2019 بالا sth. 17 Gb 2619 Erinen auch Abendemman stund en meinert guteren tante, Irlobines Dewas bewehrt es dies jetzige fig Ez dut hämme ein 2 Mr. Dankien Frer Morgen- und Abendopfer in Gefangen Johann Heinrich Wilhelm Witschel, Föniglich baierfchem Dekan und Distrikts: Schul- Juspektor in Gräfenberg. Siebente vermehrte und verbesserte Ausgabe. Mit allergnädigstem Königlich Württembergischen Privilegio. Sulzbach, im Regenkreise Baierns, in des Komersienraths J. E. Seidel Kunst- und Buchhandlung. 1819. 26.19 TATEA abelles Univ.- Bibl. Giessen Privilegium. Seine eine Königliche Majestät, der allerdurchlauchtigste großmächtigste König und Herr, Herr Friderich, König von Württemberg 2c. 2c. haben dem Kommerzienrath Johann Efaias Seidel, Buchhändler in Sulzbach im Regenkreise des Königreichs Baiern, das allerunterthänigst nachgesuchte Privilegium gegen den Nachdruck der in seinem Verlag herauskommenden sechsten verbesserten und vermehrten Auflage der Schrift: " Morgen- und Abendopfer in Gesängen " von J. H. W. Witschel, Pfarrer in Igensdorf," auf fechs Jahre zu ertheilen geruht. Vermöge dieses Privilegiums darf, unter den in der königlichen General- Verordnung vom 25. Febr. 1815, betreffende Privilegien gegen den Büchernach druck enthaltenen Bestimmungen und bey den daselbst festgefesten Strafen, diese sechste Auflage der gedach ten Schrift binnen der nächsten Sechs Jahre von in dem Königreich tem unten gesezten Tage an in Württemberg weder nachgedruckt noch auch etwa das von auswärts veranstaltete Nachdrücke in das Königreich Württemberg zum Verkauf gebracht werden. Gegeben Stuttgart im Königlichen Ober- Cenfur. Collegium, den 5ten Jul. 1815. von Menoth. ( L. S.) Werkmeister. S. Jáger. Ihro Ercellenz 2c. der Frau Ministerin, Gräfin Ernestine von Hohenthal, gebornen von Charpentier, verehrungsvoll gewidmet vom Verleger. Jadinida VII Vorrede zur sechsten Auflage. Math Da a sich die fünfte Auflage dieses Gebetbuchs bereits vergriffen hat, ohnerachtet verschiedne widerrechtliche Nachdrücke den Absaz der rechtmäßigen Verlagshandlung verringerten, worüber sich diefelbe mit gutem Grunde beschwerte, und deßwegen um ein königlich Württembergisches Privilegium nachsuchte und dasselbe auch erhielt; so habe ich jenes Exemplar von neuem durchgesehen, hie und da verbessert und mit zwey Ges sängen am Advent, einem te deum laudamus, einer Litaney, den zehen Geboten und den Artikeln des christ· lichen Glaubens vermehrt. Ich wollte diese Ausgabe meinem Vater, dem würdigen Stadtpfarrer und KapitelsSenior zu Gräfenberg widmen, allein er ist den 21. März dieses Jahrs in seinem 85. Jahr zu seiner Ruhe eingegangen. Ich habe die letzte Nacht an seinem Sterbebette durchwacht, ich habe mit ihm gebetet, ich habe seinen letzten himmlischen Aufblick gesehen, ich habe ihm die Augen zugedrückt. Ach guter Bater, habe Dank für deine Liebe, habe Dank für deine Treue! Nie konnte ich dir vergelten, was du an mir gethan haft. Aber wenn dein verklärter Geist meine Thränen sah, die so reichlich um dich floßen, so wird er mit der Ueberzeu VIII gung von hinnen gegangen seyn, daß ich dich kindlich, herzlich liebte. Und so stehe denn dieses vergångliche Denkmal hier zu meinem Troste und zur Erinnerung für den Wanderer, der noch so glücklich ist, Vater oder Mut ter auf Erden zu befißen. Es ruffe ihm zu: Erzeige ihnen alle Lieb auf Erden; Sie sind die besten Freunde! Kommt der Tod, Dann wirst du den Verlust tief inne werden, Dann siehst du einsam in dem Abendroth. Gott schenke uns allen Frieden im Herzen und einen freudigen Aufblick, ehe die Augen brechen, Amen. Igensdorf, den 19. Mai 1815. Witschel. Vorrede IX Vorrede zur siebenten Auflage. Als im Jahre 1803 der erste Versuch dieser Andachten von mir, nicht ohne Schüchternheit, dem Publikum übergeben wurde, konnte ich freilich nicht daran denken, daß solche eine so günstige Aufnahme finden und eis nen so ausgebreiteten Wirkungskreis erlangen würden. Ich habe wenig Verdienst dabey. Gott hatte mich in so glückliche Umstände gesetzt, daß es mir ausserst leicht ankam, meine Ueberzeugung und Empfindung mit kinds licher Harmlosigkeit auszusprechen und dadurch gewis sermassen meinem eigenen Bedürfnisse ein Genüge zu leisten. Glückliche Vergangenheit! Du stehst wie ein verlornes Paradies vor meiner Seele, wie ein stilles heiliges Bethanien, in welchem das Herz nur für den Himmel schlägt. Ich kann nur mit Bedauern zurückdenken an jene glücklichern Tage, wo der Diener der Kirche noch so ganz für sein Amt, für sich selbst und seine Bildung leben konnte. Jetzt ist er mit Arbeiten beladen, die ihm zum Theil eben so fremd, als gleichgültig sind. Die gebieterische Form hat das Hausrecht an sich geriffen, die holde Muse ist wehmüthig entflohen und der geplagte Geist verkümmert unter einem traurigen Geschäfts- Leben. Doch zur Sache. Seit jener ersten Erscheinung dieser Gesänge hat das Buch mancherlei Verbesserun gen und Zusätze erhalten und sechs Auflagen erlebt. Darüber freue ich mich und danke Gott, der mich wür - XI dig erfunden hat, zum groffen Bau feines Reichs auf Erden einen kleinen Beytrag zu leisten. Die siebente Auflage, zu welcher ich diese Vorrede schreibe, hat zu den vier Wochen über die Jahrszeiten, noch eine fünfte erhalten, in welcher ich, bey den Morgengebeten, einige Stellen aus der Bergprebigt, und bey den Abendandachten, Sprüche aus den letzten Reden Jesu im Johannes zum Grunde legte. Der übrige Text ist unverändert geblieben. Empfanget nun, Ihr, meine Freunde, nah und ferne, auch diese Blätter mit der Nachsicht und mit dem guten Willen, womit Jhr bisher meinen schwa chen Harfentdnen zugehört habt. Ihr wisset, daß es mir nicht um meine, sondern um eine höhere Sache zu thun ist und darum habt Ihr mich wahrscheinlich bisher so gutwillig und vertrauend in Eure Mitte auf genommen. Ich danke Euch! und wenn wir uns einst XII og dort in den seligen Hallen des Lichts begegnen, so laßt mich wieder Euern Sånger seyn! Hier erkenne ichs stückweise, dann aber werde ichs erkennen, gleichwie ich erkannt bin. Witschel. " Det XIII " Der vernünftige Zweck der Gebete, so wie aller finnlichen Religionsübungen im Allgemeinen, und zugleich das Höchste, was sie wirken können, ist religiofe Erbauung. Diese bes steht in Versinnlichung der Religionsideen für Phantasie und Herz, in einem dadurch gewirkten lebens digen Glauben, in einer Reinigung unserer Em pfindungen und einer erhöhten Rührung fürs Gus te: Alles zu dem groffen moralisch- ästhetischen Endzweck der Difciplin unsrer Neigungen und der Beförderung einer freyen und leichten Harmonie derselben mit den Forderungen der moralischen Vernunft. Dieß nämlich soll hier unter dem so oft gemißdeuteten Wort: religiöse Erbauung, verstanden werden. Auf richtung des gefunkenen innern Menschen, Veredlung und Ers hebung der Sinnlichkeit zur zwanglosen Harmonie mit der Vernunft, sollte überhaupt der lette, der höchste Zweck aller schönen und rührenden Künste seyn. Jede sollte nach ihrem Vermögen und in ihrem Wirkungskreise dazu beytragen, daß der innere Mensch, der durch Künsteley und Verkünstelung getheilt und zertrümmert worden ist, sich selbst wieder aufbaue und zu einem friedlichen Ganzen vereine. Die Vernunft verlangt gehorsame Unterthanen; die guten Künste bestreben sich, diese Unterthanen in liebende XIV Kinder zu verwandeln. Nicht soll die Vernunft für die Sinne lichkeit, aber wohl die Sinnlichkeit für die Vernunft gewone nen werden, damit sie mit Freuden gehorche und zufrieden und glücklich werde unter dem Zepter ihres strengen Monarchen.- Nur auf diesem Wege läßt sich eine innere Harmonie hoffen, wenigstens ein Vorschmack von der fünftigen Vereinigung der Glückseligkeit mit der Würdigkeit zu derfelben, ein Himmel auf Erden im Herzen und Geist des Menschen!-" Ideen der Gebetsformeln von J. J. Mnioch. Inhalt. I# ha I t. Erster Theil. Morgen Erste Woche. Lorgen und Abendgebete im Frühling. Zweyte Woche. Morgen und Abendgebete im Sommer. Dritte Woche. Morgen und Abendgebete im Herbst. Vierte Woche. Morgen und Abendgebete im Winter. Fünfte Woche. Ueber einige Stellen aus der Bergpredigt und aus den legten Reden Jesu im Johannes. Zweyter Theil. Das Gebet Jesu.$ Am letzten Abend im Jahr. Neujahr. $ Charfreytag. Oftern. Himmelfahrt. Pfingsten. Erndtefest. S Advent. 1 Weihnachten. Abendmahlsfever. -XV ? 3 S S S G - ? 3 S 2 $ 8 5 : S S Seite I 33 65 97 129 163 165 168 172 177 182 187 193 199 203 207 An einem Tauftage. Am Geburtstage. In Krankheit. An einem Begräbnißtage. Im Ungewitter, ben Tage. Nach dem Wetter. 3 S C XVI G 9 3 Im Ungewitter, ben Nacht. Bey einem sehr schweren Gewitter. Nach dem Wetter. 5 Te deum laudamus. Litaney. Die zehen Gebote. S Die Artikel des christlichen Glaubens. $ S S $ An die Christen, erste Epistel. An die Christen, zweyte Epistel. An die Christen, dritte Epistel. ? Dritter Theil. C S S Univ.- Bibl. Glessen S G S S S $ $ C S S G 8 Seite. 213 216 222 228 231 235 237 239 241 245 247 250 255 258 264 270 Von dem nämlichen Verfaffer und in der nämlichen Verlagshandlung ist auch zu haben: Etwas zur Aufheiterung in Versen, zweite um gearbeitete Auflage. Erstes Båndchen, 1817. Auf Velin papier 20 Gr. oder 1 fl. 15 kr., auf Schreibpapier 16 Gr. oder 1 fl., auf Druckpapier 12 Gr. oder 45 kr. Klage und Troft zum neuen Jahr 1810 gr. 8. geheftet auf Belinpapier 4 Gr. oder 15 kr., auf Schreibpapier 3 Gr. oder 12 kr. Erster Erster Theil Frühling. Erste Woche. I Sonntag. Morgen. Du, den Sonne, Mond und Sterne loben, Den des Seraphs goldne Harfe preist, de Den mein Herz am hellen Freudentage, Wie im Sturme, liebend Vater heißt; Groffer Geist, den keine Welt umschliesset, Den die Andacht Gott und Vater nennt, Den die tiefste Weisheit nicht ergründet, Den der Mensch nur durch den Glauben fennt; Höre mich am Tage deiner Ehre, Friede herrscht um mich und Heiterkeit, Hore mein Gebet im Morgenschimmer, Freundlicher, in deiner Herrlichkeit. Herr und Vater, laß mich Gnade finden, Wenn mein Herz in frommer Liebe glüht, Gnade, wenn ich menschlich vor dir rede, Du, der alles ewig weiß und sieht. Soll der Mensch des Irrthums Sclave werden? Laß uns fray im Reich der Wahrheit seyn! Soll die Thorheit unsern Pfad umwölken?- Schenke uns der Weisheit Sonnenschein! 4 Kann die Welt durch Unrecht glücklich werden?- Unser Heil sen die Gerechtigkeit! Kann das Laster unser Herz belohnen? Nur die Tugend giebt uns Seligkeit! Freude lohne allen guten Menschen, Friede sey der Erde Eigenthum! Tugend sey der Menschheit Ehrenkrone, Und die Liebe sen ihr Heiligthum! Blinder Irrthum hat die Welt entzweyetMißgunst ist die größte Sündenschuld; Ach, in Tempeln und in Herzen wohne Glaube, Liebe, Hoffnung und Geduld! Ruhe herrschet, Sabbathstille wehet, Und die Schöpfung feyert deinen Ruhm. Glocken tonen. Millionen wallen, Anzubeten in dem Heiligthum. Segne sie; du kennest ihre Herzen, Leite sie zum wahren Guten hin. Ihr Gesang sey Harmonie der Seele! Ihr Gelübde fen ein reiner Sinn! Führe aus dem Vorhof alle Völker In das Heiligthum der Wahrheit ein.. Ach, und wenn die letzte Stunde winket, Vater, laß uns alle selig seyn! mon dau 2 ben d. Lobe deinen Schöpfer, meine Seele, Und vergiß nicht, was er dir gethan. Vater, deine Erde ist umhüllet, Doch der Himmel ist mir aufgethan. Wer kann durch die tiefe Ferne schauen, Wo die letzte deiner Welten steige? Wo die Schöpfung und der Raum sich endet, Wo das Leben und die Freude schweigt? Ach! unendlich liegt das Reich der Wesen, Deine Schöpfung, vor mir aufgethan; Und du bist ein groffer Gott der Liebe, Mehr, als ichs, begreifen, ahnen kann. Ruhe sinkt von deinen Wolken nieder, Feyerno steht der Tempel der Natur, Und der Himmel brennt mit allen Sternen, Alles trågt der groffen Liebe Spur. Dank dir, Vater, der zum Erdenleben Uns ein mildes Licht vom Himmel gab Einen Schimmer, der zur Ruhe leitet, Sanft und freundlich, bis ans stille Grab; - 6Eine Freundin, die den Sünder tröstet Und sich liebend zu dem Frommen neigt, Einen Engel, der am Sterbebette Unserm Geist die lichte Heimat zeigt. Alle niedern Erdensorgen schwinden, Friede Gottes weht vom Sternenthron, Und mein Herz fühlt in der Sabbathstille Deine Freuden, o Religion.- - Dein Gesetz erhellt die trübe Seele, Sanft bist du, und deine kast ist leicht; Freudig hört der Weise deine Stimme, Wenn sein guter Engel von ihm weicht. Sanft tont deine Stimme aus der Höhe, Wenn der Mensch im Staube sich vergißt; Sanft spricht Jesus: send vollkommen, Kinder, Werdet gut, wie euer Vater ist. Vater, guter Vater, dir zu dienen, Dich zu lieben, ewig dein zu seyn Und den Menschen lieb und nüglich werden, Dieses weihet mich zum Himmel ein. Die Natur entwickelt alle Keime, Und Vollendung folget ihrer Spur, Soll der Mensch alleine rückwärts gehen, Er, der Erstgeborne der Natur? Ist er nur für Eine Welt geboren, - 7 Trågt er nicht den Keim der Ewigkeit? Hast du ihn zum Bürgerrecht der Geister, Grosser Geist, nicht liebend eingeweiht? Kann er mit sich selbst zufrieden leben, Wenn er seines Lebens Werth vergißt? Kann er dich in deiner Schöpfung lieben, Wenn er nicht des Guten Schöpfer ist? Wird die Nachwelt seinen Namen fegnen, Wenn er tråg sein Tagewerk versäumt? Wird er ruhig einst hinüber gehen, Wenn er seinen Lebenstag verträumt? Ach! das Leben eilt so schnell von hinnen, Schnell und tauschend, wie ein Mondenblick, Und die Jahre, die entschlafnen Jahre, Bringt kein Wunsch aus ihrer Gruft zurück. Vater, lehre mich es wohl bedenken, Diese Stätte bleibt nicht ewig mein. Hilf, daß ich den Zweck des Lebens finde, Und das Ziel wird mir nicht schrecklich seyn. Freundlich wird es mir vor Augen stehen, Wie die Lilie im Mondenschein; Vater, deine Engel werden winken, Und mein Sterben wird ein Lächeln seyn. 8 Mondt a g. Morgen. Fliehe, Nacht! die Ruhe ist vorüber, Gottes Schöpfung liegt im Glanz vor mir; Und der Tag, mit allen seinen Strahlen, Neubelebte Menschheit, leuchtet dir. Alles regt sich um mich her und webet In den groffen Hallen der Natur, Labend stößt die Morgenluft vom Berge, Und verweht des Schlafes dumpfe Spur. Auf, mein Sinn! die goldne Lebensstunde Winket dir zur neuen Thätigkeit, Rufet dich zur lieben Arbeit wieder, Zum Genuß, den Gottes Hand dir beut. Ach! wer bin ich, daß du mein gedenkest, Daß mich täglich deine Huld umgiebt? Herr, was ist der Mensch, vom Staub geboren, Daß ihn deine Allmacht trågt und liebt? Daß die Arbeit ihn zu Thaten rufet, Daß der Fleiß, der fromme Sohn der Zeit, Unsern Pfad zum Ruhme, und zur Freude, Und zum Grab mit Blumen überstreut? -9 Er belohnt das Herz mit stiller Wonne, Giebt dem kurzen Daseyn goldnen Werth, Und befrånzt uns, wenn der Todesengel Uns für eine beßre Welt begehrt. Nur das Thier hångt an Genuß und Ruhe, Sorgt nur, daß es lebe; denket nicht, In dem Traume seines Erdenlebens, An Vollendung, Grösse, Recht und Pflicht. Aber eine rege, freye Seele d Treibt den Menschen in den Kampf hinein, Er will seiner Hande Arbeit sehen, Will vollenden und vollendet seyn. Darum dank ich dir, du Gott der Liebe, Der zum Leben mir auch Arbeit gab. Nur der Fleiß erhebet uns zu Menschen, Reichet uns den sichern Wanderstab. Laß mich fröhlich wirken, weil die Sonne Noch erleuchtet meine Lebensbahn. Bald erscheint die stille Abendrothe Und die Nacht, wo Niemand wirken kann. Vater, unter deinen Augen trete Ich in meinen Wirkungskreis hinein. Ach! laß meinen Fleiß nie unvernünftig, Meine Arbeit nie verwerflich seyn. - -10 ig 2 b en d. In den groffen Schattenschleyer Hüllet Feyerlich die stille Erde sich. Wieder ist ein Tag hinabgefunkenHerr des Lebens, du erforschest mich. Immerdar, ich gehe oder liege, Bin ich, unsichtbarer Geist, vor dir. Und auf jedem Lebenspfade schweber, Richter, deine Waage über mir. Stillverschwunden gleiten meine Tage, Wie verwelkte Blåtter in dem Bach, Hin, auf ewig hin, im Strom der Zeiten, Und wer weiß, bald folgt der letzte nach. Liebe Seele, unter allen Schätzen. Ist der größte deine Lebenszeit. Ach! du kannst sie nicht zurück erkaufen; Denn ihr Wesen ist Vergänglichkeit. Sieh, mit jedem leifen Tritt verrinnet Unvermerkt fie hinterm Wanderstab, Und kaum hat der Mensch den Lauf begonnen, So erscheint ihm schon das Ziel- das Grab. - 11 Blick ich auf Herr über Tod und Leben, Prüfe mich, wie ist mein Herz bestellt? Bebt es nicht vor dir, dem ewig Nahen, Nicht vor dir, dem Richter aller Welt? Hab ich fromm und treu den Bund gehalten, Den ich weislich mit mir selbst gemacht? Hab ich ohne Fehl gerecht gehandelt, Ohne Tadel meine Pflicht vollbracht? Hat nicht Thorheit, Leichtsinn und Begierde, Hochmuth, Mißgunst, Eigennuß und Wahn Mich von dir, dem guten Geist, entfernet Auf der ungewissen Lebensbahn? Habe ich für meinen Geist gewuchert Mit dem Pfund, das deine Huld mir leiht? Ist mein Herz an Tugend reicher worden, Und dadurch an innrer Seligkeit? Ja, ich fühl es, Gott, zu deinem Frieden Leitet nur der Tugend steile Bahn. Doch wo schlägt das reine Herz auf Erden, Das sich keiner Sünde zeihen kann? Du allein bist immer gut und heilig, Du alleine wohnest in dem Licht, Du bist weise, bist vollkommen Vater, Aber wir im Staube find es nicht. Doch dir immer ähnlicher zu werden, - 12 Dieser Wunsch ist edel, fromm und groß. Und vom Staube ewig aufwärts streben, Ist ja unser freudenvolles Loos. Dieses, Vater, lehre mich bedenken, Lehre michs in dieser stillen NachtUnd mit diesem grossen Wunsch sey heute Dieser Tag und mein Gebet vollbracht. 15 Dienst a g. Morgen. Wenn enn im Hain der Morgenruf begonnen, Und der junge Tag in Often lacht, Wenn der Himmel in Verklärung stehet, Und die Erde aus dem Schlaf erwacht: O dann triumphirt das füffe Leben, Und das Reich des Todes wird zu Spott; Alle Herzen schlagen neugeboren, Und die freye Seele fliegt zu Gott; Betet an, versinkt in hohe Wonne, Fühlet seine Gegenwart im Licht; Strömet hin zur groffen Lebensquelle, Opfert ihm des Dankes süsse Pflicht; Ihm, den Sonne, Mond und Sterne ehren, Ihm, der alle Wesen liebend trägt, Ihm, vor dessen Weltenthron der Cherub Seine Krone schweigend niederlegt. Du, o du, der mich dem Nichts entriffen, Und ins freudenvolle Leben rief, Du, der meinen Odem mir bewahret, Als ich, wie im stillen Grabe, schlief; midig 14 O wie dank ich dir das neue Leben? Wie vergelt ich deinen Sonnenschein?- Laß mich nicht umsonst dem Licht geboren, Nicht umsonst auf deiner Erde seyn. Laß mich freudig meine Pflicht erfüllen, Nicht zur Rechten, noch zur Linken sehn Laß mich in dem grossen Kampf der Menschheit Auf der Seite der Gerechten stehn. Laß mich nie des Lasters Klugheit ehren; Zu der Tugend führt nur eine Bahn. Nur, was recht ist, Vater, laß mich wollen, Fröhlich dem Gesetze unterthan. Eins ist Noth! der größte Schaß des Herzens, Reinigkeit vor deinem Angesicht. Laß mich jedem Sterblichen verzeihen, Jedem Sünder- nur mir selber nicht. <-15 2 ben d. Auf, mein Geist, es naht die Geiſterstunde, Die der blinde Aberglaube schufImmer, immer schlägt die Geisterstunde, Und der Weise höret ihren Ruf. Wahrheit geht nicht mit der Sonne unter, Die Vernunft umhüllet keine Nacht, Und der Geist erkennt in Finsternissen, Was ihn schon vor Gottes Augen macht. Vater, diese leßte Abendstunde Sey der Andacht und dem Geist geweiht, Eh der Leib zu seiner Ruhe sinket, Im Gefühle seiner Sterblichkeit. Bald wird meine Lebensfonne sinken, Und die Ruhe mahnet an das Grab. Wohl mir dann, wenn ich mit leichtem Herzen Niedersinke an dem Wanderstab; Wenn ich treu mein Tagewerk vollendet, Wenn ich froh zu meinen Våtern geh, Und in meiner letzten Abendrothe Deinen Himmel vor mir offen seh; Deine Sonnen mir entgegen glänzen, Wenn der Tod aus taufend Wogen spricht; - 16 Deine Engel freundlich mich umschweben, Wenn mein Nachen an dem Grabstein bricht. Heiligthum, wo Gottes Sterne brennen, Schönes land, wo alles Klarheit ist, Wo der Geist, von Himmelsluft gehoben, Alles, nur die Wahrheit nicht vergißt. O mein Auge blicket nicht vergebens In das groffe, stille Heiligthum, Und ich ahne nicht umsonst im Kerker Jene Freyheit im Elysium. Frey von Banden, die das Herz bestricken, Frey von Wahn und Geistessclaverey, Vater, laß mich meinen Lauf vollenden, Daß ich jener Palme würdig sey. Daß ich nicht mit Schaam hinüberblicke, Wo die Wahrheit auf dem Throne fißt; Daß ich die Gerechtigkeit nicht scheue, Deren Schwerdt hin über Welten blißt. Laß mich nie das Eitle liebgewinnen, Vater, gieb mir Weisheit und Verstand, Gieb mir stille Demuth, und vor allem Einen Sinn für jenes Vaterland. Deine Sterne blinken freundlich nieder, Deine Schöpfung schlummert friedlich ein. Alles ruht am grossen Vaterherzen; Auch mein Schlaf wird fanft und stille seyn. Mitt 17- Mittwoch. sis Morgen. Du, der freundlich alle Wesen nähret, Der das Jahr mit seinem Gute front, Der dem Engel seine Freude spendet, Und des Menschen Lebenstag verschönt; Vater, o der Freuden sind so viele, Als der Blumen auf der schönen Welt; Alles lebt und webt in deiner Liebe, Alles wird von deinem Licht erhellt. Ueberall erscheinet deine Gnade, Ueberall im Tempel der Natur, Bonne trinkt der Mensch mit vollen Zügen; Freude sucht und hascht die Kreatur. Von der Frühlingsblume bis zur Traube, Von der Garbe bis zum Winterheerd- Leben, Fühlen, Hoffen und Geniessen, Alles ist der Freudenthråne werth. O Natur, du ewig reine Quelle, Wohl dem Herzen, das dich nie verkennt, Das in dir die wahre Schönheit findet, Und mit liebe für den Schöpfer brennt; 2 18 Für den guten, groffen Weltenvater, Den der Geist nur ahnet, nicht begreift, Uch, auf dessen Wink die Menschheit blühet, Und die Blume und die Traube reift. Ueber Sternen wohnt er in dem Lichte, Wo ein Glanz von tausend Sonnen ist; O mein Herz, du wirst ihn kennen lernen, Wenn du nicht mehr unter Menschen bist. Dann wirst du dein Leben freudig fegnen, Dort, wo reiner Himmelsathem weht, Dort, wo alles groß und lieblich pranget, Dort, wo deine Freude nicht vergeht. Fühle dieß im Wonnetag auf Erden, Und die neue Hoffnung tröste dich! Fühle dieß in deiner Leidensstunde, Und die groffe Hoffnung stärke dich! Freudengeber, laß mich rein geniessen, Laß mich im Genusse mässig seyn Laß mich nicht alleine Rosen pflücken, Laß mich auch für Andre Rosen streun. <- 19 2 ben s. Du, u, der allen Wesen ihre Tage, Schmerz und Freuden, weislich zugezählt; Du, der für den Wurm das Loos im Staube, Für den Engel Himmelslicht gewählt- Weltenlenker, groffer Herr der Zeiten, Auch mein Schicksal steht in deiner Hand; Doch hienieden, wo der Irrthum wohnet, Bleibt dein Rath uns Schwachen unbekannt. Fern vom lichte, wo der Weisheit Schimmer Sich verliert im dunklen Erdenschacht, Wie der Abendstern, die kleine Lampe, In dem weiten Grab der Mitternacht- Fern vom lichte hilft uns nur der Glaube; Unser Wissen schwebt in Dunkelheit, Wenn kein milder Strahl aus beffern Welten Das Gewölke der Vernunft zerstreut. Ohne diesen Aufblick voll Vertrauen Zu der Gottheit, die den Menschen liebt, Ware unser Lebenstag auf Erden, Wie die Nacht, die Flur und Wald umgiebt. 20 Vater, o ich will, ich darf es glauben: Du blickst freundlich auch auf meinen Pfad, Deine Hand schwebt über meinem Haupte, Und du leitest mich nach deinem Rath. Sollte ich mein Schicksal selber wählen Dich hätte weder Lust, noch Muth; Aber du, der in die Zukunft blicket; Was du ordnest, das ist schön und gut. Sorge, Herz, nicht für den andern Morgen, Laß die citle Mühe, die dich quâlt! Denn der Himmelsvater weiß am besten, Was zu deinem wahren Glück dir fehlt. O er forgt für Millionen Welten, Sorgt für deinen kurzen Lebenstag; Darum sorgt der Weise nicht hienieden, Ausser, wie er weiser werden mag. So vergehet unter Gottes Frieden Unser Leben, wie die stille Nacht. Ach, und Traum und Täuschung ist verschwunden, Wenn der Geist nach deinem Bild erwacht. abesc 18 21 ada god staid o har 13 Donnerstag 313 Morgen. Du, auf dessen Wort die Nacht verschwindet Und der Morgenstern am Hügel weilt, olt Du, der allen Geistern, allen Wesen, Ihre Laufbahn weise zugetheilt, t Laß mich nie vergessen, daß auch meine Laufbahn unter deinen Händen steht, Und daß Jeder, der zum Grabe wandelt, Unter deinem Aug durchs Leben geht. Sollt ich murren, daß im Reich des Lichtes Jeder Mensch mit eignen Augen sieht? Murren, daß zum Rofenhain der Freude Jeder seine eigne Strasse zieht? Sollte ich mit Brüdern mich entzweyen, Weil sie mir gleich- unvollkommen sind? Sollte ich des Nächsten Splitter sehen, Und für meinen Balken war ich blind? Vater, über Gute, über Böse Gehet deine Sonne freundlich auf! Wer umfaffet deine groffen Plane In dem kurzen, dunklen Lebenslauf? - 22 Richtet nicht! o diese hohe Lehre, Wohl dem Menschen, der sie nie vergißt, Und der in der groffen Welt.- der Schwachen Weislich glaubt, daß er kein Engel ist. Sanftmuth ziemt dem Weisen, Mitleid, Hülfe; Denn die bösen Menschen sind nur krank, Und wer wollte låstern, wenn ein Blinder Etwa aus unreiner Quelle trank? Vater, schenke mir die hohe Liebe, Die den Schwachen mit Geduld ertrågt, Jene Liebe, die im Kreis der Sünder Ihre eigne Schwäche still erwägt. Laß mich gut seyn auf der Lebensreife, Auf mein Herz und nicht auf Andre sehn; Und wenn tausend ihren Pfad verlieren, laß mich auf geradem Wege gehn. 23 2 b en d. 4302 Unter Gottes Sternen wohnet Friede, d Ruhe ist des Himmels Eigenthum; Und mit füffer Ahnung blickt die Seele In das groffe, dunkle Heiligthum. Schön ists, wenn das thatenvolle Leben In dem Lichte vor uns wacht und webt; Aber liebreich ruht die stille Erde, Wenn der füffe Schlaf hernieder schwebt, Dieser fromme Schußgeist aller Müden, Dieser Liebling aller Kreatur, Dieses Balfambad der wunden Glieder, Dieser Labebecher der Natur. Wie ein Sarg im stillen Leichentuche Ruht die Erde in dem Schattenmeer, Und wie Kerzenglanz in Tempelhallen, Brennen tausend Sterne um sie her. Ach sie rühmen alle deine Ehre, Herr, im Kreise vor dir hingeneigt, Und mit Millionen Freudenstimmen Jauchzt der Himmel, wenn die Erde schweigt. 24 Aber schlafend schenkest du den Deinen Unterm Monde neue Lebenskraft, Deinen Menschen frisches Blut im Herzen, Und der Blume neuen Purpursaft. Ruhe wehet, Friede herrscht im LandeUnd die Menschheit sieht ein Traumgesicht- Millionen Augen sind geschlossen; Nur der Unerschaffne schlummert nicht, Seine Obhut blicket unverwendet Segnend, schüßend auf den Weltenfreis; Tausend Sonnen gehen um ihn nieder, Und kein Schlummer lohnet seinen Fleiß. Herr, vergieb mir, daß ich menschlich rede, Schöpfer, du bedarfst der Ruhe nicht- Nur der Müde schläft, der Schwache ruhet; Ewig wacht der Gottheit Angesicht. Auch ich werde einst nicht mehr ermüden, Einst nicht mehr des Leibes Sclave seyn. Doch, so lang das Loos der Schwachheit währet Schlaf ich unter Dank und Freude ein; Freue mich der füffen, stillen Ruhe, Danke dir für jede fanfte Nacht, Bis ich einst am grossen Morgen rufe: Auch die letzte Ruhe ist vollbracht! 330 25 Freytag. Morgen. Va Emppivated Pater, der du einst im Morgenlande, Wo die Sonne glänzend aufersteht, Einen reinen Beifen uns erwecktest, Dessen Leuchte niemals untergeht- Der den Bund der Liebe uns gelehret, Der das groffe Wort der Freyheit sprach, Der dir einen hellen Tempel baute, Und die Fessel der Vernunft zerbrach. Heute starb er gute Menschen weinten, Und die Sonne sank in Trauerflor: Doch umsonst frohlockt der blinde Haufe; Herrlich tritt Er aus ver Nacht hervor.. Seine Wahrheit kann nicht untergehen, Nur dem Wahne dráut die TodesnachtHeiter neigt sein Haupt der Lichtgeborne, Ruhig spricht der Held: es ist vollbracht! Unter Gottes Auge feimt der Saame, Den er in der Menschheit Schoos gelegt, d Und die Nachwelt bauet Dankaltare, Wenn die Aussagt golone Früchte trägt. 26 Vater, der du in dem Lichte wohnest, Nimm mein Herz zum Dankesopfer hin, Daß auch mir der Wahrheit Sonne leuchtet, Daß auch ich zum Licht berufen bin. Zwar du trågst sie Alle an dem Herzen, Reichest Allen deine Vaterhand, Wirft sie Alle einst zum Lichte führen, Dort im grossen, schönen Vaterland Denn ja nur die Wege sind verschieden, Aber nicht das grosse, letzte Ziel; Und der uns zur Ewigkeit erschaffen, Treibt mit uns fein leeres eitles Spiel. Doch ich danke, danke dir von Herzen, Du, den Jesus liebend Vater heißt, Daß mein Herz voll findlich füffer Triebe, Dich im Geist und in der Wahrheit preist; Daß fein schweres Joch mich niederdrücket, Daß kein Kluger mein Gefeß verlacht, Daß kein Mensch mir, Mensch zu seyn, verbietet Daß mich Jesus Christus- frey gemacht. Laß mich christlich diesen Tag verleben, Edel, weise, nüglich, sündenfren. Und der Welt durch schöne Thaten zeigen, Daß ich unsers Stifters würdig sey. Univ. Bial. Glessen = 27= 2 ben d. Wenn enn die Abendglocke friedlich tónet, Heilges Schweigen die Natur umfångt, Und der Mond, wie eine stille Lampe, In dem hohen Nachtgewölbe hångtWenn die füffe Ruhe wiederkehret, Wenn der Schlaf die Schlummerförner streut, Und die Nacht die schöne Welt verhänget, Gleich dem Vorhang vor der Ewigkeit; Dann zieht sich der Geist vom groffen Spiele Still betrachtend in sich selbst zurück; Dann gehört das Herz dem Menschen wieder, Und die Welt erlischt vor seinem Blick; Dann ist ihm die Gottheit freundlich nahe, Und der Himmel dåmmert vor dem Geist, Wie vor einer neu perklärten Seele, Wann sie sich dem Land der Welt entreißt. Wenn ihm fein Gewissen dann bezeuget, Daß er auf der dunklen Lebensbahn Treu und richtig vor sich hingewandelt, Daß er redlich seine Pflicht gethan- -- 28 dann blickt er fröhlich auf zum Himmel, Deffen Bürgerrecht er långst erwarb, Und befiehlt den Geist in Gottes Hände, Wie der Fromme, der am Kreuze starb. Vater, laß mich jeden Tag vollenden, Unter Frieden, unter Herzensruh, Und mit einer stillen Freudenthrane. Schliesse sich mein müdes Auge zu. and onl Daß ich dein bin, süsser Trostgedanke, Ist mein Licht in jeder Erdennacht; Daß ich dein bin, o mit diesem Glauben Ruf ich einst getrost: es ist vollbracht! Vater, o der groffen Freud und Wonne, Wie den Träumenden wirds dann uns seyn; Alle Schwachheit bleibt zurück im Grabe, Und die Menschheit ist verklärt und rein. Ja, es ist noch eine Ruh vorhanden, Stolzer Friede, reines HimmelslichtDu, mein Gott, den ich so herzlich liebe, Du vernichtest diese Liebe nicht. 35 29 Sonnabend. 916 Morgen. ( 1968) Wie der lichte Sonnenstrahl von Oſten Durch den grauen Morgennebel bricht, Soll die helle Wahrheit uns erleuchten, Wenn der Mensch mit seinem Herzen spricht; Wenn er das Vernunftgesetz im Busen Hôtet, das ihn nie umsonst verklagt; Wenn er redlich seinen Willen prüfet, Und sich selbst am Schluß der Woche fragt: Hab ich keiner Thorheit Raum gegeben? Hieng ich nicht an Land und Eitelkeit? Hat der Leichtsinn mich nicht überlistet Auf dem Wege der Gerechtigkeit? Bankte nicht am Scheideweg der Tugend. Unentschloffen der verkehrte Sinn?? Darf ich froh und fren gen Himmel blicken; Fühl ich, daß ich reines Herzens bin? Ach, ich bin noch weit vom hohen Ziele, Wo die Tugend Ehrenkränze flicht. Wollen hab ich wohl, du weißt es, Vater; Aber das Vollbringen find ich nicht. m 30 HOURS Vorwärts! ruft die Schaar der Auserwählten, Vorwärts! ruft der gute Geist in mir.Unsre Ruhe wohnt nur im Gewissen, Und ich fand, ich fand sie noch nicht hier, Und bald wird die Sanduhr mir verrinnen, Bald ertönt der ernste Senfenklang+ Ach, ich höre schon die Sterbeglocke. - Abiy qis MAS Höre schon den hellen Grabgesang. Mit der Woche fällt von meinem Leben, Wieder eine welke Blume hin Es wird AbendNacht und Gråber rufen: Fremdling, alles, alles, geht dahin! Wohl mir, daß ich noch im Staube walle, Daß ich noch mein Haus bestellen kann; Meine Krone ist noch zu erringen, Und die Schranke ist noch aufgethan. Guter Vater, laß mich weise werden Auf dem Wege zu der Ewigkeit! Guter Vater, laß mich schon vollenden, Und dann gieb mir deine Seligkeit. -31- A ben d. Vater, alles eilt zu seinem Ende, Alles folgt dem Ruf der Sterblichkeit; Unvermerkt entfliehen meine Tage In das graue Meer der Ewigkeit. Wohl mir, daß ich nicht vergebens hoffe, Daß mein Glaube nicht vergånglich ist; Die Gewißheit ruht an meinem Herzen, Daß du dort, auch dort mein Vater bist. Daß ich jene Sterne wieder finde, Wenn die lehte Sonne niedersinkt, Daß ein lichtes Eden für mich grünet, Wenn die dunkle Nacht des Todes winkt; Daß ich lerne, was ich angefangen, MO mull Hier nur träumen, nicht vollenden kann, Daß ich mich erst meines Wesens freue Auf der groffen, hellen Sternenbahn; Dieses ist der liebliche Gedanke, Der wie Blumendüfte mich umweht, Dieses ist der Glanz im dunklen Thale, Der wie Gottes Sonne vor mir steht. pangs 52 - O so schwinde denn, du goldne Stunde, Süsses Leben eile schnell vorbey; Nur, daß keiner meiner Erdentage Ungenoffen, unbenußet sey! Ich bin ewig! Laß mich heilig leben, Denn die Welt vergeht mit ihrer Lust; Laß mich, Herr, nach deinem Reiche trachten, Und dein Friede sey in meiner Brust. Meine Hoffnung fey das beßre Leben, Meine Liebe die Gerechtigkeit, Und mein Glaube, der mich stårkt und tröstet, Die Vollendung in der Ewigkeit. Und so schließ ich fröhlich diese Woche; Vater, Vater, warmen Herzensdank, Daß ich noch auf deiner Erde lebe, Daß ich nicht in Sünd und Thorheit sank. Alles, alles hast du mir gegeben; Unter Dank und Liebe schlaf ich ein- Ruhig schläft dein Kind die Sterne blinkenVater, auch im Schlafe bin ich dein. Sommer. Sommer. 3 weyte te Woc) e. 35 onntag. Morgen. Du bist es, der die Morgensonne rufet, Und schweigend tritt sie aus dem Zelt der Luft; Du bists, der die entschlafne Menschheit wecket, Und feyernd steigt sie aus der finstern Gruft. Dich preist mein Lied, du unsichtbarer König, In deinem friedenvollen Geisterreich; Du stille Macht, du segensvolle Grösse, Du Vater, dem kein Herz an Liebe gleich. Hier stehe ich in deiner Welt voll Freude, Die Morgenluft weht heilig durch die Flur, Das Leben wacht auf Blumen und auf Zweigen, Und deine Sonne flammt in der Natur, Mit hellem Glanze fährt sie auf die Höhe Im blauen Himmelsmeer. Umfrånzt mit Licht Erhebt sich blühend die Gestalt der Erde, Und neiget sich vor deinem Angesicht. O Sonne, erstgebornes Kind des Himmels, Du Seel der Welten, Mutter der Natur, Der Gottheit Spiegel, goldne Lebensquelle, Du erste Blume in der Weltenflur, 36 Ein kalter Leichnam ist die Schöpfung ohne Dein Licht. Dem tiefen Bache schenkst du Glanz, Umhüllst die Felsenwand mit Rosenschimmer, Und alles blüht in deinem Strahlenkranz. Doch herrlicher und grösser ist die Quelle Des Lichts, die dich, o Sonne, einst gebar, Erhabner ist der Meister in der Höhe, Den Licht umfloß, da keine Sonne war. O wohl mir, daß ich diesen Glauben habe: Es ist ein Gott, er ist; ich bin sein Kind. Er ist um mich, er höret meine Worte Und wird nicht zurnen, wenn sie menschlich sind. O Gnädiger, dich lieber meine Seele, Und Liebe ist mein Dank und mein Gebet. Dir schlägt mein Herz voll kindlich süssen Frieden, Bis es im stillen Grabe einst vergeht. Die Arbeit ruht; der Friede Gottes herrschet; Die Undacht schlieffet ihre Tempel auf. Die Sonne schwebt im sanften Morgenrothe, Und winkt herab: vollendet euern Lauf! Hilf mir, o Gott, den schönen Preis erringen, Der dieses Lebens dunklen Traum erhellt. Die Zukunft grunt; das Leben mag verblühen, Denn unsre Krone liegt in jener Welt. bioet off -37 A ben d. Er ist vollbracht, der stille Tag der Ruhe, Vollbracht zu meines Schöpfers Preis und Ruhm. Die Nacht erscheint; die lauten Chöre schweigen, Und feyernd schlieffet sich das Heiligthum. Vom Berge neigen hohe Nachtgestalten Und ernste Schattenbilder sich ins Thal; Das Leben ruhet selig über Gräbern, Und Friede weht vom hohen Sternenfaal. O schöne Welt, o Paradies des Weifen, süß gewohntes, wundervolles Land! Wie glücklich kann der Mensch hienieden leben, Wenn Thorheit nie fein freyes Herz umwand; Wenn er mit frohem, dankerfülltem Herzen Geniesset, was der gute Himmel beut, Wenn er bei frommer Aussicht in die Zukunft Kein laster der Vergangenheit bereut. Sein Herz ist leicht, ist mit der Welt zufrieden, Er findet überall der Freude Spur. Er gönnt den Groffen ihre Lust am Kleinen, Sein Erbtheil ist die herrliche Natur. 58Er hofft das Beste von dem Weltenlenker, Er fordert von den Menschen nicht zu viel. Sein Geist blickt nach der Laufbahn zu den Sternen; Ach alles strömt zu der Vollendung Ziel. In hoher Eintracht ist auf seinem Pfade Das Nügliche und Schöne sanft vereint, Den Blumen gleich, im goldnen Aehrenfelde, Wo das Verdienst in Lieblichkeit erscheint. Das Gute nur, das unser Fleiß erzielet, Erfüllt die Seele mit Zufriedenheit. Es giebt kein Glück, als das wir selber bauen, Denn die Natur giebt nur Empfänglichkeit. Gott, den ich in hoher Andacht ehre, Dir will ich dienen auf der Lebensbahn Durch Freude, Demuth, durch Vernunft und Si Tugend, Dann bet' ich dich in Geist und Wahrheit an. Und sinket einst mein letzter Abend nieder, Und ist mein Werk für diese Welt vollbracht, Dann noch ein Blick auf diese schöne Erde, Und tausend Dank, und eine sanfte Nacht! <-59 comment Mondt a g. SUCE Morgen. Die Sonne winkt. Die Nacht ist hingeſchwunden. Der Thau liegt funkelnd auf der Lebensbahn. Nach kurzer Ruhe bricht die laute Woche, Der lange Tag voll Schweiß und Arbeit an. Warum, o Gott, ist auf dem Lebenspfade Die Pilgerlast so ungleich ausgetheilt? Der Eine finkt erschöpft am Stabe nieder, Indeß der Andre leicht vorüber eilt. Den Armen flieht das Glück mit seinen Schäßen, Er ringt mit Sorge um sein täglich Brod; Der Reiche nimmt das Füllhorn ohne Mühe, Und schwelgt oft sündlich bis zum Abendroth. Die Sense måht dem heissen Tag entgegen, Die Pflugschaar glüht im scharfen Sonnenstrahl: Der Weichling ruht in seinem Müssiggange, Und fühlet nicht der harten Arbeit Qual. Warum die Welt in solchem Wechsel altert, Das weißt du, Vater, und nur du allein, Du, der dem milden Frühlingsathem winket, So wie dem Dampf im heissen Sonnenschein. 40 Dein ist die Macht, du hast die Welt gegründet, Du giebst das Leben jeder Kreatur, Und leitest jedes Wesen unterm Monde Auf seine eigne stille Freudenspur. Das Leben ist das Größte. O aus diesem Erweckten Funken in der todten Nacht Quillt eine wunderbare Freudenflamme, Und zeiget Jedem seine Welt in Pracht. Ich bin erwacht, ich lebe noch, ich fühle Mein Dafeyn mit verneuter Seligkeit. Ich stimme jauchzend in der Schöpfung Chore, Mein ganzes Wesen glüht in Dankbarkeit. Das Leben, Gott, ist deine schönste Gabe; Es kommt von dir, es sen mir findlich werth, Es sey mein Heiligthum; und reine Tugend Entflamme täglich seinen Opferheerd. Und keine Mühe foll mich wankend machen, Und kräftig sey mein Herz und meine Hand! Es lohnt sich einst am stillen Feyerabend, Geschieht es nur für Gott und Vaterland. So will ich denn mit frischem Muth beginnen, Mit Redlichkeit an meine Arbeit gehn. Dir, guter Gott, empfehl ich Leib und Seele, Laß deinen Geist mir sanft zur Seite stehn. 162 - 41A ben d. Die ie Abendrithe ist hinabgefunken, Die Luft wird kühl, und schweigend herrscht die Nacht. Die Welt wird sanft; die füsse Ruhe winket; Der Müde hat sein Tagewerk vollbracht. Wohl ihm, wenn er mit leichtem Herzen ruhet; Wenn sich der Himmel freundlich zu ihm neigt, Und wenn so ruhig, wie der Sternentempel, Sein frommes Herz und sein Gewissen schweigt. Wenn fein gerechter Vorwurf ihn belastet, Wenn keine stille Schuld ihn laut verklagt, Wenn keine Reue mahnend ihn verdammet, Kein Schreckensbild die arme Seele plagt. Doch wehe dem, der, Licht und Recht vergessend, Sich zu dem wilden Heer der Bosheit schlug, Und, statt der Tugend goldnen Ehrenkrone, Den Sclavenring des frechen lasters trug. Sein Leben gleichet der Gewitterwolke, Furcht und Entfeßen liegen um sie her, Auf ihrem Wege zischen Feuerflammen; Ihr dunkler Schoos ist kalt und freudenleer. 42 Er blicket unter Beben, unter Graufen Auf die verheerte Lebenszeit zurück. Die Gegenwart ist eine dürre Wüste, Und vor der Zukunft wankt sein starrer Blick; In eine Gruft verwandelt sich die Erde, Das Leben ist in Trauerflor gehüllt; Die Freude naht im blaffen Todtenkleide, Ihr Becher ist mit Wermuth angefüllt. O Gott, wie schnell ist unser Glück zerstöret, Wenn die Versuchung unser Herz beschleicht; O Gott, wie elend ist der Mensch hienieden, Wenn er die Hand dem blinden Laster reicht! Ich will vor dir mit hellem Geiste wandeln, Mein Wille sen gerecht, mein Herz sey rein; Dann werd ich ruhig, heiter einst vollenden; Mein lehter Trost wird mein Gewissen seyn. -43Dienst a g. Morgent. Wem em dank ich diese frische Lebensquelle, Die neubewegt durch meine Adern wallt? Wer ist der Schöpfer jener großen Freude, Die vom Gebirg und Thale wiederhallt? Wer läßt mich dieses stolze Glück empfinden, Im Glanz der Welt zu denken und zur feyn? Wer führt mich aus des Schlafes dunklem Kerker Aufs neue in das Land der Freyheit ein? Ich lag und schlief- die Sonne war erloschen Mit ihr mein Geist der Sinnen Reiß erstarb Der Traum ließ seine eitten Farben spielen, Das frische Grün der Wirklichkeit verdarb. Ich webte ohne Kraft und ohne Willen An einem Leben, das dem Tode glich; Im wunderbaren Wechsel eingewieget, Lag ich betäubt, und Sinn und Welt verblich. Wo ist im Kreise der Natur ein Leben, Auf dem nicht diese dunkle Lähmung ruht? Wer ists, der diese Todten auferwecket? Wo ist die Kraft, die solche Wunder thut? - oby 44 Du bists, o Schöpfer, den ich Vater nenne, An dem mein Herz mit stiller Wonne hängt; Du bist es, ewig hohe Freudenquelle, Die mein Gefühl mit heil'ger Lust umfångt. Du wachtest über meine Lebensstunden, Du warst bey mir im Schattenreich der Nacht, Du sprachst zu mir aufs neue: denk und lebe! Du hast den Geist vom Tode frey gemacht. Wie glänzt die Welt im bunten Morgenschimmer; Seht, alles wogt in Lust und Lebenskraft, Die Sonne flammt im Thau, die Erde rauchet, Als Dankaltar, dir, der die Freude schafft; Dir, der im Himmel und auf Erden lebet, Dir, dessen Glanz den Weltenraum erfüllt, Dir, der den Engel und den Wurm beglücket, Deß Freudenstrom durch Sonn und Sterne quillt. Gelobet feyst du, fröhlich angebetet; Dein Ruhm erschalle durch die Ewigkeit! Ich fühle ganz, daß ich ben dir einst lebe, Und segne freudig meine Sterblichkeit! 45- 2 ben d. ir dankt mein Geist in dieser Abendstunde, O Gott, du Quelle aller Seligkeit! Aus allen deinen Werken spricht die Liebe, Und ewig währet deine Gütigkeit.. Vom Wiesengrün bis zu den blauen Bergen, Die still und lieblich in der Ferne stehn, Vom Feuerwurme bis zur goldnen Sonne Ist überall dein Gnadenlicht zu sehn. Vom stillen Dorfe bis zum heil'gen Walde, In welchem jetzt der grosse Friede ruht, Vom Lampenschimmer bis zur Abendrothe Bist du es, Gott, der Allen Gutes thut. Selbst, wenn der Sonne Freudenlicht verschwunden, Noch in des Abends mattem Luftgetón, Selbst, wenn die blaffe Dämmerung erscheinet, Auch in der Nacht ist deine Welt noch schön. Durchs tiefe Dunkel bricht der Sterne Flimmer, Der blaue Himmel ist mit Gold befåt, Ein fanftes Leuchten dämmert durch die Schatten, Die Ruhe herrscht, der Friede Gottes weht. 46- Ein Paradies winkt glänzend dort herüber, Die Lebensbäume stehn in goldner Pracht. Ein weisser Gang führt durch die Himmelsauen, Und tief im Thale liegt die Erdennacht. Doch ist sie allen Sterblichen willkommen, Und freundlich winket ihre Traulichkeit. Ein groffes Schweigen herrscht. Die Menschen schlafen, Und stärken sich zur neuen Thätigkeit. Der muntre Vogel ruht im grünen Laube, Das Thier im Walde kennt sein stilles Haus, Und emsig schmückt des Schlafes öde Kammern Der leichte Traum mit seinen Bildern aus. Dank dir, du guter Vater aller Wesen, Für Schlaf und Traum, für Mondenschein und Nacht! Olieblich wird des Tages Last und Hiße Im Vorgefühl der süssen Nacht vollbracht. So ruhen wir. Dein helles Auge waltet, Dein sind wir, Herr, im Leben und im Tod. Mit Ruhe laß am Grabe uns entschlafen, Und wecke uns am neuen Morgenroth. - 47- Mittwoch. Morgen. Almächtiger, auf dessen Wink die Erde Im neuen warmen Morgenlichte strahlt, Auf dessen Wort die hohe Sonne leuchtet, Und Berg und That mit frischen Farben mahlt! Zu dir erhebt sich meine wache Seele, Zu dir mein Auge mit vertrautem Blick, Und flehet um Erleuchtung für das Leben, Und für der ganzen Menschheit Woht und Glück. O giesse aus dem Füllhorn deiner Gnade In alle Herzen Licht und Weisheit aus, Und sende früh der Tugend Ehrenwache An jeden Thron, in jedes Land und Haus: Den weisen Frieden, die vertraute Liebe, Die stille Güte, die sich selbst genießt, Die unbelohnt auf edle Thaten finnet, Durch deren Huld die Thräne sanfter fließt; Die unerschrockne Wahrheit, ernste Würde Des freyen Geistes, den gesetzten Muth, Ein måsfig Leben, heilsam für die Seele Und segensreicher Balsam für das Blut; 48 Die fromme Keuschheit, welche sanft erröthet Vor dem Gedanken, den die Schaam verbeut, Die jeden Blick, der die Begierde reißet, Durch heilige Enthaltsamkeit bereut; Den strengen Fleiß, ein unermüdet Wesen, Das für das Wohl des Ganzen lebt und webt, Und sich durch Arbeit, die dem Enkel nüßet, Ein unvergånglich Grabmahl selbst erhebt; Das gieb uns, Gott, und darnach laß uns streben, Das ist der Menschheit hohe Gnadenwahl; Dann herrscht dein Friede, deine Liebe waltet, Und deine Erde ist kein Jammerthal. Von dir kommt lust und Leben, Heil und Segen, Und- die Vernünft, das schönste Lebensgut. Sie leite uns nach deinem Wohlgefallen, Bis unser Herz im stillen Grabe' ruht. - S Abend -49 2 ben b. D er Tag ist hin; die sanften Stunden kommen, Wo neue Kraft vom Himmel niedersinkt, Wo die Natur im frischen Thau sich badet, Und fühler Schlaf den müden Gliedern winkt. So fliegt das Leben hin in Wechselreihen Und milde Ruhe folgt dem Wanderstab. Wir schlummern auf der freudenvollen Erde, Und unter uns schläft eine Welt im Grab. Noch spielt der Knabe an dem Mutterbusen Und vor ihm lacht die Welt im Glanz und Licht; Bald ruht das Herz, das treu für ihn geschlagen, Doch siehe, auch sein Stundenglas zerbricht. Die Saat ist groß, die Erndte ohne Ende, Der Tod ist wach, die Sense ruhet nicht, Die Uhr der Zeit schlågt immer letzte Stunden. Wer kennt das Herz, das jetzt im Kampfe bricht? Nur du allein, Herr über Tod und Leben, Du siehst den Blick, vom falten Schweiß beneßt, Du hörst der Wesen stille Herzen brechen, Du hast den Sterblichen ihr Ziel gefegt. 4 -50 O laß sie sanft verscheiden, sanft vollenden, Laß deinen Engel still vorübergehn Und ihnen freundlich winken in die Kammer, Dort, wo der Vorwelt graue Sårge stehn. Verleihe deinen Kindern jene Ahnung, Die glaubensvoll die Gegenwart befiegt, Ach! einen Blick in deine Paradiese, Wenn diese Welt in Wolkendunft verfliegt. Und darf ich, Herr, vor dir mich unterwinden, O so vernimm das Flehn der Menschlichkeit, Und laß auch den Verirrten Gnade finden, Den Blinden eine lichte Ewigkeit! Du bist ja Vater, bist voll Huld und Güte, Und Liebe blickt aus deinem Sternenschein; Du quâlest kein Geschöpf. Das Laster quålet; Nur Besserung wird deine Strafe feyn.- Ein Geisterchor wallt aus der tiefen Erde Zum Himmel auf. Die goldne Harfe klingt. O wohl mir, wenn mein Geist im Lichtgewande Mit deinen Engeln heilig! heilig! singt. - 51 Donnerstag. Morgen. Die Sonne tritt aus ihrem Purpurzelte, Sie stärkt den Geist, der an den Schöpfer denkt. Du hast, o ewigtreuer Menschenhüter, Mir wieder einen Lebenstag geschenkt. Empfange fein Geschenk, zufriedne Seele, Erkenne fromm, was Gott an dir gethan, Bring ihm der Liebe stilles Morgenopfer, Und bete ihn mit sanfter Rührung an. Ich blicke um mich her, und tausend leben Erfreuen sich im warmen Sonnenschein. Vernimm, o Herz, die hohen Lobgefange In Luft und Wald, und stimme freudig ein. Das goldne Thor zum groffen Saal der Freude Ist jedem Wesen gaftlich aufgethan, Und eine milde Hand aus Silberwolken Streut Blumen hin auf jede Lebensbahn. Warum verschmäht der Mensch den füffen Frieden, Den ihm Natur und Einfalt zugedacht? Warum finnt er im Ueberfluß der Schäße Auf fremdes Gut, das ihn nicht glücklich macht? 52- 52 Sind jene Wilden in entfernten Zonen Bey ihrem Golde fröhlicher, als wir? Und wohnen sie in ihren Palmenwäldern Und Balsamduft auch sicherer, als hier? Ist die Natur in ihrem Pomp zu neiden. Wenn über ihr die heisse Sonne glüht? Was nügt die Kraft der süssen Spezereyen, Wenn durch die Luft der Todesengel zieht? Olaffet uns nicht in die Ferne schauen, So lange Luft und Leben um uns quillt; Laßt uns nicht aus dem Strome trinken wollen, So lang der klare Bach den Durst uns stillt! Nicht Schwelgeren erhält den Seelenfrieden, Nicht theure Koft verleihet Fröhlichkeit. Die Ruhe stirbt, wo die Begierde lebet; Das wahre Glück wohnt in Zufriedenheit. Mit warmem Dank, mit seligem Gewissen, Mit dir ergebnem frohem Kindersinn, So laß, o Gott, mich deine Welt geniessen Und liebend fühlen, daß ich glücklich bin. - 55- 2 ben d. Still ist die Nacht, und unter Gottes Frieden Erneuern sich die Kräfte der Natur. So wird die Schöpfung täglich neu geboren, Und täglich wallt die Schönheit durch die Flur. So muß der Mensch auch neu geboren werden An Herz und Geist, durch Weisheit und Verstand. Der Geist muß jeden Abend triumphiren, Wenn schon des Leibes Kraft von hinnen schwand. Der heilige Funke, der im Herzen glimmet, Wird durch den Hauch der Tugend angefacht. Der stille Geist, der in dem Kerker schmachtet, Wird nur durch Wahrheit stark und frey gemacht. Denn wer vom Fleisch geboren ist, der bleibet Ein tråger dunkler Körper, wenn ihn nicht Der Geist erhellet, der lebendig machet Und die Gewalt der Sinnlichkeit zerbricht. Das ist die Auferstehung zu dem Leben, Wenn die Vernunft sich aus dem Schlaf erhebt. Das ist die Freyheit aus des Todes Banden, Wenn unser Geist für Recht und Wahrheit lebt. 54. - So gleicht die beßre Menschheit, ungesehen, Der Luft, die durch die Abendkühlung weht; Sie wirkt im Stillen, hauchet Lebenskräfte Und stärkt den Wandrer, der vorüber geht. Sie bauet an der Weisheit Ehrentempel Und weiht sich treu, zu ihrem Dienste ein, Und jeder Tag, den sie zurücke leget, Muß eine Stufe zur Vollendung seyn. Zu folchen Menschen laß mich auch gehören, Du groffer Vater, der im Lichte wohnt; Mit jedem Tage laß mich weiser werden, Bis einst der Himmel meinen Geist belohnt. Dort strahlet reine Klarheit mir entgegen, Dort herrscht die Weisheit unter Sternenglang, Dort wird mich keine Sünde mehr entweihen Und meine Seele schwebt im Palmenkranz. O schöne Aussicht in das Land der Freude, Von Gott geschmückt, vom Sternenlicht bekrångt! O Ewigkeit, wie heilig ist die Stunde, Wo deine Pforte mir entgegen glångt! Vor diesem Licht, das sanft herüber dämmert, Vor jenem Glanz im dunklen Heiligthum, Vor jenen Sternen will ich heilig leben; Und Reinigkeit und Weisheit sey mein Ruhm! - 55- HOTE Freyta g. Morgen. Dorf, ort, wo die Sonne freundlich alle Wesen Mit goldnem Glanz und Purpursaum umfaßt, Dort, wo das Licht in Often sich erhebet, Ist einst das milde Licht der Welt erblaßt. Dort, in dem heil'gen Ueberhang der Zedern, Wo unter Moos die fromme Vorwelt ruht, Dort, wo die fanfte Friedenspalme wehet, Vergoß der Mann des Friedens einst sein Blut. Der Himmel wolkte sich, die Erde bebte, Die Sonne floh, die dunkle Schöpfung schwieg Die Weisen trauerten, der Pöbel jauchzte; So feyert die Verblendung ihren Sieg. Die Unvernunft- zwar ist sie bald entlarvet, So bald der Geist auf seine Rechte blickt, Sie wird zu Spott, ihr Name wird geachtet Und hat sich selbst das Brandmahl aufgedrückt- Doch furchtbar sind die Spuren, wo sie hauset, Die Liebe stirbt, die blinde Wuth gedeiht, 56Das heil'ge Band der Menschheit wird zerrissen, Und Tempel und Altare sind entweiht. So war es einst in jenen finstern Tagen, Da Geist und Herz durch Priestertrug verdarb, Da, zu der Schmach auf Golgatha verdammet, Der Gottgefandte, der Gerechte starb. Willkommen mir, du Feyer seines Todes; Du Leidender, mein ganzes Herz ist dein. O möchte dieser Tag für alle Christen Ein stiller Sabbath der Erkenntniß seyn! Der Aberglaube baut sein Reich im Dunkeln, Noch zieht die Schaale, wo das Unrecht liegt; Noch kämpft die Zwietracht für die Aussenseite; Noch hat die Menschenliebe nicht gesiegt. Willkommen mir, du ernste Todtenfeyer, Du Sterbender, wie schon hast du vollbracht! Kein Mund hat für die Wahrheit so gesprochen, Kein Herz so rein das Heil der Welt bedacht. Sen mir gegrüßt in deinem Blutgewande, Du Heiliger, mein ganzes Herz ist dein. O Menschen kommt, und laßt uns Brüder werden; Er starb für diesen seligen Verein! Er starb für Alle. Brüder, und wir sollten Nicht freudig für einander leben hier? Er starb für eure Menschenrechte. Kommet, 57- Und werdet frey am groffen Siegspanier! Das war dein Wille, du erhabner Stifter, So büßtest du dein schönes Leben ein. Wir sind mit Blut erkauft. Du Herz voll Liebe, Dein letzter Wille soll uns heilig seyn! 58- 2 ben d. Das Leben rinnt mit jedem Tag von hinnen, Die Freude der Vergangenheit entflieht, Der leichten Silberwolke ähnlich, welche Durchs Flittergold der Abendrothe zieht. Wo send ihr nun, ihr frohen Millionen, Die einst der Schauplaß dieser Erde trug? Jeht schlafet ihr den langen Schlaf im Grabe Und eure Hülle deckt der Aschenkrug. So schwindet alles, nur die Tugend bleibet, Dem Felsen gleich im stürmevollen Meer. Jahrtausende führt dort die Zeit vorüber; Er steht und trotzt dem lauten Wellenheer. So steht die Tugend. Berg und Hügel weichen, Die Kraft veraltet an dem Wanderstab, Und eine Menschheit um die andre sinket Hinab ins groffe mütterliche Grab. Nur du allein, verklärte Himmelstochter, Haft in die Sonne deinen Thron gebaut. Ihr Licht und deine Kraft ist unvergånglich; Wohl dem, der dir mit festem Muth vertraut. Er sieht am Schlusse eine Abendrothe, Er hört im Tod den Ruf der Ewigkeit, 59- Und findet in der schwarzen Nacht des Lebens Den Stern der seligen Unsterblichkeit. Wohl mir dereinst, wenn ich den Lauf vollendet, Wenn alles um mich welket, stirbt und schweigt, Mein Auge bricht, mein Herz im Tod erfaltet Und meine Hülle sich zu Grabe neigt; Wohl mir dereinst, daß ich die Tugend liebte, Daß ich mit Lust auf ihrem Pfade gieng, Daß ich die Einfalt und das Wahre suchte Und nicht mein Herz an eitle Träume hieng. Ich fühl es tief, man kann die Weisheit lieben Und durch die Unschuld reich und glücklich seyn. So lebte Jesus Christus unter Menschen. Er starb am Kreuße, aber schuldenrein. Sein letzter Blick voll Heiterkeit und Liebe Sprach zu der Welt:" der Himmel kennet mich. Dir, Vater, schlägt mein treues Herz entgegen. Es blutet für dein Reich und freuet sich. 99 O Gott, den ich in stiller Nacht verehre, Zu dem mein Herz durch finstre Wolken steigt, Vor dem mein Geist im groffen Weltentempel Sich unter Liebe, unter Andacht neigt, Du Heiliger, laß mich die Welt verachten, Wenn sie des Lasters goldne Schaale beut, Und laß mich hier mit meiner Tugend sterben, Damit dieß Leben dort mich nie gereut. 60 - Sonnabend. Morgen. er Morgenstern ist fanft hinabgesunken Und übergiebt der Sonne ihren Tag. Die Zeit hat ihre Sanduhr umgewendet Und hoch vom Himmel tönt ein Stundenschlag. Der Tag bricht an, und eine Woche scheidet; Die Stunden kommen, und das Leben flieht, Der Weise harret finnend an dem Ufer Und blickt in Strom, der rasch vorüberzieht. Er träumet nicht. Sein wacher Geist ist helle, Er denkt die Zukunft und Vergangenheit. Sein Herz ist ruhig, Gott und Vorsicht walten, Und Menschen wandern in die Ewigkeit. Gott lebet noch, der Herrliche, der Gute, Sein Plan gelingt; doch wer begreifet ihn? Sechs tausend Jahre zählet die Geschichte- Sein Plan ist ewig; wer umfasset ihn? Den Menschen gab er eine hohe Freundin Und einen Schaß von ungemeßner Lust. 61 Die Freundin ist die Tugend; unser Reichthum, Ein ruhiges Gewissen in der Brust. So blickt der Mensch der Zukunft froh entgegen, Er fürchtet nicht den ernsten Stundenschlag. So wie der Schnitter in die Erndte blicket; So blickt er auf des Himmels Wonnetag. Dem edlen Geist, der immerdar sich bessert, Was drohet ihm? Vollendung ist sein Ziel. Er ringet nach dem Urbild seiner Wünsche Und hänget nicht am dunkeln Lebensspiel. Die Milde, die aus seinem Wesen strömet, Macht, daß der Traurige in Freude singt. Die Heiterkeit, die seinen Tag umschwebet, Schafft, daß sein Werk mit leichter Müh gelingt. Wer sich erkennt, und seine Pflicht erwäget, Das Wahre fucht aus Menschentand und Schein, O diesem wird die ewige Beschauung Des Lebens niemals überdrüssig seyn. Er sieht mit jedem Morgen deine Erde, O Gott in jenes Lebens Wiederschein. Sie gleicht dem Blumenflor, vom Thau gebadet, Und deine Sonne streuet Gold darein. Mein Vater dort, im blauen Himmelszelte, Mein Vater hier, im grünen Erdenthal, Dein Auge sieht den jüngsten Tag der Welten, Unty, Biel. Glessen 62 - So wie des Säuglings kurze Stundenzahl. Du forgest, waltest, schügest, nährest, liebestHerr, mein Gebet ist stille Dankbarkeit. Mit dir will ich das kurze Leben enden, Mit dir leb ich die lange Ewigkeit. - 63 2 ben d. Die Abendluft zieht durch die dunkeln Bäume Und streuet süssen Weihrauch auf die Flur, Der Himmel feyert seinen stolzen Frieden, Und unter Sternen schlummert die Natur. So neiget alles sich zum frohen Ende, So wird die Woche und der Tag vollbracht. Der Müde schläft, die letzte Sorge schwindet Und alles ruhet, nur die Gottheit wacht. So blicke denn mit Dank zurück, o Seele, Auf die vollbrachte, stille Lebensbahn. Der Sabbath naht, die Woche ist vollendet, So ruhe denn, du hast genug gethan. Doch ach, wie dank ich dir, du Gott der Liebe, Für deine Treue und Barmherzigkeit! Du Menschenvater, ich bin zu geringe, Und schüchtern fühl' ich deine Herrlichkeit. So manches offne Grab hat sich geschlossen, Ich lebe noch durch deine Gütigkeit; So Mancher achzet auf dem Krankenbette, Ich fühle noch des Lebens Süssigkeit. 64 onsd Dem Mangel und der Schande preisgegeben, Wird manches Herz von schwerem Gram gedrückt. O guter Gott, wie kann ich dirs verdanken, Daß du so mild auf meinen Pfad geblickt? Du gabst mir Kraft, die Arbeit zu vollbringen, Und Lust und Muth und Segen folgte mir. Von bösen Thaten ist mein Herz befreyet, Und diese Ruhe, Vater, dank ich dir. O möchte ich stets richtig vor dir wandeln, Im Geiste fren und im Gewissen rein. O möcht ich ganz des Lebens Werth erkennen, Und deiner grossen Güte würdig seyn. Ich will es, Herr! mit Freudigkeit gelobe Ich, recht zu thun vor deinem Angesicht. Ich will mein Herz vom laster rein erhalten, Bis es dereinst im falten Tode bricht. Das ist mein Schwur. So end' ich diese Woche. Mein Geist, o Gott, fühlt deine Seligkeit. Die Erde ruht. Der Himmel dåmmert Frieden, Und lieblich winkt die stille Ewigkeit. Herbst web t Drite 5. 60 -67Sonntag. Morgen. Auf, mein Geist, zum groffen Weltenvater, Der dir freundlich Lust und Daseyn beut; Schmücke dich zur Andacht und zur Ruhe; Dieser Tag ist Gott und dir geweiht. Hocherhaben schwebt aus Geisterchören Unfre Freundin, die Religion; Lächelt auf die Erde und besteiget Unter Menschen ihren Segensthron. Alber gleich dem ungesunden Nebel Wogt der Aberglaube aus der Nacht Und umwölkt die reine Himmelsklarheit, si Die sie aus der Höhe mitgebracht. Mißgestalten wallen aus der Tiefe, Und die edle Einfalt geht zu Grab. Kleinigkeiten schweben auf der Höhe, Und das wahre Grosse sinkt hinab. Wahrheit und Vernunft wird unterdrücket, Und die Thorheit feyert ihren Sieg; mon 68 Feuerbrande fliegen von Altären, Und die Menschenliebe wird zum Krieg. Ach! was hat das arme Herz gewonnen, Wenn der Friede traurig untergeht? Und wie kann der freye Geist sich heben, Wenn des Unsinns grause Fahne weht? Die Vernunft wird ohne Freyheit dunkel, Gleich der Lampe, die kein Zufluß náhrt, Und das Leben, ohne Licht und Wärme, Gleicht dem Wind, der über Stoppeln fährt. Vater, dem wir unsre Hände falten, Dem das Herz mit Lust entgegen wallt; Gott, dem unsre Tempel angehören, Dem der hohe Lobgefang erschallt, Ach! beseele alle deine Kinder, Deren Herz es gut und redlich meint! Ach! erleuchte alle deine Menschen, Die vor dir ein heil'ger Bund vereint, Daß sie dich im Geist und Wahrheit ehren, Auf ihr Herz, nicht auf Gebräuche fehn, Daß sie auf der freyen Bahn des Glaubens Nichts bestreiten, was sie nicht verstehn; Nicht verfolgen, wo der Himmel duldet, Nicht verdammen, wo die Gottheit schweigt, Nicht vom Schauen reden, wo der Glaube 69 Unserm Blick nur dunkle Bilder zeigt. Führe deine Menschenkinder, Vater, Wie du willst, in deinen Himmel ein; Aber laß uns eins seyn in der Liebe; Dieses wird der wahre Glaube seyn. 45 MX150 si sig om shoot <<- 70-- 2 ben 8. Sey willkommen, traute Schlummerstunde, Sen gesegnet, ernster Stundenschlag! Dankend blick ich zu dem Weltenvater, Fröhlich schließ ich diesen Ruhetag. Heiter zieht die Königin des Tages Im Geleit der Abendrithe hin; Feyernd schließt die Nacht den stillen Tempel Und erscheint als fanfte Trösterin. Aber du, der über Sternen wohnet, Kennst der Sonne dunklen Wechsel nicht, Deine Tage nehmen nie ein Ende, Und vor dir liegt eine Welt voll Licht. Hocherhaben über Abendröthen, Ueber aller Sonnen Untergang, Schaut dein Blick durch helle Ewigkeiten Ueber Weltenflug und Sternenklang. Aber auch im Staube weilt dein Auge, Nichts ist schlecht, was dein Verstand erschuf. -71Ueberall weht deine Vaterliebe, sed mo23 Und du hörest aller Wesen Ruf.) asda? s] mit Wohl mir, daß du alles weißt und siehest, it Aller Wesen Daseyn, Lust und Schmerz; O du kennest auch mein Händefalten, als Siehst mein treues, liebevolles Herz, Wie es dankend, preisend an dir hänget, Wie es findlich seine Leiden trågt, Deine Gröffe fühlet und in Demuth Seine Unvollkommenheit erwägt. Ach! es blüht nur eine Lust hienieden: Selig sind, die reines Herzens sind! Dieses bleibet, wenn der Staub im Grabe, Wie der Sand im Stundenglas verrinnt. O so laß uns denn vollkommen werden, Vater, wie du selbst vollkommen bist, Hier im Staube lehre uns das Wollen, Das Vollbringen dort, wo Freyheit ist. Besser werden ist der Zweck des Lebens, Vater, und du gabst uns ja Verstand; O so biete Weisheit sich und Tugend Unter Menschen überall die Hand! An dem Pfluge, wie am Freudentische, Von der Schule bis zum Traualtar; Unter Blumen, wie am Erndtetage, Von ber Wiege bis zur Todtenbahr! Unser Leben sen dir, Herr, geweihet, Unser Wandel sey verklärt und rein; So wird einst, wie diese Abendstille, Unser Ende sanft und selig seyn. <-73-0 Mondtag. Morgen. Dank dir, Vater, der zum neuen Leben Mich durch seine milde Sonne weckt; Der die Luft mit Heiterkeit durchwebet, Und den Baum mit süssen Früchten deckt; Der die stolze Purpurtraube reifet Und das Laub mit bunten Farben mahlt, Der den Flaum des Pfirsichs lieblich röthet, Und den Wald mit goldnem Saum bestrahlt! Dank dir, Vater, Schöpfer, Menschenhüter, Alle diese Wonne kommt von dir; Dank dir, ewig milde Freudenquelle, Allen diesen Segen giebst du mir! Wenn die Welt in stillem Frieden schlummert, Blickt dein heitres Auge durch die Nacht, Blickt vom Himmel schüßend auf die Erde, Bis der Tag in seinem Licht erwacht; Sorgt für seine Kinder in der Ruhe, Daß ihr Schlaf gesund und fröhlich sey; Wendet die Gefahr von ihrem Lager, Und ihr Glück ist alle Morgen neu. 2013 74 Herr, ich beuge mich im Staube nieder, Vater, deine Hand war über mir. Treue Hand, daß ich dich küssen könnte! Vater, meine Seele fliegt zu dir! Gott, der du so freundlich um mich waltest, Dir im Himmel will ich ähnlich seyn. In Und so tret ich unter Dank und Freude In die neue Lebenswoche ein. Deinem fanften Rufe will ich folgen, Alles meiden, was verwerflich ist, Alles thun, was dem Gewissen frommet, Weiß ich doch, daß du mir gnådig bist. Ach, mein Vater, Allen bist du gnädig; Lehr uns Alle, gut und weise seyn, Und wo diesen Tag ein Mensch verscheidet, Führ ihn sanft zu deinem Frieden ein. - 75- 2 ben d. Still und einsam dämmern Gottes Sterne, Ruhig liegt die Finsterniß im Thal, Und des Lebens bunte Freudenbühne Wandelt sich zum schwarzen Trauerfaal. Falbe Blätter faufeln im Gebüsche, Wenn die Abendluft vom Berge zieht; Kalter Thau sinkt auf die Wiefe nieder Und die blaffe Herbstzeitlose blüht. Ailes, alles eilt zu seinem Ende, Ueberall erscheint die Sterblichkeit Mit dem welken Kranze an der Harfe. " So vergeht des Lebens Herrlichkeit!" Ach! die Zeit weht über Stoppelfelder Eine Hoffnung nach der andern hin, Und die Menschheit schläft in ihren Gråbern Ohne Sorge, ohne Traum und Sinn. Schlafet wohl, ihr, die ihr hier gewesen, Wo jest eure Kindeskinder sind; Ruhet wohl, ihr, die ihr hingegangen, Wo des Todes grosse Sanduhr rinnt. t" Hif. 76 Alles stirbt! Ich will das Grab nicht fürchten! Zwar ists finster, und die Nacht ist lang. Doch wer weiß, wie lang die Zodten schlafen? Wer vernimmt den leisen Himmelsgang? Wenn der Grabgesang ins Thal verhallet, Bricht vielleicht schon euer Morgen an. Ihr erwachet und die Sonne röthet Wald und Berge dort in Kanaan. Herr des Lebens, laß mich fröhlich wandeln, Weil noch Blut und Leben in mir fließt! Herr des Todes, laß mich fröhlich scheiden, Wenn die letzte Nacht mein Auge schließt. Oft will ich an jene Stunde denken, Wo die Welt mit ihrem Glanz entflieht; Oft will ich den neuen Morgen fegnen, Wo der Geist in seine Heimath zieht. Gott, dir leb ich! Gott, dir will ich sterben! Und dein Bote wird nicht schrecklich seyn; Friedlich wirst du deinen Engel senden, Und ich schlaf in seinen Armen ein. Kathreing 77 1730Dienst a g. Morgen. Herr, err, vor dem die Sterne niedersinken, Und die Sonne aus dem Nebel steigt; Herr, vor dem der Weltenfreis verstummet, Und das Chor der Seraphinen schweigt; Ewiger, im grânzenlosen Raume, Mächtiger, in deiner Herrlichkeit, Heiliger, in deinem stilten Himmel, Gutiger, in deiner Seligkeit! Du gebeutst, und eine Welt entschlummert, Du befiehlst, und eine Welt erwacht. Rustig geht der Mensch an seine Arbeit, en Fröhlich finkt er in den Schoos der Nacht. 109 Du bists, der das Schiff im Meer behütet, Wenn der Sturm an Tau und Segeln reißt; Du bists, der die Biene Vorsicht lehret, Und die fromme Schwalbe ziehen heißt. Du bists, der den langen Tag erwärmet, Wenn die Garbe auf dem Acker liegt; Du bists, der den falten Tag verkürzet, Wenn das weisse Herbstgewebe fliegt. MIG 78. Nebelberge steigen aus der Tiefe, Und dein Morgenstrahl vernichtet sie. Aufgeheitert liegt das finstre Chaos, Und die Schöpfung lacht in Harmonie. Vater dort, wer wollte dir nicht trauen Auf der ungewissen Lebensbahn? Nicht die Leiden dieser Zeit ertragen, Wenn er deine Werke sehen kann? Deine Sterne, deine Morgenrothe, Deiner Schöpfung lieblich Farbenspiel, Deine Sonne in dem Feyerkleide Und des Lebens seliges Gewühl? Unter Blig und Wetter, Reif und Nebel, Auf der Blüche stillen Leichenspur, Unsre Hoffnung in den Wintertagen Bist du, hohe Trösterin, Natur! Wie ein Kind will ich dem Vater trauen, Der die Schöpfung und die Zeit regiert, Der mich auf die Lebensreise fandte, Und mich nicht aus seinem Blick verliert, Fröhlich will ich meinen Lauf vollenden, Gott ist nah, es gehe, wie es geh'. Muthig greif ich nach dem Wanderstabe, Soll ich leiden Herr, dein Will gescheh! 79 A ben d. Stille herrscht, und dunkle Schatten schweben Einsam über die bethaute Flur, Und der kalte Abendhauch vermindert Traurig die Geschenke der Natur. Bleich erstirbt die Blume auf der Heide, Mit dem Laube sinkt die letzte Frucht. Kalte Schauer wehen durch den Himmel, Wenn das Auge nach den Sternen sucht. Herr, es ist dein Wille; alles endet, Alles sinket in das offne Grab, Alles geht in seine Ruhekammer, Zeit und Leben blühen herbstlich ab. Nur der Geist blickt jugendlich zurücke, Seine Labung ist Erinnerung. Selig fühlt er feine Menschenfreuden In des Lebens Abenddämmerung. Wenn ich meine Laufbahn übersehe, Meines Dafeyns stille Lieblichkeit, Ach! mein Vater, ich bin zu geringe# Deiner Treue und Barmherzigkeit. alsma 80 Täglich war dein Vaterherz mir offen, Täglich fühlt ich deine Segenshand, Täglich fand ich deiner Güte Spuren In der Schöpfung, in dem Vaterland. Jede Sonne, die ich froh begrüßte, Jeder Mond in stiller Himmelspracht, Jeder Morgen, der mein Leben weckte, Jeder Abend, der mich froh gemacht, Jede Stunde, da ich Weisheit lernte, Jede Ahnung, die den Geist erhob, Jeder Tag, an dem ich besser wurde, Und mir Ruhe in das Leben wob; Alles, alles hab ich dir zu danken, Alles, alles hast du mir geschenkt. O wie blickt das Auge schnell zum Himmel, Wenn das Herz an seine Freuden denkt. Gott im Himmel, laß mich nie vergessen, Daß du aller Wesen Vater bist, Daß mein Glück aus deinen Händen flieffet, Daß mein Leben deine Wohlthat ist. Demuthsvoll will ich den Lauf vollenden, Sanft und ruhig, wie die stille Nacht, Und mein letzter. Herzensdank, o Vater, Sen dir an dem Grabe dargebracht. Mitt 81 Mittwoch. Morgen. Ei ingefunken liegt das Nachtgewölbe, Still am Wald verlischt der Morgenstern. Licht und Glanz fliegt durch die hohen Räume, Alles wacht und preiset Gott den Herrn, Berge dampfen ihre Weihrauchwolken Und die heilge Sonne flammt empor. Feyernd steht der groffe Ehrentempel Und die Schöpfung und der Wesen Chor. Betend tritt die Menschheit zum Altare, Sinket heilig auf das Angesicht, Fleht um Ruhe für das Erdenleben, Fleht um Tugend, fleht um Trost und licht. Herr, dein Segen sen mit ihnen allen Und dein Licht erhelle ihren Pfad. Gieb dem Armen Brod, dem Schwachen Stärke, Und bewahre sie vor Missethat. Alle Sünder lehre deine Wege, Alle Herzen seyen ausgeföhnt, Allen müden Sterbenden erscheine Und ihr Glaube sen mit Licht gekrönt. 6 82 Mitten in der Lebenswoche eilen Tausend Pilger ihrem Ende zu. Gieb uns, Gott, ein ruhiges Gewissen; Unser Richter, unser Trost bist du. Einst verschwindet jene Nacht am Grabe, Strahlend bricht der neue Morgen an, Alle Todten gehn aus ihren Kammern, Allen winkt die neue Lebensbahn. Herr des Lebens, laß uns freudig wirken, Daß wir jenseits nicht verdroffen stehn. Herr des Todes, laß uns schön vollenden, Daß wir dort nicht schamroth niedersehn. Ungewiß ist unsre lehte Stunde, Und das Ziel in Wolken eingehüllt; Wohl dem Menschen, der den Tod nicht scheuet Sich den Kelch nicht selbst mit Wermuth füllt. Fröhlich will ich diesen Tag beginnen. Herr, du hilfst; mein Wille ist ja gut. Gieb mir Kraft, das Laster zu verachten, uft zur Weisheit und zur Tugend Muth. - 83- 2 ben d. dall Einfam blickt der Abendstern am Himmel Auf die Falte, menschenleere Flur. Alles ruht; nur in dem stillen Raume Wacht der groffe Vater der Natur; Blicket mild auf seine Wesen nieder, Sieht im Dunkeln ihre Lebensbahn, Freut sich, wenn die Menschen, seine Kinder, Auf der Welt des Guten viel gethan; Wenn ein Herz der Zugend treu geblieben Und das Unrecht muthig von sich wies, Wenn der Geist nach Licht und Wahrheit strebte, Und das Band der Unvernunft zerriß; Wenn der Hohe seine Pflicht erkannte Und der Arme feine leiden trug, Wenn der Sünder, vom Gefühl ergriffen, An die Brust in stillen Thränen schlug. Dieses, Vater, ist dein Wohlgefallen, Dieses schmucket unfern Pilgergang, Deine Engel stimmen ihre Harfen, Und den Himmel füllt ein Hochgefang. Mogen Berge weichen, Hügel fallen; Laßt uns kämpfen, laßt uns feste stehn, 84 Unfre Sonne glänzt an jenem Morgen Und das Gute wird nicht untergehn. Fröhlich werden wir einst auferstehen, Wenn die laute Weltposaune ruft. Heiter glänzt es um die Ruhekammer Und der Himmel strahlet um die Gruft. Sonnen leuchten, Friedensbogen schimmern, Ueber Welten flammt der Sternenthron, Und sie kommen, die da Gutes thaten, Und der Höchste ist ihr groffer Lohn. Und er forget freundlich für die Seinen, Unter Engeln, unter Raum und Stern. Sie empfangen eine schöne Krone, Heil dem Sieger! aus der Hand des Herrn. Jammer, Angst und Seufzen wird verschwinden, Alle Thränenquellen trocknen ein. Lieblich fließt der goldne Strom des Lebens, Und der herbe Tod wird nicht mehr seyn. Halleluja, Preis und Dank und Ehre Sey dem Vater, dem Erbarmenden! Unser Schöpfer ist kein Gott der Todten, Heil und Tröstung allen Lebenden! Dir befehl ich meinen Leib und Seele, Herr des Lebens, in der finstern Nacht. Laß mich heilig und in Frieden schlafen, Bis die Arbeit und der Tag erwacht. 85 Donnerstag. Morgen. Nother Glanz verbreitet sich in Oſten, Nacht und Traum erstirbt am lichten Ziel Und der Schauplaß der Natur eröffnet Sich mit einem bunten Farbenspiel. Gelbe Bäume leuchten aus dem Walde, Rothe Büsche vom Gebirge her, Und der grüne Saame spricht zum Herzen: Die Natur ist nie an Hoffnung leer. Selbst in ihrer legten Stunde winket Sie noch freundlich ihren Kindern zu, Und aus ihrem Abschied strömet Segen, Stromet Liebe, strómet Seelenruh. Immer steht die Welt in ihrem Glanze, Der den Geist der Sterblichen erhebt. Ueberall ist eine Freudenblume In den Kranz des Lebens eingewebt. Ruhe und Gesundheit würzt die Mühe, Hoffnung front die arme Menschenwelt, Und der Mutter tiefgefühlte Sorge Wird durch süsse Liebe aufgehellt. -86 Gott, du hast das Leben schön geschaffen, Alles blüht vor deinem Angesicht, Und auf einer goldnen Waage ruhet Unser Schicksal in dem Gleichgewicht. Unter Stürmen schmücket sich die Erde, Unter Bligen lacht die Fruchtbarkeit, Unter Reif und Nebel grünt der Saame Und der Schnee wacht für die Erndtezeit. Vater, sollte dich mein Herz verkennen, Wenn ein trüber Lebenstag erscheint? Sollte je der Geist an dir verzweifeln, Wenn das Auge feine Thräne weint? Könnte ich die Lebensstunde tadeln, Die mein blödes Auge nicht ermißt? Vater, könnte ich je dein vergessen, Da dein treues Herz mein nie vergißt? Du bist weise, du bist hocherhaben, Du bist Weltenkönig; ich bin Staub. Deine Jahre nehmen nie ein Ende, Meine Tage sind wie fallend Laub. Mag die Sonne ihren Glanz verlieren, Mag die Welt im Sturme untergehn, Liebend, freudig will ich an dir hängen, Und im Sturm den treuen Vater sehn. - A ben d. Finsterniß umhüllt die feuchte Erde, Nur der Schein aus bessern Welten blinkt; Wieder ist ein Tagewerk vollendet Und der stille Feyerabend winkt. Jedem war die Arbeit angewiesen In der Hütte, wie auf goldnem Thron, Und der grosfe Hausherr reichet jedem Seiner Knechte den verdienten lohn. Seelenruhe ist der Lohn des Weisen, Der mit Freyden seine Pflicht gethan; Und das eigne Herz verdammt den Sünder, Wenn ihn niemand sonst verdammen kann. Keine Hoheit kann dein Auge blenden, Denn vor dir, o Herr, ist alles gleich; Keine That kann sich vor dir verhüllen, Vor dem Nichter in dem Geisterreich. Friede sen mit deinen Menschen allen, Friede, wenn die Abendröthe lacht, Friede, wenn der Leib zur Ruhe sinket, Friede, wenn der junge Tag erwacht. G 88 Gieb uns, Herr, ein ruhiges Gewissen; Des stårkt in Freude und in Leid. Ohne dieses ist kein Glück auf Erden, Und im Himmel keine Seligkeit. Traurig geht der Bösewicht durchs Leben; Sein Genuß ist ein verwirrter Traum, Seine Hoffnung eine welke Blume, Seine Freude ein entlaubter Baum. Düfter steht er unter deinen Sternen, Ach fein Herz hat keine Freudigkeit. Schaudernd blickt er nach dem Ziel des Lebens, Mon Und erschrickt vor seiner Ewigkeit. Ruhe, süsse Himmelsruhe, schwebe Sanft hernieder auf die Menschenwelt, Daß sie heiter aus der Pilgerhütte Aufwärts blicke in das Sternenzelt. Friede sey mit deinen Menschen allen, Du, der liebend für die Seinen wacht, Friede auf der Erde, wie im Himmel, Und den Feinden eine gute Nacht. 89 Frent a g. Morgen. Sterbend finkt die holde Morgenröthe In der Erde still bethránten Schoos. Ach sie mahnet an das Blut des Reinen, Das einst dort im Morgenlande floß; An den sanften Weisen, der die Liebe Aus dem Himmel auf die Erde trug; An den Helden, der in Kraft und Wahrheit Gottes und der Menschheit Feinde schlug. Herrlich gieng er zu dem Kampf gerüstet, Mit dem Schwert des Geistes angethan, Und die weisse Friedensfahne wehte Auf die unbefleckte Siegesbahn. Herrlich stund er unter seinen Treuen, Hoheit sprach aus seinem Angesicht. Zion bebet, Mofis Tempel wanfet. Und die Fessel der Vernunft zerbricht! Herrlich starb er. Sehet ihn vollenden, Groß und heiter, wie der Sieger stirbt. Heil dem Sieger! Preis dem Gottgeweihten, Der den Dank der Menschheit sich erwirbt! 90 Ruhig streut der Landmann seinen Saamen In der Erde dunkeln Schoos hinab; Sturm und Nacht zieht über Wald und Fluren, Und der Segen schläft im stillen Grab. Alber bald erwecket ihn die Sonne, Grünend steigt die Hoffnung aus dem Grab, Und der Såmann faltet froh die Hände Für die Garben, die der Himmel gab. Laßt uns wirken, weil es Tag ist, Brüder, Und nicht auf die nächste Stunde sehn. Mögen wir im fühlen Grabe ruhen; Unfre Tugend wird nicht untergehn. Laffet uns am groffen Tempel bauen, Den die Menschheit der Vernunft geweiht; Laßt uns fühn dem schönen Plane folgen, Die Vollendung giebt die Ewigkeit. Mogen Andre dieser Einfalt spotten, Die uns an die schwüle Arbeit zieht; Mögen Tausend unsern Fleiß verkennen; Wenn ihn nur der grosse Meister sieht. Ja er sieht ihn; und die Welt verstummet, Wenn er seinen Freunden Recht verschafft. Ewiger, laß uns nicht müde werden! Heiliger, gieb uns zum Guten Kraft! - 91- A ben d. HU Guter Bater, der im Lichte wohnet, Wo der Glanz von tausend Sonnen strahlt, Deffen Liebe, dessen Herz voll Treue Keine Rührung und kein Dank bezahlt! Dich falte unter deinen Sternen Meine Hände in der stillen Nacht Und mein Geist ruft an dem Ziel des Tages: Er hat alles, alles wohl gemacht. Aber schaurig weht es durch die Erde, Bleiche Wolken ziehen durch die Luft Und der Schöpfung warmer Freudentempel Wird zu einer kalten Todtengruft. Blaffe Nebel steigen aus der Tiefe, Dürre Blätter rauschen in den Wind, Kalte Schatten wandeln über Gråber Und des Todes stille Sanduhr rinnt. Traurig blickt die Seele auf den Wechsel, Auf das Ende dieser Herrlichkeit! Blicket sehnend unter Nacht und Kälte Auf die liebliche Vergangenheit. 92- Liebe Seele, merke diese Lehre Ehe sich der Schlaf mit dir vermählt: Unvernunft und rauhe Sitten herrschen, Wenn im Leben Licht und Wärme fehlt. Licht am Throne und in Tempelhallen, Warme für die Pflicht der Menschlichkeit, Licht und Recht, so weit die Sonne scheinet, Lieb und Treue bis zur Ewigkeit- Dieses war es, was uns Jesus lehrte; Dieses schwören, dieses glauben wir. Ach wir sind noch weit vom schönen Ziele; Aber, groffer Meister, Dank sey dir! Endlich wird dein sanftes Reich erscheinen, Endlich wird die Finsterniß vergehn, Und die Menschheit wird im Glanz der Tugend Dir mit hellem Sinn entgegengehn. Soll ich diese Zukunft nicht erleben, Geh ich, Herr, zu meiner Ruhe ein; O so laß mich, bis dein Engel winket, Jener bessern Tage würdig seyn. - 93- Sonnabend. Morgen. Feyerlich in ihrem Purpurkleide Tritt die Sonne aus der Nacht hervor; Freudig schwebt sie aus dem Dunstgewölbe In das klare Weltenreich, empor. Lust und Liebe jauchzen ihr entgegen Auf der neuen grossen Himmelsbahn; Still und heiter kann sie rückwärts blicken, Denn sie hat des Guten viel gethan. Werd' ich auch so heiter und zufrieden Einst hervor aus meinem Grabe gehn? Wird mein Geist in Hoffnung und in liebe Dort zum neuen Leben auferstehn? Kann ich ohne Sorge rückwärts blicken, Wenn die grosse Wanderschaft beginnt? Kann ich freudig in die Zukunft schauen, Wenn die füffe Gegenwart zerrinnt? Herr, ich zage, wenn ich diese Woche, Diese kurze Laufbahn überseh;- Ach wie kann mein Herz in Ruhe bleiben, Wenn ich vor der ganzen Wallfahrt steh? 94- Ach wie oft hat Leichtsinn und Begierde Mich in tiefen Schlummer eingewiegt! Ach wie oft hat dein Gesetz gesprochen, Und der böse Wille hat gesiegt? Schändlich sind die Gößen dieser Erde, Hochmuth, Sinnlichkeit und Eigennuß; Niedrig bleibt der Mensch, der ihnen dienet, Denn er bietet seinem Geiste Truß. Alber schnell kommt die Versuchungsstunde, Und das arme Menschenherz ist schwach; Heimlich schleicht die Natter unter Blumen Oft dem unbesorgten Pilger nach. Müde sinkt er auf den Rosenhügel, Träumend schläft er unter Myrthen ein. Wache, Pilger! Gift und Tod ist nahe! Und dein Schlummer wird dein Unglück seyn. Vater, muß die Seele unterliegen, Wenn die Welt den rohen Kampf beginnt? Muß der freye Geist die Fessel tragen, Wenn das Fleisch auf Unterdrückung sinnt? Nein! die Weisheit adelt mich zum Menschen. Vater, nur der freye Geist ist dein. Ich kann wählen. Das Gewissen richtet. Ich will siegen. Ich will weise seyn! —— 95 2 ben d. Winde stürmen durch die fahlen Bäume, Schwarz verhüllet stehet Wald und Flur. Aber unter Nacht und Sternen tonet Dir ein Lied am Grabe der Natur. Dir, o Vater, der die Sonne führet, Der die Rose schuf und welken hieß, Der das Erndtefeld mit Segen fronte, Und des Baumes Schäße reifen ließ; Der dem Menschen seine Tage schenket Und mit Hoffnung und Genuß erfüllt; Der ihm sanft die Gegenwart eröffnet Und die Zukunft liebevoll verhüllt; Dir, o Vater, schlägt mein Herz entgegen, Dank und Liebe glüht in meiner Brust; Kindlich blickt mein Auge zu den Sternen Und die Seele ahnet Himmelsluft. Deine Freuden zogen mir vorüber, Deine treue Liebe folgte mir. Alles Schöne ist aus dir gefloffen, Alles Gute, Vater, fommt von dir. 96 Preiset ihn, im Glanz der Morgensonne! Lobet ihn, in stiller Mondenpracht! Liebet ihn, am Freudentisch des Lebens! Danket ihm, am Sarg der Todesnacht! Danket ihm in jenen Sternenwelten, Und der Wurm im Staube freue sich! Dankt dem Herrn, denn er ist freundlich Allen; Seine Güte währet ewiglich! Liebend preist dich meine frohe Seele, Vater, siehe mein zufriednes Herz! Liebend nimmt es aus den Vaterhånden Luft und Segen, Dürftigkeit und Schmerz. Und so mag die Woche unter Frieden In das Meer der Ewigkeit entfliehn; Berge können weichen, Hügel fallen; Deine Huld wird nicht vorüberziehn; Schlaft in Frieden! Gottes Auge wachet. Ruhe herrscht im groffen Weltenplan. Alles endet! auch die Lebenswoche. Doch getrost, der Ruhetag bricht an! Winter. Wintet. Vierte Woche. Univ, Biel, Giessen T - 99 Sonntag. Morgen. Erhabner Gott, vor dem die Sonnen kreiſen, Vor dem sich tausend Weltgebäude drehn, Vor dem sich Millionen Wesen bilden, Und Millionen hin zu Grabe gehn; Wie groß bist du! welch eine reiche Tiefe An Weisheit und Verstand! Und dein Gericht Wie unbegreiflich ists! Und deine Wege Wie unerforschlich, bis das Auge bricht! Denn wer hat jemals deinen Sinn durchschauet? Wer hat dem Rath der Gottheit beygewohnt? Wer hat ihm etwas je zuvor gegeben, Daß ihn der Herr der Welten dafür lohnt? Von ihm und durch ihn ist das Reich der Dinge, Der Blumen Glanz, des Sommers Feyerkleid, Des Baumes Frucht, des Winters stille Ruhe; Anbetung ihm und Preis in Ewigkeit! Wie groß bist du! Du wohnest nicht in Tempeln, Von eitler Kunst und Menschenhand gemacht. Dein Tempel ist die Welt; und über Sternen Wird dir, wie hier, ein Opfer dargebracht. 100 Dein wird auch nicht von Menschenhand gepfleget; Wir sind zu schwach, und du bedarfst es nicht. Du giebst uns selber Lebenskraft und Odem, Und leitest uns vor deinem Angesicht. Du, Herr, bist groß und groß sind deine Werke, Wer ihrer achtet, der hat Lust daran; Denn löblich ist und herrlich, was du ordnest, Und deine Güte lenkt den Weltenplan. So fall ich denn im Staube vor dir nieder, Du Herrlicher, in deinem Lichtgewand, Und danke dir für jede gute Gabe, Und bitte dich um Weisheit und Verstand. Die Ruhe wohnet auf der stillen Erde, Der Friede Gottes herrscht in Wald und Flur, Und eine grosse feierliche Pause Erfüllt den falten Tempel der Natur. Gott, unserm König auf dem Weltenthrone, Dem Unvergånglichen in Herrlichkeit, Dem Unsichtbaren, Einzigen und Weisen Sen Ehre, Lob und Preis in Ewigkeit! 101 de Cal 2 ben d. Dir, Herr, fey Preis! Der Sabbath ist vergangen, Doch meine frohe Seele ist bey dir. Geheiligt werde dein geweihter Name, Und eine sanfte Nührung folge mir Ins stille Schlafgemach. Du bist der Vater, Den keine Nacht von seinen Kindern trennt. Du bist der König, dessen Ehrentempel Dort über mir von tausend Sternen brennt. So weit die Nacht sich über Wälder dehnet, Bedeckest du die Welt mit deinem Schild; So weit der junge Morgen ist vom Abend, Wird Berg und Thal von deinem Saum erfüllt. Dich sieht der Weife unterm Sternenhimmel, Dich fühlt der Fromme an dem Hochaltar, Dir jauchzt der Jüngling seinen Preis entgegen, Dir dankt der Greis an seiner Todtenbahr. Wo ist das Land, das keine Tempet bauet, Wo lebt das Volk, das keinen Gott verehrt? O sanfter Schimmer in dem Erdendunket, Du bist die lampe, die sich nie verzehrt. 102 Soll uns die Tugend lieb und heilig werden, So muß uns auch die Gottheit heilig seyn. Und wollen wir die Gottheit würdig ehren, So werde unser Herz von Sünden rein. Geheiligt sey dein Name, Herr der Geister! Die Wahrheit siege, troß der Spotter Zunft! Das groffe Reich des Aberglaubens sinke! Geheiligt sen dein Name durch Vernunft! Noch ist die Welt zum Lichte nicht geboren, Wie nah uns auch die Morgensonne fey. Wir beten, wie uns Jesus beten lehrte; Doch unser Geist und Wille ist nicht frey. Du weißt es, Herr, wie oft die Menschheit fehlet, Wie oft der Geist den falschen Wahn bereut, Wie oft das Herz durch Härte sich entehret, Und deinen Tempel Unvernunft entweiht. O laß es tagen, laß es besser werden, Führ uns zum Licht, zu deinem Frieden ein! Laß uns das Herz zu deinem Dienste weihen, Laß diese Andacht allen heilig seyn. Ja, Allen, Herr, im Leben und im Tode, In Licht und Nacht, in Lust und Traurigkeit; Bis wir das grosse Halleluja fingen Dort übern Grab, in deiner Herrlichkeit! 103 Mondt a g. Morgen. Die Flur ift kalt. Das Leben finkt zu Grabe. Das Ziel erscheint, vollendet ist der Lauf. Der Baum ist kahl, des Waldes Sånger schweigen, Und säumend geht die blaffe Sonne auf. Wo ist die Schönheit, die das Herz entzückte? Der Blumenkranz der lieblichen Natur? Er ist verwelkt, die Schönheit liegt im Sarge, Und schaurig weht des Todes Leichenspur. Wo send ihr, goldnen Sterne hingesunken? Wo ist der Glanz, wo ist die stille Pracht? Das Heiligthum des Friedens ist verschwunden, Und unter Sorgen ist der Tag erwacht. Wo ist die Menschheit, die noch gestern lebte, Und jetzt im langen Schlaf begraben liegt? Sie ist dahin. Der Kampf ist ausgerungen, Der starke Feind des Lebens hat gesiegt. Die Todtenglocke hallt in Wiegenlieder, Das offne Grab steht an der Lebensbahn. Die Eiche fällt, die Freude geht vorüber, Und alles ist dem Wechsel unterthan. 104 Nur du nicht, Gott, zu dem ich freudig bete, Du Ewiger, in jenem Vaterland; Du hast von Unbeginn die Welt gegründet Und freundlich deine Himmel ausgeſpannt. Sie werden einst vergehn, du aber bleibest; Sie werden einst veralten, wie ein Kleid, Du bleibest, wie du bist, und deine Jahre Sind nur ein Widerschein der Ewigkeit. Von dir, von dir kommt jede gute Gabe. Du lenkst das Glück, doch du bedarfst es nicht, Das Schicksal ist an deinen Rath gebunden, Und Finsterniß verwandelst du in Licht. Ob Berge weichen, Fels und Hügel fallen, Gott, du bist unsre Zuflucht für und für. Was hat der Mensch auf dieser Welt zu fürchten? Er liebe dich und er vertraue dir. B Er zweifle nicht, wenn Troß und Therheit siegen, Er zage nicht, wenn sich der Sturm erhebt; Er wanke nicht, wenn Menschen sich empóren, Er glaube, daß der Weltenkönig lebt. Er lebt, er herrschet! Fallet hin im Staube Und betet ihn mit stillem Geiste an. Sein ist das Reich. Die Prüfung geht vorüber, Und Freude dämmert auf der Lebensbahn. 105- A ben d. Der falte Tag ist rasch hinabgestiegen. Die Gegend schweigt, im Schatten liegt die Welt. Ein groffer Schauer dringet durch die Wesen. Der Himmel ist mit bleichem Glanz erhellt, Und alles ist zur Ruhe eingegangen; Die Schöpfung selber ist zu Schlaf gebracht. Auf reinem Bett liegt die Natur im Traume, Und Stille herrscht, die einsam holde Macht. Du Friede Gottes, komm in meine Seele, Erfülle meinen Geist mit Heiterkeit; Laß mich die Erde und die Welt vergessen Und zeige mir das Land der Seligkeit. Dort, wo die stillen Himmelslampen glånzen, Dort, wo das milde licht herüberschwebt, Dort ist es, wo die reine Tugend wohnet, Dort ist es, wo die hohe Freyheit lebt. Von jenen stillen Gränzen sind die Schrecken, Die eitlen Gößen dieser Welt verbannt; Denn Geiß und Stolz und Wollust Traume Verschwinden dort im hellen Morgenland. diefe 106 Das Schöne blüht in himmlischen Gestalten, Das Gute siegt und wird von Gott belohnt. Die Freude leuchtet, wo die Tugend hauset, Und Friede herrschet, wo die Wahrheit thront. Ein Glaube waltet dort und Eine Liebe, Dort ist, von blinden Seelen ungestört, Der neue Tempel der Vernunft erbauet, Den hier das alte Vorurtheil entehrt. Du stilles Glück, das über Sternen wohnet, Du fernes land, du bist mir freundlich nah, Du bist das Reich, das Jesus Christus baute, Als er den Jammer dieser Erde sah. O dieses Reich, voll Klarheit und voll Liebe, Dieß Eden, fren von selbst gemachter Qual; Dieß Himmelreich, wo Menschenglück gedeihet, Es komme, Herr, in unser Pilgerthal! Der Aberglaube, der die Herzen trennet, Er sinke hin ins todte Reich der Nacht; Und wo ein Mensch, des Lasters Fesseln schleppte, Der werde durch die Zugend frey gemacht! Genügsamkeit und holder Friede herrsche, Die Nacht des Irrthums werde aufgehellt! Es komm dein Reich im Lichte und in Wärme, Und ausgeföhnet sey die ganze Welt! 107 O sanftes Reich! o Reich voll Glanz und Würde! Es kommt dereinst. Wir werden glücklich seyn! Mit diesem groffen, lieblichen Gedanken Geh ich vergnügt zu meiner Ruhe ein. Ing} 108 Dienst a g. Morgen. Allmächtiger, den ich im Staub verehre, Vor dem der Cherub sich in Demuth beugt, Durch den die Erde grünet und verwelket, Vor dem der Mond sich und die Sonne neigt; Du hast mit Weisheit deine Welt bereitet, Mit hellem Blick die Zukunft überdacht, Mit tiefem Sinn den Himmel ausgebreitet, Mit Schöpferkraft das Erdenrund gemacht. Du tránfft mit Thau die junge Frühlingsrose, Erquickst das Laub in milder Abendluft, Du läßt den Sturm durch kahte Eichen faufen, Du schliesseft ihn in seine dunkle Gruft. Du läßt die Sonne still im Meere glänzen, Du blißest schrecklich aus dem Wolkensaum. Du läßt den Menschen seinen Tag erleben, Und streuest Licht im groffen Weltenraum.. Du sprichst, da reget sich der Schoos der Erde, Und alles strahlt in junger Herrlichkeit. Du sprichst, da neigt sich die Natur zu Grabe, Und schläft verhüllt im weissen Sterbekleid. 109 - Dich fürchte alle Welt! und vor dir scheue Sich alles, was den Erdenkreis bewohnt. Du schufft die Welt; du winkst und sie vergehet! Groß ist die Macht, die übern Sternen thront, O könnt ich dich mit Engelharfen preisen, Begeistert von dem reinen Himmelsflang! Wer führet mich in jene Tempelhallen, Wer lehret mich den hohen Lobgefang! Hier ist mein Lied nur eine schwache Stimme, Die aus dem stillen Herzen wiederhallt. Ach einst, wie froh werd ich hinüberblicken, Wenn mir dein füffer Ton entgegenschallt, O Ewigkeit! O Gott! vor dem ich bete, Durch dessen Macht ich wieder leb und bin, Dein sey mein Herz-- und wenn es nicht mehr schlåget, Dann seh ich dich, dann nimm mich ewig hin! 110 2 ben d. Der Tag verhüllet sich in trübe Schatten, Der Himmel ist mit blasfem Licht erhellt, Ein Trauerflor sinkt von den Sternen nieder Und deckt die Sünden der entschlafnen Welt; Die Hårte, die des Wohlthuns Glück verschmähet, Den blinden Geiß, der seine Schande fucht, Die Uleppigkeit, die sich mit Dornen frånzet, Den fiechen Neid, der sein Geschick verflucht! Das stolze Haupt, das seine Brüder frånkte, Die freche Hand, die Menschenblut vergoß, Das feige Herz, von Heucheley entehret, Die Thrane, die aus falschem Auge floß Bedecke, Nacht, die grosse Sündenmenge, Erschüttre sie, du falte Todtengruft, Die Ungerechten, die der Reiß des Lasters Mit jedem Tag zu neuem Frevel ruft! Erschüttre sie, du feyerliche Stunde, Die alle Herrlichkeit zu Grabe fenft, Wo jeder, sey er Bettler oder König, Mit Ernst den Pfad des Lebens überdenkt! 111 Erschüttre fie, du stiller Gottes- Acker, Mit Hoffnung für die Ewigkeit befåt! Dort ruhen sie, dort werden sie erwachen, Wenn einst der neue Frühlingsathem weht, Dort reifen sie dem grossen Tag entgegen, Wo Gott dem Herzen und der Welt vergilt, Wo seine Hand mit ihrer heil'gen Waage, Den Klaggefang der ganzen Menschheit stillt. Du Vater dort, zu dem mein Herz sich nahet, Du Heiliger, in deiner Herrlichkeit, Dein Will gescheh auf Erden, wie im Himmel, Und dein Gebot sey unfre Seligkeit! Du willst ja nur die Wohlfahrt deiner Kinder, Und darum gab uns deine Schöpferhand Das größte Gut, das deine Engel haben, Den stillen Schmuck- Gewissen und Verstand. Dein Will gescheh auf Erden, wie im Himmel, So treu, so froh, so liebevoll und rein; Dann wird das Leben wie ein Morgenschimmer, Das Sterben eine Ruhestunde seyn. TR 112 Mittwoch. Morgen. Allwissender, vor dem das Buch der Zeiten In jeder Stunde aufgeschlagen liegt, Vor dessen Blick die leichte Flocke schwebet, Vor dessen Aug die Schaar der Welten fliegt! Du bist mein Gott, dir schlägt mein Herz entgegen, Mein ganzes Wesen ehrt und feyert dich, Du siehst mich beten leben, fehlen, denken, Du richtest, Herr; denn du erforschest mich. Was nüzt es mir, wenn ich die Menschen täusche, Wenn ich mich besser stelle, als ich bin? Ach, eitler Ruhm, den sich der Heuchler bauet, Er fällt wie Spreu vor deinen Augen hin! Ach, eitler Ruhm, den mir die Welt gewähret, Die nur zu oft für bloffen Schein entflammt, Wenn mich das Herz, der unbestochne Richter, Das stille Herz vor Gott und Welt verdammt! Was hilft es mir, wenn mich die Nachwelt segnet, Und einst mein Grab mit Blumen überstreut? Wer giebt der Seele ihre goldne Ruhe, Wenn Eine That zu Gott um Rache schreit! Schwarz 113 Schwarz ist die Nacht; das tiefe Grab ist dúster; Doch finstrer ist des Lasters Nachtgestalt. Es gleicht dem Sturm, der auf der Heide raset Und aus der Erde Tiefen wiederhallt. O sanfte Tugend, heilig ist dein Name, Licht ist dein Kleid, dein Untlik mild und rein. Und dein Gewissen leicht und ohne Flecken, Es gleicht dem Schnee im klaren Morgenschein. Das Leben eilt wie eine Nacht vorüber, Die Glocke mahnt an die Vergänglichkeit; Bald ist der leßte Sand hinabgeronnen; Was sagst du, Herz? Was spricht die Ewigkeit? Was ahnet dir, wenn einst die stille Kammer, Das finstre Grab, ein neuer Glanz erhellt, Und eine Stimme aus den Wolken rufet: Steht auf, ihr Todten, für die andre Welt! Allwissender, zu dem mein Herz sich neiget, Dir sey dieß schwache Menschenherz geweiht. Du bists, der Jedem seine Erdensorgen, Doch für die Zugend freye Wahl verleiht. Du siehest mich; und wenn das Lafter winket, Im Sonnenglanz; im stillen Mondenschein; Dann soll-o heil'ger Vater, laß mich siegen!---Ein Blick zum Himmel mein Erretter seyn. 8 - 114- A ben d. Die grosse Feyerstunde hat geſchlagen, Es weht der Ruhe friedliches Panier. Die Sorge flieht, der Tag ist überwunden Und traulich still liegt eine Welt vor dir, Du Gütiger, der über Sternen waltet Und dessen Aug die dunkle Nacht besiegt; Der freundlich für den andern Morgen forget, Wenn sein Geschöpf in tiefem Schlummer liegt. Wie staunt mein Geist, wenn ich die Zahl erwäge, Die deine Weisheit täglich glücklich macht! Wie schlägt mein Herz, wenn ich den Trost bedenke, Daß deine Liebe für die Menschen wacht! Ach! sollten wir für unsre Erde sorgen, Bald würde Noth und Jammer vor uns stehn; Und sollten wir die Vorrathskammer füllen; So würden Millionen untergehn. Nur du kannst diesen Lebenskreis erhalten, Der um dich her in tausend Farben blüht; Nur du kannst geben, fegnen, retten, schüßen, Deß flares Auge Zweck und Mittel sieht. 115 So falle, Menschheit, falle hin im Staube, Im Morgenschimmer und im Abendroth; Blick auf zu Gott, sey ruhevoll und bete: Erhalter, Schöpfer, Vater, gieb uns Brod! Wir wissen nicht, was unserm Leben frommet Von jenen stolzen Gütern dieser Welt. Der Mensch braucht wenig, wenn das Licht des Friedens Sein stilles Herz und seinen Geist erhellt. Das Leben ist des Himmels größte Gabe; Im Leben schon liegt eine Seligkeit. In dieses Band hat Gott mein Glück gewebet, Und knüpft es dort an jene Ewigkeit. So will ich denn zufrieden vorwärts gehen, Bis einst der feyerliche Wechsel naht. Mein Herz sey rein, und meine Lebensreise Sey Eine still vollbrachte gute That. Geräuschlos will ich milde Gaben säen, So wie der Schnee im Dunkeln niederwallt. Sanft will ich meinem Nebenmenschen rathen, Wie Glockenton in stiller Nacht verhallt. Dann wird mein Abend friedlich einst erscheinen, Mit Heiterkeit werd ich hinübergehn, Mit heil'ger Liebe durch die Wolken dringen Und unter Sternen meinen Vater sehn. <-116 Donnerstag. Morgen. Allgütiger, die Nacht ist hingeschieden, Der Tag erwacht in seiner Herrlichkeit, Die Menschheit wallt aus ihrer Ruhekammer Und fühlt des Lebens neue Seligkeit. Du, Herr, bist Allen gütig und erbarmest Dich aller deiner Werke Tag und Nacht. Du lächelst aus der Abendrothe Schimmer, Du waltest in dem Grab der Mitternacht. Du bist die Liebe! jauchzt der Frühlingsmorgen, Du bist die Liebe! ruft der Erndtetag, Du bist die Liebe! singt der Herbst im Thale, Und traulich tonts der stille Winter nach. Du führst den Knaben über Blumenwiesen, Du gönnst dem Jüngling seine Blüthenzeit; Du reichst dem Mann die goldne Frucht des Lebens Und schenkst dem Greife Ruh und Heiterkeit. Wer schmückt die Welt mit ihrem SchwanenFleide? Wer streuet Diamanten auf den Schnee? Wer baut des Haines weisse Pyramiden, Und führt krystallne Brücken übern See? 117 Allgütiger, wie groß sind deine Werke! Wer ihrer achtet, der hat Lust daran. Du bist der rechte Vater über alles, Und was du thust, ist immer wohl gethan. Dort gehet deine Sonne über Gute Und über Böse mild und freundlich auf. Ach, Menschen alle, fühlt die grosse Liebe Und weihet ihr den kurzen Lebenslauf! Sie wacht, sie sorgt, sie winkt aus allen Sternen, Sie strahlet aus des Morgens Wiederschein, Sie giebt uns Leben, Glück, Verstand und Hoff nung; 1 Ach, armes Herz, wie willst du dankbar seyn! Du guter Gott, ich will dich wieder lieben, Und diese Liebe sey mein Schmuck und Heil. Nicht Sclavenfurcht soll mich zur Zugend treiben; Ein freyer Geist sen meines Herzens Theil! Du wohnst im Licht. Hier wandeln deine Kinder. Weg Neid und Zwietracht, Geiß und Heuchelschein! Die Welt darf unsre Seele nicht bethören! Denn unser Wandel muß im Himmel seyn. Dort herrscht der grosse Friede und die Liebe, Die Alle segnet, duldet, schonet, trägt. Dir will ich folgen, ewig holde Liebe, Wenn sich in mir das wilde Herz bewegt. 118 2 ben d. Gelob elobt sey Gott! das Tagwerk ist vollendet. Die Erde ruht, es kommt die holde Nacht. Ihr goldner Wagen hålt im stillen Norden Und schweigend glänzt des Himmels sanfte Pracht. Gelobt sey Gott! die Menschheit wallt zum Ziele, Sie wandelt, gleich den Sternen, ihre Bahn. Sey immerhin der Glanz auch hier verschieden, So wird des Guten dennoch viel gethan. Wie manches Herz ward heute ausgeföhnet Mit der gefrånkten Tugend, mit der Welt; Wie manche Thrane wurde abgetrocknet, Wie mancher Blick voll Trübsinn aufgehellt! Wie mancher Darbende vergaß des Kummers Durch eines Edlen gastlichen Behuf! Wie mancher Fromme hielt am Pilgerwege, Und stillte froh der Wehmuth Schmerzensruf! Gelobt fey Gott! die Tugend lebt im Stillen, Und ihre Herrschaft wird unendlich seyn. 119So fließt die warme Quelle unterm Froste Aus ihrem grünen Moose sanft und rein. Doch laßt uns nicht der Zugend überheben; Es giebt noch Herzen, wo sie nie gewohnt. Ach! finster lieget, wie die Nacht im Walde, Der grosse Umkreis, wo das Laster thront. Mit jedem Tage steigen neue Sünden, Gleich trüben Dünsten von der Erde auf. Und jede Nacht bedeckt mit schwarzem Schleyer Ein wildes Heer im raschen Sündenlauf! Doch lebt der Mensch, daß er die Andern richte? - Was macht uns stolz? Im Staube kriechen wir. Der Beste fehlt. Der Größte wird zum Kinde, Ach Gott, wie schwach ist unser Herz vor dir! Vergieb uns denn, so wie wir auch vergeben. Vergieb den Schwachen ihre Missethat! Vergiß die Schuld, so wie wir auch vergessen, Wenn uns ein böses Herz gefrånket hat! Du trägst die Welt mit ihren Uebelthaten; Ach! deine Weisheit sieht nur Unverstand, Nur Wahnsinn, wenn die Menschen sich emporen, Und darum schonet deine Vaterhand. 120 Ach! laß mich diesen grossen Frieden erben, Bis einst mein Herz zur langen Ruhe sinkt, Laß mich vergeben; und das Urtheil sparen, Bis mir dereinst die helle Zukunft winkt. Dort werd ich Manchen, den ich hier verkannte, Im weissen, milden Lichtgewande sehn; Und alles Dunkel wird vor deinem Throne, Wie diese Nacht am Sonnenglanz, vergehn. - 121 sam Freyta g. Morgen. Aus heil'gem Dunkel tritt die Morgensonne Wie eine stille Priesterin heraus. Gen Himmel wallt die blaue Opferwolfe, Die Erde wird zum frommen Gotteshaus. Du Heiliger, vor dem die Sterne schwinden, Vor dem der Sonne reiner Blick sich neigt, Vor dem der Seraph seine Hände faltet, Vor dem die Undacht sich im Staube beugt! Du bist der Menschheit liebender Gedanke, Du bist der Harfe füffer Morgenklang, Du bist der Glanz, der unsern Pfad erleuchtet, Du bist der Seele heil'ger Schwanensang. Du hoher Geist! du kenneft keine Sünde, Du irrest nie. Dich reuet feine That. Dich mahnet nie ein donnerndes Gewissen; Denn ew'ge Klarheit wallt um deinen Pfad. Du lebest rein in allen deinen Werken, Du hast die Wonne der Vollkommenheit. Du bleibest rein in jeglichem Gedanken, Das ist die Fülle deiner Seligkeit. 122- Wie ist der Mensch so klein vor deiner Grösse, So ungeweiht vor deiner Heiligkeit, So dunkel ach vor deinem Himmelsglanze, So freudenarm vor deiner Seligkeit. Wie ist der Mensch, in Thorheit eingehüllet, So oft für seine wahre Schönheit blind; So oft vergessend unterm Freudentaumel: Nur felig sind, die reines Herzens sind. So will ich denn mein Auge nie verwenden Von dem, was gut und schön und heilig ist. Mit hellem Blicke will ich vorwärts dringen, Wo du, mein Urbild, du, mein Vater, bist. Mit Hoffnung will ich auf mich selbst vertrauen, Der Geist ist stark; auch ich fann heilig seyn. Das Fleisch ist schwach; ich will mich selber achten Die Freyheit kehrt bey keinem Sclaven ein. Bald ist es aus, bald ist der Kampf vorüber, Bald naht des Grabes stille Winternacht. Mit freyem Blick, wie Jesus an dem Kreuße, Ruf ich dann aus: mein Gott, es ist vollbracht! - 123 M A ben d. Die Nacht gießt ihre Schatten auf die Erde, Die laute Schöpfung wird zum Todtenhaus Und an der grauen Abendpforte löschet Der müde Tag die bleiche Fackel aus. Auf kalten Bergen dåmmern Nachtgestirne, Im trüben Nebel liegt der Fichtenwald, Der Frost erscheint auf seinem Silberthrone Und alles fühlet feine Allgewalt. Wohl Jedem, der mit ruhigem Gewissen Der ernsten Mitternacht entgegen geht; Wohl Jedem, der die Fahne nicht beschimpfet, Die hoch und heilig vor der Menschheit weht! So geb' uns Gott und schenk uns Gott den Frieden, Uns allen, die das Haus der Nacht umgiebt! Und weffen Herz den frommen Tag entweihte, Der sinke hin und bete tiefbetrübt! Und wo ein Mensch auf bösem Wege ziehet, Und unter Sternen noch auf Frevel finnt; Der sehe, wie der Tod vorüber gehet, Und wie der Sand der Lebens- Uhr verrinnt! 124 Und wo im letzten Kampfe eine Seele Mit Welt und Tod und dem Gewissen ringt, Gott tröfte sie! Doch seufzend steht der Himmel, Wenn ihm die Erde schwarze Herzen bringt. O guter Gott, führ uns nicht in Versuchung! Gieb uns nicht, was das Herz so laut begehrt. Entzieh uns lieber jede Erdenfreude Popis Und mach uns nur der heil'gen Zukunft werth! Wir wissen nicht, was unser Glück begründet; Denn unser Auge reicht nur spannenweit. Du weißt es, Vater, du begreifft das Leben Und vor dir liegt die ferne Ewigkeit. Verleih uns Demuth, wenn der Geist sich hebet, Verleih uns Vorsicht, wenn das Herz sich fühlt, Zufriedenheit mit jeder Pilgergabe, Ein festes Herz, wenn die Versuchung zielt; Auf daß wir fröhlich einst von hinnen gehen, Wenn uns der stille Friedensbote winkt, Auf daß wir ruhig unser Haus bestellen, Wenn einst die morsche Hütte niedersinkt. In Gottes Namen gehen wir zur Ruhe Und schlafen bis der neue Eag erwacht. Ihr lieben und Getreuen, nah und ferne, Gott schenk euch allen eine sanfte Nacht! - 125 Sonnabend. Morgen. Der Tag bricht an. Die Woche geht zu Ende, Ein kleiner Theil von meiner Lebenszeit; Doch wichtig für die Laufbahn ohne Ende Und für die Palme der Unsterblichkeit. Wer weiß, bald kann die letzte Stunde schlagen, Wer weiß, bald geht die letzte Sonne auf, Der Abend naht, der Hausherr ruft die Knechte Und eine Frage schließt den Pilgerlauf. "" Wer bist du"? fragt der Richter über Sternen, Der keine Täuschung und kein Unrecht kennt, Der nach dem Herzen, nach Gedanken richtet Und streng und klar den Schein vom Wesen trennt. Wer bist du? tonet seine Vaterstimme, Dein Leben steht im hellen Sonnenschein, Die goldne Waage steiget auf und nieder, Dein eignes Herz wird dein Verräther seyn. Gott ist gerecht. Verzage nicht, o Sünder, Der aus Versehen und aus Irrthum fiel; Doch zittre, galt die Wahrheit dir, wie Lüge; Die Tugend, wie des lasters Saitenspiel. 126 Gott ist gerecht in allen seinen Werken. Betrachte dich; er gab dir ja Verstand, Er gab dir Freyheit, die dich dort verdammet, Wenn dich die Welt mit ihren Stricken band. Verstand und That entscheidet in der Waage, Ich fühl es tief, o Gott, du bist gerecht. Und hat der Mensch dieß Leben frech entweihet, Wie fâme er zu jenem Bürgerrecht? Es ist nicht dunkel, wo die Menschheit gehet, Wo die Natur, das Herz und Jesus spricht. Ein jeder Pfad hat seinen Strahl von oben, Der fromme Pilger kennet seine Pflicht, Und lebet für die Hoffnung jener Freuden; So harrt die grüne Aussaat unterm Schnee. Der Wald verstummt, die Quelle schweigt im Thale Und weisse Blumen starren auf dem See. Doch bald erhebt der Frühling sich im Glanze Und lachend ist die Schöpfung aufgethan. Geduld und Muth; die Finsterniß vergehet Und unter Schatten zieht das Licht heran. Der Sabbath naht, die stille Ruhe winket, O Gott, ich fühle deine Freundlichkeit. Du fegnest hier, du segneft dort, Erbarmer, Und Freudenblumen trågt die Ewigkeit. -- 127 2 ben d. Gelobt fey Gott! die Woche ist vollendet; Gelobt sey Gott, die Arbeit ist vollbracht, Und aus dem Himmel, aus den Sternen winket Der stille Friede und die sanfte Nacht. Willkommen, Nacht, willkommen, stiller Friede, Ihr Abgesandte aus dem Geisterreich, Ihr trauten Freunde in dem Erdenthale, Ihr Lieblichen; die Menschheit grüffet euch. Ihr hemmt das Schwerdt im rothen Mordgewühle, Ihr gieffet Ruhe um den Pilgerstab, Ihr stillet tausend bittre Jammerthrånen, Und- breitet sanft den Schleyer auf das Grab. Der Sclave sieht die Geisfel nicht mehr drohen, Der Kranke lächelt zu dem Sternenschein, Der Arme hat die Sorge überwunden, Der Müde geht zu seiner Ruhe ein. Des Lebens Bürde nahet mit der Sonne; Die Finsterniß bringt Ruhe in die Welt. O Nacht, du giebst der Menschheit ihren Frieden, Da jeder Tag den neuen Kampf erhellt. 128 O fernes Ziel, wann wird der Jammer enden, Den Unvernunft auf Erden ausgefåt? Wann wird der Mensch die Sichel kennen lernen, Die feine Freudenblumen niedermäht? O guter Gott, erlöse uns vom Uebel! Gieb uns das höchste Glück, gieb uns Verstand! Die Thorheit herrschet unter Menschenkindern Und zwingt die Herzen, wie der Frost das land. O guter Gott, erlöse uns vom Uebel! Gieb uns ein weises und verständig Herz. Die Nacht vergeht. Der Sabbath glänzt herüber. Wir schlummern ein. Es stirbt der letzte Schmerz. Bald dåmmert es. Die neue Sonne flammet Und Engel schweben um den Leichenstein. O du, der seine Welt zum Himmel_lenket, laß uns nur fromm, laß uns zufrieden seyn! Laß uns im Lichte wandeln! Ohne SündeLaß uns zu Bette und zu Grabe gehn! Nun gute Nacht! Herr, segne und behüte Uns Alle, bis wir deine Klarheit sehn. Fünfte Fünfte Woche. Uleber einige Stellen aus der Bergpredigt und aus den letzten Reden Jesu im Johannes. 9 13r Sonntag. Morgen. Selig find, die fromme Einfalt leitet, " Ihnen blühet das Messiasreich! ,, Selig sind, die heilger Kummer beuget; ,, Kommt, schon quillet süsser Trost für euch! ,, Selig sind die stillen sanften Seelen; ,, Ruhig grunt ihr Erbtheil um sie her! ,, Selig sind, die nach Vollendung dürsten; Ihre Sehnsucht bleibt nicht freudenleer! ,, Selig sind, die mildbarmherzig fühlen; " Ihnen wiederfährt Barmherzigkeit! ,, Selig sind, die reines Herzens leben; Denn sie schauen Gottes Herrlichkeit! ,, Selig sind die Friedsamen auf Erden; ,, Diese werden Gottes Kinder seyn! ,, Selig sind, die um die Zugend leiden, ,, Dieses führt zu Himmelsfreuden ein." Laß mich, Herr, am Tage deiner Ehre Nur auf dich und auf mein Urbild fehn, Nur auf dich und Jesu Stimme hören Und mit Lust zu deinem Tempel gehn. m 132 Dort, wo heilge Andacht mich umwehet, Wo der volle Hochgesang ertont, Wo das Herz sich freyer aufwärts schwinget Und sich leichter mit der Welt versöhnt. Durch der Orgel feyerlichem Tone Sanft erhoben aus dem Erdenthal, Durch das Kreuz in lichter Tempelhalle Sanft ermahnt an Tauf und Abendmahl; Dort will ich in feyernder Gemeine Mich dem schönern beßern Leben weihn. Vater, laß mich deine Liebe finden Und in deiner Liebe selig seyn. Fromme Einfalt leite mich zum Himmel, Ferne schwinde jede Traurigkeit; Holde Sanftmuth schmücke meine Seele Und du, himmlische Gerechtigkeit! Milde will ich meinen Lauf vollenden, Stark im Geiste, reines Herzens seyn, Friedlich, freundlich meine Pflicht erfüllen Und in Trubsal mich des Himmels freun! Halleluja, Preis und Lob dem Schöpfer! Jede Morgensonne flammt ihm Dank. Preis, Anbetung, Liebe, Dank und Ehre, Ihm, dem Vater, ewig lieb und Dank. 155 A ben d. In meines Vaters grossem Hause schimmern ,, Viel Wohnungen. Ich hatt es euch gesagt, ,, Wenns nicht so wår. Dort geh ich hin, die Stätte ,, Euch zu bereiten, wenn die Zukunft tagt. ,, Und hab ich euch die Stätte dort bereitet, Dann komm ich wieder mit verklártem Blick ,, Und nehme euch zu mir in jene Hallen Und theile mit euch jenes Himmelsglück." I wenn du, lichte Stunde, einst erscheinest, Wie wird uns dann so wohl ums Herze seyn! Der Himmel thut sich auf. Die Erde schweiget Und alles zieht ins Land des Friedens ein. So blickte Moses von dem Todesberge Hinüber in das lichte Kanaan; So staunten einst die Jünger wonnetrunken Den Glanz des Herrn und die Verklärung an.O Nacht, wie schön bist du mit deinen Sternen, So mild und still, so ahnungsvoll und hehr! Die Seele schwimmt in heiligen Gedanken Zum Quell des Lichts durch dieses Schattenmeer. 154 Ein sanfter Schimmer leuchtet aus dem TempelDie stille lampe der Unsterblichkeit; Und leise leise Harfentône wehen; Und aus dem Dunkel bricht die Ewigkeit; Und goldne Welten steigen auf und nieder Und eine Stimme aus den Wolken spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben, Wer an mich glaubet, stirbt im Tode nicht; ko O Tod, wie schon bist du! Mit sanftem Fittich Zertheilest du die dunkle Erdennacht. Wir liegen unter Blüthen, unter Blumen, Und schlafen bis der grosse Tag erwacht. Dann leuchtet uns der Aufgang aus der Höhe, Im Sarge bleibt des Lebens Dornenkron; Das Grab erhöht sich zum Verklärungsberge Und alles wallt zu Gottes Freudenthron. O laß mich einst mit Freudigkeit vollenden, Du Herr des Todes und der Ewigkeit! Laß mich des Todes Bitterkeit verachten, Im Vorgefühl der nahen Seligkeit! 135 Mondt a g. CRU Morgen. mu „ Lasſet euer Licht den Menschen leuchten, ,, Daß sie eure guten Werke sehn ,, Und den Vater über Sternen preisen, Wenn die Müßigen verachtet stehn. ,, Denket nicht, ich sen dazu gekommen, ,, Daß Geseß und Lehre untergeh; Ich bin nicht gekommen, zu zerstóren, ,, Sondern daß der Bau vollendet steh. Wahrlich, Erd und Himmel wird vergehen ,, Bis ein Titel des Gefeßes fällt; ,, licht und Recht muß unter Menschen bleiben ,, Und auf dem Gefeße ruht die Welt!" o Vater, laß mich richtig vor dir wandeln, Auch wo mich kein sterblich Auge sieht. Gott, wo flich ich hin vor deinem Blicke Dem kein Schritt der Ewigkeit entflieht. Nichts, was dem bethörten Sinne schmeichelt, Locke mich vom Pfad der Tugend ab; Innre Zwietracht folget dem Verbrechen -136 Und die Sünde ist der Freyheit Grab. Vater, dein Gesetz erquickt die Seele Wie das Licht der Sonne die Natur. Finsterniß und dumpfe Nebel weichen, Und zur Freude ruft die Weltenuhr. Susses loos, zum Leben aufzuwachen Und vergnügt durch Gottes Schöpfung gehn, Schaffen, beten, hoffen, lieben, glauben, Ueberall den milden Vater sehn. So vergeht, wie eine Ruhestunde, So entfleugt das Leben wie ein Traum, Und vom nahen Grabeshügel lächelt Uns der neuen Morgenröthe Saum. Vater, dir befehl ich meine Seele Du hast sie geschaffen, sie ist dein! Schüße sie in dieser Lebenswoche, Laß sie deiner Güte würdig seyn. Freudig will ich kämpfen, dulden, siegen An der Treue heiligem Panier. Muth und Hoffnung! Ich bin nicht alleine, Denn du, lieber Vater, bist bey mir. 137- 2 ben d. Was Sas ihr in meinem Namen bitten werdet, ,, Seyd unbesorgt, das will ich gerne thun. ,, So lang ihr freudig mein Gebot erfüllet, ,, So lang wird meine Liebe auf euch ruhn. Ich aber will zu meinem Vater flehen, ,, Daß er den Geist der Wahrheit euch verleih, ,, Den ewgen Leitstern in der Nacht des Lebens, ,, Damit er euch zu meinem Dienste weih. O möchtet ihr ihn innig klar erfaffen, ,, Er waltet in dem neuen Gottesreich. Ich will euch nicht als Waisen hier verlassen, " Ich komme wieder durch den Geist zu euch. O guter Gott, o schönes Reich des Friedens, Wo Recht und Wahrheit unter Liebe blüht, Dein Stern ists, der die Erdennacht erleuchtet Und sanft das Auge zu dem Himmel zieht. Ein milder Schimmer dåmmert um die Seelen, Die Heimath jenseits winkt verklärt und rein. Das grosse lange Rathfel ist geldset, Die Menschheit kann durch Gott nur selig seyn. In ihm verklärt sich alles hier auf Erden, 158 Des Herzens stille Sehnsucht wird gestillt, Der Geist versinkt in ewige Beschauung, Die Ahnung aller Weisen ist erfüllt. - Es kommt dein Reich, du Quelle aller Liebe, In Christo blüht ein herrlicher Verein; Der Erde Millionen sind umschlungen, Die Herzen stärkt des Himmels Widerschein. Da wo die Falschheit ihrem Dolch entfaget, Die Zwietracht ihre Fackel niedertaucht, Der Herrscherstab zum Delzweig sich verwandelt Und kein Altar von Gögenopfer raucht; Wo alles sich vernünftig umgestaltet Wo jeder recht in seinem Stande thut, Wo Jesu Lehre über alle waltet Und nah und fern der Friede Gottes ruht; Da wohnt der Geist, den Christus uns gesendet, Da wird die Welt des Himmels Eigenthum, Da blickt das Jenseits freundlich über Gråber Und tröstlich herrscht das Evangelium. Es kommt dein Reich. Wie herrlich bist du, Vater! Vor meinem Auge prangst und waltest du. So blickt der Mond durch weisse Blüthenbäume Und alles schweigt in heilger Himmelsruh. - 159- Dienst a g. Morgen. Wer er mit seinem Bruder feindlich zürnet, Der verdienet Ahndung vor Gericht; Wer ihn schmäht, der ist des Rathes schuldig, Wer ihn låstert, ist ein Bösewicht. Wer ein Weib anblickt, sie zu verführen, Ist nicht rein vom stillen Ehebruch, Wer dem Reiz des Lasters nicht entfaget, ,, Spricht sich selber den Verdammungsfluch. ,, Schwöret nicht beym Himmel, bey der Erde, Eure Rede bleibe Ja und Nein, 11 Was darüber ist, das ist vom Uebel, Darum soll es ferne von euch seyn. liebt die Feinde! Segnet, die euch fluchen! Hassen sie euch, thut ihr ihnen wohl. ,, Drücken und verläumden euch die Menschen, ,, Betet freundlich für ihr Erdenwohl, Daß ihr Kinder bleibet eures Vaters, Dessen Sonne Gut' und Bösen scheint, ,, Deffen Regen mild hernieder sinfet ,, Auf die Fluren unter Freund und Feind. 140 Wenn ihr die nur liebet, die euch lieben, Welcher Ruhm erwachset euch davon? Wenn ihr euch zu Brüdern freundlich haltet, Was erwartet ihr für Gottes Lohn? Zöllner, seht, und Heiden thun dasselbe, ,, Strebet höher. Seyd vollkommen gut, Kinder eures milden Himmelsvaters, ,, Dessen Herz in ewger Liebe ruht. - Ja dort flammet deine Sonn in Osten Und der dunkle Schauplaß wird erhellt. Heiter, lieblich, unaussprechlich milde Lacht das Aug der Gottheit auf die Welt, Und ich könnte solche Huld vergessen, Auf der neuen frohen Lebensbahn? Komm nur, Armer, komm nur Unversöhnter, Herz und Hand ist kindlich aufgethan. Keinen will ich durch ein Unrecht kranken, Der Versuchung muthig widerstehn; Jede Spur der Falschheit will ich meiden Und auf dem geraden Wege gehn. 141 2 ben d. „ Ich bin der Weinstock und ihr feyd die Reben, 11 Wer treu mit mir verbunden ist, der bringt ,, Viel edle Frucht; denn ohne mich ist keiner, ,, Dem sein Gedeihn aus eigner Kraft gelingt. Wer nicht mit mir genau verbunden bleibet, Der gleicht dem abgeschnittnen Rebenschoß; Es wird hinweggeworfen und verdorret, Der Feuerofen ist sein letztes Loos. ,, Wenn ihr, als fromme Jünger, meiner Lehre Getreu verbleibt, so wird euch jede Kraft, ,, Um die ihr meinen Vater bitten werdet, Aus seiner milden Segenshand verschaft. Denn dadurch, daß ihr viele Früchte bringet, Wird vieler Herz dem Vater zugewandt. Und nur durch solche Tugendfülle werdet " Ihr selbst als meine Junger anerkannt." 11 11 So laß mich denn dem Meister treu verbleiben, O du, deß hoher Friede mich umweht. Laß mich getrost auf dessen Pfade wandeln, Der als ein heilig Urbild vor mir steht! 142- Er ist das Licht der Welt, aus Licht geboren, Er ist dein Sohn durch seinen Himmelsfinn. Er ist vor allen Sterblichen erkoren, Wohl mir, daß ich ihm zugezählet bin. O daß ich nie von deinem Pfad verirrte, Du reines Herz, du grosser Menschensohn, Du klarer Sinn, den nie die Welt verwirrte, Du Erstgeborner auf der Wahrheit Thron. O Vater, laß mich standhaft an ihn glauben, Mein Herz spricht laut, daß er mein Heiland sey. Nichts kann mir seinen stillen Frieden rauben, Wenn ich ihm redlich Geist und Leben weih. Das Ziel ist fern. Der Himmel ohne Ende. Du bist mein Gott. Er führet mich zu dir. In heilger Liebe falt' ich meine Hände, Ruh und Verklärung schweben über mir. Ich sehe dich in jenem dunklen Spiegel Der feierlichen Nacht- ach einst im Licht. Dann gute Nacht. Dann bricht das letzte Siegel Und mir erscheint dein heilig Angesicht. - 143- Mittwoch. Morgen. Habet 11 abet acht auf eure milde Gaben, ,, Send von Herzen und im Etillen gut. ,, Gieb dem Armen, aber laß die linke Hand nicht wissen, was die rechte thut. ,, Bleibt schon deine Mildigkeit verborgen, ,, Einer sieht, was du im Stillen thust, ,, Er, dein Vater, und dir wird vergolten, ,, Wenn du unter feiner Liebe ruhst. ,, Wenn du betest, gleiche nicht dem Heuchler, " Dessen Andacht vor den Leuten prangt. ,, Wahrlich, folche Frömmeley im Glanze Hat bereits den eitlen Lohn erlangt. Wenn du zu dem Himmelsvater betest, ,, Gehe in dein stilles Kammerlein, 07 ,, Und dein Vater, der ins Dunkle siehet, Wird im Lichte dein Beschirmer seyn." Wohl mir, daß ich dich zum Freunde habe, In der lieben, stillen Einsamkeit. Welche Freude wohnet im Gebete, - 144 Welche Ruhe, welche Seligkeit.! Alle Sorg und Mühe ist vergessen, Klar und heiter liegt die Welt vor mir, Alles ist mit Himmelsglanz umflossen, Alles heilig- alles ruht in dir! Lieblich naht die frische Lebensstunde; Leise bricht der Morgenstrahl herein; Feyernd, wie auf Tabor, schweigt die Erde. Gott ist nahe. Heil mir, ich bin sein. O Verklärung! o der Himmelswonne, Hoher Zukunft goldner Widerschein. Tod und Leben! Seliger Gedanke! Gott ist nahe! Gott ist ewig mein! - O so will ich denn mein Herz bewahren Für die Tugend, für die Ewigkeit. Nichts, was gleißet, soll mein Auge blenden, Alles Falsche sinket und entweicht. Eitle Nacht, es schwinden deine Träume, Wenn der Tag die Strahlenkrone trågt! Dir nur, Vater, will ich angehören, Bis mein Herz auf Erden nicht mehr schlägt. Abend. O 145 word Abend. Ein Weib, wenn sie gebieret, schwebt in Uengsten, Denn nahe ist die Stunde der Gefahr. ,, Doch bald verwandelt sich die Angst in Freude, ,, Daß sie ihr liebes Kind zur Welt gebar. ,, So seyd, auch ihr gebeuget unter Sorgen. „ Es geht vorben. Ich werd euch wiedersehn, Dann werdet ihr euch überschwänglich freuen ,, Und euer Glück wird niemals untergehn." Die Nacht berührt mit ihrem Zauberstabe Die Sterblichen und alles sinkt zur Ruh. Es ist so still. Der milde Schlaf erscheinet Und schließe des Lebens dunkle Pforte zu. O Nacht, wie schön bist du mit deinem Frieden! Um Berge dämmert sanftes Sternenlicht. Der Himmel gleicht dem Freudensaal, von welchem Ein matter Glanz ins Thal hernieder bricht. Und heilge Ahnung wallet über Gråber Wie Opferrauch im hohen Tempel auf. Das Herz wird still und sinkt in stilles Hoffen, IO 146 O dunkelschöner, goldner Lebenslauf! Wer bin ich, Vater, daß du mein gedenkest, Daß solche Stunden mir bescheret sind? Ach, freudig tönt es tief im Herzen wieder: Ich bin unsterblich, denn ich bin dein Kind. Hast du mich nicht zur Ewigkeit beruffen- Der kurze Traum entflieht-was tröstet mich? Und soll einst diese heilge Liebe sterben, Warum schlägt dieses treue Herz für dich? Die Erde hält den freyen Geist gefangen Und schleichend herrscht die Ungerechtigkeit. Das grosse Rathfel dieses Lebens löset Nur eine richtende Unsterblichkeit. tendon Dann schlägt, o Herz, die lange Freudenstunde, Dann weht der Freyheit siegendes Panier. Des Todes herbe Schaale ist geleeret Und ewig, Vater, ist dein Kind bey dir. Die Nacht erscheint im ernsten Florgewande Doch freudenvoll erhebet sich die Brust. Gott, ich bin dein im Leben und im Tode Und alle Mühe wird zur Himmelsluft. - 147- Donnerstag. Morgen. Sammelt euch nicht Schäße auf der Erde, Welche Motten und der Rost verzehrt, ,, Und wonach die Diebe listig graben, ,, Von dem Göhen dieser Welt bethört. ,, Sammelt euch dagegen Himmelsschäße Für den langen Tag der Ewigkeit, Dieses Eine retten wir hinüber Aus dem Strome der Vergånglichkeit. ,, laß dir nicht das Ewige entreiffen, Denn wo unser Schaß ist, ist das Herz. Taumle nicht verblendet durch das Leben, Oder all dein Leben wird zu Schmerz." Unterm Glanz der Morgensonne fliegen Leichte Wolken durch die Schöpfung hin, So entfliehen unsre Erdentage Und was bleibt uns endlich zum Gewinn? Nicht die Schäge, die wir aufgehäufet, Nicht die Güter, die das Glück uns gab; Allen Reichchum nimmt die Todtenbahre, 148 Allen Glanz verschlingt das dunkle Grab. Lächerlich und ernsthaft ist das Leben, Falsch und wahr der Schauplah um dich her; Du kannst frey am Scheidewege wählen Und die Bürde wird dir leicht und schwer. Himmelsvater, öffne mir die Augen! Eins ist noth; doch täuschend winkt die Schmach. Eins ist noth; der fromme Geist ist willig, Doch das arme Menschenherz ist schwach. Kommt die Stunde, wo die Treue wanfet, Treuer Vater, laß mich aufwärts sehn. Licht und Freyheit waltet um die Sonne Und ihr Pfad ist segensvoll und schön! - 149- w 2 ben d. Warum Parum sollt' ich den Vater für euch bitten? ,, Er selbst ist euch voll Liebe zugewandt; $ 1 Weil ihr mich liebet und von Herzen glaubet, ,, Der Himmelsvater habe mich gesandt." Die Nacht läßt ihren dunkeln Vorhang nieder. Das Spiel ist aus. Die laute Bühne schweigt. Das Licht der Welt hat seinen Lauf vollendet. Der Erde buntes Farbenspiel verbleicht. Die Freude hat den Schleyer umgeworfen Und matter geht der Pulsschlag der Natur. Die Seele nur blickt frey durch Nacht und Wolken Und folgt gestärkt der groffen Geistes fpur. Er waltet unter Welten, unter Sternen, Ein Strom der Klarheit fließt von seinem Thron; Sein Auge blicket liebend durch das Dunkel Und gönnt der Andacht ihren frommen Lohn. Du leitest uns, o Herr, nach deinem Rathe Und alle Sorgen find dir aufgethan, Du lenkeft unsern Gang im dunklen Thale 150 B Und nimmst uns endlich dort mit Ehren an. Das Leben eilt im schnellen Flug von hinnen! Bald gehe ich zur letzten Ruhe ein. Wer zählt die Stunden, die mir zugemessen? Drum, guter Vater, laß mich weise seyn. Was nüßen mir die Schäße dieser Erde, Wenn ich der Thorheit niedrer Sclave bin? Was kann mir Stand und Glanz und Kronen frommen, Bey innrer Schmach und schnödem Lastersinn? Dich, Vater, kann kein heuchelnd Auge tauschen, Du siehst genau, wie deine Kinder sind. Warum ist doch das eitle Herz hienieden, So unbesorgt für seine Fehler blind! O Vater, laß mich meinen Werth erkennen; Das Herz von dir darf nicht verwerflich seyn. Du bist um mich, du kennest meine Wege, Was nüßet mir des Lebens Heuchelschein? Ich weihe mich dem hohen Bund aufs neue, Der alle gute Menschen treu vereint. Du liebest uns und schenkst uns deinen Frieden, Bis uns dein licht am groffen Tag erscheint. - 15131 Frent a g. Morgen. „ Sorget nicht so ängstlich für das Leben, Seht die Vögel, ohne Sorg und Müh ,, Fren und fröhlich schweben sie vorüber ,, Und der Himmelsvater nåhret fie. ,, Seht die Purpurlilien des Feldes, ,, Welche Schönheit, welche Harmonie! ,, Salomo war schöner nicht bekleidet, ,, Denn der Himmelsvater schmücket fie. Trachtet fromm zuerst nach Gottes Reiche ,, Und nach dem, was recht ist vor dem Herrn. ,, Alles andre giebt als Pilgergabe ,, Euch sodann der gute Himmel gern. Darum forgt nicht für den andern Morgen, Für den ungewissen Lebenstag. " Jeder Tag hat für sich selbst zu sorgen, hat genug an seiner eignen Plag." Ewge Liebe, die einft Jefum fandte, Dieses Urbild der Zufriedenheit, Diesen Erstgebornen der Vollendung, -152 Dieses Herz voll innrer Seligkeit; Laß mich hin auf seine Laufbahn blicken. Die, mit jedem Lebensglanz geziert, Ihre Heimath unter Sternen findet Und am nächsten zu dem Himmel führt. Freudig, kindlich blickt er auf zum Vater, Der das Gute im Verborgnen sicht; Ausgeföhnet mit der Dornenkrone, Himmlisch, wenn ihn Tod und Nacht umzieht. Dieses Leben, gleich dem Morgentraume, Ist nur Einer grossen Sorge werth, Wie wir jenen Himmelsfrieden finden, Den das Herz so innig laut begehrt. mund sem Bater, segne alle und beglücke, Die in dieser Morgenstunde flehn. Laß uns Much und Glauben nicht verlieren Und zufrieden durch das Leben gehn. -153 2 ben d. Es kommt die Stunde und sie ist schon nahe, ,, Worinn ihr alle auseinander flieht Und mich verlaßt. Doch bin ich nicht alleine; Mein Vater ists, der liebend auf mich sieht." So sprach er einft, der hohe Eingeborne Und blickte ruhig in die Zukunft hin. Die Wahrheit zeigte ihm die Siegespalme, Der Glaube stårkte seinen Heldenfinn. Er sah das Kreuz auf dunklem Marterberge Die Bosheit jauchzet im Triumphgefang. Vernichtet blickt die Schmerzensmutter nieder Als nun ein Schwerdt durch ihre Seele drang. Die Finsterniß hat ihre Kron errungen, Zerstöret ist das neue Himmelreich. Der Priester und Levit geht stolz vorüber Und winscht sich Glück zu diesem Todesstreich. 154 Er ruht verblutet in dem stillen Grabe, Der hingewürgte, kühne Davidssohn. Das letzte Hosianna ist verhallet Und eingefunken liegt der Herrscherthron. Es ist vollbracht. Die alte Schlange zischet, Sie lebt und alle Lafter walten frey. Der Gottmensch wird am Kreuzespfahl gerichtet, Die Hölle siegt. Die alte Schuld wird neu! Doch traun, es lebt ein Richter über Sternen. Die Erde bebt, des Tempels Vorhang reißt, Die Toden stehen auf vom Schlafe, während Der fromme Heide den Erldser preist. Die Nacht vergeht. Was reget sich im Grabe? Der Tod erblaßt. Die grosse Stunde schlägt. Die Sonne steigt hervor aus ihrem Grabe, Mein Heiland, der die Lebensfahne trågt. Der Himmel jauchzt. Die Erde steht betroffen, Zu Boden liegt die starre Wächterschaar. Der heilge Bund versammelt sich von neuem Und baut im Stillen einen Dankaltar. Gott hat gestegt und Jesus Christus lebet, Vertraue, Herz, dem grossen Aug der Welt. Gott ist es, der die Donnerkeile schleudert Und ohne den kein Haar vom Haupte fällt. 155 Ich traue dir, mein Vater in der Höhe, Du willst das Gute und es wird bestehn. Wir Menschen legen uns zur Ruhe nieder, Doch unfre Sonne kann nicht untergehn. enda E Gressen 156->> 11 Sonnabend. Morgen. Bittet, so wird euch gegeben. Suchet ,, Und ihr werdet finden. Klopfet an Mit vertrauungsvollem treuem Herzen ,, Und die Pforte wird euch aufgethan. 11 11 Wer giebt unter euch wohl seinem Sohne, Der um Brod ihn bittet, einen Stein? Oder statt des Fisches eine Schlange? ,, Mögt ihr noch so unbarmherzig seyn, Euern Kindern thut ihr dennoch Gutes, Wenn sie traulich bittend vor euch stehn, Wie vielmehr der gute Himmelsvater, Wenn die Seinen glaubig zu ihm flehn?" Vater, deine Sonne strahlt in Often Und die Schöpfung thut sich freundlich auf, Alles ist erwacht am frischen Morgen Und beginnt den neuen Lebenslauf. Alles eilt zum Ziele der Vollendung Un dem füßgewohnten Pilgerstab Eine Woche schwindet nach der andern Und im Hintergrunde liegt das Grab. 157 Du im Himmel waltest über alle, Uebersiehst den grossen Weltenplan, Dir empfehl ich ruhig Leib und Seele Auf der ungewissen Lebensbahn. Wie es kommt, es kommt aus deinen Händen, Du weißt alles, nur der Mensch ist blind. Dir will ich in Noth und Tod vertrauen, Denn du bist mein Vater, ich dein Kind. Keine Lockung soll mein Herz verblenden! Süffe Stärkung, Vater, ich bin dein. Freudig will ich meinen Lauf vollenden Und in deiner Liebe selig seyn. 1 - 158- 2 ben d. Mein Vater, gieb, daß alle meine Treuen Einst ben mir leben in der Ewigkeit: ,, Auf daß sie jene Herrlichkeit erblicken, Die du mir gabst vom Anbeginn der Zeit." Die Nacht vergeht. Dort finden wir uns wieder, Dort in dem Lande der Vollkommenheit. Die neue Heimath schimmert unter Sternen Und friedlich winkt das Licht der Ewigkeit. Du harrest unser, liebevoller Meister, Dort in dem himmlischen Bethanien. Die Herzen sind in Ruhe aufgelöset, Dort in dem stillen Haus der Seligen. Ein Tabor thut sich auf. Im weissen Glanze Voll Heiterkeit erscheint die neue Welt. Im Hintergrunde glångt ein Sonnentempel Von ewig jungem, klarem Licht erhellt. Und heiter wandeln unter Friedensbogen Zum groffen licht die Seelen Hand in Hand. 159 Sie lieben sich, wie reine Herzen lieben Und immer schöner wird das Weltenland. Ach wenn auch jene Herrlichkeit verblühte, Wie furchtbar wäre dann die Seligkeit! Doch welch ein Trost! ich kann nur Einmal sterben Und jenseits waltet die Unendlichkeit. M So mögen meine Tage denn verschwinden, In Nacht versinken, was dahinten liegt. Der Geist blickt vorwärts. Seine Zeit ist ewig, Das Grab wird von der Geisterwelt besiegt. O Gott, was ist der arme Mensch im Staube, Daß du so mild in liebe fein gedenkst! Daß du das schwache Kind so treu bewahrest Und seinen Pfad zum schönen Himmel lenfft! O darum laßt uns alle fromm umschließen Und gönnet euch des Lebens Pilgerruh! Der Sand verrinnt. Die groffe Sense måhet. Die Woche eilet ihrem Ende zu. Gelobt fey Gott für jede Freudenstunde, Preis ihm und Dank für Sorge, Noth und Schmerz. Das Gute und das Böse ist vergangen. Du bist mein Vater. Dir gehört mein Herz! 160 Und kommt der Tod er bringt die Feyerstunde, Der Sabbath naht. Getrost, ich zage nicht; Du, Vater, walltest über Tod und Gråbern Und Gnade quillt von deinem Angesicht. - Zweyter 3 weyter Theil. - 163- - Das Gebet Jesu. Vater, den uns Jefus offenbaret, Den der Geist mit hoher Andacht nennt, Vater, den kein Himmel von der Erde, Keine Welt von seinen Kindern trennt; Hochgelobet sey dein grosser Name, Angebetet deine Herrlichkeit; Heilig ehre dich der Mensch im Staube, Von der Wiege bis zur Ewigkeit! Dein Reich komme! Jenes Reich des Friedens, Das durch Weisheit und durch Liebe blüht; Jenes Reich, das Jesus Christus baute, Das die Menschen für den Himmel zieht! Es gescheh dein Wille hier auf Erden, Wie in jenem lichten Geisterreich; Und die Wahrheit und die Zugend mache Alle Menschen deinen Engeln gleich! Gieb uns, ewig grosse Freudenquelle, Gieb uns, was wir brauchen in der Noth; Ach wir bitten nicht um Gold und Schäße, Gieb uns, Herr, Zufriedenheit und Brod! 164Wenn wir auf dem Pfad der Tugend straucheln, Herr, vergieb uns unsre Missethat, So wie wir auch gern verzeihen wollen, Wenn der Nächste uns gekrånket hat! Leite uns in jeder Prüfungsstunde, Wo die Tugend mit dem Laster ringt; Laß uns auf die Himmelskrone blicken, Wenn die Erde unser Herz umschlingt! So erlöse uns von allem, Uebel, Das den Geist und unser Herz bedroht! Gram und Reue werden dann verschwinden, Und wir troßen jeder Lebensnoth.. Dein, Herr, ist das Reich der Macht und Stärke, Ewig währet deine Herrlichkeit. Alle Himmel rühmen deine Ehre, Und dein Tempel ist die Ewigkeit, Sponk - - 165 Am leßten Abend im Jahr. Bald hat wieder eine groffe Stunde In der Lebensglocke ausgetönt! Schweigend figt die Nacht auf ihrem Throne Und mit Sternen ist ihr Haupt gekrönt. Feyerlich umschliesset mich die Erde; Noch bin ich im heil'gen Dienst der Zeit; Aber hinter Wolken steht und winket Schon der Bote der Unsterblichkeit. Millionen fanken hin zur Ruhe, Millionen an dem Wanderstab. Schaurig weht die schwarze Todesfahne Und die ganze Erde ist ein Grab. Stille Geister, schwebt ihr um die Menschen? Ist der Himmel vor euch aufgehellt? Ach nur Eine Stimme aus der Wolke, Einen Blick in jene Geisterwelt! Doch der kalte Tempel bleibt verschlossen, Stumm das Grab und still die Ewigkeit. Vor uns såt das Leben seine Blumen; Hinter uns måht die Vergänglichkeit. 166 Vater, daß Du über Sternen waltest, Daß du ewig nah und ferne bist, Daß mich stündlich deine Gute mahnet, Wenn mein Herz im Staube dich vergißt; Dieses tröstet mich am Scheidewege, Wo der Wechsel und der Tod erscheint. Laß mich an die Morgensonne denken, Wenn der Abend seine Thránen weint. Lieblich, wie der Mond vorüberziehet, Sind die Tage der Vergangenheit; Und auf jedem Lebenspfade glänzet Eine Zinne deiner Herrlichkeit. Bater, hochgelobet, hochgepriesen Sey dein Walten, deine Mildigkeit; Een dein heitres Auge dort im Himmel, Deine Liebe in der Ewigkeit! Gnade ist es, daß wir sind und leben, Gnade, daß uns Speis und Trank erquickt, Gnade, daß der Geist den Himmel ahnet Und mit Hoffnung über Gråber blickt! Mag die Zukunft freundlich niederschweben, Mag das Leben kalt und stürmisch seyn; Alles wechselt, alles geht vorüber, Treuer Vater, und wir sind ja dein; Dein im Leben, dein im stillen Grabe, 167 Auf der Wallfahrt, in der Ewigkeit! Menschenkinder, laßt den Vater sorgen Und vertrauet seiner Gütigkeit! Habe Dank, du Geist der stillen Liebe, Habe Dank für das entschlafne Jahr! Leite mich nach deinem Wohlgefallen Bis zum Wechsel an der Todtenbahr. 1. Mange 168 Neniah r. Morgen. Herr, vor dem im grossen Himmelsraume Tausend Sonnen auf und nieder gehn, Und um dessen Thron aus Licht gebauet Welten sich im stillen Kreise drehyn; Du, der ewig lebend aus den Wolken Hin auf Millionen Gräber schaut, Und sich aus dem Staube der Verwesung Täglich eine neue Schöpfung baut Deine Jahre sind nicht aufgeschrieben, Deinem Wesen drohet keine Zeit, Nur die Weltenuhr schlägt deine Stunden Und dein Tag ist eine Ewigkeit. - Ach! was ist der Mensch, vom Staub geboren, Dieser Zögling der Vergänglichkeit, Daß du fein gedenkest und ihn schüßest In dem fluthenvollen Strom der Zeit? Daß sein Schiffein unter tausend Klippen Nicht zertrümmert, eh der Morgen flieht; Daß er sicher nach dem Hafen steuert, Den dein Wille freundlich ihm beschied?- - 169-> Du bist ewig! meine Kraft verschwindet, Wenn der Tod mit seiner Sense dråut Du bist ewig- wenn die Sonne bleichet, Wenn der Himmel altet, wie ein Kleid. Du, der alles ewig denkt und lenfet, Du, der alles, alles wohl gemacht, Unter Dank und unter Freudenthránen Sen mein Herz zum Opfer dir gebracht, Voll Ergebung, wenn die Hand vom Himmel Mir den dunkeln Kelch der Leiden beut,*** Voll Vertrauen, daß am Ziel der Reife Deine Sonne meine Nacht zerstreut. Und so hab ich keinen Wunsch hienieden, Der um Glück und Erdenfreuden fleht. Du giebst Allen Gutes. Sollt ich flehen? Herr, mein Flehen wird zum Dankgebet, - 170 www. 2 ben d. Schöpfer, deine Nacht hat mich umfangen, Und ich denke ans entschlafne Jahr, An die Freuden, die vorüber zogen, An so manche frühe Todtenbahr Uch! die Menschen welken, wie die Blumen, Die der falte Winterfrost gebleicht- Fallen, wie das bunte Laub im Herbste, Wenn ein Blatt ums andre niederschleicht. Horch, ein leises Rauschen nah und ferne Deine Freude weht der Wind herab; Und kaum, daß du ihre Spur gewahrtest, Liegt sie schon im dunklen Erdengrab. Herr des Lebens, so verschwinden Menschen, Wenn der Tod durch ihre Reihen haucht; Da und dort verlischt die Lebenslampe Und die letzte Freudenglut verraucht. -- - - Aber sollte ich darüber klagen, Daß der Tod die letzte Scene schließt; Und daß aus der groffen Lebensquelle Die Verwesung, wie die Freude, fließt? - 171 Nein, das loos, das Allen zugefallen, Muß das beste Loos für Alle seyn; Und wo eine ganze Menschheit sinket, Sinkt man leicht mit ihr ins Grab hinein. Doch so lang die Lebensstunde währet, Freue ich mich ihrer Lieblichkeit Und genieffe, was du mir beschieden, Unter Hoffnung und Zufriedenheit.. Danke dir mit jeder Abendröche Für den zugelegten lebenstag, Trage keine Sorge in dem Herzen, Ausser, wie ich besser werden mag. Friede sen mit allen Menschenkindern, Jeßt und wenn der grosse Tag erwacht! Laßt uns dulden, hoffen, lieben, glauben: Gott hat alles, alles wohl gemacht! Keine Sorge für den andern Morgen! Unter Dank und Liebe schlaf ich ein, Vater, und wenn ich hinüber gehe, Soll mein Abschied dir ein Loblied seyn! Charfrentag. 172- Morge 11. Sammle dich, mein Geift, zu Schmerz und Freude, Sammle dich von Welt und Eitelkeit, Heute ist das Fest der Menschenliebe Und der tiefgefallnen Menschlichkeit! Wahrheit, ach! dein Erstgeborner finfet, Und du rettest deinen Liebling nicht? D Gerechtigkeit, warum verhüllet Eine Binde hier dein Angesicht? Priesterwuth, Betrug und Irrthum fiegen, Und der Weise trågt die Dornenkron! Pharifaer leben- und am Kreuße Stirbt der reine, grosse Menschensohn! Wahrheit, Tugend schöne, leere Namen- Jefus ftirbt in seiner Baterstadt. Leider, war er nicht das erste Opfer, Das die Unvernunft geschlachtet hat! Lebt ein Gott, der seine Welt regieret, Oder lenkt der Zufall dieses Spiel? - - 173- Und auf solchen blutbesprißten Wegen Kommt die arme Menschheit an das Ziel? Ach! nur unter Blig und Donner fieget; Das Gesetz im Reich der Sterblichkeit; Wahrheit in dem sanften Mund der Tugend Ist die Blume der Vergänglichkeit, Einfam ringt sie in dem Leidensgarten, Welket von dem falschen Judaskuß, Neigt ihr Haupt im wilden Priestersturme, Und verscheidet mit dem Friedensgruß.. B Weltenlenker, kann der Wurm im Staube Prüfen, was dein weiser Rath beschließt? Kann der Mensch den Strom der Zeiten fassen, Der sich in die Ewigkeit ergießt? Wenn er in dem Frühling ausgesået, Bringt der Sommer ihm die Garben ein; Aber was der Ewige gepflanzet, Muß für Zeit und Ewigkeiten seyn. Wenn die Sonne fröhlich auferstehet, Ahnest du der grossen Liebe Spur; Aber wenn der Blig vom Himmel fähret, Kommt er nicht vom Bater der Natur? Berge mögen weichen, Hügel fallen; Ewig bleibt der Bund der Liebe stehn! 174 Welten, Herr, kann deine Hand zertrümmern, Deine Gnade wird nicht untergehn. Durch die Schmerzen einer Dornenkrone Wird die Wahrheit für die Welt gekrönt; Durch die Feindschaft einer Priesterrotte Wird die grosse Menschheit ausgeföhnt! Laß mich fromm zu deinem Himmel blicken, Wenn der Sturm durch deine Erde weht; Vater, laß mich fest auf dich vertrauen, Wenn die Tugend leidend untergeht. Wenn ich einst am grossen Tag erwache, Liegt das Dunkel vor mir aufgehellt Weltenvater, dieser Glaube führe Mich zum Schauen in der bessern Welt. h - 175 A ben d. Ausgeduldet hast du an dem Pfahle, Den die Besheit in die Erde schlug! Jesus habe Dank!- Die Erde bebet Und der Himmel seufzt: es ist genug! Deine frommen Augen sind geschloffen, In der friedevollen Todesnacht; Alle deine Feinde sind verschwunden Mit dem grossen Wort: es ist vollbracht! So verläßt der Mensch am Scheidewege Dieses Lebens dornenvolle Bahn, Und der freye Geist, zum Glück erschaffen, Schwingt sich triumphirend himmelan. Jede Leidensstunde geht vorüber, Jeden Kummer nimmt die holde Zeit; Alles eilet hin zum letzten Ziele, Nähert sich der stillen Ewigkeit. Gleich der Lilie im Abendrothe Sinkt dein blaffer Leichnam hin zur Ruh. 176 Freunde weinen um die schöne Hülle, Und die Liebe schließt dein Grabmal zu. Ach! geliebt, beweint von hinnen gehen, Ist des Menschen schönes, lettes Lob. Bald verwittert in dem Sturm der Zeiten Jedes Denkmal, das die Kunst erhob. Bitter wurde dir der Kelch gereichet In dem Garten zu Gethsemane; Doch im stillen Felsengrabe findest Du Ersatz für jedes Erdenweh, So umdämmert uns die Kummerwolfe Oft im schönen Garten der Natur; Doch es harrt ein Grab für múde Seelen, Dort versieget jede Thränenspur. Düfter war dein Lebenstag hienieden, Doch ihm folget eine sanfte Nacht. Herrlich, göttlich groß hast du vollendet Und dein Gott hat alles wohl gemacht. Menschenvater, laß mich dir vertrauen, Gut ist alles, was dein Rath beschließt! Jede Nacht wird sich in licht verwandeln, Wo die neue Lebensquelle fließt. Ostern o f 177 e and pie and t 11. mis 5103 Morgen. Preis reis dir, Vater! Menschheit, triumphire! Gott regieret deinen Wanderstab.. Nacht und Nebel fliehen vor der Sonne, A Und die Wahrheit steiget aus dem Grab! d Hingelehnt am unfruchtbaren Felsen Blicket ihr der Knecht des Irrthums nach. Die zertretne Schlange zischt im Staube Und verdirbe an ihrer eignen Schmach! Preis dir, Vater! Erd und Himmel, jauchzet! Finsterniß und Bosheit sind verhöhnt. Zions Tempel stürzet in Ruinen, Und der Ueberwinder wird gekrönt! Siehe, neues Leben weckt die Erde, Die Natur erwacht in ihrer Gruft; Was vermag des Winters schwere Kette, Wenn die Sonne sie zur Freyheit ruft? So durchbricht die Wahrheit Schloß und Riegel Und verläßt das falte, Felfengrab; So erwacht die Menschheit aus dem Traume Und ergreift den neuen Wanderstab. 12 178 - Preis dir, Vater! deine Allmacht waltetUnd die blinde Menschenschaar zerstäubt, Wie ein Wetterstrahl aus deinem Himmel Nacht und Wolken auseinander treibt. Jesus Christus schwingt die Siegesfahne Von dem Aufgang bis zum Niedergang. Hölle, deine Flamme ist gedämpfet, Tod, wo ist dein stolzer Siegsgefang? Mördergruben werden Friedenstempel, Und die Fessel der Vernunft zerbricht. Aus den Gråbern werden Rosenhügel, Und die Nacht verwandelt sich in licht. Wenn die Sonne wie ein Kleid veraltet, Wenn der Sand der Weltenuhr verrinnt Preis dir, Vater! deine Gnade waltet, Deine Güte währt auf Kindeskind. Du bist ewig; ewig Gott der Liebe; Deine Menschheit wird nicht untergehn Laß uns freudig für die Wahrheit kämpfen, Und im Kampf auf die Vollendung sehn! <- 179Abend. Wie der Abendstern am Fichtenwalde, Wie der Vollmond durch die Wolken bricht; So erscheint ein Strahl aus bessern Welten Und gewährt der dunklen Seele licht. Sanft und glänzend dämmert es herüber Aus der schönen, fernen Ewigkeit, Und die Seele blicket wonnetrunken In den Tempel der Unsterblichkeit. Welch ein Schauer bebet durch ihr Wesen! Welche Klarheit wallt vor ihrem Blick! Alles schwimmt in heiliger Verklärung Und die Erde sinkt in Nacht zurück. Wie einst Mofes von dem Todesberge In das Land der goldnen Freyheit sah, So ersteigt der Mensch den Grabeshügel, Und die Zukunft liegt ihm freundlich nah. Jede trübe Nebelwolfe schwindet, Wenn er sich zum reinen Aether schwingt; Seine Erdenleiden sind verwehet, Und das grosse Halleluja klingt. Amit 6 180 Vorwärts ist das Land der freyen Wesen, liegt der Tugend groffe Blumenflur, Weht der Liebe Harfenton herüber, Glänzt der Wahrheit helle Sonnenspur. Drůben wallt die weisse Friedensfahne, An dem Ziel der dunkeln Erdenbahn Die Natur enthüllet ihre Gånge Und das Schicksal liegt uns aufgethan. Neue Sonnen, neue Weltgebäude Sind wie Rofen auf den Weg gestreut, Täglich wird das Groffe neugeboren, Und das Schöne blüht in Ewigkeit. Geister fliegen um die Wesenkette, Und erforschen und begreifen sie; Engel singen ihre Himmelslieder Und den Raum erfüllet Harmonie. Alles Schöne neigt sich dort zusammen Und das Gute findet seinen Lohn; Alles Grosse blüht im freyen RaumeUnd zum Engel wird der Menschensohn. Gott, vor dem ich betend niedersinke, Welche Freude füllt den Lebenstág; Gott, ich werde dich im Licht erkennen An dem grossen Auferstehungstag! - 181 Werde deine Liebe dort begreifen, Die für Menschen und für Welten wacht; Werde unter Freudenthránen rufen: Du, mein Gott, hast alles wohl gemacht! Eingeschrieben in das Buch des Lebens, Eingeweihet in den Geisterbund, Feyre ich das Passahfest der Freyheit, Und die Stunde, wo ich auferstund; Preise dich mit wonnetrunkner Seele, Bete dich im Geist und Wahrheit an, Und mein Glück im Himmel ist der Glaube, Vater, daß es nie vollenden kann. 182 Himmelfahrt. Morgen. Du bist mein Lied, der über Wolken thronet, Der sich ein Reich aus allen Welten baut, Vor dessen Aug die Blume sich entfaltet Und der die Nacht der Zukunft hell durchschaut. Du bist mein Lied, der seine Erde schmücket, Und Blüthenduft durch alle Fluren streut; Der Berg und That mit süsser Freude füllet, Und allen Wesen Licht und Ruhe beut. Zu dir erhebt sich meine trunkne Seele, Im Morgenschimmer fliegt mein Geist zu dir, Mein Herz umwallt das grosse Meer der Wonne Und deine Huld ist freundlich über mir. Wie schön, o Herr, ist deine Welt geschaffen! Die Schöpfung lacht, und alles blüht umher. Der Himmel neigt sich liebevoll zur Erde Und Zeit und Raum ist nirgends freudenleer. Das ist dein Werk, Erhalter, Schöpfer, Vater, Es ist der Zukunft goldner Wiederschein. O fühle, Herz, im Schimmer dieses Lebens: Wie herrlich wird es überm Grabe seyn! 183 Wir wandeln hier im Glauben, nicht im Schauen; Doch blickt das Auge nach der Ewigkeit, Und jeder fühlt, zum Daseyn auserkohren, Die groffe Ahnung der Unsterblichkeit. Du giengst voran, die Ståtte zu bereiten, Du fanfter Liebling des Unendlichen, Zu deinem Vater und zu unserm Vater; In jenem Hause sind viel Wohnungen. Sie dámmern unterm Sternenlicht herüber, Die Nacht enthüllet unser Vaterland. Wir steigen findlich auf den Grabeshügel, Und aus den Wolken reicht die Baterhand. O Gott und Vater, Herr und Freund des Lebens, Dir sey mein stiller Erdentag geweiht. Gewiß, nur durch die Göttlichkeit der Tugend Wird diese Welt dem Himmel angereiht. Die Stunde naht. Mein Lauf geht einst vorüber. Das Auge bricht. O Gott, ich harre dein! Du wirst dein Kind nicht täuschen, milder Bater; Dein Ebenbild muß unvergånglich seyn! G - mane 184 2 ben d.*) T Die Himmel, Herr, erzählen deine Ehre, Dein Werk verkündiget das Erdenrund; Ein Tag sagt es dem andern, wie du waltest, Und eine Nacht thut es der andern fund. Ja alles, was ich sehe, fühle, höre, Der stille Mond in seiner Herrlichkeit, Der Bluthenduft im grossen Schöpfungsgarten, Der Nachtgefang in seiner Fröhlichkeit, Ach alles rufet: groß und mannichfaltig Sind deine Werke, groffer Geist der Welt; Du haft sie alle weislich angeordnet, Vom Blumenkelche bis zum Sternenfeld. Dich lobet die Natur mit ihren Zeiten, Dich rühmet Sonne, Mondenlicht und Stern, Dich preiset jede Blume auf der Heide Und alle Engelchore nah und fern. Ja alles, was da lebet, freut sich deiner, Und fühlt sich durch das schöne Daseyn groß; *) Nach Zollikofer. Predigten nach seinem Tode herauss gegeben. 6. B. S. 253. 185 Es ist kein Winkel fast: auf dieser Erde, Wo niemals eine Freudenthrane floß. Die Wesen alle ringen nach dem Ziele, Das ihnen deine Weisheit vorgesteckt, Und unter allen Keimen, die du schufeft, Ward keiner je vergebens aufgeweckt. Und wir, die Fürsten deines Reichs hienieden, So reich und edel an Vernunft und Kraft, So nahe dir, durch unsern Geist von oben, Der gleich dem Schöpfer ewig denkt und schaft, Wir sollten uns nicht findlich deiner freuen? Dir nicht frohlockend danken, daß wir sind? Wir sollten dir nicht liebevoll gehorchen, Für unser Glück und für die Zukunft blind? Wir sollten frech den heil'gen Einklang stören, Der sanft durch alle Schöpfungshallen tont? Wir sollten nicht das Schöne fromm vermehren, Das. den Altar des Erdenlebens front? Nein, ferne sen dieß tråge Untergehen, Das jedes Land und jede Gruft entweiht; Und ferne jenes niedrige Beginnen, Das weder Gott, noch unser Herz verzeiht. Nein, dich zu lieben, deiner mich zu freuen; Im Geiste aufgeklärt, im Herzen rein Vor dir zu wandeln, und das Böse meiden, 186 Das soll mein Ruhm und meine Ehre seyn. Dann läsfest du mich einst in Frieden fahren Und lieblich wird die frische Palme wehn; Das groffe Fest des Lebens wird beginnen, Ich werde Gott und die Vollendung sehn! P f -187ng sten. Morgen. Hochgelobet feyft du, Gott der Liebe, Hochgelobet in dem Sternenthron, Engel preifen dich mit Himmelsharfen, Wir im Staube durch Religion. Habe Dank für diese Freudenblume, Die der herrlichen Natur entsproß; Habe Dank für diesen schönen Glauben, Der aus deinem Himmel niederfloß. Vater, deine Gotteskraft ist ewig, Ewig in der schaffenden Natur; Aber auch in unserm Herzen wohnet Deines Daseyns hohe Segensspur. Leise weht die heilige Empfindung In dem Lenze unsrer Lebenszeit, Und in stiller Ahnung deiner Liebe Ist die junge Seele dir geweiht. Aber wenn der Herbst des Erdenlebens Wie ein Garten Gottes vor uns steht, Wenn wir deine Vaterliebe kennen, 188Die so freundlich vor uns übergeht Wenn wir hin auf jene Zage sehen, Die uns deine Freundlichkeit geliehn; Wenn wir auf die jungen Saaten blicken, Die durch deine Vaterhuld gediehn; Wenn wir an die Freudenblumen denken, Die auf unserm Pilgerpfad geblüht, An die füssen Früchte, die voll Reife Für das lebensmüde Herz geglüht; An der Jahre schöne Wechselreihe, An die Wolke, die vorüber zog, An die Wahrheit, die uns reich belohnte, An die Tugend, die uns nie betrog; An den Glanz so vieler Morgensonnen, An des stillen Mondes sanfte Pracht, An den Reiß so vieler Abendröthen, Un so manche liebe Sternennacht An den Weg, den deine Hand mich führte, Un das Herz, das du mir zugesellt; An die Stunde, wo mich Nacht bedeckte, An die Stunde, wo sichs ausgehellt Bater, ewig treuer Menschenhüter, Ach! dann fliegt das Herz zu dir empor, Ach! dann bist du mir so freundlich nahe In dem ungeheuern Weltenchor. - - 189 Ewig will ich findlich an dir hängen Auf dem ungewissen Lebenspfad, Ewig dich durch stille Tugend preisen; Vater leite mich nach deinem Rath! Und wenn sich des Lebens Werktag endet, Dort am Ziele meiner Pilgerbahn; Wenn der grosse Himmelsfabbath winket, Vater, nimm mich dann mit Ehren an! - D 190 2 ben d. Heilige Entzückung, die den Menschen Zu dem Thron des Unerschaffnen hebt, Wenn der Geist, der alles Gute wirket, Unser Herz zum frommen Dank belebt; O durchdringe meine ganze Seele, Weihe mich zum höhen Lobgefang, Und mein Lied in Nacht und Sternenschimmer Tone in der Engel Harfenklang! Blumendüfte ziehen mir entgegen, Frische Kraft umwallet Feld und Flur, Blüthenbäume wehen und der Friede Wandelt in dem Garten der Natur. Vater, Vater, meine ganze Seele Dankt dir für den süssen Augenblick, Dankt dir für die goldne Lebensstunde, Danke für Dafeyn und für Menschenglück! Daß ich dir und Jesu angehöre, Daß der Geist der Wahrheit mich belebt Und, wie jene ersten Christenbrüder, Aus dem Staube zur Verklärung hebt; - 191 Daß ich deine Vaterliebe fenne, Daß mich keine Sorge niederdrückt, Daß mein Auge unter Sturm und Wetter Kindlich auf zu deinem Himmel blickt; Daß ich in dem grossen Bunde lebe, Der die Menschen zu der Tugend führt; Daß ich jener Freyheit nicht entbehre, Die dem Menschen und dem Geist gebührt; Daß ich nicht an dieser Erde hånge Und an ihrer füffen Herrlichkeit Daß ich kalt auf Tod und Gräber blicke Im Gefühle meiner Ewigkeit: Dieses dank ich dir, du Gott der Liebe, Und dem Geiste, der durch Jesum sprach, Dieses feyert die entzückte Seele, Und die Zunge stammelts leise nach. 164 Angebetet sey dein groffer Name, Diese Erde sey dein Heiligthum, Und dein väterliches Wohlgefallen Sey der Menschheit groffes Eigenthum. Alle Tempel seyen dir geweihet, Wie Vernunft und Geist sie weihen kann, Und die Welt, von Jesu Wort erleuchtet, Bete dich im Geist und Wahrheit an! 192 Liebe sey das Band der Menschenkinder, Ihre Krone die Gerechtigkeit; Ihr Vertrauen du, der Alles tenket, Und ihr Glaube die Unsterblichkeit! chilen Preise ihn, der über Sonnen wohnet, Preise ihn, du stille. Blumenpracht, Preiset ihn, ihr süssen Frühlingslüfte, Preise ihn, du milde Sternennacht! O du Gott, den ich im Staube fühle- Ach, wenn einst mein sterbend Auge bricht, Wenn mein Geist hinauf zum Lichte flieget Dann- von Angesicht zu Angesicht! Welten schwinden- jene Klarheit dämmert Und der Himmel ist mir aufgethan! Gott erscheinet und ich stimme felig Mit den Engeln heilig! heilig! an. - Erndte - 193 Erndte fest. Morgen. en gesegnet, stille Morgensonne, Sey willkommen, schöner Ruhetag. Heiter blickt der Mensch auf die Gefilde, Wo sein Brod in goldnen Nehren lag. Alle seine Sorge ist verschwunden, Die er in dem schwachen Herzen trug. Ach, der gute Vater dort im Himmel Gab uns Kindern wieder Brod genug. Er ist mächtig; aus dem Körnlein schaffet Er des Menschen beste Lebenskraft; Er ists, der den todten Keim erwecket Und das Grosse aus dem Kleinen schaft. Seele, stehe stille und betrachte! Diese Erde ist dein Mutterland. Hingesået bist du, um zu reifen; Bist ein Saatkorn aus des Schöpfers Hand. Långst schon ist der todte Keim erwecket, Ist das Leben für dich aufgethan. Wachse, blühe, reife für den Himmel; Dort fängt eine neue Aussaat an! 13 194 Unter Morgenthau und Abendrothe, Unter Nacht und mildem Sonnenschein, Unter Wettersturm und Friedensbogen Reifest du für jenes groffe Seyn. my Nicht umsonst hat Gott den Lebensfunken Mensch von Erde, in dir aufgeregt; Nicht umsonst so viele Kraft und Stärke, Pilger, in dein täglich Brod gelegt. Alles, alles dient zu deinem Frommen, Wandle fröhlich durch das Leben hin; Aber Unschuld sey des Leibes Zierde, Und die Kraft der Seele dein Gewinn. Herrscher, der die Welt mit Gütern füllet, Die kein Auge überzählen kann, Vater, der die Freudenblume ziehet In dem Staube, auf der Sonnenbahn; Dankend sink ich hin vor deinem Throne, Dankend blick ich auf die schöne Welt, Dankend auf die bunte Saat der Freuden, Dankend auf das goldne Erndtefeld. Ewig will ich findlich dir vertrauen, Freudig will ich deinen Willen thun; Laß mich einst am grossen Erndtetage In dem Lande der Vollendung ruhn. 195-> 2 ben d. Sen gepriesen, treuer Menſchenvater, Wie mein Herz im Staube es vermag, Für des Lebens, für der Andacht Freude O es war ein schöner Ruhetag! Deine Freuden zogen mir vorüber In dem Schimmer der Vergangenheit; Deine Milde stand vor meinen Augen, Wie der Mond in seiner Herrlichkeit. Wenn die Welt zu einem Tempel würde, Jeder Schall zum hellen Glockenflang, Jeder Hauch zum hohen Orgeltone, Jeder Laut zum groffen Lobgesang; O sie könnten deine Macht nicht preifen, Deine gnadenvolle Majestät, Könnten deine Wunder nicht erzählen, Du, der über Sonn und Sternen geht. Wie die Klarheit in der Abendrothe, Ist dein Blick, der für die Menschen wacht; Und von deinem Throne wehet Ruhe, Gleich dem Frieden in der Sommernacht. Herrlich hast du deine Welt erschaffen, Alles wallt in füffer Lieblichkeit Doch am schönsten sieht der Mensch die Erde In dem Lichte der Zufriedenheit, 196 Wenn er nach der Weisheit Schäßen trachtet Und sein Brod in stillem Frieden ißt; Sich nicht um den nächsten Morgen qualet, Nicht die frohe Gegenwart vergißt; Wenn er dir mit festem Sinn vertrauet, Der die Lilien des Feldes schmückt, Und auf dich mit stillem Muthe hoffet, Der mit Milde auf den Sperling blickt. Dieser kleine Stern der Muttererde Ist ja nur der kurzen Freude Spiel. Einst vergeht er unter unsern Füssen Und wir sehen der Vollendung Ziel. Warum dieses Drången, dieses Streben, In dem Reiche der Vergånglichkeit? Sehet, wenig braucht der Mensch hienieden, Und dieß Wenige nur kurze Zeit. com Vater, laß mich nach dem Reiche trachten, Wo der Tugend reine Blume sprießt, Nach dem schönen grossen Himmelreiche, Wo das Licht aus reiner Quelle fließt. Dann wird mir der Lebenstag verschwinden Wie ein Traum im sanften Sternenschein, Und mein stilles, ruhevolles Ende Wird der Anfang jener Erndte seyn. -197Advent. Morgen. Hosianna osianna unserm Auserkornen! Sen gegrüffet, frommes Licht der Welt! Groß erscheinst du unter hohen Menschen, Wie die Sonne in dem Sternenfeld. Hochgelobt im Namen deines Gottes Wandelst du die rauhe Siegerbahn; Mörder jauchzen, und vom Kreuzesberge Weht dich kalt die blutge Palme an. Seht, wir gehen hin, sprichst du mit Ruhe, Und mein herbes Schicksal wird erfüllt; Dort ists, mag der heilge Zion blinken, Wo die Sonne bald ihr Haupt verhüllt. Ach entweihet steht Jehovah's Tempel An dem Passah, das ihm nicht gefällt, Sclaven fingen eitle Freyheits- Psalmen Und ein grosses Opfer heischt die Welt. Blutig schwebt der Tod vor meinen Blicken Und der Unschuld harret tiefe Schmach. Laßt mich sterben, daß die Menschheit lebe Bald erscheint der Auferstehungs- Tag. - 198 Und er gieng, wohin sein Gott ihn fandte; Seines Vaters Willen muß er thun. Heiter blickt sein Aug in lichte Fernen Und des Lebens süsse Wünsche ruhn. Ein Gedanke lebt in seiner Seele: Gott, dir leb ich! Rettung für die Welt! Gott, dir sterb ich! Sicher ruht der Saame, Und der Himmel ist mein Erndtefeld. OVERT Und so trittst du, ewig reines Urbild, Gleich der Sonne aus der stillen Nacht. Fürst des Lichts, des Lebens und der Liebe; Gottmensch, du hast alles wohl gemacht. Vater, du hast ihn der Welt gegeben, Habe Dank! Ihr Tempel, öffnet euch! Zonet alle Glocken seine Ehre! pom Und der Sabbath sen an Frieden reich. -199 A ben d. Asdan ju 1 hen the side Einfam ruhet die Natur im Stillen, Sanft bedecket von dem Schild der Nacht, Und des Winters Abendglocke tonet, Und das grosse Tagwerk ist vollbracht. Unter Hoffnung ist sie aufgeblühet, Unter Segen gehet sie zur Ruh. Heilger Schlaf! die Sterne lächeln nieder Und der Himmel winkt ihr Beyfall zu. So entschläft der Menschenfreund auf Erden, Seine Ahnung ist die beßre Welt, Sein Gedächtniß blüht in frommen Segen, Seine Krone glänzt im Sternenfeld. Wirke! Kämpfe! wenn du auch im Leben Keine Ruhe findest. Glaube nur! Jeden treuen Pilger in der Wüste Führt der Tod auf jene Blumenflur, Wo das Leben sich an Leben reihet, Wo der Geist im Lichte sich verklárt, Wo der goldne Schimmer uns umfließer, 200 Welchen Gott und Seligkeit gewährt. Darum stehet muthig in den Schranken, Und wird euch die Pforte aufgethan, Dringet vorwärts! Tragt das Ziel im Herzen! Gott ist nahe! Laufet eure Bahn! Ob die Welt euch fluche, oder segne, Wanket nicht; das Gute muß geschehn! Eins ist noth, und haben wirs errungen, O dann laßt uns ruhig untergehn! Unser Vorbild glänzt durch jedes Dunkel; Jesus spricht: ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wird nicht im Finstern wandeln, Und die Zukunft liegt ihm aufgehellt. Diese Worte will ich nie vergessen. Herr, dein Beyspiel soll mir heilig seyn! Freudig will ich meine Pflicht erfüllen, Freudig sterben, denn ich bin ja dein. Starke alle, die im Kampfe wanken, Vater, schüße unsern Lebenspfad. Laß uns nie dem Himmel untreu werden, Sondern leite uns nach deinem Rath! 201- Weihnachten. and onli and@ Morgen. Freue dich, o Himmel, jauchze Erde, Menschheit finge einen Lobgefang! Freye Christen, betet an und danfet, Unter Orgelton und Glockenklang. Freude halle von den Bergen wieder, Jeder Hügel sey ein Dankaltar, Und ein Friedensfuß sen die Versöhnung, Wo die Zwietracht Haß und Neid gebar. C Heil uns, jene Kette ist zerriffen, Die des Menschen freyen Geist umschloß; Heil uns, Jesus Christus ist geboren, Und sein Reich erhebt sich frey und groß! JA Tyranney und Aberglaube sinken, Wenn die Wahrheit ihren Thron besteigt; Und der Friede wohnet auf der Erde, Wenn die Liebe sich zum Menschen neigt. 202 Wenn der lichtgeborne mit der Geiffel Trug und Habsucht aus dem Tempel scheucht; Wenn der Pharifåer vom Altare, Und das Volk von seinen Gößen weicht; Wenn die Tugend auf der Welt regieret, Ohne Eigennuß und Heucheley; O dann wohnt der Himmel auf der Erde, Liebe herrschet und die Welt ist frey. Vater, habe Dank für deine Gnade, Nimm das fromme Opfer huldreich an. Jesus Christus ist vorangegangen Und wir folgen seiner Siegesbahn. Dein Reich komme! Licht und Tugend siege Von dem Aufgang bis zum Niedergang, Wahn und Laster sterbe, und der Jubel Aller Menschen sey ihr Grabgefang! Ehre, Ehre sey Gott in der Höhe! 14. Friede sey der Menschheit Eigenthum! Tugend werde unser Wohlgefallen, Und die Erde sey ein Heiligthum! အ နင်း များ RE း ဖြင့် -2052 ben d. Als Maria ihren Sohn geboren, Tonte nächtlich suffer Himmelsklang, Und die Engel, unterm Sternenlichte, Brachten einen sanften Lobgesang. Lächelnd blickte ihren Neugebornen Die beglückte Auserwählte an; Aber konnte sie im Geiste ahnen, mi sm Was die Welt an ihrem Sohn gewann? 03 Ausgeschmückt mit hohem Sternenglanzend Feyerte der Himmel diese Nacht; Aber konntest du, o Erde, wissen, Welch ein Schimmer für dich aufgewacht?? Deine Sonne kann nicht untergehen, au du Seit der Aufgang aus der Höh erschien, diờ Feyre, Menschheit, ewig jene Stunde! Liebe, ehre, diene, preise ihn, will Jhn, den Gott zu deiner Rettung fandte, Deinen Friedensfürsten, deinen Freund; Ihn, des Himmels und der Menschen Freude, Der die Welt durch Licht und Recht vereint; D stple 204 Deinen Meister, der dich Wahrheit lehret, Wenn der Irrthum deinen Geist umhüllt, Deinen Retter, wenn das faster winket Und mit Gift den goldnen Becher füllt; Deinen Tröster, der dein Herz voll Glauben, Voll Vertrauen zu der Gottheit lenkt; Deinen Heiland in der Todesstunde, Wenn der Geist an die Verwesung denkt. Vater, du verstehest meine Worte, Wenn mein Herz in stummer Andacht spricht! Innig fühlen kann ich deine Liebe, Doch sie würdig preifen kann ich nicht. Ach verleihe mir und allen Menschen, Denn wir Alle sind ja ewig dein, Allen, Herr, so weit die Sonne leuchtet, Fromm und gut in Jesu Geist zu seyn. Gieb uns Tugend, die das Herz erfreuet, Gieb uns Wahrheit, die uns glücklich macht; Und das Reich der Finsterniß vergehe Ewig, Herr, wie diese Winternacht! and 205 Abendmah Isfener. Morgen. Sen en gegrüffet, stille Morgenstunde, Sey willkommen, milder Sonnenstrahl! Sanfte Rührung wärmet meine Seele, Und ich feyre Jesu Abendmahl. Weiche, Welt, mit deinen Eitelkeiten, Hier ist Gröffe, hier ist Gottesruh; Hingeneigt zu deinem schönen Leben, Eil ich, Jesu, deiner Kirche zu; Weihe mich aufs neue jenem Bunde, Den die Wahrheit mit der Tugend schloß; Denke liebend an den Freund der Menschen, Der sein Blut auf Golgatha vergoß; Huldige der sanften Bruderliebe, Die dem Sünder und dem Feind vergiebt; Neige mich zu jener Himmelstugend, Die das Gute, weil es gut ist, liebt; Ehre und bekenne meinen Glauben Unter Demuth, unter Brudersinn; Freue mich, daß ich zum Licht geboren, Daß ich fren vor Gott und Menschen bin; 206 Trete fröhlich in das hohe Leben, Das den Staub zum neuen Menschen macht; Blicke fromm und ahnungsvoll hinüber In die Klarheit nach der Todesnacht. Ach, dort ist das grosse Ziel erreichet, Dort ist alle Schwachheit abgethan, Und die Menschen wallen rein und heiter Auf der lichten, freyen Sternenbahn. Alle Herzen sind dort ausgeföhnet, Friede herrscht im stillen Weltensaal, Und wir feyern unter Engelchören Neugeboren unser Liebesmahl. mund O der Freude, wenn in jenem Tempel, Wo der Wahrheit reine Lampe hångt, Unser Herz, den ersten Gruß der Liebe, Unser Geist, das erste licht empfängt! Aufgelöser sind die letzten Bande, Hingeschwunden ist die arme Welt, Und die Seele blicket wonnetrunken In das nahe groffe Sternenfeld. Vater, laß mich für den Himmel leben, Und mein Wille sey verklårt und rein! Laß mich keinen Lebenstag entweihen, Und mein letter wird der schönste seyn. 207 2 ben d. Unter Ruhe, unter Gottes Frieden Sinkt die Nacht ins Erdenthal herab. Stille herrscht. Ich will an Jesum denken, An die Lehren, die der Weise gab, Als er heiter bey dem Abschiedsmahle In dem Kreise seiner Treuen saß Und voll Liebe für die bessern Menschen Alle Hinterlist der Welt vergaß. Voll des Glaubens zu dem Weltenvater, Voll der innern, reinen Seligkeit Sprach er diese fanften Lebensworte Auf dem Hingang zu der Ewigkeit. *) Joh. 13, 12. " Freunde trachtet nicht nach hohen Dingen, Gleichheit lehrt das grosse Menschenrecht, Jeder diene freundlich seinem Bruder, Einer sey des Andern freyer Knecht.*) 208-> Liebet euch, so wie ich euch geliebet, Dieß Gebot gilt für die Ewigkeit; An der Liebe soll die Welt erkennen, Daß ihr meine rechten Jünger send. Trauet Gott und glaubet meiner Rede, Ewig währt die Scheidestunde nicht; Dort im groffen Haufe meines Vaters Wohnen wir im neuen Sonnenlicht. Jenen Geist, der zu der Wahrheit leitet, Ach! die Welt hat keinen Sinn dafür, Diesen Trost wird euch der Vater senden, Freunde, wenn ich euch verlasse hier. Gleich den schönen, traubenvollen Reben, Traget Früchte für die beßre Welt. Nur die Ranke darf am Weinstock bleiben, Die sich stets in frischer Kraft erhält. Haffet euch die blinde Welt, so wisset, Daß sie mich vor euch gehasset hat. Eure Tugend wird die Zukunft ehren, Und die Welt trågt ihre Missethat. Wenn ein Weib gebieret, hat sie Kummer, Ihren Geist umwölket Traurigkeit; Doch die Schmerzensstunde geht vorüber Und verwandelt sich in Fröhlichkeit. Traget muthig dieser Erde leiden, Duldet 209 Duldet freudig für die beßre Welt; Dort will ich euch fröhlich wiedersehen, Wo die Tugend ihren Lohn erhält. Bittet Gott, der Vater wird euch geben, Was mein Reich auf dieser Welt vermehrt; Eure Freude soll vollkommen werden, Euer Wunsch ist durch sich selbst erhört." sus Endlich, Vater, wird dein Reich erscheinen, Deine Liebe fann nicht untergehn. Jefu Wahrheit wird die Welt erleuchten, Und die Menschheit wird im Glanze stehn. Die Natur schaft nicht mit Einem Male; Erst erscheint die sanfte Dämmerung, Dann beginnt der Glanz der Morgenrothe, Endlich folgt die grosse Huldigung. Strahlend flammt die hohe Lebensfonne, Prachtig kommt die schöne Siegerin, Und die Tempel, die der Nebel baute, Sinken schweigend in Ruinen hin. Endlich, Vater, wird dein Reich erscheinen, Deine Liebe kann nicht untergehn. Jefu Wahrheit wird die Welt erleuchten, Und die Menschheit wird im Glanze stehn. 14 210 - Dann will ich aus deinem Himmel blicken, Auf die Erde in dem Lichtgewand. Freude athmend will ich niedersehen Auf das fromme, theure Vaterland. O ihr Reinen! unter stolzem Frieden Blickt ihr auf den Krieg der Welt zurück; Lebet für das Gute und das Schöne Und entschlummert unter Engelglück. Bater, angebetet sey dein Name! Dein Reich komme, Herr der Ewigkeit, Und dein Will' geschehe auf der Erde, Wie im Lande der Unsterblichkeit! 211 Un einem Tauftage. 2 bend s. Herr des Lebens, deine Güte waltet Von dem Aufgang bis zum Niedergang; Alle Welten rühmen deine Ehre Und die Himmel füllt dein Lobgesang. Wer hat uns dem finstern Nichts entriffen? licht und Freude, Vater, kommt von dir; Du bescherst die goldne Lebensstunde; Hingefunken, freudig danken wir, Ach wir fühlen innig deine Gnade, Deine freundliche Barmherzigkeit. leben ist die Krone aller Wesen, Daseyn ist das Pfand der Ewigkeit. Hochgelobet feyst du, Herr des Lebens, Für die Luft, die unser Aug erhellt. Dank dir für das theure Pfand der Liebe, Für den neuen Fremdling deiner Welt. Du hast ihm das Bürgerrecht ertheilet Für die Erde, für die Ewigkeit; Haft das junge Herz in Schuß genommen Durch die Weihe zur Gerechtigkeit. 212 Nun ist ihm ein Kreis von Brüdern nahe, Liebe blüht um seine Lebensbahn, Deine Schöpfung lächelt ihm entgegen, Und der Himmel ist ihm aufgethan. Sollten wir der Zukunft nicht vertrauen? Menschenvater, unser Kind ist dein! Leite es zur Wahrheit und zur Tugend, Laß es deiner Liebe würdig seyn. Gieb, daß wir die Blume nicht verderben, Die für dich und deinen Himmel blüht; Gieb, daß wir die Seele nicht verleßen, Deren Hoffnung unter Sternen glüht. Daß es früh die goldne Wahrheit ehre, Laß uns selber stets wahrhaftig seyn; Daß es früh den Kranz der Tugend trage, Mach uns selber tugendhaft und rein! Und sind wir in Frieden hingeschieden, Blickt der stille Mond auf unser Grab, Schlägt das treue Herz nicht mehr auf Erden Für die Lieben, die der Himmel gab; Vater, o so leite sie zum Frieden Und bewahre ihre Herzen rein; Laß uns froh und fröhlich dort umarmen, Laß uns ewig durch sie glücklich seyn! 213 Am Geburtstage. - Morgen. Du, der über alle Zeit erhaben, In dem hohen Sternentempel thront, Du, der ewig mit gerechter Waage, Dort die Engel, hier die Menschen lohnt; Geist im Lichte, der mit Wohlgefallen Auf das gute Herz im Staube sieht, Guter Vater, der mit hoher Weisheit Seine Kinder für den Himmel zieht; Ach! wie kann, wie kann ich dir verdanken, Was du auf des Lebens Pilgerbahn, Von der Wiege bis auf diese Stunde Unaussprechlich Gutes mir gethan! Jede Sonne, die ich froh begrüßte, Jede ahnungsvolle Sternennacht, Jeder Baum in seiner Frühlingsblüthe, Jede Blume in enthüllter Pracht, Jeder Tag, voll Heiterkeit und Leben, Jede Rührung in der Einsamkeit, Jede Hoffnung, die mich froh umschwebte, Jede Wonne der Vergangenheit <-214 Alles, alles, hast du mir gegeben, Jede gute Gabe kommt von dir. Ach! für alles blick ich froh zum Himmel, Danke, Vater, danke dir dafür. Dir will ich mit festem Muth vertrauen, Unter Stürmen, unter Sonnenschein. Gieb mir, wie du willst. Ich will im Glücke Und im Mißgeschick zufrieden seyn. Weisheit bringt den Menschen nur zu Ehren Wohl ihm, wenn er deine Rechte hält: Fromm will ich zum hohen Ziele schreiten, Meine Krone liegt in jener Welt. Was der Mensch gesået, wird er erndten. Elend folgt der wilden Sinnlichkeit; Aber wer auf Geist und Tugend fået, Erndtet in der langen Ewigkeit. Vater, ja im Geiste will ich wandeln, Der Begierde mächtig widerstehn, Schåndlich ist der Schlangenweg der Sünde, Auf geradem Pfade will ich gehn! Wenn der Mensch sein Alles hier verlieret, Wenn er deinen Beyfall nur gewinnt. Hoffnung dämmert in der Abendrothe; Selig sind, die reines Herzens sind! 215 Gott, was ist der Mensch im kurzen Leben, Wenn er seines Lebens Werth vergißt, Und die wahre Gröffe, die ihm winket, Nach dem Land der Eitelkeiten mißt! Vater, dir nur will ich angehören, Und der Tugend sey mein Herz geweiht! Meine Freude ist dann Seelenruhe, Meine Hoffnung deine Ewigkeit. - 216 2 ben b. Vater, ater, der mit stillem Wonneblicke Leben in das Heer der Wesen senkt, Und zum Leben diesen Wesen allen Luft in Liebe, Kraft in Schmerzen schenkt; Fröhlich steht der Mensch vor deinem Throne, Seinen Geist umschwebet Heiterkeit, Wenn er im Gefühle deiner Gnade Rückwärts blickt auf die Vergangenheit. Jene Bilder, aus den Jugendtagen, Die kein Gram aus unserm Geist verwischt; Jener Schimmer, der so freundlich dämmert, Bis er einst mit uns am Grab erlischt; Jene Tage, wo die Welt voll Blumen Ohne Dornen uns vor Augen stand, Wo die Liebe uns mit allen Wesen Froh und sorgenlos zusammenband Ach! sie stehen freundlich uns vor Augen, Gleich den Sternen in der Sommernacht, Und wir hången still und wonnetrunken An dem Bilde, das uns glücklich macht. 217 Gott, du gabst uns jene Freudenstunden, Habe Dank für deine Gütigkeit! Jene Kindheit, sie ist hingeschwunden; Doch das Herz bleibt findlich dir geweiht. Uch! es ist das Schönste, was wir retten, Jener fromme, milde Kindersinn; Er geleite mich durchs Erdenleben Bis zu meinem stillen Grabe hin! come Ausgeföhnet mit den Menschen allen, Ohne Hoffart, ohne Trug und lift, Immer von dem Glauben aufgerichtet, Daß du, Gott, mein guter Vater bist; Ohne Kummer für den andern Morgen, Voll Vertrauen zu der Menschenwelt Und zu dir, dem grossen Weltenlenker, Der das Ganze liebend trägt und hält; Hingeneigt zum Guten und zum Schönen, Angeflammt für die Gerechtigkeit, Heiter im Genusfe dieses Lebens Und voll Hoffnung für die Ewigkeit: So will ich mein Tagewerk vollenden, Das dein weiser Rathschluß mir beschied, So will ich zu deinen Engeln wallen, Wenn die Lebensblume abgeblüht. grup 218 8 Gute Menschen werden um mich weinen, Ruhig steht mein Grab im Mondenschein, Und wie eine sanfte Abendrothe Wird mein Nachruhm auf der Erde seyn. Guter Vater, laß mich weise werden, Eh der goldne Lebensstrom entfließt. Dann laß mich in Frieden hingelangen, Wo die Guten eine Welt umschließt. - 219 In Krankheit. morgen. Langsam geht die Leidensnacht vorüber, Matt entschleicht der Trauerstunden Chor. Goldner Morgen, Wiederkehr des Lebens, Komm, ach komm aus deiner Nacht hervor! Doch, was nüßet mir die Morgensonne, Die mein Aug so oft mit Wehmuth fah? Warum ist der Mensch, der Lebensmüde, Sich und Undern noch zur Plage da? Warum sinkt die Freude vor uns nieder, Eh wir ihren Aufgang noch gesehn? Unter Thranen wird der Mensch geboren, Unter Schmerz soll er zu Grabe gehn. Warum säumt die rasche Todesfense, Wenn die welke Lebensblume ruft? Warum fáumst du, mütterliche Erde, Mit der Ruhe in der stillen Gruft? Gott, ich klage!-ach vergieb dem Urmen, Den der schwere Kummer niederdrückt. Ach, vergieb mir, wenn mein schwaches Auge Nicht mit Kraft zu deinem Himmel blickt; Wenn die Gegenwart mich trub umschwebet, Wie den Blinden in der Einsamkeit, 220 Wenn der Geist zu matt ist, hinzudenken, In die Zukunft und Vergangenheit! Vater, o der Freuden waren viele, Die du hin auf meinen Pfad gestreut; Selbst mein Leben zwischen Tod und Grabe, Ist ein Gut, das deine Hand mir beut. Gott, du bist die Liebe, und die Erde Ist und bleibet deiner Güte voll. Ach! wie unrecht thut der Mensch im Staube, Wenn er murret, wo er danken soll! Jede Gabe, jede reine Freude, Vater in dem Lichte, kommt von dir, Unaussprechlich waltet deine Güte, Du bist unsre Zuflucht für und für, Du hast einst das Erdenrund gegründet Und den Himmel prachtig ausgespannt. Gott, du bleibest, wenn das All vergehet, Und mich schüßet deine Vaterhand. Unerforschlich sind mir deine Wege, Allbekannt ist deine Gutigkeit. Durch dich und in dir find alle Dinge; Dir sey Ehre, Herr, in Ewigkeit! - Laß mich fest auf deine Huld vertrauen, Laß mich fröhlich in der Hoffnung seyn; Und wenn meine lehte Stunde winket, Führe mich ins Land der Ruhe ein. 221 2 ben d. Wieder ist ein Leidenstag verlebet In der Schule meiner Prüfungszeit; Alles schwindet, alles geht vorüber Näher kommt die schöne Ewigkeit. Wie das Gold durchs Feuer sich bewähret, So bewährt der Christ sich in der Noth; Und den Redlichen, die Gott gefallen, Winkt der Zukunft lichtes Morgenroth. Unfre Trubsal ist ja leicht und zeitlich; Doch sie schaffet grosse Herrlichkeit Uns, die nicht auf dieses Leben sehen, Sondern auf den Lohn der Ewigkeit. Alle Züchtigung, sie dünket freylich Uns nicht Freude, sondern Traurigkeit; Aber für den edlen, bessern Menschen Trågt sie Früchte der Gerechtigkeit. Was betrübst du dich und bist verzaget, Meine Seele, harre fest auf Gott, Er ist deines Angesichtes Hülfe. Glaube! und dein Leiden wird zu Spott. inte 222 Denen, die Gott lieben, muß ja Alles Hier zum Besten dienen. Diese Zeit Mit den Leiden allen, die sie bringet, Reichet nicht an jene Herrlichkeit. Sen in Hoffnung fröhlich, sey geduldig, Wenn der Trübfal schwarze Fahne weht; Und wenn auch der lette Stern verschwindet, Halte an mit heiligem Gebet. Sey am guten Tage guter Dinge, Und den bösen Tag nimm auch für gut; Denn Gott schaffet diesen neben jenem, Und die Zukunft bringet neuen Muth. Ueberall ist Trübfal auf der Erde, Und der Schmerz keimt unter Freuden auf; Schöner glänzt die Blume nach dem Regen, Und der Wechsel führt den Weltenlauf. Vater, laß den Kelch vorübergehen: Doch nicht mein, dein Wille nur gescheh! Hier ist Nacht. Dort aber wird es helle, Wenn ich auf zu deinem Himmel feh. Dort ist Freyheit, bort zerreißt die Feffet, Die den Geist an diesen Körper band. Jene Sterne sind für mich geschaffen, Dort ist Ruhe, dort im Vaterland. - 220. S d Laß mich dulden, gieb mir Much zum leiden, Muth zum Sterben, zur Vollendung Muth. Was dein weiser Rath beschließt, Erbarmer, Ist für diese Welt und jene gut, Gott, dir leb ich, dein bin ich im Tode, Heiter schließ ich meine lebensbahn. Gott mein Vater! wenn die Erde weichet, Ist der Himmel vor mir aufgethan. Unly, Bial Gresson 224 Un einem Begräbnißtage. Abend s. Wie die Blätter von den Bäumen fallen, Seht, so fällt die Menschheit hin zu Grab. Täglich blickt der Mond auf neue Hügel, Auf erblaßte Leichname herab. Immer schlägt die ernste Todtenglocke, Fenerlich! die leise Sanduhr ruft; Täglich wehen schwarze Leichentücher Um die Wehmuth, auf der Menschen Gruft. Herr des Lebens, es gescheh dein Wille, Wenn der stille Friedensbote ruft; Herr des Todes, deine Liebe waltet Von der Wiege bis zur Todtengruft. Ist der Traum des Lebens hingeschwunden, Zeiget sich kein goldner Morgensaum, Einken wir ins alte Nichts zurücke! Nun es war ein groffer, schöner Traum. Dank dir, Vater, für die Lebensstunde, Für der Tugend heilgen Ehrenkranz, Für der Wahrheit machtige Gefühle, Für der Hoffnung stillen Abendglanz. 1 Doch AMIG 225 Doch es ist noch eine Ruh vorhanden! Hinter Sternen liegt die Ewigkeit. Selig sind, die in dem Herrn vollenden! Unser Glaube lehrt Unsterblichkeit. Welch ein Morgen, wenn die neue Sonne Den erwachten, freyen Geist entzückt; Wenn er himmlisch froh zum legtenmale Auf die abgeworfne Hülle blickt! Welch ein Morgen, wenn er wonnetrunken An der neuen goldnen Schöpfung hångt; Wenn ein Chor von milden Lichtgestalten Den Verklärten brüderlich umfångt! Wenn das groffe Weltall sich eröffnet, Heilig füffe Harfentóne wehn, Millionen Paradiese blühen, Tausend Sonnen auf und nieder gehn! Friedensbogen schimmern in der Höhe, Heil'ger Jubel hallt åonenlang, Engel fliegen durch die blaue Tiefe Und wir singen unter Harfenklang: Heilig, heilig, heilig, bist du Vater, Der die Menschen zur Vollendung ruft! Angebetet sey dein grosser Name Von der Wiege bis zur Todtengruft. 15 226 - Wieder ist ein Mensch dahin geschieden, Herr und Gott, wir danken dir dafür. Friede, Friede sen mit dieser Asche Und mit dem verklärten Geist bey dir! Vater, laß uns in dem lichte wandeln, Laß uns heilig, laß uns weise seyn! Und wenn einst die letzte Stunde winket, Führ uns sanft zu deinen Freuden ein! - 227 - Im Ungewitter. Bey Tage. er Staub fährt auf. Der Wind durchsaußt die Baume. Die Sonne flieht. Die Wetterwolke naht. Der Fremdling eilt. Der Landmann geht mit Sorgen Der Heimath zu auf seinem stillen Pfad. Wie schauerlich dringt das Gemurmel näher, Das dumpf von fernen Bergen wiederhallt; Wie Kriegsgetümmel, wenn in Nacht und Dunkel Der Feind mit wildem Heer vorüberwallt. Sieh, drohend schießt der ferne Blig hernieder Auf das Gebirg, der graue Wolkenſaum Reißt da und dort entzündet von einander Und gieffet Feuer in den Weltenraum. Der sanfte blaue Himmel ist verschwunden; Verborgen ist der Sonne freundlich Licht. Der trübe Himmel hånget voll Gefahren Und seine Flamme schrockt das Angesicht. 228 Die Schöpfung zagt. Was wird uns wiederfahren? Noch schont der Strahl. Noch sind wir unverſehrt. Allein wie schnell kann unsre Hoffnung sterben, Wie bald ist eine Freudenwelt zerstört! Wo ist die Freystatt vor dem Donnerkeile? Wo schlägt das Herz, das solche Kraft verhöhnt Wo lebt der Geist, der nicht in Sorgen schwebte, Wenn Grabgefang aus allen Wolken tont? Es braußt die Luft. Das Wetter rauschet näher, Und furchtbar hallt der laute Donnerschlag. Gott sey uns allen gnädig und barmherzig! Und jeder denke an den Sterbetag. Welch Ungestüm! Es rauscht und wogt und frachet. Der Sturm regiert die Welt. Und Schlag auf Schlag Und Blig auf Blig erfüllt das Herz mit Schrecken Und mahnt die Welt an jenen Unglückstag, Wo Sonne, Mond und Sterne sich verwandeln Und Bangigkeit der Menschen Brust erfüllt; - 229 Die Meere und die Wasserwogen braufent Und was da lebt Ein schwarzes Grab umhüllt Groß ist die Macht, die in der Wolke hauset, Die Allgewalt, die folchem Sturm gebeut. Gott ist es, der den Erdenkreis erschüttert, Der Schreckliche in seiner Herrlichkeit! Was ist der Mensch, Herr, daß du sein gedenkeſt, Ihn schüßest auf der dunkeln Lebensbahn, In Nacht und Graus ihn väterlich beschirmest, Ihn rettest, wo ihn niemand retten kann! Herr, Herr, Gott, Vater, gnådig und barmherzig, Laß deinen Donner mild vorübergehn, Laß uns im wilden Sturme dein Erbarmen, In Fluth und Wetter deine Gnade sehn! Die Welt hat ihre Freundlichkeit verloren. Ein Meer von Schrecken brauset um uns her. Das Schifflein wankt. Herr hilf uns, wir ver. derben! Du schiltst die Welt. Und deine Hand ist schwer. Doch nein! Du grosse Liebe kannst nicht zúrnen. Du trägst die Welt mit ihrer Missethat, 250 Und winkest nur mit deinen Donnerschlägen Auf die verlaßne stille Tugendbahn. Ihn betet an! Er ist der Weltenmeister. Er liebt euch alle. Ihm vertrauet nur! Doch wo ein Mensch das Baterherz betrübet, Der zittre vor dem Herrscher der Natur! - 251- Nach dem Wetter. Sturm und Wetter find dahin gezogen, Freundlich naht der Sonne goldner Schein. Lieber Vater, du hast uns gerettet, Guter, guter Vater, wir sind Dein. Matt erlischt des Bliges Schwefelflamme, Sanfte Kühlung wehet durch die Flur Und das Herz, von neuer Freude trunken, Wallt zum grossen Vater der Natur. Mild verhallen seine Donnerschläge, Lieblich flisterts in der reinen Luft; Freude quillt von allen Himmeln nieder, Wenn die Gottheit uns zur Freude ruft. Welch ein Schimmer! Welche Jubeltone! Hoch in Lüften wehet dein Panier. Suffes Leben! Namenlose Schönheit! Was da lebet, lebt und webt in dir, Gnadenreicher! Heilig angebetet Sen dein Name, deine Herrlichkeit, Heilig angebetet deine Gröffe, 252 w Deine Liebe, deine Freundlichkeit! Tausend bange Herzen sind getröstet, Alles ruft: der Herr ist freundlich nah! Staunend blickt der Mensch auf die Verklärung, Wo sein Auge Nacht und Schrecken sah. Gott, wer sollte dir nicht fest vertrauen, Der du ewig sprichst: ich bin bey dir. Heiter will ich meinen Pfad vollenden, Heiter bis zum Grab; Gott ist ben mir! 255 Im Ungewitter. Ben Nach t. Kein Stern erscheint am schwarz verhängten Himmel, Erloschen ist des Mondes Silberlicht; Am Walde liegt die schwere Wetterwolfe, Und die Natur verbirgt ihr Angesicht. Wie braußt der Sturm! Wie fährt das Herz zusammen, Wenn über ihm der laute Donner fracht! Wer darf die heilge Stille unterbrechen, Das Eigenthum der mütterlichen Nacht? Welch scharfer Glanz! Wie bebt das Aug zurücke, Wenn Blik auf Blig aus dunkler Wolke bricht! Wer darf die milde Dunkelheit verscheuchen Mit solchem ungewohnten Flammenlicht? Der süsse Friede ist hinweggeschwunden Und Aufruhr herrschet in dem Weltenraum. Wer darf die grosse Ruhe dir entreiffen, Du můde Welt, und deinen stillen Traum? Wo ist die Macht, die solche That vollbringet, 254- Weß ist der Arm, der diesen Flammenschild Vom Himmel auf die Erde niedersenket, Und eine Welt mit Furcht und Graus erfüllt? Wie hallt die Flur von seinem Donnerwagen! Wie rauscht sein lauf! Wie flammet sein Geschoß! Wie feyerlich ertönet seine Stimme: Verstumme Welt; denn ich allein bin groß! Ja groß bist du und heilig, heilig, heilig, Du Unsichtbarer! Licht ist dein Gewand. Die Sternenkrone glångt auf deinem Haupte, Das ewge Zepter ruht in deiner Hand. Vor dir sinkt Mensch und Engel hin im Staube, Jehovah, Weltenrichter, Zebaoth! Ein Wink von dir kann eine Welt vernichten, Erbarme dich, du ewig groffer Gott! Laß diese Wetternacht vorübergehen Zum Segen, Herr, und nicht zum Untergang! Der Tod ist nah'. Schenk uns das süsse leben, Erhalte uns zu deinem Lobgesang! Der Tod ist nah. Des Himmels Pfeile fliegen. Dir leben wir. Dir sterben wir, o Gott. Wir sinken leicht, von deiner Hand berühret, Und sind bey dir, du Vater Zebaoth. 235- Ben einem sehr schweren Gewitter. Durch Nacht und Graus fliegt zu dem Weltenvater Mein findlich liebevoller Geist empor, Und feyert unter Blig und Donnerschlagen Den Herrn der Welt, in fürchterlichem Chor. Ein Wink von ihm und eine Welt zertrümmert, Die Sonne strahlet ihren legten Blick; Die Erde wankt, die Elemente beben, Die Schöpfung stürzet in ihr Nichts zurück. Wie heult der Sturm! Wie braußt die Wafferwoge! Welch Aufruhr tobet in der schwarzen Luft! Der Himmel droht die Erde zu vernichten Und Blike leuchten in die Todtengruft! Berschmetternd fallen schwere Donnerkeile! Die Nacht wird hell; es kracht das Firmament! Das Auge blickt verwundet in die Flammen Und schaudert vor dem Todes Element! 256 Wo find ich Trost in dieser SchreckensStunde, Wo Angst und Ohnmacht Freund vom Freunde trennt! Herr, Herr, Gott, gnåbig und barmherzig stärke Das Herz, das dich im Sturme Vater nennt. Du bist bey mir, wenn Erd und Himmel weichen, Du bist bey mir, wenn dieser Leib zerfällt, Und wenn dein Strahl mich furchtbar nieder. schmettert, Du bist es, Vater, dessen Hand mich hält. T g O welch Vertraun! Welch heilig füffe Flamme, Die in dem Herzen des Gerechten glüht, Die jede Nacht mit sanftem Strahi erleuchtet, Wenn Muth und Kraft und selbst die Hoffnung flieht. Dir leb ich, Vater, und dir will ich sterben; Der Geist erhebt sich über Fleisch und Blut. Du wirst dein Kind nicht lassen, noch verderben, Un deinem Vaterherzen ruht sichs gut. - 237- Nach dem Wetter. Wie ir sind befreyt. Die Donnerwolfe ziehet Im schnellen Flug den fernen Bergen zu. Gelobt sey Gott. Am Fichtenwalde glühet Ein froher Stern und lächelt Fried und Ruh. Der Nacht geweihte Stille kehrt zurücke. Der Sturm verbraußt. Der laute Donner schweigt. Der Himmel lächelt mit versöhntem Blicke Die Erde an, die sich in Demuth neigt. Der Feuerstrahl, vor dem das Auge bebte, Verlieret sich in stille Heiterkeit. Der Vorhang fällt, den Gottes Finger webte, Und bringt der Welt die heilge Dunkelheit. Heil uns, der milde Friede kehret wieder, Der Friede Gottes! Seine Palme weht, Und alles sinkt zur kühlen Ruhe nieder, Und dankt dir, dessen Treue nicht vergeht. O Vater, dessen Majestät in Gnade Und dessen Herrlichkeit in Liebe ruht, Die groffe Welt ist deine Bundeslade, 238 Und was da lebet, steht in deiner Hut. Dir tönt mein lied, dir schlägt mein Herz entgegen. Im Säuseln und im Sturme bin ich dein. Und überall auf allen meinen Wegen Sieht dich mein Geist und du bist ewig mein. O diese Liebe ist mein Glück auf Erden, O welch Gefühl, dem keine Wonne gleicht! Laß mich, o Gott, zu einem Engel werden, Daß einst mein Herz sein lehtes Ziel erreichtDich rein zu lieben! Rein von Erdensünden, Von eitlem Wahn, von jeder Schwachheit rein. Du Allgeliebter, laß mich Gnade finden, Und laß mich Eins in deiner Liebe seyn. Dieß sey mein Dank. Was kann ich sonst die geben? Mein Geist ist stets bey dir und freuet sich. Dein ist mein Sinn, dein ist mein Erdenleben, Mein Herz, mein ganzes Wesen lebt für dich. Dritter Theil - 241- Te deum laudamus. Hingesunken unter Dank und Freude Preisen wir dich, groffer Herr der Welt, Und die Herzen, neugeboren heute, Sind von heilger Liebe aufgehellt. Du bist groß und herrlich. Unter Sternen Glänzt dein Thron im Dom der Ewigkeit Und vor dir, in ungemeßnen Fernen, Blüht die Welt in ewger Heiterkeit. Kraft und Leben strömt aus goldnen Thoren, Wenn der Tag im Morgenroth erwacht, Alles wird vom Lichte neu geboren, Und die Schöpfung blüht in Jugendpracht. Freundlich tont der groffe Zeitenhammer In der letzten Stunde Abendroth. Lieblich tritt die Nacht aus ihrer Kammer Und im Kranze naht der schöne Tod. Halleluja, groffer Weltenmeister, In dem Vorhof dieser Erdenwelt! Halleluja in dem Chor der Geister, Wenn dereinst der groffe Schleier fällt. 16 242 Horcht! das hohe Lied der Seraphinen! Milder Klang im sanften Sternen Licht! Jauchzet, Brüder, wenn der Tag erschienen, Wo das Leben aus dem Grabe bricht! Welch ein Glanz in jener Himmelsferne! Welche Freyheit in dem Weltenraum! Freut euch, Seelen; ach auf jedem Sterne Blüht verklärt ein goldner Lebensbaum. Heilig, heilig, heilig! Gott erscheinet Segnend, liebend, auf der Sonnenbahn Und die letzte Thrane ist geweinet Und der Tag der Seligkeit bricht an. Grosse Liebe, süsse Freudenquelle, O wie schön ist deine Erdenwelt! Grosse Liebe, o wie mild und helle Blickt die Zukunft aus dem Sternenzelt. Halleluja! Betet, lobet, danket! Gott ist unser größtes, bestes Gut. Liebet, hoffet, wenn das Schifflein wanket, Wohlgethan ist, was der Vater thut. Preis und Dank! Dein, dein ist unser Leben, Unsre Liebe, bis das Herze bricht, Bis wir einst dich würdiger erheben, Vater, dort vor deinem Angesicht. - 243 - Litaney. Ewiger, vor dem die Erde bebet, Weltenkönig, Herr, erbarme dich! Menschenvater, der im Sturme segnet, Freudengeber, Gott, erbarme dich! Mach uns frey von Irrthum und von Sünden, Ach das Herz vergeht durch Missethat, Und durch stets erneutem Sündenfalle Weicht das Paradies von unserm Pfad. Sen uns gnådig, hilf uns überwinden, Laß uns freudig in dem Kampfe stehn, Und wenn Dunkel unfer Aug umhüllet, Laß uns auf die helle Zukunft sehn! Alles weicht und alles stirbt am Grabe, Vater, Schöpfer, laß uns weise seyn! Laß uns täglich geistlichy auferstehen, Herr des Lebens, o dann sind wir dein. Gieb uns Frieden, Frieden im Gewissen, Schent uns frommen Glauben in der Noth, Laß die heilge Liebe nicht erkalten, Und die Hoffnung tröste uns im Tod. Aus dem Dunkel führe uns zum Lichte, MO car 244 Alles Unrecht werde abgethan. Jeder denke an die letzte Stunde, Reich und Armer, Fürst und Unterthan. Deine Welt ist ewig schön geschmücket, Ueber Blumen schwebt der Zeiten Flug; Laß uns danken unter Freudenthránen, Denn du gabst uns allen Brod genug. Unsre lange Zwietracht sey vernichtet! Hochmuth, Wollust und der schnöde Geiß. Jeder Feind, der unser Herz bedrohet, Sinke, liege, sterbe unterm Kreuß! Hilf uns, stårk uns, tröst uns, lieber Vater! Führ uns über Welt und Grab zu dir. Jesus Christus sey gebenedeyet Und sein Reich erscheine dort und hier! Jesus Christus, unser Herr und Meister, Lehr uns Wahrheit, Liebe, Recht und Pflicht! Deine Tugend, unter Engeln heilig, Walte stets vor unserm Angesicht! Deine Liebe zu dem Weltenvater, Deine Andacht vor des Schöpfers Thron, Dein Gehorsam bis zum Tod am Kreuße, Deine Sanftmuth ben der Menschen Hohn, Deine Freude, Noth und Schmerz zu lindern, Deine Milde, wenn der Schwache fiel, 245 - Deine Hoheit in dem Kreis der Sünder, Deine Demuth an der Weisheit Ziel; Dein Gebet im letzten Mondenschimmer, Deine Worte: weinet über euch!- Groffes Herz, das für die Feinde betet, Mach uns dir in heilger Liebe gleich! Dein Vertrauen mehre unsern Glauben; Deine Liebe lindre Sorg und Noth; Und die Hoffnung, die dein Herz belebte, Tröste uns im letzten Abendroth! Geist der Weisheit, der in Liebe waltet, Der uns dort der ew'gen Gnade weiht, Senke dich auf alle Herzen nieder, Leite uns zum Quell der Seligkeit! Mach uns weise! Laß die Wahrheit siegen! Gib uns Liebe zur Gerechtigkeit! Lehr uns findlich beten, findlich glauben, Bis zum Schauen in der Ewigkeit. 0 Amen! Ehre sey Gott in der Höhe! Friede herrsche auf dem Erdenkreis! Menschenvater, der im Sturme segnet, Dir sey Ehre, Lob und Dank und Preis. - 246 Die zehen Gebote. I. Ich bin der Herr, dein Gott! In Zeit und Raume Bin ich allein mir selber ewig gleich! Ich wecke Zeit und Ich bin dein Gott! Welten aus dem Traume! Mensch, du bist ewig reich." Du bist mein Gott. Herr, wenn ich nur dich habe, So mag der Himmel und die Welt vergehn. Wenn Leib und Seele schmachtet, dort am Grabe, Mit dir will ich den groffen Kampf bestehn. 2. " Du sollst den Namen Gottes nicht entweihen, Vor ihm erbebt der grosse Welten- Plan! Ich bin der Herr, spricht Gott zu seinen Treuen, Ich donnre und ich liebe! Bete an!" Ich bete an, voll Demuth und voll Liebe, Ein füffer Schauer dringt durch mein Gebein. Du bist mein Lied. O findlich fromme Triebe! Das Leben kann in Gott nur selig seyn! - 247- 3. " Bereite dich, den Ruhetag zu feyern! Er ist der Seele köstlich Eigenthum. Wie Licht und Wärme die Natur erneuern, So winkt die Andacht in dem Heiligthum." Die Welt mit ihrer Herrlichkeit verschwindet, Wenn sich der Geist zu dir, o Gott, erhebt. Die Fessel sinkt. Der Ruhetag entbindet Die müde Seele, und der Glaube lebt. 0 4. " Du sollst den Vater und die Mutter ehren! Die Gottheit spricht. Bewahre dieses Wort. Die Urne winkt; sie soll dich liebe lehren, Dann lebt dein Glück in deinen Kindern fort." O fanfter Zug, der unser Leben weihet, Er kommt von dir, dem Vater der Natur. Die Welt ist tod. Durch Liebe nur gedeihet Das Leben und der Freude Blumenflur. 5+ " Du sollst nicht tödten! Rache schreit die Erde, Wenn Kinderblut den Mutterschoos entweiht. Der Mörder bebt. Der Schußgeist weicht vom Heerde, Und Nachtgewölke deckt die Ewigkeit." 248 Du bist die Liebe! säuselts unter Sternen; Du bist die Liebe! tónts im Erdenthal. Könnt ich mich je von dir in Nacht entferer nenO Vater dort, dann leuchte mir dein Strahl! 11 6. " Du sollst der Ehe frommen Bund nicht brechen. Du warst ja frey. Gott hörte deinen Schwur. Die Keuschheit blüht. Verwelkte Jahre rächen Die Sünde an der heiligen Natur!" Süß ist die Lust und machtig lockt die Sünde, Doch ach die blaffe Reue folgt geschwind. Rein ist das Licht! Hilf, daß ich überwinde; Denn selig sind, die reines Herzens sind. 7. " Du sollst nicht stehlen! Engel lächeln nieder, Wenn Recht und Treue unter Menschen wohnt. Der Wilde raubt. Die Keule mordet Brüder, Wo Habsucht unter Diebsgesellen thront." Ich kann nicht irren, wenn die Habsucht winket; Der innre Richter spricht: es ist nicht dein! Wenn alles vor dem Gößen niedersinket, Laß mich gerecht und deiner würdig seyn! 249 8. m " Du sollst kein falsches Zeugniß geben! Frage Dein Herz, und rede wie es dir gebeut. Das Herz ist wahr. Gott winkt in jeder Lage Und wer ihm folget, hat es nie bereut." Der falsche Mund besteht nicht im Gerichte. Die Wahrheit, nicht die Lüge lenkt die Welt. Du bist mein Gott. Du wohnest in dem Lichte, Du winkst. Der Redliche behält das Feld. 9. " Die Schlange lifpelt. Laß dich nicht gelüsten! Begehre nicht des Nächsten Gut und Haus, Der Thor mag sich im lecken Schiffe brüsten; Das letzte Urtheil spricht der Himmel aus!" Laß mich zuerst nach deinem Reiche trachten, Dann schenke mir, o Gott, Zufriedenheit. Laß mich das Kleine lieben, nicht verachten; Der Mensch braucht wenig und auf kurze Zeit. IO. " Der Apfel locket. Laß dich nicht gelüften! Das Aug schielt gerne nach verbottner Frucht. Doch weh dem Herzen, wenn es unter Wüsten Nach dem verlornen Paradiese fucht." 250 Der Geist ist willig, aber stark die Sünde. Laß die Versuchung, Herr, vorüber gehn! Das Fleisch ist schwach. Am Grabe fällt die Binde. Laß mich den Himmel ohne Vorwurf sehn. -251 Die Artikel des christlichen Glaubens. 1. Ich glaub an Gott den Bater, der allmächtig, Den schönen Himmel und die Erde schuf. Seitdem erscheint das Nachtgewölk so prachtig, Erwacht im Licht der grosse Freudenruf. Seitdem befrånzt der Frühling sich mit Rosen, Es wallt und wogt das goldne Aehrenfeld, Die Traube schwillt vom grünen Laub umfloffen, Ein weisser Vorhang schließt die Lust der Welt. Und alles lobt den Herrn, und jede Seele Spricht innig fremm: Gott, wie vergelt ich dir! Wo schlägt das Herz, das deinen Ruhm erzähle! Du bist mein Hort! Ach alles giebst du mir. 2. Ich glaub an Jefum Christum, eingeboren, Des Geistes und der Unschuld hohen Sohn. Von Gott zum Heil der Menschen auserforen, Der Herrliche auf lichtumfloßnen Thron! Er litt am Kreuß, er starb und ward begraben, Er stieg hinab ins falte Todtenreich; 252 Doch mit der Siegesfahne, hocherhaben, Bricht er hervor, der Morgensonne gleich. Er schwebt empor, zum Vater in der Höhe, Die Himmel feyern ihren Jubeltag. Einst kehrt er wieder, aber Wehe, Wehe! Wer vor dem Richter nicht bestehen mag. Preis ihm, der unser Heiligthum gegründet, Das, gleich dem Himmel, eine Welt umschließt! Er gieng voran. Wer Ruhe sucht, der findet Sie in dem Licht, das aus dem Urquell fließt. Er gieng voran. Die Menschheit steht betroffen, Ein heilger Schimmer wallt um seine Bahn. Wer mit ihm wandelt, sieht den Himmel offen; Er hat Gott und der Welt genug gethan. Es kommt sein Reich in Glauben, Hoffnung, Liebe; Durch ihn wird einst die Menschheit ausgeföhnt. Die Wahrheit blühet mit verjüngtem Triebe Wir ruhen. Und der Friede wird gekrönt. 3. Ich glaube an den heilgen Geist auf Erden, In dem die fromme Tugend lebt und webt. Die Kirche muß durch ihn geweihet werden, Er ists, der alle Heiligen umschwebt. Das Herz wird frey. Die Sünde ist vergeben, - 255 Die Seele mit dem Schöpfer ausgeföhnt. Die Auferstehung und ein ewigs Leben Winkt jenseits, und der Sieger wird gekrönt. Verleih uns, Gott, daß wir den Geist erkennen, Der unter Licht und Wärme sich verklärt, Dann wird kein Wahn die Herzen feindlich trennen; Uns bindet ein Symbol, das ewig währt. Ein Gott, Ein Glaub und Eine Tugend führen Zum wahren Licht, zur innern Seligkeit. Nicht eitle Namen, sondern Thaten zieren Den Christen an dem Thor der Ewigkeit. So gieb uns denn, du Vater in der Höhe, Die Weihe, die uns alle glücklich macht. Es komm dein Reich! Der Geist vom Himmel wehe Die Erde an und scheide Licht und Nacht. 254 Un die Christen. Erste Epistel. Lockte eine wilde Kriegeshymne Tausende zum heiffen Todesgang; O so höret, mit besiegtem Herzen, Hört der Menschenliebe Harfenklang! Hingelehnet an dem Sühnaltare Stehst du weinend, o Religion, Und dir, Hohenpriesterin vom Himmel, Spricht der Undank deiner Kinder Hohn. Nicht ihr Herz, nur kalte Mauersteine, Weihen sie zu deinem Heiligthum. Worte sind es, angstliche Gebrauche Und das nennen sie ihr Christenthum! O ihr send noch weit vom grossen Ziele, Das euch Jesus Christus dargestellt; Send noch immerdar der Menschen Knechte Und der Freyheit noch nicht zugesellt! Ifis genug, daß ihr mit frommen Grimme Euch nicht mehr zum Blutgerichte zerrt? Ifts genug, daß ihr um todte Formeln Euch nicht mehr das Himmelreich versperrt? 255 Ifts genug, daß ihr euch kindisch tröstet Mit der Wahrheit erstem Morgenroth? Ists genug, daß ihr am Schnitwerk bessert, Wenn ein Riß das ganze Haus bedroht? Zwietracht herrschet in den Friedenstempeln, Mißgunst in der Liebe Heiligthum. Schüchtern steht der Priester am Altare Und verzweifelt an dem Christenthum. Statt auf euern Meister zu vertrauen Und zu folgen seinem hellen Licht, Horet ihr, mit eingewiegter Seele, Was Gregor, Kalvin und Luther spricht. - — Höret fie! doch das Gesetz der Liebe Schwebe ewig eurem Geiste vor. Hebet Jesus die Gefeßestafel Nicht verklart vor allem Volk empor? Schämet euch, ihr streitet um den Glauben, Und verkennet eure erste Pflicht. Junger send ihr, aber schwach am Geiste, Kinder send ihr, aber Christen nicht. Ach! da ihr das schöne Band zerriffen, Womit Jesus seine Kirch umwand, Stieg die Zwietracht blutig aus der Hölle Mit dem jammervollen Feuerbrand. 256 Särge werden aus dem Grab geriffen Städte dampfen - Reiche sind entzweyt Halbverbrannte Todtenbeine rauchen Gift und Dolch sind unserm Gott geweiht; Ihm, dem Gott der Liebe, der uns Alle Nährt und schüßet unser Lebenlang; Jhm, dem Vater, dessen Sonne scheinet Von dem Aufgang bis zum Niedergang! - Hat euch dieses euer Herr errungen, Als er blutig an dem Kreuße starb? Ach! dann Schade, daß der Unglückssaame Nicht in seinem ersten Keim verdarb. Euer Meister sprach das Wort des Friedens; Doch ihr wählet eine andre Pflicht. Eure Spaltung ist der grosse Meineid, Welcher eurem Glauben widerspricht. Gab er euch nicht das Gebot der Liebe, Bis sein sanftes Aug im Tode brach? Fast zwen tausend Jahre sind vergangen, Und ihr sprecht von Duldung-welche Schmach! Christen, wer für euern Glauben stritte Und dabey von Haß und Trennung sprach, Dieser that wie Moses an dem Berge, Als er zúrnend das Gesek zerbrach. Wehe 257 Wehe dem, der sich zuerst erfrechte, Und die wilde Kriegstrompete blies; Wehe dem, der unsre Friedensfahne Mit entweihter Bruderhand zerriß! - Chriften, wählet, wollt ihr långer säumen, Långer noch den grossen Bund entweihn; Oder euch versöhnt die Hände bieten Und im Geist und Wahrheit Christen seyn? Das Gesek wer kann es überhören? Das Geset spricht laut und offenbar. Lasset es in seiner Kraft erscheinen, Und ihr lebt im grossen Friedensjahr. O es waren mehr, als fromme Traume, Was euch mancher Diener Gottes rieth. Man verlachte ihn. Er gieng hinüber, Wo ihm Gott der Treue Lohn beschied. Christen, eure Stunde hat geschlagen, Macht euch von der langen Schande frey. Auf! beschwöret erst den Bund der Liebe, Und dann prüfet, was das Beste.fen! Aber Habsucht, Stolz und Geistesschwäche Komme in den Rath der Våter nicht. Treibt den Miethling aus der Tempelhalle, Der dem Grundgeseße widerspricht. 17 258 Friede ziemt den Menschen! Laßt die Thiere Sich in Grimm und Unvernunft entzweyn. Eins ist noth und euer Stifter wollte Dieses Einzige der Welt verleihn. Darum starb er blutig an dem Kreuße, Daß sein Tod das letzte Opfer sey; Darum siegten jene Ungeheuer, Daß die Unvernunft geachtet sey. Meinen Frieden gebe, meinen Frieden Laffe ich euch! Kennt ihr dieses Wort? Diesen Frieden habt ihr långst gebrochen. Worte habt ihr doch der Geist ist fort. Dieß ist, sprecht ihr, eine harte Rede, Welcher die Erfahrung widerspricht. Ach! es ist im Kleinen nur geholfen. Helft im Ganzen! Dieses wollt ihr nicht. Euer Wille hat das Band zerrissen, Hat der Zwietracht Fackel angebrannt. Wollet; und der Friede ist geschlossen Und die Christen gehen Hand in Hand. Haben wir nicht Einen Gott und Vater? Schlieffet uns nicht Eine Erde ein? Eine Wahrheit, Eine Tugend, Brüder, Wird der Weg zu Einem Himmel seyn. 259 Tragen wir nicht Einen Christennamen Weihet uns nicht Eine Taufe einUnd das Grundgesetz der Bruderliebe Sollte nicht für Alle gültig seyn? Eine Handschrift ist uns hinterlassen, Eine Taufe und Ein Nachtmahl gilt- Jesus sey der Weinstock, wir die Neben, Von der Wahrheit Feuergeist erfüllt! Auf der Trift, die zur Vollendung führet, Muß ein Hirt und eine Heerde seyn. Menschen, die durch Wahrheit fren geworden, Schlieffe auch Ein freyer Tempel ein! Christen, meine kleine Harfe schweiget Und ist alles in den Wind dahin O so laßt mich mit der Hoffnung sterben, Daß ihr Eins seyd, wenn ich nicht mehr bin. - 260 An die Christen. Zweite Epistel. Allen Brüdern, die für Wahrheit leben, Von dem Rheine bis zum Donaufluß, Von dem Dánen bis zum freyen Schweißer, Meinen Segen, meinen Brudergruß! Wohlthat ist es meinem treuen Herzen, Daß noch hie und da die Liebe glimmt; Daß noch mancher lebet, dessen Wandel Ueberein mit seiner Lehre stimmt. Aber stille Wehmuth beugt mich nieder, Wenn mein Auge bey dem Ganzen weilt, Wenn ich jene Sekten überzähle, Deren Kampf das Erbe Chrifti theilt; Wenn ich höre, daß der Geist der Zwietracht Euch zurückführt in die alte Nacht: Daß ein Talmud, den der Wiß erdachte, Unser freyes Volk zu Sclaven macht; Wenn ich fühle, daß in solchen Wolken Nie der Geist des Christenthums erscheint, Daß in solcher Wüsteney der Stifter Nie sein Volk mit seinem Ziel vereint. - 261 Ach wie tónt es lieblich aus der Ferne, Aus der Urwelt heilgem Mondenlicht: Kinder, bleibet bey der Bruderliebe! Prüfet alles, nur verfolget nicht! Ach wie strömt es freundlich in die Seele, Wenn der liebevolle Alte mahnt,*) Und durch seine Stimme aus dem Grabe Uns den Weg zum frohen Leben bahnt! Eins ist noth! Was zürnen wir, Geliebte? Friedlich winkt der stille Aschenkrug. Endlich, Christen, muß es Friede werden, Oder euer Christenthum ist Trug! 40 Warum holt ihr nicht in Einem Tempel Eure Taufe, euer Abendmahl? Warum legt ihr eifernd Schloß und Riegel An der Liebe freyen Himmelsfaal? Lugt euch glücklich, heuchelt Menschenliebe Sprecht, was send ihr auf der Lebensbahn? Bettler vor der schönen Thür des Tempels, Arm und lahm von Mutterleibe an.( Upstg. 3, 2.) Warum ruft ihr schauernd: Tod in Topfen! Wenn die Wahrheit ihre Blumen freut, Und mit frommen, unbesorgtem Blicke *) Johannes in seinen Episteln. 262 Euch die goldne Lebensstärkung beut? Durstig harrt die Menschheit an dem Strome, Und ihr murret, wenn der Starke trank? Warum kämpft ihr um den Grånzstein, Brüder, Der vor tausend Jahren schon versank? Send ihr nicht zu Einem Bund erforen? Machet euch nicht Eine Taufe gleich? Habt ihr nicht zu Einem Gott geschworen? Und doch Feinde?- Sprecht, was trennet euch? Nicht das Helle, nur das Dunkle, Christen, Nur die Finsterniß und nicht das Licht. Keiner wird die Morgensonne läugnen, Wenn sie aus der Purpurwolke bricht. Ward es heller, als die Våter stritten Ueber Logos Homousios? Ach! Nicaa sah die Nacht der Christen! Denn ein Fluch war des Verirrten 2008. Ists entschieden, was Konstantinopel Schon im vierten Sekulum entschied? Oder giebt es keinen Freund der Wahrheit, Der den Machtspruch noch in Zweifel zieht? Glaubt die Welt, was einst Cyrillus lehrte, Der den Kaiser und das Reich belog; Und zu Ephesus durch List und Ranke Alle Christen um ihr Recht betrog? 1 - 263 GRUP ww Ward es licht in Jesu zwey Naturen Durch das Reichsmandat zu Chalcedon? Palästina und Egypten blutet, Und der Jammer spricht dem Vorwiß Hohn! Sünde ists, dem freyen Geist gebieten, Wo der Glaube uns nicht besser macht. Thorheit ist es, von Erleuchtung sprechen, In dem Grab der finstern Mitternacht. hift Uebers Klare pflegt man nicht zu streiten; Jeder Tag erwirbt sein eignes Licht. Nur das Trübe lockt zu raschem Kampfe. Ach man wüthet, und erkennt sich nicht! Prüft die Vorwelt, prüfet euern Glauben, Ist euch helle, was bort finster war? Manches; aber viel noch liegt im Schatten Heute wie im ersten Jubeljahr. Keiner zweifle, daß es lichter werde ca In dem alten groffen Heiligthums Und vielleicht in Etambuls Mauern findet Sich noch ein Ur- Evangelium. Aber was feit achtzehnhundert Jahren, Lieben Brüder, noch im Dunkeln liegt, Darob laßt uns jetzt nicht mehr entzweyen, Oder traun, die alte Thorheit siegt. Ehrt die Schrift, und lefet sie mit Freuden; C 264Aber, wo sie unbegreiflich spricht, Da, ihr Brüder, reichet euch die Hände, Und bekennet: wir verstehens nicht! Laßt uns nicht an leeren Formeln hången! Unser Herz, doch auch der Geist fey rein! Ach! der Friede wåre bald geschloffen, Christen, laßt uns nur wahrhaftig seyn! Nichts bestimmen, was wir nicht umfaffen; Nichts behaupten, was wir nicht verstehn. Alles Groffe ist durch Einfalt herrlich; Jeder Glaube wird durch Tugend schön. Eintracht wollte Jesus Christus stiften, Gottesliebe ist Religion; Aber eure blinden Zionswächter Sprechen Gott und ihren Tempeln Hohn. Blut und Leben gaben die Apostel Freudig für die groffe Sache hin. Doch, was fragt der Miethling nach der Heerde, Bleibt ihm nur der baare Goldgewinn! Priester, schämt euch! aller Zwist der Kirche Kommt von euch und Duldung von dem Thron! 1 Fürsten mußten euch zum Frieden zwingen! Edle Fürsten, Gott ist euer Lohn. 265 - Wachet ihr für unsern stillen Frieden, Für die Freyheit, die uns Jesus gab. Laßt uns denken, daß wir weiser werden. Jeder Irrthum sinkt von selbst zu Grab. Christen, wollt ihr Eines Glaubens leben? Wünschet ihr der Liebe Palmenkron? Will der Priester sie euch vorenthalten: Gehet hin und fordert sie vom Thron. Sprecht: wir wollen nach Erkenntniß streben! Aber frey von Wahn und Schüchternheit. Denn nur Wahrheit gilt, und das Gepräge Des Vollkommnen ist Nothwendigkeit, Freyheit hat dem Geiste nie geschadet, Nur in Fesseln drückt ihn kalte Nacht. Licht ist Licht! der blinde Buchstab tödtet, Und der Geist ists, der lebendig macht! w 266 www Un die Christen. Dritte Epistet. Der alten und der neuen Kirche Chrifti, *) 2 Joh. v. 1- 3. Die mich im grossen Erdenrund umgiebt, Die meinen Geist, wie die Natur erhebet Und die ich, wie die Wahrheit, stets geliebt; Nicht aber ich alleine, meine Brüder, Nein, sondern jeder, der nach Weisheit ringt, Und dem auf dunkler Wanderschaft durchs Leben Der grosse Fund, die innre That gelingt; Barmherzigkeit und Friede, Huld und Gnade Von Gott, dem Vater, in dem Weltenreich, Und von dem Sohn des Vaters, Jesu Christo, Dem Erstgebornen in dem Gottesreich!) Ihr lieben alle, um der Wahrheit willen, Die in uns bleibet, troß der Menschlichkeit, Die mit uns reifet in dem Gang der Zeiten Und bey uns seyn wird in der Ewigkeit; 267 Mit stiller Ahnung blick ich auf die Woge, Die langsam schon dem Ufer näher treibt. Der Sturm verhallt. Die Elemente schweigen. Der Schaum zerrinnt. Die flare Sonne bleibt. Triumpf! fie blickt durch die zerrißne Wolke Und strahlt umher in milder Seligkeit, Und feyert im verklärten Meeresspiegel Den Tag des Siegs und ihre Herrlichkeit. Heil dir, Glück zu! die Nacht ist hingeschwunden, Der Sturm der Zwietracht, schöne Christenwelt. Du blickest heiter in die lichte Ferne; Ein guter Geist hat deinen Tag erhellt. 15040 Der alte Dom erscheint im jungen Glanze, So schön, wie ihn Johannes kaum geträumt:*) Denn was der breite Strom der Zeit versandet, Das wird mit rascher Kraft hinweggeräumt. Er öffnet sich. Die Herzen sind versöhnet. Mit Palmen zieht die Schaar der Christen ein. Ein Engelchor befrånzet ihre Priester Und Gott ist da im süssen Freudenschein. *) Offenb. Joh. 21. 268 O sanftes Licht! O Strahl aus bessern Welten! Die Welt erlischt. Die Ewigkeit vergeht! Mein Herz zerfließt. Der Geist, der Geist nur lebet, In frischer Luft, die aus den Himmeln weht. Und horch! welch hoher Lobgefang erschallet! Ein Hymnus, wie ihn nur die Andacht bringt, Wenn Herz in Herz und Geist in Geift ergossen, Nach einem Vorschmack jenes Lebens ringt: Wir glauben alle einen Gott und Vater. Und lieben ihn, so viel das Herz vermag. Wir glauben an die Ewigkeit der Freude Und harren still auf jenen Erndte tag; Wo wir in suffer, namenloser Liebe Einander stammeln, wie uns Gott beglückt; Der grosse Stifter schwingt die Siegesfahne. Die Harfe klingt. Der Himmel ist entzückt. 269 Und ewig, ewig sinken wir dem Vater, Dem unaussprechlich Milden an die Brust. Das Herzschlägt Ruhe. Alle Stera ne blinken Und liebend trinkt die Seele Hims melslust. Die Harfe ist mir aus der Hand gesunken. Das Herz ist matt und die Entzückung flieht. Co strahlt die Lilie im Mondenglanze Und ist nach kurzer Herrlichkeit verblüht. Wo ist die Welt, die ich im Traum erblickte? Ein böser Geist hat das Gebild zerstreut; Die holde Welt, voll Eintracht und voll Liebe; Ich finde sie nicht in der Wirklichkeit. Die Herzen sind sich näher, als es scheinet, Der Wille nur ist wundersam gehemmt. Wer reißt die magische Gewalt darnieder? Ihr Priester, nur die Tempel sind sich fremd, Wie ihr einander! Ist es Aberglaube, Ists Selbstsucht, Geiß, isis blöde Furchtsamkeit, 270 Was euch zurück vom groffen Frieden treibet? Ists Glaube, Wahrheitsliebe, Frömmigkeit? Wie? soll das Laster eure Tugend frönen? Die Finsterniß besteht nicht vor dem Licht. Gebt euch gefangen, wo der Geist entscheidet Und schweiget still, wenn Jesus Christus spricht. Auf eure Bücher seyd ihr nicht getaufet, Die Zeit der Katechismen ist vorbey. - Der Meister spricht!- in Einfalt und in Würde. Was wollt ihr noch mit eurem Allerley! Der Kirchenvater muß zurücke stehen, Wenn der Apostel auf den Lehrstuhl tritt. Und welch Konzil vermag den Geist zu dâmpfen, Da wo die Wahrheit ihren Kranz erstritt? Mein Joch ist sanft, spricht unser Herr und Meister Und daran árgert sich der After Christ. Der Mensch ist mit dem leichten nicht zufrieden, Er häuft die Laft, bis er beladen ist. Die Wahrheit lebt; o laßt euch nicht bethören, Der Kranz ist welf, den euch der Irrwahn flicht. Wollt ihr den Ruf des Zeitgeists überhören? Ihr werdet sterben, doch die Wahrheit nicht. Dann tritt der Enkel falt an eure Urne Und spricht euch noch im stillen Grabe Hohn. Und eine freye Nachwelt fühlt im Herzen: 7 271 Das was euch fehlte, war- Religion. www Ein hartes Wort.-- Ich nehme es zurücke; Ach Irrthum ist ja unfer aller Lo08. Laßt uns einander rathen, nicht verdammien, Die Menschheit und die Menschlichkeit ist groß! So höret denn, ihr, die ihr Frieden liebet, Ein Wort vom Himmel, das durch Wahrheit frommt, Hort, Christen! Hört es, unverföhnte Brüder, Auf welchem Weg der Friede zu euch fonimt. Der Katholik, der stille Reformirte, Der Protestant, das ganze Christenthum Vertraue sich aufs neu' dem grossen Etifter, Und huldige- dem Evangelium! Dann flieht die Nacht. Dann lichtet es im Often. Dann bricht die Sonne aus der Dämmerung. Natur und Lieb' erwachen in Verklärung Und freuen sich der neuen Huldigung. Ankündigung. es Oberhofprediger Reinhards sämmtliche Predigten und übrigen theologischen Werke sind längst ein Eigenthum der protestantischen Christenheit geworden. Und nicht bloß das protestantische Deutschland, auch das katholische schöpfte reiche Belehrung und Erbauung aus diesent acht christlichen Quell. So ist Reinhard ein Mann der Nation geworden. Und wie tief greift Er in die Befürchtungen und Hoffnungen dieser verhängnißvollen Zeit ein. Man lese seine berühmte Jos hannispredigt von 1806, wie herrlich hat die göttliche Weltordnung nun endlich hinausgeführt, was nur Er so voraus: zusagen gewagt hatte man lese seine Bußtagspredigten, die alle auch als wahre evangelische Volksreden und Stimme der Zeit anzusehen sind. Ucberall trägt Er die Leiden und Drangsale einer durch harte Prüfungen zu lauternden dem Himmel aufs neue zuzuführenden Menschheit in seiner Brust. Da aber dieser Schatz von noch recht vielen, die seiner ents behren, gefunden und im Innersten aufgenommen werden foll; so sehe ich mich veranlaßt, um jedem widerrechtlichen Nachdrucke zu begegnen, die sämmtlichen Reinhardschen Schrifs ten meines Verlags. auf immer im Preise herabzufeßen: Reinhards Predigten für Familienerbauung von Hacker, 4 Bände, statt des bisherigen Ladenpreises von 5 Rthlr. oder 9fl. für 21 Rthlr. oder 4 fl. 1795 bis 1812, groß Octav, 34 Bånde, statt 31 Rthlr. 8 ggr. oder 65 fl. für 24 Rthlr. oder 40 fl. 1 1 1 1 1 T einzelne Jahrgänge von 2 Bånden ftatt 1 Rthlr. 20 ggr. oder 3 fi. 36 kr. für 1 Rthlr. 12 ggr. oder 2 fl. 24 kr. 1795 bis 1812 ordinär Octav, 35 Bånde, statt 26 Rthlr. oder 56 fl. 27 kr. für 17 Rthlr. oder 26 fl. 15 kr. einzelne Jahrgänge von 2 Bånden, statt 1 Rthlr. 12 ggr. oder 2 fl. 42 kr. für 1 Rthlr. oder 1 fl. 30 kr. Geständnisse, seine Predigten und seine Bil dung zum Prediger betreffend, statt 20 ggr. oder I fl. 15 kr. für 12 ggr. oder 45 kr. Dogmatik von Berger, 4te Auflage behält den geringen Preis von i Rthlr. 20 ggr. oder 2 fl. 45 fr. Bilik Darstellung der Reinhardschen Lehrfäße, 4 Bände, statt 5 Rthlr. 8 ggr. oder 8 fl. für 3 Rthlr. oder 4 fl. 30 fr. Inches Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 6 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 19 4 110 111 Red 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 8 B.I.G. Black