165 ED32000000000006 27.006.013 5905 5905/99 Gebethbuch um Gebrauch e für katholische Christen ben der öffentlichen nnd häuslichen Gottesverehrung. Mit Genehmigung des bischöfl. General, Vicariats zu Fulda. ©****@**+ 0+ 44000 40+++++ Fulda, mit Müllerfchen Schriften. 1815. fat Gb 5065 Univ Bibl Gleeson Morgengebeth für alle Zeiten Morgengebeth für die Sonntage. Morgengebeth an Werktagen Abendgebeth Inhalts- Anzeige. s Ein anderes Abendgebeth Gebethe zum heiligen Mesopfer Andere Gebethe jum heiligen Mesopfer Meffe für die Verstorbenen Beicht und Kommunion Gebethe Gebethe an den Sonntagen im Advent pod . am Weihnachtsfeste. am Sonntage in der Octav der Geburt Jesu ♦ am Feste der Beschneidung Jesu am Feste der Erscheinung des Herrn an den Sonntagen nach der Ers ♦ scheinung bis zur Fasten an den Sonntagen in der Fasten am Palmsonntage in der Charwoche. . ♦ Seite I 7 2A# 4SH S IO 12 14 17 48 103-105 105 66 77 108 109 109 IIO 112 115 117 Gebeth am Osterfeste Qorming max IIIIIII IV an den Sonntagen nach Ostern in der Bittwoche 9 am Feste der Himmelfahrt Jesu Christi Ded H 4 am Pfingstfeste am Dreyfaltigkeitsfefte am Fronleichnamsfeste an den Sonntagen nach Pfingsten Seite 123 124 126 ● ♦ am Feste der Empfängniß Mariá der Geburt Mana 1. • 134 136 der Verkündigung Maria 138 der Heimsuchung Marià 139 der Reinigung Marid 141 der Himmelfahrt Maria 142 des h. Apostels Undreas 145 des h. Apostels Thomas 145 des heiligen Stephanus 146 des hl. Evang. Johannes 147 des 6. Apostels Matthias 148 des heiligen Joseph 148 des heiligen Marcus. 149 der heil. Apostel Philipp und Jacob des heil. Apostels Bar: ▸ 127 128 nabas.+ des heil. Johannes des 129 131 132 ISI 152 Täufers* 153 Gebeth am Feste der heil. Apostel Pe I II II - HIIII - am Pent trus und Paulus. 154 des andern Apostels Jacobus. des heil. Apostels Barz tholomaus des heil. Apostels Mats thaus 4 am Kirchweihfeste. am Dankfeste 4 des heil. Michael und aller heil. Engel des heil. Evang. Lucas der heil. Apostel Simon und Judas und Feiertagen überhaupt. Gebeth für den Landesherrn Seite • nach einer dürftigen Ernte in allgemeinen Drangfalen Litaney von der göttlichen Vorsehung. Gebethe und Betrachtungen an Sonn ♦ ♦ des heil. Bonifazius des heil. Sturmius 161 des heil. Blasius 162 Aller Heiligen. * 163 Gedächtnistage aller verstor benen Gläubigen * ♦ 155 156 157 158 158 159 160 164 165 166 168 170 172 175 185 - VI- Allgemeines Gebeth für der Seele und des Leibes Wohlfahrt. Gebethe und Betrachtungen zur Verehs rung des Leidens und Sterbens unsers Heilandes Litaney zur Verehrung Jesu, besonders im heiligsten Altars, Sacramente 206 Gebeth zur Verehrung der seligsten Jungfrau Maria. Gebeth christlicher Ebeleute Gebeth chriftlicher Eltern. Gebeth chriftlicher Hausväter und Hauss + mütter Gebeth der Kinder für ihre Eltern Gebeth junger Leute überhaupt ♦ Gebetb chriftlicher Handelsleute, Wirthe, Handwerker, Taglöhner, Gebeth christlicher Dienstbothen Litanen von der Liebe Gottes und des Nächsten • Seite . 188 186 ♦ ♦ 214 4 215 215 209 212 213 • 217 218 220 Morgengebeth für alle Zeiten. Allmächtiger Gott! gütigster Vater! durch deine Gnade habe ich den heutigen Tag erlebt. Sen auch an diesem Tage mein Erhalter und Beschützer, wie du es die verflossene Nacht hindurch gewesen bist. Deiner Güte verdanke ich die genossene Ruhe und Sicherheit. Ich empfinde neue Kräfte und erkenne, daß du mir diese zu deinem Dienste geschenkt hast. Deinen Willen zu erfüllen, sen heute und allezeit mein Haupt: geschaft. Dich zu erkennen und zu lieben, sen meine Freude. Nie soll ein irdischer Vortheil, oder die Befriedigung einer Leis denschaft mich verleiten, das zu thun, was deinem heiligen Gesetze zuwider ist, oder das zu unterlassen, was Pflicht und Gewissen von mir fordern. 20 B 2 Aber wie kurzsichtig, wie unbedachtsam und schwach bin ich! Wie oft wähle ich das, was dein Geseß verbiethet, meine Wohlfahrt zerstöret, und, meinen Mitmenschen Schaden bringt! So erleuchte denn meinen Verstand, o Gott! damit ich einsehe, was deinem hei: ligsten Willen gemäß ist. Erwärme mein Herz, und unterstüße mich durch höheren Beystand, damit ich das erfannte Gute ausübe, und das thue, was meine Vollkommenheit und meiner Mitmenschen Heil befördert. Laß mich zur rechten Zeit durch die Stimme meines Gewissens vor dem Bö: sen warnen und zur Tugend ermuntern. Laß an diesem Tage, der vielleicht der letzte meines Febens ist, alle meine Gedanken, Worte und Werke dir geheiligt seyn. Laß mich in der Stunde der Versuchung auf dein heiliges Gefeß, auf deine erbarmende Liebe und auf die herrliche Belohnung jen: feits des Grabes blicken, und durch das Andenken an dich, den unsichtbaren Zeugen aller meiner Handlungen, über die Reitzung zur Sünde fiegen und im Guten verhars ren. 3Vater! segne den Borsaß, welchen ich in dieser Morgenstunde im Vertrauen auf deinen Beystand gefaßt habe, damit ich demselben treu nachkommen, und wenn der Tod mich heute überfallen sollte, Gnade vor dir finden möge. Amen. Erweckung des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und der guten Meinung. I. Erweckung des Glaubens. Ewiger, allwissender, untrüglicher Gott! ich glaube, daß du mich erschaffen hast, damit ich durch deine Verehrung und durch Rechtthun auf Erden heilig, und eine stens ewig selig werde. Ich glaube, daß dein geliebrer Sohn, Jesus Christus, Mensch geworden ist, um mich durch seinen Tod vom Súnden: Elende zu befregen, und durch seine göttliche Lehre und machtige Gnade tugendhaft und glückselig zu machen. Ich glaube, daß ich von dem heiligen Geiste zum Guten erleuchtet, gestärker und geheir liget werde. Ich glaube alles, was du o Gott! uns Menschen durch Jejus, 4 deinen Sohn, geoffenbaret hast, so wie es deine heilige Kirche von jeher, geglaubet und gelehret hat. Olaß mich nie vergessen, daß dieser Glaube mich nur alsdann selig machen werde, wenn ich meinen Sinn und Wandel nach den Vorschriften desselben einrichte. Diesen lebendigen, thátigen Glau ben erhalte in mir, o Gott! im Leben und Sterben. w 2. Erweckung der Hoffnung. Allmächtiger, gütigster, treuester Gott! auf dich sehe ich mein ganzes Vertrauen, meine ganze Hoffnung. Bon dir verspreche ich mir die Vergebung meiner Sünden, die ich herzlich bereue, und die ewige Seligkeit. Von dir erwarte ich auch alle Gnadenmits tet, die mir zu meinem Heile nothwendig und nützlich sind. Wie du bisher väterlich für mich gesorgt hast, so wirst du es auch fernerhin thun; denn du bist wahrhaft gut und ordnest Alles zu meinem Besten. Mit kindlichem Bertrauen überlasse ich mich deiner väterlichen Führung, und werde alle Gelegenheiten, alle Gaben und Kräfte, die 5 du mir zu meiner Heiligung und Seligkeit giebst, treulich anwenden, damit ich mich der gewissen Erfüllung deiner Verheißungen zu erfreuen habe. Auf dich hoffe ich, o Gott! im Leben und im Sterben. 3. Erweckung der Liebe, Bester, vollkommenster, liebenswür digster Gott! dich liebe ich von ganzem Her zen, aus ganzer Seele und mit allen Kraf ten, als meinen ersten und größten Wohl thäter, als meinen zärtlichsten und gütigsten Bater, als die Urquelle und den Inbegriff alles Guten.- Aus dankbarer Liebe zu dir will ich mich bestreben, deine heiligen Gebothe immer genau zu beobachten; denn du hast es selbst gesagt, daß nur jener dich wahrhaft liebe, der deine Gebothe hátt. Aus Liebe zu dir und nach deinem Befehle liebe ich auch alle Menschen, Freunde und Feinde, und wünsche ihnen nicht mir alles Gute, sondern bin auch bereit, ihnen mit Rath und That Hülfe zu leisten, vad mit den Fehlenden Nachsicht und Barinherzigkeit zu haben, wie du sie, o Herr! mit -6 mir hast. In dieser Licbe, o Gott! will ich leben und sterben. 4. Erweckung der guten Meinung. Anbethungswürdigster Gott! Auf dich und deine Verherrlichung sollen alle meine Gedanken, Neigungen, Reden und Hand: Tungen jederzeit gerichtet und so beschaffen fenn, daß du Wohlgefallen daran haben kannst. Du fiehst auf Alles, auf Willen und Werk, auf Gesinnung und That. Wenn ich Alles nicht nur gut meine, sondern auch so gut mache, als ich kann; dann ist es dir angenehm und belohnenswerth. Du nimmst auch Alles, was ich in meinem Stande aus Pflicht und Liebe zu dir thue, so auf, als hatte ich es dir gethan. Nicht nur mein Gebeth, auch meine Arbeit, die ich nach meinem Berufe verrichte, ist dir ein ange: nehmer, ja der angenehmste Dienst, die wohlgefälligste Verehrung. Selbst, was ich mit Geduld leide, willst du zu meinem Besten lenken, und einst mit unvergånglichen Freuden belohnen. Ich will da her in Allem auf dich und dein heiliges Gefeß hinsehen; dich mir immer gegenwäre tig denken, dich durch kindlichen Gehorsam und willige Ergebenheit ehren, und nach deinem heiligen Willen und Vorbilde durch gemeinnützige Geschäftigkeit zum ewigen Hei le und zum zeitlichen Glücke der Menschen unverdrossen das Meinige beitragen. Nach diesem Entschlusse, o Gott! laß mich han: deln im Leben und im Sterben. Umen. Morgengebeth für die Sonntage. Sen mir willkommen, Tag meines Herrn, sen mir heilig und gesegnet! Du reißest mein Herz los vom Drucke irdischer Ge schäfte, von den niederbeugenden Sorgen Nun fann mein für vergängliche Güter! Geist sich freyer emporschwingen zu dir, Allheiliger! Nun kann ich in der Betrachtung himmlischer Dinge, in Anhörung des gött: lichen Wortes, in heiligen Liedern und Ge bethen meinen Geist nähren, ihn wider die Macht der Sünde bewaffnen, zum Kampfe der Zugend ausrüsten, und zur ebung und Förderung alles Guten mächtig stärken. 8 Preis und Dank sey dir, Allgfriger! für die Anordnung eines besondern Tages zu unserer Ruhe und Heiligung! Mit deinem Beystande werde ich ihn zu meinem Heile und zu meiner Seligkeit freudig be nutzen. Ich werde mein Herz heute vorzüg lich deinen heilsamen Ermahnungen öffnen, und mich bestreben, ein aufmerksamer Hörer und gewissenhafter Befolger deines Wortes zu seyn. Gebeth und Gesang, jeder Gegen: stand und jede Gelegenheit öffentlicher und häuslicher Gottesverehrung sollen mir ein willkommenes' Mittel seyn, meinen Glauben an dich, Vater der ewigen Liebe! und an deinen eingebohrnen Sohn, und an den heiligen Geist, der von euch beiden ausgeht, zu befestigen, und meine Hoffnung auf deine Verheißungen zu beleben, und mich zur un geheuchelten und thätigen Gottes: und Nächstenliebe anzutreiben. Alles, was ich heute thue, geschehe nach deinem Willen, mein Gott und Vater, mein mächtiger Helfer und treuer Vergelter! Die Stunden der Ruhe will ich heute auf eine meines Berufes würdige Weise boo Corte 9genießen, und in meinen Erholungen und Vergnügungen Mäßigkeit, Zucht und Be scheidenheit beobachten. Ferne feyen von mir solche Zerstreuungen, Gesellschaften und Lustbarkeiten, welche die Absicht dieses Gott geweiheten Tages vereiteln, die Tu: gend verleßen, zu Unordnungen und Aus gelaffenheiten verleiten. Vielmehr will ich durch mein gutes Beyspiel auf Andere wirken, durch Belehrung und Trost, durch Wohlthaten und Liebeswerke zu nutzen suchen. Das wird wahrer Gottesdienst, wahre Beförderung deiner Ehre seyn. So werde dieser Tag von mir geheiliget! So werde er mir und allen Christen ein Tag des Eegens! Mutter meines Heilandes! und ihr seine treuen Freunde und Nachfolger, ihr Heiligen und Engel Gottes im Himmel! auch ihr ladet mich ein, eurem Beyspiele zu folgen, Gottes Willen zu thun, wie ihr gethan habet und noch wirklich thuet, damit ich einst eurer Seligkeit theilhaftig werde. Dieß ist euer Wunsch, euer Ge beth bey Gott; o daß es an mir erfüller werde! Amen. 10 Morgengebeth an Werktagens Gütigster Gott! ich danke dir von ganzem Herzen, daß du mich in dieser Nacht so páterlich erhalten und vor allem Unglücke bewahret hast. Ich weiß, daß meine ganze Wohlfahrt von dir kömmt, daß ich sicher ruhe, wenn du mich beschirmest, und daß ich vor dir wohlgefällig wandle, wenn ich deiner Leitung folge. Sieh' ich komme des wegen voll kindlichen Bertrauens zu dir in dieser Morgenstunde, und flehe um Gewäh rung deines Schußes, deiner Gnade und Hülfe. Jch habe fest beschloffen, vor dir, Allgegenwärtiger! zu wandeln und deine Ge boche zu halten. Unterstüße mich dabey, der du Anfänger und Vollender eines jeden guten Werkes bist. Warne mich durch die Grimme meines Gewissens, wenn verderbliche Lüfte und böse Gewohnheiten mich zu vers führen drohen. Erinnere mich an meine Pflicht, so oft mich mein Leichtsinn zu un: erlaubten Handlungen verleiten will; gieb mir Muth und Stärke, das Gute zu begin nen und zu vollenden. Kindliche Furcht 11 vor dir leite alle meine Schritte, und der Gedanke an deine Allgegenwart bewahre mich vor allem Bösen. Gieb mir, o Gott! deine Gnade, treu und fleißig in meinem Berufe zu seyn, Zeit und Kräfte zu meinem und der Meinigen Wohlergehen gewissenhaft zu verwenden, den Müßiggang und die Verschwendung zu flie: hen. Bewahre mich Sor jeder eigennützigen Handlung, vor Uebervortheilung und Betrügeren. Laß mich ehrlich und liebreich mit meinem Nächsten umgehen, jedermann nach Vermögen und Kräften dienen und helfen, und niemand zu einer gerechten Beschwerde gegen mich Anlaß geben. Segne dieses Vorhaben, und leite mich durch deinen Geist auf allen meinen Wegen, dainit ich in dei: ner Furcht diesen Tag beginne und vollende. Ich bitte dich darum mit kindlicher Zuversicht durch Jesus Christus, deinen Sohn, un fern Herrn.. Heilige Maria, Mutter meines gött: lichen Erlösers, ihr verklärten Freunde Gottes, und ihr heiligen Engel, die ihr täglich das Angesicht unsers himmlischen p 12 Baters sehet, vereiniget eure Bitte mit meinem demüthigen Flehen, damit Gott mich, meine Ungehörigen und alle Menschen fegne, erleuchte, zum Guten stårke und zum ewigen Leben führe. Amen. Abendgebeth. Mein Gott und Bater! So ist denn abermal ein Tag dahin, und mit ihm ein Theil meines Lebens! Wie die Zahl meiner Tage wächst, so nimmt mein Leben ab, denn ich nahe mich mit jeder Stunde dem Grabe. möchte ich diesen Tag ohne Verletzung meiner Pflichten, ohne Sünde hingebracht haben! Vater, beßter Vater! wenn ich etwas dir Mißfälliges gethan, wenn ich eine meiner Berufspflichten unterlassen, wenn ich jemand beleidiget habe, so bitte ich reumüthig um Verzeihung. Läsfest du mich den kommenden Tag wieder erleben, fo will ich alle Mühe anwenden, den begangenen Fehler zu verbessern, das Unrecht zu vergüten und den zugefügten Schaden nach Kräften zu ersehen. Habe ich aber heute 15 etwas Gutes vollbracht, so betrachte ich es als Ausfluß deiner Milde und Gnade. Mit dankbarem Gemüthe bekenne ich, daß mir von dir, der Quelle alles Guten, zufloß, was mir heute Angenehmes und Heilsames zu Theil geworden ist. Deswegen sage ich dir von Herzen Dank für alle unzählbare Wohlthaten, die du mir heute und mein ganzes Leben hindurch haft angedeiheu laffen. Ich bitte dich auch, beschüße mich diese Nacht hindurch; laß deinen heil. Engel für mich wachen; entferne von mir jeden Ges danken, der meine Seele beflecken und ihr Heil gefährden könnte. Phathens Unter deiner Obhut lege ich mich nun zur Ruhe, o Vater! laß sie mir zur gedeih lichen Stärkung werden, und mich morgen, wenn es deinem weißesten Rathschlusse nicht entgegen ist, wieder gesund und munter, und mit neuem Muth und Eifer belebt, erwachen, damit ich es vermoge, an meiner Berbesserung zu arbeiten, und menten Mite menschen zu dienen. Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist; ich empfehle die auch die Meinigen, alle meine Nebenmen: 14 schen, vorzüglich die Nothleidenden, Une glücklichen und Kranken. Ein anderes Abendgebeth. Almächtiger, gütiger Gott! Unter deinem Benstande habe ich diesen Tag glücklich vols lender; du hast mir Speise und Trank mit milder Hand dargereichet, Leben und Ge fundheit mir unverletzt erhalten, und mir Verstand und Kräfte gegeben, meine Be russarbeiten gehörig zu verrichten. Wenn ich heute etwas Gutes gewirket, manche Gefahr überstanden, vergnügte Stunden genossen, und Kraft in mir gefunden habe, die aufstoßenden Widerwärtigkeiten zu überz tragen, so habe ich dieses alles deinem Se gen zuzuschreiben, liebenswürdigster Bater! Selbst der wohlthätige Wechsel zwischen Tag und Nacht, und die Ruhe, welche mir nun im Schlafe zu Theil werden soll, ist ein Geschenk von deiner Hand. Diese R foll meine matten Glieder erquicken und zu neuer Arbeit stärken. Du wachest auchwährend dieser Ruhezeit über mich. Wie 45 wunderbar und liebreich ist deine Fürsorge für uns Menschen, deine Kinder; und wie viele Ursachen haben wir nicht, auf dich za vertrauen, und die für deine unendliche Wohlthaten zu danken!- Habe ich mich aber auch heute als ein gutes, dankbares Kind gegen dich, meinen besten Bater, be tragen? Habe ich mir über die Anwendung dieses Tages nichts vorzuwerfen? Wie schätte ich deine Wohlthaten? Wie benußte ich die Gelegenheiten, Gutes zu thun? War ich treu und fleißig in meiner Arbeit, eht: erbietig und folgsam gegen meine Borgesehs ten, verträglich, dienstfertig, gerecht und lieb: reich gegen meine Nebenmenschen, für weldie du auch, als unser gemeinschaftlicher Vater, forgest, und die ich, wie meine Brüder und Schwestern, nach deiner Vorschrift, behandeln soll? Lebte ich als ein guter Christ, zufrieden mit meinem Stande, im Vet: trauen auf deine Fürsicht, geduldig und fanftmüthig, ehrbar und eingezogen, mäßig und fromm, den Vorschriften der Lehre Jefu in Allem getreu? Ach, mein Gott, ich kann nicht hierüber nachdenken, ohne G 16 über die Unbeständigkeit meines Herzens zu trauern, und an mir noch mancherlen Fehler zu finden, die ich mir schon so oft zu ver: besseren vorgenommen habe. Dieses demis thiget niich vor dir, o Allwissender! aber muthlos soll es mich nicht machen. Es reuet mich von Herzen, Böses gethan, oder Gutes unterlassen zu haben; es reuet mich aus Liebe zu dir. Im Vertrauen auf deine väterliche Güte und deinen mächtigen Bey stand will ich mich fünftighin desto ernstlicher vor Sünden hüten, je öfter ich schon dari ber seufzen mußte. Die Gnade, welche mir Jesus, dein Sohn und mein Heiland, erwors ben und zugesichert hat, sey mein Trost, und unterstüße meine Schwachheit; sein beiligstes Beyspiel aber schwebe mir stets vor Augen, und muntre mich zum Guten auf. Mit diesen frommen Gesinnungen laß mich morgen wieder erwachen, himmlischer Bater, damit ich wieder gut mache, was ich bisher versäumet habe, ehe die Nacht des Tedes kömmt, wo ich nichts mehr wirken kann. Erhalte und beschüße mich in der bevorste: henden Nacht; schenke mir einen sanften 17 Schlaf; wende ab alle Gefahren, daß sich keine Plage meiner Hütte nähere, und kein Schrecken meine Ruhe store. Segne auch meine Freunde sowohl als meine Feinde; belohne meine Wohlthäter; wache über meine Hausgenossen und Anges hörige. Verherrliche dich durch deine Güte an allen Menschen auf Erden, Erbarme dich aller Seufzenden und Bedrängten, welche diese Nacht schlaflos zubringen, und laß uns den morgigen Tag im Frieden erblicken, und deine Güte dankbar preisen, durch Christus unsern Herrn. Amen. Gebethe zum heiligen Meßopfer, wie sie größtentheils der Priester selbst verrichtet. Vorbereitungsge beth. Kaum darf ich es wagen, Schöpfer des Himmels und der Erde, über alles erhabes ner Gott! an deinen Altären vor dir zu erscheinen. Denn meine Sünden und mein Elend drücken mich bis in die Liefe meis nes Nichts vor deinem Angesichte hinab, B 18 Allerheiligster! Aber bey dem Bewußtseyn meiner Sünden, die ich mit zerknirschtem Herzen vor dir bekenne, b reue und zu bes sern verspreche, bey dem Bewußtseyn meiner großen Strafwürdigkeic beleber mich das Andenken an deinen Sohn Jesus, durch dessen blutigen Tod am Kreuze mir bey buß: fertigem Gemüthe Verzeihung und Gnade zugesichert worden ist. Der Glaube an ihn, meinen göttlichen Lehrer und Erlöser, ruft mich zu dem großen Opfer, welches dir jetzt auf dem Altare soll dargebracht werden. Laß mich, o Gott! diefer feyerlichen Handlung mit frommer Theilnahme des Herzens beywoh: nen; denn es ist dieses das Opfer unserer Erlösung, welches ehemals auf dem Berge Golgatha im Blute vollbracht, worden ist, hier aber auf dem Altare unblutiger Weise unter den Gestalten des verwandelten Brods und Weines erneuert wird. Dieses Opfer foll mich an die unaussprechliche Liebe erinnern, die dich, o ewiger Vater! bewogen hat, deinen eigenen Sohn zur Rettung der Sünder darzugeben. Es foll 19 mich an den schmerzhaften Tod erinnern, welchen mein Erlöser, aus Gehorsam gegen dich, für mein Heil gelitten hat. Es foll mich an die Pflicht erinnern, deine Liebe und den Gehorsam meinés Erlösers nach zuahmen; an die Pflicht, alle Menschen, Freunde und Feinde, wie meine Brüder, zu lieben, und den Vorschriften des Chris stenthums, dessen Wahrheit durch das Blut Jesu ist bestätiget worden, willig zu gehorchen. Beym Aufsteigen des Priesters zum Altare. Göttlicher Mittler! flöße jetzt meinem Herzen jene Gefühle ein, welche sich deiner heiligen Mutter und deiner geliebten Freunde bemachtiget haben, als sie dich am Kreuze bluten fahen, und deine letzten Worte same melten. Mochte ich deiner erneuerten Aufe opferung mit so, tiefem Schmerzen über meine Sünden beywohnen, wie tief ihre Herzen ben dem Anblicke deiner Leiden und deines Todes verwundet waren, durch wel: chen du das Opfer für meine und der ganzen Welt Sünden geworden bist! 32 G 3um Kyrie eleison. Herr, erbarme dich unser! Christe, er: barme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Und sieh guddig herab auf dein gläubiges Volk, das im Bertrauen auf deine Güte um Nachlassung seiner Sünden, und um Ab: wendung der verdienten Strafe flehet. Zum Gloria.( wenn es gesprochen wird.) Ehre sen Gott in der Höhe, und auf der Erde Friede den Menschen, die eines guten Willens sind! Wir loben dich. Wir prei: sen dich. Wir bethen dich an. Wir ver: herrlichen dich. Wir rühmen mit dankbaren Empfindungen deine Größe, Macht und Güte, Herr! Gott! himmlischer König! Gott Vater! Allmächtiger! Herr! eine gebohrner Sohn! Jesus Christus! Herr, Gott! Lamm Gottes! Sohn des Vaters! der du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser! der du hinwegnimmst die Sünden der Welt, nimm unser Flehen an! Der du sitzest zur Rechten des Vaters, erbarme dich unser! Denn du allein bist der Heilige. Du allein bist der Höchste, Jesus - 21 Ve Christus mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. Zum Dominus vobiscum und Dremus. Der Herr sey mit uns, und sende uns feinen guten Geist, der uns vor dem Bösen bewahre, und zur Tugend Kraft verleihe. Laffet uns bethen. Göttlicher Heiland! du hast uns in dent wunderbaren Sacramente des Altars ein Denkmal deiner Liebe und deines Leidens hinterlassen: gieb, daß wir, beim Andenken an deinen großmüthigen Versöhnungstod, die heiligen Geheimnisse deines Leibs und Bluts so verehren, daß die Frucht deiner Erlösung und die Wirkung deiner Lehre an unserm Verhalten sichtbar werde. Der du mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und regierest in alle Ewigkeit. Amen. An den Sonntagen und an den Festen wird, ftatt dieses Gebethes, eines der Kirchens gebethe gesprochen, welche für diefelben weiter unten zu finden sind. oping 22 D Zur Epistel und zum Evangelium. Wir danken dir, o Gott! für die heilige Lehre, welche du uns durch Jesus Christus und seine Schüler ertheilet hast. Sie ist uns ein Licht auf dem dunklen Pfade dieses Lebens, damit wir dich und deinen heiligsten Willen erkennen, und durch Befolgung desselben dir wohlgefällig und glückselig wer: den. Sie giebt uns Ruhe für das Herz, Muth und Kraft zum Guten, Trost im leis den, und Hoffnung selbst im Tode. Wir wissen nun- von dir, von dir, o ewige Wahrheit, selbst unterrichtet- was wir zu glauben und zu hoffen, und zu meiden und zu thun haben, damit unser Glaube und unfre Hoffnung nicht éitel und feuchtlos sey. Wir wissen, daß du unser Vater bist, der alle unsre Schicksale leitet, liebreich für uns sorgt, und uns jur ewigen Seligkeit beslimmer hat, wozu wir uns vorbereiten sollen durch unschuldigen Wandel in dieser Zeit. Nicht bloß mit den Lippen, son: dern im Geiste und in der Wahrheit follen wir dich verehren, o Allerheiligster! und ein reines Herz haben, um würdig zu 23 seyn deiner Unschauung und Herrlichkeit, Mit findlich frommem Sinne follen wir dich lieben, o höchstes Gut, und deinetwegen alle Menschen, die deine Kinder sind, wie wir. Jern von allen Sünden und Lastern follen wir streben nach dem, was wahr und gut, recht und edel, liebenswütdig und die angenehm ist, und reich werden an allerley Tugenden, welchen das ewige Leben perhei sen ist. Gieb uns Verstand, o Herr! um den Werth deiner himmlischen Lehre immer besser einzusehen, und stärke unfre Schwachheit, damit wir sie standhaft im Werke erfüllen. ww 3um Credo,( wenn es gesprochen wird.) Ich glaube an einen Gött, den all: mächtigen Vater, den Schöpfer des Him Und an einen Herrn, mels und der Erde Jesus Christus, den eingebohrnen Sohn Gottes, welcher vor allen Zeiten vom Bater gebohren, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gotte, gezeuget, nicht erschaffen, eines Wesens mit dem Va ter ist, und durch den Alles erschaffen 24 worden. Der um der Menschen und um unsers Heils willen herabgestiegen ist vom Himmel Er hat durch den heiligen Geist von Maria der Jungfrau Fleisch angenom: men, und ist Mensch geworden. Er ließ sich auch für uns kreuzigen, litt unter Pontius Pilatus, und wurde begraben. Am dritten Tage aber ist er, nach der Schrift, auferstanden, in den Himmel gefahren, und sitzet zur Rechten des Vaters. Er wird auch dereinst mit Herrlichktit wieder fom men, zu richten die Lebendigen und die Todten, und seines Reichs wird kein Ende seyn Ich glaube an den heiligen Geist, den belebenden Herrn, der von dem Vater und Sohne ausgeht. Der mit dem Va: ter und dem Sohne zugleich angebethet und verherrlichet wird, der durch die Pro pheten gkredet hat. Ich glaube eine hei: lige, allgemeine und apostolische Kirche. Ich bekenne eine, Taufe zur Nachlaffung der Sünden, und erwarte die Anferstehung der Todten, und das Leben der künftigen Welt. Amen. d B 35 GOD Dieß ist ein kurzer Inbegriff der Lehre, welche uns die katholische Kirche zu glauben vorstellt. Wir wollen sie mit unbedingtem Beyfalle annehmen, unsere Hoffnung dar auf gründen, und durch ein tugendhaftes Leben der ewigen Seligkeit uns würdig machen. 3um Offertorium. Bey der Aufs opferung des Brods. Nimm, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott! dieses reine Opfer an, das ich, dein unwürdiger Diener, dir, meinem lebendigen und wahren Gotte, für meine unzählige Sünden, Beleidigungen und Nachlässigkeiten, für alle Umstehenden und für alle gläubige Christen, für Lebendige und Abgestorbene darbringe. Gieb, daß es mir und ihnen zum Heile und zum ewigen Leben gereiche. Amen. Beym Einschenken des Weins und des Wassers. O Gott! der du den Menschen mit fo wunderbaren Vorzügen erschaffen, und nach 26 dem er sie durch die Sünde verlohren hatte, noch wunderbarer durch deinen Sohn sie ihm wieder ersehet bast! Gieb uns durch seine Menschwerdung, welche durch die Vermis schung dieses Wassers und Weins vorgebil. det wird, daß wir, durch Streben nach Vollkommenheit, seiner Gottheit ähnlich werden, wie er sich gewürdiget hat, unsere Menschheit anzunehmen; er, Jesus Chri: stus, dein Sohn, unser Herr, der mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. Bey der Aufopferung des Weins. Wir opfern dir, o Herr! den Kelch des Heils, und bitten deine Güte, daß er zu unferm Heile, und zum Heile der ganzen Welt vor dem Angesichte deiner göttlichen Majestät unter süßen Wohlgerüchen empor steige. Amen. Mit demüthigem und zerknirschtem Her: zen, o Herr! treten wir heute vor dein Angesicht. Laß unser Opfer, Herr, unser Gott! dir gefällig seyn. Komm, allufächti ger, ewiger Gott, durch den Alles geheiliger 27 wird, und segne dieses Opfer, das zur Ehre deines heiligen Namens zubereitet worden ist. Zum Händewaschen. Durch das Händewaschen erinnert mich der Priester, o Gott! daß niemand diesem geheimnißvollen Opfer benwohnen dürfe, ohne sein Herz von der Sklaverey der verunreinigenden Sünde losgerisen, und dem Dienste der reinsten Tugend geweihet zu ha ben. Diesen Entschluß fasse ich vor dir, o Allwissender! und spreche, wie der Pries ster, mit dem Pfalmiften:( Psalm. XXV.) In Unschuld wasch' ich meine Hände Und nahe deinem Altar mich, o Herr! zu singen laute Dankgefänge, zu rühmen alle deine Bunder.. Ich liebe, Herr! die Stätte deines Hauses, Den Ort, wo thronet deine Majestát. Ach! raffe nicht mit Sündern meine Seele, Mein Leben nicht mit Blutbegier'gen hin! In ihrer Hand ist Laterthat, Bestechung füllet thre Rechte. Ich aber will in Unschuld wandeln. Errette mich, und sey mir guädig. 28 So sieht mein Fuß auf ebner Bahn, In Chören preis ich dich, o Herr! Ehre sey dem Vater, und dem Sohne und dem heiligen Geiste! Wie sie war im Anfang, jetzt und zu ewigen Zeiten. Amen. - Nimm, o heiligste Dreyfaltigkeit! das Opfer an, welches wir dir darbringen zum Andenken an das Leiden, an die Auf erstehung, und an die Himmelfahrt unsers Herrn Jesu Christi, und zur Ehre der feli: gen, allzeit unversehrten Jungfrau Maria; zur Ehre des seligen Johannes des Tanfers, zur Ehre der heiligen Apostel Petrus und Paulus, zur Ehre jener, deren wir uns an diesem Tage besonders erinnern, und aller übrigen Heiligen. Laß es ihnen zur Ehre, uns aber zum Heile gereichen; und jene fol len für uns bitten im Himmel, deren Ge bächtniß wir fenern auf Erden, durch den selben Christus, unsern Herrn. Amen. Zum Drate Fratres. Der Herr nehme dieses Opfer von den Händen des Priesters, zum Preise und zur 29 Verherrlichung seines Namens, wie auch zu unserer Wohlfahrt, und zur Wohlfahrt seiner ganzen heiligen Kirche gnddig an. - Zur Sekreta. Heilige, o Herr, unser Gott! diese Opfergaben, und mit denselben auch unser Herz, das wir mit allen seinen Neigungen und Begierden dir aufopfern. Gieb, daß wir nichts wünschen und thun, als was deinem heiligsten Willen gemäß ist, und daß wir nie den blinden Trieben der lüsters nen Sinnlichkeit folgen, sondern immer den Hang zur Sünde durch die Erinnerung an die Vorschriften deines Geseßes besiegen. Diesem Borsaße nachzukommen, bitten wir dich um deinen Beystand, durch unsern Herrn, Jesus Christus, deinen Sohn, wels cher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. Zur Práfation. Lasset uns unsere Herzen zu dem Herrn unserm Gott erheben, und ihn mit allen Geschöpfen dankbar preisen. Denn es ist 30 höchst billig und recht, pflichtmäßig und heil: sam, daß wir zu allen Zeiten und an allen Orten dich dankbar preisen, heiliger Herr! allmächtiger Bater! ewiger Gott! der du aus Liebe zu uns deinen eignen Sohn in die Welt gesandt hast, um uns von der Sünde zu erretten, und den Weg des Heils uns zu zeigen. Durch denfelben Jesus Christus, unsern Herrn, loben dich die seligen Geister im Himmel, und um ihn vereiniget, preifen die Cherubim und Seraphim deinen herr: lichen Namen. Auch wir Erdenbewohner erheben mit ihnen unsere Stimmen, und sprechen in tiefester Ehrfurcht: Heilig! Heilig! Heilig! Gott! Herr des Weltalls! Himmel und Erde sind voll deiner Herrlichkeit, Hosanna in der Höhe! Geprie: fen sey, der da kömmt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Zum Kanon nach dem Sanktus. Dich also, gütigster Bater! bitten wir inständig, und wir flehen zu dir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, daß du diese Gaben, diese Geschenke, diese 3t a heiligen und unversehrten Opfer annehmen und segnen wolleft. Wir bringen fie dir vorzüglich dar für deine heilige, allgemeine Kirche, daß du sie auf der ganzen Erde in Nuhe und Einigkeit erhalten, beschüßen und leiten wollest mit deinem Diener, unserm Pabste N., und unserm Bischoffe N., und mit allen Nechtglaubigen und Bekennern der. allgemeinen apoftolischen Lehre. Gedenke, o Herr! deiner Diener und Dienerinnen N. N.( Hier erinnert man sich jener Lebenden, die man besonders der götts lichen Barmherzigkeit empfehlen will.) Ge denke auch aller hier Gegenwärtigen, derea Glauben und Andacht du kennest, für welche wir dieses Opfer dir darbringen, oder welche die es selbst darbringen, für sich und für alle die Ibrigen, zur Erlösung ihrer See: len, zur Stärkung der Hoffnung ihres Heils und Wohlfeyns, und zu diesem Ende dir, dem ewigen, lebendigen und wahren Gott, ihre Wünsche vortragen. Wir feyern gemeinschaftlich das Andene ten erstens der glorreichen, allezeit unvers fehrten Jungfrau Maria, der Gebährerin M 32 Gottes und unsers Herrn Jesus Christus; dann deiner seligen Apostel und Märtyrer, Petrus und Paulus, Andreas, Jakobus, Philippus, Bartholomäus, Mathaus, Simon und Thaddäus, Linus, Cletus, Cle mens, Eystus, Cornelius, Cyprianus, Lau: rentius, Chryfogonus, Johannes und Pau lus, Cosmas und Damianus, und aller deiner Heiligen. In Rücksicht ihrer Vers dienste und Gebethe laß uns in Allem deine Hilfe und deinen Schuß angedeihen. Wir bitten dich also, o Herr! daß du diese Opfergaben von uns, deinen Dienern, und von deiner ganzen Familie gnädig an, nehmeft, unser Leben mit deinem Frieden beseligest, vor der ewigen Verdammniß uns bewahrest, und in die Zahl deiner Ausers wählten uns aufnehmest, durch Christus, unsern Herrn. Amen. Laß, o Gott! dieses Opfer in Allem ge: fegnet, genehmiget und dir wohlgefällig seyn, damit es zu unserm Heile verwandelt werde in den Leib und das Blut deines geliebs ten Sohnes Jesus Christus, unsers Herrn, welcher am Tage vor seinem Leiden das 53 Brod in feine heiligen und ehrwürdigen Hände nahm, die Nugen zu dir, Gott, seinem allmächtigen Vater, gen Himmel erhob, ein Dankgebeth zu dir verrichtete, das Brod segnete, in Stücke brach, und seinen Jüngern gab mit den Worten: Nehmer und effet alle davon; denn dieses ist mein Leib. Beym Aufheben der heiligen Hostie. Ich glaube, o Jesus! daß du hier unter den Gestalten des Brodes gegenwäre tig bist, und bethe dich an, als meinen Herrn und Gott. Jesus! dir lebe ich; Jesus! dir sterbe ich; Jesus! dein bin ich todt und lebendig. Auf gleiche Weise nahm Jesus, nach dem Abendessen diesen kostbaren Kelch in feine heiligen und ehrwürdigen Hände, vers richtete zu dir, o Bater! abermal ein Danke gebeth, segnete und gab ihn seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet und trin ket alle daraus. Denn dieses ist der Kelch meines Blutes, durch Tommy Die - 34 - das ich den neuen und ewigen Bund bestätige,( ein Geheimniß des Glaubens) und das für euch und für Biele wird vergossen werden zur Bergebung der Sünden. So oft ihr dieses thun werdet, thut es zu meinem Andenken. Beym Aufheben des heiligen Kelchs. Ich glaube, o Jesus! daß dein Blut, welches einst als Versöhnopfer der Menschheit am Kreuze ist vergossen worden, unter den Gestalten des Weins in diesem Kelche, gegenwärtig ist. Ich bethe es an, und hoffe durch dasselbe Vergebung meiner Sünden, und das ewige Leben. Nach der Wandlung. und Diesem Befehle zu Folge, o Herr! erinnern wir uns, wir deine Diener dein heiliges Volk, an denselben Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, an sein beseli: gendes Leiden, an seine Auferstehung aus dem Grabe, und an seine glorreiche Auß - 25 Beb fahrt in den Himmel, und bringen vor den Thron deiner erhabenen Majestät von deinen Geschenken und Gaben ein reines Opfer, ein heiliges Opfer, ein unbeflecktes Opfer, das heilige Brod des ewigen Lebens, und den Kelch des immerwährenden Heils. Würdige dich, mit versöhntem und ge neigtem Angesichte auf sie herabzuschauen und sie anzunehmen, wie du dich gewürdiz get hast, anzunehmen, die Geschenke deines gerechten Dieners Abel, das Opfer des Patriarchen Abraham, wie auch das heit lige Opfer und die unbefleckte Gabe, welche dir dein oberster Priester Melchisedech dar gebracht hat. Wir bitten dich flehentlich, allmächtiger Gott! Laß diese Opfergaben durch die Hände deines heiligen Engels auf deinen erhabenen Altar vor deine göttliche. Majestät bringen, damit wir alle, die wir, durch die Theilnahme an diesem Altare, den heiligsten Leib und das heiligste Blut deines Sohnes genießen, mit allem himmlischen Segen und mit Gnade erfüllet werden, durch denselben Christus, unsern Herrn. Amen. € 2 56 Gedenke auch, o Herr! deiner Diener und Dienerinnen N. N. die mit dem Zei chen des Glaubens uns vorangegangen und im Frieden entschlafen sind.( Hier werden jene Verstorbenen genannt, die man beson ders der göttlichen Barmherzigkeit empfehlen will.) Diese, o Herr! und alle in Christo Entschlafene verseke an den Ort der Erqui cung, des Lichtes und des Friedens durch denselben Christus, unsern Herru. Auch uns Sünder, deine Diener, die auf die Größe deiner Barmherzigkeit ver trauen, ruf zum Antheile, und zur Gesells schaft deiner heiligen Apostel und Martyrer, Johannes, Stephanus, Mathias, Barna: bas, Ignatius, Alexander, Marcellinus, Petrus, Felicitas, Perpetua, Agatha, Lucia, Agnes, Caecilia, Anastasia, und aller deiner Heiligen. Nicht im Vertauen auf unser Verdienst, sondern im Vertrauen auf deine Barmherzigkeit, bitten wir in ihre Gesellschaft aufgenommen zu werden, durch Chris stus, unsern Herrn, durch den du, o Gott! jederzeit alles dieses Gute schaffest, heiligest, belebest, segnest und uns mittheilest. Durch 37 ihn, mit ihm und in ihm wirst du, Gott, allmächtiger Bater, sammt dem heiligen Geiste in alle Ewigkeit gelobt und gepriefen. Amen. 16 Zum Pater Noster.. Durch die heilsame Vorschrift unsers Erlösers aufgemuntert, und durch seinen göttlichen Unterricht belehret, wagen wir zu bethen: Vater unser! der du bist in den Himmeln! Geheiliget werde dein Name. Zukomme dein Reich. Dein Wille ge schehe wie im Himmel also auch auf Erden. Unser tägliches Brod gieb uns heute, und vergieb uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unfern Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem lebel. Amen. Wir bitten dich, o Herr! befreye uns von allen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Uebeln, und durch die Fürbitte der seligen, glorreichen, allezeit unversehrtent Jungfrau und Gottesgebährerin Maria, deiner seligen Apostel Petrus und Paulus, Andreas und aller Heiligen, gieb uns nach -38 - deiner Barmherzigkeit Frieden in unsern Tagen, damit wir durch deinen gütigen Bey stand unterstützet, immer von der Sünde fren, und gegen alle Beunruhigung gesichert bleiben, durch denselben Jesus Christus deinen Sohn unsern Herrn, der mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Umen. Der Friede des Herrn sey immer bey uns, und sein guter Geist begleite uns auf allen unsern Wegen. Während der Priester ein Theilchen der heiligen Hostie in den Kelch fallen läßt. Diese Vermischung des heiligsten Leibs und Blutes unsers Herrn Jesus Christus gereiche uns, die wir daran Theil nehmen, zum ewigen Leben. Amen. Zum Agnus Dei. O du Lamm Gottes! welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! erbarme dich unser. O bu Lamm Gottes! welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! erbarme dich uuser. 59- med O du Lammi Gottes! welches du hinwegsnimmst die Sünden der Welt! schenke uns. den Frieden. Herr Jesas Christus! der du zu deinen Aposteln gesprochen haft: Ich hinterlasse euch den Frieden, ich gebe euch meinen Fries den; sieh nicht auf meine Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche, und erhalte fie nach deinem Willen in Friede und Einige keit; der du als Gott lebst und regierst in alle Ewigkeit. Amen. Herr Jesus Christus, Sohn des lebens digen Gottes! der du nach dem Willen des Baters, unter der Mitwirkung des heiligen Geistes, durch deinen Tod der Welt das Leben gegeben hast! befreye mich durch die: sen deinen allerheiligsten Leib und durch dein allerheiligstes Blut ven allen meinen Sün: den und von allen Ulebeln. Gieb, daß ich immer deinen Gebothen nachlebe, und laß mich nie von dir geschieden werden, der du mit demselben Gott Vater und heiligen Geiste gleicher Gott lebst und regierst in alle Ewigkeit. Amen. 40 Die folgenden Gebethe werden nur von jenen gesprochen, welche unter der Meffe mit dem Priester kommuniciren. Herr Jesus Christus! Laß den Genuß deines Leibs, den ich Unwürdiger zu empfane gen wage, mir nicht zum Gerichte und zur Verdammung gereichen, sondern gieb nach deiner Güte, daß es mir zum Schuhe für Seele und Leib und zum Heilmittel meiner Schwachheir werde; der du mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebst und regiersi in alle Ewigkeit. Amen. So will ich dann das himmlische Brod kosten, und den Namen des Herrn anrufen. Während der Priester den Leib und daß Blut des Herrn nimmt, sprechen jene, die unter der Messe kommuniciren, das Confiteor u. f. w. Ich bekenne vor Gott dem Allmächtigen, vor der seligen allezeit unversehrten Jungfran Maria, vor dem seligen Erzengel Michael, vor dem feligen Johannes dem Täufer, vor den heiligen Aposteln Petrus und Paulus, vor allen Heiligen, und vor dir, ehrwürdiger Priester! daß ich sehr oft gefündiget - 41 habe mit Gedanken, Worten und Werken. Ich erkenne meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld! Darum bitte ich die felige, allezeit unversehrte Jungfrau Maria, den seligen Erzengel Michael, den seligen Johannes den Taufer, die heiligen Apostel Petrus und Paulus, alle Heiligen, und dich, ehrwürdiger Priester! daß ihr für mich bethet zum Herrn unserm Gotte. Der allmächtige Gott erbarme sich unser, er vergebe uns unsere Sünden, und führe uns zum ewigen Leben ein. Amen. Der allmächtige und barmherzige Gott verleihe uns seine Huld und eine gänzliche Nachlassung unserer Sünden. Amen. Durchdrungen von Rene über meine begangenen Sünden, und belebet vom Ver: trauen auf die Barmherzigkeit Gottes, will ich also dem göttlichen Lamme, welches die Sünden der Welt hinwegnimmt, mich nå: hern, und mit dem gläubigen Hauptmanne im Evangelium sprechen: Herr! ich bin nicht würdig, daß du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. 42 Herr! ich bin nicht würdig, u. s. w. Herr! ich bin nicht würdig, u. f. w. Der Leib unsers Herrn Jesus Christus bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Während der Priester die übrigen Anwes fenden speiset, und die Absolution nimmt, sprechen jene, die kommuniciret haben, folgendes Gebeth. Was soll ich die, mein Jesus, mein Gott und Heiland! was soll ich dir erwies dern für deine erbarmende Güte, nach wel cher du mir dein Fleisch und Blut zum Un terpfande der ewigen Seligkeit gegeben haft? Mein Herz will ich dir opfern; mein Herz mit allen seinen Begierden und Neigungen. Nimm dieses Dankopfer an, und laß es nie durch irgend einen Feind meines Heils dir entrissen werden. Rüste mich mit höherer Kraft aus, damit ich meine Leidenschaf ten bezähme, und den Reizungen zur Sünde widerstehe. Gieb mir Lust und Freude am Guren und einen standhaften Abschen vor der Sünde. Zerstöre in mir alle Anhäng: lichkeit an das, was deinem heiligsten Willen zuwider ist, und flöße mir Gesinnungen ein, - 43 die deines Schülers und Nachfolgers würs dig sind. Verleihe mir deinen Beystand; daß ich Gott über Alles, und meinen Näch sten, wie mich selbst, liebe; daß ich alle irdischen Vortheile, die ich durch Ucbertre: tung deines Gefeßes erhalten könnte, ver: schmähe, und durch standhaftes Fortschreiten auf dem Wege der Tugend für jene Selige keit mich empfänglich mache, deren Unters pfand ich heute in dem heiligsten Altarssa: kramente empfangen habe. Amen. Wer nicht unter der Messe kommunicirt, spricht bey der Kommunion des Prie: sters mit ihm dreymal: Herr, ich bin nicht würdig u. s. w., und darauf folgendes Gebeth. Während der Priester die geheimuisvolle Nahrung deines Leibs und Bluts zu sich nimmt, o göttlicher Heiland! sollte auch ich dem Altare mich nähern, und nach dem Beyspiele der ersten Christen an diesem heiligen Liebesmahle Theil nehmen Über meine Unwürdigkeit schrecker mich ab, und zwinger mich, mit jenem Zollner im Evangelium ( ukas VXIII, 15.) von ferne zu stehen, 44 reumüthig an meine Brust zu Klopfen, und mit zerknirschtem Herzen zu rufen: Gott! sen gnádig mir armen Sünder! So belebe mich wenigstens mit deinem Geiste, mein Jesus, da ich es heute nicht wagen darf, dein Fleisch und Blut zu genießen. Gieb mir den Geist der Liebe, den ich bei dieser Geelennahrung einathmen sollte, den Geist der Liebe u Gott, und zu meinen Mit menschen. Stärke mich zum Kampfe wider die Sunde, jur geduldigen Ertragung irdi: scher Leiden, und zur Ausübung christlicher Tugenden. Las meine Secle, zu deren Nettung du den Kreuzested gelitten, und zu deren Nahrung du dein Fleisch und Blut im heiligsten Altarssakramente hinterlassen haft, nicht verloren gehen, sondern führe sie auf dem Wege deiner Gebote zum ewi gen Leben. Umen. m Nach der Kommunion des Prie sters. Lasser uns bethen. Gieb, o Gott! daß dein gläubiges Volk, dem dein Sohn Jesus seinen Leib zur Speise 45 und sein Blut zum Tranke gegeben hat, durch würdigen Genuß dieser geheimnißvol: ten Seelennahrung immer mehr von der Sünde gereiniger, mit Muth zur Tugend beseelet, zu höherer Bollkommenheit ermuns tert, und dereinst der Theilnahme an seiner Herrlichkeit würdig gefunden werde. Um dieses bitten wir dich durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. pode Zum Jta Missa est und beym Segen. Laß dir, o heilige Dreyeinigkeit! den vollbrachten Dienst des Priesters gefallen, und nimm das Opfer, das wir deiner Majeståt dargebracht haben, gnddig an, damit es uns, und allen, für die es dargebracht worden ist, zur Verföhnung und zum Heile gereiche. Durch Christus unsern Herrn. Amen. Es segne uns der allmächtige Gott, Vas ter, Sohn und heilige Geist! Amen. 46 Dankgebeth nach der heiligen Meffe. Allmächtiger, ewiger Gott! liebvollefter Bater! wir danken die mit kindlich gerühr: tem Herzen für alle Wohlthaten, die du uns erzeiget hast, vorzüglich aber dafür, daß du uns an dem Opfer deines göttlichen Sohnes, an dem Liebesmahle unsers Erlösers, an der Todesfeyer Jesu hast Theil nehmen laf sen. Gieb uns die Gnade, daß wir nicht anders, als von dem Geiste Jesu beseelet, voll Eifers für die Tugend, und durchdrun: gen von dem Gefühle unserer Pflichten, diese heilige Versammlung verlassen. Laß die Erinnerung an deine Wohlthaten, das An denken an den Tod unsers Erlösers, und die Ueberzeugung, daß du in Allem nur unsere Seligkeit suchest, uns zu unsern Geschäften zurück begleiten. Gieb, daß die Erfüllung deines heiligsten Willens unser Hauptgeschäft, und die Nachahmung der Tugendbenspiele Jesu unser eifrigstes Bestre: ben. sen. Auf deine hilfreiche Gnade ver: trauen wir; denn du bist ganz Güte und Weisheit! Von deiner Baterhuld hoffen BABW 47 wir alles Gute; denn unsere Seligkeit war dein Endzweck, als du uns erschufft. Deine Vorsicht bethen wir mit gänzlicher Ergebung in deinen heiligsten Willen an; denn sie ord: net alles liebreich, und zu unserm Besten. Hier vor diesen dir geheiligten Altären, ents sagen wir allen unsern besonderen Wünschen, welche deinem heiligen Willen entgegen sind. Bergieb uns, wenn wir dich biswei len um Dinge bitten, deren Schädlichkeit wir nicht einsehen, und gieb uns dafür das, was deine Weisheit als das Beste erkennt. Laß, o Bater im Himmel! durch das An denken an den göttlichen Stifter unserer Ne: ligion, das wir so eben gefeyert haben, und durch deine allvermögende Gnade in unserm Herzen ähnliche Empfindungen der Wahr: heitsliebe erzeuget werden; gieb, daß uns die Erinnerung an seine beseligende Lehre, und an seinen belebenden Tod in der Stunde der Versuchung von der Sünde errette, und dem Bunde, den wir aufs neue mit ihm in der heiligen Messe geschlossen haben, treu erhalte. Dieß alles verleih uns, guidigster Bater! durch Jesus Christus deinen Sohn, 48 welcher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott, lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Andere Gebethe zur heil. Messe. Ce pig Vorbereitung. Ich erscheine vor deinem Altare, himme lischer Bater! um dem Opfer des neuen Bundes benzuwohnen. Diese fenerliche Handlung soll mich an die unschäßbare Wohlthat des Leidens und Sterbens Jesu, deines geliebten Sohnes, und an die große Liebe erinnern, mit welcher er sich für unser Heil dargegeben, und zum ewigen Andenken derselben, das heilige Abendmahl eingesetet hat. Ich will jest betrachten, wie er dir gehorsam war bis zum Tode des Kreu: zes, und wie ich mich nach seinem Beyspiele dir aufopfern soll durch kindliche Liebe und treue Folgfamkeit. Sünden bekenntniß. Aber ich schäme mich, Bater! meinen Blick zum Himmel zu erheben; denn ich bin ein Sünder. Ich bekenne es mit Neue 49 und Wehmuth, daß ich deine heiligen Ge bothe oft und schändlich übertreten habe mit Gedanken, Worten und Werken. Mein Gewissen klagt mich an; meine Schuld schwebt mir lebhaft vor Augen; mein Herz ist unruhig, und ich fühle mich elend, weil ich deine Stimme nicht geachtet, Liebens: würdigster! weil ich Boses gethan habe vor deinem Angesichte. Erbarme dich meiner nach deiner großen Güte, erbarme dich meiner, o Gott! und laß den Werth des Blutes, welches mein Erlöser am Kreuze auch für mich vergof sen hat, nicht an mir verloren gehn. Siehe, hier vor deinem Altare enisage ich der Sünde, und lege das Gelübde ab, mich zu bessern und künftighin tugendhaft vor dir zu wandeln. - Gloria. Bey diesen Gesinnungen erhebt der Ges danke an dich, o Gott! meinen Geist. Ben der Ueberzeugung, daß du mein Schöpfer und Erhalter, mein Gesetzgeber, mein größ ter Wohlthäter und zärtlichster Vater bist, D - 50 wird mir ganz wohl um das Herz. Die ganze Welt ist voll deiner Herrlichkeit. Die liebe Sonne, welche uns Licht und Wärme schafft, der stille Mond und die funkelnden Sterne, welche das Dunkel der Nacht erhellen, sind mir Zeugen deiner Liebe und Güte. Die Vögel in der Luft, die Fische im Wasser, die vielen nüß ichen Thiere um mich her, die Bäume und Pflan: zen, Blumen und Kräuter, Berge und Thåler, Quellen und Flüsse, alle deine Geschöpfe verkündigen mit deine Allmacht, Weisheit und Huld. Ich lobe und preise dich für alle Be weise der Güte, welche du mir giebst, für das Leben, das ich genieße, für jede Speise, die mich stärkt, für jeden Trunk, der mich labt, für jedes Vergnügen, das du mir verschaffest. Vorzüglich preise ich dich, daß du mir Vernunft gabst, womit ich dich und dein heiliges Geseß erkenne, und daß du dich mir noch näher offenbartest durch das Licht des Christenthumes. 12 51 O möchte ich in dieser Erkenntniß immer zunehmen, und mein ganzes Leben darnach einrichten! Wie ruhig und froh auf Erden, und wie glücklich würde ich in deinem ewi gen himmlischen Reiche seyn! bate Kirchengebeth. Verleihe uns, o Gott! nach deiner wei sen Güte, was der Priester für unser Heil bittet. Wir wollen zuerst nach dem trach: ten, was uns wahrhaft gut und dir gefällig ist, dann wirst du es uns nicht an dem Uebrigen, was wir bedürfen, fehlen lassen, nach der Verheißung Jesu Christi, deines Sohnes, unsers Herrn und Heilandes. Amen. Epistel ( Der Priester liest einen Abschnitt aus der heil. Schrift, gewöhnlich aus den Bries fen der Apostel an die ersten christlichen Gemeinden. Ich will über folgende Lehren des heil. Paulus nachdenken.) " Es ist Gottes Wille, daß wir heilig seyen, alle Unzucht meiden, unsern Leib rein und ehrbar erhalten, ferne von allen Leidens 52 Aps schaften, denen diejenigen ergeben sind, die Gott nicht kennen.»> " Keiner erlaube sich in irgend einer Sache, was unrecht ist, gegen seinen Bru der; denn Gott straft dies alles." Theffal. 4. " Zeiget in eurem Betragen einen ganz neuen Menschen, geschaffen nach Gottes Bild, zur Gerechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit.» " Entfaget der Lüge und redet die Wahr: heit, jeder mit seinem Nebenmenschen." " Ereifert ihr euch, so geschehe es ohne Sünde; laffet die Sonne über eurem Zorne nicht untergehen." " Geber dem Ldsterer kein Gehör." " Wer unter euch seinem Nächsten etwas entwendet hat, hüte sich in Zukunft davor; er suche mit seinen Händen ein nüßliches Gewerbe zu treiben, damit er dadurch in den Stand gesetzt werde, den Nothleidenden benzustehen." 1 " Keine böse Rede gehe aus eurem Munde. Alle Bitterkeit und Heftigkeit, alles Zürnen, Toben und Schmähen sey fern von euch, so wie jede Art von Bosheit. Seyd viel p mehr gütig, erbarmend und nachsichtsvoll gegen einander, so wie auch Gott in Chris stus sich gütig und schonend gegen euch ers wics." Ephef. IV. Evangelium. Der Sohn Gottes kam vom Himmel hers ab, um mein Führer dahin zu werdens Seine Worte find reich an Weisheit und Trost, und dabey schön und lieblich zu hös ren. Ich will ju Herzen nehmen, was er. spricht: " Kommet zu mir alle, die ihr mit Mühe feligkeiten umgeben und belastet send: ich will euch erquicken. Nehmet mein Joch auf euch, und fernet von mir Sanftmuth und Demuth, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft, und leicht meine Bürde." Matth. 11. " Wenn du deine Opfergabe zum Altare bringst, und die dort einfällt, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß deine Gabe vor dem Altare, und gehe hin und versöhne dich zuvor mit deinem Bruder; alsdann kommt wieder und entrichte dein 54 Opfer... Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden auch Barmherzigkeit erlana gen." Matth. 5. " Verzeihet ihr den Menschen nicht, so wird euch Gott im Himmel auch nicht ver zeihen." Matth. 6. " Jeder gute Baum trägt gute Früchte, und jeder schlechte Baum schlechte Früchte. Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird abgehauen, und in das Feuer geworfen." " Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr! wird eingehen in das Reich der Him: mel; sondern nur derjenige, welcher nach dem Willen meines himmlischen Vaters handelt." Matth. 7. " Es kommt die Stunde, wo alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Menschensohnes hören und hervorgehen werden. Die Gutes gethan haben, werden zum Leben, die aber Bifes gethan haben, zum Berderben auferstehen. Joh. 5. 55-> Credo ,, oder Glaubensbekenntniß. Der Glaube ohne gute Werke ist todt und unnuß. Deswegen will ich mich jetzt mit dem Priester an das Wesentliche meines Glaubens erinnern, und mich entschließen, auch meinen Sinn und Wandel nach dem einzurichten, was ich glaube. Ich glaube an dich, Gott und Herr, Himmels und der Erde! Du bist der Allmächtige, höchst Weise und Gütige, der Alles erschaffen hat, erhält und regieret. Du bist mein guter Bater, liebest mich, wie ein Kind, und willst mich ewig glücke selig machen, wenn ich dich und alle Mens fchen, deine Kinder, liebe und deinen heiz ligen Willen befolge. Ich glaube an Jesus Christus, deinen geliebten Sohn, welcher Mensch geworden ist, um zu suchen und selig zu machen, was verloren war. Ich muß nach seiner Vors schrift leben, und hinsehen auf sein herr. liches Beyspiel; dann gehe ich sicher dem Himmel zu. 56 Ich glaube an den heiligen Geist, den Jesus uns versprochen und mitgetheilet hat, der uns in dem erleuchtet, was uns zu gus ten Kindern macht, der uns durch das Ges wiffen zum Guten treibt und stärkt, der uns reiniget und heiliget. SAR Ich glaube alles, was du, o Gott! durch Jesus Christus und seine Apostel geoffenbaret haft, und was uns die allge: meine, von deinem Geiste geleitete, Kirche als dein untrügliches Wort zu glauben vor stellet. Dieser Glaube beruhigt und beglü cket mich, wenn ich mich befleiße, dasjenige zu beobachten, was er vorschreibt, und nichts zu thun, was wider Pflicht und Gewissen ist. Die Aufopferung des Brodes und Weines. Der heilige Paulus sagt: Euch selbst, das ist, ein Gott geweihetes Leben, bringet ihm zum wohlgefälligen Opfer dar. Un diese Lehre will ich jetzt denken. Himmlischer Vater! du siehst gnädig herab auf die Gaben, welche der Priester 57 nach dem Gebothe und Vorbilde Jesu über dem Aktare aufhebt, und dir als ein Opfer darbringt. Ich hebe mit ihm die Hände auf, und opfere, dir mich selbst. Gold und Silber verlangest du nicht von mir; wohl aber einen reinen guten Willen, und einen heiligen Wandel. Diesen will ich mich bestreben, stets zu haben, und dir auf opfern. Aus Liebe zu dir will ich alle Sün den meiden, und das Gute üben. Ich will meinen Mitmenschen wohlthun an Seele und Leib, nicht aus Hochmuth und Eitelkeit, nicht wegen zeitlicher Vortheile, nicht, um den Beyfall der Menschen damit zu verdies nen, oder Dank dafür einzuernten, sondern weil du es so haben willst. Ich bin bereit, Alles, wenn es mir auch so lieb wäre, wie mein rechtes Auge, so müßlich, wie meine rechte Hand, zu verlassen und hinzugeben, wenn du dieses Opfer von mir fordereft. Ich erkenne, daß alles, was ich habe, von dir kömmt. Nach deiner Absicht, o mein Gott, will ich es verwenden; dann wird es mir zum Heile gereichen. Amen. - - 58 -- Práfation oder Danksagungs geberh. Der Priester ermahat die gegenwärtigen Chriften, daß sie ihre Danksagung mit den Lobgesängen der höheren Geister vereinigen. Ich spreche also: Mein Herr! mein Schöpfer und Vater! Du schenkest mir alles, was mir wahrhaft gut und nüglich ist. Deine Allmacht, Weis: beit und Gute will mich zeitlich find ewig erfreuen und beglücken. Es ist also billig und recht, daß ich mein Herz mit kindlichen Frohsinne zu dir erhebe, in der Einfalt meiner Seele dich lobe, und dir danke für alles, was du an mir thust. Du verschmäheft das Lob meiner schwar chen Zunge nicht: aber ich soll dich auch durch mein Wohlverhalten ehren; denn du bist höchst heilig, o Gott! und du willst, daß ich, dem Kind, auch heilig und voll: kommen zu werden, mich besleiße, damit ich fähig werde der Seligkeit, wornach du das Verlangen in mein Innersies gelegt haft. Unterstüße mich in dem Bestreben, dir áhulich zu werden, Allerheiligster! 5g Der Canon oder die stille. Meffe. Der Priester bittet für alle Menschen. Ich will es auch thun. Gott! unser Bater! Du hast uns alle erschaffen, und willst, daß alle gut und glückselig werden. Darum beche ich auch zu dir für die Wohlfahrt aller Menschen. Erhalte und beschüße die allgemeine Kirche, die du auf Erden durch Jesus, deia nen Sohn, gestiftet hast. Erleuchte die Hirten und Vorsteher derselben, daß sie ihre Herden mit Weisheit und Sanftmuthi leiten und zur Tugend führen. Regiere alle christlichen Gemeinden, daß sie die Stimme ihrer Hirten hören, befolgen und selig werden.. Verleih' allen Obrigkeiten Wachsamkeit und Einsicht, die Gerechtigkeit zu handha ben, und das Wohl ihrer Untergebenen zu befördern. Lenke die Herzen aller Untere thanen, daß sie in dem Gehorsam who in der Treue gegen ihre Vorgesepten hez Freude finden. Stärke alle Eltern, daß sie ihre Kinder zu guten und glücklichen Menschen erziehen, 60 und gieb, daß alle Kinder zur Freude ihrer Eltern und zum Segen ihres Vaterlandes für den Himmel aufblühen. Tröste und erquicke die Nothleidenden; unterstüße die Schwachen; erleichtere die drückende Last der Armen, und lindere die Schmerzen der Kranken. Segne meine Freunde und Wohlthäter für das Gute, welches sie mir erzeigen; segne auch meine Feinde, laß sie Berzeihung ihrer Fehler finden, und alles erhalten, was ich mir selbst wünsche. Muuman MONS Behüte uns, o Gott! vor allem, was uns an Leib und Seele schaden kann, und gieb uns allen, was uns heilsam ist. Laß uns auch das Andenken an deine verklärten Freunde im Himmel, derer Für: bitte wir uns empfehlen, núßlich seyn; lehre uns, nach ihrem Beyspiele, nüchtern, gerecht und fromm, wie Pilger auf dieser Erde, zu leben, damit wir einst an ihrer Verherrlichung Theil nehmen. Wandlung. Himmlischer Vater! Dein geliebter Sohn wollte das Andenken an seinen Opfertod 61 unter uns erhalten, und in seinem heiligen Leibe und Blute ein immerwährendes Denk mal seiner Liebe und ein Unterpfand ewiger Seligkeit hinterlassen. Deswegen versam melte er am Abend vor seinem Leiden seine Jünger noch einmal um sich her, ermahnte sie zur Standhaftigkeit im Guten, versicherte sie seiner fortwährenden Liebe, forderte sie zum Vertrauen und zur Gegenliebe auf, und setzte alsdann das heiligste Sakrament ein, welches wir auf diesem Alltare feyern. Thuet das, so oft ihr es thun werdet, zu meinem Andenken, sprachst du, o Herr, den wir unter den Gestalten des Brodes und Weines hier anbethen, und deine Jünger thaten es, deiner Vorschrift gemäß. Auch ich erinnere mich hier deines heiligen Lebens, Leidens und Todes, deiner himmlischen Leh ren und Thaten; und erneuere den Entschluß, dir nachzufolgen. Ich will sorgfältig nie den, was du verabscheuest, und standhaft üben, was dir wohlgefällt. Ich will meis nen Sinn und Wandel nach dem deinigen bilden; nichts soll mich von deiner Liebe trennen. Ich vertraue auf deinen mächtigen ens 62 Beystand, o Jefu, unser Mittler, Fürs sprecher und Begnadiger! Amen. Gedächtniß für die Verstorbenen. Der Priester empfiehlt die verstorbenen Chriftgläubigen Gottes unermeßlicher Baterliebe. Barmherziger Vater! Ich erinnere mich jetzt auch meiner Bekannten, Freunde, Anverwandten und Wohlthäter, welche ihre Wanderschaft auf dieser Erde vollendet ha: ben, und vielleicht noch nicht am Ziele ihrer besseren Wünsche find. Ich liebte fie, und liebe sie noch; und weil ich ihnen nicht mehr etwas Besseres erzeigen kann, so flehe ich für ihr Heil zu dir, o Gott! Auch du liebest fie, du bist ihr Vater, und verschmähest nicht das Gebeth der Liebe, welches aus meinem Herzen zu dir emporsteigt. So erhöre mich dann! teinige sie von allen Unvollkommen: heiten erauske sie mit himmlischen Troste, und laß ihnen die ewige Ruhe und Selige keit zu Theil werden; mich aber lehre, die Vergänglichkeit der irdischen Dinge betrachten 63 und so leben, daß ich den Tod nicht zu fürchten habe. Amen. d Das Gebeth des Herrm. Bater! aller Menschen Vater! der du in dem Himmel bist! Alles preise dich, was lebet und durch dich erschaffen ist. Alle müssen dich bekennen, Und mit Ehrfurcht Vater nennen!- Unverstand und Laster weiche Deiner Wahrheit, deinem Reiche. Alles bethe dich nur an. Möchten deinen besten Willen, Vater! Alle immerbar Freudig, findlich, schnell erfüllen, Wie der lieben Engel Schaar. Gieb uns heut und allezeit Trank und Epcife, Dach und Kleid.- Tilg' die Schulden, die uns reuen, Wie auch Andern wir verzeihen. Stark uns, Vater! in der Stunde Der Versuchung; unserm Bunde Treu, wirst du vor jedem Bösen Uns erbarmungsvoll erlösen. 64 Communion. Dank, ewiger Dank sey dir, göttlicher Erldser! der du nicht nur am Kreuze das Opfer für unsre Sünden geworden bist, dessen Andenken wir heute mit dem Priester erneuern, sondern auch, um auf eine ge: heimnißvolle Weise dich mit uns zu vereinis gen, dein heiligsies Fleisch und Blut, als eine geistliche Nahrung für uns dargegeben haft. Mit tiefster Ehrfurcht betrachte ich die ses under deiner Liebe gegen uns schwache Geschöpfe; aber wenn ich auf den Zustand meines Herzens hinblicke; fo finde ich mich unwürdig, an diesem heiligen Mahle Theil zu nehmen. Je mehr ich indessen meine Unwürdigkeit erkenne, desto ernstlicher fasse ich den Entschluß, mich zu bessern, und einzig nach dem zu streben, was mich deiner Liebe, o Jesu! und der innigsten Vereinis gung mit dir würdig macht. Ich will von mir entfernen, was mich verunreiniget in deinen Augen, Allerheiligster! mit verdop peltem Muche will ich gegen alle Leidenschaften kämpfen, welche deinem Gefeße 65 zuwider sind, und mich sorgfältig húten vor allen unrechtmäßigen Gesinnungen und lasters haften Begierden. Dein Beystand stärke mich in diesem Kampfe! e Segen des Priesters und Schluß. Himmlischer Bater! Wie mich der Pries ster segnet, so strecke auch du deine segnende Hand über mich aus. Segne meine guten Vorsätze, damit ich sie treu zu erfüllen ver: möge. Segne meine Arbeiten und Berufs: geschäfte, damit sie mir gelingen. Segne die Meinigen, segne alle Menschen an Seele und Leib, und laß deinen Segen auf uns ruhen heute und allezeit. Amen. Gebeth um den Segen Gottes über die Früchte der Erbe. Allmächtiger Schöpfer und Erhaiter affer Dinge! Wir fáen und pflanzen, aber das Wachsthum giebst du, und ohne dich vermögen wir nichts. Dir haben wir Alles zu verdanken. Du ernährest die Bogel in der Luft, obwohl sie nicht aussäen und eine schneiden. Du kleidest die Blumen auf M 66 T dem Felde, obschon sie nicht arbeiten; du wirst also noch vielmehr für uns, deine Kin der, forgen. So lehret uns Jesus, dein geliebter Sohn; aber er lehret uns auch zu dir bethen um die zeitliche Nahrung. Gieb uns daher, wir bitten dich mit findlichem Bertrauen, gieb uns milden Thau und Re: gen und erwärmenden Sonnenschein, gieb der Erde Wachsthum und Gedeihen; segne unsre Felder und Weinberge, bewahre sie vor schädlichen Ungewittern, vor Frost, Mißwachs und Hagel, damit sie zum Lohn unsrer Ar: beitsamkeit die nöthigen Früchte bringen. Alles, was du uns bescheeren wirst, wollen wir als deine Gabe zufrieden und mit Mas figkeit genießen, davon unsern armen Brüdern mittheilen, und uns durch ein frommes Leben die dankbar erzeigen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Mess für die Verstorbenen. brend der Priester am Fuße bes Altars steht. Im Namen des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes, will ich mit dem 67 Priester dem Altare mich nähern, und dem ewigen Vater seinen eingebernen Sohn, welcher am Kreuze für die gesammte Mensch heit sich aufgeopfert hat, für die Ruhe meis ner verstorbenen Brüder und Schwestern. zum Opfer bringen. Aber ich bin selbst ein Sünder, der die Lehre Jesu, die er mit seinem Blute versiegelt hat, durch Handlungen so oft verläugnet, und das Geset Gottes, welches die Richtschnur meines Vere haltens seyn sollte, so leichtsinnig übertritt. Ich muß selbst vor Gott, der ein renevolles Herz nicht verschmähet, mich als einen strafe würdigen Sünder anklagen, und ben dem Bewußtseyn meiner zahllosen Febftritte um Barmherzigkeit flegen. Ich betenne dager mit dem Priester vor Goit dein mächtie gen, und vor allen Heiligen, daß ich sehr oft gesündiget habe mit Gedanken, Wonent und Werken. Ich bekenne meine Gilb meine Schuld, meine größte Spytd. Tarta bitte ich die allerfeligste, allezeit verbree Jungfrau Maria, alle Heiligens gab den ehrwürdigen Priester, daß sie acumferin Herrn und Gott um Gnade mir mir fichen. 68 Der allmächtige Gott erbarme sich unser; er vergebe uns unsere Sünden, und führe uns zum ewigen Leben ein. maite Der allmächtige und barmherzige Gott verleihe uns seine Huld und eine ganzliche Nachlaffung unfer Sünden. Amen. Wir sind von Schaam und Reue gebeugt, o Gott! sieh uns gnädig an, und richte uns wieder auf, damit wir mit beruhigtem Geiste vor dir erscheinen, und mit gereinigtem Hers zen dieses Opfer für die Verstorbenen dir darbringen können. 3um Introitus. Herr! gieb ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. ( Pfalm LXIV.) Dir schallen Lobgesänge, Gott! in Sion, Und dir entrichtet man Gelübde in Jerus falem. Erhörer des Gebets! Es Pomme flehend jeder Sterblicher zu dir. Herr! gieb ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr! erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! 69- Laffet uns bethen! O Gott! dessen Natur Liebe, und deffers Seligkeit Wohlthun ist, erhöre das liebevolle Gebeth, das wir für die Seelen deiner Dies ner und Dienerinnen N. N., die mit deiner Gerechtigkeit vielleicht noch nicht vollkommen ausgeföhnt sind, heute dir vortragen. Ruf sie zur Stätte der Erquickung, zur Ruhe der Seligen, und zum Lichte deines Anges sichts. Um dieses bitten wir durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, wels cher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Umen. Zur Epistet. Aus dem Buche der geheimen. Offenbarung des Apostels Johannes, Kap. 14. 13. Dann hörte ich eine Stimme vom Him mel rufen: Schreib: Selig find die Todten, die im Herrn sterben. Von nun an, bez theuert der Geist, sollen sie von ihren Arbeiten ausruhen, denn ihre Werke folgen ihnen nach. 70 Dank sey Gott für die tröstliche Lehre des Christenthums, welches den Tugendfreunden, die im Glauben an Jesus bis zum Tode verharren, die selige Unsterblich: feit verbürget. Herr! gieb ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. de Pfalm. CXI. Der Nachruhm des Gerech ten bleibet ewig. Er fürchtet nichts ben schrecklichen Gerichten. Befreye o Herr! die Seelen der verstor: benen Gläubigen von ihren Sündenbanden, und laß ihnen Gnade widerfahren, damit fie mit den Strafen deiner Gerechtigkeit verschonet, des ewigen Lichtes der Seligen theilhaftig werden. Das Dies Ird. 1) Schreckenstag und Trauerstunde, Da die Erd' im Feuerschlunde, Glühen wird nach Davids Munde! 2) Welches Zittern wird entstehen, Wenn wir einst den Richter sehen, Ungerührt von unferm Flehen?." 71- 3) Der Posaune Schall wird klingen, Durch der Erde Gräber dringen, Alle zum Gerichte zwingen. ( 4) Tod, Natur! ihr werdet beben, Da, erweckt zum neuen Leben, Rechenschaft der Mensch wird geben. 5) Gottes Buch wird aufgeschlagen! Tren enthält es eingetragen Jede That aus diesen Tagen. 6) Wenn der ernste Richter schlichtet, Und der Herzen Dunkel lichtet, Bleibt nichts Böses ungerichtet. 7) Was soll dann ich Armer sagen, Wenn auch die Gerechten zagen, Und den Richter kaum ertragen? 8) Herr! der du erhaben thronest Und aus Güte uns verschonest! Sieh auf mich, wenn du belohnest. 9) Milder Jesus! denk im Segen: Ich war's Ziel von deinen Wegen; Viel war dir an mir gelegen. 10) Biel hast du für mich ertragen, Bis man dich ans Kreuz geschlagen. Wirst du mir den Werth versagen? 72 11) Mit Versöhnungsblut besprenge Jesu! meiner Sünden Menge, Vor dem Tage deiner Strenge. Odewet 12) Rothe färbt des Schuld'gen Wangen, Das Gewissen quält mich Bangen, Laß, ach! laß mich Gnad erlangen. 13) Marien hast du entsündet, Selbst dem Mörder Heil verkündet, Und mein Hoffen fest gegründet. 14) Doch was nüßen meine Zähren? Du nur kannst der Hölle wehren, Daß mich Himmelsfreuden nähren. 15) Laß mich zu den Schafen gehen, Nicht bei Böcken trostlos stehen, Sondern dir zur Rechten stehen. 16) Wenn verflucht die Sünder fliehen, Und zu ihrer Strafe ziehen; Dann sprich: Dir ist heil verliehen. 17) Meine Sünden sind mir leide; Schmerz durchwühlt mein Eingeweide. Schon, wenn ich von hinnen scheide. 18) Schreckenstag, an dem die Bangen, Aus der Gruft vor dich gelangen, Nach Gebühre zu empfangen. Chant 73¹ 19) Dann verschone, Gott! verschone, Jesus auf dem Nichterthrone! Daß im sel'gen Frieden wohne Deine Christenschaar. Amen. Zum Evangelium, Aus dem Evangelium des heil. Joh. V, 25-29. Einst sprach Jesus zu den Juden: 25) Ich versichere euch, daß eine Zeit kommt, und bereits vorhanden ist, da die Todten den Ruf des Sohnes Gottes hören, und die ihn hören, aufleben werden. 26) Denn gleichwie der Vater die Quelle des Lebens in sich hat, so hat er auch dem Sohne gege ben, sie in sich zu haben. 27) Er hat ihm auch Macht ertheilt, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. 28) Wun dert euch nicht darüber; denn es wird eine Stunde kommen, da alle, die in den Gráz bern sind, seine Stimme hören, 29) und hers vorgehen werden, die Gutes gethan haben, zur Seligkeit, und die Böses gethan haben, zur Verdammuß. Dank sey dir, Jesus Christus! für deb nen göttlichen Unterricht. Gieb, daß ich 74 das Böse meide, und das Gute thue, damit dereinst der Tod und die Auferstehung mir nicht zur ewigen Verdammniß, sondern zur ewigen Seligkeit gereichen. C Vor dem Offertorium. Herr Jesus Christus, Beherrscher des Reichs der Verklärten! Befreye die Seelen aller verstorbenen Gläubigen von den Stra: fen der Unterwelt. Befreye, sie vom Schlunde des Löwen, daß die Hölle sie nicht verschlinge, daß sie nicht hinabfallen in die Finsterniß, sondern der Heerführer, der heilige Michael, sie zum heiligen Lichte bringe, welches du einst dem Abraham und seinen Nachkommen verheißen hast. 7. Wir bringen dir zum Preise, Opfer und Gebethe dar, o Herr! nimm sie an für jene Seelen, deren wir uns heute erinnern. Laß sie, o Herr! vom Tode übergehen zum Leben, welches du einst dem Abraham und feinen Nachkommen verheißen hast. Belm Offertorium werden die Meßgebethe der vorigen Messe gebraucht. 75- Zur Sekreta. Sieh mit Wohlgefallen, o Herr! auf die Opfergaben, die wir für die Seelen deiz ner Diener und Dienerinnen N. N. dir dare bringen, und wie du sie in diesem Leben zur befeligenden Religion deines Sohnes Jesus aus Güte berufen hast, so tilge in jenem Leben aus Barmherzigkeit die Folgen ihrer Fehltritte, und ruf sie zur Krone der seli gen Unsterblichkeit, welche der vollendeten Tugend im himmlischen Reiche aufbewahrt ist. Um dieses bitten wir dich, durch unsern Herrn Jesus Christus deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. Zur Pråfation, Wandlung u. f. w., wie in der vorigen Messe. Zum Agnus Dei. du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! gieb den Seelen der Verstorbenen ihre Ruhe. O du Lamm Gottes, welches du hinwege nimmst die Sünden der Welt! gieb den Seelen der Verstorbenen ihre Rube. 76 O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! gieb den Seelen der Verstorbenen die ewige Ruhe. Das Uebrige wie in der vorigen Messe. Nach der Kommunion des Priesters. Das ewige licht leuchte den Seelen der Verstorbenen, o Herr! wie deinen Heiligen in Ewigkeit, nach deiner Güte. V. Herr! gieb ihnen die ewige Ruhe, und das ewige licht leuchte ihnen. Wie deinen Heiligen in Ewigkeit, nach deiner Güte. Laffet uns bethen. Allmächtiger, ewiger Gott! vergieb, in Rücksicht des Opfers deines eingebornen Sohnes, den Seelen deiner Diener und Dienerinnen N. N. ihre Fehltritte, reinige fie von ihren Unvollkommenheiten, und laß ihnen die verdienten Strafen nach, damit sie baldigst zur ewigen Ruhe und zum vol. len Genusse der seligen Unsterblichkeit ge langen. Um dieses bitten wir dich durch unsern Herrn Jesus Christus deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewig feit. Amen. tant 77 Gott gebe uns seinen guten Geist, und die Seelen der Verstorbenen lasse er im Frieden ruhen. Amen. Laß dir, o heilige Dreyeinigkeit! den vollbrachten Dienst des Priesters gefallen, und nimm das Opfer, das wir deiner Majes stát dargebracht haben, gnädig an, damit es uns und allen, für die es dargebracht wore den ist, zur Versöhnung und zum Heile gereiche. Durch Christus unsern Herrn. Amen. Das Dankgebeth nach der Messe wie in der vorigen Messe. Beicht und Kommunion Gebethe. Beichtgebethe. Darf ich wohl meine Augen zu dir erher ben, Allerheiligster! ohne von dem Gefühle der Schaam niedergedrücket zu werden? Deine gehorsamen Kinder dürfen freudig zu dir aufblicken, weil sie wollen und thun, was du willst: aber wie werde ich Ungehors samer vor dir bestehen? Mein Gewissen 78 flaget mich an, daß ich bisher nicht so gelebt habe, wie ich als vernünftiger Mensch und Christ hätte leben sollen; es wirft mir viele Sünden vor, und sagt mir, daß ich dir mißfalle und vor dir strafbar bin, o Gott! der du mich genau kennest, und das Böse verabscheuest. Ich habe dein heiliges Gesetz übertreten, ich habe deine Stimme verachtet, deine weisen Absichten an mir vereitelt, deine Wohlthaten mißbrauchet, deine Gnaden verscherzet. Wie kann ich das geschehene Böse wieder gut machen? Wie kann ich Verzeihung von dir erlangen? Ich muß meinen Irrthum erkennen, meine Thorheit bereuen, und durch aufrich tige, ernstliche Besserung meines Sinnes und Wandels mich dir wieder wohlgefällig zu machen suchen. Ich muß im Glauben an Jesus, meinen Heiland und Mittler, den du gesendet hast, damit Keiner von uns verloren gebe, mich von der Sünde trennen, und, mit erneuerter Liebe zu dir, auf deine Barmherzigkeit hoffen; dann verzeihest du mir, o Bater! und ich werde mit dir bwandtents D 79 ausgeföhnet. Eben dieser mein Erlöfer, welcher in die Welt gekommen ist, um die Sünder zu besseren, zeigt uns ja an dir den liebereichen Vater, welcher bereit ist, den verirrten Sohn wieder aufzunehmen, wenn er reuevoll zurückkehrt; und er selbst hat ja zu meinem Heile das Sakrament der Buße in seiner Kirche angeordnet. Ich will mich daher erheben und mit dankbar gerührtem Herzen meine Zuflucht nehmen zu dieser heiligenden Anstalt. Vor dir und unter dem Beistande deis nes heiligen Geistes, himmlischer Bater! will ich mein Gewissen erforschen, damit ich erkenne, was ich mit Gedanken, Wor ten und Werken, gegen dich, gegen mich selbst, und gegen meine Mitmenschen gesüne diget habe. Ich will meine Unwürdigs, keit und mein Elend empfinden, meine Treus losigkeit ernstlich bereuen und aufrichtig verz abscheuen. Mit deiner Gnade will ich der Sünde gänzlich und auf immer entfagen, und eine vollkommene Sinnesänderung vor nehmen. Fern von unnüßer Furcht und falscher Schaam, will ich deinem Diener, - 80 dem Priester, alle meine geheime Gebrechen offenherzig bekennen, seine Lehren und Er mahnungen mit Demuth annehmen und willig befolgen. Ich will würdige Früchte der Buße bringen, um mir den Frieden mit dir, mit meinen Nebenmenschen, und mit mir selbst wieder zu verschaffen. Ich flehe um deine Erleuchtung und deinen Beistand hiezu durch Jesus Christus, deinen geliebten Schn, unsern Herrn. Amen. - Gewissenserforschung. O Gott! ich kann meine Sünden nicht verabscheuen und bessern, wenn ich sie nicht erkenne. Das Erste, was ich jetzt zu thun habe, ist also, daß ich meinen Blick in mich selbst kehre und mein Gewissen streng unters suche, und dadurch erfahre, wie mein In nerstes und mein Leben beschaffen ist. I. Verhalten gegen Gott. 1. Habe ich ben meinem Thun und Lassen an Gott gedacht? vertrauensvoll zu ihm gebethet? ihm für das Gute gedankt? *) Am Morgen; vor und nach dem Essen: beim Schlafengehen; ben Errettung aus Gefahren; bey glücklichen Ereigs nissen, u. s. w. 81 2. Wie benahm ich mich gegen Gott im Unglücke? in Leiden und Widerwärtigkeiten? depes *) War ich im Unglücke nicht kleinmů thig und verzagt? im Leiden nicht ungeduldig? in Widerwärtigkeiten nicht mürrisch? u. s. r.. 3. Wie habe ich die Sonn- und Feier: tage zugebracht? *) Uebernahm ich an denselben keine Arbeit aus Gewinnsucht oder ohne Noth? Versäumte ich nicht aus Trägheit oder Gleichgültigkeit den gemeinschaft: lichen Gottesdienst? den christlichen Unterricht? Betrug ich mich während des Gottesdienstes nicht unehrerbies tig, anstößig, årgerlich? Versammelte ich meinen Geist zu nützlicher Betrachs tung, zum Gebethe, oder hing ich nur eitlen Zerfreuungen und Vergnüguns gen nach? 4. Hab' ich nicht den Namen Gottes entheiligt? denselben zur Bezeugung oder Bekräftigung einer Unwahrheit gebraucht? *) Hicher gehören Schwüre, Flüche, falz sche Eide, Spotterepen über alles, F Counters 82 4 was dem Christen heilig seyn foll, und zur Verehrung Gottes gehört. 5. Hab' ich mich in Nichts des Aberglau: bens oder Unglaubens schuldig gemacht? *) Aberglauben und Unglauben entfernen uns von der Anbethung Gottes im Geiste und in der Wahrheit. Wer von leiblichen und geistlichen Mitteln eine Hülfe erwartet, die sie weder. nach ihrer Natur, noch auß göttlicher Einsetzung verschaffen können, ist abergläubisch; z. B., wer sein Ver. trauen auf Zahlen, Würfel, Karten, gewisse Zeichen, Worte, Zeiten u. s. w. feget. 6. Wie habe ich mich gegen jene verhalten, samwelchen zu gehorchen Gott gebothen hat? gegen geistliche und weltliche Obern? Habe ich nicht wider ihre recht ARBE mäßigen Befehle gemurrt? sie mit Verachtung oder aus Leichtsinn über: treten? nicht meinen Eltern, Lehrern, Meistern, Herrschaften den schuldigen Gehorsam versagt? ihnen unehrerbie: tig begegnet? sie beyAndern verkleinert, verleumdet? powers 83 II. Verhalten gegen sich selbst. 1. Habe ich mich bestrebt, meinen Verz stand und mein Herz gehörig auszubil den? jene Kenntnisse und Fertigkeiten zu erlangen, ohne welche ich meinen Beruf als Christ und als vernünftiger Mensch nicht erfüllen kann? meinen Willen zum Guten zu lenken, und Meis ster zu werden über meine sinnliche Neigungen? - 2. Liebe ich die Wahrheit? Bin ich aufs richtig? Habe ich mich keiner Lüge schuldig gemacht? Flieh' ich den Müf figgang? Wende ich meine Talente und Kräfte gewissenhaft an? übe und vers vollkommne ich mich gehörig in meinen Berufsarbeiten? 3. Habe ich nicht wissentlich oder vorsäge lich meiner Gesundheit geschadet? ben Krankheiten nicht unterlassen, Arzneymittel zu brauchen? nicht mich unvor: sichtig oder muthwillig einer Lebense gefahr ausgesetzt? 4. War und bin ich nicht eitel? hoch: müthig? ruhmsüchtig? zornmüthig? Fa 84 rachsüchtig? Bin ich nicht zur Trun fenheit und Spielsucht geneigt, oder derselben schon ergeben? 5. Habe ich mich nicht unkeuschen Gedan ken überlassen? unkeusche Begierden in mir unterhalten? nicht unkeusche Reden geführt? unkeusche Werke voll: bracht? 6. Bin ich nicht geißig? nicht eigennüßig? nicht habsüchtig? oder bin ich verschwen: derisch? und worin? - 7. Welcher der genannten Sünden habe ich am meisten mich schuldig gemacht? Welche habe ich mit Uleberlegung, und welche aus Mangel an Aufmerksamkeit begangen? u. s. w. III. Verhalten gegen den nächsten. 1. Wie habe ich meine Pflichten erfüllt als Vorsteher gegen meine Untergeber nen? als Bater oder Mutter gegen meine Kinber? als Lehrer, Meister oder Hausvorstand gegen meine Lehr linge und Dienstboten? als Ehemann gegen meine Ehefrau? als Diener, 85 Knecht oder Magd gegen meine Herrs schaft und gegen die Mitdienenden? 2. War ich gegen Niemand argwöhnisch, feindselig, mißgünstig, neidisch gesinnt? Habe ich Anderen nicht ihr Glück, Brod, Ehre und Ansehen mißgönnt? Habe ich ihnen nicht Böses gewünscht? an ihrem Unglücke nicht Freude gehabt? 3. Habe ich Niemand betrübt mit Spott? mit harten Neden? mit Beschimpfunz gen, Schlägen oder andern Mißhands lungen? 4. Habe ich Anderen nicht an Gesundheit, Leben, Ehre, Ansehen, Brod und Güz tern geschadet? Habe ich ihre Fehler und Gebrechen nicht unnöthiger Weise bekannt gemacht? jie nicht verachtet? die üble Nachrede nicht weiter in Uma Slauf gebracht? 5) Habe ich Andere nicht übernommen, übervortheilt, nicht betrogen? im Kauf und Verkauf, in Gerichtssachen, im Kost: und Lohngeben? im Borgen und Bezahlen? im Tausche und bey Ber: trägen? Habe ich das Gefundene nicht unrechtmäßig zurückbehalten? 86 6. Habe ich die verlehte Ehre, das uns gerechte Gut wieder erstattet? den vers ursachten oder veranlaßten Schaden vergütet? die Unwahrheit widerrufen? War ich nie lieblos und hart gegen Dürftige, Kranke, Alte, Gebrechliche? War ich bescheiden, höflich, friedfertig, gütig gegen Andere? 7. Habe ich zu keiner Sünde gerathen, aufgemuntert, gereißt, verführt? durch ärgerliche Gespräche, verführerische Geberden? unkeusche Lieder? böse Handlungen? Habe ich Anderer Süns de nicht gelobt, oder dazu flillgeschwies gen, wo mir die Pflicht zu reden ges both? Habe ich die Sünde Anderer nicht ungeahndet, ungestraft gelassen? sie vielleicht noch vertheidiget? 8. Habe ich keine Feindschaften veranlaßt? sie nicht unterhalten durch Schwätze: reien, Ohrenblasereien, vorsätzliche Aufwieglung? Lebe ich noch in Feinds schaft? Habe ich mich bemühet, mit meinen Gegnern mich auszusöhnen? CARP 87 9. Wenn ich Jemand zu einer Sünde verführte, war ich bemüht, ihn( sie) wieder auf den Weg der Tugend zu bringen, und das gestiftete Aergerniß wieder gut zu machen? 10. Habe ich nie gegen die Ermahnung meines Gewissens etwas Gutes unters lassen, etwas Böses vollbracht? Welche der obgenannten Sünden habe ich am meisten begangen? u. s. w. GUMENT Reue. Bon Indem ich den Zustand meiner Seele erforsche, so finde ich leider, daß ich meine Pflichten oft verleßt habe. Ja, Vater, alle wissender, heiliger Gott! ich habe gesündiz get; ich habe deine Gebote oft und auf verschiedene Weise übertreten. Dir sind alle meine Gedanken, Worte und Werke bes kannt. Ich scháme mich vor dir und vor mir selbst meines Undanks und meiner Treulosigkeit wegen. Mit Wehmuth blicke ich auf meinen verkehrten Wandel, und fühle meinen Unwerth, mein Elend. Du haft mir so viele Beweise deiner Liebe 88 gegeben, Allgütiger! und ich habe dir meine Liebe entzogen. Du hast mich nach dei nem Bilde erschaffen, und zur Weisheit, Tugend und Glückseligkeit bestimmt; und ich habe dein Bild durch die Sünde an mir verdunkelt, und das Ziel meines Daseyns aus den Augen verloren. Du verab scheuest und verbiethest das Böse, und willst, daß ich vollkommen werde, wie du, o Gott! vollkommen bist; und ich handle pflichtver: gessen deinem heiligsten Willen entgegen, und bestrebe mich nicht, dir näher zu kom men durch reine Gesinnung und That. Ach, ich erkenne meine Schuld, meine große Schuld; ich sehe ein, wie sehr ich mich gegen dich verfehlet habe, heiligster, liebenswür digster Vater! ich bereue und verabscheue mein sündhaftes Betragen, wodurch ich dein höchstes Mißfallen verdiene; ich schlage mit dem bußfertigen Zöllner an mein Herz und rufe: Gott! sey mir Sünder gnädig und verzeihe mir meine vielfältigen und groben Vergehungen! 10 a 89 Vorsatz der Lebensbesserung. Du willst nicht das Verderben des Sünders, barmherziger Vater! sondern daß er sich bekehre und lebe; du hast ihm Gnade und Verzeihung durch Jesus Chri: fius. zugesichert, in so fern er sich reumüthig zu dir wendet, und sich bessert. Dieß flößt mir noch Beruhigung ein; denn ich habe den festen Entschluß gefaßt, mich zu bessern. Ich will ein anderer Mensch werden; ich will künftighin alles unterlassen, was dir zuwider ist, Allerheiligster! und standhaft üben, was dir wohlgefällt. Meine Neigun: gen, Begierden und Handlungen, will ich nach den Vorschriften des Evangeliums ordnen, die Gelegenheiten zur Sünde sorg fältig meiden, und alle Mittel anwenden, der Tugend treu zu bleiben. Ich will die gegebenen Aergernisse durch ein erbauliches Leben tilgen, den zugefügten Schaden nach Kräften vergüten, das versäumte Gute einzubringen, und die gestörte fittliche Ordnung in mir wieder herzustellen suchen. go Die Vorstellung, daß du, o Gott! alles weißt, was ich denke, daß du alles horst, was ich rede, daß du alles siehst, was ich thue, soll in meiner Seele jeden sündhaften Gedanken ersticken, und mich von besen Worten und Werken abhalten. Dieß ist mein ernstlicher Vorsaß, o mein Vater! und ich habe das Vertrauen, daß du mich unterstüßen wirst, mit deiner mächtigen Gnade. Mit diesen Gesinnungen will ich hingehen zu deinem Priester, zu dem Arzte und Freunde meiner Seele, und ihm alle meine Fehler demüthig und aufrichtig entdecken, und im Glauben an die tröstlichen Worte meines Heilandes:" Nehmet hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden vergeben werdet, denen follen sie vergeben seyn," meine Lossprechung erwarten. Nach der Beichte. Wie leicht ist es mir jetzt im Herzen, und welche süße Wonne breitet sich in meis ner Seele aus, da ich meine Sünden vor 91- deinem Angesichte reuevoll und redlich ge beichtet habe, o Gott! und da ich nun hoffen darf, daß sie mir, bey dem festen Entschlusse zur Besserung vergeben und nachgelassen sind. Welche Gnade, Vater, erweisest du mir! wie barmherzig und gütig bist du! ich lobe und preise deine erbarmungsvolle Liebe, ich danke dir dafür mit tief gerührtem Gemü the. Nun darf ich wieder mit findlicher Zuversicht zu dir emporschauen, und traulich Nun darf zu dir sagen: lieber Vater! ich meine Augen wieder himmelwärts rich ten und denken: Er hat mich Verirrten gnädig angesehen und wieder aufgenommen in die Zahl seiner lieben Kinder, welche Theil nehmen sollen an den Verheißungen des Evangeliums, und gereiniget und geheiliget durch die Verdienste Jesu Christi, den er zu unserer Rettung gesendet hat freien Zutritt zu ihm haben. Aber diese huldreiche Liebe, wie sehr muß sie mich nicht antreiben, beßter Vater! wür, dige Früchte der Buße zu bringen; von nun an dir mein ganzes Herz zu weihen, und es durch keine Sünde mehr zu entheiligen. — - 92 Deine Sünden sind dir vergeben, rufst du mir zu, aber fündige künftig: bin nicht mehr. Diese Worte follen mir unvergeßlich seyn, damit ich allzeit wache, bethe, und gegen die Versuchungen zum Bö sen kämpfe. An jedem Morgen will ich das Gelübde, besser zu werden, in meiner Seele erneuern, und an jedem Abende will ich un tersuchen, ob und wie ich es gehalten habe; und finde ich dann Flecken in meinem Wan: del, so will ich eilen, sie auszulöschen. Keine Mühe foll mir dann zu schwer, und kein Opfer zu groß seyn, wenn es zu mei ner Reinigung und Veredlung nothwen: dig ist. Go ww Aber wie schwach sind meine besten Vorfäße, wenn du mich in der Ausführung von oben nicht stärkest, Allmächtiger! Sende mir daher, ich flehe vertrauensvoll, sende mir deinen heiligen Geist, komme mir zu Hülfe, damit ich das unter deinem Bey stand angefangene Werk meiner Besserung vollende, und jenes dauerhaften Friedens jener Seligkeit theilhaftig werde, die da denen verheißen hast, die dich von Herzen Sex - 93 lieben, und ihre Liebe durch treue Befol gung seiner Gebothe an den Tag legen. Amen. Kommuniongebethe. Vor der Kommunion. Göttlicher Heiland, Jesus Christus! du sprachst einst zu den Juden:" Mein Fleisch " ist wahrhaftig eine Speise, und mein Blut " ist wahrhaftig ein Trank. Wer mein " Fleisch isfet und mein Blut trinkt, der " bleibt in mir und ich in ihm. Gleichwie " der Bater, der Urquell des Lebens, mich " gesandt hat, und ich durch den Vater lebe, " so wird, wer mich isset, durch mich leben. " Dieß ist das Brod, welches vom Himmel " herabgekommen ist; nicht das Manna, das " eure Båter aßen und starben. Wer von " diesem Brode iffet, der wird leben in " Ewigkeit." Joh. VI, 56-59. In diesen Worten hast du deinen Jún gern eine himmlische Speise verheißen, die sie innigst mit dir vereinigen, auf ihrer Wanderschaft hienieden sie nähren und státs ken und zum ewigen Leben vorbereiten sollte. 6 94 Diese Verheißung hast du in Erfüllung gesetzt, als du zum letzten Male das Oster: lamm mit deinen Jüngern aßest, und der schrecklichsten Todesart entgegensahest, die dich am folgenden Tage von ihnen trennen follte. Da nahmst du Brod und Wein, sprachst das Dankgebeth und den Segen dar: über, und theiltest beides deinen Jüngern mit den Worten aus: Nehmet und effet; dieß ist mein Leib... Trin ket Alle davon, dieß ist mein Blut des neuen Bundes, welches für Viele zur Vergebung der Sün den wird vergossen werden; und du gabst ihnen zugleich die Anweisung: Dieses thuet zu meinem An: denken. Auf diese Worte gründet sich mein Glaube an deine Gegenwart im allerheiligs sten Sacramente des Altars, o gütigster Jesus! und dieser Glaube, an den ich mich mit der allgemeinen, von deinem Geiste regierten Kirche festhalte, treibet mich an, dem geheimnisvollen Tische mich zu nahen, wo unter den Brodsgestalten dein 95 Fleisch und Blut genossen wird. Dieser Genuß und das Andenken an den Tod, welchen du aus Liebe für mich gelitten hast, foll mich in der Liebe zu dir und zu meinen Mitmenschen stärken, mit neuer Kraft zur Tugend ausrüsten, der Früchte deines Ver: föhnungstodes theilhaftig machen, und als Unterpfand der seligen Unsterblichkeit in den Mühseligkeiten, dieses Lebens trösten. Es soll dadurch die Versicherung in mir belebet werden, daß dein Leib hingegeben und dein Blut vergossen ward zur Vergebung unfrer Sünden; ich will daben ein öffent liches Bekenntniß ablegen, daß ich an deine göttliche Sendung und Lehre glaube, und mich aufmuntern, deinen Vorschriften und Beyspielen zu folgen. Aber wer bin ich, daß ich es wagen dürfte, dich, meinen Gott und Herrn, zu empfangen? Johannes der Täufer, welchen du selbst den Größten unter den vom Weibe Gebohrnen nanntest, hat sich für unwürdig erklärt, dir, als du unter den Menschen wandeltest, die Schuhriemen aufzulösen's und ich, ein elender Sünder, wie sollte ich CONDIC poman 96 deinen heiligsten Leib mit unreinen Lippen berühren dürfen. Ich erkenne meine Unwürdigkeit, dir, dem Sohne des Allerhöchsten, den ich hier auf dem Altare anbethe, so nahe zu treten, und habe weit mehr Ursache, als einslens Moses, zurückzubeben und mein Angesicht zu verhüllen, indem ich dieses große Wun der deiner Liebe betrachte. Aber ich höre auch die tröstlichen Worte, mit denen du alle Sünder zu dir einladest: Kommet alle zu mir, die ihr mit Mühe und Arbeit beladen seyd; ich will euch erquicken. Ich komme also zu dir, göttlicher Menschenfreund! wie ein auf deine Barmherzigkeit vertrauender Büßer, der durch dein Blut von seinen Sünden gereiniget werden, und in dir, dem Urquell der Gnade und Heiligkeit, himmlische Kraft zu einem neuen, einzig der Tugend geweiheten Leben schöpfen will. Ich komme zu dir, wie ein Kranker zu seinem Arzte, um geheilt zu werden von den Wunden, die ich durch Uebertretung deiner Gebote mir geschlagen habe. Ich komme zu dir, wie ein Schwacher, 97 um auf dem Wege meiner Besserung erquickt und gestärkt zu werden. Darum will ich, ehe ich das Brod des Lebens koste, noch einmal über meine Sün: den mich anklagen und sprechen: Ich bekenne vor Gott dem Allmächtigen u. s. w. wie Seite 40 und 41. Nach der Kommunion. Ich glaube an dich, liebvollster Jesus; ich hoffe auf dich; ich liebe dich von Herzen; ich bethe dich an in tiefster Demuth als meinen Gott und Herrn; ich danke dir von ganzer Seele für die Gnade, welche du mir heute erzeigt haft, und bitte dich vertrauens, voll, laß das heilige Mahl, in welchem ich dich empfangen, und das Andenken an dein Leiden und Sterben gefeiert habe, mein Herz mit Kraft zur Tugend erfüllen, und mir ein Unterpfand der künftigen Herrlichkeit seyn. Möchte ich doch, wie ich deinen heilige sten Leib genossen habe, auch von deinem Geiste beseelet, und von denselben Gesins nungen gegen dich und meine Mitmenschen belebet werden, die du, während deines G 98 Erdenlebens gegen den himmlischen Bater und die ganze Menschheit geäußert haft! Aus Gehorsam gegen ihn und aus Liebe gegen uns hast du am Kreuze für unser Heil, und für Zugend und Wahrheit dich auf geopfert. So muß auch ich, wenn dein Geist mich leitet, dem Gehorsam gegen das göttliche Geseß jedes sündhafte Vergnügen aufopfern, Wahrheit und Tugend allen irdi: schen Vortheilen vorziehen, und aus liebe zu dir der leidenden Menschheit zu Hülfe kommen. Du, von der reinsten Jungfrau empfan gen und gebohren, hast von deinen Schülern die Reinigkeit des Herzens als strenge Pflicht gefordert. So muß ich denn, wenn du in mir wohnen sollst, verbothene Lüste fliehen, und meinen Wandel zieren durch keusche Ehrbarkeit. Dein liebstes Geschäft war es, Unwis sende zu belehren, Gefallene aufzurichten, Unglückliche zu retten, Betrübte zu trösten, Kranke zu heilen, Allen wohlzuthun. So muß ich denn, wenn ich dir gleichgesinnt seyn will, mit Vergnügen jede Gelegenheit 99 ergreifen, meine Mitmenschen durch Unters richt, Trost und Beystand zu erfreuen. Du vergoßest Thränen des Mitleids über die undankbare Stadt Jerusalem in eben dem Augenblicke, da sie auf deine Hin richtung dachte; du stiftetest das Mahl der Liebe und Versöhnung, an welchem ich jetzt Theil genommen, in eben der Nacht, da du verrathen wurdest; du behandeltest deinen Verräther Judas als Freund, und bethetest am Kreuze für deine Mörder. So müssen denn, wenn ich mit dir vereinigt seyn soll, Haß und Neid, Feindschaft und Schadens freude meinem Herzen fremd seyn; so muß es für alle Menschen den sanften Empfin dungen der Liebe und des Wohlwollens sich öffnen; so darf ich an meinen Feinden keine Rache nehmen; ich muß sie, nach deinem Beispiele, bemitleiden, ihnen Gutes erzeigen und zu Gott für sie bethen. Den bittersten Kelch des Leidens hast du aus der Hand des himmlischen Vaters willig angenommen, wie ein Lamm zur Schlachtbank dich führen, geißeln, verspots ten, einem Mörder nachsehen und kreuzigen 62 clien 100 Podcas lassen, ohne deinen Mund zu Klagen zu öffnen. So muß auch ich, als dein Schü: ter, bereit fenn, Armuth, Verachtung, Krankheit, Schmerzen und Widerwärtig: keiten jeder Art aus der Hand Gottes cyzu: nehmen, ohne über die Härte meines Schick: fals und über die Urheber meiner Leiden zu klagen. Ja, mein Gott und Heiland? da ich, als einer von deinen Jüngern, an deinem Tische erschienen bin, so habe ich mich da durch aufs Neue verpflichtet, alle Behspiele der Tugend nachzuahmen, und alle Sitten: regeln zu beobachten, die du ihnen gegeben hast. Gieb mir Kraft dieses zu thun, und die Hindernisse zu besiegen, welche der Er: füllung meiner Pflichten im Wege stehen; denn was meiner durch die Sünde verderb: ten Natur unmöglich ist, das wird mir leicht und angenehm werden, wenn du von oben meine Schwachheit unterstüßest. Bewahre mich vor der Sünde und führe mich auf dem Wege deiner Gebote zu der seligen Unsterblichkeit. 101- Ewiger Vater! der du deinen eingebohra nen Sohn, aus Liebe zu uns, zur Erlösung, der fündigen Welt argegeben hast, ich opfere dir eben diesen deinen Sohn, der sich heute mir geschenket hat, zur Genuge. thuung für meine Sünden auf. In Rück sicht feines blutigen Versöhnungstodes am Kreuze erlaß mir die verdienten Strafen. Ich opfere ihn dir auf zur Danksagung: für alle Wohlthaten, die du mir erwiesen hast, besonders für die Wohlthat der befes ligenden Religion, welche er uns gelehret, und zu welcher ich mich heute durch den Genuß des heiligen Abendmahls feyerlich bekannt habe. Ich opfere ihn dir auf zur Erlangung deines gnädigen Beystandes, damit ich alle Vorschriften dieser Religion gewissenhaft beobachten, und dadurch zur ewigen Selige keit gelangen möge. Ich opfere ihn dir auf für das Heil aller Menschen, für die ich aus Pflicht und Liebezu bethen schuldig bin, damit du sie, um der Verdienste Jesu willen, segnen, vor allem Uebel bewahren, zur Erkenntniß des 102 Wahrheit, zur Tugend und Seligkeit führen wolleft. Segne o Gott! die allgemeine Kirche, welche dein Sohn Jesus gestiftet hat. Segne mein Vaterland, segne den Landes: herrn, segne alle meine geistliche und welt: liche Oberen, meine Angehörigen, Freunde und Verwandten, Wohlthäter und Feinde. Erfreue, o Vater aller Menschen! alle Elende mit deiner Hülfe. Tröste die Be trübten, erquicke die Kranken, bessere die Misfecháter, befehre die Ungläubigen und rühre die verstockten Sünder. Laß uns alle erfahren, daß wir deine Kinder sind, die du zärtlich liebest, und aus Liebe ewig beseligen willst. Auch die Seelen der Verstorbenen, die mit deiner Gerechtigkeit noch nicht ausge: föhner sind, empfehle ich deiner Barmher zigkeit. Amen. 103-> Kirchengebethe an den Sonntagen, und an den Festen des Herrn. Am ersten Sonntage im Advent. Erwecke, o Herr! deine Macht und. komm, damit wir von den nahen Gefahren des Untergangs, welchen uns die Sünde drohet, durch deine Erleuchtung und Hülfeerrettet und befreiet werden. Amen. Gott, der du das Gewissen als einen geheimen Richter in unserm Busen aufges stellet hast, um uns vor der Sünde und deinem künftigen Gerichte zu warnen, verleih uns deine Gnade, daß weder das Ansehen -der Menschen, noch der Reiz des irdischen Vergnügens oder Hoffnung des Gewinnstes, Begierde nach Reichthum und Glück uns zu Handlungen verführe, welche das Gewissen verdammet; daß vielmehr der Ruf des Ge: wissens und der Eindruck deiner Allgegen: wart uns vor dem Gedanken der Sünde und vor dem Scheine des Lasters zurückscheuche, damit wir in der Gefahr errettet werden. Amen. 104 Am zweyten Sonntag im Advent, Erwecke, o Herr! unsre Herzen zur Vorbereitung auf die Ankunft Jesu, deines Sohnes, damit wir dadurch in den Stand gesetzt werden, ihn rein und würdig zu ver: ehren, der mit dir lebt und regiert u. f. w. Laß uns erkennen, lieben und thun, was recht ist; gieb uns Stärke, hinwegzuräumen, was dir mißfällt. Die Tugend, wie sie uns Jesus lehrt, mäßige und veredle unsre Freuden; sie ent flamme unsern Muth, wenn uns Trägheit vom Guten zurückhält, wenn uns lockende Versuchungen zum Lafter einladen; wenn niedrige Vortheile zur Lüge und zur Unge: rrchtigkeit uns reizen, wenn unsre Treue in Ausübung der Pflichten harte Proben beste: hen muß, wenn sie uns Haß und Verfolgung zuzieht, wenn Bequemlichkeit, Eigens nuß und Eigenliebe und böse Beyfpiele da gegen streiten. Da belebe in uns, Gott! den Glauben an dich und an unseren hohen Beruf, damit wir einstens rein und deiner Verheißungen würdig befunden wer den. Amen. 0 - 105- Um dritten Sonntag im Advent. Erhöre unser Flehen, o Herr! und erleuchte die Finsternisse unsers Geistes durch die Gnade deiner Offenbarung, der du lebst und regierst, u. f. w. Laß uns einsehen, wie unwissend und armselig wir waren ohne deine Belehrung, wie wohlthätig das Licht ist, welches du dem irrenden Menschengeschlechte angezün: det hast. Führe alle Menschen zur Erkennt: niß der Wahrheit, und laß uns immer tiefer eindringen in den Geist deines Evans geliums. Stärke uns alle in der Ueberzeu: gung, daß wir nur durch reinen Wandel und thátige Nächstenliebe uns als wahre Christen beweisen können. Behüte uns vor Aberglauben, damit wir nur auf eine würdige Weise dich verehren, nicht auf unnüße oder schädliche Nebendinge in der Religion verfallen, und das Ziel deiner Offenbarung verfehlen. Amen. Am vierten Sonntag im Advent. Laß, o Herr, deine Allmacht wirken, und steh uns bey mit großer Stärke, damit 106 O wir durch die Hülfe deiner Gnade, welcher unsre Sünden im Wege stehen, die Nach ficht deiner Erbarmung desto schleuniger erfahren, der du lebst und regierst u. s. w. Wir haben bisher die Wirkung deiner Erlösung durch unsre Sünden von uns ent: fernet; aber nun wollen wir allem unheiligen Wesen entfagen. Verzeihe uns, und unterstüße unfre Schwachheit. Dein Benspiel, o Jesu, das Beyspiel der rein sten Tugend und der thätigsten Menschen: liebe, schwebe uns lebhaft vor Augen; dein Geist sey unter uns, deine Religion beseele uns; der Gedanke, daß du unsrer Besse: rung wegen in die Welt gekommen bist, ergreife mächtig unser Herz und nehme es standhaft für alles Gute ein. Amen. Am Weihnachtsfeste. Gott! wie freudenreich und gesegnet für das ganze Menschengeschlecht ist nicht die Geburt deines Sohnes! Er hat uns von den größten Uebeln, von der Unwissenheit und von der Sünde und von ihren trauri: gen Folgen erlöset, den Weg des Heils, die maram 107 Quellen unsrer Verirrungen und die Hülfse mittel unsrer Besserung gezeigt. Er har die Menschen vom Gößendienste zu deiner Ers kenntniß, als des einzigen wahren Gottes, zurückgeführt. Er hat durch die Religion der Liebe, welche er gelehret hat, über unsre wichtigsten Angelegenheiten uns auf gekläret, edle Gesinnungen, erhabene Tu genden erzeuget, Millionen Verirrte zurecht: geführt, Millionen Leidende getröstet, und noch täglich erleuchtet, heiliger und stärket er uns zum Guten durch die himmlische Lehre des Evangeliums, und durch die Heils, mittel und herrlichen Anstalten, die er in seiner Kirche angeordnet hat. Wir danken dir, himmlischer Vater! der du uns deinen Eingebohrnen gesendet hast, damit Keiner von denen verloren gehe, die an ihn glaus ben, sondern alle das ewige Leben erlangen; wir danken dir Jesus Christus! der du dich fo tief erniedriget hast, um uns zu erhöhen. Göttlicher Lehrer und Heiland! Wiederhers sieller unsrer Glückseligteit! wir bethen dich heute mit den frommen Hirten an, und rufen mit den seligen Geistern: Ehre sey 108 GNGING Gott in der Höhe und Friede den Menschen, die eines guten Willens sind! Laß deine Leh ren, Bemühungen und Leiden für uns nicht fruchtlos seyn; breite dein Reich, das Reich der Wahrheit nicht nur über uns, sondern auch über jene Völker aus, die dich noch nicht kennen, damit alle Welt dich preise und selig werde. Amen. Am Sonntage in der Octav der Geburt Jesu. Allmächtiger, ewiger Gott! leite unfre Handlungen nach deinem Wohlgefallen, da mit wir im Namen deines geliebten Soh: nes verdienen, durch reichliche gute Werke glückselig zu werden. Gieb, daß wir die Ueberzeugung von der Göttlichkeit des Christenthums durch Treue gegen die Vorschriften desselben an den Tag legen, und daß es uns zur Be schamung seiner Feinde, zu immer höherer Vollkommenheit, zu innerer Ruhe und Zufriedenheit und zur ewigen Seligkeit führe. Amen. 109. Am Feste der Beschneidung Jefu. Himmlischer Vater! der du deinen eingebohrnen Sohn an dem heutigen Tage, durch die Erfüllung des Gesetzes, das erste Mal sein Blut vergießen, und ihm den trostreichen Namen Jesus geben ließest, ver: leih uns deine Gnade, damit wir unsre sünd. haften Lieblingsneigungen ablegen, unsre Leis denschaften beherrschen, und jede unserm Stande angemessene Tugend mit Selbst: verleugnung ausüben. Amen. Am Feste der Erscheinung des Herrn. Allgütiger! du hattest die fegenreiche Geburt unsers Erldsers den jüdischen Hir: ten durch einen Engel bekannt gemacht, und heute führtest du heidnische Weisen durch ein Zeichen am Himmel zu ihm, damit es offenbar werde, daß alle Völker zu seiner Erkenntniß und Berehrung berufen sind, und jeder, der die Wahrheit sucht und recht thut, dir angenehm ist. Auch uns hast du zum Lichte des wahren Glaubens gelangen lassen; wir danken dir nicht nur 13 110 d von ganzem Herzen dafür, sondern wollen auch dieses wichtige Geschenk treulich benu: gen; wir wollen nicht auf den bloßen Na: men eines Christen stolz seyn, sondern durch" Thaten beweisen, daß wir ihn würdig tra: gen; weit entfernt, Andersdenkende zu haf sen oder zu verdammen, wollen wir sie durch heiligen Wandel erbauen, und zur Erkenntniß der Wahrheit zu führen suchen. Je mehr wir dir zu verdanken haben, desto ámsiger wollen wir deinen Willen befolgen, desio öfter wollen wir an die Rechenschaft denken, die du einst fordern wirst über den Gebrauch deiner Wohlthaten. Erhalte und stärke in uns diesen christlichen Sinn, damit wir unsern Glauben niemals durch Werke verleugnen, die er verdammet. Amen. An den Sonntagen nach der Erscheinung des Herrn bis zur Fasten. Wir bitten dich, o Herr! erhöre die Wünsche deines Volkes, und gieb uns Verstand, unsre Pflichten zu erkennen, und Kraft, dieselbe zu erfüllen. 111 Wir sehen wohl ein, daß alle Weis: heit von dir herabkömmt, und daß wir nichts vermögen ohne dich. Mit Demuth flehen wir daher, erleuchte unsern Sinn, damit wir die Stimme des Gewissens und des Evangeliums verstehen, und durch deine Gnade unterstüht, stets üben, was recht ist. Amen. Besonders stärke uns in widrigen Ereig nissen; gieb uus Geduld, Bescheidenheit und Mäßigung, ohne welche der Mensch nie zum wahren Genusse des Lebens kommt. Laß uns mehr daran denken, wie wir das, was wir haben, gut anwenden wollen, als an Erwerbung dessen, was uns mangelt. Laß uns mehr in uns selbst, als anßer uns Trost und Freude suchen, mehr durch Arbeit ein kleines Glück gewinnen, als durch ver gebliche Wünsche nach einem großen Glücke schmachten; pflanze uns die Ueberzeugung tief ins Herz, daß ohne Erfüllung unsrer Pflichten keine wahre, dauerhafte Zufriedens heit für uns möglich, und daß es das größte Glück für uns ist, wenn wir die Gnade deiner Offenbarung gehörig schäßen, und 112 dem Lichte derselben, welches zu dir führt, o Quelle der reinsten Freuden! getreulich folgen. Amen. Am ersten Sonntage in der Fasten. Stärke deine Gläubigen, o Gott! da mit die kirchliche Fasten den Geist der Mäß figung in ihnen befördere, sie zur Beherrs schung ihrer Leidenschaften geschickt mache, und in der Enthaltsamkeit von der Sünde übe. Es ist uns gut und dir wohlgefällig, wenn wir durch Entbehrung eines erlaubten Vergnügens uns den Sieg über fündhafte Begierden erleichtern. Laß uns, o Gott! diese wohlthätige Absicht deiner Kirche, ben der Einsehung der Fasten nicht mißkennen, damit wir dabey die Besserung des Herzens nicht vernachlässigen. Dies verleih uns, o gütigster Vater! durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Um zweyten Sonntag in der Fasten. Gott der Liebe! erhalte unter uns Ruhe, Frieden und gesellige Eintracht, damit wir durch wechselseitige Hülfe einander 113 das Leben versüßen, und zur Verminderung des Elends unter den Menschen nach Kraf ten beytragen. Gieb, daß wir auch gegen jene, die nicht zu unsrer Kirche gehören, wohlthätig, freundlich und mitleidig, und selbst gegen unsre Feinde und Verfolger sanft, liebreich und versöhnlich seyen, damit wir sie beschämen, gewinnen und besserts mögen. Amen. cho Um dritten Sonntag in der Fasten. Deffne unsre Augen, o Gott! damit wir deine Güte, Allmacht und Weisheit immer besser erkennen, und hierdurch zur Nachahmung deiner Vollkommenheiten ges führet werden. Mache uns zufrieden mit den Führungen deiner Fürsicht. Práge es uns tief ein, wie liebereich du bist, und daß sich kein Vater seiner Kinder erbarmt, wie du dich unser erbarmest; und vermehre durch diese Betrachtung unser Vertrauen auf deine Güte. Laß uns oft daran denken, wie gerecht du bist, und daß du einen jeden nach seinen Werken richtest; und floße uns eine heilsame Furcht vor deinen Gerichten H 114 ein. Stärke uns in der Ueberzeugung, daß dein Wort nicht trügt, und nichts, was du verheißen hast, unerfüllt bleibt; und ermun tere uns dadurch zum Guten. Amen. in Um vierten Sonntag in der Fasten. Gütigster Gott! Boll Reue und Schmer: zen sehen wir auf unsre zurückgelegten Le: benstage hin, und traurig denken wir an die schlimmen Folgen unsrer Sünden; aber du bist unser Bater, und wirst dich unser erbarmen, wenn wir unsre Fehler erkennen, und an der Besserung unsers Herzens ernst lich arbeiten. Verzeiße uns dann, Vater! und errette uns von dem Verderben der Sünde. Flöße uns Liebe zur Tugend ein, und laß uns recht lebhaft das Glück erkennen, welches du mit ihrer Ausübung verknüpfet hast. Amen. Am fünften Sonntag in der Fasten. Wir bitten dich, allmächtiger Gott! sieh liebevoll herab auf deine Kinder, und wende von ihnen ab alle Uebel des Leibes und der Seele. Bewahre uns, vor ansteckenden 115 Seuchen und Krankheiten, vor Hungers: noch, Krieg und bürgerlichen Unruhen. Befördere unter uns Thätigkeit, Gewerbe, Kunstfleiß, Handel und Ackerbau; besondersaber gieb uns, was uns weiser, verständi: ger, besser und tugendhafter machen kann. Zerstöre alle schädlichen Vorurtheile, alle blos, eigennüßige Absichten, allen Irrthum und Aberglauben, und was der allgemeinen Wohlfahrt im Wege stehen, deine heilige Religion entehren, die Bande der Liebe auf lösen, und uns von deiner Erkenntniß ab: führen könnte. Sollte aber deine anbe: tungswürdige Vorsicht solche Uebel und Frrthümer dulden, oder gar schreckliche Strafgerichte über uns verhängen; so mache uns zu Nachahmern deiner Weisheit, und laß uns selbst aus dem Uebel jenes Gute ziehen, dessen Erreichung dein Zweck war. Amen. divers Am Palmsonntage. Liebevollster Heiland! Wir erinnern uns heute an deinen feyerlichen Einzug in Jerus salem, wo dir das jüdische Volk jubelnd H2 1 116 mit Palmzweigen entgegen fam, und dich als den lang erwarteten Messias verehrte; aber wir denken zugleich mit Schaudern an die Veränderlichkeit und den Undanf dieses Bolkes, welches, wenige Tage darauf, dei nen Tod verlangte. Diesem Volke würden wir gleich seyn, wenn wir dich in dieser Stunde unsern Herrn und Meister nennen, und in der andern dich verleugnen wollten durch schnöde Menschenfurcht oder unchrist: tiche Sitten. Behüte uns vor folchen Greueln; laß uns, göttlicher Wohlthäter! nie vergessen, was wir dir zu verdanken haben, und was wir verlieren würden durch Treulosigkeit gegen dich. Zu wem foll: ten wir gehen? wollen wir mit deinem Apo; stel rufen; du hast die Worte des ewigen Lebens; du bist der Weg zur Wahrheit und Glückseligkeit! Ewig sollst du der Gegen: stand unsrer Bewunderung, unsrer Liebe und Nachahmung seyn! Um Donnerstage in der Charwoche. Gütigster Jesus! deiner großmüthigen Liebe war es nicht genug, Mensch zu werden, 117 dann während deines Erdenlebens der Lehrerund Wohlthäter deiner Brüder zu seyn, und dich endlich für das Heil Aller unter den größten Leiden aufzuopfern; auch wolle test du nach deiner Rückkehr zu dem Vater nicht bloß durch deinen unsichtbaren Beys stand unter den Deinigen, bis ans Ende der Welt bleiben; sondern heute hast du noch vermittelst der Einsehung deines heiligsten Abendmahles die wichtige Anstalt getroffen, auf eine ganz besondere, geheimnißvolle Weise unter uns zu wohnen, deinen Leib und dein Blut uns zur Seelennahrung zu geben, uns der Gnade deines versöhnenden Todes kräftig zu versichern und immerwährend daran zu erinnern. Welchen großen, aber auch thätigen Dank sind wir dir dafür schuldig, liebster Heiland! Thuet dieß zu meinem Andenken, sprachst du zu dei; nen Freunden, als du dieses Liebesmahl stif teteft; dieß sollen und wollen auch wir thun, so oft wir der Erneuerung desselben beywohnen, oder selbst daran Theil nehmen. Wie groß, wie freudenreich und Herzerhebend sind die Erinnerungen, welche uns hier Comp 118 gegeben werden! Erinnerungen an das Da feyn einer höheren, unsichtbaren Welt, aus welcher du zu uns kamst, an die Belehrung von Gott und seinem Willen, an die Ver: gebung der Sünden und die Versicherung feiner väterlichen Huld und Liebe, an die großen Anstalten, welche der himmlische Vater durch dich zum Unterrichte, zur Bes ferung, Beruhigung und Beseligung der Menschen getroffen hat; Erinnerungen an das Licht und den Trost, an die Freude und Hoffnung, die wir aus deinem Evangelium schöpfen, an die Gnade und Wahrheit, die Tugend und den Frieden, welche du vom Himmel auf die Erde gebracht, und unter die Menschen, welche in Finsternissen und im Schatten des Todes saßen, verbreitet haft; Erinnerungen an die herrlichen Tu genden, welche wir an dir zu bewundern und nachzuahmen haben. Gieb uns die Gnade, damit diese Er: innerungen lehrreich und fruchtbringend für uns seyen, damit sie auf die Besserung und Veredlung unfres Herzens wirken, und der Genuß deines heil. Mahles uns nicht zum 119 Strafgerichte, sondern zur Befestigung im Guten und zur ewigen Seligkeit gereiche. Amen. Am Freytage in der Charwoche. Göttlicher Heiland! Im Geiste durch wandle ich heute mit dir die schwierige Bahn, welche du für unser Heil fo helden: müthig und glorreich vollendet hast; dein Bild, das Bild der reinsten Zugend und Frömmigkeit, soll lebhafter vor meinen Augen schweben; ben allem, was du lehr: test, thatest und littest, will ich dich aufmerks sam betrachten; aus dem Speisesaale zu Jerusalem,- wo du zum letzten Male mit deinen Jüngern zu Tische saßest, wie ein zärtlicher Bater ihnen noch viel Wichtiges vortrugst, sie auf deinen Abschied gefaßt machtest, und ein ewiges Denkmal der Liebe und Versöhnung stiftetest- will ich dich zum Delberge, zu den ungerechten Richtern, zum Mordhügel Golgatha, bis unter das Kreuz begleiten, alles, was da Wunder: volles geschah ,, und was du mit beyspielloser Geduld und Sanftmuth erduldetest, mit 120 stillem, theilnehmenden Gemüthe mir ver gegenwärtigen; die lekten göttlichen Reden will ich von deinem sterbenden Munde sam: meln, und durch alles dieses im Glauben an dich, als den Sohn Gottes, als den Lehrer und Erlöser der Welt, in dem Ab: scheu wider die Sünde, in der Dankbarkeit für deine wohlthätige, ewig wirksame Liebe gegen uns, in der Befolgung deiner Lehre und in der Hoffnung meines Heiles mich zu stärken suchen. Könnte ich wohl ungerührt bleiben und die Sünde noch lieben, wenn ich alles die: ses ernfilich erwäge? Die Felsen zerspran: gen ja, als du, mein Jesus, dein Haupt im Tode neigrest; die Gräber öffneten sich; die Erde bebe, die Todten gingen aus ih: rem Schooße hervor; der Vorhang des jüdischen Tempels zerriß; die Sonne ward verfinstert; es trauerte die ganze Natur; selbst der heidnische Hauptmann, welcher die Wache ben dem Kreuze hatte, gab deiner Gottheit Zeugniß, und alle Anwesenden, die zum Theil kurz vorher dich verspottet hatten, klopften an ihre Brüst, und gingen 121 som furchtsam davon: und ich, dein Schüler, der von deiner Unschuld und Göttlichkeit, von der Wahrheit und den segenreichen Fol gen deiner Lehre und deines Todes besser unterrichtet ist, ich sollte durch das rührende Schauspiel, welches dein Leben und dein Tod jedem Nachdenkenden gewährt, nicht be: wegt, mein Herz sollte bey Betrachtung der namenlosen Leiden, die du aus Liebe zu uns ertragen hast, nicht zerrissen, nicht mit Trauer über meine Sünden erfüllet, und zur Buße umgestimmet werden? det Nein, gekreuzigter Jesus! so unempfind: lich und heilsvergessen will ich nicht seyn; die Thränen, welche du noch in den letzten Tagen über das Unglück der verblendeten Juden weintest, welche deine Lehre ver: schmähten, sollen nicht auch mir gelten. Ich hère noch den schönen Ausdruck deines Mitleids:" Jerusalem! wie oft habe ich deine Kinder um mich her versammeln wollen, wie eine Henne ihre Jungen unter ihre Flügel versammelt, und du hast nicht gewollt," ich höre ihn, und wende mich vertrauensvoll zu dir. Durchdrungen von Gegenliebe, von 122 Dankbarkeit, Hoffnung, Freude und tief: ster Verehrung gegen dich, schließe ich mich an die Zahl jener Glücklichen, welche deine Gnade erleuchtet und gerühret hat. Ich glaube an dich als den uns von dem himm lischen Vater gesendeten Lehrer und barm herzigen Erretter, und folge dir, als mei nem liebreichsten Freunde und sichersten Füh rer auf dem Pfade zum ewigen Leben. Das Andenken an dein Leiden und an deinen Tod halte mich von der Sünde ab, stärke mich in der Geduld und ermuntre mich zur Stand: haftigkeit im Guten. Amen. Am Samstage in der Charwoche. Jesu! nun harrt dein heil Leichnam nach überstandinem Tode der nahen Aufer: stehung im Grabe. Wehmüthig nahen wir uns demselben mit deinen niedergeschlagenen Jüngern und den frommen Frauen, und danken dir für alle Leiden, welche du zür Rettung der Menschheit ausgestanden, und für alles Gute, welches du uns während deines irdischen Lebens erzeigt haft. Wir bitten dich, verleiß uns den Willen und die 123 Kraft, deinen Fußstapfen zu folgen, alle Hindernisse auf dem Wege der Eugend zu besiegen, und bey trener Erfüllung unsrer Pflichten das gegenwärtige Leben so zu endigen, daß uns der Tod und das Grab nicht schrecklich, sondern als ein Uebergang zu einem bessern Leben erwünschlich werde. Um dieses bitten wir dich durch dein für uns vergeßnes Blut. Amen. Opp CESMED Am Osterfeste. Anbethungswürdigster Erlöser und Herr! mit frohem Gemüthe feyern wir deine sieg reiche Auferstehung, und wünschen die Glück zum neuen Leben, in welches du heute mit göttlicher Macht und Herrlichkeit zurückge: kehret bist. Du bist nun als Sohn des ewigen Vaters der Welt dargestellt; deine Versöhnung für unsre Sünden ist für ange, nommen erklärt; die Göttlichkeit deiner Lehre ist bestätiget, unser Glaube und unsre Hoff nung befestigt; die selige Unsterblichkeit und die künftige Auferstehung unseres Leibes, hat ein sicheres Unterpfand erhalten. Sen ewig gepriesen, göttlicher Mittler! für alle diese 124 Wohlthaten! Unser ganzes Leben sey ein thätiger Dank für all das Gute, welches wir durch dich hier und in Ewigkeit genießen werden. Unterstüße uns nur mit deiner mächtigen Hülfe, damit wir ganz der Sün: de absterben und der Tugend leben. So werden wir uns zu jenen höheren Freuden vorbereiten, welche wir dereinst mit verklár: tem Leibe in dem Reiche deines Vaters ge: nießen sollen. Amen. An den Sonntagen nach Ostern. Wir wandeln, Dank sey deiner Offen: barung, o Gott! nicht mehr in der Nacht des Irrthums und der Unwissenheit; wir sind durch das Licht des Evangeliums erleuchtet. Wir wollen uns daher durch unsre Werke von denjenigen unterscheiden, welche das Unglück haben, die Wahrheit nicht zu erkennen, damit wir am Tage des Gerichts nicht weit strafbarer, als sie, befunden werden. Nur an der Liebe wird man erkennen, ob wir Schüler Jesu find. Wir wollen also fremde Fehler mit Geduld ertragen, Nie: mand beneiden, Allen Gutes thun, ohne 125 uns zu rühmen. Wir wollen nicht zornig and rachsüchtig seyn, nicht ohne Grund Boses von unsern Brüdern denfen, uns nie freuen, wenn das Laster siegt, wohl aber, wenn Recht und Wahrheit die Oberhand behalten. Wir wollen nicht Böses mit Bösem vergelten, sondern die Störer der Ruhe und Eintracht mit Sanftmuch zu ihren Pflichten zurückführen, und Stolz und Härte mit Gelassenheit ertragen. Die Kleinmüthigen wollen wir trösten, der Schwachen uns annehmen, die Frrenden belehren, Alle durch gute Beyspiele erbauen. Ein reines und aufrichtiges Herz gefällt dir, o Herr! ohne dieses ist alles andere, wodurch wir dich zu verehren glauben, eitel und unnüß; darum wollen wir unsre Leiden: schaften bezähmen, uns von allen Sünden und Lastern enthalten, dir in einfältiger, unverfälschter Gesinnung dienen, und täglich an Einsicht und Zugend zunehmen. Wir fleben im Bewußtseyn unsrer Schwäche um deinen heiligen Geist, der uns alle Wahrheit. lehre und zum Guten stärke! Amen. hus thanks 126 W In der Bittwoche. Gott, unser Vater! du änderst dich zwar nicht, wie die Menschen, sondern bist ewig und unveränderlich weise und gut; du kennest alle unfre Bedürfnisse, und bist bereit, ihnen abzuhelfen: aber du willst, daß wir dich anflehen sollen in unsrer Noth, und das findliche Vertrauen, womit wir dich anrufen, gefällt dir. Sieh, wir bitten dich in diesen Tagen ganz besonders um das Gedeihen der Feldfrüchte, um fruchtbare Witterung, um Abwendung alles Scha: dens. Wir bekennen hierdurch, daß aller Segen von dir kömmt, daß wir ihn nicht verdienen, und durch unsre Bemühung nicht herbenführen können. Erhöre unser demüthiges Gebech, und bewahre uns zu: gleich vor dem Mißbrauch deiner Gaben. Entferne was unsrer Glückseligkeit schadet, und wenn wir dich um etwas bitten, was kein wahres Gut ist; so habe Geduld mit unfrer Schwachheit, und gieb uns, was nach deiner Weisheit uns am besten ist. Amen. 127 Am Feste der Himmelfahrt unsers Herrn Jesu Christi. Jesus, mein Herr und Retter! So bist du dann zurückgegangen zu deinem und unserm Bater, nachdem du das Werk un serer Erlösung glücklich vollendet hattest. Du bist jetzt im vollen Besige deiner Herr: lichkeit bey dem Bater, herrscheft mit gött: licher Gewalt über die ganze Welt, und erfreuest, als Oberhaupt der christlichen Kirche, deine Berehrer mit deinem Beis stande und Segen. Laß auch uns die Kraft deiner göttlichen Regierung empfinden. Er hebe unsre Herzen von den niederen Küsten dieser Erde, und richte unsern Blick zum Himmel einpor, wo wir einst an deiner Se: ligkeit Theil nehmen sollen Gieb, daß wir uns nie durch schädliche und unedle Gedan: ten, Begierden und Handlungen dieser ho hen Bestimmung unwürdig machen, sondern daß wir durch eine genaue und standhafte Befolgung deiner Vorschriften zu dir gelan gen, der du lebst und regierst mit dem Va ter und heil. Geist gleicher Gott in Ewigkeit. Amen. 128 Am Pfingstfeste. Göttlicher Geist! der du heute nach der Verheißung Jesu über dessen Jünger hérab: gekommen bist, und ihnen deine himmlischen Gaben in vollem Maße mitgetheilet hast, um durch sie Erleuchtung und Wahrheit in die Welt zu bringen, die Lehre und Ue: bung der Tugend unter den Menschen zu verbreiten, und Irrthum und Sünde zu verbannen, wir danken dir für die Grün dung und Ausbreitung der christlichen Kirche, welche dein Werk ist, und für die Gnade, welche du schon in der Taufe und Firmung in unsre Herzen ausgegossen hast; wir bit: ten dich, erleuchte unsern Verstand, und reinige unser Herz von allem Bösen; komm deinen schwachen Kindern zu Hülfe, damit wir in dem schweren Kampf der Tugend standhaft aushalten und freudig siegen; erweitere täglich unsre Einsichten, lehre uns die Wahrheit; entferne alle Hindernisse wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit; fchenfe uns jenen Trost und Frieden der Seele, welchen die Welt nicht geben kann, und verleihe uns Much und Kraft, unfre 129 Religion, wie die ersten Gläubigen, unere schrocken zu bekennen und ihre Vorschriften genau zu befolgen. Amen. Am Feste der allerheiligsten Dreneinigkeit. Vollkommenstes, unerreichbares Wesen, dreneiniger Gott! wir waren kaum geboren, als wir auf den Glauben an dich, den Vater, Sohn und beiligen Geist getaufet, zu deiner Verehrung eingeweiht, und deiner gnadenreichen Liebe versichert wurden. Diesen Glauben haben uns Jesus und seine Apostel gelehrt; und obschon wir deine Natur und Größe nicht fassen, so erkennen wir dich doch aus deinen Werken, und wissen aus deiner Offenbarung, wer du gegen uns bist. Ewiger Vater, wir erkennen und bethen dich an, als den Ursprung aller Dinge, als den Schöpfer, Erhalter und Regierer der ganzen Welt, die von deiner Herrlichkeit wiederstrahlt; von deinen Wohl thaten umgeben, erheben wir zu dir unser Gemüth als dankbare Kinder, die du zue I 130 Eugend und Glückseligkeit bestimmet haft, die du leitest durch die weißesten Anstalten und heiligsten Gefeße, damit sie dir ähnlich werden in diesem und jenem Leben. Ewiger Sohn des ewigen Va ters! Lehrer und Erlöser des Menschen: geschlechts wir bethen dich an, gleich dem Bater, als unsern Herrn und Gott, und danken die für die unaussprechliche Liebe, welche dich antrieb, unfer Bruder und Retter zu werden. Heiliger Geist, auch dich bethen wir an, der du eins bist mit dem Vater und Sohne, und von beiden ausgehst, uns alle Wahrheit lehrest, zur Tugend heiligest und zum Ziele unsrer Bestimmung führest. Dreyeiniger Gott! wir bethen dich an im lebendigen Gefühle deiner Größe und unsrer Beschränktheit, und erneuern heute, was wir in der Taufe angelobet haben- in Wahrheit zu seyn Kinder und Erben Gottes, des Vaters, Brüder und Miters ben Jesu, seines Sohnes, und Wohnungen des heiligen Geistes. Durch Liebe zu dir und zu allen Menschen zeige sich unser Danf 151 gegen dich; Friede und Eintracht sen die Nachahmung deines untrennbaren Wesens, und Wohlthätigkeit mit reinem Herzen die Anbethung, die wir, deine Kinder, die dar bringen. Amen. Am Feste des Frohnleichnams unsers Herrn Jesu Christi. Göttlicher Freund und Wohlthäter, Jesus Christus! du hast durch die Einsegung des allerheiligsten Altarsfacraments ein Denkmal deines Leidens und deiner Liebe unter uns gestiftet. Mit lebendigem Glauben bethen wir dich in diesem wunderbaren Geheim nisse an, als unsern Gott und Retter, und danken dir für alles, was du für uns ge than und gelitten haft. Wir erinnern uns hier an deine Erhren und Beyspicle, und an das kostbare Opfer, mit welchem du den neuen Bund bestätiger und eine bessere Res ligion gegründer hast. Wir schwören dir von neuem den Eid der Treue, und erneuern den Vorsatz, dir zu folgen. Stärke uns durch das Geheimniß deines Leibes und Blutes; laß uns die Früchte deiner Erlö 32 152 fung ganz zu Theil werden, und führe uns auf dem schlüpfrigen Pfade unsrer irdischen Wanderschaft zur seligen Unsterblichkeit, wo wir dich im Glanze der Gottheit sehen und anbethen werden, den wir unter den Gestalten des Brods und Weins mit glâu. biger Seele so oft verehrt und genossen ha ben. Amen. Un den Sonntagen nach Pfingsten. Dank, ewiger Dank sen dir gesagt, o Gott! für die erhabene, liebenswürdige und beseligende Religion, welche du uns durch Jesus, deinen Sohn, haft verkündigen lassen. Durch sie wird das Licht der Wahr heit über unsern Berstand verbreitet; durch fie lernen wir lieben, was gut ist, und durch sie erhalten wir Muth und Kraft zur Erfüllung unsrer Pflichten. Die Religion Jesu hat uns dich kennen gelehrt, himmlischer Vater! sie hat uns in unsern Neben: menschen unsere Brüder und deine Kinder gezeigt; sie hat uns von der Vortrefflichkeit der Tugend und von ihrem Einflusse auf unfre Wohlfahrt unterrichtet; sie ist uns 133 eine Quelle der Beruhigung, eine Schule de Beisheit, eine Führerin zur Glückselig: keit geworden. Allein wie leicht können wir uns von dem Wege der. Tugend und des Heiles entfernen, wenn du, o Gott, uns nicht unterstüßest durch deine mächtige Hülfe! Verlaß uns daher nicht, Vater der Erbarmnisse! gieb, daß uns das Gefühl unsers Unvermögens zur Wachsamkeit und zum Verlangen nach höherem Beystand an treibe. Laß die unzähligen Wohlthaten, die wir täglich aus deiner Baterhand empfangen, uns an deine unsichtbar wirkende Gegenwart, an die Pflichten der Dankbarkeit und an dein heiliges Gesetz erinnern. Laß auch in trüben Stunden unser Vertrauen auf dich nicht wanken. Laß uns nie deiner Güte vergessen; laß uns die Wohlthat deiner hei: ligen Religion ganz empfinden. Laß uns die Wahrheit und Tugend redlich suchen, unsern Brüdern nach dem Maße unsrer Kräfte Gutes thun, unsre Fehler verbessern, unsre Leidenschaften beherrschen, unsre Pflich ten treu und freudig erfüllen, und durch unermüdetes Streben nach Weisheit und anome 134 Rechtschaffenheit deiner Liebe und Seligkeit würdig werden. Durch Christus unsern Herrn. Amen. Agen Gebethe an den Festtagen Mariens. Am Feste der Empfängniß Mariens: Seligste Jungfrau! wir preisen heute die göttliche Gnade, welche dich vom ersten Augenblicke deines Lebens erfüllet, und zur hohen Würde einer Mutter des Welterld: fers vorbereitet hat. Du bist die Gesegnete unter allen deines Geschlechtes; groß und wunderbar sind die Beweise der Huld, welche der Herr dir, und durch dich dem ganzen menschlichen Geschlechte gegeben hat; groß und nachahmungswürdig sind aber auch die Tugenden, wodurch du dich vor allen andern ausgezeichnet, und der göttlichen Gnade entsprochen hast. Du bist uns das untadelhafte Muster eines fittsamen, schamhaften und keuschen Wandels. Deine Unschuld und Demuth, deine Eingezogenheit, deine Liebe zu stiller 135 Einsamkeit, zur Betrachtung und zum Ge bethe, deine Aemsigkeit in häuslichen Arbei ten mit stetem Hinblick auf Gott, dein acht fames Bestreben, deine frommen Eltern zu unterstüßen und zu erfreuen, deine Sorgfalt, die Lehren wahrer Weisheit zu sammeln und im Herzen zu bewahren, und dich gegen Jedermann bescheiden, gefällig und dienstfertig zu benehmen, alle diese schönen Tus genden sollen uns, und besonders dem jünz geren Geschlechte, vor Augen schweben. An der Seite deines geliebten rechtschaffe nen Joseph, gabst du ein belehrendes Beyz spiel, wie Eheleute sich einer anständigen Hauslichkeit und Ordnung befleißen, gutes Einverständniß und Frieden unterhalten, in ehlicher Treue und Liebe verharren, und Freuden und Leiden des Lebens mit einander theilen sollen. Als Mutter lernen wir von die, wie Eltern für ihre Kinder zu sorgen haben. Mit der liebevollsten und gewissenhaftesten Zärtlichkeit hast du den kleinen Jesus gepfles get, genährt, beschüßet und erzogen; und wie groß war deine Freude, als dieser 136 Liebling deines Herzens, wie an Alter, so an Weisheit und Liebenswürdigkeit zunahm ben Gott und den Menschen! * Bitt für uns, heilige Jungfrau! damit das Andenken an dich und deinen göttlichen Sohn für uns gesegnet sen, damit wir, durch seine Gnade gereinigt und gestärket, in deine Fußstapfen treten und zur ewigen Seligkeit gelangen. Amen. Am Feste der Geburt Mariens. Wir bitten dich, o Gott! verleih uns deine Gnade, damit die Feyer der Geburt der feligsten Jungfrau Maria unser Wachs: thum im Guten befördere und uns zur ewi gen Seligkeit gereiche, wie uns ihre Empfäng niß der Anfang des Heiles gewesen ist. Wir bitten dich darum durch Jesus Christus, deinen eingebohrnen Sohn unsern Herrn, der mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Wir erinnern uns heute an den frohen Zeitpunct, wo du, o Herr! mit Maria, diesem edlen und heiligen Kinde, dessen 137 frommen Eltern beglücket hast, und denken zugleich an ihre große Sorgfalt für die beste Erziehung desselben. Möchten doch alle Väter und Mütter dieses Beyspiel ge treulich nachahmen! Allgütiger! wir bitten dich, verleih allen christlichen Eltern Weis: heit und Ernst, ihre Kinder gut zu erziehen, und deine liebevollen Absichten redlich zu befördern zu ihrem und der Welt Besten. Erwecke ihren Eifer, daß sie denselben früh zeitig Ehrfurcht, Dankbarkeit, Liebe, Zuver: sicht und Folgsamkeit gegen dich, ihren lieben Bater im Himmel, einfloßen, sie in allem Guten unterrichten und zur Uebung desselben angewöhnen, daß sie nicht nur für ihre Ges fundheit und leibliche Wohlfahrt, sondern auch und vorzüglich für ihre Unschuld und Tugend wachen, und ihnen stets durch gute Beyspiele vorleuchten. B Leite aber auch alle Kinder, daß sie, wie Maria, den Lehren und Ermahnungen ihrer Eltern und Vorgesetzten genau folgen, da: durch ihnen ihre Mühe und Sorgfalt vere gelten, und so beyden zusammen die Hoffnung ಮ 138 gesichert werde, sich in Zeit und Ewigkeit mit einander zu freuen. Amen. Am Feste der Berkündigung Mariens. Barmherziger Gott! Am heutigen Tage ließest du deine Berheißung, dem gefallenen Menschengeschlechte einen Erretter zu sen den, in Erfüllung gehen, und deinen ewigen Sohn zum Heile desselben die menschliche Natur im Schooße Mariens, der reinsten Jungfrau, annehmen. Wir danken dir von ganzem Herzen für diese gnadenreiche Ans fialt, und preisen, frohlockend, wie einst Maria, die Größe deiner Erbarmungen gegen uns. Zugleich erbauen wir uns an der jung fráulichen Schaamhaftigkeit und tiefen Des muth, mit welcher sie, deine getreue Die: nerin, die Verkündigung dieses großen Ge heimnisses vernahm, und überhaupt an den herrlichen Zugenden, wodurch sie sich wür dig machte, die Mutter unsers Erlösers zu werden. Laß uns, o Gott, so glaubig, so demüthig, so gehorsam, so liebevoll, so 139- bescheiden und eingezogen, so geduldig und dmsig in Erfüllung unsrer Standespflichten seyn, wie Maria war; laß uns, wie sie, im Stillen Gutes wirken, auch unbemerkt und unbelohnt von der Welt, dir treu verbleiben, uns im Glücke nicht erheben und im Unglücke nicht kleinmüthig werden, son: dern stets deiner eingedenk seyn, und fest auf dich vertrauen: dann werden wir, wie Maria, dir wohlgefallen, und einst an ihrer Herrlichkeit Theil nehmen. Amen. Am Feste der Heimsuchung Mariens. Holde Jungfrau! du willst keine andere Verehrung von uns Menschen, als eine solche, welche uns nüglich und Gott gefällig ist. Durch treue Nachahmung deiner Tugend: benspiele können wir dich also am würdigsten ehren. Wir wollen daher heute die heilige Eiffertigkeit erwägen, womit du die beschwer: liche Reise über das Gebirg zu deiner Baase Elisabeth unternimmst, um deine Freude über die göttlichen Rathschlüsse zum Heile der Welt mit ihr zu theilen, dein und ihr Glück demüthig zu preisen, und ihr bereit: 140 willig zu dienen. O möchten doch alle unfre Befache mit eben so guten Absichten unter: nommen, und durch eben so fromme Gesin: nungen und Handlungen geheiliget werden! Bewahre uns o Herr! vor jenen fündhaften Leidenschaften, deren Befriedigung man oft in den Gesellschaften sucht; regiere unfre Zunge, daß sie nur Gutes und Erbauliches rede, und erwärme unser Herz durch auf richtige Liebe zu dir und unsern Mitmen: schen, damit, wie bey Maria und Elisabeth, unsre Zusammenkünfte Beförderungsmittel der Tugend und Gelegenheiten werden, An deren zu nüßen. Ersticke in uns alle Ei genliebe, allen Hochmuth, alle feindselige, und unordentliche Neigungen, wodurch das gesellige Vergnügen so oft gestört und mife braucht wird, und laß uns den Umgang mit Menschen nur aus dem edlen Berlangen suchen, dadurch vollkommner zu werden, und ihn nie so genießen, daß wir uns vorzuwer: fen haben, dadurch schlechter, oder Anderen zum ergernisse geworden zu seyn. Amen. 141 : Am Feste der Reinigung Mariens. Mutter unsers Herrn Jesu Christi! wie ehr und nachahmungswürdig erscheinst du uns wieder an deinem heutigen Gedächtniße tage! Kaum hast du ihn der Welt geboh ren, so eilest du in den Tempel, um dein Lob und Dankgebeth und das göttliche Kind selbst deinem und seinem Vater im Himmel zur angenehmen Gabe Sarzubringen, und durch treue Entrichtung des Armenopfers der gesetzlichen Vorschrift zu gehorchen. Dort trittst du zwar in die Reihe gemeiner Frauen; aber der alte fromme Simeon und die gottesfürchtige Anna verehren in dir die Mutter unsers Erlösers, und sagen dir über dessen Bestimmung geheimnißvolle Wahrheiten, welche du tief zu Herzen nimmst. Gung unuta exad Wir wollen, wie du, heilige Jungfrau! auf das Gute, welches uns Gott schenkt, aufmerksam seyn, und ihm dafür nicht nur heimlich, sondern auch öffentlich in den Tempel, bey der Versammlung der Christen, Dank sagen. Die Eltern sollen ihre Kine der, und wir alle uns dem himmlischen Vater 142 als Eigenthum hingeben. Wie du, wol len wir gehorchen den Vorschriften, die uns Gott sowohl durch seinen Sohn im Evans gelium, als auch durch obrigkeitliche Gesehe fund macht, und gewissenhaft einem jeden entrichten, geben, leisten und lassen, was wir ihm schuldig sind. Dies russt du uns, wie ehemals den Dienern bey der Hochzeit zu Kana, mit den Worten zu: Alles, war er, Jesus, mein Sohn, euch sagt, das thuet. Dies soll unser eifrigstes Bestreben und die Frucht unsrer heutigen Andacht seyn. Liebste Mutter Maria! bitte eben diesen deinen Sohn für uns, daß er uns seinen Segen dazu verleihe. Amen. Am Feste der Himmelfahrt Mariens.. Seligste Jungfrau, Mutter unsers götte lichen Erlöfers! wir freuen uns über deine Erhebung zur Herrlichkeit des Himmels, und verehren mit kindlicher Liebe die großen Tus genden, wodurch du dir den Weg dahin gebahnet hast. Viel hast du erduldet wäh rend deines Erdenlebens. Zu Bethlehem war für dich und das göttliche Kind nicht 145 ASD einmal eine anständige Herberge. -Bald darauf mußtest du mit ihm nach Wegypten flüchten, um es vor den Nachstellungen des Herodes zu sichern. Drey Tage suchtest du deinen geliebten Jesus mit Schmerzen, als er im Tempel zurückgeblieben war.- Avm und unangesehen, lebtest du mit ihm zu Nazareth, und erwarbst dir mit Joseph den nöthigen Unterhalt durch harte Arbeit. Jesus gieng umber und that Allen wohl, und doch würde er verachtet, verleumdet und verfolgt; was littest du nicht dabey!-- Simeon hatte dir vorhergesagt, daß er Wir derspruch erfahren, und ein Schwert dein Herz durchdringen werde; dieß gieng nun in Erfüllung; Jesus, dein Sohn, wurde wie ein Verbrecher behandelt, zum schmähe lichsten Tode verurtheilt, und du, betrübte Mutter,- standst unter dem Kreuze, an welchem er, beschimpft und verhöhnt, sein Leben verblutete. Wo ist wohl ein Schmerz, der diesem gleich käme! Aber dies alles hast du, siarkmüthige Jungfrau! im Vertrauen auf den himmlis schen Bater, mit standhafter Geduld ertra: - 144 gen; und nun besigest du den unsterblichen Lohn deiner erhabenen Tugend. Dieser Ulebergang vom Leiden zur ewigen Freude ist auch uns von deinem göttlichen Sohne verheißen. Auf ihn, den großen Lehrer der Wahrheit, den Mann der Schmer: zen, und das vollkommenste Muster der Heiz ligkeit sey daher zuerst unser Blick gerichtet, und dann auf dich, du treueste Befolgerin seiner Lehren und Beyspiele! Du zeigest uns, wie, wir ihm dhnlich und wohlgefällig werden können, durch lebendigen Glauben, durch unerschütterliches Vertrauen, durch thårige Liebe, durch reinen Wandel, durch treue Erfüllung unsrer Standespflichten. Erflehe uns biezu den göttlichen Beystand, damit wir würdig werden der Verheißungen Christi, deines Sohnes. Amen. 145 Gebethe an den Festtagen der Apostel und anderer Heiligen. Am Feste des heil. Apostels Andreas. Göttlicher Stifter unsrer heiligsten Relie gion! der du den Apostel Andreas erwählt haft, die freudige Bothschaft deiner Lehre zu verkündigen, verleih uns auf seine Fürs bitte die Gnade, daß wir dir eben so willig folgen, eben so fest an dich glauben, und mit eben dem freudigen Gehorsam den Wil len deines Vaters erfüllen, wie er gethan hat, und unsre Laufbahn, so wie er, in Demuth, Geduld, Arbeitsamkeit und Liebe felig vollenden. Amen. Am Feste des heil. Apostels Thomas. Jefus deine Liebe ist unermeßlich, wie deine Weisheit. Thomas glaubte der Nach: richt von deiner Auferstehung nicht, und dennoch fand er Gnade. Du erschienst ihm, wie er verlangt hatte, gabst ihm eine lieb, reiche Warnung, und ließest seinem Unglau ben darum den vollen Lauf, damit wir das durch im Glauben an dich gestärket würden, 146 Wohl denen, die nicht gesehen haben, und doch glauben, sagtest du zu unsrer Aufmun terung; und wie wichtige Gründe haben wir nicht, ohne Furcht und mit Freuden zu bekennen, daß du unser Gott und Herr bist! Laß uns in diesem Glauben dir wohlgefällig leben und sterben. Amen. Um Feste des heil. Stephanus. Herr Jesus! bein Diener Stephanus hat seinen Glauben an dich mit seinem Blute versiegelt; er ist, wie du, für die Wahrheit gestorben, und hat sterbend, wie du, für seine Feinde gebethen. Verleih uns durch seine Fürbitte die Gnade, daß wir die Wahrheit mit eben der festen Ueber: zeugung einsehen, und mit eben der standhaften Unerschrockenheit bekennen, wie Ste: phanus sie eingesehen und bekannt hat, und daß wir für deinen heiligen Namen und für die Tugend eben so willig leiden, und unfre Feinde eben so brüderlich lieben, wie gelitten und geliebt hat Stephanus, der for gar in der Stunde des Todes für seine Mörder um Vergebung und Erbarmen zu dir flehte. Amen. 147 Am Feste des heil. Evangelisten Johannes. BUD qem O Gott! der du das Geboth der Näche stenliebe nirgends deutlicher und nachdrücklicher haft predigen lassen, als in dem Evans gelium des liebenden und geliebten Jüngers Johannes; wir bitten dich um deine Gnade, damit wir, den Lehren desselben gemäß, in der Bruderliebe wandeln, gütig, barmher: zig und wohlthätig gegen einander seyen, selbst denen, die uns Böses erweisen, Gu tes erzeigen, und Niemand von unsern Wohlthaten ausschließen, so wie auch du, o Bater im Himmel! die Bösen wie die Guten an dem Ausflusse deiner unbegrenzten Liebe Theil nehmen läsfest. Auch da, wo uns kein zeitlicher Vortheil treibt; auch da, wo wir unsre eigenen Vortheile aufopfern müssen, soll unsee Liebe gegen Hilfsbedürf tige thátig und großmüthig seyn; und keine Mühe, keine Beleidigung, kein Undank soll sie schwächen. An diesen ehrwürdigen Zeis chen der Bruderliebe, soll die Welt erkennen, daß wir Schüler Jefu sind. Beseele uns, o Gott! allezeit mit dem Geiste dieser Liebe. Amen. ako 148 Um Feste des heiligen Apostels Matthias. Gütigster Vater! der du allen denen, welche mit kindlichem Vertrauen zu dir fle hen, zu helfen bereit bist; verleih uns durch die Fürbitte deines Apostels Matthias die Gnade, daß wir deinen heiligsten Willen vedlich erforschen, und unsere Bedürfnisse in vertrauensvollem Gebethe dir vortragen. Denn wir wissen, daß du unsre Aufrichtig: keit nicht unbelohnt, und unsre guten Wün sche nicht unerfüllt läsfest; daß du Alles zu unserm Besten lenkest, und unsre Leiden nur duldest, um uns zu prüfen, auf unsre Fehler uns aufmerksam und für größere Wohlthaten uns empfänglich zu machen, und zu jener höhern Seligkeit vorzubereiten, welche der Zweck unsrer Schöpfung, das Ziel unsrer Hoffnungen und die Krone der bewährten Jugend ist. Amen. Am Feste des heiligen Joseph. Vater der Menschen! wunderbar und liebevoll leitest du die Sterblichen. Wohl denen, die sich deiner Führung überlassen! 149 Oft läsfest du deine treuesten Diener in ein Angstgedränge kommen; aber deine Hülfe ist ihnen nahe. So geschah es auch dem gerechten und frommen Joseph; aber fein Vertrauen auf dich hat ihn verherrlichet. Gieb, daß wir, wie er, in Einfalt. des Herzens, deinen Willen, o Gott! treu und redlich erfüllen, daß, wenn unverschuldete Leiden uns treffen, oder unsre Nebemuen schen, selbst unsre Freunde und Anverwandte uns fränken, wir an das Beyspiel Josephs denken, und mit Ergebung in deine weise Fügungen uns in der Nächstenliebe and in allen jenen Tugenden üben, die ihn so groß, so liebenswürdig und glorreich gemacht ha ben, und daß auch einst unser, Tod, dem feinigen ähnlich werde. Amen. ADRAT Am Feste des heiligen Marcus. Gott, wie väterlich sorgest du für deine Kinder! Du ließeft die wohtthätige, Lehre des Evangeliums nicht nur durch deinen Sohn auf Erden verkündigen, und durch die Apostel in allen Theilen der Welt vers breiten; sondern du wolltest auch, daß ſie 150 durch deine heiligen Evangeliften aufgezeich: net und schriftlich bis ans Ende der Welt fortgepflanzet würde. Dankbar erkenne ich, o Herr! deine Gute, die mir so viele Mit tel an die Hand giebt, die Wahrheit zu erkennen und an meiner Besserung zu arbei ten. Aber wie stráflich würde ich vor dir fenn, wenn diese Gnadenmittel von mir unbenußet, und dein Evangelium von mir unbeachtet bliebe? Nein, nimmermehr werde ich mich dieser schåndlichen Gleichgültigkeit gegen die Wahrheit schuldig machen. Ich will dein Wort öfters verkündigen hören; ich will dein Evangelium mit wißbegierigem Herzen lesen, und mich oft prüfen, ob ich den christlichen Glauben, den ich bekenne, auch durch Werke beurkunde. Erleuchte, himmlischer Bater! heilige und stärke die Verkündiger des Evangeliums, daß sie dein Wort mit Weisheit und Nachdruck predigen und guten Samen ausstreuen. Erleuchte und reinige auch uns, daß der Same deines Wortes auf einen guten Grund falle, und hundertfältige Früchte bringe, daß die Er wägung der Wahrheiten und Lehren deines G 151 heiligen Evangeliums unsern Verstand un terrichte, unser Herz bessere, gute Vorsäge in uns erzeuge, füßen Trost uns mittheile, und Lust und Kraft zu einem unsträflichen. Wandet uns einflöße. Amen. Um Feste der heiligen Apostel Philipp und Jacob. Liebvollster Heiland, der du uns durch, die Bemühungen deiner Apostel zur Erkennt: niß der Wahrheit und zur Liebe des Guten gebracht hast, laß uns empfinden, was sie zu unserm Besten gethan haben; laß uns. ihre Lehre befolgen und ihre Beyspiele nach ahmen. Durch deine Gnade werden wir eben so warme Freunde der Tugend seyn, fremden Rath eben so willig anhören, fremde Einsichten eben so gern benußen, und von stolzem Vertrauen auf uns selbst eben so entfernt seyn, als es Philippus war. Durch deinen Beystand werden wir eben so futsam, mäßig und gerecht, eben so thätig in guten Werken, eben so standhaft in Bekenntniß der Wahrheit, eben so menschenfreundlich und gegen Feinde eben so liebevoll seyn, als 152 es Jacobus war. Mit deiner Hülfe, um die wir bitten, wollen wir, wie deine Apo: fitel, im Dienste der Wahrheit lieber das Leben aufopfern, als dein wohlthätiges Geset übertreten. Amen. Am Feste des heiligen Apostels Barnabas. Du warest es, o Herr, der den Barna: bas zum Apostelamte gerufen hat. Du leg: test ihm den edlen Vorsaß ins Herz, seinem Vermögen aus Liebe für die Wahrheit zu entsagen. Du wiesest ihm den Paulus zum Gefährten an, schicktest ihn unter die Hei den, dein Wort zu verkündigen, und gabst ihm Weisheit und Unerschrockenheit im Be kenntnisse deiner Lehre, Standhaftigkeit in Erduldung der größten Verfolgungen und Großmuch, sein Leben für dich aufzuopfern. Erwecke auch in uns, liebvollster Heiland! den Geist deiner Apostel, damit wir, wie sie, nicht kleinmüthig im Leiden, nicht muth: los in Arbeiten, und nicht furchtsam in Verkündigung der Wahrheit seyen. Dann werden wir die Krone erringen, die du 155 jenen, welche dich lieben, versprochen hast. Amen. Am Feste des heiligen Johannes des Täufers. Jesu, der du deinen Vorläufer Jo hannes mit dem Geiste der Demuth, der Treue, der Standhaftigkeit und mit war: mem Eifer für die Wahrheit ausgerüstet hast! gieb, daß wir seine Tugend nachah: men. Du hast ihn erleuchtet, daß er dich erkannte, erleuchte auch uns, damit wir in der Erkenntniß deines Gesetzes immer größere Fortschritte machen. Vor dir, Heiland der Welt! hat sich dein Abgesandter tief ernie, drigt; laß auch uns unsre Schwachheit und Abhängigkeit von dir erkennen, damit wir im Bertrauen auf deine Allmacht und Güte gestärkt werden. Dein Bothe Johannes freute sich deiner Ankunft, so sehr auch er selbst dadurch verdunkelt wurde; gieb auch uns diese reine Freude, daß uns nichts lieber sey, als die Berherrlichung deines Namens. Und wenn uns auch das Bekennt: niß der Wahrheit Feinde zuzöge, so foll 154 uns das Benspiel des Johannes, der fein Leben dafür hingab, jur Standhaftigkeit ermuntern, besonders da er uns beständig auf dich hindeutet, göttlicher Lehrer! der du felbst für die Verbreitung der Wahrheit lebtest, lehrtest, littest und starbst, und noch am Kreuze für Undankbare, für Verfolger, für Mörder bathest. Amen. G - Am Feste der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Göttlicher Heiland! der du zur Fortpflan: zung deiner Lehre die Apostel, und besonders den Petrus und Paulus auserlesen, und uns in ihrem Lebenswandel Beyspiele wahrer Seelengröße, reiner Wahrheitsliebe, stand: hafter Berufstreue und rastloser Thätigkeit für Menschenwohl gegeben hast, verleih uns deinen Beystand, damit wir ihre Lehre befol gen und ihre Tugenden nachahmen. Gieb uns jene Gelehrigkeit und jenen Durst nach Wahrheit, jene Herzensgüte, jenen Eifer für die Tugend und deine Ehre, jenen sanf: ten, menschenfreundlichen Sinn, jene aus: dauernde Geduld, und jene feurige und feste QUIAGE 155 - Entschlossenheit zu jedem guten Werke, welche wir an ihnen bewundern. Gieb, daß das Beyspiel des gefallenen Petrus uns mit unfrer Schwachheit bekannt mache, und sein nachher verdoppelter Eifer uns belehre, wie wir unsre Fehltritte wieder gut machen follen; und laß die Bekehrung des Paulus, der vorher deine Kirche verfolgte, uns zum Vertrauen auf deine barmherzige Liebe, zum Danke für unsre Erleuchtung, und zum Gebethe für die Gegner deines Evangeliums aufmuntern. Umen, Am Feste des andern Apostels Jacobus. Jesus! der du durch deine Apostel das Reich der Wahrheit und der Tugend unter den Menschen hast verbreiten lassen, gieb, daß auch wir nach Kräften für die Beförs derung deiner heiligen Religion arbeiten; laß uns aber daben auf keine Mittel vers fallen, die, wie du einst den Jacobus und Johannes belehrtest, mit der Liebe sich nicht vertragen; verleih uns jene Sanftmuth, welche das Kennzeichen deiner wahren - 136 Junger ist. Laß uns nicht stolz auf unsern Glauben und unsre Religionseinsichten wer: den; stärke uns in der Ueberzeugung, daß wir nicht durch diese Einsichten, sondern durch Tugend und Rechtschaffenheit, und durch Wohlwollen gegen alle Menschen uns als ächte Christen zeigen können. Amen. Am Feste des heiligen Apostels Bartholomäus. Gütigster Gott! laß das Andenken an deine Apostel uns erinuntern, der Lehre dei: nes Sohnes durch Unterricht und Beyspiel den Weg zu bahnen, und sie durch gute Werke Jedermann anzuempfehlen. Was würde mir die Verehrung der Apostel nüßen, wenn ich die Lehre, für die sie Alles thaten und dahingaben, nicht so hoch schäßte, daß ich sie mir tief einprágte und zur Richtschnur meines Lebens dienen ließe? Ja, dieß will ich, o Gott! ich will mich mit den Lehren deiner heiligen Religion täglich bekannter machen, und die Anleitung zur Tugend, die uns Jefus und seine Apostel durch Worte und Benspiele gegeben haben, befolgen. 1571 Verleih mir Kräfte dazu, gütigster Vater! durch Jesus Christus deinen Sohn. Amen. Am Feste des heiligen Apostels Matthäus. Göttlicher Lehrer der Wahrheit, Jesus Christus! der du den heiligen Matthäus vom Zollstocke zum Apostelamie berufen und zur Ausführung deiner großen und menschen freundlichen Absichten ausersehen hast, vers leihe mir die Gnade, daß ich seine Wahrs heitsliebe und Folgsamkeit, seinen Eifer für Gott und die Zugend, seine Thätigkeit, Standhaftigkeit und Berufstrene nachahme, damit ich auch seiner Glückseligkeit einst theilhaftig werde. Gieb, daß ich die Lehren, welche er uns schriftlich hinterlassen hat, aufs deutlichste mir bekannt mache, und mich fest überzeuge, daß nur in ihrer Be folgung wahres Heil zu finden sey; denn du allein, o Jesus! bist der Weg zur Seligkeit; du bist das Leben und die Wahrs heit, und Niemand kommt jum Bater, als durch dich. Amen. 158 cormche Am Feste des heiligen Michael und aller heiligen Engel. Gott! der du dich der Engel bedienest, deinen heiligsten Willen zu vollziehen, und sie zum Dienste derjenigen sendest, de nen Hülfe oder Rettung widerfahren soll; gieb, daß auch wir kein angenehmeres Geschäft auf Erden haben, als deinen Willen zu thun, deine Gebothe zu halten, und unsern Nebenmenschen Hülfe und Beystand zu leisten, damit wir dich dereinst in alle Ewigkeit mit deinen Engeln und Heiligen loben und preisen mögen. Amen. Am Feste des heil. Evangelisten Lucas. Wir danken dir, o Gott! der du die beglückende Lehre Jesu durch die heiligen Evangelisten haft aufzeichnen lassen, und bitten dich um deinen Beystand, damit wir genau darnach leben. Auch ihr empfanget unsern Dank, ihr großen Lehrer des Chri stenthums! Durch euch sind wir des helle: ren und sanfteren Lichtes der göttlichen Offene barung theilhaftig geworden. So oft wir 159 an die Vortheile des Christenthums denken, wollen wir uns auch an euch als unsere Wohlthäter erinnern, und uns durch Be trachtung eures Beyspiels im Glauben und in der Tugend stärken. Bitter Gott mit uns um seine Gnade hierzu! Amen. Am Feste der heiligen Apostel Simon und Judas. Jesus, du Lehrer der Menschen! der du die heil. Simon und Judas aus der Zahl deiner übrigen Jünger zum genaueren Umgang mit dir, und zur weiteren Fortse: kung deines großen und göttlichen Werkes der Menschenbeglückung auserlefen haft; gieb mir ein gelehriges, menschenfreundliches Herz, damit ich zur Ausführung gottgefällis ger und gemeinnüßiger Absichten geschickt werde, und, wie deine Apostel, keine Ge legenheit vernachlässige, dein Reich auf Erden zu erweitern, Irrthümer, Laster und Aber: glauben auszurotten, und mich zum Besike des himmlischen Reiches vorzubereiten. Umen. 160 Am Feste des heiligen Bonifacius. 913 O Gott! der du durch die rastlosen Be mühungen des heiligen Bischofs und Mars tyrers Bonifacius eine Menge BVölker zur Erkenntniß deiner Offenbarung gebracht, und besonders unserm Fuldaischen Vater: lande die größten Wohlthaten erwiesen hast: wir danken dir für deine erbarmungsvolle Güte, und bitten dich demüthig, erhalte unter uns das Licht des Glaubens, welches dieser unerschrockne Verkündiger deines Namens unsern Boreltern zuerst angezündet hat, und laß uns, stets eingedenk seines Eifers für deine Ehre und für das Wohl seiner Brüder, niemals in die Finsternisse heidnischer Irrthümer und Laster zurückfals len, sondern würdige Früchte des von ihm ausgestreuten guten Samens bringen, im Vertrauen auf dich alle Schwierigkeiten auf dem Wege des Heiles überwinden, und, wie er, für die Wahrheit und für die Ret tung unsrer Mitmenschen selbst den Tod nicht scheuen, der ja für deine Freunde nur ein Uebergang zum bessern Leben ist. Amen. moo 161 h Um Feste des heiligen Sturmius. O Gott! Wie lehrreich ist für uns die Geschichte des heiligen Abtes Sturmius, dessen Erscheinung und wohlthätige Wirk famkeit im öden Buchenlande wir deiner gütigen Fürsicht verdanken! Durch unschul dige Sitten und aus deinem heiligen Worte geschöpfte Weisheit hat er sich vor allen seinen Mitbrüdern ausgezeichnet, und unter der Leitung deines treuen Apostels Bonit fazius um die geistliche und leibliche Wohls fahrt unsrer Voreltern und der benachbars ten Völker sich große Verdienste erworben. Er hat bewiesen, wie glücklich, wie liebenss werth, wie zufrieden und nüklich deine Res ligion ihre Bekenner macht. Gieb uns die Gnade, daß wir nicht müßige Bewunderer, sondern thätige Nachahmer seiner Tugenden seyen, und durch Gebeth, Betrachtung und Selbstbeherrschung uns in den Stand feßen, wie Sturmius recht viel Gutes auf der Welt zu stiften.. Amen. 162 Am Feste des heiligen Blasius. Großer Gott! wir verherrlichen dich heute an dem Gedächtnißtage des heiligen Bischofs Blasius, den du selbst verherrlichet hast, der die Bortrefflichkeit der evangelischen Lehre durch einen untadelhaften Wandel, und die Wahrheit derselben durch einen Heldenmüthigen Tod bezeuget har leih uns deine Gnade, damit wir in dem Vertrauen auf deine Baterbülfe, in der Sufriedenheit mit deinen Anordnungen, in der Unterwerfung des Verstandes gegen Deine Offenbarungen, in Befolgung deiner Gebothe und im standhaften Bekenntnisse unsers Glaubens ihm nachfolgen; damit wir das Licht eines guten Beyspiels vor den Menschen leuchten lassen, und durch seine Fürbitte nicht sowohl von zeitlichen Uebeln, els vielmehr von bösen Gewohnheiten und von den Banden der Sünden befreier wers den, durch welche wir deine Züchtigung vers dienen. Amen. 163 Am Feste Aller Heiligen. Verleih uns, o Gott! die Gnade, daß wir die Tugenden deiner Heiligen nachahmen, und durch das Andenken an sie im Ber trauen auf deine Güte und in der Hoffnung der ewigen Seligkeit gestärket werden. Gieb, daß wir das, was in ihrem Lebenswandel wahrhaft groß, heilig und nachahmungs -würdig ist, von dem unterscheiden, was sich mit unserm Berufe nicht vereinigen läßt. Unterstüße uns mit deinem Beystande, da mit ihr schönes Beyspiel uns vom Bösen zurückhalte, und zur Zugend entflamme; damit der Gedanke an die Herrlichkeit, welche fie jetzt genießen, und wozu auch wir bes stimmer sind, uns die Reize des Lasters besiegen und unsera Muth zur Befolgung deiner Gebothe vermehren helfe. Um dieses bitten wir, allmächtiger Bater! durch Jesus Christus, deinen Sohn. Amen. ܕ ܐ 164 Gebeth am Gedächtnißtage aller verstorbenen Gläubigen. Gerechter und barmherziger Gott! Wir wagen es, deine unergründliche Güte auch für jene Seelen anzuflehen, welche wegen ihrer Mängel und Unvollkommenheiten noch nicht zur vollendeten Seligkeit gelanget sind. Zwar sind wir selbst voll Gebrechen und Elend, unrein und strafbar; auch wissen wir, daß alles, was du mit deinen Kindern vornimmst, Wirkung der größten Gerech: tigkeit und Liebe ist, und daß du, gleich einem zärtlichen Bater, sie nur strafest, um sie zu bessern. Aber weil du willst, daß wir einander brüderlich lieben, und dir unser Gebeth im Geiste der Liebe für unsre Brüs der und Schwestern vortragen: so dürfen wir wohl auch die Seelen der Verstorbenen, im Bertrauen auf die Verdienste Jesu, deis ner Barmherzigkeit empfehlen. Stille ihr schmachtendes Sehnen nach dir; tilge an ihnen alle Flecken der Sünde; tröste und erfreue sie in deinem gnadenreichen Lichte; 165 uns aber laß oft daran gedenken, daß die Folgen unsrer Bergehungen sich in die Ewigfeit hinüber erstrecken, und vermehre da: durch unsern Abscheu gegen die Sünde und unfre Liebe zur Tugend; dann dürfen einst auch wir auf deine unendliche Barmherzige feit hoffen. Amen. Am Kirchweihfeste. Himmlischer Bater! wir danken dir heute für die Wohlthaten des Glaubens, der uns von Zeit zu Zeit zu deiner gemeinschaft: lichen Berehrung und Inbethung in einem besondern, dir geweihten Hause versammelt. Wir danken für jede gute Belehrung, Ers bauung und Aufmunterung zur Tugend, die uns hier zu Theil wird, für alle Heilsmit: tel und Gnaden, die wir da empfangen ha ben, und nach deiner Absicht fortwährend empfangen sollen. Wir bitten dich zugleich, laß uns diese Gnaden und Wohlthaten nach ihrem hohen Werthe immer recht erkennen; erhalte sie uns und unsern Nachkommen in ungestörter Ruhe; flöße uns ein aufrichti ges Verlangen darnach ein, und gieb, daß wir in der Vereinigung mit unserm Seelens 166 hirten und mit der frommen Herde, wozu wir gehören, vor deinen Altären jene Freude, jenen Trost und Frieden finden, welche die Welt nicht geben kann. Erhöre die Bitten Deiner Kinder, die sich hier in deinem Na men versammeln, erfülle uns an diesem heie ligen Orte mit bußfertigen Gesinnungen, mit Ehrfurcht, Demuth und Demuth und Liebe gegen dich und deinen geliebten Sohn, der hier auf eine geheimnißvolle Weise unter uns wohnet; und laß uns aus deinem Hause nie anders heimkehren, als mit neuer Ergebenheit in deinen Willen, mit neuem Vertrauen auf deine Baterliebe, mit neuer Beruhigung in unsern Leiden, mit neuer Kraft und Ent: schlossenheit zum Guten, damit an uns er: füller werde, was Jesus sagt: Wenn Mehrere in meinem Namen ver sammelt sind, so werde ich mitten unter ihnen seyn. Amen. Am Dankfeste für die eingeernte: ten Feldfrüchte und für andere göttliche Wohlthaten. Deffne, o Gott! unsre Augen, damit wir heute deine Wohlthaten recht einsehen, 167 und erwärme unsre Herzen zur dankbaren Liebe gegen dich!- Himmel und Erde sind voll deiner Güte; du thust deine milde Hand auf, und erfüllest alles, was da lebet, mit Segen und Freudé. Du hast unser Geberh erhöret, unsre Felder reichliche Früchte tra gen lassen und so vieles andere Gute uns in diesem Jahre erzeigt. Wir sind nicht würdig dieser Beweise deiner Huld: denn wie oft haben wir gefändiget, wie oft haben. wir gegen deine weise und gütige Fürsicht gefehler durch ängstliche Sorgen, durch une zufriednes Murréen, durch strafbaren Miß brauch deiner Gaben, durch Ungehorsam gegen dich, durch hartes, liebloses Betragen gegen unsre Mitmenschen! Bater! vergieb uns unfre Vergebungen; wir geloben die Besserung an, und finden uns zur herzlich ften Dankbarkeit gegen dich um so mehr verpflichtet, als wir deiner milden Gaben unwürdig sind. Die Größe und Mannichfaltigkeit dieser Gaben soll uns bey unfrer Unwürdigkeit ein neuer Antrieb seyn, besser auf dich zu vertrauen und deine Gebothe getreuer zu Som 168 erfüllen. Gieb uns deine Gnade, daß wir durch einen mäßigen und weisen Gebrauch deiner Segnungen dich ehren, und durch wohlthätige Mittheilung deiner Gaben auch Andere erfreuen, wie du uns erfreuet hast. Da wir aber heute dir, o bester Gott! für leibliche Wohlthaten unsern Dank dar: bringen, so preisen wir dich zugleich und vorzüglich für alles, was du zur Beför: derung unsers Seelenheiles gethan hasi, für die vielen Mittel und Anstalten deiner Gnade zu unsrer Heiligung und Vorbereitung zum ewigen Leben. O möchten wir sie immer recht sorgfältig benußet haben, und dadurch verständiger und vollkommner geworden seyn! Erfülle uns doch mit himmlischer Weisheit, o Herr! lehre uns vordersamst streben nach den Gütern des Heiles, und stehe uns bey, damit wir in der gegenwärtigen Zeit gute Werke aussäen, deren Früchte wir ernten werden in der Ewigkeit. Amen. Nach einer dürftigen Ernte und ben dem Drucke harter Zeiten. Weisester und gütigster Vater, allmächs tiger Gott! du liebest die Menschen, deine 169 Kinder, und willst nur ihr Bestes; du allein weißt, was uns gut und heilsam ist. Wir wollen darum nicht verjagen, obschon die dießjährige Ernte weniger ergiebig aus: gefallen ist, cbschen uns Unglücksfälle und Widerwärtigkeiten treffen. Wir danken dir für das, was du uns dennoch Gutes erwei: sest; es ist immerhin viel, und ein freies Geschenk deiner Güte; und bey gehöriger Mäßigkeit und Sparsamkeit, an denen es uns nicht selten fehlt, wird uns auch das Wenigere zum Leben hinreichen. Du for: gest ja für die unvernüuftigen Thiere: wie solltest du uns verlassen? D es ist uns gut, wenn du uns zuweilen einen Theil deines Segens entziehst, und uns mit Widerwärtigkei ten heimsuchest; du weckest uns dadurch zum Nachdenken, zur Demuth, zur Buße und Besserung des Lebens, und lehrest uns, daß wir ohne dich nichts vermögen, und nichts vollkommen ist auf Erden. Wir wollen darum auch für solche Prüfungen und väterliche Züchtigungen dir unsern Dank entrichten, und dich um jene Gemüthsver: faffung bitten, in welcher wir deine heiligen 170 Absichten daben erfüllen mögen. Durch Chriftus, unferun Herrn. Amen. ex In allgemeinen Drangfalen, ( nach Pabst Urban VIII.) Vor deinen Augen, o Herr! bekennen wir unsre Sünden, und vergleichen sie mit den Strafen, die wir verdient haben. Ule: berdenken wir das Uebel, welches wir ver: übet haben, so sind die gegenwärtigen Leiden geringer, als unfte Misfethaten. Wir empfinden die Strafen der alten Sünden, und noch lebt die Lust zu neuen Vergehungen in unserm Herzen. Deine Züch: tigungen treffen unsre Bosheit, aber diese wird dennoch nicht überwältiget. Traurigkeit überfällt unser Herz: aber den stolzen Sinn des Lasters demüthigt sie nicht. Bitterer Schmerz nagt an unserm Leben, aber unsern Wandel bessert er nicht. Wenn du langmüthig schonest, so achten wir nicht darauf; und wenn du züchtigest, so verläßt uns aller Muth, alle Geduld. 171 Zur Zeit des Unglücks gestehen wir unsre Verbrechen; aber nach deiner Heims suchung vergessen wir, was wir zuvor bes weint haben. spa Hebst du deine Ruthe gegen uns auf, so thun wir Gelübde der Besserung: senkt sich dein Arm, so unterlassen wir alles, was wir versprochen haben. Wenn du schlägst, so schreyen wir zu dir: Verschone uns; und wenn du uns verschonst, so sind wir so fehlerhaft, wie zuvor. Herr! du haft an uns Sünder, die ihre ganze Unwürdigkeit erkennen, und es wohl einsehen, daß sie ohne deine gnädige Nachsicht verloren wären! Erbarme dich unser, gütigster Vater! gieb uns ohne unser Verdienst, um was wir zu dir flehen; erleuchte und stärke uns, damit wir, durch deine Züchtigung gebessert, dem Verderben entgehen, durch Christus unsern Herrn. Amen. 172 Litaney von der göttlichen Vorschung. Herr, erbarme dich unser! Christus, erbarme dich unfer! Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, drey: einiger Gott! Erbarme dich unser! Gott, Schöpfer, Erhalter und Regierer? der ganzen Welt! Allmächtiger, allweiser und allgütiger Gott! Gort, nach dem alle Augen vertrauens voll schauen! Der du aller deiner Geschöpfe dich ers barmst! Der du alles, was da lebt, mit Segen erfüllst! Der du den Mond uns zum Zeitmaße! er schufft! Durch den die Sonne weiß, wann fie untergehen soll! Der du die Erde in Nacht verhülst und wieder Licht sendest! Vor dem die Sturmwinde als Bothen hergehen, und dessen Diener die Blizze find! Der du dem Wasser seine Grenzen ange: wiesen haft! . Erbarme dich unser! 175 Der du die Wolken sammelst und dem Lande Regen giebst! Der du mit Kräutern und Blumen schön die Berge bekleidest! Der du die Nahrung dem Viche und den jungen Raben Speise ertheilest! Zu dem die wilden Thiere nach Sätti: gung schreyen! Dem der Vögel Schaar anmuthig in den Lüften fingt! Der für Heerden Gras, Getreid für Menschen wachsen läßt! Der du uns Speisen aus der Erde bes reitest! Brod, das Kräfte giebt, und Getränke,) die uns erquicken! Der du die Lilien und Blumen des Fels des bekleidest! Der du Alles zum Dienste des Menschen erschaffen haft und erhältst! Der du Trubsale zu unsrer Prüfung und Besserung schickest! Der du denen, die dich lieben, Alles jum Besten lenfest! Der du alle Haare unfres Hauptes zäh, left! Ohne dessen Willen kein Sperling vom Dache fällt! R. Erbarme dich unser. 174 Wir, Bater! deine Kinder, wir bitten? dich, erhöre uns! Daß du uns vor Ungeduld und Klein muth bewahreff.sshand Daß wir immer ein herzliches Vertrauen auf dich setzen. Daß wir im Grcke nie hochmüthig wer den und deiner vergessen. w 10 Daß wir allen deinen Fügungen une findlich unterwerfen. 1939 Daß wie deinen Namen preisen, du magst geben oder nehmen. Daß sich dein Reich durch Wahrheit und Eugend immer mehr unter uns verbreite. Daß dein Bille, wie im Himmel, so auch) auf Erden geschehe. b Daß du uns täglich gebeft, was wir jur Erhaltung des Lebens bedürfen. Daß du uns die Sünden verzeiheft, wie auch wir verzeihen unsern Beleidigern. Daß du uns in der Versuchung Hülfe. fendest, damit wir nicht unterliegen. Daß du uns von allen Uebeln der Seele! und des Leibes errettest. Daß du uns vor Krieg, Pest und Hun gersnoth bewahrest. Daß du uns in allen Widerwärtigkeiten stärkest und zur Tugend hinführest. Daß du uns allen nach diesem Leben die ewige Seligkeit ertheilest. R. Wir bitten dich, erhöre uns! 17-5 O Jesu, kamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt!( Dreymal.). Verschone uns, erhöre uns, erbarme dich unser! S D Herr, wir unterwerfen uns mit De muth deinen unerforschlichen Anordnungen, voll Bertrauen auf die Beisheit und Güte deiner väterlichen Regierung. Stärke uns zur Geduld und Ergebung durch einen fes sten Glauben an deine allwaltende Vorfes Hung, damit wir dich einst mit desto frendiz germ Danke loben und preisen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 19 Gebethe und Betrachtungen an Sonn- und Feiertagen überhaupt. 1126 D Gott! du bist mein Preis und Ruhm! Mein Herz sey gang dein Eigenthum! Laß mir den Sonntag heilig ſeyn, Und gern mich deinem Diensie weih'n, Hilf, daß ich diesen Ruhetag Zu meinem Segen feyern mag; Bewahr mich vor dem Sinn der Welt, Die deinen Tag verächtlich hält. 176 I. Heute, o mein Gott! will ich lebhafter daran denken, daß du bist der Schöpfer, Erhalter und Regierer aller Dinge, mein Vater und größter Wohlthäter.. Alles, was ist, und was ich selbst bin, das ist von dir, und ohne dich ist nichts. Wohin ich meine Augen wende, da sehe ich Werke deiner Hand, welche mich mit Bewunderung und Erstaunen erfüllen; überall erblicke ich die deutlichsten Spuren deiner Allmacht, Weisheit und Güte. Die Herrlichkeit deiner Schöpfung rührt meine Seele, und erfüllt sie mit Ehrfurcht, Liebe und Dankbarkeit gegen dich. Ich finge mit dem Könige David: Aus dem 103. Pfalm. Den Ewigen lobt meine Seele; in Allem, ist er groß und wunderbar. Sein Kleid ist Majestät; sein Mantel Licht, das glänzend ihn umfließt. Die Wolken dienen ihm zum Wagen; bie inde tragen ihn, wohin er will. Er bieng den Erdball fest in Angeln; bey seiner Aufsicht wanit er ewig nicht. 177 Er gab ihm Wasser zum Gewande; hoch über Bergen strömte es dahin; Er sprach); es floh vor seinem Drohen, vor seiner Donnerstimme bebte es; Jetzt floß von Höhen es in Tiefen, dem Drte zu, den Gott zum Bett ihm gab; In Quellen hat es sich ergoffen; in Bächen rieselt es durch Thåler hin. Aus ihnen trinkt das Wild im Felde; an ihnen stillen Vögel ihren Durst. Von seinen Höhen trånkt er Berge; und Früchte tragen sie im Ueberfluß. Er läßt das Gras dem Viehe wachsen, und Pflanzen jeder Art durch unsern Fleiß. An Halmen wächst uns Brod zur Nahrung, am Rebstock Wein, der unser Herz erfreut. Die Zeiten weislich einzutheilen, hat er den Mond ans Firmament gesetzt. Die Sonne läuft nach seinem Wink getreu die Bahn, die ihr sein Finger wies. Er führt herauf die Finsterniffe, und es verbreitet sich die Nacht um uns. Dann regen sich der Wildniß Thiere; der junge Löwe brüllt nach Raub. Die Sonne tömmt; und sie entfliehen, gesätz tiget in ihre Felfenkluft. Dann geht der Mensch zu seiner Arbeit, zum Ackerbau bis an den Abend hin. 507 178 Wie groß, wie viel sind deine Werke! Die Erde, Herr! ist deines Reichtbum's voll. Von dir erwarten Alle Speise; Qu öffnest deine Hand: sie werden satt. S Aus dem 148. Pfalm. Lobt vom Himmel her den Herrn, lobt ihn. dort in jenen Höhen! Lobt ihn, alle feine Engel, lobt ihn alle seine Heere! Lobe ihn, du Mond und Sonne, lobt ihn alle Lichtgeflirne! Lobet ihn, ihr höchsten Himmel, ihr Gewäsfer in den Lüften! Alles lobe feinen Namen; denn was er ges both, das wurde. Ewiglich erhält er Alles; unverletzbar ist sein Wille. Lobt den Herrn, ihr von der Erde, Meeres; wunder, Wellen, Fluthen, Bliße, Hagel, Schnee und Nebel, Stürme, die fein Wort vollstrecken; Alle Berge und die Hügel, fruchtbeladne Baum und Zedern; Was im Feld und Walde lebet, Würm' im Staub und hoch die Adler; Alle Völker und Regenten, Fürsten und Be Herrscher alle; E 179 Jünglinge zugleich mit Mädchen, und ihr Greise mit den Kindern, d Alle lobt des Ew'gen Namen, denn sein Nam' ist hoch erhaben. Ueber Erd' und über Himmel breitet aus sich seine Güte; Ihm gebühret Ruhm und Ehre, Lob und Dank zu aller Zeit! II. Und wenn ich mich selbst näher betrachte, o mein Gott! wie muß ich dir danken, dich lieben und preisen! Du hast meinen Leib höchst künstlich, und zu allen Geschäften brauchbar, und in aufrechter Stellung ges bildet, damit ich zum Himmel hinaufschauen, und deine herrliche Schöpfung übersehen könne; du hast mir Sinne und Glieder gegeben, mit denen ich viel Gutes ausrich: ten und mir unzählige Freuden verschaffen kann. Aber, was noch weit mehr ist, du haft mit meinem Leibe eine vernünftige ,. unsterbliche Seele vereinigt, mich da durch über alle Geschöpfe der Erde erhoben, den höheren Geistern mich nahe gestellt, und dein Ebenbild mir eingeprågt. Mit M 2 180 der Vernunft bezáhme und beherrsche ich die Thiere des Feldes. Mit der Vernunft bewundere und benuße ich die schönen Werke deiner wundervollen Schöpfung. Mit der Vernunft sehe ich den Zusammenhang der Dinge ein, und erhebe mich von dem Sicht: baren zu dem Unsichtbaren, und erkenne dich, den Urheber des Weltalls, den Vater aller Menschen, und dein heiliges Geset, das du mir ins Herz schriebst, und schwinge mich empor zu dir im Gebethe, und blickt in die ferne Zukunft, und sehe getroft über Tod und Grab in das bessere Vaterland. O Gott! ich finde nicht Worte genug, meine Freude hierüber auszudrücken, meine Ehr: furcht, Liebe und Dankbarkeit gegen dich zu äußern. Ich soll dich aber nicht bloß mit dem Munde preifen, sondern durch Gesin: nung und That ehren; im Geiste und in der Wahrheit soll ich dich anberhen. Ich will daher besorgt seyn, daß ich den Leib, welchen du so vellkommen gebildet hast, durch tein, Laster schwäche, durch keine Ausschwei fung verunehre, durch keine Unordnung zer: rutte. Ich will meine edlen Sinne und 181 Glieder keiner Leidenschaft preis geben, sondern dir durch ächte Tugend weihen. Es sey ferne von mir, dein göttliches Bild, das ich an meiner Seele trage, durch die Sünde zu verwüsten, und meine Vernunft zum Bösen zu mißbrauchen; ich will sie vielmehr mit jedem Tage vervollkommnen, mit nüßlichen Kenntnissen bereichern, und ihr die Oberherrschaft über meine sinnlichen Begierden und Neigungen verschaffen. Allmächtiger Bater, verleih mir dazu deinen Beystand! III. SPEEDY Ja, du verleiheft uns deinen gnädigen Du hast ihn uns Beystand, Allgütiger! zugesichert durch Jesus Christus, deinen geliebten Sohn, der aus deinem Schooße zu uns schwachen, gefallenen Menschen auf die Erde herabkam, um das durch die Sünde an uns ganz verunstaltete göttliche Ebenbild wieder herzustellen, um uns von Unwissenheit und Sünde und dem damit verknüpften Elende zu befreien, und für Weisheit, Tugend und ewige Glückseligkeit - 182 wieder fähig und empfänglich zu machen. Ich genieße als sein Schüler und Nachfol ger die erfreulichsten Früchte seiner Ankunft in die Welt. Der Glaube, welchen er ge lehret hat, ist das Auge meiner Vernunft, die, wenn sie sich selbst überlassen bleibt, so leicht irrt, so oft in Zweifel und Unge: wißheit geråth, und nicht zulangt, uns schwache Menschen über unsre wichtigsten Angelegenheiten vollkommen zu unterrichten, zu beruhigen und auf dem Wege des Heiles sicher zu leiten. Seine Gnade reinigt, heiligt und stár: fet mich zum Guten; und sie wird uns schwachen Geschöpfen in den heiligen Sakra: menten zu Theil, die er angeordnet hat in seiner Kirche. Er lehrt mich den Va ter kennen und den heiligen Geist, welchen er uns gesendet hat; er zeigt mir den Weg zu meinem erhabenen Ziele; er führt mich freundlich an der Hand, muntert mich auf durch sein heiliges Beyspiel und seinen kräf tigen Zuspruch; unterstüßet mich, wenn ich strauchle, tröstet mich im Leiden, verzeiht mir ben wahrer Besserung meine Sünden, 183 URO und öffnet mir die herrlichsten Aussichten ins ewige leben, wo ich den Lohn für meine Treue gegen ihn empfangen soll. Un alle diese Wohlthaten, die mir durch meinen Erlöser zu Theil werden, will ich mich heute mit heiliger Freude erinnern, und meine Dankbarkeit dadurch an den Tag legen, daß ich dem Lichte seiner Weisheit und Gnade folge, und seinen Sinn und Wandel bis an das Ende meiner irdischen Laufbahn sorgfältig nachahme. In diesen Gefühlen des Dankes und der Freude erhebt sich meine Seele, und fingt mit deiner Kirche: Der Ambrosianische Lobgefang oder das Te Deum laudamus. Großer Gott! wir loben dich, Preisen deine Macht und Stärke; Deiner frent die Erde sich, Voll der Wunder deiner Werke. Ehre, Lob und Dank sey dir, Vater! von uns allen hier. Dich befingt der Engel Schaar; Cherubim und Seraphs Chöre Bringen Lobes Jubel dar;- 184 Unermüdet dir zur Ehre, Ruft ein Geist dem andern zu: Heilig, heilig, Herr, bist du! onts Heilig, Herr Gott Sabaoth! Preisen dich verklärte Heere, Heilig dich den Einen Gott! Himmel, Erde, Luft und Meere Preisen deiner Allmacht Ruhm, Nennen sich dein Eigenthum, amancat Der Apostel glänzend Chor, Der Propheten lichte Menge Schickt zu deinem Thron empor Hohe Lob und Dankgefänge; Dich erhebt das frohe Heer Deiner treuen Martyrer. Vater! dich voll Herrlichkeit, Deinen Sohn, der Heil uns brachte Und den Geift, der Troft verleiht, Daß nicht Einer hülflos schmachte, Gott! auf dunkler Erdenbahn Bethen wir dich findlich an. Knechtsgestalt, Gabst du dich Sohn des Vaters, Herr der Welt! Jesus Christ! du bist gekommen, Haft, zu senn das Lösegeld Unfrer Sünden, angenommen zum Tode hin besiegtest ihn. e 185 Offen steht des Himmels Thor; Die dich glaubend, Herr, bekennen, Grellest du dem Vater vor, Billst dich unsern Bruder nennen. Kommen wirst du zum Gericht; Richtend, Herr, verwirf uns nicht! Deines Blutes Werth sind wir; Heiland, hilf du den Erlößten! Nimm uns alle auf zu dir 3u des Himmels Freuden Festen! Laß uns deines Gegens freun, Uns dein Volk, dein Erbe seyn. Zeit und Ewigkeit, sie sey Deinem Lob, o Gott! geweihet; Dein Erbarmen, täglich neu, Schont uns Sünder und, verzeihet. Gott, du unsre Zuversicht, D verlaß, verlaß uns nicht! Gebeth für den Landesherrn. Allmächtiger Gott, der du regierest Him mel und Erde! von dem alle irdische Macht und Oberherrschaft herkömmt, und durch dessen Anordnung die Könige und Fürsten der Erde regieren; wir bitten dich instan dig für die Wohlfahrt unsers theuersten Top 186 Landes Regenten. Segne ihn, o Herr, mit deiner hilfreichen Guade, daß er alles Gute zur Ausbreitung deines göttlichen Rei ches auf Erden befördere, seines Volkes Glück väterlich begründe, den guten Erfolg seiner Bemühungen für unsre Wohlfahrt mit Freuden erblicke, lange unter uns wohl thätig verweile, und zum Lohne die ewige Seligkeit erlange. Durch Christus, unsern Herrn. Amen. Allgemeines Gebeth für der Seele und des Leibes Wohlfahrt. Ewiger, unendlich barmherziger Gott und Vater! sieh herab auf uns mit Huld und Gnade, und erbarme dich über alle Menschen, für welche dein Sohn Jesus Christus unser Herr und Erlöser am Kreuze gestorben ist. Durch diesen Herrn Jesus bitten wir dich: bewahre uns vor gegen: wärtigen und zukünftigen Gefahren, vor Empórung, Krieg, Theurung Hungersnoth, Krankheiten, und betrübten armseligen Zei ten. Erleuchte und stärke in allen Guten 187 geistliche und weltliche Obern, damit sie deine Ehre, unser Seelenheil, den Frieden und wahre Wohlfahrt unter den Menschen befördern. Verleih uns Einigkeit des Glau bens und Bruderliebe, und behüte uns vor Spaltung und Trennung. Bekehre uns zur wahren Buße und Besserung des Lebens. Erwecke in uns den Glauben, belebe in uns die Hoffnung, entzünde in uns die Liebe, wie dein heiliges Wort sie von uns verlangt. Wir bitten dich auch, wie du willst, o Gott! daß wir dich bitten sollen, für alle Menschen, für Freunde und Feinde, für Gefunde und Kranke, für Betrübte und Fröhliche, für Glückliche und Unglückliche, für Gläubige und Ungläubige, für Lebende und Abgestorbene. Du bist ja der Vater aller Menschen; gewähre auch allen deinen Segen! Laß uns hier auf Erden überall deine befeligende Gnade empfinden, und sie dort einst in vollem Maße erlangen. Amen. 41110 188 co Betrachtungen und Gebethe zur Berehrung des Leidens und Sterbens unsers Heilandes Jesu Christi. Laß die Geschichte deiner Leiden Mir, großer Dulder! beilig seyn: Sie lebre mich die Sünde meiden, Und dir mein ganzes Leben weihn. Dein Leiden sey mein höchster Segen, Dein Tod mein feligster Gewinn! Dir walle fanft mein Herz entgegen Weil ich durch dich gerettet bin. 1. Jesus auf dem Delberge. Nach dem letzten Abendmahle gieng Jesus mit seinen Jüngern auf den Delberg; da schwebte ihm sein Leiden, sein schmerzhafter und schmachvoller Tod und der Undank derer vor Augen, die er glücklich machen wollte; und da er zugleich vorfah, wie Wicle die Wohle that seiner Erlösung zu ihrem Untergange mißbrauchen, und im Besitze seiner Lebre un gebeffert bleiben würden, so wurde er darus ber bis zum Tode betrübt. Da bethete er: Bater! ist es möglich, so entferne sich dieser Reich des Leidens von mir; doch nicht mein, fondern dein Wille geschehe! 189 Jesu! so oft unser Herz traurig und kleinmüthig wird, so laß uns deine Todes: angst am Delberge lebhaft vor Augen seyn, damit wir uns, wie du, in den Willen deis nes Vaters ergeben, und durch das Gebeth in unfern Widerwärtigkeiten gestärket werden. II. Jesus wird verrathen. Was mag wohl den Judas veranlaßt haben, seinen beßten Meister den Händen seis ner Feinde zu überliefern? Wohl nichts anders, als die Habsucht. Judas hatte schon früher Maria, die Büßerin, getadelt, daß sie mit so theurem Nardendle die Füße Jefu falbte; und jetzt verråth er ihn für 30 Sil: berlinge.- Die Habsucht und Gierde nach Geld macht die Herzen treulos gegen Gott und den Nächsten; lasset uns daher nur nach Tugend und Rechtschaffenheit trachten! dieß find Güter, welche ewig dauern. Bewahre, o Herr! unsre Herzen vor unmäßiger Begierde nach zeitlichen Gütern, und lehre uns vor Allem nach deinem Reiche und der Gerechtigkeit trachten, damit wir jener ewigen Güter würdig werden, die du denen bereitet hast, die dich als ihr höchstes 190 Gut von ganzem Herzen lieben, und dir bis ans Ende treu verbleiben. Amen. Ch III. Jesus wird gefangen genommen. Als die Feinde Jefu mit Judas gekom: men waren, um ihn gefangen zu nehmen, so fragten seine Jünger: Herr. follen wir mit dem Schwerte brein schlagen? Wirklich fchlug auch einer nach des Hohenpriesters Bedien ten, und bieb ihm das rechte Dhr ab. Jesus hieß sie davon abstehen, rührte sein Ohr an und heilte es. Einst hatte er seinen Jüngern die Lehre gegeben, Böses nicht mit Bösem, sondern mit Gutem zu vergelten, und nun bringt er selbst diese Lehre in Erfüllung. So oft wir von unsern Mitmenschen beleidiget werden, wollen wir uns an dieses Beyspiel Jesu erinnern. Sanftmüthigster Heiland! flöße deine großmüthige Liebe unsern Herzen ein, damit wir nichts Süßeres kennen, als Böses mit Gutem zu vergelten, unsern Feinden wohl zu thun, und sie in die und deinetwegen zu lieben. Amen. 191 IV. Jesus steht vor Kaiphas. Jesus wird vor dem jüdischen Hohenpries ster Kaiphas und der ganzen Nathsversamm lung falsch angeklagt, und er schweigt; fals sche Zeugen bestätigen die Verläumdung, und er redet immer nicht. Durch dieses Schweiz gen wollte er uns die schöne Lehre geben: ,, Wer sich im Schweigen übt, der rüstet sich zur Geduld." Jesus wird im Namen Gots tes gefragt, wer er sey, und nun öffnet er seinen Mund und bekennet laut, daß er der Sohn des Allerhöchsten sey, ob er gleich vore aussieht, daß ihm dieses Bekenntniß als eine Gotteslästerung werde angerechnet, und er zum Tode verurtheilt werden.- Durch sein Stillschweigen ermahnt uns hier Jesus, daß auch wir dulden und schweigen, und die Vers leumdungen durch einen guten Lebenswandel widerlegen sollen; sein Reden aber fordert. uns auf, laut und ohne Scheu dort zu spres chen, wo es Gottes Ehre und des Nächsten Wohlfahrt erheischt; obschon wir einsehen, daß wir der Wahrheit wegen gehaßt und verfolgt werden. Bewahre uns, o Herr! vor jeder Ver: legung der Ehre und des guten Namens unsers Nebenmenschen. Flöße uns den Much ein, zu deiner Ehre und des Nächsten 192 Wohlfahrt die Wahrheit zu reden, und dich und deine heilige Lehre mit Wort und That unerschrocken zu bekennen. Amen. V. Jesus wird mißhandelt. Sobald im Hause des Kaiphas das uns gerechte Urtheil über Jesum gesprochen war, giengen die Rathsglieder auseinander, und übergaben ihn den Gerichtsdienern die Nacht hindurch zur Bewachung. Hier ward er vom verworfensten Gesindel aufs peinlichste miss handelt, geschlagen und gelåstert. Sie leicht werden wir zornig, wenn uns auch nur die geringste Beleidigung widers fährt; und Jesus erträgt mit unerschütterlis cher Geduld die gröbsten Mißhandlungen. Laßt uns fein Beyspiel nachahmen; denn warum sollten wir nicht Weniges aus Liebe zu ihm leiden, der für uns so viel gelitten hat? Göttlicher Heiland! erbarme dich unser, und verleih uns die Gnade, dir in frommer Geduld immer ähnlicher zu werden, und Spott, Schimpf und Verachtung mit Sanfts much zu ertragen, damit wir, dir wir aus Liebe zu dir leiden, auch verdienen, mit Dir uns ewig zu erfreuen. Amen. 193- VI. Jesus wird verläugnet. Voll des Muthes und Vertrauens auf feine eignen Kräfte erboth sich Petrus kurz vorher, für seinen göttlichen Lehrmeister ju sterben. Nun läugnet er dreymal, ein Jüns ger Jesu zu seyn, und betheuert diese Ver, laugnung noch mit einem Schwure, Jesus wendet sich gegen den meineidigen Junger, und wirft ihm einen Blick voll Mitleids zu. Der Hahn krähet, und sein Herz zerschmilzt in Wehmuth und Reue. Er geht eilends aus dem Vorhofe, und weint bitterlich Der Jünger Petrus soll uns zu einem warnenden Beyspiele dienen. Wir sehen an ihm, wie schwach der Mensch ist, der auf seine Kräfte baut. Wir wollen daher auf unsre Tugend nicht zu viel trauen, sondern stets wachen, bethen, und jede Gefahr zur Sünde forgfäls tig meiden. Sind wir aber wirklich gefallen, so wollen wir den büßenden Petrus zum Mus ster nehmen und mit allem Ernst nach Besfes rung ringen. Was wir dabey nicht aus eignen Kräften vermögen, das wird uns möglich durch die Gnade Gottes. Verleih uns o Jesu, deine stärkende Gnade, um jeder Versuchung zur Sünde zu widerstehen, unsre Fehltritte, wie Petrus, n 194 zu bereuen, und würdige Früchte der Buße zu bringen. Amen. Quee dru VII. Jesus vor Pilatus. Jesus hatte öffentlich gelehrt: Gebet Gott, was Gottes, und dem Kaiser, was des Kaisers ist; und er harte sowohl für sich als Petrus den Zoll und die Tempelstener entrichtet. Dennoch klagen ihn seine Feinde bey dem Landpfleger des Kaisers als einen Uebertreter der Landesgesetze und Aufwiegler des Volkes an. So ungerecht diese Anklage war, so sprach Jefus dennoch kein Wort zu feiner Vertheidigung; denn er wußte wohl, daß es seinen Feinden nicht um Wahrheit, fondern um sein Blut zu thun war.- Wir sehen hier an Jesu, wie wir uns zu betragen haben, wenn wir bey unfern Obern angeschwärzt, verleumbet oder fälschlich ans geklagt werden; nämlich: wir sollen dulden und schweigen, oder uns mit Ehrerbietung bey ihnen rechtfertigen und ihrem Urtheils fpruche unterwerfen. Dadurch ahmen wir Jesum nach, der selbst einem heidnischen Rich ter mit Achtung begegnete, und in dessen Person die obrigkeitliche Gewalt ehrte. Verleih' uns, o Jesu! deine Gnade, daß wir nach deinem heiligen Beispiele unsern 195 Obrigkeiten mit Ehrfurcht und Folgsamkeit begegnen, und uns niemals durch Schma hen und Lästern an ihnen, als Stellvertre: tern Gottes versündigen. Amen. VIII. Jesus vor Herodes. Da Pilatus vernahm, daß Jesus aus Galilåa, aus dem Gebiete des Herodes sey, schickte er ihn zu diesem, der dazumal auch in Jerusalem war. Herodes freuete sich, Jes fum kennen zu lernen, und hoffte von ihm ein Wunder zu sehen. Er legte ihm daher mancherley Fragen vor, auf die aber Jesus feine Antwort gab. Nun verspottete ihn Herodes, ließ ihm ein weißes Kleid anziehen, und schickte ihn wieder zum Pilatus zurück. Jefus, der so viele Wunder gewirkt hatte, that feines vor dem Herodes; denn er wußte wohl, daß es diesem wohllüstigen Könige nicht um Ueberzeugung von seiner göttlichen Sendung und von der Wahrheit seiner Lehre zu thun war, sondern nur um Befriedigung der Neugierde, und dazu wollte Jesus seine Wunderkraft nicht mißbrauchen. Dein Beispiel, o Jesu! sey uns heilig. Auch wir wollen die Würde und das An sehen, gute Christen zu seyn, behaupten, Na 196 und weder schmeichethafte Versprechen, noch Drohungen und Mißhandlungen sollen uns verleiten, etwas zu reden oder zu thun, das dieser Würde zuwider wäre. Centrices Entferne aus unsern Herzen alle Eitel: keit, damit wir bey unsern Thun und Laffen nicht auf Lob und Tadel der Welt, sondern einzig auf dein Wohlgefallen und jene Se ligkeit hinblicken, die du durch dein Leiden und Sterben verdient und den guten Chri sien zur Belohnung vorbehalten haft. Amen. IX. Jesus und Barrabas. Das Volk, welches noch vor wenigen Tagen laut ausgerufen hatte: ,, Hosanna, ge Benedent sey, der da kommt im Namen des Herrn!" dieses Volk ruft jegzt mit wildem Geschrey: Nicht Jefum, sondern Barrabas gieb log." Jesus von Nazareth gieng voll Gnade und Wahrheit, voll Liebe, Meisheit and Güte unter ihnen umher. Dessen ungeach: tet foll er von Pilatus zum Tode verurtheilt und der Aufwiegler und Mörder Barrabas frey gegeben werden. Wie unbeständig und ungerecht ist doch die Gesinnung leidenschafts licher Menschen! Belch ein trauriges Schicksal hat oft der Fromme auf Erden! Wie sehr wird er 197 nicht selten bey dem Guten, das er zu verz breiten sucht, mißkanut ,, verdächtig gemacht, gelåstert und verfolgt, indessen das Laster triumphirt und auf Ehrenstellen glänzt. Dies soll uns aber im Glauben an die Gerechtigkeit Gottes nicht irre machen, denn es kommt eine Zeit, wo dem unterdrückten Gerechten die Leiden mit unvergänglichen Freuden vergolten werden, der Bösewicht aber die verdiente Strafe erhält.. Göttlicher Heiland, erbarme dich unser! laß dein heiliges Beyspiel einen solchen Einz druck auf unser Herz machen, daß, wenn unfre guten Absichten mißfaunt, unsre Wohle thaten mit Undank belohnt, und nichtswür: dige Menschen uns vorgezogen werden, wir alle diese Mißhandlungen mit Geduld ertras gen, und ohne Murren uns deinen weisen. Fügungen unterwerfen. Amen. X.. Jesus wird gegeiselt und mit Dörnern gekrönt. Pilatus wünschte die Loslaffung Jefu; allein die Priester und das Volk riefen ihm wiederholt entgegen; Uns Kreuz, ans Kreuz mit ihm! Er sprach nun zum dritten Mal zu ihnen: ,, Ich finde an ihm feine Ursache 11 10. 198 bes Tobes, will ihn also geißeln lassen und losgeben." Hierauf ward Jesus gegeißelt. Die Soldaten legten ihm darauf einen Purs purmantel um, setzten eine Krone von Dors nen auf sein Haupt, fielen vor ihm auf die Kniee nieder, spotteten und sagten: ,, Sey gegrüßt, du König der Juden!" spieen ihn an, nahmen das Rohr und schlugen ihn damit auf sein Haupt. So viel litt Jesus unfertwegen, und den noch folgen wir ihm nicht. Erinnern wir uns zur Zeit der Versuchung an den mit Wuns den und Blut bedeckten Heiland, sehen wir fein mit Dörnern umwundenes und durchsto: chenes Haupt, und führen wir es zu Gemů the, daß Jesus alles dieses leiden wollte, um und von der Sünde zu erlösen; dies wird ans vom Bösen abhalten und zum Guten antreiben. campo Laß uns, o Jesu! so oft sich in unserm Innern fündhafte Lüste und böse Begierden regen, deine schmerzhafte Geißlung und Krönung lebhaft vor Augen schweben, da mit wir, durch den Anblick deiner Leiden gerührt, uns gestärket fühlen, den Versu chungen zu widerstehen, und deiner Lehre treu zu bleiben. Amen. 199. Wym XI. Jesu Todesurtheil. Jesus, der Unschuldigste, wird auf die Zudringlichkeit und Drobung der Juden von. dem schüchternen Landpfleger Pilatus zum Tode verurtheilt. Was hat er dann Uebels gethau. fragt selbst dieser, und dennoch übers giebt er ihn seinen Feinden zur Kreuzigung.. Er wäscht zwar die Hände, und ruft laut vor dem Volke: ,, Ich will keine Schuld has ben an dem Tode dieses Gerechten.". Aberdiese Ceremonie rechtfertigt ihn nicht. Er hat dadurch nur sein Verbrechen vergrößert, indem er das Ungerechte seiner Nachgiebigkeit bestätigte. Wie viel Böses wird doch gethan, wie viel Gutes unterlassen, weil man sich ,. wie Pilatus, mehr fürchtet, den Menschen, als Gott zu mißfallen. Lasset uns daher, so oft wir eine Pflicht zu erfüllen haben, nicht nach dem Lobe oder Tadel der Menschen fraz gen, sondern einzig auf den Willen Gottes schauen, und diefen, wie Jesus, vollbringen. Stärke uns, o Jesu, damit wir die un gerechten Urtheile der Menschen mit Sanft muth ertragen; und laß uns in unserm ganzen Betragen einzig auf dich und deinen heiligen Willen hinsehen, damit wir uns niemal durch Lob oder Tadel der Menschen 200 w son Erfüllung unsrer Pflichten abhalten laffen, oder aus Menschenfurcht Böses thun. Amen. XII. Jesus geht zum Tode. Jesus ward durch das viele Blutvers gießen bey der Geißlung und durch die mans nichfaltigen Peinigungen, die er zu dulden hatte, an Kräften ganz erschöpft, und den noch nimmt er die Kreuzeslaft ohne Widers rede auf seine Schulter, und trägt sie, bis thm folche abgenommen wird, und zeigt Mits leiden gegen die ihn beweinenden Frauen von Jerusalem. Christus hat für uns gelitten, und uns ein Beispiel hinterlassen, damit wir ihn nach: folgen. So oft mir leiden, so oft unfre Standess pflichten uns låftig werden, wollen wir auf ihn sehen, damit wir es recht lebhaft füh len, wie gering unfre Beschwerden gegen die feinige seyen, dies wird uns vor Kleinmuth und Verzweiflung bewahren, und uns die Kraft einflösen, so lange auszuharren, als Gott die Laft auf uns liegen läßt, und wir durch Leiden genug geprüft und gereiniget sind, um mit Jefu an den croigen Freuden. Theil zu nehmen. 201 Here Jesus! du sagtest einst:" Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich." Wir sind bereit, alle Mühselig: keiten dieses Erdenlebens mit kindlicher Ers gebung auf uns zu nehmen. Verleihe uns deine Gnade zu diesem Vorhaben, damit wir muthvoll und getrost den Weg des Kreuzes wandeln, den du uns vorangegans gen bist. Amen. XIII. Jesus hangt am Kreuze. Da Jesus auf dem Nichtplate angekom: men war, wurde ihm saurer, mit Myrrhen gemischter Wein von den Soldaten zum Trin fen dargereicht, damit er die schrecklichen Schmerzen des Kreuztodes weniger empfinden möchte; aber Jesus trank nicht davon; er verlangte keine Linderung; er wollte es zeia gen, daß auch die größte Qual nicht vermogend wåre, seinen Gehorsam gegen Gott und feine Liebe zu uns Menschen zu ersticken. Nun ließ er sich ohne Widerrede an das Kreuz heften, und bethete zu dem himmlis schen Vater für seine Mörder; und wir ko chen Nache, wünschen und suchen den Unters gang unserer Feinde. Jesus schwieg, da er am Kreuze verspottet ward; und wir gerathen 202 in Zorn, brechen in Scheltwortè aus, wenn man unsrer Ehre zu nahe tritt. Jesus im höchsten Grade des Elendes erbarmte sich liebevoll des mit ihm gekreuzten Mörders, der zu feiner Rechten hieng, und sprach ihn durch fein mächtiges Gnadenwort Beruhigung zu; und wir lassen nicht selten unser widriges Schicksal andere Unglückliche empfinden, oder verfagen ihnen mitten im Ueberfluffe unfre Hülfe. Göttlicher Lehrer und Heiland, erbarme dich unser! Erfülle unsere Herzen mit jener Le, mit welcher du selbst für deine Mör: der um Gnade bathst, damit wir deines Namens würdig und deines himmlischen Reiches theilhaft werden. Amen. XIV. Jesus stirbt am Kreuze. Mit wehmüthigem Blicke sah Jesus auf feine Mutter herab, welche bey dem Kreuze stand, und, wie Simeon es ihr vorausgesagt batte, von dem Echwerte des Echmerzens ganz durchdrungen ward. Er empfahl fie feinem geliebten Jünger Johannes, der sie auch von dieser Zeit an ju sich nahm. So vergißt Jesus im höchsten Schmerz die Seis nigen nicht. Er wird auch uns nicht verges fen, wenn wir nur durch treue Befolgung 1 203 feiner heiligen Lehre uns als feine Jünger beweisen. Um uns die Größe seiner Qual zu erkennen zu geben, rief er mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen?" Er gab uns dadurch die Lehre, daß wir uns immer fest an Gott halten sollen, der uns nie verläßt, ob er uns gleich zu verlassen scheint. Endlich sprach der große Dulder:" Es ist vollbracht! Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist." ** A Es ist vollbracht das große Werk der menschlichen Erlösung. Jesus starb, damit wir Vergebung unsrer Sünden erhielten, und Erben des Himmels würden. Lasset uns also die Sünde, um derenwillen Jesus gestorben ist, ernstlich meiden, und durch redliche Erz füllung unsrer Berufspflichten der befeligens. den Früchte seines Opfertodes theilhaftig werden. Göttlicher Heiland, erbarme dich über uns Sünder! Wir danken dir für deis ne unausforechliche Liebe, aus welcher du dich zum Versöhnungsopfer für uns dahin: gegeben hast, und sind bereit, mit Hintansehung aller irdischen Vortheile deiner heis ligen Lehre bis an unser Lebensende treu zu verbleiben. Amen. 204 XV. Jesus wird begraben. Die Feinde Jefu haben ihre boshafte Aba ficht erreicht; sie sahen Jesum am Kreuze era blaffen. Allein gleich nach seinem Tode era eigneten sich Dinge, die für seine Unschuld und für die Göttlichkeit seiner Person laut genug sprachen: der Vorhang des Tempels riß mitten entzwey, die Erde bebte, die Sona ne ward verfinstert, Felfen zerbarsten und die Gråber öffneten sich. Der Hauptmann und die, so mit ihm Jefum bewachten, sprachen: " Ja, wahrhaftig, dieser Mensch ist unschulz. big; er war Gottes Sohn." Auch das Volk schlug an seine Bruft. Die frommen Raths.. herren, Joseph und Nicodemus, veranstalteten ihm ein ehrenvolles Begräbniß. Die erbitters ten Juden versiegelteu das Grab, und besetzten es mit einer Bache, damit nicht der Verstorbene, feiner Vorhersagung gemäß, am dritten Tage von den Todten auferstehen möge. Allein, was vermögen alle Anschläge der Menschen gegen Gott, der die Gerechten beschützt und mit Ehre front? Am dritten Tage erstand Je sus glorreich aus dem Grabe. S Wenn auch uns dereinst die Ruhe des Grabes tröstlich, und eine glorreiche Aufers fehung uns zu Theil werden soll, so müssen wie Jesu im Leben, Leiden und Tode getren 205 nachfolgen. Wir müssen mit dem Stande, in welchen uns die Vorsehung gesetzt hat, zufrieden seyn, darin so viel Gutes than, als uns möglich ist; die Lasten, Leiden und Widerwärtigkeiten desselben mit kindlicher Ergebung ertragen und bis an unser Lebensa ende in der Tugend verharren. - Wir bitten dich, o Herr! um deinen Beistand, damit wir es vermögen, deinen heiligen Fußstapfen zu folgen, und bey treuer Erfüllung unserer Pflichten das gegenwärtie ge Leben so zu endigen, daß uns der Tod und das Grab nicht schrecklich, sondern als Ulebergang zu einem besseren Leben erwünsche lich werden. Dank die und Preis in Ewigkeit, Der du für uns gestorben, Und Heil und Licht, und Ruhm und Trof Durch deinen Tod erworben! Du hast gesiegt! Es ist vollbracht! Dein, dein ist nun am Throne Der Unschuld Ehrenkrone. 206 Litaney jur Verehrung Jesu, besonders im heiligsten Altars: Sakramente. Herr! erbarme dich unser! Christus; erbars me dich unser! Christus! erhöre uns! Gott Vater vom Himmel! Gott: Sohn, Erlöser der Welt! Gott helliger Geist! Heiligste Dreyeinigkeit! Jesu, du Sohn des lebendigen Gottes! Jesu, du Sohn der Jungfrau Maria! Jefu, du Vorbild aller Tugenden! Jesu, du Retter der Seelen! Jefu, du Lehrer der Menschen! Jesu, du Freund der Armen! Jesu, du Tröster der Betrübten! Jesu, du Hoffnung der Gläubigen! Jefu, bu guter Hirt! Jesu, du Mittler zwischen Gott und den Menschen! Jefu ,, unser Weg, die Wahrheit und das Leben! Jesu! du Zuflucht der Bußfertigen! Jesu, du Versöhner der Sünder! Jesu, du wahres Licht der Welt! Jesu, du ewige Weisheit! R. Erbarme dich unser! 207 Tefu! du unendliche Güte! Jesu, du Troft der Leidenden! Jesu, du Heil der Sterbenden! Jesu, du Richter der Lebendigen und der Todten! Sunn Jesu, unser Anführer und Vollender! Jesu, du Freude der Engel! Jesu, du Wunsch der Patriarchen! Jesu! du Erleuchter der Propheten! Jesu, du Meister der Apostel! Jesu, du Stärke der Märtyrer! Jesu, du Stifter der christlichen Kirche! Jesu, du Quelle aller Heiligkeit! Jesu, du König des ewigen Reiches! Sen uns gnädig! R. Verschone uns, o Herr! Sen uns gnädig!. Erhöre uns, o Herr! 7 Vor allem Uebel! Vor Uebertretung deiner heil. Gebothe! Vor aller Unreinigkeit des Herzens! Vor Zorn, Haß und allem bösen Willen! Vor aller Lieblosigkeit gegen unsre Nes benmenschen! Vor Hochmuth und Habsucht! Vor aller Unehrerbietigkeit gegen das heilige Sacrament! Erbarme dich unser! Vor unwürdigem Genusse deines heil. Leibes und Blutes! Vor der Gefahr des ewigen Todes! Bewahre uns, o Herr! 208 Wir arme Sünder!. Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns verschonest! Daß du uns verzeiheit! Daß du uns im Glauben an dich erhals ten wolleft! Daß du uns in der Hoffnung auf dich bestårkest! Daß du die Liebe zu dir in uns vermeh, ren wolleft! Daß du alle christliche Herzen in liebe und Eintracht vereinigen wolleft! Daß du alle Menschen auf dem Wege zu der Tugend zu dir führen wolleft Daß du deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest! Daß du uns die Gnade verleihest, tir in beinem heiligen Gehorsam nachzus folgen! Daß wir immer mehr deine Geduld und Sanfimuth uns eigen machen! Daß wir in der Liebe zu Gott und dem Nächsten dir immer ähnlicher werden! Daß wir mit dir bis an unser Lebensendel eines Sinnes und Herzens verbleiben! Daß uns feine Widerwärtigkeit, ja selbst nicht der Tod von deiner Liebe trenne! Daß wir vor unserm Tode dein h. Abend: mahl zu empfangen würdig seyn mögen! . Wir bitten dich, erhöre uns! 00000000000000000000000000000000000000000000000000000000000 ** 0000000000 30 May 000000000cocacoeno00000000CODES Inches Centimetres Blue 12 ¹3 4 Cyan 2 5 ¹6 7 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 5 11 12 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8