis er meine seel' erfreut. 7. Kreuzige mein fleisch und blut, Lehre mich die weit verschmähen! Laß auf dich, du höchstes gut, Immer unverwandt mich sehen! Und im kreuze führe mich Selig, wenn schon wunderlich. 8. Endlich laß mich alle noth Freudig sterbend überwinden. Nirgends müsse mich der tod, Als bei dir, mein heiland, finden. Wer nur dich zur zuflucht macht, Spricht getrost: es ist vollbracht. Erweckung zum Glauben aus den Leiden Jesu. Mel. Christus, der uns selig macht. 122 kefu, meiner feelen licht, und Tode Jesu. den! Meines Herzens zuversicht Ist allein dein leiden. Nimm dafür den dank jetzt an; Ist es schon ein lallen, Da ich nicht mehr ge ben kann, Wird dirs doch gefallen. 67 2. Ich erwäg' es oft und viel, Was dich doch getrieben, uns ohn alles maaß und ziel, Wie du thatſt, zu lieben; Da du, uns nur zu befrein, Streich und hohn in banden, Geißeln, martern, todespein Willig ausgestanden. 3. War es unsre würdigkeit? Nein, des vaters güte, Deines Herzens freundlichkeit und dein treu gemüthe. Dies hat dich ans kreuz gebracht, Daß kein mensch verzagte, Wenn der fünden meng' und macht Das gewissen nagte. 4. O'du wunderbarer rath, Den man nie ergründet, du unerhörte that, Als man nirgends findet! Sünden, deren, gott zum hohn, Menschen sich erfrechen, Die läßt gottes eigner sohn An sich strenge rächen. 5. Meine schwere sündenschuld Traf den treuen bürgen. Er ließ gar aus großer huld Sich für mich erwürgen. So hat er uns heil gebracht, Sollt uns nicht ge ziemen, Seiner liebe starke macht Ewiglich zu rühmen? 6. Herr, dein friede sey mit mir, Und auf mein gewissen, Wenn es zaget, laß von dir Trost und freude fließen! Trost ergießt in jedes herz Sich aus deinem herzen; Auch den allerbängsten schmerz Stillen deine schmerzen. 7. Laß, sobald mein Herz erschricht Ueber seine fünden, Wenn auf dich mein glaube blickt, Mich, herr! gnade finden. Sieh, ich fall, zerknirscht von reu, Mit wahrhaf ter buße, Und dem vorsatz beffrer treu, Jesu! dir zu fuße. 8. Num, ich weiß, worauf ich bau, Und bei wem ich bleibe, Wessen fürsprach ich vertrau, Und an wen ich gläube. Jesu, du bist es mich € 2 68 Von dem Leiden und Tode Jeſu. met, Wenn gleich alle höllenpein zum heil verschafft, Gläubig anAuf mich dringt und stürmet. zuwenden. 9. Aber sollte nicht dein schmerz Meine seele kränken? Mit betrübniß soll mein herz Deines todes denken, Bis man fröhlich rühmen wird: Aus des todes banden Ift der schaafe großer hirt Siegreich auferstanden! 7. Laß das wort von deinem kreuz Mich mit muth beleben, Siegreich jedem fündenreiz Hier zu widerstreben. Treib mich mächtig dadurch an, Gottes zorn zu scheuen, Was ich anrecht je gethan, Innig zu bereuen. 8. Drückt mich meine sündennoth, Straft mich mein gewissen; O! dann laß aus deinem tod Mich den trost genießen, Daß du auch meine ge storben, Und vergebung, gnad und huld Mir bei gott erworben. 9. Stärke mich durch deinen tod Auf die letzten stunden. Wie du deine todesnoth Siegreich überwunden; O so hilf dazu auch mir, Laß mich fröhlich scheiden! Herr! so dank ich ewig dir Für dein bittres leiden. Mel. Christus, der uns selig macht. 123. Mein erlöfer, gottes mich littest, Und auch auf der himmel thron Jetzt noch für mich bittest! Welche wohlthat ist für mich Dein verföhnend leiden! Dwie preif' ich würdig dich, Ursprung meiner freuden! 2. Unermeßne herrlichkeit War dir, herr, gegeben, Und du konntest jederzeit Voller freuden leben. Aber, o der großen huld! Daß ich selig würde! Uebernahmst du 124. Christe, du lamm gottes, Der du trägst die fünin geduld Schwerer leiden bürde. de der welt, Erbarm dich unser! 3. Nun kann meine missethat Noch vergebung finden; Denn du starbst nach gottes rath Auch für meine fünden. Unsre strafe trugest du, Uns vom fluch zu retten, Daß wir im gewissen ruh, Mit gott friede hätten. 4. Was uns lust zur beßrung Mel. D lamm Gottes, unschuldig. schafft, Was zur tugend leitet, 125. O lamm gottes, im Dazu du staube mit blut und thränen bedecket! Dein tröste fich mein glaube, Wenn tod und fün de mich schrecket. Dein ringen, winseln, flagen, Dein todes: kampf, dein zagen, Sey meine ruhe, herr Jeſu! 2. D lamm gottes, unschuldig Trugst du die herbe verhöhnung, Und immer so geduldig, Zu mei nes frevels versöhnung. Dein bild müff' uns beleben, Zu dulden, zu vergeben, Wie du zu lieben, Herr Jesu! dein kreuz bereitet. Nicht verge bens darf ich nun Mich um kraft bewerben, Gottes willen noch zu thun, Sünden abzuſterben. 5. Nun kann ich aufs todesthal Noch mit freuden sehen, Und zu jener welt einmal Ohne schrecken gehen. Du, herr! hast aus aller noth Rettung mir errungen, Und durch deinen kreuzestod Meinen tod bezwungen. 6. Herr! was bin ich, daß du mein So dich angenommen? Laß die frucht von deiner pein Nun auch auf mich kommen. Gieb mir weisheit, gieb mir kraft,( Du hast sie in Händen!) Was du mir Der du trägst die sünde der welt, 2. Christe, du lamm gottes, Erbarm dich unser! Der du trägst die fünde der welt, 3. Christe, du lamm gottes, Gieb uns deinen frieden! Amen. 3. lamm gottes! so kläglich Zerfleischt, durchgraben, geschlachtet! Dein tod belehr uns täglich, Wie hoch du feelen geachtet; Er Von dem Leiden schreck uns ab von sünden, Er müss' uns dir verbinden Zu stetiger liebe, herr Jesu! Erweckung zur Gegenliebe ge= gen Jesum aus seinen Leiden. Mel. Wend ab deinen Zorn. 126. Wie grundlos sind die Wie heiß, wie zärtlich, Jesu, deine triebe! Kein mutterherz gleicht deinem treuen herzen, Du mann der schmerzen! 4. Des höchsten sohn büßt für die menschenkinder; Der heiligste bezahlet für die fünder; Des lebens fürft und aller bosheit rächer Stirbt bei dem schächer! 5. Kann mein verstand so hohe gnadenzeichen, So große wunder feiner lieb erreichen? Thut er nicht mehr, uns erde zu erhöhen, Als wir verstehen? 6. Herr, lehre selbst mich deine huld erkennen, In rechtem glauben und Tode Jesu. recht, der an ihn gläubet, Und in ihm bleibet. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 2. ist du sein so gedenkeſt? Für ihn dich 127. D liebe; Meine lieb ift er am meine felbst so tief ins elend senkest? Fiel nicht schon Adam? und mit feinem falle Zugleich wir alle? 3. Verehrt beschämt den weisen rath, ihr christen, Den einzuschaun die engel selbst gelüsten! Bewundert doch in dem erlösungswerke Der liebe stärke. Jesus Christ, Weicht ihr schnöden fleischestriebe, Alles fern, was eitel ist! Eitle wollust wirkt den tod; Wer sie liebt, ist nicht von gott! Meine lieb ist der erwürgte, Der für mich beim richter bürgte. 2. Der am kreuz ist meine liebe; Welt, was wunderts dich, daß ich Stets in seinem lob mich übe? Er, er blutete für mich; Durstend, bleich, zum fluch gemacht, Hing er in des todes nacht. Meine wonn' ist der erwürgte, Der für mich beim richter bürgte. 3. Der am freuz ist meine liebe; Sünde, du bist mir verhaßt. Weh mir, wenn ich den betrübe, Der für mich am kreuz erblaßt! Undank für so blut'gen schmerz Der beflecke nie mein herz, Und mein schußz sey der erwürgte, Der für mich beim richter bürgte. 4. Der am kreuz ist meine liebe; Nun, mein herz, was zagest du? Schau, aus wie so heißem triebe Schafft er dem gewissen ruh! Stille dich! denn Jesu blut Macht die böse sache gut, Und dein trost sey der erwürgte, Der für mich beim richter bürgte. meinen herrn dich nennen! Erbarme dich, und heile meinen schaden, Du brunn der gnaden! 7. Ich bin verderbt, vom fuße bis zum scheitel, Mein Herz ist trotzig, widerspenstig, eitel, Mein bestes thun ist mangelhaft und sündlich, Ich fehle stündlich. 8. Ich flich, o herr! zu deinen liebesarmen, Ich such und bitte nichts als dein erbarmen. Verstoß den nicht, der seine sünden Haffet, Und dich umfaffet. 9. Was machst du, feind, mir Christi huld verdächtig? Schweig! seine kraft ist in den schwachen mächtig. Er selbst macht den ge69 10. Zeuch mich, verwundtes lamm! zu deinem freuze, Damit dein leiden meine seele reize, Dich, den erwerber aller guten gaben, Recht lieb zu haben. 11. Dir, Jesu, leb ich, dir will ich auch sterben! Laß den nur nicht, du verderben. mich dein seyn, so lang ich leb auf erden, Einst selig werden. 5. Der am kreuz ist meine liebe; Der so sehnlich mein begehrt. Wenn ich ihm nicht treu verbliebe, Wär ich da des lebens werth? Nein, mich trennt von ihm kein dräun, Keine schmach, gefahr, noch pein; Von dem Leiden und Tode Jesu. 70 Und mein fels ist der erwürgte, Der für mich beim richter bürgte. 6. Der am freuz ist meine liebe; Nun, o tod, bist du mein freund. Wenn ich, wie ein staub, zerstiebe, Werd ich Jesu stets vereint. Dann erfahr ich ganz sein heil! Meiner seele licht und theil Bleibet ewig der erwürgte, Der für mich beim richter bürgte. Anwendung der Leiden Jesu zur Tugend. 9. Wie bin ich dir verbunden, Durch den ich heil gefunden! Ich bin dein eigenthum. Mich dankbar zu beweisen, Soll feel und leib 128. 5 welt! fich hier dein dich preisen, Und dir gehorchen sey Mel. Nun ruhen alle Wälder. kreuzes schweben! Dein heil sinkt in den tod. Der große fürst der ehren läßt willig sich beschweren Mit banden, schlägen, hohn und spott. 2. Tritt her, und schau mit fleiße, Mit blut und todesschweiße Ist ganz sein leib bedeckt, Und unnennbare schmerzen Fühlt er in seinem Herzen, Da er den kelch des zornes schmeckt. 3. Wer hat dich so geschlagen Und dieses heer von plagen, Herr, wider dich erregt? Du bist ja nicht ein fünder, Wie wir und unsre kinder; Wie sind dir strafen auf erlegt! 4. Ich, ich und meine fünden, Der sich so viele finden, Wie sand am weiten meer, Die haben dich geschlagen, Die brachten diese plagen Auf dich, und dieses marterHeer. 5. Ich bins, ich sollte büßen In ewgen finsternissen Das, was dein tod verfühnt. Die geißeln und die banden, Und was du ausgestanden, Das alles, herr! hab ich verDu läsfest dich selbst würgen Für mich und meine schuld. Für mich läßt du dich krönen Mit dornen, die dich höhnen, Und leidest alles mit geduld. 8. Für mich ihn zu erlegen, Eilst du dem tod entgegen Mit großem heldenmuth. Du stirbst, daß ich nicht sterbe, Noch ewiglich verderbe; O unerhörte liebesglut! dient. 6. Du nimmst auf deinen rücken Die lasten, die mich drücken, Du duldest meine pein. Du wirst ein fluch; dagegen Erwirbst du mir den segen, Dein schmerz muß mir ein labsal seyn. 7. Du giebeft dich zum bürgen, 10. Es soll dein tod und leiden, Bis leib und seele scheiden, Mich trösten und erfreun. Er soll von meinen pflichten Mich täglich unterrichten, und kraft zur tugend mir verleihn. 11. Wie strenge gott verbrechen An denen einst wird rächen, Die seine huld verschmähn, Wie schwer sie ihrer fünden Vergeltung werden finden, Will ich aus deinem leiden sehn. 12. Dein beispiel soll mich lehren, Den rath des höchsten ehren, Und thun, was er gebeut. Nicht meinen eignen willen, Nur seinen zu erfüllen, Ist meine pflicht und seligkeit. 13. Nach dir will ich mich üben, Die feinde selbst zu lieben, Nach dir, der für sie bat. Ich will des lebens plagen Getroft und willig tragen, Und thun, wie mein erlöser that. 14. Nie will ich wieder schelten, Nie spott mit spott vergelten, Nie, wenn ich leide, dräun! Wie du, gelassen dulden, Dem nächsten seine schulden, Wie du, von herzensgrund verzeihn. 15. Ich will ans kreuze schlagen Mein fleisch, und dem entsagen, Was dir, herr! nicht gefällt; Was deine augen hassen, Das will ich fliehn und laffen, Gefiel es auch der ganzen welt. Von dem Leiden Mel. Wend ab deinen Zorn. 129. herr, mein heil, der du für mich geftorben, und mir am freuz mein ewig heil erworben, Wie wenig schlägt mein herz, voll böser triebe, Zu dir von liebe! 2. Wie unbeständig, zaghaft und vermessen, Kann es so bald, was es dir schwur, vergessen! Kaum droht die welt, kaum locken falsche brüder, So fall ich wieder. 3. Auch ich, ich folge dir nur oft von weitem, Zu muthlos klein, für deinen ruhm zu streiten; Schnell schrecken mich verfolgung, tod und bande Und kleinre schande. 4. Ist dies das Herz, das ich dir ganz ergeben, Dir treu zu seyn, zu sterben, dir zu leben? Ist dies die pflicht, mein blut für dich zu wagen, Nie zu verzagen? 5. Ach! sieh, erbarmer, mich zu deinen füßen In wehmuthsvollen schmerzen ganz zerfließen! Ach! könnte sich in heißen thränenfluthen Mein Herz verbluten! 6. Schenk einen blick voll mit leid und erbarmen Mir, der ich dich so oft verließ, mir armen; Laß dieser tief gerührten reue zeichen Dein herz erweichen. 7. Du wirst, du kannst mir die ses nicht versagen; Du hast ja, herr! auch meine schuld getragen; Für mich gefleht, den glauben mir zu stärken Zu guten werken. 8. Ich will hinfort dich vor der welt bekennen, und ohne furcht mich deinen jünger nennen; Nichts, nichts soll mich von deiner liebe scheiden, Freud oder leiden. 9. Will böse lust der welt mein herz verstricken, So schrecke mich mit deinen gottesblicken; Dann will ich eilen, ihr nicht gleich zu scheinen, Bitterlich weinen. 10. Laß deinen guten geist mich stets regieren, mit weisheit mich, mit edlem muthe zieren; Daß, wenn ich strauchle, ich nicht gar verderbe, Noch ewig sterbe. 11. Du wirst als richter einst und Tode Jesu. vom himmel kommen; Dann zähle mich, o herr, zu deinen frommen! Dann sey das glück, das ich dir angehöre, Mir preis und ehre. 12. Dann trocknest du gewiß all' meine thränen, Erfüllest jede wünsche, jedes sehnen, Und krönest mich, nach dunkler tage leiden, Mit ew'gen freuden. 71 Mel. Wend ab deinen Zorn. 130. Laß deinen geist mich ſtets, mein heiland! lehren Dein göttlich kreuz im glauben zu verehren, Daß ich getreu in dem beruf der liebe Mich christlich übe. 2. Das gute thun, das böse fliehn und meiden, Herr! diese pflicht lehrt mich dein heilig leiden. Kann ich zugleich das böse mir erlauben und an dich glauben? 3. Da du dich selbst für mich dahingegeben, Wie könnt ich noch nach meinem willen leben? Und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre, Zu deiner ehre? 4. Ich sollte nicht, wenn leiden dieser erden, Wenn kreuz mich trifft, gelaßnes herzens werden; Da du so viel für uns, die wirs verschuldet, Liebreich erduldet? 5. Für welche du dein leben selbst gelaffen, Wie könnt ich sie, sie meine brüder, haffen? Und nicht, wie du, wenn sie mich untertreten, Für sie noch beten? 6. Ich will nicht haß mit glei chem haß vergelten, Wenn man mich schilt, nicht rächend wiederschelten. Du heiliger, du, herr und haupt der glieder, Schaltst auch nicht wieder! 7. Ein reines Herz, gleich deinem edlen herzen, Dies ist der dank für deines kreuzes schmerzen. Und gott giebt uns die kraft in deinem namen, Dir nachzuahmen. 8. Unendlich glück! du littest uns zu gute; Ich bin versöhnt in Du hast deinem theuren blute. mein heil, da du für mich ge= storben, Am kreuz erworben. 9. So bin ich denn schon selig 72 Von dem Leiden hier im glauben, So wird mir nichts, nichts meine krone rauben, So werd ich dort von herrlichkeit umgeben, Einst ewig leben. 10. Ja, wenn ich stets der tugend pfad betrete, Im glauben kämpf, im glauben wach und bete, So ist mein heil schon so gewiß erstrebet, Als Jesus lebet. 11. Cockt böse lust mein herz mit ihrem reize, So schrecke mich dein wort, das wort vom kreuze, Und werd ich matt im laufe guter werke, So sey mir's stärke. 12. Seh ich dein kreuz den klugen dieser erden Ein ärgerniß und eine thorheit werden, So sey's doch mir, troß alles frechen spottes, Die weisheit gottes. 13. Gott! eile nicht, sie rächend zu zerschmettern, Erbarme dich, wenn einer von den spöttern Sich spät bekehrt, und dich, den er geschmähet, Um gnade flehet. 14. Wenn endlich, herr! mich meine sünden tränken, So laß dein kreuz mir wieder ruhe schenken; Dein kreuz, dies sey, wenn ich den tod einst leide, Mir fried und freude. Anwendung der Leiden Jesu zur Geduld im Leiden. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 131. in lamm geht hin und trägt die schuld Der abgefallnen kinder, Geht hin und büßet in geduld Die sünden aller fünder. Es folgt belastet, matt und krank, Den würgern zu der würgebank, Wählt martern statt der freuden; Für uns will es nicht schmach und pein, Nicht striemen, angst und wunden scheun, Ja gar den tod erleiden. 2. Das lamm ist der erhabne freund, Der heiland unsrer seelen. Gott, aller fünde strenger feind, Wollt ihn zum mittler wählen. Sohn, sprach er, nimm dich derer an, Die über sich im blinden wahn Selbst zorn und strafe brachten, und Tode Jesu. Die straf ist schwer, der zorn ist groß, Doch du vermagst es, mache los, Die nun im elend schmachten. 3. Ja, sprachst du, dies sey un.. ser bund! Mich magst du für sie schlagen. Mein wille hängt an deinem mund, Ich will die fünden tragen. Omunderlieb', o liebesmacht! Du kannst, was nie ein mensch gedacht, Gott seinen sohn abzwingen! liebe! liebe! du bist stark! Du streckest den ins grab und sarg, Vor dem die fel. sen springen. 4. Er büßt für uns am kreuzes= stamm, Damit wir gnade finden; Er wird geschlachtet als ein lamm, Zum opfer für die sünden. Für alle stirbt er; auch für mich Ergießet hier sein leben sich In milden strömen blutes. Otheures lamm! wie soll ich dir Dafür gnug danken, daß du mir Erzeigest so viel gutes? 5. Ich will von deiner freundlichkeit Bei nacht und tage singen. Dir will ich auch zu aller zeit Mich selbst zum opfer bringen. Mein ganzes leben soll sich dir( Das hilf du selbst, mein heiland, mir!) In stetem dank ergießen. Wie großes du an mir gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein gedächtniß schließen. 6. Wohlauf, mein Herz, eröffne dich! Dir soll mein kleinod werden. Kein schaß, wie dieſer, findet sich Im weiten schooß der erden. Weg ehr und lust der eitlen welt! Was mir vor allem dem gefällt, Hat mun mein Herz gefunden. Dies kleinod, dies mein bestes gut, Ist, Jesu! dein vergoßnes blut, Der strom aus deinen wunden. 7. Dies soll und will ich mir zu nuß Zu allen zeiten machen. In sturm und hige sey's mein schutz, Lehr in gefahr mich wachen; Verleih im glück bescheidenheit, In sorgen ruhe, trost im leid, Vertrauen im gebete; Zum letzten siege stärk es mich, Und sey auch dort mein schmuck, wenn ich Vor gottes richtstuhl trete. Von dem Leiden und Tode Jeſu. Mel. Christus, der uns selig macht. 132. Mein erlöser! auch für mich Gingst du hin zum leiden, Und begabst dich williglich Aller deiner freuden. Du sahst banden, schmerz und hohn, Sahst den tod von ferne; Doch ertrugst du, gottes sohn! Alle leiden gerne. 2. Du entflohst nicht der gefahr, Die dem leben drohte, Als die stund erschienen war, Gingst du froh zum tode, Willig übergabst du dich In der feinde hände, und bliebst unveränderlich Treu bis an das ende. 3. Lehre mich, wie du, so still Und so froh zu leiden, Und wenn es dein rathschluß will, Selig zu verscheiden. Stärke mich, wenn ich einmal Sterbend zu dir flehe, Daß ich durch des todes that Ohne schrecken gehe. 4. Dank, o Jesu! dank sey dir Für dein letztes leiden! Denn da durch erwarbst du mir Deines himmels freuden. Nunmehr weiß ich, daß im tod Ich nicht ewig sterbe, Denn ich bin versöhnt mit gott, Bin des himmels erbe. Antrieb zur Selbstverleugnung aus Jesu Leiden. hält. Du hast den himmel, herr der welt, Für mich hintangeteget. Was mein herz liebt, das opferts doch Dir gern auf, weil es nichts so hoch, Als deine liebe, schätet. O wie so viel hab ich in ihr! Du dankst mir nichts, ich alles dir. 4. Dem nächsten dürft ich mich entziehn? Gemächlich jede bürde fliehn? Und du trugst, was für bürden! Ach bürden, die, trugſt du sie nicht, Uns einst von gottes angesicht Zur hölle stürzen würden! In schweiß und müh, von trägheit fern, Dien' auch nun ich dem nächsten gern. 5. Ich scheute jede bangigkeit, Da doch du, herr der herrlichkeit, Selbst blut geschwißt im garten! hier in der welt hab ich oft angſt; Allein da du selbst zitternd rangst, Was darf ich sonst erwarten? Herr! laß auf deinen kampf mich sehn, So werd ich nie in noth vergehn. 6. Du, könig! trugst die dornen-. kron; Und mich erschreckt' ein eitler hohn, Wenn rohe spötter spotten? Nein! follt auch alle welt zugleich Sich wider dich herr! und dein reich Voll stolz zusammen rotten. Der feige flieht des frevlers spott; Mich ehrt er, er ist ruhm bei gott. Mel. D Ewigkeit, du Donnerwort. 133.Der du derstrafenschwere last An meiner statt getragen hast, Für mich den tod gelitten; Wie soll ich dir gnug dank bar seyn, Daß du durch leiden, tod und pein Das leben mir erstritten? Herr, dessen eigenthum ich bin, Nimm ganz zu deinem dienst mich hin. 73 2. Trost hab ich ja allein durch dich. So stärket auch dein leiden mich zu meinen schwersten pflichten. Ich schaue, herr! auf meiner bahn Stets glaubensvoll dein muster an, um mich darnach zu rich ten. Nun sey der pfad auch noch so steil, Ich geh ihn froh mit dir, mein heil! 3. Nichts ist, was mich gefesselt 7. Nach ehre dürft ich lüstern seyn? Und du, du läſfeſt dich verspein, Da ich nach ruhme geizes Nach hoheit streb ich ohne ruh; Und, gottmensch! dich erniedrigst du Gar bis zum tod am kreuze, Wo du, der du den tod bezwingst, Verachtet zwischen mördern hingst. 8. In krankheit fühl ich linderung, Sobald die pein der freuzigung Mein banger geist betrachtet, Und trostlos machet mich kein schmerz, Wenn auch schon mein zerschmolznes herz Umsonst nach labung schmachtet. Denn dir, deß Reicht herz verschmachtet war, man zur labung essig dar. 9. Wer hier die weltlust nur begehrt, Der ist, o Jesu, dein nicht werth, Noch fleischlich, noch Von dem Leiden und Tode Jeſu. verblendet. Zu leiden mache mich 4. Hält mein schreckendes gewiss bereit, Du ursprung meiner se- sen Mir der fünden menge vor, ligkeit, Bist auch durch sie voll-! in meinen kümmernissen Schau endet! Dir, der mir diese bahn erst ich nach dem kreuz empor. Sie brach, Trag ich mein kreuz nun verschwinden, sie entfliehn; In willig nach. den wunden, die hier glühn, Find ich sicherheit und leben, und den trost: sie sind vergeben! 10. Mein leiden sey denn noch so schwer, Für mich ists nun nicht strafe mehr, Kurz ist der christen leiden. theurer name! reich an trost, Du machst in jeder noth getrost, Verwandelst leid in freuden, Weil man mit ihm, der für uns litt, Durch kreuz hier in gemeinschaft tritt. 5. Hier such ich in unruh friede, In der angst beruhigung, Neue kraft, wenn ich ermüde, Und in quaalen linderung. Schwer sey dieses lebens müh, Durch dein kreuz verschwindet sie! Denn es führt durch kurze leiden Zum genuß von ewgen freuden. 6. Ueber alles, was zum staube Meine seele niederdrückt, Wird mit starker kraft mein glaube Durch dein leiden hingerückt. Deines troftes freudigkeit Reißt mich fort zur ewigkeit, Die du, herr, als du gestorben, Mir, auch mir am freuz erworben. 74 11. Jefu! gieb mir deinen sinn, Daß nun, wie du, auch ich forthin Das, was die welt liebt, meide. Herr! bilde mich nach dir, daß ich Dir ähnlich werd', und williglich Mit dir hienieden leide. So herrsch ich dort dereinst mit dir, Hier aber lebest du in mir. Trost und Beruhigung aus den Leiden Jesu. 7. Hab ich dich in meinem Herzen, Ursprung aller feligkeit! So besieg' ich alle schmerzen, Auch fogar im letzten streit. Nufft du, mar- ich habe nun gekämpfet, um zu ruhn; Herr! so dank ichs deinen wunden, Daß ich sieghaft überwunden. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 134. Jesu Christ! durch deine tervollen tod, Hab ich heil bei gott gefunden, Kraft zur tugend, trost in noth. Mich sollt ich durch sünd' entweihn? Nein, ich denk an deine pein. Ach! den ganzen gräul der sünden Läßt mich die mit graun empfinden. 2. Schmachtet nach der wollust freuden Mein verderbtes fleisch und blut, so blick ich auf dein leiden! Schnell verlischt die wilde glut. Tracht ich eitler ehre nach, Und ich blick auf deine schmach, Schnell schlägt die den stolz nieder, wieder. Mel. Wenn meine Sünd mich fränken. dars 135. Wenn mich die fünden demuth mitt8. Ja, auf dich steht mein vertrauen, Du bist meine zuversicht. Du besiegst des todes grauen, Rettest mich aus dem gericht. Durch dein mir erworbnes heil Hab' ich an dem himmel theil. Wahrlich, herr! ein ewigs leben Wird dereinst dein tod mir geben. 3. Scheint beim schmalen weg zum leben mir der welt betretne bahn Lustig, breit, gemächlich, eben, Jefu! dich schau ich dann an. Da warnt mich des zornes last, Welche du getragen hast, Nicht mit dem verblend'ten Haufen Ins verderben hinzulaufen. ler, Jesu Christ! So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist, Und wie du meines elends laſt Am kreuz, von gott verlassen, Auf dich genommen haſt. 2. O wunder ohne maaßen Fürs menschliche geschlecht Hast du dich martern lassen, Du, herr, dich für den knecht! Selbst gottes fohn Von dem Leiden ward für den staub, Für mich verlornen fünder, Des finstern grabes raub. 3. Was kann sie mir nun schaden, Wie groß die sünd auch sey? Bei gott bin ich in gnaden, Von allen schulden frei; Sie sind getilgt durch Christi blut, Und ich darf nicht mehr fürchten Der hölle quaal und glut! 4. Drum sag ich dir von herzen Jetzt und mein lebenlang Für deine pein und schmerzen, Erlöser! Lob und dank, Für deine quaal, dein angstgeschrei, Für dein unschuldigs sterben, Für alle lieb und treu! 5. Herr! laß dein bitter leiden Mich reizen für und für, Mit al lem ernst zu meiden Die fündliche begier; Nie komm es mir aus meinem sinn, Wie viel es dir gekostet, Daß ich erlöset bin. 6. Mein freuz und meine plagen, Ach, alle meine noth, Hilf mir geduldig tragen! Ja gieb, mein herr und gott! Daß ich verleugne diese welt, Und folge dem erempel, Das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meine brüder lieben, Gern dienen jeder mann, Ohn eigennuß und heuchelschein, Und, wie du mirs erwiesen, Aus reiner lieb allein. und Tode Jesu. lohn! Da folgte schmerz auf schmerzen, Da traf dich schmach auf schmach, Da lag auf deinem herzen Angst, die das Herz dir brach. 3. Entblößt von allem reize, Der menschen wohlgefällt, Hingst du an deinem kreuze, Ein fluch vor aller welt. Dich flohen deine freunde, Du warst der leute spott. Dich höhnten deine feinde: Wo ist denn nun sein gott! 4. O schreckliches empfinden! Du fühltest das gewicht Vom fluche unsrer fünden, Und lindrung ward Stets wuchsen deine dir nicht. plagen, Kein helfer kam für dich; Man hörte dich selbst klagen: Gott! wie verläßt du mich! 5. Mein heil! was du erduldet, Das ist auch meine last, Ich habe mit verschuldet, Was du getragen hast. Sieh gnädig auf mich armen, Der zorn verdienet hat, Und hilf mir aus erbarmen Von meiner miſſethat! 6. Ich will auf dich stets sehen Mit aller zuversicht. Wohin soll ich sonst gehen? Verwirf du mich nur nicht! Wo soll ich ruhe finden, Wenn du mich, herr, nicht liebst? Wo reinigung von sünden, Wenn du sie mir nicht giebst? 7. Du hast mich durch dein leiden Vergebung, beßrungskraft, In trübsal trost und freuden, Die ewig sind, verschafft. gieb an dieser gnade Auch mir im glauben theil, So wird mein seelenschade Durch dich, erlöfer! heil. 8. Ich danke dir von herzen, O du mein größter freund! Für deine todesschmerzen, Wie gut haft du's gemeint! Ach! gieb, daß ich mich dir treu Und bis ich einst erkalte, Ganz nur der deine sey. 9. Wenn ich denn einst soll scheiden, Ach dann verlaß mich nicht! Sey auch in todesleiden Mein trost, mein heil, mein licht! Wenn mir am allerbängsten Wird um das herze seyn; Dann reiß mich aus den äng sten, Kraft deiner angst und pein! 8. In meinen letzten stunden, Ström du mir kraft und ruh Und heil aus deinen wunden, Zu meinem troste, zu. Du bists allein, auf den ich trau; Stärk meine seel im tode, Daß ich dich ewig schau. 75 Mel. Herzlich thut mich verlangen. 136. Der du voll blut und kreuze starbst, Und unsern letzten stunden Den größten trost erwarbst, Der du dein theures leben, Noch eh ich war, auch mir Zur rettung hingegeben; Mein heil! wie dank ich dir? 2. Wie viel hast du erlitten, Erhabner menschensohn! Als du den tod bestritten, Den tod, der fünde Von dem Leiden 10. Erhebe dann mein hoffen, Zur beffern welt zu gehn, Und laß im geist mich offen, Herr, deinen himmel sehn! Dahin laß mit entzük Alsdann mich glaubensvoll Nach dir, mein heiland, blicken! Wer so stirbt, der stirbt wohl. ken 76 Begräbniß Jesu. Mel. O Traurigkeit, o Herzeleid. ( o schlummerst du In uns gestorben, Uns am kreuz in schwerer müh Ewigs heil erworben. 2. Du bist erblaßt, O herr! und hast Doch in dir selbst das leben. Gleich als sterbliche hält dich Nun ein grab umgeben. 3. Doch heil sey mir! Herr! du willst hier nicht die verwesung Von der Auferstehung Jesu. 7. Die ganze firche rufe laut: rohlockt, christen, wie so 138.& preist und ehrt Gott, jedem, welcher gott vertraut, Der solche wunder thut.:,: eures mittlers gott! Der vater hat den sohn erhört, Erhört in seiner noth.:,: 8. Wer, wer verschmachtet iſt und matt, Soll leben, soll sich freun; Satt werden soll, wer mangel hat, Wer glaubt, soll selig seyn.:: 9. Das ist des mittlers preis und lohn: Der, welchem er verzeiht, Soll ewig leben, wie der sohn, In seiner herrlichkeit.:;: 10. Sagts aller welten völkern an: Bekehret euch zum Herrn! Ihm werde jeder unterthan, Und jeder dien' ihm gern!: 11. Des vaters reich ist auch das reich Des sohnes; er regiert An ruhm und macht dem vater gleich, Dem aller ruhm gebührt.:,: 12. Dich ehre, felig, herr, durch dich, Wen deine macht erhebt, Wer niedrig ist, wer kümmerlich In seinem staube lebt!:,: 13. Es fehlt ihm an bekennern nie, So lange diese welt Noch menMel. Lobt Gott, ihr Christen. 2. Die mörder triumphirten schon: Wo ist des sohnes macht? Der Herr errettet seinen sohn; Sein rathschluß ist vollbracht.:: 3. Der sohn befahl in seine hand Dem vater seinen geist; Er ward begraben; er erstand; Gott hält, was er verheißt.:,: und Tode Jesu. sehen, Sondern bald aus eigner kraft Aus dem grabe gehen. 4. Ich weiß, du wirst Mein lebensfürst, Wie dich, auch mich erwecken; Sollte denn mein gläubig herz Vor der gruft erschrecken? 5. Hier werd ich einst, Bis du erscheinst, In sanftem frieden liegen. Denn durch deinen tod kann ich Tod und grab besiegen. 6. Ihr, die die welt Gefesselt hält, Zagt nun vor der verwesung! Ich, ich hoff in Christo einst Meines 7. Nein! nichts verdirbt; Selbſt das, was stirbt, Der leib, wird auferstehen, Und zu himmelsglanz verklärt Aus dem grabe gehen. 8. So sink ins grab Mein leib hinab; Ich will mich drum nicht tränken, Theurer heiland, mir zum trost An dein grab gedenken! 4. Dies rühme, wer errettet ist, Und wer ihm unterthan! Welt, die du nun sein erbtheil bist, Lobfing und bet ihn an!:,: 5. Preist gott den vater, denn er hat nicht seines sohns gebet, Nicht, was er für die fünder that, Sein opfer nicht verschmäht.:,: 6. Er hat von seinem sohne nie Sein antlitz abgewandt; Er hört ihn, als er zu ihm schrie, Und reicht ihm seine hand.:: Von der Auferstehung Jesu. schen hat, so lange sie Der arm welt des Herrn erhält.:,: 14. Wer noch geboren werden soll, Erkenn' ihn, bet ihn an, Erzähle, wie so wundervoll Der Herr erlösen kann.:,: Mel. Wir danken dir, Herr Jesu. 139. Kaum steigt zu ihrem sonn in voller pracht herauf; Seht, so verläßt der herr sein grab, Der erst für uns sein leben gab. Hallelujah. 2. Vertrieben ist der fünden nacht, Licht, heil und leben wiederbracht. Er, der uns ehr und fieg erstritt, Er bringt uns seinen frieden mit. Hallelujah. 3. Zwar ist hier nicht ganz kund gemacht, Was er uns aus dem grab gebracht, Der edle schatz, die reiche beut, Der sich sein volk vor ihm erfreut. Hallelujah. 4. Üns lehrt es einst sein groBer tag, Wie viel sein starker arm vermag, Und was er da für thaten that, Als er der schlangen kopf zertrat. Hallelujah. 5. edler steg! o starker held! Wo ist ein feind, den er nicht fällt? Wo eine plage so ergrimmt, Der Christi sieg die macht nicht nimmt? Hallelujah. 6. Und daß der herr erstanden sey, Das ist von allem zweifel frei. Ja, es ist je gewißlich wahr, Das leere grab machts offenbar. Hallelujah. 7. Die erd erbebt, es wälzt vom grab Den stein ein engel gottes ab, Und fündiget den siegsheld an, Den bald auch seine jünger sahn. Hallelujah. 8. Sie sehen, hören, fühlen ihn, Und die verzagten sind nun fühn, In vieler schmach, mit ihrem blut, Versiegelt es ihr heldenmuth. Hallelujah. 9. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, wie herzlich er mich liebt; Und stürb auch alle 77 ab, Gnug, daß ich Christi liebe hab! Hallelujah. 10. Er nährt, er schützt, er tröstet mich, Sterb' ich, so nimmt er mich zu sich. Wo er jetzt lebt, komm' ich auch hin, Weil ich sein theil und glied hier bin. Hallelujah. 11. Durch ihn bin ich mit gott verföhnt, Durch ihn mit gnad' und heil gekrönt. Mein banges herz lieben mich. Hallelujah. engel 12. Durch seiner auferstehung kraft Vollend' ich meine pilgerschaft, Freu seiner mich in seinem reich, Und bin dort seinen engeln gleich. Hallelujah. 13. Für solchen trøst, du starker held, Mein Jesu, dankt dir alle welt! Wenn wir dereinst dein ant= litz sehn, Soll dich ein würd'ger lied erhöhn. Hallelujah. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 140. Triumph! verlaßt die leere gruft! Triumph! der heiland lebet! Hört, wie der kreis der heitern luft Von stegestönen bebet. Sey uns gegrüßt, erstandner held! Die höll und tod entrißne welt Ruft dir triumph entgegen. 2. Was war dir, erde, dazumal, Als sich dein grund empörte, Und Jesu letzte todesquaal Dich ängstlich seufzen lehrte? Ach! jauchze nun in fröhlichkeit, Gesegnet sey des herren streit, Der deinen fluch bezwungen. 3. Ihr himmel, laßt den jubelklang Durch alle wolken fahren! Kommt, wiederholt den lobgefang, Jhr reinen geisterschaaren! Ehrt jeßt den tag, wie jene nacht, Die. diesen held ans licht gebracht, Verherrlicht seine siege. 4. Es müsse zions heiligthum Vom jauchzen wiederschallen; Gott in der höhe! dir sey ruhm, Den menschen wohlgefallen! Ihr, creaturen, stimmt mit ein: Auf erden müsse frieden seyn, Im himmel hohe wonne! Von der Auferstehung Jesu. 5. Nun Jesu grab die siegel bricht, wieder mirs zu geben. Und darum Steht mir der himmel offen; Nun liebt mein vater mich, Daß ich stützt den eitlen glauben nicht Ein mein leben laß, und ich Für meiunerfülltes hoffen. Du, heiland! ne feind' es laffe. lebst, und lebst in mir, Du kannſt, du wirst, ich folge dir, Mich auch zum vater führen. 2. 6. Fahr auf, o seltne siegespracht, Die von der erde blizet! Mein könig, der, verklärt mit macht, Zur rechten gottes fizet; Du, der den tod gefesselt hält, 3. Erlöser, richter, herr der welt, Laß mich dir ewig leben! Ich bin in meiner niedrigkeit Ein ärgerniß der erden; Verschmäht, gegeißelt und verspeit, Gekreuzigt werd ich werden. Wenn alles dies vollendet ist, So wird des menschen sohn, der christ, Nicht die verwesung sehen. hat, eurer Weil er sich selbst erniedrigt So wird ihn gott erhöhen. Ich leid' und sterb' an statt, Dann werd ich auferstehen. Am dritten tag geh ich heraus, Lösch alle schmach des kreuzes aus, Als gottes john bewiesen. 4. Ich will euch sehn, erfreuet euch! Euch siegreich wieder sehen, Euch lehren, meines vaters reich Und hohen rath verstehen, Euch den verheißnen geist verleihn, Und ihr sollt meine zeugen seyn, Daß ich vom tod erstanden. 5. Geht hin und lehret alle welt: Ich bin des weibes saamen, Der saamen Abrahams, der held; Und tauft in meinem namen. Wer an gott glaubt, glaubt auch an mich, Thut wunder, und beweist, daß ich Zur rechten gottes site. 78 Mel. In dich hab ich gehoffet, Herr. 141. G Gott sey gedankt zu jes der zeit! Die sonne der gerechtigkeit Geht auf, uns zu erfreuen. Sie bricht mit macht Aus finstrer nacht, Um alles zu erneuen. 2. Es ist der siegsfürst, Jesus Christ, Der heut vom tod erstanden ist. Er hat dem feind genom men Des tod's gewalt, Drauf ist er bald Mit freuden wieder kommen. 3. Auch hat der herr in stegespracht viel beute aus dem grab gebracht! Die will er gern uns geben, Gerechtigkeit, Heil, friede, freud' Und unverwelklichs leben. 4. Drum geb ich dir, Immanuel! In deine hände leib und feel, Du bist mein schuß auf erden, Mein licht und heil, Mein ewigs theil; Mir muß der himmel werden. 5. Laß mich mit dir zu grabe gehn, Mit dir auch wieder auferstehn, Die lüfte überwinden. So werde ich Dereinst durch dich Den lohn der treue finden. Jesu Auferstehung, ein Beweis seiner göttlichen Sendung. Mel. Nun freut euch, lieben Christen. 142. reiwillig hab ichs dargebracht, und niemand nimmt mein leben, Es selbst zu Laffen, hab ich macht, Macht, 6. Kämpft für mein evangelium, Und freuet euch der leiden. Kein engel und kein fürstenthum, Nichts soll euch von mir scheiden. Man wird euch hassen und euch schmähn, Euch tödten; dennoch solls geschehn, Daß eure lehre sieget. 7. Herr, deine Lehre hat gesiegt, Und siegt in allen landen, Und zeuget, daß dein wort nicht trügt, Und zeugt, du bist erstanden. Dein freuz, woran man dich erhöht, Verwandelt sich in majestät, Du gehst aus deinem grabe. 8. Gehaßt in deiner niedrigkeit, Warst du ein ziel des spottes; Und zeigtest doch zu gleicher zeit An dir die hoheit gottes. Dein kreuz schien zwar der welt ein gräul, Doch sterben für der feinde heil, Dies ist die höchste tugend. Von der Auferstehung Jesu. 9. Dein reich war nicht von dieser 4. Erstandner! ich frohlocke dir, welt, Dein ruhm nicht menschen- Daß du nun ewig lebest. Du lebst ehre. An demuth groß, an lieb und siegst, daß du auch mir Das ein held Und göttlich in der lehre, ewge leben gebest, Daß du auch Geduldig und von sünden rein, mein erretter seyst, Und neue kräfte Gehorsam bis zum kreuze seyn; mir verleihst, Mit freuden gott Dies war des heilands größe. zu dienen. 10. Du starbst am freuz; doch war dir nicht Die kraft des herrn gegeben? Wer gab den blinden das gesicht, Den todten selbst das leben? Und wem gehorchte wind und meer, Wem unheilbarer übel heer? Du warst von gott gekommen. 11. Nun irren mich nicht schmach und spott, Noch deines kreuzes schanden. Du bist mein herr, du bist mein gott, Denn du bist auferstanden, Du bist mein heil, mein fels, mein hort. Der herr, durch deffen mächtig wort Auch ich einst ewig lebe. 12. Wir sind nun göttlichen geschlechts, Durch dich des himmels erben, Dies ist die Hoffnung deines knechts, In dieser will ich sterben. Wie du vom tod erstanden bist, So werd auch ich, herr Jesu Chrift! Am jüngsten tag erstehen. 79 Mel. Nun freut euch, lieben Christen. 143. Bringt preis und ruhm dem heiland dar, Frohlockt ihm, alle frommen! Er, der für uns getödtet war, Ist dem gericht entnommen. sey gelobt, Herr Jesu Christ, Daß du für uns gestorben bist, Und siegreich auferstanden! 5. Mein herr, mein gott! hilf mir dazu! Befreie mich von fünden, Laß mich für meine seele ruh Im frieden mit gott finden. O! pflanze deinen sinn in mir, Da= mit ich, gott ergeben, hier Als dein erlöster wandle. 6. Dein ist das reich, dein ist die macht, Verstorbne zu erwecken. Du rufft einst, und der gräber nacht Wird todte nicht mehr decken. Wie du vom tod erstanden bist, So werd' auch ich, Herr Jesu Christ! Durch dich einst auferstehen. 7. D! laß mich, weil ich hier noch bin, Im glauben an dich wandeln, Und jederzeit nach deinem finn Rechtschaffen seyn und handeln; Daß ich, wenn ich einst aufersteh, Und dich, des todes fleger, feb, Vor dir dann nicht erschrecke. 8. Da, wo du bist, da soll auch einst Dein jünger mit dir leben. Du wirst ihn, wenn du nun erscheinst, zu deiner freud erheben. Laß herr, auch dies mein erbtheil seyn, So werd ich ewig deß mich freun, Daß du vom tod erstanden. Erweckung mit Jesu geistlicher Weise zu auferstehen. 2. Dein leben in der majestät Mel. Ermuntre dich mein. Befeſtigt unfern glauben. Wer 144. Das grab iſt leer, des kann, da erhöht, Uns nun den trostgrund rauben, Daß du hast unfer heil vollbracht, Und von des ewgen todes macht Uns sünder haft erlöset? läßt der tødten grüfte, Und seiner jünger jubelton Dringt freudig durch die lüfte. Du, den der engel loblied preist, Entreiße, heiland, meinen geist Der liebe zu der erde, Daß er dir heilig werde! 3. Gott selbst, der dich dem grab entrückt, Hat dem, was du gelehret, Der wahrheit stegel auf- 2. Die menschheit, herr! erlaubt gedrückt, und dich als sohn geeh- mir nicht, Mit dir empor zu steiret. Denn deines opfers hohen gen, Bis diese schwache hütte werth Hat er aufs herrlichste be- bricht. Wird sich mein haupt einst währt, Da er dich auferwecket. neigen, Sodann nimm, nach voll Von der Auferstehung Jesu. brachtem lauf, Auch mich in deinen gleich, Und ewig, ewig selig seyn; himmel auf, Nimm, herr, an mei- Herr, welche herrlichkeit ist mein! nem ende Den geist in deine hände. 6. Mein Herz erliegt froh unter 3. Doch soll ich einst, o gottes ihr, Lieb und verwundrung kämpft sohn! In deinem reich dich sehen, in mir, Und voll von ehrfurcht, So muß ich auch auf erden schon dank und pflicht, Fall ich, gott! Vom tøde auferstehen. Der lebt auf mein angesicht. nicht, den die lust der welt Und ihre pracht gefeffelt hält; Nach gott und tugend ftreben, Nur das heißt wirklich leben. 7. Du, der du in dem himmel thronst! Ich soll da wohnen, wo du wohnst, Und du erfüllst einst mein vertraun, In meinem flei sche dich zu schaun. 80 4. Du auferstandner menschenfreund! Erweck in mir die triebe, Durch die man sich mit dir vereint, Den glauben und die liebe. Ich will, o herr! dein eigen seyn; Laß mich mit ernst die fünde scheun, Und gieb felbst muth und kräfte Zum heiligungsgeschäfte. 5. So kann ich als ein wahrer christ Jetzt leben und einst sterben, Und einmal da, wo du, herr! bist, Vollkommne freurde erben. Dahin, mein heiland, hilf du mir! So bring ich, ewig froh in dir, Mit deiner frommen menge Dir lob und dankgesänge. Hoffnung und Trost aus der Auferstehung Jeſu. Mel. Nun jauchzt dem Herren alle. 145. rinnre dich, mein geiſt! erfreut, Des frohen tags der herrlichkeit, Halt im ge= dächtniß Jesum Christ, Der von dem tod erstanden ist. 2. Fühl alle dankbarkeit für ihn, Als ob er heute dir erschien, Als spräch er: friede sey mit dir! So freue dich, mein geist, in mir. 3. Schau über dich, und bet thn an. Er mißt den sternen ihre bahn, Er lebt und herrscht mit gott vereint, Und ist dein könig und dein freund. 4. O glaube, der das Herz erHöht! Was ist der erde majestät, Wenn sie mein geist mit der vergleicht, Die ich durch gottes sohn erreicht? 5. Vor seinem thron, in seinem reich, Unsterblich, heilig, engeln 8. Ich soll, wenn du, des le bens fürst, In wolken göttlich kommen wirst, Verklärt aus meinem grabe gehn, Und froh zu deiner rechten stehn. 9. Mit engel und mit seraphim, Mit thronen und mit cherubim, Mit allen frommen aller zeit, Soll ich mich freun in ewigkeit. 10. Nie komm es mir aus meinem sinn, Was ich, mein heil! dir schuldig bin, Damit ich mich in liebe treu, Zu deinem bilde stets erneu. 11. Er ists, der alles in uns schafft, Sein ist das reich, sein ist die kraft. Halt im gedächtniß Jefum Christ, Der von dem tod erstanden ist. Mel. Nun jauchzt dem Herren alle. 146. Dich bet ich an, er standner held! Erretter einer fündenwelt! Du, unfre zuflucht für und für, Fro huldigt meine seele dir! 2. Um deinen thron, der ewig steht, Glänzt wahrheit, heil und majestät; Ich nahe mich voll zu versicht Zu dir; denn du verwirfst mich nicht. 3. Herr, meine feele preiset dich! Erlöst auf ewig hast du mich. So wahr du selbst vom himmel kamst, Dein leben gabst und wieder nahmſt. 4. Wer ist, der mich verdammen kann? Ich gläub an dich, und fage dann: Der gott, durch den die himmel sind, Der ist mein vater, ich sein kind. Von der Auferstehung Jesu. 5. Nun ist dies erste leben mir Ein segenreicher weg zu dir. So lang ich hier bin, herr, mein heil! Hab ich an deinem frieden theil. 6. Holdselig sprachst du: erde, sey Der schauplatz meiner huld und treu! Wir sehen deine huld und treu Auf deiner erde täglich neu. 7. 3war trifft noch mancher schmerz uns hier. Noch, o erbar mer! sterben wir: Doch du regierst, und wir sind dein, Und ewig werden wir es feyn! 8. Ich weiß, daß mein erlöser lebt. troft, der meinen geist erhebt, Durch dich gestärkt, seh ich aufs grab Mit unerschrocknem aug herab. 9. Welch neue welt voll seligkeit Erwartet mich nach dieser zeit! Da findet der verklärte christ Das heil, das unaussprechlich ist. 10. Der du für unsre seelen wachst, Sie zu dir ziehst und felig machst, Laß mich mit freudigem vertraun Im tod auf dich, vollender! schaun. 3. Des herrn streitbarer arm behält Den sieg und ist erhöhet, Des herrn erhabne rechte fällt, Was stolz ihr widerstehet. Befiegt ist alles, was uns droht, Besiegt ist teufel, höll' und tod; Ihr zorn ist kraftlos worden. 4. Es ward getödtet Jesus Christ, Und sieh, er lebet wieder. Weil 81 nun das haupt erstanden ist, Stehn wir auch auf die glieder. Ich weiß, daß wer an Christum gläubt, Nicht in der nacht des todes bleibt, Er lebt, ob er gleich stirbet. 5. Wer täglich hier durch wahre reu Mit Christo auferstehet, Ift dort vom andern tode frei, Dem keiner sonst entgehet. Genommen ist dem tod die macht, Unschuld und leben wiederbracht, Und unvergänglichs wesen. 6. Dies ist die große seligkeit Der wir theilhaftig werden, Fried', freude, heil, gerechtigkeit Im himmel und auf erden. Hier sind wir still und hoffnungsvoll, Daß unfer leib dort gleichen soll Des herrn verklärtem leibe. 7. O tod, wo ist dein stachel nun? Wo ist dein sieg? o hölle!. Was kann forthin uns satan thun, Wie grausam er sich stelle? Gott sey gedankt! der schwere krieg Ist nun geendigt, und der sieg Durch Christum uns gegeben. Mel. Au Wasserflüssen Babylon. Oder: Ein Kindelein, so löbelich. Mel. Nun freut euch, lieben Christen. 147. tod! wo ist dein 148. Vollendet biſt du nun stachel nun? Das heil ist dein sieg, o hölle? Was kann fortan uns satan thun, Wie graufam er sich stelle? Geendigt ist der schwere frieg. Gott sey gedankt, daß er den sieg Durch Christum uns gegeben. 2. Lebendig geht der herr hervor, Und nimmt den feind gefangen, Zerbricht der hölle schloß und thor, Trägt weg den raub mit prangen. Nichts hält in seinem fiegeslauf Den starken held aus Juda auf, Er überwindet alles. ist uns erworben; Wir preisen dich! der fünder tód Bist du für uns gestorben. Es stimm in unsern lobgesang, Wer durch den tod ins leben drang; Wir singen Christi fiege. Ihn hat der hölle macht bekriegt, Er hat der hölle macht besiegt, Er stand, ein held im kriege. 2. Zermalmet war zwar sein gebein, Zermartert seine glieder, Da sank er unter seiner pein In todesnacht darnieder. Schon tönt der feinde siegeslied; Vergebens! eure hoffnung flieht, Ihr feinde Jesu! sehet, Er wird nicht der verwesung raub, Besieget tod und grab und staub, Und wird von gott erhöhet. 3. Wir glauben, herr, und zweifeln nicht, Du bist vom tod erstanden. Der trost, den uns dein mund verspricht Erschall in allen F 82 Von der Auferstehung Jeju. Mel. Wir danken dir, Herr Jesu. Landen: Vom tod ist gottes ohn erwacht, Er lebt für uns, und seine 150. Er ist erstanden, Jesus macht Wird uns vom tode wecken, Der leib wird neu von ihm gebaut, Von ihm verklärt wird diese haut Dann meine glieder decken. 4. Welch glück, das Jesus mir erwarb! Ich soll einst auferstehen, Und ihn, der blutend für mich starb, Mit meinen augen sehen, Dann, dann werd ich, o gottes sohn! Vor deinem majestätschen thron Anbetend niederfallen, Dann soll ein höh'rer lobgesang Bon dir, der tod und grab bezwang, Durch alle himmel schallen. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 149. kefus ich. Tod, wo sind nun deine schrecken? Er, er lebt und wird auch mich Von den todten auferwecken. Er verklärt mich in sein licht; Dies ist meine zuversicht. 2. Jesus lebt; ihm ist das reich Uleber alle welt gegeben, mit ihm werd auch ich zugleich Ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; Dies ist meine zuversicht. 3. Sesus lebt; wer nun verzagt, Lästert ihn und gottes ehre. Gnade hat er zugesagt, Daß der fünder fich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht; Dies ist meine zuversicht. 4. Jeſus lebt, sein Heil ist mein; Sein sey mein ganzes leben, Reines Herzens will ich seyn, Und den lüften widerstre= ben. Er verläßt den schwachen nicht; Dies ist meine zuversicht. 5. Jesus lebt; ich bin gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine macht der finsterniß, Keine herrlichkeit, kein leiden. Er giebt traft zu dieser pflicht; Dies ist meine zuversicht. 6. Jesus lebt; nun ist der tod Mir der eingang in das leben. Welchen trost in todesnoth Wird es meiner feele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, herr, meine zuversicht! gott und heiland ist! Er lebt! nicht mehr des todes raub, Trat er, der fleger, auf den staub! Gelobt sey gott! 2. Freiwillig ging er in den tod, Und opferte sich auf vor gott, Nun hatt' er gnug für uns ge than, Und nahm sein leben wieder an! Preis ihm und dank! 3. Er hat erfüllt, was er verhieß, Eh er für uns sein leben ließ: Drei tage werden nicht vergehn, So werdet ihr mich lebend fehn! Er hats erfüllt! 4. Ich lebe, sprach er, und auch mir! Ich komme, meine stimme ruft: Verlaßt, ihr todten, eure gruft, Und folgt mir nach! 5. Er wirds erfüllen! Jesus Christ, Der selbst vom tod erstanden ist; Der Lazarus ins leben rief, Als er im staub des todes schlief, Erfüllts gewiß! 6. Er nahm dem tode seine macht, Er hat das heil ans licht gebracht! Durch ihn ist unvergänglich heil und neues leben unser theil In ewigkeit. 7. Gelobt sey gott! ich werde nun Wie er, auf kurze zeit nur ruhn; Der abend wird mich sterben sehn, Der morgen wieder auferstehn! Gelobt sey gott! 8. So lange mich des todes nacht Umgiebt, werd ich von ihm be wacht; Durch seinen schuß wird mein gebein Im schooß der erde sicher seyn, Bis er erscheint. 9. Er führt mir in des todes ruh Auch meine lieben wieder zu. Erwachen werden wir zugleich, und mit ihm eingehn in sein reich. Gott! welch ein tag! 10. Sollt ich mich vor dem tode scheun? Mich nicht vielmehr der hinfahrt freun? Nicht deiner, der du mich erschufft, Begierig warten, bis du rufft: Entschlummre nun! Von der Auferstehung Jesu. 11. Gieb nur, daß ich im glauben treu, Jn guten thaten fleißig fey, So fürcht' ich, wenn ich sterbe, nicht Die auferstehung zum gericht, Wo du verdammst! Rechten Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sizen zur Gottes. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 151. rohlock', mein herz, himmel aufgefahren ist, Der todes: überwinder! Die wolke glänzt herab; er schwingt Sich auf ihr hin; der himmel singt: Preis dir, du heil der fünder! 2. Des himmels herr, des menschen sohn, Wird im triumph zu feinem thron Vom vater aufgenommen. Die seraphim und cherubim, Sie fallen alle hin vor ihm, Ihm jauchzen alle frommen. 3. Welch jubelvolles siegsge schrei, Daß Jesus ewig könig fey! Es schwanken alle thronen. Der gottmensch kömmt; o welche freud! Er kömmt in seiner herrlichkeit, Im himmel nun zu wohnen. 4. hm beugt sich aller engel Ente; Meffias, Jesus, rufen sie, Heißt menschen engel werden! Er hat das größte werk vollbracht, Sein ist die weisheit, sein die macht Im himmel und auf erden. 5. Wie herrlich bist du, herr, mein heil! Ich hab an deiner Klarheit theil; Für mich fuhrst du zum himmel. Du, hoherpriester! gehst mit ruhm, Für mich auch in dein heiligthum, Dir folg' ich in den himmel. 83 6. Du, dessen wort die ganze welt Allmächtig rief, allmächtig hält, Du, herr, durch den wir leben! So lang ich wall im stau be hier, Soll sich mein ganzes herz zu dir Vom staub empor erheben. 7. Entreiß durch deines geistes 12. Herr! rufe mich, wann dir's gefällt, Aus dieser sündenvollen welt, Und führe dann an deiner hand Mich in mein himmlisch vaterland. Erhöre mich! kraft, Die alles allenthalben schafft, Mein Herz dem tand der erde, Daß Sohn gottes und des menschen sohn! Im kampf gestärket werde. 8. Ja du, du schaust auf mich herab; Du, der für mich dahin sich gab; Laß dies mich stets ermessen. Du kannst, obgleich du, Jesus Chrift! Fm himmel aller himmel bist, Doch meiner nie vergessen. 9. Hab ich vollendet meinen lauf, So nimm mich in den himmel auf, Daß ich dich, Jesus! sebhe, Daß ich in deiner herrlichkeit Von ewigkeit zu ewigkeit Vor deinem throne stehe. 10. Frohlock, mein herz, weil Jesus Christ Zum himmel aufge fahren ist, Der todesüberwinder! Sing ihm, wie ihm der himmel sang, Da er sich auf die wolke schwang: Preis dir, du heil der fünder! Mel. Nun jauchzt dem Herren, alle. 152. Auf, jünger Jeſu, freuet euch! Der herr fährt auf zu seinem reich. Er triumphirt: lobsinget ihm, Lobsinget ihm mit lauter stimm! 2. Sein werk auf erden ist vollbracht, Zerstört hat er des todes nacht, Er hat die welt mit gott versöhnt, Und gott hat ihn mit preis getrönt. 3. Weit, über alle himmel weit, Geht seine macht und herrlichkeit. Ihm dienen selbst die seraphim, Robsinget ihm mit lauter stimm! F2 Von der Himmelfahrt Jesu, 4. Sei sind die völker aller 3. Dein ist die macht, dein ist welt, Er herrscht', als sieggewohn- das reich. Wer ist an majestät ter held, Er herrscht, bis unter dir gleich? Mensch, engel, jede seinem fuß Der feinde heer sich creatur Ist dein, du herrscher der beugen muß. natur! Hallelujah. 5. Er schüßet seine christenheit, Erhält sie bis in ewigkeit. Er ist ihr haupt: lobsinget ihm! Lobfinget ihm mit lauter stimm! 4. Umsonst, umsonst empöret sich Der fürst der hölle wider dich. Dein thron steht fest, der seine liegt, Durch deine macht ist er besiegt. Hallelujah. 6. Ja, heiland! wir erheben dich, Und unsre herzen freuen sich Der herrlichkeit und majestät, Dazu dich gott, dein gott, erhöht. 5. Du, unser triumphirend haupt! Wie selig ist, wer an dich glaubt! Du bist sein licht, sein trost, sein theil, Sein starker schuß, sein ewges heil. Hallelujah. 6. Herr! unsre herzen traun auf dich. Dein freuet unsre feele fich. Du, held von unserm fleisch und blut! Bist unser trost und höchstes gut. Hallelujah. 7. Was uns gebricht, ist dir bekannt, Der segen ist in deiner hand. Von keinem frommen biſt du fern, Du siehst auf ihn, und hilfft ihm gern. Hallelujah. 8. Sieh auf uns gnädig allezeit Vom throne deiner herrlichkeit. Hilf unserm schwachen glauben auf, Und heilge unsern lebenslauf. Hallelujah. 84 7. Wohl nun auch uns! denn herr! bei dir Steht kraft und macht, und dein sind wir. Nimmſt du dich unsrer hülfreich an, Was ist, das uns gebrechen kann? 8. In deiner hand ist unser heil. Wer an dich glaubt, dem giebst du theil Am segen, den du uns erwarbst, Als du für uns am kreuze starbst. 9. Du hast die stätte uns bereit't, Bei dir zu seyn in ewigkeit. Nach treu vollbrachtem glaubenslauf Nimmst du uns in den himmel auf. 10. zeuch uns immer mehr zu dir, Hilf uns mit eifrigster begier Nach dem nur trachten, was da ist, Wo du, verklärter heiland! bist. 11. Dein eingang in die herrlichkeit Stärk uns in unsrer prüfungszeit, Nur dir zu leben, dir zu traun, Bis wir dereinst dein antlig schaun. 12. Dann wird sich völlig unsre feel In dir erfreun, Immanuel! Dann singen wir von deinem ruhm Ein neues lied im heiligthum. 9. Gen himmel fuhrst du als ein held; Als herr und richter aller welt Wird dich dereinst der erdkreis sehn, Laß uns dann freudig vor dir stehn. Hallelujah. 10. Dann triumphirt der glaub' an dich, Dann jauchzen wir dir ewiglich. Hilf uns dazu, herr Jesu Chrift, Der du zur rechten gottes bist! Hallelujah. Königliche Herrlichkeit des erhöheten Jesu. Mel. Wir danken dir, Herr Jesu. ir freuen uns, herr Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 153. W Sefu Chrift! Daß 154. König, dem kein könig gleichet, du zur rechten gottes bist, Du starter Herr, Immanuel! O stärk im glauben unsre feel. Hallelujah. 2. Du sißest auf der himmel thron, Als unser freund, als men schensohn. Auch da schämst du dich unser nicht; Drum bleibst du unsre zuversicht. Hallelujah. kein lob erreichet: Ebenbild von gottes wesen, Der, zum mittler uns erlesen, Als das bild des unsichtbaren Sich der welt wollt of fenbaren! Dir gehört das recht zum throne, Als dem mittler, als dem sohne. und seinem Sißen zur Rechten Gottes. 2. Himmel, erde, luft und meere Müssen stets zu deiner ehre Dir, herr! zu gebote stehen, und dein wille muß geschehen. Fluch und ſegen, tod und leben, Alles ist dir übergeben, Und vor deinem mächt'gen schelten Zittern menschen, engel, welten. 3. In des gnadenreiches grenzen Sieht man deine wunder glänzen, Wo viel tausend treue feelen Dich zu ihrem haupt erwählen, Die nach deiner vorschrift leben, Dir nur zu gefallen streben, Alles gern für dich verlaffen und, wie du, das unrecht haffen. 4. In dem reiche deiner ehren Hört man stets dein lob vermehren Von dem himmlischen geschlechte, Von der menge deiner knechte, Die dort, ohne furcht und grauen, Dein verklärtes antliß schauen, Die dich unermüdet preisen, und dir ehr und dienst erweisen. 5. Herr in allen diesen reichen! Dir ist niemand zu vergleichen, An dem überfluß der schäße, An der ordnung der geseße, An der unter thanen menge, An des regimentes länge, An begnadigung der freunde, Und an siegen über feinde. 6. Nun herrsch auch in meinem Herzen Ueber zorn, furcht, lust und schmerzen. Laß mich deinen schuß genießen, Auf mich deine gnade fließen, Dich stets fürchten, ehren, lieben, und mich im gehorsam üben, Hier mit leiden, kämpfen, streiten, Dort mit herrschen, dir zur seiten. Mel. Herr Christ, der ein'ge Gottes.. 155. Nobt gott, ihr seine knechte! Preist, christen, Jesu reich! Wie stark ist seine rechte! Wer ist an würd' ihm gleich? Ihm, der in seiner krone, Selbst auf der allmacht throne, Doch unser bruder bleibt. 85 prächtig, Du bleibest ewig mächtig Nach deiner gottheit kraft. 3. Und da du, herr! gekommen, Und unsre knechtsgestalt Auf erden angenommen, So hast du die gewalt, Das reich, die macht, das leben, Die dir dein gott gegeben, Der menschheit mitgetheilt. 4. Doch haft du für die knechte Dich, in der leidenszeit, Entäußert deiner rechte, Da du in herrlichfeit Nunmehr zur rechten fizeſst, Und stets dein reich beschüßest In völliger gewalt. 5. Die hat dir gott gegeben Im reiche deiner macht. Du hast uns in das leben Auf diese welt gebracht. Du bist's, dem ruhm gebühret, Dein starker arm regieret Uns und die ganze welt. 6. Du haft, als du gestorben, Dir durch dein eignes blut Dein gnadenreich erworben, Da du, mein theil und gut, Uns vormals abgetrennte Durchs wort und facramente Zum erbtheil sammeln willst. 7. Ja, könig! du regierest Das reich der herrlichkeit, Woselbst du triumphirest, Wo nach vollbrachtem streit Der engel jubel klingen, Dir die verklärten singen: Dank dem erwürgten lamm! 8. Wohl mir auch ich gehöre Zu deinem reich: wohl mir! Dir dienen, herr, ist ehre! Ich leb' und sterbe dir! Dein gnadenreich zu mehren, Gehorsam dich zu ehren, Sey stets mein größter ruhm! 9. Gerechtigkeit und frieden Und freuden giebt dein reich, Das du auch mir beschieden. Besiz ich also gleich Von erdengütern wenig, So macht mich doch mein könig An himmelsgütern reich. 10. Er, er lehrt mich bekriegen Der sünde tyrannei, Hilft mir im kampfe siegen, Und macht mich wirklich frei. Und wer mit ihm hier streitet, Dem hat er dort bereitet Der überwinder lohn. 11. Herr! leg auch mir die krone Des lebens ewig bei, Daß ich vor deinem throne Des sieges mich ers 2. Du herr der herrlichkeiten, Des vaters ewges wort! Du warst vor allen zeiten, Und herrschest immerfort. Dein reich ist groß und Von der Himmelfahrt Jesu, freu. Hilf du mir mich regieren; von staub und erde, Aehnlich deis Hilf du mir triumphiren. Herr, nem leibe werde! hilf! so kömmt dein reich. 86 Erweckung zu himmlischen Gesinnungen. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 156. Herr! du fährſt mit glanz und freuden Auf zu deiner herrlichkeit. Doch mich drücken noch die leiden Dieses lebens, dieser zeit. Gieb mir, Jesu! muth und kraft, Daß ich meine wanderschaft So mit dir zurücke lege, Daß ich stets dein bleiben möge. 2. Laß mir deinen geist zurücke, Aber zeuch mein herz nach dir, Wenn ich nach dem himmel blicke, O so öffn' ihn gnädig mir! Neige meinem flehn dein ohr, Trag es deinem vater vor, Daß er mir die schuld vergebe, Daß ich mich bekehr und lebe. 3. Lehre mich die welt verachten, Und was in ihr eitles ist, Und nach dem, was dort ist, trachten, Wo du, mein erlöser! bist. Wollust, ehrsucht und gewinn, Soll mich dies zur erde ziehn, Da ich jenseits überm grabe Eine größre Hoffnung habe? 4. Diese müsse mir nichts rauben! Du erwarbst sie theuer mir. Jebund seh ich sie im glauben, Dorten find ich sie bei dir. Dort belohnst du das vertraun Deiner gläubigen durch schaun, Und verwandelst ihre leiden In unendlich große freuden. 5. Dort bereit auch mir die stätte In des vaters hause zu. Russt du frühe oder späte Mich zu meines grabes ruh, Leucht auch mir in dieser nacht Durch die stärke deiner macht, Die des todes macht bezwungen, Und für uns den sieg errungen. 6. Kömmst du endlich glorreich wieder An dem ende dieser zeit, O! so sammle meine glieder, Die verwesung jetzt zerstreut. Heil'ge und verklär sie ganz, Daß der leib im himmelsglanz, Dann nicht mehr Von der Fürbitte Jesu zur Rechten Gottes. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 157. Großer mittler, der zur rechten Gottes, seines vaters, sitzt, Und die schaar von seinen knechten In dem reich der gnaden schüßt, Du, dem selbst die seraphinen Ehrfurchtsvoll im himmel dienen; Dessen reich und majestät Ueber alle dinge geht! 2. Dein geschäft auf dieser er den, Wie es gottes rath bedacht, Daß es sollt erfüllet werden, Ist aufs herrlichste vollbracht. Denn da du für uns gestorben, Ist uns gnad und heil erworben, Und dein siegreich auferstehn Läßt uns einst dem tod entgehn. 3. Aber nun ist dein geschäfte In des himmels heiligthum, Die erworbnen segenskräfte Durch dein evangelium Allen denen mitzutheilen, Die zum thron der gnaden eilen; Nun wird uns durch deine hand Heil und segen zugewandt. 4. Du gedenkest stets der deinen, Bleibest ihnen ewig tren, Zählst die thränen, die sie weinen, Und stehst ihnen mächtig bei. Du verschaffst, daß ihren glauben Keine feinde ihnen rauben, Und wirkst in des vaters haus Ihnen eine wohnung aus. 5. Das verdienst von deinem leiden Stellst du deinem vater dar, Und vertrittst mit macht und freuden Deine theur erlöste schaar, Bittest, daß er kraft und leben Stets den deinen wolle geben, Und sie einst nach dieser zeit Auch erhöhn zur herrlichkeit. 6. Doch vergißt du auch der armen, Die der welt noch dienen, nicht, Weil dein herz dir aus erbarmen Ueber ihrem elend bricht; Bittest, daß gott ihrer schone, Daß er nicht nach werken lohne, Daß er die, die noch dich fliehn, Kräftig wolle zu dir ziehn. und seinem Sißen zur Rechten Gottes. 7. Großer mittler! o! wir preisen Dich, daß du im heiligthum So viel treu uns willst beweisen, Dir sey ehre, dank und ruhm! Dein verdienst laß uns vertreten, Wenn wir zu dem vater beten. Wenn der tod die lippen schließt, Sprich noch für uns, Jesu Christ! gewährt, Den fündern zur bekehrung zeit, Den frommen trost und seligkeit! 5. Wir preisen dich für dein ge= bet, Das gnad und leben uns erfleht. Auf dein gebet vertrauen wir. Er gebe, was du bittest, dir. 6. Wir, wir erfahrens, Jesu Christ! Wie theuer du dem vater bist. Er hört auf seinem throne 158. Sohn, der du für uns dich, Und freut des heils der Mel. Das ist fürwahr ein köftlich). fünder sich. starbst und lebst, Zum vater deine stimm erhebst, Für uns zu bitten in der noth, Uns zu vertreten, gott bei gott! 7. Sey, vater! hochgelobt, wir schaun Auf deinen sohn nun voll vertraun. In seinem namen flehen wir Um gnad und heiligung von dir. 2. Herr, deffen bitte stärker flebt, Als Abels blut und sein gebet! Gott, welcher, was du bittest, thut, Erhöre dein gebet und blut. 8. Wer, gott! sich auf sich selbst verläßt, Der fällt; wir aber stehen fest, Die wir auf sein verdienst allein Vertraun und seines heils uns freun. 3. Der vater, herr! gedenke dein Und deiner opfer, deiner pein Und aller deiner leiden last, Die du für uns getragen haſt. 4. Was dein erbarmend herz begehrt, Das werde dir von ihm 9. Auf unsers königes gebet Erhöre jeden, der dir fleht! Der mittler, der uns beten lehrt, Ist, vater, der erhörung werth! 87 Von dem heiligen Geiste, und dessen Gaben und Wirkungen. Mel. Ewigkeit, du Donnerwort. Und lehrte Jesu lehren. Da wurden 159. Der mir den weg zum gößentempel leer, Da stürzt der falschen götter heer Sammt heile weis't, Des vaters und des sohnes geist, Dich soll mein lied erheben! Mein Lehrer bist du, und mein gott! Du giebst mir freudigkeit im tod, Und leiteft hier mein leben! Was gut und löblich ist an mir, Geist gottes, das verdank ich dir. opfern und altären. Das kreuz des mittlers überwand Der ganzen hölle widerstand. 2. Vollendet hatte gottes fohn Sein werk; nun fuhr er auf zum thron, Dich fandt er, seinen zeu= gen. Und mit dir kam der liebe glut, Die wunderkraft, der heldenmuth, Die welt zu überzeugen. Groß war die ernte, schwer die müh; Doch, mächtigster! du stärkteſt sie. 3. Da that der ungelehrten mund Die großen thaten gottes Fund, 4. Und ganz umsonst empörten sich Der erde fürsten wider dich, und tödt'ten die gerechten. Was konnten menschen wider gott? Es siegte frei der märt'rer tod, Der tod von Jesu knechten. Unüberwindlich war ihr muth, Und schwiegen sie, so sprach ihr blut. 5. Wie gottes blitze ging ihr wort Bis an der erde grenzen fort. Die nacht wich vor dem lichte. Ihn bes teten die heiden an, Von dem wir einst die fron empfahn, Wenn er tömmt zum gerichte. Zu ihrem Univ Bibl. Giacco 88 Von dem heiligen Geiste, heil, zu Jefu ruhm Schufft du feinde macht, Daß Jesus Christ die welt, geist, schöpfer! um. der ganzen erde Bekannt und angebetet werde. Erhör uns, gott! erhör uns, gott! 3. Laß, freudiger geist! voll ver traun In noth auf deine hülf uns schaun, Lehr uns, wenn wir zum vater treten, Mit ganzer zuver ficht zu beten. Mach uns durch deine kraft bereit Zum sterben und zur ewigkeit, Daß wir, als deine streiter, ringen, Zu dir durch tod und leben dringen. Hallelujah! hallelujah! 6. Die kirche pflanztest du; bis ißt Hat fie allein dein arm beschüßt, Und ewig wird sie stehen. Fest stehet fie, gleich wie dein thron, Selbst wenn ihr mächtge feinde drohn, Ja himmel selbst vergehen. Ihr grund, das wort von Jesu Christ, Ist ewig, wie du selber bist! 7. Heil ihren kindern, welche sich Dir übergeben, und durch dich 3um himmel führen laffen! Du lehreft sie des glaubens kraft, Stärkst sie auf ihrer wanderschaft, Lehrst sie die fünde hassen. Des heils gewiß sind sie in dir, Und Mel. Nun bitten wir den heilgen. himmelslust tränkt ſie schon hier. 161.Des vaters und des soh8. Ach führ auch mich an deiner hand Hinauf ins wahre vaterland, Auch mir glänzt noch die krone! Gieb mir die feste zuversicht, Auch mich verwerfe gott einst nicht, Auch mich lieb er im sohne! Durch glau ben und durch besserung Vollende meine heiligung! nes geist, Du, der uns den weg zum heile weist, GnaDdenvoller tröster! Laß, wenn wir sterben, uns das ewige leben ererben. Sey gnädig uns! 9. Gehorsam will ich auf der bahn, Die du mir zeigst, dem ziel mich nahn, Hilf mir auf meinem wege! Ich kämpf um meine selig keit mit eifer und mit wachsamkeit, Nicht muthlos und nicht träge. Du gabst den vorsay; gott, gieb du Auch meiner schwachheit kraft dazu! dein schein, Wenn schon tod und 2. Es leucht uns, licht des Herrn! verwesung uns dräun; Lehr uns Jefum Christum Den sohn erkennen, Von der liebe des sohnes uns brennen, Jetzt und im tod. unsre seele, daß sie schmeck und 3. du, der liebe geist! erhöh seh, Wie der herr uns liebte. Laß heiligten gliedern, Jesum uns lieben. in den brüdern Als in seinen ge4. Du höchster tröster in aller noth! Hilf getreu uns seyn bis in den tod. Heilig laß uns leuns Vor ben, uns nicht verzagen, Wenn unserm gott. Mel. Komm, heilger Geist, Herre. 160. ör unser gebet, geist der menschen flehen gern. Wir wollen unser Herz dir geben, O lehre du uns heilig leben! Rüst' uns mit Mel. Mein Herz und Seel den Herrn. ſtärke, geiſt der kraft! Der in uns 162. Du geift des herrn! der alles die lockungen der fünden Uns, Christi jünger, überwinden Durch ihre macht, durch ihre macht. von gott ausgehest, Und doch mit ihm in einem wesen stehest, Kraft aus der höh! steh mir in gnaden bei, Damit mein lob dir wohlgefällig sey. 2. 2. Du heiliges licht! starker hort! Laß uns der wahrheit helles wort Auf dieses Lebens pfaden leiten, Daß unsre füße niemals glei ten. Treib fern von uns des irrthums nacht, und stürze deiner Erweck mein herz, entzünde mein gemüthe, Erfüll es ganz mit deiner lieb und güte. Kalt und erstorben bin ich ohne dich, Komm, heilge kraft! komm und belebe mich. und dessen Gaben und Wirkungen. 3. Du bist es, der allein uns* 12. Komm, heilge mich, und weisheit sendet; Der menschen schmücke geist und sinnen Zum temwiß ist ohne dich verblendet. Gieb pel aus, und wohne selbst darins mir verstand, erkenntniß, flugheit, nen. Erneure mich, so wird durch rath, Und leite huldreich mich bei dich allein Mir jeder tag ein frohes jeder that. pfingstfest seyn. 4. Aus deinem licht, durch deine kraft getrieben, Hat der propheten band das wort geschrieben, In dem uns bart, Und du bists, der vor irrthum uns bewahrt. 5. Drum lehre mich, mein heil daraus erkennen, Lehr Christum mich recht meinen Herren nennen. Ja, reiner geist! erleuchte meinen geist, Daß er verläßt, was falsch und irrig heißt. 6. Entdecke mir der wahrheit heitern morgen, Und schleuß mir auf, was noch vor mir verborgen; Verkläre du des vaters work in mir, Und führe mich durch deinen glanz zu dir. 7. Laß mich mein Herz dir gläubig übergeben, Entsünd'ge mich, schaff in mir neues leben. Gieb, daß ich jeden fehltritt schnell bereu, Und jeder fall mir künftig furchtbar sey. 8. Ach reinge mich von allen eiteln trieben, Laß mich nur dich, und nicht was fündlich, lieben, Ja, mache mich von dem, was irdisch, frei, Daß deinem wink ich stets gehorsam sey. 9. Versiegle mich, und stärke mich im glauben, Laß mir den feind die siegeskron nicht rauben. Du freudenöl! verleih mir deine kraft, Die friede, trost und freude in mir schafft. 89 10. Laß, reiner geist! mich deine wirkung spüren, Laß kräftig sie all' meine triebe rühren. Du göttlich licht! entzünde mein gebet, Daß es zu gott sich inbrunstvoll erhebt. 11. Gieb mir schon hier den vorschmack jener freuden, Durch sie vergeß ich froh der erde leiden. Ja, bilde du mein Herz nach Christi sinn, Und ziehe mich stets nach Dem himmel hin. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 163. du allerfüßfte freude, Lieblichstes reinstes licht! Du erfreuest uns im leide, Du verläßt im glück uns nicht. Nahe dich doch auch zu mir, Geist des höchsten! da ich dir Lob und preis und ehre bringe; Höre, höre, was ich singe. 2. Edelster von allen segen, Die uns gott in Christo gab! Du träufst als ein milder regen Aus des himmels schooß herab, Du machst harte herzen weich, Wüsten auch an früchten reich; Was der drangsal hize drücket, Wird durch deinen trost erquicket. 3. Ja, du bist die beste gabe, Die, mit der man alles hat. Wenn ich dich, o tröster! habe, Find't fein höh'rer segen statt. Heilger geist, erfüll auch mich. Ach! von dir ward ja auch ich Durch die taufe neu geboren, tempel auserforen. Gott zum 4. Du kannst alle herzen prü fen, Nichts schließt deinem blick sich zu. Selbst der gottheit innre tiefen Forschest und ergründest du. Meiner seele finsterniß Weißt und kennst du auch gewiß; Drum gieb weisheit und vor allen, Wie ich möge gott gefallen. 5. Du bist heilig, und du fichest Nur an reinen deine lust, Böses hasfest du, und fliehest Aller laster gräul und wust. Mach auch mich von sünden rein, Daß ich mich um das allein, Was dir wohlgefällt, bemühe, Und das, was du fliehest, fliehe. 6. Du bist auch ein geift der liebe, Stets voll sanftmuth, güt' und huld, Ob ich dich gleich oft be trübe, Hast du doch mit mir geduld. Wenn ich schnell zum zorne 90 Von dem heiligen Geiste, bin, Gieb mir deinen edlen finn, 3. Auch dich kann ich nicht er Daß ich freund und feinde liebe, kennen, Jesu! noch mit ächter treu Keinen, den du liebst, betrübe. Meinen gott und Herrn dich nennen, Stehet mir dein geist nicht bei. Drum, so laß ihn kräftiglich In mir wirken, daß ich dich Glaubensvoll als mittler ehre, Und auf deine stimme höre. 7. Du, du machst das Herz zufrieden, Wenn uns aller trost gebricht, Bleib ich von dir ungeschieden, So fehlts auch an troft mir nicht. Laß mich seyn dein eigenthum! Und dann will ich deinem Buhm Mich mit leib und feele wei hen, Deiner mich in allem freuen. 8. Ja, mein Helfer! ich entjage Dem, was deinen ruhm die nimmt, Bis ans ende meiner tage Sey mein leben die bestimmt. Wozu welt und fleisch mich ziehn, Will ich haffen, meiden, fliehn, Der versuchung nie nachgeben, Stets der fünde widerstreben. 4. Ew'ge quelle heil'ger güter, Hochgelobter gottesgeift! Der du menschliche gemüther Befferst und mit trost erfreust! Nach dir, herr, verlangt auch mich, Ich ergebe mich an dich. Mache mich zu gottes preise Heilig und zum himmel weise. 5. Fülle mich mit heilgen trieben, Daß ich gott, mein höchstes gut, Ueber alles möge lieben, Daß ich mit getrostem muth Seiner vaterhuld mich freu, Und mit wahrer kindestren Stets vor sei nen augen wandle, Und rechtschaffen denk und handle. 9. Du hilfft ja, erweckest, stärfest, Du stehst Christi streitern bei! Hilf auch mir da, wo du merkest, Daß mir hülfe nöthig sey. Nimm den eitlen, ird'schen sinn Ganz aus meiner feele hin, Daß ich alle lafter scheue, Nur mich über tugend freue. 10. Und, mein beistand! wenn ich sterbe, D! da zeige meinem blick Mir zum trost mein herrlichs erbe Und mein unvergänglichs glück. Stärke dann mein mattes herz, Daß ich unter allem schmerz, Noch im letzten todesschweiße, Gott in Jesu vater heiße. 6. Geift des friedens und der liebe! Bilde mich nach deinem finn, Daß ich lieb und sanftmuth übe, Und mirs rechne zum gewinn, Wenn ich je ein friedensband Knüpfen kann, wenn meine hand, Zur erleichtrung der beschwerden, Kann dem nächsten nüßlich werden. 7. Lehre mich, mich selber kennen, Die verborgnen fehler sehn, Sie voll demuth gott bekennen, Und ihn um bergebung flehn. Mache täglich ernst und treu, Sie 164. mir Zu dem Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. er heiligungsgeschäfte Gieb mir immer neue fräfte. liebeft, Trener gott, und deinen geist Denen, die dich bitten, giebest, Ja uns um ihn bitten heißt! Demuthsvoll fleh ich vor dir: Bater, send' ihn auch zu mir, Daß er meinen geist erneue, Und ihn dir zum tempel weihe! 8. Wenn der anblick meiner fünden Mein gewissen niederschlägt, Wenn sich in mir zweifel finden, Die mein Herz mit zittern hegt, Wenn mein aug in nöthen weint, Und gott nicht zu hören scheint; D! dann laß es meiner feelen Nicht an trost und stärkung fehlen. 9. Was sich gutes in mir findet, Ist dein gnadenwerk in mir. Gelbft den trieb hast du entzündet, Daß mich, herr! verlangt nach dir. D so setze durch dein wort Deine 2. Ohne ihn fehlt meinem wiffen Leben, kraft und fruchtbarkeit, Und mein herz bleibt dir entriffen, Und dem dienst der welt geweiht, Wenn er nicht durch seine kraft Die gesinnung in mir schafft, Daß ich dir mich ganz ergebe, Und zu deiner ehre lebe. und dessen Gaben und Wirkungen. gnadenwirkung fort. Bis sie durch sey, Wie eines leibes glieder. Auch ein selig ende Herrlich sich an mir allen menschen hold zu seyn, Flöß vollende. den bekennern Jefu ein; Denn wir sind alle brüder. Kein neid, Kein streit, Was der liebe Sanfe tem triebe Strebt entgegen, Müsſe nie bei uns sich regen. 7. Ja, helfer! unsre lebenszeit Sey ganz der heiligkeit geweiht, Sey fern von schuld und sünden. Laß uns es stets vor augen seyn, Daß lüfte geist und herz entweihn, Und daß sie bald verschwinden. Heilig, Selig, Wen du führest Und regierest Bis zum ziele! Führer! leit uns bis zum ziele! Mel. Wie schön leucht' uns der. 165. heilger geist! kehr bei uns ein, und laß uns deine wohnung seyn, Komm, beistand unsrer feelen! Erleucht' uns durch dein göttlichs licht, Entzieh uns deine hülfe nicht, Und rett uns, wenn wir fehlen. Laß sich Durch dich Glaub und liebe, Reine triebe, Gott zu ehren, In uns zeugen und vermehren. 2. Gieb kraft und nachdruck deinem wort, Laß es, wie feuer, immerfort, In unsern herzen brennen, Daß wir gott, vater und den sohn, Und dich, den geift, auf einem thron Als wahren gott erkennen. Rühre, führe, Und behüte Das gemüthe, Daß wir gläuben, und im glauben standhaft bleiben. 3. Laß deiner wahrheit mächtigs licht, Auch da, wo einsicht noch gebricht, In hellem gianze scheinen. Unwissende belehre du, Getrennte führ einander zu, Mach spötter zu den deinen. Alle, Alle Laß der wahrheit Lautre klarheit Froh erkennen, Jesum ihren Heiland nennen. 4. Und dann gieb weisheit, gieb uns rath, hier auf der tugend ebnem pfad Gewissenhaft zu wandeln. Laß fünd und ungerechtigkeit Uns standhaft fliehn, und jederzeit Gerecht und redlich handeln. Jesus Christus Sey das vorbild, Wir sein nachbild; Schon auf erden Laß uns himmelsbürger werden. 5. In leiden schenk uns muth und kraft; Laß uns auf unsrer wanderschaft Nie matt und zaghaft werden. Verläßt du uns, so sinken wir, Wenn du uns stärkst, so sie gen wir In jedem kampf auf er den. Endlich, Endlich Wird doch friede, Ewger friede, Und die Deinen siegern dort zum lohne. 6. Gieb, daß in wahrer lieb und treu Der christen herz verbunden one 91 Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 166. Geist vom water und vom sohne, Der du unser tröster bist, Und von unsers gottes throne Hülfreich auf uns schwache siehst! Stehe du mir mächtig bei, Daß ich gott ergeben sey; ! so wird mein Herz auf erden Schon ein tempel gottes werden. 2. Laß auf jedem meiner wege Deine weisheit mit mir seyn, Wenn ich bange zweifel hege, Deine wahrheit mich erfreun. Tente kräftig meinen finn Auf mein wahres wohlseyn hin. Lehrst du mich, was recht ist, wählen, Werd ich nie mein heil verfehlen. 3. Heilige des herzens triebe, Daß ich über alles treu Meinen gott und water liebe, Daß mir nichts so wichtig sey, Als in sei ner huld zu stehn. Seinen namen zu erhöhn, Seinen willen zu vollbringen, Müsse mir durch dich gelingen. 4. Stärke mich, wenn wo zur fünde Mein gemüth versuchet wird, Daß sie mich nicht überwinde. Hab ich irgend mich verirrt, O! so strafe selbst mein herz, Daß ich, unter reu und schmerz, Mich vor gott darüber beuge, Und mein Herz zur behrung neige. 5. Reize mich, mit flehn und beten, Wenn mir hülfe nöthig ist, Zu dem gnadenstuhl zu treten. 92 Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben 2c. Gieb, daß ich auf Jesum Christ, Falscher zweifelnder gedanken. Als auf meinen mittler schau, Und auf ihn die hoffnung bau, Gnad um gnad, auf mein verlangen, Von dem vater zu empfangen. Wenn die welt mich irre macht, Halte die vernunft in schranken. Wenn ich mich von dir entferne; Wo ists, daß ich weisheit lerne? leiden 6. Stehe mir in allen Stets mit deinem troste bet, Daß ich auch alsdann mit freuden Gottes führung folgsam sey. Gieb mir ein gelaßnes herz, Laß mich selbst im todesschmerz, Bis zum frohen überwinden, Deines trostes kraft empfinden. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 167. G ott! du haft in deinem sohn Mich von ewigkeit erwählet. Sende nun von deinem thron Was noch meinem heile fehlet, Und gieb mir des geistes gaben; Durch sie werd ich alles haben. 2. Bin ich noch in fünden todt, Und zum guten ganz verloren; Heilger geist, mein herr und gott! Mache du mich neu geboren, Stette mich von dem verderben, Laß mich nicht in fünden sterben. 3. Treibe weg die finstre nacht 4. Schenke mir ein reines Herz, Daß ich stets an gott gedenke, Und mich oft mit reu und schmerz Ueber meine sünden kränke. Doch nach den betrübten stunden Tröste mich durch Jesu wunden. offenbarest, Das du regierst und väterlich Auf ebner bahn bewahrest! Heil uns! denn dies dein volk sind wir. Du lehrst uns deinen willen Recht erfüllen, Und unsern durst nach dir Selbst aus der quelle ſtillen. 5. Pflanze du mich selbst in ihn, Als ein glied an seinem Leibe, Und wenn ich sein eigen bin, Hilf mir, daß ich es auch bleibe, Und als eine gute rebe Früchte bring und in ihm lebe. Von dem Worte 2. Weh denen, die sich finsterniß Statt deines lichtes wählen! Wie Hoffnungslos, wie ungewiß Sind ihre stolzen seelen! Du selbst berufft sie immer noch, Dein himmlisch reich zu erben, Nicht zu sterben; Ihr leichtsinn stürzt sie doch In ewiges verderben. 6. Glaube, lieb' und hoffnung sey Stets die zierde meiner feele. In versuchung steh mir bet, Daß ich stets das beste wähle. Gieb du demuth mir in freuden, Und geduld und muth im leiden. 7. Hilf mir reden recht und wohl, Und des gottesdienstes pflichten, Wie du förderst, wie ich soll, Ohne heuchelei verrichten, Christ lich leben, selig sterben, Und dein himmelreich einst erben. Gottes. Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu. 3. Der spötter sagt, du werdest er 168. Heil deinem volke, dem nicht Uns deine rechte lehren; Denn licht, würdig zu verehren. Ach! wem dies schwache licht nur scheint, Der kann nicht vor sich sehen, Nichts verstehen, Und sinket, wenn meint Auf festem grund zu stehen. 4. Gott! die vernunft erkennet dich Aus allen guten werken, Weiß dein gebot; doch weiß sie sich zum guten nicht zu stärken. Wir fündigen, und sie kann nie Uns wieder dir versöhnen. Unsre thränen Siehst du; doch können sie nicht gnugthun, nicht versöhnen. 5. Aus furcht des todes wären wir Im ganzen leben knechte, Wenn Von dem Worte Gottes. uns dein wort nicht, gott! von dir Mel. Wer nur den lieben Gott. Trost aus der höhe brächte. Der 170. Dein wort, o höchſter! sünder Für alle seine sünden Gnade finden, Der liste macht und list Durch glauben überwinden. 6. Ach, theur und werth sey uns dies wort! Denn du hasts uns gegeben, Es leit uns hier, es bring uns dort, O gott, zum ewgen leben! Lehr auch die spötter, die es noch Mit stolzem muth verachten, Werth es achten, und unter Jesu joch Nach seinem reiche trachten. Mel. Ach Gott und Herr. 169. Gott ist mein hort, Und auf sein wort Soll meine seele trauen. Ich wandle hier, Mein gott! vor dir Im glauben, nicht im schauen. 2. Dein wort ist wahr; Laß immerdar Mich seine kräfte schmecken. Laß keinen spott, herr, mein gott! Mich von deni glauben schrecken. 3. Wo hätt' ich licht, Wofern mich nicht Dein wort die wahrheit lehrte? Gott! ohne sie Verstünd' ich nie, Wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein wort erklärt Der feele werth, Unsterblichkeit und leben. 3ur ewigkeit Ist diese zeit Von dir, herr! mir gegeben. 5. Dein ewger rath, Die missethat Der fünder zu verfühnen, Den kennt ich nicht, Wär mir dies licht Nicht durch dein wort erschienen. 93 6. Nun darf mein herz In reu und schmerz Der fünden nicht verzagen; Nein, du verzeihst, Lehrst meinen geist Ein gläubig abba! fagen. 7. Mich zu erneun, Mich dir zu weihn, Ist meines heils geschäfte. Durch meine müh Vermag ichs nie, Dein wort giebt mir die kräfte. 8. Herr, unfer hort, Laß uns dies wort! Denn du hafts uns gegeben. Es sey mein theil, Es sey mir heil und kraft zum ewgen leben. lehrt uns unsre ganze pflicht, Es giebt dem fünder und dem frommen Zum leben sichern unterricht. O selig, wer es achtsam hört, Bewahrt und mit gehorsam ehrt! 2. Es leuchtet uns auf unsern wegen, Vertreibt des irrthums finsterniß, Es füllt mit freuden, bringt uns segen, und machet un-= ser herz gewiß. Es lehrt uns, höchster! was du bist, Und was dir wohlgefällig ist. 3. Dein wort ermuntert, dich zu lieben, Lehrt, wie viel guts du denen giebst, Die freudig dein gebot ausüben, Und wie du vä ferlich uns liebst. Und was, o herr! dein mund verspricht, Bleibt ewig wahr und trüget nicht. 4. Gott, deine zeugnisse sind besser, und mehr der sehnsücht werth, als gold. Ihr werth iſt köstlicher und größer, Als alles noch so seine gold; Wer das thut, was dein wort gebeut, Dem ist dein segen stets bereit. 5. Drum laß auch mich mit lust betrachten, Was mich dein wort, o höchster! lehrt, und auf das mit gehorsam achten, Was es von mir zu thun begehrt; So fließen trost und seelenruh Auch mir aus deinem worte zu. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 171. Wir menschen sind zu dem, o gott! Was geistlich ist, untüchtig; Dein wesen, wille und gebot Ist viel zu hoch und wichtig, Wir wissens und verstehens nicht, Wo uns dein göttlich wort und licht Den weg zu dir nicht zeiget. 2. Drum hast du ehmals außgesandt Propheten, deine knechte; Du machtest uns durch sie bekannt Dein heil und deine rechte; Zus lept ist selbst dein eigner sohn, O vater! von des himmels thron Gekommen, uns zu lehren. Von dem Worte Gottes. 3. Für solches heil sey, herr, Erleuchten mög und leiten. D heil gepreist! Laß uns dabei verbleiben, ger geist! dein göttlich wort Laß Und gieb uns deinen guten geist, in uns wirken fort und fort Ge Daß wir dem worte gläuben, Daß duld, lieb, hoffnung, glauben. wirs annehmen jederzeit, Mit Demuth, ehrfurcht, lust und freud, Als gottes, nicht der menschen. Gottes Wort ist wahrhaftig. 4. Hilf, daß der frevler frecher Mel. Schwing dich auf zu deinem. spott uns nicht vom wort abwens 172. Der du selbſt die wahr-/ Denn bist gerechter gott, Und strafft gewiß am ende. Gieb du selbst deinem donner kraft, Und laß der wirkung, die er schafft, Uns niemals widerstreben. heit zu dem ich finge, Gott, den kein verstand ermißt, Ursprung aller din ge! Alle wahrheit kömmt von dir In den menschenkindern, Sie er leuchtet uns, wenn wir Selbst ihr licht nicht hindern. 5. Ach! öffne uns verstand und herz, Daß wir dein wort recht fassen, In lieb und leid, in freud und schmerz Es aus der acht nicht lassen, Daß wir nicht hörer nur allein, Nein, auch des wortes thäter seyn, Frucht hundertfältig bringen. 2. Vorurtheil und finsterniß Füllen unsre seelen, Unser blick ist ungewiß, Unsre schlüsse fehlen. Aber dein verstand weicht nicht Vor der lautern wahrheit, Was du denkest, das ist licht, Richtigkeit und klarheit. 6. Der saam' am wege wird sofort Vom feinde weggenommen; In fels und steinen kann das wort Die wurzel nicht bekommen; Und wenn der saam' in dornen fällt, Hat sorg und wollust dieser welt Bald seine kraft ersticket. 7. Ach! hilf, herr, daß wir werden gleich Dem fruchtbarn guten lande, Und seyn an guten werken reich In unserm amt und stande, Viel früchte bringen in geduld, Bewahren deine lehr und huld In einem guten herzen. 8. Laß uns, dieweil wir leben hier, Die fünden ernstlich meiden, Gieb, daß wir halten fest an dir In trübsal, kampf und leiden. Rott aus, was dir, herr! nicht gefällt, Hilf uns die sorgen dieser welt Und böse lüfte dämpfen. 94 9. Erhalt uns dein wort klar und rein, Und laß es unfern füßen Zu jeder zeit die leuchte seyn, Hilf, daß wir draus genießen Kraft, rath und trost in aller noth, Daß wir im leben und im tod Darauf beständig trauen. 10. Laß sich dein wort zu deiner ehr, O gott! sehr weit ausbreiten. Hilf, Jesu! daß uns deine lehr 3. Wirf dich, sterbliches ge schlecht, Dankbar ihm zu füßen! Seine wahrheit und sein recht Lässet er dich wissen. Weit erschallt das wort des Herrn, Das die welt bekehret, Glaubt es freudig, folgt ihm gern, Völker, die ihrs höret! 4. Gott! was uns dein wort verspricht, Wird und muß geschehen, Deine drohung kann auch nicht Leer vorüber gehen. Haben tausende nicht schon, Welche vor uns waren, Deine strafen, deinen lohn, Dir zum ruhm erfahren? 5. Seele, wolltest du nicht gott Zuversichtlich glauben? Soll der leichtsinn, soll der spott Deinen trost dir rauben? Der den himmel aufgebaut, Kann der treue lügen? Kann er den, der ihm vertraut, Heuchlerisch betrügen? 6. Stille die vernunft, die sich Wider gott empöret, Wider seinen geist, der dich Sein geheimniß lehret. Each des spötters, der sich bläht, Mehr als gott zu wissen, Er wird einst, vielleicht zu spät, Gott noch glauben müssen! 7. Erd und himmel wird vergehn; Gott! dein wort wird blei Von dem Worte Gottes. 95 ben, Lasterhafte, die es schmähn, dann der tag des Herrn, Der fey Werdens nicht vertreiben. Könige sind staub vor dir, Staub mit ihren heeren, Du im himmel lachest ihr, Wenn sie sich empören. der schrift geweiht. 6. Rührt dich ein starker spruch, So ruf ihn, dir zum glücke, Des tags oft in dein herz, Im stillen oft zurücke, Empfinde feinen geist, Und stärke dich durch ihn Zum wahren edelmuth, Das gute zu vollziehn. 8. Du bist wahrheit! ewig soll Mich von dir nichts trennen, Mich die welt, von arglist voll, Nicht erschüttern können. Muß ich hier gleich um dein wort Schmach und trübsal leiden, So belohnst du mirs doch dort, Gott! mit ehr und freuden. Erweckung, die heilige Schrift fleißig und auf gehörige Weise zu lesen. Mel. Gott, du frommer Gott. 173. Soll dein verderbtes herz Zur heiligung genefen, Christ! so versäume nicht, Das wort des Herrn zu lesen; Bedenke, daß dies wort Das heil der ganzen welt, Den rath der feligkeit, Den geist aus gott enthält. 2. Merk auf, als ob dir gott, Dein gott gerufen hätte, Merk auf, als ob er selbst zu dir vom himmel redte! So lies, mit ehrfurcht lies, Mit lust und mit vertraun Und mit dem frommen ernst, In gott dich zu erbaun. 3. Sprich fromm: o gott! vor dem Ich meine hände falte, Gieb, daß ich dein gebot Für dein wort ewig halte, und laß mich deinen rath Empfindungsvoll verstehn, Die wunder am gesetz, Am wort vom kreuze sehn. 4. Er, aller wahrheit gott, Kann dith nicht irren lassen. Lies, christ! fein heilig buch, Lies oft; du wirst es faffen, So viel dein heil verlangt. Gott ists, der weisheit giebt, Wenn man sie redlich sucht, Und aus gewiffen liebt. 5. Lies frei( von leidenschaft, Und ledig von geschäften, und fammle deinen geist Mit allen seinen kräften. Der beste theil des tags, Des morgens heiterkeit, und 7. Um tugendhaft zu seyn, Dazu sind wir auf erden. Thu, was Die schrift gebeut, Dann wirst du inne werden Die lehre sey von gott, Die dir verkündigt ist, Und dann das wort verstehn, Dem du gehorsam bift. 8. Spricht fie geheimnisvoll, So laß dich dies nicht schrecken, Ein endlicher verstand Kann gott nie ganz entdecken. Gott bleibt unendlich hoch; Wenn er sich dir erklärt, So glaube, was er spricht, Nicht, was dein witz begehrt. 9. Sich seines schwachen lichts Bei gottes licht nicht schämen, Iſt ruhm; und die vernunft Alsdann gefangen nehmen, Wenn gott sich offenbart, Ist der geschöpfe pflicht; Und weise demuth ists, Das glauben, was gott spricht. 10. Drum laß dich, frommer christ, Durch keinen zweifel krän fen. Hier bist du find; doch dort Wird gott mehr licht dir schenken; Dort wächst mit deinem glück Dein licht in ewigkeit; Dort iſt die zeit des schauns, Und hier des glaubens zeit. 11. Verehre stets die schrift, Und siehst du dunkelheiten, So laß dich deinen freund, Der mehr als du sieht, leiten. Ein forschen der verstand, Der sich der schrift geweiht, Ein angefochtnes herz, Hebt manche dunkelheit. 12. Halt fest an gottes wort; Es ist dein glück auf erden, Und wird, so wahr gott ist, Dein glück im himmel werden. Verachte chriftlich groß Des bibelfeindes spott; Die lehre, die er schmäht, Bleibt doch das wort aus gott. Von dem Worte Gottes. Die zehn G Mel. Allein auf Gott setz dein Vertraun. nen sollst und lernen wohl, Wie man vor gott recht leben soll. 12. Das hilf uns du, herr Jesu 174. Hört an die heilgen zehn Christ, Der du der mittler worden uns uns mit deiner kraft, Die in uns alles gute schafft. 96 der herr zebaoth, Aus finstern wolken sprach er sie Herab vom berge Sinai. 2. bin der keiner mehr, Mich, und ſonſt keine götter, ehr', Mich fürchte, mir vertraue dich, Nichts sollst du lieben, so wie mich. 3. Du sollst nicht freventlich entehrn Den namen gottes deines herrn, Mit tiefer ehrfurcht nenn ihn nur, Und halte deines eides schwur. 4. Der sabbath sey ein tag der ruh, Bring ihn in frommer andacht zu, Komm dankend vor mein angesicht, und stärke dich in deiner pflicht. 5. Den vater und die mutter ehr, Gieb ihnen williges gehör, Sey eifrig, ihnen beizustehn; So wirst du langes leben sehn. 6. Du sollst nicht tödten, und dich scheun Vor zorn und haß, nicht rächer seyn; Beleidigt zeige fanften muth, Der auch an feinden gutes thut. 7. Dein eh' sollst du bewahren rein, Und auch dein herz soll heilig seyn, Dein leib und geist sey mir geweiht, Dein ruhm sey zucht und mäßigkeit. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. err! und 175.gebot, Wonach wir sollen leben, Wollst du, o mein ge= treuer gott! Ins Herz mir selber geben, Daß ich zum guten willig fey, Und ohne falsch und heuchelei, Was du befiehlst, vollbringe. 2. Gieb, daß ich dir allein vertrau, Allein dich fürcht' und liebe, Auf menschen hülf und trost nicht bau, In deiner furcht mich übe; Daß ich der großen gnad und gunst, Gewalt, pracht, reichthum, wit und kunst Nie ängstlich such und ehre. 3. Hilf, daß ich dich und deinen bund Aus deinem wort er kenne, Daß deinen namen nie mein mund Ohn ehrerbietung nenne. Gott! unvergeßlich sey es mir, Was ich in meiner taufe dir So feierlich versprochen. 4. Laß mich am tage deiner ruh Voll ehrfurcht mit den deinen In der versammlung, so wie du Befiehlst, vor dir erscheinen, Dann deiner im gebet mich freun, Ein hörer deines worts zu seyn, Und nachmals auch ein thäter. 8. Mit unrecht mehre nicht dein gut; Verflucht ist der, der unrecht thut, Betrüge nie, und wuchre nicht, und wohlthun sey dir freud und pflicht. 9. Du sollst kein falscher zeuge seyn, Verläumdung, lügen, schmähfucht scheun. Des nächsten unschuld rette du, Und seine schande decke zu. 6. Hilf, daß ich nimmer eigne 10. Des nächsten haus begehre rach Aus zorn und feindschaft nie, Auch nicht sein weib, knecht, übe, Dem, der mich kränkt durch magd und vieh; Gönn ihm sein haß und schmach, Verzeih und glück und flieh den neid, Wenn gern ihn liebe, Mich über andrer gottes segen ihn erfreut. wohlfahrt freu, Und, wo ich kann, selbst willig sey, İhr glück mit zu befördern. 11. Die heiligen gebote sind Gegeben, daß du deine sünd Erken5. Gieb, daß ich eltern, obrig feit Und lehrer ehr und liebe, Sie nie durch widerseßlichkeit und böses herz betrübe, Vielmehr für ihre sorg und treu Erkenntlich und gehorsam sey, Und deinen segen erbe. Von dem Worte Gottes. 7. Laß durch verbotne lüfternheit Sich nie mein Herz entweihen, Und mich vor deiner heiligkeit Auch im verborgnen scheuen. O! laß mich heilig, keusch und rein, Enthaltsam, mäßig, wachsam seyn, Selbst bei erlaubten freuden. 8. Gieb, herr! daß ich mich redlich nähr', Mich böser ränke schäme, Mein Herz vom geiz und unrecht kehr, Durch macht und list nichts nehme, Daß ich nie fleiß und arbeit schen, Zufrieden und wohlthätig sey, Nicht üppig, nicht verschwendrisch. 9. Hilf, daß ich meines nächsten ehr zu retten mich befleiße, Das, was ich kann, zum besten kehr, Doch böses nicht gut heiße, Stets zeige treu und redlichkeit, Und abschen trage jederzeit An falschheit, schmähn und lügen. 10. Laß mich des nächsten haus mit list Und unrecht nicht begehren; Das aber, was mir nöthig ist, Wollst du mir, gott, bescheeren. Doch laß mich auch das größte gut, Ein ruhig herz und fröhen müth, Und deine gnade haben. 11. Wie gern möcht ich, o herr, mein gott! Nach deinem heil'gen willen, All' deine rechte und gebot, Die du mir gabst, erfüllen! Allein du weißt, was mir gebricht, Ich schwacher, ich vermag es nicht Aus meinen eignen kräften. 12. Drum gieb du mir von deinem thron, Gott vater! gnad und stärke. Zerstöre, Jesu! gottes fohn, In mir der fünden werke. Dheilger geist! hilf mir, daß ich Gott über alles und als mich Auch meinen nächsten liebe. 97 Gute botschaft, uns zum leben, Von gott selbst gegeben. 2. Was dein wohlgefallen Vor der zeit uns allen, Gott! bestimmet hat, Was sonst dunkle schatten Vorgebildet hatten, Das vollführt dein rath. Daß dein eid dich nicht gereut, Zeigst du nun; in Jesu namen Wird er ja und amen. 3. Alles ist vollendet, Gott hat den gesendet, Der verheißen war. Jesus, der sein leben Wollte für uns geben, Stellt sich wirklich dar; Ja, er hat des höchsten rath Ganz vollbracht und lebt in ehre; Ach, erwünschte lehre! 4. Da uns strafen drohten, Was für frohe boten! Trostreich ist ihr mund, Lieblich ihre füße, Ihre lehren füßze. Welch ein theurer bund! Gottes huld tilgt unsre schuld, Und wer ihn mit glauben ehret, Wird von ihm erhöret. 5. Auf und wehrt den schmerzen, Kommt, ihr, deren Herzen Das geseß zerschlug, Kommt zu deffe gnaden, Der für euch beladen Alle schmerzen trug! Jesu tod versöhnt euch gott, Gott, der euch als vater liebet Und die schuld vergiebet. 6. Hierauf will ich bauen, Christo mich vertrauen Und in ihm mich freun. Ihm nur will ich leben, Ihm mich ganz ergeben, Ewig treu ihm seyn. So werd ich auch einst durch dich, O mein heiland! felig sterben Und den himmel erben. Bortrefflichkeit der christlichen Religion. 177. Dregeben, wie preis Mel. Wer nur den lieben Gott. du das mir Bon dem Evangelio. ich dich, o gott, dafür! Nie kann mein dank dich gnug erheben; Durch Mel. Jefu, meine Freude. Christum schenktest du es mir. Kein ort aus gottes mun- licht, kein troft erfreute mich, Kennt de, Wort vom frie- ich nicht, Jesu Christe! dich. densbunde, Evangelium! Bald 2. Auf ungewissen finstern pfada wir gefallen, ließ dich gott erschallen, Du bist unser ruhm! Gottes kraft, die glauben schafft, 176. Wor den Würd ich ein raub des irrthums seyn, Mit fündenschuld und fluch beladen, Müßt ich des & Von dem Worte Gottes. richters rache scheun, Ich fände macht Durch deine lehre, Herr! keinen trost in noth, Mich schreckte entriffen, Ihr licht zerstreut des stündlich grab und tod. zweifels nacht. Du zeigest mir des höchsten rath Und führst mich auf der wahrheit pfad. 3. Wozu hat mich mein gott erschaffen? Was ist auf erden meine pflicht? Wird auch mein geist im tod entschlafen? Und hält gott fünftig ein gericht? Wie werd ich im gericht bestehn, Wie der verdienten straf entgehn? 6. Ich weiß, wozu mich gott erschaffen, Ich kenne meine ganze pflicht; Mein geist wird nicht im tod entschlafen. Wer an dich glaubt, wird im gericht Durch dich, o hei land! wohl bestehn Und dann verklärt dich selber sehn. 4. Entscheidet die vernunft die fragen Durch ihrer einsicht schwaches licht? Hebt sie die zweifel, die mich plagen, und bleibt der trost, den sie verspricht? Ach! ohne Christi licht und heil Wär finster niß und tod mein theil. 7. Jesu! laß mich deiner lehre Gehorchen mit stets größ rer lust, und keines spotters wahn zerstöre Dein heiligthum in meiner brust; Mein ganzes Leben preise dich, Dein heil erfreut im tode mich. 98 5. Ja, du hast mich den finster nissen Des irrthums und der sünde Von der christlichen Kirche. Um Erhaltung und Beschüßung schmähn, Die frevelnd sich empöder christlichen Kirche. ren, Laß deiner gnade wunder fehn, Daß sie sich noch bekehren; Lehr sie mit uns gen himmel schaun, Und unerschüttert im vertraun Auf deine zukunft warten. Mel. Wär Gott nicht mit uns. 178. Die ie feinde deines kreuzes drohn, Dein reich, herr! zu verwüsten; Du aber, mittler, gottes sohn, Beschüßest deine christen. Dein thron bestehet ewiglich, Vergeblich wird sich wider dich Die ganze hölle waffnen. 2. Dein reich ist nicht von diefer Kein werk von menschenkindern, Drum konnt' auch keine macht der welt, Herr, seinen fortgang hindern. Dir können deine haffer nie Die ehre rau ben; selbst durch sie Wird sie vergrößert werden." 3. Weit wollst du deine herrschaft noch In deiner welt verbreiten, und unter dein so sanftes joch Die völker alle leiten, Vom aufgang bis zum niedergang Bring alle welt dir preis und dank, Und glaub an deinen namen. 4. Auch deine feinde, die dich 5. Uns christen aber wollest du Fest in der wahrheit gründen, Daß wir für unsre seelen ruh In dei ner gnade finden. Mach unsers glaubens uns gewiß, Vor irrthum und vor finsterniß Bewahr uns, weil wir leben. 6. Ein frommes herz schaff in uns, herr! Ein herz nach deinem willen, Und lehre täglich fertiger Uns dein gesetz erfüllen; Gehorsam deiner vorschrift seyn, Und dann uns deiner gnade freun, Sey unser heil auf erden. 7. So wird dein volk dir unterthan Und lernt die fünde meiden, Und du führst es auf ebner bahn Zu deines reiches freuden. und herrlich wird in dieser zeit, Noch herrlicher in ewigkeit, Dein großer name werden. 8. Voll zuversicht erwarten dich, Beherrscher, deine frommen! Der Von der christlichen Kirche. tag ist nah, deß freun sie sich, Da du wirst wieder kommen. Den sündern kommst du zum gericht, Uns segnet dann dein angesicht Mit wonne der gerechten. 9. Ja komm, o Jesu! komme bald Zu deinem volke wieder, Befrei durch deines arms gewalt Uns, deines reiches glieder. Dein himmelreich ist uns bereit, Von ewigkeit zu ewigkeit Wirds unser erbtheil bleiben. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem. 179. G Erhalt uns, herr, bei ter heer. deinem wort, Und steure deiner feinde mord, Die gleichsam Christum deinen sohn Vom throne frech zu stürzen drohn. 2. Zeig deine macht, herr Jesu Christ, Der du herr aller herren bist! Beschirme deine christenheit, Daß sie dich lob' in ewigkeit. 3. Gieb, heilger geist! uns einen sinn, Nimm alle zwietracht von uns hin. Vor deines wortes licht und macht Entflieh des wahns und 4. Herr! laß uns dir befohlen seyn, Schau unsre noth, wir sind ja dein. Erhalt im glauben uns getreu, Mach uns von unsern feinden frei. 5. Sie dichten, herr, ein frevelstück, Bring sie zur liebe doch zurück. Sie graben gruben mit viel müh, Beschüße uns, bekehre sie. 6. So werden sie erkennen doch, Du, unier herr, gott! lebest noch Und stehst bei deiner kirche fest, Die sich allein auf dich verläßt. 99 3. Ach! ihrer lehre pest, o herr! Schleicht jeho nicht im finstern mehr; Am mittag, herr! bricht sie hervor Und hebt ihr tödtend haupt empor. 4. Sie herrscht durch große dieser welt; Herr! herr! wenn uns dein arm nicht hält, So reißet sie noch viele fort, Gieb sieg und leben durch dein wort. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem. 180. Der spötter strom reißt uns, herr! bei deinem wort; So können wir uns, vater! dein Im leben und im tode freun. 2. Ein Haufe lästrer wagts, 0 gott! Mit wildem, ausgelaßnem spott Den heiland, deinen sohn, zu schmähn, Durch den selbst himmel einst vergehn. 5. Beschüß uns, heiland, Jesu Christ, Der du zur rechten gottes bist! Sey unfer schuß und starke wehr; Staub ist vor dir der spöt= 6. Du hast von ewigkeit gefehn, Wie lange noch ihr trotz bestehn Und wider dich hier schnauben foll; Vielleicht ist nun ihr maaß bald voll. 7. Auch sie, o herr! hast du verföhnt, Sie, deren spott dich jetzt verhöhnt. Gieb, daß noch vor der todesnacht Zur ernsten reu ihr geist erwacht. Mel. Ach Gott vom Himmel sieh. 181. Ach gott! vom himmel darein, Und laß es dich erbarmen. Wie wenig herzen sind noch dein! Entzieh dich nicht uns armen! Dein theures wort hält man für spott, Empört sich wider dich, o gott! Will deinen sohn nicht kennen. 2. Sie lehren eitel träumerei, Was eigenwiß erfindet. In keiner wahrheit ist dabei Ihr unstet herz der gegründet, andre das, ohne unterlaß, sich brüsten. 3. Ach herr, mein gott! vertilge doch Des irrthums freche lehren. Sieb! ihre zunge frevelt noch Und ſpricht, Wir schaun tief in die wahrheit ein, Uns täuscht kein gleißnerischer schein, Nur blinde herzen glauben. 4. Gott siehts und spricht: bald kommt die zeit, Daß ich dem frevel steure, Damit sich in der christenheit Kein heidenthum erneure. Indeffen greift den schnöden wahn 62 Der wählet dies, Es trennen sich Die mit vernunft 100 Sein wort mit starken waffen an, Und bleibt unüberwindlich. 5. Im feuer siebenmal bewährt, Glänzt edles silber heller, Und durch verspottungen bewährt, Strahlt gottes wort auch heller. Der strahlen siegende gewalt Durchbricht der zweifel nebel bald, Und blendet selbst die feinde. 6. Dein licht leucht uns, damit uns nie Das frevelnde geschlechte In seine schlauen nege zieh, Nie unter uns sich flechte; Denn alle bosheit wächst geschwind, Wo frecher spott erst fraft gewinnt, Sein gift ertödtet seelen. Von der christlichen Kirche. 7. gott, Odämpfe felbst, du starker Die dir die ehre rauben! Jesu Christ, bei ihrem spott Stärk kräftig unsern glauben! O heil'ger geist, verleih uns gnad', Daß wir vor abfall und verrath Mit ganzem ernst uns hüten. Mel. Ein feste Burg ist unser Gott, enn Christus seine 182. Weiche fügt, So mag die hölle wüthen, Er, der zur rechten gottes sist, Hat macht ihr zu gebieten. Er ist mit hülfe nah, Wenn er gebeut, stehts da. Er schüßt, zu seinem ruhm, Mit macht sein christenthum; Mag doch die Hölle wüthen! ken, Der gott, der von dem himmel schaut, Wird uns gewiß bedecken. Der Herr, der höchste gott, Hält über sein gebot, Giebt uns geduld in noth, Und kraft und muth im tod; Was will uns denn erschrecken? 4. Auf, christen! die ihr ihm vertraut, Paßt euch kein drohn erschrekMel. Ein feste Burg ist unser Gott. 183. Ein starker schuß iſt unser gott! Auf ihn steht unser hoffen. Er hilft uns treu aus aller noth, So viel uns je betroffen. Satan, unser feind, Der mit ernst es meint, Rüſtet sich mit list, Troßt, daß er mächtig ist; Ihm gleicht kein feind auf erden. 2. Nicht unsre macht ists, die ihn fällt, Wir wären bald verloren. Es kämpft für uns der rechte held, Den gott uns selbst erkoren. Fragst du, wer er ist? Er heißt Jesus Christ; Der herr zebaoth, Er, unser herr und gott, Er muß den sieg behalten. 3. Und wenn die welt voll teufel wär", Die uns verschlingen wollten; So fürchten wir uns nicht so sehr, Daß wir drum weichen sollten. Wenn der fürst der welt Sich schon grimmig stellt, Schreckt er uns doch nicht, Er ist ja längst gericht't, Ein wort kann ihn schon fällen. 2. Gott sieht die fürsten auf dem thron Sich wider ihn empören; Denn den gefalbten, seinen sohn, Den wollen sie nicht ehren. Sie schämen sich des worts Des heilands, unsers horts, Sein kreuz ist selbst ihr spott; Doch ihrer la chet gott, Sie mögen sich empören. 3. Der frevler mag die wahrheit schmähn, Uns kann er fie nicht Mel. Wend ab deinen Zorn. rauben. Der unchrist mag ihr wis 184. Schüße die deinen, die derstehn, halten glauben. Gelobt fey Jesus Christ! Wer hier sein jünger ist, Sein wort von herzen hält, Dem kann die ganze welt Die seligkeit nicht rauben. nach nennen, Und dich, o Jesu! vor der welt bekennen, Laß deinen händen, wie du selbst verheißen, Nichts sie entreißen. 2. Laß deine wahrheit rein verkündigt werden, Mach ihre siege herrlicher auf erden. Gieb muth 4. Das wort steht fest! die stolze welt Mag noch so heftig toben. Der Herr mit uns, der starke held! Der giebt uns fieg von oben. Tödten sie den leib, Nehmen kind und weib, Rauben gut und ehr, Sie nehmens! was ists mehr? Uns muß der himmel bleiben. Von der christlichen Kirche. und weisheit denen, die sie lehren, Dein reich zu mehren. 3. Du hast noch niemals, herr! dein wort gebrochen. Führe die deinen, wie du selbst versprochen, Führe sie endlich aus dem kampf hienieden, Zum ewgen frieden. 4. Ewig, o heiland! sey dein nam' erhoben, Ewig frohlockend müffe dich einst loben, du beschirmer deiner schwachen heerde, Himmel und erde. Um Ausbreitung und Beförde: rung der christlichen Religion. 3. Ein starker fels, der ewig steht, 3st ihm dein nam'; auf ihn erhöht, Sieht er mit unverletzter ruh Den untergang der erde zu. 4. Du sättigst ihn mit seligkeit Von nun an bis in ewigkeit, Und ewig ist sein frommer dank, Herr! deines namens lobgesang. 5. Ach! heilig sey dein nam' und recht Dem ganzen menschlichen geschlecht! Dich bete, wer dich denken kann, Im geist und in der Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns. 185. ott, unfer gott, wie in der zeit, heilig ist Dein name in dem, der Jesum Christ Lebendig für sein heil erkennt, Durch ihn dich seinen vater nennt! Im 2. Smt geiſte betet er dich an, Und geht unsträflich seine bahn; Denn, was er glaubt, und was er thut, Ist wahrheit, ist gerecht und gut. wahrheit an! 6. Verbreite deines wortes schall, Und deine wohlthat überall, Daß alle lernen, wer du seyst, Jehovah, vater, sohn und geist! 7. Dein rath, du, der da ist und war, Werd allen völkern offenbar, Daß dein gesandter, Jesus Christ, Die wahrheit und das leben ist. 8. Daß, wer an ihn glaubt, sein gebot bis an den tod, 101 9. Lehr uns, die deinen rath verstehn, Gehorsam deine wege gehn, Durch deines wortes licht und kraft Mach gläubig uns und tugendhaft. 10. Durch wahrheit dämpfe je den wahn, Erleucht uns allen unsre bahn, Das laster tilg aus unfrer brust, Und tödt in uns die böse luſt. 11. So heiligt deine christenheit, Herr! deinen namen in der zeit, Und ist und bleibt dein eigenthum, Und ihre werke sind dein ruhm. 12. Dort stellst du sie um defnen thron, Und unaussprechlich ist ihr lohn. Geheiligt wird, wie Durch sie dein nam' Mel. Es woll' uns Gott genädig. 186. Es wolle gott uns gnädig seyn, Und seinen segen geben, Mit seiner vaterliebe schein Erleucht er uns zum leben. Laß uns erkennen, unser gott! Dein großes werk auf erden, Laß Jesu Christi lehr und tod Erkannt von allen werden, Und alle dir bekehren. 2. So danken dir und loben dich Die nationen alle, So freut der ganze weltkreis sich Und singt mit großem schalle, Daß du sein gott und water bist, Nicht läßt die fündas mittel ist, Uns alle zu erhalde walten, Und daß dein wort ten, Und uns zu dir zu führen. 3. So danke, gott, und lobe Es bringe frucht und beßre sich, dich Dein volk durch gute thaten, Dein wort laß wohl gerathen. Der vater segn' uns und der sohn, segn' uns gott, geb uns den lohn, Und er, der geist von beiden, Es Der nach der erde leiden Die müden pilger tröstet. Mel. Wend ab deinen Zorn. Daß der in seinem Lauf nicht 187. Bein reich auf erden irrt, und durch den glauben felig wird. Unter den fündern ausgebreitet Von der christlichen Kirche. leiden wegen, Leben und werden; Schenke noch ihnen, dei- feinde grimme. Warne die deinen vor des irrthums stimme, Lehre fie prüfen, daß fie falsche freuden Klüglich vermeiden. 5. Sey du ihr licht in ihren finsternissen, Heile selbst ihr, verwundetes gewiffen. Schlägt oft ein kummer ihre Herzen nieder, Stärke sie wieder. 6. Schüße uns mächtig mitten unter bösen, Bis du von ihnen ganz uns wirst erlösen, Bis wir zum umgang der verklärten from= men Frohlockend kommen. 102 ner segen. 2. Gieb ihnen gnade, dich recht zu erkennen, Daß sie dich gläubig ihren Herren nennen; Gieb ihnen eifer, deinen guten willen Treu zu erfüllen. 3. Mit heil'ger achtung laß die schrift sie ehren, Denn sie verkündigt deines mundes lehren; Außer ihr fuchen sterbliche vergebens Den weg des lebens. 4. Steure, erbarmer! deiner Von der heiligen Taufe. Mel. Christ, unser Herr, zum Jordan. zu dem erlösungswerk, Das er 188. Als unfer herr zum Jor- getren vollendet, Mit geiſt und dan nach des vaters willen Die taufe von Johannes nahm, Sein werk wohl zu erfüllen, Da stiftet' er für uns ein bad, zu waschen uns von sünden, Daß wir hier könnten heil und rath Und kraft zum guten finden; Es galt ein neues leben. 2. So hör und merke jeder wohl, Was gott selbst taufen nenne, Damit er, was er glauben soll, Von wahn und irrthum trenne. Gott spricht und will, daß was fer sey, Doch ist die taufe träftig; Sie ist ein fiegel seiner treu, Sein geist ist selbst geschäftig, Er ist der rechte täufer. 5. Den jüngern sagte Jesus Christ: Geht, alle welt zu lehren, Es solle, was verloren ist, Zur buße sich bekehren; Wer glaubet und sich taufen läßt, Der soll den himmel erben; Hält er an solchem glauben fest, Kann er nicht ewig sterben, Denn er ist neu geboren. 6. Wer gottes weisen gnadenrath Verachtet, bleibt in sünden Und büßt, was er verwirket hat, Einst in der hölle schlünden, Es fehlt ihm luft und kraft und licht, Den fünden abzusterben, Sein eignes thun befreit ihn nicht vom tod und vom verderben; Er kann sich selbst nicht helfen. 3. Er selber wollt' uns dieses klar In wort und bildern lehren. Am Jordan ließ sich offenbar Des vaters sprach: Mel. Chrift, unser Herr, zum Jordan. dies ist mein lieber sohn, An ihni 189. gott! bei dir ist heil hab ich gefallen, Sprecht nicht ihm widerspenstig hohn, Er zeigt mein heil euch allen; Drum folget seiner lehre. und gnad In aller noth zu finden, Du giebst uns durch dein wafferbad Vergebung unsrer fünden. Dein unerforschter rath erweist Uns durch ein sichtbar zeichen, vater, sohn, und heil'ger geist! Es sey nichts zu vergleichen mit deiner gnad und liebe. 2. Du hast in deinen gnadenbund Zum find mich aufgenommen, Und machst voll huld den weg mir fund, 4. Auch steht hier gottes john verklärt Als einer unsrer brüder, Und gleich als eine taube fährt Auf ihn der geist hernieder, Daß hieran jeder wiß und merk, Gott felbst hab ihn gesendet, Und ihn Von der heiligen Taufe. 103 Wie ich zu dir kann kommen. Du ter, sohn und heil'ger geift, Sch hattest ursach, uns vielmehr Zu bin gezählt zu deinem saamen, strafen und zu haffen, Und haft Zum volk, das dir geheiligt heißt. dich, großer gott, so sehr Zu uns O welch ein glück ward dadurch herabgelassen, Den bund mit uns mein! Laß, Herr! mich deffen zu stiften. würdig seyn. 3. Dadurch bin ich nun, als dein kind, Versichert deiner gnaden, Was sich für schwachheit an mir find't, Das läßt du mir nicht schaden. Den geist der gnaden giebst du mir, Und wenn ich vor dich trete, Mein Herz ausschütte, gott! vor dir, Nach deinem willen bete, Werd ich allzeit erhöret. 4. Hingegen hab ich mich verpflicht't, Ich woll ein gut gewisfen Stets bei des glaubens zuverficht zu halten seyn beflissen, Dich, vater, sohn und geist allzeit Für meinen gott erkennen, Mit tiefer ehrerbietigkeit Dich meinen herren nennen Und dir alleine dienen. 5. Der fünde hab ich abgesagt, Auch allen satanswerken, Wenn reizung nun sich an mich wagt, Kann dieser bund mich stärken. 3um tempel richtest du mich zu, Dir bin ich neu geboren, Daß ich nur lauter gutes thu, Dazu bin ich erkoren, Erschaffen und erlöset. 6. Dem hang zur fünde sterb' ich ab, Damit ich göttlich lebe, Und muthig stets bis in mein grab Den lüsten widerstrebe. Dem guten hang ich eifrig an und liebe deinen willen, mit fleiß und sorgfalt denk ich dran, Wie ich ihn mög erfüllen, Durch deine kraft und stärke. 7. Gott vater, sohn und geist! verleih, Daß ich fest an dich gläube, Mich meines taufbunds tröst und freu, Darin beſtändig bleibe, ich flieh 2. Du hast mich für dein kind erkläret, Mein vater! und ein fe lig theil Hast du, sohn gottes! mir gewähret An dem von dir erworbnen heil. Du willst, mein leben gott zu weihn, Geist gottes! selbst mein beistand seyn." 3. Die liebe ist nicht zu ermessen, Die du, mein gott! mir zugewandt, O! laß mich nie der pflicht vergessen, Dazu ich selbst mich dir verband, Als du in deinen bund mich nahmſt und mir mit heil entgegen kamſt. 4. Du bist getreu; auf deiner seite Bleibt dieser bund stets feste stehn, Ja selbst, wenn ich ihn überschreite, Läßt du dein vaterherz mich sehn, Du klopfst an mein gewissen an Und lockst mich auf die rechte bahn. 5. Ich gebe, höchster gott! aufs neue Dir feel und leib zum opfer hin. Erwecke mich zu neuer treue, Und bilde mich nach deinem sinn. Weich, eitle welt! o sünde, weich! Gott hört es; jetzt entfag ich euch. 6. Befestige dies mein versprechen, Mein vater, und bewahre mich, Daß ich es niemals möge brechen. Mein ganzes Leben preise dich. Gott meines heils! sey ewig mein, Und laß mich stets den deinen seyn. Erneuerung des Taufbundes. Mel. Wer nur den lieben Gott. 191. Herr! dir gelsb ich neue Des fleisches lüfte dämpfe, Im fleiß im christenthum. Dir, Jesu! guten niemals werde laß, Hier geb ich mich aufs neue Zu deines bis ans ende kämpfe Und dort namens eigenthum. Ich will von dein reich ererbe. dir, o geist! allein Bewohnet und geleitet feyn. Mel. Wer nur den lieben Gott. 2. Dreiein'ger! nimm von dei190. Ich bin getauft auf dei- nem kinde Den eid der neuen treue nen namen, Gott va- hin. Bisher war ich ein knecht Von der heiligen Taufe. der fünde; Nun will ich ihre 4. Laß mich denn, wie dirs ges reize fliehn Und mich mit ernst fällt, Deinem dienst, herr! ganz der tugend weihn. Sieh! dieser ergeben, Und entfernt vom sinn der tag soll zeuge seyn. welt Als dein treuer jünger le ben, Daß ich einst auch, wenn ich sterbe, Das verheißne leben erbe. 3. Ach! oft hab ich den eid gebrochen, Den ich einst feierlich dir that, Oft hab ich besserung versprochen, Die nie mein Herz erfüllet hat. Nun heute kehr ich mich zu dir, Ich will mich bef fern; hilf du mir. 104 4. Nie will ich wieder treulos werden, Nie deine guten wege fliehn, Kein scheingut, keine lust der erden, Kein laster soll mich dir entziehn. Weich, leidenschaft! o fünde, weich! Gott hört es; jeßt entfag ich euch. 5. O gott! regiere du mein leben, und mache selbst mein Herz dir treu, Daß ich der frömmigkeit ergeben und heilig, stark und weise sey! Denn ohne dich bleibt immerdar Mein Herz verkehrt und wandelbar. 6. Einst werd ich, herr! vor deinem throne Den tag des bundes benedein, Geschmückt mit jener siegerkrone, Werd ich dann ewig selig seyn. O welch ein heil! wie freu ich mich! Herr, nimm mich hin! dein, dein bin ich! Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. ein erlöser! der du 192. Mein mich Dir zum eigenthum erkaufet! Als dein jünger bin auch ich Vormals auf dein wort getaufet. Derwecke mich zum fleiße, Recht zu seyn das, was ich heiße. 2. Laß mich, herr! mit achtsamkeit meinen taufbund oft betrachten; Laß mich das zu jeder zeit Für mein größtes glück hier achten, Daß ich, Jesu, deinen willen Treulich suche zu erfüllen. 3. Dieser erde gut und ruhm Bleibt im tode doch zurücke; Nur ein wahres christenthum Folgt uns nach zum ewgen glücke. Davon ist auch nach dem sterben Ewig segen zu ererben. Bei einer Taufhandlung. Vor der Taufe. 193. Die feinen, Die dir Mel. Wer nur den lieben Gott. u nicht die eltern brachten, ab, Erkanntst auch kinder für die deinen, Und sahst voll huld auf sie herab, Laßt, sprachst du, laffet sie zu mir, Und wißt, das himmelreich ist ihr. 2. Dir sey auch dieses kind empfohlen, Dir, dessen treu unwandelbar! Wir bringens, wie du selbst befohlen, Dir in der heil gen taufe dar. Ach segn' es, vater, sohn und geist! Wie uns dein theures wort verheißt. 3. Durch dieses siegel deiner gnade Wird jedes recht der christen sein. Weih du es in dem wasserbade Zu deinem find und erben ein. O fe lig, kennt es einst den werth Des glücks, daß es dir angehört! Nach der Taufe. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herrn. 194. Gjeweiht zum christenthume Ist dieses kind nun gott geweiht. Erzieh es dir zum ruhme, Und, vater! einst zur herrlichkeit. Verlängert deine liebe Sein leben, so verleih Durch deines geistes triebe, Daß es dir folgsam sey, Daß es den werth der tugend Schon früh empfinden lern, Es ziere seine jugend Die fel'ge lust am Herrn. 2. Auch wir sind gottgeweihte! Auch unsrer taufe theurer bund Erweck aufs neu auch heute Zum lobe gottes unsern mund, Entflammt uns zum vertrauen, Mit kindlich frohem sinn Gen himmel aufzuschauen, Zu unserm vater hin, Ermuntr' uns, zu ermessen, Was uns sein wort verspricht, Von der heiligen Taufe. Und nimmer zu vergessen Der ihm gelobten pflicht. 3. Du, vater von uns allen! Nach der Confirmation. Mel. Es woll' uns Gott genädig. lehre du uns selber thun Nach 196. ſtärke, mittler, ſtärke deinem wohlgefallen, deinen segen auf uns ruhn. Du wirst bei diesem leben, Wie du bisher gethan, Was wir bedürfen, geben; Verleih uns nur alsdann Die beste deiner gaben, Daß wir durch Je fum Christ Theil an dem erbe haben, Das unverwelklich ist. Vor der Confirmation junger Christen. Mel. Komm, heilger Geist, Herre. 195. Erhör, o gott! das heiße flehn Der Kinder, die hier vor dir stehn, Erbarmend blick auf sie hernieder, Denn dein sind sie, find Jefu glieder! Gieb ihnen, vater, sohn und geist! Den segen, den dein work verheißt, Erfülle sie mit deinen gaben, Laß tröstung ihre feele läben. Erbarme dich! erbarme dich! 2. Sie wollen, deiner sich zu freun, Gott! ihren bund mit dir erneun, Und feierlich den eid dir schwören, Dich, gott, zu lieben, zu verehren, Im glauben treu, im herzen rein, Im wandel ohne falsch zu seyn. Dreieiniger! sprich du das amen Zum festen schwur bei deinem namen, Und stärke sie! und stärke sie! 3. Schenk ihnen muth und freudigkeit, Laß ihrer zusag heiligkeit So start, so tief ihr herz durchdringen, Daß sie ihr wollen treu vollbringen. Auch uns laß jetzt mit Herz und mund Mit dir er neuern unfern bund, Und einst vereint, wie wir dich flehen, Mit ihnen ein zum himmel gehen. Erhör uns, gott! erhör uns, gott! 105 Vom heiligen Abendmahle. Mel. O Jesu, du mein Bräutigam. 197. err, der du als ein erlösten! Und laß sie ihr vertraun auf dich Im tod und leben tröſten! Dreieiniger! sie schwuren dir, Dir selbst in deine hände: O gott! dein eigenthum sind wir, Sinds jetzt und bis ans ende, Und wollens ewig bleiben. 2. Wie viele schwuren ehmals auch, An dir, gott! fest zu halten, Allein wie treulos ließen sie Bald ihre lieb erkalten! Ach, laß die, die sich hier dir weihn, Dich, höchster! ewig lieben, Laß sie im glauben standhaft seyn Und jede tugend üben, Nie ihr gelübde brechen! Ach 3. Versucht der spötter zahlreich heer, Herr! ihnen ihren glauben Und ihrer hoffnung zuversicht Und ruh und trost zu rauben; dann steh ihnen, großzer gott! Mit deiner fraft zur feiten, Hilf ihnen irrthum, schmähung, spott, und jeden feind bestreiten, Und muthig überwinden! 4. Cockt sie ihr herz, lockt sie die welt Hin zu verbotnen lüften, So wollest du mit muth und kraft Sie aus der höh' ausrüsten! Dlaß fie keiner bösen lust Je treulos unterliegen! Dämpf du sie früh in threr brust, Im kampfe laß sie siegen, Hilf wieder auf, die fallen! 5. Einst in der todesangst laß sie, Sie, deine theurerlösten, Noch ihres glaubens festigkeit Ganz unaussprechlich trösten! O schöpfer! mittler! tröster! gott! Eaß sie dann selig sterben Und, dir getreu bis in den tod, Den lohn des himmels erben! Erhör uns gnädig! amen. martervollen kreuzesstamm Zur til selbst gung meiner fündenlast Für mich 106 Vom heiligen Abendmahle. 2. Sm nachtmahl feir' ich dei nen tod; Hier nährst du mich mit himmelsbrot, hier ist das unschäßbare gut, Das du mir giebst, dein leib und blut. 3. Hier labet mich, als deinen gaft, Der leib, den du geopfert hast, Dein blut, das dir vergoffen ward, Mit göttlicher allgegenwart. 4. D liebe, welcher keine gleicht, O wunder, das kein wiß erreicht, Mir unbegreiflich und doch wahr! Du sagst es, und dein wort ist klar. 5. O gottmensch! hilf mir, daß ich ja Mit tiefster ehrfurcht dir mich nah. O herr! mein mund empfahe nicht Des lebens speise zum gericht. 6. Hilf, daß mühselig und beschwert Mein gläubigs herz danach begehrt, Der wohlthat ganze größ ermißt Und deiner liebe nicht vergißt. 7. Hier deinen liebevollen tod Verkündigen, ist dein gebot; Hilf, daß ich ihn als vor mir seh, Auch sein geheimniß wohl versteh. 8. Den fluch, den hier mein bürge trug, Die wunden, die auch ich dir schlug, Den segen, den du, als du starbst, Durch deinen tod auch mir erwarbst. 9. Mein herr und gott! ich glaub an dich, Und weiß gewiß, du segneft mich; Wenn wir mit glauben zu dir nahn, Willst du dich uns mit gnade nahn. 10. Ich erd und asche bins nicht werth, Daß so viel heil mir widerfährt. Du willst, erhabner! nicht verschmähn, Zu meinem herzen einzugehn. liebt! Jhm ists ein pfand der selige keit, Ein fiegel der gerechtigkeit. 14. Es überzeugt in zweifelmuth Von der erlösung durch dein blut, Auch von erlassung unsrer schuld, Und gottes uns geschenkter huld. 15. Ach, wie so reich ergießet sich Hier meines mittlers lieb in mich! Hier schau ich seine mildigkeit und schmecke seine freundlichkeit. 16. Wie brünstig du, mein Jesu! liebst, Bezeugt dies pfand, das du mir giebst. Nichts scheidet ferner dich und mich, Mich liebest du, ich liebe dich. 17. Dich, herr! dich lieb ich unverrückt, Wenn wolluft lockt, wenn drangsal drückt. Verschmach tet leib und seele mir, Lieb ich dich doch und bleib an dir. 18. Auch stärkt mich dieses mahles kraft Auf meiner ganzen pilgrimmschaft, Im kampf voll muth zu widerstehn Und der versuchung zu entgehn. 19. Es schwächt den stolz und wehrt dem neid, Erweckt zur lieb' und einigkeit, Giebt trost, der nie das Herz verläßt, und macht den guten vorsatz fest. 20. Bring du den vorfaß selbst zur that, Und leite mich nach dei nem rath; So bring ich in gelaßner ruh Die tage meiner wallfahrt zu. 21. Und wenn du mich, du lebensfürst! Zur seligkeit vollenden wirst, Ergößt mit freuden ohne zahl Mich dort dein ewigs abendmahl. 11. Mein Herz steht offen, richte du Es dir, herr! wohVor der Communion zu Hause. Mel. Nun freut euch, lieben Christen. ch will das nung zu, Wirf alle lafter ganz 198. Ihes herrn, Des mitthinaus, Schmück es mit feder tugend aus. 12. Du kommst; gesegnet feyst du mir! Du bleibst in mir, und ich in dir. Ich end' in dir einst metnen lauf, und du weckst mich vom tode auf. lers, heut empfahen, Von allem weltgeschäfte fern Will ich zu ihm mich nahen. D tag, wie heilig bist du mir! Wie soll sich meine seel an dir zu meinem gott erheben! 13. O wie so große segen giebt Dein leib und blut dem, der dich 2. Nicht die gewohnheit treibt mich hin, Nicht der betrug der Vom heiligen Abendmahle. mich im leide. schenkst du mir. ich dir dafür! finde, Daß auch mein lasterhafter finn Bloß dadurch gnade finde. O herr! erhalt von heuchelei Mich allzeit unbefleckt und frei Von luft zur übertretung. 3. Bekennen will ichs öffentlich, Dein sterben sey mein leben, Dir, mein erlöser! hab ich mich Zum eigenthum ergeben; Ich will, so lang ich lebe, dein Und deiner liebe mich erfreun, Mich sterbend deiner trösten. 4. Demüthig will ich meine schuld Vor meinem gott gestehen, Und, überzeugt von seiner huld, Zu ihm um gnade flehen. Ich will mit göttlichem vertraun Nach deinem kreuz, o Jesu! schaun Und fröhlich gnade hoffen. 5. Dein leib und blut versichre mich Von dieser deiner gnade, Daß meiner fünden schuld durch dich Mir nun gewiß nicht schade, Daß ich, durch deinen freuzestod Entfündigt und versöhnt mit gott, Ein erbe sey des lebens. 3. Der ich sein gesetz entehrt, Der ich seine macht verkennet, Ach! ich bin es nicht mehr werth, Daß er noch sein kind mich nennet, Ich verdiene straf und tod, Die er frechen fündern droht. 4. Dennoch nimmt der güt'ge mich Wieder auf zu seinem kinde. heut vergißt er väterlich Seines zorns und meiner fünde, Giebt durch seiner boten hand Mir der gnade süßes pfand. 5. Tag der wonne, heiligs mahl! Ewig will ich dein gedenten! Meines Jesu todesquaal Soll mir trost im leiden schenken, Und mein leben soll allein Seinem ruhm gewidmet seyn. 6. Wie werd ich dann, der fünde feind, Dich, mein erretter, lieben! Wie ernstlich mich, mit dir vereint, Vor und bei der Communion. Mel. An Wasserflüssen Babylon. üben! Wie werd ich dir mein lebelang 200. Dbarmherzigkeit unt Für deine liebe preis und dank, mein verföhner, bringen! 7. Ich steh vor deinem angesicht, Du siehst, daß ich nicht lüge, Du siehst auch, daß mein herz sich nicht mit vorsatz selbst betrüge. So komm ich dann mit freudigkeit, Voll hoffnung meiner feligkeit Zu deinem abendmahle. aus Zum denkmal deiner gnaden, Das ganze volk der christenheit Wohlthätig eingeladen. Du rufft: mühsel'ge, kommt zu mir! Du weltversöhner! ja zu dir Komm ich auch heut, ein fünder. Verstoß von deinem angesicht, Verstoß mich, o mein heiland! nicht Vom erbtheil deiner kinder. 2. 3war meiner misfethat iſt mehr, Mehr, als ich könnte zählen. Sie drückt mich, herr! ich zittre sehr Vor unruh meiner seelen. Weltrichter! ach! im zorne nicht, Im zorne geh nicht ins gericht Mit mir, gott, reich an güte! Du kennst, was ich nicht recht gethan, Erbarmer! sich mein herz auch an, Mein reuiges gemüthe. 3. Es seufzt um troft und ängstigt sich, Gebückt vor dir im stau8. meine seele denke nach: Wie fündlich war dein leben! Durch wefsen leiden, wessen schmach, Hat gott es dir vergeben? Was bist du dem, der dich so liebt, Daß er für dich sein leben giebt, Für feine liebe schuldig! 107 Heil und leben Gott, wie dank Mel. Jesus, meine Zuversicht. 199. Tag, den mir der herr gemacht, Sey gefegnet, tag der freude; Du erhellst des kummers nacht Und erquickest 2. Widerspenstig seinem ruf, Hab ich meinen gott betrübet, Ihn, der mich zum glück erschuf, Und mich stets so treu geliebet, Bin gewichen von dem pfad, Den er mir bezeichnet hat. Vom heiligen Abendmahle. 108 be. Auf mein verdienst nicht, nur auf dich, Erlöser! hofft mein glaube. Gebeugte willst du nicht verschmähn, Versprichst den schwachen beizustehn, Die nach errettung schmachten. Stets bleibst du dei nem worte treu, Und wirst ein gläubig herz voll reu, Auch meines nicht verachten. 4. Mein gott! regiere künftig mich, Daß ich vorsichtig handle, Und heilig, voll vertraun auf dich, Nach deinem rathe wandle. Gieb, daß aus dank für deine huld, In lieb, im glauben, in geduld, Ich dir auf erden lebe, Bis ich der einst in deinem reich, Verklärt, unsterblich, engeln gleich, Dich ewig rein erhebe. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 201. Seele, willst du ruhe finden, Drücket dich die last der fünden, Komm, vergebung zu empfangen; Denn dein licht ist aufgegangen, Und der herr, voll heil und gnaden, Hat zu sich dich eingeladen. Deinen bund sollst du erneuen Und dich seines todes freuen. mich nahen, Heil und leben zu empfahen! 5. Du, dem unsrer väter schaaren, Die, wie wir, auch fünder waren, Dank und preis und jubel singen, Daß sie hier dein mahl empfingen, Sohn des vaters, licht vom lichte, Laß von deinem ange sichte Uns, die deinem ruhm sich weihen, Licht und leben jetzt erfreuen! 6. König! hoherpriester! lehrer! Du mein göttlicher bekehrer! Du, der selbst dein eignes leben Für mich in den tod gegeben! Hier fall ich zu deinen füßen; Ach laß würdig mich genießen Diese deine himmelsspeise, Mir zum heil und dir zum preise. ben, Laß mich gnad empfahn und leben. Du willst dich hier mit den deinen Durch des glaubens band vereinen, Du willst sie mit segen tränken, Und dich ihnen selber schen ken; wer darf sich unterwinden, Deine liebe zu ergründen! 4. Herr! ach laß mich würdig nahen, Heil und leben zu empfahen! Ach wie pflegt' ich oft mit thränen Mich nach deinem mahl zu sehnen! Ach wie wünscht' ich meiner sünden Tilgung, herr, bei dir zu finden! Laß, erlöser, laß 7. 3um gedächtniß deiner leiden, Und zum vorschmack jener freuden, Die du, heiland! mir erſtritteſt, Als du unaussprechlich littest, Als dich todesschweiße deckten, und die schrecken gottes schreckten, Als du selbst für mich gestorben, Mir des vaters huld erworben. 8. Deines heils will ich mich freuen, Dir will ich mich ewig weihen. Eng ist deines Lebens pforte, Noch schau ich im dunkeln worte; Einst werd ich dich ganz erkennen, Ganz in deiner liebe brennen. Laß sie mich auch hier empfinden, Hilf mir, hilf mir überwinden. 2. Eil', wie wahre christen pflegen, Glaubensvoll dem herrn entgegen. Komm, den gnadenvollen willen Deines Heilands zu erfüllen, Komm mit brünstigem verlangen, Seine güter zu empfangen; Daß er dich der sünd entlade, Giebt er heute gnad um Mel. Nun freut euch, lieben Christen. 3. Derr! ich freue mich mit be- 202. Ich preife dich, o herr todesleiden. Hab ich an ihren früchten theil, Was fehlt dann meinen freuden? Du wardst ein opfer auch für mich; gieb, daß meine seele sich Deß ewig freuen möge. 2. Was kann mein geist durch deinen tod Nicht noch für segen finden! Erlösung aus der todesnoth, Vergebung aller fünden, Gewissensruh, zur beßrung kraft; Das hast du, herr! auch mir verschafft, Da du am kreuze starbest. 3. Dein mahl ist mir ein unterpfand Von dieser großen güte. Vom heiligen Abendmahle. Wie viel hast du an mich gewandt! Ostärke mein gemüthe Zum gläubigen vertraun auf dich, Daß ich, so lang ich lebe, mich An deine gnade halte. 4. Ich fühle, herr, voll reu und schmerz, Die last von meinen fünden. Laß mein vor dir gebeugtes herz Den großen trost empfinden, Daß du, aus großer vaterhuld, Auch mir vergebung meiner schuld Auf buße hast erworben. 5. Der trost, den mir dein tod verschafft, Werd' ewig mir zum fegen, Er stärke mich mit neuer kraft Auf allen meinen wegen, Nur das zu thun, was dir gefällt, Und alle furcht und lust der welt Standhaft zu überwinden. 6. Die liebe, die du mir erzeigt, Ist gar nicht zu ermessen. O mache felbst mein Herz geneigt, Sie nimmer zu vergessen, Daß ich aus ächter gegentreu Dir bis zum tod ergeben sey, Und dir zur ehre lebe. 7. Laß deines leidens großen zweck Mir stets ver augen stehen, Räum alle hindernisse weg, Die ebne bahn zu gehen, Die mir dein heilig vorbild weist, und die einst den er löften geist Zu deiner freude führet. 8. 3um ewgen leben hast du dich Für mich dahin gegeben; Dein abendmahl erwecke mich, Mit ernst darnach zu streben. Herr, mache mich dazu geschickt! Und werd ich einst der welt entrückt, So sey dein tod mein leben. 109 Mel. Wer nur den lieben Gott. 203. Hier bin ich, Jeſu! zu deiner leidensnacht, Nach deinem gnadenvollen willen, Zur pflicht und wohlthat mir gemacht. Verleih zur übung dieser pflicht mir deines geistes kraft und licht. 2. Es werde, herr, für mein gewissen Dein abendmahl ein unterpfand, Auch mir sey dein versöh3. Bewundernd denk ich an die liebe, Womit du unser heil bedacht, Wie stark sind deine mitleidstriebe, Die dich bis an das kreuz gebracht! Ogieb, von deinem todesschmerz Jetzt neuen eindruck in mein Herz. 4. Laß mich mit ernst die fünden scheuen, Für welche du, dich opfernd, starbst, Durch schnöden mißbrauch nie entweihen, Was du so theuer mir erwarbst, Nie führe mich zur ficherheit Der trost, den mir dein tod verleiht. 5. Ich übergebe mich aufs neue, du, mein herr und gott! an dich, Ich schwöre dir beständ'ge treue Vor deinem tische feierlich. Dein eigen will ich ewig seyn. Du starbst für mich; drum bin ich dein. 6. Nie will ich mich vor spöt= tern schämen Des dienstes, den man dir erweist, Mich nie zu einem schritt bequemen, Den mein gewissen fündlich heißt. O flöße mir den eifer ein, Wie du, herr, gesinnt zu seyn. 7. Laß mich mit ernst den nächsten lieben, Und wenn er strauchelnd was versieht, Versöhnlichkeit und sanftmuth üben. Nie komm' es mir aus dem gemüth, Welch eine schwere schuldenlast Du mir aus huld erlassen haſt. 8. Es stärke sich in mir der glaube, Daß meine feele ewig lebt, Und daß einst aus des grabes staube Mich dein allmächtger ruf erhebt, Wenn du dich, großer lebensfürst! Der welt als richter zeigen wirst. du 9. Gebeugt lieg ich zu deinen füßen, Mit dank und lob, gebet und flehn. Laß auf mich neue gnade fließzen, Mein heiland! laß es doch geschehn, Daß mir zur stärkung meiner treu Dein abendmahl gesegnet sey. Mel. O Jesu, du mein Bräutigam. erkannt. fich nend büßen von deiner gnade zu- 204. Jefu, heilges gotes lamm, Der du aus In deinem heil und lobet dich. lieb am freuzesstamm Für mich 110 Vom heiligen Abendmahle. wirst, Dann mittler, Jesu! freu ich mich mit allen fel'gen ewiglich. Mel. An Wasserflüssen Babylon. komme, und findenfall, Krant, unrein, arm; 205. Juche dich, Mühfelig du tennest mich, Schwach bin ich; ach erbarme dich! 3. Du, Jesu! bist der fünder freund, Der beistand, der es redlich meint, Der traur'gen trost, der schwachen kraft, Der, der das gute in uns schafft. den tod gelitten hast, Und trugest meiner fünden last! 2. Ich komm zu deinem abendVerderbt 4. Zu dir, mein Helfer! komm auch ich, Ach reinige, ach heil'ge mich! Gieb neue fraft, gieb neues licht, Ich weiß, herr! du verstößt mich nicht. 5. Dein wort schein' mir in finsterniß, Dein geist mach meinen geist gewiß, Entträft' in mir der fünde luft, Dämpf ihre macht in meiner brust. 6. Dein liebesmahl, du lebensbrod, Erweck' auch mich, mein herr und gott! Daß ich im glauben stets dir treu Und dankbar und gehorsam sey. 7. Lösch alle laster aus in mir, Und bilde mein Herz ganz nach dir, Daß ich ohn' falsch und heuchelei, Herr! deinem bilde ähnlich sey. 8. Dann bleib ich, o mein befter freund! Mit dir im glauben fest vereint; Ich weiß, daß mich dein auge schüßt, Und du mir giebst, was ewig nüßt. 9. Durch dieses deines bundes kraft Hast du mir neuen muth verschafft, mit täglicher, mit reicher Huld Bedeckst du meiner schwachheit schuld. 10. Gott ist für mich; mir kann kein feind Verderblich seyn, was böse scheint, Verwandelt mir in fegen sich; stärk in diesem glau ben mich! 11. Befest'ge mich in meiner pflicht, Dein freud'ger geist verlaß mich nicht. Ach, laß mich meine tag' in ruh' Und friede christlich bringen zu. 12. Und wenn du mich, o lebensfürst! Einst in den himmel nehmen und beladen. herr, mein hei land! segne mich mit den erworb nen gnaden. Ich liege hier vor deinem thron, Sohn gottes und des menschen sohn! Mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner fünden müh, Ich suche ruh und finde ste Im glauben der erlösten. 2. Dich bet ich zuversichtlich an, Du bist das heil der sünder. Du haft die strafe abgethan, Und wir find gottes kinder. Ich denk an deines leidens nacht Und an dein wort: es ist vollbracht! Du hast mein heil verdienet. Du haft für mich dich dargestellt. Gott war in dir und hat die welt In dir mit sich verfühnet. 3. So freue dich, mein herz, in mir! Er tilget deine sünden, Er nahet sich mit trost zu dir, Und läßt dich gnade finden. Du rufft, und er erhört dich schon, Spricht liebreich: sey getrost, mein sohn, Die schuld ist dir vergeben! Du bist auf meinen tod getauft; Ver giß nicht, dem, der dich erkauft, Zur ehre stets zu leben! 4. Dein ist das glück der seligkeit; Bewahr es hier im glauben, Und laß durch keine sicherheit Dir deine krone rauben! Sieh, ich vereine mich mit dir, Ich bin der weinstock, bleib an mir; So wirst du früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, Und durch die liebe gegen mich Wird dir der sieg gelingen. 5. Ja, herr! mein glück ist dein gebot; Ich will es treu erfüllen. gieb mir selbst durch deinen tod Die kraft zum guten willen. Laß mich von nun an würdig seyn, Mein ganzes Herz dir, herr! 31 weihn, Und deinen tod zu preisen, Laß mich den ernst der heiligung, Durch eine wahre besserung, Mir und der welt beweisen. Vom heiligen Abendmahle. 3. Ich gelobe dir von Herzen, Meiner brüder noth und schmerzen Täglich brüderlich zu lindern, Elend, wo ich kann, zu mindern. Ich gelobe dir mit freuden, Auch das unrecht still zu leiden, Ungeduldig nie zu klagen, An dir niemals zu verzagen. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 206. Herr! err! ich falle vor dir nieder, Danke dir und singe lieder Dir, o tilger meifünden! Wer kann deine lieb ergründen? Meine schulden willst du decken, Willst mich tod= ner ten auferwecken, Willst ein ewig 207. Vound freuden komm Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. oller ehrfurcht, dank feligs leben mir, wenn ich dir glaube, geben. 2. Nun, so sey der bund erneuet! Ganz sey dir mein Herz geweihet! Wie du hier gelebt, zu leben Will ich täglich mich bestreben. Dir gelob ich, deine glieder, Alle men schen, meine brüder, Immer mit den reinsten trieben, Immer wie mich selbst zu lieben. 4. Was du haffest, will ich haffen, Ganz von dir mich leiten lassen, Nie mit vorsatz dich betrüben, Alles, was du liebest, lieben. Zwar ich kenne meine schwäche, Jesu! da ich dies verspreche, Morgen hab ich oft gebrochen, Was ich heute dir versprochen. 5. Darum hilf du mir und stärke Mich zu jedem guten werke. Komm und eile, mich vom bösen, Das ich thun will, zu erlösen; Hilf den ersten reiz der fünden, Den, ach! den mir überwinden! Laß mich ihre folgen schrecken, Und der unschuld freuden schmecken. 111 6. Laß mich deine treu ermeffen, Deiner liebe nie vergessen; Laß mich, weich ich ab vom guten, Herr, dich sehn am kreuze bluten! Liebe schlug dir deine wunden; Das soll mich in dunkeln stunden, Wenn mich angst und zweifel drücken, Mit erhabnem trost erquicken. 7. Gieb, daß ich und alle christen Sich auf deine zukunft rüsten, Daß, wenn heut dein tag schon käme, Keiner, Herr! vor dir sich schäme. Großes abendmahl der frommen! Tag des heils! wann wirst du kommen, Daß wir mit der engel chören, Herr, dich sehn und ewig ehren! ich, herr! auf dein gebot, Und gedenk an deine leiden, Und an Mittler! der Beinen martertod. du für mich starbst, Mir ein ewig heil erwarbst, Ach möcht ich mich würdig nahen, Und das leben hier empfahen! 2. Weil du, heiligster! aus gnas den Aller meiner fünden last Mir zum heil auf dich geladen Und am freuz gebüßet hast, Darum stellet mich nun nicht Gott, der richter, ins gericht, Darum will er mein verbrechen mir verzeihn und nimmer rächen. 3. Herr! dies glaub' ich und empfinde Freudigkeit und zuversicht. Stellt doch gott um meine fünde Nun mich nimmer ins gericht, Bin ich doch durch deinen tod Völlig ausgeföhnt mit gott, Und wenn ich im glauben sterbe, Ewig seines himmels erbe. 4. Möcht' ich, Jesu, nicht vergebens Mich zu deinem Freuze nahn! Möcht' ich dieses mahl des lebens Nicht mir zum gericht empfahn! Ach es gründ und stärke mich, Mittler, im vertraun auf dich! Ach! es lenke meinen willen, Dein geseß, herr, zu erfüllen! 5. Diesen vorsatz, den ich habe, Mich nicht wieder zu entweihn, Laß ihn, Jesu! bis zum grabe Stark in meiner seele seyn. Vor der drohenden gefahr, Der zu werden, der ich war, Beb' ich zaghaft und empfinde Schon von fern die macht der fünde. 6. Wenn sie mich von deinen wegen Schmeichelnd abzuführen droht, Laß mich ernstvoll überlegen, Welch ein tod war Jesu tod! Gott! vor dem er im gericht Stand verlaffen, 112 denned m Vom heiligen Abendmahle. 097. laß mich nicht Ihn von mir verlaffen sehen, und ihn noch durch sünden schmähen. 7. Wenn ich in der irre wandle, Geh du mir, erbarmer! nach, Zeig' mir, wie ich unrecht handle, Stärke mich, denn ich bin schwach, Und ertrage mit geduld Meine schwachheit, meine schuld; Laß mich wieder gnade finden, Wenn ich traure über fünden. 8. Dir will ich es ewig danken, Daß du so barmherzig bist. Laß mich nur nicht wieder wanken, Mein erretter, Jesu Christ! Hilf mir, daß ich dir getreu, Und mein vorsaß standhaft sey, All und jede sündenfreuden Immer, als ein gift, zu meiden. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 208. Die ihr Christi jünger seyd, Theure, miterlöfte brüder, Alle seinem dienst geweiht, Alle seines Leibes glieder! Kommt, versöhnte, kommt, erneut Euren bund der seligkeit. 2. Nehmet hin und eßt sein brod! Jesus Christus ward gege= ben Für die fünder in den tod. Nehmt und trinkt! ihr trinkt sein leben. Seht, wie er die menschen liebt, Da er selbst sich für sie giebt. 3. Die mit voller zuversicht, Mittler! deines heils sich freuen, Die laß stets in diesem licht Wandeln und sich ganz dir weihen, Laß ihr herz vom stolze rein, Voll von deiner demuth seyn. 4. Tröste, die in traurigkeit Ueber ihre seelen wachen. Stärke, Herr der herrlichkeit! Ihren glauben, hilf den schwachen. Die gebeugt von ferne stehn, Können unerhört nicht flehn. 5. Nehmet hin und eßt sein brod! Jesus Christus ward gegeben Für die fünder in den tod. Nehmt und trinkt! ihr trinkt sein leben. Seht, wie er die menschen liebt, Da er selbst sich für fie giebt. 6. Hoherpriester, Jefu Chrift! Du bist einmal eingegangen In 119,00 das heiligthum; du bist Als ein fluch ans treuz gehangen. Also bist du durch den tod Eingegangen, sohn, zu gott! 7. Hoherpriester! ja du bist Auch für diese eingegangen. Sprich fie los, herr Jeju Chrift! Wenn fie nun dein mahl empfangen. Laß sie, großer mittler! nicht Nunmehr kommen ins gericht. 8. Augenblick voll heilgen grauns, Voller wonn' und süßen bebens! Theures pfand des künftgen schauns, Ueberzeugung jenes lebens! Laß, wenn sie zum herrn sich nahn, Von ihm gnad um gnad empfahn. 9. Nehmet hin und eßt sein brod! Jesus Christus ward gegeben Für die fünder in den tod. Nehmt, und trinkt! ihr trinkt sein leben. Seht, wie er die menschen liebt, Da er selbft fich für sie giebt. 10. Jesu Christi kreuzestod Werd in aller welt verkündigt. Er hilft uns von aller noth, Er hat uns vor gott entsündigt. Jesus Christ, mit preis gekrönt. Hat uns staub mit gott versöhnt. 11. In das chor der himmel schwingt, Herr! sich unser stammelnd lallen; Wenn, von seraphim umringt, Unfre väter niederfallen, Opfert dir ihr lobgesang Für dein sterben preis und dank. 12. Ausgeschüttet wareft du, Warst, wie waffer hingegoffen; Deine pein verschafft uns ruh, Deines todes wunden flossen Und bedeckten dich mit blut, Üns und aller welt zu gut. 13. Nehmet hin und eßt sein brod! Jesus Christus ward gegeben Für die fünder in den tod. Nehmt und trinkt! ihr trinkt sein leben. Seht, wie er die menschen liebt, Da er selbst sich für sie giebt. 14. Deiner zunge durst war heiß, Heißer noch der durst der feele; Müd' in deines todes schweiß Hing dein leib, und deine seele Lechzte schmachtender zum Herrn; Doch schien seine hülfe fern. 15. Du geheimnißvolle nacht! Vom heiligen Abendmahle. Du entreißt uns dem verderben. glaubens kraft, auf daß ich dir Tod, den keiner je gedacht! Du Mit neuer treue diene. errettest uns vom sterben; Tod, mit schrecken ganz umhüllt, Gottes zorn hast du gestillt! 16. Jefus rief: mein gott! mein gott! Warum hast du mich verlasfen? Drauf starb er den kreuzestod; Wer kann diese liebe fassen? Fluch und tod sind nun nicht mehr; Gebt, ach gebt dem sieger ehr! 17. Nehmet hin und eßt sein brod! Jesus Christus ward gegeben Für die fünder in den tod. Nehmt und trinkt! ihr trinkt sein leben. Seht, wie er die menschen liebt, Da er selbst sich für sie giebt. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 209. sum Christ, O feele! der auf erden Vom himmelsthron gekommen ist, Ein heiland dir zu werden. Vergiß sein nicht; denn dir zu gut Verband er sich mit fleisch und blut. Dank ihm für diese liebe! 2. Halt im gedächtniß Jesum Christ, Der für dich hat gelitten, Da er am kreuz gestorben ist, Hat er dir heil erstritten. Errettung von der fündennoth Erwarb er dir durch seinen tod. Dank ihm für diese liebe! 3. Halt im gedächtniß Jesum Christ, Der von dem tod erstanden, Und jetzt zur rechten gottes ist. Er hat von todesbanden Die, die ihn lieben, frei gemacht, und ew'ges leben wiederbracht. Dank ihm für diese liebe! 113 Nach der Communion. Mel. Wer nur den lieben Gott. 210. № un habe dank für deine liebe, Du großer mittler, Jesu Christ! Gieb, daß ich dich nicht mehr betrübe, Der du für mich gestorben bist. Laß deines leidens große pein Mir immerdar vor augen seyn. 2. Wie kann ich dich genug erheben? Ich armer, der den tod verdient, Ich soll nicht sterben, sondern leben, Weil du mich selbst mit gott verfühnt. Ach! du, fein preif' ich, herr, wie preif' ich dich? 3. Heil mir! mir ward das brod gebrochen; Ich trank, herr, deines bundes wein! Voll freude hab ich dir versprochen, Dir, Jesu! treu zu seyn. Ich es nun noch einmal dir; du nur deinen beistand mir. 4. Laß, herr! mich dankbar stets ermessen, Was du für mich gelitten hast, Und deine liebe nie vergessen, Die so viel segen in sich faßt. Laß meinen glauben thätig seyn, Und mir zur tugend kraft verleihn. treuster schwör Schenk 5. Im streite hilf mir überwinden, Und stärke mich zu meiner pflicht; Bewahre mich vor neuen sünden, Verlaß mich in versuchung nicht; Und dein für mich vergoßnes blut Schenk mir im todeskampfe muth. 6. Und euch, ihr seines leibes glieder, Die Jesu heil, wie mich, erfreut, Euch lieb ich stets als meine brüder, Als erben seiner herrlichkeit. Wir haben einen herrn und gott, Uns speist und tränkt ein wein, ein brod. 4. Halt im gedächtniß Jesum Christ; Er wird einst wiederkommen zu richten, was auf erden ist, Die fünder, und die frommen. Drum sorge, daß du dann bestehst, Und mit ihm in den himmel gehst, Ihm ewiglich zu danken. 5. Mein heiland, den der him7. Wie jetzt in unsres heilands mel preist! Dich will ich ewig lo- namen Sein volk vor ihm verben. O! stärke dazu meinen geist sammelt war, So kommen wir Mit neuer kraft von oben. Dein einst dort zusammen Vor ihm mit abendmahl vermehr in mir Des seiner engelschaar, Und preisen, $ Vom heiligen als sein eigenthum, Dann ewig feines namens ruhm. 8. Hier will ich mich mit euch vereinen, Die ihr ihn ewiglich erhöht. Und wenn wir einst vor ihm erscheinen Im glanze seiner majestät, Dann geh ich im triumph mit euch, Ihr auserwählten, in sein reich. 114 9. So soll denn weder spott noch leiden, Noch ehre, freud und lust der welt, Mich, herr! von jener treue scheiden, Die selbst im tode mich erhält. Du bist und bleibest ewig mein; O! laß mich deiner würdig seyn. Mel. Jefus, meine Zuversicht. 211. Rühme, feele! dein ge sang Triumphire, rühme, finge! Gieb ihm flügel, daß dein dank Bis zum throne gottes dringe! In der engel jauchzend chor Hebe sich dein lied empor! 2. Meine sünden drohten mir Schon mit meinem untergange; Ich erbebte, gott! vor dir, Üm erquickung ward mir bange; Ewigkeit, gesetz und grab Schreckten mich; doch gott vergab! 3. In der feierlichsten nacht Rang fürs fündige geschlechte Jesus Christ, zum fluch gemacht, Daß der richter schonen möchte. Und der feierlichsten nacht Hat der richter, gott, gedacht. 4. Sen getroft! vergeben sind, Wenn du glaubest, deine sünden, Ewig bist du gottes kind, Wer vermag dies zu empfinden? Welche seligkeit und ruh! Gott, wo ist ein gott, wie du? 5. Ich empfing ihr göttlich pfand, Seinen leib für mich gegeben, und sein blut; ich nahms und fand In dem blute heil und leben. Preis der feierlichsten nacht! Ewig werde dein gedacht. 6. Mittler, auserwählter freund, Ursprung aller meiner freuden! Du hast mich mit dir vereint, Nichts soll mich von dir je schei den; Ewig, ewig bist du mein, Ewig, ewig bin ich dein. Abendmahle. 7. Sch, entzückt an deiner bruſt, Will auf deine stimme merken, Hohe himmelvolle luft Flammt mich an zu großen werken. Furcht vor gott und heiligkeit Sey mein schmuck und ehrenkleid. 8. Jch, hier fremdling, strecke mich Nach dem kleinod an dem ziele, Sicher, daß ich bald durch dich Gottes seligkeiten fühle, Da, wo stets dein lob erschallt; Komm, Herr Jesu, komm doch bald! Mel. Wie groß ist des Allmächtgen. 212. Wie nie kann ich sattsam doch erheben, Oheiland! deine lieb und huld? Du schenkst mir heute heil und leben, Befreiest mich von fluch und schuld. Anstatt mit strafen zu erwidern, Was meine schuld verdienet hat, Erfüllst du mich mit himmelsgü tern, Und machst mich ewig reich und satt. 2. Am tische, den du mir berei tet, Beutst du mir gnad um gnade an, Hier wird mein geist auf das geleitet, Was du am kreuz für mich gethan. Den leib, das blut für mich gegeben, Seh ich in die fem brod und wein; Dies stärket mich zum ewgen leben, Dies macht mich von den sünden rein. 3. Ja, es wird meinen glauben stärken An meinen mittler Jesum Christ, Wenn er zu allen guten werken Bereit, rechtschaffen, thätig ist. Doch, daß er dieses in mir werde, Muß ich stets nüchtern seyn und wach; Doch noch, noch häng ich an der erde, Der will ist gut, das fleisch ist schwach. 4. Ach gott! gott! wollen und vollbringen Des guten kömmt allein von dir; O wirke, wie in allen dingen, So jetzo beides auch in mir! Gieb, daß die felge himmelsspeise, Und der genoßne feelentrank Ganz seine kraft an mir beweise, Von nun an und mein lebelang. 5. Pflanz in mir glauben, demuth, liebe, Und was noch ist von tugend mehr, Und heil'ge alle Vom heiligen meine triebe Zu meinem heil und deiner ehr, Daß ich der welt zum nutzen lebe, Dem nächsten diene, wo ich kann, Mich stets der heiligung bestrebe, Und vor dir wandl' auf ebner bahn. 6. Erhalt in mir die sel'ge reue, Die reue, die niemand gereut, Daß ich des sünders wege scheue, Vermeide, was dein wort verbeut; Daß ich im reden, thun und dichten Dir stets beweise meine treu, Und in erfüllung meiner pflichten Stets wirksam und geschäftig sey. Mel. Fren dich sehr, o meine Seele. 213. Seffentlich in der ge meine, Mittler! hab' ich dich bekannt; Ich empfing im brod und weine Deiner liebe göttlich pfand. Feierlich war da mein eid Ewiger beständigkeit; Du, der sich mit mir vereinte, Hast gesehen, wie ichs meinte! 2. O wie ward da deine güte, Menschenfreund, von mir verehrt! Wie empfand da mein gemüthe Mächtig ihren ganzen werth! Als ich dich auf Golgatha Für mich sünder sterben sah, Wie erstaunt ich! wie entzückte Mich die huld, die ich erblickte! Abendmahle. 4. Ja, ich weiß es, ich soll le= ben, und des himmels erbe seyn. Alle schuld ist mir vergeben; Denn dein blut, herr, macht mich rein. Du vertrittst mich im gericht, Gott verurtheilt mich nun nicht, Wenn ich standhaft an dich gläube, Und auf deinen wegen bleibe. 5. Nun ich will dich nicht verlassen, Nicht von deinen wegen gehn, Jede sünde will ich haffen, Und den lüften widerstehn. Mein erretter, ach gieb du Stärk und freudigkeit dazu, Daß ich standhaft an dich gläube, Und auf deinen wegen bleibe! 6. Laß mirs mein gewissen fa gen, Wie so schmerzhaft seine pein, Wie so schwer der sünden plagen, Und der hölle schrecken seyn. Es erinnre mich daran, Wie viel du an mir gethan, Wie umsonst sey deine liebe, Wenn ich dir undantbar bliebe. 3. Laut rief in mir mein gewis sen: Bist du würdig dieser huld? Siehst du ihn sein blut vergießen? Wisse, das macht deine schuld! Schaam und ren erfüllten mich, Glaubensvoll blickt ich auf dich! Sünder, sprachst du, du sollst leben; Alle schuld ist dir vergeben! mahl mir geben. Mel. Durch Adams Fall ist ganz. 214. Durch Adams fall ist erst verderbt Der menschen thun und wesen, Dies gift ist auf uns fortgeerbt. Wir wären nie genesen, Wär' Jesu heil 7. Reine liebe meiner brüder Sey die frucht der dankbarkeit; Sie sind alle deine glieder, Erben deiner seligkeit. Auch der mich jetzt haffet, ist Dein erlöster, Je sus Christ! Dort wird er mich nicht betrüben, Sondern ewig wieder lieben. 115 Von der Vergebung der Sünden und ihren seligen Folgen. 8. Gott, zu dem ich findlich trete, Blicke väterlich auf mich! Höre gnädig, was ich bete, Ganz verlaß ich mich auf dich! Reiche frucht der besserung, Wachsthum in der heiligung, Hoffnung auf das ew'ge leben, Laß dein abendG Nicht unser theil; Denn wie so tiefe wunden! Ach! jeder hat In Evens that Des satans neid empfunden. 2. Seit satan die dahin gebracht, Daß fie frech abgefallen, So herre schet mit tyrann'scher macht Die $ 2 Von der Vergebung der Sünden 116 fünde in uns allen. Uns drückt der tod. In solcher noth Beschloß gott, uns zu geben Den ein'gen sohn Zum gnadenthron, Damit wir möchten leben. 3. Warf uns denn eine fremde schuld In Adam alle nieder, So bringt uns eine fremde huld In Christo alle wieder. Und wie wir all In Adams fall Des ew'gen todes starben, So rettet gott Durch Christi tod, Die sonder ihn verdarben. 4. Gott hat uns seinen sohn geschenkt, Da wir noch feinde waren, Der ist für uns ans treuz gehenkt, Erstanden, aufgefahren. Tod und gericht Trifft uns nun nicht, So wir ihm nur vertrauen. Fest steht dies wort! Wem mag hinfort Noch vor dem tode grauen? 5. Er ist das licht, der weg, die pfort, Die wahrheit und das leben, Des vaters kraft, sein ew'ges wort, Zum heiland uns gegeben. Dem feind zum truß Umgiebt sein schutz Uns alle, die wir glauben. ist der hirt, Die seinen wird Aus seiner hand nichts rauben. Er 6. Der mensch ist gottlos und verflucht, und wird zuletzt zu spotte, Der solchen troft bei menschen sucht, und nicht bei seinem gotte. Denn wer sich will Ein andres ziel Ohn diesen tröster stek ken, Den mag gar bald Des feinds gewalt Und arge list erschrecken. 7. Wer hofft in gott und dem vertraut, Kann nie zu schanden werden. Wohl, wer auf diesen felfen baut! Trifft ihn gleich hier auf erden Viel angst und müh, Hab ich doch nie Den menschen sehen fallen, Der sich nur fest Auf gott verläßt. Gott hilft den seinen allen. 8. Du wollest, herr! von meinem mund Dein heilges wort nicht nehmen, So, weiß ich, läßt dein theurer bund mich fünder nicht beschämen. Der sünden schuld Deckt deine huld; Nur ihr will ich vertrauen. Wer ihr vertraut, Auf sie fest baut, Der wird den tod nicht schauen. 9. Mir zeigt schon jetzt dein heil'ges wort Den himmel aus der ferne; Denn dies licht führt zu Christo fort, Dem hellen morgensterne. Bricht der nun an, So faf set man Alsbald die hohen gaben, Die gottes geist Auch uns verheißt, So wir nur glauben haben. Lebhafte Vorstellung der Recht fertigung eines gläubigen und sich bekehrenden Sünders. Mel. Sesu, meines Lebens Leben.1012 215.Schöpfer aller menschen. aller welt! Sieh hier einen schnö den sünder Ins gericht dir darge stellt, Der in fünden ist geboren, Der dein ebenbild verloren, Der mit lastern sich befleckt, Den der sünden menge schreckt. 2. Dein verletzt gesetz erwecket Deine strafgerechtigkeit. Mein ge wissen drückt und schrecket, Und auch satan steht bereit, Meine seele zu verklagen. Ich weiß nichts darauf zu sagen; Denn ein zeuge giebt sich an, Der gesehn, was ich gethan. 3. Wehe mir, ich muß verderben! Ich seh nichts, als höllenpein. Frecher fünder, du mußt sterben! Wird mein strenges urtheil seyn. Es erzittert meine seele Vor des offnen abgrunds höhle. Wer hilft mir in dieser noth? Wer errettet mich vom tod? 4. Doch, gott lob! die furcht verschwindet, Weil sich mir ein mittler zeigt, Weil sich ein vertreter findet, Vor dem der verkläger schweigt. O beglückte theure stunden! Gottes sohn hat seine wun den Und sein blutig lösegeld Meinem richter dargeſtellt. 5. Richter! siehe meinen bürgen, Sieh sein büßend leiden an. Dieser ließ für mich sich würgen, Dieser hat genug gethan; Er hat dein geseß erfüllet, Er hat deinen zorn gestillet. Herr! ich glaube, steh und ihren seligen Folgen. 117 mir bei, Sprich von straf und ne fehle, Dein harret, vater! schuld mich frei. meine müde seele. Laß troft und ruh, um des verföhners willen, Mein Herz erfüllen. 6. Ach! was hör ich? gnade! gnade! Gnade schallet in mein ohr, Daß sie mich der bürd' entlade, Hebt mich deine hand empor. Gott spricht: fünder, du sollst leben, Deine schuld ist dir vergeben! Sen getrost, mein lieber sohn! Komm zu meinem gnadenthron! 5. Vom abend an bis zu dem frühen morgen Hoff ich auf dich o stille meine sorgen! Du schenkeſt ja beladenen und müden Gern deinen frieden. 6. Ja hoffe nur, mein herz, auf gottes gnade, Noch mächt'ger ist sie, als dein seelenschade. Ihr starker arm wird dich von allem böfen Zuletzt erlösen. 7. Seht, wie sich der abgrund schließet, Seht, wie sich der himmel freut, Da das blut des lammes fließzet, Da mich die gerechtigkeit Des vollkommnen mittlers decet. Wer ist, der mich ferner schrecket? Wer ist, der mich nun verklagt, und mich zu verdammen waat? 8. Nichter! der mich losgesprochen, Vater, der mich zärtlich liebt! Mittler, der, was ich verbrochen Und geraubt, gott wieder giebt! Geist, der mich mit troft erfreuet, Und mein ganzes herz erneuet, Gott der gnaden! dir sey ruhm, Und mein Herz dein eigenthum. 9. Laß mich nun die fünde haffen, Die das herz mit angst beschwert. Laß mich alles unterlassen, Was den neuen frieden stört. Nein'ge täglich mein gewissen, Laß mich eifrig seyn beflissen, Mit verlengnung dieser welt, Das zu thun, was dir gefällt. Mel. Wend ab deinen Zorn. 217. Allein an dir, mein gott! hab ich gesündigt; O! laß die gnade, die dein wort verkündigt, Wenn sünden uns von ganzem Herzen reuen, Auch mich erfreuen. 2. 2. Beschämt erkenn und fühl ich meine fünden. Laß, vater! mich erbarmung vor dir finden Willst du auf schuld und übertretung sehen, Wer wird bestehen? 3. Bei dir allein, herr! steht es zu vergeben. Du willst nicht tödten, nein, wir sollen leben; Uns soll die größe deiner liebe lehren, Dich treu zu ehren. 4. Verzeihe mir, herr! alle meiDein sohn hat ja sich auch für mich gegeben. Laß mich vor dir, um seinetwillen leben. Tilg' aus die laster, welche mich entweihen, Weil sie mich reuen. 3. Erschaff in mir, gott! eine reine seele, Ein neues Herz, das deine wege wähle; Befest'ge es, und stärke mein bestreben, Nur dir zu leben. 4. Verstoß mich nicht von deinem angesichte, Gieb deinen geiſt, daß er mich unterrichte. Gieb ihn, daß er auf deiner wahrheit wege Mel. Wend ab deinen Zorit. 216. Aus dunkler tiefe, herr! Mich leiten möge. mit schwerem herzen Ruf ich zu dir in meinen fündenschmerzen. O mache mich, gott! meines kummers ledig, Und sey mir gnädig. 5. Erquicke mich in meiner feele leiden Mit deiner hülfe; gieb den geist der freuden, Damit er, weil ich keine kraft befizze, Mich unterstütze. 6. Mit neuer treue will ich dich verehren, Ich will die fünder deine wege lehren; Mein beiſpiel soll sie reizen, deinen willen Gern zu erfüllen. 7. O höre, gott! erbarmend auf mein flehen! Wie solltest du ein reuend herz verschmähen? Ein herz, das dich in glauben ernstlich suchet, Der fünde fluchet. 8. Ein herz voll kummers, dich 118 Von der Vergebung der Sünden erzürnt zu haben, Das liebst du, das willst du mit trøste laben. Du wirst die seelen, die nach gnade schmachten, Gott! nicht verachten. Dankbare Empfindung über die Vergebung der Sünden. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 218. Jthe Sehnsuchtsvoll, mein gemümein gott! zu dir; Denn ich kenne deine güte, O wie theuer ist sie mir! Gott der liebe und des lebens! Keiner harrt auf dich vergebens. Nur verächter deiner huld Stürzet ihre eigne schuld. 2. Lehre mich, herr! deine wege, Deinen willen zeige mir, Daß ich nicht verirren möge, Führe du mich selbst zu dir. Gott! du sie hest mein vertrauen, Sicher kann ich auf dich bauen. Deine vater: liebe ist Ewig, wie du selber bist. 3. Ach! gedenke an die sünden Meiner jugendjahre nicht, Laß mich armen gnade finden, Gott! vor deinem angesicht. Alle sünden, die mich reuen, Willst du, vater! ja verzeihen. O! so höre denn auch mich; Meine seele hofft auf dich. 4. Gott! du willst des sünders leben, Seine seele ist dir werth. Gnädig willst du ihm vergeben, Wenn er sich zu dir bekehrt. Mitten auf dem fündenwege Machst du sein gewissen rege. Wohl dem, der zu seiner pflicht Umkehrt! den verwirfst du nicht. 5. Du erquickest die elenden, Deren herz sich dir ergiebt, Die fich flehend zu dir wenden, Ueber ihre schuld betrübt. Freude schenfet deine gute Dem geängsteten gemüthe, Welchem du die fündenlast Liebreich abgenommen hast. 6. Herr! zu was für seligkeiten Du, in jener beffern welt, Jeden frommen noch willst leiten, Der dir treu und glauben hält, Offenbar du allen seelen Die zu ihrem theil dich wählen; Deinen ganzen gnadenbund Machst du deinen kindern fund. 7. Dir will ich mich ganz erge ben; Gott, mein gott! verlaß mich nicht. Laß mich immer heilig leben, Herr, vor deinem angesicht. Keine schnöde luft der fünden Müsse mich mehr überwinden. Ach! bewahr, ich bitte dich, Meinen geist und stärke mich. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 219. Wie felig, gott! wie ist Der dem du gnädig bist, Den todesfurcht nicht schrecket! Dem, weil ihn seine schuld betrübt, Dein herz die missethat vergiebt, Den dein erbarmen decket! 2. Wer seine sünden dir verhehlt, Deß feele wird mit angst gequält Vom strafenden gewissen. Die angst verzehret seine kraft, Der trost, den deine gnade schafft, Wird ihm dadurch entriffen. 3. Darum, mein gott! bekenn' ich dir, Was deine huld entfernt von mir, Die mir bewußten fünden. Dann, dann, mein gott! verzeihest du Und läßt die müde seele ruh In deinem frieden finden. 4. Die frommen werden deine huld, Und deine schonende geduld, O vater! ewig loben, Du bleibest ihre zuversicht; Die fluth, die aus den ufern bricht, Mag noch so mächtig toben. 5. Mein schirm bist du; zu dir flieh ich, Wenn drohende gefahren mich Mit schrecken überfallen. Da machst dich mir in der gefahr Als mein erretter offenbar Und läßt mich sicher wallen. 6. Ich zeige, sprichst du selbſt zu mir, Den rechten weg zum heile dir, Dich soll mein auge leiten. Darum, mein herz! verachte nicht Des ew'gen vaters unterricht, Er führt zu seligkeiten. 7. Wer nicht von gott die weißheit lernt, Der ist verblendet und entfernt Sich von den wahren freuden. Wer aber sich auf gott verläßt, Hält ewig seine gnade feft, Auch in den schwersten leiden. 119 und ihren seligen Folgen. 8. Stimmt gottes lob, ihr Friede und Ruhe in Gott. frommen, an! Euch wird des höchsten gut umfahn. Von allen Mel. Wer nur den lieben Gott. feinen knechten Bleibt gott der 221. Gott! deine guad ist uns fer leben, Sie die ihre sünden nicht; Frohlockt ihm, uns heil und seelenruh. Dein iſts, ihr gerechten! die sünden zu vergeben, Und wil lig ist dein Herz dazu. Du willst den tod des sünders nicht, Sucht Mel. Christus, der uns selig macht. 220. Gott, mein vater! ich er voll reu dein angeſicht. dein kind, Falle vor dir nieder. Siehe, was mein herz empfind't, Und erbarm dich wieder. Groß ist meine sündenschuld, Die mich innigst reuet; Größer deine vaterhuld, Die mich noch erfreuet. 2. Zwar ich bins nicht werth, zu dir Kindlich aufzusehen; Doch du bleibst ein vater mir, Du vernimmst mein flehen, Kennst mein herz, ermunterst mich, Es vor dir zu stillen. Du erhörst mich väterlich Noch um Christi willen. 3. Du bist meine zuversicht; Außer dir ists keiner. Dein ge schöpf verwirfst du nicht; Gott! dich jammert seiner. Der du deinen sohn für mich In den tod gegeben! Sein erlöster bin auch ich, Theur erkauft zum leben. 4. Dies, dies soll in jedem schmerz Mein vertraun erwecken; Vor der fünde soll mein herz, Nicht vor dir erschrecken. Trauen will ich, vater! dir, Stets die sünde haffen, Nie vergessen, daß du mir So viel schuld erlassen. 5. Preis sey dem allgütigen, Der mein seufzen kennet! Der dem gnadesuchenden Freien zutritt gonnet! Sing' es, seele, vor dem herrn, Fleuß von freuden über! Gott, dein gott, verstößt nicht gern, Er begnadigt lieber. 6. Ewig bist du so gesinnt, Schöpfer meiner feele! Ach, wenn dh, dein strauchelnd kind, Noch aus schwachheit fehle, So gedenkst du, der du weißt, Daß mein herz dich ehret, Ich sey staub, und du verzeihst Dem, der wiederfehret. 2. Uns, uns verlorne zu erretten, Gabst du für uns selbst deinen sohn. Er litt, auf daß wir friede hätten, Für uns den tod, der fünde lohn. O gott, wie hast du uns geliebt! Welch ein erbarmen ausgeübt! 3. Dant, ewig dank sey deiner treue, Die niemand gnug erheben kann! Nun nimmst du jede wahre reue Mit vaterhuld noch gnädig an. Wohl dem, der sich zu dir bekehrt und gläubig seinen mittler ehrt. 4. Den, herr! befreist du von den plagen, Die dem gewissen furchtbar sind; Der kann getrost und freudig sagen: Gott ist für mich; ich bin sein kind, hier ist der, welcher für mich Litt Und mich noch jetzt bei gott vertritt. 5. O herr, wie selig ist die seele, Die sich in deiner gnade freut! Ob auch ein irdisch glück ihr fehle, Fehlt ihr doch nicht zu friedenheit. Und, gott! dein fried ist weit mehr werth, Als alles, was die welt gewährt. 6. Dein friede stärkt zum frohen muthe Das Herz auch in der größten noth, Giebt hoffnung zu dem ew'gen gute, und macht getrost selbst in dem tød. Wer diesen frieden hat, genießt Lust, die des Himmels anfang ist. 7. Laß, vater! denn in diesem frieden Auch meine seele freudig ruhn. Auch mir hast du dies glück beschieden; Denn auch für mich genug zu thun, Ward sterbend der am kreuz ein fluch, Der aller menschen fünde trug. 8. D! laß mich dies im glauben fassen und mich mit starker zuver Von der Vergebung der Sünden 120 sicht Auf deine bundestreu verlassen; Wenn alles wankt, so wankt sie nicht. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! Sein heil steht unbeweglich fest. 9. Lobsingend will ich dich erheben, Mich ewig deiner gnade freun, Und deinem dienst mein ganzes leben In kindlichem gehorsam weihn. Daß, herr! bei dir vergebung sey, Das mach' in deiner furcht mich treu. wünschter lohn des krieges! Der du für mich den tod gefchmeckt! Durch deinen schild werd ich bedeckt; Was kann mir denn nun schaden? 3. D herr! du bist mein ganzer ruhm, Mein trost in diesem leben, In jener welt mein eigenthum; Dich hast du mir gegeben. Von fern glänzt mir mein kleinod zu, Drum eile ich ihm freudig zu; Du reichst mir meine krone. Hoffnung der Seligkeit. Mel. Kommt her zu mir, spricht. chhoff, o gott, mit 4. Herr! lenfe meines geistes blick Von dieser welt getümmel Auf dich, auf meiner feele glück, Auf ewigkeit und himmel. Die welt mit ihrer herrlichkeit Ver222. Auf geht und nur kurze zeit; deine gnad' und Christi blut, Ich hoff ein ewig leben. Du bist ein vater, der verzeiht, Hast mir das recht zur seligkeit Durch deinen sohn gegeben. 2. Herr! welch ein unaussprechlich heil, An dir, an deiner gnade theil, Theil an dem himmel haben, Im Herzen durch den glauben rein, Dich lieben, und versichert seyn Von deines geistes gaben! Ach, himmlisch sey mein wandel! 5. Jeßt, da mich dieser leib be schwert, Ist mir noch nicht erschienen, Was jene beßre welt gewährt, Wo wir gott heilig dienen. Dann, wenn mein auge nicht mehr weint, Und mein erlösungstag erscheint, Dann werd ichs froh empfinden. 6. Im dunkeln seh ich hier mein heil, Dort ist mir alles heiter. Hier ist die fünde noch mein theil, Dort ist sie es nicht weiter. Hier ist mein werth mir noch verhüllt, Dort wird er sichtbar, wenn dein bild, Gott! mich vollkommen schmücket. 3. Dein wort, das wort der feligkeit, Wirkt göttliche zufriedenheit, Wenn wir es treu bewahren, Es spricht uns troft im leiden zu, Verfüßet uns des lebens ruh, Und stärkt uns in gefahren. 4. Erhalte mir, o herr, mein hort, Den glauben an dein göttlich wort, um deines namens wil len. Laß ihn mein licht auf erden seyn, Ihn täglich mehr mein herz erneun, Und mich mit trost erfüllen. 7. Zu diesem glück bin ich er= kauft, herr! durch deine leiden, Auf deinen tod bin ich getauft Wer will mich von dir scheiden? Du zeichnest mich in deine hand; Herr! du bist mir, ich dir bekannt, Mein sind des himmels freuden. 8. Wie groß ist meine herrlichkeit! Empfinde sie, o seele! Vom 223. Mel. Ach Gott, vom Himmel sieh. ch glaub sich hält. Kein feind soll mir ihn rauben. Als bürger einer bessern welt Leb' ich hier nur im glauben. Dort schau ich, was ich hier geglaubt; Wer ist, der mir mein erbtheil raubt? Es ruht in Jesu händen. 2. Mein leben ist ein kurzer Mel. Wer nur den lieben Gott. ſtreit, Eang iſt der tag des fieges. 224 ie theur, o gott! ift kämpfe für die deine Die alle gott, o feele! Der erde glänzend nichts vergeht, Nur des gerechten ruhm besteht Durch alle ewigkeiten. Heiligung des Lebens, eine Frucht der Rechtfertigung. und ihren seligen Folgen.no missethat vergiebt, So bald ein reuendes gemüthe Die sünden, die es sonst geliebt, Erkennt, verdammt und ernstlich haßt, Und zuversicht zum mittler faßt! 2. O! laß mich ja nicht sicher werden, Weil du so reich an gnade bist. Wie kurz ist meine zeit auf erden, Die mir zum heil gegebne frist! Gieb, daß sie mir recht wichtig sey, Daß ich sie meiner beßrung weih. 3. 3war deine gnade zu verdienen, Sind reu und beßrung viel zu klein. Doch darf sich auch ein mensch erkühnen, zu glauben, dir versöhnt zu seyn, Wenn er noch liebt, was dir mißfällt, Und nicht dein wort von herzen hält? auf sein verdienst fich steift, Doch in der fünde noch beharrt, Dafür er selbst ein opfer ward. 5. Drum fall ich dir, mein gott! zu füßen; Vergieb mir gnädig meine schuld, Und heile mein verwund't gewissen Mit troſt an deiner vaterhuld. Ich will mit ernst die fünde scheun, Und willig dir gehorsam seyn. 6. Daß mit gerechtigkeit auch stärke Durch Christum mir ge= schenket sey, Will ich durch übung guter werke Beweisen; mache selbst mich treu, Herr! in der liebe gegen dich, Sie dringe stets und leite mich! 121 7. Laß mich zu deiner ehre leben, Der du die missethat vergiebst! 4. Nie kannst du dem die schuld Das hassen, was du mir vergeben, erlaffen, Der frevelnd schuld auf Das lieben, was du selber liebst. schulden häuft. Der kann kein Laß, vater! mein gewissen rein, herz zu Jesu faffen, Der zwar Und heilig meinen wandel seyn. hast mich an das licht gebracht, Du sorgest für mein leben; Du kennest meiner tage zahl, Weißt, wann aus diesem jammerthal Mein geist sich soll erheben; Wo, wie und wann ich sterben soll, Das weißt du, herr des lebens! wohl. 2. Vom Tode. Mel. Ewigkeit, du Donnerwort. Doch schweigen meine fünden nicht, 225. Ich bin ja, herr! in Sie fordern mich vor das gericht. Du 4. Ich höre der posaune ton, Ich höre meinen richter schon Das endurtheil mir sprechen! Ich seh vor seinem angesicht, Ich sehe in dem hellsten licht Die reihe der verbrechen, Die ich in dieser welt gethan; Wer ists, der mich nun retten kann? Wer wird in meiner letzten pein Mich fünder trösten, mich erfreun, Mir muth und hoffnung geben? Wer nimmt sich meiner ſeele an, Wenn ich von dem, was ich gethan, Gott rechenschaft soll geben? Wer ist, der alsdann für mich spricht, Thust du es, o mein heiland, nicht? 3. Mich dünkt, da lieg ich schon; ich seh, Daß ich am finstern grabe ſteh, Mit todesangst umgeben; Der augen licht verdunkelt sich, Des grabes nacht umhüllet mich, Ein fraum ist nun mein leben! and mun 5. Kein geld und gut befreiet mich; Und weint ich noch so bitterlich, Kann mich doch nichts erlös sen. Nein, jeder will alsdann empfahn Nach dem, was er allhier gethan, Nichts schüßt alsdann die bösen. Hier ist gott zum verzeihn bereit, Dann übet er gerechtigkeit. 6. Wie soll ich denn, o gott! be= stehn, Wenn du in das gericht willst gehn, Und nach verdienst mir lohnest? Wie kann ich deiner rach entfliehn Und deiner strafe mich entziehn, Wenn du nicht immer schonest? Ach, vater! geh nicht ins Vom gericht, Verwirf mich armen sünder nicht. 7. Voll reu und buße such' ich dich, Errette, gott! bekehre mich, Und tilge meine sünden. Dir weih' ich meine lebenszeit, Dein dienst sey meine seligkeit. Ach laß mich gnade finden! Gieb, daß ich meiner pflicht getreu, Zum tode stets bereitet sey. 122 226. Memein geiſt erfreut, Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. heiland! wenn Tode. Und schlummert in dem staube. Doch der, der mich zum grabe-rust, Der ruft mich einst auch aus der gruft, Ich weiß, an wen ich glanbe. Er lebet, und ich werd' durch ihn Der grabesnacht gewiß entfliehn, Mein geist und mein ver. klärt gebein Wird sich des Herrn, des mittlers, freun. Herr Jesu Christ, Mein herr und gott!;;: Zum leben machst du mir den tod. 5. Du bleibest meine zuversicht, Mein troft, wenn du zum weltge richt Mit majestät wirst kommen. Da werd ich nach des grabes graun Dich, wie du bist, herr Jesu! schaun, Der sterblichkeit entnommen. Auch mir schenkst du dann jenes heil, Der auserwählten sel'ges theil. Ich soll, dein mund schwur es mir zu, Ich soll lebendig seyn, wie du. Herr Jesu Christ, Mein herr und gott! Stärk diesen glauben einst im tød. Im glauben auf die herrlichkeit Des ew'gen erbtheils blicket, Das du für mich bereitet hast, Wie leicht dünkt mir dann alle laft, Die mich hienieden drücket! Dann wird der eitelkeiten tand In mei nen augen schlecht als fand; Der erde pracht ist mir wie nichts Beim anblick jenes ew'gen lichts. Herr Jesu Christ, Mein herr und gott!:,: Das heil verdank ich deinem tod. in enn einst auf deinen wink 227. Hvert und gott, Der Mel. Vater unser im Himmelreich. Christ, mein du erlittest angst und spott, Für mich den tod des kreuzes starbst! Und mir des vaters huld erwarbst! Ich bitte durch das leiden dein, Du wollst mir fünder gnädig seyn. mein geist Des körpers banden sich entreißt, Dann stärk ihn aus der höhe, Daß ich, durch deinen mächt'gen stab Beschüßt, ins todesthal hinab Getroit und freudig gehe. Die klarheit jener bessern welt Schaff', wenn mich dunkelheit befällt, In meinem finstern herzen licht, und heiterkeit im angesicht. Dann, Jesu Christ, Mein herr und gott!: Dann wird ein schlummer mir der tod. 2. Wenn ich nun komm in sterbensnoth Und ringen werde mit dem tod, Wenn mir vergehet mein gesicht, Und meine öhren hören nicht, Wenn meine zunge nicht mehr spricht, Und mir vor angst das herze bricht; 3. 3. Und wenn mein geist aus schüchternheit Sich dennoch vor dem tode scheut, Weil ihn die sünden kränken, Dann laß mich, herr, auf deinen tod Die hoffnung baun, es werde gott Der sünden nicht gedenken. Der trost, den du auch mir erwarbst, Als du zum heil der fünder starbst Und fühltest, wie dich gott verließ, Der mache mir das sterben süß. Jesu Christ, Mein Herr und gott!:,: Verlaß mich nicht in meinem tod. Wenn mein verstand im dunklen irrt, Und menschenhülfe kraftlos wird: So steh im letzten angstgeschrei Mir, Herr! mit deiner hülfe bei. Verkürze mir des todes quaal, Und führ mich aus dem jammerthal. 4. Laß deinen geist stets bei mir seyn, Und seinen trost mein herz erfreun, Bis sich die feel' vom leibe trennt; Dann nimm sie, herr, in deine händ'! Der leib ruh in der finstern gruft, Bis einst dein großer tag ihn ruft. 5. Dann laß ihn fröhlich auf 4. Auf kurze zeit schließt sich zur ruh Mein thränenvolles auge zu, Vom erstehn, und mich dein gnädig antlig sehn. Gedenke nicht mehr meiner schuld, Gedenk an deine lieb und huld. Das leben( herr! ich traue dir,) Verheißt dein eignes wort selbst mir. 6. Fürwahr, fürwahr, euch sage ich, Wer mein wort hält, und gläubt an mich, Der wird nicht kommen ins gericht Und den tod ewig schmecken nicht, und ob er schon hier zeitlich stirbt, Mit nich. ten er darum verdirbt. Tode. 4. Nimm ihn hin zu deinem staube, Grab! verwandle ihn in erd. Dennoch triumphirt mein glaube; Denn mein leib wird einst verklärt. Des verwesten körpers trümmer Bleiben wahrlich nicht auf immer Der vermodrung schnöder raub; Neu beseelt wird einst mein staub. 7. Vielmehr will ich mit starker hand Das grab zerbrechen, das ihn band, Ihn zu mir nehmen in mein reich; Hier herrscht er dann mit mir zugleich Durch eine frohe ewigkeit. Dazu, o herr! mach uns bereit. 8. Vergieb uns unsrer fünden schuld, Schenk uns zum kampf muth und geduld, Mach' unsern glauben stark und fest, Wenn uns die ganze welt verläßt; Und bricht des todes schlaf herein, So laß ihn sanft und selig seyn. 5. Durch dein schöpfrisch wort: es werde! Rufft du, herr! in mein gebein Neues leben; nicht mehr erde Wird alsdann mein törper seyn. Zu den himmlischen geschäften Schmückst du ihn mit neuen kräften, Und von schwäch und sterblichkeit Wird er ewig dann befreit. 6. Hör', o seele! einst mit freuden Jenen ruf; das grab ist da! Denn das ende deiner leiden Ift Der, mit ihm zugleich dir nah. der deinen tod bezwungen, Hat Durch das leben dir errungen, den weg der sterblichkeit Führt er dich zur ewigkeit. 7. Stärke mich auf diese stunde, Jesu! der du für mich starbst Und an gottes gnadenbunde Ewig antheil mir erwarbst. Laß mich tod 228. Noch bin ich dein gast, und grab nicht scheuen, Laß viel Mel. Alle Menschen müssen sterben. o'erde! Gott mehrt meiner tage zahl, Daß ich reif zum himmel werde, Prüft er mich; läßt mir die wahl, Böses oder guts zu wählen. Doch werd ich mehr mich darauf freuen. Denn nach treu vollbrachtem lauf Nimmst du mich zum himmel auf. viel jahre zählen? Oder ruft ein naher tod Mich zu banger sterbensnoth? 2. Herr, du weißts! du haft die tage Meines Lebenslaufs gezählt. Ihre freuden, ihre plage Sah dein auge, das nie fehlt, Früher noch, als du auf erden mich ließ'st einen fremdling werden, Da schon schriebst du meinen tod Auf dein buch, o weiser gott! 123 3. Einst, wenn es dein wille fodert, Wird mein reger leib zu staub, Und das feu'r, das in mir lodert, Wird des kalten grabes raub. So wie frühlingsblumen welken, Wird mein leben auch verwelken, Kraft und othem nehmen ab, und den leichnam nimmt das grab. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 229. Selig, gott! find die, nun Schon friedenvollen grabe Von des leibes arbeit ruhn, Und sich deiner größten gabe, Eines ew'gen le bens, freun. Möchten wir es auch schon seyn! 2. Doch du willsts, wir leben noch Mühsam hier in pilgerhütten. Alle trugen einst dies joch, Die des lebens fron' erstritten. Endlich aber führt der tod Uns auch hin zu dir, o gott! 3. Jesus selber lebte hier Vormals auch in pilgerhütten, Noch unendlich mehr, als wir, Hat er auf der erd erlitten. Laßt uns gläubig auf ihn fehn, Und durch ihn im kampf bestehn. Vom Tode. 4. Was ist diese lebenszeit? Ach! leben, Ist gott in uns, wir sind nur eine kurze stunde Gegen jene in gott, Mit licht und klarheit ewigkeit. Gleichwol kömmt auf schon umgeben; Die welt ist uns, dieſe stunde, Die gott noch verkür- wir ihr ein spott, Bis wir verzen kann, Unser ew'ges schicksal an. wechseln diese welt Mit dem er 5. Gieb uns weisheit, herr! und wünschten himmelszelt. ds kraft, Dieſe stunde wohl zu nützen; E Und beim schluß der wanderschaft Wollest du uns unterstüßen, Daß Bei Begräbnissen. Roland Mel. Nun laßt uns den Leib begraben. wir freudig auf dich sehn Und 231. Begrabt den leib in zum Bis 124 6. Daß wir dein sind, nicht der welt, Daß du uns wirst auferwecken; Diese fraft der beffern welt Laß uns, wenn wir sterben, schmekken; Flöß uns muth und ruhe ein, Selbst im tode froh zu seyn. 7. Wenn wir, um einst auch zu ruhn, Zu den todten gottes gehen, Wollst du mehr noch an uns thun, Als wir bitten und verstehen. Auch für unsre todesnacht Riefst du einst: es ist vollbracht! Mel. Wer nur den lieben Gott. 230. ch sterbe täglich! hier auf erden Soll die ses meine losung seyn; Bis ich werd aufgelöfet werden Von dieses leibes tod und pein, So mei nen geist hier stets befriegt, Der doch in Jesu obgefiegt. 2. Ich sterbe täglich ab der sünden, Mein geift dringt stets zum himmel zu. Der leib muß zwar auch viel empfinden, Doch schmeckt die feele himmelsruh. Denn alle leiden dieser zeit Sind nicht werth jener herrlichkeit. 3. Ich sterbe täglich; meine tage Kürzt jeder augenblick nun ab. Bald fällt die hütte, die ich trage, Und sinkt dahin in staub und grab. Mein leben fähret schnell dahin; des richters stimme ruft! Wir fäen ihn, einft blüht er auf, Und steigt verklärt zu gott hinauf. 2. Aus staube schuf ihn einst der herr! Er war schon staub und wird nun mehr; Er liegt, er schläft, verwest, erwacht Dereinst aus dieser todesnacht. 3. Des frommen seele lebt bei gott, Der sie aus aller ihrer noth, Aus aller ihrer missethat, Durch seinen sohn erlöfet hat. 4. Hier hat ihn trübsal oft ge= drückt, Nun wird er, gott! von dir erquickt, Hier wandelt' er im finstern thal; Nun ist er frei von schmerz und quaal. 5. Gott blieb er treu bis an sein grab, Nun wischt gott seine thränen ab. Was sind die leiden dieser zeit, Gott, gegen deine herrlichkeit! 6. Nun, du erlöster, schlaf in ruh! Wir gehn nach unsern hütten zu, Und machen zu der ewigkeit Mit freud und zittern uns bereit. 7. Ach, Jesu Christ! dein bittrer tod Stärk uns in unfrer letzten Und freudig unser ende seyn! noth. Laß unsre ganze seele dein, Beim Tode und Begräbniß eines Kindes. Mel. Wer nur den lieben Gott. Wer weiß, ob ich hier morgen bin. 232. Gott lob! mein lauf eilt früh zum ende, 4. Ich sterbe täglich, und bestelle Mein haus, und was mir gott geschenkt. Gefeßt, daß mich der tod jetzt fälle; So habe ich nichts, was mich fränkt. Gott! deiner gnad empfehl ich mich, Und darauf leb' und sterbe ich. Und auch mein leid und ungemach! Durch seine liebevollen hände Zieht mich mein seelenfreund ihm nach; Hier ist mir heil von ihm geschehn, Dort werd ich ihn, den schönsten, sehn. 5. Wenn als die sterbenden wir 2. Ihr meinen! hemmet schmerz Vom Tode. und grämen, Seyd, wie es chri- tage? Ein schatten, nebel, rauch sten ziemt, betrübt! Gott kann und dampf. Was sind sie? voll das seine wieder nehmen, Wenn, von angst und plage; Noth folgt wo und wie es ihm beliebt. Ich auf noth, kampf folgt auf kampf. war ja nur von gottes hand Ein Man klagt, man weint, man sorgt, euch geliehnes liebes pfand. man wacht, Bis daß der tod ein ende macht. 8. 3. Daß ich die welt und euch verlaffe, Geschiehet nicht von ohngefähr, Und daß ich schon so früh erblaffe, Kömmt von des schöpfers weisheit her; Gott ists, der unser ziel bestimmt, und alt' und junge zu sich nimmt. Die taufe schenkte mir den glauben, und durch den glauben alles heil; Wer will mir nun die krone rauben? Der himmel iſt mein loos und theil. Ich schlaf im wahren glauben ein; Wer gläubig stirbt, wird selig seyn! 9. Dort bin ich frei von allen leiden, Und vor der welt in sicherheit; Dort schmeck ich nichts als frohe freuden, Im himmel ist kein leid und streit; Dort bin ich schön, geehrt und reich, Ja selbst den engeln gottes gleich. 10. Ihr meinen! lebt und bleibt im segen, Kein schweres unglück rühr euch an. Geht freudig auf der tugend wegen, Liebt gott, sein wort, liebt jedermann, Flicht welt, Bleibt 4. Der gott, der unsre tage zäh let, Hat diesen tag von ewigkeit Zu meinem sterbetag erwählet; Ich sterbe zu der rechten zeit. Denn wenn gott spricht: es ist genung! Stirbt auch der jüngste nicht zu jung. 5. Gott, der sich selbst die liebe nennet, Thut alles liebreich, was er thut, Auch da, wenn er die Herzen trennet, Meint es sein vaterherze gut. Was gott thut, das ist wohlgethan; wohl dem, der es 6. Die schrift bezeugts, daß je dem kinde Die bosheit schon im herzen steckt; Drum ruft mich gott, daß nicht die sünde Mein sündlichs herz noch mehr befleckt; Ja, durch der fünden sold, den tod, Befreit er mich von sünd und noth. 7. Was sind der menschen lebens125 Jesu, bis ihr sterbt, getreu.m 11. Betrachtet, freunde, statt der leiche, Die euer herz in unruh seßt, Den geist, der sich im frendenreiche An vater, sohn und geist ergößt. Glaubt christlich, daß ich selig bin, So werden schmerz und zähren fliehn. Von der Auferstehung der Todten. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. was ist so fürchterlich Als die dung gar verließe, und ich nichts, wie vormals hieße? 233. Gott! ich weiß es, meine zeit, in welcher mich Die empfinglieder Sinken einst im staub dahin, Krankheit, schmerz und grab der brüder Zeugen, daß ich sterblich bin. Das gemeine loos, der tod, Ist mir fünder auch gedroht. Diese hütte wird zerstöret, Von verwesung bald verzehret. 2. Schlösse nun des leibes sterben Auch der seele tod mit ein; Ach! so würde solch verderben In dem tøde schrecklich seyn. Denn, 3. Nein, der geist wird nicht vergehen, Nur der leib erfährt den tod. Gottes zeugniß muß bestehen: Mensch, dein geist kehrt einst zu gott, Geht in eine andre welt, Wenn des leibes bau zerfällt, lebt und denkt in jenem stande, Frei von seines Leibes bande. 4. Jesus predigt diese lehren Von der Auferstehung der Todten. Sterbend noch dem schächer ein. jenes mich verachten, Und nach Heute,( läßt der herr sich hören) dieser ernstlich trachten. Wirst du in dem himmel seyn. 11. Jesu letzte rede heißt: Treuer vater! meinen geift Uebergeb ich dir am ende In die obhut deiner hände. Lehre mich in diesem leben, Wie ich nach dem ew'gen wohl Hier mit allem eifer streben, Mich dazu bereiten soll. Hilf, wenn dieser ban zerfällt, Daß mein geist in jener welt, Und der leib, erweckt vom grabe, Ewig dich und Jefum habe. 126 5. Welch ein reicher schaß von gaben, Die des menschen geist befigt! Sollt er sie nur dazu haben, Daß er sie auf erden müßt? D! so hat er schon zu viel Für dies kurze lebensziel, Wenig zeit hier zu maaß von kräften. 6. In mir wohnet ein verlangen, Auf unsterblichkeit gericht't. Güter, die auf erden prangen, Sättigen die seele nicht. Den trieb hab ich von natur, Und das führt mich auf die spur: Der ihn gab, wird ihn erfüllen, Und des geiftes sehnsucht stillen. 7. Ja, gewiß zu ewigkeiten Ist der geist in mir gemacht, und gleich nach des leibes zeiten Seligkeit ihm zugedacht. Nimmer, nimmer kanns geschehn, Daß die seelen untergehn; Was mir gott so fest versprochen, Das wird ewig nicht gebrochen. 8. Auch mein leib wird aus dem ftaube Geistlich und unsterblich gehn. Jesus lebt; ich weiß und glaube, Mich erweckt sein aufer= stehn. Mächt'ger trost! nun, nun kommt mir Tod und gruft nicht schrecklich für. Ruhet nur, ihr meine glieder; Der erstandne ruft euch wieder. 9. Unverweslich, frei von leiden, Im verklärten lichte rein, Wird mein leib in ewgen freuden, Herrlich bei dem mittler seyn. Gott! wie beugt sich meine schuld Dankbar gnug für deine huld, Daß du, herr! mein ganzes wesen Zu der ewigkeit erlesen! 10. Welch ein überfluß der güte, Wonne, die kein ende nimmt, Hast du, dies rührt mein gemüthe, Ewiger für mich bestimmt! Gleichet auch ein gut der zeit Der verheißnen herrlichkeit? Gott! laß Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden. 234. Mein heiland lebt! er todes ganz bezwungen, Und siegreich aus des grabes nacht Zu gott sich aufgeschwungen. Er ist mein haupt; sein sieg ist mein. Sein soll mein ganzes leben seyn, Und ihm will ich auch sterben. 2. Nicht ewig wird, wer dein wort hält, Den tod, o Jeſu! schauen. Das ists, was mich zufrieden stellt, Selbst bei der gräber granen. Ich bin getrost und unverzagt, Weil du den deinen zuge= fagt, Ich leb, und ihr sollt leben. 3. Wird gleich mein leib des grabes raub, Er wird doch wieder leben, und einst aus der verwesung staub Sich neugebild't erheben, Wenn du, o großer lebensfürst! Nun deinen todten rufen wirst, Zum leben aufzuwachen. 4. Wie froh und herrlich werd ich dann Vor dir, mein heiland, stehen! Dann nimmst du mich mit ehren an, Läßt in dein reich mich gehen. Forthin von keiner last beschwert, An leib und feele ganz verklärt, Leb ich bei dir dann ewig. 5. welch ein seligs theil ist mir In jener welt bereitet! Der Von freuden fülle ist bei dir. dir, o herr, geleitet, Werd ich in deinem himmelreich, Unsterblich, deinen engeln gleich, Vollkommne luft genießen. 6. Denn wo du bist, da sollen die, Die dir hier folgen, leben, und ewig frei von schmerz und müh, Von feligen umgeben, Genießen deiner Herrlichkeit. O was sind leiden dieser zeit, Herr! gegen jene freuden? Von der Auferstehung der Todten. 7. Laß die zukünft'ge herrlichkeit Mir stets vor augen schweben, und 236. Send mein heiland, iſt Mel. Jesus, meine 3nversicht. esus, oft in dieser prüfungszeit Mein herz dahin erheben, Wo keine schwachheit uns mehr drückt, Wo wir, der sterblichkeit entrückt, Frohlockend vor dir wandeln. im leben! Dieses weiß ich; sollt ich nicht Auch zu sterben mich ergeben, Was die lange todesnacht Mir auch für gedanken macht? 8. Erwecke mich dadurch zum fleiß, Der tugend nachzustreben, Und als dein jünger, dir zum preis, Nach deinem wort zu leben. Und fühl ich hier noch noth und schmerz, So tröste selbst damit mein herz: Es kömmt ein beßres leben. 127 2. Jesus, mein erlöser, lebt; Ich werd auch das leben schauen, Seyn, wo mein erlöser lebt, Warum sollte mir denn grauen? Er ist der gemeine haupt, Und sein glied, wer an ihn glaubt. 3. Mel. Machs mit mir, Gott, nach. err, du bist meine zuIch bin durch der hoffnung band Zu genau mit ihm verbun den; Er hält mich bei meiner hand In den dunkeln todesstunden, Er 235. ich Und werd auch leben. Du wirst mir, was dein wort verspricht, Unsterblichkeit einst geben. Dein jünger kömmt nicht ins gericht. Dies stärket meine zuversicht. 2. Hier geh ich oftmals weinend hin, Den saamen auszustreuen, Dort wird der herrlichste gewinn Der ernte mich erfreuen. Ich leide und verzage nicht; Denn du bist meine zuversicht. 3. Hier trag ich deine sanfte last; Wie groß ist meine würde! Jedoch die welt, die sie nicht faßt, Nennts fälschlich schwere bürde. Einst trifft den spötter dein gericht, und dann siegt meine zuversicht. 4. Sink immerhin, mein leib, in staub! Gott wird dich neu beleben. Hier werd ich nur des todes raub, Dort werd ich ewig leben. Wie stark ist dieses trosts gewicht! Wie sicher meine zuversicht! 5. Herr! diesen segen dank ich dir, Mich aus der gruft zu heben, Gingst du aus deinem grab herfür, Du lebst, und ich soll leben. Ich glaub es dir und zweifle nicht; Dein wort ist meine zuversicht. 6. In diesem glauben stärke mich. Laß mich den troft empfinden, Den großen trost, daß ich durch dich Den tod kann überwinden. Grab und verwesung schreckt mich nicht; Denn du bleibst meine zuversicht. nimmt mich zu ehren an. 4. Ich bin fleisch und muß daher Auch einmal zu staube werden. Dieses weiß ich; doch wird er Mich erwecken aus der erden, Daß ich in der herrlichkeit Bei ihm sey in ewigkeit. 5. Dann umgiebt mich diese haut, Dieser leib, wie ich fest glaube; Gott wird dann von mir geschaut, Wenn ich aufsteh aus dem staube, Im verklärten leib werd ich Sehen, mein erlöser! dich. 6. Ob dies aug' im tode bricht, Wirds doch meinen heiland kennen, Ich, ich selbst, kein fremder nicht, Werd in seiner liebe brennen. Dank ihm! dank ihm! preis und ruhm! Wunderbar schafft er mich um. 7. Was hier leidet, seufzt und fleht, Wird nicht ewig untergehen; Irdisch werd ich ausgesät, Himmlisch werd ich auferstehen. Zur verwesung sink ich ein, Dann werd ich unsterblich seyn. 8. Freudig bin ich und getrost! Dann steigt mein versöhner nieder. Wenn ich sterb, ist er mein troft, Und den todten ruft er wieder, Wenn einst die posaune klingt, Die durch alle gräber dringt. 9. Und mich schreckte noch der tod? mich die gräber und ihr grauen? Meinen mittler, meinen gott, Jesum Christum werd ich schauen. 128 Von der Auferstehung der Todten. Dann wird leben, fieg und heil Ewig, ewig seyn mein theil. 10. Nur daß du dich, seel', erhebst Von den lüsten dieser erden, Und schon hier dem gotte lebit, 238. Wa Mit dem du vereint sollst werden. Willst du seines heils dich freun, Mußt du rein und heilig seyn. Mel. Was Gott thut, das ist wohl. 237.3% ch freue mich der frohen zeit, Da ich werd auferstehen. Dann werd ich in der herrlichkeit, Dich, gott! mein hei land! fehen. Dann werd auch ich D herr! durch dich Vereint mit allen frommen, Zur ewgen ruhe fommen. 2. Ach! käm' die stunde bald heran, Die stunde der erlösung, Die stunde, da ich hoffen kann Trost, freiheit und genesung! Da engeln gleich, Im himmelreich Mich ruhe, lust und leben In ewigkeit umgeben. 3. Der du die auferstehung bist! Du bists, an den ich gläube. Ich weiß, daß ich durch dich, herr Christ! Im tode nicht verbleibe. Und dein gericht Wird mich dann nicht mit frübfal, angst und schrecken, So wie die heuchler, decken. Zum glück der ewigkeiten Mich würdig zu bereiten. Wiederkunft Jesu zum Weltgerichte. Mel. Wachet auf, ruft uns die. die stimme 238. Wachet auf! ſo ruft der zeit, der engel stimme, Verlaßt das grab, verlaßt die gruft, Wachet auf, erlöste sünder, Versammelt euch, ihr gottes kinder! Der welten herr ists, der euch ruft. Des todes stille nacht Sst nun vor bei; erwacht! Hallelujah! Macht euch bereit Zur ewigkeit, Sein tag, sein großer tag ist da. 2. Erd und meer und hölle beben, Die frommen stehen auf zum leben, Zum neuen leben stehn sie auf. Ihr versöhner kömmt voll klarheit, Vor ihm ist gnade, treu und wahrheit, Der tugend lohn krönt ihren lauf. Licht ist um deinen thron Und leben, gottes sohn! Hosianna! Erlöser! dir, Dir folgen wir zu deines vaters herrlichkeit. 4. Ich hoffe dann mit freudigkeit Vor dir, mein haupt! zu stehen, und mit dir in der herrlichkeit Frohlockend einzugehen. Dhilf mir doch Aus gnaden noch, dank und ehr und preis! 3. Ewigs lob sey dir gefungen! Wir sind zum leben eingedrungen, Am ziel sind wir beim gro ßen lohn. Christus strömt der freuden fülle Auf uns; wir schaun ihn in der hülle, Ihn, unsern Kein freund und gottes sohn. auge sahe sie, Dem ohr erscholl fie nie, Diese wonne. In ewigkeit Sey dir geweiht, Herr, unser Von dem zukünftigen Weltgerichte. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort. er unsre menschheit welt, und bere dich! Der tag des schreckens nahet sich. 2. Warum verzieht er? fragt der spott; Wo bleibt der fündenrächer, gott? Hört, fünder, hörts 239. frech ihm widerstrebt, Und in der bosheit sicher lebt, Zur beßrung frift zu geben. Doch bald ist euer maaß erfüllt, Bald kömmt der richter uns zu verföhnen kam, Kömmt einst zu richten wieder. Nicht fern ist seiner zukunft zeit, In aller seiner herrlichkeit Steigt Jesus dann hernieder. Vernimm's, o und vergilt. Von dem zukünftigen Weltgerichte. 3. Dann öffnet um euch her sich 2. Wer faßt, o heiland! jetzt weit Der abgrund jener ewigkeit die pracht, Die deinen tag einst Mit allen seinen schrecken, Dann herrlich macht? Wie groß wirst wird euch, wenn der richter droht, du dich zeigen, Wenn du auf lichNicht berg, noch meer, nicht grab ten wolken einst Mit deiner engel und tod Vor seiner ahndung decken. heer erscheinst, Die sich vor dir, Denn nun nicht mehr erbarmt er herr, beugen! Dann sieht die welt sich Und sein gericht ist fürchterlich. die majestät, Dazu dich gott, dein gott, erhöht. 4. Wenn furchtbar seiner donner schall Und tönender posaunen hall Der erde grund erschüttern, Und plötzlich nun der bau der welt Wankt, krachend stürzt, in trümmern fällt, Wenn selbst die himmel zittern, Und vor dem richter hingerückt, Der spötter glaubet und erschrickt; 3. Dann tönt dein ruf in jedes grab Mit allmachtsvoller kraft hinab, Und schafft ein neues leben. Auf deinen wink muß erd und meer Das große unzählbare heer Der todten wiedergeben. Sie stehn durch dich, herr! neu beseelt, Nun alle auf, und keiner fehlt. 5. Dann ist nicht mehr zur buße zeit, Wo werdet ihr barmherzigkeit Und gnad und rettung finden? Die ihr der fünden maaß noch häuft, Fühlt, eh' euch dieser tag ergreift, Die lasten eurer fünden, Daß ihr nicht selbst euch einst verflucht, und in verzweiflung lindrung sucht. 6. Mein Herz erschrickt, es bebt in mir Mein innerstes, o gott! vor dir, Ich bin ein missethäter. Begnadige, wenn dein gericht Auch mir mein ewig urtheil spricht, Mich, herr! den übertreter. Du, der die fünder nicht verstößt, Du, Jesu! hast auch mich erlöst. 7. Tag gottes! tag der ewigfeit! Du predigst uns den werth der zeit Laut mit des donners ſtimme. Reizt, menschen, nicht durch eure schuld Den gott der langmuth und geduld, Daß er nicht schnell ergrimme. Denn schrecklich wird der fünder pein, Und groß der frommen wonne seyn. Mel. Ewigkeit, du Donnerwort. 240. Erböhter Jefu! gottes sohn! Der du schon längst der himmel thron Als herrscher eingenommen; Du wirst der einst zu rechter zeit, In großer kraft und herrlichkeit, Vom himmel wieder kommen. Gieb, daß vann froh und mit vertraun Dich, herr! auch meine augen schaun. 129 4. Du sammelst sie vor deinem thron, Um jedem den bestimmten lohn Nach seiner that zu geben. Dann trifft den bösen schmach und pein, Den frommen aber führst du ein In das verheißne leben. Wer leugnet dann noch, Jesu Christ! Daß du der erde richter bist? 5. D gieb, wenn nun dein tag erscheint, Daß ich in dir dann noch den freund Und heiland wieder finde, Daß ich mit freuden vor dir steh, und mit dir in den himmel geh, Ganz frei von noth und fünde. Laß mich im glauben wacker seyn, Und auch die kleinste sünde scheun. 6. Die tugend sey mir ewig werth, Und was dein wort von mir begehrt, Das laß mich treulich üben. Niemals ermüde hier mein geist, Dich, den schon jetzt der himmel preist, Aus aller fraft zu lieben; So hab ich in der ewigkeit Auch theil an deiner herrlichkeit. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 241. Gr tömmt, er tömmt zum weltgericht, Der weiheiland, den wir ehren. gert euch, erlöfte, nicht, Jeßt auf sein wort zu hören! Wer hier nicht seine stimme hört, Und sie nicht mit gehorsam ehrt, Wird nicht vor ihm bestehen. 2. Herr! laß mich deiner majestät Mit wahrer freude dienen. Wie Von dem zukünftigen Weltgerichte. herrlich dich dein gott erhöht, Ist aller welt! Der thor nenn's ein zwar noch nicht erschienen, Doch, gedichte, Das schwachen nur ge= was uns hier verborgen war, Das fällt; Mich soll sein wahn nicht wird dereinst uns offenbar, Wenn stören, Weil mich dein göttlich du wirst wiederkommen. licht und mein gewissen lehren, Du haltest einst gericht. 2. Ich höre die posaunen, herr! im geiste schon, Ich sehe mit erstaunen Dich auf dem richterthron, Um den die heilge menge Erhabner engel steht. Welch herrliches gepränge! Welch hohe majestät! 130 3. Wenn vor dir die natur dann bebt, und unter deinen füßen Sich alles, was dir widerstrebt, Wird völlig beugen müssen, Wenn alle engel vor dir stehn, Dann werden aller augen sehn, Wie hoch dich gott erhoben. 4. Wenn dann, o herr! auf dein geheiß Die todten wieder leben, Dein feind mit furcht, dein freund mit preis, Sich aus dem grab erheben; Wer wird dann noch, herr Jesu Christ! Daß du der herr des lebens bist, Mit frechheit leugnen können? 5. Wer spottet dann noch deiner kraft, Wenn du, die hier dich fliehen, Für ihre schuld zur rechen schaft Mit majestät wirst ziehen? Wenn nun ihr auge dich erblickt, Und sie dein strafgerichte drückt, Dann werden sie verstummen. 6. Und wenn du dann die deinen nun Mit preis und ehre zierest, Und, ihnen ewig wohlzuthun, Sie in den himmel führest, Dann, herr! wird völlig offenbar, Wie Herrlich die bestimmung war, Wozu du sie berufen. 7. O laß mich dann, herr Jesu Christ! Mit freuden vor dir stehen, Und dir, so herrlich du auch bist, Getroft entgegen sehen. Wenn deiner feinde rotte zagt, Von reu und angst und furcht geplagt, Dann jauchze meine feele! 8. Daß ich dies glück erleben mag, So laß in diesem leben, heiland! deinen großen tag Mir stets vor augen schweben. Er reize mich, dir mich zu weihn, In deinem dienste treu zu seyn, Und nie dich zu verleugnen. Von dem Weltgerichte selbst. 3. Umsonst sucht nun der fünder Vor deiner macht zu fliehn. Herr! alle menschenkinder Wirst du zur rechnung ziehn. Du rufft, und sie erscheinen Vor deinem richterthron, Den sündern und den deinen Giebst du gerechten lohn. 4. Frohlockend sehn die from= men Dein göttlich angesicht, Schon hier dem fluch entnommen, Zagt ihre seele nicht. Nun triumphirt ihr hoffen, Erlöst von aller müh, Sehn sie den himmel offen, Und du, herr! segneft fie. 5. Wie angstvoll aber beben, Die hier dein wort verhöhnt, Und durch ein fleischlich leben Das eitle herz verwöhnt! Du giebst der fünde knechten Ihr theil in ew'ger pein, und führest die gerechten Zu deiner freude ein. 6. Laß, Jesu! dein gerichte Mir stets vor augen seyn, Und drücke sein gewichte In mein gewissen ein. Vor dir laß mich fromm wandeln, Und hier zu aller zeit So, wie ein weiser, handeln, Der seinen richter scheut. 7. Ist dann dein tag vorhanden, Wird diese welt vergehn, So hoff ich nicht mit schanden Vor deinem thron zu stehn. Du stellst mich dann zur rechten, Von aller schuld befreit, Führst mich mit deiner. knechten In deine herrlichkeit. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. Mel. Herzlich. thut mich verlangen. 243. Schon ist der tag von gott bestimmt, Da, 242. Ich denk an dein ge- wer auf erden wandelt, Sein loos Von dem zukünftigen Weltgerichte. 131 dem er hier gehandelt. Er kommt, Mel. Straf mich nicht in deinem Born. er kommt, des menſchen ſohn, Er 244. Herr! ich bin dein eisein Der erden kreis zu richten. 2. Hier an dem rand der ewigkeit, Hier stehn die millionen, Die feit dem ersten tag der zeit Auf dieser erden wohnen, Nur dem allwissenden bekannt, Unzählbar, wie am meer der sand, Hier stehn sie vor dem richter. 3. Hier muß der falsche wahn der welt Der wahrheit unterliegen, Hier, wo das recht die wage hält, Wird keine fünde siegen. Hier ist zur buße nicht mehr frist, Hier gilt nicht mehr betrug und list, Hier gilt kein falscher zeuge. 4. Der richter spricht, der himmel schweigt, und alle völker hören Erwartungsvoll und tief gebeugt: Kommt, erbt das reich der ehren! So spricht er zu der frommen schaar; Doch die, die widerspenstig war, heißt er nun von sich weichen. 5. herr! mit welcher majestät Wirst du dies urtheil fällen; Die sünder, die dich hier verschmäht, Gehn dann gewiß zur Höllen. Hier trifft sie unerforschte pein, Wer wird dann noch ihr retter seyn? Ihr warten ist verloren. 6. Sie, die gerechten, leuchten dann So, wie der glanz am himmel, Du selbst nimmst sie zu ehren an. O welch ein froh getümmel! Nun fehn sie mit erstauntem blick, Daß glaub und lieb das höchste glück Aus gottes gnad' ererben. 7. Sie gehn nun in das fel'ge reich, Das gott für sie bereitet, Und fehn auf ewig, engeln gleich, Ihr wohlfeyn ausgebreitet. Das stückwerk auch mein leben, Mir zum heil, und dir zum ruhm, Hast du mir's gegeben; Väterlich Führst du mich Auf des lebens wegen Meinem ziel entgegen. Bald kommst du mit großer Zum gericht auf erden, Dann soll ich zur rechenschaft Dargestellet werden. Dein gericht Schonet nicht, Richter aller welten! Denn du willst vergelten. 2. kraft Wenn ich deine gabe, 3. Weh dann mir in ewigkeit, Meine fräfte, meine zeit, Hier gemiß braucht habe! Weh dann mir, Hab ich hier Dein geschenk verschwendet Und nicht angewendet! 4. Möchte täglich dein gericht Mir vor augen schweben, Möcht ich mich, stets meiner pflicht Treu zu seyn, bestreben! Daß ich nie Thöricht sie Außer augen setzte, Noch mit fleiß verlegte. 5. Lehre mich gewissenhaft Meine tage zählen, Jeden schritt zur rechenschaft Mich mit vorsicht wählen. Gieb, daß ich Ernstlich mich Jeden tag, auch heute, Auf sie zubereite. 6. Zeigt sich erst die ewigkeit Furchtbar in der nähe; O! dann ist es nicht mehr zeit, Daß um gnad' ich flehe. Wenn der tod Mir schon droht, Kann deinen willen, Herr! nicht mehr erfüllen. 7. Mein gewissen strafe mich Gleich für jede fünde, Mittler! daß ich bald durch dich Gnade Kein tummer, keine traurigkeit such und finde. Rufe du Dann wird vollkommenheit, Stört ihre ew'ge freude. mir zu: Alles ist vergeben, Beßre 8. Mein heiland! laß mich dein nur dein leben! gericht Oft und mit ernst beden8. Dann erscheine zum gericht! fen. Es stärke meine zuversicht, Ich darf zu dir beten, Mich verz Wenn mich die leiden kränken, Es reize mich, gewissenhaft, Und eingedenk der rechenschaft, Nach deinem wort zu wandeln. stößt dein vater nicht, Du wirst mich vertreten. Ewig dein Werd ich seyn, Und mich, dich zu lieben, Ewig, ewig üben. 32 Univ.- Bibl. Giessen 132 Von dem zukünftigen Weltgerichte. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 245. Herr! fieh, ich bin verdroffen, zu thun was dir gefällt, Mein herz hinkt, unentschlossen Noch zwischen gott und welt, Mich drücken schnöde fetten, Der fünden sclaverei; Verzeuch nicht, mich zu retten, Und mach, o gott! mich fret. 2. Geh auf in meiner feele, Geh auf mit vollem glanz! Damit ich dich erwähle, So zeige dich mir ganz, Wie schrecklich du dem fünder, reinstes wesen! seyst, Du, vater deiner kinder, Vollkommner höchster geist! 3. Sollt in gewohnten sünden, Eh ich bekehret bin, Dein großer tag mich finden; O gott! wo flöh ich hin, Wenn berg' in un gewittern Hertaumeln, wie vom wind, Und erd und himmel zittern, Und sonnen dunkel sind? die welt gegründet, Sich ihm als richter naht. Die 5. Er kömmt, und blize röthen Den arm des Herr! deine blicke tödten menschensohns; und himmel fliehet Vor deinem feinde deines throns, Und erd angesicht, Und wer nach ihnen siehet, Sieht ihre stätte nicht. 6. Ihr neuen himmel, schweiz get! Der fünder wird verklagt, Und sein gewissen zeuget, Daß feine feele nagt. Er bebt, er weicht zurücke; Weh ihm, die hölle glüht In seinem wilden blikte, Der seinen richter flieht. 7. Was hilft nun alle größe, Die lasters blöße Kein falscher schimmer unsern neid erweckt, Dort, wo des deckt; In dieser großen scene, Wo sich mit engeln mischt, Wer eine fromme thräne Den armen abgewischt? 8. Wenn die verdammte rotte, Verfolgt vom donner, eilt, Und ewig fern von gotte, Gequält und lästernd heult; Am tage deiner rache, Herr! nimm dich meiner an, Und führe meine sache, 4. Tag, schrecklichster der tage Für den, der böses thut! Du bist ein tag der klage, Der allgemeinen glut! Er rauchet angezündet, Der sitz der missethat, Da, der Wie du am kreuz gethan. Vom ewigen Leben. Mel. Wachet auf, ruft uns. Wischt unsre thränen ab. Gelobt 246. Selig find des him sey gott! Er hats vollbracht! Nicht tag, nicht nacht Wird an des lammes throne seyn. mels erben, Die todten, die in Jesu sterben! Sie gehen ein zur herrlichkeit. Nach den letzten augenblicken Des todes schlummers folgt entzücken wonne der unsterblichkeit. frieden ruhen sie Von aller sorg und müh. Gelobt sey gott! Vor feinen thron, Zu seinem sohn Begleiten ihre werke sie. Und Im 2. Dant, anbetung, preis und ehre, Macht, weisheit, herrlichkeit und ehre Sey dir, versöhner, Jesu Christ! Ihr, der überwinder chöre, Bringt dank, anbetung, preis und 3. Nicht der mond, nicht mehr die sonne Scheint uns alsdann; er ist uns sonne, Der sohn, die herrlichkeit des herrn. Heil, nach dem wir weinend rangen, Nun, nun bist du uns aufgegangen, Nun sehn wir dich nicht mehr von fern! Nun weinen wir nicht mehr, Nun wei nen wir nicht mehr. Gelobt sey gott, Er sank hinab Wie wir ins grab. Er ging zu gott, wir folgen ihm. Mel. Wer nur den lieben Gott. ehre Dem lamme, das geopfert ist! Er fant, wie wir, ins grab, 247. Nach einer prüfung kurzer tage Erwar Vom ewigen Leben. tet uns die ewigkeit. Dort, dort 9. Da werd ich in der engel verwandelt sich die klage In gött- schaaren Mich ihnen gleich und liche zufriedenheit. Hier übt die heilig sehn, Das nie gestörte glück tugend ihren fleiß, Und jene welt erfahren, Mit frommen stets reicht ihr den preis. fromm umzugehn; Da wird durch jeden augenblick Ihr heil mein Heil, mein glück ihr glück. 10. Da werd ich dem den dank bezahlen, Der gottes weg mich gehen hieß; Und ihn zu millionen malen Noch segnen, daß er mir ihn wies. Da find ich, herr! in deiner hand Den freund, den ich auf erden fand. 2. Wahr ists, der fromme schmeckt auf erden Schon manchen jel'gen augenblick, Doch alle freuden, die ihm werden, Sind ihm ein unvollkommnes glück. Er bleibt ein mensch, und seine ruh Nimmt in der seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des körpers schmerzen, Bald das geräusche dieser welt; Bald kämpft in seinem eignen herzen Ein feind, der öfter fiegt, als fällt; Bald sinkt er durch des nächsten schuld In kummer und in ungeduld. 4. Hier, wo die tugend öfters leidet, Das laster öfters glücklich ist, Wo man den glücklichen beneidet, Und des bekümmerten vergißt, Hier kann der mensch nie frei von pein, Nie frei von eigner schwachheit seyn. 5. Hier such ichs nur, dort werd' ichs finden, Dort werd ich heilig und verklärt Der tugend ganzen Mel. Wie groß ist des Allmächtgen. werth empfinden, Den unaus 248. himmlisches, o bes leben, Jeprechlich großen werth; Dich, gott der liebe! werd ich sehn, Dich lieben, ewig dich erhöhn. 6. Da wird der vorsicht heil'ger wille Mein will und meine wohl fahrt seyn, Und lieblich wesen, heil die fülle Am throne gottes mich erfreun. Dann läßt gewinn stets auf gewinn Mich fühlen, daß ich ewig bin. 133 7. Da werd ich das im licht erkennen, Was ich auf erden dunkel sah, Das wunderbar und heilig nennen, Was unerforschlich hier geschah; Da denkt mein geist mit preis und dank Die schickung im zusammenhang. 8. Da werd ich zu dem throne dringen, Wo gott, mein heil, sich offenbart, Ein heilig, heilig, heilig fingen Dem, der für mich erwürget ward? Und cherubim und seraphim Und alle himmel jauchzen ihm. 11. Da ruft( o möchte gott es geben!) Vielleicht auch mir ein fel'ger zu: Heil dir! denn du haft mir mein leben, Die feele mir ge= rettet, du! O gott! wie muß dies glück erfreun, Der retter einer seele seyn! 12. Was feyd ihr, leiden dieser erden, Doch gegen jene herrlichkeit, Die an uns offenbart soll werden Von ewigkeit zu ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen fie Ist doch ein augenblick voll müh! sus lebt; sey du gepreist! Nach dir, o leben, will ich streben, Nach dir verlangt mein ganzer geist! himmlisch leben, wo kein leiden! Gott wischt da alle thränen ab! Wo nichts denn wonne, nichts denn freuden, Wo kein tod mehr ist und kein grab. 2. O herrlichkeit, wo keine sünde Hinfort den sel'gen geist entehrt, Wo ich von schwachheit nichts empfinde, Wo mein leib herrlich ist verklärt! O himmlisch leben, glück der frommen, Und auch mein herrlichster gewinn, Da, wo ich ewig ganz vollkommen, Ganz weise, heilig, selig bin! 3. Eröffne, himmel, deine thore! Mein Jesu! reiche mir die hand, Führ mi zu jenem höhern chore, Bring mich hin in mein vater land! Da soll dir denn, dir gottes 134 Vom ewigen Leben. fohne, Mein ewig loblied seyn ge= weiht. O lebte ich vor deinem throne Erst mit dir in der herrlichkeit! Mel. Wer nur den lieben Gott. 249.6 s ist noch eine ruh vorhanden Für jeden gott ergebnen geist, Wenn er sich Mel. Wie schön leucht't uns der. dieſes körpers banden Nach got: 250. Mein ganzer geiſt, nun willen nicht mehr so eingeschränkt, Als hier auf erden, lebt und denkt. 8. Gieb, daß in hoffnung jener ruhe, Die gottes volk verheißen ist, Ich gern des vaters willen thue, Wie du darin mein vorbild bist; So ernt' ich von der last der zeit Einst völlige zufriedenheit. 2. Die, herr, zu dieser ruhe kommen, Wie selig find doch alle die! In deinem himmel aufgenommen, Ruhn sie von dieses lebens müh. Nach aller laft, die fie gedrückt, Wird ewig nun ihr Herz erquickt. 3. Wie mütter ihre kinder tröften, So segnet mit zufriedenheit Auch deine gnade die erlösten Nach überstandner prüfungszeit. Dann wird es ihnen offenbar, Wie gut stets deine führung war. 4. Da schweigen alle ihre klagen, Da bringt mit frohem lobgefang, Selbst für die ausgestandnen plagen, Dir ihre seele preis und dank. Nun jauchzen sie: es ist vollbracht! Der herr hat alles wohl gemacht! 5. Forthin erwartet sie kein leiden, Kein schmerz und keine schwachheit mehr, Gott führt sie zu vollkommnen freuden, Und krönet sie mit preis und ehr'. O unaussprechlich süße ruh! Wie herrlich, höchster! segnest du! 6. Wer kann hier deine gnade faffen? Du willst den, der dich redlich liebt, Nicht ewig in der unruh lassen, Die dieses leben noch umgiebt. O mach auch mich hier in der zeit Geschickt zu dieser feligkeit! 7. Mein Heiland, der du selbst auf erden Der leiden joch getragen haft! Will ich des Lebens müde werden, Und fühl ich meiner bürde last; So stärke mä meinen geist, Daß er dem unmuth sich entreißt. zückt, Wenn er nach jenem himmel blickt, Den du für uns bereitet, Wo deine milde vaterhand Aus neuen wundern wird erkannt, Die du daselbst verbreitet. Mächtig Fühl ich mich erhoben, Dich zu loben, Der zum leben, Das dort ist, mich will erheben. 2. Was sind die freuden dieser zeit, Herr! gegen jene herrlichs keit, Die dort bei dir zu finden? Du stellst uns hier auf erden zwar Viel wunder deiner güte dar, Zum fröhlichen empfinden; Doch hier Sind wir Bei den freuden Noch mit leiden Stets umgeben, Dort nur ist vollkommnes leben. 3. Kein tod ist da mehr und kein grab. Dort wischest du die thränen ab Von deiner kinder wangen. Da ist kein leid mehr, fein geschrei; Denn du, o herr! machst alles neu, Das alte ist vergangen. Hinfort Sind dort Von gerechten Gottesknechten Keine plagen Mehr zur prüfung zu ertragen. 4. In unsers gottes heiligthum Schallt ewig sein erhabner ruhm Von lauter frohen zungen. Hier strahlt die herrlichkeit des Herrn, Hier schaut man sie nicht mehr von fern, Hier wird sie ganz be sungen. Völlig Giebt sich Den erlösten, Sie zu trösten, Der zu kennen, Den sie hier schon vater nennen. 5. Vor seinem antlitz wandeln sie Auf ewig frei von aller müh, und schmecken seine güte. Hier stört den frieden ihrer brust Und ihre tausendfache lust Kein feindliches gemüthe. Kein neid, Kein streit Hemmt die triebe Reiner Vom ewigen Leben. 135 liebe Unter seelen, Die nun ewig ich gern die leiden Dieser zeit, nicht mehr fehlen. um in die freuden Seines himmels einzugehn, Und ihn, meinen herrn, zu sehn. 4. Da wird seyn das freudenleben, Wo viel tausend feelen schon Mit des himmels glanz umgeben, Gott vor seinem höchsten thron Dank und preis und ehre bringen, Und mit allen engeln singen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott, der vater, sohn und geist! 6. Gott, welche schaar ist dort vereint! Die frommen, die ich hier beweint, Die find ich droben wieder. Dort sammelt deine vater hand, Die deine liebe hier verband, Herr! alle deine glieder. Ewig Werd ich, Frei von mängeln, Selbst mit engeln Freundschaft pflegen, ein umgang voller segen! 7. Wo ist mein freund, des höchsten sohn, Der mich geliebt? wo glänzt sein thron? In jenen himmelshöhen. Da werd ich dich, Herr Jesu Christ! So menschenfreundlich als du bist, Auch mit entzücken sehen. Da wird, Mein hirt! Von den freuden Nichts mich scheiden, Die du droben Deinen freunden aufgehoben. 8. Wie herrlich ist die neue welt, Die gott den frommen vorbehält! Kein mensch kann sie erwerben. Du aber, Herr der herrlichkeit! Du hast sie auch für mich bereit't. Hilf sie mir nun ererben. Laß mich Eifrig Darnach streben und so leben Auf der erde, Daß ich dort dein erbe werde. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 251. Ale lle menschen müssen sterben, Ihre herrlichkeit verblüht; Und wer kann den himmel erben, Der nicht die verwesung sieht? Staub wird dieser leib von erde; Doch, damit er himmlisch werde, Wird er einst von gott erneu't, und er hält unsterblichkeit. 5. Vaterland verklärter from men! Heil, unsterblichkeit und ruh, Was kein sterblicher vernommen, Gottes heil gewährest du. Freudenernten schenkt er denen, Die erst hier gefä't mit thränen, Alle thränen trocknet er, Sünd' und elend sind nicht mehr. 3. Er ist ja für mich gestorben, Und sein tod ist mein gewinn. Er hat mir das heil erworben, Daß ich ewig gottes bin. Drum verlaß 6. Ich entbrenne von verlangen, Dies mein vaterland zu sehn, Und die krone zu empfangen; Bald erhöret gott mein flehn. Diese hütte, die zerstäube; Ich, ich weiß, an wen ich gläube. Mir ist sterben ein gewinn; Denn zum vater geh ich hin. 7. Welche tröstung, dies zu wiffen! Dieser großen hoffnung voll, Zag ich nicht in kümmernissen, Die ich hier noch dulden soll. Leicht und kurz sind diese letden, Sie verwandeln sich in freuden, Wenn ich christlich sie ertrug, Bis gott spricht: es ist genug! Mel. Alle Menschen müssen sterben. wie unaussprechlich 252. felig Werden wir im 2. Darum will ich dieses leben, himmel seyn! Da, da ernten wir Das nicht mein ist, nicht der unzählig Unsers glaubens früchte welt, Meinem gott zurücke geben, ein, Da wird ohne leid und zähWann und wie es ihm gefällt. ren Unser leben ewig währen. Denn in des erlösers wunden Hab. Gott! zu welcher seligkeit Führst ich heil und ruh gefunden, und du uns durch diese zeit! mein trost in todesnoth Ist des großen mittlers tod. 2. Zwar kann das, was du den deinen Dort für glück bereitet haft, Nicht im wahren licht erschei nen, und kein tugendhafter faßt Deines himmels große freuden, Doch nach diesen prüfungsleiden Vom ewigen Leben. Werden alle, die dir traun, Mehr so mache immer reiner Hier mein noch, als sie hoffen, schaun. herz, dich einst zu sehn, Hilf du selber meiner seele, Daß sie nicht den weg verfehle, Der mich sicher dahin bringt, Wo man ewig dir lobsingt. 3. Neue wunder deiner güte Werden da ihr glück erhöhn. Mit erstaunendem gemüthe Wird dann unser auge sehn, Deine huld sey überschwenglich, Und die wohl fahrt unvergänglich, Die dem, der dich redlich liebt, Deine vaterhand dort giebt. 4. feelen Dann wirst du dich unsern Offenbaren, wie du biſt, Keine wonne wird uns fehlen Da, wo alles wonne ist. Zu vollkommnen seligkeiten Wird uns dort der mittler leiten, Der uns dieses glück erwarb, Als am kreuz er für uns starb. 136 5. Da wird deiner frommen menge Ein herz, eine seele seyn, Liebe, dank und lobgesänge Dir, erhabner gott! zu weihn, Dir und dem, der selbst sein leben Willig für uns hingegeben; Mit ihm, unserm größten freund, Sind wir ewig dann vereint. 6. wer sollte sich nicht sehnen, Aufgelöst und da zu seyn, Wo, nach ausgeweinten thränen, Ew'ge güter uns erfreun? Wo sich unser kampf in palmen, Unser klagelied in pfalmen, Unsre angst in lust verkehrt, Die forthin kein kummer stört? 7. Was ist unser loos auf er den? Obs auch noch so köstlich sey, Ists doch nie ganz von beschwerden, Sorgen, furcht und tummer frei. Schnell folgt hier auf lust oft weinen, Dort nur wird die zeit erscheinen, Wo kein wechsel mehr uns beugt, Wo das glück beständig steigt. 8. Sey, o feele! hoch erfreuet Ueber das erhabne glück, Das dir einst dein gott verleihet. Richte deines glaubens blick Oft nach jener stadt der frommen Mit dem ernst, dahin zu kommen; Trachte, weil du hier noch bist, Nur nach dem, was droben ist. 9. Ohne heiligung wird keiner, Herr! in deinen himmel gehn. O Gewißheit der zukünftigen Verdammniß der Gottlosen. Mel. D Gott, du frommer Gott. 253. erächter gottes! bebt, Daß ihr sein recht verleget; Der gott, den ihr verschmäht, Hat einen tag geſetzet, Wo er, damit sein rath Die ganze schrift erfüll', Einst mit gerechtigkeit Den weltkreis richten will. 2. Durch euren frevel selbst Bezeugt ihr diese lehre; Wenn kein vergeltungstag Der rache künftig wäre, So würden mord, betrug Und raub dem fluch entgehn, Und der meineidige Gott ungerächet schmähn. 3. Ihr schweigt, und bläht euch auf, Nühmt euer thun für weiser, Als gottes lehren sind; Ihr raubt der wittwen häuser, Ihr werdet durch den schweiß Der unterdrückten reich, Und niemand straft die schuld Auf dieser welt an euch. 4. Doch ein gerechter gott Wird künftig die verbrechen In einer andern welt An seinen feinden rächen. Dann rühmt mit preis und dank Sein auserwählt geschlecht: Der gott, den es verehrt, Sey heilig und gerecht. 5. Und foltert euch umsonst Das warnende gewissen, Wenn die gedanken sich In euch verklagen müssen, Indem ihr zügellos Der sünd' und hölle fröhnt, Und diese lehr aus gott Als einen traum verhöhnt? 6. Wird gottes strafe nicht Einst den verbrecher tödten; Was zwingt euch denn so oft, Bei lastern zu erröthen? Ihr lästert, innre furcht Tritt euch ins angeficht, und diese furcht bezeugts, Gott kömmt und hält gericht. 7. Ja, wenn die himmel einst Vom ewigen Leben. Vor ihm wie spreu zerstieben, tags! Gott fömmt! ihr fünder, Dann wird Jehovah zorn Und rach und eifer üben An dem, der sich vom licht Der wahrheit abgewandt, Und gott und seinen sohn Im glauben nicht erkannt. bebt! Weil über euch sein fluchy In feuerwolken schwebt. 8. Es kömmt, so spricht der herr, Die stund, in welcher alle, Die gräbern menschen sohn beim schalle Des legten feldgeschrei's Sn wolken kommen sehn, Und zum gericht hervor Aus ihrem staube gehn. ihr Niemals geboren wärt. 11. Doch die gerechten stehn Mit freudigkeit und heben Die frohen häupter auf, Wenn alle 9. Der eifer seines zorns Wird völker beben. Ihr glaube wird dann die fünder schelten, Und ei- gekrönt, Und laut rühmt ihr genem jeglichen Nach seinem thun schlecht: Der gott, den sie vera vergelten. Oweh des großen ehrt, Sey heilig und gerecht. Zweite Abtheilung. Ueber die Sittenlehre. Von der Buße und Bekehrung. Erweckung zur Buße. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 254. Shaffet, schaffet, menschenkinder, Schaffet eure seligkeit! Bauet nicht, wie fichre fünder, Auf die ungewisse zeit. Unverweilt bekehret euch, Ninget nach dem himmelreich, Und bemüht euch hier auf erden Heilig, selig dort zu werden. 137 10. Es fällt herab mit ihm Das ewige verderben, Im feuer, das euch quält, Soll euer wurm nicht sterben. Umsonst sucht ihr den tod, Wenn ihr dies urtheil 2. Doch soll dieses recht geschehen, So müßt ihr mit festem muth Aller fünde widerstehen. Nur was gott, das höchste gut, Von euch fordert, muß allein Eures lebens richtschnur seyn, Es mag eurem schwachen herzen Freude bringen oder schmerzen. 3. Selig, wer im glauben kämpfet! Selig, wer im kampf besteht, Wer des fleisches lüfte dämpfet, und den reiz der welt verschmäht! Unter Christi kreuzes. schmach Jaget man dem frieden nach; Wer den himmel will everben, Muß erst seiner sünd absterben. 4. Werdet ihr nicht standhaft ringen, Sondern träg und lässig seyn, Eure neigung zu bezwingen, Wie kann euch der sieg erfreun? Ohne tapfern streit und krieg Folget nie triumph und sieg, Nur den sieger schmückt zum lohne Unverwelkt des himmels krone. 5. Sich voll leichtsinn stets zerstreuen, Thun, was fleisch und welt uns heißt, Und den kampf der lüste scheuen, Ist der welt, nicht Christi geist. Wer ihn haben will, der kann Auf der tugend rauher bahn Nicht im sichern stolze leben, und den listen sich ergeben. 6. Brünstig beten, allzeit wachen, Die versuchung weislich fliehn, Sich die pflicht zur freude machen, Und mit forgfalt sich bemühn, Selbst beim spott und hohn der 138 Von der Buße und Bekehrung. welt Das zu thun, was gott gefällt, Dieses wollen und vollbrin gen Heißet nach dem himmel ringen. 7. Drum entreißet euch den lüsten, Die ihr noch gefesselt seyd, Und beweiset euch als christen, Muthig, standhaft in dem streit. Schont der liebsten neigung nicht, War es auch die schwerste pflicht, Und denkt oft an Christi worte: Dringet durch die enge pforte. 8. Zittern will ich vor der sünde, Und dabei auf Jesum sehn, Daß ich seinen beistand finde, In der gnade zu beftehn. Ja, mein heiland! ach, geh nicht Mit mir armen ins gericht. Gieb mir deines geistes waffen, Meine seligkeit zu schaffen. 9. Gieb zum wollen das vollbringen, Muth und kräfte zu den streit, Lehre mich, mich selbst bezwingen, Und verleih beständigkeit. Zeige mir von deinem thron Den verheißnen gnadenlohn, Daß ich wache, bete, ringe, Und also zum himmel dringe. Mel. Vater unser im Himmelreich. 255. Swahr ich lebe! spricht dein gott, Mir ist nicht lieb des sünders tod, Mein wunsch und wille ist vielmehr, Daß er rechtschaffen sich betehr, Sich beßre in der gnadenzeit, und mit mir leb in ewigkeit. 2. Dies wort bedenk, o fünder, wohl! Verzage nicht verzweiflungsvoll; Du nimmst an der erlösung theil, Hier findest du trost, gnad und heil, Und gott be fiegelts mit dem eid. wem die sünd' ist leid! selig, 3. Doch hüte dich vor sicherheit, Denk nicht, zur buß ists immer zeit, Ich will mich meines Lebens freun, Und, werd ich dessen müde feyn, Alsdann will ich bekehren mich; Gott wird wol mein erbarmen sich. 4. Wahr ist es, gott ist stets bereit Zum wohlthun, zur barmherzigkeit; Doch wer auf gnade böses thut, und der versöhnung theures blut Verachtet, seiner selbst nicht schont, Dem wird, wie er verdient, gelohnt. 5. In seinem sohne will dir gott Das leben schenken für den tod; Allein, entdeckt sein wort dir wol, Wer von uns morgen leben soll? Daß du mußt ſterben, ist dir fund, Verborgen ist die todesstund. bekehre 6. Heut lebst du, heut dich, Eh morgen fömmt, kann's ändern sich; Wer heut ist stark, gesund und schön, Kann morgen an dem grabe stehn. Stirbst du nun ohne beßrung hin, Wie willst du dem gericht entfliehn? 7. Hilf, o herr Jesu! hilf du mir, Daß ich mich gläubig nahe dir, Und mich bekehre unverweilt, Eh mich mein ende übereilt, Damit ich heut und jederzeit Zu meinem abschied sey bereit. Wider den Aufschub der Befehrung. Mel. O Gott, du frommer Gott. ver256. Willst du die buße noch, schieben; So schändest du ſein wort, Und mußt dich selbst nicht lieben. Ist deine besserung nicht deiner seele glück? Und wer verschiebt fein heil Gern einen augenblick? 2. Allein wie schwer ists nicht, Sein eigen herz bekämpfen, Begierden widerstehn, Und seine lü ste dämpfen! Ja, sünder, es iſt schwer; Allein zu deiner ruh Sit dies der einz'ge weg. Und dem entsagest du? 3. Ist deine pflicht von gott; Wie kannst du sie vergessen? Nach deinen kräften selbst hat er sie abgemessen. Was weigerst du dich noch? Ist gott denn ein tyrann, Der mehr von mir verlangt, Als ich ihm leisten kann? 4. Sprich selbst, gewinnet gott, Wenn ich ihm kindlich diene, Und seiner werth zu seyn, Jm glauben mich erkühne? Wenn du die tugend übst, Die gott, dein herr, gebeut; Wem dienst du? ringst du nicht Nach deiner feligkeit? Von der Buße und Bekehrung. 5. Was weigerst du dich noch, Das laster zu verlassen? Weil es dein unglück ist, Bestehlt es gott zu haffen, Was weigerst du dich noch, Der tugend freund zu seyn? Weil sie dich glücklich macht, Befiehlt sie gott allein. 6. Gott beut die kraft dir an, Das gute zu vollbringen; Soll er durch allmacht dich, Ihm zu gehorchen, zwingen? Er gab dir die vernunft; Und du verleugnest fie? Er fendet dir sein wort; Und du gehorchst ihm nie? Wächst sie nicht durch die zeit? 8. Je öfter du vollbringst, Was fleisch und blut befohlen, Je stärker wird der hang, Die that zu wiederholen. Scheust du dich heute nicht, Des höchsten feind zu seyn, Um wie viel weniger Wirst du dich morgen scheun! 9. Ist denn die buß' ein werk Von wenig augenblicken? Kann dich kein schneller tod Der welt noch heut entrücken? Ist ein ge schrei zu gott, Ein wunsch nach besserung, Und angst der missethat Die wahre heiligung? 10. Ist's gnug zur seligkeit, Des glückes der erlösten, Wenn uns der tod ergreift, Sich sicher zu getrösten? Ist das bekenntniß gnug, Daß uns die fünde reut, So ist kein leichter werk, Als deine seligkeit. 11. Doch fordert gott von uns Die reinigkeit der seelen; Ist feine seele rein, Der glaub' und liebe fehlen; Ist dieses dein beruf, Gott dienen, den du liebst; So zittre vor dir selbst, Wenn du dies werk verschiebst. 139 finn Den fünder, der beharrt, Nicht gott zuletzt dahin? 7. Sprich nicht: gott kennt mein herz, Ich hab es ihm verheißen, Mich noch dereinst, mich bald Bom laster loszureißen, Jetzt ist das Mel. O Gott, du frommer Gott. wert zu schwer. Doch diese schwie. 257. Entschließe dich beherzt, rigteit, Die heute zu 13. Hat Christus uns erlöst, Damit wir fünder bleiben Und, sicher durch sein blut, Das laster höher treiben? Gebeut uns Chrifti wort Nicht tugend, recht und pflicht, So ist es nicht von gott; Gott widerspricht sich nicht. 12. Der glaube heiligt dich. Ist dieser dein geschäfte? Nein, mensch! und du verschmähst Des geistes gottes kräfte? Erschreckt dich nicht sein wort? Giebt im verkehrten 14. Noch heute, weil du lebst, und seine stimme hörest, Noch heute schicke dich, Daß du vom bösen kehrest. Begegne deinem gott, Willst du, zu deiner pein, Dein hier versäumtes glück Nicht ewig noch bereun. gen, Der sieg, so schwer er ist, Bringt göttliches vergnügen. Was zagst du? geht er gleich Im anfang langsam fort, Sey muthig! gott ist nah, Und stärkt dich durch sein wort. So 2. Ruf ihn in demuth an; Er tilget deine fünden. Und läßt dich sein gesetz Erst ihren fluch empfinden, So widerstreb' ihm nicht; Denn diese traurigkeit Wirkt eine reu in dir, Die niemals dich gereut. 3. So süß ein laster iſt, giebts doch keinen frieden, Der tugend nur allein Hat gott dies glück beschieden. Der mensch, der gott gehorcht, Erwählt das beste theil, Ein mensch, der gott verläßt, Verläßt sein eignes heil. 4. Die buße führt dich nicht In eine welt voll leiden; Gott fennt und liebt dein glück, Sie führt zu deinen freuden, Macht deine feele rein, Füllt dich mit zuversicht, Giebt weisheit und verstand Und muth zu deiner pflicht. 5. Sprich selbst: ist dies kein glück, mit ruhigem gewissen Die güter dieser welt, Des lebens glück genießen, und mäßig und gerecht In dem genusse seyn, Und sich der seligkeit Schon hier im glauben freun? 140 Von der Buße und Bekehrung. Von dem Gnadenrufe Gottes sed an die Sünder. Mel. Von Gott will ich nicht. ie treu, mein guter 258. sünder nach, Der sich von dir verirrte; Der elend, krank und schwach In sein verderben läuft, Wo deine hand den armen Nicht selber aus erbarmen, Eh er versinkt, ergreift! 2. Wie tröstlich ist die stimme, Die alle sünder lockt! Ach sprächest du im grimme: Weicht, die ihr euch verstockt; Weicht, fünder, weicht von mir, Ich will euch nicht erkennen! Wer wollt' es unrecht nennen? Wer bist du? wer sind wir? 6. Dein wort schallt noch im berzen, Das mich zur buße rief, Als ich, zu deinen schmerzen, Den weg zur hölle lief. Du aber brach test mich Von diesem breiten wege Durch freuz zum schmalen stege; Mein hirt! ich preise dich. 8. Nun, Jesu! ich beklage Den blöden unverstand, Und daß ich meine tage So übel angewandt. Verstoß den fünder nicht. Mich deine gnade reut und schmerzt mein schade; 7. Ach! daß ich deiner liebe Nur immer folgsam wär, Nicht oft zurücke bliebe, Un lieb und eifer leer! Nicht, wie viel du gethan, Mir oft entfallen ließe, Da ich ja mehr genieße, Als ich verdanken kann! ein zorngericht. 9. Für uns gemacht zum fluche, Gabst du dein leben dar, Daß so dein eifer fuche, Was ganz verz loren war. Ja, nam und that erweist, Daß du, herr! nicht vergebens Das rechte brod des lebens, Der sänder heiland seyft. 10. 3. Doch heißt dein ruf uns kommen, Und merken wir nicht drauf, Ob wir ihn schon vernommen, So suchst du selbst uns auf. Dein herz, o heiland! brennt, Daß doch das schaaf zur heerde Zurück geführet werde, Davon es sich getrennt. 4. Nimmt nun der freche sünder Den gnadenruf nicht an, So bist du viel gelinder, Als man es denken kann. Sein ziel verlängerst du, Er kann noch gnade hoffen, Der zugang steht ihm offen; Er eile nur herzu. Mel. Wenn wir in böchsten Nöthen. 5. Liebhaber unfrer feelen! Mein 259. Hier bin ich, herr! du ziehirt! mein treuster freund! Was follt ich es verhehlen, Wie wohl du es gemeint! Ich war auf meiner flucht Ein raub der schnödsten lüste; Doch du hast in der wüste Mich huldreich aufgesucht. Das laß mich herzlich gläuben; Doch gieb mir selber kraft, Dem heile treu zu bleiben, Das mir dein tod verschafft, Und wie ich glaubensvoll Aus deinem überflusse Zum wirklichen genusse Stets gnade schöpfen soll. 11. Doch soll ich mich aufs neue, Ich schwach geschöpf, vere gehn, So laß mir deine treue, Mein hirte! nie entstehn. Erweck und führe mich, Daß nichts von dir mich wende! So preif' ich sonder ende Als meinen hirten dich. Gehorsam gegen den Gnadenruf. hest mich, ich folge dir. Du forderst von mir herz und sinn; Mein heiland! nimm, ach! nimm es hin. 2. Ich hab oft deinen wink verschmäht, Es ist mir leid, ich komme spät. Wie dank ich dir, o gott der huld, Für deine langmuth und geduld! 3. Nun aber säum' ich länger nicht, Mich dringt und treibet meine pflicht. Ich komm, ich komm voll reu und buß; Ach, aber, ach! wie wankt mein fuß! 4. Herr, ich bin deinem Petro gleich, Dort kömnit ein ſturm; Ich sink! ach reich, Reich schnell mir deine starke hand! So wird mein fall noch abgewandt. 5. Du rufest mir; ich komm Von der Buße und Bekehrung. zu dir; Mein heiland, komm und hilf du mir! Mein fuß ist müd' und weigert sich; Herr! unterstüß und trage mich. 6. Flöß deine kraft mir müden ein, So werd ich künftig stärker seyn; So folg ich dir, mein herr und gott! Durch fluth und glut, durch noth und tod. bar seyn! Deine Liebe nicht ermessen, Mich nicht deines beifalls freun! Meinen lohn hab ich dahin; Eitler ruhm ward mein gewinn, Und zu dir konnt ich mich schwingen, und ein ewig lob erringen! 7. Gott, der du in deinem sohne Reich bist an barmherzigkeit! Gott, mein vater, ach verschone Meiner falschen frömmigkeit! Ich bekenne meine schuld; Ach, bedecke sie mit huld! Laß mich deine liebe rühren, Selbstprüfung. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 260. Gott, ich will mich und mein ganzes herz regieren. ernstlich prüfen, Ob ich redlich bin vor dir; Du kennst meines herzens tiefen! Ach entdecke sie auch mir! Laß mich sehen, ob ich treu Dir in meinem wandel sey, ich recht zu thun mich übe, Weil ich dich von Herzen liebe. 8. Gieb, daß alle meine werke Früchte deiner liebe seyn, Sie erfülle mich mit ſtärke, Ganz mein leben dir zu weihn! Ich bin gottes eigenthum; Dies sey mir der höchste ruhm! Was ist mir das lob der erde, Wenn ich seiner würdig werde? 2. Eitelkeit und eigenliebe Sind die götter dieser welt, Aber nie sind sie die triebe, Deren wirkung dir gefällt. Wer das gute, das er übt, Nicht mit reiner feele liebt, Richter! dem giebst du die krone Der gerechten nicht zum lohne. 3. Die um deiner liebe willen Wandeln, wie dein wort gebeut, Diese, diese nur erfüllen Das gefet der frömmigkeit. Nicht nur das, was wir gethan, Auch die quelle siehst du an; Deine liebe soll uns dringen, Gute werke zu vollbringen. mir, 4. Wie ein nebel, so verschwinden Meine tugenden vor Fast erkenn ich sie für fünden; Denn sie stammen nicht von dir. Deine liebe trieb mich nicht Zur erfüllung meiner pflicht, Ohne selbst an dich zu denken, ließ ich mich zum guten lenken. 141 5. Ich gehorche deinem rechte, Daß mir diese folgsamkeit Huld und gunst bei menschen brächte Und den ruhm der frömmigkeit. Wenn ihr beifall mich erhob, O wie süß war mir dies lob! Dies allein ließ ich mich treiben, Meiner tugend treu zu bleiben. 6. Ach, wie konnt ich dich vergeffen, Dir, mein gott, nicht dankMel. In dich hab ich gehoffet, Serr. 261. Ah! rief gott seinen richterblick, Der alles weiß, von mir zurück, Zurück vor meiner feele! Denn im gericht Besteh ich nicht, Der ich so häufig fehle. 2. Wie forgt mein Herz und ängstigt sich! Gott, richte nicht! denn ich will mich Aufrichtig vor dir prüfen. Verständ ich nur Ganz die natur, Ganz meiner feele tiefen! 3. Wie unergründlich bin ich mir! Ach fleuch, verbirg dich nicht vor dir, zu leicht getäuschte seele: Welch ein gewinn, Wenn, wie ich bin, Ich vor mir selbst verhehle! 4. Vertraue deinem stolze nicht, Verschleuß dein ohr, so bald er spricht, Fleuch seine täuschereien. Der satan lügt, Der stolz betrügt Mit leeren schmeicheleien. 5. Nimm die gesetz und höre sie, Bet an, tritt hin zum Sinai, Und höre gott im wetter; Du sollst vor mir, Gott heischts von dir, Nicht haben andre götter! 6. Mein nam ist groß; mißbrauche du Den namen nicht! sey stil und ruh Am tage meiner feiert 142 Von der Buße und Bekehrung. Wider den Selbstbetrug. Dann ruf mich an, Stets werde dann Mir, deinem gott, ge= treuer! Mel. Du, o schnödes Weltgebäude. 7. Wer eltern kränket, ist vers 262. Wie fürcht ich mein flucht, deiner eltern zucht! Ich will, du sollst nicht tödten! Sey keines feind, Sey aller freund, Ein schuß in ihren nöthen! 8. Getreu dem manne sey das weib, Der mann dem weibe! keusch der leib, Und keusch die ganze feele! Arbeit', und sey Vom geize frei, Daß deine hand nicht stehle! 9. Leug nicht; trag keine schmähung aus! Begehre nicht des nächsten haus; Gelüsten schon ist sünde! So sey ganz mein, Daß ich dich rein, Wenn ich nun richte, finde. 10. Ein eifrer über meinen ruhm, Bring ich die missethäter um, Den vater und die kinder. Fluch und gericht Dem, welcher bricht Nur ein geseß, dem fünder! 11. Welch eine stimm', o Si nai! O donnervoller Sinai! Wer kann die stimm' ertragen? Ach, wehe mir, Der fluch von dir Hat mein gebein zerschlagen! 12. Ich fühl, ich fühl ihn, ich soll rein, Rein, wie ein geist des himmels, seyn, Ganz heilig seiUnd ich bin blind, Verkehrt gesinnt, Gezeugt aus fündensaamen. nem namen. 13. Wer ist vom haupt bis auf den fuß So krank als ich? ge= dank, entschluß, Begierd und that sind böse. Verderbt bin ich; Wer ist, der mich Aus meiner angst erlöse? 14. Welch eine zukunft fürchtet fie! Laß ab, o fluch vom Sinai, Ofluch vom weltgerichte! Tilgt doch die schuld Der sohn voll huld, Daß gott mich nicht zernichte. 15. Erzürnt dich sehen, welch ein schmerz! Schaff in mir, gott, ein reines herz, Das dir kein laster raube! Verwirf mich nicht Durch dein gericht, Weil ich an Jesum glaube. erforschen, wer ich bin! Wie blick über seine tiefen Ich ganz unbe kümmert hin; Mich warnt heimlich mein gewissen, Doch mein unrecht nicht zu wissen, Acht ich fühllos darauf nicht, Was es warnend zu mir spricht. 2. pfade Ruhig wandt' ich auf dem Leichtsinnsvoller eitelkeit, Durch den mißbrauch deiner gnade Steigt, gott! meine sicherheit. Und nach viel vollbrachten sünden Hoff ich dich versöhnt zu finden, Weil dein sohn, weil Jesus Christ Für die welt gestorben iſt. 3. Ungezähmt sind meine triebe, Unerleuchtet mein verstand, Leer mein herz von deiner liebe, Meine pflicht mir unbekannt, Todt mein glaub und ohne früchte; Und doch hoff ich im gerichte, Ich, ohn' alle besserung, Gott! von dir begnadigung! unter4. Ach, ich thor! ich thor! wie lange Werd ich selbst mich hintergehn? Nahe meinem gange, Will ich die gefahr nicht sehn! Gott erweck mich aus dem schlafe, Eile nicht mit mir zur strafe, Hab, o vater, noch geduld, Und zeig mir erst meine schuld! 5. Ob ich mich mir selbst verHehle, Dir verhehl ich mich doch nicht, In der tiefe meiner feele Ist vor dir, gott, alles licht. Reiß mich aus den finsternissen, Und dann treibe mein gewissen Durch dich selbst erweckt in mir, Mich zur buß, und, gott, zu dir. 6. Der du herzen prüfst, bekehre, Heiligster, bekehre mich! Führ zur tugend mich, und lehre Mich dann recht vertraun auf dich! Dir, gott, dir nur laß mich leben, Dir mein ganzes herz ergeben! So werd ich mich fünftig scheun, Von mir selbst getäuscht zu seyn. Von der Buße und Bekehrung. Bußgesänge. Mel. Wo Gott, der Herr, nicht bei. 263. Ah nein, mein auge darf ich nicht zu dir, mein gott, erheben! Vor deinem reinen angesicht Muß ich, ich fünder, beben! Ach gott! was hab ich doch gethan! Wer nimmt sich meines jammers an, Wer will sich mein erbarmen? 2. Viel tiefer, als ichs sagen kann Ist, herr, herr, mein verderben! Ach nimmst du meiner dich nicht an, So muß ich ewig sterben. Doch gern verschiebst du dein gericht, Und willst den tod des sünders nicht, Willst meinen tod nicht, vater! 3. Ach Jesus Christus heißt auch mich, Mich fünder, zu sich kommen! Wär keiner gleich so schlimm, wie ich, Doch werd ich angenommen. Wenn nur mein herz recht redlich ist, Wenn ich an dich, o Jesus Christ, Von ganzer seele glaube! 4. Ja, so verderbt ich immer bin, So werth der Hölle flammen, So werf ich doch vor dir mich hin; Du wirst mich nicht verdammen, Wenn ich, ich fünder, staub, ich fluch, Bei dir aufrichtig gnade such Und eifer, dir zu leben. 6. Der reue thränen rührten dich Stets, vater! zum vergeben, Auch ich, ich weine bitterlich, Und fleh um gnad und leben. Der größte fünder steht vor dir und fleht: vergieb, o vater, mir Um Jesu Christi willen! 143 7. Umsonst fleht dich mein herz nicht an: Ich weiß, an wen ich glaube, Ich weiß, daß Jesus helfen kann, Drum lieg ich hier im staube, Und fleh und ruf und schweige nicht, Bis Jesus Christus zu mir spricht: Dir ist die schuld vergeben! 8. Stärk meinen glauben, herr! an dich, Wenn ich die last der fünde Und ihre klagen wider mich Mit heißer angst empfinde. Gieb neue kraft mir dann zum flehn, Und laß für mich dich bluten sehn Am kreuze, Jesus Christus! 9. Vergeben kannst du; ach vergieb! Ich falle dir zu fuße. Vergeben willst du; ach vergieb! Verwirf nicht meine buße! Zwar groß ist meine sündenschuld, Doch grenzenlos ist deine huld, O vater Jesu Christi! 10. Hier lieg ich tief zermalmf vor dir, Mit sünd und fluch beladen; Ach neige doch dein ohr zu mir, Du vater aller gnaden! Vergieb mir, wie dein wort verheißt, Vergieb, und schenk mir deinen geist Zu einem bessern leben! Mel. Herr Jesu Christ, du höchftes. 5. Von dir, der du die liebe 264. Herr Jefu Chrift, du Darf vergebung hoffen; Dein vaterherz, o vater! ist Auch mir durch Jesum offen. Wer immer sich ihm treu ergiebt, Wen tief fein tiefer fall betrübt, kann gnade bei dir finden. höchstes gut, Du freude der erlösten! Auf dem des frommen hoffnung ruht, Und deß sich fünder trösten, Wenn sie, vergebung zu empfahn, Mit buß und reu zu dir sich nahn; So komm auch ich, erbarmer! 11. Ach! ohne dich vermag ich nichts, Drum gieb mir luft und stärke. Von dir nur, vater alles lichts! Kömmt kraft zum guten werke. Drum bitt' ich, bester vater! dich, Erfüll durch Jesum Christum mich mit deines geistes hülfe. 2. Beladen komm ich; nimm die last, Mein mittler! mir vom herzen, Der du auch mich erlöset hast, Erlöst mit todesschmerzen, Daß meine seele nicht mit weh In ihren fünden untergeh, Und ohne hülfe zage. 3. welt! Wenn mir, o heiland aller Die menge meiner fünden Aufs herz, wie ein gebirge fällt, Wo kann ich rettung finden? Ich finde sie bei dir allein! Verloren, 144 Von der Buße und Bekehrung. den finden, Den der hat, der dich Mo liebet, Und den die welt nicht giebet. ald noushadhi 4. Wie groß die fünde sey, Du machst von ihr mich frei, Der ich dein kreuz umfasse, Und dir nich überlasse. Du sprichst: dir ist ver ziehen! Und alle schrecken fliehen. 5. Zwar viel noch mangelt mir; Doch, gütigster! von dir Kömmt jede gute gabe, Die ich vonnöthen habe. Du wirst mich unterstüßen, Und in versuchung schüßen. Jesu! würd ich seyn, Wenn ich dein wort nicht hätte. 4. Begnadigung und heil verspricht Es denen, die dich ehren, Die reuevoll zu ihrer pflicht und dir zurücke kehren, Und nun vom sündenjoch befreit, Aus wahrer frommer dankbarkeit Nach deinem rathe leben. 5.Dein herzerforschend auge sieht Der größten fünder einen, Mit heil verlangendem gemüth, Hier auch um gnade weinen. Ach! würd'ge mich gefallenen Des blikkes voll erbarmungen, Den du auf Petrum warfest. 6. Vertrauensvoll erkühn ich mich zu dir empor zu blicken, Du seligmacher, der du dich Freu'st, feelen zu beglücken! Vergiß, 0 du, der gern vergiebt! Das unrecht, welches ich verübt, Tilg es durch deine gnade. 7. Wie groß ist diese seligkeit, Sein herz vor dir zu stillen! Wie edel die entschlossenheit, zu thun, thun, herr, deinen willen! D! leite mich auf dieser bahn, Daß ich, dein fel'ger unterthan, Froh dein gefeß befolge. 8. Der du allein zu helfen weißt, Heil mich Stärk mich mit deinem freudengeiſt In meinen letzten stunden! Und führ mich dann, o Jesu Christ! Dahin, wo freud und wonne ist, Zu deinen auserwählten. Mel. Wo soll ich fliehen hin. 265. Mein gott! wo flieh ich ben bin Von schrecken meiner sünden? Wo kann ich rettung finden? Hilfst du nicht selbst mir wieder, So sink ich trostlos nieder. 2. Ja du, o Jesu! du Russt mir noch gnädig zu. Mit Hoffendem gemüthe Flieh ich zu deiner güte. Du hilfft beladnen feelen, Die dich zum retter wählen. 3. Ich traue nur auf dich; Dein blut floß auch für mich. O tilger meiner fünden! Laß mich den frie6. Wie unerschrocken ruht Das Herz in deiner hut! Du haſt ja felbst verheißen, Nichts soll mich dir entreißen, Der ich dir angehöre, Folg ich nur deiner lehre. 7. Der du mein herz gewannst, Gedanken lesen kannst, Vor dem ich dankbar weine! Du siehest, wie ichs meine, Du siehest mein bestreben, Dir würdiger zu leben. 8. Herr! deß ich ewig bin, Gieb mir den festen sinn, Das alles stets zu meiden, Was mich von dir kann scheiden. So leb ich dir und erbe Den himmel, wenn ich sterbe. Mel. Ach Gott, vom Himmel sieh. vater der barmher falle dir zu fuße, Und thu noch in der gnadenzeit Von ganzem Herzen buße. Was ich nicht recht gethan vor dir, Erbarmer! das verzeihe mir Nach deiner großen güte. 2. Du geber wahrer feelenruh! Nimm von mir, was mich quälet, Durch deine gnade wirke du Sn mir, was mir den geist der heiligung, Daß ich in meiner besserung Von tag zu tage wachse. 3. Und du, o Jesu! der du dich Für uns dahin gegeben, Du haft aus freier huld auch mich Erlöst zum ewgen leben. Mein seligmacher und mein gott! Erbarm dich meiner seelennoth, Und gieb mir deinen frieden. 266. 4. Für fünder floß dein theures blut, Zur rettung vom verderben; Von der Buße und Bekehrung. So komm es denn auch mir zu gut, Im leben und sterben; Es schrecke von der laster pfad, Von jeder unerlaubten that, Mich immerdar zurücke. 5. Geist gottes, meiner feelen licht, Regierer der gedanken! Erinnre mich ans weltgericht, Beginnt mein herz zu wanken, Damit ich jede sünde flieh, Und ehrfucht, geiz und wollust nie Mein herz beflecken möge. 6. Und schlägt die letzte stunde mir, So hilf mir überwinden Laß meine feele- trost bei dir, Du gott des troftes, finden! Belehre mich, daß schmerz und noth, Und felbst der Lette feind, der tod, Mich doch zum Leben führe. 145 ter, der vergiebt, und lieber fegnet, als betrübt. 6. 4. Betrübte folgen meiner fünden! Ach meine schuld, wer tilget die? Du läsfest doch mich ruhe finden, Ich, sprichst du selbst, ich tilge sie! Hab ich nicht auch an Jesu heil, Nicht auch an seiner liebe theil? 6. Sprichst du zu mir: dir ift vergeben! Gestillt ist mein gewissensschmerz, Und will mein zag= haft herz noch beben, So bist du größer, als mein herz. Dein gnadenwort macht alles gut, Und schenket selbst zur tugend muth. 7. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Mein glaube sagt es, daß ichs bin. Der trost, der sich im herzen mehret, Der neue dir ge= weihte sinn, Dies kindliche vers traun auf dich Bezeugt es, du begnadigst mich. Mel. Ach Gott und Herr. 268. Ach gott und herr! Wie Mel. Wer nur den lieben Gott. groß und schwer Sind meine vielen fünden! Wie drückt 267. Allmächtiger, ich staub, mich doch Des elends joch! Wo kann ich hülfe finden? ich fünder, Steh hier vor deinem angesicht! Erbarmer aller menschenkinder, Ach geh mit mir nicht ins gericht! Ich bin zwar deiner huld nicht werth; Doch sie läßt feinen unerhört. 2. Um trost ist meiner feele bange, Die last gehäuster missethat Liegt schwer auf mir, die dich so lange, Gerechter gott! gereizet hat. Weß tröst ich mich, ich schuldiger, Als deiner nur, barmherziger? 3. Soll ich an deiner huld verzagen? Ich, dein geschöpf? das willst du nicht. Du, der mich hat bis jept getragen, Bist ewig meine zuversicht! Du, gott! durch den ich leb und bin, Giebst mich nicht dem verderben hin. 2. Flöh ich gleich weit Voll bangigkeit Bis an des erdreichs enden, Der angst und pein Befreit zu seyn, Würd ich sie doch nicht wenden. 3. Zu dir flieh ich; Verstoß nicht mich, Der ichs so sehr verdienet. Ach geh doch nicht, Gott, ins gericht! Dein sohn hat mich verfühnet. 4. Solls ja so seyn, Daß straf und pein Auf sünde folgen müssen; So fahr hier fort, Nur schone dort, Muß ich auch viel hier büßen. 5. Vergiß der schuld! Gieb mir geduld und ein gehorsam herze, Daß ich mein heil, Mein bestes theil, Durch murren nicht verscherze. 6. Verfahr mit mir, Wies dünket dir! Du stärkst mich, es zu lei den. Nur wollst du mich Nicht ewiglich Von deiner gnade scheiden. 5. Er hat auch mir das recht verdienet, Getrost zu dir empor zu sehn; Und wenn der fünder fich erkühnet, Durch ihn verge- 8. Herr Jesu Christ! Mein' zubung zu erflehn, So bist du va- flucht ist Das kreuz, an dem du 7. Dies thust du nicht; Mit zuversicht Kann es mein glaube hoffen. Durch Christi tod Steht ja, mein gott! Auch mir der himmel offen. K Von der Buße und Bekehrung. starbest, Und mir zu gut, Mit O! so wird ja auf mein flehen deinem blut Die feligkeit erwarbest. Gnade noch für recht ergehen. 6. Gott, du gott der lieb und treue! Laß durch Jesu tod und pein Meine späte buß und reue Dir noch wohlgefällig seyn. Denke doch nicht weiter dran, Wie viel böses ich gethan, Mein undankbar sündenleben Wollst du huldreich mir vergeben. nadal jau 100 7. Vater! heilige mich fünder, Sieh nicht an, was ich gethan, Nimm mich unter deine kinder Wiederum aus gnaden an; Und dann rühm und preif ich dich, Vater, jetzt und ewiglich! Höre mich in Jesu namen, Sprich zu meinen bitten amen! f 146 9. Hier, hier bleib ich, Und wenn auch sich Mein leib und seele scheiden. Ich werde dort Bei dir, mein hort! Ererben ew'ge freuden. 10. Gott, dir sey ruhm! Dein eigenthum Bleib ich in Jesu na men. Ich zweifle nicht, mein heiland spricht: Wer glaubt, wird felig! Amen! 9700 Japá Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 269. Vater! laß mich gnade finden, Tröste mein geängstet herz; Denn die menge meiner fünden Macht mir bangigkeit und schmerz. Siehe, mein gott! wie ich hier Demuthsvoll, Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu. gebeugt vor dir, Reuig, traurig, 270.11nsträflich biſt du, gott, schaamroth stehe, Und dich um gebung flehe. 0 PO 2. Du bist heilig! ich hingegen Bin voll ungerechtigkeit. Was kann dich zur huld bewegen? Ach! auf deine gütigkeit Seß ich meine zuversicht, Denn, herr! sollte dein gericht leber mich nach recht er= gehen, Wie würd' ich vor dir bestehen? notar suje 3. Doch nach deinem wort und lehre Willst du keines sünders tod, Sondern daß er sich bekehre Und frei werde seiner noth. Dieser trost erquickt auch mich. Gläubig, vater! fleh ich dich, Laß für meine schweren fünden Auch mich armen gnade finden. 4. Dein sohn selbst kam auf die erde Und vergoß sein theures blut, Daß ein jeder selig werde, Der hier glaubt und buße thut. Ach! sein kreuz und dornenkron Bring auch ich vor deinen thron; Durch sein heilig blutvergießen Laß auf mich erbarmung fließen. 5. Längst zwar sollt ich seyn gekommen; Doch, herr, deiner gütigkeit Ist dadurch noch nichts entnommen, Noch, noch ist die gnadenzeit. Keine buße ist zu spät, Wenn sie nur von Herzen geht; und dest kein vergehen. Wer kann, herr, willst du richter sein, Wer kann vor dir bestehen? Der fünder bebt vor deiner macht, Dein eifer glüht, wenn er erwacht, Wie ein verzehrend feuer. 2. Du winkst, so bebt vor det nem drohn Der weite bau der wel ten; Unendlich ist der gnade lohn, Dem frommen zu vergelten, Unendlich ist auch straf und tod, Die dein gesetz, du richter! droht, Den fünder zu bestrafen. 3. Wir nahn uns zitternd deinem thron, Und fallen betend nieder; Wend as, herr! deines eifers drohn, Vergieb und segn' uns wieder. Zwar sind wir nicht des segens werth, Groß ist die schuld, die uns beschwert; Doch deine gnad ist größer. 4. So liebreich, wie ein vater sich Erbarmet seiner kinder, Erbarmst du, gott der liebe! dich Der reuevollen sünder. Die willig ihre schuld gestehn, Und dich um gnad und schonung flehn, Die kannst du nicht verstoßen. 5. Wir traun auf deine vaters huld, Die uns dein sohn erwor ben; Er ist zur fühnung unsrer Von der Buße und Bekehrung. schuld Den tod am freuz gestorben. O! laß auch uns durch seinen tod Beruhigung in unsrer noth Und deinen frieden finden. 6. Und stärk uns denn, a gott! wir Dir wohlgefällig leben; Denn welch ein dank gebührt nicht dir, Der unsre schuld vergeben! Dir sey in frommer heiligkeit, Gott! unser leben ganz geweiht! Dann sind wir dein im tode. thin Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 271. gebrochen, Den ich, gott! mit dir gemacht, Oft dir treu zu seyn versprochen und der zusag nicht gedacht. Herr! vor dem ich strafbar bin, Bebend sink ich vor dir hin, Weinend und mit wahrer reue Nah ich mich dir jetzt aufs neue. 147 5. Du, der durch sein wort und stärke Sündern neue herzen schafft, Göttlich stärkt und gute werke In uns wirkt, o geist der kraft! Gieb, daß diese gnade nicht Einst ein strengeres gericht mir durch neue fünden werde, Stärk mich schwaches kind der erde! Mel. Straf mich nicht in deinem Zorn. in deinem 272. Strafe nicht, o heiligs grimme. Höre, herzenskündiger! Meines flehens stimme. Sende du Trost mir zu, Reiß mich aus den nöthen, Ehe sie mich tödten. 2. Wird dies herz im grabe sich Deiner güte freuen? Gott des lebens! todt kann ich Dir kein danklied Rette ich dich, Weil ich hier noch lebe, Dankbar froh erhebe. 3. Nichts, als deine vaterhuld, Kann, mich glücklich machen. Ach! gedenk nicht meiner schuld, Stärke du mich schwachen. Heile mich, Zeige dich mir in deiner gnade, Gott, du gott der gnade! ondi 4. Wann wirst du mich doch erfreun? Wann mir trost gewäh ren? Täglich, helfer! harr ich dein, Und ich hab in zähren Meine nacht Oft durchwacht. Eil, erbarmer! eile Deinem knecht zum heile. 2. Schau, wie ich mich vor dir winde! Dein zorn ist mir fürchterlich. Unerträglich liegt die fünde Auf mir, und sie ängstigt mich, Ihre menge zeigt sich mir. Wo entflieh ich, gott! vor dir, Wenn du fünden und verbrechen, Heiligster! an mir willst rächen? A 3. Vater! vater! dein erbarmen Ist noch größer als die schuld. Deinen sohn gabst du uns armen; Ihn ergreif ich, gott der huld! Durch ihn fleh ich auch zu dir, Nimm, herr! straf und schuld von mir. Um des eingebornen willen Wollst du mich mit trost erfüllen. 4. Heil mir! durch ihn wird vergeben, Sein blut tilget meinen schmerz. Wonne, freude, neues leben Strömt mein beklomm nes Herz. Herz, aus dem jetzt 273. Hum deiner wahrheit Mel. O Gott, du frommer Gott. err! kummer fließt, Laß, da du erhöret bist, Jubel, statt der klagen, tönen! Thränen, werdet freudenthränen! 5. Elend, tief gebeugt bin ich, Und vom seufzen müde, Meine feele sehnet sich nur umsonst nach friede. Ach! wie lang Soll ich bang, Heiland müder seelen! Trübe stunden zählen? 6. Doch, o feele, zage nicht! Gott verstößet keinen, Der ihn fleht mit zuversicht, Er vernimmt mein weinen. Nie vergißt Jesus Christ Seiner theurerlöften; Deß will ich mich trösten. willen. Du bist an gnade reich, Und wirst mein seufzen stillen. Ach! geh nicht ins gericht mit deinem armen knecht. Vor dir, o herr! ist ja Kein sterblicher gerecht. 2. Die größe meiner schuld Schlägt meine seele nieder. Beschämt empfind ich fie; O! tröſte du mich wieder, Daß mir der seele K2 148 Von der Buße und Bekehrung. schmerz Nicht alle kraft verzehrt. Wer ist, der außer dir Mir wahren trost gewährt? BRUGT 3. Zu dir, o treuer gott! Erheb ich herz und hände. Mein heil steht nur bei dir. O daß ich hülfe fände! Für recht laß gnad ergehn; Ich hoffe, herr! auf dich, Zeig mir den rechten weg; Denn nach dir sehn ich mich. 4. Ich will, o stärke mich! Ich will die fünde hassen. Auf deine hülfe nur Will ich mich, gott! verlaffen. Nur das, was dir gefällt, Werd auch von mir gethan. Führ mich durch deinen geist Auf dieser ebnen bahn. 5. Beruhige mein herz Um meines mittlers willen, Laß seines opfers trost Auch mein gewissen stillen. Du bist die liebe selbst Ganz unveränderlich. Dein will ich ewig seyn; O gott, erhöre mich! Meiner feele mich bemühn. Deine güte lockte mich Oft zur bußze; aber ich Floh von ihrem sanften locken, Suchte mich selbst zu verstocken. 5. Ach! an dir hab ich gefündigt, Gott, mein vater! zürne nicht. Dir hab ich oft aufgekündigt Meine schuld'ge kindespflicht. Ach vergieb, was ich gethan! Nimm mich noch erbarmend an, Führe mich vom fündenpfade Schnell zurück durch deine gnade. 6. Dir ergeb ich mich aufs neue. Gieb, daß mein beschwerter geiſt Deiner vaterhuld sich freue, Die dein tröstend wort verheißt. Was dein sohn auch mir erwarb, Da er für die fünder starb, Fried und freude im gewissen, Ach! das laß auch mich genießen. 3. Deine huld war jeden morgen Ueber mir, o vater! neu. Von wie manchen schweren sorgen Machtest du mein Herz mir frei! Was mir nüßte, gabst du mir. Aber ach! wie dankt' ich dir? O wie hab ich so vermessen Deines wohlthuns zweck vergessen! 4. Bei dem hellen licht der gnaden Sollt ich ja die fünde fliehn, Und um rettung von dem schaden 7. Stärke selbst in meiner seele Den entschluß, mich dir zu weihn, Gieb, daß keine fraft mir fehle, Folgfam deinem wort zu seyn. Stehe mir stets mächtig bet, Mache du mich selbst recht treu, Dich zu lieben, dir zu leben. Ewig will ich dich erheben. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 274. Höchster! denk ich an die güte, Die du mir bisher erzeigt, so wird mein ganz gemüthe Zu der tiefsten schaam gebeugt, Daß ich dich gering geMel. Wer nur den lieben Gott. schäßt, Häufig dein gebot verleßt, 275. Gott! dir gefällt kein Und der du mich geliebet, Doch so oft und schwer betrübet. 2. Alle meine seelenkräfte, Meine glieder sind ja dein, Und sie sollen zum geschäfte Deines dienftes fertig seyn. O wie hab ich fie entweiht! Ach! zur ungerechtigkeit Und zum schnöden dienſt der fünden ließ ich mich oft wil lig finden. gottlos Wer böse ist, bleibt nicht vor dir, Drum laß von sünden, mich genesen, Und schaff ein reines Herz in mir, Ein herz, das sich vom finn der welt Entfernt und unbefleckt erhält. 2. Laß mich auf die begangnen sünden Mit inniger beschämung fehn, Durch Christum vor dir gnade finden, Und auf den weg der tugend gehn. Ich will forthin das unrecht scheun, Und deinem dienst mein leben weihn. 3. O! stärke mich in dem gedanfen! Gieb meinem vorsaß festige keit; Und will mein schwaches herz je wanken, So hilf der unentschloffenheit. Wie viel vermag ich, gott, mit dir! Nimm deinen geist nur nicht von mir. Von der Buße und Bekehrung. 4. Gieb, daß er mir stets hülfe Iciste, Und muth und stärke mir verleih, Daß ich mit kindlich treuem geiste Dir bis zum ergeben sey; So steg ich sünd und welt, Und thue, was dir wohlgefällt. tod über 5. Wenn ich indeß aus schwachheit fehle, Miein vater! so verwirf mich nicht. Verbirg nicht der betrübten feele, Wenn sie dich fucht, dein angesicht; Und mache in bekümmerniß Mein Herz von deiner huld gewiß. 6. Erquicke mich mit deinen freuden, Schaff ein getroftes herz in mir, Und stärke mich in allen leiden; So halt ich mich, mein gott, zu dir, Bis nach vollbrachter prüfungszeit Der deinen erbtheil mich erfreut. Mel. Ach Gott und Herr. Rall 276. 2 zirne nicht, Und dein gericht Verschone, gott, mich armen! Denn zürnest du, Wo find ich ruh, Wo mitleid und erbarmen? 2. Ich bin so matt, Und nie mand hat Vermögen, mich zu heilen. Vor deinem dräun Bebt mein gebein; Du wollest, gott, mich heilen. 3. Du dräuest mir! Wie ist vor dir, Herr, meine feele bange! Wie lange soll Ich schreckenvoll Um gnade flehn? wie lange? 4. Ach! deine huld Tilg' alle schuld Der dir verhaßten sünden! Laß ab zu drohn! Durch deinen sohn Laß gnad und heil mich finden. 5. Der quaalen ort Erschreckt mich dort; Dort wirst du nicht erhoben. Wer in der pein Kann dein sich freun, Dir danken und dich loben? 6. was für quaal Folgt auf die wahl Des bösen! welch ein leiden! Gott, welche schaam Und was für gram Auf ekelvolle freuDen? 7. Wie sorgt mein herz, Durch furcht und schmerz Gequälet und 149 zerrissen, Es werde gott Vor meiner noth Sein gütig herz verschließen. 8. Verzweiflung, weich! Entfleuch, entfleuch Aus meinem bangen herzen! Er wird verzeihn! Ihn jammert mein, Ihn jammert meiner schmerzen. 9. Er liebet mich, und hat für mich Selbst seinen sohn gegeben; Wer an ihn gläubt Und in ihm bleibt, Soll nicht vergehn, soll leben. 10. heil der welt, Mein glaube hält Dich, und will dich nicht lassen! Gott liebet dich; Wie kann er mich, Den du ver= söhnt hast, haffen? Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. ir allein hab ich ges 277. Dir fündigt, Herr, bei dem ich gnade such! Dein gerecht gesetz verkündigt Jedem übertre ter fluch. Und was kann vor seinen schrecken, Richter aller welt, mich decken? 2. Kann ich deinem arm ents fliehen? Du bist allenthalben nah, Flöh ich, dir mich zu entziehen, Himmel an, so bist du da. Stürzt' ich in die tiefe nieder, Deine rechte hält mich wieder. 3. Herr, ich flieh in deine hände! Außer dir ist keine ruh. Dein erbarmen hat kein ende: Wer iſt gnädiger, als du? Du bist gott und kannst vergeben; Ach vergieb, und laß mich leben! 4. Groß sind meiner fünde schulden, Ihre last ist mir zu schwer. Ja, wenn länger mich zu dulden, Deine langmuth müde wär; Müßt ich, würdest du nur winken, In des todes nacht versinken. 5. Mich für straflos zu erklären, Reichet keine reue zu, Und zerflöß mein herz in zähren, Fänd ich darum doch nicht ruh. Können eines sünders thränen Dich, o heiligster, verföhnen? 6. Gottversöhner, dein erbarmen, Dein für mich vergoßnes 150 Von der Buße und Bekehrung. blut, Und dein tod erlöst mich armen, Heilet mich und giebt mir muth. Dein verdienst ists, was mich decket, Wenn mich dein gericht erschrecket.ed 7. Rette mich von meinen fünden, Schaff ein reines herz in mir; Laß bei dir mich ruhe finden; Zieh mich immerdar zu dir. Dankbar will ich mich bestreben, mich von der sündigkeit? Mein erlöser! dir zu leben. 7. Du verzeihst mir die gebreNicht die schwachheit wirst du råhinchen Meiner fündigen natur. chen, Bösen vorsatz strafst du nur. Hätt ich den trøſt nicht, ich würde Unter meiner mängel bürde Ganz erliegen, und mich dein, Höchstes gut! nie wieder freun. 8. Ueber Schwachheitssünden. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. plot 278. Ach! wann werd ich von der fünde, Gott, mein vater! völlig frei, Daß ich ganz sie überwinde, Ganz dir wohlgefällig sey? Noch nicht, ich gesteh's mit thränen, Kann ich mich von ihr entwöhnen, Immer noch ereilt sie mich, und versucht mich wider dich. zes triebe! Ch ichs merke, ziehen fie mich zur fünde, die ich flieh. 6. Weh mir, daß ich wider wil len, Ja mit tödtendem verdruß, Oft den hang zur sünd erfüllen Und dir widerstreben muß! Ach! wer wird mich ganz vom bösen, Ganz von mängeln mich erlösen? Ich elender, wer befreit Ganz 2. Längst hab ichs mir vorgenommen, Dir mein leben ganz zu weihn. Redlich, schwur ich, und vollkommen Soll vor gott mein wandel seyn. Allen vortheil, alle freuden, Die mich drohn von ihm zu scheiden, Will ich mit verach tung fliehn; Denn von Herzen lieb ich ihn. 3. Gott! du sahest, wie ichs meinte, Wie ich alle missethat, Der ich schuldig war, beweinte, Und dich um vergebung bat, Welch ein ernstliches beſtreben, Meinem zu tag an, immerdar Meiner buße wirkung war. 4. Auch hat keine Lust zur fünde Wiederum mein herz bethört. Ernstlich haß ich sie und finde Täglich diesen haß vermehrt. Nicht von leichtsinn hingerissen, That ich wider mein gewissen, Hab' auch nicht, so viel ich weiß, Mich verfündiget mit fleiß. 5. Aber ach! wie oft empöret Sich die leidenschaft in mir, Und verführet mich, und störet Meine freudigkeit zu dir! Uebereilung, eigenliebe, Des verborgnen stolStellet mir denn hier auf erden Lebenslang die fünde nach, Kann ich nicht vollkommen werden, Bin und bleib ich hier noch schwach, Ach, so segne mein bestreben, So gerecht ich kann, zu leben, Daß ich doch von heuchelei Und von bosheit ferne sey. 9. Wenn ich falle, laß michs merken, Laß mich streben aufzustehn; Eile, mich, dein kind, zu stärken, Lehre mich selbst fester gehn; Warne mich; sey mein be gleiter; Täglich führe, gott! mich weiter, Bis ich in der ewigkeit Dringe zur vollkommenheit. Mel. Was Gott thut, das ist wohl. 279. Ach! wird denn dein erlöster Frei von der macht der fünden? Sch kämpfe täglich wider sie, Und kann nicht überwinden; Ich haß ihr joch Und trag es doch; Du siehst, herr! dem ichs klage, Wie ungern ich es trage. 2. Weit mehr, mein gott! betrübt mich dies, Als alle noth der erde, Daß ich noch immer nicht gewiß Und fest im guten werde. Wie fürcht ich mich, Ich werde dich, Durch fleisch und blut getrieben, Nicht tren, nicht ewig lieben! 3. Doch ich will ruhig seyn in Von der Buße und Bekehrung. dir, Der du die herzen prüfest! Du kennest uns; nur staub sind wir, Die du ins Leben riefeft. Gott! dein gericht Verdammt uns nicht, Wenn wir nicht schon auf erden, Wie engel, heilig werden. 4. Wir gehn in unvollkommenheit Auf dieses lebens pfade, Doch unsre schwache frömmigkeit Lohnst du auch mit gnade. herz soll rein Von bosheit seyn; So willst du die gebrechen Der menschlichkeit nicht rächen. BeDas 4. Wie oft hab ich mir vorgenommen: Nun will ich meine fünde fliehn! Rein und unsträf lich und vollkommen Zu wandeln will ich mich bemühn! Wie oft, o gott! hat mein gebet Um kraft dazu dich angefleht! 5. Bald reizt aufs neue mich die fünde; Wie schwach war gleich mein widerstand! Ach sie gefiel mir und geschwinde Ergriff fie mich und überwand! Die lust verschwand mir im genuß, Nun folgten ekel und verdruß. 6. Auch diesmal bin ich überwunden! Ach niemals sonst fiel ich so tief! Mein vorsatz war noch nicht verschwunden, Mein Herz schlug, mein gewissen rief; Gott, richter, ich gedacht an dich! Und dennoch, dennoch fündigt ich! 7. Ich sagte mir: gott wird es rächen! Und dennoch, dennoch sündigt ich! Ist ein vergehn, wie mein verbrechen? O wie erschreck ich über mich! Vom drohen dei nes weltgerichts, Erbebt' ich; doch es wirkte nichts. Wider die Lieblingssünde. 8. Dunbegrenzte fündenliebe, Wie werd ich endlich frei von dir? Wie überwind ich deine triebe Und dämpfe dich und sie Mel. Wer nur den lieben Gott. 280. Ah! abermal bin ich in mir? Gott, mein erbarmer! hör mein flehn, Und lehre mich ihr widerstehn. gefallen Mit überlegung und mit wahl! Tief, o wie tief, bin ich gefallen, Vielleicht noch nicht zum legten mal! Elen der fünder, der ich bin! In welchen abgrund eil ich hin! 9. Liebt ich dich nur, so wie ich sollte, So flöh die lust zur fünde mich; Wenn sie mich auch versuchen wollte, Geläng es ihr nicht wider dich, Und deiner wahren liebe glanz Betrübt' und tödtete fie ganz. 2. die verhafte lieblingssünde, die gewohnheit ihrer luft, Der hang, den ich zu ihr empfinde, Wie wüthen fie in meiner brust! Wie unumschränkt, wie fürchterlich Ist ihre herrschaft über mich! 5. Ich weiß, mein mittler Jesus Christ Hat meine schuld ge= tragen. Weil er für mich gestorben ist, Wie könnt ich denn verzagen? Verdammte mich Dein recht, der ich Zwar schwach bin, aber glaube; Was nüßte mir mein glaube? 6. Hilf du mir kämpfen, daß ich, herr! Mich selber überwinde; So werd ich täglich heiliger Und freier von der sünde. Dort, dort wird sie mich ewig nie Von deiner liebe trennen, Mich nie verführen können. 151 3. Längst warnte schon mich mein gewissen: Mensch, du empörst dich wider gott! Von böser luft dahin gerissen, Betrogner, eilst du in den tod! Dir raubt die sünd in kurzer zeit Der erde glück, die seligkeit! 10. pflanze du in meine feele Rechtschaffne lieb' und lust zu dir! Gott, was ich denke, was ich wähle, Das zeuge durch die that von ihr! Dich lieben als dein eigenthum, Das sey mein werk, mein heil, mein ruhm! 11. Dann werd ich endlich überwinden, Und herrscher meiner lüste seyn. Dann wirst du alle meine sünden, Wie viel, wie groß 152 Von der Buße und Bekehrung, fie sind, verzeihn. Mein leben hie, mein lobgefang Im himmel, bater! sey mein dank. Bußlied eines vieljährigen Sünders unter den Folgen seiner Laster. a he Hall Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 281.ndlich wachet mein gewissen Aus dem langen schlummer auf, und prüft, spät von reu zerrissen, Ernsthaft meines lebens lauf, Zeigt mir thorheit und verbrechen, Und ruft drohend: gott wirds rächen! Nichts als unsinn zeigt es mir, Sünder, fünder, wehe dir! schmach! 3. Wo ist nun die lust der fünde, Die sie mir gewiß versprach? Wie verrauschte sie geschwinde, Und ließ graun und ekel nach! Nunmehr, o ihr eiteln freuden! Stürmen täglich neue leiden Unvermeidlich auf mich zu, Und mich flieht des lebens ruh. 2. Was hab ich seit so viel jahren Von den fünden für genuß? Lauter schrecken und gefahren, Seelenunruh und verdruß! Laster, quellen meiner schmerzen, Ihr lohnt mich mit angst im herMel. Herr, nicht schicke deine Nache. zen! Zügellos lief ich euch nach; 282. Endlich muß ich mich gram und pein und 4. Alles ist für mich verloren, Glück, gesundheit, gut gerücht; Mich verspotten jetzt die thoren, Weiser mitleid find' ich nicht; Leben mag ich nicht, nicht sterben; Unabsehliches verderben Grenzt, o fünde, nah mit dir! Was für hoffnung bleibt nun mir? 5. Ich weiß, ewig werd ich leben, Ewig ist der fünde pein, Meinen lohn wird gott mir geben, Schrecklich wird mein urtheil seyn! Ich verschmähte seine liebe: Wenn nun ungestraft ich bliebe, Der ihm trotzt ins angesicht, So wär' er der richter nicht. schwörst? Vor dir weinen. zu dir beten? Hoffen, daß du mich erhörst? Strenger richter! mein herz bebet; Aber deine lieb erhebet Den gefunknen muth in mir, Und erweckt vertraun zu dir. 6. Darf ich jetzt noch vor dich treten, Der du fündern strafen 7. Wenn ich noch der fünd ent fage, Noch fie fliehe, wie den tod, Noch nach deinen rechten frage, Ernstlich ehre dein gebot: Wenn ich noch in deinem sohne Dich anruf: o vater, schone! Habe noch mit mir geduld! So vergiebst du meine schuld. 8. ört es, himmel! erde, hö re! Zeuget zwischen gott und mir! Ewiger! vergieb! ich schwöre Bei dem tode Jesu dir Kindliche und stete treue! Gott! erbarm dich, und befreie Von der fünden elend mich. Bis ans grab, herr! fürcht ich dich. voll forderts mein gewissen! Wie viel jahre sind mir schon Ungenüßt zum heil entflohn! Will ich noch das ziel ereilen, Darf ich mich nicht mehr verweilen, Ein verlorner augenblick Setzt mich nun schon weit zurück. 2. Gott! wie hab ich dich erkennen, und mich doch bereden können, Glauben ohne besserung Sey zur seligkeit genung? Wußt ichs nicht, die deinen willen Wissen, aber nicht erfüllen, Die er= kenn einst im gericht Jesus für die seinen nicht? 3. Daß der heiligen vertreter Jenen sagte: missethäter, Weicht von mir! an meinem Heil Hat kein knecht der fünde theil! Daß ihr glaube ohne früchte Sie nicht schüß im weltgerichte, Hatt' er das nicht selbst gelehrt? Hatt' ichs nie von ihm gehört? 4. Dennoch lag ich ohne kummer In der Lüste fanftem schlummer, Und verträumt' in sicher heit Meine theure kurze zeit! Von der Buße und Bekehrung. 153 Wollte ja durch seine schrecken mich, geheiliget durch dich, Einst Mein gewissen mich erwecken, deinen himmel finden. Sprach ich fünder: Jesu tod Hat mich ausgeföhnt mit gott! ps Into Bei einbrechenden göttlichen Strafgerichten. 5. Ich betrogner! ach vergebens die beste zeit des Lebens, ein pfeil, vor mir dahin, Mel. O Gott, du frommer Gott. Und noch bin ich, der ich bin! 284. Gott ist die liebe felbst; Sein erbarZügellos sind meine triebe, Unerwärmt mein herz von liebe Mietnes gottes! o wie weit Steh ich von der feligkeit! 6. Eile, rette dich, o feele! Fühle die gefahr, verhehle Dir nicht länger deine schuld, Flehe gott an um geduld! Wirf dich reuig vor ihm nieder, Sündige hinfort nicht wieder, Jage nach der heiligung, Bringe frucht der besserung. 7. Dann erst wirst du's recht empfinden, Daß für alle deine sünden Jesus die versöhnung ist, Und daß du begnadigt bist. Ohne wieder abzuweichen, Wirst du noch dein ziel erreichen, Und am ende deiner bahn Der erlösten kron empfahn. Ging Wie Bußlied für junge Leute. Mel. Ich dank dir, Gott, durch. 283. Ah, wie viel böses wohnt in mir! Wer zählt, wie oft ich fehle? Ich fühl es, herr, und klag es dir, bere meine seele! 2. Ich wandle auf der fünder bahn, und bin zum guten träge. Herr! nimm dich meines elends an, Und lehr mich deine wege. 3. Verkehrt und eitel ist mein finn, Geneigt zu jugendlüften; Oneige meine seele hin zur freude wahrer christen. 4. Mich reizt der eitelkeiten tand Mehr, als das heil der seelen; Herr! gieb mir weisheit und verstand, Das beste theil zu wählen. 5. Mein gott, mein gott, gedenke nicht Der fünden meiner jugend! Erinnre mich an meine pflicht, Und lehre mich die tugend. 6. Mein Jesu, ach erbarme dich, Vergieb mir meine sünden! Laß men und seine langmuth trägt Verschonungslos uns armen Doch wenn die erde sich Empört und lastern fröhnt, Entbrennt sein eifer und Verzehrt den, der ihn höhnt. 2. Bereit auf seinen wink Stehn fürchterliche plagen. Erwacht sein strafgericht, So müssen völker zagen. Der krieg geht blutig aus, Und würgt auf fein gebot, Die peſt verheert ein land, Und reißt schnell in den tod. 3. Es zittert die natur, Wenn sich der höchste reget; Die erde bebt, das meer Wird schreckenvoll beweget, Wenn auf der winde flug Gott rächend daher geht, Und ganzer völker sünd Vor sei= nem antlig steht. 4. Welch ungewitter schnaubt Und braust daher von oben! O hört es, fünder! hört, Wie seine donner toben! Gott zebaoth droht uns! Ach laß uns zu ihm gehn, Und seinem strafgericht Durch buße widerstehn! 5 schone, schone noch, Vertilg uns nicht als feinde! Zu dir flehn wir, o gott, Dem großen menschenfreunde! Du dürftest nicht nach blut; Nein, deine vaterhand Stäubt nur zur besserung Ein ungehorsam land. 6. So ruchlos ist die welt, Als ob kein gott nicht wäre! Ihr fünder, sollte er Nicht rächen seine ehre, Wenn ihr die unschuld plagt, Die armen unterdrückt, Der unzucht sclaven seyd, Und euch mit schande schmückt? 7. Der allerheiligste, Den ganze rotten schmähen, Soll eure gräuel stets Nur stumm und schwei 154 Vom Glauben. gend sehen? Wenn ihr das recht verkauft, Der wittwen ernte speist, Wenns laster schaamlos geht, Und nicht mehr laster heißt? 8. Soll sich der große gott, Vor dem sich welten beugen, Nur gütig, nie gerecht, Nie sich als rich ter zeigen? Die erde soll das lob Des schöpfers predigen; Ihr the gloos Gin asid and Vom 9. Sein eifer ist entbrannt; Eilt ihm mit buß entgegen! Noch lässet sich sein herz Zur gnad und huld bewegen. Holt euch erst seine rach Auf laſterwegen ein, Dann wird kein helfer mehr Und keine rettung seyn. ad G 19tül and an ichin THE st Mel. Es ist das Heil uns kommen. 285. Es ist das heil uns kommen her Aus gottes freien gnaden. Die werke Helfen nimmermehr, Der bürd uns zu entladen, Der glaube sieht auf Je fum Christ, Der unser mittler worden ist, Der uns das heil er worben. Glauben. 2. Da man, was das gesetz gebot, Nicht völlig konnt erfüllen, Erschreckt uns zorn und große noth, Die niemand mochte stillen, Der fünde macht nahm immer zu, Nichts gab uns fündern trost und ruh Beim fluche des gesetzes. 3. Und doch mußt es erfüllet seyn, Sonst mußten wir verder ben. Drum stellt vor gott sein sohn sich ein, Als mensch für uns zu sterben. Der hat es ganz für uns erfüllt, Damit den schweren zorn gestillt, Deß last uns alle drückte. schändet seine welt Durch stetes fündigen. In 4. Da es durch den erfüllet ist, Durch welchen wir genesen, So lern und fasse wohl, o christ! Des glaubens rechtes wefen; Der glaube spricht: du, herr, bist mein, Dein tod wird mir das leben seyn, Du haft für mich gebüßet. 5. So glaub ich fest und zweifle nicht, Dein wort wirst du nicht brechen, Wenn alle welt die treue bricht, Hältst du doch dein versprechen. Wer glaubt an dich und wird getauft, Dem ist die feligkeit erkauft, Der gehet nicht verloren. hd me to med fjöl s@ 81 BER toudly 6. Vor gott gerecht sind die al lein, Die dies von herzen gläu ben. Die werke sind des glaubens schein, Ohn den wird er nicht bleiben. Er lehrt, in gottes wil len ruhn, Er lehrt, dem nächsten gutes thun, Geduld und sanftmuth üben. 7. Schlägt das geseß den eigenruhm Durch seinen fluch darnieder, Gleich eilt das evangelium, Und stärkt den fünder wieder. Dies spricht: komm nur zum kreuz her zu! Denn das geseß giebt keine ruh Mit allen seinen werken. 8. Die werke kommen allzeit her Aus einem rechten glauben, Weil das kein rechter glaube wär, Wenn man ihm die wollt' rauben. Von schuld macht nur der glaube los, Die werke dienen andern bloß, Den glauben dran zu merken. 9. Der glaub ergreifet Jesum Christ, Sein kreuz, verdienst und sterben, Dadurch uns nun erwor ben ist, Was keiner konnt erwer ben. Die eigene gerechtigkeit Thut nichts dabei, ist wie ein kleid, Daß durch und durch beflecket. 10. Doch wenn man durch den glauben nun Gerechtigkeit empfan gen, Muß man auch rechte werke thun, Und fest am guten hangen, Da, wer gottloses wesen treibt, Im glauben nicht beständig bleibt, Ihn durch die that verleugnet. 11. Wer bei gott gnad erlanget hat, Muß ihn vor augen haben, Vom Glauben. Daß er bei ihm sucht hülf und vor dir bestehen; Drum wend rath, Ihm dankt für alle gaben, In seiner furcht freiwillig Des fleisches lüften widerstrebt; Dies ist der weg zum leben. lebt, ich mich zu dir Mit demuthsvollem flehen: Dzünde selbst in mir Den wahren glauben an, Weil ich durch meine kraft Ihn mir nicht geben kann. Isa, p 12. Wer aber sicher gehet hin, Thut, was ihm nur beliebet, Lebt fort nach seines herzens sinn, Den Lüften sich ergiebet, Ruft gott nicht an, daß er ihn führt, Mit seinem geift ihn stets regiert, Der läuft den weg zur Hölle. 2. Dein daseyn laß mich, gott! Mit überzeugung glauben. Nichts Aus meinem müsse mir das wort 2 herzen rauben, Daß du dem, der dich sucht, Stets ein vergelter feyst, Und hier und ewig ihn Mit deinem heil erfreust. 13. Den meidet jeder, der recht gläubt, Bewahrt, was ihm ge= geben, Sieht zu, daß er das fleisch betäubt, Sehnt sich nach jenem leben, Dient seinem näch sten, ehrt und preist In Christo gott mit stillem geist, Es geh ihm, 3. Wahrhaftig ist dein wort, Laß mich ihm völlig trauen. Nie wanket deine treu; Laß mich dars auf stets bauen. Gieb, daß ich dir im glück Und unglück stets getreu, Und dem, was du gebeutſt, Von Herzen folgsam fey. wie es wolle. 4. Laß mich, mein Jesu! dich Im glauben recht erkennen, Dich, meinen herrn und gott, Mit gan Laß mich im zer seele nennen. glauben thun, Was mich dein wort gelehrt, Daß dich herz, mund und that Als meinen heiland ehrt. 14. Die hoffnung wartet still der zeit Nach göttlicher zusage, Bestimmt zur hülf in unserm leid Dem höchsten nicht die tage. Er weiß wohl, wenns am besten ist, Er, der die seinen nie vergißt, Und will, daß wir ihm trauen. 15. Verbirgt er je fein ange sicht, Das laß dich nicht erschrek ten, Selbst, wenn er schon dein joch zerbricht, Will ers oft nicht entdecken. Sein wort laß dir gewisser seyn, Und ängstigt dich des zweifels pein, So laß dir doch nicht grauen. 16. Von allen zungen sey gepreist, Um dieser gutthat willen, Gott vater, sohn und heil'ger geist! Du selber wollst erfüllen Dein in uns angefangnes werk, 3u ehren deiner größ' und stärk, Dein name werde heilig. 155 Mel. Gott, du frommer Gott. err, ohne glauben kann Kein mensch 286. H 5. Dein göttliches verdienst Sey mir, o herr! stets theuer; Es fülle mich mit trost, Es mache mich stets freier Vom eiteln lasterdienst, Es stärke mich mit kraft Zu deines namens ruhm In meiner pilgrimmschaft. 17. Dein reich komm, daß dein Mel. Jesu, meine Freude. wille mag. Wie droben, bier ge 287. Wie getroft und het schehen. uns Du gebenedet den tag, Verzeih uns die vergehen, ter, Machst du meinen geist! Der Als wir den schuldigern verzeihn. du, die dir trauen, Führst zu Versuchung laß fern von uns seyn, grünen auen, Und so gern erHilf uns vom bösen. Amen. freust! Niemals wird Bei dir, o hirt Und beruhiger der seelen! Mir erquickung fehlen. 2. Deinem rath ergeben, Freu ich mich zu leben; Was du willst 6. Wie felig leb ich dann Im glauben schon auf erden! Wie herrlich wird mein theil Dereinst im himmel werden! Dann schau ich, was ich hier Geglaubt, in ew'ger ruh. stark im glauben mich, Gott meines heils, dazu. 156 Vom Glauben. ist gut. Nichts vermag ich schwacher, Du, mein seligmacher! Nüstest mich mit muth. Wenn die welt Erbebt und fällt, Wenn gericht und hölle schrecken, Willst du mich bedecken. 3. Ich kann ohne grauen Gräber vor mir schauen, Mein erlöfer lebt! Ich weiß, wem ich glaube, Weiß, daß aus dem staube Mich sein arm erhebt. Todestag! Dein schrecken mag Eines frevlers herz erschüttern; Was brauch ich zu zittern n? 4. Auch in mir ist fünde; Doch ich überwinde Ste, mein hort! durch dich. Sink ich oft noch nieder, Du erhebst mich wieder, begnadigst mich. Tilgt meine schuld, Nie entziehst du deinem knechte Der erlösten rechte.. 5. Daß ich gott erkenne, Und ihn vater nenne, Und mich ewig sein, Daß ich noch am grabe Troft und hoffnung habe, Dank ich dir allein. Daß dein geist Mich unter weist Und mich führt auf deinem pfade, Das ist deine gnade. 6. Der du blut und leben Hin für mich gegeben, Daß in meiner noth Ich nicht hülflos bliebe; Groß ist deine liebe, Stärker als der tod! Herr! und ich, Ich sollte mich Deiner huld nicht dank bar freuen? Dir mein herz nicht weihen? 7. Würdig dir zu leben, Dies sey mein bestreben, Meine lust und pflicht! Was die welt vergnüget, mein heil! das gnüget Meiner feele nicht. Hab ich dich, Wie gern will ich Das, wonach die fünder trachten, Reich in dir, verachten. 8. Macht ein gut der erde, Daß ich glücklich werde? Giebts zu friedenheit? Sind nicht auch die ehren, Die die welt bethören, Traum und eitelkeit? Du erfreuft Des menschen geist; Herr! du willst, die dich verehren, Ewig wieder ehren. 9. Deinen hohen frieden Schmed ich schon hienieden; Und was hoff ich dort? Unbegrenzte zeiten Voller seligkeiten Hoff ich auf dein wort. Sie sind mein Durch dich allein; Bleib ich dir getreu im glauben, Wer kann sie mir rauben? tr 10. Voll von deiner güte Lob singt mein gemüthe, Gott, mein Heiland, dir! Dieser geist der freuden Stärke mich im Leiden, Weiche nie von mir. Laß mich so Beherzt und froh Einst durchs thal des todes dringen, Dort dein lob zu singen. ang im Mel. Wer nur den lieben Gott. 288. Ich habe nun den grund meine hoffnung ewig hält, Wo anders, als in Jefu wunden? Da lag er vor der zeit der welt, Ein grund, der unbeweglich steht, Wenn erd und himmel untergeht. 2. Es ist das ewige erbarmen, Das alles denken übersteigt; Es sind die offnen liebesarmen Deß, der sich zu dem fünder neigt. Er geht nicht mit uns ins gericht, Und will den tod des sünders nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen seyn; Deswegen kam sein sohn auf erden, Und nahm den himmel siegreich ein. Nun ruft sein wort und geist uns zu: Kommt her zu mir, bei mir ist ruh! 4. D abgrund, welcher unfre sünden Durch Christi tod verschlungen hat! Das heißt, die wun den recht verbinden, Da findet kein verdammen statt, Weil Chri sti blut beständig schreit: Barmherzigkeit, barmherzigkeit! 5. Darein will ich mich gläubig senken. Dem will ich mich getrost vertraun; Und wenn mich meine fünden fränken, Nur bald nach gottes herzen schaun, Da findet sich zu aller zeit Unendliche barmherzigkeit. 6. Wird alles andre mir entrissen, Was leib und feel erquit 157 ken kann, Muß ich des lebens Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. steh freuden missen, und nimmt kein 290. V ich hier, Dein herz freund sich meiner an, Scheint die errettung noch so weit, Mir bleibet doch barmherzigkeit. 7 Muß ich selbst an den besten werken, Die ich in dieser welt gethan, Viel unvollkommenheit bemerken; Dies treibt mich zwar zur Demuth an, Doch ist mir auch der trost bereit: Ich hoffe auf barmherzigkeit. 88 Es gehe nur nach dessen wil len, Bei dem so viel erbarmen ist; Er wird gewiß sein wort erfüllen, Er, der die seinen nie vergißt; Sie währet ja in ewigkeit, Die göttliche barmherzigkeit. sehnt sich nach trost bei dir; Was darf ich armer sagen? Ach! groß ist meine missethat; Doch, mittler! deine huld und gnad läßt sünder nicht verzagen. Herr Jeſu! dein verdienst allein Macht mich von allen sünden rein, Wenn ich in wahrer reu und buß An dich glaub und dir fall zu fuß Herr Jesu Chrift! Ich glaub an dich, ich traue dir, Ich will mich bes sern; hilf du mir. 9. Auf diesen grund will ich stets bauen, So lang ich hier auf erden bin; Der gnade gottes will ich trauen. Fällt alles andre gleich dahin; So sing ich einst nach die fer zeit: O abgrund der barmherzigkeit. Vom Glauben. Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. ch komme, friedens291.3 fürst! zu dir. Erbarmend rufst du ja auch mir, Den fries den zu empfangen. Der finden laſt ist mir zu schwer; O! laß mein herz von trost nicht leer, Laß es die ruh erlangen, Die du dem tief gebeugten geist, Der zu dir fliehet, selbst verheißt. Wer tröstet mich, als du allein? Wer macht mein Mel. Allein zu dir, Herr Jefu Chrift. 289. Auf dich allein, herr Je- herz von fünden rein? Herr Jeſu Christ, Mein trost und licht!:,: Verwirf, verwirf du mich doch nicht. su Christ! Soll mein vertraun sich gründen, Auf dich, der du mein heiland bist; Sonst ist kein heil zu finden. Es ist kein retter außer dir, Kein mensch, kein engel, welcher mir Aus meinen nöthen helfen kann; Dich ruf ich an, Du bists, der helfen will und kann. 2. Erlöser! meine schuld ist groß; Sie reuet mich von Herzen. Er barme dich und sprich mich los Durch deines todes schmerzen. Weil du für mich genug gethan, Nimmt mich auch gott zu gnaden an, So bin ich los der fündenlast, Mein glaub umfaßt Dich, der du sie getragen hast. 2. Anbetend steh ich, herr, vor dir; Dein antliß neige du zu mir, Und sey mir fünder gnädig. Wenn mein vergehn um rache schreit, So mache aus barmherzigkeit Mich aller strafe ledig. Der du am kreuz gelitten haft! Du trugest ja auch meine last, Als du zum heil der sünder starbst, Und ihnen gottes huld erwarbst. Herr Jesu Christ! Mein herr und gott!:,: Erlöse mich durch deinen tod. 3. Du, du bist meine zuversicht, Durch dich entflieh ich dem gericht, Dem schweren lohn der fünden. Durch dich kann ich dem fluch entgehn, Und mich mit gott vereinigt sehn, Und ew'ges leben finden. Dein tod ist der verlornen heil, Gieb mir an seinem segen theil, Er sey auch mir beruhigung Und meines Lebens heiligung. Herr Jes 3. Hilf, daß ich meines glaubens kraft Durch wahre lieb erweise, Ja, mache du mich tugendhaft, Zu deines namens preise. Sey mir in meiner prüfungszeit Ein helfer voll barmherzigkeit; Und naht die lepte stunde sich, Dann zeige dich In deiner gnad, und rette mich. 158 Vom Glauben. fu Chrift! Ich hoff auf dich!:,: In dieser hoffnung stärke mich. 4. Mein ganzes Leben preise dich. Erlöst, mein mittler! hast du mich, Dein eigenthum zu werden. Wenn ich dein bin, so fehlt mir nichts, Nichts einst am tage des gerichts, Nichts hier auf dieser er den. Auf dieser bahn zum vaterland Entzieh mir niemals deine hand, zu deinem dienste stärke mich, Und laß mich siegen einst durch dich. Herr Jesu Christ, Mein herr und gott!:,: Ein leben sey mir einst der tod. Um Stärkung des Glaubens. 2. Ich glaube zwar an dich, Doch nur mit schwachem glauben, Oft will die zweifelsucht Mir alle hoffnung rauben. Wer macht das Herz gewiß, Als du, o herr! allein? Laß deine hülfe doch Von mir nicht ferne seyn.dan 3. Dreiche du mir selbst Aus gnaden deine hände, Hilf meiner schwachheit auf, Daß mich nichts von dir wende. Ist schon, dem fenfkorn gleich, Mein glaube noch sehr klein, So laß ihn doch bei mir In stetem wachsthum seyn. Mel. D Gott, du frommer Gott. 292. Herr, allerhöchster gott! für mich gegeben, Sollt ich nicht Von dem wir alle gaben, Und was uns nüßlich ist, Durch flehn und bitten haben. O! fieh erbarmend mich In meiner schwachheit an, Weil ich, so wie ich will, Dir nicht vertrauen kann. aus dank und pflicht An ihm hangen und ihm leben? Er ist meines lebens licht; Meinen Jesum laß ich nicht. 4. Gieb, daß die zuversicht In meinem geist sich mehre, Daß du mein vater seyst, Und ich dir angehöre. Daß alle meine schuld Von dir vergeben sey; Damit mein herz sich dein, Als seines gottes, freu. Für deine jünger batest, Und wenn sie wanketen, Beim vater sie vertratest; D! unterstüß' auch jetzt Mein sehnliches gebet, Und schenke glaubenskraft Dem, der dich darum fleht. bister 7. In deiner mittlershand Ift heil und aller segen. Herr! unterftüße mich Auf allen meinen we gen, Daß ich des glaubens ziel, Der seelen seligkeit, Erlange und dich preif' In alle ewigkeit. 02 Der an Jesu festhaltende Glaube. gaina do G 5. Mach diese zuversicht In mir, o gott! so kräftig, Daß ich mein lebenlang In deinem dienst geschäf= tig Und stets beflissen sey, 3u thun, was dir gefällt; So hab' ich, gott! in die Den himmel auf der welt. 6. Mein heiland! der du einst Mel. Jesus, meine Zuversicht. nolla 293. Me einen Jesum laß ich Da er model amstrin 2. Jefus bleibt mein theil und ruhm Bis an meines Lebens ende, Ihm geb ich zum eigenthum Ganz mich hin in seine Hände. Er ist meine zuversicht; Meinen Jesum laß ich nicht. 3. Wenn mein auge schon ver lischt, Wang' und lippen sich ents färben, Mich kein labsal mehr erfrischt, Alle sinne mir ersterben, Und das matte herz nun bricht, Laß ich meinen Jesum nicht. 4. Dort auch laß ich Jesum nie, Hange stets an seinen blicken; Denn nach dieses lebens müh Leuchtet dort, mich zu erquicken, Ewig mir sein angesicht. Meinen Jesum laß ich nicht. 5. Weder welt noch freude ists, Was mein sehnend herz begehret. Du allein, mein Jefu, bists! Denn für mich mit fluch beschweret, Wandtest du zorn und gericht. Dich, mein Jesu! laß ich nicht. 6. Dich, mein Jesu! halt ich fest, Laffe nichts von dir mich scheiden. Weh euch, die ihr sein vergeßt, Ihr beraubt euch ewger freuden! Selig aber, der da spricht: Meinen Jesum laß ich nicht! Getroster Muth eines im Glauben befestigten Christen. Vom Glauben. 8. Da ist mein theil und erbe, Ich steh voll zuversicht; Wenn ich gleich fall und sterbe, Fällt doch mein himmel nicht. Und muß ich gott für so mit zähren meinen weg 294. I trete Gleich alles wi- bestreun, Dort ernt' ich ohn' auf9. hören Die frucht des friedens ein. Was kann mich jemals scheiden Vor deiner lieb, o gott? Verfolgung? trübſal? leiden& Schwert? hunger? blöße? tod? Nichts, nichts! ich überwinde In dem, der mich geliebt, und sich für meine fünde Zum opfer selber giebt. 49) 10. Nichts, was wir hier erheben, Nicht engel, fürstenthum, Nicht dies noch jenes leben, Nicht macht, gewalt und ruhm, Nichts, was wir denken können, Soll mich ( dies weiß der christ) Von gottes liebe trennen, Die da in Christo ist. Mel. Herzlich thut mich verlangen. he der mich, So oft ich ruf und bete, Zeigt er mit hülfe sich. Hab ich nur ihn zum freunde, Ist er mein helfer, gott; Was kann mir thun der feinde Und widersacher spott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, Ich weiß es als ein christ, Daß gott der höchst und beste, Mein freund und vater ist; Daß er zu allen zeiten Mir seine hände reicht, Im kampfe mir hilft streiten, In noth von mir nicht weicht. 3. Der grund, drauf ich mich gründe, Ist Christus und sein blut, In ihm ists, daß ich finde Das wahre ewge gut. An mir und meinem leben Ist nichts, das mir gehört; Was Christus mir gege= ben, Ist nur der liebe werth. 159 mein und ehre, Er ist mein glanz und licht. Wenn er nicht bei mir wäre, So käm ich ins gericht. Und wie wollt ich bestehen, Ach! ich, der sünden knecht? Läßt gott sich gütig sehen, So ist er auch gerecht. 5. Doch meiner fünden schmerzen Nahm Jesus selbst auf sich, Er gab dem franken Herzen Die ruh, und heilte mich. Ich darf mich seiner freuen Mit unerschrock nem muth, und kein gericht mehr scheuen, Gereinigt durch sein blut. 6. Nichts, nichts kann mich verdammen, Nicht welt und himmel nicht, Nicht höll und ihre flammen, Nicht jenes strafgericht. Mir ist das heil erworben, und meine schuld gebüßt, Da er für mich gestorben Und auferstanden ist. 7. Sein geist spricht meinem geiste Manch füßes trostwort zu: Wie gott dem hülfe leiste, Der bei ihm fuchet ruh, Und wie er hab' erbauet Ein' edle neue stadt, Wo aug und herz einst schauet, Was es geglaubet hat. Glaubensfreudigkeit. 295. Debich, Dank ihm, Mel. Schwing dich auf zu deinem. eines gottes freue meine seele! Sorget er nicht väs terlich, Daß kein gut dir fehle? Schüßt dich seine vorsicht nicht, Wenn gefahren dräuen? Ists nicht wollust, ists nicht pflicht, Seiner dich zu freuen? 2. Ja, mein gott! ich hab in dir, Was mein herz begehret, Meinen vater, der mich hier Wartet und ernähret, Der mich durch sein göttlich wort Hier zum guten lentet, Und mit himmelswonne dort Meine seele tränket. 3. Wenn ich ernstlich dein gebot Und mit freuden übe, Wenn ich kindlich dich, mein gott! Fürcht und ehr und liebe; wie ist mir dann so wohl! Wie ist mein gemüthe Seliger empfindung voll, Voll von deiner güte! 4. Dann darf ich mit zuversicht Nach dem himmel blicken, Meine leiden fühl ich nicht, Wie sie mich auch drücken. Hoffnung und zu friedenheit Wohnen mir im her 160 Vom Glauben. zen, Trösten und erhöhn mich weit Ueber alle schmerzen. 5. Du bist mein, so jauchz' ich dann! Wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ichs rühmen kann: Mein ist deine gnade! Dir ist meine wohlfahrt werth, Du gabst mir mein leben, Wirst auch, was mein leben nährt Und erfreut, mir geben. 6. Jesus ist nach deinem rath In die welt gekommen, Alle meine missethat Hat er weggenommen. Ihm vertrau, ihn bet ich an, Glaub an seine leiden; Und die macht der fünden kann mich von dir nicht scheiden! 7. Dich, du trost der sterblichkeit, Heil des bessern lebens, Himmlische vollkommenheit Such ich nicht vergebens! Wenn mein lauf vollendet ist, und vollbracht mein leiden, Ruft mein mittler Jesus Christ Mich zu deinen freuden. 8. Meine freud' in dir, mein gott! Wird dann ewig währen; Noch so furchtbar sey der tod, Er kann sie nicht stören; Willig werd ich mein gebein Der verwesung geben; Herr! dein tag bricht bald herein, Mit ihm neues leben. 9. Gieb mir, gott! so lang ich hier Auf der erde walle, Das bewußtseyn, daß ich dir Als dein tind gefalle. Diese sanfte freudigkeit, Die ich zu dir habe, Sey mein heil zu dieser zeit, Und mein trost am grabe. 10. Laß die lust der sünde nie Dieses heil mir rauben, Rüſte selbst mich wider sie Mit vernunft und glauben. Gieb mir deinen geist, der mich Und mein thun regiere, Daß ich mein vertraun auf dich Ewig nicht verliere. Beständigkeit im Glauben. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 296. ch weiß und bins gebir, gottessohn! durch dich Von Gelobt sey aller meiner fünde. gott! ich bins gewiß; Hilf, o er retter! daß ich dies Bis an mein end' empfinde. 2. In dieser lasterhaften zeit Des leichtsinns und der sicherheit Wach über meinen glauben. Du menschenhüter! wache du, Daß keine zweifel meine ruh meinen trost mir rauben. Und 3. Den spott der frevler über dich Und deinen tod am freuz laß mich, Wie ers verdient, verachten. Mit desto stärkerer begier Laß met ne seele, gott! nach dir Und deinem reiche trachten. 4. Wenn mir die welt gelegen. heit Zur sünde giebt, zur eitelkeit, Und zu verbotner freude, So dämpfe du in meiner brust Die angeborne böse lust, Daß ich sie standhaft meide. 5. Ich möchte sonst, durch sie verführt, Die fünde, die den tod gebiert, Mich übereilen lassen, Mich dann aus fündenlust bemühn, Vom glauben abzugehn und ihn, So wie die welt, zu haffen. 6. Wenn meine freudigkeit zu dir, Mein glaub und meine hoffnung mir, O gott! entrissen würde, So würde nichts mich mehr erfreun, Verhaßt mir selbst dein wohlthun seyn, Mein leben eine bürde. 7. Nach deinem himmel würd' ich nicht, Mit freud und trost im angesicht, Mit seelenwollust sehen; Ich würde den gedanken fliehn, Daß ich einst auch gehofft, für ihn Vom tod hervor zu gehen. 8. Der hölle schrecken würden mich, Der ich von meinem glauben wich, Gott! fürchterlich ergreifen, Schwer auf mir liegen angst und schmerz, Und furcht in mein verwundet herz Mit jedem tage häufen. 9. Der du für meine fünden starbst, und hoffnung mir und trost erwarbst! Laß mich so tief nicht wandel fallen; Erhalt mir meines glaudu Nach deinem wohlgefallen. Vom Glauben. Mel. Du, o schnödes Weltgebäude. for Kampf des Glaubens. 297.Stärke, denn oft will SE Mel. Es woll' uns Gott genädig. er wanken, Meinen glauben, gott, an dich! wie 298. hr mitgenoffen! auf GA wird mein herz dir danken! froblocken! böre mich! Laß mich nicht an dir verzagen, Immer fühn're blicke wagen. Sinkt mein schwacher glaube hin, Nicht ihn auf, und stärke ihn. 2. Wollen zweifel sich erheben, Blendet mich des irrthums schein, O so laß mein herz nicht beben, Den verstand nicht dunkel seyn. Zeige du dein licht mir wieder, Ströme glauben auf mich nieder; Deiner wahrheit heller glanz, Der entwölfe sich mir ganz. 3. Nur auf dein wort, nicht auf lehren Schwacher menschen, laß mich sehn, Deine stimme laß mich hören, Deine stimme recht verstehn. Mehr, als zeugniß aller welten, Laß mir, gott! dein zeugniß gelten. Richte meinen ganzen sinn Nur auf deine wahrheit hin. 4. Nechten glauben schenk vor allen Andern gaben, vater! mir. Wem er fehlt, muß dir mißfallen, Wer ihn hat, ist eins mit dir. Er belebe meine triebe, Sey der stab, die hand der liebe; Er befiege, wie ein held, Durch mich fatan, fleisch und welt. 5. fähe, ein; Glauben, als wenn ich dich Flöße mir, mein heiland! Im gefühl von deiner nähe Laß mein herz sich täglich freun. Jesus! willst du dich nicht zei gen? Hörst du nicht? wie kannst du schweigen? Gieb mir glauben, nabe dich Meinem geist, und stärke mich. 161 uns gott belohne! Es gilt das reich der herrlichkeit, Der überwinder krone. Der weichende wird nicht gekrönt. Wie hat der herr gestritten! Der herr, der uns mit gott versöhnt, Als er den tod gelitten, Am ölberg und am freuze. 2. Miterben! haftet an, und seht Empor zum großen lohne; Denn nur durch unsre feinde geht Der weg zu jener krone. Ob tausend auch zur rechten euch, Zur linken tausend sänken, So sinkt doch nicht, den schwachen gleich. Wird gott sein reich uns schenken Wenn wir im streit erliegen? 3. 3war groß ist unsers kampfs gefahr, Doch laßt uns ihre schrekken Nicht größer machen; wunderbar Wird gottes schuß uns decken. Er stärkt, der mächtig stärken kann, Wenn wir um hülfe flehen, Er reicht den harnisch; zieht ihn an! So könnt ihr muthig stehen Und freudig überwinden. 4. Wer überwindet, soll den tod, Den ew'gen tod nicht sehen. Verging er auch in seiner noth, Dort wird er nicht vergehen. Nach dieses Lebens kurzem streit, Nach seinen kurzen leiden, Wird ihn der unschuld weißes kleid bekleiden, Hell Gerechtigkeit, durch das blut des lammes. 5. Ach hüter! ist die nacht schier hin, Die dunkle nacht der erden? Wenn ich einst überwinder bin, ( Laß michs, mein hüter, werden!) Wenn ich einst überwinder bin, So seh ich meinen namen m lebensbuch; du führst mich hin, Vollender, mittler, amen! Zu deines vaters throne. 6. Unaussprechlich schwach und flüchtig Ist mein tief verdorbnes herz! Heut ist mir die tugend wichtig, Morgen mir die find ein scherz. Ach war nur mein glaube fester! Stärk ihn, mehr ihn, allerbeſter! Jesus! eile, stärk ihn du! Ach! sonst find ich keine ruh. 6. Wie fäumts? wie säumts? o lange nacht! Bis berg und hügel fallen? O hüter, bis dein tag erwacht, und uns posaunen schallen! Wer überwindet, der wird Vom Glauben. feyn Mit gottes sohn ein erbe. ich dir mit beben! Durchzu gottes fohn! laß du mich seyn dringen in dein leben, Gieb mir, Der hoffnung, wenn ich sterbe, der du für mich strittst, Für mich Und dann sey ihr vollender! unaussprechlich littst. Sieg des Glaubens. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 299. Nicht nur ftreiten, überwer nach der krone ringt! Crustvoll 300. Wer, gott! dein wort ist der kampf der fünden, Und der heilige nur singt An dem ziele stegeslieder. Er nur schaut mit wonne nieder Auf des heißen streits gefahr, In der seine seele war. nicht hält und spricht: Ich kenne gott, der lüget; In solchem ist die wahrheit nicht, Die durch den glauben sieget. Wer aber dein wort glaubt und hält, Der ist von dir, nicht von der welt, Und dieser nur wird selig. 2. 2. Jesus Christus! überwunden Haben deine märtyrer; Banger waren jene stunden Ihres kampfs, sie stritten mehr, Als ich jemals streiten werde. Denn dein heiligthum, die erde, Die erlöste erde ruht, Trieft nicht mehr von menschenblut. Der glaube, den dein wort erzeugt, Muß auch die liebe zeu gen. Je höher mein erkenntniß steigt, Je mehr wird diese steigen. Der glaub' erleuchtet nicht allein, Er stärkt das herz und macht es rein, Er macht das leben heilig. that der. 3. Durch Jesum rein von misseSind wir, gott! deine kinWer solche Hoffnung zu dir Der flieht den rath der fün der, Folgt Christi beispiel, als ein christ, Und reinigt sich, wie er rein ist, Von allen bösen lüsten. hat, 4. Dann bin ich dir, gott! ane genehm, Wenn ich gehorsam übe. Wer deinen willen thut, in dem Ist wahrlich deine liebe. Ein täg lich thätig christenthum, Das iſt des glaubens frucht und ruhm, und sein beweis und siegel. 5. Der bleibt in dir, und du in ihm, Wer in der liebe bleibet. Die lieb' ists, die die seraphim Dir, herr! zu folgen treibet. Du bist die lieb; an deinem heil Hat ohne liebe niemand theil. Herr! schenk uns solchen glauben. 162 3. Ueberwunden, überwunden, Hast du, herr der herrlichkeit! Todesschweiß und blut und wunden, Ew'ger tod, das war dein streit! Ganz hast du den kelch getrunken; Aber ohne muth verfunken Unterm ewigen gericht Bist du, großer mittler! nicht. 4. Wer kann sein geheimniß faffen, Wer, wie hoch er sich auch schwang? Gott, sein gott, hatt' ihn verlassen, Als er mit dem tode rang. Dennoch war triumph sein ende. Eil', mein geist! in gottes hände, Rief er, rief schon in der nacht Seines tods: es ist vollbracht! 5. Was sind meine kurzen leiden Gegen die, die Christus litt, Und was gegen jene freuden, Die mir Chrifti tod erstritt! Und doch folg' - Thätiges Bekenntniß des Glaubens. Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. Nothwendigkeit eines frommen Lebens. ich nicht christlich lebe, Und heilig, fromm, gerecht und rein Zu wandeln mich bestrebe? Wenn ich dem Mel. An Wasserflüffen Babylon. 301. Was hilft es mir, ein feligen beruf, zu welchem mich Nicht würdig Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 302. Bewahre mich, herr! mich beweise, Und den, der mich Mel. Chrift, unser Herr, zum Jordan. erlöset hat, In worten bloß, nicht durch die that und gute werke preise? 2. Was hilft der glaub' an Jefum Chrift, Den ich im munde führe, Wenn nicht mein herz rechtschaffen ist, Und ich die frucht verliere? Wenn mich die eitelkeit der welt Mit ihrer lust gefangen hält, Ich ihre fesseln liebe, und fühlbar für der fünde reiz, Zorn Hochmuth, fleischeslüfte, geiz, In werk und thaten übe? daß der wahn Nie mein gemüth bethöre, Als wär' es schon genug gethan, Wenn dir nur äußre ehre Der mensch, dein unterthan, erweist. Erinnre mein gewissen, Wie in der wahrheit und im geist Die dich verehren müssen, Die dir gefallen wollen. 3. Weit strafenswürd'ger bin ich dann, Ich, der ich Christum kenne, Weiß, was er einst für mich gethan, Ihn Herrn und meister nenne, Als der, der in der finsterniß Des irrthums tappt, noch ungewiß, Ob er auch richtig wandle. Drum ließ der Herr ein vor bild hier In seinem weg und zeugniß mir, Damit ich danach handle. 2. Die kommen nicht ins himmelreich, Die herr! zu Jesu faz gen, Und nicht mit rechtem ernſt zugleich Der heiligung nachjagen. Nur die, die deinen willen thun, Läßt du, als deine kinder, S gott! in ew'gem frieden ruhn, Wenn heuchlerische fünder Von dir verstoßen werden. 4. Und ach! wo find ich troft und ruh, Wenn mich die leiden drücken, Und mein gewissen tritt herzu, Die schuld mir vorzurücken? Wo find' ich trost in jener noth, Kommt hier der schaudervolle tod, Mein grab mir aufzudecken, Und meine fünden lagern sich Umher gewaffnet wider mich Mit einer Hölle schrecken? 3. Drum laß mich doch vom glauben nie Ein heilig leben trennen, Mich nicht für Jesu jünger hie Bloß äußerlich bekennen. Gieb, daß mein glaube thätig sey Und tugendfrüchte bringe, Daß ich, vom fündendienste frei, Mit eifer danach ringe, Im guten zuzunehmen. 5. Weh mir! was hilft es mir einst dort, Erweckt aus meinem grabe, Daß ich an Christum und ſein wort Zum schein geglaubet habe, Wenn keine fromme gute 5. Doch, wenn ich aus unwisthat Mein leben hier bezeichnet fenheit und übereilung fehle, So hat, Den glauben zu bestärken? thu an mir barmherzigkeit, Und Denn meine ganze feligkeit Wirkt richte meine seele Durch deine guaglaube und rechtschaffenheit, Der de auf vom fall. Erhalt mich bei glaub in guten werken. dem einen, Daß ich dich fürchte überall, Bis ich einst mit den deinen Dir ohne fehltritt diene. 163 4. Du kennst, o gott! der menschen Herz und liebst, die redlich handeln. D! laß in freude, wie in schmerz, Mich richtig vor dir wandeln. Dein wille sey mein augenmerk, Hilf mir selbst ihn vollbringen. Durch dich muß jedes gute werk Dem glücklich noch gelingen, Der deine hülfe suchet. 6. Gott! dieser hoffnung werth zu seyn, Hilf, daß ich christlich lebe, Und vor dir heilig, fromm und rein be. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. Zu wandeln mich bestreGieb mir kraft zum und muth, Damit ich fünde, fleifdy 303. Der du uns mit deinem und blut Im glauben überwinde, Daß ich, nach wohldurchlebter zeit, Den lohn in jener ewigkeit Für meine werke finde. thum erwarbst, Und uns fündern, uns zu gute, Schmachvoll an dem kreuze starbst! Ach, wie dienen deine christen Immer noch der 22 164 Vom heiligen Leben fünde lüften, Leben ohne besserung, Fern von ihrer heiligung! 2. Herr! du littst, uns vom verderben, Von der sünd uns zu befrein, und wir wollen lieber sterben, lieber ihre knechte seyn! Glauben noch in alten fünden Unsers lebens ruh zu finden, und vergessen dein gebot, Deine schmach und deinen tod. 3. Wer dich sieht von gott verlaffen, In der tiefsten traurigkeit, Wer dich, mittler! sieht erblaffen Nach vollbrachtem schweren streit, Und läßt doch zum dienst der sünden Seine liste leicht entzünden, Der hat nicht an deinem heil, Nicht an deiner gnade theil. euch zu seiner lehr bekennt, Die ihr durch ihn send theur erkauft Und selbst auf seinen tod getauft! 2. Führt nicht den namen nur allein, Ihr müsset that'ge christen seyn, Wollt ihr einst froh, nach dieser zeit, Eingehn zu Christi herrlichkeit. 3. Wollt ihr bekenner Jefu seyn, So lebet hier auch ihm allein. Der christ ist ganz der tugend freund, Und jedem laster ist er feind. 4. In leiden, die er tragen soll, Ist er geduldig, hoffnungsvoll, Dies leben ist die prüfungszeit, Der lohn folgt in der ewigkeit. 5. Wer gott von herzen sich ergiebt, Sich selbst besiegt, den nächsten liebt, So wandelt, sfo gefinnet ist, Wie Jesus war, der ist ein christ. 4. Er ist unwerth jenes lebens, Ihn versöhnt dein leiden nicht, Für ihn standest du vergebens Vor dem richter im gericht; Mit er blaßtem angesichte Steht er selbst einst im gerichte, Sieht den zorn des höchsten glühn, Und dein blut spricht nicht für ihn. 5. Jhn, zum ew'gen heil geboren, Trifft der fünden ew'ger fluch, Schrecklich gehet er verloEigenschaften des Frommen. Mel. Ich dank dir, Gott, durch. ren, Denn fein glaube war be 305. heiligster, wen nennst wen trug. namen, Ohne dir, herr! nachzuahmen, Rühmte seines glaubens sich und verleugnete doch dich. 6. Ach, wenn uns der hang zur fünde Reizet wider unsre pflicht, Heiligster! so überwinde Uns der hang zur fünde nicht! Lehr uns muthig ihn bekämpfen, und die macht der Lüste dämpfen, Steh uns in versuchung bei, Und erhalt uns dir getreu. 7. Jefu! Tehr auf dich uns schauen; Du erlagst der fünde nie. Laß dein beispiel uns erbauen, Und uns stärken wider sie. Und die absicht deiner schmerzen Präge tief in unsre herzen, Daß wir, von der fünde rein, Heiligster! dir ähnlich seyn. 6. Und wer nun so den heiland ehrt, Der lebt hier der erlösung werth, Der schläft im tode freudig ein, Und wird dort ewig selig feyn. willst du belohnen? Wer wird sich ewig deiner freun Und ewig bei dir wohnen? 2. Der heilig vor dir lebt und thut, Was dein geseß ihn lehret, Der, dessen herz ist rein und gut, Und sich vom bösen kehret. 3. Wer treu die wahrheit liebt und nicht mit seiner zunge lüget, Wer nie von andern lieblos spricht, Nie lästert und betrüget. 4. Der den geringern nicht ver schmäht, Mit fleiß ihn nie betri bet, Den graden weg in allem geht, Und alle, wie sich liebet. 5. Der alle laster kühn vers flucht, Flieht, die gott widerstres ben, Nur aber deren freundschaft sucht, Die vor ihm heilig leben. 6. Der, was er schwur, stets 304.3 Der alles, was er zus hr, die ihr euch von heilig hält, Und nie unredlich Mel. Christ, der du bist der Helle Tag. und Wandel überhaupt. fagt, hält, Auch dann, wenn er nicht schwöret. 7. Nie mit erpressung geld verleiht, Aus heiligem erbarmen, Der dem verlaßnen hülfe beut, Und niemals drängt den armen. 8. Wer das thut, den, den nennt gott sein, Den, den will er belohnen, Der wird sich ewig seiner freun Und ewig bei ihm wohnen. 165 ihm sein vermögen, Das nicht das gut der waisen ist, und hält es nicht für einen segen, Wenn es der arme nicht genießt. 6. Der fromme nimmt, das recht zu beugen, Nicht gaben von verbrechern an, Er kann zu keinem frevel schweigen, Und weicht nicht von der tugend bahn. Du unser gott! wirst ihn belohnen, Du wirst sein frommes herzerfreun, Durch dich wird er hier Mel. Wie groß ist des Allmächtgen. 306. Herr! deffen augen alles ficher wohnen, Und einst dort ewig felig seyn. prüfen, Des heuchlers list betrügt dich nie, Du schauest in der herzen tiefen, und kennſt und offenbarest sie. Wer darf vor dir mit freuden wohnen, In deiVon der Quelle guter Handlungen. Mel. Was mein Gott will, gefcheb. ner liebe sicher seyn? Wen wirst 307. Wenn nicht zur übung deiner pflicht Dich du, unser gott, Wer darf sich deines segens freun? 2. Nur der, o Herr! darf zu dir kommen, und macht sich deiner freundschaft werth, Der, nach dem namen eines frommen, Nie einen größern ruhm begehrt. Die tu genden sind sein vergnügen, Er ist der wahrheit edler freund, Und unversöhnlich gegen lügen, Der bosheit und der tücke feind. 3. Ein abscheu ists ihm, neidisch trauern, Ungern den nächsten glücklich sehn, Um ihm zu schäden, auf ihn lauern, und seine thaten tückisch schmähn. Er haßt und flieht beleidigungen, Wird groß durch seine redlichkeit; Durch unverschämte lästerungen Wird nie von ihm ein nam' entweiht. 4. Er ehrt, o herr! die, die dich scheuen, Verachtet den, der dich nicht liebt und frech es wagt, sich noch zu freuen, Wenn er durch laster dich betrübt. Er hält, was er dem nächsten schwöret, Wenn lift und trug die treue bricht; Ein ungerechter wucher mehret Gerecht erworbne güter nicht. 5. Er eilt, erweichet durch erbarmen, Wenn er der menschen elend sieht, Mit seiner hülfe nach dem armen, Der voll vertrauen zu ihm flieht; Gern theilt er mit gottes lieb beseelet, So rühme dich der tugend nicht, Weil dir dann alles fehlet. Wenn vor theil, wollust, eigensinn Und stolz dir gutes rathen, So hast du deinen lohn dahin, Thust du gleich gute thaten. 2. Sey durch die gaben der natur Das wunder dieser erden; Beglückst du andre menschen nur, Um selbst geehrt zu werden, Erfüllt die liebe nicht dein Herz, So sind die größten gaben Vor gott doch nur ein tönend erz, Die keinen werth nicht haben. 3. Bau häuser auf und brich dein brod, Die armen zu verpfle= gen, Entreiß die wittwen ihrer noth, Und sey der waisen segen. Gieb alle deine güter hin; Noch hast du nichts gegeben, Wenn lieb und pflicht nicht deinen sinn Vor gott dazu beleben. 4. Thu thaten, die der Heldenmuth Je hat verrichten können, Vergieß fürs vaterland dein blut, Laß deinen leib selbst brennen; Befeelet dich nicht lieb und pflicht, Bist du der zweck der thaten, Gott achtet deiner werke nicht, Rett'st du gleich ganze staaten. 5. Läg' ihm an unsern werken nur, Könnt er, sie zu vollbringen, Vom heiligen Leben Uns leicht durch fesseln der natur von dir, Zur finsterniß vom lichte; Und seine allmacht zwingen. Vor ihm, der alles schafft und giebt, Gilt weisheit nichts, nichts stärke. Er sieht aufs herz, ob das ihn liebt, Sieht auf den zweck der werke. Doch wandtest du dich, gott! zu mir mit deinem angesichte. Erbarmen war dein angesicht, Mich von der finsterniß zum licht, Zu dir zurück zu rufen. 3. Dein, herr! dein ist barmherzigkeit, Du liebest selbst die fünder. Seyd, rufst du, geiſtlich mir geweiht und meiner gnade kinder! Ich fehle noch; doch faß ich muth, Dort fließet der verföhnung blut, Von sünden mich zu waschen. 4. Dein sohn erniedrigt sich und stirbt Zur tilgung unsrer strafen, 7. Drum täusche dich nicht durch Büßt für die laster und erwirbt den schein, nicht durch der tugend Befreiung ihren sclaven. Wie namen, Sieh nicht auf deine werk' vielfach, höchster, bin ich dein! allein, Sieh auch, woher sie ka-! laß mich keines andern seyn. men. Prüf' dich vor gottes angeficht, Ob liebe dich beseelet! Dem Herzen fehlt auch liebe nicht, Dem nicht der glaube fehlet. Dein sohn ist auch mein heiland. 5. Durch ihn versöhnt, und dir zum ruhm, Erkauft mit seinen leiden, Will ich mich, gott! dein eigenthum, Von dir nie wieder scheiden. Gekreuzigt werde mir die welt, Getödtet, was dir nicht gefällt, Damit ich dir nur lebe. 6. Dies wirke, gott! dein geiſt in mir; Ich habe kein vermögen, Die fünd' und alles, gott! was dir Verhaßt ist, abzulegen. Hier ist mein Herz, nimm ganz mich hin, Und gieb mir einen neuen sinn, Damit ich dir gefalle. 7. So werd' ich, der ich finster war, Ein licht in deinem lichte, Besteh' einst mit der kleinen schaar Der frommen im gerichte; Frohlocke dann und lobe dich, Daß deine gnad' und treue mich Ge recht und selig machte. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. Vortheile der Gottseligkeit. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 308. Dwill ich mich zum 309. Kherren lehren, kommt herr! Dein dir Kommt, euch den und lernet allzumal, Welche die sind, die gehören zu der rechten christen zahl. Die im glauben feſt bestehn, Freudig gottes wege gehn, Und den Heiland frei bekennen, Dürfen sich die seinen kennen. 166 6. Ein herz, von eigenliebe fern, Fern von des stolzes triebe, Geheiligt durch die furcht des Herrn, Das glaub erweckt zur liebe, Dies ists, was von uns gott verlangt; Nichts wird ein leben nüßen, Das mit den größten thaten prangt, Ohn' dies herz besigen. 8. Wohnt liebe gegen gott in dir, Wird sie die tugend stärken, Du wirst die gegenwart von ihr An lieb zum nächsten merken. Die liebe, die dich schmücken soll, Ist gütig, ohne tücke, Sie ist nicht stolz, nicht langmuthsvoll, Beneidet niemands glücke. 9. Sie deckt des nächsten fehler zu, Freut sich nicht seines falles, Sie suchet nicht bloß ihre ruh, Beglücket gerne alles. Sie ists, die dir den muth verleiht, Hier freuden zu verbreiten, Macht dich zum frommen sinn bereit, Folgt dir in ewigkeiten. Entschließung zum Dienste Gottes und frommen Leben. dienste ganz ergeben, Rechtschaffen, fromm und rein will ich Vor Deinen augen leben. Wie könnt ich eines andern seyn? Ich bin ja durch die schöpfung dein, Und dein durch die erlösung! 2. Ich fiel, und wandte mich und Wandel überhaupt. 2. Selig, wer in demuth lebet, feindschaft, haß und streit Seiner Seine Gott Wenn er groß und Gottes huld wird schwachheit allein, sich nie vergißt, nie erhebet, glücklich ist; ihn erfreun, Und das himmelreich ist sein; Gott wird dort zu ehren setzen, Die sich hier geringe schätzen. brüder glück zerstört, Sie die pflicht der eintracht lehrt; Die des friedens sich befleißen, Werden gottes finder heißen. 9. Selig, die um Christi willen Leiden und sich dessen freun, Standhaft ihre pflicht erfüllen, Selbst den martertod nicht scheun; Gott steht ihnen mächtig bei, Und will sie für ihre treu Einst mit unverwelkten kronen Auf das herrlichste belohnen. 3. Selig ist, wer seine sünde Wehmuthsvoll vor gott bereut, Und damit er gnade finde, Sich neuen sünden scheut; Gott will ihm die schuld verzeihn, Kraft zum guten ihm verleihn, Und er soll schon hier auf erden Und auch dort getröstet werden. vor 10. 4. Selig ist, wer sanftmuth übet, Seinem feinde niemals flucht, Seine fehler ihm vergiebet, Nie sich selbst zu rächen sucht, Ruhig feine pflicht vollbringt, und sein eigen herz bezwingt; Gott wird selber ihn beschützen, Und er wird das land besigen. Herr! du sollst mich selber leiten Auf der wahren tugend bahn, Daß ich dieser seligkeiten Hier und dort mich freuen kann. Gieb, daß ich demüthig sey, Meine schuld vor dir bereu, Die gerechtigkeit stets liebe, Auch an feinden sanftmuth übe. 5. Selig, die nichts mehr verlangen, Als gerecht, wie gott, zu seyn, Die fest an dem guten hangen, Und sich ganz der tugend weihn, Deren Herz nichts mehr begehrt, Als_was gottes_ruhm vermehrt; Gott wird ihr verlangen stillen, Und den frommen wunsch erfüllen. 11. Daß ich armen helf und diene, Immer hab' ein reines herz; Die in feindschaft stehn, verfühne, Dir anhang in freud und schmerz. Vater! hilf von deinem thron, Daß ich glaub' an deinen sohn, und durch deines geistes stärke Mich befleiße guter werke. Um das wahre Christenthum. Mel. Wer nur den lieben Gott. 6. Selig, wer der noth des 310. Wie felig, herr, ift armen Niemals fühllos sich entder gerechte! Du zieht, Ihm aus zärtlichem er bist sein schild und großer lohn. barmen Wohlzuthun sich froh be- daß ich ganz gerecht seyn möchmüht, Und, wenn er um hülfe weint, Ihm mit cost und hülf' erscheint; Dieser wird auch hülf' empfangen Und barmherzigkeit er langen. te! Doch, ach! wie wenig bin ichs schon! Du weißt es, gott! ich bin noch weit Entfernt von der vollkommenheit. 7. Selig find, die sich bemühen, Züchtig, keusch und rein zu seyn, Die der wollust stricke fliehen, Und der heiligkeit sich weihn; Die der lockung dieser welt, Und was fleisch und blut gefällt, Allzeit standhaft widerstehen, Werden gottes antlig sehen. 8. Selig, wer in frieden lebet, Wer die ruh und einigkeit zu erhalten sich bestrebet, Und, wenn 167 2. Wie viel ist noch an mir zu finden, Das nicht mit deiner vor schrift stimmt! Oft übereilen mich noch fünden, Wenns herz gleich bessern vorsaß nimmt; Ja, oft verleß ich meine pflicht, O gott! und weiß es selber nicht. 3. Wer kann, wie oft er fehlet, merken? Nur du, du siehst mich, wie ich bin, Nur du kannst mich im guten stärken; Drum fall ich, vater! vor dir hin. O mach', um 168 Vom heiligen Leben heilig ganz zu seyn, Mich von verborgnen fehlern rein. 4. Von aller eiteln eigenliebe Befreie mich durch deine kraft, Erwed' und mehr' in mir die triebe Zu dem, was wahre beßrung schafft, Laß meinen fleiß gesegnet seyn Und meine heiligung ge= deihn. Mel. Allein auf Gott seß dein Vertraun. 5. Du wirst das demuthsvolle 312.ch staub vom staube, wer bin flehen Des sünders, der dich scheut und ehrt, gott der gnade! nicht verschmähen; Du bist es, der gebet erhört Mein fels, mein heil, ich traue dir, Das, was ich bitte, giebst du mir. 2. Hilf, daß ich dir allein er geben, Der sünde abgestorben fey, Laß mich dir sterben und dir leben, und mach in mir, herr! alles neu. Ach, wirk in mir xc. 3. Reiß los mein herze von der erden, Laß mich, der ich unsterblich bin, Nach deinem bild erneuert werden, Und gieb mir meines heilands sinn. Ach, wirk in mir 2c. 7. So hab ich schon auf dieser erde, Was mich beruhigt und erfreut; Wenn ich mit gott vereinigt werde, Schmeck ich des himmels feligkeit. Ach, wirk in mir zc. Zägliche Erneuerung der Frömmigkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott. 311. Mein gott! ach lehre der wahren heiligung. mich felbstbetrug und heuchelschein, Daß tausend, die sich christen nennen, Mit nichten Christi glieder seyn. Ach, wirk in mir, zu deinem ruhm, Mein gott! das wahre christenthum. 4. Regiere du selbst meine seele, Damit ich Christo folge nach, Und ftets den schmalen weg erwähle, Ja, ehre such in Christi schmach. Ach, wirk in mir zc. 5. Gieb mir zum streite muth und kräfte, Hilf, daß ich dir verbleibe treu, Daß ich an Christi kreuz mich hefte, Und mir die fünd gekreuzigt sey. Ach, wirk in mir 2c. 6. Laß in mir glauben, hoffnung, liebe, Lebendig, fest und thätig seyn, Daß ich bis an mein ende übe Das christenthum ohn' heuchelschein. Ach, wirk in mir ac. fünder, daß du meiner dich Noch stets, o heiligster! erbarmst, Weltrichter! meiner stets erbarmſt? 2. 3um glauben und zum thun zu schwach, Giebt oft mein herz der fünde nach. Ich kämpf', o vater! nicht genung Den kampf 3. Wie schnell ist von der rechten bahn Zum irrweg oft der schritt gethan! Wie nahe grenzt die missethat An unsers herzens bösen rath! 4. Wie bald wird frevel selbst verübt, Wenn man erst schwachheitsfehler liebt! Herr, herr! mein ganzes herz erschrickt, Wenn es in diesen abgrund blickt. 5. Vertreib, o gott! des irr thums nacht, Entreiß du mich der sünde macht. Wie glänzet deiner streiter schaar, Die einst, wie ich, auf erden war. 6. Sie, fie empfängt aus deiner hand Den lohn jeßt, weil fie überwand. Ich schwacher, ich bin noch im streit; O gieb auch mir beständigkeit. 7. Schmal ist der weg zu got tes höhn, Und wenige find, die ihn gehn. Die pfort' ist eng', und der nur dringt Durch sie zu gott empor, der ringt. 8. Ich lieg' auf meinem angesicht Und fleh' und weine: laß dein licht Mir leuchten, vater! laß mich dein Im leben und im tode seyn. 9. Der mir in Christo alles gab, Mit gnade blick auf mich herab Auf mich, der fünde schnellen raub, Den himmelserben und den staub. 10. Sink tief, o seele, nieder, und Wandel überhaupt. tief Vor dem, deß stimme stets dir rief! Sint in den staub vor dem herab, Der dir in Christo alles gab! 11. Ja, du erbarmest über mich, Versöhnter und versöhner, dich! Vom leibe dieses tods befreit, Schau ich einst deine herrlichkeit. 12. Wo meine tugend nicht mehr wankt, Und dir dafür, gott! ewig dankt, Daß sie dein gnadenlohn beglückt, und deiner sieger krone schmückt. Beharrlichkeit im Guten. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 313. Du, der herz und nieren er forsche mich. Ach! ich war von dir getrennet; Aber du erbarmteſt dich, Hörtest mein gebet, mein sehnen, Sahst die inbrunst meiner thränen, Schenktest da mir deine buld Und vergabst mir meine schuld. 169 ein herz, das ihn verehrt, Mehr als erd' und himmel werth. 6. Shr, dem beten beilge stunden, Voller ruhe, voll gewinn, Ach! wohin seyd ihr verschwunden? Glut der andacht! ach wohin? Oft noch such' ich gott durch zähren, Durch gebet und flehn zu ehren, Doch der welt geräusch zerstreut Meiner andacht brünstigkeit. 7. Wenn die menge der verächMeines frommen wandels lacht, Aus der andacht ein gelächter, Aus dem beten thorheit macht, Wenn sie spöttisch auf mich sehen, Mich und meinen ter vergeß ich meine pflicht und bekenne Jefum nicht. 8. Unter der verfolger steinen Bebten gottes märt'rer nicht, Seine wahrheit zu verneinen, Zwang sie drohn und folter nicht, Auf des härtsten todes wegen Gingen sie dem lohn entgegen, Sahn den himmel offen stehn, Konnten quaal und tod verschmähn. 9. Der du sie mit fraft von oben Zu dem kampfe stark gemacht, Sie zu deinem lohn erhoben, Wo kein feind mehr ihrer lacht, Hilf auch mir den spott bezwingen, Hilf auch mir den lauf vollbringen. Vater! bis ans ende sey Dir mein ganzes herz getreu. 2. Forsche selbst in meinem herzen; Sieh, es irrt, es fehlet noch, Und mit unruhvollen schmerzen Fühlt es oft der sünde joch. Wankend, ungewiß und träge Geht mein fuß der tugend wege, Und zu oft noch sieht mein blick Auf des lasters bahn zurück. 3. Als zuerst vor meinen blicken Der verblendung nebel schwand, Und mein auge, voll entzücken, Gott, dein antlig wieder fand, Wie war da der reiz der fünden Mir so leicht zu überwinden! Ihre schrecken sah ich nur, Aber keiner anmuth spur. 4. Wenn von andacht hingeriffen Ich den himmel offen sah, Lag die welt zu meinen füßen; Deinem thron, erbarmer! nah, Mischt ich in der engel chöre Den todes nicht. gefang von deiner ehre, Von der Huld, die ewig liebt, Sünden decket und vergiebt. 10. Wer getreu bleibt bis ans ende Und nicht achtet spott und hohn, Dem bereiten gottes hände Ewigs glück an seinem thron. Kampf und muth sind nicht vergebens; Gott giebt ihm den lohn des Lebens, Und er kömmt nicht ins gericht, Stirbt des ew'gen Erweckung zur Beständigkeit im Guten aus der Betrachtung der Unveränderlichkeit Gottes. 5. Welche ruhe, welch ein friede, Wohnte dann in meiner brust! Eitelkeit, dein war ich müde, Mel. Wer nur den lieben Gott. Sünd, ich haßte deine luft, Sh 314. Schön ist die tugend, verschmähte deine gaben; Mir war, gottes huld zu haben Und mein verlangen, Und meiner ganzen liebe werth. Mit aller kraft ihr anzuhangen hat Vom heiligen Leben 170 meine feel auch oft begehrt. Ach könnt ichs! wie würd ich mich freun! Wer heilig ist, muß selig seyn. 2. Von Gott ist der seligkeiten fülle ewigkeit zu ewigkeit. Denn sein verstand ist licht, sein wille Ist ordnung und vollkommenheit. Von ewigkeit her war er gut, Und recht ist immer, was er thut. 3. Wie schnell umhüllen finsternisse mich, wenn ich auch erleuchtet bin! Dann fliehn die heiligsten entschlüsse, Den morgennebeln gleich, dahin. Bald währ ich, was dem Herrn gefällt, Bald wieder deinen dienst, o welt! 4. Ich armer! darum kömmt kein friede In mein verschmach tetes gebein. Wie bin ich dieses wechsels müde! Wann werd' ich fest im guten seyn? Wann nicht mehr straucheln allezeit, Nur deinem dienste, gott! geweiht? 5. Unwandelbar ist deine wahrheit, Herr, aller guten gaben quell! Sie leuchte mir in voller Klarheit Beständig, unbefleckt und hell, Daß nie der fünde täuscherei Gefährlich deinem kinde sey. 6. D bilde, vater! meine seele; In deiner liebe mache mich, Daß ich kein andres gut mir wähle, Gewiß und unveränderlich. Dann bin ich erst dein eigenthum, So leb ich nur zu deinem ruhm. Feste Entschließung des Christen zur Beharrlichkeit und Wachs: thum in der Tugend. mein recht an deinem tod Wieder fahren lassen? 3. Nein, ich bin und bleib ein christ, Halt an deinen lehren, Laffe mir nicht macht noch lift Meinen glauben wehren. Fielen tausend ab, ich nicht! Mags die welt verdrießen; Sie wird mein vertraun auf dich mir doch gönnen müssen. 4. Zeigt sie mir ein heil, wie du? Bringt sie kraft den müden, Den bedrängten trost und ruh, Sündern gottes frieden? Giebt sie mir die zuversicht, Daß ich, trotz dem grabe, Deiner ewigkeiten licht zu erwarten habe? 5. Rettet sie mich, wenn vor gott Einst die völker stehen, Und das leben und den tod Ihm zur seite sehen? Wenn der sichre, nun zu spät, Aus dem schlaf erwachet, Und der spötter, der hier schmäht, Glaubt und nicht mehr lachet? 6. D! wie thöricht, wenn ich mich Noch verführen ließe, Jesu! da ich schon durch dich Gottes huld genieße, Da ich weiß, auf wessen wort Ich die hoffnung gründe, Daß auch ich unfehlbar dort Gnad' und leben finde. 7. Nicht das leben, nicht der tod, Trübfal nicht, nicht freuden, Mein erlöser und mein gott! Soll von dir mich scheiden. Welt und sünd' und eitelkeit und des fleisches triebe, Alles überwind' ich weit, Herr! durch deine liebe. Standhaftigkeit des Christen. Mel. Herr Jesu Christ, ich weiß. Mel. Schwing dich auf zu deinem. 315. Sollt ich jest noch, da 316. Ich bin ein chrift, mir schon Deine güt' erschienen, Dich verlassen, gottes sohn! Und der fünde dienen? Mit den lüsten dieser zeit Wieder mich beflecken, Und nicht mehr die füBigkeit Deiner liebe schmecken? gott ist freund. In dieser hohen würde Steh ich und fürchte keinen feind, Und lache jeder bürde. Der rang erfüllt mit muth und kraft Mein herz in dieser wanderschaft Des lebens und der leiden. 2. Hab' ich doch allein bei dir Meine ruh gefunden, Mittler! Heiltest du doch mir Alle meine wunden! Und ich sollte dein gebot, Wie die fünder, haffen, Und 2. Mein glaube steht und wanket nicht, Er ist zu fest gegründet. Er stüßzet sich voll zuversicht Auf Jesum Christ und findet Bei und Wandel überhaupt. 171 thm allzeit trost, heil und ruh, vergönnt, Nach unsers fleisches Er eignet sein verdienst sich zu, Und troßet welt und hölle. 3. Sollt ich aus ehrsucht, eitelkeit, Um güter dieser erden, Aus wollust oder sicherheit Der tugend untreu werden? Nein, auf die fünde folgt der tod, Allein die tugend fegnet gott Mit leben und mit frieden. 4. Was sind die leiden dieser zeit Mir gegen jene kronen, Womit gott in der Herrlichkeit Die from men will belohnen? Was dieses Lebens turze frist, Gott! gegen das, was ewig ist? Sollt ich nicht muthig kämpfen? 5. Ich fürchte nicht des todes macht mit allen seinen schrecken. Gott will mich aus des grabes nacht zum großen tag erwecken; Ich fürchte nicht der hölle glut, Erkauft durch des erlösers blut 3um eigenthum und erbe. Kampf der Tugend. Mel. Durch Adams Fall ist ganz. 317. Oft lagt dein herz, 7. Lern nur geschmack am wort des Herrn Und seiner gnade finden, Und übe dich getreu und gern, Dein herz zu überwinden. Wer es hat, gebrauch Von gott noch mehr bekommen; Wer aber nicht hat, dem wird auch Das, was er hat, genommen. 8. Du streitest nicht durch eigne kraft, Drum muß es dir gelingen, Gott ist es, welcher beides schafft, Das wollen und vollbringen. Wann gab ein vater einen stein Dem sohn, der brød begehrte? Bet' oft; gott müßte gott nicht seyn, Wenn er dich nicht erhörte. 9. Dich stärket auf der tugend pfad Das beispiel sel'ger geister; Jhn zeigte dir, und ihn betrat Ja selbst dein herr und meiſter. Dich müsse nie des frechen spott Auf diesem pfade hindern; Der wahre ruhm ist ruhm bei gott, Und nicht bei menschenkindern. Den weg des herrn zu. wandeln, Und täglich seinem worte treu Zu denken und zu handeln. Wahr ists, die tugend kostet müh, Sie ist der sieg der lüste; Doch richte selbst, was wäre sie, Wenn sie nicht fämpfen müßte? 2. Die, die sich ihrer laster freun, Trifft die kein schmerz hienieden? Sie sind die sclaven eigner pein Und haben keinen frieden. Der fromme, der die lüfte dämpft, Hat oft auch seine leiden, Allein der schmerz, mit dem er kämpft, Verwandelt sich in freuden. willen, Wenn wollust, neid und zorn entbrennt, Die lüfte frei zu ftillen, Nimm an, gott ließ' den undank zu, Den frevel, dich zu kränken, Den menschenhaß; was würdest du Von diesem gotte denken? 5. Gott will, wir sollen glücklich seyn, Drum gab er uns gefeße. Sie sind es, die das Herz erfreun, Sie sind des Lebens schäße. Er redt't in uns durch den verstand Und spricht durch das gewissen, Was wir, geschöpfe seiner hand, Fliehn oder wählen müſſen. 6. Ihn fürchten, das ist weisheit nur, Und freiheit ists, sie wählen. Ein thier folgt fesseln der natur, Ein mensch dem licht der feelen. Was ist des geistes eigenthum? Was sein beruf auf erden? Die tugend! was ihr lohn, ihr ruhm? Gott ewig ähnlich werden. 3. Des lasters bahn ist anfangs zwar Ein breiter weg durch auen, Allein fein fortgang wird gefahr, Sein ende nacht und grauen. Der tugend pfad ist anfangs steil, Läßt nichts als mühe blicken, Doch weiter fort führt er zum heil Und endlich zum entzücken. 4. Nimm an, gott hätt' es uns 10. Sey stark, sey männlich alle= zeit, Tritt oft an deine bahre, Vergleiche mit der ewigkeit Den kampf so kurzer jahre. Das kleinod, das dein glaube hält, Wird 172 Vom heiligen Leben neuen muth dir geben, und kräfte mich mit geduld; Laß, vater, laß der zukünft'gen welt, Die werden mich diese huld Nicht undankbar ihn beleben. verachten. Dir folgen, ist mein wahres heil; laß michs als mein bestes theil Auch immerfort betrachten. 11. Und endlich, christ, sey unverzagt, Wenn dies nicht immer glücket, Wenn dich, so viel dein herz auch wagt, Stets neue schwachheit drücket. Gott sieht nicht auf die that allein, Er sieht auf deinen willen. Ein göttliches verdienst ist dein! Dies muß dein herze stillen. Wider die Versuchung zum Bösen. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 318. G Srbarm dich, herr! mein schwaches herz, Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. Geneigt zu eitelkeiten, Läßt fich 319. Herr! wie lange muß und schmerz ich ich auf der steilen bahn Deines rechts zum himmel dringen Und vom kampfe ruhen kann? Werd' ich meinen hang zu fünden Endlich völlig überwinden? 2. Ach! wenn mich die luft der erde Oder fühner fünder spott Neizet, daß ich träger werde, Wirst du mein vergessen, gott? Wirst du, mich zu unterstüßen, Ei len? wirst du dann mich schüßen? 3. Ach ich zittre; gott! wie lange Soll ich kämpfen? dieser streit Meiner schwachheit macht mich bange Und der welt gefährlich keit, Daß ich doch noch unterliege Und mein kleinod nicht ersiege. 4. Schaue her zu deinem kinde, Höre mich und steh mir bei! Herr! bewahre mich vor fünde, Mache mich getroft und treu, Daß ich standhaft deine wege Wandeln und nicht straucheln möge! 5. Daß die welt mich nicht verführe, Daß sie mich nicht ungetreu Mach und spottend triumphire, Daß ich auch gefallen sey! Daß sie sich nicht ihrer siege Rühme, weil ich unterliege! 6. Der du fraft und muth gewährest, Hilf des schwachen schwachheit auf! Ja, ich hoffe, daß du hörest, Und ich freue mich Oft auf den irrweg leiten. So wankt ein rohr, vom wind regiert, So irrt, von leidenschaft verführt, Auch oftmals meine feele. Herr! hilf mir, daß ich als ein christ Das flieh, was vor dir strafbar ist, Und nur das gute wähle. 2. Laß doch mein herz nicht fernerhin In seiner neigung wanken, Erhebe den verirrten sinn Zu himmlischen gedanken. Wenn von dem dienst der eitelkeit Mich deines geistes kraft befreit, So wird es mir gelingen. Ich halte deinem geiste still, Ich will mich ändern, herr! ich will! Gieb selber das vollbringen. 5. Ich bin ein mensch; du kenneft mich, Wie schwach sind meine kräfte! Doch meine seele hofft auf dich. Du wirst zu dem geschäfte Der heiligung mir kraft verleihn, Und mich mit deiner hülf erfreun, Vor dir gerecht zu leben. Ich, dein erkauftes eigenthum, Will dafür deines namens ruhm In ewigkeit erheben. 3. Umsonst such ich der tugend bahn, Wenn du mich nicht beglei test Und mich, befreit von menschenwahn, Zu deiner wahrheit leitest. Du hasseft jeden falschen schein, Mit ernst willst du verehret seyn. Herr, hilf um Jefu willen! Erhebe den gebeugten muth, Hilf mir der leidenschaften wuth Durch deine gnade stillen. 4. Mein gott! mein gott! gedenke nicht Der fünden meiner jugend. Wie hart schien mir oft meine pflicht, Wie rauh die bahn der tugend! Jedoch, du trugst und Wandel überhaupt. 173 darauf; Rühmen will ichs, und deinen knecht Vor ihnen; ihre luft dir fingen, Daß du stärke giebst Vergift', entweihe nie Die dir gezu ringen. weihte brust. 8 Bewahre mich, wenn sie, Verstrickt von eiteln lüsten, Sich ihrer fünden freun, Mit ihren lachen wird In weinen einst verkehrt, In trauern seine Lust, Wenn er sich nicht bekehrt Mel. D Gott, du frommer Gott. err! höre mein gebet 320. len! Es ist mein ganzer ernst Auf deiner bahn zu wallen. Ergreife, Leite, herr! Den schwachen, der dir fleht, Weil feine bitte nicht Aus falschem munde geht. 2. Gieb, daß ich redlich mich In jeder tugend übe. Der glaube, den du willst, Soll fruchtbar durch die liebe In wahrer heilig keit, In guten werken seyn. Ich wills; ich will dir, gott! Mein ganzes leben weihn. 3. Doch täuscht mein herz fich 321. Vat 321. oft, Mir immer unergründlich, Bleibt nach der heiligung Durch deinen geist noch fündlich. Das wollen hab ich wohl, Zum thun auch licht und kraft; Wie un vollkommen bleibts Dennoch, wie mangelhaft! 4. Du kennst mich ganz; du kannst Mich reinigen und läutern; Den geist, wenn licht ihm fehlt, Mit deinem licht erheitern. Wenn eine leidenschaft Erwachen will, kannst du Durch mein gewissen ihr Gebieten, daß fie ruh. 5. Ach! darum wollest du mich läutern, mich belehren, Der träg heit des gemüths, Der luft zur fünde wehren, Mich, wo gefahren sind, Erschrecken, mich zum ftreit Ermuntern, wo dein wort 3u streiten mir gebeut. 6. Erhalte meinen gang Auf deinem weg, und leite mit dei ner rechten mich, Damit mein fuß nicht gleite. Mein auge laß al Lein Auf deine wege schaun. So hilf mir; denn du bist Mein heiland, mein vertraun! 7. Ich bin ein fremdling hier, Umringt von vielen findern; Ihr beispiel könnte leicht Der tugend eifer mindern. Bewahre 9. Ich aber werde, gott! Dir nicht umsonst vertrauen; Einst, wenn ich treu dir bin, Dein felig antlig schauen, Und wenn mein staub erwacht Von deiner wonne satt, Frohlocken, daß mein herz Sich dir geheiligt hat Mel. Alle Menschen müssen sterben. Vater, heilig möcht ich leben, wäre meine lust; Aber lüste widerstreben Dem geseß in meiner brust. Ach, mein Herz ist mir verdächtig, Selten bin ich meiner mächtig; Hart drückt mich der fünde joch, Was ich nicht will, thu ich doch. 2. Tausendmal hab ich geweinet, Schmerzlich meinen fall bereut, Und der sünde macht beweis net, Und des herzens flüchtigkeit. Tief beugt' mich die sünde nieder; Aber dann vergaß ich wieder Meine thränen und, gott! dich, Und mein fleisch besiegte mich. 3. Nein, ich will mirs nicht verhchlen: Ohne deines geistes kraft Seh ich mich schon wieder fehlen, Ciegen schon die leidenschaft. Nein; zu oft hab ichs erfahren, Was gelübd' und thränen waren. Ach! oft eh' ichs mir versah, War die fünde wieder nah. 4. Nun, ich weiß nichts anzufangen, Als in tiefster demuty dir, Dir nur flehend anzuhangen; Tödte du die fünd' in mir. Neiß die wurzel meiner schmerzen, Reiß die fünd aus meinem herzen. Tief im staube fleh ich dich, Heilige du selber mich. 5. Vater! du, du kannst mich 174 Vom heiligen Leben 2c. Frömmigkeit der Jugend. retten, Wenn mich niemand retten kann. Beten will ich, immer beten; Schau mich mit erbarmen Mel. Warum sollt ich mich denn. Eaß mir nichts die tugend 322. Habe deine luft, o jus gern rauben, Unterstütze meinen glauben Meinen eifer im gebet, Das um nichts als gnade fleht. 6. Nichts, als deines geistes gnade, Nichts, sonst nichts verlangt dein kind. Dann geh ich auf rechtem pfade Sicher, muthig und geschwind. Dann kann ich mein fleisch bezwingen, Dann des geistes früchte bringen, Dann mich, vater! deiner freun, Dann des heils versichert seyn. 7. Darum beug' ich meine kniee, Bete, heiligster! vor dir; Flehe, vater! spät und frühe, Schenke höh're träfte mir. Sieh, ich dürfte nach dem guten; Laß mein herz nicht länger bluten, Ziehe mich mit leben an, Daß ich alles gute kann. 8. Vater! ja, du hörst mein flehen, Meine thränen stehest du! Laß mich schwachen nicht verge. hen, Sprich du deinen trost mir zu. Mit dir werd ich überwinden, Du, du wirst von meinen fünden Mich durch Jesum ganz befrein; Vater! du wirst vater seyn. 2. Schnell muß nicht vorüber rauschen Diese lust, Deine brust muß sie nicht vertauschen Gegen lüfte dieser erden, Die dein herz Voller schmerz Dann Voller schmerz Bald vergiften werden. An dem Herrn Und dem reiz der tugend. Was dein reges herz begehret, Dein verstand Nicht erfand, Wird dir dann gewähret. Von den Pflichten gegen Gott. Von der Erkenntniß Gottes. Mel. Wend ab deinen Zorn. deine güt' und stärke. Auch haft as ist, o gott, im du selbst, sey hoch dafür gepriesen! 3. Nicht erst, wenn des alters forgen Dich zerstreun, Jugend nein! Schon am frühen morgen, In der blüthe deines lebens Dien ihm gern; Und dem Herrn Dienst du nie vergebens. 4. Glück, gesundheit, langes leben Wird dafür Willig dir Dann dein schöpfer geben. Tugend nur sey dein begehren; Dann wird er Dir schon mehr, Wenn dir's nüßt, gewähren. 5. Auch in den gefunden tagen Laß nicht ab, In das grab Einen blick zu wagen. Du hast dann, Seelenruh; frei vom verderben, Dann kannst du, Dem du lebtest, sterben. erden, Das so, wie du, verdient erkannt zu werden? Was ist, das meinen durst nach glück so stille, Als deine fülle? 323. Whimmel, was auf uns unterwieſen. 2. Dich suchen ist die edelste der forgen. Zwar bist du unerforschlich und verborgen; Doch willst du, wenn wir nur dein licht nicht hassen, Dich finden lassen. 3. Mit lauter stimme lehren deine werke Uns deine weisheit, 4. Und immer mehr willst du dich offenbaren, Wenn wir getreu, was du uns lehrst, bewahren, Wenn wir, was deine lehren wirken sollen, Uns bessern wollen. 5. Ach möcht ich, gott, aus allen meinen kräften Dich suchen, ruhn von sorgen und geschäften! Und mein gemüth, um mich zu dir zu schwingen, Zur stille bringen! leite 6. Ergreife mich und Von der Erkenntniß Gottes. meine seele, Daß sie den weg zur daß dein geist Mich selbst von dir, wahrheit nicht verfehle, Gewähre herr, unterweist! mir, damit sie nie ermüde, Ernst, lust und friede. 7. Doch wenn in meinen finsterSniffen Er auch ein blödes aug' erhellt, So bleibt doch selbst alsdann mein wissen Nur immer stückwerk in der welt. Ich suche dich und forsche nach, Und mein erkenntniß bleibet schwach. 8. Und hört ich nur auf deine stimme In deinem worte, hört ich nur, Wie du verdienest, auf die stimme Der dir lobsingenden 7. Dann werd ich immer heller dich erkennen, Und täglich mehr von deiner lieb entbrennen, Dir gern gehorchen, fröhlich dich erheben, Dir, gott! nur leben. Mel. Wer nur den lieben Gott. 324. Wo find ich gott, den über alles schätzt und liebt? Gott, den ich mir zum freunde wähle, Und der allein mir freude giebt? Wann kömmt die zeit, da gott, mein freund, Sich völliger mit mir vereint? 2. Wie wollt ich meinen gott nicht preisen, Wenn ich ihn sähe, wie er ist! 3war deine wunder, herr! beweisen, Wie unaussprechlich schön du bist; Wie schimmern sie! doch zeigt ihr glanz Mir deine herrlichkeit nicht ganz. 3. Ich sehe gott hier nur im spiegel, Und bet ihn unvollkommen an; Ach hätte meine seele flügel, Sich meinem schöpfer mehr zu nahn; Wie würde sie sich seiner freun, Wie selig, wie verherrlicht seyn. 4. Dürft ich am fuße seines thrones Mit seinen engeln ihn erhöhn, Könnt ich im antlig seines sobres, Wie feine feligen, ihn sehn; Ich, der ich hier kaum stammeln kann, Welch hohes loblied stimmt' ich an! 175 5. Mir macht zwar jedes seiner werke Mehr, als ich rühmen kann, bekannt, Es zeigt mir seiner allmacht stärke, und seinen weisesten verstand, Und gnade, die selbst Davids lob Zu schwach, nie würdig gnug, erhob. 6. Wie zärtlich, als mit einem kinde, Sprichst du in deinem wort mit mir! Doch mein verderben und die fünde Verdunkelt mir dies lich von dir. O welche gnade, mich allein, Gott! deiner herrlichfeit zu freun. 9. Wie brünstig würd' ich dann dich lieben, Mit welchem eifer würd' ich mich Dir, vater, zu gefallen üben! Wie selig wär' ich bloß durch dich! Nun aber täuschet meinen geist, Gleich kindern, tand, wenn er nur gleißt. 10. Welch elend! vater! ich empfinde Mein elend, zeuch mich, herr! zu dir, Entkräfte selbst die macht der fünde; Dein geist der weisheit wohn' in mir, Damit ich vor der täuscherei Der sinnlichkeit gesichert sey. 11. Gieb, daß der strahl von deiner wahrheit Mein leben leite, bis ich dort Dich näher seh und mit mehr klarheit, Als hier an diesem prüfungsort. Ich, der ich hier kaum stammeln kann, Erhebe würdiger dich dann. Mel. Wend ab deinen Zorn. 325. Soll ich mein geiſt, o gott! zu dir erheben, und dich zu kennen glücklich sich bestreben, So mußt du selbst, um groß von dir zu denken, Die kraft mir schenken 2. Laß doch, o herr! dein licht mich stets erfreuen, Und meiner feele finsterniß zerstreuen. Erleuchte mich, daß mich, zu deiner ehre, Dein glanz verkläre. 3. Was ist im himmel, gott! was ist auf erden, Das so, wie du, verdient erkannt zu werden? Pflichten gegen Gott. 176 Was ist, das meinen durst nach glück so stille, Als deine fülle? 4. Dich suchen ist die edelste der forgen. Zwar bist du unerforschlich und verborgen; Doch willst du, wenn wir nur dein licht nicht hassen, Dich finden lassen. 5. Mit lauter stimme lehren Deine werke Uns deine weisheit, deine güt' und stärke; Auch haft du selbst, sey hoch dafür gepriesen, Uns unterwiesen. 6. Und immer mehr willst du dich offenbaren, Wenn wir getreu, was du uns Lehrst, bewahren, Wenn wir, was deine lehren wirten sollen, Uns bessern wollen. 7. Ach möcht ich, gott, aus allen meinen kräften Dich suchen, ruhn von sorgen und geschäften, Und mein gemüth, um mich zu dir zu schwingen, Zur stille bringen! 8. Doch mein verstand ist unftät, träg, er scheuet Der überlegung müh, und schnell zerstreuet, Sinkt er, wenn ich zu dir gezogen werde, Zurück zur erde. 9. Auch täuscht mein herz ihn, machet ihn vermessen, Verführt ihn seine grenzen zu vergessen, Will mehr, als seine kräfte mir vergönnen, Von dir erkennen. auf achte, Als auf ein licht im dunkeln ort; Und wenn ich ernstlich es betrachte, So hilf selbst Laß für meinem forschen fort. der wahrheit hellen schein Mein aug' und herz stets offen seyn. 3. Dein wort sey mir ein licht im glauben, Das mich zur wah ren weisheit führt. Laß mir doch keinen irrthum rauben, Was mir ein ewig heil gebiert. Kein spöt tergeist verführe mich, Kein zweifel sey mir hinderlich. 4. Dich kennen ist das ew'ge leben. Drum hilf mir, vater! daß ich dich Und den, den du für uns gegeben, Hier so erkenne, wie du mich In deinem wort es selbst gelehrt, Bis einst sich meine einsicht mehrt. 5. Vor allem laß bei mir Iebendig, höchster! dein erfenntniß seyn, Laß mich danach dir auch beständig Die größte lieb und ehrfurcht weihn. Gieb, daß ich thu mit allem fleiß, Was ich von deinem willen weiß. 10. Ergreife mich und leite meine seele, Daß sie den weg zur tugend nicht verfehle; Gewähre mir, damit sie nicht ermüde, Ernst, lust und friede. 11. Dann werd ich immer heller dich erkennen, Und täglich mehr von deiner lieb entbrennen, gern gehorchen, fröhlich dich erheben, Dir, gott! nur leben. Dir Mel. Wer nur den lieben Gott. 326. Mein gott, du woh6. Was hilft das richtigste erkenntniß, Wenns nicht zu deiner liebe treibt? Was nüßt ein aufges klärt verständniß, Wenn doch das herz noch böse bleibt? Drum Hilf, daß ich der wahrheit treu, Und daß mein glaube thätig sey. 7. Laß dein erfenntniß mir im leiden Die quelle wahres troftes seyn, Laß mich, wenn leib und seele scheiden, Dann noch im glau ben deiner freun. Dort seh ich dich im hellern licht Von angesicht zu angesicht. Dahin kein sterblich auge dringt; Doch giebst du uns zum unter richte Dein wort, das uns er kenntniß bringt, Was du, o al lerhöchster! bist. Und was mit uns dein endzweck iſt. Um rechte Erkenntniß Gottes und der Religion. neft zwar im lichte, 327. Geuchte mich, daß Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. ott, mein ers ich hier dich recht erkenne; Daß ich, Jesus Christus, dich Meinen herrn und heiland nenne. Höchster! laß mich doch auf erden Weise zu dem himmel werden. 2. So gieb denn, daß ich dar.. 2. Lautre wahrheit ist dein wort; Von der Erkenntniß Gottes. Lehre mich es recht verstehen, Hilf felbst meinem forschen fort, Lehre mich recht einzusehen, Was zu meinem heil mich führet, Und was mir zu thun gebühret. 3. Aber laß mich nicht allein Richtig seinen sinn verstehen, Laß mein Herz auch folgsam seyn, Den erkannten weg zu gehen. Wer dich kennt und bleibt in fünden, Der kann nimmer gnade finden. 4. Gieb, daß ich den unterricht Deines wortes treu bewahre, Daß ich, was es mir verspricht, Reich lich an mir selbst erfahre. Ja, mein glaube sey in leiden Mir ein quell von trost und freuden. Von der Furcht 2. Sie leite, herr! mein thun und denken; Sie müsse meine weisheit seyn, Und mich auf solche wege lenken, Die vor dir heilig sind und rein. Denn, wer noch luft zur fünde hat, Der fürchtet dich nicht in der that. 177 5. Hilf, daß ich von zeit zu zeit Mein erkenntniß stets vermehre. Find ich manche dunkelheit, Bleibt verdeckt mir manche lehre; Laß mich zweifelsucht entfernen, und in demuth glauben lernen. 6. Laß mich, herr! in deinem licht Immer rührender erkennen wie glücklich der zu nennen, Jener herrlichkeit gewicht, Und Der nach ihr mit eifer trachtet Und der fünde luft verachtet. Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott. 328. seligkeit. Soll nichts mein ewig gott! dich fürchten, glück erschüttern, So laß mich in findlich scheuen Ist unsre höchste, größte pflicht. Kein mensch kann deiner huld sich freuen, Scheut er dein heilig auge nicht. Drum wirk in mir durch deinen geist Die furcht vor dir, die kindlich heißt. der gnadenzeit Mit vorsicht alles unrecht fliehn, Mich nur un deine gunst bemühn. 6. Erhalt in mir ein gut gewissen, Das weder spott noch trübsal schen, und mache von den hindernissen Der wahren tugend selbst mich frei. Nie hindre furcht und lust der welt Mich, das zu thun, was dir gefällt. 7. In deiner furcht laß mich stets wandeln Und mich, ich sey auch wo ich sey, Nach deiner vorschrift redlich handeln. Du has sest alle heuchelei. Wer dich von herzen liebt und ehrt, Nur der ist dir, o vater! werth. 8. In deiner furcht laß mich einst sterben; So schreckt mich weder tod noch grab, So werd ich jenes leben erben, Dazu dein sohn sich für mich gab. Gott! deine furcht bringt segen ein, Ihr Lohn wird groß im himmel seyn. 3. Gieb, daß ich stets zu herzen nehme, Daß du allgegenwärtig bist, Und das vor dir zu thun mich schäme, Was dir, mein gott! zuwider ist. Der beifall einer ganzen welt Hilft dem ja nichts, der dir mißfällt. 7. O! verleihe mir die kraft, Deinem wort gemäß zu handeln, Und vor dir gewissenhaft Als dein treues kind zu wandeln; So wird einst in jenem leben Mich dein hellers licht umgeben. 4. Laß dein gericht mich nie vergessen, Und wirke wahre buß in mir, Damit ich nicht stolz und vermessen Der gnade feligkeit verlier, Die mich bei aller missethat So liebreich noch getragen hat. Mel. O Gott, du frommer Gott. 5. Sa, vater! laß mit furcht 329. Gieb, vater! daß mein herz Sich deiner und zittern Mich schaffen meine liebe weihe, Und daß in allem ich M Pflichten gegen Gott. Dein auge findlich scheue. Wer Nur der ist weif und klug zu als ein christ sich liebt, Der flieht auch als ein christ, Was wider gottes ehr Und menschenliebe ist. nennen, Der alle seine pflichten gern, Weil gott sie ihm gebeut, vollbringt, Benn gleich dazu kein mensch ihn zwingt. 2. Kein schnöder eigennuß Beherrsche meine seele; Und wenn zu meinem glück Ich weg und mittel wähle, So laß mich stets dabei Auf recht und wahrheit schaun, Auch nie mein wohlergehn Auf andrer elend baun. 2. Lern gottes größe recht empfinden, Und fühle deine nichtigkeit, So wirst du nie dich unterwinden, Mit thörichter verwegen heit Zu tadeln, was sein rath beschließt, Der wunderbar, doch heilig ist. 3. Wirst du den höchsten kindlich scheuen, So wird dir keine pflicht zur last; Nur das wirst du vor ihm bereuen, Daß du sie oft versäumet hast. Wer gott als zeugen vor sich hat, Der freut sich jeder guten that. 4. Wenn nacht und dunkelheit dich decken, Die dem verbrecher muth verleihn, Wird dich die furcht des herrn erwecken, Auch dann, was unrecht ist, zu scheun. Denk nur: vor seinem angesicht Ist finsterniß wie mittagslicht. 5. Den herren öffentlich verehren Sowol als in der einsamkeit, Auf des gewissens stimme hören Und willig thun, was es gebeut, Auch das lehrt dich die furcht des herrn, Auch das thut, wer ihn fürchtet, gern. 6. Läßt dich der thor verachtung merken, Wenn du dich fromm von ihm entfernst, Die furcht des her ren wird dich stärken, Daß du dich edel schäßen lernst. Wer gott, dem höchsten, wohlgefällt, Ist glücklich, selbst beim spott der welt. 7. Sich stets vor dem allmächt gen scheuen, Giebt heldenmuth und tapferkeit, Wenn uns der menschen stolzes dräuen, Was gott mißfällt, zu thun gebeut. Ist gott mein schuß, mein heil und licht, So beb' ich vor den menschen nicht. 178 3. Dein fluch trifft jedes glück, Dabei die tugend leidet, Dabei der, der es fucht, Gott! deine wege meidet. Wer unrecht liebt und thut, Erbt deinen himmel nicht. Nie treffe mich, o gott! Dies schreckliche gericht. 4. Nie blende mein gemüth Der eitelkeiten schimmer. Die welt mit ihrer lust Vergeht doch einst auf immer. Was hilft uns kurze lust? Was hilft uns eitle pracht? Nicht ein vergänglich gut Ists, was uns glücklich macht. 5. Ein gott ergebnes herz, Ein unverletzt gewissen, Nur das allein kann uns Des lebens schmerz versüßen, Das bleibt uns auch im tod, Und folgt uns aus der zeit Zum großen segen nach Bis in die ewigkeit. 6. O felig, wer danach Mit heilgem eifer trachtet, Und für sein größtes glück, Gott, deine gnade achtet! Der liebt allein sich recht, Der findet in der zeit Die wahre ruh und einst Vollkommne seligkeit. 7. Das sey mein zweck und fleiß; O segne mein bemühen! So wird das wahre wohl nicht meinem wunsch entfliehen. Bewahre mich dabei, Herr! vor dem lauf der welt, Daß ich mein bestes wirk, Wie es dir wohlgefällt. Die Furcht des Herrn, der Weisheit Anfang. Mel. Wer nur den lieben Gott. 330. Wi illst du der weisheit quelle kennen? Es ist die furcht vor gott dem Herrn. 8. Laß deine furcht, gott! mtch regieren, Mich stets auf dich, den höchsten, sehn; Laß sie mich zu der weisheit führen, So werd ich niemals irre gehn. Wohl dem, der Von der Furcht Gottes. dich stets kindlich scheut! Dich fürch- den, Wer aber seine zunge zähmt, ten, gott! ist seligkeit. Der findet ruh auf erden Und lohn bei gott im himmel. Heiligkeit des Eidschwurs. Mel. Chrift, unser Herr, zum Jordan. 4. Wenn mich des vortheils stimme lockt, So laß mich sie nicht 331. Herr! du bist heilig im hören, Und nicht, durch niedern vertilgt die bösen; Vor dir besteht der heuchler nicht, Kein trug, kein gottlos wesen. Du bist ein gott des rechts, der treu; Wers wagt, bei dir zu schwören, Und hegt im herzen heuchelei, Den wird dein ohr nicht hören, Dein eifer wird ihn strafen. 2. Drum laß mich, gott! der wahrheit nur Ein lautres zeugniß geben, und nie die hand empor zum schwur Auf trug und falsch heit heben. Du blickst ins innre, wirst gar bald Die wahrheit hell entdecken! Wenn wir sie gleich im hinterhalt Der lüge schlau verstecken, Und blöde menschen täuschen. 3. Auch des gewissens unruh quält Den, der die lügen liebet, Was wahr und redlich ist, verhehlt, Und falsches zeugniß giebet. Voll argwohn geht er und beschämt, Aus scheu, entdeckt zu wer179 menheiten, Gott, mein gott, wie lieb ich dich! Und mit welchen seligkeiten Sättigt deine liebe mich! Seel und leib mag mir verschmachten, Hab ich dich, werd ichs nicht achten, Mir wird deine lieb allein Mehr als erd' und himmel seyn. 2. Denk ich deiner, wie erhebet Meine seele fich in mir! Wie getröstet, wie belebet Fühl ich mich, o gott, von dir! Jeder blick auf deine werke, Deine güte, deine stärke, Wie entledigt er mein herz Von bekümmerniß und schmerz! gut erschwören. Was arglist und betrug gewinnt, Wird lange nicht gedeihen; Was nie dahin fällt, nie zerrinnt Und ewig kann erfreuen, Ist redlichkeit und unschuld. 5. Dann kann ich frei, von falschheit rein, zu deinem throne treten, Kann zu dir flehn, mein gott zu seyn, In festem glauben beten. Des frommen hülf und gott bist du, Wirst fein gebet gewähren, Und des gewissens heitre ruh Wird ihm den lohn bewähren, Der ewig seiner wartet. 6. Denn einst wirst du des herzens rath Der menschen offenbaren. Und jedem wird, nachdem er that, Vergeltung widerfahren. Beschämt wird dann vor deinem thron Entdeckt der heuchler stehen; Den frommen aber wird der lohn, Dich, wie du bist, zu sehen, Du gott der treu und wahrheit! Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 332. Q uelle der vollkom3. Floß aus deiner gottesfülle Mir nicht tausend wohlthat zu? Daß ich ward, das war dein wille, Daß ich noch bin, das machst du, Daß ich denke, daß ich wähle, Dafür dankt dir meine seele, Dankt dir, daß sie dich erkennt, Und dich ihren vater nennt. 4. Du erkauftest vom verderben Mich durch deinen sohn, o gott! Ließest den gerechten sterben, Mir zum leben ward sein tod, Ewig dort mit ihm zu leben, Hast du mir durch ihn gegeben, Ewig deiner mich zu freun, Und von dir geliebt zu seyn. 5. Sollt ich dich nicht wieder M 2 180 Pflichten gegen Gott. lieben, Der du mich zuerst geliebt? Der mit mehr als vatertrieben So unendlich mich geliebt? Könnt ich ruhig hier auf erden Ohne deine liebe werden? Ohne sie nach dieser zeit Würdig seyn der seligkeit? 6. Heil mir, daß ich es empfinde, Wie so liebenswerth du bist! Daß mein herz vom haß der sünde, Die dich haßt, durchdrungen ist; Daß auf dein gebot ich achte, Und es zu erfüllen trachte! Heil mir! du verbirgest nicht Einst vor mir dein angesicht. 7. Noch lieb ich dich unvollkommen; Meine feel erkennt es wohl. Dort im vaterland der frommen Lieb ich dich, herr! wie ich soll. Ganz werd ich dort deinen willen Kennen, ehren und erfüllen. Gieb mir dann vor deinem thron Der vollkommnern liebe lohn. wahren wohl mir nüßet, Einen vater, der mich schützet. 5. Gott! du machst es mit uns besser, Als wir wünschen und verstehn. Deine güte ist viel größer, Als die kraft, dich zu erhöhn. Schallte gleich so hoch mein dank, Wie der seraphim gesang, Dennoch würde durch mein loben Deine huld nicht gnug erhoben. 6. O! so zeuch durch deine liebe, Herr! mein ganzes herz zu dir; Stärk und mehre selbst die triebe Wahrer dankbarkeit in mir. Laß mich ganz dein eigen sein, deines wohlthuns freun, auch mir auf dieser erde Wohlthun wahre freude werde. 7. Laß mich jede deiner gaben Recht zu brauchen mich bemühn, Stets den zweck vor augen haben, Dazu du sie mir verliehn. Deine güte reize mich, daß ich immer brünst'ger dich lieb', und Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 333.Gott, mein vater! deine deinen heilgen willen Freudig suche zu erfüllen. liebe Reicht, so weit der himmel ist, Deines wohlthuns starke triebe Sind so ewig, als du bist. Deiner huld unendlichkeit, wer fann die vielen proben Deiner güte würdig loben? 2. Als ich noch, der welt ver borgen, In dem schooß der mutter lag, Wachtest du, für mich zu sorgen, Ueber mich schon jeden tag. Durch den beistand deiner macht Bin ich an das licht gebracht; Und was hat mein ganzes leben Gutes, das du nicht gegeben? 3. Nie gedenke mein gemüthe Ohne brünst'ge dankbegier Jener unverdienten güte, Da du durch die taufe mir Das erhabne recht gewährt, Daß ich, für dein kind erklärt, Mich des jegens der erlösten Voller zuversicht darf trösten. 4. In den zarten jugendfahren Warst du meines Lebens stab, Mein beschirmer in gefahren. An dir hab ich bis ins grab Einen vater, der mich liebt, Einen va ter, der mir giebt, Was zum mich Daß Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. 334. Der du mich als ein vaund mich mit wohlthun ganz umgiebst, Gott, meiner feelen freude! Ich bleibe dennoch stets an dir, Was ist, mein gott, das je mich hier Von deiner liebe scheide? Du machst mir deinen weg bekannt, hältst mich bei meiner rechten hand, Regierest meinen lebenslauf Und hilfest meiner schwachheit auf. herr! mein gott! Du bist mein licht!:: Ich folge dir, so irr' ich nicht. 2. Du leitest mich nach deinem rath, Der anders nichts beschlossen hat. Als was mir segen bringet. Gehts gleich zu zeiten kümmerlich, So weiß ich dennoch, daß durch dich Der ausgang wohl gelinget. Nach hartem tritt auf rauher bahn Nimmst du mich dort mit ehren an, Wo mich vor deinem thron erfreut Die krone der ge rechtigkeit. Mein herr! mein gott! Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. Mel. In dich hab ich gehoffet, Herr. Ach voll begier, Wünsch ich zu seyn, mein heil! bei dir. 3. Mein sinn iſt ganz auf dich 335. Ich freue mich, mein gott! gericht't; Hab ich nur dich, so frag ich nicht Nach himmel und nach erden. Denn wär der himmel ohne dich, So könnte keine lust für mich Auch selbst im himmel werden. Wärst du nicht schon auf erden mein, So möcht ich nicht auf erden seyn. Denn nichts ist in der ganzen welt, Das mir so sehr, wie du, gefällt. Mein Herr und gott! Wo du nicht bist,: Ist nichts, das mir erfreulich iſt. 4. Und sollte mir durch kreuz und noth, Durch marter, durch gewalt und tod Auch seel und leib verschmachten; Dies alles wird, wenns auch noch mehr, Ja gar wie eine hölle wär, mein glaube doch nicht achten. Du bist und bleibest doch mein heil Und meines herzens trost und theil! Denn wahrlich nur durch dich allein Kann leib und feele felig seyn. Herr, meine burg! Ich hoffe fest,:,: Daß deine kraft mich nicht verläßt. 181 5. Wer von dir weicht und auf der welt Dir nicht beharrlich glau ben hält, Muß freilich wol verderben. Er kann, weil er die lust und pracht Der erde sich zum himmel macht, Nicht deinen himmel erben. Denn wer dich hier nicht lieben lernt, und nicht sein Herz von dem entfernt, Was dir, du heiligster! mißfällt, Kommt nicht zu jener bessern welt. Nur den, der hier Sein Herz dir weiht, Nur den führst du zur herrlichkeit. 6. Drum halt ich mich getrost zu dir; Du aber hältst dich auch zu mir, Und das ist meine freude! Ich sebe meine zuversicht Auf dich, mein fels! der nicht zerbricht, Auch selbst im tiefsten leide. Dein wort, o Höchster! soll allein Mein troft und meine richtschnur seyn, Bis sich einst in der ewigkeit Mein Herz vollkommen deiner freut. Gott meines heils! Ich warte drauf,:,: Nimm mich in deinen himmel auf. mein trost; und was kann mir In deiner liebe fehlen? Du, herr! bist mein, Und ich bin dein! Was mangelt meiner feelen? 2. Du hast mich von der welt erwählt Und deinen kindern zugezählt. Mag mich die welt doch hassen! Du liebst mein wohl, Wirst gnadenvoll Mich nimmermehr verlaffen. 3. Du trägst mich liebreich mit geduld, Vergiebst in Christo mir die schuld, Wenn ich aus schwachheit fehle. Du giebst mir theil An seinem heil; Dies tröstet meine seele. 4. Du bist mir der bewährte freund, Der es aufs beste mit mir meint; Wo find ich deines gleichen? Du stehst mir bei Und bleibst mir treu, Wenn berg und hügel weichen. 5. Du bist mein leben, troft und licht, Mein fels und heil! drum frag ich nicht Nach himmel und nach erde. Herr! ohne dich Ist nichts für mich, Das mir erfreulich werde. 6. Du bist mein allerhöchstes gut, Darauf mein wahres wohl beruht, In dir leb ich zufrieden. So dort, als hier, Herr! bleiben wir In liebe ungeschieden. 7. Du segneft mich, wenn man mir flucht, Und wer hier mein verderben sucht, Dem wirds doch nicht gelingen. Mit deiner treu Stehst du mir bei, Daß ich kann fröhlich singen. 8. Du läßt mirs ewig wohlergehn, Einst werd ich dich noch näher fehn, Du ursprung wahrer freuden! An dir wird sich Dann ewiglich Mein ganzes herz, herr! weiden. 9. Noch hats kein menschlich ohr gehört, Was uns dein himmel einst gewährt; Doch seh ichs schon im glauben. Vollkommnes heil Ist da mein theil; Das wird mir niemand rauben. 182 Pflichten gegen Gott. Mel. Wer nur den lieben Gott. Und gieb es nicht der welt! Hier 336. Du, vater deiner men ist es! gott! ich geb es dir, Ders schuf du die liebe selber bist, und dessen herz auch gegen fünder Noch gütig und voll mitleid ist! Laß mich von ganzem herzen dein, Laß michś mit allen kräften seyn. 2. Gieb, daß ich als dein kind dich liebe, Da du mich als ein vater liebst, Und so gesinnt zu seyn mich übe, Wie du mir dazu vorschrift giebst. Was dir gefällt, gefall' auch mir, Nichts scheide mich, mein gott! von dir. welt. 3. Vertilg in mir durch deine liebe Den hang zur liebe dieser Gieb, daß ich selbstverleugnung übe, Wenn mir was eitles noch gefällt. Wie sollte ich die kreatur Dir vorziehn, schöpfer der natur! 4. Laß mich, um deines namens willen Gern thun, was mir dein wort gebeut. Kann ichs nicht, wie ich soll, erfüllen, So sieh auf meine willigkeit, und rechne mir nach deiner huld Die schwachheit, vater! nicht zur schuld. 5. Der liebt dich nicht, der noch mit freuden Das thut, was dir, o gott! mißfällt. Drum laß es mich mit ernst vermeiden, Gefiel es auch der ganzen welt. Die kleinste fünde selbst zu scheun, Laß vater! mich behutsam seyn. 6. Aus liebe laß mich alles leiden, Was mir dein weiser rath bestimmt. Auch trübsal führt zu ew'gen freuden; Wer ihre laſt gern übernimmt, Geduldig trägt und weislich nüßt, Wird mächtig von dir unterstützt. 7. In deiner liebe laß mich sterben, Dann wird der tod selbst ein gewinn; Dann werd' ich deinen himmel erben, Wo ich dir ewig nahe bin. Da lieb ich in vollkommenheit Dich, vater der barmherzigkeit! 337. Gſprichst du zu mir, Mel. Nun sich der Tag geendet. ieb mir dein herz, 2. O ninim es, vater! gnädig an, Ob ihm gleich viel gebricht. Ich gebs, so gut ichs geben kann; Verschmäh die gabe nicht. 3. Es ist von böser lust befleckt, Geneigt zur eitelkeit, Mit sünd' erfüllt und ganz bedeckt Von schuld und strafbarkeit. 4. Doch, herr! dies mein verderbtes herz Kömmt jetzt mit reu vor dich, Es ihlt der fünden herben schmerz Und sehnt nach gnade sich. 5. du, gott der barmherzigkeit, Erbarme dich doch sein! Schau, wie es deiner huld sich freut; Sein trost bist du allein. 6. Es sagt mit kindlichem vertraun: Du bist mein retter, du! Ich werde gott als vater schaun, Und in ihm find ich ruh. 7. Es sucht in Jesu Christo heil! Es naht zum kreuze hin;€ 8 spricht: du, mittler! bist mein theil, Mein trost und mein gewinn. 8. Durch deinen geist mach du es rein, Ganz heilig, fromm und neu; Weih es dir selbst zum tempel ein, Mach es im glauben treu. 9. Ach! fed' unlautre leidenschaft und fündliche begier Lösch in mir aus durch deine kraft, Und heilge sie in mir. 10. Hilf, daß mich stets nach dir verlang, Daß ich dich fürcht' und lieb', Dir fest vertrau und dir anhang, Und jede tugend üb. 11. Schenk mir den schmuck, der christen ziert, Die demuth deines sohns, Die mich zur menschenliebe führt Und werth macht deines lohns. 12. Zehr du mich selbst gelassenheit, Mein glück sey stets dein rath; Mein wahlspruch sey in freud und leid: Was gott beschlossen hat! 13. Ein frommes herz sey, gott! mein ruhm, Fromm ohne heuchelei, Damit mein ganzes christenthum Dir wohlgefällig sey. 14. Gieb, daß wenn einst mein Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. auge bricht, Mein mund im todesschmerz Dies treue wort noch froh ausspricht: Mein gott! hier ist mein herz! Mel. Nun ruhen alle Wälder. ir dank ich für mein 338. Dir leben, Gott, der du mirs gegeben, Ich danke dir dafür! Du hast, durch huld bewogen, Mich aus dem nichts gezogen, Durch deine güte bin ich hier. 2. Du, herr! hast mich bereitet, Mich väterlich geleitet Bis diesen augenblick. Du gabst mir frohe tage, Und selbst der leiden plage Verwandeltest du in mein glück. 339. Dant Mel. Wie groß ist des Allmächtgen. bester vater, will ich singen, Dank dir, der mir nur gutes giebt! Mit aller kraft, vor allen dingen Sey du gelobet und geliebt! Du warst mir, eh ich war, gewogen Und ewig auf mein glück bedacht; Du hast mich aus dem nichts gezogen, Zum menschen hast du mich gemacht. 2. Ja, vater, dir gebührt die ehre! Ich bin nur, was ich bin, durch dich. Dank, dank dir! der geschöpfe heere Erschufst du, vater! auch für mich. Dank dir, du gabst mir fraft zu denken, Und willensfreiheit gabst du mir, Vernunft, mein leben hier zu lenken, Empfindung; ach, wie dank ich dir! 3. Ich kann dich in der schöpfung finden, Mich deiner großen werke freun; Dank dir, ich kann dich, gott! empfinden; Wie freu ich mich, durch dich zu seyn! Für meinen leib und alle glieder Ge bührt dir dank; mit jedem finn Fall ich anbetend vor dir nieder Und danke laut dir, daß ich bin. 4. Du hast mir dach und kleid bescheeret, Was fehlte, vater, jemals mir? Hast du mich nicht bis jetzt ernähret? Von ganzem Herzen dank ich dir! War ich umringet von gefahren, Du hattest, vater! mich bewacht, Und immer stand, mich zu bewahren, An meiner seite deine macht. 5. Erwäg ich, vater! alle pfade, Die deine hand mich durchgeführt, So seh ich weisheit nur und gnade, Und fühle, daß dir ruhm gebührt. Wie oft entrisfest du dem feinde Der wahrheit und der tugend mich! Für meine eltern, meine freunde, Für meine lehrer preis' ich dich! 3. Ich bin, herr aller dinge! Der treu viel zu geringe, Mit der du mich bewacht. Damit ich staub und erde Auf ewig glücklich werde, Hast du schon ewig mein gedacht. 4. Du hörtest schon mein sehnen Und zähltest meine thränen, Eh ich bereitet war; Eh ich zu seyn begonnte Und zu dir rufen konnte, Da wogst du schon mein theil mir dar. 5. Du ließt mich gnade finden, Und sahst doch meine sünden Vorher von ewigkeit. Dhöchster! welch erbarmen! Du sorgtest für mich armen Und bist ein vater, der verzeiht. 6. Für alle deine treue, Für das, daß ich mich freue, Lobfinget dir mein geist. Er ist dein größt geschenke; Daß ich durch ihn dich denke, Ist dein; dein ists, daß er dich preist. 7. Daß du mein leben fristest, Und mich mit kraft ausrüstest, Dies, vater! dank ich dir. Daß du mich liebreich führest, Mit deinem geist regierest, Dies alles, vater! dank ich dir. 183 8. Was mir in diesem leben Noch müßt, wirst du mir geben; Du giebsts, ich hoff auf dich. Dir vater! dir befehle Ich ruhig leib und seele. Herr, segne und behüte mich! 6. Du lenktest von der frühen jugend Durch viele freude, wenig schmerz, Zu deiner kenntniß und zur tugend, O beſter gott! verstand und herz. Für jede nüßliche erfahrung, Für alles, was Pflichten gegen Gott. 184 mich lehren kann, Für unterricht und offenbarung Bet ich im staube, gott, dich an! 7. Im dunkeln forsch ich nicht vergebens, Du gabest mir dein wort zum licht; Du zeigtest mir den weg des Lebens, Mein glück, mein elend, meine pflicht. Nein, nein, die zunge kann nicht sagen, Wie unaussprechlich gut du bist; Nun darf die seele nicht mehr zagen, Die seele, die unsterblich ist. 8. Unsterblich, vater, ewig leben Soll ich, ich, der nur tod verdient! Ich ewig sein! du hast vergeben, haft mit dem fünder dich verfühnt! Dein sohn,( o wer faßt das erbarmen!) Entäußerte des himmels sich; Vom tode zu befrein mich armen, Ward er, der sohn, ein mensch, wie ich! Von dem Gehorsam gegen Gott. 2. Dir gehorcht mit sanfter wonne Aller deiner welten Heer, Deine feste, deine sonne, Sturm und donner, erd und meer: Alles dienet deinem willen, Alles, schöpfer! was du schufst, Eilt und drängt sich, wenn du rufft, Dein gebot, herr! zu erfüllen; Nur der mensch erkennt es nicht Für sein heil und seine pflicht. 9. Ein mensch, um menschen zu versöhnen, Er, der mich schuf und mich erhält. Er starb; 0 fließet, freudenthränen! Wie dank ich dir, o herr der welt! Anbetung dir und ewig ehre Und dank und liebe, Jesus Christ! Von mir, der ewig elend wäre, Und nun unendlich selig ist! 10. Ja, vater! vater! überschwenglich und über jeden ausbdruck groß Sind deine gnaden, unausdenklich, und deine güte namenlos; Dank sey mein mund, mein herz, mein leben! Du bist die liebe; nichts bin ich. O du, der mir so viel gegeben, Gieb mir noch dankgefühl für dich! Mel. Laffet uns den Herren preisen. 340. Heilig, heilig ist dein ren soll. du, unser gott! Du gebeutst, und in der stille Hört die schöpfung dein gebot. Die im himmel dir lobfingen, Stehn um deinen thron bereit, Freuen sich der seligkeit, Deinen willen zu vollbringen; Nur der mensch erkennt es nicht Für sein heil und seine pflicht. ihn nicht mehr regieren, Klüglicher nach seinem wahn Wählt er eine begre bahn, Die soll ihn zum heile führen; Und die bahn ist sündenvoll, Die zum heil ihn füh4. Herrscher, laß ihn früh empfinden, Daß er selber sich verführt, Daß die eitle lust der fünden Ihm zuleßt den tod gebiert. Mach ihm deinen willen wichtig, Lehr ihn deine bahn, laß ihn Etlend seinen irrweg fliehn; Denn dein weg allein ist richtig. Mach ihn seinen pflichten treu, Daß sein wandel heilig sey. 5. So wird auch bei uns auf erden, Wie im himmel, dein gebot Dankbar ausgerichtet werden, Heiliger und großer gott! Alle werke deiner hände Werden unterthan dir seyn, Alle dir ihr daseyn weihn, Bis an deiner schöpfung ende, Bis die fülle dieser zeit Eingeht in die ewigkeit. 3. Stolz empört sich seine seele, Du, ihr schöpfer! wider dich, Deine befehle Wirft Mel. Allein auf Gott setz dein. ein, gott! ist majeer thöricht hinter sich. Du Fout 341.Dit sot macht, un alles ist dir unterthan. Dir werde dank und ruhm gebracht! Fallt nieder! menschen, betet an! 2. Dich preiset jede kreatur, Der Von dem Gehorsam gegen Gott. höchste engel und der wurm. Dich ehrt gehorsam die natur, Dein wink erregt und stillt den sturm. 3. Wohin mein auge, gott! nur blickt, Ist ordnung, eintracht, harmonie; Und ich, mit deinem bild geschmückt, Empörte mich und störte fie? 4. Du schufst das menschliche geschlecht, Durch dich, gott! sind wir, was wir sind; Du bist mein herr, ich bin dein knecht, Du bist mein vater, ich dein kind. 5. Wie darf, wer, vater! dich nicht ehrt, Des glücks, dein kind zu seyn, sich freun? Nur die sind dieser ehre werth, Die ganz sich deinem dienste weihn. 6. Wie billig, wie gerecht und gut Ist alles, was uns gott gebeut! Wohl dem, der seinen willen thut! Ihn thun ist freud und seligkeit. 7. Nur das, was bös und schädlich ist, Und uns entehrt, verbeut uns gott. Weh dem, der seiner pflicht vergißt! Er stürzet sich in schand und noth. 8. Gott ist, wenn er gefeße giebt, Kein menschenfeindlicher tyrann; Bloß weil er unsre wohl fahrt liebt, Treibt er uns zum gehorsam an. 9. Leicht ist die laft, und fanft sein joch. Wers willig trägt, feßt seinen lauf Stets freudig fort, und fällt er noch, So hilft ihn gott selbst wieder auf. 10. Bald heißt uns seine lieb und huld Gehorsam seyn aus dankbarkeit, Bald warnt er uns vor neuer schuld, Und übet uns durch kreuz und leid. Mel. Was Gott thut, das ist wohl. 343. Deversicht, Mein eing' er herr ist meine zu ger troft im leben. Dem fehlt es nie an trost und licht, Der sich dem Herrn ergeben. Gott ist sein 185 11. Sein wort ermahnt, droht und verheißt, Und hält uns tod und leben vor, Uns rühret und erweckt sein geist; Und ich verschlösse herz und ohr? Von dem Vertrauen auf Gott. 12. Nein, gott! dir sey mein Herz geweiht, Gehorsam sey mein größter ruhm. Verleihe mir beständigkeit, Und heilge mich, dein eigenthum. Mel. Wer nur den lieben Gott. in 342. allen dingen Auf dein wort sehn und dir mich weihn. Gieb selbst das wollen und vollbringen; Laß mein herz dir ge heiligt seyn. Nimm geist und leib zum opfer hin; Dein, herr! isſt alles, was ich bin. 2. Gieb meinem glauben muth und stärke, Laß in der lieb ihn thätig seyn, Daß man an seinen früchten merke, Er sey kein traum, kein falscher schein. Stärk mich in meiner wanderschaft, Und gieb zum kampfe sieg und kraft. 3. Laß mich, so lang ich hier soll leben, Im glück und unglück sein vergnügt Und deinem willen mich ergeben, Der alles mir zum besten fügt; Gieb demuth, wenn du mich beglückst, Geduld, wenn du mir leiden schickst. 4. Ach hilf mir beten, wachen, ringen! So will ich, wenn mein lauf vollbracht, Dir dank und ruhm und ehre bringen, Dir, der du alles wohl gemacht. Dann werd ich, rein und unentweiht, Dich loben, gott! in ewigkeit. gott! Auf sein gebot Wird seine wille. feele stille, Ihm gnügt des vaters 2. Wer wollte dir, herr! nicht vertraun? Du bist des schwachen stärke. Die augen, welche auf dich Pflichten gegen Gott. schaun, Sehn deine wunderwerke. zer feele trauen. Er, der die Herr! groß von rath Und stark welt Allmächtig hält, Wird mich von that! Mit gnadenvollen hän- in meinen tagen Als gott und den Wirst du dein werk vollenden. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, Verlaffen sehen müssen; Du läßt ihn, wenn ihn noth um giebt, Doch deinen troft genießen. Des frommen herz wird frei von schmerz; Des sünders eitles dichten Pflegst du, herr! zu zernichten. 4. Drum hoff, o feele: hoff auf gott, Der thoren trost verschwindet, Wenn der gerechte in der noth Das herz des schöpfers findet. Wenn jener fällt, Ist er ein held; Er steht, wenn jene zittern, Als fels in ungewittern. 5. Wirf nicht die große hoffnung hin, Die dir dein glaube reichet. Wie elend, die zu menschen fliehn! Wohl, wer von gott nie weichet; Dein heiland starb; Er, er erwarb Auf seinem todeshügel Dir deines glaubens fiegel. 186 6. Sey unbewegt, wenn unt dich her Sich ungewitter sammein! Gott hilft, wenn christen freudenleer Zu ihm um gnade stammeln. Die zeit der quaal, Der thränen zahl Zählt er, er wiegt die schmerzen Und wälzt sie von dem Herzen. 7. Herr, du bist meine zuversicht! Auf dich hofft meine seele. Du weißt, was meinem glück gebricht, Wenn ich mich sorgend quäle. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger! verlassen, Und sich in kummer faffen? 8. In deine hand befehle ich Mein wohlfeyn und mein leben. Mein hoffend auge blickt auf dich, Dir will ich mich ergeben. du mein gott Und einst im tod Mein fels, auf den ich traue, Vis ich dein antlig schaue. vater tragen. 2. Er sah von aller ewigkeit, Wie viel mir nüßen würde, Bestimmte meine lebenszeit, Mein glück und meine bürde. Was zagt mein herz? Ist auch ein schmerz, Der zu des glaubens ehre Nicht zu besiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein herz begehrt, und hätte, was ich bitte, Mir gnädig, eh ichs bat, gewährt, Wenns feine weisheit litte. Er sorgt für mich Stets väterlich. Nicht, was ich mir ersehe, Sein wille nur geschehe. 4. 3st nicht ein ungestörtes glück Weit schwerer oft zu tragen, Als selbst das widrige geschick, Bei deffen last wir klagen? Die größte noth Hebt doch der tod, und ehre, glück und habe Verläßt mich doch im grabe. 5. An dem, was wirklich glücklich macht, Läßt gott es keinem fehlen. Gesundheit, ehre, reichthum, pracht, Sind nicht das glück der seelen. Wer gottes rath Vor augen hat, Dem wird ein gut gewissen Die trübsal auch verfüßen. 6. Was ist des Lebens herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das leiden dieser zeit? Wie bald ists überwunden! Hofft auf den herrn! Er hilft uns gern. Seyd fröhlich, ihr gerechten! Der herr hilft seinen knechten. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen. 345. Ach, wie ist der menveränderlich, so kalt! Wie erstirbt sie nicht so bald! Seße nie auf diese liebe, Die nicht hält, was fie verspricht, Seele, deine zuversicht! Mel. Was Gott thut, das ist wohl. gott, und nicht auf 2. Aber deiner liebe trauen, 344. Auf,, Will Höchster, das gereuet nie; Denn ich mein glücke bauen, Und dem, der mich erschaffen hat, Mit gan ein starker fels ist sie. Die auf diesen felsen bauen, Wohnen un Von dem Vertrauen auf Gott. verletzt und sehn Ruhig selbst die welt vergehn. 3. Täglich sag ichs meiner seele: Gott liebt ewig! seine treu Wird mit jedem morgen neu! Ihn, den ewigen, erwähle Dir zum freund, und glaube dann, Daß kein feind dir schaden kann. 6. Ach vergieb mir, der im staube Dieses Leibes dich noch nicht, Gott, erkennt von angesicht! Ach vergieb mir, daß mein glaube Hier noch wankt und sich nicht fest, Als er sollt, auf dich verläßt! 7. Täglich laß es mich empfinden, Wenn mein herz auf sie sich stüßt, Daß nicht menschenhülfe nügt. Allen trost laß mir verschwinden, Bis ich wieder flieh zu dir; Und dann, vater, hilf du mir! 4. Und ich will auch dich erwählen, Vater! ich, ich will allein Ganz dir mein vertrauen weihn. Aber ach! die fräfte fehlen, Und mein fleisch und blut vergißt Bald und oft, wie treu du bist. 5. Plößlich überfällt mich wie der Sorge der vergänglichkeit, Irdisch hoffen, irdisch leid. Und dann sink ich muthlos nieder, nur Mel. Von Gott will ich nicht. on gott will ich nicht bei menſchen rub; und mein hel: 347. Vlaffen, den er ver fer wärst doch du. 8. Der du deiner kinder flehen, Gott, mein gott! so gern erhörst, Und sie selbst auch flehen lehrst, Laß mich fest im glauben stehen Und erfahren, wie so treu Deine vaterliebe sey. Mel. Alle Welt, was lebt und webet. 346. Auf, mein geist, dem herrn zu singen, Der uns alles gute giebt! Ihm will ich ein danklied bringen; Er hilft jedem, der ihn liebt, Und wer sich auf ihn verläßt, Dessen hoffnung stehet fest. 187 2. Menschen! ruft die menschenfinder Nicht als eure götter an. Troßt nicht auf die macht der fünder, Die sich selbst nicht helfen kann. Fürsten sind nur asch und staub Und, wie wir, des todes raub. 3. fo lehnt euch nicht auf stüßen, Die der tod sobald zer= bricht! Gott allein kann euch beschüßen, Er hält stets, was er verspricht. Wohl dem, der auf ihn nur schaut Und sich ihm ganz anvertraut! 4. Unsers gottes macht und güte Währet bis in ewigkeit, Und ſein väterlich gemüthe Ist zur Hülfe stets bereit. Suchet nur sein angesicht; Er verläßt die feinen nicht. läßt mich nicht; Den vorsatz will ich faffen. Gott, meine zuversicht, Reicht selbst mir seine hand, Für mich mit jedem morgen In meiner noth zu sorgen; Ihm ist sie wohl bekannt. 2. Der menschen gunst und liebe Erstirbt und ändert sich; Doch gottes vatertriebe Sind unverän derlich. Er weiß aus jeder noth, Eh wirs vermuthet hätten, Uns wunderbar zu retten, Und wenns auch wär der tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen In meiner kümmerniß. Auf seine Hülfe bauen. Er hilft; ich bins gewiß. Ihm hab ichs heimgestellt. Leib, seele, glück und leben Sey gott, dem Herrn, ergeben; Er machs, wie's ihm gefällt. 4. Es kann ihm nichts gefallen, Als was uns nüßlich ist. Er meint es gut mit allen, Gab uns selbst Jefum Chrift. O! der so viel gethan, Wird uns auch das gewähren, Was unsern leib ernähren, Den geist erfreuen kann. 5. Lobt ihn mit herz und munde, Lobt ihn, der alles schenkt Wie selig ist die stunde, Worin man sein gedenkt! Verscherzt iſt sonst die zeit, Die wir durchlebt auf erden. Wir sollen selig wer den Und werth der ewigkeit. Pflichten gegen Gott. 6. Mag doch die welt vergehen gott all mein flehn erhört, Mich Mit ihrer lust und pracht! Das gnug geprüft und mich bewährt. glück bleibt ewig stehen, Was gott Du gott der huld! Erhört von mir zugedacht. Vollend ich meinen dir, Lobsingt in mir Dann meine lauf; Er weckt mich, wenn im ganze seele dir. grabe Ich ausgeruhet habe, Zum neuen leben auf. 3. Ach! alle letden dieser zeit Sind doch nicht werth der Herrlichkeit, Die du wirst offen baren. Bald wird auch mir der duldung lohn, Bald steh auch ich vor deinem thron Mit treuer kämpfer schaaren, Und danke dan dir, gott! verklärt, Der jeßt mich prüft, mich dann bewährt, Daß ich von allen leiden frei, Ein fe liger des himmels sey. Barmherziger! Fest ohne graun Will ich dir traun; Denn einst werd ich dein antliß schaun. 188 7. Die feel tft unverloren In gottes vaterhand, Der leib wird neu geboren Zum bessern vaterland. Wie selig werd ich seyn! Mit gott und seinen frommen Soll ich mich da vollkommen, Soll ich mich ewig freun. 8. Ob ich schon trübsal dulde Und leiden dieser zeit, Wie ichs auch oft verschulde, Kömmt doch die ewigkeit, So großer freuden voll! Die, da ich, troß dem grabe, Sein wort darüber habe, Mir niemand rauben soll. Bufriedenheit mit Gott und Er gebung in seinen Willen. 9. Das ist des vaters wille, Der uns erschaffen hat; Aus feiMel. Was mein Gott will, gescheh. nes sohnes fülle Empfahn wir 349. Was mein gott will, gnad um gnad; seinen hat er Auf unsrer bahn zum leben Zum führer uns gegeben. Gelobet sey der Herr! Vertrauen im Leiden. gleich von meiner Hoffnung licht Der letzte funken schwindet. Mein helfer und mein gott bist du, Durch den mein herz doch endlich ruh Und freude wieder findet. Von je her hast du mich geführt Und meines wandels lauf regiert, Mit segenvoller vaterhand So manche noth hinweg gewandt. Unendlicher! Ich trau auf dich; Du leitest mich; Ich kämpf und siege, gott! durch dich. 2. Schwer ist der kampf der leiden, schwer, Kaum fühl ich muth und stärke mehr, Noch länger aus zudulden. Doch ewig, vater! zürnst du nicht, Du gehst mit uns nicht ins gericht, Strafft nicht nach unwill ist stets der beste. Zu helfen ist er dem bereit, Der an ihn glaubet feste. Der treue gott Hilft in der noth Und züchtiget mit maaßen. Wer ihm vertraut, Fest auf ihn baut, Den wird er nie Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. 348. Dir trau ich, gott! und verlassen. wanke Wenn 2. Er ist mir troft und zuversicht, Ruh, hoffnung, freude, lee ben; Drum was er will, dem will ich nicht Mit undank widerstreben. Des höchsten macht, Die für mich wacht, Giebt mir stets, was mir fehlet. Bet an, mein herz, In freud und schmerz Ihn, der dein bestes wählet! 3. Will er, daß ich nun sterben soll, Nimmt er mir bald dies le ben, So will ich gern und hoffnungsvoll Mich seinem rath ergeben. Dir, gott! befehl Ich meine feel In meinen letzten stunden; Dein sohn, o gott! Hat höll und tod Für mich selbst überwunden. fern der nen maaß gefüllt, Bald meiner 350. W ist wohlgethan, Es Mel. Was Gott thut, das ist wohl. as das seelen schmerz gestillt, Bald hat Von dem Vertrauen auf Gott. bleibt gerecht sein wille. Wie er fängt meine fachen an, Will ich ihm halten stille. Er ist mein gott, Der in der noth Mich wohl weiß zu erhalten; Drum laß ich ihn nur walten. 2. Was gott thut, das ist wohlgethan! Er läffet mich nicht fallen; Er führet die auf rechter bahn, Die feine wege wallen. Trost und geduld Giebt seine huld; Er wird mein unglück wenden, Es steht in seinen händen. 3. Was gott thut, das ist wohlgethan! Nur er weiß, was uns nüßet. Wie ungewiß irrt jeder mann, Der sich auf ihn nicht stüzet! Ja, seine treu Ist immer neu; Drum will ich auf ihn bauen Und seiner güte trauen. 4. Was gott thut, das ist wohlgethan! Er ist mein licht und leben, Der mir nichts böses gönnen kann; hm will ich mich ergeben In freud und leid; Es ömmt die zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich er es meinet. 5. Was gott thut, das ist wohl gethan! Muß ich den kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem wahn, Laß ich mich doch nicht schrecken; Weil er zulett Mich doch ergößt mit süßem trost im herzen; Da weichen alle schmerzen. 6. Was gott thut, das ist wohl gethan! Dabei will ich verblei ben. Es mag mich auf die rauhe bahn Noth, tod und elend treiben, So wird gott mich Doch väterlich In seinen armen halten; Drum laß ich ihn nur walten. 189 2. Von dir hab ich ja mein leben, Gott, der du mein vater bist! Mir zum heil hast du gegeben Deinen sohn selbst, Jesum Chrift; Und mein sichrer, treuer führer, Der mir deine wege weist, ja selbst dein guter geist. ich denn nun zum regierer Dich, o du dreiein'ger gott! Ď so schreckt mich keine noth. Ist Hab 3. Und wie könnt ich doch verzagen, Ging es noch so wunderlich, Da ich kann bis heute fa gen: Gottes güte führet mich! Nun, erleb ich denn auch morgen, so lebt doch auch mein gott, Der für mich in jeder noth Treu und liebreich ferner sorgen, Weis' und gut mich führen wird, Weil er vater ist und hirt. 4. Ginge mir es, wie ich wollte, So ging mir es selten gut. Wenn das stets geschehen sollte, Was sich wünscht mein eigner muth, Würd ich oft mein unglück wählen; Ich erfahre gar zu oft Böses, wenn ich guts gehofft: Meine beDrum in sten wünsche fehlen. gott, mein herz, sey still! Mir geschehe, was gott will. 5. Was gott will, geschehe immer; Was ich will und schädlich ist, Das laß ja geschehen nimmer, Gott, der du so gütig bist! Und da dir mein unvermögen, Dir zu folgen, ist bekannt, so laß doch deine hand Meiner schwachheit fraft beilegen. Und dann, vater! folg ich dir; Was du willt, geschehe mir! Mel. Nun ruhen alle Wälder. Mel. Lasset uns den Herren preisen. 351. I willen Meines gottes ch ergebe mich dem 352. Jaß ich den höchſten ganz und gar; Der wird auch an mir erfüllen, Was mir nüßet immerdar. Siehe, höchster gott, hernieder! Alles, was ich hab und bin, Geb ich dir zu eigen hin. Du gabst es, dir geb ichs wieder; Mache daraus, was du willt, Was du willt, mein gott und schild! rathen, Der alles kann und hat; Er muß in allen dingen, Solls anders wohl gelingen, Der Helfer seyn durch rath und that. 2. Was nüßen uns vom morgen Bis abend alle sorgen, Wenn sein gedeihn uns fehlt? Er hat uns glück und plage Und böf Pflichten gegen Gott. und gute tage, Eh wir noch wa- Was zag' ich doch noch einen ren, zugezählt. augenblick? Du bist mein gott, und willst nichts als mein glück. 3. Von ewigkeit hast du mein loos entschieden, Was du beſtimmt, das dient zu meinem frieden. Du, vater! wogst mein glück, du wogst mein leid, Und alles, was du schickst, ist seligkeit. 4. Gefällt es dir, so müſſe keine plage Sich zu mir nahn, gieb mir zufriedne tage. Allein verwehrts mein künftig ewig heil, So bleibe du, gott! nur mein trost und heil. 190 3. Was gott für mich ersehen, Das soll und muß geschehen, Ist mein beschieden theil. Drum laß ichs mir in allem, Was er mir giebt, gefallen, Und halt es für mein wahres heil. 4. Jhm trau ich in gefahren, Er wird mich wohl bewahren, Er, der da will und kann; Such ich nur seinen willen Gehorsam zu erfüllen, So nimmt er selbst sich meiner an. 5. Er laffe meine sünden Vor ihm vergebung finden, Durchstreiche meine schuld; Und wenn ich zu ihm schreie, So schenk er mir aufs neue In Christo seine vaterhuld. 6. Leg ich zum schlaf mich nie der, Weckt mich der morgen wieder Zu meines Lebens pflicht; Irr' ich auf finstern wegen, Eil ich dem kreuz entgegen, So sey sein wort mein trost, mein licht. 7. Schein ich von ihm verlafsen, So will ich mich doch fassen Und seiner hülfe traun; Und wenn ich auf der erde Nicht groß und glücklich werde, Voll glaubens in die zukunft schaun. 8. Ihm hab ich mich ergeben Zu sterben und zu leben, Wie und wann er gebeut. Ich lebe oder sterbe, So bleibt mein theil und erbe Des himmels ganze feligkeit. 9. So fey nun, seele, ſtille! Dein ruhm sey dessen wille, Der dich erschaffen hat. Es gehe, wie es gehe, Dein vater in der höhe, Der weiß zu allen sachen rath. Mel. Mein Herz und Seel den Herren. herr, mein 353. be the bin und lebe! Gieb, daß ich mich in deinen rath ergebe; Laß ewig deinen guten willen mein, Und was du thust, auch mir stets theuer seyn. 2. Du, du regierst; bist weisheit, kieb und stärke. Du, herr! erbarmst dich aller deiner werke. 5. Du giebst aus huld uns dieser erde freuden; Aus gleicher huld verhängst du unsre leiden. Ist nur mein weh nicht meine eigne schuld, So zag ich nicht; giebst du mir nur geduld. 6. Soll ich ein glück, das du mir gabst, verlieren, Und willst du, gott! mich rauhe wege führen, So wirst du doch, denn du hörst gern mein flehn, Auch väterlich mir meine hülf ersehn. 7. Vielleicht muß ich nach we nig tagen sterben. Herr, wie du willst! soll ich den himmel erben, Und dieser ist gewiß im glauben mein, Wie kann der tod mir dann noch schrecklich seyn? Freude an Gott. ( Siehe auch Nr. 295.) Mel. Jesus, meine Zuversicht. deine am 354. Haber! Bei dem herrn ist freud und leben, und er wird( denn er giebt gern) Dir auch, was dir dienet, geben. Seine liebe beut dir an, Was dein herz nur wünschen kann. welt die eitle luft, Die in weinen sich verkehret. Glaube, wer in seiner brust Got tes liebe fühlt und nähret, Findet stets auf seiner bahn, Was das herz nur wünschen kann. 3. Luft an gott erfüllt mit licht, Wenn man gott im worte kennet. Lust an gott stärkt uns zur pflicht, Von dem Vertrauen auf Gott. 4. Wer die lust am herren hat, Hat auch lust an seinem willen, Suchet ihn durch wort und that Unverdrossen zu erfüllen; Und so trifft er alles an, Was das herz nur wünschen kann. Wenn man in der liebe brennet. 3. Mit fröhlichem gemüthe Denk Solche luft beut alles an, Was ich an deine treu; Denn, vater! das Herz nur wünschen kann. deine gute Ist alle morgen neu. Und seh ich nur auf dich, Wird arbeit mir versüßet, Dein vatersegen fließet Huldreich herab auf mich. 5. Bleibst du auch nicht ohne last, Trag geduldig die beschwer den. Wenn du wohl gelitten hast, Wird dir ewge freude werden; Und du triffft im himmel an, Was dein herz nur wünschen kann. 4. Du gabst mir aus erbarmen Den sohn, der für mich starb und liebevoll mir armen Dein kindschaftsrecht erwarb. In ihm, gott! bin ich dein; Drum kann ich hoffnung faffen, Du wirst mich nie verlassen, Nein, stets mein helfer seyn. Mel. Von Gott will ich nicht. 5. Wie gut ists, dein gedenfen! Die welt mag immerhin Ihr 355.A ihr dir ' n dich, mein gott! ge herz dem eiteln schenken, Wie und trost für mich. Wenn sorg und gram mich fränken, So sieht mein aug' auf dich. Dann mindert sich mein schmerz, Dann fliehn die bangen sorgen Wie nebel vor dem morgen, Und ruh erfüllt mein herz. halt ich mich, gott! Dies bringt, auch wenn ich leide, Dem herzen trost und freude, Dies stärkt mich noch im tod. 2. Denk ich an deine liebe, Wie werd ich dann erfreut! Wenn alles um mich trübe, Und mir ein wetter dräut, Ist sie mein sonnenschein; Mich können keine leiden Von deiner liebe scheiden, So groß sie immer seyn. Vom Gott soll man anbeten. Mel. Herr, nicht schicke deine Rache. 356.Dir versöhnt in deinem 191 Gebete. als wir bitten mögen; Reich und kraft und herrlichkeit, Gott! iſt dein in ewigkeit. 3. Was im himmel und auf erden. Gut ist, ließ dein wille werden; Eh es ward, gedachtest du Deinen findern es schon zu. Alle sollten deiner gaben Unerschöpften reichthum haben, Ewig sollten alle dein, O allgütigster! sich freun. vor deinem throne; Keiner kehrt mit trübem blick Unerhört von dir zurück. Alles fleisch von allen enden Kömmt mit aufgehobnen händen, Kömmt mit hoffnung und begier, Gott! der gern erhört, zu dir. 2. Du bist alles guten fülle! Daß wir beten, ist dein wille; Du verschmähst, o vater! nicht Deiner finder zuversicht. Und du haft so vielen segen, Weit mehr, 6. Drum will ich an dich denken, So lang ich denken kann. Wird man ins grab mich senken, So geh ich zwar die bahn, Da mein die welt vergißt; Doch du, herr! denkst noch meiner, Wenn auch auf erden keiner Mein eingedenk mehr ist. 4. Sollten denn nicht deine frommen Alle betend vor dich kommen, Der du allen vater bist, Dem kein ding unmöglich iſt? Allen hast du, herr! ihr leben, Und was sie erfreut, gegeben, Pflichten gegen Gott. 192 Und versprichst, unendlicher! Allen noch unendlich mehr. 5. Ja, wir wollen zu dir nahen, Beten, glauben und em pfahen; Unsrer thaten Lobgesang, Sen in ewigkeit dein dank! Heil uns christen! du beschüßest Deine Linder, du besigest Herrlichkeit und kraft und reich! Wo ist dir ein vater gleich? 2. Erschein vor seinem angefichte Mit dank, mit demuth, oft und gern, und prüfe dich in sei nem lichte, Und klage deine noth dem Herrn; Er eilt, die seinen zu erfreun, Und segnet sie, wenn sie noch schrein. Erweckung zum Gebet. Mel. Wer nur den lieben Gott. Mel. Wer nur den lieben Gott. 357.Dein heil, o chrift, nicht 358. Komm betend oft und zu verscherzen, Sey wach und nüchtern zum gebet! Ein flehn aus reinem gutem Herzen Hat gott, dein vater, nie verschmäht. Er ist die liebe selbst; er hört, Was seiner kinder herz begehrt. 3. Welch glück, so hoch geehrt zu werden, und im gebet vor gott zu stehn! Der herr des himmels und der erden, Bedarf der eines menschen flehn? Ists nicht bloß deine seligkeit, Wenn er zu beten dir gebeut? 4. Sagt gott nicht: bittet, daß ihr nehmet? Ist des gebetes frucht nicht dein? Wer sich der pflicht zu beten schämet, Der schämt sich gottes freund zu seyn. Und, o welch unglück träfe dich, Schämt einstens gott auch deiner sich! 5. Sein glück von seinem gott begehren, Ist dies denn eine schwere pflicht? Und seine wünsche gott erklären, Erhebt das unsre feele nicht? Verleiht es uns nicht muth und kraft Zum siege jeder leidenschaft? SEEDS 6. Sich in der furcht des höchsten stärken, In dem vertraun, daß gott uns liebt, Im fleiß zu allen guten merken, Ist diese pflicht für dich betrübt, So triffft du nichts auf erden an, Das deinen geist erfreuen kann. 7. Gott! laß mich nicht mein heil verscherzen; Gieb lust und kraft mir zum gebet. Und wenn mein mund, aus gutem herzen, Zu dir um hülf und gnade fleht, So höre mich von deinem thron, Durch Jesum Christum, deinen sohn. Eigenschaften des Gebets. christ, vor gottes angesicht! Nie müsse trägheit mich bestegen In der erfüllung dieſer pflicht. O! übe sie zu gottes preis und deinem heil mit treuem fleiß. 2. Bet oft in einfalt deiner seelen! Gott sieht aufs herz, gott ist ein geist. Wie können dir die worte fehlen, Wofern dein Herz dich beten heißt? Der glaub an gott und seinen sohn Rührt ihn, nicht leerer worte ton. 3. Wer das, was uns zum frieden dienet, Von Herzen sucht, der ehret gott. Wer das zu bitten sich erkühnet, Was er nicht wünscht, entehret gott. Wer schnell die treu, die er gott schwur, Vergißt, der spottet seiner nur. 4. Bet oft zu gott, und schmeck in freuden, Wie freundlich er, dein vater, ist. Bet oft zu gott, und fühl in leiden, Wie göttlich er das leid versüßt. Gott hörts, gott ists, der hülfe schafft, Er giebt den müden trost und kraft. 5. Bet oft und heiter im ge müthe, Schau dich an seinen wundern satt. Schau auf den ernst, schau auf die güte, Womit er dich geleitet hat. Oft irrteſt du, er trug geduld; Erkenn und preise seine huld. 6. Bet oft; durchschau mit frohem muthe Die herzliche barmherzigkeit Deß, der mit seinem theuren blute Die fünderwelt vom fluch befreit, Und eigne dir zu deiner ruh Und heiligung sein opfer zu. Vom Gebete. 7. Bet' oft; gott wohnt an jeder stätte, In keiner minder oder mehr. Denk nicht, wenn ich mit vielen bete, So find ich ehr bei gott gehör. Ist nur dein wunsch gerecht und gut, So sey gewiß, daß gott ihn thut. 8. Doch säume nicht, in den gemeinen Auch öffentlich gott anzuflehn, Und seinen namen mit den seinen, mit deinen brüdern, zu erhöhn. Wie eifrig war dein heiland nicht In übung dieser felgen pflicht! 9. Bet' oft zu gott für deine brüder, Für alle menschen, als ihr freund; Denn wir sind eines leibes glieder, Ein glied davon ist auch dein feind. Solch bitten, das aus liebe fließt, Ehrt gott, der selbst die liebe ist. 10. Bet' oft; so wirst du glauben halten, Dich prüfen und das böse scheun, An lieb und eifer nicht erkalten, Und reich an guten werken seyn. Denn muth und kraft und seelenruh Sagst du, gott! dem, der bittet, zu. 11. Dies reize mich, vor dich zu treten Mit lob und dank, mit wunsch und flehn. Doch meine fehler bei dem beten Wollst du, mein vater! übersehn; Weil mich, der dir zur rechten sißt, Durch seinen fürspruch unterstüßt. Erkannte Fehler des Gebets; auch beim Mangel der Andacht im Gebet. 193 und muth, Und oft muß ich mein fleisch und blut Zur andacht mühsam zwingen. 3. Umsonst faß ich oft den entschluß; Die welt sammt ihren kindern Sucht, meinem herzen zum verdruß, Am beten mich zu hindern; Und fleht mein seufzend herz zu dir, Bringt sie zu meiner kränkung mir Viel eitles ins gemüthe. 6. Ich will hinfort nachlässige keit Und alle trägheit meiden. O! mache du mein Herz bereit, Vom eiteln mich zu scheiden, Laß es dich hören und allein Aufs himmlische gerichtet seyn. Gieb du mir kraft und stärke. 7. Gott! laß den eifer des gebets Ja nie in mir erkalten. Der andacht feuer wollst du stets Durch deine kraft erhalten. Den hindernissen wehre du, Und sebe meine seel in ruh, Sich frei empor zu schwingen. Mel. Wär Gott nicht mit uns. Nothwendige Einmüthigkeit beim Gebet. 359. Mit jeufzen flag ich dir, mein gott! Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. Gern wollt ich eifrig beten, und 360. Laßt uns mit danken mich meiner noth, Voll glauben zu dir treten. Gern brächt ich, lieber vater! dir Im geist und wahrheit mit begier Die opfer meiner lippen. 2. Allein mein Herz, ach gott und Herr! Kann sich nicht recht erheben, 3um guten oft zu kalt und schwer, Bleibt es am eiteln kleben. Träg ist oft leider Herz treten Vor unfern gott, mit preis und ruhm! Mit freudigen gebeten Lobt ihn in seinem heiligthum! Ihn, der mit ew'ger treue, Was er erschuf, erhält, Der, daß die welt sich freue, Begnadigt alle welt, Trägt mit geduld die fünder, Hilft seinem volke gern. Lobt ihn, ihr seine kinder, Ihr christen, dankt dem Herrn! N 4. Dies, herr, mein gott! dies kränkt mich sehr, Und ich denk oft mit schmerzen, Als wär dein guter geist nicht mehr In meinem trägen herzen, Das dich so oft be leidigt hat, Weil luft und andacht keine statt In meiner seele findet. 5. Ach, leider, vater! hab ich dich nicht allezeit gehöret, Wenn du in deinem worte mich Erweckt, gerührt, gelehret! Doch schone jest, verzeihe mir, Wehmüthig fleh ich, gott! zu dir, Vergilt nicht nach verdienste. Univ.- Bibl. Giessen 194 Pflichten gegen Gott. 2. Ihr unsers hauptes glieder, Vereinigt liebreich herz und mund, Als erben und als brüder Macht eures vaters gnade fund! Durch überwindet selbst und haß und neid, Versöhnt euch und empfindet Der liebe füßigkeit! Zu einem heil berufen, Habt alle gleichen sinn; So tretet zu den stufen Des throns anbetend hin. 3. Jhn, der die lieb euch lehret, Durch die ihr seine kinder feyd, Gott, euren gott, entehret Ein lob, das ihm die zwietracht weiht. Die menschen, die sich haffen, Stehn hoffnungslos von fern, Von seiner huld verlassen, Ein gräuel vor dem Herrn. Sie hört in ihren nöthen Der gott der liebe nicht, Verbirget, wenn sie beten, Im zorn sein angesicht. 4. Wir aber, deine frommen, Wir wollen, gott! in einem geist Zu deinem throne kommen, Wenn unser dankbar lied dich preist. In einem lauten tone Singt durch dein ganzes reich Dir, vater und dem sohne, Die christenheit zugleich. Die eintracht ihrer lieder Dringt auf mit hohem klang, Schallt durch die himmel wieder; Ein englischer gefang! 5. O! pflanze selbst die liebe Mit aller ihrer himmelslust, Pflanz jeden ihrer triebe, gott! in unsrer aller brust. Hilf, daß wir, als die deinen, Uns lieben lebenslang, Und so vor dir erscheinen Mit lob, gebet und dank. Dann steigt aus unsern chören Der eintracht lied empor; Und dieses lied zu hören, Neig, herr, zu uns dein ohr! 6. Wenn wir denn vor dir flehen, Erhöre gnädig dies gebet, Laß uns zum heil geschehen, Was unsre seele glaubend fleht. Wenn wir von ganzem Herzen Für rettung aus der noth, Für linderung der schmerzen Dir danken, unserm gott, Für so viel huld uns alle Dir weihen lebenslang; O vater! so gefalle Dir deiner kinder dank. ***** Um die Gabe des Gebets. Mel. Wo Gott, der Herr, nicht bei. 361. gott! es fehlt uns kraft und licht, Dich würdig zu verehren, Wir wissen so zu beten nicht, Daß du uns kannst erhören. Drum geuß, wie uns dein wort verheißt, Selbst über uns aus deinen geist Der gnad und des gebetes. 2. Der nehm sich unsrer schwachheit an, Uns kräftig zu vertreten, So oft wir deinem thron uns nahn, Zu danken und zu beten; Und unser flehn zu dir, o herr! Sey nie ein frostiges geplärr; Es sey ein flehn des Herzens. 3. Zieh unser Herz zu dir hin auf Im beten und im singen, Und thu uns auch die lippen auf, Ein opfer dir zu bringen, Daran dein Herz gefallen hat, Weil sich auch unser herz dir naht Und nicht bloß unsre lippen. 4. Im geist und wahrheit laß zu dir Das herz uns gläubig richten, Mit andacht beten für und für, Ohn fremdes thun und dichten. Gieb uns des glaubens zu versicht, So zweifeln wir in Christo nicht, Die bitte zu erhalten. 5. Hilf, daß wir keine zeit und maaß Im beten dir vorschreiben, Anhalten ohne unterlaß. Bei dem allein auch bleiben, Was uns dein wille beten lehrt, Was deinen großen namen ehrt Und unser wohl befördert. 6. Laß uns im Herzen und gemüth Auf unser werk nicht bauen, Auf deine nie erschöpfte güt Laß einzig uns vertrauen. Und sind wir auch nicht dessen werth, So sey doch unser flehn erhört Von dir aus lauter gnade. 7. Du, vater! weißt, was uns ' gebricht, So lange wir hier leben. Verborgen ist dir gleichfalls nicht, Wenn wir in nöthen schweben. Wir, deine kinder, flehn dich an; Wir sind gewiß, daß uns nicht kann Dein vaterherz verlassen. Vom Gebete. 8. Wir haben ja die freudigkeit In Jesu Christ empfangen, Der gnadenstuhl ist da bereit, Die hülfe zu erlangen. Laß heilge händ uns immer hier Aufheben, vater! und zu dir In wahrer in brunst rufen. 9. Dein nam', o gott! geheiligt 10. Dies alles, vater, werde wahr! Du wollest es erfüllen. Er hör und hilf uns immerdar Um Jesu Christi willen; Denn dein, o herr! ist allezeit Von ewigkeit zu ewigkeit, Das reich, die macht und ehre. 3uversicht eines gläubigen Beters. uns Mel. Was Gott thut, das ist wohl. Dein will gescheh auch hier auf 363. Wehetst du mir, schenkst erd; Gieb frieden, brod, gedeihen; All unsre sünden uns verzeih; Steh uns in der versuchung bei; Erlös' uns von dem bösen. Du, dem die seraphinen Vor deinem throne für und für Mit heilger ehrfurcht dienen! Ich erd und staub, Ich fallend laub, Ich darf mich zu dir schwingen, Und lob und dank dir singen. 2. Wie zärtlich treu liebst du mich nicht! Mit meinem flehn und beten Darf kindlich ich voll zuversicht Zu dir, dem vater, treten. In aller noth, Ja selbst im tod, Willst du, gott! mir, dem deinen, Mit hülf und trost erscheinen. Mel. Auf meinen lieben Gott. 362. Auf meinen gott verläßt Mein herz sich ewig fest. So oft ich im gebete Hin vor sein antlig trete, Wird auf mein kindlich schreien Mich feine hülf erfreuen. 2. Sein geist, der heilig heißt, Giebt zeugniß meinem geist, Sch sey, obgleich voll sünde, Erwählt zu seinem kinde, Und soll dereinst im sterben Auch seinen himmel erben. 3. Gedanke, welcher mich Zufrieden spricht! wenn dich In kummervollen tagen Welt, feind' und zweifel plagen, So laß dir diesen glanben Nicht welt und kleinmuth rauben. - 4. Sind leiden dieser zeit Wol werth der herrlichkeit, Der ich, jenseits der erde, Mich einst erfreuen werde? Nur dem ist sie be195 geist, reitet, Den gottes geist hier leitet. 5. Du geist des vaters! Den Christus dem verheißt, betend ihn begehret, sey auch mir gewähret! Regiere meine seele, Daß sie nie wank und fehle. Der 6. Versiegelt bin auch ich, Geist gottes! ja durch dich Auf jenen tag der freuden, Wo, frei von schmerz und leiden, Der unschuld, die hier weinet, Shr rettungstag erscheinet. Kraft, Nußen und Segen des Gebets. 3. Erstickt die sinnlichkeit in mir Die frommen himmelstriebe, So schwing ich mich, gott! auf zu dir, Und füble neue liebe. Zu dir halt ich Mein vater! mich; Du bist, auch wenn ich leide, Mir hülfe, schutz und freude. 4. Wie heilsam selig ist es mir, Wenn ich, gott, bis zum grabe In dem gebete für und für Dich vor den äugen habe! Ich stärke mich Alsdann durch dich, Treu jede meiner pflichten Mit vorsicht zu verrichten. 5. Gebricht es mir an sanftem muth Und liebe gegen brüder, Besieg ich betend fleisch und blut, Und Hasse niemals wieder. Mein herz verzeiht, Voll freundlichkeit Sucht nie mein mund durch schelten Scheltworte zu vergelten. 6. Betracht ich im gebet mit schmerz Mein fehlerhaftes leben, So wird und kann sich nie mein herz, Von stolz gereizt, erheben. Fleh ich: geh nicht, Herr, ins gericht Mit mir! ach laß mich leben! Dann werd ich auch vergeben. N 2 196 Pflichten gegen Gott. 7. Wenn kummer mich zur erde zieht, Und wenn mich sorgen len, Wenn alles, alles flieht, Und wenn mir freunde fehfen, Bet' ich zu dir; Du nahst dich mir, Erhörst mein bittend flehen, Und läßt mich hülfe sehen. 8. Verbotne lüfte, stärkern reiz, Des fleisches böse werke, Abgötteret, den niedern geiz, Dämpst des gebetes stärke. Mein gott! durch dich Kann tapfer ich, Als christ, den sieg erringen, Und sünd und fleisch bezwingen. 9. In dem gebete denk ich oft: Was seyd ihr eiteln freuden! Oft wie geschwind, wie unverhofft Verkehrt ihr euch in leiden! Darum will ich Allein, gott! dich Von ganzem Herzen lieben; Was kann mich dann betrüben? 10. Wie stärkst du mich, wenn im gebet Zu dem berufsgeschäfte, Mein vater, ich dich angefleht Um weisheit und um fräfte! Den, der dir traut Und auf dich baut, Krönst du auf seinen wegen Mit glück, mit trost, mit segen. 11. Welch eine große seligkeit, Mit flehen und mit beten Darf ich, mein vater, allezeit Vor dei nen thron hintreten! Drum bet ich auch Beim letzten hauch: Mein vater! ich befehle Dir meinen leib und feele. 12. Du geist der kraft und des gebets, Du geist der reinsten liebe, Erweckt in meiner seele stets 3um beten fromme triebe! Und kann ich nicht mit zuversicht Zu meinem vater treten, So lehre du mich beten. 13. Schaff in mir wahre heiligkeit, Daß ich gott wohlgefalle, Wenn ich, durch seine lieb erfreut, Ein schwaches danklied lalle. In traurigkeit, In kreuz und leid, Bewahre meinen glauben, Daß nichts ihn mir darf rauben. Mel. Wer nur den lieben Gott. 364.M ein bester trost in te diesem leben Ist ein O gebet zu meinem gott; Dies kann mir fraft in schwachheit geben, Geduld muth in jeder noth, Bei jedem gram, bei jedem schmerz, Ein ruhigs und zufriednes Herz. 2. Wie kann ich trost und zu flucht finden, Wenn mein gewissen mich verklagt, Wenn bei der menge meiner fünden Mein herz vor seinem richter zagt? Nichts tröstet mehr, als ein gebet, Das bei dem Herrn um schonung fleht. 3. Muß ich um meiner tugend willen Ein spott der lasterhaften seyn, So bet' ich demuthsvoll im stillen Zu meinem gott; er hört mein schrein, Nimmt väterlich sich meiner an, und stärkt mich auf der tugend bahn. 4. Ich will mich nie zu rächen suchen, Wenn mich ein feind zu kränken sucht, Und nie will ich dem wieder fluchen, Der mir aus unverstande flucht. Nein, meine rach sey ein gebet, Das gott um gnade für ihn fleht. 5. Und wenn ein fummer mich verzehret, Den keinem ich entdekken kann, Dann ruf ich gott, der mich erhöret, Um trost in diesem kummer an. Ich weiß, wer ihm mit zuversicht Sein leid klagt, den verwirft er nicht. 6. Ruf ich ihn an bei dem ge= schäfte Des standes, den er mir verlich, So fleh ich nie umsonst um kräfte; Der gott der stärke giebt mir sie, Er giebt aus väterlicher huld Mir segen, klugheit und geduld. 7. Wenn, eine böse luft zu dämpfen, Mir wille, muth und traft gebricht, Dann bitt' ich gott; er hilft mir lämpfen, Er giebt mir muth zu jeder pflicht, Und schenkt mir willigkeit und kraft 3um siege meiner leidenschaft. 8. Wenn ich im letzten kampf des lebens Bei niemand hülfe finden kann, So ruf ich gott doch nicht vergebens Um seinen troft und beistand an, Der, wenn die sprache mir vergeht, Selbst meine seufzer noch versteht. to shop bik Mel. Wo Gott, der Herr, nicht bei uns. 365. Gott, unfer vater, der du bist Im himmel hoch erhöhet, Und schauest, was auf erden ist, und hörst, was zu dir flehet! Verwirf, gott, unfre zuversicht! Das flehen deiner kinder nicht, Wenn sie voll inbrunst beten. sa den godj in dium Gebet- und Bittlieder, Grll dolg Das Gebet des Herrn. den, Daß wollust, ehrsucht oder geiz Durch ihren gleißnerischen reiz Üns dennoch nie besiegen. 8. Von allem übel, angst und noth Erlöf uns deine gnade, Daß uns im leben und im tod Des feindes list nicht schade. Bedrängt uns hier schon manches leid, So laß uns doch mit freudigkeit Des glaubens end erhalten. 9. Dies alles, vater! werde wahr, Du wollest es erfüllen, Erhör, und hilf uns immerdar, Um Jesu Christi willen; Denn dein, o herr! ist allezeit, Von ewigkeit zu ewigkeit, Das reich, die macht, die ehre. 2. Dem namen, der da heilig ist, Laß uns die ehre geben, Wie groß und wunderbar du bist. Mit freudigkeit erheben; Dich, deine weisheit, macht und treu Erkennen, und ohn' heuchelei Dir und dem nächsten dienen. reich des heilgen geistes gaben, 3. Laß uns in deinem gnadenDein wort und dessen kraft zugleich, Glaub', lieb' und hoffnung haben. Des fatans reich zerstöre du, Erhalte deine kirch in ruh Und wahrheit, dir zur ehre. 4. Gleich als im himmel, gescheh Dein will' auch auf der erde, Daß dir kein wille wider steh, Das fleisch bezähmet werde. Verleih uns unter freud und leid Ein ruhigs herz, daß jederzeit, Was du willst, uns gefalle: so 5. Gieb uns heut unser täglich brot Durch arbeit unsrer hände, Gestatte keiner plag und noth, Daß sie von dir uns wende. Gieb gute obern, fried und heil, Auch jedem sein bescheiden theil, Und laß uns dran begnügen. 6. Vergieb uns gnädig unsre schuld Durch unser ganzes leben. Hilf, daß mit lieb und mit geduld Wir andern auch vergeben. Straf uns nicht nach gerechtigkeit, Und laß uns unrecht, haß und neid Nicht an dem nächsten ahnden. 201 7. In der versuchung gieb uns stärk, Und hilf uns überwinden Das fleisch, die welt, des satans werk, Und was uns lockt zu sün197 366.Ateigt durch deine Mei. O Gott, du frommer Gott. ch Du güte Uns, deinen menschen, stets Dein väterlich gemüthe; Othäten wir nur auch Als kinder unfre lieb pflicht In furcht, gehorsam, Und fester zuversicht. 2. Du herrschst im himmelsthron, Bist aller ort und enden, Und willst, daß mit gebet Wir oft uns zu dir wenden, Versprichst, der retter selbst In unsrer noth zu seyn; Drum so verwirf uns nicht, Hör, wenn wir zu dir schrein. 3. Laß deinen guten geist Die große pflicht uns lehren, Dir gläubig zu vertraun, Und dich recht zu verehren; Zeig uns, wie mächtig, groß Und weise du, gott! biſt, Wie klein der mensch, der staub, Wie schwach und blind er ist. 4. Das sey das höchste glück Für uns hier auf der erde, Daß deines namens ruhm Von uns gepriesen werde, Daß er in wort und that, und ohne heuchelei, Geheiliget von uns Und nie entheiligt sey. 5. Dein väterliches reich Ist auch zu uns gekommen, Da in der taufe du uns in den bund ge 198 Gebet- und Bittlieder. nommen. O laß in deinem reich Uns fromme bürger seyn, Und brechen wir den bund, Ihn alsofort erneun. 6. Dein wille, herr! geschieht Zwar auch ohn unsern willen; Doch gieb uns kraft, daß wir Ihn allzeit gern erfüllen. Die richt schnur unsers thuns Sey stets dein heilig wort, Du aber unsre burg Und fels und starker hort. 7. Regier auch unser herz, Daß wir in guten tagen Nicht stolz und sicher seyn, In bösen nicht verzagen, Daß wir bei andrer glück Uns brüderlich erfreun, Und gern dem dürftigen Hülf' in der noth verleihn. gott! von allem bösen; Denn du hast macht und kraft, Allein uns zu erlösen. Laß uns den guten kampf Hier kämpfen, und wenn du Uns rufft, so führ uns selbst In deines himmels ruh. 14. Laß uns dereinst verklärt Zu deiner rechten stehen, und dich von angesicht Zu angesichte sehen; Denn, herr! dein ist das reich, Die kraft und herrlichkeit Von aller ewigkeit In alle ewigkeit. 15. Hierauf so sprechen wir, In Jesu Christi namen, Auf sein untrüglich wort Ein gläubigs ja und amen. O Jesu Christ! durch dich Und dein verdienst allein Wird alles, was wir flehn, Auch ja und amen seyn. 8. Ach, vater, du bist reich An allen guten gaben! Laß unser täglich brod Uns heut und immer haben; Im überfluß gieb uns Die Allgemeine Gebetlieder. Mel. Wer nur den lieben Gott. Eluge ſparsamkeit, und auch bei 367. Wer kann, gott! je wenigem und 9. Herr! handle nicht mit uns Nach sern großen fünden, Und laß, wenn wir gefehlt, Uns wieder gnade finden; Gedenke, was dein sohn Für unsre schulden that, Der die erlösung selbst mit blut besiegelt hat. was gutes haben, Das nicht von dir den ursprung hat? Du bist der geber aller ga ben, und immer groß an rath und that. Du willst, daß mit gebet und flehn Wir stets auf deine hülfe sehn. 10. Hilf, daß wir denen auch Gern ihre schuld erlassen, Die uns beleidigen, Sie nicht feinde selig haffen, Nicht schmähen, wenn sie schmähn, Nicht dräuen, wenn sie dräun, Und was sie uns gethan, Vergessen und verzeihn. 11. Laß uns, herr! böse lust Nie in versuchung führen, deinen guten geist Uns immerfort regieren; Und wenn wir uns die welt Zum abfall reizen sehn, So gieb uns fraft und muth, Ihr fest zu widerstehn. Laß 12. Flöß uns in unser Herz Erhabene gedanken, In unserm glauben laß Uns nie aus leichtsinn wanken, Aufrichtig, tapfer, keusch, Treu, ehrbar, züchtig, rein, Recht schaffen, demuthsvoll und ganz dir heilig seyn. 13. Zulegt erlös' uns auch, I 2. Drum komm ich auch mit meinem beten, gott! vor deinen heilgen thron. Wie freudig kann ich vor dich treten! Denn mich vertritt bei dir dein sohn. In ihm hab ich die zuversicht: Mein schwaches flehn verwirfst du nicht. 3. So gieb mir denn nach deis nem willen, Was deinem kinde heilsam ist. Du nur kannst meinen mangel stillen, Weil du des segens quelle bist. Vor allen dingen sorge du Für meines geistes wahre ruh. 4. Gieb mir beständigkeit im glauben, Laß meine liebe brünstig seyn. Will etwas mir dies kleinod rauben, So schränke die versu chung ein, Und stärke mich mit heilgem muth; So sieg ich über fleisch und blut. 5. Bewahr in mir ein gut gewissen, Ein herz zu dir voll freu Gebet- und Bittlieder. 199 digkeit, Ein herz, aufs gute stets hand steht meine zeit, Laß du befliffen, Das sich vor deinem mich nur barmherzigkeit Vor dir auge scheut. Und fehl ich, gott! im tode finden. so strafe mich, Zu meiner beßrung, väterlich. 6. Ein herz, das in beglückten 369. Jangesicht, Verwirf, Mel. Allein auf Gott setz dein. komme vor dein vertagen, vater! deiner nie gißt, Ein herz, das unter noth und plager Vor dir still und demüthig ist, Ein herz, voll zuver sicht zu dir Und voll geduld, verleihe mir. o gott, mein flehen nicht! Vergieb mir alle meine schuld, Du gott der langmuth und geduld! 7. Das andre alles wirst du fügen, Du weist am besten, was mir nüßt. An deiner huld laß ich mir gnügen, Die schwache mächtig unterstützt. Zufrieden, vater! folg ich dir, Befest'ge diesen sinn in mir. 2. Schaff du ein reines Herz in mir, Ein herz voll lieb und fürcht zu dir, Ein herz voll demuth, preis und dank, Ein ruhig herz mein lebelang. 3. Sey mein beschüßer in gefahr; Ich harre deiner immerdar. Ist wol ein übel, das mich schreckt, Wenn deine vaterhand mich deckt? 8. Soll ich auf erden länger leben, So gieb, daß ich dir leben mag. Laß mir den tod vor augen schweben; Und kömmt dereinst mein sterbetag, So sey mein aus gang aus der zett Ein eingang in die Herrlichkeit. 4. Ich bin ja, herr! in deiner hand. Von dir empfing ich den verstand; Erhalt ihn mir, o herr, mein hort! Und stärk ihn durch dein göttlich wort. 5. Laß, deines namens mich zu freun, Ihn stets vor meinen augen seyn, Laß, meines glaubens mich Mel. Es ist das Hei uns kommen her. 368.Gott! deine gute reicht zu freun, Ihn stets durch liebe so wolken gehen. Du krönst uns mit barmherzigkeit, Und eilft uns beizustehen. Herr, me ne burg, mein fels, mein hort! Vernimm mein flehn, merk auf meir wort; Denn ich will vor dir beter. 2. Ich bitte nicht um überfluß Und schäße dieser erden; Laß mir, so viel ich haben muß, Von deiner gnade werden. Gieb mir nur weisheit und verstand, Dich, gott! und den, den du gefandt, Und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht un ehr und ruhm, So sehr sie menschen rühren; Des guten namens eigerthum Laß mich nur nicht verlieren. Mein awahrer ruhm sey meire pflicht, Der ruhm vor deinem angesicht, Und frommer freunde liete. 4. So bitt ich dich, her zebaoth! Auch nicht um langes lesen; Im glücke demuth, muth in nath, Das wollest du mir geben. It deiner 6. Das ist mein glück, was du mich lehrst; Das sey mein glück, daß ich zuerst Nach deinem reiche tracht, und treu In allen meinen pflichten sey. 7. Ich bin zu schwach aus eigner kraft Zum siege meiner leidenschaft; Du aber ziehst mit kraft mich an, Daß ich den sieg erlangen kann. 8. Gieb von den gütern dieser welt Mir, herr! so viel, als dir gefällt; Gieb deinem Enecht ein mäßig theil, Zu seinem fleiße glück und heil. 9. Schenkt deine hand mir überfluß, So laß mich mäßig im genuß und dürftge brüder zu erfreun, Mich einen frohen geber seyn. 10. Gieb mir gesundheit und verleth, Daß ich sie müß und dankbar sey, Und nie, aus liebe gegen sie, Mich zaghaft einer pflicht entzieh. 11. Erwede mir stets einen 200% Gebet- und Bittlieder. freund, Ders treu mit meiner wohlfahrt meint, Mit mir in deiner furcht sich übt, Mir rath und trost und beispiel giebt. g 12. Bestimmst du mir ein längres ziel, Und werden meiner tage viel, So bleib, gott! meine zuversicht; Verlaß mich auch im alter nicht. 13. Und wird sich einst mein ende nahn, So nimm dich meiner Herzlich an, Und sey durch Christum, deinen sohn, Mein trost, mein schuß, mein ew'ger lohn. d Mel. Ich dank dir, Gott, durch. 370.Allmächtiger, der feinen thron Im himmel hoch erhöhet! O höre mich, der erde sohn, Der dir im staube flehet. 2. Du schufft mich staub, und ließest staub Zum engel sich erheben, hier, unter der verwesung raub, Um ewig dort zu leben. 3. Was ist der mensch, wie arm, wie bloß Ist er, der herr der erden! Was ist der mensch? wie frei, wie groß, Unsterblich soll er werden! 4. Welch ein geschenk gabst du mir nicht, Da du vernunft mir schenktest, Und der erkenntniß göttlichs licht In meine seele senktest! 5. Verleih mir doch die wissenschaft, Mein ew'ges glück zu finden, Und gieb mir willen, muth und kraft, Mich selbst zu überwinden. 6. Lehr mich, was mein gewissen sagt, Der welt weit vorzuziehen, und laß mich, was es untersagt, Mehr als die hölle fliehen. deine gunst und meinen fleiß er werben, und lehre mich die große kunst zu leben und zu sterben. 11. O du, vor dem der seraph Entet Den cherubim umringen! Von allen sternen schallt das lied, st Das deine heilgen singer. 12. Ich beug vor dir, herr! meineld knie; Du hast den staub erhoben.d Heil mir! ich bin ein geist wie sie, Der mensch darf, herr. dich loben.!! ustu mi danifis& Mel. Vater unser im Himmelreich. err und regent der 371.5 ganzer welt, Der fie einst schuf, fie noch erhält! Du bist es, gott! der alles trägt Was ist, was lebt und sich bewegt: Dein ist die macht, kraft, majestät, Durch die der weltbau herrlich steht. sa pid 2. Ich aber bin blind, dürftig, bloß, Mein elend, meine noth ist groß. Drum bring ich mein gebet vor dich, Erhör erhör es gnädiglich! Schenk du mir, der du gütig bist, Gott! alles, was mir nöthig ist. 7. Mach fühlend dieses harte Herz, Wenn meine brüder leiden, Und laß an meines hasfers schmerz Sich nie mein auge weiden. 8. Laß mich nie mit verwegner hand Nach deinem donner trachten, Noch jeden, der dich nicht erkannt, Der hölle würdig achten. 9. Im glücke furcht, im unglück muth, Sey alles, was ich flehe. Was du, mein schöpfer! willst, ist gut, Und was du willst, geschehe. 10. Laß mich mein brot durch 3. Erleuchte mein sonst finstres herz, Gieb wahre buße, reu und schmerz, Und habe bei so mancher schuld Noch fernerhin mit mir geduld. Gieb neinem glauben kraft und licht, Erseßze du, was mir gebricht. 4. Nimm, vater! der es einzig kann, Dich meiner feele liebreichy an. Bewahre mich vor heuchelschein, und mache mein gewissen rein, Daß ich,( stehe du mir bei!) Ein ächter freund der tugend sey. 5. Gieb mir verstand in allem thun, Der weisheit geist laß auf mir ruhn; Und wo mein herz im zweifel steht und gleich den kin dern wankend geht, Da leite mich nach deinen rath, Und fördere zugleich die that. 6. Wein dann mein fleiß das seine schaft, So gieb dem leibe stärk und kraft, Erhalte mich ge fund und frisch, Und segne nahrung, haus und tisch, Bescheere Gebet- und Bittlieder. 200 den feind, Nicht bloß den freund, Mein herz aufrichtig liebe. daldoad 6. Nach vielem reichthum, gut 7. Hilf, daß des lebens hitz und laft, Die du mir auferleget haft, und geld, Herr! laß mich ja nicht Mir nicht zu schwer zu tragen trachten. Laß mich die ehren dieser sey. Und bricht des leibes hütt' welt Für eitle dinge achten, Und entzwei, So führ durch Christi nie nach pracht, Nach hoheit, macht blut und pein Den geist in deinen Und würden ängstlich streben; Laß himmel ein.rotusd ind udsin mich vielmehr Nach deiner lehr si stor ispris, mid or in the In wahrer demuth leben. Um geistliche Wohlthaten und 7. Trug, falschheit, lift und Beistand im Guten. Heuchelei Hilf mir sorgfältig flies hen, Nie müss' ich mich durch gleißnerei Um islammid mi zajmuistoll Mel. O Herre Gott, dein göttlich. 372. Ach, höchſter gott! ver- Taß ja und nein Meir heilig ſeyn Laß leihe mir, Daß ich nur dich begehre, Mein ganzes glück nur such in dir, Und dich allein verehre; Daß ich in noth Dich meinen gott Und vater gläubig nenne, Daß weder leid, Noch glück und freud Mich jemals von mighte mich nicht lieblos richten, Und zank und streit Mit freundlichkeit, Mit lieb und sanftmuth schlichten. 8. Herr! lehre mich enthaltsamkeit, Gieb mir ein rein gemüthe, Daß ich in dieser prüfungszeit Vor böser lust mich hüte. Der lügen feind, Der wahrheit freund, Laß mich aufrichtig wandeln, Und jederzeit Nach billigkeit Mit meinem nächsten handeln. dir trenne. 2. Erfülle mich mit wahrer reu, Wenn ich dich, gott! betrübe; Gieb, daß ich alles böse scheu, Und stets das gute liebe. Laß mich doch nicht, Herr! meine pflicht Mit vorsaß je verleßen. Der seele heil, Mein ewges theil, Laß mich recht theuer schätzen. 9. Gieb, daß ich stets den müs siggang Sammt aller trägheit fliehe, Daß ich der welt mein le= benlang Zu dienen mich bemühe. Laß meinen fleiß Zu deinem preis, gott! mir wohl gelingen, Und fegnest du, Das, was ich thu, Dir dafür ehre bringen. 3. Mein gott! ich bitte dich, verleih mir einen festen glauben, Der standhaft, treu und thätig sey, Und laß mir den nichts rauben. Gieb, daß ich mich Allzeit auf dich Und auf dein wort verlasse, Und in der noth, Ja selbst im tod, Dein heil getroft umfasse. 10. Ach! gieb mir deinen guten geist, Der stets mein herz regiere Und mich, wie es dein wort verheißt, Auf deinen wegen führe, So wird mein herz In freud und schmerz Dir zu gefallen streben, Und du wirst mir, Gott! einst bei dir Den lohn der treue geben. 4. Hilf mir, der ich erlöset bin, Daß ich den heiland liebe, Und bilde mich nach seinem sinn; Gieb, daß ich mich stets übe, Auf ihn zu sehn, Ihm nachzugehn, Mich sei Mel. Herr Christ, der ein'ge Gottes. ner nicht zu schämen, und stets 373. Herr Jefu, gabens bereit, freudigkeit Sein auf mich zu nehmen. sonne, Du wahres lebenslicht! Laß leben, heil und wonne Mein blödes angesicht Nach deiner gnad erfreuen, und meinen geist erneuen; Mein gott, versag mirs nicht! mir mein täglich brot, Und sorge für mich in der noth. dall 5. Nie müsse stolz und eitelkeit Mein schwaches herz regieren, Nie haß und zorn und bitterkeit Zur rache mich verführen. Dein wort gebeut Versöhnlichkeit, Verdammt der rachsucht triebe! Gieb, daß 2. Vergieb mir meine sünden, Und tilge meine schuld, Laß allen Gebet- und Bittlieder. zorn verschwinden, Und blick auf zu mich dein befehl In meinem mich mit huld; Laß deine friedens: stande führet; Gieb, daß ichs thue gaben Mein Herz mit tröstung la- bald, Zu der zeit, da ichs soll, ben. Erhör mich, gott der huld! Und wenn ichs thu, so gieb, Daß es gerathe wohl. 3. Befördre dein erkenntniß In mir, mein seelenhort! Und öffne mein verständniß, Herr! durch dein heilig wort. Ach, laß mir meinen glauben Nicht welt, nicht Hölle rauben; Wahrhaftig ist dein 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen, Laß kein unnüßes wort Aus meinem munde gehen. Und wenn nach meiner pflicht Ich reden soll und muß, So gieb den worten kraft Und nachdruck ohn' verdruß. wort. 4. Wenn mir gefahren drohn, So laß mich nicht verzagen, Gieb du mir heldenmuth Und trost in leidenstagen. Durch sanftmuth lehre mich Besiegen meinen feind, Und wenn ich rath bedarf, Gieb einen weisen freund. 5. Laß mich mit jedermann In fried und freundschaft leben, So weit es christlich ist. Willst du mir etwas geben An reichthum, ehr und glück, So gieb auch dies dabei, Daß ich allzeit gerecht Und voll von liebe sey. 6. Soll ich in dieser welt Mein leben höher bringen, Und unter mancher last Hindurch ins alter dringen, So gieb geduld, und mich Vor sünd und schand bewahr, Daß ich mit ehren trag Alsdann mein graues haar. 7. Laß mich an meinem end Auf Christi tod abscheiden. Die feele nimm zu dir Hinauf zu deinen freuden; Der leib, herr! ruhe sanft In seiner stillen gr Bis ihn dein allmachtswort Verklärt ins leben ruft. 8. Wenn deine stimme wird Die todten all' erwecken, O! dann wird sie sich auch Zu meinem staub erstrecken. Gott, welche wonn' iſt mein! Verkläret schau ich dich! Mit allen seligen Lobfinge dann auch ich. 202 4. Nimm ganz aus meiner feele Den hang zur fünde hin; Und, mittler! ach! beseele Mein Herz, daß ich forthin Mich dir zum dienst ergebe, Als dein erlöster lebe, Und dir, herr! dankbar bin. 5. Du helfer deiner christen! O widersteh in mir Des fleisches bösen lüsten, Und laß mich für und für Der welt verbotne freuden Und alle fünden meiden; Und dann, herr! leb ich dir. 6. Ach! zünde deine liebe In meiner seele an, Daß ich aus innerm triebe Dich ewig lieben kann, Daß ich, um dir vor allen, Mein be ster! zu gefallen, Geh auf der tugend bahn. 7. Verleihe du mir stärke, Verleih mir kraft und muth; Denn dies sind gnadenwerke, Die dein geist schafft und thut. Du weißt, wie ich aus schwäche Leicht meinen vorsatz breche, Er sey auch noch so gut. 8. Darum, du gott der gnaden, Du vater aller treu! Wend allen seelenschaden, Und mach mich täglich neu. Gieb eifer, deinen willen Mit freuden zu erfüllen, Und steh mir kräftig bei. Mel. D Gott, du frommer Gott. 374. gott, du frommer gott, Du geber aller gaben, Ohn den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben! Gefunden leib gieb mir, und daß in feel Und rein gewissen bleib. 2. Gieb, daß ich thu mit fleiß, Was mir zu thun gebühret, WoMel. Ich ruf za dir, Herr Jesu. 375.Herr, mein erlöfer! mit von ich hülf erflehen; Vernimm mein seuf zen, eile, mir, Mein Helfer! bei zustehen. Des wahren glaubens Gebet- und Bittlieder. kraft und licht. Das selige bestre rechtem eifer ringt, Empfängt ben, Dir zu leben, Und muth zu dieser pflicht, Das wollest du mir geben. schon hier zum lohn, Was wahre ruhe bringt. 2. Du hast dein königlich gebot Mir tief ins herz geschrieben; Von ganzer seele soll ich gott, Wie mich, den nächsten lieben. Wenn ich nach deinem worte thu, So hab ich schon hienieden Großen frieden; Und welches heil hast du Den frommen dort beschieden! 3. Laß mich kein leiden dieser zeit, Kein weltglück dir entreißen; Denn du hast deine seligkeit Den treuen nur verheißen, und könnten wol durch ihre müh Sie, solche zu verdienen, Sich erkühnen? Aus gnaden schenkst du sie, Und du erwarbst sie ihnen. 4. Freund meiner feele! du bist ihr Ein weinstock, sie dein rebe. Zeuch sie dir nach, daß sie zu dir Sich von der welt erhebe. Ja laß mich, wenn ich sterben soll, Auf deine gnade bauen, Dir vertrauen, Und dann dort wonnevoll Dein antlig ewig schauen. 5. Ich kämpf, ermatt' und strauchle oft; Hilf, herr, mein hort! dem schwachen, Der nur auf dich in demuth hofft; Du kannst mich mächtig machen. In jeder seelennoth laß mich Bei dir erbarmung finden, Trost empfinden, Und endlich, herr! durch dich In allem überwinden. Um göttliche Regierung und 203 3. Gieb, daß ich von der welt Mich unbefleckt erhalte, Und daß in mir der trieb Zum guten nie erkalte. Hilf, daß ich immer wach, Im kampf des glaubens treu, Und in der hoffnung stark Und fest gegründet sey. 4. Gieb, daß ich als ein christ Mich Christo ähnlich zeige, Und achtsam mein gemüth Zu seiner Lehre neige. Sein geist regiere mich, Und nicht der geist der welt; So wandt' ich, Herr! vor dir Den weg, der dir gefällt. deinen guten geist, Daß ich dem folgsam sey, Was, gott! dein wort mich heißt. 5. Hilf, daß ich dich, mein gott! Von ganzer seele liebe, und lieb und gütigkeit Auch an dem nächsten übe. Laß ohne übermuth Mich bei des glückes schein, Und ohne ungeduld In trüben tagen seyn. 6. Nie müsse sich mein Herz Des fleisches lust ergeben, Und nie dem schnöden geiz; Mein dir geweihtes leben Sey von betrug und neid, Von unbarmherzigkeit, Von ungerechtem gut Und stolzem sinn befreit. 7. Will deine hand mich hier Auf rauhe wege leiten, So unterstütze mich, Wenn meine tritte gleiten. Laß mich in aller noth Auf deine hülfe baun, Und auch wenn sie verzeucht, Dir doch getrost vertraun. Leitung. Mel. O Gott, du frommer Gott. 376. Mei ein vater und mein gott, Der du in diesem leben Zur leuchte meinem Mel. In dich hab ich gehoffet, Herr. fuß Dein heiligs wort gegeben! 377. Ich weiß, mein gott, Regiere mein 2. Verleih, daß ich zuerst Nach deinem reiche trachte, und kein vergänglich gut zu übermäßig ach te. Wer nach dem ewigen Mit 8. Erlöse endlich mich von allen meinen leiden; Und ist die stunde da, Aus dieser welt zu scheiden, vater! so verlaß, Wenn meine hütte bricht, Mich sterbenden mit trost Und froher hoffnung nicht. Und werk auf deinen willen ruhn; Von dir kömmt glück und segen. Was du regierst, Das geht und steht Auf rechten guten wegen. 2. Es steht in keines menschen macht, Daß sein rath werd ins werk gebracht, und seines gangs Gebet- und Bittlieder. fich freue; Des höchsten rath, Der rächen; Was fürcht ich, herr! machts allein, Daß menschenrath Von seinem zorn? Wie leicht wirst du ihn brechen! th Toinso 204 gedeihe. 3. Oft denkt der mensch in seinem muth Dies oder jenes sey ihm gut, Und ist doch weit gefehlet; Oft sieht er auch Für schädlich an, Was doch gott selbst erwählet. 4. So fängt auch oft ein weiser mann Ein gutes werk mit freuden an, Und bringts doch nicht zu stande; Er baut ein schloß Und festes haus, Doch baut er nur auf fande. 5. Wie mancher schwingt in seinem sinn Sich über berg und himmel hin! Und eh er sichs versiehet, So liegt er da Und sieht im staub, Wie seine größ' entfliehet. 6. Drum, lieber vater! der du kron' Und scepter trägst im himmelsthron und aus den wolken blißest, Vernimm mein wort, Und höre mich Vom stuhle, da du sißest. 7. Verleihe mir das edle licht, Das stets von deinem angesicht Auf fromme seelen fließet, Und das zugleich Der weisheit kraft Und geist in sie ergießet. 8. Gieb mir verstand aus deinen höhn, Und laß mich nicht voll trop bestehn Auf meinem eignen willen; Sey du mein freund Und treuer rath, Was gut ist, zu erfüllen. 13. Tritt her zu mir und mache leicht, Was mir sonst fast unmög lich deucht, und bring zum guten ende, Wovon du selbst Der anfang bist, Durch weisheit deiner hände. 10. Was dir gefällt, das laß auch mir, Als meinen ruhm und meine zier, Gefallen und mich lieben; Was dir mißfällt, Das laß mich nicht In werk und that verüben. 14. 3st gleich der anfang etwas schwer, Und muß ich auch ins tiefe meer Der bittern forgen treten, So gieb mir kraft, Und laß mich stets Mit inbrunst zu dir beten. 15. Wer fleißig betet, dir ver traut, Wird, was er sonst voll schrecken schaut, Mit tapferm muth bezwingen; Und sorg' und angst Wird ihn dann fliehn, Und er den sieg erringen. di god 16. Der weg zum guten ist fast wild, Mit dorn und hecken ange füllt; Doch wer ihn freudig gehet, Wird endlich, herr! Durch deinen geist Zu freud und wonn erhöhet. 17. Du bist mein vater, ich dein kind, Was ich bei mir nicht hab und find, Hast du in voller gnüge; So hilf nun, daß Ich meinen stand Wohl halt und herrlich siege. 18. Dein soll seyn aller ruhm und ehr, Ich will dein thun je mehr und mehr Aus hocherfreuter seelen Vor deinem volk Und aller welt, So lang ich leb, erzählen. 9. Führ du mich selbst, und was mir gut, Das gieb mir ein; was Mel. In dich hab ich gehoffet, Herr. fleiſch und blut Erwählet, das 378. Von ganzer ſeele pretf Mein höchster Mein bestes theil Sey deine lieb und ehre. du mich so väterlich Bis dieſen tag erhalten. Ich flehe dich, Laß über mich Dein auge ferner walten. 2. Wer schenkt uns leben, glück und ruh? Wer giebt uns kraft zur pflicht? nur du Schaffft wollen und vollbringen. Wird dein ge= deihn Nicht uns erfreun, So kann uns nichts gelingen. 3. Du schufft und du regierst die welt Nach deinem rath, wie dirs gefällt, Du lenkst der mens schen Herzen. Sey auch mein licht, Und laß mich nicht, Gott! deine 11. Jsts werk von dir, so hilf zum glück; Ists menschenthun, so treibs zurück, Und ändre meine sinnen. Was du nicht wirkst, Pflegt von sich selbst In kurzem zu zerrinnen. 12. Sucht aber dein und unser feind, An dem, was dein herz gut gemeint, Voll bosheit sich zu huld verscherzen. Gebet- und 14. Dein wort lehrt mich des lebens pflicht; Doch fühl ich auch, was mir gebricht, Die blindheit meiner feele. Ach! gott der huld! Vergieb die schuld, Wenn ich aus schwachheit fehle. bit en 5. Verstand und Herz ist fehlerhaft, Bald fehlt mir licht, bald fehlt mir kraft, Mich weislich zu regieren. Drum bitt ich dich, Laß, höchster! mich Selbst deine weis heit führen. 6. Herr! dessen huld uns ewig liebt, Laß mich beim segen, den fie giebt, Auf dich, den geber, schauen. Selbst wenn du schlägst Und kreuz auflegst, So laß mich dir vertrauen. 7. Gieb, daß ich meine lebenszeit Nur dir mit ganzem ernst geweiht, In deiner furcht vollbringe; Bis ich einst dir Dort für und für Lob, preis und ehre bringe. Bittlieder. 5. Du, herr! regierst und lenkest Solch eine große welt. Geschieht nicht, was du denkest? Nicht, was dir wohlgefällt? Bann überschritt ihr gleis Die sonne, die du schufest? Was ehrt nicht, wenn du rufest, Gleich willig dein geheiß? 6. Wenn deine meere toben, Und du gebeutst nur: ruht! Hast kaum die hand erhoben, So legt sich ihre wuth, Wie leicht, wenn böser lust Empörung in mir wüthet, Ruht, wenn dein wink gebietet, Der auf ruhr meiner brust! 7. Ach, lenke du mein leben! Dir sey es ganz geweiht! Mein einziges bestreben Sey, was dein rath gebeut! Dann bin ich weis und klug, Dann thu ich recht auf erden, Dann werd ich selig were den, Dann hab ich, gott, genug! 2. Gieb, vater meiner väter! Mir einen weisen sinn. Du giebst die übertreter In ihrem sinn dahin. Ich aber wünsche mir Ein herz, das dich nur liebe, Gern, was du forderst, übe; Das wünsch ich mir von dir. 205 Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. Von Gott will ich nicht. 379. 11m weisheit, höchster! 380. Ach, gott, verlaß mich 379. bitte Ich dich, der weisheit hat. Du leitest unsre schritte Durch deines geistes rath. Wer ruft zu gott hinauf, Dem er nicht gern gewähret, Was er von ihm begehret? Er giebt und rückte nicht auf. nicht! Reich du mir selbst die hände. Daß ich die pil grimmschaft Des lebens wohl vollende; Frr ich im finstern thal, So sey du selbst mein licht, Mein stab, mein hort, mein schußz. Ach gott, verlaß mich nicht! 2. Ach, gott, verlaß mich nicht! Lehr deinen weg mich wallen, Und laß mich nimmermehr In fünd und thorheit fallen. Gieb mir den guten geift, Des glaubens zuversicht; Und wenn ich straucheln will, Gott! so verlaß mich nicht. 3. Der leib beschwert die seele; Wie leicht verirr' ich mich, Wenn ich mein glück mir wähle, Erleuchtet nicht durch dich! Durch jeden schein verführt, Wähl ich mir falsche güter, Wenn, meines lebens hüter! Mich nicht dein rath regiert. 4. Kaum treff ich, was auf erden Mir gut und heilsam ist; Wie kann ich selig werden, Wenn du mein licht nicht bist? Regierst du nicht dein kind, So wirds ein übertreter, Da meines Heils verräther Selbst meine finne sind. 3. Ach, gott, verlaß mich nicht In nöthen und gefahren, Und laß zur rechten zeit Mir hülfe widerfahren! Ist meine seel' in angst, Schreckt mich dein strafgericht, Gott, so verlaß mich auch Mit deinem troste nicht! 4. Ach, gott, verlaß mich nicht! Gieb wollen und vermögen; In allem meinem thun Begleite mich mit segen; Die werke meines stands, Die werke meiner pflicht Laß, herr! vor dir gedeihn. Ach, gott, verlaß mich nicht! 5. Ach, gott, verlaß mich nicht! Gebet- und Bittlieder. Hilf, daß ich dir ergeben, Voll gesicht; Ich laß dich nicht, bis lieb und hoffnung sey, Recht glau- du gehört Und deine antwort mir ben, christlich leben Und selig ster- gewährt. ben mag, Um dich von angesicht Zu angesicht zu schaun. Ach, gott, verlaß mich nicht! 11. Die welt ist falsch, du bist mein freund, Ders treulich und von Herzen meint; Der menschen gunst spricht nur der mund, Du aber liebst von herzensgrund. Mel. O Jesu, du mein Bräutigam. ach dir, o herr! 12. Zerreiß neße, die die 381. Nanget mich, Du bist welt Und fleisch und blut mir mein gott, ich hoff auf dich, Ich bleib und bin der zuversicht, Du werdest mich beschämen nicht. immer stellt; Und ist des unglücks nacht vorbei, So gieb, daß ich auch dankbar sey. 2. Der wird zu schanden, der dich flieht, Und deinem dienste sich entzieht; Der aber, der dich herzlich liebt Und auf dich hofft, wird nicht betrübt. 13. Laß mich in deiner furcht bestehn, Und schlecht und recht stets einher gehn; Gieb mir die einfalt, die dich ehrt Und lieber duldet, als beschwert. 206 3. Herr! nimm dich meiner seelen an, Und führe mich die rechte bahn; Laß auf den weg, der führt zu dir, Stets deine wahrheit leuchten mir. 4. Denn du bist ja mein ewges licht, Sonst weiß ich keinen helfer nicht. Ich harre dein bei tag und nacht; Du hast den willen und die macht. 5. Wie groß ist meiner fünden heer! Ach, denke ihrer, herr, nicht mehr! Vergieb, was ich von ju gend an Bis jetzt vor dir nicht recht gethan. 6. Gedenk an deine vaterhuld, An die verschonende geduld, Die von dem anfang dieser zeit Stets die gefallne welt erfreut. 7. Der herr ist heilig, fromm und gut Dem, der ihn ehrt und buße thut. Wer seinen bund und zeugniß hält, Der wird erhalten, wenn er fällt. 8. Ein herz, das gott mit inbrunst liebt, Ihm ganz vertraut, sich ihm ergiebt, Braucht nicht gefahr und noth zu scheun, Denn es ist gottes, gott ist sein. 9. Nun, Herr! mein herz ist dir bekannt, Es schwebt mein geist in deiner hand; Du siehst, wie meine seele weint, Bis deine hülfe mir erscheint. 10. 3u dir ruf ich, drum wende nicht Von mir dein gnädigs an14. Regier und führe mich zu dir, Auch andre christen neben mir; Nimm, was dir mißfällt, von uns hin, Gieb neue Herzen, neuen sinn. 15. Erlös' uns, herr! aus aller noth, Stärk uns im glauben bis zum tod, Und zeig uns nach durchlebter zeit Die größe deiner herrlichkeit. Mel. Herr Jesu Christ, ich weiß. 382. Herr! wie du willst, so schicks mit mir Im leben und im sterben; Mein herz verlangt allein nach dir, Entreiß mich dem verderben. Erhalte mich in deiner huld, Sonst wie du willst; gieb mir geduld, Was du willst, ist das beste. 2. Zucht, ehr und treu verleihe mir, Zu deinem worte liebe; Gieb, daß ich wanke nie von dir Noch deinen geist betrübe. Laß hier und dort mich selig seyn, Und was vor dir, herr! bös ist, scheun, In meinem ganzen leben. 3. Soll ich nach deinem weisen rath Einst von der welt abscheiden, O so verleih mir deine gnad, Daß es gescheh mit freuden. Herr! feel und leib befehl ich dir; Gieb du ein seligs ende mir Durch Jesum Christum, amen. Gebet- und Mel. O Bater, allmächtiger Gott. 383. A[ Umächt'ger vater, gott der huld! Zu deiner langmuth und geduld Flehn wir, vergieb uns unsre schuld. Erbarm dich über uns! 2. Uns, die wir gläubig beten, Wirst du bei gott vertreten, Jesus Christus! Erbarm dich über uns! 3. Uns, die wir standhaft ringen, Hilf du den lauf vollbringen. Für uns bist du gestorben; Erbarm dich über uns! 4. Laß, heilger geist! uns streben Von sünden rein zu leben. Du kannst die kraft uns geben; Erbarm dich über uns! Um Gesundheit. Bittlieder. kraft, Die deine güte mir ver= schafft, 3um guten zweck verwenden, Zu deiner ehr, In lieb und pflicht Mich meinen lauf vollenden. 8. Doch schickst du mir auch krankheit zu, So gieb geduld; sey meine ruh! Du kannst mein leid versüßen. Mein labsal sey Dann deine gnad, Ein unbefleckt gewissen. 9. Und kömmt dann endlich auch mein tod, O da sey du mein troft, mein gott! Verzeih mir alle fünden. Laß meinen tod, Herr! selig seyn, Mich ew'ge ruhe finden. 10. Ja, gieb mir, was mir nütz und gut, An feel und leib, an ehr und gut. Von aller schwachheit leiden Erlöse mich, Und schenke dann Mir deines himmels freuden. Um Ernährung und irdischen Segen. 207 384. V herzigkeit! Kann unMel. In dich hab ich gehoffet, Herr. on dir, gott der barmter gütern dieser zeit kein gröBers mir zufließen, Als wenn du Mel. Allein auf Gott setz dein Vertraun. mich Gesundheit, gott! Und kräfte 385. Gott, deffen hand die genießen. 2. welt jedermann sein theil gewährt! Laß deinen segen auf mir ruhn, Und mich mein werk mit freuden thun. Dank sey, o bester vater, dir! Du hast aus großer liebe mir Dies gut bisher geschenket. Dein ists, daß ich noch leb und bin; Du bists, der mein gedenket! 3. Ach friste ferner väterlich Mir dies geschenk; denn nur durch dich Kann ich es mir versprechen. Verschone mich, Ists nüßlich mir, Mit krankheit und gebrechen! 2. Du sorgst für mich, doch so, daß ich Auch sorgen soll, zu thun, was mich Dein offenbarter wille heißt; Verleih mir dazu deinen geiſt. 3. Hilf, daß ich in der bösen welt So lebe, wie es dir gefällt; Laß meine erste sorge seyn, Mich von der sünde zu befrein. 4. Ach laß mich meiner sinne nicht, Wenn dirs gefällt, o gott, mein licht! Jemals beraubet werden. Erhalte sie Mir fernerhin, So lang ich leb auf erden. 4. Stehts erst in meiner seele wohl, Dann lehre mich auch, wie ich soll Dem leibe thun, wie ihm gebührt, Daß er nicht stärk und muth verliert. 5. Mich leite deine vaterhand, Nie laß mich der gesundheit pfand Durch eigne schuld verscherzen. Auf sünden folgt Schwachheit und noth Und feel und leibesschmerzen. 5. Und weil du frömmigkeit so liebst, Daß du den frommen segen giebst, So gieb, daß ich in heilger schen Recht fromm und recht gesegnet ſey. 6. Ein gleicher muth in freud und leid, Zufriedner sinn und mäBigkeit und ordnung in geschäf 6. Dich ruf ich an, verlaß mich ten, Dies sey mein ruhm! Laß nicht, Du weißt ja wohl, was meinen leib Das laster nie ent- mir gebricht; Doch trotzig fordr kräften. 8 ich 7. Und dann laß mich des lebens nichts von dir, Was du willst geben, gieb du mir. 208 Gebet- und Bittlieder. 7. Mit beten geh ich an mein werk, Gieb du dem leibe kraft und stärk; Ich fang mit dir die arbeit an, Durch den ich sie vollenden kann. 8. Erleichtre mir der arbeit last, Laß mich, wie du befohlen haft, Das thun, was mein beruf mich heißt; Ich weiß, daß du mein helfer seyst. 9. Ich trau auf dich mit zuverficht, Du werdest, treuer vater! nicht Auf meine arbeit und bemühn Den nahrungssegen mir entziehn. 10. Du machst die dürren berge naß, Du kleidest lilien, laub und gras, Die vögel speisest du allein; Für deine sorg ist klein. 11. Ach, wüßt ich nur nach dei nem finn, So lang ich noch auf erden bin, Mit deinen gaben um zugehn, Wie wohl würd' es dann um mich stehn! 12. Nun, treuer gott, erhöre mich! Mein auge siehet nur auf dich. Hilf daß ich sorge, wie ich foll; Ja, sorge du, so gehts mir wohl. Daß ich bei dem, was meine hand Vornimmt, dein segnen spüre. Allgemeine Fürbitte. Mel. Was mein Gott will, gescheh. ott, 387. Goie dein ruhm! Vor dich woll'n wir jett treten, Und, als für unser eigenthum, Für andrer wohlfahrt beten. Für sich allein Beglückt zu seyn, Bringt christen schlechte freuden. Drückt mich kein joch, So kränkt mich doch Des nebenchristen leiden. 2. Drum, herr! von dem der sonnen licht Auf bös' und gute scheinet, Und dessen Herz dor weh muth bricht, So bald der mensch beweinet, Womit er sich So fre Mel. Wär Gott nicht mit uns. 386. Ingottes namen fang ventlich An deiner macht verganich an, Was zu aller thun gebühret. Mit gott wird alles wohlgethan Und glücklich ausgeführet; Was man in gottes namen thut, Mit glaubensvollem sinn und muth, Das muß uns wohl gedeihen. 2. Gott ists, der das vermögen schafft, Was gutes zu vollbringen, Er giebt uns segen, muth und kraft, Und läßt das werk gelingen. Ist er mit uns, giebt er gedeihn, So muß der fleiß gesegnet seyn Zum reichen überflusse. 3. Allmächtiger, komm, stärke mich! Dein sey ganz mein geschäfte. Dich fleh ich an, dich suche ich, Gieb munterfeit und kräfte, Gesundheit und am geist verstand, Um Segen in Berufs- und Nahrungsgeschäften. 4. Regiere mich durch deinen geist, Den müssiggang zu meiden, Daß das, was du mich schaffen heißt, Gescheh mit lauter freuden; Hilf, daß ich dir mit aller treu Auf dein gebot gehorsam sey, Und meinem nächsten diene. 10% and 5. Sey heut und allezeit bei mir. Die werke meiner hände Befehl ich, treuer vater, dir! Hilf, daß ich sie vollende Zu deines na mens herrlichkeit, Und gieb, daß ich zu seiner zeit Des fleißes lohn empfange. Herz Vor deinen thron gelangen. 3. Duschusst ja, was von adam stammt, Zum wahren glück und leben, Willst allen auch, von lieb entflammt, Die seligkeit gern ge ben. Erleuchte doch, Die jezzo noch Bei dicken finsternissen Sich selbst allhier Den weg zu dir Durch menschenwahn verschließen. 4. Erweiche der verstockten herz Bekehre die verführten. Ach, daß sie doch der fünden schmerz Und deine gnade spürten, und keiner nicht In dein gericht Und strenges urtheil fiele! Ach! treibe sie Doch spät und früh Zum vorgesteckten ziele. 5. Erhalte, die im glauben Gebet- und Bittlieder. stehn Und dich als kinder ehren, Daß sie stets weiter vor sich gehn Und deinen preis vermehren. Hilf ihnen auf In ihrem lauf, Wenn ihre füße gleiten, und lehre fie, Des lebens( müh In deiner fraft bestreiten.- 6. Hilf, daß die ganze christenheit Dich recht und heilig ehre, Daß weder hochmuth, haß, noch neid Dein heilig wort verkehre. Laß seine macht Des irrthums nacht, Der laster reich bestreiten, Und seinen schall Sich überall Zu deinem ruhm verbreiten. 7. Gieb, daß sich ehre, recht und treu Im ganzen lande küffe, Daß jeder fromm und heilig sey, Und richte jedes füße Vom lasterweg Zum Himmelssteg, Daß dei nes namens ehre, Herr! durch dein wort Sich fort und fort Bei allen menschen mehre. 8. Gieb armen, daß sie immerzu Sich ihrer arbeit nähren, Den kranken wollst du sanfte ruh, Betrübten troft gewähren; Wer dich verehrt, Sich redlich nährt, Dem schenke glück und segen, und bei gefahr Laß sich die schaar Der engel um sie legen. 9. Wir alle schreien: wir sind ja Ein werk von deinen Händen! Laß nie, ist angst und trübsal da, Dein herz sich von uns wenden. Du bist ja der, Dem nichts zu schwer; Drum sprich durch Jesu namen Zu deren flehn, Die vor dir stehn, Gott! dein allmächtig amen. Fürbitte für die Fürsten. Mel. Wo Gott, der Herr, nicht bei. 388. Der thron der weltbeherrscher ist Ein schemel deinen füßen. Sie sind nur fleisch, du aber bist Gott, dem sie dienen müssen! Das reich ist dein, und dein die welt, Du, der sie schuf und sie erhält, Du bist allein ihr herrscher! 2. Du aber sagtest: könige Will ich den völkern geben, Hoch über 209 andre sterbliche Will ich die fürs sten heben. Verehret, völker, ihr gebot! Das leben gab ich und den tod, Mein recht, in ihre hände. 3. Zu ihnen sprachst du: fürchtet mich, Den herrn, der erde götter! Regiert mit weiser huld wie ich, Und feyd der unschuld retter; Schafft recht den armen, laſſet nicht Die wittwe seufzen im gericht, Laßt nicht den frevel siegen. 4. Jhr seyd wol götter; aber bald Sollt ihr wie menschen sterben; Weh dann euch, habt ihr die gewalt Gemißbraucht zu verder= ben! Ich selbst will euer richter seyn, Ein jedes volk der erd ist mein; Von euch will ich sie fordern! 5. Unendlicher! regiere sie, Daß fie getreu dir dienen, Verlaß mit deiner huld sie nie, Noch ihr geschlecht nach ihnen. Die furcht vor dir, barmherzigkeit, Und weisheit und gerechtigkeit Sey ihres hauptes krone. 6. O weltbeherrscher! laß sie nie Die rechte bahn verlieren; Vor schmeichlern auch bewahre sie, Daß die sie nicht verführen. Lehr sie ihr eigen herz durchschaun, Und nur mit furcht sich selber traun, Und dich um weisheit bitten. 7. Gieb friede; halte sie zurück Von ungerechten kriegen. Ihr ruhm sey der, mit ernstem blick Die laster zu besiegen. Wenn aber völker sie zum streit Durch unrecht reizen, dann gebeut Dem schwert, daß es sie räche. 8. Ach! laß dein wort auch auf dem thron, Jehovah! glauben fins den. Laß fürsten auch auf deinen sohn Fest ihre hoffnung gründen. Gott! sie sind fünder, so wie wir; Laß sie doch nicht ihr theil bloß hier In diesem Leben haben. 9. So weit dein reich auf erden geht, Flehn darum deine christen; Erhöre gnädig dies gebet, Du vater deiner christen! So weit dein reich, die erde geht, Wird jeder deine majestät In seinem fürsten ehren. Gebet- und Bittlieder. Für die Obrigkeit. auch sie zum segen, Die hier vor Mel. Von Gott will ich nicht. deinem angesicht Bereit stehn, dir ehovah, mächt'ger der pflicht ein 389. I lönig Dir, unserm tracht abzulegen. Taß ſie, Vater! Dir ergeben, Einig leben, Treu sich lieben, Treu die pflicht der christen üben. gott und herrn, Ist alles unter thänig; Du herrschest nah und fern, Du gott, herr zebaoth! Erhaben, groß und prächtig, Zu schüßen stark und mächtig, Ein helfer in der noth! 2. Damit wir ruhig leben, Hast du der obrigkeit Gewalt und macht gegeben; Ihr schwert, das frevlern dräut, Empfing sie nur von dir. Wer ihr zuwider lebet, Der sündigt, widerstrebet Nicht menschen, sondern dir. 2. Du hast sie sich geneigt gemacht, Der liebe flammen angefacht, Die ihre brust entzünden; O! laß die regung lauter seyn, Laß untreu nie den bund entweihn, Zu dem sie sich verbinden. Immer Laß sie Dir ergeben, Einig leben, Einig handeln, Fromm und heilig vor dir wandeln. 3. D fegne sie, der gern beglückt Und frommen lohn von oben schickt, Auf allen ihren wegen! Laß ihr geschlecht sich deiner freun, Gieb ihrem stand und fleiß gedeihn, Und ihr beruf sey segen. Laß sie, Vater! Dir ergeben, Glücklich leben, Freudig sterben, Dann sind sie des himmels erben. Nach der Trauung. 210 3. Ach, großer herrscher! lehre Auch mich durch deinen geist, Daß ich die obern ehre, Wie es dein wort uns heißt. Sie tragen ja dein bild; Und wenn wir ihren willen In frömmigkeit Wird dein befehl erfüllt. erfüllen, 4. Laß deinen geist sie führen, Und weisheit sey ihr thun, So wird durch ihr regieren Dein se= gen auf uns ruhn. Du herrschest Mel. Lobt Gott, ihr Christen. felbst im Land, Das herz der 391. Auf euch wird gottes obrigkeiten du leiten, Es steht in deiner hand. 5. Dein wort, o vater! leite Sie stets zu ihrer pflicht, Gerech tigkeit begleite Ihr urtheil im gericht. Laß sie durch ihr bemühn Der frommen glück vermehren, Den lastern laß sie wehren Und selbst die sünden fliehn. 6. Gieb, daß durch ihr regieren Wir mit zufriedenheit Ein stilles leben führen In wahrer frömmigkeit. O gott! du segnest gern; Auf allen ihren wegen Gieb ihnen heil und segen Durch Christum, unsern Herrn. Für angehende Ehelente. Vor der Trauung. Mel. Wie schön leucht't uns der. der 390. Vor einigkeit! Ward einst der ehe bund geweiht: O! weih ihn euch gewährt. Geht hin, und macht durch frommes thun Euch dieses segens werth.:,: 2. Der Herr erfüllt, was er versprach; Sein heil sollt ihr empfahn. Kommt ihr nur dem gelübde nach, Das ihr dem Herrn gethan.:,: 3. Ihm heiligt nun beruf und stand, Ihm heiligt euer herz, Und folgt der Leitung seiner hand Durch freuden und durch schmerz!:,: 4. Bis ihr den lauf der pilgerzeit Im sanften tode schließt, Und kommt zu gottes herrlichkeit, Und schaut ihn, wie er ist.:: Für die Erziehung der Jugend. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Dinder gut und fromm 392. die menschlichkeit Stets das wichtigste bemühen; Glücklich sie hier Gebet- und Bittlieder. in der zeit, Nüßlich sie der welt zu machen, Sie des himmels fähig machen, Diese pflicht ist theur und groß; Nichts spricht von ihr eltern los. 8. Welche freud und seligkeiten Werden, vater! wir dort sehn, Wenn in deinen herrlichkeiten Eltern, die dann vor dir stehn, Sagen: vater, von den meinen Die du gabst, verlor ich keinen! Und dann kinder flehn für sie: Gott, vergilt der eltern müh! Fürbitte für alle Kranke. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes. ften brauchbar feyn? Ginst den 393. Für getrante i te himmel erben? nein! dich Mit brüderlichem herzen: Mein gott! erleichtre vä terlich Die last von ihren schmerzen; Sprich tröstung allen schwachen ein, Und laß auf dich, und dich allein Mit festem muth sie trauen. 2. Des gnadenlebens kurze zeit, Den gräuel ihrer fünden, Und deine freu und freundlichkeit Laß, vater! sie empfinden; Stärk und erwecke ihren geist, Gieb jedem reichlich, was du weißt, Das er bedarf zum heile. 3. Den geist der ruh und der geduld, Sich ganz dir zu ergeben, möchte, vater, deine huld Den schwachen diesen geben! O möchte 5. Menschenschöpfer, tugend- doch dein will allein Ihr wille, ihre mehrer! Laß die ganze mensch- freude seyn, O vater aller gnaden! lichkeit, Väter, mütter, pfleger, 4. Gieb ihnen allen kraft und lehrer, Fürsten und die obrigkeit Mit vereinter Sorgfalt wachen, Jede jugend fromm zu machen, Sie durch gutes beispiel ziehn, Und selbst sünd und laster fliehn. muth, Die schmerzen zu besiegen, Sey du, o allerhöchstes gut! Thr innigstes vergnügen. Die leichte quaal der schnellen zeit Laß durch den trost der ewigkeit Zum quell der freude werden. 2. Wächst der mensch in seiner jugend Ungebildet roh heran, Ohn erkenntniß, ohne tugend, Kann er dann des Lebens bahn Würdig mit vernunft betreten? Würdig feinen gott anbeten? Seinem näch3. Dihr, denen gott hier kinder, Himmelspfänder, anvertraut! Ach, bedenket, sie sind fünder; Denkt, wie ihr ihr glück hier baut! Lehrt sie früh den schöpfer lieben, Jede tugend auszuüben. Dies ist wahre zärtlichkeit, Lieb' auf zeit und ewigkeit. 4. Euch hat gott dazu ersehen, Dieses große werk zu thun. Thut ihrs, so wird wohlergehen Auf euch und auf ihnen ruhn. Gott, der strafet und belohnet, Keines pflichtvergeßnen schonet, Fordert einst von eurer hand Eure kinder als fein pfand. 211 6. Pflanz in aller finder herzen Gottesfurcht und frommen sinn; Laß sie nie ihr heil verscherzen, Laß fie trägheit, eigensinn, Aer 5. Ach! jeden, wär er noch so schwach, Laß deine kraft empfinden. Und weise tröster, vater, gerniff und leichtsinn fliehen; ach! Laß jeden kranken finden, Unschuld nur sey ihr bemühen. Führ sie selbst die tugendbahn, Daß ihr fuß nicht gleiten kann. 7. Die last der krankheit und ihr schmerz Erwecke manches bruders herz Zum zärtlichsten erbarmen. 6. Den kranken, der nun sterben soll, Den lehre, vater! sterben. Ach! jeder tugend werd er voll, Geschickt, dein heil zu erben. Ach, Jesus! mach zum himmelreich Ihn fähig, deinem bilde gleich. Schon heilig hier auf erden. 7. Den kranken, der durch dich 02 Laß sie ihre eltern lieben, Dankbar seyn für ihre treu, Nie sie kränken und betrüben; Ehrfurcht und gehorsam sey Ihnen lust und wahre freude. Schüße sie vor schwerem leide, Laß sie hier gesegnet seyn, Führ sie einst zum himmel ein. 212 Gebet- und Bittlieder. genest, Den lehre heilig leben, Der müsse dich, der ihn erlöst, Durch wahre buß erheben, Nicht mehr im traum der sicherheit, Nein, als ein erb' der herrlichkeit Müß er unsträflich wandeln. Um langmüthige Berschonung der Sünder. 3. Es können viel gerechte noch Aus ihrem blute stammen. Unmündige, herr! wirst du noch Mit ihnen nicht verdammen. Ein Ninive bebt in den staub, Weil du noch schonen wolltest. Wir wären längst der hölle raub Wenn du gleich strafen solltest Wenn du nicht dulden wolltest. BRU 4. Wann kömmt der rächer, fragt der spott, Der tugenden Doch tausend jahre sind dir, gott, Ein tag nur, o verschoner! Ach kömmt einmal, kömmt das gericht, Wer kann sich dann bekehren? Verschonst du hier der spötter nicht, Wie wollen, dich zu ehren, Sie dann noch sich bekehren? day 5. Herr, gut, barmherzig, fromm und treu, Stets willig zu vergeben! Um Jesu Chrifti willen sey Noch gnädig, laß sie leben. So samml in deine scheuren ein Noch viel erlöste fünder, Dann werden sich die himmel freun, Und deine neuen kinder, Die noch erlösten fünder. Mel. Es woll uns Gott genädig. 394. Hott, wie du? Wer belohner? err, wo ist solch ein duldet so die fünder? Wie lange schaust du ihnen zu Und schonest sie wie kinder! Herr, herr, barmherzig, gut, getreu, Mild, willig zu vergeben! Noch werde deine güte neu, Noch laß die fünder leben, Noch wollest du vergeben! 2. Denn gingst du, richter! ins gericht; Wer könnte, gott, bestehen? Noch töne die posaune nicht, Damit sie nicht vergehen; Daß eingewickelt, wie ein buch, Noch nicht der himmel werde, Daß durch des letzten tages fluch Der frevler von der erde Nicht weggetilget werde. Gottes. 4. Wie wird der geist dadurch entzückt, Hinauf gen himmel hingerückt, Mit seinem hoch erhabnen freund, Mit gott, stets inni395. Auf, driften! preist ger vereint! mit mir den Herrn! Wer preift, was herrlich ist, nicht gern? Und welch ein glanz, der gott verklärt! Wer ist, wie er, des lobes werth? 5. Welch ein so herrlicher beruf, zu dem gott selbst die engel schuf! Welch eine theure süße pflicht, Die uns so reichen lohn verspricht! 2. Cobt ihn! sein ganzer nam' ist ruhm, Unendlichkeit sein eigenthum. Dies grenzenlose meer von licht Durchschauet selbst der engel nicht. 3. Ja, eure lust sey, thn erhöhn! Solch lob ist heilsam, lieblich, schön, Schärft den verstand, erhebt das Herz, Und stillt im leiden allen schmerz. Vom Lobe Pflicht des Lobes Gottes. Mel. Nun jauchzt dem Herren alle. Oder: Vom Himmel hoch da komm. 6. Ja, pflicht ist's, daß ihr sein gedenkt, Ihr, denen er verstand geschenkt; Die ehre des verstandes ist, Daß ihr den ew'gen kennt und wißt. 7. Pflicht ist es, daß ihr ihn besingt, Die ihr von ihm ein herz empfingt, Das sich zu gott mit inbrunst nahn und seine größe fühlen kann. 8. Auch euer mund, so oft er Vom Lobe Gottes. spricht, Erinnert euch an dieſe Mel. Alle Welt, was lebt und webet. pflicht. Die ſprache dankt ihr ihm 397. Alle welt, was ist und voll allein; rühmens sein? 9. Wer ist gutthätiger als er? Denn welche gabe sollt uns der Nicht schenken, der so sehr uns liebt, Daß er auch seinen sohn uns giebt? dem ten erdenkreis, Was nur seine stimm erhebet, Bringe gott dank, ruhm und preis! Dienet ihm, wer dienen kann, Freudig stimmt eu'r loblied an! 2. Gott, gott ists, der durch sein werde! Ünd durch seiner allmacht ruf Unsern leib aus staub und erde, Unsern geist vernünftig schuf; Wir sind seiner schöpfung ruhm, Sein erlöstes eigenthum. 3. Kommt, mit ehrfucht zu erscheinen Vor dem angesicht des Herrn! Kommt frohlockend mit den seinen, Lobt ihn herrlich, dient ihm gern! Denn der herr ist jederzeit Reich an gnad und gütigkeit. 4. Gott des Himmels und der erde, Höchster, unerschaffner geist! Schöpfer, mittler, tröster! werde und Jetzt immerdar gepreist. Mache herz und lippen rein, Dir ein würdig lied zu weihn. 10. Was gebet ihr nun ihm dafür? Ist nicht ein Herz voll dankbegier, Das ganz in seiner liebe brennt, Das einz'ge, was ihr geben könnt? 11. Auf, christen! preist mit mir den herrn! Wer preist nicht milde geber gern? Gedenkt, wie viel er uns gewährt! Wer ist, wie er, des dankes werth? Ermunterung zum Lobe Gottes. Mel. Vom Himmel kam der Engel. 396.Auf! alle welt! Daß ihr zu [ uf! jauchzet gott, auf! seinem dienst euch stellt, Das will ja, christen, eure pflicht; Kommt vor sein antlig, säumet nicht! 2. Erkennt, nur gott ſei unser er zur ehr, Und nicht wir selber; jeder hat Sein leben nur durch gottes gnad. 3. Er hat uns väterlich bedacht, zu seinem eigenthum gemacht, Zu schaafen, die er nährt und pflegt, Schüßt und in seinen armen trägt. 4. Die ihr begehrt des Herrn zu seyn, Kommt, geht zu seinem tempel ein! Von seines großen namens ruhm Erschall sein ganzes heiligthum! 213 5. Der herr sey euer lobgesang, Mit reinem Herzen opfert dank! Lobsingt und danket allesammt; Gott preisen ist ja unser amt. 6. Er ist voll gut und freundlichkeit, Voll lieb und treu zu jeder zeit; Denn seine gnad erquickt uns hier, Und währet dort auch für und für. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 398. Stimmt unſerm gott ein loblied an Mit freudigem gemüthe, Es rühm und preise, wer da kann, Den geber aller güte. Er macht uns frei von aller noth, Drum lobet ihn, drum lobet gott, Und preiſet ſeinen namen. 2. Lobt gott und rühmet allezeit Die großen wunderwerke, Die majestät und herrlichkeit, Die weißheit, kraft und stärke, Die er beweist in aller welt, Indem er alle ding erhält; Drum danket seinem namen. 3. Lobt gott, der uns erschaffen hat, Die feele, leib und leben Aus väterlicher huld und gnad Uns allen hat gegeben, Der uns durch seine allmacht schüßt, Der täglich schenket, was uns nüßt, Drum danket seinem namen. 4. Lobt gott, er giebt uns seinen sohn, Der selbst für uns ge= Vom Lobe Gottes. storben, Der uns die ewge lebens- nem heiligthum. Er ist gerecht fron Durch seinen tod erworben, und gut; Von seinen vatersorgen Der frieden hat mit gott gemacht, Zeugt jeder neue morgen, Und Und seinen ganzen rath vollbracht; alles, was er thut. Drum danket seinem namen. 5. Drum lobt, erlöste seelen! Lobt stets den herrn der welt; Helft dessen ruhm erzählen, Der euch schuf und erhält, Der euch in Christo liebt, Euch durch sein blut erkaufet, Auf seinen tod euch taufet, Euch einst den himmel giebt. 6. Løbt gott, der euch regieret, Der, als der treuste freund, Selbst dann euch weislich führet, Wenn ihr das kreuz beweint, Das er euch auferlegt; Laßt uns in solchen proben Ihn dennoch kindlich loben, Weil er aus liebe schlägt. 7. Er ist getreu den seinen, Entreißt sie aller noth. Wenn seine kinder weinen, So bleibt er doch ihr gott, Wenn der verfolger macht, Wenn ihre wuth sie schrekken, So wird sie gott bedecken, Er, der stets für sie wacht. 214 5. Lobt gott, der in uns durch den geist Den glauben angezündet, Und seinen beistand uns verheißt, Wenn er uns treu erfindet, Der uns stets durch sein wort regiert Und auf den weg des lebens führt; Drum danket seinem namen. 6. Cobt gott, er hat dies gute werk Selbst in uns angefangen, Vollbringt es auch, giebt kraft und stärk, Das kleinod zu erlangen, Daß er am ziel uns vorgestellt, Und das den himmel in sich hält; Drum danket seinem namen. 7. Lobt gott, ihr starken seraphim, Ihr engel und ihr thronen! Es loben gott mit heller stimm', Die hier auf erden wohnen! Lobt gott und preist ihn früh und spat; Ja alles, was nur othem hat, Das danke seinem namen. Mel. Von Gott will ich nicht. 399. Lobt gott, den gott der stärke, Der, was er will, erschafft, Ihr alle seine werke, Aus aller eurer kraft. Ihr feyd fein eigenthum, So weit der himmel reichet; Was luft und meer durchstreichet, Verbreite seinen ruhm. 2. Erhabne himmelsgeister! Erwedet euren fleiß; Gebt eurem herrn und meister Dank, ehre, lob und preis. Stimmt dreimal: heilig! Lobt ihn, ihr seraphinen! Lobt ihn, ihr cherubinen! Lobt ihn, was loben kann! 3. Was othem hat und lebet, Was sich bewegt und regt, Was in den lüften schwebet, Und was der himmel trägt, Sey überall bemüht, Den höchsten gott zu loben, Der aus den wolken oben Auf sein geschöpfe sieht. 4. Der herr ist groß und mächtig, Voll heiligkeit und ruhm. Es stehet alles prächtig In set8. Lob, ehre, preis und stärke, Sey dir, o gott, bereit! Denn deine weg und werke Sind voll von herrlichkeit. Dein zion lobet dich, Merk auf sein schwaches lallen, Und laß dir's wohlgefallen; Erhör uns gnädiglich! 9. Möcht es uns bald gelingen, Von aller schwachheit frei, Ein opfer dir zu bringen, Das deiner würdig sey! Ach, laß vor deinem thron Uns ewig mit dir leben, Und ewig dich erheben, Dich, vater, und den sohn. Mel. Ein Kindelein, so löbelich. er herr 400. Defingt ihm ein lied In feinem heiligthume! Der, der vom himmel auf euch sieht, Erschuf euch ihm zum ruhme. Gott zu verehren, seyd ihr da; Er, der euch, eh ihr wurdet, sah, Kennt herzen und gedanken. Der herr ist heilig; er allein Will Ifraels erretter seyn, Und Jacob soll ihm danken. 2. Der cherub betet an und Vom Lobe Gottes. brennt, Ihm jauchzen morgen sterne. Der mensch, der ihn nur schwach erkennt, Ehrt ihn aus dunkler ferne. Ihm jauchzen tief im staub' und gruft, Weit in der see, hoch in der luft, Der schöpfung ganze heere. Der sonne feuerreiche pracht, Das blaffe licht der stillen nacht Verkündigt gottes ehre. 3. Der herr vergiebt uns unsre schuld, So oft wir vor ihn treten, Trägt unsre schwachheit mit geduld, Und lehrt uns selber beten. Er strafet und verschont zugleich; 215 Der Herr ist gott!' es komm sein reich! Gott hört der frommen sehnen. Er segnet sie; wenn unfall droht, Erlöst er sie von sorg und noth, Und zählet ihre thränen. 4. Jauchzt, völker! jauchzt: gelobt sey gott! Preist ihn durch frohe lieder! Sagt, berge, nach: gelobt sey gott! Ihr thäler, hallt es wieder! Gelobt sey gott! mit mächt'gem klang Dring unser hoher lobgefang Bis in die stillsten wüsten. Der frevler zittre! neuer muth Und frommer andacht heil'ge glut Erfüll das Herz des christen. Lob- und Danklieder. Das Te Deum. du. O der für uns geblutet hat, Erwürgt für unsre missethat! m wir du uns nicht, Du kömmst, du kömmst und hältst gericht. 401. Herr gott, dich loben danken dir! Jehovah ist von ewigkeit, Er schuf die Welt, das werk der zeit. Die ganze weite schö- Einst sei im himmel unser theil pfung preist, Gott vater! dich, Dein großer lohn, dein ewigs heil, dich, sohn! dich, geist! Die cheru- Hilf deinem volte, Jesu Christ! bim, die seraphim, Die himmel und segne, was dein erbtheil ist, alle singen ihm: Heilig ist unser Leit' uns durch unsrer prüfung gott! Heilig ist unser gott! Heizeit Den weg zur frohen ewigkeit. lig ist unser gott! Jehovah ze- Die erd ist auch dein heiligbaoth! Weit über alle himmel, thum, weit Geht deine macht und herr- ruhm. lichkeit. Sie, die den erdkreis wunderbar Bekehrten, deiner boten schaar, Der lehre Jesu märtyrer, Die preisen ewig dich, o herr! Am grabe noch, noch in der zeit, Preist dich auch deine christenheit, Dich, vater, auf der himmel thron! Dich, Jesu Christ, des vaters sohn! Und dich, o geist, deß wunderkraft In sündern neues leben schafft! Auch sie erfülle stets dein In dieser unsrer pilgrimschaft Ist, herr! dein wort uns licht und kraft. Es ist ein reines helles licht; Wer ihm gehorcht, der fündigt nicht, Und wer noch fällt und es bereut, Der findet da barmherzigkeit. Die erd' erfüll, herr, stets dein ruhm, So wie des himmels heiligthum! Allgemeine Lob- und Danklieder. Mel. Vom Himmel kam der Engel Schaar. Du könig, deß reich nie pot 402. Ich bin, ich lebe; gott! du prophet! vergeht! Du hast dich, um uns gott zu weihn, Erniedriget, ein mensch zu seyn, Dem tode nahmst du seine macht, Zum himmel hast du uns gebracht. Zur rechten gottes sizest du, Mit deinem vater herrschest vater, wie kein vater ist! Wo fang ich zu erzählen an, Was du mir thust und schon gethan? 2. Gab ich mir leben, mund und hand? Ich selbst mir aug', ich mir verstand? Ein menschlich herz, wer Lob- und Danklieder. gab es mir? Was, kömmt nicht von dir? vater, was 3. Ich danke dir, der alles schafft, Für jeden sinn, für jede kraft; Für eltern, lehrer, brüder dir; Ich gab sie nicht, du gabst sie mir. 4. Ich danke dir mit froher brust Für jede wohlthat, jede lust, Für jede freud' und jedes glück Und feden lebensaugenblick; 5. Für deines wortes unterricht, Für deiner sonne warmes licht, Für deines mondes fanfte pracht, Für deinen tag und deine nacht; 6. Für Jesum Christ und fein nen geist, Für alles, was er uns verheißt, Für alles, was er giebt und gab, Wie statt ich, vater, dank dir ab? 216 7. Ich sterbe bald, doch bleib ich nicht m grabe; denn mein Jefus spricht: Wer an mich glaubt, soll auferstehn. Wie kann ich deine huld erhöhn? 8. Ein fünder bin ich; meine schuld Tilgt, vater, deine vaterhuld! Ach Jesus starb und lebt für mich! Wie preis' ich ihn? wie preif' ich dich? 9. Dantt' ich mit jedem othemzug, Ich dankte, vater! nicht genug; Denn dein ist alles! alles ist Geschenk von dir durch Jesum Chrift! ui 190 hail 10. Nicht weiß ich, wie ich danten soll, Mein mund ist deines preises voll, Voll dank mein herz, mein leben sey Voll dank für deine vatertreu! ad 2. Wenn angst und noth sich mir genaht, So hörte gott mein flehn, Und ließ durch seinen gnädgen rath Darin mich nicht vergehn. mit welchem dank, Mein gott, erheb ich dich! 4. Betrübte mich des feindes haß, So klagt ich gott den schmerz; Er half mir, daß ich ihn vergaß, Und gab geduld ins herz. top chun 5. Wenn ich den richt'gen pfad verlor, Und mich verschuldet sah; Rief ich zu dir, mein gott! empor, Und gnade war mir nah. ds. 6. Oft wenn nach troft die seele rang, Gott sich von mir gewandt, Rief ich voll sehnsucht: herr, wie lang? Und mich hielt seine hand.al 7. Er half, noch hilft er stets, der herr; Denn er ist fromm und gut. Aus der versuchung rettet er, Ünd giebt zur tugend muth. 8. Herr! für die leiden dank ich dir, Dadurch du mich geübt, Und für die freuden, welche mir Dein milder segen giebt. 9. natur freut. Dir dank ich, herr! daß die Mich nährt und mich erIch schmeck' in jeder creatur, Gott! deine freundlichkeit. 3. Wenn ich in schmerz und krankheit sank Und rief: herr, rette mich! So half mir gott; 10. Ich danke dir für deinen sohn, Der für mich fünder starb, Und der zu deinem gnadenthron Den zugang mir erwarb. lin 11. Zobt gott in seinem heiligthum! Erheb ihn, volk des Herrn! Die erd ist voll von seinem ruhm; Er hilft und rettet gern. 12. Er hilft und läßt die traurigkeit Bald vor uns übergehn, Will uns nach kurzer prüfungszeit Zum ew'gen glück erhöhn. Mel. Nun sich der Tag geendet. 403. D u bifts, dem ehr und ruhm gebührt; Und das herr! bring ich dir. Mein Mel. Nun lasset uns den Herren preiſen. ſchidſal haſt du ſtets regiert, Und 404. Sollt ich meinem gott stets warst du mit 13. Vergiß nicht, seele! deinen gott, Was er an dir gethan; Verehr und halte sein gebot Und bet' ihn ewig an. ich ihm nicht dankbar seyn? Sollte nicht in allen dingen Seine liebe mich erfreun? Lieben ist es, nichts als lieben, Herzliche barmherzigkeit, Die so oft und viel verzeiht. Herr, ich will dich ewig lieben. Ich will, als dein eis Lob- und Danklieder. genthum, Stets erheben deinen ruhm. 2. Wie ein adler sein gefieder Ueber seine jungen streckt, So hat ( dankts ihm, meine lieder!) Mich auch gottes arm bedeckt. Gott, der über mich schon wachte, Als ich kaum zu seyn begann, Sah mit vaterhuld mich an, Eh ich lebte, eh ich dachte: Leib und seele gabst du mir; Gott! o wie verdank ichs dir! 217 dem gott, der doch mich liebt. Wär er nicht mein gott gewesen, Hätte mich sein angesicht Nicht erquickt, so wär ich nicht Von so vieler quaal genesen. Vom allsehenden bewacht, Ging ich durch die dunkle nacht. 3. Für mich armen, mich verLornen, Mich, der ich gefallen bin, Gab er seinen eingebornen, Jesum Christum, selber hin. Wer kann, was er that, mergründen? Auf der ganzen erde, wer? Wer aus seiner engel heer Kann es, wie er liebt, ergründen? Seine lieb ist immer neu, Ewig seine gnad und treu. Daß 4. Seinen wunderbaren führer, Seinen tröster, seinen geist, Giebt der herr mir zum regierer, Wenn die fünd mich an sich reißt, er meine feel erfülle Mit des glaubens hellem licht. Dann, dann fürcht ich kein gericht, und mein bebend Herz wird stille; Deines heils darf ich mich freun, Herr! dein bin ich! du bist mein! 8. Wie ein vater seinem kinde Niemals ganz sein Herz entzeucht, Ob es gleich, verführt zur fünde, Von der rechten bahn abweicht, Also sieht auch mein verbrechen Mein versöhnter vater an, Züchtigt mich, daß ichs gethan, Wills nicht mit dem schwerte rächen, Weil, als ichs verirrt beging, Doch mein herz noch an ihm hing. 9. Wohlthat ist das kreuz der christen, Ists gleich, wenn es da ist, pein, Führt es uns in dürre wüsten, Scheints gleich noch so hart zu seyn. Und was haben wir gelitten? Duldeten die märtyrer Nicht viel mehr, als wir, viel mehr, Eh sie ihre kron erstritten? Rühmt in leiden, rühmt und preist Gott, der euch der sünd entreißt! 10. Ist, so lang ich leb am grabe, Kreuz und trübsal oft mein theil; Gott, dem ich geglaubet habe, Gott giebt einst mir ewigs heil. Die, so hier mit thränen säen, Ernten dort mit freu den ein. Nach des kurzen lebens pein Werd ich mein geschick verstehen, Jauchzen, daß mich gottes rath Diesen weg geleitet hat. ende Weil denn ohne zahl, ohn staub zerfallen, Deine gnaden, vater! sind, dessen ruf so heb ich meine hände Zu dir auf, erhör dein kind. Vater! du wollst gnade geben, Dir mich ganz und gar zu weihn, Dein verehrer stets zu seyn, Hier und in dem höhern leben. Heilig, hei lig, heilig ist Er, der seyn wird, war und ist. 5. Meinem beffern theil, der feele, Giebt er trost und kraft und ruh; Wenn ich, was er wählte, wähle, Strömet mir sein frieden Was, so lange wir hier wal Wir bedürfen in der welt, Was die hütten stützt und hält, Die dereinst in Auch dies giebt uns, Uns für diese welt erschuf. zu. len, 6. Himmel, erd und ihre heere Sind zu meinem dienste da. Wohin ich mein auge kehre, Ist mir got tes segen nah. Thier' und kräuter und getreide In den gründen, auf der höh', In den büschen, in der see, Sind mir nahrung, sind mir freude. Vom gedeihn und überfluß Trieft des allerhöchsten fuß. Elend meinen leib umgiebt, Dann, ehre bringen, Daß wir so viele len Wenn betrübniß meine feele, dann bet ich und verhehle Nichts gaben Aus seiner fülle haben. 11. Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herrn. 405. Laßt unserm gott und und 218 Lob- und Danklieder. 2. Wer kann es ihm erwiedern? Ein leib mit sinn und gliedern, Ein geist, der will und denket, Ist uns von ihm geschenket. 3. Und wie er erst das leben Allmächtig uns gegeben, Will nun, es zu bewahren, Auch seine treu nichts sparen. 4. Er giebt nach vaterweise Dem leibe täglich speise, Erhält ihm seine kräfte und fördert sein geschäfte. 5. Auch wehrt er dem verder ben; Die seele soll nicht sterben, Die doch in tiefen wunden Der fünde gift empfunden. 6. Sein einger sohn, das leben, Ist uns zum arzt gegeben; Der hat, als er gestorben, Genesung uns erworben. 7. Wort, taufe, nachtmahl müssen Die wunden im gewissen Durch kraft des geistes heilen, Zum guten stärk ertheilen. 8. Der sünd ist nun gesteuert, Die ganze feel erneuert, Das herz der straf entbunden, Des todes furcht verschwunden. 9. Das herz schmeckt fromme freuden, Hat trost in allen leiden, Wagt es, gott frei zu bitten, Vor ihm sich auszuschütten. 10. Wenn wir schon hier auf erden So hoch begnadigt werden; Gott, was wird nicht für gaben Für uns dein himmel haben? 11. Doch, weil wir hier noch wallen, Wirst du mit wohlgefallen, ( Wir wissen, wem wir trauen;) Auf uns hernieder schauen. 12. In noth wirst du uns schüßen, In schwachheit unter= stüßen, Was wir bedürfen, merfen, Uns in versuchung stärken. 13. Leit uns in deiner wahrheit, Bis wir in voller klarheit, Gott! deine größ' erkennen, Dich würd'ger preifen können. Mel. Nun fich der Tag geendet. 406. Mein geift erſtaunt, allmächtiger! Wenn er die gnaden denkt, Womit du mich, mein gott und herr! So unverdient beschenkt. 2. Dann ist mein herz so hoch erfreut, Ganz deiner güte voll, Und weiß vor heißer dankbarkeit Nicht, wie es danken soll. 3. Als ich noch in der mutter schooß, In nacht verborgen, schlief, Bestimmtest du, o herr! mein loos, Das mich zum leben rief. 4. Du sprichst des sterblichen geschic, Eh er geboren ist; Und so ward ich, o welch ein glück! Durch die geburt ein christ. 5. Schwach an der brust, vernahmst du schon, Was kein gebet noch war, Und neigtest zu des weinens ton Dein ohr gefällig dar. 6. Wenn ich als jüngling von dem pfad Der tugend mich verirrt, hat mich höchst liebreich, herr! dein rath Oft wieder drauf geführt. 7. Du warst mein schuß und meine wehr Vor unglück und gefahr Und vor dem laster, das noch mehr, Wie sie, zu fürchten war. 8. Ich sah, von krankheit bleich, durch dich Mein leben hergeſtellt, Und deine gnade schmückte mich, Wenn fünde mich entstellt. 9. Von freudenstrahlen glänzt mein blick, Da du so hoch mich liebst, Und in der wahren freundschaft glück Des lebens trost mir giebſt. 10. Und welche wohlthat, herr, ist nicht Dies herz, das fühlen kann! Dies herz, ganz dein, das dankbar spricht Was du an mir gethan! 11. Kein tag soll würd'ger mir vergehn, Als, ew'ger! dir zum preis; Ich will frohlockend dich erhöhn, Als jüngling und als greis. 12. In schrecken, angst, gefahr und noth Trau ich allein auf dich. Durch dich gestärkt, ist selbst der tod Mir nicht mehr fürchterlich. 13. Wenn krachend selbst der bau der welt Sich aus den angeln reißt, Will ich den preisen, der mich hält, Dich, der mich leben heißt. Lob- und 14. Dich, der mich bei der welten sturz Mit starkem arm erhob, Selbst ewigkeit, herr! ist zu kurz, Zu preisen all dein lob. Danklieder. 5. Du speisest alles fleisch mit wohlgefallen und schüßest uns, so lange wir hier wallen. 6. In trübsal werden wir von dir erquicket, Und draus erlöst, wenn sie zu heftig drücket. 7. Du läsfest uns in deinem worte lehren, Wie wir dir dienen sollen und dich ehren. 8. Du fendest uns erlösung von den sünden, und läßt uns deine gnade wieder finden. 9. Ach, ewig, ewig feyst du, herr! gepriesen Für jede gnade, die du uns erwiesen. 10. Sehr groß ist deine weisheit, gnad und stärke, Und wunderbar sind alle deine werke. 11. Wie schrecklich ist, o gott! wie groß dein namen! Glückselig ist, wer dich stets fürchtet, amen! Mel. Nun danket alle Gott. 5. Imi wort und facramente, Das ich nicht fassen könnte, Wenn mich fein geiſt nicht lehret, wird 409. Nun banket alle gott dies Mit herzen, und händen, Der große dinge thut, Hier und an allen enden, Der mächtig uns erhält, Und von der findheit an uns so viel gutes thut, Mehr als man zählen kann. 2. Er, unser vater, woll' Ein fröhlich herz uns geben; Der Herr laß uns, sein volk, In ſtetem frieden leben, Und unsre nachwelt auch, Daß seine gnad und treu Das ganze land umfah, Sein segen mit uns sey. 3. Der große starke gott Woll' uns von allem bösen, Und was uns schaden kann, Gewaltiglich erlösen; Er schüß uns in gefahr, Er helf uns allezeit, So lang er uns allhier Das leben noch verleiht. Mel. Nun laßt uns Gett, den Herren. 407. Laßt uns mit lob und beten Vor gottes antlit treten. Dankt ihm für seine gaben, Die wir empfangen haben. 2. Er hat leib, seel' und leben Allmächtig uns gegeben, Und wacht mit vaterblicken, Uns immer 31 beglücken. 3. Er sorgt für unsre tage, Erleichtert noth und plage, Erfreuet unsre herzen Und heilt der fünden schmerzen. 4. 3um heil, zum trost und leben Ist uns ein arzt gegeben, Denn Christus und sein leiden Ist uns ein quell der freuden. 6. Die fünd' und was mich fränket, Nimmt er auf sich und schenket Mir ruhe, fried und leben Und wird mirs ewig geben. 7. Drum, vater! voll erbarmen Sieh huldreich auf uns armen, Laß allen, groß und kleinen, Dein gnadenantliß scheinen. 8. Erhalt an jedem orte Uns fest in deinem worte, Damit wir deinen namen Mit freuden preisen, amen! Mel. Was Lob sollt wir dir. 408. Welch lob, o gott! soll unser mund dir fingen? Kein mensch kann dir nach würden solches bringen. 219 2. Du hast aus nichts den himmel und die erden Und alles, was darin ist, heißen werden. 3. Uns menschen hast du, vater! dieses leben, Und ein unsterbliches dazu gegeben. 4. Von kindheit an hast du uns stets geleitet, und deine flügel über uns gebreitet. 4. Dir, gott! dir sey von uns Stets ehr und preis gegeben, Was in uns ist, soll stets, Herr! deine huld erheben. Und stehn wir einst verklärt In deinem heilig thum, So sey dein name, gott! Auf ewig unser ruhm. 220 Lob- und Danklieder. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 410. Sott, ott, mein vater! sey gepriesen Für die große gütigkeit, Die mir deine hand erwiesen So vielfältig alle zeit. Ach, wie soll ich doch dafür Würdig gnug, gott, danken dir? Alle kräfte meiner feelen Sollen deinen ruhm erzählen. 2. Du hast, was genannt mag werden, Erst aus nichts hervorgebracht, Auch den menschen aus der erden Wunderbar und schön gemacht; Und wie viele pracht enthält nicht sein wohnplaß, dieſe welt! Wie viel güter! wie viel freuden! Wie viel hülfe selbst im leiden. 3. Daß ich mit verstand geboren Und gesund bin in der welt, Auch zum christen außerkoren, Wissen kann, was dir gefällt, Oder mag zuwider seyn, Das hab ich von dir allein. Was ist feliger zu nennen, Als dich und uns selbst erkennen? Lobgesang Mariä. Mel. Mein Herz und Seel den Herren. 4. Du hast auch die straf und 411. Was in mir iſt, mein plagen, Die mit fünden ich verdient, Deinen sohn selbst laffen tragen, Und bist mit mir ausgefühnt, Da er an des kreuzes stamm Meine sünden auf sich nahm Und mich von dem fluch befreite, Den mir das geseße dräute. ganzes herz erhebet Dich, höchster gott! der ewig herrscht und lebet. Mein geist in mir, der fich des heilands freut, Rühmt unaufhörlich deine freundlichkeit. 5. Dazu werden deine wege Mir noch täglich kund gethan; Denn du führst zum himmelsstege Mich durch wort und geist hier an, Daß ich schon in meinem sinn Durch die hoffnung selig bin, Und hier schon im glauben schmecke, Was ich dort im schaun entdecke. 6. Bin ich schon mit kreuz beladen, Seßt mir welt und fünde zu, Dies darf meinem heil nicht schaden, Bei dir find ich hülf und ruh. Ja, es muß des kreuzes pein Mir mehr gut, als schädlich seyn: Fleisch und welt lehrt sie mich hassen Und mich ganz auf dich verlaffen. brot, läsfest mich in frieden leben, Frei von pest und hungersneth. Meine ehre, meinen stand Dank ich deiner vaterhand, Und was ich an gütern habe, Ist bloß deine gnadengabe. 8. Ja, herr! deine güt und treue Ist ohn' ende, ohne zahl, Jeder morgen glänzt aufs neue Mir mit deinem gnadenstrahl. Drum, ihr menschen, bringt mit fleiß Unserm gott lob, ehr und prets, Rühmet seine große güte, Lobt sein väterlich gemüthe.. dan 9. Heilig, heilig, heilig werde, Gott! dein name stets genannt, Denn der himmel und die erde Machen deinen ruhm bekannt. Deine güte, deine macht, Weisheit, majestät und pracht, O! wo hat sie ihres gleichen? Gott, wer kann dein lob erreichen! 7. Reichlich hast du auch gegeben Mir, 3 gott! mein täglich 2. Denn du hast mich elenden deinem throne angesehen; Von hörtest du mein flehen. Mich, den die welt zum ziel des spottes macht, Hast du erhöht und väterlich bedacht. 3. Gott, wer kann deine huld und macht ergründen? Wer kann, wie weit dein wohlthun gehet, finden? Wie viel, wie viel hast du an mir gethan! Mehr, als ich jemals dir verdanken kann. 4. In keiner noth hast du mich je verlassen; Wie könnteſt du dein kind, o vater! haffen? Nein, ewig währet die barmherzigkeit, Die du an dem erzeigst, der sich dir weiht. 5. Du übst gewalt mit deines armes stärke; Gerecht und wun derbar sind deine werke. Die stolz und hoch in ihrem herzen sind, Lob- und Danklieder. Zerstreuest du, so wie die spreu der wind. d 1190 6. Die hohen läßt, im angesicht von allen, Dein rath oft schnell aus ihrer höhe fallen; Die niedri gen zieht deine hand hervor und hebet fie ganz unverhofft empor. 7. Die hungrigen, die dich vor augen haben, Erfüllest du mit gütern und mit gaben; Die reichen läßt du leer beim überfluß, Und ihren trop straft ekel und verdruß. 8. Du denkest der barmherzigkeit und güte Und sorgest selbst mit segnendem gemüthe, Daß deine kirche steht und sich erhält Bei allem spott und drohen dieser welt. 9. Was du, wie längst vor unfrer zeit den alten, Auch uns verheißen, wirst du ewig halten. Du, herr! verläsfest deine kinder nicht; Denn du allein bist unsre zuversicht. in nabjandos Preis der Vollkommenheiten Gottes. Mel. Nun freut euch, lieben Christen. 412. rhabner schöpfer! deis ne gut' Will ich, ich staub, erheben, Ich will mit freudigem gemüth In meinem ganzen leben, Gott! unaufhörlich preisen dich, Und deinem namen ewiglich Dank und anbetung bringen. 221 4. Wohlthätig gegen jedermann, Erquickt er auch die armen, Nimmt aller seiner werk sich an; Es ist nichts als erbarmen. Er ists, der in der ganzen welt Durch seiner allmacht kraft erhält, Was lebt und sich beweget. 5. Herr! aller augen sehn auf dich, um ihren leib zu nähren; Du sorgst für alle väterlich, Bist liebreich im bescheeren, Du thuſt auf deine milde hand, Und sättigst alles in dem land Mit lust und wohlgefallen. 8. Die fünder selbst verstößt er nicht, Er will die noch erhören, Die reuevoll zu ihrer pflicht Mit ernst zurücke kehren. Ach er verzeiht! ach er verläßt Der keinen, die, im glauben fest, Ihr sündlich leben beffern. 2. Groß bist du, und sonst keiner mehr, Du kannst in nöthen rathen; Wie unaussprechlich herrlich, herr! Sind alle deine thaten! Wohin auch nur mein auge blickt, 10. Laß deine größ und herrDa feh und fühl ich, da entzückt Mich allmacht, güt' und weisheit. 9. Ja, er, der herr, ermüdet nicht, Zu dulden, zu belohnen; Doch furchtbar ist sein strafge= richt, hört er je auf zu schonen. Ach! schrecklich ists, wenn seine hand Ein undankbares volk und land Mit plagen schlägt und stäupet. 3. Du bist voll gnade, lieb und treu, Voll langmuth und verschonen; Doch heilig und gerecht dabei Im strafen und belohnen. Der Herr ist voll barmherzigkeit, trägt, er stärket und erfreut Die frommen, die ihm trauen. lichkeit, Gott! auf der ganzen erden An allem ort, zu jeder zeit, Erkannt, verehret werden. So weit, herr! deine schöpfung reicht, Die herrlich ist, und der nichts gleicht, Bist du anbetungswürdig. Er 11. Zwar schwach ist unser blöder geist; Wer kann, wer wills erzählen, Was du für wohlthat uns verleihst, Ob wir gleich stündlich fehlen? Doch wollen wir hier in der zeit, Und noch mehr in der ewigkeit, Gott! deinen namen preisen. 6. Groß ist der herr, gut und gerecht In allen seinen wegen, Er fegnet die, die recht und schlecht Stets gehn auf seinen wegen, Und wie er heilig ist und rein, So liebt er auch nur die allein, Die heilig vor ihm wandeln. 7. Der herr ist allen denen nah, Die flehend vor ihn treten, Bei allen ist er huldreich da, Die würdig ihn anbeten. Wenn fromme schreien, so erhört Gott ihre bitten und gewährt Trost in den schwersten leiden. 222 Lob- und Danklieder. Mel. Wend ab deinen Zorn. 413.3% ch will, mein gott, du könig! dir lobsingen, Und ewig ehre deinem namen bringen. Sey täglich, ewig sey von mir erhoben, Dich will ich loben. 2. Der Herr ist groß, wer kann ihn gnug erheben? Wer kann mit feinem feurigsten bestreben, Wie groß er ist, begreifen und empfinden? Wer gott ergründen? 3. Von unsern vätern wurdest du erhoben, Dich werden unsrer kinder kinder loben Und macht lobsingen, deiner Preisvolle werke. deine stärke 4. Wie herrlich bist du, gott, wie schön und prächtig! Wie groß in deinen wundern, herr, wie mächtig! Das preif' ich, daß dein nam erhoben werde, Der ganzen erde; 5. Daß deiner wunder ruhm umher erschalle, Die welt von Deinen thaten wiederhalle, Und deine wahrheit, deine huld befinge, Und preis dir bringe. 6. Der herr ist mild, von duldendem gemüthe, Barmherzig, gnädig und von großer güte, Erbarmt sich seiner werke, hat an allen Sein wohlgefallen. 7. Jehovah! alle deine werke follen Dir jauchzend danken; deine frommen wollen Aus allen thren kräften sich bestreben, Dich zu erheben. 8. Sie breiten aus den ruhm von deinem reiche; Daß keine macht, Jehovah, deiner gleiche, Das rühmen sie, damit sie auf der erde Bewundert werde. 9. Dein reich, o gott, ist herrlich, ewig währen Dein reich und deine macht, die wir verchren, Und ewig wird von aller völker zungen. Dein lob besungen. 10. Der Herr bewahret alle, welche fallen. Jehovah hilft den unterdrückten allen Und eilt, mit hell die, die um heil ihn bitten, Zu überschütten. 11. Nach dir, gott! schauen aller wesen blicke, Daß deine hand sie väterlich erquicke. Du giebst auch einem jeden seine speiſe, Daß er dich preise. 12. Herr! du erhältst mit deinem wohlgefallen Was lebt, thust deine hand auf und giebst allen, Was sie bedürfen; keiner sucht vergebens Dich, quell des lebens! 13. In allen wegen gottes strahlet gnade, Untadelhaft find alle feine pfade, Und was er thut, gereicht zu seinem preife, Ist gut' und weise. 14. Der herr ist nahe denen, die ihn bitten, Die ernstlich ihn um seine hülfe bitten. Er thut, was die gerechten, die ihn ehren ,. Von ihm begehren. 15. Der herr behütet alle, die ihn lieben; Die aber, die gewalt und frevel üben, Verfolgt er, daß er sie zum fluche mache, Mit seiner rache. 16. Ja ewig will ich seinen namen loben, Von allen menschen werde gott erhoben. Was lebet, müsse, herr! zu allen zeiten Dein lob verbreiten. Lob der Schöpfung. Mel. Nun freut euch, lieben Christen. 414. obfinget gott, und betet an! Es dank, es rühm, es singe, Es jauchze, wer nur jauchzen kann, Dem schöpfer aller dinge! Wie groß, wie schön iſt feine fraft! Wie herrlich, wie un tadelhaft Sind alle seine werke! 2. Wie schön, wie würdig sei ner macht Sind nicht der himmel heere! Welch herrlich licht, welch eine pracht Bestrahlt sie, ihr zur ehre! Das auge sieht sich nimmer satt, Siebt, was es auch gesehen hat, Doch immer neue wunder. 3. Nicht wunder für das aug allein, Auch wunder für die seele, Damit es ihr, sich zu erfreun, An keiner schönheit fehle. Wie kunstvoll ändert er sie ab, Ver sagt dem, was er andern gab! Und doch ist jedes herrlich. 4. Wo ist ein gras, wo nur ein Lob und Danklieder. blatt, Ein stäublein auf der erde, Wodurch, o Mensch, nicht gottes rath und kraft verkläret werde? wie ist seine Macht so reich! Was aber deiner trägheit gleich, Daß du's nicht siehst, nicht fühleft! 5. Gab seine macht, die schöpferin Der schönheit und des lebens, Dir deinen geist, so manchen sinn, So viel gefühl vergebens? Für wen, für wen, als dich, erschafft, Erhält und schmücket seine kraft So vieler wesen arten? 6. Dein gott bedarf nichts; seine hand, Die seine schöpfung schmückte, Gab dir empfindung und verstand, Damit er dich beglückte. Willst du, o mensch, nicht glücklich seyn? Will sich nicht deine seele freun, Nicht immer froher werden? 7. D warum suchest du dein glück In eiteln phantafeyen? Wirf auf die schöpfung deinen blick, Da will er dich erfreuen. Genieß, dein vater sieht es gern, Genieß die freuden deines Herrn! Nur sey es ohne fünde. 8. Er selbst entflammt in deiner brust Die sehnsucht nach vergnügen, Er schuf auch quellen, die voll lust Stets rinnen, nie versiegen. Gieb nur auf seine wunder acht; Wohlthätig ist des schöpfers macht. Kann dirs an freude mangeln? 9. Dir wohlzuthun, das ist ihr ziel, Zum dank dich zu erwecken. Ach hätt' ich nur genug gefühl, Wie gut er ist, zu schmecken! Ist seiner wohnung vorhof schon So schön; wie wird mich einst sein thron, Wie wird er selbst entzücken! 10. Zobfinget gott, und betet an! Es dank, es rühm, es singe, Es jauchze, wer nur jauchzen fann, Dem schöpfer aller dinge: Wie groß ist unsers schöpfers macht! Wie herrlich, wie untadelhaft Sind alle seine werke! 223 Lob der Allmacht und der Herrlichkeit Gottes in der Natur. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. Dommt, den 415. herrn zu preifen, Der groß von rath ist, groß von that, Den gütigen, den weisen, Der keinen, der ihm gleich sey, hat! Der herr thut große werke; Wer hindert seine kraft? Wer seines armes stärke, Die, was nur gut ist, schafft? Er dehnet, gleich gezelten, Die weiten himmel aus, Er spricht, so gehen welten Aus ihrem nichts heraus. 2. Er will, und sonnen flammen; Auch drängt das waffer, wenn er spricht, In wolken sich zusammen und ihre schläuche brechen nicht. Er ruft den ungewits tern. Das meer wird ungeftüm, Des himmels säulen zittern, Die erde bebt vor ihm; Er will, und bliße zünden Gebirg an, sie vergehn. Er spricht und ruft den winden, Schnell wird sein himmel schön. 3. Wer, wer gebeut den wellen, Hieher! nicht weiter! legt euch hie! Er legt in felfen quellen, Sie rieseln und versiegen nie. Er füllt auch wüsteneien Mit seinen wundern an, Heißt thiere da gedeihen, Wo niemand wohnen kann. Wer kann die sterne führen? Wer weiß, als er allein, Die himmel zu regieren? Und du wagst stolz zu seyn! 4. Kannst du mit deiner stimme, O stolzer! donnern, wie gott thut? Streu aus von deinem grimme Verderben, deiner bliße glut. Leg an gewalt und zeige Dich mächtig, wie der herr. Schau an die stolzen, beuge, Versenke sie, wie er. Was rühmen denn die thoren Mit ihrer stärke sich? O staub aus staub geboren. Nur gottes rühme dich! 5. Herr, dein ist alle stärke, Und alle hülfe, gott! ist dein, Das preisen deine werke, Die deiner kraft allein sich freun. Wir 224 Lob- und Danklieder. Ihr lob Als dir, du gott der götter? Wen ehren, als nur dich, mein schuß und mein erretter? Wie sanft ist dein befehl: Gieb mir dein Herz, mein sohn, Und wandle meinen weg, Ich bin dein schild und lohn! 8. Herr! dein gebot ist heil, Dein weg ist fried und leben. Wie könnt ich einem gott Der liebe widerstreben? Umsonst lockt mich dem das laſter Ich hasse seinen weg, Weil mich dein auge sieht. 9. Auch wenn kein mensch mich sieht, Will ich die fünde fliehen; Denn du wirst aller werk Vor dein gericht einst ziehen. Ich will, wenn meinem fleisch Was böjes noch gelüst, Bedenken, daß mein leib, gott! dein tempel ift. auch erfreun uns ihrer, sey unsre pflicht. D vater! o regierer! Wen hält, wen schützt fie nicht? Du lebst, du wirkst in allen, Dir, dir vertrauen wir; Erhalter! wer kann fallen, Getragen, herr! von dir? Mel. Nun danket alle Gott. 416. Durch dich, o großer ich vorhanden. Die himmel und ihr heer Sind durch dein wort entstanden; Denn wenn du sprichst, geſchiehts, Wenn du gebeutst, stehts da, Mit allmacht bist du mir Und auch mit güte nah. 2. Du bist der gott der kraft; Dich preisen erd und meere, Und himmel predigen Die wunder dei ner ehre. Dich bet ich dankend an; Mein heil kömmt von dem herrn; Du hörst der menschen flehn, Und du errettest gern. 3. Und wenn ich deiner huld, gott! gewürdigt werde, Was frag ich außer dir Nach himmel und nach erde? Im himmel donnerst du, Und schrecken füllt das land; Noch fürcht ich nichts, denn du hältst mich bei meiner hand. EES 4. Wenn ich die himmel seh, Die du, herr! ausgebreitet, Der sonne majestät, Den mond, den du bereitet, So sprech ich: was ist doch Der mensch, daß du sein denkst, Und daß du täglich uns Unzählig gutes schenkst! 5. Als schafe läßt du uns Auf grünen auen weiden, Nährst uns mit speis' und trank, Und füllst das Herz mit freuden; Du sahst mich, eh der grund Der welt geleget war, Schon in der mutter leib, Und als sie mich gebar. 6. Du wogst mein glück mir ab, Und leiden, die mich üben, Und meiner tage zahl War auf dein buch geschrieben. Du bist der from= men schuß, Du bist der müden ruh, Ein gott, der gern verzeiht. Wie gnädig, gott, biſt du! 7. Wem soll ich sonst vertraun, 10. Sollt ich der menschen ruhm Stolz zu erringen trachten? Nein, herr! wenn du mich ehrst, Mag mich die welt verachten. Du bist es, dem zum dienst Ich leib und feele weih; Gieb, daß mein wandel stets Voll deines ruhmes sey. Lob der Güte Gottes. Mel. Wie schön leucht't uns der. 417. Gott! deffen starke hand die welt Erschaffen hat und noch erhält! Ich sehe deine güte, Wohin ich seh, an jedem ort, Auf erden hier, am himmel dort. So bald ich mein gemüthe Auf dich, Schöpfer! Freudig lenke Und dich denke, Find ich armer Dich als vater und erbarmer. 2. Seh ich, so weit mein auge reicht, Gen himmel, so entdeck ich leicht Die spuren deiner güte. Der himmelslichter lauf und pracht, Sein sternenheer, das du gemacht, Erwecket mein gemüthe, Großer Schöpfer! Dich zu singen, Dir zu bringen Ehr und stärke, Groß sind deiner hände werke! 3. In ungewittern, sturm und wind, Die deines thrones diener find, Entdeck ich deine güte. Das feuer, wie der wasser grund, Macht Lob- und Danflieder. deine große liebe fund. Mit fröhlichem gemüthe Will ich Täglich Darauf achten, Und betrachten Deine werke, Gott der wahrheit und der stärke! 4. Dein erdreich, gott! das jedermann Giebt brot und kleider, feh ich an, Und schmecke deine güte. Ich rieche, fühl und höre sie Im feld' und wald'; ich sehe fie In aller fluren blüthe. Von dir Zeugen Alle dinge, So geringe Sie mir scheinen, Gott! im groBen und im kleinen! 5. zeuch mich über welt und zeit, Zu dir, o herr der herrlich keit, Durch deine große liebe! Auf dich laß mich in allem sehn, Für jedes gute dich erhöhn. Belebe meine friebe, mein Vater! Dir in allem zu gefallen, Dir zu le ben, Sey mein einziges bestreben. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 418. Wie viele freuden dank ich dir, Die du mir, herr, verliehen! Und wie viel sünden hast du mir Aus gnaden schon verziehen! O gott von langmuth und geduld, Noch täglich häuf ich meine schuld, Und deine liebe währet! 2. Bedenk ich, schöpfer! deine macht, Blick ich in jene ferne, Und überseh des himmels pracht Und sonne, mond und sterne, So bet ich dich voll ehrfurcht an. Was ist der mensch, ruf ich alsdann, Daß du dich sein erbarmest? 3. Dein auge schaut auf ihn herab, So geht er nicht verloren. Nicht für die welt, nicht für das grab Ist er allein geboren. Die welt vergeht mit ihrer lust; Wenn du den willen gottes thust, Soll dein glück ewig dauern. 4. Wenn ich erwache, denk ich dein, Und wenn ich schlafen gehe; Denn du, mein vater! kannst verleihn, Um was ich findlich flehe. Drum seufz' ich immerfort zu dir: Herr, was mir nüßet, schenke mir Um deiner güte willen! 225 Mel. Wer nur den lieben Gott. 419. Dir, gott! dir will ich fröhlich singen, Dir, deffen freude wohlthun ist, Dir will ich dank und ehre bringen, Dir, der du gut und freundlich bist. Ja, gott! du bist ganz gnad und treu; Gieb, daß mein herz ganz freude sey. 2. Dich preisen aller engel heere, Dir singen die verklärten dank; Dir, herrscher! brausen wind und meere, Ihr brausen ist dein lobgefang. Die ganze schöpfung ruft dir zu: Wo ist ein solcher gott, wie du? 3. Du, unser gott, bist hoch zu loben, Denn deine gnade reicht so weit! Du, hoher schöpfer! blickst von oben Auf der geschöpfe dürftigkeit. Kein wurm freucht unbemerket hin, Du siehst, du liebst, du schützest ihn. 4. Auch, vater! hast du mein gemüthe oft erfreut; deiner güte dankbarkeit. in mir ist, gnädig bist. Durch manche wohlthat O gieb mir auch nach Noch ein geschenk, die Lehr alles das, was Froh rühmen, daß du 5. Wer schuf die seel' und ihre kräfte, Gedächtniß, willen und verstand? Wer segnet des berufs geschäfte? Wer stärkt die arbeitsame hand? Wer schenket mir den edlen freund, Der's treu im fummer mit mir meint? 6. Wer wog mir meine leidenspfunde Nach meiner. kräfte maaß hier zu? Wer gab in der betrübten stunde Mir troft, zufriedenheit und ruh? Wer schüßte mich vor der ge= fahr, Die unsichtbar mir nahe war? 7. Wer fristet meine lebenstage? Wer schmückt und krönet sie mit heil? Du, vater, thusts! drum feele, fage: Gott, du bleibst ewiglich mein theil! Von ganzem herzen liebst du mich, Von gan= zem Herzen preif' ich dich. 8. Und so denk ich auch jetzt zurücke In jene zeit, die froh ver= floß; War nicht mein geist- und P Lob- und leiblich glücke mit jedem tage neu und groß? Erfreut und dankbar ruf ich aus: Was bin ich, herr! was ist mein haus? 226 9. Wie soll ich deine treu vergelten? Ich bin zu arm zu dieser pflicht; Die schätz' in millionen welten Bezahlen deine wohlthat nicht. Mein schwacher dank ist viel zu klein, Für dich, o gott! ein dank zu feyn. 10. Dir will ich fernerhin vertrauen, Denn du hast mir stets wohlgethan. Ich will mit glauben auf dich schauen; Schau mich mit vaterblicken an. So geh ich ruhig durch die zeit Und fröhlich in die ewigkeit. Preis der göttlichen Vorsehung. Mel. Mein Herz und Seel den Herren. 420. Mein erster wunsch, mein innigstes bestreben, Ist, herr, mein gott! dich würdig zu erheben. Unendlich groß ist deine vatertreu, Mit jedem tag ist deine gute neu. 2. Die sonn' enthüllt den schau plaß deiner werke, Und alles zeugt von deiner huld und stärke; Sie, die das ziel von ihrer laufbahn weiß, Eilt rastlos hin und strahlt zu deinem preis. 3. Die erd ist dein, und du regierst dies ganze; Vom menschen an bis auf die kleinste pflanze Seh ich, wie groß sich deine vorsicht zeigt, Sie reicht so weit, so weit der himmel reicht. 4. Und sie umfaßt auch mich! du, höchster, denkest An mich, den staub, der du die himmel lenkest! Du sorgst für mich! gott, wie vergelt ich dir? Ein dankvoll Herz, das bring ich dir dafür. 5. Du weißt, wie lang ich hier noch wallen werde. Fällt ohne dich kein sperling auf die erde, So nimmst du, herr! auch meines Danklieder. so lang ich lebe, trauen; Du bist mein gott, mein retter in gefahr, Mein starker fels, mein helfer immerdar. 6. So will ich denn mit kindlichem vertrauen Auf dich allein, Für geistliche Wohlthaten. Mel. Herr Jesu Chrift, mein's. 421. Dich, herr und vater aller Preist mein gefang; und dir mißfällt Des menschen stammelnd danklied nicht, Mein gott und meine zuversicht! 2. Von mutterleib an warft du es, Wie freut sich meine seele deß, Daß du auch mir ein vater bist, Der seines kindes nie vergißt! 3. Früh war ich in der taufe schon Geweihet dir und deinem sohn; Weiß ich, die ewigkeit ist mein. Durch dein unschäßbar wort allein 4. Wer war der immer gütige, Der langmuthsvoll mich leitete? Und stürmte trübsal auf mich zu, Wer half mir anders, als, gott, du? 5. Herr, dessen augen stets mich sahn! Du ließest auf der pilgerbahn, Durch wohlthun mich zu dir zu ziehn, Für mich so viele freuden blühn. 6. Du bist und warest immerdar Mein schuß, mein retter in gefahr, Der stifter meines wohlergehns Und der erhörer meines flehns. 7. Wie oft entfernt ich mich von dir! Doch du, du bliebest vater mir, Der, wenn ich reuvoll wieder kam, Mich wieder väterlich annahm. 8. Unzählbar sind, und täglich neu, Die proben deiner vatertreu; Dir fließt, o gott! der gern erfreut, Die zähre meiner dankbarkeit. 9. Nimm, da ichs nicht vergelten kann, Das opfer meines dankes an. Mein leben müsse zeuge seyn, Ich sey erkenntlich, ich sey dein. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. lebens wahr; Mit namen kennst 422.Auf meine feele, finge! du mich und mein haar. du es bist, Thut gott so große dinge, Weh dir, wenn ihn dein Sob- und Danklieder. 227 herz vergißt! Gott schenkt dir Für die Heiligung der Seele. geistlich leben, Will alle missethat In Christo dir vergeben; O gnaMel. Lasset uns den Herren preiſen. denvoller rath! Schon hier wirst 423. Gott! durch welchen du mit alle dinge Getröstet und erfreut, Und dort wird dir zu theile Die ruh der ewigkeit. 2. Es hat uns wissen lassen Der herr sein recht und sein gericht, Erbarmung ohne maaßen Dem frommen, der den bund nicht bricht. Schnell eilt sein zorn vorüber, Straft nicht nach unsrer schuld; Der Herr begnadigt lieber, Nimmt lieber auf zur huld. Wohl den, der Christo lebet! Gott ist er angenehm, Mit adlersflügeln schwebet Erbarmung über dem. 3. Wie väter mit erbarmen Auf ihre schwachen kinder schaun, So thut gott an uns armen, Wenn wir in einfalt ihm vertraun. Gott weiß es, wir sind fünder, Gott weiß es, wir sind staub Und der verwesung finder, Ein niederfallend laub. Kaum, daß die winde wehen, So ist es nicht mehr da. Wir sterbliche vergehen, Stets ist der tod uns nah. 4. Ds ewgen gnad alleine Bleibt gleich, als er, in ewigkeit Bei dir, des Herrn gemeine, Die ganz sich seinem dienste weiht Und, daß fie selig werde, Mit furcht und zittern ringt. Auf, daß ihr von der erde Euch jetzt schon dorthin schwingt! Dort nimmt mit seinen engeln Auch unsrer brüder schaar, Nun rein von allen mängeln, Stets feines lobes wahr. 5. Anbetung, preis und ehre Sey dir, gott vater, sohn und geist! Wir singens in die chöre Der schaar, die dich vollkommen preist. Anbetung, preis und ehre Dir, der du warst und bist! Wir stammelns nur; doch höre, Hör uns, der ewig ist! Einst tragen wir auch palmen! Du gott, auf den wir trauen! Einst fingen wir dir psalmen, Wenn wir verklärt dich schaun. wirken und vergehn, Stärke mich, daß ich dir singe, Lehre mich dein lob erhöhn. Laß mich dich im stillen loben, Der du mich voll lieb und huld Aus den tiefen meiner schuld Zu des christen höh erhoben. Dich erheb ich immerdar, Der mich schuf und neu gebar. 2. Könnt ihr die gestirne zählen; Gottes gnaden zählt ihr nicht. Er verneuert unsre seelen, Ist ihr lohn, ihr schild und licht. Wenn wir mit den eitelkeiten, Mit versuchungen der luft, Mit dem feind in unsrer brust, Wenn wir mit den tode streiten, Dann versüßt er kampf und lauf. Und hilft unsrer schwachheit auf. 3. Wenn uns welt und sünder meiden, Weil wir ihre lüfte fliehn, Dann giebt gott uns seine freuden, Unser herz empfindet ihn. Kann ich größres glück begehren? Ewiger! hat dich mein herz, D so wird es ohne schmerz Alle gunst der welt entbehren. Erd und himmel wird mir klein, Gegen dich verächtlich seyn. 4. Wenn mich leiden niederdrükken, Nehm ich sie als wohlthat an Von der hand, die nur beglükken, Aber niemals schaden kann. Du belohnst mir sorg und schmerzen Mit der seele heiterkeit, und verfüßest alles leid, Gott! durch deine ruh im Herzen, Die mich neu mit muth belebt, Ueber sorg und schmerz erhebt. 5. Von gefahr und leid umge ben, Ueber diesen rauhen pfad Geh ich, vater! in dein leben, Das nicht leid, gefahr nicht hat. Sollten mich der erden freuden, Sollte mich der fünder spott, Und das elend und der tod, Herr! von deiner liebe scheiden? Raubt ich meine krone mir? Nein, ich leb', ich sterbe dir! 2 228 Lob- und Danklieder. Für die seligen Führungen Gottes. Mel. Von Gott will ich nicht. 4. Und dein abendmahl und wort 424. Groß tit des höchsten Schenkst du mir zur weide; Da güte! Wer sie nicht achtete, Welch fühllos herz verriethe Der unerkenntliche! Sie rettet uns aus noth, Erquicket uns im leide, Verwandelt es in freude, Versüßet selbst den tod. durch trägst du immerfort Stärkung, troft und freude, Ja, mein ganzes heil mir an, und bringst mir entgegen, Was ich je nur wünschen kann, Friede, leben, segen. 5. Gott! dein auge sieht auf mich, Dein ohr hört mein flehen, Deine hand eröffnet sich mir zum wohlergehen. Wenn dein auffehn mich beschüßt, Kann mein fuß nicht gleiten; Liebreich giebst du, was mir nüßt, Auch in schweren zeiten. 6. Herr! du hast mich je geliebt, Und zu dir gezogen; Auch dann, wenn ich dich betrübt, Bliebst du mir gewogen; Denn du schlugst bei meiner schuld Mich mit vaterruthen, Lenktest sie durch deine huld Mir zu vielem guten. 2. Und meine lippen schwiegen Von ihm? ich raubte mir Das himmlische vergnügen, Gott! lobzufingen dir? Nein, herr! von meinem dank Sey jeder morgen zeuge, Und jeden abend steige Zu dir mein lobgesang. 3. Du wirst mich ferner leiten, So unwerth ichs auch bin. Treu bleibt zu allen zeiten Dein milder vatersinn. Ich hoffe stets auf dich. Du wirst in kümmernissen Mir wol zu helfen wissen; Dir überlaß ich mich. 4. Ja, deine huld ist größer, Als es der menisch versteht, Dein 7. Deine vaterlieb und treu Hält mich ganz umschlossen, Sie rath unendlich was neu, Ströein mensch erfleht. Herr, meine zuversicht, Dir froh mich zu ergeben, Dich dankbar zu erheben, Sey meine liebste pflicht. men gleich, gefloffen. Wenn ich ernsthaft mich anseh, Find ich allerwegen Ihre breite, tief und höh, Mir zum heil und segen. Mel. Schwing dich auf zu deinem. 425. Sof Gott! ott! mein höchstes gut, mein theil! Durch unzähl'ge gnaden Schaffst und förderst du mein heil, Schüßzest mich vor schaden. Höchster! ich bekenn es frei, Durch mein ganzes leben Kann ich deine lieb' und treu Nie genug erheben. 2. Herr! ich leb und bin in dir, Dir dank ich mein wesen. Deine hand ist über mir Immer, noch gewesen. Längst vor anbeginn der zeit Hast du mich erwählet, Erben jener seligkeit Mich auch zugezählet. versprach; Brach ich mein versprechen, So sah deine huld mir nach, Schonte mein verbrechen. 3. Durch die taufe weihtest du Mich zum gnadenbunde; Treue sagt ich da dir zu, Und bis diese stunde Hältst du, was dein mund 8. Ach, herr! ich bin zu gering Aller deiner treue. Nimm dafür, was ich dir bring, Meiner fünden reue, Mit dem vorfaß, daß ich hier Deinen heilgen willen, Der mein wohl sucht, für und für Will getreu erfüllen. 9. Dein, o gott! soll ewig seyn Dank und preis und ehre; Ruhm und herrlichkeit ist dein; Erd' und himmel höre: Heilig, heilig, heilig ist, Der uns alles giebet! Der die seinen nie vergißt, Sie als vàter liebet. 10 Bleibst du nach wie vor mein gott, Wirst mein flehn erhören, So kann sünde, höll und tod Meine ruh nicht stören. Nimm, mit allen meinen mich, Herr! zu treuen händen, Und dann sende gnädiglich, Was du uns willst senden. Lob- und Danklieder. 229 11. Laß uns beide lebenslang Eins dem andern geben, Du mir gnade, ich dir dank, Ich dir lob, du leben, Du dich mir, und ich mich dir! Ich dir mein vertrauen, Du mir muth und troft dafür, Hoffnung, dich zu schauen. der held selbst beben Bei langer leibesnoth? Ist nicht ein steches leben Viel härter, als der tod? 3. Uns menschen unaussprechlich Ist, schöpfer! deine gnad und huld. Wie schwach und wie zerbrechlich Ist unser leib durch Adams schuld! Der tod wohnt in der hütte, In der die seele wohnt; Jedoch, der Mel. Herr Jesu Christ, ich weiß. 426. Bis bieber hat mich gott der güte Sieht uns, den gott gebracht Durch feine große güte, Bis hieher hat er tag und nacht Bewahrt leib und gemüthe! Bis hieher hat er geleit't, Bis hieher hat er mich erfreut, Bis hieher mir geholfen! staub, und schont. Er wacht, daß keine plage Und krankheit uns erreicht; Durch viel gesunde tage Macht er viel laſten leicht. 2. Hab lob und ehre, preis und dank Für die bisher'ge treue, Die du, o gott! mir lebenslang Bewiesen täglich neue. In mein gedächtniß schreib ichs an, Der herr hat groß's an mir gethan, Bis hieher mir geholfen! 3. Hilf fernerweit, mein treufter hort! Hilf mir zu allen stunden, Hilf mir an all'm und jedem ort, Hilf mir durch Jesu wunden! Und so fag ich bis in den tod: Durch Christum hilf du mir, mein gott, Wie du bisher geholfen! Dank für die Gesundheit. Mel. Nun lob mein Seel' den Herrn. 427. Welch lob foll ich dir geben, Daß ich dir würdig dankbar bin? Gott! du beglückst mein leben, Gesundheit hast du mir verliehn. Ich hab' aus meinen kräften, Herr! deine fraft gemerkt, Zu den berufsgeschäften hat mich dein arm gestärkt, Gesund erschaffnen gliedern Hast du stets wohlgethan; Wie soll ich dir's erwiedern? Nimm mich zum opfer an. 2. Der größte von den schätzen, Den sich ein mensch zum trøst er= wählt, Giebt dem doch kein er gößen, Dem ein schatz, die gesundheit, fehlt. Kann den sein glück erfreuen, Hilft dem sein überfluß, Der heiser von dem schreien, Bei schmerzen ächzen muß? Wird nicht 4. Jauchzt fröhlich, ihr gesunden! Der herr ist meines lebens fraft; Durchlebt die frischen stunden Nicht ungebraucht, lebt tugendhaft. Mein gott! laß alle franken, Die winselnd zu dir schrein, Mir einen trieb zum danken Für die gesundheit seyn. Lamm, das du auf der erde Für mich zerschlagen wardst! Sprich, wenn ich frank seyn werde: Ich bin der herr, dein arzt. Danksagung für die wiedererlangte Gesundheit. Mel. Aus meines Herzens Grunde. 428.h preise dich und finge, Herr! deiner liebe rath, Die mir so große dinge Bisher erwiesen hat. Dich preisen, ist mir pflicht. Ich will mein neues leben Dir ganz zu eigen geben; Mehr hab' und kann ich nicht. mer! Du 2. Wie schmerzvoll war ich arDu hörtest mein geschrei; halfft uns gern, erbarmer! Du standst mit trost mir bei. Viel andre fuhren hin zur finstern todeshöhle; Du hieltest meine seele, Daß ich noch) lebend bin. 3. Dein Zorn hat bald ein ende, Dein herz ist voller huld. Du reichst uns vaterhände, Und züchtigst mit geduld. Du thust uns gerne guts. Verging die nacht mit weinen, Muß früh die sonne scheinen Zur stärkung unsers muths. 4. Mich hat das Kreuz belehret, Lob- und Danklieder. Ich sah des todes bild. du mich erhöret, Und mich mit Freud' erfüllt. Herr! nie vergeß ich Nun haft Für die Ernährung und irdi: schen Segen. Mel. Bater unser im Himmelreich. dein! Ich will in angſt und pla- 430. Gott! deine weife macht gen nicht zagen, Im glück mich deiner freun. erhält ganze lebenvolle welt, Und aller augen freuen sich, Und warten hoffnungsvoll auf dich, Auf dich, der du fie Mel. Von Gott will ich nicht. 429.Jh lag umringt von alle liebst, Und allen ihre ſpeiſe schmerzen, Und ohne linderung, Als mein gebet im herzen Sich zu dem himmel schwung. Der herr vernahm mein flehn, Er half mir, mein erhalter; Nun soll mein lied und psalter Des treuen hülf erhöhn. 2. So lag ich auch, ich armer, In fünden, gott ein gräul! Verwundet, ohn' erbarmer, Entfernt von trost und heil. Doch er, mein vater, sah Mein elend, mein verderben, Und sprach: du sollst nicht sterben, Denn ich, dein heil, bin da! 3. Und ich will dir vergeben, Du sollst begnadigt seyn. Ich friste dir dein leben; Auf! sey gesund und rein. Dein schmuck fey heiligkeit, Und deines lebens ehre, 3u thun, was ich dich lehre; Brich niemals deinen eid. 230 4. Herr über tod und leben! Du meiner väter gott! Wie soll ich dich erheben? Mein heil, mein herr, mein gott! Was kann doch mein gesang? Wer hat dich gnug erhoben? Zu schwach ist, dich zu loben, Des höchsten engels dank. 5. Und doch von dir zu schweigen, Wär eine frevelthat. Ich will, ich wills bezeugen, Wie gott errettet hat. Hörts, men schen, gott nur kann Vergeben und erretten. Ach! wenn wir gott nicht hätten, Wer hülf uns armen dann? 6. laß mich ganz dir leben, Ganz seyn dein eigenthum; Und jedes tags bestreben Sey deiner gnade ruhm! Dir weihen meine zeit, Vor deinen augen wandeln, Und fromm und redlich handeln, Ist meine feligkeit. 2. Du öffnest deine hand, so fließt Herab, was jedem nöthig ist. Mit wohlgefallen sättigt fie Dein auffehn, und versäumt fie nie. Nie sind geschöpfe deiner Hand Dir unwerth oder unbekannt. 3. Auch mir giebst du, mein gott und heil! Noch täglich mein bestimmtes theil, Giebst mir mit huld und freundlichkeit, So lang ich bin, zur rechten zeit. Kein vater sorgt fo väterlich Für seinen sohn, als du für mich. 4. Ich bins gewiß, du kannst mich nicht Verlaffen, meine zuversicht! Ich bins gewiß, du thust mir wohl, So lang ich hier noch leben soll. Nicht überfluß bitt ich von dir; Was ich bedarf, das giebst du mir. 5. Der vogel bauet nicht das land, Du nährst ihn doch mit milder hand; Du schmückst die blume königlich, Die nicht zur arbeit eilt als ich. Vergiß es, meine seele, nie: Weit mehr bin ich vor gott, als fie! 6. Mich schufst du nicht für diese zeit, Mein ziel ist in der ewigkeit; Gabst mir vernunft und freiheit, gott! Für mich ging Jesus in den tod. Nichts, was die erd erzieht und nährt, Gleicht mir an hoheit und an werth. 7. Von dir, der das an mir gethan, Werd ich auch speis' und trank empfahn. Selbst dem, der dich mit fünden schmäht, Giebst du sie ohne sein gebet; Und fleht ich nicht darum zu dir, Gewährtest du sie dennoch mir. 8. Laß du mich nur vergnügsam seyn, Und deiner gaben mich erfreun. Mehr aber deiner, der Lob- und Danklieder. du dich So freundlich zeigest gegen ewig seyn gepriesen, Erschallen mich, Der du des lebens quelle bist, Aus welcher jede wohlthat fließt. soll dein ruhm, So lange wir hier sind, Dich preifen, mächtigster! Noch kind und findeskind. 9. Bei deiner gaben überfluß Erhalt mich mäßig im genuß; Bewahr mich in der dürftigkeit Vor schmach und unzufriedenheit, Du nährst mich immer; preis und dank Bring ich dir, gott, mein lebelang! Dank für Errettung aus Roth und Gefahren. Mel. Nun danket alle Gott. 431.ob, ehr und dank sey dir, großer gott, gesungen! Du, du hast die gefahr, Die uns umgab, bezwungen. Das unglück tobte wild; Dein eifer schreckte sehr, Und fluthen rauschten stark Und fürchterlich daher. 2. Doch mitten in dem zorn Bewiesest du erbarmen. Es brach dein vaterherz; Du zeigtest an une armen, Daß du die menschen nicht Gern plageft und betrübst, Und im betrüben selbst Sie als ein vater liebst. 3. Dein sohn war unser fels, Auf den sich unser hoffen Gewiß und fest verließ; Drum stand dein ohr uns offen. Der sturm erschütterte; Doch fielen wir nicht gar, Weil unsre hoffnung fest Auf ihn gegründet war. 4. Entflohn ist die gefahr, Ent flohn ihr schrecklichs toben. Gott! du hast sie bedroht mit starker hand von oben. Die plage drückt nicht mehr, Das bange herz wird froh, Das, voll von furcht und angst, Anbetend zu dir floh. 5. So sey denn jetzt gepreist, vater, gott der treue! Dank dir, erretter, dank! Dir bringen wir aufs neue Für deine hülf und huld Uns selbst zum opfer dar; Und unser herz wird ganz Dein lob- und dankaltar. 6. Und deiner rettung huld, Die du uns, gott! erwiesen, Soll von uns nicht nur jetzt, Nein, 231 7. Und fünftig wollen wir Nur dir zu ehren leben, Nicht mehr dir, wie bisher, Mit fünden widerstreben. Und dann halt, vater! du Mit fernern strafen ein, Und laß in deine hand Uns eingezeichnet seyn. Mel. Nun freut euch, lieben Christen. an mein leiden denkt, erzähle, 432. Mich, wenn ichs ihm Aus seinem freudenkelche tränkt, Erhebet meine feele. Er ist mein lobgefang, mein heil, Mein starfer fels, mein licht, mein theil, Das ich auf erden wähle. 2. Er hat durch weisheit und verstand Den himmel ausgebreitet; Wie groß ist er, wenn seine hand Den gang der blize leitet! Wie gnädig, wenn ein frommer weint, Und er in seiner macht erscheint, Und für den frommen streitet! 3. Er fandte schrecken über mich; Da war um troft mir bange. Ich rief: warum verbirgst du dich? Mein gott, ach, wie so lange! Wie lange soll ich traurig sein? Laß ab, daß ich nach deinem dräun Barmherzigkeit erlange! 4. Da sah der herr mein elend an, Wie feine hand mich drückte, Ließ gnad in meiner angst sich nahn, Damit er mich erquickte, Und sprach, als ich im glauben bat: Ich werfe deine miffethat Weit hinter mich zurücke. 5. Er strafte, wenn ich von ihm wich, Mit väterlichen schlägen, Und schlug mit menschenruthen mich, Nicht über mein vermögen Und kam mir, wenn ich zu ihm rief, Damit ich nicht im tod entschlief, Mit rath und trost entgegen. 6. Oft muß ich meine redlichkeit Von frevlern spotten lassen, Oft suchen mit mir zank und streit, 232 Lob- und Danklieder. Die mich ohn ursach haffen; Es redet steif und tropiglich Der falschen mund oft wider mich: Der Herr hat ihn verlassen. 7. Da schütt' ich aus vor ihm mein herz, Wenn ich deß innen werde, Und weine kindlich meinen schmerz Zum himmel von der erde. Jehovah, der im himmel sitzt, Sieht auf den erdkreis und be schüßt Die schaafe seiner heerde. 8. Er spricht: ich habe dich erlöst, Wenn ich nach troft verlange, Vernimmt mein flehen und verstößt Mich nicht, wenn mir ist bange; Er stärket den betrübten muth, Daß wider aller feinde wuth Ich rath und hülf erlange. 9. Und wenn sein zorn die völker schlägt, Trägt er mich auf den händen, Wie seinen sohn ein vater trägt, Gefahren abzuwenden. Empöre, welt! dich wider mich; Gott wacht, und wird mir väterlich Hülf' und errettung senden. 10. Er ist mit mir, ich zittre nicht; Er richtet meine gänge. Kommt mit mir vor sein angesicht In heiligem gepränge; Versammlet euch herzu von fern, Gerechte, fingt mit mir dem herrn! Dem Herrn singt lobgesänge. Mel. Wer nur den lieben Gott. 433. Men ein herz, ermuntre dich zum preise Des gottes, der dein vater ist! Bedenke, auf wie viele weise Du ihm zum dank verpflichtet bist. Bring ihm, der stets dein Helfer war, Mit freuden ruhm und ehre dar. 2. Herr! deine hand ist immer offen, 3u geben, was mir nüßlich ist; Und doch bin ich oft schwach im hoffen Auf dich, der du die liebe bist. Mein gott! wie wenig ichs Daß hülfe widerfährt. 3. Unendlich groß ist dein erbar men; Nur wohlzuthun bist du gewohnt. Drum wird auch mir, mein gott! mir armen, Von dir nicht nach verdienst gelohnt. Noch immer steht mir deine treu Mit segen, trost und hülfe bei. 4. Du bist es, der in meinen sorgen Mit rettung mir entgegen eilt, Und wenn sie, noch für mich verborgen, Nach meinem wahn zu lang verweilt; So kömmst du, eh ichs mir verfehn, Und hilfst mir, und erhörst mein flehn. 5. Du wählst und wirkest stets das beste, Und wenn auch meine noth sich häuft, So steht durch dich mein wohl doch feste. Wenn mich das elend ganz ergreift, So siehest du voll liebe drein, Mich vom verderben zu befrein. 6. Du bist mein heil; mein ganz gemüthe Ist deines ruhms, mein retter! voll. O, könnt ich deine große güte Doch so erheben, wie ich soll! Doch meine kraft reicht nicht dahin: Du weißt es, gott! wie schwach ich bin. 7. Und hätt' ich auch viel tausend zungen, So würde deines wohlthuns preis Nie würdig gnug von mir besungen, Auch bei dem allergrößten fleiß. Denn mehr, herr! als ich rühmen kann, Hat deine huld an mir gethan. 8. Jedoch du siehst mit wohlgefallen Auch auf des herzens redlichkeit, und hörest selbst das schwache lallen Der deinen mit zufriedenheit; Du hörst es, wie ein vater pflegt, Der seiner kinder schwachheit trägt. 9. Drum soll mir deine huld und güte Beständig, gott! vor augen seyn. Ich will mit redlichem gemüthe Mein leben deinem lobe weihn, Bis ich vollkommner deinen ruhm Erheb im höhern heiligthum. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 434. Lob, ehr und preis dent vater aller güte! Dem gott, der alle wunder thut, Dem gott, der das gemüthe Bekümmerter mit troft erquickt, Wenn bange noth sie nieder drückt! Gebt unserm gott die ehre! 2. Es danken dir die himmels Lob- und Danklieder. Heer', Beherrscher aller thronen! Und die, die erde, luft und meer Durch deinen Schutz bewohnen, Die preisen deine schöpfersmacht, Die uns und sie hervorgebracht. Gebt unserm gott die ehre! 3. Was unser gott erschaffen hat, Das will er auch erhalten, Darüber wird sein weiser rath Mit vatergnade walten. In seinem unumschränktem reich Ist al les weise, recht und gleich. Gebt unserm gott die ehre! 4. Ich rief in meiner noth zum Herrn: Ach gott! vernimm mein weinen, und er, mein helfer, hörte gern, ließ hülf und trost erscheinen. Deß dank', o gott, deß dank' ich dir! Dankt alle, danket gott mit mir! Gebt unferm gott die ehre! 5. Er, er wird des erbarmens nicht, Auch nicht des wohlthuns müde, Er bleibt der seinen zuversicht, Ihr segen, heil und friede. Mit vaterhänden leitet er Sein volk durch trübsal, wüst' und meer. Gebt unserm gott die ehre! 6. Wenn alle hülfe mangeln Pflicht und Nußen des öffent= lichen Gottesdienstes. Mel. Wer nur den lieben Gott. 435. Den höchsten öffentlich verehren, Und in das haus des Herrn zu gehn, Um ehrfurchtsvoll sein wort zu hören, Anbetend vor ihm gern zu stehn, Ist eine Pflicht, wozu der christ, So lang er lebt, verbunden ist. 2. Wie billig ists, das höchste wesen, Durch das der mensch ist, lebt und denkt, Den herrn und richter aller wesen, Den, der uns jede wohlthat schenkt, Mit lob' und preise zu erhöhn, Und neue huld uns zu erflehn! 233 will, wenn kein mensch mehr kann rathen; So setzet er der noth ein ziel Durch wundervolle thaten, Und zeigt, daß er nur helfer sey, Allweise, mächtig, gnädig, treu, Gebt unserm gott die ehre! 7. Ich will, o gott! dich lebenslang Und einst noch ewig ehren, Man soll, herr! meinen lobgefang An allen orten hören. Mein ganzes herz ermuntre sich, Mein geist und leib verehre dich! Gebt unferm gott die ehre! Vom öffentlichen Gottesdienste. 8. Jhr, die ihr Christi namen nennt, Gebt gott, dem höchsten, ehre! Ihr, die ihr gottes macht erkennt, Gebt gott, dem höchsten, ehre! Der spötter heer werd' selbst ein spott; Der herr ist gott! der herr ist gott! Gebt gott, dem höchsten, ehre! 9. Kommt, laßt uns vor sein angesicht Mit freud und zittern dringen; Bezahlet die gelobte pflicht, und laßt uns fröhlich singen: Der Herr hat alles wohl bedacht, und alles, alles wohl gemacht; Preis ihm und dank und ehre! 3. Wenn du nur in der still' ihn ehrest, Zwar Jesum deinen heiland nennst, Doch nicht ihn öffentlich verehrest, Nicht ihn auch vor der welt bekennst; Bist du dann sein? bist du ein christ, Der der erlösung würdig ist? 4. Wer nicht sein Herz vom stolz bezähmet, Und frech das haus des herren flieht, Wer sich des gottesdienstes schämet, Und der versammlung sich entzieht, Der raubt gott eine heilge pflicht, Verachtet ihn und ehrt ihn nicht. 5. Auch deinen nächsten zu erbauen, mußt du zum gotteshause gehn. Wie viele sind, die auf dich schauen, Die bloß auf andrer 234 Vom öffentlichen Gottesdienste. beispiel sehn! Wenn er durch dich nun träge wird, Bist du es nicht, der ihn verführt? seelen; Vertreib aus uns des irrthums nacht! Laß uns der wahrheit nicht verfehlen, Die du uns selbst hast kund gemacht, Damit dein großer ruhetag Uns ewig dort beglücken mag. 6. Und selber uns in unsern pflichten, Bei unsrer schwäch' und dürftigkeit, Noch immer mehr zu unterrichten, Und fest zu sein in freud' und leid; Wie nöthig ist dies nicht, o christ, Der du geneigt zu fehlen biſt! Würdige Sonntagsfeier. Mel. Herr Jesu Christ, mein's. 7. Wie schwach sind unfre eignen 436. gott! du bist mein kräfte! Wie schwach erkenntniß und verstand! Der gottesdienst ist ein geschäfte, Wozu gott gütig uns verband, Ein mittel, das uns muth und kraft Zum glauben und zur tugend schafft. preis und ruhm, Mein Herz sei ganz dein eigenthum. Laß mir den sonntag heilig sein, Und gern ihn deinem dienste weihn. 2. Gieb, daß ich mein gemüth bewahr, Wenn ich mit deiner christenschaar Zu deines Hauses stätte geh, Daß ich mit ehrfurcht vor dir steh. 8. Wie manchen trost hab' ich empfunden, Wenn ich das wort des Herrn gehört! Wie lieb ich euch, ihr frohen stunden, Da man anbetend gott verehrt, Und, um das ewige bemüht, Sich aller erdenforg' entzieht! 3. Erinnre selber meinen geist, Daß du mir gegenwärtig feyst, Damit ich deines wortes lehr Mit andacht und mit nußen hör. 4. Drück alles tief ins herz hinein, Und laß mich nicht bloß hörer sein; Steh mir mit deiner gnade bei, Daß ich des wortes thäter sey. 5. Hilf, daß ich deinen ruhetag Zu meinem segen feiern mag. Bewahr mich vor dem sinn der welt, Die deinen tag verächtlich hält. 6. Doch laß mich nicht dabei bestehn, Dich nur des sonntags zu erhöhn; Herr! meine ganze lebenszeit Sey deinem dienst und ruhm geweiht. 9. Nichts gleicht dem himmlischen entzücken, Das hier ein frommes Herz belebt, Wenn es in felgen Augenblicken Sich im gebet zu gott erhebt, Und voll des glücks, das es genießt, Von dank und freuden überfließt. 10. Wie nichtig sind der erde freuden Dem, der des himmels freuden schmeckt! Wie füß der trost, wenn man im leiden Sein herz dem besten freund entdeckt! Wie nichts ist alles glück der welt Dem, der mit gott sich unterhält! 11. Kommt, fromme christen, theure brüder! Vereint im geiſt Mel. Bend ab deinen Zorn. vor gott zu stehn, Und alle, et 437. Dies iſt der tag zur nes glieder, Den schöpfer zu erhöhn. preiset Jesum Christ, haupt und mittler ist. Frohlockend Der unser 12. Dann laßt uns schmecken und empfinden, Wie freundlich gott den seinen ist; Er, der die menge unfrer sünden, So bald wir buße thun, vergißt, Von neuem uns als finder liebt, und liebreich gnad um gnade giebt. 13. Bereite selbst, Herr! unsre Ihn feiert gern, wer deiner, gott! fich freuet. Olaß auch mich mit freuden vor dich treten, Dich anzubeten! 2. Dich rühmt der lobgefang der himmelsheere; Auch unser tempel schall' von deiner ehre. Auch unser dank und unsers geistes flehen Soll dich erhöhen. 3. Wie freu ich mich, die stätte zu begrüßen, Wo dürftenden des Vom öffentlichen Gottesdienste. lebens bäche fließen, Und wo dein hell von der erlösten zungen Froh wird befungen! 4. Vergebens lockt die welt zu ihren freuden, Mein geist soll sich auf gottes auen weiden; heiligs wort, das seine lehren, Das will ich hören. Sein boten 5. Mit andacht will ich, höchster! vor dich treten. Ich weiß, du liebst, die kindlich zu dir beten. Der thoren glück, die sich der fünde freuen, Wirst du zerstreuen. 6.! laß auch heute deinen geist mich lehren, Vom weg, der dir mißfällt, mich abzukehren. Regiere mich, daß meine ganze feele Zum ziel dich wähle. 7. Dein tag sey mir ein denkmal deiner güte, Er bring mir heil und lenke mein gemüthe Auf jenen troft, den uns dein sohn erworben, Da er gestorben. 8. Dich bet ich an, du todesüberwinder! Der du an diesem tag zum heil der fünder, Die, fern von gott, in todesschatten saßen, Dein grab verlaffen. 9. Dein fiegstag ist ein tag des heils der erden; Als sabbath muß er mir stets heilig werden. Lob sey, erlöser, deinem großen namen Auf ewig, amen! an, Und rühmt, was er an euch gethan! ist der ften amt; Drum preist und lobt ihn allesammt. 10. Laß deiner auferstehung kraft, Die neues leben in uns schafft, Uns mit dem hohen trost erfreun, Einst ewig, herr! bei dir zu seyn. 11. heilger geist! laß uns Dein wort So hören heut und immerfort, Daß sich in uns durch deine lehr Glaub, lieb und hoffnung reichlich mehr. Mel. Vom Himmel kam der Engel. 12. Erleuchte uns, du wahres 438. Die ies, christen, ist der licht! Entzeuch uns deine gnade tag des Herrn, Ge- nicht! Sey unser trost in aller schäft und müh sey von uns fern. noth, Stärt uns im Leben und Kommt vor des höchsten angesicht, im tod. Und freuet euch in seinem licht. 2. Kommt, betet euren schöpfer 3. Rühmt seine weisheit, kraft und rath, Da er aus nichts erschaffen hat Den himmel und die ganze welt Und alles, was sie in fich hält. 235 4. Und als er ihren bau vollbracht, hat er den menschen auch gemacht, Den er nach seinem ebenbild Mit weisheit und verstand erfüllt. 5. Erkennt, um euch voll dank zu freun, Wie er durch seine güt allein Uns täglich schüßet und ernährt, Und manches unglück von uns kehrt. 6. Denkt auch, daß heute Je= sus Christ Vom tode auferstanden ist, und durch die größe seiner macht Das leben an das licht gebracht. 7. O gott! der du den erdenkreis Erschaffen haft zu deinem preis, Und auch in trübsal und gefahr Uns treu bewahrt so manches jahr. 8. Hilf, daß wir voller dankbegier Erkennen, was du für und für Durch deine weisheit, güt und macht Gethan, geordnet und vollbracht. 9. Du sieger über tod und grab, Der sich für uns zum opfer gab! Laß uns der wohlthat würdig seyn, Und mach uns von den fünden rein. Mel. Wer nur den lieben Gott. 439. Wie lieblich ist doch Da deines namens ehre wohnt! Ogieb, daß ich sie gern betrete, Weil da dein segen die belohnt, Die deines wortes sich erfreun, Und dir des herzens andacht weihn. 2. Wohl dem, der sich in seiner hütte, Gott, zu verehren ernst beweist! Du hörst sein lob und seine bitte, Und stärkst mit Vom öffentlichen Gottesdienste. neuer kraft den geist, Daß er auf verstand, Macht deine lehre uns deiner wahrheit bahn Rechtschaffen bekannt, Er flammt zur heiligvor dir wandeln kann. keit uns an, Er leitet uns auf rechter bahn. 236 3. Dein wort bleibt niemals ohne segen, Wenn man's nur recht zu Herzen nimmt. Es giebt uns trost auf trübsalswegen, Die du zu unserm heil bestimmt, Es giebt im kampf uns muth und kraft, Und ist ein schwert, das sieg verschafft. 3. Hallelujah! einst singen wir Gott! heilig, heilig, heilig, dir, Und schauen dich in deinem licht Von angesicht zu angesicht. Beim Beschluß des Gottesdienstes. 4. Gott! laß auch mir dein antlig scheinen; Dein sabbath Mel. Liebster Jefu, wir sind hier. bring auch mir gewinn, Wenn 442. Höchster gott! wir dan ich mit deinen Vor dir an heilger stätte bin. Laß dir das lob, das wir dir weihn, Ein angenehmes opfer seyn. ken dir, Daß du uns dein wort gegeben. Hilf uns ferner, daß auch wir Nach demselben heilig leben. Gieb dem glauben solche stärke, Daß er thätig sey im werke. 5. Ja, du bist sonn' und schild den frommen, Du, herr! giebſt ihnen gnad und ehr; Und wer nur erst zu dir gekommen, Dem fehlt das wahre glück nicht mehr. Was du verheißest, hältst du fest; Wohl dem, der sich auf dich verläßt. 2. Unser gott und vater! du, Du nur lehrst uns, was wir sollen. Schenk uns deine kraft dazu, Gieb zum wissen auch das wollen, Und zum wollen das vollbringen; So wird alles wohl gelingen. Vor der Predigt. Pflicht und Nutzen des häus: lichen Gottesdienstes. Mel. Alle Menschen müssen sterben. hier, Um dein beilig 443. Auch zu auf und in der stille, Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. esu Christe! wir find 440. Je wort zu hören. Schenk uns andacht und begier Zu den süßen himmelslehren, Daß die herzen von der erden Ganz zu dir gezogen werden." 2. Dieses lebens wissenschaft Bleibt mit finsterniß umhüllet, Wenn nicht deines geistes kraft Uns mit licht von gott erfüllet. Lehr uns denn aufs wort recht merken, Laß es uns zum leben stärken. 3. O du glanz der herrlichkeit! Licht vom licht, aus gott geboren! Heiligster! von ewigkeit Hast du dir uns auserforen! Lehre deines himmels erben Recht zu leben, recht zu sterben. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns. 441. Der er du stets unsre zuflucht bist, Sei mit den deinen, Jesu Christ! Send uns den geist, der uns regiert Und uns den weg zur wahrheit führt. 2. Er stärkt den wankenden vergiß der andacht nicht. Sie führt dich zur fegensfülle, Sie ist eine sel'ge pflicht. Vor gott täglich mit den deinen Dankbar im gebet erscheinen, Bringt viel vortheil, bringet lust, Trost und ruhe deiner bruſt. 2. Solltest du nicht den erheben, Der dir täglich gutes schenkt, Der dir fristet glück und leben, Jede stunde dein gedenkt? Kannst du rettung deiner sünden, Kannst du neue gnade finden, Wenn du nicht zu gott hingehst Und um huld und wohlthat flehst? 3. Welch ein segensvoll geschäfte Ist ein häusliches gebet! Muth zur arbeit, lust und kräfte Giebt gott dem, der zu ihm fleht. Tröstung in betrübten stunden Haben fromme stets gefunden, Die, im gottesdienst vereint, Stille thränen ihm geweint. Vom öffentlichen Gottesdienste. 4. Sichtbar mehrt sich glaub' und tugend, Glück und segen blüht und grünt, Wo das alter und die jugend Gott mit mund und thaten dient; Aber unordnung und fünden Wird man in den Häusern sinden, Wo man lebt, wie ohne gott, Weder denkt an pflicht noch tod. 5. Gute fromme kinder haben, Froh in seinem hause seyn, Treue hausgenossen haben; Gott! wie mag dies glück erfreun! Im gebet ist reiz zur tugend Für das alter, für die jugend! Sich einander zu erbaun, Wirket lieb und fromm vertraun. Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, den Erlöser der Menschen. Preis für die Erlösung. Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. 444. Selobt seist du, herr zebaoth, Gelobt für unfres mittlers tod, Der uns das heil erworben. Wie hast du, gott, auch mich geliebt! Er, der uns ew'ges leben giebt, Ist auch für mich gestorben. Mein ganzes herz frohlockt in mir. O vater! ich lobfinge dir. Gieb, daß ich jeden tag aufs neu Mich deiner vaterhuld erfreu, Gott meines heils! Sey ewig mein, Sey ewig mein, Und laß mich dir recht dankbar seyn. 2. Voll froher ehrfurcht beug ich mich Vor dir, sohn gottes! der du dich Für mich dahin gegeben. Es komme mir nie aus dem sinn, Wie viel ich dir, herr! schuldig bin; Dein tod bringt mir das leben. Durch deines opfers ew'ge kraft Hast du, o herr! auch mir verschafft, Was mich vor dem verderben schüßt, Was meinem geiste ewig nüßt. Herr Jesu Chrift! Wie liebst du mich! Wie liebst du mich! Gieb, daß ich ewig liebe dich. 3. Mit inbrunst fleh ich, herr! 237 6. Drum, o christ! ein jeder morgen, Jedes abends ruh'ge zeit, Eine stunde, frei von sorgen, Sey vor allem gott geweiht. Bete selbst, bet' mit den deinen; Gott hörts und erfreut die seinen; Achtsam lies die heilge Schrift, Ste lehrt, was dein heil betrifft. 7. Höchster! mache dies geschäfte Allen häufern theur und werth; Gieb dazu uns trieb und kräfte, Hindre, was es uns erschwert; Laß dir unser schwaches lallen In der stille wohlgefallen, Bis wir ewig vor dir stehn, Und mit engeln dich erhöhn. zu dir: Befördre du doch selbst in mir Ein gläubiges gemüthe; Mich dürftet, gleich dem dürren land, land, Bei deiner liebe unterpfand, Nach deiner großen güte. Ich fühle, herr! was mir gebricht: O! stärke meine zuversicht, Daß du auch mein versöhner seyst, Und mich vom ew'gen tod befreist. Herr! dieser trost Sei fest in mir, Sei fest in mir! So dien' ich voller freuden dir. 4. Zur weisheit und gerechtigkeit, Zur heiligung und seligkeit Bist du mir ausersehen. Auch mir zum herrlichsten gewinn Gabst du dein leben willig hin; Drum hör jetzt auf mein flehen. Mein heiland! zeuch mich ganz zu dir, Ja durch den glauben wohn in mir; So nimmt in mir die seelenruh Und meines Herzens beßrung zu. Mein herr und gott! Verlaß mich nicht, Verlaß mich nicht! So komm ich einst nicht ins gericht. 5. Zu deinem himmel hilf du mir. Der freuden fülle ist bet dir; Laß mich sie einst genießen. Belebe mich mit muth und kraft, So meine ganze pilgrimschaft Zu führen und zu schließen, Daß 238 Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, mir dein wort stets heilig sey, bis zeit und welt vergeht, Bel Herr, dir sey Daß ich, bis in den tod dir treu, uns noch alle tage. Mit freuden thu, was dir gefällt, ewig dank und ruhm Für deinen Und dich auch ehre vor der welt. tod und marterthum, Für alle Dherr, mein heil! Sey stets mit deine liebe! Dir geb ich mich zu mir! Sey stets mit mir! So eigen hin; Gieb, daß ich mich, so komm ich einst gewiß zu dir. lang ich bin, In deinem lobe übe. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 445. Lob, ebre, preis und dank Jesu, unser leben! Preiswürdig bist du für und für; Wer kann dich gnug erheben? Eh noch die welt ward, warst du schon, Groß Herrlich, und des höchsten sohn, Ein erbe feiner ehre. Dein ist das reich, die herrlichkeit, Und du beherrschest weit und breit Der treaturen heere. 2. Dein sind sie; denn durch weffen kraft Ward himmel, meer und erde? Wer hat das leben uns verschafft? Wer sprach zum engel: werde! Du bist das wort, durch welches gott Der ganzen welt zu sein gebot. Du bists, der alles träget, Was sichtbar und unsichtbar ist, Was erd und himmel in sich schließt, Und was im meer sich reget. 3. Und dennoch bist du uns zu gut In diese welt gekommen, Hast willig unser fleisch und blut herr! an dich genommen. Aus der erschrecklichsten gefahr Zu retten, was verloren war, Wardst du ein fluch auf erden. O huld, die sonst nichts gleiches hat! Du starbst für unsere missethat, Ein heiland uns zu werden. 4. Du wardst es uns und bist es noch Jeßt auf des himmels throne, Suchst liebreich von der sünde joch Und ihrem schnöden lohne, Die ihr noch dienen, zu befrein! Beschwerter herzen trøst zu feyn, Ist deines Herzens freude. Du giebst den müden seelen ruh, Und wer dich liebt, den stärkest du, Daß nichts ihn von dir scheide. 4. Du hörst der deinigen gebet Und endest ihre plage. Du bleibst, Mel. Wie schön leucht't uns der. 446. Wie groß, wie ange betet o herrscher, Jesu Christ! Wie theuer deinem volke! Welch licht ging in der finsterniß Mit dir der welt auf! wie zerriß, Wie floh des irrthums wolke! Als du, Heil, famst, Hörten taube, Und der glaube Half den kranken: Stumme fangen, dir zu danken. 2. Nur fischer warens, die dein licht Verbreiteten, die weisen nicht. Wo sind sie? wo die hohen? Und wo die reichen, wo die macht, Vor der des Gößendienstes nacht Und seine schatten flohen? Macht nicht, List nicht; Deine gaben, Mittler! haben Dich verkläret, Uns den Weg zu gott gelehret. 3. Wir werden deinen ruhm erhöhn; Wir werden deine himmel fehn, Den. preis von deinen leiden Genießen, weil du für uns starbst, Was du uns durch dein blut erwarbst, Der engel hohe freuden. Was sind Menschen, Daß auch fün der Gottes kinder Werden sollen, Wenn sie an dich glauben wollen? 4. Du hast dich deiner herrlichfeit Entäußert, eine kurze zeit Für uns von gott verlassen; Und nun mit ehr und ruhm gekrönt, Nun machst du selig, die versöhnt Der sünden gräuel haffen. Sün dern Willst du Gern vergeben, Ihnen leben Geben allen Nach des vaters wohlgefallen. 5. Vom aufgang bis zum untergang Erschallet dir der lobgefang Unzählbar Erretteter gerechten. sind die schaaren schon, Die gerne dir vor deinem thron Ein würdig loblied brächten. Ihrer, Jesu! Jesu! werden mehr auf erden den Erlöser der Menschen. Dir lobsingen, Preis und dank und ruhm dir bringen. 6. Wie groß, wie angebetet ist Dein nam, o herrscher, Jesu Chrift! Wie herrlich bei den dei nen! Doch führst du uns zu deiner ruh, wie weit herrlicher wirst du Den deinen dann erscheinen! Ewig, Müsse Dir zur ehre Ihrer chöre Lob erschallen, Durch die himmel wiederhallen! Gläubige Zuversicht zu Jesu. Mel. Wo soll ich fliehen hin. 447. Me ein Jesus ist getreu; In noth steht er mir bei. Auf ihn ist gut vertrauen; Drum will ich auf ihn bauen. Ihm bleibt mein Herz ergeben Im tod und auch im leben. 2. Der welt armselger lohn Ist schaden, schmach und hohn. Wer den nicht will ererben, Der muß der welt absterben, Muß ihrer nicht begehren und sich zu Jesu kehren. 3. Umringet mit gefahr nehm ich viel feinde wahr, Die wider mich sich legen. Du, Jesu! bist zu gegen, Du lenkst das herz; auch feinde Verwandelst du in freunde. 4. In aller meiner noth, Und war es auch der tod, Bist du's, der für mich ringet Und noth und tod bezwinget; Ja, vor der hölle schrecken Kann mich dein schutz bedecken. 6. Sey, Jesu! auch hinfort Mein beistand, schuß und hort. Laß meinen fuß nicht gleiten, Und hilf mir muthig streiten; So will ich deinen namen Von herzen preisen, amen. 239 Liebe gegen Jeſum. Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. 448. A us ganzem Herzen lieb ich dich! Nach gnade, heiland! dürftet mich, Die meine feele labe. Die ganze welt erfreut mich nicht, Nach erd und himmel frag ich nicht, Wenn ich nur dich, herr! habe, und wenn mein herz im tode bricht, Bist du doch meine zuversicht, Mein trost, mein heil, der mich erlöst, Der mich im tode nicht verstößt. Ach Jesu Christ! Mein herr und gott! Mein herr und gott! Ein schlummer sey mir einst der tod! 5. Wenn sündenschuld mich plagt Und mein gewissen nagt, Alsbald eilt deine gnade, Daß ich mich ihr entlade; Dein leiden * Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ. und dein sterben, Das läßt mich 449. böchstes gut, Mein mein nicht verderben. heil, mein troft, mein leben! Der Du für mich dein theures blut Und leben hingegeben! Gieb, daß ich, als dein eigenthum, Dich herzlich lieb und ehre, Nichts begehre, Als daß ich deinen ruhm Mit mund und that vermehre. 2. Gieb, daß kein andrer trieb in mir, Als dich zu lieben, lebe, Daß ich mit herrschender begter Dir zu gefallen strebe. Nimm al2. Ach alles, herr! hab ich von dir, Den leib, die seele gabst du mir, Und dies, mein erstes leben; Gieb, daß ichs deiner liebe weih, Und meinen brüdern nüßlich sey Mit dem, was du gegeben. Laß mittler! mein erkenntniß rein, Und heilig meinen wandel seyn, Im kreuze dir getroft vertraun, Und nur auf deine hülfe schaun Ach, Jesu Christ! Mein herr und gott! Mein herr und gott! Hilf mir in meiner letzten noth! 3. Gieb, daß dein engel meinen geist, Wenn dich mein letztes loblied preist, In Abrams schooß einst trage. Der leib ruh sanft in seiner gruft, Bis ihn dein wort ins leben ruft An jenem großen tage. Und kömmst du dann zum weltgericht, So segne mich dein angesicht. Ach, richter, laß mich ohne graun Dich dann auf deinem throne schaun! Herr Jesu Chrift! Erhöre mich! Erhöre mich! So preif' ich ewig, ewig dich. 240 Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, les, alles von mir hin, Was dich und mich kann scheiden; Eitle freuden, Die dir mein herz entziehn, Laß mich mit ernst vermeiden. 3. Du hast mich je und je geliebt, Mich stets zu dir gezogen; Eh ich noch etwas guts geübt, Warst du mir schon gewogen. Laß doch, freund meiner seligkeit! Mich deine liebe leiten und begleiten, Und sie zu jeder zeit Mir hülfreich stehn zur seiten. 4. Laß meinen stand, darin ich steh, Herr! deine liebe zieren, Und wenn ich etwa irre geh, Zu dir zurück mich führen. Laß sie mich stets des christen pflicht und jede tugend lehren, Und mir wehren, Daß welt und sünde nicht Mich blenden und bethören. 5. Laß sie mir freudigkeit im leid, In schwachheit stärke geben; Und wenn du, nach vollbrachter zeit, Mich rufft aus diesem leben, Ach! dann laß deine lieb und treu Auf mich mit troste blicken, Mich erquicken Und, aller leiden frei, In ewigkeit beglücken. Freude an Jesu. 450. Mel. Jesu meine Freude. meine freude! Bester trost im leide! Beſtes gut im glück! Du haft meine Du fühlst meine triebe, An dir hängt mein blick. Hab ich dich, Wie reich bin ich! Doch beglückt kann ich auf erden Ohne dich nicht werden. 2. Unter deinem schirme Können keine stürme Mir erschrecklich seyn. Laß auch felsen splittern, Laß den erdkreis zittern Und den einsturz dräun; Was ists mehr? Rings um mich her Mag es donnern, krachen, blißen; Jesus will mich schützen. 3. Donnert auch im grimme Des gesetzes stimme; Jesus stillet sie. Mag der tod sich nahen, Mich das grab umfahen; Jesus läßt mich nie. Mich schreckt nicht Das weltgericht; Freudig, daß ich Jesum sehe, Blick ich auf zur höhe. YEEEEY 4. Wer ist, der den glauben Meinem Herzen rauben, Ihn erschüttern kann? Bei der Hölle toben Stimm ich, gott zu loben, Freudenlieder an. Jefu macht Hält mich in acht; Die kann selbst der hölle wüthen Ruh in eil gebieten. 5. Lockt nur, gold und schäße! Ehre sey der göße Der betrognen welt! Mich sollt ihr nicht blenden, Nicht von dem mich wenden, Der mich treu erhält. Elend, noth, Kreuz, schmäch und tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jesu scheiden. 6. Weicht, des eiteln liebe! Weicht, des fleisches triebe! Thoren täuscht nur ihr. Mich follt ihr, ihr sünden! Nie mehr willig finden, Fliehet fern von mir! Ueppigkeit, Stolz, schmähſucht, neid, Ihr beschweret das gewis sen; Euch will ich nicht wissen. 7. Weichet, forg und zagen! Schweiget, bange flagen! Jesus ist ja mein! Jeden, der ihn liebet, Muß, was erst betrübet, Noch zu legt erfreun. Hab ich hie Viel angst und müh; Jesu! auch im bängsten leide Bleibst du meine freude. Sehnsucht nach der Vereinigung mit Jesu. Mel. Wie schön leucht't uns der. 451.Wie herrlich steht der morgenstern! welch ein glanz geht auf im herrn! Wer sollte sein nicht achten? Glanz gottes, der die nacht durchbricht! Stern Jacobs! sich nach deinem licht Mein' augen fehnlich schmachten. Jesu! Jesu! Schön und prächtig! Reich und mächtig! Reich an gaben! Ueber alles hoch erhaben! 2. Du hier mein leben, dort mein lohn! Sohn gottes und des menschen sohn! Des himmels großer könig! Aus vollem herzen preif' ich dich. Hab ich nur dich, so rühret mich, Was alle welt reizt, wenig. Komm doch! Komm doch! Wahrlich keiner Tröstet deiner, Brot des Lebens, Wenn ihn hungert, sich vergebens. den Erlöser der Menschen. feyn. hinein Daß 3. In dir nur kann ich selig Geuß tief, tief in mein herz Die flamme deiner liebe; in mir nichts als inbrunst sey, Kein weltfinn deine leiden scheu, Kein undank dich betrübe. Nach dir, Nach dir, Den ich faffe, Nun nicht lasse, Ewig wähle, Dürftet meine ganze feele. 4. Von gott strahit mir ein freudenlicht, So oft dein lieblich angesicht Sich neigt, mich anzublicken. Mein Jesu, du mein höchstes gut! De wort, dein geist, dein leib und blut, Kann feelen recht erquicken. Speif mich, Tränk' mich, Seligmacher! Daß ich schwacher, Daß ich erde Himmelsfreuden innen werde. 5. Und wie, gott vater, preis ich dich! Gott! ewig, ewig haft du mich In deinem sohn geliebet. Dein sohn hat mich ihm fest vereint, Er selbst, mein könig, ist mein freund. Troß dem nun, betrübet! Seele! Seele! Ihn, den sieger Stolzer krieger, Wähl zum freunde; Und dann fürchte keine feinde. was 6. Ihm, welcher höll und tod bezwang, Ihm, ihm muß unser lobgefang Mit jedem tag erschal len; Dem lamme, das erwürget ist, Dem freunde, der uns nie vergißt, Zum ruhm und wohlgefallen. Tönet! Tönet! Jubellieder! Schallet wieder, Daß die erde Ganz voll seines lobes werde. 7. Wie freu ich mich, Jefu Christ, Daß du der erst' und letzte bist, Der anfang und das ende! Du schließest felig meinen lauf, Du weckst mich von den todten auf; Deß klopf ich in die hände. Amen! Amen! Ja, wir wissen, Daß wir müssen, Wenn wir trauen, Noch dereinst dein antlitz schauen. Freimüthiges Bekenntniß der Religion Jesu. Mel. Wenn meine Sünd mich fränken. 452, Non furcht dahin geriffen, Verleugnet 241 Petrus dich. Bald straft ihn sein gewissen, Da weint er bitterlich. Tief dringet ihm dein blick ins herz, Er fleht zu dir um gnade, Und du stillst seinen schmerz. 2. Wie wuchs nun deines zeugen Beständigkeit und muth! Furcht konnt ihn nie mehr beugen, Für dich, herr! floß sein blut; Dich, seinen herrn und seinen gott Verherrlichte sein leben, Verherrlichte sein tod. 3. Betrübt ist meine seele, Erfüllt mit reu und schmerz; Was hilfts, daß ichs verhehle? Du schaust mir ja ins herz! Bekennen will ich es vor dir: Jch hab dich oft verleugnet; Vergieb, vergieb es mir! 4. Wenn deines namens hafsfer Dich schmähten, wenn ihr spott Von ihrem mund als waffer Dahin floß wider gott; Dann schwieg ich furchtsam, schämte mich Ein christ zu seyn, und scheute Mehr ihren spott, als dich. 5. du, der du dein leben, Du herr der ewigkeit, So willig hingegeben Für meine seligkeit! Wie undankbar, wie schwach war ich, Daß ich den spott der fünder Mehr fürchtete, als dich! 6. Ach rechne nicht zur sünde mir diese schwachheit zu! Den schmerz, den ich empfinde, Erlöser! siehe du. Du schenktest Petro seine schuld; Bedeck auch mein vergehen Mit deiner lieb und huld. 7. Laß diese meine reue Mir unvergeßlich seyn, Ich will zu ew'ger treue Dir meine feele weihn; Dich zu verleugnen, herr, mein gott, Das fürchte meine feele Weit mehr, als selbst den tod! 8. Ich will dich frei bekennen; Wenn gott gericht einst hält, Wirst du mich auch bekennen Dem richter aller welt. Dein freuz ist meine zuversicht; Selbft denen, die mich schmähen, Verhehl ichs, Jesu! nicht. 9. Bedeckt von deiner gnade, Veracht ich ihren spott; Wer ist D Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, es, der mir schade? Du hilfft mir spiel treu, Auch andern selbſt ein aus, mein gott! Von meinem beispiel sey. haupte fällt kein haar, Und drohten sie mir alle Die schrecklichste gefahr. 242 Nachfolge Jesu. Mel. Machs mit mir, Gott, nach. 453. Welch hohes beispiel gabst du mir, Mein heiland, durch dein leben! Sollt ich nicht gern und mit begier Dir nachzuahmen streben? Und nicht den weg, den du betratst, Auch gehn und das thun, was du thatst? 2. Dein herz war voller heiligteit, So rein, wie deine lehre, Dein thun, lieb und rechtschaffen heit, Dein Endzweck, gottes ehre; Für uns allhier zufriedenheit und dort die ew'ge seligkeit. 3. Darum entäußertest du dich Und stiegst vom himmel nieder, Wardst mensch, ein armer mensch wie ich Und meiner schwachheit brüder, Der bosheit raub, der leute spott, In deinem wandel gleich wie gott. 4. In knechtsgestalt erschienest du, Um uns zu herrn zu machen; Den franken gabst du trost und ruh, Und warst stark in den schwachen; Du trugst die leiden mit geduld, Und trugst sie sonder eigne schuld. 5. Ein opfer unsrer missethat, Liebt'st du uns doch als freunde, Erfüllt'st für uns des vaters rath, Und batest felbst für feinde. Du starbst, gehorsam bis zum tod, Und ehrtest auch im tode gott. 6. Dies große beispiel hast du mir Zur richtschnur hinterlassen, Daß ich gefinnet sey, gleich dir, In meinem thun und laffen. Komm, sprichst du, nimm dein kreuz auf dich, Komm, folge mir, und thu, wie ich. 7. Ich komme, herr! gieb kraft und licht, Daß ich mein heil erkenne, Dein wahrer jünger sey und nicht mich fälschlich nur so nenne, Damit ich deinem bei Mel. Ich dank dir, Gott, durch. o 457. Erheb, chrift, dein Herz und sinn, Fleuch denkend von der erden! Hinauf schwing dich zum himmel hin; Ein christ muß himmlisch werden. 2. Was bist du in der welt, ein gast, Ein fremdling und ein wandrer, Wenn du kurz hausgehalten hast, So erbt dein gut ein andrer. 3. Was hat die welt? was beut sie an? Nur schlecht und eitle dinge! Wer einen himmel hoffen kann, Der schätzt die welt geringe. 4. Wer gott erkennt, kann der wol noch Den sinn aufs niedre lenken? Wer nur an gott denkt, denket hoch; So müssen christen denken. 5. Sieh, christ, nie sorgsam unter dich, Wenn dich die leiden drücken; Sich gläubig in die höh und sprich: Der Herr wird mich erquicken. 6. Des christen hohes bürgerrecht Ist dort im vaterlande; Der christ, der irdisch denkt, denkt schlecht und unter seinem stande. 7. Dort ist das reiche Canaan, Wo lebensströme fließen; Blid oft hinauf! der anblick kann Den leidenskelch versüßen. 8. Dort oben ist das friedenshaus; Gott theilt zum gnadenlohne Den überwindern kronen aus; Kämpf auch um ruh und krone. 9. Dort singen engelchör' aus pflicht Von gott und seinen wer ken; Freund gottes, sehnest du dich nicht, Dies loblied zu verstärken? 10. Dort herrscht dein heiland Jesus Christ. Der tilger deiner sünden; Mit dem, durch den du selig bist, Muß sich dein herz verbinden. 11. Hilf, heiland! daß ich für und für Den geist so hoch erhebe, und daß ich jetzt und ewig dir Gehöre, denke, lebe. den Erlöser der Menschen. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen. 455.Jefu, du mein heil, mein kommt und lernt von mir; Sieh! ich komm, ich komm zu dir! Gern möcht ich mich dir ergeben. Ursprung meiner seligkeit! Lehr mich felbst die frömmigkeit. 2. Ach, wie ist mein herz verderbet! Wie regt sich der fünde luft Immer noch in meiner brust! Böses ist mir angeerbet, Schwach ist meine tugendkraft, Mächtig blut und leidenschaft. 3. Hilf, ach! hilf du mir besiegen Alle laster, haß und neid, Stolz und ungerechtigkeit. Laß im kampf mich nicht erliegen; In versuchung steh mir bei, Mach mich standhaft und dir treu. 4. Pflanze mir in mein gemüthe, Mittler! deine heiligkeit, Dein' geduld und freundlichkeit, Deine liebe, deine güte, Sanftmuth, treu und redlichkeit, Wahrheit und gerechtigkeit. 5. Laß mich dir zur ehre leben, Jesu, meines Herzens licht, Mein trost, heil und zuversicht! Laß mich dir seyn ganz ergeben, Laß mich fliehn die lust der welt Und nur thun, was dir gefällt. 6. Führe mich auf deinen wegen, Gieb mir, wie dein wort verheißt, Deinen beistand, deinen geist; Täglich gieb mir gnad und segen, Täglich weisheit, hülf und rath, Gegne denken, wort und that. 7. Bis ich endlich werde kommen Aus der unvollkommenheit, Jesu, zur vollkommenheit, Und dann dich mit allen frommen, Helfer meiner seligkeit! Preisen in der ewigkeit. Nachfolge Jesu im Leiden. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 456.Jeful Seful stärke mich, Willig alle zu tragen. Ach! mein fleisch entseget sich Vor des bittern freuzes pla gen. Und doch soll ich auch in pein Deinem beispiel ähnlich seyn. 2. Wer dir nachzufolgen strebt, 243 Muß sich deiner schmach nicht schämen, und wenn sich das fleisch Sich zum bequemen. Wer sein kreuz nicht auf sich nimmt, Ist zum himmel nicht bestimmt. 3. O wie fanft wird mir die last, Wenn ichs zuversichtlich wage Und, wie du gelitten haft, Ruhig alle noth ertrage. Dann wird, was mir schrecklich deucht, Süß und angenehm und leicht. 4. Ach! viel mehr, unendlich mehr, Als ich je von kreuz empfinde, Litt'st du, allerheiligster! Für die welt, für meine sünde; Ohne zahl war deine noth, Unaussprechlich schwer dein tod. 5. Durch dein kreuz erwarbst du mir Kraft und muth in meinen leiden; Nun kann, Jesu! mich von dir keine pein, kein tod mich scheiden. Werd ich muthlos, dann stärkt sich Mein erschrocknes herz durch dich. 6. Endlich nimmst du alle noth Mir von meinem wunden rücken, Endlich wird ein sanfter tod Den zerschlagnen geist erquicken; Und in der verwesung haus Ruh ich von der arbeit aus. 7. Dort, wohin du nach dem streit Triumphirend dich geschwungen, Giebst du mir die herrlichkeit, Die du durch dein kreuz errungen; Und bei dir wird jede pein Mir ein neuer segen seyn. 8. Nun, ich fliehe nicht dein kreuz; Sieh, ich nehms aus detnen händen. Mich soll nie der Lüste reiz, Nie die trübsal von dir wenden. Gern trag ich, wiewol noch schwach, Dir dein kreuz, mein Jesu! nach. Jesus und sein Heil, das einzig Nothwendige. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 457.ins ist noth! ach herr! seele doch; Auch beim schimmerreichsten scheine Ist sonst alles nur ein joch, Unter dem das herz sich 22 244 Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, den Erlöser 2c. lingen Durch dein heilig köstlich blut; Mir auch haft du, herr! erworben, Als du an dem kreuz gestorben, Meinen schmuck, das reine kleid Gültiger gerechtigkeit. plaget, Und doch keine ruh erjaget; Alles aber wird ersetzt, Wenn dies eine mich ergößt. 2. Seele, willst du dieses sinden, Suchs bei keiner kreatur, Laß, was irdisch ist, dahinten, Schwing dich über die natur, Wo der gottheit füll' erscheinet Mit der menschheit selbst vereinet; Da, da ist das beste theil, Da dein alles, da dein heil. 3. So wollt einst Maria wissen, Was dies einzige verhieß, Als sie sich zu Jefu füßen Lernbegierig niederließ. Ach! wie brennt ihr herz, die lehren Aus der weisheit mund zu hören, Sie vergißt die welt und sich, Sieht und hört nur, Jesu! dich. 4. So steht, Jesu! mein verlangen Ganz und einzig nur nach dir. Ach! ich dürft an dir zu hangen, Neige du dein herz zu mir. Wenn auch viele träg verweilen; Brenn ich doch, dir nachzueilen. Jesu! geift und leben ist, Was von deinen lippen fließt. 5. Ja, mich reizt der weisheit fülle, Die in dir verborgen liegt. Hilf mir nur, daß sich mein wille Ganz in deinen willen fügt, Daß die demuth mich regieret Und zur rechten weisheit führet. Mir entdeckt sich ihre spur, Kenn ich dich, mein Jesu! nur. 6. Nichts kann ich vor gott ja bringen, Als nur dich, mein höchstes gut! Jesu! es muß mir geVon den Pflichten Pflicht der Selbstliebe. Mel. O Gott, du frommer Gott. 458. Dein will ists, großer felber lieben. Jott! Ich foll mich laß mich diese pflicht Nach deiner vorschrift üben, und schränke selbst den trieb, Froh und beglückt zu seyn, Den du mir eingepflanzt, In heilge gränzen ein. 7. Nun, so gieb, daß meine feele, Herr! zu deinem bild erwacht; Mir bist du, den ich erwähle, Auch zur heiligung gemacht. Was nur dient zum wahren leben, Das ist mir in dir gegeben. Ach! entreiß mich ganz der welt, Daß ich thu, was dir gefällt. 8. Herr! was soll ich mehr verlangen, Da in mir dein Herz nun ruht? Du bist einmal eingegangen In das heil'ge durch dein blut, Hast mich meiner fünd' entbunden, Ewige erlösung funden, Daß ich mich gott freudig nahn, Kindlich abba! rufen kann. 9. Volle gnüge, fried und freude Ists, was meine seel ergößt. Hirt! auf wie so gute weide Hast du mich, dein schaaf, versetzt! Jefu! soll ich dich nur haben, Was kann mich wol süßers laben? Wo iſt, was mich mehr erquickt, Als wenn dich mein glaub' erblickt? 10. Drum sollst du mir nur das eine, Du nur sollst mein alles seyn; Prüf' und forsche, wie ichs meine, Und tilg' allen heuchelschein. Wenn die welt bald lockt, bald höhnet, Sich das fleisch nach eitelm sehnet, Auch die hölle stürmt und droht, Wähl ich dich; denn eins ist noth. gegen uns selbst. 2. Gieb, daß mein ganzes herz Sich deiner liebe weihe, und daß findlich chrift fich in allem ich Dein scheue. Wer als ein liebt, Der flieht auch als ein christ, Was wider deine furcht Und menschenliebe ist. 3. Kein schnöder eigennutz Be= herrsche meine seele; Und wenn zu meinem glück Ich weg und auge Von den Pflichten gegen uns selbſt. mittel wähle, So laß mich stets dabei Auf recht und wahrheit schaun, Auch nie mein wohlergehn Auf andrer elend baun. 4. Dein fluch trifft jedes glück, Wobei die tugend leidet; Und glück hat der mensch nie, Der deine wege meidet. Wer unrecht liebt und thut, Erbt deinen him mel nicht. Nie treffe mich, o gott! Dies schreckliche gericht. 5. Nie blende mein gemüth Der eitelkeiten schimmer. Die welt mit ihrer luft Vergeht doch einst auf immer. Was hilft uns kurze luft? Was hilft uns eitle pracht? Nicht ein vergänglich gut Ists, was uns glücklich macht. 6. Ein gott ergebnes herz, Ein unverletzt gewissen, Nur das kann uns allein Das leben hier versüßen; Das bleibt uns auch im tod, Und folgt uns aus der zeit Zum großen segen nach Bis in die ewigkeit. 7. selig, wer darnach Mit heilgem eifer trachtet, Und für fein größtes glück, Gott, deine gnade achtet, Der liebt allein sich recht, Der find't schon in der zeit Die wahre ruh, und einst Vollkommne seligkeit. 8. Das sey mein zweck, mein fleiß; segne mein bemühen! So wird das wahre wohl nicht meinem wunsch entfliehen. In allent dir getreu, Und nie ein sclav der welt; So lieb ich weise mich, Und wie es dir gefällt. Selbsterkenntniß. Mel. Wer nur den lieben Gott. 459. Wer bin ich? welche wicht'ge frage? Gott! lehre sie mich recht verstehn, Gieb, daß ich mir die wahrheit fage, Und laß mich achtsam auf mich sehn; Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, Bleibt von der weisheit weit entfernt. 2. Ich bin ein werk von deinen händen, Du schufft mich, gott! zu deinem preis; Dazu mein 245 leben anzuwenden, Das ist dein väterlich geheiß. Doch leb ich als dein eigenthum Auch, wie ich soll, zu deinem ruhm? 3. Ich bin ein christ nach dem bekenntniß; Doch bin ich's, herr! auch in der that? O öffne du mir mein verständniß, Recht einzu sehn, ob ich den pfad, Den Jesus mir gewiesen, geh, Und ob ich auch im glauben steh. 4. Du kennest unsers herzens tiefen, Die uns selbst unergründlich sind: Drum laß mich oft und ernstlich prüfen, Wie ich, mein gott; vor dir gesinnt. Befreie mich von falschem wahn, Der auch den klügsten täuschen kann. -5. Wer alles weiß und doch verborgen Und unbekannt sich selbst noch bleibt, Wie will der für sein bestes sorgen? Was ist, das den zur beßrung treibt? Sich selbſt recht kennen, ist verstand; Drum mache mich mit mir bekannt. 6. Was mir zu meinem heil noch fehlet, Mein vater! das entdecke mir. Hab ich der wahrheit weg erwählet, So gieb, daß ich ihn nicht verlier. Ach! leite mich mit deinem licht, So täuschen mich verführer nicht. 7. Bin ich noch fern vom rechten wege, Der mich zum ew'gen leben führt, So bringe mich zurück vom stege, Der ins verderben sich verliert. Gieb mir zur beßrung lust und kraft; Du biſts, der beides in uns schafft. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, Was ich hier war und hier gethan. O! laß michs nicht bis dahin sparen, Wo reue nichts mehr helfen kann. Herr! mache mich schon hier recht klug Und frei vom schnöden selbstbetrug. Demuth. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 460. Was ich nur gutes milde gabe, Du vater alles lichts! Mein Baseyn und mein leben Ward Von den Pflichten gegen uns selbst. mir von dir geben, und ohne herr! gedenke nicht! Willst du dich vermag ich nichts. mit deinen knechten, Wie sie's verdienen, rechten, Go trifft fie alle dein gericht. 2. Sowol verstand und kräfte Zum nüßlichen geschäfte hab ich aus deiner huld. Dein ists, wenn gute thaten Zum glück der welt gerathen; An fehlern bin allein ich schuld. 5. Doch wenn auch, dir zur ehre Rein meine tugend wäre; Weß ist dies eigenthum? Wer ließ mich unterrichten? Wer ließ in meinen pflichten Mein glück mich sehn und meinen ruhm? 6. Wer gab mir, dich zu lieben Und dein gebot zu üben, Die lust und freudigkeit? Wer stärkte meine kräfte Im heiligungsge= schäfte? Wer gab mir muth und sieg im streit? 246 3. Das glück, deß ich mich freue, Wer schafft mirs? Deine treue, Du herr der ganzen welt! Du ordnest unsre tage, Ihr glück und ihre plage Nur so, wie dir es wohlgefällt. 4. Sollt ich mich denn erheben, Wenn mir in diesem leben Viel gutes widerfährt? Was hat dich, Herr! bewogen, Daß du mich vorgezogen? Bin ich auch jemals deffen werth? 5. Ich bin viel zu geringe Der huld, die ich befinge; Ganz bin, o herr! ich dein. O! laß michs nie vergessen, So werd ich nicht vermessen Der eigenliebe weihrauch streun. 6. Das nüßlich anzuwenden, Was du mit vaterhänden Mir gütig zugewandt, Dein treuer knecht zu werden, Das sey mein fleiß auf erden; Dazu gieb demuth und verstand. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 461. La deiner welt mich mich nie erkühnen, Darüber stolz zu seyn; Bei meinen besten werken Muß ich es ofte merken, Wie wenig sie von mängeln rein. 2. Such ich stets deinen willen So eifrig zu erfüllen, Als es dein wort gebeut? Trag ich der tugend bürde, Aus kenntniß ihrer würde, Auch immer mit zufriedenheit? 3. Entzieh ich mich den fünden Auch stets aus rechten gründen? Aus wahrer frömmigkeit? Oft find die guten triebe Nicht früchte deiner liebe, Nur früchte der natur und zeit. 4. Der fünden meiner jugend, Der mängel meiner tugend, O 7. Du schaffst, daß ich dich wähle, Du rufft mich, wenn ich fehle, Auf rechten weg zurück; Du ziehst mich ab von sünden, Und läßt mich gnade finden, Und giebst zu meiner behrung glück. 8. Sollt ich mich deß erheben, Was du mir, herr! gegeben? Hab ich zum lohn ein recht? Könnt ich auch alles üben, Was du mir vorgeschrieben, Wer bin ich? ein unnüßer knecht. Wider Stolz und Vermessenheit. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 462. Wenn ich, o gott! von dir geführt, Auf deinen wegen wandle, Wenn ich, durch deinen geift regiert, Nach vorschrift Wenn mir mein herz das zeugniß giebt, Daß meine seele mehr dich liebt, Als alles gut auf erden; Laß deiner huld durch sicherheit, Durch stolz und durch vermessenheit, Mich dann nicht unwerth werden. 2. finn, Wie leicht erliegt ein sichrer Bekämpfet durch die lüfte! Sieht ruhig auf gefahren hin, Wovor er zittern müßte! Vollkommen glaubet er zu seyn, Denkt, diese fünde sey nur klein, Und jene pflicht nicht wichtig; Nun ist er seinem falle nah, Fällt schrecklich, aber glaubt noch da, Er wandle fest und richtig. 3. Wie schwach ist nicht der Von den Pflichten gegen uns selbst. mensch! wie bald Zur fünde fortgeriffen! Wie leicht wird nicht sein eifer kalt, Nachgebend sein gewissen! Weh ihm, wenn er vermessen ist, Wenn seiner schwachheit er vergißt, In sich nur stärke stehet! Ach! ihn besiegt in jedem streit Der irrthum und die sinnlichkeit, Wenn fliehet. 4. Wer sich mit stolzem muth erhöht, kann nicht vor dir bestehen; Wer seine niedrigkeit gesteht, Den wirst du, gott; erhöhen. Veracht ich andre neben mir, mißfällt meine tugend dir, groß ich sie auch finde. glaube selbst beleidigt dich; ohne demuth macht er mich rein von meiner fünde. So Wie Mein Denn nicht 5. Ach! lehre mit behutsamkeit Auf meine bahn mich schauen Und nie, o gott! in ficherheit Auf meine tugend trauen. Wenn die versuchungen mir drohn, Zeig in der ferne mir sie schon, Daß ich mich zeitig rüste. Aufmerksam mache meinen blick Auf diese welt, auf zeit und glück Und auf die macht der lüfte. 247 handeln. Ich werde nicht durch sicherheit, Durch stolz und durch vermessenheit Von deinen rechten weichen. Heil allen frommen, heil auch mir! Wir werden, preis und dank sey dir! Des glaubens ziel erreichen. Mel. O Gott, du frommer Gott. 463.Her er dem ich alles du Von habe! Was ist mein stand, mein glück Und jede gute gabe? Es ist nicht mein, es ist Ein unverdientes gut; Darum bewahre mich Vor stolz und übermuth. 2. Wenn ich vielleicht der welt mehr, als mein nächster, nüße, Und wenn ich mehr verstand, Als er besigt, befize; Bin ich drum mehr, als er? nein! wer schenkte mir Verstand und tüchtigfeit? Ach! alles kömmt von dir. 3. Wenn mir ein größres glück Nach deinem rath begegnet, Und deine gütigkeit Mich mehr, als andre, segnet; Giebt diese deine huld Mir wol zum stolz ein recht? Bin ich darum nicht auch, Was andre sind, dein knecht? 4. Wenn ich, geehrt und groß, In hohen würden stehe, Und andre unter mir In kleinerm glücke sehe; Wer machte sie gering, Und wer erhöhte mich? Ist nicht mein nächster oft Viel würdiger, als ich? 5. Wie könnt ich mich, o gott! Des guten überheben? Was ich befit, ist dein; Du sprichst, so bin ich leben; Du sprichst, so bin ich nichts! Von dir kömmt das ge= deihn. Drum laß mich ewig fern Von stolz und hochmuth seyn. Sorge für die Seele. 6. Lehr mich, wie unvermögend ich Zum guten bin, wie träge; Mein täglich straucheln mache mich Borsichtig auf dem wege. Find ich mich, herr! auf ebner bahn; So lehre mich, so sehr ich kann, Auf meine schritte wachen. Bewahre meinen fuß, daß nicht Vermessenheit und zuversicht Und stolz mich fallen machen. 7. Mein glaube, meine frömmigkeit, Und was ich in mir habe Von tugend, von rechtschaffenheit, Ist alles deine gabe. Ich bin nur staub, den du erschufft, Den du begnadigst und berufst, In deinem reich zu leben. Laß mich, entfernt Mel. Machs mit mir Gott nach. beine flere sahn, mit demuth 464. Bald oder spät des to gab empfahn, Und dir ehre geben. 8. So werd ich, gott! von dir geführt, Auf deinen wegen wan deln, Durch deinen guten geiſt regiert, Nach deiner vorschrift noch hier auf erden; Allein ich sterblicher, ich staub, Soll einst unsterblich werden, und dann ist mein bestimmtes theil, O gott! verwerfung oder heil. 248 Von den Pflichten gegen uns selbſt., 2. Mit furcht und zittern soll der chrift Nach seinem heile ringen, Verachten, was auf erden ist, Hinauf zu gott sich schwingen, Getrost den pfad der trübfal gehn, Und standhaft in versuchung stehn. 3. Noch weiß ich, daß ich laufen muß, Noch bin ich in den schranken, Noch nicht am ziele; doch mein fuß Beginnet oft zu wanken. Herr, stärke mich durch deine kraft Auf dieser kurzen pilgrimschaft! 4. So lang ich noch ein fremdling hier In diesem leibe walle, So schaff ein reines herz in mir, Ein herz, das dir gefalle, Und leite mich auf ebner bahn Durch deinen geist zu dir hinan. 5. Es sey mein ruhm, dir werth zu seyn, Was du gebeutst, zu üben, Mein höchstes gut, mich dein zu freun, Von herzen dich zu lieben, Mein trost, auf deinen schuß zu traun, Und meine_hoffnung, dich zu schaun! 6. Die freche thorheit dieser zeit Soll nie mir meinen glauben, Den füßen troft der ewigkeit, Des himmels hoffnung, rauben. Was hindert sonst des Lebens noth? Und was versüßt mir einst den tod? Mel. Wo Gott, der Herr nicht bei. 7. Berzagt und schwach find fleisch 465. Nach meiner feelen fe und eitel werke; Der glaub allein giebt kraft und muth, Und nur durch Christi stärke Sind wir in angst und traurigkeit Getrost, und überwinden weit. 8. Was ist die trübsal dieser zeit Und alles leid der erden, Gott! gegen deine herrlichkeit, Die kund an uns soll werden? Wie schnell flieht dies mein leben hin, Hin, wo ich ewig selig bin! 9. Heil mir! ich bin sein eigenthum; Nichts soll von dir mich scheiden, Nicht wollust, güter oder ruhm, Nicht schmach, nicht tod, noch leiden! Ich bin durch Jefn blut erkauft, Ich bin auf seinen tod getauft. ******* 10. Der uns in Christo alles giebt, Gott wird mich nicht vernichten; Der uns bis in den tod geliebt, Wird mich nicht strenge richten; Wenn erd und himmel untergehn, Werd ich zum leben auferstehn. 11. Nicht trübsal mehr, nicht leid und schmerz Betrübet dort die seinen. Nicht klagen mehr wird unser Herz, Nur freudenthränen weinen. Er, der für uns sein le ben gab, Er trocknet unsere thränen ab. 12. Dort schauen wir und beten an Vor seinem angesichte, Und die wir hier im dunkeln sahn, Wir werden dort im lichte Die wunder deiner liebe sehn, Des weisen wege ganz verstehn. 13. Jhr, die ihr ihn erhabner preist, Ihr engel, meine brüder! Dann singet mein verklärter geist In eure jubellieder Und eurer hohen harfen klang Ertönt in meinen lobgesang. 14. Du, der uns dieses heil erwarb, Laß, Jesu! michs ererben; Du, der für alle Menschen starb, Laß, Jesu! dir mich sterben; Gieb, daß ich dir im leben treu, Getreu bis in den tod dir sey. mich eifrig ringen. Sollt ich die kurze gnadenzeit In sicherheit verbringen? Wie würd ich einst vor dir bestehn? Wer in dein reich wünscht einzugehn, Muß reines herzens werden. 2. Erst an dem Schluß der lebensbahn Auf seine sünden sehen, Und wenn man nicht mehr fünd'gen kann, Gott um erbarmung flehen, Das ist der weg zum leben nicht, Den uns, o gott! dein unterricht In deinem worte zeiget. 3. Du rufft uns hier zur hei ligung; Drum laß auch hier auf erden Des geistes wahre befferung Mein Hauptgeschäfte werden. Herr, stärke mir dazu den trieb! Nichts sey so groß, nichts mir so lieb, Das ich ihm nicht aufopfre. Von den Pflichten gegen uns selbst. welt mit allen ihren freuden, Und sollte das, was dir gefällt, O gott! darüber meiden; Was hülfe mirs? kann auch die welt, Mit allem, was sie in sich hält, Mir deine gnad' ersetzen? 4. Gewänn ich auch die ganze müh Zu diesem ziele führen. O! laß mich nicht durch eigne schuld Das heil, das deine vaterhuld Ihr zugedacht, verlieren. 5. Was führt mich zur zufriedenheit Schon hier in diesem leben? Was kann mir trost und freudigkeit Auch selbst im tøde geben nicht menschengunst, nicht irdisch glück, Nur gottes gnade und der blick Auf jenes lebens freuden. 5. Mit dir, o gott! vereint zu seyn, Mich ewig deiner huld zu freun, Und dich zum trost zu wählen, Das sey mein fleiß und höchster zweck, Laß mich dazu den rechten weg Aus leichtsinn nie verfehlen. 6. 6. Nach diesem kleinod, herr! laß mich Vor allen dingen trachten, Und was mir daran hinderlich, Mit edlem muth verachten. Daß ich auf deinen wegen geh Und im gericht dereinst besteh, Sey meine größte sorge. 7. Doch was vermag ich, wenn du nicht Vor trägheit mich beschüBest, Und mich zur treu in dieser pflicht mit kräften unterstüßest? stärke mich, mein gott, dazu! So find ich hier schon wahre ruh Und dort das ew'ge leben. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 466. He err, meiner feele gro= Ben werth, Den mir dein theures wort erklärt, Laß mich mit ernst bedenken, Und auf die sorge für ihr wohl So unermüdet als ich soll, Den größten eifer lenken. 2. Wie hoch ist sie vor dir geacht't! Welch glück hast du ihr zugedacht! Wie viel an sie gewens Du sie, gott! dein bild zu seyn, Und hast, von sünd sie zu befrein, Selbst deinen sohn gesendet. 2. Zu groß für diese kurze zeit, Bestimmt zum glück der ewigkeit, Lebt sie im leib der erden, Durch glauben und gottseligkeit Zu gröherer vollkommenheit Im himmel reif zu werden. 4. Mit großer treue willst du ste, Selbst durch des lebens kurze 249 Wer böse ist, bleibt nicht vor dir; Drum schaffe felbſt, o gott! in mir Ein herz, das sünden hafset, Das seine schuld vor dir bereut, Und das zu deiner gütigkeit Durch Christum hoffnung faffet., 7. Gieb, daß ich dir mich ganz ergeb; Und, was ich hier auf erden leb, Laß mich im glauben le= ben An dich, sohn gottes! der du mich So hoch geliebet haft und dich Für mich dahin gegeben. 8. In meiner ganzen pilgrimschaft Laß mich, geſtärkt durch deine kraft, Nach jenem kleinod trachten, Das mir dein ruf vor augen stellt, Und alle leiden dieser welt Wie nichts dagegen achtet. 9. Wie selig werd ich dann nicht seyn! Schon hier wird dann mein herz sich freun. In dir, gott! ruhig leben, und du wirst nach vollbrachter zeit Auch mich gewiß zur herrlichkeit In deinem reich erheben. Bewahrung eines guten Gewissens. Mel. Nun freut euch, lieben Christen. 467. welch ein unschäßbares gut Ift, herr, ein rein gewissen! Wer dieses hat, der hat auch muth, Wenn andre zagen müssen. Sein ruhig herz erzittert nicht, nicht vor dem tod, nicht vor gericht; Denn mit ihm hat er friede. 2. Sich deines beifalls, gott! bewußt, Freut er sich deiner gnade. Dein friede wohnt in seiner brust, Und wer ist, der ihm schade? Auf dich sieht er bei aller noth, Wo Von den Pflichten mit die zukunft ihn bedroht, Ihn tröstet deine vorsicht. 3. Trifft ihn auch hier zuweilen noch Die geißel böser zungen, Bleibt seines herzens ruhe doch, Die er vor dir errungen. Er scheuet jede übelthat Und denkt, der lügen wird wol rath; Gott wird die unschuld retten. 250 4. Sein geift sieht mit zufriedenheit Der künftgen welt entgegen, Die giebt ihm muth und freudigkeit Auf allen seinen wegen. Denn dort macht selbst, o Herr! Dein mund Den wahren werth des menschen kund; Da wird der fromme siegen. 5. So hilf denn, daß ich, mir zum heil, Ein unverletzt gewissen, Des lebens allerbestes theil, zu haben sey beflissen. Mit dir, gott! ausgeföhnt zu seyn, Dein heilig recht nie zu entweihn, Das sey mein größter eifer. 6. Gieb, daß ich des gewissens spruch Als deine stimme ehre. Und immer aufmerksam genug Auf seine warnung höre. Erinnert's mich an meine schuld, So laß mich, vater! deine huld Voll reu und glauben suchen. 7. Mit deiner gnade steh mir bei, Und gieb, daß meine feele Auch selbst die kleinste fünde scheu, Und nie aus vorsag fehle. Denn wer nur reines herzens ist, Hat immer auch durch Jesum Christ Zum trost dich, allerhöchster!" Wachsamkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott. 468. Nicht, daß ichs schon ergriffen hätte; Die beste tugend bleibt noch schwach. Doch, daß ich meine feele rette, Jag' ich dem kleinod eifrig nach; Denn tugend ohne wachsamkeit Verliert sich bald in sicherheit. 2. So lang ich hier im leibe walle, Bin ich ein kind, das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, Der, wenn sein nächster fällt, noch steht. Auch die gegen uns selbst. bekämpfte böse luft Stirbt niemals. ganz in unfrer brust. 3. Nicht jede besserung ist tugend, Oft ist sie nur das werk der zeit. Die wilde hiße roher jugend Wird mit den jahren sittsamkeit; Und was natur und zeit gethan, Sieht unser stolz für tugend an. 4. Oft ist die ändrung deiner seelen Ein tausch der triebe der natur. Du fühlst, wie stolz und ruhmsucht quälen, Und dämpfst sie; doch du wechselst nur, Dein herz fühlt einen andern reiz, Dein stolz wird wollust oder geiz. 5. Oft ist es kunst und eigenliebe, Was andern strenge tugend scheint. Der trieb des neids, der schmähsucht triebe Erweckten dir so manchen feind; Du wirst be hutsam, schränkst dich ein, Fliehst nicht die schmähsucht, nur den schein. 6. Du denkst, weil dinge dich nicht rühren, Durch die der andern tugend fällt, So werde nichts dein Herz verführen; Doch jedes Herz hat seine welt. Den, welchen stand und gold nicht rührt, Hat oft ein blick, ein wort verführt. 7. Oft schläft der laster trieb im herzen. Du scheinst von rachsucht dir befreit; Jetzt sollst du eine schmach verschmerzen, Und sieh, dein herz wallt auf und dräut Und schilt so lieblos und so hart, Als es zuerst gescholten ward. 8. Oft denkt, wenn wir der stille pflegen. Das herz im stillen tugendhaft, Kaum lachet uns die welt entgegen, So regt sich unfre leidenschaft; Wir werden im ge räusche schwach Und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst gott die schwächern triebe Durch einen strengern lebenslauf; Doch opferst du wol feiner liebe Die stärkste, liebste neigung auf; Dies ist das auge, dies der fuß, Die sich der chrift entreißen muß. 10. Du fliehst, geneigt zur ruh und stille, Die welt, und liebst Von den Pflichten gegen uns selbst. die einsamkeit; Doch bist du, for derts gottes wille, Auch dieser zu entfliehn, bereit? Dein herz haßt habsucht, neid und zank; Fliehts unmuth auch und müssigang? 11. Du bist gerecht; bist du bescheiden? Liebst du bei mäßigkeit geduld? Du dienest gern, wenn andre leiden; Vergiebst du feinden auch die schuld? Von allen lastern sollst du rein, Zu aller tugend willig seyn. 12. Sey nicht vermeffen, wach und streite, Denk nicht, daß du schon gnug gethan, Dein herz hat seine schwache seite, Die greift der feind der wohlfahrt an. Die sicherheit droht dir den fall; Drum wache stets! wach überall! Sorge für den Leib und die Erhaltung des Lebens. 3. Ihn zu erhalten, zu beschüßzen, Giebst du mit milder vaterhand Die mittel, die dazu uns nüßzen, Und zum gebrauch giebst du verstand. Dir ist die sorge nicht zu klein, Wie sollte sie denn mir es seyn? 251 4. Gefunde glieder, muntre kräfte, gott! wie viel sind die nicht werth! Wer taugt zu des berufs geschäfte, Wenn krankheit feinen leib beschwert? Ist nicht der erde größtes gut Gesundheit und ein heitrer muth? 5. So laß mich denn mit sorgfalt meiden, Was meines körpers wohlseyn stört, Daß nicht, wenn seine kräfte leiden, Mein geist den innern vorwurf hört: Du selbst bist störer deiner ruh, Du zogst dir selbst dein übel zu." Mel. Wer nur den lieben Gott. 469. Des leibes warten und ihn o schöpfer! meine pflicht; Muthwillig seinen bau versehren, Verbietet mir dein unterricht. D! Mel. Wer nur den lieben Gott. ſtehe mir mit weisheit bei, Day 470. Wie mannigfaltig find Daß diese pflicht mir heilig sey. 2. Sollt ich mit vorsatz das verletzen, Was zur erhaltung mir vertraut? Sollt ich gering ein kunststück schäßen, Daß du als schöpfer selbst erbaut? Weß ist mein leib? er ist ja dein; Sollt ich denn sein zerstörer seyn? 6. Laß jeden sinn und alle glieder Mich zu bewahren, achtsam seyn. Drückt mich die last der krankheit nieder, So flöße selbst geduld mir ein. Gewähr auch dann mir guten muth, Und segne, was der arzt dann thut. 7. Doch gieb, daß ich nicht übertreibe, Was auf des leibes pflege zielt, Nein, stets in jenen schranken bleibe, Die dein gefet mir anbefiehlt. Des körpers wohl laß nie allein Den endzweck meiner sorgen seyn. 8. Mein größter fleiß auf dieser erde Sey stets auf meinen geist gericht't, Daß er zum himmel tüchtig werde, Eh dieses Leibes hütte bricht. Dazu, herr! segne meinen fleiß, So leb ich hier zu deinem preis. Mäßigkeit und Enthaltſamkeit. die gaben, Wodurch uns, herr! dein wohlthun nährt, Und die, so geist als leib zu laben, Uns täglich deine hand gewährt! Auch das, was unser mund genießt, Zeigt uns, wie freundlich, gott! du biſt. 2. Du giebst uns brot für unser leben, Und unsre herzen zu erfreun, Giebst du den traubenvollen reben Mit segensreicher hand den wein. Wie angenehm ist der genuß Von dem, was uns ernähren muß! 3. Doch laß die kraft uns zu vergnügen, Die du in speis und trant gelegt, Mich nie, o höchster! so besiegen, Daß sie zum mißbrauch mich bewegt. Laß, deiner gaben mich zu freun, Mich mäßig im genuffe sein. 4, Mit speis und trank den leib beschweren, Wie steht dies wahren christen an? Dadurch wird das, was uns ernähren Und unsern geiſt erquicken kann, Ein gift, das in Von den Pflichten gegen uns selbst. die adern schleicht und krankheit, spricht, Und wer fleischeslüfte lieschmerz und tod erzeugt. 5. Die schwelgerei raubt uns die kräfte Zu dem, was uns die pflicht gebeut, Macht träge zum berufsgeschäfte, Untüchtig zur gott feligkeit, Erweckt verwirrung, streit und zank, Und hindert den gott schuld gen dank. bet, Bleibt mit ihm im bunde nicht. Wollust schändet unser Herz, Bringt verachtung, reu und schmerz, Die in solchen fünden sterben, Können gottes reich nicht erben. 6. Wer sich den bauch zum gott erkøren, Unmäßig deine gaben braucht, Der geht des himmelreichs verloren, Zu dem kein knecht der lüfte taugt. Gott! laß mich ja dies laster scheun Und mäßig stets und nüchtern seyn. 5. Drum, o Herr der reinen geister! Schent mir deines geistes kraft. Schöpfer, meines lebens meiſter, Leiter meiner pilgrimschaft! Unterdrücke du in mir Jede sündliche begier, Und hilf mir zu allen zeiten Jed' unreine lust bestreiten. 6. So oft ich speis und trank genieße, So laß es mit vernunft geschehn, Und, daß ich beides mir versüße, Mit dank auf dich, den geber, sehn, Auf dich, der du uns zärtlich liebst, Uns nahrung und erquickung giebst. 6. Tödt' in mir der wollust triebe, Tödte mein verderbtes fleisch; Deine furcht und deine liebe Mache, heiligster! mich keusch. Mache du mich selber rein, Laß mich dir allein mich weihn; Mich und alle meine glieder Leg ich, vater! vor dir nieder. 7. Kreuz'ge alle meine lüfte, Heilige mein fündlich herz. Dein erbarmen, Jesu Christé! Und dein leiden, tod und schmerz Tilge jede 471. in mit leib und feel ich dir, Dir zur ehre, heilig lebe, Rein sie dir einst wiedergebe. 252 Keuschheit. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. eil'g test Keuschheit, zucht und heiligkeit, Und du haffest und verbietest Böse lust und unkeuschheit. Dir fleh ich durch Jeſum Christ, Der mein tägiſt: Laß mich, vater! alles fliehen, 472. Der wolluft reiz zu wiMel. Wer nur den lieben Gott, Was mich kann zur wollust ziehen. 2. Welche würde, daß dem bilde Deiner selbst ich ähnlich bin! Und für mich, für mich,( wie milde!) Gabst du deinen sohn dahin! wie sehr entehrte ich Deinen sohn und, vater, dich, Wenn ich frech und unrein lebte, Dir durch wolJust widerstrebte! lich deine weisheit seyn, Liebst du, o mensch, dein glück und leben; Denn ihre freuden werden pein. Entflieh der schmeichelnden begier, Sie raubet dir des herzens zier. 3. Jesus wohnet durch den glauben Selbst in mir mit seinem geist; Dürft ich wol mein herz ihm rauben, Das er seinen tempel heißt? Ach, will ich sein tempel seyn, Soll mich gottes huld er freun, Muß ich mich nicht selbst entweihen, Und mit ernst die wollust scheuen. 4. Gottes geist wird stets betrübet, Wo man unrein denkt und 2. Sey, ihr die nahrung zu verwehren, Allzeit ein freund der nüchternheit; Laß speis und trank dich nie beschweren, Und steure deiner sinnlichkeit. Sey deiner schwachheit stets bewußt, Und meid oft selbst erlaubte luſt. 3. Sey, um die wollust zu verhüten, Stets schaamhaft gegen deinen leib; Laß nicht dein auge dir gebieten, Flieh eiteln scherz und zeitvertreib. Des frechen wißlings freier scherz Erniedrigt und verderbt dein herz. 4. Entzieh der wollust ihre Von den Pflichten gegen uns selbst. kräfte Im schweiße deines ange- dem auch kein gedank entflieht, sichts. Der unschuld schußwehr sind Und der selbst ins verborgne sieht. geschäfte, Nichts thun, das neb des bösewichts. Bei trägheit und bei müssiggang Besiegt uns leicht ein böfer hang. 12. Die wollust fürzt des lebens tage, Da keuschheit heil und leben giebt; Ein fiecher leib wird deffen plage, Der ihre giftgen reize liebt. Wer gottes tempel hier zerstört, Ist seiner strengsten strafe werth. 13. 5. Willst du der wollust trieb bekämpfen, Eh er die freiheit dir verwehrt, So such ihn früh in dir zu dämpfen. Hat ihn dein herz zuvor genährt, Und du hast ihn nicht gleich erstickt, So wird er schwerlich unterdrückt. 6. Oft täuschen dich des lasters triebe, Und du erblickst nicht die gefahr; Oft wird das unerlaubte liebe, Was anfangs nichts als freundschaft war; Ein langer umgang macht dich dreist, Und du vergißt, was unrecht heißt. 7. Dein fühlend herz wird sichs verzeihen, Daß es des lasters trieb ernährt, Es wird nur sei nen ausbruch scheuen, Weil dieser vor der welt entehrt, Die kleinen fehler übersehn Und so zu größern übergehn. 8. Ists sünde nur die that vollbringen? Ist, ders nicht thut, schon tugendhaft? Sollst du nicht auch den trieb bezwingen, Nicht auch den wunsch der leidenschaft? Soll bloß dein äußrer wandel rein, Solls nicht auch deine seele seyn? 9. Begierden sind es, die uns schänden, und die verletzen unsre pflicht, Auch ohne daß wir sie vollenden; Drum rühme dich der keuschheit nicht, Wenn du nicht auch den trieb bekämpfst Und durch den geist die lüfte dämpfſt. 10. Denk oft den mächtigen gedanken: Die unschuld ist der feele glück! Er halte, fängst du an zu wanken, Dich deinem fall zurück. Dir dein ganzer lebenslauf Sie nicht zurück, giebst du sie auf. 11. Denk oft bei dir: der wolLuft bande Sind selbst schon vor der welt ein spott; Doch strafte mich schon keine schande, So sieht und findet mich doch gott! Gott, 253 Wie blühte nicht des jünglings jugend, Eh ihn der wollust reiz bethört! Doch er vergaß den weg der tugend, Und seine kräfte sind verzehrt. Verwesung schändet fein geficht Und predigt gottes strafgericht. 14. So rächt die wollust an den frechen Früh oder spät mit harter hand Die schwer zu büßenden verbrechen; Sie lohnet dir mit unverstand, Verdunkelt deiner seelen licht, und dein gewissen schweiget nicht. 15. Sie raubt dem Herzen muth und stärke, Erniedrigt dich zum thier herab, Raubt dir den eifer edler werke, Die würde, welche gott dir gab; Du bleibst nicht mehr sein ebenbild, Wenn wilde lust dein Herz erfüllt. 16. Drum fliehe vor der wolluſt pfade, Und lockt dich schmeichelnd ihre bahn, So wach und rufe gott um gnade Und weisheit in versuchung an. Erzittre vor dem ersten fall, Und denk an tod und künftge quaal. Vorsichtigkeit im Reden und im Umgange. Mel. Es woll uns Gott genädig. 473. D 473. Der du verstand und tugend schenkſt, Gott, vater meines lebens! Wo noch von du mein thun nicht selber lenkſt, giebt So leb ich hier vergebens. Denn wen dein geist nicht neu gebiert, Der bleibt der fünd ergeben, Und wen die fünde noch regiert, Der ist zum rechten leben Noch nicht hindurch gedrungen. 2. Drum, vater! neig dich väterlich Zu deinem schwachen kinde. 254 Von den Pflichten gegen uns jelbst. Gieb mir ein frommes herz, daß ich mich scheu vor jeder sünde. Bewahre meinen mund, daß mir Kein schlüpfrig wort entfalle, Vielmehr von meinen lippen dir Manch freudig lob erschalle, Den nächsten zu erbauen. 3. Bewahre, gott! mein ohr, daß ich nicht gern auf spötter höre, Damit in meinem glauben mich Kein frecher thor bethöre; Hilf, daß kein wiß der lästersucht Mein ohr und herz vergifte, Noch jemals, wie tückisch er sucht, Durch mich dann zwietracht stifte, Nie mich zur schmähsucht reize. Die mich 4. Mein auge, gott! bewahre mir Vor unverschämten blicken Und vor unzüchtiger begier, unschuld zu berücken. Laß den schmuck der fittsamkeit über alles schätzen; Was reiner engel aug erfreut, Das sey auch mein ergößen, Was du liebst, mein bestreben. Weit 5. Behüte mich vor schwelgerei, Die leicht das Herz verführet, Vor trunkenheit, die ohne scheu Zu größern fünden führet. Die lust, die bloß den leib ergötzt, Verdirbt auch fromme herzen, Und was die welt für freude schäßt, Bringt nachreu, elend, schmerzen, Und stürzt zuletzt zur Hölle. 6. Hilf, daß mein geist nichts liebers hört, Nichts liebers spricht und denket, Als was den glauben stärkt und nährt Und lust zum guten schenket, Was mich zu jenem leben bringt, Wo man bei dir stets lebet, Dein lob mit allen en geln singt, Den heiland sieht, erhebet, Und ihm sich ähnlich schauet. Rechtmäßige Anwendung der zeitlichen Güter. Mel. Wär Gott nicht mit uns. 474. Herr! laß mich doch zeitlich gut verwalten. Gieb selbst mir weisheit, gieb mir traft, Damit so hauszuhalten, Wie es mir nüßt und dir gefällt, Damit ich nicht in jener welt Das ewige verliere. 2. Mein hab und gut kömmt ja von dir Und deinem milden segen. Nicht mir zum fallstrick gabst du mir Mein zeitliches vermögen, Du gabst es mir zum wahren wohl; Drum gieb, herr! daß ichs, wie ich soll, Nach deiner vorschrift brauche. 3. Was ist das mir geschenkte gut? Vergänglich und von erde. Hilf, daß ich nie zum übermuth Nie Dadurch verleitet werde. reiße irdischer gewinn Mein herz zu üppigkeiten hin, Die wicht'gre sorgen hindern. 4. Was hülfe mir die ganze welt mit allen ihren schätzen, Verführt mich zeitlich gut und geld, Sorglos hintan zu setzen, Was meiner seelen heil begehrt Und mir ein ewig glück gewährt? Wie strafbar würd ich handeln! 5. Mein größtes trachten sey allhier Nach deines geistes gaben. Wie reich bin ich, o gott, in dir, Wenn ich nur die kann haben! Hab ich nur, höchster! deine huld, Nur glauben, tugend und geduld, Was fehlt dann meiner feele? 6. Den geiz laß ferne von mir seyn, Die wurzel alles bösen. Von unruh und gewissenspein Kann reichthum nicht erlösen; Er hilft in todesstunden nichts, Und nichts am tage des gerichts, Er rettet keinen fünder. 7. Giebst du mir güter dieser zeit, Laß mich sie nie verschwen den, Vielmehr in weiser sparsamfeit Stets nüßlich sie anwenden. Gieb mir die flugheit, daß ich hier Dadurch dem nächsten so, wie mir, Des lebens müh erleichtre. 8. Es kömmt ein tag der re chenschaft, Das laß mich stets mein ge wissenhaft Zur heilgen sorgfalt len ken, Also die güter dieser zeit Zu nüßen, daß ich einst erfreut Noch segen davon ernte. Von den Pflichten gegen uns selbst. Wider den Geiz. Mel. D Gott, du frommer Gott. 475. Laß mich doch nicht, o gott! Den schäßen diefer erden So meine neigung weihn, Daß sie mein abgott werden. Oft fehlt beim überfluß Doch die zu friedenheit; Und was ist ohne sie Des lebens herrlichkeit? 2. Kann ein vergänglich gut Auch unsre wünsche stillen? Es steht ja sein befiß nicht stets in unserm willen; Nicht stets wirds dem zu theil, Der ängstlich darnach ringt, Und schnell verlierts oft der, Dem der besitz gelingt. 3. Ein gut, das unfern geist Wahrhaftig soll beglücken, Muß nicht vergänglich seyn, Und für den geist sich schicken. Der thor hat geld und gut, Er hats und wünscht noch mehr; Noch immer bleibt sein herz Von wahrer ruhe leer. 4. O gott! so wehre doch Den ungerechten trieben, und heilige mein Herz, Die güter nicht zu lieben, Die man mit müh gewinnt, Bald prassend sie verzehrt, Bald geizig fie bewacht, und bald mit fluch vermehrt. 5. Ein weises frommes Herz, Das sey mein schatz auf erden; Sonst alles, nur nicht dies, Kann uns entriffen werden. Dies bleibt im tod auch mein, Dies folgt mir aus der zeit Zum feligsten gewinn Bis in die ewigkeit. 6. Was sind, wenn dieses fehlt, Die herrlichsten vergnügen? Nur füße träume sinds, Die unsern geist betrügen. Drum lenke, gott, den wunsch Vom irdischen gewinn, Durch deines geistes kraft, zu ew'gen gütern hin. Mel. Machs mit mir, Gott, nach. 476. Wohl dem, der beßre schätze dieser erden! Wohl dem, der sich mit eifer übt, An tugend reich zu werden, In deffen Herz der glaube lebt, Zur Himmelswürde ihn erhebt! 255 2. 3war ächte tugend wehrt uns nicht, Hier güter zu besigen; Gott gab sie uns und auch die pflicht, mit weisheit sie zu nüßen. Sie sollen unser, herz erfreun Und unsrer tugend antrieb sein. 3. Doch nach den gütern dieser zeit Mit ganzer feele schmachten, Nicht erst nach jener seligkeit und wahrer tugend trachten; Das ist, o herr! nicht der beruf, Dazu uns deine liebe schuf. 4. Der geiz erniedrigt unser herz, Erstickt die edlern triebe. Die liebe für ein schimmernd erz Verdrängt der tugend liebe, Und machet, der vernunft zum spott, Ein elend gold zu unserm gott. 5. Der geiz, so viel er an sich reißt, läßt dich kein gut genießen, Er quält durch habsucht deinen geist, Und tödtet dein gewissen, Er reißt durch schmeichelnden gewinn Dich blind zu jedem frevel hin. 6. Um wenig vortheil wird er schon Aus dir mit meineid sprechen, Dich zwingen, der arbeiter lohn Unmenschlich abzubrechen; Er wird in dir der wittwen flehn, Der waisen thränen widerstehn. 7. Nie kann ein herz, vom geize hart, Des wohlthuns freuden schmecken, Und in des unglücks gegenwart Den ruf zur hülf entdecken. Und wo ist eines standes pflicht, Die nicht der geiz entehrt und bricht? 8. Du bist ein vater, und aus geiz Entziehst du dich den kin dern, und läsfest dich des goldes reiz Ihr herz zu bilden, hindern, Und glaubst, du hab'st sie wohl bedacht. Wenn du sie reich, wie dich, gemacht. 9. Du hast ein richterliches amt, Und du wirst dich erfrechen, Die fache, die das recht verdammt, zu Und selbst der tugend größter feind Erkauft an die sich einen freund! 10. Gewinnsucht raubt dir muth und geist, Die wahrheit frei zu lehren; Du schweigst, wenn pflicht Von den Pflichten gegen uns selbst. 256 dich reden heißt, Ehrst, wo du nicht sollst ehren, Und wirst um ein verächtlich geld Ein schmeichler und die pest der welt. 11. Drum, herr! erhalte mich dabei, Daß ich mir gnügen laffe, Geiz ewig als abgötterei Von mir entfern und haffe. Ein weises Herz und froher muth Sey meines lebens größtes gut. Arbeitsamkeit und Fleiß in Berufsgeschäften. wir, o herr! auf erden. Drum laß mich doch mein lebelang Kein knecht der trägheit werden. Gieb mir verstand und luft und kraft, Daß ich treu und gewissenhaft In meinem stande lebe. Hast du ein amt, so warte 2. sein; Das ist, o gott! dein wille. O! flöße selbst den trieb mir ein, Daß ich ihn treu erfülle. Hilf mir, daß ich von zeit zu zeit An einsicht und an tüchtigkeit Zu meinem amte wachse. verstrickt. Gewissenhaft zu handeln, Mein leben deinem dienst zu weihn, So nüßlich, als ich kann, zu seyn, Das sey mir ehr und reichthum. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 8. Laß mich den zeitlichen beruf, Herr! nie geringe achten, Das 477. 3ur arbeit, nicht zum werk, wozu dein zweck mich schuf. Damit ich einst in jener welt, Die höheren beruf enthält, zu höhern würden steige. 3. O herr! vor träger weichlichkeit Wollst du mein herz bewahren; So werd ich aus gemächlichkeit Nie meine kräfte sparen. Erholen werd ich mich nur dann, Wenn ich, von kraft erschöpft, mich kann Zu neuer arbeit stärken. 4. Aus wahrer weisheit laß mich nicht Die zeit mit nebendingen, Die weit entfernt von meiner pflicht, Verschwenderisch verbringen. Das müsse mein vergnügen feyn, Mich den geschäften ganz zu weihn, Die du mir auferleget. 5. Ein heilger trieb belebe mich, Ohöchster! meine pflichten In deiner furcht, gestärkt durch dich, Mit freuden zu verrichten. Ein herz, das sich des guten freut, Giebt zu der arbeit munterkeit, Versüßt uns ihre lasten. 6. Laß mich vor dir, herr! unverrückt mit einem herzen wandeln, Das geiz und ehrsucht nie 7. Dir zu gefallen, sey mein zweck Bei allem, was ich thue, So wandle ich den rechten weg Zu der gewissensruhe. Denn wer dir, heiligster! mißfällt, Was nüßet dem die ganze welt Mit allen ihren schätzen? Mel. Es ist das Heil uns kommen. 478. Gott iſts, der das vermögen schafft, Das gute zu vollbringen, Er giebt zur arbeit muth und kraft. Und läßt fie uns gelingen, Was man mit ihm nur unternimmt, Wird, wenns mit seinem willen stimmt, Nicht ohne fortgang bleiben. 2. Wer das zu seinem hauptzweck macht, Gefällig ihm zu werden, Und erst nach seinem beifall tracht't, Dem giebt er auch auf erden Vom irdschen gut mit milder hand So viel beim fleiß in seinem stand, Als ihm wahrhaftig nüßet. 3. Gott ist der frommen schild und lohn; Und krönt er sie mit gnaden, Was sollte ihrer feinde hohn Und mißgunst ihnen schaden? Mit seinem schuß bedeckt er sie, Und segnet bei des lebens müh Ihr herz mit trost und hoffnung. 4. Drum gieb, o gott! daß ich auf dich Bei meiner arbeit sebe. Mit licht und weisheit segne mich, Daß ich nie wege gehe, Die mir dein heilig wort verbeut. Nach christlicher rechtschaffenheit Laß mich vor allem trachten. 5. Laß müssiggang und trägheit mich Als dir mißfällig melden, Von den Pflichten gegen uns selbst. Und hilf, daß ich gestärkt durch dich, Voll muth, mit luft und freuden In meinem stand geschäftig sey. Dein segen kröne meine treu, Daß sie auch andern nüße. 6. Sey überall, mein gott! mit mir. Die werke meiner hände Befehl ich, allerhöchster! dir. Hilf, daß ich sie vollende Zu deines großen namens preis, Daß mir die frucht von meinem fleiß In jenes leben folge. Zufriedenheit u. Genügsamkeit. Mel. Wend ab deinen Zorn. 479. Gott! ott! du bleibst ewig unsrer wohlfahrt meister. Wie thöricht handeln unzufriedne geister! Sie quälen sich und machen ihrem herzen Vergeblich schmerzen. 2. Was helfen uns die ängstlich bangen sorgen Für den doch ungewissen andern morgen? Und müssen wir uns über unserm grämen Nicht nachmals schämen? 3. Es ist umsonst; wir werdens nicht erzwingen, Wenn wir auch nächte durch mit fummer ringen, Und noch so früh mit ängstlichen geschäften Den leib entkräften. 4. Mein glück beruht, o gott! auf deinem segen. Vertrau ich dir, und geh auf deinen wegen; So wirst du mir auch ohne sorg' und kränken, Was nützlich, schenken. 5. Bin ich getreu mit dem verliehnen pfunde, Und harr' ich nur der rechten segensstunde; So kömmt sie, und dann werden meine thaten Zum glück gerathen. 6. Drum fördre selbst die werke meiner hände; Gesegnet sey der, anfang und das ende; Gieb guten rath, damit, was ich vollbringe, Mir wohl gelinge. 7. Hilf mir mit treue meine pflicht erfüllen, Und dann mein herz mit froher hoffnung stillen. Erlang' ich nur, was du, herr! mir beschieden, Bin ich zufrieden. 8. Kann ich den leib auch nicht wie reiche laben; Versorge nur 257 den geist mit jenen gaben, Die mehr, als alles irdische erquicken, Ewig beglücken. 9. Hier hab ich gnug; laß mich nur mit den frommen Zu dem genuß der himmelsgüter kommen; So wird mein wunsch, den irdisch gut nie stillet, Völlig erfüllet. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen. 480. Entehre nicht, mein klagen schuf. Die müh des lebens zu erDen gott, der dich zum glück ertragen Und froh zu seyn, ist dein beruf. Der christ murrt nicht bei den beschwerden Von dieser kurzen lebensbahn; Er sucht, daß sie ihm nüßlich werden, und betet gottes willen an. 2. Gott selbst hat dir dein loos beschieden, Nimm's dankbar aus der vorsicht hand, Erfülle jede pflicht zufrieden, Die sie mit diesem loos verband. Sie giebt dir munterkeit und kräfte, Und nährt und stärkt sie väterlich. Sie brauchen, dies ist dein geschäfte, Und ihr gebrauch ist ruhm für dich. 3. Zwar jenem hat des himmels segen Mehr güter anvertraut, als dir; Doch soll dies deinen neid erregen? Dent, wer ist gott? und wer sind wir? Weiß er nicht besſer, was dir nüßet Und was dem nächsten nüßt, als du? Wenn er dich führt, regiert und schüßet, Was fehlt noch wol zu deiner ruh. 4. Du prangest nicht mit hohen würden; Beneide nicht der großen glück, Sie seufzen unter schweren bürden, Und fallen oft im augen= blick. Dir ward kein überfluß gewähret; Ihn wünschen, das ist selbstbetrug. Wer gern, was er nicht braucht, entbehret, Der ist beglückt und reich genug. 5. Herr! der du mir zum frohen leben, So viel ich brauch', und mehr verliehn, Laß täglich sich mein herz bestreben, Den sorgenvollen gram zu fliehn. In demuth laß mein herz sich üben, Gott! deiR 258 Von den Pflichten gegen uns selbſt. ner gute sich zu freun; Dich fürchten, dir vertraun, dich lieben, Müff' ewig mein vergnügen seyn. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 481. Wenn ich nur gott ge falle, So lang' ich hier noch walle, Und menschen nüßlich bin; Dann seh ich voller freuden, Auch mitten in dem leiden, Auf meiner laufbahn ende hin. 2. Mir mag auf dieser erden Glück oder unglück werden, Ich nehm es dankbar an; Es kömmt aus gottes händen, Der leicht den kummer enden Und meinen geist erfreuen kann. 3. Durch ungerechte klagen Will ich nicht meinen tagen Selbst ihren werth entziehn; Ich will sie froh genießen, Und fest bei mir beschließen, Daß keiner ungenügt soll fliehn. 4. Mit mitleidsvollem Herzen Will ich auch andrer schmerzen Und fremde noth zerstreun; Und kann ich glück verbreiten, Mit vielen seligkeiten Soll das für mich verbunden seyn. 5. Es sey mein ganzes leben Ein eifriges bestreben, zu thun, was gott gefällt; Nur, wenn ich dieses thue, Genieß ich wahre ruhe Und wahres glück schon auf der welt. 6. Und du wirst meine seele, Die ich dir, gott! befehle, Wenn einst mein tod erscheint, Dahin vom staub erheben, Wo sie, mit heil umgeben, Dann ewig bleibt mit dir vereint. Rechtmäßige Anwendung des Lebens. Mel. Wer nur den lieben Gott. 482. Die leben Nicht u gabst mir, ew'ger! für den augenblick der zeit; Nein, was du mir davon gegeben, Gabst du mir für die ewigkeit. Hier allein der prüfungsort; Bestrafung und belohnung dort. 2. Du schenkteſt mir verstand und willen, Die wahrheit zu erkennen, licht, Kraft, deine vorschrift zu erfüllen, und eine richtschnur meiner pflicht, Der tugend inneres gefühl und freiheit, wie ich wählen will. 3. Du schmücktest durch dein mächtigs, werde!" Mit reiz und pracht mein irdisch haus, Und goffest über diese erde Die wunder aller schönheit aus, Und schufft mir feine sinnen an, Daß ich sie auch empfinden kann. 4. Und dennoch läsfest du mich wissen, Das dies mein irdisch haus zerbricht. Ich soll zwar dieser welt genießen, Doch als genöß ich ihrer nicht; Ich soll der sinnen lüfte fliehn, Wenn sie mich zu der erde ziehn. 5. Der freude soll ich oft nicht achten, Die mein herz für so schmeichelnd hält, Nach luft und ehr und geld nicht trachten, Wenns von der tugend mich abhält; Was mir in ewigkeit wohl thut, Daß soll ich wählen, als mein gut. 6. Die prüfung gott! war nicht vergebens. Du wolltest sehn, ob ich dir treu In der gemeinschaft jenes lebens Mit dir zu wohnen würdig sey, Ob ich, vom tand des eiteln leer, Einst höhrer freuden würdig wär. 7. Denn du willst eine neue erde Und einen neuen himmel baun; Und, daß ich hier geheiligt werde, Soll ich aufs unsichtbare schaun, Dem reiz der lüste widerstehn, Und stets auf deinen wegen gehn. 8. Wohl mir, wenn ich es muthig wage, Der großen hoffnung werth zu seyn, Und diese kurzen prüfungstage Gott und der tugend bloß zu weihn, Wenn nie mein zum beſſern leben führt! fuß den pfad verliert, Der mich 9. Wohl mir, wenn ich den hang zur fünde Und die verbotne luft der welt Und jede lockung überwinde, Die noch mein herz ge- l feffelt hält, Und( o welch glän Mel. Nun ruhen alle Wälder. 483.Was ist mein zeitlich gott! gegeben? Ein unschäßbares gut. Du gabst mirs, hier auf erden Zum Himmel reif zu werden, Worauf mein wahres glück beruht. 2. Hier wird die saat gestreuet, Dort erntet man erfreuet Der tugend früchte ein. Je länger ich hier wandle, Vor dir rechtschaffen handle, Je größer wird mein glück dort seyn. Von den Pflichten zender gewinn!) Hier fieger, dort gekrönet bin. 10. gott! gieb deines geistes stärke, Der du in schwachen mächtig bist, Dem, der zu diesem groBen werke zu klein, zu schwach, zu sinnlich ist; Lehr mich das irdische verschmähn, Und stets nach meinem ziele sehn. Mel. D Ewigkeit, du Donnerwort. 11. Eaß mich oft in gefunden 484.Mein leben iſt ein prütagen Mein grab mir in gedanken baun, Und bei des Lebens freud und plagen Auf dich und auf das künft'ge schaun; Damit ich meiner pflicht getreu, Des höhern lebens fähig sey. fungsstand, Der himmel ist mein vaterland, Die ruh ist nicht auf erden. Ich suche die zukünftge stadt, Die gott selbst fest gegründet hat, Da werd ich glücklich werden; Mein leben ist ein prüfungsstand, Der himmel ist mein vaterland. 3. Sollt ich dies glück mir rauben? herr! laß mir, im glau ben Der künft'gen Erntezeit, Mein leben auf der erden So werth und wichtig werden, Als es mir selbst dein wort gebeut. 4. Mir selbst es zu verkürzen, Mich in den tod zu stürzen, Ist wider meine pflicht. Ist undank deiner güte; Ein redliches gemüthe Verläßt ja seinen standort nicht. 5. Gieb, daß ich klüglich fliehe, Was oft mit leichter mühe mir gar mein leben nimmt; Doch laß mich auch nicht zagen, Das leben selbst zu wagen, Wenn mich die pflicht dazu beſtimmt. gegen uns selbst. 7. Was nüßt ein langes leben Dem, der nicht gott ergeben, Nach wahrer tugend strebt? Wer gott und menschen liebet, So seinen glauben übet, Nur der hat lang und wohl gelebt. 6. In deine vaterhände Befehl ich, herr! mein ende Und meiner tage lauf. Es sey mein ganzes leben Dir hier zum dienst er geben; Hilf du selbst meiner schwachheit auf. 259 2. Wie schatten vor der sonne fliehn, So flieht mein leben schnell dahin; werd ich ſtets bleiben. Ich eile nach der ewigkeit; Herr, mache mich dazu bereit, Laß deinen geist mich treiben, Daß ich, was zeitlich, irdisch ist, Verachte, als ein wahrer christ. 3. Man trifft auch auf der lebensbahn Sehr viele hindernisse an; Schwer sind sie zu bestreiten. Sehr weit entfernt ist noch das ziel, Der weg ist schmal, der feinde viel; Leicht ists, mich zu verleiten. Ich muß durch dürre wüsten gehn, Und kann oft keinen ausweg sehn. 4. Wie oft seh ich die sonne nicht, Die hier mit trost, mit heil und licht Des frommen herz be glücket! Der trübsal sturm dringt auf mich zu, Mein müder geist findt nirgends ruh; Doch fühl ich mich erquicket, Wenn ich der überwinder kron Betrachte und der treue lohn. 5. Hilf du mir selbst, Herr Jesu Christ, Der du selbst mensch geworden bist, Mein fleisch haft angenommen! Laß mich auf der verleugnung pfad, Den mir dein fuß gezeichnet hat, Dem ziele näher kommen. Gieb, daß ich standhaft streite hier, Und ewig herrsche dann mit dir. 6. Verleihe mir beständigkeit, R 2 260 Von den Pflichten gegen uns selbst. Und laß mich stets mit freudigkeit Auf deinen wegen gehen. Fall ich noch oft. so hilf mir auf, Daß ich vollende meinen lauf. Laß stets mich feste stehen, Getrost auf deine hülfe traun, Und einst das ew'ge leben schaun. kelmuth sey mir bewußt, Wenn ich mich dir ergebe. Gieb, Jesu! daß ich niemals mir, Noch meinem willen, sondern dir und dei nem willen folge. 4. Wird fleisch und blut erst unterdrückt, Wird schnöder eigenwille In meiner eiteln brust erstickt, Sind die begierden stille, So fängt gott sein werk in mir an, Daß ich durch seine gnade kann mir selber ganz absterben. 5. Mein herz ist eitler lüste voll, Blind, finster, ohne leben; Was gott in mir gefallen soll, Muß er mir selber geben. Erleuchtet mich sein gnadenschein, So kann ich ihm gefällig seyn, Und ihm zu ehren leben. 7. Ich seufze, herr! nach deiner kraft, Stärk mich mit deiner güte, Dein geist, der alles gute schafft, Erfülle mein gemüthe, Daß es nicht eigne ehre such, Dir ähnlich werd, und stets verfluch, Was mich von dir abführet. Selbstverleugnung. Mel. Wo Gott der Herr, nicht bei uns. 485.Will jemand Christi Der muß sich sein nicht schämen, Sich felbst verleugnen, Chrifti pein Und kreuz gern auf sich nehmen. Drum, Jesu! gieb mir deine kraft, Die dieses einzig in mir schafft, Damit ich dir nachfolge. 2. Du weißt ja, das es schwerer fällt, Den eigensinn zu lassen, Sich selbst verleugnen, als die welt und ihre luft zu haffen. Drum wirk in mir, was ich nicht kann, Führ mich zu deiner liebe an, Und dämpf die eigenliebe. Mel. Wer nur den lieben Gott. 3. Gieb, daß ich aller böſen luft 486.Ich frage nichts nach Kein wan6. Gieb, herr! mir deines lichtes schein, Daß ich dich recht er kenne, Dich ehre, gegen dich allein In wahrer liebe brenne. Entreiß mich mir, und gieb mich dir, Laß meine seele für und für Mit dir verbunden bleiben. 8. Herr! deine liebe giebt allein Heil, seligkeit und leben; Die ei genliebe kann nur pein, Unruh und unheil geben. Du giebst uns Der ruhm schreibt sich es zu; Drum muß es dir mißfallen. 9. Dein ist preis, ehr und ruhm, den dir Doch stolz und hochmuth rauben; Darum erwecke selbst in mir, Herr! demuth, sanftmuth, glauben. Nimm eigenliebe völlig hin, Und gieb mir Christi herz und sinn, Der dich stets liebt und ehret. Berleugnung der Welt und des Irdischen. Dies alles ist für mich zu klein. Soll etwas meine seel ergößen, Muß es, gleich ihr, unsterblich seyn. Ein glück, das augenblicke währt, Ist das nicht, was mein herz begehrt. 2. Was sind die güter dieser er= der? Ein dampf, ein rauch, verdruß und müh. Sie zeugen forgen und beschwerden, und ihr gemuß befriedigt nie. Sie wechseln oft, fie täuschen sehr, Entfliehen schnell und sind nicht mehr. 3. Hat jemand seine besten tage In fleiß und arbeit zugebracht, Und mit erduldung mancher plage Sich ehr und vortheil hier erjagt, So bleibt doch all sein irdisch glück Bei seinem grabe hier zurück. 4. Wie eingeschränkt ist unser wissen! Wie unerforschlich die natur! Umhüllt mit dicken finsternissen, Verlier ich leicht der wahrheit spur. Die weisheit, die den christen ziert, Ist, die zu gott, zur tugend führt. Von den Pflichten gegen uns selbſt. 5. Und könnt ich auch mein ganzes leben Hier sinnlichen vergnügen weihn, Und meinem herzen alles geben, Was fähig ist, es zu erfreun; Folgt doch, ohn' tugend, überdruß Und ekel bald auf den genuß. 6. Was seyd ihr doch, verbotne freuden? Ein blendend nichts, ein raub der zeit, Die reiche quelle bittrer leiden, Des geistes grab und eitelkeit, Ein glück, das man aus irrthum wählt, Und das mit später reue quält. 7. Was ist die ehre, was sind würden und die damit verbundne pracht? Ein glänzend elend, schwere bürden, Wodurch man sich zum sclaven macht. Bei aller ehre kann ich klein, Und ohne sie erhaben seyn. 8. Dein gold, elender mammonshüter, Was wird es ohne tugend seyn? Es ist die sorge der gemüther Und eine theur erkaufte pein. Deckt reichthum dich vor schmerz und noth? Und ist er dir ein troft im tod? 12. Doch wenn gleich keine noth und plage Das freche laster hier erschreckt, So wird doch einst an jenem tage, Wenn gott die todten auferwedt, Des stolzen fünders 261 nicht geschont; Die tugend aber erst belohnt. 13. Dann wird gott einem je den geben Nach seinem thun, freud oder pein. Die frommen werden ewig leben; Der fünder theil wird elend seyn. Dies, seele, stärke deinen muth; Der herr bleibt ſtets gerecht und gut. 14. Erwarte sie, die frohen tage Noch nie empfundner seligkeit. Gott wird einst alle deine plage Verwandeln in zufriedenheit, Wenn er dich erst nach seinem rath, So wie das gold, geläutert hat. 15. Entreiße dich der erde lüften, Erhebe dich zur ewigkeit. Hier wandelst du noch in der wüsten, Hier lebst du in der prüfungszeit; Bald führet dich des todes hand Nach deinem wahren vaterland. 16. Der tod ist schwer; vielleicht dem reichen? Dich wird sein anblick hoch erfreun. Dann werden schmerz und elend weichen, wirst du ewig glücklich seyn. ist nur müh und eitelkeit, wahre ruh und seligkeit. Dann Hier Dort - 9. Nur tugend führt zum wahren glücke, Sie lindert unser ungemach, Schenkt unserm leben Mel. Nun ruhen alle Wälder. heitre blicke, Folgt in die ewigkeit 487. Die herrlichkeit der eruns nach, Versichert uns des höchsten huld, Giebt troft im tod, im kreuz geduld. den Muß staub und asche werden, Und nichts bleibt ewig stehn; Das, was uns hier ergößet, Was man für ewig schäßet, Wird als ein leichter traum vergehn. 10 3war fließen oft des kummers zähren Vom angesicht der unschuld hin; Der fromme fleht, und sein begehren Wird nicht gehört, man fliehet ihn. Er leidet druck und ungemach, Verachtung, dürftigkeit und schmach. 2. Was sind doch alle sachen, Die uns so tropig machen, Als tand und eitelkeit? Was ist der menschen leben? Stets mit gefahr umgeben, Währt es nur eine kurze zeit. 11. Die fünder sieht man stolz sich brüsten, Oft feste, wie paläſte stehn! Sie folgen sorglos ihren lüften, Und troßen auf ihr wohlergehn; Sie fündigen mit zuversicht, Und fürchten gottes strafe nicht. 3. Was hilft unnüßes wissen? Wirds, wenn wir sterben müssen, Für uns ein vorzug seyn? Was hilft uns macht und ehre, So glänzend sie auch wäre? Kann sie uns wol alsdann erfreun? 4. Der ruhm, nach dem wir trachten, Den wir unsterblich achten, Sst meist ein falscher wahn; So bald der geist gewichen, Und Von den Pflichten unser leib verblichen, Fragt oft kein mensch, was wir gethan. 5. Wie bald wird das zerrinnen, Was wir mit müh gewinnen, Was unser fleiß erwirbt! Kann wol, was wir besigen, Uns vor dem tode schüßen, Und stirbt nicht alles, wenn man stirbt? 6. Was sind des Lebens freuden? Wie bald folgt angst und leiden Und ren auf den genuß! Was ists, womit wir prangen? Wo wirst du ehr erlangen, Die nicht zuletzt verschwinden muß? nen? nen, 7. Was sind selbst alle throGiebt es wol ird'sche froDie unverwelklich blühn? Kann vor des grabes schrecken Der purpur dich bedecken, Die krone dich dem tod entziehn? 262 8. Wie, wenn die sonn' aufgehet, Die rose blühend stehet In ihrer schönsten zier, Und doch verwelft fich beuget, Eh sich der abend zeiget, So blühen und verwelken wir. 9. Froh wachsen wir auf erden, Und hoffen groß zu werden, Von schmerz und sorgen frei; Doch in den schönsten tagen, Eh wir noch früchte tragen, Bricht uns des todes sturm entzwei. 10. Wir rechnen jahr auf jahre; Inzwischen wird die bahre Vor unser haus gebracht. Man scheidet von den seinen, Die hülflos uns beweinen, Und uns bedeckt des gegen uns selbst. deines heilgen geistes kraft, Stets fertig seyn zur rechenschaft. 2. Die blume, die am morgen stehet, Fällt vor der abenddämmrung ab. Die luft, die jest mich angewehet, Stürzt mich vielleicht ins nahe grab. Der jüngling, eb ers fich versieht, Stirbt, eh er noch ist aufgeblüht. 3. Entziehe dich dem weltgetümmel; Hier ist der kampf, und dort ist ruh. Dein wandel, seele, sey im himmel, Du eilst dem bessern leben zu. Nach einer kurzen prüfungszeit Ist ewigkeit, ist ewigkeit. 4. Verschiebe niemals deine pflichten. Was jetzt zu thun du schuldig bist, Denk nicht erst morgen auszurichten, Wer weiß, obs morgen möglich ist? Mensch! dieser augenblick ist dein; Der künft'ge wirds vielleicht nicht seyn. Vorbereitung zum Tode und zur Ewigkeit. 5. Noch eh ich dieses lied vollende, Ergreift vielleicht mich schon der tod. Drum lehr mich denken, herr! ans ende, An meine legte todesnoth. O! laß, stellt sie sich plößlich ein, Mich stets dazu bereitet seyn. 6. Es sey, o vater meines le= bens! Wenn einst die letzte stunde schlägt, Der schwache seufzer nicht vergebens, Der dich zur gnade noch bewegt. Ach! sterb ich einen schnellen tod, Sey mir barmherzig, herr, mein gott! grabes 11. Dies laßt uns wohl beden- 489. Mfstreicht, Stündlich Mel. Jesus, meine Zuversicht. Deine lebenszeit verken, Und uns zum himmel lenken, Weil er uns offen steht. Wer dahin will gelangen, Darf an der welt nicht hangen, Da sie mit ihrer lust vergeht. eil' ich zu dem grabe; Und was ists, daß ich vielleicht Noch allhier zu leben habe? Denk, o feele, an den tod! Säume nicht, denn eins ist noth. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, WürMel. Wer nur den lieben Gott. 488.Jest leb ich; ob ich mor- den, die dir menschen gaben, Nichts gen abend, weiß ich nicht. D! lehr du, dem ich mich ergebe, Herr! lehr mich selbst die große pflicht Durch güter sind nicht dein. 3. Nur ein herz, das Jesum liebt, Nur ein ruhiges gewissen, Von den Pflichten gegen uns selbst. Das vor gott dir zeugniß giebt, Wird dir deinen tod versüßen; Dieser sinn, den gott gebeut, Giebt im tode freudigkeit. 4. Wenn in deiner letzten noth Freunde hülflos um dich beben, Dann wird über welt und tod Dich dies reine herz erheben; Dann erschreckt dich kein gericht; Gott ist deine zuversicht. 5. Daß du dieses herz erwirbst, Fürchte gott, und bet' und wache. Sorge nicht, wie früh du stirbst; Deine zeit ist gottes fache. Lern' nicht nur den tod nicht scheun, Lern' auch seiner dich erfreun. 6. Ueberwind ihn durch vertraun; Sprich: ich weiß, an wen ich gläube, Und ich weiß, ich werd ihn schaun Einst in diesem meinem leibe. Er, der rief: es ist vollbracht, Nahm dem tode seine macht. 7. Tritt im geist zum grab oft hin, Siehe dein gebein versenken; Sprich; herr! daß ich erde bin, Lehre du mich selbst bedenken. Lehre du michs jeden tag, Dağ ich weiser werden mag. Mel. Herr Jesu Chrift, mein's. die sicher lebt der 490. Wie mensch, der staub! Sein leben ist ein fallend laub; Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der tag des todes sey noch fern. 2. Der jüngling hofft des greijes ziel, Der mann noch seiner jahre viel, Der greis zu vielen noch ein jahr; Und keiner nimmt den irrthum wahr. 3. Sprich nicht: ich denk in glück und noth Im herzen oft an meinen tod; Der, den der tod nicht weiser macht, hat nie mit ernst an ihn gedacht. 263 verborgen war, Den sinn der Herzen offenbar. 6. Drum da dein tod dir täg= lich dräut, So sey doch wachsam und bereit; Prüf deinen glauben als ein christ, Ob er durch liebe thätig ist. 7. Ein seufzer in der letzten noth, Ein wunsch, durch des erlösers tod Vor gottes thron ge= recht zu seyn, Dies macht dich nicht von sünden rein. 8. Ein herz, das gottes stimme hört, Ihr folgt und sich vom bösen kehrt, Ein gläubig herz, von lieb erfüllt, Dies ist es, was in Christo gilt. 9. Die heiligung erfordert müh; Du wirkst sie nicht, gott wirkef sie. Du aber ringe stets nach ihr, Als wäre sie ein werk von dir. 10. Der ruf des lebens, das du lebst, Dein höchstes ziel, nach dem du strebst, Und was dir ewig glück verschafft, Ist tugend in des glaubens kraft. 11. Ihr alle seine tage weihn, Heißt eingedenk des todes seyn, Und wachsen in der heiligung, Ift wahre todserinnerung. 4. Wir leben hier zur ewigkeit, Zu thun, was uns der herr gebeut, Und unsers lebens kleinster theil Jft eine frist zu unserm heil. 5. Der tod rückt seelen vor gericht; Da bringt gott alles an das licht, und macht, was hier 12. Wie leicht vergeß ich diese pflicht! Herr, geh mit mir nicht ins gericht! An meinen tod erinnre mich, Daß ich dir wandle würdiglich. 13. Daß ich mein herz mit jedem tag Vor dir, o gott! erforschen mag.. Ob glaube, demuth, lieb und treu, Die frucht des geistes, in mir sey. 14. Daß ich zu dir um gnade fleh, Stets meinen lüsten wiedersteh, Und einstens in des glaubens macht Mit freuden ruf: es ist vollbracht! Mel. Wer nur den lieben Gott. 491. 8 eilt der lette von den tagen, Die du hier lebest, mensch! herbei. Ertauf die zeit! und statt zu klas gen, Sie sey zu kurz, gebrauch sie treu. Nimm mit erkenntlichem gemüth Der nahen stunde wahr; sie flieht. 2. Getäuscht von eiteln kleinigs Von den Pflichten gegen uns selbst. teiten, Verlierst du deines Lebens munde Bestimmt mein ewig schickzweck, Verschiebst dein heil auf sal mir? Komm, du gesegneter, ferne zeiten, Und wirfst so sicher herein! Ach! oder? geh zur jahre weg! Bist du, zu kühner Höllenpein! sterblicher! Des nächsten augenblickes herr? 3. Einst ewigkeiten zu besitzen, Sollst du des kurzen lebens zeit Als deine faatzeit weislich müßen Und thun, was dir der herr gebeut. Er ruft dir menschenfreundlich zu: Sieh, eins ist noth, was säumest du? 4. Drum eil', errette deine feele, Und denke nicht: ein andermal! Sey wacker, bet' und überzähle Der menschen tage kleine zahl. Gesett, dein ende wär noch feri; So wandle doch fromm vor dem Herrn. 264 5. Mit jedem neugeschenkten morgen Erwecke dich zu dieser pflicht. Sprich: dir, o gott! ist nichts verborgen; Ich bin vor deinem angesicht Und will, mich dei ner huld zu freun, Mein leben gern der tugend weihn. 6. Erleucht und stärke meine feele, Weil ohne dich sie nichts vermag. Du gönnst, daß ich mein heil erwähle, Aus gnaden mir noch diesen tag. Was ist nicht eine stunde werth, Die deine langmuth mir gewährt! 7. Wohl mir, wenn ich aus allen kräften Nach gottes reiche hier gestrebt, In gott gefälligen geschäften Die pilgertage durchgelebt, Und einst im glauben sagen kann: Du nimmst mich, herr, zu ehren an! 8. Mein sprachlos flehn bei meinem ende Vernimmst du, her zenskündiger! In deine treuen vaterhände Befehl ich meinen geist, o herr! Er schwingt sich über grab und welt Zu dir, wenn seine Hütte fällt. Mel. Wer nur den lieben Gott. 492. Sie kömmt, sie kömmt, die letzte stunde, Schon ist der richter vor der thür; Was für ein wort aus seinem 2. Herr! prüfe mich noch hier am grabe, Erforsche, wie mein Herz es meint, Und was ich zu erwarten habe, Wenn Jesus zum gericht erscheint. Bin ich noch nicht auf rechter bahn, So nimm dich, vater! meiner an. 3. Allwissender! ist mein ver. trauen Auf Jesum auch von rechter art? Nicht, wie auf ihn die heuchler bauen, Bei denen er zum spotte ward, Die niemals auf sein beispiel sehn, Nie folgsam seine wege gehn? 4. Hat auch mein glaube furcht und liebe Vor dir, mein gott! in mir erzeugt? Entflammte er des dankes triebe, Damit ich kindlich mich gebeugt, Wenn du mich als ein vater trugst, Wenn du mich als ein vater schlugst? 5. Du willst, ich soll die welt verlassen, Thu ichs auch gern und mit geduld? Vergab ich denen, die mich haffen, Mit Hand und herzen ihre schuld? That ich auch einem bruder leid, Der über mich nach rache schreit? 6. Empfahl ich dir auch stets die meinen? Hab ich auch treu für sie gewacht? Darf ihrer feiner darum weinen, Daß ich nicht als ihr freund gedacht? Und sterb ich in der zuversicht: Der Herr verläßt die meinen nicht? 7. Such ich in deinem wort erquickung, Wenn mir um troft jetzt bange wird? Sehnt sich mein Herz nach der entzückung, Die mir der herr, mein guter hirt, Erworben, und in jener welt Am quell des lebens vorbehält? 8. Mir sagt sein wort und mein gewissen, Daß ich ein übertreter bin; Laß ich auch fromme thränen fließen, und fliebe betend zu ihm hin? Bleib' ich getroft durch Christi tod, Wenn mir des grabes schrecken droht? Von den Pflichten gegen uns selbst. 9. Gott! richter! vater! schone, schone, Weil er den kelch des zor= nes trank; Gieb mir, gieb mir die siegeskrone, Die er durch seinen sieg errang; Dann sag ich, durch des glaubens macht, Getrost und froh: es ist vollbracht! Mel. Jesus, meine Zuversicht. err, ich hab aus deiner noch zeit in händen; Gieb doch, daß ich sorgsam sey, Sie recht weislich anzuwenden. Denn wer weiß, wie bald zur gruft Deiner vorsicht wink mich ruft. 2. Unaussprechlich schnell entDie uns zugezählten stunEh mans denkt, sind die da hin Und auf ewig uns verschwunden; Niemals kehrt ein augenblick Uns zum heil davon zurück. fliehn den, 3.& aß bei ihrer flüchtigkeit Mich, mein gott! doch nie vergeffen, Wie unschäßbar sey die zeit, Die du hier uns zugemessen. 265 Wie, was hier von uns geschieht, Ewge folgen nach sich zieht. 4. Reize mich dadurch zum fleiß, Eh die zeit des heils verlaufen, Mir zur wohlfahrt, dir zum preis, Noch die stunde auszukaufen, Die zu meiner seligkeit Deine gnade mir verleiht. 5. Deine schonende geduld Trage mich, gott! nicht vergebens. Ach! Daß Ich so manchen theil des lebens zu meiner feelen wohl nicht ge= braucht, so wie ich soll. 6. Laß mich meine besserung Für mein Hauptgeschäfte achten, Und nach meiner heiligung Mit so treuem eifer trachten, Als erwartete noch heut mich gericht und ewigkeit. 7 Deine gnade steh mir bei, Daß mein leben auf der erde Reich an guten früchten sey, Und dem nächsten nüßlich werde; Und ist einst mein ende da, O! so sey mit trost mir nah. Von den Pflichten gegen den Nächsten. Pflicht der Nächstenliebe. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 494.2llen christen, und auch mir, Hat der herr dies vorgeschrieben: Euren nächsten sollet ihr, Als euch selbst, von herzen lieben; Wer ihn haffet, schlägt ihn todt, und die mörder haffet gott. 2. Wir sind bürger einer welt, Alle kinder, alle brüder; Wer fie schmäht und unwerth hält, Wüthet gegen seine glieder; Wir sind ein leib und gott schuf uns zu einerlei beruf. 3. Eine sterbliche natur, Ein gebrechlichs kurzes leben, Eine hoffnung hat uns nur Gott ohn' unterfchied gegeben; Eine straf und selig keit Wartet unser nach der zeit. 4. Ehre, reichthum, würde, stand, Seelenträfte, leibesgaben, Und was wir aus gottes hand Sonst für einen vorzug haben, Alles dies befreit uns nicht von der menschenliebe pflicht. 5 Nein, der gaben unterschied Knüpft das große band auf erden; Jeder, wenn er sich bemüht, Kann dem andern nüßlich werden; Den, der dir hier dienen muß, Nährt mit recht dein überfluß. 6. Nach dem dir vertrauten pfand Messen sich auch deine pflichten; Gab gott viel in deine hand, So hast du viel zu ent richten. Du bist gottes; und dein knecht Hat dort mit dir gleiches recht. 7. Dein erlöser sagt es dir: Pflegst du der geringsten einen, So thust du es selber mir; Denn ihr alle seyd die meinen. Mancher, Von den Pflichten den die welt verschmäht, Ist in gottes aug' erhöht. 8. Darum, gott! gieb mir ein herz, Das von menschenlieb ent brennet, Auch in niedrigkeit und schmerz Seinen nächsten nicht verkennet, Nie voll eiteln wahns vergißt, Daß ein mensch, wie ich, er iſt. 266 9. Ja, gieb, großer menschenfreund, Jesu! daß ich auf der erde Allem stolz und neide feind, Dir an demuth ähnlich werde, Um der hoffnung mich zu freun, Einstens groß vor dir zu seyn. gegen den Nächsten. Was ich that, entzünde dich! Wer den bruder liebt, liebt mich, Wer nicht liebet, ist verloren; Gottes zorn ist über ihm! Gottes zorn ist über ihm! 8. Laß michs hören, daß ich übe, Was dein wille mir gebeut, Nachsicht, sanftmuth, gütigkeit, Daß ich, wie du liebteft, liebe, Feurig liebe, mild und treu, Sanft, und leicht versöhnlich sey. 9 ihr meines hauptes glieder, Christi, der für alle starb, Allen gnad und huld erwarb! Lieben will ich euch, ihr brüder, Für euch beten, euch erfreun, Wohlthun, dulden und verzeihn. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen. 495.Sollten menfchen, meine gott, nicht theuer seyn? fie nicht gern erfreun? brüder, Mir, wie Sollt ich Sie sind Mel, Nun danfet alle Gott. alle Chrifti glieder, Chrifti, der 496. Gieb mir, o gott! ein für alle gottes erwarb. 2. Alle sind von einem blute, All' und jede menschen sind Sein, und jeder ist sein kind; All' erkauft mit einem blute, Alle erben seines sohns, Erben eines gnadenlohns. 3. Das jeden menschen liebet, Bei seinem wohl sich freut, Bei seiner noth betrübet, Ein herz, das eigennuß Und neid und härte flieht, Und sich um andrer glück, Als um sein glück bemüht. Gottes kinder wollt ich hasfen, Lieblos, unbarmherzig seyn? Meinem feinde nicht verzeihn, Keine schulden ihm erlaffen? Und gott, deffen das gericht, Deß die rach ist, richtet nicht! 2. Seh ich den dürftigen, So laß mich gütig eilen, Von dem, was du mir giebst, Jhm hülfreich mitzutheilen. Laß mich es willig thun, Nicht um gerühmt zu seyn Und mich verehrt zu sehn, Nein, menschen zu erfreun. 4. Der du für die übelthäter Liebreich batest, und die last Unsrer 3 Dies sey mein gottesdienst. schuld getragen hast, Unser mittler und vertreter! Es versöhnte gott durch dich Eine sünderwelt mit sich. 5. Wenn mein herz, vom hang der sünde Hingeriffen, dich verkennt, Und zu haß und rach entbrennt; Ueberwind, o überwinder! Meinen haß, und laß mich sehn In den tod für uns dich gehn. Auch unbemerkt von ihnen Müff' andern stets mein herz Mit rath und hülfe dienen. Mich treibe nicht erst dank Zu milder wohlthat an; Nein, was ich brüdern thu, Das sey dir, gott! gethan. 6. Deine thränen, wie sie floffen, Als dein aug' um mich geweint, Laß mich sehen, menschenfreund! Und dein blut, ver gott vergoffen, Ausgeschüttet, herr! für mich, Ünd von gott verlaffen dich. 7. Es ertön' in meinen ohren: Allgemeine Liebe gegen den Nächsten. 4. Ein trunk, mit dem mein dienst Dem durstigen begegnet, Ein blick voll troft, womit Mein herz bedrängte segnet, Ein rath, wodurch mein mund Im kummer andre stärkt, Nichts bleibt, so klein es ist, Von dir, herr! unbemerkt. 5 Eilt wo ein boshaft herz, Unfrieden anzurichten, So laß mich sorgsam seyn, Der brüder Von den Pflichten gegen den nächsten. zwist zu schlichten. Aus schmähfucht fränke nie Mein mund des nächsten ruh; Er rühme sein verdienst, Deck seine fehler zu. 6. Die rach ist dein, o gott! Du sprichst: ich will vergelten; Drum laß mich stille seyn, Wenn men schen auf mich schelten. Gieb, daß ich dem verzeih, Der mir zu schaden sucht, Den liebe, der mich haßt, Den segne, der mir flucht. 7. Doch laß mich nicht allein Auf zeitlich wohlergehen Mit eingeschränktem blick Bei meinem nächsten sehen; Noch stärker müsse mich Sein ewig glück erfreun, Noch mehr sein seelenheil mir angelegen seyn. 8. Im Den, der im glauben wankt, glauben zu bestärken, Den, der noch sicher ist Bei lasterhaften werken, Von der verkehrten bahn Des lasters abzuziehn; Dazu verleih mir kraft, Und segne mein bemühn. 9. D! heilige du selbst, Herr! meiner feele triebe Durch deine lieb und furcht zu wahrer menfchenliebe. Wer nicht den nächsten liebt, Geht nicht zum himmel ein. Laß diese wahrheit, gott! Mir stets vor augen seyn. 267 läumder widerspricht, Der liebt auch seinen bruder nicht. 2. Wer dieser erden güter hat, Und sieht die brüder leiden, Und macht den hungrigen nicht satt, Läßt nackende nicht kleiden, Der ist ein feind der ersten pflicht, Und hat die liebe gottes nicht. 3. Wer seines nächsten ehre ichmäht, Und gern sie schmähen höret, Sich freut, wenn sich sein feind vergeht, Und nichts zum besten kehret, Nicht dem ver4. Wer zwar mit rath, mit troft und schuß Den nächsten unter= stüzet, Doch nur aus stolz, aus eigennuß, Aus weichlichkeit ihm nüßet, Nicht aus gehorsam, nicht aus pflicht, Der liebt auch seinen nächsten nicht. 5. 9. Wer andre, wenn er sie beschirmt, mit härt und vorwurf quälet, und ohne nachficht straft und stürmt, Sobald sein nächster fehlet; Wie bleibt bei seinem ungestüm Die liebe gottes wol in ihm? sucht, Nur 7. Wer für der armen heil und zucht Mit rath und that nicht wachet, Dem übel nicht zu wehren Das oft sie dürftig machet, sorglos ihnen gaben giebt, Der hat sie wenig noch geliebt. 8. Wahr ist es, du vermagst es nicht, Stets durch die that zu lie ben; Doch bist du nur geneigt, die pflicht Getreulich auszuüben, Und wünschest dir die kraft dazu, Und sorgft dafür, so liebest du. 9. trieb Mel. Machs mit mir, Gott, nach. jemand spricht: ich 497. Stiebe gott; und bagt So fuch ihn zu beleben. Sprich doch seine brüder, Der treibt mit gottes wahrheit spott, Und reißt fie ganz darnieder. Gott ist die lieb und will, daß ich Den nächsten liebe, gleich als mich. oft: gott ist die lieb, und mir Hat er sein bild gegeben. Denk oft: gott! was ich bin, ist dein; Sollt ich, wie du, nicht gütig sein? Wer harret, bis ihn anzuflehn Ein dürftger erst erscheinet, Nicht eilt, dem frommen beizustehn, Der im verborgnen wetnet, Nicht gütig forscht, obs ihm gebricht, Der liebt auch seinen nächsten nicht. 10. Wir haben einen gott und herrn, Sind eines leibes glieder; Drum diene deinem nächsten gern, Denn wir sind alle brüder. Gott schuf die welt nicht bloß für mich; mein nächster ist sein kind, wie ich. 11. Ein heil ist unser aller gut; Ich sollte brüder haffen, Die gott durch seines sohnes blut So hoch erkaufen lassen? Daß gott mich schuf und mich verfühnt, Hab ich dies mehr, als sie, verdient? 268 Von den Pflichten gegen den Nächsten. 12. Du schenkst mir täglich so viel schuld, Du, herr von meinen tagen! Ich aber sollte nicht geduld Mit meinen brüdern tragen? Dem nicht verzeihn, dem du vergiebst, Und den nicht lieben, den du liebst? 13. Was ich den frommen hier gethan, Dem kleinsten auch von diesen, Das siehst du, mein erlöfer! an, Als hätt' ichs dir erwiefen. Und ich, ich sollt ein mensch noch seyn, Und dich in brüdern nicht erfreun? 14. Ein unbarmherziges gericht Wird über den ergeben, Der nicht barmherzig ist, der nicht Die ret tet, die ihn flehen. Drum gieb mir, gott! durch deinen geist Ein herz, das dich durch liebe preist. Kecew 2. Dein leben in der sterblichkeit War für die menschen segen; Dir folgten lieb und freundlichkeit Auf allen deinen wegen. Wohin du gingst, ging wohlthun mit, Dein wort, dein werk, und jeden schritt Begleitete erbarmen. Du übernahmst die schwerste pein, Uns vom verderben zu befrein, Und starbst zum heil uns armen. 3. Auch jetzt noch auf der himmel thron Bist du das heil der sünder, Auch da bleibst du, o gottes sohn! Ein freund der menschenkinder. Du schaffst den deinen wahre ruh, Und die verirrten suchest du Auf rechten weg zu leiten; Du hörst der senfzenden gebet, Und brauchest deine majestät, Nur segen auszubreiten. 4.! laß in meiner wanderschaft Mich auf dein vorbild sehen. Erfülle mich mit lust und kraft, Dem nächsten beizustehen, Betrübter Herzen troft zu seyn, Mich mit den fröhlichen zu freun, Mit weinenden zu klagen. Laß mich dem, der sein herz mir weiht, Ein herz voll frommer redlichkeit Und treue nicht versagen. 5. Laß mich mit brüderlicher huld Den strauchelnden erwecken, Durch sanftmuth, mitleid und geduld Des nächsten fehler decken. Mein antlig sey nie fürchterlich, Und meine seele neige sich Zu des So wird mich bedrängten fleben. in der bessern welt, Die nur die menschenfreund' enthält, Der liebe lohn erhöhen. Sorgfalt für die Seele des Nächsten. 498. bist, und gern uns Mel. An Wasserflüssen Babylon. er du die liebe selber Mel. Es ist das Heil uns kommen her. dem, der dein feind noch ist, mit wel: 499. Gott! meines nächsten wohlthun doch begegnest; O! bilde meinen finn nach dir, Und laß mich doch, mein heiland! hier Wie du gewandelt, wandeln. können keine christen sein, Die sich nicht andrer wohlfahrt freun Und menschenfeindlich handeln. bestes theil Laß mich stets theuer achten, Laß mich nach seiner seele heil Mit lieb und forgfalt trachten. Sie schufst du Die zur unsterblichkeit, Sie haft du selbst zur seligkeit Durch deinen sohn erlöset. 2. Zum irrthum und verschlimmerung, 3u sünd' und eitelkeiten, Durch list, durch zwang, durch anreizung, Den schwachen zu verleiten; Durch that und bös erempel ihn In laster und verderben ziehn; O gott! welch ein verbrechen! 3. Laß mich nach seiner beffe rung Im glauben und im leben, Durch unterricht, durch anmahnung Und lehrreich beispiel stre ben; Erkenntniß und religion Und tugend, die uns lehrt dein sohn, Ihm suchen einzuprägen. 4. Jemehr du mir gelegenheit Und fähigkeiten giebest, Je mehr laß mich zu jeder zeit Die feele, die du liebest, zu retten hier beflissen seyn, Und nicht verdruß, nicht arbeit scheun, Sie, gott! dir zuzuführen. Von den Pflichten gegen den Nächsten. 5. Giebst du mir kinder, herr, mein gott! Giebst du mir hausge= noffen, Laß mich dein heiligstes gebot Sie lehren unverdroffen; Du gabst sie mir, und deine hand Wird dies mir anvertraute pfand Von mir einst wiederfordern. 6. Kann ich kein zeitlich glück und gut Den meinen hier erwerben, So laß sie doch das größte gut, Die tugend, von mir erben. Laß, vater! dir mich sie erziehn; Laß selbst mich fünd und laster fliehn, Und stets behutsam wandeln. 7. Ach! hab ich jemals eine seel Geärgert und verblendet, Durch leichtsinn, bosheit, eignen fehl Sie dir, mein gott! entwendet; Ist irfest den, der sie entweiht, Am nächsten unrecht übet. Du bists, der jedem seinen lohn, Ohn alles ansehn der person, Nach seinen werken giebet. 2. Gerechter gott! laß deinen geist Zu dem, was recht und billig heißt, Stets meine seele lenken. Nie komm es mir doch in den sinn, Aus schnöder habsucht und gewinn Des nächsten recht zu kränken. 3. Pflanz redlichkeit in meine brust, Und laß mich stets mit wahrer lust Der liebe pflichten üben. Ein herz, das nur auf unrecht denkt, Nur schaden sucht und andre kränkt, Wie kann das brüder lieben? 269 Mel. Gott, du frommer Gott. gendwo, du gott der huld! Durch 501. Gerechter gott! du mein verfehn, durch meine schuld Ein mensch ein fünder worden: 8. Erbarmer! vater, ach verzeih Mir diese große fünden! Laß mich, laß ihn, auf wahre reu Noch huld und gnade finden. Führ ihn zurück zur heiligung, Laß mich durch eigne befferung Ihn stärken und erbauen. willst, sollen deine kinder Gerecht seyn, gleich wie du; Allein wie hab ich fünder Dies heilige geseß Oft wiffentlich ver letzt, und die gerechtigkeit So oft hintangesetzt. Gerechtigkeit gegen den Nächsten. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 500. Du liebst, o gott! ge= rechtigkeit, 4. Nie seufze jemand wider mich; Mein ganzes herz bestrebe sich, Dem nächsten gern zu geben, Was er mit recht verlangen kann, Und immerfort mit jedermann In einigkeit zu leben. 5. Laß mich beständig dahin sehn, Mit jeglichem so umzugehn, Wie ichs von ihm begehre, Damit ich keines menschen Herz Durch meine härte je mit schmerz Und kümmerniß beschwere. 6. Herr! mit dem maaß, damit ich hier Dem nächsten messe, wirst du mir Dereinst auch wieder meſ= sen. Dies reize mich zur billigkeit; So werd ich auch zu keiner zeit Der liebe pflicht vergessen. 2. Du siehst, wie ich mich oft Mehr als den nächsten liebe; Durch unrecht richten, thun Und reden ihn betrübe. Sein glück befördr' ich nicht, Sein schaden freut mich wol, Ich thu ihm nicht, was ich Will, das er mir thun ſoll. 3. Du, heiligster! der du Die ungerechten strafest, Den unterdrückten hilfft, Den armen recht verschaffest, Wie zittr' ich, herr, vor dir! Ach! geh mit deinem knecht, Mein gott! nicht ins gericht. Wer ist vor dir gerecht? 4. Miß mir nicht mit dem maaß, mit dem ich oft gemessen; Und mein so lieblos herz, Das dich so oft vergessen, Dies bilde du doch ganz Durch deinen guten geist Zur liebe, daß ich nur Das thue, was du heißt. 5. Laß keinen menschen mich Durch härte je betrüben, Betrug und list mich fliehn, Nur das aufrichtig lieben, Was recht und billig ist, Was meinem nächsten nüßt, Und was sein glück und wohl Befördert, stärkt und schüßt. 270. Von den Pflichten gegen den nächsten. statt! finn; Geb ich gern, mit frohem Schuld'ge steuer und gaben hin, So wird freudiges gewiſsen Mir die herbste pflicht versüßen. 4. Dem, der mühsam für mich schwißte, Der mit seinen kräften mir und mit seiner arbeit müßte, Dem gebührt mein lohn dafür. Halten, was mein mund verspricht, Sey mir immer heil'ge pflicht; Trug und ausflucht laß mich fliehen, Keinem lohn und sold entziehen. 5. Laß, wenn ich von andern borge, Zum ersaß mich seyn bereit; Redlichkeit sey meine sorge, Mein Vorschub, bemühn gerechtigkeit. den ein freund mir thut, Ist nicht mein, ist fremdes gut; Dankbar will ich meinen brüdern Beistand, hülf und rath erwiedern. 6. Eigenthum, das ich entwende, Würde fluch und tod mir seyn; Aber halt ich meine Hände Von betrug und raube rein, Dann darf ich sie froh empor Betend heben; gottes ohr Wird des from men flehn erhören, Den verbrechen nicht entehren. 6. Wie leicht kann ehr und ruhm Und geiz das Herz bethören, Zeicht menschenfurcht und gunst Von dei nem weg abkehren! Süß ist der höhern lob, Noch bittrer ist ihr spott; Und hoffnung bessern glücks, Wie leicht führt die von gott! 7. Ach! laß nicht lob, nicht schmach, Laß weder schmerz noch freuden, Noch vortheil und gewinn Von meiner pflicht mich scheiden. Laß weder freund noch feind Erschüttern meine treu; Und gieb, daß redlichkeit Mein ruhm und ehre sey. 8. Laß mich, so viel ich kann, Den unterdrückten schützen, Und wo ich dies nicht kann, Mit rath und trost ihm nüßen. Laß mich auch, unterm schein Des rechten, selber nicht Gewalt und unrecht thun, Wenn mir es gleich geschicht. 9. Beseele, Herr der welt! Durch deines geistes triebe, Doch aller menschen Herz Mit billigkeit und liebe. Nur der gerechte erbt Des himmels feligkeit; Des ungerechten lohn Ist fluch in ewigkeit. Gerechtigkeit gegen das Eigen= thum des Nächsten. 7. Hab ich mich durch andrer schäße Und durch arglist reich ge= macht; Laß mich, gott! daß ichs Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 502.Alles, was ich bin und ersetze, Bald und eifrig seyn behabe, Kömmt, o gott! aus deiner hand; Wie so manche gute gabe Hast du mir herabgefandt! Vater! all mein glück ist dein; Deinem ruhme laß michs weihn. Niemals laß mich mehr verlängen, Als was ich von bir empfangen. dacht, Lieber arm und dürftig seyn, Als mich meines unrechts freun, Und nach bald durchträumten freuden Des gewissens folter leiden. 8. 3wiefach will ich trug und schaden Dem erstatten, der ihn litt. Wer, mit blutschuld schwer beladen, Einst vor gottes richtstuhl tritt, Wird verworfen im gericht, Bleibt vor jenem antlitz nicht, Das dem fünder rache flammet, Den sein falsches herz verdammet. 9. Heiliger gott! ein frommes leben Liebest du, belohnest du; Gieb mir kraft und laß mich streben, Fromm und gut zu seyn, wie du, Daß mein leben ohne reu, Ohne quaal mein ende sey, Daß mich, wenn ich einst erwache, Keine schuld verdammlich mache. 2. Laß mich dankbar und zufrieden Im genuß der güter seyn, Die mir deine huld beschieden, Auch an andrer glück mich freun; Nie auf fremdes größres glück Neidisch sehn mit scheelem blick, Nie, was du mir gabst, verachten, Und nach fremdem gute trachten. 3. Jedem laß mich willig geben, Was er recht zu fordern hat, Nicht den obern wiederstreben, Denn sie sind an deiner Von den Pflichten gegen den Nächsten. Pflicht gegen die Ehre und guten Namen des Nächsten. Mel. Wend ab deinen Zorn. 503. Hilf ilf, Jesu! daß ich meinen nächsten lie be, Durch lieblos richten ihn ja nicht betrübe, Ihn nicht verläumde, noch durch falsche ränke Sein wohlseyn kränke. 2. nachsichtsvoll des nächsten fehle, So viel ich immer kann, der welt verhehle, Und, wenn er fällt, auf mich, der ich noch stehe, mit vorsicht sehe. 3. Hilf, daß ich klüglich ihn zu beffern strachte, Und seiner seele wohl mir theuer achte; Denn du haft selbst für sie in todesbanden Viel ausgestanden. 4. Und kann ich auch das böse selbst nicht bessern; Laß michs doch ehr verschweigen, als vergröBern; Anstatt es auszubreiten, es vermindern, Und schaden hindern. 5. Den größten fünder laß mich nicht verachten, Noch immer ihn als dein geschöpf betrachten, Nie, die mit mir von einem blut abstammen, Lieblos verdammen. 6. Aufrichtig laß mich schäßen deine gaben, Die andre, herr! von dir empfangen haben; Es müſse nie mein Herz des nächsten freuden Boshaft beneiden. 7. Bescheiden laß mich von mir selber denken, Durch stolz und hochmuth keinen menschen kränken, Mit sanftmuth selbst dem lästerer begegnen Und feinde segnen. 8. Hab ich des nächsten ehre je beflecket, Und seine schwachheit lieblos aufgedecket, Schlug ich der unschuld in betrübten stunden Schmerzhafte wunden; 9. So laß mich reuevoll und liebreich eilen, Die ihm geschlagne wunde bald zu heilen, und, der verläumdung folgen zu zerstören, Ihm recht gewähren. 10. Laß alle schmähsucht mich von Herzen haffen. Zur seligkeit wird niemand zugelassen, Der 271 bosheit, neid und grausamkeit hier übet, Und falschheit liebet. 11. Drum laß mich, Jesu! immer mehr auf erden An liebe, güt' und treu dir ähnlich werden. Gieb dazu kräfte, herr! so will ich droben Dich ewig loben. Wider die Schmähſucht. Mel. O Gott, du frommer Gott. enn du des nächsten 504.We ehr Und achtung suchst zu schmälern, Selbst von nichts liebers sprichst, Als andrer menschen fehlern, Aus ersucht oder stolz Verkleinerst ihren ruhm, Und ihre schuld erhöhst; Wo bleibt dein christenthum? 2. Wenn du aus argwohn nur Vom nächsten böses denkest, Wenn du durch falsch gerücht Ihm schadest und ihn fränkest, Wenn leichtsinn, neid und haß Ihn vor der welt entehrt; Bist du dann ferner noch Des christennamens werth 3. Wer, wenn er lästrer hört Und unter spöttern fizet, Aus scheuer Menschenfurcht Nicht andrer unschuld schüßzet, Wer aus gefälligkeit Selbst ein verläumder ist, und nichts zum besten kehrt; Ist dieser wol ein christ? 4. mensch! bedenke doch, Gott hört an jedem orte, Wo du zugegen bist, Ein jedes deiner worte. Ach! er, der alles sieht, Wie sollt er dich nicht sehn, Wenn du dich frech erkühnst, Die unschuld selbst zu schmähn? 5. Wenn du der frommen lachst, Wenn du die tugend schändest, Dem würdigen das lob, Das er verdient, entwendest; Verläumder! gott weiß es, Wie zügellos dann du Ihn in den seinen schmähſt; Der rächer hört dir zu. 6. Er zählt die thränen, die Geweint von seinen frommen, Die du entehret hast, Mit seufzen vor ihn kommen. Es kömmt, es kömmt ein tag, Wo gott einst vor gericht Im angesicht der welt Auch dir dein urtheil spricht. 272 Von den Pflichten gegen den Nächsten. 7. Ach! wolltst du künftig noch Des nächsten ehr verleßen? Nein, hast du ihr geschad't, Such sie ihm zu ersehen. Des nächsten guter nam Sey selbst dein eigner ruhm, Und schützt und rette ihn Stets als ein heiligthum. 8.! laß uns, gott der huld! Mit dieser pflicht nie scherzen; Und präge du vielmehr In unser aller herzen Die große wahrheit ein: Nur der sey deiner werth, Der feine brüder liebt, Und durch die that sie ehrt. Dienstfertigkeit. Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 505. Mie felig lebt ein dienſtbegierde kennet, Und ihre pflicht 506. Du aller menschen vazu thun Aus menschenliebe brennet, Der, wenn ihn auch kein eid Zum dienst der welt verbind't, Beruf und eid und amt Schon in sich selber find't! ter! Du gütigster berather In allem, was uns drückt! Was wir hier guts genießen, Das läßt du uns zufließen; Du bists, der unser herz erquickt. 2. Du läßt dich bei uns fündern Durch undank nicht verhindern, Uns segnend zu erfreun. Zu ewgen seligkeiten Uns sterbliche zu leiten, Wird ewig dein vergnügen seyn. 3. Wie groß ist deine milde! Mein Barmherz'ger vater! bilde herz nach deinem sinn, Daß ich der noth der armen Mich willig mög' erbarmen; Nimm alle härte von mir hin. 2. Dir, höchster! ahmt er nach, Dir als ein bild zu gleichen; Durch dienstbefliffenheit Sucht er dies zu erreichen; Er hält für eignes wohl Sich nicht allein gemacht, Er hält sich für die welt Von dir hervorgebracht. 3. Die welt, denkt er, hat recht Auf meinen dienst und kräfte; Ihr nüßen, ist für mich Ein seliges geschäfte. Als glieder schuf uns gott, Als bürger einer welt, In der des einen hand Die hand des andern hält. 4. So denkt der menschenfreund; Und das ist sein bestreben, So treu, als er sich lebt, Zum wohl der welt zu leben. Ihm wird des nächsten heil Sein eignes himmel reich; Er fühlet fremde noth, Als träf' ihn selbst der streich. 6. Was andrer nothdurft heischt, Das reizet feine triebe Auch ohne ruhm und lohn Zu wahrer menschenliebe. Kein stolz noch eigennuß Wirkt seine gütigkeit. Er sieht auf seinen gott, Der liebe ihm gebeut. 7. So laß mich auch gesinnt, Mein gott! durch Christum werden. Voll regen eifers sey Mein leben hier auf erden, So nüßlich, als ich kann, Dem nächsten stets zu sein; Dann geh ich einst, o gott! Ins reich der liebe ein. Wohlthätigkeit und Liebe ge= gen Arme. 5. Er eilt, dem, ders bedarf, Mit hülfe beizustehen; Sein ansehn und sein freund, Sein stand, sein wohlergehen Sind mittel, die er braucht, Behülflich gern zu seyn, Und einen leidenden Mit troste zu erfreun. 4. Gieb, daß. ich willig gebe, Mich wohlzuthun bestrebe, So wie mein heiland that, Der göttliche erbarmer, Den kein bedrängter armer Vergebens je um hülfe bat. 5. Erhalt in mir die triebe Der mittleidsvollen liebe. Wie du mir guts gethan, So laß um deinetwillen Mich andrer nothdurft ſtil len, So oft ich sie nur stillen kann. 6. 3um fleiß in guten werken Laß mich die Hoffnung stärken, Vor dir, dem Herrn der welt, Der frohe geber liebet, Sey, was man. willig giebet, Ein opfer, das dir wohlgefällt. 7. Laß mich hier reichlich säen; Denn, herr. was hier geschehen, Von den Pflichten gegen den Nächsten. Folgt uns in jene zeit. Wer hier gern hilft und giebet Und sich im wohlthun übet, Der erntet dort die herrlichkeit. dies vergeffet nicht! Mitleidsvoll und willig eilen, Armen beizustehn, ist pflicht, Pflicht, die Jesus felbst uns lehret, Und die gott, den höchsten, ehret. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 507. Wohlzuthun und mit 508. Laß mich, höchster! das 2. Speiset die, die hunger leiden, und die durstig sind, die tränkt; Eilt, den nackenden zu kleiden, Tröstet die, die kummer kränkt; Schwache sucht zu unterstüßen, Unterdrückte zu beschüßen. 3. Nicht nur denen, die um liebe, Die um hülf und rettung flehn, Sucht aus christlich edlem triebe Nach vermögen beizustehn; Auch den'n, die im stillen leiden, Gönnet unverhoffte freuden. 4. Denkt,( wie möglich sind die fälle!) Denkt, ihr fühltet jener schmerz; Denkt, ihr wärt an ihrer stelle; Und wie dann eu'r leidend herz Sich von andern wünscht erbarmen, So thut ihr auch andern armen. 5. Und dies sich nicht an als bürde, nicht als last, beglückter christ! Hoheit ist es, es ist würde, Wenn man mild und hülfreich ist. Welch ein ruhm für dich erlösten, Arme brüder Jesu trösten! 273 6. Und was schaffts für sanfte freuden, Der verlaßnen helfer seyn! Sehn, wie sie in ihren leiden Sich, durch uns gestärkt, erfreun! Ein betrübtes herz erquicken, Bringet himmlisches entzücken. ten wir einst reichlich ein. Seyd barmherzig, liebt die armen; Dann wird gott sich eu'r erbarmen. Aufrichtigkeit. der wahrheit freund zu seyn. Jenes freudenvolle leben Nimmt nicht freche lügner ein; Denn vor deinem angesichte Werden sie beschämt zunichte, Weil verstellung, trug und list, Dir, o gott! ein abschen ist. 2. Andern zu gefallen lügen, Leeren schwäßern gleich zu seyn, Heuchelnd brüder zu betrügen, Herr! das falle mir nie ein. Wahrheit leit an allen orten Mich in werken und in worten. Redlich sey des herzens grund, Redlich spreche auch mein mund. 3. Die der falschheit sich ergeben, Sind vor dir, o gott! ein gräul, Und ein unglückseligs leben Bleibt gewiß ihr künstigs theil. Hier schön trifft verdiente schande Sie bei redlichen im lande; Denn ein jeder menschenfreund Ist der falschheit ränken feind. 4. Schmäht mich, ohne mein verschulden, Der verläumder läster= mund, Herr! so laß michs still erdulden, Einst wird doch die wahrheit kund. Darf ich ja nicht länger schweigen, Meine unschuld zu bezeugen; O! so gieb, daß stets dabei Herz und mund voll fanftmuth sey. 5. Daß du, herr! an jedem orte Zeuge meines wandels bist, Daß kein einzigs meiner worte Deinem ohr verborgen ist; Das sey stets mir im gemüthe, Daß ich mich vor lügen hüte; Denn du liebst den wahrheitsfreund, Und bist falschen herzen feind. 7. Heil und glück auf unsern wegen, Ruhe und zufriedenheit, Huld bei menschen, gottes fegen Folgt hier auf barmherzigkeit; Und dereinst zum gnadenlohne Schenkt ihr gott des Himmels krone. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 8. O! so laßt uns unfre gaben 509. Wohl dem, der redlich Gern hier in der zeit aussfreun. Was wir hier gesäet haben, Ernwandelt, Der alé ein wahrheitsfreund In wort und werken handelt, Und das ist, was 274 Von den Pflichten gegen den nächsten. er scheint, Der recht und treue Mel. Wär Gott nicht mit uns. liebet, Und von dem sinn der welt, 510. Die zunge, die vers Die trug und falschheit übet, Sich unbefleckt erhält! 2. Wohl dem, der lügen haffet, Und der, so oft er spricht, So seine reden faffet, Daß er die wahrheit nicht mit vorbedacht verleßet, Und der an allem ort Sich dies vor augen setzet, Gott merkt auf jedes wort. nehmlich spricht, Hat dir dein gott gegeben. Welch ein geschenk! mißbrauch es nicht. Sie bringet tod und leben; Man fluchet und man lobt damit; Ach gott! erhöre meine bitt', Daß ich sie recht gebrauche. 3. Wohl ihm, daß sein gemüthe, Herr, deine rechte übt! Ihn leitet deine güte, Er wird von dir geliebt. Du wirst ihn einst erhöhen, Wenn in der wahrheit licht Beschämt die falschen stehen, Geschreckt durch dein gericht. 2. Laß doch in meines herzens grund, Gott! deine furcht stets wohnen. Gewissenhaft wird dann mein mund Der wahrheit rechte schonen. Und wohl dem, der von schmeichelei, List, läſtersucht, verstellung frei, Nicht mit den lippen fündigt. 4. Herr! präge du im leben Dies tief ins herz mir ein, Und hilf mir, mich bestreben, Der lügen feind zu seyn; Erinnre mein gewissen, Du haffest heuchelei, Damit ich stets beflissen, Der treu und wahrheit sey. 5. Nie laß mich was versprechen, Das ich nicht halten kann, Und nie zusagen brechen, Die ich einmal gethan; Nie mich den stolz verleifen, und nie des beispiels macht, Als wahrheit auszubreiten, Was ich doch selbst erdacht. 6. Drum laß zu allen zeiten Auch deiner weisheit licht, Herr! meine feele leiten, Damit ich meine pflicht mit klugheit üb' und wisse, Wann ich für andrer wohl Und für mich reden müsse, Und wann ich schweigen soll. 7. Wenn je, um mich zu drücken, Des feindes anschlag gilt, Der sich bei bösen tücken In guten schein verhüllt; So stärke meine feele, Daß sie nicht unterliegt, Und alles dir befehle, Durch den die unschuld siegt. 8. Ein herz voll treu und glauben, Das, gott! zu dir sich hält, Das soll mir niemand rauben; So kann ich aus der welt Einst mit der hoffnung gehen, Ich werde, als dein kind, Dich mit den from men sehen, Die reines herzens sind. 3. Auf deinen ruhm und andrer wohl Soll stets mein thun sich lenken. Laß dann auch, wenn ich reden soll, Mich dies mit ernst bedenken. Dein lob, des nächsten glimpf und nuß, Der tugend ruhm, der unschuld schutz Beschäftge meine zunge. 4. Schandbare worte, frecher scherz, Unheilge spöttereien Verrathen ein verderbtes herz, Einst muß man sie bereuen. Drum schaff in mir durch deinen geist, Daß dich vielmehr die zunge preist, Und deinen namen heiligt. 5. Was züchtig, keusch und ehrbar ist, Was wohl und lieblich klinget, Das redet überall der christ, Spricht, wenn es nußen bringet, Und scheut den zorn der menschen nicht; Doch schweigen wird alsbald ihm pflicht, Wenn es die liebe fordert. 6. Web aber dem verwegnen mund, Der fluch und schwur nicht scheuet! Wie wird des Herzens leichtsinn fund Und oft zu spät bereuet! Ach! fluchen bringet fluch und noth, Und wenn nicht buße folgt, den tod. Laß mich dies stets bedenken. 7. Auch lügen schändet, bringt nur müh; Ist eine frucht der hölle; Lehr mich sie hassen, daß ich nie Mich Lügnern zugeselle. Die wahrheit bringet lob und ruhm, Und ziert das ganze christenthum; Danach laß mich stets streben. Von den Pflichten gegen den nächsten. Freundschaft. Gieb du mir auch dies glück; Mach feinde mir zu freunden; Auch schaff in mir ein herz, Das seiMel. O Gott, du frommer Gott. reund, der mir alles ist, 511. alles nem vergiebt, und dich und seinen freund Rechtschaffen wieder liebt. 9. welch ein großes glück, Hier so ein herz zu haben! Denn beistand, rettung, trost, Dies find selbst himmelsgaben. Wie selig werd ich einst Bei dir, mein Jesu! seyn, Wo so viele freunde sich In deinem himmel freun! bet! Freund, der es redlich meint, Und der mich herzlich liebet, Geprüfter freund in noth, mein herr Jesu Christ! Jm tode auch bewährt! Der du mein nie vergißt! 2. Wie falsch ist nicht die welt! Scheint sie mir gleich gewogen; Wie oft hat mich der schein Von ihrer gunst betrogen! Wie freundlich that sie nicht, Als wär' ste noch so treu; Und war doch weiter nichts, Als leere schmeichelei! 3. Sie ſchwur, mir beizuſtehn Im unglück, wie im glücke, Und ihr betrüglich herz Warf doch verstohlne blicke Nur hin auf eigennuß; Und kaum verschwand mein glück, Gleich brach sie ihren eid Im nächsten augenblick. 4. Wie wenig darf ich denn Der welt mich anvertrauen! Mehr könnte ich auf sand, Als ihre freundschaft, bauen. Und doch bedarf ich hier Auch einen treuen freund, Der es so gut mit mir, Als mit sich selber meint. 5. Wo find ich diesen freund, Daß ich ihn mir erwähle? Mit dem ich, der mit mir Ein herz sey, eine seele? Herr! wähle du mir den, Der dich liebt, tugend übt; Der ist allein auch der, Der mich von Herzen liebt. 6. Den freund gieb mir, der mich Im glücke nie beneide, Und dessen Herz sich nicht An schadenfreude weide, Wenn mich ein unglück trifft; Dem es zu herzen geh, mir helfe, was er kann, Der für mich bet' und fleh. 7. Der als ein tugendfreund Mich reiz' auf tugendwegen, Der als des lasters feind Mich warn' vor lasterstegen; Der nie mit bitterkeit Bestrafe meine schuld, Vielmehr mit sanftem geist Mich trag und mit geduld. 8. Herr! bester menschenfreund! Selbst freund von deinen feinden! 275 Mel. Es ist das Heil uns kommen. 512. Welch glück, o gott, ist iſt freundschaft hier In diesem pilgerleben! Sie kann im unglück und im glück Uns trost und freuden geben. Sie ist der tugend starkes pfand, Vom laster ab führt ihre hand; Sie ist des himmels vorhof. 2. Der freundschaft pflicht ist ächte treu, Verschwiegenheit und freude Bei unserm glück und mitgefühl Bei allem unserm leide. Aufrichtig ist sie stets bereit, Sowol, auf zeit und ewigkeit Des freundes wohl zu gründen. 3. Sie flieht vor falschheit, wankelmuth, Vor eigennuß und neide, Haßt argwohn, niederträchtigkeit Und list und schadenfreude. Der tugend nur reicht sie die hand; Denn jedes lasterhafte band Entehrt der freundschaft würde. 4. O Jefu, bester menschenfreund! Der du uns fünder liebtest, Nur das, was groß und edel heißt, Uns hier zum beispiel übtest, So göttlich liebreich für uns starbst, Selbst gottes freundschaft uns erwarbst, Uns ewig zu beglücken. 5. Schenk mir auch einen from= men freund, Nur du kannst ihn mir geben, Der edel und rechtschaffen denkt, Der mir in meinem leben Ein reizend tugendmuster sey, Und bei mir standhaft und getreu Im glück und unglück stehe. 6. Der meine unvollkommenheit Mit sanfter schonung trage, Mir 52 276 Von den Pflichten gegen den Nächsten. fehler ohne bitterkeit, Nur mich Und die eintracht liebest du; O zu bessern, fage; Der mich vor sünden immerdar, Vor irrthum, schaden und gefahr An leib und feele warne. so hilf auch mir dazu! Gieb ein herz mir, das die stille Und den frieden sucht und liebt, Das statt rache sanftmuth übt. 3. O wie wird das Herz beschweret Durch des zornes leidenschaft! Zanksucht und der haß verzehret Nach und nach des Körpers kraft, Hemmt den lauf von unsern jahren, Macht zum himmel ungeschickt. Herr, der auf mich schwachen blickt, Ach! du wollest mich bewahren, Daß des jachzorns rafe= rei Nie des Herzens meister sey. 4. Wer mir flucht, den will ich fegnen, So wie mein erlöser that, Und dem nachsichtsvoll begegnen Der zum zanken neigung hat. Für die feinde will ich beten, Und vor dich, du friedensfürst! Wenn du menschen richten wirst, Mit dem schmuck der liebe treten. Gott des friedens! segne du mich mit deiner kraft dazu. 5. Ewig heil ist dem beschieden, Der nach frommer eintracht strebt. Höchster! gieb mir deinen frieden, Der zur sanftmuth uns erhebt. Er regiere herz und sinnen; Denn wenn er das herz regiert, Wird, was zu der zwietracht führt, Niemals übermacht gewinnen; Bis einst in der herrlichkeit Ewger friede uns erfreut. Versöhnlichkeit und Liebe gegen Feinde. Mel. Wend ab deinen Zorn. 7. Doch laß mein herz vorsichtig seyn, Mit wem es freundschaft machet. Kein spötter der religion, Wer über tugend lachet, Kein wollüstling, kein stolzes Herz, Wer fühllos ist bei andrer schmerz, Sey niemals mein vertrauter. 8. Ein mensch, vom laster angesteckt, Wird mich auch leicht anstecken; Laß mich ihn fliehn, als eine pest, Mich nicht durch ihn beflecken. Und wie kann der, der ohne schen Stets gott verleugnet, menschen treu und redlich seyn und bleiben? 9. Doch hab ich einen wahren freund Von dir, o gott! erhalten, O! so laß dann mein warmes herz Nie gegen ihn erkalten; Daß ich aufrichtig dankbar sey, Verstellung, leichtsinn, schmeichelei Und eigennut stets fliche. 10. Gott! präge du der liebe sinn So freunden ein, als feinden; Auch die, die meine feinde find, Die mache mir zu freunden. Bild unser herz zur einigkeit, Lehr uns, daß jene seligkeit Nichts sey, als lieb und freundschaft. Sanftmuth und Friedfertigkeit. Mel. Lasset uns den Herren preisen. ott, der du die men513.Gott, schen liebest, Der du nicht ein strenges recht, Sondern 514. Herer du für mich litlauter gnade übest An dem fündlichen geschlecht! Laß mich deinen geist beleben, Daß ich, vater! als dein find, Liebreich sey, wie du, gesinnt. Herr! du wollst den sinn mir geben, Der bei fehlern nachsicht zeigt, Und mit sanftmuth spricht und schweigt. test, Und noch zur rechten gottes für mich bitteft! Erwed in mir, du muster wahrer' liebe, Der fanfts muth triebe. 2. Wann hast du jemals haß mit haß vergolten? Du schaltst nicht wieder, als man dich gescholten. Du fegnetest mit wohlthun nicht bloß freunde, Nein, selbst auch feinde. 3. Und ich, herr! sollte mich den deinen nennen, Und doch von 2. Laß mich meines nächsten schonen, Willig tragen seine last; Und so lang ich hier soll wohnen, Bleibe zankfucht mir verhaßt. Denn das ist, o gott! dein wille, Von den Pflichten gegen den Nächsten. rachgier gegen andre brennen? Ich sollte femals haß mit haß vergelten, Und wieder schelten? 4. Wie kann ich vater zu dem höchsten sagen, Und groll im herzen gegen brüder tragen? Wie kann ich zu ihm flehn, mir zu verzeihen, und rache schreien? 5. Wer nicht vergiebt, der wird für seine sünden Äuch nicht bei dir, o herr! vergebung finden. Dein jünger ist nur, der, wie du, vergiebet, Und feinde liebet. 9. So heilige denn meiner feele triebe, Mein heiland! durch den geist der wahren liebe. Vertilge durch die lust zu deinem namen Der rachgier saamen. 7. Wenn brüder mich aus haß und bosheit plagen, Laß mich sie klug, doch stets mit sanftmuth, tragen, Und wenn sie mich noch so empfindlich kränken, An dich gedenken. 8. Erwecke dann,' o herr! in meinem Herzen Aufs neue das gedächtniß jener schmerzen, Die du in deinen schweren leidensstunden Für mich empfunden. 9. Laß mich mit fanftmuth meinem feind begegnen, Den, der mir flucht, voll großmuth, wie du, seg= nen. Herr! mache gegen alle, die mich haffen, Mein Herz gelassen. 10. Will zu der rachsucht mich die furcht verführen, Als würd ich sonst mein ganzes glück verlieren; herr! so laß mich, ihr zu widerstehen, Auf dich dann sehen. 11. Du schüßzest den, der redlich vor dir wandelt, Und überall nach deinem vorbild handelt. Drum laß in allem mich schon hier auf erden Dir ähnlich werden. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 515. Ach! Sesu! gieb mir fanften muth, Nach deinem wort zu leben. Wie dürft ich, schwaches fleisch und blut, So tropig mich erheben? Ich übte rach und hielte zorn? Mag wol 277 zugleich ein süßer born Auch bittres wasser geben? 2. Ein vater hat uns ja gemacht Zu seines Hauses kindern; Das leben hat ein herr gebracht Uns ganz erstorbnen fündern; So wie auch ein geist uns regiert Und in ein himmlisch erbe führt, Wenn wir ihn nur nicht hindern. 3. Mein gott! wie darf doch ich, dein kind, Den schwachen bruder haffen? Ach wie so große schulden sind mir selbst von dir erlassen! Wer wär ich, wenn nicht allezeit Ich willig blieb in einigkeit Den bruder zu umfaffen? 4. Komm, bruder! komm, reich her die hand! Wir wollen uns versöhnen, Uns auch von dem, was uns entbrannt, Von stolz und neid entwöhnen. Verzeihn hält zwar die welt für schmach, Doch wir, wir folgen Jesu nach; Mag doch die welt uns höhnen! 5. Wir tragen allesammt ein joch, Die wir uns christen nennen; Was wollten sich die glieder doch An einem leibe trennen? An fanftmuth, lieb und freundlichkeit Kann man den christen allezeit Als gottes kind erkennen. 6. Wir haben alle gottes gnad In einem Herrn zu finden, Auch wäscht ein heilig wasserbad Uns alle rein von fünden. Da auch ein nachtmahl alle speist; Wie soll denn nicht ein herz und geist Uns allesammt verbinden? 7. Und haben wir denn einen geist, Wie kannst du rache spre= chen? Da dein leib gottes tempel heißt, Wie darf ich ihn zerbrechen? Nein, bruder, grimm sey von uns fern! Wir stehen einst vor einem Herrn; Der möcht an uns sich rächen! 516.Dfür bie, Die dich erMel. Machs mit mir, Gott, nach. er du, dem tode nah, würgten, batest; Der du vor deinem vater sie, Du menschenfreund, vertratest! Wann werd ich doch Von den Pflichten gegen den Nächsten. 278 dir ähnlich seyn, Und meinem feinde gern verzeihn? 2. Ich fünder, dem noch rache glüht Im heuchlerischen Herzen, Der noch sein wohlgefallen sieht An seiner feinde schmerzen, Ich Eigne Melodie. trete vor dein Angeſicht, Du gott 517. Nie will ich dem zu der lieb! und zittre 3. Ich wollte hoffen, trost im tod, Huld im gericht zu finden? Zu dir noch flehen: richte, gott! Mich nicht nach meinen sünden? Und hörte nicht die stimm' in mir: Wie du vergiebst, vergiebt gott dir? 4. Du stimme gottes, schalle mir Durch meine ganze seele: Wie du vergiebst, vergiebt gott dir! Erwäg es und dann wähle. Der wählt den segen, der vergiebt, Und der den fluch, der rache liebt. 5. Sey, feele! werth der selig keit, Dich selbst zu überwinden. Duld und vergieb; denn gott verzeiht, Und straft nicht deine sünden. Nicht rache, segen rufe du, Begnadigter, dem feinde zu. 6. Auch mein beleidiger hat theil Am heiland aller fünder, Mit blut erkauft auch ihn zum heil Der todesüberwinder; An mich und ihn ergeht der ruf Des gottes, der uns beide schuf. 7. könnt ihn meine sanftmuth noch Zur seligkeit bekehren! Jhn, der mich haßt, das sanfte joch, Die liebe, tragen lehren! Wie göttlich würd es mich erfreun, Der retter seines heils zu seyn. 8. Wie würd er mir am weltgericht mit heißen thränen danken, Mein freund und bruder, ewig nicht von meiner feite wanken, Und gott erhöhen, dessen hand Uns für die ewigkeit verband!" 9. Wie gern will ich, gott, auf dein wort Haß und verfolgung leiden! Wie gern verzeihn, da du mirs dort Vergilst mit solchen freuden, Wenn mir im himmel nur ein feind Dankbare freudenthränen weint! mir zu schaden sucht. Nie will ich meinem feinde fluchen, Wenn er aus haß mir flucht. 2. Mit güte will ich ihm begegnen, Nicht drohen, wenn er droht; Wenn er mich schilt, will ich ihn segnen, Dies ist des herrn gebot. 3. Er, der von keiner sünde wußte, Vergalt die schmach mit huld, Und litt, so viel er leiden mußte, Mit sanftmuth und geduld. 4. Will ich, sein jünger, wieder schelten, Da er nicht wieder schalt? Mit liebe nicht den haß vergelten, Wie er den haß vergalt? 5. Wahr ists, verläumdung dulden müssen, Ist eine schwere pflicht; Doch selig, wenn ein gut gewissen Zu unsrer ehre spricht. 6. Dies will ich desto mehr bewahren, So bessert mich mein feind, Und lehrt mich, weise zu verfahren, Indem ers böse meint. 7. Ich will mich vor den fehlern hüten, Die er von mir ersann, Und auch die fehler mir verbieten, Die er nicht wissen kann. 8. So will ich mich durch sanftmuth rächen, An ihm das gute sehn, Und dieses gute von ihm sprechen; Wie könnt er länger schmähn? 6. In seinem haß ihn zu ermüden, Will ich ihm gern verzeihn, Und als ein christ, bereit zum frieden, Bereit zu diensten seyn. 10. Und wird er, mich zu untertreten, Durch güte mehr erhißt, Will ich im stillen für ihn beten, Und gott vertraun; gott schüßt! Dritte Abtheilung. Vom Kreuze und Troste des Christen. Vom Leiden und Kreuze des Christen. Wohlthätigkeit und Nußen des Kreuzes. disch leid, Kurz ist der augenblick der zeit, Doch ewig, ewig währet Dort dein genuß Ohn' überdruß, Wie ihn der geiſt begehret. 9. Auch bleibet stets dein gott Steht dir, als vater, liebreich bei, Sorgt, daß er dich erquicke; Er schafft dir rast, Daß deine last Dich nie ganz niederdrücke. Mel. In dich hab ich gehoffet, Herr. n trübsal, christ, 518. I ſtart im geiſt! Auch getreu, das ist gut, was trübsal heißt; Erheitre dein gemüthe! Du weißt, auch dich Liebt väterlich Der vater aller güte. 2. Kein leiden kömmt von ohngefähr! Dein gott schickt dir es zu, und er Zeigt sich in seinen wegen So groß von rath, Als groß von that, und reich an gnad und segen. 3. Der dich in Jesu herzlich liebt, Sucht, wenn er dich durch kreuz betrübt, Das wahre heil der seele, Weckt dich, daß nicht zu deiner pflicht Dir lust und eifer fehle. 279 10. Verbürg er auch sein angesicht, Dies raube deinen muth dir nicht; Gott kann sein kind nicht haffen. Wer ihn nur liebt, Sich ihm ergiebt, Den wird er nicht verlaffen. 11. zeit Durch trübsal sind zu aller Die frommen in die herrlichfeit, Gleich Jefu, eingegangen. Denkst denn nur du, In träger ruh Die krone zu erlangen? 12. Demüthige dich, gleich als sie, Gleich ihnen bet, und zage nie; Denn gott erhört dein flehen. Bald weicht dein leid, Zu seiner zeit Wird dich dein gott erhöhen. 4. Das freuz beugt stolz und übermuth, Erstickt der wollust wilde glut, Bricht die gewalt der finne, Erweicht das Herz, Daß fremder schmerz Dein mittleid leicht gewinne. 5. Auch übt das kreuz dich zur geduld, Erhöht den werth von Mel. Wer nur den lieben Gott. gottes huld, Stärkt mächtig dein 519.Was iſt das leben hier vertrauen; Lehrt im verlust Dich nun mit lust Aufs unsichtbare schauen. 6. Des leidens hig' entflammt dich stets zu größrer inbrunst des gebets, Und läutert deinen glauben. Weit minder kann Verführung dann Dir deine krone rauben. 7. Zwar stört das kreuz oft deine ruh, Mit bangen thränen säest du Und unter viel beschwerden; Chrift, hoffe doch! Es wird dir noch Zur reichen ernte werden. hier wohl vollkommenheit? Wer lebt hier frei von den beschwerden Der trübsal und mühseligkeit? Bald soll die freude unser herz Zur pflicht erwecken, bald der schmerz. 2. Doch das sind treu gemeinte schläge Der vaterhuld, die für uns wacht. Wie hast du doch durch leidenswege So manchen schon zu dir gebracht! Denn ungestörtes irdisch glück Hält unf 8. Verschmerzt ist leicht ein ir- von dir, o gott! zurück. 280 Vom Leiden und 3. Wenn uns die Welt nicht noth erweckte, Vergnügte uns dein himmel nicht. Wer suchte, wenn ihn nichts erschreckte, Die hülfe, die dein wort verspricht? Wer fühlt, wenn keine last ihn drückt, Wie fanft, o gott! dein troft erquickt? 4. Zum dulden führt dein ruf der gnaden, Der uns zu Christi gliedern macht. Wie schwer war der hier nicht beladen! Wie hart verfolgt! wie sehr veracht't! Und doch trug er dies alles gern. Gieb, daß ich folge meinem Herrn. 5. Er ward beleidigt ohn' vergelten, Gegeißelt ohne widerstand, Gescholten ohne wiederschelten, Ohn' widerspruch zum freuz verdammt. Wie? sollt ich denn nicht mit geduld Das tragen, was ich felbst verschuld't? 6. Laß, gott! nur dieses Lebens leiden Zu meiner beßrung fruchtbar seyn; So geh ich zu des him mels freuden Durch dieser erde trübsal ein Dort wird mein leben ohne pein, Und meine thränen freude seyn. 7. Drum laß mich mit dem trøfte siegen: Gott giebt nach kurzer prüfungszeit Das allerfeligſte vergnügen In jenem reich der herrlichkeit. Verschmachte, leib, stirb und vergeh! Ich weiß, daß ich einst aufersteh. Rechtmäßiges Kreuze des Christen. unsrer thorheit schulden, und nennen lohn, den wir verdient bekommen, Ein kreuz der frommen! 4. Ist dürftigkeit, in der die trägen klagen, Sind haß und pein, die stolz und wollust tragen, Des schwelgers schmerz, des neids vermißte freuden, Chriftliches leiden? 5. Ist deren quaal, die deinen rath verachtet, Nach gottesfurcht und glauben nie getrachtet, Und die sich jetzt in finstrer schwermuth quälen, Prüfung der seelen?. 6. Doch selbst, o gott! in strafen unsrer sünden Läßt du den weg zu unserm heil uns finden, Wenn wir sie uns, die miſſethat zu haffen, Züchtigen laffen. Verhalten im Leiden. Geduld und Gelassenheit.. Mel. Wend ab deinen Zorn. in herz, o gott! in leid 520.in und kreuz geduldig, Das bin ich dir und meinem heile schuldig. Laß mich die pflicht, die wir so oft vergessen, Täglich ermeffen. 2 Bin ich nicht staub, wie alle meine väter? Bin ich vor dir, herr! nicht ein übertreter? Thu ich zu viel, wenn ich die schweren tage Standhaft ertrage? 3. Wie oft, o gott, wenn wir das böse dulden Erdulden wir nur 7. Jag ich nur nach dem frie: den im gewissen, Wird alles mir zum besten dienen müssen. Du, herr! regierst, und ewig wirkt dein wille Gutes die fülle. 8. Ich bin ein gast und fremdling hier auf erden, Nicht hier, erst dort, dort soll ich glücklich werden! Und was sind gegen euch, ihr ewgen freuden, Dieser zeit leiden? 9. Wenn ich nur nicht mein elend selbst verschulde, Wenn ich als mensch, als christ, hier leid' und dulde; So kann ich mich der hülfe der erlösten Sicher getrösten. 10. Ich bin ein mensch, und leiden müssen tränken; Doch in der noth an seinen schöpfer denken Und ihm vertraun, dies stärket unsre Herzen Mitten in schmerzen. 11. Schau über dich! wer trägt der himmel heere? Merk auf! wer spricht: bis hierher! zu dem meere? Ist er nicht auch dein helfer und berather, Emig dein vater? 12. Willst du so viel als der allweise, wissen? Jetzt weißt du nicht, warum du leiden müssen; Allein du wirst, was seine wege waren, Nachmals erfahren. 13. Er züchtigt uns, damit wir zu ihm nahen, Die heiligung des getstes zu empfahen, und mit dem Vom Leiden und Kreuze des Christen. trost der Hülfe, die wir merken, Andre zu stärken. 14. Das kreuz des Herrn wirkt weisheit und erfahrung, Erfahrung giebt dem glauben muth und nahrung. Ein starkes herz steht in der noth noch feste. Hoffe das beste! 281 hat Und mit vernunft befeelet, Hat längst in seinem weisen rath Dein bestes dir erwählet. Er steht voll treu, Was dienlich sey dich und für die deinen; laß ihn nun, Was er will, thun, Er kanns nicht böse meinen. Für Drum 7. Wills gott, so kanns nicht anders seyn, Es muß zuletzt erfreuen; Was du jetzt nenneſt Mel. Bas mein Gott will, geicheh. 521.Jh bab in gettes herz schmerz und pein, Muß dir zum und und sinn ergeben. Mein Was böse scheint, ist mir gewinn, Der tod felbst ist mein leben. Ich bin deß kind, Der von der sünd Mich felbst zu sich gezogen; Wenn er gleich schlägt und kreuz auflegt, Bleibt er mir doch gewogen. heil in geduld! Denn seine huld Wird endlich rettung finden! Angst, noth und quaal Wird auf einmal, Gleich wie ein rauch, verschwinden. 8. Nun, herr, mein gott! so fall ich dir Getrost in deine hände; Erwähle, ordne, sende mir, Bis an mein letztes ende, Was herz und geist, So wie du weißt, Was Erbauet, beffert, lehret, deinen ruhm, Mein christenthum Und seligkeit vermehret. 2. Ich glaub in fester zuversicht, Mein vater muß mich lieben. Verbirgt er gleich fein angesicht, So will er mich nur üben, Mich durch geduld In seiner huld Gewöhnen fest zu stehen; Wenn sich mein geist Nur treu erweist, So wird er mich erhöhen. 9. Giebst du mir ruh und sonnenschein, So nehm ichs an mit freuden; Solls aber freuz und unglück seyn, Will ichs geduldig leiden. Soll ich allhie Noch fort voll müh. Voll leid und kummer leben; Ich folge dir, Dünkts schwer gleich mir, Gelassen und ergeben. 3. Er hat mich selber zugericht't, Mir feel und leib gegeben; Er ists, der unterhalt verspricht, fristet mir das leben, Erbarmet sich und zählet mich Aus gnaden zu den seinen; so viel thut, Des herz und muth Kanns nim mer böse meinen. Er Wer 4. Bei ihm ist weisheit und verstand Und macht in allen thaten; Zeit, ort und stund ist ihm bekannt, Zu helfen und zu rathen. Er weiß, wenn freud, Er weiß, wenn leid Uns, seinen kindern, diene; Und was er thut, Ist alles gut, Obs noch so traurig schiene. 10. Und soll ich auch in tod und grab Nach deinem willen gehen; So wirst du mir, mein schutz und stab, Auch dann zur seite stehen; Du bist mein gott, Der in dem tod, So meinen lauf vollendet, Daß dich mein geist Dort ewig preift, Und all mein leid fich endet. Du wenn du nicht hast, Was fleiſch und blut 522. W lagen, und in der Mel. Nun ruhen alle Wälder. as soll ich begehret, Als ob dich gott mit großer last, Und gar im zorn beschweret; Hast spät und früh noth verzagen? Der höchste sorgt für mich. Er sorgt, daß meiner Viel sorg und müh. Zu deinem feele Kein wahres gut hier fehle, wunsch zu kommen, Und denkest nicht, Das, was geschicht, Gescheh zum heil der frommen. Genug zum trost, mein herz, für dich! 6. Ach! er, der dich geschaffen 2. Was nüßt es, heidnisch sorgen, Und jeden neuen morgen Vom Leiden und Kreuze des Christen. 282 Mit neuem fummer sehn? Du vater meiner tage. Weißt, eh ich dir's noch sage, Mein leid und auch mein wohlergehn. Mel. Jeju meine Freude. 3. Auf deine hand zu schauen, 523. Auf dich, gott der güte, Dir kindlich zu vertrauen, Das, herr! ist meine pflicht. Ich will fie treulich üben Und dich, mein bater! lieben; Denn du verläßt die deinen nicht. Hoffet mein gemüthe, Ich bin gutes muths; Ohne furcht und grauen Will ich dir vertrauen, Gott, mein starker schuß! Gründe mich, Mein fels! auf dich, Halt mich fest, daß kein gedanke Zweifelnd von dir wanke. 4. Der du die blumen Kleideft, Und alle thiere weidest, Du schöpfer der natur! Weißt alles, was mir fehlet. Drum, seele, dich quälet, Befiehl dem herrn, und glaube nur! was 5. Herr! alle meine sorgen, Die noth, die mich verborgen In meinem geiste nagt, Werf ich auf dich, den treuen; Du weißt den zu erfreuen, Der fromm nach deiner hülfe fragt. 6. Wenn meine augen thränen Und sich nach hülfe sehnen, So klag ichs dir, dem Herrn. Dir, vater! dir befehle Ich jeden wunsch der feele, Du hörst, du hifft, du fegnest gern. 7. Der du mir hier im leben Schon größres heil gegeben und deinen sohn geschenkt, Du wirst mir alles schenken, Und mir zum besten lenken, Was mich zu sorgen reizt und fränkt. 8. Du führest, herr! die deinen Nie, so wie sie es meinen, Nein, nur nach deinem rath. Ob ich mich auch betrübe, Bleibt doch dein rath voll liebe; Das zeigt der ausgang mit der that. 9. Wenn ich hier tiefen sehe, Und es nicht ganz verstehe, Was du mit mir gethan; Kann ich doch deß mich trösten: Du nimmst mich, mich erlösten, Gewiß dereinst zu ehren an. 10. Dort, bei der frommen schaaren, Dort werd ich es erfahren, Wie gut du mich geführt. So sing ich dir mit freuden Nach überſtandnen Vertrauen und Hoffnung auf Gott. 2. Groß sind deine werke; Niemand ist an stärke Dir, Jehovah: gleich. Du lenkst sonn und sterne, Du bist nah und ferne, Du machst arm und reich. Du bist groß, Herr, göttlich groß! Groß an weisheit, groß an gnade! Wer ist, der mir schade? 3. Du haft, quell der freuden! In so manchen leiden, Wenn mich noth geschreckt, Treu und voll erbarmen Mich mit liebesarmen Väterlich bedeckt. Deine treu Iſt tägheben, und dir dankbar leben. lich neu; Täglich will ich dich er4. Gott! dein weg ist heilig; Doch du sorgest treulich Für mein wohl und heil. Auch auf rauhen wegen Wird so mancher segen mir von dir zu theil. Was du thust, Ist meine lust: Dir, herr! halt ich kindlich stille, Dein will' ist mein wille. 5. Du liebst die getreuen, Die sich findlich freuen, Daß du gnädig bist. Der ziert deine lehre, Der lebt dir zur ehre, Der nie zaghaft ist. Wer sich fest Auf dich verläßt, Der wird, sollt ihn alles haffen, Nimmermehr verlassen. 6. Gott! dir sey mein leben Und mein herz ergeben; Du bist fromm und gut. Ach gieb, wenn ich leide, Durch den geist der freude Mir des christen muth. Sey mein schild, Laß Jefu bild, Wenn mein auge bricht, mich sehen, Froh einst vor dir stehen. M Herzlich thut mich verlangen. leiden. Den 524. Dem herrn wit ich wer huld gebührt. Vom Leiden und Kreuze des Christen. mich auf gott, Auf sand nicht werth der ew'gen schlöffer bauen, Nicht zagen in der der unsterblichkeit. noth. Gott ists, der mich gefüh- kannst du trösten, ret, So lang ich denken kann; herz erfreun! Er, der die welt regieret, Nimmt sich auch meiner an. 2. Bei ihm ist himmel, erde Und mensch und engel gleich. Er spricht: vergeh und werde Zum wurm und königreich. Er ftraft, und kann behüten; Denn sein ist Hier läßt er donner wüthen, Dort läßt er sie nur drohn. 3. Ihr thränen, die ich weine, Seyd bloßer unverstand. Wenn ich verlassen scheine, Hält mich des höchsten hand. Was heut ich unglück nenne, Ist morgen schon mein glück; Ich, der mich selbst nicht kenne, Kenn' minder mein geschick. 4. Wenn aber trübe stunden, Wenn mancher schwüle tag, Wenn hier geheime wunden, Und wenn dort schlag auf schlag, Und schrekken schnell auf schrecken Den untergang mir drohn, Ist gott mir stab und stecken Und schild und großer lohn. 5. Den frommen, die gott lie: ben, Ist alles seligkeit: Ihr jauchzen, ihn betrüben, Ihr siegen und ihr streit, Ihr glück und ihre plage, Ihr ganzer lebenslauf köst sich am lezzen tage In himmels= jubeln auf. 6. Hinweg, ihr bangen plagen, Und gram und ungeduld! Durch zittern und durch zagen Häuft strafe sich und schuld. Wir mehren unsre schmerzen, Vergrößern unsre pein, Und flößen unserm herzen Geheimes gift nur ein. 7. Wie tröstlich sind die lehren, Die gottes wort mir giebt! Mein flehn will gott erhören, Gott züchtigt, den er liebt; Nach trüben augenblicken Geh ich zur frohen ruh; Dem geist winkt mit entzücken Die schaar der sel'gen zu. 8. Kurz sind der christen leiden, Kurz ihre prüfungszeit, Nicht 283 freuden Und O trost, wie Wie sehr das Ich geh mit den erlösten Zum lohn des himmels ein. Gebet. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 525. Könnt ich in meinen nöthen vertraun, nicht beten, Wie elend wär ich dann! Wenn troft und hoffnung wanken, Wie sollt ichs gott verdanken, Daß ich dann zu ihm beten kann? 2. Oft raubten bange schmerzen Den frieden meinem herzen, und störten meine ruh; Doch wenn mich kummer quälte, Dann fleht' ich, dann beſeelte Dein troft mich, gott! dann hörtest du. 3. Dann trug ich meine leiden Mit größerm muth und freuden, und ruh empfand mein geist; Ich fand dann im gebete Den troft, um den ich flehte, Den trost, den uns dein wort verheißt. 4. Fleht ich zu dir am morgen, So schwiegen meine sorgen Den ganzen tag in mir; Mit ruhigem gemüthe Vertraut ich deiner güte, Und überließ mein schicksal dir. 5. Und ruhig war mein schlummer, Wenn ich dir meinen kummer, O gott! zuvor geklagt; Von diesem trost umgeben, Daß du wachst für mein leben, War meine seele unverzagt. 6. Noch werden viele tage Mir traurig, unter plage Und unter gram vergehn; Laß, herr! in meinen leiden Mich nie dein antlig meiden, Mich immer freudig zu dir flehn. 7. Und laß mich stets empfinden, Daß die dein antliß finden, Die gläubig dir vertraun. Mit ruhevollem herzen Will ich in meinen schmerzen Auf dich nur meine hoffnung baun. 284 Trost gesänge, oder Ermunterungen zur Geduld, Zufriedenheit, Vertrauen auf Gott, und Ergebung in seinen Willen. Allgemeine Trostlieder. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 526. Chrift, alles, was dich tränket, Befiehl getrost dem Herrn! Er, der die himmel lenket, Ist auch von dir nicht fern. Erwach aus deinem schlummer; 3u gott erhebe dich; Er sie het deinen kummer, Und liebt dich väterlich. 2. Sinds sünden, die dich schmerzen? Ja, fühle deine schuld; Doch trau von ganzem Herzen Auf deines gottes huld. Zur wahren ruhe führet Die reu, die gott gefällt; Allein den tod gebieret Die traurigkeit der welt. 3. Trau gott, nicht deinen schlüssen, Die wahl des besten zu. Sprich, wer wirds besser wissen, Dein schöpfer, oder du? Er weiß ja, was dir fehlet, In jedem augenblick. Was er, dein vater, wählet, Das dient zu deinem glück. 7. Ergieb dich ihm mit freuden, Sey stark in seiner kraft, Sey auch zur zeit der leiden Ein christ und tugendhaft; Und dann ergreif im glauben Den trost der ewigkeit. Wer kann den trost dir rauben, Der allen gram zerstreut? 8. Sey froh; dein gott regieret, Sein rath ist wunderbar; Einst wirst du überführet, Daß er der beste war. Du denkst wol unterdessen: Der Herr erbarmt sich nicht! Der herr hat mein verges sen! Doch höre, was er spricht: 9. Ist auch der mütter eine, Die ihres sohns vergißt? Denk an dies wort und weine Die freudenthrän', o christ! Und könnt fie sein vergessen, Will ich doch deiner nicht, Ich deiner nicht vergessen! Der herr ists, der dies spricht. 10. Mit ruhigem gemüthe Verlaß auf ihn dich fest, Und wiß, daß seine güte Dich ewig nicht verläßt. Er will nach einer weile Dich desto mehr erfreun, Zu deinem größern heile Verzieht er; harre sein! 11. Wohl dir alsdann, du treuer! Wie groß ist einst dein lohn! Dein richter, dein befreier Reicht dir die siegeskron. Auf kurze prüfungstage Folgt ewger preis und dank, Dann schweiget jede klage, Und wird ein lobgesang. 4. Der gott, auf dessen segen Dein ganzes wohl beruht, Ist stets in seinen wegen Hochheilig, weif' und gut. Und was er seinen kindern Zu ihrem heil erfah, Kann kein erschaffner hindern; Wenn er gebeut, stehts da. 5. Es mag die hölle wüthen; Umsonst empört sie sich, Wenn er dich will behüten, Und er behütet dich. Wer gleicht ihm? feinen winken Gehorchen erd und meer. Mel. In dich hab ich gehoffet, Herr. Laß deinen muth nicht finken; 527. Sey, feele! ſtarf und Dein und er. unverzagt. Wenn irgend dich ein kummer plagt, Befiehl gott deine sachen. In aller pein Vertrau allein Auf ihn; er wirds wohl machen. 6. Gott zählet deine zähren, und wird, was gut ist, gern, Auch deinen wunsch gewähren; Sey stille vor dem Herrn! Er ist ein hort der frommen; Hoff unverzagt auf ihn, Denn seine zeit wird kommen, und deine wohlfahrt blühn. 2. Kein leiden kömmt von ohngefähr, Die hand des höchsten schickt es her, Sein rath hats so Trostgesänge. ersehen; Drum sey nur still, Und was gott will, Laß immer gern geschehen. 3. Erweckt dir gleich das leiden pein, So solls dir doch nicht schädlich seyn; Gott kann sein find nicht haffen. Wer ihn nur liebt, Sich ihm ergiebt, Den wird er nicht verlaffen. 4. Wie lange währt der from men leid? Nicht ewig, herr! nur kurze zeit. Nach überstandnem leide Erquickest du Ihr herz mit ruh Und einst mit ewger freude. 5. Drum hab, o feele, guten muth! Vertraue gott; es wird noch gut Nach aller trübsal werden. Er ziehet dich Durchs kreuz zu sich, Zum himmel von der erden. 6. Gott ist dein gott! er ist getreu; Und stehet dir als vater bei In allem kreuz auf erden. Der leiden heer Wird nie zu schwer Durch ihn dem christen werden. 7. Es haben ja zu aller zeit Die heiligen in traurigkeit Hier oftmals wandeln müssen; Warum willst du hier nur von ruh, Und nichts von trübsal wissen? 8. O! bet' und sieh auf deinen gott In aller deiner angst und noth; Laß, wie er will, es gehen. Sein will ist gut; Behalte muth! Gott wird dich einst erhöhen. 9. Der du ein gott des troftes bist! Laß jeden, der hier traurig ist, Doch deinen trost empfinden. Hilf, den du liebst, und prüfend übst, Den unmuth überwinden. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 528. Will mich, o gott! bienieden Des lebens laft ermüden, So stärke meinen geist; Wenn mich die leiden fränken, So laß mich wohl bedenken, Auch das sey gut, was trübsal heißt. 2. Nicht ewig soll sie währen; Oft werden unsre zähren Schnell von dir abgewischt. Und seufzen wir: wie lange Ist meiner seelen bange? So wird mit trost das herz erfrischt. 285 3. Die lasten, die uns preffen, Hast du, herr! abgemessen, So groß sie immer seyn. Du hilfft sie selbst uns tragen, und richtest unsre plagen Nach unsern kräften weislich ein. 4. Ja, wenn ichs recht erwäge, So sinds nur liebesschläge, Womit du uns belegst; Nicht schwerter sinds, nur ruthen, Womit du, bloß zum guten, Als vater deine kinder schlägst. 5. Dein väterlich bemühen Will uns hier auferziehen, zu thun, was dir gefällt; Du willst die lüfte schwächen, Den eignen willen brechen, Uns bilden für die beßre welt. 6. Du willst den eifer mehren, Gehorsam dich zu ehren, Mit glauben und geduld; Daß, wenn uns feinde Hassen, Und freunde uns verlassen, Wir dennoch traun auf deine huld. 7. Was will uns, herr! auch scheiden Von dir und jenen freuden, Die du für uns ersehn? Man lebe oder sterbe, So wird des himmels erbe Doch deinen kin= dern nicht entgehn. 8. 3u jenem bessern leben Willst du auch mich erheben; Der tod ist mein gewinn. Muß einst mein leib verwesen, So wird mein geiſt genesen; Er eilt zu seligkeiten hin. 9.! drücke meinem herzen, Auch unter forg' und schmerzen, Dies tief und liebreich ein. Der, den du, vater! liebest, Kann auch, wenn du betrübest, Doch hoffnungsvoll und ruhig seyn. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 529.Befiehl bu deine wege du Und was herze kränkt, Der treuen vaterpflege Deß, der den weltkreis lenkt; Er zeichnet stern und winden Die abgemeßne bahn; Sollt er nicht wege finden, Wo dein fuß wandeln kann? 2. Dem Herrn mußt du vertrauen, Wenn dirs soll wohlergehn, Und dein werk auf ihn 286 Trostgesänge. bauen, Soll es vor ihm bestehn. Gott läßt durch sorg und grämen Und durch selbst eigne pein Sich keine wohlthat nehmen; Sey fromm, so ist sie dein. 3. Dein aug', o gott der gnade! Sieht immer ungeschwächt, Was gut sey oder schade Dem sterblichen geschlecht; Und was du denn erlesen, Dein rath fürs beste hält, Bringst du zum stand und wesen, Wie es dir wohlgefällt. wunderbaren wegen Fehlt 4. An dirs, allweiser! nicht; Dein thun ist gnad' und segen, Dein gang ist recht und licht; Und wenn du deinen kindern Ein glück haft zugedacht, So kann dein werk nichts hindern; Du willst, so ists vollbracht. 5. Hoff, o bedrängte feele! Hoff', und sey unverzagt. Gott weiß es, was dich quäle, Den kummer, der dich nagt. Er wird dich ihm entrücken; Erwarte nur die zeit, Bis dich mit holden blicken Sein angesicht erfreut. 6. Auf! wehre deinem schmerze, Der sorgen bange nacht Verfinstre nicht dein herze, Auf! brich der schwermuth macht! Bist du doch nicht regente, Der alles führen foll; Gott sitzt im regimente, und führet alles wohl. 7. Drum, feele! laß ihn walten, Er ist ein weiser fürst; Er wird dich aufrecht halten, Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, Nach seiner weisheit rath Das werk hinaus geführet, Das dich geängstet hat. 8. Und blieb' der trost auch lange, Den du von ihm begehrt, Und würde dir oft bange, Daß er dich nicht gehört; Er wird dir hülfe senden, Wenn du's am mindsten gläubst, Und all dein unglück wenDen, So du ihm treu verbleibst. 9. Wohl endlich deiner treue! Du trägst den sieg davon. Auf! daß dein herz sich freue, Schau nur den reichen lohn! Gott giebt dir selbst die palmen In deine rechte hand, Und du fingst freudenpfalmen Dem, der dein leid gewandt. 10. Mach end', o herr! mach ende Hier aller unsrer noth, Und reich uns deine hände Jm leben und im tod. Stets laß uns deiner pflege Und treu empfohlen seyn; So gehen unsre wege Gewiß zum himmel ein. Beim Verzug der göttlichen Hülfe u. Erhörung des Gebets. Mel. Wer nur den lieben Gott. err! 530.mille. Bei allem, was mich fränkt und drückt, Geschieht doch einzig nur dein wille, Der nichts zu meinem schaden schickt. Du bists, der alles ändern kann, Und was du thust, ist wohlgethan. 2. Auch auf den allerrauhsten wegen Führst du uns zur glückſeligkeit. Selbst trübfal bringt dem ewgen segen, Der dir sein ganzes herze weiht; Ihr ausgang wird doch herrlich seyn, Siehts gleich der blöde geist nicht ein. 3. Drum laß mich stille seyn und hoffen, Wenn du mir prüfungen bestimmt. Dein vaterherz steht dem doch offen, Der zu dir seine zuflucht nimmt; Wer still in deiner fügung ruht, Mit dem machst du es immer gut. 4. Uns bleibt oft, was uns nüßt, verborgen; Wer hats je ganz genau erkannt? Wie oft find unsre wünsch und sorgen Voll thorheit und voll unverstand! Wer kann, was seinem wohlergehn Zum schaden dient, ganz übersehn? 5. Nur du, du kennst und wählst das beste. O vater! mache selbſt mein Herz In dieser überzeugung feste, So ehr ich auch im größten schmerz Dich noch mit der gelassenheit: Was mein gott will, gescheh allzeit. 6. Die stunde wird doch endlich kommen, Da mich vollkommnes glück erfreut; Denn einmal führſt du doch die frommen Zur völligen Und zufriedenheit. dann wird Trostgesänge. jedem offenbar, Daß gott! dein rath der beste war. 7. Dann wird von allen meinen plagen Der ewge nußen mich erfreun; Dann wird mein herz, statt aller klagen, Voll von dem dank und lobe seyn: Der herr, der für mein heil gewacht, Hat alles mit mir wohl gemacht. In Kleinmüthigkeit und beim Mangel an Vertrauen auf Gott. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 531. Gott der wahrheit, des fen treue Unsre hoffnung stüßt und hält! Ich erkenn es voller reue, Daß mich kleinmuth oft befällt. Ach! mein Herz hängt noch an dingen, Die doch keinen trost mir bringen; oft vergeh ich zweifelnd, wider dich! mich, Nengstlich 287 rig ende nimmt, Wo mir ewges heil bestimmt. 6. Muß ich gleich noch hier auf erden, Gott, entfernt vom himmel seyn. Wirst du doch von den beschwerden Dieser zeit mich einst befrein. O erwünschte sel'ge stunden! Ewig aller noth entbunden Werd ich dich, mein heiland! sehn, Und zu deiner freud eingehn. fen, Herr! Herr! meine zuversicht 7. Laß mich fröhlich darauf hofBis daß alles eingetroffen, Was auch mir dein wort verspricht. Auf dich, quelle alles lebens! Harrt der glaube nie vergebens; Was wir glauben, schauen wir Einst gewiß, o herr! bei dir. D, wie Wider Berzagtheit und Troftlofigkeit. 3. Laß mich gram und unmuth meiden, Weil du für mich sorgst und wachst, Und selbst allen druck der leiden Mir zur wahren wohlthat machst. Laß mich auf dein wort stets hoffen, Das noch im mer eingetroffen. Gott! wer deinem wort nicht traut, Hat auf leichten sand gebaut. 4. Laß mich fest im glauben wer den, Daß dein wort wahrhaftig fey; O! so werd ich hier auf erden Von so mancher unruh frei; Dann werd ich, mein gott! mit flehen Stets auf deine hülfe sehen, Dann wächst meine zuversicht, und die hoffnung trügt mich nicht. 5. Vater! meine hoffnung gründet Sich auf deines sohnes tod; Meine seele sucht und findet Darin großen trost in noth. Ja, sein stegreich auferstehen läßt mich zu Dem leben gehen, Das kein trau2. Gott! vergieb mir dieſe Mel. O Jesu, du mein Bräutigam. fünde, Nimm die strafe von mir 532. Von dir, o vater! nimmt hin. Schenke, vater! deinem kinde Einen dir ergebnern sinn, Der von dir nur hülfe heischet, Den nicht falsche hoffnung täuschet, Die das Herz aufs eitle zieht, Und wie leichter rauch entflieht. mein herz Glück, unglück, freuden oder schmerz, Von dir, der nichts als lieben kann, Vertrauensvoll und dankbar an. 2. Nur du, der du allweise biſt, Nur du weißt, was mir heilsam ist; Nur du siehst, was mir jedes leid Für heil bringt in der ewigkeit. 3. Die kurze oder längre pein Kann nie umsonst erduldet seyn; Der bittern wurzel frucht ist füß, Und einst quillt licht aus finsterniß. 4. Ist alles dunkel um mich her, Die seele müd' und freudenleer, Bist du doch meine zuversicht, Biſt in der nacht, o gott! mein licht. 5. Verzage, herz, verzage nie! Gott legt die laft auf. gott kennt sie; Er weiß den kummer, der dich quält, und geben kann er, was dir fehlt. 6. Wie oft, herr, weint ich, und wie oft Half deine hand mir unverhofft! Oft jammert ich untröstbar heut, und morgen schon ward ich erfreut. 7. Oft sah ich keinen ausgang mehr; Dann weint ich laut und flagte sehr. Wo bist du, mein 288 Trostgesänge. gott? schauest du Denn meinem elend gar nicht zu? 8. Dann hörtest du, o herr! mein flehn, Und eiltest bald mir beizustehn; Du öffnetest mein auge mir, Ich sah mein glück und dankte dir. 9. Wie viele seelen hat die nacht Der schwersten trübsal bang gemacht! Und wen, o gott! den du geliebt, Hast du auf erden nie betrübt? 10. Doch so viel seelen auch die nacht Der schwersten trübsal bang gemacht, So viel hast du zu rechter zeit mit deiner gnade, herr! erfreut. 2. Er zählte meine tage, Mein glück und meine plage, Eh ich die welt noch sah; Eh ich mich selbst noch kannte, Eh ich ihn vater nannte, War er mir schon mit hülfe nah. 3. Die kleinste meiner forgen Jst dem gott nicht verborgen, Der alles sieht und hält; Und was er mir beschieden, Das dient zu meinem frieden, Wär's auch die größte last der welt. 4. Ich lebe nicht auf erden, Ganz glücklich hier zu werden; Die lust der welt vergeht. Ich lebe hier, im segen Den grund zum glück zu legen, Das ewig, wie mein geist, besteht. 11. Sagts alle, die gott je geprüft, Die ihr zu ihm um hülfe rieft, Sagts, fromme, ob er das gebet Geduldig leidender verschmäht? 12. Die stunde kömmt früh oder spät, Wo dank und freud aus leid entsteht, Wo pein, die stunden nur gewährt, In freudenjahre sich verkehrt. 13. Du erntest deiner leiden lohn Vielleicht in diesem leben schon; Vielleicht, daß, eh du ausgeweint, Dir gott mit seiner hülf erscheint. 14. Schau deinen heiland gläubig an; Wenn niemand dich erquicken kann, So schütte du in seinen schooß Dein herz aus; seine hülf ist groß. 15. Ginst hat er auch, der menschenfreund, Im thränenthale hier geweint; Auf deine thränen giebt er acht, Und dir zu helfen, hat er macht. 16. Und helfen will er, zweifle nicht! Er hält getreu, was er Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. verspricht: Nicht lassen will ich, 534. Ach! die zweifelnden gedanken: ich seele! dich; Sey gutes muths, und glaub an mich! 5. Was dieses glück vermehret, Sey mir von dir gewähret; Gott! du gewährst es gern. Was dieses glück verletzet, Wenns alle welt auch schäßzet, Sey, herr, mein gott! mir ewig fern. 6. Sind auch der krankheit plagen, Ist mangel schwer zu tragen, Noch schwerer haß und spott; So harr ich, und bin stille Zu gott; denn nicht mein wille, Dein wille nur gescheh, o gott! 7. Du bist der müden stärke. Und aller deiner werke Erbarmst du ewig dich. Was kann mir wi derfahren, Wenn gott mich will bewahren? Und er, mein gott, bewahret mich. Bei Schwachheit des Glaubens und in 3weifel an der Gnade Gottes. treu und standhaft seyn? Werd ich siegen? werd ich wanken? Wank ich, wird mir gott verMel. Nun ruhen alle Wälder. 533.Was ifte, daß ich mich zeihn? Dieser zweifel sind so viel; quäle? meine feele, Harr und sey unverzagt! Du weißt nicht, was dir nüßet; Gott weiß es, und gott schüßet, Er schüßet den, der nach ihm fragt. Diese ziel nes rufes meinen blicken Zu verdunkeln, zu entrücken. 2. Die versucher meiner feele Sagen: fruchtlos, thöricht seys, Daß ich fromm zu seyn mich quäle, Troftgesänge. Zu hoch sey des glaubens preis; Nicht so blumigt, nicht so breit Sey der weg der heiligkeit, Wie der ebne weg der lüste, Sey ein dornpfad in der wüste. 3. Aber du haft auch gelitten, Jesu Christe! nicht für dich, Einen harten kampf bestritten, Der versuchung kampf für mich. Meine hülfe sey denn du! Gieb der müden seele ruh! Jede fünde will ich haffen. Ach, wie kannst du mich verlassen? 4. Meine seele betet: stärke Mich, o mittler! und du hörst. Ruhe giebst du, denn ich merke, Daß du kraft und muth gewährst. Ist der lüste weg gleich breit, Schmal der weg der heiligkeit, Fröhlich dorten das getümmel; Führt die stille doch zum himmel. muth. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen. 535. Was bist du, o christ! betrübet? Warum klagst und zagest du? trost! genieß die ruh, seinen Freunden giebet. nicht; gott hält den fest, Der sich fest auf ihn verläßt. 2. Sprich nicht: gott hat mich verlassen, Er entzeucht mir seine huld, Er gedenkt an meine schuld, Er hat ursach, mich zu haffen; Such ich ihn, so flieht er mich, Er verstößt mich ewiglich. Sey geDie gott Wanke 289 5. Weicht, ihr zweifelnden gedanken: Werd' ich treu und standhaft seyn? Werd ich siegen? werd' ich wanken? Wank' ich, wird mir gott verzeihn? Mein versuchter mittler giebt Hülfe jedem, der ihn liebt, Giebt mir heilige gedanken, Muth und treue, nicht zu wanken. In Gewissensangst und Schwer: Was du schwer getragen hast. 9. Warum kam sein sohn auf erden? Nahm er nicht das elend weg? Hatt' er nicht den fel'gen zweck, Daß wir sollten selig werden? Gab er nicht am freuze sich Für die welt und auch für dich? 10. Ließ er darum sich ermorden, Bist du dazu theur erkauft, Und auf seinen tod getauft, Biſt du darum gläubig worden, Daß du bis ins grab hinein Solltest voller jammer seyn? 11. Gott kann nie sein kind verschmähen, Das im seelenkummer ächzt, Und nach troft und gnade lechzt; Liebreich wird er auf dich sehen. Ehe wankt der berge grund, Als sein treuer friedensbund. 12. Nun so stille deine klagen, Bete, kämpfe, sey getreu! Schwachen steht gott mächtig bei. Bald wirst du mit freuden sagen: Gott! T 3. Nein, gott kann dich nicht verlassen; Er schenkt fündern seine huld, Die die lasten ihrer schuld Schmerzlich fühlen, ernstlich haffen. Such ihn nur; er nahet fich; Er verstößt nicht ewiglich. 4. Sieh die leiden, die dich drükken, Nicht für zorngerichte an; Sprich nicht: gott, der kann, Will und erquicken; gern, Nun ist seine hülfe fern. 5. wird mich nicht Vorher half er mir so Alle leiden, die dich drücken, Sieh als liebeszeichen an; Gott, der mächtig helfen kann, Wird dich väterlich erquicken; Auch noch jetzt hilft er dir gern, Seine hülf ist nicht mehr fern. 6. Sprich nicht: meiner seufzer stimme Dringt jetzt nicht mehr in sein herz, Selbst im beten wächst mein schmerz; Er verwirft mein flehn im grimme, Meine thränen und mein schrein Werden stets vergeblich seyn. 7. Gott hört deiner seufzer stimme, Sie dringt in sein vaterherz, Er gedenkt an deinen schmerz Göttlich gnädig, nicht im grimme; Deine thränen und dein schrein Werden nie vergeblich seyn. 8. Wirf die sorgen, die dich nagen, Christlich muthig von dir' hin; Gott ist hie, wirf sie auf ihn, Er erbeut sich, sie zu tragen; Ihm wird das zu keiner last, 290 Trostgesänge. nach gott verlangen, Und sein ers barmen suchen heißt. 8. Vertrau auf gott! er wohnt bei denen, Die sich nach seiner o Er kennt und will dein wahres glück. Er höret deines weinens stimme, Verbirget sich, als wie im grimme, Nur einen kleinen augenblick. 9. Gott ließ so manchen seiner frommen In dies gefühl des elends kommen, Und stand ihm gleichwohl mächtig bei. Du sollst dein nichts erkennen lernen, Sollst das vertraun auf dich entfernen Und sehn, was gottes gnade sey. ich weiß, du liebeft mich, Gott, mein gott! ich hoff auf dich. Hannövr. Mel. Nr. 35. 536. Din schweren leiden, Und seufzest, daß der geist der freuden So weit von dir gewichen ist. Du klagst und rufft: herr! wie so lange? Und gott verzeucht, und dir wird bange, Daß du von gott verlaffen bist. 2. Sind meine sünden mir vergeben, Hat gott mir fünder heil und leben In seinem lieben sohn verliehn; Wo sind denn seines geistes triebe? Warum empfind ich nicht die liebe, und hoffe nicht ge= troft auf ihn? 3. Mühselig, sprichst du, und beladen Hör ich den trost vom wort der gnaden, Und ich empfind und fühl ihn nicht, Bin abgeneigt vor gott zu treten; Ich bet, und kann nicht gläubig beten, Ich denke gott, doch ohne licht. 4. Sonst wars mir freude, seinen willen Von ganzem Herzen zu erfüllen, Sein wort war immer mir gewiß; Jetzt kann ichs nicht zu herzen faffen, Und meine kraft hat mich verlassen, und meinen geift deckt finsterniß. 5. Oft fühl ich zweifel, die mich quälen, Heul oft vor unruh meiner seelen, Und meine hülf ist von mir fern. Ich suche ruh, die ich nicht finde; In meinem herzen wohnt nur fünde, Nur unmuth, keine furcht des Herrn. 6. 3ag' nicht, o christ! denn deine schmerzen Sind sichre zeugen beffrer herzen, Als dir dein eignes herz jetzt scheint. Wie könntest du dich so betrüben, Daß dir die kraft fehlt, gott zu lieben, Wär nicht dein herz mit ihm vereint? 7. Kein mensch vermag gott zu erkennen, Und Jesum seinen herrn zu nennen, Als nur durch seinen heilgen geist. Hast du nicht diesen geift empfangen? Er ists, der dich 10. Vor sicherheit dich zu be= wahren, Läßt er dich seine streng erfahren, Und schickt dir diese noth und last. Er reinigt dich, wie gold im feuer, Macht dir das heil der feele theuer, Damit du haltest, was du haft. 11. So wie ein vater über kinder, Erbarmet gott sich über fün der, Die seinen namen ängstlich scheun. Dein seufzen ist ihm nicht verborgen, So fern der abend ist vom morgen, läßt er von dir die fünde seyn. 12. Zwar ist um trost dir jezo bange, Denn alle züchtigung, so lange Sie da ist, scheint uns schwer und hart; Doch nachmals wird sie friedsam geben Vermehrte tugend, heil und leben Dem, der durch sie geübet ward. 13. Fahr fort zu beten und zu wachen; Gott ist noch mächtig in den schwachen, Ist lieb und güte für und für. Laß dir an seiner gnade gnügen; Sein wort ist wahr und kann nicht trügen: Ich stärke dich, ich helfe dir! 14. Auf! faffe dich in deinen nöthen. Sprich: wollte mich der Herr auch tödten, So harr ich dennoch standhaft sein; Mir bleibt das erbtheil der erlösten, Und will mich gott nicht eher trösten, Wird er mich doch im tod erfreun. Trostgesänge. Trost aus der Erlösung. Mel. Warum sollt ich mich denn. 537. Marum follt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christum noch! Wer will mir den nehmen? Wer will mir den himmel rauben, Den mir schon Got: tes sohn Beigelegt im glauben? 2. Ich kam unter angst und nöthen, Ganz hülflos, Arm und bloß, Einst ans licht getreten; Nichts nehm ich auch von der erde Dann mit mir, Wenn ich hier Einst abscheiden werde! 3. Gut und blut, leib, feel und Leben Ist nicht mein; Gott allein Ist es, ders gegeben. Fordert er es einstens wieder; Er nehms hin, Ich preif' ihn Doch durch meine lieder. 4. Schickt er mir ein kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Der es schickt, der hats in händen; Er weiß wohl, Wie er soll All mein unglück wenden. 5. Gott hat mich bei guten tagen Oft ergößt; Sollt ich jetzt Nicht auch etwas tragen? Fromm ist gott, und schärft mit maaßen Sein gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, sünd und ihre rotten Können mir nichts mehr hier Thun, als meiner spotten. Laß fie spotten, laß fie lachen; Gott, mein heil, Wird in eil Sie zu schanden machen. 7. Unverzo und ohne grauen Soll ein christ, Wo es ist, Stets sich lassen schauen. Wollt ihn auch der tod bekriegen; Christi blut Und sein muth Hilft auch den Bestegen. 8. Denn kein tod kann mich ertödten, Nein, er reißt Meinen geist Aus viel tausend nöthen, Endigt dieses lebens leiden, Führt mich dann Himmelan In der engel freuden. 9. Dann wird sich mit bessern schäßen Geist und herz Auf den schmerz Ewig dort ergößen. Hier ist kein recht glück zu finden; Was 291 die welt In sich hält, Muß wie rauch verschwinden. 10. Was sind dieses lebens güter? Unbestand, Eitler tand, Kummer der gemüther. Dort, dort sind die edlen gaben, Da mein hirt, Christus, wird Mich ohn' ende laben. 11. Herr, mein hirt, brunn aller freuden! Du bist mein! Ich bin dein! Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein leben Und dein blut, Mir zu gut, In den tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich faffe, Und dich nicht, mein licht! Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Wo du mich, Und ich dich Ewig werd umfangen. Mel. Herr Jesu Christ, mein's. 538. Ach, gott! wie mangegnet mir hier in der zeit! weg ist schwer und trübsalvoll, Den ich auf erden wandeln soll. Der 2. Wie widerstrebt nicht fleisch und blut Jhm, unserm wahren, höchsten gut! Du, Jesu, mittler! du allein Mußt unsrer schwachheit stärke seyn. 3. Bei dir fand ich zu jeder zeit Im unglück rath, und trost im leid; Und wenn ich schon am abgrund stand, Erhielt mich deine starke hand. 4. Du, gottes eingeborner sohn! Stiegst von der ewigkeiten thron, Und nahmst der fünder fluch auf dich, Wardst mensch für uns, ein mensch wie ich. 5. Du littest in des Lebens thal, O gottmensch! Leiden ohne zahl, Du starbst für mich den kreuzestod, Und risfest mich aus aller noth. 6. Ich folge dir als jünger nach; Sollt ich, drückt mich ein ungemach, Verzweifeln, ohne Hoffnung seyn? Nein, du bist mein, und ich bin dein. 7. Mit leib und seele bin ich dein; Und wollten höll und tod mir dräun, So trau ich deiner starken hand, Die tod und hölle überwand, 2 292 Trostgesänge. 8. Verschmachtet selbst mein geist in mir, So laß ich dennoch nicht von dir. Ich fing und bet'; und dann wird schnell Auch trübe finsterniß mir hell. 9 Dann schmeck ich schon hier in der zeit Die freuden jener herrlichkeit; Mein dornenweg wird mir nicht mehr Mit allen seinen leiden schwer. 10. In dieser glaubenszuversicht Betret' ich ihn, und fürcht' ihn nicht. Bereite du mich, herr! dazu; Denn meine stärk und kraft bist du. 11. Erhalte meine seele rein; So leb und sterb' ich dir allein, Und schaue dann nach dieser zeit Dein antlig in gerechtigkeit. Eh noch seiner allmacht ruf Mich und alle wesen schuf. 5. Theuer bin ich ihm erworben; Heil mir! hier ist Jesus Chrift! Er, der auch für mich gestorben, Auch für mich erstanden ist, Nun zur rechten gottes fizet, Auf mich sieht, mich mächtig schüßet, Mich vertritt, mich nie verstößt, Mich aus aller noth erlöst. 6. Truß der welt und ihres spottes! Truß der höll und ihrer wuth! Mir bleibt doch die liebe gottes, Und hält mich in treuer hut. Was will je von der mich scheiden? Nein, ich werd' in allen leiden Mehr, als bloß geduldig seyn, Mich vor gott auch ihrer freun. 7. Laß denn rauhe wetter stürmen, Alles um mich her sey nacht! Gott, mein gott, wird mich beMel. Jesu, meines Lebens Leben. 539. Schweiget, bange zwei ſchirmen, Der für meine wohlfel, schweiget, Mein erbarmer ist getreu, Und sein geist in mir bezeuget, Daß ich ihm verföhnet sey. Mir drohn nicht der Hölle flammen; Und will mich mein Herz verdammen, Dennoch täuscht mich nicht sein schmerz, Gott ist größer, als mein herz. fahrt wacht. Wenn ich lang' auch hülflos bliebe, Leitet doch mich seine liebe Durch die nacht,( drum fürcht ich nichts,) In die wohnungen des lichts. 2. Er, der das verborgne kennet, Kennt auch mich und weiß allein, Wie dies herz von sehnfucht brennet, Ganz sich seinem dienst zu weihn; Schaut den kummer meiner feele, Der mich beugt, so oft ich fehle. Und nicht meiner zweifel wahn, Meinen glauben sieht er an. 3. Und wie nie fein urtheil wanket, Wankt auch nie sein ew'ger rath Rühmet, chriften, danket, danket! Groß ist, was er an uns that! Uns, den fündern, den verfornen, Gab er seinen feingebornen. Wahrlich! alles, alles giebt Der, der seinen sohn uns giebt. 4. Mir auch ist sein sohn gegeben, Durch den glauben ist er mein. Ja, ich weiß, ich werde leben Und in ihm einst selig seyn Mich sah gott von seinem throne, Mich erwählt er in dem sohne, 8 3war ich weiß auch, es be thöre Reichthum leicht das Herz zum geiz; Blendend ist der glanz der ehre, Süß der wollust fal scher reiz; Schlüpfrig sind des glückes pfade, Schmeichelnd ift der hohen gnade; Stolzes lob führt leicht von gott, Und noch leichter bittrer spott. 9. Dennoch weiß ich, schmerz und freuden, Tod und leben, lob und schmach, Werden mich von gott nicht scheiden; Gott ist stark, bin ich schon schwach Gunft der großen, haß der feinde, Ueberredungen der freunde, Nichts, erschüttert meine treu; Gottes liebe steht mir bei. 10 Ich beharr' in meinem glauben, Nichts, wenn es auch alles raubt, Kann mir gottes liebe rauben; Drum erheb ich froh mein haupt. Gnug, daß meiner der gedenket, Der mir seinen sohn geschenket, Und mich nimmermehr verläßt! Dieser fels bleibt ewig fest. Trostgesänge. Trost aus der göttlichen Borsehung. Mel. Was Gott thut, das ist wohl. 540. Was sagst du? gott regiert die weit; Und der ist ja allmächtig. Den arm, der alles fleisch erhält, Was macht dir den verdächtig? Wenn meeresfluth, Schwert, feuersglut Uns schon ereilet hätten, So kann doch er noch retten. 2. Was zagst du? gott regiert die welt; Und der ist ja allwissend. Selbst was dein Herz verborgen hält, Ist dennoch ihm wohl wissend. Sollt ihm dein schrein Verborgen seyn? Die bitte, die du thateft, Wußt er, noch eh du batest. 3. Was zagst du? gott regiert die welt; Und der ist fa allweise. Stets dient der weg, der ihm gefällt, 3um heil dir, ihm zum preise. In finsterniß Führt er gewiß Oft aus der nacht der leiden ns hellste licht der freuden. 4. Was zagst du? gott regiert die welt; st stets allgegenwärtig, Wenn sich dein Herz verlassen hält, Dir nah, zu helfen fertig. Sein othem nur Trägt die natur, Trägt, wo auch jeder walle, Doch allenthalben alle. 293 in demuth ihm Nur klagen unfre noth, So werden wir erhört, So hilft uns unser gott. Mel. D Gott, du frommer Gott. 541. s hilft uns unser gott, Er höret hen; Wir dürfen stets getrost 3u seinem throne gehen. Wenn wir 2. Es hilft uns unser gott, Der alles weiß und siehet, Dem auch das innerste Des Herzens nicht entfliehet. Ja, alles, was uns fehlt, Und unser sehnlich flehn, Das hat der höchste schon Von ewigkeit gesehn. 5. Was zagst du? gott regiert Mel. In dich hab ich gehoffet, Herr. die welt; Und er ist auch geduldig. 542.Gott führt die feinen du wenn er uns stellt, Sind selber fromme schuldig; Doch sein gericht Trifft from me nicht Drum sey gewiß, er schone Auch dein in seinem sohne. 6. Nun, gott! da du die welt regierst; Wie dürft ich ängstlich zagen? Ein leid, in welches du mich führst, Soll nie mich niederschlagen. Ich hoff auf dich! Du läsfest mich Bald deine hülfe schauen. Dir, dir will ich vertrauen. 3. Es hilft uns unser gott, Der alles wohl vollführet, Und auf das weiseste Zu aller zeit regieret; Sein herrlicher verstand Sieht es am besten ein, Was uns wahrhaftig kann Gut oder schädlich seyn. 4. Es hilft uns unser gott, Der alle macht besißet, Dem nichts unmöglich ist; Wohl uns, daß er uns schüßzet! Ist unser leiden gleich Sehr groß und mancherlei; Getrost und unverzagt! Die allmacht steht uns bei. 5. Es hilft uns unser gott, Den unser jammer kränket, Der sein erbarmend herz Auf unsre bitte lenket; Der aller güte voll, Die liebe selber ist, und von dem alles heil Auf uns durch Christum fließt. Bei betrübenden Führungen Gottes. sein kind, so schicke dich, Getroft ihm nachzugehen. Kein weiser kann Die ilge bahn Und ihren zweck verstehen. 2. Die wege, die des höchsten rath Den seinen ausgezeichnet hat, Sind nicht der menschen wege. Doch faffe muth! Sein weg ist gut; Sey, ihn zu gehn, nicht träge. 3. Wenn dein getreuer gott dich führt, Wenn er dein Herz und thun regiert, So kann dein herz sich stillen; Du hast genung Beruhigung In gottes gutem willen. 4. Von keinem blinden ohngefähr, Vom besten vater kömmt es her, Das kreuz, das dir begegnet; 294 Trostgesänge. Des leidens tag, Der liebesschlag Sind auch vom herrn gesegnet. 5. Gott hat schon in der alten zeit mit solcher weisen gütigkeit Die heiligen geleitet; Der, den gott rief, Und ihn ergriff, Ward stets von noth begleitet. 6. Die frommen wandeln allerseits Als pilger, jeder trägt sein treuz, Sie gehen hin und weinen; Doch jeder spricht Mit zuversicht: Gott kanns nicht böse meinen. 7. Ja, gott ist fromm und gut und treu. Glaubst du, daß gott die liebe sey, So hemme deine klagen. Das leiden drückt; Doch was gott schickt, Hilft er, als gott, auch tragen. 8. Er wog, eh noch die welt entstund, Nach jedes christen kraft das pfund Der leiden und der schmerzen! Er wog auch schon Den gnadenlohn Auf seinem vaterherzen. 9. Erzürne dich, find gottes, nicht, Wenn der, der gottes joch zerbricht, Und frech der fünde dienet, Als wie ein baum Im weiten raum Sich breitet, wächst und grünet. 10. Des spötters und des heuchlers glück Währt oft nur einen augenblick, Bald werden sie zu nichte; Wen fünd ergößt, Den trifft zuleßt Der allmacht strafgerichte. 11. Thu emfig deine christenpflicht, Sey fromm vor gottes an gesicht, Fahr fort, die welt zu has sen; Bet oft, halt an! Wer beten kann, Den kann gott nicht verlassen. Mel. Fren dich sehr, o meine Scele. 543.Wunderbar ist gottes schicken, Unbegreiflich ist sein rath; Doch ist herrlich sein erquicken, Dies beweist zulegt die that. Wohl dem, der dies recht bedenkt, Ihm sein ganz vertrauen schenkt; Der wird schicksal, leib und leben Gottes führung gern ergeben. 2. So verfährt gott mit den seinen; Die, die er als vater liebt, Werden oft mit bitterm weinen Und mit schwerem freuz betrübt. Er, der weis' und güt'ge gott, Stößt sie oft in tiefe noth, Um sie, auf ihr findlich flehen, Herrlich wieder zu erhöhen. 3. Dies erwäge, meine seele! Wenn dich schmerz und kummer drückt; Denke nicht, daß gott dich quäle, Nicht im zorne auf dich blickt. Er geht mit dir wunderlich, Doch stets weis' und väterlich; Laß daher dein Herz nicht wanken, Du wirst ihm gewiß noch danken. 4. Wie viel unglück und gefahren Hat nicht seine vaterhand Schon seit deiner jugend jahren Liebreich von dir abgewandt! Def ters, wenn du selbst gedacht, Daß du in der leidensnacht Würd'st erliegen und ersterben, ließ dich gott doch nicht verderben. 5. Er, der große herr der erden, Ist stets unveränderlich; Wolltest du jetzt muthlos werden, Zweifeln, ob er schüße dich? Nein, fein treues vaterherz Bricht ihm noch bei deinem schmerz, Das bei allem, was dich kränket, Liebevoll an dich gedenket. 6. Und ihm fehlts auch nicht am können, Ach! er schuf die welt aus nichts; Wer muß ihn nicht mächtig nennen? Wenn er spricht, so gleich geschichts. Nimmt die noth gleich überhand, So sind mittel ihm bekannt, Wie er dich von allem bösen Unbegreiflich kann erlösen. 7. Dazu hat er nie gebrochen, Was er dir in seinem wort So gewiß und fest versprochen; Er erfüllts, der herr, dein hort. & rd und himmel wird vergehn, Gottes wort bleibt ewig stehn. Drum kannst du ihm fest vertrauen, Und auf seine zusag' bauen. 8. Endlich, banges herz! erwäge, Gott ist auch ein weiser gott. Er nur kennt die besten wege, Er lenkt flüglich freud' und noth. Wunderbar wählt er die zeit, Wo er nach dem leid erfreut; Herrlich weiß stets sein regieren Seinen plan hinauszuführen. Troftgefänge. 9. Hälts nun gott vor dir verborgen, Wann, wie, wo er helfen will; O! entschlage dich der for gen, Sey nur in dem herren still! Er will sehen, ob auch fest Sich dein herz auf ihn verläßt, Will gebet und tugend mehren, Und dich dankbar werden lehren. 10. Mächtigster! dich laß ich walten. Du, mein troft und freud' und lust, Kannst und wirst mich stets erhalten; Meine noth ist dir bewußt. Stärke meine zuversicht, Und dann wird dein angesicht Huldreich, vater! auf mich blicken, Und mich wunderbar beglücken. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 544. Mas soll ich troftlos W forgen? Gott scheint mir zwar verborgen; Doch seine hülf' ist nah, Schafft, daß ich wege gehe, Ob ichs gleich nicht verstehe, Die er zu meinem heil erfah. 2. Längst wog er die gefahren, Eh erd' und himmel waren, Nach meinen kräften ab. Er linderte durch freuden Die tage meiner leiden, Eh' er sie mir zu tragen gab. 3. Mir konnt' ein glück der erden Zum strick und falle werden; Die weisheit nahm es mir. Mich konnt' auf seligkeiten Ein fum mer vorbereiten, Und gottes gnade schenkt ihn mir. 4. Vielleicht, wenn pracht und ehre Mein theil auf erden wäre, Würd ich mich fündlich freun; Und unterdrückte würden, aufgelegten bürden, Umsonst zu mir nach hülfe schrein. 5. Mich könnten schäße reizen Mehr schäße zu ergeizen, und stolz mich aufzublähn; Dann würd' ich arme hassen, Und menschenfeindlich lassen Vor meiner thüre hungrig stehn. 6. Bald könnt' in guten tagen Mein Herz verwegen fragen: Ist über mir ein gott? Dann würd' in schwelgereien Das laster mich entweihen, und tugend wäre mir ein spott. 295 7. Gott nahm mir ruhm und schäße, Er zog mich aus dem neze, Das oft den flugen fällt. Daß ich, treu in der liebe, Sein auserwählter bliebe, Entfernt er die gefahr der welt. 8. Oft will in bösen tagen Mein Herz zwar furchtsam klagen: Wo ist der herr, mein licht? Warum verzeucht mein retter? Es lachen mein die spötter: Ich ruf, und er, er hört es nicht. 9. Doch ist um trost mir bange, Nimmt gott, an dem ich hange, Und Sich meiner herzlich an, führt, den gram zu stillen, Um meines namens willen, Den irrenden auf ebner bahn. 10. Preis fey dem Herrn ge= sungen! Auch in den züchtigungen Liebt er mich väterlich. Mein glück ist gottes wille; Sein harr' ich und bin stille Und rühme meiner trübsal mich. Trost unter den Mühseligkeiten des Lebens, aus der Betrachtung der Ewigkeit. Mel. Was Gott thut, das ist wohl. 545. Die bahn ist rauh, auf der ich hier Nach meiner Heimath eile. Wie viel gefahr seh ich vor mir! Wie droht sie meinem heile! Gott! wärst du nicht mein trost, mein licht, Mein heil in finstern tagen, So müßt ich längst verzagen. 2. Vor dir darf sich mein traurig herz, Erbarmer! nicht verhehlen, Darf seinen fummer, seinen schmerz Vertraulich dir erzählen. Dann schaffest du Mir troft und ruh Aus deiner gottesfülle; Und meine seel' ist stille. 3. Du lehrest mich den hohen werth Der trübsal, die ich leide, Daß sie mich dir vertrauen lehrt, Mich führt zur wahren freude. Ich würde dein Mich minder freun, Nur dieser welt begehren, Wenn keine leiden wären. 4. Dein wort giebt mir die zu= versicht, Du sorgst für meine ta 296 Trostgesänge.. ge; Dein auge schläft und schlummert nicht, Du hörest meine flage; Du sättigst einst, Wenn du erscheinst, In deinem heiligthume Mit wollust mich und ruhme. 5. O! dann wird alle traurigkeit Aus meiner brust verschwinden; Vergessen werd ich ganz mein leid, Und nur dein heil empfinden. Mein Lobgesang, Voll preis und dank, Wird durch die himmel schallen und ewig dir gefallen. 6. Mich, den vollendeten, darf dann Nicht mehr die sünd entweihen; Mit unschuld steh ich angethan In deiner finder reihen, Und väterlich Erfreust du mich Daß ich, der mensch von erde, Gleich deinen engeln werde. 7. Geduldig will ich hier den schmerz Der sterblichkeit ertragen; Beruhigen soll sich mein Herz, Nicht mehr voll unmuth klagen. Du bist bereit, Zu deiner zeit O gott! von allem bösen Mich herrlich zu erlöfen. Mel. Wer nur den lieben Gott. – 546. Was ist mein leben auf der erde? Ein wechsel ists von lust und leid. Hier stört oft unruh und beschwerde Die sanfteſte zufriedenheit. Hier wohn ich noch in einer welt, Die glück 2. Weß soll ich mich, o herr! denn trösten? Nur deiner huld; du bist mein heil, und bleibst, wenn auch die noth am größten, Doch meines Herzens trost und theil, Und stehst, nach deiner vatertreu, Mir stets mit rath und hülfe bei. 3. Du stärkst mir unter aller plage, gott! auf mein gebet den muth, Daß ich gelassen sie ertrage, Und machst zuletzt doch alles gut. Auf kummer folgt zu friedner dank; Auf klagen froher Lobgefang. 4. 3u ungestörten sicherheiten Schickt sich gewiß kein prüfungs. stand. Wie würde, drückt uns nicht zu zeiten Ein leiden, unsre treu erkannt? Vollkommne ruh und sicherheit Ist nur ein glück der ewigkeit. 5. feele! voll? Was bist du denn o meine In deiner noth so kummerVertraue gott! nur ihn erwähle Zu deinem trost, er schüßt dein wohl. Einst dankst du ihm nach der gefahr, Daß er dein gott und retter war. 6. Er wird es sein! ruf in ge fahren Ihn als den einz'gen helfer an; Er weiß dich mächtig zu bewahren, Und da, wo niemand helfen kann, Fehlt ihm die kraft zu helfen nicht. Dies stärke deine zuversicht. 7. Befiehl ihm alle deine wege, Hoff und vertrau ihm allezeit. Auch auf dem allerraubsten stege Sieh fröhlich hin zur ewigkeit; Da sammelst du von aller pein Den segen mit vergnügen ein. 8. So laß mich, gott! stets dahin schauen, Und dann mit starkem muth auf dich, Auch in der größten noth, vertrauen Du bist bei mir; das stärke mich. Wer dessen stets versichert ist, Der lebt und stirbt getrost als christ. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden. 547. Ein fremdling bin ich kurz sind meine tage: So manche noth, die mich befällt, Reizt mich hier noch zur klage. Doch, vater! deine ewigkeit Versüßt mir meine reisezeit, Und stärkt mich selbst im leiden. 2 Jeßt, da die sünde mich noch drückt, Seufzt meine bange seele. Wie bald ist nicht mein Herz be rückt! Wer merkt, wie oft er fehle? Doch einst werd ich vollkommen rein, Ganz heilig und ganz selig seyn; Dies tröstet meine seele. 3. In stiller nacht wein' ich oft, herr! Hinauf zu deiner höhe; Mein schwaches herz seufzt freudenleer, Wenn ich den morgen sehe; Ein blick gen himmel tröstet mich, Und Trostgesänge. meine thränen stillen sich Einst ganz in jenem leben. 4. Wenn mich der zukunft schicksal schreckt, Die noth der fernen tage, Wenn sie in mir die forg' erwedt, Ob ich sie auch ertrage; So mildert mir die ewigkeit Das kurze elend dieser zeit, Daß nicht mein berz verzage. 5. Wenn einst, der jetzt von ferne dräut, Der tod mir näher winket, Wenn, nach der arbeit die fer zeit, Mein haupt zum schlummer sintet; So sterb ich froh; die ewigkeit Zeigt mir des himmels herrlichkeit, Die alles übersteiget. 6. Herr! diesen trost, der mich erfreut, Vermehr in meinem herzen. Mich stärke deine ewigkeit Bei meiner wallfahrt schmerzen; Sie sey in meinem tod mein heil, Sey einst mein längst gewünschtes theil, Wenn ich die welt verlasse. Bei Unglücksfällen im Zeitlichen. Mel. Warum betrübst du dich, mein. 548. Was zweifelst du, beHäufest deiner sorgen schmerz Um ein vergänglich gut? Trau deinem gott, der dich, die welt Und alles schuf und auch erhält. 2. Kennt dich sein vaterauge nicht? Er weiß und sieht, was dir gebricht, Der erd und himmel herr. Ihm, meinem vater, meinem gott, Trau ich auch in der bängsten noth. 3. Wie ihres sohns die mutter sich Erbarmt, so bricht ihm gegen mich Sein väterliches herz. Mich staub, und bülflos, tröstet nur, Nur er, und feine freatur. 297 land Den regen aus mit milder hand. 6. Herr! aller augen warten dein; Du hörst der jungen raben schrein, Und hörst des armen flehn, Du sättigest voll gütigkeit Auch dein geschöpf in theurer zeit. 7. Nah an des grabes pforten reicht, Wenn alle hülfe von mir weicht, Mein Helfer mir die hand. So ward, er dankte gott im staub, Nicht Daniel des löwen raub. 4. Der reiche troßet auf sein geld, Und ich, verachtet von der welt Und arm, vertraue gott. Ich glaube, was sein wort verspricht: Der herr verläßt die seinen nicht. 8. So ward, obgleich erst unterdrückt, Auch Joseph herrlicher beglückt, und hoch erhob ihn gott, Der gott, der flamm und wellen wehrt, Daß well' und flamm' uns nicht verzehrt. 9. Du, herrscher! wardst Israels theil. Hilfit deinem volke, krönst mit heil Die, welche dir vertraun. Mach, ist gleich niedrigkeit mein Loos, Mich nur in deinen augen groß. 10. Dann acht' ich, als dein eigenthum, Kein irdisch lob, auch nicht den ruhm, Von einer ganzen welt. Ein christ, des himmels mein glück allein. 11. Vergänglich ist das glück der welt; Ünd macht denn ansehn, stärk' und geld Uns' von dem grabe frei? Oft ist das größte glück der. zeit Ein hinderniß der seligkeit. 12. So spicht dein wort; und mein gefang, Erbarmer! singt dir heißen dank, Obgleich im ftaube noch. Kraft aus der höhe! steh mir bei, Daß ich hier treu, dort selig sey. 13. Lob, ehr und preis sey dir gebracht, Der väterlich an uns gedacht, Eh erd und himmel war. Drum bet ich: ach verwirf mich nicht, O gott! von deinem angesicht! Wider ängstliche Sorgen um das Irdische. 5. Auch dann noch, wenn sein zorn erwacht, Und er den himmel eifern macht, Erbarmt er endlich Mel. Alle Welt, was lebt und webet. sich, und gießt aufs lechzend trockne 549.Quälet mich nicht, bange sorgen! Mein 298 Trostgesänge. verforger lebt und wacht; Ihm ist alles unverborgen, Was die christen traurig macht. Was mein gott beschließt und thut, Ehret ihn und ist mir gut. 2. Che noch die berge waren, War mein schicksal ihm bekannt, Und den lauf von meinen jahren Lentet seine weise hand. Nichts geschieht von ohngefähr, Alles kömmt von oben her. 3. Gott! ganz vater! gott, ganz gnade! Bin ichs sünder gleich nicht werth, Wird mir auf des lebens pfade Dennoch mancher wunsch gewährt; Eh' ich oft noch klopfen kann, Wird mir auf- und guts gethan. 4. Dankbar zähl' ich meine tage Bis auf die geburt zurück, Zähle kummer, sorg' und plage, Zähle freude, ruh und glück! Finde, daß gott immerdar Weise, hülfreich, gütig war. 5. Widme gott dein thun und leben, Trau auf ihn, und sorge nicht; Sorgen, helfen, schüßen, geben, Ist des vaters lust und pflicht. Nahe dich zum herrn und sprich: Gott, dir kennst und lie beft mich. 6. Werde niemals wankelmüthig, Bist du schwach, gott ist getreu; Bist du zaghaft, gott ist gütig; Such ihn nur, er eilt herbei. Bist du sorgsam, gott weiß rath, Gott, der alles ist und hat. 7. Vater, ewig reich an güte, Mächtiger regent der welt! Dies ist stündlich meine bitte: Thu mit mir, was dir gefällt. Gott bleibt meine zuversicht! Weicht, ihr sorgen, quält mich nicht! Mel. Wer nur den lieben Gott. 550. Wer er nur den lieben gott läßt walten, Und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderbar erhalten In aller noth und traurigkeit. Wer gott, dem allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren sorgen? Was hilft uns unser gram und ach? Was hilft es, daß wir alle morgen Befeufzen unser ungemach? Wir machen unser freuz und leid Nur größer durch die traurigkeit. 3. Sey, christ! in frommer ehrfurcht stille, Und warte, bei dir selbst vergnügt, Wie gottes gnad' und heilger wille Und sein' allwiffenheit es fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, Der weiß am besten, was uns fehlt. 4. Er kennt die wahren freu denstunden, Er weiß, wann freud' uns nüßlich sey; Und wenn er uns bewährt erfunden, Aufrichtig ohne heuchelei, So kömmt gott, eh' wir's uns versehn, Und läffet uns viel guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner drangsalshize, Daß dich dein treuer gott vergißt, Und daß ihm der im schooße size, Der reich und groß und mächtig ist; Die zukunft ändert oft sehr viel, Und seget jeglichem sein ziel. 6. Was sind vor gott der menschen fachen? Sein starker arm vermag sogleich Den reichen klein und arm zu machen, Den armen aber groß und reich; wie leicht ists ihm gethan, bald erhöhn, bald stürzen kann! 7. Sing, bet' und geh auf gottes wegen, Verrichte deine pflicht getreu; Trau ihm und seinem reichen segen, So wird er bei dir werden neu. Denn wer nur seine zuversicht Auf gott setzt, den verläßt er nicht. Wie leicht, Der Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen. 551. Du flagst, und fühleft Des stand's, in dem du dürftig lebst; Du strebest glücklicher zu werden, Und siehst, daß du vergebens strebst. Ja, klage! gott erlaubt die zähren; Doch denk im klagen auch zurück: Ist denn das glück, das wir begehren, Für uns auch stets ein wahres glück? Trostgesänge. 2. Nie schenkt der stand, nie schenken güter Dem menschen die zufriedenheit; Die wahre ruhe der gemüther Ist tugend und genüg= samkeit. Genieße, was dir gott beschieden, Entbehre gern, was du nicht haft: Ein jeder stand hat seinen frieden, Ein jeder stand auch ſeine laft. 3. Gott ist der herr, und seinen fegen Vertheilt er stets mit weiser hand; Nicht so, wie wir's zu wünschen pflegen, Doch so, wie er's uns heilsam fand. Willst du 299 Von ihren harten plagen! Doch soll ich sie noch tragen, Laß dieser last. beschwerden mir nicht zum fallstrick werden. 6. Nicht ewig währt mein leid, Es kömmt die rettungszeit. Muß ich hier darbend weinen, Dort jauchz' ich mit den deinen; Muß ich hier mangel leiden, Dort fättigen mich freuden. Eines aus gutem Wohlstande ohne seine Schuld in Armuth gerathenen Christen. denken jeine liebe dich vergißt? Er giebt 553.Dund genommen; Ich Mel. Mein Herz und Seel den Herren. es mir uns mehr, als wir verdienen, Und niemals, was uns schädlich ist. danke dir, regierer deiner frommen! 3war schmerzlich ist mein geift betrübt in mir; Doch, weiser vater! dank auch jest ich dir. 4. Verzehre nicht des lebens kräfte In träger unzufriedenheit, Besorge deines stands geschäfte, Und nüße deine lebenszeit. Bei pflicht und fleiß sich gott ergeben, Ein ewig glück in hoffnung sehn, Dies ist der weg zu ruh und leben: Herr! lehre diesen weg mich gehn. In Dürftigkeit und Armuth. 2. Vorbei sind nun die schön= sten meiner tage, Nun ist mein loos mühseligkeit und plage. In fummer und in noth und dürftigkeit Vollend' ich traurig meine lebenszeit. 3. Du willst es, gott! unsträflich ist dein wille; Du bist der herr, und meine feel' ist stille. Gewiß führst du auch jetzt mich väterlich: Das weiß ich, gott! und dessen tröst ich mich. Mel. Wo soll ich fliehen hin. 552.№e ein! murren will ich nicht, Herr, meine zuversicht! Daß ich nur wenig habe. Des glückes beste gabe Für dieses kurze leben Hast du mir, herr! gegeben. 2. Mir ward das beste theil; Du bist mein trost und heil. In armuth, die ich leide, Ist Jesus meine freude. Ward mir nicht viel beschieden, Ist doch mein herz zufrieden. 3. Mein heiland, freund und herr, Wie arm, wie arm war er! Wie viel hat er gelitten, Eh er ganz ausgestritten! Und er hat alle plagen 5. Was hülf's. hätt' ich die ganze welt gewonnen, Und wäre nicht aus der gefahr entronnen, In die der ird'schen güter über= fluß Hier geist und leib nothwen dig stürzen muß? Mit heldenmuth ertragen. 4. Ich trag ihm seine schmach Als jünger willig nach; Und für den andern morgen Will ich nicht heidnisch sorgen. Du wirst zu allen zeiten mir meinen tisch bereiten. 5. Der armuth joch ist schwer; 7. Es würd' in mir die menKanns seyn, so hilf mir, herr! schenlieb ersterben, In müssig6. Du sahst vielleicht, ich würd in guten tagen Nicht mehr nach dir und deinen rechten fragen, mich stolz erheben, und dann, gott! nicht dein, Nur deiner ird schen gaben mich erfreun 4. Wenn's nüßlich mir, und wenn es deiner ehre, Allwissender! gemäß gewesen wäre; So hättest du mit milder vaterhand Mir lieber mehr noch liebreich zuge= wandt. 300 Trostgesänge. gang mein leben sich verderben; Ich würd vielleicht, aus luft zur eitelkeit, Nicht sorgen für die wicht'ge ewigkeit. 8. Gott, wenn ich dies aufrichtig überlege, So preif' ich dich und ehre deine wege. So viel, so viel gefahren drohten mir; Nun sind sie nicht mehr; deß, deß dank ich dir! heilgen zelt Zur bösen zeit mich decken. Sein rath für mich ist wohlergehn, Er wird mich segnen, mich erhöhn, Zum heile der erlösten. 3. Ja, vater! neige mir dein ohr, Wenn höll und welt mir fluchen; Mein herz hält dein gebot mir vor: Ihr sollt mein antlig suchen. Ich eile, herr! getroft zu dir. Verbirg dein antlitz nicht vor mir, Und laß dich gnädig finden. 4. Verlaß mich nicht, o gott, mein heil! Wenn menschen mich verlassen. Nimm du mich auf, und sey mein theil, Und beffre, die mich haffen. Herr! nimm du mich zu gnaden an, Und lehre mich auf richt'ger bahn In deiner furcht zu wandeln. 5. 9. Viel segen ist mir doch noch übrig blieben. Ein guter ruf und freunde, die mich lieben, Gesundheit und, noch mehr, gewissensruh; Wie gnädig, gott, wie gnädig bist doch du! 10. Sollt ich dir nicht von ganzem Herzen danken? Darf mein vertraun auf deine gute wanken? Erbarmer, helfer, liebest du mich doch Mit aller deiner vaterliebe noch! 11. Ich bins gewiß, du wirst mir ferner geben, Was nöthig ist, in deiner welt zu leben. Vor dir, der so viel tausende ernährt, Hat auch mein einzeln leben einen werth. 12. Ja, fordre du die werke meiner hände; Zur arbeit gieb mir kräfte bis ans ende. Und schütze meine jeg ge dürftigkeit Vor aller schmach und niederträchtigkeit. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 13. So werd ich auch an diefes 555. Mein gefühl iſt traus Klagend lebens gaben theil, und selbst noch übrig haben; Bis dort am ende meiner lebensbahn Ich ihrer ganz und froh entbehren kann. Bei Haß und Verfolgung böser Menschen. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 554.Der er herr ist meines lebens kraft; Soll mir vor unglück grauen? Er ists, der rath und hülfe schafft; Ihm foll mein herz vertrauen. Er schüßt mich vor der feinde heer: Ihr stolzer troß schreckt mich nicht mehr, Hab ich ihn nur zum freunde. 2. Empöre dich, ohnmächt'ge welt! Mein geist wird nicht er= schrecken. Gott wird in seinem Den feinden übergieb mich nicht, Die mich voll frevel schmähen; So werd ich einst dein angesicht Im land des lebens sehen. Sey froh, harr unverzagt des herrn, Mein herz! denn er, der herr, hilft gern; Er ist der arm des schwachen. Troft bei dem Glück der Gott: losen und dem Unglück der Frommen. tönen meine lieder. Gieb mir meine freudigkeit, Mein zufriednes herz mir wieder! Vater! täglich harr ich dein; Eile bald mich zu erfreun. Bricht dein herz nicht, wenn ich 2. Ehret dich mein stiller gram? leide? Wenn ich sonst, herr! vor dich kam, Ach! da war ich lauter freude. Aber nun zerfließt mein herz In bekümmerniß und schmerz. 3. Es verdreußt mich, gott! auf die, Die dich haffen, die dich schmähen, Es verdreußt mich, daß ich sie Mächtig und erhöht muß sehen, Daß die frevler mich zum spott Fragen, wo ist nun dein gott? 4. Seufzer folgen ihnen nach, Denn ihr fußtritt ist verderben; Trostgefänge. 301 Lachend sehen sie vor schmach Und will den troft bedenken: Du, herr! vor fummer fromme sterben! Und wirst alles lenken, Und was mi im himmel wohnest du, Nächer, und siehst ihnen zu! gut ist, wird geschehn. 5. Auch dein wort soll nicht mehr wahr, die bleiben, Dich, der ist und ewig war, Drohen sie vom thron zu treiben; Und im himmel wohneft du, Rächer, und siehst ihnen zu! 6. Seele, was betrübst du dich? Was verzehrst du dich im leide? Laß die welt! gott liebet mich; Gott allein sey meine freude! Gott erschafft, sobald er spricht, Aus den finsternissen licht. Bei Leiden des Leibes und fiechem Leben. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 556. Ich hab in guten ſtunglück empfunden Und freuden ohne zahl; So will ich denn gelassen Mich auch in leiden faffen; Geduld verfüßet mir die quaal. 2. Ja, herr! ich bin ein fünder, Und stets strafft du gelinder, Als es der mensch verdient. Will ich, beschwert mit schulden, Kein zeitlich weh erdulden, Das doch zu meinem besten dient? 3. Dir will ich mich ergeben, Dich, meine ruh, mein leben, Dich lieben, meinen herrn. Dir, gott! will ich vertrauen, Und nicht auf menschen bauen; Du hilfft, und du erretteſt gern. 4. Laß du mich gnade finden, Mich alle meine sünden Erkennen und bereun. Jetzt hat mein geist noch kräfte; Sein heil laß mein geschäfte, Und deine huld mein leben seyn. In Krankheiten. 6. Ich will den kummer wehren, Gott durch geduld verehren, Im glauben zum ihm flehn. Ich Mel. Herzlich thut mich verlangen. 537.3table, Boll quaal und ungemach! Betrübt ist meine feele, Und kraft und othem schwach. Fast jeder morgen mehret Besorgniß mir und schmerz; Doch gott will seyn geehret; Ehr ihn auch hier, mein herz! 2. Was zieht dich noth und plage Von freud und danken ab? Gedenk der ersten tage, Die dir dein vater gab, D tage, reich an freuden! An tausend segen reich Was bleiben alle leiden, Vergleich ich ſie mit euch? 2. Daß Wem Daß ihr mich einst beglücket, dank ichs? gottes huld! krankheit mich jetzt drücket, Wem dank ichs? meiner schuld? Nun muß mir schmerz beweisen, Was leichtfinn oft vergißt, Daß, mensch, dein fleisch nicht eisen, Dein bau nicht ehern ist. 4. Mein gott! in tiefer reue, mir meiner schuld bewußt, Komm ich, der ungetreue, Und schlag an meine brust. Laß mich nur gnade finden; Und demuthsvoll und gern Trag ich um meine sünden Den zorn des guten herrn. 5. Denn gott lenkt stillen herzen Selbst plagen zum gewinn, Zeigt mir in schweren schmerzen, Wie nichts, gar nichts ich bin. Den troft, der thoren weidet, Die welt zeigt er mir an, Die, wenn ein glied nur leidet, Oft nicht mehr trösten kann. 5. Wenn ich in Christo sterbe, 6. Er reißt mich los von fünBin ich des himmels erbe; Was den, Heilt leeren übermuth, Läßt schreckt mich grab und tod? Auch schmachtend mich empfinden, Ich auf des todes pfade Vertrau ich hatt' es einst sehr gut. Er zeigt deiner gnade; Du herr! bist bei mir nah im rücken Tod, ewigkeit, mir in der noth. gericht, und giebt jetzt augenblicken Von tagen das gewicht. 7. gott! dein weg ist güte, Und ewig wird ers seyn; Gerührt 302 Troftgefänge. foll mein gemüthe Ihm dieses zeugniß weihn. In meinen tief ften nöthen Geh ich davon nicht ab, und wolltest du mich tödten, Nehm ich es mit ins grab. 8. Gieb mir nur kraft, beständig Auf deine hand zu sehn, Und lehre mich lebendig Des kreuzes heil verstehn, Damit ichs christlich trage In siegender geduld, Und nimmermehr verzage An dir und deiner huld. 9. Und so gescheh dein wille! Getreuer gott! in dir Ist meine feele stille; Denn täglich hilfst du mir. Vor nichts brauch ich zu beben, Gehorch ich dir nur gern; Im sterben wie im leben Bin ich, gottlob! des Herrn. 558. Der Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes. ein wille, bester schöpfer! ist, Daß ich jetzt krankheit trage; Doch weiß ich, daß du vater bist, Von dir kömmt glück und plage. Dir ist mein ganzer schmerz bekannt; Mein leben steht in deiner hand, Du giebst mir meine tage. 2. Wenn in mir einen augenblick Gefundes blut gefloffen; So schenktest du mir, gott! dies glück, Das ich so oft genoffen. Oft war ich frei von jedem schmerz, War gutes muths; drum, o mein herz! Leid' jetzt auch unverdrossen. 3. Nein, beſter vater! gieb nicht zu, Daß ungeduld mich kränke! Gieb deinen geist mir, der zur ruh In dir mein herze lenke, Den geist, der stark in schwachen ist, Daß ich an dich, o Jesu Chrift! Mit freuden stets gedenke. 4. Vergessen laß michs, vater! nie, Du seyst und bleibst die liebe. Gieb nicht zu, daß mein herz doch je Ungläubig sich betrübe. Trag ich nicht meiner sünden schuld? Ist grenzenlos nicht deine huld, Nicht ewig deine liebe? 5. Das eilen meiner lebenszeit, Ach gott! laß michs erwägen. Der todesnacht, der ewigkeit Flieg ich mit macht entgegen. Erst dann, wenn dies mein geist ermißt, Zu gott kehrt, alles gern vergißt, Wird mir mein schmerz zum segen. 6. Ja, gott! ich wende mich zu dir, Dir will ich mich ergeben. Schenk wahren ernst und weisheit mir, Mit freude dir zu leben. Bewahre nur vor heuchelei, O gott! mein herz; zum himmel sey Gerichtet mein bestreben. 7. Ach, jeden, jeden augenblic Möcht ich, mein gott, dir weihen! Zieh von der erde mich zurück, Laß nichts den geist zerstreuen; Kein glück der welt, fein traum der zeit, Nur gott und nur die ewigkeit, Soll meine seel erfreuen. 8. Ach zum gebete schenke mir Noch munterkeit und stärke; Mein herz wird sonst entfernt von dir Und träg zum guten werke. Will gleich mein geist, der leib ist schwach; Hilf deinem kinde, vater! mach, Daß ich in mir dich merke. 9. Laß nicht zu, daß der krankheit pein Zu groß mir schwachen werde, Erquicke gnädig mein gebein, Und mildre die beschwerde. Du, vater, weißt, was jeden tag Dein schwaches find ertragen mach, Du weißt es, ich bin erde. Fürbitte für einen Kranken. Mel. Herr, nicht schicke deine Rache, heißt 559. Ich will vor dein antuns für kranke beten; Drum will ich, gott, zu dir flehn, Du kannſt nicht dein wort verschmähn. An dies wort halt ich mich feste, Was es heißt, das ist das beste; Es bleibt wahr, wenn alle welt Es auch nur für thorheit hält. A 2. Beff'rung fleh ich für den kranken, Herr! ich glaub, laß mich nicht wanken! Dich, der helfen will und kann, Fleht mein herz um hülfe an. Du allmächtges, bestes wesen! Laß den kranken bald genesen, Zeig du an ihm deine kraft, Die vom tode rettung schafft. 3. Stärke die geschwächten glies Trostgesänge. sind. wol Sprich: sollt ich pflichten verschieben? Nein, meine zeit, ste auszuüben, Ist- kurz, und sie verfliegt geschwind. 4. Denk an den tod, wenn böse triebe, Wenn lust der welt und ihre liebe Dich reizen, und ersticke sie. Sprich: kann ich nicht noch heute sterben? Und könnt ich auch die welt erwerben, Beging ich doch solch übel nie. 5. Denk an den tod, wenn ruhm und ehren, Wenn deine schäße sich vermehren, Daß du sie nicht so heftig liebst; Denk an die eitelkeit der erden, Daß, wenn sie dir entriffen werden, Du dann dich nicht so sehr betrübst. 6. Denk an den tod bei frohen tagen; Kann deine luft sein bild ertragen. So ist sie gut und unschuldsvoll. Sprich, dein vergnü, gen zu versüßen: Welch glück werd ich erst dort genießen, Wo ich unendlich leben soll! der, Gieb den muntern geist ihm wieder, Reiß du ihn mit treuer hand Mächtig von des todes rand. Wie viel tausend matte herzen Hat von krankheit, angst und schmerzen, Herr, nach deiner zärtlichkeit, Bloß dein wint, dein wort befreit! 4. Hat die kraft jegt abgenommen? Gilt nicht mehr das flehn der frommen? Bist du nicht an huld mehr reich, Nicht dir ewig felber gleich? Ist jeßt elend, elend minder? Bist du nicht das heil der fünder, Die voll demuth, voll vertraun Aus dem jammer auf dich schaun? du uns 5. Zeige, Jesus! daß du lebest, Und den müden stärke gebest, Daß trauernde erfreust, Auch für ein heiland seyst. Denen, die sich zu dir drangen, Stillt'st du ehmals ihr verlangen, Wiesest keinen franken ab, Keinen, der sich dir ergab. 6. Auch mich wirst du nicht abweisen Dich, dich soll mein glaube preisen, Der von warmer liebe glüht, Dich umfaßt, wo er nichts steht. Laß jetzt während meinem flehen Deine hülf den kranken se hen. Ach jetzt, Jesus, säume nicht: Halte, was dein wort verspricht. Trost wider die Schrecken des Todes. Hannövr. Mel. Nr. 35. 560. Mas forgst du ängst lich für dein Leben? Es gott gelassen übergeben, Ist wahre ruh und deine pflicht. Du sollst es lieben, weislich nüßen, Es dankbar, als ein glück, besißen, Verlieren, als verlörst du's nicht. 2. Der tod soll dich nicht traurig schrecken; Doch dich zur weisheit zu erwecken, Soll er dir stets vor augen seyn. Er soll den wunsch zu leben mindern, Doch dich an deiner pflicht nicht hindern, Viel mehr die kraft dazu verleihn. 3. Ermattest du in deinen pflichten, So laß den tod dich unterrichten, Wie wenig deiner tage 303 7. Denk an den tod, wenn deinem leben Das fehlt, wonach die reichen streben; Sprich: bin ich hier, um reich zu seyn? Heil mir, wenn ich in Christo sterbe! Dann ist ein unbeflecktes erbe, Dann ist des himmels reichthum mein. 8. Denk an den tod, wenn leiden kommen; Sprich: alle trübfal eines frommen Ist zeitlich und durch hoffnung leicht. Ich leide; doch von allem bösen Wird mich der tod bald, bald erlösen; Wohl dem, der jenes ziel erreicht! 9. Denk an den tod, wenn freche rotten Des glaubens und der tugend spotten, Und laster stolz ihr haupt erhöhn. Sprich bei dir selbst: gott trägt die spötter; Doch endlich ist für sie kein retter, Wenn sie nicht hier noch in sich gehn. 10. So suche dir in allen fällen Den tod oft lebhaft vorzustellen; So wirst du ihn nicht zitternd scheun, So wird er dir ein trost in klagen, Ein weiser freund in guten tagen, Ein schild in der versuchung seyn. 304 Trostgesänge. Mel. Wer nur den lieben Gott. 561 Mer er weiß, wie nahe mir mein ende? Die zeit geht hin, es kömmt der tod. Ach, wie geschwind, ach wie behende Kann kommen meine to desnoth! Mein gott! ich bitt durch Christi blut: Machs nur mit meinem ende gut. desnacht Für hoffnungen zu nichts gemacht; So würd ich oft mit schrecken Mein eigen herz entdecken. 2. Mein gott! befreie mich vom dunst Der irdischen beschwerden, Und lehre mich die große kunst, Bei gräbern klug zu werden. Nur der ist weise, der bedenkt, Wie viel von seinem tod abhängt, Und der dazu in zeiten Sein herz sucht zu bereiten. 2. Es kann vor nacht leicht anders werden, Als es am frühen morgen war; So lang' ich lebe auf der erden, Leb ich in steter tods gefahr. Mein gott! ich bitt 2c. 3. Herr! lehr mich stets ans ende denken, Und laß mich, eh ich sterben muß, Das heil der seele wohl bedenken, Und nicht verschieben meine buß. Mein gott! ich bitt 2c. 4 Laß zeitig mich mein haus bestellen, Daß ich bereit sey für und für, Und sagen könn' in allen fällen: Herr, wie du willst, so schicks mit mir! Mein gott! ich bitt 2c. 5. Erhebe meinen sinn zum himmel, Verbittre mir die fündenlust; Gieb, daß in diesem weltgetümmel Mir nichts als unschuld sey bewußt. Mein gott! ich bitt 2c. Mel. Wer nur den lieben Gott. 6. Ach, vater! deck all meine 563.W arum erbebst du, meifünde Um Jesu Christi willen zu, Damit ich hier vergebung finde Und dort bei dir vollkommne ruh. Mein gott! ich bitt 2c. ne seele, Bei dem gedanken an das grab? Nicht dich umschließt einst seine höhle, Nur deine hütte sinkt hinab. Sie schuf der allmacht wink aus staub; Drum wird sie der verwesung raub. 7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sey leben oder tod; Er bleibt im leiden meine freude, Mein schuß, mein alles in der noth. Mein gott! ich bitt 2c. 8. So komm mein end heut oder morgen; Ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt. Er ists, der mich in allen sorgen, Er ist's, der mich im tod erquickt. Drum glaub ich fest, durch Christi blut Machts gott mit meinem ende gut. 2. Du, zur unsterblichkeit erlesen, Schwingst dich empor zu gottes licht, und schaust den ursprung aller wesen Von angesicht zu angesicht; Bewunderst deines gottes macht In jener welten bau und pracht. 3. Dann, seele! wirst du das verstehen, Was hier kein weiser mund erklärt, Was hier vollkommen einzusehen, Des wissens trieb umsonst begehrt; Dann täuscht dich wahn Mel. Ermuntre dich, mein. 562. Wäder feh, und alles finsterniß wird licht. enn ich die gottes- und irrthum nicht, und selbst die könnte lefen, Was der, auf deffen grab ich geh, In seinem finn gewesen, und was bei ihm die to4. Dann wirst du den, ach! den erblicken, Den hier allein der glaube sieht, Den, der, dich ewig zr 3. Gieb, daß ich dich mit frohem muth Als meinen gott be trachte, hingegen freunde, glück und gut Nicht als mein eigen achte; So wird, wenn mich die zeit wegnimmt, Die du zur trennung hast bestimmt, Nichts, was mir war verliehen, Mein Herz zurücke ziehen. 4. Laß mich auf Jesu herrlichkeit Mit froher hoffnung blicken, Und mitten in der dunkelheit Mich sein verdienst erquicken. Dann nimm, herr! nach vollbrachtem lauf Den geist aus dieser hütte auf, Die einst im reich der deinen Wird neu erbaut erscheinen. Trostgesänge. beglücken, Zum fluch gemacht, am kreuz verschied. Dann jauchze, daß kein wahn, kein spott Dich hier getrennt von deinem gott. 5. Wenn nun der tag des Herrn erscheinet, Verläßt dein leib der gräber ruh, Zum zweitenmal mit dir vereinet, Wird er unsterblich, so wie du. O seele! zage länger nicht, Daß deiner hütte bau zerbricht. 2. Wenn mich kein freund mehr trösten kann, Und doch mein herz bebt, fage dann: Die sünd ist dir vergeben. Ach! wenn des todes schrecken mich Ergreifen, sprich dann, mittler! sprich; Nicht sterben sollst du; leben! Ein wort von dir nur, und mir gnügt, Des todes schrecken sind besiegt. 3. Nicht sey mir dann dein angesicht, Wie's missethätern ist, gericht; Erbarmen, nicht verderben! Nicht sterben laß mich, herr! wie die, Die dich verwarfen, die sich nie Bereiteten zu sterben. Was ist so furchtbar, als der tod, Der ewige verwerfung droht? 4. Ach! sterben, sterben wird den tod, Der ewige verwerfung, droht, Wer, herr! dein heil nicht achtet, Wer nicht in deinem blute rein, Sich treulos weigert, dein zu seyn, Ungläubig dich verachtet. Ach! den ergreift der tod, der tod, Der ewige verwerfung droht. 305 7. Gieb deinen frommen Jesu! kraft, Den schwersten schritt der zu Mel. DEwigkeit, du Donnerwort. mittler! 564. W lebenszeit Geendigt enden. Sprich zu den bangen ſeeist, und nun der streit Des glaubens ausgestritten; Wenn kaum mein sterbend herz mehr spricht; Dann, Jesu! komm und schweige nicht Zu seinen letzten bitten; Nicht, wie du schweigest, wenn zu spät Ein fünder um erbarmung flebt. len: ich, Ich bin eu'r heiland! freut euch! sprich: Ich will euch nun vollenden. Erquicke sie, und nach dem streit Erhöhe sie zur seligkeit. 5. Doch der ist, Jesu, der ist frei, Der dir geweiht ist, dir ge= treu; Ihm ist er keine strafe. Gelobet sen der herr, mein licht In jener nacht! sie schreckt mich nicht; Mir wird der tod zum schlafe. Es ist ein finstrer weg; doch mir Ein weg zum leben und zu dir. 6. Gelobet sey der herr, mein schild, Der mich mit freudigkeit erfüllt, Mit freudigkeit zu sterben! Ich glaub an ihn und bin gewiß, Er führt mich aus der finsterniß Zu seiner freuden erben. O, welchen jubel stimm ich dann Dem todesüberwinder an! 565. Istunde da, Bon dieſer Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden. auch meine welt zu scheiden; So sey mit deiner hülfe nah, Du treuster freund im leiden! Nimm du dich meiner seele an; Dir übergeb ich sie alsdann, O Jesu, mein erlöser! 2. Sind meine sünden dann vor mir, Drückt ihre last mich nieder; So ist mein seufzen, herr! vor dir, Und du erhebst mich wieder. Ich denk in meiner tiefen noth An deine liebe bis zum tod; Die, die wird mich erhalten. 3. Ich bin an deinem leib ein glied; Deß tröst ich mich von herzen. Erbarmer, der mich leiden sieht, Du linderst meine schmerzen! und sterb ich nun, so sterb ich dir, Ein ew'ges leben hast du mir Durch deinen tød erworben. 4. Du, herr! erstandst; so werd auch ich nicht in dem grabe bleiben; Ja, deine auffahrt lehret mich Die todesfurcht vertreiben. Wo du bist, da komm' ich auch hin, Daß ich bei dir stets leb und bin: Drum geh ich hin mit freuden. 5. Dein bin ich, dein in ewigkeit; Mich soll das grab nicht schrecken. Nach einer kurzen zwis u Troftgesänge. schenzeit Wirst du mich auferwecken. 2. Er ruft zur zeit der schmerDann will ich dir, o gottessohn! zen Uns voll erbarmen zu: Kommt Du menschenfreund! vor deinem her, beladne herzen, Zu mir und thron Mit freudenthränen danken. findet ruh! Dies wort aus deiLaß, herr! mich zu meiner letzten stunde Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden. nem munde erfreun, In 566. Wenn einst mein ster- Mir geiſt und leben seyn. bend auge bricht, Mein letter hauch verschwindet, Mein leib erstarret und selbst nicht, Daß er entschläft, empfindet; Wenn um mich, den entschlummernden, Gott, alle meine freunde stehn, Und angstvoll zu dir weinen; 2. Dann, schöpfer! nimm ihn auf, den geist, Der sich zu dir erhebet, Der dankbar deine güte preist, Daß er dir hier gelebet; Und tröste, die betrübt um mich Mit thränen klagen; laß sie sich Mehr meiner wonne freuen. 306 Mel. Wie schön leucht't uns der. 576. Wie wird mir dann, erlöser, seyn, Wenn ich, mich deiner ganz zu freun, In dir entschlafen werde! Dann, feele! wirst du ganz befreit Von sünde und von sterblichkeit, Ent3. Mit dir muß es mir glücken, Den kampf zu überstehn. Im gläubigen entzücken Laß meine seele sehn, Wie im gericht für sünder Du mit dem töde rangst, Und wie du, überwinder! Allmächtig ihn bezwangſt. 4. Der frohe siegsgedanke: Wo ist dein stachel, tod? Stärk mich, daß ich nicht wanke In meiner todesnoth; So ist, ob ich gleich sterbe, Doch sterben mein gewinn. Ich bin des himmels erbe; Dein wort sagt, daß ichs bin. 5. Du bist der Herr des lebens, Und ich, ich bin ganz dein; Dein blut kann nicht vergebens Für mich vergoffen seyn. Dir trauet meine seele; Dich lobt, was in mir ist, Erlöser meiner seele, Der du die liebe biſt! Mel. Von Gott will ich nicht. fliehen dieser erde. Freu dich In 569. Der lette meiner tage nig; Stärke, erlöste, Mit dem leben, Das dir dann dein gott wird geben. 2. Wie werd ich dann so selig seyn, Wenn ich mich deiner ganz erfreun, Dich dort anbeten werde! Dann bin ich frei von sünd und leid, Ein mitgenoß der herrlichfeit. Nicht mehr gebeugt zur erde. Preis dir, Daß mir Durch dein leiden Jene freuden Offen stehen! Ewig will ich dich erhöhen. Verlangen nach dem Tode. Mel. Herzlich thut mich verlangen, 568. Gern will ich mich erern will ich mich ergeben, Dich zu verlaffen, welt! Ich geh zum bessern leben, Sobald es gott gefällt. Was wärs, das mich betrübte? Dort schau ich ewig den, Den meine feele liebte, Noch eh ich ihn gesehn. fern; O! dann wird meine flage Ein lobgesang dem Herrn. Vollbracht ist ganz mein lauf; Ich trete zu dem throne, Und gott setzt mir die krone Der überwinder auf. 2. Für seines reiches erben Hat Jesus mich erklärt; Was fürcht ich mich zu sterben, Wenn er mich sterben lehrt? Mir ist der tod gewinn; Daß ich unsterblich werde, Entschwing ich mich der erde, Ich, der ich erde bin. 3. Nicht mich, nur meine bürde, Verschließt die finstre gruft; Mich hebt zur höhern würde mein vater, der mich ruft. Er ruft mich durch den tod; Der reißt die fündenglieder, Den trägen leib, darnieder; Mich selbst führt er zu gott. 4 Ich, der gefahr entronnen, Geh aus dem kampf hervor. Hoch Trostgesänge. über alle sonnen Hebt mich mein glaub' empor. Da trat ich in die reihn Der engel, meiner brüder. In ihre hohen lieder Stimm ich, felbst engel, ein. 5. Die leiber seiner frommen Sind saat, von gott gesät; Die frohe zeit wird kommen, Da reif die ernte steht. Dann wird der schöpfungstag Ein ganz verjüngtes leben Auch meinem staube geben. Der tief im tode lag 6. Drum geh ich frei von kummer Des todes finstre bahn! Mir bricht nach kurzem schlummer Ein ewger morgen an Heil mir, er ist nicht fern, Der letzte meiner tage! Er kömmt, und meine klage Wird lobgesang dem herrn. Freudigkeit des Frommen im Tode. Mel. Wer nur den lieben Gott. 570. Ishtire, och ch will dich noch im nah am grabe preis' ich dich; Zum fegen gabst du mir das leben, Du segnest auch im sterben mich. Mein leben sucht ich dir zu weihn; Mein tod soll auch dir heilig seyn. 2. Gott! welche feierliche stunden, Wenn du mich nun der erd entziehst; Auf mich, den du getreu befunden, Voll schonender erbarmung siehst! Allmächtiger! in dein gericht Gehst du mit mir erlösten nicht. 3. Der leib wird schwach, die irdsche hütte, Der glieder morscher bau, zerfällt; Schon wandeln meine müden schritte Den weg zu gott aus dieser welt. Ich bin getrost und zage nicht; Denn gott ist felbst mein heil und licht. 4. Wie sollt ich vor dem tode beben, Da du für mich, erlöser! starbst? Er wird durch dich der weg zum leben, Das du durch sterben mir erwarbst. Wie du ihn sahst, will ich ihn sehn; Wie du, so werd ich auferstehn. 307 ten schrecken dräun, Du halfft mir, gott! die welt bezwingen, Durch dich darf ich den tod nicht scheun. So nah dem lohn, den gott verspricht, So nah dem ziele, sink ich nicht. 5. Laß quaal und schmerz mein grab umringen, Und mir die letz6. Du wachest über meine seele, Wenn ihre stärke sich verliert, Giebst deinem engel schon befehle, Der sie zu deinen freuden führt, Des todes nacht vor mir ver=scheucht, und mir des lebens krone reicht. 7. Ich will dich noch im tod erheben, Noch nah am grabe preif' ich dich! Denn ewig werd' ich vor dir leben; Wie segnet dann dein antlig mich! O tod, o sterben, mein gewinn! Wohl mir, daß ich erlöset bin! Mel. Nun ruhen alle Wälder. Zie sanft sehn wir den Nun bald der erd entronnen, Sich feinem 571.Wi ziele nahn! Wo sich des lebens freuden Vom frechen sünder scheiden, Da gehn des christen freuden an. 2. Er lächelt seinem ende, Und hebt voll dank die hände Zu seinem vater auf. Wenn sinn und leib verderben, Lehrt der ihn fröhlich sterben Nach einem wohl vollbrachten lauf. 3. Sein ruhiges gewissen Bebt nicht vor finsternissen Der bahn, die er nicht kennt; Die schreckensvollen pfade Erleuchtet ihm die gnade Des gottes, den er vater nennt. 4. Hier fließen keine thränen Der angst; hier ächzt kein stöhnen Der reu, die ihn zerreißt; Sein herz zu gott erhoben, Empfängt den troft von oben Und fried und freud im heilgen geist. 5. Er segnet froh die seinen, Die um sein lager weinen, Ermahnt und tröstet sie; Und seiner treue wegen Erfüllt gott seinen segen, Und weichet auch von diesen nie. 6. Die engel steigen nieder Voll froher jubellieder, Die feele zu empfahn; Er stimmt in ihre höre 112 308 Troftgefänge. Anbetung, preis und ehre Dem mittler, seinem heiland, an. stärkest mich, Rufest mir auch zu, daß ich Schon am tage, da ich sterbe, Deine herrlichkeit ererbe. Gebet eines sterbenden Christen. 7. Laß, höchster! mich bestreben, So in der welt zu leben, Wie man dies glück erwirbt, Damit ich einſt als erbe Der seligkeit auch sterbe, Mel. Christus der ist mein Leben. Wie ein gerechter, frommer stirbt. 573. Mein Jeſus iſt mein Reißt Mel. Werde munter, mein Gemüthe. der tod mich hin; Was soll ich 572. Heute, sprach mein hei ängſtlich beben? Der tod iſt mein land, gewinn! blutges freuz erhöht, Als ein sünder ihm zur seite Sterbend noch um gnade fleht, Heute, so betheur ich dir, Heute noch sollst du mit mir In mein paradies erhaben, Theil an meinem reiche haben! 2. Theures wort aus Jesu munde, Feft verftegelt durch sein blut! In der finstern todesstunde Giebst du freudigkeit und muth. Wenn der christ nun scheiden soll, Bleibt er fester hoffnung voll, Steht die nacht in licht verwandelt, Weiß gewiß, wohin er wandelt. 3. Theures wort des ewgen le: bens, Tröste du mein brechend herz! Und dann ängstet nur vergebens Meinen geist der trennung schmerz. Er sinkt nicht in finsterniß; Denn wahrhaftig und gewiß Ist das wort des treuen zeugen. Hier muß jeder zweifel schweigen. 4. Herr! nun fühl ich abzuscheiden Eine heilge lust in mir. Dort sind unbefleckte freuden, Aber müh und fünden hier. Kein auch noch so frühes grab Kürzet je mein leben ab; Es soll nur, los von beschwerden, Zeitiger veredelt werden. 5. Selig, furchtlos, rein von mängeln, Ja von nun an selig ist, Brüderlich begrüßt von engeln, Der im Herrn entschlafne christ! Was sein glaube je gethan, Jedes gute werk folgt dann Seiner seele von der erden Hin vor gott, sein lohn zu werden. 6. Nun auch ich, o herr! befehle, Wenn ich kaum noch lallen kann, Die durch dich erlöste seele Deinen treuen händen an. Und du, heiland! 2. Wer an ihn glaubt, wird selig! Dies wort steht ewig fest. Die freuden sind unzählig, Die es mich hoffen läßt. 3. Drum fahr ich hin in frieden Zu dir, o Jesu Christ! Von dir stets ungeschieden, Der du mein bruder bist. 4. Du kennest meinen glauben, Und keine furcht noch pein Wird mir auch nun ihn rauben; Ich bin und bleibe dein. 5. Bald hab ich überwunden! Schon weicht die finsterniß; Denn, herr! durch deine wunden Ist mir der sieg gewiß. 6. Durch sie bin ich gereinigt; Durch sie mit gott versöhnt, Durch sie dir fest vereinigt, Und bald mit preis gekrönt. 7. Wer kann dich gnug erhe ben? Du hast, sohn gottes! dich Für uns dahin gegeben; Heil mir! du auch für mich 8. Du wolltest strafen dulden, Die ich doch auf mich lud; Du tilgteft meine schulden Ganz durch dein göttlich blut. 9. Geheilt ist nun mein schade, Im himmel ist mein theil. D theure hohe gnade! unaussprechlichs heil! 10. Erlöser! sieh, ich sammle Noch meine letzte kraft, Und preife dich und stammle, Welch heil du mir verschafft. 11. Zu dir, herr! will ich fle= hen, So lang' ich lallen kann; Du kannst mein innres sehen, Und nimmst auch seufzer an. 12. Du selber hilfft mir ringen; Allmächtig hilfft du mir Ins Trostgesänge. leben durchzudringen. Bald, bald bin ich bei dir. 13. Owohl mir! ich vollende Nun bald den schweren lauf! Du nimmst in deine Hände Den geist, mein heiland! auf. Fürbitte für einen Sterbenden. Mel. Herr, nicht schicke deine. 574.Vat ater aller menschenkinder! Jesus, mittler aller fünder! Jesus, der uns helfen kann, Höre unsre fürbitt' an! Ach! mit göttlichem erbarmen Komm zu hülfe dieser armen Hülfentblößten kreatur! Liebe bist du! liebe nur! 2. Laß sie nicht in angst versinten! Jesus, du, du darfst nur winten, Laß sie nicht in noth vergehn! Was du willst, das muß geschehn. Heiland! arzt sind deine namen! In der schwachen seele namen, Die Von der Glückseligkeit des Christen. Würde und Größe des Christen. ruh, Und stärkest uns mit freuden. Dein sohn ist unser haupt und ruhm, Wir sein, erkauftes eigenthum, Und Und schaafe seiner Muthes Sind Mel. Wie schön leucht't uns der. 575. Wie groß ist unsre se ligkeit, gott! schon in der prüfungszeit, Selbst unter viel beschwerden, Wenn unser herz sich dir ergiebt, und treu in Jesu dienst sich übt! Wie groß wird fie einst werden, Wenn sich Herrlich Jenes leben Wird anheben, Wo man freuden Erntet von der saat der leiden! 309 nicht laut mehr flehen kann, Flehen wir dich, Heiland! an. 3. Sey mit deiner tröstung nahe. Was kein aug' auf erden sahe, Laß sie sehn in deinem licht; Gieb ihr muth und zuversicht. Laß fie bald dein heil empfinden, Tod und schmerzen überwinden, Glauben, was dein wort verheißt, Hilf thr, gott! durch deinen geiſt. 4. Reinige sie ganz von sünden, Laß sie gnade vor dir finden. Der du sie verföhnet hast, Nimm von ihr die schwere last. Nimm du an des Lebens ende, Mittler! fie in deine hände; Eile und erlöse sie, Diese seel', aus aller müh'. 5. Laß, herr! nicht zu deinen füßen Unser herz in angst zerfließen; Ach beschließe ihren lauf, Nimm die müde seele auf, Auf zu dir, weg von der erde, Daß fie ewig felig werde, Daß wir ewig uns mit ihr Freun und selig seyn in dir. 2. O wie erhaben ist das recht, Das du uns giebest, dein geschlecht Und freunde hier zu heißen! Bei dir ist unser vaterland; Und wer will deiner starken hand, Allmächtger! uns entreißen? Wenn wir Gleich hier müssen streiten, Und zu zeiten Schwach uns finden, Hilfst du uns doch überwinden. 3. Du deckest unsre schulden zu, Schenkst unsern seelen wahre weide. Gutes auf erden In beschwerden Unsre seelen; Herr, was kann bei dir uns fehlen? 4. werth fährt, G8 bleibet zwar der hohe Der gnade, die uns widerVerborgen hier auf erden, Doch wenn dereinst vor aller welt Er, unser haupt, gerichtstag hält, Dann wird er sichtbar werden. Alsdann Sieht man Ihn mit kronen Uns belohnen, Und mit ehren Für die seinen uns erklären. 5. Wie glücklich, gott, find christen dann! Wie viel hast du an uns gethan! O! laß uns unfre würde Vor augen haben jederzeit, So tragen wir mit willigkeit Der kurzen leiden bürde. Herr! gieb Den trieb In die seelen, Dich zu Von der Glückseligkeit des Christen. wählen, Und das leben Ganz zu vergebens, Ich thu, was deiner Jesu dienst zu geben. würdig ist. Du lehrst mein leben mich genießen; Du bist mein lohn aus gottes hand. Wie sanft wird Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen. 576.Entfernet euch, unsel'ge sich mein auge schließen! Mein geift zittert, erblickt 310 wo der fromme glaubt. Mein herz hat seinen gott zum retter, Und eine hoffnung, die nichts raubt. 577 Dechenfurcht nicht fenMel. Wer nur den lieben Gott. mensch, men Ich sehe meinen heiland leben; Ich weiß, daß ich nicht sterben kann; Ich weiß, mit diesem fleisch umgeben, Schau ich den gott der himmel an. net, Für seine tugend alles wagt, Und wenn die welt ihn hülflos nennet, An gottes hülfe nie verzagt; Wie groß, wie liebenswürdig ist Der wahre held, der ächte christ! 2. Was send ihr, stolze ltbezwinger, Wenn euch die prächt'ge Hoffnung fehlt? Gott achtet eure macht geringer, Als ihr den sklaven, den ihr quält. Wie kurze zeit, mit wie viel sorgen Genießt ihr eurer ehrsucht raub! Ihr sieget heut, man haßt euch morgen; Ihr waret götter, und seyd staub. 3. Was sind, weltmenschen, eure freuden? Die wollust, die euch trunken macht? Ein christ soll euer glück beneiden? Folgt es euch in des grabes nacht? Ihr rechnet mit erhißtem blute Des fernen tages wollust aus; Die nahe schreckliche minute Zilgt euer glück auf ewig aus. 4. Ihr seyd dahin! des christen größe Geht auf, besiegt die kurze nacht, Am tage, da gott eure blöße Zum schauspiel aller augen macht. Der tag macht könige den knechten, Und bettler den monarchen gleich; Der tag giebt adel dem gerechten, Und macht des christen seele reich. 5. Ein blick in meine zukunft treibet Verdruß und angst aus meiner brust; Ein herz, das nicht auf erden bleibet, Ist sich des himmels stets bewußt. Kein unglück kann mich niederschlagen, Ich weiß, mein glück entgeht mir nie; Ich darf vor feinden nicht verzagen, Ich weiß, mein tod entwaffnet sie. 6. Du, lepte stunde meines le= bens, Die du dem christen heilig bift! Ich warte nicht auf dich 2. Er bleibt geruhig, wenn von oben Des donners stimme sich erhebt, Wenn um ihn her die meere toben, und unter ihm die erde bebt, Er weiß, eh nicht der schöpfer spricht Versehrt die kreatur ihn nicht. 3. Des höchsten wink zu widerstreben, Des hohen rufs nicht werth zu seyn, Sich fehler selber zu vergeben: Dies fürchtet er, und dies allein. Was fündern aber furchtbar ist, Davor erschrickt niemals der christ. 4. Versichert, daß der herr sein retter, Daß gott ihm schild und sonne sey, Ist ihm der zorn der erdengötter und ihre gunst ihm einerlei. Der ist des himmels schutz nicht werth, Der sterbliche als götter ehrt. 5. Verfolgt ein bittrer feind sein leben, Zieht lift ihn in ihr neß hinein; Was kann der christ? er kann vergeben, Kann lieben und gott ähnlich seyn, kann seiner haffer tücke sehn, Und für sie um erbarmung flehn. 6. Ist schmähsucht wider ihn gefliffen; Wie leicht erträgt er ihren spott! Was ist sein frost? sein gut gewiffen; Wo hat er wahren ruhm? bei gott! Ein neid, der dieses glück nicht stört, Ist keiner christenthräne werth. 7. Gleich froh durchlebt er seine tage Im schooße der zufriedenheit, Entfernt im leid von feiger klage, Von der Glückseligkeit des Christen. Von übermuth zur guten zeit! So zeigt er stets, wie groß der chrift, Wie stark der freund des ich ein gut ge8. Mein Jeſu, mächtig in den 579. Weisen babe schwachen, Belebe mich mit deiner kraft; Sie kann mich stark im unglück machen, Sie ists, die alles in mir schafft. In ihr, herr! werd ich nicht allein Hier streiter, nein, auch sieger seyn. 5. Gott sieht der ewigkeiten nacht, Wo fünder, die ihn hier verlacht, In tiefem jammer schmachten. Gott kennt der tugend hohen werth, Und den hat Jesus dich gelehrt; Und den willst du verachten? 311 Glück eines guten Gewissens. Mel. Wer nur den lieben Gott. Werth der Tugend. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 578. emuntre, feele! dich als ein chrift, und sey Dem gott, der dich geschaffen, treu, Und folge dem gewissen. Nie, glaub es, wird es dir gereun, Hast du, unsträflich fromm zu seyn, Aufrichtig dich befliffen. 2. Gehorch nicht deinem fleisch und blut; Gehorche gott! gott meint es gut: Was er gebeut, ist segen. Er liebt uns menschen väterlich, Führt durch geduld und tugend dich Dem höchsten heil entgegen. 3. Gott theilt dir seine stärke mit! Drum gehe stets mit festem schritt Fort auf der tugend pfade. Die lust verführt, die tugend nie; Und gott, dein gott, bekrönet sie Mit namenloser gnade. 4. Laß dir die schreckensvolle pein Der fünde hell vor augen seyn, Wenn sie dich lockt zu freuden. Gott kennt den quälenden verdruß, Der auf die fünde folgen muß, Und will sie dir verleiden. 6. Nein, wach und kämpf und bete du! Dein gott, dein richter schaut dir zu; Einst wird er dich belohnen.! bleib ihm treu, und wanke nicht; Denk an den tod und ans gericht Und an die siegeskronen. groß ist meine seligkeit! Es iſt des himmels beste gabe, Das höchste glück in dieser zeit. In freud und leiden giebt es hier Die wahre ruh der seele mir. 2. Jch bebe nicht, wenn fünder beben, Daß gott gerecht und heilig ist; Mein Herz giebt zeugniß meinem leben, Daß ich gewandelt Des göttlichen bes rufes werth, Der mich hier göttlich wandeln lehrt. 3. Getrost wag ichs, vor gott zu treten, und ihn voll glaubensfreudigkeit Als meinen vater anzubeten, Der mir, was ich bedarf, verleiht, Und jedem heil und segen giebt, Der ihn mit treuem Herzen liebt. 4. Mit muth trag ich des le= bens leiden, Verfolgung, lästrung, schmach und hohn; Denn des ge= wissens innre freuden Sind süßer, als der beste lohn. Und was kann höhern troft verleihn, Als leiden, und nicht schuldig seyn? 5. Die fröhlichkeit in meinem herzen Verbreitet sich auf mein geficht; Ein labsal ist sie mir in schmerzen, In finsterniß ist sie mein licht; Sie macht getroft, wenn selbst die welt Erzittert und in trümmern fällt. 6. Jch eile mit gefeptem schritte Des lebens letter stunde zu; Denn der verfallnen leibeshütte Zeigt sich im grabe sanfte ruh, Indem mein geist, der gott gelebt, Zu seinem ursprung sich erhebt. 7. Für meines vor'gen lebens fünde Giebt mir mein heiland troft und muth; Ich weiß, daß ich begnad'gung finde In der versöhnung durch sein blut. Er, der für mich gelitten hat, Tilgt alle meine missethat. 8. Darum, o feele, sey befliffen, Daß unbefleckte heiligkeit Dir im 312 Von der Glückseligkeit des Christen. spott; O! der ist ruhm für ihn. Das gute thun, das böse fliehn, Schafft ruhm, den ruhm bei gott. 13. 3u gott, in seinem Herzen rein, Hinauf gen himmel schaun Und sagen: du bist mein vertraun! Mel. Nun fich der Tag geendet. 580.Hab ich ein gut gewis, Welch glück kann größer ſeyn? mir! was fürcht ich dann? Nichts schrecklichs, zagte jedermann, Ist mehr in der natur. 14. Sieh, alles um dich her entweicht, Bald kömmt die letzte nacht; Und nur ein gut gewissen macht Den tod selbst süß und leicht. 15. Wohl dem, der diese ruh genießt, Dem fein gewissen sagt, Daß nichts, was ihn bei gott verflagt, Verdammlichs an ihm ist! 16. Fest steht der fromme, wenn die welt Und erd und himmel bricht, Steht felfenfest und zaget nicht, Gott ist es, der ihn hält! Ruhe der Seele. merdar ein gut gewissen Und glaubenszuversicht verleiht. Und du, mein gott! regiere mich; Denn dies glück hab ich nur durch dich. 2. Dies sey mein ruhm, dies fey mein theil, Troß dem, der mir es raubt! Ein reines herz, das thätig glaubt; Sodann ist gott mein theil. 3. Welch ein erhabener gewinn, Wenn meine sünde schweigt. Wenn gottes geift selbst in mir zeugt, Daß ich ihm ähnlich bin! 4. Und dieses glück, und diese ruh, Den seligen gewinn, Gäb ich für luft der fünde hin? Das laffe 581. Vom geräusch der welt Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. gott nicht zu! geschieden, ich des erlöfers frieden und die freude, schon auf erden, Gott! mit dir vereint zu werden; Sehe diese welt der sünden Unter meinen füßen schwinden Und das glück von jenem leben Den entzückten geist umgeben. 2. Gott! was bleibt der reiz von lüsten Ueber sie erhabnen christen? Was der glanz der eiteln freuden? Was des Lebens turze leiden? Wenn sie deinen lohn erblicken, Der sie ewig wird beglücken, Und des franzes werth empfinden, Den dort engel für site winden? 5. Ich stürze mich in jene pein, Der fünde fluch mit mir Umber zu tragen, und von ihr Stets angetlagt zu seyn? 6. Laß es der pflichten schwerste seyn, Daß du dich selbst bekriegst: welche lust wird, wenn du siegst, Dich nach dem tampf erfreun! 7. Welch hohe freude, ist man sich Mit wahrheit selbst bewußt: Ich brannte zwar von böser lust, Mit gott beschüßt' ich mich! 8. Und, o welch schreckliches gericht, muß ich mir selbst gestehn; Dem falle fonnt' ich zwar entgehn, Und ich entging ihm nicht! 9. Ein reines herz nur kann im glück Den werth des glücks erhöhn; Dies, dies versüßzt im wohl ergehn Den frohen augenblick. 10. Was ist, das deiner leiden schmerz In deinem schmerze stillt, Ja dich mit freude gar erfüllt? Ein gottgelaßnes Herz. 11. Ein edles herz nur giebt dir muth, Die güter zu verschmähn, Worauf die niedern seelen sehn, Dies herz, dies beste gut. 12. Erduldet hier der fromme 3. Nun mag elend auf mich stürmen; Gottes trost wird mich beschirmen. Kurz sind dieses lebens pfade; Ewig währt der lohn der gnade. Mit des dankes stillen zähren Will ich gottes rath verehren, Unter keiner plage sinken, Und den kelch der leiden trinken. 4. Du hast selbst der menschen plagen, Heiland! voll geduld ertragen, Mit dem schwersten tod gestritten, Tausendfach mein leid gelitten. Eaß mich deine kraft be Von der Glückseligkeit des Christen. leben, Wenn die matten hände beben; Laß sie mir den sieg gewähren; Trockne, trockne meine zähren. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen. 582. Mie mächtig spricht in deine stimme voller huld! Du fiehst erbarmend, wenn ich fehle, Zürnst nicht, hast väterlich geduld; Schickst deinen geist, mich zu regieren, Sprichst meinem herzen freundlich zu, Wirst nie: mals müde mich zu führen So viel ich falsche tritte thu. 2. Erbarmer deiner kreaturen! Liebreicher gott der ganzen welt, Die deiner güte reiche spuren In jedem sonnenstaub enthält! Mein Herz denkt nimmer so vermessen, Daß es dir, vater! troßen kann. Nie soll es undankbar vergessen, Was du zu seinem heil gethan. 3. Verfündigt ich mich wol mit willen An einem gotte, der vergiebt? Der mir gebote zu erfüllen Gegeben hat, weil er mich liebt? Der die erfüllung kleinster pflichten Als eine wohlthat mir vergilt, Und der, anstatt mich streng zu richten, Mein Herz mit trost und freud erfüllt? 4. Sein dienst ist leben meiner feele, Gehorsam meine seligkeit. Wie findlich wein ich, wenn ich fehle, Vor ihm, dem pater, der verzeiht! Ich fühle jede meiner sünden, Die weder mensch, noch engel büßt; Wie selig kann ichs dann empfinden, Daß Christus mein erlöser ist! 5. Den majestätischen gedanken Gäb ich für alle welten nicht; Er bleibet wahr, die thronen wanten; Er bleibet fest, die welt zerbricht. Es mögen fündigen und zittern, Die beuten des verderbens sind! Gott wird der erde grund erschüttern; Ich bebe nicht, tch bin sein kind. 313 Irdischer Segen des Christen. Mel. Nuu sich der Tag geendet. 538. Wohl, wohl dem menDer frevler sich menschen, der den schen, der dem rath entzieht, Dem krummen pfad Der übertreter flieht! 2. Der, wo der gottheit spötter lacht, Sich fromm und weit ent fernt, Sich gottes recht zur freude macht, Und tag und nacht es lernt! 3. Er grünet, wie am bach ein baum Von seinem segen schwillt, Sich hebt und einen weiten raum Mit seinem wipfel füllt. 4. Er trägt, wenn seine zeit kömmt, frucht, Stets unentlaubt und grün; Er tröstet den, der schatten sucht, Der wandrer segnet ihn. 5. Das ist der fromme! was er macht, Geräth ihm und gedeiht; Staub ist der fünder, der sein lacht; Spreu, die der wind zerstreut. 6. Der, der sich gegen gott empört, Besteht nicht im gericht; In der gemeine, die gott ehrt, Bleibt der verbrecher nicht. bahn, Die der gerechte geht. Im 7. Dir, höchster! dir gefällt die zorn schaust du den fünder an; Des sünders weg vergeht. Häusliches Glück des Christen. Mel. Wer nur den lieben Gott. 584. I gett! m stillen wollen wir der frommen wandel liebt, Und bittenden, was sie begehren, Was ihnen nüßt und wohlthut, giebt; Schon oft sind wir erquickt, erhört Von deinem thron zurückgekehrt. 2. Uns alle, die wir flehn, verbindet Des blutes und der freundschaft band, Und unser dank, o gott! empfindet Die milde leitung deiner hand, Und preist dich, ewger menschenfreund! Der uns in dieses band vereint. 3. Wohl dem, der in der ehe bunde, In fester lieb und ein 314 Von der Glückseligkeit des Christen tracht, lebt! Ihm wird so manche lebensstunde Mit seligkeit und lust durchwebt; Er blickt mit ruh und heiterm sinn Auf pfad und ziel der wallfahrt hin. schaft uns zur ewigkeit, Zur wonne der verklärten weiht. Ewige Belohnung des Ehriften. Mel. Wend ab deinen Zorn. 4. wenn frommer finder jegen Der ehe bund noch 585.Wen wird, o gott, die schöner macht, Wenn sie im herzen tugend hegen, Wenn in den blicken unschuld lacht, Wenn sie der eltern beispiel rührt, Und auf den weg des lebens führt. wonne der erlöften Nach dieses lebens kurzem kampfe trösten? Wen schmückt im himmel einst vor deinem throne Des mittlers krone? 5. Wohl uns, wenn unsern hausgenoffen Die furcht des herrn vor augen schwebt, Und jeder treu und unverdrossen Nach seiner pflicht erfüllung strebt; Wenn eintracht und zufriedenheit Ein haus zum siß des segens weiht! 6. Denn denen, die dich scheun und ehren, vater! strömt dein segen zu; Sie wandeln folgsam Deinen lehren, Und traun auf dich, und finden ruh, Und finden freude, deren werth Und dauer keine zeit zerstört. 7. Zwar oft wird auch der kelch der leiden Den deinen, herr! von dir gefandt; Die muß oft tod und trennung scheiden, Die blut und treue fest verband; Oft stört des grams, des unfalls wuth Oft krankheit ihren heitern muth. 8. Doch trinken sie den kelch gelassen, Den du, ihr vater, eingeschenkt; Du zürnst nicht ewig, kannst nicht hassen, Du, gott! der feiner finder denkt, Und wenn ihr glaube standhaft ringt, Durch lei den sie zur wonne bringt. 9. Mag doch des todes arm uns trennen; Wir werden einſt uns wieder ſehn, Vor gottes thron die unsern kennen, Mit ihnen dankend vor ihm stehn; Da, wo kein tod mehr trennen kann, Stehn wir vereint und beten an. 2. Wer heilig wird, wer abgewandt vom bösen, Sich von der fünde herrschaft läßt erlösen; Wer an den sohn glaubt, seinen herrn ihn nennet, Ihn frei bekennet. 3. Wer deine wahrheit unter Adams kinder Verbreitet, sie erleuchtet, und die fünder Durch thaten reizt, mit einem bessern leben Dich zu erheben. 4. Wer, was er glaubt, gewissenhaft auch übet, Die menschen all als seine brüder liebet, Nicht lästert, sie nicht kränkt, nicht stolz sich blähet, Und keinen schmähet. 5. Wer sünden haffet, und mit den fündern Mitleiden fühlet, und an deinen findern Die gottesfurcht und ihre gaben ehret Hält, was er schwöret. 6. Wer nicht der brüder ruhm und glück beneidet, Selbst reich, die armen speist, die nackten kleidet, Froh, ohne wucher auch mit milden gaben Genüßt zu haben. 7. Wer züchtig in gedanken, keusch auch lebet, Wer feiner hoheit sich nicht üherbebet, Im glücke mäßig, gütig und bescheiden, Getrost in leiden. 8. Den, den wird, gott! die wonne der erlösten Nach dieses lebens kurzem kampfe trösten; Den schmückt im himmel einst vor deinem throne Des mittlers krone. Mel. Ewigkeit, du Donnerwort. A 10. Und preisen ewig gottes 586.Mein glaub' iſt meines güte. Die unaussprechlich uns geliebt, Und dem ihm heiligen ge- führt mich deinem himmel zu, müthe Schon hier des himmels du, an den ich glaube! Ach! gieb vorschmack giebt, Durch freund- mir, herr! beständigkeit, Daß die Von der Glückseligkeit des Christen. 315 sen trøst der sterblichkeit Nichts gott hat geduld, Und straft mich meiner feele raube. Tief präg es meiner feele ein, Welch heil es ist, ein christ zu seyn. nicht nach meiner schuld. 5. Der du den tod für mich bezwangst, Du hast mich, mittler! aus der angst, In der ich lag, geriffen. Dir, dir verdank ich meine ruh, Du heiltest meine wunden zu, Du stilltest mein gewissen. Und fall ich noch in meinem lauf, So richtest du mich wieder auf. 6. Gelobt sey gott! ich bin ein christ, Und seine gnad und wahrheit ist An mir auch nicht vergebens. Ich wachs' in meiner heiligung, Ich spüre täglich besserung Des herzens und des lebens; Ich fühle, daß des geistes kraft neuen menschen in uns schafft. Den 7. Dank dir, o vater! dank und ruhm! Du lehrtest mich das christenthum Fest glauben, willig üben. Dir, gott, mein lehrer, lob und preis! Ich lieb es immer noch und weiß, Ich werd es ewig lieben. Jetzt und mein künftig leben lang Bring ich dir, höchster! preis und dank. 2. Du haft dem sterblichen geschlecht Zu deiner ewigkeit fein recht Durch deinen tod erworben. Nun bin ich nicht mehr asch und staub, Nicht mehr des todes ewger raub; Du bist für mich gestorben! Mir, der ich dein erlöser bin, Ist dieses leibes tod gewinn. 3. Was seyd ihr, leiden dieser zeit, Mir, der ich einer ewigkeit Mit ruh entgegen schaue? Bald ruft mich gott, und ewiglich Belohnet und erquickt er mich, Weil ich ihm hier vertraue. Bald, bald verschwindet mir mein schmerz, Und himmelsfreude schmeckt mein herz. 4. Bin ich gleich schwach, so trag ich doch nicht mehr der fünde schmachvoll joch In meinem lauf auf erden. Die tugend ist mir süße pflicht; Doch fühl ich es, ich bin noch nicht, Was ich dereinst soll werden. Mein troft ist dies: Vierte Abtheilung. Auf besondere Zeiten, Umstände und Personen. Neujahrsgesänge. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 3. Eaß dies seyn ein jahr der 587. Hilf, herr Jeſu! laß gnaden. Hilf, daß ich für meine gelingen, Hilf! ein neues jahr geht an. Laß es neue kräfte bringen, Daß aufs neu ich wandeln kann; Neues heil und neues leben Wollst du mir in gnaden geben. sünd, Womit ich bin hart beladen, Heute noch verzeihung find. Gott! du kannst, du willst verzeihen, Und zur beßrung kraft verleihen. 4. Zähle los mich hochbetrübten, Sich nicht an, was ich gethan; Nimm in Jesu, dem geliebten, Mich aufs neu zum kinde an. Laß mich, vater! nicht verderben, Nicht mich ohne beßrung sterben. 5. Herr! du wollft mir gnade geben, Daß dies jahr mir heilig 2. Dankbar beug ich meine kniee, Gott! vor dir, daß deine hand Gnad und wohlthat spät und frühe Liebreich mir hat zugewandt. Mein gebet, mein dank, mein flehen, Muß, herr! deinen ruhm erhöhen. Neujahrsgesänge. 316 sey, Und ich christlich könne leben, Ohne falsch, ohn' heuchelei; Daß ich fromm allhier auf erden Und dort selig möge werden. 6. Laß mich deine gnade ziehen Auf den weg zur frömmigkeit, Reiz zur sünde laß mich fliehen, Wachsam seyn zu jeder zeit; Laß mich alle laster meiden, Und im kreuz geduldig leiden. 7. Was ich denke, red' und thue, Das gescheh mit dir allein; Wenn ich wache, wenn ich ruhe, Wollest du, herr! bei mir seyn; Im beruf wollst du mich leiten, Und mit segen mich begleiten. 8. Wenn ich leide, mich betrübe, Und voll angst und zagen bin, D dann tröste gott der liebe! Mein gebeugtes herz und sinn, Und wenn sünd und tod mich schrecken, Laß mich deine gnade decken. 9. Jesu! laß mich fröhlich enden Dieses angefangne jahr; Trage mich auf deinen Händen, Bleibe bei mir in gefahr. Freudig will ich dich umfassen, Wenn ich soll die welt verlaffen. der dunkler nächte Beschüßt' uns seine rechte. 7. Dir, hüter unsers lebens! Dir traun wir nie vergebens; Du, du kannst in gefahren Auch fünftig uns bewahren. 8. D! stärk uns, voll vertrauen Hinauf zu dir zu schauen, Mit festem muth in leiden, Und dankerfüllten freuden. 9. Leit uns mit mildem segen Auf allen unsern wegen; Laß großen und laß kleinen Dein licht der gnade scheinen. 6. Im sturm gehäufter plagen, In trauervollen tagen, Im schau10. Gieb, vater! allen denen, Die sich nach hülfe sehnen, Ein herz, das sich geduldet, Und klagend nie verschuldet. 11. Versüß durch deine freuden Den herben felch der leiden, Und laß, wo thränen fließen, Sich deinen trost genießen. 12. Sey der verlaßnen vater, Den irrenden ein rather, Der unversorgten gabe, Der armen gut und habe. 13. Hilf gnädig allen kranken, Gieb fröhliche gedanken Den tief gebeugten feelen, Die sich mit schwermuth quälen. Mel. Nun laßt uns Gott, den Herren. Dommt, laßt vor gott 14. Und was das meiste, 588. Kot treten, Zhn Füll uns mit deinem geiſte, Der kindlich anzubeten! Sein arm hat unserm leben Bis hieher kraft gegeben. uns hier selig leite, Zum himmel uns bereite. 15. Dies wollest du uns geben, Du, herr von unserm leben! So werden wir in segen Dies jahr zurücke legen. 2. Wir erdenpilger wandern Von einem jahr zum andern; Die schnelle flucht der stunden Wird kaum von uns empfunden. 3. Und diese unsre tage ErMel. Allein Gott in der Höh ſey Ehr. schwert uns manche plage; Wir 589. Gott schuf die sonne Der gehn auf ewigkeit entgegen. 4. Doch gott liebt uns als tinder, Er tilgt die schuld der fünder, Und trägt uns voll erbarmen, Auf seinen vaterarmen. 5. Auf allen unsern wegen hat gnade, heil und fegen Sich jeden tag erneuet, Und unser herz erfreutet. zeiten abzutheilen. Er macht es, daß man sicher wohnt, Er heißt die zeiten eilen. Er ordnet jahre, tag und nacht, Der gott der ordnung und der macht; Ihm laßt uns dank ertheilen. 2. Herr! der da ist und der da war! Von dankerfüllten zungen Sey dir für das verfloßne jahr Ein heilig lied gesungen; Für leben, wohlfahrt troft und rath, Neujahrsgesänge. Für fried und ruh, für jede that, Die uns durch dich gelungen. 3. Laß auch dies jahr gesegnet seyn, Das du uns neu gegeben, Verleih uns kraft, die kraft ist dein, In deiner furcht zu leben. Du schüßest uns, und du vermehrst Der menschen glück, wenn sie zuerst Nach deinem reiche streben. 4 Gieb mir, wofern es dir ge= fällt, Des lebens ruh und freuden; Doch schadet mir das glück der welt, So gieb mir kreuz und leiden. Nur stärke mit geduld mein herz, Und laß mich nicht in noth und schmerz Die glücklichen beneiden. 5. Hilf deinem volke väterlich In diesem jahre wieder. Erbarme der verlaßnen dich Und der bedrängten glieder. Gieb glück zu jeder guten that, und laß dich, gott! mit heil und rath Auf unsern fürsten nieder. 6. Daß weisheit und gerechtigkeit Auf seinem stuhle throne, Daß tugend und zufriedenheit In unserm lande wohne, Daß treu und liebe bei uns sey, Dies, lieber vater! dies verleih In Christo, deinem sohne. Mel. Es ist das Heil uns fommen. u, gott! du bist der 2. Dich, ewiger, dich bet ich an, Unwandelbares wesen, Dich, den kein wechsel treffen kann! Wir werden, sind gewesen, Wir blühen und vergehn durch dich; Nur du bist unveränderlich, Du warst und bist und bleibest. 317 von ihr stets neues glück Mir zugeflossen wäre. 3. Herr! ewig währet deine treu, Mit huld uns zu begegnen, Und jeden morgen wird sie neu, Mit wohlthun uns zu segnen. Ich kenne keinen augenblick, Da nicht 4. Du hast auch im verfloßnen. jahr Mich väterlich geleitet, Und wenn mein herz voll sorgen war, Mir hülf und trost bereitet. Von ganzer seele preis" ich dich. Aufs neue übergeb ich mich, Gott! deiner weisen führung. 5. Vergieb mir die gehäufte schuld Von den verfloßnen tagen, Und laß mich deine vaterhuld In Christo ferner tragen. Laß mich in deiner gnade ruhn, Und lehre lebenslang mich thun Nach deinem wohlgefallen. 6. Gieb neue lust und neue kraft, Vor dir gerecht zu wandeln; Laß mich, herr! stets gewissenhaft Mit mir und andern handeln. geist belebe herz und muth, o du allerhöchstes gut! Und nicht die welt zu lieben. Dein Dich, auch der ewigkeiten. Laß mich auch jetzt mit freudigkeit Dein hohes lob verbreiten. Ein jahr ist abermal dahin; Wem dank ichs, Mel. Wie wohl ist mir, o Freund. gott! daß ich noch bin? Nur deis 591. Herr, den die ſonnen ner gnad 7. Die welt vergeht; dies reize mich, Die lust der welt zu fliehen; Um beßre freuden müsse sich Mein geist schon jetzt bemühen. Den engeln bin ich ja verwandt, Im himmel ist mein vaterland; Dahin, herr! laß mich trachten. 8. D! lehre selbst mich meine zeit Recht weislich auszukaufen, Laß mich die bahn zur ewigkeit Mit heilger vorsicht laufen; Der tage ruhe einst bei dir Kein wechsel weiter störet. ihren bau voll pracht erhöhn, Durch dessen machtwort welten werden, Und welten wieder untergehn! Herr, den durch frohe lobgesänge Der kreaturen ganze menge Und aller zeiten lauf erhob! Der engel chöre nachzuahmen, allt unfre freude deinen namen, Und unsern mund erfüllt dein lob. 2. Wie deine kraft die welt be= wahre, Verkündiget der tag der nacht, Ein jahr erzählt dem näch 318 Neujahrsgesänge. sten jahre Die großen wunder deiner macht. Dein thron, o gott! bleibt ewig stehen, Du bleibst der selbe, wir vergehen. Wie schnell verströmet unsre zeit! Schon wieder ist ein jahr vom leben, Das deine gnade uns gegeben, Im abgrund der vergänglichkeit. 3. Kommt, dies sey uns ein tag des bundes! Dem frommen bunde bleibet treu, Und den gelübden unsers mundes Stimm unverstellt das Herz auch bei. O land! gelobe, gott zu dienen, Und du wirst wie ein garten grünen, Den er sich felbst gepflanzet hat. Nur wandelt treu auf seinen wegen; aus der fülle seiner segen uns dann seine gnade satt. Und Macht 4. Gott! schau herab von deinen höhen, Du, der du deine menschen liebst: Erhöre unser kindlich flehen, Weil du uns gerne gutes giebst. So sätt'ge dann mit lanDen du zum vater uns Prüfung beim Anfang und Schlusse des Jahres. gegeben; Befeſt'ge unſers fürsten 592.Wifdwunden! Ach! es Mel. Alle Menschen müssen sterben. iederum verthron, Und segne ihn mit holden blicken, Lehr du ihn selbst das land beglücken, Und sey sein heil, sein schutz und lohn. kömmt nicht mehr zurück! Mehr stunden als achtmal tausend Schwanden, wie ein augenblick. Flohn zugleich auch meine sünden? Nein, die werd ich wiederfinden, Wenn der richter aller welt Einst vor seinen thron mich stellt. 5. Tritt den gewaltigen zur feite, Die um den thron des fürsten stehn, Daß ihren anschlag glück begleite, Und sie des volkes wohl erhöhn. Auf alles, was den staat kann bauen, Laß sie mit wahrer forg: falt schauen, Sie, die des fürsten auge sind; Der unschuld flehn, des lands begehren, Laß sie mit wahrer forgfalt hören, Sie, die das ohr des fürften sind. Steh in den schweren pflichten bei, Damit die wohlfahrt jeden standes Und jedes fleiß durch sie gedeih. Bild auch das herz der zarten jugend, Gieb, gott! daß weisheit, fleiß und tugend In allen unsern schulen blüh. Des landes Hoffnung laß gerathen, Daß man dort bürger unsern staaten, Dem himmel christen auferzieh. 8. Ach! keinen laß sein heil verscherzen, Und mache du die thoren flug. Gieb trost und kraft be drängten herzen, Und unsern armen brod genug. Dies unser flehn sey ja und amen In Jesu; denn in Jesu namen Giebst du, was unser Herz begehrt. Auch dies jahr fegne, dir zum preise, vater! auch an uns beweise, Du seyst es, der gebet erhört. 6. Erfüll mit eifer unsre lehrer Für deiner lehre lauterkeit, Daß einst die spätesten verehrer Noch dein wohlthätig wort erfreut. Hilf ihnen, herr! daß ihre lehren Nie ohne früchte wiederkehren, Wir ganz der gottesfurcht uns weihn. Laß deinen segen auf uns fließen; Denn wenn sie pflanzen und begießen, So kömmt von dir nur das gedeihn. 7. Den obrigkeiten dieses landes 2. Wort, gedanken, thatenheere! Ach! dürft ihr das licht nicht scheun? Wenn ich nun gestorben wäre, Wo würd' meine seele seyn? Wär ich jeßt fern von den fündern? Ständ ich jetzt bei gottes kindern? Ganz von seiner lieb entflammt? Oder wär ich jetzt verdammt? 3. Hab ich den, der leben gie bet, Niemals undankbar betrübt? Und den gott, der mich geliebet, hab ich redlich ihn geliebt? Lebt ich fromm nach seinem willen, Deffentlich und fromm im stillen? War vor seinem angesicht Ich ein beispiel jeder pflicht? - 4. Wie?- darf ichs zu denken wagen, Wär ich reif zur ewigkeit? Was würd' mein gewissen sagen, Neujahrsgesänge. Nief gott mir: du stirbst noch heut? Könnt ich froh vor ihm er scheinen? Hätt ich nichts mehr zu beweinen? Ist, o heiligster! vor dir Keine sünde mehr in mir? 5. Vater, du kennst meine sünden; Viel sind ihrer dieses jahr. Ach, mit schaam muß ich empfinden, Wie so oft ich treulos war! Bater! es ist lauter gnade, Wenn du auf des lebens pfade Nur noch ein, ein jahr mir schenkst, Und mein herz zum guten lenkst. 6. Nur noch ein jahr, gott, auf erden! Noch droht mir der fünden schuld. Ich muß, ich will frömmer werden; Schone, trage noch geduld. Kaum, ach kaum darf ich es denken! Doch du kannst noch gnade schenken, Wenn, der dein gebot entweiht, Herzlich seine schuld bereut. 7. Wie so manchen heitern morgen Sah ich dieses jahr gesund! Wie oft aß, befreit von sorgen, Speisen, die gott gab, mein, mund! Wie viel schreckliche ge319 2 Die heilgen wurden immerdar 3ur fürbitt hergezählet, Verehrt und endlich auch sogar zu helfern auserwählet; Da du doch, gott! der helfer bist Im himmel und auf erden, Der nur im namen Jesu Christ Will angerufen werden. 3. Die werke, die man da befahl, Hatt' eigenwiß erfunden, Der aberglaube ward zumal Den herzen eingebunden; Was aber du geboten hast, Das war nicht fahren hat, wenn tausend elend waren, Seine treue vaterhand Liebreich von mir abgewandt! 8. Gottes wahrheit konnt ich hören, Frei zum gotteshause gehn, Deffentlich ihn da verehren, Neue gnaden mir erflehn. Oft empfand ich seine liebe, Oft erwachten neue triebe, Fromm zu seyn, in meiner brust, Ihn zu lieben, neue luft. 9. Mußt ich auch in schmerzen ringen, O! so hielt mich seine hand; Bald konnt ich ihm froh lobsingen, Weil ich wieder hülfe fand. Gott! dir danket mein gemüthe; Demuthsvoll preif' ich die güte, Die kein undank mindern kann; Dich bet' ich im staube an. 10. Ach verzeih! ach schenk erbarmen, Denke meines undanks nicht! Zeug dem reuenden und armen, Der dich sucht, dein ange= sicht! Dir nur will ich künftig leben, Eifrig will ich mich bestreben, Deinem dienst mich ganz zu weihn Und hinfort ein christ zu seyn. Am Reformationsfeste. Mel. Durch Adam Fall ist ganz. noth zu wissen, War man nur 593. herr! dein feligma- sonst die menschenlast 3u tragen recht befliffen. chend wort Ist lang verdunkelt blieben. Es ward vorhin an jedem ort Nur menschentand getrieben: Der glaubenskraft ward nicht gedacht, Durch die man dir vertrauet, Und allen andern troft nicht acht't, Nur bloß auf Jesum schauet. 4. Dies einzuführen ist die liſt, Vornehmlich die gewefen; Dein wort, das unsre richtschnur ist, Hat man nicht dürfen lesen. Und da wars leicht, zur blinden zeit Gemüther zu betrügen; Sie wußten nicht den unterscheid Der wahrheit und der lügen. 5. Da wurde denn nach eignem sinn Ein gottesdienst erdichtet, Den man aus geiz nur auf gewinn Und heuchelei gerichtet. Des höchsten wort blieb unbekannt, Man konnt' es selten hören; So mußte sich der menschentand Fast täglich noch vermehren. 6. Und wen man gleich das schwere joch Durch lange zeit getragen, So zweifelten die herzen 320 Am Reformationsfeste. doch, Und konnte niemand sagen, Ob er damit genug gethan, Den himmel zu erwerben; Und trat die letzte noth heran, Mußt er im zweifel sterben. 7. Herr! dir sey dank gebracht, daß wir Zur wahrheit sind gekommen, Und deines wortes licht uns hier Der blindheit hat entnommen. Wir wissen, wer auf Christum traut, Erlanget heil und leben; Denn, wenn er gläubig auf ihn schaut, Wird ihm die schuld vergeben. 8. Dann thut der mensch, auf gottes rath, Und durch des geistes stärke, Was gott ihm anbefohlen hat, Als rechte gute werke; Daß er sich in bescheidenheit, unsern kindern. Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. u gott, der unsre zu Christ! Gott 594.flucht ift! Gott un fer mittler, Jesu heilger geist der gnaden! Unendlicher! verwirf uns nicht. Wir kommen vor dein angesicht, mit missethat beladen; Nimm von uns unsre sündenschuld, Du gott der langmuth und geduld! Und mert auf unser heißes flehn, Daß wir dein heil, erbarmer! sehn. Herr, unser gott! Verbirg uns nicht Dein angesicht, Und geh mit uns nicht ins gericht. Geduld, treu, demuth übet, Voll keuschheit, friede, freudigkeit, Gott und den nächsten liebet. 2. Wir haben unsern bund entweiht, Gebrochen unsern theuren eid, Und deinen weg verlassen; Doch sieh, wir kehren voller reu Zurück zu dir; o! laß aufs neu Uns deine rechte faffen; Laß sie uns leiten auf den pfad, Den dein befehl geheiligt hat, Daß irrthum und versuchung nie Uns auf die bahn des lasters zieh. Herr! unser gott! Vor ungeduld, Vor aller schuld Behüt uns deine vaterhuld. An öffentlichen Bußtagen. 3. Dein antliß leucht auf unfer land; Ringsum bedeckt von dei9. So viel sagt uns des herren mund, Wobei wir feite bleiben: Wir lassen uns von diesem grund Durch keinen menschen treiben. Nun wird von uns die große güt, Die gott an uns erwiesen, Alzeit mit dankbarem gemüth Erkannt und hoch gepriesen. 10. Herr! eile und bekehre noch, Die in der irre gehen. Wach auf; zerbrich und stürze doch, Die dir entgegen stehen. Laß nichts dein seligmachend wort Und seinen fortgang hindern; Erhalt und schenk es fort und fort Nach uns auch ner hand, Laß es der ruh genießen. Wend ab von uns mit deiner hut Der flammen grimm, den zorn der fluth, Des krieges blutvergießen. Sey rettend mit uns, wenn die noth Des mangels und der feuchen droht Und schüß uns, nicht ihr raub zu seyn; Laß sicherheit das land erfreun. Herr, unser gott! Das land ist dein; O! laß gedeihn Und sicherheit das land erfreun. 4. Sohn gottes, der zur erde kam, Und unsre schwachheit auf sich nahm, Um gott uns zu versöhnen; Der durch den tod ins leben drang, Sich dann zur rechten gottes schwang, Wo ehr und preis dich krönen! Vertritt, o mittler! uns bei gott! Durch deine leiden, deinen tod Stärk uns in unsrer prüfung lauf, Und wenn wir straucheln, hilf uns auf. Herr, unser gott! Dein troft, dein licht Verlaß uns nicht m tod, im grab, im weltgericht. 5. Schüß uns vor irrthum und gefahr, Erhalte deiner frommen schaar Der glaubenseintracht se An öffentlichen Bußtagen. 321 gen; Uns leite, gott! dein guter Wer in gefahr und noth dir fleht, geist, Und was dein wort verspricht und heißt, Sey licht auf unsern wegen. Laß auch in lehr' und wandel rein Die diener deines wortes seyn, Und bringe der wahrheit glück, Zu dir die irrenden zurück. Herr, unfer gott! Breit aus dein wort An jedem ort, Gieb geist und kraft zu dei zu Dem hilf aus seinen nöthen. Gieb kranken linderung und ruh, Die sterbenden erlöse du, Erhör ihr letztes beten. Sey aller unterdrückten heil, Der wittwen und der waisen theil; Vereitle der verfolger rath, Und lehre sie den rechten pfad. Herr, unser gott! Durch alles leid Der pilgerzeit Führ uns zu deiner herrlichkeit. nem wort. 8. Du thust weit mehr, als wir verstehn, Kannst mehr gewähren, als wir flehn; Laß uns erhörung finden. D! neig' auf unser flehn dein ohr, Heb' unser Herz zu dir empor, Und mach uns rein von sünden. Laß uns nun ganz dein eigen seyn, Im leben und im tode dein; Wir sind durch Christi blut erlöst. O du, der fünder nicht verstößt, Herr, unser gott! Erbarme dich! Erbarme dich! Vergieb uns, leit' uns väterlich. ( Siehe auch Nr. 387 und 394.) 6. Auch die regenten lenke du, Daß sie durch weisheit und durch ruh' Der länder wohlstand heben. Dem fürsten, der uns schüßt und liebt, Gieb, der in ihm so viel uns giebt, Das beste, spätste le ben. Noch lange sey sein vaterblick Uns, seinen kindern, schuß und glück; O! schütt' auf ihn und auf sein Haus und seine räthe segnung aus. Herr, unser gott! In deiner hand Ist unser land; Beglück es, segne jeden stand. 7. Vernimm der leidenden gebet; In allgemeinen Nöthen und öffentlichen Trübsalen. Mel. An Wasserflüssen Babylon. gefandt, Die faaten zu zernichten, 595.Du rächer, gott, wie So strömen laster hin ins land schrecklich drohn Uns deiner zornes flammen! Sie drohn nicht mehr, sie schlagen schon Hoch über uns zusammen! Du trugst uns lange mit geduld, zu groß, zu schwer ward unsre schuld; Du bist des schonens müde! Nun lagert deiner strafen heer, O gott! sich furchtbar um uns her, Und in uns ist kein friede. Mit allen ihren früchten. Nicht schüchtern, mit verbülltem haupt, Nein, frech, gebietrisch und erlaubt Tritt sie einher, die fünde, Und zweifelt nicht und ist gewiß, Daß jedes werk der finsterniß Lob und belohnung finde. 4. Du aber sprichst; nun ist es zeit Zu strafen, die mich haffen; Der fünde schmach und schädlichkeit Will ich sie fühlen lassen. Du gehst mit ihnen ins gericht, Du schlägst sie, und sie fühlens nicht, Und wollen es nicht fühlen. tragen ihrer laster schmach, geben darum doch nicht nach, Und wollen es nicht fühlen. Sie Und 2. Die freche thorheit, deinen sohn, Den mittler, nicht zu ehren, Erhebt sich stolz, und spricht dir hohn Und ruft: wer will mirs wehren? Vom throne bis zur hütte zieht Sie alles hin in ihr gebiet, Läßt sich nicht widersprechen. Die zahl der heiligen wird klein; Dir glauben, das muß thorheit seyn, Dich fürchten, ein verbrechen. 3. Wie fluthen, die dein zorn 5. Wie lange, rächer, werden sie Selbst deinen zorn nicht achten? Wird der gestrafte sünder nie Nach deiner gnade schmachten? Kannst X In allgemeinen Nöthen du, vor dem die hölle bebt, Vor Laß wegen unsrer fünden Uns welchem zittert, was da lebt, Und deine rache nicht, Herr, unser sturm und abgrund schweigen, heil! empfinden. Wie schrecklich ist Kannst du, du allgewaltiger, Du dein grimm! Ach soll er ewig gnädigster! du schrecklichster! Nicht glühn? Und willst du deine huld menschenherzen beugen Auf ewig uns entziehn? 6. Du bist die liebe! wende dich Zu ihnen, deinen kindern. Viel leicht beweist dein wohlthun sich Noch mächtig an den fündern; Vielleicht läßt sich ihr stolzes herz, Unbiegsam gegen quaal und schmerz, Durch dein erbarmen rühren; Bereuet seine missethat, Läßt dich, der es begnadigt hat, Sich und sein thun regieren. 4. Wann kehrt zu uns zurück Dein trost, o gott! dein fegen, Daß wir, dein erbtheil, uns In dir erfreuen mögen? O, laß uns leben, gott! Laß uns dein antlitz sehn; Set gnädig, hilf uns aus, Hilf, ehe wir vergehn! 7. Doch mußt du gescheh, Herr, unser wille. Du, erdkreis! strafen, so gott' dein völker. könige! Erzittert, werdet stille. Gott zürnet, der das meer erregt, Und felfen in den abgrund schlägt, Und aus den wolken bliget; Er, er verzehrt durch seinen hauch Den stolzen sünder, wenn er auch Auf einem throne figet. 8. du, gerechte vaterhand! Du wollst der frommen schonen, Die dann das sündenvolle land, Das du so strafft, bewohnen. Sie, die den dienst der fünde flohn, Dir standhaft folgten, gottes sohn, Sie rett aus dem verderben; Er rette sie zur bösen zeit, Und laß fie einst mit freudigkeit In deinem namen sterben. 322 Mel. D Gott, du frommer Gott. 596. Wie gnädig warst du, gott, Vor alters deinem lande! Wie halfft du ihm, wie oft Zerbrachst du unsre bande! Und schontest deines volts Mit väterlicher huld, Vergabst die missethat, Bedecktest seine schuld! 2. Dein strenger zorn erlosch Mit allen seinen flammen, Sobald es sich entschloß, Die fünde zu verdammen. Die menschen fündigen; Du bleibst dir immer gleich, Gerecht und heilig stets, Und stets an gnade reich. 3. Hilf, hilf uns, unser gott! 5. Jedoch ich hör uns schon Den gott des trostes trösten, Heil giebt er seinem volk Und ruhe den erlösten, Die er erwählet hat, Wenn wir nur heilig sind, Und unsre seele nicht Die thorheit lieb gewinnt. 6. Geschwinde naht sein heil Sich seinen frommen knechten, Und gottes ehre wohnt Im lande der gerechten. Barmherzigkeit und treu Umfahn sich schwesterlich, Gerechtigkeit und fried Umfahn und küssen sich. 7. Der Herr begnadigt uns; Das land bringt feine früchte, Und seine huld geht her Vor seinem angesichte, Verbreitet glück und heil Auf gottes eigenthum, Und Israel frohlockt Und bringt ihm preis und ruhm. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen. 597. Sehn wir nur trübſal um uns her, Und wiffen keinen ausgang mehr, Und wir finden weder schuß noch rath, Ob auch sorgen früh und spat; 2. Dann ist es unser trost allein, Daß wir uns deiner noch erfreun, Und fliehn zu dir, du treuer gott! Du einz'ger helfer in der noth! 3. Wir heben unser aug und herz Hinauf zu dir in unserm schmerz, Und flehn dich um begnadigung Und aller strafen linderung. 4. Nach deiner gnade sagest du Dies allen, die dir trauen, zu Durch den, der unser mittler ist, Durch unsern heiland, Jesum Christ! und öffentlichen Trübsalen. 5. Dir, unserm vater, unserm die nacht Des pilgerlebens helle gott, Dir klagen wir all unfre noth; Ach! deine vateraugen fehn, Wie so verlassen wir da stehn. 6. Nur du bist unsre zuversicht! Vergilt nach unsrer schuld uns nicht, Steh uns um Christi willen bei, Und mach uns aller plagen fret. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen. 598.N imm von uns, herr! wir flehn dich an, Du, der allein uns helfen kann, Nimm von uns, herr! der strafe last, Die du uns auferleget hast. 2. Herr! unsrer schulden zahl ist groß, Wer wird die böse neigung los? Wer ists, der seine fünden zählt? Wer weiß es, herr! wie oft er fehlt? 3. Nicht schwachheit nur, ach! misfethat sts, die uns, herr! geschieden hat. Oft haben wir der menschheit werth, Dein göttlich ebenbild, entehrt. 4. Doch laß für uns vorübergehn, Die über unserm haupte stehn, Die strafgerichte, die uns drohn, Und gieb uns nicht verdienten lohn. 5. Hörst du nicht uns, hör Jefum Christ, Der unser mittler war und ist, Und laß noch stehen dieses jahr Den baum, der ohne früchte war. 6. O geist der gnad' und des gebets! Behüt uns heut, behüt uns stets. Laß sünden uns nicht mehr entweihn, Behutsam unsern wandel seyn. 7. Ström deinen segen, berr! ins land; Es leit uns deine treue hand, Gieb allen frieden und gedeihn, Hör nie auf, unser schuß zu seyn. 323 7. Dann danken und lobsingen wir mit freuderfülltem herzen dir; Gehorsam deinem theuren wort, Mel. Was mein Gott will, gescheh. Herr! preifen wir dich hier und 599. Die dich nicht kennen, 8. Entzieh uns deines wortes licht, Der seele trost und hoffnung nicht; Es ist das licht, das uns macht. 9. Und fährt dein zorn zu strafen fort, So schone gott! nur unsrer dort, Und gehe, vater! gehe nicht mit deinen knechten ins gericht. ( Siehe auch Nr. 284.) Trost des Frommen in trauri= gen Beiten. deinen rechten fragen, Die müssen in der zeit der noth Mit banger seele klagen. Beklemmt von schmerz Verzagt ihr herz, Und findet keinen retter; Denn du bist nicht Die zuversicht Der fünder und der spötter. 2. Ich aber darf auf dich allein Mit ganzer seele trauen, Wie finster auch die zeiten seyn, Darf dennoch mir nicht grauen. Ich kenne dich Und weiß, daß ich Nach deinen rechten frage, Weiß, deine treu Wird täglich neu, Und sorgt für meine tage. 3. Nicht klagen will ich, gott! vor dir, Nicht weinend zu dir treten; Mit zuversicht, die giebſt du mir, Mit freuden will ich beten. Dein angesicht Verbirgt sich nicht Vor denen, die dich ehren; Du merkst auf sie, Verwirfft sie nie, Und eilst, sie zu erhören. 4. Du wollst mich in der bösen zeit Mit deinem schilde decken; Mich setze, gott! in sicherheit Vor allen ihren schrecken. Mich treffe nicht Dein zorngericht; Du wolleft meiner schönen. Bei tausenden, Die untergehn, Laß unversehrt mich wohnen. 5. Gott! hilf mir, daß ich immer hier Ein göttlich leben führe, Und meine freudigkeit zu dir Durch sünden nicht verliere. Der sünder schmach Folgt ihnen nach, Du zürnest, und sie zittern; Doch mich wird nie Dein zorn, wie sie, Wenn du sie strafft, erschüttern. X2 324 In Kriegeszeiten. Mel. Wer nur den lieben Gott. mit maaßen Treff uns dann auch 600. 8 zieht, gott! ein dein strafgericht. Du kannst, du triegeswetter Jetzt wirst uns nicht verlaffen; Nein, über unser haupt daher. Bist du vater! nein, das thust du nicht! nicht unser schutz und retter, So Erbarmend rette deine hand Auch ist die plage uns zu schwer. Sieh, uns und unser vaterland. wie die fürften sich entzwein, Und sich zu unterdrücken dräun! Mei. Ach Gott vom Himmel sieh. 2. D, laß uns hier allein, o vnter! Auf dich und deine vorsicht 601. Ach gott! wir treten schaun, Auf dich, den besten freund und rather, Und nicht auf menschenhülfe baun, Die, gott! uns ohne dich nichts müßt, Und nur durch dich uns kräftig schützt. jest vor dich Mit traurigem gemüthe, Und unser herz seufzt ängstiglich: Rett' uns durch deine güte. Schau, wie jetzt noth und kriegsgefahr Uns hart umringt, und uns sogar Tod und verderben drohet. 3. Kein blinder zufall herrscht auf erden; Du bist es, der die welt regiert. Laß uns der feinde spott nicht werden, Die stolz und neid zu uns geführt. Seyd böse, völker! rüstet euch! Deckst du uns, gott! so fehlt ihr streich. 4. Die allerfeinsten friegeslisten, Vereitelt leicht dein weiser rath. Nie wi ein feind ein land verwüsten, Das dich, gott! zum bes schüßer hat. Mit dir hat oft die kleinste macht Ein großes heer zur flucht gebracht. 5. Dem feinde hilft nicht große menge, Dem riesen hilft nicht feine fraft; Der roff' und wagen stark gedränge Ists nicht, was völkern sieg verschafft. Der stolze traut darauf zwar gern; Allein der steg kömmt nur vom Herrn. 6. Wir werfen uns in deine arme, Du vater der barmherzigFeit! Und beten voll vertraun: erbarme, Erbarme dich zur schweren zeit! O merke, merk auf unser flehn, Laß gnade noch für recht ergehn! 7. Doch findet, herr! dein weiser wille Noch ferner züchtigung uns gut; Wohlan, wir schweigen und find stille Bei dem, was deine vorsicht thut. Laß uns nur deiner plagen noth Zur bess'rung leiten, mächt'ger gott! 8. Nicht zu verderben, nein, 2. Gedenke, vater! jetzt nicht mehr, Daß wirs verdienet haben; Gedenke nicht, daß wir so sehr Die uns verliehnen gaben Entehret, und so lange zeit Zur wolluft, pracht und üppigkeit Sie undankbar mißbrauchet. 3. Wie oft ist unser nebenchrist Gedrückt, wie oft betrogen; Durch schein des rechts, gewalt und lift Das seine ihm entzogen! Jetzt, rächer! ist dein zorn entbrannt, Die fünde, die wir nicht erkannt, Wird öffentlich geahndet. 4. Doch, herr! verzeih die missethat Um Jesu Christi willen, Er, der für uns gelitten hat Kann deinen zorn nur stillen. Ach! er, der unsre sünden trägt, Die du ihm selbst haft auferlegt, hat uns ja dir versöhnet. 5. Um seinetwillen schone du, Und höre unsre klagen; Verleih uns wieder fried' und ruh', Und mindre unsre plagen. Erbarm', o Herr! erbarme dich, Und rett' uns alle gnädiglich Von krieg und kriegsbeschwerden. 6. Du kannst, o gott! der fürsten herz Wie wafferbäche lenken; Ach! laß sie doch der völker schmerz Recht väterlich bedenken, Sprich; du selbst ihnen mächtig zu, Daß sie doch ihrer länder ruh' Und wohl mit ernst befördern. In Kriegeszeiten. 4. Wir fallen dir voll reu zu fuß; Du wolleft uns erhören. Hilf, daß wir uns mit wahrer buß, gott! zu dir bekehren; Damit wir nicht an unserm theil Selbst unser eignes glück und heil, Den theuren frieden, hindern. 8. Breit über unser ganzes land Die flügel deiner gnaden, Beschüße huldreich jeden stand Vor drangfal, noth und schaden. Dann wollen wir zu jeder zeit Dich, vater der barmherzigkeit, Mit preis und dank erheben. 2. Dein antlig war hinweggewandt, Das nun uns wieder leitet; Und über uns und unser land War bange noth verbreitet. Herr! wenn dein zorn den frevler schilt, Wenn du mit fündern rechten willt; Wer kann vor dir bestehen? 3. Im staube blickten wir empor Und flehten: hilf uns wieder! Du hörst, du hilfst, du neigst dein ohr Auf unser flehn hernieder, Und schenkst uns ruh und sicherheit, Und hemmst des krieges grausam: keit, Und steuerst dem verderben. 4. Wie furchtbar zog des krieunser gott! ges grimm wilden err, 602.Hucht zu handen wer fluthen, und traf mit gleichem ungestüm Die bösen und die guten! Doch gott hat seiner wuth gewehrt; Zur pflugschaar iſt des würgers schwert, Der spieß zur sichel worden. Mel. Wend ab deinen Zorn. den Die, so in ihren nöthen und beschwerden Bei tag und nacht auf deine güte sehen, Und zu dir flehen. 2. Mach alle die zu schanden, die dich haffen, Die sich allein auf ihre macht verlassen. Ach! kehre dich mit göttlichem erbar men Doch zu uns armen. 3. Schaff du uns beistand wider unsre feinde. Sprichst du ein wort, so werden sie bald freunde; Dann müssen sie die waffen niederlegen, Und sich nicht regen. 325 5. Die klage wird zum lobgesang Und steigt empor zum himmel, Der angst geschrei, des elends drang Wird lauter luſtge= tümmel. Befreit von gram, geheilt von schmerz, Lobsingt der mund, srohlockt das herz, Entströmt die freudenthräne. 4. Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen, Vergebens ists, auf menschenhülfe bauen; Mit dir nur kann man thaten thun und kämpfen, Die feinde dämpfen. 5. Du bist der held, der sie kann untertreten, und die erretten, die im glauben beten. Wir traun auf dich, wir schrein in Jesu namen: Hilf, helfer! amen. 604. Will 604. Danklied für wiederhergestell- friede, ten Frieden. 6. O gott! erhalt uns lange zeit Dies glück, von dir gegeben, und laß in stiller ficherheit, In deiner furcht uns leben. Ruh, fried und eintracht schmück uns hier, Du führst uns einst hinauf zu dir, Zu wohnungen des friedens. Mel. Wer nur den lieben Gott. du Wichent des himmels, der die welt beglückt! Gott hat die schrecken des getümmels, Des würgens und der Mel. Es ist das Heil uns kommen. 603. Lobfingt dem gott, der angst erstickt; Gott hat das flehn der noth erhört, In freuden unser leid verkehrt. unsrer denkt, Der unfre thränen stillet, Der uns den goldnen frieden schenkt, Und flehn 2. Gott ist der Herr der kriegesund wunsch erfüllet! Gott! unser schaaren! Er schlägt und bricht der jammer drang zu dir, Du hörst stolzen truß. Er ist der ret gebet; dir wollen wir In der ter aus gefahren; Er, er ist der gemeine danken. verlaßnen schuß. Auf, menschen! 326 In Kriegeszeiten. preiset seine macht, Die liebevoll an uns gedacht. 3. Preist ihn, der hart, doch mit erbarmen Und stets voll huld die fünder schlägt; Ihn, der zugleich mit vaterarmen Die seinen, wie auf flügeln, trägt. Die ihr durch ihn begnadigt seyd, Auf! werdet jetzt ganz dankbarkeit. 4. Preist ihn, und lernt ihm ferner trauen, Wenn sich ein unglück auf euch stürzt. Ihr werdet seine hülfe schauen; Denn seine hand ist nie verkürzt, Und ewig feine gnad, als er; Wer bleibet bei ihm hoffnungsleer? 5. Auf! preist ihn durch ein frommes leben, und reizet seinen arm nicht mehr. Bedenkt mit heiligem erbeben, Hart war sein zorn, sein eifer schwer, Und doch trug er, der gott der huld, Noch schonend unsre größre schuld. eure 6. Preist ihn durch wohlthun und erbarmen, Wo elend brüder drückt; Die hülfsbedürftigen und armen, Ach! diese kleidet und erquict, Daß jeder sich des friedens freu, Und niemand ferner traurig sey. 7. Dann singt ihr wahre friedenslieder, Dann ist eu'r herz ganz dankbarkeit, Wenn ihr, als eines leibes glieder, In lieb und frömmigkeit euch freut. Dies glück, dies große glück, o gott! Erhalt uns bis an unsern tod. und schwerem leid, Das deine hand den fündern dräut, Uns väterlich behütet. 2. Wir häufen täglich unsre schuld Durch unser sündlich leben; Und doch bleibt uns, du gott der huld! Die wohlthat noch gegeben, Daß jedermann von uns in rub Sein' arbeit und beruf, wie du Befiehlest, kann verrichten. 3. In unserm lande blißt kein schwert, Unschuldige zu födten; Es ist von feinden unverheert Und frei von kriegesnöthen. Uns schreckt kein fürchterlicher truß; Wir können unter deinem schußz Noch immer sicher wohnen. 4. Laß, höchster! deine vatertreu Auch künftig uns bewahren! Steh du, allmächtiger! uns bei, Und deck uns vor gefahren. Breit in der welt den frieden aus, Gieb fried im land, in jedem haus, Und ruh auf unsern grenzen. 5. Und wenn ein feind uns überfiel, So wollest du ihm wehren; Setz du ihm schranken, maaß und ziel, Heiß ihn zurücke kehren. Beschüßze mächtig unser land, Laß sicherheit durch deine hand Sich über uns verbreiten. Um Erhaltung des Friedens und dessen Segen. sinn, Und 6. Gieb allen mächtigen den In frieden zu regieren; laß in frömmigkeit forthin Uns deine gnade spüren. Erhalt uns deine lehr und wort, Und laß in ruh an jedem ort Glück, heil und segen blühen. 8. Laß fest an deinem wort uns halten, Und treu dir im gehorsam seyn; In lieb und tugend nie erkalten, und dankbar jedes laster scheun. So sind wir froh hier in 666. Verleih uns frieden der zeit, Und selig in Melodie bekannt. gott! zu unsern zeiten; Es ist doch ja kein andrer nicht, Der für uns könne streiten, Denn du, unser gott, alleine. 2. Gieb unserm fürsten und aller obrigkeit Fried und gut reDaß wir unter ihnen Ein geruhiges und stilles leben führen mögen In aller gottselige keit und ehrbarkeit. Amen. 605. Heine macht Mit freu- giment, Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. err gott! wir preisen digem gemüthe, Du hast bisher für uns gewacht, Du hast aus großer güte Vor krieg und raub Bei ansteckenden Krankheiten. Mel. In dich hab ich gehoffet, Herr. ott dessen aug' uns 607. Got stets bewacht! Du bist allein die hülf' und macht Von uns hülflosen schwachen. Wir bitten dich Demüthiglich, Auch über uns zu wachen. 2. Úns schrecket, daß der seuche gift Schon hin und wieder manchen trifft, Sie hebt schon an zu wüthen. Drum flehen wir Und schrein zu dir, Du wolleft uns behüten. 3. Gott! furchtbar ist dein zorngericht; Mich und die meinen treffe nicht Die mörderische seuche. Hilf uns, o gott! Hilf, treuer gott! Daß sie uns nicht erreiche. 4. Ach handle nicht, herr zebaoth! Ach handle nicht, liebreicher gott! Mit uns nach unsern fünden. Barmherzigkeit, Barmherzigkeit Laß uns doch bei dir finden. 5. Schau an der herzen traurigkeit, Schau, wie uns unsre schuld gereut! Ach, um des mittlers willen, Der für uns starb, Uns gnad' erwarb, Laß deinen zorn sich stillen. 6. Streck aus, herr! deine starke hand, Deck' unsern ort, schüß' unser land Sammt allem, was wir haben. Heil unsern schmerz, Still' unser herz, Laß reichen trost uns laben. 7. Froh stimmen wir dein lob, herr! an, Und wollen nun dich nicht bloß dann, Wenn trübsal da ist, suchen; Dir ganz uns weihn, Stets dankbar seyn, Und aller fünde fluchen. Mel. In dich hab ich gehoffet, Herr. 608. Herr gott! vor deiner majestät Wirft unser brünstiges gebet, Mit angst erfüllt, sich nieder. Dein grimm erwacht, Der seuche macht Würgt schon die nahen brüder. 2. O gott, wie groß ist diese noth! Sie kömmt, sie wächst, und fall und tod Bedeckt das land mit leichen. Kein widerstand Von 327 menschenhand Macht den verder= ber weichen. that, rath 3. Sie dräut auch unsrer miffeWenn nicht dein liebevoller Uns noch mit langmuth träget. Sind wir mehr werth, Als die dein schwert Jeßt häufig niederschläget? 3. Ach, vater! gehe mit uns nicht Nach unsern fünden ins gericht, Erbarmer, ach verschone! Erlaß die schuld, Nach deiner huld, In deinem liebsten sohne. 5. Erbarme dich, erbarme dich, Und blicke jetzt auch väterlich Auf tiefgebeugte fünder. Du kannst allein Mit Hülf erfreun; Errette deine kinder. 6. Errette mächtig land und ort Von dieser bösen seuche mord. Entferne furcht und plagen. Gieb, was uns gut, Gieb frohen muth, Das glück von unsern tagen. 7. Doch sollen wir gezüchtigt seyn, So flöß uns die gesinnung ein, Daß wir bereitet stehen, Wenn dirs gefällt, Aus dieser welt Vor deinen thron zu gehen. 8. Beut denen deine hände dar, Die jetzt in tödtlicher gefahr Umringt mit bangen schrecken, Und laß ihr herz Im herben schmerz Den felch des trostes schmecken. 9. Laß, da die demuth vor dir fleht, Laß, treuer vater! dies gebet Zu dir erhörlich dringen; So soll den dank Dir lebenslang Das herz zum opfer bringen. ( Siehe auch Nr. 393.) Nach geendigten Seuchen. 609. N Lob und preis, Gott, Mel. An Wasserflüssen Babylon. un wollen wir dir unser helfer! bringen, Dir wollen wir mit bestem fleiß, mit herz und mund lobsingen. Du hast uns in der sterbensnoth So treu beschüßet, daß der tod Uns nicht dahin gerissen. Pflicht ist es, daß wir lebenslang, Allgütigster! dir 328 In ansteckenden Krankheiten. dafür dank Von Herzen sagen müssen. 2. Wir waren, höchster! überall Mit todesfurcht umgeben, Wir sahen der geplagten quaal, Und sterbende voll beben. Der tod riß täglich viel ins grab, Die noth nahm zu, die menschen ab, Die Heilkunst war vergebens. Nichts trieb des würgers macht zurück; Auch uns schien jeder augenblick Der letzte unsers lebens. 3. 3u dir, gott, unserm retter, schrien Der deinen bange herzen; Und du hast gnädig uns verziehn, Du sahest unsre schmerzen. Erbarmungsvoll hat deine hand Das übel von uns abgewandt, Nach sünden nicht gelohnet. Preis dir, o gott, wir leben noch! Groß war die noth, schwer unser joch; Noch größer du, der schonet. Mel. Von Gott will ich nicht. 610 D u befter trost der armen, Gott, schöpfer aller welt! Du vater voll erbarmen, Der seine zusag' hält! Du, du erhörst gebet; So hör', was unser glaube Zu dir jetzt aus dem staube In noth und theurung fleht. 2. Ach! unser sündhaft leben Verklagt vor dir uns hart; Doch schonen und vergeben Ist ja der väter art. Du, treuer vater! du Bist gut vor allen vätern, Und neigst selbst übertretern Dein herz bald wieder zu. 4. Preis sey dir, gott im höch sten thron, Für deine vatergüte! Preis singt dir, mittler, gottes sohn, Mein mund, herz und gemüthe! Preis dir, D tröfter, heilger geist! In ewigkeit feyst du gepreist, Gott, der uns hat erhöret! Nun zeigst du uns, wer stets sich fest Auf dich, den mächtigen, verläßt, Dem werde troſt gewähret. In Theurung. 3. Wenn sie mit ernster reue Zu dir um hülfe schrein, So willst du auch aufs neue Ihr gott und retter seyn. Herr, unsre zut= versicht! Auf den auch wir jetzt sehen, Und hülflos zu dir flehen; Verlaß, verlaß uns nicht! 4. Gott, unser heil! ach wende Der zeiten schweren lauf; Thu deine milden hände, Den schat 5. O laß uns fünftig, güt'ger gott! Die fünde dankbar fliehen; Durch strafen, durch gefahr und noth Willst du uns zu dir ziehen. Wohlan, mein herz! der fünde lauf Hör' in dir künftig völlig auf; O! thu des heilgen willen. Vielleicht möcht' er nicht mehr verzeihn; Heil dir! er wird dir kraft verleihn, Den vorsatz zu erfüllen. der allmacht, auf. Was nur ein leben hat, Nährst du mit wohlgefallen; O! schaffe denn uns allen Bei unserm mangel rath. 5. Herr, der du uns auch schufest. Hör unser angstgeschrei. AUmächtiger! du rufest Dem nichts, damit es sey. Zu helfen ist dir leicht; Du kannst dem mangel wehren, In theurung uns ernähren, Wenns uns unmöglich deucht. 6. Laß unsre frucht gerathen, Und deine hülf' uns sehn; Erquicke unsre faaten, So oft sie traurig stehn. Herr! baue selbſt das land, Tränk es mit thau und regen, Und füll' es an mit segen Aus deiner milden hand. 7. Erhör' uns, gott! und kröne Das jahr mit deinem gut! Sey gnädig und versöhne Uns dir durch Christi blut. Laß uns wohlthätig seyn Von dem, was wir noch haben, Und deine vatergaben Durch mißbrauch nie entweihn. Anis In Theurung. Nach geendigter Theurung. Mel. Nun freut euch, lieben Christen. 611.0 u haft, o gnadenreicher gott! In theurung uns ernähret, Im elend und in hungersnoth Errettung uns gewähret! Und nun hat deine segenshand Von uns und unserm vaterland Den mangel abgewendet. 2. Dich jammerte der menschen leid, Du hörst das schrein der armen; Du, vater der barmherzigkeit! Sahst auf sie mit erbar men. Groß war die noth, groß unfre schuld; Noch größer war, gott! deine huld und deiner allmacht stärke. 3. Dir sey, o bester vater, dank, Anbetung, preis und ehre! Erheb ihn würdig, mein gefang! Und erd' und himmel höre. Der höchste hält, was er verspricht, So lang die schöpfung steht, joll nicht Hier faat und ernt' aufhören. 4. Gott! unsre sünde wars, die dich Zur züchtigung bewogen; Laß Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 612.b fey gott, der den Für die Feld- und Landfrüchte der den erdkreis schmücket! Preis sey ihm, ehre, stärk und kraft, Der, was er schuf, beglücket. Der herr erschafft, der herr erhält, Er liebt und segnet feine welt. Lobsinget ihm, geschöpfe! 2. Eh noch der mensch den Herrn verließ In jenen heitern tagen, Da war die erd' ein paradies, Frei von der fünde plagen. Nun hat uns fünd' und straf entstellt; Doch sind wir noch in deiner welt, Im vorhof deines Himmels. 3. 329 uns, da du uns väterlich Jetzt zu dir haft gezogen, Die fünden künftig ernstlich fliehn, Und dir, der gnädig uns verziehn, Ganz unser leben widmen. Das land, das erst erstorben lag, Erwacht und lebt nun wieder; Es strömet jeden neuen tag Dein segen neu hernieder. Der wurm, der in dem staube webt, 5. Wie fürchterlich lehrt hungersnoth Uns unser nichts erkennen!, laß uns dich allein, o gott! Stets unsern vater nennen. Lehr' uns in allem auf dich schaun, Dich kindlich fürchten, dir ver= traun, Und jede wohlthat schätzen. 6. Laß uns, wenn du schenkst überfluß, Uns nie durch stolz erheben, Stets mäßig bleiben im genuß, Der wollust widerstreben; Von dem, was deine vatergnad Uns mildreich giebt, durch liebesthat Den armen gern erfreuen. 7. Und künftig wollst du gnädiglich Vor mangel uns bewahren. Dann ist kein übel fürchterlich, Deckst du uns vor gefahren. Mit luft, o vater! wendest du Dem lande deinen segen zu, In welchem fromme wohnen. Der vogel, der in lüften schwebt, Erfreut sich seines lebens. 4. Der erden antlig ist verjüngt, Erheitert glänzt der himmel; Gebirg und that und wald erklingt Von freudigem getümmel! Und voll erbarmen schaut herab, Der allen seyn und leben gab, Auf seiner schöpfung werke. 5. Doch fühllos nur und unbeseelt Sind auen und gefilde, Auch hast du nicht die thier' erwählt zu deinem ebenbilde; Der mensch nur freuet deiner sich, Kennt, fühlet und empfindet dich, Und hofft ein ewig leben. 6. Lobsinget ihm, er ist uns nah: Singt, alle seine heere! Der herr ist allenthalben da, Im himmel, erd' und meere. Ich preiſe dich, ich singe diri Denn du bist, Für Feld- und Landfrüchte. wo ich bin, bei mir, Mit allmacht, Die aus kräutern werden kann, lieb und gnade. 7. Du rufft die wolken in das land, Und stillst den durft der erde, Daß mit den gaben deiner hand Der mensch gefegnet werde; Du machest regen, thau und wind, Die deiner allmacht boten sind, zu unsrer freude quellen. 8. Selbst wenn, vom donnersturm bedräut, Erschrockne länder zittern, Strömt stärkung, fegen, fruchtbarkeit Aus schwarzen ungewittern; Dann bricht die sonne neu hervor, Und alles jauchzt zu dir empor, Vor dem die wetter schweigen. 330 9. Von dir kömmt, was uns hier erfreut, Du brunnquell aller gaben! Dort wirst du uns mit seligkeit In reichern strömen laben. Wohl, wohl den menschen, die schon hier Sich dir ergeben, und einst dir In Chrifto freudig sterben! Seh' ich auf den weiden vieh, Deine huld wie fühl ich sie! 6. du vater! o du treuer! Quell, dem segen nur entfließt! Aller lebenden erfreuer! Wer spricht aus, wie gut du bist? Wer preist würdig deine fraft, Die aus winter frühling schafft! 3. Alles drängt sich, aufzuleben In verschönerter gestalt; Frohe vögelschaaren schweben, Jauchzen im belaubten wald, Und insekten ohne zahl Kreuzen sich an berg und thal. 4. Alles athmet nur vergnügen, Alles redet dir zum ruhm. Vögel, die die luft durchfliegen, Schmetterling' auf jeder blum', Bienen, feinde träger ruh, Gott ist! ruft mir alles zu. 5. Seh ich wasserquellen fließen, Bäum' an bächen, hütten dran; Menschen, die der milch genießen, Mel. Lobt Gott, ihr Christen. 614.Noch immer wechseln orjahres zeiten ab. Dein segen, gott! ergieBet sich noch auf die erd herab. 2. Du öffnest deine milde hand, Uns menschen wohlzuthun, Und läsfest auch auf unserm land Noch immer segen ruhn. 3. Von deinem himmel, höchster! träuft Gedeihn und fruchtbarkeit; Die saat geht auf und blüht und reift Und sättigt und erfreut. 4. Von dir gesegnet, giebt der baum Den schatten, den man sucht, Und unter seiner zweige raum Mel. Alle Welt, was lebt und webet. 613.Hele leuchtet deine güte, Erfrischung und auch frucht. Deine heit, gott! Jedem fühlenden gemüthe Ruft der frühling: gott ist gott! Ist ein quell, dem freud entquillt, Der mit leben alles füllt. 2. Millionen blumen duften, Alle felder werden grün; Wie wenn tausend stimmen ruften, Hör ich: fühlt und preiset ihn, Jhn, der erd und himmel trägt, All ihr heer schuf und bewegt! 5. Du nährest jede kreatur. D heer? wer ist dir gleich? Dein vorrathshaus, gott! die natur, Ift unerschöpflich reich. 6. Wem strömt sie nicht, von dir erfüllt, Lust und vergnügen zu? Wer ist so gut, so treu, so mild So väterlich, wie du? 7. Herr! ohne dich vergingen wir, Und wir verdientens auch; Und dennoch leben wir in dir, Beseelt durch deinen hauch. 8. Wer, gott, erfährt nicht deine huld? Wem strahlet nicht dein licht? Mit welcher langmuth und geduld Verschonst du unser nicht! 9. O, betet gott, ihr menschen, an! Erwägts und dankt ihm nun. Was hat gott schon an uns gethan? Was will er nicht noch thun? 10. nicht bloß für diese kurze zeit, Herr! hießest du uns seyn; Du schufst uns für die ewigkeit, Uns ewig dein zu freun. 11. Läßt du uns deine freundlichkeit Schon hier so herrlich sehn; Für die Feld- und Landfrüchte. Was wird in der vollkommenheit Denn ohne deine segenshand Der fünftgen welt geschehn? Bringt selbst ein fettes gutes land Uns nimmer, was es könnte. 12. Noch tiefer dringt alsdann mein blick In deine wunder ein. Dherr! laß dies erhabne glück Mir stets vor augen seyn. 3. Vergebens ist all unsre kunst, All müh und zubereiten, Wenn nicht, gott! deine gnad und gunst Hier unsern fleiß begleiten. Durch dich nur keimt der saamen auf, gott! bald treibt, frucht und Mel. Allein Gott in der Höh sey. 615. tag erwacht, Erfreuſt reift darauf: Du biſts, der alles giebet. 4. Straf uns, herr! nicht in deinem zorn; Sey uns ein gott der güte. Erhalte unsrer felder korn. Ach, vater! ach verhüte, Daß frost und sturm und hagelschlag Sie nicht zerstörend treffen mag, Und wir dann trauern müßten. 5. 2. Dein brunn erquickt sie früh und spät, Und jeder grashalm zeuget Von dir, durch den die saat geräth, Hinauf zu halmen steiget. Wenn furch und fluren sich verneun, So giebst du wachsthum und gedeihn Durch sonnenschein und regen. Entstehen wetter und gefahr, So laß den bliß nicht zünden. Vor großer dürre uns bewahr, Und gar zu trocknen winden. Mach auch die erde nicht zu naß, Und laß uns kammern, scheur 3. Du krönft mit unerschöpfter und faß Mit deinem fegen füllen. hand, Herr! alle jahreszeiten; 6. Gieb gnädig, was uns deine Du träufelst auf das ganze land hand Jetzt in der hoffnung weiset. Des fegens fettigkeiten; Es trieft Und krönt dein segen unser land, durch ihren milden guß Die wüste dann sey, herr! gepreiset. selbst von überfluß, Und freude schmückt die hügel. Dann bringen wir dir dank und ehr, Der du der kreaturen heer Mit wohlgefallen fättigst. 4. Die änger stehen rings umher Von schaaf; es stehn die auen Voll goldnem forne dick und schwer, So weit die blicke schauen. Der hocherfreute landmann singt, Daß berg und thal und hain erklingt, gott! von deiner güte. Um Gesegnung der Feldfrüchte. 7. Wir trauen dir, wohlthät'ger gott! Dich lassen wir frei walten. Du, vater! kennst all unsre noth, Hast lange hausgehalten. Du wirst in deinem eigenthum, Zu unserm wohl, zu deinem ruhm, Dich ferner gnädig zeigen. Um Regen bei großer Dürre. menschen schaar Auf 617. himmel und auf Mel. D Gott, du frommer Gott. err, erden, Dem wolken, luft und wind Allzeit gehorsam werden! Was du befiehlst, geschieht; D! laß auch unser flehn Durch dich, allmächtiger! Jest in erfüllung gehn. 2. Bis hieher trifft die zusag 2. Wir bitten findlich dich Um ein. Gieb ferner deinen segen; deinen vatersegen; Gieb uns, o Laß unsre früchte wohl gedeihn, vater! gieb uns einen milden resonnenschein und regen. gen. Staub ist jetzt unser land, Gieb auf du, was da webet, Und abends danket deiner macht, Was der erde lebet. Du wässerst unsrer erde schooß; So wächst der felder reichthum groß, Nährt menschen und auch thiere. 331 Mel. Es ist das Heil uns kommen. 616.8 baut, berr! deiner dein geheiß die erde, und hofft dabei von jahr zu jahr, Daß sie verforget werde; Denn du versprichst, du treuer gott! Daß sie bei fleiß und müh ihr brod Von dir erhalten solle. 332 Für die Feld- und Landfrüchte. Erstorben jede flur; Es schmachtet feld und thier, Es trauert die natur. 3. Wir haben es verdient; Ach! groß sind unsre sünden, Und billig strafft du uns; Doch laß uns gnade finden. Vergieb uns unsre schuld; Thu auf die milde hand, Wirf einen vaterblick Auf uns und unser land. 4. Befeuchte berg und thal, Erfrische unfre felder, Dein regen träufle wälder; Das, was bisher gelechzt, Erquicke, herr! aufs neu, Daß jede kreatur Dir freudig dankbar sey. 5. Ergieß zugleich dein wort, Gleich einem milden regen, Auf unser träges herz Mit tausendfachem segen. Der fromme nur kann sich, Gott! deines segens freun; Olaß uns alle reich An wahrer tugend seyn. Danklied für verliehenen Regen. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. in milder regen sinket regen, Giebst milden sonnenschein, Du eilst, mit deinem segen Uns alle zu erfreun. Ach! laß uns nicht vergebens So manche gab empfahn, Laß nicht, du quell des lebens! Uns undankbar dir nahn. Bei anhaltendem Regen um Sonnenschein. 3. Gott! laß uns nicht vergebens Die gaben deiner hand empfahn, Uns nicht, du quell des lebens! Dir undankbar und fruchtlos nahn. Du sendest thau und Mel. Wär Gott nicht mit uns. 619. gott, der du den himmel ganz kannst bedecken, Und bald der heitern sonne glanz Auch wiederum erwecken! Halt deinen regen jetzt zurück, Und laß der sonne frohen blick Uns wiederum erfreuen. 2. Die felder trauern überall, Die saat und früchte leiden; Des regens überhäufter fall Erstickt der fluren freuden; Der segen, den du uns gezeigt, Der sich betrübt zur erde neigt, Droht nunmehr zu verderben. 3. Herr! unsre sünd und missethat Hat dies sehr wohl verdienet; Jedoch erzeig uns huld und Dein uns thun, 4. net. Wir nahn zu dir voll reu uns nun, Wir wollen ernstlich buße Und unser leben beſsern. Gieb uns, o du liebreicher gott! Den heitern schein der sonne, Und überschütt uns nach der noth Mit freude, lust und wonne; Und zeig uns jetzt, nach deiner treu, Daß außer dir kein segen sey Im himmel und auf erden. dürre flur. Wie labt sie sich! wie trinket Ihn die verschmachtende natur! Die sanften ströme fühlen Der lüfte weites meer, Und die geschöpfe fühlen Sich nicht mehr träg und schwer. Gott spricht; das seufzen schweiget, Und hiß und dürre fliehn. Der frommen danklied steiget, Hinauf und preiset ihn. 2. Mit muth im angesichte Beschaut des ackers herr sein feld. Erquickt hat gott die früchte, Er, der versorger seiner welt. Steif steht die saat, die ähren Vom Mel. Nun danket alle Gott. mark der erde voll, Das jeine 620. Mein gott! du biſt ge gleich menschen nähren, erfreuen soll. Weit schallt es ins gefilde: Gott ists, der regen schickt; Auf! preiset seine milde! Die erde ist erquickt! wol fauter liebe, Stehts mit uns menschen gleich Oft fummervoll und trübe; Scheints gleich, als dächtest du Bei unsrer fündenschuld, Nicht ferner mehr an uns Mit vatertreu und huld. 2. Die wolken mußten stets Das sonnenlicht bedecken; Wind, regenwetter, sturm Erfüllten uns Danksagung für den Sonnenschein nach anhaltendem Regen. Für die Feld- und Landfrüchte. mit schrecken, Weil man nur dun- dich freudig liebt, Dich, der mir kelheit und finstre nebel fah, Und so viel gutes giebt. unsers landes frucht War dem verderben nah. 5. Das saamkorn wird in deinem namen Auf Hoffnung in das feld gestreut. Du, großer schöpfer! gabst dem saamen, Da du ihn schufft, die fruchtbarkeit; Der acker, den du heimgesucht, Bringt nur durch deinen segen frucht. 6. Was dürr ist, feuchtest du mit regen, Was kalt ist, wärmt dein sønnenschein. Du theilst die zeiten, wie den segen Zu unserm besten weislich ein. Bei wärme, hizze, kält' und frost Grünt, wächst und reifet unsre kost. 3. Nun hast du sonnenschein Uns wiederum gegeben; Die felder sind erquidt, Erquickt auch unser le ben. Wir preisen deine huld, Die, gott! auf unser flehn Bei unsrer fümmerniß So liebreich hat gesehn. 4. Ja, herr! wir preifen dich Mit freudigem gemüthe. O! sorg' auch künftig noch Für uns mit vatergüte; Gieb uns zu rechter zeit Thau, regen, sonnenschein, Wir wollen dir dafür Von herzen dankbar seyn. Danklied für die Ernte. 7. Kommt, laßt uns bei den vollen scheuern Dem Herrn der ernte dankbar seyn; Laßt uns den bund mit ihm erneuern, Ihm Mel. Wer nur den lieben Gott. 621.Dir, milder geber aller selbst, was er uns schenkte, weihn. gaben! Herr! dir ge= bühret ruhm und dank. Du hörst schrein der jungen raben, Du liebst der lerche lobgesang: Oneige jetzt dein ohr zu mir! Du forderst dank; ich danke dir! Kommt, laßt uns seine macht erhöhn; Der herr ist gut; sein lob sey schön! das 333 8. Gieb, vater! daß uns deine liebe Zu deinem ruhm und ehr erfreut; Dein segen mehr in uns die triebe Zur demuth und zur dankbarkeit. Du hast uns gnädig guts gethan; Treib uns zur pflicht des guten an. 2. Die kleinste deiner kreaturen Macht deine weisheit offenbar, Man siehet deiner güte spuren Und deine macht von jahr zu jahr. Ein jedes gras belehret mich: Wie groß ist gott, wie klein bin ich! 3. Du sorgst nach trener väter weise Für deine menschen und fürs vieh, Du schenkest allem fleische speise, Du sorgst und segnest spät und früh; Auch bösen wirfst du gutes zu. Wo ist ein folcher gott, wie du! 4. Der erdkreis ist von deiner güte, Von deiner weisheit ist er voll. Herr! unterweise mein gemüthe, Wie ich dich würdig loben soll; Gieb, daß mein herz täglich brod. 9. men, füllt, Gieb denen herzliches erbarDie deine hand mit gütern Damit ihr überfluß der arBekümmerniß und hunger Herr! der du aller vater bist, Gieb jedem, was ihm nöthig ist. men stillt. 10. Beschüße die verliehnen güter, Laß uns die gaben wohl gedeihn; Laß theure zeit und ungewitter Entfernt von unsern gränzen seyn. Verhüte krieg und hungersnoth, Und gieb uns unser Bei Gewitter n. Ehrfurcht gegen Gott bei Ge- der seraph niederfällt, Gott redet donnernd aus dem wetter, Und ruft voll majestät der welt. Anwittern. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen. 622.Der mächtige, der herr betend sinkt der erdkreis nieder; ertönt; es bebt 334 Bei Gewittern. Und blize sagens blizen wieder: Gott ist der Herrscher der natur. 2. Laß dich auch seine stimme rühren, Sey ganz empfindung, o mein herz! Den dank, das lob, die ihm gebühren, Entweihe kein unheilger scherz. Es rufen gottes wahren kindern Selbst donner gnad und segen zu; Sie rufen schonend sichern fündern, Und ihren ruf versteh auch du. 3. Verstumme, freches heer der spötter! Furcht und verzweiflung warten dein. Der herr ist gott! es jagts das wetter, Die welt, die ganze welt ist sein. Ihr bebt, elende! wollt ihr fliehen? Kein ort schüßt euch und euren spott. Nichts kann dem mächtgen euch entziehen; Er kennt, er straft euch; er ist gott! 8. Bekehre noch ihr böses herz, Und tilge ihre schuld, Erfülle ste mit reu und schmerz, Und trage noch geduld. 9. Vor deines gottes majeſtät Erzittre nicht, o christ! Wenn er in donnerwolken geht, Und um sich blize schießt. lich ist Des himmels wetternacht: Es blißt! es donnert! gott, du bist! Und groß ist deine macht! 4. Gott donnert in des sünders ohr; Der sünder hörts und zagt, Hebt zitternd kaum sein aug empor, Wenn sein gewissen sagt: 5. Den, der dich schuf, ernährt und schüßt, Dich väterlich umfing, Den gott, der nun am himmel blißt, Den hieltest du gering! 6. Gott kennt dein Herz und weiß dein thun, Er, der die menschen wägt; Was bist du, wenn sein donner nun Dich schnell zu boden schlägt? 7. Verschone, Herr! verschone noch Der sünder nur diesmal, Barmherzig, bist du, vater! doch; 3u groß ist ihre zahl. 10. Und wenn sein donnerndes geschüß Den frevler tief erschreckt; So wiss', daß gott dich vor dem bliß Und seinem donner deckt. 11. Der pfeil des herrn fährt wunderbar Von seinem wolken: thron, Trifft, wen er will, und krümmt kein haar, Wenn gott ihm ruft: verschon'! 12. Sprich: wenn mein gott mich tödten will; Gerecht ist sein gericht! Er ist der herr! ich halte still, Und laß im tod ihn nicht. 13. Des donners könig ist mein freund; Wenn er mich schnell ent rückt, So weiß ich, daß ers gnädig meint, Und ewig mich entzückt. 14. Wer gott bei ſtillem himmel ehrt, Singt ihm auch froh ein lied, Wenn er auf schwarzen wolken fährt, Steht, wenn der sünder flieht! Mel. Nun sich der Tag geendet hat. 623.8 Donnert; mensch! wer donnert? wer Bligt aus dem wolkenzelt? Schau auf, o fünder! wer? der herr, Der große herr der welt! 2. In seiner ausgestreckten hand Liegt schweigend die natur, Und erd und himmel ist im brand, er nur. 3. Es donnert! gott! wie schreck: 624.De felt fich, Ein wetter Mel. Nun sich der Tag geendet hat. er dungottes dräut. Ich bebe nicht; ich freue mich, Herr! deiner herrlichfeit. 2. Du zürnest, wenn du donnerst, nicht; Du bist der menschen freund, Nicht blaffer sey mein angesicht, Wenn uns der blitz erscheint. 3. Dem fünder nur, der dich nicht fennt, Dem bist du fürchterlich; Dem aber, der dich vater nennt, Zeigst du als vater dich. 4. Uns segen ist der sonne licht, Uns segen tag und nacht; Auch segen ist uns dein gericht Und deines blizes pracht. 5. Doch menschen sind wir, va ter! schwach! Gedenk, wie schwach wir sind! Sprich nicht: zerstöre, Bei Gewittern. 335 höchster könig! Mein verstand ist viel zu wenig, Deine wege bleiben mir Ünbegreiflich für und für. 2. Geb ich auf des himmels kräfte Und auf erd und wasser acht, Wie ein jedes sein geschäfte, Und wozu du es gemacht, Gleich auf dein geheiß vollbringe; Find' ich ja in jedem dinge Wunder, deren hohen preis Ich nicht auszusprechen weiß. 3. Du, herr! bringst des windes brausen Aus verborgnen orten her, ie gnädig ist und sein sein 625.Whöchten wille! Der Kommen nicht von ohngefähr. Wenn die wolken sich ergießen, Und die blize heftig schießen, Wenn der donner tönt und kracht, Zeigst du deine große macht. 4. Doch vergißt du deine liebe Gegen deine kinder nicht. Sind die wolken schwarz und trübe, Ihnen scheint dein gnadenlicht. Mitten, gott! im sturm und wetter Bist du selbst ihr schutz und retter, Schonest ihrer bangigkeit, Wenn ihr herz in ängsten schreit. hagel!- ach! Sprich nicht zum blig: entzünd! 6. Du reinigst durch den bliß die luft, Dein regen fühlt die saat; Und donnerst du, dein don ner ruft: Sey rein von misfethat! 7. Laß frei das Herz von ängsten seyn, Wenn uns dein wetter droht. Weg furcht! wir lieben; furcht hat pein; Du bist die lieb, o gott! Nach dem Gewitter. Mel. Wer nur den lieben Gott. donner schweigt, die blize fliehn. Bald schmückt, bei angenehmer stille, Der sonne glanz das feuchte grün. Erhebe deinen lobgesang, Du, meine seele! opfre dank. 2. nimm bewundernd gottes güte Im blitz und ungewitter wahr! Dem frohen forschenden gemüthe Stellt sich ein großer schauplatz dar Von ungezählter segenspur, Zum labsal aller kreatur. 3. Wenn bei erhitzter dünste glühen, Sowol die menschen, als das vieh, Den othem matt und feuchend ziehen, Wie froh wie munter werden sie, Wenn in die ängstlich schwüle luft Der donner fühle winde ruft. 4. Wie lieblich hebt sich das getreide, Gestärket durch den regenguß! Und wie vergnügt betritt die weide Der neubelebten thiere fuß, Der muntern vögel frohes heer Verkündigt des erhalters ehr. 5. Auch will seine güte loben. Im wetter, wie beim sonnenschein, Werd er von dir, mein herz, erhoben! Du kannst dich seiner güte freun; Und wenn des donners stimme brüllt, Ist er dein helfer und dein schild. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 626.Sot jott, durch deffen macht und stärke Erd' und himmel sich bewegt! Wenn mein herz die großen werke Deiner all macht überlegt; So bekenn' ich, X 5. Wenn du sprichst, so muß sich stillen Regen, donner, sturm und wind, Als die alle deinen willen Auszurichten fertig sind. Sommer, winter, frost und hiße Ordnest du so, wie es nüße Zu der erde fruchtbarkeit, Alles zur beſtimmten zeit. 6. Denn dich jammert deiner kinder. Ob es dir gleich ist bekannt, Daß sie böse sind und sünder, Hört doch deine milde hand Noch nicht auf, das land zu segnen; Nein, du läßt nicht immer regnen, Es muß auch der sonnenschein Nach dem regen fruchtbar seyn. 7. Wer ist, der die liebesthaten Deiner hand nicht rühmen muß? Wenn du alles wohlgerathen, Und von deinem überfluß Uns die fülle läsfest nehmen, Muß ich mich ja billig schämen, Daß dich, gott! mein träger geist Würdig gnug nicht rühmt und preist. 8. Ach! daß wir doch, wie wir 336 follten, Lebten dir, dir gott, allein! Nichts als deinen willen wollten, Dir gehorsam möchten seyn, Und von erde, luft und Morgen gesänge. Mel. Nun laßt uns Gott, den Herren. 627.Wach auf, mein herz! schöpfer aller dinge, Dem geber aller güter, Der menschen treuem hüter. 2. Als nächtliche gefahren Verborgen um mich waren, Als ich nicht fah, nicht dachte, Warst du's, der für mich wachte. 3. Mit zärtlichem erbarmen Beschüßtest du mich armen; Und ich schlief ohne grauen, Und kann die sonn' jetzt schauen. 4. Wie fühl ich mich erquicket! Du, der uns stets beglücket, Du machst, daß ich aufs neue Mich meines Lebens freue. 5. Steig auf, mein dank, zum throne! Dem vater und dem sohne, Dem geist des herrn sey ehre, Anbetung, preis und ehre! 6. Hör, gütigster! mein flehen, Du kannst ins herze sehen; Laß dir mein kindlich lallen, Mein vater! wohl gefallen. 7. Laß deinen geist mich leiten, Daß ich zu allen zeiten Mich dir zum opfer gebe, Und heilig, dankbar lebe. 8. Zu jeglichem geschäfte Gieb muth, verstand und kräfte; So werd ich meine pflichten Mit luft vor dir verrichten. 9. Gieb mir denn deinen segen Auf allen meinen wegen. Dein wort sey meine speise Auf meiner himmelsreise. sternen Selbst gehorsam möchten lernen! Ach! mach du zu jeder zeit Dir zu dienen uns bereit. ( Siehe auch Nr. 415. 416.) Mel. Alle Welt, was lebt und webet. 628.Gott ott des himmels und der erden, Vater! sohn und heilger geist, Der du tag und nacht läßt werden, Mond und sonne scheinen heißt, Deffen allmacht seine welt, Und was 2. Gott! ich danke dir von herzen, Daß du mich in dieser nacht Vor gefahr, angst, noth und schmerzen Haft behütet und bewacht, Und bei aller meiner schuld Mich noch trägst mit vaterhuld. 3. Laß jetzt alle luft zu fünden, Gleich der nacht, in mir vergehn, Und mich muth und stärke finden, Auf der tugend pfad zu stehn. Dir gefallen, dir mich weihn, Müffe mein bestreben seyn. 4. Mich erinnre jjeder morgen, Gott! an jenen großen tag, Und die erste meiner forgen Sey, wie ich bestehen mag. Wenn dein furchtbar weltgericht Einst auch mir mein urtheil spricht. 5. Ach! ich fehle leicht; drum leite Mich, o herr! nach deinem wort. Sey du, vater! mir auch heute Schuß und rath an jedem ort; Denn ich kann durch dich allein Fromm und gut und ruhig seyn. 6. Dir, o großer gott! befehle Ich mit kindlich frohem sinn Meinen leib und meine seele, Was ich habe, was ich bin. Segne mich; ich bin ja dein, Und ich will es ewig seyn. 7. Deine macht wird mich bewahren, Wenn gewalt und lift mir droht. Laß mich jeden tag erfahren, Du seyst mein getreuer gott. Sterb' ich, so erhebe du, Vater! mich zur ewgen ruh'. 8. Gieb mir, gott! was ich begehre, Und was mir dein wort verheißt. Dir sey lob und preis und ehre, Vater, sohn und heilger Morgengesänge. geift! Ich, der hier nur stammeln kann, Bete dich einst würd'ger an. Mel. Wend ab deinen Zorn. 629.J will ich bich leben, D Dir wohlgefallen. en dieser morgenstund' gott, mein vater in dem himmel oben! Für alle gnaden, die du mir erwiesen, Sey du gepriesen. 2. Von dir hab ich mein Leben, gott! bekommen; Durch dich bin ich zum christen angenommen; Du läsfest mich vergebung meiner fünden Durch Jesum finden. 3. Du hast mir deinen guten geist gegeben, Der mich hier lehrt und führt in meinem leben, Damit ich, herr! auf dich allein nur schaue, Und dir vertraue. 4. Du haft mich allzeit väter: lich ernähret, liebreich mir gewähret, Mich aus des elends öden finsterniffen Herausgeriffen. 5. Auch jetzt hast du durch deiner engel schaaren Mich laffen sicher diese nacht bewahren, Daß mich kein übel traf, kein leid erschreckte, Kein unfall weckte. 6. So groß, o gott, ist deine gnad und güte! Ich preise sie mit wallendem gemüthe. Wie morgen thau fließt jetzt dein segen wieder Auf mich hernieder. 7. O, laß mich, gott! von dei nem fernern segen Geleitet gehn auf allen meinen wegen; Auch heute schüße mich, du gott der gnaden, Vor allem schaden. 8. Erhalte mir das beste glück des christen, In deiner furcht zu wandeln, frei von lüsten; Erhalte mir den eifer, deinen willen Gern zu erfüllen. 9. Auch alle, die mir lieb sind, alle meinen, Nimm, gott! in deinen schuß; sie sind die deinen; Verwandte, freunde, alles, was ich habe, Ist deine gabe. 10. Sey der beschützer unsrer obrigkeiten, Laß fried' und glück sich unter uns verbreiten! Behüt' 337 uns alle, mächt'ger gott! aus gnaden Vor sünd und schaden. 11. Zu meiner arbeit, meiner hände werken, Wollst du auch Heute meine kräfte stärken; O! fegne sie; laß mich in ihnen allen 12. Und wenn ich einst, mein gott! aus diesen leiden, Heut sey es oder morgen, werde scheiden; Dann laß auf Christi tod mich fröhlich sterben, Den himmel erben. 13. Dann bin ich ganz an see! und leib genesen, Bin hier auf erden dein, o gott! gewesen, Und bin von dir bewährt und treu era funden, Hab überwunden. Mel. Ich dank dir, lieber Herre. Oder: Aus diesem tiefen Grunde. 630. Mit freudigem gemüz ich dir 2. meinen dank; Es preise deine güte Mein froher lobgefang! O du, der mir das leben Bis diesen tag verlängt, Mir kraft und heil gegeben, Und täglich neu geschenkt! Beherrscher aller welten, Mein gott! wie dank ich dir? Wie soll ich dir vergelten, Was du gethan an mir? Ich bin viel zu geringe, Doch du verschmäheſt nicht Das opfer, das ich bringe, Dies herz voll zuversicht. 3. Gedenk nicht meiner sünde, Gott der barmherzigkeit! Sey deimem schwachen kinde Ein vater, der verzeiht. Du, gott der liebe! dämpfe, Die sinnliche begier, Mit der ich stets noch kämpfe, Und ziehe mich zu dir. 4. Herr! send auf meinen wegen Mir deine hülfe zu, Und sprich du selbst den segen Zu allem, was ich thu. Ja, sende du mir kräfte Von deiner himmelshöh, Damit all mein geschäfte Erwünscht von statten geh. 5. Gieb mir vor allen dingen, Getrosten muth und geist, Das freudig zu vollbringen, Was mein beruf mich heißt. Laß mich in guten tagen Nicht übermüthig seyn; Y Morgengesänge. 338 Doch auch nicht trostlos zagen, Dringt gleich ein kreuz herein. 6. Hilf, daß in meinem stande Ich thu, was dir gefällt, und laß mich nicht in schande Gerathen vor der welt. Richt, herr! mein ganzes leben Nach deinem willen ein; aß, die du mir gegeben, Von dir gesegnet seyn. 7. Gieb, daß im glück und leide Ich stets so leben mag, Daß ich mit heilger freude Denk an den legten tag; Und kömmt er, so vergönne, Daß ich voll freudigkeit Des glaubens sprechen könne: Komm, herr, ich bin bereit. Mel. Wer nur den lieben Gott. 631.Mein ein gott! nun ist es wieder morgen, Die nacht vollendet ihren lauf; Nun wachen alle meine sorgen Mit meinen pflichten wieder auf. Die ruh ist aus, der schlaf dahin, Und ich seh wieder, wo ich bin. 2. Ich bin noch immer auf der erde, Wo jeder tag sein elend hat, Und wo ich immer älter werde Bei wiederholter misfethat. O gott! der mich beschüßt und nährt, Wär. ich doch deiner liebe werth! 3. Gieb, daß ich dir, herr! auf erstehe, Dir einzig Lebe, nicht der welt; Es gehe sonst mir, wie es gehe, Thu ich nur, was dir wohlgefällt. Schließ mich in deine vorsicht ein, So bin ich todt und lebend dein. 4. Vergieb mir, vater! alle sünden, Die ich von jugend auf gethan; Und daß ich gnade möge finden, So siehe meinen mittler an. In deffen namen bitt' ich dich: Er ist dein sohn, er starb für mich. 5. Hilf du in allen sachen rathen; Denn wo wär ich mir selbst genug? Behüte mich vor misse thaten, Vor böser menschen list und trug. Führ du mich selbst auf ebner bahn, Und was ich thu, sey wohlgethan. 6. Bewahre mir leib, feel und leben, Verwandt' und freunde, hab und gut. Willst du mir kreuz zu tragen geben, So gieb dabei mir trost und muth; Doch soll mich auch ein glück erfreun, So laß es mir durch dich gedeihn. Mel. Ich dank dir, Gott, durch. 632. Mein erst gefühl fey und Erheb ihn, meine seele! Der herr hört deinen lobgefang; Lobsing' ihm, meine feele! 2. Mich selbst zu schützen ohne macht, Lag ich und schlief in frieden. Wer schafft die sicherheit der nacht Und ruhe für die müden? 3. Wer wachte für mich, da ich schlief, Wer schützte mich vor schrecken? Wer war es, der dem lichte rief, Mich wieder aufzuwecken? 4. Du bist es, herr und gott der welt! Und dein ist unser leben. Du bist es, der es uns erhält, Und mirs jetzt neu gegeben. 5. Gelobet feyst du, gott der macht! Gelobt sey deine treue, Daß ich nach einer sanften nacht Mich dieses tags erfreue. 6. Laß deinen segen auf mir ruhn, Mich deine wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem wohlgefallen. 7. Nimm meines Lebens gnädig wahr; Auf dich hofft meine seele. Sey mir ein retter in gefahr, Ein vater, wenn ich fehle. 8. Gieb mir ein herz voll zuversicht, Erfüllt mit lieb und ruhe, Ein weises herz, das seine pflicht Erkenn' und willig thue. 9. Daß ich als ein getreuer knecht Nach deinem reiche strebe, Gottfelig, züchtig und gerecht Durch deine gnade lebe. 10. Daß ich, dem nächsten betzustehn, Nie fleiß und arbeit scheue, Mich über andrer wohlergehn Und ihre tugend freue. 11. Daß ich das glück der lebenszeit In deiner furcht genieße, Und meinen lauf mit freudigkeit, Wenn du gebeutst, beschließe.. Morgengesänge. 633.Jtehen hieß, und mich Mel. Warum betrübst du dich, mein. hm, der das licht entgefund erwachen ließ, Sey preis und froher dank! Des neuen morgens heiterkeit Sey meinem gott zuerst geweiht. 2. Steh, herr! ich unterwinde mich mit dir zu reden, staub bin ich, Von deinem hauch beseelt. Gleich als ein todter lag ich hier; Daß ich noch lebe, dank ich dir. 3. Und jedes gut, deß ich mich freu, Empfang ich jego wieder neu Aus deiner milden hand. Mein auge wird, wohin es blickt, Von wundern deiner huld entzückt. 4. Dich, dem ich nicht vergel ten kann, Dich, vater! bet ich kindlich an; Ich opfre dir mein Herz. Ein herz voll dank und zuversicht Verwirfst, erhabner gott! du nicht. 6. Ein gut gewissen sey mein theil; Dies wirk in mir, o herr! mein heil, Und segne meinen fleiß. Dir ist, was ich bedarf, bekannt, Und alles steht in deiner hand. 7. Die blume kleidest du mit pracht, Nährst jeden vogel, gott der macht! Bin ich nicht mehr, denn sie? Ich werfe meine sorg' auf dich, Du, mein erbarmer! forgst für mich. Mel. Wie schön leucht't uns der. 5. O du, den meine seele preist! Erwecke mich deinen geiſt Zu meiner chriſtenpflicht! Er helfe 635. Dich seh ich wieder, meiner schwachheit auf, Bis ich vollende meinen lauf. morgenlicht, Und freue mich der edlen pflicht, Dem Höchsten zu lobsingen. Ich will, entbrannt von dankbegier, O mildefter erbarmer! dir mit heilgem muth lobsingen. Schöpfer! vater! Deine treue Rührt aufs neue Mein gemüthe; Froh empfind ich deine güte. 2. Du warst auch diese nacht um mich. Was wär ich, hättest du nicht dich So hülfreich mir bewiesen? Zu meinem leben segest du Jetzt einen neuen tag hinzu; Sey hoch dafür gepriesen. Durch dich Bin ich, Und ich merke Neue stärke; Dich erhebe Meine zunge, weil ich lebe. 3. Verleih, o gott der lieb und macht! Daß fünd und gram, wie diese nacht, Auf ewig von mir fliehe; Daß ich die kurze lebenszeit In christlicher zufriedenheit Zu nüßen mich bemühe. Lehre, Zeig mir, Wie ichs meine; Dir ist keine Meiner sorgen, Auch die kleinste nicht verborgen. 4. Ich bin ein christ; o herr! Y2 Mel. Ich dank dir, Gott, durch. 634.Die nacht ist bin; gott fey gepreist Für feine große güte! Lobfing ihm dankbar, feel und geist, Lobsing ihm, mein gemüthe! 2. Er hat mich väterlich bewacht; Er hat beschützt mein leben, Da ich in dunkelheit der nacht War mit gefahr umgeben. 339 3. Auch mein gebet hat er erhört, Mir süßen schlaf verliehen; Sein arm, der sicherheit gewährt, Hieß jeden feind mich fliehen. 4. O gott, der du so viel gethan An mir, an deinem kinde! Nimm dich auch heute meiner an. Vergieb mir meine fünde. 5, Verleihe, daß der geist der kraft Mein schwaches herz regtere, Daß er, der gutes in uns schafft, Auch mich zum guten führe; 6. Daß ich mit dem zufrieden sey, Was du, herr! mir beschieden, Mit meinem nächsten handle treu, Mit jedem leb in frieden. 7. Du bist mein gott! ach lehre mich Dich lieben, fürchten, ehren; Und dann wirst du mich väterlich, So oft ich bet, erhören. 8. Dann wird dir, vater! auch mein dank Am abend wohlgefallen; Dann preiset dich mein lobgesang. Und du merkst auf mein lallen. 340 Morgengesänge. verleih, Daß dieser ehr ich würdig sey; Mein ruhm ist deine gnade. Denn ach, was bin ich ohne dich? Ein irrend schaaf; erhalte mich, Mein hirt! auf deinem pfade. Stärk mich, Daß ich Stets mich übe, Deine liebe Zu betrachten, Ueber alles dich zu achten. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 636. Mit munterfeit er wachen wir; Du schaueft auf uns nieder, Gott! neues leben kömmt von dir Und neue kraft der glieder. Du gabst den sternen ihre pracht, Du führst den tag herauf durch nacht, Du sagst der sonne: leuchte! 5. Auch im geräusch der welt soll mich Der heilige gedank an dich Oft still zu dir erheben. Im dunkeln thale wall ich hier; Einst nimmſt du mich hinauf zu dir, 637. 3 ich mich, und des Mel. Allein auf Gott seß dein Vertraun. u deinem throne nah Zum licht und höhern leben. Auf dich Hoff ich. Herr! ich werde Mich der erde Gern entschwingen. Dir dort ewig lob zu singen. muthsvoll, gott! bitt ich dich: Verwirf von deinem angesicht Den reuevollen fünder nicht. 2. Sey angebetet, herr der welt! Gelobt von allen zungen; Von jedem, den dein arm erhält, Sey dank dir zugesungen. Der grets und jüngling preise dich, Und alles, alles freue sich, Herr! dieses neuen tages. 3. Zur arbeit gieb uns, vater! kraft, Und lust an jeder tugend. Wohl dem, der gutes lernt und schafft, Dich kennt schon in der jugend! Ja, deiner soll mein herz fich freun, Nicht dieser tag verloren seyn, Verloren keine stunde. keinen augenblick, Er liebt mich, und will nur mein glück; An ihn will ich mich halten. 4. Was man mich thun und laffen heißt, Gehorch ich schnell mit freuden. Lehr, herr! durch deinen guten geist Mich auch geduldig leiden. Bewahre mich vor aller schuld, Und laß mich immer deine Huld Mit dankbarkeit empfinden. 5. Gerieth ich heut in angst und noth, Und drohten mir gefahren, So denk ich gläubig: gott mein gott, Kann retten, kann bewahren. Mein gott weicht 6. So eilt der tag mit luſt dahin, Ich kann ihn froh beschließen; Ich weiß es, daß ich gottes bin, Mich straft nicht mein ge= wissen; Dann schließ ich sanft die augen zu, Und gott gönnt meinem leibe ruh, Und frieden meiner seele. 2. Du schufst, von vaterhuld erfüllt, Mich, gott, nach deinem ebenbild; Ich bin und leb allein durch dich, Du nährst, erhältst und schüßest mich. 3. Wie oft war deine hülfe da, Wenn ich schon tod und abgrund sah! Wie oft sank ich in meinem lauf, Und du halfst väterlich auf! 4. Gesundheit, leben und verstand Empfing ich, herr! aus deiner hand, Ein redlich herz, das gern vergiebt, und einen freund, der treu mich liebt. 5. Sohn gottes! du hast mir zu gut Vergoffen dein so theures blut! Du bists, der für mich liebreich starb, Und mir des vaters huld erwarb. 6. Wenn mein gewissen mich verklagt, Und in mir meine feele zagt, Dann rettet mich dein mittleramt, Daß mich der vater nicht verdammt. 7. Du bist mein erbe, bist mein theil, In deinem leiden find ich heil; Durch dein verdienst ist mir bereit Hier ruh, dort aber seligkeit. 8. Gott, heilger geist! du, des sen kraft Glaub', lieb' und hoffnung in mir schafft; Ist etwas gutes noch an mir, So kömmt es, tröster! nur von dir; 9. Von dir, daß ich gott als ein christ Erkenn, und er mein vater ist, Morgengesänge. Daß ich in meinem wandel rein Vor ihm erfunden werde seyn; 10. Daß mich, von deinem trost bedeckt, Nicht anfechtung, nicht trübsal schreckt; Daß, wenn mich noth und tod bekriegt, Mein fester glaube endlich siegt. 11. Drum dank ich dir voll freudigkeit, Mein vater! jetzt und allezeit, Für jede güte deiner huld Und treu und langmuth und geduld. 12. Ach! deine gnadenreiche hand Bleib' über mir stets ausgespannt. Mein leib und seele, hab und gut Befehl ich deiner vaterhut. 13. Die frömmigkeit sey nur mein ruhm, Damit mein ganzes christenthum Aufrichtig, deiner würdig sey, Nicht augenschein, nicht heuchelei. 14. Erlaß mir meine sündenschuld, Und trage mich noch mit geduld; Zünd in mir lieb und glauben an, Daß ich den himmel hoffen kann. 341 mittler, Jesu Christ! Laß mich den trost empfinden, Daß du so gnädig bist. 7. Dir hab ich mich ergeben, Ich freue mich in dir! Erfreuender, als leben, Ist deine güte mir. 8. Sie führe mich auch heute Du Auf deiner tugend pfad. ewigweiser! leite Mich selbst nach deinem rath. 9. Nur eins laß mich erflehen: Das christlich weise herz, Auf dich stets aufzusehen, In freuden wie in schmerz. Mel. Christus, der ist mein Leben. och läßt der herr mich 638.Noch leben! Mit fröhlichem gemüth Eil ich, ihn zu erheben; Er hört mein frühes lied. 2. Zu ihm entzückt mich wieder Der morgensonne pracht, Ich falle vor ihm nieder, Der sie und mich gemacht. 3. Du, herrscher aller welten, Nimmst dich auch meiner an; Wie soll ich dir vergelten, Was du an mir gethan? 4. Wirst du nach opfern schauen? Sie gelten nichts vor dir; Du forderst nur vertrauen, Nur liebe, gott! von mir. 5. So will ich dir lobsingen, Mich deines namens freun, Nach deiner gnade ringen, Mein ganzes herz dir weihn. 6. tilger meiner sünden, Mein 10. Daß ich am ersten trachte, Nach dem, was dir gefällt, Mehr deinen beifall achte, Als allen ruhm der welt. Und 11. Daß ich, dir innig trauend, Das gute standhaft thu, froh gen himmel schauend, Denk: Herr, mich siehest du! 12. Bereit, den lauf zu schließen Auf deinen wink, o gott! und lauter im gewissen; So finde mich der tod. 15. Laß einst mein ende felig seyn; Und bricht dein großer tag Mel. Aus meines Herzens Grunde. herein, So wecke und verkläre mich; 639.Des morgens erſte ſtunDann will ich ewig de Will ich mein gott! dir weihn. Mein herz stimmt mit dem munde Zu deinem lobe ein. Ach! laß den ganzen tag Mich so vor dir, herr! wandeln, Daß ich nicht bloß fromm handeln, Nein, auch fromm denken mag. 2. Fromm laß mich, doch ge= sellig, Klug, doch von falschheit rein, Freimüthig, doch gefällig, Und stark zur tugend seyn; Auch standhaft in der noth. Kein zorn schwäch meine liebe, Kein ernst der sanftmuth triebe, Kein scherz die furcht vor gott. 3. Was dein gebot verletet, Laß nie mit lust mich schaun; Wenn es die welt ergößet, Erweck es mir doch graun. Schnell wirkt des lasters gift; Nichts, nichts sey mir verhaßter, Doch daß mein haß das laster, Nicht meinen mitknecht, trifft. 4. Des nächsten ehre schmälern, 342 Morgengesänge. Entehrt mein christenthum. Ein ruhm aus andrer fehlern Ist schande, und kein ruhm. Das richten laß mich fliehn, Nie schlimm, was gut ist, deuten, Und seh ich andre gleiten, Es jedem aug' entziehn. 5. Bei fleiß und arbeit schleiche Kein geiz sich in mein herz; Und fremde noth erweiche Mich leicht bei jedem schmerz. Kein glück, das andern blüht, Empöre mich zum neide, und kein genuß der freude Verzärtle mein gemüth. 6. Gieb, daß an diesem tage Sich mir fein unfall naht; Und trifft mich eine plage Nach deinem weisen rath, So gieb, daß ich alsdann Mein leiden nie verschulde, Nicht murre, christlich dulde, Froh dir vertrauen kann. 7. Wie bald ist's überwunden, Das leiden dieser zeit! Auf wenig bange stunden Folgt glück in ewigkeit. Dies stärket mich in noth, Daß ich nicht ängstlich zage, Am letten meiner tage Giebt dies mir muth im tod. Mel. Wer nur den lieben Gott. 640. s fliehn die schatten von der erde, Gehorsam steigt das licht herauf; Der gott, der ehmals sprach: es werde! Deckt wieder seine schöpfung auf. O würd' auch jetzt, gleich der natur, Ich selbst zur neuen freatur! 2. Gott hat mir noch zu mei. nem leben Aus gnaden einen tag verliehn; Welch großes pfand ist mir gegeben! Herz! laß dies glück dir nicht entfliehn; Laß nicht nochmals des abends schein Dein kläger bei dem schöpfer seyn. 3. Ich sagte gestern dir im stillen Auf heute, vater! beff'rung zu; Der tag erfordert mein erfüllen, Denn dazu stärkte mich die ruh. Gott hats gehört, ich weiß die pflicht; Herz, ipotte deines schöpfers nicht! 4. Des höchsten auge siehet alles, Er eht auch mich; herz fürchte dich! Er ist der zeuge **** meines falles; Wer deckt vor ihm, dem richter, mich? Doch der mich sieht, ist auch zugleich An lieb und an erbarmung reich. 5. Dein vaterauge sey auch Heute Mein leiter auf des lebens bahn. Sey du mein hüter, wenn ich gleite; Fall ich, so blick mich warnend an; Erweck zur reue mich geschwind, Daß ich dich fürchte als dein find. 6. So werf ich alle meine sorgen Mit Iust in meines gottes schooß, Und mach mich gleich am frühen morgen Von allem schmerz und kummer los. Gott will ich fürchten, kindlich scheun; Und dann wird er mein vater seyn. 7. Und so ergreif ich meine bürde, Die mir mein schöpfer auferlegt. Ich thu sein werk: welch eine würde! Und trage, was gott selber trägt. Wie groß ist mein beruf schon hier! Ich diene gott, der welt und mir. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 641. mächtiger! du gott der welt! Der sie erschuf, sie noch erhält! Du rufft der morgenröthe; Sie kömmt, ein wunder deiner hand, Die jene himmel ausgespannt, sternen sie besäte. Mit 2. Noch heut' seh ich der sonne pracht; In ihrem ganzen schmucke lacht mir die natur aufs neue; Vielleicht seh ich des tages licht Nur heute, aber morgen nicht; Du weißt es, gott der treue! 3. Ich fühle, daß ich sterblich bin, mein leben welkt wie gras dahin, Verdorret gleich dem laube; Wer weiß, wie unerwartet bald Des höchsten wort an mir erschallt; Komm wieder hin zum staube! 4. Wenn mich das finstre grab umschlingt, Ein tiefes schweigen mich umringt, Wenn mich verwesung naget; Alsdann bleibt alles doch zurück, Und hätte gleich ein lächelnd glück Mir keinen wunsch verfaget. Morgengesänge. Mel. Aus diesem tiefen Grunde. erbe 642.b fey gott, der den morgen sendet nach der nacht; Der, wenn wir ohne sorgen Entschlummern, für uns wacht; Der uns im schlaf erquicket, Und unsre fraft erneut; Gott, der die erde schmücket, Und was er schuf, erfreut! 5. O thorheit, wenn ich mich verkannt, Und nach der erde der lieblingstand, Nach großem gut, gegeizet; Wenn mich der ehre schimmernd kleid Und aller prunk der eitelkeit zu niederm geiz gereizet! 6. Verlangt mein leiser wunsch zu viel? Verfolg ich ein zu weites ziel Auf ungewissem pfade? gott, ich beuge mich vor dir! Hier bin ich; es gescheh an mir Der rathschluß deiner gnade. 7. Der mensch, der aufgeblasne thor, Schreibt seinem schöpfer weisheit vor, Wünscht, was er nüßlich meinet; Du liebst ihn mehr, als er sich liebt, Wenn deine huld nicht immer giebt, Was jedem nützlich scheinet. 8. Wenn der bethaute morgen lacht, Wenn von den sittigen der nacht Die lüfte fühler wehen; Spricht mir die weisheit liebreich zu: sterblicher! was sorgest du, Wie dirs wird künftig gehen? 9. Der dich gemacht, sorgt auch für dich, Er, der dich schuf, be stimmte dich nicht bloß zum glück der erden; Dies leben ist ein augenblick, Ein frühlingstraum das längste glück, Du sollst unsterblich werden. 10. Gedanke der unsterblichkeit, Der über erde, welt und zeit Ein edles herz erhebet! Empöre dich in meiner brust; Wenn reiz und lockung falscher lust Mich klein zu machen strebet. 343 11. Die rofen um des lasters haupt Verblühen, ehe wirs geglaubt, und ihr genuß entehret. Ich bin ein fremdling in der zeit; Nur freuden einer ewigkeit Sind, was mein herz begehret. 2. Der engel heilge heere ErHöhn ihn mit gefang; Auf! singt in ihre chöre, In ihrer jubel Wer wollte gott nicht klang! lieben, Wer ihm sein herz nicht weihn, Sich in der tugend üben, Um ihm recht werth zu seyn? 3. Von dir ist mir gegeben, Herr! was ich hab und bin; Und Flieht dies mein irdisch leben schnell zum tode hin. Bald ist sie ganz verschwunden, Der wallfahrt kurze zeit; Doch hängt an ihren stunden Das heil der ewigkeit. 4. O süßer, hoher glaube! Nicht ewig zu vergehn! Es soll der mensch vom staube Einst wieder auferſtehn. Ach, laß michs nie vergessen! Der heilgen hoffnung voll, Laß täglich mich ermessen, Was ich einst werden soll. 5. Getrost, mein geist! ermüde In deinem kampfe nicht; Dich stärket gottes friede Mit kraft und zuversicht. Ermuntre dich und streite, Des sieges lohn ist nah! Getrost! vielleicht ist heute Des kampfes ende da! Mel. Alle Welt, was lebt und. 643.Dir jey preis! ich lebe wieder, Vater! und empfinde mich; Mit mir wachen meine lieder, Und erheben dankbar dich. Denn dein aug hat in der nacht Ueber mich, dein kind, gewacht. 12. Gieb mir, o du, der willig giebt, Ein herz, das nur das gute liebt, Und rein und heilig handle. Mach andre groß, o gott! 2. Wenn ich einst vollendet habe Diese meine wanderzeit, Ruh ich auch also im grabe, Saame für die ewigkeit. Auch in dieser und reich; Gnug, wenn ich, dei langen nacht Wird mein staub nem bilde gleich, Unsträflich vor von dir bewacht. dir wandle. 3. Aber ich erwach auch wieder, 344 Morgengesänge. Und mein lobgefang mit mir; Dann erschallen meine lieder Mächtiger und reiner dir. Morgengesang eines Kindes. Mel. Nun sich der Tag geendet. un ist es tag; mit morgen seyn, Ewig schlaf ich nicht 645. Nur et dan Ber mehr ein. 4. Wach auch über meine tage, Vater, meine zuversicht! Daß mich keiner einst verklage, Wenn du kömmst zum weltgericht; Daß ich meiner pflicht hier treu, Und dort unerschrocken sey. 5. Keinen tag zählst du vergebens, Gott! durch den ich bin, mir zu; Jeder ist ein theil des lebens, Jeden, jeden richtest du. Lehr mich wachen, daß mir nie Ungemüßt ein tag entflieh. 6. Heute leb ich, laß auch heute Nicht umsonst mein leben seyn; Laß mich nach vollbrachtem streite, Dieses tages auch mich freun; Recht zu handeln, gieb mir heut Stärke, lust, gelegenheit. 644. We jenem schlummer, Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. enn ich einst von Welcher tod heißt, aufersteh, Und erlöst von allem kummer, Jenen schönern morgen seh;, dann wach ich anders auf! Denn am ziel ist dann mein lauf. Sorgen, die mich angstvoll machten, Werd ich dann für träume achten. 2. tage, Vater meiner lebenszeit! Einst mich im gericht verklage, Er sey ganz von mir entweiht. Auch noch heute wacht' ich auf; Herr, mein gott! zu dir hinauf Müsse jeder tag mich leiten, Mich zur ewigkeit bereiten. laß ich bett und ruh. Herr, höre meinen Lobgesang! Mein erstes wort bist du. Bei Antretung der Arbeit. Mel. Wer nur den lieben Gott. Hilf, daß keiner meiner 646.Der frohe morgen weat mich wieder, Und ladet mich zur arbeit ein. Der schlaf erquickte meine glieder; Nun will ich wieder thätig seyn. Mit frohem herzen will ich nun, Was meine pflicht erfordert, thun. 2. Gott! dir sey dank für meinen schlummer, Und dir befehl ich mich aufs neu. In deinem schuß bin ich von kummer, Bin ich von allen sorgen frei. Du weißt es, was mir nützlich ist, Und giebst es, weil du gütig bist. 3. Daß ich nicht untröstbar zittre, Wenn mein letzter tag er scheint, Mich nicht höllenangst erschüttre, Wenn mein freund nun um mich weint; indre dann die todespein, Laß mein end' ihm lehrreich seyn, Daß ich ihn zum himmel weise, Und dich, herr des todes, preise. 2. Wie hat der schlummer mich erquickt! Ich fühle neuen muth. Vor tausenden bin ich beglückt, Die nicht so sanft geruht. 3. Mich schwaches kind beschüßtest du, Du wachtest über mir: Du schloffest meine augen zu, Nun öffnest du sie mir. 4. Wie viele, die so rosenroth, So hold, wie ich, geblüht, Sind, eh der morgen kam, im tod, Wie dürres laub verblüht! 5. Ich blühe noch, doch eh die nacht Auch diesen tag beschließt, Wer weiß, ob noch mein auge lacht, Mein geiſt so munter ist? 6. Drum will ich meine kurze zeit Dir und der tugend weihn, Und mich mit weiser fröhlichkeit Der jugendtage freun. 7. Dann wird es niemals mich gereun, Wenn ich den tag durchlebt; Ich werde froh und selig seyn, Wenn man mich jung begräbt. 3. Du unterhältst mir meine kräfte, Damit ich sie gebrauchen foll; Und treib ich redlich mein geschäfte,! jo geräth es mit Morgengesänge. dir wohl. Bei treu und fleiß giebst du gedeihn; Drum will ich treu und fleißig seyn. 4. Ich will es seyn, so lang ich lebe, So lange du mir kräfte schenkst, Damit ich mir das glück erstrebe, Daß du mit beifall an mich denkst. Dann hab ich hier zufriedenheit, Und dort vollkommne feligkeit. 2. So traurig als die abendstunden, Ist dieser neue tag für mich; Die quaal, die ich bisher empfunden, Verneuet mit demselben sich. Ich hoffte trost in meiner pein; Doch meine hoffnung traf nicht ein. 3. Noch immer bin ich auf der erde, Wo mich gefahr und noth umringt, Und täglich härtere be schwerde Zu klagen und zu thränen zwingt; Noch immer fleh ich unerhört Um labung, die mein herz begehrt. 4. Herr! eile doch mir beizuMorgenlied im Leiden. 647. Drone Flage tragen; Ich halte deiner fügung Mel. Wer nur den lieben Gott. kömmt, 6. Soll die noch länger Wird jetzt mit diesem morgen neu. Wie traurig eilen meine tage Der bangen wanderschaft vorbei! Der sonne neugeschenktes licht Erheitert meine seele nicht. Dein will' geschehe, will Herr! wie du willst, So laß mich, Geduldig, wie 345 stehen, Verlaß den müden wandrer nicht. Mein vater! neige auf mein flehen Zu mir dein freundlich angesicht. Gieb mir geduld, und bei dem schmerz Ein hoffend und zufriednes herz. 5. Mir ist mein schicksal noch verborgen, Das diesen tag mich treffen soll; Doch bin ich ohne gram und sorgen, Du, vater! kennst mein wahres wohl; Und was dein rath beschließt und thut, Ist heilig und gerecht und gut. Vor der Mahlzeit. 648. Gott Mel. Nun sich der Tag geendet. ott! was des lebens kräfte nährt, Wird uns durch fruchtbarkeit, Durch kraft zum fleiß von dir gewährt; Wir dankens dir erfreut. still. ich sagen, nicht wie ich will. vater! in der pein mein heiland, seyn. 7. Hab ich des Lebens last empfunden, So rückt mein ende einst herbei: Dann hab ich ewig überwunden, Und bin von aller trübsal frei; Und du giebst mir, o gottessohn! Den theurerworbnen gnadenlohn. Tischlieder. 8. Gestärkt durch diesen hohen glauben, Tret ich auf meinen leidenspfad. Herr! stärke, stärke meinen glauben Auch dann, wenn sich der tod mir naht. Vielleicht erscheint er heute mir; Wohl mir! ich leb und sterbe dir! nehmens an und danken dir, Dir vater, unserm gott! 4. Vernünftig froh laß im genuß Und stets uns mäßig seyn, Und schenkest du uns überfluß, Den dürftigen erfreun. Nach der Mahlzeit. Mel. Singen wir aus Herzensgrund. 2. Gieb von den früchten dieser welt Uns unser Und wenn der fleiß; dir wohlgefällt, Go 649.Was den leib erhält So schenk ihm glück und heil. 3. Durch deinen segen haben wir Auch heute unser brod; Wir uns unser gott gewährt, Der uns alle gaben reicht, Dem im wohlthun keiner gleicht, Der die ganze weite Tischlieder. 346 welt, Wie es seinem rath gefällt, Durch sein allmachtswort erhält. 2. Alles, alles, was ich seh, In den gründen, in der höh, Was hoch in den lüften schwebt, Was im tiefen meere lebt, Hofft, verforger! nur auf dich, Frenet deiner gaben sich, Und du giebst sie mildiglich. 3. Ach! auch mich, auch mich erfreut Deiner güte mildigkeit. Du bists, vater! der mir schenkt, Was mich speiset, was mich tränft, Reichlich schenkt und gern es thut, Und im wohlthun nimmer ruht. D! wie ist mein gott so gut! 4. Dank, ach! dank sey dir dafür, Milder geber! daß du mir Väterlich auch jetzt bescheert, Was mir unterhalt gewährt, Daß ich auch mit frohem sinn, Was du gnädig mir verliehn, zu genießen fähig bin. 5. Hilf, daß ich beim überfluß Deiner gaben, im genuß Niemals überhebe mich, Allzeit, höchster! fürchte dich, Und wenn ich mich ihrer freu, Auch aus menschenlieb dabei Eingedenk des armen sey. 6. So werd ich zu deiner ehr, Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 651.Auf. [ uf, o feele, werde munter! Lob ist immer deine pflicht; Denn die sonne geht zwar unter, Aber gottes güte nicht. Heut auch hat sie mich genährt, Trost und freude mir gewährt, Vor gefahren mich beschüßzet, Und in schwachheit unterstüzet. Wie du mir befiehlst, o herr! Froh genießen, was du mir Gnädig hast verliehen hier, Und mich hoffnungsvoll erfreun, Daß auch fünftig du allein Werdest mein versorger seyn. 2. Angebetet hochgepriesen Sey, mein treuer gott, von mir! Was du gutes mir erwiesen, Dankt mein ganzes leben dir. Du hast, war ichs schon nicht werth, Gnädig mein gebet erhört, Das ich heut, als ich erwachte, Dir, mein schöpfer, gläubig brachte. 3. Doch, da ich voll danks er650. Mel. Singen wir aus Herzensgrund. ( ingt dem herrn lob, preis und dank! Froh erheb ihn mein gefang! Ihn, der täglich uns ernährt, Täglich uns viel guts gewährt. Er, der unser vater heißt, Der uns reichlich hat gespeist, Sey von uns auch jetzt gepreist. 2. Ja, mit freuden singen wir Dank und lob, versorger! dir; Doch erhör auch unser flehn: Lehr du uns die kunst verstehn, Deiner güt uns recht zu freun; Laß uns fromm und mäßig seyn, Uebermuth und wollust scheun. Abendgesänge. 3. Segn' uns ferner, unser gott! Gieb uns unser täglich brod. Jedem laß zu seinem heil Nehmen sein benöthigt theil. Schenk uns, herr! zufriedenheit, Glück, gesundheit, einigkeit, Fried und einst die seligkeit. zähle, Wie so groß dein wohlthun war, Stellen sich auch meiner seele Die begangnen sünden dar. Ach! sie sind gewiß nicht klein Wer ist, höchster! vor dir rein In gedanken, wort und werken Fehl ich oft, ohn es zu merken. 4. Doch, von ernster reu durchdrungen, Wag ichs, gott! mich dir zu nahn. Sieh nicht die beleidigungen, Nein, mit gnade sich mich an; Sprich mich frei von straf und schuld, Schenk mir wieder deine huld, Laß vergebung aller fünden mich in meinem mittler finden. 5. Gieb nun bis zum frohen morgen Meinem leibe sanfte ruh. Durch dich schlaf ich ohne sorgen Abendgesänge. Wenn ich schlafe, wachst ja du. Seel und leib befehl ich dir; Walte mächtig über mir. Sey auch du der gott der meinen, Zähl sie alle zu den deinen. 6. Ach! laß uns kein banges schrecken, Räuber nicht, nicht feuersglut, Plößlich aus dem schlafe wecken, Halt uns fest in deiner hut. Hilf, wenn krankheit oder tod Uns im sichern schlafe droht; Soll ich aber plößlich sterben, So geschehs nicht zum verderben. 7. Gott, mein vater! ach erhöre, Was dein kind von dir begehrt. Dir, sohn gottes! dir zur ehre Werd es mir durch dich gewährt. Heilger geist! laß mit vertraun Auf des mittlers tod mich baun. Hör, o gott, mein kindlich flehen! Amen! ja! es wird geschehen. 2. Du, der erhält, was er erschafft, Erhieltest mir mein leben; Gesundheit, segen, frieden, kraft Hast du mir heut gegeben. Mich führte deine vaterhand; wort, herr! lehrte den verstand, Und stärkte mein gemüthe. 3. Du hast mich heute väterlich Gespeiset und getränket, Behütet vor gefahren mich, Zum guten mich gelenket, Und in versuchung halfst du mir; Für jeden anlaß dank ich dir, Den du mir gabst zur tugend. 4. Doch hab ich auch vor dir, o gott! Unsträflich heut gewandelt? Nicht wider dich und dein gebot, Nicht wider mich gehandelt? Ach nein! zu oft vergaß ich dein, und fuchte nicht ſtets dir 5. Ach! nimam die strafe von mir hin; Und laß mich gnade finden; Gieb mir noch Jesu Christi sinn, Und wasche mich von sünden; Und laß mich ruhig diese nacht, Von deiner güt', o gott! bewacht, Und rein von sünden schlafen. 6. Ich übergebe, vater! dir Mich ganz mit leib und seele. Wachst du, mein treuer gott! bei mir; Was ist dann, das mir fehle? Weck' morgen mich zu rechter zeit, Und laß mich heiliger, als heut, Vor deinen augen leben. Mel. Wend ab deinen Zorn. 653. Entflohen sind auch An dem wir noch des lebens glück dieses tages stunden, uns den herrn erheben, Durch empfunden; Mit frohem dank laßt den wir leben. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 652.Mit preis und danke zu verfüßen, nah ich mich, Gott! dir, und falle nieder; Denn du erzeigtest heute dich Auch mir als vater wieder. Viel mehr, als ich erzählen kann, Hast du mir heute guts gethan: Wie soll ich, gott! dir danken? 347 2. Des lebens müh und elend Giebt uns der herr viel freuden zu genießen; Und welche güter schenkt er unsern seelen! Wer kann sie zählen? 3. Wie unwerth sind wir, vater, deiner treue! Prüf unser herz, es fleht zu dir voll reue. Ach laß es uns vor dir im glauben stillen, Um Chrifti willen. liches vergnügen. Du, gott, be 4. Uns wohlthun ist dein göttschirmst uns, wenn wir hülflos Und wie entseelt, umhüllt von finsternissen, Von uns nichts wissen. 5. Wär dies für uns der letzte tag auf erden, Soll unser schlaf ein todesschlummer werden, Dann weckst du uns, die wir uns dir ergeben, Zum ewgen leben. ruh uns nieder. Sehn wir erfreut 6. So legen wir getrost zur preisen wir mit heiterem gemüthe die morgensonne wieder, Dann Des höchsten güte. liegen, Dein Mel. Nun sich der Tag geendet. D 654. nicht mehr. fliehen unfre tage Auch dieser ist Die nacht, der mü Abendgesänge. 348 den trösterin, Eilt wieder zu uns her. 2. Herr! du nur bleibest, wie du bist, Du schläfft und schlummerst nicht; Die finsterniß, die uns um schließt, Ist deinem auge licht. 3. voll verMel. Nun ruhen alle Wälder. traun Mich auch in dieser nacht. 656. Herhen Bis dieſen tag Und wofür sollte mir denn graun? Mich schüßet deine macht. 4. Hab ich an deiner gnade nur Noch theil, o herr, mein gott! So fürcht ich keine kreatur, Und scheue nicht den tod. gegeben, Dich bet ich kindlich an! Ich bin viel zu geringe Der treu, die ich besinge, Die du bisher an mir gethan. 5. Zwar ich erkenne meine schuld, Mit reue fühl ich sie; Doch, mein versöhner, deine huld, Wie trostvoll ist mir die. 6. Ich eil' im glauben zu dir hin Und weiß, wie sicher ich m schatten deiner flügel bin; Du wachest über mich. 7. Flieht, finstre sorgen, weit von mir! Herr Jesu, du allein Sey mein gedanke! weihe dir Mein herz zum tempel ein. 8. Vielleicht ist dies die letzte nacht In meiner prüfungszeit. Dann führe mich durch deine macht Zum licht der ewigkeit. 9. Ich lebe dir, ich sterbe dir, Ja dein bin ich auch todt! Du, mein erretter! bist bei mir, Und hilfft aus aller noth. und macht, Mein schuß und schirm in dieser nacht, Vergieb mir meine fünden; Und kömmt mein tod, Herr zebaoth! So laß mich gnade finden. Mel In dich hab ich gehoffet, Herr. ür alle güte 655. Freift, Gott, vater, sohn und heilger geift! Ihr bin ich zu Vernimm den dank, Den lobgesang, Den ich dir kindlich singe. 2. Du nahmst dich meiner herzlich an; Hast großes heut an mir gethan, Mir mein gebet gewähret, Hast väterlich Mein haus und mich Beschüßzet und genähret. 4. Herr! was ich bin, ist dein geschenk, Der geist, mit dem ich dein gedent, Ein ruhiges gemüthe; Was ich vermag Bis diesen tag, Ist alles deine güte. 4. Sey auch, nach deiner lieb 2. Mit dankendem gemüthe Freu ich mich deiner güte, Ich freue mich in dir. Du giebst mir kraft und stärke, Gedeihn zu meinem werke, Und schaffst ein reines herz in mir. 3. Gott, welche ruh der seelen, Nach deines worts befehlen Einher im leben gehn! Auf deine güte hoffen, Fm geist den himmel offen, Und dort den preis des glaubens sehn! 4. Ich weiß, an wen ich glaube, Und nahe mich im staube Zu dir, o gott, mein heil! Ich bin der schuld entladen, Ich bin bei dir in gnaden, und in dem himmel iſt mein theil. 5. D! leite mich im segen Dem großen ziel entgegen, Wohin dein wort mich weist. Mein leben und mein ende Jit dein; in deine hände Befehl ich, vater! meinen geist. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 657. Befreit von forg und nun in süßem schlummer Ein theil der müden welt. Erhebet euch, gedanken! Erhebt euch, dem zu danken, Dem dank der herzen wohlgefällt. 2. Lobsinge, feel! und sage, Wie auch an diesem tage Dein gott dir wohlgethan. Durch Je= sum dir versöhnet, Mit gnad und heil gekrönet, Bet ich dich, vater! kindlich an. 3. Dein ists, daß ich noch lebe, Sett deine treu erhebe, Mich deiner liebe freu. Zu jeglichem geschäfte Abendgesänge. Verliehst du mir die kräfte, Und standest mir auch mächtig bei. 4. Bewahrt vor herben leiden, Ward ich mit speis' und freuden Wie Mel. Nun ruhen alle Wälder. est viel annehmlichkeiten hat nicht 658. Jebieder, Die holde allen finkt diefer welt erblickt! 5. Nicht für den andern morgen Mit gram und angst zu sorgen, Dies glück verleihst du mir; Wenn sich die stirn erheitert, Und freud das Herz erweitert, Auch das ist ein geschenk von dir. nacht kömmt wieder, Und mit ihr schlaf und ruh. Sie schenkt uns neue kräfte, Beschließt die tagsgeschäfte, Und drückt die müden augen zu. 6. Du lenktest thun und dich ten, Da mir bei meinen pflichten Das fleisch oft widerstand. Durch dich ist's mir gelungen, Daß ich die weigerungen Der sinnlichkeit doch überwand. 2. Noch wach ich und erzähle Mit tiefgerührter seele, Was gott an mir gethan. Sey dankbar, mein gemüthe! Sing deines schöpfers güte; Er hört dein stilles loblied an. 3. Von ihm kommt jede gabe, Das leben, das ich habe, Die ruhe dieser nacht. Er ist der quell der güter, Mein schuß und mein behüter, Der, wenn ich schlummre, für mich wacht. 4. Er läßt es finster werden, Und hüllt den freis der erden In sanfte dunkelheit; In städten und in wäldern Und auf des landmanns feldern Herrscht todte stille weit und breit. 5. Er führt aus dunkler ferne Den mond und tausend sterne Mit majestät herauf; Sie leuchten, ihm zur ehre, Hoch über erd und meere, Und seine hand lenkt ihren lauf. 7. Zwar strauchl' ich oft und gleite, Ich weiß, mein gott, auch Heute Sind meiner fehler viel; Doch du hast mich geleitet, Und, wenn mein fuß gegleitet, Es nicht gestattet, daß ich fiel. 8. Umsonst sinnt mein gemüthe, Wie es, herr! deine gute Nach würden preisen soll. Doch hat es sie empfunden; Denn jede meiner stunden Ist, vater! deines wohlthuns voll. 9. Stets bist du hoch zu loben. Von deiner liebe proben Zeugt nicht der tag allein. Gott! deine liebe wollte, Die stille nacht auch follte Für uns reich an erquickung seyn. 10. Wenn wir im schlaf vergraben, Selbst kein bewußtseyn haben, Umschließet uns dein schuß. Will mich mein gott beschirmen, So biet ich allen stürmen Und aller lift der bösen truß. 349 gnade; Was ist wol, das mir schade? Allmächtiger, mein schußz bist du! 11. Ich darf nicht ängstlich beben, Denn mir bewahrt mein leben Der selbst, der mir es gab; Bis ich es hier beschließe, Dort seines lichts genieße, Zieht er von mir die hand nicht ab. 12. Nun, vater! ich befehle Dir habe, leib und Seele, Und schlaf in sichrer ruh. Ich trau auf deine 6. Voll ordnung, pracht und stärke, Stehn lauter wunderwerke In seiner schöpfung da. Sobald er rief: es werde! So standen meer und erde Und alle welten herrlich da. 7. Herr! deinen ruhm zu singen, Dir täglich dank zu bringen, Ist meine schönste pflicht. Du kennſt das Herz der deinen, Du weißt es, wie wir's meinen, Und unser lob mißfällt dir nicht. 8. Dir wird mein kindlich lallen Einst ewig wohlgefallen, Wenn mein verklärter geist, Vom körper losgerungen, Zum lichte durchgedrungen mit allen seligen dich preist. 350 Abendgefänge. Mel. Christ, der du bist der helle. 659.3 u so viel tagen, die mir schon Von meiner prüfungszeit entflohn, Stürzt sich auch dieser, den ich heut Durch lebt, ins meer der ewigkeit. 2. Gott, dessen auge mich bewacht, Gott weiß, wie ich ihn zugebracht; Was ich gedacht, gered't, gethan, Sah er genau, und merkt es an. 3. seele! fordert er dich nicht Um diesen tag einst vors gericht? Hängt nicht dein loos in ewigkeit Auch mit an diesem punkt der zeit? 4. Der tod vollendet mich viel leicht, Eh diese nacht dem morgen weicht, Und führet mich, wie ich hier bin, Vor gott, vor meinen richter, hin. 5. Wie angstvoll bebt mein herz in mir! Gedanke, wie erfchrichts vor dir! Der tod vollendet mich vielleicht, Eh diese nacht dem morgen weicht! 6. Vor einem bösen schnellen tod Bewahre gnädig mich, o gott! Zur besserung, zur frömmigkeit Gieb, mein erbarmer! mir noch zeit! 7. Erhöre väterlich mein flehn: Laß mich den morgen wieder sehn; Verkürze meine tage nicht; Führ nicht sobald mich ins gericht. 8. Von allem bösen vorsatz rein Will ich dir ganz mein leben weihn. Kein tag soll wieder mir entfliehn, Es segne denn dein beifall ihn. 9. Von dir bewacht, entschlaf ich nun. Laß mich in sanfter stille ruhn. Mein erst gefühl nach meiner ruh Sey mein gelübde, gott, sey du! Prüfung am Abend. Mel. Nun danket alle Gott. 660.De er tag ist wieder hin; Und diesen theil des lebens, Wie hab ich ihn verbracht? Verstrich er mir vergebens? Hab ich mit allem ernit Dem guten nachgestrebt? Hab ich vielleicht nur mir, Nicht meiner pflicht gelebt? 2. Wars in der furcht des herrn, Daß ich ihn angefangen? Mit dank und mit gebet, Mit eifrigem verlangen, Als ein geschöpf von gott, Der tugend mich zu weihn, Und züchtig und gerecht Und gottes freund zu feyn? 3. Hab ich in dem beruf, Den gott mir angewiesen, Durch eifer und durch fleiß Ihn, diesen gott, gepriesen? Mir und der welt ge= nüßt, Und jeden dienst gethan, Weil ihn der Herr gebot, Nicht, weil mich menschen sahn? 4. Wie hab ich diesen tag Mein eigen herz regieret? Hat mich im stillen oft Ein blick auf gott gerühret? Erfreut ich mich des Herrn, Der unser flehn bemerkt? Und hab ich im vertraun Auf ihn mein herz geſtärkt? 5. Dacht ich bei dem genuß Der güter dieser erden An den allmächtigen, Durch den sie sind und werden? Verehrt ich ihn im staub? Empfand ich seine huld? Trug ich das glück mit dank, Den unfall mit geduld? 6. Und wie genoß mein herz Des umgangs süße stunden? Fühlt ich der freundschaft glück? Sprach ich, was ich empfunden? War auch mein ernst noch sanft, Mein scherz noch unschuldsvoll? Und hab ich nichts gered't, Das ich bereuen soll? 7. Hab ich die meinigen Durch forgfalt mir verpflichtet, Sie durch mein beispiel still Zum guten unterrichtet? War zu des mitleids pflicht Mein herz nicht zu bequem? Ein glück, das andre traf, War dies mir angenehm? 8. War mir der fehltritt leid, Sobald ich ihn begangen? Bestritt ich auch in mir Ein unerlaubt verlangen? Und wenn in dieser nacht Gott über mich gebeut, Bin ich, vor ihm zu stehn, Auch willig und bereit? 9. Gott, der du alles weißt, Was könnt ich dir verhehlen? Ich fühle täglich noch Die schwachheit Abendgesänge 351 Abendlied eines Kindes. Mel. Sesu, meines Lebens Leben. allgütigster erhalter! meiner feelen. Vergieb durch Chrifti blut Mir die verletzte pflicht, Vergieb und gehe du Nicht mit mir ins gericht. 10. Ja, du verzeihest dem, Den ſeine fünden kränken; Du liebst barmherzigkeit, Und wirst auch mir sie schenken. Auch diese nacht bist du Der wächter über mir; Leb ich, so leb ich dir, Sterb ich, so sterb ich dir. Am Sonnabend Abend. Mel. Chrift, der du bist der helle. 661.11nwiederbringlich 661.11 en die schnell entfliehn tage, die uns gott verliehn. Die woche kömmt und eilt davon! Vergangen ist auch diese schon. Nach der Arbeit. 2. Dank dir, du ewigtreuer gott, Für deinen beistand in der noth, Für tausend proben deiner Mel. Nun lob mein Seel' den Herrn. treu! Denn deine huld war täglich 663.Dein name fey erhoben, neu. 6. Herr unsers lebens! mache du Uns selber recht geschickt dazu, Daß nicht, indem wir sicher sind, Der tod uns unbereitet find'. 7. Ist einst die zahl der stunden voll, Die unser loos entscheiden soll; So führ uns aus der prüfungszeit Zu deiner frohen ewigkeit. 8. Da sind wir unsers heils gewiß. Da wechseln licht und finsterniß nicht mehr, wie hier, du ewges licht! Herr, unser gott, verlaß uns nicht! 662. dich; Denn mein jugendliches alter Blühet und gedeiht durch dich. Jede stunde meines Lebens Gabst du mir, gott! nicht vergebens, Sondern mir zu meinem glück. Legt ich sie doch gut zurück! 2. Fröhlich könnt ich jetzt dem schlummer Dieser nacht entgegen sehn, Und einst ohne pein, und kummer Auch zu meinem grabe gehn. Herr! regiere du mein le ben, und mein innigstes bestreben Sey, es dir zum dienst zu weihn. wie selig werd ich seyn! 3. Wenn unser herz, von schuld befreit, Sich mancher guten that erfreut, Weß war die kraft? wer gab gedeihn? Dir, herr! gebührt der ruhm allein. barmherzigkeit! Du, der so oft von oben Mit kraft und stärke mich erfreut! Die arbeit meiner hände Gesegnetest, herr! du. Dein sey der ruhm! ach sende Mir ferner hülfe zu, Daß ich das meine thue Als treuer knecht, als christ, Bis seligkeit und ruhe Mein theil auf ewig ist. 4. Oft fehlten wir, und merktens nicht; Verzeih uns die verletzte pflicht. Du siehst, erbarmer, unsre reu; Um Chrifti willen sprich uns frei. 5. Wir eilen mit dem strom der zeit Stets näher hin zur ewigAbendlied im Leiden. Mel. Nun sich der Tag geendet. keit. Du haft die stunden zuge- 664.Auch dieſen tag hab ich zählt, hehlt. Die letzte uns vervollbracht Mit aller seiner noth; Nur deiner vaterlieb und macht Verdank ich es, o gott! 2. Wärst du nicht meines le= bens kraft, Mein retter und mein heil; So würd in meiner wanderschaft Kein trost mir je zu theil. 3. Ach! ohne dich, allgütigster! Verging ich in der noth, Von trost und aller hoffnung leer Wär ohne dich mein tod. 4. Doch welchen trøst fühlt nun mein herz! Du bist und bleibst mein gott; Dein wort versüßt mir jeden schmerz, Und lindert jede noth. 352 1 In besondern persönlichen Umständen. 5. Froh kann ich mich dem schlaf vertraun, Auch schlafend bin ich dein; Vor keinem unfall soll mich graun, Du wirst mein helfer seyn. In besondern persönlichen Umständen. Am Geburtstage. Mel. Wer nur den lieben Gott. 665.6 rwache fröhlich, mein gemüthe! Jeßt, da der leib vom schlaf erwacht, Schwing dich zum vater, deſſen güte mir diesen tag zur freude macht, Stimm, herz und mund, ein danklied an; Der herr hat wohl an mir gethan. 2. Ein jahr ist wiederum verfloffen, Ein jahr von meiner lebenszeit; Unzählig guts hab ich genossen Von dir, dem gott der gütigkeit. Du gabst, vergabst und standst mir bei; Ja, vater, ja, du bift getreu. 6. Und sollt, o vater! diese nacht Des leiden letzte seyn, Wohl mir! dann ist mein lauf vollbracht, Vollbracht des lebens pein. 3. Wie soll ich deine huld erheben? Gott! du bist groß, mein dank ist klein. O, möchte doch mein ganzes Leben Ein dank für deine gnade seyn! Nimm, gott! durch den ich fröhlich bin, Mein treues Herz zum opfer hin. 4. Herr! deffen treu auf allen wegen Mir nahe, sichtbar tröstlich war!! leg auch einen vatersegen Auf dieses neue lebensjahr. der du weis' und gütig bist, Gieb mir stets, was mir nüßlich ist. Gott! 2. Wie sind die tage meines lebens Bis hieher mir so schnell entflohn! Ach! lebt ich auch bisher vergebens? Reif ich vielleicht zum tode schon? Könnt ich mit freudigent vertrauen, Mein himmlisch vaterland zu schauen, Nun durch die nacht des grabes gehn? Könnt ich mit frohem angesichte Vor dir erscheinen im gerichte, Vor dir, allwissender! beftehn? 3. Entfernt von weisheit und von tugend, Betrat ich meines lebens bahn; Mich klagt die fünde meiner jugend Vor dir und vor mir selber an. Von meinem leichtsinn hingerissen, Betäubt ich endlich mein gewissen, Hört ich nicht dich, nicht meine pflicht. Von zügellosen trieben brannte Mein junges herz, ich lebt und kannte Die absicht meines lebens nicht. 4. Wie kann ich würdig gnug dich loben! Du führtest mich zurück zu dir, Du stilltest meiner läſte toben, Schufft einen menschen, gott! aus mir. Ich sah die drohenden gefahren, Die meiner laster früchte waren; Sah, wie gerecht und gut du bist; Bereute meiner fünden freuden, Entschloß mich ernstlich, sie zu meiden, Bat Mel. Wie wohl ist mir, o Freund. 666. Schon wieder ist von dich um gnad, und ward ein christ. leben Ein jahr, ein großer theil, dahin! Dir dank ich, der du mirs gegeben! Herr meiner zeit! daß ich noch bin. Für alle deine güt und treue, Der ich bis diesen tag mich freue, Der ich nicht werth bin, preif' ich dich. Mein vater! auch in diesem jahre, Wenn ichs vollenden soll, bewahre mit deiner weisen vor= ficht mich. 5. Du sahst mein herz; o gott! ich wollte Dich lieben, dir gehorsam seyn; Mein ganzes leben, wie ich sollte, Versprach ich deinem dienst zu weihn; Wie mich, wollt ich die brüder lieben, In guten thaten stets mich üben Mit freuden und mit redlichkeit; Die sünde wollt ich ewig haffen, Von deinem geist mich führen lassen, Und wachsen in der frömmigkeit. In besondern persönlichen Umständen. 6. Jsts möglich, daß ichs dir verhehle? Verdammt mein eignes herz mich nicht? Ist in der tiefe meiner feele Nicht alles deinem auge licht? Wie oft hab ich den bund gebrochen! Wie selten, was ich dir versprochen, So fest beschworen hab', erfüllt! Noch immer fühl ich fündenliebe, Noch immer sind des fleisches triebe, Der sinnen aufruhr nicht geſtillt. 7. Ach! rufe noch nicht von der erde mich, ungeschickt zum himmel, ab; Verzeuch, bis ich vollkommner werde, Dann erst eröffne mir das grab. Noch brauch ich jahre, mich zu stärken Im glauben und in guten werken, Zu wachsen in der heiligung. Du kennst uns menschen; wie geschwinde Vertiefen wir uns in die sünde! Wie langsam ist die befferung! 8. Das hoff ich, daß du mich erhörest, Du vater der barmherzigkeit! Ich hoffe freudig, du gewährest Zu meiner besserung mir geit. Herr! ich will nicht mehr fie verschwenden; Gewissenhaft sie anzuwenden, Sey mir unendlich theure pflicht. Gieb, daß an jedem meiner tage Mir mein gewissen ernstlich sage: Vergiß, wozu du lebest, nicht! 353 2. Wie glücklich lebt ein from mer mann, Wenn die fein herz ihm abgewann, Die gott ihm aus ersehen! Wie glücklich lebt an seiner hand Die fromme, die gott ihm verband, Jhm hülfreich bei gustehen! Heil euch! Heil euch! Fromme gatten! In dem schatten Seiner güte Jauchzt mit fröhlichem gemüthe! 3. Sie sind gesegnete des Herrn; Sie fliehet haß und argwohn fern; Um sie glänzt holder friede. Häuft auch die last des freuzes sich, Sie tragen sie gemeinschaftlich, Daß sie sie nicht ermüde. Wenn sie Beten, Wirds gott hören, Leiden wehren, Schmerzen lindern, Und des kreuzes bürde mindern. 4. So strecket sich weit um ein haus Ein rebenreicher weinstock aus, So blühn auch ehgenossen. Ringsum umpflanzen ihren tisch Die kinder fröhlich, munter, frisch, Wie junge frühlingssproffen. Sorgt nicht! Sorgt nicht! Wie viel beter Zählt ihr väter, Zählt ihr mütter! Sorg und müh ist hier nicht bitter. 5. Gott, der du auch an uns gedacht, Hab auch auf uns noch ferner acht, Daß uns fein segen fehle. Laß nie uns unsern bund entweihn; Keusch laß uns, friedsam, zärtlich seyn, Ein herz und eine seele. Heilge, Heilge, Gott der liebe, Unsre liebe! Gieb uns gnade, Stetszu wandeln deine pfade. 6. Lent ab das Herz von üppigkeit Auf freuden, die man nie bereut, Auf freuden ächter tugend. Selbst unser hohes alter sey Von drückenden beschwerden frei, Noch munter gleich der jugend. Segne, Segne, Unser vater, Nährer, rather, Schuß der ehen, Uns, die wir auf dich nur sehen! Christlicher Eheleute. Mel. Wie schön leucht't uns der. 667. Uns heilig soll der eh stand seyn! Du, schöpfer, setztest selbst ihn ein, Der welt zum güüd und segen. Noch immer fließt in diesem stand Aus deiner milden vaterhand Den frommen heil entgegen. Stifter! Stif Die in ehen Einer schwangern Frau. Mel. Es woll uns Gott genädig. hast, Dein sich freuen, Durch dich blü- 668. Dupfer, mir Jetzt leihen und gedeihen. besfrucht gegeben; Von Herzen dank ich dir dafür, Du herr von meinem leben! Erbeten war sie, gott! von dir, Du ließest sie mir werden; Ach laß sie auch, zur ehre dir, Dein eigenthum auf erden, Und einst dein erbe werden. 3 In besondern persönlichen Umständen. 2. Behüte mich bei tag und sie sich nicht Der beschirmung die nacht Vor sorgen, furcht und ser kleinen, Die uns oft verachtet schrecken; Laß mich, gott! deine scheinen. güt und macht Vor allem unfall decken. Es kann dein liebreich augenmerk Dem unglück leicht gebieten. Ach! schüßze deiner hände werk; Nur du kannst mich behüten, Und meine frucht bewahren. 3. Sollt ich für so reiche güte Dir nicht herzlich dankbar seyn? Mit frohlockendem gemüthe Mich vor dir nicht immer freun? O wie theuer sind sie mir! Und hab ich sie nicht von dir? Ja, mein gott, wie manchen segen Schenkst du mir auch ihrentwegen! 3. Gieb meinem finde eine feel, Geschmücket mit verstande, Und die den tugendweg erwähl, Und fliehe sünd und schande. Gieb ihm auch einen muntern leib; Du kannst gebrechen wehren. Und wenn, o gott! ich schwaches weib Mein kind nun soll gebähren, So hilf du mir in nöthen. 354 4. Du, mein schöpfer und er halter! Bist von kindheit auf mein gott, Bleibst mein gott auch einst im alter; Sey auch meiner finder gott. Segne und behüte sie; Deine furcht erfüll sie früh, Daß fie, dir zum wohlgefallen, Jung schon deine wege wallen. 5. Wie viel lockende gefahren Warten ihrer in der welt! Ihr verstand ist unerfahren; Welttand schimmert und gefällt; Auch ihr herz ist bald erweicht; Böses beispiel haftet leicht; Groß ist die gewalt des spottes, Er vertilgt oft selbst furcht gottes. 5. Und wenn mein liebes find nun ist Gesund zur welt gekommen, So laß es, o herr Jesu Christ! Dann werden aufgenommen In deinen tauf- und gnaden bund; Schenk du ihm geistlichs leben. So soll, o gott! mein herz und mund Stets deine güt erheben, Und lob und preis dir bringen. 6. Ach! daß sie mit furcht dir dienen, Ist nur dein werk; ach! nimm nie Deinen heilgen geist von ihnen, Daß ihr fuß verführer flieh, Und ich einst voll zuversicht, Daß der lüste gift nur nicht Ihr unschuldig herz verderbe, Froh sie segne, wenn ich sterbe. Der Eltern für ihre Kinder. 7. Keiner unter allen werde, Das, das bitt ich, herr, mein gott! Je den freunden zur be= schwerde, Noch den feinden je zum Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 669. Dir befehl ich meine ipott. Sei ihr schild und feſter 4. Ja, kommt, gott! meine stund und zeit, Dann stärke mich in gnaden, Entbinde mich zu rechter zeit, Behüte mich vor schaden. Gieb zur geburt mir muth und kraft, Und lindre meine schmerzen. Du bist es, der mir hülfe schafft, Ich fleh aus ganzem Herzen: Er Höre mich, o vater! eger gnade trönt! Zwar auch fie find vor dir fünder, Doch durch Jesum dir versöhnt; Und dir, vater, sohn und geist? Gott! den unser glaube preist, Dein zu seyn und dir zu leben, Durch den tauf bund übergeben. 2. Ihr gelall hast du erhöret, Ihre schwachheit unterstüßt, Sie verpfleget, fie genähret, Und durch engel fie beschützt; Engel schaun dein angesicht, Und doch schämen Harten mangels stets erwehren, Ihres fleißes redlich nähren. 8. Nicht bitt ich, daß du mit leiden Ihre herzen ganz verschonst; Nicht, daß du mit steten freuden Ihrer tugend hier schon lohnſt; Nicht, daß du sie hoch erhebst, Ihnen großen reichthum gebst, Jeden anschlag stets erfüllest, Jeden ihrer wünsche stillest. 9. Gieb du ihnen, o allweiser! Wie es längst dein rath bedacht, In besondern persönlichen Umständen. Das nur, was sie frömmer, weifer Und zum himmel reifer macht. Nie kann eine ganze welt, Wenn ihr reiz die seele fällt, Nie mit allen ihren schäßen Den verlust der seel ersetzen. 10. Doch was ich zu bitten wage Find ein gnädiges gehör! Kann es seyn, laß ihre tage Nicht an freuden gänzlich leer; Werden fie geprüft durch dich, Gott! so fey es väterlich, Und dann laß es ihren seelen Nicht an trost und stärke fehlen. 355 ich, gott! vor dir mich schämen. Dwie so beschämt steh ich! D wie kränkt mein undank mich! 6. Laß hinfort, wie du verlangst, Jede kind'spflicht mich erfüllen. Denn wie oft hat sorg und angſt Sie beschwert um meinetwillen; Tief verwundete mein schmerz, Wenn ich litt, ihr zitternd herz. 7. Hilf, daß gegen sie mein herz Kindlich sey, und nicht bloß scheine; Und daß ich, trifft fie ein schmerz, Zu dir heiße zähren weine; Für ihr glück dir dankbar sey, Und mich ihrer freuden freu. 8. Jesus, stelle mir dich dar, Du, das beispiel frommer finder! Du, der herr vom himmel war, Gottes sohn, das heil der fünder, Warest doch von kindheit an Deinen eltern unterthan. 11. Jener siegstag der gerechten Sey auch mir ein freudentag; Hilf, daß zu des richters rechten Auch nicht einer fehlen mag, Dann frohlock ich: richter, sieh! Hier bin ich! hier sind auch die, Die dein vater mir verliehen, Sie dem himmel zu erziehen! Der Kinder für ihre Eltern. 9. Lust und freude seys auch mir, Folgsam seyn, denn das ist billig, und gefällt auch, höchster, dir; Mache du mich dazu willig. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 670. Dir, gott, fey mein Dann nur, vater! wird auch mein Dein verheißner ſegen seyn. dank geweiht, Hetlig dir mein ganzes Leben! Denn aus freier mildigkeit Hast du selbst es mir gegeben, Es durch eltern mir verliehn, Die zur tugend mich erziehn. 2. Gott, der du sie mir ersahst! Du hast sie mir auch erhalten. Du läßt, drückt sie schon die laſt, Ihren eifer nicht erkalten, Giebst für mich auch ihnen glück, Ordnest mir auch ihr geschick. 3. Sie, fie haben schon, als ich Mich zu fühlen kaum begonnte, Als ich selbst noch nicht für mich Denken, sorgen, wählen konnte, Stets für mich von treu beseelt, Ueberdacht, gesorgt, gewählt. 4. Welche wohlthat, gott! daß fie Ihren besten fleiß mir schenken, Und mein fündlich herz schon früh Von der fünd aufs gute lenken, Stets auf meine wege schaun, Liebreich meine wohlfahrt baun! 5. Sollt ich diese liebe nicht Immerdar zu herzen nehmen? Ach! der oft verleßten pflicht Muß 10. Lang erhalte sie mir doch. Hör, o gott, mein zärtlich flehen! Laß im späten alter noch Sie an mir nur freude sehen; Und erhör auch ihr gebet, Das für mich um weisheit fleht. Lied eines Jünglings. Mel. Ermuntre dich, mein schwacher. 671.ch trete vor dein anges meiner jugend! Verwirf mein kindlich flehen nicht Um weisheit und um tugend. Der du den säugling beten lehrst, Und gern sein stamm lend flehen hörst, Hör auch mit wohlgefallen Mein betend lied erschallen. 2. Mein weg ist schlüpfrig; wer erhält Mich, daß mein fuß nicht gleite? Wer führt mich sicher in die welt, Und geht mir treu zur seite? Wer warnt mich, wenn gefahren drohn, Und lehrt mich in der ferne schon, Daß sie mich 32 356 In besondern persönlichen Umständen. nicht erreichen, Die klugheit, auszuweichen?" 3. Eh' ich dich kannte, hast du mich Sm mutterleib bereitet, Und durch die kindheit väterlich mich bis hieher geleitet. Jetzt, herr! da ich dir danken kann, Nimm dich auch meiner jugend an, Daß ich auf meinem wege Unsträflich wandeln möge. 4. Mein herz, noch unverführt und rein, Ist jung und unerfahren; Wie leicht, geblendet durch den schein, Stürzt es sich in gefahren! Ach! mache mich mir selbst bekannt, Und gieb mir weisheit und verstand, Stets auf dein wort zu schauen, Und nie mir selbst zu trauen. 5. Du pflanztest, herr! in meine brust Die triebe zum vergnügen; Ach! stärke mich, den hang zur lust Der fünde zu bestegen. Dein unausbleibliches gericht Vergeffe meine feele nicht, und lehr' mich, fromme freuden Von lüsten unterscheiden. Denn er macht mich gerecht vor dir, Und meine steige richtig. Nicht zweifel, die ein herz erzeugt, Das sich zur sündenliebe neigt, Noch lust zu widersprechen, Laß meinen glauben schwächen. 10. Der tugend heilige mich ganz, Mein schöpfer und erhalter! Ste werde meiner jugend glanz Und einst mein troft im alter. Erhalte mein gewiffen rein, Laß keinen meiner tage seyn, Der nicht zu deiner ehre Geschmückt mit tugend wäre. 11. Ach! lehre mich den werth der zeit, Daß ich sie nie verschwende, Daß ich mit kluger thätigkeit Auf weisheit sie verwende. Gott! meiner jugend fleiß und müh Laß nicht umsonst seyn, segne ste; Laß auch durch mich auf erden Dein werk gefördert werden. 6. Von dir, o gott! werd' ich bewacht, Bin ganz mit dir um geben; Vor dir bedeckt nicht mitfernacht, Noch einsamkeit mein leben. die im 12. Erhöre gnädig mein gebet, Du schöpfer meiner jugend! Erhör es, meine seele fleht Um weisheit und um tugend. Mein ganzes leben dank ich dir; Weich nur, erbarmer! nicht von mir, Damit ich meine wege Unsträflich gehen möge. Eines jungen Frauenzimmers. Mel. Ermuntre dich, mein. will in meiner einichleicht, Verbirgt vor menschen 672.Jamfeit Zu dir mein sich vielleicht; Vor deinem ange= fichte Steht sie im hellen lichte. 7. Den leichtsinn, der mich oft verführt, Das böse zu erwählen; Den ehrgeiz, der den stolz gebiert, Das merkmal schwacher seelen; Die trägheit, die den geist verzehrt, Und jeden trieb zum laster nährt; Laß nie zu ihren sünden, O gott! mich willig finden. herz erheben. Du selber wollst mir freudigkeit Dich anzurufen geben. Vernimm, o vater! mein gebet, Das nicht aus falschem munde geht; Um deiner liebe willen Eil', herr, es zu erfüllen. 2. 8. Wenn sich auf meiner jugend bahn, Mich in ihr neß zu ziehen, Verführer meiner feele nahn, So laß mich klüglich fliehen. Ihr süBes locken lenke nicht mein Herz von dir und meiner pflicht; Ihr spotten und ihr lachen Laß nie mich wankend machen. 9. Der glaub' an Jesum bleibe mir, O gott! unendlich wichtig; Du bist mein vater, ich dein find, Mein heil ist, dich zu lieben; Ach! mache mich dir gleichgesinnt In allen meinen trieben. Laß meine seele keusch und rein Und treu in deiner liebe seyn, Und suchen dir vor allen, vater! zu gefallen. 3: Vor stolzer selbstgefälligkeit Bewahre meine jugend; Ihr vorzug sey bescheidenheit, und ihre schönheit tugend. Gieb mir den sanften stillen geist, Der dich durch In besondern persönlichen Umständen. feine demuth preist, Den nächsten nie verachtet, Sich selbst zu bessern trachtet. 4. Die lust der eitelkeit laß nicht Mein junges herz entzünden; Sie macht mich untreu meiner pflicht, Und bahnt den weg zu sünden. Gesuchte zier und pracht der welt Ist nicht der schmuck, der dir gefällt; Du willst, ich soll bescheiden, Mit ehrbarkeit mich kleiden. 5. Preis dir und dank, mein schöpfer, gott! Du gabst mir eine feele. Preis dir und dank, mein mittler, gott! Du starbst für meine feele. Mein leib ist doch nur asch' und staub, Nie wird mein geist, des todes raub, Mein erst geschäft auf erden Sey, schön am geist zu werden. 6. Gott! lehre du mich eilen, ihn Mit weisheit auszuschmücken; Denn meine tage fliehn dahin Gleich schnellen augenblicken. Gieb, daß träger tändelei Mir meine zeit zu koſtbar ſey, Und laß es mir gelingen, Sie nüßlich zuzubringen. 7. Bewahr mein auge, daß es nie Unreine lust entzünde, Und meine rede, gott! daß sie Niemand zweideutig finde. Die un schuld sey mein liebster ruhm, Ein guter ruf mein eigenthum, Den jeder gern mir gönne, Und niemand lästern könne. 8. Bewaffnet sey mit ernst mein blick, Mit ernst der keuschen tugend. Seht ihn, und bebet scheu zurück, Versucher frommer jugend! Den umgang, der verführung droht, Herr! lehr mich fliehen als den tod, Und willig alle freuden Der wilden weltlust meiden. 357 Verknüpf durch unschuld uns, daß wir Der freundschaft glück empfinden. Laß unsre liebe sanft und rein, Wie deiner engel umgang, seyn, Daß nimmer unsre seelen Neid oder argwohn quälen. 9. Die frevler, die mit ihrem spott Sogar dein wort beflecken, Vertreibe fern von mir, o gott! Daß sie mich nicht erschrecken. Dich lästern sie und deinen sohn, Und sprechen deiner wahrheit hohn. Unselige verführer! Erbarm', erbarm dich ihrer! 10. Laß fromme freundinnen in mir Ein herz, wie ihres, finden. 11. Schickst du einst einen freund für mich, So gieb, daß ich ihn wähle; Er sey ein christ und fürchte dich, und lieb' auch meine seele. Laß seines Hauses edle zier Mich werden; gott! laß ihn in mir Die beste deiner gaben Für dies sein leben haben. 12. Der du mich selbst durch dein gebot Den weg zum heile lehrest, Ich will dich preisen, meinen gott, Daß du mein flehn erhörest. Ich opfre dir mein lebenlang Der unschuld und der tugend dank; Dort will ich in den chören Der engel dich verehren.' Im Alter. Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ. gieh, zurück 673. Auf die durchlebten jahre. Auch vor dich hin wirf einen blick; Was siehst du? grab und bahre. Ich bin schon alt; Wie bald, wie bald Sind meine zeit und stunden Hier verschwunden! Nach kurzem aufenthalt Werd ich nicht mehr gefunden. 2. Gott! was ich bin, bin ich durch dich; Erwäg es, mein gemüthe! Auf vaterhänden trugst du mich, Dein weg war lauter güte. Herr, ruhm sey dir! Denn du hast mir In meinem langen leben Viel gegeben; Was geb ich dir dafür? Wie soll ich dich erheben? 3. Du, meines Lebens grund und kraft, Mein vater, sey geprieſen! Du hast auf meiner wanderschaft Mir stündlich guts erwiesen. Gott! du hast mich Oft wunderlich, Und doch stets wohl geführet, Wohl regieret; Im kummer selbst hab ich Dich nah und treu gespüret. 4. Ich hab durch deine kraft und stärk, Was schwer war, überstiegen; Du machtest ein mir furcht In besondern persönlichen Umständen. bar werk Mir oftmals zum ver- gleich matt und müde; Er giebt gnügen. Du, gott der huld! Hast mir trost und riede, Und steht mit geduld Da sünden auf mir mit muth und kraft mir bei. lagen, Mich getragen; Ach! tilge noch die schuld Von allen meinen tagen. 6. Nach wenig bangen stunden Hab ich ganz überwunden; Ich bin vom ziel nicht weit. Triumph! o welche frenden Sind, nach dem letzten leiden, Vor gottes thron für mich bereit! 5. Mein gott, mein fels und zuversicht, Mein schöpfer und er halter! Verlaß, verlaß auch jeßt mich nicht In schwachheit und im alter! Die zeit eilt hin, Die kräfte fliehn, Mir zeigen meine jahre Nah die bahre. Gieb, daß, so lang ich bin Ich deine kraft erfahre. 7. Ich warte froh und stille, Bis meines gottes wille Mich nach dem kampfe krönt; An meiner laufbahn ende Sink ich in Jesu hände, Der mich dem richter hat versöhnt. Fürbitte für abwesende Freunde. welt 6. Komm und erlöse mich! ich bin Von langem kampfe müde; meine seele bald dahin, Wo Mel. D Ewigkeit, du Donnerwort. wohnt bein ew'ger, friede. Schließ 675.Dunschließt, Der du meinen lauf; Froh hoff ich drauf, Ich werde nach dem sterben Nicht verderben; Verklärt steh ich einst auf, Die seligkeit zu erben. allgegenwärtig bist Mit allem deinem segen! Du bist, du schöpfer Jehovah! Auch meinen fernen freunden nah Auf allen ihren wegen. Du übersiehst, o gott! sie nie; Ach segne, vater, segne sie! 2. Du selber trenntest sie von Unter den Beschwerlichkeiten des Alters. mir; Da seufzte laut mein herz zu dir, Da flossen meine thränen. Ich suchte sie und fand sie nicht; Du menschenfreund! mein angesicht Verfiel von meinem sehnen. Doch du gabst meiner seele ruh; Ich will ihr gott seyn, sagtest du. 3. Ja, sey und bleib ihr freund, ihr gott, Ihr schuß, ihr retter aus der noth, Auf den sie sicher trauen. Laß sie im glanze deines lichts Die gnade deines angesichts, die geliebten! schauen. Stärk sie auf ihrer wanderschaft Bei jedem tritt mit neuer kraft. 4. Bau' ihnen häuser ohne müh, Bereichre sie, und segne sie Und auch noch ihren saamen. Gesegnet sey durch sie das land, In wel ches sie dein wink gesandt; Mach herrlich ihren namen. Laß sie in fried' und wohlergehn Einst ihrer kinder kinder sehn. 5. Gieb, daß fie ihrer tugend ruhm, Ihr unverleßlich eigenthum, Einst durch den tod begleite. Ihr tod müff' als ihr leben seyn; Ja 358 Mel. Nun ruhen alle Wälder. 674. Durch viele großze plagen hat mich der Herr getragen Von meiner jugend auf; Ich sah auf meinen wegen Des höchsten hand und segen, Er lenkte meines lebens lauf. 2. Sein weg war oft verborgen; Doch wie der helle morgen Aus dunklen nächten bricht, So hab ich stets gespüret, Der weg, den gott mich führet, Bringt mich durch finsterniß zum licht. 3. War menschenhülf' vergebens, So kam der herr des lebens, Und half und machte bahn. Wußt ich mir nicht zu rathen, So that gott große thaten, und nahm sich mächtig meiner an. 4. Bis in des alters tagen Will ich dich liebreich tragen, und dein erretter sein! Dies hat mir gott versprochen, Der nie sein wort gebrochen; Ich werde sein mich ewig freun. 5. Er wird schwachen alten, Was er verheißen, halten; Denn er ist fromm und treu. Bin ich In besondern persönlichen Umständen. du wirst sterbend fie erfreun; Und stürben sie noch heute. Ein tag, ein froher tag erscheint, Der ewig mich und sie vereint. 6. wie gedenk ich dein so gern, Du tag des Lebens, tag des Herrn! Wann wird dein licht erscheinen? Tag, der auch die mir wieder giebt, Die ich, entfernt von mir, geliebt, Die feligen, die meinen! Wie wird sich unsre seele freun! Gott, welch ein anblick wird das seyn! Einer Herrschaft. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 676.Durch urch dich, gott! bin ich, was ich bin, Und es ist deine gabe, Daß ich, als herr, dienst und gewinn Von meinen brüdern habe. Daß sie mir ihre kräfte leihn, Das kömmt von dir, von dir allein; Du bist der herr der menschen. 2. Mich zu beglücken, dienen fie, Verzehren ihre kräfte, Und dulden gern des Lebens müh In meinem hausgeschäfte. Ach! dafür laß mich dankbar seyn, Und nie dies vorrecht stolz entweihn, Das du mir, vater! gabeſt. 3. Auch der geringste diener ist Bestimmt zum ewgen leben; Für ihn und mich hat Jesus Christ Sich in den tod gegeben. Vor gottes richtstuhl hat ein knecht Mit mir dereinst ein gleiches recht; Dort sind wir nicht verschieden. 4. Gott! präge mir dies ernsthaft ein, Als bruder ihn zu lieben. Laß diese pflicht mir freude seyn; Wie sollt ich den betrüben, Der über meine grausamkeit Um rache still zum himmel schreit! Zu dir, gott, meinem richter! 359 Eines Dienstboten. Mel. Nun ruben alle Wälder. 677. gott! du gott der deinen, Der großen und der kleinen! Auch ich bin, schöpfer! dein. Du haft auch mich auf erden Zum menschen laffen werden, und deiner soll mein herz sich freun. 5. Laß mich ihm seine saure pflicht Durch menschlichkeit verfü Ben! Und wenn ihm hülf und rath gebricht, Müff' er sie stets genießen. Ihn tragen will ich, ihm verzeihn, Sein pfleger in der krankheit seyn, Sein freund im glück und unglück. 2. Ich soll hier andern dienen; Ich thu's, und folg ich ihnen, So folg ich dir, mein gott! Laß meiner herrschaft willen Mich gern und froh erfüllen; Denn dies iſt dein will und gebot. 3. Behüte mich vor klagen, Laß still mein joch mich tragen, Auf dich im dienste sehn. Lehr du mich Mich redlich reden, schweigen, treu bezeugen, Und schlecht und recht einherzugehn. 4. Vor freiheit, stolz und neide, Vor list und schadenfreude Be Was wahre, gott! mein herz. meine herrschaft kränket, In unmuth sie versenket, Das sey zugleich mein eigner schmerz. 5. Gern will ich sie erfreuen, Gern mein versehn bereuen Und willig folgfam seyn. Ich will fie redlich lieben, Im fleiße gern mich üben, und müssiggang und trägheit scheun. 6. Laß mich sie nie betrügen; Rechtthun sey mir vergnügen, Und freude jede pflicht. Was ich denk, red und thue, Ich gehe oder ruhe, Gescheh vor deinem angesicht. 7. Du, gott der Herrn und Vertheilst mit milder knechte! rechte Den hoh'n und niedern heil; Wer niedrig ist auf erden, Kann groß im himmel werden, Hat, fürsten gleich, an dir, gott! theil. 8. Auch mich wirst du belohnen, Bei dir werd ich dort wohnen, Und mich mit engeln freun. Laß mich dies stets ermessen, Nie det ner hier vergeffen; Und dann werd ich einst selig seyn. 360 In besondern persönlichen Umständen. Der Eltern beim Absterben ih- hand Am weg' ins beßre vaterland, rer Kinder. Den blick voll ernst und freude! Mel. DEwigkeit, du Donnerwort. 678.Ah! [ ch! meine kinder sind nicht mehr! Mein traurig Herz ist hoffnungsleer! Von freuden leer mein leben! Ich sah fie wie den frühling blühn; Dir, dir hofft ich sie zu erziehn, Gott, der sie mir gegeben! Mein alter follten sie erfreun, Und mir einst trost im tode seyn. 2. Herr, ich verehre dein gebot! Laß mich jetzt meiner kinder tod, Barmherziger! beweinen. Du, der du aller vater bist Und weißt, was herz der eltern ist, Laß mich jetzt gehn und weinen! Verzeih den trieben der natur; Nicht murren, klagen will ich nur. 3. Auch meine thränen preisen dich, Sie sind die zeugen, gott! daß ich Die liebte, die du liebest, Und nun im lichte deines throns, In der gemeinschaft deines sohns, In aller tugend übest. Herr! meine seufzer danken dir; Du, du vertrautest sie nur mir. 4. Mit thränen preis' ich dich auch einst, Wenn du zum weltge= richt erscheinst, Ach, dann mit freudenthränen! Dann werd ich meine kinder sehn, Mit ihnen dankend vor dir stehn, Mich nicht mehr trostlos sehnen. Dann werd ich froh bei ihnen seyn, Und ewig mich mit ihnen freun. Beim Absterben unserer Anverwandten und Freunde. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 679. A ch! hier nicht mehr, ach! fern von mir Bist du! ich weiß nichts mehr von dir, liebe, treue seele! Entflohn aus meinen armen weit Biſt du, vom thal der sterblichkeit, beſte, treuste seele! 2. Der freundschaft labsal ist dahin, Dein trost, wenn ich ver laffen bin, Dein mitleid, wenn ich leide! Mir fehlt, mir fehlt die treue 3. Ja, weinen darf ich, gott! vor dir, Daß du die fromme seele mir So früh und bald entriffen. Die wunde blutet sehr; und ich, Ich klag, geliebtes herz, um dich; Gott hat dich mir entrissen! 4. Ach, vater! war mein herz nicht rein? War sie nicht werth, geliebt zu seyn, Die feele, die ich liebte? War ich nicht ihrer liebe werth, Daß du mein flehen nicht erhört, Mich deine hand betrübte? 5. Doch sey mein schmerz auch noch so groß, Die seele ruht in gottes schooß; Geduldig will ich schweigen. Nein! theure! keinen augenblick Wünsch ich dich in den staub zurück; Ich will vor gott mich beugen. 6. Der leichnam ruht im fühlen grab, Gott nahm ihm seine schmerzen ab Und jede last von leiden; Empor schwang sich der frohe geist Zu dem, der ganz die liebe heißt, Genießt nun gottes freuden. 7. Die feele, die hier heilig war, Feirt dort mit der verklärten schaar Den sabbath der erlösten, Ist wonne, liebe, dank und licht, Und lebt und schaut!- das sollte nicht Mein banges herze trösten? 8. Otrost, o hoher troft für mich! Mein banges herz, erheitre dich, Und stille deine klagen! Erlöst von ihres leibes joch, Lebt die geliebte feele noch; Und ich, ich sollte zagen? 9. Nein, stille will ich gott vertraun, Wer hier ihm glaubt, wird dort ihn schaun, Und hier ihn schon empfinden. Ich weiß, ring ich vom staub empor, Ich werde, was ich hier verlor, Bei gott dort wieder finden. 10. Zwar hört, wenn einst mein auge bricht, Mein ohr von dir, o theure! nicht Gebet, nicht troft, nicht segen; Doch wenn, durch gottes geist, mein geist sich im friumph dem staub entreißt, So eilst du mir entgegen. In besondern persönlichen Umständen. 11. Dann schau und bet' ich an Des trostes, wenn ich wanke!) mit dir; Wir beid' ein herz! dann In meiner einsamkeit; Und du singen wir Von weggeweinten lei- wirst, herr der welten, Mirs öfden Und von der tugend hohem fentlich vergelten, Wenn deiner lohn; Sind freud' und dank, und still mein herz sich freut. schmecken schon Der seligkeiten freuden. 8. Ja, bis zum letzten schritte, Ja, wenn ich noch mehr litte, Seh ich mit lust auf dich. Nur dir, dir zu gefallen, Unsträflich hier zu wallen, Sey mein bestreben; stärke mich! 9. Mit ernst und frohen muthes Will ich, mein vater! gutes Vor deinen augen thun; Gern mich der welt entziehen, Zerstreuung, thorheit fliehen, Und nur in dei12. Gedanke der unsterblichkeit! Durchheitre jede dunkelheit, Gieb muth mir, wenn ich wante; Veredle jede leidenschaft, Erfülle mich mit heldenkraft, Erhabener geDanke! Einer Wittwe. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 680.Feft joll mein' hoffnung nem schooße ruhu. Gott hört der wittwen flehen; Er ist mir mehr, als mann. In jedem schmerz und leide Jst gott mein trost und freude, Der fels, auf den ich bauen kann. 2. " Getrost!" ruft seine gnade, „ Ich bin auf jedem pfade Bei dir bis an dein grab! Nie will ich dich verlassen!" Dies soll mein glaube fassen Als meinen wittwenwanderstab. 361 3. Die, die in stiller kammer Dir klagten ihren jammer, Erhörtest ehmals du; Auf sie floß, gott! dein segen, Auf allen ihren wegen War friede, sicherheit und ruh. 10. Dann eilen meine tage Mit jeder last und plage Leicht, wie ein traum, dahin; Dann leg ich meine glieder Froh einst im fode nieder, Wenn ich zum himmel reifer bin. 11. Dann geh ich, den zu schauen, Der mein stab, mein vertrauen, Mein gott ist und mein freund. Wie will ich dann ihn ehren! Wie danken für die zähren, Die ich als wittwe hier geweint! 12. Dann find ich, die ich liebte, Der'n abschied mich betrübte, In meines schöpfers hand; Wo freudenquellen fließen, Dort werd ich sie genießen Im thränenfreien vaterland. 13. Drum fort die heißen pfade! Mich kühlt des vaters gnade; Er trägt mir meine noth. Nicht ewig werd ich weinen, Ich komme zu den meinen, Bald seh ich sie bei meinem gott. 4. So viel seit so viel jahren Betrübte wittwen waren, So viel hast du verpflegt. Die in bekümmernissen Sich, gott! auf dich verließen, Sahn ihre last auf dich gelegt. 5. Auch mich wird dein arm stärken, Auf mich dein auge merken, Und auf mein flehn dein ohr. Mit ernstem, heißem flehen Will ich auch vor dir stehen, und seufzen, gott! zu dir empor. 6. Still will mein joch ich tragen; Dir, vater, darf ich sagen, Was je mein herze drückt. Du Einer Waise. mir der Gott! den ich zwar nicht ſehe, Den aber doch 681. Jabre, Gott! sab ich Mel. Nun ruhen alle Wälder. frühling meiner mein glaub' erblickt. 7. Du siehst mich( o gedanke schon die bahre Des besten vaters ( Wenn sie Kinder hat.) 14. Dann soll'n auch meine waisen Den gütgen vater preisen, Der sie erhalten kann. Ja, dir will ich sie bilden; Ach! schau mit deiner milden Erbarmung deine schaafe an. 362 In besondern persönlichen Umständen. stehn. Und sie, die mich geboren, War früh für mich verloren; Als kind mußt ich ihr grab schon sehn! 2. Ach er, der mich so liebte, Mich früh im guten übte, 3a gott mich wies, ach er, Der zärtlich für mich wachte, Daß er mich glücklich machte, Mein bester vater ist nicht mehr! 8. Auch mich kannst du nicht haffen, Auch mich nicht ganz verlassen, Auch ich will dir vertraun. Dein herz sey mir auch offen; Auch ich will auf dich hoffen, In trüben stunden auf dich schaun. du mein vater, Mein führer, freund und rather; O da verlaß, gott, nie dein kind! 9. Du wirst auch mich ernähren, Mir unterhalt gewähren, Du, mein versorger, du! Was ich bedarf, das schenke Mir, deinem kind, und lenke Mir frommer menschen liebe zu. 10. Und wenn in zarten jahren Verführung und gefahren, Wenn laster um mich sind, O! da sey 11. Ja pflanz in früher fugend Schon gottesfurcht und tugend Mir, vater! tief ins herz; Fromm seyn auf deinen wegen, Sey freude mir und segen, Ünd fünde thun allein mein schmerz. 3. Und sie, die mich verpflegte, Als ihren liebling hegte, Und, nie an liebe leer, Mit jedem frühen morgen Erneurte ihre sorgen, Die treue mutter ist nicht mehr! 4. Hülflos, verlaffen, elend, Unwissend, immer fehlend, Zu schwach, mir vorzustehn, Ohn' schützer, ohne vater, Ohn' führer, ohne rather; O gütger gott! wie wird mir's gehn? 5. Doch wer wars, der mich beugte, So tief zum staube neigte? Warst du's nicht, weiser gott? Dein weiser rath regieret Der menschen schicksal, führet Es fort durch leben und durch tod. 6. Du willst dich auch an waisen, Allmächt'ger! stark beweisen, An armen wunder thun; Verlaßne willst du nähren, Die vaterlosen ehren; Durch dich soll unser kummer ruhn. 7. Und seit viel tausend jahren Hast du, die waisen waren, So väterlich ernährt; Die sich auf dich verließen, Sahn, gott! zu Vor und auf der Reise. Mel. Aus tiefer Roth schrei ich zu dir. deinen füßen Ihr heißes flehn von 682.Sen bu, o mein ge dir erhört. 12. Arbeitsamkeit und treue, Be= gangner fehler reue, Ein wahres christenthum, Ein zärtlich herz für freunde, Versöhnlichkeit für feinde, Dies fey mein bestes waisenthum. 13. Und sie, die mich erziehen, Mit redlichem bemühen An eltern statt mir sind, Die laß mich treu verehren, Sie durch gehorsam ehren, Sie dankbar lieben als ihr kind. 14. Sey du, gott! ihr belohner, Wohlthäter und verschoner Für das, was sie mir thun; Und wenn fie nun einst sterben, Laß sie den himmel erben, und mich mit ihnen ewig ruhn. 15. Verklärt werd ich dann stehen, Die eltern wiedersehen, Um die ich hier geweint. Da werd ich vor dich treten, Zu dir, erlöser! beten; Lohn ihnen ewig, menschenfreund! auf meiner reife; Bewahr mich vor gefahr und noth, Zu deines namens preise. Herr! meinen weg empfehl ich dir, Mich selbst und alles, was du mir Auf dieser welt gegeben. 2. Schick deinen engel vor mir her, Laß ihn mich selber leiten, Befiehl, daß er dem unglück wehr Und allen bösen leuten. Nimm, vater! meiner gnädig wahr, Daß kein verderben und gefahr An seel und leib mir schade. 3. Du befter führer, gott! verleih, Daß ich stets christlich wandle. In besondern persönlichen Umständen. 363 Stets fromm, getroft und weise gott! mit mir seyn; Wo immer sey, Nie kühn, nie strafbar handle. nur mich deine hand Hinführt, da Regiere du felbft meinen pfad, Gieb bin ich dein. segen, muth, verstand und rath Zu meinem thun und lassen. ( 4. Bring mich gesund, zur rechten zeit, Zu den geliebten meinen; Erhalt und schüße sie vor leid, Sie sind ja, gott, die deinen! O! laß fie dir empfohlen seyn, Und dann vor dir uns dankbar freun, Wenn wir uns wiedersehen.) 5. Du wollst mein ganzes leben hier, vater! selbst regieren. Wo hülfe noth ist, hilf du mir, Laß deinen geist mich führen. Und end' ich einst hier meinen lauf, Dann nimm mich froh und selig auf Zu deiner ew'gen ruhe. Nach der Reise. 2. Du schufft, erhältst, beseelest mich, Du, du giebst alles mir. Umgeben immerdar bin ich, Allmächtiger! von dir. 3. Vergäß ich dieser wahrheit, ach! Verloren wär mein herz; Dann gäb' ich leicht dem laster nach, Und sucht' in freuden schmerz. Mel. Nun sich der Tag geendet. 684.2uch außer meinem vaSuch außer meinem vaterland Wirst du, 4. Vergeß ich dieser wahrheit nicht, So bleibt die feele rein, Und heilig mir beruf und pflicht, Und ich kann freudig seyn. 5. Leb ich unsträflich; gott! wie froh Bin ich, wie segenreich! Was immer für gefahr mir droh, Bleibt doch mein muth sich gleich. 6. Ja, deine gegenwart, gott! fey Stets fühlbar nahe mir, Daß ich der tugend immer treu, Und Mel. Wer nur den lieben Gott. 683.Dank dir, beschützer mei fröhlich sey in dir. 7. nes lebens! Du hast mich froh zurück gebracht; Ich flehte nicht zu dir vergebens, Du hast mich väterlich bewacht. Dein schutz und schirm war über mir, Durch deine gnade bin ich hier. 2. Nun kann ich wieder mit den meinen Mich deiner reichen güte freun, Mit ihnen mein gebet vereinen, Und dir des dankes opfer weihn, Daß du die wohlthat uns gewährt, Und gnädig unser flehn erhört. 3. Du hast gesundheit mir verliehen, Gefahr und schaden abgewandt; Du segnetest auch mein bemühen Mit deiner milden vaterhand. Auch meiner seele wandtest du, Du gott der huld! viel gutes zu. 4. Sey nun gelobt, sey hoch gepriesen Für alles gute, das du mir Auf meiner reise haft erwiesen; Mein dürftig lob gefalle dir! Dir will ich ganz mein leben weihn; Laß ewig mich den deinen seyn. Eines in fremde Länder reisenden Jünglings. Der reiz der sünd' und eitelkeit Entlocke dir mich nie; Was kurz vergnügt und lang' gerent, Gieb, daß ichs redlich flieh. 8. Wo man mich sieht, wo man mich kennt, Laß tugendhaft mich fein seyn, Und selbst da, wo mensch mich kennt, Das lafter ernstlich scheun. 9. Die bibel und dein heilig wort Laß mich ja nirgends fliehn, Und mich zu keiner zeit und ort Dem gottesdienst entziehn. 10. Wers treu nicht mit der wahrheit meint, Dem freund von list und spott, Dem freund des spiels, der tugend feind, Entreiße mich, mein gott! 11. Der wollüstling, der freund der pracht Soll mir verächtlich seyn; Und vor dem wurm, der deiner lacht, Erzittre mein gebein. 12. Wer nichts als wahrheit sucht und dich, Wer redlich ist und den ich Zum freunde wählen will. still Und sanft und klug, der ists, 13. Ach! einen, der die tugend liebt, Deß beispiel führt zu dir, du, der alles hat und giebt Gott! solchen freund gieb mir. 364 In besondern persönlichen Umständen. 14. Mit bruderlieb umfasse stets Mein herz, wen ich erblick. Das ziel des täglichen gebets Sey meines nächsten glück. ( 15. In andrer diensten laß mich treu, Still und bescheiden seyn. Gieb, daß ich stolz und frechheit schen Und jeden Heuchelschein.) 16. Vollkommner, weiser und ein christ Betret ich dann das land, Das mir von gott bezeichnet ist, Wo ich mein leben fand. Des seligen D. Martin Luthers sämmtliche Lieder, ohne alle Veränderung aus dessen Werken. Von der Dreieinigkeit. ir gläuben an et685.We gott, Schöpfer himmels und der erden, Der sich zum vater geben hat, Daß wir feine kinder werden; Er will uns all'zeit ernähren, Leib und feel' auch wohl bewahren, Allem unfall will er wehren, Kein leid soll uns widerfahren. Er forget für uns, Hüt't und wacht, Es steht alles in seiner macht. 17. Der frommen eltern ruhm und lust, Im alter noch ihr stab, und keines lasters mir bewußt, Begleit ich sie zum grab. 18 Mir folgt ihr segen jahre lang, Bis einst mein auge bricht; Dann macht kein tod, kein grab mich bang, Dann schreckt mich kein gericht. 19. Nein, ewigkeit! unsterblichkeit! Erhebe dich, mein geiſt! Es ist die frohe ewigkeit, Wohin der jüngling reist! 3. Wir gläuben an den heilgen geist, Gott mit vater und dem sohne, Der aller blöden tröster heißt, Uns mit gaben zieret schone; Die ganze christenheit auf erden Hält in einem sinn gar eben; Hier all' sünd' vergeben werden, Das fleisch soll uns wieder leben, Nach diesem elend Ist bereit Uns ein leben in ewigkeit. 686. Deinigkeit, Ein wah er du bist drei in ett sem tag von uns weicht; Laß rer gott Die sonn' uns leuchten dein göttlich licht. 2. Des morgens, gott, dich loben wir, Des abends auch beten vor dir; Unser armes lied rühmet dich Jhund immer und ewiglich. 3. Gott vater, dem sey ewig ehr, Gott sohn, der ist der einig herr, und dem tröster, heiligen geist Von nun an bis in ewigkeit. Amen. Von der Erlösung. 2. Wir gläuben auch an Jesum Christ, Seinen sohn und unsern herren, Der ewig bei dem vater ist, Gleicher gott von macht und 687. Nun freut euch, lieben ehren; Von Maria, der jung- laßt uns fröhlich springen, Daß frauen, Ist er wahrer mensch ge- wir getrost und all' in ein Mit boren, Durch den heilgen geist lust und liebe singen, Was gott im glauben Für uns, die wir an uns gewendet hat, Und seine war'n verloren, Am kreuz gestor- süße wunderthat, Gar theur hat ben, Und vom tod Wied'r aufer-, er's erworben. standen ist durch gott. 2. Dem teufel ich gefangen lag, Im tod war ich verloren, Mein' sünd' mich quälet nacht und tag, Darin ich war geboren; Ich fiel auch immer tiefer drein, Es war kein guts am leben mein, Die fünd' hatt' mich besessen. 3. Mein' gute werk' die golten nicht, Es war mit ihn'n verdorben; Der frei will haffet gott's gericht, Er war zum gut'n erstor Des seligen D. Martin Luthers sämmtliche Lieder. 365 ben; Die angst mich zu verzwei- g'faß, Davon verdirbt der edle feln trieb, Daß nichts denn sterben schaß; Das laß ich dir zuletzte. bei mir blieb, Zur hölle mußt ich finken. 4. Da jammert gott in ewigkeit Mein elend üb'r die maaßen, Er an sein Er wollt' mir helfen laffen; Er wandt zu mir sein vaterherz, Es war bei ihm fürwahr kein scherz, Er ließ sein bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben sohn: Die zeit ist, zu erbarmen, Fahr hin, mein's herzens werthe fron, Und sey das heil dem armen, Und hilf ihm aus der fündennoth, Erwürg für ihn den bittern tod, Und laß ihn mit dir leben! 6. Der sohn dem vat'r gehorsam ward, Er kam zu mir auf erden Von einer jungfrau rein und zart, Er wollt' mein bruder werden; Gar heimlich führt er sein' gewalt, Er ging in einer armen g'stalt, Den teufel wollt er fangen. 7. Er sprach zu mir: halt dich an mich, Es soll dir jetzt gelingen, Ich geb mich selber ganz für dich, Da will ich für dich ringen; Denn ich bin dein, und du bist mein, Und wo ich bleib, da sollt du seyn, Uns soll der feind nicht scheiden. 8. Vergießen wird er mir mein blut, Darzu mein leben rauben; Das leid' ich alles dir zu gut, Das halt mit festem glauben. Den tod verschlingt das leben mein, Mein unschuld trägt die sünde dein; Da bist du selig worden. 9. Gen himmel, zu dem vater mein, Fahr ich aus diesem Leben, ich Den geist will ich dir geben, Der dich in trübsal trösten soll, und lehren mich erkennen wohl, Und in der wahrheit leiten. 10. Was ich gethan hab und gelehrt, Das sollt du thun und lehren, Damit das reich gott's werd' gemehrt zu lob und seinen ehren; Und hüt' dich vor der menschen Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. 688. Nun kömmt der heiden heiland! jungfrauen kind erkannt, Deß sich wundert alle welt, Gott solch geburt ihm bestellt. 2. Nicht von mannsblut, noch vom fleisch, Allein von dem heilgen geist Ist gottes wort word'n ein mensch, Und blüht ein frucht weibes fleisch. 3. Der jungfrau leib schwanger ward; Doch blieb keuschheit rein bewahrt, Leucht't herfür manch tugend schon; Gott da war in seinem thron. 4. Er ging aus der kammer sein, Dem königlichen saal so rein; Gott von art und mensch, ein held Sein'n weg er zu laufen eilt. 5. Sein lauf kam vom vater her, und kehrt wieder zum vater, Fuhr hinunter zu der höll, Und wieder zu gottes stuhl. 6. Der du bist dem vater gleich, Führ hinaus den sieg im fleisch. Daß dein ewig gottes g'walt In uns das krank fleisch enthalt. 7. Dein krippen glänzt hell und klar, Die nacht giebt ein hell licht dar, Dunkel muß nicht kommen drein; Der glaub bleibt immer im schein. 8. Lob sey gott dem vater g'thon! Lob sey gott, sein'm ein'gen sohn; Lob sey gott, dem heilgen geiſt! Immer und in ewigkeit. 689.Globet feit du, Sefu Christ! Daß mensch Von einer jungfrau, Deß freuet sich der Kyrie, eleison! geboren bist. das ist wahr, engel schaar. 2. Des ewgen vaters einig kind Jetzt man in der krippen find't; In unser armes fleisch und blut Verkleidet sich das ewge gut. Kyrie, eleison! 3. Den aller weltkreis nie be 366 Des jeligen D. schloß, Der liegt in Marien schooß; Er ist ein findlein worden klein, Der alle ding erhält allein. Kyrie, eleison! 4. Das ewge licht geht da her ein, Giebt der welt einen neuen schein, Es leucht't wohl mitten in der nacht, Und uns des lichtes finder macht. Kyrie, eleison! 5. Der sohn des vaters, gott von Ein er ward, Und führt uns aus dem jammerthal, Er macht uns erb'n in seinem faal. Kyrie, eleison! 6. Er ist auf erden kommen arm, Daß er unser sich erbarm, Uns in dem himmel mache reich Und seinen lieben engeln gleich. Kyrie, eleison! 7. Das hat er alles uns gethan, Sein groß lieb zu zeigen an; Deß freu sich alle christenheit, Und dank ihm deß in ewigkeit. Kyrie, eleison! 690.D er tag der ist so freudenreich Aller kreature; Denn gottes sohn vom himmelreich, Ueber die nature, Von einer jungfrau ist geborn. Maria, du bist auserkohrn, Daß du mutter wärest. Was geschah so wunderlich? Gottes sohn vom himmelreich, Der ist mensch geboren. 2. Ein findelein so löbelich Ist uns geboren heute, Von einer jungfrau säuberlich, Zu trost uns armen leuten. Wär uns das kindlein nicht geborn, So wär'n wir allzumal verlorn; Das heil ist unser aller. Ei! du süßer Jesu Christ! Daß du mensch geboren bist, Behüt uns vor der hölle. Martin Luthers sehr boten. Erfuhren neue mähre Von den Wie christ engelischen schaarn, geboren wäre, Ein könig üb'r all' könig groß. Herod's die red' gar verdroß, Aussandt er seine Ei! wie gar ein falsche list Erdacht er wider Jesum Christ, Die kindlein ließ er tödten. 3. Als die sonn durchscheint das glas Mit ihrem klaren scheine, Und doch nicht versehret das, So merfet allgemeine: 3u gleicher weis geboren ward Von einer jungfrau rein und zart Gottes sohn, der werthe. In ein krippen ward er gelegt, Große marter für uns trägt Allhier auf dieser erden. 4. Die hirten auf dem felde war'n, 691. Vom himmel hoch da bring euch gute neue mähr, Der guten mähr bring ich so viel, Da von ich sing'n und sagen will. 2. Euch ist ein kindlein heut geborn Von einer jungfrau auserEin kindlein, so zart kohrn, und fein, Das sollt eu'r freud und wonne sein. 3. Es ist der herr Christ, unser gott, Der will euch führ'n aus aller noth; Er will eu'r heiland selber seyn, Von allen sünden machen rein. 4. Er bringt euch alle seligkeit, Die gott der vater hat bereit, Daß ihr mit uns im himmelreich Sollt leben nun und ewiglich. 5. So merket nun das zeichen recht, Die krippen, windelein fo schlecht; Da findet ihr das find gelegt, Das alle welt erhält und trägt. 6. Deß laßt uns alle fröhlich seyn, Und mit den hirten gehn hinein Zu sehen, was gott hat bescheert, mit seinem lieben sohn verehrt. 7. Merk auf, mein herz! und sich dort hin, Was liegt dort in dem trippelein? Weß ist das schöne kindelein? Es ist das liebe Je fulein. 8. Bist willkommen, du edler gast! Den fünder nicht verschmähet hast, Und kömmst ins elend her zu mir; Wie soll ich immer danken dir? 9. Ach herr! du schöpfer aller ding! Wie bist du worden so ge ring, Daß du da liegst auf dür rem gras, Davon ein rind und esel aß! sämmtliche Lieder. 10. Und war die welt vielmal so weit, Von edelg'stein und gold bereit, So wär sie dir doch viel zu klein, zu seyn ein enges wiegelein. 11. Der sammet und die feide dein Das ist grob hen und winde lein, D'rauf du könig so groß und reich Herprangst, als wärs dein himmelreich. 12. Das hat also gefallen dir, Die wahrheit anzuzeigen mir, Wie aller welt macht, ehr und gut Vor dir nichts gilt, nichts hilft, noch thut. 13. Ach! mein herzliebes Jesulein! Mach dir ein rein sanft bette: lein, 3u ruhn in meines herzens schrein, Daß ich nimmer vergeffe dein. 14. Davon ich allzeit fröhlich fey, Zu springen, singen immer frei Das rechte susannine schon Mit Herzens lust und süßem ton. 15. Lob, ehr sey gott im höchsten thron, Der uns schenkt ſeinen eingen sohn! Deß freuet sich der engel schaar, Und singen uns solchs neues jahr. 367 recht, Ihr seyd nun worden gott's geschlecht; Deß danket gott in ewigkeit Geduldig, fröhlich allezeit. 2. 3u bethlehem in Davids stadt, Wie Micha das verkündigt hat: Er ist der herre Jesus Christ, Der euer aller heiland ist. 693.Christum wir sollen loben schon, Der retnen magd marien sohn, So weit die liebe sonne leucht't, Und an aller welt ende reicht. 2. Der selge schöpfer aller ding Zog an einen knechtsleib gering, Daß er das fleisch durchs fleisch erwürb, Und sein geschöpf nicht all's verdürb'. 4. Das züchtig haus des herzens zart Gar bald ein tempel gottes ward, Die kein mann rühret, noch erkannt, Von gott's wort man sie schwanger fand. 5. Die edle mutter hat geborn, Den gabriel verhieß zuvorn, Den fanct Johann's mit springen zeigt, Da er noch lag im mutterleib. 6. Er lag im heu mit armuth om himmel Die ihn nicht 692.Vengel schaat, Erschien verbroß; Es war ein kleine milch den hirten offenbar, Sie sagten ihn'n: ein kindlein zart Das liegt dort in den krippen hart. sein speif, Der nie kein vöglein hungern ließ. 7. Dès himmels chör sich freuen drob, Und die engel singen gott lob; Den armen hirten wird vermeldt Der hirt und schöpfer aller welt. 3. Die göttlich gnad vom himmel groß Sich in die keusche mutter goß; Ein mägdlein trug ein heimlich pfand, Das der natur war unbekannt. 8. Lob, ehr und dank sey dir gesagt, Christ, gebor'n von der reinen magd, Mit vater und dem beilgen geist, Von nun an bis in ewigkeit! Amen. 3. Deß sollt ihr alle fröhlich seyn, Daß gott mit euch ist worden ein; Er ist geborn eur fleisch und blut, Eur bruder ist das ewge gut. 4. Was kann euch thun die sünd und tod? Ihr habt mit euch den wahren gott; Laßt zürnen teufel und die höll, Gott's sohn ist wor den eur gesell. 5. Er kann und will euch lassen 694. Was fürchtst du feind nicht, Setzt nur auf ihn eur zu versicht. Es mögen euch viel fechten an; Dem sey troß, der's nicht lassen kann. herodes sehr, Daß uns geboren kömmt Christ, der herr? Er sucht kein sterblich königreich, Der zu uns bringt sein himmelreich. 6. Bulegt müßt ihr doch haben 2. Dem stern die weisen folgten Auf das Fest der Erscheinung Chrifti. 368 Des seligen D. nach, Solch licht zum rechten licht fie bracht; Sie zeugten mit den gaben drei, Dies kind gott, mensch und könig sey. 3. Die tauf im jordan an sich nahm Das himmelische gotteslamm, Dadurch, der nie kein' sünde that, Von sünden uns gewaschen hat. 4. Ein wunderwerk da neu geschah, Sechs steinern früge man da sah Voll waffer, das verlor sein art, Rother wein durch sein wort draus ward. 5. Lob, ehr' und dank sey dir gesagt, Chrift, gebor'n von der reinen magd, Mit vater und dem heilgen geist, Von nun an bis in ewigkeit! Amen. 696.Christ ist erstanden Von der marter alle; Deß sollen wir alle froh seyn, Christ Kyrie, will unfer trost seyn. eleison! den, Für unsre fünd' 2. Wär er nicht erstanden, So wär die welt vergangen; Seit daß er erstanden ist, So lob'n wir den herrn Jefum Christ. Kyrie, eletson! Von der Auferstehung Sesu. 695. Christ lag in todesban gegeben, Der ist wieder erstanden, Und hat uns bracht das leben. Deß wir sollen fröhlich seyn, Gott loben und dankbar seyn, Und singen hallelujah. Hallelujah! 2. Den tod niemand zwingen kunnt Bei allen menschenkindern, Das macht alles unsre fünd', Kein unschuld war zu finden; Davon at der tod so bald, und nahni kam über uns gewalt, Hielt uns in fein'm reich gefangen. Hallelujah! 3. Jesus Christus, gottes sohn, An unfer statt ist kommen, Und hat die fünde abgethan, Damit dem tod genommen All' sein recht und sein' gewalt, Da bleibet nichts denn tod'sgestalt, Den stach'l hat er verloren. Hallelujah! 4. Es war ein wunderlicher krieg, Da tod und leben rungen, Das leben behielt den sieg, Es hat den tod verschlungen. Die schrift hat verkündigt das, Wie ein tod den andern fraß, Ein spott aus d'm tod ist worden. Hallelujah! Martin Luthers dem tode für; Der würg'r kann uns nicht rühren. Hallelujah! 6. So feiern wir das hohe fest Mit Herzens freud' und wonne, Das uns der herr erscheinen läßt; Er ist selber die sonne, Der durch seiner gnaden glanz, Erleuchtet unsre Herzen ganz, Der sünd'n nacht ist vergangen. Hallelujah! 7. Wir essen hier und leben wohl In rechten ofterfladen, Der alte sauerteig nicht soll Seyn bei dem wort der gnaden; Christus will die koste seyn, Und speisen die seel' allein, Der glaub' will kein's andern leben. Hallelujah! 5. Hier ist das rechte osterlamm, Davon gott hat geboten, Das ist an des kreuzes stamm In heißer lieb gebraten, Deß blut zeichnet unsre thür, Das hält der glaub' jah! Deß sollen wir alle froh ſeyn, 3. Allelujah! Allelujah! AlleluChrist will unser trost seyn. Kyrie, eleiſon! 697. Jehiland, der den tod esus überwand, Ist auferstanden, Die sünd' hat er gefangen. Kyrie, eleison! 2. Der ohn' sünde war geboren, Trug für uns gottes zorn, Hat uns versöhnet, Daß uns gott fein' huld gönnet. Kyrie, eleiſon! 3. Tod, sünd', teufel, leben und gnad, All's in händen er hat; Er kann erretten Alle, die zu ihm treten. Kyrie, eleison! Vom heiligen Geiste. 698. Komm, heiliger geiſt, herre gott! Erfüll' mit deiner gnaden gut Deiner gläubigen herz, muth und sinn, Dein brünstig' lieb' entzünd' in ihn'n. O herr! durch deines lichtes glanz Zu dem glauben versammlest ganz sämmtliche Lieder. Das volk aus aller welt zungen; Das sey dir, herr! zu lob gejungen. Hallelujah, hallelujah! 2. Du heiliges licht, edler hort! Laß uns leuchten des lebens wort, Und lehr recht Von Herzen vater ihn nennen. herr! behüt für fremder lehr, Daß wir nicht meister fuchen mehr, Denn Jesum Christ, mit rechten glauben, Und ihm aus ganzer macht vertrauen. Hallelujah, hallelujah! 3. Du heilige brunst, süßer trost! Nun hilf uns fröhlich und getroft In deinem dienst beständig bleiben, Die trübfal uns nicht abtreiben. herr! durch dein' fraft uns bereit, Und stärk' des fleisches blödigkeit, Daß wir hier ritterlich ringen, Durch tod und leben zu dir dringen. Hallelujah, Hallelujah! 699. Komm, gott schöpfer, heiliger geist! Besuch das Herz der menschen dein, Mit gnaden sie füll, wie du weißt, Daß dein geschöpf vorhin sey. 2. Denn du bist der tröster genannt, Des allerhöchsten gabe theur, Ein geistlich falb an uns gewandt, Ein lebend brunn, lieb' und feu'r. 3. Zünd uns ein licht an im verstand, Gieb uns ins herz der liebe brunst, Das schwach' fleisch in uns, dir bekannt, Erhalt fest deine gnad und gunst. 4. Du bist mit gaben siebenfalt, Der fing'r an gottes rechter hand; Des vaters wort giebst du gar bald Mit zungen in alle land. 5. Des feindes list treib von uns fern, Den fried schaff bei uns deine gnad, Daß wir dein'm leiten folgen gern, Und meiden der feelen schad. 6. Lehr uns den vater kennen wohl, Dazu Jesum Christ, seinen sohn, Daß wir des glaubens werden voll, Dich beider geist zu verz stohn. 7. Gott vater sey lob, und dem sohn, Der von den todten aufer369 stund, Dem tröster sey daffelb' ge= than In ewigkeit alle stund! Vom Worte Gottes. 700. herre gott! bein göttlich wort lang verdunkelt blieben, Bis durch dein' gnad' uns ist geſagt, Was Paulus hat geschrieben, und andere Apostel mehr, Aus dein'm göttlichen munde; Deß dank'n wir dir Mit fleiß, daß wir Erlebet han die stunde. 2. Daß es mit macht an tag iſt bracht, Wie klärlich ist vor augen. Ach gott, mein herr! erbarm dich der'r, Die dich noch jetzt verleugnen, Und achten sehr Auf menschenlehr, Darin sie doch verder= ben; Dein's wort verstand Mach ihn'n bekannt, Daß sie nicht ewig sterben. 3. Willt du nun fein gut christe seyn, So mußt du erstlich gläuben, Se'n dein vertraun, darauf fest baun Hoffnung und lieb im glauben, Allein durch christ, Zu aller frist; Dein'n nächsten lieb darneben, Das g'wissen frei, Rein herz dabei, Das kein' treatur kann geben. 4. Allein, herr! du mußt solches thun Doch gar aus lauter gnaden. Wer sich des tröst't, der ist erlöst, und kann ihm niemand schaden. Ob wollten gleich Papst, kaiser, reich Sie und dein wort vertreiben, Ist doch ihr' macht Geg'n dich nichts g'acht't, Ste werd'ns wohl laffen bleiben. 5. Hilf, herre gott! in dieser noth, Daß sich die auch bekehren, Die nichts betracht'n, dein wort veracht'n Und wollens auch nicht Lehren. Sie sprechen schlecht, Es sey nicht recht, und habens nie gelesen, Auch nie gehört Das edle wort; Ists nicht ein teuflisch wesen? 6. Ich glaub' g'wiß gar, daß es sey wahr, Was Paulus uns thut schreiben; Es muß geschehn, daß all's vergehn, Dein göttlich wort Aa 370 Des seligen D. Martin Luthers. foll bleiben In ewigkeit, Wär' es auch leid Viel hart verstockten herzen; Kehr'n sie nicht um, Werden sie drum Leiden gar große schmerzen. 7. Gott ist mein herr, so bin ich der, Dem sterben kömmt zu gute, Dadurch uns haft aus aller last Erlös't mit deinem blute; Deß dank ich dir, Drum wirst du mir Nach dein'r verheißung geben, Was ich dich bitt', Versag' mirs nicht Im tod und auch im leben. 8. Herr! ich hoff' je, du werdest die In keiner noth verlaffen, Die dein wort recht als treue knecht 702.68 spricht der unweisen mund herz'n und glauben faffen. Giebst ihn'n bereit Die feligkeit Und läff'st sie nicht verderben. O herr! durch dich, Bitt ich, laß mich Fröhlich und willig sterben. 701. gott! vom Himmel sieh darein, Und laß dich deß erbarmen, Wie wenig sind der heil'gen dein, Verlaffen sind wir armen! Dein wort man läßt nicht haben wahr, Der glaub ist auch verloschen gar, Bei allen menschenkindern. 2. Sie lehren eitel falsche list, Was eigen wiß erfindet, Ihr herz nicht eines finnes ist, In gottes wort gegründet; Der wählet dies, der andre das, Sie trennen uns ohn alle maaß, Und gleissen schön von auffen. 3. Gott woll' ausrotten alle lahr, Die falschen schein uns lehren, Darzu ihr zung stolz offenbar Spricht: trop! wer wills uns wehren? Wir haben recht und macht allein, Was wir setzen, das gilt gemein; Wer ist, der uns soll meiſtern? benmal Bewährt wird lauter funden; An gottes wort man warten soll Desgleichen alle stunden. Es will durchs kreuz bewähret seyn, Da wird erkannt sein' kraft und schein, Und leucht't stark in die lande. 4. Darum spricht gott: ich muß auf seyn, Die armen sind zerstöret, Ihr seufzen dringt zu mir herein, Ich hab ihr klag' gehöret; Mein heilsam wort soll auf dem plan Getrost und frisch sie greifen an, Und seyn die kraft der armen. 5. Das silber durchs feu'r sie6. Das wollst du, gott! bewahren rein Vor diesem arg'n geschlechte, Und laß uns dir befohlen seyn, Daß sichs in uns nicht flechte; Der gottlos' hauf sich umHer find't, Wo diese böse leute sind, In deinem volk erhaben. rechten gott wir meinen; Doch ist ihr herz unglaubensvoll, Mit that sie ihn verneinen. Ihr wesen ist verderbet zwar, Vor gott iſt es ein gräuel gar, Es thut ihr keiner kein gut. 2. Gott selbst vom himmel sab herab Auf alle menschenkinder, Zu schauen sie er sich begab, Ob er jemand möcht' finden, Der sein'n verstand gerichtet hätt', Mit ernſt nach gottes worten thät, Und fragt nach seinem willen. 3. Da war niemand auf rechter bahn, Sie war'n all' ausgeschritten, Ein jeder ging nach seinem wahn, Und hielt verlorne sitten; Es thät ihr keiner doch kein gut, Wiewohl gar viel betrog der muth, Ihr thun sollt' gott gefallen. 4. Wie lang' wollen unwissend seyn, Die solche müh aufladen, Und fressen dafür das volk mein, Und nähr'n sich mit sein'm schaden? Es steht ihr trauen nicht auf gott, Sie rufen ihn nicht in der noth, Sie woll'n sich selbst versorgen. 5. Darum ist ihr herz nimmer still, Und steht all'zeit in fürchten; Gott bei den frommen bleiben will, Den sie mit glaub'n g'horchen. Ihr aber schmäht des armen rath, Und höhnet alles, was er sagt, Daß gott sein trost ist worden. 6. Wer soll Israel dem armen Zu zion heil erlangen? Gott wird sämmtliche Lieder. 371 sich sein's volks erbarmen, Und dein, Und wo dein hand ihn'n lösen die gefangnen; er thun durch seinen sohn, Davon wird Jacob wonne han, Und Israel sich freuen. Das wird dienen kann; So wirst du langes leben han. Kyrie, eleison! 6. Du sollst nicht tödten zorniglich, Nicht Haffen, noch selbst rächen dich, Geduld haben und fanften muth, Und auch dem feind thun das gut. Kyrie, eleison! 7. Dein eh sollt du bewahren rein, Daß auch dein herz kein ander mein, Und halten keusch das leben dein Mit zucht und mäßigfeit fein. Kyrie, eleiſon! 8. Du sollt nicht stehlen geld noch gut, Nicht wuchern jemands schweiß noch blut; Du sollt aufthun dein milde hand Den armen in deinem land. Kyrie, eleison! 9. Du sollt kein falscher zeuge seyn, Nicht lügen auf den nächsten dein, Sein unschuld sollt auch retten du, Und seine schand' dekken zu. Kyrie, eleison! 703.Menich willt du leben seliglich, Und gott bleiben ewiglich, Sollt du halten die zehn gebot, Die uns gebeut unser gott. Kyrie, eleison. 2. Dein gott und herr allein bin ich, Kein ander gott soll irren dich; Trauen soll mir das herze dein, Mein eigen reich sollt du seyn. Kyrie, eleison. 3. Du sollt mein'n namen ehren schon, Und in der noth mich rufen an; Du sollt heil'gen den sabbathtag, Das ich in dir wirken mag. Kyrie, eleison. 4. Dem vater und der mutter dein Sollt du nach mir gehorsam seyn, Niemand tödten, noch zornig seyn, Und deine eh halten rein. Kyrie, eleiſon. 5. Du sollt ein'm andern steh len nicht, Auf niemand falsches zeugen nicht, Deines nächsten weib nicht begehr'n, Und all sein's guts gern entbehr'n. Kyrie, eleison. 704.Dies sind die heil'gen zehn gebot, Die uns gab unser herre gott Durch Mosen seinen diener treu, Hoch auf dem berge sinai. Kyrie, eleison! 2. Ich bin allein dein gott und herr, Kein götter sollt du haben mehr, Du sollt mir ganz vertrauen dich, Von Herzen grund lieben mich. Kyrie, eleison! 3. Du sollt nicht führen zu unehr'n Den namen gottes, deines herrn; Du sollt nicht preisen recht und gut, Ohn was gott selbst red't und thut. Kyrie, eleison! 4. Du sollt heilgen den sieb'nten tag, Daß du und dein haus ruhen mag; Du sollt von dein'm thun laffen ab, Daß gott sein werk in dir hab. Kyrie, eleison! 5. Du sollt ehr'n und gehorsam seyn Dem vater und der mutter 10. Du sollt dein's nächsten weib und haus Begehren nicht, noch etwas draus; Du sollt ihm wünschen alles gut, Wie dir dein herz felber thut. Kyrie, eleison! 11. Die g'bot all uns gegeben find, Daß du dein sünd, o menschenkind! Erkennen sollst und lernen wohl, Wie man vor gott recht leben soll. Kyrie, eleison! 12. Das helf uns der Herr Jesus Christ, Der unser mittler worden ist; Es ist mit unserm thun verlor'n, Verdienen doch nur eitel zorn. Kyrie, eleison. Von der christlichen Kirche. 705.6in' in' feste burg ist unser gott, Ein' gute wehr und waffen; Er hilft uns fret aus aller noth, Die uns jetzt hat betroffen. Der alte böse feind, Mit ernst ers jetzt meint, Groß macht und viel list Sein' grausam rüstung ist, Auf erd ist nicht seins gleichen. 2 Mit unsrer macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald verloren; Es streit't für uns der rechte mann Den gott selbst hat Aa 2 Des seligen D. erkohren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, Der Herr zebaoth, Und ist kein andrer gott, Das feld muß er behalten. 372 3. Und wenn die welt voll teufel war, Und wollt'n und gar ver: 707. Erhalt uns, herr, bei fürchten uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen. Der fürst dieser welt, Wie fau'r er sich stellt, Thut er uns doch nicht; Das macht, er ist gericht't, Ein wörtlein kann ihn fällen. deinem Und steur des papst und türken mord, Die Jesum Christum, deinen sohn, Stürzen wollen von seinem thron. 2. Beweis' dein' macht, herr Jesu Christ! Der du herr aller herren bist, Beschirm dein' arme christenheit, Daß sie dich lob in ewigkeit. 3. Gott heilger geist, du tröster werth! Gieb dein'm volk einerlei sinn auf erd, Steh bei uns in der letzten noth, G'leit uns ins leben aus dem tod. D. Justi Jonä Zusat. 4. Ihr anschläg, herr, zu nichte mach, Laß sie treffen die böse sach, und stürz sie in die grub' hinein, Die sie machen den christen dein. 4. Das wort sie sollen lassen stahn Und kein'n dank dazu haben; Er ist bei uns wohl auf dem plan Mit seinem geist und gaben. Nehmen sie uns den leib, Gut, ehr, find und weib, Laß fahren dahin, Sie habens kein gewinn, Das reich muß uns doch bleiben. 5. Preis, lob und ehr dem höchsten gott, Dem vater aller gnaden! Der uns aus lieb gegeben hat Sein'n sohn für unsern schaden; Dem tröster, heilgen geist, Von sünd'n er uns reißt, Zum reich gottes heischt, Den weg zum himmel weist, Der helf uns fröhlich! Amen. 706. 8 woll' uns gott genädig seyn, Und seinen segen geben, Sein antliß uns mit hellem schein Erleucht't zum ewgen leben, Daß wir erkennen feine werk, Und was ihn liebt auf erden, Und Jefu Christi heil und stärk Bekannt den heiden werden; Und sie zu gott bekehren. 2. So danken gott und loben dich Die heiden überalle, Und alle welt die freue fich Und sing mit großem schalle, Daß du auf erden richter bist, und läßt die fünd' nicht walten, Dein wort die hut und weide ist, Die alles volk erhal ten, In rechter bahn zu wallen. Martin Luthers Uns fegne gott der heilge geiſt, Dem alle welt die ehre thut, Vor ihm sich fürchte allermeist! Nun sprecht von Herzen: Amen. 3. Es danke, gott! und lobe dich Das volk in guten thaten; Das land bringt frucht und bessert sich, Dein wort ist wohl gerathen. Uns segne vater und der sohn, 5. So werden sie erkennen doch, Daß du, uns'r herr gott, lebest noch, Und hilfst gewaltig deiner schaar, Die sich auf dich verlassen gar. 708.Wär är gott nicht mit uns diese zeit, So soll Israel sagen, Wär gott nicht mit uns diese zeit, Wir hätten müss'n verzagen, Die so ein armes häuflein sind, Veracht't von so viel menschenkind, Die an uns setzen alle. 2. Auf uns ist so zornig ihr sinn; Wo gott das hätt zugeben, Verschlungen hätten sie uns hin Mit ganzem leib und leben; Wir wär'n als die ein fluth ersäuft, Und über die groß waffer läuft, Und mit gewalt verschwemmet. 3. Gott lob und dank, der nicht zugab, Daß ihr schlund uns möcht fangen! Wie ein vogel des stricks kömmt ab, Ist unsre seel entgangen; Strick ist entzwei und ich bin frei, Des herren name steh uns bei, Des gotts himmels und erden. sämmtliche Lieder. 373 verzur Von der Taufe. 709.65 hrist, unser herr, zum heiligkeit, All sein thun ist loren, Die erbsünd machts nichtigkeit, Darin er ist geboren, Vermag ihm selbst nichts helfen. jordan kam Nach feines vaters willen, Von sanct 7. Das aug' allein das waffer Johann's die taufe nahm, Sein sieht, Wie menschen wasser gießen; werk und amt zu' rfüllen; Da Der glaub im geist die kraft ver wollt er stiften uns ein bad, zu steht Des blutes Jesu Christi. waschen uns von sünden, fen auch den bittern tod fein selbst blut und wunden; Es galt ein neues leben. Ersäu-. Und ist vor ihm ein' rothe fluth Durch Von Christi blut gefärbet, Die allen schaden heilen thut, Von Adam her geerbet, Auch von uns selbst begangen. 2. So hört und merket alle wohl, Was gott selbst heißt die taufe, Und was ein christe gläuBom heiligen Abendmahl. ben soll, zu meiden keßerhaufen; 710. Gott sey gelobet und spricht und will, fey, Doch nicht allein schlecht was fer, Sein heiligs wort ist auch dabei Mit reichem geist ohn maaßen, Der ist allhier der täufer. Der uns selber hat gespeiset Mit sei nem fleische und mit seinem blute! Das gieb uns, herr gott, zu gute. Kyrie, eleifon! Herr! durch deinen heiligen leichnam, Der von deiner mutter Maria kam, Und das heilige blut, Hilf uns, herr! aus aller noth. Kyrie, eleison! 2. Der heilige leichnam ist für uns gegeben Zum tod, daß wir dadurch leben; Nicht größer güt könnt er uns schenken, Dabei wir sein soll'n gedenken. Kyrie, eletson! Herr! dein lieb so groß dich gezwungen hat, Daß dein blut an uns groß wunder that, Und be= zahlt unsre schuld, Daß uns gott ist worden huld. Kyrie, eleison! 3. Solchs hat er uns bewiesen klar Mit bildern und mit worten. Des vaters stimm' man offenbar Daselbst am Jordan hörte; Er sprach: das ist mein lieber sohn, An dem ich hab gefallen, Den will ich euch befohlen han, Daß ihr ihn höret alle, Und folget seiner lehre. 4. Auch gottes fohn hier selber steht In seiner zarten menschheit, Der heilge geift hernieder fährt In taubenbild verkleidet; Daß wir nicht sollen zweifeln dran, Wenn wir getaufet werden, All drei person'n getaufet han, Damit bei uns auf erden Zu wohnen sich ergeben. 5. Sein jünger heißt der herre Christ: Geht hin, all' welt zu lehren, Daß sie verlor'n in fünden ist, Sich soll zur buße kehren; Wer gläubet und sich taufen läßt, Soll dadurch selig werden, Ein neugeborner mensch er heißt, Der nicht mehr könne sterben, Daß erben. 3. Gott geb uns allen seinen gnadensegen, Daß wir gehn auf seinen wegen In rechter lieb und brüderlicher treue, Daß uns die speis nicht gereue. Kyrie, eleison! Herr! dein heilger geist uns nimmer laß, Der uns geb zu halten rechte maaß, Daß deine arme christenheit Leb in fried und einigkeit. Kyrie, eleisſon! Joh. Huß Lied, verbessert durch D. M. Luther. unser 6. Wer nicht glaubt dieser gro. 711.Jheiland, Der von uns bleibt in feinen Ben gnad, Der fünden, und ist ew'gen tod, Tief in der höllen grunde; Nichts hilft sein eigen verdammt zum den gottes zorn wandt, Durch das bittre leiden sein Half er uns aus der höllen pein. Des seligen D. Martin Luthers 374 2. Daß wir nimmer deß vergesfen, Gab er uns sein'n leib zu essen, Verborgen im brod so klein, Und zu trinken sein blut im wein. 3. Wer sich zu dem tisch will machen, Der hab wohl acht auf seine sachen; Wer unwürdig hinzu geht, Für das leben den tod empfäht. 4. Du sollt gott den vater preisen, Daß er dich so wohl thut speisen, Und für deine missethat In den tod sein'n sohn gegeben hat. 5. Du sollt gläuben und nicht wanken, Daß ein' speise sey der kranken, Den'n ihr herz von sünden schwer Und für angst ist betrübet sehr. 6. Solch groß gnad und barmherzigkeit Sucht ein herz in großer arbeit; Ist dir wohl, so bleib davon, Daß du nicht kriegst bösen lohn. 7. Er spricht selber: kommt ihr armen, Laßt mich über euch erbarmen; Kein arzt ist dem starken noth, Sein' kunst wird an ihm gar ein spott. 8. Hättst du dir was könn'n erwerben, Was dürft ich dann für dich ſterben? Dieser tisch auch bir gilt, So du dir helfen willt. 9. Gläubst du das von herzensgrunde, Und bekennests mit dem munde, So bist du recht wohl geschickt, und die speis' dein seel' erquickt. 10. Die frucht soll auch nicht ausbleiben, Deinen nächsten sollt du lieben, Daß er dein genießen kann, Wie dein gott an dir hat gethan. Von der Buße. und gunst, Die fünde zu vergeben, Es ist doch unser thun umsonst Auch in dem besten leben. Vor dir niemand sich rühmen kann, Deß muß sich fürchten jedermann Und deiner gnade leben. 3. Darum auf gott will hoffen ich, Auf mein verdienst nicht bauen, Auf ihn mein herz soll lassen sich Die mir Und seiner güte trauen, zusagt sein werthes wort; Das ist mein trost und treuer hort, Deß will ich allzeit harren. erhör mein rufen, Dein gnädig ohr wend her zu mir, Und met ner bitt sie öffen; Denn so du willt das sehen an, Was sünd' und unrecht ist gethan, Wer kann, herr! vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts denn gnad 4. Und ob es währt bis in die nacht, Und wieder an den morgen; Doch soll mein Herz an gottes macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. So thu, Israel rechter art, Der aus dem geist erzeuget ward, und seines gotts erharre. 5. Ob bei uns ist der sünden viel, Bei gott ist viel mehr gnade, Sein' hand zu helfen hat kein ziel, Wie groß auch sey der schade; Er ist allein der gute hirt, Der Israel erlösen wird aus seinen sünden allen. 2. Geheiligt werd der name dein, Dein wort bei uns hilf halten rein, Daß wir auch leben heiliglich Nach deinem namen würdiglich. Behüt uns, herr! vor falscher lehr', Das arm' verführte volk bekehr. 3. Es komm dein reich zu dieser zeit und dort hernach in ewigkeit, Der heilge geist uns wohne bei err Des [ us tiefer noth schrei satans zorn und groß gewalt Zerbrich, vor ihm dein' kirch' erhalt. 4. Dein will gescheh, herr gott! zugleich Auf erden wie im himmelreich; Gieb uns geduld in leidenszeit, Gehorsam seyn in lieb und leid; Wehr und steur' allem fleisch Vom Gebet. 713.Pater unfer im himmelreich, uns alle heißest gleich Brüder seyn und dich rufen an, Und willst das be ten von uns han! Gieb, daß nicht bet allein der mund, Hilf, daß es geh von herzensgrund. sämmtliche Lieder. und blut, Das wider deinen willen thut. 5. brod, Gieb uns heut unser täglich Und was man darf zur leibesnoth; B'hüt uns, herr! für unfried und streit, Für feuchen und für theurer zeit. Daß wir in gutem friede stehn, Der sorg' und geizes müssig gehn. 6. All' unsre schuld vergieb uns herr! Daß sie uns nicht betrübe mehr, Wie wir auch unsern schul digern Ihr' schuld und fehl verge ben gern; Zu dienen mach uns all' bereit, In rechter lieb' und einigkeit. 7. Führ uns, herr! in versuchung nicht, Wenn uns der böse feind ansicht, Zur linken und zur rechten hand Hilf uns thun starken widerstand, Im glauben fest und wohlgerüst't, und durch des heil'gen geistes trost. 8. Von allem übel uns erlöf, Es sind die zeit und tage böf'; Erlös' uns von dem ew'gen tod, Und tröst uns in der letzten noth, Bescher' uns all'n ein selges end', Nimm unsre seel' in deine händ. 9. Amen! das ist, es werde wahr; Stärk' unsern glauben immerdar, Auf daß wir ja nicht zweifeln dran, Was wir hiemit gebeten han; Auf dein wort, in dem namen dein, So sprechen wir das amen fein. Te Deum laudamus. Berdeutscht durch D. Martin Luther. 375 cherubim und seraphim, Singen immer mit hoher stimm': Heilig ist unser gott; Heilig ist unser gott! Heilig ist unser gott! Der Herre zebaoth! Dein göttlich macht und herrlichkeit Geht über himmel und erde weit. Der heiligen zwölf boten zahl, Und die lieben propheten all, Die theuren märt'rer allzumal Coben dich, herr! mit großem schall. Die ganze werthe christenheit Rühmt dich auf erden allezeit; Dich, gott vater, im Höchsten thron, Deinen rechten und ein'gen sohn, Den heilgen geiſt und tröster werth, Mit rechtem. dienst sie lobt und ehrt. Täglich, herr gott! wir loben dich, Und ehr'n dein'n namen stetiglich. Behüt uns heut, o treuer gott! Für aller sünd und missethat. Sey uns gnädig, o herre gott Sey uns gnädig in aller noth. Zeig' uns deine barmherzigkeit, Wie unsre hoffnung zu dir steht. Auf dich hoffen wir, lieber herr! In schanden laß uns nimmermehr. Amen. 714. Her er gott! wir Bom Glauben und Vertrauen gott! wir! dich danken dir! Dich, gott vater in ewigkeit, Ehret die welt weit und auf Gott. breit. 2ll' engel und himmelsbeer, was Du könig der ehren, Jesu Chrift! Gott vaters ew'ger sohn du biſt. Der jungfrau'n leib nicht hast verschmäht, Zu' rlösen das menschlich geschlecht; Du hast dem tod zerstört sein' macht, Und all christen zum himmel bracht; Du fiz'st zur rechten gottes gleich mit aller ehr' ins vaters reich; Ein richter du zukünftig bist Alles, was todt und lebend iſt. Nun hilf uns, Herr! den dienern dein, Die mit dein'm theur'n blut erlöset seyn. Laß uns im himmel haben theil Mit den heil'gen am ew'gen heil. Hilf deinem volk, herr Jesu Christ! Und segne, was dein erbtheil ist; Wart und pfleg' ihr'r zu aller zeit, Und heb sie hoch in ewigkeit. 715.Mitten wir im leben find Mit dem tod umfangen; Wen such'n wir, der hülfe thut, Daß wir gnad erlangen? Das bist du herr! alleine. Uns reuet unsre misfethat, Die dich, herr! erzürnet hat. Heiliger herre gott! Heiliger starker gott! Heiliger barmherziger heiland! Du Des fel. D. Martin Luthers sämmtliche Lieder. ewiger gott! Laß uns nicht ver- eigen hand dich nähren soll, So finten In der bittern todesnoth. lebst du recht, und geht dir wohl. Kyrie, eleison. 2. Dein weib wird in dein'm hause seyn, Wie ein rebe voll trauben fein, Und deine kind'r um deinen tisch, Wie ölpflanzen gefund und frisch. 3. Steh, so reich fegen hangt dem an, Wo in gottes furcht lebt ein mann! Von ihm läßt der alt' fluch und zorn, Den menschenkindern angeborn. 4. Aus zion wird gott fegnen dich, Daß du wirst schauen stetiglich Das glück der stadt jerusalem, Vor gott in gnaden angenehm. 5. Fristen wird er das leben dein, Und mit güte stets bei dir seyn, Daß du wirst sehen kindeskind, Und daß Israel friede find't. Trost im Tode. 376 2. Mitten in dem tod anficht Uns der höllen rachen; Wer will uns aus solcher noth Frei und ledig machen? Das thust du, herr! alleine. Es jammert dein barm herzigkeit Unser sünd und großes leid. Heiliger herre gott! Heiliger starker gott! Heiliger barmherziger heiland! Du ewiger gott! Laß uns nicht verzagen Für der tiefen höllenglut. Kyrie, eleison. 3. Mitten in der höllenangst Unsre sünd uns treiben; Wo soll'n wir denn fliehen hin, Da wir mögen bleiben? Zu dir, herre christ! alleine. Vergoffen ist dein theures blut, Das gnug für die fünde thut. Heiliger herre gott! Heiliger starter gott! Heiliger barmherziger heiland! Du ewiger gott! Laß uns nicht entfallen Von des rechten 718.Mit fried und frend ich Kyrie, 716. Gott ott der vater! wohn uns bei, Und laß uns nicht verderben; Mach uns aller sünden frei, Und hilf uns felig sterben, Vor dem teufel uns bewahr, Halt uns bei festem glauben, und auf dich laß uns bauen, Aus herzensgrund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, Mit allen rechten christen Entfliehn des teufels listen, Mit waffen gottes uns rüsten. Amen, amen, das sey wahr! So singen wir hallelujah. 2. Jesus Christus! wohn uns bei 2c. 3. Heilger geist! uns wohne bei 2c. 717.W Mohl dem, der in gottesfurcht steht, Und auch auf seinem wege geht! Dein tes willen, Getrost ist mir mein Herz und sinn, Sanft und stille, Wie gott mir verheißen hat; Der tod ist mein schlaf worden. 2. Das macht Christus, wahr'r gottes sohn, Der treue heiland, Den du mich, herr! haft sehen lahn, Und machst bekannt, Daß er sey das leben und heil In noth und auch im sterben. 3. Den hast du allen vorgestellt Mit großen gnaden, Zu seinem reich die ganze welt Heißen laden, Durch dein theuer heilsam wort, An allem ort erschollen. 4. Er ist das heil und selge licht Für die heiden, Zu erleuchten, die dich kennen nicht, Und zu weiden. Er ist deines volkes israel Der preis, ehr, freud und wonne. Gebete zur häuslichen und Privatandacht. 377 1. Gebet, um recht und Gott wohlgefällig zu beten. Mein Gott! So oft ich beten will, und wirklich bete, laß mich erund bedenken, daß wodurch dir, dem höchsten und vollkommensten Wesen, ein besonderer Dienst geschehe, oder dir ein Vortheil und Nutzen, eine höhere Vollkommenheit und Würde zuwachse: sondern daß du mir diese Pflicht bloß um mein selbst willen und zu meinem eigenen Besten anbefohlen haft, und daß das Gebet mir ein Mittel zu meiner eigenen Wohlfahrt, ein Mittel zur Erweckung und Unterhaltung meines Glaubens und meines thätigen Christenthums seyn solle. Laß mich daher jederzeit so beten, daß dieser große Endzweck an meiner Seele erreicht werden kann. Laß mich bedenken, daß ich ein schwaches, ein ohnmächtiges und dürftiges Geschöpf bin, das allein durch dich sein Leben und Daseyn, Vernunft und Kräfte erhalten hat, und ich jedes zeitliche und geistliche Gut, das ich besige, noch immerfort durch deine Weisheit, Allmacht und Güte besize; daß ich also völlig von dir abhange, daß du mein Vater und Schöpfer, mein Wohlthäter und Erhalter, mein Herr und mein Richter bist; daß ich daher verpflichtet bin, dich in allem diesem Betracht findlich zu verehren, alles, was ich bedarf, von dir in Demuth und Glauben zu erbitten und zu erwarten, und, um dies zu können, deine Befehle gewissenhaft zu er füllen, und mich nach deinem Willen zu bilden. D! laß das Gebet mir ein kräftiges Mittel werden, mich stets zu allem Guten zu erwecken. Laß es mir ein Mittel werden, mich in der Furcht vor dir, in der Liebe und Dankbarkeit gegen dich, in dem Vertrauen auf dich, zu stärken; mich in der christlichen Gewissenhaftigkeit, in der Demuth, Reinigkeit und Heiligkeit meines Herzens, in der Liebe gegen meine Nebenmenschen, und in allen Tugenden zu ermuntern und zu befestigen. Lehre mich meine Schwachheit, meine Sündlichkeit und Unvollkommenheit immer mehr erkennen, um mich ernstlich zu bestreben, immer besser und tugendhafter zu werden. Schenke mir den Geiſt des Gebets, daß ich oft und mit Lust vor dich trete, und in der Empfindung der Würde und Ehre, mit dir, dem erhabensten Wesen, als ein niedriges und fündliches Geschöpf reden zu dürfen, mich gern mit dir unterhalte. Erleuchte meinen Verstand, daß ich dich und deine Herrlichkeit immer beffer erkennen und verehren lerne. Bei einem jeden Gebete ziehe du mein Herz zu dir; laß meine Andacht nie durch Leichtsinn, durch Zerstreuung, durch Gedanken an das Irdische gestört und vereitelt werden; mäßige überhaupt in mir die Liebe und den Hang zu irdischen und vergänglichen Dingen, und laß mich nach den wahren und dauerhaften Gütern, nach dem Vorzuge, dir zu ge= fallen und rechtschaffen und fromm zu seyn, immer zuerst und am meisten trachten. Jedes Gute, was ich bedarf, laß mich von dir erbitten, und jede Wohlthat, die du mir schenkest, mit Dankbarkeit erkennen, und dich dafür preisen. Keinen Tag, kein Geschäfte laß mich ohne Gebet anfangen, und keinen Tag und Geschäfte ohne Gebet beschließen, auch mich gewöhnen, bei jeder vorkommenden besondern Veranlassung mein Herz zu dir zu erheben. Gieb, daß die Morgengebete. Uebungen der häuslichen Andacht und des häuslichen Gottesdienstes mir immer leichter, angenehmer und nüßlicher werden, damit ich sie allen sündlichen Ergößungen und kindischen Zeitvertreiben irdischgesinnter Menschen vorziehe, und mich immer mehr an dem vergnügen lerne, was mich ewig erfreuen soll. Erhöre mich, um Jesu Christi, meines Heilandes willen. Amen. 378 2. Morgengebet. Unen nendlicher und allmächtiger Gott! Durch deine Güte bin ich abermal zu diesem Leben erwacht, da ich gestern nicht wissen konnte, ob nicht der Schlaf meines Körpers von dieser Nacht bis an jenen Tag der allgemeinen Erweckung aller Todten dauern würde. Verleihe mir denn nun auch die Gnade, daß ich als ein Mensch, als ein Geschöpf von Vernunft und Nachdenken, erwacht seyn möge; als ein Geschöpf, das dich, den unendlichen Urheber seines Daseyns, erkennen, fürchten und lieben, und von deiner unendlichen, so unverdienten Güte recht tief gerührt seyn kann und soll. Und, o! du Gott von unermeßlicher Erbarmung! Wie kann ich deine gnädige Fürsorge genugsam loben und preisen, die mich, während meines ganzen Lebens und auch in dieser Nacht, vor so mannigfaltigen unglücklichen Zufällen bewahret hat, vor welchen mich sonst nichts, als deine allmächtige und allwissende Regierung bewahren konnte! Erhalte du selbst die Empfindung beständig lebhaft in meiner Seele, daß mein Leben und Kräfte, daß alles, was ich bin und was ich habe, meine Arbeiten und Beschäftigungen, meine Schicksale und Begegnungen, meine zeitliche und ewige Wohlfahrt bloß in deinen Händen stehen, und gänzlich auf deiner allgegenwärtigen Macht, Weisheit und Güte beruhen. Laß mich durch den beständigen Genuß deiner unendlichen, so unverdienten und so unermüdeten Güte auch beständig und kräftig angetrieben werden, mit dankbarer Freudigkeit und kindlichem Gehorsam dieses zeitliche Leben überhaupt, und die besondern Umstände, worein deine gnadenvolle Vorsehung mich gesetzt hat und künftig setzen wird, zur Erfüllung deiner weisen und gütigen Absichten anzuwenden. Hilf, daß ich niemals die Wichtigkeit dieses kurzen und flüchtigen Lebens vergesse, das, bei aller seiner Kürze und Flüchtigkeit, durch die böse oder gute Anwendung desselben mich entweder zu dem allerunwürdigsten und unglücklichsten, oder zu dem edelsten und glücklichsten deiner Geschöpfe machen kann. Laß mich auch insonderheit heute so glücklich seyn, daß ich durch den Beistand deiner Gnade diesen Tag nicht bloß in irdischen Geschäften, noch weniger aber in einer unfruchtbaren Unthätigkeit, in leeren Zerstreuungen und unnüßen Beschäftigungen verliere; sondern daß ich heute die Erkenntniß meines Verstandes und die Empfindungen meines Herzens zu verbessern, und alle Handlungen der Rechtschaffenheit, Wohlthätigkeit, Dienstfertigkeit und Leutseligkeit, wozu ich nur Gelegenheit finden kann, auszuüben bemüht seyn möge. Wenn ich in den Gesellschaften, worein ich etwa heute komme, oder bei andern Gelegenheiten und Vorfällen sehe und höre, daß Wahrheit, Religion und Tugend unterdrückt oder verachtet und verspottet wird; so laß mich ja nicht versäumen, meine Ehrerbietung und Liebe für die Wahrheit mit Verstande, mit menschenfreundlicher Güte und mit männlichem Ernste zu beweisen. Und da du, Allwissender! meine Schwäche im Guten kennest, da in 379 Morgengebete. den verderbten Neigungen meiner Natur, in den Reizungen einer gan zen sinnlichen Welt, in den herrschenden Grundsätzen und Lebensarten des großen Haufens, sowol der angesehensten als unangesehensten Menschen, selbst für die edelste und glücklichste Gemüthsverfassung des Christen so viel Gefährliches liegt; so stärke du meinen Glauben und meine Tugend durch deine Gnade. Erhalte und vermehre in mir die Lebhaftigkeit meiner Ueberzeugungen von meiner so theuren Versöhnung, und die Lebhaftigkeit meiner Erkenntniß und Empfindung, daß Tugend, Rechtschaffenheit und Gutherzigkeit, daß Unschuld des Herzens und des Wandels die wohlthätigsten Wirkungen auf die Ruhe und das Glück der Menschen, sowol für mich als andere, haben. Laß daher meine Einsicht und Empfindung von meiner höchsten und unaufhörlichen Verpflichtung zu dieser Tugend und Reinigkeit meines Herzens und des Wandels, und von ihrer Liebenswürdigkeit und Möglichkeit, durch keine böse Erempel und Grundsätze des Leichtsinns, der Wollust und der Gottvergessenheit geschwächt und vermindert werden. Erbarme dich denn auch, unendlich gütiger Gott und Vater der Menschen! heute aller elenden, unterdrückten und bekümmerten Menschen, wo sie auch immer seyn mögen, und insonderheit auch aller derjenigen, die mir besonders angehören. Bringe sie immer mehr und mehr zur Erkenntniß und Empfindung der Glückseligkeit, deren sie durch Religion und Tugend fähig sind; und segne sie auch im Leiblichen mit allem demjenigen, wovon deine Weisheit sieht, daß es ihnen gut und heilsam ist. Erhöre mein demüthiges Gebet, unendlich liebreicher Gott! nach deiner großen Erbarmung, die du uns in Jesu Christo, deinem Sohne, meinem göttlichen Mittler, geoffenbaret hast. Amen. 3. Ein anderes Morgengebet. Gott ott, Schöpfer und Herr Himmels und der Erden! barmherziger Wohlthäter und Vater der Menschen! Dich bete ich als den Ürheber und Erhalter meines Lebens, als den Gott meines Heils, als die ewige und unerschöpfliche Quelle meiner Glückseligkeit demüthigst an. Dir danke ich mit Freuden für mein Leben, für meine Gesundheit, für meine Kräfte, für alle geistliche und leibliche Vortheile, die ich besize. Dir danke ich insbesondere dafür, daß du mich in dieser Nacht mit deinem mächtigen Schutze bedecket, daß du alle Gefahren, die mir droheten, von mir abgewandt, daß du meinen Leib durch einen sanften Schlaf erquicket, und mir neue Kraft und neues Leben eingeflößet hast. Gott! deine Güte ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Sie übertrifft alle unsere Verdienste unendlich; sie ist weit größer, als daß wir dir jemals genug dafür danken könnten. Wer bin ich, o Gott! wer bin ich, daß du auch mein gedenkest, und dich meiner so väterlich annimmst? Ich bin ein Sünder, der deine heiligen Gesetze übertreten, der deine Wohlthaten öfters gemißbraucht, der sich des schändlichsten Undanks gegen dich schuldig gemacht, und als ein solcher nichts als Ungnade und Strafe verdienet hat. Ja, Herr, wie könnte ich bestehen, wenn du mit mir ins Gericht gehen wolltest! Aber du handelst nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergilst uns nicht nach unsern Missethaten. Noch schonst du meiner, wie ein Vater seines Sohnes schonet. Noch fährst du fort, mich zu segnen und mir Gutes zu thun. Noch willst du mich durch Güte zur Buße leiten. Noch schenkst du mir Zeit und Kräfte, an meiner Bes ferung zu arbeiten und meine Heiligung in deiner Furcht zu voll Morgengebete. enden. Wie beschämt mich deine Güte und Huld, o Gott! wie reuet es mich, daß ich dich, meinen Vater und Wohlthäter, so oft belei diget, und dir den schuldigen Gehorsam verweigert habe! Ach, strafe mich nicht, wie ich es verdienet habe. Sey mir gnädig in Christo, deinem Sohne, und verzeihe mir um seinetwillen alle meine Sünden. Siehe, ich heilige mich dir ganz und gar. Ich verabscheue das Böse, das ich bisher gethan habe; ich wünsche nichts mehr, als immer besser, immer tugendhafter und heiliger zu werden. Ich erneuere hiemit in deiner Gegenwart, o Gott! den aufrichtigen Vorfaß, alle unordentlichen Begierden, die in mir aufsteigen, zu unterdrücken, alle böse Gewohnheiten, die ich noch an mir habe, zu bestreiten, und mich in meinem ganzen Verhalten, nicht nach dem Willen meines Fleisches oder nach dem Beispiele der Lasterhaften, sondern allein nach deinen guten und heiligen Geboten, zu richten. Dir, meinem Schöpfer und Herrn, zu gehorchen, deiner Gnade und deines Beifalls mich zu versichern, nach deinem Bilde erneuert und dadurch deiner seligsten Gemeinschaft fähig zu werden; dies soll meine ernstliche Bemüthung, dies soll meine Ehre, mein Ruhm und meine Glückseligkeit seyn. Ja, ich schwöre es, und will es halten, daß ich deine gerechten, weisen und guten Gebote halten will. O Gott! stehe mir selber mit deiner Gnade bei, diesen guten Vorsatz mit Treue zu erfüllen; denn ohne dich vermag ich nichts. Schenke mir deinen Geiſt, der mich erleuchte, reinige und auf den Weg der Wahrheit und Tugend führe. Bewahre mich auch heute vor allen Versuchungen zur Sünde; und wenn ich versucht werde, so laß mich nicht fallen. Bewahre mich insonderheit vor den Sünden, zu denen ich am meisten geneigt bin; und die noch die größte Gewalt über mich haben. Gieb, daß ich sorgfältig über mich selbst wache, daß ich alle Anlässe und Gelegenheiten zum Bösen fliehe, und jeden sündlichen Gedanken, jede unerlaubte Neigung, die in mir entstehen, unverzüglich unterdrücke. Laß die Vorstellung von deiner Allwissenheit und deiner mich allenthalben umgebenden Gegenwart mich überall begleiten, und mein Herz mit der tiefsten Ehrfurcht vor dir und deinen Gesetzen erfüllen. Laß mich oft an den Tod, an dein zukünftiges Gericht, und an die Ewigkeit ge denken, und dadurch weise werden zur Seligkeit. Erfülle mich mit einer aufrichtigen Liebe gegen alle Menschen, und laß mich meinen Brüdern so nüßlich werden, als es die Fähigkeiten, die du mir verliehen, und die Umstände, in welche du mich gefeßet hast, erlauben. Verleihe mir Gesundheit und Kräfte zu meinen Berufsgeschäften, und begleite fie mit deinem Segen. Gieb, daß ich bei meiner Arbeit mein Herz oft zu dir erhebe, deine Vorsehung in allem, was mir begegnet, demüthig verehre, und weder dem Geize noch der Ungerechtigkeit, noch irgend einem andern Laster, den Zugang zu meiner Seele verstatte. Laß Dir und deiner Gnade, o Gott; empfehle ich alle Menschen. das Licht deiner Offenbarung sich über alle Völker ausbreiten. Wehre dem Unglauben und dem Aberglauben, und erweitere die Grenzen des Reichs der Wahrheit und der Tugend. Segne unsern Landesherrn, und die Obrigkeit, die du über uns geseßet hast. Segne die Lehrer, und laß sie reizende Muster der wahren Weisheit, der Liebe und aller christlichen Tugenden seyn. Segne diese Stadt,( diesen Ort) dieses Land, und alle Einwohner desselben. Segne insbesondere diejenigen, die du durch die Bande des Bluts und der Freundschaft mit mir verbunden hast. Gieb, daß wir alle die Pflichten unsers Berufs treulich 380 Abendgebete. erfüllen, daß wir das allgemeine Beste unserm besondern Nußen vorziehen, und deine Ehre und das Heil unserer unsterblichen Seele zum legten Endzwecke aller unserer Bemühungen machen. Erhöre mich, Vater der Barmherzigkeit! sey mir gnädig um Jesu Christi willen. Amen. 381 4. Abendgebet. Une nendlicher und allgegenwärtiger Gott! So bin ich denn abermals so glücklich, daß ich mich mit Gebet zu dir wenden kann, und daß ich es zu dir, als meinem in Christo versöhnten Vater von unaussprechlicher gnädiger Herablassung und Geduld, mit der kindlichen Zuversicht thun kann, mein demüthiger Dank werde dir bei aller seiner Unvollkommenheit angenehm seyn, und meine flehentliche Bitte erhöret werden. Nun, du Gott der Barmherzigkeit! mit gerührtem Herzen danke ich dir für alle deine Gnade, die du auch heute mir erwiesen hast, daß du mich auch den heutigen Tag unter dem so offenbaren Einflusse deiner gnadenvollen Regierung haft zurücklegen lassen, und daß du mich an demselben vor so vielem Kummer und Elend bewahret hast, das mich in meiner eigenen Person und in meinen Angehörigen hätte treffen können. Insonderheit danke ich dir, erbarmungsvoller Gott!( und o! möchte ich fähig seyn, diesen Reichthum deiner väterlichen Güte recht zu erkennen und zu preisen!) insonderheit danke ich dir, daß ich bei dem Schlusse dieses Tages ein so glückliches Geschöpf bin, daß ich mich durch Christum von deiner Gnade und väterlichen Zufriedenheit versichern kann, und daß selbst meine heutigen Fehler und Verfündigungen mir deine väterliche Liebe und Erbarmung nicht geraubet haben, sondern daß ich ihre Vergebung bei dir durch Christum suchen und erhalten kann. So vergieb mir denn, mein Gott! mein Vater! vergieb mir, nach deiner erbarmenden Liebe zu deinen Menschen, nach der theuren Verheißung meines Erlösers, alles, was ich heute in meinen Pflichten versäumet, oder wo ich aus Flüchtigkeit oder Zerstreuung, oder aus Mangel des schuldigen Eifers im Guten, gefehlet habe. Ja ich weiß, du vergiebst es mir, so gewiß, als ich mit gerührtem und kindlichem buğfertigem Herzen dich durch Jesum Christum darum anflehe, und auf dessen theure Erlösung und deine unendliche Erbarmung allein mein Vertrauen seße. Ewiges Lob, ewiger Preis und Dank sey deiner göttlichen Liebe für die Religion, welche die Versöhnung, welche die Begnadigung undankbarer Sünder predigt, und doch den Sündern keine Ursache zur Leichtsinnigkeit und Sorglosigkeit giebt! Ja, unendlich gütiger Gott! mit innigst gerührtem und dankbarem Herzen und aus eigener freudiger Erfahrung erkenne ich es, daß nur durch die in deinem Worte und durch unfern ewig anbetungswürdigen Erlöser geoffenbarte Religion der Mensch mit Vernunft ruhig seyn würde, daß er nur durch sie ein so gutes und glückliches Geschöpf werden kann, als er nach seiner Natur und nach deinen gütigen Absichten seyn soll; daß er ohne sie nur elend, nie mit Vernunft ruhig seyn würde, und daß er ohne sie nie die Kräfte haben könnte, seine Pflichten so auszuüben, als zu seiner eigenen Glückseligkeit, und zur Wohlfahrt seiner Nebenmenschen unumgänglich nothwendig ist. O! so laß mich gegen deine unaussprechliche Güte, du Gott der Erbarmung! nie so undankbar werden, dies wie der zu vergessen. Erhalte du meine Einsicht und Empfindung von dieser großen und theuren Wahrheit immer lebendig in meiner Seele, Abendgebete. wenn auch noch so viele Menschen, zu ihrem eigenen Unglücke, die Wohlthätigkeit deiner Religion, und den unendlichen Werth deiner Erbarmung in Christo verkennen und unempfindlich dagegen bleiben sollten. Ich erneuere hiemit nochmals meine dankbare Entschließung zur Treue und Folgsamkeit gegen diese Religion und deine darin geoffenbarte Güte. Verlaß mich nicht bei meiner natürlichen Schwachheit, bei den Hindernissen, die mich von allen Seiten umgeben, und bei der Gefahr, worin ich immer noch wegen meiner eigenen Sinnlichkeit bin. Erfezze vielmehr mein Unvermögen durch den kräftigen Einfluß der Erinnerungen und Triebe des Geistes. Ja, gütiger, unendlich gütiger Gott! du erhörst das Gebet deiner Menschen; du kannst es nicht unerhört lassen. Nur in diesem kindlichen Vertrauen, in dieser Empfindung von meiner Glückseligkeit, die ich durch dich, o Gott! und durch deinen eingebornen Sohn, meinen Erlöser, besige, übergebe ich mich dir auch in dieser Nacht, mit allen meinen Angehörigen und Freunden. Sorge für fie und auch für mich, nach deiner väterlichen Erbarmung. Soll ich nach deinem gnädigen Willen noch länger hier leben, so laß mich morgen mit einer dankbaren Empfindung deiner Güte erwachen, und mich den Tag zu der Erfüllung deiner gütigen Absichten anwenden. Sollte ich aber in dieser Nacht dieses Leben der Vorbereitung zur Ewigkeit verlassen; o so vergieb mir, was ich von diesem großen Endzwecke versäumet habe, um Jesu Christi willen, und erfülle deine theure Verheißung, daß du mich um seiner theuren Erlösung willen, ohne mein Verdienst, als völlig be gnadigt annehmen und bei dir ewig selig machen wolleft. Erhöre mich, mein Gott! mein Vater! um Jesu Christi willen. Amen. 5. Ein anderes Abendgebet. 382 ch freue mich deiner Güte, o Gott! und komme mit Danken vor I Seder jede Stunde, jeder Augenblid meines Lebens giebt mir neue Beweise von deiner väterlichen Huld und Gnade, und legt mir neue Verpflichtungen zur Dankbarkeit und zum Gehorsam gegen dich, meinen Vater und Wohlthäter, auf. Auch heute hast du dich an mir Unwürdigen nicht unbezeugt gelassen. Auch heute hast du mir, in allen Absichten, viel Gutes gethan. Wie viele be kannte und unbekannte Gefahren und Uebel hast du durch deine gnädige Vorsehung von mir abgewandt! Vor wie vielen Sünden, die unter allen Uebeln die größten sind, hast du mich Schwachen bewahret! Wie viel geistliche und leibliche Wohlthaten habe ich aus deiner freigebigen Hand empfangen! Womit soll ich dir, dem Herrn, alle das Gute vergelten, was du an mir gethan hast? Nimm meinen Leib und meine Seele zum Opfer hin. Sie sind dein, und deinem Dienste, deiner Verherrlichung sollen sie auf ewig geheiligt seyn. Möchte nur mein Eifer, dir zu gefallen, beständiger, möchte der Ge horsam, den ich dir leiste, reiner und vollkommener seyn! Aber, o mein Gott, wie weit bin ich noch von dem Ziele der christlichen Voll kommenheit entfernt! Wie vieler Nachlässigkeit und Trägheit im Guten, wie vieler Vergehungen und Fehler muß ich mich täglich vor deinem Angesichte beschuldigen! Habe ich wol den vergangenen Tag in allen Absichten so zugebracht, wie es einem vernünftigen Geschöpfe, einem Christen, einem Erben der zukünftigen Herrlichkeit anständig ist? Habe ich in deiner Furcht gewandelt, und die Empfindungen dei Abendgebete. 383 ner Gegenwart sorgfältig in meiner Seele unterhalten? Habe ich mir das Beispiel meines Herrn und Heilandes zum Muster der Nachahmung vorgesetzt, und durch mein Verhalten bewiesen, daß ich ein Jünger und Nachfolger des demüthigen, des sanftmüthigen, des wohlthätigen und himmlisch gesinnten Jesu sey? Habe ich jeden Anlaß zum Guten, jede Gelegenheit, mich selbst zu beffern und Ändern nüßlich zu werden, begierig ergriffen? allen Reizungen zum Stolze, zur Eitelkeit, zum Zorne, zur Unzufriedenheit, zur Wollust widerstanden, und mich recht sorgfältig gehütet, weder mit Gedanken und Begierden, noch mit Worten und Werken zu fündigen? Habe ich meine Zeit, meine Kräfte, meine Güter, mein Ansehn so wohl angewandt, als ich hätte thun sollen und können? Habe ich meine Pflichten gegen dich, gegen meinen Nächsten und gegen mich selbst, mit der Willigkeit, mit dem Eifer, mit der Treue erfüllt, als es deine Wohlthaten und meine Schuldigkeit von mir fordern? Bin ich in einer solchen Verfassung, daß ich freudig sterben und mich einer seligen Ewigkeit getrösten könnte, wenn es dir gefallen sollte, meinem irdischen Leben in dieser Nacht ein Ende zu machen? Gott! wie beschämet, wie erniedriget mich diese Prüfung! Herr! wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir auch die verborgenen Fehler! Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte,( mit deiner Magd) denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Ich bekenne dir meine Sünden und Uebertretungen; ich bereue sie von ganzem Herzen; ich entschließe mich, in deiner Furcht mich immer mehr von allen Befleckungen des Fleisches und des Geistes zu reinigen, und meine Heiligung zu vollenden. Stärke mich selbst, o Gott! in diesem guten Vorsatze. Stehe mir in der Ausführung desselben mächtig bei. Gieb, daß ich alles, was dir zuwider ist, hässe und als das größte Uebel meide und fliehe. Gieb, daß ich alles, was dein heiliger Wille von mir fordert, aufrichtig und mit Freude thue. Laß mir den morgenden Tag heiliger seyn, als den heutigen. Laß mich täglich an Weisheit und Tugend wachsen, und immer mehr nach deinem Ebenbilde erneuert werden. Hege ich Neid und Haß gegen irgend einen Menschen in meinem Herzen; so laß den Schlaf ferne von mir seyn, bis ich ihm verzeihe, bis ich ihm mit Aufrichtigkeit Gutes wünsche, und ich ihm solches wirklich zu erzeigen geneigt bin. Laß mich so einschlafen, wie ich zu sterben und dereinst vor deinem Nichtstuhle zu erscheinen wünsche. Dein mächtiger Schutz bedecke mich und die Meinigen au in dieser Nacht, damit uns kein Unglück begegne, und keine Plage sich zu unfrer Wohnung nahe. Schenke mir einen sanften und erquickenden Schlaf; laß mich morgen, wenn es dir gefällt, mit neuen Leibesund Seelenkräften wieder aufwachen, und gieb, daß ich sie nach deinem Willen und zu deiner Ehre anwende. Tröfte, barmherziger Gott! tröste meine elenden Mitchristen, die in dieser Nacht durch Schmerzen und Krankheit oder andere Arten des Elends der süßen Ruhe beraubt sind, und mit Verlangen auf den Anbruch des Tages warten. Stärke die Sterbenden, und laß sie Gnade vor dir finden. Hindre die Werke der Finsterniß; erbarme dich der Sünder, und bekehre sie. Dir, Herr'mein Gott! übergebe ich meinen Leib und meine Seele, mein Leben und alle meine Schickfale. Führe mich selbst bei deiner Hand, leite mich nach deinem weisen Rath, und nimm mich dereinst in deine Herrlichkeit auf. Ich 384 Sonntagsandacht. bitte dich um dieses alles in dem Namen und als ein Jünger Jesu Christi, unsers Mittlers und Seligmachers. Amen. Sonntagsandacht. 6. Morgengebet am Sonntage. du und der Welt und deiner Menschen! du Urheber meines Lebens und aller meiner Glückseligkeit! Du läsfest mich abermals einen Sonntag erleben. Mit dem demüthigsten Danke preise ich dich für alles mir von jeher geschenkte Gute, und besonders an diesem Morgen für den mir in der vergangenen Nacht verliehenen Schuß und die Erhaltung meines Lebens. O Gott! alle deine Wohlthaten verpflichten mich aufs stärkste, mein ganzes Leben deinem Dienste und deiner Verehrung zu widmen. Ganz vorzüglich aber bin ich dir den Theil der Zeit schuldig, den du mir dazu selbst auf eine besondere Weise angewiesen hast. Ich danke dir für die Einsetzung des Sonntages, dieses Tages der heiligen Ruhe, den du von weltlichen Sorgen und Arbeiten zu deiner unmittelbaren Verehrung ausgezeichnet hast. Wie glücklich werde ich seyn, wenn ich ihn recht heilige und ihn deiner würdig zubringe! Wie viele dieser Tage habe ich auf eine thörichte, eitle Art verschwendet!! laß nicht diesen Sonntag die Anzahl der verIornen vermehren, sondern gieb, daß ich ihn in deiner Furcht zubringe, und ihn zu heiligen Handlungen und frommen Uebungen anwende. Laß mich immer mehr in deiner Erkenntniß und in allen christlichen Tugenden wachsen, und darin meinen Trost und Glückfeligkeit finden. Dies ist der Tag, an dem der Erlöser der Welt, nachdem er für die Sünden der Menschen gestorben war, siegreich vom Tode wieder auferstanden ist. O, möchte ich mich doch auch vom Tode der Sünde zum Leben der Tugend und Rechtschaffenheit erheben und nach denjenigen Dingen, die droben sind, wo er zu deiner Rechten fizet, nach himmlischen Gesinnungen und nach einem himmlischen Wandel streben! Gieb mir selbst Kraft, mich den Lüften der Welt und des Fleisches zu entziehen, und mein Herz zu geistlichen und himmlischen Dingen zu erheben. Laß alle meine Gedanken, meine Worte und Handlungen von diesem Augenblicke an, diesen ganzen Tag und künftig allezeit, vor dir heilig und unsträflich seyn. Gieb mir, o Gott! solche würdige Begriffe von deiner anbetungswürdigen Natur und deinen großen Eigenschaften, solche erhabene Vorstellungen von deiner erschaffenden Macht und Weisheit, von deiner fürsorgenden Aufsicht auf alle deine Geschöpfe, und von deiner erbarmenden Liebe und Gnade, die fähig sind, in meiner Seele die Empfindungen der tief sten Ehrerbietung gegen dich, der reinsten Liebe zu dir, der lebhaften Hoffnung und Freude an dir, zu erwecken. Mache meine Seele dir selbst ähnlich, und gieb, daß mein Herz durch den Einfluß deines guten Geistes erneuert, und ich ein guter, ein frommer und dir wohlgefälliger Mensch werden möge. Laß mich alles, was die Religion mir vorschreibt, als das ehrenvollste, wichtigste und angenehmste Geschäfte ansehen, das ich verrichten kann, und laß mich dann niemals träge und nachlässig, sondern allezeit bereit seyn, dir mit Freudigkeit, Eifer und Treue zu dienen. Sonntagsandacht. Dir, mein Gott! widme ich mich denn mit aller Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit aufs neue an diesem Morgen. Dein bin ich, und dein wünsche ich auf ewig zu seyn. Nimm du mein Herz, das du dir felbst gebildet hast, ganz in Besiz, und gieb, daß ich dir, dem alle Dinge gehören, alles, was ich bin und habe, ohne Heuchelei ganz übergebe. Halte du mich selbst fest an dir, und laß mich nichts von deiner Liebe trennen. Laß mich, o Gott! unter der beständigen Empfindung deiner Gegenwart leben, und mit dir, meinem himmlischen Vater, und deinem Sohne Jesu Christo, den du zu meinem Heile in die Welt gefandt hast, in beständiger Gemeinschaft bleiben. Laß mich es fühlen, welch eine Glückseligkeit es für mich sey, daß ich ein Christ bin, daß ich dein Wort und deine heilige Religion habe, daß ich mich mit dir durch meine häusliche Andacht unterhalten, mich mit andern Christen zum öffentlichen Gottesdienste versammeln, dadurch meine Erkenntniß, meinen Glauben und meine Tugend stärken und vermehren, und mich in der seligsten Hoffnung befestigen kann, daß ich dich dereinst im Himmel werde vollkommner anbeten und verehren können. Präge mir zugleich durch die Uebungen meiner Andacht die Neigung ein, dir, dem gütigsten unter allen Wesen, darin nachzuahmen, daß ich alle meine Nebenmenschen, die eben sowohl, als ich, deine Geschöpfe und meine Brüder sind, aufrichtig und von Herzen liebe, daß ich es nicht bloß dabei bewenden lasse, ihnen Gutes zu wünschen, und mich aller Beleidigungen gegen sie zu enthalten, sondern auch bereit seyn möge, ihnen, so viel in meinem Vermögen iſt, alles Gute gern und willig zu erweisen. Insonderheit aber laß mich niemals diejenigen Pflichten versäumen, die meine besondern Umstände und Verbindungen, mein Stand, mein Beruf( und Amt) von mir fordern. Gieb mir Weisheit, dasjenige zu erkennen, und dem nachzustreben, was zu meiner wahren Weisheit und Glückseligkeit dienet. Lehre mich, das Beste meiner Seele allen irdischen Vortheilen vorzuziehen, alle meine Begierden und Leidenschaften in den gehörigen Schranken zu halten, und die reizenden Tugenden der Demuth, der Sanftmuth, der Mäßigkeit und Zufriedenheit auszuüben, unter allen Mühseligkeiten dieses Lebens geduldig, und unter allen Versuchungen standhaft zu seyn, und nach der künftigen und ewigen Glückseligkeit vor allen Dingen zu trachten. Segne, o gütiger Gott! alle die Mittel der Gnade, die du mir zu diesen großen Absichten gegeben haft; insbesondere die Gelegenheit, die ich heute haben werde, in der gottesdienstlichen Versammlung mit meinen Nebenchristen mich von deinem Willen zu unterrichten und dich anzubeten. Rüste deine Diener mit Weisheit und Verstand aus; gieb ihren Worten Kraft, die Herzen ihrer Zuhörer zu heiligen und dir wohlgefällige Gesinnungen zu erwecken, und laß ihren Dienst in deinem Heiligthume gesegnete Früchte bringen. Amen. 7. Gebet vor dem Gottesdienste. O er heutige Tag ist dir, o Gott! und deiner Verehrung besonders gewidmet, und dich zu verehren, ist meine höchste Seligkeit. Laß mich dies, mein gütigfter himmlischer Vater! recht erkennen, und diesen Tag einen Tag des Segens für mich und Andre werden. Gott, wie glücklich bin ich, daß ich mich heute, von allen irdischen Geschäften und Sorgen frei, in deinem Hause mit meinen Nebenchristen versammeln kann; daß ich da über alles, woran mir am meisten BB 385 Sonntagsandacht. gelegen ist, mit stillem Geiste nachdenken, mich bis zu dir, meinem Schöpfer und Vater, erheben, mich von deinem Willen unterrichten, mich im Glauben an dich und deinen Sohn Jesum stärken, mich deiner Wohlthaten und der Hoffnung der seligen Unsterblichkeit freuen, und so meinen Geist nähren, und zu einem bessern, höheren Leben vorbereiten kann! Dank sey es deiner weisen, väterlichen Güte, die diese Veranstaltung getroffen, und uns bis auf diesen Tag in dem Genusfe derselben erhalten hat. D! laß sie mich heute und immerdar recht würdig gebrauchen. Sammle doch meine Gedanken aus der Zerstreuung; richte sie ganz auf dich und auf den heilsamen Unterricht, den du mir durch die Lehren der Religion ertheilst, damit ich dich immer besser erkennen, immer herzlicher lieben, dir immer freudiger vertrauen, und deinen Geboten immer williger und treuer gehorchen lernen möge. Laß insbesondere den Gedanken von der Auferstehung und Erhöhung deines Sohnes Jesu, an welche mich dieser Tag erinnert, mich in dem Glauben an seine göttliche Lehre und im Vertrauen auf seine VerheiBungen stärken, mich zur Nachfolge seines heiligen, wohlthätigen, gemeinnützigen Lebens, das einen so herrlichen Ausgang genommen hat, erwecken, und mir recht christliche himmlische Gesinnungen einflößen. Laß sich die Gewißheit seines wiedererlangten Lebens durch die träftigsten Wirkungen seiner Lehre und seines Beispiels auch an mir und meinen Nebenchristen offenbaren, und mich diesen Tag nicht zurücklegen, ohne an demselben etwas Gutes gelernet, und mehr Erkenntniß der Wahrheit, mehr Liebe und Kraft zur Tugend und Frömmigkeit, mehr Weisheit zur Führung des gegenwärtigen, und mehr Fähigkeit zum Genusse deš zukünftigen Lebens erlangt zu haben. Dein Segen, o Gott! begleite alles, was ich heute denken, reden, lesen und hören werde, damit es reiche Früchte der Besserung und der Beruhigung in mir hervorbringe durch Jesum Christum. Amen. 8. Nach dem Gottesdienste. Barmherziger, gütigster Gott! Wie oft kann ich mich in deinem Hause und zu deiner Verehrung mit meinen Nebenchristen versammeln! Wie viel Unterricht, wie viel Trost, wie viel Ermunterung zum Guten kann ich da erhalten! und wie weise, wie tugendhaft, wie glücklich müßte ich nicht seyn und werden, wenn ich mir diese Mittel der Befferung und Beruhigung recht zu nuße machte! Wie viele Vorzüge habe ich nicht in dieser Absicht vor so vielen von meinen Brüdern, die weder dich, noch den du gefandt hast, Jesum Christum, kennen, oder die noch in den Fesseln des Aberglaubens schmachten, und nur ein sehr geringes Maaß der Erkenntniß der Wahrheit haben! Wie weit sollte ich sie denn nicht auch an Weisheit, an christlicher Rechtschaffenheit und Tugend, an herzlicher Liebe zu dir und zu allen Menschen, an Zufriedenheit und Seligkeit übertreffen! und wie sehr würde es mich dereinst beschämen, wenn es sich finden sollte, daß jene ihrem schwachen Lichte getreuer gefolgt sind, als ich dem weit hellern Lichte, das du über mich leuchten läffeſt! Wie groß würde da meine Verantwortung, wie schwer, wie gerecht meine Strafe jeyn! 386 Gott! dieser Gedanke bekümmert und verwirrt mich. Ich kann es nicht leugnen, daß ich noch weit von dem Ziele der christlichen Vollkommenheit entfernt bin; daß ich es wol gar aus dem Gesichte verliere, daß ich mich demselben nur mit langsamen, wankenden Sonntagsandacht. Schritten nähere. Ich höre wol die Lehren der Religion und des Christenthums, die du uns verkündigen läsfest, ich muß sie für wahr und gut erkennen, höre sie vielleicht mit Wohlgefallen, und wünsche wol, ihre Kraft zu erfahren, und so zu leben, wie Christen leben sollen; aber dabei lasse ichs nur gar zu oft bewenden, denke nicht weiter darüber nach; und dann kommen Zerstreuungen, Geschäfte und Sorgen dieses Lebens, Leichtsinn und Trägheit, und löschen alle diese guten Eindrücke wieder aus. 387 Gott! laß mich doch nicht mehr so unbedachtsam handeln, und deine Wohlthaten so schändlich mißbrauchen. Laß mich die Lehren der Wahrheit in einem feinen guten Herzen bewahren, sie oft und anhaltend überlegen, sie in der Kirche und zu Hause mit aller Unparteilichkeit auf mich selbst anwenden, und ihrer Kraft zu meiner Besserung niemals widerstreben oder Hindernisse in den Weg legen. Gieb, daß ich und alle, die das Glück haben, dich und deinen Sohn Jefum zu kennen, uns desselben durch einen tugendhaften, heiligen Wandel immer würdiger machen. Laß dies Glück auch denjenigen zu Theil werden, die es noch entbehren müssen. Laß die Siege der Wahrheit über den Irrthum, der Tugend über das Laſter, der Freiheit über die Knechtschaft, des vernünftigen christlichen Gottesdienstes über den Aberglauben immer mannigfaltiger und herrlicher, und die Menge sowol, als die Rechtschaffenheit deiner Verehrer immer größer werden. Segne uns alle mit Weisheit und Tugend und christlicher Frömmigkeit, mit der Freude des Recht- und Wohlthuns, und der getrosten Hoffnung eines bessern, ewigen Lebens, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 9. Abendgebet am Sonntage. Noch och einmal an dem heutigen Abend erhebe ich mein Herz zu dir, Gott, meines Herzens Trost und mein Theil in Ewigkeit! um mich deiner Wohlthaten dankbar zu erinnern, und dich um die Fortdauer deiner Güte und Liebe anzuflehen. Dank sey dir für die erneuerte Gelegenheit, die ich diesen Tag gehabt habe, dich in deinem Hause anzubeten, mich mit meinen Nebenchristen öffentlich zu deinem Dienste zu vereinigen, dein heiliges Wort zu hören, und dadurch unterrichtet, zur Tugend erweckt, gestärkt und getröstet zu werden. Gieb mir, o Gott! die Gnade, daß ich nun auch künftig die Erwektung zum Guten, die du mir heute verschafft hast, mir gehörig zu Nuße machen möge, und es nicht bloß bei dem Hören bewenden lasse, sondern durch die That beweise, daß ich sie zu meiner Besserung anwende. Mache mich durch deinen Geist geschickt, daß ich der Würde eines Christen, eines durch Jesum Erlöseten, eines Erben der ewigen Seligkeit gemäß lebe, gemäß meinem Stande und Berufe, worein du mich gesetzt, gemäß den Pflichten, die du mir auferlegt hast, gemäß den Verheißungen, die ich zu erwarten habe. Präge deine Gesetze so tief in mein Herz, daß die Wahrheiten, die ich heute gehört, meinem Gedächtnisse getreu, und sowol zum bessern Unterrichte meines Verstandes, als zur weisern Einrichtung und Regierung meiner Gefinnungen und meines Lebens mir immer lebhaft und gegenwärtig bleiben. Vergieb es mir, gütigster Vater! daß meine Andacht auch heute mit so vieler Unvollkommenheit begleitet gewesen ist. Vergieb mir die Trägheit und Laulichkeit meiner Empfindungen, die Zerstreuung meiner Gedanken, die wenige Aufmerksamkeit auf deine Gebote. Wie B62 Sonntagsandacht. beschämt bin ich, wenn ich daran gedenke, wie wenig ich mein Herz im Gebete und Danke zu dir zu erheben wußte, mit welcher Gleichgültigkeit ich deine Gnadenverheißungen angehört und auf deine Vorschriften geachtet, wie wenig ich die Sünde verabscheuet, den Werth meiner Seele, die Wichtigkeit eines ewigen Lebens, und die Hoheit der zukünftigen Herrlichkeit und Glückseligkeit empfunden und geschätzt habe, die einst denjenigen, die dich wahrhaftig lieben, ge= wiß zu Theil werden wird! S gieb, daß ich die fünftigen Sonntage immer heiliger zubringen, daß ich immer weiser und ernsthafter, andächtiger und himmlischgesinnter werden möge, als ich bisher ge= wesen bin. Gieb mir mehr Lust zu deinem Worte. Laß mich immer mehr die Freude und den Frieden schmecken, die die gewiffen Folgen einer immer zunehmenden Gemeinschaft mit dir sind. Reinige und heilige meine Begierden. Laß mich die irdischen Dinge nicht so lieben, als wenn die Welt meine einzige Glückseligkeit wäre, und ich keine weitere Aussicht auf ein befferes Erbtheil hätte; sondern lehre mich erkennen, daß ich hier keine bleibende Stätte habe, und daß ich dem Himmel und der Ewigkeit entgegen eile, wozu ich mich hier in meinem ganzen Leben vorbereiten soll. Laß mich durch ein tägliches Wachsthum im Guten dieses meines ewigen Erbtheils immer fähiger werden, und hilf mir alle Schwierigkeiten, Hindernisse, Gefahren und Versuchungen überwinden, die mir auf meinem Wege zum Himmel begegnen, und mich meines großen Ziels verlustig machen können. 388 Für alle deine Gnade, o Gott! die du mir an meiner Seele erwiesen, für die wohlthätige Veranstaltung, die du in der christlichen Religion zu meiner Erlösung, zu meinem Unterrichte, zu meiner Besserung, zu meiner Begnadigung und Seligkeit durch deinen Sohn Jefum Chriftum getroffen hast, preise ich dich demuthsvoll an diesem Abend. Auch für die vielen irdischen Wohlthaten, womit du mich täglich überhäufest, und besonders für die mir an diesem zurückgelegten Tage verliehene Erhaltung und Segnungen, bringe ich dir von Herzen Lob und Dank. O! laß die Empfindung deiner unverdienten Güte stets mein Herz rühren, und gieb, daß ich dich nicht bloß durch meine Worte, sondern auch vornehmlich durch ein frommes Leben preise. Und nun, o Gott! nimm mich auch diese Nacht in deinen gnädigen Schuß. Behüte mich vor allem Uebel und Gefahr, und erquicke mich durch eine sanfte und stärkende Ruhe. Dir empfehle ich alle meine Verwandte und Freunde; thue ihnen Gutes, und segne sie mit allen denjenigen geistlichen und leiblichen Gütern, wovon du weißt, daß fie derfelben am meisten bedürfen. Stehe den Unglücklichen und Leidenden bei; gieb ihnen Geduld und Ergebung in deinen Willen, und befreie sie von ihrem Elende durch deine Hülfe und göttlichen Tröstungen, deren du fo viele hast. Laß alle meine Mitchristen, laß das ganze menschliche Geschlecht deiner wohlthätigen Güte empfohlen seyn, und breite Erkenntniß, Wahrheit und Frömmigkeit unter allen Menschen aus. Siehe mit Gnade auf unser Vaterland herab. Flöße unserm Landesherrn und allen seinen Räthen und Obrigkeiten Liebe und Hochachtung gegen Religion und Tugend, Weisheit und Gerech tigkeit ein, und leite seine und ihre Rathschläge auf das allgemeine Beste. Vergieb die Sünden unserm Volke, und wirke unter uns allgemeine Befferung. Gieb den Dienern der Religion Geist und Verstand, und laß ihrer Seits die Sache des wahren Christenthums Erweckung zum frommen Sinn und Wandel vor Gott. 389 durch nüßlichen Unterricht und ein exemplarisches Leben befördert werden. Erhöre, gütigster Gott und Vater! dies mein demüthiges Gebet um Jesu Christi willen. Amen. Tägliche Erweckung zum frommen Sinn und Wandel vor Gott. 10. Bertrauen auf Gott und rechtmäßige Gesinnung gegen ihn. Barmherziger Vater und Schöpfer der Menschen! Von dir allein muß ich alles, was zur Nahrung, Bekleidung und Erhaltung meines Leibes und Lebens und überhaupt zu meinem ganzen Glücke in Zeit und Ewigkeit nothwendig und ersprießlich ist, erwarten; und ich kann dies auch, nach deiner gnädigen Zusage, bei einem redlichen Gehorsam gegen deine Gesetze erwarten. In deine allmächtige treue Vaterhände lege ich daher alles, was du mir von irdischen Gütern, an Bequemlichkeit, Vergnügen und Ehre, verliehen hast, in De muth nieder. Dank sey dir, Vater! für den fröhlichen Genuß, den du mir davon bisher, wider alles mein Verdienst, geschenket hast. Durch deine Gnade will ich mich bereit erhalten, dies alles, wenn du es befiehlst, freudig wieder hinzugeben. Ja, ich bitte dich herzlich, laß mir alle meine irdischen Vortheile nicht einen Augenblick länger, als es mit Bewahrung und Stärkung meines Glaubens und guten Gewissens bestehen kann. Laß keinen meiner Wünsche und Begierden, wovon du, nie irrende Weisheit! einsiehst, daß es thöricht ist, und meiner unsterblichen Seele zum Fallstrick und Verder= ben gereichet, so schmeichelhaft er auch immer seyn mag, erfüllet wer den, sondern vereitle sie alle. Ehe du, o Vater meiner Seele! zuläsfest, daß ich, nach so unermeßlichen, unaussprechlichen, unzähligen Wohlthaten, die du mir erwiesen hast, in irgend eine vorsäßliche Sünde gegen dich falle, oder daß meine Andacht und Christentugend eine Abnahme leide, nimm mir lieber, so bitter und peinlich es mir auch immer seyn mag, meine Gesundheit, meine Bequemlichkeit, mein irdisches Vermögen, meine Ehrenstellen in der Welt, und belege mich dagegen mit schmerzhafter langwieriger Krankheit, bitterer Armuth, unschuldiger Verachtung, und andern Leiden dieses bald, bald vorübereilenden Lebens. Nur bitte ich dich inbrünstig, laß mich nicht meine Leiden etwa durch Unmäßigkeit, durch Lieblosigkeit, oder sonst eine Verletzung meiner Pflichten selbst verursachen. Und wenn dann ein Leiden aus deiner Hand über mich kömmt, oder auch etwa durch meine Schwachheit verursacht würde, so laß es mich, nach deiner väterlichen Absicht, in der Beherrschung aller unordentlichen Begierden, in dem himmlischen Sinn, in der allerfeligsten Kunst, deinen Willen schlechterdings zu den meinigen zu machen, befestigen und stärken, und meiner Seele die himmlischen Früchte einer festgegründeten, geübten, gestärkten Tugend geben. Laß mich auch auf den Fall vorbereitet seyn, wenn du von mir für den Dienst der Wahrheit und der Tugend meine irdischen Vortheile( meine Güter, mein Amt, meine Ehrenstellen, und selbst mein Leben) zum Opfer fordern, und mich in die Umstände führen solltest, wo ich, um ein unverlegtes Gewiffen zu bewahren, meine Vorzüge und Bequemlich Erweckung zum frommen Sinn keiten aufgeben, und mich drückenden Umständen bloßstellen müßte. So laß denn von nun an alles, was irgend einer Verdrießlichkeit oder mürrischen Klage über deine Regierung ähnlich sieht, mir abscheulich, und aus meinem Herzen und Munde verbannet seyn. Da gegen will ich mich treulich bestreben, alle Mühseligkeiten dieses Lebens, die Beschwerden eines siechen Leibes, und was du mir sonst an andern Trübsalen hinzufügen möchtest, nicht allein mit demüthiger Ergebung in deinen Willen, sondern auch als Erhörung meiner frommen Gebete und als wahre Wohlthat, mit einem dankbaren und heitern Herzen zu tragen, und zu meiner immer größern Retnigung und Besserung anzuwenden. Auch will ich mich befleißigen, ein aufgeräumtes, freundliches Wesen im Umgange mit meinen Nebenmenschen immer mehr anzunehmen, und dadurch deiner göttlichen Regierung in der Welt Ehre und meinen Nebenmenschen Freude zu machen. Wie viel tausendmal habe ich dir, mein Gott, zu danken Ursache gehabt, daß du ehedem diejenigen Wünsche vereitelt, diejenigen Absichten mich nicht hast erreichen lassen, die mir damals so angenehm waren, und mir zu meinem Wohl unentbehrlich schienen! Hättest du mich das vermeinte Glück erlangen lassen, das ich so ängstlich und rastlos suchte; hättest du mir die Vortheile gewähret, die ich als mein Glück so sehnlich wünschte; so wäre mein ganzes irdisches und ewiges Wohl zernichtet. Dies sehe ich jetzt ein, da der Ausgang deiner weisen und gütigen Führungen vor mir liegt.! dies stärke mich, daß ich schlechterdings keinen andern Willen habe, als den deinigen; daß ich bei allen meinen Wünschen und Hoffnungen, bei allem meinem Thun und Vornehmen mit meinem Erlöser sage: Gott, nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" daß ich allezeit und unter allen Umständen dich kindlich fürchte, liebe und dir vertraue, und mit deiner väterlichen Regierung immer zufrieden, ruhig und dankbar sey. Amen. 390 11. Demuthsübung. Du urch deine Gnade, du heiligstes und vollkommenstes Wesen! will ich es stets zu meinem Hauptgeschäfte machen, meine Seele von allem Kothe und Schlamme des für mich so thörichten und dir so abscheulichen Stolzes zu reinigen. Ach! noch immer ist in meinem Herzen ein so trauriger Ueberreft dieser schändlichen und schädlichen Gemüthsart, und der ehemaligen bösen Gewohnheit und Fertigkeit vorhanden, die mich an der Ausübung einer jeden Tugend so sehr hindert, und mich in so manche und selbst grobe Fehltritte stürzt. So will ich denn( du, Gott! einziger Geber aller meiner Kraft zum Guten, wirst mir helfen!), so will ich denn mir die Betrachtung und Empfindung immer gewohnter, geläufiger und kräftiger zu machen suchen, daß ich in allen, auch den kleinsten und unerheblichsten Dingen, nur von dir abhange, und alle meine Kräfte und Gaben nur von dir empfangen habe, daß ich sie nur dazu empfangen habe, um dadurch Vergnügen, Ruhe und Wohlfahrt in deiner Familie, unter meinen Nebenmenschen, auszubreiten; und daß ich folglich ein schändlicher Rebell in deinem liebevollen Reiche werde, wenn ich irgend eine dieser deiner Kräfte und Gaben dazu mißbrauche, irgend einen deiner Menschen ohne Noth und Recht zu kränken, zu betrüben, zu beleidigen und zu beschädigen; daß ich nur eine gar sehr geringe Brauchbarkeit in deinem Dienste habe, vielleicht auch meine eigne Nach und Wandel vor Gott. 391 lässigkeit und Trägheit Schuld daran ist, daß ich nicht nüßlicher bin; und daß hingegen so viele hunderte meiner Nebenmenschen viel grö Bere Kenntnisse und Geschicklichkeiten besitzen, und deinem Reiche weit mehrere und wichtigere Dienste leisten; daß der Tadel und die Widersprüche, die ich von Andern erfahre, in deiner Hand Segnungen werden und Mittel sind, meine Einsichten zu vermehren, meine Gesinnungen und Handlungen zu beffern, und mich in so mancher Tugend zu erwecken und zu üben; daß die wahre Ehre nicht in den meist leichtsinnigen, veränderlichen und nichts bedeutenden Urtheilen der Welt, sondern nur in dem Ruhme vor dir, in deinem Beifalle und Wohlgefallen, bestehet; und insbesondere, daß ich durch mein ehemaliges sicheres, böses Leben, und durch meine noch immer fort dauernden großen und vielfältigen Mängel, Schwachheiten und Fehlvon dir nicht allein gar nichts Gutes, sondern vielmehr Strafe verdiene. Ach, wie würde es mit mir stehen, wenn du mit mir nach Gerechtigkeit, ohne Erbarmung verfahren wolltest! Herr! mein Gott! thue du durch deine allwaltende Vorsehung, sollte es mir auch die kränkendsten Urtheile und Verachtungen meiner Nebenmenschen kosten, thue alles, so bitter und peinlich mir es immer seyn mag, um diesen Stolz, den ich haffe, aber doch immer so sehr in mir fühle, zu demüthigen und allmählig mit der Wurzel auszurotten. Gieb jenen Betrachtungen die Kraft in meinem Herzen, daß ich dadurch alle Regungen der Unzufriedenheit und Verdrießlichkeit bei den Mühseligkeiten und Trübsalen meines Lebens, alle Regungen einer aufblähenden Meinung von meinen Einsichten, Gaben und Vorzügen, einer verächtlichen Meinung von meinen Nebenmenschen, und insbesondere von denen, die mit mir in einerlei Geschäfte( oder Amte) arbeiten, der Unleidlichkeit bei den Widersprüchen und dem Tadel Anderer, einer verächtlichen Beurtheilung meiner Nebenmenschen, und besonders derer, die sich mit mir um einerlei Sache und Vortheil bewerben, der übergroßen Begierde nach Ruhm und Beifall vor der Welt, alle Regungen eines gebieterischen und auffahrenden Wesens, sogleich mit unerbittlicher Strenge aus meiner Seele verbanne. Vater! jene uneingeschränkte, unverbrüchliche Unterwerfung unter dich, jene bescheidene Meinung von mir selbst, jene liebevolle Beurtheilung und aufrichtige Werthschätzung meiner Nebenmenschen, jene christliche Ge laffenheit und Folgsamkeit bei den auch ungerechten und bittern Widersprüchen und Tadel Anderer, jener sanfte, gefällige, menschenfreundliche Gebrauch aller meiner Kräfte und Gaben, diese ächte Demuth deines Sohnes und meines Herrn, ach! diese Zierde meiner Seele, diese Grundlage aller meiner Tugenden, laß immer mehr mein Eigenthum werden. Darum bitte ich dich um Jesu Christi willen. Amen. 12. Um Keuschheit und Mäßigkeit. Unter nter der Aufsicht deiner schüßenden Vorsehung, mein Gott und Vater! und unter den Einflüssen deiner herzlenkenden, beffernden Kraft will ich zu allen Zeiten meine christliche Mäßigkeit und Keuschheit zu bewahren und zu stärken trachten. Alle Gelegenheiten zu jenen unwürdigen, schimpflichen, viehischen Lüsten, alle neugierigen Anblicke und allen unvorsichtigen Genuß der Nahrung will ich mit aller Sorgfalt, aber auch mit aller christlichen Klugheit zu vermeiden suchen. Da, wo ich diesen Gelegenheiten und Gefahren nicht ausweichen Erweckung zum frommen Sinn fann, ohne mich in Nengstlichkeit, Muthlosigkeit, Bestürzung und öftere Versuchung zu setzen, oder irgend eine meiner Pflichten zu vernachlässigen, oder zu übertreten; da will ich ihnen getroft und muthig entgegen gehen und suchen, mich daran zu gewöhnen, und die gefährlichen Eindrücke davon auf meine Seele zu verringern. Du, allwissender Vater! der du weißt, daß ich es nicht aus Selbstver messenheit oder Kühnheit thue, sondern in der frommen Absicht, det nen Willen desto besser, leichter und freudiger zu üben, du wirst mich gewiß mit deiner Gotteskraft da nicht verlassen, und mich der Sünde zur Beute nicht hingeben. Mit einem demüthigen herzlichen Danke nehme ich zu meiner Stärkung die troftvolle Zusage deines Evangelii an, daß du die unwillkührlichen Regungen dieser und andrer mir abscheulichen Gedanken und Begierden, die ich haffe, bekämpfe und zu verhindern suche, mir um Jesu Christi willen gar nicht zurechnest, hingegen jeden treuen Kampf dawider mit einem höhern Grade deines Beifalls und deiner Vaterliebe belohnest. Hierdurch gestärkt, will ich also alle muthlofe Furcht und Nengstlichkeit verbannen, und sie übersehen und verachten; aber auch durch deine Gnade, mein Gott! ihnen nicht den geringsten Aufenthalt in meiner Seele gestatten, sondern sie augenblicklich durch Gebet, durch Nachdenken und Betrachtung, oder auch durch heilsame Beschäftigung mit Haß und Abscheu in ihrer ersten Geburt ersticken, und diesen treuen, edlen, christlichen Glaubenskampf, erquickt und gestärkt durch das fröhliche Bewußtseyn, daß du der liebevolle Zeuge und Richter deffelben bist, mit unverbrüchlicher Treue fortsetzen. Und so will ich mich von ganzem Herzen bestreben, daß ich dir heute und jederzeit mit einer ganz unbefleckten Reinigkeit der Seele, der Rede und des Wandels diene, und die durch Jesum Christum wohlgefalle. Auch bitte ich dich um die Gnade, mich so zu regieren, daß ich die Speisen, den Trank und die Nahrungsmittel, die deine Vaterliebe mir schenken wird, jederzeit mit aller Vorsicht, Selbstbeherrschung und Ent haltsamkeit zu mir nehme, damit ich ja nicht selbst deine Geschenke schändlicher Weise mißbrauche, meine christliche Arbeitsamkeit, Andacht, Keuschheit und andere Tugenden deines Gesetzes zu hindern und zu erschweren. Mit solcher christlichen Mäßigkeit will ich denn dein kostbares Geschenk, meine Gesundheit und Leben, zu erhalten, zu benußen, dir meine herzliche Dankbarkeit für deine väterliche Fürsorge zu beweisen, und meine Andacht und christlichen Tugenden auf eine edle Art zu bewahren und zu üben suchen. Lehre mich, Vater! eben solche Mäßigkeit auch in dem Gebrauche aller deiner andern irdischen Güter, aller auch unschuldigen Vergnügen des Lebens, die du mir gönneft. Mit dem lebhaften Gefühl der Geringfügigkeit und Vergänglichkeit aller, auch der besten irdischen Güter, und mit der standhaftesten Entschlossenheit, sie auf deinen Befehl in deine wohlthätige Vaterhand gern zurück zu geben, will ich sie besigen und genießen, als ein Christ, der unendlich bessere Güter kennet, und für eine selige Ewigkeit arbeitet. Stehe du mir dazu bei durch Jesum, meinen Erlöser. Amen. 392 13. Um brüderliche Liebe, Mitfreude und Mitleid. Lieb iebreicher und gnädiger Gott und Schöpfer deiner Menschen! unendlich gütiger und wohlthätiger Regent der ganzen Welt! Jedes rechtmäßige Vergnügen meiner Nebenmenschen ist ein Geschenk deiner und Wandel vor Gott. 393 allgemeinen Vaterliebe; Neid, Mißgunst, Schadenfreude, machen mich folglich zu einem Rebellen in deinem liebevollen Reiche. Durch dieſe feindseligen Leidenschaften werde ich den niedrigsten und unwürdigsten Geschöpfen, ja dem Teufel und seiner höllischen Gesellschaft ähnlich und in den allerunseligsten Zustand gestürzt, wo ich, ohne Gotteslästerung, von dir keine Gnade und keinen Antheil an dem Verdienſte deines Sohnes erwarten kann. Weit, weit größere Ehre und Freude schafft es mir, wenn ich mit Selbstüberwindung das Vergnügen meiner Nebenmenschen empfinde, als wenn ich den glänzendsten Ruhm und den lautesten volleften Beifall und Lob der ganzen Welt erhielte. Und je mehr Selbstüberwindung mir diese Tugend kostet, desto edler und wichtiger ist sie nach deiner liebreichen Schäßung; und allen den Verlust, den ich je an eigenem irdischen Ruhme, Bequemlichkeit und andern Gütern der Erde erleiden kann, ersetet sie mir durch den höhern Grad deines Beifalls und deiner Vaterliebe unendlich. Durch diese Betrachtungen göttlich gestärkt, will ich mir denn jene höllischen Leidenschaften, Neid, Mißgunst und schadenfrohes Wesen, immer verhaßter und abscheulicher machen, und ste, wenn sie sich in meiner Seele regen, mit aller Macht daraus verbannen. Hingegen will ich mich immer mehr an eine zärtliche, christlich- brüderliche Theilnehmung bei der Noth meiner Nebenmenschen zu gewöhnen suchen; sie als die meinige ansehen und fühlen: sie auf alle mir mögliche Art, mit Gelde, durch thätigen Beistand, und vornehmlich mit meinen Kräften und Gaben zu erleichtern oder zu endigen suchen, und mich in die Bereitschaft verseßen, sie ihnen, wenn es deiner Weisheit so gefiele, abzunehmen und an ihrer Stelle zu tragen. Zu diesem Ende will ich, so viel immer möglich ist, keinen Armen, der sich an mich wendet, gehen laffen, ohne ihn selbst zu sprechen. Kann ich ihm gleich nicht helfen, so kann ich ihm doch vielleicht Muth und Trost einsprechen, und so hilft er doch mir, durch diesen Anblick seiner Noth dankbar gegen dich, meinen wohlthätigen Gott, der du mich von ihm ohne mein Verdienst so liebreich unterschieden hast, und gegen deine Menschen mitleidiger zu werden. Insbesondere aber will ich mich, weil mir dies am schwerften wird, immer mehr befleißigen, jedes rechtmäßige Vergnügen meiner Nebenmenschen, besonders derer, die mit mir einerlei Stand, Amt und Vortheil haben, vornehmlich da, wo es meinen eigenen irdischen Ruhm und Ehre verdunkelt, und meine irdischen Vortheile verringert, als mein eigenes Vergnügen mit Freude zu empfinden, ihr Bestes auf alle mir mögliche Art, durch gelegentliche rühmliche Urtheile, Warnung vor Schäden, Vereitlung böser Anschläge gegen fie, durch nützliche Rathschläge und Nachrichten, Empfehlungen, und auf andere Weise zu sichern und zu befördern, auch wenn das Gespräch hierauf in Gesellschaft fällt, durch gefliffentliche Fortseßung deffelben meinen Neid zu kränken, und meine brüderliche Gemüthsart zu stärken suchen. Herr, mein Gott, hilf mir auch hierin die traurigen Ueberreste meines ehemaligen bösen, unchristlichen Lebens immer mehr vernichten. Gieb mir Gegenwart des Gemüths und Weisheit, daß ich diese Christentugend nicht bloß zur Hälfte ausübe, nicht bloß mein Herz vom Neide reinige, sondern auch die noch so sehr, sehr schwache, zärtliche Mitfreude stärke, und die Mittel dazu immer besser erkenne und immer treuer und glücklicher anwende. Um Jesu Chrifti, deines Sohnes, des größten Menschenfreundes willen, bitte ich dich hierum. Amen. Erweckung zum frommen Sinn 14. Um Nachsicht, Sanftmuth, Leutseligkeit und Langmuth. W o ist ein solcher Gott, wie du bist, der Sünden vergiebt, der 394 wiederholten Fehltritte und Schwachheiten der Menschen mit unbegreiflicher Geduld und Schonung trägt? O laß mich doch, mein Gott, durch die dankbare Erinnerung des unermeßlichen Reichthums der Langmuth, der Vatertreue, der Nachsicht, der Herablaffung, der Leutseligkeit und Freundlichkeit, die du mir um Jesu Christi willen geschenkt haft und noch immerfort schenkest, erweckt und göttlich gestärkt werden, mich von aller auffahrenden Heftigkeit, Ungeſtüm und Hiße, die einem Unterthan und Kinde des so herablassenden, fanftmüthigen, freundlichen Gottes, und einem Erlöseten des so fanftmüthigen Heilandes äußerst, äußerst schimpflich ist, zu reinigen, diesen bösen Regungen mit aller Wachsamkeit den Eingang in meine Seele zu verschließen, und wenn sie sich da einfinden, mir alsdann keine Rede und That eher zu erlauben, bis ich die Sache dir im Gebet vorgetragen, und mir da eine bestimmte Art des Verfahrens vorgeschrieben habe. Ja, mein Gott! unter deinem Beistande will ich mich als ein Christ befleißigen, sowol bei den Unordnungen und Vergehungen derer, die mir untergeben und von mir abhängig sind, als auch bei allem dem, was mir bei meinen Nebenmenschen unangenehm und verdrießlich ist, mich an eine immer größere Nachficht zu gewöhnen, die nöthigen Erinnerungen, Beweise und Bestrafungen, die ich Andern zu geben habe, mit einem sanften und leutfeligen Wesen zu geben, in der Belehrung, Bearbeitung und Besserung der Irrenden und Fehlenden nie zu ermüden, aber auch, so viel immer möglich, die sanften Mittel den strengen vorzuziehen, und überhaupt so sanft gegen Andere, als strenge gegen mich selbst, zu seyn. 15. Um chriftliche Gefälligkeit und Freundschaft. Ale lles das, mein Gott! was irgend einem meiner Nebenmenschen, ohne Noth und Recht, nur einen mißvergnügten Augenblick verursacht, will ich mir immer verhaßter und abscheulicher zu machen, und alles mürrische, verdrießliche und unfreundliche Wesen immer mehr und mehr abzulegen suchen. Dagegen will ich mich( hilf du mir felbst dazu!) immer mehr gewöhnen, alles, was irgend einem meiner Nebenmenschen ein rechtmäßiges Vergnügen und unschuldige Freude macht, auch in Kleinigkeiten zu bemerken; und dies will ich nicht etwa aus Schmeichelet und Menschengefälligkeit, sondern durch die edle Begierde angetrieben, dir, mein Gott! ähnlich zu werden und deine Menschen zu vergnügen, mit aller Treue und Lust ins Werk richten. Nicht allein in großen und wichtigen Dingen, sondern auch in Kleinigkeiten gütig, sanft und freundlich zu seyn; Andern wohlzuthun auf die gefälligste Weise; die Ehre meiner Nebenmenschen mit der größten Zärtlichkeit zu behandeln, und allezeit wohl eingedenk zu seyn, welche schmerzende Kränkung Andern durch die Verletzung ihrer. Ehre und ihres guten Namens verursacht werden; den großen Zweck zu vergnügen und wohlzuthun, stets vor Augen haben; das, das ist Ehre, Ruhm und Glück für mich, einen Christen, der berufen ist, Segen von dir zu empfangen und Segen unter deine Menschen zu verbreiten. Gott! laß mich dies bei keiner Gelegenheit vergessen. und Wandel vor Gott. 16. Um christliche Liebe gegen Feinde. ollten mir auch, mein Gott! unter deiner allwissenden und vätere lichen Vorsehung Beleidiger, auch grobe Beleidiger und Feinde begegnen; o! so laß mich, so will ich, aus herzlicher Dankbarkeit für deine ganz unermeßliche Gnade, die mir solche Beleidigungen, wogegen auch die gröbsten Feindseligkeiten der ärgsten Bösewichter gegen mich nicht zu rechnen sind, um Jefu Chrifti willen ganz vergeben hat, auch meinen ärgsten Feinden sogleich und von ganzem Herzen vergeben; ihnen alles Gute aufrichtig gönnen und anwünschen; jeden nur möglichen Dienst ihnen gern leisten und, nach dem Muster meines Herrn Jesu Christi, durch Wohlthun und Liebe sie zu besiegen trachten. Diese Gesinnungen, barmherziger und verzeihender Gott! verleihe, erhalte und befestige in mir, zur Ehre deines Namens und deiner heiligsten Religion und zu meiner eigenen Ruhe und Seligkeit. Amen. 395 17. Um Heiligung der Reden und des ganzen Betragens. Laß mich, o Gott! stets bedenken, daß auf mein Verhalten im Umgange andern viel ankömmt, üble Reden nicht selten eben so viel Unheil stiften, als üble Thaten. Gieb, daß ich mich daher bei meinen Reden und in meinem ganzen Betragen, sowol bei den Geschäften meines Standes( und Amtes) als im Umgange mit Andern, einer strengen Ueberlegung immer mehr befleißige. Laß mich da, nach dem Muster deiner Treue und Wahrhaftigkeit, die allerstrengste christliche Aufrichtigkeit üben, und mir nicht das geringste unwahre Wort gestatten, auch über mein Herz fleißig wachen, daß nicht etwa der Anfang der Heuchelei sich bei mir einschleiche, das zu scheinen, was ich nicht bin, oder es mehr zu scheinen, als ich bin. Ja, unter deinem Beistande fasse ich hiemit die feste Entschließung: Allenthalben soll mich der christlich liebevolle Geist in der Beurtheilung meiner Nebenmenschen regieren, daß ich nie eine Unwahrheit, nie etwas erdichtetes Böses oder Nachtheiliges von ihnen sage, daß ich ihre Mängel, Fehler und Vergehungen auf jede rechtmäßige Art unterdrücke und verberge, daß ich davon nie ohne Noth, nie anders als zu irgend einer guten Absicht, und immer mit einem innern Widerwillen, immer mit dem Wunsche, das Gegentheil sagen zu können, spreche; daß ich hingegen ihre rühmlichen Eigenschaften und Handlungen sorgfältig bemerke, und diese zum lebsten Inhalte meiner Unterredungen und Gespräche mache. Auch will ich wachsam auf die Gelegenheiten und den Beruf seyn, den du mir ertheilest, vor der Welt ein dankvolles Bekenntniß meiner unendlichen Verpflichtungen gegen deine Religion, und das göttliche, ewig theure Verdienst meines gekreuzigten Heilandes abzulegen. Bei allen schicklichen Anlässen will ich es meinen Nebenmenschen sagen, daß ich alle meine Gewissensruhe, alle meine Kraft, Licht und Stärke zum Anfange in der Tugend, alle Freuden dieses Lebens, allen Trost im Tode, alle frohen Aussichten jenseits des Grabes, nur dem Verdienste Jesu zu danken habe; und hiedurch will ich suchen, mich und meine Nebenmenschen immer mehr zur ehrfurchtsvollen tiefen Werthschätzung und treuen Ausübung dieser ewig, ewig ersprießlichen Religion zu erwecken. Verleihe mir dazu Kraft und Gnade, Gott der Wahrheit und meines Heils! um Jesu Christi willen. Amen. - Erweckung zum frommen Sinn 18. Um chriftlichen Gebrauch der Vergehungen, Thorheiten: und Laster unserer Rebenmenschen. 396 W enn ich Thorheiten, Vergehungen und Laster von meinen Nebenmenschen sehe oder höre, so laß, o mitleidsvoller und barmherziger Gott! diese traurigen Erfahrungen meine Menschenliebe gegen sie nicht schwächen; und verhindre dies in mir durch die erwekkenden Lehren der Religion, daß auch dem ärgsten Bösewichte in jedem Augenblick der Zutritt zu deiner Gnade eröffnet ist, um durch sie gebeffert, geheiliget, begnadiget und zu deiner Freundschaft wieder aufgenommen zu werden, und daß Neigungen und Handlungen, welche bei mir, der ich mehr Erkenntniß und Mittel zur Befferung habe, den Verlust des Gnadenstandes unausbleiblich verurfachen würden, bei meinen Nebenmenschen Unwissenheits- und Schwachheitssünden seyn können. Dann aber laß mich auch eben diese traurigen Erfahrungen, nach der Belehrung deiner Religion, als ein Christ gebrauchen. Laß mich sie anwenden, mich zur Demuth zu erwecken und zu stärken, indem ich mich dadurch an mein eignes ehemaliges Sündenleben und an die noch fortwährenden großen Mängel und Flecken meiner Tugend erinnre. Laß mich sie anwenden, meine Dankbarkeit gegen dich zu erwecken und zu stärken, und mich deiner unermeßlichen Gnade erinnern, die mich aus dem Abgrunde des Lasters und des Unglücks herausgerissen und mich vor so man chen großen Sünden bewahret hat. Laß mich sie zur Erweckung und Stärkung meiner christlichen Vorsicht und Wachsamkeit gebrauchen, und mich erinnern, daß ich den Saamen zu allen solchen und andern Eastern in mir trage, und meine Tugend jeden Augenblick gleichen tödtlichen Gefahren ausgesetzt ist. Laß mich endlich dadurch zum christlichen Mitleiden und zur Wohlthätigkeit erweckt und gestärkt werden, daß ich dies allergrößte Elend meiner Nebenmenschen mit herzlicher Theilnehmung empfinde, und, anstatt sie durch Verachtung, Haß und harte Begegnung zu erbittern und in das Elend noch tiefer hineinzustürzen, vielmehr alle Gelegenheiten sorgfältig bemerke und treulich gebrauche, um durch ihre Besserung ein Wohlthäter sowol an ihnen, als an deinem ganzen Reiche auf der Erde, zu werden. Laß mich auch hierin das Beispiel meines menschenfreundlichen Erlösers stets zum Muster der Nachfolge vor Augen haben, und erhöre mich um desfentwillen. Amen. 19. Um christlichen Gebrauch der Zeit, Kräfte und Gaben Gottes. Mi it herzlichem, ehrfurchtsvollem Danke erkenne und rühme ich deine Gnade, mein Gott! daß du mich hier auf der Erde in ein arbeitsames Leben, in einen solchen Stand und Verbindung gesetzet hast, wo mich eine Arbeit nach der andern beschäftigen muß, und eben hiedurch die Erhaltung meiner Christentugend mir so sehr erleichtert, und mir mein Leben heilsam, ruhig, angenehm und erquickend gemacht wird. Ich preise deine Gnade, welche mir bisher dies Leben, diese Kräfte und Munterkeit meines Leibes und Gemüths, den fröhlichen Gebrauch meiner Augen und andern Sinne, meine Vernunft und Sprache, und die Gaben im Irdischen anvertrauet, und mir dadurch das ehrenvolle Zeugniß giebt, daß du mich in deinem Reiche noch nüßlich findest. Aber nicht bloß mein Mund, sondern auch mein Herz und Wandel, soll dir dafür danken, indem ich diese deine Geschenke und Wandel vor Gott. 397 als ein treuer Haushalter gebrauche. Durch deine Gnade will ich die Geschäfte in dem Stande und Berufe( in dem Amte und Posten), den du mir in deiner Welt angewiesen hast, und die einen Haupttheil meines Christenberufes hier in dieser Vorbereitungszeit ausmachen, mit aller Treue, mit Anstrengung aller meiner Kräfte, und nöthiger Selbstüberwindung in gewissenhafter Hintanfeßung der mir angenehmern Beschäftigungen, ausrichten; ich will sie stets mit freudiger Unverdroffenheit, als einen christlichen Gottesdienst, ausrichten; ich will dabei mit einem kindlichen Vertrauen dich ehren, indem ich die Beschwerden, die damit wegen der etwanigen Schwachheit meines Leibes und anderer Zufälle verbunden sind, nebst dem oft mißlingenden guten Erfolge, geduldig als deine Anordnung trage, und ohne alle ängstliche Üeberlegungen und unruhige Bestrebungen den Fortgang und Ausgang davon lediglich deiner weisen und väterlichen Vorsehung überlasse. Insbesondere schenke mir, Vater meiner Seele! deine Gnade, daß ich sie immer mehr mit einer recht christlichen Lauterkeit ausrichte. Reinige mich von der großen Anhänglichkeit an dem irdischen Lobe und Beifalle, und von aller übertriebenen Begierde, dadurch mir zeitliche Vortheile zu erwerben, und setze mein Herz, durch die Liebe zu dir und durch die christliche Hoffnung jenes ewigen Lebens, immer mehr in die allerfeligste Verfassung, daß ich alle meine Geschäfte, wo möglich, o Gott, mein Gott! nur ganz allein in der edlen Absicht thue, dadurch dir zu gefallen, deinen Befehl auszurichten, deinem Reiche nüßlich zu werden, und für meine Ewigkeit heilsam zu arbeiten. Wie vernünftig, wie edel, wie heilsam ist es doch für mich, wenn ich, bei solchem Herzen und Leben, es dir lediglich überlaffe, ob, und wie viel irdische Ehre, Beifall und andere zeitliche Güter du mir durch meine Geschäfte schenken willst. Durch deine Gnade will ich mich aber auch bereit halten, auch die andern menschenfreundlichen Handlungen, wozu ich in dem Laufe eines jeden Tages Gelegenheit und Kräfte finde, wo ich meinen lieben Nebenmenschen mit Belehrung und gutem Rathe zu statten komme, liebreichen freundlichen Umgang mit ihnen pflegen, thätige Unterstüßung, Erquicklung, Erfreuung, Aufmunterung zum Guten, und so weiter, ihnen geben oder durch Andre verschaffen kann, mit aller Treue und Lust auszurichten. Die Wohlthaten, die du mir selbst an Leib und Seele erzeigen wirst, will ich mit frohem, dankbarem, unschuldigem und zufriedenem Herzen genießen. Ich will darin deine Vaterliebe schmecken und empfinden, mich über dich freuen, und durch solche Freude meine Dankbarkeit und willigen Gehorsam gegen dich zu ver= stärken suchen. Jede Freude, die mir auf dem Wege durch dieses Leben begegnet, laß mich mit einem solchen Herzen, voll von Zärtlichkeit gegen dich und voll Liebe zu deinen Menschen, so ganz und inniglich genießen. Denn du, Vater der Freude! giebst sie uns nur dazu, daß wir uns freuen sollen; und sie freudig genießen, ist Gehorsam gegen dich. Ich will endlich die allerfeligste Erlaubniß, die du mir durch Jefum geschenket hast, in jedem Angenblicke mit kindlicher Freimüthigkeit mich zu dir zu nahen, sorgfältig benußen; ich will das beständige Andenken an dich in mir erhalten, meine Seele mit öftern gottseligen Empfindungen, Betrachtungen, oder auch Seufzern und Gebeten für mich und meine lieben Nebenmenschen, zu dir emporschwingen, und mich also in den christlichen Geist des beständigen Gebets immer mehr zu versetzen suchen. Arzt und Vater meiner - Erweckung zum frommen Sinn Seele! hilf mir zu der Gegenwart des Gemüths, daß meine Pflichten nebst den großen Bewegungsgründen und schicklichen Mitteln, fie zu erfüllen, mir zu jeder schicklichen und bequemen Zeit einfallen, und mich zu allen jenen guten, edlen, seligen Thaten stärken. Schaffe du selbst in mir, was dir wohlgefällt. Ewig sey dir Ehre und Anbetung gebracht! Amen. 398 20. Aufmunterung zu solchem Wandel vor Gott. ( o vor dir, mein Gott, zu wandeln, so vor dir als ein Christ zu wachen, zu kämpfen, zu beten und zu handeln, soll mich 1) die kindliche Liebe und Dankbarkeit gegen dich ermuntern. Ganz unzählig und unermeßlich sind deine Wohlthaten, womit du mich durch das Verdienst Jesu Christi erfreuet hast und noch immerfort erfreuest. Jeder Tag, jede Nacht sind mit neuen Gunstbezeugungen bezeichnet. Der sanfte erquickende Schlaf, den du mir schenkest, dieser fröhliche Gebrauch meiner Augen, Ohren und anderer Sinne, meiner Vernunft und Sprache, mein zeitlicher Wohlstand, meine Gemüths- und Leibeskräfte, diese neue Nahrung für meine Herr! mehr als Seele, die gnädige Erlaubniß, zu dir zu beten; Haare auf meinem Haupte, mehr als Sandkörner am Ufer des Meers, mehr, als Strahlen aus der Sonne seit dem Anfange der Welt gefahren sind, sind die Gunstbezeugungen, die du mir bisher erwiesen haft und noch immerfort durch alle Ewigkeit erzeigen willst. Gott, wie äußerst schändlich und strafbar wird für mich jede Sünde! Wie stark und viel sind die Bande der Liebe und Treue, womit ich dir zum kindlichen Gehorsam verbunden bin! O! ich müßte der allerniederträchtigste, schändlichste Mensch, ein rechtes Scheusal und Schandfleck in deiner Schöpfung müßte ich seyn, wenn ich mich nun noch von irgend einer Sünde wollte sclavisch beherrschen und durch irgend etwas in deinem Dienste muthlos und verdrossen machen laffen. Gott, mein Vater! gieb mir Weisheit und Kraft, daß ich in dem Laufe eines jeden Tages deine vorzüglichen Liebesproben forgfältig bemerke, mein Herz zu dir, dem so liebreichen, so groß müthigen und freundlichen Wohlthäter, durch innige Empfindungen oder auch Seufzer und Gebete des Ruhms und Dankes emporhebe, und dadurch dieser meiner noch so sehr schwachen Liebe und Dankbarkeit gegen dich neue Nahrung und Stärke verschaffe. So laß denn auch heute meine Seele immer mehr mit der allertiefsten Ehrfurcht und Anbetung deiner unermeßlichen Majestät, und mit einer recht zärtlichen Liebe gegen dich, mein Vater! angefüllet werden, und hiedurch neue Gotteskraft zum Haffe und ewigen Kampfe wider alle Sünde, und zu einem ungetheilten, recht willigen, freudigen Gehorsam gegen alle deine noch so bittern Schickungen, und gegen alle deine, auch noch so schweren Befehle, empfangen. Ich ermuntre mich zu diesem frommen Wandel 2) durch die christ liche Ehrbegierde, durch die Betrachtung der Größe, der Vorzüge und Glückseligkeit, die ich als ein Christ besige und dereinst noch besigen werde. Diese edle Empfindung meiner allererhabensten Würde, um Jesu willen dein Freund und Kind zu seyn, soll mich mit Ekel und Abscheu gegen alle Sünde, als die alleräußerste Schande, anfüllen, mir Ehrfurcht gegen mich selbst und ein demü thiges Selbstgefallen einflößen, und dadurch ein kräftiger Antrieb werden, daß ich aus aller Macht dahin strebe, dir meinem Freunde und Wandel vor Gott. und Vater, ähnlich zu werden, und in allen Stücken meiner erhabenen Würde gemäß zu denken, zu begehren und zu handeln. Ich ermuntere mich dazu 3) durch die christliche erleuchtete Selbstliebe. Zum Ruhm deiner Barmherzigkeit muß ich bekennen, daß dein redlicher Dienst bisher, aller seiner vielen und großen Mängel und Flecken ungeachtet, eine göttliche Ruhe, Zufriedenheit, Heiterkeit und so manche himmlische Freuden in meiner Seele verbreitet hat. Nur die Sünde allein ist der einzige Feind und Störer meines Glücks. Diese will ich daher von ganzem Herzen hassen und fliehen, und alle meine Kräfte darauf richten, daß ich die Zahl meiner christlichen, gottfeligen Gesinnungen und Thaten immer vermehre, und dadurch neue götttliche Ruhe und Freude in meine Seele leite. 399 Ich ermuntre mich 4) dazu durch das lebhafte Andenken an deine Allgegenwart. In alle Ewigkeit kann ich dir die allerfeligste Belehrung, die mir deine Religion giebt, nicht genug verdanken, daß du, mein allmächtiger, allwissender, unendlich liebreicher Gott und Vater! mir allenthalben und zu allen Zeiten, im Hause und außer dem Hause, bei meinen Arbeiten und Ergötungen, in meiner Einsamkeit und in meinen Gesellschaften, bei meinen Leiden und Freuden unmittelbar zugegen, und der allwissende, liebevolle Zeuge meiner Handlungen, Reden, Begierden und der geheimsten Gedanken meiner Seele bist. So weiß ich denn, daß mich keine zu schwere Versuchung befallen, und es mir nie an Kraft zum Guten fehlen kann; denn deine Macht ist mir stets zur Seite. So weiß ich auch, daß nicht das Geringste von allem dem, was ich in deinem redlichen Dienste unternehme, verloren ist. Jede gottselige Ergebung in deinen Willen, womit ich die Mühseligkeiten bei meinen Arbeiten, die Trübsale dieses Lebens, die Krankheiten und Beschwerden eines stechen Leibes, die du mir etwa auflegen möchtest, ertragen werde; jede Selbstüberwindung, die ich mir bei dem Genusse der Nahrung und erlaubter Vergnügen, bei den Beleidigungen Anderer, bei den Regungen des Stolzes, oder bei andern Gelegenheiten, aus Gehorsam gegen dich anthue; jeder treue Kampf, den ich wider die Unmäßigkeit, Heftigkeit, Zorn und andere Reizungen führe; jede fromme, auch bloß innere Bestrebung, womit ich dir wohlzugefallen trachten werde; ja, jeder Kummer, jede Sehnsucht, jeder Seufzer, den mir die Empfindung meines geistlichen Unvermögens und das Andenken der bessern, ewigen Welt auspressen wird; dies alles, so schuldig, so unvollkommen und wenig bedeutend es auch ist, wird von dir, mein Gott! mit Gnade bemerkt, bleibt, wenn ich es selbst schon lange vergessen habe, deinem allwissenden Verstande ewig gegenwärtig, wird mir von dir, um Jesu willen, mit deinem Beifalle und größern Liebe belohnt, wird mir ein Denkmal vor dir im Himmel, und wird mich, noch nach Jahrhunderten, in deinem Himmel ergößen. Dies soll mir neue Lust und Stärke einflößen, allenthalben nur nach gläubigen edlen Werken und hierdurch nach dem ewigen Leben zu trachten. Endlich 5) laß mir das große Ziel aller christlichen Wünsche, Hoffnungen und Bestrebungen, die selige Ewigkeit, nie aus dem Gesichte kommen. Wenn die Beschwerden und Mühseligkeiten dieses Leibes und Lebens mich niederschlagen; wenn die Peinlichkeiten bei den Kämpfen wider die Sünde mich muthlos und verdroffen machen wollen; wenn die Mühe, die mein verdorbnes Herz mir bei der 400 Erwedung zum frommen Sinn und Wandel vor Gott. Ausübung und Befolgung deiner Gebote verursachet, mir eine Laſt werden will; alsdann laß die fröhliche Erwartung des fünftigen, bessern, durch die vollkommenste Tugend und feurigste Andacht ewig beglückten Lebens, und die Erinnerung, daß mich jeder Augenblick dahin einführen kann, mein Anker, meine Stütze, mein Labsal werden. Da will ich denn meine Glaubensblicke in jene ewige Welt richten, sie an mein Vaterland heften, und mich dadurch göttlich stärken. So, mein Gott! will ich, so,( denn du bist meine Hülfe!) fo werde ich heute und in der folgenden Zeit meiner Tage leben, daß ich in jedem Augenblicke mit Zustimmung meines Gewissens und mit Uebereinstimmung meines ganzen Lebens sagen kann:„ Ich habe den edlen Glaubenskampf gekämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Treue gegen dich bewahret. Darum liegt nun auch schon die Krone der Tugend für mich bereitet da, welche du, Herr, mein gütiger Rich" ter! mir und alle den vielen Tausenden geben wirst, die dich von " Herzen lieb haben." Amen! Amen! 21. Tägliches Gebet einer gottesfürchtigen Familie. A Ulmächtiger Gott, Vater und Schöpfer aller Menschen und Geschlechter auf Erden, von dem wir alle Leben und jede Art der Glückseligkeit haben, und der du würdig bist, dafür von uns in Worten und Thaten gepriesen und angebetet zu werden! Wir nahen uns zu dir, dir insbesondere für die häuslichen Glückseligkeiten, die du uns verliehen hast, mit inniger Empfindung unserer Herzen zu danken. Wir danken dir, weiser und gütiger Vater! für die geselli gen und freundschaftlichen Neigungen, die du uns eingepflanzet, und für die füßen Empfindungen der wechselseitigen Liebe, wodurch so viele Freuden im häuslichen Leben auf uns zurückfallen, für die Ge sundheit und Ruhe, die du uns verliehen, für die Speise und Trant, womit du uns erquickt und genährt, für die Kleidung, womit du uns bedeckt, für die friedliche Wohnung, worein du uns gesetzt, für den guten Fortgang, womit du unsere Geschäfte gesegnet, für den Trost, wodurch du uns bei Unglücksfällen gestärkt und aufgemuntert, und für alles, was du uns zu unsrer Zufriedenheit und zu unserm Wohlstande gegeben hast. Dich, Vater unsrer Seelen, preisen wir infonderheit für die Vortheile, die du uns durch unsere häusliche Verbindung geschenket hast, uns zum gemeinschaftlichen Gebete vor dir zu vereinigen, uns unter einander in guten Grundsäßen der Religion und Tugend zu befestigen, liebreiche, wohlwollende und tugendhafte Neigungen zu unterhalten, und unsere gegenseitige Wohlfahrt zu befördern. Gott! der du bisher unter uns gewohnet, und uns insgesammt, und jeden insbesondere, mit Wohlthaten begnadigt haft; sey auch künftig der stets gegenwärtige, gnädige und gü tige Gott und Vater unsers Hauses. Wir überlassen uns auch fünfHig deiner Aufsicht und Vorsehung. Dir, der du nach deiner Allwiffenheit am besten weißt, was uns gut ist, dir vertrauen wir mit kindlicher Zuversicht, du werdest uns auch künftig, wenn es uns heilsam ist, vor Krankheiten, vor Gram und traurigen Zufällen bewahren, uns in der Fortdauer unsrer häuslichen Glückseligkeit erhalten, uns die Gaben deiner Güte mit frohem Muthe und Vergnüg samkeit genießen lassen, und unser Herz mit Freude und Dank über die Wohlfahrt eines jeden Gliedes unsers Hauses erfüllen. Sollte es aber deiner unendlichen Weisheit gefallen, uns mit Leiden am Let Tägliches Gebet einer gottesfürchtigen Familie. 401 be oder an der Seele, oder mit Verlust unsrer Güter heimzusuchen; so gieb auch, daß wir uns alsdann deinen Schickungen geduldig unterwerfen, uns dadurch desto mehr zum Gehorsam gegen deine Gebote erwecken, und bereitwillig sind, durch gegenseitige Liebe und Mitleiden einer des andern Last zu erleichtern und zu tragen. Mache du, Gott der Heiligkeit und der Liebe! mache uns alle zu einer christlich- frommen und gottesfürchtigen Familie. Laß jeden unter uns, nach seinem Stande und Umständen, seine Pflicht mit gewissenhafter Treue und Eifer thun. Mache die Häupter und Herrder schaft dieses Hauses zu Mustern der Frömmigkeit, des Fleißes, Mäßigkeit und Keuschheit, der Demuth, der Menschenliebe, der Sanftmuth und jeder andern Tugend, und gieb, daß wir durch ih= ren nüßlichen Unterricht, noch mehr aber durch ihr gutes Erempel, die Fallstricke des Lasters und der Sünde vermeiden, und ihrem edlen Beispiele nachfolgen mögen. Laß die Eltern es zu ihrem täglichen und wichtigsten Geschäfte machen, ihre Kinder fromm und chriftlich zu erziehen, ihnen Erkenntniß, Liebe und Ehrfurcht gegen deine Religion, und jede Tugend des Christenthums einzuprägen, und sie zu Zierden ihrer Familie, zu nüßlichen und würdigen Menschen und zu fünftigen Erben der Seligkeit zu bilden. Flöße den Kindern dieses Hauses Gehorsam und Ehrerbietung gegen ihre Eltern und Vorgefesten, und Nachsicht und Gefälligkeit gegen einander ein, damit sie in beständigem Frieden unter einander leben. Laß sie alles Gute, wodurch sie fromm, glücklich und in der Welt brauchbar werden können, mit Eifer lernen, und den Unterricht ihrer Lehrer und Freunde mit Demuth und Dank annehmen. Befreie ihre Herzen von aller Bosheit und Rachsucht, und laß sie alle Lügen, Unredlichkeit, Falschheit, Betrug und Verläumdung als den ärgsten Schandfleck fliehen. Präge ihren Gemüthern eine stets dankbare Erinnerung gegen ihre Eltern, Verwandte, Lehrer, Freunde und Wohlthäter ein, damit sie nie das Gute vergessen, das sie von ihnen empfangen haben. Laß ihr Herz mitleidig gegen Arme und Traurige seyn, und eine wahre Freude am Wohlthun empfinden,- und mit den Jahren, so wie am Alter, also auch am Berstande, an Tugend und Gnade bei dir immer mehr zunehmen, damit sie sowol in diesem als in jenem zukünftigen Leben glücklich feyn mögen. Unsern Dienstboten( und allen denen, die auf eine oder die andere Weise in dem Dienste dieses Hauses stehen) präge Gottesfurcht und Tugend, die Grundlage aller Redlichkeit und Treue, in ihr Herz. Lehre und überzeuge sie, daß gewissenhafte Treue und Fleiß in der Abwartung ihrer Arbeiten, und redliche Ausrichtung der Befehle ihrer Herrschaft ein Haupttheil ihres chriftlichen Gottesdienstes sey; daß Aufrichtigkeit und Treue, daß Ehrerbietung, Folgfamkeit, Liebe und Bescheidenheit gegen ihre Herrschaft, daß Keuschheit und Ehrbarkeit ihr Schmuck und ihre Ehre, und hingegen Müssiggang und Faulheit, Ungehorsam, Grobheit und Widerspenstigkeit, daß Lügen, Betrug und Schadenfreude, Unkeuschheit und wüstes Leben ihre wahre Schande sey. Erfülle sie daher mit Ekel und Abschen gegen diese und alle übrige Laster, und mit Sehnsucht, Liebe und Underdroffenheit zu jenen Tugenden; damit sie auch gegen dich, den allmächtigen und höchsten Herrn, als getreue und fromme Knechte und Mägde erfunden werden, und der Belohnungen in deinem Reiche fähig seyn mögen. Sc 402 Tägliches Gebet einer gottesfürchtigen Familie. sd Mache uns endlich, Gott, unser Vater! zu einer solchen Familie, worin wahrhaftig liebreiche Gesinnung und christliche Eintracht herrschet. Laß uns alle uns unter einander aufrichtig und mit reinem Herzen lieben. Laß uns jedes gute Werk nach den Umständen unfers verschiedenen Berufs mit Freuden thun, jeden das Seinige zum allgemeinen Besten unsers Hauses treulich beitragen, und jeden des Andern Glück und Wohlfahrt recht herzlich zu befördern suchen. Niemand unter uns müsse dem Andern, ohne Noth und Recht, Betrübniß, Kränkung, Gram und Verdruß verursachen. Laß die, die unter uns jung sind, den betagten und granen Häuptern dieses Haufes durch jede mögliche Beweise der Achtung, der Dienstfertigkeit und Gefälligkeit die Tage des Alters, der Schwachheit und des Unvermögens erträglich zu machen suchen; und die Alten laß für die Jüngern ein tägliches Muster der Nachsicht, der Zärtlichkeit, der Geduld und Einträchtigkeit seyn. Stolz und Neid, Unzufriedenheit, unnütze Klagen und mürrisches Wesen, Argwohn und Eifersucht, Zantsucht und Zorn, und alle unfreundliche, menschenfeindliche Leidenschaften sollen ferne von uns seyn. Wir wollen einer des andern Schwachheit geduldig tragen, und mit Sanftmuth und Liebe seine Fehler zu verbessern suchen. Alle edlen, liebenswürdigen und freundschaftlichen Empfindungen sollen unsere Herzen beherrschen, und die Begierde, einander zu dienen und zu gefallen, soll in allen unsern Handlungen sichtbar werden. Unsere Wohnung soll ein Siz der Freundschaft und der Liebe seyn; Unschuld und Tugend soll mitten unter uns wohnen; und die Stimme der frommen Freude und Dankbarkeit gegen dich, unsern gemeinschaftlichen Vater und Wohlthäter, soll sich täglich unter uns hören lassen. Und so wollen wir unser ganzes Leben hindurch erfahren und empfinden, wie sanft und lieblich es ist, wenn christliche Brüder einträchtig bei einander wohnen, und Friede und Freundschaft sich in einem Hause küssen. Und wenn endlich der traurige Augenblick unserer Trennung auf Erden erscheint; so bringe uns dahin, wo wir nie wieder getrennt werden, sondern in den Wohnungen des Friedens und der Freude ewig durch deine unendliche Gnade bei einander wohnen, die uns Jefus, unser Erlöser und Mittler, erworben hat. Ihm und dir, seinem und unserm Vater, sey Preis und Anbetung in Ewigkeit! Amen. Ueber das heilige Abendmahl. 22. Nachdenken über den Zweck und Nußen des heiligen Abendmahls. Das heilige Abendmahl, das von Jesu Christo geſtiftet und eingefebet, und dessen Genuß mir und allen Bekennern seiner hetligsten Religion anbefohlen ist, ist eine gottesdienstliche Handlung, die ich eben so wenig, als die übrigen Anordnungen seiner Religion, vorfäßlich unterlassen darf, wenn ich ein Christ seyn will. Vielmehr lege ich durch diesen Genuß ein feierliches Bekenntniß ab, daß ich ein Christ bin, daß ich es für eine Ehre und Glück halte, ein Christ zu seyn, und daß ich mich meines Erlösers vor Gott und aller Welt Ueber das heilige Abendmahl. rühme und freue. Und will ich von diesem Genusse Nußen haben; so bin ich nicht nur verbunden, mich deffen oft zu bedienen und den Genuß fleißig zu wiederholen, sondern mir auch richtige Begriffe davon zu machen, und mit dem Gebrauche desselben die rechten Absichten und eine schickliche christliche Gemüthsverfassung zu verbinden. 403 Dieser Genuß des heiligen Abendmahls aber soll mir 1) ein demüthiges nnd herzliches Lobopfer für die unermeßliche Gnade meines Gottes seyn, daß er mir durch Jesum Christum die Mittel zu meiner Besserung, Begnadigung und Seligkeit geschenkt und mir so unzählige, schändliche und strafbare Sünden vergeben hat. Welch eine unaussprechliche Wohlthat ist es, daß Gott der Welt und mir einen Erlöser geschenkt, der mir durch seine heiligste Lehre den deutlichsten und zuverlässigsten Unterricht von dem Willen meines Schöpfers, von meiner Bestimmung, von meinen Pflichten, von dem Wege zu meiner Glückseligkeit, und dabei die troftreiche Versicherung ge= geben hat, daß er für meine Sünden gestorben sey, damit ich durch ihn Gnade, Vergebung, Unsterblichkeit und ewiges Leben erlangen sollte! Ach was würde aus mir geworden seyn, wo wollte ich Ruhe des Gewissens, Muth und Kraft zum Anfange und Fortgange in der Tugend hernehmen, wenn ich nicht die Wahrheiten der Religion und das Verdienst meines Heilandes hätte! Welch eine unaussprechliche Liebe Gottes, die so viel für mich gethan, mir so viel vergeben hat! Was thut Gott nicht noch an mir, indem er mir den Genuß dieser Gnade noch immer fortseget, mich in der Theilnehmung an der christlichen Religion und der Erlösung Jesu noch immer bleiben läßt, mir tägliche Erweckungen, tägliche Hülfsmittel zur christlichen Frömmigkeit schenkt, mir jede Stufe der Heiligung erleichtert, mir die Versuchungen zur Sünde überwinden, und die Hindernisse auf dem Wege der Tugend besiegen hilft! Welch unermeßliche Reichthümer von Langmuth, zärtlicher Vatertreue, Sorgfalt und Bemühung für meine Besserung, welche Barmherzigkeit, Wohlthätigkeit und Freundlichkeit Gottes erblicke und empfinde ich, wenn ich in mein voriges Sündenleben zurücksehe! Mehr als Sand am Meere sind seine Gnaden! An dies alles erinnert mich das Gedächtnißmahl meines Erlösers, in welchem und durch welchen mir alle diese Gnaden widerfahren sind und noch widerfahren; und dies soll, dies muß mich nothwendig zur aufrichtigsten, innigsten Dankbarkeit, Verehrung und Liebe gegen Gott, meinen höchsten Wohlthäter und treuesten Freund, erwecken. Der Genuß des heiligen Abendmahls soll mir 2) eine dankbare Erinnerung und Verherrlichung des am Kreuze gestorbenen Erlösers seyn. Jesus, der Sohn Gottes, der allererhabenste, der Gegenstand des allerhöchsten Wohlgefallens Gottes, stirbt am Kreuze aus Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater! Was für Begriffe giebt mir diese Unterwerfung von seiner erhabenen Seele! Mit wel= cher Ehrfurcht muß ich ihn nicht preisen und verehren! Wie muß mir nicht dieser Anblick die Wahrheit tief einprägen, daß nichts, als liebevoller Gehorsam gegen Gott, uns vor ihm theuer und werth mache! Dies soll meinen himmlischen Sinn mit neuer Stärke beleben. Nicht in den Gütern dieser Welt, nicht in dem Beifalle und Ruhme, dem Ansehen, dem Gelde und der Macht der Erde, sondern in dem Besitze der durch Jesum den Gekreuzigten uns erworbenen göttlichen Gnade und Seligkeit im Himmel, foll ich von nun an mit verstärktem Eifer mein Ein und Alles suchen. c2 Ueber das heilige Abendmahl. Ich soll mich dabei 3) des Heilandes dankbar erinnern, der für unsere Sünde gestorben ist. Welch ein einleuchtender, schrecklicher Beweis des heiligsten Hasses Gottes gegen alle Sünde, und seiner allervollkommensten Strafgerechtigkeit! Dies soll denn auch meinen Haß und Abscheu gegen alle und jede Sünde verstärken. Keine einzige Sünde darf ich hegen. Jede soll ich verabscheuen, ewig haffen und verbannen. Auch alles Glück in der Welt soll mir nichts werth, soll mir schrecklich seyn, wenn ich es durch Sünden erkaufen muß. Dies aber soll auch meinen Glauben und mein Vertrauen auf Gott durch Jesum Christum stärken und neu beleben. Durch seinen Tod find nun alle meine Sünden versöhnet, auch alle meine noch fort dauernden Mängel und Schwachheiten gut gemacht. Nun kann mein Glaube in Gott einen gnädigen Gott anbeten, zuversichtlich seinen ununterbrochenen Beistand zu allem Guten bis an meinen seligen Tod erwarten, und freudig nach dem bessern, in Tugend und Andacht vollkommenen Leben aussehen. Dies soll endlich meine treueste, dankbarste, zärtlichste Gegenliebe gegen meinen Erlöfer, an welchem und durch welchen Gott solche Wunder seiner unermeßlichen Liebe bewiesen hat, stärken und mit neuer Kraft beleben. 404 Endlich soll mir dieser Genuß eine dankbare Erinnerung und Lobpreisung des Heilandes seyn, der für alle Menschen gestorben ist. Wie theuer, wie unermeßlich theuer ist also ein Mensch in den Augen meines Heilandes und meines Gottes! Und ich, ich sollte den nicht ehren, dem nicht wohlwollen, den nicht herzlich lieben, für den Jesus sein Leben gelaffen, für den Gott seinen Sohn dahin gegeben hat? Ja, hier im Abendmahl überzeuge ich mich auf's neue von meiner Pflicht einer allgemeinen Menschenliebe, und wiederhole dazu meine heiligsten Gelübde. Bei dem Brode, von dem ich in Gesellschaft mit meinen vornehmen und niedrigen, mit meinen reichen und armen Nebenmenschen effe, bei dem Freundschaftsbecher, aus welchem ich mit ihnen allen trinke, bei diesem Ehren- und Freudenmahle des Menschengeschlechts, zu dem auch ich geladen werde, bei dem Leibe und Blute meines Bruders und Herrn, gelobe und schwöre ich:„ Neid und Groll und Haß und Lieblosigkeit sollen meine ärgsten Feinde, jeder Mensch, auch der niedrigste Knecht, auch mein ärgster Feind, soll ein Gegenstand meines Wohlwollens, Andern Vergnügen machen und wohlthun, soll meine Freude seyn." N 23. Selbstprüfung vor dem Genusse des heil. Abendmahls. Dies soll die Absicht, dies soll der Nußen, dies ſollen die Gefinund die und weswegen mich bei dem Tische des Herrn für seinen Jünger und Nachfolger erkläre, und durch diese heilige Handlung es jedermann sage, daß ich mich glücklich schätze, Gemeinschaft mit ihm zu haben, und sein Verehrer, sein Erlöseter, sein Unterthan zu seyn. Aber habe ich diese Absicht wirklich? Habe ich diese Eigenschaften an mir, die wahre Christen haben müſsen? Halte ich Jesum Christum für denjenigen, der er wirklich ist? Verehre ich ihn als den Sohn und Gesandten Gottes, als den Herrn und König der Welt? Weiß ich, was er zum Besten der Menschen gethan und gelitten hat, und empfinde ich den Werth feiner großmüthigen, alles für uns aufopfernden Liebe? Habe ich eine hinlängliche, eine zu meiner Besserung und Beruhigung hins - - - Ueber das heilige Abendmahl 405 längliche Erkenntniß von der Lehre, die er vom Himmel gebracht und uns durch seine Boten kund gemacht, und von den Regeln des Verhaltens, die er mir vorgeschrieben hat? Halte ich diese Lehre für wahr und göttlich? Sehe ich diese Vorschriften als Gefeße an, denen ich allen Gehorsam schuldig bin? Verlasse ich mich auf seine VerheiBungen als auf Zusagen Gottes, die mich unmöglich täuschen können? Ehre ich ihn also mit wahrem Glauben, mit dem festen Zutrauen, daß ich unter seiner Anführung und in seiner Nachfolge nicht irre gehen, und des Ziels der Vollkommenheit nicht verfehlen kann? Bin ich durch Jesum wirklich selig geworden? Genieße ich wirk lich, wenigstens dem Anfange nach, die Freiheit, die er den Menschen zu verschaffen, in die Welt gekommen ist? Bin ich frei von dem heidnischen Aberglauben und der jüdischen Aengstlichkeit in Absicht auf Religionssachen und gottesdienstliche Gebräuche? frei von allen knechtischen Gesinnungen gegen Gott und von allen feindseligen Gesinnungen gegen die Menschen? frei von der Herrschaft der Sünde und des Lasters, von der Tyrannei unordentlicher Begierden und Letdenschaften, von der sklavischen Furcht vor dem Tode und der Hölle? Bemühe ich mich insbesondere, um immer mehr ein Christ, und dadurch immer feliger zu werden? Bemühe ich mich ernstlich, meinen Sinn und mein Verhalten ganz nach dem Sinne und dem Verhalten Jefu Chrifti einzurichten? Dies, dies ist ja das wesentlichste Kennzeichen des wahren Christen. Mein Heiland selbst sagt mir: Wer mein Jünger seyn will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thun sollt, wie ich euch gethan habe. Das ist mein Gebot, daß ihr euch unter einander liebet, gleichwie ich euch geliebet habe. Und seine Boten rufen mir allenthalben zu: Ein jeglicher sey gesinnet, wie Jesus Christus gesinnet war! Sehet auf Jesum, das höchste Muster der Treue und Standhaftigkeit; wer in ihm bleibt, wer seiner Gemeinschaft sich rühmen will, der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat. Kömmt denn wol meine Gesinnung und Denkungsart, kömmt mein Verhalten mit dem Sinne und dem Verhalten meines Herrn überein? Könnte wol derjenige, der die Geschichte Jesu läse, und dann ein unbemerkter Zeuge meiner Gesinnungen und meiner Handlungen wäre, den richtigen Schluß daraus ziehen, daß ich mir die Person, deren Geschichte er gelesen, zum Muster vorgesetzt hätte, und daß sich eine merkliche Aehnlichkeit zwischen ihr und mir zeigte? Bin ich so gegen Gott gesinnt, wie Jesus Christus gegen seinen himmlischen Vater gefinnet war? Wird mein Herz von den Empfindungen der Ehrfurcht, der Liebe, des Gehorsams, der Unterwerfung, der Dankbarkeit, des Vertrauens gegen dieses erhabenste Wesen belebt, wie Jesus zu allen Zeiten und unter allen Umständen seinen Vater verehrte? Ziehe ich, gleich ihm, seine Gunst und sein Wohlgefallen allen Gütern und Freuden dieser Erde, dem Beifalle der ganzen Welt vor? Ist es mir, gleich ihm, vornehmlich darum zu thun, seinen Willen zu erfüllen, die Absichten, weswegen er mich auf den Erdboden und in den Stand, worin ich mich befinde, gesetzt hat, zu erreichen; die Gaben und Kräfte, die er mir verliehen, auf die müßlichste Art anzuwenden, und seine Ehre durch ein heiliges Leben zu befördern? Richte ich, wie mein Heiland that, meine Gedanken und mein Herz auf Gott, um ihm alles Gute als unverdiente Wohl Ueber das heilige Abendmahl. thaten zu verdanken, und alles Böse als weise, gütige Schickungen seiner Vorsehung von seiner väterlichen Hand anzunehmen? Finde ich, gleich meinem Heilande, ein inniges Vergnügen daran, mich mit meinem Geiste zu ihm zu erheben, mich mit seiner Anbetung und Lobpreisung zu beschäftigen, ihn öffentlich und gemeinschaftlich mit meinen Brüdern zu verehren, und durch dies alles Gemeinschaft mit ihm zu haben, und mich seiner nähern Gemeinschaft immer fähiger zu machen? 406 Bin ich ferner so gegen meine Rebenmenschen gesinnet, wie Jesus gegen die Menschen gesinnet war? Verhalte ich mich so gegen sie, wie er sich gegen sie verhielt? Er liebte sie alle als seine Brüder, als Kinder seines Vaters, und schloß selbst seine Feinde und Verfolger nicht von seiner Liebe aus. Er suchte ihnen allen nüßlich zu werden, that gern allen Gutes, und ließ sich auch durch ihren größten Undank nicht abhalten, solches zu thun. Er war gegen jedermann gerecht, billig, freundlich, gütig, herablaffend; bewies sich ge= gen alle demüthig, fanftmüthig, geduldig, versöhnlich, ob er gleich die größten Vorzüge vor allen besaß, und niemand die geringste Urfache gegeben hatte, ihn zu beleidigen, oder ihm mit Verachtung zu begegnen. Nie vergalt er Böses mit Bösem, oder Scheltworte mit Scheltworten; nie rächte er sich selbst, ob er gleich die Macht dazu in Händen hatte, und das Unrecht allemal ganz allein auf der Seite seiner Beleidiger war. Enthaltsamkeit, Selbstverleugnung, Aufopfes rung, Leiden, Reden, Thun, alles war dem Besten seiner Brüder, dem Heile der Menschen gewidmet. Ist dies auch die Art, wie ich alle meine Nebenmenschen ansehe, wie ich sie liebe, wie ich mit ihnen umgehe, wie ich ihre zeitliche und geistliche Glückseligkeit suche und befördre? Sind dies die Regeln, denen ich in meinem Verhalten gegen sie folge, ich mag es mit Niedrigen oder mit Vornehmen, mit Armen oder mit Reichen, mit Klugen oder Einfältigen, mit Feinden oder mit Freunden zu thun haben? Denke und empfinde, und arbeite und lebe ich eben sowol und noch mehr für Andere, als für mich felbft? Welche Vortheile, welche Vergnügungen, welche Bequemlichkeiten opfre ich ihnen wol auf? Strebe ich wenigstens ernstlich und unabläffig danach, mir diesen demüthigen, wohlthätigen, versöhn lichen, gemeinnützigen, großmüthigen Sinn Jesu recht zu eigen zu machen, und darin meine Ehre und Glückseligkeit zu suchen, wenn ihn auch alle Welt für Schwachheit, für Niederträchtigkeit, für Mangel des Muths und der Empfindlichkeit halten sollte? Bin ich endlich so gegen die gegenwärtigen und zukünftigen Dinge gesinnet, wie Jesus Christus gefinnet war? Beurtheile ich die Güter, die Vorzüge, die Vergnügungen der Erde so, wie er sie beurtheilte? Halte ich sie, gleich ihm, für Dinge, die keinen großen Werth haben, deren Besitz wir nie zum letzten Ziele unsers Bestrebens allein machen, die wir nicht als Endzwecke, sondern als Mittel, unsre Kräfte und unsre Tugend zu üben und Andern wohlzuthun, schäßen und lieben dürfen? Suche ich in dem Besitze und in dem Genuffe dieser Dinge eben so wenig meine ganze höchste Glückseligkeit, als er sie darin suchte? Bin ich, gleich ihm, bereit, alle diese Dinge, ja mein Leben selbst, fahren zu lassen und sie meinem Gewiffen und meiner Pflicht aufzuopfern, wenn ich sie nicht behalten kann, ohne diese zu verleßen? Wollte ich lieber noch so arm, noch so verachtet, in den Augen der Welt noch so elend seyn, als daß ich vorsäßlich Böses Ueber das heilige Abendmahl. 407 thun und die Gefeße meines Gottes übertreten sollte? Suche ich hingegen in der Erkenntniß der Wahrheit, in der Ausübung der Tugend, in einem frommen, wohlthätigen, gemeinnüßigen Leben, meinen größten Gewinn und meine ganze Ehre, wenn ich gleich vor der Welt unbekannt und wenig geachtet und unbelohnt bleibe? Gewährt mir jeder Sieg, den ich über mich selbst erhalte, jede gute That, die ich verrichte, jeder Schritt, wodurch ich mich der christlichen Vollkommenheit nähere, mehr wahres Vergnügen, als der glückliche Fortgang meiner irdischen Geschäfte? Betrachte ich mich, gleich meinem Erlöser, als einen Gaft und Fremdling hier auf Erden, der seine höhere Bestimmung stets vor Augen hat, nach dem Hause seines Vaters eilet, und schon jetzt mit seinen vornehmsten Gedanken und Begierden da ist, wo er ewig zu seyn gedenket? Sind Tod, Gericht und Ewigkeit, sind die Schicksale, die in der zukünftigen Welt auf mich warten, meinem Geiste oft gegenwärtig, und gewöhne ich mich daran, stets so zu denken, zu urtheilen, zu handeln, wie ich dereinst wünschen werde, gedacht, geurtheilt und gehandelt zu haben? Ach, welche wichtige, wie viel in sich fassende Fragen! Wie kann ich mit Ueberzeugung und Beruhigung darauf Ja antworten! Viel leicht ist mir manche darunter noch ganz fremd; vielleicht habe ich über manche davon noch nie ernstlich nachgedacht! Und doch ist keine einzige darunter unnöthig. So soll, so muß ich seyn, wenn ich ein Christ seyn, wenn ich mich bei dem Genusse des heiligen Abendmahls meines Gottes und meines Erlösers dankbar freuen will. Denn wer Christi Sinn nicht hat, der ist nicht sein. Wer sich nicht aufrichtig und unabläffig bemühet, in allen Stücken, so wie er, gefinnet zu seyn, und sich so, wie er, zu verhalten, dem wird der Name, den er trägt, die Lehre, die er bekennt, das Abendmahl, das er hält, dem werden alle äußere Merkmale, Vorzüge und Uebungen eines Christen nichts helfen. Ich kann es nicht leugnen, ich bin noch weit, noch immer weit von der Vollkommenheit dieser Christengesinnung und dieses Christenwandels entfernt. Was will ich also thun? Um mich bei dem heiligen Abendmahle nicht mit Heuchelei für einen Christen auszugeben, um mich da mit gegründeter Zuversicht der Seligkeit zu getrösten, die mir mein Gott durch Jesum verheißen und bereitet hat, will ich von nun an meine tägliche Beschäftigung daraus machen, meinem Gott, meinem Erlöser immer ähnlicher zu werden, und bei dem heiligen Abendmahle meine Vorsätze und Entschließungen zum Guten zu stärken und befestigen, und mir Gottes Kraft zu ihrer Ausübung erbitten. 24. Um Bergebung der Sünden. err, Herr Gott! barmherzig und gnädig, geduldig, von großer that, Uebertretung und Sünde! Dich bete ich als den einigen wahren und lebendigen Gott, als den Gott und Vater unsers Herrn Jeſu Christi, und in ihm als den Vater der Barmherzigkeit und den Gott alles Trostes, demüthigst an. Dir danke ich mit gerührtem Herzen für die außerordentlichen Beweise, die du uns durch Christum von deiner mehr als väterlichen Liebe gegeben hast. Du hast ihn, deinen Sohn, für uns in die Welt gefandt, auf daß alle, die an ihn glanben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Du. Ueber das heilige Abendmahl. haft ihn für uns in den Tod dahin gegeben, und willst uns mit ihm und um seinetwillen alles schenken, was wir zu unserer wahren und ewigen Glückseligkeit nöthig haben. Auch mich, barmherziger Gott! auch mich unwürdigen hast du zur Erkenntniß dieses großen Heils gebracht. Auch mir bietest du, auf die billigsten Bedingungen, Ver gebung der Sünden, Gnade, Leben und Seligkeit an. Auch mir willst du von diesem allem die feierlichsten Pfänder und Versicherungen mittheilen, wenn ich mit wahrer Bußfertigkeit, mit lebendigem Glauben, und mit dem aufrichtigen Vorsaße, ein heiliges Leben zu führen, mich zu dir nahe. O Gott! wie wollte ich dem Verderben entrinnen, wenn ich eine solche Seligkeit nicht achtete, wenn ich mich durch diese Beweise deiner Güte nicht zur Buße und zur Dankbarkeit leiten ließe? Nein, ferne sey es von mir, mich eines solchen Verbrechens schuldig zu machen! Ich empfinde den Werth deiner Gnade. Ich bewundere die Größe deiner Barmherzigkeit und Menschenliebe. Ich wünsche sehnlich, an den Früchten der Erlösung, die durch Christum geschehen ist, Theil zu haben, und durch ihn gerecht und selig zu werden. Ich bin willig und bereit, alle Bedingungen, unter welchen du mir alle diese unschäßbaren Vortheile anbieteft, zu erfüllen. D Gott, verzeihe mir, daß ich bisher meinen Verpflichtungen so oft zuwider gehandelt, daß ich mich nicht dankbarer und gehorsamer gegen dich, meinen unendlichen Wohlthäter, bewiesen habe. Meine Sünden haben mich von dir entfernt. Aber siehe, ich komme wieder zu dir, Herr mein Gott! Mein Herz fagt mir von deinetwegen: Ihr sollt mein Antlitz suchen." Ich suche es, o Herr! verbirge dein Angesicht nicht vor mir. Deinem Dienste, o Gott! und dem Gehorsam deiner Gebote soll mein ganzes übriges Leben gewidmet seyn. Ich entfage in deiner Gegenwart allen Sünden, und dein heiliger Wille soll von nun an die einzige Richtschnur meines Verhaltens seyn. Ach! schenke mir selber Kraft und Stärke, mein Gelübde zu erfüllen. Lağ die Betrachtung deiner unendlichen Liebe, laß den Genuß der Pfänder derselben, die ich an dem Tische meines Herrn empfangen werde, laß die Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die du mir vorhältst, so gesegnete Eindrücke auf mich machen, daß ich alle Versuchungen zum Bösen mit neuem Muthe bestreite, alle Pflichten meines himmlischen Berufs mit neuer Sorgfalt erfülle, und dir bis in den Tod getreu bleibe. Amen. 25. Vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 408 öttlicher Erlöser, Herr Jesu Christe! du hast ein Gedächtniß der Wunder deiner Liebe gestiftet. Nur wenige Stunden vor deinem Leiden setztest du das heilige Abendmahl zum Troste deiner Verehrer und zur Stärkung ihres Glaubens ein, und du läsfest mich auch noch jetzt einladen, diese feierliche Handlung gemeinschaftlich mit meinen Nebenchristen zu begehen. Wie glücklich bin ich, o Herr! daß ich dich, den einigen und vollkommenen Mittler zwischen Gott und Menschen, daß ich deine Lehre und dein Heil kenne, daß ich dich meinen Herrn und Erlöser nennen, mich deiner seligen Gemeinschaft rühmen, und zu deinen Erlöseten und Freunden zählen darf! O wie viel habe ich dir, meinem Heilande, zu danken! Wie unwissend, wie verderbt, wie trostlos, wie elend würde ich ohne dich und deine Gnade seyn! Wie unerträglich würde mir die Last meiner Sünden, wie fürchterlich 409 Ueber das heilige Abendmahl. die Erwartung der damit verdienten Strafen, wie schrecklich der Anblick des Todes und des Grabes seyn, wenn du uns nicht selbſt den gnädigen Willen Gottes bekannt gemacht, wenn du dich nicht zum Opfer für unsre Sünden dahingegeben, und uns durch deinen Tod Gnade, Leben und ewige Seligkeit erworben hättest! Ja, alles Licht, das mich erleuchtet, aller Trost, der mich erquicket, alle Hoffnung, die mich belebt, sind Geschenke deiner unverdienten Liebe. Wie theuer soll mir denn nicht dein Gedächtniß seyn! Würde ich nicht der undankbarste, der niederträchtigste unter allen Sterblichen seyn, wenn ich deiner vergäße; wenn ich mit Kaltsinnigkeit und Gleichgültigkeit an dich gedächte; wenn ich mich weigerte, dir die Ehre und den Dank zu geben, die dir gebühren? Nein, göttlicher Erlöser! ich folge deiner liebreichen Einladung mit Begierde und mit Freude. Ich komme, mich öffentlich für deinen Jünger und Verehrer zu bekennen, und es jedermann zu sagen, daß ich es für mein Glück und meinen Ruhm halte, der Deinige zu seyn. Ich komme als ein mühseliger und beladener Sünder, Ruhe für meine Seele zu suchen, und ergreife mit bußfertigem Glauben die Gnade, die du mir anbietest, und das große Heil, das du gestiftet hast. Ich komme, dir für dein Leiden und Sterben feierlich zu danken, mich dir zum Eigenthum aufzuopfern, und den heiligen Vorsaß zu erneuern, nicht mehr mir selber, sondern nur dir zu leben, der du für mich gestorben und auferstanden bist. Ich komme, meine Gemeinschaft mit allen Gläubigen zu unterbalten, und mich aufs neue zu einer aufrichtigen und brüderlichen Liebe gegen sie und alle Menschen zu verpflichten. O Herr! laß mein Vorhaben gesegnet seyn. Erlaube nicht, daß ich mich bloß mit den Lippen zu dir nahe, aber mit dem Herzen ferne von dir sey. Sende mir dein Licht und deinen Geist, und laß den Gedanken, daß du Herzen und Nieren prüfest, alle Falschheit und Verstellung aus meiner Seele vertreiben. Laß mich die Wunder deiner Barmherzigkeit so bedenken, daß Glaube, Liebe und Hoffnung dadurch in mir gestärkt, und ich auf das kräftigste bewogen werde, die Versprechungen, die ich dir thue, mit unverbrüchlicher Treue zu halten. Amen. 26. Noch andere Betrachtungen und Erweckungen vor dem heiligen Abendmahle. o gewiß, als ich im heiligen Abendmahl Brod esse und Wein trinke, so gewiß habe ich Theil an dem Leibe meines Heilandes, der für mich gebrochen, und an seinem Blute, das für mich vergoffen ist. Auf keine eindrücklichere und gegen alle Zweifel und Besorgnisſe des Gewissens mehr gesicherte Art hätte mich Gott überzeugen können, daß ich, bei redlicher Besserung der Seele und des Lebens, auf das Verdienst Jesu mein Vertrauen setzen und durch diesen Glauben gerecht und selig seyn soll. So will ich denn, du unermeßliche Liebe! dich mit einem demüthigen und starken Vertrauen ehren. Fest, unwandelbar fest will ich glauben, dir glauben, damit ich auch die Gerechtigkeit von dir erlange. Und dies soll denn auch mein Trost seyn bei den noch übrigen so mannigfaltigen Mängeln und Flecken, die sich noch an meiner Liebe und meinem Gehorsam finden. Nun aber ist auch meine Hoffnung des ewigen Lebens um so viel fester. Dies soll mir ein neuer Zügel gegen die Sünde ,. und ein neuer Sporn zu allem Guten werden. Ueber das heilige Abendmahl. Eine solche Barmherzigkeit meines Gottes und eine solche Selig keit soll mich denn auch mit neuer Geduld und neuem Muth bewaffnen. Bei den Beschwerden und Zufällen meines Leibes, bei den Widerwärtigkeiten des Lebens, bei den Beunruhigungen und Mühseligkeiten, die mit den Geschäften meines Standes und Berufs verbunden sind, bei den beschwerlichen und gefahrvollen Kämpfen wider die Sünde, da, und sonst allenthalben, wo ich die Laft meiner Wanderschaft schwer fühle, will ich auf dich blicken, Sohn Gottes! der du selbst durch Leiden zu einem gütigen Regenten deiner Menschen eingeweihet worden bist. Durch Gottes Gnade kann ich auch zu mir sagen: Mir ist viel, sehr viel vergeben. Ach, möchte ich doch auch sagen können: Darum liebe ich dich auch viel! Du, o Gott! wirst mit meiner Schwachheit gnädiges Erbarmen tragen, und ihr gnädig aufhelfen. Solche unermeßliche Herablassung, Langmuth, Barmherzigkeit, Wohlthätigkeit und Freundlichkeit soll mich nun auch in dem Fleiße aller der edlen Werke stärken, die mir die Religion meines Heilandes gebeut, und deren Summe Menschenliebe ist, gebildet nach dem Muster Gottes. Amen. 410 27. Nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. Robe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, ſeinen heiligen Namen. Cobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der dir alle deine Sünden vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen; der dein Leben vom Verderben erlöset, und dich frönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergift uns nicht nach unfern Missethaten. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Wohl dem, dem die Uebertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecket ist! Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missethat nicht zurechnet, in deffen Geiste tein Falsch ist! Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Ueber= tretungen bekennen"; da vergabst du mir die Misfethat meiner Seele. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist? Du hast deines Sohnes nicht verschonet um unsertwillen, du hast ihn für uns in den Tod gege= ben; wie solltest du uns mit ihm nicht alles schenken? Ja, gelobet fey Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gefeg net hat mit den kostbarsten geistlichen und himmlischen Gütern durch Christum. In ihm, dem Geliebten, sind wir dem Höchsten ange= nehm geworden. In ihm dürfen wir Gott unfern Vater, und uns seine Kinder nennen. An ihm haben wir einen vollkommenen Seligmacher, der immerdar lebet und für uns bittet. Durch seine Auferstehung von den Todten haben wir die gewiffe Hoffnung eines unvergänglichen, unbefleckten und ewigen Erbes, das behalten wird im Himmel. Gott! womit soll ich dir alles das Gute vergelten, das du an mir gethan hast? Ich will dich erhöhen, mein Gott, du König! und dich preisen immer und ewiglich. Ich will dich täglich loben, und deine Gnade immer und ewig loben. Dir will ich Dank opfern, und öffentlich meine Gelübde und Zusagen erfüllen. Großer Erlöser! meine Seele erhebet dich, den Herrn, und mein Geist freuet sich in dir, meinem Heilande. Du bist würdig zu neh Ueber das heilige Abendmahl. men Kraft und Reichthum, Weisheit und Stärke, und Preis und Ehre und Lob. Denn du bist auch für mich erwürget worden, und hast mich mit deinem Blute erkauft. Durch dich hab ich Frieden mit Gott, und einen freien Zugang zu seiner Gnade. Durch dich bin ich von der Gewalt der Sünde und des Todes erlöset, und darf mich der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit rühmen. Wie kann ich dir deine Liebe jemals vergelten? Ich will dich ewig lieben; denn du hast mich zuerst, du hast mich bis in den Tod geliebet. Du hast deinen Leib für mich gegeben; du haft dein Blut für mich vergoffen, zur Vergebung der Sünden; du bist für mich gestorben; du haft dich felbst für mich geopfert. Ich will ganz der Deinige seyn. Dir will ich leben, dir will ich sterben; dir sey mein Leib und meine Seele, dir sey mein ganzes Leben heilig! Dich zu kennen, dich zu lieben, dir zu gehorchen, deinem Beispiele zu folgen, deinen Namen unter den Menschen zu verkündigen, dein Reich hier auf Erden zu erweitern, und mich zu deiner nähern Gemeinschaft im Himmel geschickt zu machen, dies soll meine Ehre, mein Ruhm, mein vornehmstes und beständiges Geschäft, meine ganze Seligkeit seyn! Amen. 411 28. Ein anderes Gebet nach dem heiligen Abendmahl. o habe ich mich denn feierlich dem Dienste Gottes, meines gnädigen Vaters und Wohlthäters, gewidmet. So habe ich mich verpflichtet, als ein Jünger und Nachfolger meines hochgelobten Erlösers zu leben, und ihn mit meinem Geiste und meinem Leibe, die beide fein Eigenthum sind, zu preisen. Wie heilig sind diese Verpflichtungen! Wie undankbar, wie unglücklich würde ich nicht seyn, wenn ich diese Zusagen vergäße, wenn ich diese Versprechungen nicht hielte! Welch eine Verantwortung, welch ein Gericht würde ich zu erwarten haben, wenn ich nun noch der Sünde diente, wenn ich nicht alle Fehler, alle böse Gewohnheiten, die ich an mir habe, ernſtlich bestritte; wenn ich eben so träge und nachlässig im Guten wäre, als ich es ehmals gewesen bin! So würde ich mich ja aller Vorrechte und Seligkeiten, die ich als ein Christ befize, verlustig, und meine Verdammniß um so viel schwerer machen. Ach Gott! laß es nicht zu, daß ich so undankbar gegen dich, und so feindselig gegen mich selbst handle. Sey du in meiner Schwachheit mächtig. Befestige meine guten Entschließungen, und verleihe mir Gnade, an der Ausführung derselben unverzüglich und unermüdet zu arbeiten. Schenke mir neue Kraft deines Geistes, und leite mich durch ihn zu allen Tugenden, damit ich meine Heiligung in deiner Furcht vollende. Bewahre mich vor Versuchungen; stärke mich, wenn ich darein gerathe; und laß mich die ewige Seligkeit, zu welcher du mich durch Christum berufen und erlöset hast, nie aus den Augen verlieren. So werde ich den guten Kampf kämpfen, den Glauben behalten, und meinen Lauf glücklich vollenden. So werde ich dereinst die Krone der Gerechtigkeit aus deiner Hand empfangen, und dir Lob und Ehre bringen in Ewigkeit. Amen. 29. Eines rechtschaffenen Christen nach dem heil. Abendmahl. Auch ich, der ich dies gesegnete Brod gegessen und aus diesem Becher getrunken habe, gehöre zu denen, die Gott so geliebet, daß er seines eingebornen Sohnes nicht verschonet hat. Auch Ueber das heilige Abendmahl. auf mich stehest du, o Gott! mit Wohlgefallen herab, da ich( Dank fey es dir, ewiger Vater meiner Seele!) die Siegel deiner gnädigen Wirkungen in der Besserung und Heiligung meiner Seele an mir sehe. Mein ist der Reichthum deiner Erbarmung für meine vormaligen Sünden. Auch mir beweisest du väterliche Nachsicht. Auch mich wirst du unsträflich bewahren bis ans Ende. Mein ist die ganze Fülle deiner Macht und Liebe so gewiß, als ich dieses Brod gegeffen und von diesem Weine getrunken habe. Herr! vor deinem Throne in den Staub hingeworfen, flehe ich: Laß mir jenen großen Zweck des Leidens und Todes meines Heilandes, mich dadurch zum Gliede seines eigenthümlichen Volkes zu machen, welches recht eifrig in allen Tugendthaten sey, diesen großen Zweck laß mir stets, stets vor Augen schweben. Laß mich seinen Tod, seine Reli gion bei jeder schicklichen Gelegenheit mit dem Munde preisen; ihn, bis an den letzten Hauch meines Lebens, als mein theuerstes Kleinod erheben. Laß mich ihn aber auch vornehmlich mit meinem Wandel preisen. Ach! dieser werde immer mehr ein Abdruck seines Musters und deines großen Erempels, Vater meiner Seele! Laß mich insbesondere immer mehr der redliche, herzliche, allgemeine Freund der Menschen werden, der er war, und der du biſt. Du weißt, Allwiffender! wie wenig ich noch der bin, der ich zu seyn von Herzen wünsche, und für den mich auch viele meiner Nebenmenschen halten. So viele Widersetzungen fühle ich noch in mir wider das, was ich mit der innigsten Ueberzeugung für meine größte Ehre und Freude ansehe. Ach! das schmerzt mich im Innersten! Eine Liebe, wie die deinige, ein Gott, wie du bist, kann mich noch immer nicht zu dem ganz vollkommen guten, gehorsamen, dankbaren, liebevollen Menschen machen! Doch, das Wollen, der Wunsch, den du in mir gewirket, ist mir Bürge, daß du auch immer mehr das Vollbringen in mir wirken wirst. Bester, zärtlichster Vater! hier an dem Kreuze deines Sohnes öffne ich dir ganz mein Herz! Fülle es ganz mit dem Geiste der Liebe. Ach! wie schmerzlich sehnet sich meine Seele nach jenem rechten, durch Andacht und Tugend vollkommenen Leben! Welche, o welche Seligkeit! Welche Wonne! Jene tiefen Blicke in die Abgründe deiner Werke und Wunder! Jene Riefenschritte auf dem Wege der Tugend! Jene unendlich wichtigern und entzückendern Geschäfte! Jene erhabene, entzückende, göttliche Freundschaft mit den Personen, die hier meinem Herzen theuer sind, mit allen edlen, großen Seelen unter den Menschen, mit Engeln und Erzengeln, mit meinem besten Freunde und größten Wohlthäter Jesu Christo! ihm, der mir den Weg zum Leben, zu dieser Wonne in deiner Gesellschaft, gebahnt hat! Diese Hoffnung laß mir auch heute mit neuer Klarheit und Stärke ins Herz gedrückt werden. Sie und deine Liebe sey der Trost in meinen Leiden, das Gewürz meiner Freuden, der kräftigste Antrieb zu allen Tugendthaten; sey der Führer auf dieser Reise durchs Leben hin in mein Vaterland! Ach! wann, wann werde ich dahin kommen! 412 Gott! Vater! ganz durchdrungen von deinen unzähligen und unermeßlichen Liebesproben, widme ich mich dir aufs neue ganz und gar. Du sollst mein Alles seyn. Dir, nur dir will ich, leben; dir will ich sterben; dich will ich in der Ewigkeit, in den Chören deiner heiligen, seligen Menschen und Engel preisen! Amen. 413 In Krankheiten. 30. Beim Anfange einer Krankheit. err! allmächtiger Gott! Schöpfer Himmels und der Erden! der andern aber auch wieder nimmst, wenn es dir gefällt! lehre mich erkennen, daß alles, was mir begegnet, von deiner Hand kömmt, damit ich bei allen Leitungen deiner gnädigen Vorsehung nur auf dich sehe, und fie mir zu deiner, als ihres Urhebers Ehre, zu Nute machen möge. Du hast mich jetzt mit einer Krankheit heimgesucht, von der ich nicht weiß, was sie für Folgen für mich haben kann. Ich nehme daher gleich beim Anfange derselben meine Zuflucht zu dir, und bitte dich, erleichtre meine Schmerzen, befreie mich, wenn es dein heiliger Wille ist, bald wieder davon. Verleihe mir aber vornehmlich die Gnade, daß ich diese Krankheit, wenn sie länger anhalten sollte, nicht nur mit Geduld und Unterwerfung unter deinen Willen tragen, sondern fie auch zu meiner Heiligung anwenden möge. Gieb, daß ich dadurch gebeffert werde, und auf die Absicht, die du bei dieser Züchtigung haft, aufmerksam sey, damit sie auch an mir erreicht werde. Ist sie eine Strafe für meine Sünden; so laß sie meine Seele kräftig ermuntern, die Sünden, deren ich mich in meinem bisherigen Verhalten schuldig weiß, zu erkennen, sie aufrichtig zu bereuen, und dir künftig in wahrer Heiligkeit und rechtschaffener Frömmigkeit zu dies nen. Gieb, daß ich nie wieder in dergleichen Thorheiten verfalle, wodurch ich mir vielleicht diese Krankheit zugezogen habe; mir künftig nie etwas erlaube, was nicht zu deiner Ehre gereichet, und mein eignes Verderben befördert. D Gott! ich soll mein Leben in keiner andern Absicht lieben, als dir zu dienen, und meine Seele zu erretten. Wenn ich denn zu diesem Endzweck leben foll; so schenke mir den Genuß meiner vorigen Gesundheit und Stärke wieder und die Gnade, sie auch alsdann zu diesem Endzwecke anzuwenden. Soll aber der Tod das Ende meiner gegenwärtigen Krankheit seyn; so gieb, daß ich diese Welt als ein rechtschaffener Christ verlassen möge, mit einem festen Vertrauen auf meines Erlösers Vermittelung und Fürsprache bei dir, mit Gleichgültigkeit gegen die Güter dieses Lebens, und freudige Erwartung der unvergänglichen Güter des ewigen Lebens, mit ungeheuchelter Bereuung aller meiner Vergehungen und Sünden, mit einer willigen Ergebung meiner Seele in deine Hände, als in die treuen Hände meines Schöpfers und barmherzigen himmlischen Vaters. Erhöre mich um Jesu Christi willen! Amen. 31. Um christliches Verhalten in der Krankheit. err, barmherziger Gott, der du nicht willst den Tod des Süngefallen daran hast, deine Menschen mit Plagen zu belegen; sondern. sie auch dann, wenn du sie züchtigest, noch liebest! siehe mit gnädigen Augen auf deinen unwürdigen Knecht,( deine unwürdige Magd) den( die) du mit Krankheit heimgesucht hast, herab. Sprich zu meiner Seele: Es ist Friede! Mache mich gewiß, daß du mit mir versöhnt und geneigt bist, mir alle meine Sünden zu vergeben. Lehre mich deine Züchtigungen so tragen, als es sich für den Zu 414 In Krankheiten. stand schicket, in welchen du mich geseßt hast. Wende mein Herz von der Welt und ihren vergänglichen Freuden ab; sie sind jetzt für mich ganz unnüß, und ich muß sie doch gewiß einmal verlaffen, ich mag sterben, wann ich will. Mache mich zu allem dem geschickt, wozu du mich in dieser und in jener Welt bestimmt hast. Ich mag leben oder sterben, so laß mein Herz über deine weise Leitung ganz ruhig, ganz zufrieden seyn. Erneuere in mir, o Gott! was meine eigentliche sündliche Neigungen und Begierden zerstört haben. Erhalte mich in dem wahren Glauben deines Evangelii, und bewahre mich vor allem Irrthum und vor allen Arten der Sünde. Laß dir meine Demüthigung gefallen, und nimm meine Thränen an; erleich tere meine Schmerzen, wenn es dir für mich zuträglich scheint. Mache mich tüchtig, mich in allen Fällen auf deine Verheizung fest zu ver lassen, und niemals zu zweifeln, daß du für die sorgest, die auf dich trauen. Herr! erhöre mich, erhöre alle, die für mich beten. Wache beständig für mein Bestes! verlaß mich nicht; vergiß meiner nicht; erlöse mich von allem Uebel, und hilf mir endlich auch zu deinem ewigen himmlischen Reiche durch Jefum Christum. Amen. 32. Um Gnade, die Krankheit zur Heiligung anzuwenden. Allmächtiger, ewiger Gott! liebreicher himmlischer Vater! der du zu einer Zeit deine Segnungen und Wohlthaten über deine Menschen vervielfältigst, und zu einer andern Zeit ihnen diesen Segen wieder entziehest, entweder um sie dadurch zu bessern, oder ihre Herzen von den vergänglichen Gütern dieses Lebens zu entwöhnen, und sie zu dem Genusse herrlicher und dauerhafter Güter in einem vollkommneren und bessern Leben vorzubereiten; beweise auch an mir deine große Barmherzigkeit, und nimm dich meiner in den Umständen, worin ich mich jetzt befinde, gnädig an. Segne du selbst meine Krankheit! tröste, stärke mich bei dieser deiner väterlichen Züchtigung; heilige sie so, daß sie mir ein Mittel werde, mein Herz zu reinigen, und es zu himmlischen Gesinnungen zu erheben. Bereite mich je mehr und einem mehr zu beffern Leben, keine Sünde, keine Krankheit, kein Tod mehr seyn wird. Ich weiß es, o Herr! daß es aus Liebe gegen mich geschieht, wenn du mich züchtigest. Meine Krankheit soll mir nicht schaden, wenn ich mir nur nicht selbst schade; sie soll nach deiner unendlichen Güte zu meinem Besten ge reichen; sie soll mir den Tod von ferne zeigen, damit ich sterben lerne; sie soll meine Seele erheben und stärken, und meine guten Vorsätze und Entschließungen dauerhaft machen. Laß denn alle diese Endzwecke, o Gott! durch diese Krankheit an mir erreicht werden, damit sie zu deiner Ehre und zur Beförderung meiner ewigen Seligkeit gereichen möge. Amen. wo 33. Bei heftigen und anhaltenden Schmerzen. Hei eiliger, aber auch barmherziger Gott! der du kein Wohlgefallen an dem Elende der Menschen hast, sondern vielmehr in deinem Worte versprichst, die zu erretten, die dich in ihrer Noth anrufen, und dich von denen willst finden lassen, die dich suchen! ich komme jeßt, da deine Hand schwer auf mir liegt, und deine Züchtigungen mich hart getroffen haben, mit meinem Gebete vor dich, und bitte dich demüthig, versage mir in diesen heftigen und anhaltenden Schmer In Krankheiten. zen, die mir meine Krankheit verursacht, deine Hülfe und Beistand nicht. Sey mir gnädig, o Gott! denn ich bin schwach; heile mich, denn meine Kräfte haben mich verlassen; hilf mir um deiner Güte willen. Wie ein Wandrer in der Sonnenhize sich nach dem Schatten sehnet, und ein Tagelöhner, daß seine Arbeit aus sey, also habe ich auch schon ganze Tage vergeblich geseufzet, und der elenden Nächte find mir viel geworden. Wenn ich mich niederlegte, sprach ich: wann werde ich aufstehen? Und hernach rechnete ich wieder, wenns Abend werden wollte. Siehe an meinen Jammer, o Gott! und laß dir mein Elend zu Herzen gehen. Von dir allein muß meine Hülfe kommen. Wenn du willst, kannst du mir leicht helfen, meine Schmerzen lindern, und mich wieder gesund machen. Ich muß es zwar bekennen, daß ich noch weniger leide, als ich verdient habe, und daß ich es deiner Güte allein zu danken habe, daß es noch nicht gar mit mir aus ist. Ich weigere mich auch deiner Züchtigung nicht, und bin nicht ungeduldig über deiner Strafe, ob sie mir gleich jetzt keine Freude, sondern Traurigkeit macht; denn ich weiß, daß du meine Besserung und Heiligung dabei zur Absicht hast. Inzwischen wage ich es dennoch, deine Barmherzigkeit anzuflehen, daß du nicht nach meinen Uebertretungen und Sünden, sondern nach deiner großen Güte mit mir handeln, mich nicht im Zorne, sondern mit Gnade und Güte züchtigen wollest. Befreie mich, wenn es deiner Weisheit gemäß ist, bald wieder von allen meinen Schmerzen, die ich jest in einem so großen Maaße leide; oder lindre sie wenigstens dadurch, daß du diejenigen Mittel fegnest, welche ich in dieser Absicht gebrauche. In allem aber, was du auch über mich beschlossen hast, gieb, daß ich mich deinem heiligen und weisen Willen mit einer gänzlichen Ergebung in denselben und mit einem völligen Vertrauen, daß du, Herr! alles mit mir wohl machen werdest, unterwerfe. Erhalte mir den Glauben an deine alles regierende Vorsehung, und laß auch diese schmerzhafte Krankheit dazu dienen, mich in demselben zu stärken. Gieb, daß ich auch in dieser Anfechtung bewährt von dir erfunden werden möge, damit ich die Krone des Lebens empfahe, die du denen, die dich lieb haben, verheißen haft. 415 34. Nach der Genesung von der Krankheit. Unendlich Hebreicher und erbarmungsvoller Gott, der du allen denen gnädig ich weiß es aus eigener Erfahrung, daß du mit deiner Hülfe denen nahe bist, die dich mit Ernst darum anrufen; denn da ich in meiner Noth zu dir rief, da erhörtest du mich, und halfest mir wieder von meiner Krankheit, so daß ich dich jetzt mit fröhlichem Herzen dafür preisen kann. Lobe denn, meine Seele, den Herrn, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat! Lobe den Herrn, der dein Leben vom Verderben errettet, und dich krönet mit- Gnade und Barmherzigkeit! O, daß mein Herz durch diese neue Wohlthat so stark und innigst gerührt würde, daß ich es nie wieder wagte, eine so außerordentliche Güte zu mißbrauchen, sondern jeden Tag, den du, o Gott! zu meinem Leben noch hinzufügst, zur treuen Beobachtung deiner Gesetze und zu deiner Verherrlichung anwendete! Ich bin nun wieder genesen, und mit jedem neuen Tage erhält meine Gesundheit eine größere Festigkeit und Stärke. So will ich mich auch von nun an mit allem Fleiß und In Krankheiten. Sorgfalt hüten, daß ich nicht wider dich aufs neue sündige, damit mir nicht noch etwas ärgeres widerfahre. Laß die öftere Erinnerung der Umstände, in welchen ich mich befunden habe, einen so starken Eindruck auf mein Gemüth machen, daß ich alles dasjenige sorgfältig vermeide, was mich von neuem auf das Krankenbett werfen und in Gefahr des Todes bringen könnte. Vornehmlich aber gieb, daß ich in Erfüllung aller meiner Pflichten emsig und treu sey, damit ich in den Tagen der Krankheit, wenn ich in Zukunft nicht gänzlich davon befreit feyn sollte, durch keine Verdammungen meines Gewissens das Gefühl meiner Schmerzen vermehren, und mir meinen Zustand noch beschwerlicher machen möge. Wie unglücklich würde ich seyn, wenn mich bei einem verleßten und noch nicht beruhigten Gewissen über lang oder kurz eine noch heftigere Krankheit überfiele, und ich dann außer Stand gesetzt wäre, für das, was zum Frieden meiner Seele dient, zu sorgen! Laß mich also keine Zeit verlieren, meine Seligkeit zu schaffen, sondern allen Fleiß anwenden, meinen Beruf zum ewigen Leben fest zu machen, damit ich auf jeden Vorfall bereit seyn, und mir, wenn mich Krankheit und Tod übereilet, der Eingang in jenes bessere und vollkommnere Leben eröffnet werden möge. Du schenkest mir nun Zeit zur Besserung; gieb mir denn auch ein Herz, das sich bemüht, sich zu bessern. Lehre mich bedenken, daß ich nicht nur sterben muß, sondern auch plößlich sterben kann, und daß, wenn es nicht diese Krankheit gewesen, es vielleicht eine andere. seyn wird, die meinem Leben hier auf Erden ein Ende macht, damit ich bei Zeiten das thue, was ich dann zu spät wünschen würde, ge= than zu haben. Laß keine Sünde über mich herrschen, keine Verſuchung mich überwinden, noch mich auf die theuren Pflichten, die ich dir und meinem Erlöser schuldig bin, unachtsam machen. Wirke in mir nicht nur das Wollen, sondern auch das Vollbringen des Guten, nach deinem Wohlgefallen. Mache mich mit jedem Tage zu deinem ewigen himmlischen Reiche geschickter; und wenn du mich endlich von dem Leibe dieses Todes erlösen wirst, so führe meine Seele in das beffere Leben ein, wo kein Schmerz und kein Tod mehr seyn wird. Amen. 416 35. Gebet eines Kranken bei Annäheruug seines Todes. Gott ott, von deffen unendlicher Güte und Gnade ich in jedem Augenblicke meines Lebens abhange, deffen Eigenthum ich auch noch im Tode bin und in alle Ewigkeit bleiben werde! So groß auch die Veränderung seyn mag, die mit meinem Zustande alsdann vorgehen wird; welch ein unaussprechliches Glück ist es für mich, daß ich dich als meinen Schöpfer und Vater kenne; daß ich weiß, daß du mich zu einem ewigen Leben erschaffen, und auch so liebreich dafür gesorgt hast, mich hier in eine solche Verfaffung zu setzen, bei der ich hoffen darf, an den Glückseligkeiten des zukünftigen Lebens Theil zu haben! Ich freue mich des Vorzugs, den ich als ein Christ genieße, daß ich, so oft ich an dich denke, dich mir als meinen Vater denken kann; und ich preife dich, daß du mich auch Jesum Christum als denjenigen haft erkennen lassen, durch welchen du deine väterliche Liebe und Treue gegen mich und alle Menschen auf eine dich so sehr verherrlichende Weise offenbaret haft. Ich empfinde insbesondere anjeßt den ganzen Werth dieses Glücks auf eine sehr lebhafte Weise, da ich mich dem Augenblicke nahe, in welchem meine Seele sich von ihrem In Krankheiten. Eetbe trennen, und mit dieser Trennung denn auch zugleich für fie dies Leben der Vorbereitung ein Ende nehmen wird. Wie schrecklich würde nicht für mich dieser Augenblick seyn, wie viel Ursache würde ich nicht haben zu wünschen, daß er der letzte meines ganzen Daseyns wäre, wenn ich nicht durch den Glauben an den, welchen du mir zum Mittler und Heiland geschenket hast, die fröhliche und gegründete Gewißheit erlanget hätte, daß du, auf meine Reue und Befferung in diesem Leben, mir alles, was in demselben unrecht und sündlich gewesen ist, vergeben, und mich in dem zukünftigen aller der Glückseligkeit theilhaftig machen wolleft, die du denen, welche dich mit Gehorsam und gläubigem Vertrauen ehren, bereitet und verheißen hast! Wie ruhig kann ich hingegen nicht jest in Ansehung meines Todes feyn, und mit welcher freudigen Hoffnung kann ich nicht die Ankunft desselben erwarten, da ich weiß, daß sich mit demselben auch meine völlige Erlösung nahet; weiß, an wen ich glaube, und gewiß bin, daß der, welcher mich zur Glückseligkeit erschaffen hat, fie mir auch als eine Beilage, als ein Geschenk, das mir durch Christum von neuem aus seiner Hand zu Theil werden soll, bis an jenen Tag bewahren kann! Anbetung, Preis und Dank sey dir, barmherziger, himmlischer Vater! für alles, was du in meinem gan= zen Leben Gutes an mir gethan haft! Insonderheit aber preise ich dich für die weife Führung deiner gnädigen Vorsehung, nach welcher ich zur Erkenntniß deines Willens und des den Sündern durch Chriftum bereiteten Heils, auch zur Erkenntniß meines eigenen Antheils an diesem Heile, noch in diesem Leben gekommen bin. Ich preise dich für die großen und vielfältigen Beweise, die du mir in dem Laufe meines Lebens, und noch in dieser meiner letzten Krankheit, von deiner Liebe gegen mich und von der gnädigen Fürsorge gegeben hast, mit der du stets für mein Bestes wachtest. Ich danke dir für alles, was mir an leiblichen oder geistlichen Segnungen, von meiner Kindheit an bis jeßt, von dir ist zu Theile geworden; und ich bitte dich, setze zu allen den Wohlthaten, die du mir erzeiget haft, auch noch diese hinzu, daß du ein dankbares Andenken an dieselben und ein festes Vertrauen auf deine Gnade durch Jefum Christum in meiner Seele bis an mein Ende bewahrest. Erhalte meine Seele bis auf den letzten Augenblick in der guten Verfassung, in welcher sie jetzt stehet; laß keine Furcht des Todes, wenn er nun mit allen seinen Schrecken da seyn wird, einige Macht über ihren Glauben und über ihre Hoffnung haben, sondern stärke sie in dem letzten Kampfe, den sie hier noch kämpfen muß, mit göttlicher Kraft; und nimm sie dann in deine ewige himmlische Seligkeit auf um Jefu Christi willen! Amen. 417 Kirchengebete. 1. Deffentliche Beichte. Ich charmer Sünder bekenne Gott, meinem himmlischen Vater, daß ich leider schwerlich und mannigfaltig gefündigt habe;( nicht allein mit äußerlichen groben Sünden, sondern auch vielmehr mit ins nerlicher angeborner Blindheit, Unglauben, Zweifelung, Kleinmüs DD 418 Kirchengebete. thigkeit, Ungeduld, Hoffahrt, bösen Lüsten, Geiz, heimlichen Neid, Haß, Mißgunst und andern Sünden) daß ich auf mancherlei Weife mit Gedanken, Geberden, Worten und Werken die allerheiligsten Gebote Gottes übertreten habe; wie das mein Herr und Gott an mir erkennet, und ich leider so vollkömmlich nicht erkennen kann: also gcreuen sie mich und sind mir leid, und begehre von Herzen Gnade von Gott durch seinen lieben Sohn Jesum Christum, und bitte, daß er mir seinen Heiligen Geist zur Besserung meines Lebens mittheilen wolle! Amen. Hibox 019 Der allmächtige Gott hat sich eurer erbarmet, und durch das Verdienst des allerheiligsten Leidens, Sterbens und Auferstehens unsers Herrn Jesu Christi, seines geliebten Sohnes, vergiebt er euch alle eure Sünden; und ich, als ein verordneter Diener der christlichen Kirche, verkündige allen denen, so wahrhaftige Buße thun, und durch den Glauben all ihr Vertrauen auf das einige Verdienst Jesu Christi setzen, und gedenken ihr Le ben nach den Geboten und Willen Gottes anzustellen, solche Vergebung aller ihrer Sünden im Namen Gottes des Baters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Dagegen aber sage ich allen Unbußfertigen und Ungläubigen aus Gottes Wort und im Namen Jesu Christi, daß ihnen Gott ihre Sünden vorbehalten hat und gewißlich strafen wird. Gott gebe ihnen seinen heiligen Geist, daß sie mögen wahre Buße thun und selig werden. 2. Allgemeines Kirchengebet. Swiger, allmächtiger Gott! wir beten dich an in tiefster Ehrfurcht unserer Herzen; danken dir demüthigst für die unzähligen Wohlthaten, womit du uns bisher ohne alles unser Verdienst und Würdigkeit an Seele und Leib so reichlich gesegnet hast. Wir preisen dich insonderheit, daß du dein seligmachendes Wort und den reinen Gottesdienst noch immer unter uns erhältst, obgleich so Viele den unschäßbaren Werth dieser theuren Gabe, der einzigen Quelle alles Trostes und aller wahren Glückseligkeit, zu wenig oder wol gar nicht erkennen mögen. Langmüthiger Gott! werde des Erbarmens nicht müde; bekehre die Verächter deines Wortes, und erhalte dasselbe uns und unsern Nachkommen bis ans Ende der Welt. Vereitle die unseligen und menschenfeindlichen Bemühungen derjenigen, welche die göttliche Religion Jefu verdächtig, die Schwächen irre machen, und deinen Erlöfeten die ewige Grundfefte der Ruhe im Leben, und des erquicklichsten Trostes im Tode rauben wollen. Schenke uns allen die Gnade, daß wir diese heilige und wohlthätige Religion von Herzen lieben und ehren, und nach ihren Vorschriften unser Leben in dieser Welt führen mögen damit wir in der künftigen ihre seligen Verheißungen ewiglich genießen können. Walte mit deiner allmächtigen Gnade über alle Regenten, über alle christlichen Könige, Fürsten und Herren, und neige ihre Herzen zur Wahrheit deines Worts und dem lieben Frieden. Segne und erhalte unsern Herzog mit seinem Hause und alle hohen Angehörigen und Verwandten desselben. Laß die Regierung hie Kirchengebete. siger Lande zur Ausbreitung der Ehre deines Namens, zur Beförderung deiner auf die Glückseligkeit aller Menschen gerichteten liebevollen Absichten, und zur möglichsten Erhaltung und Verbesserung des allgemeinen Wohlstandes, allenthalben glücklich und gesegnet seyn.. Verleihe den zur Erleichterung der Regierungslast verordneten geheimen Räthen, den Fürstlichen Collegiis, auch allen übrigen Befehlshabern und Obrigkeiten, Weisheit, Erfahrung und Einigkeit, damit sie ihre Geschäfte mit kluger Vorsicht und gewissenhafter Treue und Rechtschaffenheit verrichten, und nie vergessen mögen, daß sie dir, heiliger und gerechter Gott! einmal strenge Rechenschaft davon geben müssen. Gieb, daß in unserm Lande Ehre wohne, daß Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Laß dir zu dem Ende das Fürstliche Collegium Carolinum nebst allen höhern. und niedern Schulen im Lande befohlen seyn. Mache sie zu Pflanzstätten nicht nur nüßlicher und heilsamer Wissenschaften, sondern auch christlicher Tugenden und Sitten. Segne die menschenfreundlichen Bemühungen derer, die sich die öffentlichen Erziehungs- und Versorgungsanstalten besonders angelegen seyn lassen. Erwecke unter uns viele wohlthätige Herzen, die sich der Noth ihrer armen und franken Brüder mitleidig annehmen. Sey ein Vater der Wittwen und Waisen, ein Heffer der Kranken und Nothleidenden, ein Trost der Betrübten. Wende Feuers- und Wassersnoth, Krieg und Seuchen, Mißwachs und Theurung und andere mit unsern Sünden wohlverdiente Landesplagen in Gnaden von uns ab. Segne dahingegen den Fleiß der Handwerker und die Arbeit des Landmannes mit fruchtbarem Gedeihen. Laß Handel und Wandel, Künste und nüßliche Gewerbe immer mehr blühen, wachsen und zunehmen. Erhalte Liebe und Einigkeit, Folgsamkeit und Ehrbarkeit unter Ehegatten, Eltern und Kindern, Herrschaften und Bedienten. Belebe unser aller Herzen mit dem Geiste der Liebe, damit wir einer für des Andern Glück und Bestes gern und mit Freuden thun mögen, was einem jeglichen in seinen Umständen möglich iſt. Und da wir nur Fremdlinge und Gäste auf Erden sind, und hie felbst keine bleibende Stätte haben, sondern allen Menschen geſetzt ist einmal zu sterben, und hernach das Gericht; so hilf uns, daß wir uns dazu im Glauben und wahrer Gottseligkeit täglich und stündlich bereit halten, und thun mögen das Werk, wozu du uns in der kurzen Zeit der Vorbereitung zu einer glücklichen Ewigkeit bestimmt hast, weil es noch Tag ist, ehe denn die Nacht kömmt, da niemand wirken kann. Nimm uns denn endlich nach überstandenen Mühseligkeiten unserer Wallfahrt auf Erden in deine ewige Ruhe zu dem immerwährenden Genuß der seligen Freuden des Himmels, um deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn und Heilandes willen. Amen. Bei der öffentlichen Communion. 3. Vor der Communion. 419 er Herr sey mit euch! Und mit deinem Geist. Erhebet zum Himmel eure Herzen! Dd2 420 Kirchengebete. Wir haben sie erhoben. Danksaget dem Herrn, unserm Gott. Das ist billig und recht. Wahrlich es ist billig und recht, daß wir dir, unserm Gott, dankfagen und dich loben; weil dein lieber Sohn mit seinem bittern Leiden für unsre Sünde bezahlet hat, welcher um unserer Miffethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen ist. Darum wir mit allen Engeln und Erzengeln und allen himmlischen Heerschaaren zu deiner Ehr' ohne Unterlaß sagen: Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth! Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth! Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth! Seine Ehr' die ganze Welt erfüllet hat. Mei eine Allerliebsten in Gott! Dieweil wir das Abendmahl unsers Herrn Jesu Christi wollen halten, darin uns sein Fleisch zu einer Speise und seyn Blut zu einem Tranke gegeben wird, daß wir dabei seines Todes gedenken, und ihm von Herzen danksagen sollen; so wollen wir Gott den Vater im Namen Jesu Christi anrufen, und von Grund des Herzens also beten: err Gott, himmlischer Vater! wir danken dir von Herzen, daß fum Christum, für unsere Sünde zu unserer Seligkeit haft Mensch werden, so viele unaussprechliche Marter leiden, und am Kreuze eines bittern Todes sterben lassen; welcher uns auch befohlen hat, damit wir dessen, was er für uns ausgestanden, nicht vergessen möchten, dieses gegenwärtige Gedächtniß seiner Marter und Todes im hetligen Abendmahl zu halten; in welchem er uns, aus unaussprechlicher Liebe zu uns, eben denselben Leib, welcher am Kreuze für uns gestorben, und eben dasselbe Blut, welches am Kreuze für uns vergoffen, in und mit gegenwärtigem Brod und Wein wahrhaftig zu effen und zu trinken giebt, damit wir nicht zweifeln, sondern desto fester glauben möchten, sein Tod und Blutvergießung am Kreuz fer unsere gewisse Seligkeit. Durch denselbigen deinen lieben Sohn, als den einigen Mittler zwischen dir, dem gerechten Gott, und uns armen Sündern, und durch dessen blutiges Verdienst bitten wir dich, o himmlischer Vater! du wollest dich unser aller erbarmen. Siehe an das Angesicht solches unsers getreuen Mittlers, deines lieben Sohnes Jesu Christi, welcher zu deiner Rechten für uns bittet und uns vertritt. Siehe an sein heiliges unschuldiges Blutvergießen, Leiden und Sterben, welches er für unsere Missethat, aus unaussprechlicher Liebe gegen uns verlorne Menschen, mit höchster Geduld ausgestan= den. Vergieb uns unsere Sünde, und laß uns würdige Gäste bet dieser himmlischen Mahlzeit seyn. Stärke unsern schwachen Glauben, und gieb, daß wir an das Leiden und Sterben deines lieben Sohnes zu unserm Troste gedenken, und die süße Kraft desselben in unsern Herzen freudig empfinden mögen. Gieb uns auch deinen hei ligen Geist, daß wir verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, hingegen aber mäßig gegen uns selbst, gerecht gegen unfern Nächsten und in steter findlicher Furcht gegen dich, Gott, unsern himmlischen Vater, leben in dieser Welt, und warten auf die felige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes, deines lieben Sohnes, unsers Heilandes Jesu Christi. Laß auch einen Kirchengebete. jeglichen unter uns sein Kreuz auf sich nehmen, deinem lieben Sohne nachfolgen, einer den andern lieben, gleichwie dein lieber Sohn uns geliebet hat; denn es ist dieses heilige Sacrament ein Brod, wir alle aber ein Leib, weil wir eines Brodes theilhaftig werden, und alle aus einem Kelche trinken. Gieb uns auch und allen gläubigen Chriften, was uns sonsten nüßlich und dienlich ist, dieses Leben in deiner Furcht zu führen, selig zu beschließen, und die ewige Seligkeit zu erlangen. Darauf sprechen wir von Herzen: Amen. Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verrathen war, nahm er das Brod, dankte und brachs, und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und effet, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches thut zu meinem Gedächtniß. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den, und sprach: Trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden; solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtniß. 4. Nach der Communion. Der 23. Pfalm. 421 De er Herr ist mein Hirte! mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue, und führet mich zum frischen Wasser. Er erquidket meine Seele, er führet mich auf rechter Straße, um feines Namens willen. Und ob ich schon wandle im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir; dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest für mich einen Tisch gegen meine Feinde, du salbest mein Haupt mit Dele, und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Lebenlang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Wir danken dir, allmächtiger Herr Gott! daß du uns durch diese heilsame Gabe hast erquicket, und bitten deine Barmherzigkeit, daß du uns solches gedeihen lasfest zu starkem Glauben gegen dich, und zu brünstiger Liebe unter uns allen, um Jesu Christi, unsers Herrn willen. Der Herr segne dich und behüte dich zc. 5. In den Montagsbetstunden. Ewiger, allmächtiger Gott, barmherziger Vater! wir erscheinen jego abermals in deinem Bethause, erkennen und bekennen vor dir mit demüthigem, bußfertigem Herzen, daß wir nicht werth sind, unsere Augen gen Himmel aufzuheben, und unser Gebet dir vorzutragen. Denn wir haben vielfältig und schwerlich gesündigt allesammt; wir haben der Zeit unserer gnädigen Heimsuchung nicht wahrgenommen; deines heiligen Wortes und darin geoffenbarten gnäDigen Willens nicht geachtet; des lieben Friedens, den du uns gnädiglich geschenket, auch des jährlichen Segens, womit du uns mehrenso mildiglich angesehen, zur Sicherheit, Stolz, Pracht, Getz, Wollust, Unmäßigkeit, Haß, Neid, Zank und andern Sünden theils Kirchengebete. gemißbrauchet. Die Erempel anderer benachbarter Länder, an welchen wir deinen gerechten Zorn gesehen, auch die unterschiedenen scharfen Züchtigungen, mit welchen du uns absonderlich mannigmal heimgesuchet hast, haben wir nicht zu Herzen genommen, noch dadurch zu ernstlicher Buße und Besserung uns bewegen lassen. Daher kömmts denn auch, daß du, als ein gerechter Richter, deine Hand wieder ausstreckest, und mit neuen Strafen hin und wieder uns dräuest; so daß zu befürchten, wir werden nebst andern deine scharfe Ruthe wegen unsers beharrlichen Ungehorsams, rechtschaffen und noch heftiger als vorhin, empfinden müssen. Ach lieber Gott und Vater! wir gestehen und bekennen vor dir, daß wir solches überflüffig verdienet haben, und daß du uns nicht unrecht thätest, wenn du gleich deine Hand würdest gar von uns abziehen, und uns zum gänzlichen Verderben dahingeben. Weil du aber, o unser Gott und Vater! in deinem Worte verheißen hast, deinen gefaßten Zorn abzuwenden von denjenigen, die ihre Missethaten und Uebertretungen bereuen, und in herzlicher Bußfertigkeit und kindlichem Vertrauen dein Antlig suchen; so beklagen und bereuen wir von Grund unserer Seelen, daß wir an dir so vielfältig gefündiget, und deinem heiligen Willen so vorsätzlich entgegen gehandelt haben. Wir demüthigen uns vor dir mit zerschlagenem Herzen, und stellen zwischen unsere Sünde und deinen gerechten Zorn in wahrem Glauben den einigen Mittler Jesum Christum, deinen lieben Sohn. Siehe doch an, barmherziger Gott und Vater! desselben Genugthuung. Nimm an für unsere Schuld seine Unschuld, für unsern Ungehorsam seinen Gehorsam, für unsere Ungerechtigkeit seine Gerechtigkeit. Sey uns um feinetwillen gnädig, und rechne uns nicht zu unsere Sünde, sondern gedenke unfer nach deiner großen Gnade und Barmherzigkeit. Laß doch nicht das Feuer deines Zorns nach unserm Verdienste wider uns brennen; sondern schone unser als ein lieber Vater, und behüte uns doch künftig in Gnaden vor Pestilenz und allen andern ansteckenden Krankheiten, vor Unruhe und Kriegslast, vor Mißwachs, schädlichem Ungewitter, vor Theurung, Feuers- und Wassersnoth, und allem andern Unheil, so du den Uebertretern deiner Gebote und Rechte gedräuet hast. Und damit wir zu einem bessern und dir wohlgefälligern Leben aufgerichtet werden, so erneuere du selber unser aller Herzen durch die Kraft deines heiligen Geistes, und mache uns geschickt, vor dir nach deinen Geboten zu leben, und in deinen Wegen zu wandeln. Wir bitten dich auch, o höchster Gott und Herr aller Herren! für alle christliche Herrschaften und Regenten, insonderheit für unsere liebe Landesfürstliche Obrigkeit und alle Deroselben Angehörige; walte über sie mit deiner Güte und Gnade, und laffe fie zum Segen gesetzet seyn, hier zeitlich und dort ewiglich. Erleuchte und regiere du die Herzen und Gemüther aller Gewalthabenden auf Erden, daß sie dahin trachten, wie vor allen Dingen die Wahrheit deines Wortes vertheidiget, die Ehre deines göttlichen Namens ausgebreitet, der Unterthanen Wohlfahrt und insonderheit der heilsame Friede allenthalben gesuchet, befördert und erhalten werden möge; damit wir, und alle andre unsre Nebenchristen, allhier in deinem Gnadenreiche auf Erden in Friede und Ruhe unsere Lebenszeit mögen zubringen, und ohne Hinderniß mit Danken vor deinem heiligen Angesichte erscheinen, und dir unsern schuldigen Gottesdienst mit Freude und Lust unserer Herzen leisten und abstatten können. Nun 422 Kirchengebete. 423 du allgütigster, barmherzigfter Gott und Vater! wir, deine Kinder, hoffen darauf, daß du so gnädig bist; unser Herz freuet sich, daß du so gern hilfest; so erhöre uns doch, und hilf uns und deiner ganzen nothleidenden Christenheit, um deines allerliebsten wohlgefälligen Sohnes, unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi willen, in dessen Namen wir in kindlicher Zuversicht sprechen: Amen! Amen! 6. Die Litanei. yrie, eleison! Chrifte, eleison! Kyrie, eleison! Christe, erhöre uns! Herr Gott Vater im Hinimel, erbarme dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! Herr Gott heiliger Geift, erbarme dich über uns! Sey uns gnädig, verschone uns, lieber Herre Gott! Sey uns gnädig, hilf uns, lieber Herre Gott! Vor allen Sünden, vor allem Irrthum, vor allem Nebel, vor des Teufels Trug und List, vor bösem schnellen Tod, vor Pestilenz und theurer Zeit, vor Krieg und Blutvergießen, vor Aufruhr und Zwietracht, vor Hagel und Ungewitter, vor Feuers- und Wassersnoth, vor dem ewigen Tod, behüt uns, lieber Herre Gott! Durch deine heilige Geburt, durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, durch dein Kreuz und Tod, durch dein heiliges Auferstehen und Himmelfahrt, hilf uns, lieber Herre Gott! In unserer letzten Noth, am jüngsten Gericht, hilf uns, lieber Herre Gott! Wir armen Sünder bitten, du wollest uns erhören, lieber Herre Gott! Und deine heilige christliche Kirche regieren und führen; alle Bischöfe, Pfarrherren, Kirchen- und Schuldiener im heilsamen Wort und heiligem Leben erhalten; allen Rotten und Nergernissen wehren; alle Irrige und Verführte wieder zurechte bringen; den Satan unter unsere Füße treten; treue Arbeiter in deine Ernte senden; deinen Geist und Kraft zum Worte geben; allen Betrübten und Blöden helfen und sie trösten! Erhör uns, lieber Herre Gott! Allen Königen und Fürsten Friede und Eintracht geben; dem Kaiser ein geneigtes Herz zu der Wahrheit deines Wortes und dem lieben Frieden, auch steten Sieg wider die Feinde deiner Christenheit verleihen; unsern Landesherrn mit allen seinen Gewaltigen leiten und schüßen; unfern Rath und Gemeinde segnen und behüten; allen, so in Noth und Gefahr sind, mit Hülfe erscheinen; allen Schwangern und Säugern fröhliche Frucht und Gedeihen geben; aller Kinder und Kranken pflegen und warten; alle unschuldig Gefangene los und ledig laffen; alle Wittwen und Waisen vertheidigen und versorgen; aller Menschen dich erbarmen! Erhör uns, lieber Herre Gott! Unsern Feinden, Verfolgern und Lästerern vergeben und sie bekehren; die Früchte auf dem Lande geben und bewahren; und uns gnädiglich erhören! O Jesu Christe, Gottes Sohn, erhör uns, lieber Herre Gott! O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich über uns! O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich über uns! O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, verleihe uns steten Frieden! Christe, erhöre uns! Kyrie, eleison! Christe, eleison! Kyrie, eleison! Amen. 7. An öffentlichen Bußtagen. A ch Herr! Herr! barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Kirchengebete. Angesicht, dürfen aber unsre Augen nicht aufheben zu dir, denn wir müssen uns schämen, daß wir so gefündigt haben. Wir haben gefündiget, Unrecht gethan, und sind leider gottlos gewesen; wir sind von deinen Geboten und Rechten gewichen; also, daß auch nach ausgestandenen vielen harten Strafen der Ungehorsam gegen dich und dein Wort nur immer größer worden, und allerhand Ungerechtigkeit und Süuden auch bei uns und in diesen Landen fast überhand genommen; wie solches offenbar und am Tage ist, und wir vor dir, du allwissender und allgegenwärtiger Gott! nicht leugnen können. Darum, so läsfest du auch deinen gerechten Zorn wieder angehen, deine Hand hast du wieder ausgerecket, und dräuest mit neuen Strafen und Plagen. Aber, o du gerechter Gott! wir erkennen unsere große Undankbarkeit und schwere Sünden, suchen und bitten Gnade. Ach Herr! vergieb uns doch solchen unsern Undank und alle Uebertretung. Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von der Welt her gewesen ist. Gedenke nicht unserer und unserer Väter Sünde und Missethat. Gedenke aber unserer nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Du hast ja mit einem theuren Eide bekräftiget, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Ach Herr! Herr! bekehre du uns, so werden wir bekehret, und laß uns doch nicht verderben. Hast du doch der kleinen Kinder( und des vernünftigen Viehes) zu den Zeiten des Propheten Jonä dich jammmern lassen, daß du die Stadt Ninive nicht verderbtest. Ach Herr! es sind derer sehr viele bei uns, und noch mehr anderswo in der Christenheit, die noch nicht wissen, was recht oder link ist; so laß doch derselben und unser aller Noth, Untergang und Verderben dir, liebster Vater! auch zu Herzen gehen. Strafe uns nicht in deinem Zorn, und züchtige uns nicht in deinem Grimm; sondern sey uns gnädig, Herr! und errette uns von der Hand aller, die uns haffen. Siehe deswegen an das Angesicht deines lieben Sohnes, unsers getreuen Mittlers und Fürbitters Jefu Christi; siehe an sein blutiges Haupt, mit der Dornenkrone zerrissen; siehe an sein Kreuz, Marter und Tod, und sey uns gnädig. Du auch, o gebenedeieter Friedensfürst! Herr Jesu Christe! habe du über uns und die ganze Christenheit Gedanken des Friedens, und nicht des Leides; so wollen wir dich, unsern Erlöser, sammt dem Vater und heiligem Geiste, dafür von Herzen loben, und deinem Namen danken, daß er so lieblich ist, hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. 8. Auf Hagelfeier. 424 Herr err, allmächtiger Gott, du König Himmels und der Erden! der du durch deine überschwengliche Güte den ganzen Erdboden mit allerlei Früchten zierest und erfüllest, davon Menschen und Vieh ihre Nahrung haben! wir bitten dich um deiner Barmherzigkeit willen, du wollest unser Land fegnen und gebenedeien, daß es feine Früchte und Vermögen gebe; denn wir von uns selber können nicht ein Körnlein aus der Erde hervorbringen oder demselben helfen, wo du nicht das Gedeihen giebest. Darum verleihe den lieben Früchten ein gnädiges Gewitter, daß sie wachsen und wohlgerathen; behüte sie vor Hagel und Ungewitter, vor Verheerung, vor allerlet Ungeziefer und Schaden. Laß das Land nicht feiern in deinem Zorn, daß es nicht wüste liege und unfruchtbar bleibe. Schließe den Himmel nicht zu 425 Kirchengebete. in deinem Grimm, um unserer Sünde willen, daß er nicht werde wie Eisen, und die Erde wie Erz; sondern gieb uns Früh- und Spatregen, dazu fruchtbare Zeiten; suche das Land heim und wässere es, und mache es sehr reich; Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle. Herr! laß uns unser Getreide wohl gerathen; denn also bauest du das Land. Tränke unsere Furchen, und feuchte sein Ge pflügtes mit Regen; mache es weich und segne sein Gewächs. Kröne das Jahr mit deinem Gut, daß deine Fußstapfen triefen von Fette; so werden die Wohnungen in der Wüsten auch fett werden, daß fie triefen, und die Hügel umher werden lustig seyn, die Aenger werden voll Schaafe seyn, und die Auen werden dicke stehen mit Korn, daß man jauchzet und finget. So laß dir, lieber Gott! in deinen gnädtgen Schuß befohlen seyn den lieben Saamen und alle Früchte des ganzen Erdreichs. Erhalte sie vor Frost, Kälte, im Wind, Hige und Dürre, im Regen und allem vorfallenden Wetter, daß sie nicht beschädigt werden. Behüte uns vor Mißwachs, vor Theurung, Hunger und Kummer. Siehe, wir bekennen unsere Sünde mit reuigem Herzen, und schreien zu dir, unserm Gott, du wollest hören im Himmel, in dem Sige, da du wohnest, und gnädig seyn der Sünde deines Volks; uns nicht verlassen mit leiblicher Nahrung, sondern uns versorgen, auf daß wir in allen Dingen deine göttliche Kraft und milde Hand, mit Danksagung erkennen, und dich preisen, der du uns reichlich ernährst an Leib und Seele, hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. 9. Bei der Confirmation der Kinder. Allmächtiger und barmherziger Gott, ein Vater unsers Herrn Jeſu Christi, der du allein alle gute Werke in uns anfähest, bestätigeft und vollendest! Wir danken dir von Herzen, daß du gegenwärtige Kinder deiner Kirche geschenket, und durch die heilige Taufe wiedergeboren, und nun auch so weit erleuchtet hast, daß sie diefe deine Gnade und Güte, und ihre Erlösung in Christo, deinem lieben Sohne, unserm Herrn, selbst erkennen, und vor deiner Gemeinde jegund bekennet haben. Wir bitten dich herzlich, du wollest das gute Werk, so du in ihnen angefangen haft, stärken, deinen heiligen Geist in ihnen mehren, auf daß sie in deiner Kirche und Gemeinde und im wahren Gehorsam des Evangelii stetigst bleiben und beständig be harren, daß sie feine falsche Lehre noch fleischliche Lüste von bekannter Wahrheit abführen; sondern gieb ihnen, daß sie zu allem deinen Gefallen immer wachsen, und einmal das vollkommene männliche Alter erreichen in aller Weisheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit, damit sie dich und deinen lieben Sohn, unsern Herrn, sammt dem heiligen Geifte, einigen wahren Gott, immer vollkommener erkennen, herzlich lieben, und bei ihrem Nächsten mit Worten und ihrem ganzen Leben je länger, je beständiger bekennen, loben und preisen; daß sie also, nach ihrem Taufbunde, Glauben und gut Gewissen bewahren, chriftlich leben, geduldig leiden, ritterlich ringen, und durch Tod und Leben zu dir in den Himmel dringen mögen; durch denselben unsern Herrn Jefum Christum, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret, gleicher Gott, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Kirchengebete. at gain a 10. Auf Advent. R H err Jesu! du Sohn des allmächtigen Gottes, wir danken dir von ganzem Herzen, daß du vom Himmel herab ins Fleisch kommen bist, und menschliche Natur angenommen. Du hast deine Gottheit mit unserer Menschheit vereiniget; darum vereinige dich doch auch mit unserm Herzen. Zwar es ist dasselbe fleischlich und irdisch; aber du kannst es durch deine Kraft göttlich machen. Ziehe in unser Herz ein, und mache dir daselbst eine beständige Wohnung. Hilf, daß wir dir den Weg durch den wahren Glauben und ein christliches Leben dazu bereiten, auch allezeit in guter Bereitschaft erfunden werden, damit wir bei deiner letzten Zukunft das Ende des Glaubens, der Seelen Seligkeit, davon bringen; allwo wir dir, sammt deinem und unserm himmlischen Vater, auch heiligem Geiste, ewiglich Lob, Ehre, Preis und Dank fagen werden. Amen. dni 11. Am Weihnachtsfeste. 426 Herr Jesu, du holdseliger Heiland! wie sollen wir deine unbegreifliche Liebe und Güte zur Gnüge rühmen und preisen, daß du uns arme Menschen so hoch gewürdiget, und ein Menschenkind in unserm Fleische und Blute, dazu arm und elend, in einem schlechten Stalle haft wollen geboren werden, damit du uns von Sünde, Tod, Teufel und Hölle erlösen, und wiederum bei deinem himmlischen Vater zu Gnaden bringen möchtest! Dir sey für solche Liebe, Demuth und Gnade ewig Lob und Preis gesagt. Du, Herr Jesu! bist nicht uns allein, oder etlichen wenigen, sondern der ganzen Welt zu Dienste, also Mensch geboren worden. Ach! daß wir möchten auch so glücklich seyn, von der ganzen Welt und aller Menschen Schaar dich dafür loben zu hören! Aber leider! derjenige Haufe, die dich in deinem Krippelein empfangen und willkommen heißen, ist klein; denn die meisten wollen an dir nicht Theil haben. Darum unsre Seele sich bemühen soll, daß wir unsers Ortes diese Schuldigkeit mit Lob und Dank, mit Freuden und Frohlocken so vielmehr zu Werke richten. Weil du auch, liebster Heiland, deswegen Mensch worden, ge= litten haft und gestorben bist, damit du unser Mittler bei Gott seyn möchtest, und bei demselben uns wieder ausföhnen; ach! so hilf und durch deine Barmherzigkeit, daß wir also in wahrer Buße und allen christlichen Tugenden leben, damit wir dieses deines theuren Mittleramtes mögen fähig seyn, und der großen Wohlthat, die du uns durch deine heilige Geburt erworben, genießen können; hier in die sem Jammerthal durch einen lebendigen Glauben, durch eine freudige, tröstliche Hoffnung und großmüthige Zuversicht, dort aber in deinem Himmelreich durch ewige Freude und Seligkeit, allwo wir dich, mit allen Engeln und Auserwählten, ohne Ende rühmen und preisen werden. Amen. 12. Am Neujahrstage. Allmächtiger, gnädiger Gott und Vater! Wir haben heute abermal ein Jahr unsers elenden Lebens zu Ende gebracht, und fangen in deinem Namen wiederum ein neues an. Ach Herr! wie groß ist deine Güte, die du uns bisher aus väterlichem Herzen so unzählig Kirchengebete. erwiesen haft! da wir doch mit unsern Sünden nichts als Strafe und Böses bei dir verdienet haben. Wie oft hätten wir in Kreuz und Unglück, in Jammer und gemeinen Landesnöthen, als vielen andern geschehen, elendiglich verderben müssen, wenn deine Gnadenhand uns nicht errettet und beschirmet hätte! Wir sagen dir dafür von Herzen Lob, Ehre, Preis und Dank. Verzeihe uns alle Sünde und Miffethat. Fange mit diesem neuen Jahre an, uns aufs neue zu segnen. Erneuere deine väterliche Liebe und Treue gegen uns. Erhalte uns dein reines Wort. Erbaue Kirchen und Schulen. Erleuchte alle Lehrer und Prediger. Stärke alle Regenten und Obrigkeiten. Segne Hausväter und Hausmütter. Regiere Kinder und Gesinde. Bewahre uns vor Krieg und Aufruhr. Wende ab Pest und Theurung. Bescheere uns gut Gewitter. Kröne das Jahr mit deinem Gute. Gieb Friede im Lande, Freude unsern Herzen, Gesundheit unsern Leibern, und in Summa, erbarme dich aller Menschen. Ach Herr Jesu, du treuer Heiland! ser auch für deine großen und unzähligen Wohlthaten, die du uns armen Sündern erwiesen hast, von Herzen gepriesen. Und gleichwie du am heutigen Tage den Anfang, dein heiliges Blut zu vergießen, um unserntwillen gemacht hast; also bitten wir, bleibe bis in Ewigkeit uns mit deiner holdseligen Liebe zugethan, und laß deines heiligen Namens und deines theuren Verdienstes in Noth und Tod uns getrösten. Ach Gott heiliger Geist! unendlich Lob und Preis sey dir für deinen Beistand, für deine Hülfe und tröstliche Leitung, deren du uns bisher genießen laffen. Regiere uns ferner durch deine Gnade, daß wir heilig und unsträflich wandeln, ein neugebornes Herz in dieses neue Jahr bringen, alle alte Missethat aber mit dem alten Jahre ablegen, und also unser Christenthum wohl ausführen und die Krone der ewigen Herrlichkeit erlangen mögen. Amen. 427 31. Am Feste der Erscheinung Christi. Liebster Herr Jesu Christe! wir danken dir von Herzen, daß du als armer in und uns zu deinem Reiche berufen haft. Erhalte uns ferner das helle Licht deines feligmachenden reinen Wortes, als den einigen Leitstern, der uns aus dieser dunkeln verkehrten Welt zu deinem Himmelreich führen muß. Erleuchte unsre Herzen, daß wir solchem deinem göttlichen Worte mit Fleiße folgen, dich allein suchen, bekennen und ehren. Laß uns auch keine Mühe, Gefahr noch Unlust in dieser unserer Pilgerschaft scheuen; sondern dir in Noth und Tod getrost folgen, bis wir den vorgesetzten Ort, nämlich deine himmlische Friedensund Freudenstadt erreichen werden. Bewahre uns inzwischen, wie du den Weisen aus Morgenlande gethan, vor allem Anlaufe des Teufels und der gottlosen bösen Welt, damit wir unser geliebtes Vaterland bei dir sicher und ohne Anstoß erlangen mögen, um deiner Liebe und Barmherzigkeit willen. Amen. 14. Am Feste der Reinigung Mariä. Mir ir danken dir, Herr Jesu Christe! daß du die Weissfagung und das Gefeß erfüllen, in deinen Tempel haft kommen, mit deinen Erstgebornen, die der Reinigung bedurften, dich daselbst darstellen, Kirchengebete. und was im Geset geschrieben, an dir vollbringen laffen wollen, auf daß für die, die unter dem Gefeße waren, die Kindschaft und ewige Erlösung erfunden würde. Aus deinen Erlöfeten bast du einen Tempel Gottes gemacht, in welchem du durch den Glauben wohnen, und bis an der Welt Ende bei ihnen seyn willst. Verleihe uns, leutfeliger Heiland! daß wir mit Glaubensarmen dich inbrünstig faffen, als Theurerkaufte dich am Geiste und Leibe preisen, deine Gnade nicht fahren lassen und versäumen, sondern in Erwägung, nun sey die angenehme Zeit, nun sey der Tag des Heils, durch dies gegenwärtige Nun, aus dem, das vergangen ist, nach dem, das künftig und ewig ist, in täg licher Buße, in Wachen und Beten, so lange es heute heißt, ringen, damit zu der gewünschten Auflösung und Heimfahrt im Frieden, in welchen du den Tod deiner Gläubigen verwandelt hast, uns bereiten, und wie hier im Glauben, also dort im Schauen, dich sammt Vater und heiligen Geist umfangen, und deiner Herrlichkeit theilhaftig werden von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 15. Am Feste der Berkündigung Mariä. err Gott, himmlischer Vater! wir danken dir, daß du deine tröstzum Heilande gesendet, und denselben in dem Leibe der Jungfrau Mariä haft menschliche Natur annehmen laffen. Hilf, daß wir uns solcher deiner Liebe, die du hierinnen gegen uns arme Sünder erwiesen, jederzeit von Herzen trösten und erfreuen. Laß deines Sohnes heilige Empfängniß unsere Unreinigkeit, Sünde und Wissethat tilgen, daß wir deiner Gnade wieder theilhaftig seyn mögen. Herr Jesu Christe, Gottes und Mariä Sohn! wir danken dir, daß du unsere menschliche Natur an dich genommen, unser Heiland und Seligmacher worden bist. Wir freuen uns dessen von Herzen, und sind nun versichert, daß du uns, als dein eigen Fleisch und Blut nie verlassen werdest. Du bist ja darum Mensch worden, daß du uns helfen möchtest; daher vertritt uns bei deinem himmlischen Vater. Schüße und erhalte uns wider Welt, Sünde, Teufel, Tod und Hölle, und laß uns in deinem Reiche mit dir leben und dir dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. O Gott, heiliger Geist! der du durch deine Kraft die Empfängniß des Sohnes Gottes gewirket haft, hilf, daß wir uns deiner unendlichen Kraft und Macht jederzeit tröften, dir mit wahrem Glauben, willigem Gehorsam und herzlicher Demuth jederzeit anhangen, und also die Frucht der seligmachenden Menschwerdung Christi, nämlich die ewige Freude im Himmel, davon bringen und erhalten mögen. Amen. 428 16. Auf das Leiden Jesu. ir danken dir, Herr Jesu Christe, wahrer Gott und Mensch! unsere Werke, Verdienst und Würdigkeit erlöset hast durch dein heis liges Leiden! Sterben und Blutvergießen. Herr Jesu Christe! wie groß ist dein Leiden! wie schwer ist deine Pein! wie viel ist deiner Marter! wie tief sind deine Wunden! wie bitter und schmerzlich ist dein Tod! wie unaussprechlich ist deine Liebe, damit du uns deinem lieben Vater versöhnet hast, da du am Delberge blutigen Kirchengebete. Schweiß vor großer Angst geschwißet, daß die Blutstropfen auf die Erde gefallen, und darauf von allen deinen Jüngern verlassen, dich in die Hände der schnöden Juden und gottlosen Schaar willig für uns ergeben hast; welche dich hart gebunden und verstricket, und von einem ungerechten Richter zum andern unbarmherzig geführet. Dafelbft bist du fälschlich verklaget, verurtheilet, verspeiet, verhöhnet, und mit Fäusten ins Angesicht geschlagen worden. Du bist umt unserer Misfethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen, gegeißelt und mit Dornen gekrönet und jämmerlich zuge= richtet, wie ein armer Wurm, der keinen Menschen ähnlich. Denn du warest der Allerverachtetste und Unwerthefte, voller Schmerzen und Krankheit, also, daß es auch ein heidnisch Herz erbarmet hat, und gesagt: siehe, welch ein Mensch ist das! Du bist von wegen unfrer Mißhandlung mitten unter zween Uebelthäter gerechnet, und als ein Fluch aufgehänget, an Händen und Füßen mit Nägeln durch= graben, dazu in deinem höchsten Durst mit Essig und Gallen getränket, und mit großen Schmerzen hast du deinen Geist aufgegeben, auf daß du unsere Schuld bezahletest; und wir durch deine Wunden geheilet würden. Für alle diese deine Marter und Pein sagen wir dir Lob und Dank, und bitten dich, laß dein heilig bitter Leiden an uns nicht verloren seyn; sondern gieb, daß wir uns dessen von Herzen trösten und rühmen, auch desselben Gedächtniß also begehen, und es solchermaßen betrachten, daß alle böse Lüste dadurch in uns ausgelöschet und gedämpfet, dagegen aber alle Tugenden in uns eingepflanzet und gemehret werden, auf daß wir der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben, und deinen uns gelassenen Vorbilde nachfolgen, in deine Fußtapfen treten, das Uebel mit Geduld ertragen, und das Unrecht mit gutem Gewissen leiden. Das gieb und verleihe uns, o Herr Jesu! um deines heiligen theuren Verdienstes willen. Amen. 429 17. Am Osterfeste. Ewiger, allmächtiger Gott, himmlischer Vater! Es freuen sich alle heilige Engel, es freuen sich alle Kreaturen, es freuen sich alle Auserwählte, es freuet sich unser Herz und Seele, daß dein liebster Sohn, der um unserer Sünde willen gestorben war, heute von den Todten wieder auferstanden, und alle unsere Missethat in seinem Grabe verborgen und versiegelt hat. Dafür danken wir dir nun von Grund der Seelen; und bitten dich um solcher fröhlichen Auferstehung willen, du wolleft uns dem Todesschlafe der Sünden auch aufmuntern und erwecken, daß wir alle unsere Lust und Verlangen zu dir hinauf in den Himmel haben mögen. Bilde unserer Seelen wohl ein, was maßen. sie auf deines lieben Sohnes und unseres Heilandes freudenreiche Auferstehung jederzeit sollen getrost seyn, und festiglich glauben, daß Sünde, Tod, Teufel und Hölle getilgt sind, auch nun es mit feinem Christen mehr Noth habe, wenn er nur mit wahrem Glauben sich der Gerechtigkeit bedient, die uns dein liebster Sohn erworben hat. Dieses wollest du uns, so lange wir hier zu leben haben, gnädiglich verleihen, bis wir dermaleinst gar zu dir kommen, dich von Angesicht zu Angesicht schauen, und mit allen heiligen Engeln und Auserwählten ewiglich rühmen und loben werden. Amen, in Jesu, unseres auferstandenen Heilandes, Namen. Amen. 430 Kirchengebete. 18. Am Himmelfahrtsfeste. err Christe, du allmächtiger Siegesfürst! Lob, Ehre, Preis und wider Sünde, Tod, Teufel und Hölle gen Himmel gefahren, und dich zur Rechten deines himmlischen Vaters gesetzet hast, da du dich unser in allen Nöthen annimmst, und uns treulich vertrittst. Gieb uns deine Gnade, daß wir mit unsern Herzen und Gedanken immer bei dir seyn. Laß uns alles Weltliche verachten, und in steter Bereitschaft deine herrliche Wiederkunft erwarten. Wir glauben und trösten uns nun festiglich, weil du als unser Haupt gen Himmel gefahren, du werdest uns, als deine Glieder, nicht immer im Elende zurücklassen, sondern dermaleinst auch nachholen. So hilf denn, wenn die Zeit herannahet, da du uns abfordern wirst, daß wir mit gläubigem Herzen, betendem Munde und inniglicher Zuversicht auf Dein heiliges Verdienst in Frieden fahren mögen. Zwar sind wir dieser elenden Wallfahrt auf Erden von Herzen müde, und verlangen mit Schmerzen auf die selige Erlösung und Nachreise; aber, liebster Herr Jesu! es stehet allein bei dir und in deinem gnädigen Willen, wann wir dir folgen sollen. Daher, so lange wir auf dein Gutbe finden das Elend hier noch bauen müssen, wollest du uns durch deinen Geist Stärke und Kräfte verleihen, alles freudig und getroft zu überwinden, uns in aller Widerwärtigkeit trösten, wider alle Feinde schüßen, und endlich mit erwünschtem Triumph in deine ewige Herrlichkeit gelangen lassen. Dir, sammt dem Vater und heiligem Geiste, sey nochmals Lob und Preis gesagt, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. 19. Am Pfingstfeste. kommen vor deine göttliche Majestät! und weil wir ohne deine Hülfe in unserm Christenthume nichts vermögen, so bitten wir dich herzlich, du wollest in uns wohnen, uns leiten, regieren und führen, daß wir das Ende unsers Glaubens, der Seelen Seligkeit, davon bringen mögen. Du bist ein Geist der Lehre; ach unterweise uns in deinem heiligen Worte, damit wir dasselbe wohl faffen, behalten und danach leben mögen; lehre uns unsern Gott erkennen, über alles fürchten, lieben, ehren und vertrauen. Du bist ein Geist der Andacht und des Gebets; ach erwecke in uns eine heilige Begierde, oft und viel, auch eine herzliche Andacht, kräftig und rechtschaffen zu beten, daß wir damit durch die Wolken dringen, und die Erhörung erhalten mögen. Du bist ein Geist der Reinigkeit und Heiligkeit; ach reinige unser Herz von allem Bösen, schaffe in uns ein reines keusches Gemüth, daß wir allen Sünden und bösen Lüften feind seyn, vor den selben uns hüten, und nimmer in eine Sünde willigen. Du bist ein Geist der Weisheit; ach erleuchte unsern dunkeln Verstand; er fülle uns mit deiner Weisheit, daß wir mögen erkennen, was gut oder böse, wahr oder falsch, schädlich oder nützlich sey; stärke uns in unserm Berufe, daß wir denselben nach Gebühr verrichten können. Du bist ein Geist aller Tugenden; ach laß uns deinen Tempel und mit allen christlichen Tugenden schön geschmücket seyn. Insonderheit bist du ein Geist der Freude und des Trostes; ach vertreibe bei uns Kirchengebete. 431 alle unnöthigen Sorgen und Kleinmüthigkeit. Mache uns freudig und getroft in aller Trübfal, die in diesen letzten Zeiten der Welt häufig ist, damit wir unserm Heilande durch Noth und Tod mit freudigem Muthe folgen. Treibe von uns des Satans Schrecken und alle traurige Anfechtungen; absonderlich an unserm letzten Ende, wenn uns aller menschliche Trost verläßt, da stehe du uns mit deinem göttlichen Troste bei. Sprich uns ein freudig Herz ein, und versichere uns der Vergebung unserer Sünden, der Gnade und Kindschaft Gottes, daß wir stille und ruhig uns Gott überlaffen, unsre arme Seele in die Hände unsers Erlösers andächtig befehlen, und also auf sein heiliges Verdienst felig einschlafen, und hernach in der ewigen Freude dich für alle solche Wohlthaten ohne Ende rühmen mögen. Amen, um deiner Liebe und Barmherzigkeit willen. Amen. 20. Am Feste der heiligen Dreieinigkeit. du heilige Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Wir danken dir, daß du dich in deinem Worte uns hast zu erkennen gegeben. Ach, du großer Gott! erhalte uns und unsern Nachkommen solches dein seligmachendes Erkenntniß; laß uns auch bei demfelben fest beharren, und uns nichts davon abwendig machen. Du heilige hochgelobte Dreifaltigkeit, wir rühmen, ehren und preisen dich: heilig, heilig, heilig ist unser Gott, der Herre Zebaoth! alle Lande, Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit und Ehren voll. O Gott Vater, sey uns gnädig, und erfreue uns mit deiner Liebe! Gott Sohn, sey uns gnädig, und erhalte uns durch dein Verdienst! O Gott heiliger Geist, sey uns gnädig, erquicke und tröfte uns mit deiner heiligen Beiwohnung! D du heilige Dreifaltigkeit! sey uns gnädig, hilf uns recht glauben, christlich leben, geduldig leiden, und endlich, wenn die rechte Zeit kömmt, felig sterben, damit wir mit allen Engeln und Auserwählten dich von Angesicht zu Angesicht schauen, und daselbst ewig lieben, loben und preifen mögen. Amen, Herr Jesu, in deinem Namen. Amen. good da rond bichin 21. Am Feste Johannis des Täufers. G A Umächtiger Gott, ewiger Vater! wir rühmen und preisen dich, daß du durch Sanct Johannem, den ersten Prediger des neuen Testaments, die fröhliche Botschaft des heiligen Evangelii haft verkündigen, auch solche nachmals uns kund thun laffen. Wir bitten dich imgleichen demüthiglich, du wollest dieses dein seligmachendes Wort in unsern Kirchen und Herzen durch deinen heiligen Geist er halten, daffelbe uns feft glauben, und wider alle Anfechtung von Sünde, Tod, Teufel und Hölle zum kräftigen Trost gedeihen lassen. Hilf auch, daß solche gnadenreiche Botschaft uns zu keiner Sicherheit diene, sondern wir vor dir mit willigem Gehorsam, in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu leben bemühet seyn, bis wir dort bei dir zur seligen Vollkommenheit gelangen, durch Jesum Christum, unsern Heiland und Helfer! Amen. 22. Am Feste der Heimsuchung Maria. der du die deines lieben auf ihrer Reise gnädiglich behütet hast, wir bitten dich, leite, Kirchengebete. führe und beschüße uns auf unsern Wegen und Stegen. Regiere uns, daß wir in Demuth und Freundlichkeit die Werke der christlichen Liebe und Barmherzigkeit einander fleißig erweisen. Hilf, daß unsre Seele und Leib sich in dir stets erfreuen, unnöthige Traurigkeit aber meiden. Siehe gnädig an das viele Elend, dem wir in dieser Welt unterworfen sind, und errette uns daraus durch deinen gewaltigen Arm. Stürze deine Feinde, die dein geringes Häuflein zu vertilgen suchen. Erfülle uns mit deinen himmlischen Gütern, nach welchen wir Hunger und Durst leiden. Erhalte uns in deiner Furcht, damit deine Barmherzigkeit für und für bei uns bleiben möge. Dafür soll unsre Seele und Geist deinen Namen mit ewigem Ruhm erheben und preisen. Amen, um Jesu deines liebsten Sohnes willen. Amen. 23. Am Michaelisfeste. 432 chen Weisheit und väterlichen Liebe gegen uns, die lieben Engel uns zu Dienern und Wächtern bestellet hast, die uns als eine feurige Mauer umgeben, und vor Schaden und Gefahr behüten müssen. Lieber Vater! laß diese deine starken Helden und himmlischen Heerschaaren sich fernerhin um deine liebe Kirche und unser ganzes Land lagern, daß sie des Teufels, wie auch aller seiner Glieder und Diener, Bosheit, Lift, Macht und Gewalt abtreiben und verjagen. Sende deine lieben Engel in unsre Häuser und Wohnungen, laß sie uns auf allen unsern Wegen und Stegen mit ihrem Schuße begleiten, daß uns kein Unglück und Uebel berühre. Gieb uns auch diese deine väterliche Liebe zur Gnüge zu er kennen, damit wir dich allezeit dafür loben, und eines englischen, heiligen und reinen Lebens befleißigen, auf daß wir die lieben Engel durch Sünde und Laster von uns nicht verjagen, noch den bösen Geistern über uns Macht einräumen. Endlich, wenn unsere Seele nach dem Himmel reisen soll, bestelle derselben das Geleite der heiligen Engel; so wollen wir in ihrer und aller Auserwählten Gesellschaft dich, sammt deinem Sohne und heiligem Geiste, in Ewigkeit loben und preisen. Amen. Register. Seite Ach! abermal bin ich gefallen 151 Ach die zweifelnden Gedanken 288 Ach Gott und Herr 145 205 99 Ach Gott! verlaß mich nicht Ach Gott, vom Himmel sieh 370 360 Dasselbe Lied unverändert Ach Gott, wie manches schwere 291 Ach Gott, wirtreten jetzt vor dich 324 Ach hier nicht mehr, ach fern von 360 Ach höchster Gott, verleihe mir 201 Ach Jesu, dessen Treu 47 Ach Jesu, gieb mir sanften Muth 277 Ach meine Kinder sind nicht Ach nein, mein Auge darf ich 143 Ach rief Gott seinen Richterblick 141 Ach Vater, unser Gott 197 Ach! wann werd ich von der 150 Ach! wie ist der Menschen Liebe 186 Ach wie viel Böses wohnt in mir 153 Ach wird denn dein Erlöster nie 150 Ach zürne nicht 149 Allein an dir, mein Gott, hab 117 Allein Gott in der Höh sey Ehr 20 Alle Menschen müssen sterben 135 Allen Christen, und auch mir 265 Alles, was ich bin und habe 270 Alle Welt, was ist und lebet 213 Allmächtger Vater, Gott der 207 Allmächtiger, der seinen Thron 200 Allmächtiger, du Gott der Welt 342 Allmächtiger, ich Staub, ich 145 Allmächtig großer Gott 31 Allwissender, vollkommner Geist 8 Also hat Gott die Welt geliebt 40 Als unser Herr zum Jordan 102 Am Kreuz erblaßt 63 58 1 18 Am Kreuze rief der Sohn Anbetungswürdger Gott Anbetung und Dank bringen An dich, mein Gott, gedenken 191 Auch außer meinem Vaterland 363 Auch diesen Tag hab ich Auch zu Haus und in der Auf, Christen, preist mit mir 351 236 212 Seite 282 213 Auf dich allein, Herr Jesu Christ 157 Auf dich, Gott der Güte Auf euch wird Gottes Segen 210 Auf Gott, und nicht auf meinen 186 Auf! jauchzet Gott, auf alle Auf! Jünger Jefu, freuet euch 83 Auf meinen Gott verläßt Auf, meine Seele, finge Auf, mein Geist, dem Herrn Auf, o Seele, werde munter Auf, schicke dich, recht feierlich Aus dunkler Tiefe, Herr 195 239 Aus ganzem Herzen lieb ich Aus tiefer Noth schrei ich zu 374 226 187 346 39 117 247 285 Bald, oder spät des Todes Befiehl du deine Wege Befreit von Sorg und Kummer 348 59 Begleite mich nach Golgatha Begrabt den Leib in seine Gruft 124 Bewahre mich, Herr, daß der 163 229 Bis hieher hat mich Gott Bringt Preis und Ruhm dem 79 68 368 Christ, alles was dich kränket 284 Christe! du Lamm Gottes Christ ist erstanden Christ lag in Todesbanden Christum wir sollen loben schon 367 Christ unser Herr zum Jordan 373 368 183 363 Dant, bester Vater, will ich Dank dir, Beschüber meines Das Grab ist leer, des Höchsten 79 Dein bin ich, Gott, dein ist mein, 30 Dein bin ich, Herr, dir will ich 166 159 Deines Gottes freue dich 351 Dein, Gott, ist Majestät und 184 Dein Heil, o Christ, nicht zu 192 Dein Name sey erhoben Dein Reich, o Gott, ist herrlich 25 Dein Wille, bester Schöpfer 302 Dein Will' ists, großer Gott 244 Dein Wort, o Höchster, ist 93 )(* Register. Seite Dem Herrn will ich vertrauen 282 Den Herrn, der an mein Leiden 231 Den Höchsten öffentlich 233 Der am Kreuz ist meine Liebe 69 Der du bist drei in Einigfeit Der du das Daseyn mir Der du dem Tode nah, für Der du der Strafen schwere Der du die Liebe selber bist Der du mich als ein Vater Der du selbst die Wahrheit Der du stets unsre Zuflucht 236 du uns als Vater liebeft 90 Der du uns das Heil errungen 42 Der du uns mit deinem Blute 163 Der du Verstand und Tugend 253 Der du voll Blut und Wunden 75 Der frohe Morgen weckt mich 344 Der Herr ist Gott, singt ihm 214 Der Herr ist Gott, und keiner 1 Der Herr ist meines Lebens dhol 364 97 277 73 268 180 94 334 300 Der Herr ist meine Zuversicht 185 Der hohe Himmel dunkelt Der letzte meiner Tage Der mächtige, der Herr der Der Mensch, der Menschenfurcht nicht kennet 306 333 310 87 Der mir den Weg zum Heile Der Morgen kommt und meine 345 Der Spötter Strom reißt viele 96 Der Tag, der ist so freudenreich Der Tag ist wieder hin Der Thron der Weltbeherr366 350 scher ist 209 Der unsre Menschheit an sich 128 Der Weise sagt zu seiner Seele 34 Der Wollust Reiz zu widerstreben Des Leibes warten und ihn 252 251 341 88 Des Morgens erste Stunde Des Vaters und des Sohnes Dich bet ich an, erstandner Dich, Herr und Vater aller 226 Dich, Jesu, bet ich an 80 37 Dich preis ich, Herr, mit Herz 12 Dich seh ich wieder, Morgenlicht 339 Die Bahn ist rauh, auf der 295 Die dich nicht kennen, die nicht 823 Die Feinde deines Kreuzes 98 1 Die Herrlichkeit der Erden Die ihr Christi Jünger seyd Die Nacht ist hin, Gott sey Dies, Christen, ist der Tag Dies ist der Tag, den Gott Dies ist der Tag zum Segen Die Sonne stand verfinstert Dies sind die heilgen zehn Die Zunge, die vernehmlich Dir allein hab ich gesündigt Dir befehl ich meine Kinder Dir dank ich für mein Leben 183 Dir Gott, dir will ich fröhlich 225 mein Dank 355 371 274 149 354 Dir, Gott, sey Preis und Dank 28 Dir, milder Geber aller Gaben 333 Dir sey Preis, ich lebe wieder 343 Dir trau ich, Gott, und wante 188 25 Dir, unser Gott, ist niemand Dir versöhnt in deinem Sohne 191 Dreieinger Gott, ich preife dich 20 Du, aller Menschen Vater Du, befter Trost der Armen Du bists, dem Ehr und Ruhm 216 Du, der Herz und Nieren 272 328 169 Du, der nichts Böses thut Seite 261 112 339 235 39 234 62 33 258 88 Du gabst mir, Ewger, diefes Du Geist des Herrn, der du Du Gott, der unsre Zuflucht Du Gott, du bist der Herr Du hast es mir gegeben und 299 Du hast, o gnadenreicher Gott 329 Du hast, o weiser Schöpfer Du Herr der Seraphinen Du Herr haft aus Barm353 23 lich drohn Durch Adams Fall ist erſt Durch dich, Gott, bin ich, was Durch dich, o großer Gott Durch viele große Plagen 320 317 herzigkeit 107 Du klagst, o Christ, in schweren 290 Du flagst, und fühleft die Du liebst, o Gott, Gerechtigkeit 269 Du, Rächer, Gott, wie schreck298 321 115 359 224 358 Du Unsichtbarer, dessen Thron 3 Du Vater deiner Menschenfinder 182 Du weiser Schöpfer aller Dinge 11 Du, welchen keine Welt Du wesentliches Ebenbild 358 50 Du wiefest, Jefu, nicht die 104 Registe. Seite Gine feste Burg ist unser Gott 371 Ein Fremdling bin ich in 296 Ein Herz, o Gott, in Leid 280 Ein Lamm geht hin und trägt 72 Ein milder Regen sinket 332 Eins ist Noth, ach Herr, dies 243 Ein starker Schutz ist unser Gott 100 152 Endlich muß ich mich entschließen Endlich wachet mein Gewissen 152 Entehre nicht, mein Herz, mit 257 Entfernet euch, unfelge 310347 139 172 Entflohen sind auch dieses Entschließe dich, beherzt Erbarm dich, Herr mein Erforsche mich, erfahr mein Erhabner Schöpfer, deine Erhalt uns, Herr, bei deinem 65 221 99 Dasselbe Lied unverändert 372 Erhebe vom Geräusch der Welt 57 Erheb, o Christ, dein Herz und 242 Erhebt den Herrn, ihr Frommen Erhöhter Jefu, Gottes Sohn Erhör, o Gott, das heiße Flehn 37 129 105 80 Erinnre dich, mein Geist Er ist erstanden, Jesus Christ 82 Er kömmt, er tömmt, der starke 40 Er kömmt, er kömmt, zum 129 Weltgericht Ermuntre, Seele, dich und sey 341 Erniedrigt hatte sich bereits Erwache fröhlich, mein Gemüthe 60 Es baut, Herr, deiner Es donnert, Mensch, wer 352 331 334 263 Es eilt der letzte von den Es fliehn die Schatten von der 342 Es hilft uns unser Gott 293 Es ist das Heil uns kommen 154 Es ist noch eine Ruh vorhanden 134 Es lag die ganze Welt Es sey mein ernstlicher 49 13 Es spricht der Unweisen Mund 370 Es weinet um Jerusalem 51 Es werde Gott von dir erhoben 29 Es wolle Gott uns gnädig seyn 101 Es woll uns Gott genädig seyn 372 Es zieht, o Gott, ein Kriegeswetter 324 Seite 361 275 78 63 Fest soll mein' Hoffnung Freund, der mir alles ist Freiwillig hab ichs dargebracht Frohlocke mein Gemüthe Froblock', mein Herz, weil Jefus Frohlockt, ihr Christen, preist Für alle Güter sey gepreist Für alle Kranke bitt ich dich Fürwahr, du bist, o Gott 83 76 348 211 26 Gedanke, der uns Leben giebt 36 Geist vom Vater und vom Sohne 91 41 Gelobet feyst du, Gottes Sohn Gelobet feyst du, Jesus Chrift 365 Gelobt seyft du, Herr Zebaoth 237 269 Gerechter Gott, du willst Gerechter Gott, vor dein Gericht 13 306 Gern will ich mich ergeben Getreuer Gott, wie viel Geduld 16 Geweiht zum Christenthume 104 Gieb mir dein Herz, sprichst du 182 Gieb mir, o Gott, ein Herz Gieb, Vater, daß mein Herz 177 Gott, deine Gnade sey gepreist 40 Gott, deine Gnad ist unser 266 Leben 119 199 24 276 64 376 287 336 327 207 Gott, deine Güte reicht so Gott, deine weise Macht erhält 230 Gott, dein unsichtbares Wesen 46 Gott, der an allen Enden Gott, der du die Menschen Gott, der du für uns deinen Gott, der Vater wohn uns Gott der Wahrheit, deffen Gott des Himmels und der Gott, dessen Aug uns stets Gott, deffen Hand die Welt Gott, deffen Nam ist wie dein 208 Gott, deffen starke Hand die Gott, dir gefällt kein gottlos Gott, du bist von Ewigkeit Gott, du bleibst ewig unsrer 257 Gott, du hast in deinem Sohne 92 Gott, durch dessen Macht und 335 Gott, durch welchen alle Gottes Sohn ist kommen Gott führt die Seinen wunderlich 224 227 42 Gott, ich weiß es, meine Glieder Gott, ich will mich ernstlich 148 6 293 125 141 Gott in der Höh sey Ehr Gott ist die Liebe selbst Gott ist mein Hort Gott ist mein Lied Register. Seite Seite 153 20 Herr, du bist meine Zuversicht 127 Herr, du erforschst und kennest 10 Herr, du fährst mit Glanz 93 86 Herr, du kennest mein Verderben Gott ists, der das Vermögen Gottlob, mein Lauf eilt früh Gott, mache du mich selbst bereit Gott, meine ganze Seele Gott, meines Lebens Meister Gott, meines Nächsten bestes Gott, mein höchstes Gut Gott, mein Licht, erleuchte mich 176 Gott, mein Vater, deine Liebe 180 Gott, mein Vater, ich dein 119 Gott, mein Vater, sey gepriesen 220 Gott schuf die Sonne und 316 Gott sey gedankt zu jeder Zeit 78 Gott sey gelobet und gebenedetet 373 23 256 124 Habe deine Lust am Herrn Habe deine Lust, o Jugend Hab ich ein gut Gewiffen nur Halt im Gedächtniß Jefum Heiland, deine Menschenliebe Heil deinem Volke, dem du Heilger, Vater, du gebietest Heilig, heilig ist dein Wille Heil uns, aus unsrer Sündennoth Helle leuchtet deine Güte Herr, allerhöchster Gott, im Herr, allerhöchster Gott, von 4 26 22 Gott, unser Gott, wie heilig ist Gott, unser Vater, der du Gott, vor deffen Angesichte Gott, was des Lebens Kräfte 345 Großer Gott, erhabnes Wesen 33 Großer Mittler, der zur Groß ist des Höchsten Güte 86 228 268 228 101 197 12 190 174 312 113 50 92 35 330 331 Dem 158 Herr, deine Allmacht reicht so 11 Herr, deine Rechte und Gebot 96 Herr, den die Sonnen und Herr, der du alles giebest Herr, der du als ein stilles 317 247 Lamm 105 348 165 Herr, der du mir das Leben Herr, dessen Augen alles Herr, dir gelob ich neue Treue 103 Herr, du bist heilig im Gericht 179 Herr Gott, dich loben wir Dasselbe Lied von Luther Herr Gott, du bist die Zuflucht 6 Herr Gott, vor deiner Majestät 327 Herr Gott, wir preisen deine 326 Herr, höre mein Gebet, um Herr, höre mein Gebet, und 147 laß 173 131 Herr, ich bin dein Eigenthum Herr, ich falle vor dir nieder 111 Herr, ich hab aus deiner Treu 265 Herr Jesus Christ, du höchstes 143 Herr Jesu Christ, mein Herr und den zu Herr und Regent der ganzen 252 Herr, unfer Gott, laß nicht 184 Herr, unser Gott, wer ist dir 32 215 375 Herr Jesu deine Angst und Herr Jefu, Gnadensonne Herr, laß mich doch gewissenHaft 254 Herr, mache meine Seele stille 286 Herr, mein Erlöser, nur von dir Herr, meiner Seele großen Herr, mein Licht, mein Heil 202 249 27 276 155 Herr, sieh, ich bin verdroffen 132 Herr, stärke mich, dein LeiHerr, mein Versöhner, der Herr, ohne Glauben kann 122 65 201 52 200 325 gleich 19 Herr, wie du willst, so schicks 206 Herr, wie lange muß ich ringen 172 Herr, wo ist solch ein Gott wie 212 308 Heute, sprach mein Heiland Heut hat den Juden sich dein 45 Hier bin ich, Herr, du rufest 140 Hier bin ich, Jesu, zu erfüllen 109 Hilf, Herr Jesu, laß gelingen 315 Hilf Jesu, daß ich meinen Hin, an dein Kreuz zu treten 271 Höchster, denk ich an die Güte Höchster, dessen starke Rechte 236 Höchster Gott, wir danken Hört an die heilgen zehn Gebot 96 Hör unser Gebet, Geist des 88 66 148 23 Register. Seite 15 170 103 121 Jauchzt unserm Gott, er iſt Ich bin ein Christ, Gott ist Ich bin getauft auf deinen Ich bin fa, Herr, in deiner Ich bin, ich lebe, Gott du bist 215 Ich bin, o Gott, dein Eigenthum 31 130 189 118 Ich denk an dein Gerichte Ich ergebe mich dem Willen Ich erhebe mein Gemüthe Ich frage nichts nach Gold 260 Ich freue mich der frohen Zeit 128 Ich freue mich, mein Gott, in 181 Ich habe, Gott, mir ernstlich 9 Ich habe nun den Grund Ich hab in Gottes Herz und Ich hab in guten Stunden Ich hoff, o Gott, mit frohem Ich komme, Friedensfürst, zu dir 156 281 301 120 157 10 Ich komme, Herr, und suche 110 Ich komme vor dein Angesicht 199 Ich lag umringt mit Schmerzen 230 Ich lobe dich, und preise dich Ich preise dich, o Herr, mein Ich preise dich, und singe Ich Staub, vom Staube, wer Ich sterbe täglich, hier auf Erden 108 229 168 124 Ich trete vor dein Angesicht 355 Ich weiß, an wen mein Glaub 120 Ich weiß, mein Gott, daß all 203 Ich weiß, und bins gewiß Ich will das Abendmahl des Ich will dich noch im Tod 160 106 erheben 307 Ich will in meiner Einsamkeit 356 Ich will, mein Gott, du König 222 Ich will vor dein Antlig treten 302 Jehovah, mächt'ger König Jesu Christ, durch deine Wunden 210 Jesu Christe, wir sind hier Jesu, du mein Heil, mein Jesu, Jesu, stärke mich Jesu, meine Freude Jeju, meiner Seelen Licht Jefu, meines Lebens Leben Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod Jesus Christus, unser Heiland, der von uns 74 236 243 243 240 67 64 368 373 sibe Jesus lebt, mit ihm auch ich Jefus, meine Zuversicht Jhm, der das Licht entstehen Seite 82 127 hieß Shr, die ihr euch von Chrifto Ihr Mitgenossen, auf zum Fm Frühling meiner Jahre Im Stillen wollen wir dich 339 164 161 361 ehren. 313 In allen meinen Thaten 189 In dieser Morgenstund will ich 337 In Gottes Namen fang ich an 208 In Trübsal, Christ, sey stark 279 159 Ist Gott für mich, so trete 305 Ist nun auch meine Stunde Jetzt leb ich, ob ich morgen lebe 262 Jeßt finkt die Sonne nieder 349 192 368 Kaum steigt zu ihrem frohsten 77 Kein Lehrer ist dir, Jesu, gleich 49 Kinder gut und fromm erziehen 210 Komm betend oft und mit Komm, Gott Schöpfer, heilger 369 Komm, heilger Geist, Herre Kommt, kommt, den Herrn Kommt, laßt euch den Herren Kommt, lagt vor Gott uns König, dem kein König gleichet 84 Könnt ich in meinen Nöthen 283 71 223 166 316 Laß deinen Geist mich stets Laß deiner Welt mich dienen 246 Laß doch, o Jesu, laß dein Reich 101 255 Laß mich doch nicht, o Gott 273 Laß mich, Höchster, darnach Laß mich, o Herr, in allen Dingen 185 193 Laßt unserm Gott uns singen 217 Laßt uns mit Danken treten Laßt uns mit Lob und Beten 219 Laßt uns unserm Gott lobsingen 43 Lob, Ehre, Preis und Dank 238 Lob, Ehr und Dank sey dir 231 Lob, Ehr und Preis dem Höchsten 232 2ob sey Gott, der den Frühling 329 Lob sey Gott, der den Morgen 345 222 Lobsinget Gott, und betet an Lobsingt dem Gott, der unser 325 61 Lobfingt, ihr Völker, preist Lobt Gott, den Gott der Stärke 214 85 Lobt Gott, ihr seine Knechte Register. ste Noch immer wechsein ordentSeite 262 Mein bester Trost in diesem 196 Meine Lebenszeit verstreicht Meinen Jesum laß ich nicht Mein Erlöser, auch für mich Mein Erlöser, der du mich Mein Erlöser, Gottes Sohn Mein erster Wunsch, mein Mein erst Gefühl sey Preis Mein Seel ermuntre dich Seite 158 16 lich 330 Noch läßt der Herr mich leben 341 73 Noch nie hast du dein Wort Nun, Christen, laßt uns fröhlich Derett Nun danket alle Gott 104 68 35 219 113 Nun freut euch, lieben Christen 364 Nun habe Dank für deine Nun ist es alles wohl gemacht 62 Nun ist es Tag, mit frommem 344 Nun kommt der Heiden Heiland Nun wollen wir dir Lob und Mein Jesu, für dein Herz Mein Jesus ist getreu Mein Jesus ist mein Leben Mein Leben ist ein Prüfungs226 338 51 Mein ganzer Geist, Gott wird 134 Mein Gefühl ist Traurigkeit Mein Geist erstaunt, Almäch300 218 398 tiger Mein Glaub ist meines Lebens 314 Mein Gott, ach lehre mich 168 33 Mein Gott, dir ist bewußt Mein Gott, du bist gerecht 332 Mein Gott, du wohnest zwar 176 Mein Gott, nun ist es wieder 338 Mein Gott, wo flieh ich hin 144 Mein Heiland, deine Größe 46 Mein Heiland lebt, er hat die 126 Mein Heiland, wenn mein 122 Mein Herz, ermuntre dich Mein Jesu, du hast unsre 232 Schuld 48 55 239 308 365 327 193 375 351 57 47 89 allgütigster Erhalter blinde Wuth Christe! Eingeborner du allerfüßte Freude 115 Deffentlich in der Gemeine Oft hab ich den Bund gebrochen 147 171 Oft flagt dein Herz, wie Gott, bei dir ist Heil und 102 Gott, der du den Himmel 332 O Gott des Himmels und der 21 Gott, dich fürchten, kindlich 177 Gott, du bist die Liebe 14 234 202 359 194 Gott, du bist mein Preis Gott, du frommer Gott Gott, du Gott der Deinen Gott, es fehlt uns Kraft Gott, so bald der Tag 331 großer Gott, der alle Ding 7 heilger Geist, kehr bei uns heiliger, gerechter Gott O Heiligfter, wen nennst du 91 19 259 stand Mein Vater und mein Gott 203 Mensch, willt du leben seliglich 371 Mit Ernst, o Menschenkinder 38 Mit freudigem Gemüthe 337 Mit Fried und Freud ich fahr 376 Mit Munterkeit erwachen wir 340 Mit Preis und Dank nah ich 347 Mit Seufzen klag ich dir, Herr, dein seligmachend Herre Gott, dein göttlich Herr, mein Heil, der du Herr, mein Gott, durch mein Mitten wir im Leben sind den ich bin und lebe 190 Dhimmlisches, o bestes Leben 133 Jesus Christ, mein höchstes 239 Jesu, heilges Gotteslamm 109 D Lamm Gottes, im Staube 68 105 Nach dir, o Herr, verlanget 206 Nach einer Prüfung kurzer 132 Nach meiner Seelen Seligkeit 248 Nein, murren will ich nicht 299 stärke, Mittler, stärke fie Nicht, daß ichs schon ergriffen 250 Tod, wo ist dein Stachel Nicht nur streiten, überwinden 162 Vater der Barmherzigkeit 144 Nie bist du, Höchster, von uns welch ein Glück, ein Mensch 27 Nie will ich dem zu schaden 278 welch ein unschäzbares Gut 249 Nimm von uns, Herr, wir 323 Welt! sich hier dein Leben 70 Noch bin ich dein Gaft, o Erde 123 O wie unaussprechlich selig 81 9 135 164 319 369 71 Register. Quälet mich nicht, bange Quelle der Vollkommenheiten Rühme, Seele, dein Gefang Seite 179 297 Unermeßlich ewig ist Unschuldger Jesu, was hast Uns heilig soll der Ehstand feyn Unsträflich bist du, Gott, und Unwiederbringlich schnell 114 Schaffet, schaffet, Menschenfinder 137 100 292 Schon ist der Tag, von Gott 130 Schön ist die Tugend, mein 169 Schon wieder ist von meinem 352 Schöpfer aller Menschenkinder 116 Schüße die deinen, die nach Schweiget, bange Zweifel Schwing dich auf gen Golgatha 66 Seele, willst du Ruhe finden 108 Sehn wir nur Trübfal um Seht, Gottes Gnade ist Seht, welch ein Mensch Selig, Gott, sind die, die Selig sind des Himmels Erben 132 Sey du, o mein getreuer Gott 362 Sey hochgepriesen, Herr, für 63 Sey, Seele, stark und unver322 Stimmt unserm Gott ein Strafe nicht, o Heiligster zagt 284 Sieh, Seele hinter dich zurück 357 Sie kömmt, sie kömmt, die 264 Singt dem Herrn Lob, Preis 346 Singt dem Versöhner, singt So fliehen unsre Tage hin So gehst du, Jefu, williglich Sohn, der du für uns starbst So jemand spricht, ich liebe Soll dein verderbtes Herz Soll sich mein Geist, o Gott, zu dir erheben Sollten Menschen, meine Sollt ich jetzt noch, da mir 170 Sollt ich meinen Gott nicht 216 So schlummerst du 76 So wahr ich lebe, spricht dein 138 So weit, Herr, deine Himmel 14 Stärke, denn oft will er 175 266 wanken 44 56 123 Tag, den mir der Herr gemacht Triumph! verlaßt die leere 161 213 147 107. 77 Um Gnade für die Sünderwelt 60 Umsonst, umsonst verhüllst du Um Weisheit, Höchster, bitte 205 8 Seite 5 55 Vom Himmel hoch da komm Vom Himmel kam der En353 146 351 Vater aller Menschenkinder 309 Vater, heilig möcht ich leben 173 Vater, laß mich Gnade finden 146 Vater unser im Himmelreich 374 Verächter Gottes, bebt 136 Verleih uns Frieden gnädiglich 326 Vollendet bist du nun vor Gott 81 Voller Ehrfurcht, Dank und Vom Geräusch der Welt 111 312 366 41 347 Wach auf, mein Herz, und 336 53. Wachet auf, so ruft die Stimme 128 87 Wär Gott nicht mit uns diese 372 Warum erbebst du meine 267 304 95 gel Schaar 367 Von dir, du Gott der Einigkeit 210 Von dir, Gott der Barmherzigkeit 207 Von dir, o Vater, nimmt mein 287 Von Furcht dahin gerissen 241 Von ganzer Seele preif' ich 204 Von Gott will ich nicht laffen 187 Vor dir, Herr Jesu, steh ich 157. Warum sollt ich mich denn 291 Was bist du, o Christ, betrübet 289 Was den Leib erhält und nährt 345 Was für Leiden, starker Held 54 Was fürcht'st du Feind Herodes 367 Was Golt thut, das ist wohlg. 188 Was hilft es mir, ein Christ 162 Was ich nur Gutes habe 245 Was in mir ist, mein ganzes 220 Was ist das Leben hier auf Was ist mein Leben auf der 279 Erde 296 259 Was ist mein zeitlich Leben Was ist, o Gott, im Himmel 174 Was ist's, daß ich mich quäle 288 Was ist vor deinem Angesichte 29 Was mein Gott will, gescheh 188 Was soll ich ängstlich klagen Was soll ich trostlos sorgen Was sorgst du ängstlich für 281 295 303 Register. Seite 114 Seite 293 Wie, höchster aller Vater, wie 44 Wie kann ich sattsam doch Wie lieblich ist doch, Herr, die 235 Wie mächtig spricht in meiner 313 Wie mannigfaltig sind die Wie sanft sehn wir den Wie selig, Gott, wie selig ist 118 Wie felig, Herr, ist der Ge 251 307 rechte 2 17 275 100 271 Was zagst du, Gott regiert Was zweifelst du, betrübtes 297 Weg, Welt, mit deinen Freuden 53 Web dem, der leugnet, daß Weicht ihr Berge, fallt ihr Welch Glück, o Gott, ist Welch großes Vorrecht schenkst 195 Welch hohes Beispiel gabst 242 Welch Lob, o Gott, soll unser 219 Welch Lob soll ich dir geben 229 Wenn Christus seine Kirche Wenn du des Nächsten Ebr Wenn einst mein sterbend Auge 306 Wenn ich die Gottesäcker feh 304 Wenn ich ein gut Gewiffen habe 311 Wenn ich einst von jenem 344 Wenn ich nur Gott gefalle Wenn ich, o Gott, von dir Wenn ich, o Schöpfer, deine 21 Wenn mich die Sünden kränken 74 Wenn, Mittler, meine 305 Wenn nicht zur Uebung deiner 165 Wen wird, o Gott, die Wonne 314 Wer bin ich, welche wicht'ge 245 Wer gleicht dir, Gott, un258 246 denkbar 7 Wer, Gott, dein Wort, nicht 162 Wer ist dir gleich, du Einziger 4 Wer kann, Gott, je was Gutes 198 Wer nur den lieben Gott läßt 298 Wer weiß, wie nahe mir mein 304 Wiederum ein Jahr verschwunden Wie fürcht ich mein Herz zu Wie getroft und heiter Wie gnädig ist des Höchsten Wie gnädig warst du, Gott Wie groß ist des Allmächtgen Wie groß ist unfre Seligkeit Wie groß, wie angebetet ist Wie grundlos sind die Tiefen Wie herrlich bist du, Gott Wie herrlich strahlt der Morgenstern 318 142 155 335 322 15 309 238 69 21 Wie selig lebt ein Mensch Wie sicher lebt der Mensch, der Staub 167 272 263 37 120 140 Wie soll ich dich empfangen Wie theur, o Gott, ist deine Wie treu, mein guter Hirte Wie viele Freuden dank ich dir 225 Wie wichtig ist doch der Beruf 30 Wie wird mir dann, Erlöfer 306 Will Jemand Christi Jünger 260 Willkommen, du Geschenk des 325 Willkommen, Quell der Freuden 138 84 18 42 Will mich, o Gott, hienieden 285 Willst du der Weisheit Quelle 178 Willst du die Buße noch Wir freuen uns, Herr Jesu Wir glauben all an einen Gott 364 Wir glauben an den eingen 93 Wir Menschen sind zu dem Wo find ich Gott, den meine 175 48 Wohlauf, mein Herz, verlaß Wohl dem, der beßre Schäße 255 Wohl dem, der in Gottesfurcht 376 Wohl dem, der redlich wandelt 273 Wohl, wohl dem Menschen Wohlzuthun und mitzutheilen Wort aus Gottes Munde 313 Wunderbar ist Gottes Schicken 294 Wüßt ich nicht: Gott ist, Gott 2 Zeit, die ich seufzend zähle Zu deinem Throne nah ich Zur Arbeit, nicht zum Müssig273 97 301 340 256 gang 240 3u so viel Tagen, die mir schon 350 Episteln und Evangelia auf die Sonn- und Festtage; nebst der Leidensgeschichte Jesu, und kurzen Morgen- und Abendgebeten auf jeden Tag in der Woche. Braunschweig, 1866. Druck und Verlag von Johann Heinrich Meyer. 74 Episteln und Evangelia. Am 1. Sonntage des Advents. Epistel, Röm. 13. v. 11-14. Lieben brüder, weil wir solches wiſsen, nämlich die zeit, daß die ſtunde da näher ist, denn da wirs glaubten) die nacht ist vergangen, der tag aber herbei kommen; so laffet uns ablegen die werke der finsterniß und anlegen die waffen des lichts. Laffet uns ehrbarlich wandeln als am tage, nicht in freffen und saufen, nicht in kammern und unzucht, nicht im hader und neid, sondern ziehet an den Herrn Jefum Christ, und wartet des Leibes; doch also, daß er nicht geil werde. Evangelium, Matth. 21. v. 1-9. den nun Gehet hin fandte Jesus seiner jünger zween, und sprach zu ihnen: in den flecken, der vor euch lieget, und bald werdet ihr eine eselin finden angebunden, und ein füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch jemand wird etwas sagen, so sprechet: Der herr be darf ihr! sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den propheten, der da spricht: Saget der tochter zion, siehe, dein könig kommt zu dir sanftmüthig, und reitet auf einem efel, und auf einem füllen der lastbaren eselin. Die jünger gingen hin und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die eselin und das füllen, und legten ihre kleider darauf und feßten ihn darauf. Aber viel volks breitete die kleider auf den weg; die andern hieben zweige von den bäumen und streueten sie auf den weg. Das volt aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hostanna dem sohne Davids; gelobet fey, der da kömmt im namen des Herrn! Hoftanna in der Höhe! Am 2. Sonntage des Advents. Epistel, Röm. 15. v. 4:13. Lieben brüder, was aber vorhin geschrieben iſt, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch geduld und trost der schrift hoffnung haben. Gott aber der geduld und des troftes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnt seyd unter einander, nach Jesu Christo; auf daß ihr einmüthiglich mit einem munde lobet Gott und den vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch untereinander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes lob. Ich sage aber, daß Jefus Christus sey ein diener gewesen der beschneidung, um der wahrheit wil len Gottes, zu bestätigen die verheißung, den vätern geschehen. Daß die heiden aber Gott loben um der barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: Darum will ich dich loben unter den heiden, und deinen na men singen. Und abermals spricht er: Freuet euch, ihr heiden, mit seinem voll. Und abermal: Lobét den herrn, alle heiden, und preiset ihn, alle völker. Und abermal spricht Esaias: Es wird seyn die wur zel Jeffe, und der auferstehen wird zu herrschen über die heiden, auf den werden die heiden hoffen. Gott aber der hoffnung erfülle euch mit aller freude und frieden im glauben, daß ihr völlige hoffnung habet, durch die kraft des heiligen geistes. Evangelium, Luc. 21. v. 25-36. Und [ nd es werden zeichen geschehen an der sonne und mond und sternen, und auf erden wird den leuten bange feyn, und werden zagen, und das meer und die wasserwogen werden brausen, und die menschen werden verschmachten vor fürcht und warten der dinge, Episteln und Evangelia.ig 3 die da kommen sollen auf erden, denn auch der Himmel kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des menschen sohn kommen in den Wolken mit großer kraft und herrlichkeit. Wenn aber diefes anfängt zu geschehen, so sehet auf, und hebet eure häupter auf, darum, daß sich eure erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein gleichniß: Sebet an den feigenbaum und alle bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihr an ihnen und merket, daß jetzt der sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles fehet angehen, so wisset, daß das reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: dies geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe. Himmel und erde werden vergehen, aber meine worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure herzen nicht beschweret werden mit fressen und faufen, und mit sorgen der nahrung, und komme dieser tag schnell über euch. Denn wie ein fallstrick wird er kommen über alle, die auf erden wohnen. So seyd nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget zu ent fliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des menschen sohn. Am 3. Sonntage des Advents. Epistel, 1. Cor. 4. v. 1-5. Dafür halte uns jedermann, nämlich für Chriſti diener und hausüber man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. Mir aber ists ein geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wol nichts bewußt, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertigt. Der herr ifts aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans licht bringen, was im finstern verborgen ist, und den rath der herzen offenbaren, alsdann wird einem jeglichen von Gott lob widerfahren. Evangelium, Matth. 11. v. 2-10. Da ja aber Johannes im gefängniß die werke Christi hörete, fandte er feiner jünger zween, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret: die blinden sehen, die lahmen gehen, die aussäßigen werden rein, und die tauben hören, die fodten stehen auf, und den armen wird das evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jefus an zu reden zu dem volke von Johanne: Was seyd ihr hinausgegangen in die wüste zu sehen? Wollt ihr ein rohr sehen, das der wind hin und her wehet? Oder was seyd ihr hinausgegangen zu sehen? Wollet ihr einen menschen in weichen kleidern sehen? Siehe, die da weiche kleider tragen, sind in der könige häusern. Oder was feyd ihr hinausgegangen zu sehen? Wollet ihr einen propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein prophet. Denn dieser ists, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich sende meinen engel vor dir her, der deinen weg vor dir bereiten soll. Am 4. Sonntage des Advents. Epistel, Phil. 4. v. 4-7. Lieben brüder, freuet euch in dem Herrn alle wege; und abermals fage ich: freuet euch. Gure lindigkeit laffet kund seyn allen menschen. Der herr ist nahe. Sorget nicht, sondern vor allen dingen lasfet eure bitten im gebet und flehen mit danksagung vor Gott kund werden. Und der friede Gottes, welcher höher ist, denn alle vernunft, be= wahre eure herzen und sinne in Christo Jesu. A 2 Episteln und Evangelia. Evangelium, Joh. 1. v. 19:28. Und nd dies ist das zeugniß Johannis, da die juden sandten von Jerufalem priester und leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht. Und er bekannte: Ich bin nicht Chriftus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Er sprach: Ich bins nicht. Bist du ein prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir antwort geben denen, die uns gefandt haben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine stimme eines predigers in der wüste; richtet den weg des Herrn, wie der prophet Esaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den pharisäern, und fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Chriftus bist, noch Elias, noch ein prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ists, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine schuhriemen auflöse. geschah in Bethabra, jenseits des Jordans, da Johannes taufte. Dies Am 1. Weihnachtstage. Epistel, Tit. 2. v. 11-14., & ift erschienen die heilsame gnade Gottes allen menschen, und züchtigt uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche wesen, und die weltlichen lüfte, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser welt, und warten auf die felige hoffnung und erscheinung der herrlichkeit des großen Gottes, und unsers Heilandes Jesu Chrifti, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein volk zum eigenthum, das fleißig wäre zu guten werken. Evangelium, Luc. 2. v. 1:14. Se begab sich aber zu der zeit, daß ein gebot vom kaiser Augusto ausging, daß alle welt geschäßet würde. Und diese schätzung war die allererste, und geschah zu der zeit, da Cyrenius landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galilää, aus der stadt Nazareth, in das jüdische land zur stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum daß er vom Hause und geschlechte Davids war, auf daß er sich schäßen ließe mit Maria, feinem vertrauten weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die zeit, daß fie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten sohn, und wikkelte ihn in windeln, und legte ihn in eine krippe; denn sie hatten sonst keinen raum in der herberge. Und es waren hirten in derselbigen gegend auf dem felde bei den hürden, die hüteten des nachts ihre heerde. Und siehe, des Herrn engel trat zu ihnen, und die tlarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große freude, die allem volke widerfahren wird. Denn euch ist heute der heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der stadt Davids. Und das habt zum zeichen: Ihr werdet finden das kindlein in windeln gewickelt, und in einer frippe liegend. Und alsbald war da bei den engeln die menge der himmlischen heerschaaren, die lobten Gott und sprachen: Ehre fey Gott in der höhe, und friede auf erden und den menschen ein wohlgefallen. Episteln und Evangelia. Am Tage Stephani oder 2. Weihnachtstage. Epistel, Apoftelgeschichte 6 und 7. 5 tephanus aber, voll glaubens und kräfte, that wunder und große zeichen unter dem volke. Da stunden etliche auf von der Schule, die da heißt der Eibertiner, und der Cyrener, und der Alexanderer und derer, die ans Cilicia und Asia waren, und befragten sich mit Stephano. Und sie vermochten nicht zu widerstehen der weisheit und dem getste, der da redete. Da richteten sie zu etliche männer, die sprachen: Wir haben ihn gehört lästerworte reden wider Moses und wider Gott. Und bewegten das volk und die ältesten und die schriftgelehrten; und traten herzu, und riffen ihn, und führten ihn vor den rath. Und stellten falsche zeugen dar, die sprachen: Dieser mensch hört nicht auf, lästerworte zu reden wider die heilige stätte und das geset. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird dieſe stätte zerstören, und ändern die sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie sahen auf ihn alle, die im rathe saßen, und sahen sein angesicht wie eines engels angesicht. Da sprach der hohepriester: Ist dem also? Er aber sprach: Lieben brüder und väter, höret zu 2c. Ihr halsstarrige und unbeschnittene an herzen und ohren, ihr widerstrebet allezeit dem heiligen geist, wie eure väter, also auch ihr zc. Da sie solches hörten, gings ihnen durchs herz, und biffen ihre zähne zusammen über ihn. Als er aber voll heiligen geistes war, sahe er auf gen himmel, und sahe die herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur rechten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den himmel offen, und des menschen sohn zur rechten Gottes stehen. Sie aber schrieen laut, und hielten ihre ohren zu, und stürmten einmüthiglich zu ihm ein, stießen ihn zur stadt hinaus und ſteinigten ihn. Und die zeugen legten ab ihre kleider zu den füßzen eines jünglings, der hieß Saulus, und steinigten Stephanum, der anrief und sprach: Herr Jesu nimm meinen geift auf! Er knieete aber nieder, und schrie laut: Herr, behalte ihnen diese sünde nicht! Und als er das gesagt, entschlief er. Evangelium, Matth. 23. v. 34:39. Der herr sprach zu den pharisäern und schriftgelehrten und obersten juden: und und schriffgelehrte, und derselbigen werdet ihr etliche tödten und freuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen, und werdet sie verfolgen von einer stadt zur andern: auf daß über euch komme alle das gerechte blut, das vergoffen ist auf erden, von dem blut an des gerechten Abels, bis auf das blut Zacharia, Barachiä sohn, welchen ihr getödtet habt zwischen dem tempel und altar. Wahrlich, ich sage euch, daß solches alles wird über dies geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tödteft die propheten, und steinigeft, die zu dir gesandt. find, wie oft habe ich deine kinder versammeln wollen, wie eine henne versammelt ihre küchlein unter ihre flügel, und ihr habt nicht gewollt? Siehe, euer haus soll euch wüste gelaffen werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von nun an nicht sehen: bis ihr sprechet: Gelobet sey, der da kommt im namen des Herrn. Am Sonntage nach Weihnachten. Epistel, Gal. 4. v. 1-7. Lieben brüder! ich fage euch: So lange der erbe ein kind ist, so iſt unter ihm und einem knecht kein unterschied, ob er wohl ein herr ist aller güter; sondern er ist unter den vormündern und pflegern bis auf 6 Episteln und Evangelia. die bestimmte zeit vom vater. Also auch wir; da wir finder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen fazungen. Da aber die zeit erfüllet war, sandte Gott seinen sohn, geboren von einem weibe, und unter das gesetz gethan, auf daß er die, so unter dem gefeße waren, erlöfete, daß wir die kindschaft empfingen. Weil ihr denn kinder seyd, hat Gott gesandt den geist feines sohnes in eure Herzen, der schretet: Abba, lieber vater. Also ist nun hier kein knecht mehr, sondern eitel kinder. Sinds aber kinder, so sinds auch erben Gottes durch Christum. Evangelium, Luc. 2. v. 33-40. nd sein vater und mutter wunderten sich deß, das von ihm geredet und ward. Und Simeon segnete sie, und sprach zu Maria, feiner mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem fall und auferstehen vieler in Ifrael, und zu einem zeichen, dem widersprochen wird. Und es wird ein schwert durch seine seele dringen, auf daß vieler herzen gedanken offenbar werden. Und es war eine prophetin, Hanna, eine tochter Phanuels, vom geschlecht Aser, die war wohl betagt, und hatte gelebt sieben jahr mit ihrem manne nach ihrer jungfrauschaft, und war nun eine wittwe bei vier und achtzig jahren, die kam nimmer vom tempel, dienete Gott mit fasten und beten tag und nacht. Diefelbe trat auch hinzu zu derselbigen stunde, und preisete den herrn, und redete von ihm zu allen, die auf die erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie alles vollendet hatten nach dem gesetz des Herrn, kehrten fie wieder in Galiläam, zu ihrer stadt Nazareth. Aber das kind wuchs, und ward stark im geist, voller weisheit, und Gottes gnade war bei ihm. Am Neujahrstage. Epistel, Gal. 3. v. 23-29. denn der wurden wir unter dem ret und verschloffen auf den glauben, der da sollte offenbaret werden. Also ist das gesetz unser zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den glauben gerecht würden. Nun aber der glaube kommen ist, sind wir nicht mehr unter dem zuchtmeister. Denn ihr seyd alle Gottes kinder durch den glauben an Christo Jesu, denn wie viel euer getauft sind, die haben Christum angezogen. Hier ist kein jude noch grieche, hier ist kein knecht noch freier, hier ist kein mann noch weib; denn ihr seyd allzumal einer in Christo Jesu. Seyd ihr aber Christi, so send ihr ja Abrahams saamen, und nach der verheißung, erben. Evangelium, Luc. 2. v. 21. Und nd da acht tage um waren, daß das kindlein beschnitten würde, ward fein name genannt Jesus, welcher genannt war von dem engel, ehe denn er im mutterleibe empfangen ward. Am Sonnt. nach dem Neujahrstage. Epistel, Tit. 3. v. 4-8. Lieben brüder, da aber erschien die freudigkeit und leutfeligkeit Gottes, um der der wir gethan batten, sondern nach seiner barmherzigkeit machte er uns selig durch das bad der wiedergeburt und erneuerung des heiligen geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich, durch Jesum Christum, unsern heiland, auf daß wir durch desselben gnade gerecht und erben seyn des ewigen lebens, nach der hoffnung. Das ist je gewißlich wahr. bren Evangelium, Matth. 2. v. 13-23. D a fie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der engel des Herrn dem Joseph im traum, und sprach: Stehe auf, und nimm das kindlein und seine mutter zu dir, und fleuch in Egyptenland, und Episteln und Evangelia. 7 bletb allda, bis ich dir sage; denn es ist vorhanden, daß Herodes das kindlein suche, dasselbe umzubringen. Und er stund auf, und nahm das findlein und seine mutter zu sich, bei der nacht, und entwich in Egyp= tenland, und blieb allda, bis nach dem tode Herodis, auf daß erfüllet würde, was der Herr durch den propheten gesagt hat, der da spricht: Aus Egypten habe ich meinen sohn gerufen. Da Herodes nun sahe, daß er von den weisen betrogen war, ward er sehr zornig, und schickte aus, und ließ alle kinder zu Bethlehem tödten, und an ihren ganzen grenzen, die da zweijährig und darunter waren, nach der zeit, die er mit fleiß von den weisen erlernt hatte. Da ist erfüllt, das gesagt ist von dem propheten Jeremia, der da spricht: Auf dem gebirge hat man ein geschrei gehöret, viel klagens, weinens und heulens: Rahel beweinte ihre finder, und wollte sich nicht trösten laffen, denn es war aus mit ihnen. Da aber Herodes gestorben war, stehe, da erschien der engel des Herrn dem Joseph im traum, in Egyptenland, und sprach: Stehe auf, und nimm das kindlein und seine mutter zu dir, und zeuch hin in das land Israel; sie sind gestorben, die dem tinde nach dem leben stunden. Und er stund auf und nahm das kindlein und seine mutter zu sich, und kam in das land Israel. Da er aber hörte, daß Archelaus im jüdischen lande könig war, anstatt seines vaters Herodes, fürchtete er sich dahin zu kominen, und im traume empfing er befehl von Gott, und zog in die örter des galiläischen Landes, und kam und wohnte in der stadt, die da heißt Nazareth; auf daß erfüllet würde, das da gesagt ist durch den propheten: Er soll Nazarenus heißen. Das andere Evangelium auf diesen Sonntag. Matth. 3. v. 13-17. Qu der zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johanne, und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde, und du kömmst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jeßt also seyn, also gebühret uns, alle gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ ers ihm zu. Und da Jesus getauft war, stieg er bald heraus aus dem waffer, und siehe, da that sich der himmel auf über ihm. Und Johannes sah den geist Gottes, gleich als eine taube, herab fahren und über ihn kommen. Und siehe, eine stimme vom himmel herab sprach: Dies ist mein lieber sohn, an welchem ich wohlgefallen habe. Au Feste der heil. 3 Könige. Epistel, Efaiä 60. v. 1-6. mad ache dich auf, werde licht; denn dein licht kömmt, und die herrlichkeit des herrn gehet auf über dir. Denn siehe, finsterniß bedecktet das erdreich, und dunkel die völker. Aber über dir gehet auf der Herr, und seine herrlichkeit erscheinet über dir. Und die heiden werden in deinem lichte wandeln, und die könige im glanz, der über dir aufgehet. Hebe deine augen auf, und siehe umher; diefe alle versammelt kommen zu dir. Deine söhne werden von ferne kommen, und deine töchter zur seiten erzogen werden. Dann wirst du deine luft sehen und ausbrechen, und dein herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die menge am meere zu dir befehret, und die macht der heiden zu dir kömmt. Denn die menge der kameele wird dich bedecken, und die läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, gold und weihrauch bringen, und des Herrn lob verkündigen. Episteln und Evangelia. Evangelium, Matth. 2. v. 1-12. A zu im des fönigs Herodes, slehe, da kamen die wetsen vom morgenlande gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborne könig der juden? Wir haben seinen stern gesehen im morgenlande, und sind gekommen, ihn anzubeten. Da das der könig Herodes hörte, erschraf er, und mit ihm das ganze Jerusalem, und ließ versammeln alle hohenpriester und schriftgelehrten unter dem volke, und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten zu ihm: Zu Bethlehem im jüdischen lande. Denn also stehet geschrieben durch den propheten: Und du Bethlehem im jüdischen lande, du bist mit nichten die kleinste unter den fürsten Juda; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein volk Israel ein herr sey. Da berief Herodes die weisen heimlich, und erlernte mit fleiß von ihnen, wann der stern erschienen wäre, und wies ste gen Bethlehem und sprach: Ziehet hin, und forschet fleißig nach dem kindlein, und wenn ihrs findet, so sagt mirs wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun den könig gehöret hatten, zogen sie hin. Und siehe, der stern, den sie im morgenlande gefehen hatten, ging vor ihnen her, bis daß er kam, und stund oben über, da das kindlein war. Da sie den stern sahen, wurden sie hoch erfreuet und gingen in das haus, und fanden das kindlein mit Maria, ſeiner mutter, und fielen nieder, und beteten es an, und thäten ihre schätze auf, und schenkten ihm gold, weihrauch und myrrhen. Und gott befahl ihnen im traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken. Und zogen durch einen andern weg wieder in ihr land. Am 1. Sonntage nach H. 3 Könige. Epistel, Röm. 12. v. 1-6. I eure das ch ermahne euch, lieben brüder, durch die barmherzigkeit Gottes, 8 gott wohlgefällig sey, welches sey euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser welt gleich, sondern verändert euch durch verneuerung eures finnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sey der gute, der wohlgefällige und der vollkommene gotteswille. Denn ich fage durch die gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand weiter von ihm halte, denn sichs gebühret zu halten; sondern von theilet hat das maaß des glaubens. Denn gleicher weise, als wir in einem leibe viele glieder haben; aber alle glieder nicht einerlei geschäfte haben: also sind wir viele ein leib in Chrifto, aber unter einander ist einer des andern glied. Und wir haben mancherlei gaben, nach der gnade, die uns gegeben ist. Evangelium, Luc. 2. v. 41-52. Und nd seine eltern gingen alle jahr gen Jerusalem auf das ofterfest. Und da er zwölf jahr alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach gewohnheit des festes. Und da die tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das kind Jesus zu Jerusalem, und feine eltern wußtens nicht: sie meinten aber, er wäre unter den gefährten, und kamen eine tagereise, und suchten ihn unter den gefreundten und bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien ta gen, fanden sie ihn im tempel figen, mitten unter den lehrern, da er ihnen zuhörte, und sie fragte. Und alle, die ihm zuhöreten, Episteln und Evangelia. 9 verwunderten sich seines verstandes und seiner antwort. Und da fie ihn sahen, entsetzten sie sich; und seine mutter sprach zu ihm: Mein sohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein vater und ich haben dich mit schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ists, daß ihr mich gesucht habt? Wiffet ihr nicht, daß ich seyn muß in dem, das meines vaters ist? Und sie verstanden das wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen Nazareth, und war ihnen unterthan. Und seine mutter behielt alle diese worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an weisheit, alter und gnade bei gott und den menschen. Am 2. Sonntage nach heil. 3 Kön. Epistel, Röm. 12. v. 7:16. Lieben brüder, wir haben mancherlei gaben, nach der gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand weisfagung, so sey sie dem glauben ähnlich. Hat jemand ein amt, so warte er des amts. Lehret jemand, so warte er der lehre. Ermahnet jemand, so warte er des ermahnens. Giebt jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret jemand, so sey er forgfältig. Uebet jemand barmherzigkeit, so thue ers mit lust. Die liebe sey nicht falsch. Haffet das arge, banget dem guten an. Die brüderliche liebe unter einander sey herzlich. Einer komme dem andern mit ehrerbietung zuvor. Seyd nicht träge, was ihr thun sollt. Seyd brünstig im geist. Schicket euch in die zeit. Seyd fröhlich in hoffnung, geduldig in trübsal; haltet an am gebet. Nehmet euch der heiligen nothdurft an. Herberget gerne. Segnet, die euch verfolgen. Segnet, und fluchet nicht. Freuet euch mit den fröhlichen, und weinet mit den weinenden. Habt einerlei finn unter einander. Trachtet nicht nach hohen dingen, sondern haltet euch herunter zu den niedrigen. Evangelium, Joh. 2. 1:11. Und nd am dritten tage war eine hochzeit zu Cana in Galiläa, und die mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die hochzeit geladen. Und da es an wein gebrach, spricht die mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine stunde ist noch nicht gekommen. Seine mutter spricht zu den dienern: Was er euch faget, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne wafferkrüge gesetzt, nach der weise der jüdischen reinigung, und gingen je in einen zwei oder drei maaß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die wafferkrüge mit wasser. Und sie füllten fie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun, und bringets dem speisemeister. Und sie brachtens. Als aber der speisemeister kostete den wein, der wasser gewesen war, und wußte nicht von wannen er kam( die diener aber wußtens, die das waffer geschöpft hatten,) rufet der speisemeister den bräutigam, und spricht zu ihm: Jedermann giebt zum ersten den guten wein, und wann sie trunken worden sind, alsdann den geringeren; du haft den guten wein bisher behalten. Das ist das erste zeichen, das Jefus that, geschehen zu Cana in Galiäa, und offenbarte seine herrlichkeit. Und seine jünger glaubten an ihn. Am 3. Sonntage nach H. 3. Könige. Epistel, Röm. 12. v. 17-21. Nieben brüder, baltet euch nicht selbst für flug. Vergeltet niemand böses mit bösem. Fleißiget euch der ehrbarkeit gegen jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen menschen friede. Rächet euch selber nicht, meine liebsten, sondern gebet raum dem zorn. 10 Episteln und Evangelia. Denn es stehet geschrieben: Die rache ist mein, ich will vergelten, spricht der herr. So nun deinen feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn. Wenn du das thust, so wirst du feurige kohlen auf sein haupt sammeln. Laß dich nicht das böse überwinden, sondern überwinde das böse mit gutem. Evangelium, Matth. 8. v. 1:13. Da a aber Jesus vom berge herab ging, folgte ihm viel volks nach. Und siehe, ein ausfäßiger kam, und betete ihn an, und sprach: Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jefus streckte seine hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich wills thun, sen gereinigt. Und alsbald war er von seinem aussaß rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sage es niemand, sondern gehe hin, und zeige dich dem priester, und opfre die gabe, die Moses befohlen hat zu einem zeugniß über fie. Da aber Jefus einging zu Capernaum, trat ein hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein knecht liegt zu hause, und ist gichtbrüchig, und hat große quaal. Jesus sprach zu ihm: Ich will kom men und ihn gefund machen. Der hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht werth, daß du unter mein dach gehest; sondern sprich nur ein wort, so wird mein knecht gefund. Denn ich bin ein mensch, dazu der obrigkeit unterthan, und habe unter mir kriegsknechte: noch wenn ich sage zu einem: Gehe hin, so gehet er; und zum andern: Komm her, so kömmt er; und zu meinem knechte: Thue das, so thut ers. Da das Jesus hörte, verwunderte er sich, und sprach zu denen, die ihm nachfolgeten: Wahrlich, ich sage euch: solchen glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch: Viele werden kommen vom morgen und vom abend, und mit Abraham, Isaac und Jacob im himmelreich sißen. Aber die kinder des reiches werden ausgestoßen in die finsterniß hinaus, da wird seyn heulen und zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem hauptmanne: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubet haft. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen stunde. Am 4. Sonntage nach H. 3 Könige. Epistel, Röm. 13. v. 8-10. Lieben brüder, feyd niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch unter einander liebet; wer liebet, geset erfüllet. Denn das da gefagt ist: du follt nicht ehebrechen, du sollt nicht tödten, du sollt nicht stehlen, du sollt nicht falsch zeugniß geben, dich soll nichts gelüften, und so ein ander gebot mehr ist, das wird in diesem gebote verfaffet: Du sollst deinen nächsten lieben als dich selbst. Die liebe thut dem nächsten nichts böses. So ist nun die liebe des geseßes erfüllung. Evangelium, Matth. 8. v. 23:27. Und nd Jesus trat in das schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siebe, da erhob sich ein großes ungestüm im meer, also, daß auch das schifflein mit wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die jünger traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf uns; wir verderben! Da sagte er zu ihnen: Ihr kleingläubigen, warum seyd ihr so furchtsam? Und stund auf und bedrohte den wind und das meer, da ward es ganz stille. Die menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein mann, daß ihm wind und meer gehorsam ist! 11 Episteln und Evangelia. Am Feste der Reinigung Mariä. Epistel, Mal. 3. v. 1: 4. ( iehe, ich will meinen engel senden, der vor dir her den weg bereiten foll; und bald wird kommen zu seinem tempel der Herr, den ihr fuchet, und der engel des bundes, deß ihr begehret. Siehe, er kömmt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den tag seiner zukunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das feuer eines goldschmiedes, und wie die seife der wäscher. Er wird sitzen und schmelzen, und das silber reinigen: er wird die finder Levi reinigen und läutern, wie gold und silber. Dann werden sie dem Herrn speisopfer bringen in gerechtigkeit; und wird dem herrn wohlgefallen das speisopfer Juda und Jerusalems, wie vorhin und vor langen jahren. Evangelium, Luc. 2. v. 22:32. Und da die tage ihrer reinigung nach dem geseße Mosis kamen, brachten sie das kind Jesus gen Jerusalem, auf daß sie ihn darstelleten dem Herrn;( wie denn geschrieben stehet im gesetz des Herrn: Allerlei männlein, das zum ersten die mutter bricht, soll dem Herrn geheiliget heißen) und daß sie gäben das opfer, nachdem gesagt ist im gesetz des Herrn: Ein paar turteltauben oder zwo junge tauben. Und siehe, ein mensch war zu Jerusalem mit namen Simeon, und derselbe mensch war fromm und gottesfürchtig, und wartete auf den trost Israels, und der heilige geist war in ihm. Und ihm war eine antwort geworden von dem heiligen geist, er sollte den tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den. Christ des Herrn gesehn. Und kam aus anregen des geistes in den tempel. Und da die eltern das kind Jesus in den tempel brachten, daß sie für ihn thäten, wie man pflegt nach dem gesetz; da nahm er ihn auf feine arme, und lobete Gott und sprach: Herr, nun läsfest du deinen diener im frieden fahren, wie du gefaget haft; denn meine augen haben deinen heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen völkern, ein licht, zu erleuchten die heiden, und zum preis deines volkes Israel. Am 5. Sonntage nach H. 3 Könige. Epistel, Coloff. 3. v. 12-17. Lieben brüder, zieht nun an, als die auserwählten Gottes, heiligen und geliebten, herzliches erbarmen, freundlichkeit, demuth, sanftmuth und geduld, und vertraget einer den andern, und vergebet euch unter einander, so jemand klage hat wider den andern; gleich wie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Ueber das alles aber ziehet an die liebe, die da ist das band der vollkommenheit. Und der friede gottes regiere in euren herzen, zu welchen ihr auch berufen seyd in einem leibe; und seyd dankbar. Laffet das wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller weisheit: lehret und vermahnet euch selbst mit psalmen und lobgefängen, und geistlichen lieblichen liedern, und singet den herrn in euren herzen. Und alles, was ihr thut mit worten oder mit werken, das alles thut in dem namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem vater durch ihn. Evangelium, Matth. 13. v. 24-30. Und nd er legte ihnen ein gleichniß vor, und sprach: Das himmelreich ist gleich einem menschen, der guten saamen auf seinen acker fäete. Da aber die leute schliefen, kam sein feind, und fäete unkraut zwischen den weizen, und ging davon. Da nun das unkraut wuchs und frucht brachte, da fand sich auch das unkraut. Da traten die knechte zu dem Haushalter und sprachen: Herr, hast du nicht guten saamen auf dei Episteln und Evangelia. nen ader gefäet, woher hat er denn das unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der feind gethan. Da sprachen die knechte: Willst du denn, daß wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den weizen mit ausrauft, so ihr das unkraut ausjätet. Laffet beides mit einander wachsen bis zu der ernte, und um der ernte zeit will ich zu den schnittern sagen: Sammelt zuvor das unkraut, und bindets in bündlein, daß man es verbrenne; aber den weizen sammelt in meine scheuren: 12 Am 6. Sonntage nach H. 3 Könige. Epistel, 2. Petr. 1. v. 16-21. W ir haben nicht den klugen fabeln gefolget, da wir euch fund gethan haben die kraft und die zukunft unsers Herrn Jesu Christi; sondern wir haben seine herrlichkeit selber gesehen, da er empfing von gott dem vater ehre und preis, durch eine stimme, die zu ihm geschah von der großen herrlichkeit, dermaßen: dies ist mein lieber sohn, an dem ich wohlgefallen habe." Und diese stimme haben wir gehört vom himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen berge. Wir haben ein festes prophetisches wort, und ihr thut wohl, wenn ihr darauf achtet, als auf ein licht, was da scheinet in einem dunkeln ort, bis der tag anbreche, und der morgenstern aufgehe in euren herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß keine weissagung in der schrift geschieht aus eigner auslegung: denn es ist noch keine weisfagung aus menschlichem willen hervorgebracht, sondern die heiligen männer Gottes haben. geredet, getrieben von dem heiligen geist. Evangelium, Matth. 17. v. 1-9. und und Johannem, seinen bruder, und führte sie beiseits auf einen hohen berg, und ward verkläret vor ihnen, und sein angesicht leuchtete wie die sonne und seine kleider wurden weiß wie ein licht. Und siehe, da erschien ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber ant wortete und sprach zu Jesu: Herr, hier ist gut seyn, willst du, so wollen wir hier drei hütten machen, dir eine, Most eine und Elia eine. Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte wolke. Und fiehe, eine stimme aus den wolken sprach: Dies ist mein lieber sohn, an welchem ich wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Da das die jünger hörten, fielen sie auf ihr angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Stehet auf, und fürchtet euch nicht. Da sie aber ihre augen aufhuben, sahen sie niemand, denn Jefum allein. Und da sie vom berge herabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr follt dies gesicht niemand sagen, bis des menschen sohn von den todten auferstanden ist. Am Sonntage Septuagesima. Epistel, 1. Cor. 9. und 10. Cap. Lieben brüder, wiffet ihr nicht, daß die, so in den schranken laufen, alle, nun daß ihre ergreifet. Ein jeglicher aber, der da kämpfet, enthält sich alles dinges, jene also, daß sie eine vergängliche krone empfahn, wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs unge wiffe: ich fechte also, nicht als der in die luft streichet, sondern ich betäube meinen leib und zähme ihn, daß ich nicht andern predige, und felbst verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben brüder, nicht verhalten, daß unsere väter sind unter der wolke gewesen, und sind alle durchs meer gegangen, und sind alle unter Mosen getauft mit der Episteln und Evangelia. 13 wolke und mit dem meer, und haben alle einerlei geistliche speisen gegeffen, und haben alle einerlei geistlichen trank getrunken. Sie tranken aber von dem geiftlichen fels, der mit folgte, welcher war Christus. Aber an ihrer vielen hatte Gott keinen wohlgefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der wüste. Evangelium, Matth. 20. v. 1:16. Das himmelreich ist gleich einem hausvater, der am morgen ausging, weinberg. da arbets tern eins war um einen groschen zum tagelohn, sandte er sie in seinen weinberg. Und ging aus um die dritte stunde, und sahe andere am markte müssig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den. weinberg, ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und neunte stunde, und thät gleich also. Und um die elfte stunde ging er aus, und fand andere müssig stehen, und sprach zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen tag müssig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch in den weinberg, und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun abend war, sprach der Herr des weinbergs zu seinem schaffner: Rufe die arbeiter und gieb ihnen den lohn, und hebe an von dem letzten bis zu den ersten. Da kamen die, die um die elfte stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen groschen. Da aber die ersten kamen, meinten sie, ste würden mehr empfangen; und ste empfingen auch ein jeglicher seinen groschen. Und da sie den empfingen, murrten sie wider den hausvater, und sprachen: Diese leßten haben nur etne stunde gearbeitet, und du haft ste uns gleich gemacht, die wir des tages laft und bize getragen haben? Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein freund, ich thue nicht unrecht; bist du nicht mit mir eins geworden um einen groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin; ich will aber diesen letten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht macht zu thun, was ich will, mit dem meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die letzten die ersten, und die ersten die letzten seyn. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. Am Sonntage Seragesima. Epiftel, 2. Cor. 11 und 12. Lieben brüder, ihr vertraget gern die narren, dieweil ihr flug feyd. Ihr vertraget, so euch jemand zu knechten machet, fo euch jemand schindet, fo euch jemand nimmt, so euch jemand tropet, so euch femand in das angesicht streichet. Das sage ich nach der unehre, als wären wir schwach geworden. Worauf nun jemand kühn ift,( ich rede in thorheit) darauf bin ich auch kühn. Sie sind Ebräer: ich auch. Sie sind Ifraeliter: ich auch. Sie sind Abrahams saamen: ich auch. Sie find diener Chrifti;( ich rede thörlich) ich bin wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet; ich habe mehr schläge erlitten; ich bin öfters ge= fangen, oft in todesnöthen gewesen. Von den juden habe ich fünfmal empfangen vierzig streiche weniger eins. Sch bin dreimal gestäupet, einmal gesteinigt, dreimal habe ich schiffbruch gelitten, tag und nacht habe ich zugebracht in der tiefe des meeres. Jch habe oft gereiset; ich bin in fährlichkeit gewesen zu waffer, in fährlichkeit unter den mördern, in fährlichkeit unter den juden, in fährlichkeit unter den heiden, in fährlichkeit in den städten, in fährlichkeit in der wüsten, in fährlichkeit auf dem meere, in fährlichkeit unter den falschen brüdern; in mühe und arbeit, in viel wachen, in hunger und durft, in viel fasten, Episteln und Evangelia. daß ich Wer ist in frost und blöße. Ohne was sich sonst zuträgt, nämlich, täglich werde angelaufen, und trage sorge für alle gemeinen. schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird geärgert, und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner schwachheit rühmen. Gott und der vater unsers Herrn Jesu Christi, welcher fey gelobt in ewigkeit, weiß, daß ich nicht lüge. Zu Damascus der landpfleger des königs von Areta verwahrte die stadt der Damascer, und wollte mich greifen. Und ich ward in einem korbe zum fenster aus durch die mauer niedergelassen, und entrann aus seinen händen. Es iſt mir ja das rühmen nichts nüße; doch ich will kommen auf die ge schichte und offenbarung des Herrn. Ich kenne einen menschen in Christo, vor vierzehn jahren,( ist er im leibe gewesen, so weiß ichs nicht, oder ist er außer dem leibe gewesen, so weiß ichs auch nicht, Gott weiß es) derselbe ward entzückt bis in den dritten himmel. Und ich kenne denselben menschen( ob er in dem leibe oder außer dem leibe gewesen, weiß ich nicht, Gott weiß es). Er ward entzückt in das paradies, und hörte unaussprechliche worte, welche fein mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen; von mir selbst aber will ich mich nicht rühmen, ohne meine schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thäte ich darum nicht thörlich; denn ich wollte die wahrheit fagen. Ich enthalte mich aber deß, auf daß niemand mich höher achte, denn er mich siehet, oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein pfahl ins fleisch, nämlich des satans engel, der mich mit fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal den Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche; und er hat zu mir gesagt: Laß dich an meiner gnade genügen, denn meine fraft ist in den schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner schwachheit, auf daß die kraft Christi bei mir wohne. Evangelium, Luc. 8. v. 4:15. 14 D a nun viel volks bei einander war, und aus den städten zu ihm eilten, sprach er durch ein gleichniß: Es ging ein säemann aus zu säen seinen saamen; und indem er sfäete, fiel etliches an den weg und ward vertreten, und die vögel unter dem himmel fraßens auf. Und etliches fiel auf den fels; und da es aufging, verdorrte es, darum, daß es nicht saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die dornen, und die dornen gingen mit auf, und erstickten es. Und etliches fiel auf ein gut land, und es ging auf und trug hundertfältige frucht. Da er das sagte, rief er, wer ohren hat zu hören, der höre. Es fragten ihn aber seine jünger und sprachen, was dies gleichniß wäre. Er aber sprach: Euch ist gegeben, zu wissen das geheimniß des reichs Got tes, den andern aber in gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber dies gleichniß: Der saame ist das wort Gottes. Die aber an dem wege sind, das sind, die es hören; darnach kömmt der teufel, und nimmt das wort von ihren Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig wer den. Die aber auf dem fels, sind die, wenn sie es hören, nehmen das wort mit freuden an; und die haben nicht wurzel, eine zeitlang glauben sie, und zur zeit der anfechtung fallen sie ab. Das aber un ter die dornen fiel, sind die, so es hören, und gehen hin unter den sorgen, reichthum und wollust dieses lebens, und ersticken, und brin gen keine frucht. Das aber auf dem guten lande, sind, die das wort hb 15 Episteln und Evangelia. ren und behalten in einem guten und feinen herzen, und bringen frucht in geduld. 90 Am Sonntage Estomihi. Epiftel, 1. Cor. 13. v. 1-13. Lieben brüder, wenn ich mit menschen und mit engelzungen redete, und hätte der liebe nicht; so wäre ich ein tönend erz, oder eine klingende schelle. Und wenn ich weiffagen könnte, und wüßte alle geheimnisse, und alle erkenntniß, und hätte allen glauben, also daß ich berge verseßte, und hätte der Liebe nicht; so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine haabe den armen gäbe, und ließe meinen leib brennen, und hätte der liebe nicht; so wäre mirs nichts nüße. Die liebe ist langmüthig und freundlich; die liebe eifert nicht; die liebe treibet nicht muthwillen; sie blähet sich nicht; sie stellet sich nicht ungeberdig; sie suchet nicht das ihre; sie lässet sich nicht erbittern; fie trachtet nicht nach schaden; sie freuet sich nicht der ungerechtigkeit; fie freuet sich aber der wahrheit; sie verträgt alles, ste glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. Die liebe hört nimmer auf, so doch die weissagungen aufhören werden, und die sprachen aufhören werden, und das erkenntniß aufhören wird. Denn unser wissen ist stückwerk, und unser weissagen ist stückwerk. Wenn aber kommen wird das vollkommene, so wird das stückwerk aufhören. Da ich ein kind war, da redete ich wie ein kind, und war klug wie ein kind, und hatte kindische anschläge; da ich aber ein mann ward, that ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen spiegel in einem dunkeln wort; dann aber von angesicht zu angesicht. Jetzt erkenne ichs stückweise, dann aber werde ichs erkennen, gleichwie ich erkannt bin. Nun aber bleibt glaube, hoffnung, liebe, diese drei; aber die liebe ist die größte unter ihnen. Evangelium, Luc. 18. v. 31-43. Er nahm aber zu sich die zwölfe, und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die propheten von des menschen sohn. Denn er wird überantwortet werden den heiden, und er wird verspottet, und geschmähet, und verspeiet werden; und sie werden ihn geißeln und tödten; und am dritten tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keins, und die rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was da gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein blinder am wege und bettelte. Da er aber hörte das volk, das durchging, forschte er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du sohn Davids, erbarme dich meiner. Die aber vorne an gingen, bedräueten ihn, er follte schweigen. Er aber schrie vielmehr: Du sohn Davids, erbarme dich mein. Jesus aber stand still, und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihm brachten, fragte er ihn und sprach: Was willst du, daß ich dir thun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sey sehend; dein glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend, und folgte ihm nach, und preisete Gott. Und alles volk, das solches sah, lobete Gott. Am 1. Sonntage in der Fasten, Invocavit. Epistel, 2. Cor. 6. v. 1-10. Lieben brüder, wir ermahnen euch, als mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die gnade gottes empfahet. Denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen zeit erhöret, und habe dir am tage des heils Episteln und Evangelia. geholfen. Sehet, jest ist die angenehme jeit, jest ist der tag des heils. Laffet uns aber niemand irgend ein ärgerniß geben, auf daß unser amt nicht verläftert werde; sondern in allen dingen laffet uns beweisen, als die diener gottes; in großer geduld, in trübsalen, in nöthen, in ängsten, in schlägen, in gefängniffen, in aufruhren, in arbeit, in machen, in fasten, in keuschheit, in erkenntniß, in langmuth, in freundlichkeit, in dem heiligen geiste, in ungefärbter liebe, in dem worte der wahrheit, in der traft gottes, durch waffen der gerechtigkeit, zur rechten und zur linken; durch ehre und schande, durch böse gerüchte und gute gerüchte; als die verführer, und doch wahrhaftig; als die unbekannten, und doch bekannt; als die sterbenden, und siehe, wir leben; als die gezüchtigten, und doch nicht ertödtet; als die traurigen, aber allezeit fröhlich; als die armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts inne haben, und doch alles haben. Evangelium, Matth. 4. v. 1-11. 16 in die er vom teufel versuchet würde. Und da er vierzig tage und vierzig nächte gefaftet hatte, hungerte ihn. Und der versucher traf zu ihm, und sprach: Bist du gottes sohn, so sprich, daß diese steine brød werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: Der mensch lebet nicht vom brode allein, sondern von einem jeglichen wort, das durch den mund Gottes geht. Da führte ihn der teufel mit sich in die heilige stadt, und stellte ihn auf die zinne des tempels, und sprach zu ihm: Bist du Gottes sohn, so laß dich hinab; denn es stehet geschrieben: Er wird seinen engeln über dir befehl thun, und sie werden dich auf den händen tragen, auf das du deinen fuß nicht an einen stein stößest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen. Wiederum führte ihn der teufel mit sich auf einen sehr hohen berg, und zeigte ihm alle reiche der welt und ihre herrlichkeit, und sprach zu ihm: Dies alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, fatan; denn es stehet geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der teufel; und siehe, da traten die engel zu ihm, und dieneten ihm. Am 2. Sonntage in der Fasten, Reminiscere. Epistel, 1. Thess. 4. v. 1-7. Lieben brüder, wir bitten euch und ermahnen in dem Herrn Jesu, ( nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollt wandeln und Gott gefallen,) daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesum. Denn das ist der wille Gottes, eure heiligung, daß ihr meidet die hurerei, und ein jeglicher unter euch wisse sein faß zu behalten in heiligung und ehren, nicht in der lustseuche, wie die heiden, die von Gott nichts wissen. Und daß niemand zu weit greife, noch vervortheile seinen bruder im handel; denn der herr ist rächer über das alles, wie wir euch zuvor ge fagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur unreinigkeit, sondern zur heiligung. Evangelium, Matth. 15. v. 21-28. und nd Jesus ging aus von dannen und entwich in die gegend Tyri und Sidon. Und siehe, ein cananäisches weib ging aus derselbigen grenze, und schrie ihm nach und sprach: Ach Herr, du sohn Davids, Episteln und Evangelia. 17 erbarme dich mein; meine tochter wird vom teufel übel geplagt. Und er antwortete ihr kein wort. Da traten zu ihm seine jünger, baten ihn, und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gefandt, denn nur zu den verlornen schaafen von dem hause Israel. Sie tam aber, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, hilf mir. Aber er antwortete, und sprach: Es ist nicht fein, daß man den kindern ihr brod nehme, und werfe es vor die hunde. Sie sprach: Ja, herr, aber doch effen die hündlein von den brosaamen, die von ihrer herrn tische fallen. Da antwortete Jesus, und sprach zu ihr: O weib, dein glaube ist groß, bir geschehe, wie du willst. Und ihre tochter ward gesund zu der= felbigen stunde. Am 3. Sonntage in der Fasten, Oculi. Epistel, Ephes. 5. v. 1-9. o feyd nun Gottes nachfolger, als die lieben finder, und wandelt in der liebe, gleich wie Chriftus uns hat geliebet, und sich selbst dargegeben für uns zur gabe und opfer, Gott zu einem süßen geruch. Hurerei aber und alle unreinigkeit, oder geiz, laffet nicht von euch gefagt werden, wie den heiligen zustehet; auch schandbare worte und narrentheidinge, oder scherz, welche euch nicht geziemen: sondern vielmehr danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein hurer oder unreiner, oder geiziger( welcher ist ein Gözendiener) erbe hat an dem reiche Christi und Gottes. Laffet euch niemand verführen mit vergeblichen worten; denn um dieser willen kommt der zorn Gottes über die kinder des unglaubens. Darum seyd nicht ihre mitgenoffen. Denn ihr waret weiland finsterniß; nun aber seyd ihr ein licht in dem Herrn: Wandelt wie die kinder des lichts. Die frucht des geiftes ist allerlei gütigkeit und gerechtigkeit und wahrheit. Evangelium, Luc. 11. v. 14:28. Und nd Jesus trieb einen teufel aus, der war stumm. Und es geschah, da der teufel ausfuhr, redete der stumme. Und das volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibet die teufel aus durch Beelzebub, den obersten der teufel. Die andern aber versuchten ihn, und begehrten ein zeichen von ihm vom himmel. Er aber vernahm ihre gedanken, und sprach zu ihnen: Ein jegliches reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein haus fällt über das andere. Ist denn der satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will fein reich bestehen? Dieweil ihr saget: Ich treibe die teufel aus durch Beelzebub. So ich aber die teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure kinder aus? Darum werden sie eure richter seyn. So ich aber durch Gottes finger die teufel austreibe, so kommt je das reich Gottes zu euch. Wenn ein starker gewappneter seinen palast bewahret, so bleibet das seine mit frieden. Wenn aber ein stärkerer über ihn kommt, und überwindet ihn; so nimmt er ihm seinen harnisch, darauf er sich verließ, und theilet den raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubre geist von dem menschen ausfährt, so durchwandelt er dürre stätte, fuchet ruhe, und findet ihrer nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet ers mit besen gekehret und geschmücket. Dann gehet er hin und nimmt sieben geister zu sich, die ärger sind, denn er selbst, und wenn sie hineinkommen, wohnen sie da; und wird hernach mit demselbigen men B 18 Episteln und Evangelia. schen ärger, denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhub ein weib im volte ihre stimme, und sprach zu ihm: Selig iſt der leib, der dich getragen hat, und die brüste, die du gefogen hast. Er aber sprach: Ja, selig sind die, die Gottes wort hören und bewahren. Am 4. Sonntage in der Fasten, Lätare. Epistel, Gal. 4. v. 21:31. Lieben brüder, sagt mir, die ihr unter dem gefeße seyn wollet, habt ihr das gefeß nicht gehöret? Denn es stehet geschrieben, daß Abraham zween föhne hatte, einen von der magd, den andern von der freien. Aber der von der magd war, ist nach dem fleische geboren; der aber von der freien, ist durch die verheißung geboren. Die worte bedeuten etwas. Denn das sind die zwei testamente, eines von dem berge Sinai, das zur knechtschaft gebieret, welches ist die Agar. Denn Agar heißet in Arabien der berg Sinai, und langet bis gen Jerusalem, das zu dieser zeit ist, und ist dienstbar mit seinen findern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die freie, die ist unser aller mutter. Denn es stehet geschrieben: Sey fröhlich, du unfruchtbare, die du nicht gebiereft, und brich hervor und rufe, die du nicht schwanger bist;; denn die einsame hat viel mehr kinder, denn die den mann hat. Wir aber, lieben brüder, sind, Ifaat nach, der verheißung kinder. Aber gleichwie zu der zeit, der nach dem fleisch geboren war, verfolgte den, der nach dem geist geboren war; also gehet es jezt auch. Aber was spricht die schrift? Stoß die magd hinaus mit ihrem sohne; denn der magd sohn soll nicht erben mit dem sohne der freien. So sind wir nun, lieben brüder, nicht der magd kinder, sondern der freien. Evangelium, Joh. 6. v. 1:15. Darnach fuhr Jefus weg über das meer an der stadt Tiberias in Und es nach, daß sie die zeichen sähen, die er an den kranken that. Jesus aber ging hinauf auf einen berg, und setzte sich daselbst mit seinen jüngern. Es war aber nahe die ostern, der juden fest. Da hub Jesus seine augen auf, und siehet, daß viel volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippo: Wo kaufen wir brod, daß diese effen?( Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wußte wohl, was er thun wollte.) Phi lippus antwortete ihm: Zwei hundert pfennig werth brods ist nicht genug unter fie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner jünger, Andreas, der bruder Simonis Petri: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf gerstenbrode und zween fische, aber was ist das unter so viele? Jefus aber sprach: Schaffet, daß sich das volk lagere. Es war aber viel gras an dem orte. Da lagerten sich bei fünf tausend mann. Jefus aber nahm die brode, dankte, und gab sie den jüngern, die jünger aber denen, die sich ge lagert hatten; deffelbigen gleichen auch von den fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen jüngern: Sammelt die übrigen brocken, daß nichts umkomme. Da sammelten sie und füllten zwölf körbe mit brocken von den fünf gerstenbroden, die überblieben denen, die gespeist worden. Da nun die menschen das zeichen sahen, das Jesus that, sprachen sie: Das ist wahrlich der prophet, der in die welt tommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum könig machten, entwich er abermals auf den berg, er selbst allein. 19 Episteln und Evangelia. Am 5. Sonnt. in der Fasten, Judica. Epistel, Hebr. 9. v. 11-15. Christus ist kommen, daß er sey ein hoherpriester der zukünftigen güter, durch eine größere und vollkommnere hütte, die nicht mit der hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist. Auch nicht durch der böcke oder kälber blut, sondern er ist durch sein eigenes blut einmal in das heilige eingegangen, und hat eine ewige erlösung erfunden. Denn so der ochsen und der böcke blut, und die asche von der tuh gesprenget, heiliget die unreinen zu der leiblichen reinigkeit; wie vielmehr wird das blut Christi, der sich selbst ohne allen wandel durch den heiligen geiſt Gott geopfert hat, unser gewissen reinigen von den todten werken, zu dienen dem lebendigen Gott! Und darum ist er auch ein mittler des neuen testaments, auf daß durch den tod, so geschehen ist zur erlösung von den übertretungen,( die unter dem ersten testament waren) die, so berufen sind, das verheißene erbe empfangen. Evangelium, Joh. 8. v. 46-59. esus sprach zu den Juden: Welcher unter euch kann mich einer sünde zeihen? So ich euch aber die wahrheit fage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höre Gottes wort; darum höret ihr nicht, denn ihr seyd nicht von Gott. Da antworteten die juden und sprachen zu ihm: Sagen mir nicht recht, daß du ein Samariter bist, und hast den teufel? Jefus antwortete: Ich habe keinen teufel, sondern ich ehre meinen vater, und ihr unehrt mich. Ich suche nicht meine ehre; es ist aber einer, der sie suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein wort wird halten, der wird den tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den teufel hast. Abraham ist gestorben, und die propheten, und du sprichst: So jemand mein wort hält, der wird den tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr, denn unser vater Abraham, welcher gestorben ist und die propheten sind gestorben? Was machst du aus dir selbst? Jesus anwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine ehre nichts. Es ist aber mein vater, der mich ehrt, welchen ihr sprechet, er sei euer Gott; und kennet ihn nicht! Ich aber kenne ihn. Und so ich sagen würde: Ich kenne ihn nicht, so wäre ich ein lügner, gleichwie ihr seyd. Aber ich kenne ihn, und halte sein wort. Abraham, euer vater, war froh, daß er meinen tag sehen sollte; und er sahe ihn und freuete sich. Da sprachen die juden zu ihm: Du bist noch nicht funfzig jahre alt, und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham war, bin ich. Da huben sie steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jefus verbarg sich, und ging zum tempel hinaus. Und Am Feste der Verkündigung Mariä. Epistel, Sef. 7. v. 10:15. nd der Herr redete abermals zu Ahas und sprach: Fordere dir ein zeichen von dem Herrn, deinem Gott, es sey unten in der hölle, oder droben in der höhe. Aber Ahas sprach: Ich will es nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: Wohlan, so höret ihr vom Hause Davids: Ists euch zu wenig, daß ihr die leute beleidiget; ihr müsset auch meinen gott beleidigen? Darum so wird euch der herr selbst ein zeichen geben: Siehe, eine jungfrau ist schwanger, und wird einen sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel. Butter und honig wird er effen, daß er wiffe, böses zu verwerfen und gutes zu wählen. B2 Episteln und Evangelia. Evangelium, Luc. 1. v. 26-38. Und nd im sechsten monat ward der engel Gabriel gefandt von Gott in eine stadt in Galiläa, die da heißt Nazareth, zu einer jungfrau, die vertraut war einem manne, mit namen Joseph, vom hause Davids; und die jungfrau hieß Maria. Und der engel kam zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßet seyst du, holdfelige; der Herr ist mit dir, du gebenedeyete unter den weibern. Da sie aber ihn sahe, erschrak sie über seine rede, und gedachte: Welch ein gruß ist das! Und der engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast gnade bei Gott gefunden: Siehe, du wirst schwanger werden im leibe und einen sohn gebären, deß namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß und ein sohn des höchsten genannt werden und Gott der herr wird ihm den stuhl seines vaters David geben: und er wird ein könig seyn über das haus Jacob ewiglich, und seines königreichs wird kein ende seyn. Da sprach Maria zu dem engel: Wie soll das zugehen; sintemal ich von keinem manne weiß? Der engel antwortete, und sprach zu ihr: Der heilige geist wird über dich kommen, und die kraft des höchsten wird dich überschatten. Darum auch das heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine gefreundete, ist auch schwanger mit einem sohn in ihrem alter, und gehet jest im sechsten monat, die im geschrei ist, daß sie unfruchtbar fey. Denn bei Gott ist kein ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des herrn magd, mir geschehe, wie du gesagt haft. Und der engel schied von ihr. 20 Am Palmsonntage. Epistel, Phil. 2. v. 5:11. Sin in jeglicher sey gesinnet, wie Jesus Christus auch war, welcher, ob er wol in göttlicher gestalt war, hielt ers nicht für einen raub, Gott gleich seyn, sondern äußerte sich selbst, und nahm knechtsgeſtalt an, ward gleich, wie ein andrer mensch, und an geberden als ein mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum tode, ja zum tode am kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet, und ihm einen namen gegeben, der über alle namen ist; daß in dem namen Jesu sich beugen sollen alle kniee derer, die im himmel und auf erden, und unter der erden sind, und alle zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sey, zur ehre Gottes des vaters. Evangelium, Matth. 21. v. 1-9. ( Suche am ersten Sonntage des Advents.) Am grünen Donnerstage. Epistel, 1. Cor. 11. v. 23:32. ch habe es von dem Herrn empfangen, das ich euch gegeben habe. er das brod, dankte, und brachs, und sprach: Nehmet, effet, das iſt mein leib, der für euch gebrochen wird; solches thut zu meinem gedächtniß. Deffelbigen gleichen auch den kelch nach dem abendmahl, und sprach: Dieser kelch ist das neue testament in meinem blut; folches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem gedächtniß. Denn so oft ihr von diesem brode effet, und von diesem kelche trinket, sollt ihr des Herrn tod verkündigen, bis daß er kommt. Welcher nun unwürdig von diesem brode isset, und von dem kelche des Herrn trinket, der ist schuldig an dem leibe und blute des Herrn. Der mensch prüfe aber sich selbst und also effe er von diesem brode, und trinke von diesem telche. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der iffet Episteln und Evangelia. and trinket ihm selber das gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den leib des Herrn. Darum sind auch so viele schwache und kranke unter euch, und ein gut theil schlafen. Denn so wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtigt, auf daß wir nicht sammt der welt verdammet werden. 21 Am 1. Ostertage. Epistel, 1. Cor. 5. v. 6-8. Lieben brüder, euer ruhm ist nicht fein. Wisset ihr nicht, daß ein wenig sauerteig den ganzen teig versäuert? Darum feget den alten sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer teig feyd, gleichwie ihr ungefäuert seyd. Denn wir haben auch ein osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. Darum lasset uns ostern halten, nicht im alten sauerteige, auch nicht im fauerteige der bosheit und schalkheit, sondern in dem füßteige der lauterkeit und wahrheit. Evangelium, Marc. 16. v. 18. Und nd da der sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalene, und Maria Jacobi, und Salome specerei, auf daß sie kämen, und falbten ihn. Und sie kamen zum grabe an einem sabbather sehr frühe, da die sonne aufging. Und sie sprachen unter einander: Wer wälzet uns den stein von des grabes thür? Und sie sahen dahin, und wurden gewahr, daß der stein abgewälzet war: denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das grab, und sahen einen jüngling zur rechten hand sizzen, der hatte ein langes weißes kleid an; und sie entfepten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entseget euch nicht, ihr suchet Jesum von Nazareth, den gekreuzigten; er ist auferstanden, und ist nicht hier. Siehe da die stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin, und sagt es seinen jüngern und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galiläa: da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und fie gingen schnell heraus, und flohen von dem grabe; denn es war sie zittern und entseßen angekommen, und sagten niemand nichts, denn sie fürchteten sich. Am 2. Oftertage. Epistel, Ap. Gesch. 10. v. 34:41. der wahrheit, daß Gott nicht die person anstehet, sondern in allerlei volt, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der predigt, die Gott zu den kindern Israel gesandt hat und verkündigen lassen den frieden durch Jesum Chriſtum, ( welcher ist ein herr über alles) die durchs ganze jüdische land geschehen ist, und angegangen in Galiläa, nach der taufe, die Johannes predigte, wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gefalbet hat mit dem heiligen geist und kraft; der umbergezogen ist, und hat wohlgethan und gefund gemacht alle, die vom teufel überwältiget waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind zeugen alles deß, das er gethan hat im jüdischen lande und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet und an ein holz gehangen. Denselben hat Gott auferwecket am dritten tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht allem volk, sondern uns, den auserwählten zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den todten. Evangelium, Lur. 24. v. 13:35. Und siehe, zween aus ihnen gingen an demselbigen tage in einen flecken, der war von Jerusalem sechzig feldweges weit, deß name heißt Emmahus. Und sie redeten mit einander von allen diesen ge Episteln und Evangelia. schichten. Und es geschah, da sie so redeten, und befragten sich mit einander, nahete Jesus zu ihnen, und wandelte mit ihnen. Aber ihre augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er aber sprach zu ihnen: Was sind das für reden, die ihr zwischen euch handelt unterweges, und seyd traurig? Da antwortete einer mit namen Cleophas, und sprach zu ihm: Bist du allein unter den fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen tagen darinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein prophet, mächtig von thaten und worten, vor Gott und allem volk: Wie ihn unsere hohenpriester und obersten überantwortet haben zur verdammniß des todes, und gekreuziget. Wir aber hofften, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche weiber der unsern, die sind frühe bei dem grabe gewesen, haben seinen leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben ein ge sicht der engel gesehen, welche sagen, er lebe. Und etliche unter uns gingen hin zum grabe, und fandens also, wie die weiber sagten; aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr thoren und träges herzens, zu glauben allem dem, was die propheten geredet haben. Mußte Christus nicht solches leiden, und zu seiner herrlichkeit eingehen? Und fing an von Mose und allen propheten, und legte ihnen alle schriften aus, die von ihm gesagt waren. Und sie kamen nahe zum flecken, da sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er fürder gehen. Und sie nöthigten ihn, und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will abend werden, und der tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu tische saß, nahm er das brod, dankte, brachs, und gabs ihnen. Da wurden ihre augen geöffnet, und erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser herz in uns, da er mit uns redete auf dem wege, als er uns die schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselbigen stunde, kehrten wieder gen Jerusalem, und fanden die elfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der herr ist wahrhaftig auferstanden, und Simoni erschienen. Und fie erzählten ihnen, was auf dem wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das brod brach. 22 Am 1. Sonnt. nach Ostern, Quasimodogeniti. Epistel, 1. Joh. 5. v. 4:10. Lieben brüder, alles, was von Gott geboren ist, überwindet die welt; und unser glaube ist der steg, der die welt überwunden hat. Wer ist aber, der die welt überwindet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes fohn ist? Dieser ist es, der da kommt mit wasser und blut, Jesus Christus: nicht mit wasser allein, sondern mit wasser und blut. Und der geift ist es, der da zeuget, daß geist wahrheit ist. Denn dret sind, die da zeugen im himmel, der Vater, das wort, und der heilige geist: und diese drei sind eins. Und drei fsind, die da zeugen auf erden, der geist, und das waffer, und das blut; und diese drei sind beisammen. So wir der menschen zeugniß annehmen, so ist Gottes zeugniß größer; denn gottes zeugniß ist das, das er gezeuget hat von seinem sohn. Wer da glaubet an den sohn Gottes, der hat solches zeugniß bei ihm. 23 Episteln und Evangelia. Evangelium, Joh. 20. v. 19:31. fm abend aber deffelbigen fabbaths, da die jünger versammelt, und Jesus, und trat mitten ein, und sprach zu ihnen: Friede sey mit euch! Und als er das sagte, zeigte er ihnen die hände und seine feite. Da wurden die jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sey mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an, und sprach zu ihnen: Nehmet hin den heiligen geist! Welchen ihr die fünden erlaffet, denen sind sie erlaffen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der zwölfen einer, der da heißet Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten Er aber die andern jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. sprach zu ihnen: Es sey denn, daß ich in seinen Händen sehe die nägelmaale, und lege meinen finger in die nägelmaale, und lege meine hand in seine feite, will ichs nicht glauben. Und über acht tage waren abermals seine jünger darinnen, und Thomas mit ihnen. Kommt Jefus, da die thüren verschlossen waren, und tritt mitten ein, und spricht: Friede sey mit euch! Darnach spricht er zu Thoma: Reiche deinen finger her, und siehe meine hände; und reiche deine hand her, und lege sie in metne seite; und sey nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thoma, so glaubest du; selig sind, die nicht sehen, und doch glauben. Auch viele andere zeichen that Jesus vor seinen jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem buche. Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sey der Christ, der sohn Gottes, und daß ihr durch den Glauben das ewige leben habt in seinem namen. Am 2. Sonntage nach Oftern. Misericordias Domini. Epistel, 1. Petr. 2. v. 21-25. Lieben lieben brüder, dazu seyd ihr berufen; sintemal Christus gelitten hat für uns, und uns ein vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen fußtapfen. Welcher keine fünde gethan hat, ist auch kein betrug in seinem munde erfunden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litte; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet. Welcher unsere fünde selbst geopfert hat an seinem leibe auf dem holz, auf daß wir, der fünde abgestorben, der gerechtigkeit leben; durch welches wunden ihr seyd heil worden. Denn ihr waret, wie die irrenden schaafe; aber ihr seid nun bekehret zu dem hirten und bischof eurer seelen. Evangelium, Joh. 10. v. 12:16. Ich ch bin ein guter hirte; ein guter hirte läffet sein leben für die schaafe. Ein miethling aber, der nicht hirte ist, deß die schaafe nicht eigen sind, siehet den wolf kommen, und verläffet die schaafe, und fliehet; und der wolf erhaschet und zerstreuet die schaafe. Der miethling aber fliehet; denn er ist ein miethling, und achtet der schaafe nicht. Ich bin ein guter hirte, und erkenne die meinen, und bin be fannt den meinen, wie mich mein vater kennet, und ich kenne den vas ter; und ich laffe mein leben für die schaafe. Und ich habe noch andere schaafe, die sind nicht aus diesem stalle. Und dieselbigen muß ich herführen, und sie werden meine stimme hören, und wird eine heerde und ein hirte werden. Episteln und Evangelia. Am 3. Sonnt. nach Ostern, Jubilate. Epistel, 1. Petr. 2. v. 11:20. Lieben brüder, ich ermahne euch, als die fremdlinge und pilgrimme: von 24 streiten. Und führet einen guten wandel unter den heiden, auf daß die, so von euch afterreden, als von übelthätern, eure guten werke sehen, und Gott preisen, wenns nun an den tag kommen wird. Seyd unterthan aller menschlichen ordnung um des Herrn willen, es sey dem könige, als dem obersten, oder den Hauptleuten, als den gesandten von ihm, zur rache über die übelthäter, und zu lobe den frommen. Denn das ist der wille Gottes, daß ihr mit wohlthun verstopfet die unwissenheit der thörichten menschen, als die freien, und nicht, als hättet ihr die freiheit zum deckel der bosheit, sondern als die knechte Gottes. Thut ehre jedermann. Habt die brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den könig. Ihr knechte, seyd unterthan mit aller furcht den herren, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist gnade, so jemand um des gewissens willen zu Gott das übel verträget, und leidet das unrecht. Denn was ist das für ein ruhm, so ihr um missethat willen streiche leidet? Aber wenn ihr um wohlthat willen leidet und erduldet, das ist gnade bei Gott. Evangelium, Joh. 16. v. 16:23. Yesus sprach zu seinen jüngern: Ueber ein kleines, so werdet ihr sehen; denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche unter seinen jüngern unter einander: Was ist das, das er saget zu uns: Ueber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein flei nes, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum vater gehe? Da sprachen sie: Was ist das, das er da saget: Ueber ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Darum fraget ihr unter einander, daß ich gesagt habe: Ueber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: ihr werdet weinen und heulen, aber die welt wird sich freuen: ihr aber werdet traurig seyn, doch eure traurigkeit soll in freude verkehret werden. Ein weib, wenn sie gebieret, so hat sie traurigkeit; denn ihre stunde ist gekommen. Wenn sie aber das kind geboren hat, denket sie nicht mehr an die angst, um der freude willen, daß der mensch zur welt geboren ist. Und ihr habt auch nun traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer herz soll sich freuen, und eure freude soll niemand von euch nehmen. Und an demselbigen tage werdet ihr mich nichts fragen. Am 4. Sonnt. nach Ostern, Cantate. Epistel, Jac. 1. v. 16:21. Lieben brüder, alle gute gabe, und alle vollkommene gabe kommt von oben herab, von dem vater des lichts, bei welchem ist keine veränderung noch wechsel des lichts und finsterniß. Er hat uns gezeuget nach seinem willen durch das wort der wahrheit, auf daß wir wären erstlinge seiner creaturen. Darum, lieben brüder, ein jeglicher mensch sey schnell zu hören, langsam aber zu reden, und langsam zum zorn; denn des menschen zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Darum, so leget ab alle unsauberkeit und alle bosheit, und nehmet das wort an mit sanftmuth, das in euch gepflanzet ist, welches kann eure seelen selig machen. 25 Episteln und Evangelia. Evangelium, Joh. 16. v. 5:15. Nu un aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand unter euch fraget mich: Wo gehest du ihn? sondern dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer herz voll trauerns worden. Aber ich sage euch die wahrheit: Es ist euch gut, daß ich hingehe: denn so ich nicht hingehe, so kömmt der tröster nicht zu euch; so ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die welt strafen um die fünde, um die gerechtigkeit, und um das gericht. Um die sünde, daß sie nicht glauben an mich; um die gerechtigkeit aber, daß ich zum vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet; um das gericht, daß der fürst dieser welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnet es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der geist der wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden; und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären; denn von dem meinen wird ers nehmen, und euch verkündigen. Alles, was der vater hat, das ist mein; darum habe ich gesagt: Er wirds von dem meinen nehmen, und euch verkündigen. Am 5. Sonntage nach Ostern, Vocem Jucunditatis, oder Rogate. Epistel, Jac. 1. v. 22:27. ( end aber thäter des worts, und nicht hörer allein, damit ihr euch felbst betrüget. Denn so jemand ist ein hörer des worts und nicht ein thäter, der ist gleich einem manne, der sein leiblich angesicht im spiegel beschauet. Denn nachdem er sich beschauet hat, gehet er davon, und vergiffet von stund an, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene geseß der freiheit, und darinnen beharret, und ist nicht ein vergeßlicher hörer, sondern ein thäter, derselbige wird selig seyn in seiner that. So aber sich jemand unter euch läßt dünken, er diene Gott, und hält seine zunge nicht im zaum, sondern verführet fein herz, deß gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die waisen und wittwen in ihrer trübsal besuchen; und sich von der welt unbefleckt erhalten. Evangelium, Joh. 16. v. 23:30. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem namen, so wird ers euch geben. Bisher Bittet, so werdet ihr habet ihr nicht gebeten in meinem namen. nehmen, daß eure Freude vollkommen sey. Solches habe ich zu euch durch sprichwort geredet; es kommt aber die zeit, daß ich nicht mehr durch sprichwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem vater. An demselben tage werdet ihr bitten in meinem namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet, und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin von Gott ausgegangen, und gekommen in die welt; wiederum verlasse ich die welt, und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine jünger: Siehe, nun redest du frei heraus, und sagest kein sprichwort. Nun wissen wir, daß du alle dinge weißest, und bedarfit. nicht, daß dich jemand frage. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. Episteln und Evangelia. Am Tage der Himmelfahrt Chrifti. Epistel, Ap. Gesch. 1. v. 1:11. Die ie erste rede habe ich zwar gethan, lieber Theophile, von alle dem, das Jefus anfing, beides zu thun und lehren, bis an den tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den aposteln( welche er hatte erwählet) durch den heiligen geist befehl gethan hatte, welchen er sich nach seinen leiden lebendig erzeiget hatte durch mancherlet erweisung, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig tage lang, und redete mit ihnen vom reiche Gottes. Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern war teten auf die verheißung des Vaters, welche ihr habt gehört( sprach er) von mir. Denn Johannes hat mit wasser getauft, ihr aber follt mit dem heiligen geist getauft werden, nicht lange nach diesen tagen. Die aber, so zusammen gekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du auf diese zeit wieder aufrichten das reich Ifrael? Er aber sprach zu ihnen: Es gebühret euch nicht zu wissen zeit oder stunde, welche der vater seiner macht vorbehalten hat; sondern ihr werdet die kraft des heiligen geistes empfahen; welcher auf euch kommen wird, und werdet meine zeugen seyn zu Jerusalem, und in ganz Judäa und Samaria, und bis an das ende der erden. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine wolke nahm ihn vor ihren augen weg. Und als sie ihm nachsahen gen himmel fahrend, siehe, da standen bei ihnen zween männer in weißen kleidern, welche auch sagten: Ihr männer von Galiläa, was stehet ihr, und sehet gen himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen himmel fahren. 26 Evangelium, Marc. 16. v. 14-20. ulegt, da die elfe zu tische saßen, offenbarte sich der Herr, und härtigkeit, daß geglaubet hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden. Und sprach zu ihnen: Gehet hin in alle welt, und prediget das evangelium aller creatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden. Die zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem namen werden sie teufel austreiben; mit neuen zungen reden; schlangen vertreiben; und so sie etwas tödtliches trinken, wirds ihnen nicht schaden: auf die kranken werden sie die hände legen, so wirds beffer mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen himmel, und sizzet zur rechten hand Gottes. Sie aber gingen aus, und predigten an allen orten; und der herr wirkte mit ihnen, und bekräftigte das wort durch mitfolgende zeichen. Am 6. Sonnt. nach Ostern, Eraudi. Epistel, 1. Petr. 4. v. 8-11. Lieben brüder, so feyd nun mäßig und nüchtern zum gebet. Vor allen dingen habt unter einander eine brünstige liebe; denn die liebe decket auch der sünden menge. Seyd gastfrei unter einander ohne murmeln. Und dienet einander, ein jeglicher mit der gabe, die er empfangen hat, als die guten haushalter der mancherlei gnade Gottes. So femand redet, daß ers rede als Gottes wort. So je mand ein amt hat, daß ers thue als aus dem vermögen, das Gott Episteln und Evangelia. 27 darreichet; auf daß in allen dingen Gott gepriesen werde durch Jefum Christ, welchem sey ehre und gewalt von ewigkeit zu ewigkeit. Amen. Evangelium, Joh. 15 und 16. W enn aber der tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seyd von anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den bann thun. Es kommt aber die zeit, daß, wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen vater noch mich kennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ichs euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von anfang nicht gesagt, denn ich war bei euch. Am 1. Pfingsttage. Epistel, Ap. Gesch. 2. v. 1:13. Umüthig bei einander. nd als der tag der pfingsten erfüllet war, waren sie alle einUnd es geschah schnell ein braufen vom himmel als eines gewaltigen windes, und erfüllete das ganze haus, da sie saßen. Und man sahe an ihnen die zungen zertheilet, als wären fie feurig, und er setzte sich zu einem feglichen unter ihnen: und wurden alle voll des heiligen geistes, und fingen an zu predigen mit andern zungen, nachdem der geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber fuden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige männer, aus allerlei volk, das unter dem himmel ist. Da nun dieje stimme geschah, kam die menge zusammen, nd wurden verstürzt; denn es hörte ein jeglicher, daß sie mit seiner sprache redeten. Sie entsegten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen unter einander: Siehe, sind diese nicht alle, die da reden, aus Galiläa? wir denn ein jeglicher seine sprache, darinnen wir geboren sind? ther, und Meder, und Elamither, und die wir wohnen in Mefopotamien, und in Judäa und Cappadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphilien, Egypten und an den enden der Lybien, bei Cyrene, und ausländer von Rom, juden und judengenoffen, Creter und Araber; wir hörten sie mit unsern zungen die großen thaten Gottes reden. Sie ent= seßten sich aber alle, und wurden irre, und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Die andern aber hatten ihren pott und sprachen: Sie sind voll füßen weins. Wie hören ParEvangelium, Joh. 14. v. 23:31. Wer er mich liebet, der wird mein wort halten, und mein vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine worte nicht; und das wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der tröster, der heilige geiſt, welchen mein Vater senden wird in meinem namen, derselbige wird euch alles lehren, und euch erinnern alles deß, das ich euch gesagt habe. Den frieden lasse ich euch; meinen frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, weil die welt giebet. Euer herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Ihr habt gehört, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater; denn der 28 Episteln und Evangelia. Vater ist größer, denn ich. Und nun habe ich es euch gesagt, ehe denn es geschiebet, auf daß, wenn es nun geschehen wird, ihrs glaubet. Ich werde hinfort nicht viel mehr mit euch reden; denn es kömmt der fürst dieser welt, und hat nichts an mir. Aber, auf daß die welt er tenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat; stehet auf, und lasset uns von hinnen gehen. Am 2. Pfingsttage. Epistel, Ap. Gesch. 10. v. 42-48. Und nd der Herr hat uns geboten zu predigen dem volk, und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott ein richter der lebendigen und der todten. Von diesem zeugen alle propheten, daß durch seinen namen alle, die an ihn glauben, vergebung der fünden empfangen sollen. Da Petrus noch diese worte redete, fiel der heilige geist auf alle, die dem worte zuhöreten. Und die gläubigen aus der beschneidung, die mit Petro gekommen waren, entseßten sich, daß auch auf die heiden die gabe des heiligen geistes ausgegoffen ward. Denn sie höreten, daß sie mit zungen redeten, und Gott hoch preifeten. Da antwortete Petrus: Mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den heiligen geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl sie zu taufen in dem namen des Herrn. Evangelium, Joh 3. v. 16-21. Alio [ lso hat Gott die welt geliebt, daß er seinen eingebornen sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige leben haben. Denn Gott hat seinen sohn nicht gesandt in die welt, daß er die Welt richte, sondern daß die welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den namen des eingebornen sohnes Gottes. Das ist aber das gericht, daß das licht in die welt gekommen ist, und die menschen liebten die finsterniß mehr, denn das licht; denn ihre werke waren böse. Wer arges thut, der haffet das licht, und kömmt nicht an das licht, auf daß seine werte nicht gestraft werden. Wer aber die wahrheit thut, der kömmt an das licht, daß seine werke offenbar werden; denn sie sind in Gott gethan. Am Sonnt. und Feste Trinitatis. Epistel, Röm. 11. v. 33-36. welch eine tiefe des reichthums, beides der weisheit und erkenntniß Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine gerichte, und unerforsch lich seine wege! Denn wer hat des Herrn finn erkannt? Oder wer ist sein rathgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm, und durch ihn, und in ihm find alle dinge. Ihm sei Ehre in ewigkeit. Amen. Evangelium, Joh. 3. v. 1-15. 8.8 s war ein mensch unter den pharisäern, mit namen Nicodemus, ein oberster unter den juden; der kam zu Jesu bei der nacht, und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein lehrer von Gott gekommen; denn niemand kann die zeichen thun, die du thuft, es sey denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das reich gottes nicht sehen. Nicodemus spricht zu ihm: Wie kann ein mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner mutter leib gehen, und geboren 29 Episteln und Evangelia. werden? Jefus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sey denn, daß jemand geboren werde aus dem wasser und geist, so kann er nicht in das reich Gottes kommen. Was vom fleisch geboren wird, das ist fleisch; und was vom geist geboren wird, das ist geist. Laß dichs nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden. Der wind bläset, wo er will, und du hörest sein sausen wol; aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fähret. Also ein jeglicher, der aus dem geist geboren ist. Nicodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein meister in Israel, und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und zeugen, das wir gesehen haben; und ihr nehmet unſer zeugniß nicht an. Glaubet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen dingen sage: wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen dingen sagen würde? Und niemand fährt gen himmel, denn der vom himmel hernieder gekommen ist, nämlich des menschen sohn, der im himmel ist. Und wie Moses in der wüsten eine schlange erhöhet hat; also muß des menschen sohn erhöhet werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige leben haben. Am 1. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Joh. 4. v. 16-21. Sott ott ist die liebe; und wer in der liebe bleibet, der bletbet in Gott, und Gott in ihm. Daran ist die liebe völlig bei uns, auf daß wir eine freudigkeit haben am tage des gerichts; denn gleich wie er ist, so sind auch wir in dieser welt. Furcht ist nicht in der liebe, sondern die völlige liebe treibet die furcht aus; denn die furcht hat pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der liebe. Zaffet uns ihn lieben; denn er hat uns zuerst geliebet. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasset seinen bruder, der ist ein lügner. Denn wer seinen bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht stehet? Und dies gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, daß er auch seinen bruder liebe. Evangelium, Luc. 16. v. 19-31. Es war ein reicher mann, der kleidete sich mit purpur und köſtlicher leinewand, und lebte alle tage herrlich und in freuden. Es war aber ein armer, mit namen Lazarus, der lag vor seiner thür voller schwären, und begehrte sich zu sättigen von dem brosamen, die von des reichen tische fielen: doch kamen die hunde und leckten ihm seine schwären. Es begab sich aber, daß der arme starb, und ward getragen von den engeln in Abrahams schooß. Der reiche aber starb auch, und ward begraben. Als er nun in der hölle und in der qual war, hub er seine augen auf und sahe Abraham von ferne und Lazarum in seinem schooß, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein, und sende Lazarum, daß er das äußerste seines Fingers ins waffer tauche, und kühle meine zunge; denn ich leide pein in dieser flamme. Abraham aber sprach: Gedenke, sohn, daß du dein gutes empfangen haft in deinem leben, und Lazarus dagegen hat böses empfangen: Nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große kluft befestiget, daß, die da. wollten von hinnen hinabfahren zu euch, können nicht, und auch nicht So bitte ich dich, von dannen zu uns herüber fahren. Da sprach er: vater, daß du ihn sendest in meines vaters haus. Denn ich habe noch Episteln und Evangelia. fünf brüder, daß er ihnen bezeuge, daß sie nicht auch kommen an diefen ort der qual. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die propheten; laß sie dieselbigen hören. Er aber sprach: Nein, vater Abraham, sondern wenn einer von den todten zu ihnen ginge, so würden sie buße thun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mosen und die pros pheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den todten auferstünde. 30 Am 2. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Joh. 3. v. 13-18. Lieben brüder, verwundert euch nicht, ob euch die welt haffet. Wir wissen, daß wir aus dem tode ins Leben gekommen sind; denn wir lieben die brüder. Wer den bruder nicht liebet, der bleibet im tode. Wer seinen bruder haffet, der ist ein todtschläger, und ihr wiffet, daß ein todtschläger nicht hat das ewige leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die liebe, daß er sein leben für uns gelaffen hat; und wir sollen auch das leben für die brüder lassen. Wenn aber jemand dieser welt güter hat, und siehet seinen bruder darben, und schließt fein herz vor ihm zu; wie bleibet die liebe Gottes bei ihm? Meine kindlein, laffet uns nicht lieben mit worten, noch mit der zunge, sondern mit der that und mit der wahrheit. Evangelium, Luc. 14. v. 16-24. ( 8.8 8 war ein mensch, der machte ein groß abendmahl, und lud viele dazu. Und sandte feinen knecht aus zur stunde des abendmahls, zu sagen den geladenen: Kommet, denn es ist alles bereitet. Und sie fingen an alle nach einander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen acter gekauft, und muß hinausgehen, und ihn beseben; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach: Ich habe fünf joch ochsen gekauft, und gehe jett hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe ein weib genommen, darum kann ich nicht kommen. Und der knecht kam, und sagte das seinem herrn wieder. Da ward der hausherr zornig, und sprach zu seinem knechte: Gehe aus bald auf die straßen und gaffen der stadt, und führe die armen und krüppel und lahmen und blinden herein. Und der knecht sprach: Herr, es ist geschehen, wie du befohlen hast; es ist aber noch raum da. Und der herr sprach zu dem knechte: Gehe aus auf die landstraßen und an die zäune, und nöthige sie her einzukommen, auf daß mein haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der männer keiner, die geladen sind, mein abendmahl schmecken wird. Am 3. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Petr. 5. v. 6-11. ieben brüder, so denüthiget euch nun unter die gewaltige hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner zeit. Alle eure sorge werfet auf ihn; denn er forget für euch. Seyd nüchtern und wachet; denn euer widerfacher, der teufel, gebet umher wie ein brüllender löwe, und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet fest im glauben, und wiffet, daß eben dieselbigen leiden über eure brüder in der welt gehen. Der Gott aber aller gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen herr lichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine zeit leidet, vorbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sey ehre und macht von ewigkeit zu ewigkeit. Amen. Evangelium, Luc. 15. v. 1-10. Snaheten aber zu ihm allerlet zöllner und fünder, daß sie ihn höreten. Und die pharisäer und schriftgelehrten murrten und Episteln und Evangelia. 31 sprachen: Dieser nimmt die sünder an, und iffet mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies gleichniß, und sprach: Welcher mensch ist unter euch, der hundert schaafe hat, und so er der eins verlieret, der nicht lasse die neun und neunzig in der wüste, und hingehe nach dem verlornen, bis daß er es finde? Und wenn ers gefunden hat, so legt er es auf seine achseln mit freuden. Und wenn er heim kommt, rufet er seine freunde und nachbaren, und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein schaaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch, also wird auch freude im himmel seyn über einen sünder, der buße thut, vor neun und neunzig gerechten, die der buße nicht bedürfen. Oder, welch weib ist, die zehn groschen hat, so ste der einen verlieret, die nicht ein licht anzünde, und kehre das haus, und suche mit fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, rufet sie ihre freundinnen und nachbarinnen, und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, fage ich euch, wird freude seyn vor den engeln Gottes über einen fünder, der da buße thut. Am Feste Johannis des Täufers. Epistel, Jef. 40. v. 1-5. röstet, tröstet mein volk, spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem denn ihre missethat ist vergeben; denn sie hat zwiefältiges empfangen von der hand des berrn und alle ihre fünde. Es ist eine stimme eines predigers in der wüste: bereitet dem Herrn den weg, machet auf dem gefilde eine ebene bahn unserm gott! Alle thale sollen erhöhet werden, und alle berge und hügel sollen erniedrigt werden; und was ungleich ist, soll eben, und was höckricht ist, soll schlicht werden. Denn die herrlichkeit des herrn soll offenbart werden; und alles fleisch mit einander wird sehen, daß des herrn mund redet. Evangelium, Luc. 1. v. 57-80. Und Elisabeth kam ihre zeit, daß sie gebären sollte; und sie gebar einen sohn. Und ihre nachbaren und gefreundeten hörten, daß der Herr große barmherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit thr. Und es begab sich am achten tage, tamen sie zu beschneiden das kindlein, und hießen ihn nach seinem vater Zacharias. Aber seine mutter antwortete und sprach: Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner freundschaft, der also heißet. Und sie winkten seinem vater, wie er ihn wollte heißen lassen. Und er forderte ein täflein, schrieb und sprach: Er heißet Johannes. Und sie verwunderten sich alle. Und alsbald ward sein mund und seine junge aufgethan, und redete und lobete Gott. Und es kam eine furcht über alle nachbaren. Und diese geschichte ward alles ruchtbar auf dem ganzen jüdischen gebirge; und alle, die es höreten, nahmen es zu herzen, und sprachen: Was, meinest du, will aus dem kindlein werden? Denn die hand des Herrn war mit ihm. Und sein vater Zacharias war des heiligen geistes voll; weisfagete und sprach: Gelobet sey der Herr, der Gott Israels: denn er hat besuchet und erlöset sein volt. Und hat uns aufgerichtet ein horn des heils in dem hause seines vaters David: Als er vor zeiten geredet hat durch den mund seiner heiligen propheten; daß er uns errettete von unsern feinden und von der Hand aller, die uns haffen, und die barmherzigkeit erzeigte unsern vätern, und gedachte an seinen heiligen bund, und an den eid, den er geschworen hat unserm vater Abraham, uns 32 Episteln und Evangelia. zu geben; daß wir, erlöset von der Hand unserer feinde, ihm dieneten ohne furcht unser lebenlang, in heiligkeit und gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und du, findlein, wirft ein prophet des höchsten heißen: du wirst vor dem Herrn hergehen, daß du seinen weg bereitest, und erkenntniß des heils gebeft seinem volk, die da ist in vergebung ihrer sünden, durch die herzliche barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besucht hat der aufgang aus der höhe; auf daß er erscheine denen, die da sizen in finsterniß und schatten des todes, und richte unsre füße auf den weg des friedens. Und das kindlein wuchs und ward stark im geiste; und war in der wüsten, bis daß er sollte hervortreten vor das volk Israel. Am 4. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Röm. 8. v. 18-23. Lieben brüder, ich halte es dafür, daß dieser zeit leiden der herrlichkeit nicht werth sey, die an uns soll offenbaret werden. Denn das ängstliche harren der creatur wartet auf die offenbarung der Einder Gottes. Sintemal die creatur unterworfen ist der eitelkeit, ohne ihren willen, sondern um deß willen, der sie unterworfen hat auf hoffnung. Denn auch die creatur frei werden wird von dem dienst des vergänglichen wesens, zu der herrlichen freiheit der kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle creatur sehnet sich mit uns, und ängstiget fich noch immerdar; nicht allein aber ste, sondern auch wir selbst, die wir haben des geistes erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der kindschaft, und warten auf unsers leibes erlösung. Evangelium, Luc. 6. v. 36-42. D arum seyd barmherzig, wie auch euer vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt, und überflüssiges maaß wird man in euren schooß geben: Denn eben mit dem maaß, da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Und er fagte ihnen ein gleichniß: Mag auch ein blinder einem blinden den weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die grube fallen? Der jünger ist nicht über seinen meister; wenn der jünger ist, wie sein meiſter, so ist er vollkommen. Was siehest du aber einen splitter in deines bru ders auge, und den balken in deinem auge wirst du nicht gewahr? Oder, wie kannst du sagen zu deinem bruder: Halt stille, bruder, ich will den splitter aus deinem auge ziehen; und du steheft selbst nicht den balken in deinem auge? Du heuchler! ziehe zuvor den balken aus deinem auge, und bestehe dann, daß du den splitter aus deines bruders auge ziehest. Am Feste der Heimsuchung Mariä. Epistel, Jef. 11. v. 1-5. 11 nd es wird eine ruthe aufgehen von dem stamme Ifai, und ein zweig aus seiner wurzel frucht bringen, auf welchem wird ruhen der geift des Herrn, der geift der weisheit und des verstandes, der geist des raths und der stärke, der geist der erkenntniß und der furcht des Herrn. Und sein richten wird seyn in der furcht des Herrn. Er wird nicht richten, nachdem seine augen sehen, noch strafen, nachdem seine ohren hören; sondern wird mit gerechtigkeit richten die armen, und mit gericht strafen die elenden im lande. Und er wird mit dem stabe seines mundes die erde schlagen, und mit dem othem seiner lippen die gottlosen tödten. Gerechtigkeit wird die gurt seiner lenden seyn, und der glaube die gurt seiner nieren. Episteln und Evangelia. 1 Evangelium, Luc. 1. v. 39-56. aria aber stand auf in den tagen, und ging auf das gebirge 33 und grüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den gruß Maria hörete, hüpfte das kind in ihrem leibe. Und Elisabeth ward des heiligen geistes voll, und rief laut und sprach: Gebenedeiet biſt du unter den weibern, und gebenedeiet ist die frucht deines leibes. Und woher kömmt mir das, daß die mutter meines herrn zu mir kömmt? Siehe, da ich die stimme deines grußes hörete, hüpfte mit freuden das kind in meinem leibe. Und o felig bist du, die du geglaubet hast; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. Und Maria sprach: Meine seele erhebet den herrn, und mein geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die niedrigkeit seiner magd angesehen; siehe, von nun an werden mich selig preisen alle kindeskinder. Denn er hat große dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und deß name heilig ist. Und seine barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übet gewalt mit seinem arm, und zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres herzens finn. Er stößet die gewaltigen vom stuhl, und erhebet die niedrigen. Die hungrigen füllet er mit gütern, und läffet die reichen leer. Er denket der barmherzigkeit, und hilft seinem diener Ifrael auf. Wie er geredet hat zu unsern vätern, Abraham und seinem saamen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr drei monate, darnach kehrte sie wiederum heim. Am 5. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Petr. 3. v. 8:15. Endlich aber feyd alleſammt gleich gefinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nichts böses mit bösem, oder scheltwort mit scheltwort; sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seyd, daß ihr den segen ererbet. Denn wer leben will und gute tage sehen, der schweige seine zunge, daß sie nichts böses rede, und seine lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom bösen, und thue gutes; er fuche frieden und jage ihm nach. Denn die augen des Herrn sehn auf die gerechten, und seine ohren auf ihr gebet. Das angesicht aber des herrn siehet auf die, so da böses thun. Und wer ist, der euch schaden könne, so ihr dem guten nachkommet? Und ob ihr auch leidet um der gerechtigkeit willen, so seyd ihr doch selig Fürchtet euch aber vor ihrem troßen nicht, und erschrecket nicht; heiliget aber Gott den Herrn in euren herzen. Evangelium, Luc. 5. v. 1-11. Es begab sich aber, daß sich das volk zu ihm drängte, zu hören das wort gottes; und er stand am see Genezareth, und sahe zwei schiffe am see stehen; die fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre nege. Da trat er in der schiffe eines, welches Simonis war, und bat ihn, daß ers ein wenig vom lande führete. Und er setzte sich, und lehrete das volk aus dem schiffe. Und als er hatte aufgehöret zu reden, sprach er zu Simon: Fahret auf die höhe, und werfet eure neße aus, daß ihr einen zug thut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein wort will ich das neß auswerfen. Und da sie das thaten, beschloffen sie eine große menge fische, und ihr netz zerriß. Und sie winkten ihren gefellen, die im andern schiffe waren, daß sie kämen, und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und fülleten C 34 Episteln und Evangelia. beide schiffe voll, also, daß sie sunken. Da das Simon Petrus sahe, fiel er Jefu zu den knieen und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein fündiger mensch. Denn es war ihm ein schrecken angekommen und allen, die mit ihm waren, über diesen fischzug, den sie mit einander gethan hatten, desselbigen gleichen auch dem Jacobus und dem Johannes, den föhnen Zebedät, Simonis gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht, denn von nun an wirst du menschen fangen. Und sie führten die schiffe zu lande, und verließen alles, und folgten ihm nach. Am 6, Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Nöm. 6. v. 3-11. Wi iffet ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christum getauft sind, die sind auf seinen tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die taufe in den tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferwecket von den todten durch die herrlichkeit des vaters, also sollen wir auch in einem neuen leben wandeln. So wird aber sammt ihm gepflanzet werden, zu gleichem tode, so werden wir auch der auferstehung gleich seyn, dieweil wir wissen, daß unser alter mensch sammt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche leib aufhöre, daß wir hinfort der sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt von der fünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, und wissen, daß Christus, von den todten auferwecket, hinfort nicht stirbet; der tod wird hinfort nicht über ihn herrschen. Denn das er gestorben ist, das ist er der fünde geftørben zu einem mal: das er aber lebet, das lebet er Gott. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der fünde gestorben seyd und lebet Gott in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium, Matth. 5. v. 20:26. Es sey denn eure gerechtigkeit beffer, denn der schriftgelehrten und pharisäer, so werdet ihr nicht in das himmelreich kommen. Ihr habt gehört, daß zu den alten gesagt ist: Du sollst nicht tödten; wer aber födtet, der soll des gerichts schuldig seyn. Ich aber fage euch: Wer mit seinem bruder zürnet, der ist des gerichts schuldig; wer aber zu seinem bruder jaget: Racha, der ist des raths schuldig; wer aber. faget: du narr, der ist des höllischen feuers schuldig. Darum, wenn du deine gabe auf dem altar opferst, und wirst allda eingedenken, daß dein bruder etwas wider dich habe; so laß allda vor dem altar deine gabe, und gehe zuvor hin, und versöhne dich mit deinem bruder und alsdann komm und opfere deine gabe. Sey willfertig deinem widerfacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem wege bist, auf daß dich der widerfacher nicht dermaleinst überantworte dem richter, und der richter überantworte dich dem diener, und werdest in den kerker geworfen. Ich fage dir: wahrlich du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten heller bezahlest. Ich Am 7. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Röm. 6. v. 19-23. ch muß menschlich davon reden, um der schwachheit willen eures fleisches. Gleichwie ihr eure glieder begeben habt zum dienst der unreinigkeit, und von einer ungerechtigkeit zu der andern; also begebet auch nun eure glieder zum dienste der gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der fünde knechte waret, da waret ihr frei von der gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der zeit für frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet: denn das ende derselben ist der tod. Nun ihr aber seyd von der sünde frei, und Gottes tnechte geworden, 35 Episteln und Evangelia. habt ihr eure frucht, daß ihr heilig werdet; das ende aber das ewige leben. Denn der tod ist der sünden solde aber die gabe Gottes ist das ewige leben, in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium, Marc. 8. v. 1-9. u der zeit, da viel volks da war, und hatten nichts zu essen, rief 3 jünger zu ſich, und sprach zu ihnen: Mich des volks; denn sie haben nun drei tage bei mir verharrt, und haben nichts zu essen! und wenn ich sie ungegessen von mir heim Keße gehen, würden sie auf dem wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne gekommen. Seine jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir brod hier in der wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte fie: Wie viel habt ihr brod? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem volk, daß fie sich auf die erde lagerten. Und er nahm die sieben brode, und dankte, und brach sie, und gab sie seinen jüngern, daß sie dieselben vorlegten. Und sie legten dem volke vor. Und hatten ein wenig fischlein; und er dankte, und hieß dieselben auch vortragen. Sie aßen aber und wurden fatt, und haben die übrigen brocken auf; sieben körbe; und ihrer waren bet vier tausend, die da gegessen hatten. Und er ließ sie von sich. Am 8. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Röm. 8. v. 12-17. ( o sind wir nun, lieben brüder, schuldner, nicht dem fleische, daß wir nach dem fleische leben. Denn wo ihr nach dem fleische lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den geist des fletDenn welche der geift sches geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Gottes treibet, die sind Gottes tinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet: sondern ihr habt einen findlichen geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber vater. Derselbige geist giebt zeugniß unserm geiſt, daß wir Gottes tinder sind. Sind wir denn kinder, so sind wir auch erben, nämlich Gottes erben, und miterben Christi; so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur herrlichkeit erhoben werden. Evangelium, Matth. 7. v. 15:23. ( ehet euch vor vor den falschen propheten, die in schaafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende wölfe. An ihren früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch trauben leſen von den dørnen, oder feigen von den disteln? Also ein jeglicher guter baum bringet gute früchte, aber ein fauler baum bringet arge früchte. Ein guter baum kann nicht arge früchte bringen, und ein fauler baum fann nicht gute früchte bringen. Ein jeglicher baum, der nicht gute früchte bringet, wird abgehauen, und ins feuer geworfen. Darum an ihren früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir fagen: Herr, herr, in das himmelreich kommen; sondern die den willen thun meines vaters im himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem tage: Herr, herr, haben wir nicht in deinem namen geweisfaget? Haben wir nicht in deinem namen teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem namen viele thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr übelthäter. Am 9. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 10. v. 6:13. as ist aber uns zum vorbilde geschehen, daß wir uns nicht gelü sten laffen des bösen, gleichwie jene gelüftet hat. Werdet auch Das 62 Episteln und Evangelia. nicht abgöttische, gleichwie jener etliche wurden, als geschrieben steht: Das volt seßte sich nieder zu essen und zu trinken, und stand auf zu spielen. Auch laffet uns nicht hurerei treiben, wie etliche unter jenen hurerei trieben, und fielen auf einen tag drei und zwanzig tausend. Laffet uns aber auch Christum nicht versuchen, wie etliche von jenen ihn versuchten, und wurden von den schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murreten, und wurden umgebracht durch den verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum vorbilde. Es ist aber geschrieben uns zur warnung, auf welche das ende der welt gekommen ist. Darum, wer sich läffet dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine denn menschliche versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer vermögen, sondern machet, daß die versuchung so ein ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. 36 Evangelium, Luc. 16. v. 1-9. Es war ein der hatte einen Haushalter, der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine güter umgebracht. Und er forderte ihn, und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thue rechnung von deinem Haushalte; denn du kannst hinfort nicht mehr haushalter seyn. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein herr nimmt das amt von mir: graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wol, was ich thun will, wenn ich nun von dem amte gefeget werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle schuldner seines Herrn, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert tonnen öls. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen brief, seße dich und schreibe flugs funfzig. Darnach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert malter weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen brief und schreibe achtzig. Und der herr lobte den ungerechten haushalter, daß er flüglich gethan hatte. Denn die kinder dieser welt sind flüger, denn die kinder des lichts in ihrem geschlecht. Und ich sage euch auch: Machet euch freunde mit dem ungerechten mammon, auf daß, wenn ihr darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen hütten. Am 10. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 12. v. 1:11. Voverhalten. on den geistlichen gaben aber will ich euch, lieben brüder, nicht Ihr wisset, daß ihr heiden seyd gewesen, und hingegangen zu den stummen gößen, wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich euch kund, daß niemand Jesum verfluchet, der durch den geist Gottes redet; und niemand kann Jesum einen herrn heißen, ohne durch den heiligen geist. Es sind mancherlei gaben, aber es ist Ein geist; und es find mancherlei amter, aber es ist Ein herr; und es find mancherlei kräfte, aber es ist Ein Gott, der da wirket alles in allen. In einem jeglichen erzeigen sich die gaben des geistes zum gemeinen nußen. Einem wird gegeben durch den geist zu reden von der weisheit; dem andern wird gegeben zu reden von der erkenntniß, nach demselbigen geist; einem andern der glaube, in demselbigen geist; einem andern die gabe gesund zu machen, in demselbigen geist; einem andern, wunder zu thun; einem andern, weissagung; einem andern, geister zu unterscheiden; einem andern, mancherlei sprachen; einem andern, die sprachen auszulegen. Dies alles aber wirket derselbige einige geift, und theilet einem jeglichen seines zu, nachdem er will. 37 Episteln und Evangelia. Evangelium, Luc. 19. v. 41:48. un nd als Jesus nahe hinzu kam, sabe er die stadt an und weinete über sie, und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner zeit, was zu deinem frieden dienet; aber nun ist es vor deinen augen verborgen. Denn es wird eine zeit über dich kommen, daß deine feinde werden um dich und deine kinder mit dir eine wagenburg schlagen, dich belagern, und an allen orten ängsten; und werden dich schleifen, und keinen stein auf dem andern läffen; darum, daß du nicht erkannt hast die zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den tempel, und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein bethaus; ihr aber habts gemacht zu einer mördergrube. Und er lehrte täglich im tempel. Aber die hohenpriester und schriftgelehrten, und die vornehmsten im volt, trachteten ihm nach, daß fie ihn umbrächten, und fanden nicht, wie sie ihm thun follten. Denn alles volk hing ihm an und hörete ihn. Am 11. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 15. v. 1:10. ch erinnere euch aber, lieben brüder, des Evangelii, das ich euch Serimmersehabetelieberriere chem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welcher ge= stalt ich es euch verkündiget habe, so thrs behalten habt; es wäre, denn, daß ihrs umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sey für unsre sünden, nach der schrift; und daß er begraben sey; und daß er auferstanden sey am dritten tage, nach der schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert brüdern auf einmal, derer noch viele leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach iſt er gesehen worden von Jacobo, darnach von allen aposteln. Am letzten, nach allen, ist er auch von mir, als einer unzeitigen geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den aposteln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein apostel heiße, darum, daß ich die gemeine Gottes verfolgt habe. Aber von Gottes gnade bin ich, das ich bin, und seine gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes gnade, die in mir ist. Evangelium, Luc. 18. v. 9-14. & r fagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solches gleichniß. Es gingen zween menschen hinauf in den tempel zu beten; einer ein pharifäer, der andere ein zöllner. Der pharisäer stand, und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere leute, räuber, ungerechte, ehebrecher, oder auch wie dieser zöllner; ich faste zweimal in der woche, und gebe den zehnten von allem, das ich habe. Und der zöllner stand von ferne, wollte auch seine augen nicht aufheben gen himmel, sondern schlug an seine brust und sprach: Gott sey mir fünder gnädig! Ich sage euch, dieser ging hinab gerechtfertigt in sein haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöhet werden. Episteln und Evangelia. Am 12. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 2. Cor. 3. v. 4-9. Lieben brüder, ein solches vertrauen aber haben wir durch Chriſtum Gott. Nicht daß von uns etwas zu denken, als von uns selber; sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott. Welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das amt zu führen des neuen testaments, nicht des buchstabens, sondern des geistes. Denn der buchftabe tödtet, aber der geist macht lebendig. So aber das amt, das durch die buchstaben tödtet, und in die steine ist gebildet, klarheit hatte, also, daß die kinder Israel nicht konnten ansehen das angesicht Mosis um der klarheit willen seines angesichts, die doch aufhöret; wie sollte nicht vielmehr das amt, das den geist giebt, klarheit haben? Denn so das amt, das die verdammniß predigt, flarheit hat; vielmehr hat das amt, das die gerechtigkeit predigt, überschwängliche klarheit. Evangelium, Marc. 7. v. 31-37. 38 Und nd da Jesus wieder ausging von den grenzen Tyri und Sidon, kam er an das galiläische meer, mitten unter die grenze der zehn städte. Und sie brachten zu ihm einen tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem volke besonders, und legte ihm die finger in die ohren, und spüßete, und rührte seine zunge und sah auf gen himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hephata, das ist, thue dich auf. Und alsbald thaten sich seine ohren auf, und das band seiner zunge ward los, und er redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollens niemand sagen. Jemehr er aber verbot, jemehr sie es ausbreiteten. Und verwunderten sich über die maße und sprachen: Er hat alles wohlgemacht, die tauben macht er hörend, und die sprachlosen redend. Am 13. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Gal. 3. v. 15-22. ieben brüder, ich will nach menschlicher weise reden. Verachtet man wenn es und thut auch nichts darzu. Nun ist die verheißung Abraham und seinem saamen zugesagt. Er spricht nicht durch die saamen", als durch viele; sondern als durch einen, durch deinen saamen, welcher ist Christus. Ich sage aber davon, das testament, das von gott zuvor bestätiget ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die verheißung sollte durch das gefeß aufhören, welches gegeben ist über vierhundert und dreißig jahre hernach. Denn so das erbe durch das gefeß erworben würde; so würde es nicht durch verheißung gegeben. Gott aber hats Abraham durch verheißung frei geschenket. Was soll denn das gesetz? Es ist darzu gekommen um der sünde willen, bis der saame käme, dem die verheißung geschehen ist, und ist gestellet von den engeln, durch die hand des mittlers. Ein mittler aber ist nicht eines einigen mittler. Gott aber ist einig. Wie? ist denn das geseß wider Gottes verheißung? Das sey ferne. Wenn aber ein geseß gegeben wäre, daß da tönnte lebendig machen; so käme die gerechtigkeit wahrhaftig aus dem gesetz. Aber die schrift hat es alles beschlossen unter die sünde, auf daß die verheißung käme durch den glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. Evangelium, Luc. 10. v. 23-37. Und er wandte sich zu seinen jüngern, und sprach insonderheit: Selig sind die augen, die da sehen, das ihr sehet. Denn ich sage euch: Viele propheten und könige wollten sehen, das ihr sehet, und habens 39 Episteln und Evangelia. nicht gesehen; und hören, das ihr höret, und habens nicht gehöret. Und siehe, da stand ein schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im geseß geschrieben? wie liefest du? Er antwortete und sprach: Du sollst Gott, deinen herrn, lieben von ganzem herzen, von ganzer seele, von allen kräften und von ganzem gemüthe, und deinen nächsten, als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; iyue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho, und fiel unter die mörder; die zogen ihn aus, und schlugen ihn, und gingen davon, und ließzen ihn halb todt liegen. Es begab sich aber von ungefähr, daß ein priester diefelbige straße hinab zog; und da er ihn fahe, ging er vorüber. Def= felbigen gleichen auch ein levit, da er kam bei der stätte, und sahe ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reifete, und kam dahin; und da er ihn sahe, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine wunden, und goß darein öl und wein, und hub ihn auf sein thier, und führte ihn in die herberge, und pflegte sein. Des andern tages reisete er, und zog heraus zween groschen, und gab sie dem wirth, und sprach zu ihm: Pflege sein, und so du was mehr wirst darthun, will ich dirs bezahlen, wenn ich wiederkomme. Welcher dünket dich, der unter diesen dreien der nächste sey gewesen den, der unter die mörder gefallen war? Er sprach: Der die bamherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin, und thue desgleichen. Am 14. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Gal. 5. v. 16:24. Lieben brüder, wandelt im geiſte, so werdet ihr die lüfte des fleisches nicht vollbringen. Denn das fleisch gelüstet wider den geist, und den geist wider das fleisch; dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet. Regiert euch aber der geist, so send ihr nicht unter dem gefeß. Offenbar aber sind die werke des fleisches, als da sind: Ehebruch, hureret, unreinigkeit, unzucht, abgötterei, zauberei, feindschaft, hader, neid, zorn, zank, zwietracht, rotten, haß, mord, faufen, fressen und dergleichen; von welchen ich euch habe zuvor gesagt, und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das reich Gottes nicht ererben. Die frucht aber des geistes ist liebe, freude, friede, geduld, freundlichkeit, gütigkeit, glaube, sanftmuth, keuschheit. Wider folche ist das geseß nicht. Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr fleisch, sammt den lüften und begierden. Evangelium, Luc. 17. v. 11- 19. Und nd es begab sich, da Jesus reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samaria und Galiläa. Und als er an einen markt kam, begegneten ihm zehn ausfäßige männer, die standen von ferne, und erhuben ihre stimme, und sprachen: Jesu, lieber meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin, und zeiget euch den priestern. Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sahe, daß er gesund geworden war, kehrete er um, und preisete Gott mit lauter stimme, und fiel auf sein angeficht zu seinen füßen, und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete, und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein gewor den? wo sind aber die andern neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehre, und gebe Gott die ehre, denn dieser fremd Episteln und Evangelia. ling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin, dein glaube hat dir geholfen. 40 Am 15. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Röm. 5. v. 25.- 6. 10. ( o wir im geiste leben, so laffet uns auch im geiste wandeln. Eaffet uns nicht eitler ehre geizig seyn; uns unter einander zu entrüsten und zu haffen. Lieben brüder, so ein mensch etwa von einem fehler übereilet würde, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem geist, die ihr geistlich seyd. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch verfuchet werdest. Einer trage des andern last, so werdet ihr das geſetz Christi erfüllen. So sich aber jemand läßt dünken, er sey etwas, so er doch nichts ist, der betrüget sich selbst. Ein jeglicher aber prüfe fein selbstwerk, und alsdann wird er an ihm selbst ruhm haben, und nicht an einem andern. Denn ein jeglicher wird seine last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem worte, der theile mit allerlei gutes dem, der ihn unterrichtet. Frret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein fleisch säet, der wird von dem fleische das verderben ernten. Wer aber auf den geist fäet, der wird von dem geiste das ewige leben ernten. Laffet uns aber gutes thun und nicht müde werden: denn zu seiner zeit werden wir auch ernten ohne aufhören. Als wir denn nun zeit haben, so laffet uns gutes thun an jedermann, allermeist aber an den glaubensgenoffen. Evangelium, Matth. 6. v. 24-34. Nier iemand kann zween herren dienen: entweder er wird den einen haffen, und den andern lieben; oder er wird einem anhangen, und den andern verachten. Ihr könnet nicht Gott dienen und dem mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht für euren leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das leben mehr, denn die speise; und der leib mehr, denn die kleidung? Sehet die vögel unter dem himmel an: ste säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die scheuren, und euer himmlischer vater ernähret sie doch. Seyd ihr denn nicht viel mehr, denn sie? Wer ist nun unter euch, der seiner länge eine elle zusehen möge, ob er gleich darum forget? Und warum sorget ihr für die kleidung? Schauet die lilien auf dem felde, wie sie wachsen: fie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo, in aller seiner herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselben eines. So denn Gott das gras auf dem felde also bekleidet, das doch heute stehet, und morgen in den ofen geworfen wird; sollte er das nicht vielmehr euch thun? ihr kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? was werden wir trinken? womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die heiden. Denn euer himmlischer vater weiß, daß ihr deß alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem reiche Gottes, und nach seiner gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum forget nicht für den andern morgen, denn der morgende tag wird für das seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher tag feine eigene plage habe. Am 16. Sonnt. nach Trinitatis. Epistel, Ephes. 3. v. 13:21. Lieben brüder, darum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet um meis ner träbsal willen, die ich für euch leide, welche euch eine ehre find. Derohalben beuge ich meine kniee gegen den vater unsers Herrn Jesu Christi, der der rechte vater ist über alles, was da kinder heißet 41 Episteln und Evangelia. im himmel und auf erden, daß er euch fraft gebe nach dem reichthum feiner herrlichkeit, start zu werden durch seinen geist, an dem inwenbigen menschen, und Christum zu wohnen durch den glauben in euren herzen, und durch die liebe eingewurzelt und gegründet werden: auf daß ihr begreifen möget mit allen heiligen, welches da sey die breite, und die länge, und die tiefe, und die höhe: auch erkennen, daß Chriftum lieb haben viel besser ist, denn alles wissen, auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei gottesfülle. Dem aber, der überschwänglich thun kann über alles, das wir bitten und verstehen, nach der kraft, die da in uns wirket, dem sey ehre in der gemeine, die in Christo Jesu iſt, zu aller zeit, von ewigkeit zu ewigkeit. Amen. Evangelium, Luc. 7. v. 11:17. Und nd es begab sich hernach, daß er in eine stadt mit namen Nain ging, und seiner jünger gingen viele mit ihm, und viel volks. Als er aber nahe an das stadtthor kam, siehe, da trug man einen tødten heraus, der ein einziger sohn war seiner mutter; und sie war eine wittwe. Und viel volks aus der stadt ging mit ihr. Und da fie der herr sahe, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht. Und trat hinzu, und rührte den farg an, und die träger standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Und der todte richtete sich auf, und sing an zu reden. Und er gab ihn seiner mutter. Und es kam sie alle eine furcht an, und preifeten Gott, und sprachen: Es ist ein großer prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein volk heimgesucht. Und diese rede von ihm erscholl in das ganze jüdische land, und in alle umliegenden länder. Am Feste Michaelis. Epistel, Offenb. Joh. 12. v. 7:12. Und nd es erhob sich ein streit im himmel: Michael und seine engel ftritten mit dem drachen, und der drache stritt, und seine engel; und siegten nicht, auch ward ihre stätte nicht mehr gefunden im himmel. Und es ward ausgeworfen der große drache, die alte schlange, die da heißet der teufel und satanas, der die ganze welt verführet, und ward geworfen auf die Erde; und seine engel wurden auch dahin geworfen. Und ich hörte eine große stimme, die sprach im himmel: Nun ist das heil, und die kraft, und das reich, und die macht unsers Gottes, feines Christus, geworden, weil der verkläger unserer brüder verworfen ist, der sie verklaget tag und nacht vor Gott. Und sie haben ihn über wunden durch des lammes blut, und durch das wort ihres zeugnisses, und haben ihr leben nicht geliebt bis an den tod. Darum freuet euch, ihr himmel, und die darinnen wohnen. Evangelium, Matth. 18 v. 1:11. 3 u derselbigen Stunde fraten die jünger zu Jesu, und sprachen: Wer stellte es mitten unter ste, und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sey denn, daß ihr euch umkehrt, und werdet wie die kinder, so werdet ihr nicht in das himmelreich kommen. Wer sich nun selbst erniedriget wie dies kind, der ist der größeste im himmelreich. Und wer ein solches kind aufnimmt in meinem namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre beffer, daß ein mühlstein an seinen hals gehänget würde, und er ersäufet würde im neere, da es am tiefsten ist. Wehe der welt der ärgerniß halben! Es muß ja ärgerniß kommen; doch wehe dem menschen, durch welchen ärgerniß kömmt. So aber deine hand oder dein fuß dich ärgert, fo Episteln und Evangelia. haue ihn ab, und wirf ihn von dir: es ist dir beffer, daß du zum leben lahm oder ein früppel eingehest, denn daß du zwei hände oder zwei und in das feuer Und so dich dein auge ärgert, reiß es aus, und wirf es von dir; es ist dir beffer, daß du einäugig zum leben eingehest, denn daß du zwei augen habest, und werdest in das höllische feuer geworfen. Sehet zu, daß ihr niemand von diesen kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre engel im himmel sehen allezeit das angesicht meines vaters im himmel. Denn des menschen sohn ist gekommen, selig zu machen, das verloren ist. 42 Am 17. Sonnt. nach Trinitatis. Epistel, Ephef. 4. v. 1: 6. Lieben brüder, so ermahne nun euch ich gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie sichs gebühret eurem beruf, darinnen ihr berufen seyd, mit aller demuth und sanftmuth, mit geduld, und ver traget einer den andern in der liebe, und seyd fleißig zu halten die einigkeit im geist, durch das band des friedens. Ein leib und Ein geist, wie ihr auch berufen feyd auf einerlei hoffnung eures berufs; Ein herr, Ein glaube, Eine taufe, Ein Gott und vater unfer aller, der da ist über euch alle, und durch euch alle und in euch allen. Evangelium, Luc. 14. v. 1-11. Und nd es begab stu), daß Jesus kam in ein haus eines obersten der pharisäer, auf einen fabbath, das brod zu essen; und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete, und sagte zu den schriftgelehrten und pharifäern, und sprach: Ists auch recht, auf den fabbath heilen? Sie aber schwie gen stille. Und er griff ihn an, und heilte ihn, und ließ ihn gehen. Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein ochfe oder esel in den brunnen fällt, und er nicht alsbald ihn heraus ziehet am sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder antwort geben. Er sagte aber ein gleichniß zu den gästen, da er merkte, wie sie erwähleten, oben an zu sißen, und sprach zu ihnen: Wenn du von jemand geladen wirst zur hochzeit: so sebe dich nicht oben an, daß nicht etwa ein ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sey; und sodann kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: ,, Weiche diesem," und du müffest dann mit scham unten an sigen; sondern wenn du geladen wirst, so gehe hin, und seße dich unten an, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf! Dann wirst du ehre haben vor denen, die mit dir zu tische sizen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöhet werden. Am 18. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 1. v. 4: 9. Lieben brüder, ich danke meinen Gott allezeit eurethalben für die gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu, daß ihr seyd durch ihn in allen stücken reich gemacht, in aller lehre, und in aller erkenntniß. Wie denn die predigt von Christo in euch kräftig geworden ist also, daß ihr keinen mangel habt an irgend einer gabe, und wartet nur auf die offenbarung unsers Herrn Jesu Christi. Welcher auch euch wird fest behalten bis ans ende, daß ihr unsträflich seyd auf den tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn Gott ist treu, durch welchen ihr be rufen seyd zur gemeinschaft seines sohnes Jesu Christi unsers Herrn. 43 Episteln und Evangelia. Evangelium, Matth. 22. v. 34-46. Da aber daß er den das gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach: Meister, welches ist das vornehmste gebot im gesetz? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen herrn, von ganzem Herzen, von ganzer feele, von ganzem gemüth. Das ist das vornehmste und größte gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen nächsten lieben, als dich selbst. In diesen zweien geboten hanget das ganze geseß und die pro= pheten. Da nun die pharisäer bei einander waren, fragte sie Jesus und sprach: Was dünket euch um Christo? Weß sohn ist er? Sie spra= chen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im geist einen Herrn? da er saget: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Seße dich zu meiner rechten, bis daß ich lege deine feinde zum schemel deiner füße. So nun David ihn einen Herrn nennt, wie ist er denn sein sohn? Und niemand konnte ihm ein wort antworten, und durfte auch niemand von dem tage an hinfort ihn fragen. Am 19. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Epheſ. 4. v. 22-28. leget nun von euch dem wandel, den alten menschen, der durch lüfte in irrthum sich verderbet. Erneuert euch aber im geist eures gemüths, und ziehet den neuen men schen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener gerechtigkeit und heiligkeit. Darum leget die lügen ab und redet die wahrheit, ein jeglicher mit seinem nächsten, sintemal wir unter einander glieder sind. Zürnet und fündiget nicht: laffet die sonne nicht über eurem zorn untergehen. Gebet auch nicht raum dem lästerer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit den händen etwas gutes, auf daß er habe zu geben den dürftigen. Evangelium, Matth. 9. v. 1-8. D a trat Jesus in das schiff, und fuhr wieder herüber, und kam in seine stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen gichtbrüchigen, der lag auf einem bette. Da nun Jesus ihren glauben sabe, sprach er zu dem gichtbrüchigen: Sey getrost, mein sohn, deine fünden sind dir vergeben. Und stehe, etliche unter den schriftgelehrten sprachen bei sich felbst: Dieser lästert Gott. Da aber Jesus ihre gedanken sahe, sprach Warum denket ihr so arges in euren herzen? Welches ist leichter zu sagen: Dir sind deine sünden vergeben? oder zu sagen: Stehe auf und wandle? Auf daß ihr aber wisset, daß des menschen sohn macht babe auf erden, sünden zu vergeben, sprach er zu dem gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein bett auf, und gehe heim. Und er stand auf und ging heim. Da das volk das sahe, verwunderte es fich, und preisete Gott, der solche macht dem menschen gegeben hat. er: Am 20. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephef. 5. v. 15-21. Lieben brüder, so sehet nun zu, daß ihr vorsichtiglich wandelt, nicht als die unweisen, sondern als die weisen. Und schicket euch in die zeit, denn es ist böse zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da sey des herrn wille. Und saufet euch nicht voll weins, daraus ein unordentliches wesen folget; sondern werdet voll geistes, und redet unter einander von psalmen und lobgesängen und geistlichen liedern; singet und spielet dem Herrn in eurem herzen: upe 91008 Episteln und Evangelia. und faget dank allezeit für alles Gott und dem vater, in dem namen unsers Herrn Jesu Chrifti, und seyd unter einander unterthan in der furcht Gottes. 44 Evangelium, Matth. 22. v. 1:14. 11 nd Jesus antwortete und redete abermals durch gleichnisse zu ihnen und sprach: Das himmelreich ist gleich einem könige, der seinem fohne hochzeit machte. Und sandte feine fnechte aus, daß sie die gäfte zur hochzeit riefen; und sie wollten nicht kommen. Abermals fandte er andere knechte aus und sprach: Saget den gästen: Siehe, meine mahlzeit habe ich bereitet, meine ochsen und mein mastvieb ist geschlachtet, und alles bereit, kommet zur Hochzeit. Aber sie verachteten das, und gingen hin, einer auf seinen acker, der andere zu seiner handthierung. Etliche aber griffen seine knechte, höhneten oder tödteten sie. Da das der könig hörete, ward er zornig, und schickte sein heer aus, und brachte diese mörder um, und zündete ihre stadt an. Da sprach er zu seinen knechten: Die hochzeit ist zwar bereit, aber die gäste wa rens nicht werth; darum gehet hin auf die straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die knechte gingen aus auf die straßen, und brachten zusammen, wen sie fanden, böse und gute; und die tische wurden alle voll. Da ging der könig hinein, die gäste zu besehen, und sahe allda einen menschen, der hatte kein hochzeitlich kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereingekommen, und hast doch kein Hochzeitlich kleid an? Er aber verstummte. Da sprach der könig zu feinen dienern: Bindet ihm hände und füße, und werfet ihn in die äußerste finsterniß hinaus, da wird seyn heulen und zähnklappen. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. Am 21. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephef. 6. v. 10:17. meine ner stärke. Ziehet an den harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen anläufe des teufels. Denn wir haben nicht mit fleisch und blut zu kämpfen, sondern mit fürsten und gewaltigen, näm lich mit den herren in der welt, die in der finsterniß dieser welt herrschen, mit den bösen geistern unter dem himmel. Um deß willen, so ergrei fet den harnisch Gottes, auf daß ihr, wenn das böse stündlein kommt, widerstand thun, und alles wohl ausrichten, und das feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure lenden mit wahrheit, und ans gezogen mit dem trebs der gerechtigkeit, und an beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das evangelium des friedens, damit ihr bereitet seyd. Vor allen dingen aber ergreifet den schild des glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen pfeile des bösewichts; und nehmet den helm des heils, und das schwert des geistes, welches ift das wort Gottes. Evangelium, Joh. 4. v. 47:54. Und es war ein königſscher, deß sohn lag krank zu Capernaum. Die fer hörte, daß Jesus kam aus Judäa in Galiläa, und ging hin zu ihm, und bat ihn, daß er hinab täme, und hülfe seinem sohne; denn er war todtkrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht zeichen und wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der königsche sprach zu ihm: Herr, komme hinab, ehe denn mein kind stirbt. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein sohn lebet. Der mensch glaubete dem wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinab ging, be Episteln und Evangelia. 45 gegneten ihm seine tnechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein kind lebet. Da forschte er von ihnen die stunde, in welcher es beffer mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente stunde verließ ihn das fieber. Da merkte der vater, daß es um die stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein sohn lebet. Und er glaubte mit seinem ganzen hause. Das ist nun das andere zei= chen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläa kam. Am 22. Sonntage nach Trinitatis. Epiftel, Phil. 1. v. 3:11. ch danke meinem Gott, so oft ich euer gedenke( welches ich allezeit bis freuden) über eure gemeinschaft am evangelio, vom ersten tage an, hieher; und bin desselbigen in guter zuversicht, daß der in euch angefangen hat das gute werk, der wirds auch vollführen bis an den tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch allen halte, darum, daß ich euch in meinem herzen habe, in diesem meinem gefängniß, darin ich das evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr alle mit mir der gnade theilhaftig seyd. Denn Gott ist in mein zeuge, wie mich nach euch allen verlanget von Herzensgrund, Christo Jesu. Und darum bete ich, daß eure liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei erkenntniß und erfahrung; daß ihr prüfen möget, was das beste sey, auf daß ihr seyd lauter und unanstößig bis auf den tag Chrifti, erfüllet mit früchten der gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen( in euch) zur ehre und lobe Gottes. Evangelium, Matth. 18. v. 23:35. D arum ist das himmelreich gleich einem könige, der mit seinen knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend pfund schuldig. Da ers nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der herr verkaufen ihn, und sein weib, und seine tinder, und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der knecht nieder, und betete ihn an, und sprach: Herr, habe geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Da jammerte den herrn deffelbigen knechts, und ließ ihn los, und die schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige knecht hinaus, und fand einen seiner mitknechte, der war ihm hundert groschen schuldig; und er griff ihn an, und würgte ihn, und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist. Da fiel sein mitknecht nieder, und bat ihn, und sprach: Habe geduld mit mir, ich will dir alles be zahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin, und warf ihn ins ge= fängniß, bis daß er bezahlete, was er schuldig war. Da aber seine mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt, und kamen, und brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein herr vor sich, und sprach zu ihm: Du schalksknecht, alle diese schuld habe ich dir erlaffen, weil du mich batest; solltest du dich denn nicht auch erbarmen über deinen mitknecht, wie ich mich über dich ers barmet habe? Und sein herr ward zornig, und überantwortete ihn den peinigern, bis daß er bezahlte alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer vater auch thun, so ihr nicht vergebet von eurem herzen, ein jeglicher seinem bruder seine fehler. Am 23. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Phil. 3. v. 17-21. Folget mir, lieben brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie von Episteln und Evangelia. ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich euch mit weinen, die feinde des kreuzes Christi, welcher ende ist die verdammniß, welchen der bauch ihr Gott ist, und ihre ehre zu schanden wird; derer, die irdisch gesinnt sind. Unser wandel aber ist im himmel, von dannen wir auch warten des heilandes Jesu Christi, des herrn, welcher unseru nichtigen leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten leibe, nach der wirkung, damit er kann alle dinge ihm unterthänig machen. A4 Evangelium, Matth. 22. v. 15-22.. a gingen die pharisäer hin, und hielten einen rath, wie sie ihn 46 Herodis dienern, und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den weg Gottes recht, und du fragest nach niemand; denn du achtest nicht das ansehn der menschen. Darum sage uns, was dünket dich? Ists recht, daß man dem kaiser zins gebe, oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre schalkheit, sprach er: Ihr heuchler, was versuchet ihr mich? Weiset mir die zinsmünze. Und sie reichten ihm einen groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Weß ist das bildniß und die überschrift? Sie sprachen zu ihm: Des kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem kaiser, was des kaisers ist, und Gotte, was Gottes ist. Da sie das hörten, verwunderten sie sich, und ließen ihn, und gingen davon. Derhalben auch wir von der zu beten und zu bitten, daß ihr er Am 24. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Col. 1. v. 9:14. wirs höwir für euch füllet werdet mit erkenntniß seines willens in allerlei geistlicher weisheit und verstand, daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem gefallen, und fruchtbar seyd in allen guten werken, und wachset in der erkenntniß Gottes, und gestärket werdet mit aller kraft nach seiner herrlichen macht, in aller geduld und langmüthigkeit mit freuden. Und dankfaget dem vater, der uns tüchtig gemacht hat zu den erbtheil der heiligen im licht, welcher uns errettet hat von der obrigkeit der finsterniß, und hat uns versetzt in das reich seines lieben sohnes, an welchem wir haben die erlösung durch sein blut, nämlich die vergebung der fünden. Evangelium, Matth. 8. v. 18-26. D Denn a Jesus solches mit ihnen redete, siehe, da kam der obersten einer, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, meine tochter ist jetzt gestorben; aber komm, und lege deine hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus stand auf, und folgte ihm nach, und seine jünger. Und siehe, ein weib, das zwölf jahre den blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm, und rührte seines kleides saum an. fie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wandte sich Jesus um, und sahe sie, und sprach: Sey getrost, meine tochter, dein glaube hat dir geholfen. Und das weib ward gesund zu derselbigen stunde. Und als er in des obersten haus kam, und sahe die pfeifer und das getümmel des volks, sprach er zu ihnen: Weichet, denn das mägdlein ist nicht todt, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das voll ausgetrieben war, ging er hinein, und ergriff sie bei der hand, da stand das mägdlein auf. Und dies gerücht erscholl in dasselbige ganze land. 47 Episteln und Evangelia. Mir Am 25. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Thess. 4. v. 13-18. ir wollen euch aber, lieben brüder, nicht verhalten von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seyd, wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und wieder auferstanden ist: also wird Gott auch, die da entschlafen sind, durch Jefum mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein wort des Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der zukunft des herrn, werden denen nicht vorkommen die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem feldgeschrei und stimme des erzengels, und mit der posaune hernieder kommen vom himmel, und die todten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselbigen hingerücket werden in den wolken, dem Herrn entgegen in der luft, und werden also bei dem Herrn feyn allezeit. So tröstet euch nun mit diesen worten unter einander. Evangelium, Matth. 24. v. 15:28. We enn ihr nun sehen werdet den gräuel der verwüstung, davon gesaget ist durch den propheten Daniel, daß er stehe an der heiligen stätte( wer das liefet, der merke darauf); alsdann fliehe auf die berge, wer im jüdischen lande ist. Und wer auf dem dache ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem hause zu holen. Und wer auf dem felde ist, der kehre nicht um, feine kleider zu holen. Wehe aber den schwangern und säugern zu der zeit. Bittet aber, daß eure flucht nicht geschehe im winter oder am fabbath. Denn es wird alsdann eine große trübsal seyn, als nicht gewesen ist vom anfang der welt bisher, und als auch nicht werden wird. Und wo diese tage nicht würden verkürzet, so würde kein mensch selig; aber um der auserwählten willen werden die tage verkürzet. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Chriftus, oder da; so sollt ihrs nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche propheten aufstehen, und große zeichen und wunder thun, daß verführet werden in den irrthum( wo es möglich wäre) auch die auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvor geſagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der wüste, so gehet nicht hinaus: siehe, er ist in der kammer, so glaubets nicht. Denn gleichwie der bliß aufgehet vom aufgang, und scheinet bis zum niedergang; also wird auch seyn die zukunft des menschensohns. Wo aber ein aas ist, da versammeln sich die adler. Am 26. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 2. Petr. 4. v. 3-14. in den kommen werden spötter, die nach ihren eigenen lüsten wandeln und sagen: Wo ist die verheißung seiner zukunft? Denn nachdem die väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es vom anfang der creatur gewesen ist. Aber muthwillens wollen sie nicht wissen, daß der himmel vor zeiten auch war, dazu die erde aus wasfer und in waffer bestanden, durch Gottes wort. Dennoch ward zu der zeit die welt durch dieselbigen mit der sündfluth verderbet. Also auch der himmel jepund und die erde werden durch sein wort gesparet, daß sie zum feuer behalten werden am tage des gerichts und verdammniß der gottlosen menschen. Eines aber sey euch unverhalten, ihr lieben, daß ein tag vor dem Herrn ist wie tausend jahre, und tausend jahre wie ein tag. Der herr verziehet nicht die verheißung, wie es etliche für einen verzug achten; sondern er hat ge= duld mit uns, und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern 48 Episteln und Evangelia. daß sich jedermann zur buße bekebre. Es wird aber des Herrn tag kommen als ein dieb in der nacht, in welchem die himmel zergehen werden mit großem krachen, die elemente aber werden vor hize zerschmelzen, und die erde und die werke, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt seyn mit heiligem wandel und gottfeligem wesen, daß ihr wartet und eilet in die zukunft des tages des Herrn, in welchem die himmel vom feuer zergehen, und die elemente vor hiße zerschmelzen werden? Wir warten aber eines neuen himmels und einer neuen erde, nach seiner verheißung, in welchen gerechtigkeit wohnet. Evangelium, Matth. 25. v. 31:46. W enn aber des menschen sohn kommen wird in seiner herrlichkeit, und alle heiligen engel mit ihm, dann wird er sigen auf dem ftuhl seiner herrlichkeit. Und werden vor ihm alle völker versammelt werden; und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein hirte die schaafe von den böcken scheidet, und wird die schaafe zu seiner rechten stellen, und die böcke zur linken. Da wird denn der könig sagen zu denen zu seiner rechten: Kommet her, ihr gesegneten meines vaters, ererbet das reich, das euch bereitet ist von anbeginn der welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket; ich bin ein gast gewesen, und ihr habt mich beherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet; ich bin frank gewesen, und ihr habt mich besuchet; ich bin gefangen gewesen, und ihr seyd zu mir gekommen. Dann werden ihm die gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeiset? oder durstig, und haben dich getränket? Wann haben wir dich einen gast gesehen, und beherberget? oder nackend, und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich frank oder gefangen gesehen, und sind zu dir gekommen? Und der könig wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur linken: Gehet hin von mir, ihr verfluchten, in das ewige feuer, das bereitet ist dem teufel und seinen engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht geträntet; ich bin ein gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich bin frank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen gaft, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen ant worten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr nicht gethan habt einem unter diesen geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige pein gehen, aber die gerechten in das ewige leben. Vo Am 27. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Theff. 5. v. 1:11. on den zeiten aber und stunden, lieben brüder, ist nicht noth euch zu schreiben. Denn ihr selbst wisset gewiß, daß der tag des Herrn wird kommen wie ein dieb in der nacht. Denn wenn sie werden fa gen: Es ist friede, es hat keine gefahr: so wird sie das verderben fchnell überfallen, gleichwie der schmerz ein schwangeres weib, und werden nicht entfliehen. Ihr aber, lieben brüder, seyd nicht in der fin Episteln und Evangelia. sterniß, daß euch der tag wie ein dieb ergreife. Ihr seyd allzumal finder des lichts, und finder des tags; wir sind nicht von der nacht, noch von der finsterniß. So lasset uns nun nicht schlafen, wie die andern; sondern lasset uns wachen und nüchtern seyn. Denn die da schlafen, die schlafen des nachts, und die da trunfen sind, die sind des nachts trunken. Wir aber, die wir des tages sind, sollen nüchtern seyn, angethan mit dem krebs des glaubens und der liebe, und mit dem helm der Hoffnung zur seligkeit. Denn Gott hat uns nicht gefeßt zum zorn, sondern die seligkeit zu besißen, durch unsern Herrn Jesum Christ, der für uns gestorben ist, auf daß, wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben sollen. Darum ermahnet euch unter einander, und bauet einer den andern, wie ihr denn thut. Evangelium, Matth. 25. v. 1-13. 49 ann wird das himmelreich gleich seyn zehn jungfrauen, die ihre lampen nahmen, und gingen aus dem bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren flug. Die thörichten nahmen ihre lampen, aber sie nahmen nicht öl mit sich. Die klugen aber nahmen öl in ihren gefäßen, sammt ihren lampen. Da nun der Zur bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig, und entschliefen. mitternacht aber ward ein geschrei: Siche, der bräutigam kömmt, gehet aus ihm entgegen! Da standen die jungfrauen alle auf, und schmückten ihre lampen. Die thörichten aber sprachen zu den klugen: Gebet uns von eurem öle, denn unsere lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche; gehet aber hin zu den främern, und kaufet für euch selbst. Und da sie hingingen zu kaufen, kam der bräutigam, und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die thüre ward verschlossen. Zulegt kamen die andern jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, thue uns auf. Er antwortete aber, und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. Darum wachet, denn ihr wisset weder tag noch stunde, in welcher des menschen sohn kommen wird. Leidensgeschichte Jesu, aus den vier Evangelisten zusammengezogen. ( 8.8 8 Das erste Hauptstück. Was kurz vor dem Leiden Jesu und seiner Gefangennehmung vorgegangen. war aber nahe das fest der süßen brode, das da ostern heißet. Und Jesus sprach zu seinen jüngern: Ihr wisset, daß nach zweien tagen ostern wird, und des menschen sohn wird überantwortet werden, daß er gekreuziget werde. Da versammelten sich die hohenpriester und schriftgelehrten und die ältesten im volk in dem palaste des hohenpriesters, der da hieß Caiphas, und hielten rath, wie sie Jesum mit list ergriffen und tödte Leidensgeschichte Jesu. ten; denn sie fürchteten sich vor dem volk. Sie sprachen aber: Ja nicht auf das fest, auf daß nicht werde ein aufruhr im volk. 50 Und da nun Jesus war zu Bethanien, im hause Simonis des ausfäßigen, trat zu ihm ein weib, das hatte ein glas mit ungefälschtem und köstlichem nardenwasser, und zerbrach das glas, und goß es auf sein haupt, da er zu tische saß. Da das seine jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Was soll doch dieser unrath? Man könnte das wasser um mehr denn dreihundert groschen verkauft haben, und dasselbige den armen geben; und murrten über sie. Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Lasset sie zufrieden, was bekümmert ihr das weib! Sie hat ein gut werk an mir gethan; ihr habt allezeit arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnet ihr ihnen gutes thun; mich aber habet ihr nicht allezeit; sie hat gethan, was sie gekonnt; denn daß sie dies wasser hat auf meinen leib gegossen, damit ist sie zuvorgekommen, meinen leichnahm zu salben zu meinem begräbniß. Wahrlich, ich sage euch, wo dies evangelium gepredigt wird in aller welt, da wird man auch das sagen zu ihrem gedächtniß, was sie gethan hat. Es war aber der satanas gefahren in Judas, genannt Ischarioth, der da war aus der zahl der zwölfen; und er ging hin, und redete mit den hohenpriestern und hauptleuten, daß er ihn verriethe, und sprach: Was wollt ihr mir geben, ich will ihn euch verrathen? Da sie das hörten, wurden sie froh; und sie boten ihm dreisig silberlinge. Und er versprach es. Und von dem an suchte er gelegenheit, daß er ihn ohne rumor überantwortete. Aber am ersten tage der süßen brode, auf welchem man mußte opfern das osterlamm, traten die jünger zu Jesu, und sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir hingehen und bereiten dir das ofterlamm zu essen? Und er sandte Petrum und Johannem, und sprach: Gebet hin in die stadt! sehet, wenn ihr hinkommet, wird euch ein mensch begegnen, der trägt einen wafferfrug; folget ihm nach in das haus, da er hingehet, und saget zu dem haushalter: der meister läßt dir sagen, meine zeit ist herbeigekommen, ich will bei dir die ostern halten; wo ist das gasthaus, damit ich das ofterlamm effen möge mit meinen jüngern? Und er wird euch einen großen gepflasterten saal zeigen; daſelbst bereitet es. Sie gingen hin und fanden, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das ofterlamm. Und am abend kam er, und setzte sich zu tische mit den zwölf aposteln; und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlanget, dies osterfamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide; denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis daß alles erfüllet werde im reiche Gottes. Und er nahm den kelch, danfte und sprach: Nehmet denselben und theilet ihn unter euch; denn ich sage euch, ihr werdet nicht trinken von demt gewächse des weinstocks, bis das reich Gottes komme an dem tage, da ichs neu trinken werde mit euch in meines vaters reich. Und indem sie aßen, in der nacht, da er verrathen ward, nahm der Herr Jesus das brod, dankte, und brachs, und gabs den jüngern und sprach: Nehmet, effet, das ist mein leib, der für euch gegeben wird; solches thut zu meinem gedächtniß. Deffelbigen gleichen nahm er auch den kelch nach dem abendmahl, dankete, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; dieser kelch ist das neue testament in meinem blut, das für euch und für viele ver 4 Leidensgeschichte Jesu. goffen wird zur vergebung der sünden; solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem gedächtniß. Und sie tranken alle daraus. Vor dem feste aber der oftern, das ist auf demselbigen abend, da erkannte Jesus, daß seine zeit gekommen war, daß er aus der welt ginge zum vater; wie er hatte geliebt die seinen, die in der welt waren, so liebte er sie bis ans ende. Und nach dem abendessen, da schon der teufel hatte dem Judas Simonis Jscharioth ins herz gegeben, daß er ihn verriethe, wußte Jesus, daß ihm der vater hatte alles in seine hände gegeben, und daß er von Gott gekommen war und zu Gott ging, stand er vom abendmahle auf, legte seine kleider ab, und nahm einen schurz, und umgürtete sich. Darnach goß er wasser in ein becken, hub an den jüngern die füße zu waschen, und trocknete sie mit dem schurz, damit er umgürtet war. Da kam er auch zu Simon Petro, und derselbige sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißt du jetzt nicht, du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein theil an mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr! nicht die füße allein, sondern auch die hände und das haupt. Spricht Jefus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht denn die füße waschen, sondern er ist ganz rein; und ihr seyd rein, aber nicht alle. Denn er wußte seinen verräther wohl: darum fagte er: Ihr seyd nicht alle rein. 51 Da er nun die füße gewaschen hatte, nahm er seine kleider, und setzte sich wieder nieder, und sprach abermals zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch gethan habe? Jhr heißet mich meister und herr, und ihr faget recht daran; denn ich bins auch. So ich nun, euer meister und herr, euch die füße gewaschen habe; so sollt ihr euch auch unter einander die füße waschen. Ein beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der knecht ist nicht größer, denn sein herr, noch der apostel größer, denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset; selig seyd ihr, so ihrs thut. Nicht sage ichs von euch allen; ich weiß, welche ich erwählet habe; sondern daß die schrift erfüllet würde: Der mein brod isset, der tritt mich mit füßen. Jetzt sage ichs euch, ehe denn es geschiehet, auf daß, wenn es geschehen wird, daß ihr glaubet, daß ichs bin. Wahrlich, wahrlich, ich euch, wer aufnimmt, so ich jemand senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Da Jesus solches gefaget hatte, ward er betrübt im geist, und zeugete und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der mit mir isset, wird mich verrathen; siehe, die hand meines verräthers ist mit mir über tische. Und die jünger wurden sehr traurig, sahen sich un ter einander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete. Und sie fingen an zu fragen unter sich selbst, welcher es doch wäre unter ihnen, der es thun würde; und sagten zu ihm einer nach dem andern: Herr, bin ichs? und der andere: bin ichs? Er antwortete und sprach: Einer aus den zwölfen, der mit mir in die schüssel tauchet, der wird mich verrathen. Des menschen sohn gehet zwar dahin, wie vor ihm beschlossen und geschrieben ist; doch wehe dem menschen, durch welchen des menschen sohn verrathen wird. Es wäre ihm beffer, 92 Leidensgeschichte Jesu. daß derselbige mensch nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verrieth, und sprach: Bin ichs, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagest es. Es war aber einer unter seinen jüngern, der zu tische saß, an der brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte, den winkte Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte; denn derselbe Tag an der brust Jesu, und sprach zu ihm: Herr, wer ists? Jesus antwortete: Der ists, dem ich den biffen eintauche und gebe. Und er tauchte den bissen ein, und gab ihn Judas Simonis Ischarioth. Und nach dem bissen fuhr der satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du thust, das thue bald. bige aber wußte niemand über tische, wozu ers ihm sagte. meinten, weil Judas den beutel hatte, Jesus spräche zu ihm: Kaufe, was uns noth ist aufs fest: oder daß er den armen etwas gebe. Da er nun den biffen genommen hatte, ging er alsobald hinaus. Und es war nacht. Da aber Judas hinausgegangen war, erhub sich ein zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den größten gehalten werden? Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen könige herrschen, und die gewaltigen nennt man gnädige herren; ihr aber nicht also, sondern der größeste unter euch soll seyn wie der jüngste, und der vornehmste wie ein diener. Denn welcher ist der größeste? der zu tische sizet, oder der da dienet? Ists nicht also, daß der zu tische sizet? Sch bin aber mitten unter euch wie ein diener, ihr aber seyds, die ihr beharret habt bei mir in meinen anfechtungen; und ich will euch das reich bescheiden, wie mirs mein vater beschieden hat, daß ihr effen und trinken sollt über meinem tisch, in meinem reich; und sizen auf den stühlen und richten über die zwölf geschlechte Israel. Da sprach Jesus: Nun ist des menschen sohn verkläret, und Gott ist verkläret in ihm. Ist Gott verkläret in ihm; so wird ihn Gott auch verklären in ihm selbst, und wird ihn bald verklären. 52 DaffelEtliche Lieben kindelein, ich bin noch eine kleine weile bei euch. Ihr werdet mich suchen, und wie ich zu den juden sagte: Wo ich hin gehe, da könnt ihr nicht hinkommen, und sage euch nun: Ein neu gebot gebe ich euch: daß ihr euch unter einander liebet, wie ich euch geliebet habe; auf daß ihr euch einander lieb habet. Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine jünger seyd, so ihr liebe unter einander habt. Da sprach Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehest du hin? Jesus antwortete ihm: Da ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht fol gen. Petrus sprach zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Jch will mein leben bei dir laffen. Jesus antwortete? Solltest du dein leben bei mir lassen? Simon, Simon, siehe, der satanas hat euer begehret, daß er euch möchte sichten, wie den weizen; ich aber habe für euch gebeten, daß dein glaube nicht aufhöre. Und wenn du dich dermaleinst bekehrest, so stärke deine brüder. Er sprach aber zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins gefängniß und in den tod zu gehen. Er sprach aber: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, Petre, der hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich kennest. Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch gefandt habe ohne beutel, ohne tasche und ohne schuh, habt ihr auch je mangel gehabt? Sie sprachen: Nie keinen. Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen beutel hat, der nehme ihn, desselbigen gleichen auch die tasche; wer 53 Leidensgeschichte Jesu. aber nicht hat, der verkaufe sein kleid, und kaufe ein schwert. Denn ich sage euch, es muß doch alles vollendet werden an mir, das geschrieben stehet: Er ist unter die übelthäter gerechnet; denn was von mir geschrieben ist, das hat ein ende. Sie sprachen aber: Herr, hier sind zwei schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug. Das zweite Hauptstück. Von dem Leiden Jesu am Delberge, und seiner Gefangennehmung. und nd da sie den lobgefang gesprochen hatten, ging Jesus hinaus, nach seiner gewohnheit über den bach Kidron an den ölberg. Es folgten ihm aber seine jünger nach. Da sprach er zu ihnen: In dieser nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir; denn es stehet geschrieben: Ich will den hirten schlagen, und die schaafe der heerde werden sich zerstreuen: wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläa. Petrus aber antwortete und sprach zn ihm: Wenn sie sich auch alle an dir ärgerten, so will ich mich doch nimmermehr an dir ärgern. Jesus spricht zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute in dieser nacht, ehe denn der hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Er aber redete noch weiter: Ja wenn ich auch mit dir sterben müßte, wollte ich dich nicht verleugnen. Deffelbigen gleichen sagten auch alle jünger. Da kam Jesus mit ihnen zu einem hofe, der hieß Gethsemane; da war ein garten; darein ging Jesus und seine jünger. Judas aber, der ihn verrieth, wußte den ort auch; denn Jesus versammelte sich oft daselbst mit seinen jüngern. Da sprach Jesus zu ihnen: Sepet euch hier, bis ich dort hingehe und bete. Und er nahm zu sich Petrum und Jacobum und Johannem, die zween söhne Zebedäi, und sing an zu trauern, und zu zittern, und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine seele ist betrübt bis in den tod: bleibet hier, und wachet mit mir, betet, auf daß ihr nicht in anfechtung fallet. Und er riß sich von ihnen, bei einem steinwurf, und knieete nieder, fiel auf sein angesicht auf die erde, und betete, daß, so es möglich wäre, die stunde vorüber ginge und sprach: Abba, mein vater, es ist dir alles möglich, überhebe mich dieses kelches, doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Und er fam zu seinen jüngern, und fand fie schlafend, und sprach zu Petro: Simon, schläfst du? Vermagst du nicht eine stunde mit mir zu wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in anfechtung fallet; der geist ist willig, aber das fleisch ist schwach. Zum andern male ging er aber hin, betete und sprach: Mein va ter, ists nicht möglich, daß dieser kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn; so geschehe dein wille. Und er kam und fand sie abermals schlafend, und ihre augen waren voll schlafs, und wußten nicht, was sie ihm antworteten. Und er ließ sie, ging aber hin und betete zum dritten male dieselbigen worte, und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein wille geschehe. Es erschien ihm aber ein engel vom himmel, und stärkte ihn. Und es kam, daß er mit dem tode rang, und betete heftiger. Es war aber sein schweiß wie blutstropfen, die sielen auf die erde. Leidensgeschichte Jesu. Und er stand auf von dem gebet, und kam zu seinen jüngern, und fand sie schlafend vor traurigkeit, und sprach, zu ihnen: Ach! wollt ihr nun schlafen und ruhen? Was schlafet ihr! Es ist genug fehet, die stunde ist gekommen, und des menschen sohn wird überantwortet in der fünder hände; stehet auf, und laffet uns gehen; siehe, der mich verräth, ist nahe; betet aber, auf daß ihr nicht in versuchung fallet. 54 Und alsbald, da er noch redete, siehe, Judas, der zwölfen einer, da er nun zu sich hatte genommen die schaar und diener der hohenpriester und pharisäer, der ältesten und schriftgelehrten, ging er zuvor der schaar, und kam dahin mit fackeln, lampen, schwertern und stangen. Der verräther aber hatte ihnen ein zeichen gegeben, und gesagt: Welchen ich küffen werde, der lists, den greifet, und führet ihn gewiß. Als nun Jesus wußte alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus, und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bins. 11 Judas aber, der ihn verrieth, stand auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bins", wichen sie zurücke, und fielen zu boden. Da fragte er sie abermals: Wen suchet ihr? Sie sprachen: Jefum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, daß ichs sey: suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen. Auf daß das wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe der keinen verloren, die du mir gegeben hast. Und Judas nahete sich zu Jesu, ihn zu küffen. Und alsbald trat er zu ihm und sprach: ,, Gegrüßet seyft du, Rabbi"; und küsfete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein freund, warum bist du gekommen? Juda, verräthst du des menschen sohn mit einem fuß? Da traten fie hinzu, und legten die Hände an Jesum, und griffen ihn. Da aber sahen, die unt ihn waren, was da werden sollte, sprachen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwerte drein schlagen? Da hatte Simon Petrus ein schwert, und zog es aus, und schlug nach des hohenpriesters knecht, und hieb ihm sein rechtes ohr ab. Und der knecht hieß Malchus. Jesus aber antwortete und sprach: Laffet sie doch so ferner machen. Und er sprach zu Petro: Stecke dein schwert in die scheide; denn wer das schwert nimmt, der soll durchs schwert umkommen. Oder meinst du, daß ich nicht könne meinen vater bitten, daß er mir zuschickt mehr denn zwölf legionen engel? Soll ich den kelch nicht trinken, den mir mein vater gegeben hat? Wie würde aber die schrift erfüllet? Es muß also geschehen. Und er rührte sein ohr an, heilete ihn. und Zu der stunde sprach Jesus zu den hohenpriestern und hauptleuten des tempels und den ältesten, die über ihn gekommen waren: Ihr feyd als zu einem mörder mit schwertern und stangen ausgegangen, mich zu fangen; ich bin doch täglich geseffen bei euch, und habe gelehret im tempel, und ihr habt keine hand an mich geleget. Aber dies ist eure stunde und die macht der finsterniß, auf daß die schrift erfüllet würde. Das ist aber alles geschehen, auf daß erfüllet würde die schrift der propheten. Da verließen ihn alle jünger und flohen. Und es war ein jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen haut; und die jünglinge griffen ihn. Er aber ließ die leinwand fahren, und flohe bloß von ihnen. Leidensgeschichte Jesu. 55 Das dritte Hauptstück. Was in Caiphas Hause vor der Versammlung des jüdischen Gerichts mit Jesu vorgegangen. ie schaar aber und der oberhauptmann und die diener der juden nas, der war Caiphas schwäher, welcher des jahrs hoherpriester war. Es war aber Caiphas, der den juden rieth, es wäre gut, daß ein mensch würde umgebracht für das volk. Und sie führeten ihn vor den hohenpriester Caiphas, das ist, zum fürsten der priester, dahin alle höhenpriester und schriftgelehrten und ältesten sich versammelt hatten. Simon Petrus aber folgte Jeſu von ferne, und ein anderer jünger, bis an den palast des hohenpriefters. Derselbige jünger war dem hohenpriester bekannt, und ging mit Jesu hinein in des hohenpriesters palast. Petrus aber stand draußen vor der thür. Da ging der andere jünger, der dem hohenpriester bekannt war, hinaus, und redete mit der thürhüterin, und führte Petrum hinein. Es standen aber die knechte und diener, und hatten ein kohlenfeuer gemacht danieden mitten im palast; denn es war kalt, und wärmeten fich. Petrus aber stand bei ihnen, und wärmete sich, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte. Die magd aber des hohenpriesters, die thürhüterin, sahe Petrum bei dem licht, da er sich wärmete, und sahe eben auf ihn, und sprach: Und du warest auch mit dem Jesu von Galiläa? Bist du nicht auch dieses menschen jünger einer? Er leugnete aber vor allen und sprach: Weib, ich bins nicht; ich kenne fein nicht; weiß auch nicht, was du sagest. Aber der hohepriester fragte Jesum, um seine jünger und um seine lehre. Jesus antwortete: Ich habe frei öffentlich geredet vor der welt. Ich habe allezeit gelehret in der schule und in dem tempel, da die juden zusammen kommen, und habe nichts im winkel geredet. Was fragst du mich darum? Frage die darum, die es gehört haben, was ich geredet habe, siehe, dieselbigen wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der diener einer, die dabei standen, Jefu einen backenstreich, und sprach: Solltest du dem hohenprieſter also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es unrecht sei; habe ich aber recht geredet, was schlägest du mich? Und Hannas hatte ihn gebunden gefandt zu dem hohenpriester Caiphas. Simon Petrus aber stand und wärmete sich. Und über eine kleine weile nach dem ersten verleugnen, als er hinausging nach dem vorhof, krähete der hahn. Und eine andere magd sahe ihn, und hub abermals an zu sagen zu denen, die dabei standen: Dieser war auch mit Jefu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner jünger einer? Und ein andrer sprach: Du bist auch der einer. Und er leugnete abermals, und schwur dazu, und sprach: Mensch, ich bins nicht, und kenne auch des menschen nicht. Und über eine kleine weile, bei einer stunde, bekräftigte ein anderer mit denen, die dabei standen, und sprach: Wahrlich, du bist auch der einer; denn du bist ein Galiläer, und deine sprache verräth dich. Spricht des hohenpriesters knecht, ein gefreundeter deß, dem Petrus das ohr abgehauen hatte: Sahe ich dich nicht im garten bei ihm? Da Leidensgeschichte Jesu. fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne des menschen nicht, von dem ihr saget. Da ge= Und alsbald, da er noch redete, krähete der hahn zum andern mal. Und der Herr wandte sich um, und sahe Petrum an. dachte Petrus an das wort Jesu, als er zu ihm gesagt hatte: Ehe der hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen; und ging hinaus und weinte bitterlich. 56 Die hohenpriester aber und die ältesten, und der ganze rath, suchten falsches zeugniß wider Jefum, auf daß sie ihn zum tode hülfen, und fanden keine, wiewol viele falsche zeugen herzu traten; denn ihre zeugnisse stinimten nicht überein. Zuleßt standen auf und traten herzu zween falsche zeugen, die gaben falsches zeugniß wider ihn, und sprachen: Wir haben gehört, daß er sagte: Ich kann und will abbrechen den tempel Gottes, der mit händen gemacht ist, und in dreien tagen einen andern bauen, der nicht mit händen gemacht ist. Und ihre zeugnisse stimmten noch nicht überein. Und der hohepriester stand auf unter sie, und fragte Jesum, und sprach: Antwortest du nichts zu dem, das diese wider dich zeugen? Jesus aber schwieg stille, uud antwortete nichts. Da fragte ihn der hohepriester abermals, und sprach zu ihm: Bist du Christus, der sohn des hochgelobten? Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seyst Christus, der sohn Gottes. Jesus sprach: Du sagest es, ich bins; doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr sehen des menschen sohn sißen zur rechten hand der kraft, und kommen in den wolken des himmels. Da zerriß der hohepriester seine kleider, und sprach: Er hat Gott gelästert, was dürfen wir weiter zeugniß? Siehe, jetzt habt ihr seine gotteslästerung gehöret; was dünket euch? Sie aber verdammten ihn alle und sprachen: Er ist des todes schuldig. Die männer aber, die Jesum hielten, ver spotteten ihn, und speieten aus in sein angesicht, und schlugen ihn mit fäusten. Etliche aber verdeckten ihn, und schlugen ihn ins angesicht, besonders die Enechte, und sprachen: Weissäge uns, Christe, wer ists, der dich schlug? Und viele andere lästerungen sagten sie wider ihn. Des morgens aber versammelten sich alle hohenpriester und schriftgelehrten und ältesten des volks, dazu der ganze rath, und hielten einen rath über Jesum, daß sie ihn zum tode hülfen; und führten ihn hinauf vor ihren rath, und sprachen: Bist du Christus? Sage es uns. Er aber sprach zu ihnen: Sage ichs euch, so glaubet ihr nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und lasset mich dennoch nicht los. Darum von nun an wird des menschen sohn sizen zur rechten hand der kraft Gottes. Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr saget es, denn ich bins. Sie aber sprachen: Was dürfen wir weiter zeugniß? Wir habens selbst gehört aus seinem munde. Das vierte Hauptstück. Was vor Pontio Pilato, als der römischen heidnischen Obrigfeit, mit Jesu vorgegangen. Und nd der ganze haufen stand auf, und banden Jesum, und führten ihn von Caiphas vor das richthaus, nnd überantworteten ihn dem landpfleger Pontio Pilato: und es war noch frühe. 57 Leidensgeschichte Jesu. Da das Judas sahe, der ihn verrathen hatte, daß er verdammet war zum tode, gereuete es ihn, und brachte wieder die dreißig silberlinge den hohenpriestern und ältesten, und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig blut verrathen habe. Sie sprachen: Was gehts uns an! da siehe du zu. Und er warf die filberlinge in den tempel, hub sich davon und erhenkte sich selbst, und ist mitten entzwei geborsten, und sein eingeweide herausgeschüttet. Aber die hohenpriester nahmen die silberlinge, und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den gotteskasten legen; denn es ist blutgeld. Sie hielten aber einen rath, und kauften um diese filberlinge, den lohn der ungerechtigkeit, einen töpfersacker, zum begräbniß der pilger. Und es ist fund geworden allen, die zu Jerusalem wohnen, also, daß derfelbige acter genannt wird auf ihre sprache Hakeldama, das ist, ein blutacker, bis auf den heutigen tag. Da ist erfüllet, das da gesagt ist durch den propheten Jeremia, der da spricht: Sie haben genommen dreißig silberlinge, damit bezahlet ward der verkaufte, welchen sie kauften von den kindern Israel; und haben sie gegeben um eines töpfers acker, als mir der herr befohlen hat. Die juden aber gingen nicht in das richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern die ostern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus, und sprach: Was bringet ihr für eine klage wider diesen menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein übelthäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin, und richtet ihn nach eurem gefeß. Da sprachen die juden zu ihm: Wir dürfen niemand tödten. Auf daß erfüllet würde das wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches todes er sterben würde. Da fingen an die hohenpriester und ältesten, ihn hart zu verklagen, und sprachen: Diesen finden wir, daß er das volk abwendet, und verbietet, den schoß dem kaiser zu geben, und spricht, er sey Christus ein könig. Da ging Pilatus wieder hinein in das richthaus, und rief Jefum, und fragte ihn, und sprach: Bist du der juden könig? Jefus stand vor ihm und antwortete: Redest du das von dir selbst, oder ha bens dir andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich ein jude? Dein volk und die hohenpriester haben dich mir überantwortet, was hast du gethan? Jesus antwortete: Mein reich ist nicht von dieser welt! wäre mein reich von dieser welt, meine Diener würden drob kämpfen, daß ich den juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein könig? Jesus antwortete: Du sagest es, ich bin ein könig: ich bin dazu geboren und in die welt gekommen, daß ich die wahrheit zeugen soll. Wer aus der wahrheit ist der höret meine stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den juden, und sprach zu ihnen: Ich finde keine schuld an ihm. Und da er verklaget ward von den hohenpriestern und ältesten, antwortete er nichts. Pilatus aber fragte ihn abermals und sprach: Antwortest du nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen! Hörest du nicht? Und er antwortete ihm nicht auf ein wort mehr, also, daß sich auch der landpfleger sehr verwunderte. Sie aber hielten an und sprachen: Er hat das volk erreget, da mit, daß er gelehret hat hin und her im ganzen jüdischen lande, und hat in Galiläa angefangen bis hierher.; Leidensgeschichte Jesu. Da aber Pilatus Galiläa hörete, fragte er, ob er aus Galiläa wäre? Und da er vernahm, daß er unter Herodis obrigkeit war, fandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen tagen auch zu Jerufalem war. 58 Da aber Herodes Jesum sahe, ward er sehr froh; denn er hätte ihn längst gerne gesehen, denn er hatte viel von ihm gehöret, und hoffte, er würde ein zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mancherlei. Er antwortete ihm aber nicht. Die hohenpriester aber und schriftgelehrten standen und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit feinem hofgesinde verlachte und verspottete ihn, legte ihm ein weißes kleid an, und sandte ihn wieder zu Pilato. Auf den tag wurden Pilatus und Herodes freunde mit einander; denn zuvor waren fie einander feind. Pilatus aber rief die hohenpriester und die obersten und das volk zusammen, und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen menschen zn mir gebracht, als ob er das volk abwende, und siehe, ich habe ihn vor euch verhöret, und finde an dem menschen der sache keine, der ihr ihn beschuldiget: Herodes auch nicht, denn ich habe euch zu ihm gesandt und siehe, man hat nichts auf ihn gebracht, das des todes werth sey; darum will ich ihn züchtigen und loslassen. Auf das fest aber mußte der landpfleger, nach gewohnheit, dem volke einen gefangenen losgeben, welchen sie begehrten. Er hatte aber zu der zeit einen gefangenen, der war fast rüchtig, nämlich ein übelthäter und mörder, der hieß Barrabas, der mit den aufrührerischen war ins gefängniß geworfen, welcher im aufruhr, der in der stadt geschahe, einen mord begangen hatte. Und das volk ging hinauf und bat, daß er thäte, wie er pflegte. Und da sie versammelt waren, antwortete ihnen Pilatus: Ihr habt eine gewohnheit, daß ich euch ei nen losgebe auf ostern; welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe? Barrabam oder Jesum, den könig der juden, den man nennt Christus? Denn er wußte, daß ihn die hohenpriester aus neid überantwortet hatten. Und da er auf dem richtstuhl saß, schickte sein weib zu ihm, und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem gerechten, ich habe viel gelitten im traum von seinetwegen. Aber die hohenpriester und ältesten überredeten und reizten das volk, daß sie um Barrabam bitten sollten, und Jesum umbrächten. Da antwortete nun der landpfleger, und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zweien, den ich euch soll losgeben? Da schrie der ganze haufen und sprach: Hinweg mit diesem, und gieb uns Barrabam los! Da rief Pilatus abermals zu ihnen, und wollte Jesum loslassen, und sprach: Was soll ich denn mit Jesu machen, den man Christus nennt? Sie schrieen abermals: Kreuzige, kreuzige ihn! Er aber sprach zum dritten male zu ihnen: Was hat er denn übels gethan? Ich finde keine ursach des todes an ihm: darum will ich ihn züchtigen und loslassen. Aber sie schrieen noch viel mehr und sprachen: Kreuzige ihn! Und ste lagen ihn an mit großem geschret, forderten, daß er gefreuzigt würde. Und ihr und der hohenpriester geschrei nahm überhand. Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn. Die kriegsknechte aber des landpflegers führten ihn hinein in das richthaus, und riefen zusammen die ganze rotte, und zogen ihn aus, und legten ihm einen purpurmantel an, und flochten eine frone von dornen, und setzten sie auf sein haupt, und gaben ihm ein rohr in seine rechte hand, und beugten Leidensgeschichte Jesu. die kniee vor ihm, und spotteten, und fingen an ihn zu grüßen, und sprachen: Gegrüßet seyst du, könig der juden; und schlugen ihn ins angeficht und speieten ihn an, und nahmen das rohr und schlugen damit sein haupt, und fielen auf die kniee, und beteten ihn an. 59 Da ging Pilatus wieder heraus, und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine schuld an ihm finde. Also ging Jesus hinaus, und trug eine dornenkrone und ein purperkleid. Und er sprach zu ihnen: Sehet, welch ein mensch! Da ihn die hohenpriester und diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn! Pilatus sprach zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin, und kreuziget ihn; denn ich finde keine schuld an ihm. Die juden antworteten ihm: Wir haben ein geseß, und nach dem gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes sohn gemacht. Da Pilatus das wort hörete, fürchtete er sich noch viel mehr, und ging wieder hinein in das richthaus, und sprach zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir, weißt du nicht, daß ich macht habe, dich zu kreuzigen, und macht habe, dich los zu geben? Jesus antwortete: Du hättest keine macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum der mich dir überantwortet hat, der hats größere fünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn los ließe. Die juden aber schrieen und sprachen: Läsfest du diesen los, so bist du des faisers freund nicht, denn wer sich zum könige macht, der ist wider den kaiser. Da Pilatus das Wort hörete, führte er Jesum heraus, und setzte sich auf den richtstuhl an der stätte, die da heißet hochpflaster, auf hebräisch aber gabbatha. Es war aber der rüsttag in der oftern, um die sechste stunde, und er sprach zu den juden: Sehet, da ist euer könig. Sie schrien aber: Weg, weg mit dem! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren könig kreuzigen? Die hohenpriester antworteten: Wir haben keinen könig, denn den kaiser. Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffete, sondern daß ein viel größer getümmel ward, gedachte er dem volke genug zu thun, und urtheilete, daß ihre bitte geschähe; nahm wasser, und wusch die hände vor dem volk, und sprach: Ich bin unschuldig an dem blute dieses gerechten, sehet ihr zu. Da antwortete das ganze volk, und sprach: sein blut komme über uns und unsere kinder. Da gab er ihnen Barrabam los, der um aufruhrs und mords willen war ins gefängniß geworfen, um welchen sie baten; Jesum aber, gegeißelt und verspottet, übergab er ihrem willen, daß er ge= kreuziget würde. Das fünfte Hauptstück. Von der Kreuzigung Jesu. Da a nahmen die kriegsknechte Jesum, zogen ihm den mantel aus, und zogen ihm seine kleider an, und führeten ihn hin, daß sie ihn kreuzigten; und er trug sein kreuz. Und indem sie hinausgingen, fanden sie einen menschen, der vorüberging, von Cyrene, mit namen Simon, der vom felde kam, der ein vater Alexandri und Ruffi war, den zwangen sie, daß er ihm sein kreuz trüge, und legten das kreuz auf ihn, daß ers Jesu nachtrüge. Es folgten ihm aber nach ein großer haufen volks und weiber, die Leidensgeschichte Jesu. klagten und beweinten ihn. Jefus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst, und über eure kinder. Denn sehet, es wird die zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die unfruchtbaren, und die leiber, die nicht geboren haben; und die brüſte, die nicht gesäuget haben. Dann werden sie anfangen zu sagen zu den bergen: Fallet über uns! und zu den hügeln: Bedecket uns! denn so man das thut am grünen holz, was will am dürren werden? Es wurden aber auch hingeführt zween andere übelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. Und sie brachten ihn an die stätte, die da heißt auf hebräisch Golgatha, das ist verdolmetschet: Schädelstätte. Und sie gaben ihm effig oder vermyrrten wein zu trinken, mit gallen vermischt, und da ers schmeckte, wollte ers nicht trinken. 60 Und sie freuzigten ihn an der stätte Golgatha, und zween übelthäter mit ihm, einen zur rechten und einen zur linken hand, Jesum aber mitten inne. Und die schrift ist erfüllet, die da faget: Er ist unter die übelthäter gerechnet. Und es war die dritte stunde, da sie ihn freuzigten. Jefus aber sprach: Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Pilatus aber schrieb eine überschrift, aussagend, was man ihm schuld gab, die ursache seines todes, und setzte sie auf das kreuz oben zu seinem haupte. Es war aber geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese überschrift lasen viele juden; denn die stätte war nahe bei der stadt, da Jesus gekreuziget war; denn es war geschrieben auf hebräische, griechische und lateinische sprache. Da sprachen die hohenpriester und die juden zu Pilato: Schreibe nicht: Der juden könig; sondern daß er gesagt habe: Ich bin der juden könig Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Die friegsfnechte, da sie Jesum gekreuzigt hatten, nahmen sie feine kleider, und machten vier theile, einem jeglichen friegsknechte ein theil, dazu auch den rock. Der rock war aber ungenähet, von oben an gewirket durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Laffet uns den rock nicht zertheilen, sondern darum looien, weß er seyn soll. Auf daß erfüllet würde die schrift, die da faget: Sie haben meine kleider unter sich getheilet, und haben über meinen rock das loos geworfen. Und sie saßen allda, und hüteten sein. Solches thaten die kriegsknechte, und das volk stand und sahe zu. Es standen aber bei dem freuze Jefu seine mutter, und seiner mutter schwester Maria, Cleophas weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine mutter sahe, und den jünger dabei stehen, den er sehr lieb hatte, sprach er zu seiner mutter: Weib, siehe, das ist dein sohn! Darnach sprach er zu dem jünger: Siehe, das ist deine mutter! Und von stund an nahm sie der jünger zu sich. nor Die aber vorüber gingen, lästerten ihn, und schüttelten die köpfe und sprachen: Pfui dich! wie fein zerbrichst du den tempel, und bauest ihn in dreien tagen! Hilf dir felber; bist du Gottes sohn, so steig herab vom freuze. Desgleichen auch die hohenpriester verspotteten ihn unter einander mit den schriftgelehrten und ältesten, sammt dem volt, und sprachen: Er hat andern geholfen, und kann ihm selber nicht helfen; ist er Christus, der könig von Israel, der auserwählte Got 61 Leidensgeschichte Jesu. tes, so helfe er ihm selber, und steige nun vom kreuz, auf daß wir sehen, und glauben ihm; er hat Gott vertrauet, der helfe ihm nun, lüftet es ihn; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes sohn. Daffelbe rückten ihm auch vor die mörder, die mit ihm gekreuzigt waren, und verschmäheten ihn. Es verspotteten ihn auch die kriegsknechte, traten zu ihm, und brachten ihm effig, und sprachen: Bist du der juden könig, so hilf dir selber. Aber der übelthäter einer, die da gehänget waren, lästerte ihn, und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da antwor tete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher verdammniß bist? und zwar wir sind billig darinnen, denn wir empfangen, was unsere thaten werth sind; dieser aber hat nichts ungeschicktes gehandelt. Und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im paradiese seyn. Und da es um die sechste stunde kam, ward eine finsterniß über das ganze land bis um die neunte stunde, und die sonne verlor ihren schein. Und um die neunte stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lama asabtani! das ist verdolmetschet: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Etliche aber, die da standen, da sie das höreten, sprachen: der rufet dem Elias. Darnach als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die schrift erfüllet würde, sprach er: Mich dürftet! Da stand ein Gefäß voll effig, und bald lief einer unter ihnen hin, nahm einen schwamm, und füllte ihn mit effig und ysopen, und steckte ihn auf ein rohr, und hielts ihm dar zum munde, und tränkete ihn. Die anderen aber sprachen: Halt, laß sehen, ob Elias komme, und ihn herab nehme. Da nun Jesus den essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und abermals rief er laut und sprach: Vater, ich befehle meinen geist in deine hände. Und als er das gesagt, neigte er das haupt, und gab seinen geist auf. Und siehe da, der vorhang im tempel zerriß in zwei stücke, von oben an bis unten aus; und die erde erbebte, und die felsen zerrissen, und die gräber thaten sich auf, und standen auf viele leiber der heiligen, die da schliefen, und gingen aus den gräbern nach seiner auferstehung, und kamen in die heilige stadt, und erschienen vielen. Aber der hauptmann, der dabei stand gegen ihm über, und die bei ihm waren, und bewahrten Jesum, da sie sahen, daß er mit fol chem geschrei verschied, und sahen das erdbeben, und was da geschah, erschraken sie sehr, und preifeten Gott und sprachen: Wahrlich, dieser ist ein frommer mensch gewesen, und Gottes sohn. Und alles volk, das dabei war, und zusahe, da sie sahen, was da geschah, schlugen sie an ihre brust, und wandten wieder um. Es standen aber alle seine verwandten von ferne, und viele weiber, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles, unter welchen war Maria Magdalena, und Maria, des kleinen Jacobus und Josephs mutter, und Salome, die mutter der kinder Zebedät, welche ihm auch nachgefolget waren, da er in Galiläa war, und gedienet hatten und viele andere, die mit ihm hinauf gen Jerusalem gegangen waren. 62 Leidensgeschichte Jesu. Das sechste Hauptstück. Von dem Begräbniß Jesu. ie juden aber, dieweil es der rüsttag war, daß nicht die leichname war groß), baten sie Pilatum, daß ihre beine gebrochen und abgenommen würden. Da kamen die kriegsknechte und brachen dem ersten die beine, und dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die beine nicht, sondern der kriegsknechte einer eröffnete seine feite mit einem speere, und alsbald ging blut und waffer heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein zeugniß ist wahr, und derfelbige weiß, daß er die wahrheit sagt, auf daß auch ihr glaubet; denn solches ist geschehen, daß die schrift erfüllet würde: Ihr sollt ihm kein bein zerbrechen. Und abermals spricht eine andere schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. Darnach am abend, dieweil es der rüsttag war, welcher ist der vorfabbath, kam Joseph von Arimathia, der stadt der juden, ein reicher mann, ein rathsherr, ein guter frommer mann, der hatte nicht gewilligt in ihren rath und handel, welcher auf das reich Gottes wartete; denn er war ein jünger Jesu, doch heimlich, aus furcht vor den juden: der wagte es, und ging hinein zu Pilato, und bat, daß er möchte abnehmen den leichnam Jefu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon todt war, und rief den hauptmann und cagte ihn: ob er längst gestorben wäre? Und als ers erfundete von dem hauptmann, gab er Joseph den leichnam Jesu, und befahl, man sollte ihn ihm geben. Und Joseph kaufte eine leinwand. Es kam aber auch Nicodemus, der vormals bei der nacht zu Jesu gekommen war, und brachte myrrhen und aloe unter einander bei hundert pfunden. Da nahmen sie den leichnam Jefu, der abgenommen war, und wickelten ihn in reine leinwand, und banden ihn mit leinen tüchern, und mit specereien, wie die juden pflegten zu begraben. Es war aber an der stätte, da er gefreuzigt ward, ein garten, und im garten ein neues grab, das war Josephs, welches er hatte las sen hauen in einen felfen, in welches niemand je gelegt war. Daselbst hin legten sie Jesum, um des rüsttags willen der juden, daß der sabbath anbrach, und das grab nahe war, und wälzten einen großen stein vor die thür des grabes und gingen davon. Es waren aber allda Maria Magdalena und Maria Joseph, die setzten sich gegen das grab, und andere weiber, die da Jesu auch waren nachgefolgt von Galiläa, beschaueten, wohin und wie sein leib geleget ward. Sie kehrten aber um, und bereiteten die specereien und salben, und den sabbath über waren sie stille nach dem geseß. Des andern tages, der da følget nach dem rüsttage, kamen die hohenpriester und pharisäer sämmtlich zu Pilatus, und sprachen: Herr! wir haben gedacht, daß dieser verführer sprach, da er noch lebte: Ich will nach dreien tagen auferstehen. Darum befiehl, daß man das grab bewahre bis an den dritten tag, auf daß nicht seine jünger kommen und stehlen ihn, und sagen zum volke: Er ist auferstanden von den todten; und werde der letzte betrug ärger, denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die hüter, gehet hin, und verwahrts, 63 wie ihr wisset. Und sie gingen hin, und verwahreten das grab mit hütern, und versiegelten den stein. Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. A Is die zeit herbei nahete, daß Gott über Jerusalem und das jüdische volk den endlichen zorn gehen lassen wollte, wie die propheten und der Herr Christus selbst ihnen gedräuet und zuvor gesagt hatten; sind die nachfolgenden zeichen vorhergegangen: Es ist am himmel ein Comet gesehen worden, wie ein schwert gestaltet, welcher ein ganzes jahr gegen der stadt über gestanden, und von jedermann ist gesehen worden. Eben in den tagen der ungesäuerten brode, am achten tage des monats april, um neun uhr in der nacht, ist bei dem altar im tempel ein solches hellglänzendes licht erschienen, daß jedermann meinte, es wäre tag. Ein ehernes großes starkes thor am innern tempel, daran zwanzig mann heben mußten, wenn man es aufthun wollte, welches mit starken eisernen riegeln verwahret war, hat sich um die sechste nachtstunde selbst aufgethan. Den ein und zwanzigsten Junii hat man in der luft und an den wolken an vielen orten des Himmels wagen schweben, und sich wie eine große rüstung von reitern und knechten an den wolken zusammenziehen, und mit gepraffel in der nacht schlagen sehen. Vor dem pfingsttage, als die priester inwendig im tempel bereiten wollten, was zum feste gehöret, haben sie ein groß getümmel und gepolter, und hernach eine stimme gehöret, welche gerufen hat: Lasset uns von hinnen wegziehen! Wiewol etliche sagen, das sey geschehen zu der zeit, da der vorhang im tempel unter Christi leiden zerrissen ist. Auch ist ein mensch gewesen, Jesus, genannt Anani, eines gemeinen mannes sohn, welcher, als er zu Jerusalem gekommen war auf das fest der lauberhütten, aus einem besondern geiste geschrieen hat: ein geschrei vom morgen! ein geschrei vom abend! ein geschrei von den vier winden! ein geschrei über ganz Jerusalem und den tempel! eine elende flage über braut und bräutigam! ein gefchrei über alles volk! Und solch klägliches geschrei trieb er tag und nacht nach einander, und lief wüthend in der stadt umher. Und wiewol ihn etliche mit geißeln und ruthen straften, die diese worte als eine böse deutung über die stadt nicht gerne höreten, so hörte er doch nicht auf. Und als man diesen menschen dem landpfleger gebracht, welchen die Römer damals zu Jerusalem hatten, der ihn auch mit geißeln hart bis auf das blut stäupen und peitschen ließ, hat er doch mit keinem worte gnade gebeten, hat auch nicht eine thräne fallen lassen, sondern hat ohne unterlaß überlaut geschrieen: Wehe, wehe dir, o du armes Jerusalem! Albinus, der richter, hat ihn als einen thoren verachtet. Dieser mensch aber ist sieben jahre nach einander nicht viel mit leuten umgegangen, sondern allein gegangen, wie ein mensch, der etwas tief bei sich befinnet oder dichtet, und hat immerdar dieſe worte von sich hören lassen: Wehe, wehe dir, o du armes Jerusalem! und von solchem rufen ist er nicht müde worden. Als aber nun die stadt von den Römern belagert worden, ist er auf den mauern umher gegangen, und hat immer geschrieen: Wehe über den tempel Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. und über das ganze volk! Und zulegt hat er auch eine zeit diese ungewöhnlichen worte dazu gesagt: Wehe auch mir! In dem worte ist er ohngefähr von der feinde geschoß getroffen worden, und also todt geblieben. Diese und andere große zeichen sind vorhergegangen, ehe Jerusalem zerstört worden ist. 64 Nun wollen wir auch von der zerstörung an ihr selbst reden. Da die juden, wie Stephanus faget, als mörder und verräther, den ge= rechten und unschuldigen Christum getödtet hatten, ist es mit dem ganzen jüdischen reiche in allen städten immer ärger geworden. Die hohenpriester huben an, und übten tyrannei wider die andern priester; unter den andern gewaltigen war allerlei haß und neid, und schickte sich alles zur uneinigkeit im regimente, und ließ sich es anfehen, daß eine große änderung und zerrüttung des reichs vorhanden wäre. Aus solchem zwiespalt und haß der gewaltigen unter sich er. huben sich rotten und allerlei zertrennungen: und außerdem trug sich allerlei unglück zu, viel raubens und mordens in und außer der stadt Jerusalem: und schickten sich alle sachen, daß beide regimente des volks, das geistliche und weltliche, in trümmern gehen wollten. Daher geschah es auch, daß der kaiser Nero Cestium Florum in das jüdische land schickte; und als er den juden sehr hart war, und in -pielen dingen seinen geiz, stolz und muthwillen übte, haben ihn die juden verjagt; und als er mit ihnen zu schlagen kam, hat er fünf tausend mann der seinigen verloren. Also wütheteten die juden durch Gottes verhängniß, daß sie sich auch wider die römer septen, und von ihnen abfielen. Als aber der kaiser Nero das erfuhr, schickte er Flavium Vespasianum mit seinem sohne in Syrien. Es ist um diese zeit im ganzen Orient, wie auch Tranquillus schreibet, eine gemeine sage und ein gerücht gewesen, daß eben um diese zeit etliche, so aus Judäa kommen würden, sehr groß und sehr prächtig in aller welt werden sollten. Und wiewol das an dem geistlichen reiche Christi also wahr ward, daß der name Christi durch die predigt des evangelii, welcher aus dem jüdischen stamme geboren ist, in aller welt groß ward, so haben es doch etliche von dem Vespasianus verstanden; die juden aber zogen die weissagung auf sich, und nachdem ihnen etliche schlachten wider die feinde geriethen, wurden fie stolz, machten drei hauptleute, und griffen mit gewalt die stadt Ascalon an; da sind sie in zweien schlachten darnieder gelegt worden, haben, ohne die hauptleute, die umgekommen sind, an die zwanzig tausend mann verloren. Nachdem zog also Vespasianus auf befehl des kaisers in Gali läa, welches ein volkreiches land war, verwüstete und verheerete alles durchaus, und war des mordens, raubens und brennens kein ende; da wurden viele tausend juden, und auf einmal an die funfzig tautend wehrhafte männer erschlagen, ohne weiber, finder, gemeinen pöbel und landvolk. Das kriegsvolk hat da weder alt noch jung ver schonet, nicht der schwangern, nicht der kinder in den wiegen. Sechs tausend junge männer hat Vespasianus auf einmal als leibeigene leute geschickt, an dem Isthmo zu graben in Achaja. Dreißig tausend jüdische kriegsleute sind zu der zeit auf einmal für leibeigene verkaufet. Fünf tausend haben sich aus verzweiflung selbst von hohen felfen herab gestürzt. Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 65 Zu der zeit war ein trefflicher mann, sehr gelehrt, weise und verständig, priesterlichen amtes, unter den juden und der obersten einer im friege mit namen Josephus; als er im ersten schrecken mit etlichen wenigen in eine höhle geflohen, bei der stadt Jotapata, in Galiläa, ward er ergriffen und zu Vespasiano geführet; und als er demselben prophezeite, er würde noch kaiser werden, hat er ihn gnädig erhalten; und derselbe Josephus hat uns geschrieben hinterlassen, was wir von der geschichte wissen. Als dies in Galiläa geschah, ist ein haufe gesammeltes, freches, räuberisches volk gen Jerusalem gekommen, da hat einer der großen Herren, Johannes, zu wege gebracht, daß er durch diese rotte das regiment an sich brächte. Da ist abermals ein heimliches morden, viel räuberei und plünderei zu Jerusalem gewesen, und hat es sich allents halben zum großen unglück geschicket, und ist die arme stadt allenthalben sehr geplaget worden. Es sind um diese zeit etliche hohenpriester erschlagen, und viel blut, auch sogar im tempel vergoffen worden. Josephus schreibet, daß zwölf tausend von den edelsten und besten juden in diesem lärm umgekommen sind, deren güter und häuser man dem pöbel und knechten zu plündern gegeben. Etliche meinen, daß dieses die Römer durch list zugerichtet haben. So war nun damals schon, ehe das rechte wetter sie überfiel, Jerusalem mit dreierlei unglück geplaget, nämlich mit dem kriege der Römer, mit aufruhr und allerlei meuterei in der stadt, und mit den tyrannen, welche sich durch gewalt und lift einer nach dem andern aufwarfen, und ist um der Herrschaft willen viel blut vergoffen worden. Als nun zu derfelbigen zeit die Gadarener sich den Römern widerfeßten, mußte sich Vespasianus eilends aus dem winterlager erheben, und nahm er Gadara, die stadt, ein, und er schlug durch seinen Hauptmann Placidum an die dreißig tausend bürger in die flucht, zwei tausend nahm er gefangen, der andere pöbel und flüchtige haufe stürzte. sich in den Jordan, und ihre todten körper sind im Jordan bis an die see Aspaliten fortgeflossen, welche man das todte meer nennet; darauf sind jenseit des Jordans bis zum Macharon allenthalben alle. juden von den Römern überfallen worden, und im großen schrecken umgekommen. Es war bei dem ausgange des winters im anfange des frühlings, als Vespasianus hörete, daß Nero todt wäre; er lag zu Cäsarea, und machte sich eilends auf. Er hatte alle städte der juden eingenommen, außer etlichen schlöffern, welche einige fremde krieger inne hatten, und hatte allenthalben die städte mit römischem kriegsvolk beseßt, daß er Jerusalem, welches allein übergeblieben war, desto leichter stürmen und einnehmen könnte. Eben damals ist Vespasianus von seinem kriegsvolke zum kaiser aufgeworfen worden; er zog derohalb in Egypten, von dannen wollte er in Italien gehen, und übergab Tito indessen das kriegsvolk wider die juden. * Titus aber, als er kundschaft halber an einige örter nahe bei Jerusalem geritten war, entkam schwerlich, daß er nicht von den juden gefangen ward: darnach schlug er sein lager auf bei Scopas, eine viertelmeile von der stadt, und theilte sein kriegsvolk, um die stadt an mehr denn einem orte zu belagern. Mittler zeit war ein großes und mächtiges volk aus allen städten, von allen orten auf das 66 Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. ofterfest des gottesdienstes halber zu Jerusalem zusammen gekommen. So war auch, wie oben angezeiget worden, zuvor in der stadt viel zu sammengelaufenes volk, welches aus Galiläa vertrieben worden. Es wa ren drei parteien in der stadt, welche die einigkeit und das regiment je länger je mehr zerrissen, wie es zu gehen pflegt. Ein theil hatte den tempel inne, unter denen war Eleazarus der oberste, ein sohn Simonis, mit dem hielten es die Zeloten, ein böses, heuchlerisches volk, das den bürgern sehr feind war. Den untern theil der stadt hatte Johannes inne, welcher ein anfang alles unglücks war. Den obern theil hatte Simon inne mit zwanzig tausend Jdumäern, welche erfordert waren, die stadt vor der Zeloten muthwilligen und grausamen vorneh men zu schüßen: da man derselbigen gäste gerne wieder los gewesen wäre, hat man ihrer nicht los werden können. olladmap Titus, als er nun merkte, daß die stadt Jerusalem mit so unzähligem volke überladen und überhäuft wäre, rüstete und stärkete fich in großer eile, die stadt zu belagern, und eine wagenburg um sie zu schlagen,( wie Christus vorher gesagt hatte) dieweil das volk bei einander wäre, daß sie der hunger desto härter drängete und ängstete. Da das die juden sahen, versuchten sie das äußerste, es zu hindern, zu wehren, und ihnen zuvor zu kommen; aber es war aus mit ihnen, da war kein glück mehr; unser herr Gott wollte das garaus mit ihnen spielen; darum ging ihnen kein rath noch anschlag von statten, da war lauter uneinigkeit. Und ist in dieser zeit in der stadt ein aufruhr entstanden, daß eine große menge volks bei dem tempel erschlagen worden. 1979 150 Die stadt Jerusalem war sehr fest an dem orte, wo man zu der stadt kommen konnte, sie hatte drei mauern, drum rückte das römische kriegsvolt mit ganzer macht hinan, um die stadt zu stürmen: und nach großer arbeit ist die doppelte mauer erstiegen und eingenommen worden. Um dieſelbige zeit ist eine unzählige menge volks hungers gestorben, wie Josephus schreibet. Um einen kleinen bisfen brods haben sich oft die besten freunde gehauen und gestochen, die finder haben den eltern, vater und mutter den kindern oft speise aus dem munde gerissen; da hat sich weder bruder noch schwester des andern erbarmet. Ein scheffel forn hat viele gulden gegolten, etliche haben aus großem hunger kuhmist, etliche die riemen von den satteln, das leder von den schildern und dergleichen abgenagt und gegessen; etliche haben noch heu im munde gehabt, und sind also todt gefunden worden; etliche haben in den heimlichen gemächern gesuchet, sich mit unflat und miſt für den hunger zu erretten, und ist eine solche große menge hungers gestorben, daß Ananias, Eleazari sohn, welcher zu der zeit der belagerung zu Tito geflohen, angezeiget hat, daß hundert und funfzehn tausend todte förper in der stadt gefunden und begraben seyen. Hegesippus schreibet, daß allein zu einer pforte viele tausend leichen hinausgetragen worden, und daß bei sechs hundert tausend menschen, seit der belagerung, todt geblieben sind. istón Die juden hatten noch die burg Antoniam inne, welches eine starke festung war; so hatten sie auch den tempel, von welchem eine brücke in die stadt ging. Diese festung zu erobern, fostete viel mehr arbeit, als alle andern örter. Tito aber, wiewol er gewiß war, daß der hunger endlich die juden in der stadt tilgen und theilen würde, ward doch die zeit zu lang, und hielt an und vermahnte Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 67 das kriegsvolk die festung mit gewalt zu stürmen. Wiewolnun große gefahr dabei war, so gerieth doch den Römern alles, und war kein sieg noch glück bei den juden. Als nun die Römer das schloß inne hatten, gab der trompéter mit der posaune ein zeichen, und wurden die juden, welche in dem schlosse waren, alle erschlagen. Etliche sind von den mauern geworfen worden, etliche sind bei der nacht eilends in die stadt gekommen. Folgendes hat sich das kriegsvolk nunmehr gegen die, so den tempel inne hatten, der sache ernstlich angenommen. no thi 190 Man fagt, Titus sey willens gewesen, den tempel zu verschonen um der religion willen; aber es war aus: Gott schickte es, daß da kein verschonen war. Denn als man lange und heftig gestritten und gearbeitet hatte, und die juden weder mit dräuen und vermahnen zu bewegen gewesen, die festen örter zu übergeben; merkte das friegsvolk, daß ihnen an diesem orte nicht anders als mit Hunger ( welches denn sehr lange dauern würde), oder mit feuer beizukommen wäre. Dannenheros haben etliche kriegsknechte feuer in den tempel geworfen, das ist angegangen, und ist also dieselbige stunde das herrliche, treffliche und kostbare gebäu, welches damals hoch und weit berühmt war, verbrannt und zu asche geworden. Die juden, die den obern ort der stadt inne hatten, sind zum theil in die stadt geflohen; aber viel mehr sind durch das feuer und schwert umgekommen. Die priester haben gebetet und geflehet, daß man ihnen das leben fristen möge: aber da ist gnade bei Gott und den leuten ausgewesen. Titus hat, wie Hegefippus schreibet, geantwortet: So ihr tempel und gottesdienst dahin sey, bedürfe man der priester nicht mehr. Dien verwüstung des tempels ist den zehnten tag des monats Augusti geschehen, gleich auf den tag, da der erste tempel vom könige zu Babylon verbrannt ist, und ist der tag sonderlich ein unglückstag für den tempel gewesen. Von dem ersten tempel und seiner erbauung an, welche Salomo vollführt, bis auf das andere jahr Vespasiani, da der tempel gänzlich verwüstet worden, sind elf hundert und zwei jahr, von der zeit aber, da man den andern tempel wieder angefangen zu bauen, welches geschehen im andern jahre des königs Cyri, sind fünf hundert und neun und sechzig jahr verflossen. DAUN on Da nun die juden so geängstet wurden, und keine Hoffnung der errettung war, starben viele tausend hungers, doch blieben die übrigen auf ihrem vornehmen. Josephus schreibet, daß sich in den tagen, als der tempel verbrannt und verwüstet worden sey, ein schrecklicher und gräulicher fall begeben, welchen man bei den nachkommen kaum glauben wird. Es war eine ehrliche frau, welche reich und von guten geschlechte war, jenseit des Jordans, aus furcht mit den andern gen Jerusalem geflo= Hen; als nun die stadt so hart bedränget und mit hunger geängstiget ward, hat sie ihr kleines kindlein in der wiegen,( mit was für fammer und schmerz, ist wol zu gedenken) geschlachtet, und das halbe theil gebraten und gegessen; als die kriegsknechte umher gelaufen und speise gesucht, hat sie ihnen die andere hälfte vorgesetet, die kriegsknechte aber haben sich vor dem gräulichen anblick entseßet, und sich doch des elenden weibes erbarmet, und die sache den großen herren zu Jerusalem geoffenbaret. thuo amor 2 Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. Dieser schreckliche fall hat sie beweget, daß sie von dem tage an bedacht gewesen, sich zu ergeben, sind mit Tito zu einer unterredung und unterhaltung gekommen; aber dieweil sie zu lange geharret hatten, friede zu machen, und sie um friede und freiheit baten, da sie schon ausgehungert und auf das höchste bedrängt waren, ward nichts daraus, und die stadt ist nur wenige tage noch kümmerlich aufgehalten word und höchfter ist eine menge volks großer angst und höchster noth, wegen des unerträglichen Bungers aus der stadt in das lager, den feinden in die hände gelaufen; da hat man sie sehr wohlfeil verkaufet. Damals haben die kriegsknechte ohngefähr gesehen, daß ein jude aus seinem eigenen miste gulden ge lesen, welche er eingeschluckt gehabt; da ist bald ein gerücht durch das ganze lager unter dem friegsvolke gegangen, die juden, fo heraus in das lager geflohen, hätten gold eingeschluckt;( dennes waren etliche, welche wegen fleißiges besuchen sonst nichts als gold wegbringen, oder vor den soldaten behalten konnten) dies gerücht gab nun ursach, daß von den kriegsknechten, welche gedachten, sie würden bei allen juden gold finden, über zwei tausend juden in einer nacht aufgeschnitten wurden; und ihrer wären noch viel mehr umgekom men, wenn Titus nicht hätte ausrufen und gebieten lassen, daß man i dan misal d die gefangenen nicht tödten sollte. Endlich ist die stadt Jerusalem erobert, und weder jung noch alt verschonet worden; doch hat man ein gebot ausgerufen, daß man aller elenden leute, so zu keiner wehr und widerstand vermögend wären, schonen sollte. Also ist ganz Jerusalem durchaus h von den feinden schrecklich geplündert, angesteckt und verbrannt, der größte theil zerrüttet und verwüstet worden, wenige gebäude sind stehen geblieben, daß man nur etliches römisches kriegsvolk darinnen zur besapung lassen könne. So sind auch etliche einzelne wüste gebäude und thürme übrig geblieben, allein nur öde, zur anzeigung, daß dafelbst eine stadt ehemals gewesen wäre. Und ist also Jerusalem verwüstet und zu gründe verderbet den achten tag des Septembris im fünften monat darnach, als sie zuerst belagert worden. Der gefangenen hat Titus bei siebenzehn tausend, alle junge starke mannspersonen, gen Alexandriam geschickt, um daselbst wie Leibeigene tnechte steine zu tragen, und zu arbeiten. Viele juden hat man wie das vieh gar wohlfeil verkaufet, zwei tausend hat man hin und wieder in die länder durch das ganze römische reich ausgetheilet, daß man sie, wenn man schauspiele gehalten, zum gepränge, von den wilden thieren hat zerreißen lassen. QITE Die menge aller gefangenen, so am leben geblieben, sind an der zahl sieben und neunzig tausend, da doch, als die belagerung angefangen wurde, wol zehn mal hundert taufend in der stadt gewesen sind, welche mehrentheils fremde und nicht bürger, wiewol alle vom jüdischen stamme und geblüt gewesend sind. dne ispin thomm Als nun Titus Jerusalem mit gewalt eingenommen, verbrannt, zerrüttet und verheeret hatte; besetzte er den ort des landes mit etlichen friegsknechten, um der umliegenden länder willen, und rückte bis an den fluß euphrat; denn so weit ging damals das römische reich. Als aber die gewaltige, berühmte und heilige stadt Jerusalem zerstört wor den, hat man gezählet von anbeginn der welt vier tausend und vier und dreißig, vom anfange der stadt Rom acht hundert und drei und zwanzig, nach dem leiden Christi vierzig jahr.dit dus du fort 68 Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 69 Also hat Jerusalem, die allerberühmteste stadt im ganzen morgenlande, wegen ihrev sünden, bosheit und widerspenstigkeit gegen Gott und Jesum, ein elendes und jämmerliches ende genommen. GRE ptum( bisemmit than spatispinsu u ji bili Gon among oldin Morgen- und Abendgebete auf jeden Tag in der Woche. na ustunlop sannd sta 0011 sibsniegsil sid nad Am Sonntage Morgens. sp noding office Nous pro Gott, mein vater! mit freude und dank erscheine ich jetzt vor deinem des du von neuem geschenkt hast, und aller wohlthaten, die ich durch dasselbe von dir erhalten habe. Ich danke dir für den schuß, den du mir in der verwichenen nacht verliehen, für die ruhe, wodurch du meinen leib erquicket, und für den neuen morgen, den du mich haft erleben lassen. Aber dieser neue morgen erinnert mich auf's neue an dasjenige, was ich dir schuldig bin. So oft schon, wenn ich einen neuen tag erlebte, habe ich dir, du herr und vater meines lebens, zugesagt, beffer, weiser und frömmer zu werden; und ob ich gleich in der erfüllung dieser meiner zufage noch immer so nachlässig und unvollkommen geblieben bin; so hast du dennoch nicht aufgehöret, mir, deinem undankbaren kinde, wohlzuthun, und mich durch wohlthaten zu meiner pflicht zurückzuführen. O laß mich den heutigen sonntag, der deinem dienste feierlich gewidmet ist, dazu besonders gebrauchen, daß ich mit ernst anfange, ein wahrer christ zu werden. In den verwichenen wochentagen habe ich mich oft durch meine geschäfte, sorgen und zerstreuungen abhalten laffen, für die heiligung und besserung meiner feele gehörig jorge zu tragen; oft vergaß ich unter den bemühungen nach vergnügen und irdischen vortheilen die seligkeit des himmels, und unter der begierde, menschen zu gefallen, den beifall und die freundschaft Gottes. Desto mehr will ich heute mein gemüth von allem, was mich bisher im guten gehindert hat, abziehen. Mache du mich durch deinen geist tüchtig, dir recht wohlgefällig zu dienen, und dein wort andächtig zu betrachten. Wenn ich in der stille, oder öffentlich in der kirche mit meinen nebenmenschen dich anbete, oder dir und deinem sohne Jesu Christo zu ehren loblieder finge; so präge meiner feele eine lebendige empfindung deiner gegenwart, deiner güte und heiligkeit ein, damit ich mit tieffter ehrfurcht, mit andacht und inbrunft, mit gläubiger zuversicht, mit liebe und verlangen dir zu gefallen finge und bete. Wenn ich die Lehren deines worts betrachte oder verkündigen höre: so mache sie an meinem Herzen kräftig, damit ich dadurch in erkenntniß und glauben befestigt, zur tugend erweckt, gebeffert, gestärkt und getröstet werde. So laß diesen tag für mich ein tag des segens werden, dessen ich mich einst freuen könne, wenn ich zu der versammlung der seligen im himmel gelange. Deinem segen und gnade, barmherziger vater der menschen, empfehle ich auch diesen tag alle meine mitchriften. Erbarme dich der unwissenden und irrenden, und führe sie alle zur erkenntniß deiner wahrheit. Bekehre die lasterhaften, und laß heute viele zur tugend gewonnen werden. Stärke die schwachen im guten. Gieb allen traurigen heute trost und freude für ihr herz, und den kranken erquickung und hoff Morgen- und Abendgebete. nung. Sorge väterlich für alle meinigen, und laß sie und alle meine verwandten und freunde fromme und dir wohlgefällige menschen seyn und bleiben. Sorge auch für mich nach deiner weisen und gnädigen regierung. Du weißt, was ich bedarf, und ich traue dir es zu, du wirst mir um Chrifti willen alles geben, was mir nüßlich ist. Schenke mir nur bei dem wenigen, was ich zu diesem zeitlichen leben nöthig habe, ein zufriedenes herz, ein gutes gewissen, und deiner gnade; dann wird alles, was mir begegnet die versicherung 70 meinem wah 591/39 mism. Jspilisd Am Sonntage Abends. och du sing nism viel du mir an erwiesen! Unter deiner liebevollen aufsicht bin ich heute von so vielen gefahren und leiden befreit geblieben, die so manche meiner nebenmenschen getroffen haben. Du haft mir gesundheit, nahrung und freuden geschenket, und was noch mehr ist, du hast für die bedürfnisse meiner unsterblichen seele gesorgt, und mir aus deinem worte unterricht, erweckung zur tugend und trost geschenket. Für alle dieſe wohlthaten bringe ich dir in dieser abendstunde den demüthigsten und herzlichsten dank. Möchte nur mein leben ein beständiger dank für deine gnadenerweisungen seyn. Allwissender! vor dir ist nichts von allen dem verborgen, was ich heute gutes gedacht, geredet und gethan habe; aber dir ist auch bekannt, worin ich heute gefehlet, worin ich in gedanken, worten und werken gegen dich gefündigt habe. Und wie wenig ist des guten, wie viel hingegen des bösen, woran mich jeßt mein gewissen erinnert! Du gabst mir heute durch die betrachtung und anhörung deines wortes, durch das gebet, das ich öffentlich und zu hause verrichtete, so manche rührung und ermunterung zum guten: aber wie beschämt werde ich, wenn ich bedenke, wie wenig ich dadurch frönner, in der ausübung der tugend williger und sorgfältiger, in der vermeidung meiner lieblingsfehler und der versuchung zum bösen standhafter, in der liebe gegen dich und meinen nächsten vollkommener geworden bin. Verzeihe mir, vater der barmherzigkeit, vergieb mir um Jesu Christi willen alle fehltritte diefes tages, und besonders den leichtsinn, den ich auch heute noch gegen mein ewiges heil, und bei der anwendung der mittel meiner heiligung und besserung bewiesen. Verleihe mir deinen beistand, daß ich von heute an von allen sündenwegen umkehre, und es mir einen ernst seyn laffe, ein rechtschaffener christ in allen stücken zu seyn. So viele abende habe ich mich schon mit schaam und reue um meiner fünde willen dir nahen müssen; o laß mich doch so glücklich werden, daß ich mich den nächsten abend, den ich erlebe, nur lauter gutes erinnern, lauter tugendhafter Handlungen mich freuen kann, die ich durch deine gnade ausgeübt habe. Mit diesem festen entschlusse einer wahren frömmigkeit will ich mich jetzt zu bette legen; hilf du ihn mir, gütiger vater meiner feele, morgen und künftig alle tage zur erfüllung bringen. Deinem allmächtigen schußze übergebe ich mich mit leib und seele. Beschüßze, erquicke und segne mich und alle meine angehörigen und freunde. Auch allen meinen mitchriften und nebenmenfchen erzeige deine väterliche liebe. Jetzt in dieser abendstunde steigen so viele millionen seufzer und lobgesänge, thränen und gebete von glücklichen und unglücklichen, frommen und fündern, kranken und ge funden zu deinem himmel empor: siehe gnädig auf alle und auch auf mich herab, um Jesu Christi willen. Amen. in ren glücke dienen. Amen.pdal Morgen- und Abendgebete. imam sila dun si Am Montage Morgens. ape err, du erhalter meines lebens! jetzt, da ich vom schlafe erwacht gute aufs neue 71 und lebendig. Wie leicht hätte ich in der verwichenen nacht mit so vielen tausenden durch den tod dahin genommen werden können! Aber deinaufsehen hat meinen odem bewahrt und mein leben erhalten. Deine gute ist alle morgen new, und deine treue ist groß. Gelobet fehst du, du liebhaber des Lebens! Mein erster gedanke soll dir geheiliget, mein erstes wort soll ein lobgesang deiner güte seyn. O laß, mein vater und schöpfer! laß diese deine güte, die ich jetzt in diesen augenblicken besinge, mir den ganzen tag über vor augen bleiben. Wie sehr bin ich es dir schuldig, mich dir zum eigenthum zu ergeben, und dich von ganzem Herzen zu lieben! Vom anfange meines Lebens an, bis auf diese stunde hast du mich väterlich geführet, und mich so reichlich gesegnet; durch Jesum Christum hast du mich begnadigt und zum ewigen leben außersehen. Dies alles fordert mich zur aufrichtigen liebe, dankbarkeit und gehorsam gegen dich auf. Und wie könnte ich deines ferneren wohlthuns fähig seyn, wenn ich dabei kalt und fühllos und ungebeffert bliebe! Nein, in dieser morgenstunde gelobe ich dir, mein Gött! ich will aus dankbarkeit gegen dich jede sünde meiden, und alles gute thun, und meinen sinn und wandel so einrichten, daß du durch meine worte und werke gepriesen werdest. Stärke du meine schwachheit, daß ich dies gelübde nie leichtsinnig breche. Du kenneft die verfuchungen und reizungen, die mich auf dieser erde umgeben; verlaß mich nicht, mein Gott, und gieb mir verstand, muth und kraft, jeder fünde zu widerstehen. Laß mir den gedanken stets gegenwärtig seyn, daß ich dein kind, dein erlöster, ein bestimmter erbe deiner himmlischen feligkeit bin, und laß mich daher nichts denken, reden und thun, was dieser meiner erhabenen würde und deinen geboten zuwider ist. Dann wird es mir den ganzen tag über nicht an glück und freude fehlen. Bist du mein gnädiger Gott: so mag mir begegnen, was da will, alles wird mir zum besten dienen. Gefällt es dir, mir vergnügen zu schenken, so werde ich desto fröhlicher seyn können; und komme ich in noth, so kann ich mich damit trösten, daß du mich nicht verlassen wirst. Und so fange ich denn in deinem namen meine berufsgeschäfte mit dieser woche an. Dir befehle ich alles, was ich thun und vornehmen werde; und ich traue dir zu, du wirst alles wohl machen. Herr! segne und behüte uns! Amen. Am Montage Abends. Voll oll freudiger zuversicht erhebe ich jeßt mein herz zu div, du Gott aller gnade. Auch heute hast du mich durch neue erfahrungen überzeugt, wie sehr du mich liebest. Du hast mich vor schmerzlichen leiden bewahret, und mich nicht die verdienten folgen meiner vielfältigen fünden treffen lassen: viele neue und fortgesepte wohlthaten hast du mir erwiesen; noch hast du nicht aufgehört, an meiner feele zu arbeiten und mich durch so viele sanfte wege deiner güte zur dantbarkeit, zur buße und zur tugend zu erwecken. D Gott, laß jetzt in dieser abendstunde das gefühl deiner güte so lebendig in meiner seele seyn, daß ich aus dankbarkeit gegen deine liebe alle meine sünden und abweichungen von deinen geboten schmerzhaft bereue, und den ernstlichen vorsatz faffe, fünftig frömmer und rechtschaffener vor dir zu wandeln. Vergieb mir alle meine verfündigungen und fehltritte Morgen- und Abendgebete. um Jefu meines mittlers willen. Ich bringe dir ein ruhiges und kindliches herz dar, und setze meine zuversicht ganz auf die gnade, die mir in Christo Jesu angeboten ist. In diesem vertrauen auf deine vatergüte, die auch in diesem augenblicke, da ich bete, mir nahe ist, flebe ich dich denn auch jego kindlich an: sey auch in dieser nacht um mich, und behüte mich. Ich weiß, ich schlafe unter deiner aufsicht, und ohne deinen willen kann mir nichts trauriges begegnen. Sey du meines Lebens schuß und kraft, mein licht in der dunkelheit, mein freund in der einsamkeit, und mein beistand in allen nöthen. Erhöre mich und alle die, die in dieser abendstunde zu dir beten. Laß jeden sünder, der noch ungerührt und ungebessert ist, erweckt werden, deine gnade zu suchen. Beruhige durch den trost deines geistes das Herz aller bekümmerten und traurigen. Erquicke auf ihrem lager alle kranken und letz denden, und gieb ihnen freudigkeit, dir zu vertrauen, und deine hülfe mit gelaffenheit zu erwarten. Blicke gnädig o vater, auf alle deine erlösten herab, und nimm dich ihrer bedürfnisse väterlich an. Besonders flehe ich zu dir für alle meine mitchristen, die in dieser nacht sterben werden; gieb ihnen die versicherung, daß sie durch Jesum begnadigt und erben deiner seligkeit sind. Und sollte ich selbst unter der zahl der sterbenden seyn, so laß mich eben diesen trost und zuversicht in meinem tode haben. Doch ist es mir erlaubt, dich um die verlängerung meines lebens anzuflehen: so bitte ich dich, laß diese nacht noch nicht die lette meines Lebens seyn, sondern gieb mir noch länger frist zur buße, und gelegenheit, mich auf ein seliges ende und auf die ewigkeit durch andacht und wahre tugend vorzubereiten Dein bin ich ganz, mein Gott, ich lebe oder sterbe; denn dein bin ich in zeit und eivigkeit. Amen. as atiesound Am Dienstage Morgens. andr Aynami Mit der ganzen inbrunst meiner seele preise ich dich, mein Gott, 72 deiner vaterliebe; und dieser tag, den ich wieder gesund erlebt habe, ist ein neuer beweis deiner unveränderlichen ewig fortwährenden treue. Du bists, der mir durch die erweckung aus dem schlafe mein leben aufs neue geschenkt, mir den gebrauch aller meiner sinne wiedergegeben, mir so viele quellen des vergnügens geöffnet, und mir gelegenheit gegeben hat, das glück meines lebens zu genießen. O möchte ich doch lernen, mein leben nun recht zu genießen! Lehre du mich, mein Gott, die weisheit, es recht anzuwenden. Laß mich es dazu gebrauchen, mich in jeder frommen gefinnung immer mehr zu befeftigen, deine ehre durch alles, was ich denke, rede und thue, zu befördern, die geschäfte meines berufs und standes gewissenhaft abzu warten, meinen nächsten willig und aufrichtig zu dienen, um mich auf den himmel durch tugend und gottseligkeit vorzubereiten. Es sey genug, daß ich einen großen theil meiner lebenszeit verschwendet oder wider deine absicht gebraucht habe. Laß mich heute den anfang machen, für mich und meinen erlöser, für meinen unsterblichen geist, und für die beförderung meines wahren heils zu leben; und stärke mich zu dem ende täglich mehr in dem abscheu gegen die fünde, und in der ausübung alles guten. Und so überlasse ich dir, mein Gott, und deiner weisheit und güte alle meine irdischen schicksale. Dir es ganz beimgestellt, was und wie viel du mir von zeitlichem glücké zutheilen willst. Gefällt es dir, mich an diesem tage einige leiden empfinden zu laffen, Herr! so geschehe dein wille! Ich bin gewiß, T Morgen- und Abendgebete. auch die leiden werden zur beförderung meines seelenheils dienen. Haft du mir aber auf diesen tag frohe stunden bestimmt, so verleihe mir gnade, daß ich dich im glücke nicht aus den augen sege, sondern vielmehr dadurch zu desto innigerer liebe und dankbarkeit gegen dich, zu desto gewissenhafterer demuth und tugend, zu desto aufrichtigerer liebe und dienstfertigkeit gegen meine nebenmenschen erweckt werde. Doch dieser tag mag für mein zeitliches leben glücklich oder unglücklich seyn; so will ich immer zufrieden seyn, wenn ich ihn nur nicht vergeblich zu bringe. Und diese wohlthat erbitte ich auch von dir für alle meine nebenchristen. Bessere du alle sünder; stärke und befestige alle frommen im guten. Deine gnade leite insonderheit meine anverwandten und freunde. Stärke und segne sie und mich zum ewigen leben, durch Jesum Christum. Amen.lle spel Qend industning tira D u o ewiger, unveränderlicher Gott! du allein bist meine zuflucht für und für. Außer dir ist alles auf der erde veränderlich, flüchtig und hinfällig. Auch beute habe ich den wechsel und die flüchtigkeit der menschlichen dinge erfahren. Wie schnell ist dieser tag vergangen! und unter welchen veränderungen ist er vergangen! So viele, die am morgen gefund waren, sind frank geworden; so viele, die sich glücklich priefen, hat eine einzige stunde elend, arm und hilflos gemacht; und manche, die heute früh noch lebten, sind schon todt. Ich selbst, mein Gott, ob ich gleich durch deine. gnade noch lebe und gesund, froh und ruhig bin, habe heute manche veränderung erfahren; und wer weiß, was mir noch fünftig, was mir selbst diese nacht bevorsteht. Wie leicht, wie bald, wie unerwartet, kann ich schwach und frank, arm, elend und traurig werden, oder gar sterben! Auf dich, mein gnädiger und in Jesu Christo versöhnter vater, und auf deine unwandelbare mächtige, weise und gütige vorsehung, will ich unter der vorstellung alles dessen, was mir auch diese nacht begegnen könnte, meine findliche mich allein beruhigende zuversicht seßen. Ich habe es bisher in dem ganzen laufe meines lebens und auch diesen tag erfahren, wie unveränderlich treu und gütig du gegen mich gefinnet bist. So wenig ich es bei meinem undank und fünden verdiente, so hast du dennoch nicht aufgehöret, mir wohlzuthun. Denn, mein Gott und vater! ich muß es vor deinem angesichte bekennen, daß ich oftmals treulos gegen dich gehandelt habe. So oft, und noch an dem heutigen morgen, versprach ich dir besserung, gehorsam und liebe: aber wie oft habe ich in dem geräusche dieses lebens, in den zerstreuungen meines berufs, in dem umgänge mit andern menschen, meine pflichten vergessen und aus den augen gesetzt; o Gott! verzeihe mir meine undankbarkeit, und vergilt mir nicht nach meiner missethat. Mache du in diesem augenblicke durch deine liebe, die so unveränderlich über mich waltet, einen so starken eindruck auf meine feele, daß ich künftig allen leichtsinn und wankelmuth ablege, und dir von ganzem Herzen und mit unwandelbarer treue ergeben seyn möge. Ich übergebe mich jetzt, da ich mich zur ruhe lege, ganz deiner vater= aufsicht. Bewahre mich in dieser nacht vor allem, was meine ruhe stören kann. Eaß meine erschöpften kräfte durch den schlaf wieder gestärkt werden. Beschüße und segne die lieben meinigen und alle deine menschen, und laß alle, die an diesem abend zu dir beten, gnade vor dir finden. Dir sey lob und preis gesagt, durch Jesum Christum. Amen. silid nid dus nunciuso res misd siin, junt Am Dienstage Abends. 8rsonas no biathy and 73 Morgen- und Abendgebete. Am Mittwoch Morgens. int thi and put itt din guthi dir & wiger, allmächtiger und allgütiger Gott, du schöpfer und vater aller creaturen! ich nahe mich deinem throne mit den empfindungen eines demüthigen und dankerfüllten herzens. Unendlich mehr, als irdische väter an ihren findern thun, hast du an mir gethan, und du kannst mit recht von mir fordern, daß ich dich über alles liebe, und die von ganzem Herzen vertraue. Bis diese stunde hast du mich an feele und leib erhalten, vor gefahren geschüßt, in leiden gestärkt, mir nahrung und freuden geschenkt; durch die taufe hast du mich zum unterthan deines seligen reiches aufgenommen, mich durch Jesum den weg zum himmel lehren und dazu erlösen lassen, und durch deinen geist erwedest du mich immer mehr zum guten. O flöße du( denn durch mich selbft kann ich nichts), flöße du selbst meiner seele die empfindungen der ehrfurcht, der dankbarkeit und liebe gegen dich ein. Gieb, daß ich deine eigenschaften, die du an allen deinen geschöpfen und auch an mir so sichtbar geoffenbaret hast, recht erkenne, und auch alles, was ich kann, dazu beitrage, daß andere dich besser erkennen, lieben und verehren lernen. Laß das andenken an deine allgegenwart mir diesen ganzen tag über lebendig und gegenwärtig seyn, damit ich mich scheue, nicht zu fündigen, und mich bestrebe, dir durch willigen gehorsam und heiligen wandel zu gefallen, und deiner himmlischen seligkeit, wozu du mich durch Jesum bestimmt hast, fähig zu werden. Du kennst mein unvermögen und die schwachheit meiner kräfte; du weißt, wie viele ver. suchungen auch heute meine tugend umgeben. Wie gefährlich kann die welt, in die ich heute aufs neue trete, für mein herz werden! wie leicht kann dies mein so eitles Herz durch den reiz des irdischen zum stolze, zur wollust, zur gottesvergessenheit verführet werden! wie leicht können die exempel der leichtsinnigen und lasterhaften mich von dir abziehen! wie leicht die leiden und unglück diefes Lebens mich zum mißtrauen gegen deine vorsehung und zur ungeduld verleiten! Stärke du, o Gott! meinen glauben; befestige meinen trieb, dir zu gefallen; und mehre in mir die gewissenhafte bestrebung, nicht den verderbten begierden meines herzens, nicht den thörichten und sündlichen beispielen der welt, sondern dem exempel Jesu und seinen heiligen geboten bei allem, was ich denke, rede und thue, zu folgen. Und weil ich dich täglich durch meine fünden beleidige; so vergieb mir um Jesu Christi willen alle meine übertretungen, und befreie mich von den strafen, die ich damit verdient habe. Laß mich auch bereit seyn, allen denen zu vergeben, die mich beleidigen, und meine liebe gegen alle meine nebenmenschen und mitchriften immer stärker und thätiger werden. Und so überlaffe ich deiner weisheit und güte alle meine irdischen bedürfnisse. Gieb mir auf jeden tag mein brod, und alles, was mir und den meinigen zum unterhalte dieses Lebens nöthig ist: aber gieb mir auch ein weises herz, deine gabe recht zu gebrauchen, damit ich nicht färglich geize, noch kleinmüthig sorge. Segne meine arbeit und geschäfte. Ist es deiner weisheit und meiner wahren wohlfahrt gemäß, so wende traurige zufälle und empfindliche leiden von mir und den meinigen ab. Ist es aber dein wille, mich durch leiden zu prüfen, so hilf sie mir tragen, und gieb mir geduld und unterwerfung unter deinen willen. Laß mich unter allen umständen meines Lebens deiner vatergüte ver trauen, und bei allen meinen schicksalen und beschäftigungen hauptsäch lich für mein ewiges wohl besorgt seyn. Amen. singstokes nism 74 75 Morgen- und Abendgebete. Am Mittwoch Abends. uch diefen tag habe ich, allgütiger Gott! unter deinem ſchuße und du gutes ſo manche noth und gefahr von mir abgewandt; mich vor vielen ſünden, die ich hätte leicht begehen können, gnädig behütet; mir zur ausrichtung meiner arbeiten gesundheit und kräfte, zur erhaltung meines Lebens meine bedürfnisse verliehen. Dank, innigster dank erfüllt mein herz, o Gott, für deine gute. Auch mein ganzer wandel sollte zugleich ein beständiger dank für diese deine güte seyn; und noch heute habe ich dir dies in meinem morgengebete zugesagt. Aber wie beschämt muß ich vor deinem angesicht über meine treulosigkeit werden, wenn ich mein heutiges verhalten untersuche! wie wenig kann ich sagen, daß ich heute dich, mein Gott, bei allem, was ich dachte, redete und that, vor augen gehabt! daß ich dich über alles geliebt, deinen willen mit freuden erfüllet, und aus findlicher ehre furcht gegen dich alles böse vermieden! daß ich allen reizungen zur eitelkeit, zum stolze, zum zorne, zur wolluft sorgfältig widerstanden, immer auf meine eigene besserung allen mir möglichen fleiß verwandt, meine schuldigkeit treu erfüllet! daß ich keinen menschen durch härte und unbilligkeit gefränkt, sondern vielmehr meine zeit, meine güter, meine fähigkeiten und kräfte zu deiner ehre und zum besten meiner nebenmenschen angewandt habe! Und wenn du, allmächtiger! nun diefe nacht meine seele von mir fordertest, wie wenig wäre ich noch immer im stande, freudig zu sterben, und mich einer seligen ewigkeit zu getrösten! Gott! ich empfinde mit reue und schmerzen, daß ich täglich fündige, und mich dadurch längst deiner gnade unwerth ge macht habe. Vergieb mir, um Jesu meines mittlers willen, alle fünden diefes tages; vergieb mir auch meine verborgenen und unerkannten fehler. Ich will mich hüten, daß ich nicht wieder gegen dich fündige. Stärke du mich selbst durch deinen geist in diesem guten vorfaße, und gieb mir kraft, ihn so treu auszuführen, daß ich morgen frömmer als heute seyn, daß ich künftig täglich in allem guten zunehmen, und jeden abend zum tode vorbereitet und zum himmel reif seyn möge. Laß diese nacht für mich eine ruhige nacht seyn, und mich durch einen sanften und erquickenden schlaf zu den geschäften des morgenden tages gestärkt werden. Beschüße mich und die meinigen vor aller gefahr und übel, und nimm dich aller elenden und nothleidenden, aller franken und sterbenden, auch aller fünder und unbekehrten, väterlich an. Erhöre mich um Jesu Christi willen. Amen. Kadan mdsprac Am Donnerstage Morgens. So roß, unendlich groß ist deine güte, treuer und gnädiger Gott, gegen deine menschen! Auch mir fagt es jeder morgen und jeder abend, wie erbarmungsvoll und väterlich du gegen mich gesinnest biſt. Unter den vielen millionen deiner geschöpfe haft du mich nicht aus der acht gelassen, sondern mich durch deine allmacht und güte gel schüßet und gesegnet. Mit erneuertem leben bin ich jetzt von meinem lager aufgestanden; meine empfindungen, meine kräfte und fähigkei ten sind aufs neue in mir erwacht, und ich bin dadurch wieder in den stand gesetzt, die schönheit deiner welt und mein leben zu genießen. Dies muß mich also aufs neuer zu meinen pflichten ermuntern. Ja mit diesem morgen muß und will ich mich dir, mein Gott und mein erlöser, aufs neue zum eigenthume ergeben, mit neuem eifer 76 Morgen- und Abendgebete. will ich auf dem wege deiner gebote wandeln, neue fromme vorsätze auf mein fünftiges leben faffen, und neue treuen in deinem dienſte beweisen. Ich will in dem stande und in den umständen, worin du mich gefeßt haft mit neuer redlichkeit für deine ehre und das beste meiner nebenmenschenthätig seyn, und meine kräfte und fähigkeiten, meine glücksgüter und arbeiten zu diesem zwecke gewissenhaft und willig anwenden. Aber, mein Gott, mitten unter diesen erneuerten vorsätzen werden mich auch neue versuchungen und anlässe zur fünde umgeben: ich mag noch so entschloffen zum guten seyn, ich mag noch so gute rührungen in meiner feele bei dieser meiner stillen morgenandacht haben: so können doch diese guten entschließungen unter den zerstreuungen und forgen meines berufs, durch die verbindungen, worin ich mit andern menschen stehe, durch unerwartete begegnungen und vorfälle, leicht wieder in mir geschwächt werden und verschwinden. Gott, unterstüße du mich durch deinen beistand, daß ich bei keiner gelegenheit sünde begehe und deine gnade verliere. Laß die erinnerung an deine allgegenwart stets einen fo lebendigen eindruck auf mein herz machen, daß ich mich scheue, auch felbst im verborgenen nichts böfes zu thun; und gieb, daß jeder gedanke meiner seele, jede empfindung und netgung meines Herzens auf frömmigkeit, tugend und menschenliebe ges richtet sey. Und so will ich denn diesen tag ohne ängstliche sorgen und bekümmernisse anfangen, und freudig an meine arbeit gehen. Ich will deiner weisen regierung, du vater meiner seele! das ganze glück meines lebens mit kindlicher zuversicht überlaffen. So viele tage haft du schon väterlich für mich geforget, und mich aus so mancher noth herausgeriffen; ich traue es dir, der du mich durch Jefum Chriftum zur ewigen seligkeit erlöfet hast, dir und deiner vatergüte traue ich es zu, du wirst auch diesen tag mit mir seyn, mich behüten, versorgen und segnen, und alle meine irdischen angelegenheiten so ordnen und leiten, daß mein wahres zeitliches und ewiges glück dadurch befördert wird. Dies bitte ich von dir für mich, für die meinigen und für alle menschen, um Jesu Christi willen. Amen. niste ndol tim Am Donnerstage Abends. err, unendlich gütiger Gott! unter so vielen tagen, die ich schon in meinem leben zurückgelegt habe, ist noch kein einziger ver strichen, an welchem du mir nicht unzählig viel gutes gethan, mich väterlich geleitet, vor vielem bösen bewahret, und mit geistlichen und leiblichen wohlthaten begnadigt haft. Auch für die güte des heutigen tages muß ich dich in dieser abendstunde preisen. Ich rief dich an dem heutigen morgen um die erhaltung meines Lebens, um schutz in gefahren, um fegen zu meinen arbeiten, um die regierung deines guten geistes an: und du hast mein gebet erhöret, ja noch mehr gethan, als warum ich dich bat. Wie ruhig könnte jetzt mein herz, wie freudig mein dank, wie sanft und erquickend mein schlaf seyn, wenn ich mich bei dem genuffe deiner wohlthaten keiner verfündigung schuldig gemacht hätte; aber mein Gott, auch dieser tag ist von mir nicht ohne viele fünden durchlebt worden. Wie viele fehler habe ich heute begangen, zu welchen ich schon durch mein temperament, durch meine lieblingsneigungen, durch mein alter und lebensart, oder auch durch den umgang mit andern menschen verleitet worden bin! Wie viel gutes hätte ich denken, reden und thun können, wenn ich Die gelegenheiten und ermunterungen, die du mir dazu geschenkt, Morgen- und Abendgebete. sorgfältig hätte gebrauchen wollen! Wie viel habe ich unterlaffen, wodurch ich dich mein Gott, verherrlichen, wodurch ich meinen näch sten erbauen und ihm aufhelfen, wodurch ich mich selbst hätte beffer und glücklicher machen können! Wie vieles hingegen habe ich wol gethan, wodurch deiner ehre geschadet, wodurch mein mitchrist geärgert oder gefränkt und meine tugend befleckt oder gehindert ist! Ver zeihe mir, barmherziger vater, um deines sohnes Jesu Christi mei nes mittlers willen, alles, was ich gutes versäumt und böses gethan habe; undanflöße mir noch diesen abend durch die erinnerung an deine strafgerechtigkeit, durch die unruhe, die jetzt den frieden meines ge müths störet, durch den gedanken an den tod, gericht und ewigkeit, durch die erwägung des leidens meines erlösers, das er um meinet willen erduldet hat, den stärksten abschen gegen alle sünde und die innigstenliebe zu allem guten ein. Mache mich durch deine gnade endlich so glücklich, daß ich nach so vielen tagen, die ich mit reue beschloffen habe, einen abend erleben möge, an welchem ich mich bloß des durch deinen beistand vollbrachten guten freuen könne. Mit die sen gesinnungen will ich mich jetzt zur ruhe legen. Laß du mich unter deiner aufsicht diese nacht sanft und sicher schlafen. gnade und hülfe bei mir und allen, die ich liebe hören. Behüte uns vor, schrecken und schaden. Wehre der bosheit der menschen, die schaden und böses thun wollen, und bekehre sie. Tröste alle weinenden, und erbarme dich aller, die jest um hülfe zu dir rufen. Herr Jesu, dir lebe ich; herr Jesu, dir sterbe ich! dein bin ich todt und lebendig. Amen. multird Bleibe mit deiner und die mir ange ibu Am Freitage Morgens. ndem ich mich, mein Gott, in dieser morgenstunde durch mein tbilisipe nach!#d peupted ge 77 tages ermuntern will; so kann nichts mein träges herz so sehr zur andacht beleben, nichts meine liebe zu dir und meinen miterlösten so kräftig anzünden, nichts meinen eifer zur tugend und frömmigkeit so nachdrücklich stärken, als die betrachtung der unendlichen gnade, wo mit du mich in Jesu Christo gesegnet hast. Deinen einigen sohn, mein vater und schöpfer, hast du für mich h gegeben und mir in ihm die mittel zu meiner bekehrung und befferung, zu meiner begnadigung und seligkeit geschenkt. Für mich, für mich bist du gestorben, ewiger sohn Gottes Nun kann ich mit jedem neuen morgen der vaterliebe Gottes versichert seyn, und mit fester zuversicht erwarten, daß er mir alle meine fünden, wenn ich sie ernstlich verabscheue und meide, gnädig vergeben; daß er auch bei den fehltritten, die ich vielleicht heute begehen möchte, mich mit geduld und schonung tragen; daß er auch heute und fünftig für meine leiblichen bedürfnisse sorgen; mich bei allen widerwärtigkeiten, die mich etwa treffen möchten, unterstüßen und aufrichten und mir selbst im tode gnädig seyn werde. Was kann mich unglücklich machen? was kann mich verdammen? Christus ist hie, der für mich gestorben ist! O laß mich, erbarmungsvoller Gott! laß mich diesen tag und mein ganzes leben hindurch daran denken, was für verbindlichkeiten du mir durch diese liebe auferlegt hast. Bei jeder versuchung und reizung zur sünde, bei jeder gelegenheit, wo die lüfte der welt, wo sündliche vergnügen mir gefährlich werden könnten, da präge mir die erinnerung an die lehren, das leben und die leiden Jefu Chrifti, haß und abschen gegen die fünde und liebe zur tugend ein. Dlaß mich, mein mittler und erlöser, in allem nach deinem beispiele Morgen und Abengebete. handeln. Laß mich, wie du, dem willen meines vaters mit aller treue gehorsam seyn, und mich allein seinen fügungen in stiller gelassenheit unterwerfen. Laß mich, wie du gethan haft, für andre leben, und, wo ich nur gelegenheit finde, das beste meiner nebenmenschen befördern, der elenden und verlaßnen fürsprecher, und beistand, der irrenden führer und warner, der schwachen aufmunterung und trost seyn; laß mich), so wie du, frente daran finden, überall gutes zu thun. Sollte mein himmlischer vater mir, zur rettung und besserung meiner feele, kreuz und züchtigung auflegen; so laß miche eben so willig, wie du, tragen, und es zu meinem heil anwenden. Und ſollte endlich heute der tag meines todes sein: so laß mich mit gutem gewissen und tim imposin glauben an dich selig sterben, und zu dir in den himmel eingehen. Amen. pictuos anir tisp sigilopina pid misd omv follow us agis Haim lang 106 10 Am Freitage Abends. Top 30 316( OND 78 sisid ud i T no buletin Daß ich an diesem abend noch lebe; daß ich bis dieſe stunde geſund und munter bin daß ich heute fräfte und fähigkeiten gehabt habe mich in meinem berufe geschäftig zu erweisen; daß viel unglück und gefahren von mir abgewandt sind; daß ich meinen unterhalt gehabt, und so maunigfaltige wohlthaten zu meiner nothdurft, bequemlichkeit und vergnügen genossen habe dies alles danke ich dir, dodberr unduvater meines lebens und habe ich heute in einiger hinsicht meinem christenberufe eine genüge gethan; habe ich nur eine gute that verrichtet, oder nur eine jünde vermieden; ſo ist dies bloß dein werk, mein Gott, wofür ich dich mit innigst gerührter seele preiſe. Aber wie wie wenig ist leider des guten, die mir gethan habe! und wie weit mehr gutes hätte ich thun können, wenn ich verliehenen gelegenheiten, fräfte und ermunterungen gewissenhaft gebraucht und nicht durch trägheit und leichtsiun versäumet hätte. Wie viele verjündigungen in gedanken, worten und werfen hätte ich heute vermeiden können, wenn ich dich beständig vor augen gehabt, wenn ich über mein herz und begierden sorgfältiger gewacht und vorsichtiger gehandelt, wenn ich den re gungen deines geistes nicht so oft widerstrebt, und deine großen wohlthaten, wodurch du mich zur buße und frommen leben leiten wolltest, nicht größtentheils umsonst ge nossen hätte. Gerechter Gott, handle nicht mit mir nach meinen fünden, und ver: gilt mir nicht nach meinen missethaten! um meines erlösers und fürsprechers willen, in welchem du den fündern gnade und vergebung verheißen hast, siehe auch mich mit erbarmung au, und laß alles, was ich gutes unterlassen und böses gethan habe, aus: gelöscht und vergeben sein. Stärke mich, daß ich künftig alles böse meiden, und aus liebe zu dir alles gute thun möge. Und je länger du mich leben läsfeſt, desto mehr schwachheiten und fehler laß mich täglich ablegen, desto treuer in deinem dienste, desto fertiger in allem guten, desto gegründeter in der Hoffnung des ewigen lebens werden. In dem vertrauen auf deine güte, mein vater, lege ich mich jetzt zum schlafe nieder. Nichts soll mich beunruhigen; denn in dir finde ich alles, was mich erfreuen und auf zeit und ewigkeit glücklich machen kann. Wache du auch über die lieben meinigen, und über alle meine freunde und verwandten in der nähe und ferne. Deine guade umfaſſe alle, die dich fürchten. Allen fündern, die jest noch mit der vollbringung des bösen beschäftigt sind, oder in ihren jünden einschlafen wollen, rühre ihr gewissen, daß sie über ihrem verderben erzittern, und zu dir um gnade rufen mögen. Breite deine gute über unser ganzes vaterland aus, und laß sie mit dem anbrechenden morgen wieder über uns neu werden. Amen. Am Sonnabend Morgens. treuer dem tage den deine gnade erlebt habe, fomme ich mit meinem danke und flehen zu dir. Du hast mein morgengebet, welches ich mit dem anfange eines jeden tages zu dir verrichtete, nicht verschmähet, nimm es auch heute gnädig an, und laß dir mein demüthiges herz um Christi willen wohlgefallen. In diesem augenblicke werden mir alle die vielen wohlthaten, die du mir in der vergangenen woche und in der ganzen zeit meines lebens erwiesen hast, recht lebhaft gegenwärtig. D verleihe mir die guade, daß ich dich dafür nicht bloß mit meinen lippen preise, sondern vielmehr durch meine gesinnungen und wandel an den tag lege, wie gerührt ich über deine unermüdete güte bin. Ja, mein Gott! die erinnerung des vielen guten, das du an mir gethan haft, soll mir ein mächtiger antrieb sein, dich desto inniger zu lieben und dir desto williger zu gehorchen. Die stärkung, die du mir durch einen gesunden und ruhigen schlaf geschenkt baft, will ich anwenden, alle geschäfte meines standes und berufs desto gewissenhafter und unvers drosfener zu verrichten. Das andenken an deine bewährende und erhaltende güte, die ich in so vielen nächten erfahren, soll mich ermuntern, dir gänzlich zu vertrauen, und dir alle meine schictiale und begegnungen desto zuversichtlicher zu empfehlen. So, mein Gott, will ich den ganzen tag, ſo will ich nunmehr alle tage mich dankbar gegen dich beweisen, die rührung, die ich jetzt über deine güte empfinde, müsse mich) nie ver lassen, sondern mich vielmehr immer beleben und stärken, dich durch alles, was ich Morgen- und Abendgebete. rede und thue, zu verehren und zu preisen. Da ich aber ein so schwaches und sündliches geschöpf bin, so bitte ich dich flebentlich, besire du durch deinen geist mein verderbtes und zur sünde geneigtes berz. Bewabre mich, daß ich nie durch leichtsinnige übertre: tung auch nur eines deiner gefeße, durch vorsäßliche versäumung auch nur einer meiner pflichten, die treulos werde. Mache mich stark, allen versuchungen zum bösen zu wider: stehen. Laß mich oft und lebhaft an dich, an deine gebote, an meinen tod, an dein künftiges gericht und an meine legte rechenschaft gedenken; und insonderheit mich beständig erinnern, wie theuer ich durch Jejum erkauft bin, damit ich stets tugendbaft und unschuldig lebe und deiner gnade versichert bleibe. Wie ruhig und zufrieden werde ich alsdann diesen tag seyn können; wie freudig meine arbeiten verrichten; wie froh und heiter die vergnügen, die du mir gönnen wirst, genießen; wie getroft und geduldig mich verbeißen, du wollest es den frommen wohl gehen lassen: Auch an mir wirst du diese verheißung erfüllen, wenn ich aufrichtig auf dem wege der tugend wandle. Herr, lehre mich thun nach deinem wohlgefallen, und dein guter geist fübre mich auf ebener bahn! Erhalte mein herz standhaft, daß ich deinen namen fürchte. Diese gnade erzeige auch allen meinen mitchristen. Sey unserm vaterlande, sey unserm fürsten und seinem bauſe und unterthanen, seo boben und niedrigen, reichen und armen, gesunden und kranken, glücklichen und unglücklichen sey allen bewohnern des erdbodens gnädig. Sen auchy den meinigen und meinen freunden, und auch mir gnädig, um Jesu Amen. sliding Aquini in bid this 21942 sig den sng andis Halisduspsing usus Christi willen. tad, yold Bard SHE SI 75415 Am Sonnabend Abends. sos Mit welcher freudigkeit und zuversicht könnte ich mich jetzt, mein gütiger Gott und zu wenn mir das zengniß gäbe, daß ich diese woche hindurch als dein dankbares und gehoriames find vor dir gewandelt hätte. Aber so muß ich mich freilich vor dir schämen und bekennen, daß ich so oft gegen dich gefündigt, und deinem willen zuwider gehandelt, und mich gemacht habe. Wie gleich: gültig war ich oft gegen deine wohlthaten, wie widerspenstig gegen deine lockungen zum guten, wie verkehrt in meinen begierden; wie sorglos für mein seelenheil; wie wenig freu und gewissenhaft selbst in der ausrichtung meiner berufsgeschäfte; wie träge und unwillig, meinen nebenmenschen dienste und liebe zu erweisen! Gott, ich rufe zu dir um vergebung meiner fünden, und fasse aufs neue den vorfaß, mich dir ganz zu er geben. Sei mir gnädig um Jesu Christi willen, der auch für mich gelitten und mich dir versöhnet hat. Laß die sünden dieser woche nicht einst in deinem gerichte zu meiner verdammniß gegen mich zeugen. Laß mich jetzt mit der tröftenden versicherung zu bette gehen, daß du mich um deines sohnes willen nicht von deiner väterlichen liebe und erbarmung ausschließen wollest. Diese deine vatergüte ist ja in dieser woche, sowie in meinem leben täglich neu über mir gewesen. So wenig ich es auch bei meinem undank und bei meinen vielen sünden verdienet; so bist du doch des erbarmens nicht müde geworden. Ja, mein Gott, mein in Jesu versöhnter vater! ich preise dich, daß du nicht aufgehöret hast, mir auf meinen irrwegen, bei meinen fehlern, lastern und schwachheiten mit liebevoller gesinnung nachzugehen und mir tansendfache Ermunterungen zur besserung zu geben. Ich preise dich für deine erhaltung, wodurch du mir von einem tage zum andern, von einem augenblicke zum andern, nenes leben und neue kräfte mitgetheilt hast. Ich preise dich für deine erhaltung, wodurch du mir von einem tage zum andern, von einem augenblicke zum andern, neues leben und neue kräfte mit: getheilet hast. Ich preise dich für die speisen, die mich nähren und stärken; für die wohnung, die mich schüßt, für die kleidung, die mich bedeckt; für die fähigkeiten und fräfte, die du mir zu meinem berufe schenfest, für so viele freuden, die bisher mein leben versüßt haben; für jeden persönlichen und häuslichen segen, womit du mich überschüttet haſt. Für jeden guten gedanken, für jede fromme rührung, für jeden heiligen vorsag, für jede regung der menschenliebe, die du in meiner seele durch deinen geist gewirket haft; für jeden trost, den du mir im fummer und leiden verlieben: für deine noch immer fortwährende geduld, langmuth und verschonende güte, vreise und erhebe ich dich, mein Gott! Aus dankbarkeit gegen dich will ich alles gute, das du an mir gethan haft, dazu anwenden, dich immer besser zu erkennen und aufrichtiger zu lieben. Stärke mich in dem entschlusse, und verleihe mir fraft, ibn anszuführen. Deiner weisen und väterlichen regierung übergebe ich auf die ganze zukunft alle meine mängel, bedürfnisse, wünsche und schicksale. Auch in der bevorstehenden nacht kann ich unter deiner aufsicht sicher und ruhig schlafen. Sey dù bei mir, damit fein unfall sich mir nahe, und keine gefahr mich erschrecke. Laß deinen segen nicht von unserm lande weichen. Vergieb allen einwohnern ihre sünden, und laß weisheit und tugend immer mehr unter uns ausgebreitet werden. Tröste in dieser abendstunde alle leidende und bekümmerte; erquicke alle franke; sorge für alle dürftige; erbarme dich aller sünder; und laß alle, die vielleicht in diese nacht sterben werden um Jesu Christi willen barm: herzigkeit vor dir finden. Amen. 581307 79 Morgen- und Abendgebete. Abendgesänge. Mel. O Gott, du frommer Gott. Mei ein Gott, auch dieser tag( diese woch) Ist jetzt durch dich verfloffen. Auch heut hab ich von dir Viel vaterhuld genossen. Erfüllt mit dankbarkeit, Bet ich dich find: lich an, Und rühme laut, der Herr Hat viel an mir gethan. 2. Wer sonst, als du, mein Gott, hat mir gedeihn und leben, Gesundheit, unterhalt, und freud und fraft gegeben? Wer war es sonst als du, Der mir in der gefahr, Die mir verborgen blieb, Mit hülfe nahe war? 80 3. Herr, du erforschest mich; Dir tann ich nichts verhehlen: Du siehest jede that, Du kennst den rath der seelen; Du weißt es, ach auch heut Vergaß ich meiner pflicht, Und that, was du befiehlst, Von ganzem Herzen nicht. 4. Mit reue dent' ich jetzt Der menge meiner fünden. An dir, Gott, fündigt. ich! Laß mich erbarmung finden. Gedente nicht der schuld, Der oft versäumten pflicht! Berwirf mich armen nicht von deinem angesicht. 5. Allwiffender, wer fann, Wie oft er fehlet, merken? Sey gnädig, handle nicht Mit mir nach meinen werken. Vergilt mir fünder nicht Nach meiner missethat! Sieh Jesum an, der mich Mit dir versöhnet hat. 6. Getroft leg ich mich nun, Von sorg und arbeit müde, Und schlummre ruhig ein. Sterb' ich, so laß in friede Mich selig sterben, Gott, und führe meinen geist In deinen himmel ein, Wo er dich ewig preist. Mel. Der lieben sonne licht und pracht. da der tag da die sternenvolle nacht Von deiner allmacht zenget. Dich, herr, lobt jeder stern, Und ruft: auf! lobt den herrn! Erheb dich, feele! lob erfreut Den herrn des himmels und der zeit. 2. Wie groß, wie unermeßlich ist, Weltschöpfer, deine stärke! Daß du der allerhöchste bist, Sagt jedes deiner werke. Mit göttlich weiser macht Regierst du tag und nacht; Das, was du schufst, thut dein gebot, und dienet dir, herr zebaoth. 3. Was bin ich ewiger! vor dir, Daß du mich ewig liebest? Womit verdien' ichs, daß du mir So viele gaben giebest? Herr, deine gnad ist groß, Reiß, seele, reiß dich los Vom eiteln, was dein herz beschwert; Gott, Gott allein ist lie: benswerth. 4. Mir ward der tag, der jetzt vergeht, Durch dich zum gnadentage. Dein arm, dem niemand widersteht, Beschüßte mich vor plage. Du gabst mir, was ich bat, Bei allem, was ich that, Ward mir durch glück und segen klar, Daß Gott mein freund und helfer war. 5. Ach! fordre mich nicht ins gericht, Gott, bei des tages schlusse! Verschmäh mein abendopfer nicht, nicht mein gebet und buße; Hab noch mit mir geduld; Vergieb mir alle schuld, Sieh von dem strengen richterthron Auf meinen bürgen, deinen sohn! 6. Gieb nach der sanften ruh der nacht mir einen frohen morgen. Ja, da dein auge um mich wacht, So schlaf ich ohne sorgen. Ich wach und schlafe dir, Du, herr, bist stets bei mir. Ach, vater, meine zuversicht, Verlaß mich einst im tode nicht! 42 4A64 CUBERCAFFECCLES 196+ Inches 1 Centimetres Blue 12 3 4 Cyan 2 15 6 က Green 17 တူ Farbkarte# 13 3 ¹8 Contine Yellow + Q6 19 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 | 7 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8