24 96 4933 2.11 Allgemeines Evangelisches Gesangbuc für das Großherzogthum Heffen. Im Verlage der Großherzoglichen Invaliden- und Soldaten- Waisen- Anstalt. Darmstadt, 1872. Druck der L. C. Wittich' schen Hofbuchdruckerei. 96.4933 Univ.- Bibl. Glessen Inhalt. Allgemeine Lieder beim Anfange und Schluß der öffentlichen Gottesverehrung. Nr. 1-9. 717. Erste Abtheilung. Christliche Glaubenslehren. Nr. 10-289. Gott, dessen Wesen und Eigenschaften. Nr. 10-41. Dasein Gottes 10. Einheit Gottes 11. 12. und Größe Gottes 13-17. Majestät Auch 11. 56. 57. Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes 18. 20. Allgegenwart und Allwissenheit Gottes 21. 22. 24. 25. Allmacht Gottes 23. Auch 50. 72. Weisheit Gottes 26. 27. Auch 50. 59. Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes 28. 29. Auch 270-275. Wahrhaftigkeit und Treue Gottes 30. 31. Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes 32-39. Geduld, Langs muth und Gnade Gottes 40. 41. 703. Die heilige Dreieinigkeit. Nr. 42-46. Werke und Wohlthaten Gottes. Nr. 47-242. Schöpfung 47-53. Auch 420 unb 589. Vorsehung, oder Erhaltung und Regierung der Welt 54-66. Auch 26. 34. 36. Von den Engeln 67-69. Der Mensch; seine Würde und Vorzüge 170-73. Bestimmung des Menschen 74-77. IV Menschen Erlösung Erlösung 78-187. Sündhaftigkeit des 78-83. Folgen der Sünde 84-88. und Veredlung des Menschen durch Christum 89-100. Würde des Erlösers 101-103. Sendung und Geburt Jesu( Adventslieder) 104-109. 704. 719. ( Weihnachtslieder) 110-119. 729. Erscheinung Christi 120. 121. Darstellung Christi im Tempel 122. 123. Johannes, der Vorgänger Jesu 124. 125. Lehre, Leben und Thaten Jesu 126-134. 333. 479. Leiden, Tod und Begräbniß Jesu( Passionslieber) 135-173. Auferstehung Jesu( Osterlieder) 174-184. 705, 703, 724. 725. Christi Hingang zum Vater und Verherrlichung 185-187, 706. 726. Heiligung 188-242. Sendung des heiligen Geistes ( Pfingstlieder) 188-197. 727. Vom Worte Gottes 198-208. 707. Von der heiligen christ: lichen Kirche 209. 218. 728. 729, 730, 733. 734. 750. 754. Am Reformationsfest 210. Bei der heiligen Taufe 219-224. Bei dem heiligen Abendmahle. 225-242. Auch 133. 161. 164. 165, 312. 335. Unsterblichkeit und Vergeltung nach dem Tode. Nr. 243-289. Bom Tode 243-263, 665, 666. Von der Auferstehung der Todten 264-269. Auch 699. 708. Vom jüngsten Gerichte 29. 270-275, 709, 710. 748. Geliga feit der Frommen nach dem Tode 276-287. 289. Auch 77. 178. 312. Verdammniß der Gottlosen 273. 275. 288. 3 weite Abtheilung. Christliche Lebenspflichten. Nr. 290-498. Gesinnung und Verhalten des Christen im Allgemeinen. Nr. 290-354. Eigenschaften des Christen überhaupt. 290. 292, 293. 317. 325, 328, 336, 346. 347. 354. Werth und Wichtigfeit V keit der christlichen Tugend 291. 296. 314. 318. 219, 322. 324. 334. 342. 353. zur christlichen Tugend 297. 313. 323. 330. 341. Selbstprüfung 295. 300. 338, 349. Erkenntniß der Sünde und Reue 78. 79. 83, 294. 306. Buße oder Sinnes änderung und Lebensbesserung 298. 299. 301. 304. 711. 735. Bitte um Gottes Beistand zum Guten 80. 337. 339. 340. Wider den Aufschub der Buße 303. 307. Am allgemeinen Bußtage 309. Trost der Sündenvergebung durch Christum 302. 305, 308. 316. Auch 144. Thätiger Glaube an Jesum Chriftum 312. 320. 321. 326. 331-333. 335. 343-345. 347. 348. 504. 736. 738. 740. Wachsamkeit auf unsern Sinn und Wandel 81. 274. 349. Beharrlichkeit und Fortschritte in der Besserung 315. 327. 332, 350-352. 737. 310-312. Entschluß Gesinnung und Verhalten des Christen in Beziehung auf Gott. Nr. 355-420. Erkenntniß Gottes 355-358. Ehrfurcht vor Gott und Heilighaltung des Eides 359-361. 754. Liebe zu Gott 362. 365. 739. 752. 753. Gehorsam gegen Gott 366. 367. Freude in Gott 368-370. Vertrauen auf Gott 371-390, 744. Gebet 391-403. 742. Dankbarkeit gegen Gott 404-411. 712. Lob Gottes 412-420. 713, 714. 717, 718. Gesinnung und Verhalten des Christen gegen sich selbst. Nr. 421-476. Selbstliebe Sorge für Selbsterkenntniß und Demuth 421-425. 426. Selbstachtung 71. 73--76. 443. die Seele 427-431. Sorge für Leib, Leben und Gesundheit 432-435. Berufstreue 436-439. Würdigung und weiser Gebrauch der irdischen Gü ter 440-448. Weiser Gebrauch der Lebenszeit 445-448. 260-262. Genügsamkeit und Zufriedenheit VI heit 449-452. Streben nach Herzens- und Ges wissensruhe 453. 454. 500-503. Weiser Genuß der Lebensfreuden 455-458. Geduld und Gelassenheit im Leiden 459-476. Gesinnung und Verhalten des Christen gegen andere Menschen. Nr. 477-498. Allgemeine Menschenliebe 477-482. Mitfreude und Mitleid 482. Gerechtigkeit und Billigkeit 483. 484. Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit 485. 486. Dienstfertigkeit und Gefälligkeit 487. Sanftmuth, Friedlichkeit und Eintracht 488. Versöhnlichkeit und Feindesliebe 489-491. Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit 492-496. Gutes Beispiel 497. Demuth und Bescheidenheit 421-424. 498. Glückseligkeit wahrer Christen 499-509. Auch 316, 319. Dritte Abtheilung. Die Pflichten des Christen in besonderen Verbindungen, Zeiten und Umständen. Nr. 510-792. Gesinnung und Verhalten des Christen in besonderen gesellschaftlichen Verbindungen. Nr. 510-559. Häusliche Gesellschaft 510-532. Der Ehestand 512, 513. 745. Bei Trauungen 514. 515. Nach der Trauung 516. Aelternpflicht 517--521. despflicht 522-525. Geschwisterliebe 525. Herrschaften 526, 527. Für Dienende 528. Kin= Für 529. Für VII Für Wittwen 530. Für Waisen 531. Dankbarkeit gegen Wohlthäter 532. Kirchliche Gesellschaft 533-544. Lehrer und Zu hörer 533. Bei Einführung eines Religionslehrers 534. 731. Bei der Confirmation 535-542. 198. 330. Vor der Einsegnung 539. Nach der Einfegnung 540. Nach der Confirmation 541. 542. Bei Einweihung einer Kirche 443. 732. Bei Einführung eines Schullehrers 544. Bürgerliche Gesellschaft 545-556. Vaterlandsliebe 546. Regent, Obrigkeit und Unterthan 402. 547. 548. Hoher Stand 549. Der Richter 550. Der Soldat 551. Der Landmann 552. Der Nachbar 553. Umgang 554. Freundschaft 555. 556. Gesinnung und Verhalten des Christen zu besonderen Zeiten. Nr. 560-624. Tageszeiten. Am Morgen 560-570. Am Sonntagsmorgen 571. Beim Anblicke der aufgehenden Sonne 572. Am Abend 573-583. Unter gestirntem Himmel 584. Jahreszeiten 63. Jm Frühling 585-587. Im Sommer 588-590. Im Herbst 591. 592. Im Winter 593. 594. Saat- und Aerndtezeit. Zur Saatzeit 595. Nach einer reichen Aerndte 596. 597. 62. Nach einer sparsamen Aerndte 598. Witterung. Flehen um Regen 599. Nach verliehenem Regen 600. Flehen um Sonnenschein 601. Nach verliehenem Sonnenschein 602. Beim Gewitter 603. 604. Nach dem Gewitter 605. Jahreswechsel. Neujahrslieder 606-613. 721. 722. Beim Anfang des Kirchenjahres 614. 212. 719. Lebenszeiten. Am Geburtstage 66. 615. 616. 407. 411. 418. 576. Die Lebensalter 617. Für die Jugend 618-520. Für Jünglinge 621. 447. 455. 457. Für Jungfrauen 622. Für das Alter 623. 624. VIII Gesinnung und Verhalten des Christen unter besonderen Umständen. Nr. 625-702. Bei allgemeinem Wohlstand 525. In allgemeiner Noth 626. 627. Jn Kriegszeiten 628-630. 3ur Fries densfeier 631. 632. In Theurung 633. In Wasferßnoth 634. 635. Nach überstandener Noth 636. Nach einer Feuersbrunst 637. Nach einem großen Verluste 638. Auf der Reise 639. Der reisende Jüngling 640. Fürbitte für liebe Abwesende 641. Bei ansteckenden Krankheiten 642. Nach denselben 643. In Krankheiten 644-652. 252. 378. 382. 462, 463. 474. Abendmahlsfeier eines Kranken 653. 654. Fürbitte für Kranke und Leidende 655. 656. Nach der Genesung 657. 274. Vorbereitung auf den Tod und Trost für Sterbende 658-668. 247. 260-262. 268. 270. 282-286. 746. Der sterbende Jüngling 669. Das sterbende Kind 670. Fürbitte für Sterbende 671. 672. Cinsegnung eines Sterbenden 673. Der Tod des Frommen 674. Beim Tode guter Neltern 675. Beim Tode hoffnungsvoller Kinder 676. 677. Beim Tode eines guten Ehegatten oder eines Freundes 678. Bei Begräb- d nissen 679-702. Auch 243. 250. 258. 264./265. 267, 269, 276, 278-287. 289. Am Trauerhause und beim Zug zum Grabe 243. 246. 248, 253. 254.> 258, 260, 262, 679. 680, 747. Am Grabe 681-691. Beim Grabe eines Verunglückten 692. Am Grabe Frühverstorbener 693-695. Am Grabe eines vers dienstvollen Lehrers und Seelsorgers 697. Trost und Gelübde auf Gräbern 698-700. Trost des Wiedersehens 701. 702. Liturgie zu den Geburtsfesten des Großherzogs und der Großherzogin. Allgemeine Lieder bei der öffentlichen Gottesverehrung. Domm heiliger Geist! stärk uns und erhalt uns dir! Mit deinem Trost, o Gott, verlaß uns nicht in unsrer leßten Noth! Erbarme dich! Erfüll die Herzen dei ner Gläubigen und entzünd in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe, der du durch Mannichfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammelt haft zur Einigkeit des Glaus hens! Halleluja! Halleluja! In eigener Melodie. 2 Schöpfer, Gott, Herr der Zeit und Ewigfeit, Vater der Barmherzig feit, aller Welt Erhalter und Regierer! Erbarme dich! 2. Christe, aller Welt Licht, unser Heil und Trost und Zuversicht, du Gottes ewger Sohn, ach, unser Mittler vor des höchsten Thron, Heiland! wir zu dir: Erbarme dich! 3. Heilger Geist, dich, dich flehen wir: führ uns, In eigener Melodie. 3ob, Preis und Ehre Bater, Sohn und Geist, nur bringen wir, Gott, dir! Es müsse jedes Land auf Erden mit deinem Ruhm erfüllet werden! Wie selig, wie begnadigt ist ein Volk, deß Zuversicht du bist! O Höchster, deinem großen Namen sei ewig Ruhm und Gott! Erhör uns, Gott! Ehre! Amen! Erhör uns, Vor der Predigt. In eigener Melodie. brünstig sexfzen 4 Liebster Jefu, wir find um dein Wort zu hören; lenke Sinnen und Begier zu des HimA mels 4 Gott Gott, unsern Eingang gleichermaßen, segne unser täglich Brod, segne unser Thun und Lassen, segne uns mit selgem Sterben und mach uns zu Himmelserben. Erste Abtheilung. Lieder über die christlichen Glaubenslehren. Gott und sein Wesen. Dasein Gottes. Mel. Kommt her zu mir 10 Wer er könnte zweifeln, daß du bist, Gott! der ganze Weltbau ist ein Zeuge deines Lebens. Zu sichtbar ists, daß Güt' und Macht mit Weisheit ihn hervorgebracht. Nichts ist daran vergebens. 2. Wohin auch nur mein Auge blickt, da seh ich Ordnung, die entzückt, im Großen und im Kleinen; ich seh und ganz erstaunt bin ich, wie der Geschöpfe Heere sich zu Einem Ziel vereinen. 3. Eins muß dem andern nußbar sein, daß die sich ihres Daseins freun, die sich empfinden können. Und wie? doch wäre die Natur und ihre weise Ordnung nur des Zufalls Werk zu nennen? 4. Nein, wahrlich nicht von ungefähr entstanden Himmel, Erd und Meer: so konnte nichts entstehen! Nur du, Gott, schufest die Nas tur, und einzig deine Creatur ist Alles, was wir sehen. 5. Du bists, der die geschaffne Welt in ihrer Ordnung stets erhält, mit Weis: heit sie regieret. Du bist es, der nach seinem Rath auch uns auf unsres Lebens Pfad mit weiser Gnade führet. 6. O wohl mir, Höchster, daß du bist, daß dein Wert Erd und Himmel ist! Nun ist gewiß mein Leben nicht eines blinden Zufalls Spiel, ich darf nach meiner Wün und sein Wesen. sche Ziel nun nicht vergeb: lich streben. 7. Mein Sehnen nach Zufriedenheit, mein Durst nach ewger Seligkeit wird sicher nun gestillet, wenn nur zu dir mein Geist sich hält und nicht die schnöde Lust der Welt hier mein Gemüth erfüllet. 8. Drum soll es stets mir Freude sein, dir, Gott, mein ganzes Herz zu weihn, zur Ehre dir zu leben. Du wirst mir dann in jeder Noth hier reichen Trost und einst im Tod des Himmels Wonne geben. 5 sen alle Himmel nicht, wie weit er sie erfüllet. Ér bleibet ewig, wie er war, verborgen und auch offenbar in seiner Werke Wundern. 4. Wo wären wir, wenn seine Kraft uns nicht gebildet hätte? Er kennt uns, fennet, was er schafft, der Wesen ganze Kette. Bei ihm ist Weisheit und Verstand und Kraft und Stärke, seine Hand umspannet Erd und Himmel. 5. Ist er nicht nah? ist er nicht fern? weiß er nicht alle Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn ein Mensch verbergen möge? Umsonst hüllt ihr in Finsterniß, was ihr beginnt; er siehts gewiß, Einheit Gottes. Mel. Es ist das Heil uns 11 Der Herr ist Gott er sieht es schon von ferne. und keiner mehr. Frohlockt ihm, alle Frommen! Wer ist ihm gleich? Wer ist, wie er, so herrlich, so vollkommen? Der Herr ist groß, sein Nam ist groß, er ist unendlich, aränzenlos in seinem ganzen Wesen. 6. Wer schüßt den Weltbau ohne dich, o Herr, vor seinem Falle? Allgegenwär tig breitet sich dein Fittig über Alle. Du bist voll Freundlichkeit, voll Huld, barmherzig, gnädig, voll Geduld, ein Vater, ein Verschoner. 2. Er ist und bleibet, wie er ist. Wer strebet nicht vers gebens, ihn auszusprechen? Wer ermißt die Dauer seis nes Lebens? Wir Menschen sind von gestern her; eh noch die Erde war, war er, noch eher, als die Himmel. 3. Um seinen Thron her strömt ein Licht, bas ihn vor uns verhüllet; ihn fas7. Gerecht bist du, bist heilig, gut und reiner, als die Sonne! Wohl dem, der deinen Willen thut, denn du vergiltst mit Wonne! Du hast Unsterblichkeit allein, bist selig, wirst es ewig sein, der Geligkeiten Fülle! 8. Du nur verdienest Lob und Dank, du nur Gesang A 3 und 6 Gott und Ehre! Kommt, werdet fein Andrer sein, von dem Gottes Lobgesang, ihr alle ich Heil verlange. seine Heere! Der Herr ist Gott und keiner mehr! Wer ist ihm gleich? Wer ist wie er, so herrlich, so vollkoms men? Mel. Mein erft Geschäft sei Preis 43 12 ist nur Einer Herr und Gott im Himmel und auf Erden. bot hieß Erd und Himmel werden. 2. Was er erschuf, das fann allein durch seine Kraft bestehen; will er, die Welt soll nicht mehr sein, so muß die Welt vergehen. 3. Mit Allgewalt und Majestät ist er nur Welt regierer, der Sterne, die er ausgesät, und unsers Lebens Führer. 4. Groß ist sein Name, mit der That kann ers der Welt beweisen. Herr! groß an Huld, an Macht und Rath, wer sollte dich nicht preisen? 5. Dich preift entzückt der Himmel Heer; es fennt nicht deines Gleichen! Nur du bist Gott, sonst keiner mehr; sollt ich von dir je weichen? 6. Nein, ewig bleibst du mir allein der Herr, dem ich anhange; und ewig solls 7. Mein ganzes Leben weih ich dir, du Gott, auf den ich traue, bis ich dich einst noch mehr, als hier, in deiner Größe schaue. Majestät und Größe Gottes. In eigener Melodie. 13 Schwingt, heilige 1 von der Erde los! Gott, frei von allen Schranken, ist unaussprechlich groß. Lobsinget Gott, lobsingt vor seinem Angesichte! Er wohnt in einem Lichte, zu dem kein Auge dringt. 2. Kein Sinn kann ihn erreichen, fein endlicher Verstand; was kann sich ihm vergleichen? Wer hat ihn ganz erkannt? Macht euch von ihm kein Bild, der aller Welten Kreise zu seinem ewgen Preise mit Herrlichkeit erfüllt! 8. Die Sonn in hoher Ferne mag strahlenreicher glühn; glänzt heller noch, ihr Sterne, was seid ihr gegen ihn? Ihr seid mit eurer Pracht in eurem schönsten Lichte vor seinem Angesichte nur Schimmer seiner Macht. 4. Wie sollen wir dich nennen, dich, Vater der Natur? und sein Wesen. tung sein! tur? Was wissen wir? Wir stets vor dir voll Chrerbiekennen der Wesen Hülle nur. Der Weisen Scharf. sinn steigt nie zur Natur der Geister. Hier staunt der Flügste Meister; er glaubet nur und schweigt. 2. Du bist das höchste Gut, du weißt von feinem Leide; höchst selig in dir selbst, schmeckst du vollkommne Freude. Dein ist die Herrlichkeit, auch ohne Creatur bist du dir selbst genug, du Schöpfer der Natur. 5. Von dir strömt alles Leben, du bist der reinste Geist; du hast die Kraft gegeben dem Engel, der dich preist. In deinem Heiligthum ertönen Lobgesänge in seiner Brüder Menge, zu deines Namens Ruhm. 3. Du riefst dem, das nicht war, um Lust und Seligkeiten aufs mannichfaltigste rings um dich auszubreiten. Du bist die Liebe selbst; Verstand und Rath sind dein: und du gebrauchst sie gern, zu segnen, zu erfreun. 6. Stimm in der Engel Chöre, o meine Seele, auch; sei voll von Gottes Ehre, du seines Odems Hauch! Wie groß ist dein Beruf! Auf, widme deine Kräfte dem würdigsten Geschäfte, wozu dich Gott erschuf. 4. Du sprichst, und es geschieht. Auf dein allmächtig: Werde! entstand dein großes Werk, der Himmel und die Erde. Mit deinem kräftgen Wort trägst du die ganze Welt, und deine Macht vollführt, was uns unmöglich fällt. 7. Im Geiste bet ihn, Seele, bet ihn in Wahrheit an! Liebst du des Herrn Befehle, wie selig bist du dann! Er hat Unsterblichteit und Seligkeit und Leben: das Alles wird er geben, dem, der sich ganz ihm weiht. 5. Du bist der Herren Herr, der Erde Majestäten. sind, Höchster, vor dir Staub; auch Geister kannst du tödten. Wen du erniebrigest, Gott, wer kann den erhöhn? wen du erhöhen Mel. Nun dantet Alle Gott 14 Anbetungswürdiger willst, deß Hoheit muß beGott, steht. furcht stets zu nennen! du bist unendlich mehr, als wir begreifen können. D flöße meinem Geist die tiefste Demuth ein und laß mich 7 6. Du bist es, der allein Unsterblichkeit besiget, der Leben gibt und nimmt, der unsern Odem schüßet; den Geist, der in uns lebt, den A 4 ha= Gott 8 haben wir von dir. Willst du, so wird er Nichts, doch, du bleibst für und für. 7. Wer hat, Unendlicher, wer hat dich je gesehen? Kein sterblich Auge reicht bis zu des Lichtes Höhen, von welchen du mit Huld auf deine Schöpfung blickst und Alles, was da lebt, mit Seligkeit beglückst. 8. Was wir, unendlicher, von deinem Wesen wissen, das hast du selbst zuvor uns offenbaren müssen. Die Schöpfung zeugt von dir; und deines Sohnes Mund macht uns noch deutlicher, Gott, deine Liebe fund. 9. Wir schaun dich nur von fern, noch schwach, noch unvollkommen; doch wird die grobe Hüll dereinst hine weggenommen, die, Unbegreiflicher, dich unserm Blick verschließt, dann sehen wir dich, Gott, so herrlich, wie du bist. 10. Jndeß sei auch schon hier dein Ruhm von uns besungen. Verschmähe nicht ein Lob von lallend schwachen Zungen! Dort soll, wenn wir dereinst vor dir verherrlicht stehn, ein beßrer Preisgesang dich, großer Gott, erhöhn. 15 Mel. Freu dich sehr, o meine öchster, wer ist's, der dir gleichet? Was sind Engel? Was bin ich? Du, an den kein Seraph reichet, wer, ach? wer begreifet dich? Niemand war und Niemand ist, was du warst und immer bist. Wer ersteigt des Himmels Höhen, um dich selbst im Licht zu sehen? 2. Unerschaffner, Erster, Bester, Schöpfer, Vater der Natur, du der höhern Geis ster größter, Gott der Mens schen, Gott der Flur! du bist ganz Vollkommenheit, lebst und wirkst von Ewigs teit. Wer verkennt bei dem Gedanken seiner Einsicht enge Schranken? 3. Du, der Ursprung aller Gaben und Beherrscher jeder Welt, über Alles hoch erhaben, was ihr Umfang in sich hält, du bist unveranderlich, Alles, Alles ist durch dich. Nur in deines Reiches Gränzen sehn wir deine Wunder glänzen. 4. Ja, du wohnst in einem Lichte, das kein Mensch durchdringen kann. Deine Wege und Gerichte staunet selbst der Engel an. Kein Erschaffner siehet ganz deiner Hoheit vollen Glanz. Stets wird neue Tiefen finden, wers versucht, sie zu ergründen. 5. Dennoch soll mir meinen Glauben, daß du bist und auch für mich, nie der Thor und sein Wesen. Thor und Spötter rauben, der vom Tugendpfade wich. Sei gleich unerforschlich mir, dennoch bleib ich stets an dir. Welten sinds, die von dir zeugen und mein Herz zum Glauben neigen. 6. Von dir, durch dich, zu dir sind alle Dinge; gib, daß ich dir mich selbst zum In eigener Melodie. 16& rhabner Gott! was Opfer bringe. Begreif ichs nicht wie du die Welt regierst, so sei mirs g'nug, daß du mich selig führst. reicht an deine Größe! Denk ich an dich, so fühl ich meine Blöße; ich fühle, Herr, daß du unendlich bist, und daß beschränkt mein forschend Denten ist. 7. Einst wirst du dich mir näher offenbaren; einst werd ich mehr von deinem Rath erfahren, wenn ich nur dem, was mich dein Wort gelehrt, geglaubt, gefolgt und treu dich hier verehrt. 8. Drum hilf, daß ich mit Ehrfurcht vor dir wandle; in allem Thun nach deinem Willen handle, zufrieden sei, wie du mich hier regierst, bis du mich einst zu deinem Himmel führst. 9. Dann werd ich dich im hellern Lichte sehen und, froh in dir, dein ewig Lob erhöhen! Herr! du bist groß und zeigst es mit der That, unendlich groß an Huld, an Macht und Rath. 2. Du wohnst im Licht, wozu kein Mensch kann kommen. Was haben wir von deinem Ruhm vernom men? Den kleinsten Theil von deiner Majestät, die dir gebührt und über Alles geht. 3. Dein ewges Sein, dein ganz vollkommnes Wesen; das, was du wirkst, und was dein Rath erlesen, ist viel zu hoch für menschlichen Verstand: von Engeln selbst wird es nie ganz erkannt. 9 5. Mein eigner Geist kann sich leicht hintergehen. Dein Wort ist wahr, es bleibet ewig stehen. Erforsch ich gleich dein göttlich Wesen nicht, so gnüge mir davon dein Unterricht. 4. Wie sollt ich denn, ich Staub, mich unterwinden, Unendlicher, dich völlig zu ergründen? mache mich von frei und gib, daß nur dein Wort mir Richtschnur sei. In eigener Melodie. 17 Gott ist mein Lied! Er Gott der Stärke; groß ist sein Nam und groß sind seine A 5 Wer Gott 10 Werke und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und sprichts, so sind und leben Welten; und er gebeut, so fallen durch sein Schelten die Hims mel wieder in ihr Nichts. 3. Licht ist sein Kleid, und seine Wahl das Beste, Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, ein Meer von Seligkeiten, ohn Anfang Gott und Gott in ewgen Zeiten! Herr aller Welt, wer ist dir gleich? 5. Was ist und war im Himmel, Erd und Meere, das tennet Gott, und seiner Werke Heere sind ewig vor ihm offenbar. 6. Er ist um mich, schafft, daß ich sicher ruhe, er schafft, was ich vor oder nachmals thue, und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, du sigest oder gehest. Ob du ans Meer, ob du gen Himmel flöheft, so ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Flehn und allen Rath der Seele. Er weiß, wie oft ich Gutes thu und fehle, und eilt, mir gnädig beizustehn. 10. Nichts, nichts ist meint, das Gott nicht angehöre. Herr! immerdar soll deines Namens Ehre, dein Lob in meinem Munde sein! 11. Wer kann die Pracht von deinen Wundern fas sen? Ein jeder Staub, den du hast werden lassen, vers kündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm ist deiner Weisheit Spiegel. Du Luft und Meer, ihr Auen, Thal und Hügel, ihr seid sein Loblied und sein Pfalm. 13. Du tränkst das Land, führst uns auf grüne Weiden; und Nacht und Tag und Korn und Wein und Freuden empfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen: sollt ich mein Herz nicht mit dem Trofte stillen, daß deine Hand mein Leben hält? 15. Ist Gott mein Schuß, will Gott mein Retter werden, so frag ich nichts nach Himmel und nach Erden und biete selbst der Hölle Truß. Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes. 9. Er wog mir dar, was er mir geben wollte, schrieb auf sein Buch, wie lang ich Mel. Liebster Jesu, wir sind leben sollte, da ich noch un= 18 Gott, du bist von war. und dein und sein Wesen. 11 dein herrlich großes Wesen in deinem Willen übe! Dann ändert sich zu feiner Zeit. Du bleibst slets, was du gewesen. Laß dieß meinen Geist beleben, ehrfurchtsvoll dich zu erheben. o Herr, wirds meiner Sees len nie an wahrem Wohlsein fehlen. 2. Ewig und unwandelbar ist, o Gott, dein hohes Wissen; was dir einmal Wahrheit war, wird es ewig bleiben müssen. Niemals kann dein Ausspruch fehlen. Laß mich ihn zum Leitstern wählen! 3. Herr! du bist kein Menschenkind, daß dich ets was reuen sollte; immer bleibst du gleichgesinnt. Was dein Rathschluß vors mals wollte, willst du noch. O hilf uns allen thun nach deinem Wohlgefallen! Mel. Erhabner Gott feind; wehe denen, die sie 19 Herr, Gott, du biſt lieben. Ewig bleibst du derer Freund, die, was recht und gut ist, üben. Laß uns darin schon auf Erden deis nem Bilde ähnlich werden. 5. Deine Worte trügen nicht. Du bist ewig der Getreue, der da hält, was er verspricht. D, daß dieß mich stets erfreue! Laß nur dei nen Geist mich treiben, dir, Herr, auch getreu zu bleiben. 7. Erd und Himmel wird vergehen; alle Welt wird mich verlassen. Nur durch dich kann ich bestehen. Deine Hand wird mich umfassen, wann ich nun von hinnen scheide. Ewig bist du meine Freude. 8. Laß mir doch zu jeder Zeit, Herr des Himmels und der Erden, diese deine Ewigkeit einen starten Ans trieb werden, dich zu lieben, dir zu trauen und mein Glück auf dich zu bauen. 6. Stets ist Wohlthun deine Lust, ewig währet deine Liebe. Wohl mir, wenn ich auch mit Lust mich Zeiten, denn du bist Gott in allen Ewigkeiten. Du warst es schon, eh Erd und Himmel ward, eh noch dein Ärm sich uns geoffens bart. 2. Was bin ich, Herr, und alle Menschenkinder? Staub ist vor dir der Heis lige, der Sünder. Wie schnell entflieht das Leben doch von mir! Du, Höchster, du nur bleibest für und für. 3. Du hast vorhin die Erde zubereitet; dein Arm hat, Gott, den Himmel auss gebreitet. Doch sie vergehn, 26 vers Gott 12 veralten wie ein Kleid; du aber bleibst in alle Ewigkeit. 4. Es werden noch die Himmel und die Erden wie ein Gewand von dir verwandelt werden; du bleibest, wie du bist: denn welche Zeit umgränzet wohl, Herr, die Unendlichkeit? 5. Das ist der Trost, die Hoffnung deiner Knechte, du schüßest sie mit deiner starten Rechte, du läßt ihr Herz sich ewig deiner freun und bleibst ihr Gott: denn sie sind ewig dein. 6. Das sei mein Trost in allen trüben Stunden; vom Tode selbst bleibt er uns überwunden. Kein Tod, kein Grab trennt mich, o Gott, von dir: mein Fels, mein Heil, das bleibst du ewig mir. Mel. Ich freue mich, mein Gott 20 ( o wie du bist, so warst du schon, Gott, che du von deinem Thron Geschöpfe, die nicht waren, beriefst zu sein, um deine Macht und Güte zu erfahren! 2. Du wirst auch sein, so wie du bist, wenn längst die Erde nicht mehr ist, wenn längst schon Ewigkeiten uns Kämpfer frönen, die wir hier um deinen Himmel streiten! 3. Von Ewigkeit zu Ewigkeit kann deines Wesens Herrlichkeit sich selbst nicht ungleich werden, bedarf auch nie, sich gleich zu sein, der Himmel und der Erden. 4. Gott, mit dir unveränderlich, bezeugte deine Weisheit sich Geschöpfen, die da waren, und wird den Welten, die du schufft, sich ferner offenbaren. 5. Ob Felsen weichen, Berg ins Thal sich stürzen, daß von ihrem Fall die Erde weit erzittert, bleibt deiner Liebe Bund mit mir. doch ewig unerschüttert. 6. Was zaget denn mein Herz in mir; was flag ich ängstlich, daß ich hier kein dauernd Gut genieße, und daß in Unbeständigkeit dieß Leben mir verfließe? 7. Was flag ich, der dein Wort noch hat, den Trost, daß meine Missethat mich einst gewiß nicht richte, und daß mein Erbtheil ewig sei vor deinem Angesichte? 8. Was flag ich? Liebest du mich doch mit aller deiner Liebe noch und willst mich ewig lieben, haft selber meinen Namen dir in deine Hand geschrieben. 9. Ja, ich bin Gottes, Gott ist mein; und ewig, ewig wirst du's sein. Von dir kann mich nichts scheiden, Die Welt vergeht mit ihrer Lust und sein Wesen. Lust, nicht du und deine Freuden. Allgegenwart Gottes. Mel. Auf Christenmenſch! 21 Nie ie bist du, Höchster, von uns fern; du wirfst an allen Enden. Wo ich nur bin, Herr aller Herrn, bin ich in deinen Händen. Durch dich nur leb und athme ich; denn deine Rechte schüßet mich. 2. Was ich gedenke, weiss sest du; du prüfest meine Seele. Du siehst es, wenn ich Gutes thu; du siehst es, wenn ich fehle. Nichts, nichts kann deinem Aug entfliehn und nichts mich deiner Hand entziehn. 3. Wenn ich in stiller Einsamkeit mein Herz an dich ergebe und, über deine Huld erfreut, lobsingend dich erhebe, so hörst du es und stehst mir bei, daß ich dir immer treuer sei. 4. Du merkst es, wenn des Herzens Rath verkehrte Wege wählet; und bleibt auch eine böse That vor aller Welt verhehlet, so weißt du sie und strafest mich zu meiner Beßrung väterlich. 5. Du hörest meinen Seufs zern zu, daß Hülfe mir ers scheine. Voll Mitleid, Va13 ter, zählest du die Thränen, die ich weine! Du siehst und wägest meinen Schmerz und stärkst mit deinem Trost mein Herz. 6. O drück, Allgegenwärtiger! dieß tief in meine Seele, daß, wo ich bin, nur dich, o Herr, mein Herz zur Zuflucht wähle; daß ich dein heilig Auge scheu und dir zu dienen eifrig sei. 7. Laß überall gewissen haft nach deinem Wort mich handeln und stärke mich dann auch mit Kraft, vor dir getrost zu wandeln. Daß du, o Gott, stets um mich seist, das tröst und beßre meinen Geist. In eigener Melodie. 22 Abin dir nicht ich verborgen, wo ich bin, wollt auch auf schnellen Schwin gen mich an die fernsten Meere hin die Morgenröihe bringen. 2. Flög ich zum Himmel hoch empor, mich unter seinem Sternenchor im Glanze zu verstecken, so bist du da, ziehst mich hervor, Schande wird mich decken. 3. Stieg ich vor deinem Thron hinab ins Haus der Finsterniß, das Grab: du bist auch da zugegen; auch da folgt mir dein Richterstab auf schauervollen Wegen. A 7 4. Der 1 14 4. Der Alles schuf, ist überall: o fürchterlicher Donnerschall in aller SünAllmacht Gottes. In eigener Melodie. der Ehren! Sie fürchten 23 Herracht reicht ſo so Gott keinen Ueberfall: nun zittern sie, die Thoren. 5. Der Gott des Himmels ist so nah, das Heiligste der Wesen sah, was wir im Herzen dachten, was in geheimer Nacht geschah, wann wir und Satan wachten. 6. Wir Thoren haben wohl gedacht, du würdest uns, o Mitternacht, mit schwarzen Flügeln decken! Umsonst Gott wacht um uns, er wacht mit allen seis nen Schrecken. 7. Noch keines Herzens böser Rath, ihr Sünder, keine schnöde That ist seis nem Aug entronnen. Er fennet den geheimen Pfad des Staubes und der Sonnen. 8. D gehe nicht, Herr, ins Gericht, wenn wider die gelobte Pflicht wir, deine Knechte, handeln! Laß uns vor deinem Angesicht in frommer Ehrfurcht wandeln! 9. Daß deinem Blicke nichts entflieht, was war und ist und einst geschieht, sei meine Ruh und Freude! Ein Gott, der Alles weiß und sieht, der weiß auch, wann ich leide. weit, als selbst dein Wollen reichet. Nichts ist, das deiner Herrlichkeit und deinen Thaten gleichet. Was ist zu groß, was ist zu schwer, das dir zu thun unmöglich wär! 2. Du sprichst, und auf dein mächtig Wort fällt Alles dir zu Füßen. Du führest deinen Rathschluß fort bei allen Hindernissen. Wenn du gebeutst, so ſteht auch da, was noch zuvor kein Auge sah. FATO DE 3. Du hast dein großes Schöpfungswerk allmächtig ausgeführet. Es bleibet stets dein Augenmerk und wird durch dich regieret. Noch immerfort besteht die Welt, weil deine Allmacht sie erhält. 4. Die Größe deiner Thaten zeigt, daß, Schöpfer, dein Vermögen weit über alle Kräfte steigt, die die Natur bewegen. Du bleibst ihr Herr, in deiner Hand bleibt Alles, was durch dich entstand. 5. Was für ein Wunder deiner Macht wird unser Aug einst sehen, wann nach der langen Grabesnacht die Todten auferstehen, wann di und sein Wesen. 15 du von unserm Staub den Wo könnt ich jemals wohl Rest zu neuen Körpern werden läßt! 6. Allmächtiger! erstaunt fall ich vor deinem Throne nieder; mein blöder Geist verlieret sich und lallt nur schwache Lieder, bewundert dich und deine Kraft, die aus dem Tode Leben schafft. 7. D schenke mir die Zuversicht, die deiner Macht vertrauet; der Macht, die Hülf und Trost verspricht, wenn man auf dich nur bauet, auf dich und deines Armes Kraft, die Alles kann und Alles schafft. Allwissenheit Gottes. Mel. O Gott, du frommer Gott err, du erforschest nicht verborgen; du kennst mein ganzes Thun und alle meine Sorgen. Was meine Seele denkt, war dir bereits bekannt, eh der Gedanke noch in meiner Seel entstand. 2. Nie spricht mein Mund ein Wort, das du, o Herr, nicht wissest. Du schaffest, was ich thu; du ordnest, du beschließest, was mir begegnen soll. Erstaunt seh ich auf dich: wie groß ist dein Verstand! wie wunderbar für mich! mich deinem Aug entziehen? Führ ich gen Himmel auf, so bist du, Höchster, da; führ ich zur Tief hinab, auch hier bist du mir nah. 24 der vor 3. Wohin, wohin soll ich vor deinem Geiste fliehen? 4. Nähm ich auch, schnell zu fliehn, die Fittige vom Morgen; selbst an dem fernsten Meer blieb ich dir nicht verborgen. Auch da umschlösse mich doch deine Allmachtshand, denn du bist überall, und dein ist jedes Land. 5. Spräch ich zur Finsterniß: sei um mich, mich zu decken! so sucht ich doch umsonst vor dir mich zu verstecken, denn auch die Finsterniß ist vor dir helles Licht; die Nacht glänzt wie gesicht. 6. Du warst schon über mir in meiner Mutter Leibe; du bildetest mein Herz, Gott, deß ich bin und bleibe! Ich danke dir, daß du mich wunderbar gemacht und meiner, eh ich war, schon väterlich gedacht. 7. Du kanntest mein Gebein, eh ich ans Licht gekommen, da ich im Dunkeln erst die Bildung angenommen. Dein Auge sah mich schon, eh ich bereitet war, und meiner Lage Lauf war dir schon offenbar. 8. Was für Erkenntnisse, für 16 für köstliche Gedanken! Un zählbar sind sie mir, denn sie sind ohne Schranken. Mit Ehrfurcht will ich stets auf dich, mein Schöpfer, fehn, dir folgen und dein Lob, so gut ich kann, erhöhn. 9. Erforsche mich, mein Gott, und prüfe, wie ichs meine; ob ich rechtschaffen bin, wie ich von außen scheine. Sieh, ob mein Fuß vielleicht auf falschem Wege geht, und leite mich den Weg, der mich zu dir erhöht. Gott wüßt ich gegen Gott noch nichts. 3. Nichts gegen ihn, der sie durchschauet, die Tiefen der Unendlichkeit und jede Welt, die er gebauet, und jeden Punkt der Ewigkeit. O du, der Alles weiß und nennet, was ist, was werden soll und war: wie bist du jedem, der dich kennet, unendlich groß und wunderbar! 4. Ja, dich bewundern, dir vertrauen ist meines Geistes erste Pflicht. Mit Ehrfurcht darf ich nach dir schauen, doch dich begreifen kann ich nicht. Gott! nach Mel. Wie groß ist des Allmächt. 25 Wo dem in dem du sen, die mich lehren, wie unser Gott allwissend ist? wer kann mir Forschenden erklären, was sein Verstand fäßt und ermißt? Wer kennet ihn von Angesichte? wer, wenn er noch so hoch sich schwingt? Bekennts: Er wohnt in einem Lichte, zu dem kein sterblich Auge bringt. 2. Könnt ich die Sterne Gottes zählen, der Erde Staub, den Sand am Meer und die Gedanken aller Seelen von ihrem ersten Ursprung her, so wär ich weiser, als auf Erden ein Mensch ist, als am Strom des Lichts vielleicht selbst Engel jemals werden; doch nest, schau ich mit heiliger Begier; du siehst es gnädig und belohnest mit Weisheit meinen Blick nach dir. 5. Die Weisheit warnet mich vor Sünden, Selbstbetrug und Heuchelei. Ich denke stets: Gott kann mich finden, wie tief verborgen ich auch sei. Vor ihm kann keine Nacht mich decken, kein falscher Schein betrüget ihn. Mich würde stets sein Dasein schrecken, könnt ich gleich aus der Welt entfliehn. 6. Wer kennet seines Herzens Tiefen? Wer darf, o Gott, sich selber traun? Allwissender! du wollst mich prüfen, du wollest ganz mein und sein Wesen. mein Herz durchschaun. Erblickst du mich auf bösen Wegen, so führe mich auf deine Bahn und laß mich einst am Biel den Segen der Frömmigkeit von dir empfahn! Weisheit Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott 26 D¹ u weiser Schöpfer aller Dinge, der Alles weiß, erkennt, vers steht, nichts ist so groß, Nichts so geringe, das nicht nach deiner Ordnung geht. Denn der Geschöpfe ganzem Chor schreibst du Maas, Biel und Regel vor. 2. Die vielen wundervollen Werke, was unsein Augen fern und nah, stehn als Beweise deiner Stärke, als Zeugen deiner Weisheit da. Unendlich, Herr, ist dein Verstand: der ganze Weltbau machts bekannt. 3. Mit eben diesen Meis sterhänden, mit welcher du die Welt gemacht, regierst du auch an allen Enden, was dein Verstand hervor gebracht. Du brauchst, o unerschaffnes Licht, der ber Menschen Rath und Beis stand nicht. 4. Was du zu thun dir vorgenommen, krönt auch, sobald du willst, die That; 17 wenn tausend Hindernisse fommen, so triumphirt dein hoher Rath. Den besten Zweck wählt dein Verstand; die Mittel stehn in deiner Hand. 5. Die Menge so verschiedner Willen, wo jeder jeinen Weg erwählt, muß doch den deinen bloß erfüllen, der seines Zieles nie verfehlt und aller Feinde stolzen Wahn als Ünvernunft beschämen kann. auf 6. D Weisheit! decke meiner Seele die angeborne Thorheit auf, damit sie dich zum Leitstern wähle ihrem sonst verwirrten Lauf. Ich weiß den Weg zur Wohlfahrt nicht, drum leite mich dein sichres Licht. 7. Du hast mich durch mein ganzes Leben nach deinem weisen Rath geführt. Mein Geist muß dir die Ehre geben, daß du aufs beste mich regiert; o leite mich durch Welt und Zeit hinüber in die Ewigkeit! Mel. Gott des Himmels und der Erden 27 Unerforschlich ſei nes Gottes Weg und Rath und die Nacht sei ohne Schimmer, die mich hier umschattet hat; doch ist Alles, 18 les, was er thut, wie's auch scheine, weis und gut. 2. Sollt ich meinen Gott nur loben, wenn ich seine Absicht seh? Pflicht ist's, auch dann loben, wenn ich sie noch nicht vers steh. Frevelt der nicht, wel cher klagt, daß ihm Gott mehr Licht versagt? Gott 3. Soll ein Vater unter laffen, was dem Kinde Thorheit ist? Kühner Tadler! Engel fassen das, wo du im Dunkeln bist. Hier sollst du dem Herrn vers traun, glauben, noch nicht völlig schaun. 4. Sollt er zu Regiererinnen seiner Werke, seiner Welt meine Lüste seßen? sinnen, ordnen, thun, was mir gefällt? Wohl uns, wenn er nie gewährt, was ein thöricht Herz begehrt! 5. Hier in meinem Pilgers stande sei mein Theil Zufriedenheit; dort in meinem Vaterlande wohnt die wahre Seligkeit. Führt mein Gang zum Himmel ein, mag er immer dunkel sein. 6. Wenn du auch auf rau hen Wegen wandelst, ach! so klage nicht. Was hier schmerzet, wird dort Segen: was hier Nacht ist, wird dort Licht, und ich faß erst Gottes Sinn, wann ich ganz vollendet bin. Heiligkeit und Gerechtigfeit Gottes. Mel. Fren dich sehr, o meine 28 ott! vor deſſen nur ein reiner Wandel gilt; ewges Licht, aus dessen Lichte stets die reinste Wahrheit quillt, deines Namens Heiligkeit werde stets von uns gescheut! Laß sie uns doch kräftig dringen, nach der Heiligung zu ringen! Wesen, und kein Böses ist 2. Heilig ist dein ganzes an dir. Ewig bist du so gewesen und so bleibst du für und für. Was dein Wille wählt und thut, ist untadelhaft ist gut; und mit deines Armes Stärke wirkst du stets vollkommne Werke. 3. Herr! du willst, daß deine Kinder deinem Bilde ähnlich sein. Nie besteht vor dir der Sünder; denn du bist vollkommen rein. Nur der Fromme darf sich dein, deiner Gnad und Huld erfreun. Wer beharrt in seinen Sünden, kann vor dir nicht Gnade finden. 4. O! so laß uns nicht verscherzen, was du uns noch zugedacht. Schaff in uns stets reine Herzen; tödt in uns der Sünden macht! Denn was sind wir, Gott! vor dir? Du bist hei und sein heilig, aber wir sind verderbt, und wer kann zählen, großer Gott, wie oft wir fehlen? 5. Uns von Sünden zu erlösen, gabst du deinen Sohn dahin. O so rei nige vom Bösen unsern ganzen Sinn durch ihn. Gib uns, wie dein Wort verheißt, gib uns deinen guten Geist, daß er unsern Geist regiere und uns zu dem Himmel führe. 6. Jede Neigung und Bes gierde, jede That sei dir geweiht! Unsers Wandels größte Zierde sei rechtschaffne Heiligkeit! Mach uns deis nem Bilde gleich; denn zu deinem Himmelreich wirst du, Herr, nur die erheben, die im Glauben heilig leben. 5. Doch dem, der dich, o Gott, nicht scheut, dem frevelnden Verbrecher, der dein Gesetz und Recht entGerechter Gott! weiht, bist du ein strenger Mel. Schon ist der Tag von Gott 29 Gerechter Wesen. 19 wir gethan, siehst du, gerechter Richter. 3. Das Vorgefühl der Seligkeit gibst du schon hier den Frommen; du schüßest sie vor manchem Leid, in das die Sünder kommen. So zeigest du vor aller Welt, daß dir der Eifer wohlgefällt, den man der Tugend widmet. 4. Du liebst, was recht ist, Herr, und gut, du bist ein Freund der Frommen. Wer deinen Willen gerne thut, wird von dir aufgenommen. Sein Tugendfleiß gefällt dir wohl, ist er gleich nicht so wie er soll, ganz heilig, ganz vollkommen. dein richt muß alle Welt sich stellen; du wirst in ihrem Angesicht auch mir mein Urtheil fällen. O laß mich jede Sünde scheun und hier mit Ernst beflissen sein, vor dir einst zu bestehen. 2. Du siehst von deinem hohen Thron herab auf deine Kinder; bestimmest jedem seinen Lohn, dem Frommen und dem Sünder, Nicht siehst du die Personen an, auf das allein, was Schmerz und Hohn, Gewissensmartern sind sein Lohn oft schon in diesem Leben. 6. Bleibt hier viel Böses ungestraft, viel Gutes unbelohnet: so kommt ein Tag der Rechenschaft, der keines Sünders schonet. Da zeigest du im hellsten Licht, wie recht und billig dein Ge richt; dann triumphirt der Fromme. 7. Gerechter Gott! Laß mich, 15 20 mich, wie du, das Gute eifrig lieben; verleihe mir die Kraft dazu, es willig auszuüben. Regt sich die Sünde noch in mir, so stärke mich die Furcht vor bir, daß ich sie überwinde. Gott Treue und Wahrhaftigkeit Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott 30 Noch nie hast du dein Wort gebrochen, nie deinen Bund, o Gott, verlegt. Du hältst getreu, was du versprochen, vollführst, was du dir vors gefeßt. Wenn Erd und Himmel auch vergehn, wird ewig doch dein Wort bestehn. 2. Du bist kein Mensch, daß dich gereue, was uns dein Wort verheißen hat; nach deiner Macht, nach deiner Treue bringst du, was du versprichst, ur That. Erfüllung gleich noch weit, so kommt sie doch zur rechten Zeit. 3. Und wie du das un fehlbar giebest, was deine Lieb uns zugedacht, so wird, wann du Vergeltung übest, die Drohung auch gewiß vollbracht. Wer hier verlebet seine Pflicht, entgehet deiner Strafe nicht. 4. D drücke tief dieß in mein Herze, daß es vor deinem Wort sich scheut; gib, daß ich nie leichtsinnig scherze mit deiner Strafgerechtigkeit. Nie werde das von mir gewagt, was dein Befehl mir untersagt. mit festem Glauben dem 5. Doch laß mich auch Worte deiner Gnade traun. Wer kann den Trost uns jemals rauben, den wir auf dein Versprechen baun? Du bist ein Fels, dein Bund steht fest: wohl dem, der sich auf Gott verläßt! Seele, und traue Gott, 6. Erwäge dieß, o meine der's treulich meint. Sei stets, nach seines Worts Befehle, der Wahrheit beweise dich als Gottes Freund, der Lügen Feind; Kind, dem Treu und Wahrheit heilig sind. Mel. Gott des Himmels und 31( a) eicht, ihr Ber. Hügel, brecht, ihr Felsen, ge, ihr stürzet ein! Fester wird, Vatertreue sein, unbewegals Berg und Hügel, Gottes ter noch, als sie. Seine Wahrheit trüget nie. 2. Gnade hat er mir versprochen, das ist Gottes Bund mit mir. Dieser Bund wird nie gebrochen; seine Treue bürgt dafür. Erd und sein Erd und Himmel mag ver gehn; was er zusagt, muß geschehn. 3. Nicht auf Menschen will ich bauen. Wie betrüglich ist die Welt! Meinem Gott will ich vertrauen, der, was er gelobt, auch hält. Er, ein Feind der Heuchelei, ist wahrhaftig, ist getreu. In eigener Melobie. 4. Dräut die Welt mir, 31( b) Gott ist getreu! mich zu folgt mich, will ich mich immer auf den Herrn verlassen: er erbarmt doch meiner sich. Denn er blei bet immerdar, was er ist und was er war. 5. Scheint auch er mich nicht zu achten und verbirgt sein Angesicht; läßt mich rufen, läßt mich schmachten: so vergißt er mich doch nicht: denn er bleibet immerdar, was er ist und was er war. 6. Friede will er mit mir halten, wenn sich auch die Welt empört; ihre Liebe mag erkalten, bleib ich meis nem Gott nur werth. Er, der meinen Kummer stillt, bleibt mir immer Sonn und Schild. Wesen. 21 8. Ihm allein will ich vertrauen, will auf diesem Felsen ruhn, will mein Glück auf ihn nur bauen, was er sagt, wird er auch thun! Erd und Himmel mag vergehn: ewig wird sein Bund bestehn. 7. Er, der Herr, ist mein Erbarmer; so hat er sich selbst genennt; das ist Trost genug: ich Armer werde nie von ihm getrennt. Er will meine Zuflucht sein; sollte nicht mein Herz sich freun? sein Vaterherg verläßt die Seinen nie. Gott ist getreu. Im Wohlsein und im Schmerz erfreut und schüßt er sie. Mich decken seiner Almacht Flügel. Stürzt ein, ihr Berge, fallt, ihr Hügel: Gott ist getreu! 2. Gott ist getreu! Er ist mein treuster Freund! Dieß weiß, dieß hoff ich fest: ich bin gewiß, daß er mich keinen Feind zu hart vers suchen läßt. Er stärket mich nach seinem Bunde in meiner Prüfung trübster Stunde. Gott ist getreu! 3. Gott ist getreu! Er thut, was er verheißt. Er sendet mir sein Licht. Wenn dieses mir den Weg zum Leben weist, so irr und gleit ich nicht. Das Lafter foll mich nicht belügen, mich um den Himmel nicht bes trügen. Gott ist getreu! 4. Gott ist getreu! Er handelt väterlich, und was er thut, ist gut. Auch Trübfal 22 fal ists; mein Vater bessert mich durch Alles, was er thut. Die Trübfal gibt Geduld und Stärke zum Fleiß in jedem guten Werke. Gott ist getreu! 5. Gott ist getreu! Er, dem ich theuer bin, führt mich nach weisem Plan im Gott Wechsellauf der Dinge zum Gewinn hinan; vergibt mir gnädig meine Sünden und läßt mich Trost durch Chriftum finden. Gott ist getreu! 6. Gott ist getreu! Stets hat sein Vaterblick auf seine Kinder Acht. Auch freut es ihn, wenn schon ein irdisch Glück sie froh und dankbar macht. Was uns zu schwer wird, hilft er tragen und endlich stillt er alle Klagen. Gott ist ge treu! 7. Gott ist getreu! Mein Herz, was fehlt dir noch, dich Gottes stets zu freun? Sei Gott getreu und fürchte nichts; mag doch die Welt voll Arglist sein. Selbst falscher Menschen Neid und Tücke gereichen mir als dann zum Glücke. Gott ist getreu! 8. Gott ist getreu! Ver giß, o Seel, es nicht, wie zärtlich treu er ist! Ihm treu zu sein, sei deine liebste Pflicht, weil du so werth ihm bist! Halt fest an Gott, sei treu im Glauben! Laß nichts den starken Trost dir rauben: Gott ist getreu! Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes. In eigener Melodie. 32 Wie groß ist des AllGüte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? der mit verhärtetem Gemüthe den Dank erstickt, der ihr gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen; vergiß, mein Herz, auch seiner nicht. 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich geleitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer gibt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück genießen? Jsts nicht der Herr, der Alles schafft? 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist; wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden, durch Gottes Güte sind sie dein. Auch darum mußte Christus leiden, damit du könntest selig feite. 4. Und und sein Wesen. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören? den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz geschrieben: sein Wort bestärkt ihn ewiglich. Gott soll ich über Alles lieben und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dieß ist mein Dank, dieß ist sein Wille; ich soll vollkommen sein, wie er. Solang ich dieß Gebot er fülle, stell ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb in meiner Seele, so treibt sie mich zu jeder Pflicht; und ob ich schon aus Schwachheit fehle, herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. Gott! Laß deine Güt und Liebe mir immer dar vor Augen sein. Sie stärk in mir die guten Triebe, mein ganzes Leben dir zu weihn. Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, leite mich zur Zeit des Glücks und sie besieg in meinem Herzen die Furcht des letzten Augenblicks. sie 23 2. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und läßt verschonend uns das nicht empfinden, was wir, weil wir ihm unser Herz nicht gaben, verschuldet haben. 3. Hoch ist der Himmel über seiner Erde. So groß ist auch, daß er geliebet werde, die Huld des Herrn bei denen, die ihn lieben und Gutes üben. 4. Wem bleibt sein Antliß, wenn ers sucht, verborgen? Soweit der Abend ist entfernt vom Morgen, entfernt auch Gott der Sünde Schuld und Schmerzen von unserm Herzen. 5. So zärtlich sich ein Vater seiner Kinder erbarmet, so erbarmt sich Gott der Sünder, wenn sie von Herzen sich zu ihm bekehren, ihm Treue schwören. 6. Er schlägt und heilt, verwundet, läßt genesen. Er weiß, der Mensch ist ein gebrechlich Wesen; er denkt daran, daß das Geschöpf aus Erde doch Asche werde. 7. Von Ewigkeit zu Ewigkeiten währet die Güte GotMel. Herzliebster Jeſu! 33 Gott! tes der ihn Er ist von großer Güte, barmherzig und von duldendem Gemüthe; will Allen Heil und ewge Lust gewähren, die ihn verehren. Ach leite denn auch mich auf deinem Pfade, du Gott der Gnade! 8. So werd ich ewig deiner Huld genießen; so wird mein Gott 24 mein Leben sanft vor bir verfließen; so werd ich dort mit allen Engelchören dich fröhlich ehren. 34 Weif, AnmächMel. Mein Gott, das Herz enn sich mein tiger, der Gnaden Menge denkt, womit du mich, mein Gott und Herr, so unvers dient beschenkt: 2. Dann ist mein Herz so hoch erfreut, ganz deiner Güte voll und weiß vor heißer Dankbarkeit nicht, wie es danken soll. 3. Als ich noch in der Mutter Schooß in Nacht verborgen schlief, bestimm test du, o Herr, mein Loos, das mich zum Leben rief. 4. Du wählst des Sterbs lichen Geschick, eh er ge boren ist; und so ward ich, o welch ein Glück! durch die Geburt ein Christ. 5. Als ich noch schwach, vernahmst du schon, was kein Gebet noch war, und neigtest zu des Weinens Ton dein Ohr gefällig dar. 6. Wenn ich als Jüngling von dem Pfad der Tugend mich verirrt, hat. mich unsichtbar, Herr, dein Rath oft wieder drauf geführt. 7. Du warst mein Schuß und meine Wehr vor Unglück und Gefahr; und vor dem Laster, das noch mehr, als sie, zu fürchten war. 8. Ich sah, vor Krankheit bleich, durch dich mein Leben hergestellt, und deine Gnade schmückte mich, wenn Sünde mich entstellt. 9. Von Freudenstrahlen glänzt mein Blick, da du so hoch mich liebst und mir in wahrer Freundschaft Glück mehr, als ich wünschte, gibst. 10. Und welche Wohlthat, Herr, ist nicht dieß Herz, das fühlen kann, dieß Herz, ganz dein, das dank bar spricht, was du an mir gethan! 11. Rein Tag soll würdger mir vergehn, als, Ewger, dir zum Preis; ich will frohlockend dich erhöhn als Jüngling und als Greis. 12. In Schreden, Angst, Gefahr und Noth trau ich allein auf dich. Durch dich gestärkt, ist selbst der Tod mir nicht mehr fürchterlich. Mel. Mein ganzer Geist, Gott 35 Gott, deß starke Hand die Welt erschaffen hat und noch erhält, ich spüre deine Güte hier auf der Welt an jedem Ort. Sie hilft mir Schwachen gnädig fort; und wenn ich mein Gemüthe von hier zu dir, o Gott, wende; streckst du Hände voll und sein Wesen. 25 voll Erbarmen und voll reichen, reicht deine Huld, Wohlthun nach mir Armen. die uns erhält. Eh werden Berg und Hügel weichen, als deine Gnade wankt und fällt; gleich mächtigen Gebirgen steht die Güte, die dein Volk erhöht. 2. Seh ich den weiten Himmel an, so viel ich davon sehen kann, so seh ich deine Güte. Der Himmels körper Lauf und Pracht, das Sternenheer, das du gemacht, erreget mein Gemüthe, mächtig, freudig dir zu singen, dir zu bringen Ehr und Stärke. Groß sind deiner Hände Werke. 3. So oft ich athme und den Hauch der Lüfte fühle, fühl ich auch, Gott, deine große Güte. Wind, Wasser, Feuer, Schnee und Eis find deines Wohlthuns lauter Preis und rühren mein Gemüthe, täglich hier mich dein zu freuen und von neuem, Herr, mein Leben dir zum Dienste zu ergeben. 4. Herr! dazu, bitt ich, hilf du mir. Zeuch immer näher mich zu dir durch deine große Güte. O het lige zu deinem Preis mich ganz, daß ich mit allem Fleiß mich vor dem Undank hüte. Laß mich, was ich bitt, erlangen: dir anhangen hier auf Erden, bis mir wird der Himmel werden. 36 Mel. Mer nur den lieben Gott ( oweit, Herr, deine Himmel 2. Gott, dir ist kein Ge schöpf verborgen, nicht Eins vom Seraph bis zum Thier. Du würdigst alle deiner Sorgen, sie danken Lust und Leben dir. Es mag. auch klein und niedrig sein: dir, Gott, ist nichts zu groß, zu klein. 3. Mit frommem, freudigem Gemüthe erheb ich, Gott der Gnade, dich; wie theuer ist doch deine Güte! Wie liebst du uns so väterlich, uns, die wir ohne Furcht und Graun dem Schatten. deiner Flügel traun! 4. Mit welchem reichen Ueberflusse erfüllst du diese Welt, dein Haus! Du theilst ihn Allen zum Genusse so väterlich, so reichlich aus. Herr! unsers Lebens Quelle fließt aus dir, der du das Leben bist. 5. Wir sehn, o Herr, in deiner Sonne den Schatten deiner Huld, dein Licht. Entzeuch uns deiner Güte Wonne, dein gnadenvolles Antlits nicht! Herr! deine Huld erfreue die, die dich verehren; segne sie! B 26 Gott Mel. Herzliebster Jesu! 37 Gott ist die Liebe! Gott kann nur beglücken! Dieß ruft uns Alles zu, wohin wir blicken. Sei blau der Himmel, sei er schwarz und trübe: Gott ist die Liebe! 2. Gott ist der Menschen Vater, und ich fände, selbst wenn ich an dem Saum der Erde stände, selbst wenn ich in die tiefste Gruft mich grübe, dich, Gott der Liebe! 3. So sei es denn mein höchstes Ziel auf Erden, dir, Geist der Liebe, ähnlich hier zu werden; der heißeste, der erste meiner Triebe ſei Menschenliebe. 3. Dein Auge schaut auf ihn herab, so geht er nicht verloren; nicht für die Welt, nicht für das Grab ist er allein geboren. Die Welt vergeht mit ihrer Lust; der du den Willen Gottes thust, dein Glück soll ewig dauern. 4. Wann ich erwache, denk ich dein, und wann ich schlafen gehe; denn du, mein Vater, kannst verleihn, um was ich findlich flehe. Drum seufz ich kindlich stets zu dir: Herr, was mir nüßet, schenke mir um deiner Güte willen! Mel. Herr, wir singen 39 Hu uldigt Gott, ihr Mel. Es ist das Heil uns Der Gott des Himmels ist 38 Wie viele Freuden die Liebe! Er ists in alle dank ich dir, die du mir, Herr, verliehen; und wie viel Sünden haft du mir aus Gnaden schon verziehen! D Gott, voll Langmuth und Geduld! noch täglich häuf ich meine Schuld, und deine Liebe währet. Ewigkeit! O wo kann ich Worte finden, den Ruhm der Liebe zu verkünden, die ewig segnet und erfreut? Wer bin ich, Herr, vor dir? Nur stammeln kann ich hier: Liebe! Liebe! Kein Mensch ermißt, wie gut du bist; ja selbst der Engel faßt es nicht. 2. Bedenk ich, Schöpfer, deine Macht, blick ich in jene Ferne und überseh des Himmels Pracht und Sonne Mond und Sterne; so bet ich dich voll Ehrfurcht an. Was ist der Mensch, ruf ich alsdann, daß du dich fein erbarmest! 2. Wundervoll sind deine Werke. Ich sehe Weisheit, Macht und Stärke, und meine Seele beuget sich. Aber deine Liebe thronet da auch, wo Macht und Weisheit wohnet; ich seh es und erhebe mich. Was Univ.- Bibl. ists, Giessen und sein Wesen. 27 ists, das mich erschreckt? und lockst mich hin zu dir Mein heller Blick entdeckt nichts, als Liebe. Der kleinste Wurm, der Donnersturm, und Alles, Alles preiset sie. durch die Liebe. Und wer dich ehrt und wiederkehrt, o Preis dir! den begnadigst du. 3. Huldreich riesst du mich ins Leben, um hohe Kräfte mir zu geben, um Freude um mich her zu streun. Jeder Tag erzählts dem andern: die Erde, wo die Menschen wandern, soll Vor hof deines Himmels sein. Ich jauchze, daß ich bin, und öffne Herz und Sinn deiner Liebe. Von dir geschüßt und unterstüßt, durch: lauf ich fröhlich meine Bahn. 4. Trüben sich auch meine Tage: hinweg mit jeder Jammerklage! Nur du, mein Vater, trübest sie. Licht entströmt den Dunkelheiten; du willst nur Segen mir bereiten, und Trost und Hoffnung fehlt mir nie. Vor dir entweicht der Schmerz, und froh erfährt mein Herz deine Liebe. Wenn Alles bricht; ich zage nicht! Du reichst mir deine Vaterhand. 6. Ja, du willst der Sünder Leben. Selbst deinen Sohn hast du gegeben, daß er ihr Seelenretter fei. Weisheit kam mit ihm hernieder; er litt und starb für seine Brüder und sprach ihr Herz von Aengsten frei. D Gott, was fühlt mein Geist! Wie staunt er nun und preist deine Liebe! Dein Sohn erschien, du fandtest ihn! Wie hoch hast du die Welt geliebt! 7. Gott! ich will dir folgsam werden. Wer ist im Himmel und auf Erden, der so, wie du, beglücken kann? Einst umstrahlet, gleich der Sonne, mich ewig, ewig Licht und Wonne, geh ich nur gern auf deiner Bahn. Dann schwebt mein Geist empor und singt im Sternenchor: Liebe! Liebe! O Herr der Zeit und Ewigkeit! Ich weiß, daß du die Liebe bist. 5. Ach! wie kann ich dir vergelten, was du, Beherrscher aller Welten, mir ar men Erdbewohner gibst? Sünde häuf ich oft auf Sünde und dennoch seh ich und empfinde, daß du, ErMel. Ein kämmlein geht barmer, mich noch liebst. 40 mit welcher Langmir B2 duld Geduld, Langmuth und Gnade Gottes. 28 duld trägst du die Mens schenkinder, o Gott! Auch bei gehäufter Schuld trägst du die frechen Sünder! Sie nahen dem Verderben sich; du siehst es, und es jammert dich des Elends dieser Armen. Daß sie demselben noch entfliehn, felb ihr Herz zu bir zu 41 Aicher, Gott, dein AL In eigener Melodie. Welten du ziehn aus innigem Erbarmen. 2. Du gönneft ihnen Zeit und Raum, noch in ihr Herz zu gehen, du läßt den unfruchtbaren Baum nicht ohne Pflege stehen. Du schoneft sein von Zeit zu Zeit; verziehest voll Barmherzigkeit, ihn gänzlich abzubauen. O welche Langmuth und Geduld! Wer sollte deiner Vaterhuld nicht inniglich vertrauen? ganz Gebiete ist ein Schauplaß deiner Güte. Sie verherrlicht täglich sich auch an uns allen, die wir noch auf Erden wallen. Ja, sie pflegt, nährt und trägt nicht nur deine Kinder, selbst die größten Sünder. Gott 3. Erbarmest du dich schon so sehr selbst frevelhafter Sünder, so trägst du schonend noch viel mehrdieFrommen, deine Kinder. Läßt ihrer Tugend Eifer nach, und werden sie im Glauben schwach und träg zu guten Werken, so zürnst du nicht; du denkst daran, wie leicht ein Herz sich täuschen kann, und eilest, sie zu stärken. 4. Laß diese Langmuth und Geduld, Gott, unsre Herzen rühren! Nie müsse deine Vaterhuld zur Sicherheit uns führen! Ach! keiner hänfe Schuld auf Schuld durch fühnen Mißbrauch deiner Huld! Nur Tugend sei uns Freude, damit uns in der Prüfungszeit der Reichthum deiner Gütigkeit zur wahren Beßrung leite. 2. Dieser Langmuth Größe läßt sich zwar empfinden; aber wer kann sie ergründen? Sünder so verschonen, Millionen Schulden mit so vieler Nachsicht dulden und dabei doch so treu warnen, die dich hassen: Herr! wer kann dieß fassen? 3. Doch du strafft nicht gerne, liebst nur unser Leben, Zeit zur Beßrung uns zu geben, dringt dich deine Liebe, zärtliches Erbarmen. Darum hast du mit uns Armen, so voll Huld, noch Geduld, daß wir darauf achten und nach Beßrung trachten. 4. daß doch der Reichthum deiner Vaterliebe uns zur Sinnesändrung triebe! und sein Wesen. O daß wir, voll Reue, unsre Schuld bedächten und dir willig folgen möchten! Unser Schmerz rührt dein Herz, Schulden, die uns fränken, gnädig uns zu schenken. 5. Dank sei dir, o Vater, 29 daß du unser schonest und nicht nach Verdienst uns lohnest. Stets noch ist uns Schwachen nöthigdeineGnade selber auf dem Tugendpfade. Leit uns doch damit noch, bis wir dich einst droben ohne Sünden loben. Von der heiligen Dreieinigkeit. ben und im Tod: erbarm Gott, Vater, Sohn und dich unser aller! heiliger Geist. 2. Ja, Vater, wir erheben dich, mit freudigem Gemüthe, du herrschest unveränderlich mit Weisheit und mit Güte. Unendlich groß ist deine Macht, und was sie wirkt, ist wohlbedacht. Wohl uns, daß du regierest! 3. D Jesu Christ, des Höchsten Sohn! dich, seinen Eingebornen, dich sandte Gott vom Himmelsthron zur Rettung der Verlornen. Du Mittler zwischen uns und Gott, hilf uns im LeIn eigener Melodie. 42 Ah jei Chr und Alein 4. O heilger Geist du, Geist von Gott! Erleuchte beßre, tröste, die Jesus [ Ulein Gott in der Christ durch seinen Tod vom Sündendienst erlöste. Auf deinen Beistand hoffen wir; ach leit uns stets, so sind wir hier beglückt, dort ewig selig. Höh sei Chr und Er Dank für seine Gnade! sorget, daß uns nimmer mehr Gefahr und Unglück schade. Uns wohlzuthun ist er bereit: er will nur unsre Seligkeit. Erhebet ihn mit Freuden! Mel. Erschienen ist der herrlich 43 Dank und Anbetung bringen wir, Herr, unser Gott und Vater, dir. Du bist es, der die ganze Welt erschaffen hat und noch erhält. Halleluja! 2. Dank und Anbetung bringen wir, Sohn Gottes, Herr und Heiland, dir. Du littst für uns des Todes Pein, uns vom Verderben zu befrein. 3. Gelobet feist du, Geist des Herrn! Wir waren einst von Christo fern. Du hast durch deines Wortes Macht B3 uns 30 Von der heiligen Dreieinigkeit. uns allen Licht und Heil den. Er flößet uns im Todesgebracht. Halleluja. schmerz des ewgen Lebens Trost ins Herz. In eigener Melodie. 44 Wirglauben an den eingen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden. Er, aller Vater, unser Gott, hieß uns seine Kinder werden. Er will uns auch stets ernähren, zu Ewigkeit lebt er jedes wahre Gut gewähren. Er erwog schon, eh wir waren, unsre Rettung in Gefahren. Er ists, der für uns sorgt und wacht, und Alles steht in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, Gottes Sohn, den Eingebornen, den Herrn, der Mensch geworden ist, den Erretter der Verlornen. Er, er achtete sein Leben nicht zu theur, für uns zu geben. Er erstand, herrscht, hoch erhöhet, in dem Reich, das nie vergehet. Er läßt uns auch im Grabe nicht und kommt dereinst zum Weltgericht. Mel. Mein ganzer Geift 45 Nobsinget Gott! Dant, und Ehr sei unsrem Gott je mehr und mehr für alle seine Werke! Von Ewigkeit und Herrschet weit und breit mit Weisheit, Güt und Stärke. Singet, bringet frohe Lieder! fallet nieder! Gott ist herrlich, unaussprechlich groß und selig. 2. Lobsinget Gott, Dank Preis und Ruhm sei von uns, deinem Eigenthum, Herr Jesu, dir gesungen. Du Mittler zwischen uns und Gott, hast durch Ge horsam bis zum Tod das Leben uns errungen. Heiz lig, selig ist die Freundschaft und Gemeinschaft aller Frommen, die durch dich zum Vater kommen. 3. Lobsinget Gott! Du Geist des Herrn, sei nie von unserm Geiste fern, mit Kraft ihn auszurüsten! Du machst uns gläubig, weis und rein, hilfft uns getrost und siegreich sein im Streit mit unsern Lüsten. Leit uns, stärk uns in der Freude, wie in Leide, Gott ergeben und der Tugend Mel. 3. Wir glauben an den heilgen Geist, unsern göttlichen Regierer, den Jesus Christus uns verheißt uns zum Beistand und zum Führer, der in Trübsal seine Christen eilt mit Muth und Kraft zu rüsten; der uns Lehrt Vergebung finden und der Tugend Werth empfin- treu zu leben. Von der heiligen Dreieinigkeit. 31 zu befrein von Sünd und 46 laß Tod, kamst du zu uns auf Herr und Gott, froh deines Segens werden und dir im Glauben dienen. 4. D heilger Geist, du Geist von Gott! wehr in uns dem Verderben! Im Glauben an des Mittlers Tod hilf uns der Sünde sterben! Du gibst zum Guten Lust und Kraft, laß es uns stets erfahren. Stärk uns in unsrer Pilgrimschaft, bewahr uns vor Gefahren, hilf uns dir willig folgen. 5. Laß, Gott, uns dein auf Erden schon als unsers Gottes freuen. Herr, segne uns von deinem Thron, daß wir vor dir gedeihen! Dein ist das Reich, die Herrlichkeit, dir wollen wir hier leben; und du wirst nach vollbrachter Zeit uns einst dahin erheben, wo wir dich ewig schauen. Mel. Es wolle uns Gott err, unser Gott, Du bist das höchste Wesen; und doch hast du, an Gnade reich, uns dir zum Dienst erlesen. Gemeinschaft sollen wir mit dir, du Allerhöchster, haben. Mit deinem Heil willst du uns hier und ewig einst begaben, du Quelle alles Segens. 2. Wir beten dich, o Vater, an. Sind wir gleich vor dir Sünder, so nimmst du dich doch unser an, wie Väter ihrer Kinder. Du haft für uns aus großer Huld selbst deinen Sohn gegeben; dein Herz voll Güte und Geduld, verleih uns Trost und Leben, daß wir dich findlich fürchten. 3. O Jesu, ewger Gottes sohn! Du Heil, darauf wir hoffen! Durch dich steht zu des Vaters Thron der Weg uns wieder offen. Uns Werke und Wohlthaten Gottes. Schöpfung. Mel. Es ist das Heil uns 47 er machte diese Blüthen? schöne Welt, das Nahe und das Ferne? Wer hat am Himmel hingestellt die Sonne, Mond und Sterne? Wer schuf die Wälder, Feld und Au? befahl dem Regen, sprach zum Thau: erquicke Saat und 2. Auf wessen mächtiges Geheiß entstanden Ström und Seen? Wer gab dem Winter Schnee und Eis? Wer hieß die Winde we34 hen? 32 hen? Wer rief der Thiere zahllos Heer in Flur und Wald, in und in Staub selbst frohe Wesen? Werke und Wohlthaten Gottes. 3. Das Alles, Alles, groß und klein, ist dein Werk, Unsichtbarer! Du bist der Erste, du allein bist Schöpfer nnd Bewahrer. Durch deine Macht und dein Gebot ist Alles, liebevoller Gott, ist auch der Mensch geworden. 4. Wie gut, wie liebevoll du bist, seh ich, wohin ich blicke; denn gut ist, was geschaffen ist, und dient zu meinem Glücke. Luft, Sonn und Mond und Pflanz und Thier und Stein und Wasser nüßen mir und nüßen allen Menschen. 5. Für dich nicht, für Geschöpfe nur, daß jedes glücklich werde, schufst du die prächtige Natur, den Himmel und die Erde. O du, der uns als Vater liebt und Allen alles Gute gibt, was kann der Mensch dir geben? 6. Wie bin ich froh! Du machst auch mich zum Zeugen deiner Güte. Ich danke bir und denk an dich mit freudigem Gemüthe. Ich seh dich nicht, doch lieb ich dich; du schufft und du er hältst auch mich zu immer größern Freuden. In eigener Melodie. 48 Lobsinget Gott! er Welt zum Schauplaß seiner Güte; lobsingt ihm, der sie noch erhält, mit freudigem Gemü the! Gott ist die Liebe! rühmt es laut, Geschöpfe, die ihr ihm vertraut, die ihr ihn fennt und ehret! Rühmt es, daß seine Gütigkeit mit jedem Morgen sich erneut und ewig, ewig währet! 2. Du wolltest, daß vor dir nichts leer von Freud und Leben bliebe: drum schufst du, Gott, der Himmel Heer, schufft unsre Welt aus Liebe. Du selbst bedurftest ihrer nie; Unendlicher! du ließest sie zu ihrem Heil nur werden. Dich aber, dich erfreuet nur die Wonne, Allen wohlzuthun im Himmel und auf Erden. 3. Kein Mensch, kein Engel selbst ermißt dein Wohlthun, deinen Segen: wie groß, wie weisheitsvoll du bist in allen deinen Wegen. Gott, deine Güte reicht so weit, als deines Reichs Unendlichkeit, so weit, Herr, als dein Leben. Ach! was sind wir, die deine Macht aus todtem Staub hervorgebracht, uns ewig Heil zu geben! 4. O Vater, welchem Keiner Schöpfung. ner gleicht an Liebe, wie an Stärke, tein Dant, kein Lobgesang erreicht die Wunder deiner Werke; doch ist dirs angenehmer Dant, dir ist es mehr, als vobges sang, wenn ich dich thätig liebe und gern in meiner Lebenszeit Erbarmen und Wohlthätigkeit an andern Menschen übe. 5. Du bist die Liebe! Dank sei dir, daß ich dich so erkenne und dir zum Ruhm, zum Troste mir, dich meinen Vater nenne! Auch will ich gerne liebreich sein, will glücklich machen, will erfreun, will helfen und dir gleichen. Von die sem Heil und dieser Pflicht, o Gott der Liebe, laß mich nicht, solang ich lebe, weichen! Mel. Gott, der du die Menschen 49 Gott! aus deinen 33 werf auch ich mich nieder: Herr, dein Preis fei mein Beruf! Preis, daß ich dich Vater nenne, Preis, daß ich dich preisen kann, daß auch ich durch dich begann, dich als meinen Schöpfer kenne und, von hohem Eifer voll, mehr dich kennen lernen soll. ging die herrliche Natur. Solchen Bau so schön vollenden, konnte solch ein Schöpfer nur. O wie könnt ich deine Werke, ihre Regelmäßigkeit, Pracht und Mannichfaltigkeit, wie die 3eugen deiner Stärke, deiner Huld und Weisheit sehn und doch stumm vorüber gehn? 2. Rings auf Erden hallt es wieder: Gut und groß ist, der uns schuf! Betend 3. Ja, wenn Thränen mir entgleiten, will ich deine Schöpfung sehn und durch ihre Herrlichkeiten stets mit offnem Herzen gehn. Alle stehn ja unverschlossen, sind dem Nermsten ja bekannt. Näher werd ich dir gewandt, hab ich schuldlos sie genossen. Still und heis ter wird mein Sinn, wenn ich hier nicht fühllos bin. 4. Du gedachtest meiner Leiden, eh noch dieses Herz dir schlug; sorgtest schon für meine Freuden vor dem Genuß für Leib und Seele hast du, Herr, mit Freundlichkeit so viel Gaben ausgestreut, daß ich im Genuß oft wähle. Wer so viel, so gern mir gibt, o der zeigt, daß er mich liebt. 5. D, wer wollte je vermessen mitten in der schönen Welt deiner Macht und Huld vergessen und nicht thun, was dir gefällt? Du, der selbst dem kleinsten Wurme seine Baterforge B5 weiht, 34 Werke und Wohlthaten Gottes. weiht, du bists, der auch nem Schöpfer Ehre! Mich, mich erfreut in der Stille, ruft der Baum in seiner wie im Sturme. Herr, dir Pracht, mich, ruft die Saat, will ich ganz vertraun und hat Gott gemacht; bringt mein Heil auf dich nur unserm Schöpfer Ehre! baun. 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand so wunderbar bereitet; der Mensch, ein Geist, den sein Verstand, dich zu erkennen, leitet; der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, ist sich ein täglicher Beweis von deiner Güt und Größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, erhebe feinen Namen! Gott, unser Vater, sei gepreist, und alle Welt sag: Amen! Und alle Welt fürcht ihren Herrn und hoff auf ihn und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen? 50 W Mel. Sei Lob und Ehr dem enn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die für Alles wacht, anbetend überlege, so weiß ich, von Bewundrung voll, nicht wie ich dich erheben soll, mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, preist dich, du Gott der Stärke! Wer hat die Sonn an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer In eigener Melodie. ruft dem Heer der Sterne? 51 Die Himmel rüh3. Wer seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schooß der Erde auf, mit Vorrath uns zu segnen? Du, Gott der Macht und Herrlichkeit! Gott, deine Güte reicht so weit, als Erd und Himmel reichen. 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der ge ringste Wurm, bringt meiihr Schall pflanzt seinen Namen fort. Ihn rühmt der Erdkreis, ihn die Meere; vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort! 2. Wer trägt die unzählbaren Sterne? Wer führt die Sonn aus ihrem Zelt? Sie kommt und leuchtet uns von ferne und lauft den Weg gleich als ein Held. 3. Vernimms und sieh die Wunderwerke, die die Na Schöpfung. Natur dir aufgestellt! Verkündigt Weisheit, Ordnung, Stärke dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt? 4. Kannst du die unzählbaren Heere der Wesen fühllos wohl beschaun? Durch wen ist Alles? Gib ihm Ehre! Mir, ruft der Herr, sollst du vertraun! 5. Mein sind die Himmel, mein die Erde; an meinen Werken kennst du mich! Ich werde sein, der ich sein werde, dein Gott und Vater ewiglich! 6. Ich bin dein Schöpfer, Weisheit, Güte, ein Gott der Ordnung und dein Heil! Ich bins! Mich liebe dein Gemüthe und nehm an meiner Gnade Theil! Mel. Herr, wir singen 52 Unser Gott ist groß und seine Schöpfung schön und prächtig, voll Weisheit und Vollkommenheit. Dihr, seiner Allmacht Heere, verkündigt eures Schöpfers Ehre und preiset seine Herrlichkeit! Sein Kleid ist reines Licht, er hält im Gleichgewicht ganze Welten. Der Wesen Heer, das weite Meer, den Engel und den Wurm schafft er. 35 Allmacht spricht: so stürzen Welten, die Berge fliehn vor ihrem Schelten und sinken vor dem Donner hin. Er hat wie ein Gewand die Himmel ausgespannt. Durch ihn gehet, gleich wie ein Held aus seinem Zelt, die Sonne und erfreut die Welt. 3. Er, der auf den Winden schwebet, er schaut die Erde an: sie bebet! Er rührt den Berg an, und er raucht! Vögel nährt er, speist die Heerde, erneuert die Gestalt der Erde, erfreut, was in ihr lebt und haucht. Mit milder Freundlichkeit gibt er zu seiner Zeit allen Speise, liebt und erhält die ganze Welt und tränkt die Thiere auf dem Feld. 2. Allmacht sprach zum Nichts: Es werde! da trat auch unsre schöne Erde vor ihren Herrn, um aufzublühn. 4. Kräuter schuf er, uns zu heilen; den Mond, das Jahr danach zu theilen; der keit. Gott ist gnädig, Gott regieret, wenn er die Flur mit Blumen zieret und sie mit Saaten überstreut. Der Wallfisch und der Wurm, der Blüthenduft und Sturm zeugt vom Schöpfer. Der Tag, die Nacht rühmt seine Macht und rühmt, daß er für Alles wacht. 5. Gott, voll Weisheit, Gott, voll Stärke, wie viel und groß sind deine Werke! wie reich an Gütern ist das Land! Schiffe gehn in weiB6 ten 36 Werke und Wohlthaten Gottes. ten Meeren; da wimmelts Ding verborgen ist! Ach, von den frohen Heeren der ziehe mich doch ganz zu dir Thiere, zahllos wie der Sand. und offenbar dich selber mir! Mit Mannichfaltigkeit, mit Regelmäßigkeit prangt die Erde; wohin entzückt mein Auge blickt, da ist die Welt mit Reiz geschmückt. 2. Wohin ich Herz und Augen lenke, da find ich deiner Gottheit Spur. Wenn ich voll Andacht überdenke dein Werk, die prächtige Natur, so ruft mir Alles, Alles zu: Wie groß ist Gott! wie klein bist du! 6. Wer vergänglich Gras bekleidet, die Fische nähret, Lämmer weidet, der sorgt als Vater auch für mich. Seele, wolltest du für morgen schon heute bang und ängstlich sorgen? Nein, sei getrost, ermanne dich! Ver traue Gott! auf ihn werf alle Sorgen hin! Er wird sorgen: er, der uns hört und gern gewährt, was unser wahres Wohl vermehrt. 3. Mir zeigen alle Elemente Macht, Güt und Weisheit überall. D wenn das Stumme reden könnte, wie groß wär stets der Jubelschall! Rühmt, Menschen, Gottes Güt und Macht, die euch und uns hervorgebracht! 7. Dank dem guten Gott zu singen und stets mein Herz ihm darzubringen, soll meine höchste Freude sein. Laut soll ihm mein Lob erschallen, mein Opfer wird ihm wohlgefallen, gerührt will ich mich seiner freun. Sein Lob ist Seligkeit! Es macht schon hier bereit für den Himmel. Dort werd ich stehn, entzückt ihn sehn und ewig seinen Ruhm erhöhn. Mel. Wer nur den lieben Gott 53 G Gott des Himmels und der Erden, der du allgegenwärtig bist, von Niemand kannst begriffen werden, vor dem kein 4. Herr Gott! wie groß ist deine Liebe! Die Erd ist deiner Güte voll. O gib mir dankbar fromme Triebe, daß ich dich preise, wie ich soll. Nimm, was ich kann und hab und bin, zu deinem Dienst auf ewig hin! 5. Hilf, daß die Güter dieser Erben mich zu dir lok ten, höchstes Gut, daß sie mir nicht zum Fallstrickt werden, und ihr Genuß mir Schaden thut! Laß allen Mißbrauch ferne sein: mein leptes Ziel sei du allein! 6. Hier ist mein Leben eine Reise, ich geh nach jener höhern Welt. Drum mache du mich fromm und weise, daß ich hier thu, was dir gefällt! Und end ich diesen furs Vorsehung. kurzen Lauf, so nimm zu höherm Glück mich auf! Vorsehung oder Erhaltung und Regierung der Welt. Mel. Nun dantet alle Gott 54 Nichts ist von unge fähr! Ein großer Gott regieret, ein Gott, der seine Welt mit reichem Se gen zieret. Auch was uns Zufall heißt, ist, eh es noch geschieht, in seinem Plan bestimmt und einer Kette Glied. 2. Er sah vor aller Zeit, was künftig werden sollte, und nichts ist, nichts wird sein, als was sein Rathschluß wollte: und Alles, was er will, ist weise, recht und gut. O wohl mir, daß mein Glück in Gottes Händen ruht! 3. Wie dürft ich mißver gnügt in meinem Stande leben? Kann jemals böse sein, was mir mein Gott will geben? Der Thor nur klagt und murrt und lästert Gottes Rath; er hat nicht, was er will, und will nicht, was er hat. 4. Wer wahre Weisheit liebt, der liebt auch den Gedanken: Mein Heil, mein Fels ist Gott, und wenn auch Welten wanken! Ich sollte, was ich bin, nicht etwas Anders sein, und mein besondres Loos stimmt mit dem Ganzen ein. 37 5. Mein Unmuth ändert nie die Ordnung aller Dinge. Ich quäle nur mich selbst, wenn ich die Hände ringe. Doch folg ich meinem Gott, so lindert sich mein Schmerz; denn was mich elend macht, ist immer nur mein Herz. 6. Wie thöricht würd ich sein, wenn ich begehren wollte, daß alles Ungemach nur mich verschonen sollte! Mein Vater liebt auch mich und mischt mit Freundlichkeit in seinen Segenskelch des Leidens Bitterkeit. 7. Jm Leiden lern ich mich und meinen Gott erkennen und mich mit edlem Sinn von falschen Freuden trennen. Wie kann mir schrecklich sein, was mich vollkommner macht? Mehr ist die Tugend werth, als Sinnenlust und Pracht. 8. Die Tugend wird bald schwach im Schooße niedrer Freuden und stark erscheinet sie, umringt von stillen Leiden. Sie strahlt am göttlichsten aus tiefer Dunkelheit; da leuchtet sie der Welt und überlebt die Zeit. 9. Hinweg mit blöder Furcht! Der Herr will mich regieren, mich auch auf rauher Bahn zu meinem Ziele führen. Hier bin ich, Herr, mein Gott! O stehe du mir bei, daß selbstin Noth und Tod mein Herz dir folgsam sei! 37 In 38 Werke und Wohlthaten Gottes. In eigener Melodie. 55 Höchsten rathen, der Alles kann und hat. Er muß in allen Dingen, solls anders wohlgelingen, mein Helfer sein mit Rath und That. n allen meinen Tha2. Nichts hilft mein banges Sorgen vom Abend bis zum Morgen, nichts meine Ungeduld. Er mags mit meinen Sachen nach seinem Willen machen: ich traue seiner Vaterhuld. Mel. Es ist das Heil uns 3. Es kann mir nichts ge= 56 Dir, unser Gott, ift Niemand gleich schehen, als was ersehen und mir für heilsam hält. Mit dem, was Gott beschieden, bin ich, sein Rind, zufrieden: mir geh es, wie es ihm gefällt. im Himmel und auf Erden. Du bist der Höchste, und dein Reich kann nie begriffen wer den. Unendlich ist die Majestät, die über Alle dich erhöht, die Kron und Scepter tragen. 4. Ich traue seiner Gnade, die mich auf meinem Pfade vor allem Uebel schüßt. Leb ich nach seinen Säßen, so wird mich nichts verleßen, nichts fehlen, was mir ewig nüßt. 2. Wie weit erstreckt sich dein Gebiet! Wo ist der, der es messe? Wohin auch nur mein Auge sieht, da seh ich deine Größe. Weit, über alle Himmel weit geht deines Reiches Herrlichkeit. Du herrschest über alles. 5. Leg ich zum Schlaf mich nieder, weckt mich der Morgen wieder zu meines Lebens Pflicht; irr ich auf finstern Wegen, geh ich dem Leid entgegen, so sei sein Wort mir Trost und Licht. 6. Was über mich beschlosfen, dem will ich unverdros fen, getroft entgegengehn. Kein Unfall unter allen soll je zu hart mir fallen; ich will mit Gott ihn überstehn. 7. Ihm hab ich mich ergeben, zu sterben und zu beut. Sei mir mein End verborgen, komm es heut oder morgen, er weiß dazu die rechte Zeit. 8. So sei nun, Seele, stille, dich leitet dessen Wille, der dich erschaffen hat. Es gehe, wie es gehe! Dein Vater in der Höhe, der weiß zu allen Sachen Rath! 5 3. Du herrschest weislich, recht und gut, nach heiligen Gefeßen. Du willst auch deiner treuen Hut das Kleinste würdig schäßen. Auf Alles geht dein Augenmert, und immer ists dein liebstes Werk, zu segnen, zu beglükfen. 4. Wohl Vorsehung. 4. Wohl uns, daß du das Regiment, Gott, über Alles führest! Und wohl dem, der den Zweck erkennt, dazu du uns regierest! Ich, dein so schwacher Unterthan, ich bete dich in Demuth an. D sieh auf mich mit Gnade! 5. Ich bin verderbt und fehlervoll, bin auf dem Tugendwege nicht stets so eifrig, wie ich soll, bin oft zum Guten träge. Doch du bist gnädig und voll Huld vergibst du Reuenden die Schuld. Drum hoff ich auf Vergebung. 6. Ich hoffe, weil mich der vertritt, den du für mich gegeben. Mein Jesus, wel cher für mich litt, erwarb mir Recht zum Leben. Sein Tod macht mich vom Zweifel frei, ob ich der Gnade fähig sei; auch mich hat er versöhnet. 7. Herr! ewig will ich dei nen Ruhm mit Lob und Dank erheben. Dir will ich, als dein Eigenthum, mich ganz zum Dienst ergeben. Mit Lust will ich bis in den Tod nach deinem heiligen Gebot durch deinen Beistand wandeln. 39 den Weisen, der keinen seines Gleichen hat! Der Herr thut große Werke. Wer beuget seine Kraft? Wer seines Ärmes Stärke, die alles Gute schafft? Er dehnet, gleich Gezelten, den weiten Himmel aus; er spricht, so gehen Welten aus ihrem Nichts heraus. In eigener Melodie. 57 Kommt, kommt, den Herrn zu preisen, der groß von Rath ist, groß von That, den Gütigsten, 2. Er will, und Sonnen flammen; auch drängt das Wasser, wenn er spricht, in Wolken sich zusammen, und ihre Schläuche reißen nicht. Er ruft den Ungewittern, das Meer wird ungestüm, des Himmels Säulen zittern, die Erde bebt vor ihm. Er will, und Blize zünden, daß Städte flammend stehn. Er winkt und droht den Winden, schnell wird sein Himmel schön. 3. Er, er gebeut den Wel len: Bis hierher!- hm gehorchen sie. Er legt in Felsen Quellen; sie rieseln und versiechen nie. Er füllet Wüsteneien mit seinen Wundern an; heißt Thiere da sich freuen, wo kein Mensch wohnen kann. Wer kann die Sterne führen? Wer kann, als er allein, der Dinge Lauf regieren, zerstören und erneun? 4. Herr! dein ist alle Stärte, und alle Hülfe, Gott, ist dein! Das preisen deine Werke, die deiner Allmacht fich 40 sich erfreun. Auch wir er freun uns ihrer; ihr Lob sei unsre Pflicht! O Vater, o Regierer, wen hält, wen schüßt sie nicht? Du lebst, du wirkst in Allen; wir leben nur in dir. Erhalter, wer kann fallen? Dir, dir vertrauen wir! Werke und Wohlthaten Gottes. Mel. Von Gott will ich, oder: Zeuch ein zu deinen Thoren 58 Gott, der an allen und immerdar. Enden große Wunder thut! Du bists, in dessen Händen mein ganzes Schicksal ruht; hast in der Prüfungszeit mir jeden mei ner Tage, mein Glück und meine Plage bestimmt von Ewigkeit. 2. Da ich noch tief verborgen im Mutterleibe lag, wacht über mich dein Sorgen. Ach, Bater! wie ver: mein geben und frohe Zuversicht. Wenn ich bekümmert war, so seufzt ich und war stille, und dein stets guter Wille entriß mich der Gefahr. 5. Dein Name sei gepriesen, der jederzeit an mir so herrlich sich erwiesen! Mein Herz und Mund soll dir, du Retter aus Gefahr, mein schuldig Opfer bringen, von deiner Güte singen jegund stand das Gute zu erheben, das du in meinem Leben mir huldreich zugewandt? 3. Drückt mich auf mei nen Wegen gleich manche Last und Müh, so führt auch sie zum Segen, und du versüBest sie. Du bleibest mitleidsvoll, hilfst liebreich deinen Kindern sie tragen und vermindern, beförderst stets ihr Wohl. 4. Stets hat in meinem Leben mir dieses Trostes Licht von neuem Kraft ge 6. Du hast mir wohl gerathen und lauter Guts gethan, daß deiner Liebe Thaten ich nicht aussprechen tann. Hilf, Vater, daß ich dort, verklärt und ganz vollkommen mit allen deinen Frommen dir danke fort und fort! Mel. Wer nur den lieben Gott 59 Fürwahr, du biſt, o Gott, verborgen, dein Rath bleibt für uns wunderbar! Umsonst sind alle unsre Sorgen; du sorgtest, eh die Welt noch war, für unser Wohl schon väterlich. Dieß sei genug zum Troft für mich. 2. Dein Weg ist zwar in Finsternissen vor unsern Aus gen oft versteckt: doch wenn wir erst den Ausgang wissen, wird uns die Ursach auch entdeckt, warum dein Rath, der niemals fehlt, den uns so dunkeln Weg gewählt. 3. Nie Borsehung. 3. Nie sind die Tiefen zu ergründen von deiner Weißheit, deiner Macht; du kannst viel tausend Wege finden, wo die Vernunft sie nie gedacht. Aus Finsterniß bringst du das Licht; dir folgen sei stets unsere Pflicht. 41 3. Schau die Werke seiner Hände! Mensch und Thier melden dir seinen Ruhm ohn Ende. Was wir noch so kleines nennen, Gras und Laub, selbst der Staub, gibt ihn zu erkennen. 4. Drum will ich mich dir überlassen mit Allem, was ich hab und bin? und kann ich auch nicht Alles fassen, so trau ich dir mit frohem Sinn. Der Ausgang macht mir endlich klar, daß stets dein Rath voll Güte 4. Was auf Bergen und in Gründen, in der Höh, in der See, oder sonst zu finden, rühmt die Weisheit seiner Werke: jeder Wurm, Wind und Sturm preisen seine Stärke. 5. Sollt ich denn nicht ihn erheben? Wie so gar wunderbar gab er mir das Leben! Was ich hab, ist sein Geschenke, auch der Geist, der ihn preist, mit dem ich ihn dente. 6. Wie mich sein getreues Sorgen Tag und Nacht nimmt in Acht, das zeigt jeder Morgen. Ja, kein Augenblick verschwindet, der mich nicht, Gott, mein Mel. Warum sollt ich mich 60 Sei zufrieden, mein Licht, dir zum Dank verbindet. Gemüthe! Gott ist gut; was er thut, ist voll Lieb und Güte! Er nur weiß in allen Sachen, groß von Rath, wie von That, Alles wohlzumachen. 2. Beides, Erd und Himmel preisen seine Macht; Tag und Nacht müssen sie beweisen. Sonn und Mond, das Heer der Sterne, was sich regt und bewegt, lobt ihn nah und ferne." war. 5. Gib, daß dieß mein Vertrauen mehre in Glück und Unglück, Freud und Leid; denn Alles wirkt zu deiner Ehre und meiner Seele Seligkeit, und einst preis ich vollkommen dich und freue deiner ewig mich. 7. Sezten mir des Kreuzes Plagen heftig zu, so halfst du, o mein Gott, sie tragen. War kaum noch Geduld vorhanden, deine Kraft hat geschafft, daß ich überstanden. 8. Nan, mein Herz, das hat schon lange Gott gethan! Denke dran, wird dir jemals bange, als wollt er dich ganz verlassen. Es geschicht Werke und Wohlthaten Gottes. 42 schicht wahrlich nicht; er kann dich nicht haffen. 9. Drum ergib dich seinem Willen, heiße gut, was er thut, er wirds auch erfüllen. Denn er ist in allen Sachen groß von Rath, wie von That: er, er wirds wohl machen. In eigener Melodie. 61 es ist an deinem Segen, großer Gott, allein gelegen; du bist unser höchstes Gut. Ueber Alles hoch dich schätzen und auf dich Vertrauen segen, gibt allein getrosten Muth. 2. Du, der mich bisher 3. Sollt ich ängstlich mich um Sachen, die nur Sorg und Unruh machen, nur um eitles Glück bemühn? Nein, ich will nach Gütern streben, die mir wahre Ruhe geben und im Tode nicht entfliehn. und Leben, Alles sei dir heimgestellt! 5. Ist mein Wunsch nach deinem Willen, o so wirst du ihn erfüllen, und gewiß zu rechter Zeit. Dir hab ich nichts vorzuschreiben; wie du willst, so soll es bleiben; was du willst, ist Seligkeit. Mel. Lobt Gott, ahr Christen ernährte, manche Freude mir 62 Gott sorgt für uns. gewährte, bist und bleibest ewig mein. Du, mein Schöpfer und Regierer, wirst mein Helfer und mein Führer durch mein ganzes Les ben sein. O singt ihm Dant, ihr Christen, singt ihm gern. Vom Aufgang bis zum Niedergang trägt uns die Huld des Herrn. 2. Vom Menschen bis zum kleinsten Wurm reicht seine Gnad und Macht; im Sonnenschein, sowie im Sturm, ist er auf Heil bedacht. 4. Auch die Hoffnung kann erquicken: was mir gut ist, wirst du schicken; du bist Herr der ganzen Welt! Dir will ich mich froh ergeben; Glück und Unglück, Tod 6. Soll ich hier noch länger leben, o so wollst du Kraft mir geben, daß ich stets dir folgsam sei. Alles Irdische vergehet; nur die Frömmigkeit bestehet und sie macht mich sorgenfrei. 3. Mit frohgerührter Seele bringt ein Herz voll Dank ihm dar! Die Nehre, die vom Segen sinkt, ist sein: Gott Frönt das Jahr. 4. Ja, Höchster, wir verehren dich mit kindlich frohem Dank; du nährst uns und gibst väterlich auchmehr, als Speis und Krant. 5. Fried Vorsehung. 5. Fried und Gesundheit, Kraft, Gedeihn zu unsrer Hände Fleiß, auch das gibst du, und dir allein gebührt dafür der Preis. 6. Laß deines Segens Ueberfluß uns nun auch nüßlich sein und hilf uns, daß wir beim Genuß uns dessen mäßig freun. 7. Vermehr in uns die Zuversicht, dir ewig zu vers traun, bis wir dereinst in deinem Licht des Glaubens Aerndte schaun. Mel. Lobt Gott, ihr Christen, oder Mein Gott, das Herz ich bringe 43 3. Von deinem Himmel, Höchster, träuft Gedeihn und Fruchtbarkeit; die Saat geht auf und blüht und reift und sättigt und erfreut. 4. Von dir gesegnet gibt der Baum, wenn Einer Schatten sucht, ihm unter seinen Zweigen Raum, Er frischung und auch Frucht. 5. Wie fröhlich lächelt jede Flur! Es fließt, sich immer gleich, der Freude Quell, und die Natur unerschöpflich reich. 6. Wem strömt sie nicht, von dir erfüllt, Lust und Erquichung zu? Wer ist so gut, so treu, so mild, so väterlich wie du? 7. Herr! ohne dich vergingen wir und wir verdientens auch; und dennoch leben wir in dir, beseelt durch deinen Hauch. 8. Nicht Einem mangelt deine Huld; wem strahlet nicht dein Licht? Mit welcher Langmuth und Geduld verschonst du unser nicht! 9. D betet, Menschen, an! denket nun: Was hat Gott schon an uns gethan! was will er nicht noch thun? 63 Noch feln ordentlich des Jahres Zeiten ab, und früh und spät ergießet sich dein Segen, Gott, herab. 2. Noch öffnest du die milde Herr, du stets gethan; du fegneſt und 64 Mein Gott, nach Mel. Vom Himmel hoch Auge du füllst das Land mit deiner Güte an. dir: von deinem Throne hilf du mir! Mein Heil von deiner kommt nur Macht, die diese Welt hervorgebracht. 2. Getrost, mein Herz! Mein treuer Hirt schafft, daß mein Fuß nicht gleiten wird; der mich behütet, schlummert nicht; in Finster niß ist er mein Licht. 3. Kein Uebel sei mir fürchterlich: denn Gottes Rechte schüßet mich. Durch fet= 44 Werke und Wohlthaten Gottes. feine treue Vaterhand wird meine Zuversicht! Ich bins aller Schade abgewandt. 4. Sein Schuß gewährt mir Sicherheit, sein Trost füllt mich mit Freudigkeit. Er leitet mich auf ebner Bahn und nimmt mich einst zu Ehren an. gewiß, du thust mir wohl, solang ich hier noch leben soll. Nicht Ueberfluß bitt ich von dir: was ich bedarf, das gibst du mir. 5. Der Vogel bauet nicht das Land; du nährst ihn doch mit milder Hand. Du schmückst die Blume königlich, die nicht zur Arbeit eilt, wie ich. Vergiß es, meine Seele, nie: weit mehr bin ich vor Gott, als fie. Herr! segne und bes 5. hüte mich! Du bist mein Heil: ich hoff auf dich. Dein Segen folg aus dieser Zeit hinüber mir zur Ewigfeit! Mel. Gott Vater, an Erbarmen 65 Gott! ott! deine weise Macht erhält die ganze lebevolle Welt, und Aller Augen freuen sich und warten hoffnungsvoll auf dich, auf dich, der du sie alle liebst und allen ihre Speise gibst. 2. Du öffnest deine Hand, so fließt herab, mas jedem nöthig ist; mit Wo gefallen sättigt sie dein Aussehn und versäumt sie nie. Nie sind Geschöpfe deiner Hand dir unwerth oder unbekannt. 3. Auch mir gabst du, mein Gott und Heil, noch täglich mein bescheiden Theil, gabst mirs mit Huld und Freundlichkeit, solang ich bin, zu rechter Zeit. Kein Vater sorgt so väterlich für feinen Sohn, als du für mich. 4. Ich bins gewiß, du fannst mich nicht verlassen, 6. Mich schufst du nicht für diese Zeit, mein Ziel ist in der Ewigkeit. Du gabst mir Weisheit und Verstand und machtest selbst dich mir bekannt. Nichts, was die Erde zeugt und nährt, gleicht mir an Hoheit und an Werth. 7. Von dir, der das an mir gethan, werd ich auch Speis und Trank empfahn. Selbst dem, der dich mit Sünden schmäht, gibst du sie ohne sein Gebet; und fleht ich nicht darum zu dir, gewährtest du sie den noch mir, 8. Laß du mich nur ges nügsam sein und deiner Gaben mich erfreun, mehr aber deiner, der du dich so freundlich zeigest gegen mich, der du des Lebens Quelle bist, aus welcher alle Wohlthat fließt. 9. Bei Vorsehung. 9. Bei deiner Gaben Ueberfluß erhalt mich mäßig im Genuß; bewahr mich in der Dürftigkeit vor Schmach und Unzufriedenheit. Du nährst mich immer: Preis und Dank bring ich dir, Gott, mein Lebenlang. Mel. Jesu, meines Lebens Leben 66 efter, weisester Regierer! Aller Welten Preis sei dir! Dir, auch meines Lebens Führer, sei auch ewig Preis von mir! Unter allen Millionen, die dein weites Reich bewohnen, siehst du huldreich auch auf mich und versorgst mich väterlich. 2. Kann ich dich genug erheben? Du, der Alles werden heißt, gabst mir mit des Leibes Leben auch die Seele, die dich preist. Ich, ein Wunder deiner Güte, seh mit staunendem Gemüthe, das sich selbst nicht fassen kann, als ein Bild von dir mich an. 3. Auf der Menschheit hohe Stufe stellte, Herr, mich deine Hand, wo den Schall von deinem Rufe früh ich hörte, früh verstand. Aus unendlichem Erbarmen zogst du mich mit Vaterarmen in der Kindheit schon zu dir. O wie preis ich dich dafür! 45 4. Täglich warest du mir nahe: deine Weisheit lehrte mich. Was ich hörte, was ich sahe, zeigte mir, o Va ter, dich. Ja, du kamst mit neuem Segen jeden Morgen mir entgegen. Was nur je mir heilsam war, reichte deine Hand mir dar. 5. Wie so viele frohe Tage schenkte deine Güte mir! Sandtest du auch eine Plage, o so kam auch Trost mit ihr. Und wer zählt die Güter alle, die mir, seit ich hier schon walle, deine Vaterhuld verlieh? Nein, zu zählen sind sie nie. 6. Sollt ich dir denn nicht mit Freuden dankbar und ergeben sein? Sollt ich zagen, wenn mir Leiden widerfahren oder dräun? Nein, o Herr, dich laß ich walten, du, du wirst mich aufrecht halten. Sende Wonne, sende Schmerz, dankvoll nimmts von dir mein Herz. 7. Flöhn mich auch die besten Freunde, fehlt auch andre Freude mir, wären viel auch meiner Feinde; dennoch bleib ich stets an dir, dennoch will ich nicht verzagen, will aufs Ziel von meinen Tagen, auf die beßre Zukunft schaun und von Herzen dir vertraun. 8. Besser noch, als selbst das Leben, ift, o Vater, dei 46 deine Huld. Was mir nüßt, wird sie mir geben und mich tragen mit Geduld. Laß mich nur, du Allerbester, immer inniger und tester hier mit dir vereinigt sein, deiner Gnade mich zu freun. 9. Oder seligen Verbin sei! Werke und Wohlthaten Gottes. dung, Allergütigster, mit dir! Gib, o Vater, stets Empfindung deiner Vaterliebe mir! Mache du mich immer reiner, daß mein Herz auch einst noch deiner sich in deinem Reiche freu und in dir ganz selig Die vorzüglichsten Geschöpfe. Engel und Geister. Mel. Auf, Christenmensch! ott! voll Kraft zu 67 G peine Macht, kann That, betreten ſie der Tugend Pfad. nie ein Mensch ergründen. Sie zeigt sich in der Erde Pracht und in den tiefsten Schlünden; und noch begreift, bei aller Müh, der größte Weise niemals sie. 5. Voll Eifer und voll Thätigkeit sucht jeder deinen Willen und was dein hoher Wink gebeut gehorsam zu erfüllen und preist in lautem Jubeln gern dich, seinen Vater, seinen Herrn. 2. Du bildetest im Stufengang, uns deiner zu er freuen, durch Ordnung und Zusammenhang der Wesen lange Reihen; vom Men schen bis zum Thier und Baum ist nirgends leerer Zwischenraum. und Menschenheil vermehret 6. Auch Menschenglück ihre Freuden, froh nimmt an ihnen jeder Theil, er wird sie nie beneiden; wird, wenn der Sünder Reue weint und Tugend liebt, des. Sünders Freund. 3. Auch Engel, deren Geisterblick fein schwaches Licht begränzet, und denen hohes Himmelsglück im reichen Maaße glänzet, schufft du, o Gott, Unendlicher, der Wesen Vater und ihr Herr! 4. Fern von dem Hang zur Sinnlichkeit, der uns so oft entehret, vom Blendwerk jedes Wahns befreit, der die Vernunft bethöret, 7. Gott, laß mich, deinen Engeln gleich, mit rei nen, frommen Trieben, wie sie an Tugendfrüchten reich, dich und die Brüder lieben, so werd ich einst ganz engelrein mich deiner, o mein Bater, freun. Mel. Vorsehung. Mel. Vom Himmel kam der 68 er zählt, Unendlicher, die Reihn der Wesen, die sich deiner freun, hinauf zu dir, als Mel. Alle Menschen müssen Bater, sehn, aus allen Wel- 69 Wann wir unsern ten zu dir flehn? 2. Unzählbar ist der Seelen Schaar, die einst an Staub gefesselt war, nun losgewunden, diese Welt nicht mehr in ihren Schranten hält. 3. Unzählbar ist der Seelen Schaar, die unbegreif lich wunderbar du noch zur Erde senden wirst und durch den Tod zum Leben führst. 4. Auf diesem Erdball nicht allein sind Wesen, die sich deiner freun, hinauf zu dir als Vater sehn, dir jauchzen, betend dich erhöhn. 5. Ein ungezähltes Geisterheer riefst du ins Leben, Gütigster! Dein Reich ist unermeßlich groß, ist, Allerhöchster, gränzenlos. 6. Wann einst auf deinen Wink mein Geist sich seinen Fesseln auch entreißt, misch ich in eure selgen Reihn mich, Mitanbeter Gottes, ein. 47 verschwistert schuf, nur meiner Hülle hier ein Grab, Unsterblichkeit dem Geiste gab. 7. Entzückt vernimmtmein schärfres Ohr das höhre Lied im Geisterchor, und meine Seele strebt und ringt euch nach, wenn sie dem Vater fingt: 8. Dem Vater, dessen Allmachtsruf auch sie mit euch wann wir unsre Seele nun übergeben deinen Händen, bald in deinem Schooße ruhn: eilen wir aus allen Leiden hin zu deiner Engel Freuden, ewig, Gott, bei dir zu sein, ewig deiner uns zu freun. 2. Wir, zu Gnaden angenommen, hoffen, Vater, voll Vertraun, auch wie sie mit allen Frommen deine Herrlichkeit zu schaun. Gleiche Hoheit wird uns schmücken, gleiche Wonn uns dann entzücken: wir, erhoben in dein Reich, werden deinen Engeln gleich. 3. Dieses Heiles der Erlösten, dieser Wonne, dich zu sehn, dürfen wir im Tod uns trösten, wenn wir deine Wege gehn; wenn wir ringen, schon auf Erden deinen Engeln gleich zu werden, standhaft in der Heiligkeit dir zu dienen stets bereit. 4. Wenn wir vor Begierde brennen und, den Engeln gleich, uns freun, immer mehr dich zu erkennen, immer heiliger zu sein; wenn wir hülfreich gern mit ihnen unsern schwächern Brüdern dienen; wenn ohn allen Eigennuß Werke und Wohlthaten Gottes. 48 gennuß wir ihr Beistand sind, ihr Schuß. 5. Welch ein Heil, Gott, schon auf Erden Engeln an Vollkommenheit immer ähnlicher zu werden, ähnlich einst an Seligkeit! Laß uns nicht in eitlen Träumen die ses große Heil versäumen; lehr uns deine Wege gehn: einst, wie sie, dich auch zu sehn. Der Mensch, seine Würde und Vorzüge. Mel. Wer nur den lieben Gott 70 Detr ein bin ich, Gott! Dein ist mein Le ben! Erfreulich ist mein Ursprung mir! Du hast das Dasein mir gegeben; mein ganzes Wesen kommt von dir. Du, Vater, riefft mich aus dem Nichts zum frohen Anschaun deines Lichts. 2. Du gabst mir die vernünftge Seele, die nur so lang den Leib belebt, bis sie, daß ihr kein Wohlsein fehle, dein Ruf zum höhern Geist erhebt. Du gabst Verstand und Willen mir, Vernunft und Freiheit dank ich dir. 3. Wenn ich auf meinen Körper sehe, den du so kunstvoll ausgeschmückt, so wird, o Vater in der Höhe, mein Herz vor Freude ganz entzückt. Ein jeder Sinn, ein jedes Glied erweckt zum Preise mein Gemüth. 4. Ich bin nicht werth der großen Güte die, du, mein Gott, an mir gethan; voll Rührung ist dich mein Gemüthe und betet dich in Demuth an. Dir will ich Herz und Leben weihn und stets ein Freund der Tugend sein. Mel. Wer nur den lieben Gott 71 & werde Gott von dir erhoben, du, seines Odems Hauch, mein Geist. Sollt ich nicht meinen Vater loben, den jedes seis ner Werke preist; ihn, der mich schuf, sein Bild zu sein und seiner Liebe mich zu freun? 2. Schön ist der sonnenreiche Himmel, den er zu seinem Stuhle wählt; doch ist der sonnenreiche Himmel gedankenlos und unbeseelt: mir nur, dem Werke seiner Hand, gab er Gefühl, gab er Verstand. 3. Anmuthig, prächtig zum Entzücken ist seine ganze Körperwelt. Wer zählt die Reize, die sie schmücken? Was ich nur sehen kann, gefällt, und dennoch kann sie nicht, wie schön, wie wundervoll sie sei, verstehn. 4. Für Engel nur, und nur für Seelen, die Gott zu ihrer Würd erhob, sind sie so herrlich; sie erzählen nur Geistern meines Schöpfers Vorsehung. pfers Lob, O Seele, jauchze, daß der Ruf der Allmacht dich zum Geiste schuf. 5. Gott, ich kann denken; ich gewinne, weil ich zu einem Geiste ward, durch die Empfindung meiner Sinne Gedanken tausendfacher Art. Ach, strebt ich, alle Gott zu weihn, wie selig könnt ich hier schon sein! 49 ben, Gott, mich an, hab ich nur dich, was fehlt mir dann? mich unterscheiden von der Welt. Zu tausend Thaten hab ich Kraft; die gibt mir Gott, der Alles schafft. 7. Wie feurig dürftet meine Seele nach Glück und Lust und Seligkeit! Nur daß ich oft betrogen wähle, was mich nach dem Genusse reut. Doch das ist, Vater, meine Schuld: du schaffest, was du schaffst, aus Huld. 8. Begabt mit wundervol len Sinnen, mit Freiheit, mit Vernunft von dir, sollt ich nur dich, Gott, liebgewinnen, dich nur, und was gebräche mir? Ach, möchte mein, Seele dein mit allen ihren Kräften sein! 6. Ich kann sie sammeln, sie verbinden, fie trennen, Mel. Es ist das Heil uns wie es mir gefällt, die Welt 72 Dir, Gott, fei Preis empfinden, Dank ge= bracht! Dich rühme Harf und Psalter! Ich bin ein Wunder deiner Macht, mein Schöpfer und Erhalter! Mein ganzerLeib, erbaut von dir, ein jeder Sinn und Nerv an mir beweiset deine Größe. 9. Gott, meine Luft sei, dich zu kennen, dich, Urquell der Vollkommenheit; von deiner Liebe ganz zu brennen, das sei mir Ruhm und Seligkeit! Nimmst du zum Er10. Es werde Gott von dir erhoben, du, seines Odems Hauch, mein Geist! Sollt ich nicht meinen Vater loben, den jedes seiner Werke preist? Ihn, der mich schuf, sein Bild zu sein, zu lieben ihn, mich ihm zu weihn? 2. Haupt, Aug und Ohr, Herz, Mund und Hand, die ich zu dir erhebe, die Haut, so künstlich ausgespannt, der Adern fein Gewebe und alle Glieder sagen mir: ich sei, o Gott, ein Werk von dir und deiner WeisheitSpiegel. 3. O hättest du mein Auge nicht so künstlich zubereitet, was nügte mir der Sonne Licht, der Glanz den sie verbreitet? Dann säh ich nicht, mit welcher Pracht du, Herr, durch deine weise Macht die ganze Schöpfung schmückest. 4. Jch jauchze, daß ich sehen kann und hören und C empfinden; 50 Werke und Wohlthaten Gottes. empfinden; froh bet ich meis nen Schöpfer an; ihn überall zu finden, in allen Werken, die er schuf, das ist mein jeligster Beruf, mein Lobgefang und Opfer. 5. Wer leitet meines Blu: tes Lauf? Wer lenkt des Herzens Schläge? Wer regt die Lung und schwellt sie auf, damit ich athmen möge? Gott ist es, der dieß Alles thut. Preis, Schöpfer, dir! Dir wallt mein Blut, mein Herz schlägt dir, o Schöpfer! 6. Ja, dir sei Lob und Dank gebracht! Dich rühme Harf und Psalter! Ich bin ein Wunder deiner Macht, mein Schöpfer und Erhalter! Gib, daß ich nie mich selbst entweih, auf daß mein Herz ein Tempel sei, in welchem dein Geist wohnet. Mel. Mein erst Geschäft sei Preis 73 welch ein Glück, ein Mensch zu sein! Wer kann genug es preisen? Laß des Berufs, ein Mensch zu sein, Gott, würdig mich erweisen! 2. Den Leib, die Sinne dank ich dir; du gabst mir auch die Seele, Verstand, Vernunft, Gefühl mit ihr, durch die ich denk und wähle. 3. Mich allen Wesen vorzuziehn, die auf der Erde leben, hast du auch Freiheit mir verliehn, Gewissen mir gegeben. 4. Der Mensch nur ists, der reden kann, sonst kein Geschöpf auf Erden: der Mensch nur ruft dich, Schöpfer, an, kann Andrer Lehrer werden. 5. Ihn schufst du zur Geselligkeit, gabst ihm ein Herz voll Triebe zum Mitgefühl für Freud und Leid Freundschaft und zur Liebe. zur 6. Und dieser Gaben Fülle schafft mir unzählbare Freuden, gibt mir zur edlen Thaten Kraft und Ruh und Trost im Leiden. 7. Dich, meinen Gott, ere kenn ich hier in jedem deiner Werke. Du bist, dieß find ich selbst an mir, voll Weißheit, Güt und Stärke. 8. Jch höre deinen heilgen Ruf; die Tugend ist dein Wille! Du, dessen Güte mich erschuf, gib, daß ich ihn erfülle! 9. Ich bin ein Mensch und darf vor dich getroft und freudig treten; ich darf, du hörest liebreich mich, dich preisen, zu dir beten. 10. Heil mir! o Heil der Zuversicht, die ich im Staube habe: ich bin unsterblich! Gott, dein Licht erhellt die Nacht am Grabe! 11. O welch ein Glück, ein Menschzu sein! Ich will es dankbar preisen und des Berufs, Vorsehung. Berufs, ein Mensch zu sein, mich würdig stets er weisen. Bestimmung des Menschen zur Gottähnlichkeit. Mel. Nun dantet Alle Gott 74 Allmächtig groter Umächtig großer dich gnug erheben? Du gabst der ganzen Welt Bewegung, Kraft und Leben. Was Geist und Körper heißt, was Erd und Himmel hegt, hat deine Huld gebaut, die jest noch Alles trägt. 2. Du schufft, ich dank es dir, auch mich zu deiner Ehre; und wolltest, Gütigster, daß ich dein Bildniß wäre. Darum hast du den Geist, der in mir lebt und denkt, mir zur Unsterblichkeit aus deiner Huld geschenkt. 51 Freund; laß mich auch Wahrheit lieben und mit stets munterm Fleiß in Allem dem mich üben, was mich zur Weisheit führt, zur Weisheit, die dich ehrt und Allem Beifall gibt, was du uns selbst gelehrt. 3. welch ein großer Zweck, dazu du, Gott, mich schufest! Wie herrlich ist das Theil, dazu du mich berufest, dir, Höchster, ähnlich sein, vollkommen sein, wie du! Owohl mir, wenn ichs bin! Hilf du mir selbst dazu! 4. Laß mir dieß große Ziel doch stets vor Augen schweben; mein allerstärfster Wunsch, mein eifrigstes Bestreben in allem meinem Thun sei dieß, o Gott, allein, daß ich auch so wie du gesinnet möge sein. 5. Du bist der Wahrheit 6. Laß deine Heiligkeit mich stets zum Muster nehmen. Hilf mir die Sünde fliehn, des Fleisches Lüfte zähmen, nur das, was recht ist, thun, des Guten mich erfreun und dem, ders üben will, auch gern behülflich sein. 7. Gib, daß ich so, wie du, ein Freund der Menschen werde, dem Wohlthun Freude macht, der Kummer und Beschwerde dem Nächsten gern erspart, sein Leben ihm versüßt und, wo er helfen kann, zu helfen willig ist. 8. Noch bin ich weit entfernt, o Gott, von diesem Ziele; du weißt, was mir noch fehlt, und ich, ich selber fühle, wie wenig ich dir noch im Guten ähnlich bin. O bilde du mich ganz nach dir und deinem Sinn! 9. Beglückt ist nur alsdann mein Lebenslauf auf Erden, wenn ich dir immer mehr schon hier kann ähnlich werden. Dann werd ich ewig auch mit dir vereinigt sein und mich ohn Unterlaß, Gott, deiner Güte freun. 2 Mel. 52 Werke und Wohlthaten Gottes. Mel. Mein Gott das Herz 75 3th ch bin, o Gott, dein Eigenthum. Du schufft mich, dein zu sein, dein ganzes Leben dir zum Ruhm und deinem Dienst zu weihn. 2. Du gabst mir den vernünftgen Geist bewundernd einzuſehn, wie dich, Herr, 76 Herren Werth Mel. Schon ist der Tag von mich den deine Schöpfung preist, mit ihr dich zu erhöhn. 3. Was um mich ist, verkündigt mir, Gott, deine Herrlichkeit; zu ihrem Preise reizt mich hier selbst jede Jahreszeit. 4. Und ich, ich sollte fühllos sein? Ich rühmte dich, Herr, nicht? Ein Herold deines Ruhms zu sein, bleibt meine größte Pflicht. 5. O mache dieser Pflicht mich treu, so treu, Herr, als ich soll. Mein Herz, mein Mund, mein Wändel sei stets deiner Ehre voll! 6. Wer dich verehrt, hält dein Gebot, ihm ists nicht Last, nicht Pein. Drum gib auch mir die Kraft, o Gott, gehoriam dir zu sein. 7. Was du gebeutst, ist für uns gut; du willst nur unser Heil. Wohl dem, der deinen Willen thut! Du bist sein Trost und Theil. 8. Er wandelt hier auf ebner Bahn und selbst in Traurigkeit schmeckt er, dir, Höchster, zugethan, in dir Zufriedenheit. 9. Nach hier vollbrachter Prüfungszeit nimmt ihn der Himmel ein. Herr! laß nach dieser Seligkeit mein ganz Bestreben sein. des Menschen tief empfin den und Allem dem, was mich entehrt, voll Abscheu mich entwinden. Nie komm es mir aus meinem Sinn, was ich, als Mensch, vermag und bin durch deine weise Güte. 2. Jch, ich bin mehr, als Fleisch und Bein. Du hauchtest, Gott, aus Liebe mir auch die rege Seele ein und gabst ihr Kraft und Triebe, mehr, als was diese Sinne rührt und nur zu Sinnenfreuden führt, zu fühlen und zu fasfen. 3. Gott, diesen Vorzug gabst du mir vor so viel Millionen, die, auch beseelt, genährt von dir, auf deiner Erde wohnen. Was ihnen fehlt, gabst du mir hin. Vernunft und Freiheit und den Sinn für Wahrheit, Weisheit, Tugend. 4. Du schufft mich zur Geselligkeit und für der Freundschaft Freuden, gabst meinem Herzen Fühlbarkeit für 53 9. Und ich, ich sollte mich entweihn und gleich den Thieren handeln, der Fleischeslust ergeben sein und, Herr, vor dir nicht wan deln? Fern sei ein solcher Sinn von mir! Bewahre mich, daß ich mich hier so frevelhaft nicht schände! Vorsehung. für Andrer Glück und Leiden und septest auch mich in den Stand, das, was ich dachte und empfand, in Worten auszudrücken. 5. Ich kann mich selbst und deine Welt und dich erkennen lernen; ich kann von dem, was dir mißfällt, mich ohne Zwang entfernen. Und wer, wer zeigt die Gränzen an, wo ich nicht weiter streben kann nach Licht und Herzensgüte? 6. In stiller Andacht kann mein Geist sich bis zu dir erheben und dir, den Erd und Himmel preist, auch Preis und Ehre geben. Ich kann mich deiner Liebe freun, Wie wichtig ist doch dir ergeben sein und deiner Vorsicht trauen. Mel. Es ist das Heil uns den 7. Nicht blos für diese kurze Zeit riefst du mich in dieß Leben. Zum Vollge nuß der Seligkeit soll einst die Seele schweben. Und wird auch einst mein Leib zu Staub, er bleibt doch nicht des Grabes Raub; du, Herr, wirst ihn verklären. 8. Vom Himmel kam, ges sandt von dir, dein Sohn zu uns auf Erden; er kam und ward ein Mensch, wie wir, um Heiland uns zu werden. Wie hoch sind wir durch ihn geehrt! wie ernst lich durch ihn selbst belehrt, der Menschheit Werth zu schätzen. 10. Gib, daß ich jetzt und allezett auf mein Gewissen achte, nach Weisheit und Gerechtigkeit mit allem Eifer trachte, dich liebe und mich deiner freu und so des Vorzugs würdig sei, den du mir hast verliehen. 77 uns der Herr gegeben! Gott, als uns deine Liebe schuf, da schuf sie uns zum Leben; zum Leben, welches ewig währt, das weder Leid, noch Angst beschwert, willst du uns hier erziehen. 2. Nicht hier ist unser Vaterland; allein bei dir dort oben, da ist der Ort, wo deine Hand das Glück uns aufgehoben, das nie ein traurig Ende nimmt. Hier sind wir nur von dir bestimmt, uns dazu anzuschicken. 3. D laß mir doch dieß große Ziel durch nichts verrücket werden! Was hilfts, wenn ich auch noch so viel C 3 von 54 Werke und Wohlthaten Gottes. von Gütern dieser Erden, Die Erlösung von der von Ehre, Geld und Lust Sünde durch Jesum gewinn, wenn ich dabei nicht tüchtig bin, dein Himmelreich zu erben? Christum. 4. Dein Bilgrim bin ich ja nur hier; laß mich dieß Tage hast du mir zur Wallfahrt zugemessen. Schnell wie ein Traum sind sie vollbracht, und dann wird dieser Erde Pracht auf ewig mir vergehen. 5. Drum laß des Him mels Herrlichkeit mich stets vor Augen haben. Laß mich in meiner Prüfungszeit um jene bessern Gaben, die mir im Tode nicht entfliehn, am ersten und mit Ernst bemühn, damit ich nicht einst darbe. 6. Ein Herz, das dich, o Vater, liebt und deines Sohns sich freuet, das in dem Glauben Zugend übt und sich vor Sünden scheuet; ein solches Herz, das wird allein sich ewig deiner Güte freun und einst dein Antliß schauen. 7. Und solch ein Herz das wollst du mir, Gott, aus Erbarmen geben, damit ich möge auch schon hier nach den Gefeßen leben, die selbst im Himmel gültig sind, bis ich, als dein bewährtes Kind, zu deiner Freude gehe. 78 Du, der kein Be Von der Sünde. Mel. Auf meinen lieben Gott Böses thut, du schufft den Menschen gut; du gabst ihm Licht und Kräfte zum seligen Geschäfte, in Heiligkeit zu wandeln und recht vor dir zu handeln. 2. Wo ist der Unschuld Ruhm? Ach! wir, dein Eigenthum, wie tief sind wir gefallen! Wo ist jetzt unter allen ein Mensch ganz rein von Sünden vor dir, o Gott, zu finden? 3. Hier ist kein Unterschied. Dein Auge, Höchster, sieht auf alle Menschenkin der und sieht sie alle Sünder. Vor dir, o Herr, ist keiner ganz schuldlos, auch nicht Einer. 4. Verderbt ist unser Sinn; die Weisheit ist dahin, die uns regieren sollte, nur was dein Wille wollte, mit freudenvollen Trieben zu wählen und zu lieben. 5. Der Sinne Lust und Schmerz rührt leider unser Herz mehr, als die höhern Freuden, mehr, als die größern Leiden, die wir für Ewigkeiten selbst unserm Geist bereiten. 6. Dir folgen dünkt uns Zwan Erlösung. Zwang; des Herzens böser Hang reißt uns mit starkem Triebe zu schnöder Sündenliebe, und wer vermags zu zählen, wie oft wir vor dir fehlen? 7. D Herr gib uns dein Licht, daß wir, was uns gebricht, beschämt vor dir bekennen und stets von Ernst entbrennen, der Sünde zu entsagen, der Beßrung nachzujagen. 8. Wohl dem, der sie ge winnt! Gott, so verderbt wir sind, so willst du doch uns heilen und neue Kraft ertheilen, durch Christum schon auf Erden von Sünden frei zu werden. 9. Ach, laß durch unsre Schuld uns deine Vaterhuld nicht freventlich verscherzen! Erwecke unsre Herzen, dir nicht zu widerstreben, damit wir ewig leben! Mel. Schon ist der Tag von Gott Dein 79 ist sündenfrei: wer dürfte sich erheben? Was hilft uns Trug und Heuchelei? Du kennest Herz und Leben. Umsonst, um sonst verbergen wir selbst die geheimsten Triebe dir; dein Blick durchschauet Alles. 2. Du weist, wie oft wir frevelhaft uns böser Thaten freuen und unsers Geistes edle Kraft dem Sünden55 dienste weihen. Gereizt von Welt und Sinnlichkeit, vers scherzen wir oft unsre Zeit und unsers Herzens Ruhe. 3. Wir sollten stets auf dein Gebot mit frommer Seele merken: wir könnens auch; denn du, o Gott, willst gern die Schwachen stärken. Und dennoch unterdrücken wir so oft die Ehrfurcht, Herr, vor dir und folgen unsern Lüsten. 4. Wie leicht entwöhnt sich unser Herz, im Glück auf dich zu schauen! Wie bald vergessen wir im Schmerz, dir kindlich zu vertrauen! Wie mächtig reizen Stolz und Neid uns oft zur Unzufriedenheit mit deiner freien Güte! 5. Du hast mit Menschen uns vereint, die dir, Gott, angehören; wir sollen, aller Bosheit feind, auch ihre Freuden mehren. Doch wer ist immer liebevoll? sorgt für den wie er soll? Wer hilft, so viel er könnte? 6. Oft wirkt auch unsers Beispiels Macht, daß Andre, wie wir fehlen. Sie sehn auf uns, die Luft erwacht, das Böse zu erwählen. Gleich uns verschmähn sie deine Huld und ihr Vers derben, ihre Schuld vermehret ihre Schulden. 7. D großer Gott, hier C4 ftes Werke und Wohlthaten Gottes. 56 stehen wir, verklagt von unsern Sünden. Vor dir, Allheiliger, vor dir ist kei ner rein zu finden. Wie fümmert unsre Seele sich! Wir alle fehlen wider dich: Erbarm dich unser all! und Wahn zerstreut. Mach mich ledig von den Ketten trügerischer Sinnlichkeit! Tilg die Quelle meiner Schmerzen, die Begier aus meinem Herzen! Tief im Staube bitt ich dich: leite selbst zur Tugend mich. Mel. Alle Menschen müssen sterben 5. Sieh, mich dürftet nach 80 Vater, heilig möcht dem Guten. Früh und ſpät ich Rechtthun wäre meine Lust; aber Lüste widerstreben dem Geseg in meiner Brust, und der Sündentrieb im Herzen ist noch oft nur Quell von Schmerzen. Mich beschwert der Sünden Joch; was ich nicht will, thu ich doch. ruf ich zu laß mein Herz nicht länger bluten; deinen Geist verleihe mir! Hilf die böse Lust bezwingen und nach deinem Beifall ringen; stärke mich mit hoher Kraft, das zu thun, was Segen schafft. 6. Ja, du hörst mein findlich Flehn, du erquickst mein Herz mit Ruh. Leben werd ich, nicht vergehen: meine Stärke, Gott, bist du! Ueberwinden, überwinden werd ich durch dich alle Sünden. Meine Seele fasse Muth! Mit Gott werd ich fromm und gut. 2. Sich um Kraft mich Schwachen beten; meinem Borsas trau ich nicht. Loks tende Begierden treten zwischen mich und meine Pflicht. Selbst den heilgen Andachtsstunden, wo, der niedern Welt entschwunden, ich von dir und Tugend sprach, folgten Sündentage nach. weinet, schmerzlich meinen 3. O wie oft hab ich ge Fall bereut, gläubig mich mit dir vereinet und mich deiner Huld gefreut! Gnädig sahst du zu mir nieder, aber bald vergaß ich wieder meine Pflicht und, Vater, dich, und die Welt besiegte mich. 4. Du allein, du kannst mich retten, wo mich Sünd 81 Weibt, wie leicht mel. O Gott, du frommer Gott er nur Laster fällt der in alle! Wer Ein Geseß entweiht, entheiligt in dem Falle die andern auch zugleich in seinem Herzen mit und schwächt die Kraft in sich, die sonst fürs Gute stritt. 2. Ein Fehltritt kann den Grund zu hundert andern lea Erlösung. legen und gibt nicht selten uns das schreckliche Vermögen, dann, dreist und ohne Furcht vor des Gewissens Pein, auch jede andre Pflicht vorsäglich zu entweihn. 57 7. Denn Tugend wird ins Reich der ewgen Herrlichkeiten, den Geist, der sie geliebt, vor Gottes Thron begleiten. Und wie? mir Sterblichen wär dieses Glück zu klein, um strenge gegen mich und tugendhaft zu sein? 3. Wie oft versucht der Mensch, aus Scham, aus Furcht und Schrecken, durch eine zweite Schuld die erste zu bedecken! So führt zur ler hin; und wo die Tugend weicht, muß auch die Ruhe fliehn. 4. So sei es mir denn Pflicht, der kleinsten Schuld zu wehren und jede Tugend stets mit Eifer zu verehren. Kein Fehltritt scheine mir und kein Vergehen klein: dieß könnte leicht der Grund von schweren Sünden sein. 5. Durch Tugend steigen wir zum göttlichen Geschlechte, und ohne Tugend sind selbst Könige nur Knechte. Sie, fie nur macht uns erst des Lebens Anmuth schön, nur sie kann über Zeit und Schicksal uns erhöhn. 6. 3m leßten Augenblick, wenn Alle von uns gehen, wird sie in Lichtgestalt zu unsrer Seite stehen. Hell wird durch sie der Blick auf die durchlaufne Bahn, und muthig treten wir die neue Wallfahrt an. mel. Herr, ich habe mißgehandelt 82 Sünde ist nie klein sie klein: doch bringt sie Schuld. Denn sie widerspricht Geseßen, die mit Weisheit und voll Huld uns der Heilige gegeben, um durch sie beglückt zu leben. 2. Sein Gesetz ist gut und weise, wie sein Wille selbst es ist. Mensch, be folg es und beweise, daß du seiner nicht vergißt! Ewig muß Gott Sünde hassen, kann nie ungestraft sie lassen. 3. Über gibt es nicht selbst Dinge, die der Sünder Schuld erhöhn? D, die Schuld ist nicht geringe, wenn wir sein Gefeß verstehn, es als wahrhaft gut zwar schäßen, doch aus Leichtsinn oft verlegen. 4. Sünd'gen wir mit leberlegung wider des Gewissens Spruch; achten nicht des Herzens Regung, nicht des innern Richters Fluch; so ist das, was wir voll€ 5 brach 58 brachten, schon für größre Schuld zu achten. 5. Hat dich Gott hervor: gezogen und mit Wohlthun überhäuft, und du bleibest dem gewogen, was der Pflicht entgegenläuft, so mehrt Undank deine Sünden: wichtiger wird Gott sie finden. 6. Fühlest du in dir schon Kräfte, Lieblingssünden zu entfliehn, und eilst doch zu dem Geschäfte, welchem Gott dich wollt entziehn; wirft, Werke und Wohlthaten Gottes. 8. Machen ganz besondre Dinge gutes Beispiel dir zur Pflicht, und du schäßest fie geringe, ärgerst, aber besserst nicht, größer wird dann dein Verbrechen, und der Richter wird es rächen. Mel. Alle Menschen müssen geſtärkt durch ihn, nicht bes: 83 Großer Gott erfer, so wird noch größer. 7. Wenn dich nichts von außen reizet und nur innre böse Lust blos nach solchen Dingen geizet, deren Unrecht dir bewußt, o, so ist dann dein Vergehen größer als sonst anzusehen. habnes Wesen, das, voll segnender Begier, Menschen sich zum Dienst erlesen: ach, was ist der Mensch vor dir! Wenn ich deine Größ erwäge und, was ich bin, überlege: o wie niedrig und wie klein muß ich mir doch selber sein! 9. Doch wer kann das Alles zählen, was Troß, anbesonnenheit, Wahn, Stolz, Heuchelei sich wählen, was der Thaten Sündlichkeit vor dem Richter nur vermehret, weil es sein Gesetz entehret! bens Gang so lenken, daß ich mit Behutsamkeit das nur thu, was dem gebühret, der den Christennamen führet! 10. Gott, laß mich dieß wohl bedenken und, entfernt von Sicherheit, meines Le11. Laß mir niemals eine Sünde klein und unbedeutend sein! Vater, flöße deinem Kinde Redlichkeit und Kräfte ein, folgsam dem Geseß zu leben und nach Tugend nur zu streben. 2. Ach, es herrscht der Trieb zur Sünde mächtig oft in dem Gemüth und macht mich zu einem Kinde, das vor seinem Vater flieht. Ach, ich seh mit Reu und Schre den tausend Fehler, tausend Flecken, und in der verderbten Brust regt sich öfters böse Luft. 3. Was ich Gutes an mir habe, ist von deiner Vater: hand. D, wie manche gute Gabe hast du, Herr, mir zugewandt! Selber auf dem Sün-. denpfade trägt mich schonend deine Gnade. Nähmest du 311 Erlösung. zurück, was dein, ach, was wird mir übrig sein! 4. Doch die Menge deiner Gaben nur Undant an, weil ich sie oft ganz vergraben, oder damit groß gethan: oft voll Leichtsinn sie verschwendet und zu Sünden angewendet. D, wie häuft sich meine Schuld durch Verachtung deiner Huld! 5. Sieh, hier lieg ich in dem Staube tief vor dir, mein Gott, gebückt. Doch mein demuthsvoller Glaube, der auf meinen Heiland blickt, Sofft auf deine Vatergüte, und mein tief beschämt Gemüthe, das den Muth fast ganz verlor, hebt sich noch zu dir empor. 6. Ja, die Wunder dei ner Liebe ziehen ganz mein Herz zu dir. Ach, erhalte selbst die Triebe treuer Dankbarkeit in mir. Vater, laß das schwache Lallen deines Lobes dir gefallen; bilde mich, dein Eigenthum, ganz zu deines Namens Ruhm. 7. Meine Kräfte, meine Glieder sind zu deinem Dienst bereit. Herr, ich falle vor dir nieder voller Ehrerbietigkeit. Was du willst, zu thun, zu leiden, dieß gelob ich dir mit Freuden. Gott und Herr der ganzen Welt, thu mit mir, was dir gefällt. 59 Folgen der Sünde. Mel. Jesus meine Zuversicht 845 wie sanft ist, Herr, dein o wie leicht dein guter Wille! Oft gedenkt die Seele noch jener Ruhe, jener Stille, die in reinen Herzen wohnt und den Fleiß der Tugend lohnt. 2. Aber ach, ist er enta flohn, des Gewissens sanfter Friede, dann wird Qual der Sünde Lohn, und ihr Dienst macht krank und müde. Keine wahre Freude blüht, wo des Herzens Unschuld flieht. 3. Drückend ist des Lasters Joch, schwer der Sünde harte Bande; und ihr Sclave wählt sie doch, taumelt an des Abgrunds Rande, dünkt sich glücklich, groß und frei bei der tiefsten Sclaverei. 4. In der ungestümen Brust weilet keine Freude lange. Unmuth folgt auf Sündenlust; angstvoll bebt sein Herz und bange, sucht vergebens Fried und Ruh und eilt neuen Lastern zu. 5. Unter schuldlos frohen Reihn wandelt er mit trü bem Blicke, will und kann nicht fröhlich sein, wünscht vergangne Zeit zurücke, wird, das Herz vollGroll und Neid, Störer ihrer Fröhlichkeit. 6. Gottes schön geschmückte Welt ist umsonst für ihn geschmücket; Blumenau und € 6 Saa Werke und Wohlthaten Gottes. Saatenfeld, was den Tus von jenem Reiche fern, nach gendfreund entzücket, dem dem die Frommen streben. fein Herz entgegenwallt, läßt Wie thöricht und wie undie stumpfe Seele talt. dankbar! Entreiße, Gott, mich der Gefahr! 7. Herr, dein heiliges Gericht trifft die Sünder, die dich hassen, die Verächter ihrer Pflicht. Herr, ich will dich nie verlassen; steh mir in Versuchung bei und erhalte selbst mich treu! 5. Wer Sünde thut, ach! der entzieht sich stolz dem Ruf der Gnade. Verkehrt, verstockt wird sein Gemüth und tief sein Seelenschade. O welch ein frevelhafter Sinn, wenn ich dir, Gott, nicht folgsam bin! 6. Wer Sünde thut, verwirft das Wort, das Heil und Frieden stiftet; er eilet auf dem Pfade fort, wo sich sein Herz vergiftet, wo sein Gewissen einst ihn nagt und laut ihn, Herr, vor dir verklagt! 60 Mel. Auf Christenmensch! 85 Wer Mer Sünde thut, der liebt nur Wahn, nur Träume, die ihn trügen. Er wandelt auf des Irrthums Bahn und lernt sich selbst belügen. O hilf mir, Gott, daß ich dir treu und fern vom Selbstbetruge sei! 2. Wer Sünde thut, der unterdrückt und schwächt die Seelenkräfte, wird frech und blind und ungeschickt zum Heiligungsgeschäfte. O Vater, gib, daß nie mein Geist sich seine Würde selbst entreißt! 3. Wer Sünde thut, der haßt das Licht, das Gott uns hat entzündet; er kennt die wahre Weisheit nicht, die uns mit ihm verbindet. Olehre, Gott, mich weise sein und stets den Reiz zur Sünde scheun! Mel. Herzliebster Jesu! 4. Wer Sünde thut, der Herrn, durch den wir sind und leben, er bleibt 86 Wo ist wohl Noth der 7. Wer Sünde thut, sieht schreckenvoll die letzte Stunde kommen; die Hoffnung, die ihn trösten soll, ist seinem Geist benommen. Er liebte Gott und Jesum nicht; nun droht ihm Tod und Weltgericht. 8. So täuscht die Sünde ihren Freund. So lohnt sie schon auf Erden. Ach, wann die Ewigkeit erscheint, ach, wie wirds dann ihm werden! Viel Gutes, Herr, ist mir verliehn: o lehre mich auch Sünden fliehn! Erlösung. der Erde, das von der Sünde nicht geboren werde? Vers wandeln sich nicht stets der Thorheit Freuden in bittre Leiden? 2. D wären wir vom Jüngling bis zum Greise dir, Gott, gehorsam, immer gut und weise; was würden wir mit freudigem Gewissen für Glück genießen! 3. Erhöhet würde jede Luft auf Erden und jede Bürde uns erleichtert werden, wenn unser Herz den Lockungen der Sünde stets widerstünde. 4. Doch ach, sie herrscht, um Alles zu zerrütten, erschüttert Thronen und verwüstet Hütten, trübt jeden Segensquell, droht unsern Tagen mit harten Plagen. 5. Wann können Sünder froh zum Himmel schauen, an dich, Herr, denken ohne Furcht und Grauen? an Lod und Grab und an der Zukunft Leben und nicht er beben? 6. Die Lust zum Bösen fesselt sie und wüthet; sie leiden selbst durch das, was sie gebietet, sie bahnen sich den Weg durch ihre Freuden zu Gram und Leiden. 61 Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 87 ott, wie schrecklich weil sie, kaum vollendet, sich selbst verfolgen, furchtbar rächen, Richter, dein Gefeß und dich! ach, dem Laster folgt Verderben, Armuth, Schmach und frühes Sterben. 2. Und wie quält den sein Gewissen, der verworfne Thaten übt! Kann er jenen Trost genießen, den nur reine Tugend gibt? Kann er, ohne zu erbeben, denken an ein künftig Leben? 3. Nur Ein Fehltritt auf den Wegen, die wir wandeln sollen, Gott, was vernichtet der für Segen, wie versenkt oft der in Noth! Ach, was müssen wir oft leiden blos für Einer Thorheit Freuden! 7. O du, zu dem wir fromm die Hände falten, gib, daß wir fest uns an die Tugend halten und, siegend in Versuchung, uns zum Leben in Gott erheben! 4. Starke, Gott! verfol gen Schwache; Schwache Schwächre: Geiz und Neid, Menschenhaß und Durst nach Rache, Wolluft, Stolz und Ueppigkeit, wie erfüllen die mit Plagen deine Welt, mit welchen Klagen! 5. Wie die Arglist Frevel brütet! Wie Gewalt und Tyrannei gleich der Best im Mittag wüthet! Wie im Finstern Heuchelei trachtet, über alle Zeiten Fluch und Jammer zu verbreiten! 6. Und wir Sünder könn67 ten 62 Werke und Wohlthaten Gottes. ten wähnen, Gottes heiliges ich Gutes wähle, er sehnt Gericht strafe feines Elends sich, Gott, so heiß nach dir; Thränen, acht auf unsre allein das Fleisch verführt Laster nicht? der Gerechte, den Willen, macht ihn den der Verbrecher gelt ihm Sinnen unterthan, strebt, gleich; es sei fein Rächer? ihre Lüsternheit zu stillen, und schmiegt sich, ach! den Sünden an. 7. Wären wir nur gut und weise, deinem Willen unter than; gingen Jünglinge und Greise immer auf der Tu gendbahn, o wie strömte Heil und Segen Jeglichem von dir entgegen! 2. Ein doppeltes Geset regiert mein Wesen; o wie räthselhaft! Wenn mich der Wahrheit Strahl berühret, dann schmeck ich Frieden, fühle Kraft; doch schnell ent-. zieht ein Todesschatten mir dieses himmlisch reine Licht, ich muß im halben Lauf ermatten, ich will, doch ich vollbringe nicht. 8. Würde nicht, wenn schon auf Erden teiner je der Noth entgeht, jede Last erleichtert werden, jede wahre Luft erhöht, wenn den Loktungen der Sünde unser Derz stets widerstünde? 9. Ich erschrecke, Herr, ich bebe, daß mein Herz so oft vergißt, daß, wenn ich nicht heilig lebe, eitel meine Hoffnung ist: selig dort und schon auf Erden ruhig und getroft zu werden. 10. Laß des Lasters bittre Früchte mir stets in Gedanten sein, mich nie zweifeln am Gerichte, auch den kleinsten Fehltritt scheun! Stärke mich, daß ich die Sünde immer glorreich überwinde! Mel. Wie groß ist des Allmächt. 88 Ah! Welch ein Kampf in meiner Seele, welch steter Widerspruch in mir! Mein Geift will, daß 3. Der gute Vorsaß, den ich fasse, er bleibt ein Traum der Phantasie; ich thu das Böse, das ich haffe, und scheue oft der Tugend Müh. Getrieben, wie ein Schiff vom Winde, dem Mast und Steuerruder brach, reißt sie mich hin, die Macht der Sünde; zu späte Thränen folgen nach. 4. Wer löst mich von den Sclavenketten? Wer schafft in meinem Innern Ruh? Wer kann mich von mir selbst erretten? Nur du, Allmächtiger, nur du! Ein Strahl von deiner Gnade gnüget zur seligsten Genesung mir; o send ihn, daß mein Glau be sieget, und schenke aft zur Tugend mir! Erlösung. Erlösung. Erlösung. In eigener Melodie. err, wir singen 89 barm dich unser und er höre, nimm gnädig unser Loblieb an! Herr, wir dan ken voll Entzücken; wo ist ein Gott, der so beglücken, so lieben und so segnen kann? Der Gott, den wir erhöhn, er, dessen Heil wir sehn, ist die Liebe; schon vor der Zeit, in Ewigkeit war Gott die Liebe, wird sie sein. 2. Um zu dir uns zu erheben, hauchst du in unsre Brust das Leben und schentest uns der Erde Glück. Um zu dir uns zu erheben, entziehst du unsrer Brust das Leben und schenkest uns des Himmels Glück. Du gibst das Leben, Gott! und führst auch durch den Tod uns zum Leben. Du suchst allein uns zu erfreun; daß wir verder ben, willst du nicht. 63 erwacht, um Gottes Licht zu sehn. 3. Als wir, von der Sünde Plagen gequält, in unserm Elend lagen und Nacht des Todes uns umfing, fern von deiner Wahrheit Pfade, da war es, Gott, als deine Gnade erbarmend vor uns überging. Da rief dein Vaterblick durch Jesum uns zurück von der Sünde. Aus ihrer Nacht sind wir erwacht, 4. Breiset ihn, ihr Jubellieder! der Sohn des HöchMensch und starb der Sünder Tod. Christus hat den Tod bezwungen: ein Sieges lied werd ihm gesungen! Uns segnet und begnadigt Gott. Wir sind mit ihm versöhnt; ihr Lobgesänge tönt; tönt zum Himmel! Herr, Preis sei dir! Einst tnieen wir an deinem Thron und beten an. Mel. Mache dich, mein Geist 90 Unser Gott, der Herr der Welt, schaut der Zukunft Zeiten, kann, was ihm zu thun gefällt, lange vorbereiten. Stets zur That wird sein Rath; auf verborgnen Wegen kommt uns Heil entgegen. 2. Jesus ward zum Heil der Welt einer unsrer Brüder; freudig, wie zum Sieg der Held, kam er zu uns nieder; rang mit Noth, Schmach und Tod, um zu edlerin Leben Menschen zu erheben. 3. Seiner Aufkunft frohe Zeit ließ in frühen Jahren Gott mit ihrer Herrlichkeit Völkern offenbaren. Was geschah, fern und nah, wußt er dann zu lenken, um uns ihn zu schenken. 4. Preiset Giessen 64 4. Preiset ihn voll Zuver sicht, der die Welt regieret! Immer wird, was er verspricht, herrlich ausgeführet. Ehret ihn, der erschien, uns zu Gott zu leiten: folget ihm mit Freuden! Werke und Wohlthaten Gottes. 8. Des Sohnes Gottes Eigenthum, durch ihn des Himmels Erbe; dieß bin ich, und das ist mein Ruhm, auf Mel. Mein erft Geschäft sei Preis den ich leb und sterbe. 9. gibst 91 Bebante, der uns Gedeben gibt, wer Geift, das Pfand, im Glau deinen kann dich ganz durchdenken? Also hat Gott die Welt geliebt, uns seinen Sohn zu schenken. 2. Hoch über die Vernunft erhöht, umringt von Finsternissen, füllst du mein Herz mit Majestät und stillest mein Gewissen. 3. Ich kann der Sonne Wunder nicht, noch ihren Bau ergründen; und doch kann ich der Sonne Licht und ihre Wärm empfinden. Christenheit soll mir kein Zweifel rauben, ich fühle seine Göttlichkeit und halte fest am Glauben. 4. So kann ich auch nicht Gottes Rath von Jesu Tod ergründen; allein das Gött liche der That, das kann mein Herz empfinden. 5. Nimm mir den Trost, daß Jesus Christ nicht meine Schuld getragen, nicht Gott und mein Erlöser ist, so werd ich angstvoll zagen. 6. Jst Christi Wort nicht Gottes Sinn, werd ich stets irren müssen und, wer Gott ist, und was ich bin und werden soll, nicht wissen. 7. Nein, diesen Trost der ben mich zu stärken, und bildest mich durch deine Hand zu allen guten Werken. 10. Solang ich deinen Willen gern mit reinem Hers zen thue, so fühl ich eine Kraft des Herrn und schmecke Fried und Ruhe. 11. Und wenn mich meine Sünde kränkt und ich zum Kreuze trete, so weiß ich, daß er mein gedenkt und thut, worum ich bete. 12. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt und mich einst aus der Erde erweckt und zu dem Reich erhebt, da ich dich schauen werde. 13. Erfüll mein Herz mit Dankbarkeit, so oft ich dich nur nenne; und hilf, daß ich dich allezeit treu vor der Welt bekenne. 14. Soll ich dereinst auch würdig sein, für deinen Ruhm zu leiden, so laß mich keine Schmach und Bein von deiner Liebe scheiden. 15. Hat Gott uns seinen Sohn geschenkt, laß mich noch Erlösung. noch sterbend denken, wie follt uns der, der ihn geschenkt, mit ihm nicht Alles schenken? Mel. Schwing dich auf 92 Kor Dommt mit Dank vor Gottes Thron Preiset Gott auf Erden! Denn er fandte seinen Sohn, unser Heil zu werden. Ehret, preist ihn, der da kam, daß wir selig würden! Er ward Mensch und übernahm schwerer Leiden Bürden. 2. Treu vollbracht er seine Zeit. Seines Vaters Ehre, Wahrheit und Gerechtigkeit war des Heilgen Lehre; Menschen trösten und ers freun, immer sein Bestreben; und um Aller Heil zu sein, ließ er selbst sein Leben. 3. Nun als Herr, von Gott erhöht, nach vollbrachtem Werke, herrschet er voll Majestät und mit Gnad und Stärke, sammelt all uns in die sein streben. Fromme sollen, Engeln gleich, mit ihm ewig leben. 65 zugleich Gott, durch den wir leben; denn der Tugend heilig Reich ist ihm übergeben. Wer zu Jesu: Herr, Herr, spricht und doch Böses übet, kennt ihn und den Vater nicht, der nur Fromme liebet. 4. Ehrfurcht und Gehorsam soll ihm der Mensch bezeigen, Aller Knie sich des muthsvoll vor dem Mittler beugen, freudig jede Nation es mit Dank bekennen: Er sei Gottes höchster Sohn, unser Herr zu nennen. 5. Wer ihn ehret, ehrt 6. Laßt uns, Christen, laßt uns ihn reines Herzens lieben, auch die kleinste Sünde fliehn, fede Tugend üben, eifrig thun, was er gebeut, auf sein Vorbild sehen und wie er mit Freudigkeit auch durch Leiden gehen. 7. Können wir: es ist vollbracht! froh wie er, einst sprechen, o dann schreckt uns nicht die Nacht, wenn die Augen brechen. Sicher wird uns seine Hand zu den Seligkeiten seines Reiches in das Land der Verklärten leiten. Mel. Vom Himmel hoch da 93 Auf! freue dich mein Geist in preise deinen Gott, der dir selbst seinen Sohn zum Helfer gibt, preif ihn, daß er so sehr dich liebt! 2. Er, den dir Gott zum Heil gesandt, er machte dir den Trost bekannt, wie innig seine Vatertreu, wie werth ihm deine Wohlfahrt set. 3. Durch ihn hat er die sichre Bahn zur Seligkeit dir kund Werke und Wohlthaten Gottes. 66 fund gethan; durch ihn hat er dir Muth und Kraft, auf dieser Bahn zu gehn, verschafft. 4. Vergiß, vergiß zu feis ner Zeit die Größe seiner Gütigkeit; denk oft und stets mit Freuden dran und bete Gott in Demuth an. 5. Aus Gegenlieb und Dankbarkeit sei ihm dein ganzes Herz geweiht, dein Herz, das ihm ganz zugehört und selig ist, wenn es ihn ehrt. Mel. Allein Gott in der Höh 94 Ni imm unsre Dank2. Sonst sahn mit Furcht im Angesicht auf Gräber unsre Brüder; doch bald erschien ein neues Licht dem bangen Herzen wieder. Des Menschen Geist umschließt kein Grab, nur seine Hülle sinkt hinab: dieß lehrte Jesus glauben. 6. Dem, den er dir zum Helfer gab, dem folge redlich bis ins Grab; folg ihm und wende dankbar an, was er zu deinem Heil gethan. 7. Erwecke dich dadurch zum Fleiß der Heiligung; das ist der Preis, den echte Dankbarkeit dem gibt, der dich so göttlich groß geliebt. 8. In diesem Preise übe dich, mein Geist, jo hilft er Mel. Sei Lob und Ehr dem sicherlich dir zu dem Glück, 95 Auf, Christen, laßt ihn das Gottes der Welt bereitet hat. Gott mit frohem Dank erheben! Er hat nicht Lust an unserm Tod, will, daß wir ewig leben. Was uns zum Heile nöthig ist, das hat er uns durch Jesum Chrift erbarmungsvoll bereitet. 2. Nach seinem gnadenvollen Rath kam er, sein Sohn, auf Erden, von unfrer Schuld und Misſethat ein Retter uns zu werden. Er gefühle an, die wir dir, Vater, weihen: durch Jefum zeigtest du die Bahn der Tugend uns von neuem. Ja, ewig, ewig Dank sei dir; belehrt durch Jesum, können wir uns unsrer Würde freuen. 3. Mit edler Wärmelehrte er als erste Pflicht die Liebe, und jedes Gute immer mehr zu thun aus reinem Triebe. Er selbst, er gab sein Leben hin aus edlem, reinem Tugendsinn zum Besten für die Brüder. 4. Auf Christen, ehrt ihn lebenslang durch reine Tugendliebe! O daß ihm Keiner diesen Dant, kein Christ ihm schuldig bliebe! Wir sind erlöset: Dank sei dir, o Vater, möchten alle wir frei von der Sünde leben! Erlösung. Er wards und hat sein Werk vollbracht und sich nach kurzer Grabesnacht gen Himmel aufgeschwungen. 67 diesen Pfad, zeuch uns zu deinem Sohne, daß Glaub an ihn auch mit der That in unsern Herzen wohne; so haben wir an seinem Heil, zur Freude für uns, ewig Theil; so preisen wir dich ewig. 3. Wo ist des Todes Herr schaft nun? Hier ist sein Uleberwinder, die Furcht davor hinwegzuthun, starb er, das Mel. Schon ist der Tag von Heil der Sünder. Gebro- 96 Nun laßt uns alle fröhlich sein, chen ist uns nun die Bahn, die von der Erd uns himmelan zur ewgen Wonne leitet. 4. Wie hat uns doch der Herr so lieb! Wie sucht er unser Bestes! Er gibt für uns aus freiem Trieb sein Liebstes und sein Größtes! Preis ihm, der so viel an uns thut! Preis seinem Sohn, der uns zu gut sich bis zum Tod erniedrigt! 5. Was er zu unsermGlücke schafft, das ist in seinen Händen; sein ist das Reich, sein ist die Kraft, das Heil uns zuzuwenden, das er so liebreich uns erwarb, als er für uns am Kreuze starb. Wohl Allen, die ihm trauen! 6. O laßt uns ihm uns anvertraun und seine Stimme hören, auf seine Mittlerhülfe baun, ihn mit Ge horsam ehren! Das ist der Weg zum ewgen Wohl, der Weg, auf dem man frieden: voll auch schon auf Erden wandelt. 7. Herr, leite selbst uns Gott uns Jesum sandte! Laßt hoch des Gottes uns erfreun, den Jesus Vater nannte, der Alles schuf und liebt und nährt, der alle seine Kinder lehrt und alle gut erziehet. 2. Zur Reife der Vollkommenheit, die schon hienieden keimet, erzieht er Alle weit und breit; nicht Einer ist versäumet. O wohl mir, ich bin Gottes Kind! O wohl mir, alle Menschen sind des höchsten Vaters Kinder! 3. Er schaut auf Alle mild herab, führt auf verschiednen Wegen uns alle über Tod und Grab zu höherm Licht und Segen. Der Gott, den jede Sprache nennt, der Gott, den Niemand ganz verkennt, hat Jesum uns gegeben. 4. Vertrauensvoll auf Gott zu sehn, der mit Vers nunft uns zieret, und kindlich fromm den Weg zu gehn, der uns zum Ziele führet, der Menschheit hohen Zwed und Werth hat Jesus Christus 68 stus uns gelehrt; Gott sei dafür gepriesen! 5. Wie Wahrheit nie dem Trug erliegt; wie Pflicht und Weisheit handelt; wie Tugend über Alles siegt und fest zum Ziele wandelt, auch wenn ihm Hohn und Marter droht, verkündigt Jesu Lehr und Tod: Gott sei dafür gepriesen! Werke und Wohlthaten Gottes. 6. Wir zagen nicht; was kann uns je des Vaters Liebe nehmen? Für Armuth, Sor gen, Schmach und Weh, für Krankheit, Schmerz und Grämen und für den schweren Schritt ans Grab beut Jesus einen festen Stab: Gott sei dafür gepriesen! 7.O guter Gott, wir zagen nicht: du wirst zum höhern Leben, wirst zu des Himmels reinstem Licht einst unsern Geist erheben. Wohl uns! die Lehre Jesu beut uns Hoffnung der Unsterblichkeit: sei hoch dafür gepriefen! Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren 97 Erhebt den Herrn, Er hält, was er verspricht. Der Heiland ist gekommen, der Völker Trost und Licht. Gott, der uns nicht verstößt, hat uns zum Heil und Leben selbst seinen Sohn gegeben; durch ihn sind wir erlöst. 2. Erlöst! o welche Liebe hat uns der Herr erzeigt; mit welchem Vatertriebe sein Herz zu uns geneigt! Von seines Himmelsthron kommt, Rettung von Verderben uns Sündern zu er werben, sein hocherhabner Sohn. 3. Er kam zu uns auf Erden in tiefer Niedrigkeit, nahm auf sich die Beschwer den von unsrer Pilgerzeit, enthielt sich seiner Macht, verläugnet Himmelsfreuden, bis er durch Todesleiden sein großes Werk vollbracht. 4. Er hats vollbracht! O bringet Gott euren Lobge sang! Erlöste Menschen singet dem Mittler ewig Dank! Wo Niemand helfen kann, da hilft er gern aus Gnaden, heilt unsrer Seele Schaden, O nehmt ihn gläubig an! 5. Du Freund der Menschenkinder, verwirf uns, Jesu, nicht! Dein Name, Heil der Sünder, ist unsre Zuversicht! Drum kommen wir zu dir. Hilf jeden Reiz zu Sünden uns glücklich überwinden; denn dein, o 6. Bei dir steht unser Leben. Zu unserm ewgen Heil hast du dich hingegeben. Gib uns am Himmel Theil. Laß uns dir folgsam sein. Was wird uns, Herr, dann fehlen? Dann werden unsre Seelen sich Gottes ewig freun. Mel. Erlösung. 98 Gott, Mel. Herzliebster Jesu ott, der du für uns deinen Sohn gegeben: o wer kann gnugsam deine Huld erheben! Wie herrlich zeigst du im Erlösungswerke der Gnade Stärke! 2. Dein ewger Sohn stirbt für die Menschenkinder: der Heiligste tritt an die Stell der Sünder: der Seligste begibt sich seiner Freuden, für uns zu leiden. 3. Er wird das Lamm, das Aller Sünden träget, drauf du die Strafe weislich selbst nicht dürftest strafen. 4. Was ist der Mensch, daß du sein so gedenkest und deinen Sohn ihm zum Versöhner schenkest? Was findest du an mir und an uns allen für Wohlgefallen? 5. Verdient Verachtung göttlicher Geseße, verdient Verschwendung unschäßbarer Schäße, verdient gehäufte gröbliche Verschuldung so viele Duldung? 6. O welche Tiefe deiner Menschenliebe! Wer faßt, o Gott, die Größe ihrer Triebe! Du thust weit mehr zu unserm Wohlergehen, als wir verstehen. 69 ter nennen und zum Gehorsam dir mein ganzes Leben willig ergeben. 8. Was mir dein Sohn, da er für mich gestorben, von deiner Huld durch seinen Tod erworben, das werde mir, zu meinem ewgen Heile nun auch zu Theile! 9. In eigener Melodie. geleget, daß du die Schuld 99 Heiland, den uns Schafen Gott den der Himmel jauchzend pries, als du, Sterblichen zum Dienst huldreich auf der Erd erschienst. 7. Ach, lehre mich recht deine Huld erkennen, voll Zuversicht dich meinen VaDein Friede wohne stets in meinem Herzen und tröste mich bei des Gewissens Schmerzen; dein Geist ſei mit mir, deinen guten Willen treu zu erfüllen. 2. Wie dein Nam, ist auch dein Ruhm, Jesu, wir, dein Eigenthum, ehren dankvoll und erfreut, deine große Gütigkeit. 3. Du, deß Hand die Himmel hält, du kamst willig in die Welt, uns von Sünden zu befrein, unser Licht und Trost zu sein. 4. Start in deines Vaters Kraft, hast du Leben uns verschafft. Wir, von Rath und Hülf entblöst, sind, o Herr, durch dich erlöst. 5. Preis sei dir in Ewigfeit! Auf! die ihr erlöset seid, rühmt den, der mit Lehr Werke und Wohlthaten Gottes. 70 Lehr und That euch vom Tod erlöset hat. 6. Der du liebreich zu uns kamst, unsre Rettung übernahmst, dein uns theur erworbnes Heil sei auf ewig unser Heil. 7. Unsre Seele trau auf dich, unser Leben preise dich; und du selber, Heil der Welt, hilf uns thun, was dir gefällt. 4. Ja, du zeigst aus weiser Liebe uns zur Gnade selbst die Bahn, führst durch deines Geistes Triebe uns zu Buß und Glauben an. Wer nicht in der Sünde bleibt, standhaft an den Mittler gläubt, soll, befreit von dem Verderben, Himmelsseligkeiten erben. 5. Du bestimmtest zum Verderben auch nicht Einen; In eigener Melodie. 100 mit frohlocken- deine Huld hilft auch Sün dem Gemüthe schau ich, Gott, voll Dankbegier in die Liefen deiner Güte und verliere mich in ihr. O wie groß ist deine Huld! Unsre ganze Sündenschuld willst du uns so gern vergeben; denn du hast nur Lust am Leben. dern. Wenn sie sterben, sterben sie aus eignerSchuld. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, den trifft seines Fre vels Lohn; sein beharrlich Widerstreben raubt ihm Gnade, Heil und Leben. 6. Ewig sei mit Dank besungen, was dein Rath beschlossen hat. Mit uns preisen Engelzungen diesen weisen, heilgen Rath, den der Glaub in Demuth ehrt, die Vernunft erstaunend hört, wo der Engel Tiefen findet, die er niemals ganz ergründet. 2. Jch verehre, Gott voll Liebe, deiner Gnade weisen Rath, die aus eignem freiem Triebe unser sich erbarmet hat. Uns Verlornen dachtest du Rettung vom Verderben zu, und dieß Heil uns zu erwerben, sollte dein Geliebter sterben. feiten wiederum uns zu bereiten. 3. D ein Rathschluß voll Erbarmen, voller Huld und Freundlichkeit, der uns, uns verlassnen Armen, Gnad und reichen Trost verleiht! O wie hast du uns geliebt, daß dein Sohn sich für uns giebt, die verscherzten Selig 7. Vater, hilf mir das nach streben, meines Heils gewiß zu sein. Richte du mein ganzes Leben nur nach deinem Willen ein. Laß des Glaubens Frucht und Kraft, die dein Geist nur in uns schafft, mir das sichre Zeugniß geben, ich sei auf Erlösung. auf dem Weg zum Leben. 8. Ueberzeugt von deiner Gnade und gewiß, dich einst zu sehn, will ich selbst des Todes Pfade ohne Graun und muthig gehn. Hab ich deine Gnade nur, so wird keine Creatur mich von deis ner Liebe trennen, mich dir Nichts entreißen können. Würde des Erlösers. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren 101 D u kamst herab zum Staube, herab von deinem Thron; in dir erblickt mein Glaube des ewgen Vaters Sohn. Glanz feiner Herrlichkeit! Wer kann dich gnug erheben? Du schenkst uns neues Leben und Herzensfreudigkeit. 2. Wer reicht an deine Größe? Im weiten Schöpfungsreich fühlt Jeder seine Blöße, fühlt Keiner dir sich gleich. Du warst, eh meer und Land, eh Sonne, Mond und Erde durch jenes Machtwort: Werde! hervorging und entstand. 71 4. Du hast durch deine Lehren des Irrthums Nacht zerstreut. Wenn wir sie folgsam hören, wird unser Herz erfreut. Es lernt mit Kraft und Muth nach wahrer Tugend streben, lernt für die Zukunft leben, gewinnt das höchste Gut. 5. Um unser Heil zu grüns den, nahmst du so brüderlich den Sold der schwersten Sünden, des Kreuzes Last auf dich. Du tilgtest fremde Schuld, ertrugest Haß und Bande und stärbst bei Qual und Schande mit göttlicher Geduld. 3. höchste Seraph beuget sich demüthsvoll vor dir, verhüllt sein Antliß, schweiget, bewundert dich, wie wir; und deiner Hoheit Glanz, wagters, sie zu ergründen, wird er zu blendend finden, auch er schaut niesie ganz. 6. Doch, Herr, im Siegsgepränge kommst du zur Welt zurück. Dann steht der Völker Menge vor deinem Richterblick. O welche Angst und Pein verfolget dann den Sünder! Und Gottes fromme Kinder, wie wirst du sie erfreun! 7. Dich, Heiland, zu vers ehren, sei stets mir theure Pflicht; befolg ich deine Lehren, so seh ich einst dein Licht. Du bist, was Keiner war, im Himmel und auf Erden, was auch nicht En gel werden; du bleibst es immerdar. Mel. Kommt, kommt den 102 Meine Größe geht über alle Himmel weit. Wer 72 Werke und Wohlthaten Gottes. Wer ist, der sie ermesse? widerfährt. Dir soll sich Du warst bei Gott in Alles beugen; denn göttEwigkeit. Du bist der Erst- lich groß ist, Herr, dein geborne vor aller Creatur, Werth. Du bist das Heil kamst zwar für uns Ver- der Erden. Wer auf dein Lorne in menschlicher Natur; Wort nicht hört, der kann doch in der Menschheit Or- nicht selig werden; wer den tratst du erst in der aber dich verehrt, dem Zeit; eh noch die Welt ge- hilfst du vom Verderben, worden, warst du voll Herr- schaffst ihm Zufrieden= lichkeit. heit und machst ihn einst zum Erben vollkommner Seligkeit. 2. Der Himmel und die Erde sind durch dein träftig Wort gemacht. Auf dein allmächtig: Werde! entstand die Welt mit ihrer Pracht. Du bist auch unser Meister; auch uns schuf deine Hand, sowie das Heer der Geister, das dich noch nie erkannt. Ein Erbe über Alles! das ist dein ewger Ruhm; drum jammert dich des Falles von deinem Eigenthum. 3. Du trägest alle Dinge durch deiner Allmacht startes Wort. Das Große und Geringe geht bloß durch deinen Willen fort. Sohn Gottes, du regierest den ganzen Kreis der Welt; weil du das Ruder führest, geschieht, was dir gefällt. Bei dir steht Tod und Leben; drum wird einst jede Gruft die Todten wieder geben, wann deine Stimme ruft. 4. Gott läßt dir Chr er zeigen, die keinem Andern 5. Wie herrlich ist dein Name schon jest, o Herr, in aller Welt! Dich preist der Frommen Saame, der gläubig dir zu Füßen fällt. Dich preisen Seraphinen, erhabner Menschensohn! Mit Freuden dir zu dienen stehn sie vor deinem Thron. Wer sollte dein. sich schämen? Werth bist du, Preis und Ruhm auch, Herr, von uns zu nehmen, uns, deinem Eigenthum. · 6. Sohn Gottes, ich verehre und bete dich in Demuth an; beschäme und bekehre die, die dir noch nicht zugethan, die deinem Wort nicht glauben und dir, der für sie litt, die schuldge Ehre rauben. Theil ihnen Gnade mit, dich gläubig zu erkennen; laß Nichts, die dich erkannt, von deiner Liebe trennen. Dein Ruhm füll jedes Land! Mel. 73 nun machst du selig, die versöhnt der Sünden Gräuel hassen. Ihnen willst du Heil und Leben gerne geben und uns allen helfen, daß wir Gott gefallen. 5. Vom Aufgang bis zum Niedergang erschallet dir der Lobgesang erretteter Gerechten. Unzählbar sind die Schaaren schon, die gerne dir vor deinem Thron ein würdig Loblied brächten. Ihrer mehr noch, Jesu, werden schon auf Erden dir lobsingen, Preis und Dank und Ruhm dir bringen. 6. Wie groß, wie ange: betet ist dein Nam, o Heiland Jesu Christ, wie herrlich bei den Deinen! Führst du uns einst zu deiner Ruh: o wie weit herrlicher wirst du den Frommen dann erscheinen! Ewig müsse dir zur Ehre ihrer Chöre Lob erschallen, durch die Himmel wiederhallen! Dankbares Andenken an die Sendung Jesu. ( Adventslieder.) Mel. Jesu, komm doch selbst zu wir an dich glauben wollen! 104 Gott sei Dank 4. Du in aller Welt, Erlösung. Mel. Mein ganzer Geist 103 Wie groß, wie angebetet ist dein Nam, o Heiland Jesu Christ, wie theuer deinem Volke! Welch Licht ging in der Finsterniß mit dir der Welt auf! Wie zerriß, wie floh des Irrthums Wolke! Als du famest, hörten Taube, und der Glaube half den Kranken, Stumme sangen, dir zu danken. 2. Nur Schwache warens, die dein Licht verbreiteten, die Weisen nicht. Wo sind sie? Wo die Hohen? Und wo die Reichen? Wo die Macht, vor der des Gößendienstes Nacht und seine Schatten flohen? Macht nicht, List nicht, deine Gaben, Mittler, haben dich verkläret, uns den Weg zu Gott gelehret. 3. Wir werden deinen Ruhm erhöhn; wir werden deinen Himmel sehn, den Preis von deinem Leiden; genießen, was du uns ers warbst, da du für uns am Kreuze starbst, der Engel hohe Freuden. Welche Gnade, daß wir Sünder Gottes Kinder werden sollen, wenn Herrlichkeit entäußert eine kurze Zeit, für uns von Gott verlassen. Und nun mit Ehr und Ruhm gekrönt, der sein Wort beständig hält und der Sünder Trost und Rath zu uns hergesendet hat. 2. Was 74 Werke und Wohlthaten Gottes. 2. Was der frommen Mel. Aus meines Herzens Grunde 105 Mit Gru Väter Schaar Wunsch und Trost und Hoffnung war, was sie fern im Dunkeln sah, Heil uns! ist im Lichte da. 3. Hier ist mehr, als Davids Sohn. Unvergänglich ist sein Thron; denn der Tugend Reich ist sein, hier und dort uns zu erfreun. 4. Licht der Seelen, ewges Heil ward durch ihn der Welt zu Theil. Menschenfreund, wie dank ich dir! Du schenkst dieses Heil auch mir! 5. Deines Segens mich zu freun, laß mein Herz dein eigen sein; mach es von der Stlaveret jeder Sünde völlig frei. 6. Und wie deine Ankunft war Hülf und Rettung aus Gefahr, so erscheine stets auch mir Hülf und Rettung, Herr, von dir. 7. Deine Wahrheit leuchte mir, Herr, bei Allem, was ich hier zur Befördrung meiner Ruh denke, wünsche, wähle, thu. 8. Trifft mich Traurigkeit und Schmerz, tröste dann mein zagend Herz! Wenn kein Mensch mir helfen kann, so nimm du dich meiner an! 9. Und, o Jesu, wann du einst herrlich zum Gericht erscheinst, laß mich freudig zu dir gehn und gerecht vor dir bestehn! der, bereitet euch dem Herrn! Er kommt, das Heil der Sünder, er rettet sie so gern. Er kommt, den Gott allein aus Gnaden uns zum Leben versprochen hat zu geben; ihr könnt nun selig sein. 2. Kommt, reinigt eure Seelen, seid heilig, seid bereit, was ihm gefällt, zu wählen, zu fliehn, was er verbeut! Gilt willig in sein Reich, verabscheut und ver lasset, was euer König hasset, vertraut ihm, bessert euch! 3. Das hat der Herr geboten, sein Sohn hats selbst gelehrt; das lehren seine Boten, und selig ist, wer hört! Ach, leben wird, wer glaubt, und wer nicht glaubt, wird sterben. Ein Jeder wird verderben, der noch ein Sünder bleibt. 4. Wer wahre Demuth liebet, den will Gott einst erhöhn; wer aber Hochmuth übet, der wird ihn nimmer sehn; wer ihm sein Herz ergibt, wird gut und selig werden, nicht dort nur, schon auf Erden erfahren, wie Gott liebt. 5. Doch was vermag ich Schwacher, ich Sünder ohne dich? Mein Heil Seligmacher, bereite selber mich! Erlösung. mich! Schon seufzt mein Herz nach dir, es seufzet dir entgegen. Komm, komm mit deinem Segen und wohne stets in mir! Mel. Mein ganzer Geist, Gott er Heiland 106 kommt, lob: singet ihm, dem Herrn, dem alle Seraphim das: Heilig! Heilig! singen. Er fommt, der eingeborne Sohn, und steigt von seines Himmels Thron, der Welt das Heil zu bringen. Preis dir, daß wir vor der Sünde Rettung finden, höchstes Wesen! Durch dich werden wir genesen. 2. Willkommen, Friedefürst und Held, Rath, Vater, Kraft und Heil der Welt, willkommen hier auf Erden! Du fleidest dich in Fleisch und Blut, wirst Mensch und willst, der Welt 75 kommt das Leben. D was fannst du Größres geben? 4. Wir bringen dir ein dankbar Herz, gebeugt durch Buße, Reu und Schmerz, bereit, vor dir zu wandeln, ja, dir und unserm Nächsten treu, aufrichtig ohne Heuchelei, zu denken und zu handeln. Zu dir flehn wir; hilf uns Schwachen, daß wir wachen, beten, ringen und des Fleisches Lust bezwingen. 5. die Arme voll Erbarmen uns entgegen und verwandelst Weh in Segen. 3. Du bringst uns Trost, Zufriedenheit, Heil, Leben, ewge Seligkeit! Sei hoch dafür gepriesen! O Herr, wie viel zu schwach sind wir, die Treue zu vergelten dir, die du an uns erwiesen! Von dir, da wir im Verderben müßten sterben, Laß uns zu unserm ewgen Heil an dir im wahren Glauben Theil durch deinen Geist erlangen, auch wenn wir leiden, auf dich sehn, im Guten immer weiter gehn, nicht an der Erde hangen, bis wir zu dir mit den Frommen ewig kommen, dich erheben und in deinem Reiche leben. Mel. Befiehl du deine Wege zu gut, selbst unser Bruder 107 Wie soll ich dich werden. Heil aller Sterblichen, du Freude, du Verlangen der Trostbedürftigen? Gib selbst mir zu erkennen, wie, deis ner Güte voll, dich meine Seele nennen, dich würdig preisen soll. 2. Einst streute man dir Palmen; jetzt soll die Dankbegier, mein Heil, in Freudenpsalmen ergießen sich vor dir. Dich, dich will ich erD2 heben, 76 Werke und Wohlthaten Gottes. heben, so gut ich Schwacher Nicht sie in ihrem Leide zu kann, mein Herz will ich trösten stets gewußt? Erdir geben; o nimm es gnä- freun ist seine Freude und dig an! Wohlthun seine Lust. 3. Damit du mich befreis test, gabst du dich selbst für mich; mich zu erretten, freutest du, Seligmacher, dich. Du sahest, daß hier keiner vermögend war dazu: da jammerte dich meiner, da kamst und halfest du. 4. O du, an den ich glaube, was wars, das dich bewog? Was wars, daß dich zum Staube zu mir herniederzog? Dein göttliches Erbarmen. Ja du, o Jesu, haft mit mitleidsvollen Armen die ganze Welt umfaßt. 5. Das schreibt in eure Herzen, Betrübte, klagt nicht mehr! Bagt nicht in euren Schmerzen, als ob tein Helauf! habet den besten Helfer nah, der eure Seele labet: der treue Freund ist da! 6. Die ihr mit ernster Reue still eure Schuld beweint, wißt, daß er euch verzeihe. Er selbst, der Men schenfreund, ruft heilbe giergen Sündern der Gnade Trostwort zu, macht sie zu Gottes Kindern, schafft ihren Seelen Ruh. 7. Er übersiehet Keinen und weiß, was Jedem nüßt. Hat er nicht stets die Seinen von Anbeginn beschüßt? 8. Er macht uns von dem Bande des Tods auf ewig los, entreißet une der Schande der Sünd und macht uns groß, gibt Weisheit, Muth im Leiden und Kraft zu jeder That, ver: sichert uns die Freuden, die Gott bereitet hat. 9. Er kommt zum Weltgerichte; der Bösewicht ver geht, wenn da im hellen Lichte der Tugendfreund besteht. Wohl ewig allen de nen, die seine Wege gehn und einst mit Freudenthränen zu seiner Rechten stehn! mel. Gott, der du die Menschen errun108 Der du uns das gen, Mensch gewordner Gottessohn! Ewig sei dir Lobgesungen, daß du von des Himmels Thron uns zu gut ins Fleisch gekommen; der du voller Freundlichkeit längstens schon vor meiner Zeit dich auch meiner angenommen und mein Bruder worden bist, sei gelobt, Herr Jesu Christ! 2. Sei gelobt, denn dir gehöret Preis und Dank und Ruhm mit Recht. O wie hoch hast du geehret unser sterbliches Geschlecht! Herr Erlösung. 77 ten. Durch ihn bin ich Gott vereint; Gott ist Vater und mein Freund. Herr, du hast es selbst vermählet mit der göttlichen Natur und vor aller Crea: tur es zum Wohlthun dir erwählet; ja, in dir, du Gottessohn, herrscht die Menschheit auf dem Thron. 3. Du, du bist der Völter Segen, kamst, von Noth uns zu befrein; und wir können deinetwegen jezt schon Kinder Gottes sein. Hat die Sünd uns gleich verdorben, o so hast du neue Kraft uns zur Heiligung verschafft und die Tüchtigkeit erworben, einst, Mel. Nun dantet Alle Gott von Sünden völlig rein, 109 Er ist gekommen, dir, o zu 4. Du, du bist der Mittler worden, der die Welt mit Gott versöhnt: haft der schwachen Menschheit Orden wieder mit dem Recht be lehnt, in den Himmel einzugehen und da Gottes Herrlichkeit nach vollbrachter Prüfungszeit ewig einst perklärt zu sehen. Fromme! fasset Zuversicht, glaubet fest und fündigt nicht. er, auf die Väter harrten, und länger dürfen wir nun keines Andern warten. Sein Lob erschalle laut in aller Welt umher! Wer brachte je der Welt mehr Licht und Heil, als er? 5. Sollte mich wohl Gott verlassen, wenn ich krank und hülflos bin? Nein, sein Heil wird mich umfassen, trösten den betrübten Sinn. Und da kann mich nichts anfechten. Er, der meinen Jammer kennt und mich gnädig Bruder nennt, sigt als Herr zu Gottes Rech6. Herr, wie groß ist deine Güte! Meine Seele freut sich dein. Laß doch stets mein ganz Gemüthe voll von deinem Ruhme sein! Nimmer will ich dein vergessen; dir will ich mich ganz vertraun, freudig folgen, auf dich baun. Deine Huld ist nicht zu messen; gib, daß ich für deine Treu dir auf ewig dankbar sei. 2. Gott ist mit uns, wir sehn den Sohn, den eingebornen, des Vaters Ebenbild, den Retter der Verlor= nen, der Reuevollen Trost. Ihr Sünder, nehmt ihn an! Freut des Erlösers euch, der selig machen kann! 3. Gott ist mit uns! nun hört der Arme seine Lehren, und was er lehrt, ist Heil. Er ists! die Tauben hören; der Blinde sieht und schaut voll Dank zu Gott hinauf; des Lahmen Füße die Todten stehen auf. D3 gehn; 4. Er 78 Werke und Wohlthaten Gottes. 4. Er ist gekommen, uns tären. Jesus erschien, und dem Vater zu versöhnen und es ward Friede durch ihn. mit der Tugend Kranz die Friede! Singts laut ihm zu Gläubigen zu krönen. Gott Ehren! ist mit uns! Er will die Traurigen erfreun; er will der Schwachen Kraft, der Müden Stärke sein. 4. Unschuld und Tugend entkeimten des Göttlichen Tritten, Trost und Erquitkung trug er in der Weinenden Hütten, ward ihnen Freund, hatte oft selber geweint, selber geduldet, gelitten. 5. Gott sei gelobt! Er ists, auf den die Väter harrten. Heil uns! wir dürfen nun nicht eines Andern warten. Er schließt den Himmel auf; er nimmt die Sünder an. Frohlockt und betet ihn und seinen Vater an! 5. Ehre sei Gott in der Höhe! ein ewiges Leben hat er durch ihn, seinen Sohn, uns erbarmend gegeben. Bis in das Grab stieg er vom Himmel herab, einst uns zum Himmel zu heben. Geburt Jesu. ( Weihnachtslieder.) Mel. Lobet den Herrn, den 110 5 der Höhe der Herr ist geboren, Sündern zum Heiland vom Höchsten aus Gnaden erkoren. Lasset uns sein dankvoll, ihr Christen, uns freun! Ist er nicht uns auch geboren? In eigener Melodie. 2. Schatten und Dunkel 111 Lobt Gott, ihr Chris sten, freuet euch! Von seiner Gnade Thron beruft er uns zu seinem Reich und sendet seinen Sohn. bedeckte den Erdkreis; es irrten Völker umher, wie die Heerden, verlassen vom Hirten. Jesus erschien! Nächte verschwanden durch ihn, die auch den Weisen verwirrten. 3. Menschen, berufen, durch Liebe die Gottheit zu ehren, folgten der Zwietracht und haßten sich vor den Al6. Selige Hoffnung, einst Jejum, den, Retter, zu sehen mit den der Himmlischen ihn zu erhöhen! Völlig beglückt, sing ich dann himmlisch entzückt: Ehre sei Gott in der Höhe! 2. Er kommt nach seines Vaters Rath, mit Heil uns zu erfreun und auf des ewgen Lebens Pfad der Welt ein Licht zu sein.. 3. Bei seinem Eintritt in die Welt umgibt ihn keine Pracht, die glänzend in die Augen Erlösung. Augen fällt und groß vor Menschen macht. 4. Er wird dem ärmsten Knechte gleich, begehrt kein Erdenglück, verlangt allhier kein Königreich von einem Augenblick. 5. Er kommt, durch seiner Wahrheit Macht zu Gott uns hinzuziehn. Vor seinem Lichte muß die Nacht des Aberglaubens fliehn. 79 liebgewinnet? Nimm froh an seiner Liebe Theil und werd ihm gleich gesinnet! Wer nicht, wie er, gesinnet ist, der ehrt ihn nicht, der ist kein Christ. Der Herr er fennt die Seinen. 6. Er lehret uns die Sünde scheun, spricht Muth dem Schwachen zu und schafft uns, wenn wir sie bereun, Begnadigung und Ruh. 7. Er bringt den Trost der bessern Welt vom Himmel uns herab. Nun schreckt, wenn unsre Hülle fällt, uns weder Tod, noch Grab. 8. Er öffnet uns dereinst die Thür zu seinem Himmelreich. Ihr Christen, wie beglückt sind wir! Lobt Gott und freuet euch! 3. In Dürftgen laßt uns ihn erfreun, bekleiden, speisen, tränken! Ja, laßt uns frohe Geber sein und sein dabei gedenken! Was ihr den Meinen habt gethan, das, spricht er, habt ihr mir gethan; und er, er wills vergelten. 4. Wer ihn mit treuem Herzen ehrt, den wird sein Name trösten. Vertraut auf ihn, von ihm gelehrt, lobsingt ihm, ihr Erlösten! Es freut sich deine Christens heit, Herr, deiner Menschenfreundlichkeit. Dir, dir sei ewig Ehre! Mel. Mein ganzer Geift, Gott Mel. Allein Gott in der Höh 112 Qußt uns mit ehr. 113 fimm auch du furchtsvollem Dank den Gott der Lieb erhöhen, mit feierlichem Lobgefang des Heilands Feft be gehen! Preis sei dem Vater, der ihn gab! Preis sei dem Sohn! Er kam herab und ward das Heil der Men schen. mit frohem Dank, mein Geist, in jenen Lobgesang, von dem der Himmel tönte, als er zur Welt hernieder kam und uns fre Menschheit an sich nahm, der uns mit Gott versöhnte! Freu dich innig! Er, dein Führer und Regierer, tam auf Erden, Licht und Heil auch dir zu werden. 2. Ist der ein Christ, der dieses Heil nicht schäßt und 2. Ja, Preis und Ehre, D4 Gott Werke und Wohlthaten Gottes.. 80 Gott, sei dir! Wie gnadenvoll bist du auch mir in deinem Sohn erschienen! Du sandtest aus Erbarmen ihn, Mel. Fröhlich soll mein die dem Verderben zu ent. 114 Laßt uns unferm die dienen. Preis dir, daß mir neue Pfade zu der Gnade offen stehen, mich der Sünd entrückt zu sehen! Gott hocherfreut laßt uns heut ihm Verehrung bringen! In des Himmels hohe Chöre stimmet ein: Gott allein, unserm Gott die Ehre! 3. Und wie vergelt ich, Heiland, dir die große Treue, die du mir schon, eh ich war, bewiesen? Du bahntest unter bittrem Leid auch mir den Weg zur Seligkeit: sei hoch dafür gepriesen! Durch dich kann ich nun hienieden Gottes Frieden schon empfangen und einst volles Heil erlangen. 2. Jeder, der sich fühlt verloren, freue sich inniglich; Christus ist geboren. Er, der König aller Wesen, steigt herab bis ins Grab, Sünder zu erlösen. 3. Wer kann Gottes Rathschluß fassen? Aber dieß ist gewiß: wir sind nicht verlassen! Kommt sein Sohn aus freien Trieben zu uns her; wie sollt er nicht die Menschen lieben? 4. Wenn er uns verwor fen hätte, nähm er dann Menschheit an? Er spricht: Ich errette! Deß soll sich der Erdkreis freuen! Zum Ge richt kommt er nicht, sondern zum Verzeihen. 5. Gilt im Geist nach Bethlems Hütten, seht, was bort euer Hort schon für euch gelitten. Er wird niedrig euret wegen! Welch ein Freund! er erweint seinen Feinden Segen. 6. Er, er will für eure Schulden Armuth, Noth, Schmach und Tod göttlichgroß 4. O gib, daß ich an die sem Heil nun auch im wahren Glauben Theil durch deinen Beistand nehme; daß ich hinweg vom Eitlen seh, die Wege deiner Wahrheit geh und deiner nie mich schäme; bis ich durch dich, wann ich sterbe, zu dem Erbe deiner Frommen auch dereinst werd aufgenommen! 5. Jch bringe direin dantbar Herz, bereit, in Freuden und in Schmerz, wie dirs gefällt, zu wandeln. Verleihe du mir selbst die Kraft, nach deinem Wort gewissenhaft zu denken und zu handeln. Fröhlich will ich hier im Leben dich erheben und einst droben wonnevoll dich ewig loben. Erlösung. groß erdulden. Lernt den Menschenfreund erkennen: gnadenreich will er euch seine Brüder nennen. 7. Dankt ihm, der eur innres Sehnen sehen kann; betet an; weinet Freudenthränen: liebt ihn, der von Liebe brennet; preist den Herrn, der euch gern seine Brüder nennet. 81 viel treuer. Reine Creatur, kein Leiden, teine Noth und kein Tod soll von dir mich scheiden. 11. Herr, du nahmst auch meine Bürde gern auf dich, daß auch ich frei und selig würde. Wer kann deine Lieb ergründen? Ewig soll freudenvoll sie mein Herz empfinden. 12. Dir, mein göttlicher Befreier, folg ich nach, obwohl schwach, doch um so Du kommst einst zum Weltgerichte. Dann werd ich, Richter, dich schaun von Angesichte; und wenn dann die Frevler beben, so werd ich deiner mich freun und ewig leben. 8. Wenn euch eure Sünden kränken, eilt herzu, suchet Ruh: er will sie euch 115 Got schenken. Schaut auf ihn mit Glaubensblicken; zittert nicht; denn er spricht: Ich will euch erquicken. 9. Jhr Erdulder schwerer Tage, euren Schmerz fühlt sein Herz. Kein Erlöster zage! bringet ihm zu seinem Feste Zutraun her! Wisset, er wählt für euch das Beste. 10. Er verläßt euch nicht, ihr Schwachen: mehr, als ihr, litt er hier, euch beglückt zu machen. Gure kleine Zeit der Leiden und der Müh, was ist sie gegen ewge Freuden! Mel. Jesu, meine Freude Hottes Sohn ist kommen! Dankt ihm, seine Frommen, dankt ihm, daß er kam, daß er hier auf Erden, unser Heil zu werden, seine Wohnung nahm! Mensch, wie wir, erschien er hier, um an uns des Vaters Willen liebreich zu erfüllen. 2. Laßt uns niederfallen, danken, daß er Allen Freund und Bruder ist! Gott auf seinem Throne liebt uns in dem Sohne, hilft durch Jesum Christ. Welch ein Heil, an Christo Theil, Theil durch seiner Sendung Gaben selbst an Gott zu haben! 3. Keine Macht der Leiden soll von ihm uns scheiden: er bleibt ewig treu. Dort wird er vom Bösen völlig uns erlösen; hier steht er uns bei. Unser Freund, mit Gott vereint, fann nicht seine Brüder hassen oder hülflos lassen. D5 4. Wann 82 4. Wann wir einst er müden, führt er uns zum Frieden durch des Grabes Nacht. Unsre todten Glieder gibt die Erde wieder ihm, der sie bewacht. Jesus ruft uns aus der Gruft, er, der selbst den Tod einst schmeckte, den das Grab auch deckte. 5. Auf dem Richterthrone werden wir im Sohne unsern Bruder schaun. Heil und ewig Leben wird er Allen geben, die ihm hier vertraun. Er ward hier versucht, wie wir; überschwenglich wird er lohnen und der Schwachheit schonen. Werke und Wohlthaten Gottes. 6. Eilet, eilt, ihr Sünder! Werdet Gottes Kinder! Werdet seiner werth! Eilet, eilt ihr Frommen! Seid, wie er, vollkommen! Bleibet seiner werth! Preiset ihn, daß er erschien; daß er sich für euch gegeben durch ein göttlich Leben. mich so herrlich hoch in deinem Sohn geliebet? 3. Er, unser Freund, mit uns vereint zur Zeit, da wir noch seine Feinde waren, er wird uns gleich, um Gottes Reich und seine Lieb als Mensch zu offenbaren. 4. An ihm nimm Theil! Er ist das Heil. Thu täglich Buß und glaub an seinen Namen. Der ehrt ihn nicht, wer Herr! Herr! spricht und doch nicht sucht sein Beispiel nachzuahmen. 5. Aus Dank will ich in Brüdern dich, dich, Gottessohn, bekleiden, speisen, tränken; der Frommen Herz in ihrem Schmerz mit Trost erfreun und dein dabei gedenken. 6. Rath, Kraft und Held, durch den die Welt und Alles ist im Himmel und auf Era den! Die Christenheit preist dich erfreut und aller Knie soll dir gebeuget werden. In eigener Melodie. 7. Erhebt den Herrn! Er hilft uns gern; und wer ihn 116 Auf! Ichie dich ehrt, den wird sein Name tröschicke recht feierlich des Heilands Fest mit Danken zu begehen! Lieb ist der Dank, der Lobgesang, durch den wir ihn, den Gott der Lieb erhöhen. sten. Gelobt sei Gott! Gelobt sei Gott! Freut euch des Herrn und jauchzt ihm, ihr Erlösten! Mel. Ermuntre dich, mein ott, deine Gna2. Sprich dankbar froh: 117 Gº de sei gepreist! Also, also hat Gott die Welt in seinem Sohn geliebet! D! wer bin ich, Herr, daß du Sie schuf uns Heil und Leben. Ermuntre dich in mir, mein Geist, ihr Wohlthun zut Erlösung. zu erheben! Denk an die Nacht, da auf der Welt des Höchsten Sohn sich dargestellt, um sein so theures Leben für Sünder hinzugeben. 2. D große That! er wünschte Nacht, von Engeln selbst besungen! Du hast den Mittler uns gebracht, der uns das Heil errungen. In dir erschien der starke Held, der Alles schuf und Alles hält, der Freund der Men-, schenkinder, des Todes Ue berwinder. 3. Der du, zu uns gesandt vom Herrn, aus deinem Himmel kamest und unser Fleisch und Blut so gern in Demuth an dich nahmest, Sohn Gottes! o wie haft du dich so tief erniedrigt auch für mich! Wie arm bist du erschienen, um mir zum Heil zu dienen! 4. O lehre mich den großen Werth von deiner Huld recht fassen! Was reizte dich, auf dieser Erd dich so herabzulassen? Hier warteten dein nichts als Noth, Verachtung, Kummer, Schmerz und Tod, und doch kamst du auf Erden, ein Menschensohn zu werden. hest mit 83 nach deines Vaters Rath dich ein, wardst Mensch und kamst, mit Freuden für uns den Tod zu leiden. mitleidsvollem Triebe. Du stelltest, unser Heil zu sein, 6. Dein, Sohn des Höchsten, freu ich mich; du bist auch mein Erretter. Auch mir zum Troste sandte dich der Herr, der Gott der Götter. Was mir ein wahres Wohl verschafft, Erleuchtung, Friede, Beßrungss kraft und Freuden, die stets währen, willst du auch mir gewähren. 7. Was soll ich dir, mein größter Freund, für deine Treue geben? Du bists, der mich mit Gott vereint, du bringst mir Heil und Leben. Herr! was ich hab und was ich bin, das geb ich dir zum Dienste hin; ich will dich ohn Aufhören mit Leib und Geist verehren. 5. Viel stärker, Herr, als Schmerz und Tod war deiMel. Vom Himmel kam der ne Menschenliebe. Du fas 118 Dieß ist der Tag, den gemacht, sein werd in aller Welt gedacht! Ihn preise, D6 was 8. Ich sehe dich zwar hier noch nicht; doch du wirst wiederkommen: und dann schaun dich von Angesicht, Herr, alle deine Frommen. Dann werd auch ich, Herr, Jesu Christ, dich schaun, so herrlich, als du bist; dann wirst du mich zum Leben, das bei dir ist, erheben. Werke und Wohlthaten Gottes. 84 was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist! 2. Die Völker haben dein geharrt, bis daß die Zeit erfüllet ward; da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich, feinen Sohn. 3. Wenn ich dieß Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an und er ermißt, daß Gottes Lieb unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, erscheinst im Fleisch zu unserm Heil. 7. Du, unser Heil und höchstes Gut, verbindest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. Herz erhöht. Gedanke voller Seligkeit! du bist es, der das Herz erfreut. 8. Gedanke voller Majestät! du bist es, der das 9. Durch Eines Sünde fiel die Welt. Ein Mittler ists, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schüßt, der in des Vaters Schooße sitt? 10. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, den Tag der heiligsten Geburt; und, Erde, die ihn heute sieht, sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 5. Dein König, Zion, kommt zu dir! Ich komm; Mel. Kommt, kommt den im Buche steht von mir: 119 Vom Grab, an Gott, deinen Willen thu ich gern: Gelobt sei, der da kommt im Herrn! dem wir wallen, soll, Jesu Christ, dein Lobgesang empor zum Himmel 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel, du Friedefürst, auf den die Väter hoffend sahn, dich, bet auch ich, mein Hei land, an. schallen! Dir opfre jede Seele Dank! und je der der Gebornen erfreu sich, Mensch zu sein; und jeder der Verlornen rühm es, erlöst zu sein! Uns Sündern ward gegeben einst Jesus, Gottes Sohn; mit ihm erschien das Leben, mit ihm des Himmels Lohn. 2. Kommt, laßt uns niederfallen vor unserm Mitler Jesu Christ und danfen, 11. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht, sein werd in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. Erlösung. 85 dann dem Throne und schauen deine Majestät. Nicht mehr aus dunkler Ferne dringt dann der Dank zu dir; weit über Sonn und Sterne erhaben, jauchzen wir. Mit aller Himmel Heere schallt unser Lobges Lang. Dem Ewigen sei Ehre, dem Weltversöhner Dank! ken, daß er Allen Erretter, Freund und Bruder ist. Er gleicht der Morgensonne mit ihrem ersten Strahl, verbreitet Licht und Wonne und Leben überall. Durch ihn kommt Heil und Gnade auf unsre Welt herab; er leuchtet unserm Pfadedurchs Leben bis zum Grab. 3. Frohlockt, ihr Mitgenossen der Schwachheit und der Sterblichkeit! Nicht länger ist verschlossen der Eingang zu der Herrlichkeit. Erscheinung Chriſti. Mel. Was mein Gott will Zu unsrer Erd hernieder 120 Erfreue dich des kam Gottes mein Geist, das Gott für dich erkoren! Der Heilige, der Jesus heißt, ward auch für dich geboren. Er machte klar, was dunkel war, daß uns kein Zweifel bliebe. Wem leuchtet nicht sein reines Licht hinauf zum Gott der Liebe? 2. Der Mensch soll von der Sinnlichkeit die Freiheit sich erringen und, von der Sünde Macht befreit, zum wahren Leben bringen, gutthätig sein, wie Gott erfreun und stets zufrieden leben. Dazu verschafft der Herr auch Kraft, den Gott uns hat gegeben. 5. Bald sind wir zu dem Lohne der Himmelsbürger 3. Drum sei uns sein Erscheinungsfest ein Fest der Liebe Gottes. Wohl dem, der sich auf ihn verläßt, dort erhöht. Nah sind wir trop aller Macht des Spottes nun hebt er seine Brüder empor zu Gottes Thron. Er ward das Heil der Sünder und der Verlornen Hort. Hier sind wir Got tes Kinder und Gottes Erben dort. 4. D du, dem laut die Menge der Engel und Verklärten singt, vernimm die Lobgesänge, die dir dein Volt im Staube bringt! Auch du warst einst auf Erden, was deine Brüder sind, ein Dulder der Be schwerden, ein schwaches Menschenkind. Was du nun bist, das werden einst deine Brüder sein, wenn sie, entrückt der Erden, sich deines Anschauns freun. Werke und Wohlthaten Gottes. 86 tes! Der ihn uns gab, blickt hold herab auf seine from men Kinder und väterlich erbarmt er sich der reuer füllten Sünder. 4. Mit dieser frohen 3uversicht geh ich dem Tod entgegen. Ich weiß, mein dunkler Pfad wird Licht und Leid und Schmerz mir Segen. Schließt sich mein Lauf, werd ich hinauf zu Jesu mich erheben und mit der Schaar, die treu ihm war, in seinem Himmel leben. noch jetzt den Gögen dienen. Nicht sie, nicht eigne Würdigkeit, nur deine Huld hat uns befreit von jenen Finsternissen. 4. Drum laß mit froher Dankbarkeit uns nun im Lichte wandeln, uns in der gnadenreichen Zeit ſtets fromm und weise handeln, auf dich, bei treu erfüllter Pflicht, zufrieden und voll Zuversicht in Noth und Tod vertrauen. 5. Es müsse, wer dich, Gott, erkennt, erkennen dei nen Willen, und wer das Thun vom Wissen trennt, Mel. Gottlob, ein Schritt zur 121 Dem ganzen Erd- nun seine Pflicht erfüllen! Nichts helfen Opfer des Gebets dem, der da glaubet und noch stets der Sünde sclavisch dienet. kreis ist vom Herrn ein helles Licht erschienen; es leuchtet nah, es leuchtet fern. Zahllose Völker dienen den todten Göttern nun nicht mehr; sie kennen ihn, den Herrn, und er läßt sie im Lichte wandeln. 2. Kaum fandte Gott durch seinen Sohn der Erde große Freuden, so sammelt er sich selber schon die Erstlinge der Heiden. Der Wahrheit Bild, ein schöner Stern, führt sie zu ihrem neuen Herrn. Sie kommen, anzubeten. 6. Und wo noch bange Dunkelheit und falscheSchatten liegen, wo Irrthum, Wahn und Sinnlichkeit noch Sterbliche betrügen, auch da geh nun im Siegeslauf das schöne Licht der Wahrs heit auf, daß alle Welt dir diene. Darstellung Jesu im Tempel. Licht, o Gott, so hell und 122 Dem großen Be 3. O wär uns nicht dein Mel. Christus, der ist mein Leben Va= rein erschienen; wir weihte der Vernunft zum Spott am heiligen Altar jetzt die Ge Erlösung. Gebenedeite den Sohn, den sie gebar. 2. Da betete im Tempel ein Greis zu seinem Gott und ward uns ein Erem= pel von einem schönen Tod. Mel, Kommt her zu mir 3. Gott sah ihn still und 123 Entreiße dich, Geist, weise den Weg der Tugend gehn, verhieß dem frommen Greise, den Heiland noch zu sehn. 4. Jetzt lag vor seinen Blicken das Kind, des Him mels Lust; er nahm es mit Entzücken und drückt es an die Brust. 5. Und rief: Nun, Herr, mit Freuden neig ich mein Haupt zur Gruft; voll Dankes will ich scheiden, sobald dein Wink mich ruft. 6. Dein Heil hab ich ges sehen, hier ist der Völker Hirt, der Israel erhöhen, die Welt erleuchten wird. 7. So schloß am Pilgerstabe der Fromme seinen Lauf; und, Gott, du thatst am Grabe ihm deinen Himmel auf. 8. Gib, daß auch ich mit Treue den Weg der Tugend geh, wie er, den Tod nicht scheue, mit Freuden Jesum jeh. 87 Lieder: Heil mir, nun seh ich ihn! Der Himmel tönet wieder: Heil dir, nun siehst du ihn! 9. 3war werd ich ihn nicht sehen, nicht hier, wie Simeon, doch in des Lichtes Höhen erwartet er mich schon. 10. Dort tönen meine der Welt, dem, der für dich sich dargestellt, nun dich auch darzustellen! Er ist das Licht, drum sei gewiß, er wird auch deine Finsterniß durch seinen Glanz erhellen. 2. Er macht das Herz von Sünden rein, um dich zum Leben einzuweihn, zum fittlich schönen Leben. Er gibt dir Kraft zu jeder Pflicht und stärket deine Zuversicht, zu Gott dich zu erheben. 3. Wer noch der niedern Sinnlichkeit, wer noch des Lasters sich erfreut, ach, der verscherzt den Gegen! Nie wird ihm wahres Glück und Heil, nie wird ihm Seelenruh zu Theil auf seinen bösen Wegen. 4. Wer aber wünscht, wie Simeon, das Heil der Welt, des Höchsten Sohn, zu seinem Heil zu haben; wer Recht thut, sich der Welt entwöhnt, nach wahrer Heiligung. sich sehnt, der opfert rechte Gaben. 5. Wer durch das Wort, darauf er traut, im Glauben 88 ben seinen Heiland schaut, kann einst in Frieden fahren. Der Herr erfüllt, was er verspricht; er wird sich einst in seinem Licht ihm herrlich offenbaren. 6. Jch tomme, Herr, mich dir zu weihn. O mache mich von Sünden rein und laß mich heilig leben, bis du auch mich, wann dirs gefällt, im Frieden wirst aus dieser Welt zu deiner Wonn erheben. Werke und Wohlthaten Gottes. Johannes, der Vorgänger Jesu. In eigener Melodie. S 124 ging ein Mann und Segen, Johannes, dem Erlöser vor. Die Hügel bahnt er ihm zu Wegen, hob Herzen aus dem Staub empor. Es bebte, wer ihn reden hörte, bekannte seine Fehler, fehrte gerührt, mit thränenvollem Blick zur Tugend und zu Gott zurück. 2. Er schreckte Heuchler, strafte Sünder, er rief: das Himmelreich ist nah! Thut Buße, weidet Gottes Kinder; denn der Verheißene ist da! Er kommt und wird die Menschheit sichten, par teilos alle Thaten richten. Heil krönet die erfüllte Pflicht, den Frevler trifft fein Strafgericht. 3. Ein himmlisch Licht ist seine Lehre, und Geist wird seine Taufe sein. Ihm, ihm allein gebührt die Ehre! Er kommt, und jedes Herz ist sein. Schon wurden ganze Völker rege; schon strömte froh es auf dem Wege nach dem erhellten Kanaan, und Heiden riefen Jesum an. 4. Und wir, die Jesu Stimme hören, wir sollten träg und sicher ruhn? wir nicht still weinend uns bekehren? nicht froh des Höchsten Willen thun? Laßt uns entrinnen dem Verder= ben, fromm leben, unt einst fromm zu sterben! Dann werden wir nie muthlos sein, wenn Trübsal, Noth und Tod uns dräun. 125 Streben, su er In eigener Melodie. mmer sich befüllen seine Pflicht, fromm und gut zu leben, bis das Auge sterbend bricht: dieß nur ist nach Jesu Lehre wahre Weisheit, Tugend, Christenehre. 2. Heil dir schon auf Ers den, Freund der Wahrheit und des Rechts! Denn durch Tugend werden Menschen göttlichen Geschlechts. Unter aller Leiden Bürde bleibt die Tugend unsre höchste Würde. 3. So Erlösung. 3. So, in höhrer Klarheit, so umstrahlt mit Gottes Licht, ging den Weg der Wahrheit ein Johannes, wankte nicht, fest entschlossen, selbst sein Leben für die Pflicht zum Opfer hinzu geben. 4. Und vergebens drohte Kerter, Marter, Blutgerüst; treu dem Pflichtgebote, das Gebot des Ewgen ist, stirbt er, stirbt mit edlem Muthe, zeugt für Wahrheit selbst mit seinem Blute. 6. Tugend, unter Freuden dieses Lebens bist du schön; doch nur unter Leiden kann man deinen Ursprung sehn; sehn, daß du vom Himmel stammest und den Geist fürs Göttliche entflammest. Lehre, Leben und Thaten Jesu. 5. Tugend, Segensfülle, o Ziel des Ruhms, bu der Gottheit 126 Fremmenheit, Mel. Liebster Jesu, wir sind ührer zur VollWille, Geist des wahren Christenthums, durch dich kann der Mensch auf Erden Gottes höhern Geistern ähnlich werden. Lehrer, Muster uns zu werden hoher, reiner Sittlichkeit, wurdest du ein Mensch auf Erden. Dir schlägt un ser Herz entgegen, Jesu, dir, der Menschheit Segen! 2. Du gabst unserm Geiste Licht, lehrtest uns Gott näher kennen und mit froher Zuversicht unsern Schöpfer Vater nennen, der uns liebt, versorgt, beschüßet und uns gibt, was wahrhaft nüßet. 7. Du, o hehre Sonne, strahlst mit überirdschem Schein, schaffst dem Geiste Wonne, weihst zu Gottes Himmel ein; du veredelst unsre Freuden, du veredelst uns durch Schmerz und Leiden. 89 8. Unter deinem Strahle blühn auf Gräbern Blumen auf: aus dem Todesthale ringen wir zum Ziel hinauf, wo in deinen lichtern Höhen wir die Wunder Gottes heller sehen. 9. Heilge mein Bestreben; gib, o Gott, mir Kraft und Muth, tugendhaft zu leben, christlich weise, christlich gut, daß mich weder Schmerz, noch Freude, noch der Tod von wahrer Tugend scheide. 3. Du hast uns der Menschheit Werth durch dein Leben und die Lehre, die von Gott kommt, aufgeklärt, uns gelehrt, des Geistes Ehre nur auf wahre Tugend gründen und das Laster überwinden. 4. Dann 90 Werke und Wohlthaten Gottes. 4. Dann auch, wenn das einherzugehen; ihr Licht, Auge bricht, Todesschrecken mit freudigem Vertraun uns umgeben, blickt, erhellt hin in die Ewigkeit zu von deinem Licht, unser schaun. Geist in jenes Leben, in das Land vollkommner Freuden, um mit frohem Muth zu scheiden. 4. Und um der Welt dieß Licht zu werden, wie willig übernahmst du nicht auch selbst die größesten Beschwer den! Und drückte dich gleich ihr Gewicht, so trugst du doch voll Güt und Huld sie gern mit himmlischer Geduld. 5. Fürwahr, noch immer ist das Leben, das du auf Erden haft geführt, ein Segen, den uns Gott ge geben, dafür ihm erger Mel. Wer nur den lieben Gott 127 Auf Erden Wahr Dank gebührt; ein Segen, dessen auch mein Geist sich freut und dich, Erlöser, preist. heit auszubrei ten, die Wahrheit, die vom Himmel stammt und, uns zum ewgen Glück zu leiten, das Herz zu Gottes Lieb entflammt: dazu erschienst du, von gesandt, zum Heil auch mir. 2. Dieß war das tägliche Geschäfte, darin dein Geist Vergnügen fand. Wie emsig hast du Zeit und Kräfte, beseelt von Liebe, angewandt, durch deiner 6. Ja, Preis sei dir, du bester Lehrer, auch mir zum würde Jeder dein Verehrer, Heil von Gott gesandt! O, der deinen Werth noch nicht erkannt! Hilf, daß ich dei ner Wahrheit treu und ewig durch dich selig sei! Lehre hellen Schein der Menschenseelen Licht zu sein! 3. 3hr Licht, den Weg zu Gottes Gnade und ihrem Heil recht einzusehn; ihr Licht, auf diesem selgen Pfade mit sicherm Schritt 5. Tanket, Christen, betet an! Laßt uns Christum herzlich ehren, wandeln auf der Tugend Bahn, willig folgen seinen Lehren, treu durch Noth und Leiden gehen, um sein ewges Licht zu sehen. Mel. Liebster Jesu, wir find 128 Theuer fei mir mein Heiland, deine Lehre! Gib, daß ich mit Folgiamteit treulich ihre Vorschrift ehre, dem, was sie verheißet, traue, fest mein Hoffen dar auf baue. 2. Nur Erlösung. 2. Nur bei deiner Wahrheit Licht lernen wir Gott recht erkennen, ihn mit froher Zuversicht unsern Gott und Vater nennen und nach seinem heilgen Willen unsre Pflichten treu erfüllen. 3. Was die Weisen dieser Welt vor dir nicht erfor schet haben, das hast du uns aufgehellt; und durch deis nes Geistes Gaben wirkest du in unsern Seelen, daß wir Heil und Leben wäh len. 4. Du entdeckst uns unsre Schuld und der Sünde großen Schaden, doch auch deines Vaters Huld und den Reichthum seiner Gna: den; lehrst uns aller unsrer Sünden gnädige Vergebung finden. 5. Huldreich rufest du uns zu: Kommt zu mir, beschwerte Seelen; es soll euch zu eurer Ruh nicht bei mir am Troste fehlen, wollt ihr anders von mir lernen, euch von Sünden zu entfernen. 6. Herr, dein Evangelium hat viel tausend, tausend Beugen, die zu deines Namens Ruhm dankbar ihre Kniee beugen, daß du noch dein Wort erfüllest und der Seelen Kummer stillest. 91 nen Lobgesang, den ich hocherfreut dir singe! Du be freist auch mich aus Gnaden von der Sünde Macht und Schaden. 7. O nimm gnädig an den Dank, den ich dir voll Ehrfurcht bringe. Höre meis 8. Köstlicher, als Gold, sei mir, was dein göttlich Wort mich lehret! Dank, ja, ewig Dank sei dir für den Trost, den es gewähret! Werd ich einst zu dir erhoben, will ich würdiger dich loben. 9. Stets, solang ich hier noch bin, will ich dir zur Ehre wandeln, täglich mit erneutem Sinn nur nach deinem Worte handeln: so nimmst du mich einst im Scheiden auf zu deinen höhern Freuden. Mel. Liebster Jesu, wir sind 129 Schon auf Erden können wir Himmelsfeligkeit empfinden, wenn nur Lieb und Eintracht hier unsre Herzen fest verbinden, wenn wir dich nach Jesu Lehren, dich, o Gott der Liebe, ehren. 2. Diese Herzensfreudigfeit danken wir dir, Gott der Gnade; Jesu Christi Lehre streut Freuden auf des Lebens Pfade, lehrt uns Mäßigung in Freuden, gibt uns hohen Muth im Leiden. 3. Sie gewährt uns Trost und Rath in den allerbängsten Leiden; sie erleuchtet unsern Werke und Wohlthaten Gottes. 92 sern Pfad, wenn wir von der Erde scheiden; uns, von Todesnacht umgeben, leitet sie zum bessern Leben. 4. Wenn uns Erdenglück verläßt, unsre Lieben uns verlassen, hält sie unsern Muth noch fest, lehrt uns, frohe Hoffnung fassen; lehrt Geduld uns, gibt uns Stärte zur Vollbringung guter Werke. 5. Sie lehrt, Menschen zu erfreun, sei des Herzens größter Segen; lehrt uns Feinden selbst verzeihn, die in Noth sind, trösten, pflegen, brüderlich die Menschen lieben, segnen die, die uns betrüben. 6. Heil dem Menschen, der fie übt, diese schönen Tugendlehren! Heil dem, der die Brüder liebt, sich bestrebt, dich, Gott, zu ehren! Ewig selig wird er leben, stets nach höhrer Tugend streben. Mel. Schmüde dich, o liebe Seele eiland, deine 130 war die Quelle jener Triebe, die dein treues Herz regieret und dich selbst dahin geführet, daß du, unserm Heil zu dienen, bist in Knechts gestalt erschienen. O wer faßt die starken Triebe deiner treuen Menschenliebe! 2. Ueber seine Feinde wei nen, Jedermann mit Hülf erscheinen, sich der Blinden, Lahmen, Armen mehr als väterlich erbarmen, der Betrübten Klagen hören, sich in Andrer Dienst verzehren; das sind Proben wahrer Güte; und so, Herr, war dein Gemüthe. 3. D du Zuflucht der Elenden! Wer hat nicht von deinen Händen Segen, Trost und Heil genommen, der ge beugt zu dir gekommen? Wie ist dir dein Herz gebrochen, wenn dich Krante angesprochen! Und wie pflegtest du zu eilen, das Erbetne mitzutheilen! 4. Die Betrübten zu erquicken; sie dem Kummer zu entrücken, die Unwissenden zu lehren, die Verkehrten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, langmuthsvoll zu dir zu locken: das war täglich dein Geschäfte, wars mit Aufwand aller Kräfte. 5. O wie hoch stieg dein Erbarmen, Heiland, da du und unerhörte Schmerzen litteft mit gelaßnem Herzen, dich von Sündern ließt verhöh nen und zur Schmach mit Dornen trönen, ja, uns Leben zu erwerben, willigwarst, am Kreuz zu sterben. 6. Deine Huld hat dich getrieben, Sanftmuth und Geduld zu üben, Haß mit Haß Erlösung. Haß nicht zu vergelten, bei ne Schmäher nicht zu schelten, Allen freundlich zu be gegnen, die dich lästerten, zu segnen, deine Mörder zu vertreten und für sie zu Gott zu beten. 7. Aller Welten Herr und König, Sohn des Höchsten, o wie wenig hast du je nach Ruhm getrachtet und auf Menschenlob geachtet! Wil lig littst du, um den Willen deines Vaters zu erfüllen, Armuth und Erniedrigungen; Lob sei dir dafür gesungen! 8. Laß mich, Herr, zu reichem Segen deinen Wandel oft erwägen! Laß mich in der Angst der Sünden Trost und Hülfe bei dir finden! Heilige duch meine Triebe zu rechtschaffner Menschenliebe; laß mich immer mehr auf Erden deinem Bilde ähnlich werden! Mel. Gott Vater, an Erbarmen 131 Re Dein Lehrer ist dir, Jesu, gleich! An Weisheit und an Liebe reich, bist du sowohl durch Wort, als That der schwa chen Menschen sichrer Rath. Es freut mein Geist im Glauben sich, Herr Jesu, dein und lobet dich. 2. Du kamst zu uns, von Gott gesandt, und machtest uns den Weg bekannt, wie 93 wir, befreit von Sündenschuld, theilhaftig werden seiner Huld. Auf ewig set dir Dank und Ruhm, Herr, für dein Evangelium. 3. Du sahst in der Gottheit Licht mit aufgeklärtem Angesicht, was nach des Höchsten weisem Rath die Welt noch zu erwarten hat; du machtest selbst durch seinen Mund das Künftige den Menschen kund. 4. Dieß und die Wunder deiner Hand sind uns ein göttlich Unterpfand, was man aus deinem Mund gehört, sei Wahrheit, die uns Gott gelehrt. Nie schwäche mir der Frevler Spott den Glauben an dieß Wort von Gott! 5. Du lehrtest uns durch Wort und That; man trifft der reinsten Tugend Pfad in deinem heilgen Wandel an. Gib, Herr, daß ich auf dieser Bahn, gestärkt von dir, mit steter Treu dir nachzufolgen eifrig sei! 6. Du bist es, Herr, von dem das Amt, das die Versöhnung predigt, stammt: du machst durch treuer Lehrer Mund noch jetzt dein Heil den Menschen kund. Begleite stets mit deiner Kraft ihr Amt, damit es Nußen schafft! 7. Noch immer hilfst du deinem Wort in seinem Sies ge Werke und Wohlthaten Gottes. 94 ge mächtig fort; du sendest, wie dein Mund verheißt, noch immer deinen guten Geist, der dem, der Wahrheit sucht und liebt, zum Glauben Licht und Kräfte gibt. und selbst die Todten auferstehn. 4. Sein Segen speiste ganze Heere, da, wo es selbst an Brod gebrach; und kaum gebot er Wind und Meere, so ließ ihr Sturm gehorsam nach. So sah man ja bei allem Thun auf ihm der Gottheit Fülle ruhn. 5. Wir danken, Höchster, deiner Stärke, die Jesum por der Welt verklärt, der durch so große Wunderwerke als dein Gesandter sich bewährt. Wir nehmen solchen Mel. Wer nur den lieben Gott 132 Wie göttlich sind gläubig an und sind ihm willig unterthan. doch Jesu Lehren! wie überzeugend seine Macht! Wer könnte seine Thaten hören, wer, was für Wunder er vollbracht, und stimmte nicht dem Glauben bei, daß er der Welterlöser fei! 6, Erfüll, o Herr, nur unsre Herzen mit seiner Lehre Göttlichkeit, damit wir nicht das Heil verscherzen, das uns dein Sohn allein verleiht, und schaffe, daß ihm unsre Treu bis in den Tod ergeben sei! 8. Mein Heiland, send ihn auch zu mir, daß ich mit heiliger Begier nach Wahrheit strebe, fromm und treu den Lehren deiner Weisheit sei, bis mich bei dir in Ewigkeit ein hellres Licht dereinst erfreut! 2. Erbarmen war es voller Gnaden, was man in seinen Zeichen sah. Nie wirkte er zu Jemands Schaden, Mel. Was mein Gott will wie von Propheten selbst ges 133 Kommt, die ihr nicht schah; er raffte in ihrem Sinn die Sünder schnell im Borne hin. 3. Er schenkte das Gesicht den Blinden, den Tauben gab er das Gehör, der Aussaz mußte vor ihm schwin: den, der Stumme sang ihm Dank und Ehr. Sein Machtwort hieß die Lahmen gehn seid, daß ihr euch selbst ent faget, die ihr nur stets nach Eitelkeit, Ruhm, Vortheil, Wollust friget, kommt, schauet Jesu Vorbild an! Dieß, dieß muß euch beschämen. Kommt, lernt, geheilt von eurem Wahn, hinfort euch selbst bezähmen! 2. Gott Erlösung. 2. Gott war sein Alles; nur an ihm hing seine ganze Liebe. Ihm dienen war ihm angenehm; ihm weiht er seine Triebe, Wozu er stets sich willig fand, war dieß: den ganzen Willen des Vaters, welcher ihn gefandt, vollkommen zu erfüllen. 3. Hoch über Welt und Eitelkeit, ganz heilig, ganz Gott eigen, vermied er nie aus Schüternheit sich, wie er war, zu zeigen; und wenn er Bosheit freveln sah, war er voll edler Schmerzen; wenn aber Got tes Wort geschah, quoll Freud aus seinem Herzen. 4. Die Freude, die die Welt verheißt, verlängt er nicht zu schmecken. Und rein bewahrte sich sein Geist, ganz rein von allen Flecken. In Allem sah er immerdar mit Eifer, nie zum Scheine, auf das, was seiner Brüder war, nicht aber auf das Seine. 95 ihm schon schwer: er fands doch gut und billig; denn jeden Tropfen Bluts war er ihm aufzuopfern willig. Stets daß ihn keine Noth nur zur Klage reize. Er ward gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuze. zeigt er, auch 7. Von Gott verlassen, blieb sein Herz an ihm, trop alles Spottes. Sein Sehnen war, im bängsten Schmerz, Nichts, als das Antlig Gottes. Folgt, Menschen, seinem Vorbild nach! Er hat für euch gelitten; er selbst hat euch, ihr seid zu schwach, die Kraft dazu erstritten. schlug sich alles Eigenthums, der Erbe aller Dinge. Arm ward er selber, daß wir reich aus seiner Armuth würden. Er ist der Herr, sein ist das Reich, doch trug er fremde Bürden. 6. War Gottes Hand auf 8. Hilf meinem Glauben, daß ich dir, mein Heiland, ähnlich werde! Bezähm das Fleisch, vertilg in mir die Liebe dieser Erde, daß ich dein großes Beispiel mir allstets vor Augen seße; des Vaters Willen thun, gleich dir, für Freud und Leben schäße! 5. Stets floh er das Geräusch des Ruhms, blieb niebrig und geringe, ents 134 Geist, erhabMet. Gott, du frommer Gott Erscheine nes Bild der Tugend, du Muster jeder Pflicht, des Alters, wie der Jugend! O Jesu, Himmlischer, dein Beispiel leite mich! Ich irr und strauchle nicht, seh ich nur fest auf dich. 2. Wie Werke und Wohlthaten Gottes. 96 2. Wie unschuldsvoll, wie rein, wie unentweiht von Sünde, floh deine Jugend hin! Wie theuer war dem Kinde, wie lieb dem Jüngling schon, was Gottes Wille wählt! Doch ach, wie oft hab ich, noch jung, doch schon gefehlt! 3. So arm, so freudenlos und allem Glanz entrissen, durch frühen Druck geübt in Müh und Kümmernissen, floß dir das Leben hin, und dennoch bliebst du groß; nie riß das Elend dich von deinem Vater los. mitten durch sie hin mit Festigkeit und Ruh. 7. da bittrer Feinde Dräuen umgaben, wo du gingit, dich, Heiliger, doch du gingst Voll stillen Friedens blieb dein Herz bis an das Ende; da gabst du deinen Geist in deines Vaters Hände. Vollendet war der Lauf; am Ziele deiner Bahn sahst du den großen Lohn der Ewigkeit dir nahn. 8. Vollendeter, auch ich, auch ich kann ohne Beben am Ziele einst den Geist dem Vater übergeben, wenn er dir ähnlich war an Tugend und Geduld; denn du, Erlöser, tilgst der Schwachheitssünden Schuld. 4. Gehorsam warst du stets bereit, des Vaters Willen selbst bis zum Kreuzestod mit Freuden zu erfüllen: trugft mit Geduld und Muth des Lebens herbsten Schmerz; du sahst die Glücklichen, und neidlos blieb dein Herz. 5. Nie hast du deine Pflicht, die kleinste nie vers lezet; nie Leidende gesehn und nicht mit Trost ergötet; stets hast du Frrende ge warnt, belehrt, gerührt und sie mit Freundeshand auf bessern Weg geführt. ( Passionslieder.) 6. Versuchung ohne Zahl, mel. Wie groß ist des Allmächt. hier Ruhm und Schmeiche 135 Naß mir die Feier 9. Schau drum, mein Geist, auf ihn; verschmäh des Lasters Freuden! Der Sünden Sold ist Tod und ihre Frucht sind Leiden. Wie Jesus, weihe Gott des Lebens kurze Zeit! Dann gehst auch du, wie er, ins Reich der Herrlichkeit. Leiden, Tod und Begräbniß Jesu. o großer Dulder, heilig sein! Sie lehre mich die Sünde meiden und dir mein gan Erlösung. ganzes Leben weihn, dir, der so ruhig und entschlossen für mich die Last des Kreuzes trug, deß Herz, als schon sein Blut geflossen, für mich noch heiß von Liebe schlug. 2. In der Betrachtung heilgen Stunden will ich am Leidenshügel stehn und dich für deine Bein und Wunden mit tiefgerührtem Lieb und Huld ermessen, womit dein Herz die Welt umfaßt, und nie gefühllos es vergessen, was du für mich erduldet haſt. 3. Mir sollen diese Feier zeiten der größten Liebe heilig sein; sie soll mich stärten, soll mich leiten, was bir mißfällig ist, zu scheun. Dein Leiden sei auch mir zum Segen, dein Tod mir feliger Gewinn. Dir schlage stets mein Herz entgegen, weil ich durch dich gerettet bin. 97 Tod gelassen sein, die Mens schen so wie du zu lieben und selbst dem Todfeind zu verzeihn. Dann wird dein Leiden mir zum Segen, dein Tod mir seligster Gewinn. Dir schlage stets mein Herz entgegen, da ich durch dich gerettet bin. 4. Bleibt mir in diesen Tagen theuer, Gethsemane und Golgatha! Jhr Derter, wo die Welt die Feier der allerhöchsten Liebe sah! Nach euch will ich voll Andacht schauen, wo mein Erlöser litt und starb, und hoffnungsvoll auf den vertrauen, der mir die Seligkeit erwarb. 5. Da will ich lernen Tugend üben, in Noth und Mel. Herzliebster Jesu 136 en een bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen! 2. Du wolltest, Herr, ein Mensch, gleich uns auf Erden und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden; an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen! 3. Welch wundervoll hochheiliges Geschäfte! Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte, mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde den Fluch der Sünde. 4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen; Gott ist die Lieb und läßt die Welt erlösen. Dieß kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken am Kreuz erblicken. 5. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst da nieder; es stürzt mich tief und es erhebt mich wieder; € lehrt Werke und Wohlthaten Gottes. 98 lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde. 6. D Herr, mein Heil, an den ich findlich glaube, ich liege hier vor dir gebückt im Staube, verliere mich mit dankendem Gemüthe in deine Güte. Sie übersteigt die menschlichen Gedanken; al lein sollt ich darum im Glaus ben wanken? Ich bin ein Mensch; darf der sich unter winden, Gott zu ergründen? 8. Des Höchsten Thun ist: Gnad und Lieb erweisen. Uns kommt es zu, sie demuthsvoll zu preisen, zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnad erzeiget, die Gnade steiget. 9. So sei denn ewig auch von mir gepriesen für das Erbarmen, das du mir erwiesen, da du, mein Heiland, auch für mich dein Leben dahingegeben. 10. Du liebteft mich; ich will dich wieder lieben und stets mit Freuden deinen Willen üben! O gib zu diesem feligen Geschäfte, Herr, selbst mir Kräfte! In eigener Melodie. 137 Jefu, meines Le deß sich meine Seele freut, der für mich sich hingegeben, Stifter meiner Seligkeit, du, der lieber wollt erblaffen, als mich im Verderben lass sen, ach, wie dank, wie dank ich dir, mein Erlöser, gnug dafür! 2. Menschenfreund, von Gott gesendet, seines Raths Verkündiger! Längst hast du dein Werk vollendet: Preis sei dir, Erhabener! Doch in den Gedächtnißtagen deiner Leiden, Jesu, sagen deine Hochbeglückten dir billig neuen Dank dafür. 3. Du betratst, für uns zu sterben, willig deine Leidensbahn, stiegst, uns Leben zu erwerben, gern den Todesberg hinan, dachtest nicht an deine Schmer zen, trugst uns Menschen nur im Herzen. Tausende, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 4. Meinetwegen trugst du Bande, littest frecher Lästrer Spott, achtetest nicht Schmachund Schande, Elend nicht, nicht Kreuz und Tod. Du warst werth der höchsten Freuden und trugst willig Gram und Leiden. O wie dank, wie dank ich dir würdig, Heiligster, dafür! 5. Frevler frönten dich zum Hohne; deine Stirne blutete unter einer Dornentrone, König aller Könige. mir zu gut hast du gelitten, mir die Lebensfron erstrite ten, Preis, Anbetung, Dank fei Erlösung. fei dir, Ehrfurchtswürdig- uns strömt Beßrungskraft fter dafür! und Ruh aus deinem bit: tern Leiden zu. 6. Du, der tausendfache Schmerzen mir zu Liebe gern ertrug, deinem großmuthsvollen Herzen war mein Heil Belohnung gnug. Trost in meinen leßten Stunden floß für mich aus deinen Wunden, Herr, ich dank, ich danke dir einst im Tode noch dafür. 4. Daß Gott uns als ein Vater liebt, gern Reuigen die Schuld vergibt; daß ewig unsre Seele lebt und sich zur bessern Welt erhebt; 5. Daß deine Lehre fest besteht, und daß dein Reich nie untergeht; den großen Trost, von dir, o Gott, belebt und stärket Jesu Tod. 7. Ruh im Leben, Trost am Grabe, unaussprechlicher Gewinn, den ich dir zu danken habe, du, deß ich nun ewig bin! Jesu, dir mein Herz zu geben, deiner Tugend nachzustreben, dir zu traun, zu sterben dir, dieß, dieß sei mein Dank dafür. 99 7. Mit Dank und Freude folgen wir dir, unserm Heil und Retter, hier; und du wirst uns, wenn wir dich Mel. O Jcfu Chrift, meins [ n 138 An deine Leiden sehn, zu deines Himmels Wonn erhöhn. denken wir, Herr Jesu Christ, und dan2. Im Geiste folgen wir dir nach von Schmerz zu Schmerz; von Schmach zu Schmach; wir schaun zu deinem Kreuz hinan und beten dich mit Freuden an. 6. Und wir, wir glaubten an dich nicht? Herr, ohne sichern Trost und Licht, mit ungewissen Schritten geht des Lebens Pfad, wer dich verschmäht. dir, daß ihre Last zu unserm Heil 139 Menuch für mich Mel. Swing dich auf Dein getragen hast. 3. Auch uns zu gut, o Herr, betrat dein Fuß den dornenvollen Pfad. Auch gingst du hin zum Leiden und begabst, Erretter, dich aller deiner Freuden. Du sahst Bande, Schmerz und Hohn, sahst den Tod von ferne: doch ertrugst du, Gottes Sohn, alle Leiden gerne. 2. Du entflohst nicht der Gefahr, die dem Leben € 2 droh Werke und Wohlthaten Gottes. 100 drohte; als die Stund er schienen war, gingst du froh zum Tode. Willig übergabst du dich in der Feinde Hände und bliebst unveränderlich treu bis an das Ende. 3. Lehre mich, wie du, so still und so froh zu leiden, und, wenn es dein Rathschluß will, selig zu verscheiden. Stärke mich, wenn ich einmal sterbend zu dir flehe, daß ich durch des Todes Thal ohne Schrecken gehe. 4. Dank, o Jesu, Dank sei dir für dein willig Leis den; denn dadurch erwarbst du mir deines Himmels Freuden. Nunmehr weiß ich, daß im Tod ich nicht ewig sterbe; denn ich bin verföhnt mit Gott, bin des Himmels Erbe. Mel. Herzliebster Jesu 140 Laß deinen Geist mich stets, mein Heiland, lehren, dein gött: lich Kreuz im Glauben zu verehren, daß ich getreu in dem Beruf der Liebe mich christlich übe. 2. Das Gute thun, das Böse fliehn und meiden, Herr, diese Pflicht lehrt mich dein heilig Leiden. Kann ich zugleich das Böse mir erlauben und an dich glauben? 3. Da du dich selbst für mich dahingegeben, wie könnt ich noch nach meinem Willen leben? und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre, zu deiner Ehre? 4. Ich sollte nicht, wenn Leiden dieser Erden, wenn Kreuz mich trifft, gelaßnen Herzens werden, da du so viel für uns, die wirs vers schuldet, liebreich erduldet? 5. Für welche du dein Leben selbst gelassen, wie könnt ich sie, sie meine Brüder hassen? und nicht wie du, wenn sie mich untertreten, für sie noch beten? 6. Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten; wenn man mich schilt, nicht rächend wieder schelten. Du Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder, schaltst auch nicht wieder! 7. Ein reines Herz, gleich deinem edlen Herzen, dieß ist der Dank für deines Kreuzes Schmerzen. Und Gott gibt uns die Kraft, in deinem Namen dir nachzuahmen. 8. Unendlich Glück! du littest uns zu Gute. Ich bin versöhnt in deinem theuren Blute. Du hast mein Heil, da du für mich gestorben, am Kreuz erworben. 9. So bin ich denn schon selig hier im Glauben. So wird mir nichts, Nichts meine Krone rauben! So werd ich dort, von Herrlichkeit umgeben, einst ewig leben! 10. Ja, Erlösung. 10. Ja, wenn ich stets der Tugend Pfad betrete, im Glauben kämpf, im Glau: ben wach und bete; so ist mein Heil schon so gewiß erstrebet, als Jesus lebet. 11. Lockt böse Lust mein Herz mit ihrem Reize, so schrecke mich dein Wort, das Wort vom Kreuze! Und werd ich matt im Laufe guter Werke, so sei mirs Stärke! 12. Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden ein Aergerniß und eine Thorheit werden; so seis doch mir, trop alles frechen Spottes, die Weisheit Gottes! 13. Wenn endlich, Herr. mich meine Sünden fränken, so laß dein Kreuz mir wie der Ruhe schenken: dein Kreuz, dieß sei, wenn ich den Tod einst leide, mir Fried und Freude. In voriger Melodie. 141 Sei hoch gepriefen, Herr, für deine Liebe! Sie drang dich zu dem mitleidsvollen Triebe, für eine Welt poll Sünder selbst dein Leben dahin zugeben. 2. Fürwahr, du trugest unsrer Sünde Schmerzen. O welch ein Herz gleicht deinem edlen Herzen! Du ließest unsre Schuld an dir bestrafen, uns Heil zu schaffen. 3. D laß dieß Heil doch 101 auch mein Erbe werden! Was hab ich sonst für sichern Trost auf Erden? Was gibt mir sonst wohl wahren Grund zur Freude, wann ich einst scheide? 4. Für mich, o Herr, bist du ja auch gestorben! Was du der Welt durch deinen Tod erworben, das hast du ja, von großer Treu geleitet, auch mir bereitet. 5. O stärke selbst mein Herz in diesem Glauben! Kein banger Zweifel müsse ihn mir rauben; er müsse mich zum Fleiß in guten Werken beständig stärken! 6. Sollt ich mich nun noch frevelhaft erkühnen, der Sünde, die dich tödtete, zu dienen; so wär ich ja, o Herr, nicht dein Erlöster, du nicht mein Tröster. 7. Nein, dir allein, der du durch deine Wunden auf ewig mich zu deinem Dienst verbunden, nur dir, mein Heiland, sei mein ganzes Leben zum Dienst ergeben! 8. Nichts soll mich je von deiner Liebe scheiden. Ich bleibe dein, bis du mich dort wirst weiden, wo deine Liebe mit verklärten Zungen stets wird besungen. Mel. Schwing dich auf Bein Erlöser, Gottes Sohn, der du für mich littest und € 3 auch 142 Mei 102 Werke und Wohlthaten Gottes. auch auf der Himmel Thron 6. Herr, was bin ich, daß jezt noch für mich bittest, welche Wohlthat ist für mich dein versöhnend Leiden! O wie preis ich würdig dich, Ursprung meiner Freuden? 2. Unermeßne Herrlichkeit war dir, Herr, gegeben; und du konntest jederzeit voller Freuden leben. Aber, o der großen Huld! daß ich selig würde, übernahmst du mit Geduld schwerer Leiden Bürde. 3. Nun kann meine Missethat noch Vergebung finden; denn du starbst nach Gottes Rath auch für meine Sünden. Unsre Strafe trugest du, uns vom Fluch zu retten, daß wir im Gewissen Ruh, mit Gott Frieden hätten. 4. Was uns Luft zur Beßrung schafft, was zur Tugend leitet, dazu hast du neue Kraft durch dein Kreuz bereitet. Nicht vergebens darf ich nun mich um Kraft bewerben, Gottes Willen noch zu thun, Sünden abzusterben. du mein so dich angenommen? Laß die Frucht von deiner Pein nun auch auf mich kommen; gib mir Weisheit, gib mir Kraft; du hast sie in Händen, was du mir zum Heil verschafft, gläubig anzuwenden! 7. Laß das Wort von deinem Kreuz mich mit Muth beleben, siegreich jedem Sün denreiz hier zu widerstreben und voll Dankes dir zum Ruhm alle meine Pflichten als dein theures Eigenthum treulich zu verrichten! 8. Drückt mich meine Sündennoth, straft mich mein Gewissen, o dann laß aus deinem Tod mich den Trost genießen: daß du auch für meine Schuld büßend bist gestorben und Vergebung, Gnad und Huld mir bei Gott erworben! 9. Stärke mich durch deinen Tod in den leßten Stunden! Wie du deine Todesnoth siegreich überwunden, o so hilf dazu auch mir! Laß mich fröhlich scheiden! Herr, so dank ich ewig dir für dein bittres Leiden. 5. Nun kann ich aufs Todesthal noch mit Freuden sehen und zu jener Welt einmal ohne Schrecken gehen. Du, Herr, haft aus 143 Jeunden, beis Mel. Freu dich sehr, o meine S. tiefen aller Noth Rettung mir errungen und durch deinen Kreuzestod meinen Tod bezwungen. ne Qual, dein bittrer Tod, geben mir in bangen Stunden Kraft zur Tugend, Trost in Erlösung. in Noth. Mich sollt ich durch Sünd entweihn? Nein, ich denk an deine Pein; sie, sie lehrt mich Sünden lassen und sie als mein Unglück hassen. 2. Die Erinnrung deiner Leiden stärke mich mit Kraft und Muth, alle schnöde Lust zu meiden, zu bekämpfen Fleisch und Blut! Ach wenn meine Seele zagt, Gram an meinem Herzen nagt, laß, im Glauben mich zu stärken, mich auf deine Leiden merken. 3. In eigener Melodie. Will die Welt mein 144 W Günden fräns mich die ken, so laß, Herr Jesu Christ, mich glaubensvou bedenken, wie du gestorben bist und Rettung von der Schuldenlast den reuerfüllten Sündern am Kreuz erworben hast. 2. O wundervolle Liebe, bedenks, o Seele, recht! Es starb aus freiem Triebe der Herr für seinen Knecht. Selbst seinen eignen Sohn gab Gott für mich verlor= nen Menschen in Marter, Schmach und Tod. Herz verführen auf der Eis telkeiten Bahn, wo so Viele sich verlieren und sich dem Verderben nahn, dann denk ich, o Jesu, nach über deine große Schmach, daß ich dir getreu verbleibe und die böse Lust vertreibe. 4. Gib bei Allem, was mich kränket, mir aus deinem Leiden Ruh! Wenn mein Herz daran gedenket, ströme neuer Trost mir zu! Wenn mich meine Fehler reun, müsse mich dein Lod erfreun; denn du hast, da du gestorben, diesen Trost auch mir erworben. 103 mir auch einst aus Gnaden geben. 6. Hab ich dann in meinem Herzen Hoffnung jener Herrlichkeit, so besieg ich auch die Schmerzen von dem legten Kampf und Streit. Wenn gleich meine Hülle bricht, quält doch Todesfurcht mich nicht; überwunden, überwunden hab ich, durch dich überwunden. 3. Was kann mir denn nun schaden der Fluch, der Sündern droht? Gott sieht auf mich in Gnaden: durch Jesu Mittlertod bin ich von diesem Fluch befreit und darf nicht ängstlich fürchten Gericht und Ewigkeit. 4. Drum sag ich dir von Herzen jetzt und mein Lebenlang für deine TodesschmerUniv.- Bibl.& 4 zen, Giessen 5. Auf dich seß ich mein Vertrauen, Jesu, meine Zuversicht. Du vertreibst des Todes Grauen; durch dich schadet er mir nicht. Sicher ist bei dir mein Heil! Hab ich, Herr, an dir nur Theil, o so wirst du ewges Leben 104 zen, o Jesu, Lob und Dank. Hilf, daß ich dir für deine Treu auf ewig ganz erges ben und thätig dankbar sei! 5. Herr, laß dein bittres Leiden mich reizen, als ein Christ mit allem Ernst zu meiden, was vor dir sündlich ist! Nie komme mirs aus meinem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin! Werke und Wohlthaten Gottes. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, und wärs auch Schmach und Spott, hilf mir geduldig tragen. Laß nur, mein Herr und Gott, mich fliehen jede Lust der Welt und dem Erempel folgen, das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an Ändern üben, was du an mir gethan, und meinen Nächsten lieben, gern dienen Jeder mann, ohn' Eigennuß und Heuchelei und, wie du mirs erwiesen, aus wahrer Lieb und Treu! 8. In meinen leßten Stun den erquicke mich dein Tod, daß ich, mit dir verbunden, besieg auch diese Noth! Du bift es, Herr, auf den ich trau! Stärk meine Seel im Tode, daß ich dich ewig schau! Mel. Befiehl du deine Wege 145 D u, der sich einft voll Liebe selbst bis zum Tod und Grab aus mitleidsvollem Triebe zu unsrer Rettung gab, ach, unter welchen Plagen schloß sich dein Lebenslauf! Mit Bittern und mit Zagen stiegst du zum Delberg auf. 2. Die schauervollen Stunden der Martern waren da. Du sahest Hohn und Wunden, dein Kreuz auf Gol gatha, den Tod, die Grabeshöhle und fühltest Angst und Noth; betrübt war deine Seele, betrübt bis in den Tod. 3. Ach, welche Angstgefühle ergriffen da dein Herz! Im nagenden Gewühle von Bangigkeit und Schmerz lagst du vor Gott im Staube, mit Todesschweiß be deckt. Wie kämpfte da dein Glaube, von banger Furcht erschreckt! 4. Auf dich, der Menschen Bester, drang Angst auf Angst herzu, und doch hing Niemand fester an seinem Gott, als du. Wie sehnlich bat dein Flehen um Schonung und wie still: Es soll nur das geschehen, was Gott, mein Vater, will! 5. So warest du mit Freuden gehorsam und bereit, nach Gottes Rath zu leiden, und gingst mit Willigkeit der frechen Schaar entgegen, die blutbegierig kam, dir Bande anzulegen, und dich gefangen nahm. 6. Der Erlösung. 6. Der Menschen Heil zu fördern, gabst du mit sanftem Sinn dich willig deinen Mördern und ihren Martern hin. Um dich war Alles trübe; doch du bliebst ruhevoll. So start war deine Liebe zu uns und unserm Wohl! 7. O Freund der Mens schenkinder, den nun kein Leid mehr drückt, wie hoch hast du uns Sünder durch diese Huld beglückt! Dich wollen wir erheben, so viel die Schwachheit kann, und dir zur Ehre leben. Nimm unser Opfer an! Mel. Wenn mich die Sünden 146 inft, als im Angstgebete, 105 nender Geduld. Erbarmend sprichst du: Freunde, wacht! O macht mit mir und bes tet; nah ist des Feindes macht! 4. Du Tröster schwacher Brüder, Herr, nimm dich meiner an! Wie leicht fall ich auch wieder, verführt durch stolzen Wahn! Ach, oftmal schlummr' ich sorglos ein, bin ruhig bei Ges fahren, die meiner Seele dräun! 5. Herr, rette du mich Schwachen, wenn Stolz und Sicherheit den Geist ver droffen machen. Gib Kraft und Muth im Streit; flöß meiner Seele Tröstung ein; sprich zu ihr: kämpf und bete! Bald ist die Krone dein! Herr, deine Seele rang und immer heißer flehte, so tiefgebeugt, so bang, da Mel. Herzliebster Jesu fandst du keinen Trost, kein 147 Bekenner Jeſu, Licht, da als Marter vor deinem Angesicht. werdet nie messen! der Fall ist nahe, wenn wir je vergessen, Beständigkeit und Sicherheit vor Sünden auf Gott zu gründen. 2. Auch sie, die so entschlossen, so männlich dich bekannt, sind muthlos, sind verdrossen, vom Schlummer übermannt. Sie schauen deis ner Seele Schmerz, und keiner deiner Brüder spricht Labsal in dein Herz. 2. Dann gleichen selbst die feurigsten Entschlüsse den lichten Dünsten, die durch Finsternisse schnell in die Höhe schimmern und vera gehen, wie sie entstehen. 3. Doch diese schwachen Seelen trägt deine Lieb und Huld, wie sehr sie gleichwohl fehlen, mit scho3. Die Jünger stärkten in der ernsten Stunde durch Wachen und Gebet sich nicht 5 im Werke und Wohlthaten Gottes. 106 im Bunde mit ihrem Herrn; fie fielen selbst vor Kummer in tiefen Schlummer. 4. Als der Verräther kam mit seinen Schaaren, wie bebten sie vor drohenden Gefahren! Wo war ihr Muth, für ihren Herrn mit Freuden den Tod zu lei den? 5. Uneingedenk des Hirten flohn die Schafe. Er ward verlassen, er, der unsre Strafe so willig duldete, daß seine Heerde gerettet werde. 6. O welche Liebe! Jesu, welche Treue! Du littest, daß der Mensch sich deiner freue; ach, laß uns nie mit zweifelnden Gedanken im Glauben wanken! 7. Wer dich bekennet, fürchte, Herr, auch Alles von seiner Schwachheit! EinGlaube, wenn Tod und Sünde mich schrecket: dein tiefer Schmerz, dein Klagen, dein Todeskampf, dein Bagen sei meine Ruhe, Herr Jesu! 2. Du littest ganz unschuldig von Frevlern Schmähung und Schmerzen und trugst allzeit geduldig sie mit verzeihendem Herzen. Dein Geist soll uns beleben, zu dulden, zu vergeben, wie du zu lieben, Herr Jesu. 3. Am Kreuze hingst du kläglich entstellt, gemartert, verschmachtet. Dein Tod be lehr uns täglich, wie hoch du Seelen geachtet! Er schreckt uns ab von Sünden; er müß uns dir verbinden zu ewger Liebe, Herr Jesu! In eigener Melobie. gedent des Falles der bes= 149 Christe, du Sohn er, sein Vertrauen auf dich zu Gottes, trägst die Sünde der Welt: erbarme dich unser! 2. Christe, du Sohn Gottes, der du trägst die Sünde der Welt: erbarme dich unser! bauen! 8. Laß deinen Geist uns, Herr, zur Seite treten! Er lehrt uns wächen, lehrt uns ernstlich beten! So werden wir im Kampfe nicht erliegen, wir werden siegen. 3. Christe, du Sohn Gots tes, der du trägst die Sünde der Welt: gib uns deinen Frieden! Amen. Mel. O Lamm Gottes, unschuldig 148& rlöfer, der im Staube lag, mit Angstschweiß be 150 Weiben fasſen, Mel. In allen meinen Thaten kann die becket, dein trößte sich mein Die Erlösung. die du, o Herr, gelassen für mich erduldet hast? Daß ich gerettet würde, trugst du die schwerste Bürde und übernahmst auch meine Last. 2. Laß deine legten Stunden, und was du da empfunden, mich trösten und erfreun! Es lehre mich dein Leiden, den Dienst der Sünde meiden und dir mich jetzt und ewig weihn. 3. Du starbst mit einem Herzen, das auch in Todesschmerzen für deine Feinde bat. Wie du will ich mich üben, auch meinen Feind zu lieben; oft wußt auch er nicht, was er that. 4. Du tröstetest den Armen, der sich auf dein Erbarmen am Kreuze fest verließ. Auch ich bin, wann Mel. Befiehl bu deine Wege ich sterbe, war ich dir treu, 151 Der Herrscher aldein ins Paradies. folge Lande 5. Du sorgtest, voll von Liebe aus regem Mitleidstriebe noch für der Deinen Ruh. Ach, wenn auch ich muß leiden und von den Meinen scheiden, so sende Trost und Muth mir zu. 107 Trauer im bangen Todesschauer: Verläßt du mich, mein Gott? Nun mag ich einst erblassen, du wirst mich nie verlassen; du fühlteft selbst des Todes Noth. 8. Du sprachst am Ziel der Leiden mit namenlosen Freuden: Mein Werk ist nun vollbracht! Lehr es auch mich vollbringen und einst zum Ziele bringen durch meines Todes dunkle Nacht! 9. Du gabst am Leidensende in deines Vaters Hände getrost die Seele hin. Wann ich auch meine Seele ihm einst, wie du, befehle, dann ist auch mir der Tod Ge= winn. 6. Du mußtest, matt von Plagen, auch über Durst noch klagen, und keiner labte dich. Warum sollt ich denn beben, wann Leis ben mich umgeben? Du labst ja und erquickest mich. 7. Du riefst voll tiefer sich gebunden sehn, er muß bedeckt mit Schande vor seinen Knechten stehn und hier fich richten lassen. Sie suchen ihre Wuth, womit fie längst ihn hassen, zu sättigen mit Blut. 2. Die Unschuld seiner Lehren, wem war sie unbes wußt? Wer wars, der ihn mehr ehren, wer, der ihn schüßen mußt? Wem waren dieß sonst Pflichten, als denen, die ihr Stand, ein recht Gericht zu richten, aufs heiligste verband? 66 3. Doc Werke und Wohlthaten Gottes. 108 3. Doch hier wird fal scher Zeugen Verleumdung gern gehört; hier wird durch Lästerungen der Heiligste entehrt; hier wird das Recht gebeuget; entweiht das Richteramt; hier, wo die FalschMel. So schlummerst du heit zeuget, die Unschuld 152 D Durst nach Blut, o Wuth, die kaum erhört ist worden! Den Erlöser will sein Volk grausam schändlich morden! 2. Da geht er hin- ach, seht auf ihn- gefesselt durch die Straßen, muß vom heidnischen Gericht sich verdammen lassen. 3. Sein Richter sieht, wie Alles glüht von Grimm und wilder Rache, und vertheidiget zuerst des Gerechten Sache. 4. Doch zittert er, wankt hin und her, verlangt des Volkes Stimme; und sie rufen: Barrabas! mit erbostem Grimme. 5. Da gibt er ihn zur Geißlung hin, die Wache darf ihn höhnen und mit einem Dornenkranz ihn zum König krönen. 6. Wer hat ein Herz und fühlt den Schmerz des Heiligen, des Besten nicht mit Wehmuth? Möchte ihn doch das Mitleid trösten! 7. Seht, welch ein Mensch! seht, welch ein Mensch! spricht selbst Pilatus, stellet ihn 4. Entweiht ist zwar die Stätte, entheiligt dieß Gericht, in dem man Jesum schmähte, doch seine Unschuld nicht. Er schweigt; es macht sein Schweigen und selbst der Lügner Mund, die wider ihn hier zeugen, schon seine Unschuld tund. 5. D würde nie mit Ränten der Ungerechtigkeit, die Recht und Unschuld fränken, ein Richterstuhl entweiht! entweiht an feinem Orte die Wahrheit und das Recht, daß nie durch Lästerworte die Unschuld leiden möcht! 6. Lehr mich, Herr, wo ich schweigen und wo ich reben soll! Mein Schweigen und mein Zeugen sei klug und wahrheitsvoll! Laß meinen Mund nie trügen, mach mich von Falschheit frei, daß ich ein Feind der Lügen, ein Freund der Wahrheit sei! 7. Laß mich nie wieder schelten, wenn mich die Bosheit schilt, nie Haß mit Haß vergelten! Mein Herz sei sanft und mild! Lehr mich die Rache meiden; und muß ich ohne Schuld doch Schmach und Unrecht leiden, so tröst mich deine Huld! Erlösung. ihn zur Schau dar, eh er noch ihm sein Urtheil fället! 8. Ans Kreuz mit ihm! ans Kreuz mit ihm! so schreit die tolle Menge. Und der feige Richter kommt endlich ins Gedränge. 9. So sterb er dann! sprach jetzt der Mann, der ihn erretten sollte, aber nie um Recht und Pflicht etwas leiden wollte. 10. Ach, uns zu gut floß hier dein Blut, trugst du mit stillem Herzen deiner edlen Seele Qual, alle deine Schmerzen. 11. Du hasts gethan. Wir beten an mit dankendem Gemüthe, mit Bewunderung und Preis, deine Treu und Güte. 12. Dir wollen wir, o Herr, dafür uns selbst zum Opfer bringen. Gib dem guten Willen Kraft, gib ihm das Vollbringen. Mel. Schon ist der Tag, von Gott 153 eht, welch ein Mensch! Wie lag so schwer auf ihm die Last der Sünder! Wie unaussprechlich duldet er für euch, thr Menschenkinder! So leiden sah von Anbeginn die Erde keinen je, als ihn, so wird auch keiner leiden. 109 ein Gerechter, ward frecher Missethäter Spott und seines Volks Gelächter. Wie ein Verbrecher stand er da, verklagt, verleumdet. Wer ihn sah, der sah ihn mit Berachtung. 2. Der Sohn des Höchsten, Eins mit Gott, ein Helfer, 3. Geschäftig war der Frevler Wuth, erfindrisch, ihn zu plagen. Sein Leib war ganz bedeckt mit Blut, voll Striemen und zerschla gen. Mit einer Dornenfron gekrönt, in Königskleis dern ausgehöhnt, stand er vor seinen Feinden. 4. Den Heiden, der sein Richter war, ergriff ein menschlich Schrecken; er stellt ihn seinen Brüdern dar, ihr Mitleid zu erwecken. Seht, welch ein Mensch! Ich kann ihn nicht verdammen; denn die Unschuld spricht zu mächtig für sein Leben. 5. Vergeblich, ach! vergeblich war die Menschlichfeit des Heiden! Die aufge brachte wilde Schaar sah Jesu Schmach mit Freuden. Sein Tod befriedigt sie allein, sie stürmten auf den Richter ein und schrien: Er sterb am Kreuze! 6. Du denkest ohne Schaudern nie an diese Wuth der Sünder, du sprichst: Die Rache strafte sie; noch straft sie ihre Kinder. D Seele, denkst du auch dabei an deine Sün 110 Werke und Wohlthaten Gottes. Sünden? Bist du frei von Schuld am Tode Jesu? 7. Sieh, welch ein Mensch! er wird für dich verschmähet und zerschlagen! Hör ihn, er spricht: Ich selber, ich muß deine Sünden tragen. Die Schuld ist dein, durch meinen Tod versöhn ich, Sünder, dich mit Gott und sterb um deinetwillen. 8. O hochgelobter Gottessohn, du Tilger meiner Sün den, erhöht auf deines Vaters Thron, ach, laß mich Gnade finden! Laß deines Todes Schmach und Bein Gerechtigkeit und Heil mir sein um deiner Liebe willen. 9. Ich schwöre, Welters löser, dir und willig will ichs halten: So wahr du lebest, soll in mir nie deine Lieb erkalten! Dein Leiden und dein Tod soll mich, solang ich lebe, Herr, an dich und deine Lieb erinnern! 10. Lockt mich die Welt, lockt Fleisch und Blut mich auf den Weg der Sünde, so rüste mich mit Kraft und Muth, daß ich sie über winde. Dann rufe du mir liebreich zu: Dent, welch ein Mensch ich war! und du, du wolltest mich nicht lieben? In voriger Melodie. 154 Miegros, o Herr, erscheinest du auf deinen Leidenswegen! Mit welcher hohen Seelenruh gehst du dem Tod ents gegen! Voll Zärtlichkeit und Edelmuth warst du bereit, nur uns zu gut des Kreuzes Schmach zu tragen. 2. Die Menschen für die Ewigkeit voll Weisheit zu erziehen, war stets bei deis ner Lebenszeit dein ernstliches Bemühen, und selbst im Tode wolltest du für sie Heil, Trost und Seelenruh voll Großmuth noch erwerben. 3. Drum stiegst du auf der Leidensbahn voll Hel denmuth, mit Freuden getrost auf Golgatha hinan, den Kreuzestod zu leiden; hier zeigest du dich, Gottes Sohn, bei Schmerzen, Martern, Spott und Hohn in deiner wahren Größe. 4. Mit hoher Würde dul dest du des Kreuzes Schmach und Schmerzen, sprichst Trost betrübten Seelen zu und bittst mit edlem Herzen selbst in der leßten Todes noth für deine Mörder noch zu Gott; du stirbst als Menschenretter. 5. Ach, sieh ihn hier, erlöfter Christ, schuldlos zum Kreuze bringen! Sieh, wie fein Blut zur Erde fließt; sich ihn im Tode ringen! Sieh seine Wunden, ſeinen Schmerz! Denk an sein liebee bevolles Herz! Ach! sieh ihn duldend sterben. Erlösung. 6. Hier dent an jenen Zweck zurück, der ihn hierher getrieben! Nun sag bei diesem Trauerblick: willst du noch Sünden lieben? Nein hier, o Christ, entschließe dich bei seinem Tode feieclich, dein Leben ihm zu weihen! 7. Entsag den Sünden dieser Welt und fündenvollen Freuden; flieh Men schenhaß, der ihm mißfällt; such Alles zu vermeiden, was dich zur Sünde reizen kann; geh standhaft auf der Tugendbahn der bessern Welt entgegen! 8. D Jesu, der du für uns starbst zur Rettung vom Verderben, uns so viel Heil und Trost erwarbst durch Lehren, Leiden, Sterben, steh uns mit deiner Hülfe bei, daß wir, stets unsrer Pflicht getreu, nach deiner Lehre leben! 9. Doch auch bei unsrer Sündenschuld und bei dem Druck der Leiden wollst du uns Trost, Muth und Geduld durch deinen Tod bereiten; und naht einst un ser Tod heran, so laß uns diese Pilgerbahn als Gläubige beschließen! Mel. Herzliebster Jesu 155 111 verbrochen; doch ward das Todesurtheil dir gesprochen. Du Heiligster bist ja in Missethaten niemals gerathen. 2. Und doch wirst du vers worfen und verhöhnet, mit einem Dornenkranz zur Schmach gekrönet, gegeißelt, und von Schmerzen schon entkräftet ans Kreuz geheftet. 3. Was ist die Ursach aller solcher Plagen? Ach, unsre Sünden haben dich geschlagen! Zu ihrer Til gung hast du, Herr, erduldet, was wir verschuldet. 4. D große Lieb! o Liebe, kaum zu fassen! Auch mir zum Heil hast du dich martern lassen. Damit ich lerne Sünden ernstlich meiden, willst du, Herr, leiden. 5. Ach, großer Mittler, groß zu allen Zeiten, wie kann ich gnugsam deine Treu ausbreiten? Wer hat dich je für deiner Liebe Proben genug erhoben? 6. Doch dir gefällts, wenn ich mich selbst bekämpfe, dir folge und des Fleisches Lüste dämpfe: so sei denn auch forthin mein ganzes Leben nur dir ergeben! 7. Gib selbst zu diesem heiligen Geschäfte mir Schwachen deines guten Geistes Kräfte, daß er mich hattest nichts führe und mich regiere! 8. Dann 112 Werke und Wohlthaten Gottes. 8. Dann werd ich dank verwegen dem tiefen Fall voll deine Huld betrachten, entgegen. dich lieben und die Luft der Welt verachten, mit allem Eifer suchen, deinen Willen treu zu erfüllen. 9. Bu deiner Ehre will ich Alles wagen, kein Drohen achten, feine Schmach, noch Plagen; mich sollen auch des bängsten Todes Mel. Wenn mich die Sünden Leiden nicht von dir schei= 157 Von Furcht dahin. den. gerissen, läugnet Petrus dich. Bald straft ihn sein Gewissen, da weint er bitterlich. Tief dringet ihm dein Blick ins Herz, er fleht zu dir um Gnade, und du stillst seinen Schmerz. 10. Empfang ich einst vor unsers Gottes Throne, wie du empfingst, die Seligteit zum Lohne, dann will ich würdiger dein Lob besingen und Dank dir bringen. Mel. Auf meinen lieben Gott 156 Mein Jefu, für dein Herz, welch ein so herber Schmerz, den du weit mehr empfunden, als Striemen, Schläg und Wunden; die kleine Zahl von Freunden fränkt dich gleich deinen Feinden! 2. Kaum naht sich die Gefahr, so bebt der Jünger Schaar. Die erst sich hoch vermessen, eh sie der Treu vergessen, den Tod selbst vorzuziehen, verlassen dich und fliehen. V 3. Der tühn sein Schwert gezückt, dein Petrus selbst erschrickt; er flieht, eh Bande drohen; schämt sich, daß er geflohen, fehrt um und eilt 4. Wie ist der Mensch so schwach! So viel sein Muth versprach, dort liegt er tief im Staube, erloschen ist sein Glaube, sein fühner Muth gedämpfet. Ach, Christen, wacht und kämpfet! 2. Wie wuchs nun deinem Zeugen Beständigkeit und Muth! Furcht konnt ihn nicht mehr beugen; für dich floß selbst sein Blut. Dich, seinen Herrn und feinen Gott, verherrlichte sein Leben, verherrlichte sein Tod. 3. Bewegt ist meine Seele, erfüllt mit Reu undSchmerz, was hilfts, daß ichs verhehle? Du schaust mir ja ins Herz! Bekennen will ichs, Jesu, dir: auch ich hab dich verläugnet; vergib, vergib es mir. 4. Wenn deines Namens Spötter dich schmähten, wenn ihr Spott dich höhnte, Welterretter! dich, ihren Herrn Erlösung. Herrn und Gott; dann schwieg ich furchtsam, schämte mich ein Christ zu sein und scheute mehr ihren Spott, als dich. 113 Schild, o Gott; von meinem Haupte fällt kein Haar, und drohte mir von Allen die schrecklichste Gefahr. 5. O du, der du dein Mel. Wie wohl ist mir, o Freund Leben, du Herr der Ewig- 158 Den Sterbenden feit, so willig hingegeben für meine Seligkeit, wie undankbar, wie schwach war ich, daß ich den Spott der Sünder mehr fürchtete, als dich! 6. Ach, Vater, ich empfinde die Größe meiner Schuld Vergib auch diese Sünde nach deiner großen Huld! Erbarmend sahst du Petrum an, laß eine gleiche Gnade mich, o mein Heil, empfahn! 7. Laß mich bei meiner Reue den Bund mit dir erneun, Standhaftigkeit und Treue, dir, mein Versöhner, weihn! Dich zu verläugnen, Herr, mein Gott, das fürchte meine Seele weit mehr, als selbst den Tod. 8. Ich will dich frei be kennen. Wann Gott Gericht einst hält, wirst du mich auch betennem dem Richter aller Welt. Dein Kreuz ist meine Zuversicht, dein Kreuz ist meine Ehre, dich laß ich ewig nicht. 9. Beschirmt von deiner Gnade, fürcht ich selbst nicht den Tod. Wer ist es, der mir schade? Du bist mein zu sehn, schwing dich, mein Geist, auf Golgatha, wo man des Mittlers Kreuz erhöhen, den Weltbeglücker bluten jah! Erwäg an diesem heilgen Orte des sterbenden Erlösers Worte und rufe Gott um Glauben an; sie können dir den Trost im Leben und einst den Trost im Tode geben, wenn hier dich Nichts mehr trösten kann. 2. Geduldig bei den größten Schmerzen nimmt er sich seiner Feinde an und ruft mit sanftmuthsvollem Herzen: sie wissen nicht, was sie gethan! Der gött: liche, der größte Beter fleht liebreich noch für Missethäter, Werkzeuge seiner Bein und Schmach. Mensch, wenn dich Rach und Zorn verführen, laß dich durch dieses Beispiel rühren und bete deinem Heiland nach. 3. Welch Beispiel kindlich frommer Triebe, als unter Leiden ohne Zahl der Herr dem Jünger seiner Liebe die Mutter sterbend noch empfahl! Ach, wird mein Aug 114 Werke und Wohlthaten Gottes. Aug einst um die Meinen der dich so theur erlöst, der in meinen legten Stunden Heiland rufet dich noch heute weinen, so soll dieß Wort im Armen, den an deiner mir Trost verleihn. Der, Seite auch Hunger, Durst als der Tod schon um ihn und Mangel drückt. O seschwebte, die Seinen noch lig, wer den Ruf erfüllet! zu schüßen strebte, wird auch Denn wer des Armen Mander Meinen Pfleger sein. gel stillet, der hat den Hei4. Frohlockt, bußfertige land selbst erquickt. Verbrecher! Wer glaubet, kommt nicht ins Gericht. Hört, was zu dem gebeugten Schächer der Mund der Liebe sterbend spricht: Du wirst, so ruft er ihm entgegen, noch heute deines Glaubens wegen mit mir im Paradiese fein! O Herr, laß an des Todes Pforte einst diese trostesvollen Wors te mich auch im leßten Kampf erfreun! 7. Nun enden sich die schweren Leiden; der Heiland spricht: es ist vollbracht! O Wort des Sieges, Wort der Freuden! du nimmst dem Tode seine Macht. Heil uns! wer darf es nun wohl wagen, uns, die Erlösten, zu verklagen? Der Friede ist mit Gott gemacht. Gib, daß am Ende meiner Tage auch ich, o Herr, mit Freuden sage: Es ist vollbracht! es ist vollbracht! 5. Wer kann die hohen Leiden fassen, als Christus an dem Kreuze rief: Mein Gott, wie hast du mich verlassen! Wie beuget ihn die Last so tief, die freche Sünder auf ihn brachten! Vor Angst und Bein müßt er verschmachten, wär Gott nicht seine Zuversicht. Herr, der für mich zum Tod gegangen, für mich verlassen da gehangen, o Herr, mein Trost, verlaß mich nicht! 6. Der Herr des Himmels und der Erde, von allem Labsal jeßt entblößt, wünscht, daß sein Durst ge stillet werde. O Mensch, 8. Das letzte Wort aus deinem Munde, soll, Jesu, auch das meine sein! Laß es in meiner Todesstunde mir Muth und Zuversicht verleihn! Du rufest: Vater, ich befehle in deine Hände meine Seele! du, der du Allen Heil erwarbst. Nun war das größte Werk vollendet, wozu der Vater dich gesendet, du neigtest sanft dein Haupt und starbst. 9. Mensch, kannst du ohne fromme Zähren den Liebling Gottes sterben sehn? Mußt du ihn nicht mit Freuden ehren und willig fei= Erlösung. seinen Ruhm erhöhn? O weine fromm bei seinen Plagen und fröhlich sieh ihn nach drei Tagen aus seinem Grabe auferstehn! Und wenn ihn Spötter hier entehrten, dort wirst du Mel. Befiehl du deine Wege. ihn als den Verklärten zur 160 Du, dessen Augen seines Mel. O Jesu Christ, meins sie Sion sahn, zur Frevelthat entschlossen, sich seinem 159 Du denkest in der Falle nahn: wo ist das tiefsten Noth, ergriffen, Herr, von Qual und Lod, an deiner Freunde Gram und Schmerz und flößest ihnen Trost ins Herz. Thal, die Höhle, die, Jesu, dich verbirgt? Verfolger seiner Seele, habt ihr ihn schon erwürgt? 2. Du siehst die Mutter, siehst den Freund und sprichst zu ihr, die trostlos weint: Sieh Mutter, dieser Sohn ist dein; was ich dir war, wird er dir sein. 3. So innig bis zum Tod, so treu sei meine Zärtlichfeit; ich sei so willig, Andern beizustehn und ihnen Beistand zu erflehn! 115 dank ich dir; du brachtest ihn vom Himmel mir. Du hast verheißen: ihr seid mein: wo ich bin, sollt ihr ewig sein! 4. Wenn euch, die hier mein Herz geliebt, ihr Freunde, einst mein Tod betrübt, dann übergeb ich euch dem Herrn, er hört, er hilft, er fegnet gern. 5. Froh geh ich, wenn es ihm gefällt, den Weg zu jener bessern Welt, euch sag ich, die ihr um mich weint: Getrost, bald werden wir vereint! 6. Den Trost, o Jesu, 2. Welch jammervolles Klagen seufzt in Gethsemane! Wer ist der Mann der Plagen, der langsam Sterbende? Ist Jesu das, der Beste, den je die Erde jah? Er fühlt der Qualen größte; er ist dem Tode nah. 3. Ach, wie er tief im Staube, bedeckt mit Angstschweiß, liegt, mit dem Gefühl sein Glaube im Kampfe dennoch siegt! Schon kommt der Mörder Rotte, die kein Erbarmen rührt, die ihn zu Hohn und Spotte, ihn ach zum Kreuze führt. 4. Sein Volt im bittern Grimme erweicht sein Anblick nicht, nicht fremden Mittleids Stimme, die von dem Richtstuhl spricht. Er ist ihr Hohngelächter; sie drohn mit wildem Ton: auf 116 auf uns, auf Söhn und Töchter komm seines Blutes Lohn! 5. 3ur fernen Schädelstätte trägt er sein Kreuz hinan. Sie freuzgen ihn! Obete, mein Geift, mit Wehmuth an. Noch höhnt in frechen Mienen das Volk des Dulders Schmerz. Er ruft: Vergib es ihnen! Vergebend bricht sein Herz. Werke und Wohlthaten Gottes. 6. Es bricht, und schwer von Kummer sinkt auf die Brust zur Ruh sein Haupt; nun schließt der Schlummer sein müdes Auge zu. Am Kreuze ruht die Hülle, der Geist schwebt sanft entrückt zu Gott ,, wo ihn die Fülle des hohen Lohns erquickt. 7. O Freund der Menschenkinder, wir danken dir gerührt! Dein Leiden hat uns Sünder zu großem Glück geführt! Dich ehre unser Glaube, Anbetung sei dein Dank; hör ihn, vernimm vom Staube den schwachen Lobgesang. lohnst, ist Tod! Der am Kreuz ist meine Liebe, dem ich treu zu sein mich übe. 2. Der am Kreuz ist meine Liebe! Frevler, was befremdets dich, daß ich Jesum Christum liebe? Jesus gab sich selbst für mich; sollt ich nicht sein eigen sein? mich ganz seinem Dienste weihn? Der am Kreuz ist 2c. Liebe! Sünde, du bist mir 3. Der am Kreuz ist meine verhaßt. Weh mir, wenn ich den betrübe, der für mich am Kreuz erblaßt! Undank für so herben Schmerz nie beflecke er mein Herz! Der am Kreuz ist zc. 4. Der am Kreuz ist meine Liebe! Was ist mir noch fürchterlich? Ruh, Gewis sen! Er, die Liebe, Jesus starb ja auch für mich. Wer verdammt nun? Gott ist hier; Gott verzeiht durch Christum mir. Kreuz ist zc. Der am 5. Der am Kreuz ist mein Vertrauen! Nichts, wie furchtbar es auch ist, teines, feines Todes Grauen reißt von dir mich ,. Jesu Christ! Mel. Werde munter, mein 161 Der am Kreuz ist nicht Gewalt, nicht Gold, meine Liebe! Meine Lieb ist Jesus Chrift! Weicht von mir, des Eitlen Triebe, Alles, was nicht ewig ist! Was du giebst, ist nicht von Gott; und womit du nicht Ruhm, Engel nicht, kein Fürstenthum! Dir, dir will ich lebend trauen; sterben dir, dich werd ich schauen. 6 Der am Kreuz ist meine Liebe! Komm, o Tod! Du bist Erlösung. bist mein Freund! Wenn ich wie ein Staub, verstiebe, wird mein Geist mit Gott vereint. Da, da schau ich Gottes Sohn, ärndte seiner Leiden Lohn. Der am Kreuz ist meine Liebe, dem ich treu zu sein mich übe. Mel. In allen meinen Thaten 162 D Welt sich hier dein Leben am Stamm des Kreuzes schweben! Tein Heil sinkt in den Tod. Der große Fürst der Ehren läßt willig sich beschweren mit Banden, Schlägen, Hohn und Spott. 2. Komm, schaue seine Schmerzen! Erwäge, was im Herzen der Unschuldsvolle fühlt, was er am Leibe leidet, wie, bis er endlich scheidet, die Qual in seinen Adern wühlt! 3. Wer ists, der dich geschlagen, mein Heil, und diese Plagen dir aufgebürdet hat? Du warst ja nicht ein Sünder, wie andre Menschenkinder, und rein von aller Missethat. 4. Du gingest meinetwegen dem Todeskampf entgegen mit wahrem Heldenmuth; du starbst, mir vom Verderben Errettung zu erwerben, und littest Alles mir zu gut. 5. Wie bin ich dir verbunden, durch den ich Heil 117 gefunden zur tiefsten Dankbarkeit! Dir sei mein ganzes Leben zum Opfer hingege ben, dir, Jesu, Leib und Seel geweiht! 6. Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mir stets vor Augen sein, von meinen Christenpflichten mich täglich unterrichten und mir zur Tugend Kraft verleihn! 7. Dein Beispiel soll mich lehren den Rath des Höchsten ehren, ihm gern gehorsam sein; auch meine Brüder lieben und, wenn sie mich betrüben, mit edlem Wohlthun sie erfreun. 8. Als Christ will ich mich üben, die Feinde selbst zu lieben, wie du, der für sie bat. Ich will des Lebens Plagen getroft und willig tragen und thun, wie mein Erlöser that. 9. Nie will ich wieder schelten, nie Spott mit Spott vergelten, nie, wenn ich leide, dräun. Selbst Unrecht will ich dulden, dem Nächsten seine Schulden, wie du, von Herzen gern verzeihn. 10. Gerührt von deinen Plagen will ich mit Ernst entsagen dem, was dir nicht gefällt; was deine Augen hassen, das will ich fliehn und laffen, gefiel es auch der ganzen Welt. 11. Und 118 11. Und soll ich endlich sterben, so laß dein Reich mich erben, mich so getroft, wie du, in deine Vaterhände den Geist an meinem Ende empfehlen zu der ewgen Ruh. Werke und Wohlthaten Gottes. häufter Plagen fiel da so schwer auf dich, daß sie dich brang, zu klagen: Gott, wie verläßt du mich! 5. Ach, diese Last und Mühe hab ich auch dir gemacht! O mein Erlöser, siehe vom Throne deiner Macht in Gnaden auf mich Armen, Mal. Bestehl du deine Wege 163 Der du voll Blut der sie verschuldet hat, und hilf mir aus Erbarmen von meiner Missethat. und Wunden für uns am Kreuze starbst und unsern letzten Stunden den höchsten Trost erwarbst; der du dein theures Leben, noch eh ich war, auch mir zur Rettung hingegeben, mein Heil, wie dank ich dir! 6. Ich will auf dich stets sehen mit aller Zuversicht: wohin sollt ich sonst gehen? Verwirf nur du mich nicht! Wo soll ich Ruhe finden, wenn du mich, Herr, nicht liebst? wo Reinigung von Sünden, wenn du sie mir nicht gibst? 2. Wie viel hast du erduldet, erhabner Menschensohn, als du, der nichts verschulbet, empfingst der Sünder Lohn! Da folgte Schmerz auf Schmerzen; da traf dich Schmach auf Schmach, da lag auf deinem Herzen Angst, die das Herz dir brach. 3. Entblößt von allem Reize, der Menschen wohl gefällt, hingst du an deinem Kreuze, ein Fluch vor Aller Welt. Dich flohen deine Freunde: du warst der Leute Spott; dich höhnten deine Feinde: wo ist denn nun dein Gott? 4. Wer kann dir nach empfinden den Schmerz, die Todesangst, mit welcher du, von Sünden uns zu erretten, rangst? Die Last ge7. Du haft mir durch dein Leiden zur Tugend Muth und Kraft, in Trübfal Troft und Freuden, die ewig sind, verschafft. O gib an dieser Gnade auch meinem Glauben Theil und auf des Lebens Pfade mir Muth, Kraft, Trost und Heil! 8. Soll ich, o Herr, einst scheiden, o so verlaß mich nicht; sei du in Todesleiden mein Trost, mein Heil, mein Licht! Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den engsten kraft deiner Angst und Bein! 9. Laß du mein ganzes Hoffen dann in Erfüllung gehn, Erlösung. gehn und mich im Geiste offen, Herr, deinen Himmel sehn! Mit heiligem Entzücken will ich dann glau. bensvoll nach dir, mein Heiland blicken. Wer so stirbt, der stirbt wohl! 119 ausbrechen, verlör auch gleich mein Pfad im Dunkel sich. Durch Leiden ging zum Ziele Jesus hin; ich folge ihm, weil ich sein Schüler bin. 5. Was fürcht ich noch des Todes Echrecken? Im Grabe schlief auch einst der Menschenfreund. Mag Erde In eigener Melodie. 164 A, fieh ihn bul- meine Asche decken, wenn den, bluten, sterben! O meine Seele, sag ihm frommen Dank! Sieh Gottes eingen Sohn dort sterben, weil Menschenliebe ihn so heftig drang! Wo ist ein Freund, der je, was er gethan, der so, wie er, für Sünder sterben kann? einst des Todes dunkle Nacht erscheint: der Gott, der ihm das Leben wiedergab, ruft einst auch mich aus meinem dunklen Grab. 6. Nimm hin den Dank für deine Liebe, mein Retter, den mein ganzes Herz dir bringt! Dort dank ich dir mit reinerm Triebe, wenn dich mein Geist unsterblich einst besingt. Dann stimmen alle Selgen fröhlich ein; dann soll der ganze Himmel Zeuge sein! 2. Ja, mir zum Trost und ihm zur Ehre gereicht sein ganzer Kampf, sein Kreuzes tod; bestätigt ist nun seine Lehre: ich baue fest darauf in jeder Noth. Unschuldig litt er zwar; doch Preis und Ruhm ist auch im Kampf der Unschuld Eigenthum. Mel. Wer nur den lieben Gott 3. Mich soll das Beispiel 165 Gr starb, der größJesu lehren, der frommen Unschuld Lohn sei Seligkeit. Auch ich will Gott durch Tugend ehren und willig thun, was sein Gesep gebeut. Die Pflicht des Dants dringt ins nig mich dazu, und Tugend gründet wahre Seelenruh. te Freund der Tugend, er starb, von seinem Volt verkannt, das nicht in ihm den Freund der Jugend, des Mannes und des Greises fand; in ihm, der nie auf Rang und Pracht, nur Anspruch auf das Herz gemacht. 4. Nie will ich mich am Feinde rächen; auch dieß lehrt Jesu hohes Beispiel 2. Wie aber werden wir erkennen, daß wir den größten Menschenfreund nicht mich; in bange Klagen nie auch, wie einst sein Volt, vers 120 Werke und Wohlthaten Gottes. verkennen, daß unser Herz es besser meint mit Jesu, dessen Tod uns rührt, dem unser ganzer Dank gebührt? 3. Wenn seinem liebevollen Herzen auch unser Herz an Liebe gleicht; wenn unter Leiden, unter Schmerzen es nie von seinen Pflichten weicht; wenn wir dem Feinde selbst verzeihn und ihn mit Rath und Trost erfreun; 4. Wenn wir stets reines Herzens leben; wie Jesus, uns der Tugend weihn, und unser eifrigstes Bestreben nur das ist: Gott ergeben sein; und wenn wir fede böse That vermeiden, wie es Jesus that; 5. Dann können wir den Trost uns geben, daß unser Herz ihn ehrt und liebt, und hoffen, daß nach diesem Leben Gott jene Seligkeit uns gibt, mit der er in der Ewigkeit den, der die Tugend ehrt, erfreut. in deinen Mienen, in deiner Seele Zuversicht; du flebst: Vergib, o Vater, ihnen, was sie jest thun, verstehn sie nicht! und ruhig, bis dein Herz dir brach, trugst du des Kreuzes Qual und Schmach. 3. Dein hohes Beispiel soll mich lehren, das Unrecht dulden und verzeihn. Will Rachsucht meinen Geist empören, Gekreuzigter, dann denk ich dein, wie du, gemartert und geschmäht, für deine Beiniger gefleht. 4. Wie sollt ich nun nicht Alle lieben, für welche du gestorben bist? Wie könnt ich Einen noch betrüben, für den du littest, Jesu Christ? Wie nun nicht freudig Gu tes thun und still in Gottes Willen ruhn? 5. Schreckt mich der Lohn der Uebertreter und quält die Schuld der Sünder mich, dann denk ich, göttlicher Vertreter, mit froher Zuversicht an dich. Auch mir, auch mir hat dein Gebet Begnadigung und Heil er166 D" Menschentine fleht. In voriger Melodie. u befter aller der, wie martert dich voll blinder Wuth der Frevel ausgelaßner Sünder! Aus beim Blut, und tiefer, nie gefühlter Schmerz durchdringet Glieder, Sinn und Herz. 2. Doch Sanftmuth ist Mel. Herzlich lieb hab ich dich 167 m Gnade für welt rufst du, mein Heil, am Kreuz, gequält von fre cher Sünder Rotten. Dir blutet das bedrängte Herz, wann, Erlösung. wann dich bei deinem her ben Schmerz die Bösewichter spotten. Du siehst mit segensvollem Blick von ihnen weg auf den zurück, den diese Schaar in dir entehrt; rufft, daß es Erd und Himmel hört: Vergib, o Gott, und führe nicht sie ins Gericht: denn was sie thun, verstehn sie nicht! 2. Erstaunend seh ich diese Huld. Wie mitleidsvoll ist die Geduld, die Mörder so erträget! 3hr, die ihr euren Heiland ehrt, fühlt sei ner Großmuth hohen Werth und danket ihm beweget! Er hat durch segnendes Gebet auch uns ein ewig Heil erfleht. Er sagt auch uns zu unsrer Ruh Erbarmung und Vergebung ju. Herr Jesu Christ! Ge lobt seist du für deinen Tod! Gott ist durch dich auch unser Gott! 3. Daß Gott mit Lang muth und Geduld, auch selbst bei sehr gehäufter Schuld, der Sünder dennoch schonet; daß er so liebreich ihrer denkt und ihnen Frist zur Buße schenkt, eh nach Verdienst er lohnet; daß ich noch fröhlich sagen kann: auch mich, mich Sünder, nimmt Gott an, hast du durch deines Fürspruchs Kraft, mein treuer Heiland, mir verschafft. O Jesu 121 Christ, mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! vertritt du mich bis an den Tod! 4. Wird je mein Herz vom Troste leer, weil meiner Sünden furchtbar Heer aufs neue mich erschrecket: o dann versichre mich aufs neu, du stehest mir als Mittler bei, der meine Schuld bedecket! Mein Geist blickt glaubensvoll auf dich. Sei du mir nur nicht fürchterlich! Und schließt sich meine Pilgrimschaft, so stärke mich mit neuer Kraft, Herr, Jesu Christ! Der lebte Kampf wird mir vers süßt, wenn du mein Trost im Tode bist. 5. Den sanften liebevollen Sinn, daß ich ein Freund der Feinde bin, flöß, Herr, in meine Seele; gib, daß bei der Verfolgung Schmerz ich dir des Feindes hartes Herz und meine Sach empfehle. Besänftige mein reges Blut, und flammt des Zornes wilde Gluth mein Herz zur Rachbegierde an: o so erinnre mich daran, Herr Jesu Christ, wie du am Kreuz durch dein Ge bet selbst deinen Mördern Gnad erfleht. 6. Mich tröste dein Versöhnungstod; es bilde mich dein Geist, mein Gott, daß ich dir ähnlich werde! O F zeuch 122 Werke und Wohlthaten Gottes. zeuch mich, du erhöhter Vaters Willen, auch wenn Held, zu dir hinauf vom er Leiden vor sich sah, durch Dienst der Welt, zum Him: Lehr und Thaten zu erfülmel von der Erde! Du bist len, fühlt er sich nun dem der Deinen Schuppanier. Ziele nah und, Demuth auf Beuch dir uns nach, so lau- dem Angesicht, freut er sich fen wir, so wollen wir uns der vollbrachten Pflicht. deiner Pein und deiner Fürbitt ewig freun. Herr Jesu Christ! wie selig ist, wie felig ist der Mensch, dem du ein Heiland bist! 5. Jest nähert sich die ernste Stunde, wo Mancher schon nicht Fassung hielt; doch seht, wie er, mit Gott im Bunde, getroft ihm feinen Geist empfiehlt und unsrer Seelen hohen Werth Mel. Wer nur den lieben Gott 168 Golgatha, zu durch dieses letzte Wort verdeinen Höhen klärt. erheb ich andachtsvoll mein Herz. Ich will den Heilgen Gottes sehen in seines Opfertodes Schmerz; ich will für seine Todespein mein ganzes Leben ihm nur weihn. 6. So stirbt denn Jesus, seine Lehren von Tugend und Unsterblichkeit der Welt als göttlich zu bewähren, und macht die Seinigen bereit, Verfündiger des Worts zu sein und weder Schmerz, noch Tod zu scheun. 2. Wie rührend scheidet der Gerechte, im Tod als Gottes Sohn bewährt! Zwar leidet er den Tod der Knechte, von Frevlern noch am Kreuz entehrt; doch seines Muths Erhabenheit zeugt laut von sei ner Göttlichkeit. 3. Er fleht für die, die ihn verkannten, mit himmlischer Gelassenheit; bemerkt die traurigen Verwandten und sorgt für sie voll Zärt: lichkeit; spricht hohen Trost und Fried und Ruh den fummervollen Seelen zu. 4. Stets eifrig, seines 7. Er stirbt, der Wohlthun ausgebreitet, oft Nächte im Gebet durchwacht, der Irrende zu Gott geleitet und Leidende gesund ges macht! So freudenvoll stirbt auch der Christ, dem Jesus Licht und Beispiel ist. 8. Schon viele tausend Fromme schieden dir, Jesu, nach mit Freudigkeit, em pfanden jenen Seelenfrie den, den nur die Tugend uns verleiht. Ihr will ich denn mein Leben weihn, so wird mein Tod wie deiner sein. Erlösung. In eigener Melodie. 169 Seht, Christen, bricht. sehet, Jesum scheiden, wie er im Tode standhaft ist, wie nach den bängsten sein Auge sich so ruhig schließt; und wißt, daß, wer die Tugendbahn stets wandelt, rus hig sterben kann. 2. Die Welt mit ihrer Lust verachten, des Reich thums eitlen Glanz ver schmähn und Tugend über Alles achten, in jedem Tu gendkampf bestehn: das machte, daß auf Golgatha manJesum ruhig sterk en sah. 3. Des ewgen guten Vaters Willen durch seine gan. ze Lebenszeit treu und gewissenhaft erfüllen, war Jesu größte Seligkeit. Ihn schreckte Grab und Zukunft nicht; denn Gott war seine Zuversicht. 123 wann sterbend unser Auge 4. Er liebte herzlich seine Brüder selbst noch im lezten Augenblick; schalt nie, ward er gescholten, wieder; beförderte des Feindes Glück. Und diese Menschenfreundlichkeit gab sterbend ihm noch Heiterkeit. 5. Auf! Laßt an Jesu Todestage den Vorsaß lebhaft uns erneun: wir wollen unsre Lebenstage, wie Jesus, nur der Tus gend weihn! Dann strahlt auch uns ein helles Licht, In voriger Melodie. 170 Es ist vollbracht! am D Kreuze des sterbenden ErWort lösers Mund. voll Trost und Leben reize zur Freude meines Herzens Grund! Das große Opfer ist geschehn, daß Gott auch mir zum Heil ersehn. 2. Mein Jesus stirbt, die Felfen beben, der Sonne Schein verlieret sich, in Todte dringt ein neues Leben, der Heilgen Gräber öffnen sich, der Vorhang reißt, die Erde kracht, de: Welt Versöhnung ist vollbracht. 3. Wie viel, mein Heil, hast du vollendet, als dir das Herz im Tode brach! Du hast den Fluch hinweggewendet, der auf der Welt voll Sünde lag, und uns die Bahn durch Todesnacht zur frohen Ewigkeit gemacht. 4. Dankvolle Thränen, neßt die Wangen! Me Glaube sieht nun offenbar die Schuldschrift an dem Kreuze hangen, die wider meine Seele war. Er, den mir Gott zum Trost gemacht, rief auch für mich: Es ist vollbracht! 5. O hilf mir, Herr, nun F2 auch 124 auch vollbringen, was wahre Dankbarkeit begehrt! Laß nach der Heiligung mich ringen, dazu dein Tod mir Kraft gewährt! O stärke mich dazu mit Macht, bis meine Beßrung ist vollbracht! 6. Du littst so viel zu meinem Leben. Wie sollt ich nicht voll Efer sein, mich deinem Dienste zu ergeben? Sollt ich dabei vor Schmach mich scheun? Dein Dienst, mein Heiland, sei mein Ruhm; denn ich bin ganz dein Eigenthum. 7. Soll ich bei dir ergeb: nem Herzen, auch hier durch manche Trübial gehn, und hat mein Gott gehäufte Schmerzen zu meiner Prüfung außersehen, so laß die Hoffnung mich erfreun: auch das wird einst geendet sein! 8. Werke und Wohlthaten Gottes. Ja, fühlt mein Herz des Todes Schrecken, so stärke mich in solcher Last; laß mich den Trost auch sterbend schmecken, daß du ihn über wunden hast. So tret auch ich in Todes Nacht mit dem Triumph: es ist vollbracht! Sº und hast doch in dir selbst das Leben. Gleich als Sterbliche hält dich nun das Grab umgeben. erworben! 2. Du bist erblaßt, o Herr, 3. Doch Heil fei mir! Herr, du willst hier nicht die Verwesung sehen, sondern bald aus eigner Kraft aus dem Grabe gehen. 4. Ich weiß, du wirst, mein Lebensfürst, wie dich, auch mich erwecken. Sollte denn mein gläubig Herz vor der Gruft erschrecken? 5. Hier werd ich einst. bis du erscheinst, in sanftem Frieden liegen! denn durch deinen Tod kann ich Tod und Grab besiegen. 6. Jhr, die die Welt gefesselt hält, zagt nur vor der Verwesung! Ich, ich hoff in Christo einst meines Leibs Erlösung. In eigener Melodie. 171 So schlummerſt ken. du in stiller Ruh, der du für uns geIn voriger Melodie. storben, uns am Kreuz in 172 Am Kreuz erHeil blaßt, der Lodesfindet mein Er7. Nein, Nichts verdirbt! Selbst das, was stirbt, der Leib wird auferstehen und zu Himmelsglanz verklärt aus dem Grabe gehen. 8. So sink ins Grab, mein Leib, hinab; ich will mich drum nicht kränken: Jesu, an dein Grab will ich mir zum Trost gedenMartern Last, qualen müde, Erlösung. 125 10. Vergeß ich dein, so werde mein in Ewigkeit vergessen! Herr, ich will, jolang ich bin, deine Lieb ermessen. Erlöser erst in dem Grabe Friede. 2. Ein heilger Schmerz durchdringt mein Herz, und, Herr, was kann ich sagen? Nur an meine Brust kann ich tiefgerühret schlagen. Mel. Nun laßt uns den Leib 3. Du schüßest mich, und über dich gehn aller Trübſal 173 Ah, endlich, DulWetter; sterben wolltest du für mich, einziger Erretter! der, findest du ein stilles Grab zu deiner Ruh, das nach der Noth, die dich gedrückt, mit sanftem Schlummer dich erquickt! 4. Du hast's gethan; dich bet ich an, du König der Erlösten! Dein will ich im Tode mich glaubensvoll getrösten. 5. Es ist vollbracht! riefst du mit Macht; du zeigst, daß du dein Leben, mein Versöhner göttlich frei ha best hingegeben. 2. Wohl dir, daß du ges funden hast, wo nach des heißen Tages Last dein haupt du legtest, einmal nun von langer Arbeit aus: zuruhn! 6. Hochheilge That! des Höchsten Rath will ich in Demuth ehren; der Erwerber meines Heils wird mirs einst erklären. 7. Allmächtig rief er, der entschlief, den Todten sie erstanden. Leicht entschwingt der Lebensfürst sich des Todes Banden. 3. Nicht modernder Verwesung Raub wird, Heiliger des Herrn, dein Staub. Aus dunklen Todesnächten bricht bald deiner Auferstehung Licht. 4. O daß, wann einst mein ewger Geist der Erdenhülle sich entreißt, auch ich von edlen Thaten ruh, auch Ruh verdiene, Herr, wie du! 8. Das finstre Thal will ich einmal durchwandeln ohne Grauen; denn durch dich, Erlöser, ists mir der Pfad zum Schauen. 9. Mel. Wer nur den lieben Gott ihm, dem sche mich und siehe, wie 174 obesüberwinichs meine; ja, du siehst es, wenn ich still meinen Dank dir weine. der! Aus seiner Gruft geht er hervor. Als Retter der 3 per: Auferstehung Jesu. ( Osterlieder.) 126 Werke und Wohlthaten Gottes. verlornen Sünder empfängt ihn nun der Engel Chor, und aller Himmel Jubelton preist ihn, des großen Got tes Sohn. 2. Er hat des Grabes Ruh empfunden, doch kurzer Schlummer war sein Tod. Er hat gekämpft und über wunden; dahin ist alle seine Noth. Ihm, der das Felsengrab durchdrang, erschallt nun ein Triumphgesang. 3. Das segenreichste seiner Werke, die Rettung einer Menschenwelt, vollendet ists des Irrthums ist erhellt. Sein göttlich Evangelium steht fest zu seines Namens Ruhm. 4. Auf Felsen ruht des Christen Glaube, da sein Erlöser ewig lebt und einst mit Macht aus seinem Staube ihn zur Unsterblichkeit erhebt. Nun wird der Tod an Jesu Hand ihm Hingang in ein beßres Land. 5. Ja, Christen, singt: Er ist erstanden! Singt ihm Triumph und Preisgesang! Entfesselt von der Sünde Banden, sei nun Gehorsam euer Dant! Nicht mehr der Welt und Eitelkeit, nein, ihm weiht eure Lebenszeit! 6. Ein Tag erscheint, er löste Brüder! Freut euch, es ist ein Wonnetag! Dann kommt der Herr von neuem wieder, und Engelheere folgen nach. Dann dringet auch in euer Grab des Todtenweckers Ruf hinab. 7. Dann werdet ihr zum höhern Leben, zum Lohn der Frommen auferstehn und mit des Himmels Glanz um geben, getrost zum Richter: ftuhle gehn, dann wird euch der erstandne Held ein Führer in der bessern Welt. Mel. Jesus, meine Zuversicht refus 175 ihm auch ich. Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Tod: ten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht, dieß ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt; ihm ist das Reich über alle Welt gegeben; mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht, dieß ist meine Zuversicht. 3. Jesus lebt; wer nun verzagt, fündigt wider Gottes Ehre. Gnade hat er zugesagt, daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht, dieß ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt; sein Heil ist mein; sein sei auch mein ganzes Leben! Reines Her zens will ich sein und den Lüften Erlösung. Lüften widerstreben. Er ver: läßt den Schwachen nicht; dieß ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt: ich bin gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsterniß, feine Herr: lichkeit, fein Leiden. Er gibt Kraft zu dieser Pflicht, dieß ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt; nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnoth wird es meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! 127 mel sind, der ist mein Vater, ich sein Kind. 4. Wer ists, der mich vers dammen kann? Ich glaub an dich und sage dann: der Gott, durch den die Him 5. Nun ist dieß erste Leben mir ein segensreicher Weg zu dir. Solang ich hier bin, Herr, mein Heil, hab ich an deinem Frieden Theil. 6. Holdselig sprachst du: Erde, sei der Schauplaß meiner Huld und Treu! Wir sehen deine Huld und Treu auf deiner Erde täglich neu. 7. 3war trifft noch mancher Schmerz uns hier, noch, o Erbarmer, sterben wir. Doch du regierst; und wir sind dein, und Herr, wir werdens ewig sein! 8. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! Du Trost, der 176 Dich bet ich an, er- meinen Geist erhebt, ich ſeh, standner Held, Erretter einer Sünderwelt! du unsre Zuflucht für und für, froh huldigt meine Seele dir! durch dich gestärkt, aufs Grab mit unerschrocknem Aug hinab. 2. Um deinen Thron, der ewig steht, glängt Wahrheit, Heil und Majestät. Jch nahe mich voll Zuversicht zu dir; denn du verwirfst mich nicht. 9. Welch neue Welt voll Geligkeit erwartet mich nach dieser Zeit! Dort findet der verklärte Christ das Heil, das unaussprechlich ist. 3. Herr, meine Seele preis set dich! Erlöst, erlöset hast du mich, so wahr du selbst vom Himmel famst, dein Leben gabst und wieder nahmst. 10. Der du für unsre Seelen wachst, sie zu dir ziehst und selig machst, laß mich mit freudigem Vertraun im Tod auf dich, Vollender, schaun. 177 Quf, meine Seele, zur denn dein Erretter, Jesus, lebt, der dich nach überwundF4 nem. 128 Werke und Wohlthaten Gottes. nem Leide einst zur Unsterb- wie sie nicht verlassen blielichkeit erhebt. Halt im Ge- ben, wird auch mit dir dein dächtniß Jesum Christ, der Freund vereint. Halt im von dem Tod erstanden ist! Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 2. Denk lebend ihn, wenn dich die Sünde mit der Versuchung überfällt. Er lehrte dich die stärksten Gründe, sie zu besiegen und die Welt. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 7. Ja, ewig werth sei dir das Leben des Ueberwinders Jesu Christ! Folg ihm, so wird er dir auch geben die Stärkung, die dir nöthig ist. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 3. Dent ihn im Leben, wenn die Bürde des Standes und Berufs dich drückt, denn wer sie trägt, wird einst mit Würde zum Lohne 178 Bring Breis und geschmückt. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! Ruhm dem Heiland dar! Frohlockt ihm, alle Frommen! Er, der für uns getödtet war, der ist dem Grab entnommen. Sei gelobt, o Jesu Christ, daß du für uns gestorben bist und siegreich auferstanden! Halleluja! 4. Fühlst du die Schmerzen harter Leiden, denk, wie's dem frommen Dulder ging. Sein neues Leben ist voll Freuden, die er von Gott zum Lohn empfing. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 5. Dich schrecket Tod und Grabeshöhle? Denk ihn, den Sieger, der erstand; im Tode stärke deine Seele mit Hinblick in das beßre Land! Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 6. Du weinst beim Grabe deiner Lieben, wie Jesu Schüler ihn beweint; doch, 2. Dein Leben in der Majestät befestigt unsern Glauben. Wer kann nun, da dich Gott erhöht, den gro ßen Trost uns rauben, daß du von der Sünde Macht Befreiung haft ans Licht gebracht, den Himmel hast geöffnet? Halleluja! 3. Gott jelbst, der dich dem Grab entrückt, hat dem, was du gelehret, der Wahrheit Siegel aufgedrückt und dich als Sohn geehret. Deis nes Todes hohen Werth hat er Erlösung. er aufs herrlichste erklärt, da er dich auferwecket. Halleluja! 4. Erstandner, ich froh locke dir; mein ist dein Sieg und Leben! Du lebst und herrichest, um auch mir ein ewges Heil zu geben, meiner Seele Trost zu sein, zur Tugend Kraft mir zu verleihn mich zu 129 lichkeit umgeben, mit allen Seligen vereint, durch Ewigkeiten leben. Laß dieß Heil mein Erbe sein, so werd ich ewig deß mich freun, daß du vom Tod erstanden! Halleluja! zu führen. Halleluja! 5. Mein Herr, mein Heil, hilf mir dazu, befreie mich von Sünden! Laß mich für meine Seele Ruh im Frieden mit Gott finden! Pflanze deinen Sinn in mir, damit ich, Gott ergeben, hier als dein Erlöster wandle! Halleluja! 6. Dein ist das Reich; dein ist die Macht, Verstorbne zu erwecken. Du rufft einst, und der Gräber Nacht wird Todte nicht mehr decken. Wie du auferstanden bist, so werd auch ich, Herr Jesu Christ, durch dich einst auferstehen. Halleluja! 7. O laß, solang ich hier noch bin, mich treu im Glaus ben wandeln und jederzeit nach deinem Sinn rechtschaffen sein und handeln, daß ich, wann ich aufersteh und dich, der Menschen Richter seh, vor dir nicht angstvoll bebe! Halleluja! 8. Da, wo du bist, soll auch dein Freund, mit Herr Mel. Jesu, meine Freude 179 Aus des Grabes Herr erstanden, er, des Höchsten Sohn, Jesus hat gesieget. Alles, Alles lieget unter seinem Thron. Unser Freund hat jeden Feind unsrer Seligkeit bezwungen: Lob sei ihm gesungen! 2. D wie hoch erhoben lebt nun Jesus droben in der Herrlichkeit! Seiner Herrscherehre jauchzen Engelchöre, ihm zum Dienst bereit. Er hat nun, uns wohlzuthun und sein Heil uns zuzuwenden, alle Macht in Händen. 3. Freu dich deß, o Seele, bring ihm Breis und wähle ihn zum Führer dir! Auf die sichern Pfade zu des Höchsten Gnade bringt er dich schon hier. Welche Nuh strömt dann dir zu! Und wie wird zum höhern Leben er dich einst erheben! 4. Eitelkeit der Erde, flieh von mir! Ich werde nie dein Sklav, o Welt! Unter allen Gaben wünsch ich Nichts zu haben, als was F Gott 130 Werke und Wohlthaten Gottes. Gott gefällt. Mich erquickt, wenn Noth mich drückt, dort nach überstandnen Leiden Gott mit seinen Freuden. 5. Sterb ich, meine Seele, die ich Gott empfehle, steigt zu ihm empor. An des Heilands Throne strahlt des Sieges Krone glänzend mir hervor. Möcht ich hier doch mehr nach ihr, als nach allen eitlen Dingen dieser Erde ringen! 6. Oder hohen Freude, wenn im Siegeskleide der Erlöste prangt! Herr, zu deinen Frommen und zu dir zu kommen, ist, was mich verlangt! Hilf du mir, daß ich bei dir einst in steter Wonne lebe und dich froh erhebe! Mel. Vom Himmel kam der 180& rinnre dich, mein Geist, erfreut des hohen Tags der Herrlichkeit! Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 2. Fühl alle Dankbarkeit für ihn, als ob er heute dir erschien, als spräch er: Friede sei mit dir! So freue dich, mein Geist, in mir! 3. Schau über dich und bet ihn an; er mißt den Sternen ihre Bahn; er lebt und herrscht mit Gott vereint, er ist dein König und dein Freund. 4. Macht, Ruhm und Hoheit immerdar dem, der da ist und der da war! Sein Name sei gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit! 5. O Glaube, der das Herz erhöht! Was ist der Erde Majestät, wenn sie mein Geist mit der vergleicht, die ich durch Gottes Sohn erreicht? 6. Vor seinem Thron in seinem Reich, unsterblich, heilig, Engeln gleich und ewig, ewig selig sein, Herr, welche Herrlichkeit ist mein! 7. Mein Herz erliegt froh unter ihr, Lieb und Vers wundrung kämpft in mir, und voll von Ehrfurcht, Dank und Pflicht, fall ich, Herr, auf mein Angesicht. 8. Du, der du in dem Himmel thronst, ich soll da wohnen, wo du wohnst, und du erfüllst einst mein Vertraun, in höherm Lichte dich zu schaun! 9: Ich soll, wann du, des Lebens Fürst, in Wol ken herrlich kommen wirst, erweckt aus meinem Grabe gehn und rein zu deiner Rechten stehn! 10. Mit Engeln und mit Seraphim, mit Thronen und mit Cherubim, mit allen Frommen aller Zeit soll ich mich freun in Ewigteit! 11. 8u Erlösung. 11. 3u welchem Glück, zu welchem Ruhm erhebt uns doch das Christenthum! Mit dir gefreuzigt, Gottes Sohn, sind wir auch auferstanden schon. 12. Nie komm es mir aus meinem Sinn, was ich, mein Heil, dir schuldig bin, damit ich mich in Lieb und Treu zu deinem Bilde stets erneu! 13. Er ists, der Alles in uns schafft; sein ist das Reich, sein ist die Kraft. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 131 Christen, jauchzt! Er ist er höht! Er drang durch Todesnächte an seines Vaters Rechte. Werk ßes uns 4. Besiegt ist seiner Feinde Macht und er mit Ruhm gekrönet. Er hat sein grovollbracht und mit Gott versöhnet. Wer an ihn glaubt, wird selig sein. D laßt euch diesen Glauben durch keine Leiden rauben! 5. Schaut hin zu seiner Herrlichkeit und lernt als Helden leiden! Schaut hin! Die Leiden dieser Zeit sind Keime hoher Freuden. Seid unverzagt! Seid hoffnungsvoll! Nach wenig bangen Stunden ist Alles überwunden. Mel. Was Gott thut, das ist 181 rohlockt, ihr Christen, Jesus lebt! Lobsingt dem Ueberwinder! Obetet an, erhebt, erhebt den Retter aller Sünder! Er starb für sie; er starb für uns. Heil uns, nun lebt er wieder für alle seine Brüder! 6. Was ist der Tod? Ein Schlaf ist er. O sanfter Schlaf des Müden! Bald glänzt ein schönrer Tag daHer; dann stehn wir auf im Frieden! O Tag des Danks! 2. Er lebt! Er lebt! D weiht ihm Dank mit reiner frommer Seele! Ihn preije jeder Festgefang und jedes Herz erzähle, wie viel er litt, wie gern er starb, um tausend Seligkeiten uns Armen zu bereiten! Tag des Heils! Gern wollen wir nun sterben; wir wissen, was wir erben. 7. Erstandner, gib nur, daß wir hier auf deinen Pfaden wandeln und stets mit reinster Dankbegier als Kin3. Er starb, geschmückt der Gottes handeln! Un mit Heiligkeit; er starb von sterblich sein, unsterblich Frevlerhänden! Wo wal sein und einst dir näher tet hier Gerechtigkeit? Wie kommen: o welch ein Lohn konnt er hier schon enden? O der Frommen! F6 Werke und Wohlthaten Gottes. 132 Mel. Erschienen ist der herrlich 182 r ist erstanden Jesus Christ, der unser Trost und Helfer ist. Als Steger trat er auf den Staub, hinfort nicht mehr des Todes Raub. Frohlocket ihm! 2. Er hat erfüllt, was er verhieß, eh er für uns sein Leben ließ: Drei Tage sollen nicht vergehn, so wer det ihr mich wiedersehn. Er 3. Ich lebe, sprach er, und auch ihr sout leben, selig sein mit mir. Ich tomme, meine Stimme ruft auch euch, ihr Lieben, aus der Gruft zur Herrlichkeit. 4. Er wirds erfüllen, Jesus Christ, der selbst vom Tod erstanden ist! Er weckt auch mich, und volles Heil ist dann gewiß bei ihm mein Theil in Ewigkeit. 5. Auch führt er nach des Grabes Ruh mir meine frommen Freunde zu. Er wachen werden wir zugleich, uns wiedersehn in seinem Reich. Gott, welch ein Tag! 6. Wie sollt ich, Herr, den Tod noch scheun? Nein, fromm will ich mich seiner freun, dich preisen noch an meiner Gruft, wenn liebreich deine Stimme ruft: Entschlafe nun! 7. Gib nur, daß ich im Glauben treu und treu in meinem Wandel sei! So komm ich nicht in dein Ge richt, wenn deine Stimme zu mir spricht: erwache nun! 8. Herr, rufe mich, wann dirs gefällt, von dieser unvollkommnen Welt und füh re mich an deiner Hand einst in das beßre Vaterland! Preis ewig dir! Mel. Kommt, kommt den 183 Lobfinge, meine Seele, Welterlöser, bet ihn an! Lobsing ihm und erzähle, was er aus Huld für dich gethan! Er hat für dich gerungen: durch seine Macht hat er des Todés Macht bezwungen und seiner Schrecken Heer. Du darfst nun nicht mehr be ben, sein Sieg hat dich befreit. Dein ist unsterblich Leben, dein Gottes Seligfeit. 2. Froh führte Gottes Sonne den festlich hohen Tag herauf. Da stand, belohnt mit Wonne, nach kurzem Schlaf mein Jesus auf. Gedanke, der zu Freuden des Himmels mich erhebt! Ge danke, der in Leiden mein Herz mit Trost belebt; der schönsten Hoffnung Quelle, wenn die Zerstörung droht! Wo ist dein Sieg, o Hölle? Wo ist dein Stachel, Tod? 3. Der Felsen Grund erbebet; die Hüter fliehn; das Grab Erlösung. Grab ist leer. Der todt war, Jesus, lebet und geht vor seinen Freunden her! Die schwachen Jünger wanten; er stärkt die Wankenden. Sie sehn ihn, freun sich, danken dem Auferstandenen. Sie sehn empor ihn steigen und gehn, wie er gebot, mit Freuden hin und zeugen von ihm bis in den Tod. 4. Herr, deine Boten sie gen, von dir und deinem Geist belehrt; die Gößentempel liegen, der Erdkreis wird zu Gott bekehrt. Ich weiß, an wen ich glaube, bin freudenvoll ein Christ. Ihn bet ich an im Staube, ihn, der mein Retter ist. Ich werd ihn ewig schauen, wann er auch mich erhebt. Der Herr ist mein Vertrauen; er starb für mich und lebt! 133 4. Fallt nieder vor ihm in den Staub, der sich dem Grab entschwang! Er ist nicht mehr des Todes Raub; Erlöste, singt ihm Dank! 5. Sein großes Werk ist nun vollbracht; errungen ist sein Sieg, weil er aus setner Todesnacht empor zum Himmel stieg. 6. Heil, Leben und Unsterblichkeit, im Tode Trost und Ruh und Hoffnung hoher Seligkeit ruft uns sein Grabmal zu. 7. Gedanke, der das Herz erhöht; wir werden auferstehn, auf Hoffnung in das Grab gesät, um schöner auf zugehn. 8. Heil dir, wenn dieser Hoffnung Licht dein Herz für ihn durchglüht, dich stärkt zu jeder Christenpflicht und ganz zu ihm dich zieht. 9. O Auferstehungsfest, Mel. Lobt Gott, ihr Christen 184 Vom Todesthal hinauf zu Gott erhebt sich mein Gesang; dem Sieger über Grab und Tod erschallet laut mein Dank. 2. Die Sonn in ihrer Majestät erhellet kaum die Nacht, als Jesus Christus aufersteht und herrlicher er wacht. ( Himmelfahrtslieder.) 3. Die Erde bebte, als der Grabe ties; hinauf bis zu dem 185 Hit Glanz und Mel. Freu dich sehr, o meine err, du fährst Sternenzelt erschallete sein Sieg. Freuden auf zu deiner Herr37 lichdu bist des beſsern Lebens Pfand! Dich feire dankbar jeder Christ, der deinen Trost empfand. Christi Hingang zum Vater und Verherrlichung. 134 lichkeit; doch mich drücken noch die Leiden dieses Lebens, dieser Zeit. Gib mir, Jesu, Muth und Kraft, daß ich meine Pilgerschaft so in dir zurückelege, daß ich stets dein bleiben möge! 2. Laß mir deinen Geist zurücke, dir mein ganzes Herz zu weihn! Wenn ich nach dem Himmel blicke, laß mich seinen Trost erfreun! Steigt mein Flehn zu dir hinauf, helf er meiner Schwachheit auf, und du selber wollst im Beten bei el. Herr, wir fingen deiner dem Vater mich vertreten! 186 11eber aller HimLehre verachten und was in ihr Eitles ist, und nach dem, was dort ist, trachten, wo du, mein Erlöser, bist! Wollust, Ehrsucht und Gewinn soll mich nicht zur Erde ziehn, da ich jenseits überm Grabe eine größre Hoff nung habe. mel hebst du dich in Sieg und Ehre, du Geber der Unsterblichkeit! Engel singen Freudenlieder, und alle die ers östen Brüder verehren deine Herrlichkeit. Du, du bist Gottes Sohn! Gott hebt dich auf den Thron feiner Ehre! Wir stehn von fern, freun uns des Herrn, vertraun und dienen ihm nun gern. 4. Diese müsse Nichts mir rauben; du erwarbst sie theuer mir! Jezo seh ich sie im Glauben; dort find ich sie selbst bei dir. Dort belohnst du das Vertraun deiner Gläubigen durch Schaun und verwandelst ihre Leiden in unendlich große Freuden. 2. Der du, deines Vaters Willen zu unserm Heile zu erfüllen, gehorsam warst bis in den Tod, du regierst nun auf dem Throne; Gott gibt dir seine Welt zum Lohne; dich nennt dein Volk nun Herr und Gott! Erhöhter Gottes Sohn, wie herrlich ist dein Lohn nach dem Siege! wir folgen dir mit Freus 5. Dort bereit auch mir die Stätte in des Vaters Hause zu! Nufst du frühe oder späte mich zu meines Grabes Ruh, so erleuchte den Werke und Wohlthaten Gottes. du die Nacht, die des Todes Thal mir macht! Du hast ja den Tod bezwungen und den Sieg für uns errungen. 6. Kommst du endlich glorreich wieder an dem Ende dieser Zeit, o so sammle meine Glieder aus dem Staub zur Herrlichkeit! Heilge und verklär sie ganz, daß der Leib in Himmelsglanz, frei von diesem Staub und Erde, ähnlich deinem Leibe werde! Erlösung. den hier; einst lohnet Gott auch uns, wie dir. 3. Deine trauernden Erlöften im Kampf zu stärken und zu trösten, gabst du vom Himmel deinen Geist. Gib auch uns in unsern Leiden den Geist des Trostes und der Freuden, den uns dein theures Wort verheißt! Er zieh uns in dein Reich, mach unser Herz dir gleich, dir zu folgen! Du gingst voran; wir sehn die Bahn, die uns zum Himmel führen kann. 4. Uns die Stätte zu bereiten, um die wir Pilger hier noch streiten, gingst du voran ins Vaterland. Herrlich wirst du wiederkommen; dann führst du alle deine Frommen mit dir hinauf ins Vaterland. Durch deis nen Mittlertod sind wir versöhnt mit Gott. Wo du lebest und Gott mit dir, da sollen wir auch mit dir leben für und für. 5. Welch ein Jubel wird es werden, wenn wir dich wiederfehn auf Erden in aller Majestät des Herrn! Das wird sein kein Tag des Bebens, o nein, ein Tag des höhern Lebens; dann schaun wir dich nicht mehr von fern; dann sehn wir hocherfreut ganz deine Herrlichkeit, Welterlöser; dann führest du der Wonn uns zu, dort in des Himmels ewger Ruh. 135 Mel. Vom Himmel kam der 187 Auf, Jesu Jünger, freuet euch! Der Herr fährt auf zu seis nem Reich. Er triumphirt! Lobsinget ihm! Lobsinget ihm mit hoher Stimm! 2. Sein Werk auf Erden ist vollbracht: zerstört hat er des Todes Macht; er hat die Welt mit Gott verföhnt, und Gott hat ihn mit Preis gekrönt. 3. Weit über alle Himmel weit geht seine Macht und Herrlichkeit; ihm dienen selbst die Seraphim. Lobsinget ihm mit hoher Stimm! 4. Sein sind die Völker aller Welt; er herrscht als sieggewohnter Held; er herrscht, bis unter seinem Fuß der Feinde Heer sich beugen muß. 5. Er schüßet feine Christenheit, erhält sie bis in Ewigkeit. Er ist ihr Haupt, Lobsinget ihm! Lobsinget ihm mit hoher Stimm! 6. Ja, Heiland, wir erheben dich; und unsre Herzen freuen sich der Herrlichkeit und Majestät, wozu dich Gott, dein Gott, erhöht. 7. Wohl nun auch uns! denn, Herr, bei dir steht Kraft und macht, und dein sind wir. Nimmst du dich unser hülfreich an, was ist, das uns gebrechen kann? 8. Dein Werke und Wohlthaten Gottes. 136 8. Dein Eingang in die Herrlichkeit stärt uns in unsrer Prüfungszeit, nur dir zu leben, dir zu traun, bis wir dereinst dein Antlig schaun. Heiligung des Menschen durch den Geist Gottes. ( Pfingstlieder.) Mel. Vom Himmel hoch da 188 Anbetung jei dir, Gott, gebracht! Du hast uns diesen Tag gemacht. Dich preise, wer durch Jefum Christ erleuchtet und geheiligt ist! 9. Dann werden wir uns ewig dein, du größter Menschenfreund, erfreun; dann singen wir von deinem Ruhm ein neues Lied im Heiligthum. 2. Der Erdkreis lag in Nacht gehüllt, mit Wahn und Gößendienst erfüllt, da kam von deinem Angesicht dein Geist, mit ihm der Wahrheit Licht. 3. Auf Jesu Boten ließ er sich herab mit Segen sichtbarlich. In fremden Sprachen that ihr Mund, Gott, deine großen Thaten fund. 4. Von ihm gestärkt, gehn sie nun gern und sammeln Jünger ihrem Herrn. Vom Aufgang bis zum Nieder gang wird Alles Licht und Lobgesang. Ihr Schuß ist Jesus und ihr Ruhm sein theures Evangelium. 6. Und ihrer Predigt froHer Schall erfüllt den Erdkreis überall; und selbst die fernste Nation kennt dich und Jesum, deinen Sohn. 7. Noch dauert dieser Segen fort; noch siegt, o Ewi ger, dein Wort; und daß wir glauben, danken wir dem Glanze jenes Lichts von dir. 8. Erhalt uns deiner Wahrheit treu, mach uns von Sünd und Irrthum frei; dein Geist treib uns zum Guten an und leit uns auf der Tugend Bahn! 9. Bis wir dereinst im hellern Licht von Angesicht zu Angesicht dich schaun und in des Himmels Höhn durch dich auch uns verherrlicht sehn. 5. Umsonst bestürmt sie In eigener Melodie. Grimm und Spott; fie fies 189 Nun bitten wir gen stark durch ihn, o Gott! Geift, Heiligung. Geist, welchen Jesus Christus uns verheißt, daß er uns behüte vor falscher Lehre, Alle, die im Irrthum sind, bekehre. Erbarm dich, Herr! 2. Du Geist der Weisheit und der Kraft, mach uns durch dein Wort auch tugendhaft; hilf uns fest ihm glauben, dem treuen Heiland, der uns bringt zum himmlischen Vaterland! Er bárm dich, Herr! 3. Du Geist der Lieb und Einigkeit, mach uns allesammt dazu bereit, daß wir uns von Herzen einans der lieben, gern verzeihn, Niemand gern betrüben! Erbarm dich, Herr! 4. Du höchster Trost in aller Noth, hilf, daß wir nicht fürchten Grab, noch Tod; laß, wenn wir einst sterben, uns nicht verzagen, sondern mach uns frei von allen Plagen! Erbarm dich, Herr! 137 Thaten kund, die Völker zu bekehren. Der Heiden Tempel wurden leer; es stürzte jenes Gößenheer von seinen Prunkaltären. 3. Umsonst, umsonst empörten sich selbst Fürsten, Jesu, wpider dich und tödte= ten die Jünger. Unübers windlich war ihr Muth, und schwiegen sie, so sprach ihr Blut und zeugte neue Jünger. 4. Wie Gottes Sonne, ging dein Wort bis an der Erde Gränzen fort; der Irrthum wich dem Lichte. Die Völker wurden menschlicher, die Menschen lebten heiliger vor Gottes Angesichte. 5. Auch wir begehn, o Gott, dieß Fest, das deine Huld uns feiern läßt, dem Christenthum zur Ehre. Wir leben froher, glücklicher und, helf uns Gott! auch heiliger, durch deines Sohnes Lehre. Mel. Kommt Her zu mir In eigener Melodie. 190 Vollendet hatte 191 Komm, o komm, Gottes Sohn sein großes Werk auf Erden schon; und seine Jünger zagten. Doch Gottes Geist gab ihnen Muth, daß sie bald Alles, Gut und Blut, für Jesu Lehre wagten. du Geist des Lebens! Hilf uns Schwachen mächtig auf! Wir be mühn uns sonst vergebens hier in unserm Bilgerlauf um das Heil, das Gottes Rath für uns außersehen hat. 2. Da that der Ungelehrten Mund des Welterlösers 2, Gib in unser aller See 138 Werke und Wohlthaten Gottes. Seelen wahrer Weisheit helles Licht, daß wir uns zur Richtschnur wählen Jesu Wort und Unterricht! Stehe du uns kräftig bei und mach uns vom Irrthum frei! 3. Zeig uns, Herr, die rechten Stege zu der wahren Wohlfahrt an, räume Alles aus dem Wege, was im Lauf uns hindern kann! Wirke Reu durch deine Gnad, wenn der Fuß gestrauchelt hat! 4. Laß uns stets dein Zeugniß haben, daß wir Gottes Kinder sind! Stärke uns mit deinen Gaben, wenn sich Noth und Drangsal findt! Lehr uns, daß des Baters Zucht einzig unser Bestes sucht! Mel. Mein ganzer Geist, Gott 5. Treib uns, daß wir 192 heilger Geist, D fehr bei uns zu ihm treten findlich und mit Freudigkeit, nur nach seinem Willen beten, und vertritt uns allezeit; so wird unser Flehn erhört und die Zuversicht gemehrt. ein und laß uns deine Wohnung sein, du Beistand unsrer Seelen! Erleucht uns durch dein göttlich Licht, entzieh uns deine Hülfe nicht und zeig uns, was wir fehlen! Triebe, Triebe, fromm zu leben, willst du geben, wenn wir beten, gläubig vor den Vater treten. 2. Du Quell, draus alle Weisheit fließt, die uns zum Heil so nöthig ist, o schenk aus deiner Fülle uns so viel Einsicht und Verstand, daß heilsam von uns werd erkannt des Höchsten gnäd 6. Wird uns auch um Troste bange, seufzt das Herz voll Traurigkeit: ach, mein Gott, mein Gott! wie lange! o so wende unser Leid! Sprich der Seele tröstend zu, gib ihr Muth, Geduld und Ruh! deine Werke und im Kampfe gib uns Kraft, wenn Versuchung auf uns dringt, daß uns dann der Sieg gelingt. 8. Herr, bewahr uns un fern Glauben, daß Verfolgung, Schmach und Spott niemals möge ihn uns rauben. Du bist unser Schuß, o Gott! Spricht das Herz gleich zweifelnd: nein! laß dein Wort gewisser sein! 9. Wenn wir endlich sollen sterben, o so steh mit Trost uns bei; gib, daß uns, als Gottes Erben, jene Herrlichkeit erfreu, die uns unser Gott bestimmt und die nie ein Ende nimmt. 7. O du Geist der Kraft und Stärke, der in uns das Gute schafft, fördre in uns Heiligung. gnädger Wille! Ja, gib den Trieb unsern Seelen, nur zu wählen und zu üben, was er uns hat vorgeschrieben! 3. Steh uns stets bei mit deinem Rath und führ uns selbst den rechten Pfad des Heils, den wir nicht wise sen! Verleih uns Willigkeit, wenn wir hier auch darum daß wir dir treulich folgen, leiden müssen. Drückt Last uns fast muthlos nieder, laß uns wieder Trost empfinden und die Trübsal über winden! 139 Lebenszeit! du fannst uns dazu stärken. Es bleibe uns stets unbewußt die Eitelkeit, die Sinnenlust mit ihren bösen Werken! Vater, Bater, laß uns streben, so zu leben hier auf Erden, daß wir Himmelserben werden! 4. Stärk uns durch deiner Wahrheit Kraft zum Kampf mit jeder Leidenschaft, darüber Herr zu werden! Und sind wir wo dem Falle nah, so sei mit deiner Hülfe da, erheb uns von der Erden! Neue Treue gib uns Schwachen; du kannst machen, daß wir siegen und im Kampf nicht unterliegen. 5. Erhalte bei uns immerfort den Glauben an dein göttlich Wort! Nichts müss' uns von ihm trennen! Gib, daß wir ihn von Her zensgrund mit Thaten, so wie mit dem Mund, vor aller Welt bekennen! Jefum Christum ohn Aufhören recht zu ehren, mach uns tüchtig und sein Heil uns werth und wichtig! 6. Gib, daß in wahrer Heiligkeit wir führen unsre 193 Het gegeben, Mel. Gott des Himmels und der eilger Geist, von komm, erleucht und heilge mich! Weise, fromm und gut zu leben: dieß vermag ich nur durch dich. Mache täglich Ernst und Treu, mich zu bessern, in mir neu! 2. Ach, ich irr in Finsternissen, Geist der Wahrheit, ohne dich; von Begierden hingerissen, täuscht die trunkne Seele sich, suchet Ruh und findet sie in der Erde Gütern nie. 3. Hilf mir nach dem Himmel streben, der den Lohn mir aufbehält, hilf mir Gott und Jesu leben, nicht den Lüsten dieser Welt; lehre mich von Sünden rein, heilig wie mein Heiland sein! 4. Leite du mich auf dem Pfade deines Lichts zum Leben hin; und mich stärke deine Gnade, wann ich schwach und muthlos bin, daß ich näher jeden Tag meinem Ziele kommen mag! 5. Gib zu jedem guten F6 Wers 140 Werke und Wohlthaten Gottes. Werke meiner Seele Kraft und Lust und im Kampfe flöße Stärke mir in meine schwache Brust; gib mir Trost in jeder Noth; hilf mir treu sein bis zum Tod! 6. Sei mein Beistand, Mel. Fren dich sehr, o meine wann ich ſterbe; zeige mei 195 Geist vom Vater nem von und vom mir aufbehaltne Erbe in der Herrlichkeit des Herrn! So gestärkt durch deine Kraft, end ich froh die Pilgerschaft. Mel. Mein Gott, das Herz 194 Nicht um ein flüchtig Gut der Zeit, ich fleh um deinen Geist, Herr, den zu meiner Seligkeit dein theures Wort verheißt. 6. Er schaff in mir ein reines Herz, voll Dank für deine Huld, und er bewaff ne mich im Schmerz mit Muth und mit Geduld. 2. Die Weisheit, die vom Himmel stammt, o Bater, lehre mich, die Weisheit, die das Herz entflammt zur Liebe gegen dich! 3. Dich lieben, Gott, ist Seligkeit. Gern thun, was dir gefällt, wirft reinere Zufriedenheit, als alles Glück der Welt. 4. Vertrauen hab ich dann zu dir; dann schenket selbst bein Geist das freudige Bewußtsein mir, daß du mir gnädig seist. 5. Er leite mich zur Wahrheit hin, zur Tugend stärk er mich und zeige, wenn ich traurig bin, auch mir als Tröster sich. ne, der du unser Tröster bist und von unsers Gottes Throne hülfreich auf uns Schwache siehst, stehe dumir mächtig bei, daß ich Gott ergeben sei: o so wird mein Herz auf Erden schon ein Tempel Gottes werden! 2. Laß auf jedem meiner Wege deine Weisheit mit mir sein; wann ich bange Zweifel hege, deine Wahrheit mich erfreun! Lenke fräftig meinen Sinn auf mein wahres Wohlsein hin! Lehrst du mich, was recht ist, wählen, werd ich nie mein Heil verfehlen. 3. Heilige des Herzens Triebe, daß ich über Alles treu meinen Gott und Vater liebe, daß mir Nichts so wichtig sei, als in seiner Huld zu stehn! seinen Namen zu erhöhn, seinen Willen zu vollbringen, müsse mir durch dich gelingen! 4. Stärke mich, so oft zur Sünde mein Gemüth versuchet wird, daß sie mich nicht überwinde! Hab ich ir gend mich verirrt, o so rühre du Heiligung. bu mein Herz, daß ich unter Reu und Schmerz mich vor Gott darüber beuge und mein Herz zur Beßrung neige! 5. Reize mich, mit Flehn und Beten, wenn mir Hülfe nöthig ist, zu dem Vater hinzutreten; gib, daß ich auf Jesum Christ, als auf mei nen Mittler, schau und auf ihn die Hoffnung bau, Gnad um Gnad auf mein Verlangen von dem Vater zu empfangen! 6. Stehe mir in allen Leiden stets mit deinem Troste bei, daß ich auch alsdann mit Freuden Gottes Führung folgfam fei! Gib mir ein gelaßnes Herz, laß mich selbst im Todesschmerz bis zum frohen Ueberwinden deines Geistes Trost empfinden! Mel. Wer nur den lieben Gott großer Gott, 196 du reines du reines We Wes sen, du hast nur reine Herzen dir zu deiner Wohnung außerlesen: ach, schaff ein reines Herz in mir, ein Herz, das unbefleckt und frei von allen bösen Lüften sei! 2. Laß, guter Vater, mein Gemüthe der steten Besserung sich weihn; dein Geist vermehr des Herzens Güte, werd ich Jesu Jünger sein. Dann fühl ich hier schon in 141 der Zeit der Tugend Werth und Seligkeit. 3. Dein guter Geist, o Gott, regiere mein ganzes Herz und stehe mir in meiner Schwachheit bei und führe mich von der Eitelkeit zu dir! Gib einen Geist, der dir getreu und willig zu gehorchen sei! 4. Entzieh mir Schwachen, wann ich fehle, nur deine Vaterliebe nicht und gib, damit ich Gutes wähle, mir deines Geistes Kraft und Licht. Im Kampfe laß mich fest bestehn, um einst zum Himmel einzugehn! 5. Nimm deinen Geist, den Geist der Liebe, den Geist des Glaubens, nie von mir und stärke mich durch seine Triebe, durch seinen Beistand für und für! So leite durch die Pilgerzeit mich aus der Welt zur Seligkeit! Mel. Freu bich sehr, o meine 197 197 Der du uns als treuer Gott, und deinen Geist denen, die dich bitten, giebest, ja, uns um ihn bitten heißt: demuthsvoll fleh ich zu dir: Vater, send ihn auch zu mir, daß er meinen Geist erneue und ihn dir zum Tempel weihe! 2. Ohne ihn fehlt meinem Wiffen Leben, Kraft und Fruchtbarkeit, und mein Herz 142 Werke und Wohlthaten Gottes. Herz bleibt dir entrissen und wenn ich je ein Friedensband dem Dienst der Welt ge knüpfen kann, wenn meine weiht, wenn er nicht durch Hand zur Erleichtrung der dem seine Kraft die Gesinnung Beschwerden in mir schafft, daß ich dir Nächsten nüßlich werden. mich ganz ergebe und zu deiner Ehre lebe. kann 3. Auch dich kann ich nicht erkennen, Jesu, noch mit echter Treu meinen Gott und Herrn dich nennen, stehet mir dein Geist nicht bei. Drum so laß ihn kräftiglich in mir wirken, daß ich dich glaubensvoll als Mittler ehre und auf deine Stimme höre. 7. Lehre mich, mich selber kennen, die verborgnen Feh= ler sehn, sie voll Demuth Gott bekennen und ihn um Vergebung flehn. Mache täglich Ernst und Treu, sie zu bessern, in mir neu; zu dem Heiligungsgeschäfte gib mir immer neue Kräfte. 8. Wenn der Anblick meiner Sünden mein Gewissen niederschlägt ,; wenn sich in mir Zweifel finden, die mit Angst mein Herze hegt; wenn mein Aug in Nöthen weint und Gott nicht zu hören scheint, o dann laß es meiner Seelen nicht an Trost und Stärkung fehlen. 4. Ewge Quelle heilger Güter, hochgelobter Gottesgeist, der du menschliche Gemüther besserst und mit Troft erfreust; nach dir, Herr, verlangt auch mich; ich ergebe mich an dich. Mache mich zu Gottes Preise heilig und zum Himmel weise. 5. Fülle mich mit heilgen Trieben, daß ich Gott, mein höchstes Gut, über Alles möge lieben, daß ich mit getrostem Muth seiner Vaterhuld mich freu und mit wahrer Kindes treu stets vor seinen Augenwandle und rechtschaffen denk und handle. 9. Was sich Gutes in mir findet, ist dein Gnadenwerk in mir: selbst den Trieb hast du entzündet, daß mich, Herr, verlangt nach dir. O so sebe durch dein Wort deine Gnadenwirkung fort, bis sie durch ein selig Ende herrlich sich an mir vollende! Das Wort Gottes. 6. Geist des Friedens und der Liebe, bilde mich nach Mel. Wer nur den lieben Gott deinem Sinn, daß ich lieb 198 Rott gegeben, und Sanftmuth übe und mirs rechne zum Gewinn, sei ewig meinem Herzen werth! Heiligung. werth! Wie dunkel ist der Weg durchs Leben dem, der dein himmlisch Licht entbehrt! Nur du, du führst an sichrer Hand den Pilger hin ins bebre Land. 2. Du bist es, die mich Gott erkennen, mich meinen Schöpfer lieben lehrt. Ich darf getrost ihn Vater nennen, darf sicher sein, daß er mich hört. Du rufft mir zu: Dein Gott ist gut! Wohl dem, der seinen Willen thut! 3. Wer reizt mein Herz, sich selbst zu richten? Wer schärfet meines Geistes Blick zur Hellen Ginsicht meiner und schreckt vom Bösen mich zurück? Du stärtest den Gewissenstrieb und machst mir Recht und Tugend lieb. 4. Du leitest mich auf als len Wegen; du zeigest mir das höchste Gut; du machst mir jedes Glück zum Segen und gibst im Unglück frohen Muth. Wo Nichts, sonst Nichts mich trösten kann, da hebt dein wahrer Trost erst an. 5. Du gibst dem Geiste süßen Frieden, erheiterst mild den trüben Sinn, reichst dem Belasteten und Müden den sichern Stab der Hoffnung hin. In Angst, Gefahr und Todesschmerz erquickt und heilt dein Trost das Herz. 143 6. Du lehrst mich glauben, lieben, hoffen, verkündigst mir Unsterblichkeit. Der Himmel steht durch dich mir offen, und mein ist seine Seligkeit. Ich glaube fest und zweifle nicht: Du, du bist meine Zuversicht! 7. Ja, du, des Lebens reinste Wonne, begleite du mich bis ans Grab und leuchte dann mir, gleich der Sonne, den Weg ins Todesthal hinab! Mein erster Laut an Gottes Thron sei Dant für dich, Religion! Mel. Nun danket Alle Gott 199 Von Herzen preif für der Bibel Lehre, die ich als dein Geschenk mit Dant barkeit verehre. Sie ist das Glück der Welt, der Ruhm der Christenheit, mein Kleinod, Trost und Licht bis in die Ewigkeit. 2. Zum Licht, in dem du wohnst, kann die Vernunft nicht dringen; mit Zweifeln und mit Wahn müßt ich voll Unruh ringen, hätt ich dein göttlich Wort, den flaren Unterricht von dir und deinem Sohn und meiner Seele nicht. 3. Wie träftig ist dein Wort! Gott, vielen tausend Christen gab deine Bibel Sieg im Kampf mit bösen Lüften. Sie bessert sanft das Herz 144 Werke und Wohlthaten Gottes. Herz, stärkt mich zu meiner Wer deinen Lehren folgt, Pflicht, ist in Gefahr mein fühlt ihre Göttlichkeit; ſie Schuß, in Finsterniß mein geben Licht und Trost, im Licht. Tode Freudigkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott o schüttert, der Zweifler wird 200 Dein Wort, Spötters Höchster, ist le zittert; es tröstet sich am Grab der Seinigen der Christ, wenn er vom Wiederfehn im bessern Leben lieft. 4. Der Fromme wird gestärkt, der Sünder tief er5. Hier lernt der Weiseste der wahren Weisheit Schäzze; hier faßt der Blödeste die göttlichen Gefeße; hier findet jeder Stand für jede Lebenspflicht in allen Fällen Rath und hellen Unterricht. 6. Wer fühlt nicht deinen Geist und seiner Wirkung Stärke! Wer nicht des Glaubens Kraft und Trieb zum guten Werke, der mit dem lautern Wunsch nach Licht und Frömmigkeit, mit Ehr furcht und Gebet der Schrift die Andacht weiht! 7. So kann kein andres Buch die Größe Gottes preisen, so faßlich rührend nicht den Weg zur Tugend weisen. Durch keine Rednerkunst wird so das Herz erquickt, zu jeder guten That, so willig und geschickt. 8. Bei diesem Unterricht laß deinen Geist mich rühren und seine Gottestraft an meinem Herzen spüren! vollkommen, es lehrt uns unsre ganze Pflicht; es gibt dem Sünder, wie dem Frommen zum Leben sichern Unterricht. O selig, wer es achtsam hört, bewahrt und mit Gehorsam ehrt! 2. Es leuchtet uns auf unsern Wegen, zerstreut des Irrthums Finsterniß, ver kündigt Gnade, Heil und Segen und machet unser Herz gewiß. Es lehrt uns, Höchster, was du bist und was dir wohlgefällig ist. erweckt 3. Dein Wort uns, dich zu lieben, und lehrt, wie viel du denen gibst, die dein Gebot mit Freuden üben, wie du so väterlich. uns liebst. Was uns darin dein Mund verspricht, bleibt ewig wahr und trüget nicht. 4. Gott, deine Tröstungen sind besser und mehr der Sehnsucht werth, als Geld; ein Schaß, weit köstlicher und größer, als alle Schäße dieser Welt. Wer gern thut, was dein Wort gebeut, dem ist dein Segen stets bereit. 5. So laß mich denn mit Lust betrachten die Wahrheit. Beiligung. heit, die bein Wort mich lehrt; Laß mich auf das gehorsam achten, was dein Befehl von mir begehrt; so fließen Trost und Seelenruh auch mir aus deinem Worte zu. Mel. Liebster Jesu, wir sind 6. Laß mich, Herr, in deinem Licht immer rührens 201 Herr, mein Sicht, der erkennen jener HerrlichGewicht daß ich mich und dich erkenne, daß ich voll Vertrauen dich meinen Gott und Vater nenne! Höchster, laß mich doch auf Erden weise zu dem Himmel werden! 2. Lauter Wahrheit ist dein Wort. Lehre mich, es recht verstehen! Hilf selbst meinem Forschen fort, riche tig daraus einzusehen, was zu meinem Heil mich führet und mir, deinem Kind, gebühret! 3. Aber laß mich nicht allein deines Wortes Sinn verstehen; laß mein Herz auch folgsam sein, den er kannten Weg zu gehen! Denn sonst würd ich bei dem Wissen doppelt Strafe leiden müssen. 145 5. Hilf, daß sich von Zeit zu Zeit meine Kenntnisse vermehren! Find ich manche Dunkelheit bei geheimnißvollen Lehren, laß mich 3weifelsucht entfernen und in Demuth glauben lernen! 4. Gib, daß ich den Unterricht deines Wortes treu bewahre, daß ich, was es mir verspricht, reichlich an mir selbst erfahre! Ja, es sei in meinem Leiden mir ein Quell von Trost und Freuden! lich der zu nennen, der danach mit Eifer trachtet und die Lust der Welt verachtet! 7. O verleihe mir die Kraft, deinem Wort gemäß zu handeln und vor dir gewissenhaft als dein treues Kind zu wandeln; so wird einst in jenem Leben mich ein hellres Licht umgeben. Mel. O Gott, du frommer Gott 202 Zoll dein vers derbtes Herz zur Heiligung genesen, Christ, so versäume nicht, das Wort des Herrn zu lesen; bedenke, daß dieß Wort das Heil der ganzen Welt, den Rath der Seligkeit, den Geist aus Gott enthält. 2. Merk auf, als ob dir Gott, dein Gott, gerufen hätte, mert auf, als ob er selbst zu dir vom Himmel redte! So ließ, mit Ehrfurcht lies, mit Luft und mit Vertraun und mit dem frommen Ernst, in Gott dich zu erbaun. 6 3. Sprich 146 3. Sprich fromm: o Gott, vor dem ich meine Hände falte, gib, daß ich dein Gebot für dein Wort ewig halte, und laß mich deinen Rath empfindungsvoll verstehn, die Wunder am Geseg, am Wort vom Kreuze sehn! Werke und Wohlthaten Gottes. 4. Er, aller Wahrheit Gott, kann dich nicht irren laffen. Les, Christ, sein heilig Buch, les oft; du wirst es fassen, so viel dein Heil verlangt. Gott ists, der Weisheit gibt, wenn man sie redlich sucht und aus Gewissen liebt. 5. Les frei von Leidenschaft und ledig von Geschäften und sammle deinen Geist mit allen seinen Kräften. Der beste Theil des Tags, des Morgens Heiterfeit und dann der Tag des Herrn, der sei der Schrift geweiht. 6. Rührt dich ein starter Spruch, so ruf ihn, dir zum Glücke, des Tags oft in dein Herz, im Stillen oft zurücke: empfinde seinen Geift und stärke dich durch ihn zum wahren Edelmuth, das Gute zu vollziehn. 7. Um tugendhaft zu sein, dazu sind wir auf Erden. Thu, was die Schrift gebeut; dann wirst du inne werden, die Lehre sei von Gott, die dir verkündigt ist, und dann das Wort verstehn, dem du gehorsam bist. 8. Spricht sie geheimniß voll, so laß dich dieß nicht schrecken. Ein endlicher Verstand kann Gott nie ganz entdecken; Gott bleibt un endlich hoch. Wenn er sich dir erklärt, so glaube, was er spricht, nicht, was dein Wiß begehrt. 9. Sich seines schwachen Lichts bei Gottes Licht nicht schämen, ist Ruhm; und die Vernunft alsdann gefangen nehmen, wenn Gott sich of fenbart, ist der Geschöpfe Pflicht, und weise Demuth ist, das glauben, was Gott spricht. 10. Drum laß dich, frommer Christ, durch keinen Zweifel kränken. Hier bist du Kind, doch dort wird Gott mehr Licht dir schenken. Dort wächst mit dei nem Glück dein Licht in Ewigkeit; dort ist die Zeit des Schauns und hier des Glaubens Zeit. 11. Verehre stets die Schrift; und siehst du Dunkelheiten, so laß dich deinen Freund, der mehr, als du, sieht, leiten. Ein forschender Verstand, der sich der Schrift geweiht, ein heil verlangend Herz hebt manche Dunkelheit. 12. Halt . Heiligung. 12. Halt fest an Gottes Wort; es ist dein Glück auf Erden und wird, so wahr Gott ist, dein Glück im Himmel werden. Verachte christlich groß des Bibelfeindes Spott. Die Lehre, die er schmäht, bleibt doch das Wort aus Gott. Mel. Vom Himmel hoch, da 203 Gott, heilig ſei Mel. Ach Gott und Herr dein Nam und 204 Gott ist mei Hort, und auf fein Wort soll meine Seele trauen! Ich wandle hier, mein Gott, vor dir im 2. Verbreite deines Wor- Glauben, nicht im Schauen. tes Schall, wie deine Werke, überall, daß Alle lernen, wer du seist: der reinste, allerhöchste Geist. 2. Dein Wort ist wahr; laß immerdar mich seine Kräfte schmecken. Laß keinen Spott, o Herr, mein Gott, mich von dem Glauben schrecken. 3. Durch Jesum Chrift, den du gesandt, werd immer mehr der Welt bekannt, daß du, Gott, unser Vater bist, und er der Völker Heiland ist. Recht dem ganzen menschlichen Geschlecht! Dich bete, wer dich denken kann, im Geift und in der Wahrheit an! 4. Lehr uns, die deinen Rath verstehn, gehorsam deine Wege gehn. Durch deines Geistes Licht und Kraft mach weise uns und tugendhaft. 147 6. So preifet deine Christenheit, Herr, deinen Namen in der Zeit; sie ist und bleibt dein Eigenthum, und ihre Thaten sind dein Ruhm. 7. Du sättigst sie mit Seligkeit von nun an bis in Ewigkeit, und ewig ist ihr frommer Dant, Herr, deines Namens Lobgesang. 5. Durch Wahrheit dämpfe jeden Wahn; erleucht uns allen unsre Bahn; das Laster tilg aus unsrer Brust und tödt in uns die böse Lust. Dicerast 3. Wo hätt ich Licht, wofern mich nicht dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie verstünd ich nie, wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt der Seele Werth, Unsterblichkeit und Leben; daß diese Zeit zur Ewigkeit nur sei von dir gegeben. 5. Den ewgen Rath, die Missethat der Sünder zu verfühnen, den fennt ich nicht, wär mir dieß Licht nicht durch dein Wort erschienen. 6. Nun darf mein Herz in Reu und Schmerz der Sün2 den 148 den nicht verzagen; nein, du verzeihst, lehrst meinen Geist im Glauben: Vater! sagen. 7. Mich zu erneun, mich dir zu weihn, ist meines Heils Geschäfte! Durch meine Müh vermag ichś nie; dein Wort gibt mir bie Kräfte. Werke und Wohlthaten Gottes. 8. Herr, unser Hort, laß dieses Wort mir Licht und Freude geben! Es sei mein Theil, es sei mein Heil und Kraft zum ewgen Leben! Mel. Freu dich sehr, o meine 205 Gott, durch den wir sind und leben, deine Güte sei ges preist, daß du uns dein Wort gegeben, das zum Heil uns unterweist, das uns unsre Pflichten lehrt, warnt, ermahnet, straft, bekehrt und, wenn uns ein Leiden drük fet, uns mit reichem Trost erquicket. 2. Gib, daß wir es innig lieben; ernstlich, ohne Heu chelschein das darin Befohlne üben und nicht bloße Hörer sein; denn wer dei nen Willen weiß und ihn doch nicht thut mit Fleiß, der ist ärger, als die Heiden, und muß doppelt Strafe leiden. 3. Darum präge deine Lehren tief in unfre Seelen ein, laß sie uns zum Segen hören und derselben Thäter sein; treib uns da durch kräftig an, daß wir dich vor Jedermann froh bekennen, kindlich lieben und mit Sünden nicht betrüben. 4. In der Seele Finsternissen sei dein Wort uns stets ein Licht! Laß uns Trost daraus genießen, wenn es uns an Trost gebricht! Es versüß uns jede Noth; es erquick uns auch im Tod durch die Hoffnung, ganz zu schauen, was wir deiner Wahrheit trauen. Mel. Schwing dich auf 206 Der du selbst die Wahrheit Gott, zu dem ich singe, Gott, den kein Verstand ermißt, Ursprung aller Dinge: alle Weisheit kommt von dir zu den Menschenkindern; sie erleuchtet uns, wenn wir selbst ihr Licht nicht hindern. 2. Vorurtheil und Finsterniß füllen unsre Seelen; unser Blick ist ungewiß, unsere Schlüsse fehlen; aber dein Verstand weicht nicht von der lautern Wahrheit. Was du denkest, das ist Licht, Richtigkeit und Klarheit. 3. Wirf dich, sterbliches Geschlecht, dankbar ihm zu Füßen! Seine Wahrheit und sein Recht lässet er dich wissen. Weit erschallt das Wort des Herrn, das die Welt bekehret; glaubt es freudig, Heiligung. freudig, folgt ihm gern, Völker, die ihrs höret! Gefeß. Mel. Gottlob, ein Schritt zur Wort verspricht, wird und 207 Here, dein Ge muß geschehen; deine Drohung fann auch nicht leer vorübergehen. Haben Tau sende nicht schon, welche vor uns waren, deine Strafen, deinen Lohn dir zum Ruhm erfahren? Gebot, wonach wir sollen seg dein lehen, haft du, o liebevoller Gott, mir in mein Herz gegeben, daß ich zum Gufen willig sei, mit Sorgfalt, fern von Heuchelei, was du befiehlft, vollbringe. 5. Seele, wolltest du nicht Gott zuversichtlich glauben? Soll der Leicht sinn, soll der Spott deinen Trost dir rauben? Die die Himmel aufgebaut, kann die Wahrheit lügen? Kann sie den, der ihr vertraut, heuchlerisch betrügen? 6. Erd und Himmel wird vergehn; Gott, dein Wort wird bleiben. Lasterhafte, die es schmähn, werdens nicht vertreiben. Könige sind Staub vor dir, sie mit ihren Heeren. Du im Himmel lachest ihr, wenn sie sich empören. 149 7. Du bist Wahrheit! Ewig soll mich von dir nichts trennen, mich die Welt, von Arglist voll, nicht erschüttern können. Muß ich hier gleich um dein Wort Schmach und Trübfalleiden, so belohnst du mirs doch dort, Gott, mit Ehr und Freuden. 2. Gib, daß ich dir allein vertrau, allein dich ehr und liebe, auf Menschenhülf albau, in deiner Furcht mich übe, daß Beifall, Lob und Menschengunst, Gewalt, Pracht, Reichthum, Wiß und Kunst mir nicht zum Abgott werden. 3. Hilf, daß ich redlich mich bemüh, dich, Vater, zu erkennen, und laß mich deinen Namen nie ohn Ehrerbietung nennen. Gott, unvergeßlich sei es mir, was ich in meiner Taufe dir so feierlich versprochen. 4. Am Tag der dir geweihten Ruh laß mich, Gott, mit den Deinen in der Versammlung, so wie du befiehlst, vor dir erscheinen: dann deiner im Gebet mich freun, ein Hörer deines Wortes sein und, wie ich soll, ein Thäter. 5. Gib, daß ich Aeltern, Obrigkeit und Lehrer ehr und liebe, sie nie durch Widers 63 seg= Werke und Wohlthaten Gottes. 150 feßlichkeit und böses Herz betrübe; vielmehr für ihre Sorg und Treu erkenntlich und gehorsam sei und deinen Segen erbe. 6. Hilf, daß ich nie mit bittrem Sinn, Herr, Rach und Feindschaft übe und, wenn ich auch beleidigt bin, verzeih und Feinde liebe und Jedem gönne, was er hat, und Alle segne, mit der That gern jedem Menschen diene. 7. Laß mich, wie du ge boten hast, unfeusche Werte meiden. Unreinigkeit ist dir verhaßt; auf Wollust folgen Leiden. Schaff du in mir ein reines Herz, das Uleppigkeit und frechen Scherz sich nimmermehr erlaube. 8. Gib, Herr, daß ich mich redlich nähr und böser Ränke schäme, mein Herz von Geiz und Unrecht fehr, durch Macht und List Nichts nehme; daß ich nie Fleiß und Arbeit scheu, wohlthätig und zufrieden sei, nicht targ und nicht verschwendrisch. 10. Laß mich des Nächsten Haus mit List und Unrecht nicht begehren; das aber, was mir nöthig ist, wollst du mir, Gott, gewähren. Doch laß mich auch das größte Gut, ein ruhig Herz und frohen Muth und deine Gnade haben. 11. Wie gern möcht ich, o Herr, mein Gott, nach deinem heilgen Willen, wie gern möcht ich ganz dein Gebot, das du mir gabst, erfüllen; allein du weißt, was mir gebricht; ich Schwacher, ich vermag es nicht aus meinen eignen Kräften. 12. Drum gib du mir von deinem Thron, Gott, Vater, Gnad und Stärke, daß ich, o Jesu, Gottes Sohn, stets auf dein Vorbild merke! O heilger Geist, hilf mir, daß ich Gott über Alles und, wie mich, auch meinen Nächsten liebe! Evangelium. 9. Hilf, daß ich meines Nächsten Ehr zu retten mich Mel. Jesu, meine Freude befleiße, das, was ich kann, 208 Wort aus Got zum Besten kehr, doch Böses nicht gut heiße; stets zeige Treu und Redlichkeit und Abscheu trage jederzeit vor Falschheit, Schmähn und Lügen. tes Munde, Wort vom Friedensbunde, Evangelium! Quelle wahrer Freuden, Trost in allen Leiden, unser höchster Ruhm! Gottes Kraft, die Glans Heiligung. Glauben schafft! Frohe Bots schaft, uns zum Leben selbst von Gott gegeben! 3. Alles ist vollendet; Gott hat den gesendet, der verheißen war. Jesus hat sein Leben für uns dargegeben, willig gab ers dar. Ja, er hat des Höchsten Rath ganz vollbracht zu seiner Ehre. O erwünschte Lehre! 2. Was sein WohlgefalIn eigener Melodie. len vor der Welt uns allen 209 Erhalt uns, Herr, außersehen hat; was- erst dunkle Schatten vorgebildet hatten, das vollführt sein Rath. Daß sein Eid ihn nicht gereut, rühmen wir; in Jesu Namen wird er Ja und Amen. bei deinem Wort; den finstern Irrs thum treibe fort; bewahr uns vor Gewissenszwang, so preist dich unser Lobge: sang! 2. Die Völker sein dir unterthan! Es weiche falscher Lehre Wahn vor deiner Wahrheit klarem Licht: Gewalt hilft dem Gewissen nicht. den fremden Knecht, er 3. Die Herrschsucht, die gewaltsam zieht vors Richglaube falsch, er glaube recht, Bolt verdammt! teramt, bleib unter unserm 4. Da uns Strafen drohten, riefen seine Boten: Heiligt euch und glaubt! Gott will euch vergeben; ewig sollt ihr leben, wenn ihr Jesu glaubt! Seine Huld tilgt eure Schuld; nur müßt ihr die Sünde haffen, Muth zur Tugend faffen. 151 5. Jesu, voll Vertrauen will ich auf dich bauen und in dir mich freun, dir nur will ich leben, dir mich ganz ergeben, ewig treu dir sein. So werd ich auch einst durch dich, o mein Heiland, selig sterben und den Himmel erben! Die heilige christliche Kirche. Wahrheit Krieg! Gib wi4. Nur geistlich sei der der Irrthum ihr den Sieg. Durch Gründe sieg sie und Beweis und durch des from: men Beispiels Fleiß. 5. Wir gehn in Dämmrung, irren bald! Die Weiss heit übet nicht Gewalt. Laß Fried und Duldung allgemein, nicht mächtig die Verfolger sein! 6. Der Scepter übe Billigkeit, verbiete nicht der Gründe Streit! Wer friedsam ist, nicht Laster lehrt, deß Freiheit bleibe unges stört. 64 7. Bers 152 7. Berbrich des Zwanges hartes Joch: die freie Wahrheit sieget doch. Sie mache uns von Irrthum frei und von der Sünde Sklaverei. Werke und Wohlthaten Gottes. Am Reformationsfeste. In eigener Melodie. 210 i Sin in feste Burg ist unser Gott, Mel. Christus, der ist mein Leben ein gute Wehr und Waf- 211 Aer Gnade bei fen; er hilft uns frei aus aller Noth, die uns jetzt hat betroffen; der alt böse Feind, mit Ernst ers jeßt meint, groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist: auf Erd ist nicht seins Gleichen. uns, Herr Jesu Christ, da mit kein Feind uns schade mit seiner Macht und List. 2. Entzieh uns deine Lehre, das Wort der Wahrheit nicht. Durch ihre Kraft gewähre uns immer Trost und Licht. 3. Laß deinen Geist uns treiben, daß wir, von Jrrthum frei, bei deiner Rede bleiben, bir folgsam, dir getreu. 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, wir sind gar bald verloren; es streit für uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erforen. Fragst du: wer er ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott; das Feld muß er behalten. 4. Das Wort sie sollen lassen stahn und kein Dank dazu haben; er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmn sie uns den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, Laß fahren dahin, sie habens kein Gewinn; das Reich muß uns doch bleiben. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen: so fürchten wir uns nicht so sehr; es soll uns doch ge lingen. Der Fürst dieser Welt, wie saur er sich stellt, thut er uns doch nicht: das macht, er ist gericht; ein Wörtlein kann ihn fällen. 4.Komm uns mit Kraft entgegen, hilf unsrer Schwach heit auf und stärke das Vermögen zum ernsten Tugendlauf. 5. Hilf uns die Lüste dämpfen, hilf uns den Reiz der Welt und ihren Trop bekämpfen, du sieggewohnter Held! 6. Ja, bleib mit deiner Treue bei uns, Herr, unser Gott! Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Noth. Mel. Heiligung. Mel. Ein fefte Burg ist 212 Herr err, deine Kir che danket dir: noch wohnt dein Wort im Lande! Von deiner Gnade haben wir noch deinen Geist zum Pfande. Kommt sie in Gefahr durch der Feinde Schaar: dann, o Jesu Christ, besiege Macht und List und herrsch in jedem Lande! 2. Sei, Herr, mit uns! Verlaß uns nie, uns, deines Leibes Glieder. Hilf deiner Kirch und schüße sie; denn wir sind deine Brüder. Sie, die dir vertraut, hast du selbst erbaut. Ach, erhalt sie rein; und die den Bund ents weihn, die heilige dir wie der. 153 4. Und du, o Jesu, bist so treu! Ach, daß wir frömmer wären! Mach alle Herzen rein und neu, laß alle sich bekehren. Gib uns Wissenschaft, Glaube, Lieb und Kraft, gib Entschluß und Muth, zu wagen Ehr und Blut zum Preise deiner Lehre. 5. Entferne 3wietracht, Krieg und Mord, erhalt uns Ruh und Frieden. Laß uns, gestärket durch dein Wort, im Guten nie ermüden. Mache leicht, was drückt, gib uns, was beglückt. Nach der Prüfungszeit ruf uns zur Seligkeit, zu deines Himmels Freuden. 6. Herr, deine Kirche streitet noch: hilf deiner Kirche stegen! Wie schwer ihr Kampf ist, müsse doch kein Kämpfer unterliegen! Hör ihr findlich Flehn. Eil, ihr beizustehn, daß sie standhaft sei, stets deiner Wahrheit treu. Hilf deiner Kirche siegen. 3. Eins ists, was Seine Mel. Herzliebster Jesu! Treuen kränkt: daß unter 213 minut Christen noch man cher deiner nicht gedenkt, beherrscht von seinen Lüften. Vieler Glaub ist schwach, falt die Lieb, und ach, sie bedenken nicht: es wart ein schwer Gericht auf träge, fichre Christen. wird dein Wort bestehen und Erd und Him mel werden ehr vergehen, eh eine Macht das Reich, das du errichtet, jemals vernich tet. 2. Immer noch sammelst du dir auf der Erden Menschen, die willig dir gehorsam werden und deinen Frie den hier schon im Gewissen fröhlich genießen. 3. Reizt blendende Vers suchung sie zu Sünden, bist du ihr Beistand und hilfft überwinden. Nichts wird sie jemals deiner Hand entreißen: Du hafts verheißen. 65 4. Wohl 154 Werke und Wohlthaten Gottes. 4. Wohl allen denen, die jederzeit mit Wahrheitssinn bir, Jesu, trauen! Was sie Verträglichkeit. Die Liebe dir glauben, wird ihr Aug sei der Kirche Zier. Dann einst schauen, dich und die sieget sie; Gott ist mit ihr; Freuden, womit du beloh- er ist ihr Schuß. nest da, wo du throneft. 5. Dann schallen fröhlich von der Deinen Menge dir, unserm Haupte, höhre Lobgesänge, wenn einst dein Volk, das hier dein Geist regieret, dort triumphiret. 6. Und wenn auch seines Wortes Licht nicht gleich durch alle Nebel bricht und Spötter stolz die Wahrheit schmähn: verzaget nicht! Sie wird bestehn; sie ist von Gott. 7. Schaut auf zur Sonne; sie erhellt nicht gleich den ganzen Raum der Welt. Laßt, Christen, unsers Lichts uns freun und Gott durch Thalen dankbar sein, wie er sie liebt. 8. Lobsingt, lobsingt dem Herrn und freut voll Hoffnung euch der Ewigkeit! Dort wird nur Liebe, dort allein Ein Hirt und Eine Heerde sein. Lobsingt dem Herrn! Mel. Erschienen ist der herrlich 214 obfinget Gott! denn seine Macht vertrieb des Aberglaubens Nacht. Uns deckte bange Finsterniß; der Herr wars, der uns ihr entriß. Lobsinget ihm! 2. Verdunkelt war der Wahrheit Licht, selbst Christenlehrer sahn es nicht. Aus Unterricht ward Glaubenszwang: in harte Sklaverei versank das Volk des Herrn. 3. Wie tobte der VerMel. Herzliebster Jesu! folger Wuth! Wie ſtrömte 215 Laß doch, o Jefu, Christen Blut! Und ihre Würger rühmten doch sich ihrer Gottesliebe noch. O welch ein Wahn! dein Reich, auf Erden nie unterdrücket, stets erweitert werden! Gib allen Menschen deiner Leiden wegen Licht, Heil und Segen! 2. Erleuchte sie, daß sie dieß recht erkennen und glaubensvoll dich ihren Heiland nennen! Olehre sie mit Eifer deinen Willen schon hier erfüllen! 3. Laß 4. Gott kam und stand der Kirche bei; da wurden die Gewissen frei; da schwanden Aberglaub und Wahn. Das hat der Herr, der Herr gethan. Singt, singt ihm Dank! 5. Vereint nun, Christen, Heiligung. 3. Laß sie die Schrift mit frommer Achtung ehren; denn sie enthält der wahren Weisheit Lehren: und ohne diese sucht man doch vergebens den Weg des Lebens. 4. Ach, steure, Herr, dem Toben deiner Feinde und vor dem Irrthum warne deine Freunde! Gib, daß sie prüfen und dem Aberglauben die Herrschaft rauben. 5. Set du ihr Licht bangen Finsternissen und wecke selbst ihr schlafendes Gewissen! Erhebe tröstend, schlägt sie Kummer nieder, ihr Herz auch wieder. in 155 Führe die Deinen, wie du selbst versprochen, führe fie endlich aus dem Kampf hienieden zum ewgen Frieden. 4. Ewig, o Heiland, sei dein Nam erhoben! Ewig frohlockend müsse dich einst loben, o du Beschirmer deiner schwachen Heerde, Himmel und Erde! 6. Herr, schüß uns mäch: tig vor der List der Bösen, bis du von ihnen ganz uns wirst erlösen und wir zum Kreise der verklärten From men frohlockend kommen. Mel. Ein feste Burg 217 Wenn Christus schüßt, so mag die Hölle wüthen; er, der zur Rechten Gottes sist, hat Macht, ihr zu gebieten. Er ist mit Hülfe nah; wenn er gebeut, stehts da. Er schüßet feinen Ruhm und hält das Heiligthum. Mag doch die Hölle wüthen. 2. Und wenn auch Fürs sten auf dem Thron sich wis der ihn empören; stets werIn voriger Melodie. 216 Schüße die Dei den ihn, des Höchsten Sohn, nen, die nach dir sich nennen und dich, o Jesu, vor der Welt bekennen. Laß deinen Händen, wie du selbst verheißen, Nichts sie entreißen. zahllose Völker ehren. Sein Wort ist wahr: Nichts ist der Großen Macht und List. Wie lange währt ihr Spott? Auch sie sind Staub vor Gott. Sie mögen sich ems pören! 2. Laß deine Wahrheit rein verkündet werden; mach ihre Siege herrlicher auf Erden. Gib Muth und Weisheit denen, die sie lehren, dein Reich zu mehren. 3. Der Frevler mag die Wahrheitschmähn; uns kann er sie nicht rauben. Der Une christ mag ihr widerstehn; wir halten fest am Glauben. Gelobt sei Jesus Christ! Wer hier sein Jünger ist, 6 isein 3. Du hast noch niemals, Herr, dein Wort gebrochen. Werke und Wohlthaten Gottes. 156 sein Wort von Herzen hält, dem kann die ganze Welt die Seligkeit nicht rauben. 4. Auf, Christen, die ihr ihm vertraut, laßt euch kein Drohn Gott, der von dem Himmel schaut, wird uns gewiß be decken. Der Herr der starke Gott, hält über sein Gebot, gibt uns Geduld in Noth und Kraft und Muth im Tod. Was kann uns denn erschrecken? erschrecken! Der 5. Mag der Krieg die Welt zerrütten! Friede schwebt um deinen Thron. In Palästen, in den Hütten, groß ist überall dein Lohn. Jeder, jeder, der dich ehrt, ist und bleibt dir ewig werth. 6. Drohn dir gleich die Frepler alle, rüstet sich der Spötter Heer: ach, sie naEwig hen sich dem Falle und dann wird dein Reich bestehn: Wahrheit kann nicht untergehn. 7. Reiche dieser Welt vers schwanden, Kronen sanfen in den Staub; aber seit dein Reich entstanden, ward es nie der Zeiten Raub. Jetzt noch blickt dein Unters than hochentzückt zu dir hinan. Mel. Gott des Himmels und der errlich ists in 218 lockst der Menschen Menge nur hinweg von Angst und Schmerz. Gelig, wer dir seine Zeit, seine Kraft, sein Leben weiht! König der erlösten Schaar! Jede Sinnenlust entweiche; dennoch beutst du Wonne dar, Wonne, die den Geist erhöht und dem Strom der Beit entgeht. 2. Was sind Rang und eitle Schäße? Was sind Kronen dieser Welt? Freunde deiner Reichsgeseße sind einst Engeln zugesellt. Edel handeln ist ihr Ruhm, deine Huld ihr Eigenthum. 3. Hier ist Weisheit, hier ist Tugend, wo dein großer Geist regiert, wo das Alter, wo die Jugend sich mit dei nem Sinne ziert. Selbst der Sünder preist sein Glück, eilet er zu dir zurück. 4. Ja, du herrschest nicht mit Strenge; nur von Liebe wallt bein Herz, und du 8. In den fernsten Him melsstrichen glänzt, o Herr, dein mildes Licht. Thoren nur, die von dir wichen, sehen seine Strahlen nicht: doch der Weise bleibt dir treu, und du machst ihn groß und frei. 9. Mehre selbst die Zahl der Weisen! Herr, erweitre dein Gebiet und laß einst auch den dich preisen, der noch 157 noch blind vor Gößen kniet'; Mel. Liebster Jesn, wir find Zeig uns allen nach der Zeit 221 Hert, wir stehen Heilige Taufe. hier vor dir: laß dieß Kind auf unsern Armen dir gefallen, bitten wir, und erzeige dein Erbarmen: laß es hier beglückt auf Erden, dort des Himmels Erbe werden. ( Vor der Taufe.) Mel. Sollt es gleich bisweilen 219 Dir ir, Gott, der ( Nach der Taufe.) so gern erfreuet, immer seine Huld erneuet, weihen durch die 222 auf beinen NaMel. Wer nur den lieben Gott getauft Taufe wir dieses Kind, o Vater, dir. 2. Gib ihm Wachsthum und Gedeihen, laß es stets das Böse scheuen und beglücke das Bemühn, es zum Himmel zu erziehn. men, Gott, Vater, Sohn und heilger Geist! Ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt. O welch ein Glück ward dadurch mein! Laß, Herr, mich dessen würdig sein! Heiligung. 3. Stärke fünftig seinen Glauben, laß ihm den die Welt nicht rauben; nicht den Trost, daß es ein Christ, daß du, Gott, sein Vater bist. 4. Laß es stets dich froh bekennen, daß es niemand von dir trennen, Niemand auf der Tugend Bahn Heil und Ruh ihm rauben kann. Mel. Wer nur den lieben Gott 220 Her er b err, der du selbst die Tauf befohlen, dir, dessen Treu unwandelbar, dir sei auch dieses Kind befohlen! Wir bringen es dir flehend dar; o segne es, Herr Jesu Christ, der du der Taufe Stifter bist! 2. Du hast mich für dein Kind erkläret, mein Vater, und ein selig Theil hast du, Sohn Gottes, mir gewähret an dem von dir erworbnen Heil! Du willst, mein Leben Gott zu weihn, Geist Gottes, selbst mein Beistand sein. 3. Die Liebe ist nicht zu ermessen, die du, mein Gott, mir zugewandt. O laß mich nie die Pflicht vergessen, da zu ich selbst mich dir verband, als du in deinen Bund mich nahmst und mir mit Heil entgegenlamst! 4. Du bist getreu: auf deiner Seite bleibt dieser 67 Bund Werke und Wohlthaten Gottes. 158 Bund stets feste stehn. Ja selbst, wenn ich ihn über schreite, läßt du dein Vaterherz mich sehn. Du regest mein Gewissen an und lenkst mich auf die rechte Bahn. 5. Ich gebe, o mein Gott, aufs neue mich ganz zu dei nem Opfer hin. Erwecke mich zu neuer Treue und bilde mich nach deinem Sinn. Weich, eitle Welt, du, Sünde, weich! Gott hört es: jept entsag ich euch. 6. Befestige dieß mein Versprechen, mein Vater, und bewahre mich, daß ich es niemals möge brechen! Mein ganzes Leben preise dich! Gott meines Heils, sei ewig mein und laß mich dein auf ewig sein! 3. Gelobt, mein Gott, fei deine Liebe, die mir, noch eh ich dich gekannt, aus freiem väterlichem Triebe schon so viel Gutes zugewandt! Wie huldreich hast du mein ge dacht und für mein wahres Wohl gewacht! 4. Dir geb ich mich, mein Gott, aufs neue nun ganz aus Dank und Liebe hin. Erwecke mich zu steter Treue und bilde mich nach deinem Sinn. Was dir mißfällt, sei fern von mir und hei lig sei mein Leben dir! 5. Damit ich, was ich hier verspreche, auch redlich halte und getreu, nie mein Gelübd aus Leichtsinn breche, steh, Gott, mit deiner Kraft mir bei, und fall ich, so verwirf mich nicht, o Herr, vor deinem Angesicht! 6. Erwecke mich durch deine Gnade zum fteten Ernst der Besserung und leite mich auf sichrem Pfade des Glaubens und der Heiligung. Gott meines Heils, sei ewig mein und laß mich stets dein eigen sein. Mel. Wer nur den lieben Gott 223 bin getauft 34 ch nach Jesu Lehren, dich, Vater, deinen Sohn und Geist so zu bekennen und zu ehren, daß Herz und Mund und That dich preist, und dann des Glücks, ein Chrift zu sein, mich hier schon und einst dort zu freun. 2. Du hast zu deines ReiMel. Jesus, meine Zuversicht ches Erben, o treuer Vater, 224 Gwig, ewig bin ich dein, mich es hat die Frucht aus seinem Sterben dein Sohn, mein Heiland, mir gewährt; und dir mein Leben ganz zu weihn, soll selbst dein Geist mein Beistand sein. dir, mein Gott, erkaufet; bin auf dich, um dein zu sein, Vater, Sohn und Gerst, getaufet! Des sen soll mein Herz sich freun, Heiligung. freun, ewig, ewig bin ich dein! 2. Welch ein göttlicher Gewinn, daß ich durch der Taufe Gabe Gottes Kind und Erbe bin, daß ich ihn zum Bater habe! Heilig, heilig will ich sein; ewig Bater, bin ich dein! 3. Ich gelobt es, und dennoch brach ich oft den Bund und wurde doch schwach im Kampf und matt im Laufe. Dennoch will noch Jesus mein, Gott will noch mein Vater sein! 4. Dieß, o Gott, vers sprachst du mir; das hat Jesus mir verheißen. Und ich sollte, Sünde, dir, dir, o Welt, mich nicht entrei ßen? Ja, ich wills; ich will nicht dein, ich will meines Gottes sein! 5. Jesum, dem ich bin getauft, bin von ihm so hoch erhoben, bin ihm durch sein Blut erkauft, Jesum soll mein Leben loben! Ihm will ich, denn ich bin sein, meine ganze Seele weihn. 6. Wachen will ich, flehn um Kraft, daß ich stets auf seinem Wege heilig und gewissenhaft und im Glauben wandeln möge. Und er wird mir Kraft verleihn, treu bis in den Tod zu sein. 159 Gott, erkaufet; bin auf dich, um dein zu sein, Vater. Sohn und Geist, getaufet! Ewig, ewig laß mich dein, ewig laß mich selig sein. Das heilige Abendmahl. Mel. Befiehl du deine Wege 225 Versammelt hat. Jesus die Jünger feierlich; es nahte seine Stunde, die Abschiedss stunde sich. Die sich der Hoffnung freuten, mit ihm zum Thron zu gehn, sie sollten nun ihn dulden, ach, bluten, sterben sehn. 2. Sie sollten nun Bekenner der heilgen Wahrheit sein, für sie und für die Brüder, wie er, den Tod nicht scheun. Ach, wie er jezt so rührend beim frommen Abschiedsmahl den Freunden, den Erwählten noch Lieb und Treu empfahl! 7. Höre mich, denn ich bin dein, theuer bir, mein 3. Er sah am Kreuz sich sterben und weihte Brod und Wein, den Blick zu Gott erhoben, für sie laut dankend ein. Nehmt, sprach er, diese Gaben, das ist mein Leib, mein Blut; o denket mein, ihr Lieben, so oft ihr solches thut! 4. Wie konnten sie vergessen, was jeßt ihr Lehrer that, der scheidende Geliebte jeßt, ach, so zärtlich bat! Nehmt 160 Werke und Wohlthaten Gottes. Nehmt hin, für euch gegeben wird dieser Leib, dieß Blut; o denket mein, ihr Lieben, so oft ihr solches thut! 5. Nun ward dieß Mahl zur Feier; stets schwebte liebreich, mild und hehr vor ihren Blicken des treusten Freundes Bild; gab ihnen reinre Liebe, zur Tugend höhern Muth. Sie opfer ten der Wahrheit mit Freuden Gut und Blut. 6. Auch uns zum Heil gestiftet ward sein Gedächtniß mahl; für uns auch starb aus Liebe er unter Schmach und Qual. Wer könnte sein vergessen, vergessen, was er bat, eh er den Weg des Todes zu unserm Heil betrat? 7. O laßt nun am Altare uns seiner dankbar freun und froh den Bund der Liebe, der Tugend Bund erneun! Sein Mahl stärt unfern Glauben, stärk ihn in Schmerz und Noth, mach heilig unser Leben, mach freudig unsern Tod. Mel. Liebster Immanuel. 226 Nabt dem AltaDenn schon hienieden ge währt die Tugend euch Beseligung. Segnet den Festtag des Bundes! Empfahet bei Jesu Mahle Kraft zur Heiligung. Fühlt Gottes Frieden! 2. Aber gebietet auf raus heren Wegen die Tugend euch zu gehn, o wanket nicht! Blicket auf Jesum! Mit ewigem Segen, mit Ruhm vor Gott belohnt erfüllte Pflicht. Auf, auf, und ringet zum Ziel! Vollbringet den Ruf der Gottheit! Auf und wantet nicht! 3. Bei dem Gedächtniß des Heiligen schwöret, dem hohen Tugendbund getreu zu sein! Schwört bei dem Tode des Heiligen! Höret, ihr Mitunsterblichen, den Schwur: Wir weihn in dieser Stunde dem großen Bunde der wahren Tugend uns. Gott, wir sind dein! 4. Singt dem erhabenen Muster der Frommen, des Bundes Erstem, Preis und Lobgesang! Er ist jum Segen der Menschheit gekommen; vom Himmel bracht er Licht. Nun lebenslang im Licht zu wandeln, wie er, zu han deln: dieß, Christen, sei der ihm geweihte Dank. re, UnsterbliMel. Ein Lämmlein geht che, nahet und feiert hier 227 Du, Herr, haft den aus zigkeit zum Denkmal deiner Gnaden das ganze Volk der Christenheit zu deinem Tisch geladen. Du rufßt: Mühfelge, Heiligung. selge, kommt zu mir! Ich komme, Heiland; ja, zu dir erheb ich meine Seele. Entzeuch mir deine Gnade nicht, mein Heil, mein Licht. Du siehst, 228 eu, zu erfülMel. Wer nur den lieben Gott ier wie oft ich fehle. len, was du in deiner Leidensnacht, nach deinem gnadenvollen Willen, zur Pflicht und Wohlthat mir gemacht. Verleih zur Uebung dieser Pflicht mir deines Geistes Kraft und Licht! 2. Es werde, Herr, für mein Gewissen, dein Mahl ein tröstlich Unterpfand, daß ich, der Sündenschuld entrissen, durch dich bei Gott Vergebung fand. So freuet meine Seele sich in deinem Heil und lobet dich. 2. Ja, meiner Schulden sind weit mehr, als ich vermag zu zählen. Ich fühl es wohl und leide sehr vor Unruh meiner Seelen. Doch du bist meine Zuversicht. Verlaß mit deinem Trost mich nicht; du siehest meine Reue, Erbarmer, nimm sie gnädig an; du bist, der helfen will und kann, daß sich mein Herz erfreue. 3. Nach deinem Troste sehn ich mich, gebückt vor dir im Staube. Dein tröst ich mich, und nur auf dich, Erlöser, hofft mein Glaube. Gebeugte willst du nicht verschmähn, versprichst, den Schwachen beizustehn, die nach der Beßrung trachten. Stets bleibst du deinem Wors te treu und wirst ein gläubig Herz voll Reu und meines nicht verachten. 161 nem Reich, verklärt, unsterblich, Engeln gleich, dich ewig froh erhebe. 4. Regiere nur auch künftig mich, daß ich vorsichtig handle und heilig, voll Vertraun auf dich, nach dei nem Willen wandle. Gib, daß, aus Dank für deine Huld, in Liebe, Glauben und Geduld ich dir auf Erden lebe, bis ich dereinst in dei3. Bewundernd denk ich an die Liebe, womit du unser Heil bedacht. Wie start sind deine Mitleidstriebe, die dich bis an das Kreuz gebracht! O gib von deinemTodesschmerz jeßt neuen Eindruck in mein Herz! 4. Laß mich mit Ernst die Sünden scheuen, für welche du dich opfernd starbst; durch schnöden Mißbrauch nie entweihn, was du so theuer mir erwarbst. Nie führe mich zur Sicherheit der Trost, den mir dein Tod verleiht! 5. Ich übergebe mich aufs neue, o du, mein Herr und Gott Werke und Wohlthaten Gottes. 162 Gott, an dich; ich schwöre dir beständge Treue vor dei nem Tische feierlich. Dein eigen will ich ewig sein. Du starbst für mich; drum bin ich dein. 6. Nie will ich mich vor Spöttern schämen des Diens stes, den man dir erweist, mich nie zu einem Schritt bequemen, den mein Ge wissen fündlich heißt. O flöße mir den Eifer ein, wie du, o Herr, gesinnt zu sein! 7. Laß mich mit Ernst den Nächsten lieben und, wenn er strauchelnd sich versieht, Versöhnlichkeit und Sanft muth üben! Nie komm es mir aus dem Gemüth, welch eine schwere Sündenlast du mir aus Huld erlassen hast! 8. Es stärke sich in mir der Glaube, daß meine Seele ewig lebt, und daß einst aus des Grabes Staube mich dein allmächtger Ruf erhebt, wenn du dich, großer Lebensfürst, den Völfern sichtbar zeigen wirst! 9. Gebeugt lieg ich zu deis nen Füßen mit Dank und Lob, Gebet und Flehn. Laß auf mich neue Gnade flieBen! Mein Heiland, laß es doch geschehn, daß mir zur Stärkung meiner Treu dein Abendmahl gesegnet sei! Mel. Ein Lämmlein geht und 229 I ch komme, Herr, und suche dich, mühselig und beladen. Gott, mein Erbarmer, würdge mich des Wunders deiner Gnaden. Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gots tes und des Menschen Sohn, mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sünden Müh; ich suche Ruh und finde fie im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet ich zuversichte lich an, du bist das Heil der Sünder, hast ihre Schuls den abgethan, und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Nacht und an dein Wort: Es ist vollbracht! Du hast mein Heil verdienet. Du haft für mich dich dargestellt; Gott war in dir und hat die Welt in dir mit sich verfühnet. 3. So freue dich, mein Herz in mir! Er tilget deine Sünden und läßt in seis nem Mahle hier dich Gnad um Gnade finden. Du rufft, und er erhört dich schon, spricht liebreich: Sei getroft, mein Sohn! die Schuld ist dir vergeben. Du bist in meinen Tod getauft und du wirst dem, der dich er kauft, von ganzem Herzen leben. 4. Dein ist das Glück der Seligkeit; bewahr es hier im Glauben und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir; ich bin bin der Weinstock; bleib an mir; so wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, und durch die Liebe gegen mich wird dir der Sieg gelingen. 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot, ich will es treu erfüllen und bitte dich durch deinen Tod um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an würdig sein, mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn und deinen Tod zu preisen! Laß mich den Ernst der Heiligung durch meine wahre Besserung mir und der Welt beweisen! Heiligung. Mel. Es ist das Heil uns ch preise dich, 230 163 du an mich gewandt! O stärke mein Gemüthe zum gläubigen Vertraun auf dich, daß ich, solang ich lebe, mich an deine Gnade halte! Laß 4. Ich fühle, Herr, voll Neu und Schmerz die Last von meinen Sünden. mein vor dir gebeugtes Herz den süßen Trost empfinden, daß ich in deines Vaters Huld gewiß Vergebung meiner Schuld auf Buße finden werde! Heil, für deine Todesleiden. Hab ich an ihren Früchten Theil, was fehlt dann meis nen Freuden? Du wardst ein Opfer auch für mich: o gib, daß meine Seele fich deß ewig freuen möge! 2. Was kann mein Geist durch deinen Tod nicht noch für Segen finden! Érquit kung in der Todesnoth, Vergebung aller Sünden, Gewissensruh, zur Beßrung Kraft: das hast du, Herr, auch mir verschafft, da du am Kreuze starbest. 3. Dein Mahl ist mir ein Unterpfand von deiner großen Güte. Wie viel hast 5. Der Trost, den mir dein Tod verschafft, werd ewig mir zum Gegen! Er stärke mich mit neuer Kraft, auf allen meinen Wegen nur das zu thun, was dir Welt zu gefällt, und alle Furcht und überwinden! 6. Laß mich mit Glaus bensfreudigkeit vom Bunda desmahle essen und der Verbrüdrung heilgen Eid un dankbar nie vergessen, daß ich aus echter Gegentren dir bis zum Tod ergeben sei, dir und den Brüdern lebe! 7. Laß deiner Leiden großen Zweck mir stets vor Augen stehen! Nimm alle Hindernisse weg, die steile Bahn zu gehen, die mir dein heilig Vorbild weist und die einst den erlösten Geist zu deiner Freude führet! 8. Zum ewgen Leben haft du dich für mich dahingegeben. Werke und Wohlthaten Gottes. 164 geben. Dein Abendmahl erwecke mich, mit Ernst da nach zu streben! Herr, mache mich dazu geschickt, und werd ich einst der Welt entrückt, so sei dein Tod mein Leben. Mel. Gott Vater, an Erbarmen 231 Chrift hrist, eile nie mit sicherm Sinn zum Liebesmahle Jesu hin, denk nicht, des großen Dulders Blut macht jedes Sünders Lafter gut! Weh dem, der dieses Mahl entweiht durch Selbstbetrug und Sicherheit! 2. Wer sich zu ihm ünwürdig naht, der häuft die Schuld der Missethat. Sei nicht dein Feind, empfah es nicht dir, ach, zum strengeren Gericht! Nein, erst empfinde tief dein Herz der Sünde Schmach, der Reue Schmerz! 3. Erst sei dein Vorfaß fest und rein, nicht mehr der Sünde Silav zu sein; erst gib zurück, was deine dann nahst du dich der Tugendbahn, dann gehe zum Altar hinan. 5. Beschämt und mit ge beugtem Sinn schau auf ben großen Dulder hin, der liebreich für die Sünder starb und ihnen Gottes Huld erwarb; dann glaube froh, daß Gott uns liebt, gern Reuigen die Schuld vergibt. 6. So, frei von Heuchelei und Wahn, müss Jeder sich dem Mahle nahn, das du in deiner leßten Nacht, o Herr, zum Denkmal uns gemacht! Da dämpfe der Ge dank ans Kreuz der Thorheit Luft, der Šünde Reiz! 7. Da rühr uns tief dein göttlich Bild und mach uns liebreich, sanft und mild; da schenk dein Geist uns Muth und Kraft zum Kampfe mit der Leidenschaft, daß heilig wir durchs Leben gehn, dem Tode froh entgegensehn. mel. Meinen Jesum laß ich nicht Hand durch List, durch Trug, 232 Naht mit UnRaub entwandt, erst, Zürnender, versöhne dich mit deinem Bruder brüderlich! Gemüth, Brüder, christlich dem Altare; wer in Jugendfülle blüht, und der Greis im Silberhaare, hoch und niedrig, arm und reich, naht: hier seid ihr alle gleich! 4. Besiegst du so in deis ner Brust des Lasters Macht, die böse Lust; bist du entschlossen und bereit, zu kämpfen manchen harten Streit: 2. Stärkt euch für die höhre Welt! Fließt, der Lie Heiligung. 165 niglich, stärke für den Him. mel sich! 8. Wer den Kelch des Nachtmahls trinkt, wer vom Brode jest genießet, wer in Andacht fromm versinkt, wem der Reue Thräne flies ßet, ist mein Bruder, ist mein Freund, und ich habe keinen Feind. 9. Fließt, der Liebe Thränen, fließt! Vorgefühl der Himmelsfreuden fühle, wer das Mahl genießt, Kraft zum Guten, Trost im Leiben; fühlt euch all als Menschen gleich, fühlt als Himmelsbürger euch. Liebe Thränen, fließet! Wer vom Brode jetzt erhält, wer vom Weine jeßt genießet, fühl Entzücken inniglich, stärke für den Himmel sich! 3. Stärkt euch, bleibet rein und gut; denket Alle: Wir sind Brüder! denket: Jesu Christi Blut floß für uns am Kreuze nieder; Menschenwürde, Menschensinn uns zulehren, floß es hin. 4. Der uns lehrte, Kraft und Gut für der Brüder Wohl zu geben, gab für Wahrheit hin sein Blut, gab für Tugend hin sein Leben, hat, was er empfahl, geübt. D, wie hat er uns geliebt! 5. Denket seiner! Thränen fließt! Freudenthränen weinet, Brüder! Wer vom Brode jetzt genießt, wer vom Weine trinket, Brüder, den tet an den Menschenfreund, denkt an Jesum, dankt und weint! 6. Laßt mit heiligem Ge- 233 Vant und Freus Mel. Freu dich sehr, o meine oller Ehrfurcht, Dank müth all uns nahen dem Altare; wer von Lebenskräften glüht und der Greis an naher Bahre, hoch und niedrig, arm und reich! Brüder, hier sind Alle gleich! den, komm ich, Herr, auf dein Gebot, zu dem Denkmal deiner Leiden und gedenk an deinen Tod. Mittler, der du für mich starbst, mir ein ewig Heil erwarbst, dir zur Ehre stets zu leben, sei mein eifrigsles Bestreben! 2. Ich empfind es jetzt aufs neue, was ich dir, Herr 7. Alle gehn wir Eine Bahn, Alle gehn wir zu dem Ziele edler Menschlichfeit hinan. Voll der seligsten Gefühle bete Jeder ins 10. Jesus Christus hat fein Blut für der Menschen Wohl gegeben; laßt uns Kräfte, Geist und Gut Menschen widmen, für sie leben; laßt uns zu des Himmels Höhn auf der Bahn der Liebe gehn. Werke und Wohlthaten Gottes. 166 Herr, schuldig bin. Du du gabst mit großer Treue ganz dich mir zum Dienste hin; wiesest mir den Weg zu Gott und ertrugst den schwersten Tod, mir im Leben und im Sterben sichre Tröstung zu erwerben. 3. Durch dich ist zu Gottes Gnade freier Zutritt und die Kraft, auf der Tu gend selgem Pfade fest ein herzugehn, verschafft. Und du rufft aufs neue mir durch dein Nachtmahl, daß ich hier Theil an deinem Segen nehme und mich deiner niemals schäme. 4. Sollt ich, Jesu, denn vergebens diese deine Huld empfahn? Nicht zur Beßrung meines Lebens mich zu deinem Tische nahn? Ja, mit neuem Ernst will ich mich vor Sünden scheun und dich durch ein in dir geheiligt Leben mit vermehrtem Fleiß erheben. 5. Diesen Vorsag, den ich habe, thätig dankbar dir zu sein, präg ihn, Jesu, bis zum Grabe tief in meine Seele ein! Gib mir Kraft, ihn zu vollziehn! Lehre mich mit Vorsicht fliehn, was ihn könnte bei mir schwächen, was mich reizt, ihn gar zu brechen! 6. Laß mich über Alles schäßen dein mir theur er worbnes Heil und nie aus den Augen seßen, wie nur der daran hat Theil, der auf deine Stimme hört, mit Gehorsam dich verehrt und in deinem Dienst auf Er den immer besser sucht zu werden! 7. Geh mir, wo ich bin. und wandle, immerfort mit Hülfe nach, daß ich als ein Christ stets handle; und wird je mein Glaubeschwach, o so hilf mir liebreich auf, daß ich in dem Tugendlauf nimmer wanke, nie ermüde! So erquicke mich dein Friede! 8. Ewig will ich dir es danken, daß du so barmherzig bist, daß auch, wenn wir Schwache wanten, deine Treu beständig ist. Herr, ich hoff es froh und fest, daß sie mich auch nie verläßt. Zu des Himmels Seligkeiten wird sie mich gewiß auch leiten. Mel. Schmücke bich, o liebe S. 234 Schicke dichter löfte Seele, gläubig nach des Herrn Be fehle seinen Mittlertod zu feiern, deinen Dank ihm zu erneuern. Auch für dich hat er sein Leben in den bängsten Tod gegeben, dir auf Beit und Ewigkeiten Heil und Wohlfahrt zu bereiten. 2. Zum Genusfe seiner Gnaden wirst du von ihm eingeladen; eil ihm bemuthsvolt Heiligung. 167 voll entgegen und nimm und dich dankbar froh erheTheil an seinem Segen. Komm getrost, es ist sein Wille, komm und schöpf aus seiner Fülle neuen Muth und neue Triebe zur Verehrung seiner Liebe. ben. Deine Huld ist unermeßlich; Herr, sie sei mir unvergeßlich, daß ich dich aus frommem Triebe thätig ehre, folgsam liebe! 7. Du, dem dort der Frommen Schaaren, die, wie- ich, auch Sünder was ren, ewig Dank und Jubel singen, daß sie hier dein Heil empfingen, laß auch mich einst dahin kommen, daß ich mich mitallen Frommen ewig deiner Huld erfreue und dir einst mein Danklied weihe! 3. Herr, ich komme mit Verlangen, Seelenruhe zu empfangen. Deine Liebe soll mich stärken in dem Fleiß zu guten Werken. Mit den heiligsten Entschlüssen will ich Brod und Wein genießen, mich der Bruderliebe weihen, deines Todes mich erfreuen. 4. O, wie sehnt sich mein Gemüthe, Menschenfreund, nach beiner Güte! Ich ge. siehe, lob dir neue Treue: Herr, mein Herz voll Reue! Meinem kindlichen Begehren wollst du deinen Trost gewähren, meiner Sünden nicht gedenken, mir Gewissensruhe schenken! 5. Ja, ich hoff auf deine Gnade, daß sie mich der Schuld entlade und mit neuer Kraft zum Werke mei= ner Heiligung mich stärke. Was du, da du für uns starbest, Jedem, der Gott sucht, erwarbest, Seelenruh und ewges Leben, wirst du mir gewiß auch geben. 6. Deiner will ich mich stets freuen, ganz mich meis nen Pflichten weihen, nur nach deinem Willen leben Mel. Schon ist der Tag von Gott 235 mit meinem Ich will Herrn bei seinem Mahl erneuern; ich will, von Weltgeschäften fern, heut sein Gedächtniß feiern. Der Tag fei hehr und heilig mir! Froh soll mein dankbar Herz zu dir, Erlöser, sich erheben! 2. Mich führe nicht Ge wohnheit hin, nicht der Betrug der Sünde, als ob ein unbekehrter Sinn dadurch schon Gnade finde. Nein, frei von niedrer Heuchelei, von eitlem Selbstbetruge frei, will ich dein Mahl heut feiern! 3. Zum Eigenthume will ich mich aufs neue dir ergeben; bekennen will ichs öffentlich, dein Sterben sei mein 168 Werke und Wohlihaten Gottes. mein Leben. Solang ich athme, will ich dein und deiner Liebe mich erfreun und sie noch sterbend preisen. 4. Mit Reue will ich meine Schuld vor meinem Gott gestehen und, unwerth seiner Vaterhuld, ihn um Verge bung flehen. Laß mich mit gläubigem Vertraun auf dich, mein treuer Mittler, schaun und Seelenruhe finden. 5. Es sei das Mahl der Liebe mir ein Pfand von Gottes Gnade, daß ich mit frohem Muthe dir folg auf der Tugend Pfade, mich immer meines Vaters freu und voll der frohen Hoffnung sei, den Himmel einst zu erben! 6. Hilf, daß ich, jeder Sünde feind, Gott über Alles liebe, durch dein Verdienst mit ihm vereint, das Gute eifrig übe! Gefällig ist dir dieser Dank; ihn will ich dir mein Leben lang mit reinem Herzen bringen. Mel. Herr, wir fingen 236 Herr, wir feiern niß. Uns freut das heilige Vermächtniß von deinem blutgen Opfertod. Deiner nimmer zu vergessen, nahn wir uns dem Altar und es sen mit Dankgefühl des Bundes Brod. Wir trinken, Herr, mit Dank des Bundes heilgen Trank und geloben vor dir aufs neu der Tugend Treu, daß uns dein Tod stets Segen sei. 2. Zu der Tugend höhern Werken, zur Liebe jedes Herz zu stärken, dazu ward dieses Mahl geweiht. Wie sein Stifter hier zu wandeln, stets liebreich, gut und fromm zu handeln, sind wir ents schlossen und bereit. Reicht, Christen, euch die Hand Wir gehn ins Vaterland beßrer Wesen. Mit Freudigkeit geht im Geleit der Liebe durch Gefahr und Streit! 3. Sie erfüllt mit Muth die Herzen, sic duldet Alles. Denkt der Schmerzen, die Jefus für uns Menschen litt! Laßt uns treu einander lieben, treu jede Liebespflicht uns üben, für sie auch streiten, wie er stritt! Der Menschenliebe weihn bei seinem Brod und Wein wir uns alle. Wer Mitleid übt, gern hilft und gibt, der ifts, der Jesum Christum liebt. 4. Gott zu leben, Gott zu sterben und ſeinen Himmel bens hohes Ziel. Jesu, hilf es uns erringen; hilf Sünd und Lafter uns bezwingen; richt auf den Schwachen, welcher fiel! O stärk uns all im Lauf; schließ uns den Himmel auf wann wir stere ben! Heiligung. ben! Von dir herab strömt Licht ins Grab; wir trock nen unsre Thränen ab. 169 diesem Licht wandeln, ewig dir sich weihen! Laß ihr Herz vom Stolze rein, voll von deiner Demuth sein! Der Chor. 4. Tröste, die in Traurigkeit über ihre Seele wachen: stärke, Herr der HerrMel. Herr, wir fingen 237 Herr, duwollft sie lichkeit, ihren Glauben, hilf den Die gebeugt von ferne stehn, können unerhört nicht flehn. vorbereiten zu deines Mahles Seligkeiten; sei mitten unter ihnen, Gott! Heil und Leben zu empfahen, laß sie, o Sohn, sich würdig nahen, durch dich vergessen Sünd und Tod! Denn nur von Sünde rein sind sie, o Jesu, dein, deine Freunde. Laß, laß sie sehn in jenen Höhn von fern der Ueberwinder Lohn! 5. Nehmet hin und eßt sein Brod! Jesus Christus ward gegeben für die Sünder in den Tod! Nehmt und trinkt! Jhr trinkt das Leben! Hingegeben in den Tod ward er, in der Sünder Tod! Die Gemeinde. Mel. Jesus, meine Zuversicht 1. Die ihr seine Laufbahn lauft, theure, miterlöfte Brüder, all auf Christi Tod getauft, alle seines Leibes Glieder, kommt, Versöhnte, kommt, erneut euren Bund der Seligkeit! 2. Nehmet hin und eßt sein Brod! Jesus Christus ward gegeben für die Sünder in den Tod! Nehmt und trinkt! 3hr trinkt das Leben. Seht, wie er dieSünder liebt, da er selbst sich für sie gibt! 3. Die mit voller Zuversicht deines Heils, o Sohn, sich freuen, laß sie stets in 6. Hoherpriester, Jesu Christ, du bist einmal eingegangen in das Heiligthum, du bist als ein Fluch ans Kreuz gehangen. Also bist da durch den Tod eingegan gen, Sohn, zu Gott! 7. Hoherpriester, ja, du bist auch für diese eingegangen! Sprich sie los, Gott, Jesu Christ, wann sie nun dein Mahl empfangen! Laß sie fühlen: ins Gericht kommen, die da glauben, nicht! 8. Augenblick voll heilgen Grauns, voller Wonn und süßen Bebens! Theures Pfanddeskünftgen Schauns, Ueberzeugung jenes Lebens! Schütte deine Gnab auf sie, alle deine Gnad auf sie! 9. Nehmet hin und eßt sein Brod! Jesus Christus $ ward Werke und Wohlthaten Gottes. 170 ward gegeben für die Sünder in den Tod! Nehmt und trinkt! Ihr trinkt das Leben! Hingegeben in den Lod ward er, in der Sünder Tod! Der Chor. 2. Nehmt hin und eßt zum ewgen Leben. Nehmt hin und trinkt zum ewgen Leben! Der Friede Christi sei mit euch! Nehmt und eßt zum ewgen Leben! Nehmt hin und trinkt zum ewgen Leben! Ererbt, ererbt des Mittlers Reich! Wacht! Eu re Seele sei bis in den Tod getreu! Amen! Amen! Der Weg ist schmal; klein ist die Zahl der Sieger, die der Richter frönt! Die Gemeinde. 10. Jesu Chrifti Mittlertod werd in aller Welt verkündigt! Jesu Christi Mittlertod, der vorm Richter uns entsündigt! Jesus Christ, mit Preis gekrönt, hat uns Staub mit Gott versöhnt. 11. In das Chor der Himmel schwingt, Herr, sich unser stammelnd Lallen. Wenn, vo Seligen umringt, wir vor dir einst niederfallen, singt ein beßrer Lobgesang für dein Sterben Preis und Dant. 12. Ausgeschüttet warest du, warst, wie Wasser hingegossen; suchtest, fandest keine Ruh! Deine Todes wunden flossen, strömten über, ach, vom Blut, deines großen Opfers Blut! 13. Nehmet hin und eßt sein Brod! Jesus Christus ward gegeben für die Sün der in den Tod! Nehmt und trinkt! Ihr trinkt das Leben! Hingegeben in den Tod ward er, in der Sünder Tod! 14. Deiner Zunge Durst war heiß, heißer noch der Durst der Seele. Müd, in deines Todes Schweiß hing dein Leib, und deine Seele lechzte schmachtender zum Herrn! Doch schien seine Hülfe fern. 15. O wie warst du fürch terlich, Tod der Sünder! Sterben, sterben sollte der Versöhner, dich, dich zu ret ren vom Verderben! Ewig fassen dein Gericht endliche Gedanken nicht. 16. Jesus rief: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? starb darauf den Kreuzestod. Wer kann diese Liebe fassen? Fluch und Tod sind nun nicht mehr. Gebt, ach, gebt dem Mittler Ehr! 17. Nehmet hin und eßt sein Brod! Jesus Christus ward gegeben für die Sün der in den Tod! Nehmt und Heiligung. 171 und trinkt! Jhr trinkt das Mel. Schmücke dich, o liebe Seele eiland Leben! Hingegeben in den Tod ward er, in der Sünder Tod! 239 groß an Huld und Treue, sieh, ich widme dir aufs neue bei dem Denkmal deiner Liebe dieß mein Herz voll heißer Triebe, dir in mei nem Lauf auf Erden immer dankbarer zu werden und an deines Segens Gaben auch auf immer Theil zu haben. 2. Laß dieß Opfer dir ge fallen! Du versprichst ja selbst es Allen, die nach deinem Heil verlangen, daß sie Gnad um Gnad empfangen und, wenn sie dich lieben wollen, Kraft dazu empfangen sollen. O wie könntest du das Flehen meines Herzens denn verschmähen? Der Chor. 3. Die dein Kreuz in jenen Tagen der Märtyrer dir nachgetragen, verließen oft das Bundesmahl, um vorm Blutgericht zu stehen, mit dir bis in den Tod zu gehen, voll Freuden in des Todes Qual! Gib, Herr, Beständigkeit auch uns; nicht Lust, nicht Leid laß uns scheiden von dir, daß treu die Seele sei dir, der uns bis ans Kreuz geliebt. Mel. Wer nur den lieben Gott 238 Ni Jimm hin den Dank für deine Liebe, erhabner Mittler, Jefu Chrift! Gib, daß ich nun mit Freuden übe, was dir, Herr, wohlgefällig ist: Es müsse deines Todes Bein mir immerdar zum Segen sein! 2. Heil mir! dein Brod ward mir gebrochen; ich trant, Herr, deines Bundes Wein. Von Herzen hab ich dir versprochen, dir bis zum Tode treu zu sein; und feierlich gelob ichs dir: sei du nun Hülf und Bei stand mir! 3. Nein, ich trau auf dein Versprechen, Herr, du kannst es mir nicht brechen; denn du siehest mein Bestreben, nur nach deinem Wort zu leben. Stärke mich denn zum Genusse deines Heils in dem Entschlusse, dich und deine heilgen Lehren mit Gehorsam zu verehren! 4. Diesen Dank für deine Liebe, wenn ich den dir schuldig bliebe, wie verwerflich würd ich handeln, wie der Huld zuwider wandeln, die dich trieb, auch mir zum Leben in den Tod dich hinzugeben! Welche Qualen im Gewissen würd ich einmal fühlen müssen! 5. Nein, $ 2 172 Werke und Wohlthaten Gottes. 5. Nein, so strafbar, so vermessen will ich nie der Pflicht vergessen, die dir, Herr, von mir gebühret, die zum wahren Heil mich führet. Ewig dir nur anzuhangen ist mein sehnlichstes Verlangen. Hilf du selbst nur meiner Seele, daß sie nicht das Ziel verfehle! 6. Bringe mich durch deine Gnade auf des wahren Glaubens Pfade immer näher zu dem Ziele, wo ich ganz mich selig fühle. Laß indes: sen mich hienieden deinen mir erworbnen Frieden immer reichlicher genießen, bis sich meine Tage schließen. 3. Hier ist dein Leib, hier ist dein Blut, für mich da hingegeben; du starbst, der ganzen Welt zu gut; erwarbst auch mir das Leben. Ich eß das Brod, ich trink den Wein, um ganz mit dir vereint zu sein, um ganz für dich zu leben. 4. O laß mich deines Mahles Kraft in meinem Glauben stärken! Die Zuversicht, die es verschafft, treib mich zu guten Werken, zum Eifer in der Heiligung, zur wah ren Herzensbesserung, zum Kampf mit bösen Lüsten! 5. Wie? sollt ich diesen Lüften noch zu meiner Schan de dienen? Ich trüge noch ihr sclavisch Joch? Ich soll. te mich erfühnen, den Hei land, der für mich auch Mel. Wann mein Stündlein 240 Heiland, des starb, mir Gnade, Troft und Heil erwarb, durch Sünden zu verläugnen? sen hohen Werth des Sünders Herz empfindet, der reuvoll sich zu Gott bekehrt, auf dich sein Heil nur gründet; auch ich, ich Sünder suche dich, erbarme dich auch über mich und laß mich Gnade finden! 6. Nein, göttlicher Erretter, nein, laß mich das Böse hassen, mich jeden Reiz der Sünde scheun und Muth zum Kampfe fassen, dein Mahl nicht unbekehrt ent weihn 2. Ich nehm an deinem Segen Theil; daß ich nicht trostlos bliebe, reichst du auch mir zu meinem Heil dein Mahl, dieß Pfand der Liebe. Ich nehm es und empfinde dann, wie viel du auch für mich gethan, wie viel, mich zu beglücken. 7. O wie wird mein Herz sich freuen! Welchen Jubel wird dirs weihen, wenn du mich dorthin erhebest, wo du ewig herrschend lebest! Nichts wird dann mich weiter stören, dankvoll, Heiland, dich zu ehren; und du wirst mich mit den Freuden deines Himmels ewig weiden. Heiligung. 173 saß dich betrüben, Alles, was du liebest, lieben. Doch ich kenne meine Schwäche, Jesu, da ich dieß verspreche. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele brochen, was ich heute dir Morgen ist wohl schon ge241 Herr, der du dein versprochen. theures Leben für mich in den Tod gegeben, mich soll deine Liebe dringen, deinen Willen zu vollbringen; drum komm ich, von dir geladen, zu dem Mahle deiner Gnaden, dir ganzes hen und den Bund heut zu erneuen. weihn und den Entschluß, dir treu zu sein, mit Freudigkeit vollbringen. 2. Ja, dir schwör ichs, mein Befreier von dem Tode, hoch und theuer, dich will ich mit allen Trieben meiner ganzen Seele lieben; immer will ich mich bestreben, nur nach deinem Sinn zu leben; mich soll weder Lust, noch Leiden, Herr, von deiner Liebe scheiden! 3. Jch gelob aus treuem Herzen, meiner Brüder Noth und Schmerzen täglich brüderlich zu lindern, Elend, wo ich kann, zu mindern. Ich gelobe dir mit Freuden auch das Unrecht still zu leiden, ungeduldig nie zu tlagen, an Gott niemals zu verzagen. 4. Was du hassest, will ich hassen, ganz von dir mich leiten lassen; nie mit Vorund stärke mich zu jedem 5. Darum hilf du mir eile, mich vom Bösen, das guten Werke; komm und ich thun will, zu erlösen; Sünden, den, ach, den mir Reiz der Folgen schrecken und der überwinden; laß mich ihre Unschuld Freuden schmecken! 6. Laß mich deine Treu ermessen, deine Liebe nie vergessen! Laß mich, weich ich ab vom Guten, Herr, dich sehn am Kreuze bluten! Liebe schlug dir deine Wunden; das soll mich in dunkeln Stunden, wenn mich Angst und Zweifel drücken, mit erhabnem Trost er quicken. 7. Gib, daß ich und alle Christen sich auf deine Zus kunft rüsten, daß, wenn heut dein Tag schon käme, feiner, Herr, vor dir sich schäme! Großes Abendmahl der Frommen, Tag des Heils, wann wirst du kommen, daß wir mit der Engel Chören, Herr, dich sehn und ewig ehren? 5 3 174 Unsterblichkeit und Vergeltung. ( Nach der Kommunion.) Mel. Wie groß ist des Allmächtgen Güte. ist nun die heilge Feier; verkündigt ward von 242 Vollbracht Unsterblichkeit uns dein Tod. Herr, dein Gedächtniß sei uns theuer und unvergeßlich dein Gebot! Laß nie des Himmels Vorgefühle in uns erkalten und vergehn; laß würdig einst am Kronenziele, Herr, deine Herrlichkeit uns sehn! und Vergeltung. und Leben, o dann verlaß mich nicht! Tod. Mel. Befiehl du deine Wege 243 Die ie auf der Erde wallen, die Sterblichen sind Staub. Sie blühen auf und fallen, des Todes fichrer Raub. Verborgen ist die Stunde, da Gottes Stimme ruft; doch jede, jede Stunde bringt näher uns zur Gruft. 2. Getrost gehn Gottes Kinder die öde, dunkle Bahn, zu der verstockte Sünder verzweiflungsvoll sich nahn, wo selbst der freche Spöts ter nicht mehr zu spotten wagt, vor dir, vor seinem Retter, erzittert und verzagt. 3. Wann diese Bahn zu gehen, dein Will einft mir gebeut; wann vor mir offen stehen Gericht und Ewigkeit; wann meine Kräfte beben und nun das Herz mir bricht: Herr über Tod 4. Hilf, Todesüberwinder, mir dann in meiner Angst, der du zum Heil der Sünder selbst mit dem Tode rangst! Und wann des Kampfes Ende gewal tiger mich faßt, nimm mich in deine Hände, den du erlöset haſt! 5. Des Himmels Wonn und Freuden ermißt fein sterblich Herz. D Trost für kurze Leiden, für kurzen Todesschmerz! Dem Sündenüberwinder sei ewig Preis und Dank! Preis ihm, der für uns Sünder den Kelch des Todes trank! 6. Heil denen, die auf Erden sich schon dem Him. mel weihn, die aufgelöst zu werden, mit heilger Furcht sich freun! Bereit, es ihm zu geben, wenn Gott, ihr Gott, gebeut, gehn sie ge trost durchs Leben hin zur Unsterblichkeit. Mel. Tod. 175 Mel. Was Gott thut, das ist Gott geboren. Für ihn ist, 244 Nur kurz ist hier kämpft er nur als Held, die mein Aufenthalt; ich bleibe nicht auf Erden. Das Herz, das jetzt noch kräftig wallt, wird einst entkräftet werden. Zer rüttet sinkt, wann Gott mir winkt, mein Staub zum Staube nieder; mich selbst erhebt Gott wieder. Krone nicht verloren. Er tritt hervor und schaut empor; die Krone strahlt im Himmel, hier nicht im Erdgetümmel. 6. So kämpfe denn, mein froher Geist! Sei muthig: du wirst siegen. Nur deines Leibes Band zerreißt; du selbst wirst nicht erliegen. Dein Lebensquell fließt ewig hell; er tränkt nach kurzen Leiden dich mit des Siegers Freuden. 7. Nur kurz ist hier dein Aufenthalt. O Dank dem Freudengeber! Wer weiß, wie bald die Stimme schallt: Verlaß das Land der Gräber! Dein Vaterland ist dir bekannt; o sei nur gut und weise und rüste dich zur Reife! 2. Ich selbst bin mehr, weit mehr, als Staub; er ist nur meine Hülle. Ich selbst bin nicht des Todes Raub; ein Geist hat Le bensfülle. Wenn auch die Welt in Trümmer fällt, er jauchzt, daß er noch lebet und aus den Trümmern schwebet. 3. Was fürcht ich denn des Todes Macht? Sie fann mich nicht erreichen. Was kümmert mich des Grabes Nacht? Sie muß demTageweichen. OTag des Danks, Mel. Jesus, meine Zuversicht des Preisgesangs! Wann 245 Wie im Herb das wirst du Blicken das dunkle Thal entrücken? 4. Hier glänzt noch nicht mein höchstes Ziel. Was kann die Erde geben? Sie gibt, und gäb sie noch so viel, fein reines Freuden leben. Mein Geist begehrt, was ewig währt und ihn auch dann erheitert, wenn alles Andre scheitert. Laub, wirst du einst, mein Leib, zerfallen; wirst zerstäuben, Staub zu Staub, und wie leicht Gewölk verwallen, ruhen in des Grabes Schoos, jedes Erdentummers los. 2. Doch nicht für die Erde nur gab der Vater mir das Leben: ich bin höherer Natur, soll vom Staube mich erheben; hier ist nur $ 4 mein 5. Er ist ein Glied der höhern Welt; er ist von 176 Unsterblichkeit und Vergeltung. mein Uebungsstand; jenseits Mel. Alle Menschen müssen sterben ist mein Vaterland. 246 Dir zu leben, dir zu sterben, ewig, Vater, dein zu sein, mit des Himmels frommen Erben hier schon deiner mich zu freun und mit ruhigem Gewissen einst mein Auge sanft zu schließen, diese Gnade wünsch ich mir; sie erbitt ich mir von dir! 2. Daß ichs könne, laß mich streben, frei von Wahn und glaubensvoll und gerecht vor dir zu leben und zu leisten, was ich soll! Ja, mein Gott, gib Licht und Stärke, daß im Fleiße guter Werke ich beständig dir getreu, jeder Tugend Vorbild sei! 3. Jenseits überm Staub beginnt erst mein echtes, wahres Leben; dort erst reift zum Mann das Kind, dort erst werd ich mich er heben zu der Tugend, die nicht fehlt, Irrthum für Wahrheit wählt. nicht 4. Dort erst ist mein Auge nicht trüb und schwach mehr für die Wahrheit; dort umgibt mich reines Licht: dort wird Alles mir zur Klarheit; dort erscheint mir unverhüllt sie, die Wahrheit, nicht ihr Bild. 5. Auf der immer lich tern Bahn seh ich dann mit hellern Blicken, was, Erbarmer, du gethan, Menschen ewig zu beglücken. Dunkel war mir hier dein Plan; dort bet ich ihn freudig an. 6. Jauchs, o Seele, fühle dich! Einst schwingst du dich auf vom Staube! Heil mir! einst belohnet mich, wenn er thätig war, mein Glaus be. Furchtbar ist mir nicht der Tod, wenn ich that, was Gott gebot. 7. Ohne Furcht und ohne Graun werd ich ihm entgegengehen, werde Gott anbetend schaun, werde, wie er ist, ihn sehen, weil mein Tod durch Jesum Christ Eingang in den Himmel ist. 3. Allen will ich nüßlich werden, ungehorsam teiner Pflicht, nie ein Aergerniß auf Erden, auch nach mei nem Tode nicht. Seelen noch nach seinem Sterben ihre Freuden zu verderben, sie zu reizen, dich zu fliehn, welch ein Fluch! wie fürcht ich ihn! 4. O wer wollte nicht auf Erden immer streben, gut zu sein, um ein Denkmal einst zu werden, deß sich die Gerechten freun? Ja, ich will die Sünder locken, daß sie nie ihr Herz verstocken und mit mir zum Ziele gehn, deine Herrlichkeit zu sehn. 5. Daß 177 glücken, den Kampf zu überstehn. Im gläubigen Ent zücken laß meine Seele fehn, wie im Gericht für Sünder du mit dem Tode rangst und wie du, Ueberwinder, allmächtig ihn bezwangst. 4. Der frohe Siegsges danke: wo ist dein Stachel, Tod? stärk mich, daß ich nicht wante in meiner Todesnoth! So ist, obgleich ich sterbe, doch Sterben mein Gewinn. Ich bin des Himmels Erbe; dein Wort sagt, daß ichs bin. 5. Du schriebst ins Buch des Lebens auch meinen Namen ein. Dein Blut kann nicht vergebens für mich vergossen sein, Dir trauet Mel. Valet will ich dir geben 247 Gern will ich meine Seele, dich lobt, was in mir meiner Seele, der du die Liebe bist. mich ergeben, dich zu verlassen, Welt: ich geh zum bessern Leben, sobald es Gott gefällt. Was wärs, das mich betrübte? Dort den meine Seele liebte, noch eh ich ihn gesehn. 2. Er ruft zur Zeit der Schmerzen uns voll Erbarmen zu: Kommt her, beladne Herzen, zu mir und findet Rub! Dieß Wort aus deinem Munde laß, Herr, mich zu erfreun, in meiner legten Stunde mir Geist und Leben sein! 3. Mit dir muß es mir LOD. 5. Daß auch, was ich hinterlasse, nie zur Ungerechtigkeit, nie zu Zank und bitterm Hasse meinen Erben Reiz verleiht, will ich früh schon weislich sorgen; denn mein Tod ist nicht verborgen. Freudig scheid ich von der Welt, hab ich so mein Haus bestellt. 6. In den letzten Augen blicken sei mein Herz von Sorgen frei! Sagen müss ich voll Entzücken: Du, mein Vater, stehst mir bei, du, dem ich nun meine Seele und die Meinigen befehle. Welch ein Ende! Guter Gott, gib mir einen solchen Tod! Mel. Nun lasset uns den Leis 248 Wie sicher lebt der Staub! Sein Leben ist ein fallend Laub: und dennoch schmeichelt er sich gern, der Tag des Todes sei noch fern. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, der Mann noch seiner Jahre viel, der Greis zu vielen noch ein Jahr, und keiner nimmt den Irrthum wahr. 3. Sprich nicht: ich denk $ 5 in Unsterblichkeit und Vergeltung. 178 in Glück und Noth, im Herzen oft an meinen Tod. Der, den der Tod nicht weis ser macht, hat nie mit Ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur Ewigkeit, zu thun, was uns der Herr gebeut; und unsers Lebens kleinster Theil ist eine Frist zu unserm Heil. 5. Der Tod rückt Seelen vors Gericht; da bringt Gott Alles an das Licht und macht, was hier vers borgen war, den Rath der Herzen offenbar. 6. Drum, da dein Tod dir täglich dräut, so sei stets wachsam und bereit, prüf deinen Glauben als ein Christ, ob er durch Liebe thätig iſt. 7. Ein Seufzer in der leßten Noth, ein Wunsch, durch des Erlösers Tod vor Gottes Thron gerecht zu sein: dieß macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, ihr folgt und sich vom Bösen kehrt, ein gläubig Herz, von Lieb erfüllt, dieß ist es, was in Christo gilt. 9. Die Heiligung erfordert Müh; du wirkst sie nicht, Gott wirket sie. Du aber ringe stets nach ihr, als wäre sie ein Werk von dir! 10. Der Zweck, zu wel chem du hier lebst, dein Ziel, wonach du weise strebst, und was dir ewig Heil verschafft, ist: Tugend durch des Glaubens Kraft. 11. Ihr alle seine Tage weihn, heißt eingedenk des Todes sein; und wachsen in der Heiligung ist wahre Todserinnerung. 12. Wie oft vergeß ich diese Pflicht! Herr, geh mit mir nicht ins Gericht: drück tief des Todes Bild mir ein und laß es in mir wirksam sein! 13. Daß ich mein Herz mit jedem Tag vor dir, o Gott, erforschen mag, ob Liebe, Demuth, Fried und Treu' die Frucht des Geistes in mir sei: 14. Daß ich zu dir um Gnade fleh, stets meiner Schwachheit widersteh und freudig durch des Glaubens Macht im Tode ruf: Es ist vollbracht! Mel. Wann mein Stündlein 249 Du wirst, o Ba für mein Wohl auch einst im Tode sorgen: nur wann und wie ich sterben- soll, das hast du mir verborgen. Mein Ende steht allein bei dir. Erhalte nur den Glauben mir, daß du es weislich ordnest! 2. Gib, daß ich meine Höch höchste Lust an meinem Heiland habe und, seiner Liebe mir bewußt, ihm folge bis zum Grabe! Auf ihn, der für die Sünder starb und Trost und Hoffnung mir erwarb, laß freudig mich vertrauen! 200. 3. Die Kraft, zu denken, bleibe mir, wenn du willst, bis ans Ende, damit mein Geist sich stets zu dir und wende und voll Gedanken, Gott, an dich zulegt von diesem Leibe sich getrost und ruhig scheide. 4. Soll ich gewaltsam, o mein Gott, und schnell und angstvoll sterben; so führe nur auch dieser Tod mich zu des Himmels Erben! Ach, hilf nur, daß ich alle zeit zur Rechenschaft vor dir bereit als Christ die Welt verlasse! 5. Empfind ich keine Freudigkeit, entweicht in großen Schmerzen die Stille der Gelassenheit aus meinem bangen Herzen; dann, guter Vater, rechne du die Schwachheitsfehler mirnicht zu, die ich begehen könnte! 6. Nimm auch verborgne Seufzer an und laß, wenn ich nicht beten, nicht dens ten und empfinden kann, mich deinen Sohn vertre ten! Geheiligt müss ich dir nursein; dann bin ich, Gott, 179 mein Vater, dein im Leben und im Tode! 7. Ja, bleib ich immer, wo ich bin, nur dir, o Herr, ergeben, dann ist der Tod nur mein Gewinn und Christus ist mein Leben. Und geh ich nur zum Himmel ein, so will ich mich des Endes freun, ich sterb auch, wie du wolltest! Mel. Wer nur den lieben Gott 250 m ob erhech will dich noch ben, selbst nah am Grabe preis ich dich: zum Segen gabst du mir mein Leben; nimmst du es mir, du segnest mich. Mein Leben sucht ich dir zu weihn; mein Tod soll auch dir heilig sein. 2. Gott, welche feierliche Stunden, wann du mich nun der Erd entziehst, auf den, voll schonender Erbarmich, den du getreu befunmung siehst! Allmächtiger, in dein Gericht gehst du mit mir Erlösten nicht. 3. Der Leib wird schwach, die morsche Hütte, in der mein Geist hier wohnt, zerfällt; ich eile hier mit je dem Schritte entgegen einer bessern Welt. Ich bin getrost und zittre nicht; denn Gott ist meine Zuversicht. 4. Wie sollt ich vor dem Tode beben, da du für mich, mein Heiland, starbst? Er ist 56 durch Unsterblichkeit und Vergeltung. 180 dich der Weg zum Leben, das du am Kreuze mir er warbst. Du gingst voran: ich folge dir; zum Leben wird der Tod auch mir. 5. Laß Qual und Leid mein Grab umringen und mit dem letzten Schrecken dräun; du halfft mir, Herr, die Welt bezwingen; den Tod darf ich mit dir nicht scheun. So nah dem Lohn, den Gott verspricht, so nah am Ziele sink ich nicht. 6. Du wachest über meine Seele, wenn ihre Stärke sich verliert; gibst deinem Engel schon Befehle, der sie zu deinen Freuden führt, des Todes Nacht um mich verscheucht und mir des Lebens Krone reicht. 7. Ich will dich noch im Tod erheben, Herr, noch am Grabe preis ich dich; denn ewig werd ich bei dir leben und ewig freu ich dei ner mich. Durch dich ist Sterben mir Gewinn! Wohl mir, daß ich erlöset bin! 2. Schnell und unaufhaltbarfliehn die mir zugezählten Stunden. Wie ein Traum sind sie dahin und auf ewig dann verschwunden. Dieser Augenblick ist mein: wird es auch der künftge sein? mir zum Heil, noch Zeit in Händen, gib, daß ich stets eifrig sei, sie auch weislich anzuwenden; denn wer weiß, wie bald zur Gruft deiner Vorsicht Wink mich ruft! 3. Laß mich bei der Flüchtigkeit meiner Tage nie vers gessen, wie unschäßbar sei die Zeit, die du, Herr, uns zugemessen, wie, was hier von uns geschieht, ewge Folgen nach sich zieht. 4. Reize mich dadurch zum Fleiß, eh die Zeit des Heils mir zur fahrt, dir zum Breis, jede Stunde auszukaufen, die zu meiner Seligkeit deine Gnade mir verleiht! 5. Deine schonende Geduld trage hier mich nicht vergebens! Herr, verzeihe mir die Schuld, wenn ich manchen Theil des Lebens nicht zu meiner Seele Wohl so benußte, wie ich soll! 6. Laß mich meine Besse rung für mein Hauptgeschäfte achten und nach meiner Heiligung mit so treuem Mel. Jesus, meine Zuversicht err, ich hab aus 251 als erwartete noch heut mich Gericht und Ewigkeit. 7. Deine Gnade steh mir bei, daß mein Leben auf der Erde reich an Tugendfrüchten sei und ich reif zum Himmel werde! Nas het LOD. het dann mein Ende sich, o so stärk und tröste mich! Mel. Dein sind wir, Gott 252 Mein Leben steht Hand; er thut, was er mir heilsam fand! Er zählte mir, sowie mein Haar, schon eh ich war, auch meine Lebensstunden dar. 2. Jch nüße mit Zufries 253 Mei denheit die Tage meiner Sterblichkeit. Wie väterlich versüßt sie Gott! Doch Müh und Noth sind ihr Gefolg und dann der Tod. 3. Die Blume pranget und fällt ab; so blüht der Mensch und sinkt ins Grab. Nicht Jugend schüßt, nicht Stand, noch Geld; Nichts in der Welt ist, was ihn davor sicher stellt. 4. Wer rüstet mish mit Muth und Kraft aufs Ende meiner Pilgerschaft? Und wer beruhiget mich hier? Allein von dir, o Herr, kommt Muth und Ruhe mir. 181 dein Wort: Gott, unser Hort, vereint uns bald auf ewig dort. 7. Den Trost, o Jesr, dank ich dir; du brachteſt vom mir. hasts verheißen: ihr seid mein, auch ihr sollt sein, wo ich bin, und euch ewig freun. 5. Du bringst mich, bin ich nur bereit, zum sichern Glück der Ewigkeit, wo man des kurzen Grams vergißt, wo mancher Christ schon froh vorangegangen ist. 6. Froh werd auch ich, wenn dirs gefällt, ein Bürger der vollkommnen Welt. Den Meinen sag ich auf Mel. Jesus, meine Zuversicht eine Lebenszeit verstreicht; stündlich eil ich zu dem Grabe. Und wie wenig ists vielleicht, das ich noch zu leben habe? Dent, o Mensch, an deinen Tod, säume nicht, denn Eins ist Noth. 2. Lebe, wie du, wann du stirbst, wünschen mußt, gelebt zu haben! Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben; Nichts wird dich im Tod erfreun; diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Jesum liebt, nur ein ruhiges Gewissen, das vor Gott dir Zeugniß gibt, wird dir deinen Tod versüßen; dieses Herz, von Gott erneut, gibt im Tode Freudigkeit. 4. Wenn in deiner letzten Noth Freunde hülflos um dich beben, dann wird über Welt und Tod dich dieß reine Herz erheben; dann erschreckt dich kein Gericht: Gott ist deine Zuversicht. 57 5. Daß 182 untervnareit uno Bergeltung. 5. Daß du dieses Herz erwirbst, fürchte Gott und bet und wache. Sorge nicht, wie bald du stirbst; deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur den Tod nicht scheun, lern auch seiner dich erfreun! 6. Ueberwind ihn durch Vertraun, sprich: ich weiß, an wen ich glaube; weiß, ich schwinge, Gott zu schaun, mich empor einst aus dem Staube. Er, der rief: Es ist vollbracht! nahm dem Tode seine Macht. 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, siehe dein Gebein versenken; sprich: Herr, daß ich Erde bin, lehre du mich selbst bedenken; lehre du michs jeden Tag, daß ich weiser werden mag! mache du mich stets bereit hier in der Zeit zur Ewigfeit! 3. Mein Gott, ich weiß nicht, wie ich sterbe, dies weil der Tod viel Wege hält. Dem Einen wird das Scheiden herbe, sanft geht ein Andrer aus der Welt. Doch, wie du willst; gib nur dabei, daß ich wohl zubereitet sei. 4. Mein Gott, ich weiß nicht, wo ich sterbe, und welcher Sand mich einst bedeckt. Doch wenn ich nur den Trost ererbe, daß mich dein Ruf zum Leben weckt, so mag es nahe, ferne sein: die Erd ist allenthalben dein. 5. Drum, liebster Gott, wenn ich einst sterbe, so nimm du meinen Geist zu dir! Bin ich durch deinen Sohn dein Erbe und hab ich ihn im Glauben hier, so gilt mirs gleich und geht mirs wohl, wann, wo und wie ich sterben soll. Mel. Wer nur den lieben Gott 254 Mei ein Gott, ich weiß wohl, daß ich sterbe; ich bin ein Mensch, der bald vergeht, und finde hier kein solches Mel. Mein ganzer Geist, Gott Erbe, das ewig dauert und 255 Wie wird mir in Gnaden an, wie ich recht selig sterben kann! 2. Mein Gott, ich weiß nicht, wann ich sterbe; kein Augenblick geht sicher hin. Wie bald zerbricht doch eine Scherbe; die Blume muß gar schnell verblühn. Drum o mir sein, wann ich, mich ganz des Herrn zu freun, in ihm entschlafen werde? Von keiner Sünde mehr entweiht, entladen von der Sterblichkeit, nicht mehr der Mensch von Erde! Freu dich innig, meine Seele, und era LOD. 183 noß der Ewigkeit, nicht mehr der Mensch von Erde! Heilig! heilig! heilig! singen wir dir, bringen Preis und Ehre! Dir, der war und sein wird, Ehre! erwähle schon hienieden, was dir dient zum ewgen Frieden. 2. Besiege denn des Todes Graun, mein Geist; er ist ein Weg zum Schaun, der Weg im finstern Thale. Er sei dir nicht mehr fürchterlich! Ins Allerheiligste führt Mel. Christus, der ist mein Leben bich der Weg im finstern 256 Jeben zu meis geh einst ohne Thale. Gottes Ruh ist unvergänglich, überschwänglich! Die Erlösten wird sie unaussprechlich trösten. nem Tode hin: denn Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn. 3. Herr, Herr, ich weiß die Stunde nicht, die mich, wenn nun mein Auge bricht, zu deinen Todten sammelt. Vielleicht umgibt mich ihre Macht, eh ich dieß Flehen noch vollbracht, mein Lob dir ausgestammelt. Vater, Vater, ich befehle meine Seele deinen Händen; laß mich meinen Lauf gut enden! 4. Vielleicht sind meiner Tage viel, ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, an dem die Krone schimmert. Bin ich von meinem Ziel noch weit, die Hütte meiner Sterb: lichkeit, wird sie erst spät zertrümmert; laß mich, Vater, reiche Saaten guter Thaten dann begleiten vor den Thron der Ewigkeiten! 5. wird mir M: 1. Wann mein Stündlein o bann mir ſein, wann ich, 257 Wenn meine Zeit mich ganz des Herrn zu freun, ihn dort anbeten werde? Von keiner Sünde mehr entweiht, ein Mitges vorhanden ist, von dieser Welt zu scheiden, ach, so verlaß, Herr Jesu Christ, mich nicht in meinem Leiden! An meinem End empfehl 2. Ich scheue nicht die Schrecken der nahen dunkeln Gruft; Gott wird mich auferwecken, der mich zum Grabe ruft. 3. Und rief mich, abzuscheiden, auch heute schon mein Gott, so geh ich hin mit Freuden und sterb auf sein Gebot. 4. Ich hoff ein beßres Leben, das nimmermehr verfließt. Ein Leib wird mich umgeben, der ewig herrlich ist. 5. Dann eil ich dir entgegen, mein triumphirend Haupt, und seh entzückt den Segen des Heils, das ich geglaubt. 184 Unstervitutett und Bergeltung. pfehl ich dir, Herr, meine Seele, die du hier zum Himmel hast gebildet. 2. Wenn Angst und To: desfurcht mich drückt, mich mein Gewissen naget, ſo wird mein Herz mit Trost beglückt, das sonst voll Unruh zaget. Mich tröstet in der legten Noth dein Leiden und dein Kreuzestod, dadurch du mich erlöset. 3. Ich bin, o Herr, mit dir vereint; deß freu ich mich von Herzen; ich weiß, du bleibest auch mein Freund in Todesnoth und Schmerzen. Und sterb ich, o so sterb ich dir; die frohe Hoffnung hast du mir durch deinen Tod erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, werd ich einst auferstehen, ins Reich, das mir verheißen ist, aus meinem Grabe gehen; denn wo du bist, soll ich auch sein und deiner Herrlichkeit mich freun, die dir dein Gott gegeben. 5. So wird mein Ster ben mir versüßt; der Tod kann mich nicht schrecken: er ist ein Schlaf auf kurze Frist, und Jesus wird mich wecken. Er, mein Erlöser, Gottes Sohn, wird mich mit sich zu Gottes Thron ins ewge Leben führen. Mel. Herr, wir singen deiner 258 Selig find die Himmels Erben, die Todten, die im Herren sterben, zur Auferden legten Augenblicken des stehung eingeweiht. Nach Todesschlummers folgt Ente zücken, folgt Wonne der Unsterblichkeit. Im Frieden ruhen sie frei von der Erde Müh. Gelobt sei Gott! Vor seinem Thron, zu seinem Sohn begleiten ihre Werke sie. In eigener Melodie. 259 Was as sorgst du ängstlich für dein Leben? Es Gott gelassen übergeben ist wahre Ruh und deine Pflicht. Du sollst es lieben, weislich nüßen, es dankbar als ein Glück besigen, verlieren, als verlörst du's nicht. 2. Der Tod soll dich nicht traurig schrecken, doch dich zur Weisheit zu erwecken, soll er dir stets vor Augen sein. Er soll den Wunsch zum Leben mindern, doch dich in deiner Pflicht nicht hindern, vielmehr dir Kraft dazu verleihn. 3. Ermattest du in deinen Pflichten, so laß den Tod dich unterrichten, wie wenig deiner Tage sind. Sprich: sollt ich Gutes wohl verschieben? Nein; meine Tod. meine Zeit, es auszuüben, ist kurz und sie verfliegt geschwind. 4. Denk an den Tod, wenn böse Triebe, wenn Lust der Welt und ihre Liebe dich reizen, und ersticke sie. Sprich: kann ich nicht noch heute sterben? Und könnt ich auch die Welt erwerben, der Sünde Lockung folg ich nie. 5. Denk an den Tod, wenn Ruhm und Ehren, wenn deine Schäße sich vermehren, daß du sie nicht zu heftig liebst. Denk an die Eitelkeit der Erden, daß, wenn sie dir entrissen werden, du dann dich nicht so sehr betrübst. 8. Denk an den Tod, wenn Leiden kommen. Sprich: alle Trübsal eines Frommen ist 185 zeitlich und im Glauben leicht. Ich leide; doch von allem Bösen wird mich der Tod bald, bald erlösen; er ists, der mir die Krone reicht. 9. Denk an den Tod, wenn freche Rotten des Glaubens und der Tugend spotten und Laster stolz ihr Haupt erhöhn. Sprich bei dir selbst: Gott trägt die Fre chen: doch endlich kommt er, sie zu rächen, und plößlich werden sie vergehn. 10. Denk an den Tod zur Zeit der Schrecken, wenn Pfeile Gottes in dir stecken; du rufft, und er antwortet nicht. Sprich: nein, mich kann der Herr nicht hassen, er wird mich sterbend nicht verlassen; dann zeigt er mir sein Angesicht. 6. Denk an den Tod bei frohen Tagen. Kann deine Luft sein Bild vertragen, so ist sie gut und unschulds voll. Sprich, dein Vergnügen zu versüßen: welch 7 Glück werd ich erst dort genießen, wo ich unendlich leben soll! 7. Denk an den Tod, wenn deinem Leben das fehlt, wonach die Reichen stre ben. Sprich: bin ich hier, mel. Wer nur den lieben Gott um reich zu sein? Heil 260 Wer weiß, wie mir, ich Christo sterbe! Dann ist ein unbe flecktes Erbe, dann ist des Himmels Reichthum mein. nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod. Ach, wie geschwind, ach wie behende kann kommen meine Todesnoth! Gott, gebe dann mir Kraft und Muth 11. So suche dir in allen Fällen den Tod oft lebhaft vorzustellen, so wirst du ihn nicht zitternd scheun, so wird er dir ein Trost in Klagen, ein weiser Freund in guten Tagen, ein Schild in der Versuchung sein. 186 Muth und machs mit mei nem Ende gut. 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war; solang ich lebe auf der Erden, leb ich in steter Todsgefahr. Ich, der ich jest gesund noch bin, sink, ch ichs denke, kraftlos hin. 3. Herr, lehr mich stets ans Ende denken und laß mich, eh ich sterben muß, das Heil der Seele wohl bedenken und nicht verschieben meine Buß; denn je ner ernste Augenblick bestimmt mein ewiges Geschick. 4. Laß zeitig mich mein Haus bestellen, daß ich bereit sei für und für und sagen kann in allen Fällen: In voriger Melodie. Herr, wie du willst, so schicks 261 Noch leb ich. Ob mit daß bei jedem Glockenschlag ich an mein Ende denken mag! Unsterblichkeit und Vergeltung. 5. Erhebe meinen Sinn zum Himmel, verbittre mir der Sünden Lust. Gib, daß in diesem Weltgetümmel mir nichts, als Unschuld, sei bewußt; so eilt, wann diese Hütte fällt, der Geist in eine beßre Welt. 6. Ach, Vater, deck all meine Sünde um Jesu Christi willen zu, damit ich hier Vergebung finde und dort bei dir vollkomm ne Ruh! Du warst mein Gott in jeder Noth: drum sei auch Vater mir im Tod! 7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sei Leben oder Tod; er bleibt im Leiden meine Freude, mein Schuß, mein Alles in der Noth. Er endet selig meinen Lauf und nimmt mich dann im Himmel auf. 8. So komm mein End heut oder morgen; ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt. Er ists, der mich in allen Sorgen, er ists, der mich im Tod erquict. Er stärket mir dann meinen Muth und machts mit meinem Ende gut. be, ob diesen Abend, weiß ich nicht. Wohl mir, wenn ich mich Gott ergebe und treu erfülle meine Pflicht! Dann bin ich, ruft er mich noch heut, zu meiner Re chenschaft bereit. 2. Am Morgen blüht und glänzt die Blume und fällt oft schon am Abend ab. So sinkt mit seinem Glück und Ruhme der Mensch, oft eh ers denkt, ins Grab; und, Seele, du mißbrauchst so leicht ein Leben, das so schnell entfleucht. 3. Ent: Tod. 187 legt? Wer weiß, ach, wer bestimmt die Zeit des Eintritts in die Ewigkeit? 2. Du weißt es, Gott, der meine Tage schon längst mit Weisheit niederschrieb, du, der im Glück und unter Plage mein liebevoller Vater blieb. Von dir, der mir den Odem gab, hängt auch mein letter Odem ab. 3. Vielleicht in wenig Augenblicken rückt schon das große Ziel heran, wo ich nicht Andre mehr beglücken, nicht an mir selbst mehr bes sern kann. Wie bald, wie schnell erscheint die Nacht, die meinem Thun ein Ende macht! 4. Vielleicht ist dieß der leßte Arme, der kläglich mich um Hülfe fleht. Wenn ich mich heute nicht erbarme, vielleicht ists morgen schon zu spät; und dann, was bringt die Aerndtezeit? Die Frucht der Ungerechtigkeit. 5. Mein Pfund erst morgen wuchern lassen, welch ein Gedanke voll Gefahr! Kann ich nicht Abends schon erblassen, wenn ich noch Morgens fröhlich war? D Mensch, ach, säum im In voriger Melodie. 262 Wer weiß, wie Wohithun nicht! Nur dieß ist Weisheit und ist Pflicht! bald in tiefer Stille die Stunde meines Abschieds schlägt, wie bald man meines Geistes Hülle zu meinen Vätern schlafen 6. Die Kraft von meinen besten Jahren sei Gott, dem Heiligen, geweiht. Die Buße bis ins Alter sparen ist schreck 3. Entziehe dich dem Weltgetümmel: hier ist der Kampf, dort ist die Ruh. Auf! streb und ringe nach dem Himmel, eil deiner bessern Heimath zu! Wie bald verfließt der Prüfung Zeit, und dann, dann kommt die Ewigkeit. 4. Verschiebe niemals bei ne Pflichten. Was du zu thun jeßt schuldig bist, das eile heute zu verrichten; wer weiß, obs morgen möglich ist. Nur dieser Augen blick ist dein; der nächste wirds vielleicht nicht sein. 5. D Gott, verleihe mir die Gnade, führ du mich selbst durch deine Kraft der Tugend ebne, sichre Pfade, erhalte mich gewissenhaft und immer treu in dem Beruf, zu dem mich deine Liebe schuf! 6. Dann wird mir jeder Theil des Lebens ein Segen für die Ewigkeit, ich lebe dann hier nicht vergebens und nüße redlich meine Zeit und seh mit dir er gebnem Sinn auf Tod und Grab und Zukunft hin. 188 Unsterblichkeit und Vergeltung. schreckliche Vermessenheit. 3. Von hier, wo oft die Zu spät verschwindet oft der Wahn, da man auch schlafend sterben kann. 7. Wie leicht raubt Schmerz und Fieberhiße mir Ueberlegung und Verstand! Wenn ich in Todesängsten schwiße, wer macht mich dann mit dir bekannt? O Gott, vielleicht ein Fall, ein Schlag bestimmt mir meinen Sterbetag. Unschuld weint und oft das Laster sieget, bis der Vergeltungstag erscheint, wo dieses unterlieget. Die Kla geschweigt: der Jubel steigt! Der Unschuld schönste Freu den blühn aus der Saat der Leiden. 8. Laß, Höchster, deinen Geist mich leiten! Er mache mich von Sünden rein! Dann wird der Tod zu allen Zeiten mir nur ein Friedensbote sein. Du kommst vielleichtzur Mitternacht! Owohl dann ewig dem, der wacht! bebe nicht vor Mel. Was Gott thut, das ist 263 Ich bem Grab! Im Grabe ruht der Müde; auf den Entschlummernden herab sinkt schon des Himmels Friede. Aus aller Noth erlöst der Tod; der Augenblick des Scheidens ist auch das Ziel des Leidens. 2. Es gibt ja nichts auf dieser Welt, was meine Sehnsucht stillet; nur dann, wann diese Hülle fällt, wird erst mein Wunsch erfüllet. Zum Sternenchor steig ich empor, vom Schattenthal zur Klarheit, von Täuschung zu der Wahrheit. 4. Drum freu ich mich im Glauben schon auf jenes beßre Leben, denn unsrer Tugend vollen Lohn will Gott uns dort erst geben. Was Tod uns heißt, befreit den Geist! er muß zu allen Frommen als Engel Gottes kommen. Auferstehung. In eigener Melodie. esus, meine Zu 264 Jicht, lebt, und ich soll mit ihm leben! Dieses weiß ich; sollte nicht sich mein Herz zufrieden geben, was die lange Todesnacht mir auch für Ge: danken macht? 2. Jesus, mein Erlöser, lebt! Ich erwarte mit Ver trauen, daß er mich zu sich erhebt; warum sollte mir denn grauen? Läsfet auch ein Haupt sein Glied, welches er nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoff nung Band zu genau mit ihm verbunden. Er, der selbst den Tod empfand, hat für Auferstehung. für mich ihn überwunden; auch im Tode bleib ich sein; ewig seiner mich zu freun. 4. Dieser Körper nur ist Staub; er nur sinkt zurück zum Staube. Nie wirst du des Todes Raub, du, mein Geist! O felger Glanbe! Heil mir! Mein Erlöser lebt, der mich einst zu sich erhebt. 5. Dann wird mich statt dieser Haut ein verklärter Leib umgeben, für die neue Welt gebaut, ein Gebild fürs höhre Leben; und in diesem Leib seh ich, mein Erlöser, ewig dich! 6. Ob dieß Aug im Tod auch bricht, wirds doch seinen Retter kennen; und wie freudig werd ich nicht dann ihn den Vollender nennen, wann er von der Sterblichkeit dieser Erde mich befreit! 7. Was hier leidet, seufzt und fleht, wird und kann nicht untergehen. Irdisch werd ich ausgesät, himmlisch werd ich auferstehen. Nimm, Verwesung, mein Gebein; ich, ich werd unsterblich sein! 8. Seid getroft und hocherfreut: Jesus kennt euch, seine Glieder! Christen, wehrt der Traurigkeit: sterbt ihr, Jesus wedt euch wie der, wann sein mächt'ger Ruf erschallt, der durch alle Gräber hallt! 189 9. Wo ist dein Triumph, o Tod? Nimm den Staub hin. Ohne Grauen folgen wir, wir werden Gott, werden den Erlöser schauen. Unser ist der Sieg und Heil ewig, ewig unser Theil. 10. Darum, Christen, auf! erhebt euren Geist von dieser Erden; lebet hier dem Heiland, lebt ihm, dem ihr sollt ähnlich werden! Wer sich seiner dort will freun, muß hier rein und heilig sein! Mel. Wer nur den lieben Gott 265 Iteit geboren, für eine beßre Welt bestimmt; mein Leben geht dann nicht verloren, wenn hier das Grab den Leichnam nimmt. zu groß bin ich für diese Zeit; mein Loos ist die Unsterblichkeit. 2. Was ist die Welt; was Glück und Ehre? Wär auch ihr ganzer Reichthum mein; er bliebe, wenn kein Himmel wäre, für meine Wünsche doch zu klein. Mein Geist findt nicht im Staube Ruh; er eilt erhabnern Gütern zu. 3. Es schuf mich ja der Gott der Liebe zum höhern Glück, zu höhrer Lust und pflanzte selbst dazu die Triebe so start, so tief in meine Brust. Er, der mit Sehnfucht Unsterblichkeit und Vergeltung. 190 fucht mich erfüllt, läßt wahrlich sie nicht ungestillt. 4. Der Wunsch, ihn ewig treu zu lieben, der höhern Wahrheit Licht zu sehn, der hier noch unerfüllt geblieben, muß einst doch in Erfüllung gehn. So wahr Gott die sen Trieb mir gab, erstirbt er nimmer in dem Grab. 5. Gott ist gerecht, er wird einst richten; die Tugend wird durch ihn gekrönt. Er wird, was sie gedrückt, mag es hier sich freun, dort kann es nimmer glücklich sein. und leitet mich zur Seligkeit. Auch dieser Leib muß auf erstehn, vollkommner einst zum Himmel gehn. In voriger Melodie. vernichten, erhöhen, die man 266 Der Lenzerfreuet da lebet; 6. Jsts möglich, kann Gott anders handeln? Gilt denn kein Recht in seinem Reich? Die Frommen, die hier vor ihm wandeln, sind die den Uebelthätern gleich? Nein, Tugend siegt! Ich sterbe drauf: Gott weckt mich zur Vergeltung auf. 7. Er weckt mich auf aus meinem Staube; dieß hofft mein Herz, dieß sagt sein Wort. Dieß Wort, laut triumphirt mein Glaube, treibt mächtig alle Zweifel fort. Wie froh erhebt sich nun mein Geist, da Gott ihn selbst unsterblich heißt! 8. Mein Jesus lebt! Wer will mich tödten? Er sichert mir Unsterblichkeit. Er gibt mir Muth in Todesnöthen 9. Jhr Thäler sinkt! Fallt Berge, nieder! Mein fester Glaube fürchtet Nichts. Ich sterbe; doch erwach ich wieder am Morgen eines ewgen Lichts. Dann fängt mein neues Leben an, und, Gott, wie selig bin ich dann! er bricht des Winters Fesseln los; der Blumen schöner Flor erhebet verjüngt sich aus der Erde Schooß, und freundlich lächelt er mir zu: Unsterblich, freu dich, Mensch, bist du! 2. Die Sonne löst dem Schmetterlinge das Band mit ihrer Strahlenmacht, sieh, er erhebt die zarte Schwinge, geschmückt mit neuer Frühlingspracht, und winkt mit höhrer Lust mir zu: Unsterblich, freu dich, Mensch, bist du! 3. Mir hat Gott For schungsgeist gegeben und Wünsche, die die Welt nicht stillt. Heil mir! Sie bür gen mir ein Leben, wo sich des Höchsten Rath enthüllt. Ja, Himmelsahnung ruft mir zu: Unsterblich, freu dich, Mensch, bist du! Ins Auferstehung. In eigener Melodie. 267 Auferstehn, ja, auferstehn wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh; unsterblich Le ben wird, der dich schuf, dir geben! Halleluja! 2. Wieder aufzüblühn, werd ich gesät. Der Herr der Aerndte geht und sammelt Garben uns ein, uns ein, die starben. Halleluja! 3. Tag des Danks, der Freudenthränen Tag, du meines Gottes Tag! Wann ich im Grabe genug geschlummert habe, erweckst du mich. 4. Wie den Träumenden wirds dann mir sein. Mit Jesu geh ich ein zu seinen Freuden. Der müden Bilger Leiden sind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich mein Mittler dann. Lebt ich im Heiligthume zu feines Namens Ruhme! Halleluja! Mel. Wer nur den lieben Gott 268 Warum erbebst du, meine Seele, bei dem Gedanken an das Grab? Nicht dich le; nur deine Hülle finft hinab. Nur sie, weil sie Gott schuf aus Staub, nur sie wird der Verwesung Raub. 191 2. Du, zur Unsterblichkeit erlesen, schwingst dich empor zu Gottes Licht und schaust den Ursprung aller Wesen von Angesicht zu Angesicht, bewunderst deines Gottes Macht in jener Welten Bau und Pracht. 3. Dann, Seele, wirst du das verstehen, was hier kein Sterblicher erklärt, was hier vollkommen einzusehen der Weiseste umsonst begehrt. Dann täuscht dich Wahn und Irrthum nicht, und selbst die Finsterniß wird Licht. 4. Dann wirst du den, o den erblicken, den hier allein der Glaube sieht, den, der, dich ewig zu beglücken, nach Gottes Rath am Kreuz vers schied. Dann jauchze, daß kein Wahn, kein Spott dich hier getrennt von deinem Gott! 5. Wann nun der Tag des Herrn erscheinet, verläßt dein Leib der Gräber Ruh. Zum zweitenmal mit dir vereinet, wird er unle, zittre länger nicht, daß sterblich, so wie du. O Seedeiner Hütte Bau zerbricht. Mel. Jesus, meine Zuversicht 269 Selig, Jefu, find, nun im friedevollen Grabe von des Lebens Arbeit ruhn und sich Gottes größter Gabe, eines ewgen Lebens, freun! Möch ten wir es auch schon sein! 2. Doch 192 Unsterblichkeit und Vergeltung. 2. Doch du willst, wir le- desnacht riefst du einst: Es ben noch mühsam hier in ist vollbracht! Pilgerhütten. Alle trugen einst dieß Joch, die des Lebens Kron erstritten. Endlich aber führt der Tod uns Gericht. In voriger Melodie. auch ſo, wie sie, zu Gott! 270 mer näher 3. Du, du selber lebtest hier vormals auch in Pilgerhütten. Noch unendlich mehr, als wir, hast du, Göttlicher, gelitten. Standhaft laß im Kampf mich stehn, stets auf dich, Vollender, sehn! kommt die Zeit, stündlich eil ich ihr entgegen, da der Herr auch mir gebeut, meine Rechnung abzulegen. Dann wird Alles, Alles klar, wie ich lebte, wer ich war. 4. Was ist diese Lebenszeit? Ach, nur eine kurze Stunde gegen jene Ewigkeit. Aber an der kurzen Stunde hängt ( dieß präge tief uns ein) ewge Wonn und ewge Pein. 5. Gib uns Weisheit, gib uns Kraft, diese Stunde wohl zu nüßen, und beim Schluß der Pilgerschaft wol lest du uns unterstüßen. Laß auf dich uns freudig schaun, dein begehren, dir vertraun! 6. Daß wir dein sind, nicht der Welt, daß du uns wirst auferwecken, diese Kraft der bessern Welt laß uns, wenn wir sterben, schmecken! Flöß uns jetzt den Muth schon ein, in dem Tod getroft zu sein! 7. Und wenn wir vom Kampfplaß nun zu den Todten Gottes gehen, wollst du mehr noch an uns thun, als wir bitten und verstehen. Auch für unsre To2. Selbst des Herzens stillen Rath wird der Richter offenbaren. Jedem wird für jede That dann Vergeltung widerfahren; wie er hier den. Samen streut, ärndtet er in Ewigkeit. 3. Dann verstummt der Thoren Spott, Frevler ste hen dann und beben. Hei lig und gerecht ist Gott, und er sah ihr Sündenleben. Wer beschränkt des Richters Kraft, wann er ruft zur Rechenschaft? 4. Wer hier seine Zeit verträumt, nur nach Sinnenfreuden schmachtet, seines Geistes Wohl versäumt, Menschen quälet und verachtet und sich reuvoll nicht bekehrt, fühlt sich dann der Strafe werth. 5. Nur ein weises frommes Herz darf nicht vor dem Richter zittern; nur den Christen wird kein Schmerz dort Gericht. dort am Gnadenthron erschüttern. Heilig war ihm seine Pflicht; es verdammt sein Herz ihn nicht. 6. Christen, Christen, rich tet nicht! Laßt den Herrn das Urtheil fällen! Er bringt Alles einst ans Licht, wird einst jede Nacht erhellen. Lieber duldet, lieber weint, bis sein großer Tag er scheint! 7. Laßt uns nur gewissenhaft stets nach Gottes Willen handeln, eingedenk der Rechenschaft, fromm auch im Verborgnen wandeln, selbst die kleinste Sünde scheun und Verehrer Jesu fein! duld. 3. Oft will ich zu mir 193 selber sagen: Die Welt vergeht mit ihrer Luft! Wohl mir, bin ich bei allen Plagen nur keines Frevels mir bewußt! Es kommt, es kommt die Ewigkeit, die mich aus jeder Noth befreit. 4. Einst werd' ich Jesu Stimme hören: Der du zu meiner Rechten bist, du warst gehorsam meinen Lehren; nimm hin, was dir bereitet ist! Komm, erbe meines Vaters Reich; sei selig und den Engeln gleich! 5. Solch eine Gnade wartet meiner, wenn ich mit brüderlichem Sinn den Nächsten lieb und gern mich seiner erbarm urd Jesu ähnlich bin. Wie könnt ich hart und lieblos sein, BeMel. Wer nur den lieben Gott 271 Wenn ich auf trübte sehn und nicht erGottes freun? gen wanke und straucheln will, so schrecke mich der herzerschütternde Gedanke: Gott richtet einst die Welt und dich! Er hats verkündigt, sein Gericht ist un ausbleiblich: strauchle nicht! 2. Der Weg der Tugend, den ich walle, sei rauh und steil, wo führt er hin? Zum Himmel, wenn ich Gott gefalle, wenn ich getreu und standhaft bin, gestärkt, o Gott, durch deine Huld zur Selbstverläugnung, zur Ge6. Dort, dort trifft den, der ohn Erbarmen nie menschenfreundlich sich beweist, der, fühllos bei der Noth der Armen, Bedrängte nie erquickt, noch speist, den Hungrigen sein Brod nicht bricht, ein unbarmherziges Gericht. 7. Fühllose, wird der Richter sagen, verschlossen habt ihr eure Hand, verachtet eurer Brüder Klagen. Entweicht! Ich hab euch nie erkannt! Für den, der Brü der nicht erfreut, ist freudenleer die Ewigkeit! I 8. Go Unsterblichkeit und Vergeltung. 194 8. So wirst du jede Sünde richten, gerechter Richter, wenn du einst den Uebertretern ihrer Pflichten in deiner Majestät erscheinst. Dann wird der Fromme sich erfreun, dem Bösen Alles schrecklich sein. 9. Gib mir, o Vater, Muth und Stärke, damit mein Glaube, dir getreu, geübt in jedem guten Werke, bewährt und dir gefällig sei; so werd ich ewig selig sein, mich ewig deiner, Gott, erfreun! In eigener Melodie. 273 Schon ist der Tag Mel. Aus der Tiefe rufe ich von Gott be stimmt, da, wer auf Erden 272 Herr und Richter wandelt, sein Loos aus Got nimmt, dem er hier gehandelt. Er kommt, er kommt, des Menschen Sohn; er kommt, und Wolken sind sein Thron, der Erde Kreis zu richten. Hier an dem Rand der Ewigkeit versammeln sich die Schaaren, die feit dem ersten Tag der Zeit der Erde Bürger waren, nur dem Allwissenden bekannt, unzählbar, wie des Meeres Sand; hier stehn sie vor dem Richter. 2. auch mir mein Urtheil fällt, Jesu, nimm dich meiner an, daß ich einst bestehen kann. 2. Mache mich von Sünden frei, fest im Guten, dir getreu; so erschrickt, hälst du Gericht, vor dir meine Seele nicht. 3. Millionen preisen schon deine Hülfe, Gottes Sohn. D bereite auch an mir solche Lobgesänge dir! 4. Die dir folgen, führest du sicher deinem Himmel zu. Führ auch mich einst dahin ein: nur der Deine will ich sein. Herr Jesu Christ, selig hier vollendet ist. 6. Fröhlich hör' ichs dann von dir: Komm, Gesegneter zu mir! Nimm an meiner Wonne Theil! Dein ist nun mein ganzes Heil! 7. Und frohlockend preis ich dann, was du, Herr, an mir gethan; freue mit den Deinen mich deiner Güte ewiglich. 5. Folgen will ich deinem Wort; hilf mir gnädig darin fort, bis mein Lauf, 3. Hier muß der falsche Wahn der Welt der Wahrheit unterliegen. Hier, wo das Recht die Wage hält, wird keine Sünde siegen. Hier ist zur Buße nicht mehr Frist, hier gilt nicht mehr Gericht. 195 mehr Betrug und List, hier Met. Straf mich nicht in deinem gilt kein falscher Beuge. dein ist auch mein Leben. 274 Herr, ich bin dein Ruhm hast du mirs gege Mir zum Heil und dir zum ben. Väterlich führst du mich auf des Lebens Wegen meinem Ziel entgegeu. 4. Der Richter spricht! der Himmel schweigt; und alle Völker hören erwartungsvoll und tiefgebeugt: Kommt, erbt das Reich der Ehren! So spricht er zu der frommen Schaar; zu der, die ihm nicht folgsam war: Hinweg von mir, Verbrecher! 5. Sie gehn verzweifelnd, jammern, flehn: stürzt über uns zusammen, ihr Welten, fallt, daß wir vergehn, die wir uns selbst verdammen! Die Frommen aber stehn im Licht des Friedens, und ihr Angesicht strahlt seliges Entzücken. 6. Frohlockend ziehn sie das Reich, das Gott sie bereitet, wo er sie, seinen Engeln gleich, von Licht zu Lichte leitet. Das Stückwert wird Vollkommenheit: feinRummer, feine Traurigkeit stört ihre selgen Freuden. 7. Mein Heiland, laß mich dein Gericht oft und mit Ernst bedenken! Es stärke mich mit Zuversicht, so oft mich Leiden fränken; es reize mich, gewissenhaft und eingedent der Rechenschaft nach deinem Wort zu wandeln. in für 2. Einst kommst du mit gaoßer Kraft zum Gericht auf Erden: dann soll ich zur Rechenschaft vorgefordert werden. Dein Gericht schonet nicht. Richter aller Welten, du, du wirst vergelten. 3. Weh dann mir in Ewigkeit, wenn ich deine Gabe, meine Kräfte, meine Zeit hier gemißbraucht habe, weh dann mir, habe ich hier sie nicht treu verwendet, sorglos sie verschwendet! 4. Möchte täglich dein Gericht mir vor Augen schweben. Möcht ich mich stets meiner Pflicht treu zu sein bestreben, daß ich nie thöricht sie aus den Augen sebe, nie sie frech verlege! 5. Lehre mich gewissenhaft meine Tage zählen, eingedenk der Rechenschaft, nur was gut ist wählen! Gib, daß ich ernstlich mich täglich und auch heute darauf vorbereite! 6. Zeigt sich erst die Ewigkeit furchtbar in der Nähe, 0, dann ist es nicht mehr 32 Zeit Unsterblichkeit und Vergeltung. 196 Zeit, daß ich Gnad erflehe! Wann der Tod schon mir droht, kann ich deinen Willen, Herr, nicht mehr erfüllen. 7. Mein Gewissen strafe mich gleich bei jeder Sünde, daß ich, Mittler, bald durch dich Gnade such und finde! Rufe du dann mir zu: Besserst du dein Leben, so ist dir vergeben. 4. Nun flucht ihm, wer des Lasters Bahn, durch ihn verführt, erwählte. Nun klagen ihn die Seelen an, die er aus Bosheit quälte; und jeder Schmerz, durch ihn vermehrt, und jedes Glück, durch ihn gestört, tritt furchtbar ihm vor Augen. 5. Des Richters ernste Stimme spricht: Weicht von mir, Uebelthäter! und in Mel. Wann mein Stündlein 275 Groß wird des ihm sein Gewiſſen spricht: Du Üebelthäter! Von Gott und Seligkeit ver bannt, fühlt er, was er sonst nie empfand: gerecht sei seine Strafe. 8. Einst, am Tage des Gerichts, werd ich mit den Frommen zu dem Anschaun deines Lichts gnädig aufgenommen. Wonnevoll, Jesu, soll dich im höhern Leben dann mein Dank erheben! sein, unendlich schwer zu tragen! Ach, unter des Gewissens Pein wird seine Seele zagen, wann ihn, den Nichts zur Buße weckt, der Tag des Weltgerichts er schreckt, zur Rechenschaft ihn fordert! dengut, worauf sein Wunsch sich lenkte? Wo bleibt der Stolz, der Uebermuth, womit er Andre kränkte? Gebeugt ist jetzt sein_tropig Herz, und jede Lust wird nun in Schmerz, in Bein und Qual verwandelt. 2. Verschwendet ist die Gnadenzeit! Wie viele seiner Stunden sind in dem Dienst der Eitelkeit verge bens ihm entschwunden! Er hat des Lebens Zweck verfehlt; o welche Reu ergreift und quält zu spät nun seine Seele! 3. Wo bleibt nun jedes Er. 6. D Sünder, sichre Sünder, eilt, euch reuvoll zu bekehren! Laßt nicht, weil das Gericht verweilt, euch durch den Wahn bethören: zur Beßrung sei noch immer Zeit, und fern sei noch die Ewigkeit, fern noch Gericht und Strafe. 7. Sie kommt, ihr mögt, was Gott euch droht, bezweifeln oder glauben. Wie leicht kann euch ein schneller Tod die Zeit zur Beßrung raus Das fünftige Leben. 197 rauben! Jest noch will Gott schon, ihren Retter zu er Erbarmer sein, will eure Sünden noch verzeihn. D suchet seine Gnade! heben, und erwarten ihren Lohn; hohe Himmelsgeister ringen mitanbetend ihm zu singen, der des Ruhms so würdig ist, dem Erlöser Jesu Christ. Das künftige Leben. 276 Alle In eigener Melodie. [ lle Menschen müssen ster: ben; ihre Herrlichkeit verblüht! Keiner kann den Himmel erben, der zuvor den Tod nicht sieht. Staub wird dieser Leib von Erde, doch damit er himmlisch werde, wird er einst von Gott er neut und erhält Unsterblichfeit. 2. Willig werd ich dieses Leben, wenn es deinem Rath gefällt, dir, mein Vater, wiedergeben, gern verlassen diese Welt: denn nach diesem Erdenleiden warten meiner höhre Freuden. Jch, als Christ, ich fürchte nicht Grab und Tod und Weltgericht. 3. Nichts soll mir den Trost entreißen, er soll mir stets heilig sein: Gott er füllt, was er verheißen; seis ner will ich stets mich freun. Mir macht nun der Tod. nicht bange, weil durch Jesum ich erlange eine frohe Seligkeit, wenn ich nüße dieſe Zeit. • 5. Vaterland verklärter Frommen! Heil, Unsterblich feit und Ruh, was kein Sterb: licher vernommen, Gottes Heil gewährest du! Freudenärndten schenkt Gott denen, welche hier gesät mit Thränen, alleThränen trocknet er; Sünd und Elend sind nicht mehr. 6. Möcht ich doch, sie zu empfangen, diese große Herrlichkeit, hier nur thun und nur verlangen, was im Tode hoch erfreut! Diese Hülle mag zerstäuben; denn mein Geist wird ewig bleiben. Mir ist Sterben ein Gewinn; denn ich geh zum Bater hin. 7. Welche Tröstung, dieß Hoffnung voll, zag ich nicht zu wissen! Dieser großen in Kümmernissen, die ich hier noch dulden soll. Leicht und kurz sind diese Leiden; fie verwandeln sich in Freu den, wenn ich christlich sie ertrug, bis Gott spricht: Es ist genug. Mel. Wann mein Stündlein 4. Dort bei ihm ist wah= 277 Ein Bilgrim bin res ich in der 3 3 und 198 Unsterblichkeit und Vergeltung. und kurz sind meine Tage. mels Herrlichkeit, den gros So manche Noth, die mich ßen Lohn der Treue. befällt, reizt mich hier noch zur Klage. Doch, Vater, jene Ewigkeit versüßt mir meine Pilgrimszeit und stärket mich im Leiden. 2. Jept, da die Sünde mich noch drückt, seufzt meis ne bange Seele. Wie bald ist doch mein Herz berückt! Wer merkt, wie oft er fehle? Doch einst werd ich vollkommen rein, ganz heilig und ganz felig sein; 3. In stiller Nacht wein ich, o Herr, hinauf zu deiner Höhe. Mein schwaches Herz seufzt freudenleer, wenn ich den Morgen sehe. Ein Blick gen Himmel fröstet mich; denn meine Thränen stillen sich einst ganz in jenem Leben. 4. Wenn mich der Zukunft Schicksal schreckt, die Noth der fernen Tage; wenn sie in mir die Sorg erweckt, ob ich sie auch ertrage: so stärket mich die Ewigkeit, daß bei dem Elend dieser Zeit mein Glaube nicht er liege. 5. Wenn einst, der jetzt von ferne dräut, der Tod mir näher winket; wenn nach der Arbeit dieser Zeit mein Haupt zum Schlummer sinket, so sterb ich froh; die Ewigkeit zeigt mir des Him 6. Herr, diesen Trost, der mich erfreut, vermehr in meinem Herzen! Es stärke mich die Ewigkeit hier un ter Müh und Schmerzen! Ein ewig unvergänglich Heil erwartet mich und wird mein Theil, wenn ich am Ziele stehe. Mel. Wer nur den lieben Gott 278 Es ist noch eine den für jeden Gott ergeb nen Geist, wann er sich dies ses Körpers Banden nach Gottes Willen einst entreißt und dann nicht mehr so eingeschränkt, als hier auf Erden, lebt und denkt. 2. Zu dieser Ruhe werd ich kommen; und, Gott, wie selig bin ich dann! In deis nen Himmel aufgenommen, fang ich das beßre Leben an, wo nach der Last, die mich hier drückt, der Freuden Fülle mich erquickt. 3. Wie Mütter ihre Kinder trösten, so tröstet deine Freundlichkeit mich mit der Wonne der Erlösten nach wohlvollbrachter Uebungszeit; dann wird mir hell und offenbar, wie gut hier deine Führung war. 4. Da schweigen alle meine Klagen; da bringt mein fros Das fünftige Leben. 199 froher Lobgesang dir selbst mel. Zeuch ein zu deinen Thoren für dieſes Lebens Blagen 279 Ich hoff ein eges mit Regung Dank. Froh jauchz ich dann: Es ist vollbracht; der Herr hat Alles wohlgemacht! 5. Auf ewig trifft mich dann kein Leiden, kein Schmerz und keine Schwach heit mehr; ich fühle dann die reinsten Freuden, ge frönt von dir mit Breis und Ehr. Fest steht mein Glück, und, Herr, dein Heil bleibt dann in Ewigkeit mein Theil. 6. Gott, Herzen fassen, daß du den, der dich redlich liebt, nicht stets willst in der Unruh laffen, die dieses Leben noch umgibt! Dieß flöße Kraft und Muth mir ein, dir auch im Leiden treu zu sein! 7. Mein Heiland, der du selbst auf Erden der Leiden Joch getragen hast, will ich des Lebens müde werden und fühl ich dieser Tage Last, so stärke mächtig meinen Geist, daß er dem Unmuth sich entreißt. 8. Gib, daß in Hoffnung jener Ruhe, die einst der Frommen Erbtheil ist, ich gern des Vaters Willen thue, wie du darin mein Vorbild bist; so lohnt nach dieser Prüfungszeit mir einst vollkommne Seligkeit. Seligkeit, die einst der Herr wird geben dem, der in dieser Zeit gern seinen Willen that, der sich schon hier auf Erden vollkommener zu werden mit Ernst bemühet hat. 2. Die Tugend lohnt mit Freuden; doch kämpft sie hier noch oft mit unverdienten Leiden; das Glück, das sie gehofft, umwölkt der Haß der Welt; dort aber wird sie siegen, dort ärndtet fie Vergnügen, wo sie den Preis erhält. 3. Dem Lafter folget Schande. 3war geht es oft umher in glänzendem Gewande, gekrönt mit Ruhm und Ehr; doch wird den Bösewicht gewiß ein Tag mit Schrecken aus seinem Taumel wecken; dem Tag entflieht er nicht! 4. Ich hoff ein ewges Leben! Rann meine Seele hier sich schon zu Gott erheben, wünscht sie sich mit Begier des Daseins stets zu freun: so wird auch unsern Seelen ihr heißer Wunsch nicht fehlen, unsterblich dort zu sein. 5. Dieß tröstet mich in Tagen der Widerwärtigkeit. Ich darf nicht troftlos flagen und kann nun ohne Neid den nächsten glücklich 34 sehn Unsterblichkeit und Vergeltung. 200 sehn. Gott leitet und regieret mein Schicksal, wie ers führet, dient mirs zum Wohlergehen. Ist 6. Bei Reizungen zu Sünden gibt diese HoffnungKraft und Muth, zu überwinden die böse Leidenschaft. auch die Mühe groß, so werd ich dennoch siegen, und göttliches Vergnügen ist nach dem Kampf mein Loos. 7. Wie ruhig kann ich sterben! Ich fürchte nicht den Tod. Die Seligkeit zu erben, eilt dann mein Geist zu Gott, der ihn zum Leben schuf. Dort wird von beße ren Freuden der Tod mich nicht mehr scheiden. Wie groß ist mein Beruf! 8. Laß mich ihn würdig wandeln, o Herr der Ewigfeit! Laß immer recht mich handeln in dieser Prüfungszeit! Nach diesem kurzen Lauf wird ewig jelges Leben mir dort bei dir gegeben: mich nimmt der Himmel auf! 280 Mei In eigener Melodie. Dein ganzer Geist, Gott, wird entzückt, wenn er hinauf zum Himmel blickt, dahin dein Rath uns leitet, wo deine milde Vaterhand aus neuen Wundern wird erkannt, die du daselbst verbreitet. Mächtig fühl ich mich getrieben, dich zu lieben, der zum Leben, das dort ist, mich will erheben. 2. Was sind die Freuden dieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit, die dort bei dir zu finden? Du stellst uns hier auf Erden zwar piel Wunder deiner Güte dar, daß wir sie froh empfinden; doch hier sind wir bei den Freuden noch mitleiden stets umgeben. Dort nur ist vollkommnes Leben. 3. Kein Tod ist da mehr und kein Grab. Dort trocknest du die Thränen ab von deiner Kinder Wangen; da ist kein Leid mehr, kein Geschrei; denn du, o Herr, machst Alles neu: das Alte ist vergangen. Hinfort sind dort für Gerechte, deine Knechte, keine Plagen mehr zur Prüfung zu ertragen. 4. In deinem höhern Heiligthum schallt deines Namens hoher Ruhm von lauter frohen Zeugen. Da strahlt die Herrlichkeit des Herrn; da schaut man sie nicht mehr von fern; da wird sie neu besungen. Hel ler, schneller, als hienieden, ohn Ermüden sehn wir droben, Gott, wie hoch du bist zu loben. 5. Mit höhrer Liebe lieben wir dich, Vater, dann und dienen dir mit reinerem Gemüthe. Nichts stört den Frieden unsrer Brust und un= Das fünftige Leben. 201 unsre tausendfache Lust an das Geräusch der eitlen deiner großen Güte. Kein Neid, kein Streit hemmt die Triebe dieser Liebe unter Seelen, die dann weiter nicht mehr fehlen. 6. Gott, welche Schaar ist dort pereint! Die Frommen, die ich hier beweint, die find ich droben wieder. Dort sammelt deine Vaterhand, die deine Liebe hier verband, Herr, alle deine Glieder. Ewig werd ich, frei von Mängeln, mit den Engeln, mir zum Segen da die reinste Freundschaft pflegen. Mel. Wer nur den lieben Gott 281 Nach einer Brüs Tage erwartet uns die Ewig fung furzer feit. Dort, dort verwandelt sich die Klage in göttliche Zufriedenheit. Hier übt die Tugend ihren Fleiß, und jene Welt reicht ihr den Preis. 2. Wahr ists, der From me schmeckt auf Erden schon manchen selgen Augenblick; doch alle Freuden, die ihm werden, sind ihm ein unvollkommnes Glück. Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh nimmt in der Seele ab und fu. 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, bald Welt; bald kämpft in seinem eignen Herzen ein Feind, der öfter siegt, als fällt; bald sinkt er durch des Näch: sten Schuld in Kummer und in Ungeduld. 4. Hier, wo die Tugend öfter leidet, das Laster öfter glücklich ist; wo man den Glücklichen beneidet und des Bekümmerten vergißt; hier kann der Mensch nie frei von Bein, nie frei von eigner Schwachheit ſein. dort werd ichs finden; dort 5. Hier such ichs nur; werd ich, heilig und verflärt, der Tugend ganzen Werth empfinden, den unaussprechlich großen Werth; den Gott der Liebe werd ich erhöhn. sehn, ihn lieben, ewig ihn 6. Da wird der Vorsicht heilger Wille mein Will und meine Wohlfahrt sein und lieblich Wesen, Heil die Fülle, am Throne Gottes mich erfreun. Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn mich fühlen, daß ich ewig bin. 7. Da werd ich das im Licht erkennen, was ich auf Erden dunkel sah, das wunderbar und heilig nennen, was unerforschlich hier ge schah; da denkt mein Geist mit Preis und Dank die 35 Schicks Unsterblichkeit und Vergeltung. 202 Schickung im Zuiammen hang. 8. Da werd ich zu dem Throne dringen, wo Gott, mein Heil, sich offenbart; ein Heilig, Heilig, Heilig! singen dem Lamme, das er= 282 bim und Seraphim und alle Himmel jauchzen ihm. 9. Da werd ich in der Engel Schaaren mich ihnen gleich und heilig sehn, das nie gestörte Glück erfahren, mit Frommen stets fromm umzugehen; da wird durch jeden Augenblick ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück. 10. Da werd ich dem den Dank bezahlen, der Gottes Weg mich gehen hieß, und Weg mich gehen hieß, und ihn zu Millionenmalen noch segnen, daß er mir ihn wies; da find ich in des Höchsten Hand den Freund, den ich auf Erden fand. 11. Da ruft, o möchte Gott es geben! vielleicht auch mir ein Selger zu: Heil sei dir! denn du haft das Leben, die Seele mir gerettet, du! Gott, wie muß dieß Glück erfreun, der Retter einer Seele sein! 12. Was seid ihr Leiden dieser Erden doch gegen jene Herrlichkeit, die offenbar an uns soll werden von Ewigkeit zu Ewigkeit! Wie nichts, wie gar nichts gegen sie ist doch ein Augenblick voll Müh! Mel. Alle Menschen müssen 282 wie unaussprechlich se lig werden wir im Himmel sein! Da, da ärndten wir unzählig unsers Glaubens Früchte ein; da wird ohne Leid und Zähren unser Leben ewig währen. Gott, zu welcher Seligkeit führst du uns durch diese Zeit! 2. Hier ist zwar, was du den Frommen dort für Glück bereitet hast, noch in Keines Herz gekommen. Welcher Mensch auf Erden faßt deines Himmels große Freuden? Doch nach dieses Lebens Leiden werden Alle, die dir traun, mehr noch, als sie hoffen, schaun. deiner 3. Neue Wunder Güte werden da ihr Glück erhöhn. Mit erstaunendem Gemüthe wird dann unser Auge sehn, deine Huld sei überschwänglich und die Wohlfahrt unvergänglich, die dem, der dich redlich liebt, deine Baterhand dort gibt. 4. Dann wirst du dich unsern Seelen offenbaren, wie du bist. Keine Wonne wird uns fehlen da, wo Alles Wonne ist. Zu vollkommnen Das fünftige Leben. 203 nen Seligkeiten wird uns zu kommen! Trachte, weil dort der Mittler leiten, der du hier noch bist, nur nach uns dieses Heil erwarb, als dem, was droben ist!- am Kreuz er für uns starb. 5. Da wird deiner From men Menge Ein Herz, Eine Seele sein, Dienst und Dank und Lobgesänge dir, erhabner Gott, zu weihn, dir und dem, der selbst sein Leben willig für uns hin gegeben. Mit ihm, unserm größten Freund, sind wir ewig dann vereint. 9. Ohne Heiligung wird Reiner, Herr, in deinen Himmel gehen; o so mache immer reiner hier mein Herz, dich einst zu sehn! Hilf, o Vater, meiner Seele, daß sie nicht den Weg verfehle, der mich sicher dahin bringt, wo man ewig dir lobsingt! 6. D, wer sollte sich nicht sehnen, aufgelöst und da su zu wo Thränen ewge Güter uns erfreun, wo sich unser Kampf in Palmen, unser Klagelied in Psalmen, unsre Angst in Lust verkehrt, die forthin kein Kummer stört! 7. Was ist unser Loos auf Erden? Obs auch noch so föstlich sei, ists doch nie ganz von Beschwerden, Sorgen, Furcht und Kummer frei. Schnell folgt hier auf Luft oft Weinen; dort nur wird die Zeit erscheinen, wo kein Wechsel mehr uns beugt, wo das Glück beständig steigt. 8. Sei, o Seele, hoch erfreuet über das erhabne Glück, das dir einst dein Gott verleihet! Richte dei nes Glaubens Blick oft nach jener Stadt der From men mit dem Ernst, dahin Mel. Schon ist der Tag die 283 inft, freuet euch, Saat zum Tag der frohen Garben. Nicht hier wird jede gute That der Edlen, welche starben, belohnt mit voller Seligkeit; drum hofft mein Geist Unsterblichkeit, ein Leben ohne Ende. 2. O Glaube, der das Herz erhebt, du, Gott, schufft unsre Seele; du, der erhält, was ist und lebt, erhälst auch unsre Seele; zum steten Wirken schufft du sie. Heil uns! Darum vergeht sie nie, sie lebt für Ewigkeiten. 3. Nun können wir hier in der Zeit voll froher Hoffnung leben! Gott wird die größte Seligkeit dem Tugendfreunde geben, der das, was ihm die Pflicht gebot, mit reinem Herzen bis zum Tod treu suchte zu erfüllen. 36 4. Nach 204 Unsterblichkeit und Vergeltung. 4. Nach diesem Glück der Ewigkeit laßt uns mit Eifer ringen; laßt, Christen, uns in dieser Zeit treu unsre Pflicht vollbringen! Belohnt wird einst der Tu- 4. Gott, dir sei Dank! gend Müh, ein guter Gott belohnet sie in jenem beßren Leben. Gott, dir sei Dank! und unser würdger Lobgefang sei hier ein heilges Leben! Gott, Heiligster, wir weihn uns dir; nach Jesu Beispiel wollen wir mit eifrigstem Mel. Der unfre Menschheit 284 Unsterblichkeit! Unsterblich keit! Gedanke, der das Herz erfreut, den Geist zu Gott erhebet, der Trost für alle Schmerzen schafft, mit hohem Muth, mit Gotteskraft belebet! Fühlt des Gedankens Selige keit; denkt, Menschen, daß ihr ewig seid! 2. Seis, daß der Erde Bau zerbricht, erlösche einst der Sonne Licht: wir, mehr, als Erd und Sonne, wir leben für die Ewigkeit! Schon in des Daseins erster Zeit füllt dieß das Herz mit Wonne; und seine Würde fühlt der Geist, der ewig seinen Schöpfer preist. sterbliches Gebein wird, Erde, deine Habe. Hoch schwingt sich, wenn die Hülle fällt, der Geist empor zu jener Welt. 3. Gott, dir sei Dank! Gott, dir, sei Dank! Nun mischt sich in den Schmerzgefang an unsrer Brüder Grabe der Ewigkeit Triumphlied ein. Nur unser Bestreben der Tugend edlen Saamen streun; dort wird die Aerndte uns erfreun. Mel. Schon ist der Tag von Gott 285 Wenn oft zu je mein Geist empor sich schwinget und über sie schon hier erfreut dem Herrn ein Loblied singet; dann fühl ich mich hier nur als Gast, und leicht wird dieses Lebens Last, die sonst so oft ermüdet. 2. So kann auch hier schon selig sein, wer sich im Guten übet; auf Erden schon darf der sich freun, der Gott und Tugend liebet. O Vorschmack jener Himmelslust, entflamme doch in meiner Brust den Trieb zu jeder Tugend. 3. Dort, Gott, belohnst du mein Vertraun vor deinem Das fünftige Leben. 205 nem Angesichte; führst mich 2. Drum, o mein Geist, vom Glauben hin zum ermanne dich! Nimm deine Schaun, vom Dunkel hin Last und gürte dich zum zum Lichte. Dich preis ich lezten Wallfahrtstage! Bald dann und deinen Sohn, der legst du deinen Pilgerstab, mich des Himmels Vor- legst deine Last auf ewig schmack schon im Glauben ab mit aller ihrer Plage. läßt genießen. Bange, lange Pilgerstunden sind verschwunden; allen Kummer tilgt ein süßer Abendschlummer. 4. An Kenntniß und an Herrlichkeit wachs ich durch Ewigkeiten. Verwandelt ist in Glück mein Leid und in Triumph mein Streiten. Und diese hohe Se ligkeit hat nie ein End, ist ohne Zeit, kein Tod ist mehr, kein Weinen. 5. Dann heb ich meine Händ empor und falle jauchzend nieder und stimme mit der Engel Chor in frohe Jubellieder: und unjern hohen Lobgefang, voll Halleluja, Preis und Dank hallt jeder Himmel wieder. Mel. Mein ganzer Geift 286 Wie freu ich mich zeit, wenn bald der Herr der Herrlichkeit mir winket, heimzugehen! Gedanke, wie entzückest du: Gott läßt des letzten Abends Rub mich in der Nähe sehen! Tröstlich, köstlich Wort vom Frieden, du kannst Müden Labung geben, ihre Hoffnung neu beleben! 3. Und wenn nach einer kurzen Rast, du, Müder, ausgeschlummert hast, weckt dich ein schönrer Morgen. Dann schreckt dich Finsterniß nicht mehr, fein banger Traum schwebt um dich her, dich beugen keine Sorgen. Eine reine Frühlingswonne strömt die Sonne dort herunter, lächelt ewig, geht nie unter. mit Krankheit mehr, siehst 4. Dann kämpfst du nicht hinter dir der Schmerzen Heer, kennst keine Noth, kein Leiden; mit neuerkraft, von Welt zu Welten hin, mit neuem du trinkst stündlich neue Freuden. Reiner, feiner fühlst du immer; wechselst nimim Gemüthe; dein Genuß ist ewger Friede. mer 5. Dort schielet nicht mit giftgem Blick die Mißgunst nach der Geister Glück; dort flicht der Neid nie Neße; die Rache gräbt dir da fein 37 Grab, Unsterblichkeit und Vergeltung. 206 Grab, kein Stolzer drückt auf dich herab; dort stiehlt kein Geiz dir Schäße. Droben toben keine Feinde; Engel, Freunde Brüder üben Mel. Sei Lob und Ehr dem ewig sich mit dir im Lie 287 Der Freuden 6. Hier nähret oft zu sei nem Schmerz statt eines Freunds das traute Herz die Natter in dem Schooße; oft welkt in einem Augen blick fein treuster Freund, mit ihm sein Glück, gleich einer Frühlingsrose. Drüs ben lieben deine Werthen, die Verklärten, dich auf immer, deine Seligkeit wankt nimmer. 7. Wie freu ich mich der Wonnezeit, wenn bald der Herr der Herrlichkeit mir winket, heimzugehen! Gedanke, wie entzückest du: Gott läßt des letzten Abends Ruh mich in der Nähe se hen! Tröstlich, köstlich Wort vom Frieden, du kannst Müden Labung geben, ihre Hoffnung neu beleben! 8. Nun trag ich meiner Bürde Last, die du mir, Gott, gegeben hast, froh bis zur Wallfahrt Ende. War sie sonst schwer, jest ist sie leicht; denn meine schönste Hoffnung reicht mir lächelnd ihre Hände. Tröstlich, köstlich Wort vom Frieden, du kannst Müden Labung geben, sie mit Him melskraft beleben! Gott, bei dir: dort in dem höhern Leben wird deine Vaterhuld auch mir in vollem Maaße geben, was mich mit reiner Luft erfüllt, was meiner Seele Sehnsucht stillt und sich ohn Ende mehret. 2. Dich lern ich dann im hellern Licht, in deiner Grös ße kennen und mit voll kommnerZuversicht dich meinen Vater nennen. Mit hoher Freude bet ich dann auf ewig deine Güte an, die mich zum Himmel führte. 3. Wenn mein erhöhter Geist dann sieht, wo er hier still vertrauet, wenn er dein heller überschauet, Gott, unumschränkt Gebiet weit welche Wonne ist dann mein! wie werd ich deiner da mich freun! wie felig da mich fühlen! 4. Noch größre Werke seh ich dann von deiner Vatürgüte, als ich auf Erden sehen kann, und mein entzückt Gemüthe verliert voll Dank und Freude sich in deiner Herrlichkeit, die ich im vollen Glanz erblicke. 5. Da werd ich deinen heilgen Rath noch mehr, als Das fünftige Leben. als hier, verstehen, dir dan ken, daß du mich den Pfad der Tugend hießest gehen und selbst durch Leiden die ser Zeit mich zu dem Glück der Ewigkeit so väterlich bereitet. 6. In höherer Vollkommenheit werd ich dann, Gott, dich lieben, und was dein Wille mir gebeut, mit frohem Herzen üben. O welche Quelle reiner Lust, sich keiner Sünde mehr bewußt, in Allem richtig handeln! 7. Mit allen Bürgern jener Welt werd ich dich dann erheben, werd ich dort ihnen zugesellt in( reinster Freundschaft leben. Es schlägt dann froh in meiner Brust mein ganzes Herz voll Lieb und Lust, die ich mit ihnen theile. 8. Ja, ewig ist, mein Gott, bei dir der Freuden reinste Quelle! Sie fließet täglich und bleibt mir stets unversiecht und helle. Mein Glück währt da in Ewigteit; Nichts fehlt ihm an Vollkommenheit. Herr, hilf es mir erreichen! Mel. Schon ist der Tag von 288 Vergelten wirst du denen, Gott, die hier die Tugend übten, doch auch bestrafen nach dem 207 Tod, die stets das Laster liebten. Vergebens ist dann ihr Bemühn, sich und dir, Richter, zu entfliehn und deiner heilgen Ordnung. 2. D schrecklich wird es für sie sein, sich selbst dann anzuklagen, die Leiden alle, jede Pein durch eigne Schuld zu tragen; die sie verführten, selbst zu sehn, wie sie umsonst Erbarmung flehn und ihrem Beispiel fluchen. 3. Weh dem, der nun ein höher Glück als wirklich vor sich siehet und doch bemerkt, wie es zurück vor ihm Unwürdgen fliehet, wie Sinnenlust im Tod zerfloß, und Freuden, die er hier genoß, er nun vergebens heischet! 4. Welch Elend, sich so weit vom Ziel mit dem Bewußtsein sehen: auch dir gab Gott der Mittel viel, zum Heile einzugehen, und doch selbst keines Trostes Spur, des innern Richters Stimme nur zu steter Qual zu hören; 5. Verbunden überdieß zu sein mit vielen Lasterhaften, die nur an Bosheit sich erfreun und Wuth der Leidenschaften und gegenseitig sich zur Last, weil jeder nur den andern haßt, zur ewgen Marter werden. 6. Und Unsterblichkeit und Vergeltung. 208 6. Und wer in dieser Leidensnacht sein Unglück ganz empfindet, vom Lasterschlafe nun erwacht und sich doch fraftlos findet zum Stre: ben nach Vollkommenheit: o, Qual für eine Ewigkeit liegt dann in dem Gefühle! 7. Das ist das Feuer, wel ches brennt im Innersten des Herzens; das sind Gefühle, die nur kennt der Jammersohn des Schmerzens! O, Vater, Vater, welch ein Bild, wenn sichs so jammervoll vergilt, von unsrer Pflicht zu weichen! 8. Was könnt uns also eine Welt mit ihrem Reichthum nüßen, wenn wir nicht das, was dir gefällt, der Tugend Schatz besitzen? Nur sie währt ewig, sie beglückt! O, hilf mir, Gott, daß sie mich schmückt und schüßt vor solchem Elend. Mel. Gottlob, ein Schritt zur 289 Vollendet freudig euren Pfad, bleibt, Christen, Gott er geben; einst wird vergolten jede That in jenem beßren Leben. Der Fromme har ret wonnevoll des Richters; denn wer glaubt, der soll Gott nicht als Richter fürchten. 2. Die stille That, der Pflicht geweiht, wird Gott einst offenbaren. Lob wird der wahren Frömmigkeit vor Allem widerfahren. O welch ein Ruhm, den sie gewinnt! Selbst heilige Gedanken sind bestimmt, belohnt zu werden. 3. Wen keine Wollust, wen kein Geiz, kein eitles Lob bethörte; wer, selbst bei aller Lüfte Reiz, die Stimme Gottes. ehrte; wer strebte, mäßig, keusch und rein, demüthig, sanft und mild zu sein, dem wird Gott reichlich lohnen. 4. Wer eines der Gerings sten sich erbarmte, was ihn drückte, ihm tragen half und brüderlich die Leidenden er quickte: das siehet der Ge rechte an, als hätt er solches ihm gethan; und er will's ihm vergelten. 5. Laßt, Christen, tugendhaft und rein uns wandeln hier im Leben; dort wird uns Gott Vergelter sein und ewge Wonne geben; dort reift die hier gestreute Saat, dort lohnet jede gute That mit himmlischem Entzücken. wwwwww Zweite Zweite Abtheilung. Lieder über die christlichen Lebenspflichten. Gesinnung und Verhalten des Christen im Allgemeinen. 290 Mer. Schon ist der Tag er Jesum ehrt und liebt, mit Ernst die Sünde scheuet, wer in der Frömmigkeit sich übt und sich der Lugend freuet, nie seines Daseins 3wedt vergißt, nur der wird als ein wahrer Christ stets den ten, leben, handeln. 2. Gott ist es, den er findlich ehrt; bekannt mit seinem Willen, sucht er als Christ, von ihm belehrt, ihn treulich zu erfüllen; liebt jede Vorschrift, jede Pflicht und unterwirft mit Zuversicht sich ihm, dem Menschenvater. 3. Wie edel ist des Christen Herz, wie liebreich gegen Brüder! Er theilt mit ihnen ihren Schmerz und 209 freuet sich auch wieder, wenn ihnen nach des Kummers Freude lacht und ihre Klagen schweigen. 4. Er dienet ihnen, wo er kann, hört des Bedrängten Flehen als Menschenfreund erbarmend, an, kann ihn nicht leiden sehen, eilt ihn zu retten und erquickt den, den die Last der Sorgen drückt, durch seines Wohlthuns Segen. 5. Er betet und er betet gern, weil ihn sein Herz dieß lehret, und weil er Gott, der Welten Herrn, als Vater fromm verehret, entfernt von aller Heuche lei, vom Wahn des Aberglaubens frei mit Andacht und mit Eifer. 6. Er freut sich der Gelegen 210 Gesinnung und Verhalten des Christen. legenheit, den Vortrag heilger Lehren und jede Pflicht, die Gott gebeut, auch öffentlich zu hören. Der Brüder Andacht reizet ihn, sich der Zerstreuung zu entziehn, im Guten sich zu stärken. 7. Gott, laß mich jede Christenpflicht mit frommem Eifer üben! Aus Wahn und Leichtsinn laß mich nicht den Schein der Tugend lieben! Laß, deines Beifalls mich zu freun, laß meine Pflicht mir heilig sein, als Christ stets denken, handeln! Mel. Erschienen ist der herrlich 291 Empfinde deinen hohen Werth! Gott selbst, o Mensch, hat dich geehrt, hat mit Verstand dich ausgeschmückt und über Staub emporgerückt. Vergiß es nie! 2. Du schmähest, was dein Gott dir gab, du würdigst dich zum Thier herab, wenn deines Lebens kurze Zeit in Thorheit dir und Eitelkeit vorüberflieht. 3. Gebrauchen sollst du den Verstand. Nur darum gab ihn Gottes Hand. Du sollst ihn treu der Wahrheit weihn, ihn hilden und ihm Licht verleihn, so viel du kannst. 4. D sieh umher, wie roh, wie blind noch viele deiner Brüder sind! Ihr Geist, umhüllt von dunkler Nacht ist immer noch nicht aufge wacht. Bedaure sie! 5. Entreiße dich der Dunkelheit! Erwache, Sohn der Ewigkeit, und strebe mit entzücktem Sinn zum hohen Ziel der Weisheit hin! Das fordert Gott! 6. Die tausend Wunder in der Welt hat er umsonst nicht aufgestellt. Mit Frohgefühl sollst du sie sehn und ihres Schöpfers Ruhm erhöhn und dankbar sein. 7. Er lenkt mit Liebe, was er schuf, und dir ertönt der sanfte Ruf: O siehe, wie dein Gott regiert und Alles, Alles, herrlich führt und nichts versäumt. 8. Bedenke, was die Menschheit ehrt und reine Freuden ihr gewährt! Erhebe deines Geistes Blick vom wandelbaren Erdenglück zum höchsten Gut! 9. Dich selbst, dein Stre ben, deine Kraft erforsche stets gewissenhaft und lerne, schnödem Wahn entflohn, von Jesu die Religion, die dich verklärt. 10. Ja, sei ein Christ, ein wahrer Christ; dann siehest du, was Weisheit ist, dann stürzt des Aberglau bens Reich, dann schwingt dein Geist sich, Engeln gleich, zum Licht empor. 11. O Weisheit Jesu, leite im Allgemeinen. leite mich! Ich bin ein Christ und liebe dich. Ich fühle fie, die rege Kraft, die Gott in meiner Seele schafft, dir treu zu sein. 12. Mag jeder Reiz der Welt verblühn und meines Lebens Hauch entfliehn; o Weisheit, du wirst mich erfreun und meines Geiftes Zierde sein in Ewigkeit. In eigener Melodie. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht 293 Wer hat den 292 Fe Zern sei uns der Glauben, Irrthum, fern, daß auch diese Christen wären, welcheJesumzwarals Herrn wohl mit ihrem Munde ehren, aber ihm nicht gleichgesinnt, nicht der Tugend Freunde find! 2. Ferne sei von uns der Wahn: sich mit dem allein zu trösten, was einst Jesus hat gethan; einen Christen und Erlösten sich zu nennen, wenn man nicht treu erfüllt des Christen Pflicht! 3. Schände nie, wer Jesum kennt, Jesum durch ein Sündenleben! Wer den Göttlichen bekennt, der muß sich auch ernst bestreben, stets zu wandeln auf der Bahn, wo uns Jesus ging voran. 211 durch Werk und That zu sein, jedes Unrecht stets zu scheun! 5. Was wir säen, ärndten wir. Reicher Segen wird gegeben dem, der treulich säte hier für das künftge beßre Leben. Laß mich. reichlich Samen streun und mich dort der Aerndte freun 4. Gott, ergreife meinen Geist, daß kein unfruchtbarer Glaube, der dich nur durch Worte preist, mir den frommen Eifer raube, Christ sen Früchte beweisen, daß er Gott gefällt und einst vor seinem Angesichte der Tugend hohen Preis erhält? 2. Der, der durch seines Geistes Triebe zu allem Guten sich entschließt und Gott aus Dankbarkeit und Liebe gehorsam und ihm ähnlich ist; 3. Der, der vor Gott unsträflich wandelt, Nichts lieber thut, als seine Pflicht; der heilig denkt und heilig handelt und gern die Wahrheit sucht und spricht; 4. Der alle Menschen herzlich liebet, gerecht, ge lind, voll Redlichkeit und mild ist, keinen je betrübet und Andre zu erfreun sich freut; 5. Der gern verzeiht dem, der ihn schmähet, an Feinden auch das Gute schäßt, nicht lästert und nicht stolz sich 212 Gesinnung und Verhalten des Christen sich blähet und seinen Nächsten nie verlegt; 6. Der die Verehrer Gottes ehret und thut, wie sie, was Gott gefällt; der, was er seinem Nächsten schwöret, und schwür er sich zum Schaden, hält; 7. Der nie, zum Troße der Gefeße auf ungerechten Wucher leiht und durch gerecht erworbne Schäße der Armen trauernd Herz erfreut; 8. Der die Bedrängten und die Armen erquickt, in Schuß die Unschuld nimmt: der findet auch bei Gott Erbarmen, dem ist des Glaubens Breis bestimmt. 9. Der, der im Glücke stets bescheiden, in Trübsal stets geduldig ist, der, Gott, erbt deines Himmels Freuden, der ist dein Kind, der ist ein Christ! Mel. Freu dich sehr o meine S. 294 Höchster, denk ich an die Güte, die du mir bisher ers zeigt, o so wird mein ganz Gemüthe zu der tiefsten Scham gebeuget, daß ich dich gering geschäßt, häufig dein Gebot verlegt und dich, der mich so geliebet, mit Vergehungen betrübet. 2. Alle meine Seelenkräfte, meine Glieder sind ja dein, und sie sollten zum Geschäfte deines Dienstes fertig sein; doch hab ich der Eitelkeit unbedachtsam sie geweiht; ja, zum schnöden Dienst der Sünden ließ ich mich oft willig finden. 3. Deine Huld war jeden Morgen über mir, o Bater, neu. Von wie manchen schweren Sorgen mach test du das Herz mir frei! Was mir nüßte, gabst du mir; aber, ach, wie dankt ich dir! O wie hab ich so vermessen deines Wohlthuns Zweck vergessen! 4. Bei so hellem Licht der Gnaden sollt ich ja die Sünde fliehn und um Rettung von dem Schaden meiner Seele mich bemühn. Deine Güte lockte mich oft zur Buße, aber ich floh vor ihrem sanften Locken, suchte mich selbst zu verstocken. 5. Ich erkenne meine Sünden, beuge mich, mein Gott, vor dir. Laß mich bei dir Gnade finden; neige Herr, dein Ohr zu mir! Ach, vergib, was ich gethan! Nimm mich doch ers barmend an! Führe mich vom Sündenpfade schnell zurück durch deine Gnade! 6. Dir ergeb ich mich aufs neue. Gib, daß mein gebeugter Geist deiner Vaterhuld sich freue, die dein tröstend Wort verheißt! Was dein Sohn auch mir erwarb, als im Allgemeinen. als er für die Sünder starb, Fried und Freude im Gewissen, ach, das laß auch mich genißen! 7. Stärke selbst in meiner Seele den Entschluß, mich dir zu weihn; gib, daß mirs an Kraft nicht fehle, folgs sam deinem Wort zu sein! Stehe mir stets mächtig bei; mnache du mich selbst getreu! Dich zu lieben, dir zu leben, fei mein ernstliches Bestreben! Mel. O Gott, du frommer Gott 295 Gott, du erforschest mich; dir kann ich nichts verhehlen; du siehest jede That, kennst jeden Rath der Seelen. Jch flehe, Herr, zu dir, erhöre huldvoll mich: entdecke mir mein Herz, denn ach, oft täuscht es sich. 2. Ich bin ein Chrift, o Gott, getäuft auf deinen Namen. Erfüllt ich jede Pflicht des Christenthums, und tamen die Werke, die ich that, aus Frömmigkeit und Pflicht? Bin ich ein Heuchler nur, so ehr ich Chriftum nicht. 3. Hab ich dich, Gott, geliebt und durch ein weises Leben der Tugend mich geweiht, mein Herz dir ganz ergeben? Hat mich dein Unterricht gebeffert und ers freut? War ich, was er be 213 fiehlt, auch stets zu thun bereit? 4. Dankt ich dir für mein Glück, für jede meiner Freu den? Vertraut ich standhaft dir in Kummer, Noth und Leiden? War ich beim Reiz der Welt auf's Ewige bedacht? und hab ich jeden Tag, so wie ich soll, vollbracht? 5. Gebraucht ich meinen Geist mit allen seinen Kräften zu meiner Brüder Wohl, zu nüßlichen Geschäften? Hab ich für meinen Leib mit Weisheit stets gewacht und keine böse Lust genährt und angefacht? 6. Hab ich die, welche du zur Aufsicht mir vertrauet, durch eignes Beispiel gern gebessert und erbauet? Sorgt ich stets für ihr Wohl und ihre Seligkeit und straft ich ihr Vergehn mit Ernst und Freundlichkeit? 7. Blieb ich der Wahrheit treu? War ich voll Menschenliebe, und regten sich in mir des Mitleids edle Triebe? Brach ich dem Hungrigen mit Freudigkeit mein Brod? Half ich durch Rath und That Bedrängten aus der Noth? 8. War ich der Unschuld Trost und hab ich sie vertheidigt? Hab ich durch Härte nie den Dürftigen beleidigt? Floh ich den lleber= 214 Gesinnung und Verhalten des Christen bermuth, des eitlen Stol zes Reiz? Verschloß ich Aug und Herz der Mißgunst und dem Geiz? 9. Hab ich, wie Jesus that, gesegnet, die mir fluchten? geliebet, Jesu gleich, die mir zu schaden suchten? beherrschet stets den Born? gezeigt Versöhnlichkeit? mich nie am Feind gerächt? vermieden Zank und Streit? 10. Allwissender, wer kann, wie oft er fehlet, merken? Sei gnädig, handle nicht mit mir nach meinen Werten! Vergebung ist bei dir; laß ihren Trost auch mein und mich durch ihn gestärkt zum Fleiß der Beßrung sein. In voriger Melodie. 296 Wer Gottes Wege nur der hat Seelenfrieden. Wie herrlich ist sein Lohn ihm felbst von Gott beschieden! Voll Glaubens widersteht er jeder bösen Lust, ist seiner Tugend sich, sich ihres Werths bewußt. bekämpft die Sinnlichkeit, scheut nicht des Kampfes Schmerzen. Er eilet, wenn er fehlt, den Fehler zu be reun, und strebt mit ernstem Fleiß der Tugend sich zu weihn. 4. Getreu in seinem Stand genießt er Gottes Gaben vergnügt, wenn Andre gleich mehr Glück und Ansehn haben, als Christ, bei Weni gem zufrieden, frei von Neid, von Habsucht und von Geiz, von Stolz und Eitelkeit. 5. Schenkt Gottes Hand ihm viel, so wird er Vielen nüßen, des Freundes Glück erhöhn, verlaßne Tugend schüßen. Auch selbst Belei diger wird er in Noth er freun und wie sein Gott gesinnt, wird er auch gütig 6. Er kränkt den Bruder nicht, er schüßt sein Glüd, sein Leben. Er ist, nach Jesu Sinn, stets willig zum Bergeben, voll Achtung eh ret er in ihm des Höchsten Bild, denkt: Gott, der Hei lige, ist gegen mich ja mild. 7. Im Guten sucht sein Herz die Brüder zu bes stärken; er muntert alle auf zu guten, edlen Wers ken. Mit Christensinn nimmt er an ihrer Tugend Theil und denkt: Wir haben ja Herrn, Ein 8. Das 2. Er merkt auf seinen Gang, geht ihn mit festem Muthe, wird in der Schwachheit stark, liebt immer mehr das Gute. Ihn machet Got tes Geist gerecht und tugendhaft, und er nimmt immer zu an Einsicht und an Kraft. 3. Gott hat er allezeit vor Augen und im Herzen, Heil! nur Einen 215 4. Nie will ich fragen: ob zu Freuden der Pfad der Tugend und des Rechtthuns führt; nie zaghaft ihn zu wandeln meiden, wenn er in Nacht und Dunkel sich verliert. Du winkst, D Gott; Gehörsam ist mir Pflicht; mein Glaube gibt mir Muth und Zuversicht. 5. Dir will ich suchen hebt sich auf nachzuahmen, o Jesus! Mender der du so gern den Leidenden, die zu dir kamen, Erretter warst, nie soll mein Herz mehr fern dem Armen, der verlassen trauert, sein; ich will ihm Hülfe, Troft und Liebe weihn! 6. Mit warmem, liebevollem Herzen will ich mich immer mit den Frohen freun, Kränkung Schmerzen nicht der unverdienten ahnden, dem Beleidiger verzeihn. Bescheidenheit und Sanftmuth sei mein Ruhm, Gewissensruh mein großes Eigenthum! 7. Die Kräfte, die du mir gegeben, will ich getreu zu nüßen mich bemühn; zu großen Zwecken war dieß Leben, von dir, o Gott, aus Liebe mir verliehn. Um herrlicher dort wieder aufzublühn, sinkt auf deinen Wink zum Grab einst hin. 8. Wenn von Versuchun gen im Allgemeinen. 8. Das Heil der Ewigteit, das hier der Fromme schmecket, erhält sein Glück und macht, daß keine Noth ihn schrecket, giebt ihm im Leiden Muth und stillet je den Schmerz. Im Tode freut sich noch sein Gott ergebnes Herz. In eigener Melodie. s 297& Schwingen, Unendlicher, mein Geist zu dir empor, den frommen Borsaß dir zu bringen: den Tugendpfad, den ich so oft verlor, will ich, o Gott, mit neuer Treue gehn und durch sie der Sünde Reiz groß verschmähn. 2. Wohin sich nur mein Auge wendet, erblick ich deiner Liebe Segensspur. Wer wachte für mein Glück? Wer fpendet der Freuden Fülle aus durch die Natur? Gott, deine Liebe! Liebe weih ich dir, mit Freudenthränen, Ewiger, dafür! 3. Wenn einst vielleicht sich bang und leise zu meinem Herzen trübe Sorge schleicht, Gefährtin meiner Pilgerreise nun Schwer muth wird und jede Hoffnung weicht; dann will ich auf zu dir, mein Vater, schaun und selbst im Schmerz dir kindlich noch vertraun. 216 Gesinnung und Verhalten des Christen gen umgeben, mein Blick in Labyrinthe sich verirrt der Sünde Reiz zu widerstreben, die täuschend lockt, oft schwer dem Herzen wird, blick ich zu dir; du wirst mir Muth verleihn, kein Opfer, das die Pflicht ge beut, zu scheun. 4. Gott, du willst des Sünders Leben; dir ist seine Seele werth. Gnädig willst du ihm vergeben, wenn er sich zu dir bekehrt. Mitten au dem Sündenwege machst du sein Ges wissen rege. Wohl dem, der zu seiner Pflicht um kehrt! Den verwirfst du nicht. 5. Allen, die zu dir sich wenden, über ihre Schuld betrübt, willst du Troft und Gemüthe wenn ihr Herz sich dir ergibt. Freude schenket deine Güte dem geängsteten Gemüthe, dem du seine Sündenlast liebreich abgenommen hast. 6. Herr, zu was für Seligkeiten du in jener bessern Welt jeden Sterblichen willst leiten, der dir Treu und Glauben hält, offenbarst du allen Seelen, die zu ihrem Heil dich wählen. Deinen ganzen Gnadenbund machst du deinen Kindern kund. 9. Ja, treu zu sein, bis einst am Biele auch mir dort der Vergeltung Balme weht, gelobt mit heiligem Gefühle dir jeßt mein Herz, das findlich zu dir fleht: gib Kraft dazu und leit an beiner Hand den müden Pilger hin ins Vaterland. jahre nicht! Laß mich Gnade vor dir finden, geh nicht mit mir ins Gericht! Alle Sünden, die uns reuen, willst du väterlich verzei hen. D. so höre denn auch mich! Meine Seele hofft auf dich. Mel. Alle Menschen müssen 298 h erhebe mein fuchtsvoll, mein Gott, zu dir. Ich verehre deine Güte; o wie theuer ist sie mir! Gott der Liebe und des Les bens, Reiner harrt auf dich vergebens; nur Verächter deiner Huld stürzet ihre eigne Schuld. 2. Lehre mich, Herr, deine Wege; zeige deinen Wil len mir; leite mich die rechten Stege, daß kein Abweg mich verführ! Gott, du sie hest mein Vertrauen! Sicher kann ich auf dich bauen; deine Vatertreue ist ewig, wie du selber bist. 3. Ach, gedenke, Herr, der Sünden meiner Jugend7. Dir will ich mich denn ergeben; Gott, mein Gott, verlaß mich nicht! Laß mich heilig vor dir leben, treu sein meiner ganzen Pflicht! Keine im Allgemeinen. Keine schnöde Luft der Sünden soll mich ferner über winden. Nimm du dich nur meiner an, daß ich standhaft bleiben kann! Mel. Sollt ich meinem Gott 299 Bilden soll ich mich auf Er den, Gott, für deine Ewigteit; hier in ungewisser Zeit, täglich weiser, besser werden; und nach dieser großen Pflicht richtet mich einst dein Gericht. 2, Jede Stunde meines Lebens, selbst Minuten zähl test du, wogest jede Kraft mir zu; keine gabst du mir vergebens! Wuchern stets mit Kraft und Zeit soll ich für die Ewigkeit. 3. Und ich lebte nur auf Erden, um den Sinnen wohlzuthun, konnte träg und sicher ruhn; suchen, glücklich nur zu werden durch Gewinn der Eitelkeit, den ein Augenblick zerstreut! 4. Gott, wie war mein Geist verblendet! Wie viel Tage sind mir schon unge nügt zum Heil entflohn! wie viel Kräfte schon verschwendet! Doch mich rufet noch die Pflicht, und ich säume länger nicht. 5. Zu befrein mich von dem Hange meiner sündli chen Begier, wurde täglich schwerer mir; und ich weiß 217 ja nicht, wie lange mich noch deine Langmuth trägt, nicht, wann meine Stunde schlägt. 6. Drum will ich nicht länger weilen, wo das Eitle mich belügt, mich um ewges Heil betrügt; eilen will ich, Gott, nun eilen, auf der Bahn der Besserung zu dem Ziel der Heiligung. 7. Ich will stets mich selbst bezwingen; eingedenk der Rechenschaft, wuchern noch mit Zeit und Kraft; will mich durch Versuchung ringen, um vor dir einst zu bestehn und zum Leben einzugehn. I Mel. O Gott, du frommer Gott 300 ir, bu Ewis ch blick empor zu ger, der Allen, die durch der Prüfung Land zum großen Ziele wallen, Vergelter, Richter ist, und fleh voll Innigkeit: gedenk der Sünden nicht, die tief mein Herz bereut! 2. Wie oft gelobt ich dir in ernster Andacht Stille: mein heiligstes Gefeß, o Gott, sei stets dein Wille! Du kennst mein Herz; du weißt, es war der Vorsag rein, bir treu auf jedem Pfad, den du mich führst, zu sein. 3. Und dennoch fehlt ich oft! Wer kennt des Hersens Tiefen? Ach, böse Lüste, die so tief verborgen schlie R fen, 218 Gesinnung und Verhalten des Christen fen, erwachten, aufgereizt laß einst am großen Ziel, vom Sturm derLeidenschaft; o Gott, dein Heil mich sehn! betäubt und überrascht erlag bald meine Kraft. 4. Nun schau ich prüfend hin auf die durchlebten Tage, sie bringt kein Wunsch zurück und keine bange Klage; doch ihre Thaten führt mit richterlichem Blick mir ernst und warnend oft Erinnerung zurück. 5. Der Edle, der sein Herz schon früh der Tugend weihte, fühlt hohe Seligkeit, sieht er an ihrer Seite auf die durchlaufne Bahn mit stiller Heiterkeit. Er hat gesät in ihr für eine Ewigkeit. 6. Und diese Seligkeit, des Herzens süßen Frieden, das höchste Gut, das hier den Sterblichen beschieden, erwarb ich mir noch nicht! Den bleibenden Gewinn gab ich, vom Schein getäuscht, für kurze Luft oft hin. 7. Jch unterließ die Pflicht, die Reizungen zu Sünden, durch Weisheit und durch Muth gestärkt zu überwinden; ergebungsvoll und still mit ruhigem Vertraun, auf dornenvollem Pfad zu Gott emporzuschaun. 8. Verzeih, Algütiger! Du siehst der Reue Zähren. Du wirst dem Schwachen Kraft und Hülfe gern ges währen. Mit neuer Treue will ich deine Wege gehn; Mel. So fliehen unsre Tage 301 Mein Herz, Gott ich dir zum Eigenthume weihn. Es forderts ja dein Wort von mir; drum sei es ewig dein! 2. Zwar hat es durch den Hang der Welt, durch Lust und Eitelkeit, die, Heis liger, dir nicht gefällt, sich oft, ach oft, entweiht. 3. Doch sieh, es fühlet seine Schuld, gelobt bir Besserung und fleht zu dir um Gnad und Huld, um Kraft zur Heiligung. 4. Verwirf, verwirf mein Flehen nicht: sei mir mit, Gnade nah! Zu dir stehi meine Zuversicht, mein Vaj ter bist du ja. 5. Dieß bürgte mir, ge sandt von dir, dein Sohn mit seinem Blut; verleih durch deinen Geist nun mir zur Behrung Kraft und Muth! 6. Hilf, daß ich dir, mein Herr und Gott, im Glau ben stets getreu und gegen List, Gewalt und Spott im Guten standhaft sei! 7. Hilf, daß ich sei im Leiden fest, durch Hoffnung und Geduld; mein Trost, wenn Alles mich verläßt, sei deine Vaterhuld! 8. Hilf, im Allgemeinen. 8. Hilf, daß ich gegen Jedermann, von Stolz und Neide frei, aufrichtig und, so viel ich kann, zu dienen willig sei! 9. Hilf, daß ich wohlzuthun mich freu und, fern von Rachbegier, selbst meinem Feinde gern verzeih; denn du verzeihst auch mir. 10. Dich, Gott, verehren, sei mein Ruhm, entfernt von Heuchelei, damit mein ganzes Christenthum dir wohlgefällig sei! 11. So nimm es denn zum Tempel ein, mein Herz, hier in der Zeit; und laß es deine Wohnung sein auch in der Ewigkeit! 12. Weg, Welt, weg Sünd! Euch dien ich nicht! Nur Gott, nur Gott alein: dieß, dieß ist meine Zuversicht, kann ewig mich erfreun. Mel. Wer nur den lieben Gott 302 Mein Gott, zu dem ich weis nend flehe, erbarme deines Kindes dich! Ach, sieh auch jest von deiner Höhe mit gnadenvollem Blick auf mich! Vergib mir, Vater, gehe nicht mit mir, dem Sünder, ins Gericht! 2. Wie oft hast du mir schon vergeben, wenn reuvoll ich um Gnade bat; wie oft versprach ich dir ein Le 219 ben, gereiniget von Missethat; wie feierlich war dann mein Eid des Glaubens und der Frömmigkeit! 3. Ach, aber bald ergriff mich wieder die Sünd und ihre Luft mit ihr, riß mei nen frommen Vorsaß nieder und herrschte wie zu vor in mir! Zum Widerstande viel zu schwach, floh ich nicht, sondern gab ihr nach. 4. Wie viele sündenvolle Tage durchlebt ich, Vater, wie im Traum und sammelte mir Schmach und Plage und fühlte dieß mein Elend kaum! Verwundet blutete mein Herz; betäubt empfand ich keinen Schmerz. 5. Ich ging den Weg zum Untergange, den dein gerech ter Ernst mir droht. Jezt ist um Trost mir Sünder bange; wer rettet mich aus meiner Noth? Mein richtendes Gewissen wacht, und Alles um mich her ist Nacht. 6. Zu went, o Vater, soll ich fliehen? Wo findet meine Seele Ruh? Wer kann sie aus dem Elend ziehen, in dem sie seufzet, als nur du? Mein ganz Vertraun seß ich auf dich: du, Freund des Lebens, rettest mich! 7. Für alle, auch für meis ne Sünden, floß einst des Welterlösers Blut. O laß durch ihn mich Gnade finK 2 den, 220 Gesinnung und Verhalten des Christen den, du, meiner Seele höchftes Gut! Noch einmal, Vater, sprich zu mir: Auch diese Schuld erlaß ich dir. 8. Gott, sei mein Zeuge, da ich schwöre: mein Herz soll dir geheiligt sein! Dir, deinem Willen, deiner Ehre will ich mein ganzes Leben weihn; der Sünde will ich widerstehn und standhaft deine Wege gehn!" 9. Vergiß nicht wieder, meine Seele, wie oft du schon gefallen bist! Vergiß nicht mehr des Herrn Befehle, nicht mehr, daß er dein Retter ist! Ruf ihn im Glauben täglich an: erhalt mich, Herr, auf ebner Bahn! Mel. Freu dich sehr, o meine S. chaffet, schaf303 tinder, schaffet eure Seligfeit! Bauet nicht wie sichre Sünder auf die ungewisse Zeit! Unverweilt befehret euch! Ringet nach dem Him: melreich! Strebet, heilig hier auf Erden, strebet, selig dort zu werden! 2. Daß nun dieses mög geschehen, so müßt ihr mit festem Muth jeder Sünde widerstehen; nur was Gott, das höchste Gut, von euch fordert, muß allein eures Lebens Nichtschnur sein; es mag eurem schwachen Herzen Freude bringen oder Schmerzen. 3. Selig, wer im Glauben kämpfet, selig, wer im Kampf besteht, wer des Fleisches Lüste dämpfet und den Reiz der Welt verschmäht! D, so strebt dem Guten nach, seht dabei auf Christi Schmach! Wer den Him: mel will ererben, muß erst seinen Sünden sterben. 4. Werdet ihr nicht stands haft ringen, sondern träg und lässig sein, eure Netgung zu bezwingen; wie kann euch der Sieg erfreun! Ohne tapfern Streit und Krieg folget nie Triumph und Sieg. Nur den Sieger schmückt zum Lohne seines Kampfs die Himmelskrone. 5. Sich voll Lichtsinn stets heißt, zerstreuen, thun, was Fleisch Kampf der Lüfte scheuen, ist der Welt, nicht Christi Geift. Wer ihn haben will, der fann auf der Tugend rauher Bahn nicht in sichrem Stolze leben und den Lüften sich ergeben. 6. Brünstig beten, allzeit machen, die Versuchung weißlich fliehn, sich die Pflicht zur Freude machen und mit Sorgfalt sich be mühn, selbst beim Spott und Hohn der Welt das zu thun, was Gott gefällt: dieß nur wollen und vollbringen im Allgemeinen. bringen heißet: nach dem Himmel ringen. 7. Drum entreißet euch den Lüsten, die ihr noch gefesselt seid, und beweiset euch als Christen muthig und getrost im Streit! Schont der liebsten Neigung nicht; übet auch die schwerste Pflicht! Denket oft an Christi Worte: dringet durch die enge Pferte! 8. 3ittern muß ich vor der Sünde und auf Jeju Vorbild sehn! Suchen will ich, daß ich finde, was mein Glück einst wird erhöhn! Fehl ich, o so gehe nicht, Richter, mit mir ins Gericht! Gib mir deines Gets stes Waffen, meine Seligteit zu schaffen! 9. Gib zum Wollen das Vollbringen! Gib mir Muth and Kraft zum Streit! Lehre mich mit Ernst bezwingen Alles, was mein Herz entweiht! Zeige mir von dei nem Thron den verheißnen Gnadenlohn, daß ich wache, bete, ringe und empor zum Himmel dringe! 221 2. Dein Wort gebeut und spricht: thu Buße, verändre, besfre deinen Sinn; fall deinem Gott voll Reu zu Fuße; sei nicht mehr Sünder, wie vorhin; von nun an sei, als Gottes Kind, ihm folg= sam, ähnlich ihm gesinnt! 3. Bezähme stets in dir die Liebe zu allem dem, was Sünde heißt, und folge jedem guten Triebe, den Gott erweckt durch seinen Geist; flieh, flieh die Lüste dieser Welt und thue nur, was ihm gefällt! Mel Mer nur den lieben Gott 304 Gott, Lehre mich verstehn und fassen, was Buße, wahre Buße sei! Hilf mir die Sünden ernstlich hassen, damit ich ohne Heuchelet mein Leben bebre, selbst mir treu und dir, Herr, wohlgefällig sei! 4. Erstatte deinem Nächsten wieder, was du mit Unrecht ihm entwandt, und leite die verführten Brüder zurück zur Tugend; beut die Hand dem Unterdrückten liebevoll; thu Jedem, auch dem Feinde wohl! 5. Flieh Neid, Verleumdung, Haß und Lügen, bes gehr nicht, was des Nächsten ist, zeig durch den Abscheu vor Betrügen, daß du ein Feind des Lasters bist: sei friedlich, weise, stets bereit, zu sterben, wann dein Gott gebeut! 6. Herr, dieß befiehlt mir deine Lehre. Du weißt am besten, wer ich bin; hilf, daß ich deine Stimme höre, und ändre du selbst meinen Sinn. Sieh, Besserung ge lob ich dir; gib Kräfte zum Vollbringen mir! R3 Mel. 222 Gesinnung und Verhalten des Christen Mel. Gott Bater, an Erbarmen o wahr ich lebe, 305 spricht dein Gott, mir ist nicht licb des Sünders Tod; ich will, daß er vom Bösen sich mit Ernst bekehr und suche mich; vom Elend seiner Sünden frei, geheiligt mir und selig sei. 2. Vernimm, o Mensch, Mel. Wer nur den lieben Gott dieß Gnadenwort und wandz 306 Ah, Gott, wie zum Gern will dein Gott dir gnädig sein, gern alle Sünden dir verzeihn. Sei reuvoll; doch verzage nicht und fasse Muth zu deiner Pflicht. mancher von den Tagen der mir beschie dnen Lebenszeit floh schon dahin, mich anzuklagen, ins Meer der langen Ewigkeit! Nicht jeden hab ich dir gelebt, nicht stets der Tugend nachgestrebt. 3. Doch hüte dich vor Sicherheit! Denk nicht: zur Buß ist wohl noch Zeit, erst will ich mit der Welt mich freun, und werd ich ihrer müde sein, dann beß'r ich, dann bekehr ichmich, undGott erbarmt noch meiner sich. 4. Wiß, der jest liebreich dir verzeiht, übt auch als Gott Gerechtigkeit; und, Sünder, dir ist unbewußt, ob du nicht morgen sterben mußt. Dann wehe dir, sinkst du ins Grab frech von des Lasters Pfad hinab! 5. Seut lebst du; heut bekehre dich! Eh morgen kommt, fanns ändern sich. Wer jest gesund ist, stirbt vielleicht, eh er den Abend noch erreicht. Drum wandle nicht in Sünden fort; du weißt, zu spät ist Buße dort. 6. Hilf denn, o Vater, hilf, daß ich noch heute, heute beffre mich, eh meine Schuld noch mehr sich häuft, eh mich ein schneller Tod ergreift, damit ich heut und jederzeit zu meinem Ende sei bereit. 2. Gar oft empörte sich im Leiden mein murrend Herz voll Ungeduld; und schenktest du, mein Gott, mir Freuden, o dann vergaß ich deiner Huld; genoß nicht jede, wie ich soll, nicht im mer reinen Dantes voll. 3. So war mein Herz auch gegen Brüder nicht immer sanft und liebevoll. Schlug mich erlittnes Unrecht nieder, so übernahm mich oft der Groll; und ich vergaß der Sanftmuth Pflicht und folg te Jesu Vorbild nicht. 4. Dir, Herzenskündiger, ist keine von meinen Sünden unbekannt. Vergib, was ich vor dir beweine, und leite mich an deiner Hand zu besserer Gesinnung hin, bis im Allgemeinen. bis ich ganz frei von Feh. lern bin! Mel. O Gott, du frommer Gott Millst du die Win Buße noch, 307 die Gott gebeut, verschieben, so schändest du sein Wort und mußt dich selbst nicht lieben. Ist deine Besserung nicht deiner Seele Glück? Und wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick? 2. Allein wie schwer ists doch, sein eigen Herz betämpfen, Begierden widerstehn und seine Lüste dämpfen! Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh ist dieß der einzge Weg. Und dem entsagest du? 3. Ist deine Pflicht von Gott, wie kannst du sie vergessen? Nach deinen Kräften selbst hat er sie abgemessen. Was weigerst du dich noch? Gott ist nicht ein Tyrann, der mehr von mir verlangt, als ich ihm leisten kann. 4. Sprich selbst: gewinnet Gott, wenn ich ihm kindlich diene und seiner werth zu sein im Glauben mich erkühne? Wenn du die Tugend übst, die Gott, dein Herr, gebeut, wem dienst du? Ringst du nicht nach deiner Seligkeit? 223 Weil es bein Unglück ist, befiehlt es Gott zu hassen. Was weigerst du dich noch, der Tugend Freund zu Weil sie dich glück macht, befiehlt sie Gott sein? lich allein. 6. Gott beut die Kraft dir an, das Gute zu vollbringen. Soll er durch Allmacht dich ihm zu gehorchen zwingen? Er gab dir die Ver nunft, und du verläugnest sie. Er sendet dir sein Wort, und du gehorchst ihm nie. 7. Sprich nicht: Gott kennt mein Herz; ich hab es ihm verheißen, mich noch dereinst, mich bald vom Laster loszureißen; jetzt ist dieß Werk zu schwer. Doch diese Schwierigkeit, die heute dich erschreckt, wächst sie nicht durch die Beit? 5. Was weigerst du dich noch, das Laster zu verlassen? 8. Je öfter du vollbringst, was Fleisch und Blut befohlen, je stärker wird der Hang. die That zu wiederholen. Scheust du dich heute nicht, des Höchsten Feind zu sein; um wie viel weniger wirst du dich morgen scheun! 9. Ist denn die Buß ein Werk von wenig Augenblicken? Kann dich kein schneller Tod der Welt noch heut entrücken? Ist ein Geschrei zu Gott, ein Wunsch nach Besserung und Angst der Missethat die wahre Heili gung? R4 10. s 224 Gesinnung und Verhalten des Christen 10. Jsts gnug zur Ses ligkeit, des Glückes der Erlösten, wenn uns der Tod ergreift sich sicher zu getrösten; ist das Bekenntniß gnug, daß uns die Sünde reut, so ist kein leichter Wert, als deine Seligteit. 11. Doch fordert Gott von uns die Reinigkeit der Seelen; ist keine Seele rein, der Glaub und Liebe fehlen, ist dieses dein Beruf, Gott dienen, den du liebst, so zittre vor dir selbst, wenn du dieß Werk verschiebst. 12. Der Glaube heiligt dich. Ist dieser dein Geschäfte? Nein, Mensch! Und du verschmähst des Geistes Gottes Kräfte? Erichreckt dich nicht sein Wort? Gibt in verkehrten Sinn den Sünder, der beharrt, nicht Gott zuleßt dahin? I 13. Hat Christus uns erlöst, damit wir Sünder bleiben und sicher durch fein Blut, das Laster höher treiben? Gebeut uns Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht, so ist es nicht von Gott. Gott widerspricht sich nicht. 14. Noch heute, weil du lebst und seine Stimme hörest, noch heute schicke dich, daß du vom Bösen fehrest. Begegne deinem Gott, willst du zu deiner Bein dein hier versäumtes Glück nicht ewig bereun! 15. Entschließe dich beherzt, dich selber zu besiegen; der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen. Was zagst du? Geht er gleich im Anfang langsam fort; sei wacker: Gott ist nah und stärkt dich durch sein Wort. 16. Ruf ihn in Demuth all; er tilget deine Sünden. und läßt dich sein Gefeß erst ihren Fluch empfinden, so widerstreb ihm nicht; denn Gottes Eraurigkeit wirkt eine Reu in dir, die niemals dich gereut. 17. So süß ein Laster ist, so gibts doch keinen Frieden. Der Tugend nur allein hat Gott dieß Glück beschieden. Ein Mensch, der Gott gehorcht, erwählt das beste Theil; ein Mensch, der Gott verläßt, verläßt sein eignes Heil. 18. Die Buße führt dich nicht in eine Welt voll Let den; Gott kennt und liebt dein Glück; fie führt zu wahren Freuden, macht deine Seele rein, füllt dich mit Zuversicht, gibt Weiß heit und Verstand und Muth zu deiner Pflicht. 19. Sprich selbst: Ist dieß kein Glück, mit ruhigem Ges wissen die Güter dieser Welt, des Lebens Glück genießen und mäßig und gerecht in dem im Allgemeinen. dem Genusse sein und sich der Seligkeit schon hier im Glauben freun? Mel. Wer nur den lieben Gott Mie theuer, WGott, ist 308 Wi deine Güte, die alle Missethat vergibt, sobald voll Reue das Gemüthe die Sünden, die es sonst ge liebt, erkennt, bereut und ernstlich haßt und Zuversicht zum Mittler fast! 225 gnädig meine Schuld und heile mein verwundt Sewissen mit Trost aus deiner Vaterhuld! Ich will mit Ernst die Sünde scheun und willig dir gehorsam sein. 6. Daß mit Gerechtigkeit auch Stärke zur Tugend mir verliehen sei, laß mich durch Uebung guter Werke beweisen; mache selbst mich treu, Herr, in der Liebe gegen dich! Sie leite und regiere mich! 7. Laß mich zu deiner Ehre leben, der du die Missethat vergibst, das has sen, was du mir vergeben, das lieben, was du selber liebst! Laß, Vater, mein Gewissen rein und heilig meinen Wandel sein! 2. Doch laß mich ja nicht sicher werden, weil du so reich an Gnade bist! Wie kurz ist meine Zeit auf Erden, die mir zum Heil gegeben ist! Gib, daß sie mir recht wichtig sei, daß ich sie meiner Beßrung weih! 3. 3war deine Gnade zu verdienen, sind Reu und Beßrung viel zu klein; doch darf sich auch ein Mensch erkühnen, zu glauben, dir Am allgemeinen Bußtage. Mel. Herzlich licb hab ich dich versöhnt zu sein, wenn er 309 Grezuflucht biſt, noch liebt, du fällt, und nicht dein Wort von Herzen hält? Herr, unser Mittler, Jesu Christ, Geist Gottes, Geist der Gnaden! Unendlicher, verwirf uns nicht! Wir kom men vor dein Angesicht, mit Missethat beladen. Nimm von uns unsreSündenschuld, du Gott der Langmuth und Geduld! Erhöre gnädig unser Flehn, daß wir dein Heil, Erbarmer, sehn! Herr, unser Gott, verbirg uns K 5 nicht 4. Nie kannst du dem die Schuld erlassen, der frevelnd Schuld auf Schulden häuft. Der kann kein Herz zu Jesu fassen, der zwar auf sein Verdienst sich steift, doch in der Sünde noch beharrt, das für er selbst ein Opfer ward. 5. Drum fall ich dir, mein Gott, zu Füßen: vergib mir 226 Gesinnung und Verhalten des Christen nicht dein Angesicht und geh mit uns nicht ins Gericht! 2. Ward Recht und Pflicht von uns entweiht, gebrochen unfres Bundes Eid, dein Weg von uns verlassen: o sieh, wir kehren voller Reu zurück zu dir; laß, Herr, aufs neu uns deine Gnade fassen! Sie leit uns auf den ebnen Pfad, den uns dein Wort bezeichnet hat, daß Irrthum und Versuchung nie uns auf die Bahn des Lasters zieh! Herr, unser Gott, groß von Geduld, vor neuer Schuld behüt uns deine Vaterhuld! 3. Dein Segen komm auf unserLand! Laß es, beschirmt von deiner Hand, des Friedens Ruh genießten! Wend ab von uns der Flammen Wuth und die Verwüstung wilder Fluth, des Krieges Blutvergießen! Sei unser Retter, wenn uns Noth des Mangels und der Seuchen droht! Du, Vater, wollest mit uns sein, daß wir uns deines Schußes freun! Herr, unser Gott, verleih uns Muth! In deiner Hut sind wir; und was du thust, ist gut. 4. Gib Frieden, wo sonst 3wietracht war; vereine, was getrennet war; schenk uns der Eintracht Segen! Uns leite, Gott, dein guter Geist, und was dein theures Wort verheißt, sei Licht auf unsern Wegen! Laß, Herr, in Lehr und Wandel rein die Diener deines Wortes sein und bringe zu der Wahrs heit Glück, zu dir die Fr renden zurück! Herr, unser Gott, breit aus dein Wort an jedem Ort; gib Geift und Kraft zu deinem Wort! 5. Auch die Regenten lenke du, daß weise sie, in sichrer Ruh, der Völker Wohlstand heben! Dem Fürsten, der uns schüßt und liebt, gib, der in ihm so viel uns gibt, ein frohes, langes Leben! Noch lange sei sein Vaterblick uns, seinen Kindern, Schuß und Glück! O schütt auf ihn und auf sein Haus und seine Räthe Segen aus! Herr, unser Gott, in dei ner Hand ist unser Land, be glück es, segne jeden Stand! 6. Vernimm der Leidenden Gebet! Wer in der Noth um Rettung fleht, dem hilf aus seinen Nöthen! Gib Kranken Linderung und Ruh; die Sterbenden erlöse du, erhör ihr leßtes Beten! Sei aller Unterdrückten Heil, der Wittwen und der Waisen Theil; vereitle der Verfolger Rath und lehre sie den rechten Pfad! Herr, unser Gott, durch alles Leid der Bilgerzeit führ uns zu deiner Herrlichkeit! 7. Du im Allgemeinen. 7. Du thust weit mehr, als wir verstehn, kannst mehr gewähren, als wir flehn; laß uns Erhörung finden! Oneig auf unser Flehn dein Ohr, heb unser Herz zu dir empor und mach uns rein von Sünden! Laß uns dir nun geheiligt sein, im Leben und im Tode dein! Wir sind durch Christi Blut erlöst: o du, der Sünder nicht verstößt, Herr, unser Gott, erbarme dich, erbarme dich! Vergib uns, leit uns väterlich! Mel. Befiehl du deine Wege 310 ft Gott für mich, so trete gleich Alles wider mich! So oft ich zu ihm bete, verliert mein Kummer sich. Hab ich nur ihn zum Freunde, wie selig bin ich dann! acht ich aller Feinde! nimmt sich meiner an. Was Er 2. Ja, dieß ists, was mich stärket: ich glaube fest, als Christ, daß Gott auch mich bemerket, auch mir ein Bater ist, daß er zu allen Zeiten mit Huld herniederblickt, im Kampfe mir hilft streiten, in Angst mein Herz erquidt. 3. Wenn ich aus Schwachheit fehle und nur aus Vorsaß nicht, so stärket meine Seele die hohe Zuversicht: den, Herr, der deinen Willen, so gut er immer kann, 227 sucht redlich zu erfüllen, siehst du mit Gnade an. 4. Dein Geist wohnt mir im Herzen und tröstet meinen Sinn; stillt alle meine Schmerzen, nimmt jede Sorge hin; zeigt mir, daß Erdenleiden nicht zu vergleichen sei mit jenen Hims melsfreuden, dem Lohn bewährter Treu. 5. Auf dieß mein Heil und Erbe seh ich voll Zuversicht. Wenn ich gleich fall und sterbe, fällt doch mein Himmel nicht. Geh ich auch unter Zähren hier manche rauh Bahn, nimmt mich doch Gott zu Ehren dereinst auf ewig an. 6. Dieß stärkt mich, auch im Leiden dir, Höchster, treu zu sein! Nichts soll von dir mich scheiden, auch nicht die größte Pein; du lenkst sie mir zum Besten, bist mir mit Troste nah; und wann die Noth am größten, ist deine Hülfe da. 7. Kein glänzend Loos im Leben, nicht Ansehn, Ruhm und Macht, wonach nur Stolze streben, nicht Reichthum, Glück und Pracht, Nichts soll mir je den Glauben an deine Vatertreu vermindern oder rauben; Nichts, was es immer fei! 8. Was könnte sonst mich scheiden von deiner Lieb, o Gott? Verfolgung? Trübsal? R6 228 Gesinnung und Verhalten des Christen sal? Leiden? Schwerdt? ihm vertraun, ärndten SeHunger? Blöße? Tod? Nichts, Nichts! Ich überwinde in dem, der mich geliebt und sich für meine Sünde zum Opfer selber gibt. 9. Jst Gott für mich, so trete gleich Alles wider mich! So oft ich zu ihm bete, verliert mein Kummer sich. Deß ist mein Herz voll 312Ich weiß, we Mel. Wann mein Stündlein an gebricht? Der Herr ist meine Sonne, mein Schuß, mein Heil, mein Licht! Mel. Warum sollt ich mich 311Meine eines Herzens reinsteFreudeist nur die, daß ich nie mich von Jesu scheide, daß ich ihn durch Glauben ehre, jederzeit hocherfreut seine Stimme höre. 2. Freundlich ruft er alle Müden und erfüllt fanft und mild ihren Geist mitFrieden; seine Last ist leicht zu tragen; er macht Bahn, geht voran, tröstet, wenn wir zagen. 3. Ja, erkennt die Leidensstunden; größern Schmerz hat kein Herz, als sein Herz empfunden. Darum blickt, wenn seiner Brüder einer weint, unser Freund mit leidsvoll hernieder. 4. Will das Herz der Noth erliegen, dann hilft er, unser Herr, kämpfen uns und siegen. Die auf ihn zu allen Zeiten folgsam schaun, ligkeiten. 5. Jesu, treuster Freund von allen, mit dir will froh und still ich durchs Leben wallen! Auch der Tod kann mich nicht schrecken; denn du wirst, Lebensfürst, einst mich auferwecken. hält; kein Feind soll ihn mir rauben! Als Bürger einer bessern Welt leb ich hier nur im Glauben; dort schau ich, was ich hier geglaubt. Wer ist, der mir das Erbtheil raubt, das Jesus mir erworben? 2. Mein Leben ist ein kurs zer Streit, und herrlich ist die Krone, die Gott dem Ueberwinder beut zum ewe gen Siegeslohne. Ob auch des Kampfes Müh mich schreckt: du, der den Tod für mich geschmeckt, du stärkst mich, daß ich siege. 3. D Herr, du bist mein höchster Ruhm, mein bester Trost im Leben; einst wirst du mich, dein Eigenthum, zu deinem Reich erheben. Der Freuden Fülle ist bei dir; dort hab ich Alles, was ich hier nur suche und nicht finde. 4. Herr, lente meines Geistes Blick von dieser Welt Getümmel auf dich, auf meiner Seele Glück, auf Ewigs feit im Allgemeinen. keit und Himmel! Kurz ist der Erde Herrlichkeit, vergängHimmel sei mein Wandel! 5. Jeßt, da mich dieser Leib beschwert, ist mir noch nicht erschienen, was uns die fünftge Welt gewährt, wo wir Gott heilig dienen. Tann, wann mein Auge nicht mehr weint, wann mein Vollendungstag erscheint, dann werd ichs froh empfinden. 6. 3m Dunkeln nur, Herr, seh ich hier, wo ich dir gläubig traue, die Seligkeit, die dort bei dir in vollem Licht ich schaue. Hier ist mein Werth mir noch verhüllt: dort wird er sichtbar, wenn dein Bild in mir sich ganz verkläret. 7. Zu diesem Glück bin ich erkauft, o Herr, durch deine Leiden; auf deinen Tod bin ich getauft; wer kann mich von dir scheiden? Nicht Glück und Lust, nicht Leid und Noth, das Leben nicht und nicht der Tod! Mein sind des Himmels Freuden. 8. Wie groß ist meine Herrlichkeit! Empfinde sie, o Seele! Vom Tand der Erde unentweiht, erhebe Gott, o Seele! Der Erde glänzend Nichts vergeht; nur des Gerechten Glück besteht durch alle Ewigkeiten. 229 In eigener Melodie. einen Jesum 313 Er hat sich für mich gegeben; fordert es nicht Dank und Pflicht, ihn zu lieben, ihm zu leben? Er ist meis nes Lebens Licht: meinen Jesum laß ich nicht! 2. Er, in diese Welt gesandt, uns zu lehren, uns zu retten, gab sein Leben uns zum Pfand, daß wir Gottes Gnade hätten. O wie bin ich ihm verpflicht! Meinen Jesum laß ich nicht! 3. Durch ein Herz voll Dankbarkeit, durch Gehors sam, den ich übe gegen das, was er gebeut, halt ich feſt an seiner Liebe, traue dem, was er verspricht, und vers laß ihn ewig nicht! 4. So ist er mein Theil und Ruhm bis an meines Lebens Ende; ihm geb ich zum Eigenthum ganz_mich hin in seine Hände. Er ist meine Zuversicht; meinen Jesum laß ich nicht! 5. Wenn mein Auge schon erlischt, Wang und Lippen sich entfärben, mich kein Labsal mehr erfrischt, alle Sinne mir ersterben, und das matte Herz nun bricht, laß ich meinen Jesum nicht! 6. Dort auch laß ich Jesum nie, hange stets an seinen Blicken: dann nach dieses Lebens Müh will er R7 ewig 230 Gesinnung und Verhalten des Christen ewig mich erquicken. Ewig Wer hielt denn ohne Freund strahlt mir dort sein Licht! Meinen Jesum laß ich nicht! im Himmel, wer hielte da auf Erden aus? 3. Hat Christus sich mir kund gegeben, und bin ich seiner erst gewiß, wie schnell verzehrt ein lichtes Leben die bodenlose Finsterniß! mit ihm bin ich erst Mensch geworden: das Schicksal wird veklärt durch ihn, und Eden muß an allen Orten um den Geliebten wieder blühn. 4. Das Leben wird zum Frundschaftsbunde; die ganze Welt spricht Lieb und Lust. Ein Balsam träuft für jede Wunde, und frei und voll klopft jede Brust. Mel. Wie groß ist des Allmächt. Durch ihn erhält ich tausend Gaben; durch ihn bin ich ja Gottes Kind, gewiß, ihn unter uns zu haben, wo zwei auch nur versammelt sind. 7. Nichts auf dieser Erde ists, was des Herzens Wünsche stillet. Du, o Jesu, du nur bists, du nur, der fie ganz erfüllet. Dich, mein Reichthum, Ruhm und Licht, dich, mein Jesu, laß ich nicht! 8. Dich, mein Jesu, halt ich fest, lasse nichts von dir mich scheiden. Weh euch, die ihr ihn vergeßt; ihr be raubt euch ewger Freuden. Selig, wer in Wahrheit spricht: Meinen Jesum laß ich nicht. ich 314 Was wär ohne dich ge wesen, was würd ich ohne dich, Herr, sein? Zu Furcht und engsten außerlesen, ständ ich in weiter Welt allein. Nichts wüßt ich sicher, was ich liebte; die Zukunft wär ein dunkler Schlund; und wenn mein Herz sich tief betrübte, wem thät ich meine Sorge kund? 2. Einsam verzehrt von Lieb und Sehnen, erschien mir finster jeder Tag; ich folgte nur mit heißen Thränen dem wilden Lauf des Lebens nach; ich fände Unruh im Getümmel und hoffnungslosen Gram zu Haus, 5. D geht hinaus auf allen Wegen und holt die Frrenden herein! Reicht jedem eure Hand entgegen und ladet froh zu uns ihn ein! Der Himmel ist bei uns auf Erden; im Glauben schauen wir ihn an. Die Eines Glaubens mit uns werden, auch denen ist er aufgethan. Ein alter schwerer Wahn von Sünde war fest an unser Herz gebannt. Wir irrten in der Nacht wie Blin im Allgemeinen. Blinde, von Reu und Lust zugleich entbrannt. Ein jedes Werk schien uns Verbrechen, der Mensch ein Gottesfeind zu sein. Bang hörten das Geseß wir spre chen; denn ach, es drohte Tod und Bein! 231 10. Noch steht im wunder vollen Glanze der hei lige Geliebte hier. Gerührt von seinem Dornenkranze und seiner Treue weinen wir. Ein jeder Mensch ist uns willkommen, der seine Hand mit uns er greift und, in sein Herz mit aufge nommen, zur Frucht des Paradieses reift. 7. Das Herz, des Lebens reiche Quelle, ein böses Wesen wohnte drin; und wards in unserm Geiste helle, so war nur Unruh Mel, Kommt her zu mir der Gewinn. Ein eisern 315 So hoff ich denn Band an den bebenden Gefangnen feft, und Furcht, daß er vers nichtet werde, verschlang der Hoffnung Ueberrest. 8. Da kam der Heiland, der Befreier, ein Menschensohn voll Lieb und Macht, und hat ein allbelebend Feuer in unserm Innern angefacht. Nun sahn wir erst den Himmel offen als unser heilges Vaterland; wir konnten glauben nun und hoffen und fühlten uns mit Gott verwandt. mit festem Muth auf Gottes Gnad und Christi Blut; ich hoff ein ewig Leben. Gott ist ein Vater, der verzeiht, hat mir das Recht der Seligteit in seinem Sohn gegeben. 2. Herr, welch ein unaussprechlich Heil, an dir, an deiner Gnade Theil, Theil an dem Himmel haben; im Herzen durch den Glauben rein, dich lieben und versichert sein von deines Geistes Gaben! 3. Dein Wort, das Wort der Seligkeit, wirkt göttliche Zufriedenheit, wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns Trost im Elend zu, versüßet uns des Lebens Ruh und stärkt uns in Gefahren! 4. Erhalte mir, o Herr, mein Hort, den Glauben an dein göttlich Wort um deines 9. Seitdem verschwand die Macht der Sünde, und fröhlich wurde jeder Schritt. Man gab zum schönsten Angebinde den Kindern diesen Glauben mit. Durch ihn geheiligt, zog das Leben vorüber wie ein selger Traum; und ewger Lieb und Treu ergeben, bemerkte man den Abschied kaum. 232 Gesinnung und Verhalten des Christen nes Namens willen; laß ihn mein Licht auf Erden sein, ihn täglich mehr mein Herz erneun und mich mit Troft erfüllen! weiß, ich werde leben und in ihm einst selig sein. Such ich nur den Hang zu Sünden immer freu zu überwinden, mich der Tugend stets zu weihn, so will Gott Mel. Jesus, meines Lebens Leben mir gnädig sein. 316 weiget, bange Zweifel, schweiget! Mein Erlöser ist ge treu, und sei Geist in mir bezeuget, daß ich Gott verföhnet sei. Mag auch selbst mein Herz mich richten, mich verdammen, mich vernichten; Gott ist größer, als mein Herz, und gibt Ruh auf bangen Schmerz. 2. Er, der das Verborgne kennet, fennt auch mich und weiß allein, wie mein Herz von Eifer brennet, ganz sich seinem Dienst zu weihn; schaut den Kummer meiner Seele, der mich beugt, so oft ich fehle, und sieht nicht, was ich gethan, sondern mehr den Willen an. 3. Wer will ferner den 5. Theuer bin ich ihm erworben! Wohl mir, hier ist Jesus Christ, er, der auch für mich gestorben, auch für mich erstanden ist, nur zur Rechten Gottes fizet, auf mich sieht, mich mächtig schüßet, mich vertritt, mich nie verstößt, mich aus aller Noth erlöst! 6. Nun so mag das Unglück fürmen! Alles um mich her sei Nacht! Gott, mein Gott wird mich beschirmen, der für seine Kinder wacht. Wenn ich hier auch hülflos bliebe, leitet mich doch deine Liebe durch die Leiden dieser Zeit zur beglückten Ewigkeit. Mel. Auf Christenmensch! verklagen, welchen Gott zum 317 Wer Gottes Wort Wer darf zu verdammen wagen, den Gott selber selber losgezählt? Menschen zwar, und selbst die Engel sind vor ihm nicht ohne Mängel; doch das menschliche Geschlecht wird in seinem Sohn gerecht. nicht hält und spricht: Ich kenne Gott! der trüget; in solchem ist die Wahrheit nicht, die durch den Glauben sieget. Wer aber sein Wort glaubt und hält, der ist von Gott, nicht von der Welt. 4. Mir ist auch sein Sohn gegeben; durch den Glauben ist er mein. Ja, ich 2. Der Glaube, den sein Wort erzeugt, muß auch die Liebe zeugen. Je höher bein im Allgemeinen. Erkenntniß steigt, je mehr wird diese steigen. Der Glaub erleuchtet nicht allein, er stärkt das Herz und macht es rein. 3. Durch Jesum rein von Missethat, sind wir nun Gottes Kinder. Wer solche Hoffnung zu ihm hat, der flieht den Rath der Sünder; folgt Chrifti Beispiel als ein Christ und reinigt sich, wie er rein ist. 4. Alsdann bin ich Gott angenehm, wenn ich Gehors sam übe. Wer die Gebote hält, in dem ist wahrlich Gottes Liebe. Ein täglich thätig Christenthum, das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. 5. Der bleibt in Gott und Gott in ihm, wer in der Liebe bleibet. Die Lieb ists, die die Cherubim Gott zu gehorchen treibet. Gott ist die Lieb; an seinem Heil hat ohne Liebe Niemand Theil. 233 2. Deinem Rath ergeben, freu ich mich zu leben; was du willst, ist gut. Nichts vermag ich Schwacher; du, mein Seligmacher, rüstest mich mit Muth. Ob auch Noth und Elend droht! Ob auch Furcht und Angst mich schrecken: du wirst mich be decken. 3. Ich kann ohne Grauen Gräber vor mir schauen: mein Erlöser lebt. Ich weiß, wem ich glaube, weiß, daß aus dem Staube mich sein Arm erhebt. Todestag, bein Schrecken mag frecher Sünder Herz erschüttern; ich, ich darf nicht zittern. 4. Auch in mir ist Sünde: doch ich überwinde sie, gestärkt durch dich. Sink ich oft noch nieder: du erhebst mich wieder und begnadigst mich. Deine Huld tilgt alle Schuld, und dem reuerfüllten Knechte schenkst du Kindesrechte. 5. Daß ich Gott erkenne und ihn Vater nenne, dank ich dir allein; daß ich hier Mel. Jesu, meine Freude 318 Wie getroft und am Grabe Trost und Hoffte heiter, Herr, mein Licht und Leiter, machst du meinen Geist! Alle, die bir trauen, führst du zu den Auen, wo du sie erfreust. Niemals wird bei dir, o Hirt, Freund und Tröster unfrer Seelen, mir Erquickung fehlen. nung habe, ewig dein zu sein; daß dein Geist mich unterweist und mich führt auf deinem Pfade, dank ich deiner Gnade. 6. Der du Leib und Leben hin für mich gegeben, daß in meiner Noth ich nicht Hülflos bliebe, groß ist deine Liebe 234 Gesinnung und Verhalten des Christen Liebe, der Tod. Bert, und ich, ich sollte mich 319 W Freund der In eigener Stelodie. ie wohl ist mir, o deiner Huld nicht dankbar freuen, dir mein Herz nicht weihen? Seelen, wenn ich in deiner Liebe ruh! Ich traure nicht; was kann mich quälen? Mein Licht, mein Trost, mein Heil bist du. Bei dir vergeß ich meine Leiden, denn o wie viele hohe Freuden genieße ich vereint mit dir! Hier ist mein Himmel schon auf Erden, wie könnt ich jemals muthlos werden? Tu, du bist überall mit mir! 7. Würdig dir zu leben, dieß sei mein Bestreben, sei mir heilge Pflicht! Was die Welt erfreuet und sie oft gereuet, das genügt mir nicht. Hab ich dich: wie gern will ich das, wonach die Eiteln trachten, reich in dir, nicht achten! 8. Macht ein Gut der Erde, daß ich glücklich werde in der Ewigkeit? Sind nicht hohe Würden oft nur schwere Bürden, Traum und Eitelkeit? Du erfreust nur stets den Geist und du willst, die dich verehren, ewig wieder ehren. 9. Deinen hohen Frieden schmeck ich schon hienieden; und was hoff ich dort? Unbegränzte Zeiten voller Seligkeiten hoff ich auf dein Wort! Sie sind mein durch dich allein. Bleib ich dir getreu im Glauben, wer kann sie mir rauben? 10. Voll von deiner Güte, jauchzet mein Gemüthe, Herr, mein Heiland, dir! Dieser Geist der Freuden stärke mich in Leiden, weiche nie von mir! Laß mich so beherzt und froh einst durchs Thal des Todes bringen, dort dein Lob zu singen! 2. Hab ich, Erlöser, dich zum Freunde: was fehlt mir dann? Du sorgft für mich. Hätt ich auch eine Welt voll Feinde: ich bin getrost; ich trau auf dich. Auch wenn die Sünden mich verklagen, darf ich nicht hoffnungslos verzagen: ichweiß, was du für mich gethan. Trät Alles wider mich zusammen: ich bebe nicht: wer will verdammen? Gott nimmt sich meiner gnädig an. 3. Hier wall ich zwar auf rauhen Wegen; doch du bist meine Zuversicht. Auch Leiden werden mir einst Segen; aus dunkler Nacht strahlt mir dein Licht. Nur Sünder zittern vor dem Grabe; ich, der ich dich zum Freunde habe, kann über Tod und Grab mich freun: denn im Allgemeinen. denn ich gehöre zu den Deinen. Bald wird nicht mehr mein Auge weinen, bald werd ich völlig ruhig sein. 4. Gelobtseist du, o Freund der Seelen! In deiner Huld wie wohl ist mir! Was kann, da du mich liebst, mir fehlen? Ich finde jedes Heil bei dir. In noch so drückenden Beschwerden hab ich den Himmel schon auf Erden; denn du bist durch den Glauben mein. Ich darf, ich will nicht ängstlich klagen: wer kann, wo Jesus is, verzagen? Mein Freund ist mein und ich bin sein! 320 Dir Mel. Seelenbräutigam. ir ergeb ich mich, Jesu, der du dich auch zu meinem Heil und Leben in den Tod haft hingegeben! Ewig will ich dein, mein Erlöser, sein! 2. Laß mich dir zum Ruhm, als dein Eigenthum, recht und nach Gewissen handeln, meinen Weg dann freudig wandeln! Hilf mir sündenrein hier auf Erden sein! 3. Nach dir bilde mich, Jesu, daß auch ich gegen Feinde Sanftmuth übe, alle ohne Ausnahm liebe! Haß und Rachbegier bleibe fern von mir! 4. Neiget sich mein Sinn zu dem Zrdschen hin: odann 235 warne meine Seele, daß sie nicht ihr Ziel verfehle! Denn ein wahrer Christ sucht, was ewig ist. 5. Wecke mich stets auf, meinen Pilgerlauf nur nach deinem Wort zu enden; leite mich mit treuen Händen auf der Tugendbahn; leit mich himmelan. mir des Geistes Trieb; laß 6. Stärke mich und gib mich wachen und mit Beten findlich vor den Vater treten: so erlischt das Licht meines Glaubens nicht. 7. Ohne Brüfung ist hier kein wahrer Christ. Willst du mich ins Leiden führen, laß mich dich nur nicht verlieren! In der Trübsal Nacht nimm mich, Herr, in Acht! 8. Einen Heldenmuth, der auch Gut und Blut gern um deinetwillen lasse und des Fleisches Lüfte hasse, gib zu deiner Ehr mir je mehr und mehr! 9. Jesu, hilf, daß ich Alles hier, was mich von dir locket, überwinde und durch deine Kraft empfinde, daß ein wahrer Christ treu und standheft ist! 10. Wirds von hinnen gehn, wollst du bei mir stehn, mich durchs Todesthal begleiten und zu deis nem 236 Gesinnung und Verhalten des Christen nem Himmel leiten, daß ich da mich dein ewig möge freun! Mel. Gott im Himmel und auf 321 eum ewig zu verehren, ist mir süße, heilge Pflicht; seine weisheitsvollen Lehren geben meinem Geiste Licht, und zu jedem guten Werke gibt sein Beispiel Kraft und Stärke. guten Werke find ich Antrieb hier und Stärke. zu 6. Durch mein Leben dich preisen, sei mir hohe, heilge Pflicht; dich, den Liebevollen, Weisen, dich, der Menschheit Heil und Licht! Aehnlich, Jesu, dir zu wer den, sei mein höchstes Ziel auf Erden! In eigener Melodie. 2. Sollt ich den nicht 322 ins ist Noth, dankbar preisen, der das Heil der Menschheit ist? Nennt den Edeln, nennt den Weisen, welcher so, wie Jesus Christ, reine Tugend, die er lehrte, durch ein göttlich Leben ehrte; und, Herr, dieß Eine ist, was alles Heil umfaßt. Alles Andre, wie's auch scheine, ist nur Tand und schwere Last, worunter das Herz sich oft ängstigt und quälet und immer der Ruhe, der wahren, verfeh let. És wohnet kein Friede im Reich der Natur: die Sinnlichkeit täuschet den Suchenden nur. 3. Der mit liebevollem Herzen hohen, festen Muth verband; der selbst bei des Todes Schmerzen Mitleid gegen die empfand, die mit Grausamkeit ihm fluchten, seine Qual zu mehren suchten; 4. Den tein Sturm des Schicksals beugte, der gerecht und tadellos sich in Wort und Werken zeigte, göttlich edel, göttlich groß, willig, freudig Glück und Leben für die Menschheit hingegeben! 5. O ich weil an deinem Bilde gern, erhabner Menschenfreund, wo mit so viel sanfter Milde hohe Würde sich vereint; und zu jedem 2. Dich erwählen ist das Eine. Welches Theil! O gib, daß ich ewig mich mit dir vereine, nichts so innig lieb, als dich! Es mögen die Klugen der Welt dich verachten; ich will dein Vers dienst, Herr, mit Ehrfurcht betrachten. Wer war je die Zierde der Menschheit wie du? Wer brachte mehr Licht ihr, mehr Segen und Ruh? 3. In dir ist der Weißheit Fülle. Du nur zeigst, was mich beglückt. Durch dein Wort nur wird mein Wille im Allgemeinen. Wille niebrer Erdenlust entrückt. Gern will ich mich sammeln, die heiligen Lehren der himmlischen Weisheit mit Andacht zu hören, um fern in den Rathschluß der Gottheit zu sehn und freudig die Wege der Tugend zu gehn. In eigener Melodie. 4. Mit Vergebung meis 323 Daß ich der Zus ner gend erflimme, wo unten tief die Erde liegt, wo Glaube der Verführung Stimme und jedes Hinderniß besiegt, wo in digst du mich dann; läsfest mich den Frieden finden, den die Welt nicht geben kann. Was kann mir dann fehlen, was jemals mir schaden? Ich bin ja beim Bater, dem Höchsten in Gnadeu. Fallt, Welten! Ich schwebe verherrlicht empor; ein Himmel erseßt mir, was hier ich verlor. 5. Jesu, du bist meiner Seele auch zur Heiligung gemacht. Daß ich dich zum Vorbild wähle, hast du treu dein Wert volbracht. In dir ging die Tugend hier sichtbar durch's Leben; wie sollt ich nach dir mich zu bilden nicht streben? Dir ähnlich zu werden, welch hoher Beruf! dann bin ich deß Bild erst, der dazu mich schuf. 237 Erden, entsündigt, geheiligt dir ähnlich zu werden und, treu dir zu bleiben im Les ben und Tod! Dieß, Herr, ist das Eine; dieß Eine ist Noth. 6. Darum sollst du mir das Eine, Jesu, du mein Alles sein. Siehe, daß ichs redlich meine! Ewig, ewig bin ich dein! So segne mit Kraft mich, stets weiser auf des Himmels reinem Scheine dieß Eine Ziel nur glänzend steht;- ach, Gott, erhöre mein Gebet! darum bet ich, flehe, weine. - nur 2. Es stieg voran die steilen Stufen der Menschensohn mit Kraft und Muth. Er hört im Jordan sich gerufen und nimmt den Ruf mit aus der Fluth und geht, daß er zur That sich rüste, die außer ihm fein Mensch begreift, die nur in seiner Seele reift, zum stillen Denken in die Wüste. 3. Da steht er an dem Scheidewege; vor ihm die schauderhafte Wahl; hier aller Leiden Donnerschläge auf seinem Weg zum blutgen Pfahl. Gott, was nur Menschen reist, verlassen? selbst ihre Liebe? Müh und Noth und Angst und Schmach, zuleßt den Tod mit 238 Gesinnung und Verhalten des Christen mit seiner schärfsten Qual umfassen? 4. Dort liegt der Erde reicher Segen; dort hängt der Erde schöner Kranz: Bewundrung jauchzet mir entgegen; die Ruhe winkt, des Goldes Glanz. Ich sehe von des Berges Spiße die schönsten Reiche ausgedehnt: Auf, folge! und Judäa krönt dich knieend vor dem Königssize. 5. Nein, Gott gebeut! Weicht, Erdenfreuden! Fort, Satan, hebe dich von mir! Ich tret in diese Nacht der Leiden und hange, Bater, nur an dir. Selbst in des Sturms ergrimmten Flu then umschlingt dein Arm allmächtig mich. Ich fühle dich, ich fühle dich, wenn alle meine Adern bluten. 6. Entschlossen nun, mit innerm Frieden, wirft er sich in's Gedräng der Welt: er kämpfet, ohne zu ermüden, und überwindet als ein Geld und hält sein Wert nicht für geendet, bis er, nah an der Todesnacht, zum lauten Siegesruf: voll bracht! den letzten Athemzug verwendet. macht, daß ich mich freue deiner, Herr, mein Heil! Hab ich dich, wie reich bin ich! Ohne dich kann ich auf Erden nie recht glücklich werden. 2. Unter deinem Schirme können keine Stürme mir erschrecklich sein. Laß auch Felsen splittern; laß den Erdkreis zittern und den Einsturz dräun! was ist's mehr? Rings um mich her mag es stürmen, donnern, blißen! Er, er wird mich schüßen. 3. Wenn der Sünde Schrecken Angst in mir erwecken, Jesus stillet_fie. Mag der Tod sich nahen, mich das Grab umfaben, Jesus läßt mich nie. Mich schreckt nicht das Weltges richt; freudig, daß ich Jesum sehe, blick ich auf zur Höhe. 4. Wer ist, der den Glauben meinem Herzen rau ben, ihn erschüttern kann? Bei der Feinde Toben stimm ich, Gott zu loben, Freudenlieder an. Ich vertrau auf Gottes Macht; er wird, wenn mich Feinde hassen, niemals mich verlassen. In eigener Melodie. 5. Lockt nur, Gold und Schäße, Ehre sei der Göte 324 Jeu, meine Freus der betrognen Welt! Mich de! bester Trost im Leide! meines Herzens Theil! Deine Mittlertreue sollt ihr nicht blenden, nicht von dem mich wenden, der mich treu erhält. Elend, Noth im Allgemeinen. 239 Noth und Schmach und Tod nem heiligen Befehle gehor soll mich, ob ich viel muß leiden, nicht von Jesu scheiden. sam bis zum Kreuzestod. Du suchtest nur des Vaters Ehre- im Tempel war sie deine Lehre und was dem Heiligsten gefällt. Den Schöpfer aller Creaturen verkündigtest du auf den Fluren als Vater, der die Welt erhält. 3. Wie eifrig warst du, seinen Willen als Bürger und als Unterthan, als Sohn, als Bruder zu erfüllen auf deiner ganzen Lebensbahn! Als Freund, wie zärtlich gegen Freunde! Verfolgt, wie duldend gegen Feinde! Für Aller Wohl schlug deine Brust. Die Menschen trösten und erquicken, erfreuen, heilen und war deine Lust. beglücken, war dein Geschäft, 6. Weich, verbotne Liebe! Weicht, der Wollust Triebe! Thoren lockt nur ihr. Mich sollt ihr, ihr Sünden, nimmer willig finden; fliehet fern von mir! Ueppigkeit, Geiz, Schmähsucht, Neid, ihr beschweret das Gewissen; euch will ich nicht wissen. 7. Weichet, Sorg und Zagen! Schweiget, bange Klagen! Jesus ist ja mein. Jeden, der ihn liebet, muß, was erst betrübet, noch zu legt erfreun. Hab ich hie selbst Noth und Müh: Jesu, auch im bängsten Leide bleibst du meine Freude. Viel. Wie wohl ist mir, o Freund 325 Auf dich, Erlö ser, stets zu sehen, so wie du warst gefinnt zu sein, der Tugend Weg dir nachzugehen, der Brüder Glück sich ganz zu weihn, hast du den Deinen, dich zu lieben, als Pflicht aus Liebe vorgeschrieben. Wie dringend ist sie, Herr, wie süß! Wenn jeder Mensch nach deinem Bilde so eifrig feine Pflicht erfüllte, die Erde wär ein Paradies. 2. Entflammt war deine ganze Seele von reinster Liebe gegen Gott, war sei- 4. Tief rührte dich die Noth der Sünder! Wie sorgsam gingst du ihnen nach! Wie viele wurden Gottes Kinder, wenn rührend deine Liebe sprach! Du kämpftest, Wahrheit zu verbreiten und Alle zu dem Heil zu leiten, das nicht mit Welt und Zeit vergeht. Entzogst du matt dich dem Gefümmel, da war die Einfam feit dein Himmel, dein Geist beim Vater im Gebet. 5. Du warst demüthig und bescheiden, ein Freund erlaubter Heiterkeit; bewies fest 240 Gesinnung und Verhalten des Christen jest bei den schwersten Leis den Geduld, Muth und Gelaffenheit; vergabst, von Liebe tief durchdrungen, im Leben und dem Tode nah! und starbst so rührend und erbauend, so freudig, standhaft, Gott vertrauend, so göttlich groß auf Golgatha! 6. Wie du, gesinnt zu sein, zu handeln, ist deiner Jünger größte Pflicht; der muß nach deinem Vorbild wandeln, der von Verehrung Christi spricht. Dann wird zum Fleiß iu guten Werken uns göttlich der Gedanke stärken, daß wir des Vaters Willen thun, und daß sein heilig Wohlges fallen, sein Geist und Segen auf uns allen hier und im Himmel lohnend ruhn. Mel. Gott, der du die Menschen 326 Welterlöfer, dich zu lieben, bis das Aug im Tode bricht, mit deß Herzens reinsten Trieben, ist uns theure, heilge Pflicht. Von der Liebe Gluth durchdrungen, kamst du, wardst uns Menschen gleich, gründeteft ein neues Reich, hast uns Ruh und Heil errungen. Froher Her gen Preisgesang sagt nun deiner Liebe Dank. 2. Reine lockende Begierde drängte dich zum Eitlen hin; Heiligkeit war deine Zierde; Menschenrettung dein Gewinn. Willig trugst du deine Bürde, tratest sanft und still hervor, hobst die Welt zu Gott empor, daß fie ewig selig würde. Nie brigkeit war, Herr, dein Loos und doch dein Verdienst so groß! 3. Mächtig selbst im tiefs sten Staube, schufest du der Seelen Glück. Zweifelsucht und Aberglaube schwanden in die Nacht zurück. Hin zum Heiligthum der Wahrheit führtest du der Deinen Schaar, und wer dir nur folgsam war, sah sein Heil in voller Klarheit. O wer bebt vor Freude nicht? Uns, auch uns umglänzt dein Licht. 4. Nun entfliehen Furcht und Schrecken vor dem gro ßen Weltenherrn. Nichts kann Sorg in uns erwecken; er ist nimmer von uns fern. Seine Liebe, nichts als Liebe predigt uns die schöne Well, die er täglich noch erhält, daß sie uns im Lieben übe. Menschenfreund, seit du erschienest, ist die Liebe Gottes dienst. 5. Selbst der Sünder darf nicht beben, eilt er nur zu dir zurück. Deine Stimme: du sollst leben! heitert seis nen Thränenblick. Ach, du blutetest am Kreuze, trugeſt Schmach im Allgemeinen. Schmach und Angst und Sanftmuth, Freundlichkeit Noth; starbst für ihn, damit dein Tod ihn zum from men Leben reize! Folgt er dir: o welche Huld! ausgetilgt ist seine Schuld. und reger Mitleidstriebe; selbst deinen Feinden wandtest du großmüthig Hülf und Wohlthat zu. 6. Dank sei dir von allen Frommen, Preis und Dank sei dir geweiht! Ja, durch dich ist Heil gekommen in das Land der Sterblichkeit, Wer dir folgt durchs Erdenleben, athmet hier schon Himmelslust; Friede wohnt in seiner Brust; einst wird Gott die Kron ihm geben. Wie verklärt des Todes Thal, Herr, ihm deines Lichtes Strahl! Mel. Auf, Christenmensch! 327 mir nach, spricht Christus, unser Held, folgt meinem Vorbild, Christen! Verläugnet euch, besiegt die Welt mit ihren schnöden Lüften; geht ihren Reizungen nicht nach, erduldet lieber Ungemach! 2. Ja, Herr, dein Vorbild leuchtet mir zu einem heilgen Leben! Wem sollt ich auch, wem sonst, als dir, zu folgen mich bestreben? Du zeigst den Weg zum wahren Wohl, zetgst mir, wie ich ihn wandeln foll. 3. Dein Herz, voll Gottergebenheit, war auch voll voll Demuth, 241 4. Dein Beispiel lehrt, was schädlich ist, mit weiser Vorsicht fliehen; es lehret mich, mein Herz der List und Heuchelei entziehen. D wohl mir, wenn mit frommem Sinn ich dir, mein Heiland, ähnlich bin! 5. Du gingst als Führer einst voran, stehst mir auch noch zur Seite; du kämpfe test selbst und brachst die Bahn, stärkst nun auch mich zum Streite. Wie könnt ich denn noch zaghaft sein und mich dir nachzufolgen scheun? 6. Wer hier sein Glück zu finden meint, wirds ohne dich verlieren; wer's bei dir zu verlieren scheint, den wirst du dazu führen. Wer dich als seinen Herrn verehrt und dir nicht folgt, ist dein nicht werth. 7. So will ich denn dir meinem Herrn, getreu und froh nachgehen, will wohlgemuth, getrost und gern der Tugend Kampf beſtehen; denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron des ewgen Lebens nicht davon. Mel. Es wolle Gott uns 328 s preise Gott, wer Jesum £ Christ 242 Gesinnung und Verhalten des Christen. Christ als seinen Heiland fennet, wer seiner Kirche Mitglied ist und seinen Herrn ihn nennet! Sein höchstes Ziel hienieden sei, daß er nach seiner Lehre, entfernt von aller Heuchelei, aufrichtig ihn verehre als echter Christusjünger! 2. Der echte Jünger Jesu hält stets fest an seinem Glauben. Er läßt durch allen Hohn der Welt sich nie dieß Kleinod rauben. Denn dieser Glaube gibt ihm Kraft und Muth zum edlen Streben, vor seinem Schöpfer tugendhaft und kindlich froh zu leben, zu dulden und zu sterben. 3. Der rechte Jünger Jesu lernt, von Gottes Geist getrieben und von des Lasters Pfad entfernt, stets herzlicher ihn lieben. Er weiß, was Jesus that und litt, die Sünder zu beglücken. Er zählt dazu sich selber mit und rühmt es mit Entzücken: auch mich hat er geliebet! 4. Der echte Jünger Jesu weiht dem Heiligungsgeschäfte die Tage seiner Le benszeit und alle seine Kräfte. Er glaubt und liebt. Wie sollt er nicht der Lüste Reiz verschmähen und unverrückt den Weg der Pflicht wie Jesus Christus gehen, um ähnlich ihm zu werden? 5. Der echte Jünger Jesu liebt die Menschen edelmüthig; er tröstet, bessert, hilft und gibt, ist gegen Feinde gütig und liebreich eilt er Jedermann, der sein bedarf, entgegen. Er stiftet Gutes wo er kann, und lebt der Welt zum Segen, wie Jesus ihm gebietet. 6. Der echte Jünger Jesu trägt getrost des Lebens Bürde. Auch Noth, die Gott ihm auferlegt, erhöhet seine Würde. Er bleibet selbst im herben Schmerz noch muthvoll und gedul dig; des Gottes tröstet sich sein Herz, vor dem er hier unschuldig zur Ehre Jesu wandelt. 7. Der echte Jünger Jesu siegt auch über Todesschrekken; denn seinen Geist, der aufwärts fliegt, wird Grabesstaub nicht decken. Er fennet den, der für ihn starb und ihm durch Todesleiden des Himmels Selig keit erwarb; drum jauchzt er im Verscheiden: ich weiß, an wen ich glaube! 8. Gib, Jesu, daß der Deinen Schaar sich stets auf Erden mehre, und daß auch ich dich immerdar im Glauben recht verehre! Nimm nach vollbrachtem Pilgerlauf zu jenen Seligfeiten den Geist, der dich verehret, auf! Ihm Wohnung zu im Allgemeinen. zu bereiten, bist du voran. gegangen. Mel. Auf, Christenmensch! 329 Du, beines Vaters Ebenbild, ihm gleich an Menschenliebe, du warst, o Jesu, ganz erfüllt mit gottgeweihtem Triebe! Er war dein Ziel, dein höchstes Gut; ihm folgtest du mit Heldenmuth. 2. Du warst mit ihm Ein Sinn, Ein Herz; sein Wille war dein Wille; du ehrtest auch im größten Schmerz ihn mit zufriedner Stille. Selbst auf der allerrauhsten Bahn sahst du ihn noch als Vater an. 3. Du suchtest Nichts, als sein Gebot vollkommen zu erfüllen, und unterwarfst dich bis zum Tod ganz deines Vaters Willen. Tein Hauptgeschäft war das allein, Vollender seines Raths zu sein. 4. Zum Kreuze gingst du ruhig hin, uns Ruhe zu erwerben; bereit, mit göttlich großem Sinn zum Heil der Welt zu sterben, warst du zur tiefsten Schmach ge faßt und trugst der schwersten Leiden Laſt. 243 O hilf, daß ich so gern, wie du, den Willen deines Baters thu! 5. Herr, lehre mich, dein Eigenthum, nach deiner Tugend streben! Dir gleich gesinnt sein, sei mein Ruhm und Wonne, so zu leben! Mel. Schwing dich auf zu 330 Sollt ichießt noch da mir schon deine Güt erschienen, dich verlassen, Gottes Sohn, und der Sünde dienen? mit den Lüsten dieser Zeit wieder mich beflecken und nicht mehr die Freudigkeit deiner Liebe schmecken? 2. Hab ich doch allein bei dir meine Ruh gefunden; Mittler, heiltest du doch mir liebreich meine Wunden; und ich sollte dein Gebot, wie die Sünder, hassen und mein Recht an deinen Tod wieder fahren lassen? 3. Nein, ich bin und bleib ein Christ, folge deinen Lehren, lasse weder Macht, noch List meinen Glauben stören. Fielen tausend ab, nicht ich; mags die Welt verdrießen! Sie wird mein Vertraun auf dich mir doch gönnen müssen. 4. Zeigt sie mir ein Heil, wie du? Bringt sie Kraft den Müden, den Bedrängten Trost und Ruh, Sündern Gottes Frieden? Gibt sie mir die Zuversicht, daß ich, trop dem Grabe, deiner Ewigkeiten Licht zu er warten habe? 5. Rettet sie mich, wann £ 2 vor 244 Gesinnung und Verhalten des Christen. vor Gott einst die Völker du vergabst mit edlem Herstehen und das Leben und zen deinen Feinden ihre den Tod ihm zur Seite Schuld; hörtest der Verlaßsehen; wann der Sichre nun nen Flehn, eiltest ihnen beizu spät aus dem Schlaf zustehn; kanntest teine hö erwachet, und der Spötter, hern Freuden, als die Linder hier schmäht, glaubt drung ihrer Leiden. und nicht mehr lachet? 3. Jch auch will in Noth und Schmerzen standhaft und geduldig sein; will mit liebevollem Herzen meinen Feinden gern verzeihn. Nie soll mir des Elends Flehn unerhört vorübergehn; fest und innig will ich stre ben, deinem Beispiel nachzuleben. 6. O wie thöricht, wenn ich mich noch verführen ließe, Jesu, da ich schon durch dich Gottes Huld genieße! Da ich weiß, auf wessen Wort ich die Hoffnung gründe, daß auch ich unfchlbar dort Gnad und Leben finde. 7. Nicht das Leben, nicht der Tod, Trübsal nicht, noch Freuden, sollen mich, mein Herr und Gott, jemals von dir scheiden. Welt und Sünd und Eitelkeit und des Fleisches Triebe, Alles überwind ich weit, Herr, durch deine Liebe! Mel. Freu dich sehr, o meine S. 331 Göttlicher, dich ben. zu erheben beiner ben, ist Ruf und mit froher Zuversicht Mel. Meinen Jesum laß ich nicht anft, o Christ, Tugend nachzustre- 332 Steju Joch; ist Jesu und was kann bei ihm uns fehlen? O wie selig sind wir doch durch den Retter unsrer Seelen! Welche Wonn und Herrlichkeit wartet unser nach der Zeit! 2. Freue deines Glaubens dich, deines Gottes, feiPflicht! Steh ein Beispiel laß ich dir, sprichst du: komm und folge mir! O welch Beispiel sonder Gleichen! Streb, o Geist, es zu erreichen. 4. Du, den ich zum Vorbild wähle, hebest meine Seel empor. Wenn ich wanke, wenn ich fehle, schwebe mir dein Beispiel vor! Dir geheiligt sei mein Geist! Wann er sich dem Staub entreißt: dann, o dann werd ich im Sterben Freud und Wonn auf ewig er2. Armuth, Haß, Verfolgung, Schmerzen trugst du still und mit Geduld; im Allgemeinen. seines Sohnes! Deine See: le rühme sich ihrer Hoffnung, seines Lohnes, voller Muth und unverstellt freudig vor der ganzen Welt! 3. Hat gleich sein Bekenntniß hier seine Leiden und Beschwerden; dennoch sei ihm treu: denn dir sollen ewge Freuden werden. Was ist gegen solch ein Glück diefes Lebens Augenblick? 4. Schäme seines Worts dich nie vor den Frevlern, vor den Spöttern, wenn sie ihn verschmähn, wenn sie sich und ihren Wiß vergöttern! Was vermag der Lästrer Spott wider Jesum, wider Gott! 5. Was vermag er, tobt er gleich wider dich und deinen Glauben! Gottes Beifall, Gottes Reich kann doch feine Macht dir rauben. Halte dich an den nur fest, der die Seinen nie verläßt. 6. Welchen Kampf hat doch dein Herr für dein ewges Heil gestritten? Jene Schaar der Märtyrer, was hat die für ihn gelitten? Schmach und Marter, selbst den Tod litten sie getroft für Gott. 7. Und der Spötter Wig und Hohn könnte je dein Herz verführen, deinen Antheil an dem Lohn deines Glaubens zu verlieren? Nein, o Christ, nein, wan245 te nie, sleh um Rettung auch für sie! 8. Sei getreu bis in den Tod; denn du glaubest nicht vergebens. Nach dem Tode führt dich Gott zu der Wonne jenes Lebens. Und auf einen furzen Streit frönt dich seine Herrlichkeit. Mel. Auf, Christenmensch! 333 Welch hohes Beimir, mein Heiland, durch spiel gabst du dein Leben! Sollt ich nicht gern und mit Begier, dir nachzuahmen streben? nicht gehn den Weg, den du betratst, nicht freudig thun, was du, Herr, thatst? 2. Dein Herz, von Sünde nie entweiht, war rein wie deine Lehre; dein ganzer Wandel Heiligkeit; dein Endzweck Gottes Ehre; hier Leitung zur Vollkommenheit und dort der Menschen Seligkeit. 3. Drum führtest du zur Tugend an und, standhaft ihr ergeben, gingst du uns selbst den Weg voran, mit Muth uns zu beleben, und ob du litteft ohne Schuld, ertrugst du Alles mit Geduld. 4. Der Kummervollen Trost zu sein, zu wehren jedem Leide, nur wohlzuthun, nur zu erfreun, war deine Sorg und Freude; 23 und 246 Gesinnung und Verhalten des Christen und jede Thräne, jeder Schmerz drang in dein liebevolles Herz. 5. Du trugst mit Sanft muth und mit Huld die Schwachheit deiner Freunde; mit Sündern hattest du Geduld und batst für deine Feinde. Du warst gehorsam bis zum Tod und ehrtest selbst im Tode Gott. 6. Dieß große Beispiel hast du mir zum Vorbild hinterlassen, daß ich gesinnet sei gleich dir in meinem Thun und Lassen. Komm, sprichst du, nimm mein Joch auf dich, komm, folge mir und sich auf mich! 7. Ich komme, Herr! Gib Kraft und Licht, daß ich mein Heil erkenne, dein wahrer Jünger sei und nicht mich nur den deinen nenne, da mit ich, deinem Vorbild tren, auch Andern gutes Beispiel sei! Mel. Wer nur den lieben Gott 334 eglückt, beglückt ist, wer auf Erden mit allen seinen Kräf ten strebt, an edeln Thaten reich zu werden, und nicht für diese Welt nur lebt, stets vorwärts dringt und tie vergißt, daß seine Seel unsterblich ist. 2. Er forschet nach der Tugend Wegen, was gut und Pflicht ist, schnell zu thun, spricht nicht( so spre chen nur die Trägen): noch will ich schlummern, will noch ruhn. Er fäet früh und nüßt die Zeit zur Aussaat für die Ewigkeit. 3. Erfüllet von der Tugend Sorgen, denkt er und denkt mit Lust daran, wie er hier sichtbar, dort verborgen ein gutes Werk vollenden kann, und nüßet je den Augenblick für Tugend und für Brüderglück. 4. Jhn schrecken keine Hindernisse, durch edle Thaten stärkt er sich, und seine hei ligen Entschlüsse sind fest und unerschütterlich. Wie sehr er auch zu kämpfen hat, reift jeder Borsaß doch zur That. 5. Er widerseßt mit fe stem Muthe dem Unrecht sich, gestärkt durch Gott. Träf ihn im Kampfe für das Gute der Welt Verfolgung oder Spott: so bleibt ihm doch der Preis im Streit. Er kämpft, weil es die Pflicht gebeut. 6. So laß auch uns als Christen handeln, aus reis ner Achtung für die Pflicht laßt uns die Bahn der Tu gend wandeln: da strahlet immer helles Licht, und unser Loos in Ewigkeit ist reiner Tugend Selig feit! Mel. 247 Mel. Auf, Chriftenmensch! 6. Nie soll des Zweifels 335 Bald oder spät Dunkelheit mir diesen hohen des Todes Raub, wall ich noch hier auf Erden: doch nur mein Leib wird wieder Staub; ich soll unsterblich werden. Und dann, dann ist mein ewges Theil, o Gott, Verwerfung oder Heil. Glauben, dieß Vorgefühl der Seligkeit, des Himmels Hoffnung rauben. Was lin- s dert sonst des Lebens Noth, und was versüßt mir einst den Tod? 2. Mit Ernst und Eifer soll der Christ nach seinem Heile ringen; gern lassen, was auf Erden ist; hinauf zu Gott sich schwingen; ge= trost den Pfad der Trübsal gehn und standhaft in Versuchung stehn. Mel. O Gott, du frommer Gott 3. Noch weiß ich, daß ich 336 Du fagst: ich bin laufen muß; noch bin ich in den Schranken, noch nicht am Ziele: doch mein Fuß beginnet oft zu wanken. Herr, stärke mich durch deine Kraft auf dieser kurzen Pilgerschaft. ein Chrift! Wohl dir, wenn Herz und Leben dir dessen, was du sagst, Beweis und Zeugniß geben! Wo ist ein höhrer Ruhm? Welch Glück kann größer sein, als Gottes Wege gehn und seiner Huld sich freun? im Allgemeinen. 4. Solang ich noch ein Fremdling hier in diesem Leibe walle, schaff du ein reines Herz in mir, ein Herz, das dir gefalle, und leite mich auf ebner Bahn durch deinen Geist zu dir hinan! 5. Es sei mein Ruhm, dir werth zu sein, was du gebeutst, zu üben; mein höch stes Gut, mich dein zu freun, von Herzen dich zu lieben; mein Trost, auf deinen Schuß zu baun und dir, Alliebender, zu traun! 7. Du, der mir dieses Heil erwarb, laß, Jesu, michs ererben; du, der für seine Menschen starb, laß, Jesu, dir mich sterben! Gib, daß ich dir im Leben treu, getreu bis in den Tod dir feil 2. Du sagst: ich bin ein Christ! Der ists, der Chris stum kennt, nicht mit dem Munde nur ihn Herr und Heiland nennt, nein, gern und willig thut, was auch sein Herr gebeut. Thust du das nicht, so ist dein Ruhm nur Eitelkeit. 3. Du sagst: ich bin ein Christ! Mit Ernst das Böse hassen, den Lüstenwiderstehn, gewohnte Sünden lassen, 24 dies 248 Gesinnung und Verhalten des Christen dieß ist des Herrn Befehl; dieß seiner Lehre Sinn; kein todter Glaube führt zum ewgen Frieden hin.. 4. Du sagst: ich bin ein Christ, getauft zu Gottes Erben, sein Kind und Freund zu sein und selig einst zu sterben! Du bists; doch prüfe dich, erfüllest du auch gern, treu deiner Christenpflicht, den Bund mit deinem Herrn? 5. Hast du nicht diesen Bund schon längst und oft gebrochen? Du hast, als Gottes Kind, Gehorsam ihm versprochen. Hast du mit Treue denn dem Guten nachgestrebt? Hat nicht die Sünde noch sehr oft in dir gelebt? 6. Du sagst: ich bin ein Christ! Betrachte, les und höre, vom Irrthum unverführt, des Heilands reine Lehre! Wohl dir! Doch thust du auch, was Gottes Wort dich lehrt? Nur selig ist, wers thut, nicht, wers blos liest und hört. 7. Du sagst: ich bin ein Christ! Mit Gott mich zu verbinden, nehm ich oft Jesu Mahl; mich reuen meine Sünden. Doch zeiget sich bei dir in deinen Werken auch rechtschaffne Besserung nach dieses Mahls Gebrauch? 8. Nur dann erst, wenn dein Sinn, wenn alle deine Triebe dem Herrn geheiligt sind in reiner Kindesliebe, wenn du, wie Christus war, ein Freund der Menschen bist, gerecht und wahr und mild, dann sag: ich bin ein Christ! 9. Wenn, Gutes auszustreun, die Unschuld zu beschüßen und selbst dem Feind, so viel du immer kannst, zu nüßen, ohn Eigennuß und Stolz, dein Herz stets willig ist, auch wenns Verläugnung gilt, dann sag: ich bin ein Christ! 10. Denn wenn noch Leis denschaft dir dein Gemüth regieret, wenn Wollust, Eis telkeit und Schmähsucht dich verführet, wenn Geiz und Haß und Neid noch über dich gebeut, so fennest du noch nicht die wahre Heiligs keit. 11. Sprich nicht: ich bin ein Christ! bevor dir Herz und Leben von diesem Ruhme erst ein sichres Zeugniß geben. Der Nam ist nicht genug. Ein Christ muß ohne Schein das, was er heißen will, in seinem Wandel sein. 12. Ach, Gott, gib mir doch Kraft, mich ernstlich zu befleißen, ein wahrer Christ zu sein und nicht blos so zu heißen! Denn wer den Namen hat und nicht die That zugleich, betrügt sich und gelangt nicht in dein Himmelreich. Mel. im Allgemeinen. 249 Mel. Wer nur den lieben Gott deiner Gnad und Huld ge337 Gott, bir gefällt wiß! tein gottlos Wesen; wer bös' ist, bleibet nicht vor dir. Drum laß von Sünden mich genesen und schaff ein reines Herz in mir, ein Herz, das sich vom Sinn der Welt entfernt and unbefleckt erhält! 2. Laß mich auf die begangnen Sünden mit innis durch ger Beschämung sehn; vor dir Gnade den und standhaft deine Wege gehn! Ich will forthin die Sünde scheun und deinem Dienst mein Leben weihn. 3. Du kennst und lenkest die Gedanken! Gib meinem Vorsay Festigkeit; und will mein schwaches Herz je wanfen, so hilf der Unentschlos fenheit. Wie viel vermag ich, Gott, mit dir! Nimm deinen Geist nur nicht von mir! 4. Gib, daß er mir stets Hülfe leiste und Muth und Sträfte mir verleih, daß ich mit findlich treuem Geiste dir bis zum Tod ergeben sei: so sieg ich über Fleisch und Welt und thue, was dir wohlgefällt. 5. Doch wenn ich je aus Schwachheit fehle, mein Bater, dann verwirf mich nicht! Verbirg nicht der bedrängten Seele, wenn sie dich sucht, dein Angesicht und mache in Bekümmerniß mich 6. Erquicke mich mit deinen Freuden; schaff ein ges trostes Herz in mir und stärke mich in allen Leiden; so halt ich mich mein Gott, zu dir, bis nach vollbrachter Prüfungszeit der Deinen Erbtheil mich erfreut. Mel. Freu dich sehr, o meine 338 ott, ich will mich ernstlich prifen, ob ich redlich bin vor dir! Du kennst meines Herzens Tiefen: ach, entdecke sie auch mir! Laß mich ses hen, ob ich treu dir in meinem Wandel sei; ob ich recht zu thun mich übe, weil ich dich von Herzen liebe! 2. Eitelteit und Eigenliebe sind die Gößen dieser Welt: aber nie sind sie die Triebe, deren Wirkung dir gefällt. Wer das Gute, das er übt, nicht mit reiner Seele liebt, Richter, dem gibst du die Krone der Gerechten nicht zum Lohne. 3. Die um deiner Liebe willen wandeln, wie dein Wort gebeut, diese, diese nur erfüllen das Gefeß der Frömmigkeit. Nicht nur das, was wir gethan, auch die Absicht siehst du an; deine Liebe soll uns dringen, gute Werke zu vollbringen. 25 4. Wie 250 Gesinnung und Verhalten des Christen 4. Wie ein leichter Nebel Stärke, ganz der Tugend schwinden meine Tugenden mich zu weihn! Ich bin, vor dir; denn noch trennen Gott, dein Eigenthum: dieß Lieblingssünden mich, o Hei- sei mir der höchste Ruhm. ligster, von dir! Deine Liebe Was ist mir das Lob der trieb mich nicht zur Erfül- Erde, wenn ich deiner würlung meiner Pflicht; ich ver- dig werde! gaß, an dich zu denken, ließ von Eigennuß mich lenken. 5. Oft gehorcht ich dei- 339 Hebet und laß Mel. O Gott, du frommer Gott err, mein meine nem Rechte nur, daß Folgsamkeit mir bei Men schen Ehre brächte und den Ruhm der Frömmigkeit. Wenn ihr Beifall mich erhob, o wie süß war mir dieß Lob! Nur von ihm ließ ich mich treiben, deinen Rechten treu zu bleiben. es dir gefallen! Es ist mein ganzer Ernst, auf deiner Bahn zu wallen. Ergreife, leite, Herr, den Schwachen, der dir fleht: verwirf die Bitte nicht, die mir von Herzen geht! 6. Ach, wie könnt ich dich vergessen, wie so undankbar dir sein, deine Liebe nicht erniessen, deines Beifalls nicht mich freun! Meinen Lohn hab ich dahin; eitler Ruhm ward mein Gewinn; aber ihn sollt ich verachten, nur nach deinem Beifall trachten. 7. Gott, der jedes Herz voll Neue gern mit seinem Trost erfreut, sei mir gnädig und verzeihe die unlautre Frömmigkeit! Mache reiner meinen Sinn; lent ihn zu dem Einen hin, dich zu lieben und vor Allen dir, o Höchster, zu gefallen! 8. Laß, Herr, alle meine Werke Früchte deiner Liebe sein; gib mir täglich neue 2. Du willst, daß ich mich treu in jeder Tugend übe. Der Glaube, sagt dein Wort, soll fruchtbar durch die Liebe in wahrer Heiligkeit, in gu ten Werken sein; dir soll ich, Herr, mein Gott, mein ganzes Leben weihn! 3. Dieß will ich, und doch macht die Schwäche meiner Seele und der Versuchung Reiz, daß ich so oft noch fehle. Ich seh der Tugend Glück; ich wünsche, gut zu sein, und immer hab ich doch so viel noch zu bereun. 4. Das siehst du, Herr mein Gott; o sieh es mit Erbarmen und reiche deine Hand voll Vaterhuld mir Ärmen! Gib meinem Geiste Licht; gib meinem Vorsat Kraft, so kämpf ich glück licher im Allgemeinen. licher mit Welt und Leidenschaft. 5. Eröffne den Verstand, stets heller einzusehen, daß Sünd uns elend macht; daß wahres Wohlergehen und innrer Friede nur aus rei= nem daß du mit deiner Huld der Freuden Quelle bist. 6. Laß in Versuchung mich nicht zaghaft unterliegen; ermuntre mich mit Muth und hilf dem Schwachen siegen. Mein Auge laß als lein auf deine Weisheit schaun, mein Herz dir folgsam sein und dann dir froh vertraun. 251 wann du ewig lohnst für jede gute That, frohlocken, daß mein Herz sich dir geheiligt hat. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 340 Herr, wie lange muß ich ringen, eh ich auf der steilen Bahn deines Rechts zum Himmel dringen und vom Kampfe ruhen kann? Werd ich meinen Hang zu Sünden endlich völlig überwinden? 2. Ach, wenn mich die Lust der Erde, oder kühner Sünder Spott reizet, daß ich träger werde, wirst du mein vergessen, Gott? Wirst du, mich zu unterstüßen, eilen, wirst du dann mich schüßen? 7. Ich bin ein Bilger hier, umringt von vielen Sündern; ihr Beispiel könn te leicht der Tugend, Eifer mindern. Wenn der Verführung Gift, des Leicht finns frecher Spott dem Geist gefährlich wird, dann steh mir bei, mein Gott! 3. wie Ach, ich zittre, Gott! lange soll ich tämpfen? Dieser Streit meiner Schwachheit macht mir bange bei so viel Gefährlichfeit, daß ich doch noch unterliege und mein Kleinod nicht ersiege. 8. Bewahre mein Gemüth, daß mich bis an mein Ende die falsche Fröhlichkeit der Sünder nie verblende! Der 4. Schaue her zu deinem Thoren Jauchzen wird bald lange Reu und Pein; laß diesen Wechsel mir doch ja vor Augen sein! Kinde; höre mich und steh mir bei! Herr, bewahre mich vor Sünde; mache mich getroft und treu, daß ich standhaft deine Wege wana deln und nicht straucheln möge! 9. So werd ich, Herr, mein Gott, dir nicht um sonst vertrauen; einst, wenn ich treu dir war, der Freuden Fülle schauen und, 5. Daß die Welt mich nicht verführe, daß sie mich 26 nicht 252 Gesinnung und Verhalten des Christen nicht ungetreu mach und spottend triumphire, daß ich auch gefallen sei; daß sie sich nicht ihrer Siege rüh me, weil ich unterliege! 6. Der du Kraft und Muth gewährest, hilf des Schwachen Schwachheit auf! Ja, ich hoffe, daß du hörest, und ich freue mich darauf. Rühmen will ichs und dir singen, daß du Stärke gibst zum Ringen. Mel. Herzliebster Jesu! ch habe, Gott, 341 vorgenommen, nie auf der Uebertreter Pfad zu kommen, vor dir zu wandeln, dir mich und mein Leben treu zu ergeben. 2. Erforsche mich, sieh, ob redlich meine; gib, daß ich nicht blos, was ich sein soll, scheine, mit allen Kräften strebe, deinen Willen froh zu erfüllen! 3. Wenn deine Furcht mich überall begleitet und meinen Gang, wo mich kein Mensch sieht, leitet: wie sicher werd ich deine Wege wallen! Wie kann ich fallen? 4. Laß auch im Dunkeln mich dein Auge scheuen, nicht achten auf der Sünde Schmeicheleien, aufmerksam des Gewissens Stimme hören, dich thätig ehren. 5. Gib Eifer, Kraft und Muth zu meinen Pflichten; 10 mag die Welt, wie ihrs gefällt, mich richten! Ehrt mich dein Beifall, so kann ich mit Freuden Verachtung leiden. 6. Du achtest nicht das Ansehn der Personen; ge= recht wirst du einst richten, und belohnen, mit Herrlichkeit und Ehre deine Kinder, mit Schmach die Sün der. 7. Vollend ich meines Leich zum treu bens Prüfungsstunden und erfunden; wie schön verwandeln sich dann meine Leiden in ewge Freuden. Mel. Wann mein Stündlein 342 h bin ein Chriftl ch mein Freund! In dieser hohen Würde steh ich und fürchte keinen Feind, trag muthig meine Bürde. Heil mir! In meines Gottes Kraft beherrsch ich jede Leidenschaft im Dulden, wie im Handeln. 2. Mein Glaube steht und wantet nicht; start, feſt ist er gegründet! Er stüst voll hoher Zuversicht auf Jesum sich und findet bei ihm Kraft, Ruhe, Rath und Heil und nimmt an jedem Segen Theil den er uns hat ers worben. 3, Mich im Allgemeinen. 3. Mich soll daher nicht Eitelkeit, nicht Bitterfeit der Leiden, auch nicht ein Schlaf der Sicherheit von Gottes Liebe scheiden. Wer Jesu glaubt und freudig thut, wie Jesus will, hat hohen Muth im Leben und im Sterben. 4. Was sind die Leiden dieser Zeit voch gegen jene Kronen, womit Gott in der Ewigkeit die Frommen will belohnen? Was ist die eitle Lust der Welt, wenn man das Glück dagegen hält, das Gott uns dort will schenken? 5. So soll denn selbst des Todes Macht mein Herz von Gott nicht scheiden! Er führt mich durch des Grabes Nacht zu jenem Licht der Freuden; wo, frei von allem Erbenleid, in seines Himmels Herrlichkeit ich ewig mit ihm lebe. Mel. Ach, sieh ihn dulden 343 ir immer ähnlicher zu wer den, du hohes Urbild der Vollkommenheit, das sei mein Ziel schon hier auf Erden, das bleib mein Ziel, dem in der Ewigkeit mit höhrer Kraft mein Geist entgegen strebt, ob er sich gleich nie ganz zu ihm er hebt. 2. Wenn ich aus reiner 253 Menschenliebe, die selbst den Schein des Eigennußes flieht, des Wohlthuns edle Pflichten übe, auch wenn mein Thun fein sterblich uge sieht; dann bin ich ähnlich dem, der einst die Welt aus Liebe schuf, aus Liebe noch erhält. 3. Wenn ich auf seine Weisheit achte, die nicht dem kleinsten seiner Werke fehlt; wenn ich den edlen Zweck betrachte, zu dem er stets die besten Mittel wählt, und selbst mit Weisheit handle, so wie er: dann werd ich meinem Vorbild ähnlicher. 4. Wenn ich mit immer regem Triebe das Böſe hasse, das mich elend macht, und als mein Glück das Gute liebe, wie finnenreizend auch das Laster lacht; und in Gefahr mein Herz sich nie vergißt: dann gleich ich dem, der rein und heis lig ist. 5. Wenn ich, um Tugend auszubreiten, Verdiensten helfe, lohne Fleiß und Treu: wenn ich, zur Beßrung ihn zu leiten, den Frevler strafe, selbst das Unrecht scheu: dann gleich ich dem, der mit Gerechtigkeit belohnt und straft, so gern sein Herz verzeiht. 6. Wenn ich durch Täuschung nie betrüge, die Wahr27 heit 254 Gesinnung und Verhalten des Christen heit ehre, Feind der Falsch heit bin, mein Wort nie breche, niemals lüge, und brächt es mir auch einer Welt Gewinn: dann gleich ich dem, der es aufrichtig meint und stets es ist, dem großen Wahrheitsfreund. 7. Wenn ich mich Leidender erbarme mit brüder= lichem, liebevollem Sinn: nicht stolz erst frage, ob der Arme es werth sei, daß ich sein Erretter bin; dann gleich ich dem, der ewig gütig ist und keines Menschen, keines Wurms vergißt. 8. So sei, dir ähnlicher zu werden, du hohes Urbild der Vollkommenheit, mein höchstes Ziel schon hier auf Erden, mein Ziel, zu wel chem einst in Ewigkeit mit höhrer Kraft mein Geift zu bringen strebt, ob er sich gleich nie ganz zu ihm er hebt. Mel. Fren dich sehr, o meine 344 Kommt und last uns Chrifti Lehren, laßt uns, was er uns verheißt, Wahrheit Gottes von ihm hören, hören, wen er selig preist! im Glauben fest bestehn, freudig Gottes Wege gehn, den Erlöser frei bekennen, dürfen sich die Seinen nenDie nen. 2. Selig, wer in Demuth lebet, seiner Schwächheit nie vergißt, nie sich selbst voll Stolz erhebet, wenn er groß und glücklich ist! Gottes Huld wird ihn erfreun und das Himmelreich ist sein. Gott wird Heil und ewges Leben ihm zum Lohn der Tugend geben. 3. Selig ist, wer seine Sünde demuthsvoll vor Gott bereut und, damit er Gnade finde, sich vor neuen Sünden scheut. Gott will ihm die Schuld verzeihn und zum Guten Kraft verleihn; froh im Geist schon hier auf Erden, soll er dort ganz glücklich werden. 4. Selig ist, wer Sanft muth übet, niemals seinem Feinde flucht; gern Belei digern vergiebet, nie sich selbst zu rächen sucht; ruhig seine Pflicht vollbringt und sein eignes Herz bezwingt. Gott wird über ihn stets wachen und ihn reich an Segen machen. 5. Selig, die mit Ernst verlangen, heilig und ge recht zu sein; welche fest am Guten hangen, nicht blos an des Guten Schein; deren Herz nicht mehr be gehrt, als was ihre Tugend mehrt. Gott wird ihr Verlangen stillen, sie mit höh rer Kraft erfüllen. 6. Selig sind, die voll Erbarmen Keinem ihre Hülf entziehn, im Allgenteinen. entziehn; bei dem Kranken, bei dem Armen nie des Elends Anblick fliehn; gern behülflich sind mit Rath und nach Kräften mit der That. Diese werden Hülf empfangen und Barmher zigkeit erlangen. 7. Selig sind, die ihrer Herzen reine Unschuld nie züchtig, ihren Scherzen, den Verdacht des Leichtsinns scheun. Die dem Reize böser Lust, regt er sich in ihrer Brust, dennoch standhaft widerstehen, werden Gottes Antliş sehen. 8. Selig, wer in Frieden lebet, wer stets Ruh und Einigkeit zu erhalten sich bestrebet und, wenn Feindschaft, Haß und Streit seiner Brüder Glück zerstört, sie die Pflicht der Eintracht lehrt! Die des Friedens sich befleißen, werden Gottes Kinder heißen. 9. Selig, die des Guten wegen dulden Schmach und Haß und Pein! Ihrer wartet Heil und Segen, wenn sie hier den Kampf nicht scheun. Gott steht ihnen mächtig bei und wird sie für ihre Treu einst mit Wonn und Siegeskronen in der Ewigkeit belohnen. 10. Herr, du wolleft selbst mich leiten auf der Tugend sichrer Bahn, wo ich dieser 255 Seligkeiten hier und dort mich freuen kann! Gib, daß ch in Freud und Schmerz treu dir bleibe, daß mein Herz sich durch deines Geis stes Stärke stets befleiße guter Werke! In eigener Melodie. 345 Laß mich, o Herr, in allen gen auf deinen Willen sehn und dir mich weihn; gib selbst das Wollen und Vollbringen und laß mein Herz dir ganz geheiligt sein! Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin; dein, Herr, ist Alles, was ich hab und bin. 2. Gib meinem Glauben Muth und Stärke und laß ihn in der Liebe thätig sein, daß man an seinen Früchten merke, er sei kein eitler Traum und falscher Schein. Er stärke mich in meiner Pilgrimschaft und gebe mir zum Kampf und Siege Kraft! 3. Laß mich, solang ich hier soll leben, in gut und bösen Tagen sein vergnügt und deinem Willen mich ergeben, der mir zum Besten Alles weislich fügt; gib Furcht und Demuth, wann du mich beglückst, Geduld und Trost, wann du mir Trübsal schickst! 4. Ach, hilf mir beten, wa= 256 Gesinnung und Verhalten des Christen wachen, ringen; so will ich dir, wann ich den Lauf vollbracht, stets Dank und Ruhm und Ehre bringen, dir, der du Alles hast so wohl gemacht. Dann werd ich heilig, rein und unentweiht, dein Lob verkündigen in Ewigkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott 346 Mein Gott, ach, lehre mich erkennen den Selbstbetrug und Heuchelschein, daß tausend, die sich Christen nennen, mit nichten Chrifti Glieder sein. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 2. Hilf, daß ich dir allein ergeben, der Sünde abgestorben sei; laß mich dir sterben und dir leben und mach in mir, Herr, Alles neu! Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 3. Reiß los mein Herz von dieser Erden, laß mich, der ich unsterblich bin, nach deinem Bild erneuert werden und gib mir meines Heilands Sinn! Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 4. Regiere du selbst mei ne Seele, damit ich Christo folge nach und stets den schmalen Steg erwähle, ia Ehre such in Christi Schmach. Ach wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 5. Gib mir zum Streite Muth und Kräfte; hilf, daß ich dir verbleibe treu, daß ich an Christi Kreuz mich hefte und mir die Welt gefreuzigt sei. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 6. Laß in mir Glaube, Hoffnung, Liebe, beständig fest und thätig sein; daß ich bis an mein Ende übe das Christenthum ohn Heuchelschein. Ach wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 7. So hab ich schon auf dieser Erde, was mich bes ruhigt und erfreut; wann ich mit Gott vereinigt wer de, schmeck ich des Him mels Seligkeit. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! Mel. O Gott, du frommer Gott Hauch 347 Mein Schöpfer, mich tobten Staub beseelte, Sinn und Vernunft mir gab, in Chrifto mich erwählte, regiere ferner mich mit deinem guten Geist, daß jede Handlung dich, Gott, meinen Schöpfer, preift. 2. Laß, da du heilig bist, mich im Allgemeinen. 257 mich alle Lüste fliehen und 7. Herr, meine Burg, mich nur um den Schaß, der droben ist, bemühen; gib Stärke zu dem Streit, Herr, mit der Welt und mir und Hoffnung zu dem Sieg; er kommt allein von dir. 3. Laß mich, ich bin ein Christ, nach Christi Lehre wandeln; mein ganzer Gottesdienst sei Glaub und rich tig Handeln; die Lust an dem Gesetz ist mehr, als Lust der Welt, die nur der Frevler liebt, der Thor für Freude hält. 4. Entzünde du mein Herz mit Frömmigkeit und Liebe; gib, daß ich auch, wie mich, den liebe, und segne meinen Feind! Herr, was ich hab, ist dein. Laß mich im Unglück groß, im Glück bescheiden sein! 5. Dein Himmel sei mein Glück: das Irdische verge het; weh jedem, dessen Herz mit ihm im Bunde stehet! Wohl dem, deß erster Bunsch, Gott, dein Erkenntniß ist! Er hat Zufriedenheit, wenn er auch Alles mißt. 6. Nimm alle Laster weg, die der Gesellschaft schaden. Wir sind ja, was wir sind, aus unverdienten Gnaden. Haß, Falschheit, Heuchelei und Stolz und Bruderneid sind unsrer Tage Pest; und turz ist unsre Zeit. mein Fels, mein Schutz in allen Nöthen, früh such ich dich; des Nachts will ich zu dir auch beten. Mein Stand sei dir geweiht, bei meines Amtes Pflicht vergesse ja mein Herz des Christen Pflichten nicht. 8. 3ulegt erlöse mich von mir beschiednen Leiden, laß meinen Geist voll Trost aus seiner Hütte scheiden! Herr, ihn befehl ich dir; mich fübre deine Hand durchs öde Todesthal ins rechte Vaterland. Mel. O Gott, du frommer Gott 348 Mein Bater und der du in diesem Leben zur Leuchte meinem Fuß dein heilig Wort gegeben, regiere doch mein Herz durch deinen guten Geist, daß ich dem folgsam sei, was, Gott, dein Wort mich heißt! 2. Verleih, daß ich zuerst nach deinem Reiche trachte und fein vergänglich Gut mehr, als es werth ist, achte! Wer nach dem Ewigen mit rechtem Eifer ringt, empfängt schon hier zum Lohn, was wahre Nuhe bringt. 3. Gib, daß ich von der Welt mich unbefleckt erhalte und daß in mir der Trieb zum Guten nie erkalte; hilf, daß ich immer wach, im Kampf des Glaubens tren und 258 Gesinnung und Verhalten des Christen und in der Hoffnung stark und fest gegründet sei! 4. Gib, daß ich als ein Christ mich Christo zeige und achtsam müth zu seiner Liebe neige! Sein Geist regiere mich und nicht der Geist der Welt! So wandl ich, Herr, vor dir den Weg, der dir gefällt. ähnlich mein Ge5. Hilf, daß ich dich mein Gott, von ganzer Seele liebe und Lieb und Gütigteit auch an dem Nächsten übe! Laß fern von Ueber. muth mich bei des Glückes Schein und frei von Ungeduld in trüben Tagen sein! 6. Nie müsse sich mein Herz des Fleisches Lust er geben und nie dem schnöden Geiz! Mein dir geweihtes Leben sei von Betrug und Neid, von Unbarmherzigfeit, von ungerechtem Gut und stolzem Sinn befreit. 7. Will deine Hand mich hier auf rauhe Wege lei ten, so unterstüße mich, wenn meine Tritte gleiten! Laß mich in aller Noth auf deine Hülfe baun und auch, wenn sie verzieht, dir doch getroft vertraun. 8. Erlöse endlich mich von allen meinen Leiden; und ist die Stunde da, aus dieser Welt zu scheiden, o Vater, so verlaß, wenn meine Hütte bricht, mich Sterbenden mit Trost und froher Hoffnung nicht! Tel. Wer nur den lieben Gott 349 Nicht, daß ichs ergriffen hätte, die beste Tugend bleibt noch schwach; doch, daß ich meine Seele rette, jag ich dem Kleinod eifrig nach. Denn Tugend ohne Wachsamkeit verliert sich bald in Sicherheit. 2. Solang ich hier im Leibe walle, bin ich ein Kind, das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, der, wenn sein Nächster fällt, noch steht. Auch die bekämpfte böje Lust stirbt niemals ganz in unsrer Brust. 3. Nicht jede Besserung ist Tugend; oft ist sie nur das Werk der Zeit. Die wilde Hipe roher Jugend wird mit den Jahren Sittsamkeit; und was Natur und Zeit gethan, sieht un ser Stolz für Tugend an. 4. Oft ist die Aendrung deiner Seelen ein Tausch der Triebe der Natur. Du fühlst, we Stolz und Ruhmsucht quälen, und dämpfst sie; doch du wechselst nur: dein Herz fühlt einen an dern Reiz, dein Stolz wird Wollust oder Geiz. 5. Oft ist es Kunst und Eigenliebe, was Andern strenge Tugend scheint. Der Trieb des im Allgemeinen. des Neids, der Schmäh ſucht Triebe erweckten dir so manchen Feind; du wirst behutsam, schränkst dich ein, fliehst nicht die Schmähsucht, nur den Schein. 6. Du denkst, weil Dinge dich nicht rühren, durch die der Andern Tugend fällt, so werde nichts dein Herz verführen; doch jedes Herz hat seine Welt. Den, wel chen Stand und Gold nicht rührt, hat oft ein Blick, ein Wort verführt. 7. Oft schläft der Trieb in deinem Herzen. Du scheinst von Rachsucht dir befreit; jezt sollst du eine Schmach verschmerzen, und sieh, dein Herz wallt auf und dräut und schilt so lieblos und so hart, als es zuerst gescholten ward. 259 10. Du fliehst, geneigt zu Ruh und Stille, die Welt und liebst die Einsamkeit; doch bist du, forderts Got tes Wille, auch dieser zu entfliehn bereit? Dein Herz haßt Habsucht, Neid und Zant; fliehts Unmuth auch und Müßiggang? 11. Du bist gerecht; bist du bescheiden? bist mäßig; übst du auch Geduld? du dienest gern, wenn Andre leiden; vergibst du Feinden auch die Schuld? Von allen Lastern sollst du rein, zu aller Tugend willig sein. 12. Sei nicht vermessen! Wach und streite; denk nicht, daß du schon g'nug gethan. Dein Herz hat seine schwache Seite, die greift der Feind der Wohlfahrt an. Die Sicherheit droht dir den Fall, drum wache stets, wach überall! 8. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, das Herz im Stillen tugendhaft. Raum In eigener Melodie. 1350 Gott, du from lachet uns die Welt entge: gen, so regt sich unsre Leidenschaft. Wir werden im Geräusche schwach und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst Gott die leichtern Triebe durch einen strengen Lebenslauf; doch opferst du, wills seine Liebe, ihm auch die liebste Nei- 2. Gib, daß ich mit Fleiß L gung auf? Dieß ist das thu, was mir zu thun geAuge, dieß der Fuß, die sich der Christ entreißen muß. mer Gott, du Brunnquell aller Gaben, ohn den Nichts ist, was ist, von dem wir Alles haben, erhalte meinen Leib gesund und gib dabei, daß auch mein Geist gesund, rein mein Gewissen sei! bühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet. Gib, daß ich bald es thu 260 Gesinnung und Verhalten des Christen thu, zu der Zeit, da ich soll; und was ich also thu, Herr, das gerathe wohl! 3. Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen; laß fein unnüßes Wort aus meinem Munde gehen! Wenn aber Amt und Pflicht zu reden mir gebeut, dann gib den Worten Kraft, doch ohne Bitterkeit! 4. Gerath ich in Gefahr, so laß mich nicht verzagen; gib wahren Christenmuth, das Kreuz hilf selber tragen! Gib, daß ich meinen übermit wind, und sende Hülf und Rath, wenn sie mir nöthig sind. 1 5. Laß mich mit Jeder mann in Fried und Eintracht leben, soweit es christlich ist! Willst du mir Etwas geben an Reichthum, Ehr und Glück, so gib auch dieß dabei, daß ich nicht ungerecht, nicht stolz, noch sicher sei! 6. Soll ich auf dieser Welt mein Leben höher bringen, durch manchen sauren Tritt hindurch ins Alter dringen, so gib nur, daß ich stets ein frommes Herz bewahr, auf daß ich tragen mag mit Ehren graues Haar! 7. Las mich auf Christi Tod getrost von hinnen scheiden; die Seele nimm zu dir hinauf zu deinen Freuden; es ruhe sanft der Leib in seiner stillen Gruft, bis ihn dein Allmachtswort ins neue Leben ruff! 8. Wenn alle Todten dann auf dein Gebot erwachen, so wird auch meinen Staub dein Ruf lebendig machen. Dann führe mich verklärt in deinen Himmel ein und laß mich selig dort mit allen Frommen sein. Mel. Was mein Gott will 351 ft tlagt dein Herz, schwer es sei, den Weg des Herrn zu wandeln und täglich seinem Worte treu zu denken und zu handeln. Wahr ists! die Tugend kostet Müh, sie ist der Sieg der Lüste; doch richte selbst, was wäre sie, wenn sie nicht kämpfen müßte? 2. Die, die sich ihrer Laster freun, trifft die kein Schmerz hienieden? Sie sind die Sclaven eigner Pein und haben keinen Frieden. Der Fromme, der die Lüfte dämpft, hat oft auch seine Leiden; allein der Schmerz, mit dem er kämpft, ver wandelt sich in Freuden. 3. Des Lasters Bahn ist Anfangs zwar ein breiter Weg durch Auen; allein sein Fortgang wird Gefahr, jein Ende im Allgemeinen. Ende Nacht und Grauen. Der Tugend Pfad ist Anfangs steil, läßt nichts als Mühe blicken; doch weiter fort führt er zum Heil und endlich zum Entzücken. 4. Nimm an, Gott hätt es uns vergönnt, nach unfers Fleisches Willen, wenn Wollust, Neid und Zorn entbrennt, die Lüfte frei zu stillen; nimm ar, Gott ließ den Undank zu. den Frevel, dich zu kränken, den Menschenhaß: was würdest du von diesem Gotte den ken? 5. Gott will, wir sollen glücklich sein; drum gab er uns Gefeße. Sie sind es, die das Herz erfreun; sie sind des Lebens Schäße. Er redt in uns durch den Verstand und spricht durch das Gewissen, was wir, Geschöpfe seiner Hand, fliehn oder wählen müssen. 6. Jhn fürchten, das ist Weisheit nur, und Freiheit ifts, sie wählen. Ein Thier folgt Fesseln der Natur, ein Mensch dem Licht der Seelen. Was ist des Geistes Eigenthum? was sein Beruf auf Erden? Die Tugend! Was ihr Lohn, ihr Ruhm? Gott ewig ähnlich werden. 7. Lern nur Geschmack am Wort des Herrn und seiner Gnade finden und 261 übe dich getreu und gern, dein Herz zu überwinden. Wer Kräfte hat, wird durch Gebrauch von Gott noch mehr bekommen; wer aber nicht hat, dem wird auch das, was er hat, genommen. 8. Du streitest nicht durch eigne Kraft, drum muß es dir gelingen. Gott ist es, welcher beides schafft, daş Wollen und Vollbringen. Wann gab ein Vater einen Stein dem Sohn, der Brod begehrte? Bet oft; Gott müßte Gott nicht sein, wenn er dich nicht erhörte. 9. Dich stärke auf der Tugend Pfad das Beiſpiel selger Geister; ihn zeigte dir und ihn betrat dein Gott und Herr und Meis ster. Dich müsse nie des Frechen Spott auf dieſem Pfade hindern! Der wahre Ruhm ist Ruhm bei Gott, und nicht bei Menschenkindern. 10. Sei start, sei männlich allezeit, tritt oft an deine Bahre; vergleiche mit der Ewigkeit den Kampf fo kurzer Jahre. Das Kleinod, das dein Glaube hält, wird neuen Muth dir geben; und Kräfte der zukünftgen Welt, die werden ihn beleben. 11. Und endlich, Christ, sei unverzagt, wenn dira. nicht immer glücket, wenn dich 262 Gesinnung und Verhalten des Christen dich, so viel dein Herz auch wagt, stets neue Schwachheit drücket! Gott sieht nicht auf die That allein; er sieht auf deinen Willen. Ein göttliches Verdienst ist dein! Dieß muß das Herz dir stil len. Mel. Wer nur den lieben Gott 352 Wer stets mit rei nem Wohlgefallen der Tugend hohe Schönheit sieht und, frei von Stolz und Eigennuße, für alles wahre Gute glüht, werjedem Lafter sich entreißt, der sammelt Schäße für den Geist. 2. Er trachtet nach dem höchsten Gute, nach Weisheit und Gerechtigkeit: denn wenn ihr das besigt, spricht Jesus, ist alles Andre euch bereit; ihr habt dann Friede, Seelenruh, und alles Andre fällt euch zu. 3. Doch hoffe nicht, o Christ, daß Tugend dir stets auch Erdenglück verschafft! Wie Mancher fand seit früher Jugend an ihrer Seite Licht und Kraft; wie man cher sorgte für sein Herz und fühlte dennoch oft auch Schmerz. deiner Thätigkeit. Wer blos nach äußerm Glanze strebt, der täuscht sich selbst, solang er lebt. 5. Nie mache dir zum höchsten Zwecke den Vortheil, den die Tugend bringt! Sei fromm! Sei fromm, wenn auch nicht immer die fromme Absicht dir gelingt! Frag nicht: was bringt die That mir ein? Sie selbst, o Mensch, muß Lohn dir sein. 4. Die Tugend nur, nur Herzensgüte, nur das, was innern Werth verleiht, nicht eitles Glück, nicht macht und Schimmer beruht auf 6. Doch übst du redlich deine Pflichten; so sei ge trost und zage nie! Dein Gott war Zeuge deiner Tugend, und er, dein Gott, belohnet sie. Ein Herz, von Sünd und Lastern rein, kann nicht auf immer elend sein. 7. Ja, leb und stirb für alles Gute; es folgt gewiß Vergeltung einst, und du gewinnest noch im Tode, in dem du zu verlieren scheinst! Auch Jesus gab sein Leben hin, und Herrlichkeit war sein Gewinn. 8. Jm Himmel dort ist nicht nur Tugend, dort ist auch hohe Seligkeit. Hier sind oft beide nicht vereinet: nur droben ist Vollkommen heit. Da schwingt der Edlesich empor, der hier im Dunkeln sich verlor. 9. Drum will ich, Gott, stets edel handeln, dem Mu ster treu, das Jesus gab. Nichts im Allgemeinen. Nichts soll den hohen Muth mir rauben, und führt er auch in Tod und Grab! Mein höchster Wahlspruch sei allein: Wer christlich denkt, wird selig sein. 263 zeit nur deinem Dienst, o Gott, geweiht? 5. Unwandelbar ist deine Wahrheit, Herr, aller guten Gaben Quell! Sie leuchte mir in voller Klarheit und mache mein Erfenntniß hell, daß nie der In voriger Melodie. 353 Schön ist die Tu gend, mein Verlangen und meiner ganzen Liebe werth. Mit aller Kraft ihr anzuhangen, hat meine Seel auch oft begehrt. Ach könnt ichs, wie würd ich mich freun! Wer heilig ist, muß selig sein. 2. Gott ist der Seligkeis ten Fülle von Ewigkeit zu Mel. Ein Lämmlein geht Ewigkeit: denn sein Ber: 354 Was hilft es mir, ein stand Licht, Wille ist Ordnung und Vollkommenheit. Von Ewigkeit her war er gut, und recht ist immer, was er thut. 3. Wie schnell umhüllen Finsternisse mich, wenn ich auch erleuchtet bin! Dann fliehn die heiligsten Entschlüsse, den Morgenträumen gleich, dahin. Bald wähl ich, was dir, Gott, gefällt, bald deinen Sclavendienst, o Welt! 4. Jch Armer! Darum kommt kein Friede in mein verschmachtendes Gebein. Wie bin ich dieses Wechfels müde! Wann werd ich fest im Guten sein? wann nicht mehr straucheln, alle Sünde lich Täuscherei gefährdeinem Kinde sei! 6. O bilde, Vater, meine Seele, nach deinem Willen bilde sie, daß ich das Gute stets erwähle, das Böse immer ernstlich flieh! Um diese Gnade bitt ich dich; ich weiß es, du erhörest mich. sein, wenn ich nicht christ lich lebe, wenn ich nicht fromm, gerecht und rein zu wandeln mich bestrebe; wenn ich dem seligen Beruf, zu welchem mich mein Gott erschuf, nicht würdig mi) beweise, und den, der mi erlöset hat, in Worten nur, nicht durch die That und gute Werke preise. 2. Was hilft der Glaub an Jesum Christ, den ich im Munde führe, wenn nicht mein Herz rechtschaffen ist, und ich die Frucht verliere? wenn mich die Eitelkeit der Welt mit ihrer Lust gefangen hält, ich ihre Fesseln liebe und, fühl= 264 Gesinnung und Verhalten des Christen fühlbar für der Sünde meinem ganzen Lebenslauf Reiz, Zorn, Hoffart, Flei scheslüfte, Geiz und andre Laster übe? die Schuld mir aufzudekken? 3. Weit strafenswerther bin ich dann, ich, der ich Christum kenne, weiß, was er einst für mich gethan, ihn Herrn und Meister nenne, als der, der in der Finster: niß des Irrthums tappt, noch ungewiß, ob er auch richtig wandle. Was nüßet mir der Wahrheit Licht; was hilft mir aller Unterricht, wenn ich nicht danach handle? 6. Gott, dieser Hoffnung werth zu sein, hilf, daß ich 4. Und woher nehm ich christlich lebe und vor dir Trost und Ruh, wann Lei- heilig fromm und rein zu den mich umgeben und wandeln mich bestrebe! Gib meine Sünden noch dazu mir Weisheit mir und Muth dann vor Augen schweben? und Kraft, damit ich Welt Was hilft mir in der legten und Leidenschaft im GlauNoth, wann sich der schauer- ben überwinde und dann volle Tod mir zeigt mit nach wohldurchlebter Zeit seinen Schrecken, und mein den Lohn in jener Ewigkeit Gewissen wachet auf, von für meinen Glauben finde! 5. Weh mir! Was hilft es mir einst dort, erwedt aus meinem Grabe, daß ich an Christum und sein Wort zum Schein geglaubet habe, wenn keine fromme gute That mein Leben hier bezeichnet hat, den Glauben zu beweisen? Nur Glaub, durch echte Frömmigkeit bewährt, wirft meine Seligkeit, kann wahrer Glaube heißen. Gesinnung und Berhalten des Christen in Hinsicht auf Gott. Erkenntniß Gottes. Mel. Lobsinget Gott! er 355 Dich kennen, Gott, ist Seligkeit, und sich zu dir erheben ist Wonne, die nicht Welt und Zeit mir sonst vermag zu geben. Sie stärkt mein Herz, sich dir zu weihn, und läßt das Glück, ein Mensch zu sein, mich inniger empfin den; lehrt mich, daß du mein Vater bist, und daß dein weiser Rathschluß ist, schon hier mein Heil zu gründen. 2. Leicht kann ich deiner Größe Spur bei jedem Blick entdecken. Die ganze herr liche Natur in allen ihren Zwecken Erkenntniß Gottes. Zwecken zeigt Ordnung und Zusammenhang; ja, aller deiner Werke Gang, vom Etaube bis zur Sonne und der Gestirne fernstem Heer zeigt deine Macht mir täglich mehr, gibt stets mir neue Wonne. 3. Je mehr ich lerne, was du bist, je mehr ich deine Wege, und was mit mir dein Rathschluß ist, nach: denkend überlege: je mehr entdeckt mein froher Blick das mir bestimmte ewge Glück, ein fünftig beßres Leben. Ich weiß, der mir geschenkte Geist, der sich dem Erdenstaub entreißt, wird zu 4. D laß von deiner Herrlichkeit mich immer mehr entdecken, und wenn mein Geist sich ihrer freut, ihn immer mehr erwecken, daß er nur Wahrheit sucht und liebt; doch wenn er sich im Forschen übt, laß ihn bei Dunkelheiten, wo er sich leicht zu weit verliert, wo Täuschung leicht ihn irre führt, die Pflicht des Glaubens leiten! 5. Denn ganz kann meine Fassungskraft nicht deine Größe sehen, nicht Alles, was dein Rathschluß schafft, ergründen und verstehen. Wagt darum die Vernunft zu viel, will sie das ihr gesepte Ziel aus Vorwiß über265 schreiten, so laß mich diesen Vorwiß scheun; du wirst mir einst mehr Licht verleihn nach dieses Lebens Zeiten. 6. Dann werd ich, was ich hier nicht weiß, erfahren und verstehen; dann läßt des Geistes reger Fleiß mich immer weiter sehen: dann wird mir Alles offenbar, was mir hier unerforschlich war in deiner Weisheit Wegen. Erhaben über Welt und Zeit, eil ich dann der Vollkommenheit reinem Licht entgegen. und Mel. Wer nur den lieben Gott du 356 Mein Gott, bu zwar im Lichte, dahin kein sterblich Auge dringt; doch gibst du uns zum Unterrichte dein Wort, das uns Erkenntniß bringt, was du, o Allerhöchster, bist, und was mit uns dein Endzweck ist. 2. So gib denn, daß ich darauf achte als auf ein Licht im dunkeln Ort; und wenn ich ernstlich es betrachte, so hilf selbst meinem Forschen fort! Laß für der Wahrheit hellen Schein mein Aug und Herz stets offen sein! 3. Hilf, daß ich deinem Worte glaube, wenn es mich warnt, ermahnt, belehrt; daß weder Lust, noch Wahn mir raube, was mir den besten M Pflichten gegen Gott. 266 besten Trost gewährt! Kein Spott der Welt verführe mich; kein Zweifel sei mir hinderlich! 4. Das ist der Weg zum ewgen Leben, daß wir, o Vater, dich und den, den du zum Heil uns hast ge geben, erkennen, lieben und erhöhn. O führe du auf dieser Bahn mich selbst durch deine Wahrheit an! 5. Vor Allem gib, daß stets lebendig bei mir, Gott, dein Erkenntniß sei, und daß ich dir danach beständig Lieb, Ehrfurcht und Gehors sam weih! Hilf, daß ich thu mit allem Fleiß, was ich von deinem Willen weiß! 6. Was hilft das richtigste Erkenntniß, wenns nicht zu deiner Liebe treibt? Was nüßt ein aufgeklärt Verständniß, wenn doch das Herz noch böse bleibt? Drum Hilf, daß ich der Wahrheit treu und daß mein Glaube thätig sei! 7. Laß dein Erkenntniß mir im Leiden die Quelle waren Trostes sein! Laß, wann sich Leib und Seele scheiden, mich deiner noch im Glauben freun! Dort seh ich dich im hellen Licht von Angesicht zu Angesicht. Mel. Schon ist der Tag von Gott 357 Gott, der du mein Schöpfer bist, Herr, dem ich angehö re, dich richtig zu erkennen, ist mir ewig Pflicht und Chre. Stets heiliger durch dich zu sein, mich deiner immer mehr zu freun, dich immer mehr zu lieben, will ich mich täglich üben. 2. Jej kann ja, Ewiger, schon hier durch eifriges Be streben, wie schwach ich bin, mich doch zu dir mit meinem Geist erheben. Nur laß mich auf den Unterricht in deiner Offenbarung_Licht, und wie in deinen Werken du dich uns zeigest, merken! 3. Dann wird mir nicht aus eigner Schuld entgehn, was du mich lehrest, wie du voll Weisheit, Macht und Huld uns jeden Tag ernährest; wie Alles schön geordnet sich vereinigt, wie so väterlich du uns auf tausend Wegen entgegen kommst mit Segen. 4. Ich sehe dann und seh erfreut die täglichen Beweise von deiner Huld und Freundlichkeit zu deinem Ruhm und Preise. Zum Licht wird mir die Finsterniß, die dich ver birgt; mir wirds gewiß, es seien deine Pfade stets Herre lichkeit und Gnade. 5. Und welchen Aufschluß gibt mir nicht vom Ziele meis nes Lebens dein Wort, das ewges Heil verspricht! Nie merk ich drauf vergebens. Ich Erkenntniß Gottes. 267 weise, heilig ist dein Wille. Ich lerne dich und deinen du bist der Wesen Fülle, und Sohn, der Seele Werth, der Tugend Lohn, was wahres Glück zu nennen, daraus stets besser kennen. 6. So werd ich stets erleuchteter, von Vorurtheilen freier, zum Guten immer williger, standhafter und getreuer. Ein größer Maas der Weisheit gibt dem, der die Wahrheit sucht und liebt, mehr Trost in seinen Leiden und selbst im Tode Freuden. 7. Gewährt der Morgenröthe Licht mir hier schon so viel Wonne, wie viel verschafft mir künftig nicht des vollen Tages Sonne! Dann, Vater, wirst du näher dich mir offenbaren, dann werd ich, was wir hier dunkel nennen, im höhern Licht erkennen. 8. O laß von heiliger Begier mich immer mehr entbrennen, dich, Gott, und deinen Sohn schon hier stets besser zu erkennen, daß ich, von Wahn und Irrthum frei, dir immer mehr ge horsam sei und täglich mehr mich übe, o Gott, in deiner Liebe! 2. Dich kennen, sei die erste meiner Sorgen. Bist du gleich unerforchlich und verborgen, so können wir doch überall dich finden und deinen Rath mit uns ergründen. 3. Mit lauter Stimme lehren deine Werke uns deine Weisheit, deine Huld und Stärke; die Näh erzählt von dir, von dir die Ferne; die Pracht der Blumen, wie der Sterne. 4. Ruft deine Stimme nicht in unsrer Seele uns zu: das Böse flieh, das Gute wähle? Ward nicht, um uns zum Lichte zit er= heben, dein Sohn zum Führer uns gegeben? 5. Und immer mehr willst du dich offenbaren, wenn wir nur deine Lehren treu bewahren und auch den Weg, den wir betreten sollen, mit Ernst und Eifer wandeln wollen. 6. Zu diesem großen, heiligen Geschäfte erheb und stärke meiner Seele Kräfte; gib, daß ich dich in deinem Worte höre, aus deinen Werken mich belehre! In eigener Melodie. 7. Gib, daß ich demuths358 Was ist im Him voll aus meinem Staube mel, Höchster, was auf Erden, das so, wie du, verdient erkannt zu werden? Nur du bist groß; zu dir hinauf schau; freudig an dich glaube; mit Eifer mich durch Trug und Zweifel ringe und M 2 immer Pflichten gegen Gott. 468 immer näher zu dir dringe! deinen Willen mit Kindestreu, erfüllen. 8. So werd ich immer besser dich erkennen und immer kindlicher dich Vas ter nennen, dir fest vertrauen, fröhlich dich erheben, o großer Gott, und ganz dir leben. 4. Erleuchte meinen Geist mit immer hellerm Licht; belebe täglich mehr mein Herz für Recht und Pflicht, damit ich als dein Unterthan auf meiner ganzen Lebensbahn mit Eifer möge streben, gefällig dir zu leben! Ehrfurcht vor Gott. 5. Laß deine Gegenwart mir immer heilig sein; laß auch im Dunkeln mich dein Mel. Ogroßer Gott, von 359 Wie groß bist du, helles Auge scheun. Fr o Gott! Wie groß ist, Herr, dein Reich! Wer ist auf Erden dir, wer dir im Himmel gleich? Die Welt erbebt, das Licht wird Nacht, gehst du einher in deiner Macht; es muß mit tiefem Schweigen sich Alles vor dir beugen. innre mich an meine Pflicht, an deine Macht, an dein Gericht bei jedem Reiz zur Sünde, daß ich ihn überwinde! 2. Du hast durch deine Kraft die Himmel ausgestreckt, der Erde Grund ge. legt, dem Meer sein Ziel gesteckt. Dein Wort bewegt der Berge Grund und stürzt sie in des Meeres Schlund. 6. Doch gib, daß meine Furcht vor dir nie knechtisch sei; befreie mein Gemüth von Zwang und Heuchelei, daß ich, was dein Gefeß gebeut, erfülle stets mit Freudigkeit, aus Ehrfurcht nur und Liebe mich im Gehorsam übe. Mel. Wer nur den lieben Gott Wer kann, wer kann entflie: 360 or bir, o Gott hen, um dir sich zu entzie hen? 3. Wir alle sind durch dich, sind Werke deiner Hand; Leib, Seele, Hab und Gut hast du uns zugewandt. Du lehrst das menschliche Geschlecht, Herr, durch Vernunft und Schrift dein Recht, willst, daß wir scheuen, ist unsre allergrößte Pflicht. Kein Mensch kann deiner Huld sich freuen, scheut er dein heilig Auge nicht. Drum wirk in mir durch deinen Geist die Ehr furcht, die dich findlich preist. 2. In Allem, was ich thu und denke, laß, Herr, das meine Ehrfurcht meine Weisheit sein, daß ich mein Herz zur Sorgfalt lenke, vor jeder Sünde mich zu scheun. Denn wer noch Lust zur Sünde hat, der fürchtet dich nicht in der That. 3. Gib, daß ich stets zu Herzen nehme, daß du all: gegenwärtig bist, und das zu thun mich ernstlich schäme, was dir, mein Gott, zuwider ist. Der Beifall einer ganzen Welt hilft dem ja nicht, der dir mißfällt. 4. Laß immer dein Gericht mich scheuen und wirke steten Ernst in mir, mein Leben deinem Dienst zu weihen, daß ich die Gnade nicht verlier, die mich bei mancher Missethat so liebreich noch getragen hat. 5. Ja, Vater, laß mit Furcht und Bittern mich schaffen meine Seligkeit! Soll Nichts mein ewig Glück erschüttern, so laß mich in der Gnadenzeit mit Vorsicht alles Unrecht fliehn, mich nur um deine Gunst bemühn! 6. Erhalt in mir ein gut Gewissen, das weder Spott, noch Trübful scheu, und mache von den Hindernissen der wahren Tugend selbst mich frei! Nie störe Furcht und Luft der Welt mich, das zu thun, was dir gefällt! 7. In deiner Furcht nur vor Gott. 269 will ich wandeln und stets, ich sei auch, wo ich sei, nach deinem heilgen Willen handeln, entfernt von aller Heuchelei. Nur wer von Herzen dich verehrt, nur der ist dir, o Vater, werth. 8. In deiner Furcht laß mich auch sterben, so schreckt das dunkle Grab mich nicht, ich werde deinen Himmel. erben, dich schauen in vollkommnerm Licht. Wie werd ich dann mich deiner freun, wie selig, Gott, wie selig sein! In voriger Melodie. 361 Millst du der Weisheit Quelle kennen? Es ist die Furcht vor Gott, dem Herrn. Nur der ist weis und klug zu nennen, der alle seine Pflichten gern, weil Gott sie ihm gebeut, vollbringt, wenn gleich dazu kein Mensch ihn zwingt. 2. Lern Gottes Größe recht empfinden und fühle deine Nichtigkeit, so wirst du nie dich unterwinden, mit thörichter Vermessen heit zu tadeln, was sein Rath beschließt, der wunderbar, doch heilig ist. 3. Wirst du den Höchsten kindlich scheuen, so wird dir keine Pflicht zur Last. Nur das wirst du vor ihm be: reuen, daß du sie oft versäus M 3 Pflichten gegen Gott. 270 fäumet haft. Wer Gott als Zeugen vor sich hat, der freut sich jeder guten That. 4. Wenn Nacht und Dunkelheit dich decken, die dem Verbrecher Muth verleihn, wird dich die Furcht des Herrn erwecken, was unrecht ist, auch dann zu scheun. Denk nur, vor seinem Angesicht ist Finsterniß wie Mittagslicht. Liebe zu Gott. Mel. Von Gott will ich nicht 5. Den Höchsten öffent: 362 n bich, mein als in der Einsamkeit, auf des Gewissens Stimme hören und willig thun, was sie gebeut, auch das lehrt dich die Furcht des Herrn, auch das thut, wer ihn ehret, gern. 6. Läßt dich der Thor Verachtung merken, wenn du dich fromm von ihm entfernst, die Furcht des Herrn, die wird dich stärfen, daß du dich edel schäßen lernst. Wer Gott, dem Höchsten, wohlgefällt, ist glücklich selbst beim Spott der Welt. mich regieren, mich stets auf dich, den Höchsten, sehn! Laß sie mich hier zur Weißheit führen, so werd ich niemals irre gehn. Wohl dem, der stets dich findlich scheut! Dich fürchten, Gott, ist Se ligkeit. 7. Sich stets vor dem Allmächtgen scheuen gibt Heldenmuth und Freudigfeit, wenn uns der Menschen stolzes Dräuen, was unrecht ist, zu thun gebeut. Ist Gott mein Schuß, mein Heil und Licht, so beb ich vor den Menschen nicht. 8. Laß deine Furcht, Gott, fen, ist Pflicht und Trost für mich. Wenn Sorg und Gram mich fränken, so sieht mein Aug auf dich; dann mindert sich mein Schmerz. dann fliehn die bangen Sor gen wie Nebel vor dem Morgen, und Ruh erfüllt mein Herz. 2. Denk ich an deine Liebe, wie werd ich hoch er freut! Mit dankbar frohem Triebe fühl ich mich dann bereit, dir ganz mein Herz zu weihn, dich gläubig zu erheben, zur Ehre dir zu leben, vor Sünden mich zu scheun. 3. Mit fröhlichem Ge müthe dent ich an deine Treu; denn, Bater, deine Güte ist alle Morgen neu. Seh ich nur stets auf dich, so gibst du Muth und Stär te mir auch zum schwersten Werke; es wird mir leicht durch dich. 4. Du Liebe zu Gott. 271 4. Du gabst mir aus Er- lich Gutes zu? Daß ich barmen den Sohn, der für mich starb und liebevoll mir Armen die Seligkeit erwarb. Mit ihm ist Alles mein; du willst mirs gnädig schenfen, willst liebreich an mich denken und stets mein Vater ſein. 5. Wie gut ists, dein ge: denken! Die Welt mag immerhin ihr Herz aufs Eitle lenken, wie schlecht ist ihr Gewinn! Ich halte fest an Gott, dieß bringt mir wahre Freude, dieß stärkt mich, wenn ich leide, und ist mein Trost im Tod. 6. Drum will ich an dich denken, solang ich denken kann. Mag man ins Grab mich senken: mein Geift steigt himmelan! Vergesse mich die Welt: du, Herr, gedenkst doch meiner, wenn auch auf Erden Keiner mich im Gedächtniß hält. Mel. Alle Menschen müssen 363 ott der Liebe, wie erhebet meine Seele sich in mir! Wie getröstet, wie belebet fühl ich mich, o Gott, von dir! Jeder Blick auf deine Werte, deine Weisheit, Huld und Stärke, wie befreiet er mein Herz von Bekümmerniß und Schmerz! 2. Floß aus deiner Segensfülle mir nicht stündward, das war dein Wille; daß ich noch bin, das schaffst du. Daß ich denke, daß ich wähle, dankt dir, Vater, meine Seele, dankt dir, daß sie dich erkennt, dich durch Jesum Vater nennt. 3. Heil und unvergänglich Leben thatst du, Gott, durch ihn mir kund. Um zu dir mich zu erheben, schloß dein Sohn der Liebe Bund, den er in dem bängsten Streite selbst mit seinem Blute weihte; und nun zeigt den Weg zu dir nur der Geist der Liebe mir. 4. Und ich sollte dich nicht lieben, der du mich zuerst geliebt? Nicht aus Liebe Gutes üben, auch wenn sich mein Leben trübt? Könnt ich ohne sie auf Erden ruhig und zufrieden werden? ohne sie nach dieser Zeit wür dig sein der Seligkeit? 5. Heil mir, daß ich es empfinde, welcher Liebe werth du bist, meiner das nur würdig finde, was dir wohlgefällig ist! Einst, Herr, werd ich deinen Willen ganz erkennen und erfüllen, mich der reinsten Liebe freun und in dir ganz selig sein. Mel. Wer nur den lieben 364 D¹⁰ u Vater deiner Menschenkinder, der du die Liebe selber M 4 bist 272 bist, und dessen Herz auch gegen Sünder noch gütig und voll Mitleid ist, laß mich von ganzem Herzen dein, laß michs mit allen Kräften sein! Pflichten gegen 2. Gib, daß ich als ein Kind dich liebe, da du mich als ein Vater liebst, und so gesinnt zu sein mich übe, wie du mir selbst die Vorschrift gibst! Was dir gefällt, gefall auch mir; nichts scheide mich, mein Gott, von dir! 3. Bewahre mich durch deine Liebe vor Allem, was das Herz verführt, und gib, daß ich Verläugnung übe, wenn Sinnenlust zu ſehr mich rührt! Wie sollt ich je die Creatur dir vorziehn, Schöpfer der Natur? 4. Laß mich um deiner Liebe willen gern thun, was mir dein Wort gebeut! Kann ichs nicht, wie ich soll, erfüllen, so sieh auf mei ne Willigkeit und rechne mir nach deiner Huld die Schwachheit, Vater, nicht zur Schuld! Gott. 6. Aus Liebe laß mich Alles leiden, was mir dein weiser Rath bestimmt! Du führst durch Trübsal den zu Freuden, der seine Last gern auf sich nimmt; und wer sein Leiden weislich nüßt, wird mächtig von dir unterstüßt. 5. Der liebt dich nicht, der noch mit Freuden das thut, was dir, o Gott, miß fällt; drum laß es mich mit Ernst vermeiden, gefiel es auch der ganzen Welt! Die kleinste Sünde selbst zu scheun, laß, Vater, mich befliffen sein! 7. In deiner Liebe laß mich sterben, dann wird selbst Sterben mein Gewinn; dann werd ich deinen Himmel erben, wo ich dir, Vater, näher bin: dann liebt dich meine Seele rein und liebend wird sie selig sein. In eigener Melodie. 365 Wenn zur Ger Er füllung dei ner Pflicht dich Gottes Liebe nicht beseelet, so rühme dich der Tugend nicht und wisse, daß dir Alles fehlet. Wenn Vortheil, Wollust, Eigen sinn und Stolz dir nur das Gute rathen, so thue noch so große Thaten: du hast vor Gott den Lohn dahin. 2. Sei durch die Gaben der Natur das Wunder und das Glück auf Erden: beglückest du die Menschen nur, um vor der Welt ge ehrt zu werden; erfüllt die Liebe nicht dein Herz: so bist du bei den größten Gaben, bei dem Verstand, den Engel haben, vor Gott doch nur ein tönend Erz. 3. Er Liebe zu Gott. 273 3. Erbaue Kirchen; brich was Gott von uns verdein Brod, das Volk der Armen zu verpflegen, entreiß die Wittwen ihrer Noth und sei der Waisen Schuß und Segen; gib alle deine Habe hin; vor Gott hast du noch nichts gegeben. Wenn Lieb und Pflicht dich nicht beleben, so ist dir Alles kein Gewinn. langt. Und wenn wir nicht dieß Herz besißen, so wird ein Leben uns nichts nüßen, das mit den größten Thaten prangt. 4. Thu Thaten, die der Heldenmuth noch jemals hat verrichten fönnen: vergieß fürs Baterland dein Blut; laß deinen Leib für Andre brennen; beseelet dich nicht Lieb und Pflicht, bist du die Absicht deiner Thaten, so schüß und rette ganze Staaten: Gott achtet deiner Werke nicht. 5. Läg ihm an unsern Werken nur, so könnt er uns, sie zu vollbringen, sehr leicht durch Fesseln der Natur, durch Kräfte seiner Allmacht zwingen. Vor ihm, der Alles schafft und gibt, gilt Weisheit nichts, nichts Macht und Stärke. Er will die Absicht deiner Werke, ein Herz, das ihn verehrt und liebt. 6. Ein Herz, von Eigenliebe fern, fern von des Stolzes eitlem Triebe, geheiligt durch die Furcht des Herrn, erneut durch Glau ben zu der Liebe; dieß ists, auf 7. Drum täusche dich nicht durch den Schein, nicht durch der Tugend bloßen Namen. Seh nicht deine Werk allein; seh auf den Quell, aus dem sie ka men. Prüf dich vor Gottes Angesicht, ob seine Liebe dich beseelet. Ein Herz, dem nicht der Glaube fehlet, dem fehlet auch die Liebe nicht. 8. Wohnt Liebe gegen Gott in dir, so wird sie dich zum Guten stärken. Du wirst die Gegenwart von ihr an Liebe zu dem Nächsten merken. Die Liebe, die dich schmücken soll, ist gütig, ohne Neid und Tücke; ist sittsam, ist nie stolz im Glücke, langmüthig und erbarmungsvoll. 9. Sie deckt des Nächsten niemals seines Falles. Sie Fehler zu und freut sich suchet nicht bloß ihre Rub; sie hofft und glaubt und duldet Alles. Sie ists, die dir den Muth verleiht, des Höchsten Wort gern zu ers füllen, macht seinen Sinn zu deinem Willen und folgt dir in die Ewigkeit. M 5 274 Pflichten gegen Gott. Gehorsam gegen Gott. was sie mir gebeut! Ich soll nicht Hörer nur allein, ich soll zugleich auch Thäter Wer nur den lieben Gott 366 Gott, deinen hei sein. ligen Befeh- 6. Beut mir die Welt auch tausend Freuden auf unerlaubten Wegen an; sie soll mich, Herr, nicht irre leiten. Was ists, das sie mir geben kann? Im Anfang Lust, am Ende Pein und die wird groß und schrecklich sein. len will ich, dein Kind, gehorsam sein, sie nur zu meiner Richtschnur wählen und dir mein ganzes Leben weihn. Dein Wille ist ge recht und gut; wohl dem, der ihn mit Freuden thut! 2. Gehorsam forderst du von Allen, die dich zu kennen fähig sind. Auch ich kann dir nur wohlgefallen, wenn ich dir folgsam als dein Kind thu, was du willst, aus Lieb und Dank und nicht aus Sklavenfurcht und Zwang. 3. Dein Sohn gehorchte dir so gerne; o hilf mir, Mel. Was mein Gott will daß ich immerdar dir, Ba= 367 Sei Gott getreu, ter, wie Jesus dir gehorsam war! Er wars auch unterSchmach und Noth, er wars selbst bis zum Kreuzestod. halt seinen Bund, bekenn ihn durch dein Leben. Dein Glaube ruht auf feftem Grund, drum bleib ihm stets ergeben! Denk, wie er dich vers pflichtet sich durch seine Huld und Gnade; sei treu dem Herrn und wandle gern der Tugend sichre Pfade. 4. Laß deine heiligen Gesebe mir immer gegenwärtig sein; laß mich, daß ich sie nie verlege, dich, den Allwissenden, stets scheun! Dein Joch ist sanft, leicht ist die Laft, die du uns auf geleget hast. 5. Sobald ich deine Stimme höre, so mache du mich auch bereit, daß ich sie durch Gehorsam ehre und thue, 7. Wenn ich mich im Ge horsam übe und deinen Wil len treulich thu, so bleib ich, Gott, in deiner Liebe und hab in des Gewissens Ruh den Himmel hier schon in der Zeit und mehr noch in der Ewigkeit. 2. Sei Gott getreu! Du mußt, als Kind, ihn auch im Leiden ehren; dein Bater waltet ja gelind und bildet dich zum Höhren. Ein edler Muth macht still und gut, der wird durch Gott dir Freude in Gott. dir werden, wenn Jesus Christ dein Führer ist zum Himmel hier auf Erden. 3. Sei Gott getreu von Jugend auf! Laß dich nicht eitle Freuden in deinem gan zen Lebenslauf von seiner Liebe scheiden: denn seine Treu ist täglich neu; sein Wort kann niemals trügen. Was er verspricht, das bricht er nicht; daran laß dir genügen. 4. Sei Gott getreu in jedem Stand, in welchen er dich seget; dann schüßt dich seine starke Hand. Wer ist, der dich verleget? Schau nur auf ihn voll Glaubens hier und folge dem Gewissen; dir wird, was dir begegnet hier, zum Besten die nen müssen. 5. Sei Gott getreu, sein theures Wort freimüthig zu bekennen, vor Jedermann, an jedem Ort dich seinen Freund zu nennen! Was diese Welt nur in sich hält, muß Alles einst vergehen: nur Gottes Wort wird hier und dort zu unserm Heil bestehen. 6. Sei Gott getreu in jedem Streit: dann wirst du überwinden; denn er läßt Muth und Freudigkeit den treuen Kämpfer finden. Verlege nicht die kleinste Pflicht; doch wirst du dich vergehen, daß dann die Reu 275 nur ernstlich sei, um fünftig zu bestehen! 7. Sei Gott getreu bis in den Tod; laß Nichts von ihm dich wenden! Er kann, er will in jeder Noth dir seinen Beistand senden. Der Leiden Nacht, der Bosheit Macht laß nie dein Herz erschrecken! Es ist dir ja dein Retter nah; sein Schild wird dich bedecken. 8. Bleibst du so deinem Gott getreu, so wirst dus auch erfahren, daß er dein lieber Vater sei, und nach vollbrachten Jahren der Sterblichkeit kommt dort die Zeit, wo Gott einst seine Treuen durch seinen Sohn mit höhrem Lohn auf ewig wird erfreuen. Freude in Gott. Mel. Schwing dich auf Deines Gottes 368 freue dich, dank ihm, meine Seele. Sorget er nicht väterlich daß kein Gut dir fehle? Schüßt dich seine Vorsicht nicht, wann Gefahren dräuen? Ists nicht Seligkeit und Pflicht, seiner dich zu freuen? 2. Ja, mein Gott, ich hab an dir, was mein Herz begehret, einen Vater, welcher mir, was mir nüßt, gewähret, der mich durch M 6 sein 276 sein göttlich Wort hier zum Guten lentet und mit Himmelswonne dort meine See le tränket. Pflichten gegen Gott. 3. Wenn ich dich, mein Herr und Gott, findlich ehr und liebe; wenn ich redlich dein Gebot und mit Freuden übe; o wie ist mir dann so wohl; wie ist mein Gemüthe seliger Empfindung voll, voll von deiner Güte! 4. Dann darf ich mit Zuversicht nach dem Himmel blicken; meine Leiden acht ich nicht, wie sie mich auch drücken. Hoffnung und Zufriedenheit wohnen mir im Herzen, trösten und erhöhn mich weit über alle Schmerzen. sern Lebens, himmlischeVollkommenheit, such ich nicht vergebens. Wenn mein Lauf vollendet ist und vollbracht mein Leiden, ruft mein Mitts ler Jesus Christ mich zu seinen Freuden. 8. Meine Freud an dir, mein Gott, wird dann ewig währen. Noch so furchtbar sei der Tod, er wird sie nicht stören. Willig werd ich mein Gebein der Verwe sung geben; Sterben macht mich frei von Pein, führt zum neuen Leben. 9. Gib mir nur, solang ich hier in der Fremde wal le, das Bewußtsein, daß ich dir, Herr, mein Gott, gefalle! Diese sanfte Freudigkeit, die ich zu dir habe, sei mein Heil zu dieser Zeit und mein Trost am Grabe. 5. Du bist mein, so jauchz ich dann: wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ichs rühmen kann: mein ist deine Gnade! Dir ist meine Wohlfahrt werth! Du gabst mir mein Leben, wirst auch, was mein Leben nährt und erfreut, mir geben. 6. Jesus ist nach deinem Rath in die Welt gekom men, alle meine Missethat hat er weggenommen. Ihm bet an, glaub an seine Leiden, folg 369 Haber ihm treulich, und so kann Nichts von dir mich scheiden. 7. Dich, du Trost der Sterblichkeit, Heil des bes 10. Laß die Lust zur Sünde nie dieses Heil mir rauben! Rüste selbst mich wider sie mit Vernunft und Glauben! Gib mir deinen Geist, der mich und mein Thun regiere, daß ich mein Vertraun auf dich ewig nicht verliere. Mel. Jesus, meine Zuversicht deine Lust Herrn! Bei dem Herrn ist Freud und Leben; und er wird, denn er gibt gern, dir auch, was dir dienet, geben. Seine Liebe Freude in Gott. Liebe beut dir an, was dein Herz nur wünschen kann. 2. Laß der Welt die eitle Lust, die in Weinen sich verkehret. Wisse, wer in seiner Brust Gottes Liebe fühlt und nähret, findet stets auf seiner Bahn, was das Herz nur wünschen kann. 3. Lust am Herrn erfüllt mit Licht, wenn man ihn durchs Wort erkennet; Lust am Herrn stärkt den zur Pflicht, der von seiner Liebe brennet; Lust am Herrn beut Alles an, was das Herz nur wünschen kann. 4. Wer die Lust am Höchsten hat, hat auch Lust an seinem Willen, suchet ihn durch Wort und That unperdrossen zu erfüllen, und so trifft er Alles an, was das Herz nur wünschen kann. 5. Bleibst du auch nicht ohne Last, trage willig die Beschwerden. Wenn du wohl gelitten hast, wird dir ewge Freude werden; und im Himmel hast du dann, was dein Herz nur wünschen fann. 277 bist mein und ich bin dein! Was mangelt meiner Seelen? In eigener Melodie. ch freue mich, 370 In Gott, in dir. Du bist mein Trost, und was kann mir in deiner Liebe fehlen? Du, Herr, 2. Du hast mich vor der Welt erwählt und deinen Kindern zugezählt, nie wirst du mein vergessen! Du liebst mein Wohl, hast gnadenvoll mein Glück mir zugemessen. 3. Du trägst mich liebreich mit Geduld, vergibst in Christo mir die Schuld, wenn ich aus Schwachheit fehle. Du gibst mir Theil an seinem Heil, dieß tröstet meine Seele. 4. Du bist mir der bewährte Freund, der es aufs beste mit mir meint; wo find ich deines Gleichen? Du stehst mir bei und bleibst mir treu, wenn Berg und Hügel weichen. 5. Du bist mein Leben, Trost und Licht, mein Fels und Heil; drum frag ich nicht nach allem Land der Erde. Herr, ohne dich ist nichts für mich, das mir erfreulich werde! 6. Du bist mein allerhöchstes Gut, darauf mein wahres Wohl beruht. In dir leb ich zufrieden. So dort, als hier, Herr, bleiben wir in Liebe ungeschieden. 7. Du segnest mich, wenn man mir flucht, und wer hier mein Verderben sucht, dem wirds doch nicht gelingen. Selbst was mich kränkt, M 7 das 278 das muß, gelenkt von dir, mir Segen bringen. 8. Du läßt mirs ewig wohlergehn. Einst werd ich dich noch näher sehn, du Ursprung wahrer Freuden! An dir wird sich dann ewiglich mein ganzes Herz, Herr, weiden. Pflichten gegen Gott. seine Weisheit litte. Er sorgt für mich stets väterlich. nicht, was ich mir ersehe, sein Wille, der geschehe! 4. Ist nicht ein ungestör tes Glück weit schwerer oft zu tragen, als selbst das widrige Geschick, bei deffen Last wir klagen? Die größte Noth hebt doch der Tod; und Ehre, Glück und Habe verläßt mich doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, läßt Gott es keinem fehlen; Ge sundheit, Ehre, Glück und Pracht sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rath vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Vertrauen auf Gott. Mel. Was Gott thut, das ist 371 Auf Gott und Trübfal auch versüßen. nicht auf meinen Rath will ich mein Glücke bauen und dem, der mich erschaffen hat, mit ganzer Seele trauen. Er, der die Welt allmächtig hält, wird mich in meinen Tagen als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewigkeit, wie viel mir nüßen würde, meine Le6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? wie bald ists überwunden! Hofft auf den Herrn! Er hilft uns gern. Seid fröhlich, ihr Gerechten! Der Herr hilft seinen Knechten. benszeit, mein Glück und 372 VChristen Pflicht, Mel. Was mein Gott will ertrauen des meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, der zu des Glaubens Ehre nicht zu besiegen wäre? 3. Gott fennet, was mein Herz begehrt, und hätte, was ich bitte, mir gnädig, eh ichs bat, gewährt, wenns ein kindliches Vertrauen. Er soll, wenns ihm an Glück gebricht, o Herr, auf dich nur schauen; und nie bist du dem Frommen fern, du kannst ihn nie verschmä hen, du segnest und erreta teft 9. Noch hats kein menschlich Ohr gehört, was uns dein Himmel einst gewährt; doch seh ichs schon im Glauben. Bollkommnes Heil ist da mein Theil, das wird mir Niemand rauben. Vertrauen test gern und höreft auf sein Flehen. 2. Doch nie darf er voll Zuversicht die stolze Hoff nung wagen, du werdest auch dem Thoren nicht, was er begehrt, versagen. Wenn gleich bei aller unsrer Schuld dein Herz noch liebreich den ket, so wird doch deine Vaterhuld von Weisheit nur gelenket. 3. Wie leicht, o Gott, kann deine Macht des Men schen Wunsch erfüllen! Wie leicht, noch eh er es gedacht, des Herzens Klage stillen! Doch dem, der Wunderkraft begehrt und Wunder hofft zu sehen, wird nie sein fühner Bunsch gewährt; er sündigt durch sein Flehen. auf Gott. 279 Schmerz sich endlich doch verlassen. 4. Wer deiner Huld versichert ist, darf deinen Segen hoffen. Ihm steht, weil du sein Vater bist, der Himmel immer offen. Doch wer dich nicht als Vater liebt und auf der Bahn des Le bens nicht dir sein ganzes Herz ergibt, der sucht sein Glück vergebens. 6. Wie Mancher, der noch wirken kann, bleibt müßig oder träge, verfolgt mit Blindheit seinen Plan, geht ungerechte Wege. Er hofft umsonst, du werdest ihn den Uebeln noch entziehen. Der Thor! will er sie selbst nicht fliehn, sie dürfen ihn nicht fliehen. 7. Du, weiser Gott, ents fernst uns nicht von drohenden Gefahren, die ohne Nachvermeiden waren. Wir soltheil unsrer Pflicht leicht zu Len mit Besonnenheit auch Rath und Warnung nüßen; denn nie wird deine Heiligfeit uns auch beim Leichtsinn schüßen. 8. Gott, laß verwegne Zuversicht doch nie mein Herz verführen! Sie schafft mir deinen Beifall nicht; sie läßt mich ihn verlieren. Nur kindlich soll ich dir vertraun, nie thöricht, nie vermessen; soll, um getroft auf dich zu schaun, nie meiner Pflicht vergessen. er mit Sicherheit sich seiner An- 373 Bewege und AlIn eigener Melodie. Zefiehl dacht freuet und dabei, fern von Frömmigkeit, doch nie die Sünde scheuet; so mag sein heuchlerisches Herz nur immer Hoffnung fassen; er fühlt bei des Gewissens les, was dich kränkt, der treuen Vaterpflege deß, der den Himmel lenkt. Der Sternen, Wolken, Winden bezeichnet ihre Bahn, der wird Pflichten gegen Gott. 280 wird auch Wege finden, die dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, wenn dirs soll wohlergehn; auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Er läßt durch Sorg und Grämen und selbstgemachte Bein sich keine Wohlthat nehmen: sie muß erbeten sein. 3. Dir, Vater voller Gnade, dir ist allein bekannt, was gut sei oder schade Geschöpfen deiner Hand; und was du ausersehen zum Besten deiner Welt, das wird und muß geschehen, sobald es dir gefällt. 4. An Mitteln und an Wegen fehlt dirs, Allweiser, nicht. Dein Thun ist lauter Segen; dein Gang ist lauter Licht. Wenn du, Herr, deinen Kindern ein Glück haft zugedacht, so kann dein Werk Nichts hindern; du willst, so ists vollbracht! 5. Und wollten Welt und Teufel dir boshaft wider ftehn! p nähre feinen Zweifel; dein Glück wird doch bestehn. Was er sich vorgenommen, was er vollenden will aufs herrlichste wirds kommen zu dem bestimmten Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt, was dich auch immer quäle, ein schönrer Morgen tagt! Gott läßt nicht von den Seinen, erwarte nur die Zeit, dir wird die Sonne scheinen mit neuer Heiterkeit. 7. Auf, auf! Gib deinen Schmerzen und Sorgen gute Nacht! Verbann aus dei nem Herzen, was dich so traurig macht. Du bist ja nicht Regente, der Alles führen soll. Gott sigt im Regimente und er führt Alles wohl. 8. Jhn, ihn laß thun und Fürst und wird sich so verwalten; er ist ein weiser halten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rath das Werk hinausges führet, das dich bekümmert hat. 9. Verzög der Trost auch lange, weil dir es heilsam ist, so werde dir nicht bange, daß deiner Gott vergißt. Er wird dir Hülfe senden, wenn dus am mindsten gläubst, und all dein Unglück wenden, wenn du nur treu verbleibst. 10. Wohl dir und deiner Treue! Sie trägt den Sieg davon. Daß dich der Kampf nicht reue, blick hin auf sei nen Lohn; steh fest im größten Leide, das dir begegnen kann: bald bricht der Tag der Vertrauen der Freude, des ewgen Friedens an. 11. Mach, Herr, ein fröhlich Ende mit aller unsrer Noth; stärk unser Herz und sende uns Trost bis in den Tod! Laß stets uns deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. Was Gott thut, das ist 374 Der er Herr ist meis ne Zuversicht, mein höchster Trost im Leben! Dem fehlt es nie an Trost und Licht, der sich dem Herrn ergeben. Gott ist sein Gott; auf sein Gebot wirds in dem Herzen stille. Ihm gnügt des Baters Wille. 2. Wer wollte dir, Herr, nicht vertraun? Du bist des Schwachen Stärke. Die Augen, welche auf dich schaun, sehn deine Wunderwerke. Herr, groß von Rath und stark von That, mit gnadenvollen Händen wirst du dein Werk voll enden. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, verlassen sehen müssen; du läßt ihn, wann ihn Noth umgibt, Beruhigung genießen. Des Frommen Herz wird frei von Schmerz; der Sünder eitauf Gott. 281 les Dichten weißt du, Herr, zu zernichten. 4. Drum hoff, o Seele, hoff auf Gott! Der Thoren Trost verschwindet, wenn der Gerechte in der Noth Hülf und Errettung findet. Wenn jener fällt, ist er ein Held; er steht, wenn jene zittern, ein Fels in Ungewittern. 5. Wirf nicht die große Hoffnung hin, die dir dein Glaube reichet! Vergebens wird zu Menschen fliehn, wer von dem Höchsten weichet. Dein Heiland starb und er erwarb auf seines Todes Hügel dir deines Glaubens Siegel. 6. Sei unbewegt, wenn um dich her sich Ungewitter sammeln! Gott hilft, wenn Christen freudenleer zu ihm um Gnade stammeln. Die Zeit der Qual, der Thränen Zahl zählt er und deine Schmerzen nimmt er dir von dem Herzen. 7. Herr, du bist meine Zuversicht; auf dich hofft meine Seele! Du weißt, was meinem Wohl gebricht, wenn ich mich sorgend quäle. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger, verlassen und sich im Kummer fassen? 8. In deine Hand befehle ich mein Wohlsein und mein Leben. Mein hoffend Auge blickt gegen Gott. sehe, und sie nicht so früh erscheint, als ich sie von ihm erflehe, weiß ich doch voll Zuversicht, daß sie mir nicht stets gebricht. 6. Dann, auch wenn, wie mir es scheint, selbst der Hoffnung Trost ver= ich doch: Gott ist mein Freund, der auch da noch Wege findet, wo sich keiner mir entdeckt, wo der Zukunft Nacht mich schreckt. 7. Drum sei ihm, dem Herrn der Welt, ganz mein Schicksal überlassen! Er, der auch den Wurm erhält, fann und wird mich nicht verlassen. Bleib ich nur der Tugend treu, so steht er mir huldreich bei. 282 Pflichten blickt auf dich; dir will ich mich ergeben. Sei du mein Gott und einst im Tod mein Fels, auf den ich traue, bis ich dein Antlig schaue. Mel. Jesus meine Zuversicht 375 Mer auf seinen ängstigt sich durch keine Sorgen; ihm, auf den er sicher baut, bleibt sein Kummer nicht verborgen. Gott verläßt die Seinen nicht: dieß ist meine Zuversicht! 2. Er, der Schöpfer al ler Welt, der Versorger seiner Kinder, der, was er verspricht, auch hält, huldreich selbst noch gegen Sünder, er, der uns hervorgebracht, hat auch uns zu helfen Macht. 3. Jhm, ihm ist es imMel. Sollt ich meinen Gott mer leicht, unsre Wünsche 376 Selig, wer mit zu wie unmöglich es uns däucht, kann er doch den Kummer stillen, helfen stets, wenn Noth uns quält, wenn uns Rath und Beistand fehlt. 4. Und wer ist ihm gleich, dem Herrn? wer so reich. wie er, an Segen? Niemand hilft, wie er so gern, auf des Lebens rauhen We gen, er, der liebreich unser denkt und zum Glück die Trübsal lenkt. 5. Wenn mein Auge lange weint, ich nicht seine Hülfe dem Allweisen, der uns liebt, ganz sein Schicksal übergibt und auch in den tiefsten Schmerzen seinem Kummer muthig wehrt, durch Geduld den Herrn verehrt. 2. Ach, kein Schicksal mei nes Lebens, sorgt ich auch von Jugend auf, nimmt drum einen andern Lauf. Sorge quält und quält vergebens; meine Kräfte zehrt sie ab, stürzt nur früher mich ins Grab. 3. Eh ich noch das Licht er. Vertrauen auf Gott. erblickte, wog er, der mir Leben gab, meines Lebens Schicksal ab; ehe mich noch Kummer drückte, eh noch meine Thräne rann, sah mich Gott schon gnädig an. 4. Dankbar nehm ich Glück und Freuden aus des HöchMel. Herzlich lieb hab ich dich ſten milder Hand; und ist 377 Dir trau ich, o faß ich Muth, zu leiden! Gut ist Alles, was Gott will; willig duld ich, dulde still. 283 auf Gottes Wort seß ich meine Wallfahrt fort. Der bisher half, hilft mir weiter; er hält fest, was er verspricht! Gott, mein Gott verläßt mich nicht. 5. Will mein Anschlag nicht gedeihen, und miß lingt mir mein Bemühn; denk ich: was mir Glück erst schien, muß ich oft nachher bereuen. Wohlthat ists für mich gewiß, daß mirs Sott mißlingen ließ. 6. Wenn Gott nicht so reichen Segen, als dem Nächsten, mir verlieh; soll doch Andrer Wohlstand nie Neid in meiner Brust erregen! Fremden Glücks will ich mich freun; fremdes Glück wird dadurch mein. 7. Wenn mir Frevler Angst erwecken; wenn ihr Haß mich drückt und kränkt, hält sie Gottes Macht um schränkt. Droht der Tod mit seinen Schrecken; der vom Tode retten kann, nimmt sich meiner gnädig an. 8. Ich bin unverzagt und heiter, im Vertraun wanke nicht, wenn gleich von meiner Hoffnung Licht der letzte Schimmer schwindet. Mein Helfer und mein Gott bist du, durch den mein Herz doch endlich Ruh und Freude wiederfindet. Von jeher hast du mich geführt und meines Lebens Lauf regiert, mit segensvoller Baterhand so man che Noth von mir gewandt. Unendlicher, ich trau auf dich: du leitest mich. Ich kämpf und siege, Gott, durch dich. 2. Zwar ist der Kampf der Leiden schwer; oft fühl ich kaum noch Stärke mehr, zu kämpfen und zu fiegen; doch ewig, Vater, währt er nicht. Wenn mir dein Bei stand nicht gebricht, so werd ich nicht erliegen. Bald ist der Thränen Maaß gefüllt, bald meiner Seele Schmerz gespillt; bald hast du, Gott, mein Flehn erhört, mich ganz geprüft und mich bewährt. Du, Gott der Huld, erhört von dir, lobsing ich hier Pflichten gegen Gott. 284 hier mit dankerfüllter Seele dir. 3. Ach, alle Leiden die ser Zeit sind doch nicht werth der Herrlichkeit, die du wirst offenbaren. Bald wird auch mir des Dulders Lohn; bald steh auch ich vor deinem Thron mit treuer KämpferSchaaren und danke dann dir, Gott, verklärt, der jetzt mich prüft, mich dann bewährt, daß ich, von allen Leiden frei, ein Seliger des Himmels sei. Barmher ziger! fest, ohne Graun will ich dir traun; denn einst werd ich dein Antlig schaun. Mel. Wer nur den lieben Gott 378 Herr, mache meis Bei jedem Leiden, das mich kränkt, geschieht doch nur dein weiser Wille, der Alles mir zum Besten lenkt. Du bists, der Alles ändern kann; und was du thust, ist wohlgethan. 2. Du führst uns selbst auf rauhen Wegen zu höherer Vollkommenheit. Auch Widerwärtigkeit wird Se gen für jeden, welcher dir sich weiht. Siehts gleich der blöde Geist nicht ein, wird doch der Ausgang herrlich sein. 3. Drum laß mich stille sein und hoffen! Hast du mir Prüfungen bestimmt, so steht dein Vaterherz dem offen, der seine Zuflucht zu dir nimmt. Wer still in deiner Fügung ruht, mit dem machst du es immer gut. 4. Uns bleibt oft, was uns nügt, verborgen; genug für uns: du hasts erkannt! Wie oft sind unsre Wünsch und Sorgen kurz sichtig und voll Unverstand! Du siehst, was schädlich ist, von fern, und deine Güte hinderts gern. 5. Nur du erkennst und wählst das Beste! O Vater, mache selbst mein Herz in diesem hohen Glauben feste, dann überwältigt mich kein Schmerz. Ich buld mit Gelaſsenheit; was Gott will, gescheh mein allzeit. 6. Die Stunde wird doch endlich kommen, da mich vollkommnes Glück erfreut; denn endlich führest du die Frommen zur völligen Zu friedenheit: und dann wird Jedem offenbar, daß, Gott, dein Rath der beste war. 7. Dann wird auch mich von allen Plagen ein ewiger Gewinn erfreun: dann wird mein Herz statt aller Klagen voll Dankes und voll Lobes sein; der Herr hat für mein Heil gewacht, hat Alles mit mir wohlgemacht! Mel. Vertrauen auf Gott. 285 Mel. Auf schide dich Zuversicht und Trost und 379& herrscht ein Freude geben. Des Lebens Müh versüßet sie und lässet uns hienieden im Laufe nicht ermüden. Gott, der schüßt in Noth und hilft, wenn sie ihm traun, so gern den Seinen! Drum sei vergnügt, wie er es fügt! Bald folgt dir Ruh und Trost nach kurzem Weinen. 2. O murre nicht, wenn dir gebricht, was öfters lüstet den bethörten Sinnen! Dir nüßt der Schmerz, dein eitles Herz zu beffern und fürs Ewge zu gewinnen. 2. Auf Erden wechseln bis ins Grab Zufriedenheit und Sorgen beständig mit einander ab wie Mitternacht und Morgen. Das Unglück flieht, die Freude blüht; und kaum ist sie empfunden, ist wieder sie verschwunden. 3. Wie würde da voll Aengstlichkeit uns jeder Tag verfließen und bei des Lebens Heiterkeit das Herz schon beben müssen, wenn Zuversicht zu dir uns nicht dann Sicherheit gewährte und ruhig bleiben lehrte? 4. Du theilst das Alles aus, was hier den Sterblichen begegnet. Im Glück und Unglück werden wir von dir doch stets gesegnet. Wenn wir nur auch durch den Gebrauch so weise werden wollten, als wir, Gott, es sollten. 5. Nicht unser Wille soll geschehn; du wählest stets das Beste. Wenn Erd und Himmel untergebn, steht diese Wahrheit feste. O daß wir sie durch Leichtsinn nie an unsern Seelen schwächten, sie nie verken3. Erkenn die Schuld und üb Geduld, wenn du um deine Sünden hier mußt leiden! Fleh ihn um Gnad, geh seinen Pfad getroft, nichts laß von seiner Lieb dich scheiden. 4. Dann führt er dich stets väterlich die sichern Wege, die dein Heil erzielen. Sein sie auch hier oft dunkel dir: entzückt wirst du ihr End einst sehn und fühlen. 5. Drum gnüge mir der Weg allhier, den ich muß gehn in meinem Amt und Stande! Sei er auch rauh! Wenn ich dir trau, komm ich auf ihm zum wahren Vaterlande. Mel. Was Gott thut, das ist 380 Gott, dir ver nen möchten. traun, ist meine Pflicht, ist Seligkeit im Leben! Sie kann dem Herzen 6. Dann würde diese Ulebungszeit nicht traurig uns verschwinden, des Lebens Wi Pflichten gegen Gott. spricht: Widerwärtigkeit uns nie vergessen, so höre, was er mals muthlos finden. Dann sähen wir, voll Hoffnung hier, mit Palmen und mit Kronen den Ueberwindern lohnen. 286 4. Ist auch der Mütter Eine, die ihres Kinds ver: gißt? Dent an dieß Wort und weine Gott Freudens thränen, Christ! Und könnt sie es vergessen; will ich doch deiner nicht, ich deiner nicht vergessen! Der Herr ists, der es spricht! 5. Mit ruhigem Gemüthe verlaß auf ihn bich fest; weil seine Vatertreue dich ewig nicht verläßt. Was ist das größte Leiden, das dir Mel. Befiehl du deine Wege 381 Christ, wann dich begegnen kann, bricht einſt Trübfal kränfet, vertraue nur dem Herrn! Er, der die Himmel lentet, ist von dir nicht fern. der Tag der Freuden, des ewgen Friedens an? Erwach aus deinem Schlum: 382 Met! Jhn Mel. Wer nur den lieben Gott Jein Hort ist mer, zu Gott erhebe dich; er siehet deinen Kummer; er liebt dich väterlich! 2. Sei auch in deinem Leiden ein Christ voll Muth und Kraft; einst kommen deine Freuden, bleibst du nur tugendhaft. Erwarte nur im Glauben getroft die Ewigkeit; wer kann das Heil dir rauben, das ewig dich erfreut? laß ich walten; ich hoff auf ihn: er kennet mich. Ihm fehlts, die Seinen zu er halten, an Mitteln nie, und sein bin ich! Ich gründe meine Zuversicht auf diesen Fels und wanke nicht. 2. Was quäl ich mich, bin ich ein Heide, der ohne Gott und Hoffnung ist? Nein, das ist meines Her zens Freude, daß du mein Gott und Helfer bist, Hilf, mein Erbarmer, stärke mich: denn nichts vermag ich ohne dich. 3. Der Herr erzieht hier seine Kinder zur Ewigkeit mit 7. Gott, heilige du selbst mein Herz, damit ich dir vertraue und mit Gelassenheit im Schmerz hinauf gen Himmel schaue. Einst preis auch ich auf ewig dich für überstandne Leiden im Lande fichrer Freuden. 3. Sei froh: dein Gott regieret, sein Rath ist wunderbar. Einst wirst du überführet, daß er der beste war. Und denkest du vermessen: der Herr erbarmt sich nicht, der Herr hat mein Vertrauen auf Gott. mit weiser Huld. Er schont, er züchtigt viel gelinder, als wir verdient, und hat Geduld. Er hat nicht Lust an unserm Schmerz, er hat ein väterliches Herz. 4. Gott ist die Lieb, wie kann ich zagen? Gab er für mich nicht Jesum Christ? Was könnte mir ein Gott versagen, der so unendlich gütig ist? Erhabner Trost, der nimmer trügt und jeden Zweifel überwiegt! 5. Ich harre seiner und bin stille. Wie bald vers streicht die Prüfungszeit! Dann nehm ich dort aus seiner Fülle unendliche Zufriedenheit. Er leite mich nach seinem Rath, wie er mir zugesaget hat! Mel. Kommt her zu mir 383 In eigener Melodie. rfülle reblich 384 Sollt ich meinem füll deine Pflicht und hoffe dann mit Zuversicht: Gott sorgt mit Baterliebe für deines Lebens wahres Glück! Zu ihm erhebe deinen Blick, wär auch dein Himmel trübe! 287 3. Oft führt die dornenvolle Bahn weit sichrer dich zum Ziel hinan, als sanfte Blumenpfade. Drum dulde fromm, mit festem Muth! Was Gott, der Menschen Vater, thut, ist Weisheit, Huld und Gnade. 4. Doch deines Gottes dich zu freun, im Sturme, wie im Sonnenschein, Be ruhigung zu finden, benuße selbst gewissenhaft Verstand und Zeit und jede Kraft, dein wahres Wohl zu gründen! 2. Die Wolken werden sich verziehn, im milden Sonnenscheine blühn dir wieder neue Freuden. Oft wird zur Wohlthat dir der Schmerz; veredelt werden Geist und Herz durch Prüfungen und Leiden. 5. Daß ich gewissenhaft und treu in meinem Amt und Stande sei und meine Pflicht erfülle, zu dem Entschlusse stärke mich, und dann vertrau ich, Gott, auf dich! Herr, es gescheh dein Wille! trauen, der mich liebt so väz terlich? der so herzlich sorgt für mich? Sollt ich auf den Herrn nicht bauen, welcher, unbewegt und fest, seine Kinder nie verläßt? 2. Er weiß Alles, was mich drücket, mein Anliegen, meine Noth; er steht bei mir bis zum Tod; er weiß, was mein Herz erquicket. Seine Lieb und Vatertreu wird mir jeden Morgen neu. 3 3. Der Pflichten gegen Gott. 288 3. Der die Vögel alle nähret, föniglich die Blumen schmückt, jedes dürre Land erquickt, Speife jedem Wurm gewähret; sollte der verlassen mich? Nein, weit mehr, als sie, bin ich! 4. Wenn nach seinem Reich ich trachte, wenn ich nur in Frömmigkeit suche meine Seligkeit und sie über Alles achte, segnet Gott mir früh und spat Wort und Werke, Rath und That. 5. Heiter sei der andre Morgen, oder nicht: was fünftig ist, quält mich nicht; ich bin ein Christ. Ich laß meinen Vater sorgen, froh bei Allem, was sein Kath über mich beschlossen hat. 6. Gott sei Lob! Was mich erfreuet, stehet unerschütterlich; er, der Höchste, sorgt für mich. Ewig wird ers mir beweisen; Seele, freue seiner dich! Ewig for get Gott für mich! Mel. Wer nur den lieben Gott 385 Entschwinge dich, mein Geist, den Nächten, in welche dich die Schwermuth hüllt. Willst du mit deinem Schöpfer rechten, daß er nicht jeden Wunsch erfüllt? Jest kennst bu, was dir gut ist, nicht; einst strahlet dir ein höhres Licht. 2. Jn Finsternissen wankt hienieden des Menschen un gewisser Schritt; was Gottes Vorsicht ihm beschieden, was ihn erfreute, was er litt, klärt sich am Ziel von seinem Lauf für ihn als gleiche Wohlthat auf. 3. Dort findest du, von Licht umflossen, auch deiner Erdenthränen Lohn. Schau, ihre Saat ist aufgeschossen; sie blüht der nahen Aerndte schon. Im Kummer ward sie ausgestreut; bald reift sie für die Ewigkeit. 4. Drum heb empor die trüben Blicke, wenn sich in Nacht dein Weg verliert! Dich leite Gott. O denk zurücke, wie gut er immer Dunkel um dich lag, das dich geführt; wie oft, wann Licht dir selbst aus Nächten brach! 5. Gott! gnädig, wenn du uns erhörest, oft gnäd. ger, wenn du den Plan, den unsre Thorheit schuf, zer störest, dich, Vater, bet ich findlich an. Ich hoff auf dich mit festem Muth; denn was du sendest, ist mir gut. 6. Die Liebe hat den Pfad bestimmet, den ich auf Er den wandeln soll. Ob er sich auch durch Dornen krümmet, ich geh ihn hoher Ahnung voll. Einst werd ich in des Himmels Höhn ganz deiner Führung Weisheit sehn. Mel. Vertrauen auf Gott. Mel. Fröhlich soll mein 386 Warum willst du will ich vertrauen. doch für morgen, banges Herz, dir zum Schmerz, immer ängstlich sorgen? Wozu dient dein täglich Grämen? Nur dazu, dir die Ruh ohne Noth zu nehmen. 2. Wer, als Gott, gab mir das Leben? Wer, als er, hat bisher Alles mir gegeben, was mein Leben zu erhalten nöthig war? Immerdar laß ich, Gott, dich walten. 3. Der das Größre uns gegeben, einen Geist, der ihn preist, diesen Leib, dieß Leben, wird uns auch das Kleinre schenken. Sein bin ich; auch an mich wird er liebreich denken. 4. Was auf meiner Lebensreise mir noch fehlt, was mich quält, weiß er, der er 289 Väterlich liebt er mich; ihm ner je vergessen? Er, mein Heil, hat mein Theil längst mir zugemessen. 5. Nährt den Vogel in den Lüften nicht der Herr? Beidet er nicht das Thier auf Triften? Kleidet er des Grafes Blume nicht mit Pracht seiner Macht, seiner Huld zum Ruhme? 6. Nur auf mich sollt er nicht achten? In der Noth ließ mein Gott hülflos mich verschmachten? Nein, mir soll vor Nichts mehr grauen. 7. Nüßen will ich Zeit und Kräfte, widmen sie spät und früh nüßlichem Geschäfte, immer gehn auf seinen Wegen: wird es mir dann allhier mangeln je an Segen? 8. Vor der fernen Zukunft zagen will ich nicht; es gebricht keinem Tag an Blagen. Heute leb ich; bin ich morgen nicht vielleicht schon erbleicht? Warum will ich sorgen? 9. Sorge du nur; ich befehle glaubensvoll, wie ich soll, dir, Herr, Leib und Seele. Sorge du; dir halt ich stille; ich soll dein ewig sein: es gescheh dein Wille. Mel. In allen meinen Thaten 387 Was soll ich ängstlich klagen und in der Noth verzagen? Der Höchste sorgt für mich. Er sorgt, daß meiner Seele tein wahres Wohlsein fehle; genug zum Trost, mein Herz, für dich! 2. Was nüßt es, ängstlich sorgen und jedem neuen Morgen mit Furcht entgegengehn? Du, Vater meiner Tage, kennst, eh ich dirs noch tlage, mein Leid und eilst mir beizustehn. 3. Auf deinen Wink zu schauen, dir kindlich zu vern trauen, Pflichten gegen Gott. 290 trauen, das, Herr, ist meine Pflicht. Ich will sie treulich üben und dich, mein Vater, lieben; denn du versäumst die Deinen nicht. sehe und es nicht ganz verftehe, was du mit mir ge than, kann ich doch deß mich trösten: du nimmst mich, den Erlösten, gewiß dereinst zu Ehren an. 10. Dort, bei der Frommen Schaaren, dort werd ich es erfahren, wie gut du mich geführt. Da bring ich dir mit Freuden nach über standnen Leiden den Dank, der deiner Huld gebührt. 4. Der du die Blumen kleidest und alle Thiere weidest, du Schöpfer der Natur, siehst Alles, was mir fehlet. Drum, Seele, was dich quälet, befiehl dem Herrn und glaube nur! 5. Herr, alle meine Sorgen, die Noth, die oft verborgen an meinem Herzen Mel. Was Gott thut, das ist nagt, werf ich auf dich, den 388 Was zagst du? Treuen; du weißt den zu erfreuen, der fromm nach deiner Hülfe fragt. 6. Wenn meine Augen thränen und sich nach Hülfe sehnen, so klag ich dirs, dem Herrn. Dir, Vater, dir befehle ich jeden Wunsch der Seele, du hörst, du hilfft, du fegneft gern. 7. Der du mir hier im Leben schon größres Heil gegeben und deinen Sohn geschenkt; du wirst mir Alles schenken und stets zum Besten lenken, was mich bekümmert, quält und kränkt. 8. Du führest, Herr, die Deinen nicht so, wie sie es meinen, doch stets nach weis sem Rath. Ob ich mich auch betrübe, bleibt doch dein Rath voll Liebe, das zeigt der Ausgang mit der That. 9. Wenn ich hier Tiefen die Welt, und Gott ist ja allmächtig. Den Arm, der dieses Weltall hält, was macht dir den verdächtig? Wenn Meeresfluth und Feuersgluth uns schon er eilet hätten, so kann er doch noch retten. 2. Was zagst du? Gott regiert die Welt, und Gott ist ja allwissend. Selbst was dein Herz verborgen hält, ist dennoch ihm wohl wissend. Sein Auge sieht in dein Gemüth. Die Bitte, die du thatest, vernahm er, eh du bateft. Gott 3. Was zagst du? regiert die Welt, und Gott ist der Allweise.Stets dient der Weg, der ihm gefällt, zum Heil dir, ihm zum Prei se. Er führt gewiß durch Finsterniß, durch jede Nacht der Vertrauen auf Gott. der Leiden zum Lichte rei ner Freuden. 4. Was zagst du? Gott regiert die Welt und ist allgegenwärtig. DerFrom me, der an ihn sich hält, ist seines Heils gewärtig. O glaub es gern! Gott ist nicht fern; er, wo auch Jeder walle, hält allenthalben Alle. 5. Was zagst du? Gott regiert die Welt, und Gott ist ja die Liebe. Nichts ist, was dem, der ihm gefällt, ein Quell des Elends bliebe. Auft, fasse Muth! Selbst Jesu Blut sagt dir bei jedem Leiden: Gott segnet uns mit Freuden. 6. Was zagst du? Gott regiert die Welt, und Gott ist auch geduldig. 3war, wenn er vors Gericht uns stellt, sind selbst die From men schuldig. Doch sein Ge richt trifft Fromme nicht. Drum sei gewiß, er schone auch dein in seinem Sohne. 7. Nun, Gott! da du die Welt regierst, wie dürft ich ängstlich zagen? Ein Leid, in welches du mich führst, soll nie mich nieders schlagen. Ich hoff auf dich. Du läsfest mich bald deine Hülfe schauen. Dir, dir will ich vertrauen. 291 wir? Ein Gott erzieht durch Freuden und durch des Schmerzes Druck uns hier! Was ist des Lebens Leiden? Ein ernster Streit um Seligkeit. Es mag uns übel gehen: wir werdens überstehen! 2. Wir werden, was am Herzen nagt, mit Hoffnung überleben und über Alles, was uns plagt, uns siegend einst erheben. Die Welt vergeht, der Geift besteht. D laß den Schöpfer walten! Er will den Geist erhalten. 3. Der Geist erkennt des Höchsten Spur, des Vaters Macht und Milde, im großen Reiche der Natur, in Wäldern, im Gefilde, im kleinsten Wurm, im Wintersturm, im Frühlingsschmuck, im Regen und in des Herbstes Segen. 4. Der Gott, durch welchen Alles ist, der selber im Gewimmel der Thiere keines Wurms vergißt, der unter seinem Himmel, was lebet, speist, wird unfern Geist für Licht und Heil erhalten. D laßt den Höchsten walten. 5. So mag denn, was die Welt uns gab, zerfallen und zerstäuben! So drohe Krankheit, Tod und Grab! Des Schöpfers Huld Mel. Was Gott thut, das ist 389 in Gott regiert! wird bleiben. Er leitet gut, Muth; es N 2 mag Pflichten gegen Gott. 292 mag uns übel gehen: wir werdens überstehen! 6. Wir zagen nicht: du, Gott, regiert, und wenn du Menschenherzen durch Leiden für das Gute rührst, so segnen wir die Schmerzen. Wir haben Muth; sind wir nur gut, sp mags uns übel gehen: wir werdens überstehen! Freudenstunden, er weiß wohl, wann es nüßlich sei. Wenn er uns nur hat treu erfunden und merket. keine Heuchelei, so kommt Gott, eb wirs uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshiße, daß du von Gott verlassen seist und der dem Glück im Schooße size, den alle Welt für glücklich preist! Die Zu funft ändert oft sehr viel und sepet Jeglichem sein Ziel. In eigener Melodie. 390 Wer nur den lieben Gott läßt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Noth und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keis nen Sand gebaut! 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein' Allwissenheit es fügt! Gott, der uns ihm hat auserwählt, Gebet. der weiß auch sehr wohl, mel. D.Gott, du frommer Gott was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten 391 A, Gott, ver laß mich nicht; reich 6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen und seiner Almacht gilt es gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich. Er ist der Herr, der Jedermann leicht hoch erhöhn, leicht stürzen kann. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur ge treu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott sett, den verläßt er nicht. Gebet. reich mir die Gnadenhände, daß ich die Pilgrimschaft des Lebens wohl vollende! Irr ich im finstern Thal: so sei du selbst mein Licht, mein Stab, mein Hort, mein Schuß! Ach, Gott, verlaß mich nicht! 2. Ach, Gott, verlaß mich nicht; lehr deinen Weg mich wallen und laß mich nimmermehr in Sünd und Thorheit fallen! Gib mir den guten Geist, gib Glaubenszuversicht; und wann ich straucheln will, Gott, so verlaß mich nicht 3. Ach, Gott, verlaß mich nicht in Nöthen und Gefahren und laß zu rechter Zeit mir Hülfe wider fahren. Ist mein Gemüth in Angst, erzittr' ich in der Noth, o so verlaß mich nicht mit deinem Trost, o Gott! 4. Ach, Gott, verlaß mich nicht; gib Wollen und Vermögen; in allem meinem Thun begleite mich dein Segen! Die Werke meines Amts, die Werke meiner Pflicht laß, Herr, por dir gedeihn! Ach, Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach, Gott, verlaß mich nicht; hilf, daß ich bir ergeben voll Lieb und Hoffnung sei, recht glaus 293 ben, christlich leben und selig sterben mag, um dich von Angesicht zu Angesicht zu schaun! Ach, Gott, verlaß mich nicht! 392 DeChrift, nicht Mel. Wer nur den lieben Gott o zu verscherzen, sei wach und nüchtern zum Gebet! Ein kindlich Flehn aus reinem Herzen hat Gott, dein Vater, nie verschmäht. Er ist die Liebe selbst; er hört, was seiner Kinder Herz be gehrt. 2. Erhebe dich zu seinen Höhen mit Dank und Flehen oft und gern. Er läsſet, was dir nüßt, geschehen, ist dir zu helfen niemals fern; er thut, so du du bittest und verstehst. nur zu ihm flehst, mehr, als 3. Welch Glück, so hoch geehrt zu werden und im Gebet vor Gott zu stehn! Der Herr des Himmels und der Erden, bedarf der eines Menschen Flehn? Er will bloß deine Seligkeit, wenn er zu beten dir ge beut. 4. Sagt Gott nicht: Bittet, daß ihr nehmet? Jst des Gebetes Frucht nicht dein? Wer sich der Pflicht zu beten schämet, der schämt sich Gottes Freund zu sein, und N 3 Pflichten gegen Gott. 294 und stößt das ihm bestimmte Glück feindselig gegen sich zurück. 5. Sein Glück von dir, o Gott, begehren, wie leicht, wie süß ist diese Pflicht! Deß Herzens Wünsche dir erklären, wie stärkt das meine Seele nicht! Gebet gibt Muth; Gebet gibt Kraft zur Dämpfung jeder Leidenschaft. 6. Was kann zum Fleiß in guten Werken mir kräftiger den Geift erhöhn? Was mehr in Leidensstunden stärken, als gläubig, Gott, auf dich zu sehn? Ich treffe nichts auf Erden an, was mich so sehr er quicken kann. 7. Gott! laß mich nicht mein Heil verscherzen, gib Lust und Kraft mir zum Gebet! Und wenn aus reinem, frommem Herzen mein Mund zu dir um Hülfe fleht, so höre mich von deinem Thron durch Jesum Christum, deinen Sohn! In eigener Melodie. 393 ch komme vor ein Herz voll Demuth, Preis und Dank, ein ruhig Herz mein Lebenlang! 3. Sei mein Beschüßer in Gefahr; ich harre deiner immerdar. Ist wohl ein Uebel, das mich schreckt, wenn deine Rechte mich bedeckt? 4. Ich bin ja, Herr, in deiner Hand. Von dir empfing ich den Verstand; ers halt ihn mir, o Herr, mein Hort, und stärk ihn durch dein göttlich Wort! dein Angesicht; verwirf, o Gott, mein Flehen nicht: vergib mir alle meine Schuld, du Gott der Gnade und der Huld! 2. Schaff du ein reines Herz in mir, ein Herz voll Lieb und Furcht vor dir, 5. Laß, deiner Liebe mich zu freun, sie stets vor mei nen Augen sein! Laß, meines Glaubens mich zu freun, ihn stets durch Liebe thätig sein! 6. Das ist mein Glück, was du mich lehrst. Das sei mein Glück, daß ich zu erst nach deinem Reiche tracht und treu in allen meinen Pflichten sei. 7. Ich bin zu schwach aus eigner Kraft zum Siege meis ner Leidenschaft; du aber ziehst mit Kraft mich an, daß ich den Sieg erringen kann. Jos ei 8. Gib von den Gütern dieser Welt mir, Herr, so viel, als dir gefällt; bei Wenigem Zufriedenheit, zur Arbeit Muth und Heiterfeit. 9. Schenkt deine Hand mir Ueberfluß, so laß mich mä: Gebet. mäßig im Genuß, so laß mich mild und gütig sein und dürftge Brüder gern erfreun! 10. Gib mir Gesundheit und verleih, daß ich sie nüß und dankbar sei; doch, sie zu schonen, zaghaft nie mich einer höhern Pflicht entzieh! 11. Erwecke mir stets einen Freund, ders treu mit meiner Wohlfahrt meint, mit mir in deiner Furcht sich übt, mir Rath und Trost und Beispiel gibt. 12. Bestimmst du mir ein längres Ziel und werden meiner Tage viel, so sei, Herr, meine Zuversicht; verlaß mich auch im Alter nicht! 13. Und wird sich einst mein Ende nahn, so nimm dich meiner gnädig an und sei durch Christum, deinen Sohn, mein Schirm, mein Schild und großer Lohn! Mel. Wer nur den lieben Gott 394 omm betend oft und mit Vergnügen, o Christ vor Gottes Angesicht. Nie müsse Trägheit dich besiegen in der Erfüllung dieser Pflicht! Dübe sie zu Gottes Preis und deinem Heil mit treuem Fleiß! 295 Herz, Gott ist ein Geist. Wie kann es dir an Wors ten fehlen, wenn nur dein Herz dich beten heißt! Der Glaub an Gott und seinen Sohn rührt ihn, nicht leerer Worte Ton. 2. Bet oft in Einfalt reiner Seelen; Gott sieht aufs 3. Wer das, was ihm zum Frieden dienet, durch Beten sucht, der ehret Gott. Wer das zu bitten sich erfühnet, was er nicht wünscht, entehret Gott. Wer schnell vergißt, was er ihm schwur, der spottet seines Schöpfers nur. 4. Bet oft zu Gott und schmeck in Freuden, wie freundlich er, dein Vater, ist! Bet oft zu Gott und fühl im Leiden, wie göttlich er das Leid versüßt! Gott hörts, Gott ists, der Hülfe schafft. Er gibt den Müden Trost und Kraft. 5. Bet oft unb heiter im Gemüthe, schau dich an ſei nen Wundern satt! Schau auf den Ernst, schau auf die Güte, womit er dich geleitet hat! Oft irrteſt du: er trug Geduld; erkenn und preise seine Huld! 6. Bet oft, durchschau mit frohem Muthe das Wunder der Barmherzigkeit deß, der mit seinem theuren Blute uns von der Sünde Joch befreit; und eigne dir zu deiner Ruh und Heiligung sein Opfer zu! № 4 7. Bet 296 Pflichten gegen Gott. 7. Bet oft; Gott wohnt mit Dankbegier im höhern an jeder Stätte, an keiner Leben dienen! Es darf mein minder oder mehr; denk Geist, wie schwach er heißt, nicht: wenn ich mit Vielen sich aus dem Staube schwin: bete, so find ich eh'r bei Gott gen und betend zu dir drinGehör. Ist, was du wün- gen. schest, recht und gut, so fei gewiß, daß Gott es thut! 8. Doch säume nicht, in den Gemeinden auch öffentlich Gott anzuflehn und seinen Namen mit den Seinen, mit deinen Brüdern zu erhöhn! Fühl der vereinten Andacht Werth, die deine eigne stärkt und nährt! 9. Bet oft zu Gott für deine Brüder, für alle Men schen als ihr Freund; denn wir sind Eines Leibes Glieder; es sei kein Glied des andern Feind! Solch Bitten, das aus Liebe fließt, ehrt Gott, der selbst die Liebe ist. 10. Bet oft, so wirst du Glauben halten, dich prüfen und das Böse scheun, an Lieb und Eifer nicht er falten und reich an guten Werken sein. Denn Muth und Kraft und Seelenruh sagt Gott dem frommen Beter zu. Mel. Was Gott thut, das ist 395 Welch hohes Bor= recht schenkst du mir! o du, dem Seraphinen mit Ehrfurcht und 2. Jch darf mit froher Zus versicht vor deinem Thron erscheinen, und du, mein Gott, verwirfst mich nicht; du zählst mich zu den Deis nen, du zeigest dich mir väterlich, so oft ich zu dir trete und kindlich vor dir bete. 3. Erstickt die Sinnlichkeit in mir des Herzens fromme Triebe, so stärkt mich das Gebet zu dir in neuer Tugendliebe, Was sündlich ist, kann ich als Christ durch deine Kraft bezwingen und so den Sieg erringen. 4. Gebricht es mir an fanftem Sinn, an Liebe ge gen Brüder, so flich ich bes tend zu dir hin und hasſe nun nicht wieder. Mein Herz verzeiht mit Freundlichkeit und sucht der Feinde Schelten mit Großmuth zu vergelten. 5. Betracht ich im Gebet mit Schmerz mein fehler volles Leben, so wird und kann sich nie mein Herz, von Stolz gereizt, erheben. Ich fleh zu dir: verzeihe mir! und du willst gern verzei hen und mich mit Trost er freuen. 6. Wenn Gebet. 6. Wenn Kummer mich zur Erde zieht und wenn mich Sorgen quälen, wenn mir des Lebens Glück entflieht und edle Freunde fehlen, so wend ich mich ge trost an dich: du lehrst mich mit Entzücken im Elend Heil erblicken. 7. In stillen Stunden denk ich oft: Was seid ihr, eitle Freuden? Ach, wie ge schwind, wie unverhofft verkehrt ihr euch in Leiden! Und denk ich dieß, so fühlt gewiß mein Herz sich anges trieben, nur dich, Herr, stets zu lieben. 8. O welchen Muth gibt das Gebet mir in Berufsgeschäften! Du lohnest dem, der zu dir fleht, mit Weisheit und mit Kräften. Wer dir vertraut und auf dich baut, den krönest du mit Segen auf allen seinen Wegen. 9. Du Geist der Kraft und des Gebets, du Geist der reinsten Liebe, erweck und stärke du nur stets zur Andacht meine Triebe! und kann ich nicht mit Zuversicht zu meinem Vater treten, so lehre du mich beten! 297 nem Gott. Dieß kann mir Kraft in Schwachheit geben, Geduld und Muth in je der Noth, bei jedem Gram, bei jedem Schmerz ein rus higes, zufriednes Herz. 2. Wie kann ich Troft und Ruhe finden, wenn mein Gewissen mich verklagt, wenn bei der Menge meiner Sünden mein Herz vor seis nem Richter zagt? Nichts tröstet mehr, als ein Gebet, das Gott, bei dir um Gnade fleht. 3. Muß ich um des Gewissens willen ein Spott der Lasterhaften sein, so bet ich demuthsvoll im Stillen zu meinem Gott: Er hört mein Schrein, nimmt väterlich sich meiner an und stärkt mich auf der Tugend Bahn. 4. Ich will mich nie zu rächen suchen, wenn mich ein Feind zu tränken sucht; und dem will ich nicht wieder fluchen, der mir aus Unverstande flucht. Rein, meine Rach' sei ein Gebet, das Gnade ihm von Gott erfleht. 5. Und wenn ein Kummer mich verzehret, den ich der Welt nicht tlagen kann, dann ruf ich Gott, der mich erhöret, um Trost in die Mel. Wer nur den lieben Gott 396 Mein bester Trost sem Kummer an. Wer ihm in diesem Le ben ist ein Gebet zu mei sein Leid mit Zuversicht entbecket, den verwirft er nicht. N 5 6. Ruf 298 Pflichten 6. Ruf ich ihn an bei dem Geschäfte des Standes, den er mir verlieh, so fleh ich nie umsonst um Kräfte; der Gott der Stärke gibt mir sie. Er gibt aus väters licher Huld mir Segen, Klugheit und Geduld. gegen Gott. Wahn, was mir gebricht, das müsfest du gewähren; nicht, Wunder von dir zu erflehn; nicht, andern Pflichten zu entgehn; nicht, träge dich zum Segen durch Bitten zu bewegen; 7. Wenn, böser Lüste Macht zu dämpfen, mir Schwachen Muth und Kraft gebricht, dann bitt ich Gott: er hilft mir fämpfen, er gibt mir Muth zu jeder Pflicht; und stark durch meines Gottes Kraft, besieg ich jede Leidenschaft. 8. Wann ich im leßten Kampf des Lebens bei Niemand Hülfe finden kann, so ruf ich Gott doch nicht vergebens um seinen Trost und Beistand an, der, wann die Sprache mir vergeht, selbst meine Seufzer noch versteht. Mel. Ermuntre dich, mein 397 ie fanft, mein Bater, ist die Pflicht, als Kind zu dir zu treten, voll Demuth und voll Zuversicht zu dir, o Gott, zu beten! Welch Glück, das Alles übersteigt, wird im Gebete mir erzeigt, wenn ich mit Kindestreue mein Herz, o Gott, dir weihe! 2. Allwissender! zwar bet ich nicht, um dich erst zu belehren, nicht mit dem 3. Nein, guter Vater, nur um dich recht innig zu empfinden, zum Dank, zur Ehrfurcht feierlich die Seele zu entzünden, zur Demuth, Liebe, Freundlichkeit, zu kindlicher Ergebenheit, zum Fleiß in guten Werken mein Herz vor dir zu stärken. 4. Dann, wenn ich in der Einsamkeit mein Herz zu dir erhebe, dir, Vater, voll Zufriedenheit mein Schicksal übergebe, dann schöpf ich für die Tugend Kraft, Muth in dem Kampf mit Leidenschaft, Erquicung in dem Leiden und Hoff nung ewger Freuden. 5. Mit keiner Welt vertausche ich die wonnevollen Stunden, wo betend dich mein Herz, o dich, mein Vater, hat empfunden; wo ich mit Thränen vor dir stand, tief deine Vaterhuld empfand, die liebevoll mich führte, mit Weisheit mich regierte. 6. Wie wird vor deinem Angesicht der Christen Glaube wichtig; wie warm mein Herz für jede Pflicht, zu je der Tugend tüchtig! Wenn böse Gebet. böse Lust in mir sich regt, eil ich, von deinem Geist bewegt, mich im Gebet mit Thränen nach Kraft von dir zu sehnen. 7. Dein denk ich, froh pon Dank gerührt, wann ich mich niederlege, die Pfade, die du mich geführt, bewundrungsvoll erwäge. Dich rühm ich, wann nach sanfter Nacht zu neuer Lust mein Aug erwacht, das die Natur entzücket, zu neuer Luft erquicket. 8. Bin ich am Ziel von meinem Lauf zu schwach, noch laut zu beten; dann blick ich, Gott, zu dir hinauf und will im Geiste be ten. Noch sterbend, Vater, dank ich dir, der du sowie les Gute mir im Leben haft erwiesen. Sei ewig, Herr, gepriesen! Rel. Wer nur den lieben Gott u dir, o Gott, 398 3er er heben, zu dir mit frommer Undacht flehn, um uns zum Guten zu beleben und unsre Tugend zu erhöhn, ist dein Befehl und meine Pflicht und stärket meine Zuverficht. 2. Laß diese Pflicht mich nie vergessen; laß mich befannt mit ihrem Werth, es täglich und mit Dank er: messen, welch Heil von dir 299 mir widerfährt, von dir, der alle Menschen liebt und allen gern das Gute gibt. 3. Wenn ich vor dich, mein Vater, trete, dir meinen stillen Wunsch vertrau; wenn ich in meiner Kammer bete und auf zu dir nach Hülfe schau: dann sei mein Geist von Heuchelei und ganz von Eigendünkel frei! 4. Nie müss ich das von dir begehren, was deine Weisheit nicht erlaubt; niebitten, das mir zu gewäh ren, was Andern ihre Wohlfahrt raubt! Denn du erhöreft kein Gebet, das zu des Andern Schaden fleht. 5. Wünsch ich mir Güter dieser Erde, so sei auch dieß mein herzlich Flehn, daß ihr Besiß mir Mittel werde, der Brüder Wohlfahrt zu erhöhn, daß ich, von Geiz und Habsucht fern, mit Weisheit sie gebrauchen lern. 6. bei kum: mervollen Leiden von ihrer Last mich frei zu sehn und sehn ich mich nach Lebensfreuden, so laß mich doch um das nur flehn, was deine Weisheit, Gott, beschließt und was mir gut und nüßlich ist! 7. Dann wird dir mein Gebet gefallen, und nie werd ich mich trostlos sehn; du, Herr und Vater von uns allen, erhörst gewiß mein № 6 kind Pflichten gegen Gott. 300 kindlich Flehn; gibst mir im Glück Zufriedenheit, in Trübsal Ruh und Heiterfeit. Mel. Es ist das Heil uns 399 Gott, tott, deine Güte reicht so weit, soweit die Wolken gehen; du krönst uns mit Barm herzigkeit und eilst uns bei zustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort; denn ich will vor dir beten! 2. Jch bitte nicht um leberfluß und Schäße dieser Erden. Laß mir, so viel ich haben muß, nach deiner Gnade werden. Gib mir nur Weisheit und Verstand, dich, Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen! 3. Jch bitte nicht um Ehr und Ruhm, so sehr sie Menschen rühren; des guten Namens Eigenthum laß mich nur nicht verlieren! Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, der Ruhm vor deinem Angesicht und frommer Freunde Liebe! 4. So bitt ich dich, mein Herr und Gott, auch nicht um langes Leben. Jm Glücke Demuth, Muth in Noth, das wollest du mir geben! In deiner Hand steht meine Zeit; laß du mich nur Barmherzigkeit vor dir im Tode finden! In eigener Melodie. 400 Nicht um Reichthum, um Ehre bitt ich, Gott, mein Vater, dich. Wenn ich Weltbesiger wäre, ohne dich, wie arm wär ich! Nicht um thränenlose Tage steigt mein Flehn zu dir hinan; sende Freude, sende Plage, wenn ich dich nur lieben kann. 2. Weisheit nur, dich zu erkennen, dich in Freude, dich im Schmerz meinen Vater froh zu nennen, dieß erflehet sich mein Herz. Dankgefühl bei deinen Ga ben, Lust am Guten, Freud in dir und Gewissensruh zu haben, dieß, Aügütger, wünsch ich mir. 3. Kraft und Muth und Herzensfreude, meinen nächsten wohlzuthun; Trost und Stärke, wenn ich leide, sanft und still in dir zu ruhn; Muth, die Laster zu bekämpfen, ihre Reize su verschmähn, jede Leidenschaft zu dämpfen, dieß, Herr, ist mein kindlich Flehn. 4. Nur auf deinen Willen sehen, dich, o Gott, sonst Niemand scheun, fest in deiner Liebe stehen und dir, Vater, ähnlich sein; diesen heißen Wunsch zu stillen, wer vermag es? Du allein. Ja, Gebet. Ja, um deiner Liebe willen wirst du, was ich bat, verleihit. Das Gebet des Herrn. In voriger Melodie. 401 Bater, den uns Jesus offen baret, den der Geist mit hoher Andacht nennt; Vater, den kein Himmel von der Erde, keine Welt von seinen Kindern trennt! 301 6. Wenn wir auf dem Pfad der Tugend straucheln, so vergib uns Schuld und Missethat; so wie wir auch gern vergeben wollen, wenn ein Nächster uns gefränket hat. 2. Hochgelobet: sei dein großer Name, angebetet deine Herrlichkeit! Heilig ehre dich der Mensch im Staube von der Wiege bis zur Ewigkeit! 7. Schüße uns in der Versuchungsstunde, wo die Tugend mit dem Laster ringt; laß uns auf die Himmelskrone blicken, wenn die Erde unser Herz umschlingt! 8. So erlöse uns von allem Uebel, das den Geist und unser Herz bedroht! Gram und Reue werden dann verschwinden, und wir siegen über Welt und Tod. 9. Dein, Herr, ist das Reich, die Macht und Stärke; ewig währet deine Herrlichkeit! Alle Himmel rühmen deine Ehre, und dein Tempel ist die Ewigkeit. 3. Dein Reich komme, jenes Reich des Friedens, das durch Weisheit und durch Liebe blüht; jenes Reich, das Jesus Christus baute, das die Menschen für den Himmel zieht! 4. Es gescheh dein Wille hier auf Erden, wie in je nem hohen Geisterreich; und die Wahrheit und die Tugend mache alle Menschen deinen Engeln gleich! Mel. Lobt Gott, ihr Chriften 5. Gib uns, ewigtreuer 402 G freu der Fürst des Landes sich, Gott, deiner allezeit; Menschenvater, gib uns, was wir brauchen in der Noth! Ach, wir bitten nicht um Gold und Schäße; gib uns, Herr, Zufriedenheit und Brod! in Auge sehe stets auf dich, sein Herz sei dir ge weiht! 2. Begnadigt, Herr, mit deiner Kraft und deines N 7 Sei Fürbitte für den Regenten und die Obrigkeit. Pflichten gegen Gott. 302 Geistes voll, gedenk er stets der Rechenschaft, die er dir geben soll! 3. Sehr groß und schwer ist seine Pflicht, und er, ein Mensch, wie wir, wie sehr braucht er vor Andern Licht und Rath und Kraft von dir! 4. Verleih ihm das! Wenn er begehrt, dir ähnlich, Gott, zu sein, so hilf ihm, in dein Bild verklärt, sein Volk, wie du, erfreun! 5. Er fördre willig dei nen Ruhm; er denke gern daran: das Land sei, Herr, dein Eigenthum und er dein Unterthan! 6. Der über Christen, Gott, von dir zum Herrn verordnet ist, ſei deiner und ein edler Mensch und Christ! 7. Er zeig in seinen Thaten sich als deinen treusten Sohn! Den Lastern sei er fürchterlich, der Tugend Schuß und Lohn! 8. Der Unterthanen Liebe sei sein edelster Gewinn und fein gerechter Seufzer schrei um Rache wider ihn! 9. Um seinen Thron sei immerdar Recht und Gerechtigkeit, und dann beschüß ihn in Gefahr, wann ihm und uns sie dräut! 10. Sein eignes Beispiel wirke mehr, als jede Strafe thut, und es verbreite um ihn her zu jeder Tugend Muth! 11. Verdienste heb er gern empor; er folge weisem Rath und öffne freundlich Herz und Ohr, wenn ihm ein Armer naht! 12. Auch ihm bestimmtest du das Ziel, das er erreichen soll. Herr, mache seiner Tage viel und jeden segensvoll! 13. Sein werd in jedem Flehn zu dir mit Lieb und Dank gedacht! Erhör uns, Gott, dann jauchzen wir und preisen deine Macht. Allgemeine Fürbitte. Mel. So Gott zum Haus nicht 403 Für alle me schen beten wir, o Höchster, wie für uns, zu dir. Du, der du Aller Vater bist, gib Jedem, was ihm heilsam ist. 2. Dir tönet unser Lobgesang: wir bringen Ehre dir und Dank, daß du sie alle, alle liebst und liebend allen Gutes gibst. 3. Deß freun wir uns; dieß preisen wir und beten herzlicher zu dir für Alle, die dein hoher Ruf, wie uns, o Gott, zu Menschen schuf. 4. Nimm Aller väterlich dich an und leite sie auf ebner Bahn; es sei zu deinem Dank. nem Preis und Ruhm ein jedes Volk dein Eigenthum! 5. Verirrte führe, Herr, zurück zu dir, zu ihrem wahren Glück; und wer von dir sich führen läßt, der wird im Guten treu und fest! 6. Entreiß der Laster Ty: rannei die Sünder; mache, Gott, sie frei, daß sie der Tugend Pfade gehn und freudig einst dein Antlik sehn! 7. Gib allen Menschen frohen Muth; bewahr ihr Leben und ihr Gut; laß ihrer Hände Werk gedeihn, verdiente Achtung sie er freun. 8. In ihrer Noth verlaß sie nie; und sind sie traurig, tröste sie. Gib ihnen hier Zufriedenheit und dort der Frommen Seligkeit. 9. Wir alle, einst den Engeln gleich, erheben dich in deinem Reich und ewig, ewig danken wir, dir, unser aller Vater, dir. 303 2. Wenn Angst und Noth sich mir genaht, so hörte Gott mein Flehn und ließ durch seinen gnädgen Rath mich nicht darin vergehn. 3. Wenn ich in Schmerz und Krankheit sank und rief: Herr, rette mich! so half mir Gott. Mit welchem Dant, mein Gott, ererheb ich dich? Dank. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 404 Du u bists, dem Ehr und Ruhm gebührt, und das, Herr, bring ich dir. Mein Schicksal hast du stets regiert und stets warst du mit mir. 4. Betrübte mich des Feindes Haß, so Flagt ich Gott den Schmerz. Er half mir, daß ich ihn vergaß, und gab Geduld ins Herz. 5. Wenn ich den richtgen Pfad verlor und mich verschuldet sah, rief ich zu dir, mein Gott, empor, und Hülfe war mir nah. 6. Oft, wann nach Trost die Seele rang, Gott sich von mir gewandt, rief ich voll Sehnsucht: Herr, wie lang! Und mich hielt seine Hand. 7. Er half; noch hilft er stets, der Herr, denn er ist fromm und gut. Aus der Versuchung rettet er und gibt zur Tugend Muth. 8. Herr, für die Leiden dant ich dir, dadurch du mich geübt, wie für die Freuden, welche mir dein milder Segen gibt! 9. Dir dant ich, Herr, daß die Natur mich nährt und mich erfreut. Ich schmeck in 304 in jeder Creatur, Gott, deine Freundlichkeit. 10. Ich danke dir für deinen Sohn, der für mich Sünder starb und der zu deinem Gnadenthron den Zutritt mir erwarb. 11. Lobt Gott in seinem Heiligthum! Erheb ihn, Volk des Herrn! Die Erd ist voll von seinem Ruhm; er hilft und rettet gern. 12. Er hilft und läßt die Traurigkeit bald uns vorübergehn, will uns nach kurzer Prüfungszeit zu ewgem Blick erhöhn. Pflichten gegen Gott. Herrn. Du hörst der Menschen Flehn und du errettest gern. 3. Und wenn ich deiner Huld, o Gott, gewürdigt werde, was frag ich außer dir nach allem Glück der Erde! Im Himmel donnerst du, und Schrecken füllt das Land; doch fürcht ich nichts; denn du deckst mich mit deis ner Hand. 4. Wenn ich die Himmel seh, die du, Herr, ausge breitet, der Sonne Majestät, den Mond, den du be reitet, so sprech- ich: was ist doch der Mensch, daß du sein denkst und daß du täglich uns unzählig Gutes schenks! 5. Voll Güte läßt du uns auf grünen Auen wei den, nährst uns mit Speis und Trank und füllst das Mel Nun danfet Alle Gott 405 Durch dich, o Herz mit Freuden. Du dachgroßer Gott, durch dich bin ich vorhanden; die Himmel und ihr Heer sind durch dein Wort entstanden. Denn wenn test mein, eh mich die Mut ter noch gebar; ja, sahst mich, eh der Grund der Welt ge leget war. du sprichst, geschiehts: wenn du gebeutst, stehts da. Mit Allmacht bist du mir und auch mit Güte nah. 6. Du wogst mein Glück mir ab, und Leiden, die mich üben, und meiner Tage Zahl war in dein Buch ge schrieben. Du bist der Frommen Schuß, du bist der Müden Ruh, ein Gott, der gern verzeiht. Wie gnädig, Gott, bist du! 2. Du bist der Gott der Kraft; dich preisen Erd und Meere, die Himmel predigen die Wunder deiner Ehre. Dich bet ich dankend an! Mein Heil kommt von dem 7. Wem sollt ich sonst ver traun, als dir, du Gott der Göt 13. Vergiß nicht, Seele, deinen Gott, was er an dir gethan! Verehr und halte sein Gebot und bet ihn ewig an! Dant. Götter, wen ehren so, wie dich, mein Schuß und mein Erretter? Wie sanft ist dein Befehl: gib mir dein Herz, mein Sohn, und wandle meinen Weg: ich bin dein Schild und Lohn! 8. Herr, dein Gebot ist Heil, dein Weg ist Fried und Leben! Wie könnt ich einem Gott der Liebe wider streben! Der Lasterhafte mag in stolzem Glücke blühn; mich soll er dennoch nicht in seine Neße ziehn! 9. Auch wenn kein Mensch mich sieht, will ich die Sünde fliehen; denn du wirst Aller Werk vor dein Gericht einst ziehen. Ich will, wenn meinem Fleisch was Böses noch gelüft, bedenfen, daß mein Leib, o Gott, dein Tempel ist. 10. Sollt ich nach Ehr und Ruhm mit Sünd und Unrecht trachten? Nein, Herr, wenn du mich ehrſst, mag mich die Welt verachten! Du bist es, dem zum Dienst ich Leib und Seele weih; gib, daß mein Wandel stets dir wohlgefällig ſei! Mel. Alle Menschen müssen 406 allet nieder! fal305 gethan. Seht, wir schöpfen, was wir haben, aus dem Strome deiner Gaben, jedes Gut, das uns entzückt, jeden Vorzug, der uns schmüct! tet Gottes Hoheit an! Men schen, Christen, Freunde, Brüder! viel hat er an uns 2. Keiner rühme seiner Stärke, seiner Kunst und Weisheit sich! Jeder rühme deine Werke, Vater, Jeder rühme dich. Voll von tiefer Demuth preise dich der Starke, dich der Weise! Ihre Kraft und ihr Verstand sind Geschenke deiner Hand. 3. Dich, mein Vater, will ich loben demuthsvoll bis in den Tod. Ewig sei von mir erhoben über Alles, o mein Gott! Angebetet ſollst du werden, weil im Himmel und auf Erden Keiner dir an Größe gleicht, Keiner je dich ganz erreicht. Mel. Sollt ich meinen Gott nicht 407 Alles hast du mir gegeben, Gott, bin ich durch dich; du, nur du beglücktest mich! Glieder, Kräfte, Sinne, Leben, Triebe, Freiheit und Verstand gab mir deine Schöpferhand. 2. Eh ich noch dich Vater nannte, eh ich reif zum zen und Gefahr, eh ich Glück und Freude kannte, sorgtest du schon väterlich für 306 für mein Dasein und für In eigener Melodie. mich. 3. In den Jahren mei- 408 Hallelujah! Brinner Jugend, wo ich schwach an Einsicht war, warntest du mich vor Gefahr, gabst du mir Gefühl für Tugend, segnetest du mein Bemühn, mich Verführern zu entziehn. get Ehre, Preis und Ruhm, ihr Jubelchöre, jauchzt, Beseligte des Herrn! Bringet Ruhm, ihr Erdenföhne, singet eure Jubeltöne; er, der Herr, beglückt uns gern! 4. Alle meine Lebensfreuden hab ich, Vater, nur von dir; Glück und Wohlfahrt gibst du mir, frohenMuth in meinen Leiden; und wie oft trägt deine Huld meine Fehler mit Geduld! 2. Sollten wir dem Herrn nicht singen, ihm nicht Freudenopfer bringen? Er erschafft und er erhält! Tief im Staub verehrt ihn, Kinder! Kinder heißt er uns, uns Sünder, er ist Vater seiner Welt! 3. Zwar sein Thron steht unerschüttert, und die weite Schöpfung zittert tief ge beugt vor ihrem Herrn; wenn gleich unsre Lieder schweigen, seht die Millionen Zeugen, laut verkünden sie den Herrn! 4. Aber unsre Seelen heben sich zum Glück der Engel, leben schon des Himmels Leben hier. Wel che göttlich hohe Freuden, welchen Trost für alle Leis den, welche Ruhe fühlen wir: Pflichten gegen Gott. 5. Täglich kann ich es erfahren, wie du deine Menschen liebst, ihnen Schuß und Beistand gibst, sie vor Uebeln zu bewahren, wie du sie versorgst und nährst, ihnen manchen Wunsch gewährst. 6. Wie du stets mich weise führest, väterlich an mich gedenkst, Uebel auch zum Guten lenkst, wie du mein Geschick regiereft, meine Wohlfahrt zu erhöhn, lern ich immer mehr verstehn. 7. Mit dem freudigsten Gemüthe fühl ich jeder Wohlthat Werth, die mir täglich widerfährt, preise deine weise Güte und erfleh auch fünftig mir Segen, Trost und Heil von dir. 5. Wenn der Geist zu ihm sich waget, ein Gedank dem andern saget: Er ist Vater seiner Welt; still entzückend dem Gemüthe dann die Fülle seiner Güte sich zum großen Zeugen stellt! 6. Naht Dank. 307 6. Naht euch, zu ihm, und gut. Lob sei ihm imseine Kinder! Zittert nicht, merdar! seid ihr gleich Sünder, Sünder ihr; die Lieb ist Mel. Lobt Gott, ihr Chriften er! Denkt den göttlichen 410 Auf, Christen, A... Gedanken, fühlt ne, ihm zu danken: groß und gnädig ist der Herr! 7. Halleluja! Bringet Ehre, Preis und Ruhm, ihr Jubelchöre, jauchzt, Beseligte des Herrn! Bringet Ruhm, ihr Erdensöhne, singet eure Jubeltöne: er, der Herr, beglückt uns gern! In eigener Melodie. 409 Nun Jun danket Alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge thut an uns und allen Enden, der uns so väterlich von unfrer Kindheit an bis diesen Augenblick unzählig Guts gethan. 2. Der ewig reiche Gott woll uns bei unserm Les ben ein immer fröhlich Herz und edeln Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Noth erlösen hier und dort! 3. Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne und seinem heilgen Geist! Er, der vom Himmelsthrone voll Liebe auf uns sieht, bleibt, wie er ewig war, unendlich groß und Ehr dem Herrscher aller Welt, dem Mächtigen, der Erd und Meer und alle Himmel hält! 2. Frohlockt mit jubelreichem Schall Gott, unserm höchsten Gut, der große Wunder überall, auch an uns Menschen thut! 3. Von unsrer zarten Kindheit an hat er uns unterstüßt, er, der allein uns helfen kann und gern uns hilft und schüßt. 4. Aus seiner Fülle nehmen wir noch immer, was uns nährt und unsern Seelen auch schon hier Zufriedenheit gewährt. 5. Er streut auf dieses Lebens Pfad viel Freuden um uns her. Die Noth, womit sein weiser Rath uns prüft, erleichtert er. 6. Er fordert uns zur Tugend auf, die hin zum Glück uns führt; er ists, der unsern Lebenslauf mit weiser Hand regiert. 7. Er bleibt uns treu; sein Wort steht fest. Wer hier sich zu ihm hält, kommt, wenn er diese Welt verläßt, zum Glück der bessern Welt. 8. Singt, Christen, singt ihm 308 ihm Breis und Dank für seine Gütigkeit! Einst wird sie euer Lobgesang noch mehr in Ewigkeit. Pflichten gegen Gott. was dir gefällt, was nüßet, was auf der Lebensbahn uns vor dem Fall beschüßet, was Muth im Leiden gibt, vor guten Menschen ehrt, hast du mich, guter Gott, von Kindheit an gelehrt. 6. Die echte Frömmigkeit, die nicht in Mienen heuchelt, die aus dem Herzen quillt, mit falschem Trost nicht schmeichelt, die Jesu Geist und Sinn nachahmt und in sich nährt, hast du von Jugend auf mich, guter Gott, gelehrt. 7. Wie dank ich würdig dir? Durch Thaten will ich danken. Und wollte je mein Fuß vom Tugendwege wan ten, o dann erinnre du mit deiner Gotteskraft durch mein Gewissen mich der schweren Rechenschaft. 3. Wie weit wär ich vielleicht vom Tugendpfad entfernet, hätt ich durch ihren Rath nicht die Gefahr geler Rob Gottes. Mel. Mein Gott, das Herz net, zu der das Laſter führt. 412 Von allen Him. Leicht wir Raub; uns mache Leichtsinn nie für ihre Lehren taub! 4. Wie Manchem ward das Glück, das du mir gabst, entzogen; wie mancher von der Lust der Sinnlichkeit betrogen, weil ungewarnt sein Fuß nicht jene Schlange mied, die unter Blumen lauscht, verlegt, eh man sie sieht. 5. Was gut und edel ist, Mel. Nun danket alle Gott 411 D er du von Jugend auf mit Huld und Batergüte für mich, mein Gott, gesorgt, mit dankendem Gemüthe denk ich voll Rührung nach, was du an mir gethan, wie wenig ich verdient, wie schwach ich danken kann. 2. An treuer Aeltern Hand entfloh die erste Jugend: sie zeigten sorgsam mir den Weg zur wahren Tugend. Wann ihre Stimme schwieg, sprach guter Lehrer Mund und machte redlich mir der Weisheit Schäße fund. Herr, ein froher Lobgesang. Zu dir, Anbetungswürdiger, steig auch der Menschen Dank! 2. Du brauchst zwar un fers Preises nicht, wirst durch ihn größer nie; doch bleibet stets dein Lob uns Pflicht; und, Gott, wie schön ist die! 3. Dich preisen ist uns Seligkeit, dir danken, hohe Lust; schon hier fühlt, wer fich Lob Gottes. sich deiner freut, den Himmel in der Bruſt. 4. Wir stammeln zwar dein Lob hier nur, so heiß das Herz auch glüht; denn deinen Ruhm, Herr der Natur, erreicht kein sterblich Lied. 5. Doch du verschmähst das Opfer nicht, das dir die Andacht bringt, die sich mit Kindeszuversicht zu dir, Erhabner, schwingt. 6. So soll dein Lob denn allezeit in unserm Munde sein; stets unser Herz voll Dankbarkeit sich deiner Güte freun. Das Te Deum. In eigener Melodie. Du Hoherpriester! du Prophet! du König, deß Reich nie vergeht! Du wardst ein Mensch, doch fündenrein, um uns von Sünden zu befrein. Dem Tode nahmst du seine Macht, zum Himmel hast du uns gebracht. Zur Rechten Gottes sißest du; mit Macht und Güte herrschest du. O, der für uns geblutet hat, erwürgt für unsre Misses 413 du bu that, im Grabe läsfest du err Gott, dich Herr Gott, wir danken dir! Der Höchste ist von Ewigteit! Er schuf die Welt, das Werk der Zeit. Die ganze weite Schöpfung preist, Gott Vater, dich! dich, Sohn! dich, Geist! Die Cherubim, die Seraphim, die Himmel alle fingen ihm: Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott, der allgewaltge Gott! 309 sie preisen ewig dich, o Herr! Auch deine ganze Christenheit preist dich auf Erden weit und breit, dich, Vater, auf der Himmel Thron, dich, Jesu Christ, des Vaters Sohn, und dich, o Geist, deß Wunderkraft in Sündern neues Leben schafft! Weit, über alle Himmel weit geht deine Macht und Herrlichkeit! Sie, die den Erdkreis wunderbar bekehrten, deiner Boten Schaar, der Lehre Jesu Märtyrer, kommst und hältst Gericht! Einst sei im Himmel ewges Heil mit allen Frommen unser Theil! Hilf deinem Volke, Jesu Christ, und segne was dein Erbtheil ist! Leit uns durch unsre Prüfungszeit den Weg zur frohen Ewigkeit! Die Erd ist auch dein Heiligthum! Auch sie erfülle stets dein Ruhm! In dieser unsrer Pilgerschaft ist, Herr, dein Wort uns Licht und Kraft. Es ist ein reines, helles Licht; wer ihm ge horcht, der fündigt nicht! und wer noch fällt und es be= 310 Pflichten gegen Gott. bereut, der findet da Barm- für mich von seinem Se herzigkeit. Die Erd erfüll, Herr, stets dein Ruhm, so. wie des Himmels Heiligthum! Amen! Mel. Mein ganzer Geift 2 414 rtöne, feiernder Gesang, Anbetung Gott und Ruhm und Dank vor seinen Thron zu bringen! Er hört der Mens schen Loblied gern, obgleich die Engel ihm, dem Herrn, in höhern Psalmen singen. Darum hat er mit den Heeren, die ihn ehren, zu den Stufen seines Throns auch mich gerufen. 2. Wie groß ist Gottes Herrlichkeit! Er sprach zu seinen Himmeln: Seid! und zu dem Erdkreis: Werde! Da standen sie voll Reiz und Pracht vor ihm, zum Preise seiner Macht, die Himmel und die Erde. Wie ers ausrief, da begonnen tausend Sonnen und er hellten ein unzählbar Heer von Welten. 3. Er hat der Sonnen hohes Belt, die Himmel, über diese Welt für mich auch ausgebreitet; hat seiner Erde Luftgefild für mich auch liebevoll und mild bepflanzet und bereitet. Lachen gen? 4. Wem blüht das Thal? Für wen erhebt sich das Gebirg? Wem tönt und schwebt der Sänger in den Lüften? Für wen bevölkert sich das Meer? Wem lebt der Thiere zahllos Heer auf. seinen grünen Triften? Quellen rieseln, Winde wes hen, Flüss und Seen werden Meere mir zum Segen, ihm zur Ehre. 5. Noch strahlt mir un geschwächt sein Licht; noch weigert die Natur sich nicht, die Welt für mich zu schmükken. Noch strömt ihr Freudenquell für mich; noch ist sie schön und jugendlich, mein Auge zu entzücken. Seine Güte wird die Werke seiner Stärke stets erhalten, schüßend über mir auch walten. 6. So hat der Herr an mich gedacht! So sorgt für mich die Huld und Macht, die mich so hoch erhoben! O strömt aus meiner vol len Brust, strömt hin, Em pfindungen der Luft, Gütigen zu loben! pfer! Vater! dich erhebe, weil ich lebe, meine Seele, meine hochbeglückte Seele! den Schö In eigener Melodie. mir nicht alle Wälder, alle 415 Lobet den Her entgegen, reich ren, tigen Lob Gottes. 311 er uns huldreich begegnet! tigen König der Ehren! Laßt der Allmächtige tann, wie uns den Weltenbeherrscher in Demuth verehren! Tretet heran; stimmet ein Freudenlied an, des Höchsten Lob zu vermehren! 2. Lobet den Herren, der Alles aufs beste regieret, der uns mit Weisheit und Güte bis hierher geführet, der uns erhält in der gefährlichen Welt, daß man sein Vaterherz spüret! 3. Lobet den Herren, der unserer Seelen gedenket, in lischen Gütern uns schenket, der das Gemüth tröstet und zieht, wann Mel. Allein Gott in der Höh zeitlich Trübfal es tränket! 416 Breis dem höch4. Lobet den Herren, der große Barmherzigkeit übet, der, wenn wir Menschen mit Sünden ihn häufig betrübet, noch mit Geduld, göttlicher Gnade und Huld uns trägt und Sünden vergiebet! 5. Lobet den Herren, der Nahrung dem Leibe bescheret, der uns Gesundheit und Freude und Hülfe gewäh ret! In wie viel Noth hat nicht der gnädige Gott das Leid in Freude verkehret! 7. Lobet den Herren, der, wenn wir als Christen einst sterben, uns auch im Tode nicht läsfet vergehn und verderben und nach dem Tod uns liebt und segnet als Gott ewige Freuden läßt erben! 8. Lobet den Herren und seinen hochheiligen Namen! Lobt ihn mit Allen, die von ihm das Leben bekamen! Alle dem Herrn; lobt ihn, Nahe und fern frohlocket in Ewigkeit! Amen! 6. Lobet den Herren, der unser Thun sichtbar gesegnet! Ströme des Guten hat auf uns sein Wohlthun geregnet. Denket daran, was sten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der so viel Wunder thut, dem Gott, der mein Gemüthe mit seinem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt! Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danket dir des Himmels Heer, o Herrscher aller Thronen; und die, die in der Luft, im Meer und auf der Erde wohnen, sie alle preisen deine Macht, die uns und sie hervorgebracht. Gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten, darüber will er früh und spat mit seiner Güte Pflichten gegen Gott. 312 Güte walten. In seinem ganzen Königreich ist Alles recht, ist alles gleich. Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Jch rief zum Herrn in meiner Noth: ach, Gott, vernimm mein Weinen! Da half mein Helfer; da ließ Gott mir Heil und Trost erscheinen. Drum dank ich, Gott, drum dank ich dir! Ach, dantet, danket Gott mir mir! Gebt unserm Gott die Ehre! Namen nennt, gebt unserm Gott die Ehre! Thr, die. ihr Gottes Macht erkennt, gebt unserm Gott die Ehre! Der Sünder Gözzen macht zu Spott! Der Herr ist Gott! Der Herr ist Gott! Gebt unserm Gott die Ehre! 9. Kommt, kommet vor sein Angesicht, ihm Dank und Preis zu bringen! Bes zahlet die gelobte Pflicht und laßt uns fröhlich fingen: Der Herr hat Alles wohl bedacht und Alles recht und gut gemacht! Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Gott ist uns nah und nimmer nicht von seinem Volk geschieden; er, er ist seine Zuversicht, sein Segen, Heil und Frieden. Mit seiner Allmacht leitet er, der In eigener Melodie. Herr, durchs Feuer und 417 Preis und un AnbeMeer. Gott die Ehre! 6. Wenn Menschenkraft nicht helfen kann, fein Retter uns sich zeiget, nimmt Gott sich unser mächtig an: der Allerbarmer neiget zu unserm Angstgebet sein Ohr; sein starker Arm hält uns empor. Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will mein ganzes Leben lang, o Gott, dich freudig ehren: einst sollen meinenLobgesang auch deine Himmel hören. Mein Geist, o Gott, erhebe dich; mein ganzes Herz erfreue sich! Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Ihr, die ihr Christi serm Gotte! Denn er ist sehr freundlich; weit über Erb und alle Himmel gehet seine Gnad und Güte. Laßt uns mit Danken vor sein Antlig kommen und unserm Gotte mit Psalmen jauchzen. 2. Väterlich liebt er uns, seine Kinder; singt zu fei nem Preise! Ein Loblied ihm sei unser ganzes Leben! Jhn, ihn laßt uns lieben, der vor der Welt Beginn uns schon geliebet hat! Wer wollteGott nicht von Herzen lieben? 3. 3war kann der Mensch nicht ihn würdig preisen; doch mit Wohlgefallen ver nimmt er hoch herab von fets Lob Gottes. seinem Himmel unser frohes Danklied und geußt der Freuden viel in unsre Seele, wenn wir ihm danken, dem Gnadenvollen. 4. Schon hier auf Erden quillt Freud und Leben uns aus seiner Gnade. Doch größre Seligkeit ist dort bereitet denen, die ihn lieben, wenn sie dereinst, erneut zu seinem Bilde verklärt und heilig, vom Tod erwacht sind. 5. Laßt unsers Gottes uns ewig freuen! Halleluja! Amen! Dwelche Seligfeit ists, sein sich freuen! hier und einst im Himmel ihm ganz sich heilgen und ganz ihm leben! Denn ewig liebt er uns, seine Kinder. Mel. Jesus, meines Lebens Leben 418 höpfer der er schaffnen Heere, freudig rühm ich deine Macht, daß du mich zu deiner Ehre hast ans Licht der Welt gebracht! Sinne, Leib und Seel und Leben hat mir deine Huld gegeben. Großer Schöpfer, nimm dafür ewig Dant und Lob von mir! 313 Vaterpflege, für die Güte deiner Wege, wunderbarer Gott, sei dir ewig Dank und Lob von mir! 2. Wunderbar bin ich bes reitet und mit Kräften ausgeziert; wunderbar wurd ich geleitet, meinem Glücke zugeführt. Für die treue 3. Weislich hast du Ort und Zeiten für mein Das sein auserwählt. Hat mirs an Gelegenheiten, fromm zu werden, je gefehlt? Niemals hast du mein vergessen, immer Heil mir zugemessen. Weiser Gott, ich bringe dir ewig Preis und Dank dafür! 4. Herr, du zähltest meine Thränen; eh ich weinte, sahst du sie. Liebreich merktest du mein Sehnen unter dieses Lebens Müh; und an jedem Lebenstage linbertest du meine Plage. Nimm, o Vater, nimm da= für ewig frohen Dank von mir! 5. Hatt' ich, Heiligster, mit Sünden mein verführtes Herz befleckt: o dann ließest du mich finden Gnade, die zur Buße weckt. Mit uns endlichem Erbarmen überströmtest du mich Armen. Nimm, Barmherziger, dafür reinen Herzensdank von mir! 6. O was bin ich Mensch von Erde, daß du meiner so gedenkst und, damit ich heilig werde, mich so treulich zu dir lenkst; daß so viele deiner Gaben mich an jedem Tage laben! Dir, du D ewge 314 ewge Liebe, dir opfr' ich heißen Dank dafür! 7. Treu im Glauben laß mich enden, Vater, meinen Lebenslauf! Führ, o führ an deinen Händen mich zum hohen Ziel hinauf! Mit des Himmels Erstgebornen, mit des Mittlers Auser kornen jauchz ich dann einst, Höchster, dir ewig, ewig Dank dafür. Siemp Pflichten gegen Gott. 4. Du stärkst mir das ge schenkte Leben und läsfest es nie freudenleer; zum höhren Glück mich zu erheben, schickst du auch manche Trübsal her. Doch stehst du auch mit Kraft mir bei, daß ich, o Herr, nicht muthlos fei. 5. Schon oft hat dieß in meinen Tagen zu Freudenthränen mich gerührt, wie du mich unter manchen Plagen, zwar dunkel oft, doch gut geführt. In wie viel Mel. Wer nur den lieben Gott 419 könnt ich dich, brohender Gefahr halfft du mir treu und wunderbar! mein Gott, recht preisen, wie du des Preises würdig bist! Könnt ich dir ganz ben Dank beweisen, den dieß mein Herz dir schuldig ist, dieß Herz, das deiner Gültigkeit sich täglich mit Entzücken freut! 2. Wer überströmet mich mit Segen? Wer theilt mir mit, was mir gebricht? Wer schüßet mich auf meinen Wegen? Wer schenkt dem Geiste Trost und Licht? Wer gibt zu meinem Thun Gedeihn? Allgütiger, du bists allein. 3. Bu zählen sind sie nicht, mein Vater, die Werke deiner Segenshand. Du warst schon meines Wohls Berather, eh mein Bedürfniß ich empfand. Noch eh ich war, da maßest du mir schon mein Schicksal liebreich zu. 6. Wie soll ich nun nicht voller Freuden beständig deinen Ruhm erhöhn? Wie sollt ich auch im tief sten Leiden nicht freudig trauend auf dich sehn? Ja, tritt die größte Noth auch ein, wirst du doch, Gott, mein Helfer sein. 7. Von deiner Güte will ich singen, solange sich die Zunge regt; dir will ich Freudenopfer bringen, jos lange sich mein Herz be wegt; ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, so stimm ich noch mit Seufzen ein. 8. Nur Dank und Lob kann ich dir geben; nimm es, mein Gott, mit Gnaden an, bis ich in jenem bessern Leben dich würdiger erhes ben kann! Da steigt in sel ger Lob Gottes. 315 ten Abglanz in der Nacht? Erkennen soll ich, fühlen lernen die Größe deiner Schöpfermacht. Weit, über In voriger Melodie. 420 Gott, ben alle meine Fassung, weit geht, Schöpfer, deine Herrlichkeit. Wesen ehren, von dir kommt aller Welten Pracht. Was wir empfinden, sehn und hören, hat deine Huld hervorgebracht. Herr, deiner hohen Weisheit Licht erforscht der größte Weise nicht. ger Geister Chor mein Lobgesang zu dir empor. 2. Du bist's, der die Geschöpfe weidet und ihnen Luft und Wohlsein schenkt; du bist es, der die Erde fleidet und sie mit Thau und Regen tränft; du bists, Er habner, beffen Kraft dem Frühling seine Anmuth schafft. 3. Daß Fluren, Gärten sich verjüngen und Alles neues Leben fühlt; daß alle Bäume Blüthen bringen, das Feld in tausend Farben spielt; der Blume Wohlgeruch und Pracht verkündigt, Schöpfer, deine Macht. 4. Du gabst, o Urquell alles Wärme, gabst ihr Schein; du bist der Schöpfer des Gesichtes und willst auch dadurch uns erfreun, daß uns die Schönheit deiner Welt hellstrahlend in die Augen fällt. der 5. Was lehrt das Licht von tausend Sternen, der Wel6. So oft ich sie bewundernd sehe, führt mich ihr Anblick, Gott, auf dich; und wo ich steh und wo ich gehe, erfülle heil'ge Ehrfurcht mich vor dir, der du stets um mich bist und meines Her zens Tiefe siehst! 7. O laß mich stets mit frommen Blicken die Wunder deiner Werke sehn! Laß mich mit dankendem Entzücken dich, ihren Schöpfer, gern erhöhn, mich deiner schönen Schöpfung freun, dir meines Herzens Andacht weihn! Selbsterkenntniß und Demuth. Mel. In allen meinen Thaten 421 Was ich nur Guz habe, ist Gottes milde Gabe; Nichts ist mein Eigenthum! Für das, was ich besige, wodurch ich Andern nüße, ge= bührt, Herr, dir, nicht mir der Ruhm! 2. Mit Einsicht und mit Kräften zu des Berufs Geschäften beschenkt mich deine Huld D 2 316 Pflichten gegen uns selbst. Huld. Durch dich allein genfinn nicht sehen will, gerathen mir meine guten wie klein, wie schwach ich Thaten; an Fehlern bin al- bin! lein ich Schuld. 3. Das Glück, deß ich mich freue, schaffst du nach deiner Treue, du, Herr der ganzen Welt. Du ordnest unsre Tage, ihr Glück und ihre Plage, wie deiner Weisheit es gefällt. 4. Sollt ich mich nun erheben, wenn mir in diesem Leben viel Gutes widerfährt? Was hat dich, Herr, bewogen, daß du mich vor, gezogen? Bin ich auch jemals dessen werth? 5. Nein, ich bin zu geringe der Huld, die ich be singe, und werd es ewig sein. Dieß will ich nie vergessen, so werd ich nie vermessen durch Stolz und Hochmuth mich entweihn. 6. Das weislich anzuwenden, was du mit Vaterhänden mir gütig zugewandt: dieß sei in diesem Leben mein eifrigstes Bestreben: Dazu gib Demuth und Ver stand! In eigener Melodie. 422 Wie leicht vers kenn ich meines Herzens Schwäche, wenn ich zu viel mir von mir selbst verspreche und dann aus Wahn, aus Stolz und Ei2. Gib, Gott, daß ich mir keine Nachsicht gönne, daß ich mich selbst und meine Sünden kenne, auch jeden Trieb, der sich in mir em pört, zum Bösen reizt und meine Ruhe stört! 3. Entdecke mir der Tugend wahre Größe und je des Lasters Niedrigkeit und Blöße, daß nie sein Reiz mich blendet und verführt, daß immer nur der Tugend Werth mich rührt! 4. Nie laß, o Herr, mich selbst die kleinsten Sünden entschuldigen und unerheb lich finden! Gib, daß ich sie voll tiefer Scham bereu und ernstlich auch den kleins sten Fehler schen! 5. Wenn mein Gemüth der Wahrheit Weg verfeh let, gern gut sein will und doch das Böse wählet, leicht: sinnig ist und nicht den Irrs thum sieht, so gib ihm Licht, daß es den Irrthum flieht! 6. Verhehl ich mir beim Heiligungsgeschäfte aus stols zem Wahn den Mangel meis ner Kräfte, so lehre mich ihn redlich mir gestehn und voll Vertraun zu dir um Hülfe flehn! 7. Wenn ich mich meines Sinns und Wandels freue und Demuth. und doch nicht ganz mich wahrer Tugend weihe, so gib, daß ich, von Eigendün tel frei, fie recht zu würdigen stets sorgsam sei! 8. Wie manche That entspringt aus niederm Triebe, aus Eigennuß und nicht aus Menschenliebe! Wie manche That gewinnt den Ruhm der Welt, die doch nicht dir, Allwissender, ge fält! 9. Du ließest mich von jeder meiner Pflichten und ihrem Werth schon frühe unterrichten; sie sind mein Glück, befördern stets mein Wohl, und doch thu ich nicht immer was ich soll. 10. Olehre mich, wie oft, wie schnell ich fehle, wie gern ich noch mich vor mir selbst verhehle, und führe du zu meinem wahren Glück mich in mich selbst und in mein Herz zurück! Mel. In allen meinen Thaten 423 Gib, Gott, wenn ich dir diene, daß ich mich nie erfühne, darüber stols zu sein! Wer fann bei seinen Werken, wie oft er fehlet, merken? Wer ist von Mängeln völlig rein? 2. Such ich stets deinen Willen so eifrig zu erfüllen, als es dein Wort gebeut? 317 Trag ich der Tugend Bürde aus Kenntniß ihrer Würde auch immer mit Zufriedenheit? 3. Entzieh ich mich den Sünden auch stets aus rechten Gründen, aus wahrer Frömmigkeit? Oft sind die guten Triebe nicht Früchte deiner Liebe, nur Früchte der Natur und Zeit. 4. Der Sünden meiner Jugend, der Mängel meiner Tugend, o Herr, gedenke nicht! Willst du mit deinen Knechten, wie sie's verdienten, rechten, so trifft sie alle dein Gericht. 5. Doch wenn auch dir zur Ehre rein meine Tugend wäre, weß ist dieß Eigenthum? Wer ließ mich unterrichten? Wer ließ in meinen Pflichten mein Glück mich sehn und meinen Ruhm? 6. Wer gab mir, dich zu lieben und dein Gebot zu üben, die Luft und Freudigkeit? Wer stärkte meine Kräfte im Heiligungsge schäfte? Wer gab mir Muth und Kraft im Streit? 7. Du schaffst, daß ich dich wähle; bu rufft mich, wenn ich fehle, auf rechten Weg zurück; du ziehst mich ab von Sünden und läßt mich Gnade finden und gibst zu meiner Beßrung Glück. 0 3 8. Sollt Pflichten gegen uns selbst. 318 8. Sollt ich mich deß er heben, was du mir, Herr, gegeben? Hab ich zum Stolz ein Recht? Könnt ich auch Alles üben, was du mir vorgeschrieben, wer bin ich? Ein unnüßer Knecht. wer erhöhte mich? Jst nicht mein Nächster oft viel würdiger, als ich? 5. Wie könnt ich mich, o Gott, des Guten überheben? Was ich befiß, ist dein. Du sprichst, so bin ich Leben; du sprichst, so bin ich Nichts. Von dir Mel. O Gott, du frommer Goit 424 Herr, der bu Alles kommt das Sedeihn. Drum gibst, von dem ich Alles habe, was ist mein Stand, mein Glück und jelaß mich fern von Stolz und Hochmuth sein! nicht Mel. Wer nur den lieben Gott mein, es ist ein unverdiens 425 W welche wicht er tes Gut; darum bewahre mich vor Stolz und Uebermuth! 2. Wenn ich vielleicht der Welt mehr, als mein Nächster, nüße, und wenn ich mehr Verstand, als er besigt, be size; bin ich drum mehr, als er? O nein! Wer schenkte mir Verstand und Tüchtigkeit? Ach, Alles kommt von dir. 3. Wenn mir ein großer Glück nach deinem Bath begegnet, und deine Gutig feit mich mehr, als Andre, segnet; gibt diese deine Huld mir wohl zum Stolz ein Necht? Bin ich darum nicht auch, was Andre sind, dein Knecht? 4. Wenn ich geehrt und groß in hohen Würden stehe und Andre unter mir in kleinerm Glücke sehe; wer machte sie gering und ge Frage! Gott lehre fie mich recht verstehn! Gib, daß ich mir die Wahrheit sage, um mich, so wie ich bin, zu sehn! Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, bleibt von der Wahrheit weit entfernt. 2. Ich bin ein Werk von deinen Händen, geschaffen, Gott, zu deinem Preis. Mein Leben nüßlich anzuz wenden, will mein Beruf und dein Geheiß. Doch leb ich als dein Eigenthum auch, wie ich soll, zu deinem Ruhm? 3. Ich bin ein Christ nach dem Bekenntniß; doch bin ich das auch in der That? Herr, öffne selbst mir das Verständniß, recht einzu sehn, ob ich den Pfad, den Je sus mir gewichen, geh und ob ich auch im Glauben steh! 4. Du Demuth. 4. Du kennest meines Herzens Tiefen, die mir selbst unergründlich sind: brum laß mich oft und ernstlich prüfen, ob ich sei Christo gleich gesinnt? Befreie mich Selbstliebe. vom falschen Wahn, der auch 426 Dein Gott, ich Wille ists, den Klügsten täuschen kann! soll mich selber lieben. O laß mich diese Pflicht nach deiner Vorschrift üben und schränke selbst den Trieb, froh und beglückt zu sein, den du mir eingepflanzt, in heilge Gränzen ein! 2. Gib, daß mein ganzes Herz sich deiner Liebe weihe, und daß in Allem ich dein Auge kindlich scheue! Wer als ein Christ fich liebt, der flieht auch als ein Christ, was wider Gottesfurcht und Menschenliebe ist. 5. Wer Alles weiß und doch verborgen und unbefannt sich selbst noch bleibt, wie will der für sein Bestes sorgen? Was ist, das den zur Beßrung treibt? Sich felbst recht kennen, ist Verstand: brum mache mich mit mir bekannt! 319 frei von Wahn und Selbstbetrug! 6. Was mir zu meinem Heil noch fehlet, mein Bas ter, das entdecke mir! Hab ich der Wahrheit Weg er wählet, so gieb, daß ich ihn nicht verlier! Erleuchte mich mit deinem Licht, so täu: schen mich Verführer nicht. 7. Bin ich noch fern vom rechten Stege, der mich zum ewgen Leben führt, so bringe mich zurück vom Wege, der ins Verderben sich verliert! Gib mir zur Beßrung Lust und Kraft; du bists, der beides in mir schafft! 8. Ich muß es einmal doch erfahren, was ich hier war und hier gethan. O laß michs nicht bis dahin sparen, wo Reue nichts mehr helfen tann! Hier mache mich zum Himmel klug und 3. Rein schnöder Eigennuß beherrsche meine Seele! ich Weg und Mittel wähle, Und wenn zu meinem Glück so laß mich stets dabei auf Recht und Wahrheit schaun; auch nie mein Wohlergehn auf Andrer Elend baun! Glück, dabei die Tugend lei4. Der Fluch trifft jedes det, dabei der, der es sucht, Gott, deine Wege meidet. Wer Unrecht liebt und thut, hat deinen Beifall nicht. Nie treffe mich, o Gott, dieß schreckliche Gericht! 5. Nie blende mein Ges müth der Eitelkeiten Schim04 mer! Pflichten gegen uns selbst. 320 immer. mer! Der Erde Reiz entflieht ja doch im Tod auf Was hilft uns kurze Lust? Was hilft uns eitle Pracht? Nicht ein vers gänglich Gut ists, was uns selig macht. 6. Ein Gott ergebnes Herz, ein unverlegt Gewissen, nur das kann mir allein des Lebens Last versüßen; das bleibt mir auch im Tod und folgt mir aus der Zeit zum großen Se gen nach bis in die Ewigkeit. 7. O felig, wer danach mit heilgem Eifer trachtet und für sein größtes Glück, Gott, deinen Beifall achtet! Der liebt allein sich recht, der findet in der Zeit schon wahre Ruh und einst vollkommne Seligkeit! 8. Dieß sei auch mir mein Biel! Olaß es mir gelingen, des Herzens wahres Glück nach Wunsche zu erringen! Laß mich verachten, Herr, die Eitelkeit der Welt; gib, daß ich so mich lieb, wie dir es wohlgefällt. Sorge für die Seele. Mel. Es ist das Heil uns 427 Nach meiner Seele Seligkeit laß, Herr, mich eifrig ringen! Sollt ich die kurze Gnadenzeit in Sicherheit verbringen? Wie würd ich einst vor dir bestehn? Wer in dein Reich wünscht einzugehn, muß reines Herzens werden. 2. Erst, wann die letten Stunden nahn, erst, wann wir sterben sollen, zu dir sich wenden und die Bahn der Sünde meiden wollen, das ist der Weg zum Leben nicht, den uns, o Gott, dein Unterricht durch Jes fum Chriftum zeiget. 3. Du rufest uns zur Heis ligung; drum soll schon hier auf Erden mir meines Hers zens Besserung die höchste Sorge werden. Gib mir dazu nur Lust und Trieb; Nichts sei zu groß mir und zu lieb, der Tugend es zu opfern. 4. Gewänn ich auch die ganze Welt mit Allem, was den Sinnen und meinen Lüsten wohlgefällt, was würd ich dann gewinnen? Was hülfen Glück und Schäße mir, was macht und Glanz, wenn ich dafür mein ewig Heil verscherzte? 5. Was führt mich zur Zufriedenheit schon hier in dies sem Leben? Was kann mir Trost und Freudigkeit in Noth und Tod noch geben? Nicht Menschengunst, nicht irdisch Glück, nur Gottes Gnade und der Blick auf jenes Lebens Freuden. 6. Herr, laß nach diesem Kleinod mich vor allen Din gen trachten; mich immer, Heis 321 breit und voll, sie winkt mir, daß ich folgen soll. 5. Du, Jesu, mußt das Beste thun! Mein Hoffen soll auf dir beruhn. Ach, durch dein Blut bin ich ja dein! Du wollest Stärke mir verleihn, daß ich unMel. Gott Bater, an Erbarmen 428 Hier ist noch unfre überwindlich treu, o Herr, Sorge für die Seele. Heiligster, auf dich, auf Recht und Tugend achten! Daß ich auf deinen Wegen geh und im Gericht vor dir besteh, sei meine größte Sorge! Hier sind wir immerdar im Streit; hier, wo uns Irrthum leicht berückt, das schwache Herz sich bald vers strict, die Sinne jedes Blendwerk rührt, auch böses Beispiel oft verführt. 2. Oft nehmen Laster überhand und strömen übers ganze Land. Drum hüte dich! Das Weltgericht bringt alle Sünden an das Licht. Christ, sei zum Kampfe stets bereit und flieh den Schlaf der Sicherheit! 3. Mein Vorsaß ist: Ich will ihn fliehn. Doch wie gelingt mir mein Bemühn? Gefahr nehm ich hier bei Gefahr, ein Neße bei dem andern wahr. Wie so viel Feinde drohen mir! Ich Schwacher, wie entrinn ich hier? ie fo 4. Die Welt hüllt in der Tugend Schein oft ihre Laster künstlich ein, preist den Genuß des Lebens an, schilt Frömmigkeit für finstern Wahn. Ihr Weg ist lustig, 6. Der Sündendienst scheint zu erfreun und endigt sich in Schmach und Pein. Drum steh dein gus ter Geist mir bei, daß ich kein Knecht der Sünde sei. Gestatte dem Versucher nie, daß er mich deiner Hand entzieh! 7. Zwar ist mein Glaube klein; doch du, du starfer eld, sagst Hülfe zu. Mein ganzes Herz ergibt sich dir. Ich weiß, durch dich gelingt es mir. Auf dich verläßt in aller Noth mein Herz sich fest bis in den Tod. 8. Wenn schon die Trübsal auf mich dringt und Angst mich überall umringt, bleib ich doch stets in deiner Hand und halt in jeder Prüfung Stand. Du, du bist durch den Glauben mein, nun muß mir Alles heilsam sein. 9. Mit dir, o Herr. känn ich bestehn, sollt auch der Weltkreis untergehn. Es fürchte sich der Heuchelchrist und wer ein Sclav der La= ster D 5 322 Pflichten gegen uns selbst. ster ist! Ich will nicht sagen. and doch nie sich stols erIns Gericht kommt, Herr, heben. wer an dich glaubet, nicht. 10. Dir, Höchster, will ich stets vertraun, stets freudig hoffend auf dich schaun. Bis dort, wohin mein Herz sich sehnt, den Sieger Preis und Ehre frönt, steh, Herr, in jedem Streit mir bei, daß ich durch dich ein Sieger sei! Mel. Freu dich sehr, o meine 429 Lehre mich, Herr, recht bedenken, was wahrhafte Weisheit sei; meinen Fleiß darauf zu lenken, steh mir selbst mit Gnade bei! Denn was eitler Wahn der Welt oft für hohe Weisheit hält, fördert nicht mein Wohlergehen und kann nicht vor dir bestehen. 2. Weisheit ists, wenn unfre Seelen sich, Herr, deines Wortes Licht nur allein zum Leitstern wählen und mit fester Zuversicht diesem Licht sich anvers traun. Denn die folgsam darauf schaun, ihre Hoffnung darauf gründen, wer den Heil und Leben finden. 3. Weisheit ist es, das nach trachten, recht mit sich bekannt zu sein; sich nicht schon vollkommen achten und den Eigendünkel scheun; oft auf seine Fehler sehn, reuig fie vor Gott gestehn; eifrig stets nach Behrung streben 4. Weisheit ist es, Christum ehren, seiner Mittlerhuld vertraun, so auf seine Stimme hören und auf seinen Wandel schaun, daß man falsche Wege flieht und mit Eifer sich bemüht, seis nem Bilde hier auf Erden immer ähnlicher zu werden. 5. Weisheit ist es, Alles meiden, was mit Reu das Herz beschwert; fern ſich halten von den Freuden, die der Sündendienst gewährt; eitlen Ruhm, der bald verblüht, Lust, die im Genuß noch flieht, nicht für wahre Wohlfahrt achten, nein, nach bessern Gütern trachten. 6. Weisheit ist es, Gottes Gnade sich zu seinem Ziel ersehn und auf seiner Wahrheit Pfade diesem Glück entgegengehn; gern auch Gottes Willen thun; froh in seiner Fügung ruhn und, wenn Leiden uns beschweren, hoffend mit Geduld ihn ehren. 7. Weisheit ist es, stets bedenken, daß, was irdisch ist, vergeht; Wunsch und Hoffnung dahin lenken, wo das Ziel des Glaubens steht; seine Blicke unverwandt nach dem ewgen Vaterland rich ten und sich hier bestreben, wie man droben lebt, zu leben. 8. Diese Sorge für die Seele. 8. Diese Weisheit ist auf Erden, Höchster, unser be stes Theil. Die von dir geleitet werden, deren Weg ist Licht und Heil. Solche Weisheit fommt von dir. Gott! verleihe sie auch mir; laß sie mich zu allen Zeiten auf den Weg des Friedens leiten! In eigener Melobie. 430 Mache bich, mein wache, bet und flehe, daß auch in der bösen Zeit fest dein Glaube stese. Sicher ist nie der Christ; Gott läßt auch die Frommen in Vers suchung kommen. 2. Sage nicht: ich habe Beit; ießt noch darf ich schlafen. Denk an Tod und Ewigkeit, an der Sünde Strafen; sieh, der Tod, der dir broht, kann dich leicht in Sünden unbereitet finden. 3. Wache! dir ist unbefannt, ob dich nicht auf Erden Prüfungen von Gottes Hand noch betreffen werden. Der fällt leicht, dem es daucht, daß er sicher stehe auf der Tugend Höhe. 4. Wachel denn hier hat der Christ noch von allen Seiten, was der Seele schädlich ist, muthig zu bestrei ten. Gott läßt zu, daß auch 323 du, wenn du sorglos walleft, in Versuchung fallest. 5. Wache, daß die Macht der Welt nicht dein Herz verkehre; nicht, wenn sie sich freundlich stellt, dich durch List bethöre. Wach und sieh, daß dich nie die Verführer fällen, die dir Neße stellen. 6. Wach und hab auf dich wohl Acht, daß dich nicht die Sünde, wenn zu ihr die Luft erwacht, schimpflich und besiegt leicht den, der sich heuchelt, festzustehn sich schmeichelt. 7. Bete aber auch dabei, bete bei dem Wachen; das wird dich von Trägheit frei und behutsam machen. Gott verleiht Festigkeit dir durch seine Gnade auf dem rechten Pfade. 8. Drum so laßt uns immerdar wachen, beten, fles hen, um in jeglicher Gefahr glorreich zu bestehen! Kurze Zeit währt der Streit und dann wird zum Lohne mir die Siegestrone. Mer. Alle Menschen müssen sterben 431 Unser Wandel ist im Himmel! Köstlich Wort, wie strömest du mir, umringt vom Weltgetümmel, Muth und süße Hoffnung zu! Jeder Fußtritt, den ich thue, bringet mich 06 324 Pflichten gegen uns selbst. mich dem Land der Ruh les Schimmer. Wenig, wes näher, immer näher zu. nig Schritte noch und geWort, wie hoch erfreuest tragen ist das Joch. du! ren 2. Haltets feft, ihr theu Brüder, haltets fest, dieß werthe Wort! Nichts schlag eure Hoffnung nieder! Wallet immer muthig fort! Muthig blicket hin zum ergriffens, Viele. Wir, so wahr es Gott verhieß, wir ergreifens auch gewiß. 3. Nur, wie fromme Bil ger müssen, bleibet wacker, feid nie laß! Stets des hohen Zwecks beflissen, wacht und tämpft ohn Unterlaß! Feinde stehn an euren Wegen! Stürme toben euch ents gegen; Nebel, Klüfte, Felsen drohn; faßt nur Muth: groß ist der Lohn. 4. Was kein Auge je ge sehen, was kein Ohr gehöret hat, was kein Herz hier zu erflehen je sich unterwunden hat, das, das hat Gott dem bereitet, der hier tapfer kämpft und streitet. Drum verlaßt nicht eure Bahn; Jesus selbst ging euch vor an. 5. Unser Wandel ist im Himmel! Köstlich Wort, wie strömest du mir, umringt vom Weltgetümmel, Muth und süße Hoffnung zu! Auf, mein Geist, ermüde nimmer! Schon seh ich des BieSorge für Leib, Leben und Gesundheit. Mel. Wer nur den lieben Gott 432 Des Leibes wart ihn nähren, das ist, o Schöpfer, meine Pflicht. Muthwillig seinen Bau versehren, vers bietet mir dein Unterricht. D stehe mir mit Weisheit bei, daß diese Pflicht mir heilig sei! 2. Sollt ich mit Vorsat das verleßen, was deine Hand mir anvertraut? Sollt ich gering ein Kunstwerk schäßen, das du, o Schöpfer, selbst erbaut? Weß ist mein Leib? Er ist ja dein. Sollt ich denn sein Zerstörer sein? 3. Ihn zu erhalten, zu beschüßen, gibst du mit mil der Vaterhand die Mittel, die dazu uns nüßen, und zum Gebrauch gibst du Ver stand. Dir ist die Sorge nicht zu klein: wie sollte sie denn mir es sein? 4. Gesunde Glieder, muns tre Kräfte, o Gott, wie viel sind die doch werth! Wer taugt zu des Berufs Geschäfte, wenn Krankheit seinen Leib beschwert? Ift nicht Sorge für Leib, Leben und Gesundheit. 325 ben, laß, Höchster, meine Weisheit sein! Sie ist ein Gift für unser Leben und ihre Freuden werden Bein. Drum fleh ich demuthsvoll zu dir: o schaff ein reines Herz in mir! 2. Die Wollust kürzet unsre Tage; sie raubt dem Körper seine Kraft; und Armuth, Seuchen, Schmerz und Plage sind Früchte dieser Leidenschaft. Der haßt sich selbst, der Wollust liebt und sich in ihre Fesseln gibt. 3. Sie raubt dem Herzen Muth und Stärke, schwächt den Verstand der Seele Licht; erstickt den Eifer edler Werke, den Ernst, die Lust zu jeder Pflicht; führt Reue und Gewissensschmerz in das ihr hingegebne Herz. 4. Der Mensch sinkt unter ihrer Bürde noch tiefer, als zum Thier, herab; er schändet und entehrt die Würde, die ihm sein weiser Schöpfer gab; vergißt den Zweck, zu dem er lebt, wenn er nach niedern Lüften strebt. 5. So schimpflich sind der Wollust Bande! Schon vor der Welt sind sie ein Spott; sie sind vor dem Gewissen Schande und noch weit mehr vor dir, o Gott! Wer sich in ihre Knechtschaft gibt, wird nicht von dir, o Gott, geliebt. 07 6. Den nicht der Erde größtes Gut Gesundheit und ein heitrer Muth? 5. So laß mich denn mit Sorgfalt meiden, was meines Körpers Wohlsein stört, daß nicht, wenn meine Kräfte leiden, mein Geist den innern Vorwurf hört: du selbst bist Störer deiner Ruh; du zogst dir selbst dein Uebel zu. 6. Laß jeden Sinn und alle Glieder mich zu bez wahren sorgsam sein 1 Drückt mich die Laft der Krankheit nieder, so flöße felbst Geduld mir ein! Gib heitern Muth und dann verleih, daß auch des Arztes Rath gedeih! 7. Doch gib, daß ich nicht übertreibe, was auf des Leibes Pflege zielt; nein, stets in jenen Schranten bleibe, die dein Geset mir anbefiehlt! Des Körpers Wohl laß nie allein den Endzweck meiner Sorge sein. 8. Mein größter Fleiß auf dieser Erde sei meiner Seele Wohl geweiht, daß sie zum Himmel weise werde und reife zur Vollkommenheit! Dazu, Herr, segne meinen Fleiß, fo leb und sterb ich dir zum Preis. 433 De Mel. Wer nur den lieben Gott er Wollust Reiz zu widerstre Pflichten gegen uns selbst. 326 6. Den übergibst du dem Verderben schon hier, der seinen Leib entweiht, und nie wird deinen Himmel er ben, wer sich unreiner Lüste freut. Ach laß mich ihre Reizung fliehn und keusch zu sein mich stets bemühn! 7. Gib, daß ich allen bösen Lüsten mit Muth und Nachdruck widersteh und stets dawider mich zu rüsten auf dich, Algegen wärtger, seh! Wer dich, o Gott, vor Augen hat, flieht auch verborgne Missethat! Mel. In allen meinen Thaten 434 Was ist mein zeitlich Leben, das du mir, Gott, gegeben? Ein unschäßbares Gut. Du gabst mirs, hier auf Erden zum Himmel reif zu werden, worauf mein wahres Glück beruht. 2. Hier wird die Saat gestreuet; dort, wenn sie wohl gedeihet, wird reich die Aerndte sein. Je länger ich hier lebe und gut zu handeln strebe, je größer wird mein Glück dort sein. 3. Sollt ich dieß Glück mir rauben? D Herr, laß mir im Glauben der künftigen Aerndtezeit mein Leben hier auf Erden so werth und wichtig werden, wie mirs dein heilig Wort gebeut! 4. Mir selbst es zu verkürzen, mich in den Tod zu stürzen, ist wider meine Pflicht. Du, Herr, riefft mich ins Leben; dir soll ichs wiedergeben, wenn du ge beutst, doch früher nicht. 5. Was leicht in Krankheit stürzet, das Leben leicht verkürzet, laß mich mit Sorgfalt fliehn; doch auch nicht ängstlich zagen, es für die Pflicht zu wagen; auch dazu hast du mirs verliehn. 6. In deine Vaterhände befehl ich, Herr, mein Ende und meiner Tage Lauf. Es sei mein ganzes Leben bir hier zum Dienſt erges ben; hilf du nur selbst der Schwachheit auf! 7. Was nügt ein langes Leben, wenn man nicht Gott ergeben nach wahrer Tugend strebt? Wer Gott und Menschen liebet und sich im Glauben übet, nur der hat lang und wohl gelebt. 435 Mel. Wer nur den lieben Gott ie mannichfal Gaben, womit uns deine Güte nährt, die, uns zu stärken und zu laben, so viel des Guten uns gewährt! Ja, Alles, was der Mensch genießt, beweist, wie freundlich, Gott, du bist! 2. Du Sorge für Leib, Leben und Gesundheit. 327 2. Du segnest Auen und 7. Ach, Mancher starb Gefilde mit unerschöpfter schon längst und modert, Fruchtbarkeit, die deine vä- durch Trunk zu früh ins terliche Milde und Allmacht Grab gestreckt, von Gott zur jedes Jahr erneut, damit Rechenschaft gefodert, mit der Mensch, von Sorgen Schmach im Grabe noch befrei, sich sättige und danks deckt. Gott, laß mich ja bar sei. dieß Laster scheun, enthalsam, mäßig, nüchtern sein! 3. Du läsfest uns nicht Mangel leiden; du gibst uns unser täglich Brod; du gibst noch mehr, du gibst auch Freuden für einen jeden Sinn, o Gott! Wie groß zum Wechsel im Genuß ist deiner Gaben Ueberfluß! 4. Drum will ich mäßig im Genusse der Gaben deiner Güte sein und nichts von meinem Ueberflusse durch niedreSchwelgerei entweihn. Denn schon des Dankes Pflicht gebeut mir Mäßigung und Nüchternheit. 5. Mit Speis und Trank den Leib beschweren, ist schimpflich, ziemet Christen nicht. Gott gibt sie uns, daß sie uns nähren, uns stärkenzu Beruf und Pflicht. Was ist, das mehr den Geist entweiht und schwächt, als rohe Sinnlichkeit? 6. Unmäßigkeit lähmt alle Kräfte, bringt Krankheit, Armuth, Bank und Streit; macht treulos im Berufsgeschäfte, raubt des Gewiss Jens Seligkeit; seßt zu den Thieren uns herab und stür jef vor der Zeit ins Grab. 8. So oft ich Speis und Trant genieße, so laß es mit Vernunft geschehn und, daß ich beides mir versüße, mein Herz auf dich, den Ges ber, sehn; auf dich, der du uns zärtlich liebst und Nahrung und Erquickung gibst. Arbeitsamkeit und Berufstreue. Mel. O Gott, du frommer Gott 436 Du hast uns, Herr, die Pflicht zur Arbeit auferleget und Fleiß in dem Beruf uns ernstlich eingepräget. Dir ist, o Heiligster, der Müßiggang verhaßt, für uns des Unheils Quell, für Andere der Last. 2. In deine Ordnung, Herr, laß willig mich be quemen und Bürden des Berufs entschlossen auf mich nehmen! Wenn auch mein Angesicht der Arbeit Schweiß beneßt, wohlauf! du hast mich selbst in den Beruf gesetzt. 3. Bes Pflichten gegen uns selbst. 328 3. Bewahre nur mein Herz vor eitlen Nahrungss sorgen! Gib mir mein täglich Brod und sorge du für morgen! Ich will an mei nem Theil das Meine fleißig thun und dann mit Zuver sicht in deiner Fügung ruhn! 4. Auch fördre, großer Gott, die Werte meiner Hände; den Anfang jegne du, beglücke du das Ende! Laß mich bei jeder Last auf jenes Leben sehn, wo wir nach treuem Fleiß zu deiner Ruhe gehn. 4. Drum laß uns, Gott, auf Erden nie träg im Gu ten werden; du gabst der Kraft uns viel. Dich, uns sern Herrn, zu ehren und Menschenglück zu mehren, sei immer unser schönstes Ziel! 3. Er hilft den Hang be. siegen zu fündlichem Vergnügen. Was mehr, was stets erfreut: der Unsern Wohlfahrtschüßen, der Welt und Nachwelt nüßen, das ist das Glück der Thätigkeit. 5. Wenn Andre troftlos klagen, dann werden wir nicht zagen und keinen Tag bereun. Wenn Träge trau ern müssen, dann spricht uns das Gewissen getroften Muth und Hoffnung ein. 6. Wenn einst viel edle Thaten um uns gleich reifen Saaten mit reichen Mel. In allen meinen Thaten um 437 3 das Leben vom Schöpfer uns gegeben und nicht zu träger Ruh. Wie Fruchtbarkeit dem Regen, so folgt dem Fleiße Segen; er strömt uns Glück und Freude zu. Mel. Es ist das Heil uns kommen er stärkt des Leibes 438 Gas Bermögen 2. Er Kräfte; er fördert die Geschäfte, gibt uns ein fröhlich Herz: er schafft uns füßen Schlummer, erleich tert Gram und Kummer und lindert oft den herbslen Schmerz. Früchten wenn Tausende sich freuen und heißen Dant uns weihen, wie ist dann unser Lohn so schön! schafft, das Gute zu vollbringen; er gibt zur Arbeit Muth und Kraft und läßt sie uns gelingen. Was man mit ihm nur unternimmt, wird, wenns mit seinem Willen stimmt, nicht ohne Segen bleiben. 2. Wer sichs zur ersten Sorge macht, vor ihm ge recht zu werden, und erst nach seinem Reiche tracht, dem gibt er auch auf Ers den 329 Mel. Allein Gott in der Höh den vom Irdischen mit milder Hand ſo viel beim Fleiß 439 Uns strömt aus so in seinem Stand, als ihm wahrhaftig nüßet. deiner 3. Gott ist der Frommen Schild und Lohn; er krö net sie mit Gnade, daß ihnen nicht der Feinde Hohn und keine Mißgunst schade. Mit seinem Schuß bedeckt er sie und segnet bei des Lebens Müh ihr Herz mit Troft und Hoffnung. 4. Drum gib, o Gott, daß ich auf dich bei meiner Arbeit fehe! Mit Licht und Weisheit segne mich, daß ich nie Wege gehe, die mir ich nie Wege gehe, die mir dein heilig Wort verbeut. Nach deines Reichs Gerechtigkeit laß mich vor Allem trachten. Arbeitsamkeit und Berufstreue. 5. Laß Müßiggang und Trägheit mich mit aller Sorgfalt meiden; thun, was ich soll, gestärkt durch dich gehorsam und mit Freuden, daß ich in meinem Stande treu und meinen Brüdern nüßlich sei und dir zur Ehre lebe! 6. Sei überall, mein Gott, mit mir! Die Werke meiner Hände befehl ich, Allerhöchster, dir; hilf, daß ich sie vollende zu deines großen Namens Preis und daß die Frucht von meinem Fleiß in jene Welt mir folge! hand, Herr, täglich Heil entgegen. Durch dich erhebt sich Meer und Land zur Fruchtbarkeit, zum Segen. Durch dich strömt rings aus der Natur Gedeihn auf jede Creatur; du bist des Segens Quelle. 2. Von dir kommt Weisheit und Verstand; du machst die Reihe blühen; du führest Weiſe in das Land und segneft ihr Bemühen; du gibst dem Geiste Thätigkeit: du bists, der Jedem Kraft verleiht, den nächsten zu beglücken. 3. Durch dich, Herr, bringt uns Land und Meer die Güter deiner Erde von weit entlegnen Völkern her, damit gesegnet werde mit allen Gütern deiner Hand das fernste Volk, das fernste Land und deine Liebe preise. 4. Du zeigest ihren Wirkungskreis den Bürgern dieser Erde, daß Jeglicher durch seinen Fleiß dem Andern nüßlich werde. Daß Jeder, den dein Wint ers schuf, froh sei im eigenen Beruf, ist dein allweiser Wille! 5. Gib uns, o Vater, Redlichkeit in des Berufs Geschäften! Lehr weis uns brauchen unsre Zeit nach un 330 Pflichten gegen uns selbst. unsern besten Kräften! Hilf dein milder Segen. Nicht nüglich werden Jedermann, zum Verderben gabst du wenn Rath und That ihm mir mein zeitliches Vermöhelfen kann zu seinem bes gen; du gabst es mir zum fern Glücke! wahren Wohl. So hilf denn, daß ichs, wie ich soll, nach deiner Vorschrift brauche! 6. Wie du für Alle Vater bist, für Böse und Gerechte, so sei, wer Erden bürger ist, von jeglichem Geschlechte uns Nächster, Bruder, sei uns werth; und wenn er Hülfe, Trost be gehrt, find er stets Rath und Beistand! 7. Du bist der Vater, der erfreut, verbreitest deinen Segen; du rufft: zum Segnen seid bereit, geht Brüdern gern entgegen! Wie du die Lieb und Güte tist, so sei ein Jeder, der sich Christ nach Jesu Christo nennet! A Würdigung und weiser Gebrauch der irdischen Güter. Mel. Es ist das Heil 440 err, laß mich doch gewissen haft mein zeitlich Gut verwalten! Gib selbst mir Weiss heit, gib mir Kraft, damit so hauszuhalten, wie es mir nüßt und dir gefällt, das mit ich nicht in jener Welt an ewgen Gütern darbe! 2. Mein Hab und Gut kommt ja von dir; es ist 3. Was ist das mir ge schenkte Gut? Vergänglich, wie die Erde. Gib, daß ich nie zum Uebermuth dadurch verleitet werde! Nie reiß ein irdischer Gewinn mein Herz so weit zum Eit len hin, daß ich mein Heil vergesse! 4. Was hülfe mir die ganze Welt mit allen ihren Schäßen, verführt mich zeit lich Gut und Geld, sorglos hintanzusehen, was meis ner Seele Heil begehrt und mir ein ewig Glück gewährt? Wie strafbar würd ich hándeln! 5. Mein erstes Trachten sei allhier nach deines Geistes Gaben! Wie reich bin ich, o Gott, in dir, wenn ich nur dich kann haben! Hab ich nur, Höchster, deine Huld, bin ich voll Glaubens und Geduld, was fehlt dann meiner Seele? 6. Den Geiz laß ferne von mir sein, die Wurzel alles Bösen! Von Unruh und Gewissenspein kann Reichthum nicht erlösen. Er hilft in Todesstunden Nichts und Nichts Weiser Gebrauch der irdischen Güter. 331 3. Ein Gut, das unsern Geist wahrhaftig soll be glücken, darf nicht vergänglich sein, muß für den Geist sich schicken. Der Thor hat Geld und Gut; er hats und wünscht noch mehr; er darbt in seinem Glück, sein Herz bleibt freudenleer. Nichts am Tage des Gerichts. Da schüßt er keinen Sünder. 7. Lehr du mich weise Sparsamkeit, um das nicht zu verschwenden, was du mir gabst; nein, in der Zeit es nüßlich anzuwenden! Gib mir die Klugheit, daß ich hier dadurch dem Nächsten, so wie mir, des Lebens Müh erleichtre! 8. Es kommt ein Tag der Rechenschaft; das laß mich stets bedenken und mein Gemüth gewissenhaft zur Treu im Irdschen lenken; daß selbst von Gütern dieser Zeit ich einst noch in der Ewigkeit den reichsten Segen ärndte. 441 Mel. O Gott, du frommer Gott mich doch nicht, o Gott, den Schäßen dieser Erden so meine Neigung weihn, daß sie mein Abgott werden! Oft fehlt beim Ueberfluß doch die Zufriedenheit, und was ist ohne sie des Lebens Herrlichkeit! 2. Kann ein vergänglich Gut auch unsre Wünsche stillen? Es steht ja sein Besig nicht stets in unserm Willen; nicht stets wirds dem zu Theil, der ängstlich verlierts oft der, dem sein Bemühn gelingt. Laß 4. O Gott, so wehre doch der Habsucht niedern Trieben und heilige mein Herz, nie das zu sehr zu lieben, was man mit Müh gewinnt, bald schwelgerisch verzehrt, bald unruhvoll bewacht und bald mit Fluch vermehrt. 5. Ein weises frommes Herz, das sei mein Schap auf Erden! Sonst Alles, nur nicht dieß, kann mir entrissen werden. Dieß bleibt im Tod auch mein; dieß folgt mir aus der Zeit zum seligsten Gewinn bis in die Ewigkeit. 6. Was sind, wenn dieses fehlt, die herrlichsten Vers gnügen? Nur süße Träume finds, die unsern Geist be, trügen. Drum lenke, Gott, den Wunsch vom irdischen Gewinn durch deines Geistes Kraft zu ewgen Gütern hin. Mel. Wer nur den lieben Gott 442 Ich bin der reichste auf Erden: ich hab genug: drum hab ich viel! Ein Andrer mache 332 Pflichten gegen uns selbst. mache sich Beschwerden, wie Mel. Wenn mich die Sünden er den Mammon finden will Wer mehr als Gott bescheert, dem ist der größte Schaß gewährt.. 2. Der Reichthum liegt in den Gemüthern; wer sich begnügt, ist nimmer leer. Viel bleiben arm bei großen Gütern; denn sie verlangen immer mehr; und wer sich selber nicht besißt, hat einen Schap, der Niemand nüßt. 3. Ein Geizhals hat bei seinem Grämen nicht Eine Er Stunde Fröhlichkeit. hats und darf sich doch Nichts nehmen, weil er sichs immer selbst verbeut; mehr, als sich selbst, liebt er die Welt, verzehrt sich selbst und spart sein Geld. 4. Wie ungetrübt verfließt dagegen mein Leben bei Genügsamkeit! Gibt mir mein Gott nur Einen Segen, bin ich schon voll Zufriedenheit und denke: Gott gibt jeden Tag mehr, als ein Kaiserthum vermag. 5. Ein Geizhals gehet zum Verderben, weil er nach Geld und Gut nur strebt; ich aber kann mit Freuden sterben, weil an der Welt mein Herz nicht klebt. So fährt die Seele selig hin, wo ich bei Gott der Reich: ste bin. 443 Laß, Herr, nach eitlen mich niemals geizig sein! Laß deinen Geist mich lehren, der Ehre mich zu freun, die selbst vor dir, o Gott, besteht und mit mir von der Erde zum Himmel übergeht! 2. Nie blende mich der Schimmer des Ansehns vor der Welt! Nur das fei, Vater, immer mein Ruhm, was dir gefällt! Wie bald verführt ein stolzer Sinn mich von der Demuth Pfade, verbirgt mir, wer ich bin! 3. Nicht in Besiß von. Schäßen und Gütern die ser Zeit laß meinen Ruhm mich seben; sie sind doch Eitelkeit; sie sind doch nur des Thoren Glück, verlassen uns im Tode und bleiben hier zurück. 4. Nicht Stand und äuBre Würde verblende meinen Sinn! Wie oft sieht ihre Bürde den Geist zur Erde hin! Verdienst und Tugend sei allein der Ruhm, nach dem ich ringe! Nur er bleibt ewig mein. 5. Dich kennen, meine Pflichten mit Fleiß und Redlichkeit, mit Muth und Treu verrichten, wie, Herr, dein Wort gebeut, und überall mein Christenthum nach Jesu Weiser Gebrauch der irdischen Güter. 333 su Beispiel üben, das sei ses eines Menschen Ruf, mir wahrer Ruhm! den Gott zur Ewigkeit erschuf? 6. Es sei, daß auf der Erde das Gute, das ich that, verkannt, vergessen werde; es bleibt doch stille Saat, die aufkeimt für die Ewigfeit; und, Herr, dein Beifall lohnet mich mit Zufrieden heit. 4. Der Geiz erniedrigt unser Herz, erstickt die edlern Triebe. Die Liebe für ein schimmernd Erz verdrängt der Tugend Liebe und machet der Vernunft zum Spott ein elend Gold zu deinem Gott. 7. Wenn einst die ernste Wage du, Weltenrichter, nimmst und am Vergeltungstage der Thaten Werth bestimmst, dann müsse meinem ewgen Geist des Himmels Krone werden, die mir dein Wort verheißt! Mel. Auf, Christenmensch 444 Wohl dem, der beßre Schäße liebt, als Schäße dieser Erden! Wohl dem, der sich mit Eifer übt, an Tugend reich zu werden, und in dem Glauben, deß er lebt, sich über diese Welt erhebt. 2. Wahr ist es, Gott verwehrt uns nicht, hier Güter zu besizen. Er gab sie uns und auch die Pflicht, mit Weisheit sie zu nüßen. Sie dürfen unser Herz erfreun und unsers Fleißes Antrieb sein. 3. Doch nach den Gütern dieser Zeit mit ganzer Seele schmachten, nicht erst nach der Gerechtigkeit und Got tes Reiche trachten: ist die 5. Der Geiz, so viel er an sich reißt, läßt dich kein Gut genießen; er quält durch Habsucht deinen Geist und tödtet dein Gewissen und reißt durch schmeicheln den Gewinn dich blind zu jedem Frevel hin. 6. Um wenig Vortheil wird er schon aus dir mit Meineid sprechen, dich zwingen, der Arbeiter Lohn unmenschlich abzubrechen; er wird in dir der Wittwen Flehn, der Waisen Thränen widerstehn. 7. Wie könnt ein Herz, vom Geize hart, der Wohlthat Freuden schmecken und in des Unglücks Gegenwart den Ruf zur Hülf entdecken? Und wo ist eines Standes Pflicht, die nicht der Geiz entehrt und bricht? 8. Du bist ein Vater; und aus Geiz entziehst du dich den Kindern und läsfest dich des Goldes Reiz, ihr Herz zu bilden, hindern und glaubst, du habft sie wohlbedacht 334 Pflichten gegen bedacht, wenn du sie reich, wie dich, gemacht. 9. Du hast ein richterli ches Amt; und du wirst dich erfrechen, die Sache, die das Recht verdammt, aus Habsucht recht zu sprechen; und selbst der Tugend größter Feind erkauft an dir sich einen Freund. 10. Gewinnsucht raubt dir Muth und Geist, die Wahrheit frei zu lehren, du schweigst, wenn sie dich res den heißt, ehrst, wo du nicht sollst ehren, und wirst um ein verächtlich Geld ein Schmeichler und die Best der Welt. 11. Erhalte mich, o Gott, dabei, daß ich mir gnügen lasse, Geiz ewig als Abgötterei von mir entfern und Hafse! Ein weises Herz und guter Muth jei mei nes Lebens größtes Gut. Weiser Gebrauch der Lebenszeit. uns selbst. 2. Du schenkteft mir Verstand und Willen, die Wahrheit zu erkennen, Licht, Kraft, deine Vorschrift zu erfüllen; und lehrest selbst mich meine Pflicht. Für Tugend gabst du mir Gefühl und Freiheit, was ich wählen will. Mel. Wer nur den lieben Gott 445 Dugabst mir, Ewger, die ses Leben nicht für den Augenblick der Zeit; du hast es mir, mein Gott, gegeben zur Aussaat für die Ewigkeit. Hier ist der Vorbereitungsort, Bestrafung und Belohnung dort. 3. Du gossest zwar auf dieser Erde viel Anmuth, Pracht und Schönheit aus und schmücktest durch dein mächtig Werde! auch meis ner Seele irdisch Haus, gabst mir der Sinne fein Gefühl und auch dadurch der Freu den viel. 4. Doch einst muß ich dieß Leben schließen, weil dieß mein irdisch Haus zerbricht. Drum soll ich zwar die Welt genießen, doch als genöß ich ihrer nicht. Jch soll der Sinne Lüste fliehn, wenn fie mich zu der Erde ziehn. 5. Der Freude soll ich oft nicht achten, so sehr sie auch die Sinne reizt; nach Wol luft, Ehr und Gold nicht trachten, wonach der Mensch so lüstern geizt; nie scheuen, was die Pflicht gebeut, und war es auch voll Bitterfeit. 6. Dein Unterricht sei nicht vergebens! Gib, Vater, daß ich ihm getreu und beim Ge nusse dieses Lebens einst auch zu jenem tüchtig sei! Vollkommne Freude wohnt nicht hier, wohnt nur im Himmel, Gott, bei dir. 7. Wohl Weiser Gebrauch der Lebenszeit. 335 Nimm mit erkenntlichem Gemüth der nahen Stunde wahr: sie flieht! 2. Getäuscht von eitlen Kleinigkeiten, verlierst du deines Lebens Zweck, verschiebst dein Heil auf ferne Zeiten und wirfst so sicher Jahre weg. Bist du, zu fühner Sterblicher, des nächsten Augenblickes Herr? 7. Wohl mir, wenn ich es muthig wage, der groBen Hoffnung werth zu sein und diese kurzen Ulebungstage Gott und der Tugend ganz zu weihn, wenn nie mein Fuß den Pfad verliert, der mich zum bessern Leben führt!" 8. Wohl mir, wenn ich den Hang zur Sünde, die Lust des Fleisches und der Welt und jede Lockung über winde, die meinem Herzen Neße stellt, wenn ich- o se liger Gewinn!- als Sieger dort gekrönet bin! 9. O gib mir deines Geistes Stärke, der du in Schwachen mächtig bist, mir, der zu diesem großen Werte zu schwach und noch zu sinnlich ist! Das Eitle lehre mich verschmähn und auf das Ewige nur sehn! 10. Laß mich oft in gefunden Tagen im Geist zu meinem Grabe gehn und da bei Freuden und bei Plagen auf dich und jenes Leben sehn, damit ich, meiner Pflicht getreu, der höhern Freuden würdig sei. Mel. Wer nur den lieben Gott S 446& eilt der lepte von den Tagen, die du hier lebest, Mensch, herbei; erkauf die Zeit und, statt zu klagen, sie sei zu kurz, gebrauch sie treu! 3. Ein ewig Glück einst zu besißen, sollst du des kurzen Lebens Zeit als deine Saatzeit weislich nüßen und thun, was dir ber Herr gebeut. Er ruft dir menschenfreundlich zu: Sieh, Eins ist Noth! Was säumest du? 4. Drum cil und rette deine Seele und denke nicht: ein andermall Sei wacker, bet und überzähle der Menschentage fleine Zahl. Sei fromm und wandle vor dem Herrn, wär auch dein Ende noch so fern! 5. Mit jedem neugeschenkten Morgen erwecke dich zu dieser Pflicht! Sprich: dir, o Gott, ist nichts verborgen: ich bin vor deinem Angesicht und will, mich deiner Huld zu freun, mein Leben gern der Tugend weihn. 6. Erleucht und stärke meine Seele, weil ohne dich ich nichts vermag. Du schenkst, daß ich mein Heil er: Pflichten gegen uns selbst. 336 erwähle, so huldvoll mir noch diesen Tag. Was ist doch eine Stunde werth, die deine Güte mir gewährt! 7. Wohl mir, wenn ich aus allen Kräften nach Gottes Reiche hier gestrebt, in Gott gefälligen Geschäften die Pilgertage durchgelebt und einst im Glauben sagen kann: Du nimmst mich, Herr, zu Ehren an! 8. Mein sprachlos Flehn an meinem Ende hörst du dann, Herzenskündiger; in deine treuen Vaterhände befehl ich meinen Geist, o Herr! Er schwingt sich über Grab und Welt zu dir, wann seine Hülle fällt. Mel. Wer nur den lieben Gott 447 Wo eilt ihr hin, ihr Lebensstunden? Zeit, edle Zeit, wo fleuchst du hin? wie mancher Tag ist schon verschwunden, seit ich der Erde Pilger bin! Ein großer Theil von meiner Zeit ist schon im Meer der Ewigkeit. 2. Ermuntre dich aus deinem Schlummer! Auf, auf, mein Geist, ermuntre dich! Dieß sei dein Gram, dieß sei dein Kummer, daß mancher Tag umsonst verstrich! Den ungenüßten Augen blick bringt keine Reue dir zurück. 3. Der Thor durchlebet seine Jahre, eh er des Lebens Werth versteht; er nahet früher sich der Bahre, als er den Weg der Tugend geht. Was ist das Menschenleben werth, das ungenügt vorüberfährt? 4. Mensch, sei ein Mensch, fang an zu leben, um nüßlich für die Welt zu sein; fang an, dem Guten nachzustreben, bring das Vers säumte doppelt ein; daß, wenn man deinen Leib begräbt, dein Werk und dein Gedächtniß lebt! 5. Sei nicht den kleinsten Zeitpunkt müßig, da du nicht deine Pflicht er füllst; du hast den Tag nicht überflüssig, den du so frech verschwenden willst. Wiß, ein Verlust, der ewig reut, ist der Verlust der edlen Zeit. 6. Gib dir von einem jeden Tage, den dir Gott schenfet, Rechenschaft; durchdenk ihn, leg ihn auf die Wage: volbrachtest du ihn tugendhaft? Hast du nach Mög lichkeit gethan, was Gott von dir einst fordern kann? 7. Herr meines Lebens, sei doch fünftig mein Heil und meines Lebens Kraft; so wandle ich als Mensch vernünftig, so leb als Christ ich tugendhaft; so dant ich dir in Ewigkeit für die mir hier verliehne Zeit. Mel. Genügsamkeit und Zufriedenheit. 337 Glück; so werden Fehler, die dich reun, selbst Mittel dir zur Weisheit sein. Mel. Wer nur den lieben Gott 448 Blick hin in die vergangnen Zeiten, mein Geist, und sammle Weisheit ein, um, frei vom Dienst der Eitel: keiten, der Tugend dich ale lein zu weihn. Nur sie schafft dir zu aller Zeit das wahre Glück: Zufriedenheit. 2. Dank ihm, dem Herrn, für alle Freuden, womit dich seine Huld erquickt; doch dank ihm auch für je des Leiden, das er dir lieb reich zugeschickt. Denn Alles, was er an dir thut, ist weise stets, ist ewig gut. 3. Vergiß nicht, wie er dich beschüßte, wenn sich Gefahren dir genaht; bir schenkte, was dir wahrhaft nütte, oft eh ihn noch dein Flehen bat; und wie er oft dir mehr gewährt, als je dein Wunsch von ihm be4. Denk an die hingefloßnen Stunden, die der Alliebende dir gab. Sind sie in seinem Dienst verschwunden, dann schrecken dich nicht Tod und Grab; dann ist die hier verfloßne Zeit Gewinn dir für die Emigreit. 5. Doch blick auch voller Scham und Reue auf Fehler vorger Zeit zurück und lern aus ihnen beßre Treue und größre Sorge für dein 6. Ermanne dich, dieß kurze Leben dem weifesten Gebrauch zu weihn; es ward vom Schöpfer dir gegeben, hier guten Saamen auszustreun, der reifend für die Ewigkeit, am Tag der Aerndte dich erfreut. 7. Dann blickest du am Ziel der Zeiten mit Ruh in das Vergangne hin und freuest dich der Seligkeiten des Himmels mit entzücktem Sinn, der Wonne, die dort den umgibt, der hier sich treu im Guten übt. Genügsamkeit und Zufriedenheit. el. Wie groß ist des Allmächt. 449 Du flanft und klagst fühlest die Beschwerden des Stands, in dem du dürftig lebst: du strebest glücklicher zu werden und siehst, daß du vergebens strebst. Ja klage! Gott erlaubt die Zähren; doch denk im Klagen auch zurück: ist denn das Glück, das wir begehren, für uns auch stets ein wahres Glück? 2. Nie schenkt der Stand, nieschenken Güter dem Men schen die Zufriedenheit; die wahre Ruhe der Gemüther B ist Pflichten gegen uns selbst. 338 ist Tugend und Genügsam keit. Genieße, was dir Gott beschieden, entbehre gern, was du nicht hast. Ein je: der Stand hat seinen Frieden, ein jeder hat auch seine Last. 3. Gott ist der Herr und seinen Segen vertheilt er stets mit weiser Hand; nicht so, wie wirs zu wünschen pflegen, doch so, wie ers uns heilsam fand. Willst du zu denken dich erkühnen, daß seine Liebe dich vergißt? Er gibt uns mehr, als wir verdienen, und niemals, was uns schädlich ist. 4. Verzehre nicht des Lebens Kräfte in träger Uns zufriedenheit; besorge deines Stands Geschäfte und nüte deine Lebenszeit. Bei Pflicht und Fleiß sich Gott erge ben, ein ewig Glück in Hoffnung fehn, dieß ist der Weg zu Ruh und Leben. Herr lehre diesen Weg mich gehn! In voriger Melodie. 450.ntehre nicht, mein Herz, mit Klagen den Gott, der dich zum Glück erschuf! Des Lebens Mühe zu ertragen und froh zu sein, ist dein Beruf. Erdulde standhaft die Beschwerden, die feine Klugheit hindern kann; schaff nur, daß sie dir heilsam werden, und bete Gottes Willen an. 2. Gott selbst hat dir dein Loos beschieden; nimms dankbar aus der Vorsicht Hand. Erfülle jede Pflicht zufrieden, die sie mit diesem Loos verband! Sie gibt dir Munterkeit und Kräfte und nährt und stärkt sie väterlich. Sie brauchen, das ist dein Geschäfte, und ihr Ge brauch ist Glück für dich. 3. Hat Andern deines Vaters Segen mehr Güter anvertraut, als dir; darf dieß wohl deinen Neid erregen? Denk: wer ist Gott? und wer sind wir? Weiß er nicht besser, was dir nütet und deinem Nächsten frommt, als du? wenn er dich nährt, regiert und schü get, was fehlet dann noch deiner Ruh? 4. Du prangest nicht in hohen Würden; beneide nicht der Großen Glüd. Sie seufzen unter schweren Bürden, und oft stürzt sie ein Augenblick. Dir ward kein Ueberfluß gewähret; wünsch ihn auch nicht aus Selbstbetrug! Wer gern, was er nicht braucht, ent behret, der ist beglückt und reich genug. 5. Herr, der du mir zum frohen Leben, was ich bes darf und mehr verliehn, laß eifrig sich mein Herz bestre: Genügsamkeit und Zufriedenheit. 339 Leben, freudenleer mein Stand, mein Loos; ist mein höchster Wunsch, mein Streben, reich zu sein, geehrt und groß; dann verfließen meine Tage mir in Mißmuth, Sorg und Plage. 2. Lernt ich mäßiger begehren, mäßiger im Wünschen sein, jetzt genießen, dann entbehren: o wie glücklich würd ich sein! Meine Freuden, meine Schmerzen fließen nur aus meinem Herzen. 3. Hoher Stand und große Güter schaffen nicht zufrie denheit; wahre Ruhe der Gemüther wohnt nur bei Genügsamkeit, die mit Weisheit sich verbindet und ihr Glück auf Tugend gründet. 4. Gott vertheilet seinen Segen stets mit weiser Vaterhand; nicht, wie wirs zu wünschen pflegen, nur wie er es heilsam fand. Auch mich hat er nicht vergessen, auch mein Theil mir zuges messen. 5. Ringet um der Tugend willen, Brüder, nach Zufriedenheit! Schwere Pflichten zu erfüllen, hilft nur Geistesheiterkeit. Gram im Herzen tief verschlossen, macht zu jeder Pflicht verdrossen. bestreben, die Unzufrieden heit zu fliehn! In Demuth laß mein Herz sich üben, Gott, deiner Güte sich zu freun; dich ehren, dir vertraun, dich lieben, müss ewig meine Wonne sein. Mel. Wer nur den lieben Gott 4513, ch bin in meinem Gott zu frieden mit dem, was er zu meinem Theil an Glück und Unglück mir beschieden, sein weiser Rath sucht stets mein Heil. Ob er mir gleich oft widrig scheint, doch weiß ich, daß ers treulich meint. 2. Er weiß allein, wo durch auf Erden sein großer Name für und für muß herrlich und gepriesen werden. Erreicht er diesen Zweck an mir, so bin ich ruhig und vergnügt mit Allem, wie ers mit mir fügt. 3. Muß mir die Freudensonne scheinen, so dank ich fröhlich seiner Huld; muß aber ich in Trübfal weinen, so nehm ichs auch an mit Geduld. Denn das, was seine Weisheit thut, ist Alles ewig recht und gut. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 6. Laß mich, Gott, in 452 Scheint mir freu- meinem Leben reblich meine denleer das Pflichten thun, still und kind. 2 Pflichten gegen uns selbst. 3.10 findlich dir ergeben, fromm in deiner Fügung rubn; und ein Blick auf ewge Freuden stärke dann mich auch im Leiden. Streben nach Herzensund Gewissensruhe. In eigener Melodie. 453icht auf den Höhn, nicht in den stilsten Gründen bist, süßer Friede, du zu finden, der Paradiesespalmen trägt! Dein Reich ist nicht der Welt Getümmel, du herrschest segnend in dem Himfür mel und in der Brust, die 2. Du weist, o Mensch, dich treffen schwere Leiden; du ringest mit dem Druck der Zeiten vergebens, bist du nicht ein Chrift? Hier weilen Kampf und Streit und Mühen; willst du ins Land des Friedens ziehen, fo lerne, wo der Himmel ist. 3. Nicht Alle, die zu Christo sich betennen, nicht Alle, die ihn Herr, Herr! nennen, sind würdig, aus: erwählt zu sein. Drum suchen Viele falsch hienieden in Gold und Ehre ihren Fricden und gehen nicht zum Himmel ein. 4. Es ist und bleibt, wie's immer ist gewesen. Wer mag von Disteln Feigen lesen; und bringt der Dorn Die auch füßen Wein? Weit kann dir mit nichten geben, was sie nicht hat. Das rechte Leben hüllt still in frommer Brust sich ein. 5. In Gottes Gnade suche deinen Frieden. Wirst du das Göttliche behüten, dann hast du, was dich ſtill erhält. Laß toben Schrecks ken und Gefahren, du kannſt nur Himmlisches bewahren! Das Andre aber, das zerfällt. In eigener Melodie. 454 Besiß ich nur d ein rubiges Gewissen, so ist für mich, wenn Andre zagen müssen, nichts Schreckliches in der Natur. 2. Dieß sei mein Theil! Dieß soll mir Niemand rauben. Ein reines Herz von ungefärbtem Glauben der Friede Gottes nur ist Heil. 3. Welch ein Gewinn, wenn meine Sünde schweiget und Gottes Geist in meinem Geiste zeuget, daß ich sein Kind und Erbe bin! 4. Und diese Ruh, den Trost in meinem Leben, sollt ich für Lust, für Luft der Sinne Weiser Genuß der Lebensfreuden. Einne geben? Dieß lasse Gottes Geist nicht zu! 5. Mag auch die Pflicht, mich selber zu besiegen, die schwerste sein! Sie ist's; doch welch Vergnügen wird sie nach der Vollbringung nicht! 6. Welch Glück, zu sich mit Wahrheit sagen können: ich fühlt in mir des Bösen Lust entbrennen, doch, Dank sei Gott! er schüßte mich! 7. Was kann im Glück den Werth des Glücks erhöhen? Ein ruhig Herz verfüßt im Wohlergehen mir jeden frohen Augenblick. 8. Was kann im Schmerz den Schmerz der Leiden stillen; im schwersten Kreuz mit Frieden mich erfüllen? Ein in dem Herrn zufriednes Herz. 341 Glück, o Mensch, kann größer sein? 11. Jm Herzen rein, hinauf zum Himmel schauen und sagen: Gott, du Gott, bist mein Vertrauen! Welch 12. Sieh, Alles weicht, und du wirst sterben müſ sen; was kann alsdann dir deinen Tod versüßen? Ein gut Gewissen macht ihn leicht. der diese Ruh empfindet 13. Heil dir, o Christ, und der sein Glück auf das Bewußtsein gründet, daß nichts Verdammlichs an ihm so kann der Fromme spre14. Laß Erd und Welt, chen, laß über mir den Bau des Himmels brechen! Gott ist es, dessen Hand mich hält. Weiser Genuß der Lebensfreude. Mel. Nun danket Alle Gott 9. Was gibt mir Muth, 455 Du, der so gern die Güter zu verachten, wobeglückt, nach so ängstlich niedre See- Freuden uns bereitet, wie len trachten? Ein ruhig selig, wer, von dir an VaHerz, dieß größte Gut. terhand geleitet, nur dann sich glücklich fühlt, wenn er zu dir sich hält, und nur Vergnügen sucht, das dir, o Gott, gefällt. 10. Was ist der Spott, den ein Gerechter leidet? Sein wahrer Ruhm! Denn wer das Böse meidet, das Gute thut, hat Ruhm bei Gott. 2. Wie selig, wenn sein Geist zu dir, durch den er lebet, durch den er denkt und wählt, sich oft und gern erhebet; wenn er die Freude kennt, dir näher, Gott, zu $ 3 sein Pflichten gegen uns selbst. 342 sein, erstaunt sich deiner Macht und deiner Huld zu freun! 3. Wie selig, wenn er selbst der Erde fleinre Freuden mit Maaß und Weisheit wählt! Jhr Uebermaaß wird Leiden. Nach arbeitvoller Müh erquicket der Genuß; wer nur der Freude lebt, fühlt endlich Ueberdruß. 4. O gib, Allgütiger, gib, daß auch meine Seele, wenn sie nach Freude strebt, nie jene Freuden wähle, die uns dereinst gereun! Es schlage meine Brust, durch Laster nie entweiht, nur für die 5. Laß meine Tage mich durch eitles Spiel nicht töd ten; die Unschuld müsse nie por meinem Scherz errö: then! Nach treu vollbrachter Pflicht darf ich der Ruh mich freun, doch keinen Augenblick den falschen Freuden weihn. 6. Vernunft und Tugend, feid Gefährten meiner Freu: den! Dem Schwelger will ich nie sein kurzes Glück beneiden. Was mir an Reichthum fehlt, erseßt Zufriedenheit; der frohste Sinn wohnt gern bei frommer Häuslichkeit. 7. Der Tag der Fröhlichkeit sei niemals ganz verloren! Ich ward zum Dienst der Welt, zum Spielwerk nicht geboren. Erholung sei er mir! Es stärke mich mein Muth, des Guten mehr zu thun, so oft ich ausgeruht! 8. Nie soll durch meine Lust der arme Bruder leis den! Der Tag, der mich beglückt, sei ihm auch Tag der Freuden! Ist er verlebt, wohl mir, wenn er mich nie gereut! Nie scheid er ohne Dank für den, der mich erfreut! Mel. Mache dich mein Geist 456 Viele Freuden streust du hin auf den Weg des Lebens, Schöpfer, diesen Vatersinn zeigst du nicht vergebens. Du erfreust unsern Geist, um ihn anzutreiben, ſtets dir treu zu bleiben. 2. O wie schön ist deine Welt und wie reich an Se gen! Nur ein Thor, dem nichts gefällt, sinkt dem Gram entgegen. Was ist Noth, was der Tod gegen so viel Gaben, die den Weisen laben? 3. Uns, o Gott, gabst du Gefühl für den Reiz der Erde, daß der Lauf zum hohen Ziel uns erleichtert werde; und auch ich freue mich, denn du hast mir le ben und Gefühl gegeben. 4. Doch Weiser Genuß der Lebensfreuden. 343 getreu, in den Taumel sinfen! Leite mich, daß ich dich auch in Freuden ehre und mein Heil nicht störe. 4. Doch ich soll des Lebens Lust menschlich nur genießen, meiner Würde mir bewußt, jeden Tag beschließen. Deine Hand gab Verstand, Triebe zu beschrän ken, die zum Bösen lenken. 5. Nie darf das Vergnügen mich meiner Pflicht entlocken; nie mich, Vater, gegen dich und mein Heil verstocken. Wer vergißt, was er ist, und nur thierisch lebet, steht einst da und bebet. 6. Ach, wie Mancher hangt sein Herz freuden! fest an Erden: Und wie tobt in ihm der Schmerz, wenn sie von ihm scheiden! Gott, laß nie mich an sie ganz den Geist gewöhnen, nie den Sinnen fröhnen! 1 7. Wilde Freude kann gar leicht die Gesundheit schwä: chen. O wie wird sich, wenn sie weicht, das Gewissen rächen! Steh mir bei! Gott verleih, daß, wenn ich erkranke, doch mein Trost nicht wante! 8. Nur ein mäßiger Genuß stärkt des Lebens Kräfte; er verscheucht den Uebers bruß, fördert die Geschäfte, und mein Geist, der dich preist, wird dabei getrieben, ewig dich zu lieben. 9. Gib denn, daß ich weise ſei, wenn mir Freuden winten! Laß mich nie, dir un10. Alle Lust der Sinnlichkeit wird vorüberfließen; nur was Geist und Herz erfreut, werd ich stets ge nießen. Guter Gott, laß im Tod, wann die Sinne schwinden, mich dieß Glück empfinden. Mel. Gott des Himmels und der 457 Bis der Tod ihm winkt zum Grabe, danke seinem Gott der Christ, dem die theure Seelengabe, Heiterkeit, verliehen ist, der auch nie sie frech entweiht, immer sich in Unschuld freut. 2. Er verzehret feine Kräfte nicht in unzufriednem Sinn; unter nüßlichem Geschäfte fliehen seine Tage hin. Heitrer glänzt sein Angesicht im Gefühl erfüllter Pflicht. 3. Leichtsinn, der sich der Tugend gern sich im Freude nennet, aber von wilden Taumel trennet, bleibet von dem Christen fern, dessen heitrer fester Muth auf der Tugend nur beruht. 4. Wenn auch jedes Glück ihm schwände und die Erde freudenleer ihm vor seinen Augen stände, Hoffnung B4 flieht Pflichten gegen uns selbst. 344 flieht ihn nimmermehr; muthvoll geht an ihrer Hand er ins beßre Vaterland. 5. Stärke, Gott, auch meine Seele, daß sie sich zum Guten neigt; gib, daß ich den Pfad erwähle, den mir Jesu Lehre zeigt! Nichts stört meinen heitern Sinn, wenn ich fromm und weise bin. Mel. Mein erst Geschäft sei Preis 458 Daß unser Gott uns Leben gab, deß wollen wir uns freuen und von der Wiege bis ans Grab ihm unsern Dank erneuen. 2. Denn auch zur Freude gab uns Gott auf dieser Welt das Leben und hat verheißen, nach dem Tod der Wonne mehr zu geben. 6. Doch geben wollen wir auch gern, wie wir von Gott genommen, und ähnlich werden unserm Herrn, zu dem dereinst wir kommen. 7. Wir schaun die Wunder seiner Hand aus unsern tiefen Fernen und wissen: unser Vaterland ist über jenen Sternen. 8. Auf unserm Leben schwimmt wie Schaum ein wenig Müh und Kummer. Das Leben ist ein Morgentraum, der Tod ein kurzer Schlummer. 9. Wir sinken freudig in den Staub, der unsre Väter decket, und gönnen Würmern ihren Raub, weil Gott uns auferwecket. bogen. 4. Und Gärten, Wälder, Berg und Flur verkünden seine Gnade. Wir finden seiner Güte Spur auf jedem unsrer Pfade. 5. Drum können wir bei frommem Fleiß getrost auf Segen warten. Von heitrer Stirne fließt der Schweiß herab auf Feld und Garten. Geduld und Gelassenheit im Leiden. 3. Die Frühlingswärme haucht sein Mund, und Kühlung wehn die Wogen. Am Mel. Was mein Gott will Himmel zeugt von seinem 459 Gott, immer grot Bund der an weiser Huld, du Geber meiner Freuden, behüte mich vor Ungeduld bei dieses Lebens Leiden! Auch sie verhängst du über mich nach ewig weisen Schlüssen; sie wer den mir, trau ich auf dich, zum Besten dienen müssen. 2. Ich raube mir durch Ungeduld selbst viele meis ner Freuden, verkenne deine Vaters Geduld und Gelassenheit im Leiden. 345 mer Dulder, hier im Glaus ben! Noch so dunkel sei dein Pfad, lasse dir den Trost nicht rauben, daß nach dieser Dunkelheit dich ein hel les Licht erfreut! Vaterhuld, vermehre meine Leiden, vergeß oft des Berufes Pflicht und quäl mich jeden Morgen beim Mangel froher Zuversicht mit immer neuen Sorgen. 3. Mein ba ges unruhvolles Herz, unfähig, sich zu fassen, wird sich dem Gram, dem kleinsten Echmerz ganz trostlos überlassen, bekämpfet seinen Kummer nie; wünscht zwar ihn zu vermindern und sucht doch, ohne Fleiß und Müh, ume sonst ihn zu verhindern. 4. Du, Vater, weißt, was mir gebricht, du fennest meine Leiden. Wie leicht verwandeln sie sich nicht, wenn du es willst, in Freu: den! Die Last, die du mir auferlegt, kann mich nicht niederdrücken; wenn sie mein Herz nur willig trägt, wirst du mich bald beglücken. 5. Gott, deine Hülfe ist nicht fern, wenn man sich ganz dir weihet; du retteſt, trösteft, segnest gern den, der sich ihrer freuet. O laß mein dir ergebnes Herz auf diese Hülfe sehen, so werd ich auch im größten Schmerz durch dich, mein Gott, bestehen. 2. Ausgerungen haben schon Viele, die im Glauben litten. Sieh, sie stehn vor Gottes Thron; ihre Krone ist erstritten. Du, auch du wirst Sieger sein und dich bald der Krone freun. 3. Weislich hat des Va ters Hand manches Kreuz dir auferleget. Ihm ist deine Noth bekannt; er ist's, der dich liebreich träget. Väterlich ist sein Bemühn, dich zum Himmel zu erziehn. 4. Es ist Liebe, wenn er dir Lebensglück und Freude schenket; es ist Liebe, wenn dich hier Angst und Schmerz und Kummer fränket. Gott ist Vater mild und gut; Lieb ist alles, was er thut. 5. Lerne denn Gelassenheit, Unterwerfung und Vertrauen! Einst am Ziel der Brüfungszeit wirst du froh berniederschauen auf den Weg, der durch die Nacht dich ins Land des Lichts ges bracht. 6. O dann fließet ihr nicht mehr, Thränen, die ihr hier geflossen! Wie ein Strom Mel. Jesus, meine Zuversicht 460 äe deine Thrä- von oben her wird dann nenfaat, from Trost ins Herz gegossen und P 5 vor Pflichten gegen uns selbst. 346 vor dem verklärten Blick schwebt des Himmels ewges Glück. 7. Drum sei, Dulder, unverzagt; harr in deiner Nächte Grauen! Wann der große Morgen tagt, wirst du die Gefilde schauen, die dem Sieger offen stehn, und die Krone winken sehn. 8. Dort verschwindet alles Leid wie der Nebel vor der Sonne; vor dir liegt die Ewigkeit und das heilge Land der Wonne. In die Heimath gehst du ein, ewig selig da zu sein. Mel. Wer nur den lieben Gott 461 ohlthätig sind der Erde Leiden. Dieß glaube fest und murre nicht. Am Ende folgen ihnen Freuden; auf Nacht und Graun folgt Sonnenlicht. Drum dulde mit Gelassenheit und Muth die Leiden dieser Zeit! 2. Durch Leiden will dich Gott bewähren, entwöhnen von der Lust der Welt, zur Weisheit leiten und dich lehren, mit Ernst zu thun, was ihm gefällt; du sollst mit kindlichem Vertraun auf ihn und seine Hülfe schaun. 3. Wirst du bei lauter Erdenfreuden und in des Glückes Sonnenschein so leicht der Thorheit Bahn vermeiden? so gern der Sünde Lockung scheun? Wird nicht, wenn nie ein Schmerz dich rührt, dein schwaches Herz gar leicht verführt? 4. Was predigt stärker dir die Lehre: vergänglich ist die Lust der Welt! als wenn in Trübsal manche Zähre herab von deinem Auge fällt! Was lehrt dich mehr Abhängigkeit, mehr Demuth, Gottergebenheit? 5. Wenn alle deine Stüßen brechen, auf welche sich dein Arm gestüzt; wenn Krankheit, Gram und Schmerz dich schwächen und Macht und Reichthum dich nicht schüßt; dann lernst du freu dig Gott vertraun und nur auf seine Hülfe baun. 6. Ja, der Auweise schickt dir Leiden, damit er dich zur Tugend führt; schafft bir durch sie selbst künftge Freuden, indem er dein Gewissen rührt. Verehre seine Weisheit, Christ, die strafend selbst noch Güte ist! 7. Gott will, wie gute Väter handeln, durch weise Zucht dich auferziehn; aut sonst du und unsträflich wandeln, die Welt und ihre Lüfte fliehn, dich bilden in der Prüfungszeit zum Le ben der Unsterblichkeit. 8. So nimm in Demuth und Vertrauen den Kelch des Leidens willig an und walle Geduld und Gelassenheit im Leiden. 347 des Todes Pfade vertrau ich deiner Gnade; du, Herr, bist bei mir in der Noth. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld verehren, im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Tod bedenken. Der Herr wird Alles lenken, und was walle ohne Furcht und Grauen auch auf der allerrauhsten Bahn! Ihr Ende wird dich einst erfreun und Wonne, Ruh und Friede sein. Mel. In allen meinen Thaten 462 gut ch hab in guten Lebens Glück empfunden und So will ich denn gelassen 463 In Chrift, fei Mel. Allgegenwärtiger, ich Trübsal, mich auch in Leiden fassen; welch Leben hat nicht seine Qual? 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, und stets strafft du gelinder, als es der Mensch verdient. Sollt ich, beschwert mit Schulden, fein zeitlich Weh erdulden, das doch zu meinem Besten dient? 3. Dir will ich mich er geben, nicht meine Ruh, mein Leben mehr lieben, als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen und nicht auf Menschen bauen; du hilfft und du errettest gern, 4. Laß du mich Gnade finden, mich alle meine Sünden erkennen und bereun! Jezt hat mein Geist noch Kräfte, sein Heil laß mein Geschäfte, dein Wort mir Trost und Leben sein. 5. Wenn ich in Christo sterbe, bin ich des Himmels Erbe. Was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf unverzagt! Wann Schwermuth an dein Herz sich wagt, erheitre dein Gemü the; du weißt, auch dich liebt väterlich der Vater aller Güte. 2. Kein Leiden kommt von ungefähr; dein Gott schickt dir es zu und er zeigt sich in seinen Wegen so groß von Rath, als groß von That und reich an Gnad und Segen. 3. Der dich in Jesu herzlich liebt, sucht, wann er dich durch Kreuz betrübt, das wahre Heil der Seele; weckt dich, daß nicht zu dei ner Pflicht dir Trieb und Eifer fehle. und Ulebermuth; erstickt der 4. Das Kreuz beugt Stolz Wollust wilde Gluth; bricht die Gewalt der Sinne; erweicht das Herz, daß Andrer Schmerz dein Mitleid leicht gewinne. P6 5. Auch Pflichten gegen uns selbst. 348 5. Auch übt das Kreuz dich in Geduld, erhöht den Werth von Gottes Huld; stärkt mächtig dein Vertrauen; lehrt im Verlust dich nun mit Lust aufs Unsichtbare schauen. 6. Der Leiden Zucht er hebt dich stets zu größrer Andacht des Gebets und stärket deinen Glauben. Weit minder kann Verführung dann dir deine Krone rauben. Mel. Herzliebster Jesu! 7. Zwar stört das Kreuz 464 in Herz, o Gott, oft deine mit bangen Thränen säest du und unter viel Beschwerden. Christ, hoffe doch! Es wird dir noch zur reichen Aerndte werden. in Leid und Kreuz geduldig, das bin ich dir und meinem Heile schuldig. Laß mich die Pflicht, die wir so oft vergessen, täglich ermessen. 2. Bin ich nicht Staub, wie alle meine Väter? Bin ich vor dir, Herr, nicht ein Uebertreter? Thu ich zu viel, wenn ich die schweren Tage standhaft ertrage? 8. Verschmerzt ist bald ein irdisch Leid; kurz ist der Augenblick der Zeit; doch ewig, ewig währet dort dein Genuß ohn Ueberfluß, wie ihn der Geist begehret. 9. Auch bleibet stets dein Gott getreu, steht dir als Vater liebreich bei, sorgt, daß er dich erquicke. Er schafft dir Nast, daß deine Last dich nie ganz nieder drücke. 10. Berbirgt er auch sein Angesicht, dieß raube deinen Muth dir nicht! Gott kann sein Kind nicht hassen. Wer ihn nur liebt, sich ihm ergibt, den wird er nicht verlassen. 11. Durch Trübsal sind zu aller Zeit die Frommen in die Herrlichkeit, gleich Jesu, eingegangen. Denkst denn nur du in träger Ruh die Krone zu erlangen? 12. Demüthige dich, gleich als sie; gleich ihnen bet und zage nie; denn Gott erhört dein Flehen. Bald weicht dein Leid; zu seiner Zeit wird dich dein Gott erhöhen! 3. Wie oft, o Gott, wenn wir das Böse dulden, erdulden wir nurunsrer Thorheit Schulden und nennen Lohn, den wir verdient be kommen, Trübsal der Frommen! 4. 3ft Dürftigkeit, in der die Trägen klagen, sind Haß und Pein, die Stolz und Wollust tragen, des Schwel gers Schmerz, des Neids vermißte Freuden des Christen Leiden? 5. st Geduld und Gelassenheit im Leiden. 5. Ist deren Qual, die deinen Rath verachtet, nach Gottesfurcht und Glauben nie getrachtet, und die nun büßen ihrer Thorheit Freuden, christliches Leiden? 6. Doch selbst, o Gott, in Strafen unsrer Sünden läßt du den Weg zu unserm Heil uns finden, wenn wir sie uns, die Missethat zu haffen, züchtigen lassen. 7. Streb ich nur nach dem Frieden im Gewissen, wird Alles mir zum Besten die nen müssen. Du, Herr, regierst, und ewig wirkt dein Wille Gutes die Fülle. 8. Ich bin ein Gast und Pilger auf der Erden; nicht hier, erst dort, dort soll ich glücklich werden; und was sind gegen euch, ihr ewgen Freuden, dieser Zeit Leiden? mein 9. Wenn ich nur nicht de, wenn ich als Christ gelassen leid und dulde, so kann ich mich der Hülfe der Erlösten sicher getrösten. 10. Ich bin ein Mensch, und Leiden müssen fränken; doch in der Noth an seinen Schöpfer denken und ihm vertraun, dieß stärket unsre Herzen mitten in Schmerzen. 11. Schau über dich! Wer trägt der Himmel Heere? Mert auf! Wer spricht: 349 bis hierher! zu dem Meere? Ist er nicht auch dein Helfer und Berather, dein bester Vater? 12. Willst du so viel, als der Allweise, wissen? Jest weißt du nicht, warum du leiden müssen; allein du wirst, was seine Wege waren, nachmals erfahren. 13. Er züchtigt uns, das mit wir zu ihm nahen, die Heiligung des Geistes zu empfahen und mit dem Trost der Hülfe, die wir merken, Andre zu stärken. 14. Das Kreuz des Herrn wirkt Weisheit und Erfahrung, Erfahrung gibt dem Glauben Muth und Nahrung. Ein starkes Herz steht in der Noth noch feste. Hoffe das Beste! Mel. Wer nur den lieben Gott 465 Groß ist der Herr! Die Berge tern von seiner Gottesmajestät, wenn er in dunkeln Ungewittern, der Heilige, vorübergeht. Doch Liebe strömt aus seiner Hand in vollen Wolken auf das Land. 2. Vom Raum, wo sich der Halm entfaltet, bis zu der leşten Gonn hinaus herrscht sein Gesep; als Va= ter waltet er durch das große Weltenhaus. Der Leben gibt und Freude schafft, mit Liebe waltet er und Kraft. 7 3. Was 350 Pflichten gegen uns selbst. 3. Was dich auch drückt, Mel. Wann mein Stündlein mein Herz, er rettet! Ver 466 Wir trocknen uns ist deine Pflicht. Er, der den Wurm im Lager bettet, der Gott verläßt den Menschen nicht. Der so viel gibt und mehr ver heißt, erhebe dankend ihn, mein Geist! 4. Vermiß dich nicht, mit ihm zu rechten; mit Demuth nahe dich dem Herrn! In trauervollen Mitternächten ist dir der Ewige nicht fern. Mit deinem Leiden, deinem Harm wirf seiner Huld dich in den Arm! 5. O schwinge dich empor vom Staube, verfinstern deine Tage sich; zu ihm blick auf und bet und glaube: verfagend selbst erhört er dich; doch nie enthüllt die Ungeduld das heilge Dunkel seiner Huld 6. Gott fehlet nicht! O Seele, thue, was dir gebührt, sei fromm und gut! Versage dir nicht diese Ruhe; aus ihr erwacht der hohe Muth, der, wenn das Unglück uns unistürmt, uns rettet, tröstet, hebt und schirmt. 7. Vertraue Gottes Va: terhänden, wenn er den frömmsten Wunsch versagt; was hier beginnt, wird dort vollenden, wo dir ein neues Leben tagt. Es ruhn im engen Raum der Zeit die Keime deiner Ewigkeit. Thränen ab: erhebet euch, Gefühle! Wir schauen vorwärts auf das Grab und weiterhin zum Ziele; und drückt uns auch die größte Noth, aus allen Leiden führt der Tod: wir wollen nicht verzagen! 2. Und wären wir auch noch so arm und hätten nichts als Sorgen und Mangel, Blö ße, Frost und Harm und, ach! kein Brod für morgen; zur Weisheit führt des Lebens Noth, und Glück und Fülle bringt der Tod: wir wollen nicht verzagen! 3. Und wären wir auch noch so krank: zur Tugend führen Schmerzen. Für je des Leiden Preis und Dank! Erhebt euch bange Herzen! Durch immer wechselndes Geschickt zieht Gott uns zu des Himmels Glück: wir wollen nicht verzagen! 4. Wir blicken auf so manches Grab geliebter Men schen nieder, und manche Thräne rollt hinab: doch Eins erhebt uns wieder: Gott Lob, sie sind im Va terland! Was hier zerstäubt, war nur Gewand. Wir, wollen nicht verzagen! 5. Sie wandeln dort auf höhrer Bahn, sie blühn in neuer Jugend; wie frei ist nun ihr Geist von Wahn, wie Geduld und Gelassenheit im Leiden. 351 wie lauter ihre Tugend! dir leicht sein würden, erst Drückt uns auch mancher zur Felsenlast. Zagend Herz, heiße Tag; sie gingen vor, besieg den Schmerz! Drückt wir kommen nach. Wir wol- die Bürde gleich den Schwalen nicht verzagen! chen: doch wirds Gott wohlmachen. 6. Das Leid, das schmerzlich uns zerreißt, veredelt die Gefühle; es stärkt und läutert unsern Geist und führt empor zum Ziele. Wir trocknen unsre Thränen ab und schauen über Tod und Grab und wollen nicht vers zagen! Mel. Jesu, meine Freude 467 Shrift, aus deinem Herzen banne Gram und Schmerzen! Fasse neuen Muth! Wenn schon Kreuz dich drücket: Gott ists, der es schicket; was er schickt, ist gut. Wenn dich Noth ringsum bedroht, Sorgen stets mit dir erwachen: doch wirds Gott wohlmachen. 2. 3st der Himmel trübe; wankt der Freunde Liebe; stehst du wie verwaist; schreckt mit jedem Tage ei ne neue Plage den bedrängten Geist; weicht das Glück auch stets zurück; scheints dich nie mehr anzulachen: doch wirds Gott wohlmachen. 3. Bürden abzunehmen, dazu Gram sei dir verhaßt! Un geduld macht Bürden, die 4. Du führst Christi Namen: treu ihm nachzuahmen, das ist deine Pflicht. Werde nicht erschüttert, wenn die Erde zittert und der Himmel bricht! Der steht fest, wer Gott nicht läßt. Laß rings um dich Wetter krachen: doch wirds Gott wohlmachen. 5. Herrlich ist die Krone, die der Christ zum Lohne seines Kampfs empfängt. Nur nicht selbst verschuldet und dann froh erduldet, was dein Gott verhängt! Steh als Held vor aller Welt! Mag sie deiner Hoffnung lachen: doch wirds Gott wohlmachen. 6. Dabei soll es bleiben! Nie will ich mich sträuben, Gott getreu zu sein. Stets, im Tod und Leben bleib ich ihm ergeben; ich bin sein, er mein. Was er will, sei stets mein Ziel! wer Eiß alle meine Sachen ewig wohlzumachen. In eigener Melodie. 468 Sollt es gleich bisweilen scheinen, als verließ der Herr die Seinen, auch in Sturm und Pflichten gegen uns selbst. 352 und Finsterniß glaub ich doch: Er hilft gewiß! 2. Wird die Hülfe gleich verschoben, sieht er doch mein Leid von oben. Hilft Gott nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenns nöthig ist. 3. Pflegen Väter stets zu geben, wonach ihre Kinder streben? Weis ist Gott; ich harre still; er gibt, wem und wann er will. 4. Kann ich, ist die Noth am größten, mich doch na her Hülfe trösten: er ist gegen mich, sein Kind, mehr als väterlich gesinnt. 5. Laß den Feind mir bange machen: Gott, mein Schuß, wird für mich wachen! Schwer sei meines Kreuzes Joch: Gott, mein Vater, lebet noch. 6. Fließt so manche stille Thräne, wenn ich mich nach Ruhe sehne, jede, die mein Auge weint, zählt der treue Menschenfreund. 7. Werd ich gleich verfolgt vom Neide, leb mit Bösen ich im Streite, folgt mir Spott und Lästrung nach: Gott tilgt alle Noth und Schmach. 8. Will mich auch die Welt vertreiben, muß mir doch der Himmel bleiben. Dort folgt Ruhe nach dem Krieg, und die Palme schmückt den Sieg. 9. Ich will gern das Eitle lassen; Fürst und Bettler muß erblassen; Glück verschlimmert, und der Tod führt den Dulder aus der Noth. 10. Ach, Herr, wenn ich dich nur habe, fehlt mir keine gute Gabe! Aus der Welt durchs dunkle Grab führt zum Himmel mich dein Stab. In eigener Melodie. 469 Warum sollt ich mich grämen? Hab ich doch Chri stum noch. Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben? 2. Nichts bracht ich in dieses Leben, da es mir einst allhier ward von Gott gegeben; Nichts nehm ich mit von der Erde, wenn ich sie nach vieler Müh einst verlassen werde. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben ist nicht mein; Gott allein ist es, ders gegeben. Soll ich es ihm wiedergeben, geb ichs hin, preise ihn, blick aufs beffre Leben. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt herein Angst und Bein: sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden, er wird wohl, wie er foll, all mein Unglück enden. 5. Gott Geduld und Gelassenheit im Leiden. 353 5. Gott hat mich bei guten Tagen oft ergößt; sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Liebt er mich drum doch nicht minder; nie zu schwer züchtigt er seine treuen Kinder. 6. Stolz, Haß, Welt und ihre Rotten können mir Nichts mehr hier thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen! Gott, mein Heil, wird in Eil sie zu Schanden machen. 9. O dann wird an höhern Schäßen Geist und Herz, frei von Schmerz, ewig sich ergößen. Bleibend Gut ist nicht zu finden in der Welt; sie enthält Güter, die verschwinden. Hirt, Christus, wird mich ohn Ende laben. 7. Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, seinem Gott vertrauen. Was sollt er zu In eigener Melodie. schmerzlich finden? Selbst 470 Was Gott thut, den Tod hilft ihm Gott freudig überwinden. 8. Kann mich doch der Tod nicht tödten, nein, er reißt meinen Geist aus viel tausend Nöthen; endet die ses Lebens Leiden und gibt mir einst dafür alle Himist wohlgethan! Voll Weisheit ist sein Wille. Ihn bete ich in Demuth an und halt ihm kindlich stille. Er ist mein Gott, der in der Noth mich wohl weiß zu erhalten; drum laß ich ihn nur melsfreuden. 10. Sind nicht dieses Le bens Güter Unbestand, eitler Tand, Lasten der Gemüther? Dort, dort sind die edlen Gaben; da mein 11. Herr, mein Heil, Quell aller Freuden, du bist mein, ich bin dein! Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben, und dein Blut mir zu gut in den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, wo du mich und ich dich ewig werd umfangen. ist wohlgethan! Sein Wort 2. Was Gott thut, das kann ja nicht trügen: er führet mich auf rechter Bahn zum seligsten Vergnügen. Trost und Geduld gibt seine Huld: er wird mein Unglück wenden; es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Er wird mich wohl bedenken; wenn ich mir selbst nicht helfen kann Pflichten gegen uns selbst. 354 kann, wird er mir Hülfe schenken. Ja, seine Treu ist täglich neu; drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Er ist mein Licht und Leben, der nie mein Unglück wollen kann; ihm will ich mich ergeben in Freud und Leid. Es fommt die Zeit, da öffentlich erscheinet, wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Muß ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, laß ich mich doch nicht schrecken; weil mich zulegt mein Gott ergößt mit süßem Trost im Herzen; da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich ganz väterterlich in seinen Armen hale ten. Drum laß ich ihn nur walten. In eigener Melodie. 471 Was mein Gott will, gescheh allzeit! Sein Will der ist der beste. Zu helfen dem ist er bereit, der an ihn glaubet feste. Der treue Gott hilft in der Noth und züchtiget mit Maßen. Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, den will er nie verlassen. 2. Er ist mir Trost und Zuversicht, Ruh, Hoffnung Freude, Leben: drum, was er will, dem will ich nicht unmuthig widerstreben. Sein Wort ist wahr: er hat mein Haar auf meinem Haupt gezählet! Des Höchsten Macht, die für mich wacht, gibt mir stets, was mir fehlet. 3. Wenn es sein Wille mir gebeut, das Leben zu verlassen, so will ich voll Ergebenheit in seinen Rath mich fassen. Dir, Gott, bes fehl ich meine Seel in meinen legten Stunden; dein Sohn, o Gott, hat Höll und Tod für mich auch überwunden. Met. Wer nur den lieben Gott 472 472 Was ist mein Leben der Erde? Ein Wechsel ists von Freud und Leid. Hier stört oft Unruh und Bes schwerde mein Wohl und meine Heiterkeit; hier wohn ich noch in einer Welt, die kein vollkommnes Glück enthält. 2. Weß soll ich mich, o Herr, denn trösten? Nur deiner Huld. Du bist mein Heil und bleibst, wenn auch die Geduld und Gelassenheit im Leiden. 355 die Noth am größten, doch allerrauhsten Wege blick meines Herzens Trost und fröhlich hin zur Ewigkeit; Theil und stehst, nach deis da wirst du, frei von aller ner Vatertreu mir stets Pein, ganz selig, ganz zumit Rath und Hülfe bei, frieden sein. 3. Du stärkst mir unter aller Plage, o Gott, auf mein Gebet den Muth, daß ich gelassen sie ertrage, und machest endlich Alles gut. Auf Kummer folgt zufriedner Dank, auf Klage froher Lobgesang. 8. So laß mich, Gott, stets dahin schauen und dann mit starkem Muth auf dich auch in der größten Noth vertrauen! Du bist bei mir, dieß stärke mich! Wer des sen stets versichert ist, der lebt und stirbt getrost als Christ. 4. Erwarte nicht beständge Freuden, mein Geist, in deinem Uebungsstand; denn bliebst du frei von allen Leiden, würde Treu erkannt? Vollkommne Ruh und Sicherheit ist nur ein Glück der Ewigkeit. 5. Was bist du denn, o meine Seele, in deiner Noth so fummervoll? Vertraue Gott! Nur ihn erwähle zu deinem Trost: er schüßt dein Wohl. Einst dankst du ihm nach der Gefahr, daß er dein Gott und Retter war. 6. Er wird es sein! Ruf in Gefahren ihn gläubig nur als Helfer an! Er weiß dich mächtig zu bewahren, und da, wo Niemand helfen kann, fehlt ihm die Kraft zu helfen nicht! Dieß stärke deine Zuversicht! 7. Befiehl dich seiner Baterpflege: hoff und vertrau ihm allezeit! Auch auf dem In eigener Melodie. 473 Herr, mein Gott, durch den ich bin und lebe, gib, daß ich mich in deinen Rath ergebe; laß ewig deinen Willen mein, und was du thust, mir theuer sein! 2. Du, du regierst, mit Weisheit, Lieb und Stärke. Du, Herr, erbarmst dich aller deiner Werke. Was zag ich einen Augenblick? Du bist mein Gott und willst mein Glück. 3. Von Ewigkeit hast du mein Loos entschieden. Was du bestimmst, das dient zu meinem Frieden. Du wogst mein Glück, du wogst mein Leid, und was du schickst, ist Seligkeit. 4. Gefällt es dir: so müsse keine Plage sich zu mirnahn; gib mir zufriedne Tage. Allein verwehrts mein ewig Heil Pflichten gegen uns selbst. 356 Heil, so bleibe nur dein Trost mein Theil. 5. Du gibst aus Huld uns dieser Erde Freuden; aus gleicher Huld verhängst du unsre Leiden. Ist nur mein Weh nicht meine Schuld, so zag ich nicht. Du gibst Geduld. 6. Sollt ich ein Glück, daß du mir gabst, verlieren, und willst du, Gott, mich rauhe Wege führen: so wirst du, denn du hörst mein Flehn, mir dennoch eine Hülf ersehn. 7. Vielleicht muß ich nach wenig Tagen sterben. Herr, wie du willst! Soll ich den Himmel erben, und dieser ist im Glauben mein, wie kann der Tod mir schrecklich sein? 3. Die kleinste meiner Sorgen imst de Gott nicht verborgen, der Alles sieht und hält; und was er mir beschieden, das dient zu meinem Frieden, wärs auch die größte Last der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Er den, um glücklich hier zu werden; die Lust der Welt vergeht. Ich lebe hier, im Segen den Grund zum Glück zu legen, das ewig, wie mein Geist, besteht. 5. Was dieses Glück vermehret, sei mir von dir ges währet! Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verleget, wenns alle Welt auch schäßet, sei, Herr, mein Gott, mir ewig fern! 6. Sind auch der Krankheit Plagen, der Mangel schwer zu tragen, noch schwe rer Haß und Spott: so harr ich und bin stille zu Gott; denn nicht mein Wille, dein Mel. In allen meinen Thaten 474 W nur o as ists, daß ich Harr, Gottes, meine Seele, harr, und sei unverzagt! Tu weißt nicht, was dir nüßet; Gott weiß es und Gott schüßet, er schüßet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine Tage, mein Glück und meine Plage, eh ich die Welt noch sah. Eh ich mich selbst noch 475 Wer kannte, eh ich ihn Vater nannte, war er mir schon mit Hülfe nah. 7. Du bist der Müden Stärke und aller deiner Werke erbarmst du ewig dich. Was kann mir wider fahren, wenn Gott mich will bewahren? Und er, mein Gott, bewahret mich! Mel. Schon ist der Tag von enn gleich aus tiefer Mit ternacht Gewitter um mich bligen, so zag ich nicht: mein Geduld und Gelaffenheit im Leiden. 357 ten, so laß mich wohl bes denken: auch das sei gut, was Trübsal heißt! mein Vater wacht, er wacht und wird mich schüßen. Die Güte, die mich werden hieß, die den Bedrängten nie verließ, die wird mich nie verlaffen. 2. Sein Auge schaut auf meinen Schmerz, und seine Blicke zählen die Sorgen, die mein armes Herz mit Angst und Kummer quälen. Er sandte mir das Leiden zu, daß nicht mein Herz in stolzer Ruh des Ewigen vergeffe. 3. Gesegnet sind die Lei den mir, die mich der Welt entziehen, mich lehren, Gott, allein zu dir nach Trost und Hülfe fliehen. Ich weiß, einst bringst du meinem Blick der Sonne sanftes Licht zurück, das Dunkel mir verhüllet. 4. Wie will ich dann, vom Schmerz befreit, Herr, dei ne Huld erheben; wie freudig dir selbst für das Leid Lob, Preis und Ehre geben! Wohl denen, die dem Herrn vertraun und ihre Hoffnung auf ihn baun! Nie werden sie zu Schane den. Mel. Ju allen meinen Thaten ill 476 Wit mich, o Gott, hienie den des Lebens Last ermüden, so stärke meinen Geist! Bann mich die Leiden krän2. Nicht ewig soll sie währen; oft werden unsre Zähwischt. Und seufzen wir: ren schnell von dir abgewie lange ist meiner Seele bange! so wird mit Trost das Herz erfrischt. 3. Du wendest solche Bürden, die uns erdrücken wür den, Gott, gnädig von uns ab. Du siehst bei unsern Plagen auch auf die Kraft, zu tragen, die deine Hand uns selber gab. 4. Dein väterlich Bemühen will deine Kinder ziehen, zu thun, was dir gefällt. Du willst die Lüfte schwächen, den eignen Wil len brechen, uns bilden für die beßre Welt. 5. Du willst den Eifer mehren, gehorsam dich zu ehren mit Glauben und Geduld; daß, wenn uns Feinde hassen und Freunde uns verlassen, wir stets vertrauen deiner Huld. 6. Was will uns, Herr, auch scheiden von dir und jenen Freuden, die du für uns ersehn? Wir leben oder sterben, so wird uns, deinen Erben, des Himmels Wonne nicht entgehn. 7. Zu jenem bessern Leben willst du auch mich erheben: der Tod ist mein Sea 358 Pflichten gegen den Nächsten. Gewinn. Muß gleich mein herzlich sollen wir uns einans Leib verwesen, wird doch der lieben; wohlthun, Elend mein Geist genesen; er eilt mindern hier, Keinen je be: zu seinem Schöpfer hin. trüben. 8. O drücke meinem Herzen bei Sorgen, Gram und Schmerzen dieß doch aufs tiefste ein: der, den du, Bater, liebest, tann, wenn du ihn betrübest, doch nies mals unglückselig sein. Allgemeine Menschenliebe. Mel. Schwing dich auf 477 Heilig, heilig ist das die Menschen bindet; ist geknüpft von dessen Hand, der die Welt gegründet; ist geknüpft, daß besser mir feine Welt gefalle! Einen Schöpfer haben wir, Einen Vater alle. 2. Einen Vater, Einen Gott, der uns alle liebet, der uns täglich unser Brod, Kraft und Freude giebet; der nicht nur mit Freund lichkeit schaut auf Fürstenthronen, der auch segnet und erfreut, die in Hütten wohnen. 3. Wohl mir! Auch auf mich, sein Kind, blickt er freundlich nieder. Nah und fern die Menschen sind alle meine Brüder. Froh und 4. Und ich fühlte keinen Schmerz bei des Bruders Leiden? Kalt und fühllos blieb mein Herz bei des Bruders Freuden? Und es sollt in meiner Brust Stolz und Haß entbrennen? Könnt ich dann wohl Gott mit Lust meinen Vater nennen? 5. Brüder, nein, dieß Herz soll nie sich vor euch verschließen; immer will ich Sorg und Müh liebreich euch versüßen. Alle, alle nur leben wir, um uns zu be theurer mir, wenn euch Leiden drücken. 6. 3mmer will ich, wie ich kann, sie euch helfen tra gen; kann ichs nicht, euch trösten dann, trösten, mit euch klagen. Dann sollt ihr meiner Brust euren an Gram verweinen, bis die Sonne neue Lust euch ins Herz wird scheinen. 7. O gewiß, dann werdet ihr froh den Vater preisen und auch Duldern gern mit mir hülfreich euch erweisen; werdet, süßer Trost! auch mich, wann mich Leiden drücken, mitleidsvoll und brüderlich trösten und ers quicken. Mel. Allgemeine Menschenliebe. Mel. Jesus, meine Zuversicht 478 len Christen A und auch mir hat der Herr dieß borge: schrieben: Euren Nächsten follet ihr, als euch selbst, von Herzen lieben! Heilig sei uns allezeit, was der Herr uns hier gebeut! 2. Wir sind Bürger Einer Welt, Kinder Eines Vaters, Brüder, die er huldreich all erhält; alle Eines Leibes Glieder, die sein weiser Allmachtsruf alle, sich zu lieben schuf. de Mot 3. Eine sterbliche Natur hat er allen uns gegeben, und auch Eine Hoffnung nur, Hoffnung auf ein beffres Leben, wenn wir hier in dieser Welt redlich thun, was ihm gefällt. 4. Und wir ſollten uns entzwein? uns einander hassen? Uns, zu unsrer eignen Pein, Stolz und Reid beherrschen lassen? Wer kein Freund des Nächsten ist, ist fürwahr kein Mensch, kein Christ. 5. Was wir auch aus Gottes Hand reichlicher, als Andre, haben: Ansehn, Reichthum, hoher Stand, Leibesträfte, Geistesgaben, Alles dieß befreit uns nicht von der Menschenliebe Pflicht. 6. Nein, der Gaben Unterschied knüpft das große Band auf Erden, und wohl 359 dem, der sich bemüht, nüßlich, wie er kann, zu werden; sich der Menschheit Dienst zu weihn, auch im Kleinsten treu zu sein. 7. Darum gib uns, Gott, ein Herz, voll von wahrer Menschenliebe, das an Andtheil nehm und gern daß rer Freud und Schmerz Anübe, was der Liebe Pflicht begehrt, wie sie uns dein Sohn erklärt. schenfreund laßt uns alle 8. Diesem großen Menhier mit ihm vereint, nach ähnlich werden, daß wir vollbrachtem Lauf auf Er den, dort verklärt, auf ewig sein, seiner Lieb uns ganz erfreun! In eigener Melodie. 479 Menschenfreund, Bilde bilde sich mein ganzer Sinn! Deine Sanftmuth, deine Milde neig auch mich zur Güte hin! Unwerth wär ich, dich zu kennen, liebt ich meine Brüder nicht; unwerth, mich nach dir zu nennen, wich ich von der Liebe Pflicht. 2. schen nahtest, folgte Wohl= Wo du, Jesu, Mens thun deiner Spur; wo du den Hütten, auf der Flur, segnend Gutes thateft, in an dem Lager kranker Brüder, wo du je nur hingeblickt, 360 Pflichten gegen den Nächsten. blickt, kehrte Freud und Liebe dringet, ärndtet dauHoffnung wieder, und die ernden Gewinn. Menschheit ward erquickt. 3. Menschenfreundlichster von Allen. Keinen hast du je verschmäht. Wer verirrt war und gefallen, wer um Trost zu dir geffeht, hat für alle seine Wunden, Herr, in deiner treuen Hand Rettung, Heil und Trost gefunden, Hülfe, wie er nirgends fand. 4. Brüder, kommt in meine Arme; wer da leidet, Mel. O Gott, du frommer Gott rube hier! Wenn ich sein 480 Gib mir, o Gott, mich nicht sich mein Gott von mir! Ohne Liebe ist kein Leben; liebend nur gleich ich dem Herrn: sein Verschonen, sein Vergeben, o mein Herz, stets üb es gern. ein Herz, das jeden Menschen liebet, bei seinem Wohl sich freut, bei seiner Noth betrübet; ein Herz, das Eigennuß und Neid und Härte flieht und sich um Andrer Glück als um sein Glück bemüht! 2. Seh ich den Dürftigen, so laß mich gütig eilen, von dem, was du mir gibſt, ihm hülfreich mitzutheilen; nicht aus dem eitlen Trieb, groß vor der Welt zu sein und mich verehrt zu sehn; nein, Menschen zu erfreun. 3. Dieß fei mein Gottes: dienst! Auch unbemerkt von ihnen, müss Andern stets mein Herz mit Rath und Hülfe dienen! Mich treibe nicht erst Dank zu milder Wohlthat an; nein, was ich Brüdern thu, das sei dir, Gott, gethan. 4. Ein 5. Ob mich auch mein Nächster kränket: Jeſus, denk ich, litt wohl mehr. Ob er Böses von mir denket: besser will ich sein, als er. Wenn mir Jemand Gram bereitet, irrt vielleicht nur sein Verstand, und ich reich ihm, wenn er gleitet, den noch liebreich meine Hand. 7. 3war der Wehmuth Zähr entfließet dem, der reiche Saat gestreut, wenn der Hoffnung Feld nicht sprießet, oder wenig Frucht ihm beut; doch des Eegens seiner Güte freut er einst sich, wärs auch spät; endlich, Heil uns! steigt zur Blüthe, was die Liebe ausgesät. 6. Nimmer soll mein Herz ermüden, reiner Liebe sich zu weihn! O es schafft so füßen Frieden, wohlzuthun und zu erfreun! Wer nach Dank und Lohn nur ringet, hat schon seinen Lohn da hin; wen das Herz zur Allgemeine Menschenliebe. 4. Ein Trunk, mit dem mein Dienst dem Durstigen begegnet; ein Blick voll Trost, mit dem mein Herz Bedrängte segnet; ein Rath, mit dem mein Mund in Kummer Andre Andre stärkt; Nichts bleibt, so klein es ist, von dir, Herr, unbemerkt. 5. Eilt wo ein boshaft Herz Unfrieden anzurichten, so laß mich sorgsam sein, der Brüder Zwist zu schlichten. Aus Schmähsucht kränke nie mein des Mund Ruh; er rühme sein Verdienst, deck seine Fehler zu! 6. Die Rach ist dein, o Gott, du sprichst: Ich will vergelten. Drum laß mich stille sein, wenn Menschen auf mich schelten! Gib, daß ich dem verzeih, der mir zu schaden sucht, den liebe, der mich haßt, den fegne, der mir flucht! 7. Doch laß mich nicht allein auf zeitlich Wohler gehen mit eingeschränktem Blick bei meinem Nächsten sehen! Noch stärker müsse mich sein ewig Glück erfreun, noch mehr sein Seelenheil mir angelegen sein. 8. Den, der im Glauben wankt, im Glauben zu bestärken; den, der noch ficher ist bei seines Fleisches Werken, von der vertehrten Bahn des Lasters abzuziehn, dazu verleih mir 361 Kraft und segne mein Bemühn. 9. D heilige du selbst, Herr, meiner Seele Triebe durch deine Lieb und Furcht zu wahrer Menschenliebe! Wer nicht den Nächsten liebt, geht nicht zum Himmel ein. Laß diese Wahrheit, Gott, mir stets vor Augen sein! Mel. er nur den lieben Gott 481 Vereinigt laßt uns o Christen, füget Hand in Hand! Es schlinge sich um unsre Herzen der Menschenliebe sanftes Band; und Jeder liebe Recht und Pflicht, bis einst sein Aug im Tode bricht! 2. Wir sind ja Eines Vaters Kinder, in jedem Stande vor ihm gleich; sind ohne Unterschied hier Brüder, wir mögen arm sein, oder reich. In Eintracht sollen wir uns freun, einander Hülf und Beistand sein. 3. So schlage denn für Menschenfreude, für Menschenwohl auch unser Herz! Und leidet irgendwo ein Armer, gemildert sei durch uns sein Schmerz! Sein heitrer, danferfüüter Blick erhöhet unser eignes Glück. 4. O Wonne, Menschen glücklich machen! O Wonne, Menschen glücklich D sehn! Durch Pflichten gegen den Nächsten. 362 Durch sie wird Gottes schöne Erde dem Herzen noch einmal so schön. Ja, eine freudenreichre Pflicht, als Menschenliebe, gibt es nicht. 5. Erscheint des Todes ernste Stunde dir, Menschenfreund, so naht mit ihr ein Engel Gottes und verkündigt den Lohn der Menschenliebe dir. Des Grabes Nacht wird dir erhellt, du sätest für die beßre Welt. 6. Ja, Christen, wer sein Herz hienieden der wahren Menschenliebe weiht, der streut zu einer reichenlerndte den Samen für die Ewigteit. O laßt uns diesen Samen streun, o laßt uns Menschenfreunde sein! Mel. Auf, Chrifter mensch! 482 S Jemand 3. Ein Heil ist unser als ler Gut. Ich sollte Brüder hassen, die Gott durch sei nes Sohnes Blut so hoch erkaufen lassen? Daß Gott mich schuf und mich versühnt, hab ich dieß mehr, als sie, verdient? 4. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, du Herr von meinen Tagen! Ich aber sollte nicht Geduld mit meinen Brüdern tragen? dem nicht verzeihn, dem du vers gibst, und den nicht lieben, den du liebst? 5. Was ich den Frommen hier gethan, den kleinsten auch von diesen, das siehst du, mein Erlöser, an, als hätt ichs dir erwiesen. Und ich, ich sollt ein Mensch noch sein und dich in Brüdern nicht erfreun? 6. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ers gehen, der nicht barmherzig ist, der nicht die rettet, bie ihn flehen. Drum gib mir, Gott, durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe preist! spricht: ich liebe Gott, und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott und handelt ganz dawider. Gott ist die Lieb und will, daß ich den nächsten liebe gleich als mich. 2. Wir haben Einen Gott und Herrn, sind Eines Leibes Glieder: drum diene deinem Nächsten gern; denn Mel. Kommt her zu mir wir sind alle Brüder. Gott 483 Du liebst, Get Welt nicht blos für mich; mein Nächster ist sein Kind, wie ich. Gerechtigkeit und Billigfeit. Gerechtigkeit und strafest den, der sie entweeiht, am nächsten Unrecht übet. Gerechtigkeit und Billigkeit. übet. Du bifts, der Jedem seinen Lohn, ohn alles Ansehn der Person, nach seis 2. Gerechter Gott, laß deinen Geist zu dem, was recht und billig heißt, stets meine Seele lenken! Nie fomm es mir doch in den Sinn, aus schnöder Habsucht, um Gewinn des Nächsten Recht zu kränken! 3. Pflanz Redlichkeit in meine Brust und laß mich stets mit wahrer Lust der Liebe Pflichten üben. Ein Herz, das nur auf Unrecht denkt, nur Schaden sucht und Andrejkränkt. wie kann das Brüder lieben? 4. Nie seufze Jemand über mich! Mein ganzes Herz bestrebe sich, dem Nächsten gern zu geben, was er mit Recht verlangen kann, und immerfort mit Jedermann in Einigkeit zu leben! 5. Laß mich beständig das hin fehn, mit Jeglichem so umzugehn, wie ichs von ihm begehre; damit ich feines Menschen Herz durch Druck und Härte je mit Schmerz und Kümmerniß beschwere! 6. Herr, mit dem Maaß, womit ich hier dem Nächsten messe, wirst du mir dereinst auch wieder messen. Dieß reize mich zur Billigkeit und lasse mich zu keiner Zeit der Liebe Pflicht vergessen! 363 Mel. Gott bes Himmels und der Erde 484 Richte nicht mit wenn du Andre fehlen siehſt! Groß ist auch der Fehler Menge, die du selber noch nicht fliehst. Sei bedachtsam, richte nicht! Schonung ist des Christen Pflicht. 2. Siehst du stets die tiefern Gründe von des Nächs sten Handlung ein? Ist auch, was du tadelst, Sünde, oder trüget dich der Schein? Urtheilst du gewissenhaft, oder reizt dich Leidenschaft? 3. Hast du auch in seiner Jugend stets den Blick ihm zugewandt, und die Feinde seiner Tugend, sind sie alle dir bekannt? Ach, was rechnest du ihm zu, daß er Mensch ist, so wie du? 4. Oft vollbringt er nur im Stillen, was vor Gott ihm rühmlich bleibt; fehlt auch oft mit Widerwillen, oft nur, weil ihn Irrthum treibt; zeigt nicht Klugheit bei der Pflicht, aber Bosheit übt er nicht. 5. Christ, vergiß nicht zu bedenken, was bein Nächster fordern kann! Ach, wie würd es dich doch kränken, griff er deine Ehre an! Deiner schont ja auch der Herr; zeig dich nachsichtsvoll wie er! 6. Selbst bei wirklichem D2 Vers 364 Vergehen meide mit Bescheidenheit alles unbefugte Schmähen, Härte, Spott und Bitterfeit! Menschen freundlich decke du deines Nächsten Fehler zu. 7. Mit dem reinsten Herzen biete ihm die Hand zu feinem Glück! Bringe, wenn du kannst, voll Güte aus der Irre ihn zurück! Hüte selbst dich, wenn du stehst, daß du keinen Fall begehst! 8. Sehe nicht des Nächsten Leiden gleich als Strafe Gottes an! Gönne dem erlaubte Freuden, der sie noch genießen kann! Nie gib seis nen frohen Sinn scheinbar frommer Schmähsucht hin! 9. Laß die Liebe dich befeelen, die nur ungern Argwohn hegt, und wenn Andre wirklich fehlen, ihre Fehler sanft erträgt! Mehre niemals ihren Schmerz, rühre, beßre nur ihr Herz! 10. Gott, der Richter aller Welten, richtet mit Gerechtigkeit. Jedem wird er einst vergelten, wie er lebt in dieser Seit. Ueberlaß ihm das Gericht, richte du den nächsten nicht! Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit. Mel. In allen meinen Thaten 485 Du, aller Men schen Bater, Pflichten gegen den Nächsten. du gütigster Berather in Allem, was uns drückt! Was wir hier Gutes haben, sind einzig deine Gaben; du bist's, der unser Herz erquickt. 2. Du läsfest von uns Sündern durch Undank nie dich hindern, uns segnend zu erfreun! Zu ewgen Seligkeiten uns Sterbliche zu leiten, wird ewig dein Vergnügen sein. 3. Wie groß ist deine Milde! Barmherzger Vater, bilde mein Herz nach dei nem Sinn! Daß ich der Noth der Armen mich wil lig mög erbarmen, nimm alle Härte von mir hin! 4. Gib, daß ich willig gebe, mich wohlzuthun be strebe, sowie mein Heiland that, der göttliche Er barmer, den kein bedrängter Armer vergebens je um Hülfe bat. 5. Erhalt in mir die Triebe der mitleidsvollen Liebe! Wie du mir Guts gethan, so laß um deinetwillen mich Andrer Nothe durft stillen, so oft ich sie nur stillen kann! 6. 3um Fleiß in guten Werken laß mich die Hoff nung stärken; vor dir, dem Herrn der Welt, der frohe Geber liebet, fei, was man willig giebet, ein Opfer das bir wohlgefällt! 7. Laß Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit. 365 gütig forscht, obs ihm ge bricht, auch der liebt seinen Nächsten nicht. 7. Laß mich hier reichlich säen; denn das, was hier geschehen, folgt uns in jene Zeit. Wer hier den Nächsten liebet und sich im Wohl thun übet, der ärndtet dort die Seligkeit. sie beschirmt, mit Härt und 5. Wer Andre, wenn er Vorwurf quälet und ohne Nachsicht straft und stürmt, sobald sein Nächster fehlet, wie bleibt bei seinem Ungestüm, Gott, deine Liebe Mel. Auf, Christenmensch! 486 Mer dieser Er wohl bei ihm? W Güter hat und sieht den nächsten leiden und macht den Hungrigen nicht satt, läßt Nackende nicht kleiden, der übertritt die erste Pflicht und liebt dich, Gott der Liebe, nicht. 2. Wer seines Nächsten Ehre schmäht und gern sie schmähen höret; fich freut, wenn sich sein Feind vergeht, und nichts zum Been fehret; nicht dem Ver leumber wiederspricht, der liebet feinen Nächsten nicht. 3. Wer zwar mit Rath, mit Trost, mit Schuß den Nächsten unterstüßet, doch nur aus Stolz, aus Eigen nuß, aus Weichlichkeit ihm nüget nicht aus Gehor: fam, nicht aus Pflicht- auch der liebt seinen Nächsten nicht. Heil und Zucht mit Rath 6. Wer für der Armen und That nicht wachet; dem Uebel nicht zu wehren sucht, das oft sie dürftig machet; gibt, der hat sie wenig noch nur sorglos ihnen Gaben geliebt. 7. 3war du, mein Herz, vermagst es nicht, stets durch die That zu lieben. Doch bist du nur geneigt, die Pflicht getreulich auszuüben, und wünscheft dir die Kraft dazu und sorgst dafür, so liebest du. 8. Ermattet dieser Trieb in dir, so such ihn zu beleben! Denk oft: Gott ist die Lieb und mir hat er sein Bild gegeben. Ja, Höchster, was ich hab, ist dein; sollt ich, wie du, nicht gütig sein? 4. Wer harret, bis ihn anzuflehn ein Dürftger erst erscheinet; nicht eilt, dem Mel. Gott im Himmel und nommen beizustehen, der 487 Seib barmher Verborgnen nicht zig, Menschen, Q3 Hö Pflichten gegen den nächsten. 366 höret, hört das heilige Ges bot, das uns Jesus Christus lehret: seid barmherzig, seibs, wie Gott! Gebt, so wird euch auch gegeben, was euch noth ist, Heil und 2. So viel Menschen, so viel Brüder; Ein Gott ists, der uns erschuf. Wir sind alle Christi Glieder; allgemein ist Gottes Ruf. Seine Sonne läßt er scheinen, so den Bösen, wie den Seinen. 3. Gleicht dem Vater im Erbarmen! Seid barmherzig, seids, wie er! Gebt den Dürftigen und Armen; was ihr gebt, empfängt der Herr. Helft und eilt auch ungesehen euern Brüdern beizustehen! 4. Hülfreich zu Bedrängten eilen, ihnen Schutz und Retter sein, Kummer linbern, Wunden heilen, wohlthun, trösten und erfreun, und dieß thun aus edlem Triebe, das ist wahre Mens schenliebe! 5. Herr, wir geben von dem Deinen, was wir ge= ben; laß uns nie fühllos sein, wo Brüder weinen, unser Mitleid tröste sie, daß, wenn wir zu dir uns nahen, wir auch Trost und Hülf empfahen! Sanftmuth, Friedliebe und Eintracht. Mel. Befiehl du deine Wege 488 Nach frommer ben, mit Allen in der Welt, dieß ists, was Gott gefällt. ists möglich, friedlich leben, Doch dem nur kanns gelingen, der seinen Nächsten liebt, sich selbst weiß zu bezwingen, Beleidigung vergibt. 2. Nachgebend und ge fällig, des Haders größter Feind, zeigt er sich stets ges sellig, erhält sich seinen Freund. Er sucht mit Ernst zu meiden, was seine Brü der fränkt, weil er von sich bescheiden, von ihnen rühmlich denkt. 3. So oft fie Zwist er regen, so eilet er, den Streit mit Klugheit beizulegen, und stiftet Einigkeit. Der Ueber eilung Sünden entrüsten nie sein Herz, er läßt sie Nachficht finden und hemmt des Unmuths Schmerz. 4. Nie spottet er der Brüder, soviel er Witz be sist; und zürnet nicht gleich wieder, wenn sie ihr Zorn erhißt. Er freut sich ihrer Freuden, troßt und erbit fert nicht und hält sich stets bescheiden, wenn man ihm widerspricht. 5. So Sanftmuth, Friedliebe und Eintracht. 367 5. So Fried und Ein- Zorn entbrenne und mich tracht lieben und nie durch vor dir gar leicht durch Haß und Streit des Näch- eigne Rache verwerflich sten Tage trüben, ist Pflicht, mache. die Gott gebeut. Sie, Herr, stets hoch zu schäßen, ihr ganz mein Herz zu weihn, sie nimmer zu verlegen, soll meine Weisheit sein. 6. Mich selbst zu über winden, gib Eifer, Muth und Kraft; dann werd ich froh empfinden, welch Glück die Eintracht schafft. Von aller Noth geschieden, werd ich einst felig sein und mich in ewgem Frieden des Lohns der Liebe freun! Versöhnlichkeit und Feindesliebe. Mel. Herzliebster Jesu! deine Sanftmuth ist nicht zu ermessen. Wie viel hast du vergeben und vergessen! Ach, führe mir doch deine große Güte recht zu Gemüthe! 2. Du segnetest, die dir, Erlöser fluchten; du heiltest selbst, die dich zu fangen suchten; du zeigtest stets bei deiner Feinde Toben der Sanftmuth Proben. 3. Ach, glich ich dir, o Heiland! bekenne, daß ich noch oft von schnellem 489 Herr 4. Ich muß es wehmuthsvoll, ach, Herr, dir klagen: mein stolzes Herz kann noch so wenig tragen; wie schwer weiß ich, wenn Andere mich hassen, mich recht zu fassen! 5. Vergib mir, Herr, und wende mein Verderben! Bei Zorn und Haß läßt sich dein Reich, nicht erben, und jener Tag vergilt nach strengem Rechte dem harten Knechte. 6. So hilf mir denn die Rachbegier ersticken! Laß sich dein Bild in meine Seele drücken! So werd ich mich versöhnlich finden lassen, nicht wieder hassen. 7. Flucht mir mein Feind, so gib, daß ich ihn segne und seinem Grimm mit Freundlichkeit begegne, daß mich das Böse, das ich dann empfinde, nicht überwinde. 8. Verleih mir das um deiner Sanftmuth willen; so erb ich auch im Lande deiner Stillen die Seligkeit, wozu mich jenes Leben einst wird erheben. Mel. Herzliebster Jesu! 490 Herr, mein Ver= du für mich littest und noch 04 zur Pflichten gegen den Nächsten. 368 zur Rechten Gottes für mich bittest, erweck in mir, du Muster wahrer Liebe, der Sanftmuth Triebe! 2. Wann hast du jemals Haß mit Haß vergolten? Du schaltst nicht wieder, als man dich gescholten; du fegnetest mit Wohlthun nicht blos Freunde, auch deine Feinde! 3. Und ich, Herr, sollte mich den Deinen nennen und doch von Rachgier gegen Andre brennen? ich sollte feindlich Haß mit Has vergelten und wieder schelten? 4. Wie kann ich: Vater! zu dem Höchsten sagen und Groll im Herzen gegen Brüder tragen? Wie kann ich zu ihm flehn, mir zu verzeihen, und Rache schreien? 5. Wer nicht vergibt, der wird für seine Sünden auch nicht bei dir, o Herr, Vergebung finden. Dein Jünger ist nur, wer wie du vergiebet und Feinde liebet. 6. So heilige denn mei ner Seele Triebe, mein Heis der wahren Liebe, daß nie die unglückselge Luft der Rache mich strafbar mache! 7. Wenn Brüder sich an mir worin vergehen, so lehre mich ihr Unrecht übersehen, und sollten sie mich noch so bitter kränken, an dich nur denken! 8. Erwecke dann, o Herr, in meinem Herzen aufs neue das Gedächtniß jener Schmerzen, die du in deinen schweren Leidensstunden für mich empfunden. 9. Laß mich mit Sanft: muth meinem Feind begegnen, den, der mir flucht, voll Großmuth wie du fegnen! Herr, mache gegen Alle, die mich haffen, mein Herz gelassen. 10. Will zu der Rachsucht mich die Furcht verführen, als würd ich sonst mein ganzes Glück verlieren; o Herr, so laß mich, ihr zu widers stehen, auf dich dann se hen! 11. Du schüßest den, der redlich vor dir wandelt und überall nach deinem Vor bild handelt. Drum laß in Allem mich schon hier auf Erden dir ähnlich werden! mel. Chriftus, der ist mein Leben wie 491 Nie will ich e der fluchen, wenn mir mein Hasser flucht; nie dem zu schaden suchen, der mir zu schaden sucht. 2. Ich will ihm sanft be gegnen, nicht drohen, wenn er droht; schilt er, so will ich Versöhnlichkeit und Feindesliebe. 369 ich segnen: dieß ist des Herrn Gebot. 3. Mein Jesus, der Gerechte, vergalt die Schmach mit Huld; die Wuth ergrimmter Knechte ertrug er mit Geduld. 4. Sollt ich denn wieder schelten, da er nicht wieder schalt? nicht so den Haß vergelten, wie er den Haß vergalt? 5. Verleumdung dulden müssen, ist schwer; doch diese Pflicht wird leicht, wenn das Gewissen für meine Unschuld spricht. 6. Dieß will ich treu bewahren, so bessert mich mein Feind, lehrt weiser mich verfahren, indem ers böse meint. 7. Ich will die Fehler meiden, die er von mir ersann; auch die will ich bestreiten, die er nicht wissen kann. 8. Durch Huld will ich mich rächen, an ihm das Gute sehn und Gutes von ihm sprechen: wie könnt er länger schmähn? 9. Im Haß ihn zu ermüden, will ich ihm gern verzeihn und als ein Christ zum Frieden, zu Diensten willig sein. 10. Wenn, mich zu uns tertreten, ihn Güte mehr erhißt, so will ich für ihn beten und Gott vertraun: Gott schützt! Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit. Mel. Alle Menschen müssen sterben 492 Laß mich, Höchdanach streben, stets der Wahrheit Freund zu sein! Vor dir müssen Lügner beben und dein heilig Auge scheun; ja, vor deinem Angesichte wer weil Verstellung, Trug und den sie beschämt zu nichte, scheu ist. List dir, o Gott, ein Ablügen, leeren Schwäßern 2. Andern zu gefallen gleich zu sein und durch das falle mir nicht ein! Heuchelet betrügen, Herr, Wahrheit leit an allen Or ten mich in Werken und in Worten; redlich sei des sprech auch stets der Mund! Herzens Grund, redlich ergeben, sind vor dir, o 3. Die der Falschheit fich Gott, ein Gräul, und ein unglückselges Leben ist gewiß ihr künftig Theil. Hier schon trifft verdiente Schande fie bei Redlichen im Lande; denn ein jeder Menschenfreund ist der Falschheit Ränken Feind. 4. Schmäht mich ohne mein Verschulden der Ver05 leum Pflichten gegen den Nächsten. 370 leumder Lästermund, Herr, so laß michs still erdulden; einst wird doch die Wahrheit kund. Darf ich ja nicht länger schweigen, meine Unschuld zu bezeugen, o so gib, daß stets dabei Herz und Mund voll Sanftmuth sei! 5. Daß du, Herr, an je dem Orte Zeuge meines Wandels bist; daß kein einzges meiner Worte dei nem Ohr verborgen ist; dieß erwecke mein Gemüthe, daß ich mich vor Lügen hüte; denn du liebst den Wahrheitsfreund und bist aller Falschheit Feind. Mel. Befiehl du deine Wege 493 Mohl dem, der richtig wan delt, der als ein Wahr heitsfreund in Wort und Werken handelt und das ist, was er scheint; nie täuschet und nie schmeichelt, nie doppelzüngig spricht, nie Reblichkeit Blos heu chelt, nie Treu und Glauben bricht! 2. Wohl dem, der Lügen haffet, der, wie die Pflicht gebeut, stets seine Reden fasset und Spott und Drohn nicht scheut; die Wahrheit nie verleget, weil er an jedem Ort es sich vor Augen febet: Gott mert auf jedes Wort! 3. Wohl dem, der Gut und Leben, droht ihm Gefahr und List, für Wahrheit hinzugeben bereit und willig ist! Du, Gott, wirst ihn erhöhen, wenn einst in ihrem Licht dieLügner schamroth stehen, enthüllt durch dein Gericht. 4. Herr, laß drum alles Lügen stets ferne von mir sein; behüte mich vor Trügen mit gleißnerischem Schein! Erinnre mein Ge wissen, du hassest Heuchelei, damit ich stets beflissen der Treu und Wahrheit fei! 5. Laß niemals mich versprechen, was ich nicht halten kann, mich nie Zusagen brechen, die ich einmal ges than; nie Leichtsinn mich verleiten und nie des Beispiels Macht, als Wahrheit auszubreiten, was Schmähsucht nur erdacht! 6. Doch laß zu allen Zeiten auch deiner Weis heit Licht, Herr, meine Seele leiten, damit ich meine Pflicht mit Klugheit üb und wisse, wann ich für Andrer Wohl, wann für mich reden müsse und wann ich schweigen soll! 7. Wenn je, um mich zu drücken, des Feindes Rath gelingt, wenn er mit bösen Tücken in Kümmerniß mich bringt, so stärke meine Sees le, daß sie nicht unterliegt und Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Nedlichkeit. 371 und Alles dir befehle, durch den die Unschuld siegt! 4. Wir sind nicht blos für diese Zeit Gefährten, Freunde, Brüder; im Reiche der Vollkommenheit begegnen wir uns wieder. Drum auf! bis Herz und Auge bricht, entweihet Recht und Treue nicht! Hinweg mit Trug und Lügen! 5. Es winde sich der Treue Bund um jedes Reich der Erde; die Treue schütze jedes Land und wohn an 8. Ein Herz voll Treu und Glauben, das, Gott, zu dir sich hält, das soll mir Niemand rauben. So kann ich aus der Welt einst mit der Hoffnung gehen, ich werde als dein Kind dich mit den Frommen sehen, die reines Herzens sind. Mel. Allein Gott in der Höh 494 O zur Ewigkeit, empor vom Staube, Brüder! Was unsre Sinne nur erfreut, vergeht und kommt nicht wieder. Die Tugend blühet ewig schön; drum laßt des Lebens Pfad uns gehn, geleitet von der Tugend. Brüder, brechet nicht, was Wort und Hand und Schwur verspricht! Hinweg mit jeder Lüge! 6. Hinauf, hinauf zur Ewigkeit, o blickt gen Himmel, Brüder! Jm Reiche der Vollkommenheit begeg nen wir uns wieder. Der Weg der Pflicht, der Wahrheit Bahn leit uns zum schönen Ziel hinan, und fern sei Lüg und Laster. 2. D, was sind Schäße, was ist Geld, und wärens Millionen? Was sind die Reiche dieser Welt, was aller Reiche Kronen? Wer gäbe für der Welt Gewinn des Herzens innern Fries 495 wir erscheinen, Mel. Werde munter, mein wie den hin? Hinweg mit Trug und Lügen! 3. Ach, Alles, was die Welt verleiht, enteilt, als hätt es Flügel; ein enger Sarg, ein Todtenkleid und ein bemooster Hügel ist hier des Menschen letztes Loos; fürwahr, drum ist der Mensch zu groß, für Weltgewinn zu lügen. ob wir reden recht und wahr, wie wir denken, wie wir's meinen, ist dir, Höchster, offenbar. Heilig, liebevoll und rein soll des Menschen Innres sein, und du wägst an jedem Orte jedes Menschen Herz und Worte. 2. Herr, du gabest uns die Sprache; was uns deine 26 Huld Pflichten gegen den Nächsten. 372 Huld verleiht, werde dir, der guten Sache und dem Menschenwohl geweiht! Un ser Ja und unser Nein möge fest und redlich sein! Wir find deines Reiches Glieder, deine Kinder, wir sind Brüder. Mel. Schwing dich auf zu 496 Reblichkeit! mit dir im Bund auf der Erde wandeln; redlich sein mit Herz und Mund, nach Gewissen handeln; sonder Trug und Heuchelei Recht und Wahrheit lieben und, entfernt von Menschenscheu, Recht und Wahrheit üben; Biedern. Wer nach eitlen Schäßen ringt, ringt nach Sorg und Plage; aber Redlichkeit nur bringt Muth und frohe Tage. 5. 3war sucht mancher Bösewicht Redliche zu drükken, weil ihr Freimuth straft und nicht schweigt zu seinen Tücken. Aber dieses rückt sie nie aus der Wahrheit Wegen; ihnen wird, das wissen sie, dennoch Gottes Segen. 6. Menschenvater, Geld und Gut will ich gern ver schmerzen; aber einen frohen Muth, Redlichkeit im Herzen, Redlichkeit in Wort und That und ein rein Gewissen laß mich auf dem Lebenspfad nie, o nie vermissen. 7. Ich will redlich sein, bis ich hier vollendet habe! Gute Menschen segnen mich dann noch einst im Grabe. Jn ihr Herz geschrieben bleibt meine Tugend immer, und wenn auch mein Leib zerstäubt, stirbt mein Name nimmer. 2. Dieser schönen Tugendpflicht sei mein Herz erge ben! Redlich, bis mein Auge bricht, redlich will ich leben; redlich, wenn die Welt mich sieht, redlich ohne Zeus gen. Kann, was auch dem Tag entflieht, Gott, die Nacht verschweigen? 3. Finsterniß ist ihm wie Licht, Mitternacht wie Morgen. Oft bin ich der Welt, doch nicht meinem Gott vers borgen. Was ich denk und thu, erspäht er am hellsten Lichte; und kein Lügengeist entgeht seinem Strafgerichte. Gutes Beispiel ster Ruhm unter meinen Brüdern und mein liebstes Eigenthum sei der Ruf des Mel. Gott Vater, an Erbarmen dir, der 4. Meines Namens höch: 497 on bir ben meine Freuden schuf, ist auch mein heiliger Beruf, im Herzen und im Wan Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit. 373 Wandel rein und nüßlich in der Welt zu sein. Wer diese große Pflicht nicht ehrt, ist keiner wahren Freude werth. 2. Es war, o Vater, deine Hand, die mit den Menschen mich verband. Ich sollte redlich mich bemühn, auch sie zum Guten hinzu ziehn; und leuchtet ihnen Mel. Wer nur den lieben Gott fiets mein Licht, so fehlt 498 Von dir in dieſe mir deine Liebe nicht. Welt gerufen, stehn, Vater, alle Menschen hier auf niedern und auf höhern Stufen, und was sie haben, kommt von dir: du machest arm, du machest reich: doch vor dir sind wir alle gleich. 3. Wie groß ist jedes Beispiels Macht! würd es stets von uns bedacht, wie viel im Stillen um sich her es wirkt und täglich mehr und mehr die schwächern Herzen, die es rührt, sum Guten oder Bösen führt! 4. O wehe dem, der sorglos bleibt und fühn des Lasters Werke treibt; den nicht der Blick der Unschuld schreckt und aus des LastersTaumel weckt; der selbst die Schwa: chen gern bedrückt und listig in sein Neß verstrickt! 5. Wie trostlos wird er einst sich sehn, wenn um ihn die Verführten stehn, und wenn nun jeder laut ihm flucht, ihm seine Qual zu mehren sucht, vor dir, o Richter, ihn verklagt und dann sein frecher Geist verzagt! 6. Fern sei so schwere Schuld von mir! Ja, Vater, ich gelob es dir! Mein Beispiel reize jederzeit zur Tugend nur und Frömmig keit! Gib selbst, o Gott, gib mir die Kraft zu dem, was Heil und Segen schafft! Bescheidenheit. 2. Nicht Jeder hat, was Andre haben, und das ist Güte; denn du gibst dem diese, jenem andre Gaben, weil du als Vater Alle liebst. Es sollen Alle glücklich sein und jeder sich des Andern freun. 3. Beglücken und selbst glücklich werden, ist Aller Ruf, ist Aller Loos. Darum ist dieser hier auf Erden gering und arm, der reich und groß; der hat mehr Kraft, der mehr Verstand und jener braucht, was der erfand. 4. Wer hat mich Andern vorgezogen? wer wieder andre Menschen mir? Du, Gott, durch freie Huld be: wogen; denn alles Gute kommt von dir. Ich gab 07 dir Glückseligkeit wahrer Christen. 374 dir Nichts zuvor und ich bin Alles, was ich bin, durch dich. 5. Und ich, ich sollte nicht bescheiden und fern von al lem Stolze sein; ich den, der mehr empfing, beneiden, mit ihm mich meines Glücks nicht freun? Wär ich wohl, hätt ich mehr, als er, auch besser dann und ſeliger? 6. Nein, gerne will ich Andre ehren, wie arm, wie niedrig sie auch sein. Sie können meiner nicht entbehren; ich kann mich ohne sie nicht freun. Nähm Keiner meines Glücks sich an, wie Mel. Wie groß ist des Allmächt, 499& ntfernet euch, uns felge Spötter! Ihr zittert, wo der Fromme glaubt; mein Herz hat seinen Gott zum Retter und eine Hoffnung, die Nichts raubt. Ich sehe meinen Heiland leben; ich weiß, daß ich nicht sterben kann; weiß, mit verklärtem Leib umgeben, schau ich ihn einst im Himmel an. arm, wie hülflos wär ich dann! 7. Wer eitler Ehre gern entbehret und Tugend an Geringen gern erkennt und schäßet, der verehret der Niedern und der Hohen Herrn! Wohl ihm! denn mit Zufriedenheit lohnt Demuth und Bescheidenheit. Glückseligkeit wahrer Christen. 2. Was seid ihr, stolze Weltbezwinger, wenn euch die größte Hoffnung fehlt? Dem Höchsten seid ihr viel geringer, als euch der Sklave, 8. Sie schmückt das Alter, gibt der Jugend Reiz, Liebenswürdigkeit und Werth; gibt Würd und Hoheit jeder Tugend, die eitlen Schim mer gern entbehrt. Sie fei, o Gott, mein Eigenthum, vor dir und vor der Welt mein Ruhm! den ihr quält. Wie kurze Zeit, mit wie viel Sorgen genießt ihr eurer Ehrsucht Raub! Man rühmt euch heute, haßt euch morgen; ihr waret Götter und seid Staub. 3. Was sind, Weltmenschen, eure Freuden, bie Wollust, die euch trunken macht? Ein Christ sollt euer Glück beneiden? Folgt es euch in des Grabes Nacht? Ihr rechnet mit erhittem Blute des fernen Tages Wollust aus? Die nahe schreckliche Minute tilgt euer Glück auf ewig aus. 4. Jhr Glückseligkeit wahrer Christen. 375 4. Jhr seid dahin. Des Andre ängstlich zagen, nichts Christen Größe geht auf, Schreckliches in der Natur. besiegt die kurze Nacht, am Tage, da Gott eure Blöße zum Abscheu aller Augen macht. Der Tag macht Könige den Knechten und Bettler den Monarchen gleich: der Tag gibt Adel dem Gerechten und macht des Chriften Seele reich. 2. Wenn meine Sünde schweiget und mir dein Geist bezeuget, daß ich begnadigt bin; wenn mich dein Trost erquicket, so oft mich Trübsal drücket: wie unschäßbar ist mein Gewinn! 3. Sollt ich solch ruhig Leben für Luft der Sinne geben und dann die innre Pein, mich selber zu verflagen, in meinem Busen tragen? Groß würde meine Thorheit sein. 5. Ein Blick in meine Zufunft treibet Verdruß und Angst aus meiner Brust: ein Herz, das nicht auf Erden bleibet, ist sich des Him mels stets bewußt. Kein Unglück kann mich nieder schlagen; ich weiß, mein Glück entgeht mir nie; ich darf vor Feinden nicht verjagen: ich weiß, mein Tod entwaffnet sie. 6. Du legte Stunde meines Lebens, die du den Chrisen heilig bist, ich warte nicht auf dich vergebens; ich thu, was beiner würdig ist. Du lehrst mein Leben mich genießen; du bist mein Lohn aus Gottes Hand. Wie sanft wird sich mein Auge schließen! Mein Geist erblickt sein Vaterland. Mel. In allen meinen Thaten 500 in ruhiges Ge Herr, mich stets genießen; denn hab ich dieses nur, so ist für mich in Tagen, wann 4. Gein eignes Herz bekämpfen und seine Neigung dämpfen, ist freilich schwere Pflicht; doch wenn wir uns besiegen, welch seliges Vergnügen gewährt der Pflicht Erfüllung nicht! 5. Nichts kann im Wohlergehen so unser Glück erhöhen, als ein geruhig Herz; das schaffet innre Freuden selbst in den größten Leiden und stillt in Schmerzen selbst den Schmerz. 6. Die Güter zu verachten, wonach die Thoren schmachten, was gibt uns dazu Muth? Was tröstet Gottes Kinder beim Spotte frecher Sünder? Ein ruhig 7. Bu bir gen Himmel schauen, o Gott, und mit Vertrauen sich rühmen: ich bin dein; gezählt zu den Herz, dieß größte Gut. Er 376 Glückseligkeit wahrer Christen. Erlösten, darf ich mich dei ner trösten: welch Glück, mein Gott, kann größer sein! 8. Läßt du mich im Gewissen einst diesen Trost genießen, wann Alles von mir weicht, wann ich den Lauf vollendet und sich mein Leben endet, so wird mir selbst das Sterben leicht. 9. O laß zu allen Zeiten mich deine Weisheit leiten und mache selbst mich treu! Zum Fleiß in guten Wer: ten laß mich die Hoffnung stärken, daß nichts verdammlich an mir sei! 501 Mel. Schon ist der Tag welch ein unschäßbares Gut ist, Herr, ein gut Gewissen! Wer dieses hat, der hat auch Muth, wenn Andre zagen müssen. Sein ruhig Herz erzittert nicht; ihn schreckt kein Tod und kein Gericht, denn mit dir hat er Friede. 2. Sich deines Beifalls, Gott, bewußt, ruht er in deiner Gnade. Dein Friede ruht in seiner Brust; und wer ist, der ihm schade? Auf dich sieht er in aller Noth, womit die Zukunft ihn bedroht. Ihn tröstet deine Vorsicht. 3. Trifft ihn auch hier zuweilen noch das Gift der Lästerzungen, wird seines Herzens Ruhe doch dadurch nicht ganz bezwungen. Ge nug, er weiß davon sich rein und flieht auch sorg sam bösen Schein. Gott wird die Unschuld retten. 4. Sein Geist sieht mit Zufriedenheit der fünftgen Welt entgegen. Die gibt ihm Muth und Freudigkeit auf allen seinen Wegen. Denn dort macht selbst, o Herr, dein Mund den wah ren Werth der Menschen kund, da wird der Fromme siegen. 5. So hilf denn, daß ich mir zum Heil ein unverlett Gewissen, des Lebens allerbesten Theil, zu haben sei beslissen. Mit dir, Gott, ausgeföhnt zu sein; dein heilig Recht nicht zu entweihn, das sei mein größ ter Eifer! 6. Gib, daß ich des Ges wissens Spruch als deine Stimme ehre und immer aufmerksam genug auf seine Warnung höre. Erinnerts mich an meine Schuld, so laß mich, Vater, deine Huld voll Neu und Glauben suchen! 7. Mit deiner Gnade tröste mich und stärke meine Seele, daß sie vor Sünden hüte sich und nie aus Vorsaß fehle. Denn wer nur reines Herzens ist, hat immer Glückseligkeit wahrer Christen. 377 dich durch Jesum den schwersten Kampf geChrist, Allwissender, zum stritten. Gib, wenn ich erTroste. mattet bebe, daß mich deine Kraft belebe! Hilf mir wachen, kämpfen, siegen! Friede lohnet nach den Kriegen. Mel. Schmücke dich, o liebe S. 502 Vom Geräusch der Welt ges schieden, schmeck ich des ErMel. Wer nur den lieben Gott lösers Frieden und die Freus 503 Wenn ich ein gut de Herr, mit dir vereint zu werden. Diese Welt mit ihren Sünden seh ich unter mir verschwinden und das Heil von jenem Leben den entzückten Geist umgeben. 2. D, was achten weise Christen jenen Reiz von niedern Lüften, jenen Glanz der eitlen Freuden und des Lebens kurze Leiden, wenn sie schon im Geist am Throne deiner treuen Streiter Krone und den hohen Lohn erblik ken, der sie dort einst wird entzücken! 3. Mag doch Trübsal mich umstürmen: deineHuld wird mich beschirmen. Kurz nur sind des Jammers Pfade; ewig währt der Lohn der Gnade. Mit des Dankes stillen Zähren will ich dei nen Rath verehren, unter teiner Bürde sinken und den Kelch in Ruhe trinken. 4. Du hast selbst der Menschen Plagen, Heiland, poll Geduld ertragen, tausendfaches Leid gelitten und be, so hab ich große Seligkeit; es ist des Himmels beste Gabe, das höchste Glück in dieser Zeit, in Freud und Leiden gibt es hier die wahre Ruh der Seele mir. 2. Ich bebe nicht, wenn Sünder beben, daß Gott gerecht und heilig ist. Mein Herz gibt Zengniß meinem Leben, daß ich gewandelt als ein Chrift, des göttlichen Berufes werth, der mich im Himmel wandeln lehrt. 3. Getrost wag ichs vor Gott zu treten und ihn voll Glaubensfreudigkeit als meinen Vater anzubeten, der, was ich habe, mir vers leiht und jedem Heil und Segen gibf, der ihn von Grund des Herzens liebt. 4. Mit Muth trag ich des Lebens Leiden; sie sind ein herber Augenblick; doch des Gewissens innre Freuden sind süßer, als der Erde Glück; und was kann höhern Trost verleihn, als ohne Schuld im Leiden sein! 5. Die Glückseligkeit wahrer Christen. 378 5. Die Freudigkeit in mei nem Herzen verbreitet sich auf mein Gesicht; sie ist mein Labsal in den Schmerzen und in der Finsterniß mein Licht: sie macht getroft, wenn eine Welt erzittert und in Trümmer fällt. 6. Der bangen Todesfurcht entwöhnet, eil ich der leben Stunde zu; dem Leibe, der nach Raft sich sehnet, zeigt sich im Grabe sanfte Ruh, indem mein Geist, der Gott belebt, zu seinem Ursprung sich erhebt. 7. Und droht mir ja noch einge Sünde, mein Hei: land gibt mir Trost und Muth; ich weiß, daß ich stets Ruhe finde in der Versöhnung durch sein Blut; er, der für mich gebüßet hat, tilgt alle meine Missethat. 8. D Seele, darum sei be flissen, daß Frömmigkeit und Heiligkeit dir immerdar ein gut Gewissen und Glaubenszuversicht verleiht. Und du, mein Gott, regiere mich! Denn, o was könnt ich ohne dich? Mel. Herzliebster Jesu! en wird, 504 Welt, die Gott, Wonne der Erlösten nach dieses Lebens furzem Kampfe trösten? Wen schmückt im Himmel einst vor deinem Throne des Mittlers Krone? 2. Wer heilig wird, wer, abgewandt vom Bösen, sich von der Sünde Herrschaft läßt erlösen; wer an den Sohn glaubt, seinen Herrn ihn nennet, ihn frei bekennet; 3. Wer deine Wahrheit unter Adams Kinder ver breitet, sie erleuchtet und die Sünder durch Thaten reizt, mit einem bessern Leben dich zu erheben; 4. Wer, was er glaubt, gewissenhaft auch übet, die Menschen all als seine Brüder liebet, nicht lä stert, sie nicht fränkt und ftolz sich blähet und keinen schmähet; 5. Wer Sünden basſet und doch mit den Sündern Mitleiden fühlet und an deinen Kindern die Gottesfurcht und ihre Gas ben ehret, hält, was er schwöret; 6. Wer nicht der Brüder Ruhm und Glück be neidet, selbst reich, die Ar men speist, die Nackten kleidet, froh, ohne Wucher auch mit milden Gaben genügt zu haben; danken, keusch auch lebet: 7. Wer, züchtig in Gewer seines Werthes sich nie überhebet, im Glücke mä ßig, gütig und bescheiden, getroft im Leiden; 8. Den wird, o Gott, die Glückseligkeit wahrer Christen. 379 die Wonne der Erlösten thes sind auf Erden in nach dieses Lebens furzem Beschwerden unsre Seelen. Kampfe trösten; den schmückt Herr, was kann bei dir im Himmel einst vor dei uns fehlen! nem Throne des Mittlers Krone. 4. Es bleibet zwar der Hohe Werth der Gnade, die uns widerfährt, verborgen hier auf Erden. Doch wann Mel. Mein ganzer Geift 505 ie groß ist der Herr vor aller Welt unsre Se in Majestät Gericht einst hält, dann wird er sichtbar werden. Alsdann sieht man ihn mit Kronen uns beIohnen als die Seinen, ewig uns mit ihm vereinen. 5. Wie glücklich, Gott, sind wir alsdann! Wie viel hast du an uns gethan! O laß uns unsre Würde vor Augen haben jederzeit, so tragen wir mit Willigkeit der kurzen Leiden Bürde. Herr, gib den Trieb in die Seelen, dich zu wählen und im Leben uns dir gänzlich zu ergeben. ligkeit, o Gott, schon in der Prüfungszeit, selbst un ter viel Beschwerden, wenn unser Herz sich dir ergibt und treu in Jesu Dienst sich übt! Wie groß wird sie einst werden, wenn sich herrlich jenes Leben wird anheben, wo man Freuden ärndtet von der Saat der Leiden! 2. O wie erhaben ist das Recht, das du uns schenktest, dein Geschlecht und Bundesvolk zu heißen! Bei dir ist unser Vater land; und wer will deiner starken Hand, Allmächtger, uns entreißen? Wenn wir gleich hier müſſen streiten und zu schwach uns finden, hilsst du uns nun überwinden. 3. Du deckest unsre Schulden zu, gibst unsern Seelen wahre Ruh und stärtest uns mit Freude. Dein Sohn ist unser Haupt und Ruhm, wir sein erkauftes Eigenthum und Schafe seiner Weide. Gutes MuMel. Schon ist der Tag 506 Wie heiter fließt mein Leben hin und jeder meinerTage, wenn ich dir, Gott, ergeben bin, der Sündenlust entsage, von jeder bösen Neigung frei und deiner heilgen Vorschrift treu, rechtschaffen denk und handle. 2. Sanft führt dann deine Batertreu mich auf des Lebens Wegen; mit jedem Mor= 380 Glückseligkeit wahrer Christen. Morgen wird sie neu zu hen Freuden viel. Was reicherm Heil und Segen. hilft es mir, wenn ich auch Du, dessen Allmacht mich Welten gewinne? Vergängbeschüßt, gewährst mir Al- lich ist jedes Vergnügen les, was mir nüßt, lenkst der Sinne. Nur Freuden Böses selbst zum Guten. der Tugend entfliehen mir nicht; sie bleiben, wenn Alles auch wantet und bricht. 2. Die Natur streut Luft und Wonne Jedem in den Pilgerlauf; aber schöner geht die Sonne für den Freund der Tugend auf. Ihm strahlet von Sternen ein höhres Entzücken; ihm pflegen die Auen sich schö ner zu schmücken. Die irs dischen Gaben sind Labsal ihm nur; drum beut sie ihm süßer die holde Natur. 3. Dich kennt, dich liebt, dir traut mein Herz: wie könnt ich je verzagen! Ich dulde standhaft jeden Schmerz; du hilfft die Last mir tragen. Verlassen kannst du, Gott, mich nicht; stets warst du meine Zuversicht; du wirst es ewig bleiben. 4. Wenn deine Gnade mich erquickt und Ruh ins Herz mir sendet; Gott, wenn dein Friede mich beglückt und keine Neu mich fränket: wie selig bin ich dann in dir! Wie ahn und fühl ich dann schon hier des Himmels hohe Freuden! O 5. Die Bahn der Tugend und der Pflicht führt hin zum ewgen Leben! Gott, mein Gott, ich zweifle nicht, du wirst zu dem Bestreben, sie treu zu wan deln, deine Kraft, die alles Gute wirkt und schafft, mir Schwachen nicht versagen! Mel. Eins ist Noth, ac, 507 Lieblich sind der Tugend Pfade, Heil des Himmels ist ihr Biel. Hier empfind ich Gottes Gnade und der hoe 3. Furchtlos und mit sich im Frieden geht er seine hohe Bahn. Keine Last kann ihn ermüden, täuschen ihn kein eitler Wahn. Ihn leitet die Wahrheit durchs Lebensgetümmel; sein Sinn und sein Wandel ist schon in dem Himmel. Ihm folget der Beifall der Edlen und Ruh strömt ihm von dem Throne des Ewigen zu. 4. O wer wollte diese Freuden, diese Seligkeit verschmähn? Wer nicht selbst im tiefsten Leiden auf der Bahn der Tugend gehn? Wenn oft auch die Kräfte des Pilgers ermatten; bald laben Glückseligkeit wahrer laben ihn wieder sanft fühlende Schatten. Drum muthig, ihr Christen! Das Ziel ist nicht fern. Uns winket ein Vorbild; o folget dem Herrn! Mel. Der unsre Menschheit 508 mein Glaub ist meines Lebens Ruh und führt mich deinem Himmel zu, o du, an den ich glaube! Ach, gib mir, Herr, Beständigkeit, daß diesen Trost der Sterb: lichkeit nichts meiner Seele raube! Tief präg es meis nem Herzen ein, welch Glück es sei, ein Christ zu sein! 2. Du hast dem sterblichen Geschlecht zu deiner Ewigkeit ein Recht durch deinen Tod erworben. Zum Staube kehrt zurück der Staub; mein Geist wird nicht des Todes Raub, du bist für mich gestorben. Mir, der ich dein Erlöser bin, ist dieses Leibes Tod Ges winn. 3. Ich bin erlöst und bin ein Christ; mein Herz ist ruhig und vergißt die Schmerjen dieses Lebens. Ich dulde, was ich dulden soll, und bin des hohen Trostes voll; ich leide nicht vergebens. Gott selber mißt mein Theil mir zu, hier kurzen Schmerz, dort ewge Ruh. Christen. 381 4. Was seid ihr Leiden dieser Zeit mir, der ich jener Herrlichkeit mit Ruh entgegenschaue? Bald ruft der Herr und ewiglich belohnet und erquickt er mich, weil ich ihm hier vertraue; bald, bald verschwindet al ler Schmerz und Himmels freuden schmeckt mein Herz. 5. Bin ich gleich schwach, so trag ich doch nicht mehr der Sünden schimpflich Joch in meinem Lauf auf Erden. Die Tugend ist mir süße Pflicht, und wenn ich gleich hienieden nicht ganz frei von Fehlern werde, so ist mein Trost: Gott hat Ge duld und fraft mich nicht nach meiner Schuld. 6. Der du den Tod für mich bezwangst, der du mich, Mittler, aus der Angst, die ich verdient, gerissen! Dir, dir verdant ich meine Ruh; du heilest meine Wunden zu; du stillest mein Gewissen; und fall ich noch in meinem Lauf, so richtest du mich wieder auf. 7. Gelobt sei Gott! Ich bin ein Christ, und seine Gnad und Wahrheit ist an mir auch nicht vergebens. Ich wachs in meiner Heis ligung, ich spüre täglich Besserung des Herzens und des Lebens. Ich fühle, daß des Geistes Kraft den neuen Menschen in mir schafft. 8. Dank 382 Glückseligkeit wahrer Christen. 8. Dant sei dir, Jesu, Hoheit dieser Welt; das Dank und Ruhm! Mich Christenthum ist sein Be lehrt dein Evangelium fest hüter, daß er durch sie nicht glauben, hoffen, lieben! wankt und fällt; kein irdisch Es macht mich ruhig; es Gut ist ihm ein Reiz zu erfreut und führet mich zur Wollust, Ueppigkeit und Seligkeit; drum will ichs Geiz. willig üben. Hier rühm ich meines Glaubens mich; für ihn preis ich dort ewig dich! 5. Gerührt durch Mit leid und Erbarmen beim Anblick seiner Brüder Noth, deckt er die Blöße nackter Armen, theilt mit dem Hungrigen sein Brod; er schmecket die Zufriedenheit, womit das Wohlthun uns erfreut. 6. Wirf einen Blick auf ihn, wenn Leiden und Trüb sal ihn zu Boden brüdt. Mein Vater, spricht er, hat durch Freuden in guten Ta gen mich erquickt. Ich kenn in Leiden Gottes Huld und trag die Prüfung mit Geduld. 7. Seh ihn im Kreise der Geschäfte; wie würdig scheint der Christ dir nicht; gewissenhaft braucht er die Kräfte zur Uebung seiner heilgen Pflicht. Sein Fleiß, dem Menschenwohl geweiht, erfüllet ihn mit Seligkeit. 8. Schau auf ihn hin, wenn nun das Ende dem Wirkungskreise ihn entreißt. Mein Gott, spricht er, in deine Hände befehl ich ster bend meinen Geist. Du bist mein Trost auch in der Nacht des Todes. Herr, es ist vollbracht! Dritte Mel. Wer nur den lieben Gott 509 De em Wandrer gleich, der auf der Reise das festgesette Ziel verfehlt, durch Wüsten irrt und sich im Kreise von Furcht und Hoffnung for gend quält, lebt auch der Christ, deß Leitstern nicht ist Jesu Lehre helles Licht. 2. Er irrt umber auf düsterin Pfade, sucht See lenruh und findt sie nicht; wünscht den Besiß von Got tes Gnade, allein er wandelt ohne Licht; greift nach dem Halm, der ihn ver: läßt; er sagt, sein Glaube steht nicht fest. 3. Willst du das Glück des Christen kennen, so sammle nur Erfahrung ein. Sie wird die Segnungen dir nennen, die ihn hienie. den schon erfreun. Sein Glaube hebet über Zeit und Gräber seine Seligkeit. 4. Betracht ihn im Befiß der Güter, der Ehr und Dritte Abtheilung. Lieder über 383 die Pflichten des Christen in besonderen Verbindungen, Zeiten und Umständen. Gesinnung und Verhalten des Christen in besonderen gesellschaftlichen Verbindungen. Häusliche Gesellschaft. 3. Wohl denen, deren Hausgenossen die Furcht des Herrn vor Augen schwebt; wenn Jeder treu und un= Mel. Wer nur den lieben Gott 510 Wohl dem, der verdrossen das, was er soll, in dem Ehebunde in treuer Lieb und Eintracht lebt! Ihm wird so manche Lebensstunde mit Lust und Heiterfeit durchwebt: er blickt mit ruhig frohem Sinn auf seiner Zutunft Tage hin! zu leisten strebt; wenn Eintracht und Zufriedenheit das Haus zum Sig des Segens weiht! 2. Wohl dem, dem from mer Kinder Segen den Ehebund noch schöner macht; wenn sie im Herzen Tugend hegen; in ihren Blicken Unschuld lacht; wenn sie der Aeltern Beispiel rührt und auf den Weg zum Heile führt! 4. Wohl uns, wenn auch bei unsern Freuden sich freut der Nachbar und der Freund; wenn er an unserm Schmerz und Leiden theilnehmend, tröstend mit uns weint; die Bruderhand uns willig reicht und Hülf und Beistand gern erzeigt! 5. Ja denen, die dich findlich ehren, o Vater! strömt dein Segen zu. Sie wandeln, folgsam deinen Leh 384 Gesinnung und Verhalten des Christen Lehren und traun auf dich und finden Ruh; sie finden Freude, deren Werth und Dauer teine Zeit zerstört. 6. Zwar wird auch oft der Kelch der Leiden den Deinen, Herr, von dir gefandt; oft muß die Tod und Trennung scheiden, die Blut und Treue fest verband: oft stört des Grams, des Unfalls Wuth, oft Krantheit ihren Heitern Muth. 7. Doch trinken sie den Kelch gelaffen, den du, ihr Vater, eingeschenkt; du wirst, du kannst sie nicht verlassen, du, Gott, der seiner Kinder denkt und, wenn ihr Glaube standhaft ringt, durch Leiden sie zur Wonne bringt. 8. Drum mag des Todes Arm uns trennen, wir wers den einst uns wiedersehn, vor Gottes Thron die Un= sern kennen, mit ihnen dankend vor ihm stehn, da, wo was mit der Frömmigkeit besteht! 2. O selig, wenn die Herzen, gefaßt auf Freud und Schmerzen, vereint durch Einen Sinn, sich liebend hier verbinden, das wahre Gut zu finden, den ewig dauernden Gewinn! 3. Es wohnet schon hie nieden des Himmels hoher Frieden bei stiller Häus lichkeit. Der Liebe reiner Seelen kann keine Freude fehlen, kein Segen der Zufriedenheit. 4. Sie mildert Sorg und Leiden, versüßt der Erde Freuden, führt Menschen Hand in Hand im fest ver einten Streben durchs kurze Pilgerleben zum Ziel im bessern Vaterland. Der Ehestand. nicht Trennung und nicht 512 Von dir, e Mel. Wer nur den lieben Gott Gott, ner droht. Freuden, du, der du Mann und Weib erschufft und sie im Glück, sowie im Leiden zu großer Pflichten Uebung rufft! Uns diesen Pflichten Mel. In allen meinen Thaten 511 felig, wer zu ganz zu weihn, laß unsers Bundes frieden mit dem, was Gott beschieden, den Weg durchs Leben geht; von Herzen ihm vertrauet und fest auf das nur bauet, Endzweck sein! 2. Erhalt uns stets auf deinen Wegen, nimm gnäs dig unsers Thuns dich an! Laß Wohlstand uns und jes den in besonderen Verbindungen. den Segen mit Dank aus deiner Hand empfahn und fördre unsrer Hände Fleiß, uns, Herr, zum Glück und dir zum Preis! 3. Verleih uns deines Geistes Triebe; erfülle unser ganzes Herz mit reiner, fester, treuer Liebe in Glück und Unglück, Freud und Schmerz: mit Liebe, die in Frömmigkeit durch Blick und Wort und That erfreut! 4. Rein Christ verbittre seine Tage dem andern je durch Ungestüm; und trifft den Einen Last und Plage, so mildre fie der Andre ihm! Das Glück, deß sich der Eine freut, schaff auch dem Andern Heiterkeit! 5. Laßt uns einander, wo wir fehlen, fanftmüthig nachfehn und verzeihn und stets mit dir geweihten Seelen im Guten uns zu wachsen freun! Dann wächst in jedem Augenblick mit uns frer Tugend unser Glück. 513 Mel. Mein ganzer Geist, Gott er Ehestand soll heilig sein! Du, Schöpfer, setztest selbst ihn ein, der Welt zum Glück und Segen. Noch immer fließt in diesem Stand aus deiner milden Vaterhand den Frommen Heil entges gen. Bater! Bater! dich 385 erhöhen die in Chen dein sich freuen, durch dich blühen und gedeihen. 2. Wie glücklich lebt ein frommer Mann, wenn die sein Herz ihm abgewann, die Gott ihm außersehen! Wie glücklich lebt an seiner Hand die Fromme, die ihm Gott verband, ihm hülfreich beizustehen! Wohl euch, wohl euch, fromme Gatten! In dem Schatten seiner Güte jauchst mit freudigem Gemüthe. 3. So strecket weit sich um ein Haus ein rebenreicher Weinstock aus; so blühn auch Ehgenossen. Ringsum umringen ihren Tisch die Kinder fröhlich, munter, frisch, wie junge Frühlingssprossen. nicht! Sorgt nicht! Wie viel Beter zählt ihr, Väter, zählt ihr, Mütter! Sorg und Müh ist hier nicht bitter. Sorgt 4. Gott, die du hier vers bunden hast, erleichtre ihres Lebens Last; gib, daß kein Segen fehle! Laß nie sie ihren Bund entweihn; laß treu sie, züchtig, friedsam sein, Ein Herz und Eine Seele! Sente, lente, Geift der Liebe, ihre Triebe weg von Sünden, daß sie häuslich Glück empfinden! 5. O leite fie von Ueppigkeit auf Freuden, die R man 386 Gesinnung und Verhalten des Christen man nie bereut, auf Freuden echter Tugend, damit auch einst ihr Alter frei von drückenden Beschwerden sei und heiter wie die Jugend! Segne, segne, o du Vater und Berather frommer Chen, alle sie, die auf dich sehen! Bei Trauungen. Mel. Vom Himmel kam der 514 ott, Schöpfer, Stifter heil ger Eh, schau auf dieß Paar aus deiner Höh, das vor dir steht, den festen Bund hier vor dir schließt mit Herz und Mund!" 2. Mit Gnade schau auf fie herab, daß sie zusammen bis ins Grab verträglich, Allem gottesfürchtig sind! vor 3. Laß sie einander innig lich stets lieben, doch nie mehr, als dich; von Untreu auch im Herzen rein und feusch in Wort und Werken sein! 4. Zusammen laß sie dir vertraun, zusammen ihre Seel erbaun, zusammen deinen Ruhm erhöhn und deinen Segen sich erflehn. 5. Was ihnen ihr Beruf gebeut, das laß sie thun mit Freudigkeit; und so geling ihr frommer Fleiß zu ihrem Wohl und deinem Preis! 6. Empfinden und erfahren sie des Erdenlebens Last und Müh, so trage jeder gern sein Theil zu seines Gatten Trost und Heil! 7. Willst du durch Kinder sie erfreun, so gib zu ihrer Zucht Gedeihn, daß an den Pfändern ihrer Eh ihr Herz nie Gram und Jammer seh! 8. Wenn dein Rath ihnen Trübsal schickt, laß sie darin nicht unerquickt; gib heitre Tage nach dem Leid und segn es für die Ewigkeit! 9. Und trennet einst auch sie der Tod, so sei ihr Trost, daß unser Gott die tugendhaft sich hier geliebt, einander ewig wiedergibt. Mel. Mein ganzer Geift 515 Von dir, du Gott ward einst der Ehe Bund geweiht; o weih auch sie zum Segen, die hier vor deinem Angesicht entschlossen stehn, den Schwur der Pflicht ver einigt abzulegen! Laß fie, Vater, dir ergeben, einig leben, treu sich lieben, treu die Pflicht der Christen üben! 2. O du, der du so gern beglückst, so liebreich zu uns niederblickft auf allen unsern Wegen, Herr, laß sie stets sich deiner freun; gib auch zu ihrem Thun Gedeihn, und ihr Beruf sei Segen! Laß sie, Vater, dir ergeben, glücklich Leben in besonderen leben, freudig sterben und vereint den Himmel erben! Verbindungen. 387 Zucht heran, ohn Erkenntniß, ohne Tugend, kann er dann des Lebens Bahn würdig, mit Vernunft be treten? würdig dich, o Gott, anbeten? seinem Nächsten nüßlich sein, deiner Liebe Nach der Trauung. Mel. Mein Gott, das Herz 516 Geht hin! Der sich erfreun? 3. Gott der Eia nigkeit hat euern Wunsch erhört! Geht hin und macht durch Frömmigkeit euch seines Segens werth! 2. Ihm heiliget Beruf und Stand; ihm heiligt euer Herz und folgt der Leitung seiner Hand durch Freuden und durch Schmerz! 3. Euch nehme, schließt nach seinem Rath ihr einst den Pilgerlauf, er, der euch hier vereinigt hat, in seinen Himmel auf. 2. Wächst der Mensch in früher Jugend rob und ohne Jeder, dem du hier auf Erden Kinder gnädig anvertraut, forge, daß fie weise werden, daß er ihre Wohlfahrt baut; lehre früh sie Tugend lieben und das Gute willig üben! Diese Pflicht ist ernst und groß. Nichts, ihr Aeltern, spricht euch los. 4. Menschenschöpfer! Tugendmehrer! Laß, zu fördern Menschlichkeit, Väter, Mütter, Pfleger, Lehrer, Fürsten und die Obrigkeit mit vereinter Sorgfalt wachen, unsre Jugend fromm zu machen, sie durch Lehr und Beispiel ziehn, selber Sünd Aelternpflicht. Mel. Alle Menschen müssen sterben und Laster fliehn! 517 Menschen weis und gut er ziehen, die zum Leben Gott erschuf, welch ein wichtiges Bemühen, welch ein seliger Beruf! Gott zum Ruhm, der Welt zum Segen, ihres eignen Heiles wegen, Kinder weis und gut erichn, welch ein wichtiges Bemühn! 5. Pflanz in aller Kinder Herzen weisen, frommen Tugendsinn, daß fie nicht ihr Wohl verscherzen; laß sie Trägheit, Eigensinn, Aergerniß und Leichtfinn fliehen und um Unschuld sich bemühen! Führe fie auf ebner Bahn, daß ihr Fuß nicht gleiten kann! 6. Dort vor deinem Angesichte werden die Erzie her stehn; selig, wenn sie R2 im 388 Gesinnung und Verhalten des Christen im Gerichte ihre Kinder vor dir sehn und dann sagen können: Keinen, Herr, verlor ich von den Meinen: und dann Kinder flehn für fie: Gott, vergilt nun ihre Müh! 7. Menschen weis und gut erziehen, die dein Wort zum Leben schuf, welch ein, wichtiges Bemühen! welch ein seliger Beruf! Laß, o Heilger, deinen Willen alle Aeltern treu erfüllen; lohne hier schon ihre Müh, lohn, Vergelter, ewig sie! bemühn! Wohl ihnen hier in dieser Zeit und einst in jener Ewigkeit! 4. Sie baun das Wohlsein ihrer Jugend zu deines großen Namens Preis; fie lehren Weisheit sie und Tugend durch eignen und durch Andrer Fleiß: und um Gedeihn fleht ihr Ge bet zu dir, in dessen Hand es steht. 5. Sie prägen früh den jungen Seelen vor dir die tiefste Ehrfurcht ein. Viel Gutes ihnen zu erzählen und sich mit ihnen fromm zu freun, ist guter Väter, Mütter Lust, flößt Tugend in der Kinder Brust. tel. Wer nur den lieben Gott 518 err! welch ein wichtiges Ge schäfte für Aeltern, Kinder zu erziehn! Gib Segen, Weisheit, Lust und Kräfte zu jedem redlichen Bemühn, wodurch man unter weiser Zucht der Kinder Herz zu bilden sucht! 2. Du rufft die Menschen in das Leben und willst, sie sollen glücklich 7. D welch ein wonnes fein; haft ihnen den Bereicher Segen für Aeltern, ruf gegeben, sich gern zu Andrer Dienst zu weihn. Durch Zucht zu beiden führet man sie früh zu weiser Ordnung an. Kinder und die Welt, wenn fromme Zucht auf deinen Wegen, o Herr, der Absicht nicht verfehlt! Luft strömt den Aeltern; Glüd und Heil ist hier und dort der Kinder Theil. 3. Wohl Aeltern, welche deinen Willen hierin mit Redlichkeit vollziehn und, diese Absicht zu erfüllen, sich nach Vermögen treu 8. Und für ein Volk, für ganze Staaten, o welch ein feliger Gewinn, wenn junge 6. Mit weiser Liebe sie zu lenken, mit Freundlich feit in ihr Gemüth die edlern Triebe früh zu senten, ist ihre Sorgfalt stets bemüht. Doch, widerstrebt das Kind der Pflicht, schont weise Zucht des Lieblings nicht. in besonderen Verbindungen. 389 junge Bürger wohlgerathen, sehn und, was sie lernen, erzogen, Herr, nach deinem auch verstehn! Sinn Fleiß, Ordnung, Wohlstand, Fried und Ruh nimmt dann durch sie auf Erden zu. 4. Besorgt für ihren Leib, doch mehr für ihren Geist, schaut stets umher, was ihrer Unschuld schaden kann, und führt sie selbst zur Tugend an! 9. Ach aber welche Pest auf Erden bringt die versäumte Kinderzucht! Sie häuft den Aeltern selbst Beschwerden, die oft her: nach ihr Herz verflucht. Die Opfer ihrer Lässigkeit vermehren selbst noch dort ihr Leid. 5. Erstickt durch gute Lehr und Zucht der ersten Sünden Keim und Frucht; sorgt, daß sie werden Gottes Bild, gerecht und liebevoll und mild! 10. Gott, lehr Aeltern dieß erwägen; erweck und stärke ihr Bemühn, daß unter deinem milden Segen sie ihre Kinder wohl erziehn! O laß sie einst so glücklich sein, mit ihnen sich noch dort zu freun! Mel. Wo Gott zum Haus 519 Groß ist, ihr Aeltern, eure Pflicht! Verwahrlost eure Kinder nicht! Gewöhnet sie von früher Zeit mit Gott zu frommer hätigkeit. 2. Wohl euch, wenn keines je vergißt, mwas aller Weisheit Anfang ist, daß Liebe gegen Gott und Scheu vor ihm die beste Klugheit sei. 3. Lehrt sie, wenn ihr Verstand erwacht, Gott ken nen, seine Huld und macht! Lehrt sie auf seine Werke 6. Zerstört des Lehrers Unterricht zu Haus durch böses Beispiel nicht; schüßt vor der Strafe seiner Hand nie ihren Troß mit Unvers stand! 7. Wist, daß sie recht und irre gehn, so wie sie euren Wandel sehn! Sie sind durch Beispiel leicht regiert; weh, weh euch, wenn ihr sie verführt! 8. Jhr junges Herz ist schwach und weich; drum rühmt vor ihren Ohren euch der Uebertretung eurer Pflicht in eurer eignen Jugend nicht! 9. Muthwillen nennt nie Wizz; nie preist des Knaben schadenfrohen Geist als Munterfeit, ein trüglich Herz und Lügen nie als Spiel und Scherz! 10. Lehrt friedlich sie, genügsam sein, entbehren und sich dennoch freun; tilgt R 3 Geiz 390 Gesinnung und Verhalten des Christen Geiz und Neid aus ihrer kennen; laß sie nie gefähr Brust, macht ihnen Chii- lich irren, leite fie. stensinn zur Luft! 11. Gewöhnt sie an der Tugend Müh, an Ernst und Fleiß und lehret sie, daß Arbeit feine Sclaverei, daß sie das Glück des Men schen sei! 12. So nehmt euch ihrer Seelen an; Gott richtet einst und fordert dann, wenn ihr nicht, was ihr thun sollt, thut, von eurer Hand der Kinder Blut. 13. Erwägts und fürchtet sein Gericht, um auch vor seinem Angesicht euch ewig ihrer zu erfreun; denn sie sind sein Geschenk und sein. 2. Wenn treuer Aeltern Liebe sucht sie aufzuziehen in der Zucht; so steh, da mit sie glücklich sei, mit deiner Weisheit ihnen bei. 5. Jm Glauben mache. sie gewiß, bewahre sie vor Aergerniß, und naht Versuchung ihnen sich, so stärke du sie väterlich. 8. Erhöre, Höchster, dieß Gebet; verleih, was wir von dir erfleht! Dann danken einst, Allvater, wir mit Mel. Vom Himmel kam der 520 Die Kinder, de allen unsern Kindern dir! ren wir uns freun, sind alle, Gott und Bater, dein; sind deine 521 Menett, befehle Mel. Fren dich sehr, o meine Kinder, beste Gab, o Herr; bewahre sie, Barmherziger! 3. Gib allen Kindern Lern: begier, zum Guten Lieb und Lust zu dir und laß sie meiden ohne Zwang: Troß, Eigensinn und Müßiggang. 4. Gesegnet sei ihr Unterricht! Laß sie durch deines Wortes Licht dich recht er6. Hilf, daß sie dich an jedem Ort vor Augen haben und dein Wort und sich bes fleißen jederzeit der Tugend, Zucht und Frömmigkeit. 7. Daß wir in ihnen Christen sehn, die freudig deine Wege gehn, und Bürger einst, voll Lust und Muth, zu thun, was edel ist und gut! ich dir an; du gabst sie mir. Preis sei dir von ganzer Seele, Preis und Dank, o Herr, dafür! Ach verlaß, verlaß sie nie, segne und behüte sie, daß sie, dir zum Wohlgefallen, früh schon deine Wege wallen. 2. Aber ach! wie viel Ge fahren warten ihrer in der Welt! Wer vermag sie zu bewahren, wenn nicht deine Hand sie hält? Unbezwing lich laß sie sein allen Lüsten, fromm in besonderen fromm und rein nur nach deinem Beifall trachten, auf des Lasters Reiz nicht achten. 3. Nicht, daß du mit allen Leiden hier auf Erden sie vers schonst; nicht, daß du durch stete Freuden ihre Tugend hier schon lohnst, jeden ihrer Wünsche stillst, fede Hoffnung gleich erfüäst; nicht unt Schäße, die vergehen, darf und will ich für sie flehen. ihrer LebensKindespflicht. reiſe, wie es längst dein 522 noch im Streife Mel. Gott des Himmels und inder, Rath bedacht, ihnen das nur, was sie weise und des Himmels würdig macht. Wichen sie von dir zurück; ihr verlornes Seelenglück wär mit allen Erdenschäßen nimmer ihnen zu erseßen. eurer guten Aeltern weilt und um Kleidung, Trank und Speise sorglos nur zu ihnen eilt; noch durch sie in jeder Pflicht Lehr pfangt und Unterricht; em2. Kinder, o bedenket frühe, was sie thun für euer Glück; denkt der na menlosen Mühe, die sie euch vom Augenblick eures Aufblühns bis zur Zeit eurer Reife stets geweiht. 5. Doch die Bitte, die ich wage, finde gnädiges Gehör. Laß nicht ihre Lebenstage, guter Gott, ganz freudenleer. Werden sie geprüft durch dich: o so sei es väterlich, und dann laß es ihren Seelen nicht an Trost und Stärkung fehlen. 6. Keins von meinen Kindern werde durch das Laster elend, Gott; keins dem Nächsten zur Beschwerde, oder seiner Feinde Spott. Nüglich laß der Welt sie sein, keine Müh und Arbeit scheun, fiill sich ihres Fleißes nähren und durch ihn dem Mangel wehren. Verbindungen. 391 ihrer 7. Jener Siegstag der Gerechten sei auch mir ein Freudentag! Hilf, daß mir zu deiner Rechten keines fehlen mag! Dann frohlock ich: Vater, sieh, hier bin ich, hier sind auch die, die mir deine Huld geliehen, sie zum Himmel zu erziehen. 3. Aelternlieb ist ohne Schranken. Kinder, nie belohnt ihr sie; danken aber könnt ihr, danken euren Aeltern Lieb und Müh; danken manche lange Nacht, sorgenvoll für euch durchwacht. 4. Sie aus reinem Herzen lieben, ihnen treu und folg= sam sein; nie mit Vorsat sie betrüben, jede Kränkung schnell bereun; ohne Klügeln R 4 ihnen 392 ihnen traun und auf ihre Winke schaun; 5. Ringen, daß der Treuen Pflege nicht an euch vers loren sei, daß ihr auf der Tugend Wege, eurem hohen Rufe treu, jedem Lafter troßend, geht. bis ihr einst am Ziele steht; 6. Eure Kraft den Aeltern leihen, wenn sie kraftlos sind und schwach; sie mit Trost und Hülf erfreuen bei des Alters Ungemach; dieß is Kindesdank und Pflicht. Kinder, dieß vergeſset nicht! Gesinnung und Verhalten des Christen Mel. Jesus, meine Zuversicht 523 Gott, mein Bater, Dank sei dir: du haft Gutes, Leib und Leben durch die Hand der Neltern mir ohne mein Verdienst gegeben. Mir be glückst du ihre Müh und auch mir erhältst du sie. 2. Oft hab ich sie zwar betrübt, sie, die von den ersten Tagen doch so zärtlich mich geltebt, mich mit viel Geduld getragen. Gott, dadurch kränkt ich auch dich: o wie beugt mein Undank mich! 3. Was ich ihnen schuldig bin, hafte tief in meinem Herzen! Laß mich ja durch Eigensinn niemals ihre Gunst verscherzen; gib, daß meine Dankbarkeit, mein Gehorsam sie erfreut! 4. Laß mich, Gott, wie du verlangst, jede Kindspflicht gern erfüllen! Denn wie oft hat Sorg und Angst sie beschwert um meinetwil len! Haben sie nicht manche Nacht, wann ich schlief, für mich durchwacht? 5. Jesus stelle sich mir dar, er, das Beiſpiel aller Kinder, der der Herr vom Himmel war, Gottes Sohn, das Heil der Sünder, er war doch von Kindheit an seinen Aeltern unterthan. 6. Ihren Willen thun sei mir meine Lust! Denn das ist billig, auch gefällig, Gott, vor dir; dazu mache ſelbſt mich willig! Wohl mir dann! Dann wird auch mein dein verheißner Segen sein! 7. Laß auf ihre Wünsche mich findlich und mit Sorgfalt achten; ja, selbst ihren Wünschen mich noch zuvor: zukommen trachten; nicht für sie Beschwerden scheun und ihr Glück mit Freuden sein! 8. Ehrerbietig laß mein Herz wirklich sein und nicht blos scheinen. Laß mich auch, trifft sie ein Schmerz, zu dir heiße Thränen wets nen; ihnen deine Hülf er flehn, nach der Hülfe dich erhöhn! 9. Meiner Aeltern Schuß fet in besonderen Verbindungen. Geschwisterliebe. sei du! Ihrer Wallfahrtszeit auf Erben lege viele Jahre zu: laß sie alt im Segen werden und erhör Mel. Herr, ich habe mißgehandelt auch ihr Gebet, das für 393 525 Wenn Geschwiſter fromm und weise, nachsichtsvoll und gütig sind; wenn in ihrem stillen Kreise stets des Friedens Quelle rinnt, o dann ruht auf ihnen allen Gote tes Blick und Wohlgefallen. 2. Durch das Band des Bluts verbunden sollen sie durchs Leben gehn und den Mel. Wer nur den lieben Gott Reiz der schnellen Stunden 524 Wir flehn für freundlich mehren und er höhn; sollen Haß und Neid entfernen und auch Andre lieben lernen. unsrer Aeltern Leben dich, aller Menschen Vater, an. Du hast sie uns zum Heil gegeben, sie leiten uns auf deiner Bahn. Von ganzem Her zen danken wir für deine Vaterliebe dir. 3. Mit entschloßnem frohem Herzen üben sie, was Gott gebot, theilen Freude, Gram und Schmerzen, mindern jedes Tages Noth; warnen sich, so oft sie fehlen, und veredeln ihre Seelen. 10. Alles Kreuz mach ihven leicht; hilf es, Vater, selber tragen, und wenn sie ihr Ziel erreicht nach den spätsten Lebenstagen, so gib du vor deinem Thron ihnen frommer Aeltern Lohn! 2. Verleih uns stets für ihre Lehren ein offnes, weis ses, sanftes Herz und laß uns gern sie findlich ehren, daß niemals Kummer, Gram und Schmerz der treuen Aeltern Herzen kränkt und ihre Liebe von uns lenkt! 3. Gib ihnen deinen besten Segen und Alles, was ihr Herz erfreut! Beschirme sie auf ihren Wegen in ih rer ganzen Lebenszeit! Gefegnet sei ihr Erdenloos und einst ihr Lohn im Himmel groß! 4. O wer wollt in früher Jugend nicht schon sanft und friedlich sein? Aus den Häusern dringt die Tugend in die große Welt hinein. Wer die Seinen kann betrüben, wird der Andre redlich lieben? 5. Nur das Haus, wo Liebe wohnet, wird gesegnet und erfreut. Aeltern sehn sich dort belohnet, Kindern ist ihr Glück bereit; alle R 5 Haus 394 Gesinnung und Verhalten des Christen Hausgenossen streben, sich mit Freuden zu umgeben. 6. Liebe, komm herab vom Himmel, komm in unser Herz herab! Leite durch das Weltgetümmel auch die Unsern bis ans Grab! Laß durch deine Macht auf Erden jedes Hauß regieret werden! Eigensinn ist Verlegung meiner Pflicht. Wenn ich gleich beglückter bin, dennoch ziemt mir Herrschsucht nicht. Lieblos, hart und grausam sein heißt: der Menschheit Recht entweihn. Loos, Gott, nach deinem weisen Rath, machst oft Einen reich und groß, wenn der Andre Mangel hat; aber weise, gut, gerecht bist du für den Herrn und Knecht! 2. Wer bei ärmerem Geschick seine Zeit und Kraft mir leiht; wer zu meines Hauses Glück treu sich meinem Dienste weiht; wer durch Folgsamkeit mich ehrt, der ist meiner Liebe werth. auf 3. Er hat Recht auf Güt und Huld, wenn ihn Redlichkeit beseelt; Recht Nachsicht und Geduld, wenn er ohne Vorjah fehlt. Ich bin selbst nicht fehlerfrei; kann ich fordern, daß ers ſei? 4. Hochmuth, Stolz und 5. Herr der Herren, gib mir Kraft, daß ich stets ge recht und treu, liebreich und gewissenhaft gegen jeden Menschen sei! Jeder ist dein Kind, wie ich, und erhält sein Recht durch dich. Für Herrschaften. Mel, Nicht so traurig, nicht Mel. Auf Christenmensch! 526 Duvertheils der 527 Durch dich, Gott, bin was ich bin, und es ist deine Gabe, daß ich, als Herr, so viel Gewinn vor ärmern Brüdern habe. Sie leihen ihre Dienste mir: dieß, Gnädiger verdank ich dir. 2. Erfüllen sie mit Redlichkeit und Aufwand ihrer Kräfte, was ihnen ihre Pflicht gebeut, in ihrem Dienstgeschäfte, so gib, daß ich für ihre Treu auch dankbar und gefällig set! 3. Hilf, daß ich jedem seine Pflicht aufs möglichste versüße; daß, wenn an Hülf es ihm gebricht, er sie von mir genieße; daß ich ihm Fehler gern verzeih und, wird er frant, sein Pfleger sei! 4. Gib, daß ich auch zu rechter Zeit Erholung ihm pers in besonderen vergönne, gern seine treue Redlichkeit, gern seinen Werth erkenne und ja aus nichtgem Vorwand nie ihm den verdienten Lohn entzieh! 5. Auch der geringste Die ner ist bestimmt zu höherm Leben; für mich und ihn hat Jesus Christ sich in den Tod gegeben. Vor dir, o Gott, hat einst der Knecht mit seinem Herrn ein gleiches Recht. 6. D präge dieses tief mir ein! Nie müss ich mich erkühnen, gefühllos gegen die zu sein, die meinem Hause dienen. Der mir hier dient, ist Mensch wie ich; ich soll ihn lieben gleich als mich. Verbindungen. 395 3. Lehr ohne bittre Klagen des Lebens Last mich fragen und Weichlichkeit verschmähn; im Reden und im Schweigen mich ehrerbietig zeigen und gern den Weg der Demuth gehn! 4. Der Herrschaft Wohl zu mehren und Schaden abzuwehren, soll meine Freude sein. Ich will sie herzlich lieben, mit Vorsaß nie be trüben, verdroßnen Sinn und Frechheit scheun. 2. Du heißt mich Andern dienen, und dien ich redlich ihnen, so folg ich dir, mein Gott. Drum laß der Herrschaft Willen mich gern und treu erfüllen; dieß ist dein Wille, dein Gebot! 5. Ich will sie nie beneiden; will alle Trägheit meiden und alle 3antsucht fliehn; will recht thun, nicht betrügen, nicht lästern und nicht lügen und allem Leichtsinn mich entziehn. 6. In meinem Dienst auf Erden geschickter stets zu werden, sei Freude mir und Pflicht. Wer treu ist hier im Kleinen, den zählst du zu den Deinen, und er beFür Dienende. Mel. In allen meinen Thaten 528 ott, deinen weis reut sein Leben nicht. sen Willen soll Jeder hier erfüllen; laß ihn mir heilig sein! Laß alle meine Kräfte mich eifrig dem Geschäfte, zu dem du mich berufen, weihn! 7. Du bist stets der Gerechte, der Herr der Herrn und Knechte und beider Trost und Heil. Wer niedrig ist auf Erden, fann groß im Himmel werden, hat an ihm wie der Höchſte Theil. 8. Dieß laß mich stets erwägen; denn dieß gibt Trost und Segen und reicht die Hoffnung dar: einst wirst du, Herr der Welten, R 6 deit 396 Gesinnung und Verhalten des Christen den Fleiß noch mehr vergelten, womit ich Menschen nüßlich war. Mel. Mein erft Geschäft sei 529 B mich, mein Berufen hast du Gott, in Andrer Dienst zu leben, um mir dadurch mein täglich Brod in dieser Welt zu geben. mir so werth, als obs das meine wäre. 8. Erkennt sie meine Treue nicht, so seis mein Trost auf Erden, daß sie, Gott, deinem Angesicht nicht kann entzogen werden. 9. Mit Wohlgefallen siehst du sie und wirst schon hier im Leben mir auch bei aller meiner Müh, Gott, deis nen Frieden geben. 7. Tie Freude, die ihr widerfährt, ihr Wohlstand, ihre Ehre, das Alles sei auch 2. Auch ich soll hier in meinem Stand nach meinen Kräften nüßen, und du, Gott, willst mit Vaterhand mich dabei unterstüßen. 3. Dlaß in meinem Dienst dieß nie mich aus den Augen seßen; und ko stet mirs auch Kampf und Müh, nie meine Pflicht verleßen! Für Wittwen. Mel. In allen meinen Thaten 4. Sib, daß ich, meinem 530 Auf Gothen Rufe treu, stets meiner Herrschaft Willen, damit sie meines Diensts sich freu, mit Eifer mög erfüllen! nur will ich sehen; er hört der Wittwen Flehen und nimmt sich ihrer an. In allem Schmerz und Leide ist er mir Trost und Freude, der Fels, auf den ich bauen fann. 5. Hilf, daß ich, wie mein eignes Gut, das Jhrige betrachte; auf Alles, was sie meiner Hut vertraut, mit Sorgfalt achte. 6. Nie komme mir es in den Sinn, mit raubbegiergen Händen, aus schnöder Liebe zum Gewinn ihr Etwas zu entwenden! 2. Mich leitet seine Gnade auf meines Lebens Pfade bis an das stille Grab. Er wird mich nie verlassen! Dieß Trostwort will ich fassen: es ist mein stärkster Wanderstab. 10. Kommt meines Lebens Abend dann, so nimmſt du, der die Müden gern aufnimmt, mich mit Ehren an und schenkst mir ewgen Frieden. 3. Wo seit viel tausend. Jahren betrübte Wittwen waren, da sah Gott gnädig hin. Er pflegte die Betrübten in besonderen ten, wenn sie nur stets ihn liebten und wandelten nach seinem Sinn. 4. Auch mich wird er be merken, mich trösten, segnen, stärken und mir zur Seite stehn. Wie groß ist ſeine Güte! Mit ruhigem 531 ma will ich nen Wegen gehn. 5. Ich will ihn gläubig ehren und meine Tugend mehren in stiller Einsamkeit. Er sieht ja, wie ichs meine, er sieht auch, wann ich weine, und gibt mir, was mein Herz erfreut. 6. Auch wenn ich mehr noch litte; bis zu dem leßten Schritte will ich ihm folgsam sein. Er prüft mich nur durch Leiden und führt zu höhern Freuden bewährt erfundne Dulder ein. 7. So eilen meine Tage mit jeder Last und Plage wie Träume leicht dahin; ich lege meine Glieder im Tode ruhig nieder und weiß, daß ich erlöset bin. 8. Einst geh ich, den zu schauen, der ewig mein Vertrauen, mein Gott ist und wein Freund. Wie will ich dann ihn ehren, ihm danfen für die Zähren, die ich als Wittwe hier geweint! 9. Dann find ich, den ich liebte, deß Tod mich einst betrübte, in meines Gottes Hand; dann trennt kein Verbindungen. 397 Tod uns wieder, dann schallen unsre Lieder durchs thränenfreie Vaterland." Für Waisen. In voriger Melodie. m Frühling meiner Jahre, Gott, sah ich schon die Bahre des guten Vaters stehn; und sie, die mich geboren, war früh für mich verloren, als Kind mußt ich ihr Grab schon sehn. 2. Unwissend, was mir nüße, so schwach und ohne Stüße, muß ich verlassen. gehn! Wer wird mir Rath ertheilen, wer mir zu Hülfe eilen, wer hört auf armer Waisen Flehn? 3. Doch wer war's, der mich beugte, so tief zum Staube neigte? Warst dus nicht, großer Gott? Dein weiser Rath regieret der Menschen Schicksal, führet es fort durch Leben und durch Tod. 4. Du willst dich an den Waisen als Vater ja beweisen und Armen Gutes thun; Verlaßne willst du hören, die Aelternlosen nähren; dein Segen soll auf ihnen ruhn. 5. Und seit viel tausend Jahren hast du, die Waisen waren, so väterlich ernährt, die sich auf dich verließen, R 7 sahn 398 Gepnnung und verhalten des Christen sahn, Gott, zu deinen FüBen ihr heißes Flehn von dir erhört. 6. Auch mich kannst du nicht hassen, du wirst mich nicht verlassen; ich will dir ganz vertraun. Dein Herz ist mir ja offen, fest will ich auf dich hoffen, auf dich in trüben Stunden schaun! 7. Ja, du wirst mich ernähren, mir Rath und Hülf gewähren; wo ist ein Gott wie du? Nur was mir nüßt, das schenke mir, deis nem Kind, und lenke mir frommer Dienschen Liebe zu! 8. Und wenn in diesen Jahren Verführung und Gefahren und Laster um mich sind, o dann sei, treuer Vater, mein Führer, Freund, Berather, ach dann verlaß nur nicht dein Kind! 10. Arbeitsamkeit und Treue, begangner Fehler Reue, ein wahres Christenthum; ein zärtlich Herz für Freunde und Sanftmuth gegen Feinde; dieß sei mir mehr, als Glück und Ruhm. mühen, an Aeltern Statt mir sind, mich warnen und belehren, laß herzlich mich verehren, sie dankbar lieben wie ihr Kind. 11. Und die, die mich erziehen mit redlichem Be12. Ihr Lohn sei, Gott, dein Segen! Auf allen ihren Wegen wollst du ihr Führer sein; und wenn sie dann einst sterben und deinen Himmel erben, laß jenseits mich mit ihnen freun! 13. Verklärt werd ich dann stehen, die Aeltern wiedersehen, um die ich hier ge weint; ich werde vor dich treten, zu dir, Erlöser, beten: lohn ihnen ewig, Menschenfreund! 9. Es schlag von früher Mel. Wer nur den lieben Gott Jugend für Gottesfurcht und 532 Wenn Menſchen und Unschuld nur mein Herz! Fromm sein auf deinen Wegen, sei meine Lust, mein Segen, und Unrecht thun und sehn mein Schmerz! Dankbarkeit gegen Wohlthäter. dir an Güte und Wohlthun, Vater, gleich zu sein; wenn sie mit willigem Gemüthe durch Rath und Hülfe mich erfreun: mit reichem Se gen segne dann sie, die ich nicht belohnen kann! 2. Ich will mich aller ihrer Freuden und ihres Glücks von Herzen freun; voll Kummer über ihre Leiden gern, wie ich kann, ihr Tröster sein; und kann ich lindern ihre Noth, mit Freuz in besonderen Freuden will ichs thun, o Gott! 3. Und kann ichs nicht, dann, Vater, dringe mein eifrigstes Gebet zu dir; was ihnen gut ist, das gelinge! Denn, Herr, sie thaten wohl an mir. Auf Jeden komme Freud herab, der seinen Brüdern Freude gab! 4. Ich will sie lieben und sie ehren; will über mein Bedürfniß sie mit meinen Klagen nicht beschweren, bescheiden stets und lästig nie; will, wenn ihr Herz auch Andre liebt, nie neidisch sein und nie betrübt. 5. Erfreue sie mit deiner Güte; dein Segen komme über sie; sei stets ihr Helfer und behüte vor Widerwärtigkeiten sie! Empfinden sie Gefahr und Schmerz, so tröst und heile selbst ihr Herz! 6. Nimm sie zu deines Reiches Erben, wenn einst sie scheiden, gnädig an! Erquicke sie mit Trost im Sterben, die mir im Leben wohl gethan; und dort, o Gott, vor deinem Thron sei herr lich einst und groß ihr Lohn! Verbindungen. dein; dein soll auch Dank und Ehre sein, daß du der Kirche, die du liebst, noch immer treue Lehrer gibst. 2. Gesegnet sei ihr Amt und Stand! Sie pflanzen, Herr, von dir gesandt, von Zeit auf Zeit dein heilig Wort und Licht mit ihm und Tugend fort. 3. Wie freut ein guter Lehrer sich, wenn er erleuchtet selbst durch dich, den Jüngern Jesu gleichgesinnt, viel Seelen für dein Reich gewinnt. 4. Dank dir, da du auch uns so liebst, daß du uns treue Führer gibst, die weise sind und tugendhaft, in Lehr und That voll Geist und Kraft! 5. Laß ihres Unterrichts uns freun, gewissenhafte Hörer sein und schäßen deiner Wahrheit Werth, die uns ihr Unterricht er= klärt! 6. Dein Wort ist, was sie lehren, Herr! Laß uns dadurch stets heiliger und besser werden; nur alsdann gehn wir einher auf rechter Bahn. 7. Ermahnen, warnen, strafen sie, so weigre, wer sie hört, sich nie, zu hassen, was du uns verbeutst, zu thun, was du durch sie ge8. Das Kirchliche Gesellschaft. Lehrer und Zuhörer. Mel. Wo Gott zum Haus 533 Das Amt der Leh- beutst. rer, Herr, ist 399 400 Gesinnung und Verhalten des Christen 8. Das ist der Lehrer bester Lohn, wenn ihrer Mühe Früchte schon sie hier in unsrer Tugend sehn, mit uns den Weg zum Himmel gehn. 9. Fern sei von uns der Frevel, Gott, durch Undank sie, durch Haß und Spott zu fränken; daß sie, was sie thun mit Freuden, nicht mit Seufzen thun! 10. Ja, Gott, wir wollen sie erfreun und dankbar fromme Hörer sein, so führst du einst auch uns zugleich mit ihnen in dein ewges Reich. Zeit zum Leben in der Ewigkeit, gib, Herr, ihm Licht und Kräfte. Lehr ihn, hilf ihm thun und leiten, dulden, streiten, beten, wachen, selig sich und uns zu machen. 3. Laß deinen Geist stets auf ihm ruhn; laß ihn sein Amt mit Freuden thun; nichts sei, was ihn betrübe. Gib für die Wahrheit, die er lehrt, ein Herz uns, das sie willig hört, ein Herz voll reiner Liebe! Leben hilf uns dann im Leiden, wie in Freuden, seine Lehre uns zum Heil und dir zur Ehre! 4. Wann einst dein groBer Tag erscheint, laß ihn, laß unsern besten Freund uns dir entgegen führen! Die Seelen sind ihm zu Mel. Mein ganzer Geist, Gott 534 Wohl uns! Wohl gezählt; o gib, daß dort uns, daß Gott uns liebt, uns immer treue Lehrer gibt, die uns zum Himmel führen; die, aufgeklärt durch Wissenschaft, voll Tugendliebe, Geist und Kraft, der Sünder Herzen rühren! Rühmet, preiset seine Treue! Wieder neue ward sie heute: Dank sei unsre heilge Freude! 2. ihm keine fehlt! Laß keine sich verlieren! Gott, wie werden wir uns freuen um den Treuen, wenn zum Lohne deine Hand ihm reicht die Krone! Wir reichen segnend ihm die Hand, den Gott zum Lehrer uns gesandt. Heil ihm zum Lehrgeschäfte! Zu bilden uns hier in der Bei Einführung eines Religionslehrers. Nach der Handlung. 5. Só sei gesegnet, Knecht des Herrn! Nie sei dein Herz nun von uns fern; du kommst in Gottes Namen. Wir reichen freudig dir die Hand; wir gehn mit dir in's Vaterland; du führst uns in besonderen uns. Amen! Amen! Heilig bleib uns diese Stunde! Unserm Bunde treu zu leben, jei stets unser freudig Streben! 2. Sie kennen dich, o Gottes Sohn, und deine heilgen Lehren. Ist Freude dort vor deinem Thron, wenn Sünder sich bekehren; so laß auch heute Freude sein, da diese Kinder dir sich weihn und ihren Bund erneuen! Bei der Confirmation. Mel. Es ist das Heil uns 535 Die hier vor dei nem Antlig stehn, sind, Jesu, deine Glieder. Blick, wenn vereint wir für sie flehn, erbarmend auf sie nieder; gib ihnen, Herr, durch deinen Beift das Gute, das dein 536ärte fie, deine Mel. Mitten wir im Leben Mittler, Wort verheißt, im Leben und im Sterben l 3. O laß sie Gnad und nicht Gericht in dieser Stund empfahen, wenn sie mit Glaub und Zuversicht zu deinem Tische nahen! Es stärkte sie dieß Lebensbrod, damit sie, Jesu, deis nen Tod verkünden durch ihr Leben! Verbindungen. 401 Schwachheit auf; und wenn sich Lüste regen, so laß sie gläubig auf dich sehn, die Welt mit ihrer Lust vers schwähn und muthig überwinden! 4. Lacht ihnen bei dem edlen Lauf die falsche Welt entgegen, so hilf du ihrer 5. Zeig, Herr, den Lohn der Ewigkeit von fern den theuren Seelen, die jetzt auf ihre Lebenszeit sich hier dir mit vermählen! treuer Heiland, sie sind dein! Schreib heut ins Buch des Lebens ein die Namen dieser Christen! theur Erlösten! Laß sie ihr Vertraun auf dich unaussprechlich trösten! Wach über ihre Seelen! Sie flehn und schwören alle dir: Herr, dein Eigenthum sind wir! Heiliger Schöp fer Gott! Heiliger Mittler Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Laß sie nie vergessen ihr Gelübde: treu zu sein dir bis ans Ende! 2. Ach, wie viele schwuren auch, fest an dir zu halten, aber treulos ließen sie ihre Lieb erkalten; Verderben ward ihr Ende. Beständig laß dir dieſe sein, die dir schwören, dir sich weihn! Heiliger Schöp fer Gott! Herliger Mittler Gott 402 Gesinnung und Verhalten des Christen. Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreieinger Gott! Stärke sie, die Deinen, in des Glaubens Zuversicht und wahrer Tugend! 3. Locken wird sie nun die Welt, Herr, zu ihren Lüften; ach, du wolleft sie mit Kraft aus der Höhe rüsten! Laß streiten sie und siegen. Die Triebe zu verbotner Lust dämpfe früh in ihrer Brust! Heiliger Schöpfer Gott! Heiliger Mittler Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Laß sie alle Feinde ihres hohen Seelenheils weit über winden! 4. In der Todesnoth laß sie, deine theur Erlösten, daß ihr Glaube standhaft blieb, unaussprechlich trösten! Herr, laß sie bei dir leben! Einst sammle sie mit uns zugleich in dein unvergänglich Reich! Heiliger Schöpfer Gott! Heiliger Mittler Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Laß sie nie vergessen ihr Gelübde: treu zu sein dir bis ans Ende! Mel. Freu dich sehr, o meine S. 537 Sei getreu in deinem Glauben; laß dir diesen festen Grund ja nicht aus dem Herzen raus ben; halte treulich deinen Bund, den dein Herz durchs Wasserbad fest mit Gott ge schloffen hat! Denn wie leicht geht der verloren, der ihm freulos hat geschworen! 2. Sei getreu in deiner Liebe gegen Gott, der dich geliebt; auch die Lieb am Nächsten übe, wenn er dich gleich oft betrübt! Denke, wie dein Heiland that, als er für die Feinde bat! Du mußt, soll dir Gott ver geben, auch verzeihn und liebreich leben. 3. Sei getreu in deinen Leiden und laß dich kein Ungemach, keine Noth von Jesu scheiden: murre nicht in Weh und Ach! Denn du machest deine Schuld größer durch die Ungeduld. Selig ist, wer willig träget, was der Herr ihm auferleget! 4. Sei getreu in deinem Hoffen, wenn dich Gott nicht bald erhört und der Noth, die dich betroffen, nicht so, wie du wünschest, wehrt. Halt an seine Treu dich fest; glaub, daß er dich nicht verz läßt; seine Hülf ist schon vorhanden. Wer so hofft, wird nie zu Schanden. 5, Sei getreu bis an das Ende, daß kein Leid und keine Noth je von deinem Gott dich wende; sei ihm treu bis in den Tod! O bas Leiden dieser Zeit ist nicht werth der Herrlichkeit, die dein 403 dich, treuer Hirte, des verirrten Kindes an! 5. Keines, feines, ach, von Allen, die mit dir den Bund erneun, laß aus deiner Mel. O du Liebe meiner Liebe 538 Mittler, schau auf Gnade fallen und von dir sie hernieder, die sich deiner Gnade freun und als deiner Kirche Glie der dir geloben treu zu sein; dir, der mit der größten Treue auch für sie dahin sich gab! Segnend schau bei ihrer Weihe, segnend schau auf sie herab! geschieden sein! Herr, verfiegle ihren Glauben, der sie ewig glücklich macht; Keinem laß die Krone rauben, die du Allen zugedacht. 6. Sieh hernieder auf die Deinen, die sich jetzt zu dir gewandt; sieh, die Thränen, die sie weinen, zeugen, was ihr Herz empfand. Laß die seligen Gefühle nie erfalten, nie vergehn; bis zu ihrem Lebensziele laß fie treu im Glauben stehn! in besonderen Verbindungen. dein Jesus dir will geben dort in seinem Freuden leben! 2. Laß die Blüthe ihrer Jugend dir, nur dir geheiligt sein, daß sie nie vom Pfad der Tugend in der Jrre sich zerstreun! Schüße sie vor allen Schlingen, vor den Lockungen der Welt, laß es nimmer ihr gelingen, daß sie ihre Tugend fält! 3. Laß sie treu in deiner Liebe, fest in deiner Lehre sein und durch deines Geistes Triebe Wunsch und That des Bösen scheun! Stärfe sie durch deine Gnade, wenn zu dir sie kindlich flehn, daß sie auf der Unschuld Pfade zu dem höhern Leben gehn! 4. Halte sie mit starken wenn sie wollen, feſt; laß fie fühlen dein Erbarmen, das die Schwachen nie verläßt! Und wenn eins sich je verirrte und verließ der Tugend Bahn, ach, dann nimm 7. Sammle sie einst alle wieder dort in deines Vaters Reich! Sie sind deines Bundes Glieder; einst, den Engeln Gottes gleich, singen sie dir, Herr, zu Ehren dann ihr Loblied hoch erfreut, in der Auserwählten Chören, laut durch alle Ewigkeit. Vor der Einsegnung. ( Die Gemeinde allein.) Mel. Christus, der ist mein Leben 539 Sieh diese jungen Seelen, die, Vater, dir sich nahn! Sie kommen, deinen Segen von neuem zu empfahn. 2. Sie kommen, dir, Vater, sich feierlich zu weihn und 404 Gesinnung und Verhalten des Christen und heilig zu geloben, dir ewig treu zu sein; 3. Versuchungen zur Sünde mit Muth zu widerstehn; den Weg, den Jesus lehrte und selbst betrat, zu gehn. 4. D blick auf sie mit Segen, Auliebender, herab, daß sie vom Weihaltare treu wandeln bis ans Grab! ( DieConfirmanden allein.) 5. Gott, welche heilge Stunde! Laß sie gesegnet sein! Dir, Heiligster, dir wollen wir Herz und Leben weihn. 6. Dich immer findlich lieben, gehorchen willig dir und gern dem Nächsten die nen, ja, Gott, das wollen wir. 7. Wir wollen jede Sünde, das kleinste Unrecht scheun und immer besser werden und uns in Unschuld freun. 8. D blick auf uns mit Segen von deinem Thron herab und laß uns dem Gelübde getreu sein bis ans Grab. Nach der Einsegnung. ( Die Gemeinde allein.) der Alwissende gehört. Ihr jungen Christen, denket nach, was heute euer Mund versprach! 2. Bedenkt, wozu ihr euch verpflichtet; Gott und der Tugend treu zu sein. Von neuem habt ihr euch verpflichtet, Gott euer Le ben ganz zu weihn. O heiVergesset dieses Tages nicht! lig sei euch diese Pflicht! ( Die Confirmirten allein.) Mel. Werde munter, mein 3. Heilig soll ung diese Stunde, ewig unvergeßlich sein! Mit dem Herzen, mit dem Munde schwuren wir, Gott treu zu sein; nicht zu weichen von der Pflicht, bis das Aug im Tode bricht. Gott, der Alles weiß und richtet, weiß, wozu wir uns verpflichtet. 4. Ja, wir wollen uns ergeben unserm Gott und nicht der Welt und in unserm ganzen Leben willig thun, was ihm gefällt! Wer hier säet in der Zeit, ärndtet einst in Ewigkeit. Dort, dort wird der Herr der Welten Jedem nach Verdienst vergelten! Mel. Wer nur den lieben Gott 540 Kinder, dieser( Die Gemeinde allein.) Tag Bundes sei eurem Herzen ewig werth; denn das Verspre chen eures Mundes hat Mel. Wer nur den lieben Gott 5. O wohl euch, wenn ihr Gott wollt leben, wenn euer Herz in besonderen Herz es redlich meint! Dann wird auch Gott euch Segen geben; dann bleibt Gott ewig euer Freund; dann wird euch großes Glück und Heil hier und in Ewigkeit zu Theil. ( Alle.) 5. Sich, o Herr, wir alle flehn: Stärke liebreich mals irre gehu, nie die unsre Seelen! Laß uns nieBahn des Heils verfehlen! ( Die Gemeinde allein.) Mel. Jefus, meine Zuversicht 541 Gottes Gnade sei Alles schwindet mit der Zeit, nur nicht wahre Frömmigkeit. mit euch! Sie verleih euch Kraft und Segen! Wallet freudig, Engeln gleich, curem hohen Ziel entgegen! Groß ist einst der Tugend Lohn vor des ( Zum Schluß der Confirmationshandlung.) Mel. Allein Gott in der Höh Gott! mas 542 Herbich ist, vers geht, und schnell enteilt das Leben; Herr Gott! was ewig festbesteht, bast du dem Geist gegeben: es bleibt der Wahrheit helles Licht es bleibet Tugend, Recht und Pflicht und Jefu heilge Lehre. 2. etlig fet euch dieſer Tag: heilig, was ihr jetzt versprochen! Ach, was euer Mund versprach, werde nie von euch gebrochen! Bleibt auch in Gefahr und Noth fromm und treu bis in den Tod! Verbindungen. 405 Hilf, daß unser Herz, dir treu, standhaft unsre Tugend sei! ( Die Confirmirten allein.) 3. Ja, zu treuer Folgsamkeit haben wir uns dir verpflichtet. Unser Herz sei dir geweiht, unser Geist auf bich gerichtet. O wie selig werden wir in dem Bunde, Gott, mit dir! 2. Die Lehre bleib uns bis ans Grab ein Licht auf allen Wegen, der Jugend Schuß, des Alters Stab, des Herzens Trost und Segen! Sie leit in aller Freud und Noth, in jedem Kampf und durch den Tod uns in das beßre Leben. 4. Stärt uns nur mit deiner Kraft! Schüß uns vor der Macht der Sünden! Gib, daß wir gewissen, Mel. Nun dantet Alle Gott haft böse Lüfte überwinden! 543 Von heiligem Ge der dacht Bei Einweihung einer Kirche.. 406 Gesinnung und Verhalten des Christen dacht tief durchdrungen, sei, Gott, dir heut von uns Lob, Preis und Dank gefungen! Hier wollen wir vereint uns deiner Liebe freun; drum weihen wir dieß Haus zu deinem Tem pel ein. 2. Anbetend dir sich nahn, dich ehrfurchtsvoll erheben, wie süß ist diese Pflicht, wie wichtig für das Leben! Drum wende zum Gebet, zum Dank, zu deinem Ruhm oft unser Herz sich hier in diesem Heiligthum! 3. Hier sollen wir den Sinn von Chrifti Lehre faffen und zur Befolgung uns, zur Treu, ermuntern lassen; hier strahlt dem Geiste Licht, hier quillt dem Herzen Ruh; hier spricht dein Wort, o Gott, Geduld und Trost uns zu. 4. Hier sollen am Altar sich dir, du Gott der Liebe, die Reuverbundnen nahn, dir heil'gen ihre Triebe; vor deinem Angesicht sich schwören Lieb und Treu, damit ihr Leben dir stets wohlgefällig sei. 5. Hier wird mit Dankgebet das Kind in früher Jugend geweiht dem Kinderfreund, dem Vorbild jeder Tugend; hier schwört es einst den Schwur, Gott ewig treu zu sein, und tritt dann in den Bund erwachsner Christen ein. 6. Hier sollen wir vereint das Mahl der Liebe feiern und ernstlich den Entschluß der Besserung er neuern; erinnern uns an ihn, der auf der Liebe Bahn durch Leben und durch Tod uns muthvoll ging voran. 7. Laß dieser Wohlthat Werth uns, Vater, stets erwägen und dieses Hauses Zweck recht ernstlich übers legen. Dann wird der Tag der Weih ein Tag des Se gens sein, und seiner wird ich noch die späte Nachwelt freun. Bei Einführung eines Schullehrers. Mel. Laß mich, o Herr den 544 Laß dankbar uns die Lehrer eh ren, die stets mit Ernst und Sorgfalt sich bemühn, Geist der Jugend zu be lehren, ihr Herz von seinen Fehlern abzuziehn! Dwelche Gaat wird durch sie ausges streut! Sie feimt empor für Zeit und Ewigkeit. 2. Bedauernswürdig find die Seelen, die unbelehrt durch dieses Leben gehn. Wie können sie das Gute wählen, wenn sie nicht auch das Licht der Wahrheit sehn? Wo bleibt ihr Werth? Wo in besonderen Verbindungen. 407 Woher kommt ihnen Kraft Gittlichkeit verbreite sich zum Kampfe gegen Welt und Leidenschaft? 3. Preis dir und Dank, der du der Jugend auch unter uns mit Vaterhuld gedenkst und zu der Weisheit und der Tugend durch freue Führer ihre Schritte lenkst! Wie weise, Gott, wie liebreich, Herr, bist du! Durch Schulen auch strömst du uns Segen zu. 4. Froh sehn der Zukunft wir entgegen, wenn unser Blick auf gute Kinder fällt. Durch sie verbreitet sich dein Segen leinst weit umher in deiner Menschenwelt; und naht sich uns der Tod einst auf dein Wort, so feßen sie dein Wert auf Erden fort. 5. Drum gib, o Gott, den Lehrern Kräfte und regen Trieb, die Kinder dir zu weihn! Lak treuen Fleiß im Lehrgeschäfte stets ihren Ruhm und ihre Freude sein! Erfülle sie mit Achtung für ihr Amt, aus dem das Heil so vieler Seelen stammt! durch sie zu jeder Zeit! 7. O welche Pflichten! Welche Würde! Gott, steh auch diesem neuen Lehrer bei! Erleichtre seines Amtes Bürde, damit er stets getroft und muthvoll sei, und gib auch uns ein Herz, das gern ihn hört und dankbar ist und seine Freuden mehrt! 8. Wenn ihn des Tages Lasten drücken, wenn ihm der heitre frohe Sinn entweicht, dann laß ihn jenen Lohn erblicken, den deine Hand einst treuen Lehrern reicht; und immer geig er dann sich als ein Chrift, der muthig wirkt, solang es Tag noch ist! wenn sie strafen, noch belehren und sorgsam selbst den Schein des Unrechts fliehn! Religion und reine 9. Gott, laß jede Schule blühen und reich an Frucht für Welt und Nachwelt sein! Laß jedes Lehrers Eifer glühen, die Dunkelheit der Seelen zu zerstreun, und einst erheb ihn die beglückte Schaar, für die er hier ein weiser Führer war! Bürgerliche Gesellschaft. 6. Laß sie durch Ernst dem Leichtsinn wehren, Mel. Herr Jefu Chrift, dich durch Freundlichkeit die Her- 545 Nach Gottes weiß z zen auch Rath, der Alles angeordnet hat, wird Völkern dauerhaftes Heil durch der Ge sellschaft Band zu Theil. 2. Nur 408 Gesinnung und Verhalten des Christen 2. Nur durch vereinte Thätigkeit, die sich dem Dienst des Staates weiht, Vaterlandsliebe. Mel. Schon ist der Tag von durch gegenseitiges Bemühn 546 Das Land, das mir Wohlsieht man fahrt blühn. 3. Bedürfniß und des Fleißes Gang wirkt Ordnung und Zusammenhang; der nüßt durch Kunst dem Vaterland und durch die Arbeit seiner Hand; 4. Der durch Verstand und Geisteskraft, durch Einsicht, Kenntniß, Wissenschaft; der nülgt mit seinem kühnen Muth und der mit seinem Erdengut. 5. So knüpfft du, Gott, durch jeden Stand der allgemeinen Wohlfahrt Band; vertheilst mit Weisheit und mit Wahl des Fleißes Gang, der Kräfte Zahl. 6. Glück, Segen, Reichthum, Ueberfluß und aller seitiger Genuß, Bequemlich keit und Freud und Ruh fließt uns durch diese Ord nung zu. 7. Wer wollte denn nicht thätig sein, nicht seines Standes sich erfreun, auf der ihm angewiesnen Bahn nicht wirken, was er wirken kann? 8. Wer jede ihm verliehne Kraft gebraucht und durch fie Gutes schafft, der lebet, wie es Gott gefällt, zum Segen sich und für die Welt. terlich zur Wohnung angewiesen, läßt seines treuen Schußes mich in Glück und Noth genießen; es gibt mir Nahrung, Sicherheit, er hält Recht und Gerechtig keit und schüßt mein Gut und Leben. 2. Drum will ich stets erkenntlich sein, durch nüßliche Geschäfte mich der ge meinen Wohlfahrt weihn; will Zeit, Beruf und Kräfte dem Vaterlande, das mich schüßt und mir und meinen Brüdern nüßt, mit treuem Eifer widmen. 3. Nie will ich Ruh und Sicherheit im Staate fre velnd stören; will meine Landesobrigkeit als Gottes Ordnung ehren und ihren Willen jederzeit mit treuer Unterwürfigkeit nach Mög lichkeit erfüllen. 4. Auch will ich meiner Brüder Glück durch meine Schuld nie hindern; will stets ihr widriges Geschid, so viel ich kann, vermin dern; will freundlich dienen Jedermann und helfen, wo ich helfen kann, zum allgemeinen Besten. 5. Auf, Brüder, die ihrs redlich meint, nüßt eurem Vas in besonderen Baterlande, das euch zu gleichem Zweck vereint, in jedem Amt und Stande! Und fordert es des Landes Wohl, so opfert, wie es Jeder soll, ihm freudig Gut und Leben! 6. Gott, steh uns bei, daß alle wir nach unsern Pflichten leben und schon als gute Bürger hier nach jenem Reiche streben, in daß nur treue Knechte gehn, die in dem Dienste hier bestehn, zu dem du sie betufen. Obrigkeit und Unterthan. Mel. Bom Himmel kam der 547 Gott, der zum Segen für die Welt uns Fürsten gibt und sie erhält, du willst, daß ihnen Jeder treu, gehorsam und ergeben sei. 2 Sie wachen stets mit offnem Blick und sorgsam für der Länder Glück; durch fie fließt Sicherheit und Ruh den Bürgern aller Stände zu. Verbindungen. 409 Kräfte, Sorgfalt, Eifer weiht, gern thut, was jedes ihm gebeut; 5. Wenn er gewissenhaft stets ist, nie seines Bürgereids vergißt und das, was er entrichten soll, gern beiträgt zu des Ganzen Wohl. als Bürger sein. 4. Er ists, wenn er den Fürsten liebt und den Geseßen, die er gibt, Zeit, 6. Er ists, wenn er als Bürger denkt, nie andrer Bürger Rechte kränkt und fern von schlauer Ränke Lift zum Wohl des Landes thätig ist. 7. Er weiß: nur des Gesebes Kraft, und wär es auch noch mangelhaft, gewährt dem Volke Sicherheit und Ordnung und Zufriedenheit. 8. Er lebt, von Trug und Unrecht frei, stets folgsam dem Gesez und treu und fühlt, wenn er es gern volls führt, sich dann so frei, als der regiert. 9. D Gott, laß mich ges wissenhaft und start durch deines Geistes Kraft mich allen meinen Pflichten weihn, so kann ich deiner Huld mich freun. 3. Nicht Jeder ist in Würden groß; oft ist ein niedrer Stand sein Loos; Mel. Aus der Tiefe rufe ich doch Jeder, sei er noch ſo 548 Wer gehorcht, der Jeder Bürger, sich be wußt, daß nicht Jeder herrschen kann, sei ein guter Unterthan! 2. Bist 410 Gesinnung und Verhalten des Christen 2. Bist du niedrig, bist du groß: sei vergnügt mit deinem Loos! Schäm dich deines Standes nicht: nöthig ist ja Jedes Pflicht. 3. 3ur gemeinen Wohlfahrt sei dem Geseße stets getreu! Wer ihm gern gehorchen kann, der nur ist ein freier Mann. 4. Schaue Jesum Christum an; er, wie du, ein Unterthan, und doch aller Fürsten Gott, that, was das Gefeß gebot. 5. Ehre dem, dem Ehr gebührt. Schoß und Zoll dem, der regiert! Gib, als gäbst du Gott, dem Herrn, was dir auferlegt ist, gern! 6. Ordnung und Gerechtigkeit, Schuß und Fried und Sicherheit, welch ein Glück, das man nur hat durch der Obern Rath und That! 7. Lebe selbst gewissenhaft; ihres Wandels Rechenschaft laß dem Herrn und sieh nur du, daß du selbst gerecht seist, zu! 8. Obrigkeit und Unterthan, betet Gott, den Höchsten, an! Fürchtet ihn, denn sein Gericht wird gerecht sein: Sündigt nicht! Hoher Stand. Mel. Vom Himmel kam der 549 er höher durch Geburt schon ist, als seine Brüder, kenn als Christ des bessern Adels Werth und Pflicht; den fühl er, den entehr er nicht. 2. Er, sind ihm Brüder unterthan, er sei ihr Vater, tein Tyrann; so mild und liebreich, als gerecht; er ift, wie sie, auch Gottes Knecht. 3. Nicht wähn er, weil er groß und frei vor den Geringern ist, er sei erha ben über Recht und Pflicht und Rechenschaft; das wähn er nicht! 4. Er sehe, mehr beglückt von Gott, nicht mit Verachtung oder Spott auf den, von dessen Schweiß er lebt, der ihm erwirbt, was ihn erhebt! 5. Er haffe Grausamkeit und Zwang, verprasse nicht durch Müßiggang, was Gott ihm gibt, beglückt zu sein mit Andern, aber nie allein! 6. Froh neben ihm, mit ihm vergnügt sei, wer ihm seine Felder pflügt! Wohlthätig soll er sein; denn er ward darum nur des Armen Herr! 7. Er( denn er hat mehr Macht und Zeit zu höhern Thaten) set bereit, auch mehr zu thun für Volk und Staat, von dem er seinen Vorzug hat. 8. Verächtlicher, als Stlaven, ist im Tod einst Jeder, der vergißt, daß er des Va ters in besonderen Verbindungen. terlandes Wohl auch mehr, als Andre, fördern soll. 9. Doch wenn ers nicht vergißt, so freut der Niedrige sich ohne Neid, weil der der Welt zum Segen lebt, der wohlzuthun sich stets bestrebt; 10. Und spricht in sei nem Tode dann: Das war ein edler, großer Mann! Er, durch der Tugend Glanz verflärt, war seines Glücks und Vorzugs werth! Der Nichter. 5. Er geht, entfernt von Sucht nach Geld, auf des Gefeßes Wegen, und jedes Urtheil, das er fällt, bringt Mel. Schon ist der Tag von 550 Gewöhne dich, seinem Herzen Segen. b wohl dem Land, wo jederzeit nur Wahrheit und Ge rechtigkeit in allen Ständen blühen! durch Wort und That, Gerechtigkeit zu üben, und wandle stets den rechten Pfad, den Gott dir vorgeschrieben! Ein Richter, der dieß je vergißt, parteiisch und bestechlich ist, zerstört das Glück der Erde. 2. D wehe denen, welche nicht ihr Ohr zur Unschuld neigen, die mit Verlegung ihrer Pflicht Gesetz und Rechte beugen! Sie säen Fluch und ärndten Fluch durch ihren feilen Richterpruch; denn Gott beschüßt die Wahrheit. 411 und schreit zu ihm um Rache. Gefoltert von Gewissensqual, erscheinen sie im Todesthal und am Vergeltungstage. 4. Der Redliche nur wird beglückt, der nie das Recht verdrehet, die Einfalt nie durch List berückt und nie die Unschuld schmähet. Er gibt und nimmt und redet Nichts, wodurch die Stätte des Gerichts entheiligt wer den könnte. 3. Wenn sie nicht treu im Amte sind: Gott fennt der Wahrheit Sache. Der Unterdrückten Thräne rinnt 6. Laß Jeder hier sein Amt getreu, o Gott, vor dir verwalten und sein Gewissen vorwurfsfrei bis in den Tod erhalten! In unserm ganzen Vaterland bewahr, o Vater, jeden Stand vor Unrecht und vor Frevel: 7. Es suche Jeder, der dich kennt, im Guten sich zu stärken, und wer den Namen Jesu nennt, laß ab von bösen Werken! Gib deinen Knechten Kraft dazu! Wer kann es anders, Gott, als du? Du bist der Tugend Quelle. 8. Gerechter Gott, be52 lohne 412 Gesinnung und Verhalten des Christen lohne die, die sich vom Un recht wenden! Erquice fie nach Kampf und Müh, wenn sie den Lauf vollen den! Zu deinen Freuden nimm sie auf; denn sie vollendeten den Lauf, der Tausende beglückte. Der Soldat. Mel. Erhalt uns, Herr, bei 551 Bewaffnete! der Krieger Stand bewacht, beschüßt das Baterland und stehet dem Gesebe bei, damit sein Ausspruch wirksam sei. 2. Gehorsam, Treu und Tapferkeit zeigt drum vor Allem jederzeit; vergeßt in Krieg und Frieden nicht den edlen Endzweck eurer Pflicht! 3. Welch wichtger Ruf, wie ehrenwerth! O daß ihr immer ihn nur hört! Weh, wer ihn aus den Augen fest verlegt! 4. Chrt Wahrheit, Recht und fürchtet Gott; nie werde Tugend euer Spott! Die Krieger sind zu feiner Zeit von ihrer Christenpflicht befreit. 5. 3ieht ihr in Krieg, so störet nie die Rechte Andrer; schüpet sie! Gewalt übt ungeheißen nicht; stets leit euch Ehrgefühl und Pflicht! 6. D daß nicht Einer Frevel treib! Daß Jeder schone Greis und Weib und Kind und Säugling, wie den Mann, der widerstehn nicht mag, noch kann! 7. Wer vor euch niederfällt, den hebt mit Brüderarmen auf; wer bebt, den tröstet, Brüder, nie vers gießt Blut, wenn der Feind entwaffnet ist! 8. Dann seid ihr wahre Helben, seid Vertheidiger der Menschlichkeit, dem Volk, wie dem Regenten werth, von Vaterland und Gott geehrt. 9. Gott sei mit euch in Fried und Krieg, mit euch in jedem Kampf und Sieg, mit euch im Leben und im Tod! Hier segne, dort be glück euch Gott! Der Landmann. Mel. Erschienen ist der herrlich mir, Schöpfer, 552 Wohlfer, denn mein Stand ist auch von dir; du schufft das Land für meinen Fleiß und väterlich beglückst und fegnest du auch mich. Ges lobt seist du! 2. Gelobt fei Gott! denn herrlicher und schöner und gesegneter wird jede Flur und jedes Feld durch meis nen Fleiß für Gottes Welt und auch für mich. 3. Im Schweiße meines Une in besonderen Verbindungen. Angesichts arbeite ich, doch wann gebrichts mir, wenn ich thu, was Gott gebeut, an Segen, an Zufrieden: heit? Was brauch ich mehr? 4. Wie lächeln freudig Au und Flur! In meiner Hütte wohne nur die Unschuld, die nie Arges thut, und Gottes Wohlgefallen ruht und wohnt bei mir. 5. Was hat der Reiche dann voraus? Mehr Macht und Pracht, ein glänzend Haus; doch auch mehr Sorg und Üleberdruß; bei allem feinem Ueberfluß mehr Gram. 6. Nicht mehr Gesundheit, Ruh und Kraft, wohl aber größre Rechenschaft. Und wenn ich fromm und gut bin, werd ich selig, wie der Fürst der Erd, wenn er gut ist. 7. Mühseligteit ist Aller Loos, der Mensch sei niedrig oder groß; doch kommen wahre Ruh und Lust auch gern, doch nur in dessen Brust, der Gott gefällt. 8. In seiner Werte Herrlichkeit seh ich ihn täglich; mich erfreut der Sonne Glanz, der stille Mond; Wald, Thal und Berg und Flur belohnt mir meinen Fleiß. 9. Des Weisen Achtung fehlt mir nicht, erfüll ich redlich meine Pflicht; ich 413 bin ein Mann fürs Vaterland, ich nähr es und durch meine Hand lebt Volk und Fürst. 10. Wohl mir, wohl mir! Ich baue gern den Acker Gottes, meines Herrn, und ärndt ich nicht schon hier den Lohn; ich ärndt ihn einst vor Gottes Thron in Ewigkeit. Der Nachbar. Mel. Was Gott thut, bas ist 553 Gib Höchfter, daß fromm und treu auch meine Nachbarn liebe; daß mir ihr Glück erfreulich sei, ihr Unglück mich betrübe; daß ich mich nicht entzieh der Pflicht, mit auf ihr Wohl zu sehen und ihnen beizustehen. 2. Laß mich durch mein Benehmen nie, Gott, ihnen Kummer machen! Mein Herz sei willig, auch für sie zu beten und zu wachen! Ermuntre mich, stets nachbarlich das Gut, das sie bes sipen, nach Möglichkeit zu schützen! 3. Gib, daß ich gern verschwiegen sei und stets den Frieden suche; nie nähre Neid und Heuchelei, nie heimlich Nachbarn fluche! Und thun sie mir auch Unrecht hier, hab ichs nur nicht 414 Gesinnung und Verhalten des Christen nicht verschuldet, so wird lei, von Schmähung und es leicht erduldet. Verstellung frei, was sünd. lich ist, nie rede! 4. Was hilft ein feindseliger Sinn? Er führt nur ins Verderben. Wie schnell eilt unsre Zeit dahin! Wer weiß, wie bald wir sterben! Freunde, seid entfernt vom Streit! Denkt, daß ich euch im Grabe zu stillen Nachbarn habe. 5. Herr, präge du den Sinn mir ein, der mich vor Haß behütet, und laß mich auch als Nachbar sein, was mir dein Wort gebie: tet! Wer liebreich ist, wie du es bist, wird einst, wenn Feinde beben, in ewgem Frieden leben. Umgang. Mel. Schon ist der Tag von Gott 554 Die Bunge, die vernehmlich spricht, hat mir mein Gott gegeben. O, mißbraucht ich doch ihrer nicht! Sie bringet Tod und Leben; sie stürzt in Unglück, hilft in Noth; sie flucht und segnet, fleht und droht; fann hei len und verwunden. 2. Hilf, daß in meines Herzens Grund, Herr, deine Furcht stets wohne, und daß gewissenhaft mein Mund der Wahrheit Rechte schone; daß ich von niedrer Schmeiche3. Auf deinen Ruhm und Andrer Wohl soll stets mein Sinn sich lenken. Hilf mir, so oft ich reden soll, mit Ernste dieß bedenken! Zum Guten rege selbst mich an, damit ich, wo ich nüßen kann, aus Menschenfurcht nicht schweige. 4. O wehe dem verwegnen Mund, der Fluch und Schwur nicht scheuet! Wie bald wird da der Leichtsinn kund, wie oft zu spät bes reuet! Ach, Fluchen bringet Fluch und Noth, entfernet immer mehr von Gott! Herr, lehr es mich bedenken! 5. Auch wehe dem, der Tücke liebt und dessen Worte trügen; der seinen Nächsten gern betrübt mit Falschheit und mit Lügen! Nur Redlichkeit, nur offner Sinn, nur Wahrheitsliebe schafft Gewinn, der ewig uns begleitet. 6. Was züchtig, keusch und ehrbar ist, was wohl und lieblich klinget, das redet überall der Christ; spricht, wenn es Nußen bringet, und scheut den Zorn der Men schen nicht. Doch wird auch Schweigen ihm zur Pflicht, wenn es die Liebe fordert. 7. D gib mir, Gott, ein reines Herz und laß mich Spöts in besonderen Spöttereien und frechen, fittenlosen Scherz mit from mem Eifer scheuen! 3um Sprechen gabst du mir die Kraft; doch soll ich einst auch Rechenschaft von meinen Worten geben. Verbindungen. 415 Freud und Leid, mit brüderlicher Herzlichkeit; und treues Mitgefühl versüßt uns Alles, was uns schmerzlich ist. 7. Trennt auch das Schicksal Freund von Freund, die Herzen bleiben doch vereint durch Liebe, durch Gebet und Rath, und, wo wir Freundschaft. Mel. Vom Himmel kam der 555 welch ein Se können, durch die That. gen ist ein Freund, der, Gott, durch dich mit mir vereint, mit herzli chem Vertraun mich liebt, mit mir sich freuet und betrübt! 2. Der, fest vereinigt erst mit in Geiste 8. Vollenden wir einst unsern Lauf, so nimmt uns dann Ein Himmel auf. Unendlich ist die Seligkeit, die ewig uns vereint erfreut. wann mit mir für Wahr- 556 Herreundes Hand In eigener Melodie. errlich ists, heit nur und Zugend lebt, mit mir nach Einem Ziele strebt! durch das Leben wandeln, und durch Tugend und Verstand fest vereinigt handeln! 3. Wir theilen brüderlich dein Licht, ermuntern uns zu jeder Pflicht; wir bitten dich vereint um Kraft, gleich fromm zu sein, gleich tugendhaft. 4. Vom Jrren hält er mich zurück durch weisen Rath, durch sanften Blid; und wenn er mir zu irren scheint, so warn ich treulich ihn als Freund. 5. Nicht Argwohn, Mißtraun oder Streit, nicht Freude und nicht Traurigfeit, auch nicht des Glückes Unbestand trennt unsrer Freundschaft festes Band. 6. Wir theilen Alles, 2. Ohne Freundschaft gleicht die Welt einem öden Grabe. Wohl mir, daß ich mehr, als Geld, daß ich Freunde habe! 3. Aber da ist Freundschaft nicht, wo nicht Tugend wohnet, wo nicht auf dem Angesicht Herzensgüte thronet. 4. Sittsam ist sie: nicht beim Spiel, nicht bei Trinkgelagen, nicht im lärmenden Gewühl darfst du nach ihr fragen. 5. Aber sieh, du findest sie bei unschuldgen Scherzen; nur bei der Verleumdung nie, nie bei bösen Herzen. 4 6. Freunds 416 Gesinnung und Verhalten des Christen 6. Freundschaft lehrt bec scheiden sein, Andrer Vorgüg ehren; Freundschaft wird dir manche Bein in Vergnügen kehren. 7. Freundschaft zeigt dir klar und frei alle deine Fehler, schmeichelt nicht und macht dabei fröhlich deine Seele. 8. Lächelst du, sie lächelt mit, weint bei deinen Leiden, unter ihrem sanften Tritt sprossen tausend Freuden. 9. Möcht ein Jeder doch recht früh ihrer würdig werden! Dann vermehrte sich durch sie Menschenglück auf Erden. ( Die Lieder 557-559 find ausgefallen.) Gesinnung und Verhalten des Christen zu besonderen Zeiten. Am Morgen. Mel. Mein ganzer Geist, Gott 560 Dich seh ich wie der, Morgens licht, und freue mich der heilgen Pflicht, dem Höchsten Lob zu singen. Ich will, entbrannt von Dantbegier, o mildester Erbarmer, dir mit Herz und Mund lobsingen. Schöpfer, Vater, deine Treue rührt aufs neue mein Gemüthe. Froh empfind ich deine Güte. 2. Du warst auch diese Nacht um mich. Was wär ich, hättest du nicht dich so hülfreich mir bewiesen? Zu meinem Leben seßest du jetzt einen neuen Tag hinzu: sei hoch dafür gepriesen! Durch dich bin ich und ich merke neue Stärke, dich erhebe Herz und Mund, so lang ich lebe! 3. Verleih, o Gott der Lieb und Macht, daß Sünd und Gram, wie diese Nacht, auf ewig von mir fliehe, daß ich die kurze Lebenszeit in christlicher Zufriedenheit zu nüßen mich bemühe! Prüfe, siehe, wie ichs meine, dir ist keine meiner Sorgen, auch die kleinste nicht, verborgen. 4. Ich bin ein Chrift; Herr, verleih, daß ich des Namens würdig sei! Mein Ruhm sei deine Gnade! Denn ach, was bin ich ohne dich? Ein Irrender! Ers halte mich, mein Gott, auf deinem Pfade. Stärt mich, daß ich stets mich übe, deine Liebe zu betrachten, über Alles dich zu achten. 5. Ach, im Geräusch ber Welt soll mich der heilige Gedank an dich oft ftill zu bir erheben. Im dunklen Thale 417 Entzieh zur Uebung meiner Pflicht mir, Herr, nur deinen Beistand nicht. 5. Froh werd ich dann den Tag vollenden, dir, Herr, getreu und meiner Pflicht. Mein Leben steht in deinen Händen, drum schrecket auch der Tod mich Mel. Wer nur den lieben Gott 561 Vol Dant an nicht; und endet heute fich mein Lauf, so eilt mein Geist zu dir hinauf. diesem neuen Morgen blick ich zu dir empor, mein Gott! Du hörst nicht auf, für mich zu sorgen, mein Schuß zu sein In eigener Melodie. vor jeder Noth; du schüß: 562 Gott des Hims test auch diese Nacht: durch dich gestärkt bin ich erwacht. mels und der Erden, Vater, Sohn und heilger Geist, der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn und Mond uns schei nen heißt, dessen starke Hand die Welt und was drinnen ist erhält. zu besonderen Zeiten. Thale wall ich hier; einst nimmst du mich hinauf zu dir, zum Licht und höhern Leben. Auf dich hoff ich! Herr, ich werde mich der Erde gern entschwingen, dir dort ewig Lob zu singen. 2. Wem dank ichs sonst, als deiner Güte, daß mich, o Gott, kein Unfall traf? Mit innig freudigem Gemüthe dank ich dir Stärtung, Ruh und Schlaf! Auch heute wirst du mit mir sein und Kraft zum Guten mir verleihn! 3. Wie viele Tausend meiner Brüder sind jetzt nicht mehr mit mir erwacht; sie sehen nicht die Sonne wieder, nicht deiner Schöpfung neue Pracht. Ich lebe noch und mich erfreut des neuen Morgens Heiterkeit. 4. Erhalter, dir soll jede Stunde auch dieses Tages heilig sein! Ich schwöre dir mit Herz und Munde, vor allemünrecht mich zuscheun! 2. Gott, ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen haft behütet und bewacht und bei aller meiner Schuld mich noch trägst mit Baterhuld. 3. Gleich der Nacht laß meine Sünden vor der Gnade Glanz vergehn, die durch Christum Alle finden, welche gläubig auf dich sehn, der für unsre Missethat sich am Kreuz geopfert hat. 4. Hilf, daß ich mit dies sem Morgen geistlich aufers G 5 stehen 418 Gesinnung und Verhalten des Christen stehen mag und für meine Seele sorgen, daß, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht. 5. Auf der Bahn der Tugend leite du mich, Herr; verlaß mich nicht und verleihe mir auch heute Muth und Kraft zu jeder Pflicht. Dein Geschenk, die Gnadenzeit, werde nie von mir entweiht. 6. Deinem Schuße sei ergeben Alles, was ich hab und bin! Dir vertrau ich Seel und Leben, werf auf dich die Sorgen hin. Herr, mein Heil, mein Schild und Ruhm, segne mich, dein Eigenthum! 3. O süßer, hoher Glau: be, vom Tod einst aufzustehn! Mein Leib nur wird zu Staube, mein Geist wird nicht vergehn. Ach, laß michs nie vergessen! Der täglich mich ermessen, was heilgen Hoffnung voll, laß einst ich werden soll! 4. Sollt ich nach Wollust schmachten? Ihr Lohn ist Reu und Schmerz! Nach Reichthum ängstlich trachten? Nie komm es in mein Herz! Hienieden schon auf Erden soll meine Seele rein, ein Tempel Gottes werden, ganz ihm geheiligt sein! 5. Getrost, mein Geist! Ermüde in deinem Kampfe nicht! Dich stärket Gottes Friede mit Kraft und ZuMel. Befiehl du deine Wege 563 ob sei Gott, der versicht. Ermuntre dich und den Morgen uns sendet nach der Nacht, der, wenn wir ohne Sorgen entschlummern, für uns wacht, der uns im Schlaf erquicket streite: des Sieges Lohn ist nah! Getroft! Vielleicht ist heute Kampfes Ende da. In eigener Melodie. und unsere Kraft erneut: 564 Mein erste Ge Gott, schäft Preis ket und, was er schuf, erfreut! 2. Von dir ist mir gege ben, Herr, was ich hab und bin! Und dieß mein irdisch Leben flieht schnell zum Tode hin. Bald ist sie ganz ver schwunden, der Wallfahrt kurze Zeit; doch hängt an ihren Stunden das Heil der Ewigkeit. 7. Hülfe wollest du mir senden, wenn Gefahr und Noth mir droht; Alles mir zum Besten wenden, es sei Leben oder Tod! Sterb ich, Herr, so nimm mich hin, wo ich nicht mehr sterblich bin. zu besonderen Zeiten. Preis und Dank! Erhebe Gott, o Seele! Der Herr hört deinen Lobgefang; lobsing ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schützen ohne Macht, lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht und Ruhe für die Müden? 3. Wer wacht, wann ich von mir nichts weiß, mein Leben zu bewahren? Wer stärkt mein Blut in seinem Fleiß und schüßt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, sich sicher zu bedecken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, die Seele zu erwecken? 5. Du bist es, Herr und Gott der Welt, und dein 419 9. Gib mir ein Herz voll Zuversicht, erfüllt mit Lieb und Ruhe; ein weises Herz, das seine Pflicht erkenn und willig thue; 10. Daß ich mit Freudigkeit und Muth mich stets zu bessern strebe, gottselig, züchtig, fromm und gut in Sinn und Thaten lebe; jett neu gegeben. 6. Gelobet feist du, Gott der Macht, gelobt set deine Treue, daß ich nach einer sanften Nacht mich dieses Tags erfreue! 7. Laß deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege wallen und lehre du mich selber thun nach deinem Wohlgefallen! 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr; auf dich hofft meine Seele! Sei mir ein Retter in Gefahr, ein Bater, wenn ich fehle! 11. Daß ich, dem Nächsten beigustehn, nie Fleiß und Arbeit scheue, mich gern an Andrer Wohlergebn und ihrer Tugend freue; 12. Daß ich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht genieße und meinen Lauf mit Freudigkeit, wann du gebeutst, beschließe! Mel. Von Gott will ich nicht iſt unser Leben. Du biſt es, 565 Almächtiger, ich mirs hebe empor zu dir. Preis dir, durch den ich lebe, und neuer Dank dafür! Herr, deine Huld ist groß, und niemals hat das Lallen des Dankes dir mißfallen, das aus dem Herzen floß! 2. Daß nicht in tiefem Schlummer des Lebens Licht verlischt, und daß mich, frei von Kummer, ein sanfter Schlaf erfrischt; dieß dank ich deiner Macht und deiner Vatertreue. Durch sie bin ich aufs neue mit heitrem Muth erwacht. 56 3. Be *** 420 Gesinnung und Verhalten des Christen 3. Beschüßer unsrer Seelen, ich traue stets auf dich. Was soll ich für mich wäh, len? O wähle du für mich! Gib, was mir heilsam ist! Gott, dem ich alles danke, mich stärke der Gedanke, daß du stets um mich bist! 4. Er stärke mich, mit Freuden zu thun, was dir gefällt; er tröste mich im Leiden; und will die Lust der Welt mich jemals nach sich ziehn, helf er mein Herz bewahren, helf er mir die Gefahren der Sünde fehn und fliehn! 5. Beglücke du die Meinen nach deiner Gütigkeit! Verlaß der Armen keinen! wend alles Herzeleid! Du willst zwar gern erfreun, eilst Allen beizustehen; doch soll der Liebe Flehen dir auch gefällig sein. 6. Gott, dem ich ange höre, dein Friede ruh auf mir! Mein Seufzen, meine Zähre, Erbarmer, ist vor dir. Deß soll mein Herz sich freun. Wer dir nicht traut, der bebe; ich sterbe oder lebe, so bin ich ewig dein! Mel. Gott des Himmels und 566 Gott sei Dant, ich lebe wieder, fühle und empfinde mich. Herr, dir bring ich meine Lieder, und mein Herz ers hebet dich; denn dein Aug hat in der Nacht über mich, dein Kind, gewacht. 2. Wann ich einst vollendet habe diese meine Pilgerzeit, ruh ich auch also im Grabe, Samen für die Ewigkeit. Auch in dieser langen Nacht wird mein Staub von dir bewacht. 3. Aber ich erwach auch wieder und mein Lobgesang mit mir; dann erschallen meine Lieder mächtiger und reiner dir. Ewig wird der Morgen sein; ewig schlaf ich nicht mehr ein. 4. Wach auch über meine Tage, Gott, du meine Zuversicht, daß mich keiner einst verklage, wann du kommst zum Weltgericht, daß ich hier der Pflicht getreu und dort unerschrocken sei! 5. Keinen Tag zählst du vergebens, Gott, durch den ich bin, mir zu. Jeder ist ein Theil des Lebens, jeden, jeden richtest du. Lehr mich machen, daß mir nie ungenügt ein Tag entflieh! 6. Heute leb ich, laß auch heute nicht umsonst mein Leben sein! Laß mich nach vollbrachtem Streite dieses Tags auch mich erfreun; recht zu handeln, gib mir heut Stärke, Lust, Gelegenheit! Mel. zu besonderen Zeiten. 421 Mel. Chriftus, der ist mein Leben erflehen: Gib mir ein wei567 Noch läßt der ses Herz; auf dich laß fiets mich sehen in Freude, wie im Schmerz! Herr mich les ben! Mit fröhlichem Gemüth eil ich ihn zu erheben; er hört mein frühes Lied. 2. 3u ihm entzückt mich wieder der Morgensonne Pracht; ich falle vor ihm nieder, der sie und mich gemacht. 3. Du, Herrscher aller Welten, nimmst dich auch meiner an; wie soll ich dir vergelten, was du an mir gethan? 10. Daß ich am ersteu trachte nach dem, was dir gefällt, mehr deinen Beis fall achte, als allen Ruhm der Welt. -6. Tilger meiner Sünden, mein Mittler, Jesu Christ, laß mich den Troft empfinden, daß du mir gnädig bist. 7. Dir hab ich mich er geben; ich freue mich in dir; du Bester, mehr, als Leben, ist deine Güte mir. 8. Sie führe mich auch heute auf deiner Tugend Pfad! Du, Ewigweiser, leite mich selbst nach bei nem Rath! 9. Nur Eins laß mich 11. Daß ich, dir innig trauend, das Gute standhaft thu und froh gen Himmel schauend dent: Herr, mich siehest du. 12. Bereit, den Lauf zu schließen auf deinen Wink o Gott, und lauter im Gewissen, so finde mich der Tod! 4. Wirst du nach Op fern schauen? Sie gelten Nichts vor dir. Du for derst nur Vertrauen, nur Liebe, Gott, von mir. b. Dein fei mein ganzes 568 fang ich an, was Mel. Es ist das Heil uns Gottes Namen Leben, mein Herz sei ewig dein! Dir will ich Ehre geben und deiner Huld mich freun. mir zu thun gebühret. Mit Gott wird Alles wohlgethan und standhaft ausgeführet. Was man in Gottes Namen thut mit frommem Sinn und festem Muth, das muß zulegt gedeihen. 2. Gott ists, der das Vermögen schafft, das Gute zu vollbringen. Er gibt Verstand und Lust und Kraft und läßt das Werk gelingen. Ist er mit uns, so fehlt uns nicht, was unserm wahren Wohl gebricht; er frönet uns mit Gegen. 3. Drum leite mich sein guter Geist, den Müssiggang 67 zu 422 Gesinnung und Verhalten des Christen zu meiden, und das, was er mich wirken heißt, geschehe stets mit Freuden! Er stärke mich, damit ich treu, gewissenhaft und redlich sei und gern dem Nächsten diene! 4. Ja, segne, Gott, auch heute mir die Werke meiner Hände und lente meinen Blick zu dir, wenn ich sie froh vollende! Vergänglich ist der Erde Lohn; doch ewig ist vor deinem Thron der Preis der Arbeitstreue! 2. Gott Vater, mit Erbarmen bedecktest du mich Armen; du sprachst: schlaf ohne Grauen; die Sonne sollst du schauen! In eigener Melodie. 569 Mach auf, mein Herz, und singe dem Schöpfer aller 570 W von jenem Mel. Werde munter, mein Jann ich einst Dinge, dem Geber aller Güter, dem frommen Men schenhüter! Schlummer, welcher Tod heißt, aufersteh und, er löst von allem Kummer, je nen schönern Morgen seh: o dann wach ich anders auf; schon am Ziel ist dann mein Lauf! Träume sind des Pilgers Sorgen, großer Tag, an deinem Morgen. 2. 3. Dein Wort, das ist geschehen; ich kann das Licht noch sehen; von Noth bin ich befreiet, dein Schuß hat sich erneuet. 4. Steig auf, mein Dank, zum Throne! Dem Vater und dem Sohne, dem Geist des Herrn sei Ch. re! Anbetung, Preis und Ehre! fallen, Herr, meines Her zens Lallen! 6. Dein Werk wollst du vollenden; dich nimmer von mir wenden und mich in meinen Tagen stets mit Verschonen tragen! 7. In allen meinen Thaten wollst du mir selber rathen, mich stets zum Besten leiten, zum Himmel mich bereiten! 5. Hör, Gütigster, mein Flehen; du kannst ins Herze sehen; ach, möchte dir ge8. Auf allen meinen Wegen begleite mich dein Segen; dein Wort sei meine Speise, bis ich gen Himmel reise! Hilf, daß keiner meiner Tage, Geber der Unsterblichkeit, einst mich im Gericht verklage, daß ich sträflich ihn entweiht! Auch noch heute wacht ich auf! Dank sei dir! Zu dir hinauf müsse jeder Tag mich leiten, zur Unsterblichkeit bereiten! 3. Daß ich gern sie vor mir sehe, wann ihr letter nun erscheint; wann zum dun zu besonderen Zeiten. st 423 ihren heiligen Gefang zum Himmel mich erhoben. Hier hör ich, Gott, im Geiste schon die Seligen vor deinem Thron ihr Heilig, Heilig! singen, 5. Hier feh ich jeder Tu gend Preis an deinem Throne prangen und ringe nun mit Ernst und Fleiß, das Kleinod zu erlangen. Hier stärkst du mich durch deine Kraft zur Treu in meiner Pilgerschaft, zur Liebe und zur Hoffnung. 6. So wird dein Tag, o Vater, mir ein Tag des Segens werden! So seh ich und empfind ich hier den Himmel schon auf Ers den! So werd ich nach der Prüfungszeit einst im Genuß der Seligkeit verklärt dich ewig preisen. dunklen Thal ich gehe und mein Freund nun um mich weint, lindre dann des Todes Pein und laß mich den Stärksten sein; meinen Freund gen Himmel weisen und dich, Herr des Todes, preisen. Am Sonntagsmorgen. 571 F Mel. Es ist das Heil uns rohlockend, Vater, wach ich auf am Tage deiner Ehre. Mein Morgenopfer bringt hinauf ins Lied der Engelchöre und dankt, daß deine Gütigkeit mir heute wieder Ruh und Zeit zur Seelenbildung schenket. 2. Dich beten Erd und Himmel an, o Schöpfer al ler Dinge! Wohl mir! auch ich darf mich dir nahn; du hörst, wenn ich dir singe. Du selbst bedarfst zwar meiner nicht; doch ewig bleibt es meine Pflicht, dich zu verehren. 3. Drum heilig sei die Stätte mir, wohin, Gott, deine Frommen mit Dank und Lust und Heilsbegier, dich anzubeten, kommen! Ich liebe sie und walle gern zum Hause Gottes, meines Herrn, mit ihnen anzubeten. 4. Hier fühl ich durch den frommen Dant, womit dich Christen loben, durch Beim Anblick der auf gehenden Sonne. In eigener Melodie. 572 Sei mir gegrüßt zu meines Gottes Ehre, du, seiner Schöpfung Königin! Steig auf und geuß aus deinem Flammenmeere Erstaunen vor dich hin! 2. Daß alle Welt anbetend niederfalle vor dem, der dich so schön gemacht, der Menschen schuf und väterlich für alle mit seiner Allmacht wacht. 3. Daß 424 3. Daß überall bis zur entferntsten Zone, die staus nend deine Größe sieht, Zufriedenheit und Lieb und Eintracht wohne, die oft den Erdkreis flieht! 4. Und so sei du, was du ihm stets gewesen, dem Erdenvolte Gottes Blick, dem Lande Frucht, dem Kranken froh Genesen, dem Armen Trost und Glück!. Gesinnung und Verhalten des Christen 5. Auch mir, wenn ich in Unmuth aufwärts blicke, weil Gottes Weg ich nicht versteh, gieß Heiterkeit ins franke Herz und schicke mir Kraft, daß ichs besteh! 6. Und lehre mich in Freudigkeit hienieden mich jeder Christentugend weihn; voll Duldsamkeit bereit zum selgen Frieden und mild wie du zu sein. Am Abend. Mel. In allen meinen Thaten die 573 Nun sinkt Sonne nie der, die stille Nacht kommt wieder und mit ihr Schlaf und Rub; sie schenkt uns neue Kräfte, beschließt des Tags Geschäfte und drückt die müden Augen zu. 2. Noch wach ich und erzähle mit tiefgerührter Seele, was Gott an mir gethan. Mit dankendem Gemüthe lobsing ich seiner Gü te; er hört mein frommes Loblied an. 3. Von ihm kommt jede Gabe, das Leben, das ich habe, die Ruhe dieser Nacht. Er ist der Quell der Güter, mein Schuß und treuer Hüter, der, wenn ich schlummre, für mich wacht. 4. Er läßt es finster werden und hüllt den Kreis der Erden in schwarze Duns kelheit; doch auch in dunkler Stille wohnt er mit seiner Fülle und zeigt mir seine Herrlichkeit. 5. Er führt aus dunkler Ferne den Mond und tausend Sterne mit Majestät herauf. Sie leuchten ihm zur Ehre hoch über Erd und Meere, und seine Hand lenkt ihren Bauf. 6. Groß, wenn der Mors gen grauet; groß, wenn der Abend thauet; groß in der stillen Nacht, im Sonnenschein und Sturme, am Menschen und am Wurme, groß, Vater, zeigst du deine Macht. 7. Voll Majestät und Stärke stehn lauter Wunderwerke in deiner Schö pfung da. Wie kann ich dirs vergelten? Du Gott und Herr der Welten, warst auch mir Armen heute nah. 8. Woher mein Glück, mein Leben? Du hast es mir gegeben; du bifts, der für zu besonderen Zeiten. 425 für mich wacht. Woher auf durch Fleiß ihn meinen meinen Wegen so mancher reiche Segen? Du bists, der Alles wohlgemacht. Gott, gepriesen, mir und der Welt genüßt und jeden Dienst gethan, weil ihn der Herr gebot, nicht weil mich Menschen sahn? 9. Gott, groß von Macht und Treue, jeßt, da ich dein mich freue, wird auch die Nacht mir Licht. Leg ich die müden Glieder in dei nem Namen nieder, so wa chest du; ich sorge nicht. 10. Soll mir der Schlaf zum Leben erneute Kräfte geben, so will ich deß mich freun. Soll er mein Leben enden, so wirst du mich vollenden, mein Gott auch noch im Tode sein. 4. Wie hab ich diesen Tag mein eigen Herz regieret? Hat mich im Stillen oft mein Blick auf Gott geführet? Erfreut ich mich des Herrn, der unser Flehn bemerkt? Und hab ich im Vertraun auf ihn mein Herz gestärkt? 5. Dacht ich bei dem Ges nuß der Güter dieser Er den an den Allmächtigen, durch den wir sind und werMel. Gott, du frommer Gott den? Verehrt ich ihn im 574 Der Tag ist wie Staub? Empfand ich seine Huld? Trug ich das Glück mit Dant, den Unfall mit Geduld? der hin; und diesen Theil des Lebens, wie hab ich ihn vollbracht? Entfloh er mir vergebens? Hab ich mit allem Ernst dem Guten nachgestrebt? Hab ich vielleicht nur mir, nicht meiner Pflicht gelebt? 2. Wars in der Furcht des Herrn, daß ich ihn an gefangen? Mit Dank und mit Gebet, mit eifrigem Verlangen, als ein Geschöpf von Gott, mich seinem Dienst zu weihn und züchtig und gerecht und Gottes Freund zu sein? 6. Und wie genoß mein Herz des Umgangs füße Stunden? Fühlt ich der Freundschaft Glück, fprach ich, was ich empfunden? War auch mein Ernst noch sanft, mein Scherz noch unschuldsvoll? Und hab ich Nichts gesagt, was ich bereuen soll? 7. Hab ich die Meinigen durch Sorgfalt mir verpflichtet, sie durch mein Beis spiel still zum Guten unter3. Hab ich in dem Be- richtet? War zu des Mits ruf, den Gott mir ange- leids Pflicht mein Herz nicht wiesen, durch Eifer und zu bequem? Ein Glück, das Andre 426 Gesinnung und Verhalten des Christen Andre traf, war dieß mir angenehm? 8. War mir der Fehltritt leid, sobald ich ihn begangen? Bestritt ich auch in mir ein unerlaubt Verlangen? Und wenn in dieser Nacht Gott über mich gebeut, bin ich vor ihm zu stehn auch willig und bereit? 9. Gott, der du Alles weißt, was könnt ich dir verhehlen? Ich fühle täglich noch die Schwachheit meiner Seelen. Vergib durch Christi Blut mir die verlegte Pflicht, vergib und gehe du nicht mit mir ins Gericht! 10. Ja, du verzeihest dem, den seine Sünden fränken, du liebst Barmherzigkeit und wirst auch mir sie schenken. Auch diese Nacht bist du der Wächter über mir; leb ich, fo leb ich dir; sterb ich, so sterb ich dir! Mel. Befiehl du deine Wege 575 Ermüdet von den Sorgen und der Geschäfte Laft, die du mir jeden Morgen hier auferleget hast, eilt, Herr, nach deinem Willen der Körper jetzt zur Ruh, weint dir vorher im Stillen Dank meine Seele zu. 2. Du gabst Verstand und Kräfte zu Allem, was ich that; gabst Segen dem Ge schäfte, für das ich Frucht ers bat; du wandtest allen Schaden, warst mir Vertraun und Licht und übergabst aus Gnaden mich dem Verderben nicht. 3. Vergiß es nicht, o Seele, was Gott an dir gethan; verehr des Herrn Befehle, bet ihn in Demuth an, ihn, der von seinem Size gern auf dein Flehen hört und auch der Last und Hiße der Kreuzestage wehrt! decke dein Kind auch dieſe 4. Mit deinem Schilde Nacht, auf daß mich nichts erschrecke; auf daß, wann Schlaf erquicket mein Geist ich erwacht und durch den befreit von Gram froh nach der Höhe blicket, von wel her Hülfe tam." 5. Die Meinen, Weib und Kinder und Freund und Hab und Gut, auch meinen Feind nicht minder, nimm, Herr, in deine Hut! Nie wird dein Auge müde, nie, Hüter, schlummerst du; gib unserm Lande Friede, gib Jedem Glück und Ruh. 6. Versag auch diese Bitte mir, mein Erbarmer, nicht: wann diese morsche Hütte des Leibes einst zerbricht, so laß, o Gott, mein Sterben dem Schlummer ähnlich sein und nimm mich, dei zu besonderen Zeiten. deinen Erben, in deinen Himmel ein. 576 Hemit das Leben Mel. In allen meinen Thaten err, der du bis diesen Tag gegeben, dich bet ich findlich an. Ich bin viel zu geringe der Treu, die ich besinge, und die du heut an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüthe freu ich mich deiner Güte; ich freue mich in dir. Du gibst mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke und schaffst ein rei: nes Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh der Seele, nach deines Worts Befehle einher im Leben gehn; auf deine Güte hof. fen, im Geist den Himmel offen und dort den Preis des Glaubens sehn! 4. Ich weiß, an wen ich glaube, und nahe mich im Staube zu dir, o Gott, mein Heil! Ich bin der Schuld entladen, ich bin bei dir in Gnaden und in dem Himmel ist mein Theil. Se 5. Bedeckt mit deinem Segen, eil ich der Ruh entgegen; dein Name sei gepreist! Mein Leben und mein Ende ist dein; in deine Hände befehl ich, Bater, meinen Geist. 427 In eigener Melodie. 577 o fliehen unfre Tage hin; auch dieser ist nicht mehr! Die Nacht, der Müden Trösterin, eilt wieder zu uns her. 2. Herr, du nur bleibest, wie du bist; du schläfft und schlummerst nicht; die Finsterniß, die uns umschließt, ist deinem Auge Licht. 3. Dir übergeb ich voll Vertraun mich auch in dies ser Nacht; wovor, Herr, sollte mir denn graun? Mich schüßet deine Macht. 4. Hab ich an deiner Gnade nur stets Theil, o Herr, mein Gott; so fürcht ich nichts in der Natur, so scheu ich nicht den Tod. 5. Zwar ich erkenne meine Schuld; mit Rene fühl ich sie; doch, mein Erbarmer, deine Huld, wie trostvoll ist mir die! 6. Jch eil im Glauben zu dir hin und weiß, wie sicher ich im Schuße deiner Allmacht bin; dein Schirm bedecket mich. weit von mir! Herr Jesu, 7. Flieht, finstre Sorgen, du allein seist mein Gedank, o weihe dir mein Herz zum Tempel ein. 8. Vielleicht ist dieß die legte Nacht in meiner Prüfungszeit, dann führe mich durch deine Macht zum Licht der Ewigkeit! 9. Ich 428 Gesinnung und Verhalten des Christen 9. Jch lebe dir, ich sterbe dir, dein bin ich auch im Tod. Du, mein Erretter, bist bei mir und hilfst aus aller Noth. Mel. In allen meinen Thaten 578 Die te stillen Abendstunden, wie schnell sind sie entschwunden in häuslich froher Ruh! Nun senkt die Nacht sich nieder und drückt uns allen wieder mit sanfter Hand die Augen zu. 2. Olasset uns erwägen den unverdienten Segen, den uns der Tag gebracht! Laßt uns vonDant entbrennen und tief gerührt bekennen: der Herr hat Alles wohlgemacht! 3. Du hast, o Gott, voll Gnade auf segensvollem Pfade uns bis hierher geführt. Nicht uns, nur dir jei Ehre! Ein jeder Tag vermehre in uns den Dank, der dir gebührt! 4. Der Schlaf, den du den Müden nach Tageslast beschieden, auch er sei dir geweiht! Wir schlummern ohne Sorgen, denn du er. weckst uns morgen hier oder in der Ewigkeit. Diel. So fliehen unsre Tage 579 Wer er unter deis nem Schir me ruht, o Gott, von dir bewacht, der troßt mit un erschrocknem Muth dem Grauen dunkler Nacht. 2. Umringt von stiller Finsterniß sing ich dir, Herr, ein Lied. Mein Herz froh lockt und ist gewiß, daß mich dein Auge sieht. 3. Der Tag ist schnell dahingeeilt, und deine Bas terhand hat mir viel Gutes zugetheilt, viel Böses abges wandt. 4. Auch in der Noth und wenn ich litt, nahmst du dich meiner an, und so ist nun ein neuer Schritt zur Ewigkeit gethan. 5. Du, Herr, wirst auch noch immerdar mein guter Vater sein und jetzt und auch bei grauem Haar mich segnen und erfreun. 6. Doch dir befehl ich meine Zeit. Ich leb in dieser Welt, o Vater der Barmherzigkeit, solang es dir ges fällt. 7. Jch trau auf dich und gittre nicht; kein Unfall wird sich nahn; du warst ja meine Zuversicht von meiner Ju gend an. 8. Ich schließ auch jest in dunkler Nacht getrost die Augen zu; ich fürchte teine irdsche Macht: du sicherst meine Ruh! Mel. zu besonderen Zeiten. Mel. Freu dich sehr, o meine Mel. Werde munter, mein 580 Auf, Seele, jei 581 Sink ich einst in jenen noch munter! Gottes Lob ist deine Pflicht. Seine Sonne gehet unter, aber seine Güte nicht. Er hat mich auch heut ernährt, manche Freude mir gewährt, vor Gefahren mich beschüpet, mich in Schwachheit unterstüzet. 2. Stets verehrt und hochgepriesen seist du, treuer Gott, von mir! Was du Gutes mir erwiesen, danket meine Seele dir. Du haft, war ichs gleich nicht werth, liebreich das Gebet erhört, das ich heut, als ich erwachte, dir im Namen Jesu brachte. 3. Gib nun bis zum frohen Morgen meinem Leibe fanfte Ruh! Durch dich schlaf ich ohne Sorgen; wann ich schlafe, wachest du. Leib und Seel befehl ich bir, walte gnädig über mir! Sei auch du der Gott der Meinen, zähl sie alle zu den Deinen! 429 4. Laß uns doch kein banges Schrecken, Räuber nicht, nicht Feuersgluth plößlich aus dem Schlummer wecken, halt uns fest in deiner Hut; hilf, wenn Krankheit oder Tod uns in sicherm Schlafe droht, aber laß uns, wenn wir sterben, beines Himmels Freuden erben! mer, aus dem Keiner mehr erwacht: geh ich aus der Welt voll Kummer, Todesruh, in deine Nacht, o dann schlaf ich anders ein. Weg aus dieses Lebens Pein wall ich hin zu deren Hütten, die, nun glücklich, hier auch litten. 2. Jeßt entschlaf ich, aufzuwachen noch für Tage dieser Zeit! Laß mich fertig stets mich machen, Vater, zu der Ewigkeit, daß ich Wanderer dann sei von der Last des Eitlen frei, von den Lasten dieser Erde, wann ich nun unfterblich werde. 3. Gerne laß den Tag mich sehen, der als Retter mir erscheint, wann mit nicht erhörtem Flehen wer mich liebet, um mich weint! Stärfer, als mein Freund im Schmerz, ſei mein gottverlangend Herz, und, noch sterbend dich zu preisen, laß mich ihn gen Himmel weisen! 5823 ch Mel. Wo Gott zum Haus h seh im Abendrothe schön, Herr, deine Sonne unter gehn. Noch untergehend freut ihr Glanz, erhebt ein fühlend Herz so ganz. 2. Von einer halben Welt nimmt sie den Segen mit und 430 Gesinnung und Verhalten des Christen und sucht ihn nie. So geht von edler That dein Freund, entweicht dem Dank, den man ihm weint. 3. Sie sinkt. Ich blick gerührt ihr nach: nicht mehr ist jegt mein Aug zu schwach. So scheucht zu starter Glanz zurück, bescheidne Tugend stärkt den Blick. 4. Versunken ist sie. So versinkt, sobald, Herr, dei neWeisheit winkt, auch unsre Herrlichkeit und Pracht; all unser Glanz erlischt in Nacht. 5. Sie sank und floh von uns, um schön dort andern Brüdern aufzugehn, die jest sich ihrer Ankunft freun und dir nun Morgenlieder weihn. 6. So gehn auch wir der einst, erwacht vom Schlummer unsrer leßten Nacht, schließt hier sich unser Le benslauf, zu einer höhern Wallfahrt auf. Hülle so traulich und so hold, gleich einer stillen Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt. 3. Gott, laß dein Heil uns schauen, auf nichts Vergänglichs trauen, dem Eitlen nie uns weihn! Laß uns nur weise werden und vor dir hier auf Erden von Herzen fromm und fröhlich sein! 2. Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung 4. Wollst endlich ohne Grämen aus dieser Welt uns nehmen durch einen sanften Tod; und wann du uns genommen, so laß uns zu dir kommen, du lieber, treuer, frommer Gott! 5. So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder; falt ist der Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen und laß uns ruhig schlafen und uns sern franken Nachbar auch! Unter gestirntem Himmel. Mel. In allen meinen Thaten Mel. Nicht um Reichthum 583 Der Mond ist 584 infam bin ich aufgegangen; die güldnen Sternlein pran gen am Himmel hell und flar; der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar. tiefe Stille herrscht um mich in der Natur! Unter einer dunklen Hülle liegt der Farben schmuck der Flur. Alles ruht, sich zu erquicken; mir noch lohnet wach die Zeit; aufgethan vor meinen Blicken hat sich die Unendlichkeit. 2. Welche zu besonderen Zeiten. 431 2. Welche Tiefen! Wel- Nacht erhellt, diesen Geist, che Höhen! Heilge Schauer fassen mich! Wie viel tausend Welten drehen hier um ihre Sonnen sich! Und wo sind des Raumes Gräns zen, wo sich keine Welt mehr dreht, feine Sonnenstrahlen glänzen und fein Lebensodem weht? 3. Wie viel Millionen Leben freuen sich in jeder Welt, freuen sich, den zu erheben, der sie schuf und fie erhält! Und wer ists, der stets sie alle liebend, fegnend überschaut? wer, der seines Tempels Halle ins Unendliche gebaut? 4. Kann mich hier sein Name trügen; hier mir leuchten ohne Sinn? Er schrieb ihn mit Flammenzügen, und sein Name heißt: Ich bin. Ja, du bist, den GOTT wir nennen, dem das Weltall eigen ist! Se ligkeit ists, dich zu kennen, der du Aller Vater bift. 5. Deine ältre Offenbarung liegt jest aufge schlagen da, und im Lande der ich dich mir immer nah. Du, der wölbte diesen Bogen und der Sterne Kreis bewegt, haft den Puls auch aufge3ogen, der in meinen Adern schlägt; 6. Haft den Funken mir gegeben, der in mir die der in das Leben aufstrebt aus der Sinnenwelt, in das Leben, wo er freier, näher schaut dich, Weltengeist, dich bei seiner heilgen Feier, frei vom Staub der Erde, preist. 7. O dieß Sehnen, o dieß Streben, dieser hohe Lebenssinn bürgt mir ein unendlich Leben, führt mich zur Vollendung hin! Nein, dein Kind wird nicht vers schmachten in der tiefsten Dunkelheit, wird von Licht nach Lichte trachten in der Unermeßlichkeit. 8. Jst mein Leben hier verronnen, wird es Nacht auf meiner Bahn: o dann leuchten tausend Sonnen mir den Stufengang hinan. Ich steig auf zum Quell der Strahlen, ihn zu schaun, der nie versiecht, wo vor mir in tiefen Thalen dann der Welten Schöpfung liegt. Im Frühling. Mel. Allein Gott in der Höh 585 Nob sei Gott, der schafft, Gott, der den Erdden Frühling freis schmücket! Preis fei ihm, Ehre, Stärk und Kraft, der, was er schuf, beglücket! Der Herr erschafft, der Herr erhält; er liebt und segnet seine Welt; lobsinget ihm, Geschöpfe! 2. Das 432 Gesinnung und Verhalten des Christen 2. Das Land, das erst erstorben lag, erwacht und lebt nun wieder. Es strömt an jedem neuen Tag sein Segen neu hernieder. Der Wurm, der in dem Staube lebt, der Vogel, der in Lüften schwebt, erfreut sich seines Lebens. 3. Der Erde Antliß ist verjüngt; erheitert glänzt der Himmel; Gebirg und Thal und Wald erklingt vom freudigen Getümmel. Mit Wohlgefallen schaut mel. Gott, der bn bie Menschen herab, der Allen Sein und 586 ettes Sonne, öher hebt Leben gab, auf seiner Schöpfung Werke. 4. Lobsinget ihm; er ist uns nab! Singt, alle seine Heere! Der Herr ist in den Himmeln da, auf Erden und im Meere. Ich preise dich, ich singe dir; denn du bist, wo ich bin, bei mir mit Allmacht und mit Liebe. länger strahlt un3 nun ihr Licht; Alles athmet neue Wonne, wenn sie durch die Wolken bricht. Schau, der Frühling senkt sich nieder in die Wälder, auf die Flur. Die erstorbene Nas tur lebet auf und wirket wieder. Opfre Gott, dem Schöpfer, Dank! Preis ihn fröhlich, mein Gesang! 2. Munter zu der Arbeit wallet nun der Landmann hin aufs Feld, und sein fro hes Loblied schallet laut em por zum Herrn der Welt. Er vertraut die Saat der Erde, ehrt durch fromme Zuversicht seinen Gott und zweifelt nicht, daß sie wohl gerathen werde, bringt schon hoffnungsvoll ihm Dant. Preis' auch du ihn, mein Gesang! 3. Glän 5. Du rufft die Wolken in das Land und stillst den Durst der Erde, daß mit den Gaben deiner Hand der Mensch gesegnet werde. Du machest Hagel, Thau und Wind, die deiner Allmacht Boten sind, zu unsrer Freude Quellen. 6. Selbst wann, von Donnersturm bedräut, er ichrockne Länder zittern, strömt Stärkung, Segen, Fruchtbarkeit aus Nacht und Ungewittern. Dann bricht die Sonne neu hervor, und Alles jauchzt zu dir empor, vor dem die Wetter schweigen. 7. Von dir kommt, was uns hier erfreut, du Brunnquell aller Gaben. Dort wirst du uns mit Seligkeit in reichern Strömen laben. Wohl, wohl den Menschen, die schon hier sich dir er geben und einst dir als Christen freudig sterben! zu besonderen Zeiten. 3. Glänzend und im Feierfleide prangt die blüthen reiche Flur. Jede Blume duftet Freude, preist den Schöpfer der Natur, der den Thau schafft, den sie trinket, daß sie nicht zu bald verblüh, der ihr Samen gibt, wenn sie welkend endlich niedersinket. Bring auch du ihm Lob und Dank, preis ihn fröhlich, mein Gejang! 4. Dieser Frühling, wie geschwinde, o wie schnell wird er verblühn! Wie die Spreu, verweht vom Winde, so wird seine Pracht entz fliehn! Aber, Gott, vor deinem Throne wird ein ewger Frühling sein; ewig wird er uns erfreun, ringen wir nur nach dem Lohne reiner Tugend lebenslang. Gott, dich preise mein Gejang! 5. Alle Herrlichkeit der Erde ist nur Schimmer von dem Licht, das ich ewig schauen werde dort vor Gottes Angesicht. Auch das freudenreichste Leben hier auf Erden ist nur Tod gegen jenes, das mir Gott dort verheißen hat zu geben. Dir, mein Gott, sei Lob und Dank. Ewig preist dich mein Gesang! 433 Auf Bergen, wie im Thal, ist Freud an Freude hinge streut und Schönheit überall. Mel. Lobt Gott ihr Christen 587 2. Belebend ist der Wiese Grün, entzückend jede Flur; und wie viel tausend Blus men blühn im Garten der Natur! 3. Mit reichen Blüthen prangt der Baum, und oben ausgespannt, wie strahlt der blaue Himmelsraum, ein unbekanntes Land! 4. Blickt hin in Tiefen und auf Höhn, auf Flur und Wald und Feld! Fühlt, was unnennbar ist: wie schön ist unsers Gottes Welt! 5. Doch nur dem Tugendhasten, nur dem Menschenfreunde lacht die schöne herrliche Natur in aller ihrer Pracht. 6. Drum seid und machet froh und gut; reicht gern die Bruderhand; naht dann der Tod, so geht mit Muth ins unbekannte Land. so schön entfernter Sonnens 7. Macht diese Erde schon schein; o Gott, wie wird Wohnung sein! in jenen Höhn der Selgen Im Sommer. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund der Erde Reize 588 Weit um mich Wher ist sind erneut. Freude, verschönt ist, SchöT pfer, 434 Gesinnung und Verhalten des Christen pfer, deine Welt! Es prangt in einem Feierkleide Gebirg und Thal und Wald und Feld! Wie heilig wird mir jede Stätte: Wohin ich seh, wohin ich trete, bist du mir nah und fühl ich dich; wohin ich schau auf allen Fluren, in allen deinen Creaturen er blick ich, Welterhalter, dich! 2. Wie hast du, Gott der Macht und Güte, so liebe: voll an uns gedacht! Schön war des Frühlings bunte Blüthe; reich ist des Sommers ernste Pracht. Zum vollen, fröhlichen Genusse empfängt von deinem Ue: berflusse, o Gott, was lebet, Speis und Trant. Gebirge geben, Thäler geben, was Allen nöthig ist zum Leben, und Alle jauchzen froh dir Dank. auf jeder segensreichen Flur, dir meine Dankgefühle bringen im großen Tempel der Natur. Vom Aufgang bis zum Niedergang erschalle, Gott, dein Lobgesang! 2. Du bist der Geber aller Freude, des Segens Schö pfer bist du, Gott! Den Heerden gibst du ihre Weide und deinen Kindern allen Brod. Genährt, geschüßt, gepflegt durch dich, freut Alles, was da lebet, sich! 3. Und Leben strömt mit deiner Sonne in jeden Halm, in jede Brust; sie gibt den Blüthenthälern Wonne und allen Wesen neue Lust. Ver jüngt durch ihren milden Strahl jauchzt Hain und Flur und Berg und Thal. 4. Auf unsre Saaten träufelt Segen herab mit jedem Morgenthau. Gott, wie er frischt dein sanfter Regen das Gras, die Blumen auf der Au! Der Bach, der aus dem Berge quillt, erquidt den Wandrer und das Wild. 5. Da stehn die Zeugen deiner Milde hier in der Schöpfung Heiligthum. Beit durch die reichen Korngefilde tönt himmelan dir Lob und Ruhm; sie dringen, Herr, zu dir empor aus aller Wesen frohem Chor. 6. Auch du frohloce, meis ne Seele, und rühme beines Schöpfers Macht! Dein lau ter 3. Weit um mich her ist Alles Freude. O freu auch, meine Seele, dich in Gottes schönem Weltgebäude! Sein Segen reifet auch für mich. Hoch müsse dessen Lob er schallen, der mir so wohl thut, Allen, Allen so wohl thut, der so freundlich ist! Stimm ein in der Geschöpfe Chöre: dir, Gott, sei Preis, dir Dank und Ehre, der du so mild und gnädig bist! Mel. Wer nur den lieben Gott 589 gütiger, bir will ich singen zu besonderen Zeiten. 435 ter Lobgesang erzähle, wie Vom Herrn der Zeit geherrlich Alles er gemacht! Vom Aufgang bis zum Niedergang erschall ihm Ehre, Preis und Dank! rufen, naht der Herbst mit seiner Fülle sich und näh ret und erfreut auch mich. 2. Der segensreiche Garten prangt mit vollen Zweigen und verlangt, von seiner Frucht befreit zu sein, um Gottes Kinder zu erfreun. 590 Mel. Herzliebster Jesu! ( oweit nur Menschen deine Welt bewohnen, bist du der Vater aller Nationen, die Zuflucht Aller, die auf Land und Meeren dein Heil begehren. 2. Du blickst hernieder, und die Fluren lachen, du was serft sie mit Thau, sie reich zu machen. Dein Strom ist voll; du sorgest für die Saaten, daß sie gerathen. 3. Die tiefgepflügten Fur chen füllt dein Segen; das lechzende Gefild erfrischt dein Regen. Der Sommer glüht; es reifet das Getreide zu unsrer Freude. 4. Die Höhn und Tiefen schmückest du mit Heerden und schaffest, daß fie froh gesättigt werden. Dem Schnitter rauscht der vollen Felder Segen zur Nerndt entgegen. 5. Und Dank und Freud und Jubel jauchzt aus Allen, und Hain und Auen und Gefild erschallen vom lauten, dir frohlockenden Getümmel bis in den Himmel. 3. Der Sänger in den ferne Lande fleucht, wo Gott Lüften schweigt, der hin in schon eine neue Saat Frucht für ihn bereitet hat. und 4. Auftraubenvollen Hügeln schallt des Winzers Lob und wiederhallt von Berg auf Berg; auch Most und Wein gibt uns der Herr, uns zu erfreun. 5. Wie liebevoll, wie mild und gut ist Gott, der so viel Wunder thut! Das Kind, Greis sei fröhlich ihm zum der Jüngling, Mann und Ruhm und Preis! 6. Auch wenn du alterst, sorgt für dich dein Herr und Gott noch väterlich; er, der auch, wenn dein Herbst sich naht, für dich noch viel der Freuden hat. 7. Froh kannst du sterben, wenn du nur, wie seine segnende Natur, gesegnet hast, wenn er die Frucht, die er verlangt, umsonst nicht sucht. 8. So blüh und reife in der Im Herbst. Mel. vom Himmel kam der 591 eärndtet ist der Zeit zu größerer VollkomFelder Saat, menheit! Still keimt der Tu£ 2 gend 436 Gesinnung und Verhalten des Christen gend Saat hervor und reift sur reichen Aerndt empor. was uns ernährt, mit väterlichen Händen. Wel. Lobsinget, Gott! er rüh um 4. Wie sind doch unsre Kammern voll von seiner Güte Gaben, vom Segen, der uns 592 Fwölftem Ange- Borrath, uns zu laben! sicht geht schon die Sonne nieder, und später scheint ihr schwächer Licht am trüben Himmel wieder. Die schönste Zeit ist nun ent. flohn; die rauhen Stürme ranschen schon durch die bereiften Felder. Die letzte Blume neigt ihr Haupt; des Herbstes falter Hauch entlaubt die schattenreichen Durch deine Vorsicht muß, o Gott, das Land uns für den Winter Brod, dem Vieh sein Futter geben; und Wein, der unser Herz ers freut und unsers Lebens Kraft erneut, quillt aus der Frucht der Reben. Wälder. 5. Wie jetzt das Feld um uns verblüht, verblühn auch wir im Alter. Doch wohl 2. Berlassen steht die öde uns! Gott, der auf uns Flur, entblößt von ihrem sieht, ist mächtiger Erhal Segen; entfräftet sieht nun- ter! Er ist es, der die Schwa die Natur der Winterruh entgegen. Die Vögel, die dem Frost entfliehn, beginnen schon dahinzuziehn weit über Land und Meere. Gott nimmt der Wandern den sich an, bezeichnet ihnen ihre Bahn und sättigt ihre Heere. chen schüßt, die Müden mächtig unterstüßt, die an dem Grabe wanten. Gebeugt vom Alter, werden wir mit frohem Herzen, Vater, dir, wie in der Jugend danken. 3. Uns, seine Menschen, will er hier im Winter selbst versorgen. Ja, seiner Huld vertrauen wir; neu wird sie jeden Morgen. Er schafft, daß wir in Sicher heit des Herbstes rauhe Jahreszeit beginnen und vollenden. Die Erde ruht; doch er gewährt voll Liebe das, 6. Wohl Allen, die sich ihrer Pflicht von ganzem Herzen weihen! Sie werden ihre Jugend nicht im Alter einst bereuen. Wohl dem, der redlich sich bemüht, weil seiner Jahre Kraft noch blüht, der Tugend Frucht zu tragen! Ihm wird das Alter Jugend sein, und dankbar wird er sich noch freun in seinen lezten Tagen. Jm zu besonderen Zeiten. Im Winter. 593 nicht für der Felder Segen nur, auch für den Schlummer der Natur, für Frost und Winter danken wir, Herr, unser Gott und Vater, dir. 2. 3war liegt ihr grüner Schmuck zerstört, von Schnee und Eis und Sturm perheert; ein weites, weißes Grabgewand deckt Berge, Hügel, Thal und Land. 3. Doch hegt die Erde, ſtill und groß, die zarte ihrem die sich im Frühling segensvoll entwickeln und uns nähren soll. 4. So nähret liebreich und geheim der holden Tugend ersten Keim die Mutter mit verborgner Lust in ihrer zarten Kinder Brust. 5. So thut, was Andre jegnen kann, der gute, der bescheidne Mann, sucht, wenn sein Thun nur Gott gefällt, nicht das Geräusch des Ruhms der Welt. 6. Doch wachsen soll der Tugend Saat, aufblühn, was er im Stillen that, zu reichen Nerndten in der Zeit, zu reichern in der Ewigkeit. 7. Mag brausen dann wohl um uns her des Winters Sturm; auch er, auch er ist deines Segens Die437 ner, Gott, so fürchterlich er immer droht. 8. Und wie viel Freuden danken wir selbst in des Winters Tagen dir, der du so väterlich uns trägst und jättigeft, erwärmst und pflegft! 9. Durch alle Zeiten, Vater, sei dir, wer dich kindlich ehrt, getreu! Laß Jeden deinen Ruhm erhöhn und freudig deine Wege gehn. Mel. Auf, Christenmensch! 594 Verschwunden ist nur Schnee bedeckt die Pracht, Felder. Der Wintersturm durchbraust mit Macht Gebirge, Thal und Wälder. Das Land erstarrt vom Froste nun, und seine Nahrungskräfte ruhn. 2. Wohl mir in dieser rauhen Zeit! Ich darf vor Frost nicht beben; mich schüßt mein Dach, mich wärmt mein Kleid, und Brod erhält mein Leben. In mei-: nem Bette schlaf ich ein und kann mich sanfter Ruhe freun. 3. So hats der arme Bruder nicht, den Brod und Kleidung fehlen, er, dem das Nöthigste gebricht, den Frost und Hunger quälen. Und dreifach fühlt er seine Pein, wenn Krankheit plagt und Kirder schrein. T3 4. O Gesinnung und Verhalten des Christen 438 4. O zaudre, zaudre nicht, mein Herz, ihm liebreich zu zueilen! Fühl seinen Jammer, seinen Schmerz, dein Brod mit ihm zu theilen! Wer seines Nächsten Noth vergißt, verdient nicht, daß er glücklich ist. 5. Vor Tausenden bist du beglückt, die in der Stille klagen, da Wärm nnd Nahrung dich erquict in diesen rauhen Tagen. Lobsinge, frohes Herz, in mir und opfere Gott Dank dafür! 6. Seh nicht auf das, was dir noch fehlt und Mancher mehr besißet; nein, auf die Noth, die Andre quält, auf Gott, der dich beschüBet! Ach, Vater, lindre je den Schmerz und gib mir ein mitleidig Herz! Saat und Pflanzen wohl gedeihn; gib Sonnenschein und Regen! Der Landmann baut umsonst das Land, wenn Vater, deine Allmachtshand nicht seine Arbeit jegnet! 3. Drum fröne du mit Fruchtbarkeit das Land nach deiner Güte, und wenn die Aussaat dann gedeiht, Allvater, so verhüte, daß Kälte nicht, nicht Sonnengluth, nicht Hagelschlag, noch Regenfluth ihr zum Verderben werde! 2. Dieß Wort traf, Herr, noch immer ein. Gib jest auch deinen Segen, daß 4. Wir traun auf dich, o großer Gott; du, du wirst gnädig walten. Du kennst am besten unsre Noth, haft lange ausgehalten. Ja, Herr, du wirst zu deinem Ruhm für uns, dein Werk und Eigenthum, auch dieß Jahr wieder sorgen. Zur Saatzeit. Mel. Allein Gott in der Höh 595& s baut, o Gott, auf dein Ges Nach einer reichen Aerndte. Mel. Wie groß ist des Allmächt. heiß der Menschen Hand die 596 ir alle, ment Erde, voll froher Hoffnung, daß ihr Fleiß von dir gesegnet werde. Auf dein Versprechen trauen sie: du sollst dein Brod bei Fleiß und Müh, solang du lebest, eſsen! bringen dir unsern feier lichsten Dant, und unfre frohen Herzen singen bir ihren lauten Preisgesang! Gekrönt hast du mit deiner Milde rings um uns her das ganze Land; dein Se: gen floß auf die Gefilde aus reicher, väterlicher Hand. 2. Du zu besonderen Zeiten. 439 2. Du schenktest Sonnen- bar sein; so gütig, wie du schein und Regen für jede dich bewiesen, soll jeder der Frucht zu rechter Zeit und Beglückten sein. gabst Gedeihen, Kraft und Segen dem Samen, den wir ausgestreut. Wie prangte doch im Feierkleide das volle, ährenreiche Feld! Wie schlug von Hoffnung und von Freude dir unser Herz, o Herr der Welt! 6. Drum freu den Armen auch der Segen, den deine Hand uns reichlich gab; wir wollen seiner liebreich pflegen; wir trocknen seine Thränen ab! Er dank auch heute mit uns allen, frohlocke laut und bete an, daß du, nach deinem Wohlgefallen, so viel, o Gott, an uns gethan. 3. O welchen Reichthum deiner Gaben hast du mit liebevoller Hand, uns zu ernähren und zu laben, von neuem uns herabgesandt! Millionen deiner Kinder ist jetzt ein voller Tisch bereit, du nährst den Frommen, nährst den Sünder, und Alles wird durch dich erfreut. 4. Wer kann die Güte ganz ermessen, die weiter als die Wolken reicht? Wer kann sie undankbar vergessen, da jede Stunde von ihr zeugt? Nimm deiner Kinder Freubenzähren, nimm an, Allvater, unsern Dant!' Bir wollen ewig dich perehren durch Thaten, wie durch Lobgesang. 5. Was du uns gabst, wohl anzuwenden, verleih uns Weisheit und Verstand. Richt, um es üppig zu verschwenden, empfingen wirs aus deiner Hand. Du willst, wir sollen froh genießen, doch mäßig, mild und dank597 K Gott lobsingen Mel. Wach auf, mein Herz uns und Preis und Dank ihm bringen für alle milden Gaben, die wir geärndtet haben! 2. Aus seinem Ueberflusse zum freudigen Genusse hat er uns, was zum Leben uns nöthig ist, gegeben. 3. Die Scheuern sind voll Segen; denn er gab Thau und Gedeihen der Frucht, und Regen und Wachsthum der wir uns freuen. 4. Preis, Herr, sei deiner Milde, daß Gärten und Gefilde, was wir gesäet haben, so reichlich wiedergaben! 5. Preis sei dir, unserm Retter! Es drohten Sturm und Wetter, Verderben unT4 fern 440 Gesinnung und Verhalten des Christen sera Saaten. Dank dir! sie sind gerathen. 6. Uns reiften süße Früchte im milden Sonnenlichte an Baum und Strauch und Reben; Herr, Preis sei dir gegeben! 7. Du ließest froh uns ärndten. O daß wir dankvoll lernten, dir ähnlich, uns der Armen mit mildem Sinn erbarmen! 8. Wenn wir die gern erquicken, die Sorg und die Sorg und Mangel drücken, so wirst du, was zum Leben wir brauchen, ferner geben. 9. Du wirst einst deine Treuen, die gute Saat hier streuen, zu höhern Festen schmücken und ewig sie be glücken. Bei sparsamer Aerndte. Mel. Was Gott thut, das ist 598 Preift, Christen, denheit, preist Gott, den Herrn der Aerndte, daß sich nicht ganz die Fruchtbarkeit von unsrer Flur entfernte! Noch stets erhält er seine Welt; was nöthig ist zum Leben, wird er uns allen geben. 2. Er ist der Herr, in seiner Hand steht, was die Erde bringet. Der Menschen Mühe baut das Land. Gott gibt, daß sie gelinget! Von ihm allein kommt das Gedeihn; nur er, er läßt die Saaten blühn, reifen und gerathen. 3. Was trauern wir? er sorgt ja doch, Gott sorgt uns selbst beim Mangel für unser Leben. O laßt noch ihm Ruhm und Ehre von Unmuth fern, laßt geben! Preis sei dem Herrn! ihm zum Wohlgefallen ein frohes Lied erschallen! 4. Wie manches segens reiche Jahr hat er uns schon bescheeret; wie gnädig uns noch immerdar von Jugend auf ernähret! Wer sollte nicht mit Zuversicht auf dich, Auvater, schauen und deiner Vorsicht trauen? 5. Ja, Höchster, wir vers ehren dich in allen deinen Wegen und trauen unverauf deinen milden Segen. Auch unser Brod wirst du in Noth und Theurung uns gewähren, wenn wir dich findlich ehren. 6. Wir beten demuthsvoll dich an, der Alles weislich füget, deß Vorsicht nie: mals irren kann, deß Wohlthun niemals trüge danten wir, Erhalter, und preisen deine Güte mit gnügsamem Gemüthe. Froh dir Fle= 441 Flehen um Regen. quickend auf die dürre Flur; wie labt sie sich, wie trinket ihn jetzt die schmachtende Mel. Komm, o komm, du 599 Gott, von großer Natur. Die sanften Ströme Macht und Güte, deine Hülfe suchen wir: mit geängstetem Gemüthe schauen wir empor zu dir. Herr, du weißt, was uns gebricht: o verlaß, verlaß uns nicht! kühlen die Lüfte weit umher, und die Geschöpfe fühlen sich nicht mehr träg und schwer. Gott spricht, und Seufzer schweigen und Hiß und Dürre fliehn, und fromme Lieder steigen empor und preisen ihn. zu besonderen Zeiten. 2. Ach, dem todten dürren Sande gleichet bald, Herr, unser Land, und verfengt vom Sonnenbrande welkt die Frucht, die kraft: voll stand. Schrecklich droht uns ihr Verlust; Sorge nagt an unsrer Brust. 3. O erhalt uns deinen Gegen; laß uns wachsen unser Brod! Ende bald durch milden Regen unsre Angst und unsre Noth! Gott, wir trauen dir es zu: was uns gut ist, schickest du. 4. Stärke du uns dieß Vertrauen; unser Wohl versäumst du nicht. Auf dich, Gnadenvoller, bauen wir die beste Zuversicht; du, der helfen will und kann, nimmst gewiß dich unser an. 2. Mit Freud im Angesichte beschaut der Landmann Gott die Früchte; er ist nun sein Feld. Erquickt hat Versorger seiner Welt. Wie wallen nun die Aehren, vom Mark der Erde voll, das seine Menschen nähren, das sie erfreuen soll! Auf, preiset Gottes Milde! Er ists, der Regen schickt und lech zende Gefilde voll Vaterhuld erquickt! 3. Erhalter nsers Lebens, Gott, dem wir uns jepßt dankbar nahn, o laß uns nicht vergebens die Gas ben deiner Hand empfahn! Du sendest Thau und Regen, gibst milden Sonnenschein! du eilst, mit deinem Segen uns alle zu erfreun. dir, Höchster, stets vertraun Wir wollen dich erheben, und fromm und weise leben, bis wir dich ewig Nach verliehenem Regen. Mel. Kommt, kommt den 600 Sin milder Re- schaun. gen sinket, er T5 Flehen 442 Gesinnung und Verhalten des Christen Flehen um Sonnenschein. scheint, sie scheinet wieder! Wir sehn sie, welche Wonne! die langverhüllte Sonne. Mel. Mache dich, mein Geift und 601 chmerz Klage füllt das Land; traurig stehn die Früchte; hilft uns, Gott, nicht deine Hand, sind sie bald zunichte. Zeig uns, doch Gnade noch! Vater voll Erbarmen, hilf, ach, hilf uns Armen! 2. Du regierst der Wol ken Lauf und befiehlst dem Regen. Sprich ein Wort, so hört er auf, und uns bleibt dein Segen. Steh uns bei und zerstreu, Herr, mit starker Rechte unsers Kummers Nächte! 3. Sende warmen Sonnenschein, der die Frucht erquicte! Sieh, wir schaun auf dich allein mit des Glaubens Blicke. Guter Gott, gib uns Brod und nach mancher Plage wieder Freudentage! 4. Preis und Ruhm sei dir geweiht, Vater aller Gnade! Hilf, daß uns die schwere Zeit nicht am Herzen schade! Dir, nur dir wollen wir gern zur Ehre leben und uns ganz ergeben. Nach verliehenem Son nenſchein. Mel. Nun laß uns Gott 602 Grönt, ihr Freudenlieder! Sie 2. Uns drückten bange Sorgen an jedem neuen Morgen, so oft fich Wolken thürmten und Regenwetter stürmten. 3. Des Feldes Früchte sahen wir dem Verderben nahen. Was Thier und Menschen nähret, schien ganz durch Fluth verheeret. 4. Da drang zu deinen Höhen, Gott, unsers Her zens Flehen. Du hörtest, was wir baten, und schüßtest unsre Saaten. 5. Schon senkten sie sich nieder, doch du erhobst sie wieder. O Herr der milden Sonne, du segnest uns mit Wonne. 6. Wir preisen deine Güte mitfröhlichem Gemüthe. Ja, unser ganzes Leben sei ewig dir ergeben. Beim Gewitter. mel. Wie groß ist des Allmächt. 603 Der Mächtige, Herr der Götter, vor dem der Engel niederfällt, Gott redet don nernd aus dem Wetter und ruft voll Majestät der Welt. Anbetend sinkt der Erdkreis nieder; der Wald ertönt, es bebt zu besonderen Zeiten. 443 bebt die Flur, und Blize 3. Dem Sünder nur, der sagens Blizen wieder: Gott ist der Herrscher der Natur. 2. Auch dich laß seine Stimme rühren, sei ganz Empfindung, o mein Herz! Den Dant, das Lob, die ihm gebühren, entweihe kein unheilger Scherz! Auch Donner rufen Gottes Kindern des Weltenvaters Segen zu: sie rufen schonend sichern Sündern, und ihren Ruf verstehst auch du. dich nicht fennt, bist du, Herr, fürchterlich; dem aber, der dich Vater nennt, zeigst du als Vater dich. 4. Uns Segen ist der Sonne Licht und Gegen Tag und Nacht; auch Segen ist uns dein Gericht und deines Blißes Pracht. 5. Du reinigst durch den Bliß die Luft; dein Segen tränkt die Saat; es stärkt ein balsamreicher Tuft, was erst geschmachtet hat. 3. Verstumme, freches Heer der Spötter! Furcht und Verzweiflung warten dein. Der Herr ist Gott! Es sagts das Wetter; die Welt, die ganze Welt ist sein. 3hr bebt? Elende, wollt Ihr fliehen? Kein Ort schüßt euch vor Angst und Noth: Nichts kann Nach dem Gewitter. Mel. Wer nur den lieben Gott dem Mächtgen euch entzie= 605 Wie gnädig iſt er euch: er ist GOTT. straft 6. Laß frei das Herz von lengsten sein, wenn uns dein Wetter droht! Weg, bange Furcht, wir sind ja dein, du bist die Lieb, o Gott! sten Wille! Der Donner schweigt: die Bliße fliehn; es schmückt in angenehmer Del. Lobt Gott, ihr Christen 604 Der hohe Sims Stille der Sonne Glanz, mel dunkelt sich, ein Wetter Gottes draut; ich bebe nicht: ich freue mich, Gott, deiner Herrlichkeit. das frische Grün. du, mein Geist, nun opfre Dank! Erhebe deinen Lobgefang! 2. Du zürnest, wenn du donnerst, nicht; du bist der Menschen Freund. Nicht blässer wird mein Angesicht, wenn uns dein Bliz erscheint. 2. Ja, preise freudig den Erretter, der seine große Kraft bewies, den WeltenHerrn, der sich im Wetter so majestätisch hören ließ, der Blizen ihre Strahlen lenkt und gnädig seines Volks gedenkt! T6 3. Nimm 444 3. Nimm mit Bewundrung seine Güte auch selbst im Ungewitter wahr; denn jedem forschenden Gemüthe stellt sich auch hier ihr Schauplaß dar. Zum Besten jeder Creatur bemerkt man ihres Segens Spur. Gesinnung und Verhalten des Christen 4. Wie kräftig hebt sich das Getreide, getränket durch den Regenguß, und wie vergnügt betritt die Weide des neubelebten Thieres Fuß! Wie athmen wir so fanft und leicht, wenn schwüle Luft dem Domner weicht! 5. Herr, deine Güte sei erhoben im Wetter, wie im Sonnenschein! Wer wollte dich nicht ewig loben? Du kannst und willst uns stets erfreun. Mich schrecken Blit und Donner nicht; denn du bist meine Zuversicht. Beim Jahreswechsel. Mel. Wer nur den lieben Gott 606 Des es neuen Jahres erster Morgen bricht, meine Seele, für dich an; ermuntre dich zu edlen Sorgen und wandle auf der Tugend Bahn. Bleibst du ihr treu, folgst du ihr nach, so weckt dich einst ein schönrer Tag. 2. Was ist es anders denn, als Gnade, daß Gott dir dieses Jahr noch schenkt und dich so gern auf seine Pfade mit treuen Vaterhänden lenkt? Was ist es anders, als Geduld, als Nachsicht gegen deine Schuld? 3. So nüß auch dieses Jahres Tage als Tage deiner Prüfungszeit, daß keiner dich vor Gott verklage, daß keiner dich im Tode reut! Gott fordert, dem denk immer nach, einst Rechenschaft von jedem Tag. 4. Ermuntre dich zu dei nen Pflichten, sei zu den schwersten auch gefaßt: fie gern und willig zu verrichfen, such dir den Muth, besieg die Last! Schnell fliehen deine Tage hin; ach, unbenußt laß sie nicht fliehn! 5. Gebrauch, o Chrift, dieß Pilgerleben, wozu dir's Gott, dein Gott, verliehn: zur Tugend hat er dirs gegeben, so gibs denn auch der Tugend hin! Sie rei chet dir nach kurzer Zeit das schönste Loos der Ewigkeit. 6. Weih jede Stunde dem Bestreben für dein und deiner Brüder Glück, so siehst du einst auf dieses Leben mit ruhig heiterm Blick zurück; du sagst, o welche Wonne! dann: ich habe meine Pflicht gethan. 7. Und segneft noch an Gottes Throne dieß Jahr als eine Zeit der Saat, nimmst zu besonderen Zeiten. nimmst du aus seiner Hand die Krone, die er für dich bereitet hat. Drum, Christ, halt aus in deinem Streit, du kämpfest für die Ewig feit. Mel. Es ist das Heil uns kommen 607 Du Gott, du bist der Herr der Zeit und auch der Ewigkeiten. Laß mich auch jetzt mit Freudigkeit dein hohes Lob verbreiten. Ein Jahr ist abermals dahin. Wem dank ich's, Gott, daß ich noch bin? Nur deiner Gnad und Güte. 2. Dich, Ewiger, dich bet ich an, unwandelbares Wesen, dich, den kein Wechsel treffen kann. Wir werden, sind gewesen, wir blühen und vergehn durch dich; nur du bist unveränderlich, du warst und bist und bleibest. 445 dich; aufs neue, Gott, er geb ich mich ganz deiner weisen Führung. 5. Vergib mir alle meine Schuld von den verfloßnen Tagen und laß mich deine Vaterhuld in Chrifto ferner tragen! Laß mich in deiner Gnade ruhn und lehre lebenslang mich thun nach deinem Wohlgefallen! 6. Gib neue Lust und neue Kraft, vor dir gerecht zuwandeln! Laß mich, Herr, stets gewissenhaft mit mir und Ändern handeln! Dein Geist belebe Herz und Muth, dich, o du allerhöchstes Gut, und nicht die Welt zu lieben! 7. Die Welt vergeht: dieß reize mich, die Lust der Welt zu fliehen; um beßre Freuden müsse sich mein Geist mit Ernst bemühen! Den Engeln bin ich ja verwandt, im Himmel ist mein Vaterland; dahin, Herr, laß mich trachten! 3. Herr, ewig währet deine Treu, mit Huld uns zu begegnen; und jeden Morger wird sie neu, mit Wohl thun uns zu segnen. Ich kenne keinen Augenblick, da nicht von ihr stets neues Glück mir zugeflossen wäre. 4. Du hast auch im verfloßnen Jahr mich väterlich geleitet, und, wann mein Herz voll Sorgen war, mir Hülf und Trost bereitet. Mel. Allein Gott in der Höh Bon ganzer Seele preis ich 608 ott ruft der T7 Sonn und schafft 8. D lehre selbst mich meine Zeit recht weislich auszukaufen; laß mich die Bahn zur Ewigkeit mit heilger Vorsicht laufen! Der Tage Last erleichtre mir, bis meine Ruhe einst bei dir kein Wechsel weiter störet! 446 Gesinnung und Verhalten des Christen schafft den Mond, das Jahr danach zu theilen; er schafft es, daß man sicher wohnt, und heißt die Zeiten eilen; er ordnet Jahre, Tag und Nacht. Auf, laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Ehr ertheilen! 2. Herr, der da ist und der da war, von danter füllten Zungen sei dir für das verfloßne Jahr ein heilig Lied gesungen; für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, für Fried und Ruh, für jede That, die uns durch dich gelungen! 3. Laß auch dieß Jahr gesegnet sein, das du uns neu gegeben! Verleih uns Kraft, die Kraft ist dein, in deiner Furcht zu leben. Du schüßest uns und du vermehrst der Menschen Glück, wenn sie zuerst nach deinem Reiche streben. 4. Gib mir, wofern es dir gefällt, des Lebens Ruh und Freuden. Doch schadet mir das Glück der Welt, so gib mir Kreuz und Leiden. Nur stärke mit Geduld mein Herz und laß mich nicht in Noth und Schmerz die Glücklichern beneiden. 5. Hilf deinem Volke väterlich in diesem Jahre wieder. Erbarme der Verlaßnen dich und der bedrängten Glieder. Gib Glück zu jeder guten That und laß dich, Gott, mit Heil und Rath auf unsern Fürsten nieder: 2. Daß Weisheit und Gerechtigkeit auf seinem Stuhle throne; daß Tugend und Zufriedenheit in unserm Lande wohne; daß Treu und Liebe bei uns sei: dieß, lieber Vater, dieß verleih in Christo, deinem Sohne! Mel. Schwing dich auf 609 wig und unwante delbar, Gott, ist deine Gnade, und von dir strömt immerdar Heil auf unsre Pfade. Tag und Jahre ändern sich, und wir selbst veralten, doch du bleibest, und durch dich werden wir erhalten. 2. Jedes unsrer Jahre schmückt deine Hand mit Segen; deine Vaterhuld beglückt uns auf allen Wegen. Jeden Morgen sen dest du Lebenskraft und Wonne; du verbreitest sanfte Ruh mit der Abendsonne. 3. Auch des Jahres Lauf, den wir froh vollendet haben, war erfüllt, o Herr, von dir mit des Segens Gaben. Hüll und Fülle, Trank und Brod hast du mild gewähret und in Wohlthat felbst zu besonderen Zeiten. selbst die Noth und den. Schmerz verkehret. 4. Daß uns deiner Allmacht Hand liebevoll geleitet; daß du über Stadt und Land Ruh und Glück verbreitet; daß gewissenhafter Fleiß uns durch dich gelungen, Gott, dafür sei Dank und Preis herzlich dir gefungen. 5. Freudig, Vater, treten wir in dieß Jahr des Lebens. Wann, o Herr, ver traute dir unser Herz vergebens? Ja, du wirst uns fernerhin, wenn wir dir nur leben, Unterhalt und frohen Sinn, Muth und Kräfte geben. 6. Flüchtig ist die edle Zeit, groß sind unsre Pflichten; lehr uns für die Ewigkeit unser Werk verrichten! Jebe gute, fromme That laß uns wohlgelingen! Frucht laß jede Tugendfaat für den Himmel bringen! Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 610 447 em Grchabe führtest du vorüber mich. Im Genuß der hohen Gabe der Gesundheit preis ich dich, preise dich für alle Freuden, preise dich für alle Leiden. 4. Uebung ist das Erdenleben, Bildung für die beßre Welt. Meinen Wünschen, meinem Streben ist ein höhres Ziel gestellt: ringen soll ich hier auf Erden, ewger Freuden werth zu werden. 5. Herr, dieß soll mich Weisheit lehren! Jeder Tropfen meiner Zeit, ohne je zurückzukehren, strömt ins Meer der Ewigkeit. Nichts fann Zeitverlust erseßen; laß den Werth der Zeit mich schätzen! des Lebens nüßen mich zur 6. Laß auch dieses Jahr ott, mit allen Besserung; es verfließe nicht vergebens für des Geistes Heiligung! Laß mich, Gott, nach deinem Willen meine Pflichten treu erfüllen! seinen Freu den schwand ein Jahr des Lebens hin, aber auch mit seinen Leiden schwand dieß Jahr, und, Gott, ich bin, lebe noch und soll auf Erden noch geübt, gebilddt werden. 2. Vor so manchem, man 3. Ja, auch für die trüben Stunden meines Lebens dank ich dir; denn auch sie sind nun verschwunden und sie wurden Wohlthat mir. Auch auf dornenvollen We gen führst du mich dem Ziel entgegen. 7. Alles, Alles, was ich habe, Leben und des Lebens Glück, Alles, Herr, ist deine Gabe. Dankend heb ich meinen Blick auf zu dir, gelobe 448 Gesinnung und Verhalten des Christen gelobe Treue heute dir, o Gott, aufs neue. 8. Gib uns allen deinen Segen! Knüpfe fest der Liebe Band! Auf der Tugend heilgen Wegen laß uns wandeln Hand in Hand! Fried und Heil dem Vaterlande! Fried und Heil in jedem Stande! 3. Dank dir, wenn jeßt voll Freudigkeit das Herz sich mancher That erfreut! Weß war die Kraft? Wer gab Gedeihn? Dir, Herr, gebührt der Ruhm allein. 4. Doch oft verlegen wir die Pflicht; oft fehlten wir und merktens nicht. Nimm an, Erbarmer, unsre Reu; um Christi willen sprich uns frei! die Stunden zugezählt, die lepte weislich uns verhehlt. 6. 611 1 Mel. O Jesu Christ, meins nwiederbring lich schnell 1” entfliehn die Tage, die uns Mel. Werde munter, mein Goit verliehn. Ein Jahr 612 un ist das alte tritt und eilt Wie manches ist bereis entflohn! Jahr wir leben in dem neuen schon. O Christen, preiset Gott, den Herrn! Er half bisher und hilft so gern. 2. Dank sei dir, ewig treuer Gott, für deinen Beistand in der Noth, für tausend Proben deiner Huld, für deine Schonung und Geduld! 2. Wie Mancher, der im alten Jahr froh und voll Kraft noch um uns war, sant, eh wirs dachten, schnell dahin; nun deckt des Grabes Hügel ihn. 3. O Schauplatz der Vergänglichkeit! O schnelle Flucht der Lebenszeit! Wie thöricht ist, wer immer fest sich auf das nächste Jahr verläßt! 5. Wir eilen mit dem Strom der Zeit stets näher hin zur Ewigkeit. Du hast Du gibst, uns länger zu erziehn, uns Tage, Minden, Jahre hin; doch an dem Ziel der Pilgrimschaft kommt unsre große Rechenschaft. 7. O dann laß uns, wir alle flehn, mit Freudigkeit vor dir bestehn! Denn ach, wer dann vor dir erbebt, hat thöricht, hat umsonst gelebt. 4. Doch bin ich stets nur eifervoll, zu wirken, was ich kann und soll; dann fliehe meine Zeit dahin, sie bringt doch herrlichen Gewinn. 5. Auch komm ich durch die zu besonderen Zeiten. 449 die Flucht der Zeit dir nä- ben bis hierher Kraft ge her, Himmelsseligkeit! Gott lob, des Lebens Ungemach folgt mir nicht in den Him mel nach. 6. Im Staube beug ich mich vor dir. Bis hierher hast du, Höchster, mir mit liebevoller Vaterhand mehr, als ich werth bin, zugewandt. 7. Sieh ferner, Gott, mit Gnadenblick auf mein und meines Nächsten Glück! Entreiß uns jeder wahren Noth und gib uns unser täglich rod! 8. Behüt uns in dem neuen Jahr vor Theurung und vor Kriegsgefahr! U 3 treffe feiner Seuche Wuth, fein zehrend Feuer, keine Fluth! 9. Entferne jeden Unglücksfall! Gib Heil und Wohlfahrt überall; und, bricht ein Kreuz von dir herein, so laß es uns erträglich sein! 10. Ja, fegn uns, Herr, in dieser Zeit und führ uns dann zur Herrlichkeit! Da jagen wir dir ewig Dank; da preist dich höhrer Lobgesang! geben. 2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern; die schnelle Flucht der Stunden wird kaum von uns empfunden. 3. Und diese Wandertage sind nie ganz frei von Plage; wir gehn auf rauhen Wegen der Ewigkeit entgegen. 4. Doch du bist voll Erbarmen und wirst mit Vaterarmen in Nöthen und Gefahren uns schüßen und bewahren. 5. Ach, Hüter unsers Lebens, wir sorgen nur vergebens, wenn du uns nicht beschüßest, mit Kraft uns unterstüßest! 6. Lob dir, o Gott, dem Treuen, durch den wir uns erfreuen; Lob deinen Vaterhänden, die alles Herzleid wenden! 7. Hör ferner unser Flehen und eil un beizustehen! Gib Mäßigung in Freuden, Geduld und Trost im Leiden! 8. Gib uns und allen denen, die sich von Herzen sehnen, zu thun, Herr, deinen Willen, auch Kraft, ihn zu erfüllen! Mel. Wach auf, mein 9. Herr, wehre du den 613 Mit Freuden laßt Kriegen! Laß Menschenliebe uns treten vor Gott, ihn anzubeten; vor Gott, der unserm Lesiegen, und wo nur Thränen fließen, sich deinen Trost ergießen! 10. Gib 450 10. Gib deinen milden Segen zu allen guten Wegen; laß Großen, Herr, und Kleinen, die Gnadensonne scheinen! Gesinnung und Verhalten des Christen 11. Sei der Verlaßnen Vater, der Irrenden Berather, der Unversorgten Gabe, der Armen Hülf und Habe! 12. Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanten den kummervollen Seelen, die sich mit Sorgen quälen! 13. Vor Allem, Herr, verleihe uns deinen Geist aufs neue, der uns mit Tugend ziere und so zum Himmel führe! 14. Das wollest du uns geben, du Herr von unferm Leben, so gehen wir im Segen der Ewigkeit entgegen. Beim Anfang des Kirchenjahrs. Mel. Wer nur den lieben Gott eft steht dein 2. Kein Feind zerstörte die Altäre, kein Feind zertrat dein Heiligthum. Noch singen wir von deiner Ehre, noch predigt man von deinem Ruhm. Durch Taufe, Abendmahl und Wort pflanzt sich auch hier die Kirche fort. Felsen stehen, du Gott der Gnade, Gott der Treu! Jahr und Jahrhunderte vergehen; doch deine Güt ist täglich neu. Wie brin: gen heute, Vater, wir dir würdig unsern Dank das für? des Wortes Früchten und 3. Doch fragst du nach bringst, was wir gethan, ans Licht, nach unsern Wer ten uns zu richten, Gott, Du trugesſt uns mit viel Richter, so bestehn wir nicht. Geduld; wir aber häuften Schuld auf Schuld. 5. Laß ferner hier dein Wort erschallen; gib, daß es frevle Sünder schreckt, und die, die deine Wege wal len, zu freudenreicher Hoff 614 nung wenn wir hier in Andacht flehn, uns alle deine Gnade sehn. 4. O laß es deinem Geist gelingen, in diesem neuen Kirchenjahr die Sünde mäch tig zu bezwingen, wo sie bisher noch herrschend war! Heut schwören wir, o Gott, aufs neu dir und der Tugend ewge Treu! 6. Gib, daß dich forthin Alle ehren als dein geweih tes Heiligthum! Einst führst du uns zu jenen Chören, wo man erfüllt von deinem Ruhm das Leben, das uns dort 451 Am Geburtstage. Mel. In allen meinen Thaten 6. Daß du mit Kraft mich rüstest und mir mein Leben fristest, dieß Vater, dank ich dir. Daß du mich liebreich führest, mit deinem 615 Dir dank ich für Geist regiereft, dieß Alles, Vater, dank ich dir. mein Leben, Gott, der du mirs gegeben; ich danke dir dafür. Du hast, von Huld bewogen, mich aus dem Nichts ge zogen, durch deine Güte bin ich hier. 7. Was mir in diesem Leben noch nüßt, wirst du mir geben; du gibsts! Ich hoff auf dich. Dir, Vater, dir befehle ich kindlich Leib und Seele; Herr, segne, Herr, behüte mich! zu besonderen Zeiten. dort beseelt, nicht mehr nach Tag und Jahren zählt. 2. Du, Herr, hast mich bereitet, mich väterlich ge leitet bis diesen Augenblick. Du gabst mir frohe Tage Mel. Mein Gott, das Herz und selbst der Leiden Plage 616 Du läßt den Tag in mein mich wiederfehn, da ich nach deinem Rath, o Gott, zu meinem Wohlergehn des Lebens Bahn betrat. 2. Von ganzem Herzen preis ich dich, daß mich dein Arm bis ist ganz unverdient so väterlich gesegnet und beschüßt. Glück. 3. Ich bin, Herr aller Dinge, der Treu viel zu geringe, mit der du mich bewacht. Damit ich, Staub und Erde, auf ewig glücklich werde, hast du schon ewig mein gedacht. 4. Du hörtest schon mein Sehnen und zähltest meine Thränen, eh ich bereitet war; noch war mir nicht das Leben von dir, o Gott, gegeben, da wogst du schon mein Theil mir dar. 5. Für alle deine Treue, Herr, deren ich mich freue, lobsinget dir mein Geisti Er, den du mir geschenket, er ist's, der dein gedenket und freudig dich, o Vater, preist. 3. O hätt ich doch aus Dankbarkeit das nun ver= floßne Jahr so dir und deinem Dienst geweiht, wie meine Pflicht es war! 4. Beschämt, o Gott, fleh ich zu dir: vergib mir meine Schuld und schaff ein reines Herz in mir nach deiner Baterhuld! 5. Hilf, daß ich in der Folgezeit, gerührt von deiner Treu, voll inniger Erkennt 452 Gesinnung und Verhalten des Christen kenntlichkeit dir thätig dankbar sei! 6. Schnell fliehen meine Tage hin. Mein Auge sieht nicht ein, wie lang ich noch auf Erden bin, dein Auge siehts allein. 7. Vielleicht ist bald mein Ende da. Hilf, daß ich in der Zeit, die mein noch ist, mit Sorgfalt ja schaff meine Seligkeit. 8. Dann darf ich von der Pilgerzeit den letzten Tag nicht scheun. Er wird zur frohen Ewigkeit mir mein Geburtstag sein. 3. Dem Mann hilf wirfen, hilf ihm ringen, den Eigennuß, den Hang zur Rast, die Lust der Welt, sich selbst bezwingen und tragen seiner Arbeit Last; sein Lebenstag sei nicht zu schwül und immer vor ihm sei sein Ziel! 4. Erscheint sein Abend dann dem Greise, so gib dem Müden einen Stab; er freue sich des Guten weise, was er hier that, was er hier gab, dieß sei ihm, wenn er sterbend fällt, ein Füh rer zu der bessern Welt! Die Lebensalter. Für die Jugend. Mel. Wer nur den lieben Gott Mel. Werde munter, mein 617 Der schen schafft er du den Men 618 Unsre Kindheit, und leitest und huldreich ihn als Vater liebst, was ihn erfreut, ihm mild be reitest, Heil ihm in jedem Alter gibst: es lebe, Herr, zu deinem Preis der Jüngling und der Mann und Greis. Jugend, jedes Alter darf sich freun. Auch die Fröhlichkeit ist Tugen, aber heilig muß sie sein, nicht ein Taumel der bethört, der Gefühl und Kraft zerstört; wilde Lüfte muß sie scheuen und die Seele nicht entweihen. 2. Verleih dem Jüngling Kraft und lehre ihn Mäsfigung, wenn er sich freut; gib Demuth auf der Bahn der Ehre, gib Muth ihm, wenn Gefahr ihm dräut! O laß ihn thätig, gut und rein und stark in der Versuchung sein! 2. Nur in einem reinen Herzen, nur in einer feuschen Brust toben nie der Reue Schmerzen, wohnet wahre Ruh und Lust. Un beherrschte Sinnlichkeit tödtet die Zufriedenheit; fie vergiftet alle Freuden und erzeuget bittre Leiden. 3. Rei zu besonderen Zeiten. 453. Herz wird nur für Gott und Tugend, für Pflicht und Recht und Wahrheit glühn. 3. Reiner Sinn und Unschuld schmücket mehr, als Schönheit; denn sie mehrt jede Lust, die uns entzücket, jedes Glückes Reiz und Werth. Reinen Herzen fließt der Quell jeder Wonne rein und hell; sie nur können voll Vertrauen hoffen, Gott, dereinst zu schauen. 4. Drum, o Gott, laß uns gottielig, froh und willig, zu erfreun, liebenswürs dig und gefällig, aber nur durch Tugend sein; offen, ohne Schmeichelei, stets bescheiden und doch frei, ohne Frechheit, stets bedächtig, immer unsers Herzens mächtig! 5. Laß die Frechheit wilder Sitten niemals unser Herz entweihn! Laß, o Gott, Paläst und Hütten stets der Tugend Wohnung sein! Je der strebe, wer ein Christ, wessen Wunsch die Tugend ist, daß daß Die Erde durch die Tugend 620 5 Jugend, im Mel. Warum sollt ich mich abe schöner werde. D Mel. Wie groß ist des Allmächt. und dem Reiz der Tugend! mer gern an dem Herrn 619 ob dem, der Was dein schwaches Herz begehret, dein Verstand nicht erfand, wird dir dann ge= währet. seines Lebens Morgen nur seinem Herrn und Schöpfer weiht! Be schäftigt mit den edlen Sor gen der Aussaat für die Ewigkeit, wird er die wilde Lust der Jugend und jedes Lasters Reize fliehn; sein 2. Von Sorgen frei, voll Muth und heiter wallt er der Weisheit Segensbahn mit festem Schritte immer weiter und blickt getroft zu Gott hinan, besiegt durch fortgefeßtes Streben durch Fleiß und Ernst und Wachsamkeit Verführer, wenn sie ihn umgeben, und seine eigneSinnlichkeit. 3. Wie freudenreich sind feine Tage! Wie fanft entfließt ihm seine Zeit! Fr fürchtet keiner Zukunft Plage, ihn reut nicht die Vers gangenheit. Er sät den Samen jeder Tugend und freut sich seiner Aerndte schon; die schöne Blüthe feiner Jugend verheißet ihm im Alter Lohn. 2. Schnell muß nicht vorüberrauschen diese Lust; deine Brust muß sie nicht vertauschen gegen Lüste dieſer Erden, die dein Herz volTer 454 Gesinnung und Verhalten des Christen ler Schmerz bald vergiften jung und unerfahren, wird werden. 3. Nicht erst wann des Alters Sorgen dich zer streun, Jugend, nein, schon am frühen Morgen, in der Blüthe deines Lebens dien ihm gern und dem Herrn dienst du nie vergebens. leicht geblendet durch den Schein und stürzt sich in Gefahren. O mache mich mir selbst bekannt und gib mir Weisheit und Verstand, damit ich meine Wege unsträflich wandeln möge! 4. Glück, Gesundheit, langes Leben wird dafür willig bir dein Erschaffer geben. Weisheit sei nur dein Begehren; dann wird er dir schon mehr, wenn dirs nüßt, gewähren. 3. Zum Leichtsinn, der das Herz verführt, das Böse zu erwählen; zum Ehrgeis, der den Stolz gebiert, dieß Merkmal schwacher Seelen; zur Trägheit, die den Geist verzehrt und jeden Trieb zum Lafter nährt, laß nie zu diesen Sünden in mir sich Neigung finden! 5. Auch in den gesunden Tagen laß nicht ab, in das Grab einen Blick zu wagen. Suche, fern von dem Verderben, Seelenruh, dann wirst du Himmelssegen er ben. Für Jünglinge. Mel. Ermuntre dich, mein 621 ch trete vor dein Schöpfer meiner Jugend! Verwirf mein kindlich Flehen nicht um Weisheit und um Tugend! O nimm dich meiner Schwachheit an, und wenn sich mir Gefahren nahn, so stehe mir zur Seite, damit mein Fuß nicht gleite! 2. Mein Herz, von Lastern zwar noch rein, doch 4. Wenn mir auf meinen Jugendbahn, mich in ihr Neß zu ziehen, Ver führer sich voll Arglist nahn, so laß mich weislich fliehen. Ihr Beispiel, Herr, entferne nicht mein Herz von dir und meiner Pflicht; ihr Spotten und ihr Lámachen! 5. Der Tugend heilige mich ganz, mein Schöpfer und Erhalter; sie werde meiner Jugend Glanz und einst mein Trost im Alter! Erhalte mein Gewissen rein; laß keinen meiner Tage sein, der nicht zu deiner Ehre wohl angewen det wäre! Für zu besonderen Zeiten. Für Jungfrauen. 622 Jiteit zu Verführung droht, so lehre Mel. Ermuntre dich, mein ch will in stiller 5. Umgang mir mich ihn meiden und lenke stets mein Herz, o Gott, zu reinen, edlen Freuden! Die Unschuld sei mein höchster Ruhm, ein guter Ruf mein Eigenthum, den Jeder gern mir gönne und Niemand lästern könne! 6. Die edle Freundin laß in mir ein Herz, wie ihres, finden, damit in frommer Eintracht wir der Freundschaft Glück empfinden! Laß unsre Liebe sanft und rein wie deiner Engel Umgang sein, daß nimmer unfre Seelen Neid oder Argwohn quälen. 7. Der du mich selbst durch dein Gebot den Weg zum Himmel lehrest, ich will ihn wandeln, Herr, mein Gott, damit du mich erhörest. Durch Unschuld, Sanftmuth, Frömmigkeit, durch frohen Sinn bei Häuslichkeit laß, Vater, mich auf Erden geliebt und glücklich werden. dir mich, Gott, erheben! Dir sei mein ganzes Herz geweiht, geweiht zum from men Leben! Gib du mir Kraft, sie kommt von dir, und stärke den Entschluß in mir, stets deinen heilgen Willen mit Freuden zu erfüllen! 2. Du bist mein Vater, ich dein Kind: mein Heil ist, dich zu lieben; ach, mache mich dir gleichgesinnt in allen meinen Trieben! Laß meine Seele keusch und rein, unsträflich meinen Wandel sein, um, Va ter, dir vor Allen durch Unschuld zu gefallen! 455 der dir gefällt; drum will ich mich bescheiden in Zucht und Demuth kleiden. 3. Vor eitler Selbstgefälligkeit bewahre meine Jugend! Mein Vorzug sei Bescheidenheit und meine Schönheit Tugend! Gib mir den sanften stillen Geist, der dich durch fromme Des muth preist, den nächsten liebt und achtet, sich selbst zu bessern trachtet. 4. Sucht zu gefallen müsse nicht mein schwaches Herz bethören; sie würde mein Gefühl für Pflicht und meine Ruh zerstören. Ein eitFür das Alter. Mel. Mein erst Geschäft sei Preis ler Glanz und Pracht der 623 Stets warst du meine ZuverWelt ist nicht der Schmuck, sicht und bist es noch im Al= 456 Gesinnung und Verhalten des Christen Alter; verlaß auch nun mich Schwachen nicht, mein Schöpfer, mein Erhalter! 2. Ich fühle die Beschwerlichkeit gehäufter Lebensjahre und steh am Rande meiner Zeit. Nah sind mir Sarg und Bahre. 3. Gelobt sei deine Vatertreu, die mich bis hier her brachte, mir wohlthat und mein Herz dabei mit dir zufrieden machte! 4. O sei auch ferner noch mit mir, daß ich bis an mein Ende dir folg und voll Vertraun zu dir das Leben wohl vollende! 5. Viel heitre Tage gabst du mir, von Sorgen frei und Grämen; wie sollte ich denn nicht von dir jetzt auch die trüben nehmen! 6. Es währet ja nur kurze Zeit, was ich noch etwa leide, und dann lohnt eine Ewigkeit mit ungetrübter Freude. 7. Dann drückt mich keine Schwachheit mehr; verjüngt ist dann mein Leben; dann werd ich, Gott, dir Preis und Ehr im Chor der Engel geben. 8. Hilf, daß ich täglich meinen Blick auf diesen Wechsel lenke und dieß mir immer nähre Glück zu meinem Trost bedenke! 9. So bleib ich in 3ufriedenheit auch bei des Alters Schwäche und harre, bis dein Wink gebeut, daß meine Hütte breche. Mel. In allen meinen Thaten 624 Du, Herr von gen, hast mich voll Huld getragen von meiner Jugend auf; auf allen meinen Wegen umgab mich, Gott, dein Segen; du lenktest meinen Lebenslauf. 2. Ich hatt oft große Sor gen; doch wie ein heitrer Morgen durch dunkle Nächte bricht, so hab ich stets erfahren: der Herr weiß zu bewahren und führt durch Finsterniß zum Licht. 3. War Menschenrath vers gebens, so kamst du, Herr des Lebens, und halsst und machtest Bahn. Dich ließ ich thun und rathen; denn du thust große Thaten und nimmst dich unser huldreich an. 4. Du willst in meinem Alter mein Stab sein, mein Erhalter, nach deiner Vaters treu. Bin ich gleich schwach und müde, bei dir ist Trost und Friede; du stehst mir in der Schwachheit bei. 5. Wie fliehn des Lebens Stunden, wie bald ist es verschwunden! Ich bin dem Ziele nah, dem Ziele aller Leiden. O welche hohe Freu den unter besonderen Umständen. den erwarten meine Seele ba! 6. Ich Earre fromm und stille, bis, Herr, mein Gott, dein Wille mich nach dem söhnt. 457 Kampfe krönt. An meiner Laufbahn Ende sink ich in Jesu Hände, denn er hat mich mit dir vers Gesinnung und Verhalten des Christen unter besonderen Umständen. Bei allgemeinem Wohl- dienste belohnt; hier ist es, wo Recht und Gerechtigkeit wohnt. stande. In eigener Melodie. Dum Himmel 5. Religion strahlt uns so so mild. 625 3hebe dich, greuz wo uns nicht leuchtet die dengefang! Hoch töne aus fröhlichem Herzen der Dank! Auf, Alle, von Vaterlands liebe durchglüht, singt mit uns dem Höchsten ein feierndes Lied! Sonne, ihr Bild, erhellt sie uns Erdenbewohnern den Pfad und gibt uns Erleuchtung, Erquickung und Rath. 6. Wünscht, Glückliche, wünschet dem Vaterland Glück! Ein Jeder bezeuge mit freudigem Blick: er schäße das Gute, dem Höchsten zum Preis; es jauchze der Jüngling, der Mann und der Greis! 2. Er läßt uns bewohnen ein glückliches Land, beschirmt und erfreut es mit gnädiger Hand, sein Segen ergießt sich auf Alle herab und väterlich wendet Gefahren er ab. 3. Die Berge, mit Bäumen und Reben besetzt, die Auen, mit schlängelnden Bächen benetzt, die Gärten, die Flächen der Felder um her, wie tragen sie wieder an Früchten so schwer! 4. Es blühen Gewerbe und Künste im Land und Nahrung und Wohlfahrt in jeglichem Stand. Mild wer den hier Fleiß und Ver7. Uns bleibe das Christenthum theuer und werth; Gott werde durch Weisheit und Tugend verehrt; Gerechtigkeit ziere den fürstlichen Thron, den Bösen zum Schrecken, den Guten zum Lohn. 8. Wohl Jedem, bers fühlet, wie glücklich er ist im Lande, wo Eintracht und Liebe sich küßt! Ein Jeder befördre, so viel er nur 11 tann, 458 Gesinnung und Verhalten des Christen kann, des Vaterlands Bestes und freue sich dann! 9. Gott, sei uns stets freundlich und fördere du das Werk unsrer Hände in Friede und Ruh, so leben wir glücklich und wallen von hier zum Vaterland droben, o Vater, zu dir! In allgemeiner Noth. 7. Herr, deine Züchtigung 626 züchtigt deine leit uns zur Besserung! Laß tel. Auf meinen lieben Gott 13 Hand, o Höch ster, jetzt das Land. Zu deinem Vaterherzen erhebt in Furcht und Schmerzen sich das Geschrei der Armen; erhör es mit Erbarmen! sie die Sichern schrecken, die Schlummernden erwecken und Redlichfromme stärken, auf dein Gebot zu merten! 2. Du siehst des Landes Noth; sie kam auf dein Gebot. Du kannst mit starken Händen sie lindern und auch enden. Ein Wort aus dei nem Munde verändert Zeit und Stunde. 8. Wenn unser Herz dich liebt, so wird, was uns be trübt, uns doch zum Heil gedeihen und uns zuletzt er freuen; es wird uns deine Gnade ein Licht auf dunklem Pfade. 9. So stärke denn das Herz, daß auch im größten Schmerz es nie an Muth ihm fehle. O sprich zu un frer Seele: getrost! dich soll kein Leiden von meiner Liebe scheiden. 3. D Herr, wir murren nicht. Gerecht ist dein Sericht bei Allem, was wir dulden; denn groß sind unfre Schulden. Du züchtigst doch noch minder, als wirs verdient, wir Sünder. 5. Verkürze, guter Gott, die Dauer unsrer Noth, und die voll Kummer flehen, laß bald Erleichtrung sehen! Verwandle du ihr Leiden in neue Lebensfreuden! 6. Doch wenn, o Herr der Welt, es dir noch nicht gefällt, die Trübsal zu ent fernen, so stärk uns, daß wir lernen, mit ehrfurchts vollem Schweigen vor dir uns findlich beugen! 4. Ja, Vater, deine Huld ist größer, als die Schuld. Gedente denn der Deinen, die reuig vor dir weinen; laß tiefgebeugten Seelen nicht Trost und Hoffnung fehlen! 10. Am Schluß von un serm Lauf flärt einst sich Alles auf! Dann wird die Aussicht heiter; dann thränt kein Auge weiter; dann finden unsre Herzen nur Wonne nach den Schmerzen. In unter besonderen 627 Whöchsten NöIn eigener Melodie. wir in then sein und wissen nicht, 4. Nach deiner Gnade sas gest du sie Allen, die drum bitten, zu durch den, der unser Mittler ist, durch unjern Heiland Jesum Chrift. 5. Drum kommen wir, Herr, unser Gott, und kla: gen dir all unsre Noth. Ach, deine Bateraugen fehn, wie hülflos, Herr, wir vor dir stehn. In Kriegszeiten. Mel. Wer nur den lieben Gott wo- aus, noch ein, und fin- 628 3 zieht, o Gott, den Rath, ob wir gleich sorgen früh und spat; 2. So ist dieß unser Trost allein, daß wir zusammen insgemein anrufen dich, du treuer Gott, um Rettung aus der Angst und Noth! 3. Und heben unser Aug und Herz hinauf zu dir in unserm Schmerz und flehn dich um Begnadigung und unsers Elends Linderung. 6. Nur du bist unsre Zuversicht! Vergilt nach unsrer Schuld uns nicht; steh uns in unsern Nöthen bei, mach uns von aller Plage frei! Umständen. 7. Dann danken und lobfingen wir mit freudevollem Herzen dir; gehorsam deinem theuren Wort, Herr, preisen wir dich hier und dort. 459 wetter jetzt über unser Haupt einher. Doch bist du unser Schuß und Retter, so schreckt uns keines Feindes Heer, wie sehr es auch Gefahr und Noth den Völkern und den Ländern droht. 2. O gib in diesen bangen Tagen uns, Herr, den Sinn, auf dich zu sehn und da, wo Andre trostlos zagen, mit Zuversicht zu dir zu flehn, weil Menschenhülfe wenig nüßt, wenn deine Macht uns nicht beschüßt. 3. Nicht blinder Zufall herrscht auf Erden: du bist es, der die Welt regiert. Laß jetzt die Menschen inne werden, daß deine Hand bist unsre Zuversicht. Wir das Ruder führt. Du, Herr, traun auf dich, verlaß uns nicht! 4. Dir werfen wir uns in die Arme und flehen um Barmherzigkeit! Sei unser Vater und erbarme dich über uns zur bösen Zeit! Beschüße gnädig Stadt und Land vor Blutvergießen und vor Brand! 5. Doch findet dein allweiser Wille noch härtre Brüfungen uns gut, so fassen 11 2 wir 460 Gesinnung und Verhalten des Christen wir in frommer Stille voll Zuversicht und Glauben Muth. Du bist gewiß zu rechter Zeit zu retten uns, o Herr, bereit. 6. Froh werden wir dann rühmen müſsen, wenn du uns wieder wohlgethan: Gott brach nach uns verborgnen Schlüssen- zum Heil uns auch durch Noth die Bahn. unsre Mel. Wann mein Stündlein Buversicht! Barmherziger, 630 Hain Angesicht, verlaß uns nicht! dein In eigener Melodie. 629 U m Erbarmen fle: hen wir, Gott, und Vater, jeßt zu dir. Steh uns bei, Allliebender, Herr der Welt, Allmächtiger! Hör uns, rett uns aus der Noth! Hilf; denn allenthalben droht Raub, Verwüstung, Elend, Tod! 2. Ach, des Krieges Flammen glühn! Ordnung, Ruh und Segen fliehn. Keine Hülfe sehen wir, keine Hülfe, als bei dir. Denk an uns in Gnad und Huld, nicht an unsrer Sünden Schuld; gib uns Hoffnung und Ges duld! 3. Du, der zu dem Meere spricht: Bis hierher und weiter nicht! Sprich, o von neuem zu. Unfre Zuflucht, Gott, bist du! 4. Gibst du Frieden, dann, o Herr, bebet unfer Herz nicht mehr. Ach, wir alle beten dann deine Macht mit Freuden an. Aber jetzt noch seufzen wir, jeßt noch flehn wir angstvoll hier um Erbarmen, Gott, zu dir! hster, nur ein Wort, und die Schrecken fliehen fort, Fried und Ordnung, Glück und Ruh eilen uns o Herr, vor uns verborgen? Vernimmst du unsre Seufzer nicht; entgehn dir unsre Sorgen? Uns drücket eine schwere Macht, Gott, wenn nicht deine Vorsicht wacht, so müssen wir verderben. 2. Der Krieg im blutis gen Gewand verheeret die Gefilde, und Noth und Armuth drückt das Land, das sonst dein Segen füllte. Ach, Aller Herz ist freu denleer und keine Ruh erquickt uns mehr; sie ist von uns gewichen. 3. Gefahr umgibt uns in der Nacht und wächst mit jedem Tage. Sind wir von kurzem Schlaf ers wacht, so wacht auch unsre Plage. Der harten Krie ger wilde Wuth droht uns mit Feuer und mit Blut; o wer, wer fann uns schüzzen? 4. Du unter besonderen Umständen. 4. Du kannst es, du er habner Gott! Es steht in deinen Händen, uns zu erretten, unsre Noth zu unferm Glück zu wenden. Du kannst dem Elend, das uns drückt, das uns Zur Friedensfeier. zugeschickt, allein allmächtig 631 3her, udir, AllMel. Herr Gott, tich loben u dir, Unendligütiger, der Völkern still zu sein gebot und Frieden sandte, zu dir, Gott, steigt unser Jubelton empor! Zu unsrer höhern Brüder Chor singt unser Herz, entflammt von Dank, den lauten hohen Lobgesang: Gelobt, gelobt sei Gott! der Weltbeherrscher, Gott! der Weltbeglücker, Gott, der Friedensgeber, Gott! steuern. 5. Es haben Lanzen, Spieß und Schwerdt, mit welchen Feinde drohten, schon oft in Sicheln sich verkehrt, so bald dein Wink geboten. So mächtig bist du immer noch; ach, so gebeut, so rede doch! Was du sprichst, muß ges schehen. 6. Vergib uns gnädig unsre Schuld, vertilge unsre Sünden! Du bist ein Gott voll Vaterhuld: so laß auch nun dich finden! Ach, dämpfe unsrer Feinde Wuth, lösch aus des Krieges wilde Glut, eh sie uns ganz verzehret! 461 barmer, nicht, bis uns dein huldreich Angesicht zum Se gen wieder strahlet! 7. Gib deiner Gnade theures Pfand, gib uns den Frieden wieder! Errette das bedrängte Land, erhalt uns unsre Güter, damit wir dir, von Angst befreit, die Opfer unsrer Dankbarkeit in sichern Tempeln bringen. 8. Regiere du selbst uns sern Sinn, daß wir, dir ganz ergeben, des Lasters Bahn mit Abscheu fliehn und nur der Tugend le ben! Wir lassen dich, Er 2. Wer ist an Majestät dir gleich? an Güte und an Macht so reich? Du sprichst ein Wort: der Himirel schweigt. Du sprichst ein Wort: der Erdkreis neigt sich tief anbetend vor dir, Gott, und ehret schweigend dein Gebot! Du siehest Völker sich entzwein, mit Schwert und Waffen sich bedräun. Die Waffen sinken und der Streit wird still, wird Ruh und Einigfeit, sobald, Herr, deine Rechte dräut und Völkern still zu sein gebeut! 3. Wie schreckend, wie verheerend war empörter Völker Zwist! Gefahr und 11 3 Angst 462 Gesinnung und Verhalten des Christen Angst und Roth und Tod umgab uns drohend; offen stand das Grab, und unsre Brüder sanken hin, bei Schaaren in das Grab dahin, und Schmerz, der Mutterherzen brach, und blutge Thränen folgten nach. Gott, furchtbar war der Völker Zwist. Dank dir, Algütiger, er ist durch dich, der Erd und Himmel trägt, geschlichtet und nun beigelegt! vom Himmel uns schickte! Preiset ihn hoch; weg ist das härteste Joch, das unser Vaterland drückte. 2. Vater, du weißt es, was wir von der Zwietracht erfuhren; grause BVerheerungen sind noch die trau rigen Spuren! Aber wie hell rinnt nun der Segnungen Quell durch die verwüsteten Fluren! 3. Hör, o Algütiger, gnädig das Jauchzen der Deinen! Höre, Erretter, den Jubel der Großen und Kleinen! Friede gabst du, Frie de und sichere Ruh, Freude nach Klagen und Weinen. 4. Das Schwert, das Bruderblut vergoß, ist weggelegt; aus deinem Schooß strömt uns des Friedens sanfte Ruh und Ueberfluß und Segen zu. Hier liegen wir und beten an dich, Gott, der dieß an uns gethan! 5. Laß ihn, laß ihn beständig sein, den Frieden, deß wir uns jeßt freun; in seinem Schooße laß uns nun und spät noch unsre Nachwelt ruhn! O segne, Gott, das Vaterland, den Fürsten, segne jeden Stand! Solang du uns noch mallen heißt im Pilgerthal, In Theuerung. laß deinen Geist den treuen Mel. Von Gott will ich nicht lassen Mel. Lobet den Herren, den 632 N ahet anbetend dem Gnädigen, nahet, Beglüdte! Singt ihm; er ists, der den Frieden 4. Dank, dir, o Vater, und Ehre und Preis dei nem Namen! Sie find er duldet, die Leiden, die über uns kamen; fern ist die Noth! Segnend erhalt uns, o Gott, was du verliehen haft! Amen. Führer Aller fein! Tann 633 Du bester Trof ewgen uns ein. Amen! Armen, Beherrscher aller Welt, du Vater voll Erbarmen, der, was da lebt, erhält, schau her auf unsre Noth; erbarme dich der Deinen; wir Are men gehn und weinen und schmachten, Herr, nach Brod. 2. Er unter besonderen Umständen. 463 2. Erbarmender, ach len zittern, und da, wo, wende der Zeiten schweren Bergen gleich, empörte WelLauf! Thu deine milden len zum Himmel schwellen. Hände, uns zu versorgen, auf! Was irgend Leben hat, nährst du mit Wohlgefallen. Nähr uns auch, schaff uns allen bei unserm Mangel Rath! 3. Den Reichen gib Er barmen, Gefühl für Andrer Schmerz und, zu erfreun die Armen, ein mitleidvolles Herz, damit sie mild ihr Brod trostlosen Brüdern brechen und nicht gefühllos sprechen: Geht hin, es helf euch Gott! 4. Laß unsre Frucht ge rathen, uns wieder zu erfreun; und allen unsern Saaten gib Wachsthum und Gedeihn! Mit milder Va terhand gib Wärme, Thau und Regen, so kehrt dein reicher Segen zurück in unser Land. 3. Sei Alles Sturm und Aufruhr und Getümmel; Gott schuf das Meer, den Erdkreis und den Himmel, Was er gebeut im Himmel und auf Erden, das, das muß werden. 4. Zum wilden Strome spricht er: fleuß mit Stille! und allgewaltig ist sein Herscherwille; der Strom gehorcht, die Wogen sinken nieder und ruhen wieder. 2. Ich will ihm trauen und in Ungewittern, vor denen selbst der Erde Säu5. Wer händeringend sein Geschick beklagte, den Abgrund offen sah und schon verzagte, frohlocket dann und rufet: Gott ist Retter in Sturm und Wetter! 6. So mögen denn Gefahren mich umschweben und Eisgebirge sich im Strome heben und fürchtbar drohend jeden Damm erschüt tern: ich will nicht zittern. 7. Zu dir empor will ich am Strome schauen und das thun, was ich soll, und dir vertrauen. Du, Herr, kannst stets uns retten und bewahren in den Gefahren! In Wassersnoth. Mel. Herzliebster Jesu! 634 J * ch will dem Herrn zu jeder Zeit vertrauen und stets mein Heil auf diesen Felsen bauen; auch in den Mel. Was mein Gott will nächsten schrecklichsten Ge- 635 Wir sind in Noth; fahren bewahren. Gott, die Fluth nicht überschwemmen; nimm uns in Acht; wehr ihrer Macht! Ú 4 Du 464 Gesinnung und Verhalten des Christen Du kannst die Wogen hem. men. Verbirg jetzt nicht dein Angesicht; gedenk an uns in Gnaden! Gott, wenn uns jest dein Arm beschüßt, was kann die Fluth uns schaden? 2. Ach, hilf uns, Herr, Aumächtiger, um Jesu Christi willen. Ach, du allein fannst uns befrein, kannst Sturm und Wellen stillen. Erbarme dich, hilf väter lich; beschüß uns Gut und Leben! Dann wollen wir dir, Gott, dafür Dank, Preis und Ehre geben. Du schüßest, du erhältst, du hilfft in jeder Noth; du bist der Fluthen Herr, du bist der Meere Gott. 2. Doch mitten in der Fluth bewiesest du Erbarmen und halfft uns väterlich. Du zeigtest an uns Armen, daß du, Allvater, nie uns allzusehr betrübst, uns nie verlassen kannst, uns auch im Leiden liebst. 3. Dieß thatst du, Mächtiger, der jeder Fluth gebieten, der Meerezähmen kann, so mächtig sie auch wüthen! 4. Wer wollte dir, o Herr, durch Sünden widerstreben und nicht in Heiligkeit zu deiner Ehre leben? Folgt deinem Wink der Strom, gehorcht dir alle Welt, wie sollten wir nicht thun, was, Vater, dir gefällt? Nach einer Feuersbrunst. Viel. Wenn wir in höchsten Nach überstandener Noth. 637 Gott, deffen Macht Kraft zum Segen und Verdes Feuers derben schafft; mit welcher Mel. Nun danfet Alle Gott 636 Nob, Ehr und schrecklichen Gewalt verwü Tank sei dir, o großer Gott, gesungen, daß du durch deine Macht die wilde Fluth bezwungen! Verheerend brach sie los, glich dem empörten Meer, die Wellen rauschten schon fast über uns daher. stets, und wie leicht wie bald! 2. Ach, manche Häuser hats verzehrt und mancher Menschen Glück zerstört! Auch dieß hat deine Hand gethan; wir weinen, Herr, und beten an. 3. Wir weinen und verehren doch auch deine Huld; sie half uns noch und hielt der Flammen schnellen Lauf, der llebrigen zu schonen, auf. 4. Mit unsern Brüdern seufzen wir in ihrem Jame mer, Gott, zu dir. Laß fie nicht hülflos; tröste die, die du gebeugt hast, fegne sie! 5. Ach, der Verschonte fliehe nicht die llebung seiner schönsten Pflicht, der Pflicht, Be unter besonderen Umständen. Betrübte zu erfreun, barmherzig durch die That zu sein. 6. Uns wieder segnen kannst du, Gott, in Heil verwandeln jede Noth. Ja, weise, liebevoll und gut ist Alles, was dein Wille thut. 7. Gib Unterwerfung und Geduld und laß uns deiner Vaterhuld mit frommer Zuversicht vertraun und stets auf deine Hülfe baun! 8. Schüß unser ganzes Vaterland; vor Mangel, Seuchen, Krieg und Brand! Gib, weil du unser Vater bist, uns allen, was uns heilsam ist! 465 Glück mir zugewendet, als Noth gesendet. 4. Du sahst vielleicht, ich würd in guten Tagen nicht mehr nach dir und deinen Rechten fragen; ich würde stolz des Glücks mich überheben und sündlich leben. 2. Verborgen mir, doch gütig ist dein Wille! Du bist mein Gott, und meine Seel ist stille. Du führst gewiß mich auch auf rauhen Wegen dem Heil entgegen. 3. Wenns nüßlich mir und wenn es deiner Ehre, Allwissender, gemäß gewes sen wäre, du hättest lieber 5. Gott, wenn ich dieß im Stillen überlege, so preis ich dich und ehre deine Wege. Was hülf es mir, die ganze Welt zu erben und zu verderben? 6. Und viel des Guten ist mir noch geblieben, mein guter Name, Freunde, die mich lieben, und, Dank sei dir, es ist mein gut Gewissen mir nicht entrissen. Nach großem Verlust. deine Güte schauen, nicht 7. Wie sollt ich nicht auf ruhig sein und standhaft Mel. Herzliebster Jesu! 638 Du hast es mir dir vertrauen? Auch künftig wirst du, was zu meinem Leben mir noth ist, geben. gegeben und genommen; Preis dir, o Herr! Zwar ist mein Herz beklommen; doch mein Vertraun, mein Glaube soll nicht wanken; ich will dir danken! 8. Herr, segne du die Arbeit meiner Hände und leite gnädig mich bis an mein Ende! Mit Allem, was du fügst und mir beschieden, bin ich zufrieden. Auf der Reise. Mel. Befiehl du deine Wege.. 639 Beglüce meine Reise; Gott ich vertraue dir! Sei gnä, dig und beweise, wie treudu bist an mir! Auf allen ut 5 meinen 466 Gesinnung und Verhalten des Christen meinen Wegen begleite väterlich mit deinem Heil und Segen, mit deinem Schuße mich! 2. Jch bin in deinen Händen, deß darf mein Herz sich freun: denn du kannst Hülfe senden, wo mir Gefahren dräun. Bin ich bei dir in Gnaden, so fürcht ich nichts, o Gott; du wehrest allem Schaden, mein Helfer in der Noth! 3. So will ich denn mein Leben, mein zeitlich Glück und Gut mit Ruhe übergeben, Gott, deiner treuen Hut. Erhalte meine Kräfte, beglücke meinen Fleiß und meiner Pflicht Geschäfte zu deinem Ruhm und Preis! 4. Laß dir auch meine Lieben empfohlen sein, o Gott! Nichts müsse sie betrüben, kein Unfall keine Noth! Gesund laß sie mich wieder bei froher Rückkehr sehn; dann sollen unsre Lieder, Herr, dankbar dich erhöhn! Der reisende Jüngling. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 640 Auch außer meinem Vater land wirst du, Gott, mit mir sein. Wo immer nur mich deine Hand hinführt, da bin ich dein. 2. Vergeß ich dieser Wahrheit nicht, bin ich von Herzen gut und üb ich treulich meine Pflicht, so hab ich frohen Muth." 3. Doch, Herr, ich fühle mich noch schwach; drum stärke du mein Herz! O hilf du meinem Streben nach und sichre mich vor Schmerz! 4. Der Reiz der Sünd und Eitelkeit entlocke dir mich nie! Was kurz vergnügt und lang gereut, gib, daß ichs weislich flieh! 5. Wo man mich sieht und Freund mich nennt, laß tugendhaft mich sein und dort auch, wo kein Mensch mich kennt, das Laster ernstlich scheun! 6. Nur wer die Tugend ehrt und liebt, deß Beispiel führt zu dir; o du, der Alles hat und gibt, Gott, solchen Freund gib mir! 7. Dem Freunde wilder Fröhlichkeit, dem Freund voll List und Spott, von Wollust, Spiel und Ueppigkeit entreiße mich, mein Gott! 8. Wer Wahrheit, Pflicht und Recht verdreht, der flöße Graun mir ein; vor dem Verruchten, der dich schmäht, erzittre mein Gebein! 9. Mich lehre stets dein heilig Wort auf guten We gen unter besonderen Umständen. 461 gen gehn und, wenn ich der Noth; bewahre sie vor kann, an jedem Ort im Sünden! Auch dort ſei stets Tempel dich erhöhn! der Tugend Ruhm ihr unverlegtes Eigenthum. 10. Dann bin ich meiner Aeltern Lust, im Alter einst ihr Stab und keines Lasters mir bewußt, begleit ich sie ans Grab. 11. Mir folgt ihr Segen durch die Welt, bis einst mein Auge bricht, und meinen Geist, der dir gefällt, erschrecket fein Gericht. 12. Gedanke der Unsterblichkeit, erhebe meinen Geist! Wohl mir, es ist die Ewigfeit, wohin der Glaube weist! 3. O fehrten sie mir einst zurück, des Wiedersehens großes Glück macht froh schon meine Seele. Doch fäh ich auch ihr Angesicht nun ferner hier auf Erden nicht, was ists, daß ich mich quäle? Jch weiß, o Gott, ein Tag erscheint, der wieder mich und sie ver eint. 4. O wie gedenk ich dein so gern, du Tag des Lebens, Tag des Herrn! Wann wird dein Licht erscheinen? Fürbitte für liebe Ab- dergibt, die trauernd meine O Tag, der die mir wiewesende. Seele liebt, die Seligen, die Meinen! wie wird sich unsre Seele freun! Wie Mel. Der unsre Menschheit 641 Du, welchen teis- selig werden dann wir sein. ne Welt umschließt, der du allgegen wärtig bist mit allem deinem Segen, wo meine Lieben sind, auch da bist du voll auf Mel. Allgegenwärtiger, ich allen ihren Wegen! Dieß 642 Imer fallen wir ists, was meine Thränen stillt, wenn banges Sehnen mich erfüllt. gebeugt und demuthsvoll vor dir, o Herr des Lebens, nieder. Ach, uns bedroht ein schneller Tod; schon würgt er unsre Brüder! 2. Der Seuchen Gift verbreitet sich, und, Gott, wen haben wir, als dich, der U 6 feine 2. Mach ihnen mild das ferne Land und laß an deiner Vaterhand sie dort auch Freunde finden. Sei, wenn ein Unfall ihnen droht, ihr Schuß, ihr Retter in Bei ansteckenden Krankheiten. 468 Gesinnung und Verhalten des Christen seine Wuth ihm raube? Wenn deine Macht uns nicht bewacht, so werden wir zu Staube. 3. Ach, Viele sanken schon ins Grab so unerwartet schnell hinab. Wie ist um Hülf uns bange! O schone noch! Entreiß uns doch dem nahen Untergange! 4. Oft retten Kunst und Vorsicht nicht. Wir haben 9. Laß unser gläubiges Gebet, das, Herr, zu dir um Gnade fleht, dir, Va ter, wohlgefallen. Der reinste Dank und Lobgefang wird dann bei uns erschallen. Herr! Gib, daß nicht mehr der Tod so schrecklich wüthe! 5. Wir glauben an den Sohn und dich; o darum schaue väterlich auf tiefgebeugte Sünder! Denn du allein kannst uns befrein, und wir sind deine Kinder. 6. In deiner treuen Vaterhand ruht Tod und Leben, Volk und Land. Entferne jede Plage! Verzagten Sinn nimm von uns hin! Gib wieder heitre Tage! 7. Doch willst du uns noch nicht befrein, so lehr uns doch geduldig sein und dir uns ganz ergeben; und sterben wir, laß uns vor dir in deiner Wonne leben! 8. Zeig allen Sterbenden dein Heil und gib, daß sie ihr bestes Theil im Himmel nicht verlieren! Laß sie den Tod aus jeder Noth zum bessern Leben führen! Dank für Gottes Hülfe. Mel. Ein Lämmle in geht Wir tomo kommen, Helfer, dir Gesang und Ruhm und Preis zu bringen. Des gants zen Volkes lauter Dank soll, Retter, dir lobsingen. Wir schwebten in Gefahr und Noth; wir sahen überall den Tod mit seinem Schrecken drohen. Nun wüthet seiner Seuchen Heer durch unser Vaterland nicht mehr; sie sind vor dir entflohen. keine Zuversicht, als nur zu 643 der 2. Wir sahen dort und sahen hier so viele Brüder sterben und allenthalben waren wir umfangen vom Verderben. Da galt kein Schonen! Stündlich war uns nah und furchtbar die Gefahr und alle Kunst verz gebens. Den Würger trieb kein Arzt zurück, auch ihm schien jeder Augenblick der leßte seines Lebens. 3. Allmächtiger, wir alle schrien zu dir mit bangen Herzen. Wir sind erhört, die Seuchen fliehn; du heis left unter besonderen Umständen. 469 left unsre Schmerzen. Odu und nie umsonst, um Hülfe Erbarmer voll Geduld, du schreit, auch mich laß nicht hast nach unsrer Sünden vergeblich flehen! Auch meischuld auch dießmal nicht nes Herzens nimm dich an gelohnet. Gezüchtigt, o wir und lehre mich auf Alles preisen dich, gezüchtigt haft sehen, was Freude mir gedu väterlich und väterlich währen kann! verschonet. 4. Dich, der du von Gefahr befreist, dich müssen Alle loben! Sei ewig, Vater, Sohn und Geist, von deinem Volk erhoben! Dich, Retter, bete Jeder an! Es jauchze nun wer danken kann, und ehre deinen Namen und rühme: Gott ist unser Gott! Er hilft uns gnädig in der Noth! Erhebt ihn! Amen! Amen! In Krankheiten. Mel. Wie groß ist des Allmächt. 644 ter lieg ich, Herr, in Angst und Schmerzen und flehe, weil ich flehen kann, aus vollem tiefgerührtem Herzen dich kindlich um Erbarmen an. Wen hab ich sonst in die sen Stunden? Wer kennt so ganz mein Leid, wie du? Wer heilt mir die geschlagenen Wunden? Wer sendet mir Erquickung zu? 2. O Gott, du Vater al ler Väter, der gern den Leidenden erfreut, zu dem so mancher fromme Beter, 3. Du wirst ja nie des Helfens müde; du weißt es, was der Kranke fühlt, und gibst ihm Hoffnung, Trost und Friede, wenn Schmerz in seinem Innern wühlt. Dieß sagt mir, der ich dir pertraue, zu meiner Ruh dein göttlich Wort; dieß treibt, so oft ich auf dich schaue, die Furcht aus meiner Seele fort. 4. Auch dieser Krankheit schweres Leiden verhingst du liebreich über mich. Auch hier, wie im Genuß der Freuden, erkennt mein Herz als Vater dich. O gib, daß ich dieß stets empfinde! O stärke selbst mich in Geduld! Vergilt mir, dem verirrten Kinde, nicht ganz nach meiner Sünden Schuld! 5. Verlängre, Herr, mein Erdenleben, wenns deinem weisen Rath gefällt! Und dann sei es nur dir ergeben, nur dir, mein Retter, nicht der Welt! Doch soll ich meinen Lauf vollenden, dann hebe meinen Geist zu dir, und ist mein Geist in deinen Händen, o guter Gott, was fehlet mir?" 11 7 Mel. 470 Gesinnung und Verhalten des Christen Mel. Alles ist an beinem Gegen tel. Wer nur den lieben Gott 645 er 646 Nicht mehr, als meine Krantheit ilf mir, Gott, Plagen, die mich drücken, still ertragen und mit kindlichem Vertraun bei der Sehnsucht meines Herzens um Erleichtrung meines Schmerzens nur auf deine Vorsicht schaun! 2. Deiner Wahrheit kanns nicht fehlen, immer das nur zu erwähleu, was das Beste für uns ist. Dieß will ich zu Herzen fassen und mich ganz dir überlassen, der du auch mein Vater bist. 3. Sanfter Antrieb, ernste Lehre, daß ich in mich selber fehre, fei der Schmers, die Krankheit mir! Ihre Last nicht zu vergrößern, hilf mir meine Seele bessern; alle Hülfe kommt von dir. 4. Vater, Helfer aller Kranken, Quelle tröstender Gedanken, steh mir bei mit deiner Kraft! Sie nur fann erretten, stärken; lehre mich auf sie fiets merken, aus Leiden Freude schafft! die 5. Guter Muth und heitres Wesen sei in meinem Blick zu lesen; Ruh erfülle meine Brust! Hoffnung stärke mich und Freude sei mein Glaube, wenn ich leide, dir zu folgen, meine Luft! tragen, Barmherziger, legst du mir auf. Nicht immer wird der Schmerz mich nagen, es folgt gewiß Er quickung drauf. Auf meinem Krankenlager hier lobsing ich, o mein Vater, dir. 2. Weil mich die Welt zu sehr zerstreute, rufst du mich in die Einsamkeit; weil ich den Kampf zu ängstlich scheute, führst du mich mit ten in den Streit und übst durch körperlichen Schmerz mein von Geduld entwöhntes Herz. sal soll ich leeren! Ach, Herr, 3. Den Kelch der Trübdu weißt, das Fleisch ist schwach! Bergib, wenn eine Fluth von Zähren hervor aus meinen Augen brach! D stärke, Gott, voll Vaterhuld, mein Herz durch Glauben und Geduld! 4. Der Schmerz, der meine Glieder schwächte, beraubet mich der fanften Ruh; ich bring, o Gott, die langen Nächte auf meinem Lager schlaflos zu; der Menschen Hülf ist schwach und klein; doch du, du wirst mein Helfer sein. 5. Dein Wille mag allein entscheiden, wie lang die Prüfungsstunde währt, und wenn auch ganz im Kampf der unter besonderen Umständen. der Leiden sich meine Le benskraft verzehrt; wenn auch mein Herz im Tode bricht: du, Herr bist meine Zuversicht! Mel. Wer nur den lieben Gott 647 ott der du Schmerz und Freude sendest, mit Weisheit unser Schicksal lenkst und Alles uns zum Besten wendest, was du nur über uns verhängst, du hast nicht Lust an meiner Pein; auch sie soll mir zum Heil gedeihnt. 2. Auch durch die Noth führt mich zum Ziele der Seligkeit, Gott, deine Hand, und deiner Tröstungen, wie Mel. Wann mein Stündlein viele hast du mir schon in 648 3 ist dein Wille Herz gesandt! oft ruft mir dein Wort es zu; Gott ist dein Vater, Kind bist du! Herr, mein Gott, daß ich jest Schmerzen leide; doch du bist Helfer in der Noth und kehrst sie gern in Freude. Was ich bedarf, ist dir bekannt; mein Leben steht in deiner Hand; deß soll mein Herz sich trösten! 2. Voll Hoffnung wend ich mich zu dir; ich bleibe dir ergeben. Herr, wie du willst, so schicks mit mir, zum Sterben oder Leben! Bei dir allein steht meine Zeit: nur mache mich der Seligkeit durch deine Gnade würdig. 3. Ver3. O du, mein bester Vater, glaubte nur meine Seele findlich dir! O daß mir doch kein Zweifel raubte den füßen Trost: Gott ist bei mir! Ja, Vater, deine Huld und Kraft ist Allem nah, was sie erschafft. 471 ruhige mein Herz und sprich: Sei nur getrost und hoff auf mich! 5. Wie litt in allerbängsten Leiden so stille duldend Jesus Christ! Leid ich ihm nach, ein Meer von Freuden, das ewig unerschöpflich ist, umfließt mich dann vor seinem Thron. Wie meine Leiden, so mein Lohn. 6. Durch Leiden wird mein Herz ihm offen; durch Glauben naht sich ihm mein Geist. Der stille Dulder nur darf hoffen, darf hoffen das, was Gott verheißt. Zu solcher Hoffnung stärke mich, so preis ich auch in Schmerzen dich! 4. Wenn Schmerz und Leiden mich bestürmen, so denk ich dein und deiner Huld. In allem Weh, in allen Stürmen verleih mir Weisheit und Geduld! Be 472 Gesinnung und Verhalten des Christen 3. Verhüte, daß der Krank heit Pein zu schwer mir Schwachen werde. Laß mir Erquickung angedeihn, erleichtre die Beschwerde. Du, Vater, weißt, was jeden Tag zu tragen ich, dein Kind vermag; hilf und erbarm dich meiner! 4. Erquicke, Gott, und stärke sie, die liebreich meiner pflegen; lohn ihnen ihre Treu und Müh mit deinem besten Segen! Gib gegen sie mir Freundlichkeit; gib ihnen, Gott, Gelassenheit, Geduld mit meiner Schwäche. 5. Soll tödtlich meine Krankheit sein, und steht mein Grab schon offen, so laß mich, Herr, von Sünden rein, auf deinen Himmel hoffen! Des legten bangen Kampfes Schmerz erleichtre mir und laß mein Herz noch sterbend dir vertrauen! 6. Doch willst du wieder Kräfte mir zu längerm Le ben schenken, dann laß, so lang ich lebe hier, mich dankbar dein gedenken, damit ich künftig jederzeit mit aller Treu und Redlichkeit der Tugend Wege wandle! Mel. Wer nur den lieben Gott 649 tommt, und er Morgen meine Plage wird mit dem Morgen wieder neu. Wie traurig fließen meine Tage, wie bang die Nächte mir vorbei! Der Morgensonne neues Licht erheitert meine Seele nicht. 2. Noch immer bin ich auf der Erde, wo Schmerz und Kummer mich umringt, wo täglich größere Beschwer de zu Klage mich und Thräs nen zwingt; noch immer fleb ich unerhört um Stärkung, die mein Herz begehrt. 3. Erbarm dich; eil mir beizustehen! verlaß mich, o mein Helfer, nicht! Ach, zeig mir wieder auf mein Flehen dein väterliches Angesicht! Gib mir Geduld, gib mir im Schmerz ein ruhig dir ergebnes Herz. 4. Noch ist mein Schid fal mir verborgen, das dies fen Tag mich treffen soll; doch bin ich ohne Gram und Sorgen, du, Vater, kennst mein wahres Wohl Und was dein Rath beschließt und thut, is heilig, ist gerecht und gut. 5. Soll ich die Last noch länger tragen; ich halte deiner Fügung still. Dein Will geschehe, will ich sagen, wie du, Herr, willst, nicht, wie ich will! So, Vater, laß bei Schmerz und Bein sein! geduldig mich wie Jesus 6. Einst kommen doch der Ruhe Stunden, einst rückt mein unter besonderen Umständen. 473 mein Abend auch herbei; Ich bin getrost, wenn gleich dann, dann ist Alles übers betrübt die Freunde, deren wunden, ich bin von aller Herz mich liebt, jegzt um Trübsal frei; dann folgt mein Leben zittern. auf Sorgen Gram und Leid dort ewige Zufriedenheit. 7. Gestärkt durch diesen hohen Glauben, vollend ich meiner Leiden Pfad. Nichts soll mir meine Hoffnung rauben; auch dann nichts, wann der Tod mir naht. Vielleicht noch heut erscheint er mir und führt mich, Gott, hinauf zu dir. 4. Auch sie verlaß, o Vater, nicht, stärk ihre bangen Herzen, erfülle sie mit Zuversicht und lindre ihre Schmerzen! Ja, dir empfehl ich sie, o Herr! Sei du ihr Schuß, Allgütiger, und trockne ihre Thränen! Mel. Wann mein Stündlein 650 Nach einer schmer zenvollen Nacht seh ich den Morgen wieder. Dein Auge, Gott, hat mich bewacht; dich preisen meine Lieder. In großer Angst verliehst du mir nicht Lin5. Doch sollten meiner Tage viel noch unter Leiden werden, bin ich noch fern von meinem Ziel, dem Ende der Beschwerden, so gib mir, Bater, deine Kraft, die Muth in jedem Leiden schafft, die kämpfen hilft und siegen. Mel. Wenn wir in höchsten brung nur, ich danke dir 651 Schon wieder auch Fassung. Nacht; und Gram und Schmerz zernagen immer noch mein Herz! Wie manche, manche lange Nacht hab ich schon seufzend durchgewacht! 2. So trag ich ruhig meinen Schmerz und dieser Krankheit Plage; zu dir erbebe sich mein Herz, du Schöpfer meiner Tage! Durch Leiden zogst du mich zu dir, und nun, mein Vater, bist du mir ein Fels, auf den ich baue. 2. Da schleicht so langsam mir die Zeit; da ist so öd die Einsamkeit! Ich seufz und ring umsonst nach Ruh, kein Schlaf drückt mir die Augen zu. 3. Du bist es, der mich nicht verläßt, wenn auch der Tod erscheinet; dich hält mein Glaube dann noch fest, wann Alles um mich weinet. 3. Doch trenn ich mich noch nicht von dir, o Hoffnung! Nein, du bleibest mir. Gelegt, zu lindern Noth und 474 Gesinnung und Verhalten des Christen und Schmerz, hat Gott dich liebend an mein Herz. 4. Er ists, der Muth und Zuversicht durch dich zu diesem Herzen spricht. Die Hülfe kommt; ich sehe schon durch dich des frommen Dulders Lohn. 5. O wär kein Himmel, der einst lohnt, du, Vater, hättest mich verschont mit diesem Kelch von Bitterkeit, versüßt mir meine kurze Zeit. 6. Noch fleht vor deinem Angesicht dein leidend Kind: Ists möglich nicht, daß die ser Kelch vorübergeh? Doch nur dein Wille, Herr, ge scheh! 7. Feft halt ich immer mich an dich! Ach, stärk in meiner Schwachheit mich! Du bist so reich, so reich an Ruh; send mir nur einen Tropfen zu! 3. Es flieht der Schlaf vor meinem Kummer; die Glücklichen besucht er nur. Nur selten sinkt ein leiſer Schlummer auf die entkräf tete Natur; doch schließt er mir die Augen kaum, so schreckt mich schon ein schwe rer Traum. 4. Wie traurig ist ein solches Leben! Wie schwer ein Loos voll Noth und Schmerz! Ward dieß mir nur zur Qual gegeben? zum Dulden nur ein fühlend Herz? Flieh, lästern der Gedanke, flieh! Ein Gott der Liebe quälet nie. 5. Er läßt nur Trübfal mich ergreifen, um höhern Freuden mich zu weihn. Ich soll durch sie zur Tugend reifen, um ihrer ewig mich zu freun. Den innern Menschen weckt der Schmerz; er läutert und erhebt das Herz. 6. So wird das Leiden mir zum Segen, und kurz ist hier mein Aufenthalt. Oft weht mirs auch schon kühl ent8. Doch bringt ihn nicht der Schlaf zu mir, so bringt mir doch gewiß von dir bald mehr sein Bruder, ach, der Tod, der leßte, treue Freund in Noth. stand mir, und herzlich dank ich dir dafür. Mel. Wer nur den lieben Gott 652 So ist mit aller seiner Plage nun abermals ein Tag vollbracht. Daß ich der Leiden Last ertrage, hilfst du mir immer, Gott der Macht. Auch heute warst du Bei2. Nur auf die Nacht wird mir jest bange; denn immer mehrt sie meinen Schmerz. Da seufzet, ach, mein Gott, wie lange! oft das beklommne, matte Herz; da zähl ich jeden Stundenschlag, und immer wird so spät es Tag. unter besonderen Umständen. 475 entgegen; heim ziehen die leihn! Laß es die Quelle Gewitter bald. Vielleicht seh ich noch herbstlich schön des Lebens Sonne niedergehn. hoher Freuden und Vorgefühl des Himmels sein. Dein Leiden, dein Versöhnungstod erquicke mich in meiner Noth! 4. Wohl mir! Ich seh den Himmel offen; ich fühle meine Seligkeit; ich kann von dir nun Alles hoffen, der gnädig mir die Schuld verzeiht. Umringt mich auch der Leiden Heer, mein Herz erbangt davor nicht mehr. 7. Drum will ich mich nicht trostlos grämen, nein, ruhig sein in meiner Noth. Das wunde Herz mir abzunehmen, kommt endlich doch als Freund der Tod; er legt es fanft und kühl zur Ruh: den Geist führt er dem Himmel zu. 5. Erscheint der Tod mit seinen Schrecken: ich bin getrost und zage nicht. Wirst du vom Tode mich erwecken: ich bebe nicht vor dem Gericht. O mich erfüllt dein Mel. Wer nur den lieben Gott 653 A, könnt ich Leib und Blut so hier, wie doch mit mei mit frohem Bei der Abendmahlsfeier in der Krankheit. men Brüdern im Tempel, Jesu, dich erhöhn und froh mit deines Reiches GlieMel. Wer nur den lieben Gott Mahl da Hern, Herr, deines Todes 654 Dant, Bater, dir, der mit Erbarmen auf seine schwachen Kinder blickt! Wie hast du, o mein Gott, mich Armen durch dieses heilge Mahl ers quickt! Du bist die Liebe, wandelst Noth in Segen und in Heil den Tod. mich Schmerz und Krankheit plagt, ist diese Freude mir versagt. 2. Ach, hier, wo ich im Stillen bete, feir ich dein Abendmahl allein; doch, Herr, ich weiß, an jeder Stätte hast du verheißen, nah zu sein. Wo je ein Frommer seufzt und weint, da bist du, großer Menschenfreund! 3. Laß das Gedächtniß deiner Leiden mir Schwachen Trost und Kraft ver2. Nun laß mich sterben oder leben, Herr, wie du willst: ich folge gern; von Schmerz gequält, mit Angst umgeben, freut meine Seele sich des Herrn. Ich bin erlöst; drum schreckt mich nicht 476 Gesinnung und Verhalten des Christen nicht des Grabes Nacht, nicht das Gericht. 3. Und kommt sie dann, die ernste Stunde, die mich dem Irdischen entreißt, wohl mir! ich steh mit dir im Bunde, ein gnädig Urtheil hofft mein Geist. Dein bin ich, dein, und ewges Heil ist deiner Auserwählten Theil. gehn! Doch nicht, Herr, unser Wille, dein Wille soll geschehn! Mel. Befiehl du deine Wege 655 Barmherziger, er höre der Liebe heißes Flehn! Laß, den wir innig lieben, bald deine Hülfe sehn! Er liegt und ringt und duldet, gequält von vielem Schmerz; wir sehn ihn an und weinen: wie blutet unser Herz! 2. Du pflanztest ja dem Menschen des Mitleids Triebe ein; wie solltest du nicht Helfer, du nicht Erbarmer sein? Wir würden gern ihn retten, doch ach, wir sind zu schwach. Thu, Vater, thu, was Keiner von uns für ihn vermag. 3. Sieh, deine Kinder flehen für diesen Kranken dich. Gieß Balsam in die Wunden und hilf ihm väterlich! laß des Leidens Stunden bald, bald vorüber4. Reichst du den Kelch des Todes vielleicht ihm heute schon und rufft aus unsrer Mitte du ihn vor deinen Thron; dann steh ihm bei und führe ihn selbst durchs dunkle Thal; dann lindre ihm, Erbarmer, des Todes letzte Qual! Fürbitte für Kranke und mer. Alle Menschen müssen sterben Seidende. 656 Gott der Lage, Gott der Nächte, unfre Seele harret dein, hofft auf deine starke Rechte, weiß, du kannst nicht ferne sein. Auch in stiller Nächte Stunden hat dich manches Herz gefunden, wenn es im Gebete sich sehnte, Herr, zu finden dich. 2. Vater, viele Menschen weinen, viele Kranken schmachten jetzt! Aber du verläsfest keinen, der auf dich Vertrauen sept; trockneft liebreich Kummerthränen und erfülst der Deinen Sehnen, die um Ruh und Lindrung flehn und auf dich voll Hoffnung sehn. 3. Sende, Vater, Muth den Schwachen, Licht in je des trübe Herz! Allen, die bekümmert wachen, mildre freundlich ihren Schmerz. Laß die Wittwen, laß die Waisen deine Huld und Treue unter besonderen Umständen. 477 Treue preisen! Gib den schreckte nicht das Grab; Kranken sanfte Ruh! Ster- gestärkt durch deinen Geist, benden sprich Tröstung zu! sah ich getrost hinab. 4. O du treuer Menschenhüter! Nacht ist wie der Tag vor dir! Herr, allmächtiger Gebieter, dei nen Schuß erflehen wir! Allen, Allen, die jest leiden, öffne bald den Quell der Freuden, daß sie, frei von ihrer Pein, deiner Huld sich dankbar freun! 3. Allmächtig stärktest du die halb erstorbnen Glieder; ich fand in neuer Kraft auch neue Freuden wieder; und, Herr, nun gibst du mich den Meinigen zurück! Dir dank ich, Gott, nur dir, des neuen Lebens Glück! 4. Herr, durch mein Leben selbst will ich dir Dank beweisen, durch frommen Wandel dich an jedem Tage. preisen und redlich meine Kraft dem Wohl der Mens schen weihn, um ewig einst bei dir des Lebens werth zu sein. 5. Jesus Christus, viele Nächte hast du für uns durch gewacht und dem menschlichen Geschlechte durch dein Wachen Ruh gebracht. Tröster, willst du deinen Kindern nicht durch Schlaf den Kummer lindern, o so lente ihren Sinn hoffnungsvoll zum Himmel hin! Vorbereitung auf den Tod und Trost für Sterbende. Nach der Genesung. Mel. Nun dantet Alle Gott und Schmerzen 657 Mit welchem ab und diesen Prüfungsstand; die Erde nehme, was sie gab: ich ruh in Gottes Hand! Dank fann dich, o Gott, mein Lied er heben? Nur deine Baterhuld erhielt mir noch das Leben. Du standst mit deiner Kraft mir in der Schwachheit bei, und von Gefahr und Schmerz bin ich nun wieder frei. 2. Ich geh den Weg zum ewgen Licht, er mag mir dunkel sein; des Todes Schlaf erschreckt mich nicht, ich geh zum Leben ein. 2. Dem Tode war ich nah; schon sah ich für mein Leben an meinem Lager, ach, Verwandte, Freunde beben; allein ich bebte nicht; mich Mel. Mein Gott, das Herz 658 Balb leg ich Sorg 3. Ich werde durch des Todes Nacht zum Himmel eingeweiht; die unerforschlich weise Macht führt mich zur Seligkeit. Mel. 478 Gesinnung und Verhalten des Christen Mel. Wann mein Stündlein er nun kommt, nicht achten 659 Gott, wann mein und mit getrostem Blick sterbend Auge bricht, mein letter Hauch verschwindet, mein Leib erstarrt und selbst es nicht, daß er entschläff, empfindet; wann um mich, den Entschlummernden, nun alle meine Lieben stehen und auf dich nach meinem Ziele trachten und mich dem Ziele freudig nahn, mein himmisch Kleinod zu empfahn, das Jesus mir erworben. Mel. O Gott, du frommer Gott angstvoll mich beweinen: 660 Schon naht sich 2. ihn auf, den Geist, der freudig zu dir fliehet, der dankbar deine Güte preist, daß er den Tod nicht siehet; dann tröste, die betrübt um mich mit Thränen klagen, laß sie sich mehr meiner Wonne freuen! 3. Mein hingefallner Leib bleibt hier, ihn wird das Grab verschließen. Doch einst wird es verkläret mir ihn wiedergeben müssen. Du kommst, Erwecker! Deine Macht, die ihn aus Nichts hervorgebracht, kann neu ihn wieder bauen. 4. Wie könnt ich trauern, daß im Tod mein Leib zu Staub vermodert? Wie könnt ich klagen, da ihn Gott vom Tode wieder fodert? D Hoffnung, daß nach kurzer Ruh mein Leib erwacht, wie groß bist du, und welch ein Trost im Tode! 5. Des Todes Schmerzen, Gott, will ich, wenn meines und meiner Leiden Ende. Gott, meines Lebens Herr, ich fall in deine Hände. Du bist, o Vater, nie mit deiner Hülfe fern; du rufft: hier bin ich, Herr, dir fol gen will ich gern. 2. Preis dir, der seine Hand, stets über mich ge breitet, dir, Gott, der bis ans Grab mich wunderbar geleitet! Wie oft vergaß mein Herz sein Heil und seine Pflicht; doch gingst du, Heiliger, mit mir nicht ins Gericht. 3. Vernimm des Dankes Lied, das sterbend ich dir bringe! Ich bin viel zu ge ring, der Treu viel zu geringe und der Barmherzig keit, die du an mir gethan. Frohlockend bet ich dich mit allen Engeln an. 4. Du Heil der ganzen Welt, erfülle mein Vers trauen und deine Herr lichkeit laß meine Seele schauen. Du bist die Lieb, o Gott, unter besonderen o Gott, und Gnade für und für; mein Geist wird selig sein; denn ihn empfehl ich dir. 5. Mit allen Heiligen von Herrlichkeit umgeben; unsterblich, Engeln gleich, werd ich dich schaun und leben. Noch einen kurzen Kampf: so krönt vor dei nem Thron, Erbarmender, auch mich der Ueberwinder Lohn. In eigener Melodie. 661 ins ewge Paradies der Freuden; dort, dort nur ist die wahre Ruh und Quelle aller Seligkeiten; dort ärndtet man der Tugend Lohn, und bei dem Vater hat der Sohn auch eine Stätte mir bereitet, wohin er gnadenvoll mich leitet. Er ist es, der nun meinen Geist auf ewig jeder Noth entreißt. bunden da; dort werd ich 2. Hier lieg ich wie ge voll von Kraft und Leben, dem göttlichen Befreier nah, frohlockend weiter vorwärts streben, in Weisheit, Tugend, Heiligkeit, in edler Liebe Thätigkeit, befreit von Schwachheit und von Sünden, das Glück der Tugend ganz empfinden. Dort seh ich Jesu Herrlichkeit, und sie wird meine Seligkeit. ch eile meiner Umständen. 479 3. Dann, dann wird nimmermehr ein Schmerz mich, den Vollendeten, verlegen: dann wirst du ewig dich, mein Herz, beglückt am Himmlischen ergößen. Ich eile über Welt und Zeit hin zu dem Sitz der Seligkeit, zu der Verklärten Geister Chören; ich werde ihr Willkommen! hören, und wen ich hier im Herrn gekannt, den finde ich im bessern Land. 4. O drum getrost, mein Geist! O sieh, in welche göttgroße Freuden des Pilgerlebens Müh verwandelt wird nach diesem Leiden! Ergib in kindlicher Geduld dich deines Vaters Lieb und Huld! Dein Jesus wird mit treuen Händen dich unaussprechlich schön vollenden, und ehe du dich wirst versehn, wirst du ver klärt dort oben stehn! 662 eine Hände mel. Wer nur den lieben Gott ch Vater, und halte sie im Glauben fest; verlaß den nicht an ſeiz nem Ende, der ewig sich auf dich verläßt! Du bist mein Gott von Jugend auf; hilf glücklich enden meinen Lauf! 2. Du hast nach deiner Vatergüte beständig wohl an mir gethan, erhör auch meine letzte Bitte: nimm, Gott, 480 Gesinnung und Verhalten des Christen Gott, mich dort zu Ehren an! Ach, Bater, ach, noch Eins ist Noth, ein gutes End, ein selger Tod! 3. Du hast mich je und je geliebet, versorgt, gestärkt geschüßt, regiert, mich oft mel. Christus, der ist mein Leben erquickt, durch Leid geübet, wunderbar, geführt; wohin ich ging, wohin ich sah, war mir stets deine Güte nah. 4. Auch jest, auf meinem Sterbebette sich meine Noth, o Vater, an! Erquicke, lindere, errette; denn du bist, der mir helfen kann. Stärk mich im Guten bis ans End, damit ich treu den Lauf vollend! 5. Mein Heiland, treib die Furcht zurücke, befiege meinen lezten Feind! Lenk auch im Sterben meine Blicke auf deinen Tod, o Seelenfreund; sprich Muth mir, Trost und Freude zu, mach Ende, bringe mich zur Ruh! 6. Jhr eitlen Güter die ser Erden, ihr machet mir den Tod nicht schwer. Jetzt soll ich ewig selig werden; brum brauch ich euer nun nicht mehr. Du, Gott, bists, nen und bleib ihr Gott zu aller Zeit! Behüte sie vor Ungemach und bringe mir sie selig nach! 7. Ich übergebe dir die Meinen, du Vater der Barmherzigkeit, laß ihnen stets dein Trostlicht schei663 Bald ist sie nun die turze Prüfungszeit, mein Erdenlauf geendet, es naht die Ewigkeit. 2. Ich bin bei meinem Ende getrost und hoffnungs voll; sinkt doch in Gottes Hände mein Geist, und ist ihm wohl. 3. Und manche gute Thaten, Heil mir, daß ich ſie that! stehn vor mir schön wie Saaten, die Gott gesegnet hat. 4. Sie reifen nun entgegen dem großen Aerndtetag. Welch schöner, reicher Segen folgt mir im Tode nach! 5. Nun geh, mein Geist, geh wieder zu Gott, von dem du bist! Seht, Schwestern, sehet, Brüder: so selig stirbt ein Chrift! wann das Eitle weicht, der 664 elig find, die die Mel. Jefus, meine Zuversicht in dem Herrn, in ihrem Schöpfer sterben; denn es spricht der Geist des Herrn, daß sie ewge Ruhe erben, daß von nun an unter besonderen an alle sie ruhen von des Lebens Müh. 2. Göttlich Wort, wie labest du jeden Schwachen, jeden Müden! Wie so trö stend senkest du in mein Herz des Himmels Frieden, ich soll einst auch selig sein, ewig mich der Ruhe freun! 3. Nun so komme denn, In eigener Melodie. o Tod, wann du willst, 665 Christus, der ift zu meiner Hütte: mich, mich macht das Wort von Gott stark bei jedem deiner Schritte. Da der Herr sein Wort nicht bricht, schreckt mich auch dein Drohen nicht. 4. Schrecklich magst du 3weiflern fein; mir, ich weiß, an wen ich glaube, mir macht Sterben keine Bein, keinen Schmerz das Wort vom Staube. Staub bin ich und werde Staub, aber nicht des Moders Raub. 5. Aus dem Staube neu gebaut, ohne Schwachheit, ohne Mängel schwebt mein Leib empor und schaut nichts, als Selge, nichts, als En gel. Sterblichkeit, die hier gebeut, reicht nicht in die Ewigkeit. Umständen. 481 7. Der du mir mit deinem Tod diese Hoffnung hast errungen, auch in mei ner Todesnoth, Jefu, fei dir Preis gesungen! Bald jauchz ich im Engelchor dir ein höhres Lied empor. 6. Gönnet mir mein na hes Glück, weinet nicht, ihr meine Werthen! Nur noch einen Augenblick, dann, dann wohn ich bei Verklär ten. Fasset Muth, ich geh voran, ihr, ihr folgt auf dieser Bahn. Sterben mein Gewinn. Dem hab ich mich ergeben; in Frieden fahr ich hin. 2. Ich freue mich zu sterben; denn nach vollbrachtem Lauf soll ich den Himmel erben, mein Heiland nimmt mich auf. 3. Bald hab ich überwunden des Lebens Angst und Noth; nach wenig Prüfungsstunden leb ich bei dir, mein Gott! 4. Wann mir die Augen brechen, sei, Jesu, du mein Licht! Und kann ich nicht mehr sprechen, verwirf mein Seufzen nicht! 5. Wann Sinnen und Gedanken wie ein verlöschend Licht bald hier-, bald dahin wanken, ach, dann verlaß mich nicht! 6. Es fliehe Furcht und Kummer, die Seele stärke sich, und, wie des Müden Schlummer, sanft sei mein Tod durch dich! 7. Herr Jesu, ich vollX ende 482 Gesinnung und Verhalten des Christen ende im Glauben meinen Lauf, nimm mich in deine Hände, o Jesu, nimm mich auf! 5. Hier allen Sünden abzusterben, zu leben der Gerechtigkeit, um dort des Himmels Glück zu erben, dazu laß meine Sterblichkeit mir stets, mein Gott, Mel. Wer nur den lieben Gott 666 D, Herr und vor Augen sein und deine Vater meiner Tage, du weißt, daß ich, dein schwaches Kind, des Todes Keim in Gliedern trage, die irdisch und zerbrechlich sind; drum gib, daß ich zu jeder Zeit zu meinem Tode sei bereit! 2. Daß du hier meinem ersten Leben ein mir verborgnes Ziel bestimmt, und daß die Zeit, die mir gegeben, vielleicht gar bald ein Ende nimmt; das flöße mir die Weisheit ein, stets auf mein Heil bedacht zu ſein! 3. Hier hab ich lebenslang zu lernen, mein Herz von Sünden abzuziehn, mich von der Weltluft zu ents fernen und um den Himmel zu bemühn; o mache mich dazu geschickt, eh mich der Tod der Welt entrückt. 4. Nicht auf der Erde, nein, nur droben bei dir, Gott, meiner Seele Theil, ist mir das Beste aufgehoben; dort ist für mich vollkommnes Heil. Wo Jefus ist, da sei mein Herz! Herr, lenke selbst es himmelwärts! 6. Willst du mich länger leben lassen, so laß es mir zum Heil geschehn; doch soll ich heute noch erblassen, so höre, Vater, auf mein Flehn: sei, wenn mein Herz im Tode bricht, mein Trost und meine Zuversicht! 7. Dir will ich gänzlich mich ergeben, dir, dessen Eigenthum ich bin; bist du, mein Heiland, nur mein Le ben, so bleibt selbst Ster ben mein Gewinn. Ich lebe dir, ich sterbe dir; sei du mein Trost, so gnüget mir. 667 Heil Bott erschei Mel. Herr, wir singen deiner dir, Seele! net. Mein Auge hat bald ausgeweinet, der Himmel öffnet sich vor mir. Gottes Engel steigen nieder; bald werd ich nun, verklärte Brüder, an Gottes Throne stehn, wie ihr. Mein Les ben endet schon; bald ist es ganz entflohn; doch ein beßres, Gott, wartet mein, unsterblich sein soll ich, soll ewig dein mich freun. 2. Welt unter besonderen Umständen. 483 2. Welt und Sünde sind auf Erden, um selig dort bezwungen; bald ist der zu werden. hohe Lohn errungen, der nach dem Sieg den Streiter frönt. Matt am schwerren Pilgerstabe, sehnt ich mich oft nach Ruh im Grabe, wie sich nach Ruh der Wandrer sehnt. Heil mir! Halleluja! ich bin dem Ziele nah! Von der Hülle der Sterblichkeit nun bald befreit, schwing ich mich über Welt und Zeit! 3. Gott, mein Heil und mein Vertrauen, du führst vom Glauben mich zum Der sterbende Jüngling. Mel. Wann mein Stündlein Schauen: Dank dir! mir 669 Nicht lang ein Bilger ist der Tod Gewinn. Wer, wer winkt mir dort am Throne? Wer zeiget mir die Siegeskrone? Ich eile zu dem Throne hin. Wie wird mir! Wie entstellt sinkt unter mir die Welt! Bald, bald seh ich von Angesicht zu Angesicht in deinem Lichte, Gott, das Licht. Mel. Ermuntre dich, mein 668 Zeit, schon reif zum bessern Leben, steh ich am Rand der Ewigkeit, vom Himmelsglanz umgeben; bald geht der freie Geist hervor aus seiner Hütte, steigt em por, empor zum Sitz der Wonne. 2. D Heil mir! Heil mir, daß ich nie die edle Zeit der Jugend den eitlen Lüsten, daß ich sie nur dir geweiht, o Tugend, und ott, öffne deiz eingedenk der Rechenschaft und des Gerichts, das Sünder straft, rein und unschuldig lebte. 2. Herr, meine Seel empfehl ich dir in deine Vaterhände. Sei gnädig, Gott, mein Vater mir und mache sanft mein Ende! Du, der mich für den Himmel schuf, ich höre deiner Stimme Ruf, ich will mit Ruh und Freuden von dieser Erde scheiden. nen Himmel mir! Bald nahn die letzten Stunden; bald steigt mein Geist empor zu dir; bald hab ich überwunden; bald tröstet mich nach Schmerz und Leid, des höhern Lebens Herrlichkeit. Ich sterbe hier 3. Nicht jenes Lebens Vorgefühl könnt mich nunmehr erquicken, mit Echaudern säh ich nun das Ziel des Lebens näher rücken; * 2 por 484 Gesinnung und Verhalten des Christen vor mir säh ich den Rich terthron, an dem zum wohl verdienten Lohn Verdammung mich durchbebte. 4. Jest kann ich freudig zu dem Thron des Weltens richters treten; denn Jesus Christus, Gottes Sohn, wird mich vor ihm vertre: ten. Ihm war mein Dasein hier geweiht, und er hat meine Seligkeit mir hier und dort erworben. 5. O Trost in meiner lepten Noth, daß ich an Jejum glaube! Willkommen ist mir nun der Tod; er hebt mich aus dem Staube; führt mich zur Ewigkeit empor, wo in der Auserwählten Chor mir neues Leben blühet. Das sterbende Kind. Mel. Wer nur den lieben Gott ch sterbe schon, 670 damit ich ewig leben kann; daß ich nicht in der Welt verderbe. schließt sich mein Lauf, der kaum begann. Ich werd in meiner Frühlingszeit als Himmelspflanze Gott geweiht. 2. An meiner Gruft stärkt euren Glauben, ihr Aeltern, die ihr mich ge liebt! Der Tod kann mich nicht ganz euch rauben, da Gott mich einst euch wiedergibt. Dank sei dir, Vater, dargebracht für deine Sorgfalt: Gute Nacht! 3. Nach langem Schmerz und kurzen Freuden reißt mich der Tod aus viel Ge fahr; doch ach, was fühlt das Herz für Leiden, darun ter ich gebildet war! Dir sei der treuste Dank ge brucht, getreue Mutter: Gute Nacht! 4. Beruhigt euch, ihr an dern Meinen, die ihr mir durch das Blut verwandt; ihr dürft um mich nicht trostlos weinen, der Geist ist ja in Gottes Hand; der Leib verwest zu schönrer Pracht, wir sehn uns wie der: Gute Nacht! 5. Gleich Frühlingsblumen wird mein Leben beim Aufblühn schon des Todes Raub; dieß kann dir, ich nur Mensch, die Lehre geben, und Staub. Bei meinem Grabe lenk den Sinn vom Frdischen zum Ewgen hin! 6. Ich sterbe schon; lernt Alle sterben! Vielleicht ist euer Grab nicht weit. Sind eure Kinder auch bald Er ben, wie ich, der Himmels ſie herrlichkeit, so denkt: fie wir gehn uns nur voran, treffen sie dort wieder an. Fir: unter besonderen Umständen. Fürbitte für Sterbende. Mel. Freu dich sehr, o meine 671 Inter manchen bangen Schmer= zen ist er schon dem Tode nah. Er, so theuer unserm Herzen, matt hülflos liegt er da, ist sich feiner nicht bewußt, röcheind athmet feine Brust; ohne Kraft, sich auszudrücken, spricht er blos in starren Blicken. 2. Bald, ach, bald ent: flieht sein Leben; hin, hin ist der Jahre Zahl, die du ihm, o Gott, gegeben, hin auch seiner Schmerzen Qual; er wird nun der Welt entrückt; jede Last, die ihn gedrückt, seines Jam: mers bange Stunden sind bald durch den Tod verschwunden. 3. Nimm, da er uns nicht verstehen und zu dir nicht beten kann, seines Herzens stummes Flehen, seiner Lippen Seufzer an: gib ihm Muth und Zuversicht und durch deiner Lehren Licht auf des Todes dunklem Pfade das Gefühl von dei ner Gnade! 4. Daß er vor dem Tod nicht bebe, frei den Blick hin auf die Gruft, froh den Geist zu dir erhebe, der den Staub ins Leben ruft, daß er sicher deiner Huld 485 und befreit von Sünd und Schuld ruhig und gelassen sterbe und das Glück des Himmels erbe! Mel. Dein sind wir, Gott 672 Du wollft erhö ren, Gott, sein Flehen, nicht ins Gerichte mit ihm gehen, der jezo deiner Ewigkeit sich naht, befreit nun bald von dieser Eitelkeit! 2. Des Lebens und des Todes Herr! nun ist für ihn die Zeit nicht mehr. Du hast gezählt des Hauptes Haar, sein Todesjahr bestimmt, als teine Zeit noch war. 3. Erfüllt ist seiner Lei den Zahl, er leidet jest zum leztenmal. Ach, set in seiner Todesnoth sein Freund und Gott; ein Schlummer sei für ihn der Tod. 4. Vollende, Vater, seinen Lauf; nimm ihn zu deinem Frieden auf. Verlaß ihn, wenn sein Herz nun bricht, verlaß ihn nicht, Herr, Herr, mit deinem Gnadenlicht! 5. Erleichtre ihm den letzten Schmerz! Von dir er quicket, ruh Durch Jesu Todesschweißs sein Herz. und Blut, das ihm zu Gut er einst vergoß, stärk ihm den Muth! X3 6. In 486 Gesinnung und Verhalten des Christen 6. In ihm vermehre deine Amen! Entschlaf in jenem großen Namen, vor dem sich Erd und Himmel beugt! Deine Laufbahn hat ein Ende! Dein Vater nimmt in seine Hände die Seele, die der Erd entfleucht. Heil dir, erlöster Geist, der bald am Thron ihn preist! Je sus Christus hat dich verjöhnt: von ihm gekrönt, empfängst du nun des Glaubens Lohn. Ruh, sein armes Herz er quicke du! Geist Gottes, laß ihn mit Vertraun auf Jesum schaun und so entgehn des Todes Graun! 7. Mach ihn getrost, o Geist des Herrn! Beig ihm den Gnadenlohn von fern; laß ihn den Himmel offen sehn und Jesum stehn, bereit, ihn gnädig zu erhöhn! 8. Ach, Enade, Gnad ergeh für Recht! Dern von dem menschlichen Geschlecht ist selbst der Heiligste nicht rein! Wer kann wohl dein, Gott, ohne deine Huld sich freun? 9. Sei, Richter, ihm nicht fürchterlich! Erbarme sei ner Seele dich! Auch aus der Tiefe rufet sie: erhöre sie, erlöse, Gott, erlöse sie! 10. Behüte ihn in seinem Tod; ihn segne, segne, segne, Gott! Wann nun sein Auge sterbend bricht; leit ihn zum Licht; tröst ihn vor deinem Angesicht! 2. Welcher Glanz wird dich umfangen, ist nun der Tag dir aufgegangen, des Lebens Tag nach Todes: nacht! Sei gesegnet, Amen! Amen! Ruh sanft in Jesu Christi Namen! Für dich auch ward sein Werk vollbracht. Sie trugen ihn ins Grab von Golgatha herab, Gottes Opfer! Er überwand; der Herr erstand, und der Erstandne nimmt dich auf! 3. Nimm von uns den lezten Segen! 3war sinkt dein Leib dem Grab entge gen: doch deine Seele zittre nicht! Irdisch werden wir dich säen; doch himmlisch) wirst du auferstehen und Einsegnung eines Ster- schauen deines Gottes Licht! benden. Geh ein zu deiner Ruh! Du gehst dem Vater zu, der dich geliebet. O Tod ter, du, nach kurzer Ruh Mel. Herr, wir singen 673 Sei gesegnet, wirst du zum Leben auferAmen! stehn. Der unter besonderen Umständen. 487 Der Tod des Frommen. zum Vater seine Hände; um dankend sich zu freun: Preis dir, Herr! Ich befehle dir, Vater, meine Seele! Er sprichts und schlummert lächelnd ein. 7. O laßt, wie er, uns leben und nach dem Sinn uns streben, der uns dieß Glück erwirbt; damit auch wir als Erben der Seligfeit einst sterben, wie der bewährte Fromme stirbt. Mel. In allen meinen Thaten 674 Wie ie sanft sehn wir den Frommen, wie frei, wie unbeklommen sich seinem Ziele nahn! Wo Erdenglück und Leiden von ihm auf immer scheiden, wird ihm der Himmel aufgethan. 2. Er sieht sein Bilgerleben, gleich einem Traum verschweben, steht ohne Reu am 3iel. Es blühen seine Saaten; schon lohnt für seine Thaten ihm Ruh und reines Selbstgefühl. Beim Tode guter Aeltern. Mel. Auf, schicke dich 3 Von keiner Angst be: 675 ott, welch ein troffen, sieht er sein Grab nun offen; er geht und fürchtet nichts. Ein Strahl der ewgen Gnade schwebt auf dem dunklen Pfade ihm vor; nah ist das Reich des Lichts. Schmerz trifft unser Herz! Wie groß und hart ist dieses unser Leiden! Was sehen wir? Den Vater( die Mutter) hier so frühe schon aus unsrer Mitte scheiden. 4. Auf seinem Angesichte ruht schon vom Himmelslichte ein sanfter Wieder schein. Oft spricht aus seis nen Blicken ein seliges Ent: zücken, ihn laden Boten Gottes ein. 5. Er segnet froh die Seinen, die um sein Lager weinen, ermahnt und tröstet sie; und seiner Treue wegen erfüllt Gott diesen Segen, versäumet und verläßt sie nie. 6. Er faltet noch am Ende 2. Gott, welch Geschick! Ach, einen Blick warf er ( sie) noch selbst auf unsern bangen Kummer. Doch ach, er( sie) neigt das Haupt, erbleicht und sinkt dahin, dahin in Todesschlummer. 3. D Freunde, habt ihr Thränen; labt damit als Trost die jammervollen Herzen. O weint für sie, die Waisen, die nun fast vergehn in ihren tiefen Schmers zen. 4. Ach, Sorg und Müh war spät und früh für uns X 4 fein 488 Gesinnung und Verhalten des Christen fein stetes eifrigftes Ge schäfte; uns zu erziehn nach Gottes Sinn, dem weihte er mit Wonne Zeit und Kräfte. 5. Wie manche Nacht ward durchgewacht, zu pflegen uns in Krankheit und in Leiden, die wir doch nicht nach gehen, damit wir einst, wann du erscheinst, im bes sern Land die Aeltern wiedersehen! Beim Tode hoffnungsvoller Kinder. Mel. Der unsre Menschheit willig ihm dankbare Herzen 676ür deinen Himweihten! 6. Wer wird uns, Golt, in unsrer Noth erquicken nun und helfen, schüßen, trösten? Du kannst allein nun Helfer sein, du bist ja stets Erbarmer der Erlösten. 7. Du nennest dich selbst väterlich den treuen Gott verlaßner, armer Waisen: so mildre doch, Herr, unser Joch, wie du uns selbst so gnädig haft verheißen. 8. Sei unser Licht, stärk uns zur Pflicht, zur Tugend uns auf allen unsern We gen! Uns folge, Gott, bis in den Tod, wenn fromm wir sind, des besten Vaters Segen! 9. Wir schauen hin mit Kindessinn auf seinen Tod, auf seines Glaubens Ende! Wir folgen nach; doch wir sind schwach, o reich uns gnädig deine Vaterhände! 10. Gib, Herr, daß wir im Glauben hier treu und fest den Pfad der Tugend ach, meinem Wunsch nach viel zu früh, doch, Herr, nach deinem Willen! Wie blutet mein verwundet Herz! Wie kämpf ich wider met nen Schmerz! Was find ich, ihn zu stillen? Zwar für den Himmel reiften sie; doch meinem Wunsch nach viel zu früh! 2. Ach, meine Kinder sind nicht mehr! Mein armes Herz ist hoffnungsleer und freudenlos mein Leben! Ich sah sie wie den Frühling blühn; dir, dir hofft ich sie zu erziehn, Gott, der sie mir gegeben! Mein Alter sollten sie erfreun und Trost mir noch im Tode sein. 3. Da, Ewger, sprachst du: gib sie mir! Ich selbst, ich selbst erzieb sie dir; ich will sie hoch erhöhen. Sie werden nicht dein Alter freun, nicht Trost dir noch im Tode sein; du sollst sie sterben sehen. Dein Wille, Herr, mein Gott, geschah; ich war es, der sie sterben jah. 4. Herr unter besonderen Umständen. 489 4. Herr, ich verehre dein streben. Ach, meine HoffGebot, nur laß mich meis nung sank ins Grab und ner Kinder Tod, ach, lap alle Luft mit ihr hinab. mich ihn beweinen! Du, der du Aller Vater bist, du weist, wie schwer mein Herz mir ist! Wie könnt ich froh erscheinen! Verzeih Gefühlen der Natur! Nicht murren, weinen will ich nur. 5. Auch meine Thränen preisen dich! Sie sind die Zeugen, Gott, daß ich die liebte, die du liebest und nun im Lichte deines Throns, in der Gemeinschaft deines Sohns, in höhrer Tugend übest. Herr, meine Seufzer danken dir: du, du vertrauteft sie nur mir. 6. Mit Thränen preis ich dich auch einst, wann du zum Weltgericht erscheinst; doch dann mit Freudenthränen! Dann werd ich meine Kinder sehn, mit ihnen dankend vor dir stehn, mich nicht mehr. trostlos sehnen. Dann werd ich froh bei ihnen sein und ewig mich mit ihnen freun. Mel. Der unsre Menschheit 677& s ist nicht mehr, für mich nicht mehr mein theures Kind! Wie freudenleer ist nun mein Erdenleben! Wie eine Rose sah ichs blühn; und weis und fromm es zu er ziehn, war immer mein Be2. Gott, wie verwundet ist mein Herz, der Morgen findet mich voll Schmerz; die Nacht in heißen Zähren. Doch wider dich, Herr, flag ich nicht, nein, heilig ist mir stets die Pflicht, dich auch im Schmerz verehren. Auch weinend will ich dankbar sein; du gabst, du nahmst, es war ja dein. 3. Wohl ihm! in Unschuld brach sein Herz; gesichert nun vor Noth und Schmerz, genießt es höhre Freuden. Vielleicht war es zu schwach zum Streit mit Sünde, Welt und Eitelkeit, zu schwach für schwere Leiden. Gerettet ists in deiner Hand, ging mir voran ins Baterland. Beim Tode eines guten Ehegatten oder eines Freundes. Mel. Kommt Her zu mir 678 fern von mir! Du bist nicht mehr auf Erden hier, o theure, gute Seele! Dich sucht umsonst mein trüber Blick, du kehrst nicht mehr zu mir zurück, was auch mit dir mir fehle. * 5 2. Der Ah, hier nicht 490 Gesinnung und Verhalten des Christen 2. Der Freundschaft Labfal ist dahin, dein Trost, wann ich verlassen bin, dein Mitleid, wann ich leide. Es fehlt mir deine treue Hand auf meinem Pfad zum bessern Land und mit ihr alle Freude! 3. Doch sei mein Schmerz auch noch so groß, du ruhest nun in Gottes Schooß, vor Gott will ich mich beugen. Du lebst, geliebte Seele, noch, erlöst von deines Leidens Joch, geduldig will ich schweigen. 4. Das Irdische nur deckt das Grab; Gott nahm dir deine Schmerzen ab und jede Last der Leiden. Emporge hoben ist der Geist zu Gott, der Aller Vater heißt, zu seines Heilands Freuden. 5. D Trost, o hoher Trost für mich! Mein banges Herz, erheitre dich und stille deine Die die so treu mir war, vereint sich mit der Engel Schaar. Wie könnt ich heidnisch zagen! 6. 3war hört, wenn einst mein Auge bricht, mein Ohr von dir, o Theurer,( Theure) nicht Gebet und Trost und Segen; doch wenn durch Gottes Kraft mein Geist sich auch dereinst dem Staub entreißt, so eilst du mir entgegen. 7. Du Seliger( Selige) wirst vor mir stehn; ich werde dich vollkommen sehn; o freudenvolle Stunde! Ich eil dir dann voll Wonne zu, unsterblich ich, unsterblich du, zum neuen Freundschaftsbunde. 8. Dann schau und bet ich an mit dir; Ein Herz und Seele singen wir von weggeweinten Leiden und von der Tugend hohem Lohn und preisen Gott und seinen Sohn für unsre selge Freuden. 9. Gedanke der Unsterblichkeit! erheitre jede Dunkelheit und stärk mich, wann ich wante; veredle jede Leidenschaft, erfülle mich mit Muth und Kraft, du himmlischer Gedanke! Bei Begräbnissen. Mel. Nun laßt uns den Leib 679 Wir gehn ans Grab und wissens doch: dein Geist, Entschlafner, lebet noch, von Schmerz und Erdennoth befreit, im Lande der Unsterblichkeit. 2. Ruh sanft! Dein Auge schloß sich zu, und nun umgibt dich süße Ruh. Dein Gott hat wohl an dir gethan; nun rührt dich keine Qual mehr an. 3. Du gingst voran, wir folgen dir! Auch deine Freunde wallen hier auf ihrer unter besonderen Umständen. 491 4. Schnell schwindet unfre Lebenszeit; aufs Sterben folgt die Ewigkeit; wie wir die Zeit hier angewandt, so folgt der Lohn aus Gottes Hand. 5. So währen Reichthum, Ehr und Glück, wie wir selbst, einen Augenblick; so währt auch Leid und Traus rigkeit, wie unser Leben, kurze Beit. 6. O sichrer Mensch, besinne dich! Tod, Grab und Richter nahen sich; in Allem, was du denkst und thust, bedenke, daß du sterben mußt! 7. Hier, wo wir bei den Gräbern stehn, soll jeder zu dem Vater flehn: mein Gott, ich bitt durch Christi In voriger Melodie. 680 un bringen wir Blut: machs nur mit meinem Ende gut! den Leib zur Ruh und decken ihn mit Erde zu, den Leib, der nach des Schöpfers Schluß zu Staub und Erde werden muß. ihrer Pilgerbahn hinab zur Abendruh ins stille Grab. 4. Du wirst uns unvergeßlich sein; dein Herz war liebreich, fromm und rein, mit List und Falschheit unbekannt; nun ruhts in Gottes Vaterhand. 5. O Gott, nun blickt bei sanftem Schmerz auch unser Glaube himmelwärts, wo Jesus Christus, unser Hirt, all unsre Thränen trocknen wird. 6. Du, der einst den entschlafnen Freund, wie wir den unsrigen, beweint, sei, Jesus, unsre Zuversicht, wann unser Herz im Tode bricht! 2. Er bleibt nicht immer Asch und Staub, nicht immer der Verwesung Raub; er wird, wann Christus einst erscheint mit seiner Seele neu vereint. 3. Hier, Mensch, hier lerne, was du bist; lern hier, was unser Leben ist! Nach Sorg und Furcht, nach mancher Noth und Arbeit kommt zulegt der Tod. 8. Laßt alle Sünden uns bereun; vor unserm Gott uns kindlich scheun! Wir sind hier immer in Gefahr; nehm jeder seine Seele wahr! 9. Wann unser Lauf, vollendet ist, so sei une nah, Herr Jesu Christ. Mach uns das Sterben zum Ge winn; zieh unsre Seelen zu dir hin. 10. Und wann du einst, du Lebensfürst, die Gräber mächtig öffnen wirst, so laß uns fröhlich auferstehn und dann dein Antlizz ewig sehn! X6 Mel. 492 Gesinnung und Verhalten des Christen Mel. Nun laßt uns den Leib Mel. Jejus, meine Zuversicht 681 Begrabt den Leib 682 Senkt den Leich nam, in seine Gruft, bis ihn des Richters Stimme ruft! Wir fäen ihn; einst blüht er auf und steigt vertlärt zu Gott hinauf. 2. Aus Staube schuf ihn einst der Herr, er war schon Staub und wirds nun mehr. Er schläft, er ruht und einst erwacht er wieder aus des Todes Nacht. 3. Des Frommen Seele lebt bei Gott, der sie aus aller ihrer Noth, aus aller ihrer Missethat durch seinen Sohn erlöset hat. 4. Hier hat ihn Trübsal oft gedrückt; nun wird er dort von Gott erquickt. Hier trug er Jesu sanftes Joch, entschlief im Tod und lebt doch noch. 5. Gott blieb er treu bis an sein Grab, nun wischt Gott seine Thränen ab. Was sind die Leiden dieser Zeit, Gott, gegen deine Herrlichkeit! 6. Nun, du Erlöster, schlaf in Ruh! Wir gehen unsern Hütten zu und machen zu der Ewigkeit durch Glaub und Tugend uns bereit. 7. Ach, Jesu Christ, dein Mittlertod stärk uns in unsrer letzten Noth! Laß unsre ganze Seele dein und selig unser Ende sein. ihn ein, ehret noch des Geistes Hülle, ruh, serfallendes Gebein, in des Todtenackers Stille! Was da lebet, folget dir, wie du ruhest, ruhn einst wir. 2. Was du, Todter, tha test, bleibt wohlbewahrt von Gottes Güte; so das Sa menkorn und treibt aus dem Boden Laub und Blüthe. Grüß erfreut den neuen Tag; was du wirktest, folgt dir nach.. 3. Die wir hier am Grabe stehn, sinken all ins Grab einst nieder. Laßt an unser Werk uns gehnt, weif und redlich wirken, Brüder! Ach wer weiß den Todestag? Was wir thaten, folgt uns nach. Mel. Nun laßt uns den Leib ( Die Versammlung.) 683 Sentt nun ben Leib in seine Gruft und preiset Gott, der uns auch ruft! Hier sind wir Saat, einst blühn wir auf, zum bessern Leben blühn wir auf. ( Der Chor.) 2. Grabt mein verwesliches Gebein, o ihr, noch Sterbliche, nur ein! 3 bleibt unter besonderen Umständen. 493 bleibt, es bleibt im Grabe uns Unsterblichkeit. Wenn nicht, denn Jesus kommt wir uns hier der Tugend und hält Gericht. weihn, kann uns der Tod nicht schrecklich sein. 3.( Verf.) Des Frommen Seele trifft dort nicht des Lasterhaften Strafgericht. Sie, felig auch im Tode Mel. Schwing dich auf schon empfängt der Auser= 684 Laßt dem Tode feinen Raub, Würmern ihre Habe! Seelen werden nicht zu Staub, schlummern nicht im Grabe. Senkt auch diesen Leichnam ein! Laßt ihn niederrollen, uns ihn segnen und uns freun, daß wir leben sollen. 2. Seht, da liegt der Todte nun in geweihter Stille! Freunde, laßt den Theuren ruhn! Es ist Gottes Wille. Weinet nicht; er hat nun schon, was wir erst ersehnen. Ihn erweckt kein Klageton; trocknet eure Thränen! 4.( Chor.) Gott ist allgütig und vereint dereinst mit sich den Tugendfreund: ihn führet er zum höhern Licht; drum, Christen, bebt am Grabe nicht. 5.( Vers.) Auch Jesus litt hier Angst und Qual und ging durchs finstre Todesthal. Auch du gingit deinem Retter nach, auch dir glänzt nun der Freudentag! 6.( Chor.) Oft hat bei euch mich Gott erquickt; doch hat auch Trübsal mich gedrückt. Im finstern Thale wandelt ich, doch führte Gottes Rechte mich. 7.( Vers.) Vollendeter, genieße du nun ungestört die stille Ruh! Einst gehn auch wir, o Herr der Zeit, durch Grab und Tod zur Ewigkeit. 8.( Chor.) Heil uns, wenn euch, die ihr jetzt weint, mit mir einst wieder Gott vereint! Dann werden wir uns ewig freun, dann ewig, ewig selig sein. 9.( Vers.) Nach dieser kurzen Lebenszeit erwartet 3. Stimmet an das hohe Lied von der Auferstehung! Wißt, als Jesus einst verschied, folgte bald Erhöhung. Fromme ruhn in seiner Hand, ruhn in sanftem Frieden. Er, der starb und auferstand, hat ihr Heil entschieden. 4. Aerndtefeld! Hier ruhen sie, Christen, unsre Brüder, kämpften, aber kämtpfen nie nun auf Erden wieder. Heil dem Guten, der hier fand sanfte Ruh der Müden! Für das beßre X7 Va= 494 Gesinnung und Verhalten des Christen Vaterland schlummre er hienieden! 5. Saaten der Unsterblichkeit! Heilige Gebeine! Bald verrinnt auch unsre Zeit, ruft der Tod: Erscheine! Ruf er dann, wir sind bereit. Wer des Les bens Gabe nüßet für die Ewigkeit, zittert nicht am Grabe. 6. Ruhet wohl, ihr TodMel. Herr, ich habe mißgehandelt tenbeine, ungestört in eurer 685 Ruhet wohl, ihr Gruft; ruhet, bis der Tag Todtenbeine, in der stillen Einsamkeit; ruhet, bis der Herr erscheine einst am Ende dieser Zeit, euch, die Nacht und Gräber decken, durch der Allmacht Ruf zu wecken. erscheine, da des Richters Stimm euch ruft! Nach des Lebens kurzen Leiden geht ihr ein zu ewgen Freuden. 2. Nur getrost, ihr werMel. Nun laßt uns den Leib det leben! Der das Leben 686 gib denn, selber ist, wird euch neues fromme Chri Leben geben! Er gelobts, stenschaar, der Erde das, er, Jesus Christ: die in, seinem Namen sterben, sollen nimmermehr verderben. was Erde war; sie beut dem Müden Ruhe hier in ihrem Schooß, so wie einst dir. 3. Und wie sollt im Grabe bleiben, der ein Tempel Gottes war? den der Herr ließ einverleiben seiner auserwählten Schaar, die er selbst durch Blut und Sterben hat erkauft zu Himmelserben? laßt, weil wir von Erde sind, in der Gruft ihn im mer modern! Gott wird ihn zurücke fordern. 5. Jesus wird, wie er erstanden, auch die Seinen einst mit Macht führen aus des Todes Banden, führen aus des Grabes Nacht zu dem ewgen Himmelsfrieden, den er seinem Volk beschieden. 4. Nein, die kann der Tod nicht halten, die des Herren Glieder sind. Laßt den Leib im Tod erkalten, 2. O Ruhe, Wunsch des Leidenden, du legter Trost des Weinenden, wo alle Noth vergessen ist, wo keine Thräne weiter fließt! 3. Hier endet sich der Feinde Truß; hier findet der Bedrängte Schuß, hier wird in süßem Schlaf er: quickt, den manche schwere Last gedrückt. 4. Hier unter besonderen Umständen. 4. Hier weicht die Hos heit mit dem Glück; es bleibt der bloße Mensch zurück. Ein enger Sarg, ein Leichenkleid sind nun die ganzeHerrlichkeit. 5. Hier hört der Kampf des Christen auf; vouendet ist der schwere Lauf; der Geist eilt in sein Vaterland zur Wonne, die er hier nicht fand. 6. Erinnre uns zu aller Zeit, o Gott, an Tod und Ewigkeit, damit wir ihren Wink verstehn und freudig ihr entgegengehn! Mel. So schlummerst du 687 4. Sowie in heilgen Haioch stehen wir, nen naht sich hier ben Ge beinen nicht Frost, nicht Sonnengluth. Ihr Stürme, braust gelinde und wehet fanft, ihr Winde, wo eines Christen Asche ruht! 5. Senkt dann den Leichnam nieder zum Staube seiner Brüder, die längst die Erde deckt. Im Grab ist sanfter Schlummer; ihn stört kein Erdenfummer; Gott ist es, der ihn einst erweckt. 6. Zum Leben ohne Sor gen weckt ihn der frohe Morgen, wo eine Welt erwacht. Heil diesem todten Mel. In allen meinen Thaten 688 Da stehen wir Staube, so singt der Chridie Deinen, Unendlicher, und weinen ein Grablied an der Gruft. stenglaube, auch er erwacht, auch er erwacht. 7. Schaut, schauet auf, Bes o Gott, vor dir an dieses Grabes Rande; noch erhält uns deine Macht hier im niedern Lande. 2. Wer weiß, wie bald dein Ruf erschallt: Hinweg vom Erdenpfade! Sei uns dann nicht fürchterlich, nimm uns auf mit Gnade. 495 Wir singen auf vom Staube, uns stärkt der Christenglaube, daß Gott uns einst zum Leben ruft. 2. Fließt nur, ihr Thränen, fließet! Ein Sterblicher beschließet des Lebens kurzen Lauf. Nimm, mütterliche Erde, dein Kind frei von Beschwerde in deine milden Arme auf! 3. D gib uns Kraft, ge wissenhaft zu leben und zu leiden! Führ uns alle durch den Tod zu des Himmels Freuden! 3. Sei ihm ein Ruhebette, nachtvolle Grabesstätte und deck ihn kühlend zu! Er schlafe hier in Frieden den sanften Schlaf der Müden; hier find er die erseufzte Ruh! 496 Gesinnung und Verhalten des Christen trübte! Dort wandelt der Mel. Seelenbräutigam Geliebte im hohen Himmels: 691 Still erheben wir Freude und wehret eurem Leide und wischt die Thränen vom Gesicht! zu dir., Herr, wie könnten wir mit Grauen nur ins Grab hernieder schauen? Hoffnung sendest du uns vom Himmel zu. Mel. Gott des Himmels und der 2. Du bists, der uns liebt, 689 Ruhig ist des To= wenn er nimmt und gibt. des Schlummer und der Schooß der Erde kühl; da stört unsre Ruh kein Kummer, nicht der Leidenschaften Spiel. Unsre Sorgen, groß und klein, schlummern alle mit uns ein. Ja selbst, was wir hier be weinen, wird einst freudens reich erscheinen, wenn auch uns zur Gruft deine Stimme ruft. 2. Uleber unsern Hügel schwinget die Vergessenheit den Stab, und der Schmähsucht Stimme dringet nicht ins dunkle, stille Grab. Fehler, die uns hier besiegt, werden dann nicht mehr gerügt. 3. Gott, wir zagen nicht. Du gibst Troft und Licht und du willst zum bessern Leben auch durch Leiden uns erheben. Bis zum Tode sei unser Herz dir treu! Bei Beerdigung eines Verunglückten. 3. Unfre Seufzer, unfre Thränen werden ewig dann Mel. Christus, der ist mein Leben geſtiut; unsre Wünsche, un 692 Verzeih berter, Sehnen, Alles wird erfüllt. Herzen, die sonst heiß gewallt, liegen ruhig dann und kalt. fen Trauer, die unser Herz erfüllt. Wir sehn mit bangem Schauer des Todes Schreckensbild. 4. Läg auch meines, von den Sorgen dieses Lebens unempört, in der Erde Schooß verborgen, wo nichts seinen Frieden stört! Kühles Grab, o wann nimmst du mich in deine stille Ruh? 2. Was ist des Menschen Leben! Was ist des Menschen Kraft! Wie schnell, von Angst umgeben, wird er dahingerafft! 3. Gesund und muthig schreitet er durch die Welt einher. Ein Unglück wird bes Anm. Nr. 690 ist ausgefallen. unter besonderen Umständen. bereitet, und ach, er ist nicht mehr. 4. Wer zählet die Gefahren, die uns auf Erden drohn? Willst du uns nicht bewahren, so stürzen sie uns schon. 5. Auf allen unsern Weumhüllt uns Dunkelheit, und oft ist Noth zugegen, wo unser Herz sich freut. gen 6. Doch Alles, was ge: schiehet, erfolgt auf dein Gebot. Du willst: der Tod entfliehet. Du willst: her kommt der Tod. 7. Ach, dieß nur macht uns stille: wir sind in deiner Hand, und gnädig ist dein Wille, allweise dein Verstand. 8. Wo wir oft ängstlich zagen, erhöhst du unser Glück und lenkst von trübern Tagen uns wunder bar zurück. 9. Auch wenn des Todes Grauen uns plößlich niederreißt, darf unser Geist dir trauen. Du liebest un sern Geist. 10. Er kann und wird nicht sterben, er eilet nue hervor, entreißt sich dem Verderben und schwebt zu dir empor. 11. O lehr uns wachen, beten und stets besonnen sein, daß, wenn wir vor dich treten, wir deines Heils uns freun. 497 12. Da schwinden dann die Schrecken auf ewig von uns hin. Da sehen wir und schmecken: der Tod war nur Gewinn. Am Grabe Frühverstorbener. 6933 wirst du von In eigener Melodie. ur frühen Gruft uns begleitet! So will es Gott, der dir dein Loos bereitet und nun dich von uns zu sich ruft. 2. Er nahm dich auf zum Kinde seiner Gnade; er führte dich auf seines Soh nes Pfade und lenkte deines Lebens Lauf. 3. O kurze Bahn! Kaum kennst du Welt und Freus den, so heißt dich Gott schon wieder von uns scheis den. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 4. Du bist beglückt. Entronnen den Gefahren, trifft nun dich nicht, was oft in frühen Jahren dem Christen schon sein Ziel verrückt. 5. Jn steter Ruh, in un gestörtem Frieden wohnt nun dein Geist, und tröstend sieht hienieden Gott deiner Aeltern Thränen zu. 6. Klagt nicht so sehr bet eures Kindes Bahre! E ging zu Gott im Frühling ſeiner 498 Gesinnung und Verhalten des Christen seiner Jahre, und dieser 5. Wandeln nicht in ho Gott ist unser Herr. 7. Es war sein Pfand, er hat es euch geliehen. O gebts ihm gern. Laßt euren Liebling ziehen! Er zieht ja in sein Vaterland. hen Freuden unsre Lieben dort am Thron? Sollten wir sie nicht beneiden um den früh errungnen Lohn? Du wirst uns im bessern Leben die Verlornen wiedergeben! Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 6. Vater, deines Trostes 694 Wenn der Stifter Quelle trocknet auch am der Geschlechter unsre Lieben zu sich ruft; wenn die Söhne, wenn die Töchter sinken in die frühe Gruft, ach, dann fühlen unsre Herzen unaussprechlich tiefe Schmerzen. Grabe nicht. Selbst des Todes Nacht wird helle durch des Glaubens mildes Licht. Alles, was wir hier beweinen, wird uns dort als Glück erscheinen. 2. Wenn der Säugling, kaum geboren, gleich der Mel. Alles ist an deinem Segen Blume schnell verblüht, und 695 Erdentöchter, Gr seid nicht stolz auf Reiz und Schöne; troket nicht auf eure Kraft! Eures Mun des Hauch verflieget, eures Lebens Quell versiechet, und des Starken Arm erschlafft. 2. Doch, ihr Christen, seid nicht traurig, wenn so früh, so dumpf, so schaurig euch die Sterbeglocke ruft; edler, kräftiger, verklärter, liebevoller, liebenswerther überfliegt der Geist die Gruft. 3. O was ist des Grabes Höhle! Eine tugendhafte Seele fürchtet nicht, hinab zusehn. Ueber Grab und Grabestrümmer wird der Geist im Sonnenschimmer himmnun ihre ganze Hoffnung sieht; ach, dann will ihr Herz verzagen, dieser Trennung Schmerz zu tragen. 3. Wenn der Tod im edlen Sohne seine Lust dem Vater raubt; wenn des Hauses Stüß und Krone sinket mit des Vaters Haupt; Mütter von den Kindern scheiden: Gott, was gleichet diefen Leiden! 4. Ach, es müßte unter liegen dieses arme, schwache Herz, hilfst du nicht, o Herr, uns siegen über Tod und Trennungsschmerz. Deine Rechte schlägt uns nieder; deine Rechte hebt uns wieder. unter besonderen Umständen. himmlischer Erkenntniß stehn. 4. Nein, umsonst ist nichts geboren. Alles ruhet un verloren in des ewgen Vaters Schooß! Süße Hoff nung! Holder Glaube! Al les windet einst vom Staube herrlicher sich wieder los. 5. Leibesschönheit wird verblühen; Seelenschönheit nie entfliehen; sie ist für die Ewigkeit. Reiner Sinn und echte Tugend lohnt mit ewig froher Jugend, lohnt mit Himmelsseligkeit. 6. Himmelsfeligkeit beste het; nur der Erde Glück vergehet, nur das Eitle bleibt zurück. Wie die Gottheit unvergänglich, wie der Himmel überschwenglich ist des Christen wahres Glück. 499 2. Laßt uns alle heute klagen, denn es starb ein edler Mann! O wie Viele müssen sagen: mir auch hat er wohlgethan! Ja, gerecht sind unsre Zähren, die ihn noch im Tode ehren. Ihn und unser eignes Herz eh ret unser Leid und Schmerz! Am Grabe eines edlen und verdienten Mannes. 3. Seines schönen Lebens Thaten bleiben segnend uns zurück; und die Frucht der edlen Saaten sei für Nachwelt Heil und Glück; Preis und Ruhm dem theuren Namen! Seine Tugend nachzuahmen, edel, wie er war, zu sein, wolle Gott uns Kraft verleihn! Am Grabe eines verdienstvollen Lehrers. Mel. Liebster Jesu, wir find' anft, wie er ge= wandelt hat, Trost der Seinen, dieses Edlen ErdenMel. Alle Menschen müssen sterben pfad, und wir schaun ihm 696 Wer mit Luft und nach und weinen. Der hat 697 endete, zum uns treu belehret und zum Guten hingekehret. Eifer strebte, seine Brüder zu erfreun; wer der Welt zum Segen lebte, soll uns unvergeßlich sein! Sein Gedächtniß bleib und daure! Seine Nachwelt klag und traure! Wo sein Grab ist, weine dann wer, was gut ist, schäßen 2. Was dein Wort uns lieben heißt, Vater, das hat er verkündet und, gestärkt durch deinen Geist, Vieler Seelen Heil gegründet. Uns zu Jesu zu er= heben, war sein eifrigstes Bestreben. ann. 3. Treu 500 Gesinnung und Verhalten des Christen 3. Treulich ging er selbst den Pfad hoher Tugend bis ans Ende und gab nun nach deinem Rath seinen Geist in deine Hände. Nur die Kraft von seiner Lehre trocknet unsre Wehmuthszähre. 4. In der Nähe seiner Gruft, die nur seine Hülle raubet, hören wir, wie Je sus ruft: selig ist, wer an mich glaubet! Ja, des Himmels Heil und Frieden ist den Redlichen beschieden. 5. Laß, o Herr, die edle Saat, ausgestreut von uns ferm Lehrer, fruchtbar sein in Wort und That und uns würdige Verehrer wahrer Frömmigkeit auf Erden, dort des Himmels Bürger werden. Trost und Gelübde auf Gräbern. Mel. Auf Christenmensch 698 jeweihter Ort, wo Saat von Gott gesät, dem großen Tag der Aerndte reift! Sei mir gegrüßt, du Ort, wo jede Klage verstummt, wo mancher Ruhe fand, der sie auf Erden nie gekannt. 2. 3war flossen hier der Thränen viel, wenn von des Freundes Herzen den treusten Freund das Schick fal riß: mit tiefgefühlten Schmerzen hab ich auch selbst, ach, manchem Freund die Abschiedszähre schon ge weint! 3. Doch Schlaf ist ja des Menschen Tod; er schaf fet Ruh den Müden, nimmt Leidenden die Bürde ab und bringt zum ewgen Frie den. Weint, Freunde, nicht; denkt: Wiedersehn! Die Todten werden auferstehn! 4. Belebend sinkt ein Sonnenstrahl einst auf die Gräber nieder; und was hier schläft, erwachet dann zum schönern Leben wieder. Im Winter starb die Blume; seht, fie blüht, vom Frühlingshauch umweht! 5. Und was man hier der Erde gist, ist nur des Gei stes Hülle. Unsterblich ist nunft und guter Wille er des Menschen Geist; Verhebt uns über Welt und Zeit, die Tugend führt zur Seligkeit. 6. Drum kann mein Blick. vom Todtenfeld zum Himmel sich erheben; und winkt auch mir das fühle Grab, darf ich nicht ängstlich be ben. Ich pflücke nach vollbrachter Zeit die Blume der Unsterblichkeit. 7. Was ihr einst wart, das bin ich jetzt, ein Pilger hier auf Erden; was ihr, entschlafne Brüder, seid, werd ich vielleicht bald wer den. Nun dann: durchs To: unter besonderen Umständen. 501 Todesthal eilst du, mein aus der Verwesung Staub Geist, dem Vaterlande zu! sich neu gebildt erheben, 8. Doch dem nur wird der Uebergang zu jenem Vaterlande ein Weg zum Heil, der muthig hier des Lasters Sclavenbande zerriß, der in der Prüfungszeit sein Herz der Tugend tren geweiht. wann du, o großer Lebensfürst nun deinen Todten rufen wirst, zum Leben aufzuwachen. 9. Auf Gräbern der Entschlafnen sei der Tugend Bund aufs neue versiegelt; hier gelobe ich der Tugend ewge Trene! Ja, heilig sei mir jede Pflicht, bis einst mein sterbend Auge bricht! Mel. Es ist das Heil uns 699 Mein Heiland lebt und hat die Macht des Todes ganz bezwungen und siegreich aus des Grabes Nacht zu Gott sich aufgeschwungen. Er ist mein Haupt, fein Sieg ist mein. Sein foll mein ganzes Leben sein; und ihm will ich auch sterben. 2. Nicht ewig wird, wer dein Wort hält, den Tod, o Jesu, schauen. Das ists, was mich zufrieden stellt, selbst bei der Gräber Grauen. Ich bin getroft und unverzagt, weil du den Deinen zugesagt: Ich leb, und ihr follt leben. 3. Wird gleich mein Leib des Todes Raub, er wird doch wied jeben und nreiste 4. Wie froh und herrlich werd ich dann vor dir, mein Heiland, stehen! Dann nimmst du mich mit Ehren an, läßt in dein Reich mich gehen. Forthin von feiner Last beschwert, an Leib und Seele ganz verklärt, leb ich bei dir dann ewig. 5. D welch ein felig Theil ist mir in jener Welt bereitet! Der Freuden Fülle ist bei dir. Von dir, o Herr, geleitet, werd ich in deinem Himmelreich, unsterblich, deinen Engeln gleich, voll: kommne Lust genießen. 6. Denn wo du bist, da sollen die, die dir hier folgen, leben und ewig frei von Schmerz und Müh, von Seligen umgeben, ge nießen deine Herrlichkeit. was sind Leiden dieser Zeit, Herr, gegen jene Freuden! 7. Laß die zukünftge Herrlichkeit mir stets vor Augen schweben und oft in dieser Prüfungszeit mein Herz dahin erheben, dahin erheben, wo keine Schwachheit uns mehr drückt, wo wir, der Sterblichkeit entrückt, frohlockend vor dir wandeln. 8. Er 502 Gesinnung und Verhalten des Christen 8. Erwecke mich dadurch zum Fleiß, der Tugend nach: zustreben und als dein Jünger dir zum Preis nach deinem Wort zu leben! Und fühl ich hier noch Noth und Schmerz, so tröste selbst damit mein Herz; es kommt ein beßres Leben! 2. Hier, ach, hier ist auch das beste Leben immer noch mit Sorg und Furcht umgeben. Was wir hier ken: nen, ist noch kein vollkomm nes Glück zu nennen. Trost des Wiedersehens. In eigener Melodie. Mel. Wann mein Stündlein 700 wie felig feid 701 Schwer liegt ber ihr doch, ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seid entgangen allen Leiden, die uns noch umfangen. 3. 3hr hingegen ruht in fichrem Frieden, der euch nach dem Kampfe ward be schieden. Kein Schmerz, fein Leiden stört euch im Genusse reiner Freuden. 4. Zeiten sich auf diesen Wechs sel nicht bereiten? Abgetrocknet sind all eure Thränen, ihr genießt schon, wonach wir uns sehnen; ihr hört und sehet, was des Menschen Geist hier nicht verstehet. 5. Ach, wer wollte denn nicht fröhlich sterben und statt Erdenglücks den Himmel erben? Wer wollt in 6. Hilf uns, Jesu, ernstlich danach streben! Komm und führ uns zu dem höhern Leben, wo deine From: men erst zur vollen Ruh und Freude kommen! Trennung auf mir; wie lieb ich sie, die Meinen! O laß, mein Gott, mein Gott, vor dir mich diese Frage weinen: werd ich, nach meinem Tode gleich, werd ich, o Herr, in deinem Reich die Meinen wiedersehen? 2. Wohl mir, o Gott, ich höre schon des Geistes Stimme wehen; sie ruft mir zu in sanftem Ton: du wirst sie wiedersehen; bist du nur fromm, sind sie nur gut, dort oben un ter Gottes Huth wirst du sie wiedersehen! 3. Des Frommen Seele trennt sich nicht von gleich gesinnten Frommen. Sie werden all in Gottes Licht aufs neu zusammenkommen, forthin durch keinen Tod getrennt; denn Gottes En gel, der sie kennt, führt alle dort zusammen. 4. Der Freund sieht seine Freunde unter besonderen Umständen. Freunde dann am Throne sen, hoffte Freundschaft Gottes wieder; der Gatte Wiedersehn. trifft den Gatten an, der Bruder seine Brüder. Die Mutter sieht, umarmt ihr Kind; denn alle guten Seelen sind in Gottes Stadt beiſammen. 5. Drum last uns hier schon Hand in Hand auf Gottes Wegen gehen, damit wir dort im Vaterland uns einst beisammen sehen. Wie wird uns sein, wenn wir uns sehn, wenn wir uns froh entgegengehn, fort hin uns nie zu trennen. 6. So seid getrost und freuet euch; laßt nicht die Hoffnung schwinden; wir werden in des Vaters Reich uns alle wiederfinden! D Wiedersehn, o Wiedersehn, wie wirst du unser Glück erhöhn, wie tröstest du die Seele! Mel. Halleluja! Bringet Ehre 702 Miedersehn! mit lauten Schlä: gen klopft dir jede Brust entgegen! Nimmer kann das untergehen, was ins Herz wir liebend schlossen; und wenn Abschiedsthränen flos503 2. Wiedersehn! In holden Bildern will uns die Natur dich schildern; drum verjüngt sie sich so schön. Wenn der Morgenröthe Strahlen nach der Nacht die Berge malén, spricht die Sonne! Wiedersehn! 3. Wiedersehn! Zu deinen Freuden wachsen Blumen frisch und kleiden herrlich sich in Frühlingswehn! und der frohen Nachtigallen fummerfreie Lieder schallen: hofft getroft ein Wiedersehn! 4. Wiedersehn! Mit Gruß und Segen o wie schmacht ich dir entgegen über Auen, Ström und Höhn! Theure, aller Welt Gewalten, sollen meinen Fuß nicht halten; ja, ich werd euch wiedersehn! 5. Wiedersehn! Dich darf ich hoffen! O, ich seh den Himmel offen, winkt der Herr mir, heimzugehn! Theure in der letzten Stunde ruf ich mit schon blasfem Munde: Ewig, ewig Wie dersehn! :: Anhang. Mel. Wunderbarer König 703 11 numschränkte Liebe! gönne blöden Augen, die zum Jrdischen kaum taugen, daß sie in die Strahlen deiner Langmuth blicken, die den Erdkreis huldreich schmücken und zugleich freudenreich Bösen und den Deinen mit der Sonne scheinen. 2. Wasser, Luft und Erde, ja, dein ganz Gebiete ist ein Schauplaß deiner Güte. Deiner Langmuth Ehre wird durch neue Proben immer herrlicher erhoben. O wie weit, o wie breit streckt sie ihre Flügel über Berg und Hügel! 3. Was wir davon denfen, was wir sagen können, ist ein Schatten nur zu nennen. Tag vor Tag zu vor zu dulden so viel Millionen Schulden und dazu ohne Ruh lieben, die dich hassen! Herr, wer kann das fassen? 4. Du vergiebest Sünde, hörst der Sünder Flehen, wenn sie weinend vor dir stehen. Deine Rechte dränet und erbärmt sich wieder, legt die Pfeile gerne nieder, da man doch, wenn du noch sie kaum weggeleget, dich zum Zorn erreget. 5. Herr, es hat noch Keiner, der zu dir gegan gen, statt der Gnade Recht empfangen; wer zu deinen Füßen sich mit Thränen sentet, dem wird Straf und Schuld geschenket. Unser Schmerz rührt dein Herz, und du willst der Armen gnädig dich erbarmen. 6. Höchster! sei gepriesen, daß du so verschonest und uns nicht nach Werken lohnest. Deiner Hand sei Ehre, die so wohl regieret und mit Ruhm den Scepter führet. Fahre fort, Zions Hort, Langmuth auszuüben und die Welt zu lieben! Met. Schon ist der Tag von Gott 704 Die Erd ist e Christi, sein, wer auf der Erde wohnet, deß müsse sich die Erde freun, und was auf Erden wohnet! Er schuf, er rettete die Welt; er trägt, er seg net, er erhält die Welt, die er beherrschet. 2. Wer auf der Erde, wer gehört zum Volke der Erlösten? Wer darf, des hohen Segens werth, sich feiner Anhang. seiner Herrschaft trösten? Der, der zu dir, o Mittler, sich bekehrt und gläubig wird und dich zu seinem Herrn erwählet. Mel. Mein ganzer Geift 3. Und wer, in deinem 705 Triumph! Tris und Blute rein, der Unschuld sich befleißet; wagt, sich vom Wahne zu befrein, der nur den Lüsten gleißet! wer fromm ist, wandelt, wie er glaubt, sich keine Missethat erlaubt, nie bricht den Bund der Gnade; 4. Wer auch umringt mit Leiden gern erfüllet sein Verlangen, der wird den Segen seines Herrn im vollen Maaß empfangen; den macht er seiner Herrschaft werth; der ist sein Erbe, der gehört zum Volke der Erlösten. 505 treu den Himmel gibt den Seinen. 5. Kommt, Sünder, kommet in sein Reich! Macht weit der Herzen Thüren! Empfangt den König: er will euch auch segnen, auch regieren. Wer, fragt ihr, ist der Herr? Der Sohn! Der Himmel Himmel ist sein Thron, der Erdkreis seine Fußbant. 6. Kommt willig, willig in sein Reich! Macht weit der Herzen Thüren! Em pfangt den König, er will euch auch segnen, auch regieren. Wer, fragt ihr, dieser König sei? Der Sohn, der seinem Bunde Lob und Dank dem, der des Todes Macht bezwang und uns, den Staub, erhöhte. Der hohe Sieger überwand. Nacht war um ihn und sie verschwand in heller Morgenröthe. Gebet, gebet, stolze Spötter, unserm Retter Preis und Ehre, glaubt an ihn und seine Lehre. 2. Heil uns! Triumph, das Grab ist leer. Feſt steht es wie ein Fels im Meer das Wort, das er gesprochen. O selig, wer sich ihm vertraut! Er hat den Tempel neu gebaut, den blinde Wuth gebrochen! Hölle, fälle nun den Sieger, Gottes Krieger, der erstanden, macht nun deinen Stolz zu Schanden. 3. Leer ist die Gruft, die ihn umgab. Sei mir gegrüßt, mein fünftig Grab, du Wohnung ernster Stille. Nur wenig Tage werdens sein, o so empfängst du deiner mein Gebein in Schatten Hülle. Ewig selig werden wieder diese Glieder auferstehen, werden die Verklärung sehen. Y Mel. 506 Anhang. el. Es ist das Heil uns 706 Mit lautemSchall frohlocken wir; der Herr ist aufgefahren! Wir sind zwar Pilger noch allhier und unter viel Gefahren; doch sinkt drum Mel. Nun dantet Alle Gott unser Muth nicht hin; durch 707 Gelobt feist du für uns unsre Wallfahrt führet. 2. Das Leben ist ans Licht gebracht, uns steht der Himmel offen. Ihn schloß uns auf mit großer Pracht der Herr, auf den wir hoffen. Wers glaubt, deß Herz ist freubenvoll, dabei er sich doch rüsten soll, des Heilands Pfad zu wandeln. 3. Wer den nicht geht, wird nimmermehr dort seines Heils genießen. Wer nicht sein Wort hält, dem wird er den Himmel einst verschließen. Wer wünscht zum Himmel einzugehn, der läßt in seinen Thaten sehn, sein Wandel sei im Himmel. 4. Uns treibt sein Geist, daß wir der Welt uns immer mehr entwöhnen; stets forgen, was dem Herrn gefällt, zu ihm hinauf uns sehnen. Er aber sieht auf uns herab; von uns läßt feine Tren nicht ab, bis wir zusammenkommen. 5. Tag, noch an größern Freuden reich, wann wirst du uns erscheinen? Gott macht uns dort dem Sohne gleich und stillet Leid und Weinen. Wonne, wann in Ewigkeit uns nun das höchste Gut erfreut! D Gott schenk uns dieß Leben. deines Wortes Lehre! Gib, Bater, daß ich sie mit Ane dacht fleißig höre! O mache doch mein Herz von Vor urtheilen rein und laß dein Wort mein Licht auf meinen Wegen sein. doch die Wahrheit nic vers 2. Laß mich im Forschen fehlen und nie, was schäd lich ist, für wahres Heil erwählen! DHöchster, leite selbst den forschenden Vers stand, so wird, was du mich lehrst, auch recht von mir erkannt. 3. Wie thöricht ist es doch, blos andern Menschen glau ben! Das heißt sich selbſt den Grund zur ewgen Ruhe rauben. Wer treulich hier dein Wort zu deiner Richt schnur macht, dem gibt es Licht und Trost auch in der Todesnacht. mich vor aller falschen 4. Mein Gott, bewahre Lehre und hilf, daß ich dein Wort mit festem Glauben ehre. Verleih mir deinen Geist, der Lust und Kräfte gibt, daß man die Wahrs heit Anhang. 507 heit sucht, prüft, glaubt, Du lebst, und ich soll leben. bewährt und übt! Ich glaub es dir und zweifle nicht; dein Wort ist meine Zuversicht. Mel. Auf, Christenmensch! 708 Herr, du bist meine Zuversicht! Du lebst; auch ich werd leben! Du wirst mir, was dein Wort verspricht, Unsterblichkeit einst geben. Dein Jünger kommt nicht ins Gericht, dieß stärket meine Zuversicht! 2. Hier geh ich oftmals weinend hin, den Saamen auszustreuen; dort wird der herrlichste Gewinn der Aerndte mich erfreuen. Ich leide, doch verzag ich nicht: denn du bist meine Zuversicht! 3. Hier trag ich deine fanfte Laft. Wie groß ist meine Würde! Jedoch die Welt die sie nicht faßt, nennts fälschlich schwere Bürde. Einst trifft den Sünder dein Gericht, und dann siegt meine Zuversicht! 4. Sint immer hin, mein Leib, in Staub! Gott wird dich neu beleben. Hier werd ich nur des Todes Raub; dort werd ich ewig leben, Wie start ist dieses Trosts Gewicht! Wie sicher meine Zuversicht! 5. Herr, diesen Segen dank ich dir. Mich aus der Gruft zu heben, gingst du aus deinem Grab herfür, 6. In diesem Glauben stärke mich! Laß mich den Trost empfinden, den großen Trost, daß ich durch dich den Tod soll überwinden. Grab und Verwesung schreckt mich nicht: denn du bleibst meine Zuversicht! Mel. Der unfre Menschheit Crhöhter 709 Bottes Sohnt, der du schon längst der Himmel Thron als Herrscher eingenommen, du wirst dereinst zu rechter Zeit in gro ßer Kraft und Herrlichkeit vom Himmel wiederkommen. Gib, daß dann froh und mit Vertraun dich, Herr, auch meine Augen schaun! 2. Wer faßt, o Heiland, jetzt die Pracht, die deinen Tag einst herrlich macht? Wie groß wirst du dich zeigen! Wann du auf lichten Wolken einst mit deiner Engel Heer erscheinst, die sich vor dir, Herr, beugen; dann sieht die Welt die Majestät, zu der dich Gott, dein Gott erhöht. 3. Dann tönt dein Ruf in jedes Grab mit allmachtsvoller Kraft hinab und schafft ein neues Leben. Auf deinen Wink muß Erd und 92 Meer Anhang. 508 Meer das große, unzähl bare Heer der Todten wiedergeben. Sie stehn durch dich, Herr, neu beseelt nun alle auf und keiner fehlt. 4. Du sammelst sie vor deinem Thron, um jedem den bestimmten Lohn nach seiner That zu geben. Dann trifft den Bösen Schmach und Bein; den Frommen aber führst du ein in das verheißne Leben. Nun zeigt die That, Herr Jesu Christ, daß du der Erde Richter bist. 5. D gib, wann nun dein Tag erscheint, daß ich in dir dann noch den Freund und Heiland wiederfinde; daß ich mit Freuden vor dir steh und mit dir in den Himmel geh, befreit von Fluch und Sünde! Laß mich im Glauben standhaft sein und auch die kleinste Sünde scheun! 6. Dein Name sei mir ewig werth, und was dein Wort von mir begehrt, das laß mich treulich üben! Niemals ermüde hier mein Geist, dich, den schon jetzt der Himmel preist, aus aller Kraft zu lieben; so hab ich in der Ewigkeit auch Theil an deiner Herrlichkeit. Richter aller Welt! Der Thor nennts ein Gedichte, das Schwachen nur gefällt! mich soll sein Wahn nicht stören, weil mich dein göttlich Licht und mein Ge wissen lehren: du haltest einst Gericht. 2. Jch höre die Posaunen, o Herr, im Geiste schon; ich sehe mit Erstaunen dich auf dem Richterthron, um den die heilge Menge er habner Engel steht. Welch herrliches Gepränge! Welch hohe Majestät! wirst Sünder vor deiner Macht 3. Umsonst sucht nun der zu fliehn. Herr, alle Menschenkinder du zur Rechnung ziehn. Du rufst, und sie erscheinen vor dei dern und den Deinen gibst nem Richterthron; den Sündu gerechten Lohn. 4. Frohlockend sehn die Frommen dein göttlich Angesicht; schon hier dem Fluch entnommen, zagt ihre Seele nicht. Nun triumphirt ihr Hoffen; erlöst von aller Müh, fehn sie den Himmel offen, und du, Herr, segnest sie. 5. Wie angstvoll aber beben, die hier dein Wort verhöhnt und durch ein fleischlich Leben das eitle Du gibst Theil Mel. Befiehl du deine Wege 710 ch denk an dein Herz verwöhnt. Anhang. Theil in ewger Pein und führest die Gerechten zu deiner Freude ein. 6. Laß, Jesu, dein Gerichte mir stets vor Augen sein und drücke sein Gewichte in mein Gewissen ein! Vor dir laß fromm mich wandeln und hier zu aller Zeit so wie ein Weiser handeln, der seinen Richter scheut. 509 3. Den rettest du von dem Verderben, nimmst seine Buße gnädig an, machst ihn zu deinem Kind und Erben, daß er frohlockend rühmen kann: wie groß ist Gottes Vaterhuld; er tilget meine Sündenschuld! 4. Sollt ich die Güte denn verachten. Die mir noch Kraft zur Beßrung reicht? Vom Troste leer muß der verschmachten, von dem, Gott, deine Gnade weicht. Sie aber weicht von dem zuletzt, der frevelhaft gering sie schätzt. 7. Ist dann dein Tag vorhanden, wird diese Welt vergehn, so hoff ich nicht mit Schanden vor deinem Thron zu stehn. Du stellst mich dann zur Rechten, von aller Schuld befreit; führst mich mit deinen Knechten in deine Herrlichkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott 711 Gott ott, hilf mir, daß ich Buße thue, weil mich noch deine Stimme lockt. Bewahre mich por falscher Ruhe, dabei das Herz sich leicht verstockt, wenn du selbst das Gewissen rührst und zum Gefühl der Sünden führst. 2. Du willst nach deiner großen Güte nicht eines einzgen Sünders Tod; drum, weckst du oftmals sein Gemüthe, zu fühlen seine Sündennoth. Wohl dem, der deine Stimme hört und redlich sich zu dir bekehrt! 5. So gib, daß deiner Gnadenlockung, o Gott, mein Herz stets offen sei; damit mich ja nicht die Verstockung, wenn ich mein Leben ohne Reu im Sündendienste zugebracht, zu deinem Zorngefäße macht. 6. Sich bessern ist der Weg zum Leben, drum laß mich in der kurzen Frist, die du zum Heile mir ges geben, und die für mich so wichtig ist, nur dafür sorgen, daß mein Geist dem Sündenelend sich entreißt. 7. Verleihe mir dazu die Gnade, die uns vom Sündendienst befreit, und leite mich selbst auf dem Pfade der christlichen Rechtschaffenheit! Wie selig bin ich dann schon hier; wie glücklich einst, mein Gott, bei dir! 93 In 510 Anhang. In voriger Melodie. legt sich dein Erbarmen 712 Mein Herz, ere brein, mich vom Verderben zu befrein. muntre dich zum Preise des Gottes, der dein Vater ist! Bedenke, auf wie viele Weise du ihm zum Dank verpflichtet bist. Bring ihm, der stets dein Helfer war, mit Freuden Ruhm und Ehre dar. 2. Herr, deine Hand ist immer offen, zu geben, was mir nüßlich ist. Und doch bin ich oft schwach im Hof. fen auf dich, der du die Liebe bist. Mein Gott, wie wenig bin ichs werth, daß mir noch Hülfe widerfährt! 3. Unendlich groß ist dein Erbarmen. Nur wohlzuthun bist du gewohnt. Drum wird auch mir, mein Gott, mir Armen von dir nicht nach Verdienst gelohnt. Noch immer steht mir deine Treu mit Segen, Trost und Hülfe bei. 6. Du bist mein Heil! Mein ganz Gemüthe ist deines Ruhms, mein Ret ter, voll! O könnt ich deine große Güte doch so erheben, wie ich soll! Doch meine Kraft reicht nicht dahin: du weißt es, Gott, wie schwach ich bin! 7. Und hätt ich auch viel tausend Zungen, so würde deines Wohlthuns Preis nie würdig gnug von mir besungen, auch bei dem allergrößten Fleiß. Denn mehr, Herr, als ich rühmen kann, hat deine Huld an mir gethan. 8. Jedoch, du siehst mit Wohlgefallen auch auf des Herzens Redlichkeit und hörest selbst das schwache Lallen der Deinen mit Zu friedenheit; du hörst es, wie ein Vater pflegt, der seiner Kinder Schwachheit trägt. 9. Drum soll mir deine Huld und Güte beständig, Gott, vor Augen sein. Ich will mit redlichem Gemüthe mein Leben deinem Lobe weihn, bis ich vollkommner deinen Ruhm erheb im höhern Heiligthum. 4. Du bist es, der in meinen Sorgen mit Rettung mir entgegeneilt; und wenn sie, noch für mich verborgen, nach meinem Wahn zu lang verweilt, so kommst du, eh ich michs versehn, und hilft mir und erhörst mein Flehn. 5. Du wählst und wirkest stets das Beste. Und wenn auch meine Noth sich häuft, so steht durch dich mein Wohl doch feste. Wenn mich 713 ott, du ködas Elend ganz ergreift, so el. Herzliebster Jesu! ch will, mein nig Anhang. nig, dir lobsingen und ewig Ehre deinem Namen bringen. Sei täglich, ewig sei von mir erhoben! Dich will ich loben! 2. Der Herr ist groß; wer kann ihn gnug erhes ben; wer kann mit seinem eifrigsten Bestreben, wie groß er ist, begreifen und empfinden, wer Gott er gründen? 3. Von unsern Vätern wurdest du erhoben, dich werden unsrer Kinder Kinder loben und deine Macht besingen, deiner Stärke preisvolle Werke. 4. Wie herrlich bist du, Gott, wie schön und prächtig, wie groß in deinen Wundern, Herr, wie mächtig! Das preis ich, daß dein Nam erhoben werde, der ganzen Erde.. 5. Daß deiner Wunder Ruhm umher erschalle, die Welt von deinen Thaten wiederhalle und deine Wahrheit, deine Huld besinge und Preis dir bringe. 511 Kräften sich bestreben, dich zu erheben! 8. Ja, ewig will ich deinen Namen loben! Von allen Menschen werde Gott erhoben! Was lebet, müſſe, Herr, zu allen Zeiten dein Lob verbreiten. 6. Der Herr ist mild, von duldendem Gemüthe, barm herzig, gnädig und von großer Güte; erbarmt sich seiner Werke, hat an allen sein Wohlgefallen. 7. Jehovah, alle deine Werke sollen dir jauchzend danken. Deine Frommen wollen aus allen ihren Mel. Allein Gott in der Höh 714 Stimmt unferm Gott Loblied an mit freudigem Ge müthe; es rühm und preise, wer da kann, den Geber aller Güte! Er macht uns frei von aller Noth; drum lobet ihr, drum lobet Gott und dantet seinem Namen! 2. Lobt Gott und rühmet allezeit die großen Wunderwerte, die Majestät und Herrlichkeit, die Weisheit, Kraft und Stärke, die er beweist in aller Welt, indem er alle Ding erhält: drum dantet seinem Namen! 3. Lobt Gott, der uns erschaffen hat, der Seele, Leib und Leben aus väterlicher Huld und Gnad uns allen hat gegeben; der uns durch seinen Engel schützt; der täglich schenfet, was uns nüßt: drum danket seinem Namen! 4. Lobt Gott! Er gibt uns seinen Sohn, der selbst für uns gestorben, der uns die ewge Lebenskron durch seinen Tod erworben, der 2) 4 Frieden 512 Frieden hat mit Gott ge macht und seinen ganzen Rath vollbracht, drum danket seinem Namen! Anhang. 5. Lobt Gott, der in uns durch den Geist den Glauben angezündet und seinen Beistand uns verheißt, wenn er uns treu erfindet; der uns stets durch sein Wort regiert und auf den Weg des Lebens führt: drum danket seinem Namen! 6. Lobt Gott! Er hat dieß gute Werk selbst in uns angefangen, vollbringt es auch, gibt Kraft und Stärk, das Kleinod zu erlangen, das er am Ziel uns vorgestellt und das den Himmel in sich hält: drum danket seinem Namen! 7. Lobt Gott, ihr starken Seraphim, ihr Engel und ihr Thronen! Es loben Gott mit heller Stimm, die hier auf Erden wohnen! Lobt Gott und preist ihn früh und spat: ja, Alles, was nur Odem hat, das danke seinem Namen! zu bringen, so bitt ich dich herzinniglich, mein Vater, so hab Acht auf mich. 2. Hab Acht auf mich, wann mich die Sünd will von dem höchsten Gut abwenden, so halte mich, Herr, als dein Kind mit deinen treuen Vaterhänden; bleib du mir stets in den Gedanken; laß mich von deinem Wort nicht wanken; wann Sünden in mir regen sich, mein Vater, so hab Acht auf mich. 3. Hab Acht auf mich, wanns gehet wohl, wann mir die Glückessonn will scheinen, die meine Seel macht freudenvoll, daß sie nichts wissen mag von Weinen, daß ich dem blinden Glück nicht traue, viel mehr auf deine Güte schaue, weil oft das Glücksrad wendet sich, mein Vater, so hab Acht auf mich. 4. Hab Acht auf mich und steh mir bei, wann mir das Unglück braußt entgegen, daß ich nicht zu verzaget sei und weichen mög von deinen Wegen, In eigener Melodie. 715 Hab Acht auf mich die mir zu wandeln sind in befohlen; und wann mir großer Gott, Herr aller auch des Kreuzes Kohlen Herren, wann Satans Wuth, mein Herze brennen bitters die Höllenrott den Rachen lich, mein Vater, so hab gegen mich aufsperren, wann Acht auf mich. sie mich suchen zu verschlingen und in die höchste Noth 5. Hab Acht auf mich, wann ich gesund, wann ich empfinde Anhang. empfinde teine Schmerzen; wann keine Klag in meinen Mund, noch Trauern ist in meinem Herzen; damit ich bei gesundem Leibe dir dankbar und gehorsam bleibe, auf daß ich nie ver gesse dich, mein Vater, so hab Acht auf mich. 513 Acht auf mich, wann ich der Welt Valet soll geben, daß ich im Glauben halte dich, bis ich komm in ein ander Leben, daß mir das frohe Glaubensende ertheilet werd in deine Hände; daß ich bei dir leb ewiglich, mein Vater, so hab Acht auf mich. 6. Hab Acht auf mich, auch wann ich krank, wann die Gesundheit will verschwinden, daß ich geduldig und mit Dank annehm die Arzenei der Sünden; laß mich nicht ungeduldig werden und denke, daß ich Staub und Erden; auch wann die Schmerzen mehren sich, mein Vater, so hab Acht auf mich. 7. Hab endlich dann auch 8. Ach, laß mich doch nicht aus der Acht, wann uns dein jüngster Tag er= scheinet, der Tag, da vor Gericht wird bracht auch das, so man hier nicht ge meinet; laß mich zu deiner Rechten stehn und zu des Lammes Hochzeit gehn; mein Jesu, dann hab Acht auf mich, so will ich ewig preisen dich. der ein, laß es deinen Tempel Mel. Gott des Himmels 716 Thut mir auf die fein. schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein. Ach, wie wird an die sem Orte meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht; hier ist lauter Trost und Licht. 2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir. Wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier. Zeuch doch in mein Herze 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, heilge du Leib, Seel und Geist, daß mein Singen und mein Beten ein gefällig Opfer heißt. Heilge du, Herr, Mund und Ohr, zeuch das Herze ganz empor. 4. Mache mich zum guten Lande, wenn dein Šamıkorn in mich fällt; gib mir Licht in dem Verstande, und, was mir wird vorgeY 5 stellt, 514 stellt, präge meinem Herzen ein, laß es mir zur Frucht gedeihn. 5. Stärk in mir den schwachen Glauben, laß dein theures Kleinod mir nimmer aus dem Herzen raus ben, halte stets dein Wort mir für, daß es mir zum Leinstern dient und zum Trost im Herzen grünt. 6. Rede, Herr, so will ich hören, und dein Wille werd erfült. Nichts laß meine Andacht stören, wenn der Brunn des Lebens quillt; speise mich mit Himmels brod, tröste mich in aller Noth. Anhang. 3. D du meine Seele, singe fröhlich, singe finge deine Glaubenslieder! Was da Odem holet, jauchze, preise, klinge! Wirf dich in den Staub darnieder. Er ist Gott Zebaoth! Er nur ist zu loben hier und ewig droben. 4. Halleluja bringe, wer den Herren kennet, wer den Herren Jesum liebet. Hal leluja singe, welcher Christum nennet, sich von Her zen ihm ergiebet. O wohl dir! Glaube mir, endlich wirst du droben ohne Sünd ihn loben. Mel. Wer nur den lieben Gott In eigener Melodie. 718 daß ich tausend 717 Wunderbarer Kö- und einen tauſendfachen Zungen hätte nig, so von uns allen, laß dir unser Lob gefallen. Deines Vaters Güte hast du lassen fließen, ob wir schon dich oft verließen. Hilf uns noch! Stärt uns doch! Laß die Zungen singen, laß die Stimmen klingen! 2. Himmel, lobe prächtig deines Schöpfers Stärke, mehr, als aller Menschen Werte. Großes Licht der Sonne, schieße deine Strahlen, die das große Rund bemalen. Lobet gern, Mond und Stern! Seid bereit, zu ehren einen solchen Herren. um die Wette vom aller tiefsten Herzensgrund ein Loblied nach dem andern an von dem, was Gott an mir gethan. Stimme schallte bis dahin, 2. O daß doch meine wo die Sonne steht! O daß mein Blut mit Jauchzen wallte, solang es noch im Laufe geht! Ach wär ein jeder Puls ein Dank und jeder Odem ein Gesang! ihr meine Kräfte? Auf, auf, 3. Was schweigt ihr denn, braucht allen euern Fleiß und stehet munter im Ges schäfte Anhang. schäfte zu Gottes, meines Herren, Preis! Mein Leib und Seele, schicke dich und lobe Gott herzinniglich. 4. Jhr grünen Blätter in den Wäldern, bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräschen in den Feldern, ihr Blumen, laßt doch eure Zier zu Got tes Ruhm belebet sein und stimmet lieblich mit mir ein. 515 nicht triumphirend einhergehn? Und fiele aud) der Himmel ein, so will ich doch nicht traurig sein. 9. Ich will von deiner Güte singen, solange sich die Zunge regt; ich will dir Freudenopfer bringen, solange sich mein Herz be wegt; ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, so stimm ich doch mit Seufzen ein. 5. Ach, Alles, Alles, was ein Leben und einen Odem in sich hat, soll sich mir zum Gehülfen geben, denn mein Vermögen ist zu matt, die großen Wunder zu erhöhn, die allenthalben um mich stehn. 6. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? wer meinen Wegen? Du, du, o Herr Gott Zebaoth! Du trägst mit meiner Sündenschuld unsäglich gnädige Geduld. du 7. Auch hab ich es mein Lebetage schon so manch liebesmal gespürt, daß mich unter vieler Plage zwar wunderbar, doch wohl geführt; denn in der größeen Gefahr ward ich dein Trostlicht stets gewahr. 8. Wie sollt ich nun nicht voller Freuden in deinem steten Lobe stehn? Wie sollt ich auch im tiefsten Leiden 10. Ach, nimm das arme Lob auf Erden, mein Gott, in allen Gnaden hin; im Himmel soll es besser werden, wenn ich bei deinen Engeln bin; da sing ich dir im höhern Chor viel tausend Halleluja vor. Mel. Freu dich sehr, o meine S. 719 Warum willſt du draußen stehen, du Gesegneter des Herrn? Laß dir, bei mir einzugehen, wohlgefallen, du mein Stern, du, mein Jesu, meine Freud, Helfer in der rechten Zeit! Hilf, o Heiland, meinem Herzen von den Wunden, die mich schmerzen. 2. Meine Wunden sind der Jammer, welchen oftmals Tag und Nacht des Geseßes starker Hammer mir mit seinem Schrecken macht. Oder schweren Donnerstimm, die mir GotY 6 tes 516 tes Zorn und Grimm also tief ins Herze schläget, daß sich all mein Blut beweget. Anhang. 3. Will ich dann mein Elend lindern und erleich tern meine Bein bei der Welt und ihren Kindern, fall ich tiefer noch hinein; da ist Trost, der mich betrübt, Freude, die mein Unglück liebt, Helfer, die mir Herzleid machen, gute Freunde, die mein lachen. 4. In der Welt ist Alles nichtig, nichts ist, das nicht fraftlos wär. Hab ich Hoheit, die ist flüchtig; hab ich Reichthum, was ists mehr, als ein Stäublein armer Erd? Hab ich Lust, was ist sie werth? Was ists, das mich heut erfreue, das mich morgen nicht ge reue? 5. Aller Troft und alle Freude ruht in dir, Herr Jeſu Christ; dein Erfreuen die man recht fröhlich ist. Leuchte mir, o Freudenlicht, ehe mir mein Herze bricht; laß mich, Herr, an dir erquicken, Jesu, komm, laß dich erblicken! 6. Freu dich, Herz, du bist erhöret, jetzo fommt und zeucht er ein; sein Gang ist zu dir gefehret, heiß ihn nur willkommen sein und bereite dich ihm zu, gib dich ganz zu seiner Ruh, öffne dein Gemüth und Seele, klag ihm, was dich drückt und quäle. 7. Was du Böses haſt begangen, das ist alles abgeschafft, GottesLiebe nimmt gefangen deiner Sünden Macht und Kraft, Christi Sieg behält das Feld, und was Böses in der Welt sich will wider dich erregen, wird zu lauter Glück und Segen. 8. Alles dient zu deinem Frommen, was dir bös und schädlich scheint, weil dich Christus angenommen und es treulich mit dir meint. Bleibest du dem wieder treu, ists gewiß und bleibt dabei, daß du mit den Ens geln droben ihn dort ewig werden loben. Mel. Schwingt, heilige Gedanken 720 Der heilge Chrift der theure Gottessohn; deß freun sich alle Frommen am höchsten Himmelsthron. Auch was auf Erden ist, soll preisen hoch und loben mit allen Engeln droben den lieben heilgen Christ. 2. Das Licht ist aufge gangen, die lange Nacht ist hin; die Sünde liegt ge fangen, erlöst ist Herz und Sinn. Die Sündenangst ist weg, der Glaube geht zum Him Anhang. Himmel und aus dem Weltgetümmel auf einem sichern Steg. 3. Nun sind nicht mehr die Kinder verwaist und vaterlos; Gott rufet selbst die Sünder in seinen Gnadenschooß, er will, daß alle, rein von ihren alten Schulden, vertrauend seinen Hulden, gehn in den Himmel ein. 4. Drum freuet euch und preiset, ihr Seelen fern und nah! Der euch den Vater weiset, der heilge Christ ist da! Er ruft so freundlich drein mit süßen Liebesworten: geöffnet sind die Pforten, ihr Kinder, kommt herein! Mel. Wach auf, mein Herz, oder Nun laßt uns Gott, den Herren 721 un laßt uns gehn Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hierher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten zu dem 517 minder läßt Gott ihm seine Kinder, wenn Noth und Trübsal blißen, in seinem Schooße sisen. neuen. 3. Denn wie von treuen Müttern in schweren Unge wittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß be wahret werden; 4. Also auch, und nicht 5. Ach, Hüter unsers Lebens, fürwahr es ist vergebens mit unserm Thun und machen, wo nicht dein Augen wachen. 6. Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue! Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden. 7. Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden. 8. Gib uns und allen denen, die sich von Herzen sehnen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde. 9. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, laß Großen und auch scheinen. 10. Sei der Verlaßner Bater, der Frrenden Berather, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und habe. 11. Hilf gnädig_allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwer muth quälen. 12. Und endlich, was das Meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herr97 lich 518 lich ziere und dort zum Himmel führe. 13. Das alles wollst du geben, o unsers Lebens Leben, uns und der Christenschaare zum selgen neuen Jahre. Anhang. werden müssen. Jesu Nam sei Sonn und Schild, welcher allen Kummer stillt. 3. Sein Verjühnen und sein Heil wollen wir im Glauben ehren; also wird er uns zu Theil, wird sich täglich bei uns mehren; auch fürs neue Jahr uns beut Jesu Name Seligkeit. 4. Unire Wege wollen wir nun in Jesu Namen gehen. Geht uns dieser Leitstern für, so wird Alles wohl bestehen und durch seiGnadenschein Alles voller Segen sein. nen 5. Alle Sorgen, alles Leid soll sein Name uns versüßen; so wird alle Bitterkeit uns ein Segen 6. Jesus, aller Bürger Heil, unserm Ort ein Gnadenzeichen, unsers Landes bester Theil, dem kein Kleiunser Schuß und Hort, nod zu vergleichen, Jesus bleib uns Losung fort und fort. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht 722 Jesus soll die Los sung da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein de nen zum Paniere dienen, die und auf seinem Wege gehn. 723 hent Grabe, bu ch zu dei2. Jesu Name, Jeſu Wort soll in der Gemeinde schale len; und so oft wir an den Ort, der nach ihm genannt ist, wallen, mache seines Names Ruhm unser Herz zum Heiligthum. großer Osterfürst, weil ich die Hoffnung habe, daß du mir zeigen wirst, wie man fann fröhlich sterben und fröhlich auferstehn, auch mit des Himmels Erben ins Land des Lebens gehn. und hast sie eingeweiht, 2. Du liegest in der Erde wann ich begraben werde, daß sich mein Herz nicht scheut, auch in den Staub zu legen, was ich und Staub vermehrt, weil dir doch allerwegen die Erde zugehört. Mel. Balet will ich dir geben, oder: Befiehl du deine Wege Grabe, daß ich auch meine 3. Du schläfest in dem Ruh an diesem Orte habe; drückst mir die Augen zu. So soll mir gar nicht grauen, wenn mein Gesicht vergeht; ich werde den wohl schauen, der mir zur Seite steht. 4. Dein Anhang. 4. Dein Grab war wohl versiegelt, du sprengtest es entzwei. Wenn mich der Tod verriegelt, so bin ich dennoch frei. Du wirst den Stein schon rücken, der auch mein Grab bedeckt; werd ich den erblicken, der mich vom Tode weckt. da 5. Du fährest in die Höhe und zeigest mir die Bahn, wohin ich endlich gehe, da ich dich finden kann. Dort ist es sicher wohnen, wo lauter Glanz um dich, da warten lauter Kronen in deiner Hand auf mich. 6. O meines Lebens Le ben, o meines Todes Tod! Ich will mich dir ergeben in meiner legten Noth. Ich will mein Vette machen in deine liebe Gruft, da werd ich schon erwachen, wenn deine Stimme ruft. 519 2. Stecke nun dein Siegeszeichen auf der dunkeln Gruft empor! Was fann deinem Ruhme gleichen? Held und König, tritt hervor! Laß dir tausend Engel dienen; denn nach harter Leidenszeit ist dein Tag der Herrlichkeit, höchste Majestät, erschienen. Erd und Himmel jauchzen da: Gott sei Dank, Halleluja! Mel. Sollt ich meinen Gott nicht 724 11ebe eberwinder, nimm die Palmen, die dein Volk dir heute bringt, das mit frohen Ofterpfalmien den er kämpften Sieg besingt. Wo ist nun der Feinde Pochen und der Würger Mordge: schrei, da des Todes Nacht vorbei und sein Stachel ist zerbrochen? Tod und Hölle liegen da: Gott sei Dank, Halleluja! tritt. 3. Theile, großer Fürst, die Beute deiner armen Heerde mit, die in froher Sehnsucht heute vor den Thron der Gnade Deinen Frieden gib allen, o so jauchzet und Muth, weil das Loos uns wundergut und aufs lieblichste gefallen, denn der Delzweig grünet da: Gott sei Dant, Halleluja. uns Herz 4. Laß, o Sonne der Gerechten, deinen Strahl ins Herze gehn; gib Erleuch tung deinen Knechten, daß sie geistlich auferstehn. Hält der Schlaf uns noch gefangen, oso fördre du den Lauf; rufe mächtig: Wachet auf! Denn die Schatten sind vergangen, und der helle Tag ist da: Gott sei Dant, Halleluja! 5. Tilg in uns des Todes Grauen, wann die lette Stunde schlägt, weil du denen, die dir trauen, schon die Krone beigelegt. Gib uns 520 uns in den höchsten Nöthen, gib uns mitten in der Pein deinen Trost und Glauben ein, o so kann der Tod nicht tödten; denn die Hoffnung blühet da: Gott sei Dank, Halleluja! Anhang. 6. Zeige, wenn der blöde Kummer über Sarg und Grüften weint, wie die Schwachheit nach dem Schlummer dort in voller Kraft erscheint. Sind wir sterblich hier geboren, o so streift das kühle Grab nur was sterblich heißt, uns ab, und der Staub ist unverloren, unser Hirte hütet da: Gott sei Dank, Halleluja! 7. Rufe die zerfallnen Glieder endlich aus der dunkeln Nacht, wenn der Deinen Asche wieder in verflärtem Glanz erwacht. Dann wirst du die Krone geben; dann wird die verjüngte Brust, Herr, mit engelgleicher Lust ewig dei nen Sieg erheben und wird sprechen auch allda: Gott sei Dank, Halleluja! Mel. O du Liebe meiner Liebe 725 Wandle leuchtender und schöner, Dftersonne, deinen Lauf, denn dein Herr und mein Versöhner stieg aus seinem Grabe auf. Als das Haupt er sterbend beugte, bargst du dich im nächtgen Flor; doch jezt komm herab und leuchte, denn auch er stieg längst empor. 2. Erde, breite dich in Frieden unter deinem Himmel aus, denn dein Herr ist nicht geschieden, er zerbrach des Todes Haus. Deine starken Felsen bebten, als er seinen Geist ver haucht. Grüße nun den Neubelebten, wonnevoll in Licht getaucht. 3. Doch du selber, meine Seele, sag, wie feierst du den Tag, da der Herr des Grabes Höhle mit gewalts gem Arm durchbrach? Feierst du sein Auferstehen auch in rechter Osterfreud? Kann man an dir selber sehen, welch ein hoher Fest tag heut? 4. Bist du mit ihm auf erstanden aus der Sünde Todesnacht? Hast du dich von ihren Banden losge rungen, frei gemacht? Oder liegst du noch verborgen und in deinen Sünden todt? Kündet deinen Ostermorgen noch kein helles Morgenroth? 5. D dann laß dich nicht bedecken länger nicht die finstre Nacht; sieh dein Herr ist, dich zu wecken, von dem Tode aufgewacht! Komm, vom Schlaf dich zu erheben, komm, der Fürst des Anhang. des Lebens ruft! Wache Wonne durch die Himmels auf zum neuen Leben, steig hervor aus deiner Gruft! geister fließt; prächtig wirst du aufgenommen, freudig heißt man dich willkommen. Schau, dein armes Kind auch hier rufet Hosianna dir. 3. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, da ich deine Klarheit seh? Sollt mein Muth noch wollen sinken, da ich deine Macht versteh? Meinem König will ich trauen, nicht vor Welt und Teufel grauen, nur in Jesu Namen mich beugen hier und ewiglich. 6. Sieh, er reicht dir hülfreich, gnädig die durchbohrten Hände hin, macht dich der Betäubung ledig, weckt mit Liebesruf den Sinn. Keine Strafe sollst du scheuen, darum bleibe nicht zurück, raff dich auf, dich zu erfreuen an des neuen Lebens Glück. 7. Sieh, dein Herr ist auferstanden, daß du könntest auferstehn, aus der Sünde Haft und Banden in die schönste Freiheit gehn! Willst du ihm dich nur er geben, streift er deine Ketten ab und du siehst dein altes Leben hinter dir als leeres Grab. 521 Ehrentönig, höchstverklärte Majestät! Alle Himmel sind zu wenig, du bist drüber doch erhöht; sollt ich nicht zu Fuß dir fallen, und mein Herz vor Freude wallen, wenn mein Glaubensaug entzückt deine Herrlichkeit erblickt? 2. Weit und breit, du Himmelssonne, deine Klarheit sich ergießt, daß ein Strom von Glanz und 4. Geist und Kraft nun überfließen; drum wirt in mir kräftiglich, bis zum Schemel deiner Füße alle Feinde legen sich. Herr, zu deinem Scepter wende, Alles bis zum Weltenende, mache dir auf Erden Bahn, alle Herzen unterthan. Mel. Alle Menschen müssen sterben 5. Du kannst Alles aller 726 Siegesfürst und Orten nun erfülln und nahe sein; meines armen Herzens Pforten stehen of fen, komm herein! Komm, du König aller Ehren, du mußt auch bei mir einkehren; ewig in mir leb und wohn, als in deinem Himmelsthron. 6. Deine Auffahrt will mich heben, bringt mir Gott und Himmel nah. Lehr mich nur im Geiste leben, gleich als wärst du sichtbar da. 522 da. Fremd der Welt, der Zeit, den Sinnen, bei dir abgeschieden drinnen, in das Himmelreich vecsetzt, da mich Jesus nur ergößt. Anhang. In eigener Melodie. 727 euch ein zu dei nen Thoren, sei meines Herzens Gast, der du, da ich geboren, mich neu geboren hast. O hochgeliebter Geist des Vaters und des Sohnes, mit beiden gleichen Thrones, mit beiden gleich gepreist. 2. Beuch ein, laß mich empfinden und schmecken deine Kraft, die Kraft, die uns von Sünden Hülf und Errettung schafft. schafft. Ents sündge meinen Sinn, daß ich mit reinem Geiste dir Ehr und Dienste leiste, die ich dir schuldig bin. 3. Ich war ein wilder Reben, du hast mich gut gemacht; der Tod durch drang mein Leben, du hast ihn umgebracht und in der Lauf erstickt mit dessen Tod und Blute als mit dem höchsten Gute, der uns im Tod erquickt. 4. Du bist ein Geist, der lehret, wie man recht beten soll, dein Beten wird er höret, dein Singen klinget wohl, es steiget himmelan, es steiget sonder Ende, bis der sich zu uns wende, der Allen helfen kann. 5. Du bist ein Geist der Freuden, das Trauern willst du nicht, erleuchtest uns im Leiden mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manchesmal hast du mit süßen Worten mir aufgethan die Pforten zum güldnen Freudensaal! 6. Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freundlichtkeit, willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit, Der Feind schaft Feind du bist, willst, daß in Liebesflammen sich wieder thu zusammen, was voller Zwietracht iſt. 7. Du, Herr, hast selbst in Händen die ganze weite Welt, kannst Menschenher zen wenden, wie dir es wohl gefällt; so gib doch deine Gnad zu Fried und Liebesbanden, verknüpf in allen Landen, was sich getrennet hat. 8. Beschirm die Obrig feiten, bau unsers Fürsten Thron, gib Glück zu unsern Zeiten, schmückt, als mit ei ner kron, die Alten mit Verstand, mit Frömmigkeit die Jugend, mit Gottes furcht und Tugend das Volk im ganzen Land. 9. Erfülle die Gemüther mit reiner Glaubenszier, die Häuser und die Güter mit Anhang. mit Segen für und für; vertreib den bösen Geist, der dir sich wiederseßet und, was dein Herz ergößet, aus unserm Herzen reißt. 10. Richt unser ganzes Leben allzeit nach deinem Sinn, und wenn wirs sollen geben in Todes Hände hin, wenns mit uns hie wird aus, so hilf uns fröhlich sterben und nach dem Tod ererben des ewgen Lebens Haus. Mel. Erhalt uns, Herr 728 21h bleib bei uns Ach HerrJesu Christ, weil es nun Abend worden ist; dein göttlich Wort, das helle Licht, laß ja bei uns auslöschen nicht. 523 Secten und groß Schwärmerei jetzt kommen haufenweis herbei. 6. Den stolzen Geistern wehre doch, die mit Ges walt sich heben hoch und bringen stets was Neues her, zu fälschen deine rechte Lehr. 7. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, nicht unfer, sondern dein ja ist; darum so steh du denen bei, die sich auf dich verlassen frei. 8. Dein Wort ist unsers Herzens Trup und deiner Kirche wahrer Schuß; dabei erhalt uns, lieber Herr, daß wir nichts anders suchen mehr. 2. In dieser schwer betrübten Zeit verleih uns, Herr, Beständigkeit, daß wir dein Wort und Sakrament behalten rein bis an das End. 3. Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt, wir sind gar sicher, faul und kalt; gib Glück und Heil zu deinem Wort, gib, daß es schall an allem Ort. 4. Erhalt uns nur bei deinem Wort und wehr des Teufels Trug und Mord. Gib deiner Kirche Gnad und Huld, Fried, Einigkeit, Muth und Geduld. 5. Ach, Gott, es geht gar übel zu; auf dieser Erd ist keine Ruh; viel 9. Hilf leben uns nach deinem Wort und darauf muthig fahren fort von hins nen aus dem Jammerthal zu dir in deinen Himmelsjaal. Mel. Es ist das Heil uns Die Die Feinde deines Kreuzes drohn dein Reich, Herr, zu zerstören. Du aber, Mittler, Gottes Sohn, fannst ihrem Troße wehren. Dein Thron bestehet ewiglich; vergeblich wider dich die wird sich Macht der Hölle rüsten. 2. Dein Reich ist nicht von dieser Welt, kein Werk von Menschenkindern; drum konnt auch keine Macht der Welt, Herr, seinen Fortgang hin729 524 hindern. Dein Erbe bleibt dir immerdar und wird selbst durch der Feinde Schaar zu deinem Ruhm sich mehren. Anhang. 3. Du wollest deine Herr schaft noch auf Erden weit verbreiten und unter deinem sanften Joch zum Heil die Völker leiten! Vom Ausgang bis zum Niedergang Mel. Valet will ich dir geben bring alle Welt dir Preis 730 Bis hierher und glaub an deinen Namen! 4. Auch deine Feinde, die dich schmähn, die frevelnd sich empören, laß deiner Gnade Wunder sehn, daß sie sich noch bekehren! Lehr sie mit uns gen Himmel schaun und unerschüttert im Vertraun auf deine Zukunft warten. 5. Uns, deine Gläubgen, wollest du fest in der Wahrheit gründen, daß wir für unsre Seelen Ruh in deiner Gnade finden. Mach unsers Glaubens uns gewiß; vor Irrthum und vor Finsterniß bewahr uns bis ans Ende. 7. Voll Zuversicht erwarten dich, Herr, alle deine Frommen und freun des großen Tages sich, da du wirst wiederkommen. Dann werden wir, o Gottessohn, den uns verheißnen Gnas denlohn, dein Himmelreich ererben. 6. Dein Geist führ uns auf ebner Bahn und heilge unsern Willen, so wird dein Volk, dir unterthan, gern dein Gefeß erfüllen, bis du erscheineft zum Gericht und dann vor deinem Angesicht die Menschenkinder sammelst. Noch lebt der starke Held, der sich, ein rechter Streis ter, für seine Kirche stellt. Ihr Feinde möget wüthen, euch schon des Sieges freun: uns wird der Herr behüten, euch auseinander streun. 2. Wir stehn auf festem Grunde, wir haben Jesum Christ, der unserm Glaubensbunde ein Fels und Eckstein ist. Wir wandeln in dem Glanze, der von dem Herrn ausgeht, und er ist unsre Schanze, wenn unser Feind aufsteht. 3. Wer will von ihm uns scheiden, der blutend uns erwarb, als er nach schwerem Leiden den Tod am Kreuze starb? Wir bleiz ben an ihm hangen in Noth und Traurigkeit, ges bunden und gefangen, mit Christenfreudigkeit. 4. Ungläubge, ihr mögt spotten, erfinden bösen Rath und euch zusammenrotten. 311 Anhang. zu jeder Frevelthat: Er, Christus, ganz alleine, be schüßt, die ihm vertraut, die heilige Gemeine, auf ihn, den Fels, gebaut. 5. Und wenn auch Berge weichen und Hügel sinken ein, die Kirche ohne Gleichen wird wohl bewahret sein. Er wohnet bei ihr drinnen und hütet früh und spät; hell glänzen ihre Zinnen, darauf sein Zeichen steht. Mel. Mein ganzer Geift 731 Jeju, Herr der Herrlichkeit, du König deiner Christenheit, du Hirte deiner Heerde, du siehst auf die erlöste Welt, regierst sie, wie es dir ge= fällt, sorgst, daß sie selig werde. Von dir sind wir auch erwählet, zugezählet den Erlösten, die du segnen willst und trösten. 525 den du uns gesandt, Herr, segne sein Geschäfte! Die Seelen, die sich ihm vertraun, durch Lehr und Leben zu erbaun, gib Weisheit ihm und Kräfte. Lehr ihn, hilf ihm thun und leiden, dulden, streiten, beten, wachen, selig sich und uns zu machen. 4. Herr, deinen Geist laß auf ihm ruhn; laß ihn sein Amt mit Freuden thun; Nichts sei, das ihn betrübe. Wenn er uns deine Wahrheit lehrt, gib uns ein Herz, das folgfam hört, ein Herz voll treuer Liebe. Lehrer, Hörer laß in Freundschaft und Gemeinschaft feste stehen und den Weg zum Himmel gehen. 5. Wenn einst dein großer Tag erscheint, laß unsern Lehrer, unsern Freund, uns dir entgegenführen. Du gibst ihm unter seine Hand die Seelen als ein Unterpfand; laß feine ihn verlieren. Jesu, hilf du, beut die Hände, daß am Ende Hirt und Heerde treu vor dir erfunden werde. 2. Wohl deinem Volk, daß du es liebst, nach deis nem Sinn ihm Hirten gibst, die es zum Himmel führen und die voll Eifer, Geist und Kraft, voll Glaubens, Liebe, Wissenschaft das Herz der Sünder rühren. Treue Hirten laß den Seelen niemals fehlen und die Heerden mit den Hirten selig werden. 3. Wir nehmen hier von deiner Hand den Lehrer, 6. Sei uns gesegnet, Knecht des Herrn! Wir heißen dich willkommen gern in Jesu Christi Namen. O Hirte, nimm uns bei der Hand führ uns zum ewgen Vaterland. Gott mit dir! Amen! Amen! Mit dir 526 dir gehn wir durch die Leis den dieser Zeiten zu dem Leben, das uns unser Gott will geben. Anhang. Mel. Mein ganzer Geift, Gott 732 Gott, Bater, alGrund, gib deinen Vater namen fund an diesem heilgen Orte. Wie lieblich ist die Stätte hier! Die Herzen wallen auf zu dir; hier ist des Himmels Pforte. Wohne, throne hier bei Sündern, als bei Kindern, voller Klarheit; heilge uns in deiner 2. Sohn Gottes, Herr der Herrlichkeit, dieß Got teshaus ist dir geweiht; o Laß dirs wohlgefallen! Hier schalle dein lebendig Wort, dein Segen walte fort und fort in diesen Friedenshallen. Einheit, Reinheit gib den Herzen; Angst und Schmerzen tilg in Gnaden; heil uns ganz vom Sündenschaden. 3. Gott, heilger Geist, du werthes Licht, wend her dein göttlich Angesicht, daß wir erleuchtet werden. Geuß über uns und dieses Haus dich mit allmächtgen Flammen aus; mach himmlisch uns auf Erden. Lehrer, Hörer, Kinder, Väter, früher, später gehts zum Ster ben. Hilf uns, Jesu Reich ererben. 4. Dreieinger Gott, Lob Dank und Preis sei dir von Allen gleicherweis für dieß dein Haus gefungen. Du hasts geschenkt und auf erbaut, dir ists geheiligt und den, Zungen. Ach hier sind wir noch in Hütten: Herr, wir bitten, stell uns droben in den Tempel, dich zu loben. Mel. Dir, dir, Jehovah 733 Wach auf, bu der ers sten Zeugen, der Wächter, die auf Zions Mauern stehn, die Tag und Nächte nimmer schweigen und die getroft den Feind entgegenz gehn, ja, deren Schall die ganze Welt durchdringt und aller Völker Schaaren zu dir bringt. 2. O daß doch bald dein Feuer brennte! O möcht es doch in alle Lande gehn! Gib zu der Aerndte doch die Hände! Gib Knechte, die in treuer Arbeit stehn. D Herr der Aerndte, siehe doch darein; die Aerndt ist groß, die Zahl der Knechte klein. 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten uns diese Bitte Anhang. Bitte in den Mund gelegt. O siehe, wie an allen Orten sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, dich herzinbrünftig darum anzuflehn; drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn! 4. So gib dein Wort mit großen Schaaren, die in der Kraft Evangelisten sein; laß eilend Hülf uns wider: fahren und brich in Satans Reich und macht hinein. O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 527 Wege; vertilg, o Herr, den falschen Glaubenswahn und mach uns bald von jedem Miethling frei, daß Kirch und Schul ein Garten Gottes sei. 7. O besfre 3ions wüste Stege, und was dein Wort im Laufe hindern kann, das räume bald aus jedem 8. Laß jede hoch und niedre Schule die Werkstatt deines guten Geistes sein. Ja, size du nur auf dem Stuhle und präge dich der Jugend selber ein, daß treue Lehrer wir und Beter sehn, die kräftig vor den Riß der Kirche stehn. Mel. Jesus, meine Zuversicht 5. Ach, daß die Hülf aus 734 Cine Heerde und Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, wenn sein Tag erscheinen wird, freue dich, du kleine Heerde! Mach dich auf und werde Licht: Jesus hält, was er verspricht. daß dein Geist, sowie dein Wort verspricht, dein Volk aus dem Gefängniß nähme! O würd es doch nur bald vor Abend licht! Ach, reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei und komm herab zur Hülf und mach uns frei! 6. Ach, laß dein Wort recht schnelle laufen! Es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein. Ach, führe bald dadurch mit Haufen der Heiden Füll zu allen Thoren ein! Ja, wecke doch auch Israel bald auf und also segne deines Wortes Lauf. - 2. Hüter, ist der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, und die Herrlichkeit des Herrn nahet dämmernd sich den Heiden; blinde Pilger flehn um Licht: Jesus hält, was er verspricht. 3. Komm, o fomm, du treuer Hirt, daß die Nacht zum Tage werde! Ach, wie manches Schäflein irrt fern von dir und deiner Heerde! Kleine Heerde, zage nicht: Jesus hält, was er verspricht. 4. Sieh, Anhang. 528 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht vor des Morgenrothes Helle, und der Sohn der Wüste kniet dürstend an der Lebensquelle. Jhn umleuchtet Morgenlicht: Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber harren auf gethan, rauscht, verdorrete Gebeine! Macht dem Bundesengel Bahn, großer Tag des Herrn erscheine! Jesus ruft: Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 6. O des Tags der Herrlichkeit! Jesus Christus, du die Sonne, und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried und Wonne! Mach dich auf! Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. In eigener Melodie. 735 Kehre wieder, kehre wieder, der du dich verloren hast! Sinke reuig bittend nieder vor dem Herrn mit deiner Last! Wie du bist, so darfst du kommen und wirst gnädig aufgenommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen, und sein heilig Wort verspricht dir Vergebung, Heil und Segen. Kehre wieder, zaudre nicht. 2. Kehre aus der Welt Zerstreuung in die Einsam keit zurück, wo in geistiger Erneuung deiner harrt ein neues Glück, wo sich bald die Stürme legen, die das Herz so wild bewegen, wo des heilgen Geistes Mahs nen du mit stillem Beben hörst und von neuem den Fahnen Jesu Chrifti reuig schwörst. 3. Kehre wieder, irre Seele! Deines Gottes treues Herz beut Vergebung dei nem Fehle, Balsam für den Sündenschmerz. Sieh auf den, der voll Erbarmen dir mit ausgestreckten Armen winket von des Kreuzes Stamme: Kehre wieder! fürchte nicht, daß der Gnädge dich verdamme, dem sein Herz vor Liebe bricht. 4. Kehre wieder, neues Leben trink in seiner Liebeshuld. Bei dem Herrn ist viel Vergeben, große Langs muth und Geduld. Faß ein Herz zu seinem Herzen. Er hat Trost für alle Schmer: zen; er kann alle Wunden heilen, macht von allen Flekken rein. Darum kehre ohne Weilen zu ihm um und bei ihm ein. 5. Kehre wieder, endlich fehre in der Liebe Heimath ein, in die Fülle aus der Leere, in das Wesen aus dem Schein; aus der Lüge in die Wahrheit, aus dem Dunkel in die Klarheit, aus 529 gering und klein, sonst dringt ein sichres Wesen ein. 5. Jch kämpfe gegen mein Verderben im Glauben und in Christi Kraft; der alte Mensch muß täglich sterben, der noch nicht todt am Kreuze haft; dieß aber macht mich rein und klein Mel. Wer nur den lieben Gott 736 h weiß von keinem andern Jesu ernstlich Grunde, als den der Glaub in Christo hat; ich weiß von keinem andern Bunde, von keinem andern Weg und Rath, als daß man elend, arm und bloß sich legt in seines Vaters Schooß. 2. Ich bin zu meinem Heiland kommen und eil ihm immer besser zu; ich bin auch von ihm aufgenommen und finde bei ihm wahre Ruh; er ist mein Kleinod und mein Theil, und außer ihm weiß ich tein Heil. Anhang. aus dem Tode in das Leben, aus der Welt ins Himmelreich! Doch was Gott dir heut will geben, nimm auch heute; kehre gleich! 3. Ich bleib in Christo nun erfunden und bin in ihm gerecht und rein; bleib ich mit ihm nur stets verbunden, so kann ich immer sicher sein: Gott sieht auch mich in Christo an. Wer ist's, der mich verdammen kann? 4. Ich fühle noch in mir die Sünde, doch schaden fann sie mir nicht mehr, weil ich in Christo mich be finde; wohl aber beuget sie mich sehr, ich halte nichts schrein. 6. Ich suche stets vor ihm zu stehen und seh in Allem ihn nur an, nach seinem Wink einherzugehen, daß nichts mein Ziel verrücken kann. Ich seufze stets: Herr, steh mir bei, daß ich dein rechter Jünger sei! 7. Und da ich so in Chris sto bleibe, stets vor ihm wandelnd auf ihn seh, das Wort des Friedens fröhlich treibe und unablässig zu ihm fleh, so bleib ich stets im Grunde stehn; da kann mein Wachsthum vor sich gehn, 8. Jch bleib im tiefsten Demuthsgrunde und will von Christo nimmer gehn; ich bleib im allgemeinen Bunde, in allgemeiner Liebe stehn und hang an Christo ganz allein; dieß soll mein Grund auf ewig sein. 9. O Jesu, laß mich in dir bleiben; o Jesu, bleibe du in mir. Laß deinen guten Geist mich treiben, daß ich im Glauben folge 3 dir. Anhang. 530 dir. Laß mich stets fromm und wachsam sein, so reißet nichts den Grund mir ein. Mel. Jesus, meine Zuversicht immelan geht 737 wir sind Gäste nur auf Erden, bis wir dort nach Kanaan durch die Wüste kommen werden. Hier ist unser Pilgrimsstand, droben unser Vaterland. 3. Himmelan! ruft er mir zu, wenn ich ihn im Worte höre, das weist mir den Ort der Ruh, wo ich einmal hingehöre. Wenn mich dieses Wort bewahrt, halt ich eine Himmelfahrt. 4. Himmelan mein Glaube zeigt mir das schöne Loos von ferne, daß mein Herz schon aufwärts steigt über Sonne, Mond und Sterne; denn ihr Licht ist viel zu klein gegen jenen Glanz und Schein. selbst voran, daß ich freudig folgen kann. 5. Himmelan wird mich der Tod in die rechte Heimath führen, da ich über alle Noth ewig werde triumphiren. Jesus geht mir 6. Himmelan, ach, bimmelan! Das soll meine Losung bleiben. Ich will allen eitlen Wahn durch el. Schon ist der Tag von 2. Himmelan schwingdich, 738 Such, wer da will, mein Geist! Denn du bist ein himmlisch Wesen und kannst das, was irdisch heißt, nicht zu deinem Zweck erlesen; ein von Gott erleuchter Sinn kehrt in seinen Ursprung hin. ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden, mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr; sein Werk ist klar; sein Heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu überwinden. 2. Such, wer da will, Nothhelfer viel, die uns doch nichts erworben; hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zu Theil; uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist gestorben. Himmelan steht nur mein Šinn, bis ich in dem Hime mel bin. 3. Ach, sucht doch den, last Alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr, und feiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund voll Herzensgrund, jucht ihn als lein; denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret. 4. Mein Anhang. 4. Mein Herzensfron und Freudensonn sollst du, Herr Jesu, bleiben; laß mich doch nicht von deinem Licht durch Eitelkeit vertreiben; bleib du mein Preis, dein Wort mich speis: bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr, an dich stets fest zu glauben. 5. Wend von mir nicht dein Angesicht, laß mich in Kreuz nicht zagen; weich nicht von mir, mein höchste Bier, hilf mir mein Leiden tragen; hilf mir zur Freud nach diesem Leid, hilf, daß ich mag nach dieser Klag dir ewig dort Lob sagen. Del. Wie wohl ist mir, o Freund 739 Ich will dich immer treuer lieben, mein Heiland, gib mir Kraft dazu. Lang hat die Welt mich umgetrieben; nun schenkst du mir die wahre Ruh, die Ruh, mit der nichts zu vergleichen, der alle Königstronen weichen, die uns den Himmel offen zeigt. Ach, daß ich ganz in Lieb zerflösse vor deiner Liebe Wundergröße, die alles Wissen übersteigt. 2. Wie freundlich hast du mich gezogen, wie ging mir dein Erbarmen nach! Ich floh von dir und griff betrogen nach Herzeleid und 531 Ungemach: du aber nahmst ohn mein Verlangen in deiner Liebe mich gefangen und wecktest meinen todten Sinn. Nimm, Seelenfreund, für diese Treue, mein ganzes Herz, das ich dir weihe, entreiß mirs doch und nimms dir hin. 3. Ich hange nicht an ird'schen Gaben, dich, Jesu, such ich ganz allein; soll ich nichts zu genießen haben, ich will auch so zufrieden sein; dein Reich wächst nicht in lauter Freuden; lehr mich getrost und stille leiden und mach in Allem mich getreu. Nimm hin mein Wollen, Denken, Richten, mein eignes Laufen, Wirken, Dichten, daß nichts, denn du, mehr übrig ſei. 4. am gerathen, wenn ich aus eigner Wahl nichts thu. Ein Andrer sinn auf große Thaten; mein Geist erblicket eine Ruh, worin er leidend das vollführet, was von des ' Geistes Trieben rühret, und das heißt recht in Gott gethan. D mischte sich doch in mein Lieben nichts mehr von meinen eignen Trieben, so fing ich recht zu lie ben an. 5. Getreuer Jesu, soll ich hoffen, daß meine Liebe treuer werd? Ach ja, dein Herze steht noch offen dem, 32 welcher 532 welcher ernstlich Hülf begehrt. Ich flieh zum Reich thum deiner Güte, durch leucht mein finsteres Gemüthe, daß ich, was du nicht selber bist, erkenn und haß und dämpf und tödte, so schau ich nach der Morgenröthe, wie hell die Sonne ſelber ist. Anhang. Mel. Was Gott thut, das ist 740 Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; dir bleibt mein Herz erges ben; du kennst dieß Herz, das redlich spricht: nur Einem will ich leben. Du, du allein, du sollst es sein; du sollst mein Trost auf Erden, mein Glück im Himmel werden. 2. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; ich halte dich im Glauben. Nichts kann mir deine Zuversicht und deine Gnade rauben. Der Glaubensbund hat festen Grund: die deiner sich nicht schämen, die kann dir niemand nehmen. 3. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; aus göttlichem Erbarmen gingst du für Sünder ins Gericht und büßtest für mich Armen; aus Dankbarkeit will ich allzeit um deines Leidens willen die Pflicht der Treu erfüllen. 4. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; du stärkeßt mich von oben. Auf dich steht meine Zuversicht, wenn meine Feinde toben. Ich flieh zu dir; du eilst zu mir, wenn mich die Feinde hassen, wirst du mich nicht verlassen. 5. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; das Kreuz soll uns nicht scheiden. Es bleibet jedes Gliedes Pflicht, mit seinem Haupt zu leis den. Doch all mein Leid währt kurze Zeit; bald ist es überstanden, und Ruh ist dann vorhanden. 6. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht, nie soll mein Glaube wanken; und wann des Leibes Hütte bricht, sterb ich mit dem Gedanken: mein Freund ist mein und ich bin sein; er ist mein Schuß, mein' Tröster, und ich bin sein Erlöster. Mel. Es ist das Heil uns 741 hics mit mir err, wie du willst, im Leben und im Sterben! Allein zu dir steht mein Begier, laß mich, Herr, nicht verderben. Erhalt mich nur in deiner Huld; sonst, wie du willst, gib mir Geduld, denn dein Will ist der beste. 2. Zucht, Ehr und Treu verleih mir, Herr, und Lieb zut Anhang. zu deinem Worte! Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr und gieb mir hier und dorte, was dient zu meiner Seligkeit; wend ab all Un gerechtigkeit in meinem ganzen Leben! 3. Soll ich einmal nach deinem Rath von dieser Welt abscheiden, verleih mir, Herr, nur deine Gnad, daß es gescheh mit Freu: den. Mein Leib und Seel befehl ich dir; o Herr, ein selig End gib mir durch Jesum Christum. Amen. 533 4. Hör, wie kläglich, wie beweglich dir die treue Seele singt, wie demüthig und wehmüthig deines Kindes Stimme klingt! Laß dich finden, laß dich finden! denn mein Herze zu dir dringt. 5. Dieser Zeiten Eitelkeiten, Reichthum, Wollust, Ehr und Freud sind nur Schmerzen meinem Herzen, welches sucht die Ewigkeit. Laß dich finden; laß dich finden! großer Gott, ich bin bereit! In eigener Melodie. Mel. Befiehl du deine Wege 742 ich hier bin ich, 743 in Wohlstand Gleichen Stand, Reichen ist eines Christen wie er bei keinem von dieser Welt bekannt. Den kann auch Niemand rauben, wie feindlich er gesinnt; ein Christ ist durch den Glauben des reichsten Vaters Kind. 2. Er kann mit Freuden kommen vor Gottes Ange= sicht; da wird er angenommen, und Niemand widerspricht. Was Alles ihn betroffen, seis Freude oder Leid, ihm steht der Zugang offen zum Vater allezeit. 3. Er kann in großen Schaaren als Diener um sich sehn, die einst ihm Herren waren und nun zu Dienste stehn. Er ist ume 33 ringt lege mich vor deinen Thron. Schwache Thränen, kindlich Sehnen bring ich dir, du Menschensohn. Laß dich finden, laß dich finden von mir, der ich Asch und Thon! 2. Sieh doch auf mich, Herr, ich bitt dich, lente mich nach deinem Sinn. Dich alleine ich nur meine; dein erkaufter Erb ich bin. Laß dich finden, laß dich finden! Gib dich mir und nimm mich hin! 3. Herr, erhöre, ich begehre nichts, als deine freie Gnad, die du giebest, wo du liebest und man dich liebt in der That. Laß dich finden, laß dich finden! Der hat Alles, wer dich hat. 534 ringt von ihnen den ganzen Lebenstag; denn ihm muß Alles dienen, was ihm begegnen mag. 4. Und geht einmal auf Erden die Kindeszeit zu End, er weiß, was ihm muß werden nach Christi Testament: ein Erbtheil in dem reichen, geliebten Va terland. Solch Wohlstand ohne Gleichen ist eines Christen Stand. Anhang. Mel. Wer nur den lieben Gott 744 3₁ größer Kreuz, je näher Him mel; wer ohne Kreuz, ist ohne Gott. Beim trügerischen Weltgetümmel vergißt man Hölle, Fluch und Tod. O selig ist der Mann geschäßt, den Gott in Kreuz und Trübial segt. 2. Je größer Kreuz, je beffre Christen: das Kreuz ist unser Probestein. Wie mancher Garten wird zur Wüsten, fällt nicht ein Thränenthau hinein! Das Gold wird auf dem Feuerheerd, ein Christ in man cher Noth bewährt. Je größer Kreuz, je stärkrer Glaube: die Palme wächset bei der Last; die Süßigkeit fließt aus der Traube, wenn du sie wohl gefeltert hast. Im Kreuze wächset uns der Muth, wie Perlen in gesalzner Fluth. 4. Je größer Kreuz, je größre Liebe: der Wind bläst nur die Flammen auf, und scheinet gleich der Himmel trübe, so lachet doch die Sonne drauf. Das Kreuz vermehrt der Liebe Glut, gleichwie das Del im Feuer thut. 5. Je größer Kreuz, je mehr Gebete; geriebne Kräu ter duften wohl; wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, so fragte man nicht nach dem Pol. Wo kämen Davids Psalmen her, wenn er nicht auch versuchet wär? 6. Je größer Kreuz, je mehr Verlangen; im Thale steiget man bergan. Wer durch die Wüsten ist gegan gen, der sehnet sich nach Kanaan. Das Täublein, findets hier nicht Ruh, so fliegt es nach der Arche zu. V 7. Je größer Kreuz, je lieber Sterben; man freut sich recht auf seinen Tod: denn man entgehet dem Verderben, es stirbt auf einmal alle Noth. Das Kreuze, das die Gräber ziert, bezeugt, man habe triumphirt. 8. Je größer Kreuz, je schönre Krone, die Gottes Hand uns beigelegt und die einmal vor seinem Thro ne der Ueberwinder Schei tel Anhang. 535 tel trägt. Ach, dieses theure ger getreuer Hand ein jegKleinod macht, daß man das größte Kreuz nicht acht. liches nach seiner Art im Glauben seine Pflicht bewahrt! 9. Gefreuzigter, laß mir dein Kreuze je länger und je lieber sein; daß mich die Ungeduld nicht reize, so pflanz ein solches Herz mir ein, das Glauben, Lieb und Hoffnung hegt, bis dort mein Kreuz die Krone trägt. 745 Mel. Wo Gott zum Haus ohl einem Haus, da Jesus Christ allein das All in Allem ist! Ja, wenn er nicht darinnen wär, wie elend wärs, wie arm und leer! 2. Wohl ihm, wenn Mann und Weib und Kind im rechten Glauben einig sind, zu dienen ihrem Herrn und Mel. Befiehl du deine Wege Gott nach seinem Willen 746 Ich bin ein Gast und 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt ein Vorbild vor die Augen stellt, daß ohne Gottesdienst im Geist das äußre Werk nichts ist, noch heißt! 4. Wohl, wenn das Räuchwerk und Gebet beständig in die Höhe geht und man nichts treibet fort und fort, als Gottes Werk und Gottes Wort! 6. Wohl, wenn die Neltern gläubig sind, und wenn sie Kind und Hausgesind versäumen nicht am ewgen Glück, daß ihrer keines bleibt zurück! 7. Wohl solchem Haus, denn es gedeiht; die Neltern werden hoch erfreut und ihren Kindern sieht mans an, wie Gott die Seinen segnen kann. 8. So mach ich denn zu dieser Stund sammt meinem Hause diesen Bund: wenn alles Volk vom Herren wich, so dienen wir ihm ewiglich! 5. Wohl, wenn im äuBerlichen Stand mit fleißihab hier keinen Stand; der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland; hier reis ich nur zum Grabe, dort in der ewgen Ruh ist Gottes Gnadengabe, die schleußt all Arbeit zu. 2. Was ist mein ganzes Wesen von meiner Jugend an, als Müh und Noth gewesen? Solang ich denken kann, hab ich so manchen Morgen, so manche liebe Nacht mit Kummer und mit 536 mit Sorgen des Herzens zugebracht. 3. Ich habe mich ergeben in alles Glück und Leid. Was will ich besser leben in dieser Zeitlichkeit? Es muß ja durchgedrungen, es muß gelitten sein! Wer nicht hat wohl gerungen, geht nicht zur Freud hinein. 4. So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt, doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt; ich wandre meine Straßen, die zu der Heimath führt, da mich ohn alle Maßen mein Vater trösten wird. Anhang. ein selig Ende aus meiner Wanderschaft, und was mich kränkt, das wende durch deinen Arm und Kraft. 7. Die Herberg ist zu böse, der Trübsal ist zu viel. Ach, komm, mein Gott, und löse mein Herz, wenn dein Herz will! Komm, mach 8. Wo ich bisher gesessen, ist nicht mein rechtes Haus. Wenn mein Ziel ausgemessen, so tret ich dann hinaus, und was ich hier gebrauchet, das leg ich Alles ab, und wenn ich ausgehauchet, so scharrt man mich ins Grab. 9. Du aber, meine Freude, du meines Lebens Licht, du zeuchst mich, wann ich schei de, hin vor dein Angesicht, ins Haus der ewgen Wonne, da ich stets freudenvoll, gleich als die helle Sonne, nächst Andern leuchten soll. 10. Da will ich immer wohnen und nicht nur als ein Gast bei denen, die mit Kronen du ausgeschmütket hast; da will ich herrlich singen von deinem großen Thun und frei von schnöden Dingen in meinem Erbtheil ruhn. 5. Mein Heimath ist dort oben, da aller Engel Schaar den großen Herrscher loben, der Alles ganz und gar in seinen Händen träget und für und für erhält, auch Alles hebt und leget, nachdems ihm wohlgefällt. 6. Zu dem steht mein Verlangen, da wolltich gerne hin. Die Welt bin ich durchgangen, daß ichs fast müde bin. Je länger ich hier walle, je wenger find ich 747 W° Freud, die meinem Geist gefalle, das Meist ist Eitelfeit. A. Mel. Ich hab mein Sach Wohlauf, wohl an, zum legten Gang! Kurz ist der Weg, die Ruh ist lang. Gott führet, ein Gott führet aus! Wohlan, hinaus! Kein Bleiben ist im Erdenhaus. 2. Du Herberg in der Wanderzeit gehab dich wohl und Anhang. und laß dein Leid; schleuß nur getrost die Pforte zu. Was trauerst du? Dein Gast geht hin zur ewgen Ruh. 3. Tragt ihn fein sanft ins Schlafgemach, ihr Lieben, folgt ihm segnend nach. Hab gute Nacht! Der Tag war schwül im Erdgewühl; hab gute Nacht, die Nacht ist kühl. 4. Ein Festschmuck ist des Sarges Tuch, ein Siegeszug der Leichenzug. Triumph! der Herr macht gute Bahn! Sein Kreuz voran! das winkt und deutet himmelan. 5. Ihr Glocken tönet fest lich drein und läutet hell den Sabbath ein, der nach des Werktags kurzer Frist durch Jesum Christ für Gottes Bolt vorhanden ist. B. 6.D selig, wer das Heil erwirbt, daß er im Herrn, in Christo stirbt! O selig, wer vom Laufe matt die Gottesstadt, die droben ist, gefunden hat. 7. Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du suchst so viel, und Eins ist Noth! Die Welt beut ihre Güter feil; denk an dein Heil und wähl in Gott das beste Theil! 8. Was sorgst du bis zunt 537 leßten Tritt? Nichts brachtest du, nichts nimmst du mit. Die Welt vergeht mit Lust und Schmerz; schau himmelwärts! Da, wo dein Schaß ist, sei dein Herz. 9. Mit Gott bestell dein Haus bei Zeit, eh dich der Lod an Todte reiht. Sie rufen: gestern wars an mir, heut ists an dir, hier ist kein Stand, kein Bleiben hier. 10. Vom Freudenmahl zum Wanderstab, aus Wieg und Bett in Sarg und Grab, wann, wie und wo, ist Gott bewußt; schlag an die Brust, du mußt von dannen, Mensch, du mußt! 11. Da ist kein Siß zu reich, zu arm, kein Haupt zu hoch, kein Herz zu warm, da blüht zu schön kein Morgenroth. Im Finstern droht der Tod und überall der Tod. 12. Ach, banges Herz im Leichenthal, wo ist dein Licht, dein Lebensstrahl? Du bist es, Jesu, der mit Macht aus Gräbernacht das Leben hat ans Licht gebracht. 13. Dein Trostwort klingt so hoch und hehr: Wer an mich glaubt, stirbt nimmermehr! Dein Kreuz, dein Grab, dein Auferstehn, dein Himmelgebn läßt uns den Himmel offen sehn. 14. Wohl dem, der, Herr, mit dir vertraut, schon hier die Anhang. 538 die ewgen Hütten baut! Er sieht das Kleinod in der Fern und kämpfet gern und harrt der Zukunft seines Herrn. C. 15. Nun, Thor des Friedens, öffne dich! Hinein!hier schließt die Wallfahrt fich. Ihr Schlummernden im Friedensreich gönnt all zugleich auch ihm ein Räumlein neben euch! 16. Viel Gräber sind an diesem Ort, viel Wohnungen im Himmel bort; bereitet ist die Stätte schon am Gnadenthron, bereitet ihm durch Gottes Sohn. 17. Sein ist das Reich mit Allgewalt. Er zeugt und spricht: Ich komme bald! Ja, komm, Herr Jesu, führ uns ein! Wir harren dein: Amen, dein laß uns ewig sein! ihr müsset ihm entgegengehn. 2. Zion hört die Wäch ter singen, das Herz will ihr vor Freude springen, sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnaden stark, von Wahrs heit mächtig, ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl. 3. Gloria sei dir gesungen mit Menschen- und mit und mit Cymbeln schön. Engelzungen, mit Harfen von zwölf Perlen sind die Thore an deiner Stadt, wir stehn im Chore der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug hat je gefehn, tein Ohr hat je gehört solche Freude; drum jauchzen wir und singen dir das Halleluja für und für. Mel. Herr wir singen 748 achet auf! ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne, wach auf, du Stadt Jeruja 749( nr.8.v.5.) Aus Mel. Liebster Jesu, wir sind Infern lem! Mitternacht heißt diese Stunde. Sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräutgam kömmt! Steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch bereit zu der Hochzeit; gang segne, Gott, unsern Ein gang gleichermaßen; segne unser täglich Brod, jegne un ser Thun und Lassen, segne uns mit selgem Sterben und mach uns zu Himmelserben. In Anhang. 539 In eigener Melodie. 5. Ach bleib mit deinem 750( 209) rhalt uns, Schuße bei uns, du starter Held, daß uns der Feind nicht truge, noch fäll die böse Welt. Herr, bei deinem Wort und steure deiner Feinde Mord, die Jesum Christum, deinen Sohn, wollen stürzen von deinem Thron. 2. Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, der, du Herr aller Herren bist, beschirm dein arme Christenheit, daß sie dich lob in In eigener Melodie. 3. Gott, heilger Geist, du 752( 55) Inen Thaten Tröster werth, gib deim Volt einerlei Sinn auf Erd, steh bei uns in der legten Noth, leit uns ins Leben aus dem Tod. laß ich den Höchsten rathen, der Alles kann und hat; er muß zu allen Dingen, solls anders wohlgelingen, selbst geben Segen, Rath und 6. Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott, Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Noth. Mel. Chriftus, der ist mein Leben That. 751( 211) Ableib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, daß uns hinfort nicht schade des bösen Feindes Lift. 2. Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser werth, daß uns beid hier und dorte sei Güt und Heil bescheert. 3. Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du werthes Licht; dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht. 4. Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein Gnad und all Vermögen in uns reichlich vermehr. 2. Nichts ist es, spät und frühe, um alle meine Mühe, mein Sorgen ist umsonst; er mags mit meinen Sachen nach seinem Willen machen, ich stells in seine Vatergunst. 3. Es kann mir nichts geschehen, als was er ausersehen, und was mir selig ist. Ich nehm es, wie ers giebet; was ihm von mir beliebet, dasselbe hab ich auch erkiest. 4. Jch traue seiner Gnaden, die mich vor allem Schaden, vor allem Uebel schüßt. Leb ich nach seinen Säßen, so wird mich nichts verlegen, nichts fehlen, was mir ewig nüßt. 5, Er Anhang. 540 5. Er wolle meiner Sünden in Gnaden mich entbinden, durchstreichen meine Schuld. Er wird auf mein Versprechen nicht stracks das Urtheil sprechen und mit mir haben noch Geduld. 6. Leg ich mich späte nieder, erwach ich frühe wieder, lieg oder zieh ich fort, in Schwachheit und in Banden, und was mir stößt zu Handen, so tröstet mich sein kräftig Wort. 7. Hat er es denn beschlossen, so will ich unverdrossen an mein Verhäng: niß gehn; kein Unfall unter allen wird je zu hart mir fallen, ich will mit Gott ihn überstehn. 8. Ihm hab ich mich er geben, zu sterben und zu leben, sobald er mir gebeut; es sei heut oder morgen, dafür laß ich ihn sorgen, er weiß allein die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele, seine und traue dem alleine, der dich geschaffen hat! Es gehe, wie es gehe, dein Vater in der Höhe, der weiß zu allen Sachen Rath. Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, wenn dirs soll wohlergehn; auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sora gen und mit Grämen und mit selbsteigner Bein läßt Gott ihm gar nichts nehmen: es muß erbeten sein. 3. Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt. Und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rath gefällt. 4. Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlts dir nicht; dein Thun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht. Dein Werk fann Niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kin dern ersprießlich ist, willst thun. 5. Und ob gleich alle Teufel hier wollten widerstehn, so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn. In eigener Melodie. 753( 373) Befiehl du Was er ihm vorgenommen und was er Wege und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege deß, der den Himmel lentt; der das muß doch endlich kome men zu seinem Zweck und Biel. 5. Hoff Anhang. 6. Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud. 7. Auf! Auf! gib dei nem Schmerze und Sorgen gute Nacht; laß fahren, was das Herze betrübt und traurig macht. Bist du doch nicht Regente, der Alles führen soll: Gott sist im Regimente und führet Alles wohl. 541 Herze lösen von der so schweren Last, die du zu feinem Bösen bisher ge tragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue, du hast und trägst davon mit Ruhm und Dankgeschreie den Sieg und Ehrenkron! Gott gibt dir selbst die Balmen in deine rechte Hand und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 10. Wirds aber sich befinden, daß du ihm treu verbleibst, so wird er dich entbinden, da dus am minds sten gläubst. Er wird dein 12. Mach End, o Herr, mach Ende an aller unsrer Noth; stärk unsre Füß und Hände und laß bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. 8. Jhn, ihn laß thun und walten; er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wune 754 G 754 derbarem Rath die Sach hinausgeführet, die dich befümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost vers ziehn und thun an seinem Theile, als hätt in seinem Sinn er deiner sich bege: ben und sollst du für und für in Angst und Nöthen schweben, als fragt er nichts nach dir. Mel. Der unsre Menschheit Gott, der du Herzenskenner bist, dem Falschheit stets ein Gräuel ist und Lügen ein Verbrechen, kein Wort spricht je ein falscher Mund, Alwissender, dir ist es kund, und einst wirst du es rächen. Laß jederzeit mein Ja und Nein aufrichtig und voll Wahrheit sein. 2. Gott, wenn ich schwörend vor dir steh, hinauf zu deinem Himmel seh, und meine Hand erhebe; wenn mit des Geistes Sammlung ich zum Zeugen dich anrufe, dich, durch den ich bin und 31 lebe; Anhang. 542 lebe, dann sei von Trug und Heuchelei mein Herz und meine Zunge frei! 3. Wenn Frevler auch noch da dich schmähn und frech vor dir mit Lügen stehn, dann laß mein Herz erschret ken. Weh dem, der dich und deine Macht zur Hülle seiner Bosheit macht, sie vor der Welt zu decken! Weh ihm, er stürzet fre: ventlich in ewiges Verderben sich. 4. O Seele, wenn du noch dich liebst, bedenk, was du zum Pfande gibst: dein Glück, dein ewges Leben! Verwirf nicht mit Verwegenheit dein Theil an Gott und Seligkeit; wer kann dirs wiedergeben? Was hilft dir dann die ganze Welt? Nichts hat sie, was dich schadlos hält. 5. Gott, wenn du nicht mein Gott mehr bist, dein Sohn nicht mehr mein Hei: land ist, dein Himmel nicht mein Erbe; wenn bei den Leiden dieser Zeit dein Trost nicht mehr mein Herz erfreut, dein Trost nicht, wann ich sterbe, wer wird mich dann von Qual befrein? Dann beffer, nie geboren sein! 6. Wie thöricht, wer noch denkt und spricht: Gott sieht es nicht, Gott achtets nicht! So lästern Frevlerrotten. 3war seine Langmuth ist be kannt, er lähmt nicht jede falsche Hand; doch läßt er sein nicht spotten; ist Richter uns schon in der Zeit, einst Richter in der Ewigkeit. 7. Drum soll nicht Ehre, Gut und Geld und nicht die Macht der ganzen Welt, mich blenden und verfüh ren; und drohten mir auch Schmerz und Leid, ich will doch meine Seligkeit muthwillig nicht verlieren. Es gilt kein Leid, kein Glück der Zeit, nein, es gilt Gott und Ewigkeit. 8. Gott, heilige du selbst mein Herz, daß ich nicht frevelnd Spott und Scherz mit Wort und Eidschwur treibe; daß ich der Wahr heit treuer Freund, auch, wenn es mir zu schaden scheint, mit frohem Muthe bleibe! Dann kann ich ohne Furcht und Graun dem Tode selbst ins Antlig schaun. Anhang. Choral- Gesänge und Responsorien für den liturgischen Gottesdienst am Geburtstage des Großherzogs. Lied der Gemeinde. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 1. Herr, Höre! Herr, erhöre! Breit deines Namens Ehre An allen Orten aus! Behüte alle Stände, Durch deiner Allmacht Hände Beschüße Kirche, Staat und Haus. 2. Ach laß dein Wort uns allen Noch ferner reichlich schallen Zu unsrer Seelen Nuß! Bewahr uns vor den Rotten, Die deiner Wahrheit spotten, Biet allen deinen Feinden Truß. 3. Du wollst uns hoch beglücken, Mit hellen Gnadenblicken Auf unsern Fürsten sehn, Jhn schüßen auf dem Throne, Auf seinem Haupt die Krone In vollem Glanze lassen stehn. Der Geistliche: Im Namen Gebet: Allmächtiger Gott 33 3 543 - tir 544 Anhang. dir dienen in der Gerechtigkeit, die dir wohlgefällt. Chor: Amen. Amen. Amen. Der Geistliche: Der allmächtige Gott - und unsere Füße gesetzt auf den Weg des Friedens! Amen! Chor: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war von Anfang, jetzt und immerdar von Ewigkeit zu Ewigkeit. Halleluja, Halleluja, Halleluja. Der Geistliche: Ehre sei Gott in der Höhe- Chor: Und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Der Geistliche: Der Herr sei mit euch- Chor: Und mit deinem Geiste. Der Geistliche: Allmächtiger Gott durch Jesum Christum, unsern Heiland und Herrn. Chor: Meine Seele erhebe den Herrn und mein Geist freue sich Gottes meines Heilands. Der Geistliche: Vernehmet mit Andacht Denn der König hoffet auf den Herrn und wird durch die Güte des Höchsten fest bleiben. Chor: Halleluja, Halleluja, Halleluja. Die Gemeinde: Hauptlied. Mel. Nun danfet Alle Gott 1. Preis, Ehr und Lob sei dir, In dessen Schirm und Schatten Wir bis zur Stund allhier Viel Heil zu schmecken hatten, Der auch zu jeder Frist Allmächtig nah und fern Ein Herr und König ist Des Fürsten, unsers Herrn. 2. Du hast ihm lebenslang Den Odem treu bewahret 1 11 Und Anhang Und auf manch strengem Gang Dich huidvoll offenbaret, Du hast in seiner Hand Das Scepter stark gemacht Und unser Vaterland Mit reichem Gut bedacht. Der Geistliche: Vernehmet mit Andacht-- Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. Chor: Amen. Amen. Amen. Die Gemeinde. Hauptlied. 1. Du wollest deinen Geist Auf seine Stirne legen, Der klar ihn unterweist, Des hohen Amts zu pflegen. Du wollst Gerechtigkeit Und milder Gnaden Lust Ihm stellen an die Seit, Ihm pflanzen in die Brust. 3. Du wollest allezeit In deinem Gleis ihn lenken Und Zucht und Frömmigkeit In ihm dem Lande schenken; Auf daß er Vorbild sei Von jeder Tugend Art Und Hülf und Schuß verleih, Wo man den Glauben wahrt. 3. Du wollest seine Treu 545 Vergelten durch die Treue, Womit ihn täglich nen Ein gutes Volk erfreue, Daß dein Gebot im Bund Von ihm und uns gescheh Und seines Thrones Grund In unsern Herzen steh. Der Geistliche: Laßt uns beten Segne uns um deiner Liebe willen. Amen! V. U. Gemeinde: Schlußvers des Hauptliedes. O fegne, was wir flehn An seinem Jahresfeste 83 4 Und Anhang. Und gib zum Wohlergehn Ihm deiner Gaben beste. Gib, daß ers nie vergißt, Noch wir, wie du so gern Ein Herr und König bist Des Fürsten unsers Herrn. Der Geistliche: Der Friede Gottes 2c. Gemeinde: 546 1. Nun danket Alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden, Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut Bis hierher hat gethan. 2. Lob, Ehr und Preis sei Gott, Dem Vater und dem Sohne, Und dem, der beiden gleich Jm höchsten Himmelsthrone, Jhm, dem dreieingen Gott, Als es anfänglich war Und ist und bleiben wird Jegund und immerdar. Der Geistliche: Segen. Die Gemeinde: Amen. Amen. Amen. Choral der Anhang. Choral Gesänge und Responsorien für den liturgischen Gottesdienst am Geburtstage Großherzogin. Lied der Gemeinde. 1. Allein Gott in der Höh sei Ehr Und Dank für seine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann ein Schade. Gott Wohlgefallen an uns hat; Nun ist groß Fried ohn Unterlaß, All Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir beten an und loben dich Für deine Ehr, wir danken, Daß du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn alles Wanken; Ganz ohne Maß ist deine Macht Allzeit geschieht, was du bedacht, Wohl uns des guten Herren! Der Geistliche: 3m Namen Gebet: Lasset uns beten 547 - dir dienen in der Gerechtigkeit, die dir wohlgefällt. Chor: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war von Anfang, fetzt und immerdar von Ewigkeit zu Ewigkeit. Halleluja, Halleluja, Halleluja. Der 548 Anhang. Der Geistliche: Ehre sei Gott in der Höhe- Chor: Und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Der Geistliche: Der Herr sei mit euch Chor: Und mit deinem Geiste. Der Geistliche: Allmächtiger Gott- 1 durch Jesum Christum, unsern Heiland und Herrn. Chor: Meine Seele erhebe den Herrn und mein Geist freue sich Gottes meines Heilands. Der Geistliche: Vernehmet mit Andacht und ihre Werke werden sie loben in den Thoren. Chor: Halleluja, Halleluja, Halleluja. Die Gemeinde: Hauptlied: 1. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Stimme, du Seele, mit ein zu den himmlischen Chören! Rommet zu Hauf; Psalter und Harfe, wacht auf, Lasset den Lobgesang hören. - 2. Lobe den Herren, der Alles so herrlich regieret: Der wie auf Flügeln des Adlers dich sicher geführet, Der dir bescheert, Was dich erfreuet und nährt; Dank es ihm innigst gerühret. Der Geistliche: Vernehmet mit Andacht der sich selbst gegeben hat für Alle zur Erlös sung, daß solches zu seiner Zeit gepredigt würde. Chor: Amen. Amen. Amen. Die Gemeinde: Hauptlied: 1. Ach, bleib mit deiner Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes List. 2. Ach Anhang. 2. Ach, bleib mit deinem Segen Bei uns, du reicher Herr, Dein Gnad und all Vermögen Reichlich in uns vermehr! 3. Ach, bleib mit deiner Treue Bei uns, mein Herr und Gott, Beständigkeit verleihe, Hilf uns aus aller Noth. Der Geistliche: Laßt uns beten Dir aber, dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, dir, dem Allmächtigen und dem Allweisen, dir, dem Gott der Liebe und der Gnade, sei Preis und Ehre in alle Ewigkeit. Amen. Vater unser Chor: Halleluja, Halleluja, Halleluja. Der Geistliche: Der Friede Gottes ic. Gemeinde: 1. Nun danket Alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden, Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut Bis hierher hat gethan. 2. Lob, Ehr und Preis sei Gott, Dem Vater und dem Sohne, Und dem, der beiden gleich Im höchsten Himmelsthrone, Ihm, dem dreieingen Gott, Als es anfänglich war Und ist und bleiben wird Jeßund und immerdar. 549 Der Geistliche: Segen. Die Gemeinde: Amen, Amen, Amen. Register. Nr. 22 Ach bleib bei uns, Herr 728 Ach bleib mit deiner 211 751 Ach endlich, Dulder, 173 Ach, Gott, verlaß mich 391 Ach, Gott, wie mancher 306 Ach, hier nicht mehr, 678 Ach könnt ich doch mit 653 Ach sieh ihn dulden, bl. 164 Ach welch ein Kampf 88 Allein Gott in der Höh 42 Alle Menschen müssen 276 Allen Christen und auch 478 Aller Welten Herrscher 41 Alles hast du mir gegeb. 407 Alles ist an deinem S. 61 Allgegenwärtiger! ich Allgütiger, dir will ich 589 Aumächtiger, ich bebe 565 Allmächtig großer Gott 74 Am Kreuz erblaßt 172 Anbetung sei dir, Gott 188 Anbetungswürdger G. 14 An deine Leiden denk. 138 An dich, mein Gott! 362 Auch außer meinem 640 Auf, Christen, bringet 410 Auf Christen, laßt uns 95 Auf, dich, Erlöser, stets 325 Auf Erden Wahrheit 127 Auferstehn, ja, auferst. 267 Auf, freue dich, mein 93 Auf Gott nur will ich 530 Auf Gott und nicht auf 371 Auf, Jesu Jünger, fr. 187 Auf, meine Seele, auf 177 Auf, o Seele, sei noch 580 Auf, schicke dich, recht f. 116 Aus des Grabes Band. 179 Bald ist sie nun voll. 663 Bald leg ich Sorg und 658 Nr. Bald oder spät des T. 335 Barmherziger, erhöre 655 Befiehl du deine W. 373 753 Beglücke meine Reise 639 Beglückt, beglückt ist, 334 Begrabt den Leib in f. 681 Bekenner Jesu, werdet 147 Berufen hast du mich 529 Besiß ich nur ein ruhig. 454 Bester, weisester Reg. Bewaffnete, der Krieg 551 Bilden soll ich mich auf 299 Bis der Tod ihm winkt 457 Bis hierher und nicht w. 730 Blick hin in die vergang. 448 Bringt Preis und R. 178 66 Christ, aus deinem H. 467 Christe, du Sohn G.! 149 Christ, eile nie mit sich. 231 Christus, der ist mein L. 665 Christ, wann dich Trüb. 381 43 323 Dank und Anbetung Das Amt der Lehrer 533 Dank, Vater, dir, der 654 Das Land, das Gott 546 Daß ich der Tugend Daß unser Gott uns 2. 458 Da stehen wir, die Dei. 688 Dein bin ich, Gott! Deines Gottes freue Dein Heil, o Christ, Dein Wille ists, o G. 426 Dein Wort, o Höchst. 200 Dem ganzen Erdkreis 121 Dem großen Vater w. 122 Demuthsvoll komm ich 6 Dem Wandrer gleich, 509 Den größten Sterbend. 158 70 368 392 Register. 11 374 Nr. Der am Kreuz ist meine 161 Der du den Menschen s. 617 Der du selbst die Wahrh. 206 Der du stets unsre Zufl. 8 Der du uns als Vater 197 Der du uns das Heil erw.108 Der du voll Blut und 163 Der du von Jugend auf 411 Der Ehestand soll heilig 513 Der Erde Reize sind erw. 587 Der Freuden Quell ist 287 Der Heiland kommt, 1. 106 Der heilge Christ ist t. 720 Der Herr ist Gott und Der Herr ist meine Der Herrscher aller L. 151 Der hohe Himmel dunk. 604 Der Lenz erfreuet, was 266 Der Mächtige, der H. 603 Der Mond ist aufgeg. 583 Der Morgen kommt u. 649 Der Tag ist wieder hin; 574 Der Wollust Reiz zu Des Leibes warten und 432 Des neuen Jahres erst. 606 Dich bet ich an, erst. Dich, Jesum laß ich ewig 740 Dich, kennen Gott, ist 355 Dich seh ich wieder, 560 Die auf der Erde wall. 243 Die Erd ist Jest Die Feinde deines Kr. 729 Die hier vor deinem Die Himmel rühmen Die Kinder, deren wir 520 Dieß ist der Tag, den 118 Die stillen Abendstund. 578 Die Zunge, die vern. 554 Dir dank ich für mein 615 Dir ergeb ich mich 320 Dir, Gott, der so gern 219 433 176 704 535 51 551 Nr. 56 246 Dir, Gott, sei Preis u. 72 Dir immer ähnlicher zu 343 Dir, trau ich, Gott, u. 377 Dir, unser Gott, ist Dir zu leben, dir zu Du, aller Menschen V. 485 Du bester aller Mensch. 120 Du bester Trost der 2. 633 Du bists, dem Ehr und 404 Du, deines Vaters 329 666 624 Du denkest in der tief. 159 Du, der kein Böses thut, 78 Du, der sich einst voll 145 Du, der so gern begl. 455 Du, dessen Auge floss. 160 Du gabst mir, Ewger 445 Du, Gott, du bist der 607 Du hast es mir gegeben 638 Du hast uns, Herr, die 436 Du, Herr, hast aus B. 227 Du, Herr und Vater Du, Herr, von meinen Du kamst herab zum Du klagst und fühleſt 449 Du läßt den Tag mich 616 Du liebst, o Gott, G. 483 Durch dich, Gott, bin 527 Durch dich, o großer G. 405 Du sagst, ich bin ein Ch. 336 Du Vater deiner M. Du vertheilst der M. Du weiser Schöpfer Du, welchen keine Welt 641 Du wirst, o Bater, für 249 Du wollst erhören G. 672 101 364 526 26 Ehre sei Gott in der 110 Eine Heerde und Ein 734 Eine feste Burg ist 210 Ein Gott regiert; was 389 Ein Herz, o Gott, in 464 552 Register. Nr. Ein milder Regen sinket 600 Ein Pilgrim bin ich in 277 Ein ruhiges Gewissen 500 Einsam bin ich; tiefe 584 Eins ist Noth! 322 Einst, als im Angstgeb. 146 Einst, freuet euch, einst 283 Ein Wohlstand ohne Gl. 743 Empfinde deinen hohen 291 Entehre nicht, mein H. 450 Entfernet euch, unselge 499 Entreiße dich, mein G. 123 Entschwinge dich, mein 385 Erdentöchter, Erdens. 695 Erfreue dich des Heils 120 Erfülle redlich deine 383 Erhabner Gott, was 16 Erhalt uns, Herr 209 750 Erhebt den Herrn, ihr 97 Erhöhter Jesu! Gottes 709 Erinnre dich, mein Geist 180 Er ist erstanden, Jesus 182 Er ist gekommen, er, 109 Erlöser, der im Staube 148 Ermüdet von den S. 575 Erscheine meinem Geist 134 Er starb, der größte Fr. 165 Ertöne feiernder Ges. 414 Ertönt, ihr Freudent. 602 Es baut, o Gott, auf 595 Es eilt der leßte von 446 Es freu der Fürst des 402 Es ging ein Mann voll 124 Es hebt sich auf der A. 297 Es herrscht ein Gott, 379 Es ist dein Wille, Herr 648 Es ist nicht mehr, für 677 Es ist noch eine Ruh v. 278 Es ist nur einer Herr 12 Es ist vollbracht, so r. 170 Es preise Gott, wer J. 328 Es werde Gott von dir 71 Nr. Es zieht, o Gott, ein Kr. 628 Es züchtigt deine Hand 626 Ewig, ewig bin ich dein 224 Ewig, o Jesu, wird dein 213 Ewig und unwandelbar 609 Fallet nieder, fallet 406 Ferne sei der Irrthum 292 Fest steht dein Bund, 614 Frohlockend, Vater, 571 Frohlockt, ihr Christen, 181 Früh mit umwölktem 592 Führer zur Vollkom. 126 für alle Menschen beten 403 Für deinen Himmel 676 Fürwahr, du bist, o G. 59 Geärndtet ist der Feld. 591 Gedanke, der uns Leb. 91 Geht hin! der Gott 516 Geist vom Vater und 195 Gelobt seist du, o Gott 707 Gerechter Gott, vor d. 29 Gern will ich mich erg. 247 Geweihter Ort, wo S. 698 Gewöhne dich, durch 550 Gib, Gott, wenn ich d. 423 Gib, Höchster, daß ich 553 Gib mir, o Gott, ein 480 Gott, aus deinen Sch. 49 Gott, deine Gnade sei 117 Gott, deine Güte, deine 67 Gott, deine Güte reicht 399 Gott, deinen weisen W. 528 Gott, deine weise Macht 65 Gott, der an allen End. Gott, der du für uns Gott, der du Herzensk. 754 Gott, der du Schmerz 647 Gott, der du unsre Zufl. 309 Gott der Liebe, wie er. 363 Gott der Tage, Gott d. 656 58 98 Register. 338 459. 37 31 17 Nr. Gott, der zum Segen f. 547 Gott des Himmels und 562 Gott, dessen Macht des 637 Gott, dir gefällt kein 337 Gott, dir vertraun ist 380 Gott, du bist von Ewigt. 18 Gott, du erforschest mich 295 Gott, durch den wir sind 205 Gottes Gnade sei mit 541 Gottes Sohn ist kom. 115 Gott, heilig sei dein n. 203 Gott, hilf mir, daß ich 711 Gott, ich will mich Gott, immer groß an Gott ist die Liebe, Gott Gott ist getreu, sein H. Gott ist mein Hort und 204 Gott ist mein Lied! Gott ist, der das Verm. 438 Gott, lehre mich verst. 304 Göttlicher, dich zu erh. 331 Gott, mein Vater, D. 523 Gott, mit allen seinen 610 Gott, öffne deinen Him. 668 Gott ruft der Sonn u. 608 Cott, Schöpfer, St. 514 Gott sei Dank, ich lebe 566 Gott sei Dank in aller 104 Gott sorgt für uns. O 62 Gott Vater aller Dinge 732 Gott von großer Macht 599 Gott, vor dessen Anges. 28 Gott, wann mein sterb. 659 Gott, welch ein Schm. 675 Gott, wie schrecklich s. 87 Großer Gott, erhabnes 83 Groß ist der Herr, die 465 Groß ist, ihr Aeltern, 519 Groß wird des Sünd. 275 Hab Acht auf mich in 715 Habe deine Lust am 369 553 Nr. 667 193 477 174 185 Habe deine Lust, o 3. 620 Hallelujah, bringet G. 408 Hast du denn ganz dein 630 Heiland, deine Mensch. 130 Heiland, den uns Gott 99 Heiland, groß an Huld, 239 Heil dir Seele, Gott Heilger Geist, von G. Heilig, heilig ist das Heil ihm, dem Tod. Herr, deine Allmacht Herr deine Kirche dank. 212 Herr, deine Sanftmuth 489 Herr, dein Geseß und 207 Herr, der du alles g. 424 Herr, der du dein th. 241 Herr, der du mir das 576 Herr, der du selbst die 220 Herr, du bist meine 3. 708 Herr, du erforschest mich 24 Herr, du fährst mit Herr, du wollst sie 237 Herr Gott, dich loben 413 Herr Gott, du bist die 19 Herr Gott, was irdisch 542 Herr, höre mein Gebet 339 Herr, ich bin dein Eig. 274 Herr, ich hab aus deiner 251 Herr, laß mich doch g. 440 Herr, lehre mich den w. 76 Herrlich ists an Freund. 556 Herrlich ists in deinem 218 Herr, mache meine S. 378 Herr, mein Licht erl. 201 Herr, mein Versöhner 490 Herr, stärke mich, dein 136 Herr und Richter aller 272 Herr, unser Gott, wer 46 Herr, vor deinem Ang. 5 Herr! welch ein wicht. 518 Herr, wie du willst, só f. 741 Herr, wie lange muß 340 23 554 Herr, wir feiern dein 236 Herr, wir singen deiner 89 Herr, wir stehen hier 221 Hier bin ich, Jesu, zu 228 Hier ist noch unsre P. 428 Hier lieg ich, Herr, in 644 Hilf mir, Gott, der K. 645 Himmelan geht unsre 737 Höchster, denk ich an 294 Höchster G., wir d. Höchster, wer ists, der 15 Höher hebt sich Gottes 586 Huldigt Gott, ihr froh. 39 9 Register. Nr. 710 Jauchzt unserm Gott 33 Ich bebe nicht vor Tod 263 Ich bin der reichste M. 442 Ich bin ein Christ! G. 342 Ich bin getauft auf d. 222 Ich bin getauft nach 3. 223 Ich bin in meinem G. 451 Ich bin, o Gott, dein 75 Ich bin zur Ewigkeit 265 Ich bin ein Gast auf 746 Ich blick empor zu dir 300 Ich denk an dein G. Ich eile meiner Heim. 661 Ich erhebe mein Gem. 298 Ich faffe, Bater, deine 662 Ich freue mich, mein G. 370 Ich geh einst ohne B. 256 Ich geh zu deinem Grabe 723 Ich habe, Gott, mir Ich hab in guten St. 462 Ich hoff ein ewges L. 279 Ich komme, Herr, und 229 Ich komme vor dein 393 Ich preise dich, o Herr 230 Ich seh im Abendrothe 582 Ich sterbe schon, jedoch 670 Ich trete vor dein Ang. 621 Ich weiß, an wen mein 312 341 Nr. Ich weiß von keinem a. 736 Ich will dem Herrn zu 634 Ich will den Bund mit 235 Ich will dich immer tr. 739 Ich will dich noch im 250 Ich will in stiller Einf. 622 Ich will, mein Gott, du 713 Je größer Kreuz, je n. 744 Jesu, deine tiefen W. 143 Jesu, meine Freude, 324 Jesu, meines Lebens L. 137 Jesum ewig zu verehr. 321 Jesus lebt, mit ihm 175 Jesus, meine Zuversicht 264 Jesus soll die Loosung s. 722 Im Frühling meiner J. 531 Immer näher kommt 270 9mmer sich bestreben 125 In allen meinen Th. 55 752 In Gottes Namen f. 568 In Trübsal, Christ, ſei 463 In unserm Kummer 642 3st Gott für mich, so 310 1 Kehre wieder, kehre w. 735 Kein Lehrer ist dir J. 131 Kein Mensch, o Gott, 79 Kinder, die ihr noch im 522 Kommt, betend oft und 394 Komm, heiliger Geist Komm, o komm, du G. 191 Kommt, die ihr nicht 133 Kommt, kommt den H. 57 Kommt, laßt uns Gott 597 Kommt mit Dank vor 92 Kommt und laßt uns 344 Laß dankbar uns die 544 Laß deinen Geist mich 140 Laß doch, o Jesu, laß 215 Laß, Herr, nach eitlen 443 Laß mich doch nicht, o 441 Laß mich, Höchster, d. 492 Register. 4 Nr. Laß mich, o Herr, in 345 Laß mir die Feier deiner 135 Laßt dem Tode seinen 684 Laßt uns mit ehrfurchtsp.112 Laßt uns unserm Gott 114 Lehre mich, Herr, recht 429 Lieblich sind der Tugend 507 Liebster Jesu, wir sind Lob, Ehr und Dank sei 636 Lob, Ehr und Preis 416 Lobet den Herren, 415 Lob, Preis und Ehre br. Lob sei Gott, der den F. 585 Lob sei Gott, der den M. 563 Lobsinge, meine Seele, 183 Lobsinget Gott! Dank 45 Lobsinget Gott, denn s. 214 Lobsinget Gott, er schuf 48 Lobt Gott, ihr Christen 111 3 555 Nr. Mein Leben steht in G. 252 Mein Schöpfer, dessen 347 Mein Vater und mein 348 Menschenfreund, nach 479 Menschen weis und gut 517 Mir nach, spricht Chr. 327 Mit Ernst, o Menschenk. 105 Mit Freuden, laßt uns 613 Mit frohlockendem G. 100 Mit lautem Schall fr. 706 Mittler, schau auf sie 538 Mit welchem Dant Mit welcher Langmuth 40 657 Nach einer Prüfung Nach einer schmerzensv. 650 281 Nach frommer Eintracht 488 Nach Gottes weisheitsv. 545 Nach meiner Seele Sel. 427 Nahet anbetend dem 632 349 593 194 400 21 Naht dem Altare, Unst. 226 Naht mit Andacht im 232 Nicht auf den Höhn, n. 453 Nicht, daß ichs schon Nicht für der Felder Nicht lang ein Bilger 669 Nicht mehr, als meine 646 Nichts ist von Ungefähr! 54 Nicht um ein flüchtig Nicht um Reichthum, Nie bist du, Höchster, Nie will ich wieder fluch. 491 Nimm hin den Dank 238 Nimm unsre Dankgef. Noch immer wechseln Noch läßt der Herr Noch leb ich. Ob ich Noch nie hast du dein Noch stehen wir, o G. 687 Nun bitten wir den h. 189 Nun bringen wir den 680 Nun danket Alle Gott 409 156 Nun ist das alte Jahr 612 94 63 567 261 30 Mache dich, mein 430 Mein Auge sieht, o Gott 64 Mein bester Trost in 396 Meine Kinder, Gott, 521 Meine Lebenszeit verfir. 253 Meinen Jesum laß ich 313 Mein Erlöser, auch für 139 Mein Erlöser, Gottes 142 Mein erst Geschäft 564 Meines Herzens reinste 311 Mein ganzer Geist, G. 280 Mein Glaub ist meines 508 Mein Gott, ach, lehre 346 Mein Gott, du wohnest 356 Mein Gott, ich weiß 254 Mein Gott, zu dem ich 302 Mein Heiland, deine Mein Heiland lebt und 699 Mein Herz, ermuntre d. 712 Mein Herz, Gott, V. Mein Hort ist Gott! 301 382 Mein Jesu, für dein 102 556 Register. Nr. Nun laßt uns alle fröhl. 96 Nun laßt uns gehn und 721 Nun sinkt die Sonne 573 Nur kurz ist hier mein 244 Nr. 601 Oblickt hinauf zur E. 494 Ob wir sind, wie wir 495 Durst nach Blut, o 152 daß ich tausend 3. 718 Oft flagt dein Herz, w. 351 Golgatha, zu deinen 168 O Gott, den alle Wesen 420 O Gott, der du mein 357 O Gott des Himmels 53 7 701 13 153 Sanft, o Christ, ist J.- 332 Sanft, wie er gewand. 697 Schaffet, schaffet, M. 303 Scheint mir freudenleer 452 Schicke dich, erlöſte S. 234 Schmerz und Klage Schon auf Erden könn. 129 Schon ist der Tag von 273 Schön ist die Tugend, 353 Schon naht sich meines 660 651 Schon wieder Nacht Schöpfer der erschaffn. 418 Schöpfer, Gott, Herr 216 Gott, deß starke H. 35 Schüße die Deinen, O Gott, du bist mein Schweiget, bange Zw. 316 O Gott, du frommer 350 Schwer liegt der Tr. Ogroßer Gott, du r. 196 Schwingt, heilige G. DHeiland, dessen hoh. 240 Sehet, Christen, fehet 169 heilger Geist, kehr 192 Seht, welch ein M. O Herr, mein Gott, d. 473 Seid barmherzig, M. O Jesu, Herr der H. 731 Sei gesegnet! Amen, O Kinder, dieser Tag 540 Sei getreu in deinem 537 O könnt ich dich, mein 419 Sei Gott getreu, halt 367 Ofelig, wer zufrieden 511 Sei hoch gepriesen, H. 141 572 O stimm auch du mit 113 Sei mir gegrüßt zu Sei zufrieden, mein O welch ein Glück, ein 73 Dwelch ein Segen ist 555 Selig Jesu, find, die 269 O welch ein unschäzb. 501 Selig sind des Himmels 258 Welt, sich hier dein 162 Selig sind, die in dem 664 Owie fanft ist, Herr, 84 Selig, wer mit stillem 376 Senkt den Leichnam 682 O wie selig seid ihr 683 Owie unaussprechlich 282 Senkt nun den Leib Siegesfürst und Ehr. 726 Preist, Christen, mit 598 Sieh diese jungen S. 539 Preis und Anbetung 417 Sieh, hier bin ich, Ehr. 742 Nedlichkeit, mit dir Sink ich einst in jenen 581 Religion von Gott geg. 198 So fliehen unsre Tage 577 Richte nicht mit harter 484 So gib denn, fromme 686 Ruhet wohl ihr Todt. 685 So hoff ich denn mit 315 Ruhig ist des Todes So Jemand spricht, ich 482 So ist mit aller seiner 652 Soll dein verderbtes 202 60 700 496 689 Säe deine Thränens. 460 487 673 Register. Nr. es gleich bisw. 468 ut ich jetzt noch, da 330 Sollt ich meinem Gott 384 So schlummerst du in 171 So war ich lebe! 1. 305 Soweit, Herr, deine 36 Soweit nur Menschen 590 So, wie du bist, fo 20 Stärke, Mittler, stärke 536 Stets warst du meine 623 Still erheben wir uns. 691 Stimmt unserm Gott 714 Such wer da will ein 738 Sünde ist nie klein zu Theuer sei mir allez. Thut mir auf die sch. Triumph! Triumph! 82 128 716 705 186 724 629 167 Uleber aller Himmel Ueberwinder, nimm Um Erbarmen flehen Um Gnade für die Unerforschlich sei mir 27 Unschuldigster, du hatt. 155 Unser Gott, der Herr 90 Unser Gott ist groß Unser Wandel ist im 431 Unsern Ausgang jegneG.749 Unsre Kindheit, unsre 618 Uns strömt aus deiner 439 Unsterblichkeit, Unst. Unter manchen bangen 671 Unumschränkte Liebe 703 Unwiderbringlich 52 284 611 80 481 Vater, den uns Jesus 401 Vater, heilig möcht ich Vereinigt laß uns Vergelten wirst du den 288 Versammelt hatte Jesus 225 Verschwunden ist der 594 Vertrauen ist des Chr. 372 Verzeih der tiefen Tr. 692 557. Nr. Viele Freuden streuft 456 Vollbracht ist nun die 242 Voll Dank an diesem 561 Vollendet freudig eur. 289 Vollendet hatte Gottes 190 Voller Ehrfurcht Dank 233 Vom Geräusch der W. 502 Vom Grab, an dem 119 Vom Todesthal hinauf 184 Von allen Himmeln 412 Von dir, der meine Von dir, du Gott der 515 Von dir, Gott, sind der 512 Bon dir in diese Welt 498 Von Furcht dahinger. 157 Von heiligem Gefühl 543 Von Herzen preis ich Vor dir, o Gott, sich 497 199 360 733 Wach auf, du Geist der Wach auf, mein Herz, 569 Wachet auf! ruft uns 748 Wandle leuchtender u. 725 Wann wir unsern Lauf 69 Warum erbebst du, m. 268 Warum sollt ich mich 469 Warum willst du doch 386 Warum willst du br. 719 Was Gott thut, das ist 470 Was hilft es mir, ein 354 Was ich nur Gutes h. 421 Was ist im Himmel, 358 Was ist mein Leben 472 Was ist mein zeitlich 434 Was ists, daß ich mich 474 Was mein Gott will 471 Was soll ich ängstlich 387 Was sorgst du ängstlich 259 Was wär ich ohne dich 314 Was zagst du? Gott 388 Weicht, ihr Berge, fallt 31 Weit um mich her ist 588 558 Register. Nr. 333 Wie getrost und heite., 332 Wie gnädig ist des Nr. 395 97 326 Welch hohes Beispiel Welch hohes Vorrecht Welterlöser, dich zu Wenn Christus seine 217 Wenn der Stifter der 694 Wenn Geschwister fr. 525 Wenn gleich aus tiefer 475 Wenn ich auf Gottes 271 Wenn ich ein gut G. 503 Wenn ich einst von jen. 570 Wenn ich, o Schöpfer, 50 Wenn meine Zeit vorh. 257 Wern Menschen streben 532 Wenn mich die Sünden 144 Wenn oft zu jener S. 285 Wenn sich mein Geist 34 Wenn wir in höchsten 627 Wenn zur Erfüllung 365 Wen wird, o Gott, die 504 Wer auf seinen Gott 375 Wer bin ich? welche 425 Wer dieser Erden Güter 486 Wer gehorcht, der thus 548 Wer Gottes Wege geht, 296 Wer Gottes Wort nicht 317 Wer hat den Glauben, 293 Wer höher durch Geburt 549 Wer Jesum fennt, ver. 290 Wer kann die Leiden 150 Wer könnte zweifeln, 10 Wer machte diese schöne 47 Wer mit Lust und Eifer 696 Wer nur den lieben Gott 390 Wer nur ein Laster liebt 81 Wer stets mit reinem 352 Wer Sünde thut, der 85 Wer unter deinem Sch. 579 Wer weiß, wie bald in 262 Wer weiß, wie nahe 260 Wer zählt, Unendlicher, 68 Wiedersehn! mit lauten 702 Wie freu ich mich der 286 Wie göttlich sind doch 132 Wie groß bist du, o Gott! 359 Wie groß ist des Aum. 32 Wie groß ist unsre S. 505 Wie groß, o Herr, ersch. 154 Wie groß, wie angebetet 103 Wie heiter fließt mein 506 Wie im Herbste fällt 245 Wie leicht verkenn ich 422 Wie mannichfaltig sind 435 Wie sanft, mein Vater, 397 Wie sanft sehn wir den 674 Wie sicher lebt der M. 248 Wie soll ich dich empf. 107 Wie theuer, Gott, ist 308 Wie viele Freuden dant 38 Wie wichtig ist doch der 77 Wie wird mir dann, o 255 319 Wie wohl ist mir, o Will mich, o Gott, hien. 476 Willst du der Weisheit 361 Willst du die Buße noch 307 Wir alle, Menschenvater, 596 Wir flehn für unsrer 524 Wir gehn ans Grab Wir glauben an den Wir kommen, Helfer, 643 Wir sind in Noth, laß 635 Wir trocknen unsre Thr. 466 447 Wo eilt ihr hin, ihr Wohlauf, wohlan zum 74 Wohl dem, der beßre 444 Wohl dem, der in dem 510 Wohl dem, der richtig 493 Wohl dem, der seines 619 Wohl einem Haus, da 745 Wohl mir, o Schöpfer 55 Wohlthätta sind der Erde 4 Wohl uns! Wohl uns 53. Wo ist wohl Noth und 86 679 44 Der kleine Catechismus D. M. Luthers. Frage und Antwort für die Kinder, die da sollen. confirmirt und zum erstenmal zur Communion in stand gelassen werden. Jung Bist du ein Chrift? Ja, serr. Woher weißt du das? Daher, daß ich getauft bin auf den Namen unsers Herrn Jesu Christi, und die christliche Lehre weiß und glaube. Welches ist denn die christliche Lehre? Die in den Schriften Mosis, der Propheten und Apostel verfasset und begriffen ist. Wie viel Hauptstücke hat die christliche Lehre? Fünf. Das erste? Die zehn Gebote Gottes. Das andere? Die Artikel des chriftlichen Glaubens. Das britte? Das Gebet des Herrn. 10 Das vierte? nosios da C Das Sakrament der heiligen Taufe. o evid and Das fünfte? Das Abendmahl des Herrn oder das Sakrament des Leibes und Blutes unsers Herrn Jesu Christi. Wozu Das erste Hauptstück. Wozu dienen uns diese allesammt insgemein? Daß wir erkennen: erstlich, wer wir seien, und wie wir mit unserm Herrn Gott stehen. Darnach, wer unser Herr Gott sei, und wie wir mit ihm mögen versöhnet und vereiniget werden. 2 Das erste Hauptstück. Von den zehn Geboten Gottes. Wie lautet das erste Gebot? Du sollst keine andere Götter haben neben mir. Was ist das? Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und ihm allein vertrauen. Das andere Gebot? Du sollst den Namen Gottes, deines Herrn, nicht unnützlich führen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern denselbigen in allen Nöthen anrufen, beten, loben und danken. Das dritte Gebot? Du sollst den Feiertag heiligen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbige heilig halten, gern hören und lernen. Das vierte Gebot? Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dirs wohl gehe, und du lange lebest auf Erden. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsere Eltern und Herren nicht verachten, noch erzürnen, sondern Das erste Hauptstück. 3 dern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und werth halten. Das fünfte Gebot? Du sollst nicht tödten. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid thun, sondern ihm helfen und fördern in allen Leibesnöthen. Das sechste Gebot? Du sollst nicht ehebrechen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir keusch und züchtig leben, in Worten und Werken, und ein Jeglicher sein Gemahl lieben und ehren. Das fiebente Gebot? Du sollst nicht stehlen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten sein Geld und Gut nicht nehmen, noch mit falscher Waare oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten. Das achte Gebot? Du sollst kein falsch Zeugniß reden wider deinen Nächsten. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsern Nächsten nicht fälschlich belügen, verrathen, afterreden, oder bösen Leumund machen, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden, und Alles zum Besten kehren. Das neunte Gebot? Du sollst nicht begehren deines nächsten Haus. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben daß wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Haufe stehen, noch mit einem Schein des Rechten an uns bringen, son* 2 dern 4 Das erste Hauptstück. dern ihm, dasselbe zu behalten, förderlich und dienstlich sein. Das zehnte Gebot? Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vich, oder Alles, was sein ist. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht sein Weib, Gesind oder Vieh, abspannen, abdringen, oder abwendig machen, sondern bei denselbigen anhalten, daß sie bleiben, und thun, was sie schuldig sind. Was sagt nun Gott von diesen Geboten allen? Er sagt also: Ich, der Herr dein Gott, bin ein starter, eifriger Gott, der über die, so mich hassen, die Sünde der Väter heimsuchet an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied, aber denen, so mich lieben, und meine Gebote halten, thue ich wohl bis ins tausendste Glied. o#sligi Was ist das? Gott drohet zu strafen Alle, die diese Gebote übertreten, darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und nicht wider solche Gebote thun. Er verheißet aber Gnade und alles Gute Allen, die solche Gebote halten. Darum sollen wir ihn auch lieben und ihm vertrauen, und gern thun nach seinen Geboten. Wozu sind uns die zehn Gebote nüße? 3u zweierlei: Erstlich zeigen sie die Sünde an, und offenbaren Gottes Zorn über die Sünde, dadurch wir verursacht werden, Vergebung der Sünden, und Trost wider Gottes Zorn und den ewigen Tod bei unserm Herrn und Heiland Jesu Chrifto zu suchen. Zum Andern lehren sie, welches die guten Werte seien, so die Gläubigen und Neugebornen zu thun schuldig sind, ihren Gehorsam und Dankbarkeit gegen den gnädigen Vater im Himmel damit zu beweisen. Kön Das andere Hauptstück. Können wir denn auch mit unsern guien Werken Gottes Gebot und Gesetz erfüllen? Ach nein! denn unsere guten Werke sind nicht vollkommen gut, dieweil wir arme Sünder sind und wenn wir schon wollen Gutes thun, so liegt uns doch das Böse an. Nöm. am 7. Wer hat denn das Gesetz und die zehn Gebote Gottes erfüllet? 5 Christus Jesus, Gottes und Marien Sohn, der ist ganz heilig und gerecht, der hat für uns dem Gesetz genug gethan, anders nicht, als ob wir selbst das Gesetz gehalten hätten. Und um desselbigen Willen gefallen Gott auch unsere guten Werke, die wir durch Gottes Gnade im Glauben thun, ihm zu seinem Lob und Ehren, und unserm Nächsten zu Dienst, obschon Mangel an denselbigen ist. Das andere Hauptstück. Von den Artikeln des christlichen Glaubens. Welches sind die Artikel des christlichen Glaubens? Dieß sind sie: Der erste, von der Schöpfung. Der andere, von der Erlösung. Der dritte, von der Heiligung. Wie lautet der erste Artikel? Von der Schöpfung. Ich glaube an Gott, den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde. Was ist das? Ich glaube, daß mich Gott erschaffen hat, sammt allen Creaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren, und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat, und noch erhält, dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Aecker, Vieh und alle Güter, mit aller Nothdurft und Nahrung des Leibes und Lebens, reichlich und täglich versorget, wider alle Gefährlichkeit beschüßet und beschirmet, und vor allem Uebel behütet und be * 3 wahret Das andere Hauptstück. wahret, und das Alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn' all mein Verdienst und Würdigkeit, das Alles ich ihm zu danken, und zu loben, und dafür zu dienen, und gehorsam zu sein, schuldig bin. Das ist gewißlich wahr. 6 Wie lautet der andere Artikel? Von der Erlösung. Ich glaube an Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn unsern Herrn, der empfangen ist vom heiligen Geist; geboren von Maria, der Jungfrau; gelitten unter Pontio Pilato; gekreuziget, gestorben und begraben; niedergefahren zu der Höllen; am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten; aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Was ist das? Ich glaube, daß Jesus Christus wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich armen, verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben und gewonnen, von allen Sünden, vom Tod, und von der Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen theuren Blut, und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben, auf daß ich sein eigen sei, und in seinem Reich unter ihm lebe, und ihm diene, in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden von dem Tode, lebet und regieret in Ewigkeit. Daß ist gewißlich wahr. Wie lautet der dritte Artikel? Von der Heiligung. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche; die Gemeinschaft der Heiligen; Verge Das andere Hauptſtück. Vergebung der Sünden; Auferstehung des Fleisches, und ein ewiges Leben, Amen. Was ist das? Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesum Christum, meinen Herrn, glauben, oder zu ihm kommen kann, sondern der heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiliget und erhalten, gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden berufet, sammlet, erleuchtet, heiliget, und bei Jesu Christo erhält, im rechten einigen Glauben, in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünde reichlich vergibt, und am jüngsten Tag mich und alle Todten auferwecken wird, und mir, sammt allen Gläubigen in Christo Jeju, ein ewiges Leben geben wird. Dieß ist gewißlich wahr. Wozu dienen uns die Artikel des christlichen Glaubens? 7 Daß wir unsern Gott daraus erkennen lernen, wer er sei in seinem Wesen, und was sein gnädiger Wille gegen uns sei. Wer ist nun Gott in seinem Wesen? Er ist Gott der Vater, Gott der Sohn, und Gott der heilige Geift, drei unterschiedliche Personen, in einem einigen, ewigen, unzertrennlichen Wesen. Sind denn drei Götter? Nein: Es ist nur ein einiger Gott, welcher sich in dreien unterschiedlichen Personen geoffenbaret hat. Was ist der gnädige Wille Gottes? Daß er uns will unsere Sünde vergeben, und mittheilen das ewige selige Leben. Wozu nüßt uns die Erkenntniß des göttlichen 41 Wesens und Willens? Daß wir daraus einen rechten Glauben überkommen, und durch den Glauben selig werden. Welche unter den dreien Personen ist Mensch worden? Die andere Person, als nämlich der ewige Sohn Gottes. Wer ist nun Christus, unser Erlöser, in seiner Person? Er ist wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit gebo* 4 ren 8 Das andere Hauptstück. ren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, mein Herr. Oder kürzer: Er ist wahrhaftiger Gott und Mensch. Oder: Gottes und Marien Sohn. Welches ist denn die größte Wohlthat dieses deines Erlösers Jesu Christi? Er hat mich armen, verlornen und verdammten Menschen erlöset, erworben und gewonnen von allen Sündden, vom Tod, und von der Gewalt des Teufels. Warum hat er dich erlöset? Auf daß ich sein eigen sei, und in seinem Reich unter ihm lebe, und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Glaubest du auch, daß Christus, dein Herr, bei seiner lieben Kirche allhier auf Erden, und auch bei dir sei? www Ja, mein lieber Herr Christus, wahrer Gott und Mensch, ein Herr über alles, ist nach seiner Verheißung bei mir und allen seinen Gläubigen, der ist mein Herr und König, welcher, wie er mich erlöset hat, also schüpet und schirmet er mich auch, und will mich endlich in sein herrliches Reich nach diesem Leben aufnehmen. Wodurch wirst du vor Gott gerecht und selig? Durch kein anderes Wert, als durch den ganzen allerheiligsten Gehorsam meines Herrn und Erlösers Jesu Christi, und durch sein allerbitterstes Leiden und Ster ben, das halt' ich mit festem Glauben, und darauf stehet all meines Herzens Vertrauen und Zuversicht. Woher kommt die Bekehrung zu Gott und der Glaube an Jesum Christum? Es ist eine Gabe des heiligen Geistes, der wirket und gibt mir sie durch sein heiliges Wort und Evangelium und die heiligen Sacramente. Das dritte Hauptstück. Das dritte Hauptstück. Vom Gebet des HERRN. Wie lautet das Gebet des Herrn? Es lautet also: Vater unser, der du bist im Himmel. Was ist das? Gott will uns damit locken, daß wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater, und wir seine rechten Kinder, auf daß wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater. Die erste Bitte? Geheiliget werde dein Name. 9 Was ist das? Gottes Name ist zwar an ihm selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er auch bei uns geheiliget werde. Wie geschieht das? Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird, und wir auch heilig, als die Kinder Gottes, darnach leben. Das hilf uns, lieber Vater im Himmel. Wer aber anders lehret und lebet, denn das Wort Gottes lehret, der entheiliget unter uns den Namen Gottes, dafür behüte uns, lieber himmlischer Vater. Die andere Bitte? Dein Reich komme. Was ist das? Gottes Reich kommt wohl ohne unser Gebet, von ihm selbst; aber wir bitten in diesem Gebet, daß es auch zu uns komme. Wie geschieht das? Wenn der himmlische Vater uns seinen heiligen Geist gibt, daß wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glanben, und göttlich leben, hier zeitlich und dort ewiglich. Mie Das dritte Hauptstück. Wie lautet die dritte Bitte? Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden. 10 Was ist das? Gottes guter gnädiger Wille geschieht wohl ohne unser Gebet; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er auch bei uns geschehe. Wie geschieht das? Wenn Gott allen bösen Rath und Willen bricht, und hindert, so uns den Namen Gottes nicht heiligen und sein Reich nicht kommen lassen wollen, als da ist des Teufels, der Welt, und unsers Fleisches Wille, sondern stärket und behält uns fest in seinem Wort und Glauben, bis an unser Ende. Das ist sein gnädiger und guter Wille. Wie lautet die vierte Bitte? Unser täglich Brod gib uns heute. Was ist das? Gott gibt das tägliche Brod auch wohl ohne unsere Bitte, allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er uns solches erkennen lasse, und wir mit Danksagung empfahen unser täglich Brod. Was heißt denn täglich Brod? Alles, was zur Leibes Nahrung und Nothdurft gehö ret, als Essen, Trinken, Kleider, Schuhe, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und getreue Oberherrn, gut Regiment, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen. Wie lautet die fünfte Bitte? Und vergib uns unsere Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldigern. Was ist das? Wir bitten in diesem Gebet, daß der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünde, und um derselben willen folche Das dritte Hauptstück. 11 solche Bitte nicht versagen, denn wir sind der keines werth, daß wir bitten, habens auch nicht verdienet, sondern er wolle uns Alles aus Gnaden geben, denn wir täglich viel sündigen, und wohl eitel Strafe verdienen. So wollen wir zwar wiederum auch herzlich vergeben, und gern wohl thun denen, die sich an uns versündigen. Wie lautet die sechste Bitte? Und führe uns nicht in Versuchung. Was ist das? Gott versucht zwar Niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, daß uns Gott wolle behüten und erhalten, auf daß uns der Teufel, die Welt und unser eigen Fleisch nicht betrüge, noch verführe in Mißglauben, Verzweiflung und andere große Schand und Laster; und ob wir damit angefochten würden, daß wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten. Wie lautet die siebente Bitte? Sondern erlöse uns von dem Uebel. Was ist das? Wir bitten in diesem Gebet, als in einer Summa, daß uns der Vater im Himmel von allerlei Ulebel Leibes und der Seele, Gutes und Ehre erlöse, und zulegt, wann unser Stündlein kommt, ein seliges Ende beschere, und mit Gnaden von diesem Jammerthal zu sich nehme in den Himmel. Amen. Was heißt Amen? Daß ich soll gewiß sein, solche Bitten seien dem Vater im Himmel angenehm und erhöret; denn er selbst hat uns geboten also zu beten, und verheißen, daß er uns wolle erhören. Amen, Amen, das heißt: Ja, Ja, es soll also geschehen. Wozu dienet uns das Gebet des Herrn? Daß wir erkennen: Alles, was zur Aufrechthaltung dieses zeitlichen, und Erlangung des ewigen Lebens gehöret, könne man nirgends anders woher haben, denn von Gott, und es derohalben von ihm mit gläubigem Herzen bitten und erlangen. Das * 6 12 Das vierte Hauptstück. Guit Das vierte Hauptstück. Vom Sacrament der heiligen Taufe. Was sind die heiligen Sacramente? 100001 Es sind göttliche Handlungen, darinnen uns Gott mit sichtbaren Zeichen( oder in seinem Wort verfaßten Elementen) die unsichtbaren verheißenen Gnadengüter versiegelt und übergibt. Wozu sind die Sacramente eingesetzt? Zur Bestätigung unsers Glaubens an die göttliche Verheißung. Wie viel sind Sacramente im neuen Testament? Zwei: die Taufe, und das Abendmahl des Herrn. Zum Ersten: Was ist die Taufe? Die Taufe ist eine göttliche Handlung, in welcher uns Gott durchs Wasserbad und Wort unsere Sünde gnädiglich um Jesu Christi willen vergibt, nimmt uns an zu seinen Kindern, und macht uns zu Erben aller ſeiner himmlischen Güter. Oder: Die Taufe ist nicht allein schlecht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasset, nnd mit Gottes Wort verbunden. Welches ist denn solch Wort Gottes? Da unser Herr Christus spricht Matthäi am leßten: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. 12 Bum Das vierte Hauptstück. zum Andern: Was gibt oder nügt die Taufe? Sie wirket Vergebung der Sünden, erlöset vom Tod und Teufel, und gibt die ewige Seligkeit Allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißungen Gottes lauten. Welches sind denn solche Worte und Verheißungen Gottes. Da unser Herr Christus spricht Marci am lepten: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig: wer aber nicht glaubet, der wird verdammt. Zum Dritten: 13 Wie kann Wasser solche große Dinge thun? Wasser thuts freilich nicht, sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, so solchem Wort Gottes im Wasser trauet. Denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlecht Wasser, und teine Taufe, aber mit dem Worte Gottes ist es eine Taufe, das ist: ein gnadenreich Wasser des Lebens, und ein Bad der neuen Geburt im heiligen Geist, wie St. Paulus sagt zum Tito am dritten Capitel: Durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens, nach der Hoffnung. Das ist gewißlich wahr. Zum Vierten: Was bedeutet denn solch Wassertaufen? Es bedeutet, daß der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden, und sterben mit al len Sünden und bösen Lüsten, und wiederum täglich herauskommen, und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe. og du Wo stehet das geschrieben? Sanct Paulus zu den Römern am sechsten spricht Wir sind sammt Christo durch die Taufe begraben in den Tod, daß, gleichwie Christus ist von den Todten auferwecket durch die Herrlichteit des Vaters, also sollen wir auch in einem neuen Leben wandeln. * 7 Wozu Das fünfte Hauptstück. Wozu nüßt uns die Taufe? Daß wir damit versichert werden, Gott habe uns zu seinen Kindern angenommen, und wolle sich in allen Dingen als ein gnädiger Vater gegen uns erzeigen. Warum sprichst du in der Auslegung des Catechismus: Die Taufe wirket Vergebung der Sünden, erlöset vom Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit, so doch allein der Herr Chriftus solches gethan hat? 14 Der Herr Christus hat uns dieses Alles erworben in seinem Leiden und Sterben, aber mit der heiligen Taufe hat ers uns geschenket und zugeeignet. Das fünfte Hauptstück. Vom Abendmahl des Herrn, oder 1974 Vom Sacrament des Altars. Was ist das Abendmahl des Herrn? Das Abendmahl des Herrn ist ein Sacrament oder göttliche Handlung, da der Herr Christus selbst gegenwärtig ist, und übergibt uns mit Brod und Wein seinen wahren Leib und Blut, zur gewissen Versicherung, daß wir Vergebung der Sünden haben, und mit ihm in Ewigkeit Leben sollen. Was ist das Sacrament des Altars? Es ist der wahre Leib und Blut unseres Herrn Jesu Christi, unter dem Brod und Wein, uns Christen zu essen und zu trinken, von Christo selbst eingesetzt. S Wo stehet das geschrieben? gen test at So schreiben die heiligen Evangelisten und Apostel, atthäus, Marcus, Lucas und Sanct Baulus: Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brod, dankete, und brachs, und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin Dns fünfte Hauptſtück. 15 hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches thut zu meinem Gedächtniß. Desselbigen gleichen nahin er auch den Kelch, nach dem Abendmahl, dankete, und gab ihnen den, und sprach: Nehmet hin und trinket Alle daraus, dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch und für Viele vergossen wird, zur Vergebung der Sünden; solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtniß. Was nüßet denn solch Essen und Trinken? Das zeigen uns diese Worte an: Für euch gegeben und pergossen zur Vergebung der Sünden; nämlich daß uns im Sacrament Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit durch solche Worte gegeben wird: denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Wie kann leiblich Essen und Trinken solche große Dinge thun? Essen und Trinken thuts freilich nicht, sondern die Worte, so da stehen: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden, welche Worte sind neben dem leiblichen Essen und Trinken als das Hauptstück im Sacrament, und wer denselbigen Worten glaubet, der hat, was sie sagen und wie sie lauten, nämlich: Vergebung der Sünden. Wer empfängt denn solch Sacrament würdiglich? Fasten und leiblich sich zubereiten ist wohl eine feine äußerliche Zucht; aber der ist recht würdig und wohl geschickt, der den Glauben hat an diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Wer aber diesen Worten nicht glaubet, oder zweifelt, der ist unwürdig und ungeschickt, denn das Wort für euch" erfordert eitel gläubige Herzen. Wozu ist uns das Abendmahl des Herrn nüße? Wir werden damit versichert, daß, ob wir gleich un sern Vater im Himmel erzürnet haben, will er uns doch solches verzeihen, und unser gnädiger Vater sein und bleiben Von der Beichte. bleiben. Und ist also die Taufe eine gewisse Versiche rung, daß uns Gott zu Kindern angenommen hat; das Abendmahl aber, daß er uns unsers Ungehorsams nicht will entgelten lassen. Was empfängst du im heiligen Abendmahl? 16 Den wahren Leib und Blut unsers Herrn Jesu Christi, unter dem Brod und Wein. Warum gehest du zum Tisch des Herrn? Daß ich meinen Glauben an den Herrn Christum durch die Nießung seines Leibes und Blutes stärke, und meine arme Seele tröste. Glaubest du und bekennest dieses Alles von Herzen, was du von der christlichen Lehre jeßund gesagt haft? Ja, Herr. Willst du dich denn auch in den Gehorsam der christlichen Kirche ergeben, und nachdem du glaubest und bekennest, hinført thun und leben, und was du allhier verheißest und zusagest, thun und getreulich halten? Ja, Herr, durch die Gnade und Hülfe unsers Herrn Jesu Christi. Von der Beichte. Was ist die Beichte? Die Beichte begreift zwei Stücke in sich: Eins, daß man die Sünden bekenne: Das andere, daß man die Absolution oder Vergebung vom Beichtiger empfahe, als von Gott selbst, und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel. Welche Sünden soll man beichten? Vor Gott soll man aller Sünden sich schuld geben, auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vater Unser thun. Aber vor dem Beichtiger sollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen. Melche Von der Beichte. Welche sind die? Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten: Ob du Bater, Mutter, Sohn, Tochter, Herr, Frau, Knecht oder Magd seiest; ob du ungehorsam, untreu, unfleißig, zornia, unzüchtig, gehässig gewesen seieft; ob du Jemand Leid gethan habeft mit Worten oder Werten; ob du gestohlen, versäumet, verwahrloset, oder sonst Schaden gethan habest? Just 17 Allgemeine Beichte. charmer Sünder erkenne in meinem Herzen, und bekenne mit meinem Munde, daß ich nicht allein in Sünden empfangen und geboren, sondern auch mit allerlei wirklichen Sünden, bösen Gedanken, Worten und Werken gegen Gott, meinen Herrn, gröblich gefehlt habe, und hiermit zeitlicher und ewiger Strafe schuldig wors den bin. THI Solches nun ist mir von Grund meines Herzens leid; habe aber Zuflucht zu seiner Gnade und Barmherzigs keit, und bitte ihn demüthig, daß er, um des Todes Jesu Christi, seines lieben Sohnes und meines Erlösers willen, mir meine Sünden verzeihen wolle. Ich will ins Künftige, durch die Gnade Gottes und den Beistand des heiligen Geistes, mein Leben bessern und frömmer werden. 330 19 Soft Tom jadi ad our cu sporl! Gour la diet 3080 Med den en Gan My O Retor, juda JCH, ONG, din 18 Gebete. Anhang. I. Wie ein Haus- Vater sein Gesinde soll lehren Morgens und Abends sich segnen. Das walt Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. Darauf sprich den Glauben und das Vater Unser, und so du willst, noch eins der nachfolgenden Gebete: ft, noch eins der nach I. Morgengebet. Ich danke dir, mein lieber himmlischer Vater, durch Jesum Christum deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Uebel, auf daß dir all mein Thun und Leben wohlgefalle, denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und Alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. II. Tischgebete. Vor dem Essen. Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit, du thust deine milde Hand auf, und sättigest Alles, was da lebet, mit Wohlgefallen. Darnach das Bater Unser, und dieß folgende Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, segne uns und diese deine Gaben, die wir von deiner milden Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Nach dem Essen. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich, der allem Fleische seine Speise gibt, Die Haustafel. 19 gibt, der dem Vieh sein Futter gibt, den jungen Raben, die ihn anrufen. Er hat nicht Lust an der Stärke des Rosses, noch Gefallen an Jemandes Beinen; der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten und auf seine Güte warten. Darnach das Vater Unser, und dieß folgende Gebet. Wir danken dir, Herr Gott Vater, durch Jesum Christum, unsern Herrn, für alle deine Gaben und Wohlthat, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. III. Abendgebet. Ich danke dir, mein lieber, himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünden, wo ich unrecht gethan habe, und mich diese Nacht gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, mein Leib und Seele, und Alles in deine Hände; dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. II. Die Haustafel. Etliche Sprüche für allerlei heilige Orden und Stände, dadurch dieselbigen, als durch eigene Lection ihres Amts und Diensts zu erwahren. Den Bischöfen, Pfarrherrn und Predigern. in Bischof soll unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittig, gastfrei, lehrhaftig, als ein Haushalter Gottes, nicht ein Weinsäufer, nicht ge hässig, nicht unehrliche Handthierung treiben, sondern gelinde, nicht haderhaftig, nicht geizig, der seinem eigenen Haus wohl vorstehe, der gehorsame Kinder habe, mit aller Ehrbarkeit, nicht ein Neuling, der ob dem Wort halte, das gewiß ist, und lehren kann, auf daß er mächtig sei zu ermahnen durch die heilsame Lehre, und zu strafen die Widersprecher. 1 Tim. 3, Tit. 1. Was 20 Die Haustafel. Was die Zuhörer ihren Lehrern und Seelsorgern zu thun schuldig sind. Effet und trinket, was sie haben, denn ein Arbeiter ist 7. Der Herr hat befohlen, daß die, so das Evangelium verkündigen, sollen sich vom Evangelio nähren. 1. Cor. 9. 14. Der unterrichtet wird mit dem Wort, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Gal. 6, 6. 7. Die Aeltesten, die wohl vorstehen, die halte man zwie facher Ehre werth, sonderlich die da arbeiten im Wort und in der Lehre. Denn es spricht die Schrift: Du sollst dem Ochsen, der da drischet, nicht das Maul verbinden. Item, ein Arbeiter ist seines Lohnes werth. 1. Timoth. 5, 17. 18, Luc. 10. Wir bitten euch, lieben Brüder, daß ihr erkennet, die an euch arbeiten, und euch vorstehen in dem Herrn, und euch ermahnen. Habt sie desto lieber, um ihres Werks willen, und seid friedsam mit ihnen. 1. Thess. 5, 12. 13. Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen, denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen, auf daß sie es mit Freuden thun und nicht mit Seufzen, denn das ist euch nicht gut. Hebr. 13, 17. Von der weltlichen Obrigkeit. edermann sei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt von Gott. Wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott geordnet. Wer sich nun wider die Obrigkeit sepet, der widerstrebet Gottes Ordnung. Die aber widerstreben, werden über sich ein Urtheil empfahen. Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses thut. Röm. 13, 1, 2, 4. Von Die Haustafel. 21 Von den Unterthanen. Sebet dem Kaiſer, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Matth. 22, 21. So seid nun aus Noth unterthan, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen; derohalben müsset ihr auch Schoß geben, denn sie sind Gottes Diener, die solchen Schuß sollen handhaben. So gebet nun Jedermann, was ihr schuldig seid: Schoß, dem der Schoß gebühret; Zoll, dem der Zoll gebühret; Furcht, dem die Furcht gebühret, Ehre, dem die Ehre gebühret. Röm. 13, 5. 6. 7. So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen znerst thue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein geruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit; denn solches ist gut, dazu auch angenehm vor Gott, unserm Heiland. 1. Tim. 2, 1. 2. 3. Erinnere sie, daß sie den Fürsten und der Obrigkeit unterthan und gehorsam seien. Tit. 3, 1. Seid unterthan aller menschlichen Ordnung, um des Herrn willen, es sei dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm, zur Rache über die Uebelthäter, und zu Lobe den Frommen. 1. Petri 2, n. 13. 14. Den Ehemännern. Jhr hr Männer, wohnet bei euren Weibern mit Vernunft, und gebet dem weiblichen, als dem schwächsten Werkzeug seine Ehre, als Miterben der Gnade des Lebens, auf daß euer Gebet nicht verhindert werde. 1. Petri 3, 7. Und seid nicht bitter gegen sie. Coloff. 3, 19. Den Die Haustafel. Den Ehefrauen. Die ie Weiber seien unterthan ihren Männern, als dem Herrn, wie Sara Abraham gehorsam war, und hieß ihn Herr, welcher Töchter ihr worden seid. 1. Petri 3. 6. 22 Den Eltern. Ihr hr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn, daß sie nicht scheu werden, sondern ziehet sie auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn. Ephef. 6, 4. Den Kindern. hr Kinder seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn ist das erste Gebot, das Verheißung hat, nämlich, daß dir es wohl gehe, und du lange lebest auf Erden. Ephes. 6, 1. 2. 3. Den Knechten, Mägden, Taglöhnern und Arbeitern. Jhr hr Knechte, seid gehorsam euren leiblichen Herrn, mit Furcht und Zittern, in Einfältigkeit eures Herzens als Christo, nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als die Knechte Christi, daß ihr solchen Willen Gottes thut von Herzen, mit gutem Willen. Lasset euch dünken, daß ihr dem Herrn, und nicht den Menschen dienet, und wisset, was ein Jeglicher Gutes thut, das wird er von dem Herrn empfahen, er sei Knecht oder Freier. Ephes. 6, 5. 6. 7. 8. Den Hausherren und Hausfrauen. hr Herrn, thut auch dasselbige gegen sie, und laſset 1 im Himmel habt, und ist bei ihm kein Ansehen der Person. Ephes. 6, 9, Der Die Haustafel. Der gemeinen Jugend. I Demuth: widerstehet hr Jungen, seid den Alten unterthan, und beweiset Hoffärtigen, aber den Demüthigen gibt er Gnade. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. 1. Petri 5, v. 5. 6. 23 Den Wittwen. Welche eine rechte Wittwe und einfam ist, die stellet ihre Hoffnung auf Gott und bleibet am Gebet Tag und Nacht. Welche aher in Wollüsten lebet, die ist lebendig todt. 1. Tim. 5, 5. 6. Der Gemeipe. Niebe deinen Nächsten, als dich selbst; in dem Worte sind alle Gebote verfasset. Röm. 13, 9. Und haltet an mit Beten für alle Menschen. 1. Tim. 2, 1. Ein Jeder lern sein Lection, So wird es wohl im Hause stohn. Verlag der Invalidenanstalt. Gedruckt in der 2. C. Wittich'schen Hofbuchdruckerei. GERD# 1349226 2011 tido tn piste dny 1100 je panic in blant pot ne Rotunnobilnun 396 pulp vidi Un 450 in Gebete zur Hausandacht. Morgengebet am Sonntage. Großer und heiliger Gott! du Schöpfer und Herr des Himmels und der Erden! bei dir ist Almacht, Weisheit und Güte, und du bist würdig, von Allem, was auf Erden und im Himmel ist, verehret, gefürchtet und geliebet zu werden! Dich preiset meine Seele für deinen mannichfaltigen Segen, den du über mich und die Meinigen auch in der zurückgelegten Woche ausgebreitet hast, für deinen väterlichen Schuß über uns in der abgewichenen Nacht, und insonderheit für die großen Wohlthaten, die du an diesem heiligen Tage erneuern wirst. Deine Weisheit und Gnade hat uns denselben zu deiner feierlichen Verehrung, zur Beförderung unserer Ruhe in dir, dem lebendigen Gott, und zu unserer näheren Vorbereitung zu deiner ewigen Gemeinschaft geheiliget. O wie gesegnet wird er auch mir sein, wenn ich ihn nach dieser deiner liebreichen Absicht, zur Erquickung und Heiligung meiner Seele durch dein seligmachendes Wort anzuwenden suche! Dein großer Name sei gelobet, daß du mir die öffentliche Feier dieses heiligen und frohen Tages in Gesundheit, Ruhe und Gewissensfreiheit verleihest! Verherrliche dich heute, o Gott, in den öffentlichen Versammlungen durch einen allgemeinen Segen! Heilige du selbst die Opfer unsers Gebets und unsrer Lieder, daß wir dich im Geiste und in der Wahrheit anbeten. Allwissender! du kennest insonderheit meinen und der Meinigen Seelenzustand. Ach laß uns auch heute die göttliche Kraft deines A Wors 2 Abendgebet am Sonntage. Wortes also an unseren Seelen erfahren, daß wir nach unserer Beschaffenheit dadurch wahrhaftig gebessert, im Glauben und allen dir wohlgefälligen Tugenden gestärket, durch deine Tröstungen beruhiget und in deiner Gnade zum ewigen Leben befestiget werden. Laß uns nicht nur in deinem Heiligthume deine wohlthätigen Absichten erfüllen, sondern auch in unserm ganzen Verhalten uns befleißigen, daß wir dir geheiliget werden. Die Ruhe, die du uns heute von unseren leiblichen Geschäften verstattest, werde doch insonderheit zur wahren Erholung unserer Kräfte, zur Sammlung des Gemüths, und zu dessen Richtung auf unser ewiges Heil angewandt. Bewahre uns, gütiger Gott! daß wir nicht durch unnöthige Geschäfte und unnüße Zerstreuungen den Segen dieses Tages und deines Wortes an uns vereiteln. Unser ganzer Wandel müsse dich verherrlichen, und es beweisen, daß wir dir dienen. Insonderheit laß uns dieses alsdann beweisen, wann du uns Gelegenheit gibst, unsere Liebe zu dir durch eine thätige Liebe gegen unsern Nächsten an den Tag zu legen! Heilige, o Gett! auch alle unsere Vergnügungen an diesem heiligen Tage. Laß uns Nichts vergnügen, als was mit Versicherung deiner Gnade ge nossen werden kann. Laß uns durch die Freuden, die uns deine Freundlichkeit auch im Leiblichen schenket, immer mehr zu dir, der Quelle aller Freuden, geführet werden, damit also dein Tag uns in Allem eine wahre Vorbereitung zu deiner ewigen Anbetung, und zu der ewigen Ruhe und Seligkeit sein möge, die du den Deinen verheißen hast. Segnest du, Herr! deinen Tag zum ewigen Heil unserer Seele, so wirst du uns auch im Leiblichen nicht verlassen. Du, mein himmlischer Vater! weißt, was wir bedürfen. Dir sei unser Leben und unsere ganze Wohlfahrt auch heute, auch auf diese Woche und auf die ganze Zeit unserer hiesigen Wanderschaft empfohlen. Leite du uns nach deinem Rath, und nimm uns endlich zu Ehren an, um Jesu Christi willen. Amen. Abendgebet am Sonntage. nädiger und liebreicher Gott! dein Name ist herrlich in Allem, was auf Erden ist, und dein Ruhm höher denn die Himmel. Dank sei dir für die erneuerten Gelegenbei ten Gebet am Sonntage. 3 ten, die ich diesen Tag gehabt habe, dich in deinem Hause anzubeten, mich mit andern Christen zu deinem Dienste zu vereinigen, die Erklärung deines Wortes zu hören, und dadurch unterrichtet, gestärket und auf die Wege der wahren christlichen Tugend geleitet zu werden! Gib mir, o Gott! daß ich nun auch die Vortheile, die du mir verschafft, gehörig nüßen möge, und es nicht blos bei dem Hören bewenden lasse, sondern durch die That beweise, daß ich sie zu den Absichten, zu denen sie gegeben sind, anwende. Mache mich geschickt, daß ich meinem hohen Berufe gemäß lebe, gemäß den Pflichten, die mir auferleget sind, und gemäß den Verheißungen, die ich zu gewarten habe. Vergib mir, gütiger Vater! die Unvollkommenheiten, die meine Andacht heute noch begleitet haben. Vergib die Trägheit und Unthätigkeit meiner Empfindungen, die Zerstreuung meiner Gedanken, die wenige Aufmerk samkeit meiner Seele auf deine Gebote. O gib, daß ich deine Ruhetage immer heiliger zubringen, immer weiser und ernsthafter, andächtiger und himmlischer gesinnt werden möge, als ich bisher gewesen bin. Erhebe mich über diese Welt, so lange ich in ihr lebe. Laß mich nicht den irdischen Dingen so nachjagen, als ob ich diese Welt blos zu meinem Antheit erwählet, und auf kein schöner Erbtheil die Aussicht hätte; sondern lehre mich erkennen, daß hier nicht meine bleibende Stätte sei, sondern daß mir eine festgegründete ewige Wohnung vorbehalten werde. Gib, daß ich mich hier als einen Pilger und Fremdling ansehe, und als ein Bürger des Himmels lebe. Ja, mache mich durch deine Kraft, o gütiger Gott! geschickt, alle Schwierigkeiten, Beschwernisse, Gefahren und Versuchungen zu überwinden, die mir auf meinem Wege zum Himmel aufstoßen, und laß mich durch einen täglichen Zuwachs an Heiligkeit und Tugend immer des glorreichen Erbtheils fähiger werden, das deiner Heiligen im Lichte wartet. Gelobet sei dein Name, o liebreicher Gott! der du mich bis auf diesen Tag mit so vielen und großen Wohlthaten an Leib und Seele begnadigt haft! O laß die Empfindungen deiner unverdienten Güte stets mein Herz rühren, und gib, daß ich dich nicht nur durch meine Worte, sondern auch durch mein Leben preisen möge. Und nun, o Gott, nimm a 2 mich 4 Morgengebet am Montage. mich auch diese Nacht unter deine gnädige Aufsicht! Beschüße mich vor allem Ulebel, und erquicke mich durch eine fanfte und stärkende Ruhe. Deiner liebreichen Fürsorge empfehle ich alle die Meinigen. Thue ihnen Gutes und segne sie mit allen solchen geistlichen und leiblichen Gütern, von denen du weißt, daß sie derselben am meisten bedürfen. Stehe den Unglücklichen bei. Breite deine wohlthätige Barmherzigkeit über das ganze menschliche Geschlecht aus. Erhöre, gütiger Vater! dies mein unvollkommenes Gebet, und laß dir mein demüthiges Lob und Flehen in Gnaden gefallen. Erhalte mich mein kurzes und unge wisses Leben hindurch in der Liebe zu dir. Tröste und stärke mich in meinen legten Augenblicken und nach dem Tode sei du mein Theil und großer Lohn, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn! Dir, mein himmlischer Vater, sei Lob, Preis und Ehre jetzt und immerdar! Amen. Morgengebet am Montag. Herr! durch deine große Barmherzigkeit fange ich mit diesem Morgen meine Wochenarbeit von Neuem an. Deine ewige Liebe und Treue, die mit deinem Segen mich und die Meinigen hisher überschüttet hat, gehe denn auch heute mir von Neuem auf, wie die Morgenröthe! Wer bin ich, o Gott! daß du- mich bis hierher gebracht hast? Ich bin ja, leider! noch immer ein Sünder, dem es an allem Ruhune mangelt, den er vor dir haben sollte. Ich thue, leider nicht immer, noch völlig, was ich thun foute. Meine Gedanken sind eitel; mein Herz ist bald tropig, bald verzagt. Ach! so siehe denn, mein Gott! mich auch heute ja nicht an, wie ich an mir selbst von Natur und in meinen Sünden bin. Gedenke aber, lieber Vater! an deines Sohnes Gehorsam und Gerechtigkeit, daß ich durch ihn vor dir gerecht, und von dir gesegnet sei. Verlaß mich nicht, und thue nicht die Hand von mir ab. Gott, mein Heil! Lehre mich auch heute und die ganze Woche thun nach deinem Wohlgefallen; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Ich weiß nicht, was mir in dies ser angefangenen Woche begegnen wird: behüte du mich aber vor allem Ulebel, behüte meine Seele, behüte meinen Leib, behüte meinen Eingang und Ausgang. Wehre allem Bösen, welches mir das Ziel meines Christenthums ver rücken Abendgebet am Montage. rücken könnte. Laß mich leben im Glauben deines Sohnes, und dadurch Alles, was ich thue, in dir gethan sein. Gib zu meiner Arbeit dem Leibe Kraft und Gesundheit, dem Gemüthe Ruhe und Freudigkeit bei einer gewissenhaften Sorgfalt, und erfreue mich mit deinem göttlichen Gedei: hen. Erhalte mir den Segen, den du mir bisher haft zufließen lassen. Ernähre mich, versorge mich, beschirme mich. Gib mir Weisheit, meine Zeit wohl anzuwenden. Legest du mir dabei eine Last auf, so hilf mir auch, und laß mich allzeit erfahren, daß du der seist, der uns von allem Uebel erlöset hat, und noch ferner erlösen wird. Segne die Meinigen und zeige ihnen dein Heil. Und wie Alles auf dich, mein Gott! wartet, so segne auch heute und in dieser Woche alle gute Nahrung und dir wohlgefälige Arbeit, und gib, daß ein jeder dabei sich redlich nähre, und mit allem guten Gewissen vor dir wandle. Ja, thue deine milde Hand allenthalben auf, und erfülle Alles, was da lebet, mit Wohlgefallen. Denke an uns Alle und segne uns; segne, die dich fürchten, beide, Kleine und Große; segne uns je mehr und mehr um deines lieben Sohnes, Jesu Christi, und um seiner kräftigen Fürbitte willen. Amen. Abendgebet am Montage. 5 Liebreicher Gott! ich danke dir, und bete deine Macht und Güte an, die ich und die Meinigen auch diesen heutigen Tag erfahren haben. Was bin ich, daß du mich bis hierher gebracht, beim Leben erhalten, mir so viel Gutes gethan und mich so reichlich gesegnet haft. Von deiner Gnade, o mein Gott! bin ich auch, was ich bin, und deine Gnade ist nicht von mir gewichen. Also haft du auch heute meiner armen Seele und meines sterblichen Leibes dich herzlich angenommen, meine Arbeit gesegnet, meinen Unterhalt mir verschaffet, alle meine geistliche und leibliche Nothdurft in Gnaden angesehen; ja, überhaupt meiner Schwachheit mit deiner Kraft mächtig geholfen. Wer ist, o Herr! wie du, der du dich so hoch geseßet hast, und doch auf das Niedrige so gnädig siehest? Nun, o mein Gott! da du nicht nur wohneft in der Höhe und im Heiligthum, sondern auch bei denen, die geängsteten Geistes und zerschlagenen Herzens sind, auf daß du erquickest den Geist der a 3 Gede Morgengebet am Dienstage. Gedemüthigten und das Herz der Zerschlagenen; so bitte ich dich demüthig: Tilge alle an mir noch befindliche Sünden flecken durch das Blut deines lieben Sohnes Jesu Christi! 6 Du bist der Herr, nach dessen Worte Alles geschehen, und dem Alles dienen sollte; wie finde ich hingegen mei nen Willen deinem heiligen Willen so sehr zuwider, und mein Herz so kalt gegen das Andenken deiner Gnaden. gegenwart! Um Christi willen schone meiner! vergib mir alle, auch meine verborgenen Fehler! Erfülle ferner an mir deine gnadenreiche Verheißung: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Du bist ja nicht ein Gott, der ferne sei; du erfüllest vielmehr Himmel und Erde und umgibst auch mich, wo ich size oder liege. So sei demnach auch in dieser Nacht nicht ferne von mir; eile, auch mir beizustehn, Gott, meine Hilfe! Beweise auch an mir deine große Gnade, du Heiland derer, die auf dich hoffen! Beschirme mich und Alles, was du mir verliehen hast, unter dem Schatten deiner Flügel. Sei du für mich, so wird nichts wider mich sein. Ja, Vater! wie du deines geliebten Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns alle, und auch für mich dahingegeben hast, so schenke mir und Allen, die ihn angenommen haben, heute und allezeit mit demselben alles Andere, was wir an Leib und Seele bedürfen. Amen, um Jesu willen, Amen. Morgengebet am Dienstage. Gott ott deine Güte ist alle Morgen neu, und deine Treue die du an mir beweiseft, ist sehr groß. Ein Tag sagt es dem andern und eine Nacht thut es fund der andern, wie geschäftig du Herr! in jedem Augenblicke meines Daseins zu meiner Erhaltung, zu meiner Freude und Glückseligkeit bist; du schaffest es, daß ich sicher ruhe. Wann Finsterniß die Erde bedeckt, und wann ich selbst von mir nichts weiß, dann wachest du, mein Leben zu bewahren. Aber auch du bist es, Herr und Gott der Welt, der an jeglichem Morgen dem Tage und seinem Lichte wieder ruft, die Seele zu erwecken; du machest es, daß ich nach einer sanften Nacht mich wieder eines neuen Tags erfreuen kann. Was ist denn billiger, was ist eines vernünftigen Geschöpfes, welches dich zu erkennen fähig ist, würdiger, als dir, dem Gott und Vater meines Lebens, aus dessen Hand ich es auch jest wieder wie neu Abendgebet am Dienstage. 7 neu empfangen habe, dafür zu danken, und deinen Namen zu preisen? Dies sei denn auch jetzt, in dieser frühen Morgenstunde, mein erstes Geschäft. Meine Seele lobe dich, den Herrn, und Alles, was in mir ist, deinen heiligen Namen! Meine Seele lobe dich, und vergesse des Guten nie, das du bis diesen Augenblick an mir gethan hast! Daß ich sicher und ruhig geschlafen habe; daß fein Unfall mich in dieser Nacht betroffen hat; daß ich das Licht dieses Tages eben so gesund wieder erblicke, als ich es gestern verlöschen sah; daß ich nicht nur meine Glieder zu den Geschäften dieses Tages wieder gebrauchen, sondern auch mit erneuerten Kräften gebrauchen, und was noch mehr ist, daß ich vernünftig denken und von den sämmtlichen Kräften meiner Seele einen solchen Gebrauch machen kann, der einem vernünftigen Wesen anständig ist: das Alles, o Gott! habe ich deiner Güte und Treue zu danken. Verleihe mir nun auch die Gnade, daß ich den Werth der Güter, die deine Hand mir an diesem Morgen gleichsam von Neuem geschentet hat, erkennen und schäßen, und daß ich sie zu der Absicht anwenden möge, zu welcher du sie mir gegeben hast. Gib, daß ich heute in Allem, was ich beginne, in meinen Geschäften, in meinen Vergnügungen, in allen Umständen und Verbindungen, in welche ich kommen kann, dich vor Augen und im Herzen habe, und an deine Gerechtigkeit, an dein heiliges Gebot und an meine zukünftige Rechenschaft vor dir, dem Allwissenden, fleißig denten möge. Dadurch werde ich am sichersten bewahrt werden, daß ich in keine Sünde willige, noch irgend etwas mit Vorsaß thue, was wider dein Gebot ist. Erhalte mein Herz auch an diesem Tage bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte; denn die dich Herr! fürchten, haben keinen Mangel an irgend einem Gute, das wahrhaftig glücklich macht! Erhöre mich um des Mittlers willen, in dessen Namen ich zu dir bete. Amen. Abendgebet am Dienstage. Jich ch freue mich deiner Güte, o Gett, und komme mit Danken vor dein Angesicht! Jeder Tag, jede Stunde, jeder Augenblick meines Lebens gibt mir neue Beweise von deiner väterlichen Huld und Gnade, und legt mir neue Verpflichtungen zur Dankbarkeit und zum Gehorsam gegen dich, a 4 meis 8 Abendgebet am Dienstage. meinen Vater und Wohlthäter, auf. Auch heute hast du dich an mir Unwürdigen nicht unbezeugt gelassen. Auch heute hast du mir in allen Absichten viel Gutes gethan. Wie viel bekannte und unbekannte Gefahren und Uebel hast du durch deine gnädige Vorsehung von mir abgewandt! Wie viel geistliche und leibliche Wohlthaten habe ich aus deiner freigebigen and empfangen! Wie kann ich dir, dem Herrn, meine Dankbarkeit genugsam beweisen? Nimm meinen Leib und meine Seele zum Opfer hin. Sie sind dein, und deinem Dienste, deiner Verherrlichung sollen sie auf ewig geheiliget sein! Möchte nur mein Eifer, dir zu gefallen, beständiger, möchte der Gehorsam, den ich dir leiste, reiner und vollkommener sein! Aber, o mein Gott! wie weit bin ich noch von dem Ziele der christ lichen Vollkommenheit entfernt! Wie vieler Nachlässigkeit und Trägheit im Guten, wie vieler Vergehungen und Fehler muß ich mich täglich vor deinem Angesichte be schuldigen! Wie beschämt bin ich, wenn ich an meine Sünde gedenke! Ach Herr! ich bereue sie von ganzem Herzen. Ich entschließe mich, in deiner Furcht mich immer mehr von alle Befleckungen des Fleisches und des Geistes zu reinigen, und meine Heiligung zu vollenden Stärke mich selbst, o Gott! in diesem guten Vorsaze. Stehe mir in der Ausführung desselben mächtig bei. Gib, daß ich Alles, was dir zuwider ist, haffe und als das größte Ulebel meide und fliehe. Gib, daß ich Alles, was dein heiltger Wille von mir fordert, aufrichtig und mit Freuden thue. Laß mir den morgenden Tag heiliger sein, als den heutigen; laß mich täglich an Weisheit und Tugend wachsen und immer mehr nach deinem Ebenbilde erneuert werden. Dein mächtiger Schuß bedecke mich und die meinigen auch in dieser Nacht, damit uns kein Unglück begegne, und keine Plage sich zu unserer Wohnung nahe. Schenke mir einen sanften und erquickenden Schlaf. Laß mich morgen, wenn es dir gefällt, mit neuen Kräften wieder aufwachen, und gib, daß ich sie nach deinem Willen und zu deiner Ehre anwende. Tröste, barmherziger Gott! tröste alle Elenden, die in dieser Nacht durch Schmerzen und Krankheit, oder andere Trübsale der süßen Ruhe beraubt sind. Erbarme dich aller Menschen. Dir, Herr, mein Gott! übergebe ich meinen Leib und meine Seele. Leite mich nach deinem weifen Morgengebet am Mittwochen. 9 sen Rath und nimm mich endlich in deine Herrlichkeit auf. Ich bitte dich um dieses Alles in dem Namen und als ein Jünger Jesu Christi, unsers Mittlers und Seligmachers. Amen. Morgengebet am Mittwochen. Bott! Schöpfer und Herr des Himmels und der Erden, barmherziger Wohlthäter und Vater der Menschen! dich bete ich als den Urheber und Erhalter meines Lebens, als den Gott meines Heils, als die ewige und unerschöpfliche Quelle meiner Glückseligkeit demüthigst an. Dir danke ich mit Freuden für mein Leben, für meine Gesundheit, für meine Kräfte, für alle geistige und leibliche Vortheile, die ich besitze. Dir danke ich insbesondere dafür, daß du mich in dieser Nacht mit deinem mächtigen Schuße bedecket, daß du alle Gefahren, die mir drohten, von mir abgewandt, daß du meinen Leib durch einen sanften Schlaf erquicket, und mir neue Kraft und neues Leben einge flößet hast. Wer bin ich, o Gott, wer bin ich, daß du dich meiner so väterlich annimmst? Ich bin ein Sünder, der deine heiligen Geseße übertreten, der deine Wohithaten öfters gemißbraucht, der sich des schändlichen Undanks gegen dich schuldig gemacht, und als ein solcher Nichts als Ungnade und Strafe verdienet hat. Aber du handelst nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergiltst uns nicht nach unseren Missethaten. Noch schonest du meiner, wie ein Vater seines Sohnes schonet. Noch fährst du fort, mich zu segnen, und mir Gutes zu thun. Noch willst du mich durch Güte zur Buße leiten. Wie reuet es mich, o Gott! daß ich dich, meinen Vater und Wohlthäter, so oft beleidiget, und dir den schuldigen Gehorsam verweigert habe! Ach, strafe mich nicht, wie ich es verdient habe. Sei mir gnädig in Christo, deinem Sohne, und verzeihe mir um seinetwillen alle meine Sünden. Siehe, ich heilige mich dir ganz und gar. Ich verabscheue das Böse, das ich bisher gethan habe. Ich erneuere hiermit in deiner Gegenwart, o Gott, den aufrichtigen Vorsatz, alle unordentlichen Begierden, die in mir aufsteigen, zu unterdrücken, alle böse Gewohnheiten, die ich noch an mir habe, zn bestreiten, bestreiten, und mich in meinem ganzen Verhalten nicht nach dem a 5 Wila 10 Abendgebet am Mittwochen. Willen meines Fleisches, oder nach dem Beispiele der Lasterhaften, sondern allein nach deinen guten und heiligen Geboten zu richten. Ach Herr! stehe mir selber mit deiner Gnade bei, diesen guten Vorsaß mit Treue zu erfüllen; denn ohne dich vermag ich nichts. Bewahre mich auch heute vor allen Versuchungen zur Sünde, und wenn ich versucht werde, so laß mich nicht fallen. Laß mich oft an den Tod, an das Gericht und an die Ewigkeit gedenken, und dadurch weise werden zur ewigen Seligkeit. Verleihe mir Gesundheit und Kräfte zu meinen Berufsgeschäften, und begleite sie mit deinem Segen. Dir und deiner Gnade, o Gott, empfehle ich alle Menschen. Segne insonderheit diejenigen, die du durch die Bande des Blutes und der Freundschaft mit mir verz bunden hast. Gib, daß wir alle die Pflichten unseres Bernfes treulich erfüllen, und deine Ehre und das Heil unserer unsterblichen Seele zum letzten Endzweck aller unserer Bemühungen machen. Erhöre mich, Vater der Barmherzigkeit, und sei mir gnädig um Jeju willen. Amen. Abendgebet am Mittwochen. Barmherziger Gott! nach deiner Verordnung bedeckt jest wiederum Finsterniß unser Erdreich; bei dir aber, du Vater des Lichts! muß auch die Finsterniß Licht sein. Auch diesen Tag legte ich unter deinem gnädigen Schuße zurück, und preise deinen heiligen Namen für alle deine gute und vollkommene Gaben, die mir deine Gnade heute geschenket oder erhalten hat. Ich danke dir nicht nur, daß du mir das Licht meiner leiblichen Augen verliehen und bisher bewahret hast, sondern auch und vornehmlich, daß du dein heiliges Wort noch immerfort meiner Seele leuchten läsfest, als ein Licht auf meinen Wegen. Zwar muß ich, o mein Gott! auch heute vor dir bekennen, daß ich nicht stets nach diesem heiligen Lichte gewandelt habe. Stelle aber meine heutige mir bewußte Uebertretung nicht im Zorne vor dich, noch meine unerkannten Sünden ins Licht vor deinem Angesichte; sondern wirf sie hinter dich zurück, und sei mir um Christi willen gnädig. Bleibe du nun ferner bei mir, mein Gott! da es jezt Abend worden ist. Bist du mein Licht und mein Heil, vor pem sollte ich mich fürchten? Bist du meines Lebens Kraft, Morgengebet am Donnerstage. 11 Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wann meine Augen geschlossen sind, so laß deine Augen über mir offen stehen. Laß meine Seele und meinen Leib und Alles, was ich habe, unter deiner liebevollen Fürsorge wohl verwahret sein. Sorge für mich und die Meinigen; sorge für alle Menschen! Erbarme dich aller Armen, aller Kranken und Elenden! Hilf ihnen und lindere ihren Schmerz und ihren Kummer! Gib ihnen tröstliche Gedanken, die sie aufrichten und stärken können und laß sie deine Macht und Liebe empfinden. Soll ich nach deinem gnädigen Willen noch länger hier leben, so laß mich morgen mit einer dankbaren Empfindung von deiner Güte erwachen, und mich den Tag zu der Erfüllung deiner gütigen Absichten anwenden. Sollte aber in dieser Nacht die Zeit meiner Vorbereitung zur Ewigkeit aufhören; o! so vergib mir, was ich von diesem großen Endzwecke versäumt habe, um Jesu Christi willen, und erfülle deine theure Verheißung, daß du mich um seiner großen Erlösung willen als völlig begnadigt annehmen, und bei dir ewig selig machen wollest. Erhöre mich, mein Gott! mein Vater! durch Jesum Christum. Amen. Morgengebet am Donnerstage. Bott! ott! Quelle meines Lebens und desselben Erhalter! mein Gott, durch dessen Güte ich von Neuem einen Tag anfange, sei du mein erster Gedanke! Dankbarkeit und Liebe gegen dich müssen die ersten meiner heutigen Empfindungen sein. Noch sind Leben und Gesundheit mein; beide hast du mir auch in dieser Nacht erhalten. Deine Güte wachte über mich, daß kein Unglück sich mir nahen durfte. Daß ich heute von Neuem thätig in meinen Geschäften, und zu meinem und meines Nächsten Nußen wirksam sein kann, das ist dein Geschenk und kommt nur von dir. Was habe ich, das ich nicht von dir empfangen hätte? Wer ist mein Vater, mein Wohlthäter, mein Freund, wenn du es nicht bist? Wer ist mehr, als du, meine sicherste Zuflucht? Du Allmächtiger, Allweiser, Gütigster, du bist mein Schöpfer, mein Gott, mein Vater. Wie glücklich bin ich! Könnte ich es wohl mehr sein, als ich es dadurch bin, daß ich von dir, von dir allein abhänge? Dein bin ich und dein will ich ewig bleiben, dir sei mein Schicksal gänzlich heimgestellt. Regiere 4 6 du 12 Abendgebet am Donnerstage. du es nach deinem Wohlgfallen! Dein Wille ist auf alle Weise der beste: dein Wille geschehe! Führe mich immer nach deinem Rath; dein Rath ist Seligkeit für mich. Ich kenne fein seliger Glück, als das, dir zu gehorchen: dein Wille allein sei mein Gesep! Sei du allein der Herr meines Herzens! Herrsche du über seine Gesinnungen, über seine Neigungen, über seine Wünsche; verstatte nicht, daß irgend etwas, das dir zuwider ist, sich in dasselbe einzu schleichen suche! Fehle ich, so lehre mich meine Fehler er kennen und verbessern. Dir zu gefallen, ist mein erster Wunsch; so lange ich denken kann, will ich so denken. Ich empfehle mich und die Meinigen auch an diesem Tag deinem mächtigen Schuße. Laß deine Huld mich auch heute begleiten, auch heute über alle meine Schritte wachen: sei mein, sei aller Menschen Beschüßer! Sollen meiner Tage noch mehr werden, so seien sie dir alle geheiliget! Laß mich keinen, und auch diesen nicht verleben, ohne daß ich besser werde. Gott, deine Güte müsse sich mit jedem Tage über mich erneuern! aber auch mit jedem Tage lasse mich deiner Liebe und Güte würdiger werden. Erhöre mich und erfülle meine dir wohlgefälligen Wünsche, wie du es mir und Allen, die nach deinem Willen bitten, durch Christum verheißen hast. Dir sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Abendgebet am Donnerstage. As bermal ist von der mir bestimmten Lebenszeit ein Tag vorbei. Dir, gütigster Vater, dessen Geschenk er war, dir müssen auch noch seine leßten Augenblicke geweihet, dir müssen die leßten meiner heutigen Empfin dungen heilig sein! Nur deiner Huld allein, unendlich gütiger Gott! habe ich es zu danken, daß du mir bis hierher geholfen hast! Alles, was ich bin, und was ich habe, bin ich und habe ich nur allein von dir. Wie viel Gutes hast du mir heute erwiesen! Wie viel Böses hat dein gnädiger Schuß von mir abgewendet! du bist doch nur allein mein wahres and auch mein höchstes Gut; du wirst es ewig sein. Da ich dich habe, was sind mir Himmel und Erde? Deine Huld verwandelt das Mißvergnügen meiner Tage in Heil und erhöhet das Vergnügen meines Lebens zur Seligkeit. Diese Welt, fo weit entfernt von deinem Himmel, ist doch so voll von deiner Morgengebet am Freitage. 13 ner Güte! Was wird dann jene sein, wo der Freuden die Fülle vor deinem Angesichte, und volle Seligkeit zu deiner Rechten ist! Welche Glückseligkeit wartet dann auf mich in dem Stande meiner Vollendung! O, wann wirst du, Vater! mich würdig finden, mich unter deinen Hausgenossen aufzunehmen? Könnte doch nur mein Leben dir immer angenehm sein, und mein Wandel dir immer gefallen! Mit allsehenden Blicken erforschest du mein Herz. O möchte es doch immer rein, doch immer rechtschaffen von dir erfunden werden! Herr ich gelobe es dir, und will es auch halten, daß ich nach den Rechten deiner Gerechtigkeit leben will. Hilf du mir nur bei meiner natürlichen Schwachheit, und erseße mein Unvermögen durch den kräftigen Einfluß der guten Triebe deines Geistes. Auf dich ver ich mich in Allem, was meine Glückseligkeit befördern kann. Jeßt überlasse ich mich der Ruhe: laß mir, laß den Meinigen, laß diesem Hause, laß allen Menschen deine mähtige Beschirmung widerfahren; ver hüte gnädig Unglück und Schaden! Soll ich in dieser Welt wieder erwachen, so sei ferner mein Gott, wie du es bisher gewesen bist; so führe mich an deiner Hand auf dem Wege, den ich noch durch diese Welt zu gehen habe; so laß dein Auge mich leiten, daß ich nicht von deinen Geboten abweiche; so regiere mich, daß ich, als ein Erbe der Unsterblichkeit, mich immer würdig meinem Berufe betrage, und schon auf Erden mein Wandel im Himmel sei! Amen. Morgengebet am Freitage. Hei eiland der Welt! Treuester Mittler! du bist darum für Alle gestorben, auf daß die, so da leben, hinfort nicht ihnen selbst leben, sondern dir, der du für sie gestorben und auferstanden bist. Dir widme ich heute mein Leben und Denken von Neuem, da ich mich erinnere, daß du an einem Freitage dein theures Leben aus Liebe für mich gelassen hast. Ach, laß mich nie vergessen, wie viele Mühe und Arbeit dir meine Sünden gemacht haben, damit ich keine derselben gering achte. In deinem Leiden laß mich die Güte und den Ernst Gottes schauen. Gib, daß ich mich dieser Güte im Glauben freue und dich, o Gottes Sohn! lebenslang für meinen höchsten und besten Freund halte, indem ja Niemand größere a 7 Liebe 14 Morgengebet am Freitage. Liebe hat, als die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde. Und da ich in deinem Leiden, mein Bürge, sehe, wie ernstlich Gott die Sünde hasse und strafe, so gib mir Gnade, solche auch ernstlich zu hassen und zu vermeiden. Du riefest an deinem Kreuze: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ach! bitte deinen himmlischen Vater für mich, daß er weder heute noch jemals mich verlasse, noch versäume. Du trugest dein Kreuz selbst zu deinem Tode, und unterwarfest deinen Willen dem Willen deines himmlischen Vaters. Gib, daß auch ich mich diesem heiligen Willen in kindlichem Gehorsam unterwerfe, mein Kreuz auf mich nehme, und dir auf allen Wegen deiner Tugend beständig nachfolge. Und wie du mitten in deiner Bein die Deinen nicht vergaßest, sondern auch auf deren leibliche Wohlfahrt und Erhaltung dachtest, so laß mich auch heute dieser deiner treuen Fürsorge ebenfalls genießen. Wende dadurch alles Uebel von mir ab, und alles nöthige Gute mir zu. Bewahre mich und die Meinigen vor Krankheiten und Schmerzen; oder wenn wir ja an unserm Fleische leiden sollten, so gib, daß wir uns mit demselbigen Sinne gegen alle Ungeduld waffnen, mit welchem du gelitten hast. O Herr Jesu! du bist am Kreuze ein Fluch für uns worden, auf daß alle Völker in dir gesegnet würden: laß auch mir deinen reichen Segen an Seele und Leib und zu allen guten Verrichtungen zufließen. Bilde mich nach deinem Sinn; und wie du so gar für deine Feinde, die dich gekreuzigt haben, voll Sanft: muth batest: so gib auch mir standhafte Sanftmuth bei allen unangenehmen Vorfällen, die mir etwa heute durch Menschen begegnen möchten. Ja, du Lamm Gottes, das der ganzen Welt Sünde getragen hat, erbarme dich Aller, und bekehre Alle, die dich noch nicht erkennen, die nicht wissen, was sie thun, wann sie dich verwerfen und durch vorfäßliche Sünden beleidigen. Laß das Wort von deinem Kreuze immer mehr göttliche Kraft und göttliche Weis heit werden. Gedenke an mich und alle die Meinen, Herr! der du im Reiche deiner Herrlichkeit herrschest, und laß uns dereinst mit dir im Paradiese sein. In deine Hände befehle ich heute und allezeit meinen und ihren Geist; du hast uns erlöset, Herr! du getreuer Gott! Amen. Abend: Abendgebet am Freitage. Abendgebet am Freitage. Gott, der du mich auch diesen Tag erhalten hast, ich danke dir für deine fortgeseßte Sorge und Güte gegen mich. Gib, daß ich dir meine Dankbarkeit durch mein aufrichtiges Bestreben bezeige, deinen Willen in allen Dingen zu erfüllen. Ich bitte dich demüthig um Vergebung wegen jeden Vergehens, dessen ich mich schuldig gemacht habe, und es ist mein ernstlicher Wunsch, daß ich mich nie durch den gefährlichen Selbstbetrug verleiten lasse, als werdest du mir meine Sünden vergeben, wenn ich sie auch nicht von nun an zu vermeiden suche. Laß mich fest überzeugt sein, daß ich nie dir wohlgefallen könne, wofern ich nicht ein heiliges und nüßliches Leben führe, und daß, wo ich mir irgend eine Art des Verbrechens erlaube, selbst mein Gebet dir ein Abscheu sein werde. Gib mir die Gnade, so zu leben, daß ich vor deiner Allgegenwart nie erschrecken darf, und da dir alle meine Gedanken, Worte und Werke bekannt sind, so laß mich niemals weder dem Willen nach, noch in der That, irgend einer Sache schuldig sein, die dir mißfallen könnte. Laß mich in der Tugend und Frömmigkeit täglich zunehmen, jede üble Gewohnheit abzulegen suchen, und jeder lasterhaften Neigung widerstehen. Er leuchte du mich selbst, daß ich mein Verderben immer lebendiger erkenne, und mit wahrer Ueberzeugung einsehen möge, wie nothwendig mir deine Gnade sei, und wie sehr ich der beständigen Führung deines Geistes bedürfe. Laß mich als ein weiser Christ vorsichtig auf Erden wandeln, und lehre mich oft an den Tod gedenken, damit ich nicht verz geffe, wie eitel diese Welt und ihre Herrlichkeit ist, und nicht müde werde, den Weg zu den Freuden des ewigen Lebens, wenn ich auch oft auf rauher Bahn wandeln muß, fortzusetzen. Wache auch in dieser Nacht über mich, über die Meinigen und über alle Menschen, insonderheit über alle nothleidende und bekümmerte Menschen mit deiner gnädigen und allmächtigen Fürsorge! Und wenn es dein gnädiger Wille ist, daß ich mit dem morgenden Tag nicht wieder zu diesem Leben erwachen soll; so nimm mich, als dein um Christi willen begnadigtes Kind, mit Erbarmung an, und laß mich zu dir und zu ihm geführet werden, nach seiner liebreichen Verheißung, daß seine Erlöseten 15 16 Morgengebet am Sonnabend. löseten da sein sollen, wo er ist. Gefällt es aber deiner Weisheit und Güte, daß ich hier noch länger leben soll; so laß mich die noch übrige Zeit dieses flüchtigen Lebens zu deinem Lobe und zum dankbaren Gehorsam gegen die Absichten, wozu du deinen Menschen Leben und Kräfte gibst, mit redlicher Sorgfalt anwenden. Ich rufe dich hierum an durch Jesum Christum, deinen ewigen und eingebornen Sohn, um dessen Willen du auch mich zu lieben und zu erhören verheißen hast. Amen. Morgengebet am Sonnabend. Allmächtiger, barmherziger Gott! ich erkenne in dieser und durch du mir von meiner Geburt an bis auf diese Stunde, so viel Gutes an Leib und Seele erwiesen hast. Auch den letzten Tag dieser Woche habe ich durch deine Güte erlebet. Sch preise dich, o Vater! für solche unzählige Wohlthaten, und bitte dich herzlich: Gib, daß ich deiner großen Gnade nimmermehr vergesse, sondern dich mit stetem Danke dafür ehre. Laß mich stets vor dir, o allwissender und allgegenwärtiger Gott! wandeln und fromm sein; Laß mich immer wohl bedenken, daß du mein steter und genauer Aufseher seiest, alle meine Worte hörest, alle meine Werke schauest, alle meine Gedanken bemerfest, und alle meine Wege erforschest. Laß auch heute alles mein Thun gesegnet sein. In deinem Namen fange ich es an. Sei mit mir und laß es zu deiner Ehre und mei nem und Anderer Nußen wohl gerathen. Laß mich, o Herr, auch in dem äußerlichen Berufe, darin ich nach deiner Regierung mich befinde, treu und fleißig sein, und dabei nicht blos auf Menschen, sondern auf dich den Richter aller meiner Gedanken und Handlungen sehen. Verleihe, daß ich mich oft erinnere, wie ich nicht blos Menschen diene, sondern dein Knecht sei, der du einem Jeg lichen vergelten wirst, was er Gutes oder Böses gethan hat. Laß mich aus Liebe zu dir auch meine weltlichen Geschäfte so verrichten, daß ich dir zu gefallen suche, redlich dabei handle und deinen Willen nicht allein mit Dienst vor Augen, sondern von Herzen und mit gutem Willen thue. Segne meine Arbeit und was mir deine Hand gege ben hat, daß ich für mich und die Meinigen die tägliche Noth Abendgebet am Sonnabend. 17 Nothdurft haben möge. Soll ich nach deinem Willen an diesem Tage, oder sonst mit Noth und Trübsal beleget werden: so reiche mir Schwachen deine Hand, daß ich nicht verzage; stärke mich, daß ich Geduld habe und auf dich hoffe. Erbarme dich nach deiner unendlichen Güte aller Menschen, die dich suchen und lieben. Laß aller Nothleidenden und Verlassenen Gebet von dir erhört sein und schaffe ihnen Rath und Trost. Insonderheit gib mir ein Herz, das dich chret, liebet und dir vertrauet. Verlaß mich nicht, mein Gott! denn ich hoffe auf dich. Meinen Leib und meine Seele und alle die Meinigen, meine Ehre und Alles, was ich habe, empfehle ich jetzt und allezeit in deine mächtige Obhut. Ach Herr! sei mein Schuß und mein Heil, mein Helfer und Erretter heute und so lange ich hier bin. Erhöre mich, mein Gott um Jesu Christi willen! Amen. Abendgebet am Sonnabend. Durch deine Güte, o Gott! Schöpfer und Erhalter meines Lebens! habe ich nun von Neuem eine Woche verlebt; um einen beträchtlichen Theil bin ich nun auf dem Wege dieses Lebens dem ernsten Augenblicke näher gekommen, der alle meine Wochen und Tage endigen wird. Wie schnell sind mir auch diejenigen entflohen, welche die vergangene Woche ausmachten! Wie geschwind habe ich das Ende derselben wieder erreicht! Vergnügen und Mißvergnügen, Freude und Kummer, Zufriedenheit und Unruhe, Empfindungen von verschiedener Natur machten ihren Inhalt aus. Gott, Vater der Zeit und Ewigkeit! wie wenig wichtig, wie gar nichts würde mein Leben ohne dich jein, Urheber meines Daseins, und meines Daseins höchstes Gut! Nur deine Güte gibt den Augenblicken meiner Tage einen Werth. Du ließest mich werden, um mich glücklich zu machen; du läsfest meiner Tage mehr wer den, um mein jetziges Glück zu verlängern, und mir Zeit zu geben, für mein künftiges wirksam sein zu fönnen. Unter der Leitung deiner gnädigen Vorsehung sind alle Theile meines Schicksals Mittel zu meiner Seligkeit, und muß Alles, selbst das, was mir böse scheint, zu meinem wahren Besten dienen. Wie voll von Spuren deiner Huld ist die zurückgelegte Woche ge wesen? In wie vielen Fällen habe ich in derselben den 18 Gebet um wahre Erfenntniß und Bereuung zc. den Segen deiner weisen Führung empfunden! Dank sei dir dafür, ewiger, gütiger und liebreicher himmlischer Vater! Wie soll ich deine Wohlthaten vergelten? wie deine Güte würdig genug preisen? Ich will dich lieben, dir vertrauen, dir gehorchen: dieß sollen mir die heiligsten meiner Pflichten sein. Schon hier will ich nach meinem besten Vermögen deine Gebote erfüllen; bei dir in der Ewigkeit werde ich es einst vollkommener thun können. Deine Absichten sind auch die meinigen; dein Wille ist mein Geseß. Vergib mir gnädig nach deiner unendlichen Barmherzigkeit und Güte, die du in deinem Sohne, Jesu Christo geoffenbaret hast, wenn ich dawider gehandelt habe. Laß dir meine aufrichtige Reue darüber wohlgefallen. Stärke mich in der Ausführung guter Vorsäge und Entschließungen, die ich gefasset habe, mich zu bessern, und verhüte, daß ich nicht in die vorigen Sünden zurückfalle oder neue Sünden begehe. Sei in dieser Nacht mein Schup! Deiner gnädigen Obhut empfehle ich mich, und Alle, die mir angehören, Bekannte und Unbekannte, Freunde und Feinde! Laß mich den morgenden heiligen Tag zu deinem Preise erwachen, und gib, daß ich ihn so begehe, wie es dir angenehm und meiner Seele heilsam ist. Erhöre mich, mein Gott! um meines theuersten Erlösers Jesu Christi willen! Amen. Gebet um wahre Erkenntniß und Bereuung der Sünden. O heiliger und gerechter Gott, barmherziger Vater! Ich bekenne und klage dir meine angeborne Blindheit, daß ich meine Sünden nicht so vollkommen erkenne, noch so herzlich bereue, als es wohl sein sollte. Allwissender Gott, du stellest auch unsere unerkannten Sünden ins Licht vor dei nem Angesicht. Ach! gib mir Kraft, die Größe, Abscheulichkeit und Mannichfaltigkeit meiner Sünden recht zu erkennen, und stelle sie mir in diesem Leben unter die Augen, auf daß sie mir nicht am jüngsten Tage unter die Augen gestellet und ich dadurch vor Engeln und Menschen zu Schanden werden möge. Rühre und erweiche mein hartes Herz durch dein kräftiges Wort, daß ich meine Sünden recht ernstlich be reue. Gebet um Vergebung der Sünden. 19 reue. Eine jede Sünde verdienet ja den Fluch; denn du sagst selbst: Verflucht ist, wer nicht alle Worte dieses Geseges erfüllt, daß er darnach thue; und wer auch nur an einem Gebot gesündiget, der ist das ganze Geseß schuldig. Ist der Fluch schon da, wenn nur Ein Ge bot übertreten wird, ach! so habe ich unzähligen Fluch verdienet, weil ich unzähligemal gesündiget und deine Gebote übertreten habe. Dieß laß mich doch, o gerechter Gott! lebendig erkennen und zugleich den Reichthum deiner Güte recht bedenken, die du an mir Unwürdigen mit so väterlicher Langmuth bis hierher bewiesen hast, um mich dadurch zur Buße zu leiten; die ich Undankbarer aber so oft gering geschäßet, und wohl gar miß: braucht und verachtet habe. O Herr Jesu! der du dein heiliges Blut am Stamme des Kreuzes um meiner Sünden willen vergossen hast: laß mich aus dieser thcueren Erlösung lebendig erkennen, wie schwer die Schuld meiner Sünden sei, da es dich so viel gekostet hat, sie zu bezahlen, auf daß ich so mühselig und beladen zu dir fommen möge, daß ich deiner Erquickung fähig und dein heiliges Blut und theueres Leiden an mir nicht verloren fei. heiliger Geist, der du dein Gnadenwerk in der Seele mit einer kräftigen Ueberzeugung von der Sünde anfängst: erleuchte auch mein Herz, daß ich das große Elend desselben aufrichtig erkenne, meine Sünden herzlich bereue, und so zu Jesu, meinem Erlöser, in wahrem Glauben fliehe, daß er auch mir zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung gemacht, werde. Erhöre mich, o Gott, der du nicht willst den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Amen. Gebet um Vergebung der du Sünden. zu mir den werde ich nicht hinaus stoßen. Auf solche deine Verheißung komme ich zu dir, und glaube fest, ich werde nicht hinausgestoßen werden. Ich komme aber als ein Müh feliger und Beladener. Es drücket und beschwert mich der Sünden Last. Ach Vater! vor dir habe ich gefündiget und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße. Wie oft habe ich dich beleidiget! Wie unvollkommen ist die Beobachtung meiner 20 Gebet vor dem Genusse des heil. Abendmahls. meiner Pflicht bisher gewesen! Wie oft habe ich deinem heiligen und guten Willen entgegen gehandelt! wie oft in Gedanten, Worten und Werken, auch noch unwissentlich gefündigt und wie wenig geneigt und tüchtig bin ich von Natur zu allem geistlichen Guten! Ich erkenne, daß ich durch mich selbst deiner Gnade und der Vergebung meiner Sünden gänzlich unwürdig bin. Aber, o Gott! der du auch gegen den Undankbaren barmherzig bist und ihm gern alle seine Uebertretungen vergibst, wenn er mit bußfertigem und glaubigem Herzen in Christo deine Gnade sucht: siehe auch meine aufrichtige Reue und Betrübniß mit väterlichem Erbarmen an, und sei auch mir um Jesu Christi willen gnädig! Ich seze, in völliger Ueberzeugung von meiner Unwürdigkeit und Verwerflichkeit, allein auf deine freie Erbarmung in Christo Jesu, welche den Sünder ohne sein Verdienst gerecht spricht, mein inniges und ganzes Vertrauen, und habe teine andere Gerechtigkeit, als die durch den Glauben an Jesum Christum kommt. Vergib mir um seines theueren Leidens und um deiner erbarmungsvollen Güte willen alle meine Sünden, und befestige meinen guten Vorsaß, dir künftig mit mehrerer Treue und Sorgfalt gehorsam zu sein. Erleuchte meinen Verstand, deinen Willen zu erkennen und heilige meinen Willen, nach deinem Wohlgefallen zu thun, damit ich in deiner Gnade bleiben und dadurch endlich zum Genuß der vollkommensten Güter gelangen möge. Erhöre mein demüthiges Gebet nach deiner großen Barmherzigkeit, um Jesu Chriſti, meines theuersten Erlösers will! Amen. Gebet vor dem Genusse des heil. Abendmahls. Böttlicher Erlöser! Herr Jesu! du hast ein Gedächtniß der Bunder deiner Liebe gestiftet. Nur wenige Stunden vor deinem Leiden setztest du das heilige Abendmahl zum Troste deiner Verehrer und zur Stärkung ihres Glaubens ein, und du läsfest mich noch jetzt zu dieser Gnadentafel einladen, wo ich deines für mich geopferten Leibes und deines für mich vergossenen Blutes, der Siegel und Unter pfänder meines Heils, theilhaftig werden soll. Wie glück lich Gebet vor dem Genusse des heil. Abendmahls. 21 lich bin ich, o Herr! dak, ich dich den einigen und vollkommenen Mittler zwischen Gott und den Menschen, daß ich deine Lehre und dein Heil kenne, daß ich dich meinen Herrn und Gott nennen, mich deiner seligen Gemeinschaft rühmen und zu deinen Erlösten und Freunden zäh len darf! O wie viel habe ich dir, meinem Heilande zu danken! Wie unwissend, wie verderbt, wie trostlos, wie elend würde ich ohne dich und deine Gnade sein! Wie unerträglich würde mir die Last meiner Sünden, wie fürchterlich die Erwartung der damit verdienten Strafen, wie schreck lich der Anblick des Todes und des Grabes sein, wenn du uns nicht selbst den gnädigen Willen Gottes bekannt gemacht, wenn du dich nicht zum Opfer für unsere Sünden dahin gegeben und uns durch deinen Tod Gnade, Leben und ewige Seligkeit erworben hättest. Ja, alles Licht, das mich erleuchtet, aller Trost, der mich erquickt, alle Hoffnung, die mich belebet, sind Geschenke deiner un verdienten Liebe. Wie theuer soll mir dann nicht dein Gedächtniß sein! Würde ich nicht der Undankbarste, der Niederträchtigste unter den Sterblichen sein, wenn ich deiner vergäße, wenn ich mit Kaltsinnigkeit und Gleichgültigkeit an dich gedächte, wenn ich mich weigerte, dir die Ehre und den Dank zu geben, die dir gebühren? Nein, göttlicher Erlöjer, ich folge deiner liebreichen Einladung mit Begierde und Freude. Ich komme, mich öffentlich für deinen Jünger und Verehrer zu bekennen. Ich komme als ein mühseliger und beladener Sünder, Ruhe für meine Seele zu suchen, und ergreife mit bußfertigem Glauben die Gnade, die du mir anbietest und das große Heil, das du gestiftet hast. Ich komme, dir für dein Leiden und Sterben feierlich zu danken, mich dir zum Eigenthum aufzuopfern und den heiligen Vorsatz zu erneuern, nicht mehr mir selber, sondern nur dir zu leben, der du für mich gestorben und auferstanden bist. Ich komme, meine Gemeinschaft mit den Gläubigen zu unterhalten und mich aufs Neue zu einer aufrichtigen Liebe gegen sie zu verpflichten. O Herr! laß mein Vorhaben gesegnet sein. Gib nicht zu, daß ich bloß mit den Lippen zu dir nahe, aber mit dem Herzen ferne von dir sei. Sende mir dein Licht und deinen Geist, und laß den Gedanken, daß du Herz und Nieren prüfest, alle Falschheit und verstellung aus meiner Seele vertreiben. Laß 22 Nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. Laß mich die Wunder deiner Barmherzigkeit so bedenken, daß Glaube, Liebe und Hoffnung dadurch in mir gestärket und ich auf das fräftigste bewogen werde, die Versprechungen, die ich dir thue, mit unverbrüchlicher Treue zu halten. Erhöre mich, mein Heiland! un deiner ewigen Liebe willen! Amen. Nach dem Genusse des heiligen' Abendmahls. du mich sündhaften Menschen nicht verworfen, sondern deinen Sohn, Jesum Christum, auch zu meinem Mittler und Seligmacher verordnet hast. Wenn ich seinem göttlichen Worte glaube und darnach lebe, so bin ich gewiß mit dir versöhnt, völlig von dir begnadigt. Dessen tröste ich mich mit freudigem Vertrauen durch das heilige Abendmahl meines Erlösers, Jesu Chrifti, durch welches ich jczo die Versicherung davon empfangen habe, da ich mir in meinem Gewissen bewußt bin, daß ich alle Vergehungen und Fehltritte meines bisherigen Lebens schmerzlich vor dir bereue, und den aufrichtigen Vorsatz der Besserung bei mir hege. Ach! wie soll ich dir für deine unverdiente Barmherzigkeit genugsam danken! Nimm das schwache Lobopfer meines gerührten Herzens gnädig an, bis mein künftiges Leben beweiset, daß ich ganz von deiner Vaterhuld durchdrungen bin. Ich will deine Gnade nicht vergeblich empfahen. Sie soll einen bleibenden Eins druck auf mein Gemüth machen, meine Gesinnungen regieren und meinen Wandel leiten. O Herr! segne den Genuß des heiligen Abendmahls so an meiner Seele, daß ich dadurch kräftig angetrieben werde, der Sünde zu widerstehen und mich aller christlichen Tugenden zu be fleißigen. Und da ich jetzt den redlichen Vorsaß, mich dri nem Dienste nach Jesu Lehre zu widmen, an seiner Gnadentafel erneuert habe; so bitte ich in Demuth: Hilf du selbst der du alles Gute in uns schaffest, mir ihn freulich vollbringen. Laß mich durch das Andenken des Todes deines Sohnes die Sünden in mir tödten, damit, so lange ich noch in der Welt lebe, ich im Glauben an diesen deinen Sohn lebe, der auch mich geliebet und sich selbst für mich gege: Gebet in Noth und Trübfal. 23 gegeben hat. Gib mir Kraft, dich auch in den Trübfalen dieses Lebens mit Geduld und Vertrauen zu ehren, und im Leben, Leiden und Sterben meine künftige Verherrlichung bei dir in völliger Gewißheit zu hoffen, his ich endlich zu deiner vollkommenen Anbetung und zu der himmlischen Gemeinschaft mit dir in der Ewigfeit gelange, wozu mich dein Sohn, mein theuerster Heiland, erlöset hat! Erhöre mich, Gott, mein versöhnter Vater! um deiner Barmherzigkeit willen! Amen. * * * * * mein Heiland, du hast mich abermals in dem Genuß deines heiligen Abendmals auf das kräftigste versichert, daß du auch für mich deinen heiligen Leib in den Tod gegeben und dein theures Blut vergossen hast. Durch dich habe ich Friede mit Gott und einen freien Zutritt zu seiner Gnade. Durch dich bin ich von der Gewalt der Sünde und des Todes erlöset, und darf mich der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit rühmen. Wie kann ich dir deine Liebe jemals vergelten! Ich will dich ewig lieben; denn du hast mich zuerst, du hast mich bis in den Tod geliebet. Du bist für mich gestorben. Du hast dich selbst für mich geopfert. Ich will ganz der deinige sein. Dir will ich leben, dir will ich sterben! Dir sei mein Leib und meine Seele, dir sei mein ganzes Leben heilig. Dich zu kennen, dich zu lieben, dir zu gehorchen, deinem Beispiele zu folgen, deinen Namen unter den Menschen zu verkündigen, bein Reich hier auf Erden zu erweitern, und mich zu deiner nähe ren Gemeinschaft im Himmel geschickt zu machen: dieß soll meine Ehre, mein Ruhm, mein vornehmstes und beständiges Geschäft, meine ganze Seligkeit sein. Stärke mich, o Herr! in diesem heiligen Vorsaße, und erhalte mich in deiner Treue bis an mein Ende! Amen. Gebet in Noth und Trübsal. Großer und heiliger Gott, der du die ganze Welt mit höchster Weisheit regiereft! ich glaube deine allgemeine Vorsehung; ich glaube von Herzen, daß Alles, was mich und 24 Gebet in Noth und Trübsal. und die Umstände meines Lebens betrifft, durch deine weise heilige und gütige Veranstaltung so eingerichtet sei, wie es ist, daß mir ohne deinen Willen nichts begegnen kann, und beides, mein Glück und mein Unglück, aus deiner Hand kommt. Wie oft, mein Gott! habe ich gesprochen: Dein Wille geschehe! Und nun wird mir dein Wille schwer und fast unerträglich. Soll ich denn nun widerrufen, was mein Mund so oft wiederholet hat? Das sei ferne! Viel lieber will ich mich in tiefster Demuth vor dir niederwerfen und deine heilige Regierung verehren. D Herr! du bist gerecht in allen deinen Wegen! Ich bekenne vor deinem Angesichte, daß ich Alles, was ich leide, und noch weit mehr verdienet habe. Blos Güte ist es, wenn es nicht gar mit mir aus ist; unverdiente Güte ist es, wenn du mich wegen meiner Sünden mit zeitlichen Pla gen, und nicht mit dem ewigen Verderben heimsuchest. Gerechter Richter! ich unterwerfe mich deinem Willen. Aber auch in seinem Ernst verehre ich dich als meinen barmherzigen, als meinen in Christo Jesu versöhnten Vaz ter. Ich weiß, daß deine heiligen Absichten allein auf meine wahre Glückseligkeit abzielen. Auch meine gegen wärtige Trübsal soll zu meinem Besten dienen. Sie soll mich die Folgen meiner Vergehungen empfinden lasſen; sie soll die Liebe der Welt und ihre Eitelkeit in meinem Herzen vermindern; sie soll mich antreiben, dich, meinen Gott, zu suchen, dich zu lieben, dich zu fürchten, dir zu vertrauen, und mein ganzes Leben zu meiner wahren Selichkeit nur nach deinem Willen einzurichten. O Herr! laß diese gesegneten Endzwede an mir erreichet werden, und erfreue mich wieder zur rechten Zeit mit deiner gnädigen Hülfe! Du erhörest, du rettest Alle, die dich in findlichem Vertrauen in der Noth anrufen. Du wirst auch mir helfen, wenn meine Stunde kommt. Diese will ich in Demuth und Gelassenheit von deiner Weisheit er" warten. Laß unterdessen deine Kraft in meiner Schwachheit mächtig sein! Unter deinem Schuß, mit Hülfe deiner göttlichen Liebe kann ich Alles ertragen. Ich will auch gern Alles ertragen, Alles ausstehen und erdulden, was du mir auflegest. Stärke du nur meine Geduld und meine Hoffnung auf deine gnädige Hülfe. Die Tage meiner Trübial werden ein Ende haben! Ja endlich wird Gebet eines Kranken. 25 wird die Stunde erscheinen, die selige Stunde, da all mein Kummer und Schmerz auf einmal verschwinden wird, da ich aus diesen Hütten des Elends in das Land der Freiheit, des Friedens und der Freude hinübergehen werde. Dann wird meine Trübsal, die zeitlich und leicht ist, eine ewige und über alle Maaßen wichtige Herrlichkeit schaffen. Was betrübst du dich denn, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, ewig danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist! Amen. Gebet eines Kranken. Herr, err, allmächtiger Gott! Schöpfer Himmels und der Erden! der du das Leben, die Gesundheit und jeden andern Segen gibst, aber auch wieder nimmst, wann es dir gefällt: lehre mich erkennen, daß Alles, was mir begegnet, von deiner Hand kommt, damit ich bei allen Leitungen deiner gnädigen Vorsehung nur auf dich sehen und sie mir zu deiner, als ihres Urhebers, Ehre zu Nußen machen möge. Du hast mich jetzt mit einer Krankheit heimgesucht, von der ich nicht weiß, was sie für Folgen für mich haben kann. Ich nehme indessen meine einzige Zuflucht zu dir und bitte dich um deinen väterlichen Beistand. Erleichtere meine Schmerzen, befreie mich, wenn es dein heiliger Wille ist, bald wieder davon; verleihe mir aber vornehmlich die Gnade, daß ich diese Krankheit, wenn sie länger anhalten sollte, nicht nur mit Geduld und Gelassenheit ertragen, sondern sie auch zu meiner Heiligung anwenden möge. Gib, daß ich dadurch gebessert werde und auf die Absicht, die du bei dieser Züchtigung hast, merke, damit sie auch an mir erreichet werde. Ist sie eine Strafe für meine Sünden, so laß sie meine Seele kräftig ermuntern, die Sünden, deren ich mich in meinem bisherigen Verhalten schuldig weiß, zu erkennen, sie aufrichtig zu bereuen, und dir künftig in wahrer Heiligkeit und rechtschaffener Gerechtigkeit zu dienen. Laß mich in keiner andern Absicht mein Leben lieben, als dir zu gefallen und meine Seele zu erretten. Wenn ich zu diesem Endzweck leben soll, so schenke mir den Genuß meiB ner 26 Gebet bei heftiger und anhaltender Krankheit. ner vorigen Gesundheit und Stärke wieder und die Gnade, sie auch alsdann zu diesem Endzweck anzuwenden. Soll aber der Tod das Ende meiner gegenwärtigen Krankheit sein, so gib, daß ich diese Welt als ein rechtschaffener Christ verlassen möge! Gib, daß ich sie verlasse mit einer ungeheuchelfen Bereuung aller meiner Vergehungen und Sünden, mit einem festen Vertrauen auf meinen göttlichen Erlöser, Jesum Christum, mit einer freudigen Erwartung der mir durch ihn erworbenen ewigen Seligkeit, und mit einer willigen Ergebung meiner Seele in deine Hände, als in die treuen Hände meines Schöpfers und barmherzigen himmlischen Baters! Erhöre mich, o Gott, um Christi willen! Amen. Gebet bei heftiger und anhaltender Krankheit. eiliger, aber auch barmherziger Gott! der du über die Menschen, deine Kinder, bei ihren Leiden was chest, auch verheißen hast, die zu erretten, welche dich in ihrer Noth anrufen: ich komme jeßt, da deine Hand schwer auf mir liegt und deine Pfeile tief in mich ge drungen sind, mit meinem Gebet vor dich, und bitte dich demüthig: Versage mir in dieser heftigen und anhaltenden Krankheit deine Hülfe und deinen Beistand nicht! Sei mir gnädig, o Gott! denn ich bin schwach: heile mich; denn meine Gebeine sind erschrocken: hilf mir um deiner Güte willen! Siehe an meinen Jammer, und laß dir mein Elend zu Herzen gehen! Von dir allein kann meine Hülfe kommen; wenn du willst, kannſt du mir wohl helfen, meine Schmerzen lindern und mich wieder gesund machen. Ich betenne zwar, daß ich noch weniger leide, als ich verdient habe, und daß ich es deiner Güte allein zu danken habe, wenn es noch nicht gar aus mit mir ist. Ich weigere mich auch deiner Züchtigung nicht, und bin nicht ungeduldig über deine Strafe; denn ich weiß, daß du meine Besserung und Heiligung dabei zur Absicht hast. Indessen wage ich es dennoch, deine Barmherzigkeit anzuflehen, daß du nicht nach meis nen Uebertretungen und Sünden, sondern nach deiner großen Güte mit mir handeln und mich nicht in deinem Borne, sondern mit Maaße züchtigen wolleft. Befreie mich Gebet nach der Genesung von einer Krankh. 27 mich, wenn es deiner Weisheit gemäß ist, bald wieder von allen meinen Schmerzen, die ich jetzt so empfindlich leide. Segne diejenigen Mittel, welche ich in dieser Absicht gebrauche. In Allem aber, was du auch über mich beschlossen hast, gib, daß ich mich deinem heiligen und weisen Willen mit einer gänzlichen Ergebung in denselben und mit einem völligen Vertrauen, daß du, Herr, Alles wohl mit mir machen werdest, unterwerfe. Erhalte mir den Glauben an deine Alles regierende Vorsehung, und laß auch diese schmerzhafte Krankheit dazu dienen, mich in demselben zu stärken! Gib, daß ich auch in dieser Anfechtung bewährt von dir möge erfunden werden, damit ich die Krone des Lebens empfahe, die du verheißen haft denen, die dich lieb haben! Gewähre mir meine demüthige Bitte: ich flehe darum um Jesu Christi, meines Heilandes, willen! Amen. Gebet nach der Genesung von einer Krankheit: ott, von unendlicher Erbärmung, der du gnädig bist Allen, die auf dich trauen! auch ich weiß es jetzt aus eigener Erfahrung, daß du mit deiner Hülfe nahe bist denen, die dich mit Ernst darum anrufen; denn da ich in meiner Noth zu dir rief, da erhörtest du mich und halfest mir wieder von meiner Krankheit, so, daß ich dich jezt mit fröhlichem Herzen dafür preisen kann. Lobe denn, meine Seele, den Herrn, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, der mein Leben vom Tode errettet und mich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit! O daß mein Herz durch diese neue Wohlthat so gerührt würde, daß ich es nie wieder wagte, eine so außerordentliche Güte zu mißbrauchen, sondern jeden Tag, den du, Gott, zu meinem Leben hinzuthust, zu einer treuen Beobachtung deiner Geseße und zu deiner Verherrlichung auwendete! Ich bin nun wieder genesen. Möchte ich mich doch auch von nun an fleißig hüten, daß ich nicht wider dich sündige, damit mir nicht noch etwas Aergeres widerfahre! Laß die öftere Erinnerung an die Umstände, in welchen ich mich befunden habe, einen so starken Eindruck auf mein Gemüth machen, daß ich Alles dasjenige sorgfäl tig vermeide, was mich von Neuem auf das Krankenbette 62 werfen, 28 Gebet eines Sterbenden. werfen, und in Gefahr des Todes bringen könnte. Gib, daß ich in Erfüllung aller meiner Phichten emsig und treu sei, und mit allem Ernst für meine Seele sorge. Du schenkest mir nun Zeit zur Besserung: gib mir denn auch ein Herz, das sich zu bessern bemüht sei. Lehre mich bedenken, daß ich nicht nur sterben muß, sondern auch plötzlich sterben kann, und daß, wenn es nicht diese Krankheit gewesen, es vielleicht eine andere sein wird, die meinem Leben hier auf Erden ein Ende macht, damit ich bei Zeiten das thue, was ich sterbend wünsche gethan zu haben. Laß keine Sünde über mich herrschen, keine Versuchung mich überwinden, oder mich auf die theueren Pflichten, die ich dir und meinem Erlöser schuldig bin, unachtsam machen. Wirke in mir nicht nur das Wollen, sondern auch das Vollbringen des Guten nach deinem Wohlgefallen. Mache mich mit jedem Tage zu deinem ewigen himmlischen Reiche geschickter, uns wann du mich endlich von dem Leibe dieses Todes erlösen wirst, so führe meine Seele in das bessere Leben ein, wo kein Schmerz und kein Tod mehr sein wird! Amen. Gebet eines Sterbenden. nädiger und barmherziger Gott! da es dir, als dem Herrn über Leben und Tod, gefällig zu fein scheinet, mich aus dieser Welt abzufordern; so danke ich dir in der tiefsten Demuth meines Herzens für deine un zähligen geistlichen und leiblichen Wohlthaten, die du mir in meinem ganzen Leben so väterlich erzeigt haſt, und bitte dich inbrünstig, du wollest mich auch bei meinem Uebergange in die Ewigkeit nicht verlassen noch versäumen. Wende dich, o Bater! mit deiner Barmherzigkeit zu mir! Siehe an meinen Jammer und meine Noth, und vergib mir, alle meine Sünden! Erleichtere mir mein Leiden, und verkürze mir die Schmerzen des Todes! Erhalte mich bei dem wahren beständigen Vertrauen auf das blutige Verdienst deines lieben Sohnes, meines göttlichen Mittlers, Jesu Chrifti! Laß deinen freudigen Geist, den rechten Tröster, in meinem Herzen bleiben, daß er alle Furcht, Bekümmerniß, Ungeduld, Seelenangst und Anfechtung von mir treibe, und mir das Gebet der Umstehenden für einen Sterbenden. 29 das Zeugniß gebe, daß ich um Christi willen in deiner Gnade stehe und vor Nichts erschrecken dürfe! Laß mich mein Leben selig beschließen! In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast ihn erlöset, Herr, du getreuer Gott! Ach, Herr Jesu! auf dich gründet sich mein ganzes Vertrauen. Du wirst mich auch in meiner Todesstunde nicht verlassen. In dir allein habe ich die Ge rechtigkeit gefunden, die vor Gott gilt. Durch dein Blut bin ich rein von allen Sünden und völlig gewiß, daß auch der Tod mich nicht von dir scheiden wird. Hilf mir durch deine Gnabe, wenn meine schwache Natur davor erzittern will, und gib mir Lust, abzuscheiden und bei dir in der Seligkeit zu sein, die du mir so thener erworben haft. Ach, Gott, heiliger Geist! verlaß mich nicht in dieser letzten Noth. Hilf meiner Schwachheit auf, und vertritt mich mit unaussprechlichem Seufzen. Verkläre meinen Heiland in meiner Seele, und bringe mich vom Glauben zum Schauen. Dreieiniger Gott! dir be fehle ich mich mit Leib und Seele, die du erschaffen, die du erlöset, die du geheiliget hast, und die also dir allein zugehören, demüthig und gläubig. Herr! laß mich, deinen Diener( deine Dienerin), in Frieden fahren; nimm meinen Geist in deine Hände, und erwecke und verkläre dereinst auch meinen Leib zum ewigen Leben, wie du verheißen hast. Erhöre mich um Christi willen! Amen. Gebet der Umstehenden für einen Sterbenden. Barmherziger Gott und Vater! der du den Tod und das Leben in deinen Händen hast! Du willst, daß wir dich in der Noth anrufen, und verheißest uns Erhörung und Gnade. Darum treten wir auch jetzt in tiefster Demuth vor dein heiliges Angesicht und bitten dich für diese franke Person, die in ihrer äußersten Schwachheit und Noth außer dir, ihrem mächtigen Schöpfer, Niemand hat, der ihr helfen kann. Wir bitten dich in dem Namen Jesu Christi, in wahrem Glauben auf seine theure Verheißung: Sei ihr um Christi willen gnädig und barmherzig! Vergib ihr alle begangenen Sünden! Heilige und stärke sie mit der Kraft deines heiligen Geistes! Laß sie nicht über ihr Vermögen versucht werb 3 den 30 Gebet der Umstehenden für einen Sterbenden. den, sondern laß auch diese ihre letzten Leiden ein gnädiges Ende gewinnen! Sei du durch deine Kraft in ihrer Schwachheit mächtig! Lindere und verkürze ihre Angst und Schmerzen! Tröste sie, du kräftiger Tröster! Hilf ihr, du starter Nothhelfer! Beruhige ihre Seele, und erquicte sie mit der gewissen Hoffnung der ewigen Seligkeit. Göttlicher Erlöser, Herr Jesu! wir bitten dich um deiner ewigen Liebe, und um deines bitteren Leidens und Sterbens willen: Erbarme dich auch jetzt über diese sterbende Person! Wie du sie in ihrem Leben durch die träftige Wirkung deines Geistes zu dir gezogen und ihr Herz nach dir und deinem Heil gelenket hast, so ziehe nun auch ihre Seele aus der einfallenden Hütte ihres Leibes zu dir, daß sie bald mit Freuden von der Erde in den Himmel, von der Sünde zur Gerechtigkeit, aus der Unruhe zur Ruhe, aus der Finsterniß in das Licht, aus allem Jammer in die Herrlichkeit, ja aus dem Tode in das Leben komme. Wenn ihre Augen finster geworden sind, so erhalte in ihrem Herzen das Licht des seligmachenden Glaubens, damit ihre Seele dich anschauen und in dir sich erfreuen möge. Wenn ihre Ohren verschlos sen sind, daß sie Nichts mehr hören, so erquicke und tröste sie durch das innerliche Zusprechen des heiligen Geistes. Wenn ihr Mund nicht mehr reden kann, so sei, Herr Jesu, ihr Fürsprecher bei deinem und ihrem Vater, und laß auch deinen Geist in ihr mit unaussprechlichen Seufzern für sie bitten. Nimm, treuer Hei land! nimm ihren Geist, wenn er sich nun vom Leibe scheidet, zu dir auf, und laß ihn bei dir einer ewigen und vollkommenen Ruhe genießen. Erhöre uns, o Herr! und erfülle unsere demüthige Bitte um deiner allerhöchsten Liebe willen! Amen. Das Das Leiden und Sterben unsers Herrn Jesu Christi, nach den vier Evangelisten. 1. s war aber nahe das Fest der süßen Brode, das da Ostern heißet. Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ihr wisset, daß nach zween Tagen Ostern wird, und des Menschen Sohn wird überantwortet werden, daß er gekreuziget werde. Da versammelten sich die hohenpriester und Schriftgelehrten und die Aeltesten im Volk in dem Palast des Hohenpriesters, der da heißet Caiphas, unb hielten einen Rath, wie sie Jesum mit List griffen und tödteten; denn sie fürchteten sich vor dem Volke. Sie sprachen aber: Ja nicht auf das Fest, auf daß nicht ein Aufruhr werde im Volk. 2. Und da nun Jesus war zu Bethanien in dem Hause Simonis, des Aussäßigen, trat zu ihm ein Weib, das hatte ein Glas mit unverfälschtem und köstlichem Nardenwasser, und sie zerbrach das Glas und goß es auf sein Haupt, da er zu Tische saß. Da das die Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Was soll doch dieser Unrath! Man könnte das Wasser um mehr, denn um dreihundert Groschen verkauft haben und dasselbige den Armen geben; und sie murrten über sie. Da das Jesus merkete, sprach er zu ihnen: Lasset sie zufrieden! Was bekümmert ihr das Weib? Sie hat ein gutes Werk an mir gethan. Ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnet ihr ihnen Gutes thun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat gethan, was sie konnte. Denn daß sie dies Wasser auf meinen Leib gegossen, damit ist 6 4 fie 32 Historie vom Leiden Christi. sie zuvor kommen, meinen Leichnam zu salben zu meinem Begräbniß. Wahrlich, ich sage euch, wo dieß Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtniß, was sie jetzt gethan hat. Es war aber gefahren der Satanas in den Judas, genannt Jscharioth, der da war aus der Zahl der Zwölfe, und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptlenten, daß er ihn verrieth, und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verrathen. Da sie das hörten, wurden sie froh, und boten ihm dreißig Silberlinge, und er versprach sich. Und von dem an suchte er Gelegenheit, daß er ihn überantwortete ohne Rumor. 3. Aber am ersten Tage der süßen Brode, auf welchen man mußte opfern das Osterlamm, traten die Jünger zu Jesu und sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir hingehen, und dir bereiten das Osterlamm zu essen? Und er sandte Petrum und Johannem und sprach: Ge het hin in die Stadt, sehet, wenn ihr hinein kommt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folget ihm nach in das Haus, da er hinein geht, und sagt zu dem Hauswirth: Der Meister läßt dir ja gen: Meine Zeit ist herbei kommen, ich will bei dir die Oftern halten. Wo ist das Gasthaus, darin ich das Osterlamm essen möge mit meinen Jüngern? Und er wird euch einen großen gepflasterten Saal zeigen, daselbst bereitet es. Sie gingen hin und fanden, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Osterlamm. Und am Abend kam er und setzte sich zu Tische mit den zwölf Aposteln. Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlanget, das Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide. Denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis daß erfüllet werde im Reich Gottes. Und er nahm den Kelch, dankete, und sprach: Nehmet densel Historie vom Leiden Christi. 33 denfelben, und theilet ihn unter euch: denn ich sage euch: Ich werde nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes komme, bis an den Tag, da ichs neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reiche. 4. Und indem sie aßen, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm der Herr Jesus das Brod, dankete, und brachs, und gabs den Jüngern, und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, solches thut zu meinem Gedächtniß. Desselbigen gleichen nahm er auch den Kelch, nach dem Abendmahl, dankete, gab ihnen den, und sprach: Trinket Alle daraus, dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch und für Biele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtniß. Und sie tranken Alle daraus. 5. Vor dem Fefte aber der Ostern, das ist auf denselbigen Abend, da Jesus erkennete, daß seine Zeit kommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Bater; wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so liebete er sie bis ans Ende. Und nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Juda Šimonis Jscharioth ins Herz gegeben, daß er ihn verriethe, wußte Jesus, daß ihm der Vater hatte Alles in seine Hände gegeben, und daß er von Gott gekommen war, und zu Gott ging; stand er vom Abendmahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hub an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trock nete sie mit dem Schurz, damit er umgürtet war. Da 65 Historie vom Leiden Christi. Da kam er zu Simon Petro, und derselbe sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißt du jeßt nicht; du wirsts aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du keinen Theil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein; aber nicht Alle. Denn er wußte seinen Verräther wohl, darum sprach er: Ihr seid nicht Alle rein. 34 6. Da er mun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider, und setzte sich wieder nieder, und sprach aber: mal zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch gethan habe? Ihr heißet mich Meister und Herr, und saget recht da ran; denn ich bins auch. So ich nun, euer Meister und Herr, euch die Füße gewaschen habe, sollt ihr euch auch unter einander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer, denn sein Herr, noch der Apostel größer, denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr es thut. Nicht sage ich von euch Allen: ich weiß, welche ich erwählet habe, sondern daß die Schrift erfüllet werde: Der mein Brod isset, der tritt mich mit Füßen. Jetzt sage ichs euch: ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es geschehen ist, ihr glaubet, daß ich es bin. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, so ich Jemand senden werde, der nimmt mich auf. Wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. 7. Da Jesus solches gesagt hatte, ward er betrübt im Geiste, und zeugete, und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch Historie vom Leiden Christi. 35 euch, einer unter euch, der mit mir isset, der wird mich verrathen. Siehe, die Hand meines Verräthers ist mit mir über Tische. Und die Jünger wurden sehr traurig, sahen sich unter einander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete. Und sic fiengen an zu fragen unter sich selbst, welcher es doch wäre unter ihnen, der das thun würde? und sagten zu ihm einer nach dem andern: Herr, bin ichs? und der andere: Bin ichs? Er antwortete und sprach: Einer aus den zwölfen, der mit mir in die Schüssel tauchet, der wird mich derrathen. Des Menschen Sohn gehet zwar dahin, wie von ihm beschlossen und beschrieben ist; doch wehe dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verrathen wird. Es wäre ihm besser, daß derselbige Mensch nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verrieth, und sprach: Vin ichs, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagsts. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische saß, an der Brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte, dem winkte Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte. Denn derselbige lag an der Brust Jesu, und sprach zu ihm: Herr, wer ists? Jesus antwortete: Der ists, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er tauchete den Bissen ein und gab ihn Juda Simonis scharioth. Und nach dem Bissen führ der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du thust, das thue bald. Dasselbige aber wußte Niemand über Tische, wozu ers ihm sagte. Etliche meineten, dieweil Judas den Beutel hätte, Jesus spräche zu ihm: Kaufe, was uns Noth ist aufs Fest; oder, daß er den Armen Etwas gebe. Da er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus, und es war Nacht. 8. Da aber Judas hinausgegangen war, erhub sich ein Bank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den größesten gehalten werden. Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißet man 6 6 gnädige Historie vom Leiden Chriſti. gnädige Herrn. Ihr aber nicht also; sondern der GröBeste unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist der Größeste? der zu Tische sizet, oder der da dienet? Ist's nicht also, der zu Tische sizet? Ich bin aber mitten unter euch wie ein Diener. Jhr aber seids, die ihr bei mir beharret habt in meinen Anfechtungen. Und ich will euch das Reich bescheiden, wie mirs mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollt über meinem Tische in meinem Reiche, und sißen auf Stühlen, und richten die zwölf Geschlechter Israels. 36 Da sprach Jesus: Nun ist des Menschen Sohn verkläret, und Gott ist verkläret in ihm. Ist Gott verkläret in ihm, so wird ihn Gott auch verklären in ihm selbst, und wird ihn bald verklären. Liebe Kindlein, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen, und, wie ich zu den Juden sagte, wo ich hingehe, da könnet ihr nicht hinkommen. Und ich sage euch nun: Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einander liebet, wie ich euch geliebet habe, auf daß auch ihr einander lieb habet. Dabei wird Jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habet. 9. Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehest du hin? Jesus antwortete ihm: Da ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir hernachmals folgen. Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen. Jesus antwortete ihm: Solltest du dein Leben für mich lassen? Simon, Simon, siehe, der Satanas hat euer begehret, daß er euch möchte sichten, wie den Waizen; ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht auf höre. Und wenn du dich dermaleinst bekehrest, so stärke deine Brüder. Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin be reit, mit dir ins Gefängniß und in den Tod zu gehen. Er Historie voni Leiden Christi. 37 Er aber sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir Petrus, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich kennest." Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch gesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nie keinen. Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desselbigen gleichen auch die Tasche. Wer aber nicht hat, der verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwerdt; denn ich sage euch: es muß auch das vollendet werden an mir, das geschrieben stehet: Er ist unter die Uebelthäter gerechnet. Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende. Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerdter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug. 10. Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten, ging Je sus hinaus nach seiner Gewohnheit über den Bach Kidron, an den Delberg. Es folgten ihm aber seine Jünger nach. Da sprach er zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch Alle an mir ärgern. Denn es stehet geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schaafe der Heerde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläa. Petrus aber antwortete, und sprach zu ihm: Wenn sie sich auch Alle an dir ärgerten, so will ich mich doch nimmermehr an dir ärgern. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal frähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Er redete aber noch weiter: Ja, wenn ich mit dir sterben müßte, wollte ich dich nicht verläugnen. Desselbigen gleichen sagten auch alle Jünger. Ta kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethsemane, da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verrieth, wußte den Ort auch; denn Jesus versammelte sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Da sprach Jesus zu ihnen: Seget euch hie, auf daß ich dort hingehe und bete. Und er nahm zu sich Petrum 57 und 38 Historie vom Leiden Christi. und Jacobum und Johannem, die zween Söhne Zebedäi, und fing an zu trauern und zu zittern, und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod; bleibet hie, wachet mit mir und betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. 11. Und er riß sich von ihnen bei einem Steinwurf, und knieete nieder, fiel auf sein Angesicht auf die Erde und betete, daß, so es möglich wäre, die Stunde vorüber ginge, und sprach: Abba! mein Vater! Es ist dir Alles möglich, überhebe mich dieses Stelchs! doch nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend, und sprach zu Betro: Simon! schläfft du? Vermöchtest du nicht eine Stunde mit mir zu wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Zum andern Mal ging er aber hin, betete und sprach: Mein Vater! ist's nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn; so geschehe dein Wille. Und er kam, und fand sie abermal schlafend, und ihre Augen waren voll Schlafs, und wußten nicht, was sie ihm ant worteten. Und er ließ sie, und ging abermal hin und betete zum drittenmale dieselbigen Worte, und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkete ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang, und er betete heftiger. Es war aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. 12. Und er stand auf von dem Gebet, und kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend vor Traurigkeit, und sprach zul Historie vom Leiden Christi. 39 ihnen: Ach! wollt ihr nun schlafen und ruhen? Was schlafet ihr? Es ist genug. Siehe, die Stunde ist gekommen, und des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände. Stehet auf, und laßt uns ge= hen; siehe, der mich verräth, ist nahe. Betet aber, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und alsbald, da er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwölfen einer. Da er nun zu sich hatte genommen die Schaar und die Diener der Hohenpriester und Pharisäer, der Aeltesten und Schriftgelehrten, ging er zu vor der Schaar, und kommt dahin mit Fackeln, Lampen und Schwerdtern und mit Stangen. Der Verräther aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben, und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's, den greifet und führet ihn gewiß. Als nun Jesus wußte Alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus, und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bins. Judas aber, der ihn verrieth, stand auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bins, wichen sie zurücke und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermal: Wen suchet ihr? Sie aber sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habs euch gesagt, daß ich es sei. Suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen. Auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe derer keinen verloren, die du mir gegeben haſt. 13. Und Judas nahete sich zu Jesu, ihn zu küssen. Und alsbald trat er zu ihm, und spräch: Gegrüßest seist du, Rabbi! und küssete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du gekommen? Juda, verräthst du des Menschen Sohn mit einem Kuß? Da traten sie hinzu, und legten die Hände an Jefum und griffen ihn. Da 40 Historie vom Leiden Christi. Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwerdt drein schlagen? Da hatte Simon Petrus ein Schwerdt, und zog es aus, und schlug nach des Hohenpriesters Knecht, und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Jesus aber antwortete und sprach: Lasset sie doch so serne machen. Und sprach zu Petro: Stecke dein Schwerdt in die Scheide. Denn wer das Schwerdt nimmt, der soll durchs Schwerdt umkommen. Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel? Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also geschehen. Und er rührete sein Ohr an und heilete ihn. 14. Zu der Stunde sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Aeltesten, die über ihn gekommen waren: Ihr seid, als zu einem Mörder, mit Schwerdtern und mit Stangen ausgegangen, mich zu fahen. Bin ich doch täglich gesessen bei euch, und habe gelehret im Tempel, und ihr habt keine Hand an mich gelegt; aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsterniß. Das ist aber Alles geschehen, auf daß erfüllet würden die Schriften der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut, und die Jünglinge griffen ihn: er aber ließ die Leinwand fahren, und floh blos von ihnen. 15. Die Schaar aber und der Oberhauptmann, und die Diener der Juden nahmen Jesum und banden ihn, und füh reten ihn auf's Erste zu Hannas, der war Caiphas Schwäher, welcher des Jahres Hoherpriester war. Es war aber Caipha3, Historie vom Leiden Christi. 41 Caiphas, der den Juden rieth, es wäre gut, daß Ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Und sie führten ihn zu dem Hohenpriester Caiphas, ( das ist zum Fürsten der Priester), dahin alle Hohenpriester und Schriftgelehrten und Aeltesten sich versammelt hatten. Simon Petrus aber folgte Jesu von ferne, und ein anderer Jünger, bis an den Palast des Hohenpriesters. Derselbige Jünger war dem Hohenpriester bekannt, und ging mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palast. Petrus aber stand draußen vor der Thür. Da ging der andere Jünger der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus, und redete mit der Thürhüterin, und führete Betrum hinein. Es standen aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohlfeuer gemacht, danieden mitten im Palast; denn es war kalt, und wärmeten sich. Petrus aber stand bei ihnen, und wärmete sich, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte. Die Magd aber des Hohenpriesters, die Thürhüterin, sah Petrum bei dem Lichte, da er sich wärmete. Und sah eben auf ihn, und sprach: Und du warst auch mit dem Jesu von Galiläa. Bist du nicht auch dieses Menschen Jünger einer? Er läugnete aber vor Allen, und sprach: Weib, ich bin's nicht; ich kenne sein nicht. Ich weiß auch nicht, was du sagest. 16. Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete: Ich habe frei öf fentlich geredet vor der Welt; ich habe allezeit gelehret in der Schule, und in dem Tempel, da alle Juden zusammen kommen, und habe Nichts im Winkel geredet. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe. Siehe, dieselbige wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei standen, Jesu einen Backenstreich und sprach: Solltest du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß 42 Historie vom Leiden Christi. daß es unrecht sei; habe ich aber recht geredet, was schlägest du mich? Und Hannas hatte ihn gebunden ge sandt zu dem Hohenpriester Caiphas. 17. Simon Petrus aber stand und wärmete sich. Und über eine kleine Weile, nach dem ersten Verläugnen, als er hinaus ging nach dem Vorhof, frähte der Hahn, und eine andere Magd sah ihn, und hub abermal an zu sagen denen, die dabei standen: Dieser war auch mit dem Jesu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger einer? Und ein anderer sprach: Du bist auch der einer. Und er läugnete abermal, und schwur dazu und sprach: Mensch, ich bin's nicht und fenne auch den Menschen nicht. Und über eine kleine Weile, bei einer Stunde, bekräftigte es ein Anderer mit denen, die da standen, und sprach: Wahrlich, du bist auch der einer, denn du bist ein Galiläer: deine Sprache verräth dich. Spricht des Hohenpriesters Knecht, ein Befreundeter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr saget. Und alsbald, da er noch redete, krähte der Hahn zum andern Mal. Und der Herr wandte sich, und sah Pe trum an. Da gedachte Petrus an die Worte Jesu, als er zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verläugnen, und ging hinaus und weinete bitterlich. 18. Die Hohenpriester aber, und die Aeltesten, und der ganze Rath suchten falsche Zeugnisse wider Jesum, auf daß sie ihm zum Tode hülfen, und fanden feines, wiewohl viel falsche Zeugen herzutraten, denn ihre Zeugnisse stimmten nicht Historie von Leiden Christi. 43 nicht überein. Zulegt standen auf und traten herzu zween falsche Zeugen, und gaben falsch Zeugniß wider ihn, und sprachen: Wir haben gehört, daß er sagte: Ich kann und will abbrechen den Tempel Gottes, der mit Händen gemacht ist, und in dreien Tagen will ich einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. Und ihr Zeugniß stimmte noch nicht überein. Und der Hohepriester stand auf unter ihnen, und fragte Jesum, und sprach: Antwortest du Nichts zu dem, das diese wider dich zeugen? Jesus aber schwieg stille, und antwortete Nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermal, und sprach zu ihm: Bist du Christus, der Sohn des Hochgelobten? Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns jageft, ob du seist Christus, der Sohn Gottes? Jesus sprach: Du sagst es, ich bins. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr sehen des Menschen Sohn sißen zur rechten Hand der Kraft, und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider, und sprach: Er hat Gott gelästert, was bedürfen wir weiter Zeugniß? Siche, jeßt haben wir seine Gotteslästerung gehöret; was dünket euch? Sie aber verdammten ihn Alle, und sprachen: Er ist des Todes schuldig. 19. Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn, und schlugen ihn mit Fäusten. Etliche aber verdeckten ihn, und schlugen ihn ins Angesicht, besonders die Knechte, und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ists, der dich schlug? Und viele andere Lästerungen sagten sie wider ihn. Des Morgens aber versammelten sich alle Hohenpriester, Schriftgelehrten, und die Aeltesten des Volks, und der ganze Rath, und hielten Rath über Jesum, daß sie ihm zum Tode hülfen, und führten ihn hinauf vor ihren Rath und sprachen: Bist du Christus? sags uns. Er aber sprach zu ihnen: Sage ichs euch, so glaubet ihr nicht. Frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und lasset mich dennoch nicht los. 44 Historie vom Leiden Christi. los. Darum von nun an wird des Menschen Sohn sißen zur rechten Hand der Kraft Gottes. Da sprachen sie Alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr sagets; denn ich bins. Sie aber sprachen: Was bedürfen wir weiter Zeugniß? Wir habens selbst gehört aus seinem Munde. 20. Und der ganze Haufe stand auf und banden Jesum, führten ihn von Caiphas vor das Richthaus, und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontio Pilato, und es war noch frühe. Da das Judas sah, der ihn verrathen hatte, daß er verdammt war zum Tode, gereuete es ihn, und brachte wieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Aeltesten, und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verrathen habe. Sie sprachen aber: Was gehet uns das an? da siehe du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hob sich davon, und erhenkte sich selbst, und ist mitten entzwei geborsten, und seine Eingeweide ausgeschüttet. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen, denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rath, und kauften um die Sil berlinge, um den Lohn der Ungerechtigkeit, eines Töpfers Acker zum Begräbniß der Pilger. Und es ist kund ge worden Allen, die zu Jerusalem wohneten, also, daß derfelbige Acker genennet wird auf ihre Sprache Hakeldama, das ist, ein Blutacker, bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesagt ist durch den Bropheten Jeremias, da er spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward der Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel, und haben sie gegeben um eines Töpfers Acker, als mir der Herr befohlen hat. 21. Historie vom Leiden Christi. 45 21. Die Juden aber gingen nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern Ostern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus, und sprach: Was bringt ihr für eine Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten aber, und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Uebelthäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin, und richtet ihn nach eurem Gefeß. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen Niemand tödten. Auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde. 22. Da fingen an die Hohenpriester und die Aeltesten, ihn hart zu verklagen, und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet, und verbeut, den Schoß dem Kaiser zu geben, und spricht, er sei Chriftus, ein König. Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus, und rief Jesum, und fragte ihn, und sprach: Bist du der Juden König? Jesus stand vor ihm und antwortete: Redest du das von dir selbst, oder habens dir Andere von mir gesaget? Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet; was hast du gethan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von diejer Welt, meine Diener würden drob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde. Da sprach Bilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Tu sagst es. Ich bin ein König; ich bin dazu geboren, und in die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit zengen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Bilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder heraus zu den Juden, und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Und da er verklaget ward von den Hohenpriestern und Aeltesten, antwortete er Nichts. Pilatus aber fragte ihn aber= 46 Historie vom Leiden Christi. abermal und sprach: Antwortest du Nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen: hörest du nicht? Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort mehr, also daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte. Sie aber hielten an, und sprachen: Er hat das Volk erreget damit, daß er gelehret hat hin und her im gans zen jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen bis hierher. Da aber Pilatus Galiläa hörete, fragte er, ob er aus Galiläa wäre? Und als er vernahm, daß er unter Herodes Obrigkeit war, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in denselben Tagen auch zu Jerusalem war. 23. Da aber Herodes Jesum sah, ward er sehr froh, denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehöret, und hoffete, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn Mancherlei. Er antwortete ihm aber nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verlachte und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an, und sandte ihn wieder zu Pilato. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit einander; denn zuvor waren sie einander feind. 24. Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten, und das Volk zusammen, und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, als der das Volk abwende; und sehet, ich habe ihn vor euch verhöret, und finde an dem Menschen der Sache feine, der ihr ihn be schuldiget, Herodes auch nicht. Denn ich habe euch zu ihm gesandt, und sehet, man hat Nichts auf ihn gebracht, das des Todes werth sei: darum will ich ihn züchtigen und los geben. Auf das Fest aber mußte der Landpfleger nach Gewohnheit dem Volke einen Gefangenen los geben, welchen sie begehr ten. Er hatte aber zu der Zeit einen Gefangenen, der war übel Historie vom Leiden Christi. 47 übel berüchtigt, nämlich einen Uebelthäter und Mörder, der hieß Barrabas, der mit den Aufrührerischen war ins Gefängniß geworfen, welcher im Aufruhr, der in der Stadt geschah, einen Mord begangen hatte. Und das Volk ging hinauf, und bat, daß er thäte, wie er pflegte. Und da sie versammelt waren, antwortete ihnen Pilatus: Ihr habt eine Gewohnheit, daß ich euch einen los gebe auf Ostern. Welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe? Barrabam oder Jesum, den König der Juden, den man nennt Christum? Denn er wußte, daß ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. 25. Und da er auf dem Richtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm, und ließ ihm sagen: Habe du Nichts zu schaffen mit diesem Gerechten, denn ich habe heute Viel erlitten im Traum von seinetwegen. Aber die Hohenpriester und die Aeltesten überredeten und reizeten das Volk, daß sie um Barrabam bitten sollten und Jesum umbrächten. Da antwortete nun der Landpfleger, und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zweien, den ich euch soll los geben? Da schrie der ganze Haufe, und sprach: Hinweg mit diesem, und gib uns Barrabam los! Da rief Pilatus abermal zu ihnen, und wollte Jesum los lassen, und sprach: Was soll ich denn machen mit Jesu, den man Christum nennet? Sie schrieen abermal: Kreuzige, freuzige ihn! Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: Was hat er denn Ulebels gethan? Ich finde keine Ursache des Todes an ihm, darum will ich ihn züchtigen und los lassen. Aber sie schrieen noch viel mehr, und sprachen: Kreuzige ihn! Und sie lagen ihm an mit großem Geschrei und forderten, daß er gekreuziget würde, und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand. 26. Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn. Die Kriegsknechte aber des Landpflegers führten ihn hinein in das Richthaus, und riefen zusammen die ganze Rotte und zogen 48 Historie vom Leiden Christi. gen ihn aus, und legten ihm einen Purpurmantel an, und flochten eine Krone von Dornen, und setzten sie auf sein Haupt, und gaben ihm ein Rohr in die rechte Hand, und beugten die Kniee vor ihm und spotteten ihn, und fingen an ihn zu grüßen, und sprachen: Gegrüßest seist du, lieber König der Juden. Und schlugen ihm ins Angesicht, und speieten ihn an, und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt, und fielen auf die Kniee, und beteten ihn an.. 27. Da ging Pilatus wieder heraus, und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus, und trug eine Dornenkrone und sein Burpurkleid. Und er sprach zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin, und freuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Geseße soll er sterben: denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. Da Pilatus das Wort hörete, fürchtete er sich noch mehr, und ging wieder hinein in das Richthaus, und spricht zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redeſt du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich Macht habe, dich zu freuzigen, und Macht habe, dich loszugeben? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben. Darum, der mich dir überantwortet hat, der hat größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losließe. Die Juden aber schrieen, und sprachen: Läsfest du die sen los, so bist du des Kaisers Freund nicht. Denn wer sich zum Könige macht, der ist wider den Kaiser. 28. Da Pilatus das Wort hörete, führete er Jesum heraus, und setzte sich auf den Richtstuhl an der Stätte, die da hei Bet Historie vom Leiden Christi. 49 Bet Hochpflaster, auf Hebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in den Ostern, um die sechste Stunde, und er sprach zu den Juden: Sehet, das ist euer König. Sie schrieen aber: Weg, weg, mit dem! kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König freuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, denn den Kaiser. Da aber Pilatus sah, daß er nichts schaffete, sondern daß ein viel größer Getümmel ward, gedachte er, dem Volke genug zu thun und urtheilete, daß ihre Bitte geschähe, nahm Wasser und wusch die Hände vor dem Volk, und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten, sehet ihr zu. Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder! Da gab er ihnen Barrabam los, der um Aufruhrs und Mords willen war ins Gefängniß geworfen, um welchen sie baten; Jesum aber, gegeißelt und verspottet, übergab er ihrem Willen, daß er gefreuziget würde. 29. Da nahmen die Kriegsknechte Jesum, zogen ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an, und führeten ihn hin, daß sie ihn freuzigten. Und er trug sein Kreuz. Und indem sie hinaus gingen, fanden sie einen Menschen, der vorüber ging, von Cyrene, mit Namen Simon, der vom Felde kam, der ein Vater war Merandri und Ruffi, den zwangen sie, daß er ihm sein Kreuz trüge, und legten das Kreuz auf ihn, daß ers Jesu nachtrüge. Es folgte ihm aber nach ein großer Haufe Volts und Weiber, die klagten und beweinten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst, und über eure Kinder. Denn sehet, es wird die Zeit kom= men, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben! Tann werden sie anfahen zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns! Denn so man das thut am grünen Holze, was will am dürren werden? Es wurden aber auch hingeführt zween andere Uebelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. C 30. Und Historie vom Leiden Christi. 30. Und sie brachten ihn an die Stätte, die da heißet auf Hebräisch Golgatha, das ist verdolmetschet: Schädelstätte, und sie gaben ihm Essig und Wein, mit Myrrhen und Gallen vermischet, zu trinken, und da ers schmeckte, wollte er nicht trinken. 50 Und sie freuzigten ihn an der Stätte Golgatha, und zween Uebelthäter mit ihm, einen zur rechten, den andern zur linken Hand, Jesum aber mitten inne. Und die Schrift ist erfüllet, die da saget: Er ist unter die Uebelthäter gerechnet. Und es war die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten. Jesus aber sprach: Bater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. 31. Pilatus aber schrieb eine Ueberschrift, enthaltend, was man ihm Schuld gab, die Ursache seines Lodes, und setzte sie auf das Kreuz oben zu seinem Haupte. Es war aber darauf geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Dieſe Ueberschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, da Jesus gekreuziget ist, war nahe bei der Stadt. Und es war ges schrieben in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: Schreibe nicht: der Juden König, sondern, daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König. Bilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Die Kriegsknechte, da sie Jesum gekreuziget hatten, nahmen seine Kleider, und machten vier Theile, einem jeglichen Kriegsknecht ein Theil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewirket durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Lasset uns den nicht theilen, sondern darum loosen, weß er sein soll. Auf daß erfüllet würde die Schrift, die da jaget: Sie haben meine Kleider unter sich getheilet, und haben über meinen Rock das Loos geworfen. Und sie faßen allda und hüteten sein. Solches thaten die Kriegsknechte, und das Volk stand und sah zu. 32. Cs Historie vom Leiden Christi. 51 32. Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, Cleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sah, und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, sprach er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn. Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter. Und von Stund an nahm sie der Jünger zu sich. Die aber vorüber gingen, lästerten ihn, und schüttelten die Köpfe und sprachen: Pfui dich! wie fein zerbrichst du den Tempel und bauest ihn in dreien Tagen: Hilf dir selber. Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuze. Deßgleichen auch die Hohenpriester verspotteten ihn unter einander, mit den Schriftgelehrten und Aeltesten sammt dem Volke und sprachen: Er hat Andern ges holfen und kann sich selbst nicht helfen. Ist er Christus, der König von Israel, der Auserwählte Gottes, so helfe er sich selber und steige nun vom Kreuz, auf daß wir sehen, und glauben ihm. Er hat Gott vertrauet, der erlöse ihn nun, lüstet es ihn, denn er hat gesaget: Ich bin Gottes Sohn. Dasselbige rückten ihm auch auf die Mörder, die mit ihm gekreuziget waren, und schmäheten ihn. Es verspotteten ihn auch die Kriegsfnechte, traten zu ihm, und brachten ihm Essig, und sprachen: Bist du der Juden König, se hilf dir selbst. 33. Aber der Uebelthäter einer, die da gekreuzigt waren, lästerte ihn, und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammniß bist. Und zwar sind wir billig darinnen, denn wir empfahen, was unsere Thaten werth sind. Dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt, und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesu sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. 34. Und da es um die sechste Stunde kam, ward eine Fine sterniß über das ganze Land, bis um die neunte Stunde, und C 2 die Historie vom Leiden Christi. die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut, und sprach: Eli! Eli! lama ajabthani! Das ist verdolmetschet: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? Etliche aber, die da standen, da sie es höreten, sprachen sie: Er rufet dem Elias. Darnach, als Jesus wußte, daß Alles schon vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, sprach er: Mich dürftet. Da stand ein Gefäß mit Essig, und bald lief Einer unter ihnen hin, nahm einen Schwamm, und füllete ihn mit Essig, und steckte ihn auf ein Rohr, und hielts ihm dar zum Munde, und tränkete ihn, und sprach mit den Ändern: Halt, laßt sehen, ob Elias komme und ihn herabnehme. Da nun Jesus den Esfig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und abermal rief er laut, und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gesagt, neigte er das Haupt und gab seinen Geist auf. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerris in zwei Stücke, von oben an, bis unten aus, und die Erde erbebte und die Felsen zerrissen, und die Gräber thaten sich auf, und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern, nach seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt, und erschienen Vielen. Aber der Hauptmann, der dabei stand gegen ihm über, und die bei ihm waren, und bewahreten Jesum, da sie sahen, daß er mit solchem Geschrei verschied, und sahen das Erdbeben und was da geschah, erschracken sie sehr, und preiseten Gott, und sprachen: Wahrlich dieser ist ein frommer Mensch gewesen, und Gottes Sohn. Und alles Volk, das dabei war, und zusah, da sie sahen, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust, und wandten wieder um. Es standen aber alle seine Verwandten von- ferne, und viele Weiber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolget und sahen das Alles, unter welchen war Maria Magdalena, und Maria, des kleinen Jacobi und Joses Mutter, und Salome, die Mutter der Kinder Zebedäi, welche ihm nachgefolget waren, da er in Galiläa war, und gedienet hatten, und viele andere, Historie vom Leiden Christi. 53 andere, die mit ihm hinauf gen Jerusalem gegangen waren. 35. Die Juden aber, dieweil es der Rüsttag war, daß nicht die Leichname am Kreuze blieben am Sabbath,( denn desselben Sabbathstag war groß) baten sie Pilatum, daß ihre Beine gebrochen, und abgenommen würden. Da tamen die Kriegsknechte, und brachen dem ersten die Beine, und dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht, sondern der Kriegsknechte einer öffnete seine Seite mit einem Speer und alsbald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein Zengniß ist wahr, und derselbige weiß, daß er die Wahrheit jaget, auf daß auch ihr glaubet. Denn solches ist geschehen, daß die Schrift erfüllet würde: Jhr sollt ihm fein Bein zerbrechen. Und abermals spricht eine andere Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. Darnach am Abend, dieweil es der Rüsttag war, welcher ist der Vorsabbath, tam Joseph von Arimathia, der Stadt der Juden, ein reicher Mann, ein Rathsherr, ein guter frommer Mann, der hatte nicht gewilligt in ihren Rath und Handel, welcher auf das Reich Gottes wartete; denn er war ein Jünger Jesu, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden: der wagets, und ging hinein zu Pilato, und bat, daß er möchte abnehmen den Leichnam Jesu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon todt war, und rief den Hauptmann, und fragte ihn, ob er längst gestorben wäre? Und als er es erkundigt hatte von dem Hauptmann, gab er Joseph den Leichnam Jesu, und befahl, man sollte ihn ihm geben. Und Joseph kaufte eine Leinwand. Es kam aber auch Nicodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu gekommen war und brachte Myrrhen und Aloen unter einander, bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jes su, der abgenommen war, und wickelten ihn in reine Leinwand, C 3 54 Historie vom Leiden Christi. wand, und banden ihn in leinene Tücher, mit Spezereien, wie die Juden pflegten zu begraben. Es war aber an der Stätte, da er gefreuziget war, ein Garten, und im Garten ein neues Grab, das war Josephs, welches er hatte lassen hauen in einen Fels, in welches Niemand je gelegt war; daselbst hin legten fie Jesum, um des Rüsttags willen der Juden, weil der Sabbath anbrach, und das Grab nahe war. Und wälzten einen Stein vor die Thür des Grabes, und gingen davon. Es war aber allda Maria Magdalena und Maria Joses, die setzten sich gegen das Grab, und andere Weiber, die da Jeju auch waren nachgefolget nach Gali läa und beschaueten, wohin, und wie sein Leib geleget war. Sie fehreten aber um, und bereiteten die Spezereien und Salben; und den Sabbath über waren sie still nach dem Gesek. Des andern Tages, der da folget nach dem Rüsttage, kamen die Hohenpriester und Pharisäer sämmtlich zu Pilato, und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß die ser Verführer sprach, da er noch lebte: Ich will nach dreien Tagen auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn, und sagen zu dem Volke: Er ist auferstanden von den Todten; und werde der letzte Betrug ärger, denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Hüter, gehet hin, und verwahret es, wie ihr wisset. Sie gingen hin und verwahreten das Grab mit Hütern, und versiegelten den Stein. Episteln Episteln und Evangelien auf alle Sonntage und hohe Feste. Am I. Sonntage des Advents. Epistel, Röm. 13, v. 11-14. Lieben Brüder, weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, ( sintemal unser Heil jeßt näher ist, denn da wirs glaubten,) die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei kommen: so lasset uns ablegen die Werke der Finsterniß, und anlegen die Waffen des Lichts. Laffet uns ehrbarlich wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid: Sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ, und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. Evangelium, Matth. 21, v. 1-9. Da sie nun nahe bei Jeruſalem kamen, gen Betphage an den Delberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt und bald werdet ihr eine Eselin finden ange bunden, und ein Füllen bei ihr, löset sie auf, und führet sie zu mir. Und so euch Jemand Etwas wird sagen, so sprecht: c4 56 Episteln. sprecht: Der Herr bedarf ihr; sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber Alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget ber Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmüthig, und reitet auf einem Efel, und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin, und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte. Und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf, und seßten ihn darauf. Aber viel Volfs breitete die Kleider auf den Weg. Die andern hieben die Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg. Das Volt aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna, dem Sohn David. Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe. Am II. Sonntage des Advents. Epistel, Röm. 15. v. 4-13. Lieben Brüder, was aber zuvor geschrieben ist, das ist zur und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei ge sinnet seid unter einander nach Jesu Christo, auf daß ihr einmüthiglich mit Einem Munde lobet Gott und den Bater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen; daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, die geschrieben stehet: Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinen Namen singen. Und abermal spricht er: Freuet euch, ihr Heiden init seinem Volt. Und abermal: Lobet den Herrn alle Heiden, und preiset that, alle Völker. Und abermal spricht Ejaias: Es wird sein die Wurzel Jesse, und der aufer stehen und Evangelien. 57 stehen wird zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des heiligen Geistes. Evangelium Lucä 21, v. 25-36. Jefus esus sprach zu seinen Jüngern: Es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange sein, und wer den zagen, und das Meer, und die Wasserwogen wer den brausen, und die Menschen werder verschmachten vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Venschen Sohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und hebet eure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jest ausschlagen, so sehet ihrs an ihnen, und merket, daß jeßt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dieß Alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es Alles geschehe. Himmel und Erden werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen und mit Sor gen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über Alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem Allen, daß geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Am III. Sonntage des Advents. Epistel, 1 Cor. 4, v. 1-5. Dafür halte uns Jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun suc 5 chet 58 Episteln chet man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. Mir aber ists ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage, auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewußt, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertiget. Der Herr aber ists, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rath der Herzen offenbaren; alsdann wird einem Jeglichen von Gott Lob widerfahren. Evangelium, Matth. 11, v. 2-10. Da a aber Johannes im Gefängniß die Werke Christi hörete, sandte er seiner Jünger zween, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines Andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin, und saget Johanni wieder, was ihr fehet und höret. Die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussäßigen werden rein, und die Tauben hören, die Todten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da sie hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johanne: Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder, was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häuser. Oder, was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wollet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ists, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. Am IV. Sonntage des Advents. Epistel, Philippi. 4, v. 4-7. Nieben Brüder! Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermal sage ich: Freuet euch. Eure Lindigkeit las fet und Evangelien. 59 set fund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sor get Nichts, sondern in allen Dingen lasset eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu. Evangelium, Joh. 1. v. 19-28. Und dieß ist das Zeugniß Johannis, da die Juden fandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte und läugnete nicht. Und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Er sprach: Ich bins nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns ges sandt haben, was sagest du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüsten: Richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Bharisäern, und fragten ihn, und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Christus bift, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen, und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ists, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dies geschah zu Bethabara, jenseits des Jor= dans, da Johannes taufete. Am heiligen Christ tage. Epistel, Titum 2. v. 11-14. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Mens schen und züchtigt uns, daß wir sollen verläugnen bas ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, und züch tig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und wais ten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herr€ 6 lichkeit 60 Episteln lichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigenthum, das fleißig wäre zu guten Werken. Evangelium Lucä 2, v. 1-14. s begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augusto ausging, daß alle Welt geschäßet würde. Und diese Schaßung war die allererste, und geschah zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war, und Jedermann ging, daß er sich schäßen ließe, ein Jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißet Bethles hem, darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Da vids war, auf daß er sich schäßen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als ſie daselbst waren, fam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn, und wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Heerde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der Himmlischen Heerschaaren, die lobeten Gott, und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Am und Evangelien. Am Tage St. Stephani, des ersten Märtyrers neuen Testaments. 61 Epistel, Ap. Gesch. 6. u. 7. Cap. tephanus aber, voll Glaubens und Kräften, that Wunder und große Zeichen unter dem Volt. Da standen Etliche auf von der Schule, die da heißet der Libertiner, und der Cyrener, und der Aleranderer, und derer, die aus Cilicia und Asia waren, und befragten sich mit Stephano. Und sie vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit und dem Geiste, der da redete. Da richteten sie zu etliche Männer, die sprachen: Wir haben ihn gehöret Lästerworte reden wider Mosen und wider Gott. Und bewegten das Volk, und die Weltesten, und die Schriftgelehrten, und traten herzu und rissen ihn hin, und führten ihn vor den Rath, und stelleten falsche Zeugen dar, die sprachen: Dieser Mensch höret nicht auf, zu reden Lästerworte wider diese heilige Stätte und das Gefeß. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören, und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie sahen auf ihn Alle, die im Rath saßen und sahen sein Angesicht, wie eines Engels Angesicht. Als er aber voll heiligen Geistes war, sah er auf gen Himmel, und sah die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrieen aber laut, und hielten ihre Ohren zu, und stürmeten einmüthiglich zu ihm ein, stießen ihn zur Stadt hinaus, und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus, und steinigten Stephanum, der anrief und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Er knieete aber nieder, und schrie laut: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht. Und als er das gesagt, entschlief er. Evangelium Matth. 23, v. 34-39. er Herr sprach zu den Pharisäern und Schriftgelehreuch Propheten und Weise und Schriftgelehrte, und derselc 7 Episteln derselben werdet ihr etliche tödten und freuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen, und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andern. Auf daß über euch komme alles das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden von dem Blut an des gerechten Abels, bis auf das Blut Zacharias, Barachiä Sohn, welchen ihr getödtet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahrlich, ich sage euch, daß solches Alles wird über dies Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die bu tödtest die Pros pheten, und steinigest, die zu dir gefandt sind, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Sehet, euer Haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jeßt an nicht sehen, bis ihr sprecht; Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn. 62 Am Tage St. Johannis des Apostels und Evangelisten. Epistel, Sirach 15, v. 1-8. olches thut Niemand, denn der den Herrn fürchtet, und wer sich an Gottes Wort hält, der findet sie. Und sie wird ihm begegnen, wie eine Mutter, und wird ihn empfahen, wie eine junge Braut. Sie wird ihn speisen mit Brod des Verstandes, und wird ihn tränken mit Wasser der Weisheit. Dadurch wird er stark werden, daß er fest stehen kann, und wird sich an sie halten, daß er nicht zu Schanden wird. Sie wird ihn erhöhen über seinen Nächsten, und wird Thm seinen Mund aufthun in der Gemeinde. Sie wird ihn krönen mit Freude und Wonne, und mit ewigem Namen begaben. Aber die Narren finden sie nicht, und die Gottlosen können sie nicht ersehen. Denn sie ist ferne von den Hoffärtis gen, und die Heuchler wissen Nichts von ihr. Evangelium Joh. 21, b. 15-24. D a sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petro: Simon Johanna, hast du mich lieber, und Evangelien. 63 ber, denn mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer. Spricht er zum andern Mal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Schaafe. Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Petrus ward traurig, daß er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb? und sprach zu ihm: Herr du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schaafé. Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, da du jünger wareft, gürtetest du dich selbst, und wandeltest, wohin du wolltest. Wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein Anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst. Das sagte er aber zu deuten, mit welchem Tode er Gott preisen würde. Da er aber das gesagt, spricht er zu ihm: Folge mir nach. Petrus aber wandte sich um, und sah den Jünger folgen, welchen Jesus lieb hatte, der auch an seiner Brust am Abendessen gelegen war, und gesagt hatte: Herr, wer ists, der dich verräth? Da Petrus diesen sah, sprach er zu Jesu: Herr, was soll aber dieser? Jesus spricht zu ihm: So ich will, daß er bleibe, bis ich tomme, was gehet es dich an? Folge du mir nach. Da ging eine Rede aus unter den Brüdern: Dieser Jünger stirbet nicht. Und Jesus sprach nicht zu ihm: Er stirbet nicht; sondern: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was gehet es dich an? Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeuget, und hat dies geschrieben, und wir wissen, daß sein Zeugniß wahrhaftig ist. Am Sonntage nach dem Christtage. Epistel, Galat. 4, v. 1-7. ch fage aber, so lange der Erbe ein Kind ist, so ist un ter ihm und einem Knechte kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormündern und Pflegern bis auf die bestimmte Zeit vom 64 Episteln vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen Sagungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Geseß gethan, auf daß er die, so unter dem Gesetze waren, erlöfete, daß wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreiet: Abba, lieber Vater. Also ist nun hie kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder. Sinds aber Kinder, so sinds auch Erben Gottes durch Christum. Evangelium, Luc. 2, v. 33-40. Und nd sein Vater und Mutter wunderten sich deß, das von ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie, und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird geseßt zu einem Fall und Auferstehen Vieler in Israel, und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Und es wird ein Schwert durch deine Seele bringen, auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuel, vom Ge schlechte Asser, die war wohl betaget, und hatte gelebet sieben Jahre mit ihrem Manne nach ihrer Jungfraus schaft. Und war nun eine Wittwe bei vier und achtzig Jahren, die kam nimmer vom Tempel, diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Dieselbige trat auch hinzu zu derselben Stunde, und pries den Herrn und redete von ihm zu Allen, die auf die Erlösung zu Jes rusalem warteten. Und da sie Alles vollendet hatten nach dem Geseße des Herrn, kehreten sie wieder in Galiläam, zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geiste, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. Am neuen Jahrstage. Epistel, Galat. 3, v. 23-29. She denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahret und verschlossen auf den Glauben, der und Evangelien. 65 der da sollte offenbaret werden. Also ist das Geseß unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden. Nun aber der Glaube kommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr seid Alle Gottes Kinder, durch den Glauben an Christum Jesum. Denn wie viel euer getauft sind, die haben Christum angezogen. Hie ist kein Jude noch Grieche, hie ist kein Knecht noch Freier, hie ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal Einer in Christo Jesu. Seid ihr aber Christi, so seid ihr ja Abrahams Saamen, und nach der Verheißung Erben. Evangelium, Luc. 2, v. 21. 11 nd da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genennet Jesus, welcher genennet war von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen ward. Am Sonntage nach dem neuen Jahre. Epistel, Titum 3, v. 4-7. Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes. Nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir gethan hatten; sondern nach seiner Barmherzigkeit macht er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Cristum, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens, nach der Hoffnung; das ist gewißlich wahr. Evangelium Matth. 2, v. 13-15. Da die Weisen aus Morgenland hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traume, und sprach: Stehe auf, und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir, und flieh in Egyptenland, und bleib allda, bis ich dir sage. Denn es ist vorhanden, daß 66 Episteln daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen. Und er stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich bei der Nacht, und entwich in Egypten land, und blieb allda bis nach dem Tode Herodis, auf daß erfüllet würde, das der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Aus Egypten habe ich mei-. nen Sohn gerufen. Am Feste Ephiphaniä oder der Erscheinung Christi. Epistel, Jesaias 60, v. 1-6. Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt, und des . Denn siche, Finsterniß bedecket das Erdreich, und Dunfel die Völker. Aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir. Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln, und die Könige im Glanz, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf, und siehe umher, diese Alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Töchter zur Seiten erzogen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wann sich die Menge am Meer zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Cameele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba Alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen. Evangelium, Matth. 2, v. 1-12. Dª a aber Jesus geboren war zu Bethlehem, im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande, und sind gekommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörete, erschrack er, und mit ihm das ganze Jerufalem, und ließ versammeln alle Hohenpriester und Schriftgelehr ten unter dem Volk, und erforschete von ihnen, wo Christus und Evangeliett. 67 Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande. Denn also stehet geschrieben durch den Propheten: Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda, denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei. Da berief Herodes die Weisen heimlich, und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre. Und wies sie gen Bethlehem, und sprach: Ziehet hin, und forschet fleißig nach dem Kindlein, und wenn ihrs findet, so saget mirš wieder, daß ich auch komme, und es anbete. Als sie nun den König gehöret hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis daß er kam, und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet, und gingen in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder, und beteten es an, und thaten ihre Schäße auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken. Und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. Am I. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel, Röm. 12, v. 1-6. 3dh ch ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Op fer, das da lebendig, heilig, und Gott wohlgefällig ſei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gottes Wille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, Jedermann unter euch, daß Niemand weiter von ihm halte, denn sichs gebühret zu halten, sondern, daß er von ihm mäßiglich halte, ein Jeglicher, nach dem Gott ausgetheilet hat das Maas des Glaubens. Denn gleicher Weise, als wir in Einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäfte haben: also sind wir Viele Ein Leib in 68 Episteln in Christo, aber unter einander ist Einer des Andern Glied, und haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Evangelium, Lucä 2, v. 42-52. à Jesus zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußtens nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagreise, und suchten ihn unter den Gefreundeten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich, nach dreien Tagen fanden sie ihn im Tempel sizen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörete, und sie fragte. Und alle, die ihm zuhöreten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie ihn sahen, entseßten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ists, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen Nazareth, und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle. diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Am II. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel, Römer 12. v. 6-16. Nieben Brüder! Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat Jemand Weissagung, so sei sie dem Glauben ähnlich. Hat Jemand ein Amt, so warte er des Amts. Lehret Jemand, so warte er der Lehre, Ermahnet Jemand, so warte er des Ermahnens. Gibt Jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret Jemand, so sei er sorgfältig. Uebet Jemand Barmherzigkeit, so thue ers mit Luft. und Evangelien. 69 Luft. Die Liebe sei nicht falsch. Hasset das Arge, hanget dem Guten an. Die brüderliche Liebe unter einander sei herzlich. Einer komme dem Andern mit Ehrerbietung zuver. Seid nicht träge, was ihr thun sollt. Seid brünstig im Geist. Schicket euch in die Zeit. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal. Haltet an am Gebet. Nehmet euch der Heiligen Nothdurft an. Herberget gerne. Segnet, die euch verfolgen, segnet und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Weinenden. Habt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Evangelium, Joh. 2, v. 1-11. Und ud am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Cana in Galiläa; und die Mutter Jesu war da. Jefus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch saget, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne Wassertrüge geseßt, nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen je in einen zwei oder drei Maaß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie füllten sie bis oben ant. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun, und bringets dem Speisemeister, und sie brachtens. Als aber der Speisenteister kostete den Weln, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam, die Diener aber wußtens, die das Wasser geschöpfct hatten, rufet der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zum Ersten guten Wein, und wenn sie trunken worden sind, alsdann den geringeren, du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Cana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. Am 70 Episteln Am III. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel, Röm. 12, v. 17-21. Lieben Brüder! Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet Niemand Böses mit Bösem, fleißiget euch der Ehrbarkeit gegen Jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Friede. Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn. Denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürftet ihn, so tränke ihn: wenn du das thust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Evangelium, Matth. 8, v. 1-13. Da a Jesus vom Berge herab ging, folgete ihm viel Volts nach. Und siehe, ein Aussäßiger kam, und betete ihn an, und sprach: Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührete ihn an, uns sprach zu ihm: Ich wills thun, sei gereiniget. Und alsbald ward er von seinem Aussaß rein, Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sags Niemand, sondern gehe hin, und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Moses befohlen hat zu einem Zeugniß über sie. Da aber Jesus einging zu Capernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause, und ist gichtbrüchig, und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen, und ihn gesund machen. Der Hauptmann ant wortete, und sprach: Herr ich bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unterthan, und habe unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem: Gehe hin, so geht er, und zum andern: Komme her, so kommt er, und zu meinem Knechte: Thue das, so thut ers. Da das Jesus hörte, verwunderte er sich, und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch: Viele und Evangelien. 71 Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham und Isaak und Jacob im Himmel reich sizen. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubt haft. Und sein Knecht ward gesund zu derselben Stunde. Am IV. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel, Röm. 13, v. 8-10. eid Niemand Nichts schuldig, denn daß ihr euch unter einander liebet. Denn wer den Andern liebt, der hat das Geseß erfüllet. Denn das da gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen: Du sollst nicht tödten: Du sollst nicht stehlen: Du sollst nicht falsch Zeugniß geben: Dich soll nichts gelüsten, und so ein ander Gebot mehr ist; das wird in diesem Worte verfasset: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. Die Liebe thut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Evangelium, Matth. 8, v. 23-27. Jefus esus trat in das Schiff, und seine Jünger folgeten ihm. Und siehe, da erhob sich ein groß Ungestüm im Meere, also, daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward, und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm, und weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf, und bedrohete den Wind und das Meer, da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich, und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist. Am Episteln Am V. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel, Colosser 3, b. 12-17. Zo ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heilige und Geliebte, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth und Geduld. Und vertrage Einer den Andern, und vergebt euch unter einander, so Jemand Klage hat wider den Andern, gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Ueber Alles aber zie het an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommen: heit. Und der Friede Gottes regiere in euern Herzen, zu welchen ihr auch berufen seid in Einem Leibe, und seid dankbar. Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen, in aller Weisheit. Lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. Und Alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thut Alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. 72 Evangelium, Matth. 13, v. 24-30. esus legte ihnen ein ander Gleichniß vor, und sprach: ten Samen auf seinen Acker säete. Da aber die Leute schliefen, kam sein Feind und fäete Unkraut zwischen den Waizen, und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater, und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesäet? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der Feind gethan. Da sprachen die. Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen und es ausgäten? Er sprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den Waizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausgätet. Lasset beides mit einander wachsen bis zu der Erndte, und um die Erndtezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammlet zuvor das Unkraut, und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Waizen sammelt mir in meine Scheuern. Am und Evangelien. Am VI. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel, 2. Petri 1, v. 16:21. Mir haben nicht den klugen Fabeln gefolget, da wir 73 seres Herrn Jesu Christi; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen, da er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis, durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit, dermaßen: Dieß ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehöret vom Himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Verge. Wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr für das Erste wissen, daß keine Weissagung in der Schrift geschieht aus eigener Auslegung. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht; sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, ge-. trieben von dem heiligen Geist. Evangelium, Matth. 17, v. 1-9. Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrum und Jakobum, und Johannem, seinen Bruder, und führete sie beiseits auf einen hohen Berg. Und ward verkläret vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß als ein Licht. Und siehe, da erschien ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete, und sprach zu Jesu: Herr! hier ist gut sein, willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Most eine, und Elias eine. Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Da das die Jünger höreten, fielen sie auf ihr Angesicht, und erschracken sehr. Jejus aber trat zu ihnen, rührete sie an, und sprach: Stehet auf, und fürchtet euch nicht. Da sie aber ihre Augen D auf 74 Episteln aufhoben, sahen sie Niemand, denn Jesum allein. Und da sie vom Berge herabgingen, gebot ihnen Jesus, und sprach: Ihr sollt dieses Gesicht Niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Todten auferstanden ist. Am Sonntage, Septuagesimä. Epistel: 1. Cor. 9, v. 24-27 und 10, v. 1-5. isjet ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein Jeglicher aber, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges, jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfahen, wir aber eine un vergängliche. Jch laufe aber also, nicht als auf's Ungewisse. Sch fechte also, nicht als der in die Luft streichet, sondern ich betäube meinen Leib, und zähme ihn, daß ich nicht Andern predige, und selbst verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter sind alle unter der Wolke gewesen, und sind alle durchs Meer gegangen, und sind alle unter Mose getauft mit der Wolke, und mit dem Meer, und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen, und haben alle einerlei geistlichen Trant getrunken; sie tranten aber von dem geistlichen Fels, der mitfolgete, welcher war Christus. Aber an ihrer vielen hatte Gott feinen Wohlgefallen, denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste., og onne 200000 Evangelium, Matth. 20, v. 1-16. Iºus esus sprach zu seinen Jüngern: Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu miethen in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tages lohn, fandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde, und sah andere an dem Markt müßig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg: ich will euch geben, was recht ist. Und fie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechſte und neunte Stunde, und that gleich also. Um die eilfte Stunde aber ging er aus, und fand andere müßig stehen, und Evangelien. 75 stehen und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns Niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinberges zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter, und gib ihnen den Lohn, und hebe an an den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die eilfte Stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meineten sic, sie würden mehr empfangen, und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murreten sie wider den Hausvater, und sprachen: Diese lehten haben nur Eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hiße getragen haben. Er antwortete aber, und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht unrecht. Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesen letzten geben, gleich wie dir. Oder habe ich nicht macht zu thun, was ich will, mit dem Meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Leßten sein. Denn Viele sind berufen, aber Wenige sind auserwählet. Am Sonntage, Seragesimä. Epistel, 2. Cor. 11, 19:33 1. 12, 1-9. Lieben Brüder! Ihr vertraget gern die Narren, dieweil zu Knechten macht, so euch Jemand schindet, so euch Jemand nimmt, so euch Jemand tropet, so euch Jemand in's Angesicht streichet. Das sage ich nach der Unehre, als wären wir schwach geworden. Worauf nun Jemand kühn ist,( ich rede in Thorheit) darauf bin ich auch kühn. Sie sind Hebräer, ich auch. Sie sind Israeliten, ich auch. Sie sind Abrahams Samen, ich auch. Sie sind Diener Christi;( ich rede thöricht) ich bin wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin öfter gefangen, oft in Todesnöthen gewesen, 52 > 76 Episteln gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche, weniger eins. Ich bin dreimal gestäupet, einmal gesteiniget, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht in der Tiefe des Meers. Ich habe oft gereiset; ich bin in Fährlichkeit gewesen zu Wasser, in Fährlichkeit unter den Mördern, in Fährlichkeit unter den Juden, in Fährlichkeit unter den Heiden, in Fährlichkeit in Städten, in Fährlichkeit in der Wüste, in Fährlichkeit auf dem Meer, in Fähre lichkeit unter den falschen Brüdern. In Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße, ohne was sich sonst zuträgt, nämlich daß ich täglich werde angelaufen, und trage Sorge für alle Gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird geärgert, und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, welcher sei gelobet in Ewigkeit, weiß, daß ich nicht lüge. Zu Damascus, der Landpfleger des Königs Areta verwahrete die Stadt der Damascer, und wollte mich greifen, und ich ward in einem Korbe zum Fenster aus durch die Mauer niedergelassen, und entrann aus seinen Händen. Es ist mir ja das Rühmen Nichts nüße, doch will ich kommen auf die Gesichte und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christo, vor vierzehn Jahren,( ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ichs nicht; oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ichs auch nicht; Gott weiß es) derselbige ward entzückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselbigen Menschen;( ob er in dem Leibe oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es.) Er war entzückt in das Paradies und hörete unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen; von mir selbst aber will ich mich nichts rühmen, ohne meiner Schwachheit, und so ich mich rühmen wollte, thäte ich darum nicht thöricht; denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber deß, auf daß nicht Jemand mich höher achte, denn er an mir siehet, oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl in's Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal dem Herrn und Evangelien. 77 Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi in mir wohne. Evangelium, Lucä 8, v. 4-15. nun viel Volts bei einander war, und aus den niß: Es ging ein Säemann aus, zu säen seinen Samen; und indem er säete, fiel Etliches an den Weg, und ward vertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen es auf. Und Etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrete es, darum, daß es nicht Saft hatte. Und Etliches fiel mitten unter die Dornen, und die Dornen gingen mit auf und erstickten es. Und Etliches fiel auf ein gut Land, und es ging auf, und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat, zu hören, der höre. Es fragten ihn aber seine Jünger und sprachen, was dieses Gleichniß wäre? Er aber sprach: Euch ist gegeben zu wissen das Geheimniß des Reiches Gottes; den Andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen; und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleichniß: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel, und nimmt das Wort von ihren Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels, sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an, und die haben nicht Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zur Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören, und gehen hin unter den Sorgen, Reichthum und Wollust dieses Lebens, und ersticken und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Lande, sind, die das Wort hören und behalten in einem feinen guten Herzen, und bringen Frucht in Geduld. D3 Am 78 Episteln. Am Sonntage vor der Fasten, Esto mihi. Epistel, 1. Cor. 13, v. 1-13. Lieben Brüder! Wenn ich mit Menschen und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz, oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte, und wüßte alle Geheimnisse, und alle Erkenntnisse, und hätte allen Glauben, also, daß ich Berge verseßte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich Nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe, und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir nichts nüße. Die Liebe ist langmüthig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Muthwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungeberdig, sie suchet nicht das Ihre, sie lässet sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden. Sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit, sie verträget Alles, sie glaubet Alles, sie hoffet Alles, sie duldet Alles. Die Liebe höret nimmer auf, so doch die Weisjagungen aufhören werden und das Erkenntniß aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war flug wie ein Kind, und hatte findische Anschläge. Da ich aber ein Mann war, that ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jest erkenne ich es stückweise; dann aber werde ichs erkennen, gleichwie ich erkennet bin. Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.unt thin abg an JUST han 170!! ind Evangelium, Lucä 18, v. 31-43. refus nahm zu sich die Zwölfe und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird Alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden und Evangelien. 79 werden den Heiden, und er wird verspottet, und geschmähet und verspeiet werden. Und sie werden ihn geißeln und tödten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keines, and die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was da gesaget war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege, und bettelte. Da er aber hörete das Volk, das durchhin ging, forschete er, was das wäre? Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jeſu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Die aber vorne angingen, bedroheten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Jesus aber stand stille, und hieß ihn zu sich führen. Da ihn bei er ſprach: Was willst du, daß ich dir thun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend, dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend, und folgte ihm nach, und preisete Gott. Und alles Volk, das solches sah, lobete Gott. IHSCHO Am I. Sonntage in der Fasten, Invocavit. Epistel, 2. Cor. 6, v. 1-10. Lieben Brüder, wir ermahnen euch als Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfahet. Denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heils geholfen. Sehet, jest ist die angenehme Zeit, jest ist der Tag des Heils. Lasset uns aber Niemand irgend ein Mergerniß geben, auf daß unser Amt nicht verlästert werde, sondern in allen Dingen lasset uns beweisen, als die Diener Gottes, in großer Geduld, in Trübial, in Nöthen, in Nengsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Keuschheit, in Erkenntniß, in Langmuth, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Worte der Wahrheit, in der Kraft Gottes; durch Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, durch Ehre und Schande, durch $ 4 böse JUR 80 Episteln. böse Gerüchte und gute Gerüchte; als die Verführer, und doch wahrhaftig; als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben, als die Gezüchtigten, und doch nicht ertödtet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch Biele reich machen; als die Nichts inne haben, und doch Alles haben. Evangelium, Matth. 4, v. 1-11. a ward Jesus vom Geiste in die Wüste geführt, auf vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte iht. Und der Versucher trat zu ihm, und sprach: bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brod werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: Der Mensch lebt nicht von Brod allein, sondern von einem jeden Worte, das durch den Mund Gottes gehet. Da führete ihn der Teufel mit sich in die hei lige Stadt, und stellet ihn auf die Zinne des Tempels, und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab, denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Hän den tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stößest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen. Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg, und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit, und sprach zu ihm: Das Alles will ich dir geben, so du niederfälst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan, denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel, und siehe, da traten die Engel zu ihm, und dieneten ihm. Am und Evangelien. Am II. Sonntage in der Fasten, Reminiscere. Epistel, 1. Thess. 4, v. 1-7. Weiter, lieben Brüder, bitten wir euch, und ermahnen in dem Herrn Jesu, nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollt wandeln, und Gott gefallen, daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben, durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Hurerei, und ein Jeglicher unter euch wisse, sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Lustseuche, wie die Heiden, die von Gott Nichts wissen. Und daß Niemand zu weit greife, noch vervors theile seinen Bruder im Handel, denn der Herr ist Rächer über das Alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. 81 Evangelium, Matth. 15, v. 21-28. Und Jesus ging aus von dannen, und entwich in die Gegend Tyrus und Sydon. Und siehe, ein Cananäisch Weib ging aus derselbigen Grenze, und schrie ihm nach, und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids! erbarme dich meiner, meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlor= nen Schaafen von dem Hause Israel. Sie kam aber, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, hilf mir. Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brod nehme, und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr, aber doch esser die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen. Da antwortete Jesus, und sprach zu ihr: D Weib, dein Glaube ist groß! dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. d 5 Am Episteln Am III. Sonntage in der Fasten, Oculi. Epistel, Ephef. 5, v. 1-9. ( o seid nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns geliebet hat, und sich selbst dargegeben für uns zur Babe und Opfer Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber, und alle Unreinigkeit, oder Geiz lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zustehet. Auch schandbare Worte und Narrentheidinge, oder Scherz, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer, oder Unreiner, oder Geiziger( welcher ist ein Gößendiener) Erbe hat an dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch Niemand verführen mit vergeblichen Worten, denn um dieser Willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsterniß, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit. 82 Evangelium, Lucä 11, v. 14-28. esus trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und Stumme, und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibet die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Die Andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken, und sprach zu ihnen: Ein jegliches Reich, so es mit ihm selbst un eins wird, das wird wüste und ein Haus fällt über das andere. Ist denn der Satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? Dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So ich aber die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt ja das Reich Gottes zu euch. Wenn ein und Evangelien. 83 ein starker Gewappneter seinen Palast bewahret, ſo bleibet das Seine in Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt, und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und theilet den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfähret, so durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe, und findet sie nicht, so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wann er kommt, so findet er's mit Besen gekehret und geschmücket. Dann gehet er hin, und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind, denn er selbst. Und wenn sie hineinkommen, wohnen sie da, und wird hernach mit demselbigen Menschen ärger, denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhob ein Weib im Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast! Er aber sprach: Ja, selig sind, die Gottes Wort hören und be wahren! Am IV. Sonntage in der Fasten, Lätare. Epistel, Galater 4, v. 21-31. aget mir, die ihr unter dem Geseß sein wollt, habt ihr das Gesetz nicht gehöret? Denn es stehet ge= schrieben, daß Abraham zween Söhne hatte, einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Magd war, ist nach dem Fleisch geboren; der aber von der Freien ist durch die Verheißung geboren. Die Worte bedeuten Etwas. Denn das sind die zwei Testamente, eins von dem Berg Sinai, das zur Knechtschaft gebieret, welches ist die Agar. Denn Agar heißt in Arabia der Berg Sinai, und langet bis, gen Jerusalem, das au dieser Zeit ist, und ist dienstbar mit seinen Kindern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie, die ist unser Aller Mutter. Denn es steht geschrieben: Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierest, und brich hervor, und rufe, die du nicht schwanger bist; denn die Einsame hat viel mehr Kinder, denn die den d6 Mann 84 Episteln Mann hat. Wir aber, liebe Brüder, sind Jsaaks nach der Verheißung Kinder. Aber gleichwie zu der Zeit, der nach dem Fleisch geboren war, verfolgete den, der nach dem Geist geboren war, also gehet es jetzt auch. Aber was spricht die Schrift? Stoße die Magd hinaus mit ihrem Sohn, denn der Magd Sohn soll nicht erben mit dem Sohn der Freien. So sind wir nun, lieben Brüder, nicht der Magd Kinder, sondern der Freien. Evangelium, Joh. 6, v. 1-15. Darnach fuhr Jefus weg über das Meer, an der Stadt Tiberias in Galiläa. Und es zog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranten that. Jesus aber ging hinauf auf einen Bery, und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hob Jesus seine Augen auf, und siehet, daß viel Volts zu ihm kommt, und spricht zu Philippo: Wo kaufen wir Brod, daß diese essen?( Das sagte er aber, ihn zu versuchen, denn er wußte wohl, was er thun wollte). Philippus ant wortete ihm: Zweihundert Pfennige werth Brods ist nicht genug unter sie, daß ein Jeder unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder Simonis Petri: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrode, und zween Fische, aber was ist das unter so viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünf tausend Mann. Jesus aber nahm die Brode, dankete und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten. Desselbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß Nichts umkomme. Da sammelten sie, und füllten zwölf Körbe mit Brocken, von den fünf Gerstenbroden, die überblieben denen, die gespeiset worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus that, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkete, daß sie kommen würden, und ihn und Evangelien. 85 ihn haschen, daß sie ihn zum Könige machten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst allein. Am V. Sonntage in der Fasten, Judica. Epistel, Ebräer 9, v. 11-15. Christus aber ist gekommen, daß er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, durch eine größere und vollkommenere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist; auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern er ist durch sein eigenes Blut einmal in das Heilige eingegangen, und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut, und die Asche von der Kuh gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit: wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Wandel durch den heiligen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den todten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott? Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Uebertretungen( die unter dem ersten Testament waren) die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen. Evangelium, Joh. 8, v. 46-59. Jesus esus sprach zu den Juden: Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort. Darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist, und hast den Teufel? Jesus antwortete: Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre, es ist aber Einer, der sie suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So Jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. 87 Da 86 Epistelit Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben, und die propheten, und du sprichst: So Jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr, denn unser Vater Abraham, welcher ge storben ist, und die Bropheten sind gestorben, was machst du aus dir selbst. Jesus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre Nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen ihr sptechet, er sei euer Gott, und kennet ihn nicht; ich aber kenne ihn. Und so ich würde sagen: Ich kenne sein nicht, so würde ich ein Lügner, gleich wie ihr seid. Aber ich kenne ihn, und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn, und freuete sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt, und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham war, bin ich. Da hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich, und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hinstreichend. Am VI. Sonntage in der Fasten, Palmarum. Epistel, Phil. 2, v. 5-11. in Jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war. Welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er's nicht für einen Raub, Gott gleich sein, sondern äußerte sich selbst, und nahm Knechts- Geſtalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch, und an Beberden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet, und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist; daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen Aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der und Evangelien. 87 der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollert, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters. Evangelium, siehe am ersten Sonntage des Advents. Matth. 21, v. 1-9. Am heiligen Ostertage. Epistel, 1. Cor. 5, v. 6-8. Suer uer Ruhm ist nicht fein. Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert? Das rum feget den alten Sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer Teig seid, gleich wie ihr ungesäuert seid. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. Darum lasset uns Ostern halten, nicht in dem alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schaltheit, sondern in dem Süßteig der Lauterkeit und der Wahrheit. Evangelium, Marc. 16, v. 1-8. Und da der Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena, und Maria Jacobi und Salome Spezerei, auf daß sie kämen, und Jesum salbeten. Und sie tamen zum Grabe an einem Sabbather sehr frühe, da die Sonne aufging. Und sie sprachen unter einander: Wer wälzet uns den Stein von des Grabes Thür? Und sie sahen dahin, und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war, denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab, und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sizen, der hatte ein langes weißes Kleid an, und sie entsegten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entseßet euch nicht. Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, und ist nicht 88 Episteln nicht hier. Siehe da, die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin und säget es seinen Jüngern und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galiläam, da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell heraus, und flohen von dem Grabe, denn es war sie zittern und Entseßen angekommen, und sagten Niemand Nichts, denn sie fürchteten sich. Am Ostermontage. Epistel, Apostelgesch. 10, v. 34-41. Metrus aber that seinen Mund auf, und sprach; Nun nicht ansiehet, sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel ges sandt hat, und verkündigen lassen den Frieden durch Jesum Christum,( welcher ist ein Herr über Alles), die durch das ganze jüdische Land geschehen ist, und angegangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes predigte, wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gejalbet hat mit dem heiligen Geist und Kraft, der umhergezogen ist, und hat wohlgethan und gesund gemacht Alle, die vom Teufel überwältiget waren, denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen Alles dessen, das er gethan hat im jüdischen Lande, und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet und an ein Holz gehänget. Denselbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volk, sondern uns, den vorerwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er àuferstanden ist von den Todten. Evangelium, Lucä 24, v. 13-35. Und nd siche, zwei aus den Jüngern des Herrn gingen an demselbigen Tage in einen Flecken, der war von Je= und Evangelien. 89 Jerusalem sechzig Feldweges weit, deß Name heißet Emmahus, und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, da sie so redeten, und befragten sich miteinander, nahete Jesus zu ihnen, und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht fannten. Er aber sprach zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unterweges, und seid traurig? Da antwortete einer, mit Namen Cleophas, und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremblingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen darinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jefu von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Thaten und Worten, vor Gott und allem Volk; wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben zur Verdammniß des Todes, und gekreuziget. Wir aber hofften, er sollte Jsrael erlösen. Und über das Alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern, die sind frühe bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. Und Etliche unter uns gingen hin zum Grabe und fanden es also, wie die Weiber sagten, aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Thoren und träges Herzens, zu glauben alle dem, das die Propheten geredet haben. Mußte nicht Christus solches leiden, und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und fing an von Mose und allen Propheten, und legte ihnen alle Schrift aus, die von ihm gesagt war. Und sie kamen nahe zum Flecken, da sie hingingen, und er stellete sich, als wollte er fürder gehen. Und sie nöthigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brod, dankete, brachs und gabs ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkannten ihn, und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselbigen Stunde, kehrten wieder gen Jerufalem, und fanden die Eilfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche 90 Episteln m welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden, und Simoni erschienen. Und sie erzähleten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brod brach. Jpeg slisonpar Smallo Am Osterdienstage. Caditos: 1190 Char AVI FICH HE Epistel, Apostelgesch. 13, v. 26-33. Hir hr Männer, lieben Brüder, ihr Kinder des Geschlechts das Wort dieses Heils gesandt. Denn die zu Jerusalem wohnen und ihre Obersten, dieweil sie diesen nicht kannten, noch die Stimme der Propheten welche auf alle Sabbather gelesen werden, haben sie dieselben mit ihren Urtheilen erfüllet. Und wiewohl sie keine Ursache des Todes an ihm fanden, baten sie doch Pilatum, ihn zu tödten. Und als sie Alles vollendet hatten, was von ihm geschrieben ist, nahmen sie ihn von dem Holz, und legten ihn in ein Grab. Aber Gott hat ihn auferwecket von den Todten, und er ist erschienen viele Tage denen, die mit ihm hinauf von Galiläa gen Jerusalem gegangen waren, welche sind seine Zeugen an das Volk. Und wir auch verkündigen euch die Verheißung, die zu unsern Vätern geschehen ist, daß dieselbige Gott uns, ihren Kin dern, erfüllet hat, in dem, daß er Jesum auferwecket hat. nd. Evangelium, Lucä 24, v. 36-47. Da a sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mit ten unter sie, und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch. Sie erschracken aber, und fürchteten sich, meineten, sie fähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Ge danken in eure Herzen? Sehet meine Hände und meine Füße, ich bins selber; fühlet mich, und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe. Und da er das sagte, sublour zeigte und Evangelien. 91 zeigte er ihnen Hände und Füße. Da sie aber noch nicht glaubeten vor Freuden, und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm vor ein Stück von gebratenem Fische und Honigseim, und er nahm es und aß vor ihnen. Er aber sprach zu ihnen: das sind die Reden, die ich zu euch sagte, da ich noch bei euch war; denn es muß Alles erfüllt werden, was von mir geschrieben ist im Geset Mofis, in den Propheten und in den Pfalmen. Da öffnete er ihnen das Verständniß, daß sie die Schrift verstanden. Und er sprach zu ihnen: Also ist's geschrieben, und also mußte Christus leiden, und auferstehen von den Todten an dem dritten Tage, und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern, und anheben zu Jerusalem. kidzooisslitas12 thot- spotume mk 2:19 810 Enslində como la mstue. jotussé idi dni mend Bis Am I. Sonntage nach Ostern, Quasimodogeniti. Epistel, 1. Joh. 5, v. 4-10. dumin dipur Al lles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt über wunden hat. Wer ist aber, der die Welt überwindet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ists, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus, nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ists, der da zeuget, daß Geist Wahrheit ist. Denn drei sind, die da zeugen im Himmel: der Vater, das Wort und der heilige Geist, und diese drei sind Eins. Und drei sind, die da zeugen auf Erden: der Geist, das Wasser, und das Blut, und die drei sind beisammen. So wir der Menschen Zeugniß annehmen, so ist Gottes Zeugniß größer. Denn Gottes Zeugniß ist das, das er gezeuget hat von seinem Sohn. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugniß bei ihm. Evan Episteln Evangelium, Joh. 20, v. 19-23. [ m Abend aber desselbigen Sabbaths, da die Jünger versammelt, und die Thüren verschlossen waren, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein, und spricht zu ihnen: Friede jei mit euch! Und als er das sagte, zeigete er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermal zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an, und spricht zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist, welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. 92 Am II. Sonntage nach Ostern, Misericordias Domini. Epistel, 1. Betri 2, v. 21:25. enn dazu seid ihr berufen. Sintemal auch Christus gelitten hat für uns, und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen. Welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litte; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet. Welcher unsere Sünden selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holz, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch welches Wunden ihr seid heil worden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe, aber ihr seid nun bekehret zu dem Hirten und Bischofe eurer Seelen. Evangelium, Joh. 10, v. 12-16. I ch bin ein guter Hirte. Ein guter Hirte lässet sein Hirte ist, deß die Schafe nicht eigen sind, siehet den Wolf kommen, und verläßt die Schafe, und flieht, und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe. Der Miethling aber flieht, denn er ist ein Miethling, und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hirte und erkenne die Meinen, und und Evangelien. 93 und bin bekannt den Meinen; wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater, und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle, und dieselben muß ich herführen und sie werden meine Stimme hören, und wird Eine Heerde und Ein Hirte werden. Am III. Sonntage nach Ostern, Jubilate. Epistel, 1. Petri 2, v. 11-20. Lieben Brüder, ich ermahne euch, als die Fremdlinge und Pilgrime, enthaltet euch von den fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten. Und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterreden, als von Uebelthätern, eure guten Werke sehen, und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird. Seid unterthan aller menschlichen Ordnung, um des Herrn willen, es sei dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm, zur Rache über die Ulebelthäter, und zu Lobe den Fromiren. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissenheit der thörichten Menschen; als die Freien und nicht, als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre Jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. Ihr Knechte, seid unterthan mit aller Furcht den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist die Gnade, so Jemand um des Gewissens willen zu Gott das Ulebel verträgt und leidet das Unrecht. Denn was ist das für ein Ruhm, so ihr um Missethat willen Streiche leidet? Aber wenn ihr um Wohlthat willen leidet und erduldet, das ist Gnade bei Gott. Evangelium, Joh. 16, v. 16-23. Ueber eber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Bater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern unter einander: Was ist das, daß er saget zu uns: Ueber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein 94 Episteln ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen sie: Was ist das, daß er saget: über ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr unter einander, daß ich ge sagt habe: Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen. Ihr aber werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden. Ein Weib, wenn sie gebieret, so hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, dentet sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch mun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll Niemand von euch nehmen. Und an demselbigen Tage werdet ihr mich Nichts fragen. Am IV. Sonntage nach Ostern, Cantate. Epistel, Jacobi 1, v. 17-21. Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen, durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Creaturen. Darum, lieben Brüder, ein jeg licher Mensch sei schnell zu hören, langsam aber zu reden, und langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Darum so leget ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit und nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflanzet ist, welches kann eure Seelen selig machen. Evangelium, Joh. 16, v. 5-15. un aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und Niemand unter euch fraget mich? Wo gehest du hin? Sondern, dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz und Evangelien. 95 Herz voll Trauerns geworden. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn ſo ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch. So ich aber hingehe, so will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen um die Sünde und um die Gerechtigkeit, und um das Gericht. Unt die Sünde, daß sie nicht glauben an mich. Um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet, um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel 31 fagen, aber ihr könnet es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verfündigen. Derselbige wird mich verklären, denn von dem Meinen wird ers nehmen, und euch verkündigen, Alles, was der Vater hat, das ist mein, darum habe ich gesagt: Er wirds von dem Meinen nehmen, und euch verkündigen. Am V. Sonntage nach Ostern, Rogate. Epistel, Jacobi 1, v. 22:27. ( eid aber Thäter des Worts, und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so Jemand ist ein Hörer des Worts und nicht ein Thäter, der iſt gleich einem Manne, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschauet. Denn nachhem er sich beschauet hat, gehet er von Stunde an davon, und vergisset, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene Gefeß der Freiheit, und darinnen beharret, und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter, derselbe wird selig sein in seiner That. So aber sich Jemand unter euch läffet dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern verführet sein Herz, deß Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst por Gott, dem Vater, ist der, die Waisen und Wittwen in ihrer Trübsal besuchen, und sich von der Welt unbeflect erhalten. Evans Episteln Evangelium, Joh. 16, v. 23-30. W ahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater Etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches habe ich zu euch durch Sprüch wort geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprüchwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bit. ten will. Denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet, und glaubet, daß ich von Gott aus gegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen, und gekommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt, und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus, und sagest kein Sprüchwort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt, und bedarfst nicht, daß dich Jemand frage. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. 96 Am Tage der Himmelfahrt Christi. Epistel, Ap. Gesch. 1, v. 1.11. ie erste Rede habe ich zwar gethan, lieber Theophile, von Allem dem, das Jesus anfing, beides, zu thun und zu lehren, bis an den Tag, da er aufgenominen ward, nachdem er den Apostela( welche er hatte ausers wählet) durch den heiligen Geist Befehl gethan hatte. Welchen er sich nach seinem Leiden lebendig gezeigt hatte durch mancherlei Erweisungen, und licß sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang, und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt ge höret( sprach er) von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammen gekommen waren, fragten ihn, und sprach und Evangelien. 97 sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er aber sprach zu ihnen: es gebühret euch nicht zu wissen Zeit und Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat. Sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfahen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerus salem, und in ganz Judäa und Samaria, und bis an das Ende der Erde. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehens, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen gen Himmel fahren, siehe, da standen bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Jhr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Evangelium, Marci 16, v. 14-20. uleßt, da die Eilfe zu Tische saßen, offenbarte sich der Herr, und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie nicht geglaubet hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden. Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt, und prediget das Evangelium aller Creatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird perdammet werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas Tödtliches trinken, wird es ihnen nicht schaden. Auf die Kranten werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel, und sizet zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten, und der Herr wirkete mit ihnen, und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. Am VI. Sonntage nach Ostern, Exaudi. Epistel, 1. Petri 4, v. 8-11. o seid nun mäßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen. Dingen aber habt unter einander eine brünstige Liebe, denn 98 Episteln denn die Liebe decket auch der Sünden Menge. Seid gafts frei unter einander ohne Murmeln. Und dienet einander, ein Jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. So Jemand redet, daß er es rede, als Gottes Wort. So Jemand ein Amt hat, das er es thue, als aus dem Vermögen, das Gott darreichet, auf daß in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesum Christum, welchem sei Ehre und Gewalt, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Evangelium, Joh. 15, v. 26 bis 16, v. 4. Menn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen, denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und solches wer den sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater, noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, ihr daran gedenket, daß ich es euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt, denn ich war bei euch. Am heiligen Pfingsttage. Epistel, Ap. Gesch. 2, v. 1-13. Und nd als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmüthig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen von Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen die Zungen zertheilet, als wä ren sie feurig, und er setzte sich auf einen Jeglichen un ter ihnen, und wurden alle voll des heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürch tige Männer, aus allerlei Volk, das unter dem Him mel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Men ge und Evangelien. 99 ge zusammen, und wurden verstürzt; denn es hörete ein Jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsepten sich aber Alle, verwunderten sich und sprachen uns ter einander: Siehe, sind nicht diese Alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein Jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamia, und in Judää, und Capadocia, Ponto und Asia, Phrygia und Phamphylia, Egypten und an den Enden der Lybien bei Cyrene, und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Creter und Araber. Wir hören sie mit unsern Zungen die großen Thaten Gottes reden. Sie entsegten sich aber Alle und wurden irre, und sprachen Einer zu dem Andern: Was will das werden? Die Andern aber hatten es ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. Evangelium, Joh. 14, v. 23-31. Mer er mich liebet, der wird mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wird es euch Alles lehren, und euch erinnern Alles deß, das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erichrecke nicht, und fürchte sich nicht. Ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer denn ich, und nun habe ich es euch gesagt, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort nicht mehr viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt, und hat Nichts an mir. Aber, auf daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat, stehet auf, und lasset uns von hinnen gehen. e 2 Am 100 Episteln Am Pfingstmontage. Epistel, Apost. Gesch. 10, v. 42-48. und er Herr hat uns geboten zu predigen dem Volk, zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott, ein Richter der Lebendigen und der Todten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen Alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf Alle, die dem Worte zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petro gekommen waren, entfeßten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward. Denn sie höreten, daß sie mit Zungen redeten, und Gott hoch preifeten. Da antworte Petrus: Mag auch Jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den heiligen Geist empfahen haben, gleichwie auch wir? Und befahl, sie zu taufen in dem Namen des Herrn. De Evangelium, Joh. 3, v. 16-21. resus sprach zu Nicodemo: Also hat Gott die Welt ge liebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den Na men des eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsterniß mehr, denn das Licht; denn ihre Werke waren böse. Wer Árges thut, der haffet das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werte nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke of fenbar werden, denn sie sind in Gott gethan. Am und Evangelien. Am Pfingstdien stage. Epistel, Apost. Gesch. 8, v. 14-17. D ja aber die Apostel höreten zu Jerusalem, daß Samaria das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie zu ihnen Betrum und Johannem, welche, da sie hinab kamen, beteten sie über sie, daß sie den heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen gefallen, sondern waren allein getauft in dem Namen Christi Jeſu. Da legten sie die Hände auf sie, und sie empfingen den heiligen Geist. 101 Evangelium, Joh. 10, v. 1-11. Jefus esus sprach zu den Juden: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Thüre hinein gehet in den Schafsfall, sondern steiget anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder. Der aber zur Thüre hinein gehet, der ist ein Hirte der Schafe. Demselben thut der Thürhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme, und er rufet seine Schafe mit Namen, und führet sie aus. Und wenn er seine Schafe hat ausgelassen, geht er vor ihnen hin und die Schafe folgen ihm nach, denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihin, denn sie fennen der Fremden Stimme nicht. Diesen Spruch sagte Jesus zu ihnen; sie vernahmen aber nicht, was es war, das er zu ihnen sagte. Da sprach Jesus wieder zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Thür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Mörder gewesen, aber die Schafe haben ihnen nicht gehorchet. Ich bin die Thür; so Jemand durch mich eingehet, der wird selig werden, und wird ein- und ausgehen, und Weide finden. Ein Dieb kommt nicht, denn daß er stehle, würge und umbringe. Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben follen. e 3 Am 102 Episteln Am Sonntage Trinitatis. Epistel, Röm. 11, v. 33-36. welch eine Tiefe des Reichthums, beides der Weis heit und Erkenntniß Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder wer ist sein Rathgeber gewejen? Oder wer hat ihm Etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm, und durch ihn, und in ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen. Evangelium, Joh. 3, v. 1-15. s war aber ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen Nicodemus, ein Oberster unter den Juden, der kam zu Jesu bei der Nacht, und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer von Gott gekommen, denn Niemand kann die Zeichen thun, die du thust, es sei denn Gott mit ihm. Jejus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß Jemand von Neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nicodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen, und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß Jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Laß dichs nicht wundern, daß ich dir geſagt habe: Ihr müsset von Neuem geboren werden. Der Wind bläset, wo er will, und du hörest sein Saufen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt und wohin er fähret. Also ist ein Jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Nicodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und zeugen, das wir gesehen haben, und ihr nehmet unser Zeugniß nicht an. Glaubet ihr und Evangelien. 103 ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und Niemand fähret gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat: also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Am I. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Joh. 4, v. 16-21. Bott ott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleich wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibet die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns erst geliebet. So Jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, daß er auch seinen Bruder liebe. Evangelium, Lucä 16, v. 19-31. 6. s war aber ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand, und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thüre voller Schwären, und begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen. Doch tamen die Hunde und leckten ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb, und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schooß. Der Reiche aber starb auch und ward begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine Augen auf, und sah Abraham von ferne, e 4 und 104 Episteln und Lazarum in seinem Schooß, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein und sende Lazarum, daß er das Neußerste seines Fingers ins Wasser tauche, und fühle meine Zunge, denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedente, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getröstet und du wirst gepeiniget. Und über das Alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestiget, daß die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus. Denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham aber sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die Propheten, laß sie dieselbigen hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Todten zu ihnen ginge, so würden sie Buße thun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob Jemand von den Todten auferstünde. Am II. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Joh. 3, v. 13-18. Verwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt Hasset. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind, denn wir lieben die Brüder. Wer den Bruder nicht liebet, der bleibet im Tode. Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Tobtschläger, und ihr wisset, daß ein Todtschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat, und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber Jemand dieser Welt Güter hat, und siehet seinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der That und mit der Wahrheit. Evans und Evangelien. Evangelium, Lucä 14, v. 16-24. war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl, 105 zu der Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommet, denn es ist alles bereit. Und sie fingen an Alle nacheinander sich zu entschuldigen. Der Erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft, und muß hinaus gehen und ihn besehen; ich bitte dich, enschuldige mich. Und der Andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen ges kauft, und ich gehe jept hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der Dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam, und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig, und sprach zu seinem Knecht: Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt, und führe die Armen, und Krüppel, und Lahmen, und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen haft; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune, und nöthige sie herein zu kommen, auf daß mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer feiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. Am III. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Petri 5, v. 6-11. demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er forget für euch. Seid nüchtern und wachet, denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe, und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet fest im Glauben, und wisset, daß eben dieselbigen Leiden über eure Brütder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit, in Chrifto Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, e 5 vollbes Episteln vollbereiten, stärken, kräftigen und gründen. Demselbigen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Evangelium, Lucä 15, v. 1-10. 106 s naheten aber zu Jesu allerlei Zöllner und Sünder, die Pharisäer and gelehrten murreten, und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichniß und sprach: Welcher Mensch ist uns ter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eins vers lieret, der nicht lasse die neun und neunzig in der Wüste, und hingehe nach dem verlornen, bis daß er es finde? Und wenn er es gefunden hat, so leget er es auf die Achseln mit Freuden. Und wenn er heim kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn, und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden ,. das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße thut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder, welches Weib, die zehn Groschen hat, so sie der einen verlieret, die nicht ein Licht anzünde, und kehre das Haus, und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, rufet sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen, und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. De Am IV. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Röm. 8, b. 18-23. enn ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht werth sei, die an uns soll geoffenbaret werden. Denn das ängstliche Harren der Creatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Creatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um deßwillen, der sie unterworfen hat auf Hoffnung. Denn auch die Creatur frei werden wird von und Evangelien. 107 von dem Dienst des vergänglichen Wesens, zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Creatur sehnet sich mit uns, und ängstet sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unsers Leibes Erlösung. Evangelium, Luca 6, v. 36-42. Darum feid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maaß wird man in euren Schooß geben, denn eben mit dem Maaß, da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehest du aber einen Splitter in deines Brudes Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder, wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder! Ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehest selbst nicht den Balken in deinem Auge? -Du Heuchler! ziehe zuvor den Balken aus deinem Auge, und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Am V. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Petri 3, v. 8-15. Endlich aber seid allesammt gleich gesinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort; sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seid, e 6 108 Episteln seid, daß ihr den Segen beerbet. Denn wer leben will, und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trüs gen. Er wende sich vom Bösen, und thue Gutes, er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet. Das Angesicht aber des Herrn siehet auf die, so Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommt? Und ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem Troßen nicht, und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott, den Herrn in eurem Herzen. Evangelium, Lucä 5, v. 1-11. & s begab sich aber, daß sich das Volk zu Jesu drang, zu hören das Wort Gottes, und er stand am See Genezareth, und sah zwei Schiffe am See stehen, die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Neße, da trat er in der Schiffe eines, welches Simonis war, und bat ihn, daß er es ein wenig vom Lande führete. Und er segte sich und lehrete das Volk aus dem Schiff. Und als er hatte aufgehöret zu reden, sprach er zu Simon: Fahret auf die Höhe, und werfet eure Neße aus, daß ihr einen Zug thut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet, und nichts gefangen, aber auf dein Wort will ich das Nez auswerfen. Und da sie das thaten, beschloss sen sie eine große Menge Fische, und ihr Neß zerriß. Und sie winkien ihren Gesellen, die im andern Schiffe waren, daß sie kämen, und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Schiffe voll, also daß sie san ten. Da das Simon Petrus sah, fiel er Jesu zu den Knieen, und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch. Denn es war ihm ein Schrecken angekommen, und Alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie mit einander gethan hatten. Dessel bigen, gleichen auch Jacobum und Johannem, die Söhne Zebedai, Simonis Gesellen. Und Jesus sprach zu Si mon: Fürchte dich nicht, denn von nun an wirst du Menschens und Evangelien. 109 Menschen fahen. Und sie führeten die Schiffe zu Lande, und verließen Alles, und folgten ihm nach. Am VI. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Röm. 6, v. 3-11. Wisset ihr nicht, daß Alle, die wir in Jeſum Christ getaufet sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferwecket von den Todten, durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber sammt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein; dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch sammt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn, wer gestorben ist, der ist gerechtfertiget von der Sünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden; und wissen, daß Christus von den Todten erweekt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Denn, daß er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben, zu einem Mal; das er aber lebet, das lebet er Gott. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gott in Christo Jesu unserem Herrn. Evangelium, Matth. 5, v. 20-26. Denn ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit befser, denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehöret, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht tödten; wer aber tödtet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber fage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig. Wer aber zu seinem Bruder jagt: Racha, der ist des Raths schuldig. Wer aber sagt: Du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum, e 7 wenn 110 Episteln wenn du eine Gabe auf dem Altar opferst, und wirst allda eingedenk, daß dein Bruder Etwas wider dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe, und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komme und opfere deine Gabe. Sei willfertig deinem Widersager bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersager nicht dermaleins überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir, wahrlich, du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahleſt. Am VII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Röm. 6, v. 19-23. ch muß menschlich davon reden, um der Schwachheit begeben habt zum Dienst der Unreinigkeit, und von ei ner Ungerechtigkeit zu der andern; also begebet nun auch eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünde Knechte waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet; denn das Ende derselbigen ist der Tod. Nur ihr aber seid von der Sünde frei, und Gottes Knechte worden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet; das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünden Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben, in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium, Marc. 8, v. 1-9. 3⁰⁰ der Zeit da viel Volks da war, und hatten Nichts zu essen, rief Jesus seine Jünger zu sich, und sprach zu ihnen: Mich jammert des Volks, denn sie haben nun drei Tage bei mir verharret, und haben nichts zu essen, und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten, denn Etliche waren und Evangelien. waren von Ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brod hier in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viel habt ihr Brode? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brode und dankete, und brach sie, und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselben vorlegten. Und sie legten dem Volke vor. Und hatten ein wenig Fischlein, und er dankete, und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie as sen aber, und wurden satt, und hoben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer waren bei viertausend, die da gegessen hatten. Und er ließ sie von sich. Am VIII. Sonntag nach Trinitatis. Epistel, Röm. 8, v. 12-17. 111 ( o sind wir nun, lieben Brüder, Schuldner, nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen. Wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Denn thr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müsset, sondern ihr habt einen findlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba! lieber Vater. Derselbige Geist gibt Zeugniß unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben, und Miterben Christi; so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Evangelium, Matth. 7, v. 15-23. ehet euch vor, vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie ers kennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte; aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte 112 Episteln Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer gewor fen. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht Alle, die zu mir sagen: Herr! Herr! in das Himmelreich tommen, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr! Herr! haben wir nicht in deinem Namen geweisjaget? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viel Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen! Ich habe euch noch nie erkannt: weichet Alle von mir, ihr Uebelthäter. Am IX. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 10, v. 6-13. uns nicht gelüsten lassen des Bösen, gleichwie jene gelüstet hat. Werdet auch nicht Abgöttische, gleichwie jener Etliche wurden, als geschrieben stehet: das Volk sezte sich nieder zu essen und zu trinken, und stand anf zu spielen. Auch lasset uns nicht Hurerei treiben, wie Etliche unter jenen purerei trieben, und fielen auf einen Tag drei und zwanzig tausend. Lasset uns aber auch Christum nicht ver suchen wie etliche von jenen ihn versuchten, und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleichs wie jener Etliche murrten, und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vor bilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt gekommen ist. Darum wer sich läsſet dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung be treten. Aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. Evangelium, Lucä 16, v. 1-9. Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter, der ward vor ihm berüchtiget, als hätte er ihm seine Güter und Evangelien. 113 Güter umgebracht. Und er forderte ihn, und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thue Rechnung von deinem Haushalten, denn du kannst hinfort nicht mehr Haushalter sein. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein Herr nimmt das Amt von mir. Graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Amte geseßet werde, daß sie mich in ihre Häus ser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Del. Und er sprach zu ihm: Nimm diesen Brief, seße dich, und schreibe flugs fünfzig. Darnach sprach er zu dem andern; Du aber, wie viel bist Du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Waizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreibe achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er flüglich gethan hätte. Denn die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichts in ihrem Geschlecht. Und ich sage euch: Machet euch Freude mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Am X. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 12, b. 1-11. den geistlichen Gaben aber will ich euch, lieben Brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr Heiden seid gewesen und hingegangen zu den stummen Gößen, wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich euch fund, daß Niemand Jesum verfluchet, der durch den Geist Gottes redet. Und Niemand kann Jesum einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist. Es sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist. Und es sind mancherlei Aemter, aber es ist ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist ein Gott, der da wirket Alles in Allem. In einem Jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nußen. Einem wird gegeben durch den Geist zu reden von der Weisheit; dem Ändern wird gegeben zu reden von der Erkenntniß nach demselbigen Geist; einem Andern der Glaube, in demselbigen Geist, einem Andern die Von on 114 Episteln die Gabe gesund zu machen, in demselbigen Geist; einem Andern Wunder zu thun; einem Andern Weissagung: einem Andern Geister zu unterscheiden; einem Andern mancherlei Sprachen; einem Andern die Sprachen auss zulegen. Dies aber Alles wirket derselbige einige Geist, und theilet einem Jeglichen seines zu, nachdem er will. Evangelium, Lucä 19, v. 41-48. Und als er, der Herr Jeſus, nahe hinzukam, ſah er die Stadt an, und weinete über sie, und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken, zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich, und deine Kinder mit dir, eine Wagenburg schlagen, dich belagern, und an allen Orten ängsten. Und werden dich schleifen, und keinen Stein auf dem andern lassen, darum, daß du nicht erkannt hast die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den Tempel und fing an, auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus, ihr aber habt es zur Mördergrube ge macht. Und er lehrete täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und die Vornehmsten im Volt trachteten ihm nach, daß sie ihn umbrächten. Und fanden nicht, wie sie ihm thun sollten, denn alles Volk hing ihm an, und hörete ihn. Am XI. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 15, v. 1-10. Jd ch erinnere euch aber, lieben Brüder, des Evangelii, das ich euch verkündet habe, welches ihr auch ange: nommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welcher Gestalt ich es euch verkündiget habe, so ihr es behalten habt, es wäre denn, daß ihrs umsonst geglaubt hättet. Denn ich habe euch zuvör derst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Chris flus gestorben sei für unsere Sünden, nach der Schrift. Und daß er begraben sei, und daß er auferstanden sei am dritten Tage, nach der Schrift. Und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen. Dara nach und Evangelien. nach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal, derer noch viele leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jacobo, darnach von allen Aposteln. Am letzten nach Allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein Apostel heiße, darum, daß ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle, nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. 115 Evangelium, Lucä 18, v. 9-14. er Herr sagte zu Etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die Andern, ein solch Gleichniß: Es gingen zween Menschen hinauf in den Tempel zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, und gebe den Zehnten von Allem, das ich habe. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott sei mir Sünder gnädig. Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor fenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. Am XII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 2. Cor. 3, v. 4-11. Fin solches Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht, daß wir tüchtig sind von uns selber, Etwas zu denken, als von uns selber, sondern, daß wir tüchtig sind, ist von Gott. Welcher auch uns tüchtig ges macht hat, das Amt zu führen des neuen Testaments, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tödtet, aber der Geist machet lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tödtet, und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also, daß die Kinder Israel 116 Episteln Israel nicht konnten ansehen das Angesicht Mosis, um der Klarheit willen seines Angesichts, die doch aufhöret; wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist gibt, Klarheit haben? Denn so das Amt, das die Verdamm niß prediget, Klarheit hat, vielmehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit prediget, überschwengliche Klarheit. Denn auch jenes Theil, das verkläret war, ist nicht für Klarheit zu achten gegen dieser überschwenglichen Klarheit. Denn so das Klarheit hatte, das da aufhöret; vielmehr wird das Klärheit haben, das da bleibet. Evangelium, Marc. 7, v. 31-37. Und nd da der Herr Jesus wieder ausging von den Gräns zen Tyrus und Sydon, kam er an das Galiläische Meer, mitten unter die Gränze der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volke besonders, und legte ihm die Finger in die Ohren, und spüßete und rührete seine Zunge, und sah auf gen Himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hephata, das ist: Thue dich auf, und alsbald thaten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und er redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten es Niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. Und verwunderten sich über die Maßen, und sprachen: Er hat Alles wohlgemacht, die Tauben macht er hörend, und die Sprachlosen redend. Am XIII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Galater 3, v. 15-22. Lieben Brüder, ich will nach menschlicher Weiſe reden. Verachtet man doch eines Menschen Testament nicht, wenn es bestätigt ist, und thut auch nichts dazu. Nun ist ja die Verheißung Abraham und seinem Samen zus gesagt. Er spricht nicht: Durch die Samen, als durch viele, sondern als durch einen; durch deinen Samen, welcher ist Christus. Ich sage aber davon: Das Testament, das von Gott zuvor bestätigt ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die Verheißung sollte durchs Gefeß aufhören, welches gegeben ist über vier hundert und dreißig Jahre hernach. Denn so das Erbe durch das und Evangelien. 117 das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch die Verheißung gegeben. Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenket. Was soll denn das Gesez? Es ist dazu gekommen um der Sünde willen, bis der Same käme, dem die Verheißung geschehen ist, und ist gestellet von den Engeln, durch die Hand des Mittlers. Ein Mittler aber ist nicht eines Einzigen Mittler, Gott aber ist einig. Wie? Jst denn das Geset wider Gottes Verheißung? Das sei ferne. Wenn aber ein Geset gegeben wäre das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Geseß. Aber die Schrift hat es Alles beschlossen unter die Sünde, auf daß die Verheißung käme durch den Glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. Evangelium, Luc. 10, v. 23-37. esus wandte sich zu seinen Jüngern und sprach inson: derheit: Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr fehet. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, das ihr sehet, und haben es nicht gesehen, und hören, das ihr höret, und haben es nicht gehöret. Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn, und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Gesetz geschrieben? Wie liejest du? Er antwortete, und sprach: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften, und von ganzem Gemüthe, und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwor tet; thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster? da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho, und fiel unter die Mördar, die zogen ihn aus, und schlugen ihn, und gingen davon, und ließen ihn halb todt liegen. Es begab sich aber ohngefähr, daß ein Priester dieselbe Straße hinab zog, und da er ihn sah, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei die Stätte, und sah ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reisete, und kam dahin, und da er ihn sah, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wune den, 118 Episteln den, und goß darein Del und Wein, und hob ihn auf sein Thier, und führete ihn in die Herberge, und pflegte sein. Des andern Tags reisete er, und zog heraus zween Groschen und gab sie dem Wirth, und sprach zu ihm: Pflege sein, und so du was mehr wirst darthun, will ich dirs bezahlen, wenn ich wieder komme. Welcher dünket dich, der unter diesen dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin, und thue deßgleichen. Am XIV. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Gal. 5, v. 16-24. Lieben Brüder, wandelt im Geiste, so werdet ihr die Lüſte des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch ge lüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch. Dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet. Regieret euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Geset. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Bant, 3wietracht, Rotten, Haß, Mord, Fressen, Saufen, und dergleichen. Von welchen ich euch habe zuvor gesagt, und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütig keit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. Wider solche ist das Gesetz nicht. Welche aber Chrifto angehören, die freuzigen ihr Fleisch sammt den Lüften und Begierden. Evangelium Luc. 17, v. 11-19. Und nd es begab sich, da Jesus reifete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samariam und Galiläam. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn ausfäßige Männer, die standen von ferne, und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschah, da sie hin gingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sah, daß er gefund worden war, kehrete er um, und prei fete und Evangelien. 119 fete Golt mit lauter Stimme, und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankete ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete, und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein geworden? Wo sind aber die neune? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehre, und gebe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen. Am XV. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Gal. 5, v. 25, bis 6, v. 10. o wir im Geist leben, so lasset uns auch im Geist wandeln. Lasset uns nicht eitler Chre geizig sein, unter einander zu entrüsten und zu hassen. Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehler übereilet würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem Geist, die ihr geistlich seid. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch versucht werdest. Einer trage des Andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So aber sich Jemand lässet dünken, er sei Etwas, so er doch nichts ist, der betrüget sich selbst. Ein Jeglicher prüfe aber sein selbst Werk, und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben, und nicht an einem Andern. Denn ein Jeglicher wird seine Last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Jrret euch nicht, Gott lässet sich nicht spotten. Denn was der Mensch säet, das wird er erndten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleisch das Verderben erndten. Wer aber auf den Geist fäet, der wird von dem Geist das ewige Leben erndten. Lasset uns aber Gutes thun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch erndten ohne Aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes thun an Jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Evangelium, Matth. 6, v. 24-34. Ni iemand kann zweien Herren dienen, entweder, er wird einen hassen, und den andern lieben, oder er wird einem anhangen und den andern verachten. Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum jage ich euch: 120 Episteln euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinfen werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr, denn die Speise? Und der Leib mehr, denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an. Sie säen nicht, sie erndten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zuseßen möge, ob er gleich darum forget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen, sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als der selben eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet, und morgen in den Ofen geworfen wird, sollte er das nicht vielmehr euch thun? O ihr Kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir effen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem Allem trach ten die Heiden; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr das Alles bedürfet. Trachtet am Ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches Alles zufallen. Darum forget nicht für den andern Morgen, denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. G ift genug, daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe. Am XVI. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Epheser 3, v. 13-21. Nieben Brüder, darum bitte ich, daß ihr nicht müde wers det um meiner Trübsale willen, die ich für euch leide, welche euch eine Ehre sind. Derohalben beuge ich meine Kniee gegen den Vater unsers Herrn Jesu Christi, der der rechte Vater ist über Alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe, nach dem Reichthum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen, und durch die Liebe eingewur zelt und gegründet zu werden: auf daß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Läns ge, und Evangelien. 121 ge, und die Tiefe, und die Höhe; auch erkennen, daß, Christum lieb haben, viel besser ist, denn alles Wissen, auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwenglich thun kann über Alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket, dem sei Chre in der Gemeinde, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit von Ewigkeit zu Ewigteit. Amen. Evangelium, Lucä 7, v. 11-17. Und nd es begab sich darnach, daß Jesus in eine Stadt, mit Namen Nain, ging, und seine Jünger gingen viele mit ihm, und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadtthor fam, siehe, da trug man einen Todten heraus, der ein einziger Sohn war seiner Mutter, und sie war eine Wittwe, und viel Volts aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht. Und trat hinzu, und rührete den Sarg an, und die Träger standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf. Und der Todte richtete sich auf, und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle eine Furcht an, und preiseten Gott, und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Bolt heimgefucht. Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land, und in alle umliegenden Länder. Am XVII. Sonntag nach Trinitatis. Epistel, Ephes. 4, v. 1-6. o ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie sich gebühret eurem Beruf, darin ihr berufen seid, mit aller Demuth und Sanft muth, mit Geduld, und vertraget Einer den Andern in der Liebe, und seid fleißig zu halten die Einigkeit, im Geist, durch das Band des Friedens. Ein Leib und Ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein Herr, Ein Glaube, Gine Taufe, Gin Gott und Vater( unser) Aller, der da ist über euch Alle, und durch euch Alle, und in euch Allen. F Evange Episteln Evangelium, Lucä 14, v. 1-11. Und nd es begab sich, daß er kam in ein Haus eines Obersten der Pharisäer, auf einen Sabbath das Brod zu effen, und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war waffersüchtig. Und Jesus antwortete, und sagte zu den Echriftgelehrten und Pharisäern, und sprach: Ists auch recht auf den Sabbath Heilen? Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an, und heilete ihn, und ließ ihn gehen. Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Ochs oder Esel in den Brunnen fällt und er nicht alsobald ihn herausziehet am Sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein 122 ten oben an zu sigen, und sprach zu ihnen: Wenn du von Jemand geladen wirst zur Hochzeit, so sebe dich nicht oben an, daß nicht etwa ein Ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sei, und so denn kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: Weiche diesem, und du müs fest dann mit Scham unten an sißen. Sondern, wenn du geladen wirst, so gehe hin, und sebe dich unten an, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf. Dann wirst Du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sizen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöhet werden. Am XVIII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 1, v. 4-9. ch danke meinem Gott allezeit eurethalben für die daß ihr seid durch ihn in allen Stücken reich gemacht an auer Lehre und in aller Erkenntniß. Wie denn die Predigt von Chrifto in euch kräftig geworden ist, also, daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe, und wars tet nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi, welcher auch euch wird fest behalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unsers' Herrn Jesu Christi. Denn und Evangelien. 123 Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. Evangelium, Matth. 22, v. 34-46. a aber die Pharisäer höreten, daß Jesus den Saddusie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, verfuchte ihn, und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Geseß? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, und von ganzem Gemüthe. Das ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer bei einander waren, fragete sie Jesus und sprach: Wie dünket euch um Christo? Weß Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geiste einen Herrn? da er sagt: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Seße dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße. So nun David ihn einen Herrn nennet, wie ist er denn sein Sohn? Und Niemand konnte ihm ein Wort antwor ten, und durfte auch Niemand von dem Tage an hinfort ihn fragen. Am XIX. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephes. 4, v. 22-28. ( o leget nun von euch ab, nach dem vorigen Wandel, den alten Menschen, der durch Lüste in Irrthum sich verderbet. Erneuert euch aber im Geiste eures Gemüths und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist, in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum leget die Lügen ab, und redet die Wahrheit, ein Jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir unter einander Glieder sind. Zürnet und sündiget nicht, laffet die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebet auch nicht Raum dem Lästerer. Wer gestohlen hat, der stehf 2 Episteln le nicht mehr, sondern arbeite, und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe zu geben dem Dürftigen. Evangelium, Matth. 9, v. 1-8. 124 a trat er, der Herr Jesus in das Schiff, und fuhr wieder herüber und kam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn! deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lä stert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denket ihr so Arges in euren Herzen? Wel ches ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden ver geben; oder zu sagen: Stehe auf und wandele? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden, die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein Bett auf, und the heim. Und er stand auf und ging heim. Da das. Volk das sah, verwunderte es sich, und preisete Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Am XX. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephes. 5, v. 15-21. o sehet nun zu, wie ihr vorsichtiglich wandelt, nicht als die Unweisen, sondern als die Weisen. Und schicket euch in die Zeit, denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da fei des Herrn Wille. Und saufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern werdet voll Geistes. Und redet unter einander von Psalmen und Lobgefängen, und geistlichen Liedern, finget und spielet dem Herrn in eurem Herzen. Und saget Dank allezeit für Alles Gott und dem Vater, in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi. Und seid unter einander unterthan in der Furcht Gottes. Evangelium, Matth. 22, v. 1-14. Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der ſeinem Soh ne fie und Evangelien. 125 sie die Gäste zur Hochzeit riefen, und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus, und sprach: Saget den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet, und Alles bereit; kommt zur Hochzeit. Aber sie verachteten das, und gingen hin, Einer auf seinen Acker, der Andere zu seiner Handthierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und tödteten sie. Da das der König hörete, ward er zornig, und schickte seine Heere aus, und brachte diese Mörder um, und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereitet, aber die Gäste waren es nicht werth. Darum gehet hin auf die Straßen, und ladet gür Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen, und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute, und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Kleid an. Und sprach zu ihm: Freund, wie bist du herein gekommen, und hast doch kein hochzeitliches Kleid an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werfet ihn in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen. Denn viele sind berufen, aber Wenige sind auserwählet. Am XXI. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephes. 6, v. 10-17. meine stark in dem und in. der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um deswillen, so ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage Widerstand thun und Alles wohl ausrichten, und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit, und an Beinen gef 3 sti 126 Episteln stiefelt, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seid. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnet alle feurigen Pfeile des Bösewichts. Und nehmet den Helm des Heils, und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Evangelium, Joh. 4, v. 47-54. Und nd es war ein Königischer, deß Sohn lag krank zu Capernaum. Dieser hörete, daß Jesus kam aus Ju däa in Galiläam, und ging hin zu ihm und bat ihn, daß er hinab käme und hülfe seinem Sohn, denn er war todtkrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komme hinab, ehe denn mein Kind stirbt. Jesus sprach zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebt. Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinab ging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm, und sprachen: Dein Kind lebt. Da forschete er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu ibm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkete der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gejagt hatte: Dein Sohn lebet. Und er glaubete mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläam kam. Am XXII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Phil. 1, v. 3-11. ch danke meinem Gott, so oft ich eurer gedenke,( weleuch Alle, und thue das Gebet mit Freuden) über eurer Gemeinschaft am Evangelio, vom ersten Tage, an bis hieher. Und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollführen, bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch Allen halte, darum, daß ich euch in meinem Herzen habe, in diesem meinem Gefängniß, darinnen ich und Evangelien. 127 ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr Alle mit mir der Gnade theilhaftig seis. Denn Gott ist mein Zenge, wie mich nach euch Allen verlanget von Herzensgrunde, in Christo Jesu. Und darum bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde, in allerlei Erkenntniß und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das beste sei, auf daß ihr seid lauter und unanstößig, bis auf den Tag Christi, erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen( in euch) zur Ehre und Lobe Gottes. Evangelium, Matth. 18, v. 23-35. as Himmelreich ist gleich einem Könige, der mit sei nen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehn tausend Pfund schuldig. Da er es nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn, und sein Weib, und seine Kinder, und Alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder, und betete ihn an, und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir Alles bezahlen. Da jammerte den Herrn desselbigen Knechts, und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging der selbige Knecht hinaus, und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig, und er griff ihn an und würgete ihn, und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist. Da fiel sein Mitknecht nieder, und bat ihn, und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir Alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin, und warf ihn ins Gefängniß, bis daß er bezahlete, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt, und kamen, und brachten vor ihren Herrn Alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich, und sprach zu ihm: Du Schallsknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest. Solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig, und überantwortete ihn den Beinigern, bis daß er bezahlete Alles, was er ihn schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von euren Herzen, ein Jeglicher seinem Bruder seine Fehler. f 4 Am Episteln Am XXIII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Philipp. 3, v. 17-21. Folg Colget mir, lieben Brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habet zum Vorbilde. Denn Viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit Weinen, die Feinde des Kreuzes Chrifti, welcher Ende ist die Verdammniß, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer, die irdisch gesinnt sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit er fann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. 128 Evangelium, Matth. 22, v. 15-22. a gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rath, wie sie Jefum fingen in seiner Rede. Und sandten zu ihm ihre Jünger, sammt Herodis Diener und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht, und fragest nach Niemand, denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Da rum sage uns, was dünket dich? Ist es recht, daß man dem Kaiser Zins gebe, oder nicht? Da nun Jesus merkete ihre Schalkheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versucht ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze; und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Weß ist das Bild und die Ueberschrift? Sie spra chen zu ihm: des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ift. Da sie das höreten, verwunderten sie sich, und ließen ihn, und gingen davon. Um XXIV. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Colosser 1, v. 9-14. erhalben auch wir, von dem Tage an, da wir es ge und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mit Erkenntniß sei nes und Evangelien. 129 nes Willens, in allerlei geistiger Weisheit und Verstand; daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn, zu allem Ge= fallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken. Und wachset in der Erkenntniß Gottes, und gestärket werdet mit aller Kraft, nach seiner herrlichen Macht, in aller Geduld und Langmüthigkeit mit Freuden. Und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbtheil der Heiligen im Licht; welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß, und hat uns verseßet in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Evangelium, Matth. 9, v. 18-26. Da Jesus solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten einer, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben; aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus stand auf, und folgete ihm nach, und seine Jünger. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahre den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm, und rührete seines Kleides Saum an. Denn sie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wendete sich Jesus um, und sah sie, und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu derselbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus kam, und sah die Pfeifer und das Getümmel des Volks, sprach er zu ihnen: Weichet! denn das Mägdlein ist nicht todt, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er hinein, und ergriff sie bei der Hand; da stand das Mägdlein auf. Und dies Gerücht erscholl in dasselbige ganze Land. Am XXV. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Thess. 4; v. 13-19, Wi ir wollen euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seid, wie die Andern, die keine Hoffnung haben. f 5 Denn 130 Episteln Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist; also wird Gott auch, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Zukunft des Herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen, denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Todten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselbigen hingerückt werden in den Wolfen, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten untereinander. Evangelium, Matth. 24, v. 15-28. Wenn ihr nun sehen werdet den Gräuel der Verwüstung, davon gesagt ist durch den Propheten Daniel, daß er stehe an der heiligen Stätte,( wer das lieset, der merke darauf!) alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist, und wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder, Etwas aus seinem Hause zu holen. Und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seine Kleider zu holen. Wehe aber den Schwangern und Säugern zu der Zeit. Bittet, aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter, oder am Sabbath. Denn es wird alsdann eine große Trübfal sein, als nicht gez wesen ist vom Anfang der Welt bisher, und als auch nicht werden wird. Und wo diese Tage nicht würden verkürzet, so würde kein Mensch selig. Aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzet. So alsdann Jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da, so sollt ihrs nicht glauben. Denn es werden falsche Christi, und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrthum( wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Siehe, ich habs euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus. Siehe, er ist in der Kammer, so glaubets nicht. Denn gleich wie der Bliz ausgehet vom Aufgang, und scheinet bis zum Nie und Evangelien. Niedergang; also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Am XXVI. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 2. Thess. 1, v. 3-10. 131 Wir ir sollen Gott danken allezeit um euch, lieben Brüder, wie es billig ist. Denn euer Glaube wächſet sehr, und die Liebe eines Jeglichen unter euch Allen nimmt zu gegen einander. Also, daß wir uns Euerer rühmen unter den Gemeinen Gottes, von eurer Geduld und Glauben, in allen euren Verfolgungen und Trübe salen, die ihr duldet; welches anzeiget, daß Gott recht richten wird und ihr würdig werdet zum Reiche Gottes, über welchem ihr auch leidet; nachdem es recht ist bei Gott, zu vergelten Trüb al denen, die euch Trübfal anlegen. Euch aber, die ihr Trübjal leidet, Ruhe mit uns, wenn nun der Herr Jesus wird offenbaret werden vom Himmel sammt den Engeln seiner Kraft, und mit Feuerflammen Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelio unseres Herrn Jesu Christi; welche werden Bein leiden, das ewige Verderben von dem Angesichte des Herrn und von seiner herrlichen Macht: wenn er kominen wird, daß er herrlich erscheine mit seinen Heiligen, und wunderbar mit allen Gläubigen. Denn unser Zeugniß an euch von demselbigen Tage habt ihr geglaubet. Evangelium, Matth. 25, v. 31-46. Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in ſeiner Herrlichkeit und alle heilige Engel mit ihm, dann wird er siben auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; und werden vor ihm alle Völker versammelt werden; und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird denn der König fagen zu denen zu seiner Rechten: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset. Ich f6 bin 132 Episteln bin durstig gewesen und ihr habt mich getränket. Jch bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin frank gewesen, und ihr habt mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu mir kommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeiset? oder durstig, und haben dich getränket? Wann haben wir dich einen Gast gesehen, und beherberget? oder nackend und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich frank oder gefangen gesehen, und sind zu dir gekom men? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich nicht gespeiset. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mich nicht getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget. Ich bin nackend gewesen und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin frank und gefan gen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet. Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: was ihr nicht gethan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen; aber die Gerechten in das ewige Leben. Am XXVII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 2. Petri 3, v. 3-14. Nieben Brüder, wisset das aufs Erste, daß in den letzten Tagen kommen werden Spötter, die nach ihren eige nen Lüsten wandeln, und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn nachdem die Bäter entschlafen find und Evangelien. 133 sind, bleibet es Alles, wie es vom Anfang der Creatur gewesen ist. Aber Muthwillens wollen sie nicht wissen, daß der Himmel vor Zeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser, und im Wasser bestanden durch Gottes Wort. Dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselbigen mit der Sündfluth verderbet. Also auch der Himmel jezund und die Erde werden durch sein Wort gesparet, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts und der Verdammniß der gottlosen Menschen. Eines aber sei euch unverhalten, ihr Lieben, daß Ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie Ein Tag. Der Herr verziehet nicht die Verheißung, wie es Etliche für einen Verzug achten, sondern er hat Geduld mit uns, und will nicht, daß Jemand verloren werde, sondern daß sich Jedermann zur Buße bekehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht, in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Hiße zerschmelzen, und die Erde, und die Werke, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das Alles follt zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit hei ligem Wandel und gottseligen Wesen, das ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen, und die Elemente vor Hiße zerschmelzen werden. Wir warten aber eines neuen Himmels, und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollet, so thut Fleiß, daß ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. Evangelium Matth. 8, v. 23-27. Siehe das Evangelium am IV. Sonntage nach der Erscheinung Christi. S. 71. f7 Episteln und Evangelien an den Aposteltagen und einigen anderen kirchlichen Festen. Am Tage St. Andreä. Epistel, Röm. 10, v. 8-18. ies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. Denn so du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er ein Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Todten auferwecket hat; so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht, und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig. Denn die Schrift spricht: Wer an ihn glau: bet, wird nicht zu Schanden werden. Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist aller zu mal Ein Herr, reich über Alle, die ihn anrufen. Denn wer den Namen des Herrn wird anrufen, soll selig werden. Wie sollen sie aber anrufen, an den sie nicht glau ben? Wie sollen sie aber glauben, von dem sie Nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gesandt wer den? Wie denn geschrieben stehet: Wie lieblich sind die Füße derer, die den Frieden verkündigen, die das Gute verkündigen. Aber sie sind nicht Alle dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaias spricht: Herr, wer glaubet unserm Predigen? So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes. Ich sage aber: Haben sie es nicht gehöret? Zwar es ist je in alle Lande ausgegangen ihr Schall, und in alle Welt ihre Worte. Evangelium, Matth. 4, v. 18-22. [ ls, [ ls nun Jesus an dem Galiläischen Meere ging, sah er zween Brüder, Simon, der da heißt Betrus, und Andream, seinen Bruder, die warfen ihre Neße ins Meer, denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen. Vald verließen sie ihre Neße und folgten ihm nach. Und und Evangelien. 135 Und da er von dannen fürbaß ging, sah er zween andere Brüder, Jacobum, den Sohn Zebedäi, und Johannem, seinen Bruder, im Schiff, mit ihrem Vater Zebedão, daß fie ihre Nebe flickten, und er rief sie. Bald verließen sie das Schiff und ihren Vater, und folgeten ihm nach. Am Tage St. Thomä. Epistel, Ephes. 1, v. 3-6. Selobt sei Gott und der Vater unseres Herrn Jeſu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichent Segen in himmlischen Gütern durch Christum. Wie er uns denn erwählet hat durch denselbigen, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe. Und hat uns verordnet zur Kindschaft gegen ihn selbst, durch Jesum Christum, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lobe seiner herrlichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten. Evangelium, Joh. 20, v. 24-29. Thomas aber, der Zwölfen einer, der da heißet Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da fagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale, und lege meinen Finger in die Nägelmale, und lege meine Hand in seine Seite, will ich es nicht glauben. Und über acht Tage waren abermal seine Jünger darinnen und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Thüren verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sei mit euch. Darnach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her, und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her, und lege sie in meine Seite, und sei nicht unglänbig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr, und mein Gott. Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thoma, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben. Am Episteln Am Tage Pauli Bekehrung. Epistel, Apostelgesch. 9, v. 1-22. aulus aber schnaubte noch mit Dräuen und Morden wider die Jünger des Herrn, und ging zum Hohenpriester und bat ihn um Briefe gegen Damascus au die Schulen, auf daß, so er etliche dieses Weges fände, Männer und Weiber, er sie gebunden führete gegen Jerusalem. Und da er auf dem Wege war, und nahe bet Damascus kam, umleuchtete ihn plöglich ein Licht vom Himmel, und er fiel auf die Erde und hörete eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfol gest du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der Herr sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgest. Es wird dir schwer werden, wider den Stachel zie lecken. Und er sprach mit Zittern und Zagen: Herr, was willst du, daß ich thun soll? Der Herr sprach zu ihm: Stehe auf, und gehe in die Stadt, da wird man dir sagen, was du thun sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen und waren erstarret, denn sie höreten eine Stimme, und sahen Niemand. Saulus aber richtete sich auf von der Erde, und als er seine Augen aufthat, jah er Niemand. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führeten ihn gen Damascus, und er war drei Tage nicht sehend, und aß nicht, und trank nicht. Es war aber ein Jünger zu Damascus, mit Namen Ananias, zu dem sprach der Herr im Gesichte: Anania! Und er sprach: Hier bin ich, Herr. Der Herr sprach zu ihm: Stehe auf, und gehe hin in die Gasse, die da heißet die richtige, und frage in dem Hause Juda nach Sanl mit Namen von Tarsen; denn siehe, er betet, und hat gesehen im Gesichte einen Mann, mit Namen Ananias, zu ihm hineinkommen und die Hand auf ihn legen, daß er wieder sehend werde. Ananias aber antwortete: Herr, ich habe von Vielen gehöret von diesem Manne, wie viel llebels er deinen Heiligen gethan hat zu Jerusalem; und er hat allhier Macht von den Hohenpriestern, zu binden Alle, die deinen Namen anrufen. Der Herr sprach zu ihm: Gehe hin, denn dieser ist mir ein auserwähltes Rüstzeug, daß er meinen Namen trage vor den Heiden und vor den Königen und vor den Kindern 136 und Evangelien. 137 dern von Israel. Ich will ihm zeigen, wie viel er leiten muß um meines Namens willen. Und Ananias ging hin, und kam in das Haus, und legie die Hände auf ihn, und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt,( der dir erschienen ist auf dem Wege, da du herkamest), daß du wieder sehend, und mit dem heiligen Geist erfüllet werdest. Und alsobald fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er ward wieder sehend, und stand auf, ließ sich taufen, und nahm Speise zu sich und stärkete sich. Saulus aber war etliche Tage bei den Jüngern zu Damascus. Und alsbald predigte er Christum in den Schuleu, daß derselbige Gottes Sohn sei. Sie entsegten sich aber Alle, die es höreten, und sprachen: Ist das nicht, der zu Jerusalem verstörete Alle, die diesen Namen anrufen, und darum hergekommen, daß er sie gebunden führe zu den Hohenpriestern? Saulus aber ward je mehr kräftiger, und trieb die Juden ein, die zu Damascus wohneten, und bewährte es, daß dieser ist der Christ. Evangelium, Matth. 19, v. 23-30. Jefus ejus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich fage euch, ein Reicher wird schwerlich ins Himmelreich kommen. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Kameel durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme. Da das seine Jünger höreten, entseßten sie sich sehr, und sprachen: Je! wer kann dann selig werden? Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ists unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich. Da antwortete Petrus, und sprach zu ihm: Siehe, wir haben Alles verlassen, und sind dir nachgefolget, was wird uns dafür? Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, daß ihr, die ihr mir seid nachgefolget in der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn wird sißen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, werdet ihr auch sißen auf zwölf Stühlen, und richten die zwölf Geschlechter Israel. Und wer verlässet Häuser, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kind, oder Necker um meines Namens willen, der wird es hundertfältig nehmen, und das ewige Leben ererben. Aber 138 Episteln Aber Viele, die da sind die Ersten, werden die Leßten, und die Leßten werden die Ersten sein. Am Tage Mariä Reinigung. Epistel, Maleachi 3, v. 1-4. Ziehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr suchet, und der Engel des Bundes, deß ihr begehret. Siehe, er kommt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den Tag seiner Zu kunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen, denn er ist wie das Feuer eines Golds schmiedes, und wie die Seife der Wäscher. Er wird sit zen und schmelzen, und das Wasser reinigen; er wird die Kinder Levi reinigen, und läutern wie Gold und Silber; dann werden sie dem Herrn Speisopfer brin gen in Gerechtigkeit; und wird dem Herrn wohlgefallen das Speisopfer Juda und Jerusalems, wie vorhin und vor langen Jahren. Evangelium Lucä 2, v. 22-32. Und nd da die Tage ihrer Reinigung nach dem Geset Mosis kamen, brachten sie das Kind Jesum gen Jerusalem, auf daß sie ihn darstelleten dem Herrn, ( Wie denn geschrieben stehet in dem Geseß des Herrn: Allerlei Männlein, das zum Ersten die Mutter bricht, soll dem Herrn geheiliget heißen.) und daß sie gäben das Opfer, nachdem gesagt ist im Geseß des Herrn: ein paar Turteltauben, oder zwei junge Tauben. Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon; und derselbige Mensch war fromm und gottesfürchtig, und wartete auf den Trost Israel, und der heilige Geist war in ihm. Und ihm war eine Antwort geworden von dem heiligen Geist, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn gesehen, und kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesum in den Tempel brach ten, daß sie für ihn thäten, wie man pfleget nach dem Gesep, da nahm er ihn auf seine Arme, und lobete Gott, und sprach: Herr, nun läsfest du deinen Diener in und Evangelien. 139 in Frieden fahren, wie du gesagt haft. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volks Israel. Am Tage Matthäi. Epistel, Apostelgesch. 1, v. 15-26. Und nd in den Tagen trat auf Petrus unter die Jünger, und sprach( es war aber die Schaar der Namen zu Haufe bei hundert und zwanzig): Ihr Männer und Brüder, es mußte die Schrift erfüllet werden, welche zuvor gesagt hat der heilige Geist, durch den Mund Davids, von Juda, der ein Vorgänger war derer, die Jesum fingen. Denn er war mit uns gezählet, und hatte dies Amt mit uns überkommen. Dieser hat erworben den Acker um den ungerechten Lohn, und sich erhentet, und ist mitten entzwei geborsten, und alle seine Eingeweide ausgeschüttet. Und es ist fund geworden Allen, die zu Jerusalem wohnen, also, daß derselbige Acker genennet wird auf ihre Sprache: Hakeldama, das ist, ein Blutacker. Denn es stehet geschrieben im Psalmbuch: Ihre Behausung muß wüste werden, und sei Niemand, der darinnen wohne, und sein Bisthum empfahe ein Anderer. So muß nun einer unter diesen Männern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, welche der Herr Jesus unter uns ist aus- und eingegangen, von der Taufe Johannis an, bis auf den Tag, da er von uns genommen ist, ein Zeuge seiner Auferstehung mit uns werden. Und sie stelleten zween, Joseph, genannt Barsabas, mit dem Zunamen Just, und Matthiam, beteten und sprachen: Herr! Aller Herzen Kündiger, zeige an, welchen du erwählet hast unter diesen zweien, daß einer empfange diesen Dienst und Apostelamt, davon Judas abgewichen ist, daß er hinginge an seinen Ort. Und sie warfen das Loos über sie; und das Loos fiel auf Matthiam, und er ward zugeordnet zu den elf Aposteln. Evan: Episteln Evangelium, Matth. 11, v. 25-30. 34 dir. Alle Und Nieu derselbigen Zeit antwortete Jesus, und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den Unmündigen offenbaret. Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. mand kennet den Sohn, denn nur der Vater; und Niemand kennet den Vater, denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommet her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid: ich will euch erqui cken. Nehmet auf euch mein Joch, und lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. 140 Am Tage der Verkündigung Mariä. Epistel, Jesaias 7, v. 10-16. Und nd der Herr redete abermals zu Ahas, und sprach: Fordere dir ein Zeichen von dem Herrn deinem Gott, es sei unten in der Hölle, oder droben in der Höhe. Aber Ahas sprach: Ich will es nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: Wohlan, so höret ihr vom Hause David: Ists euch zu we nig, daß ihr die Leute beleidiget, ihr müsset auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger, und wird einen Sohn gebären, den wird sie heiz Ben Immanuel. Butter und Honig wird er essen, daß er wisse, Böses zu verwerfen, und Gutes zu erwählen. Denn ehe der Knabe lernet Böses verwerfen, und Gu tes erwählen, wird das Land, davor dir grauet, verlass sen sein von seinen zween Königen. Evangelium, Lucä 1, v. 26-38. Und im ſechsten Monat ward der Engel Gabriel gefandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißet Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertrauet war einem Manne, mit Namen Joseph, vom Hause David, und die Jung und Evangelien. 141 Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hi nein, und sprach: Gegrüßest seist du Holdselige, der Herr ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern. Da sie aber ihn sah, erschrack sie über seine Rede, und gedachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden im Leibe, und einen Sohn gebären, deß Name sollst du Jesus heißen. Der wird groß und ein Sohn des Höchsten genannt werden. Und Gott, der Herr, wir ihm den Stuhl seines Vaters David geben. Und er wird ein König sein über das Haus Jacob ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen? Sintemal ich von keinem Manne weiß. Der Engel antwortete und sprach zu ihr: der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten, darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elijabeth, deine. Gefreundete, ist auch schwanger mit einem Sohn in ih rem Alter, und gehet jetzt im sechsten Mond, die im Geschrei ist, daß fie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist fein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt haft. Und der Engel schied von ihr. Am Tage Philippi und Jacobi. Epistel, Ephes. 2, v. 19-22. Lieben Brüder, so seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Brüder mit den Heiligen, und Gottes Hausgenossen, erbauet auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchen der ganze Bau in einander gefüget, wächset zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Auf welchem auch ihr mit erbauet werdet, zu einer Behausung Got tes im Geist. Evangelium Joh. 14, v. 1-14. esus sprach zu seinen Jüngern: Ener Herz erschrecke nicht. Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. In 142 Episteln In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, wollt ich zu euch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wieder kommer und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, das wisset ihr, und den Weg wisset ihr auch. Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehest, und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Wenn ihr mich kennetet, ſo kennetet ihr auch meinen Vater. Und von nun an kennet ihr ihn, und habt ihn gesehen. Spricht zu ihm Philippus: Herr zeige uns den Bater, so genüget uns. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und du kennest mich nicht? Philippe, wer mich siehet, der siehet den Vater. Wie sprichst du denn: Zeige uns den Vater? Glaubest du nicht, daß ich im Vater, und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnet, dersel bige thut bie Werke. Glaubet mir, daß ich im Vater, und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubet mir doch um der Werke willen. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer an mich glaubet, der wird die Werke auch thun, die ich thue, und wird größere denn diese thun, denn ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun, auf daß der Vater ge ehret werde in dem Sohne. Was ihr bittten merdet in meinem Namen, das will ich thun. Am Tage Johannis des Täufers. Epistel, Jesaias 40, v. 1-5. Tröstet, tröstet mein Bolt, spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich, und prediget ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat; denn ihre Missethat ist vergeben; denn sie hat Zweifältiges empfangen von der Hand des Herrn, um alle ihre Sünde. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, machet auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott. Alle Thale sollen erhöhet werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedriget werden und was ungleich ist, foll und Evangelien. 143 soll eben, und was höckericht ist, soll schlecht werden. Denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbaret werden, und alles Fleisch mit einander wird sehen, daß des Herrn Mund redet. Evangelium, Lucä 1, v. 57-80. Und Ind Elisabeth fam ihre Zeit, daß sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. Uud ihre Nachbarn und Gefreundeten höreten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich, am achten Tage tamen sie zu beschneiden das Kindlein, und hießen ihn nach seinem Vater Zacharias. Aber seine Mutter antwortete und sprach: Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch Niemand in deiner Freundschaft, der also heiße. Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen? Und er forderte ein Täflein, schrieb und sprach: Er heißt Johannes. Und sie verwunderten sich Alle. Und alsbald ward sein Mund und seine Zunge aufgethan, und redete, und lobete Gott. Und es kam eine Furcht über alle Nachbarn und diese Geschichte ward Allen ruchbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge, Und Alle, die es höreten, nahmen es zu Herzen, und sprachen: Was meinest du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Und sein Vater Zacharias ward des heiligen Geistes voll, weissagete und sprach: Gelobet sei der Herr, der Gott Israel, denn er hat besuchet und erlöset sein Volk. Und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils, in dem Hause seines Dieners David. Als er vor Zeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten, daß er uns errettete von unsern Feinden, und von der Hand Aller, die uns hassen; und die Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern, und gedächte an seinen heiligen Bund; und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, daß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Leben lang, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und du,.kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen, du wirst vor dem Herrn hergehen, daß du seis nen Weg bereitest; und Erkenntniß des Heils gebest feinem 144 Episteln seinem Volk, die da ist in Vergebung ihrer Sünde durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, ditay welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe; auf daß er erscheine denen, die da sizen in Finsterniß und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Und das Kindlein wuchs, und ward stark im Geist, und war in der Wüste, bis daß er sollte hervortreten vor das Volk Israel. Am Tage Petri und Pauli. Epistel, Apostel- Gesch. 12. v. 1-11. 11m m dieselbige Zeit legte der König Herodes die Hände an Etliche von der Gemeine, zu peinigen. Er tödtete aber Jacobum, Johannis Bruder, mit dem Schwerdt. Und da er sah, daß es den Juden gefiel, fuhr er fort und fing Petrum auch. Es waren aber eben die Tage der süßen Brode. Da er ihn nun griff, legte er ihn ins Gefängniß, und überantwortete ihn vier Vierthei len Kriegsknechten, ihn zu bewahren, und gedachte ihn nach den Ostern dem Volk vorzustellen. Und Petrus ward zwar im Gefängniß gehalten, aber die Gemeine betete ohne Aufhören für ihn zu Gott. Und da ihn Herodes wollte vorstellen, in derselbigen Nacht schlief Petrus zwischen zween Kriegsknechten, gebunden mit zwo Ketten, und die Hüter vor der Thür hüteten des Gefängnisses. Und siehe, der Engel des Herrn kam daher, und ein Licht schien in dem Gemach, und schlug Petrum an die Seite, und weckete ihn auf, und sprach: Stehe behend auf. Und die Ketten fielen ihm von feinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich, und thue deine Schuhe an. Und er that also. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um dich, und folge mir nach. Und er ging hinaus und folgete ihm, und wußte nicht, daß ihm wahrhaftig solches geschähe durch den Engel; sondern es däuchte ihn, er fähe ein Geficht. Sie gingen aber durch die erste und andere Hut, und kamen zu der eisernen Thür, welche zur Stadt führet, die that sich ihnen von ihr selber auf. Und traten hinaus, und gingen hin eine Gasse lang und alsobald schied der Engel von ihm. Und da Petrus ju fich und Evangelien. 145 sich selbst kam, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, daß der Herr seinen Engel gesandt hat, und mich errettet aus der Hand Herodis, und von allem Warten des jüdischen Volks. Evangelium, Matth. 16, v. 13-19. tam Jesus in die Gegend der Stadt Cäsarea Philippi, und fragte seine Jünger, und sprach: Wer fagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei? Sie sprachen: Etliche sagen, du seieft Johannes, der Täufer. Die Anderen, du seiest Elias. Etliche, du seiest Jeremias, oder der Propheten einer. Er sprach zu ihnen: Wer faget denn ihr, daß ich sei? Da antwortete Simon Petrus, und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Got tes Sohn. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn, denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbaret, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeine, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und will dir des Himmelreichs Schlüssel geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und Alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein. Am Tage Mariä Heimsuchung. Epistel, Röm. 12, v. 9:18. ie Liebe sei nicht falsch. Hasset das Arge, hanget dem Guten an. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem Andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge, was ihr thun sollt. Seid brünstig im Geist. Schicket euch in die Zeit. Seit fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal. Haltet an am Gebet. Nehmet euch der Heiligen Nothdurft an. Herberget gerne. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Weinenden. Habt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergelfet NA 146 mai Episteln Niemand Böses mit Bösem. Fleißiget euch der Ehrbar keit gegen Jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habet mit allen Menschen Frieden. Evangelium Lucä 1, v. 39-56. Maria aria aber stand auf in den Tagen, und ging auf das Gebirge endelich, zu der Stadt Juda. Und kam in das Haus Zacharias, und grüßete Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Mariä hörete, hüpfete das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des heiligen Geistes voll, und rief laut, und sprach: Gebenedeiet bist du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörete, hüpfete mit Freuden das Kind in meinem Leibe. Und o selig bist du, die du geglaubt hast, denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn, und Maria sprach: Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist und deß Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für, bei denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm, und zerstreuet die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößet die Gewaltigen vom Stuhl, und erhebet die Niedrigen. Die Hungrigen er füllet er mit Gütern und lässet die Reichen leer. Er denket der Barmherzigkeit, und, hilft seinem Diener Israel auf. Wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und feinem Samen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr drei Monden, darnach tehrete sie wiederum heim. Am Tage St. Jacobi. Epistel, Röm. 8, v. 28-39. W ir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach dem Vorsaß berufen sind. Denn welche er zuvor berufen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich sein sollen dem Ebenbilde feines Sohnes und Evangelien. 147 Sohnes, auf daß derselbige der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber verordnet hat, die hat er auch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; welche er aber gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht. Was wollen wir hiezu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet sondern hat ihn für uns Alle dahingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht machet. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecktet ist, welcher ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübfal, oder Angst, oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße, oder Fährlichkeit, oder Schwert? Wie geschrieben stehet: Um deinetwillen werden wir getödtet den ganzen Tag, wir find geachtet wie Schlachtschafe. Aber in dem Allen überwinden wir weit, um deßwillen, der uns geliebet hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Creatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist unserm Herrn. 112 Evangelium, Matth. 20, v. 20-23. Da trat zu Jesu die Mutter der Kinder Zebedäi, mit von ihm. Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Laß diese meine zween Söhne sizen in deinem Reiche, einen zu deiner Rechten, und den andern zu deiner Linken. Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, was ihr bittet. Könnet ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde und euch taufen lassen mit der Taufe, da ich mit getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja wohl. Und er sprach zu ihnen: Meinen Kelch sollt ihr zwar trinken, und mit der Taufe, da ich mit getauft werde, sollt ihr getauft werden. Aber das Sipen zu meiner Rechten und Linken zu geben, stehet mir nicht zu, sondern denen es bereitet ist von meinem Vater. Am mall Episteln Am Tage Bartholomäi. Epistel, 2. Cor. 4, v. 7:10. in auf daß die überschwängliche Kraft sei Gottes, und nicht von uns. Wir haben allenthalben Trübsal, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Und tragen um allezeit das Sterben des Herrn Jesu an unserm Leibe, auf daß auch das Leben des Herrn Jesu an unserm Leibe offenbar werde. 148 Evangelium, Lucä 22, v. 24-30. Es erhob sich aber ein Zank unter den Jüngern, wel cher unter ihnen für den Größten sollte gehalten werden? Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen und die Gewaltigen heißet man gnädige Herrn. Ihr aber nicht also; sondern der Größeste unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Dies ner. Denn welcher ist der Größeste, der zu Tische fizet, oder der da bienet? Jsts nicht so, daß der zu Tische fizet? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Jhr aber seid es, die ihr beharret habt bei mir in meinen Anfechtungen. Und ich will euch das Reich bescheiden, wie mir es mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollt über meinem Tische in meinem Reich, und sigen auf Stühlen, und richten die zwölf Geschlechter Israel. Am Tage St. Matthäi. Epistel, 1. Cor. 12, v. 4-11. & s sind mancherlei Gaben, aber es ist Ein Geist. Und es sind mancherlei Aemter, aber es ist Ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist Ein Gott, der da wirket Alles in Allem. In einem Jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes, zum gemeinen Nußen. Einem wird gegeben durch den Geist zu reden von der Weisheit, dem Andern wird gegeben zu reden von der Erkenntniß, nach demselbigen Geist; einem Andern der Glaube, in demselbigen Geist; einem Andern die Gabe gefund a und Evangelien. 149 gesund zu machen, in demselbigen Geist; einem Andern Wunder zu thun; einem andern Weisfagung; einem Andern Geister zu unterscheiden; einem Andern mancherlei Sprachen: einem Andern die Sprachen auszulegen. Dies aber Alles wirket derselbige einige Geist, und theilt einem Jeglichen Seines zu, nachdem er will. Evangelium, Matth. 9, v. 9-13. Und nd da Jesus von dannen ging, sah er einen Menschen am Zoll sizen, der hieß Matthäus, und sprach zu ihm: Folge mir. Und er stand auf und folgte ihm. Und es begab sich, da er zu Tische saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder, und saßen zu Tische mit Jesu und seinen Jüngern. Da das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum iſſet euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? Da das Jesus hörete, sprach er zu ihnen: Die Starten bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Gehet aber hin, und lernet was das sei: Ich habe Wohlgefallen an Barmhersigkeit, und nicht am Opfer. Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Frommen. Am Tage St. Michaelis. Epistel, Offenb. Joh. 12, v. 7-12. Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache ftritt und seine Engel, und siegten nicht, auch ward ihrer Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführet, und ward geworfen auf die Erde, und feine Engel wurden auch dahin geworfen. Und ich hörete eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil, und die Kraft und das Reich, und die Macht unseres Gottes feines Christus geworden, weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklagete Tag und Nacht vor Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut, und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebet, bis an den Lod. Darum freuet euch, ihr Himmel, und die darinnen wohnen. Evan 150 Episteln Evangelium, Matth. 18, v. 1-11. 3⁰ Qu derselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu, und sprachen: Wer ist der Größeste im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich, und stellete es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret, und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich nun selbst erniedrigt, wie ein Kind, der ist der Größeste im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt würde, und er ersäufet würde in Meer, da es am Tiefsten ist. Wehe der Welt der ergerniß halber! Es muß ja Aergerniß kommen. Doch wehe dem Menschen, durch welchen Aergerniß kommt! So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm oder ein Krüppel eingehest, denn daß du zwei Hände oder zween Füße habest, und werdest in das ewige Feuer geworfen. Und so dich dein Auge ärgert, reiß es aus und wirf es von dir, es ist dir besser, daß du einäugig zum Leben eingehest, denn daß du zwei Augen habest und werdest in das höllische Feuer geworfen. Sehet zu, daß ihr nicht Jemand von diesen Kleinen verachtet; denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Am Tage Simonis und Judä. Epistel, 1. Petri 1, v. 3-9. Belobt sei Gott und der Vater unsers Herrn Jeſu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wie der geboren hat zu einer lebendigen Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten, zu einem unver gänglichen und unbefleckten und unverweltlichen Erbe, daß behalten wird im Himmel. Euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit, in welcher ihr euch freuen werdet, die ihr jetzt eine kleine Zeit( wo es sein soll) traurig seid in mancherlei Anfechtungen, 159 Inches 1 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 4.4 7 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 ( 0) 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black