Gb5064 Nur zur Benutung Im Lesepaal 27.006.027. Neues Braunschweigisches Gesangbuch, nebst einem kurzen Gebetbuche zum ffentlichen und häuslichen Gottesdienste. Mit Herzogl. Braunschw. Lüneb. gnädigstem Special Privilegio. % Der Preis des rohen Exemplars auf Druckpapier ist 9 Ggr. Braunschweig, jedruckt und verlegt von Johann Heinrich Meyer, 1826. 0124 5 Cb 5064 ENG Inhalt des Gesangbuchs. Erste Abtheilung. We Ueber die Glaubenslehren. 1 1. Vom Dafeyn und Wesen Gottes. Nr. 17. 2. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. Ewigkeit und unveränderlichkeit Gottes, 8 II. Allgegen wart und Allwissenheit, 12= 17. Weisheit, 18. 19. Ullmacht, 20. 21. Heiligkeit, 22. Gerechtigkeit, 23. 24. Liebe und Güte, 8 25. 28. Langmuth und Geduld, 29. Wahrheit und Treue Got. tes, 30. 31. 3. Von der heiligen Dreyfaltigkeit. 32-38. 4. Von der Schöpfung. 39-41. 5. Von den Engeln. 42-44. 6. Von der göttlichen Vorsehung. 45 51. 7. Von der Natur und Würde des Menschen. 52:56. spilet m.com 8. Von der Bestimmung des Menschen. 57-59. 9. Von der Verdorbenheit des Menschen. 60-64. 10. Von der Erlösung des Menschen durch Christum. 65-69. II. Von der Menschwerdung und Geburt Jefu. 70-84. Der den Weisen geoffenbarte Weltheiland, 85 a) und b). 12. Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. Von der Person Jesu, 86. 87. Vom Namen Jesu, 88.89. Auf die Darstellung Jesu im Tempel, 90. Von dem Vorläuferamte Johannis, 91. Von dem Lehramte Jesu, 92. Von dem heiligen Leben Jesu, 93. 94. Ueber die Thränen Jesu, 95. 13. Vom Leiden und Tode Jesu. Lehte Reden Jesu am Erweckung zur Betrachtung feines Leidens, 96 98. Von feinen innerlichen Leiden, 99, 100. Leiden Jesu über seine Jünger, 101. Neußerliche Leiden: Die an ihm verübten Grausamkeiten, 102: 104. Kreuzigung Sesu, 105, 106, Kreuze, 107. 108. Seine Fürbitte am Kreuze für seine Feinde, 109. 110. Der Tod Jesu, 111: 113. Erweckung aus dem Leiden Jesu zur Dankbarkeit, 114: 118. Zur Buße, 119: 121. 3um Glauben, 122 125. 3ur Gegenliebe, 126. 127. Zur Zugend, 128-130. 3ur Geduld im Leiden, 131. 132. 3ur Selbstverläugs nung, 134. 3um Troste und Beruhigung, 134 136. Begräbniß Jesu, 137. 3 : 14. Von der Auferstehung Jesu überhaupt. 138-141. Jesu auferstehung, ein Beweis seiner göttlichen Sendung, 142. 143. Erweckung, mit Jesu geistlicher Weise zu Auferstehen, 144. Hoffnung und Trost aus der Auferstehung Jesu, 145: 150, Inhalt des Gesangbuchs. 15. Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sitzen zur Rechten Gottes. 151-153. Königliche Herrlichkeit des erhöheten Jesu, 154. 155. Erweckung zu himmlischen Gesinnungen, 156. Von der Fürbitte Jesu, zur Rechten Gottes, 157. 158. 16. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben und Wir. fungen. 159-167. 17. Von dem Worte Gottes überhaupt. 168-172. Erweckung, die heilige Schrift fleißig und auf gehörige Weife zu lesen, 173, Ueber die zehn Gebote, 174, 175. Von dem Evans gelio, 176. Vortrefflichkeit der christlichen Religion, 177. 18. Von der christlichen Kirche. Um Erhaltung und Beschüßung der christlichen Kirche. 178-184. Um Ausbreitung und Beförderung der christlichen Religion, 185-187. 19. Von der heiligen Taufe. Von der Taufe, 188: 190. Erneuerung des Taufbundes, 191. Bei einer Taufhandlung, 193. 194. Vor und nach der 192. Confirmation junger Chriften, 195. 196. 20. Vom heiligen Abendmahl. 197-213. 21. Von der Vergebung der Sünden und ihren seligen Fol: gen. 214 217. 220. Dankbare Empfindung über die Vergebung der Sünden, 218Friede und Ruhe in Gott, 221. Hoffnung der Seligkeit, 222.223. peiligung des Lebens, eine Frucht der Rechtfertigung, 224, 22. Vom Tode. 225-230. Begräbnißlieder, 231. 232. 23. Von der Auferstehung der Todten. 233-238. 24. Von dem zukünftigen Weltgerichte. Wiederkunft Jesu zum Weltgerichte, 239-241. Von dem Welts gerichte selbst, 242= 245. 12 25. Vom ewigen Leben. 246-252. Gewißheit der Verdammniß der Gottlosen, 253. Zweite Abtheilung. Ueber die Sittenlehre. 1. Von der Buße und Bekehrung. Erweckung zur Buße und wider den Aufschub der Bekehrung, 254 257. Bon dem Gnadenrufe Gottes an die Sünder, 258. Ges borfam gegen den Gnadenruf, 259. Selbstprüfung, 260. 261. Wider den Selbstbetrug, 262. Bußgefänge, 263: 277. Ueber Chwachheitssünden, 278 279. Wider die Lieblingssünde, 280. Eines vieljährigen Sünders, 281. 282. Bußlied für junge Leute, 283. Bei einbrechenden göttlichen Strafgerichten, 284. Inhalt des Gesangbuchs. 2. Vom Glauben. 285-291. Um Stärkung des Glaubens, 292. Standhaftigkeit, getroster Muth, Freudigkeit, Kampf, Sieg des Glaubens, 293 299. Thås tiges Bekenntniß des Glaubens, 300. 8 3. Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. Nothwendigkeit eines frommen Lebens, 301-304. Eigenschaften des Frommen, 305. 306. Quelle guter Handlungen, 307. Ents schließung zum frommen Sinn und Leben, 308. Vortheile der Gottseligkeit, 309. Um das wahre Christenthum, 310. 311. Tågs liche Erneuerung zur Frömmigkeit, 312. Beharrlichkeit und Wachsthum im Guten und Erweckung dazu, 313-315. Standhafs tigkeit und Kampf der Tugend, 316, 317. Wider die Versuchun, gen, 318 321. Frömmigkeit der Jugend, 322. 4 Von den Pflichten gegen Gott. Von der Erkenntniß Gottes. 323-327. 5. Von der Furcht Gottes. 328-330. Heiligkeit des Eidschwurs, 331. 6. Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 332-339. 7. Von dem Gehorsam gegen Gott. 340-342. 8. Von dem Vertrauen auf Gott. 343-347. Bertrauen im Leiden; Zufriedenheit mit Gott, und Ergebung in seinen Willen, 348 353. Freude in Gott, 354 355. 9. Vom Gebete. Pflicht des Gebets, 356. Erweckung zum Gebet, 357. Eigens schaften des Gebets, 358. Fehler des Gebets; auch beim Mangel der Undacht, 359. Nöthige Einmüthigkeit beim Gebet, 360. Um die Gabe des Gebets, 361. Zuversicht eines gläubigen Beters, 362. Kraft, Nugen und Segen des Gebets, 363. 364. 10. Gebet und Bittlieder. Das Gebet des Herrn, 365. 366. Allgemeine Gebetlieder, 367. 371. um geistliche Wohlthaten und Beistand im Guten, 372-375. um göttliche Regierung und Leitung, 376-383. Um Gesundheit, 384. Um Ernährung und irdischen Segen, 385. Um Segen in Berufs- und Nahrungsgeschäften, 386. Allgemeine Fürbitte, 387. Fürbitte für die Fürsten und Obrigkeit, 388. 389. Für angehende Eheleute, vor und nach der Trauung, 390. 391. Für die Erzies hung der Jugend, 392. Für alle Kranke, 393. Um langmüthige Verschonung der Sünder, 394. 11. Vom Lobe Gottes. II. Pflicht des Lobes Gottes, 395. Ermunterung zum Lobe Gots tes, 396 400. 12. Lob und Danklieder. Das Te Deum, 401. Allgemeine Lob: und Danklieber, 402.410, ** Inhalt des Gesangbuchs. Lobgesang Marid, 411. Preis der Vollkommenheiten Gottes, 412. 413. Lob der Schöpfung, 414. Lob der Allmacht und Herrlichket Gottes in der Natur, 415. 416. Lob der Güte Gottes, 417 419. Preis der göttlichen Vorsehung, 420. Für geistliche Wohlthaten, 421. 422. Für die Heiligung der Seele, 423. Für die seligen Führungen Gottes, 424 426. Für die Gesundheit, 427. Für die wiedererlangte Gesundheit, 429. 428. Für die Ernährung und irdischen Segen, 430. Für Errettung aus Noth und Gefahren, 431 434. 13. Vom öffentlichen Gottesdienste. Pflicht und Nugen desselben, 435. Würdige Sonntagsfeyer, $ 436 439. Vor der Predigt, 440. 441. Beim Beschluß des Gots tesdienstes, 442. Pflicht und Nugen des häuslichen Gottesdiens ftes, 443. 14. Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, den Erldser der Menschen. Lobpreisung für die Ertöfung, 444-446. Gläubige Zuversicht zu Jesu, 447. Liebe gegen Jesum, 448. 449. Freude an Jesu, 450. Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Jefu, 451. Freimus thiges Bekenntniß der Religion Jefu, 452. Nachfolge Sefu, 453455. Nachfolge Jesu im Leiden, 456. Jesus und sein Heil, das einzige Nothwendige, 457. 15. Von den Pflichten gegen uns selbst. tpflicht der Selbstliebe, 458. Selbsterkenntniß, 459. Demuth, 460. 461. Wider Stolz und Vermessenheit, 462. 463. Sorge für die Seele, 464-466. Bewahrung eines guten Gewissens, 467. Wachfamkeit, 468. Sorge für den Leib und die Erhaltung des Lebens, 469. Måßigkeit, 470. Keuschheit, 471. 472. VorsichtigFeit im Reden und im Umgange, 473. Rechtmäßige Anwendung der zeitlichen Güter, 474. Wider den Geiz, 475. 476. Arbeits famkeit und Fleiß in Berufsgeschäften, 477. 478. 3ufriedenheit und Genügsamkeit, 479 481. Rechtmäßige Anwendung der Zeit und des Lebens, 482 484. Selbstverleugnung, 485. Verleugnung der Welt und des Irdischen, 486. 487. Vorbereitung zum Tode und zur Ewigkeit, 488- 493. 16. Von den Pflichten gegen den nächsten. Pflicht der Nächstenliebe, 494. 495. Allgemeine Liebe gegen den Nachsten, 496 498. Sorgfalt für die Seele des Nächsten, 499. Gerechtigkeit gegen den Nächsten, 500. 501. Gerechtigkeit gegen das Eigenthum des Nächsten, 502. Gegen seine Ehre und guten Namen, 503. 504. Dienstfertigkeit, 505. Wohlthätigkeit und Liebe gegen Urme, 506. 507. Aufrichtigkeit, 508-510. Freund: fchaft, 511. 512. Sanftmuth und Friedfertigkeit, 513. Versöhn lichkeit und Liebe gegen Feinde, 514-517. Inhalt des Gesangbuchs. Dritte Abtheilung. Vom Kreuze und Troste des Christen. I. Vom Leiden und Kreuze des Christen. Wohlthätigkeit und Nugen des Kreuzes, 518. 519. Rechtmäßi ges Verhalten im Leiden: Geduld und Gelassenheit, 520 522. Vertrauen und Hoffnung auf Gott, 523. 524. Gebet, 525. 2. Trostgesänge, oder Ermunterungen zur Geduld, Bufries denheit, Vertrauen auf Gott, und Ergebung in feinen Willen. de ta dall Allgemeine Trostlieder, 526. 529. Beim Verzug ber göttlichen Hülfe und Erhörung des Gebets, 530. In Kleinmüthigkeit und beim Mangel an Vertrauen auf Gott, 531. Wider Verzagtheit und Trostlosigkeit, 532. 533. Bei Schwachheit des Glaubens und 534. 8 Schwermuth, 535 536. Trost aus der Erlösung, 537-539. Trost aus der göttlichen Vorsehung, 540. 541. Bei betrübenden Füh rungen Gottes, 542 544. Trost unter den Mühseligkeiten des Lebens, aus der Betrachtung der Ewigkeit, 545: 447. Bei Un. glücksfällen im Zeitlichen, 548. Wider ångstliche Sorgen um das Irdische, 549 551. In Dürftigkeit und Armuth, 552. 553. Bei Haß und Verfolgung böser Menschen, 554. Bei dem Glücke der Gottlosen und dem Unglücke der Frommen, 555. Bei Leiden des Leibes und siechem Leben, 556. In Krankheiten, 557. 558. Fürs bitte für einen Kranken, 559. Trost wider die Schrecken des Tos des, 560 567. Verlangen nach dem Tode, 568. 569. Freudigkeit des Frommen im Tode, 570 572. Gebet eines sterbenden Chris ften, 573. Fürbitte für einen Sterbenden, 574.99# 2 3. Von der Glückseligkeit des Christen. Würde und Größe des Christen, 575 577. Werth der Zugend, 578. Glück eines guten Gewissens, 579. 580. Ruhe der Seele, 581. 582. Irdischer Segen des Christen, 583. Häusliches Glück des Christen, 584. Ewige Belohnung bes Christen, 585. 586. Vierte Abtheilung. Auf besondere Zeiten, Umstände und Personen. 1. Neujahrsgesänge, 587-592. 2. Um Reformationsfeste, 593. 3. Un öffentlichen Bußtagèn, 594. 4. In allgemeinen Nöthen und öffentlichen Trübfalen, 595- 596. Inhalt des Gesangbuchs. 5. In Kriegszeiten. 600-602. Danklieder für wiederhergestellten Frieden, 603, 604. Um Er. haltung des Friedens, 605. 606, ARSZA 6. Bey ansteckenden Krankheiten. 607. 608. Nach geendigten Seuchen, 609. 7. In Theusung. 610. Nach geendigter Theurung, 611. 8. Für die Feld- und Landfrüchte überhaupt. 612-615. Um Gesegnung der Feldfrüchte, 616. Um Regen ben großer Dürre, 617. Danklied für verliehenen Regen, 618. Ben anhals tendem Regen um Sonnenschein, 619. Danksagung für den Sons nenschein nach anhaltendem Regen, 620. Danklied für die Erndte, 621. 9. Bey Gewittern. I Ehrfurcht gegen Gott bey Gewittern, 622 624. Nach dem Ges witter, 625. 626. 10. Morgengesänge. 627-644. Morgengefang eines Kindes, 645. Bey Antretung der Arbeit, 646. Morgenlied im Leiden, 647. 11. Tischlieder. 648-650. 12. Abendgesånge. 651-659. Prüfung am Abend, 660. Um Sonnabend bend, 661. Abend. lied eines Kindes, 662. Nach der Arbeit, 663. Abendlied im Leiden, 664. 13. In besondern persönlichen Umständen. Um Geburtstage, 665. 666. Chriftlicher Eheleute, 667. Einer schwangern Frau, 668. Der Eltern für ihre Kinder, 669. Der Kinder für ihre Eltern, 670. Licd eines Jünglings, 671. Eines jungen Frauenzimmers, 672. Jm Alter, 673. 674. Fürbitte für abwesende Freunde, 675. Einer Herrschaft, 676. Eines Diensts boten, 677. Der Eltern beym Absterben ihrer Kinder, 678. Beym Absterben unserer Unverwandten und Freunde, 679. Einer Witts we, 680. Einer Waise, 681. Vor, auf und nach der Reise, 682. 683. Eines in fremde eånder reisenden Jünglings, 684. 14. Des seligen Dr. Martin Luthers sämmtliche Lieder, ohne alle Veränderung aus dessen Werken. 685-718. Erste Abtheilung Ueber die wichtigsten Stücke der Glaubenslehre. Vom Daseyn und Wesen Gottes. Mel. Es ist das heil uns kommen. Umspannnet erd und himmel. er herr ist gott, und 1. keiner mehr; Froh lockt ihm, alle frommen! Wer ist ihm gleich? wer ist wie er? So herrlich, so vollkommen? Der herr ist groß! sein nam' ist groß! Er ist unendlich, gränzenlos In feinem ganzen wesen. 2. Ihn trifft kein wechsel flücht'ger zeit; Nie größer oder kleiner Wird seines na mens herrlichkeit, Der erst' ist er, sonst keiner. Wir menschen sind von gestern her; Eh noch die erde war, war er, Noch eber, als die himmel! 3. Um seinen thron her ftrömt ein licht, Das ihn vor uns verhüllet. Ihn fasfen alle himmel nicht, Wie weit er sie erfüllet! Er blei bet ewig, wie er war, Verborgen, und nur offenbar In seiner werke wundern! 4. Wo wären wir, wenn seine kraft Uns nicht gebildet hätte? Er kennet uns, fennt, was er schafft, Der wesen ganze kette. Bei ihm ist weisheit und verstand, Die kraft und stärke seiner hand nicht fern? Weiß er nicht aller wege? Wo ist die nacht, da sich dem herrn Ein mensch verbergen möge? Die finster: niß ist vor ihm licht; Gedanken selbst entfliehn ihm nicht, Noch ehe sie entstehen. 6. Wer schützt den weltbau ohne dich, I herr, vor seinem falle? Allgegenwärtig breitet sich Dein fittig über alle? Du bist voll freundlichkeit und huld, Barmherzig, gnädig, voll geduld, Ein vater, ein verschoner! 7. Unsträflich bist du, heilig, gut, Und reiner, als die sonne! Wohl dem, der deinen willen thut; Denn du vergiltst mit wonne! Du hast unsterblichkeit allein, Bist selig, wirst es ewig seyn; Hast freuden, gott, die fülle. 8. Du nur bist würdig, lob und dank 3u nehmen, preis und ehre. Kommt, werdet gottes lobgefang, Ihr alle feine heere! Der Herr ist gott, und keiner mehr! Wer ist ihm gleich? wer ist, wie er, So herrlich, so vollkommen. A 2 Vom Daseyn und Wesen Gottes. Mel. Nun danket alle gott. 2. An nbetungswürdger gott! Mit ehrfurcht stets zu nennen! Du bist un endlich mehr, 20ls wir begrei: fen können. flöße meinem geift Die tiefste demuth ein, Und laß mich stets vor dir Voll ehrerbietung seyn. 2. Du riefst dem, das nicht war, Um lust und seligkeiten Aufs mannigfaltigste Um dich her auszubreiten. Die liebe bist du selbst, Verstand und rath sind dein; Und du gebrauchst sie gern, 3u segnen, zu erfreun. Von deinem wesen wissen, Das hast du selbst zuvor Üns offenbaren müssen. Die schöpfung zeugt von dir; Und deines sohnes mund Macht uns noch deutlicher, Gott! deinen namen fund. 7. Doch hier erkennen wir Dich noch gar unvollkommen. Wird aber dermaleinst Der vorhang weggenommen, Der dich, unendlicher, Noch un ferm blick verschließt, Dann sehen wir dich, gott, St herrlich, wie du bist. 8. Indeß sey auch schon jest Dein ruhm von uns besungen. Verschmähe nicht ein lob Von lallend schwachen zungen! Dort soll, wenn wir dereinst Vor dir verherrlicht stehn, Ein lied im höhern chor Dich, großer gott! erhöhn. 3. Du sprichst und es ge= schieht. Auf dein allmächtig: werde! Entstand dein großes werk, Der himmel und die erde. Mit deinem kråstgen wort. Trågst du die ganze welt, Und deine macht vollführt, Was uns unmöglich fällt. Nel. Wend ab deinen zorn. 4. Du bist der herren herr; 3. Wüst, ich nicht gott Der erde majeståten Sind, höchster, vor dir staub, Auch geister kannst du tödten. Wen du erniedrigest, Gott, wer kann den erhöhn? Wen du erhöhen willst, Deß hoheit muß bestehn. 5. Wer hat dich je gesehn? Wer kann im fleisch dich sehen? Kein sterblich auge reicht Bis zu des lichtes höhen, Wo du voll majestát Auf deinem stuhle thronst, Und unterm frohen lob Der him melsheere wohnst. 6. Was wir, unendlicher! erschaffen; Was hätt' ich wider furcht und gram für waffen? Gleich steuerlosen schiffen in den seen, Würd ich vergehen. 2. Dann würd ich unter mir das thier beneiden, Und mir versiegte jeder quell der freuden! Und jedes Eden würde mir auf erden Zur wüste werden. 3. War ich nicht elend? war ich nicht verloren? Uch besser wårs, ich wäre nie ge boren, Als nichts in grauen: vollen finsternissen Von gott zu wissen. Vom Daseyn und Wesen Gottes. 3 4. Die menschen hätten sich umsonst nach wahrem finne, hätten feelen, Mit glück, Umsonst nach trost im tausend bangen zweifeln sich leide. Die lust zu edlen thazu quälen, Umsonst erst ein unendlich gut zu suchen, Sich dann zu fluchen. ten flieht Vor ihm, der seinen gott nicht sieht; Nie fühlet sich sein herz erfreut Von wonne der unsterblichkeit. Gott, unser gott! Wie jammervoll, wie fürchterlich Wird unser leben ohne dich! 5. Wir flögen gleich dem staub auf, sänken wieder, Wie leicht verwehter staub, zur erde nieder. Schön ist das laster, wenn ich gott nicht finde, Die tugend sünde. 6. Was hulfs, daß ich mich gut zu werden übe? Was könnt ich hoffen? wer verdiente liebe? Verzweiflung wår' der beste trost dem herzen In seinen schmerzen. 7. Flieht, tödtende gedanken! ihr beflecket Von ferne schon die seele, die ihr schrekket! Flieht! denn ich kenne meines Lebens quelle; Entweicht zur hölle! 8. Ich weiß, daß gott ist, weiß, an wen ich glaube; Weß hauch die seel ist, wer den leib vom staube So künstlich baut, mich trägt, mich unterstüzet, Und täglich schüket! 9. Ich weiß, auf welchen grund mein glück ich baue, Wen ich verehre, wem ich mich vertraue. Ihm zu gefallen, will ich mich nun üben: Und ihn nur lieben. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. 4. Web dem, der leugnet, daß du bist, Unendlicher sein leben ist Ihm leer von edler freude; Sein wilder lasterhafter blick Sehnt 2. Wenn du nicht bist, wer trägt und hält, Und wer regieret dann die welt? Wer sorgt auch für mein leben? 3u wem soll ich mein lobgesang, Daß ich einst ward, zu wem mein dank, Daß ich noch bin, erheben? Verhäng= niß oder ohngefähr Ist dann mein gott; und blind ist der; Bernunft und wahl sind ihm ein spott, Und seine wohlthat ist der tod! Gott, wahrer gott! Wie graunvoll wird mir deine welt, Wenn nicht dein arm sie führt und hält! 3. Kann ohne dich ein glück erfreun, Für mich ein glück auf erden seyn, Und kann ichs froh genießen? Was hilft mir freiheit und verstand? Ists keine wohlthat deiner hand, Was nüßt ein gut gewissen? Bist du nicht, so erfreun sie nie, Ein traum ist ihre lust, wie sie, Die erd ist finster: niß, kein licht Entstromet deinem angesicht. Kein himmel jauchzt! Auf erden opfert niemand dank Vom aufgang bis zum untergang. 4. Uch wußt ich keinen gott, wohin Wollt ich vor 2 2 4 Vom Daseyn und Wesen Gottes. starkern haffern fliehn? Wem himmel untergehn, Wirds, klagt ich ihr verbrechen? Der daß du bist, der leugner sehn. unschuld thránen, ihren tod, Erhöbe sich kein mensch, kein gott, Un ihrem feind zu råchen. Vor schmach und ungerechtigkeit Gåb ihr das grab nur sicherheit. Mit ihrem hauch wird auch ihr flehn Um recht und um gericht verwehn. Und er ihr feind, Der sünder, welcher gott nicht glaubt, Erhöbe, wie ein berg, sein haupt. 5. Gedanke, der mein herz erhöht, Daß dies mein fleisch einst aufersteht, Daß seelen nimmer sterben! Wenn gott nicht lebt, was trau ich dir? Nur falsche hoffnung giebst du mir, Und endigst mit verderben, Mich ruft mit huld im angesicht, Ken gott aus grabesnacht ans licht, mein geist ist auch des todes raub, Nie auferstehn wird dieser staub. Gort richtet nicht! Auf tugend wartet dort kein lohn! Hier ist ihr erbtheil, schmach und hohn! 6. Nein! eh ich zweifle, daß du seyst, Unwandelbarer, ewger geist, Mag mich die welt verspotten! Laut will ich zeugen, daß du bist, Und daß es schnöder frevel ist, Dich fühlen und dich spotten! Mein geist und leib freut sich in dir, Unsterblicher, weich nicht von mir! Was sind die lei= den dieser zeit Dem, der sich deines dafeyns freut? Dort im gericht, Wenn erd und 5.0" Mel. Komm, heilger geist, herre. u unsichtbarer, dessen thron Vor aller wel ten ursprung schon Von ewigfeit stund, und bestehet, Ob alles wiederum vergehet. Mit wollust fåttigt sich mein geist, So oft er deinen namen preist. Wie köstlich ist mirs, dir lobsingen, Dir danken, herr, dir ehre bringen, Und im gebet mich zu dir nahn! 2. Du, der du bist, und. der da war, Dein nam ist groß und wunderbar. Wer kann sich bis zu dir erheben, Dein antlig schauen und noch leben? Kein bild ist, das dir, herrscher, gleicht, So weit auch deine schöpfung reicht. Du bist ein geist; nur geister können Dich fühlen, daß du bist, dich nennen, Herr, unfer gott! unendlicher! 3. Untheilbar bist du, dem kein tod Durch tausend ewigkeiten droht. Dir, quell des lebens, hat dein leben Kein áltres wesen je gegeben. Du lebst durch dich; dein leben ist Ein strom, der unaufhaltsam fließt, Rings um dich her glückseligkeiten und neues leben zu verbreiten, Bon ewigkeit zu ewigkeit. 4. Du geist des lebens! himmlisch licht Umstrahlt dein göttlich angesicht; Vernunft, die alles kennt und siehet, Vom Daseyn und Wesen Gottes. 5 Der kein geheimniß je entflie- seufzenden nicht fern! Wann het. Du schauest schnell mit wirst du, gott, mein seufzen einem blick auf ewig vorwärts stillen, Und meine hoffnung und zurück; Ermüdest nie, froh erfüllen! Noch bet ich und kannst nicht irren, Und dich in schwachheit an, Wie keine zahl kann dich verwirren, Und sollte sie unnennbar seyn. ich im fleische beten kann; Dann werd ich freyer vor dich treten, Und ganz im geiste zu dir beten! Hallelu jah! Hallelujah! 5. Du willst, und was dein mund gebeurt, Ist wahrheit und gerechtigkeit. Dein rathschluß, herr, weiß nicht zu fehlen, Weiß nur das beste Mel. Es woll uns gott gnädig. zu erwählen; So oft ich dir du auf deiner bahn Bon ferne 6. Wer ist dir gleich, nachseh, bet ich an, Und thut, gott, deine werke? fromme zuversicht im leiden Erfüllt mein herz mit sanften freuden, Und meinen mund mit preis und dank. Bem jauchzet sonst der himmel heer, Und nennt ihn: gott der stårke! Du warst, und deiner allmacht ruf Be= fahl der welt zu werden. Bes kennt es, völker, die er schuf: Im himmel und auf erden Sst keiner seines gleichen! 2. Wenn ich den weltbau, weffen macht Um ersten aller tage Ihn aus dem nichts hervorgebracht, Voll durst nach weisheit frage; So nennt er mir, du erster, dich, Du wesen aller wesen! Gott, deinen namen nur kann ich Auf allen dingen lesen, Und keines andern namen. 6. Du geist der geister, führe du Uns dir, dem schöpfer, wieder zu. Die du nach deinem bilde schufest, Und zu dir alle nun berufest; Auch wir sind geister, danken dir, Daß du uns leben gabst, daß wir Die größten unter deinen gaben, gott! vers nunft und freiheit haben, Dir danken wirs, unendlicher! 7. Des fleisches lüste zwingen noch Den geist der freiheit in ihr joch! Preis dir, du wirst von allem bösen Die deinen einst gewiß erlösen; Bald mach uns von der knecht schaft frey! Lehr jeden christen, wer er sey, Lehr, in den banden selbst uns streiten Ums nahe heil der ewigkeiten, Wozu dein sohn erkauft uns hat. 8. land der freiheit, stadt des Herrn, Wärst du mir 3. Der sterne unzählbares heer, Die deinen thron umgeben, Die erd, o gott! die luft, das meer, Und die in ihnen leben, Wie preiset ihre harmonie Dich, o du geist der geister! Mit welcher eintracht rufen sie: Der schöpfung herr und meister Ist einer, ist Jehovah! 6 Vom Daseyn und 4. Sinkt in den staub hin! betet an! Jehovah ist der höchste! Er ists allein! und keiner kann Ihm gleich seyn, ihm der nächste! Gott spricht: ich bin allein der herr, Ich bin, ich war, ich werde Seyn, der ich bin: kein anderer, Im himmel, auf der erde, Hat meinen ruhm und namen. 5. Und ewig bleibst du mir allein Der gott, an dem ich hange! Und ewig solls kein andrer seyn, Von dem ich heil verlange! Mein ganzes leben weih ich dir, Mein gott, auf den ich traue! Und weiß gewiß, einst giebst du mir, Daß ich dein antlig schaue, Dich selbst, du unsichtbarer! 7. Sott Mel. Christ, unser herr, zum. ott, mache du mich selbst bereit, Vor deinen thron zu treten, Und deine große herrlichkeit Voll ehrfurcht anzubeten. Laß, herr, vor deinem angesicht Mein herz sich deiner freuen, Und einen strahl von deinem licht Die finsterniß zerstreuen, Die mich hier noch umgiebet. 2. Du bist der herr, und keiner mehr, Nichts sind der heiden götter, Nur dir gebühret preis und ehr, Kein helfer, noch erreiter Ist ausser dir; laß mich allein Auf dich, o herr, vertrauen, Mein ganzes leben dir nur weihn, Mein glück nur auf dich bauen, Und dich niemals verleugnen. Wesen Gottes. 3. Du bist der höchstvollkommne geist, Der vater aller geister; Dich preiset, was vernünftig heißt, 21s feinen. herrn und meister. Laß meiner feele hohen werth Mich reine tugend lehren, Und so wie es dein wort begehrt, Dich ungeheuchelt ehren, Im geist und in der wahrheit. 4. Du bist, o gott, von ewigkeit, Und wirst allzeit bestehen; Es bleibet deine herrlichkeit, Wenn himmel selbst vergehen. Laß von der erde eitelm tand Mein herz sich stets erheben 3u meinem wahren vaterland, Und nur nach dem mich streben, Was ewig mich erfreue. 5. gott, was seyn wird, ist und war, Und was wir thun und dichten, Das ist dir alles offenbar; Du wirst einst alles richten. Laß mich dein heilig auge scheun, Aufrichtig vor dir wandeln, Und, deines benfalls mich zu freun, Auch dann rechtschaffen handeln, Wenn finsterniß mich decket. 6. Unendlich ist, herr, deine macht, 3u retten, die dich lieben, Und wenn der frevler dich verlacht, Auch rach' an ihm zu üben. Gieb, daß mich deiner allmacht schuß Stets, als ein schild bedecke, Mich auch nicht menschen grimm und truk, Nur deine strafe schrecke; Du tödtest leib und seele. 7. Voll höchster weisheit bist du, gott, Kein mensch Vom Daseyu und Wesen Gottes. 7 kann sie ergründen; Umringt Auf meine feele kommen. uns allenthalben noth, Du, Von mir sey meine missethat herr, weißt rath zu finden. So fern hinweggenommen, Gieb, daß ich dir stets traue So fern der oft vom abend. zu, Du werdest für mich sorgen, Auch übles weder denk noch thu; Denn dir ist nichts verborgen; Du prüfest herz und nieren. 10. Gott, dessen wahrheit stets besteht; Wohl denen, die dir glauben! Wenn erd und himmel einst vergeht, Wird dein wort ewig bleiben. Gieb, daß ich fürchte dein gericht, und alles, was du dráuest, Auch hoffe was dein wort verspricht, Daß du mirs Gieb, daß gern verleihest; Wer hofft, 8. Gott, du bist heilig und gerecht, Stannst keine sünden dulden; Wer sagen will, er sey dein knecht, Der meide sündenschulden. ich mich der heiligkeit Mit wird nicht zu schanden. rechtem ernst befleiße, Nach= jage der gerechtigkeit, Und deine wege preise, So wunderbar sie scheinen. II. Gott, wenn ich dich so kenn und ehr, Dein wort zum grunde sehe, Erfreu ich mich darüber mehr, Als über 9. Du bist sehr gnädig, alle schäße, Bis ich dort, fromm und gut, Vergiebst die o mein heil und licht! Dich schuld dem sünder, Erbarmst ohne lallen nenne, Von andich, wie ein vater thut, Von gesicht zu angesicht, Dich herzen deiner kinder. Laß schaue, dich erkenne, Und unreichen trost von deiner gnad aufhörlich lobe. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. Ewigkeit und Unverän. Waren dir, o gott, bekannt, Eh die welt auf dein geheiß Da stand, deiner weisheit preis. 4. Wie gegoßne spiegel stehn Deine himmel; doch vergehn Deine himmel, und die welt Sinkt, wenn sie dein arm nicht hält. 5. Nur du bleibest, wie du bist. Was dein weiser rath beschließt, Ist unwandelbar, wie du, Gut und heilig stets, wie du. derlichkeit Gottes. Mel. Nun komm der heiden. 8.11 nermeßlich ewig ist Gott der höchste! herr, du bist, Wie du dich uns offenbarst, Nun und ewig, der du warst. 2. Ewig bleibst du selbst dir gleich, Weif allein und gnadenreich, Ewig mächtig und voll kraft, Heilig und untadelhaft. 3. Alle werke deiner hand 8 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 6. Du bist nicht ein men du so gesinnt. Was dein schenkind, Daß du lugest; rathschluß vormals wollte, nicht gefinnt, Wie der Willst du noch; o hilf uns mensch, der wandelbar Nim- allen Thun nach deinem mer bleibet, was er war. wohlgefallen. 7. Was du zusagst, ist gewiß; Zwischen licht und finsterniß Tappt der mensch hier, wählt, bereut Plößlich wieder, was ihn freut. 8. Sollt ich denn auf men schen traun, Nicht mein heil auf dich nur baun? Ohne weisheit und verstand Brunnen graben in den sand? 9. Nein, unwandelbarer, dein Soll sich meine feele freun. Sey mein fels, gott, fen mein licht, Ewig meine zuversicht. 10. Und in allgemeine nacht Sinke dann mit seiner pracht Jeder himmel, und die welt Stürze hin, wenn gott mich hålt. 9. Got Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. ott, du bist von ewigkeit, Und dein herrlich großes wesen Nendert sich zu keiner zeit, Du bleibst stets, was du gewesen. Laß dies meinen geift beleben, Ehrfurchtsvoll dich zu erheben. 2. Ewig und unwandelbar Ist, o gott, dein hohes wissen. Was dir einmal wahrheit war, Wird es ewig bleiben müssen. Niemals kann dein ausspruch fehlen. Laß mich ihn zum leitstern wählen. 4. Immer bleibst du, gott, ein feind Derer, die das unrecht üben. Immer bleibst du, gott, ein freund, Derer, die das gute lieben. Laß uns darin schon auf erden Deinem bilde ähnlich werden. 5 Deine worte trügen nicht. Du bist ewig der getreue, Der das hált, was er verspricht. O daß dies mich stets erfreue! Laß nur deinen geist mich treiben, Dir, herr, auch getreu zu bleiben. 6. Stets ist wohlthun deine lust, Ewig währet deine liebe. Wohl mir, wenn ich auch mit lust Mich in deinem willen übe! Dann, o herr, wirds meiner seelen Nie an wahrem wohlseyn fehlen. 7. Erd und himmel wird vergehn, Alle welt wird mich verlassen; Nur durch dich kann ich bestehn, Deine hand wird mich umfassen, Wenn ich nun von hinnen scheide; Ewig bist du meine freude. 8. Laß mir doch zu jeder zeit, Herr des himmels und der erden! Diese deine ewigfeit Einen starken antrieb werden, Dich zu lieben, dir zu trauen, Und mein glück auf dich zu bauen. 3. Herr, du bist kein men: schenkind, Daß dich etwas Mel. Mein herz und feel den. du reuen sollte. Immer bleibst 10. Herr gott, bu bift die zuflucht aller Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 9 zeiten; Denn du bist gott, in bar ist Die zahl von deinen allen ewigkeiten. Du warst jahren. Doch warst du, schöes schon, eh erd und himmel pfer, was du bist. Eh alle ward, Eh noch dein arm sich vnnen waren. Schon eh dein uns geoffenbart. arm die welten trug, Warst du dir ohne sie genug, Und keiner welt bedürftig. 2. Jehovah, tauſend jahre sind Dir weniger, als stunden, Dir schneller, als ein tropf verrinnt, Begonnen und verschwunden; Entflohn, und dir doch immer da; Dein auge sieht sie, wie's sie sah, Nicht schöner, nicht vollkommner. 3. So bin ich, gott, vor dir; ich staub, Ich leicht verblühte blume, Ich allzubald des grabes raub, Mit glück, und lust, und ruhme. Wie ein geschwäß des tags entfleucht Mein pilgrimmsleben, gott, und gleicht Kaum einem morgen raume. 4. Und dennoch zeigst du mir von dir, So viel in augenblicken, Entdeckest dich darinnen mir, Mich ewig zu beglücken. Du machst dies leben, dir sey dank! 3u einem heitern übergang In ein beglückters leben. 2. Was bin ich, herr, und alle menschenkinder? Staub sind vor dir der heilige, der sünder. Wie schnell entflieht das leben doch von mir! Du, höchster, du nur bleibest für und für. 3. Du hast vorhin die erde zubereitet; Dein arm hat, gott, den himmel ausgebrei: tet. Doch sie vergehn, ver: alten wie ein kleid; Du aber bleibst in alle ewigkeit. 4. Es werden noch die himmel und die erden, Wie ein gewand vor dir verwan: delt werden. Du bleibest wie du bist; denn welche zeit Umgränzet wohl, herr, die unendlichkeit? 5. Das ist der trost, die Hoffnung deiner knechte. Du schühest sie mit deiner starken rechte, Du läßt ihr herz sich ewig deiner freun, Und bleibst ihr gott; denn sie sind ewig dein. 6. Das sey mein trost in allen trüben stunden. Vom tode selbst bleibt er unüber: wunden. Kein tod, kein grab, trennt mich, o gott, von dir, Mein fels, mein heil, das bleibst du ewig mir. Mel. Es ist das heil uns. 11. We er gleicht dir, gott? undenk5. Hier seh ich, vater der natur, Im schatten deiner werke Nur dunkel, wie im spiegel nur, Die größe deiner stärke. Wie schön ist, was mein auge sieht! Doch ach, o gott, wie viel entflieht Dem blöden trågen blicke! 6. Nein, vater, deß mein herz sich freut, Du schufft mich nicht vergebens; Was 10 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. schmeck ich nicht für seligkeit läßt auch uns in deinem wort Fm traume dieses lebens! es sehn. Wie wenig ist, was ich hier. seh, Hier, o mein gott, von dir versteh! Doch macht mich dies schon selig. 7. Es fliehe denn dies leben hin Schnell, wie ein traum, noch schneller; Ich weiß, daß ich unsterblich bin, Dort wird dies auge heller. Dich werd ich dort sehn, wie du bist, Und meine freude, vater, ist Dann ewig und vollkommen. 5. Du weißt und hörst, was deine kinder beten; Du siehst, wenn sie im stillen vor dich treten; Noch eh ihr mund dir ihren kummer sagt, Vernimmst du schon, was dir ihr seufzen klagt. 6. Vor menschen bleibt hier manche that verborgen, Dir aber ist die nacht ein heller morgen; Und was hier noch in finsterniß geschieht, Entdeckt einst dein gericht, dem nichts entflieht. Allgegenwart und Allwissenheit Gottes. Mel. Mein Herz und feel den. großer gott, der D 12. alle ding erfüllet, Vor dessen blick kein dunkels uns verhüllet; Wohin soll ich vor deinem anblick gehn? Und wohin fliehn, von dir, herr, ungesehn? 2. Könnt ich auch schnell mich zu den wolken schwingen, Und wieder schnell bis in die tiefe dringen, So hielte mich doch deine hand auch da; Denn wo ich bin, da bist du, herr, mir nah. 3. Dein auge sieht, was 13. A nacht und abgrund decken; Es kann sich nichts vor deinem licht verstecken; Du kennst genau das innre der natur, Der ganzen welt, und jeder creatur. 4. Kein falscher gott, aus falschem wahn verehret, Hat je sein volk das künftige gelehret. Du aber weißt, was künftig wird geschehn, Und 7. Wohl dem, der hier vor deinem antlig wandelt, Und der vor dir und menschen redlich handelt; Der steht alsdann als dein bewährter freund Getrost vor dir, wenn nun dein tag erscheint. 8. O prüfe selbst die innersten gedanken, Ob sie vielleicht von deiner richtschnur wanken. Bin ich, o gott, noch auf verkehrtem steg, So führe du mich auf der wahrheit weg. Mel. Christ, unser herr, zum. voll13. A kommer geiſt, Deß auge alles siehet, Was nacht und abgrund in sich schleußt, Und dem sich nichts entziehet! Es kann vor deinem hellen licht Sich kein geschöpf versiecken. Was in der fin= sterniß geschicht, Daß weißt du aufzudecken, Und an den tag zu bringen. 2. Selbst die gedanken Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. II kennest du, Eh sie in mir leyen. Durchdringe kräftig enissen, Und was ich wün- feel und geist Mit deinen sche, rede, thu, Das kann beilgen blicken. Laß, was gedein auge sehen. Vor dir ist heime schande heißt, Sammt alles offenbar; Du prüfest allen bösen tücken, Mich stets herz und nieren, Und alle sorgfältig meiden. gründe siehst du klar, Die unser thun regieren; Nichts bleibt vor verborgen. Mel. Es ist gewißlich an der zeit. msonst, umsonst ver: 3. Was deiner freunde herz 14.11 hustou dich Mein begehrt, Das weißt du, eh fie beten; Ihr seufzen wird von dir erhört, Eh sie noch vor dich treten. Was deiner feinde rath beschließt, Das ist dir unverborgen; Dir, der du ihren anschlag siehst, Uls wie den lichten morgen, Den keine schatten decken. 4. Was nach verfließung vieler zeit noch künftig wird geschehen, Das sieht dein auge allbereit als gegenwärtig stehen. Dir stellt sich alles deutlich dar, Das, was erst noch soll werden, Und was nun ist, und was einst war, Im himmel und auf erden. Wer sollte dich nicht fürchten? 5. Bleibt gleich vor menschen manches noch In dieser welt verschwiegen, So wird dein auge künftig doch Die finsterniß besiegen. Dein uns parthenisches gericht Wird alles einst entdecken, Was im verborgnen jetzt geschicht; Und schande, furcht und schrecken, Wird dann die heuchler treffen. 6. Laß mich, o höchste majeståt! Dein helles auge scheuen, Das nie ein heuchler hintergeht Mit falschen schmeiche: herz, in finsternisse; Was kann ich gott verbergen? ich? Das er nicht alles wisse? Sey, kannst du, dunkler als das grab, Das auge gottes schaut hinab, Und kennet deine tiefen. 2. Wo ist die nacht der einsamkeit, Die mich vor ihm verhehle? Er sieht euch schon, eh ihr noch seyd, Gedanken meiner seele! Eh ich euch selbst empfinden kann, Bon eurer ersten bildung an, Bis ihr euch ganz entfaltet. 3. Er kennet und erforschet euch, Wenn ihr euch schnell entziehet, Bemerkt euch, wenn ihr strahlen gleich, Schnell auffahrt, schnell entfliehet; Vergebens wünsch ich: sterbt! vergeht! Ich haß euch! aufgezeichnet steht Ihr all' in seinem buche. 4. Der berr gedenket ihrer noch; Jahrhunderte verschwinden, Sie bleiben und ich traume doch, als wärens keine sünden. Sie alle müssen an das licht, Wenn gott kommt, daß er im gericht Der her: zen rath enthülle. 5. Dann wird das siegel buchs Vor aller welt seines 12 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. gebrochen. Das urtheil des und strafest mich 3u meiner verdienten fluchs, Gedanken beßrung väterlich. ſelbst gesprochen. Wo ist die nacht, die sie verheelt? Der richter hatte sie gezählt, Und keinen sterben lassen. 5. Du hörest meinen seufzern zu, Daß hülfe mir erscheine. Voll mitleid, vater! záhlest du Die thránen, die ich weine. Du siehst und wågest meinen schmerz, Und stärkst mit deinem trost mein herz. 6. Seyd heilig, seyd von gott nur voll, Gedanken mei ner seele! Daß, wenn gerich tet werden soll, Kein einziger mich quále. Seyd heilig, und dann fürchtet nichts! Gott wird am tage des gerichts, Gleich thaten, euch belohnen. 6. O drück, allgegenwärtiger! Dies tief in meine seele; Daß, wo ich bin, nur dich, o herr! Mein herz zur zuflucht wähle; Daß ich dein heilig auge scheu, Und dir zu dienen eifrig sey. Mel. Mache mit mir, gott, nach. du, höchüberall 15. Nie bift von uns Nach deinem wert mich- handeln. Und stärke mich dennauch mit kraft Vor dir getrost zu wandeln. Daß du, o gott, stets um mich seyst, Das tröst und beßre meinen geist. fern; Du wirkst an allen enden. Wo ich nur bin, herr aller berrn! Bin ich in deis nen hånden. Durch dich nur leb und athme ich; Denn deine rechte schützet mich. 2. Was ich gedenke, weißest du, Du prüfest meine seele. Mel. Wend ab deinen zorn. ch habe, gott, mir Du siehst es, wenn ich gutes 16. S ernstlich vorgethu, Du siehst es, wenn ich fehle. Nichts, nichts kann deinem aug' entfliehn; Und nichts mich deiner huld entziehn. nommen, Nie auf der übertreter pfad zu kommen, Vor dir zu wandeln, dir mich und mein leben zu übergeben. 3. Wenn ich in stiller einsamkeit Mein herz an dich ergebe, Und über deine huld erfreut, Lobsingend dich er hebe, So hörst du es, und stehst mir bey, Daß ich dir immer treuer sey. 4. Du merkst es, wenn des herzens rath Verkehrte wege wählet. Und bleibt auch eine böse that Vor aller welt verheelet, So weißt du sie, sieh, 2. Erforsche mich! ob ichs redlich meine, Gieb, daß ich nicht bloß, was ich seyn soll, scheine, Mit allen träften strebe, deinen willen Ganz zu erfüllen. 3. Wenn deine furcht mich überall begleitet, Und meinen gang, wenn mich kein mensch sieht, leitet, Wie sicher werd ich deine wege wandeln! Wie richtig handeln! Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 13 4. Laß auch im dunkeln geh ich hin vor deinem geist, mich dein auge scheuen, Ver- Da du selbst die gedanken schließ mein ohr der sünde weißt? Wohin könnt ich doch. schmeicheleyen; Stets werde fliehen? Führ ich gen himmir das gleißende der laster mel; bist du da! Im tiefsten Nur mehr verhaßter. abgrud bleibst du nah! Was kann mich dir entzichen? 5. Gieb eifer, kraft und muth zu meinen pflichten, So 3. mag die welt, wie ihrs gefällt, mich richten; Gefall ich dir, mein gott, will ich mit freuden Berachtung leiden. 6. Du achtest nicht das ansehn der personen, Wirst billig alles richten und be: lohnen, Mit herrlichkeit und ehre deine finder, Mit schmach die fünder. 7. Bald, bald vollend ich meiner prüfung stunden: Werd ich im tode nur be: währt erfunden; Wie schön verwandeln sich dann meine leiden, Und werden freuden! Mel. Un wasserflüssen Babylon. 17. err, du erforschst und kennest mich Von außen und von innen, Mein thun und lassen kommt vor dich, Gehn, stehen und beginnen; Was meine feele denkt und dicht't, Weißt du, vorher, und fehlest nicht, Du prüfest herz und nieren; Du kannst auch, wenn ich bin allein, Und gerne wollt verborgen seyn, All meine weg' ausspüren. Ja, höchster, es kann deine hand Mich allenthalben finden; Nichts bleibet dir, herr, unbekannt, licht die geheimsten sunden. Selbst finsterniß ist vor dir licht, Ins dunkle dringt dein angesicht, Nichts, nichts kann dir entgehen; Was ich gethan, geredt, gedacht, Wird einst vor dein gericht gebracht, Da muß ich vor dir stehen. 4. Ach präge mir dies ernsthaft ein, Das böse zu vermeiden, Laß all mein thun rechtschaffen seyn, Mich nie von tugend scheiden, Mich lieben nur, was dir gefällt, Und die verbotne lust der welt, Sammt ihrem reiz ver: achten. Laß mich vor dir, nach deinem wort, In from: mer sorgfalt immerfort Nach deinem beifall trachten. 5. Allwissender, erforsche du Mein herz, sinn und gedanken! Bin ich geneigt, von meiner ruh, Der tugend pfad zu wanken, Ja bin ich schon auf bösem weg, So führe mich den rechten steg, Entreiß mich dem verderben! Gott! mocht ich stets dich kindlich scheun! O wie getrost könnt ich dann; seyn, Wie 2. Es ist kein wort in meinem mund, Das ich dir könnt' verheelen. Du, herr, siehst in des herzens grund, Ins innerste der seelen. Wo freudig einstens sterben! 14 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. Weisheit Gottes. Mel. Von gott will ich nicht. 6. Wer hat sie so bereitet, Daß sie den blik gebiert, und fie den wind verbreitet. 18. S preise Dich, o mein Den schall zum ohre führt, gott, allein! Wer ist, wie du, so weife? Verstand und rath ist dein; Ach möchte, herr, mein geist In allen deinen werken Auf deine weisheit merken, Die, wer dich kennet, preist! Den leichten vogel hebt, Den fisch, damit er schwimme, Und unsers mundes stimme Für deinen ruhm belebt? 2. Wohin mein auge blikket, Ist alles harmonie, Gut und zugleich geschmücket, Voll kunst, voll pracht durch sie. Sie schaffet, fie erhält, zu segnen, zu ergötzen, Nach herrlichen geseßen, Den weiten bau der welt. 7. Wer hob, o gott, die erde Aus deinem meer heraus, Theilt, daß sie fruchtbar werde, So gleich die wasser aus? Wer sammlet sie? wer bricht Die flüsse, wenn sie schwellen? Spricht zu der seen wellen: Bis hieher! weiter nicht! 8. Wer hat den wald gepflanzet? Durch wen wächst gras herauf? Wer giebt uns korn? wer schanzet. Gebirg und thåler auf? Wer schmückt sie überall? Wer gråbt dem feuter schlünde, Legt in der tiefe gründe Den marmor, das metall? 3. Sie hing in lichten fernen Hoch über uns hinauf, Die sonne mit den sternen, Uns zu erleuchten, auf.. Da hånget sie an nichts; Von dir nur unterstützet, Wärmt, leuchtet und erhitet Sie, schimmer deines lichts! 4. Wer hält im gleichgewichte So vieler körper kraft? Wer füllt die welt mit lich te, Als du, der alles schafft? Wer lenkt der strahlen flug, Daß sie nur nügen können; Beleben, nicht verbrennen, So wunderbar, so flug? läßt uns stets um9. Herr, deine weisheit schmücket, Bereichert und erhålt, Und segnet und beglücket Die lebenvolle welt. Sie rühme mein gefang! Ich finge dir, und preise Dich, gott! denn du bist weise; Dir weih ich lob und dank. Mel. Wer nur den lieben gott.. weiser schöpfer geben Die luft, die alles 19. Du er inge, fer trágt? Durch sie hat alles leben, und alles wird bewegt; Da sammeln dünste sich Und werden thau und regen, Und fruchtbarkeit und segen Für deine thier und mich. alles weiß, erkennt, versteht; Nichts ist so groß, nichts so geringe, Das nicht nach deiner ordnung geht. Denn der ge schöpfe ganzem chor Schreibst du maaß, ziel und regeln vor. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 15 2. Die vielen wundervol- O leite mich durch welt und len werke, Was unserm auge zeit Hinüber in die ewigkeit. fern und nah, Steht alles, wie durch deine stärke, So auch durch deine weisheit da. Unendlich, herr, ist dein verstand! Der ganze weltbau machts bekannt. 3. Mit eben der allweisen stärke, mit welcher du die welt gemacht, Regierst du alle deine werke, Die dein verstand hervorgebracht. Du brauchst, o unerschaffnes licht! Der menschen rath und bei stand nicht. 4. Was du zu thun dir vorgenommen. Das kommt ohnfehlbar auch zur that. Wenn tausend hindernisse kommen, So triumphirt dein hoher rath. Den besten zweck wählt dein verstand, Die mittel stehn in deiner hand. 5. Die menge so verschiedner willen, Wo jeder seinen weg erwählt, Muß doch den deinen blos erfüllen, Der seines zieles nie verfehlt, Und aller feinde stolzen wahn, Als unvernunft beschåmen kann. 6. Dweisheit! decke meiner feele Die angeborne thorheit auf, Damit sie dich zum leitstern wähle, In ihrem sonst verwirrten lauf. Ich weiß den weg des friedens nicht, gönne mir dein sichres licht. 7. Du hast mich durch mein -ganzes leben Nach deinem klugen rath geführt; Mein geist muß dir die ehre geben, Daß du aufs beste mich regiert; Allmacht Gottes. 20. H Mel. Machs mit mir, gott, nach. err, deine allmacht reicht so weit, Uls selbst deinwesen reichet. Nichts ist, was deiner herrlichkeit und deinen thaten gleichet, Es ist kein ding so groß und schwer, Das dir zu thun nicht möglich wär. 2. Du sprichst, und auf dein mächtig wort Fällt alles dir zu füßen. Du führest deinen anschlag fort Bey allen hindernissen. Du winkst; was noch kein auge sah, Steht augenblicklich vor dir da. 3. Du hast das große weltgebäu Allmächtig aufgeführet, Und erd und himmel zeugt, es sey Dein arm, der sie regieret. Dein wort, das sie geschaffen hat, Ist ihnen an der pfeiler statt. 4. Die menge vieler wunder zeigt, Daß, schöpfer, dein vermögen Weit über die gesetze steigt, Die die natur bewegen. Du bleibst ihr herr, und ihren lauf Hebst du nach weiser willkühr auf. 5. Was für ein wunder deiner macht Wird unser aug einst sehen, Wenn nach der langen grábesnacht Die tod: ten auferstehen, Wenn du von unserm staub den rest Zu neuen körpern werden läßt. 6. Ullmächtger! mein er staunter geist Wirft sich vor 16 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. läßt uns sicher ruhn. dir darnieder; Die ohnmacht, und schützt uns hier, Und wie du selber weißt, Umgiebt noch meine glieder. Sach mich zum zeugen deiner kraft, Die aus dem tode leben schafft. 7. D! zund in mir den glauben an, Der sich auf dich verlasse. Ist etwas, das ich fürchten kann, Wenn ich dich, herr, umfasse? Nun, gott, ich traue deiner kraft, Die alles kann und alles schafft. Mel. Lobt Gott, ihr Christen. ich preis' ich, 21. Dich herr, mit herz und mund: Denn dir gebühret preis! Froh mach ich meinen brüdern fund, Was ich von dir nur weiß. 2. Ich weiß, gott, groß von macht und rath, Daß du die quelle bist, Woraus uns allen früh und spat, Viel heil und gutes fließt. 4. Wer hat das schöne himmelszelt Hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser feld Mit thau und regen nett? heiligkeit Gottes. Mel. Freu dich sehr, o meine fecle. 3. Was sind wir doch? Sott was haben wir, Wenn du 22. G ott, vor dessen nicht segen giebst? Kommt uns nicht alles bloß von dir, Der du die menschen liebst? angesichte Nur ein reiner wandel gilt! Ewges licht, aus dessen lichte Stets die reinste klarheit quillt! Deines namens heiligkeit Werde stets von uns gescheut; Laß sie uns doch kräftig dringen, Nach der heiligung zu ringen. 2. Heilig ist dein ganzes wesen! Und kein boses ist an dir, Ewig bist du so gewesen, Und so bleibst du für und für. Was dein wille wählt und thut, Ist unsiráflich, recht und gut, Und mit deines armes stårke Wirkst du stets vollkommne werke. 5. Wer ists, der uns gedeihen läßt? Wer hält mit seiner hand Den edlen güldnen frieden fest In unserm vaterland? 7. Du nåhrest uns von jahr zu jahr, Bleibst immer fromm und treu, Und stehsi uns, wenn wir in gefahr Gerathen, treulich bey. 8. Du füllst des lebens mangel aus Mit dem, was ewig steht; Und führst uns in des himmels haus, Wenn uns die erd entgeht. 6. Allmächtiger, das kommt von dir! Du, du mußt alles thun, Dein schild bedeckt 9. Wohlauf, mein herz, frohlock und sing, Und habe guten muth! Dein gott, der ursprung aller ding, Ist selbst und bleibt dein gut. 10. seele, laß ihn ferner thun, Und red ihm nichts darein; So wirst du hier in friede ruhn, Und ewig fröhlich seyn. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 17 O! laß mich dein gericht stets scheun, Und hier mit ernst beflissen seyn, Vor dir einst zu bestehen. 3. Herr, du willst, daß Du wirst in ihrem angesicht deine kinder Deinem bilde Auch mir mein urtheil fällen. ähnlich seyn. Nie besteht vor dir der fünder; Denn du bist vollkommen rein. Du bist nur der frommen freund; Uebelthátern bist du feind; Wer be harrt in seinen fünden, Kann vor dir nicht gnade finden. 4. so laß uns nicht vere O scherzen, Was du uns noch zugedacht. Schaff in uns stets reine herzen; Tódt in uns der sünden macht. Denn was sind wir, gott! vor dir? Du bist heilig, aber wir Sind verderbt, und wer kann zählen, Großer gott! wie oft wir fehlen? 5. Uns von fünden zu erlöfen, Gabst du deinen sohn dahin. so reinige vom böfen Durch ihn unsern gan zen sinn, Gieb uns, wie du selbst verheißt, Gieb uns deinen guten geist, Daß er unsern geist regiere, Und zu allem guten führe. 6. Keiner fündlichen be gierde Bleibe unser herz geweiht; Unsers wandels größte zierde Sen rechtschaffne heiligkeit. Mach uns beinem bilde gleich! Denn zu deinem himmelreich Wirst du, herr! nur die erheben, Die im glauben heilig leben. 2. Du siehst von deinem festen thron Auf alle menschenkinder, Bestimmest jedem seinen lohn, Dem frommen und dem sünder. Nie siehst du die personen an; Allein auf das, was wir gethan, Siehst du als rechter richter. 3. Viel gutes und barmherzigkeit Giebst du schon hier den frommen, Du schügest sie vor manchem leid, Darein die fünder kommen. So zeigest du vor aller welt, Daß dir der eifer wohlgefällt, Den man der tugend widmet. 4. Ja, herr, du liebst, was recht und gut, Und bist ein freund der frommen. Wer deinen willen gerne thut, Wird von dir aufgenommen, Sein werk und dienst gefällt dir wohl, Ist er gleich nicht, so wie er soll, Ganz rein von allen, fehlern. 5. Doch dem, der dich, o gott, nicht scheut, Dem frevelnden verbrecher, Der dein gesetz und recht entweiht, Bist du ein strenger råcher. Verachtung, elend, schmerz und hohn, Und tod ist seiner bosheit lohn Oft schon in dies sem leben. Gerechtigkeit Gottes. Mel. Es ist gewißlich an der zeit. 23. Gere erechter gott, 6. Der untergang der ersten welt, Die aus der art Muß alle welt sich stellen; geschlagen, Das feuer, das B vor dein gericht 18 Von den gåttlichen Eigenschaften insbesondere. auf Sodom fällt, egyptens kinder! Wer kann euch seinem lange plagen, Und andre fluch entziehn? Bermeßne wunder deiner macht, Sind stolze sünder! Er, welcher zeugen, wenn dein zorn er baut und auch zerbricht, Wie wacht, Wie du dem sünder leicht vertilgt er sünder nicht! lohnest. 3. Fragt jedes vorige ges schlecht, Geht, fraget eure våter! Ist er nicht machtig, nicht gerecht, Ein feind der übertreter? Wer hat noch ungestraft die macht, Die keine gränzen hat, verlacht? 7. Bleibt hier viel böses unbestraft. Viel gutes unbelohnet; So kommt ein tag der rechenschaft, Der keines fünders schonet. Da stellst du, herr! ins hellste licht, Wie recht und billig dein gericht; Dann triumphirt der fromme. 8. Gerechter gott! laß mich, wie du, Das gute eifrig lieben: Gieb selber mir die kraft dazu, Wirk inniges betrüben, Wenn sich die sund in mir noch regt; Dein herz, das lauter gutes hegt, Sey meines berzens muster. 9. Und weil vor dir, gerechter gott, Nur die allein bestehen, Die glaubig auf des mittlers tod Bey ihrer reue sehen, So laß mich die gerechtigkeit, Die mich von straf und schuld befreyt, Sm glauben eifrig suchen. Gott nie zu widerstreben, Auch, wenn ich darum leiden muß, Vor ihm gerecht zu leben; Es sey nun leben oder tod, Stets heilig sey mir sein gebot. 4. Wenn er, der wesen schöpfer, dráut, Erzittern alle welten. Die himmel, wenn sein wink gebeut, Bergehn vor seinem schelten. Die erde bebt vor seiner macht; Vor ihm wird seine sonne nacht. 6. Entseget euch, und be tet an Die macht, die leib und feele Verderben bis zur hölle kann, Daß noth und web sie quále! Uch! wer kann seine macht verstehn, Und sein Mel. Machs mit mir, gott, nach. s sey mein ernfte 24. licher entschluß, gebot und recht verschmähn? 7. Ich will ihn fürchten; nimmer will Ich ihm entge= gen streben; Oft duldet er, und schweiget still; Doch nur in diesem leben! diesem leben! Kommt nicht der tod? rácht sein ge= richt Dort unbeweinte funden nicht? 2. Emporet euch nicht wis der ihn, Der übertretung 5. Beschließt nur thaten, führt sie aus, Braucht, sunder, eure stärke, Beredet euch; doch wird nichts draus, Nur gott thut große werke. Versammlet, rüstet euch, vers sucht Vor ihm zu stehn, und gebt die flucht. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 19 Liebe und Güte Gottes. mit deiner vatertreu. Du urs 25. wohlthun hast du lust, Der quaalsucht harte triebe Sind deinem herzen unbewußt. Mel. Nun lob mein feel den. sprung aller gaben! Du weißt, gott! du bist die was uns gebricht; Und was liebe! Allein zum wir nöthig haben, Versagst du, gott, uns nicht. Vom wohlthun, das du übest, Sind unsre tage voll; Auch wenn du uns betrübest, Ges schiehts zu unserm wohl. Ganz ohne alle grånzen Ist deine gütigkeit, So weit die himmel glänzen, Uebst du barmherzigkeit. Du, herr, haft wohlgefallen An dem, was du gemacht, Und hast uns fündern allen Noch leben zugedacht. 2. 2lts du uns hießest wer: den, Da schufst du uns zum ewgen wohl. Nicht nur auf dieser erden Ist alles deiner güte voll; Auch in dem himmel droben Hat deine vater hand Uns gute aufgehoben, Die noch kein aug erkannt. Dorthin uns zu erheben, Ist stets dein wille, gott! Drum gab für uns sein leben Dein sohn selbst in den tod. 5. Wer sollte dich nicht lies ben? Du hast uns ja zuerst geliebt; Und bist uns treu geblieben, Wie viel wir wider dich verübt. Mit gnade uns zu segnen, Sft ewig deine luft; Mit dank dir zu begeg nen, Sey, herr, auch unsre lust. Laß uns, treu zu erfüllen, Was du befiehlst, nie ruhn. Wer sollte deinen willen Nicht gern, o vater, thun? 3. Wie groß ist deine gnade! Wer ist so reich an huld, wie du? Auch auf dem fünden pfade Siehst du uns voller langmuth zu. Du lockest uns zur buße; Und fällt voll reu und leid, Der fünder dir zu fuße, So ist ihm trost bereit. Du siehest Mel. Wer nur den lieben gott. auf uns armen Mit väterlicher huld, 26. So weit, herr, deine Und schenkst uns aus erbars men Die ganze sündenschuld. 4. Mit jedem neuen morgen Wird über uns dein wohlthun neu, Du kommst selbst unsern sorgen Zuvor himmel reichen, Reicht deine huld, die uns ers hält. Eh werden berg und húgel weichen, Als deine gnade wankt und fällt. Gleich máchtigen gebürgen steht Die hei ligkeit, die dich erhöht. B2 6. Wer hier auf deinen wegen Sich willig deinem dienste weiht, Den setzest du zum segen Schon bier, noch mehr in ewigkeit, Du krönest seine leiden Mit herrlichem gewinn, Und führest ihn zu freuden, 3u ewgen freuden hin. Wie theur ist deine gute! Gott, laß mich ihrer freun, und stets mein ganz gemüthe Voll deines ruhmes seyn. 20 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 3. Hoch ist der himmel über seiner erde; So groß ist auch, daß er geliebet werde, Die huld des herrn bey denen, die ihn lieben, Und gutes üben. 4. Wem bleibt sein antlik, wenn ers sucht, verborgen? So weit der abend sich ent= fernt vom morgen, Entfernt auch gott der sünde schuld und schmerzen Von unsern herzen. 5. So zärtlich sich ein vater seiner kinder Erbarmet, so erbarmt sich gott der sünder, Wenn sie von herzen sich zu ihm bekehren, Ihm treue schwören. 2. Gott, dir ist kein ge schöpf verborgen, Keins ist vor dir gering geacht, Du würdigst jedes deiner sorgen, Und bist auf aller wohl bes dacht. Vom menschen bis auf jedes thier, Dankt alles seiner hülfe dir. 10 3. Mit heilig freudigem gemüthe Erheb ich, gott der gnade, dich! Wie theuer ist doch deine gute! Wie liebst du uns so väterlich! Daß menschen ohne furcht und graun Im schatten deiner flügel traun! 4. Mit welchem reichen überflusse Von gütern füllest du dein haus! Du theilst sie allen zum genusse, Bis sie gesättigt werden, aus. Herr unsers lebens quelle fließt Aus dir, der du das leben bist. 5. Wir, unerschaffne sonne! schauen In deinem lichte nur das licht. Entzeuch doch denen, die dir trauen, Dein gnadenvolles antlitz nicht! Gott, deine huld sey über die, Die dich verehren, schüße sie! Mel. Wend ab deinen zorn. 27. Jauch auchzt unserm gott! er ist von großer güte, Barmherzig und von duldendem gemüthe. Er zürnt nicht ewig, will mit seinen knechten Nicht ewig rechten. 6. Er schlägt und heilt; verwundet, läßt genesen, Er weiß, der mensch ist ein zerbrechlich wesen; Er denkt daran, daß das geschöpf aus erde Bald asche werde. 7. Uch! er ist gras, er blüht, wie blumen blühen; Die winde wehn darüber, sie verblühen, und ihre ståtte wird, nach wenig stunden, Nicht mehr gefunden. 8. Von ewigkeit zu ewigkeiten währet Die gute gottes jedem, der ihn ehret. Ach! leite denn auch mich auf deinem pfade, Du gott der gnade. 9. So werd ich ewig deiner huld genießen, So wird mein leben sanft vor dir verfließen! So werd ich dort mit allen engelchören Dich fröhlich ehren. 2. Er handelt nicht mit uns nach unsern fünden, Und läßt verschonend uns das nicht empfinden, Was wir, Eigene Melodey. weil wir ihm unfer herz nicht 28. Wie groß ift bes gaben allmächtgen. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 21 güte! Ist der ein mensch, den fülle, Stell ich sein bildniß fie nicht rührt? Der mit ver- in mir her. Lebt seine lieb härtetem gemüthe Den dank erstickt, der ihr gebührt? Nein, seine liebe zu ermessen, Sey ewig meine größte pflicht. Der herr hat mein noch nie vergessen; Vergiß, mein herz, auch seiner nicht. in meiner feele, So treibt sie mich zu jeder pflicht, Und ob ich schon aus schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die sünde nicht. 6. O gott, laß deine gut und liebe, Mir immerdar vor augen seyn! Sie stark in mir die guten triebe, Mein ganzes leben dir zu weihn, Sie tróste mich zur zeit der schmerzen, Sie leite mich zur zeit des glücks, Und sie besieg in meinem herzen Die furcht des letzten augenblicks. Langmuth und Geduld Gottes.ja met. Un Wasserflüssen Babylon. 29. Getreuer gott! wie viel geduld Ers zeigest du uns armen! Wir häufen täglich unsre schuld; Du háufest dein erbarmen. Was ist des menschen lebenss lauf? Er ist verderbt von jugend auf, Sein sinn ist dir entgegen, Und doch, o vas ter, suchst du ihn Von seinen fünden abzuziehn, 3ur reue zu bewegen. 2. Der menschen elend jams mert dich; Selbst, wenn sie sich verstocken, Willst du sie dennoch väterlich Durch gute zu dir locken. Wie lange sahst und riefest du Nicht ehmals deinem volke zu, Daß sich ihr herz bekehrte! Wie trugst du nicht so lange zeit Die erste welt mit gütigkeit, Eh sie die fluth verheerte! 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der gott, der meis ner nicht bedarf. Wer hat mit langmuth mich geleitet? Er, dessen rath ich oft verwarf. Wer stärkt den frieden im gewissen? Wer giebt dem geiste neue fraft? Wer läßt mich so viel glück genießen? Jsts nicht sein arm, der alles schafft. 3. Schau, o mein geift, in jenes leben, 3u welchem du erschaffen bist, Wo du, mit herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein recht zu diesen freuden, Durch gottes gute sind sie dein; Sieh darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig seyn! 4. Und diesen gott sollt ich nicht ehren? Und seine gute nicht verstehn? Er sollte rufen; ich nicht hören? Den weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein will ist mir ins herz geschrieben, Sein wort bestårkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben, Und mei nen nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein dank, dies ist sein wille: Ich soll vollkommen seyn, wie er. So lang ich dies gebot er: 22 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 3. So giebst du fündern und kraft, Und nach vollzeit und raum, Der strafe zu brachter pilgrimschaft, Sieg, entgehen. Du läßt den uns ruhe, freud und leben. fruchtbaren baum Nicht ohne pflege stehen, Du wartest sein, du suchest frucht, Und wenn du gleich umsonst ges sucht, Hörst du nicht auf zu bauen. Du schonest sein von jahr zu jahr, Dein vaterherz hofft immerdar, Noch frucht von ihm zu schauen. 7. Laß diese langmuth und geduld, Gott, unsre herzen rühren! Nie müsse deine vas terhuld 3ur sicherheit uns führen! Trag uns erbarmend fernerhin; Doch gieb uns auch dabei den sinn, Daß wir die sünde hassen, Und uns noch in der gnadenzeit Den reichthum deiner gútigkeit Zur buße leiten lassen. 4. Gerechter gott! so große huld Bezeigst du frechen fündern, Und wie viel nachsicht und geduld Hast du mit deinen kindern! Sie werden ja, wenn fleisch und welt Hier Wahrheit und Treue Gottes. Mel. Wer nur den lieben gott. ihnen häufig neke stellt, ft 30. noch nie haft du sicher, matt und tråge, Sie straucheln, sie vergehen sich, Sie fallen oft, verlassen dich Und deine heilgen wege. 5. Verdienen die nicht fluch und tod, Die dich, o vater, fliehen? Mit wie viel recht könntst du nicht, gott, Dich ihnen ganz entziehen? Doch nein, das kann dein herze nicht, Dein herz, das aus erbarmen bricht, Wenn deine kinder fehlen; Es hat geduld, es denkt daran, Wie leicht der mensch sich irren kann, Und wacht für ihre seelen. 6. Du warnest sie vor der gefahr, So oft fie irre gehen, Reichst ihnen hand und stärke dar, Von sünden aufzustehen, Du trågest sie mit vaterhuld, Bist willig, ihre sündenschuld Durch Christum zu vergeben, Schenst ihnen glauben, geist brochen, Nie deinen bund, o gott, verleht! Du hältst getreu, was du versprochen, Vollführst, was du dir vorgesetzt. Wenn erd und hims mel auch vergehn, Bleibt ewig doch dein wort bestehn. 2. Du bist kein mensch, daß dich gereue, Was uns dein mund" verheißen hat. Nach deiner macht, nach deiner treue, Bringst du, was du versprichst, zur that. Scheint die erfüllung gleich noch weit, So kommt sie doch zu rechter zeit. 3. Und wie du das unfehlbar giebest, Was deine lieb uns zugedacht; So wird, wenn du vergeltung übest, Dein drohwort auch gewiß vollbracht. Wer dich, o gott, beharrlich haßt, Fühlt deiner strafe schwere laft. 4. D! drücke dies tief in mein Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 23 herze, Daß es vor deinem wort wahrheit, trüget nicht, Was sich scheut. Gieb, daß ich nie er saget, das geschicht. leichtsinnig scherze Mit deiner 3. Seine gnade soll nicht strafgerechtigkeit. Nie werde das von mir gewagt, Was dein befehl mir untersagt. weichen, Wenn gleich alles bricht und fällt; Sie foll ihren zweck erreichen, Den sie ewig sich gestellt. Ist die welt voll heucheley; Gott ist fromm, gut und getreu. 5. Doch laß mich auch mit festem glauben Dem worte deiner gnade traun. Wer kann den trost uns jemals rauben, Den wir auf dein versprechen baun? Du bist ein fels, dein bund steht fest, Wohl dem, der sich auf gott verläßt! 4. Will die welt den fries den brechen, Hat sie krieg und streit im finn; Gott bält immer sein versprechen, Shm vertraun ist stets gewinn. Denn er bleibet immerdar, Was er ist, und was er war. 6. Wie start sind unsers glaubens gründe! Hier ist dein wort, das niemals trügt. Und daß dies allen beyfall finde, Hast du den eid hin: zugefügt, Wahrhaft'ger! was dein mund beschwört, Ist völlig unsers glaubens werth. 5. Laßt sein antlig sich verstellen; Ist sein herz doch treu gefinnt, Und bezeugt in allen fällen, Ich sen sein geliebtes kind, Dem er beide hånde reicht, Wenn auch alle hoffnung weicht. 7. Laß, seele, laß dich dies beschämen. Vertraue gott, der treu es meynt. Such ihn zum muster anzunehmen;" Der wahrheit freund, der lügen feind, Beweise dich, als gottes kind, Dem treu und wahr heit heilig sind. Mel. Alle welt, was lebt. 31. Wicht eicht, ihr berge! fallt, ihr hügel! Berg und felsen stürzet ein; Gottes treu hat dieses siegel, Sie soll fest und ewig seyn. Laßt den weltkreis untergehn; Gottes gnade muß bestehn. 2. Gott hat mir ein wort gesprochen, Seinen bund mit mir gemacht, Der wird nimmermehr gebrochen, Bis er alles hat vollbracht. Er, die 6. Er will friebe mit mit halten, Wenn sich schon die welt emport; Shre liebe mag erkalten, Ich bin seinem her. zen werth. Und wenn höll und abgrund brüllt, Bleibt doch er mir sonn und schild. 7. Er, der herr, ist mein erbarmer, So hat er sich selbst genennt; Welch ein trost! nun werd ich armer Nimmermehr von ihm getrennt. Sein ers barmen läßt nicht ihn Sich mir jemals ganz entziehn. 8. Nun so soll mein ganz vertrauen Unbeweglich auf ihm ruhn. Felfen will ich auf ihn bauen, Was er sagt, das wird er thun. Erd und h m mel kann vergehn, Doch sein bund bleibt ewig stehn. 24 Von der heiligen Dreyeinigkeit. ir Mel. Wir glauben all an einen. unser gott und vater, dir, unter uns erschallen. Laß unser lob dir wohlgefallen! Laßt, menschen, seiner lieb uns freun, Und ewig, ewig dankbar seyn. Lobsingt ihm, christen, unsre brüder, Fallt vor dem gott der liebe nieder, Und betet an! und betet an! 32. an den ein'gen gott, Schöpfer himmels und der erden! Er, aller vater, unser gott, hieß uns seine kinder werden. Er will uns auch stets ernähren, Jedes wahre gut gewähren. Er erwog schon, eh wir waren, Unsre rettung in gefahren. Er ists, der für uns sorgt und wacht, Und alles steht in seiner macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, Gottes sohn, den eingebornen, Den herrn, der mensch geworden ist, Den erretter der verlornen. Er, er achtete sein leben Nicht zu theur für uns zu geben. Er erstand, herrscht, hoch erhó. het, In dem reich, das nie vergebet. Er läßt auch uns im grabe nicht, und kommt dereinst zum weltgericht. 3. Wir glauben an den heilgen geist, Unsern göttlichen regierer, Den Jesus Christus uns verheißt, Uns zum beystand und zum führer! Der in trübsal seine christen Eilt mit muth und kraft zu rus sten, Der uns lehrt vergebung finden, Und der tugend werth empfinden. Er flößet uns im todesschmerz Des ewgen lebens trost ins herz. 2. Er hat uns gemacht! wir sind sein! Du bist die lieb' und wir sind dein! Wie groß und viel sind deiner werke, Du gott der allmacht und der stårke! Dein ist der erdkreis, und in dir, O höchster, sind und leben wir. Du schufest seraphim und thronen, Und uns, die auf der erde wohnen, Uns sterbliche! uns sterbliche! 3. Der heilige schont unfrer schuld, Und trägt uns fünder mit geduld Auf seinen väterlichen armen; Mit unergründlichem erbarmen Verkürzt er unsre prüfungszeit, Und lohnet uns mit seligkeit; Er überschüttet uns mit freuden, Und schickt zu unserm heil uns leiden, Der gnå: dige! der gnädige! 4. Anbetung und dank, Christe, dir! Verlorne fünder waren wir; Du bist, ein fluch für uns, gestorben, Hast ewig uns das heil erworben. Wer zu dir fliehet, an dich glaubt, Mel. Komm, heilger geist. Und, lockt die sünd ihn, treu [ nbetung und dank dir bleibt, Der soll, befreyt bringen wir, Herr, vom fluch der fünden, Erbar33. Von der heiligen Dreyeinigkeit.. 25 mung, gnad und leben finden, recht und wahrheit sey mein In ewigkeit, in ewigkeit! trus; Dein licht erfreu mich armen, 3um lobe deiner gnade. 5. Gelobet feyst du, geift des herrn! Wir waren einst von Christo fern, Entfernt von dir und von dem leben, Mit finsternissen ganz um geben; Du hast durch deines wortes macht auch uns zum licht aus gott gebracht; Du lehrst uns leben, hilfft uns sterben, Und weihest uns zu himmelserben Durch Christi tod, durch Christi tod! 3. Laß mich auch deinen lieben sohn In deinem licht erkennen, Daß er sey unser gnadenthron Und ewig heil zu nennen; Ein wahrer mensch, und doch mit dir auch gott von gleichem wesen, Das licht vom licht, durch welches hier nun alle wohl genesen, Die durch die fund erstorben. 4. Denn drum ist er, das höchste gut, Vom himmelsthrone kommen. Das ewge wort hat unser bluf Und fleisch an sich genommen, Daß es vom menschlichen geschlecht Ungnad und fluch abkehrte, Den segen aber wiederbråcht, Der uns sonst nicht gehörte, Durch thun und auch durch leiden. 5. Ja, Jesu! du, du bist der weg, Der uns zum himmel führet; Laß mich den eingen glaubenssteg So gehn, wie sich's gebühret. Sey meine wahrheit, welcher ich Von ganzem Herzen glaube, Sey mir das leben, auf daß mich Nicht tod und hölle raube; D meines lebens leben! 6. Anbetung und dank bringen wir, Dreyeiniger, Jehovah, dir! Es müsse je des land der erden Stets deiner herrlichkeit voll wer: den! Wie selig, wie begna: digt ist Ein volk, deß zuversicht du bist! Jehovah! dei nem großen namen Sey ewig ruhm und ehre! amen! Hallelujah! Hallelujah! Mel, Christ, unser herr, zum. 34. heiliger, gerechter gott! Entdecke meiner seele Dich, wie du bist, und dein gebot, Damit sie dich nur wähle. Denn sie kann dich nicht von natur Erkennen, noch dich lieben; Ach zeige mir dazu die spur, Wie ich mag beides üben Nach deinem wohlgefallen. 2. Gieb, vater! daß ich deine macht und liebestreu anbete, Auch deine weisheit wohl betracht, Und kindlich vor dich trete. Gieb deine allmacht mir zum schuß, Zum labsal dein erbarmen. Dein 6. Laß mich, o höchste majestät! Den heilgen geist auch ehren, Der von dir und dem sohn ausgeht, Und uns durchs wort will lehren. Ach! laß denselben seyn mein licht, Mich irrenden zu leiten; Und wenn es mir an muth ge= bricht, Mit tröstung stehn 26 Von der heiligen gur seiten, und mich in schwachheit stärken. 7. Laß ihn, o herr! mich allezeit Zu seinem tempel weihen, und mit rechtschaffner heiligkeit mein herze benedeyen; Laß ihn die sündliche natur Stets bessern, daß auf erden zu einer neuen crea: tur Ich mag bereitet werden, Und so dein erb' erlangen. Dreyeinigkeit. 3. Jesu! ewger gottessohn! Du heil, darauf wir hoffen. Durch dich steht zu des vaters thron Der weg uns wieder offen. Uns zu befreyn von sünd und tod, Kamst du zu uns auf erden. laß 8. So gieb uns, der du heilig heißt, Dich, den wir vater nennen, Sammt deinem sohn und heilgem geist Im glauben zu erkennen. Weil dich erkennen, wie du bist, Und deine liebe schmecken, Des ewgen lebens vorschmack ist; Bis du uns wirst entdecken Das volle licht im schauen. Mel. Es woll uns gott genådig. 35. H err, unser gott, wer ist dir gleich? Du bist das höchste wesen; Und doch hast du, an gnade reich, Uns dir zum dienst ers lesen. Gemeinschaft sollen wir mit dir, Du allerhöchster, haben. Mit deinem heil willst du uns hier Und ewig einst begaben, Du quelle alles se: gens! 2. Wir beten dich, o vater! an. Sind wir gleich vor dir sünder; So nimmst du dich doch unser an, Wie våter ihrer kinder. Du hast für uns aus großer huld Selbst dei nen sohn gegeben. Dein herz. voll gute und geduld, Verleih uns trost und leben, Daß wir dich findlich fürchten. uns, unser herr und gott! Froh deines segens werden, Und dir im glauben dienen. 4. heilger geist, du geist von gott! Wehr in uns dem verderben! Im glauben an des mittlers tod Hilf uns der sünde sterben! Du giebst zum guten lust und kraft; Laß es uns stets erfahren! Stárk uns in unsrer pilgrimschaft, Bewahr uns vor gefahren, Laß uns dir willig folgen. 5. Laß, gott, uns dein auf erden schon, Als unsers gottes freuen. Herr, segne uns von deinem thron, Daß wir vor dir gedeihen! Dein ist das reich, die herrlichkeit; Dir wollen wir hier leben. Und du wirst nach vollbrachter zeit Uns einst dahin erheben, Wo wir dich ewig schauen. Mel. Allein gott in der höh sey. 36. ein gott in der höh sey ehr Und dank für seine gnade! Sein auge wacht rings um uns her, Daß uns kein unfall schade; Der herr vergiebt uns unsre schuld, Mit wohlgefallen und voll huld Sieht. er uns vor ihm wandeln. 2. Wir preifen deines nas mens ruhm, Wir beten an Von der heiligen Dreyeinigkeit. 27 und danken; Der erdkreis ist Für uns am freuz gestorben; dein eigenthum, Dein reich Bersöhnung ist uns nun hat keine schranken. Wer mißt die größe deiner macht? Was du gebietest, wird voll bracht; Wohl uns, daß gott uns schüket! 3. D. Jesu Christe, gottes sohn, Für uns am kreuz gestorben! Erbarmung gottes ist der lohn, Den uns dein tod erworben. Versöhner, heilger herr und gott, Nimm an die bitten unsrer noth; Erbarm dich unser aller! 4. O, heilger geist, du höchstes gut, 3um tröster uns gegeben! Laß uns, erlöst durch Christi blut, Werth der erlösung leben. Stårk uns im leiden und in noth, Versüß uns einst den herben tod, Und laß uns sanft entschlafen. Durch deinen tod erworben, Sohn gottes, unser heil Und unfer schuß bey gott, Ers barme dich, nimm an Die bitten unsrer noth. 4. heilger geist, zum trost Des glaubens uns ges geben! Laß uns, durch dich regiert, Werth der erlösung leben. Führ uns auf ebner bahn, Und stárk uns in der noth, Und leit uns fromm und sanft Ins leben durch den tod. 5. Gott vater, ewig soll Dich unser dank erheben! Sohn gottes, dir geweiht Sey unser tod und leben! Leit uns, du geist des heils! Wir sind dein eigenthum; Dir sey, dreyein'ger gott, Anbetung, preis und ruhm! Mel. Nun danket alle gott. 37. Gott ott in der höh sey Mel. Herr Jesu Christ, meins. reyein'ger gott, ehr, dank für feine gnade! Sein auge 38. De preise dico Dreyein'ger wacht für uns, Daß uns kein unfall schade. Der herr verwirft uns nicht, Vergiebt uns unsre schuld, Und blickt auf uns herab Mit våterlis cher huld. ich Mit mund und herzen innigs lich! Denn deine gnade, güt' und treu Ist über mir, herr, táglich neu. 2. Wir preisen deinen ruhm, Wir beten an und danken; Dein ist die erde, gott! Dein reich hat keine schranken; Erbarmung ist dein rath, Und wohlthun deine macht; Wohl uns, daß über uns Dein vaterauge wacht! 2. Laß, vater, stets dein kind mich seyn! Schließ stets in deine huld mich ein! Sohn gottes, dein so theu= res blut Komm noch im tode mir zu gut. 3. Jesu, gottes sohn! 3. Gott heilger geist, vers laß mich nicht, So oft vers suchung mich anficht! Sey du mein beystand allezeit Und leite mich zur seligkeit. 28 Von der Schöpfung. Mel. Es ist das heit uns kommen. mensch, der schöpfung ruhm und preis, Ist sich ein tåglicher beweis Von deiner gut und größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein geist, Erhebe seinen namen! Gott! unser vater, sey ge= preist, Und alle welt sag: amen! Und alle welt fürcht' ihren herrn, Und hoff auf ihn, und dien' ihm gern! Wer wollte gott nicht dienen? 39. enn ich, o schdpfer! deine macht, Die weisheit deiner wege, Die liebe, die für alle wacht, Anbetend überlege; So weiß ich, von bewundrung voll, Nicht, wie ich dich erheben foll, Mein gott, mein herr und vater! 2. Mein auge sieht, wohin es blickt, Die wunder deiner werke. Der himmel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, Mel. Wer nur den lieben gott. du gott der stårke! Wer hat 40. gott bes hims die an ihm erhöht? kleidet sie mit majestát? Wer ruft dem heer der sterne? mels und der erden! Der du allgegenwärtig bist, Bon niemand kannst begriffen werden, Da niemand dir verborgen ist, Ach! ziehe meinen sinn zu dir, Und offenbare dich in mir. 3. Wer mißt dem winde seinen lauf? Wer heißt die himmel regnen? Wer schließt den schooß der erde auf, Mit vorrath uns zu segnen? D gott der macht und herrlich Feit! Gott! deine gute reicht so weit, So weit die wol ken reichen. 2. Wohin ich herz und augen lenke, Da find ich deiner gottheit spur. Wenn ich voll andacht überdenke Dein werk, die prachtige natur, So ruft mir alles, alles zu: Wie groß ist gott, wie klein bist du! 4. Dich predigt sonnenschein und sturm, Dich preist der sand am meere. Bringt, ruft auch der geringste wurm, Bringt meinem schöpfer ehre! Mich, ruft der baum in seiner pracht, Mich, ruft die faat, hat gott gemacht; Bringt unserm schöpfer ehre! 5. Der mensch, ein leib, den deine hand So wunderbar bereitet, Der mensch, 4. Herr gott! wie groß ein geist, den sein verstand ist deine liebe! Die erd' ist Dich zu erkennen leitet, Der deiner gute voll. D, gieb 3. Uns zeigen alle elemente, Macht, gut' und weisheit überall. S! wenn das stumme reden könnte, Wie groß wår stets der jubelschall: Rühmt, menschen, gottes gut' und macht, Der uns für euch hervorgebracht! Von der Schöpfung. 29 mir deines geiftes triebe, bereitet, Weit, wie ein tep= Daß ich dich preise, wie ich soll! Nimm, was ich kann, und hab', und bin, 3u deinem dienst auf ewig hiu. pich, ausgespannt, Und dir zum ruhm verbreitet; Du, der im höchsten himmel thront, Du schufft die sterne, schufst den mond, Uns in der nacht zu leuchten! 5. Hilf, daß die güter die ser erden, Mich zu dir locken, höchstes gut! Daß sie mir nicht zum fallstrick werden, Der, statt des nußens, scha= den thut, Laß allen mißbrauch ferne seyn, Mein schak und ziel sey du allein. 6. Hier ist mein leben eine reise, Hier geht mein weg zur andern welt; Drum mache du mich fromm und weise, Daß ich hier thu, was dir gefällt. Und end ich diesen kurzen lauf, So nimm in deine rnh mich auf. 4. Den menschen hast du, herr, gemacht! Von dir hat er sein leben; Du hast durch deine gut und macht Ihm, was er bat, gegeben! Was ist vor dir, o gott, was ist Der mensch, daß du so gnås dig bist, Ihn deiner würdig achtest? 5. Du hast ihn mit vers stand geziert, und freyheit ihm verliehen; Ihn hast du in die welt geführt, Sum himmel ihn zu ziehen! Er ist so wohl, o herr! dein find, 21s es die höhern engel sind, Du liebst ihn wie ein vater! Mel. Es ist das heil uns kommen. 41. Die herrlich bist du, Wie gott! du bist Unendlich gut! wir finden Dich, der unendlich gütig ist, Wo wir nur sind; empfinden, O herrscher, deine majestát, Daß erd und himmel dich erhöht, Erfüllt von deiner gute. 2. Der jungling, schweigt von dir nicht, ohne dich nicht wäre, fäugling, großer schöpfer, 7. Wie herrlich bist du! spricht Von deiner macht und gott! du bist Unendlich gut! ehre! Von allem, was ich wir finden Dich, der unend.. seh vor mir, Erschallen lo- lich gütig ist, Wo wir nur beslieder dir, O vater aller find; empfinden, herra dinge. herr, Der Der 3. Die himmel sind von deiner hand, Die alles hat scher, deine majestát, Daß erd und himmel dich erhöht, Erfüllt von deiner gûte. 6. Stimmt, menschen, lobs gesänge an, Daß gott erhö-. het werde, Gott, der uns alles unterthan, Was ist und lebt auf erde! Wie viel ist hier, das uns erquickt, Wie sehr sind wir durch dich bes glückt! Was kannst du mehr uns schenken! 30 Von den Mel. Herzlich thut mich verlangen. 42. Gott, Engeln. Und jeder drångt sich eilig, meines le: So bald gott winket, vor. bens Du 6. Wie manches wort der herr der ganzen welt, Der so viel tausend geister Um seis nen thron bestellt! Wie herrlich mußt du wohnen! Wie groß mußt du nicht seyn, Da cherubim und thronen Sich deinem dienste weihn! 2. Mir ist es noch verbor. 7. Mein gott! sey hoch ges gen, Was diese geister sind, priesen, Daß du der armen Bis daß heut oder morgen welt Die wohlthat hast er= Ich, dein geliebtes kind, wiesen Und engel uns bes allen seraphinen In jenem stellt, Die uns auf unsern hellen licht Dir ewig werde wegen Hülfreich zur seite dienen Vor deinem angesicht. it stehn, Wenn wir, o herr, um segen Und hülfe zu dir flehn. 3. Von keinem leib bedecket, Sind sie ganz kraft und geist; Von dem ganz unbeflecket, Was schwach und sterblich heißt. Ihr wissen übersteiget Den menschlichen verstand, Weil ihnen gottt sich zeiget, Wie ihn kein mensch erkannt. 8. Die zeit wird auch einst kommen, Da ich verklárt und rein, Und aller angst ent= nommen, Bey engeln werde seyn; Dann schaut in ihre chóre Mein hoher lobgesang, Und bringt dir ewig ehre, Anbetung, preis und dank. 4. Sie leben frey von sünde Bey gott, und ältern nicht; Sind wachsam und geschwinde, Geschmückt mit glanz licht. schwachet ihre stárke, Sie dürfen niemals ruhn; Und das sind ihre werke, Den willen gottes thun. freude That uns ihr froher mund, 3um trost in unserm leide, Auf gottes rathschluß fund! Sie waren Christi bos ten, Da er geboren ward, Und aufstand von den todten, Und bey der himmelfahrt. 5. Sie sind die hochvertrauten Des herren zebaoth, Die ihn von anfang schau: ten, Ihn, den verborgnen gott. Ihr heilig, heilig, beilig, Entzücket jedes ohr, Mel. Nun ruhen alle wålder. 43. Du herr der feras phinen, Dem tausend engel dienen, Stets zu gebote stehn! Gott, aller wesen meister, Und vater aller geister! Mein mund soll deinen ruhm erhöhn. 2. Die machte und die thronen, Die in dem himmel wohnen, Giebst du zu meis ner wacht! Sie schaun im hellen lichte Dein herrlich Von den Engeln. angesichte, Doch nehmen sie auch mich in acht. 3. Ich preise deine gute Mit dankbarem gemüthe Für deiner engel schaar. Das menschliche geschlechte schüßet deine rechte Durch Beihren beystand in gefahr. 4. ihren mich decken, Wenn angst und noth 44. starte rechte Bu Mel. Werde munter, mein. dessen mich schrecken, Daß mich kein leid betrübt. Ich sey in meinem Leben von ihnen stets umgeben, Bon ihnen immerdar geliebt. 5. Doch sollen sie nicht weichen, So laß mich ihnen gleichen An wahrer heiligkeit. Wie sie die kinder lies ben, Und wahre demuth üben, So mach auch mich dazu bereit. 6. Sie thun ja beinen willen; Den laß auch mich erfüllen. Sie leben heilig, rein; laß mich schon auf erden, Auch ihnen ähnlich werden, Stets diese reinen geister scheun. 31 8. Wenn ich denn endlich scheide, So führe mich zur freude Auf ihren hånden ein; Da werd ich dich erst loben, Und in dem himmel droben Dir und den engeln ähnlich seyn. 7. Hilf aug und herz bezähmen, Kein ärgerniß zu nehmen, Lehr mich behutsam seyn, Nie durch ein sündlich leben Dem nächsten anstoß geben; Denn dieses stürzt in ewge pein. flucht, schirm und schatten giebt, Der das menschliche geschlechte Wie ein treuer vater liebt, Der in dieser großen welt Alles, was er schuf, erhält, Der als herr uns in gefahren Mächtig kann und will bewahren! 2. Biele tausend seraphis nen Jauchzen und lobsingen dir. Dich zu loben, dir zu dienen, Sind sie willig für und für. Aber auch auf uns zu sehn, Und uns schwachen beyzustehn, Sind sie, wenn du winkest, fertig, Und den deinen gegenwärtig. 3. Gott der engel! gott der welten! Ach was sind wir menschen doch, Daß wir so viel vor dir gelten? O wie hältst du uns so hoch! Deine engel dienen uns, Und sind zeugen unsers thuns. Laß uns einst in ihren choren Ewig dich im himmel ehren. 32 Von der göttlichen Vorsehung. Mel. Mein herz und seet' den. ott ist mein lied! 45. er ist der gott der stårke; Herr ist sein nam' und groß sind seine werke. So weit der weltbau reicht, geht sein gebiet, Nichts ist, das er nicht schafft, und kennt und sieht. 2. Er will und sprichts; so sind und leben welten, Und er gebeut; so fallen durch sein schelten Die himmel wieder in ihr nichts zurück! Ohn ihn vergeht die erd' im augenblick. 3. Licht ist sein kleid, und seine wahl das beste. Er herrscht als gott, und seines thrones feste Ist treue, wahr heit und gerechtigkeit, Und was er thut, ist gnad und gütigkeit. 4. Ein unerschöpflich meer von seligkeiten, Ohn anfang gott, und gott in ewgen zeiten! Herr aller welten! wer, wer ist dir gleich? Wer herrscht, wie du, im unum: schränkten reich? forscht und kennt, was jeder thut, Prüft das verborgne, richtet weif' und gut. 7. Er siehet dich, du fizest oder gehest; Ob du ans meer, ob du gen himmel flóhest, So ist er da, ist allenthalben da, Im licht und dunkel bleibet er dir nah. 5. Was ist und war, im himmel, erd' und meere, Das Kennet gott, und seiner werke heere Sind jetzt und ewig vor ihm offenbar; Er hält und nährt, was ist, was wird und war. 8. Er kennt mein herz, und allen rath der seele, Er weiß, wie oft ich gutes thu und fehle; Auch meine noth sieht er, und hört mein flehn, Und eilet dann, mir gnädig beyzustehn. 9. Er wog mir tar, was er mir geben wollte, Schrieb auf sein buch, wie lang ich leben sollte; Noch eh' ich war, eh' meine augen sahn, Entwarf er huldreich meines schicksals plan. das 10. Nichts, nichts ist mein, gott nicht angehöre. Herr, immerdar soll deines namens ehre, Dein lob und preis in meinem munde seyn! Denn alles, was ich bin und hab, ist dein. 11. Wer kann die zahl von deinen wundern fassen? Ein jeder staub, den du hast werden lassen, Der creaturen heer und ihre pracht Verfúndiget des großen schdpfers macht. 6. Er ist um mich, schafft, 12. Der kleinste wurm ist daß ich sicher ruhe, Er deiner weisheit spiegel. Du, schafft, was ich vor oder luft und meer, ihr auen, nachmals thue, Und er er- thal und hügel, Der bäume Von der göttlichen Vorsehung, 33 wuchs, und selbst der kleinste lieben, Noch eh wir sind, und halm, Ihr send sein lautes loblied und sein psalm. hast Nie lust, uns zu betrů: ben; Doch schickst du eine last, So bleibst du mitleidsvoll, Hilfst liebreich deinen kindern, Sie tragen und ver= mindern, Beförderst stets ihr wohl. 13. Du trånkst die erd', und schaffest grüne weiden, Und nacht und tag, und korn und wein und freuden Empfangen wir aus deiner vaterhand; Voll früchte machst du, schöpfer, unser land. 14. Kein sperling fällt, herr, ohne deinen willen; Sollt ich mein herz nicht mit dem trofte stillen, Daß deine hand mein Leben mir erhält, Und nur geschieht, was dir, herr, wohlgefällt? 15. Sft gott mein schuß, will gott mein retter werden, So frag ich nichts nach himmel und naerden, So biet' ich jedem eind und unfall truß, Und lebe sicher durch der allmacht schutz. 4. Es hat in meinem leben Mir diese zuversicht Stets neue kraft gegeben, Und fehlt noch jeho nicht. Wenn ich bekümmert war, So seufzt ich, und ward stille, Und dein stets guter wille Entriß mich der gefahr. gen. Ach, vater, wie vermag Mein dürftiger verstand Das gute zu erheben, Daß du in meinem leben Mir huldreich zugewandt! 3. Du fångst uns an zu 5. Dein name sey gepriesen, Der jederzeit an mir So herrlich sich erwiesen! Mein herz und mund soll dir, Du retter aus gefahr! Mein schuldig opfer bringen, Von deiner gute singen JeHund und immerdar. 6. Du hast mir wohl ge rathen, Und lauter guts ges than; Daß deiner liebe tha: ten Sch nicht gnug rühmen kann. Hilf, vater, daß ich dort, Verklärt und ganz vollkommen, mit allen deinen frommen Dir danke fort und Mel. Bon gott will ich nicht. 46. Gott! oft! der an allen enden Biel gros Be wunder thut, In dessen treuen hånden Mein ganzes leben ruht, Der in der průfungszeit Mit jeden meiner tage, Mein glück und meine fort. plage, Bestimmt von ewigkeit. 2. Da ich noch tief ver- Mel. Es ist das heil uns komm. borgen Sm mutterleibe lag, 47 it, unfer gott, über gleich Sm himmel und auf erden; Du bist der höchste, und dein reich Kann nie begriffen wer: den. Unendlich ist die majestát, Die über alle dich erhöht, Die kron und scepter tragen. ( S 34 Von der göttlichen Vorsehung. 2. Wie weit erstreckt sich der vertritt, Den du für dein gebiet! Wo ist der, der mich gegeben. Mein Jesus, es messe? Wohin auch nur welcher für mich litt, Ermein auge sieht, Da seh ich warb mir recht zum leben. deine größe. Weit über alle Sein tod macht mich vom himmel weit, Geht deines zweifel frey, Ob ich der gnareiches herrlichkeit; Du herra de fähig sey. Auch mich hat schest über alles. er versöhnet. 3. Du herrschest weislich, recht und gut, Nach heiligen gesehen. Du willst auch dei ner treuen hut Das kleinste würdig schätzen. Auf alles geht dein augenmerk, Und immer ists dein liebstes werk, 3u segnen, zu beglücken. 4. Wie recht ist, höchster! dein gericht, Der du die wahrheit liebest! Wie unpars thenisch bist du nicht, Wenn du vergeltung übest? Du handelst stets nach billigkeit, In dieser und der künftgen zeit, Beim strafen und belohnen. 5. Wohl uns, daß du das regiment, Gott! über alles führest, Uno wohl dem, der den zweck erkennt, Dazu du uns regierest! Sch, dein geringster unterthan, Herr, bete dich in demuth an. D! sich auf mich in gnaden! 6. Ich bin verderbt und schuldenvoll, Und auf dem tugendwege Nicht stets so eifrig, wie ich soll, Bin oft zum guten tråge! Doch du bist gnädig und voll huld Vergiebst du reuenden die schuld; Drum hoff auch ich vergebung. 7. Ich hoff es, weil mich 8. Herr, ewig Toll ich dei: nen ruhm Mit lob und dank erheben. Dir will ich, als dein eigenthum, Mich ganz zum dienst ergeben. Mit lust will ich bis in den tod Nach beinem heiligen gebot Durch deinen beistand wandeln. Mel. Wend ab deinen zorn. ist herrlich; 48. ein reich, o gott! ewig währen De eich und deine macht, die wat verehren. Und ewig wird von aller völker zungen Dein lob besungen. 2. Der herr bewahret alle, welche fallen; Der höchste hilft den unterdrückten allen, Und eilt, mit heil die, die um heil ihn bten, 3u überschütten. 3. Nach dir, gott, schauen aller wesen blicke, Daß deine hand sie väterlich erquicke; Du giebst auch einem jeden seine speise, Daß er dich preiſe. 4. Herr, du erhältst mit deinem wohlgefallen, Was lebt; thust deine hand auf, und giebst allen, Was sie bedürfen, keiner sucht verges bens Dich, quell des Lebens. 5. In allen wegen gottes Von der göttlichen Vorsehung. 35 strahlet gnade; Untadelhaft kannst viel tausend wege fins sind alle seine pfade, Und was er thut, gereicht zu seinem preise, Ist gut und weise. den, Wo die vernunft nicht einen sieht. Aus finsterniß bringst du das licht, Du sprichst, o gott, und es ges schicht. 6. Der herr ist nahe des nen, die ihn bitten, Die ernstlich ihn um seine hülfe bitten. Er thut, was die gerechten, die ihn ehren, Von ihm begehren. 7. Der herr behütet alle, die ihn lieben; Die aber, die gewalt und frevel üben, Verfolgt er, daß er sie zum fluche mache, Mit seiner rache. 8. Auf ewig will ich seis nen namen loben, Bon allen menschen werde gott erhoben! Was lebet, müsse, herr, zu allen zeiten Dein lob aus: breiten. Mel. Wer nur den lieben gott. 49. Fur o gott, verborgen! Dein rath bleibt für uns wunderbar. Umsonst sind alle unsre sorgen, Du sorgtest, eh die welt noch war, Für unser wohl schon väterlich. Dies sey genug zum trost für mich. 2. Dein weg ist zwar in finsternissen Für unsre augen oft versteckt. Doch wenn erst den ausgang wissen, Wird uns die ursach auch entdeckt, Warum bein rath, der niemals fehlt, Den uns so dunklen weg gewählt. 3. Nie sind die tiefen zu ergründen Von deiner weiss beit, macht und gut. Du 4. So weicht denn, angst, liche gedanken; Gott kann weit mehr, als ihr versteht. Bleib, feele in der demuth schranken; Die demuth wird von gott erhöht. Ja, herr, du liebst den, der dich liebt, Und deiner führung sich ers giebt. 5. Drum will ich mich dir überlassen Mit allem, was ich hab' und bin. Ich werfe, was ich nicht kann fassen, Auf deine" macht und weis heit hin. Der ausgang zeigt doch immerdar, Daß stets dein rath voll gute war. 6. Gieb, daß dies mein vertraun vermehre, Im glück und unglück, freud und leid. Schick alles, herr, zu deiner ehre, Und meiner feelen se ligkeit! So preis ich einst vollkommen dich, So freu ich dein auf ewig mich. Mel. Herzlich thut mich verlangen. ott, meine ganze 50.feele Macht deis nen ruhm bekannt. Dir dank ich, und erzähle Die wunder deiner hand. Mein herz ist froh, ich singe: Herr, meine Lust bist du. Dir, dem ich lieder bringe, Dir höchster, jauchz' ich zu. 2. Du sigest auf dem throne ( 2 36 Von der göttlichen Vorsehung. 21s richter aller welt, Der noth; Du bists, dem ich verjeglichen zum lohne Das traue, Du hilfft auch selbst rechte urtheil fällt. Wenn vom tod. Nach überwundnen dich die menschen schmähen, leiden, Geh ich ins heilig Dann rächst du ihren spott, thum, Und über dich voll Du schiltst; und sie vergehen freuden, Erheb ich deinen Vor deinem zorn, o gott! ruhm. 1 3. Der herr hat zum gerichte Sich seinen thron erhöht. Vor seinem angesichte Mel. Alles ist an gottes segen. Bleibt nicht, wer widersteht. 51. Herr, mein licht, mein heil, mein Ihr kühnen sünder, zittert, leben! Wie kann ich dich Bereut noch euren spott. gnug erheben? Was für lieSein thron wird nie erschüt- der flimm ich an? Was soll tert, Der herr bleibt ewig ich zum dank dir bringen, gott. Und wie würdig soll ich singen, Was du, herr, an mir gethan? 4. Der herr regiert, und liebet, Was ungerecht ist, nicht. Er wägt die welt, und übet Partheilos sein ge richt. Die wage sinkt und steiget, Wie fein gesetz gebeut; Und jedes land bezeu get Des richters heiligkeit. 5. Gott ist ein fels der armen, Ein fels in jeder noth. Sie traun auf sein erbarmen, Wenn ihnen unfall droht. Die thránen, die sie weinen, Sind, dir bekannt und werth, Du, gott, ver: fáumest keinen, Der deinen schuß begehrt. 6. Ihr bürger zions, preifet, Berkündigt in der welt, Wie groß sich gott beweiset, Der, was er zusagt, hält. Er denkt daran, und fraget Nach des gerechten blut. Er hört ihn, wenn er klaget, Und stillt der wetter wuth. 7. Herr! sey mir gnådig, schaue Boll huld auf meine 2. Oft hast du mein herz gebeuget, Aber auch mir bald gezeiget, Daß du stets den deinen nah. In der nacht warst du verborgen; Doch bald kam der frohe morgen, Da ich, herr, dein antlik sah. 3. Heilig, herr, sind deine wege, Wunderbar sind alle stege, Die du deine kinder führst. Wer muß nicht aus deinen werken, Dir zum preise, es bemerken, Wie ges recht du, herr, regierst? 4. Nun, ich will dir fest vertrauen, Und auf deine gnade schauen, Wenn des kreuzes last mich drückt; Ich will still seyn, hoffen, schweiz gen, Stets vor dir, o herr, mich beugen, Bis dein beystand mich erquickt. 5. Willst du deine hülf aufschieben, Willst du meine Von der göttlichen Vorsehung. 37 demuth üben; Herr, ich bin Deine strafen, deine schläge dein sündger knecht! Willst du strafen, willst du schlas gen, Schickst du trübsal, noth und plagen; Herr, du bleibest stets gerecht! 6. Doch weiß ich, daß deine treue Ewig ist, und täglich neue, Selbst zur schwersten prüfungszeit. Sind ja, wenn ichs recht ers wäge, Mittel meiner seligkeit. 7. Uch, so stärke mir den glauben! Laß ihn nichts, mein gott, mir rauben, keine freude, keine pein! Laß mich deine liebe schmecken, Laß in noth und angst und schrecken Deine gnade mich erfreun! Von der Natur und Würde des Menschen. Mel. Was mein gott will. schöpf auf erden; Der mensch 52. welch ein glück, nur ruft dich, schöpfer, an, ein menfch zu andrer werden. seyn! Wie kann ich gott 4. Du schufft mich zur ge= gnug preisen? Wie des be selligkeit, Gabst mir ein herz rufs, ein mensch zu seyn, voll triebe Zum mitgefühl, Mich würdig hier erwiesen? zur menschlichkeit, Zur Ich bin ein wunder seiner freundschaft und zur liebe. macht und weisheit, lieb' Und diese menschlichkeit, gott, und gute! O mensch, nimm schafft Mir unzählbare freudeinen werth in acht! Erkenn den, Giebt mir zur tugend es, mein gemüthe! muth und kraft, und ruh und trost in leiden. 2. Du bildetest mir mein gebein, Du hauchtest mir die feele Allmächtig, o mein schöpfer, ein, Durch die ich denk und wähle! Vor tausenden, durch dich ernährt, Vor taufend deiner werke, Gabst du mir einen höhern werth, Mir weißheit, kunst und stärke. 5. Dich, meinen schöpfer, meinen gott, gott, Erkenn ich, deine werke, Dein göttlich wort und dein gebot, Und weisheit, macht und stärke. Für deine väterliche huld Dankt freudig meine seele, Und um erbarmung und geduld Fleh ich dich, wenn ich fehle. 3. Vernunft und freiheit dank ich dir, Welch glück, sie zu besitzen!' Ach, dir zum ruhm, zum heile mir, Lehr du mich, gott, fie nügen! Der mensch ists nur, der reden kann, Sonst kein ge trost und froh anbeten! Heil 6. Ich bin ein mensch, und darf vor dich Mit freudigkeit stets treten, Sch darf dich, du hörst, vater, mich, Ge 38 Von der Natur und Würde des Menschen. mir! o heil der zuversicht, Die ich als mensch hier habe! Du rufft zur ewigkeit ans licht Mich wieder aus dem grabe. 7. Dein sohn, der schdpfung herr mit dir, kam mitleidsvoll auf erden, Und ward ein mensch, ein mensch wie wir, Der menschen heil zu werden. Er nahm uns auf in dein geschlecht, Wir wurden seine brüder, Er bracht uns frömmigkeit und recht Und gnad und leben wieder. 8. Noch einmal sehn wir deinen sohn Von himmel wieder kommen, Und dann stellt er um seinen thron Als richter alle frommen. Und aller himmel heer ist sein, Ihr erbtheil giebt er ihnen, Sie werden ihres heils sich freun, Und ewig dann ihm dienen. 9. D welch ein glück, ein mensch zu seyn! Wie kann ich gott gnug preisen? Wie des berufs, ein mensch zu seyn, Mich würdig hier er weisen? Ich bin ein wunder seiner macht Und weisheit, lieb' und gute! O mensch, nimm deinen werth in acht! Erkenn es, mein gemüthe! Mel. Es ist das heil uns kommen. schöpfer, und erhalter! Mein ganzer leib, erbaut von dir, Sammt einem jeden finn an mir, Beweiset deine größe. 2. Haupt, aug und ohr, und mund und hand. Die ich zu dir erhebe, Die haut so künstlich ausgespannt, Der nerven fein gewebe, Und alle glieder sagen mir. Ich sey, o gott, ein werk von dir, Ein werk von deiner weisheit. gebracht! Dich rühme barf und pfalter! Ich bin ein wunder deiner macht, Mein 3. Wie biegsam, wie gelenkvoll schließt, Den thoren. zu verdammen, Ders leugnet, daß ein schöpfer ist, Sich glied an glied zusammen! Wie willig, herr, gehorchen sie, Wenn meine seele spåt und früh Des leibes dienst verlanget! 4. Uch hättest du mein auge nicht So meisterlich bereitet; Was nühte mir der sonnen licht, Ihr glanz vor mir verbreitet! Dann såh ich nicht, mit welcher pracht Du, herr, durch deine weise macht, Was du erschaffen, schmückest. 5. Ich jauchze daß ich sehen kann, Und hören und empfinden, Und reden;' beten will ich an, Gott sehen, und empfinden. Mein mund sey voll von deinem dank, Und deiner schöpfung lobge53. Ditott, fen fang Sey mein gehör ge6. Wer leitet meines blus tes lauf? Wer lenkt des herzens schläge? Wer regt Von der Natur und Würde des Menschen. 39 die lung und schwellt sie auf, Damit ich leben möge? Gott ist es, der dies alles thut. Schlag, herz! ent: flamme mich, o blut! Daß ich den höchsten preise. nur für seelen, Die zu den geistern gott erhob, Sind sie so herrlich, und erzählen Nur ihnen meines schöpfers lob. O! seele, jauchze, daß der ruf Der allmacht dich zum geiste schuf. 7. D! prief ich, höchster, immer dich, Wenn ich die finne brauche, Geh, lieg und 5. Gott, ich kann denken, und gewinne, Weil ich zu ausruh, oder mich Bewege, einem geiste ward, Durch athme, hauche! Gieb, daß ich dein mich ewig freu, Und daß mein leib ein tempel sey, Worin dein geist stets wohne! die empfindung meiner finne Gedanken tausendfacher art. Groß, mannigfaltig ist ihr beer, Und doch wird ihrer täglich mehr. 6. Ich kann sie sammlen und verbinden, Und trennen, wie es mir gefällt, Die welt empfinden, mich empfinden, Weit unterschieden von der welt. Zu tausend thaten hab ich kraft; Wer giebt sie? gott, der alles schafft. 7. Wie feurig dürftet meine seele Nach glück und lust und seligkeit; Nur daß ich oft betrogen wähle, Was mich nach dem genusse reut. Doch das ist, vater, meine schuld; Denn was du schafft, zeugt nur von huld. Mel Wer nur den lieben gott. 54. s werde gott von dir erhoben, Du, feines odems hauch, mein geist! Sollt ich nicht meinen vater loben, Den jedes sei ner werke preist? Ihn, der mich schuf, sein bild zu seyn, Und seiner wunder mich zu freun? 2. Schön ist der sonnenreiche himmel, Den er zu seinem Stuhle wählt; Doch ist der sonnenreiche himmel Gedankenlos und unbeseelt; Und mir, dem thone seiner hand, Giebt er empfindung und verstand. 3. Unmuthig, prachtig zum entzücken, Ist gottes ganze körperwelt. Wer zählt die reize, die sie schmücken? Was ich nur sehen kann, gefällt; Und dennoch kann ich nicht, wie schön, Wie wundervoll sie sey, verstehn. 4. Für geister nur, und 8. Wie wundervoll ist das vermögen, Gott, das du meinem willen giebst! möcht ich es doch stets erwagen, Mit welcher güte du mich liebst! Möcht ich mit allen fráften dein, Dein mit verstand und willen seyn! 9. Gott meine lust sey, dich zu kennen, Dich, urs quell der vollkommenheit! Von deiner liebe ganz zu 40 Von der Natur und Würde des Menschen. brennen, Das sey mir ruhm und seligkeit. Bin ich in Christo nur mit dir, Mein gott, vereint; was fehlet mir? 10. Es werde gott von dir erhoben, Du seines odems hauch, mein geist! Sollt ich nicht meinen vater loben, Den jedes seiner werke preist? Ihn, der mich schuf, sein bild zu seyn, Und seiner liebe mich zu weihn? Mel. Wer nur den lieben gott. as ist vor dei55. Der mensch, gott, daß du sein gedenkst, Und einen strahl von deinem lichte Auf ihn, den staub, hernieder fenkst? Was ist er, wår er noch so groß? Ein bald zerfallner erdenklos. 2. Du sahest an den men schenkindern Den schweren fall vor langer zeit; Und dennoch hast du diesen sündern Aus göttlicher barmber: zigkeit Unzählich viel zu gut gethan, Sa mehr, als jemand fassen kann. 3. Du hast den leib, obschon aus erde, Doch wuns derbar und schön gebaut; Daß er der feele würdig werde, Ihm sprach und sinnen anvertraut. Du hast ihn selbst zum herrn der welt, Dem alles dienen soll, be stellt. feele, welche will und denket, Und ihr hast du ein ewigs heil, Noch ehe sie nach dir gefragt, In deinem worte zugesagt. 5 Drum laß es stets mich wohl bedenken, Was du, o gott, an mir gethan, Dir leib und seele wieder schenken, Da ich dir sonst nichts schenken kann; Damit sie beyde nach der zeit Dich preisen in der ewigkeit. 6. Und nimm indeß sie deinen bieten wir alle beide, Allmächtiger, in in allem leide, Mit dir auch welt und hölle truß. Wenn wir in deiner gnade stehn, So muß es uns stets wohl ergehn. 7. Doch wenn erhöhet von der erden, Im himmel, dei= ner ewgen stadt, Dich leib und seele schauen werden, Von deinem licht stets froh und fatt! So sollen sie auch beyde dich Vollkommner rühmen ewiglich. Mel. Wer nur den lieben gott. 56. ein bin ich, gott! ist mein leben; Wie tröstlich ist mein ursprung mir! Du hast den odem mir gegeben; Mein ganzes wesen kommt von dir. Du, vater, riefst mich aus dem nichts 3um frohen. anschaun deines lichts. 4. Du hast ihm noch viel mehr geschenket, Du gabest ihm zum bessern theil, Die mich bereitet hast! Als mich 2. Wie viel hab ich dir zu verdanken, Herr, der du Von der Natur und Würde des Menschen. 41 gott, an mir gethan; Beschámt empfindet mein gemüthe Die schuld, die ich nicht läugnen kann. Ich habe, was mich sehr erschreckt, Bielfältig feel und leib be fleckt. die engen finstern schranken Des ersten daseyns noch um faßt, Da war dein auge über mir, Da lebt ich, höchster, nur in dir. 3. Du gabst mir die ver: nünft'ge seele, Die nur so lang im fleische lebt, Bis fie, daß ihr kein wohlseyn fehlt, Dein ruf zum höhern geist erhebt. Du hast mir finnen und verstand, Begierd und willen zugewandt. 4. Wenn ich auf meinen körper sehe, Den du so kunstvoll ausgebildt, So wird, o vater in der höhe! Mein herz mit ehrfurcht ganz erfüllt. Ein jedes glied, ein jeder finn, Reißt mich zu deinem lobe hin. 5. Durch deiner vorsicht gnädigs walten, Die mich von kindheit an umfing, Bin ich bis hieher noch erhalten, So daß der tod vorüber ging. Ich stehe noch, und preise dich, Herr, deine rechte schůzet mich. 6. Ich bin nicht werth der großen gute, Die du, mein 7. Ja, herr, ich habe meine glieder zu sündenglieder oft gemacht. Vor dir fall ich in demuth nieder; Bergieb, was ich nicht recht bedacht! Verwirf mich, vater, nicht von dir! Schaff selbst ein reines herz in mir. Den uns der herr gegeben! Gott, als uns deine liebe schuf, Da schuf sie uns zum leben; 3um leben, welches 8. Hilf, daß ich dir zur ehre lebe, Und redlich thu, was dich erfreut, Und geist, und leib und glieder gebe Zu waffen der gerechtigkeit; Daß ich bis in den tod dir treu, Und stets ein freund der tugend sey. 9. Fällt dieses leibes hütte nieder, Vollend ich dieses lebens lauf, O gott, so richte du mich wieder Verherrlicht aus dem staube auf. Dein ewges leben sey mein theil; So preif' ich ewig dich, mein heil. Von der Bestimmung des Menschen. 57. du uns hier Die wichtig ist Mel. Es ist gewißlich an der zeit. ewig währt, Das weder leid noch angst beschwert, Willst 2. Nicht hier ist unser vaterland; Allein bei dir, gott, droben, Da ist der ort, wo deine hand Das glück uns 42 Von der Bestimmung des Menschen. aufgehoben, Das nie ein ich als dein bewährtes kind traurig ende nimmt, Hier 3u deiner freud eingehe. sind wir nur von dir besimmt, Uns dazu anzuschicken. Mel. Nun sich der tag geendet. große ziel Durch nichts vers 58. Ich bin, ett dein eigenthum. laß mir dies rücket werden! Was hilfts, wenn ich auch noch so viel Von gütern dieser erden, Von ehre, geld und lust gewinn, Wenn ich dabei nicht tüchtig bin, Dein himmelreich zu erben? Du schufst mich, dein zu seyn, Mein ganzes leben dir zum ruhm, Und deinem dienst zu weihn. 4. Dein pilgrim bin ich ja nur hier; Laß mich dies nie vergessen! Nur wenig tage hast du mir 3ur wallfahrt zugemessen. Schnell, wie ein traum, sind sie vollbracht, Und dann wird dieser erde pracht Auf ewig mir vergehen. 5. Drum laß des himmels herrlichkeit Mich stets vor augen haben. Laß mich in meiner prüfungszeit Um jene beßre gaben, Die mir im tode nicht entfliehn, Um er sten und mit ernst bemühn, Damit ich nicht einst darbe. 6. Ein herz, das dich, o vater! liebt, und deines sohns sich freuet, Das in dem glau ben tugend übt, und sich vor sünden scheuet, Ein sol ches herz, das wird allein Sich ewig deiner gute freun, Und einst dein antlig schauen. 7. Und solch ein herz, das wollst du mir, Gott, aus erbarmen geben, Damit ich möge auch schon hier Nach den gesehen leben, Die selbst im himme gültig sind, Bis 2. Du gabst mir den vernünft'gen geist, Bewundernd einzusehn, Wie dich, herr, deine schöpfung preist, Mit ihr dich zu erhöhn. 3. Was um mich ist, verkündigt mir, Gott, deine herrlichkeit. Zu ihrem preise reizt mich hier Selbst jede jahreszeit. 4. Und ich, ich sollte fühllos seyn? Sch rühmte dich, herr, nicht? Ein herold deines ruhms zu seyn, Bleibt meine größte pflicht. 5 O mache dieser pflicht mich treu, So treu, herr, als ich soll. Mein herz, mein mund, mein wandel sey Stets deiner ehre voll. 6. Wer dich verehrt, hålt dein gebot; Ihm ists nicht last, und pein. Drum gieb auch mir die kraft, o gott, Gehorsam dir zu seyn. 7. Was du gebeutst, ist für uns gut. Du willst nur unser heil. Wohl dem, der deinen willen thut! Du bist sein troft und theil. 8. Er wandelt hier auf ebner bahn. Und selbst in traurigkeit Schmeckt er, dir, Von der Bestimmung des Menschen. höchster! zugethan, In dir zufriedenheit. 9. Nach, hier vollbrachter prüfungszeit Nimmt ihn der himmel ein. Herr laß nach dieser feligkeit Mein ganz bestreben seyn! Mel. O gott, du frommer gott. Umächtig großer m 59. gott, Wer kann dich gnug erheben? Du gabst der ganzen welt Ihr daseyn, kraft und leben. Was geist und körper heißt, Was erd und himmel hegt, hat deine band gebaut, Die jetzt noch alles trågt. 2. Du schufft, ich dank es dir. Auch mich zu deiner ehre, Und wolltest, gütigster! Daß ich dein bildniß wäre. Drum hast du auch den geist, Der in mir lebt und denkt, Mir zur unsterblichkeit Uus deiner huld geschenkt. 43 5. Du bist der wahrheit freund; Laß mich auch wahrs heit lieben, und mit stets munterm fleiß In allem dem mich üben, Was mich zur weisheit führt, Zur weisheit, die dich ehrt, Und allem beyfall giebt, Was du uns selbst gelehrt. 3. D welch ein großer zweck, Dazu du, gott, mich schufest! Wie herrlich ist das theil, Dazu du mich berufest! Dir, höchster, ähnlich seyn, Ist unser größtes glück. D wohl mir, wenn ichs bin! Hilf mir zu diesem glück. 4. Laß mir dies große ziel Doch stets vor augen schwe: ben! Mein allerstårkster wunsch, Mein eifrigstes be: streben, In allem meinem thun, Sey dies, o gott, allein, Daß ich auch so, wie du Gesinnet moge seyn! 6. Laß deine heiligkeit Mich stets zum muster nehmen. Hilf mir die fünde fliehn, Des fleisches luste záhmen, Nur das, was recht ist, thun, Des guten mich erfreun, Und dem, ders üben will, Auch gern behülflich feyn. 7. Gieb, daß ich so, wie du, Ein freund der menschen werde, Dem wohlthun freude macht, Der kummer und beschwerde Dem nächsten gern erspart, Dem nächsten gern versüßt, Und wo er helfen kann, 3um helfen willig ist. 8. Wie weit bin ich noch fern, gott! von diesem ziele, Du weißt, was mir noch fehlt, Und ich, ich selber fühle, Wie wenig ich dir noch Sm guten ähnlich bin; O bilde du mich ganz Nach dir und deinem sinn! 9. Beglückt ist nur alsdann Mein lebenslauf auf erden, Wenn ich dir immer mehr Schon hier kann ähnlich werden, Dann werd ich ewig auch. Mit dir vereinigt seyn, Und mich ohn unterlaß Gott, deiner gute freun! 44 Von der Verdorbenheit des Menschen. 60. H mein verderben; Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. wille, gott, ist gut. Was err, du kennest nicht kann dein reich ererben, Laß schon hier an mir er= ersterben. Ach, es regt in meiner brust, Wie bei allen adamserben, Sich noch immer böse lust, Die mein herz, herr, von dir neiget, Und viel böse thaten zeiget. 2. Wie verderbt sind mei ne wege! Wie verkehrt mein eigner sinn; Ich empfind es, gott, wie tråge Ich dir zu gehorchen bin. Ach! wer wird vom hang zum bösen Mich noch endlich ganz erlösen? 3. Hilf mir durch den geist der gnaden Von der angeerbten noth, Heile meiner feele schaden Durch des mittlers Mel. Jesu, meines Lebens leben. kreuzestod! Tilge alle meine 61. Gro roßer gott, era sünden, Laß mich vor dir gnade finden! 4. Deinen willen hier auf erden 3u vollbringen, wird mir schwer. Soll ich dazu tüchtig werden, Mußt du selbst von oben her Mir dazu die kraft verleihen, Und mein fündhaft herz erneuen. habnes wesen, Das, voll segnender begier, Menschen sich zum dienst era lesen! Ach was ist der mensch vor dir! Wenn ich deine größ erwäge, Und, was ich bin, überlege; O wie dürftig und wie klein Muß ich mir nicht selber seyn? 5. Schaffe denn ein reines Herz, Herr, durch deinen geist in mir, Daß ich nicht mein heil verscherze. Laß der sündlichen begier Mich mit rachdruck widerstehen, Und auf deine hülfe sehen. 2. Fluch und elend, tod und sünde Drücken, leider mein gemüth, Machen mich zu einem kinde, Das vor seinem vater flieht. Tausend mángel, tausend flecken Schånden mich zu meinem schrecken, Und in der verderbten brust Regt sich tåglich böse lust. 3. Was ich gutes an mir 7. Unter wachen, beten, ringen, Hilf mir selbst mein fleisch und blut Unter deinen willen zwingen; Denn dein 7. Reize mich durch jene krone, Die mir droben bei gelegt, Daß ich meiner niemals schone, Wenn die sünd in mir sich regt: Hilf mir selber muthig kämpfen, Alle böse lüste dämpfen. 8. Sollt ich etwa unterliegen, so hilf mir wieder auf! Laß in deiner kraft mich siegen, Daß ich meinen lebenslauf, Unter deinen treuen hånden, Möge gut und selig enden. Von der Verdorbenheit des Menschen. 45 habe, Ist von deiner vater: freuden. Gott und herr der hand. O wie manche gute ganzen welt! Thu mit mir, gabe Hast du, herr, mir zu was dir gefällt. gewandt! Selber auf dem fundenpfade Trágt mich schonend deine gnade. Nähmest du zurück, was dein, Uch! was wird mir übrig seyn? Mel. Wo soll ich fliehen hin. 62. Dein gott! dir ist bewußt Die innre böse lust, Die quelle meiner sünden, Die menschen nicht ergründen. D! beile du aus gnaden Der seele tiefen schaden. 4. Doch die menge deiner gaben Klagt nur meinen un dank an, Weil ich sie oft ganz vergraben, Oft damit nur groß gethan, Oft voll 2. Des bösen bösen herzens leichtsinn sie verschwendet, grund Wird oft durch thaten Und zu fünden angewendet. kund, Die mich vor dir ver= D! wie häuft sich meine schuld Durch verachtung deiner huld! klagen Und mein gewissen nagen. Herr, willst du sie bestrafen, Wer wird mir rets tung schaffen? 5. Sieh, hier lieg ich in dem staube, Tief vor dir, mein gott! gebückt; Doch mein demuthsvoller glaube Der auf meinen heiland blickt, Hofft auf deine vater: gute, Und mein tief beschämt gemüthe, Das den muth fast ganz verlor, Hebt sich noch zu dir empor. 3. Ich habe wider dich, Den nächsten und auch mich Vielfältig, herr, gehandelt; Ich bin den weg gewandelt, Der menschen von dir wendet. Und sich mit schrecken endet. 4. Ein jegliches gebot Zeugt wider mich, und droht, Weil ich( dies schlägt mich nieder) Nur gar zu oft dawider Gedacht, gethan, gesprochen, und deinen bund gebrochen. 5. Verwirf mich nicht von dir; Hilf! herr, erbarmend mir! Erneure meine seele, Daß sie nur gutes wähle, Wer kann mich sonst vom bösen, Als du, o herr, erlösen. 6. Drückt mich der sünde joch Gleich mächtig, so bleibt thun und leis doch Weit macht'ger deine quelle meiner gnade. Wie groß auch nur 6. Ja, die wunder deiner liebe Ziehen ganz mein herz zu dir. Uch! erhalte selbst die triebe Treuer dankbarkeit in mir. Vater! laß das schwache lallen Meines lobes dir gefallen. Bilde mich, dein eigenthum, Ganz zu deines namens ruhm. 7. Meine fråfte, meine glieder Sind zu deinem dienst bereit. Herr, ich falle vor dir nieder Voller ehrerbietigkeit. Deinen willen den, Sey die Von der Verdorbenheit des Menschen. 46 mein schade, So kannst du ihn doch heilen, Und leben mir ertheilen. 7. Hat sonst des fleisches macht In mir ihr werk voll: bracht, So gieb mir lust und stärke, Daß ich nur gute werke Beschließe, und vollbringe, Und ewig dir lobsinge. Mel. Wo soll ich fliehen hin. u, der nichts 63. boses thut, Du schufft den menschen gut; Du höchster! gabst ihm kräfte 3um feligsten geschäfte, In heiligkeit zu wandeln, Stets recht vor dir zu handeln. 2. Wo ist der unschuld ruhm? Herr! wir, dein eigens thum, Wie tief sind wir ges fallen! Wo ist jetzt unter allen Ein mensch ganz rein von sünden Vor dir, o gott! zu finden? 3. Hier ist kein unterschied. Dein helles auge sieht Auf alle menschenkinder, Und sieht sie alle fünder. Da ist vor dir, herr, feiner Unschuldig, auch nicht einer. 4. Verderbt ist aller sinn; Die weisheit ist dahin, Die uns regieren sollte, Nur was dein wille wollte, Mit freue denvollen trieben 3u wählen und zu üben. 5. Fleisch sind wir von natur, Uns rühren, leider nur Die guter diefer erden, Die uns entrissen werden, Mehr als die höhern gaben, Die uns auf ewig laben. 6. Dir folgen, dünkt uns zwang. Des herzens böser hang Reißt uns mit starkem triebe Zu schnöder fündenliebe. Und können wir noch zählen, Wie oft wir vor dir fehlen? 7. O herr! was uns ge bricht, Laß in der wahrheit licht So heilsam uns erkennen, Daß wir von ernst ent ent: sagen, Der beßrung nachzujagen. 8. Wohl dem! der sie gewinnt, Gott! so verderbt wir sind, So willst du uns doch heilen, Und kräfte uns ertheilen, Schon wiederum auf erden Dir gleich gesinnt zu werden. 9. Herr! diese deine huld Laß uns durch neue schuld Nie freventlich verscherzen. Erwecke unsre herzen, Dem guten nachzustreben, Damit wir ewig leben. Mel. Wer nur den lieben gott. zu 64.feiner feele: G3 ist ein richter! gott ist der! Wenn ich verkehrte wege wähle, So richtet und vers dammet er. Sollt ich, durch meinen mittler rein, Aufs neu ein greuel gottes seyn? 2. Er, wieder zu der tugend tüchtig Durch seines Jesu licht und kraft, Ist hei: lig, denkt und wandelt rich: tig, Unsträflich und gewissenhaft, Er lernt, was gott Von der Verdorbenheit des Menschen. 47 Durch ihn erneut zu guten werken, Der weisheit folgen und der pflicht? Solls denn umsonst seyn, daß er euch Vergebung anbeut und sein reich! 6. Empfanget feines geistes gabe! Lernt weisheit! lernet glauben! lernt, Wie gut es der gerechte habe, Der von den lastern sich entfernt! Er fürchtet tod und zukunft nicht; Denn gott ist seine zuversicht. gebeut, und übt Das gute, weil er Jesum liebt. 3. Ach Adam fiel, und feine finder Sind auch ges fallen, auch entweiht, Gefallen alle, thoren, sünder, Und achten nicht, was gott gebeut, Untüchtig sind sie alle nun, und keiner kann, was gut ist, thun. 4. Da fandte gott zu Adams kindern Den mittler seinen sohn, herab, Der für fie litt, und allen sündern Heil, leben, licht und weisheit gab. Er gab den geist aus gott; und nun Kann, wer ihn folgt, was gut ist, thun. 5. O, sünder! wollet ihr nicht merken, Wie gut der herr ist? wollt ihr nicht, freun! 7. Ach, daß fie alle weise würden, Erneuert zur gerech tigkeit! Frey von der fünde harten burden! 3u kindern gottes eingeweiht! Die engel würden fröhlich seyn, Und sich des heils der menschen Von der Erlösung des Menschen durch Christum. Mel. Es ist das heil uns kommen. eil uns! aus un 65. Ift rettung uns erworben. Der herr will nicht des sünders tod; Das, was an uns verdorben, Hat er aus gna: den uns ersetzt. Wie werth sind wir vor ihm geschätzt! Wie groß ist sein erbarmen! 2. Selbst seinen eingebornen sohn Sandt er zu uns auf erden, Von dem verdienten sündenlohn Ein ret ter uns zu werden. Er kam, und mit ihm unser heil. Er kam, am ewgen leben theil Uns 3. Wo ist, o tod, dein stachel nun? Hier ist dein überwinder. Für unsre schuld genug zu thun, Starb er, das heil der fünder. Wo ist nun, sünde! deine kraft, Hier ist der, der uns kräfte schafft, Dein joch von uns zu werfen. 4. Gelobt sey gott! gelobt sein sohn, Der rettter unsrer seelen! Nun kann uns auch 48 Von der Erlösung des Menschen durch Christum. auf erden schon Das wahre glück nicht fehlen, Getrost und froh in gott zu seyn, Wenn wir uns nur dem hei land weihn, Den gott für Gott dank und ehre bringen, Von herzen seines heils uns freun, Mit lieb und lust ihm singen. Wer faßt die große wunderthat, Was gott an uns gewendet hat, Wie theur er uns erworben? uns verordnet. 5. Was er zum leben uns verschafft, Das ist in feinen hånden; Sein ist das reich, sein ist die kraft, Das heil uns zuzuwenden, Das er so liebreich uns erwarb, Als er für uns am kreuze starb. Wohl allen, die ihm trauen! 6. D, laßt uns ihm uns anvertraun, Und niemals sein uns schámen! Auf seine mita lershülfe baun, Und sein joch auf sich nehmen. Das ist der weg zum ewgen wohl, Der weg, auf dem man frie: densvoll Auch schon auf er den wandelt. 7. Herr! laß uns diese feligkeit Doch über alles schätzen. Nie können güter dieser zeit Den mangel uns erfeßen, Wenn uns das größte gut gebricht, Ein reines herz voll zuversicht 3u dir, gott, unser vater! 8. lenk auf dies erhabne glück Der seele stårkste triebe! Beuch mächtig unser herz zurück Von schnöder fünden liebe! Un dem uns theur er worbnen heil Laß uns im wahren glauben theil Stets suchen und gewinnen. Mel. Nun freut euch, lieben. 66. N un, christen! last uns fröhlich seyn, 2. In sünden hart verstrickt, war ich, Todt, elend und verloren. Stets quälte mein gewissen mich, Verderbt war ich geboren. Ich sank auch immer tiefer drein, That niemals gutes, war allein Von sünde ganz be sessen. 3. Mein bestes thun galt dennoch nicht, War durch und durch verdorben. Ich haßte gott und sein gericht, Zu seiner lieb erstorben. Die angst wuchs zur verzweiflung an, Daß ich ihr nirgends hin entrann, Zur hölle mußt ich sinken. 4. Gott jammerte von ewigkeit Mein elend ohne maaßen. Er dachte der barmherzigkeit, Mir wollt er helfen lassen; 3u mir wandt er sein vaterherz, Zu heilen meiner wunden schmerz, Ließ ers sein bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben sohn: Die zeit kommt zu erbarmen! Eil, meines herzens werthe kron! Sey du das heil der armen! Hilf ihnen aus der tiefen noth, Für sie entwaffne du den tod, Und laß sie mit mir leben! 6. Der sohn, der ihm ge horsam war, Kam selbst zu Von der Erlösung des Menschen durch Christum. 49 uns auf erden, Als eine Mel. Ich dank dir, gott, durch. jungfrau ihn gebahr. Mein bruder wollt er werden! Ents 67. Gedanke, der uns hielt sich seines arms gewalt, Und ging einher in knechts: gestalt, Des satans reich zu stürzen. leben giebt, Wer kann dich ganz durchdenken? Also hat gott die welt geliebt, Uns seinen sohn zu schenken! 2. Hoch über die vernunft 7. Er sprach zu mir: halt erhöht, Umringt mit finster. dich an mich! Es soll dir nissen, Füllst du mein herz jest gelingen. Mich selber mit majestát, Und stillest geb ich ganz für dich; Will mein gewissen. mächtig für dich ringen. Denn ich bin dein und du bist mein. Auch du sollst, wo ich bleibe, seyn, Uns soll der tod nicht scheiden. 8. Vergießen wird man mir mein blut; Voll grimms mein leben rauben. Gern leid ich alles dir zu gut; Das halt mit festem glau: ben. Dein leben, sterblicher, ist mein, Und mein verdienst ist, sünder, dein. So bist du selig worden. 9. Den himmel nehm ich wieder ein, Und scheid aus diesem leben. Da will ich ftets dein muster seyn, Und meinen geist dir geben, Der dir in trübsal trost gewährt, Dich, wenn er mich in dir verklärt, In alle wahrheit leitet. 10. Was ich gethan, was ich gelehrt, Das sollt du -thun und lehren: Daß got: tes reich sich stets vermehrt, 3u seines namens ehren. Nur hûte dich vor menschen wahn, Der dir den schaß leicht rauben kann; Dies sey mein abschiedssegen. 3. Ich kann der sonne wunder nicht, Noch ihren bau ergründen, Und doch kann ich der sonne licht, Und ihre warm empfinden. 4. So kann ich auch nicht gottes rath Bon Jesu tod ergründen! Allein das gött. liche der that. Das kann mein herz empfinden. 5. Nimm mir den trost, daß Jesus Christ Nicht meine schuld getragen, Nicht gott und mein erlöser ist; So werd ich angstvoll zagen. 6. Ist Christi wort nicht gottes sinn, Werd ich stets irren müssen. Und wer gott ist, und was ich bin, Und werden soll, nicht wissen. 7. Nein, diesen trost der christenheit, Soll mir kein ſpotter rauben; Ich fühle seine göttlichkeit, Und halte fest am glauben. 8. Des sohnes gottes eigenthum, Durch ihn des himmels erbe, Dies bin ich, und das ist mein ruhm, Auf den ich leb und sterbe. 9. Er giebt mir seinen geist, das pfand, Im glaus 50 Von der Erlösung des Menschen durch Christum. ben mich zu stärken, Und schenkt, Mit ihm nicht alles bildet uns durch seine hand schenken. Zu allen guten werken. 10. So lang ich seinen willen gern Mit reinem hers 68. Er 68. zen thue, So fühl ich eine kraft des herrn, Und schmecke fried und ruhe. II. Und wenn mich meine sünde kränkt, Und ich zum kreuze trete; So weiß ich, daß er mein gedenkt, Und thut, warum ich bete. 12. Ich weiß, daß mein erlöser lebt, Der mich einst aus der erde Erweckt, und zu dem reich erhebt, Da ich ihn schauen werde. 13. Kann unsre lieb im glauben hier Für ihn jemals erkalten? Dies ist die lieb, o gott, zu dir, Dein wort von herzen halten. 14. Erfüll mein herz mit dankbarkeit, So oft ich dich nur nenne, Und hilf, daß ich dich allezeit Treu vor ber welt bekenne. 15. Soll ich dereinst noch würdig seyn, Für dich hier schmach zu leiden, So laß mich keine schmach noch pein Bon deiner liebe scheiden. 16. Und soll ich, gott, nicht für und für Des glaus bens freud empfinden, So wirk er doch sein werk in mir, Und rein'ge mich von fünden. Mel. Von Gott will ich nicht. Erhebt den berrn, frommen! hålt, was er verspricht. Der heiland ist gekommen, Der völker trost und licht. Gott, der uns nicht verstößt, Hat uns, zum heil und leben, Selbst seinen sohn gegeben. Durch ihn sind wir erlöst. 2. Erlöst! o welche gnade Hat uns der herr erzeigt! Der uns betroffne schade, Der uns so tief gebeugt, Ist nun nicht unheilbar. Von fünde und verderben Uns rettung zu erwerben, Gab gottes sohn sich dar. 3. Er kam zu uns auf ers den In armer knechtsgestalt, Voll mühe und beschwerden War hier sein aufenthalt. Der ihm gegebnen macht Enthielt er sich mit freuden, Bis er durchs todes leiden Sein großes werk vollbracht. 4. Er hats vollbracht! o bringet Gott euren lobgesang! Erlöste menschen! fins get Dem mittler ewig dank. Wo niemand helfen kann, Da hilft er gern aus gnas den, Heilt unsrer seele scha den. O nehmt ihn gläubig an! 17. Hat gott uns seinen fohn geschenkt;( Laß mich noch sterbend denken!) Wie 5. Du freund der menschenkinder! Verwirf uns, Jesu! nicht. Dein name, heil der fünder! Ist unsre zuversicht. Drum kommen wir zu dir. follt uns der, der ihn ges Hilf uns, die macht der sün Von der Erlösung des Menschen durch Christum. 51 den Noch glücklich überwin- der uns Ein ew'ges heil ers den; Denn dein, o herr, sind wirbt; Deß herz ist göttlich wir. groß, Der selbst für feinde stirbt! 6. Bey dir steht unser le ben, 3u unserm ew'gen heil Hast du dich hingegeben. Gieb uns am himmel theil! Laß uns die folgsam seyn! Was wird uns, herr, dann fehlen? Dann werden unsre feelen Sich gottes ewig freun. 5. Dies müsse mein vers traun 3u dir, o herr! erwek: ken. Zu schwach, der gottheit rath Für sünder zu entdecken, Bet ich der liebe macht, Die ich nicht fassen kann, Mit froher zuversicht, Doch auch in demuth an. Mel. O gott, du frommer gott. 6. Herr! deine ewigkeit 69.ich, Jefu! bet ich Wird mir mehr licht gewahren, Und lieb Im schauen mir erklären. Unendlich ist mein heil! D glaube, der erfreut! Gelobet sey der herr! Gelobt in ewigkeit! an, ich mein leben, Weil du zu meinem heil Dich in den tod gegeben. Dein freuz scheint thorheit dem, Der stolz und laster liebt, Doch dem ists gottes kraft, Der sich dir ganz ergiebt. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 70. W empfangen, Heil ich dich 2. Du kamst, erlöser, uns Zum himmel zu bereiten, Lehrtst uns der tugend pfad, aller sterblichen! Du freude, Riefst uns zu seligkeiten. du verlangen Der troftbe: Gleich groß war, herr, dies dürftigen! Gieb selbst mir werk: Der welt ein schöpfer zu erkennen, Wie deiner seyn, Und eine sünd'ge welt güte voll, Dich meine seele Von sünden zu befrenn. nennen, Dich würdig preisen soll! Wie 3. Wer kann, herr, deine huld, Wer deine lieb umfas= 2. Dein zion streut dir sen? Als sohn des ewigen palmen; Und meine dankbeDer himmel thron verlassen, gier Ergießt in freudenpfale. Sich selbst erniedrigen, Ein- men Sich, gütigster, vor dir. her in demuth gehn, Der Dich, dich will ich erheben: wahrheit herold seyn, Und So gut ich schwacher kann: sich verspottet sehn. Mein herz will ich dir geben, Uch nimm es gnädig an! 3. Nur daß du mich bes freytest, Gabst du dich selbst für mich; Mich zu erretten, freutest Du, selig macher. 4. Die wunder gottes thun, Und an das kreuz ge= schlagen, Mit himmlischer geduld Der menschen schuls den tragen, Um der zu seyn, 52 Von der Erlösung des Menschen durch Christum. dich. Du sahst, es wäre keis ner Vermögend g'nug dazu; Da jammerte dich meiner, Da kamst und halfest du. 4. Du machst mich von den banden Des tods auf ewig los; Entreisfest mich den schanden Der fünde, machst mich groß, Und hebst mich hoch zu ehren, Und fchenfest güter mir, Die uns vergånglich währen. Dank, ewig dank, sey dir! 5. du, an den ich glaus be! Was wars, das dich bes wog? Was wars, das dich zum staube, 3u mir hernie: der zog? Dein göttliches er: barmen! Ja du, o Jesu! haft Mit mitleidsvollen ar= men Die ganze welt umfaßt. 6. in eure herzen, Betrübte! traurt 71. Mit einen Mel. Von gott will ich nicht. schenkinder, Macht euer herz bereit! Er kömmt, das heil der fünder, Der herr der herrlichkeit! Er kommt von seinem thron Voll huld zu uns hernieder, Wird einer unsrer brüder, Er, gots tes einger sohn. freun ist feine freude, Und wohlthun feine lust. 9. Was fragt ihr nach dem drauen Der feinde? traut auf ihn. Er wird sie schnell zerstreuen. Der herr gebeut; sie fliehn. Er kommt, er fimmt, ein tonig, Dem auch ein zahllos heer Von feinden viel zu wenig 3um widerstande wår. 10. Er wird einst wieder kommen Als richter aller welt: Dann bringt er heil den frommen, Und fluch der lasterwelt. Wohl ewig allen denen, Die seine wege gehn, Und einst mit freudenthránen An seiner rechten stehn! nicht mehr; 3agt nicht in euren schmerzen, Als ob kein helfer war. D! sehet auf! ihr habet Den besten helfer nah; Der eure seele labet, Der treue freund ist da. 7. Die ihr mit ernster reue Still eure schuld beweint, Wißt, daß er euch verzeihe, Er selbst, der menschenfreund, Ruft heilbegiergen fündern Der gnade trostwort zu, Macht sie zu gottes tindern, Schafft ihren seelen ruh. 8. Er übersiehet feinen, Und weiß, was jedem nügt. Hat er nicht stets die seinen Bon anbeginn geschützt? Nicht sie in ihrem leide Zu 3. Nur der, der demuth übet, Ist des erlösers freund; Wer aber hochmuth liebet, trösten stets gewußt? Er- Ist und bleibt gottes feind. 2. Eilt, sünder, voll verlangen, Eilt, euch zu ihm zu nahn! Ihn würdig zu empfangen, Bereitet ihm die bahn! Auf! werdet seiner werth! Thut buße, flieht die sünden! Dann könnt ihr gnas de finden, Dann seyd ihr sei. wer werth. Von der Erldsung des Menschen durch Christum. 53Nur der, der redlich ist, Und dich! Mein heil, mein selig. folget gottes leiten, Der macher, Bereite felber mich! kann sich recht bereiten, 3u Mein herz sehnt sich nach dem kömmt Jefus Christ. dir, Ich eile dir entgegen; 4. Doch was vermag ich Komm, komm, mit deinem ses schwacher, Ich sünder, ohne gen, Und wohne stets in mir! Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. Mel. Vom himmel hoch da komm. 72. Dies ist der tag, den und friedefürst! Auf den die vilker hoffend sahn, Dich, gott gott, bet an. 7. Du, unfer heil und höchstes gut, Vereinest dich mit fleisch und blut, Wirst unser freund und bruder hier, Und gottes kinder werden Sein werd in aller welt ges dacht! Ihn preise, was durch Jefum Christ Im himmel und anf erden ist. 2. Die volker haben dein geharrt, Bis daß die zeit wir. erfüllet ward; Da fandte gott von seinem thron Das heil der welt, dich, seinen sohn. 3. Wenn ich dies wunder faffen will, So steht mein geist vor ehrfurcht still: Er betet an und er ermißt, Daß gottes lieb unendlich ist. 4. Damit der fünder gnad erhält, Erniedrigst du dich, herr der welt! Nimmst selbst an unsrer menschheit theil, Erscheinst im fleisch, wirst unser heil. 8. Gedanke voller majes stät! Du bist es, der das herz erhöht. Gedanke voller feligkeit! Du bist es, der das Herz erfreut. 9. Durch eines sünde fiel die welt, Ein mittler ists, der sie erhält. Was zagt der mensch, wenn der ihn schüßt, Der in des vaters schooße figt? 10. Jauchzt, himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den tag der heiligsten geburt! Die erde, die ihn heute sieht, Sing ihm, dem herrn, ein neues 5. Dein könig, zion, kommt zu dir. Ich komm, im buche lied. steht von mir: Gott, deinen willen thu ich gern. Gelobt sey, der da fommt im berrn! 6. Herr, der du mensch geboren wirst, Immanuct ist. 11. Dies ist der tag, den gott gemacht; Sein werd in aller welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ, Fm himmel und auf erden 54 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. Met. Wir christenleut. trösten. Hallelujah! Halle73. Auf, schicke dich, Recht lujah! Freut euch des Herrn, feyerlich und lands fest mit danken zu begehen! Lieb ist der dank, Mel. Lobt gott, ihr christen. Der lobgesang, Durch den 74 so hat gott bie 74.210 ihn, gott der lieb, erhöhen. geliebt, Daß er aus freyem trieb Uns seihen sohn zum heiland giebt. Wie hat uns gott so 2. Sprich dankbar froh: Also, also hat gott die welt in seinem sohn geliebet! lieb!:,: wer bin ich, Herr, daß du mich So herrlich hoch in dei nem sohn geliebet? 3. Er, unser freund, Mit uns vereint, 3ur zeit, da wir noch seine feinde waren, Er wird uns gleich, Um gottes reich und seine lieb im fleisch zu offenbaren. 4. An ihm nimm theil, Er ist das heil, Thu täglich buß, und glaub an seinen namen. Der ehrt ihn nicht, Wer herr, herr, spricht, und doch nicht sucht, sein beyspiel nachzuahmen. 5. Aus dank will ich In brüdern dich, Dich, gottes sohn, bekleiden, speisen, trán: ken, Der frommen herz In ihrem schmerz Mit trost er freun, und dein dabey ge= denken. 6. Rath, kraft und held, Durch den die welt Und al: les ist, im himmel und auf erden! Die christenheit Preist dich erfreut, Und aller knie foll dir gebeuget werden. 7. Erhebt den herrn! Er hilft uns gern, Und wer ihn sucht, den wird sein name 2. Was sein erbarmungsvoller rath Schon in der ewigkeit Zu unserm heil beschlossen hat, Bollführt er in der zeit.:,: 3. Er, aller menschen höchstes gut, Der alle segnen kann, Nimmt, wie die kinder, fleisch und blut, Doch ohne fünde, an.:,: 4. Ich freue mich, mein heil, in dir. Du nimmst mein fleisch an dich. Was fehlt mir nun? ist gott mit mir, Wer ist denn wider mich!:,: 5. Du, sohn des allerhöchsten, wirst Uuch mir rath, kraft und held, Mein vater und mein friedefürst, So, wie das heil der welt.:,: 6. Was mir zum seligseyn gebricht, Das, herr, era warbst du mir. Versöhnung, leben, troft und licht, Das hab ich nun an dir.:: 7. Dein mangel wird mein reiches theil, Dein leiden stillt mein leid. Durch deine knechtsgestalt, mein heil! Gewinn ich herrlichkeit.:,: 8. Gelobt sey gott! ge= Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. 55 3. Der du zu uns, ges fandt vom herrn, Aus deis nem himmel kamest, Und une ser fleisch und blut so gern In demuth an dich nahmest, Sohn gottes! o wie hast du Mel. Lobt gott, ihr christen. 75. Er kommt, er kommt, bich So tief erniedrigt auch der starke held, Voll göttlich starker macht! Sein arm zerstreut, sein blick erhellt Des todes mitter: nacht.:,: für mich! arm du erschienen, Um meinem heil zu dienen! 2. Wer kommt? wer kömmt? wer ist der held Voll gött: lich starker macht? Messias ists! lobsing ihm, welt! Dir wird dein heil gebracht.:,: 3. Dir, menschgewordner, singen wir Unbetung, preis und dank. An deiner frippe schalle dir Der erde lobgefang!:: Tobt sein sohn! Durch den er gnad erweist. Lobt, engel, ihn vor seinem thron! Erheb ihn auch, mein geist!:,: 76. Gott, Mel. Ermuntre dich, mein. ott, deine gnade sey gepreist! Sie schuf uns heil und leben. Ermuntre dich, mein tråger geist! Ihr wohlthun zu er: heben. Denk an die nacht, da auf der welt Des höch= sten sohn sich eingestellt, Um sein so theures leben Für fimder hinzugeben. 2. D große that! er wünschte nacht! Bon engeln felbst besungen! Du hast den mitiler uns gebracht, Der uns das heil errungen. In dir erschien der starke held, Der alles schuf und alles hält, Der freund der menschenkins der, Des todes überwinder. 4. lehre mich den gros ßen werth Von deiner huld recht fassen! Was reizte dich, auf dieser erd Dich so herab zu lassen? Hier wartete dein nichts als noth, Verachtung, kummer, schmerz und tod; Und doch kamst du auf erden, Ein menschensohn zu werden. 5. Viel stärker, herr, als schmerz und tod, War deine menschenliebe. Du sahest un fre sündennoth Mit mitleidsvollem triebe. Du stimmtest, unser heil zu seyn, In deis nes vaters rathschluß ein, Wardst mensch, und kamst mit freuden, Für uns den tod zu leiden. 6. Immanuel! bein freu ich mich, Du bist auch mein erretter. Auch mir zum troste fandte dich Der herr, der gott der götter. Was mir ein wahres wohl verschafft, Erleuchtung, friede, beßrungss kraft, Und freuden, die stets währen, Willst du auch mir gewähren. 7. Was soll ich dir, mein größter freund! Für deine treue geben? Du bists, der 56 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. mich mit gott vereint, Tu sein reich, Erniedrigt sich und bringst mir heil und leben. wird uns gleich. Hallelujah! Herr! was ich hab, und was 5. Jauchzt, himmel! erde, ich bin, Das geb ich dir freue dich! Gott verföhnt die zum dienste hin. Ich will welt mit sich! Uns, adams dich, ohn aufhören, Mit leib sündiges geschlecht, Entsünund geist verehren. digt er, macht uns gerecht! 8. 3war seh ich dich im Hallelujah! fleisch noch nicht; Doch du wirst wiederkommen, Und dann schaun dich von ange: sicht, Herr, alle deine from Dann werd auch ich, herr Jesu Christ! Dich schaun, so herrlich als du bist. Dann wirst du mich men. zum leben, Das bey dir ist, erheben. 3. Die nacht entflieht; der tag bricht an Ueber die, so nie ihn sahn! Auf die, so finsterniß umgab, Glänzt gottes wahrheit nun herab. Hallelujah! 6. Gelobet feyst du, Jesu Christ! Daß du mensch geboren bist! Dir ist der erd freis unterthan, Dich beten alle himmel an. Hallelujah! Mel. Gelobet seyft du, Jesu Christ. 77. Gelobet feyst du, dir.:,: gottes Der du auf der allmacht thron Jetzt herrschest, und einst warst, wie wir, Anbetung, preis und dank sey dir! Hallelujah! 2. Dich fahn die våter schon von fern, Davids sohn und Davids herrn; Shr heil und ihre zuversicht, und aller völker trost und licht. Hallelujah! 4. Durch den die welt einst worden ist, Der einst richtet, Jesus Christ, Der schöpfung herr, kömmt in Mel. Lobt gott, ihr christen. 78. ingt dem versöhner, singt ihm dank, Herr gott! wir danken dir Es danket dort der Lobgesang Dir, überwinder, 2. Er, welcher schon von anbeginn Der welt mein reta ter war, Wird fleisch, wie ich, und was ich bin. Wie göttlich wunderbar!:: 3. Gerecht ist gott, und sein gericht Ist so gerecht wie er. Es gelten alle himmel nicht Vor dir, erschrecklicher!:,: 4. Sterbt, sprachst du, mehr als einen tod! Da lagen wir vor dir, Umringt mit elend und mit noth, Und starben für und für.:,: 5. Dein zorn, herr! soll versöhnet seyn, Dein sohn erbarmet sich, Und geht den tod des kreuzes ein Für eine welt! für mich!:: 6. Und als die zeit erfüllet war, Da sandte seinen sohn Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. 57 schöpfung sprach: entstehe! Der einst spricht: vergehe! 2. Laßt uns niederfallen, Danken, daß er allen Freund und bruder ist! Gott, auf seinem throne, Liebt uns in dem sohne, Brüder Jesu Christ! Welch ein heil, Um sohne theil, Theil durch seiner zukunft gaben An gott selbst zu haben! ( Hier saunet selbst der engel schaar!) Gott fandte seinen sohn!:,: 7. Der, welcher erd und himmel trågt, Hüllt sich in dunkelheit. In eine krippe wird gelegt Der herr der herrlichkeit. 8. Die erde kennt nicht ihren herrn, Die himmel ken nen ihn, Und leuchten treu durch einen stern Die weisen zu ihm hin.:,: 9 Im staube lieg ich, und bet an, Mein könig und mein gott! Ich dein geschöpf, dein unterthan, Bin reich durch deine noth.:,: 10. Mein ganzes Leben will ich dir, Dir, herr! zum danke weihn; Mit freuden arm, ein pilger hier, Und dort ein bürger seyn.:,:. 11. Hier gingst du, herr, in knechtsgestalt; Dort aber im gericht Ist dir gegeben die gewalt, Und finsterniß wird licht.:,: 12. Kommt, sterbliche, und küßt den sohn, Eh noch sein zorn entbrennt, Und eh er euch von seinem thron, Weh euch, verfluchte! nennt.:: Mel. Jesu, meine freude. 79. Gott ottes sohn ist kommen! Dankt ihm, feine frommen, Dankt ihm, daß er fam, Daß er hier auf erden, Unser heil zu werden, Seine wohnung nahm! Mensch, wie wir, Erschien er hier, Der zur 3. Keine macht der leiden Kann von ihm uns scheiden; Er bleibt ewig treu! Dort wird er vom bösen Gänzlich uns erlösen, Hier steht er uns bey! Unser freund, Mit gott vereint, Kann nicht seine brüder hassen, Noch sie hülflos lassen! 4. Wenn wir einst ermůden, Führt er uns im fries den In des grabes nacht. Unsre todten glieder Giebt die erde wieder Ihm, der fie bewacht. Jesus ruft Uns aus der gruft, Er, der selbst den tod einst schmeckte, Den das grab bedeckte. 5. Auf dem richterthrone Werden wir im sohne Unsern bruder schaun. Heil und ewigs leben Wird er allen geben, Die noch dann ihm traun. Er ward hier Versucht, wie wir; Ueberschwenglich wird er lohnen, Und der schwachheit schonen. 6. Eilet, eilt, ihr fünder! Werdet gottes tinder! Werdet seiner werth! Eilet, eilt, ihr frommen! Seyd, wie er, vollkommen! Bleibet feiner 38 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. werth! Preiset ihn, Daß er Mel. Lasset uns den herren. erſchien, Daß er ſich für euch 81. Der du uns das heil ein leben! errungen, Menschgewordner gottessohn! Ewig sey dir lob gesungen, Daß du von des himmels thron Uns zu gut ins fleisch ges kommen! Der du voller freundMel. Nun ruhen alle wälder. illkommen, quell 80. W ber freuden, Mein lichkeit. Längstens schon vor süßer trost im leiden, Mein fchuß im finstern thal! Will kommen, heil der fünder, Du freund der menschenkinder, Willkommen tausend, tausendmal! meiner zeit, Dich auch meiner angenommen, Und mein bruder worden bist; Sey gelobt, herr Jesu Christ! 2. 3war niedrig und geringe, Beherrscher aller din ge, Erscheinest du allhier: Doch, was dem aug enifliehet, Des heilands größe, fiehet Mein glaube selbst im stall an dir. 3. Unendliches erbarmen! 3u sündern, ewig armen, Kehrt deine hoheit ein; Uns freyheit, würde, leben, Einst fronen uns zu geben, Muß Enechtsgestalt die deine feyn. 4. Mit dankerfüllten lippen Nah ich mich deiner Frippen. 3war arm ist nur mein dank; Doch laß ihn dir gefallen, Des säuglings schwaches lallen Ist, herr, vor dir ein lobgesang. 5. Hier schlägt uns fünde nieder; Doch hoffnung stärkt uns wieder. Bald kommt die zeit heran, Wo ich, zu deiner ehre Entbrannt in höh're chöre Den frohen jubel mischen kann. 2. Sev gelobt! denn dir gehöret Preis und dank und ruhm mit recht. D, wie hoch hast du geehret Unser sterb liches geschlecht! Herr! du hast es selbst vermählet Mit der göttlichen natur, Und vor aller creatur Es zur luft dir auserwählet. Ja, in dir, du gottessohn! Siht der mensch auf gottes thron. 3. Du, du bist der völker fegen, Kamst, vom fluch uns zu befreyn, Und wir können gottes seyn. Hat die sünd deinetwegen Nun noch kinder uns gleich verdorben, hast du neue kraft Uns zur heiligung verschafft, Und die tüchtigkeit erworben, Einst von fünden völlig rein. Deia nem bilde gleich zu seyn! fo 4. Du, du bist der mittler worden, Der die welt mit gott versöhnt, Hast der schwachen menschheit orden, Wieder mit dem recht bea lehnt, In den himmel ein: zugehen, und des herren herrlichkeit Nach der kurzen Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. 59 3. Wer kann gottes rathschluß fassen? Aber dies Ist gewiß: Gott kann uns nicht hassen! Kommt der sohn aus freyen trieben 3u uns her; Wie sollt er Nicht die mens schen lieben? prüfungszeit Ewig einst vers klárt zu sehen. Nun hat meine zuversicht Einen an ker, der nicht bricht! 5. Sollte gott mich nun wohl hassen? Hier ist ja Immanuel! Sollt er mich wohl bülflos laffen? Hier ist ja der hülfe quell! Was vermag mich anzufechten? Er, der meinen jammer fennt, Und mich seinen bruder nennt, Sist als herr zu gottes rechten. Durch ihn bin ich gott vereint, Gott ist mein vers söhnter freund. 6. Herr, wie groß ist deine güte! Meine seele freut sich dein. Laß doch stets mein ganz gemüthe Voll von dei nem ruhme feyn. Nimmer will ich dein vergessen. Dir will ich mich ganz vertraun, Freudig folgen, auf dich baun. Deine huld ist uners messen. Gieb, daß ich für deine treu Dir auf ewig dankbar sey. 82. Last Mel. Warum sollt ich mich benn. aßt uns unserm gott lobsingen! Hoch er: freut Laßt uns heut Ihm verehrung bringen! In des himmels hohe chóre Stimmet ein: Gott allein, Unserm gott sey ehre! 2. Jeder, der sich fühlt verloren, Freue sich Innig lich; Christus ist geboren! Er, der könig aller wesen, Steigt herab Bis ins grab Sünder zu erlösen. 4. Wenn er uns verwor fen hátte, Náhm er dann Menschheit an: Er spricht; ich errette! Deß soll sich der erdkreis freuen! 3um gericht Kömmt er nicht, Sondern zum verzeihen, 5. Eilt im geist nach bethlems hütten; Seht, was dort Euer hort Schon für euch erlitten! Er wird nies drig eurentwegen. Welch ein freund! Er erweint Seinen feinden segen. 6. Er, er will für eure schulden, Armuth, noth, Schmach und tod Göttlich groß erdulden. Lernt den menschenfreund erkennen! Gnadenreich Will er euch Seine brüder nennen. 7. Dankt ihm, der eu'r innres sehnen Sehen kann! Betet an! Opfert freudenthránen! Liebt ihn, der von liebe brennet, Traut dem Herrn, Der euch gern Seine brüder nennet! 8. Wenn euch eure sünden krånken; Eilt herzu, Suchet ruh! Er will fie euch schenken. Schaut auf ihn mit glaubensblicken! Bittert nicht! Denn er spricht: Ich will euch erquicken. 9. Shr erdulder schwerer 60 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. tage, Euren schmerz Fühlt 2. Allein so herrlich, groß sein herz, Kein erlöster zage! und wichtig, Auch dieser Bringet ihn an seinem feste friede für uns ist, So bleibt Zutraun her, Wiffet, er doch alle hoffnung nichtig, Wählt für euch das beste. Wenn nicht der heiland Jesus Christ Auch unser gan= zes herz gewinnt, Und wir nicht gottes finder sind. 10. Er verläßt euch nicht, ihr schwachen! Mehr, als ihr, Litt er hier, Euch beglückt zu machen. Eure kleine zeit der leiden Und der müh; Was ist sie Gegen ewge freuden? II. Gottmensch! du nahmst meine bürde Gern auf dich, Daß auch ich Frey und selig würde. Wer kann deine lieb ergründen? Ewig soll Freus denvoll Sie mein herz em pfinden. 12. Dir, mein göttlicher befreyer, Folg ich nach, Obwohl schwach, Doch um so viel treuer. Keine creatur, kein leiden, Keine noth, Und kein tod Soll von dir mich scheiden. 13. Du kommst einst zum weltgerichte! Dann werd ich, Richter, dich Schaun von angesichte. Gott, wie wird dein hasser beben! Dann werd ich Deiner mich Freun, und ewig leben. Mel. Wer nur den lieben gott. 3. Wollt ihr denn, mens schen, schon auf erden Gott angenehm und dankbar seyn, So müßt ihr fromm und heilig werden; Sonst ist eu'r glaube nur ein schein. Der dank, der nicht von sünden frey, Ist sünde selbst und heucheley. 4. Drum kehret um, seyd wie die kinder, Legt ab den stolz und übermuth! Bedenkt, bedenkt, verlorne sünder! Nur euch zum beyspiel, euch zu gut Wird gottes fohn selbst arm und klein; Ach laßt ihn euer muster seyn! 5. Mein heiland, meiner seele führer! Was kann ich schwacher ohne dich? Sey du mein beystand, mein regierer, 3u deiner ehr erleuchte mich! Dir nachzufolgen, gieb mir kraft! Nur du bists, der mir hülfe schafft. 6. Gieb mir dein herz! dies ist dein wille; Ich geb es dir hin. Doch wie ich dieses recht erfülle, Dies, dies bekümmert meinen sinn. Doch du hilfst meiner schwachheit auf. Und stärkst mich in der tugend ist erschienen; Erlöste menschen, auf! und eilt, Des großen heils euch zu bedienen, Das euch sein lie: ber sohn ertheilt! Er ists, der einer fünd'gen welt Mit lauf. gott den frieden hergestellt. 7. Du kannst mein herz Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. 61 schenk ser nicht, Dich jammert das verderben. Mit liebevollem angesicht Sprachst du: ihr fout nicht sterben; Der súnder ist noch mensch, und mein, Soll besser werden. selig seyn; Sey, sohn, der todten leben! 4. Der sohn der liebe liebt, wie du! Hier bin ich!( wort voll gnade!) Ich eile den vers lornen zu, Und wandle menschenpfade. Mit deiner kraft, mit deinem blick Voll huld, führ ich sie dir zurück; Shr bruder will ich werden. 5. Du famst, du kamst, o Jesus Christ! Mit göttlis chem erbarmen, Mit allem, was des vaters ist, Herab zu uns, uns armen! Und du, durch den die himmel sind, Du hocherhabner! wirst ein kind, Wirst der verlornen bruder. zum guten lenken; ihm ganz des himmels finn! Laß dein bey allem thun mich denken, Nimm alles eitle von mir hin. Gieb glauben mir und frömmigkeit, Bereite mich zur ewigkeit. 8. Die unermeßlich große liebe, Die dich herab vom himmel zog, Dich aus erbarmungsvollem triebe Selbst in den Tod zu gehn bewog, Die ziehe mich vom laster ab, Daß ich dir treu sey bis ins grab. 9. Dann werd ich einst in jenem leben, Dem stande der vollkommenheit, Dir lob und preis und ehre geben, Und fingen: herr der herrlichkeit, Der du dies leben mir er warbst, Preis dir, daß du für fünder starbst! 84. Wie Mel. Es ist das heil uns kommen. Pie, höchster aller våter, wie, Wie können wir dir danken? O! deine huld, wie groß ist sie! Wie ohne nam' und schran: ken! liebe! von dem höchs sten thron Der himmelsthro: nen kam dein sohn Huldreich zu uns hernieder! 2. In finsternissen waren. wir Vertieft in tausend fün: den; Den weg zur freiheit und zu dir, Wie konnten wir ihn finden? Wir tappten, strebten immerdar Nach lust, die uns verderben war, Und hatten dein vergessen. 3. Doch du vergaßest uns 6. In armuth, blöße, noth und schmerz Sinkst du aus gottesfreuden Herab, aus licht in nacht, dein herz Will menschenleiden leiden, Will lernen, in der herbsten pein Gott folgsam, gott gehors sam seyn, Und gottestugend lehren. 7. Du nahmst an kraft und weisheit zu, Wie andre menschenkinder, Was gott gebot, das thatest du, Das lehrtest du die sünder, Urbeis tetest, ach! tag und nacht, Die sünde, die uns elend macht, Ach, die uns zu vers bittern. 62 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. 8. Das alles thatst du, Eh ihr noch ihn gefunden? Jesus Christ.! Daß wir die Fragt euch nur selbst, was tugend lernen, Von dem, waret ihr? O deutsches volk, was uns verderben ist, Uns erwecket dir Dein vorigs bild ewiglich entfernen, Daß wir, nicht grauen? von furcht, vom laster rein, Dir bester! bester! ähnlich seyn An weisheit, kraft und gute. 9. O sey mit dankerfüllter brust Gepriesen, großer ret ter! Du, erster bruder, höchste lust! Herr! mittler! heil! vertreter! Unendlich mehr hast du gethan, Als menschenfinn je fassen kann! Anbetung dir, und liebe! 4. Ein volk, mit gott ganz unbekannt, Von seiner lehr entfernet, Das von der tugend abgewandt, Nur böses thun gelernet, Das todten stein, geschnittes holz, Wohl gar auf seine blindheit stolz, Als seine götter ehrte. Der den Weisen geoffen: barte Weltheiland. Mel. Nun freut euch lieben. hat den 6. Nun heut, volk 85 a). Huben sich gottes, dich Vor ſeinem andein reich 3u nåhern ange fangen. Ein helles licht ist auch zugleich Den völkern aufgegangen. Dies sey tir, welt, ein freudentag! Die nacht, die auf den völkern lag, Durchbrach zuerst sein schimmer. gesichte. Beharrst du unverånderlich In seiner wahrheit lichte? Was helfen opfer des gebets 3um wahren gott, wenn du noch stets Der sünde sclavisch dienest? 2. Kaum sandte gott mit seinem sohn Der erde große freuden, So sammlet er sich selber schon Die erstlinge der heiden. Zu ihrem neugebor: nen herrn Muß sie ein wunderbarer stern Aus fernen landen führen. 5. Beglückter tag, der jene macht Des gößendiensts entwendet! Daran uns gott nach langer nacht Sein licht und heil gesendet! Da gott in dir, Immanuel, Mit deinem wahren Ifrael nun auch die heiden dankten! 3. Der vor'gen zeit denkt, christen, doch! Heil euch! sie ist verschwunden. Was wart ihr, eh der herr euch noch, 7. Was hilft es, daß du gott erkennst, Und seinen gans zen willen, Wenn du das thun und wissen trennst, 3u trág ihn zu erfüllen? Wenn du oft treu gelobst und brichst; 3war christlich glaubst, und christlich sprichst, Und doch als heide wandelst? gott 8. Uch prüfe dich! nimmt sein licht, Wenn mans nicht schäßt, zurücke. Steh auf vom schlaf, damit er nicht Sein wort auch dir ents Von der Menschwerdung und Geburt Jesu., 63 rücke. Gott! hör uns nicht für die fünder, Hier steht zu tragen auf, und fördre allen, die sein hoffen, Nun deiner lehre lauf Noch zu der weg zum himmel offen. den fernsten heiden. 85.b) Mel. Schmücke dich, o liebe seele. ott, dein uns sichtbares wes sen Läßt sich in dem lichte lesen, Das du uns, um dir zu leben, Schon durch die vernunft gegeben. Herr, ich muß aus deinen werken Dein nothwendigs daseyn merken, Und die pflicht, dich zu ver= ehren, Kann mich meine schöpfung lehren. 2. Die vernunft zeigt deine größe Und entdeckt mir meine blöße, Ruft, mit dir mich zu verbinden; Doch dies bindern meine fünden! Diese kann ich nicht verfühnen, Meine fraft kann nichts verdienen. Ach vernunft! dies ist der schade; Aber wie find' ich nun gnade? 3. Hier erscheint in größs rer klarheit Uns ein licht, das wort der wahrheit. Dies verspricht den geistlicharmen Güter, frieden und erbarmen; Hier ist heil für mens schenkinder, Hier ein bürge 4. Lob und preis, und dank, und ehre, Herr, sey dir für diese lehre, Die dein sohn, den du zum leben Der verlornen welt gegeben, Und den du zum licht erwecket, Uns auf erden selbst entdeks ket! Ihre wahrheit, werth und stärke Zeigten seine gros ßen werke. 5. Gott! wie reich an trost und segen, Und wie groß in deinen wegen, Lehrt dich uns dies wort wort vom glauben! Wer will uns den himmel rauben, Wenn wir auf dein zeugniß bauen, Deiner vaters huld vertrauen, Unsern mitt ler gläubig kennen, Und in deiner liebe brennen? 6. Aber ists von uns ges schehen? Bater, trage das vergehen, Trag uns noch nach deiner treue! Gieb uns glauben nach der reue; Laß uns nichts von dir entfernen; Stets getreu von Jesu ler. nen, Und uns einst, bewährt durch ringen, In das reich des lichtes dringen. 64 Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. todten wieder geben, Wenn deine stimme ruft. 86. Me Von der Person Jesu. Mel. Nun lob mein seel den. Dein heiland! deine größe Geht über alle himmel weit. Wer ist, der sie ermesse? Du warst bey gott von ewigkeit. Du bist der erstgeborne Vor al Ier creatur; Kamst zwar für uns verlorne In menschlicher natur, Doch in der mensch: heit orden Tratst du erst in der zeit. Denn eh die welt geworden, Hatt'st du schon herrlichkeit. 2. Der himmel und die erde Sind auf dein kräftigs wort gemacht. Auf dein allmächtig: werde! Entstand die welt in ihrer pracht. Du bist auch unser meister; Auch uns schuf deine hand, So wie die welt der geister, Die dich noch ehr erkannt, Dich, erb herr über alles! Das ist dein ewger ruhm; Drum jammert dich des falles Von deinem eigenthum. 3. Du trågest alle dinge Durch deiner allmacht starkes wort. Das große und geringe Geht bloß durch dei nen willen fort. Sohn got: tes! du regierest Den ganzen kreis der welt! Weil du das scepter führest, Geschieht, was dir gefällt. Bey dir steht tod und leben! Drum wird einst jede gruft Die 4. Wie herrlich ist dein name Schon jetzt, o herr, in aller welt; Dich preist der frommen saame, Der glaubig dir zu fuße fällt. Dich preifen seraphinen, Erhabner menschensohn! Mit freuden dir zu dienen, Stehn sie vor deinem thron. Wer wollte dein sich schämen? Werth bist du, preis und ruhm, Auch, herr, von uns zu nehmen, Uns, deinem eigenthum. 5. Sohn gottes! ich vers ehre Und bete dich in des muth an. Bescháme und be kehre Die, die dir noch nicht zugethan, Die deinem wort nicht glauben, Und dir, der für sie litt, Die schuldge ehre rauben: Theil ihnen gnade mit, Dich glaubig zu erkennen. Laß nichts, die dich erkannt, Von deiner lies be trennen. Dein ruhm füll jedes land. 87. Mel. Herr Chrift, der ein'ge. Christe, eingebors ner, Von ewigs keit gezeugt! Des vaters auserkorner, Zu dem sein herz sich neigt! Mit ihm von einem wesen, Bleibst du, der du gewesen, Der glanz der herrlichkeit. 2. Für uns ein mensch geboren, Der keuschen jungs Von der Person und dem frau sohn, Wie gottes eid geschworen, Erlittst du quaal und hohn; Starbst, daß wir leben möchten, Erhubst uns zu gerechten, Und erben dei nes reichs. 3. Gieb stets in reicherm maaße, Erkenntniß deines heils, Daß keiner je verlasse Die wahl des besten theils. Laß uns im glauben bleiben, Durch ihn zur lieb uns treiben, Und zu der lust an dir. 4. Der du trågst alle dinge, Des vaters ewge kraft! Ohn den ich nichts vollbringe; Der alles gute schafft! Hilf, daß mich nichts ver: blendet, Mein herz nichts von dir wendet, Nichts meine liebe schwächt. 5. Laß uns, mit dir begraben, Mit dir auch auferstehn; Mit dir zur höh erhaben, Nicht auf das eitle sehn; Dich wissen und dich hören, Nach dir allein begehren, Dein todt und lebend seyn. 6. Dank, lob und preis und ehre Sey gott in ewigkeit Für solche süße lebre, Mit der er uns erfreut. Sie tröst uns, wenn wir leiden, Sie stårk uns, wenn wir scheiden, Sie schüß uns im gericht. Leben Jesu auf Erden. 65 zunge kann Genug gepriesen werden! Ich danke dir, daß du Des zornes schwere last, Im fleisch geoffenbart, Von mir genommen hast. 2. Wie leicht, wie bald wird nicht Mein banges herz gestillet, Wenn mich mit seis nem trost Dein süßer nam erfüllet. So lieblich ist kein trost, Als den dein name giebt, Der name deß, der uns Bis in den tod geliebt. 3. Jesu, höchstes gut! Nur du kannst freude bringen, Mir kann nichts lieblicher, Als Jesu name klingen. Dein name kündigt mir, Hab ich des traurens viel, In dir den heiland an, Der selig machen will. 4. Will des gesebes fluch, Will tod und grab mich schrecken, So soll dein name herr, Mich schützen und be decken. Er sey mir trost und hülf In aller angst und noth; So bin ich unverzagt Im leben und im tod. 5. Er sey mein licht, wenn ich Im finstern thale walle; Er sey mein fester stab, Daß ich nicht gleit und falle, In hitz ein schatten mir, Mein schirm vor seinde wuth, Mein reichthum, ehr und ruhm, Er sey mein höchstes gut. Von dem Namen Jesu. 6. Er sey mir stets der weg, Die wahrheit und das leben; Er wolle mir zuletzt Mel. O gott, du frommer gott. 88. nun sch Jesu, desfen. Aus gnaden dieses geben, und auf erden Durch keine mir mein sterbetag, Mit gro 66 Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. freudigkeit In ihm entschlafen mag. leben schenken kann. Gelobet sey dein name! 7. Bis dahin helf er mir, So lang ich hier noch wandle, Daß ich in meinem thun, Wie sichs gebühret, handle. Er steh auch immerdar Mit feiner fraft mir bei, Erhalt in meinem amt Und stande mich getreu. 8. Dir leb ich, und in dir, In dir will ich auch sterben; Herr! sterben will ich dir, In dir will ich ererben Das ew'ge himmelreich; Denn das erwarbst du mir. Von dir verklärt will ich Dir danken für und für. 4. name! werde doch in mir Durch gottes geist verklåret, Da, was verborgen ist in dir, Kein fleischlich Herz erfähret. Denn die vernunft begreift es nicht; Ohn deines geistes gnadenlicht Blieb es unaufgeschlossen. 5. Laß mich empfinden deine kraft, Von heißer lieb entbrennen, Mich, was dein name gutes schafft, Stets So aus erfahrung kennen. wird der sündennoth gewehrt, In hoffnung meine furcht verkehrt, Und seligkeit mein erbe. Mel. Es ist das heil uns kommen. 89. Mein Jesu, du hast Auf die Darstellung Jeſu schuld Mit im Tempel. hörte lieb und huld! Frey: 90. W verlaß die welt, ihrer strafe plagen, Ouner- Mel. Kommt her zu mir, spricht. ohlauf mein herz! willig wollen tragen. Du, der gerechte, ließest dich Zur sünde machen, daß ich mich In dir gerecht kann nennen. Dem, der für dich sich dargestellt, Nun dich auch darzustellen! Er ist das licht; drum sey gewiß, Er werd auch deine finsterniß Durch seinen glanz erhellen. 2. So heißest du nicht Je fus nur, Du bist auch, was du heißest, Da du die mensch liche natur Aus allem jam= mer reißest. Die that stimmt mit dem namen ein, Du wolltest, was du heißest, seyn, Mein heil, mein selig. macher. 2. Ach! du sollst ihm sein tempel seyn! Er selbst macht dich von fünden rein, Und hat hier lust zu wohnen. Doch hoffe nicht, daß Jesus Christ In solchen herzen wohnhaft ist, Die noch der lüste schonen! 3. Was nur dem fleische wohlgefällt, Das opfre die verkehrte welt Dem satan, ihrem gotte. Sie erntet scha3. In keinem andern ist ja heil; Kein nam ist uns gegeben, Darin wir könnten nehmen theil Un feligkeit und leben; Du bists allein, der jedermann Ein ewigs Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. 67 den blos für müh, Für ihren fundendienst wird sie Einst ewiglich zu spotte. Der sohn der unfruchtbaren, Den jenes engels mund Vers heißen, sollt allein Der feu= schen jungfrau sohn. Ein würdger herold seyn. 4. Doch wer vom geist, wie Simeon, Sich treiben läßt, nur gottes sohn Zum hell begehrt zu haben, Gott fürchtet, sich der welt entwöhnt, Aus ihr sich nach dem himmel sehnt, Der opfert rechte gaben. 3. Du willst durch ihn die welt Von deinem heil belehren, Und ihn auch ehrest du, Um deinen sohn zu ehren! Sein vater wird erst stumm. Der stumme schnell beredt, Und weisfagt, da auf ihn Der geist des herrn geråth. 5. Wer durch das wort, darauf er traut, Im glauben seinen heiland schaut, Der kann in friede fahren. Der heiland hält, was er verspricht. Er wird sich ihm in seinem licht Dort herrlich offenbaren. 6. Herr, mache mich gerecht und rein! Herr, laß mich stets voll glaubens seyn, Mich stets im geiste leben! Bis du auch mich, wenn dirs gefällt, In friede wirst aus dieser welt In deine wonn' erheben. Von dem Vorläuferamte 4. Das kind wird stark am geist, Der gnade treuer lehrer, Ein brennend, scheinend licht, Ein mächtiger bes kehrer, Ein heil'ger eiferer, Der ohne schonen straft; Auf feiner seele ruht Eliá geist und kraft. 5. O welch ein gnadenwort! Dwelche füße stimme, Die in der wüst' erschallt! Gott straft nun nicht im grimme Die fündenvolle welt; Sein himmelreich ist nah; Denn, der die welt mit gott Versöhnen soll, ist da. 6. Euch ist solch heil bereit, Ihr fünder! nehmts zu ohren! Freut mit Johanne 91. er noch ungebound fluch beladen; Da öff- ren, Des heilands sich ernetest du, gott, Die fülle freut; So freut er sich auch deiner gnaden. Dein sohn nun, Durch tauf und predierscheint; du schickt Den, gen Ihn allen kund zu thun. dessen dienst die bahn Dem 7. Allein zu Jesu hin Verherrn bereiten foll, 213 sei- weist er seine jünger, Allein nen knecht voran. auf Jesum zeigt Sein ausgestreckter finger. Seht, das ist gottes latam, Das, mit 2. Gott! wer kann thun, wie du? Schon wohlbetagt an jahren Gebiert Elisabeth. dem fluch belegt, Für uns 2 Johannis. Mel. Nun danket alle gott. s lag die ganze ( 68 Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. geschlachtet wird, Und aller sünden trägt. Du machtest selbst durch deis nen mund Das künftige den menschen kund. 8. Wohl dem, der dieses lamm, Auf das Johannes weiset, Mit festem glauben faßt, Und auch im leben preiset. Wer, feinem taufbund treu, Sich Jesu ganz ergiebt, Der ist in ihm von gott Begnadigt und geliebt. 9. Das werd auch unser theil! Johannis amt und lehre Verherrliche noch stets, Gott, deines namens ehre. Wer buße thut, und glaubt, Hat trost auf alle zeit. Wer buße thut und glaubt, Der bleibt in ewigkeit. 4. Dies und die wunder deiner hand Sind uns ein göttlich unterpfand, Was man aus deinem mund ges hört, Sey wahrheit, die uns gott gelehrt. Nie schwäche mir der frevler spott Den glaus ben an dies wort von gott. 5. Du lehretest durch wort und that, Man trifft der reinsten tugend pfad In deinem heilgen wandel an. Gieb, herr, daß ich auf dieser bahn, Gestärkt von dir, mit steter treu Dir nachzu folgen eifrig sey. Von dem Lehramte Jesu. Mel. Vater unser im himmelreich. 92. Dein Lehrer ist dir, 6. Du bist es, herr, von dem das amt, Das die ver: söhnung predigt, stammt, Jesu, gleich. An Du machst durch treuer leh weisheit und an liebe reich, rer mund Noch jetzt dein Bist du, sowohl durch wort als that, Der schwachen menschen sichrer rath. Es freut mein geist im glauben sich, Herr Jesu, dein und lobet dich. heil den menschen kund. Bes gleite stets mit deiner kraft Ihr amt, damit es nutzen schafft. Du kamst zu uns von gott gesandt, und machtest uns den weg bekannt, Wie wir, befreyt von sündenschuld, Theilhaftig werden seiner huld. Auf ewig sey dir dank und ruhm, Herr, für dein evangelium. 3. Du sahest in der gott heit licht Mit aufgeklärtem angesicht, Was, nach des höchsten weisen rath, Die welt noch zu erwarten hat; freut. 7. Noch immer hilfft du deinem wort In seinen siegen mächtig fort. Du sendest, wie dein mund verheißt, Noch immer deinen guten geist, Der dem, der wahrheit sucht und liebt, 3um glauben licht und kräfte giebt. 8. Mein heiland! send ihn auch zu mir, Daß er mich zu der wahrheit führ, Vom eigendunkel mich befrey, Da mit ich dir gehorsam sey, Bis mich bei dir in ewigkeit Ein hellres licht dereinst er Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. 6g Von dem heiligen Leben Mel. Schmücke dich, o liebe seele Jesu. 94. Heiland! beine mens 93. 3u Mel. Machs mit mir, gott. u wesentliches ebenbild Der allerhöchsten liebe! Du warst, War die quelle jener triebe, Welche dich ins fleisch gezogen, so großer treu bewogen, Dich o Jesu, ganz erfüllt Mit mit schmach und schmerz bes gott geweihtem triebe. Gott decket, Dich vom kreuz ins war dein zweck; dein höch: grab gestrecket, wer faßt stes gut; Shm folgtest du die starken triebe Deiner mit heldenmuth. treuen menschenliebe! 2. Ueber seine feinde weis nen, Jedermann mit bülf erscheinen, Sich der blinden, lahmen, armen, Mehr als väterlich erbarmen, Der betrübten klagen hören, Sich in andrer dienst verzehren, Sterben für die årgsten fünder; Das ist lieb, o mens schenkinder! 3. D du zuflucht der elens den! Wer hat nicht von deis nen hånden Segen, hülf und heil genommen, Der gebeugt zu dir gekommen? Wie ist dir dein herz gebrochen, Wenn dich kranke angesprochen! Und wie pflegtest du zu eilen, Das gebetne mitzutheilen! 4. Die geångsteten zu står ken, Auf die kinder selbst zu merken, Die unwissenden zu lehren, Die verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, Liebreich zu dir hinzulocken; War, mit schwächung deiner kräfte, Herr, dein tägliches geschäfte. 5. O wie hoch stieg dein erbarmen, Da du, heiland, für uns armen, Dein un schätzbar theures leben In 2. Du warst mit ihm ein sinn, ein herz; Sein wille war dein wille. Du ehrtest ihn, auch unter schmerz, Stets mit zufriedner stille. Selbst auf der allerrauhsten bahn, Sahst du ihn noch als vater an. 3. Du suchtest nichts, als sein gebot, Vollkommen zu erfüllen, und unterwarfst dich bis zum tod Ganz dei nes vaters willen. Dein hauptgeschäft war das allein, Ein herold seines ruhms zu seyn. 4. Du gingst verstummt zur schlachtbank hin, Gehorsam zu bezeigen; Man sah dich mit gelaßnem sinn 3ur schädelstätte steigen. Du warst zur tiefsten schmach gefaßt, Und trugst die schwere freuzeslast. 5. O heiland! der du mich versöhnt, Laß dein verdienst mich decken, Wenn mich, der ich oft gott verhöhnt, Verdiente strafen schrecken, Hilf mir, daß ich, so gern wie du, Den willen beines vaters thu. 70 Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. den årgsten tod gegeben! Da Sein zärtlich herz verschlos zur tilgung unsrer schulden, Du die strafe wolltst erdul den, Und, uns segen zu erwerben, Als ein fluch am kreuze sterben! sen seyn? Aus feinen thrd: nen, fünder! wißt, Daß Sefus Christ Ein treuer hoherpriester ist. 6. Deine huld hat dich getrieben, Sanftmuth und geduld zu üben, Haß mit haß nicht zu vergelten, Deine schmäher nicht zu schelten, Allen freundlich zu begegnen, Für die lästerung zu fegnen, Deine feinde zu vertreten, Und für mörder selbst zu beten. 2. Ja, heiland, diese thrånen finds, Die kraftig für mich bitten, Wenn ich die pflichten eines Finds Treubrüchig überschritten. Wie hoch sind sie vor gott geschäßt! Wer sie zu seinem troste sest, Der wird, wenn er, voll traurigkeit, Sein thun bereut, Mit gnad und heil von gott erfreut. 7. Demuth war bei spott und hohne Deiner tugend schmuck und krone; Nie haft du nach ruhm getrachtet, Und auf menschenlob geachtet! Deines vaters heilgen willen Mit gehorsam zu erfüllen, Und uns heil und trost zu geben, War der zweck von deinem leben. 8. Laß mich, herr, zu reichem segen, Deinen wandel oft erwägen! Laß mich in der angst der fünden Trost und hülfe bei dir finden. Heilige auch meine triebe 3u rechtschaffner menschenliebe. Laß mich immer mehr auf erden Deinem bilde ähnlich werden. 3. Uch! diese thrånen ma che doch! Mein mittler, nir zum segen! Laß sie, drückt mich der fünden joch, Mein innerstes bewegen; Daß nicht, wenn jeder fummer leicht 3u bittern thránen mich erweicht, Mein herz allein bey seiner reu Die thrånen scheu, Shr quell nur dann verschlossen sey. sus heiße zähren; Bezeugt, es sey ihm angenehm, Wenn sünder sich bekehren. Wie follte je vor unserm schreyn 4. Ich muß ja oft vor herbem schmerz Hier bange thránen weinen, Der bosheit anblick quált mein herz, Auch fránkt die welt die deinen. Bemächtiget dann meiner sich Der kummer; o! so tröst ich mich: Der grimm, den die an dir verübt, Die du ges liebt, Hat bis zu thránen Ueber die Thränen Jesu. Mel. Allein zu dir, herr Jefu. 95. Es weinet um Je- dich betrübt. Mein Je5. Herr, du siehst meine thránen an, Und du bists, der sie zählet, Wenn ich sie selbst nicht záhlen kann, Daß dir nicht eine sehlet. Sie Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. 71 bleiben immerdar vor dir, kann. Dem kurzen leiden Und neigen bald dein herz dieser zeit Folgt seligkeit zu mir, Daß es, da du oft Dereinst in alle ewigkeit. gleiche last Erfahren hast, Bey meinem kummer mitleid faßt. 7. Du selbst erduldest quaal und spott, Eh wonn' und preis dich krónen. Auch thránen weintest du zu gott, Uns fünder zu versöhnen. Du. strittest erst; dann gingest du Aus allem streit in deine ruh. Dorthin erhebst du einst auch mich; Dann preis' ich dich Für nicht verstehn, noch nennen deine huld, herr, ewiglich! 6. Der christ, der hier mit thránen få't, 3u gott in des muth stille, Der erntet, wenn er aufersteht, Der freuden reichste fülle, Er sammlet freuden, welche man Hier Von dem Leiden und Tode Jesu. Erweckung zur fruchtbaren Betrachtung des Leidens Jesu. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 96. Meine feel, ermuntre dich, Jefu liebe zu bedenken. Auf sein leiden müsse sich Deine ganze andacht lenken; Daß dein herz der großen treue Deines Jesu fich erfreue. 2. Sieh! der wahre got tessohn; Ist für dich ans kreuz geheftet; Hier hängt er voll schmach und hohn, Blutig, schmerzenvoll, entkräftet! Uch, für dich mit fluch beschweret, Wo ist größre lieb erhöret? 3. Du, du solltest große pein Ewig in der hölle leiden, Und von gott verstoßen seyn, Ewig fern von allen freuden. Nun trågt Jesus deine sünden, Daß du könntest gnade finden. 4. Sein verdienstlich leiden stillt Deines richters zorn und rache. Er hat das gesetz erfüllt, Gut gemacht die böse fache; Sünde, teufel, tod bezwungen, Und das leben dir errungen. 5. Nun, was liegt dir ob, mein herz, Dem dich dankbar zu beweisen, Der sogar durch blut und schmerz Seis ne lieb' an dir will preisen? Kannst du wohl in schwachen tliedern Ihm so große lieb erwiedern? 6. Ach, ich kann ja nimmermehr Das geringste nur vergelten! Er verbindt mich ihm zu sehr. Meine trågheit muß ich schelten, Daß ich ihn so lau geliebet, Ja durch sünden oft betrübet. 7. Was geschehen ist, das soll Ferner nicht von mir geschehen. Fest entschlossen, eifersvoll, Einen andern weg 72 Von dem Leiden zu gehen, Will ich nun nur Jesum suchen, Und, was ihn betrübt, verfluchen. 8. Weg, ihr fünden, weg von mir! Euch kann ich an mir nicht leiden! Welch ein schnöder grául send ihr! Ach! von dem wollt ihr mich scheis den, Ohne welchen ist kein leben, Keine gnade, kein vergeben! 9. Dir, mein Jesu, dir, mein heil, Will ich ganz mich übergeben; Als dein eigenthum und theil, Will ich dir alleine leben. Dir zu ehren will ich leiden, und in dir einst selig scheiden. und Tode Jesu. glauben wir mit dir Uns, mein Jefu, recht verbinden, Schenkst du schon so viel auf erden, D, was wird im himmel werden! II. Drohten mir sogar um dich Tod und marter, schmach und bande, Mich schreckt nichts; von dir hab ich Deinen geist zum theuren pfande, Daß ich soll den himmel erben. Darauf kann ich fröhlich sterben. 12. Nun, so bleibt es fest dabey: Jesus soll es seyn und bleiben, Dem ich lebe, deß ich sey; Nichts foll mich von Jesu treiben. Du wirst, Jesu, mich nicht lassen; Ewig will ich dich umfassen. 13. Ist schon jeto, ist schon hier Solche freud und ruh zu finden, Wenn im 14. Was für wonne nach dem leid! Nach dem elend, was für ehre! Was für ruhe nach dem streit! Was für frohe jubelchore! Ewig werd ich gott dort loben. Wenn er mich zu sich erhoben. 15. Täglich, täglich freu ich mich Auf dies freudenvolle leben. Heiland, dir sey dank, durch dich Wird es mir dereinst gegeben! Laß, im glauben mich zu halten, Deine kraft in mir stets walten. 10. Du, mein Jesu, sollst es seyn, Auf den stets mein auge blicket. Du bist mein, ich bleibe dein Immer ganz und Mel. Wend ab deinen zorn. uuverrücket. Was du liebst, Was du liebst, 97. Herr, stärke mich, will ich auch lieben, Was dich krånkt, soll mich betrüben. dein leiden zu bedenken, Mich in das meer der liebe zu versenken, Die dich bewog, von aller schuld des bösen, Uns zu erlösen. 2. Vereint mit gott, ein mensch gleich uns auf erden, Und bis zum tod am kreuz gehorsam werden, An unsrer statt gemartert und zerschlagen, Die fünde tragen; 3. Welch wundervoll hochheiliges geschäfte! Sinn ich ihm nach, so zagen meine kräfte; Mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde Den fluch der sünde. 4. Gott ist gerecht, ein rácher alles bösen. Gott ist die lieb' und läßt die welt erlösen; Dies kann mein geist Von dem Leiden und Tode Jeſu. mit schrecken und entzücken Und was dir wohlgefällt! Am Freuz erblicken. Mein Jesus muß jetzt leiden, Der sich zum opfer stellt. Entfernet euch, ihr lüste! Der herr trágt quaal und pein; Wie kann sein knecht, ein christe, Dabey wohl fröhlich seyn? 2. Ach, seht sein seelenschrecken! Er wird in tod betrübt, Und muß den zornkelch schmecken, Den ihm sein vater giebt. Seht, wie er uns zu gute, Selbst mit dem tode ringt, Und wie sein schweiß mit blute Shm aus den adern dringt. 3. Er wird verkauft, verrathen, Man legt ihm fesseln an; Auch unsre missethaten, Die haben dies gethan. Er låsset sich verklagen, Er wird verhöhnt, verspeyt, Verspote tet und geschlagen, Der herr der herrlichkeit. 4. Man setzt dir, gottes sohne, Mit geisseln grausam zu; Du trägst die dornenkrone, Du himmelskönig du! Du wirst ans kreuz geheftet, Das du getragen hast; Doch was dich mehr entkräftet, Das ist die suudenlast. 5+ Es schlägt den stolz, und mein verdienst darnieder, Es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder, Lehrt mich mein glück, macht mich aus gottes feinde 3u gottes freunde. 6. O herr, mein heil, an dessen wort ich glaube! Ich liege hier vor dir gebückt im staube, Verliere mich mit dankendem gemüthe In deiner gute. 7. Sie übersteigt die menschlichen gedanken; Allein follt ich darum im glauben wanken? Ich bin ein mensch; darf der sich unterwinden, Gott zu ergründen? 8. Das größt' in gott ist, gnad und lieb erweisen; Uns kommt es zu, sie demuthsvoll zu preisen, 3u sehn, wie hoch, wenn gott uns gnad erzeiget, Die gnade steiget. 9. So sey denn ewig auch von mir gepriesen Für das erbarmen, das du mir erwie sen, Da du, mein heiland, auch für mich dein leben Dahin gegeben. 10. Du liebtest mich; ich will dich wieder lieben, und stets mit freuden deinen wil len üben. gieb zu diesem feligen geschäfte, Herr, selbst mir fráfte. 73 5. Wer hätte bey den mördern, Unschuld'ger, dich gesucht? Den segen zu befördern, Birst du für uns verflucht. Die dich zu boden treten, Verspotten und vers beten, Bey gott ihr mittler speyn, Für diese willst du Mel. Herzlich thut mich verlangen. 98. Meg, welt, mit seyn! deinen freuden, 6. Dein durst, du lebens 74 Von dem Leiden quelle, Geht auf mein fee: lenheil; Du fühleft tod und hölle; Das leben ist mein theil. Du wirst von gott verlassen, Damit er bey mir sey, Und weil du mußt er blassen, Bin ich vom tode frey. 7. Die ausgestreckten hände Sind gegen mich gewandt; Du neigst das haupt am ende, Das ist ein liebespfand. Ich seh in deinem streite, Die rube für den schmerz, Und durch die offne seite Seh ich, herr, in dein herz. 8. Die welt mag voller freuden Den weg zur hölle gehn; Ich will bey Jesu leiden und seinem kreuze stehn. Jesu! beine liebe Trieb dich in tod und grab; Drum sterb' aus gleichem triebe Ich meinen lüften ab. Von dem innerlichen Leiden Jesu. Mel. An wasserflüssen Babylon. 99. So gehst du, Jefu, williglich Dein leiden anzutreten, Mit heißen thrånen auch für mich Zu kám fen und zu beten. Du, der du nichts verbrochen hast, Gebst hin, um aller fünden: last Auf dich allein zu laden. Da schon das schwerdt gezucket war, Stellst du dich seinen streichen dar, Damit fie uns nicht schaden. 2. Du held, der andern stårke giebt, Was kann dich ſo erschüttern? Ach! seine und Tode Jesu. feele wird betrübt; Des helden glieder zittern. Ach! hingesunken auf die knie, Arbeitet er in schwerer müh, Und kämpfet im gebete. Er wünscht den bangen kampf verkürzt; Wer sieht dies, und wird nicht bestürzt? O schaudervolle ståtte! 3. Gott, wie bist du so wunderbar In allen deinen werken! Ein knecht, ein engel, muß sogar Den herrn vom himmel stärken. Er ringt, von seinem angesicht Träuft schweiß; ach wer entfeßt sich nicht! Für schweiß träuft blut zur erden. Der du in reinster unschuld prangst, Wie konntest du von solcher angst, herr, bestürmet werden? 4. Uch, herr, der fündenknecht war ich! Ich sollte blutschweiß schwitzen. Es follrache wetter bliten. Ich arten billig nur auf mich Der mer, wie entrånn ich da! Vor gottes zorne müßt ich ia Ohn allen trost versinken. Und da kommst du, daß du ihn stillst! Sohn gottes, du, du selber willst Den ganzen zornkelch trinken. 5. Heil mir! der sohn des höchsten bat Für mich sich richten lassen. Gott, welch ein wundervoller rath! Wer kann dein thun doch fassen? Ach! da uns fluch und strafe drohn, Da trågt er sie für uns, der sohn, Den gott uns selbst gegeben. Nun jauchze, seele, du kommst nicht. In Von dem Leiden und Tode Jesu. gottes schreckliches gericht! Du dringst hindurch ins leben. 6. Doch denk, um welchen theuren preis Dein heiland dich erkaufet! Für dich rang er im todesschweiß, Für dich mit blut getaufet! Uch feele, sorge, daß dich nie Die sünd in ihre neke zich, Nichts deine treu erschüttre! Reizt dich das fleisch; ach höre nicht! Schau hin, wie furchtbar das gericht, Das Jesum traf; und zittre! Mel. Christus, der uns selig, as für leiden, 100. starker held! Was für angstbeschwerden Fühlest du! liegst blaß, entstellt, Bebend an der erden! Trost ist es, was du vers langst, Tröster unsrer seelen; Da dich bangigkeit und angst Unaussprechlich quälen! 2. Blut im antlig, mußt du hier Mit dem tode ringen! Welchen jammer sieht man dir Seel' und herz durchdringen! Uch, es stürzt auf dich daher Gottes zor nesburde, Die, selbst engeln viel zu schwer, Uns zernich: ten würde. 3. Was sind gegen deine last, Kerker, hunger, blöße? Kein verstand der engel fast Deines leidens größe. Doch muß stärkung dir sogar, Herr, ein engel geben, Dir, der selbst vermögend war, Jede noth zu heben. 75 4. Vor dir liegt( denn die kann ja, Herr, sich nichts verhehlen!) Eine welt voll sünden da; wer kann sie záhlen? Niemand, als nur gott und du, Kann ihr maaß ergründen; Alle fallen dich zu, Als obs deine sün den. auf 5. Ach! da unsre schulden dich, Heiligster, ergreifen; Sollt in meinem herzen sich Nicht auch wehmuth häufen! Welche lieb, o menschenfreund! Uns gerecht zu machen, Läsfest du, der sünde feind, Dich zur sünde machen! 6. Hier fühl ich der sünde grául, Tief von angst erschüttert. Auch für mich hast du, mein heil, Hier im staub gezittert. Ach! da sluch und zorngericht Dich so niederschlagen, Sollt ich vor dem laster nicht Ewig abscheu tragen? 7. Heiland, du versöhntest mich! Mir, auch mir zum segen, ließest du allein auf dich Fluch und strafe legen. Ach laß mich auch demuthsvoll Deines vaters willen, Wenn ich leiden dulden soll, Williglich erfüllen. 8. Sey du meine zuver sicht, Trost für meine feele, Daß einst furcht und schrekken nicht, Mich im tode quále. Laß, herr, deinen blut'gen schweiß, Wenn, von angst beklommen, Ich dann keine hülfe weiß, Mir zu statten kommen! Von dem Leiden und Tode Jesu. 76 Leiden Jesu über seine Jünger. Mel. Wo soll ich fliehen hin. 101.Mein ein Jesu, für dein herz, Welch ein so herber schmerz, Den du weit mehr empfun: den. Als striemen, schlåg und wunden! Die kleine zahl von freunden, Kränkt dich, gleich deinen feinden. 2. Kaum naht sich die gefahr, So bebt der jünger schaar. Die erst sich hoch vermessen, Eh sie der treu vergåßen, Den tod auch vors zuziehen, Verlassen dich, und fliehen. 3. Der kühn sein schwerdt gezückt, Dein Petrus selbst erschrickt. Er flieht, eh bande drohen; Doch, da er feig entflohen, Ermannt er sich vor allen, Um schrecklicher zu fallen. 4. Wie ist der mensch so schwach! So viel sein muth versprach, So liegt er da im staube, Erloschen ist sein glaube, Sein kühner muth gedämpfet. Ach, christen, wacht und kämpfet! 5. Wo ist nun Petri treu? Der vormals Jesum frey Für gottes sohn bekannte, Für ihn von eifer brannte, Der hat vor Jesu ohren Bald frech ihn abgeschworen. nur bittre thránen, Die fich nach gnade sehnen. 7. Er sucht und findet sie. Verzagt drum, súnder, nie! Kleinmüthge zweifel, schweiget, Die innre angst erzeuget! So groß sind keine sünden, Sie können gnade finden. 8. Daß der verräther doch, Auch nach dem frevel noch, Um gnade hätt' geflehet, Nicht gottes huld verschmähet! In des verrathnen wunden Hätt er auch heil gefunden. 9. 3war schrecklich war die that, Daß er den untertrat, Der ihn zum freunde wählte, Und zu den zwölfen zählte, Daß er, da Jesus lockte, Sein freches herz verstockte. 10. Doch für die ganze welt, Welch köstlich lösegeld! So wahr der lebt, der leben Uns allen hat gegeben;( So schwört es selbst der råcher;) Es gilt auch für verbrecher. II. Doch sein herz foltert ihn. Der folter zu entfliehn, Erwählt er, gleich den teufeln, Uch, ewig zu verzweis feln, 3um schrecklichen verderben Von eigner hand zu sterben. 12. O schreckliches gericht! menschen, daß euch nicht Der fünde list berücke! Gott wehre ihrer stricke! Gieb kraft aus deiner höhe; Daß ich ihr widerstehe. 6. Doch, herr, dein liebesblick Bringt ihn alsbald zu- 13. Doch trennt der sünde rück. Er fühlet fein verbre: list, Die stets geschäftig ist, chen, kann nun vor schmerz Mich je, gott, von den deinicht sprechen, Und weint nen; Laß mich mit Petro Von dem Leiden und Tode Jesu. weinen, Um gnad in demuth beten, Nie Judá weg betreten! Aeußerliche Leiden Jesu. Die an ihm verübten Grausamkeiten. Mel. Wend ab deinen zorn. 102. nschuld'ger Jesu, was hast du verbrochen? Dein todesurtheil haben sie gesprochen! Ein fluch gemacht, sollst du am freuze sterben, Wie sün: der sterben! 2. Gegeisfelt wirst du, und zur schmach gekrönet, Ins angesicht geschlagen und verhöhnet, Mit finsterniß des todes schon umschattet, Gehst du ermattet! 3. Du trägst dein kreuz, du eilst auf blutgen wegen Voll zuversicht, voll muth dem tod entgegen! Ich sehe dich, gekreuzigt, dich entfårbend, Boll wunden sterbend! 4. Was ist die ursach die fer deiner plagen? Ach unsre funden haben dich geschlagen! Ich, großer mittler, ich hab das verschuldet, Was du er: duldet! 5. Wie wunderbar ist, rich: ter, deine strafe! Der gute hirte leidet für die schaafe, Die schuld bezahlt der bürge, der gerechte, Für seine knechte! 6. Der fromme stirbt, der recht und richtig wandelt, Der böse lebt, der wider gott mißhandelt! Die unschuld stirbt! der das geset gebro: chen, Wird losgesprochen! 77 7. Ach ich, ich war vers derbt und voller sünden, Nichts war an mir, nichts Drum hätt ich billig mein guts vor gott zu finden; verbrechen müssen Auf ewig büßen. 8. liebe, liebe, die nicht. auszusprechen! Du läßt an dir, was ich gesündigt, ras chen! Wir lebten mit der welt in ihren freuden, Und du willst leiden! 9. Wer kann, o herr, die großen seligkeiten, Die du uns gabst, mit vollem dank ausbreiten? Wer hat dich je für deiner liebe proben Genug erhoben? 10. Doch eins, sagst du, eins werde dir gefallen, Wenn wir vor dir in buße niederfallen, Und unsre herzen nicht mit alten fünden Aufs neu entzünden. 11. Doch, es ist nicht ein werk von eignen kräften, Die luft zur sünde an das kreuz zu heften; D! gieb mir deis nen geist, der mich regiere, Und es vollführe. 12. Dann werd ich deine huld mit dank betrachten, Dich, dich nur lieben, und die welt nicht achten; Dann will ich wachen, beten, deinen willen Mit freud erfüllen. 13. Dann will ich dir zur ehre alles wagen, Kein kreuz nicht achten, keine schmach, noch plagen; Mich sollen spott, verfolgung, tod und leiden Nie von dir scheiden. Von dem Leiden und Tode Jesu. 78 14. Dies alles ist zwar nur für schlecht zu achten, Weil wir noch sterblich sind, im staube schmachten; Doch nimmst du's an, du wirst dein ewigs leben Mir den noch geben. 15. Da werd ich denn, herr, vor deinem throne, Geschmücket mit der überwinder krone, Dein großes lob viel würdiger besingen, Stets dank dir bringen. lag so schwer Auf ihm die last der sünder! Wie unaus sprechlich duldet er Für euch, ihr menschenkinder! So lei: den sah von anbeginn Die erde keinen je, als ihn, So wird auch keiner leiden! Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes. 103. Seht, welch ein kreuze! 2. Der sohn des vaters, unser gott, Ein helfer, ein gerechter, Ward frecher misfethäter spott, Und seines volks gelächter. Wie ein verbrecher stund er da, Verklagt, verläumdet; wer ihn sah, Der sah ihn mit verachtung! 3. Geschäftig war der frevler wuth, Erfindrisch ihn zu plagen. Bedeckt mit striemen und mit blut, Und seinen leib zerschlagen, Gekrönt mit dornen, in der hand Ein rohr, verhöhnt durch sein gewand; So sahn ihn seine feinde! menschlich schrecken. Er stellt ihn seinen brüdern dar, Shr mitleid zu erwecken. Seht, welch ein mensch! ich kann ihn nicht Verdammen, denn die unschuld spricht Zu máchtig für sein leben. 4. Den heiden, der sein richter war, Ergriff ein 5. Vergeblich, ach! vergeblich war Die menschlichfeit des heiden! Die wu thende, die stolze schaar Sah Jesu schmach mit freuden! Sein tod befriedigt sie allein, Sie stürmten auf den richter ein, Und schrien: er sterb am 6. Du denkest ohne schauder nie an diese wuth der fünder; Du sprichst: die rache strafte sie, Und straft noch ihre kinder! O seele, denkst du auch dabey Un deine sünden? bist du frey Von schuld am tode Jesu? 7. Sieh, welch ein mensch! wie er für dich Verschmäht wird und zerschlagen! Hör ihn, er spricht: ich selber, ich Muß deine fünden tragen! Die schuld ist dein; durch meinen tod Versöhn ich, sünder, dich mit gott, Und sterb' um deinentwillen. 8. du gerechter gottessohn! Du tilger meiner fünden! Erhöhter auf des vaters thron! Ach laß mich gnade finden! Laß deines to des schmach und pein Gerechtigs keit und heil mir seyn, Um deiner liebe willen! 9. Ich schwöre, gottverföhner! dir, Und ewig will Von dem Leiden und Tode Jesu. ichs halten: So wahr du lebest, soll in mir Nie deine lieb erkalten! Dein leiden und dein tod soll mich, So lang ich leben werd, an dich Und deine lieb erinnern. 10. Wenn mich die welt und fleisch und blut Verleis ten will zur fünde, So růste mich mit kraft und muth, Daß ich sie überwinde! Dann rufe du mir liebreich zu: Denk, welch ein mensch ich war! und du, Du wolltest mich nicht lieben? 79 den zergeiffelten Noch mit dornen krönen. blut, Als nie erhöret worden! Ihn, den lebensfürsten selbst, Wagt man zu ermorden. 2. Den heiland meynt Sein stolzer feind Die bosheit, zu besiegen; Durch der holle rachsucht soll Gottes sohn erliegen. 7. Noch beugen die, Vor ihm die knie, Die keinen frevel scheuen, Beten ihn als könig an, Drauf ihn zu verspeyen. 8. Und doch wird nicht Vor dem gericht, Der juden haß gestillet, Bis sein martervoller tod Ihre rach erfüllet. 9. Ach hilf, daß ich, Mein Jesu, dich Ins herz zeitle= bens fasse, Und mich auf dein theures blut Ganz und gar verlasse. Mel. O traurigkeit, o herzeleid. 10. O große huld! Für Läßt sich der 104. durst nach herr zerschlagen! Jesu, meine blinde O missethat Wirkte deine plagen. 11. Hilf, gotteslamm, Um Freuzesstamm 3u unserm heil geschlachtet! Daß mein geist, wenn sünde lockt, Deine pein betrachtet. 12. Auch muß allein, Herr, deine pein, Mein troft seyn, wenn ich sterbe; Daß ich sanft entschlaf auf dich, Und dein reich ererbe. 3. Welch ein bemühn, Ums leben ihn, Die unschuld selbst, zu bringen! Daß auf seine kreuzigung Alle juden dringen. Kreuzigung Jesu. 4. Ach, seht sogar, Die kriegesschaar, Den heil'gen leib entkleiden! Er soll, ist er gleich Mel. An wasserflüssen Babylon. gerecht, Ihre streiche leiden! 105. Erhebe vom ge= 5. Kein schonen mehr! Sie geiffeln sehr Den leib; daß er zerrissen, Aus unzähl'gen wunden läßt Stróme blutes fließen. rausch der welt, O seele, deine flügel! Hin, wo die wuth ihr opfer hält, Zu jenem leidenshügel! Ihr himmel! welch ein mensch ist das! Wie drückt ihn sei= ner feinde haß Mit höllisch wilden freuden! Er, der die 6. Frech, ruchlos, blind, Unmenschen sind, Die ihn so grausam höhnen, Daß sie todten auferweckt, Er muß, Von dem Leiden und Tode Jesu. 80 mit wunden überdeckt, Den tod der mörder leiden! 2. Geduldig fiehet er sein blut In vollen stromen fliesen; Fleht für die hasser, die voll wuth Es im triumph vergießen. Schau! jest umbuut ihn finstre nacht; Er ruft, er ruft: es ist voll bracht! Nun senkt sein haupt sich nieder. O meine seele! freue dich; Dir gab, der hier am kreuz erblich, Das recht zum himmel wieder. 3. Er, er hat deine missethat, Den fluch für dich getragen. O seele! deine sünde hat Den frommen so zerschlagen. Durch ihn nimmt dich der vater an. Die wunder seiner gute kann Kein sterblich lied erheben. Doch hört er unsre lieder gern. Anbetung, preis und ruhm dem herrn, Der uns sein heil gegeben! 7. Kopfschüttelnd schmåhten ihn die feinde; keiner Von allen, die ihn sahen, schonte seiner; Er klag es, schrien sie, gott; der laß ihn Mel. Wend ab deinen zorn. 106. 2m treuze rief der retten, Will er ihn retten. Er, vor der welt zum sohne dir erkohren, Ward durch ein wunder deiner macht geboren, Unschuldiger als die verklärten frommen, Gerecht, vollkommen. in leiden, Entkräftet und be raubet aller freuden: Mein gott! mein gott! wie? hast du mich verlassen? Kannst du mich hassen? 2. Ach, welche bittre, schaudervolle klagen Des sohnes gottes! unter welchen pla: gen! Ach, warum konnt ihn gott, sein gott, verlassen? Konnt er ihn hassen? Und er, dein sohn, dem uns ter deinen kindern Kein engel gleicht, dein sohn! von dir ge schlagen, Muß fast verzagen! 4. Die je bekümmert, hülflos, in gefahren Verlassen, nah am untergange waren, Die hast du, wenn sie sich auf dich verließen, Herausgerissen. 5. Sie riefen, der du gern bedrängte tröstest, 3u dir um schuß und rettung; du erldstest, Und noch, wenn wir zu dir um hülfe weinen, Bes schämst du keinen. 6. Ihm halfst du nicht, und er rief dir so sehnlich; Er war ein wurm, und menschen kaum noch ähnlich, So tief versenkt in pein, des grimmes beute, Ein spott der leute. 3. Herr, du bist heilig, zürnst nur mit den sündern; 9. Bahllose martern litt er, ein gerechter, Wie feiner war, der fünder hohngeláchter; Und du entzogst bey ihrem grimm und hohne Dich deinem sohne! 10. Wie war sein heiliges gebein zerrüttet! Wie hing Von dem Leiden und Tode Jesu. 81 entkräftet, er da, wie wasser ausge- sehen! Komm, denke jenen schüttet, Bis auf den tod worten nach, Die sterbend verwundet und dein erlöser sprach; Sie könUns kreuz geheftet. nen dir im leben, Und, betest du gott gläubig an, Einst, wenn dich nichts mehr trösten kann, Noch trost im tode geben. II. Und hand' und füße wurden ihm durchgraben, Und wermuth, wermuth wars, was sie ihm gaben; So lachte seines dursts mit bitterm spotte, Der mörder rotte. 2. Sieh, sieh mit zittern, frommes herz, Den blutberg, dort von weitem! Auf! wer= de ganz gefühl, ganz schmerz! Sieh deinen retter streiten! Hier hing er, deines lebens pfand, Und starb durch seiner feinde hand Für uns verlorne fünder. Hier trug er unsre straf und schuld, Und bracht uns wieder wieder gottes huld, Schenkt uns das heil der kinder. 12. Dies litt dein sohn, und solche gråuel übten Die sünder wider ihn, den hoch. geliebten; Er litt, mit wunden, uns mit seinen thránen Dir zu versöhnen. 13. du, des eingeborO nen gott, der armen Elen den sünder gott, uns im er: barmen Auch furchtbar! heiliger, erbarm dich unser! Erbarm dich unser! 14. Herr, er bezahlte dir, was wir bezahlen, Wir dulden sollten, namenlose quaa: len. Er ward gegeißelt! gott! erbarm dich unser! Erbarm dich unser! 3. Sich ihn, bey seinem größten schmerz, Für seine feinde beten! Und sein so fanftmuthvolles herz Noch sterbend sie vertreten! Vergieb! vergieb! ruft er gott an, Sie wissen nicht, was sie ge han! Muß, mensch, dich dies nicht rühren? Auf! ahme seinem beyspiel nach! Laß nie beleidigung und schmach Zur rache dich verführen. Leste Reden Jesu am Kreuze. 4. Dein zártlichs herz, o herr, empfahl Aus kindlich frommem triebe, Die mutter, unter deiner quaal, Dem júnMel. Un wasserflüssen Babylon. 107. Begleite mich ger deiner liebe. Uch! wenn O christ, nach Golgatha, auf dessen höhen Die welt die höchste liebe sah, Sah, was sie nie ges mein aug um freunde weint, Einst sterbend für die meinen weint; So soll dies wort mich trösten! Du wirst auch F 15. Er ward, ach, vater, könntest du uns hassen? Er ward von dir, für uns von dir verlassen! Er starb den tod des fluchs; erbarm dich unser! Erbarm dich unser! Von dem Leiden und Tode Jesu. 82 ihnen schuß verleihn, Ihr beystand, helfer, pfleger seyn! Auch sie sind dein' erlösten. 5. Wer glaubt, der kommt nicht ins gericht; Dreuige verbrecher! Hört, was der mund der Liebe spricht 3u dem gebeugten schächer: Du wirft noch heut mit mir dich freun, Mit mir im paradiese feyn! So ruft er ihm entgegen. Dherr! dies gnaden reiche wort Sey mir einst an des todes pfort' Erquickung, heil und segen. 6. Als Jesus an dem freuze rief: Gott, hast du mich verlassen? Wie beuget ihn sein schmerz so tief! Wer kann die leiden fassen, Die er für unsre sünden trug, Da er unschuldig als ein fluch, Verlassen da gehangen? Mein herr und gott! verlaß mich nicht! Du bist auch mir zur zuversicht In deinen tod gegangen. 7. Von allem, was erquickt, entblößt, Wünscht er, der herr der erde, Daß ihm, der uns so theur erlöst, Sein durst gestillet werde. O mensch, noch jetzt ruft er zu die Aus tausend armen ne ben dir, Die noth und mangel drücket! felig, wer den ruf erfüllt! Denn wer den durft des armen stillt, hat Jesum selbst erquicket. 8. Der heiland spricht: es ist vollbracht! Nun endigt sich sein leiden. Du nimmst dem tode seine macht, O wort des siegs und freuden! Heil uns! wer flagt uns nun noch an, Da er für uns genug gethan? Wer kann von gott uns scheiden? Gieb, daß an meinem sterbetag Auch ich mit freuden sagen mag! Vollbracht ist nun mein leiden! 9. Das legte wort aus deinem mund, Laß mir zum trost gedeihen, Mir noch in meiner to des stund, Herr, muth und kraft verleihen. Du rufest! vater, ich befehl In deine hånde meine seel! Laß mich auch nicht verderben. Der du der menschheit heil erwarbst, Neigst nunmehr sanft dein haupt und starbst; Uch laß auch mich so sterben! 10. Du hast, o christ! ihn sterben sehn; O weih ihm stille zähren! Bald wirst du seinen ruhm erhöhn, Und ihn lobsingend ehren. Den deine thräne jest beklagt, Der wird, wie er vorher ges sagt, Bom grabe auferstehen! Den frecher spott hier hat entehrt, Den wirst du siegreich dort verklårt Zur rechten gottes sehen. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 108. Erniedrigt hatte sich bereits Mein heiland bis zum tod am kreuz; Auch unter schmach und plagen Blieb er sich gleich, sein herz und sinn Blieb göttlich groß; so zeichnet ihn Sein heiliges betragen. 2. Erbarme, vater, ihrer Von dem Leiden und Tode Jesu. 83 mich kämpfen, stårke mich, Das kleinod zu erringen! dich! Vergieb es, sie verkennen mich! So bat der herr für feinde. Ach wenn er so 8. Dir, vater, geb ich für feinde spricht, Wie lie meinen geist In deine hand; bevoll wallt ihm denn nicht- o sey gepreist! Die hoffSein herz für seine freunde! nung jenes lebens Bewährtest 3. Dem schächer schenkt er seelenruh, Spricht: wahrlich, heute noch bist du Mit mir im bessern leben! Dut wirst auch mich, wenn du dereinst Als richter aller welt erscheinst, 3ur seligkeit erheben. 4. Er sah die mutter, fah den freund. Liebt, sprach der treue menschenfreund, Liebt euch: wir sehn uns wieder! So sag ich einst den meinen auch: Liebt euch; dann liebet gott euch auch! Liebt euch! wir sehn uns wieder! Mel. Herzlich lieb hab ich dich. 5. Da flehte er: mein gott! 109.11m gnade für die funderwelt Rufft mein gott! Berläsfest du mich in der noth?- Mein hei land! mich verlassen Wird gott, um deinentwillen, nicht; Und wenn mir noch so viel gebricht, Wird gott mich nie verlassen! 6. Mich dürftet! rief er, matt von schmerz. So lernt in jeder noth sein herz Mit: leid mit uns zu haben. Wenn keinen trost mein herz mehr fühlt! Wenn nun kein labsal mehr mich fühlt, Wird er, wird er mich laben! - 7. Es ist vollbracht! in ewigkeit Hat er gesiegt, und uns befreit. Hilf, herr, auch mir vollbringen! 3u dir um beystand flehe ich; Du siehst du noch sterbend mir; Erfüllt wird sie gewiß von dir; Ich hoffe nicht vergebens! 9. Wie rührt dein hohes beyspiel mich! Bergeben will ich, sehn auf dich, Nach dir gen himmel schauen, Die meinen lieben, und in noth, Und noch dereinst in meinem tod, Wie du, dem vater trauen! Sürbitte Jesu am Kreuze für seine Seinde. du, mein heil! am kreuz ges quält Von frecher fünder rotten. Dir blutet das bedrängte herz, Wenn dich bey deinem herben schmerz Die bösewichter spotten. Du siehst mit fegensvollem blick, Bon ihnen weg, auf den zurück, Den diese schaar in dir entehrt, Russt, daß es erd und him: mel hört: Vergieb, o gott! Und führe nicht sie ins ges richt, Das, was sie thun, verstehn sie nicht. 2. Erstaunend seh ich diese huld; Wie mitleidsvoll ist die geduld, Die mörder so ertråget! Ihr, die ihr euren heis land ehrt! Fühlt seiner groß muth hohen werth, Und danF2 84 Von dem Leiden und Tode Jesu. ket ihm beweget. Er hat, meine feele! Gieb, daß bey durch segnendes gebet Auch der verfolgung schmerz Sch uns ein ewig heil erfleht. Er dir des feindes hartes herz, sagt auch uns, zu unsrer ruh, Und meine fach empfehle. Erbarmen und vergebung zu. Besänftige mein reges blut; Herr Jesu Christ! Gelobt seyst Und flammt des zornes wilde du für deinen tod! Gott ist glut Mein herz zur rachbedurch dich noch unser gott! gierde an, so erinnre mich daran, Herr Jesu Chrift! Wie du am kreuz durch dein gebet Selbst deinen mördern gnad erfleht. 3. Daß gott mit langmuth und geduld, Auch selbst bey sehr gebäufter schuld, Der sünder dennoch schonet; Daß er so liebreich ihrer denkt, Und ihnen frist zur buße schenkt, Eh nach verdienst er lohnet; Daß ich noch fröhlich sagen kann: Auch mich, mich sünder, nimmt gott an! Hast du durch deines fürspruchs kraft, Mein treuer heiland! mir verschafft. O Jesu Christ! Mein herr und gott! mein herr und gott! Vertritt du mich bis an den tod! 6. Mich tröste dein ver söhnungstod! Es bilde mich dein geist, mein gott, Daß ich dir ähnlich werde! O zeuch mich, du erhöhter held, Zu dir hinauf vom dienst der welt, 3um himmel von der erde! Du bist der deinen schußpanier. Zeuch dir uns nach, so laufen wir, So wollen wir uns deiner pein, Und deiner fürbitt ewig freun. Herr Jesu Christ! Wie felig ist. wie selig ist Der mensch, dem du ein heiland bist! 4. Wird je mein herz von troste leer, Weil meiner fün den furchtbar heer Aufs neue mich erschrecket, D dann ver= fichre mich aufs neu, Du stehest mir als mittler bey, Der meine schuld bedecket. Es ist vollbracht. Mel. Nun sich der tag geendet. Mein geift blickt glaubens- 110. obfingt, ihr völker, voll auf dich, Sey du mir nur nicht fürchterlich! Und schließt sich meine pilgrimmschaft, So stårke mich mit neuer kraft. Herr Jesu Christ! Der letzte kampf wird mir versüßt, Wenn du mein trost im tode bist. preist den sohn! Bringt ehr und ruhm ihm her! Fallt nieder, kniet vor seinem thron; Denn er ists würdig! er! 2. Den aller engel lobges sang Noch, eh ihr wart, ers hob, Dem jauchze, menschen, euer dank Ein jubelvolles lob! 5. Den sanften liebevollen finn, Daß ich ein freund der Seinde bin, Floß, herr, in 3. Ihn soll der fünder preisen! soll Frohlocken seiner macht! Die stimme Jesu Von dem Leiden und Tode Jesu. Christi scholl Vom kreuz: es ist vollbracht! 4. Des tempels vorhang reißt entzwey! Sie schallt: die erd erbebt, Der fels stürzt ein; auf ihr geschrey Erwacht der todt' und lebt. 5. Die stimme schallet durch die welt Zu jeder nation, Und jeder gößentempel fällt, Und jeder götterthron. 6. Die stimme Jesu geht mit macht; Der sünder hörts und bebt! Er hört, es sey sein heil vollbracht, Er hörts, er glaubt, er lebt! 7. Die stimme Jesu ladet euch, Ihr, die ihr elend seyd, 3u sich in seiner wahrheit reich, Belehrt euch, und erfreut. 8. Auf ihr gewaltiges ge: bot, Giebt, wenn er kommt, das meer, Das grab, der abgrund, und der tod Die todten gottes her. 9. Sie donnert dann, ihr funder, euch Tief in den pfuhl herab; Euch, fromme, ruft sie in sein reich, Das ihm der vater gab. 10. Sým sey ihr ewig lob geweiht! Erlöfte, freuet euch! Von ewigkeit zu ewigkeit Währt eures königs reich. 11. Ein voller strom der wonne fließt Von seinem throne her! Lobsingt dem könig! würdig ist Er, eurer jubel, er! 85 Der Tod Jesu. Mel. Ich hab mein fach gott. 111. Run ist es alles Mein Jesus ruft: es ist wohl gemacht, vollbracht! Der neigt sein und stirbt, haupt, o mensch, Der dir erwirbt welches nie verdirbt. Das erbe, 2. Der, dem an hoheit keiner gleicht, Der herr der herrlichkeit erbleicht. Was wunder, daß die erde kracht! Die welt deckt nacht; Denn gottes sohn wird umgebracht. 3. Das heiligthum steht aufgedeckt; Die felsen bersten; alles schreckt. Die freu= denlose creatur Klagt jetzo nur Den tod des herrschers der natur. 4. Weil denn die creatur sich regt, So werd auch du, o mensch, bewegt! Der fels zerreißt, und du wirst nicht Durch dies gericht Beweget, daß dein herz dir bricht! 5. Du selbst,( hast du es gnug bedacht?) Du hast den berrn ans freuz gebracht. Ihm, der für dich sein leben gab, Folg in sein grab, Und stirb dem sündengräuel ab. 6. Ach, vater! ach! in pein und hohn Erbleicht am Freuz dein einger sohn; Nun ist kein zweifel, deine huld Tilgt meine schuld, Und trågt forthin mit mir geduld. 7. Ich will mit ihm zum grabe gehn, Und, wo die unschuld bleibet, sehn. Sein tod soll meine zuflucht seyn, Von dem Leiden und Tode Jefu. 86 Auf ihn allein Schlaf ich einst sanft und selig ein. 8. Und nun dient ich der sünde noch? Wie drücket mich ihr schweres jod)! Auf, feele! daß du dich erhebst, Nur Jesu lebst, Nur Jesu zu gefallen strebst. 9. Todt, Jesu, selbst in meiner brust, Was sich noch find't von böser lust! Dein tod, der mir das leben schafft, Giebt mir auch kraft Zu einer guten ritterschaft. 10. Ja, herr, mein hei: land, fráftiglich Stärkst du in meinem vorsatz mich! Ich sebze freudig, auf dein wort, Den kampf stets fort. reiche lohn erfolget dort. Der starb; und beil und leben Wird aller welt fein tod! 11. Wie dank ich gnug dir, Jesu Christ, Daß du für mich gestorben bist! Dich preif' ich auch in angst und leid', Doch nach der zeit, Noch würd'ger in der ewigkeit. 5. Nun wird kein opfer wieder In ewigkeit gebracht; Der, den sein volk erwürgte, Der hat es ganz vollbracht! 6. du! der mich ver föhnte Dem richter aller welt, Du hast das heil der erde Allmächtig hergestellt. 7. Nun wohnt in ew'gem frieden Das menschliche ge= schlecht, Und du regierst die völker Mit wahrheit und mit recht. 8. Du kommst und führst die deinen In deines vaters reich, Du machst an heil und würde Sie deinen engeln gleich. 9. Wie herrlich ist dein name! Wie groß ist deine macht! Preis dir und dank und ehre, Daß du dein werk vollbracht! 10. Laß mich dein beispiel stårken, Daß ich im glauben Mel. Christus der ist mein leben. treu, Und standhaft in der 112. Die fonne fand liebe Bis an mein ende ſey! verfinstert, Der mittag ward zur nacht; Nun hatt' er überwunden, Und sprach: es ist vollbracht! II. Darf ich den tod noch fürchten? Herr, meines lebens kraft! Auch ich werd überwinden Durch dich, der hülfe schafft! 2. Der erde furchtbar be: ben Hob das gebirg empor, Und todte fromme gingen Aus ihrem grab hervor. 12. Du führst mich hin zum ziele; Vollbracht ist dann mein lauf, Dann 3. Den todesüberwinder nimmt in seine hände Auch Umgab des grabes nacht; mich dein vater auf. Und engel gottes jauchzten: Er hats, er hats vollbracht! Mel. O traurigkeit, o herzeleid. 4. Das opfer für die fünde Ist dargebracht vor gott! Er 113. m kreuz er: Am blaßt, Der Von dem Leiden und Tode Jesu. 87 marter last, Der todesquaa gessen. Herr! ich will, so lang len müde, Findet mein erlö- ich bin, Deine lieb, ermessen. fer erst In dem grabe friede. 2. Ein heilger schmerz Durchdringt mein herz; Und, herr, was kann ich sagen? Nur an meine brust kann ich Tief gerühret schlagen. Erweckung zur Dankbar: Feit für Jesu Leiden. Met. Nun ruhen alle wälder. rohlocke, mein 114. gottes gute müthe, und bete 3. Du schüßest mich, Und In deinem heiüber dich Gehn aller trubsal, land an! Was selbst der enwetter. Sterben wolltest du gel schaaren 3u thun nicht für mich, Einziger erretter! fähig waren, Das hat des menschen sohn gethan. 4. Du hasts gethan! Dich bet ich an, Du könig der erlösten! Dein will ich im tode mich Glaubensvoll getrösten. 5. Es ist vollbracht, Riefst du mit macht! Du zeigtst, daß du dein leben, Mein versöhner! göttlich frey Habest hingegeben. 6. Hochheil'ge that! Des höchsten rath Will ich in demuth ehren. Der erfinder meines heils Wird mirs einst erklären. 7. Allmächtig rief Er, der entschlief, Den todten; sie erstanden! Leicht entschwingt der lebensfürst Sich des to des banden. 2. Schau hier, wie der gerechte Für uns, der sünden knechte, Den bittern zornkelch trinkt; Wie er für frevler bittet! Wie wasser ausge schüttet, Hångt er, da er in tod hinsinkt. 10. Vergeß ich dein, So werde mein In ewigkeit ver3. Wir, sünder, sollten sterben, Fluch lag auf Adams erben, Fluch auf der sünd= gen welt; Doch er kam uns zu gute, Und gab mit seinem blute Für uns ein ewges lôfegeld. 4. Kein freund meynt es mit freunden So treu, als es mit feinden Er, unser mittler, meynt. Preis ihm, dem überwinder! Nun sind wir gotteskinder, Mit gott versöhnt durch unsern freund. 8. Das finstre thal Will ich einmal Durchwandern ohne grauen. Denn durch dich, erlöser, ists Mir der pfad zum schauen. Mel. Wend ab deinen zorn. 9. Ich preise dich! Erfor: 115. ey hochgeprie115. Se fche mich, Und siehe, wie ichs menne. Ja, du siehest. wenn ich still Meinen dank sen, herr, für deine liebe! Sie drang dich zu dem mitleidsvollen triebe, Für eine welt voll fünder selbst dein leben Dahin zu geben. dir weine. Von dem Leiden und Tode Jesu. 88 2. unsrer Fürwahr, du trugest sünden schmerzen. D welch ein herz gleicht deinem edlen herzen? Du ließest un fre schuld an dir bestrafen, Uns heil zu schaffen. 3. laß dies heil doch auch mein erbe werden! Was hab ich sonst für sichern trost auf erden? Was giebt mir sonst wohl wahren grund zur freude, Wenn ich einst scheide? 4. Für mich, o herr, bist du ja auch gestorben! Was du der welt durch deinen tod erworben, Das hast du ja, von großer treu geleitet, Auch mir bereitet. 5. O stårke selbst mein herz in diesem glauben! Kein banger zweifel müsse ihn mir rauben! Er müsse mich zum fleiß in guten werken Bestán: dig stårken. 6. Sollt ich mich nun noch frevelhaft erkühnen, Der sünde, die dich tödtete, zu die nen? So war ich ja, o herr, nicht dein erlöster, Du nicht mein tröster. 7. Nein, dir allein, der du durch deine wunden Auf ewig mich zu deinem dienst verbunden, Nur dir, mein heiland! sey mein ganzes les ben 3um dienst ergeben! 8. Nichts soll mich je von deiner liebe scheiden; Ich bleibe dein, bis du mich dort wirst weiden, Wo deine liebe mit verklärten zungen Stets wird besungen. Mel. Bend ab deinen zorn. ott, der du für 116. uns deinen fohn gegeben! Wer kann doch gnugsam deine huld erheben? Wie herrlich zeigst du im erlösungswerke Der gnade stärke! 2. Dein ewger sohn selbst stirbt für menschenkinder, Der heiligste tritt an die statt der sünder, Der seligste begiebt sich seiner freuden Für uns zu leiden. 3. Er wird das lamm, das aller sünden tråget, Drauf du die strafe weislich selbst geleget, Daß du die schuld an den verlornen schaafen Nicht dürftest strafen. 4. Was ist der mensch, daß du sein so gedenkest, Und deinen sohn ihn zum versöhner schenkest? Was findest du an mir und an uns allen Für wohlgefallen? 5. Verdient verachtung göttlicher gesetze, Verdient verschwendung unschäßbarer schäße, Verdient ein selbst gemachter böser schade Des richters gnade? 6, welche tiefe deiner menschenliebe! Wer faßt, o gott, die größe ihrer triebe? Du thust noch mehr zu unserm wohlergehen, Als wir verstehen. 7. Ach lehre mich recht deine huld erkennen, Voll zuversicht dich meinen vater nennen! Und zum gehorsam dir mein ganzes leben Willig ergeben! Von dem Leiden 8. Was mir dein sohn, da er für mich gestorben, Aus deiner huld durch seinen tod erworben, Das werde mir, zu meinem ewgen heile, Nun der schmach entrissen, Die auch zu theile. mich hätte treffen müssen. Wie verpflichtet bin ich dir, Mein versöhner, stets dafür 5. Frevler! krönten dich zum hohne; Deine stirne blutete Unter einer dornenkrone, König aller könige! Mir zu gut hast du's erlitten, Mir Die ehrenkron erstritten. Preis, anbetung, dank sey dir, Ehr9. Dein friede wohne stets in meinem herzen, Und tröste mich bey des gewissens schmerzen. Dein geist sey mit mir, deinen guten willen Treu zu erfüllen. Mel. Jesu, meines Lebens leben. 117. eu, meines le= bens sich meine seele freut, Der für mich sich Ursprung meiner hingegeben, seligkeit! Du, der lieber wollte ster ben, Als mich lassen im verderben, Ach, wie dank', wie dank' ich dir, Mein erlöser, gnug dafür! 2. Menschenfreund, von gott gesendet, Seines raths verkündiger! Långst hast du dein werk vollendet; Preis sey dir, erhöheter! Doch in den gedächtnißtagen Deiner leiden, Jesu, sagen Deine theuererlösten dir, Billig neuen dank dafür! und Tode Jesu. 89 bande, Littst du lästerung und spott, Uchtetest du nicht der schande, Gingest willig in den tod. Mich hast du 3. Du betratst, für uns zu sterben, Willig deine leidensbahn, Stiegst, uns les ben zu erwerben, Gern den todesberg hinan, Trugst, vergessend eigner schmerzen, Deine menschen nur im her: zen. Diese liebe preisen wir, Unvergeßlich sey sie mir! 4. Meinetwegen trugst du 6. Du, der tausendfache schmerzen Willig, mir zu lieb, ertrug; Deinem großmuthsvollem herzen War mein heil belohnung gnug. Trost in meinen lehten stunden Floß für mich aus deinen wunden. Herr, ich dank, ich danke dir Einst im tode noch dafür! 7. Rub im leben, trost am grabe; Unaussprechlicher ge winn, Den ich dir zu dan= ken habe, Du, deß ich nun ewig bin! Jesu, dir mein herz zu geben, Deiner tugend nachzustreben, Dir zu traun, zu sterben dir; Dies, dies sey mein dank dafür! 8. Nun, so dank ich dir von herzen Für die ausgestandne noth; Für die wunden, für die schmerzen, Für den herben kreuzestod, Für dein zittern, für dein zagen, Und für alle deine plagen. Jesu, dir für deine pein Will ich ewig dankbar seyn! " 90 Von dem Leiden Mel. Uus tiefer noth schrey ich. 118.angst und pein err Jesu, deine Und deine schweren leiden Laß allzeit mir vor augen seyn, Die sünden zu vermeis den. An deine ausgestandne noth, An deinen martervol len tod Laß fruchtbar mich gedenken. 2. Will mich der fünde starker reiz Auf lasterwege führen; Laß den gedanken an dein kreuz Mein herz durchdringend rühren. Und Mel. Un wasserflüssen Babylon. dann laß mich die lüfte fliehn, 119. Erforsche mich, er= Dem sündendienste mich entziehn, Dir mich zum dienst ergeben. 3. Gekreuzigter, mein heil! auch ich hab alles das verschuldet, Was du so willig nahmst auf dich, Was huld: reich du erduldet. Uch! laß mich meine schuld bereun, Um gnade flehn, die fünde scheun, Für die du bist gestorben. 4. Du kamest von des himmels thron Ins elend hier hernieder, Ertrugest schläge, spott und hohn, Und starbst für deine brüder, Um uns, nach deines vaters rath, Von unsrer fünd und missethat Auf ewig zu er: und Tode Jesu. jenem felgen himmelsheer Dich ewig dafür loben. 6. Laß, Jesu, deine angst und pein Und deine schweren leiden Mir kraft und trost im leben seyn; Und wenn ich werde scheiden, Dann hilf, daß ich durch deinen tod Beschließe alle meine noth, Und selig sterbe. Amen. retten. 5. Drum will ich hier zur dankbarkeit Von herzen dir lobsingen; Und wenn du einst zur seligkeit, Erlöser, mich wirst bringen, So will ich dann zu deiner ehr Mit Erweckung zur Buße aus dem Leiden Jesu. Und sieh, herr, wie ichs meyne;. Ich denk an deines leidens schmerz, An deine lieb, und weine. Dein kreuz fey mir gebenedeyt! Welch wunder der barmherzigkeit Hast du der welt erwiesen! Wann hab ich dies genug bedacht, Und dich aus aller meiner macht Genug dafür gepriesen? 2. Rath, kraft und friedefürst und held! In fleisch und blut gekleidet, Wirst du das opfer für die welt, Und deine seele leidet. Du ringst mit angst und todesnoth, Und gehst doch willig in den tod; liebe fonder ende! Du nimmst auf dich der menschen schuld, Und giebst mit gönlicher geduld Dich in der fünder hånde. 3. Du trägst der missethäter lohn, Und hattest nie gesündigt, Du, der gerechte, gottes sohn! So wars vorher Von dem Leiden und Tode Jesu. 91 dringe mich, Daß ich dich wieder lieb, und dich Nie kreuzige mit fünden. 7. Welch warten einer ewgen pein Für die, die dich verachten, Die solcher gnade werth zu seyn, Nach feinem glauben trachten! Für die, die dein verdienst gestehn, Und dich durch ihre laster schmähn, Als einen sündendiener! Wer dich nicht liebt, kommt ins gericht. Wer nicht dein wort hält, liebt dich) nicht; Ihm bist du kein verfühner. 8. Du hasts gesagt, du wirst die kraft Zur heiligung mir schenken. Dein blut ists, das mir trost verschafft, Wenn mich die fünden frånken. Laß 5. Ein opfer, nach dem mich im eifer des gebets, ewgen rath, Belegt mit un- Laß mich in lieb und demuth sern plagen, Um deines vol- stets Vor dir erfunden werles missethat Gemartert und den. Dein heil sey mir der zerschlagen, Gehst du den schirm in noth, Mein stab weg zum kreuzesstamm, In im glück, mein schild im tod, unschuld stumm, gleich als Mein lester trost auf erden. ein lamm, Das man zur schlachtbank führet. Freywillig, als der helden held, Mel. Wenn meine fund mich. Tragſt du, aus liebe für die 120. in an bein kreng welt, Den tod, búbret. der uns getreten, In deinem leiden dich Voll glauben anzubeten, Versöhner, stärke mich! Laß mich mit zittern und vertraun, Wie du dich für die fünder Hin in den tod gabst, schaun! 2. Wie ist des besten feele Bis an den tod betrübt! So brünstig, meine seele, Hat Jesus dich geliebt. In heißen ångsten schwebt er da, Mit verkündigt. Der frechen schaar begehrt dein blut, Du dul: dest, göttlich groß, die wuth, Um feelen zu erretten. Dein mörder, Jesus, war auch ich! Denn gott warf aller sund auf dich, Damit wir friede hätten. 4. Erniedrigt bis zur knechtsgestalt, Und doch der größt' im herzen, Erträgst du spott, schmach und gewalt, Voll krankheit und voll schmerzen. Wir sahn dich, der verheißung ziel: Doch da war nichts, das uns gefiel, Und nicht gestalt, noch schöne. Vor dir, herr, unsre zu versicht! Verbarg man selbst das angesicht, Dich schmähn des bundes föhne. 6. Du neigst dein haupt, es ist vollbracht. Du stirbst! die erd erschüttert. Die ar: beit hab ich dir gemacht; Herr, meine seele zittert: Was ist der mensch, den du befreyt? D war ich doch ganz dankbarkeit! Herr! laß mich gna: de finden. Und deine liebe Von dem Leiden und Tode Jesu. 92 unsrer schuld beladen, Dem opfertode nah. 3. Fallt nieder! bebt, ihr sünder! Verhüllt das angeficht! Jetzt ist für adams kinder Der mittler im gericht! Er leidet unsers to: des pein, Fühlt unnennbare quaalen, Uns menschen zu befreyn! 4. So liebt er uns verbrecher! So groß ist unsre schuld! Gott ist der fünden råcher, Und gott ist gnad und huld! Wer nun der fün Mel. Jesus, meine zuversicht. den grául nicht haßt, Häuft 121. Schwing dich auf auf den tag des zornes Sich selbst des zornes last. gen Golgatha! Seel', an deines heilands kreuze, Nimm zu herzen, wie dich da Gottes zorn zur buße reize! Härter bist du noch, als stein, Wenn du hier kannst fühllos seyn. 2. Schaue doch das jammerbild Zwischen erd und himmel hangen; Wie das blut in stromen quillt, Daß ihm alle kraft entgangen! Schau, ach schau! erschrickst du nicht? Wie sein sterbend herz ihm bricht! 3. D lamm gottes ohne schuld! Alles das hatt' ich verschuldet; Und du hast aus freyer huld Pein und schmach für mich erduldet. Aus des ewgen feuers glut Mich zu retten, fließt dein blut. 5. Hörts, die ihr eure herzen Noch ihrem dienst er: gebt! Der preis so vieler schmerzen Ist, daß ihr ewig lebt. D! nehmt an seiner gnade theil, Erkennet seine liebe, Berwerft nicht euer heil. 5. Vernehmts auch ihr, o spotter, Die ihr den mittler schmäht! Er ist auch euer retter! Hört für euch sein gebet: Sie wissens nicht, was sie begehn; Vergieb, o vater, ihnen, Wenn einst sie zu dir flehn! 7. Jhr, eurer brüder feinde, D schlagt an eure brust! Send aller menschen freunde, Verdammt der rache lust! Vergeltet euren hassern nie, Den feinden, die euch fluchen, Vergebt, und segnet sie! Des zornes volle schaalen, Trågt unsrer sünden last, Und fühlt für uns des todes noth! Und nun ergreift den müden Der fürchterlichste tod. 9. Vor seines todes schrekken Berlischt der sonne licht, Die engel gottes decken Ihr bebend angesicht! Nun sinkt er in die todesnacht! Erbarm, o gott, dich unser! Er stirbt, es ist vollbracht! 8. Noch währen seine quaa: len; Noch trinkt er ohne rast 4. Du, für uns erwürgtes lamm! Groß, ach groß ist deine liebe! Schau von deis nes kreuzes stamm, Wie ich mich um dich betrübe! Ich bin schuldig; aller schmerz, Von dem Leiden und Tode Jesu. 93 Der dich trifft, durchbohrt 2. Ich erwäg' es oft und mein herz. 5. Herr, was kann ich dir dafür, Daß du mich so lie: best, geben? Nimm, was ich vermag, von mir, Dir, nur viel, Was dich doch getrieben, Uns ohn alles maaß und ziel, Wie du thatst, zu lieben; Da du, uns nur zu befreyn, Streich und hohn dir gehört mein leben! Wie in banden, Geißeln, mar: du mein, so will ich dein Le- tern, todespein Billig ausbend, leidend, sterbend seyn. gestanden. 6. Nur bey dir allein such ich Hülf in meinen bångsten stunden, Schmachtend, lechzend sehn ich mich Nach dem trost aus deinen wunden, Wie ein hirsch nach wasser schreyt, Bis er meine feel' erfreut. 7. Kreuzige mein fleisch und blut, Lehre mich die welt verschmähen! Laß auf dich, du höchstes gut, Smmer unverwandt mich sehen! Und im kreuze führe mich Selig, wenn schon wunderlich. 8. Endlich laß mich alle noth Freudig sterbend über winden. Nirgends müsse mich der tod, Als ben dir, mein heiland, finden. Wer nur dich zur zuflucht macht, Spricht getrost: es ist vollbracht. Erweckung zum Glauben aus den Leiden Jesu. Mel. Christus, der uns selig macht. resu, meiner see: 122. Je len licht, Ur sprung meiner freuden! Mei nes herzens zuversicht Ist allein dein leiden. Nimm dafür den dank jest an; Ist es schon ein lallen, Da ich nicht mehr geben kann, Wird dirs doch gefallen. 3. War es unsre würdigfeit? Nein, des vaters gute, Deines herzens freundlichkeit Und dein treu gemüthe. Dies hat dich ans kreuz gebracht, Daß kein mensch verzagte, Wenn der fünden meng' und macht Das gewissen nagte. 4. O du wunderbarer rath, Den man nie ergründet! D du unerhörte that, Als man nirgends findet! Sünden, deren, gott zum hohn, Menschen sich erfrechen, Die läßt gottes einger sohn An sich strenge råchen! 5. Meine schwere sünden schuld Traf den treuen burs gen. Er ließ gar aus großer huld Sich für mich erwürgen So hat er uns heil ge bracht. Sollt uns nicht geziemen, Seiner liebe starke macht Ewiglich zu rühmen? 6. Herr, dein friede sey mit mir, Und auf mein gewissen, Wenn es zaget, laß von dir Trost und freude fließen! Trost ergießt in jedes herz Sich aus deinem herzen; auch den allerbångsten schmerz Stillen deine schmerzen. 7. Laß, so bald mein herz erschrickt Ueber seine sünden, Von dem Leiden und Tode Jesu. 94 Wenn auf dich mein glaube blickt, Mich, herr! gnade finden. Sieh, ich fall, zer: Enirscht von reu, Mit wahrhafter buße, Und dem vorsatz besfrer treu, Jesu! dir zu, fuße. 8. Nun ich weiß, worauf ich bau, Und bey wem ich bleibe, Wessen fürsprach ich vertrau, Und an wen ich glaube. Jesu! du bist es allein, Welcher mich beschir met, Wenn gleich alle höllenpein Auf mich dringt und stürmet. 9. Aber sollte nicht dein schmerz Meine seele krånken? Mit betrübniß soll mein herz Deines todes denken, Bis man fröhlich rühmen wird: Aus des todes banden Ist der schaafe großer hirt Siegreich auferstanden! 5. Nun kann ich aufs todesthal Noch mit freuden sehen, Und zu jener welt eins Ohne schrecken gehen. herr! hast aus aller Rettung mir errungen, Und durch deinen kreuzestod Meinen tod bezwungen. mal Du, noth 6. Herr! was bin ich, daß Du mein So dich angenommen? Laß die frucht von 123. deiner pein Nun auf mich kommen. Gieb mir weisheit, gieb mir kraft, ( Du hast sie in handen!) Was du mir zum heil verschafft, Gläubig anzuwenden. 7. Laß das wort von deinem freuz Mich mit muth beleben, Siegreich jedem fündenreiz Hier zu widerstreben. Treib mich mächtig dadurch an, Gottes zorn zu scheuen, Was ich unrecht je gethan, Innig zu bereuen. 8. Drückt mich meine sün dennoth, Straft mich mein Mel. Christus, der uns selig macht. Dein erlöser, got 3. Nun kann meine missethat Noch vergebung finden; Denn du starbst nach gottes rath, Auch für meine fünUnsre strafe trugest du, Uns vom fluch zu retten, Daß wir im gewissen ruh Mit gott friede båtten. den. 4. Was uns lust zur beßrung schafft, Was zur tugend leitet, Dazu hast du neue kraft Durch dein kreuz bereitet. Nicht vergebens darf ich nun Mich um kraft bewerben, Gottes willen noch zu thun, Sünden abzusterben. du für mich littest, Und auch auf der himmel thron Jetzt noch für mich bittest! Welche wohlthat ist für mich Dein versöhnend leiden! O wie preis' ich würdig dich Ursprung meiner freuden! 2. Unermeßne herrlichkeit War dir, herr, gegeben, Und du konntest jederzeit Voller freuden leben. 2ber, o der großen huld! Daß ich selig würde, Uebernahmst du in geduld Schwerer leiden bürde. Von dem Leiden und Tode Jesu. 95 gewissen; O dann laß aus vergeben, Wie du zu lieben, deinem tod Mich den trost herr Jesu! genießen, Daß auch du für meine schuld Büßend bist gestorben, Und vergebung, gnad und huld Mir bey gott erworben. 9. Stärke mich durch deinen tod Auf die letzten stun: den. Wie du deine todesnoth Siegreich überwunden; so hilf dazu auch mir, Laß mich fröhlich scheiden! Herr! so dank ich ewig dir Für dein bittres leiden. 2. Christe, du lamm gottes, Der du trägst die fünde der welt, Erbarm dich unser! Mel. Wend ab deinen zorn. 124. Christe, du lamm 126.ie grundles find tiefen goltes, Der du trågest die fünde der welt, Erbarm dich unser! 3. Christe, du lamm got: tes, Der du trägst die fünde der welt, Gieb uns deinen frieden! Amen. Mel. O lamm gottes! unschuldig. lamm gottes, 125. D im staube Mit blut und thrånen bedecket! Dein tröste sich mein glaube, Wenn tod und sünde mich schrecket. Dein ringen, winseln, klagen, Dein todeskampf, dein zagen, Sey meine ruhe, herr Jesu! 3. lamm gottes, so kläglich Zerfleischt, durchgraben, geschlachtet! Dein tod belehr uns täglich, Wie hoch du seelen geachtet; Er schreck' uns ab von sünden. Er müss' uns dir verbinden 3u stetis ger liebe, herr Jesu! 2. O lamm gottes, un schuldig Trugst du die herbe verhöhnung, Und immer so geduldig, 3u meines frevels versöhnung. Dein bild müss' uns beleben, 3u dulden, zu Erweckung zur Gegenliebe gegen Jesum aus seinen Leiden. ner liebe! Wie heiß, wie zärtlich, Jesu, deine triebe! Kein mutterherz gleicht deinem treuen herzen, Du mann der schmerzen! 2. Was ist der mensch, daß du sein so gedenkest? Für ihn dich selbst so tief ins elend senkest? Fiel nicht schon Adam? und mit seis nem falle Zugleich wir alle? 3. Verehrt beschämt den weisen rath, ihr christen. Den einzuschaun die engel selbst gelüsten! Bewundert doch in dem erlösungswerke Der lies be stärke. 4. Des höchsten sohn büßt für die menschenkinder; Der heiligste bezahlet für die sün der; Des lebens fürst und aller bosheit rächer Stirbt bey dem schächer! 5. Kann mein verstand so hohe gnadenzeichen, So große wunder seiner lieb' erreis 96 Von dem Leiden und Tode Jesu. chen? Thut er nicht mehr, Meine lieb ist Jesus Christ, uns erde zu erhöhen, Als Weicht ihr schnöden fleisches: wir verstehen? triebe, Alles fern, was eitel ist! Eitle wollust wirkt den tod; Wer sie liebt, ist nicht von gott! Meine lieb ist der erwürgte, Der für mich beym richter bürgte. 2. Der am kreuz ist meine liebe; Welt, was wunderts dich, daß ich Stets in fei nem lob mich übe? Er er blutete für mich, Durstend, bleich, zum fluch gemacht, Hing er in des todes nacht. Meine wonn' ist der erwürgte, Der für mich beym richter bürgte. 6. Herr, lehre selbst mich deine huld erkennen, In rech: tem glauben meinen herrn dich nennen! Erbarme dich, und heile meinen schaden, Du brunn der gnaden! 7. Ich bin verderdt, vom fuße bis zur scheitel, Mein herz ist trokig, widerspenstig, eitel, Mein bestes thun ist mangelhaft und sündlich, Sch ehle stündlich. 8. Ich flieh, o herr! zu deinen liebesarmen, Ich such und bitte nichts, als dein erbarmen. Verstoß den nicht, der seine sünden hasset, Und dich umfasset. 9. Was machst du, feind, mir Christi huld verdächtig? Schweig! feine kraft ist in den schwachen mächtig. Er selbst macht den gerecht, der an ihn glaubet, Und in ihm bleibet. 10. 3euch mich, verwundtes lamm! zu deinem kreuze, Damit dein leiden meine feele reize, Dich, den erwerber aller guten gaben, Recht lieb zu haben. II. Dir, Jefu, leb ich, dir will ich auch sterben! Laß den nur nicht, den du versöhnt, verderben. Laß mich dein seyn, so lang ich leb' auf erden, Einst selig werden. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. er am kreuz ist meine liebe; 127. 3. Der am kreuz ist meine liebe; Sünde du bist mir verhaßt. Weh mir, wenn ich den betrübe, Der für mich am kreuz erblaßt! Undank für so blutgen schmerz Der beflecke nie mein herz, Und mein schuß sey der erwürgte, Der für mich beym richter bürgte. 4. Der am kreuz ist meine liebe, Nun mein herz, was zagest du? Schau, aus wie so heißem triebe Schafft er dem gewissen ruh! Stille dich denn Jesu blut Macht die böse sache gut, Und dein trost sey der erwürgte, Der für mich beym richter bürgte. 5. Der am kreuz ist meine liebe, Der so sehnlich mein begehrt. Wenn ich ihm nicht treu verbliebe, War ich da des lebens werth? Nein, mich trennt von ihm kein dráun, Von dem Leiden und Tode Jesu. 97 Keine schmach, gefahr, noch Die haben dich geschlagen, pein; Und mein fels ist der Die brachten diese plagen erwürgte, Der für mich Auf dich, und dieses mars beym richter bürgte. terheer. 9. Der am freuz ist meine liebe; Nun, o tod, bist du mein freund. Wenn ich, wie ein staub, zerstiebe, Werd ich Jesu stets vereint. Dann erfahr ich ganz sein heil; Meiner seele licht und theil Bleibet ewig der erwürgte, Der für mich beym richter bürgte. Anwendung der Leiden Jesu zur Tugend. Mel. Nun ruhen alle wålder. welt! sieh 128. hier bein les D ben Um stamm des kreuzes schweben! Dein heil sinkt in den tod. Der große fürst der ehren Låßt willig sich beschweren Mit banden, schlågen, bohn und spott. 2. Tritt her, und schau mit fleiße, Mit blut und todesschweiße Ist ganz sein leib bedeckt, Und unnennbare schmerzen Fühlt er in seinem herzen, Da er den kelch des zornes schmeckt. 3. Wer hat dich so geschlagen und dieses heer von plagen, Herr, wider dich erregt? Du bist ja nicht ein fünder, Wie wir und unsre kinder; Wie sind dir strafen auferlegt! 4. Jch, ich und meine sün: den, Der sich so viele finden, Wie fand am weiten meer, 5. Ich bins, ich sollte büßen In ewgen finsternissen Das, was dein tod versühnt. Die geißeln und die banden, Und was du ausgestanden, Das alles, herr! hab ich verdient. 6. Du nimmst auf deinen rücken Die lasten, die mich drücken, Du duldest meine pein. Du wirst ein fluch; das gegen Erwirbst du mir den fegen, Dein schmerz muß mir ein labsal seyn. 7. Du dich bürgen, Du läsfest dich selbst würgen Für mich und meine schuld. Für mich läßt du dich krönen Mit dornen, die dich höhnen, Und leidest alles mit geduld. 8. Für mich ihn zu erles gen, Eilst du dem tod entges gen Mit großem heldenmuth. Du stirbst, daß ich nicht sters be, Noch ewiglich verderbe; D unerhörte liebesglut! 9. Wie bin ich dir verbuns den, Durch den ich heil ges funden! Ich bin dein eigens thum. Mich dankbar zu ere weisen, Soll feel und leib dich preisen, Und dir gehors chen sey mein ruhm. 10. Es soll dein tod und leiden, Bis leib und seele scheiden, Mich trösten und erfreun. Er soll von meinen pflichten Mich täglich unters Von dem Leiden und Tode Jesu. 98 richten, Und kraft zur tugend mir verleihn. 11. Wie strenge gott vers brechen an denen einst wird rächen, Die seine huld vers schmähn, Wie schwer sie ihrer fünden Bergeltung wer den finden. Will ich aus deis nem leiden sehn. 12. Dein beyspiel soll mich lehren, Den rath des hóchsten ehren, Und thun, was er gebeut. Nicht meinen eig: nen willen, Nur seinen zu erfüllen, Ist meine pflicht und seligkeit. 13. Nach dir will ich mich üben, Die feinde selbst zu lieben, Nach dir, der für sie bat. Ich will des lebens plagen Getrost und willig tragen, Und thun, wie mein ers löser that. 14. Nie will ich wieder schelten, Nie spott mit spott vergelten, Nie, wenn ich leis de, dráun; Wie du, gelassen dulden, Dem nächsten seine schulden, Wie du, von her: zensgrund verzeihn. 15. Ich will ans kreuze schlagen Mein fleisch, und dem entsagen, Was dir, herr! nicht gefällt; Was deine aus gen hassen, Das will ich fliehn und lassen, Gefiel es auch der ganzen welt. Wie wenig schlägt mein herz, voll böser triebe; Zu dir von liebe! đàn phim 2. Wie unbeständig, zage haft und vermessen, Kann es so bald, was es dir schwur, vergessen! Kaum droht die welt, kaum locken falsche brüder, So fall ich wieder. gestorben, Und mir am kreuz mein ewig heil erworben, 3. Auch ich, ich folge dir nur oft von weiten, 3u muthlos klein, für deinen ruhm zu streiten; Schnell schrecken mich verfolgung, tod und bande, Und kleinre schande. 4. Ist dies das herz, das ich dir ganz ergeben, Dir treu zu seyn, zu sterben, dir zu leben? Ist dies die pflicht, mein blut für dich zu wagen, Nie zu verzagen? 5. Uch! sich, erbarmer, mich zu deinen füßen In wehmuthsvollen schmerzen ganz zerfließen! Ach! könnte sich in heißen thrånenfluthen Mein herz verbluten! 6. Schenk einen blick, voll mitleid und erbarmen, Mir, der ich dich so oft verließ, mir armen; Laß dieser tief gerührten reue zeichen Dein herz erweichen. 7. Du wirst, du kannst mir dieses nicht versagen; Du hast ja, herr! auch meine schuld getragen; Für mich Mel. Wend ab deinen zorn. 129. herr, mein heil, gefleht, den glauben mir zu du mich 3u 8. Ich will hinfort dich vor der welt bekennen, Und Von dem Leiden und Tode Jesu. 99 ohne furcht mich deinen jún= 3. Da du dich selbst für ger nennen; Nichts, nichts mich dahin gegeben, Wie soll mich von deiner liebe könnt ich noch nach meinem scheiden, Freud oder leiden. willen leben? Und nicht viela mehr, weil ich dir angehöre, 3u deiner ehre? 9. Will böse lust der welt mein herz verstricken, So schrecke mich mit deinen gots tesblicken; Dann will ich eilen, ihr nicht gleich zu scheinen, Bitterlich weinen. 10. Laß deinen guten geist mich stets regieren, Mit weisheit mich, mit edlem muthe zieren; Daß, wenn ich strauchle, ich nicht gar verderbe, Noch ewig sterbe. II. Du wirst als richter einst vom himmel kommen; Dann zähle mich, o herr, zu deinen frommen! Dann sey das glück, daß ich dir ange: höre, Mir preis und ehre. 12. Dann trocknest du gewiß all' meine thrånen, Er füllest jede wünsche, jedes sehnen, Und krónest mich, nach dunkler tage leiden, Mit ew'gen freuden. 4. Ich sollte nicht, wenn leiden dieser erdrn, Wenn kreuz mich trifft, gelaßnes herzens werden; Da du so viel für uns, die wirs vers schuldet, Liebreich erduldet? 5. Für welche du dein les ben selbst gelassen, Wie könnt ich sie, sie meine brüder, hassen? Und nicht, wie du, wenn sie mich untertreten, Für sie noch beten? 6. Ich will nicht haß mit gleichem haß vergelten, Wenn man mich schilt, nicht rås chend wieder schelten. Du, heiliger, du, herr und haupt der glieder, Schaltst auch nicht wieder! 7. Ein reines herz, gleich deinem edlen herzen, Dies ist der dank für deines freus zes schmerzen. Und gott giebt uns die kraft in deinem nas Mel. Wend ab deinen zorn. 130. Laß deinen geist men, Dir nachzuahmen. mich stets, mein 8. Unendlich glück! du lits heiland! lehren, Dein gótt: test uns zu gute; Ich bin lich krenz im glauben zu versöhnt in deinem theuren verehren, Daß ich getreu in blute. Du hast mein heil, da dem beruf der liebe Mich du für mich gestorben, Um christlich übe. kreuz erworben. 2. Das gute thun, das 9. So bin ich denn schon böse fliehn und meiden, Herr! diese pflicht lehrt mich dein heilig leiden. Kann ich zus gleich das böse mir erlauben, Und an dich glauben? felig hier im glauben, So wird mir nichts, nichts meine krone rauben, So werd ich dort, von herrlichkeit umges ben, Einst ewig leben. 2 100 Von dem Leiden und Tode Jesu. 10. Ja, wenn ich stets der tugend pfad betrete, Im glauben támpf, im glauben wach und bete, So ist mein beil schon so gewiß erstrebet, Als Jesus lebet. II. Lockt böse lust mein herz mit ihrem reize, So schrecke mich dein wort, das wort vom freuze, Und werd ich matt im laufe guter wer te, Eo sey mirs stårke. 12. Seh ich dein kreuz den klugen dieser erden Ein årgerniß und eine thorheit werden, So seys doch mir, trotz alles frechen spottes, Die weisheit gottes. 13. Gott! eile nicht, sie rächend zu zerschmettern, Erbarme dich, wenn einer von den spöttern Sich spåt bes febrt, und dich, den er ges schmähet, Um gnade flehet. gern zu der würgebant, Wählt martern statt der freuden; Für uns will es nicht schmach und pein, Nicht striemen, angst und wunden scheun, Ja gar den tod ers leiden. 14. Wenn endlich, herr! mich meine fünden krånken, So laß dein kreuz mir wie der ruhe schenken; Dein kreuz, dies sey, wenn ich den tod einst leide, Mir fried und freude. 2. Das lamm ist der ers habne freund, Der heiland unsrer seelen. Gott, aller suns de strenger feind, Wollt ihn zum mittler wählen. Sohn, sprach er, nimm dich derer an, Die über sich im blinden wahn Selbst zorn und strafe brachten. Die straf ist schwer, der zorn ist groß; Doch du vermagst es, mache los, Die nun im elend schmachten, 3. Ja, sprachst du, dies sey unser bund! Mich magst du für sie schlagen. Mein wille hangt an deinem mund, Ich will die sünden tragen. Dwunderlieb', o liebesmacht! Du kannst, was nie ein mensch gedacht, Gott seinen sohn abzwingen! D liebe! liebe! du bist stark! Du ftreks kest den ins grab und farg, Vor dem die felsen springen. 4. Er büßt für uns am freuzes stamm, Damit wir gnade finden; Er wird ges schlachtet, als ein lamm, fünden. Anwendung der Leiden Jesu zur Geduld im Leiden. Mel. Un wasserflüssen Babylon. Zum opfer für die 131. in lamm geht hin Für alle stirbt er; auch für mich sich Ergießet hier fein leben In milden strömen blus und trägt die schuld Der abgefallnen kin: der, Geht hin und büßet in geduld Die fünden aller funder, Es folgt belastet, matt und frank, Den wür viel gutes. tes. D theures lamm! wie soll ich dir Dafür gnug dans ken, daß du mir Erzeigest so Von dem Leiden und Tode Jesu. 5. Ich will von deiner freundlichkeit Bey nacht und tage singen. Dir will ich auch zu aller zeit Mich selbst zum opfer bringen. Mein ganzes leben soll sich dir( Das hilf du selbst, mein heiland, mir!) In stetem dank ergießen. Wie großes du an mir gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein ges dächtniß schließen. IOI Sabst ben tod von ferne; Doch ertrugst du, gottes sodni Alle leiden gerne. 2. Du entflohst nicht der gefahr, Die dem leben drohte, Als die stund erschienen war, Gingst du froh zum tode, Willig übergabst du dich In der feinde hånde, Und bliebst unveränderlich Treu bis an das ende. 3. Lehre mich, wie du, so still Und so froh zu leiden, Und wenn es dein rathschluß will, Selig zu verscheiden. Stärke mich, wenn ich ein mal Sterbend zu dir flehe, Daß ich durch des todes that Ohne schrecken gehe. 4. Dank, o Sesu! dank sey dir Für dein letztes leis den! Denn dadurch erwarbst du mir Deines himmels freus den. Nunmehr weiß ich, daß im tod Ich nicht ewig sterbe; Denn ich bin versöhnt mit gott, Bin des himmels erbe. 6. Wohlauf, mein herz, eröffne dich! Dir soll ein Eleinod werden. Kein schaß, wie dieser, findet sich Im weiten schooß der erden. Weg ehr und lust der eiteln welt! Was mir vor allem dem gefällt, Hat nun mein herz gefunden. Dies kleinod, dies mein bestes gut, St, Jefu! dein vergoßnes blut, Der strom aus deinen wunden. 75% Dies soll und will ich mir zu nu 3u allen zeiten machen. In sturm und hike seys mein schuß, Lehr in gefahr mich wachen; Verleih im glück bescheidenheit, In sorgen ruhe, trost im leid, Vertrauen im gebete; Zum letzten siege stårt es mich, 133.fen schwere laſt Und sey auch dort mein schmuck, wenn ich Bor got. tes richtstuhl trete. Mel. Christus, der uns selig. ein erlöser! auch An meiner statt getragen hast, Für mich den tod ges litten; Wie soll ich dir gnug dankbar seyn, Daß du durch leiden, tod und pein Das du hin zum leiden, Und be leben mir erstritten? Herr, gabst dich williglich Aller dessen eigenthum ich bin, deiner freuden. Du sahst Nimm ganz zu deinem dienst banden, schmerz und hohn, mich hin! 132. Meir für mich Gingst Antrieb zur Selbstvers leugnung aus Jesu Leiden. Mel. O ewigkeit, du donnerwort. er du 102 Von dem Leiden und Tode Jesu. 2. Troft hab ich ja allein rohe spotter spotten? Nein durch dich. So stárket auch sollt' auch alle welt zugleich dein leiden mich 3u meinen Sich wider dich, herr! und schwersten pflichten. Ich dein reich Voll stolz zusamschaue, herr! auf meiner bahn men rotten, Der feige flieh Stets glaubensvoll dein mu- des frevlers spott, Mich ehrt ster an, um mich darnach zu er, er ist ruhm bey gott. richten. Nun sey der pfad auch noch so steil, Ich geh' ihn froh mit dir, mein heil! 3. Nichts ist, was mich gefesselt hålt. Du hast den himmel, herr der welt, Für mich hintangesetzet. Was mein herz liebt, das opferts doch Dir gern auf, weil es nichts so hoch, Als deine liebe schåket. O wie so viel hab ich in ihr! Du dankst mir nichts, ich alles dir. 7. Nach ehre dürft ich li stern seyn? Und du, du låssest dich verspeyn, Da ich nach ruhme geize? Nach hoheit strebt ich ohne ruh! Und, gottmensch! dich erniedrigst du Gar bis zum tod am kreuze, Wo du, der du den tod bezwingst Verachtet zwischen mördern hingst. 4. Dem nächsten dürft' ich mich entziehn? Gemächlich jede burde fliehn? Und du trugst, was für bürden! Ach bürden, die, trugst du sie nicht, Uns einst von gottes angeficht 3ur hölle stürzen würden! In schweiß und müh, von trägheit fern, Dien' auch nun ich dem nächsten gern. 5. Ich scheute jede bangigkeit, Da doch du, herr der herrlichkeit, Selbst blut geschwist im garten! Hier in der welt hab ich oft angst; Allein da du selbst zitternd rangst, Was darf ich sonst erwarten? Herr! laß auf dei nen kampf mich fehn, So werd ich nie in noth vergehn. 6. Du, könig! trugst die dornenkron; Und mich erschreckt ein eitler hohn, Wenn 8. In frankheit fühl ich linderung, So bald die pein der kreuzigung Mein banger geist betrachtet, Und trostlos machet mich kein schmerz, Wenn auch schon mein zerschmolznes herz Umsonst nach labung schmachtet. Denn dir, deß herz verschmachtet war, Reicht man zur labung effig dar. 9. Wer hier die weltlust nur begehrt, Der ist, o Je su, dein nicht werth, Noch fleischlich, noch verblendet. 3u leiden mache mich bereit, Du ursprung meiner feligkeit, Bist auch durch sie voll. endet! Dir, der mir diese bahn erst brach, Trag ich mein kreuz nun willig nach. 10. Mein leiden sey denn noch so schwer, Für mich ists nun nicht strafe mehr, Kreuz ist der christen leiden. Otheurer name! reich an Von dem Leiden and Tode Jesu. troft, Du machst in jeder noth getrost, Verwandelst leid in freuden, Weil man mit ihm, der für uns litt, Durch freuz hier in gemeins schaft tritt. 11. O Jesu! gieb mir deis nen sinn, Daß nun, wie du, auch ich forthin, Das, was die welt liebt, meide. Herr! bilde mich nach dir, daß ich Dir ähnlich werd', und wil liglich Mit dir hienieden lei: de. So herrsch ich dort der einst mit dir, Hier aber les best du in mir. Trost und Berubigung aus den Leiden Jesu. Mel, Freu dich sehr, o meine seele. zesu Christ! durch 134. deine wunden, Deinen martervollen tod, Hab ich heil bey gott gefunden, Kraft zur tugend, trost in noth, Mich follt ich durch fund' entweihn? Nein! ich sünd' denk an deine pein. Ach! den ganzen gråul der Läßt mich die empfinden. der fünden mit graun 103 betretne bahn Lustig, breit, gemächlich, eben, Jesu! dich schau ich dann an. Da warnt mich des zornes last, Welche du getragen hast, Nicht mit dem verblend'ten haufen Ins verderben hinzulaufen. 4. Hålt mein schreckendes gewissen Mir der fünden menge vor, D! in meinen kümmernissen Schau ich nach dem kreuz empor. Sie vers schwinden, sie entfliehn; In den wunden, die hier glühn, Find ich sicherheit und leben, Und den trost: sie sind vers geben! 5. Hier such ich in unruh friede, In der angst beruhis gung, Neue kraft, wenn ich ermüde, Und in quaalen lins derung Schwer sey dieses lebens müh, Durch dein kreuz verschwindet sie! Denn es führt durch kurze leiden 3um genuß von ewgen freus den. 6. Ueber alles, was zum staube Meine feele niederdrückt, Wird mit starker kraft mein glaube Durch dein leis 2. Schmachtet nach der den hingerückt. Deines tros wollust freuden Mein ver- stes freudigkeit Reißt mich derbtes fleisch und blut, fort zur ewigkeit; Die du, herr, als du gestorben, Mir, auch mir am kreuz erworben. 7. Hab ich dich in mei so blick ich auf dein leiden! Schnell verlischt die wilde glut. Tracht' ich eitler ehre nach, Und ich blick auf deine schmach, Schnell schlägt die den stolz darnieder, Und giebt mich der demuth wieder. nem herzen, Ursprung aller seligkeit! So besieg' ich alle schmerzen, Auch sogar im letzten streit. Rufft du, und ich habe nun. Gnug gekáms pfet, um zu ruhn, Herr! so 3. Scheint beym schmalen weg zum leben mir der welt Von dem Leiden und Code Jesu. 104 dank ichs beinen wunden, Daß ich sieghaft überwunden. 8. Ja, auf dich steht mein vertrauen, Du bist meine zuversicht. Du besiegst des todes grauen, Rettest mich aus dem gericht. Durch dein mir erworbnes heil, Hab' ich an dem himmel theil. Wahrlich, herr! ein ewigs leben Wird dereinst dein tod mir geben. dank, Für deine quaal, bein angstgeschrey, Für dein uns schuldigs sterben, Für alle lieb und treu! 5. Herr! laß dein bitter leiden Mich reizen für und für, mit allem ernst zu meis den Die sündliche begier; Nie komm es mir aus mei nem sinn, Wie viel es dir gekostet, Daß ich erlöset bin. Mel. Wenn meine sünd mich. mich die 6. Mein freuz und meine Hilf mir geduldig tragen! plagen. Ach, alle meine noth, mein und 135. Wünden Frans Daß ich verleugne dieſe welt, Und folge dem erempel, Das du mir vorgestellt. ken, Mein mittler, Jesu Chrift! So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist, Und wie du meines elends last Um kreuz, von gott verlassen, Auf dich ge nommen hast. 7. Laß mich an andern üben, Bas du an mir ger than, Und meine brüder lieben, Gern dienen jedermann, Ohn eigennuß und heuchelschein, Und, wie du mirs erwiesen, Aus reiner lieb allein. 2. Dwunder ohne maaBen! Fürs menschliche ge schlecht Hast du dich martern lassen, Du, herr, dich für den knecht! Selbst got: tes sohn ward für den staub, Für mich verlornen sünder, Des finstern grabes raub. 3. Was kann sie mir nun schaden, Wie groß die sünd auch sey? Bey gott bin ich in gnaden, Von allen schulden frey; Sie sind getilgt durch Christi blut, Und ich barf nicht mehr fürchten Der holle quaal und glut! 4. Drum sag ich dir von herzen Jetzt und mein lebenlang Für deine pein und schmerzen, Erlöser! Lob und Est 8. In meinen lehten stunden, Stróm du mir kraft und ruh Und heil aus deinen wunden, Zu meinem troste, zu, Du bists allein, auf den ich trau; Stárk meine feel im tode, Daß ich dich ewig schau. Mel. Herzlich thut mich verlangen. Der 136. er du voll blut und wunden Für uns am freuze starbst, Und unsern letzten stunden Den größten trost erwarbst, Der du dein theures leben, Noch eh ich war, auch Von dem Leiden und Tode Jesu. mir 3ur rettung hingegeben; Mein beil! wie dank ich dir? 92. Wie viel hast du erlit: ten, Erhabner menschensohn! Als du den tod bestritten, Den tod, der fünde lohn! Da folgte schmerz auf schmerzen, Da traf dich schmach auf schmach, Da lag auf deinem herzen Angst, die das herz dir brach. 3. Entblößt von allem reize, Der menschen wohlge, fällt, Hingst du an deinem Freuze, Ein fluch vor aller welt. Dich flohen deine freunde, Du warst der leute spott. Dich höhnten deine feinde: Wo ist denn nun sein gott! 4. O schreckliches empfins den! Du fühltest das gewicht Vom fluche unsrer fünden. Und lindrung ward dir nicht. Stets wuchsen deine plagen, Kein helfer kam für dich; Man hörte dich selbst klagen: Gott! wie verläßt du mich! m 105 sünden, Wenn du sie mir nicht giebst? 7. Du hast mir durch dein leiden Vergebung, beßrungskraft, In trübsal trost, und freuden, Die ewig sind, vers schafft. Ogieb an dieser gnade Auch mir im glauben theil, So wird mein seelen. schade Durch dich, erlöser! heil. 8. Ich danke dir von her: zen, D du mein größter freund! Für deine todesschmerzen, Wie gut hast du's gemeint! Ach! gieb, daß ich mich halte 3u dir mit aller treu, Und bis ich einst erkalte, Ganz nur der deine sey. 9. Wenn ich denn einst soll scheiden, Ach dann verlaß mich nicht! Sen auch in todesleiden Mein trost, mein heil, mein licht! Wenn mir am allerbängsten Wird um das herze seyn; Dann reiß mich aus den ångsten, Kraft deiner angst und pein! 10. Erhebe dann mein hoffen, 3ur bessern welt zu gehn, Und laß im geist mich offen, Herr, deinen himmel sehn! Dahin laß mich entzücken Alsdann mich glaus bensvoll Nach dir, mein heis land, blicken! Wer so stirbt, der stirbt wohl. 5. Mein heil! was du erduldet, Das ist auch meine last, Ich habe mit verschuls det, Was du getragen haft. Sieh gnádig auf mich armen, Der zorn verdienet hat, Und hilf mir aus erbarmen Von meiner missethat! 6. Ich will auf dich stets sehen Mit aller zuversicht. Wohin soll ich sonst gehen? Verwirf du mich nur nicht! Wo Begräbniß Jesu. Mel. O traurigkeit, o herzeleid. ( o schlummerst Wenn du mich, herr, nicht 137. du In stilliebst? Wo reinigung von ler ruh, Der du für uns 106 gestorben. Uns am freuz in schwerer müh- Ewigs heil er: worben. Von dem Leiden und Tode Jesu. 2. Du bist erblaßt, O herr! und hast Doch in dir felbst das leben. Gleich als sterbliche hält dich nun ein grab umgeben. 3. Doch heil sey mir! Herr, du willst hier Nicht die verwesung sehen, Son: dern bald aus eigner kraft Aus dem grabe gehen. 4. Ich weiß, du wirst Mein lebensfürst, Wie dich, auch mich erwecken; Sollte denn mein gläubig herz Vor der gruft erschrecken? 5. Hier werd ich einst, Mel. Lobt gott, ihr christen. 138. ten, preist und Bis du erscheinst, In fanf tem frieden liegen. Denn durch deinen tod kann ich Tod und grab besiegen. Von der Auferstehung Jesu. sein erbtheil bist, Lobsing rohlockt, ihr chri- und bet ihn an!:,: 5. Preist gott den vater, ehrt Gott, eures mittlers denn er hat Nicht seines gott! Der vater hat den sohns gebet, Nicht, was er sohn erhört, Erhört in seiner für die fünder that, Sein noth.:,: opfer nicht verschmáht.:: 6. Er hat von seinem sobne nie Sein antlik abges wandt; Er hórt' ihn, als er zu ihm schrie, Und reicht ihm seine hand.:: 2. Die mörder triumphirten schon: Wo ist des sohnes macht? Der berr errettet seinen sohn, Sein rathschluß ist vollbracht.:,: 3. Der sohn befahl in seis ne hand Dem vater seinen geist; Er ward begraben; er erstand; Gott hält, was er verheißt.:,: 4, Dies rühme, wer er: rettet ist, Und wer ihm unterthan! Welt, die du nun 6. Thr, die die welt Ges fesselt hålt, 3agt nur vor der verwesung! Ich, ich hoff in Christo einst Meines leibs erlösung. 7. Nein! nichts verdirbt; Selbst das, was stirbt, Der leib, wird auferstehen, Und zu himmelsglanz verklärt Aus dem grabe geben. 8. Co sink ins grab Mein leib hinab! Ich will mich drum nicht krånken, Theurer heiland, mir zum trost Un dein grab gedenken! laut: 7. Die ganze kirche rufe Wer ist, wie gott, so gut! Heil jedem, welcher gott vertraut, Der solche wunder thut.:,: 8. Wer, wer verschmachtet ist und matt, Soll leben, soll sich freun; Satt werden Von der Auferstehung Jesu. 107 foll, wer mangel bat, Wer leben wiederbracht. Er, der glaubt, soll selig seyn.:: uns ehr und sieg erstritt, Er bring uns seinen frieden mit. Hallelujah. 9. Das ist des mittlers preis und lohn: Der, wel chem er verzeiht, Soll ewig leben, wie der sohn, Sn seiner herrlichkeit.:,: 10. Sagts aller welten völkern an: Bekehret euch zum Herrn! Shm werde jeder unterthan, Und jeder dien ihm gern!:,: II. Des vaters reich ist auch das reich Des sohnes; er regiert Un ruhm und macht dem vater gleich, Dem aller ruhm gebührt.:: 12. Dich ehre, felig, herr, durch dich, Wen deine macht erhebt, Wer niedrig ist, wer kümmerlich In seinem staube lebt!:,: 13. Es fehl ihm an bekennern nie So lange diese welt Noch menschen hat, so lange fie Der arm des Herrn erhält.:,: 14. Wer noch geboren wer: den soll, Erkenn' ihn, bet ihn an, Erzähle, wie so wundervoll Der herr erlöfen kann.:,: Mel. Wir danken dir, herr Jesu. 139. aum steigt zu ihrem frohsten lauf Die sonn in voller pracht herauf; Seht! so verläßt der herr sein grab, Der erst für uns sein leben gab. Hallelujah. 2. Vertrieben ist der fünden nacht, Licht, heil und 3. Zwar ist hier nicht ganz kund gemacht, Was er uns aus dem grab gebracht, Der edle schak, die reiche beut, Der sich sein voll vor ihm erfreut. Hallelujah. 4. Uns lehrt es einst sein großer tag, Wie viel sein starker arm vermag, Und was er da für thaten that, Als er der schlangen topf zertrat. Hallelujah. 5. D edler sieg! o starker held! Wo ist ein feind, den er nicht fällt? Wo eine plas ge so ergrimmt, Der Christi sieg die macht nicht nimmt? Hallelujah. 6. Und daß der herr erstanden sey, Das ist von allem zweifel frey. Ja, es ist je gewißlich wahr, Das leere grab machts offenbar. Hallelujah. 7. Die erd erbebt, es wälzt vom grab Den stein ein engel gottes ab, Und kündiget den siegsheld an, Den bald auch seine jünger sahn. Hallelujah. 8. Sie sehen, hören, füh len ihn, Und die verzagten sind nun kühn, In vieler schmach, mit ihrem blut, Versiegelt es ihr heldenmuth. Hallelujah. 9. Lebt Christus, was bin ich betrübt. Ich weiß, wie herzlich er mich liebt; Und Von der Auferstehung Jesu. 108 stürb auch alle welt mir ab, Gnug, daß ich Christi liebe hab! Hallelujah. 10. Er nährt, er schützt, er tröstet mich, Sterb' ich, so nimmt er mich zu sich. Wo er jest lebt, komm' ich auch hin, Weil ich sein theil und glied hier bin. Hallelujah. 11. Durch ihn bin ich mit gott versöhnt, Durch ihn mit gnad' und heil gekrönt. Mein banges herz ermanne fich, Gott und die engel lieben mich. Hallelujah. 12. Durch seiner aufer: stehung kraft Vollend' ich meine pilgerschaft, Freu seiner mich in seinem reich, Und bin dort seinen engeln gleich. Hallelujah. 13. Für solchen trost, du starker held, Mein Jesu, dankt dir alle welt! Wenn wir dereinst dein antlig sehn, Soll dich ein würd'ger lied erhöhn. Hallelujah. nun in fröhlichkeit, Gesegnet sey des herren streit, Der deinen fluch bezwungen. 3. Ihr himmel, laßt den jubelklang Durch alle wolken fahren! Kommt, wiederholt den lobgesang, Ihr reinen geisterschaaren! Ehrt jetzt den tag, wie jene nacht, Die dies sen held ans licht gebracht, Verherrlicht seine siege. 4. Es müsse zions heilig thum Vom jauchzen wiederschallen; Gott in der höhe! dir sey ruhm, Den menschen wohlgefallen! Ihr, creaturen, stimmt mit ein: Auf erden müsse friede seyn, Im himmel hohe wonne! 5. Nun Jesu grab die siegel bricht, Steht mir der himmel offen; Nun stützt den eitlen glauben nicht Ein unerfülltes hoffen. Du, heis land! lebst, und lebst in mir, Du kannst, du wirst, ich folge dir, Mich auch zum vater führen. Se Mel. Es ist das heil uns kommen. 6. Fahr auf, o feltne fies 140. Triumph! vers gespracht, Die von der höhe laßt die leere gruft! Triumph! der heiland Tebet! Hört, wie der freis der heitern luft Von sieges: tönen bebet. Sey uns gegrüßt, erstandner held! Die holl' und tod entrißne welt Ruft dir triumph entgegen. bliget! Mein könig, der, verklárt mit macht, 3ur rechten gottes fizet; Du, der den tod gefesselt hålt, Erlöser, richter, herr der welt, Laß mich dir ewig leben! 2. Was war bir, erde, 141. G ott sey dazumal, Als sich dein grund emporte, Und Jesu lehte todesquaal Dich ängstlich feufzen lehrte? Ach! jauchze Mel. In dich hab ich gehoffet. ges dankt zu ies der zeit! Die sonne der ges rechtigkeit Geht auf, uns zu erfreuen. Sie bricht mit Von der Auferstehung Jesu. 109 macht Aus finstrer nacht, und verspent, Gekreuzigt Um alles zu erneuen. werd ich werden. Wenn alles dies vollendet ist, So wird des menschen sohn, der christ, Nicht die verwesung sehen. 2. Es ist der siegsfürst, Jesus Christ, Der heut vom tod erstanden ist. Er hat dem feind genommen Des tods gewalt, Drauf ist er bald Mit freuden wieder kommen. 3. Auch hat der herr in fiegespracht Viel beute aus dem grab gebracht; Die will er gern uns geben, Gerechtigkeit, Heil, friede, freud' Und unverwelklichs leben. 3. Weil er sich selbst ers niedrigt hat, So wird ihn gott erhöhen. Ich leid' und sterb' an eurer statt, Dann werd ich auferstehen. Am dritten tag geh ich heraus, Lösch' alle schmach des freue zes aus, als gottes sohn bewiesen. 4. Ich will euch fehn, ers freuet euch! Euch siegreich wieder sehen, Euch lehren, meines vaters reich und hoa hen rath verstehen, Euch den verheißnen geist verleihn, Und ihr sollt meine zeugen seyn, Daß ich vom tod erstanden. 5. Geht hin und lehret alle welt: Ich bin des weis bes saamen, Der saamen Abrahams, der held; Und tauft in meinem namen. Wer an gott glaubt, glaubt auch an mich. Thut wunder, und beweist, daß ich Zur rechten gottes site. Jesu Auferstehung, ein Beweis seiner göttli 160 chen Sendung. Mel. Nun freut euch, lieben. Creywillig ichs 6. Kampft für mein evan 142. Fargebracht, und gelium, und freuet euch der niemand nimmt mein leben, Es selbst zu lassen, hab ich macht, Macht, wieder mirs zu geben. Und darum liebt mein vater mich, Daß ich mein leben laß, und ich Für meine feind' es laffe. leiden. Kein engel und kein fürstenthum, Nichts soll euch von mir scheiden. Man wird euch hassen, und euch schmähn. Euch tödten; dennoch solls geschehn, Daß eure lehre fieget. 2. Ich bin in meiner nies drigkeit Ein ärgerniß der er den; Verschmäht, gegeisselt 7. Herr, deine lehre hat gesiegt, Und siegt in allen landen, Und zeuget, daß dein 4. Drum geb' ich dir, Immanuel! In deine hánde leib und seel, Du bist mein schutz auf erden, Mein licht und heil, Mein ewigs theil; Mir muß der himmel werden. 5. Laß mich mit dir zu grabe gehn, Mit dir auch wieder auferstehn, Die luste überwinden. So werde ich Dereinst durch dich Den lohn der treue finden. IIO Von der Auferstehung Jesu. wort nicht trügt, Und zeugt, des himmels erben. Dies ist du bist erstanden. Dein kreuz, die hoffnung deines knechts, woran man dich erhöht, Vers wandelt sich in majestát, Du gehst aus deinem grabe. 8. Gehaßt in deiner nie: drigkeit, Warst du ein ziel des spottes; Und zeigtest doch zu gleicher zeit Un dir In dieser will ich sterben. Wie du vom tod erstanden bist, So werd auch ich, herr Jesu Christ! Um jüngsten tag erstehen. itop die hoheit gottes. Dein kreuz 143. Bringt preis und ein grául, Doch sterben für der feinde heil, Dies ist die höchste tugend. 9. Dein reich war nicht von dieser welt, Dein ruhm nicht menschen ehre. Un de: muth groß, an lieb ein held, Und göttlich in der lehre, Geduldig und von sünden rein, Gehorsam bis zum kreuze seyn; Dies war des heilands größe. 10. Du starbst am kreuz; doch war dir nicht Die kraft des herrn gegeben? Wer gab den blinden das gesicht, Den todten selbst das leben? Und wem gehorchte wind und meer, Wem unheilbarer übel heer? Du warst von gott gekommen. 090 Mel. Nun freut euch, lieben. land dar, Frohlockt ihm, alle frommen! Er, der für uns getödtet war, Ist dem gericht entnommen. D sey gelobt, herr Jesu Christ, Daß du für uns gestorben bist, Und siegreich auferstans den! 2. Dein leben in der maBefestigt unfern glaus Wer kann, da dich dein gott erhöht, Uns nun den trostgrund rauben, Daß du hast unser heil vollbracht, Und von des ewgen todes macht Uns sünder haft erlóset? jestát ben. 3. Gott selbst, der dich dem grab entrückt, Hat dem, was du gelehret, Der wahrs heit siegel aufgedrückt, Und dich als sohn geehret. Denn deines opfers hohen werth Hat er aufs herrlichste bes währt, Da er dich aufers wecket. II. Nun irren mich nicht schmach und spott, Noch deis nes kreuzes schanden. Du bist mein herr, du bist mein gott, Denn du bist auferstanden. Du bist mein heil, mein fels, mein hort, Der herr, durch dessen mächtig wort Auch ich einst ewig lebe. 12. Wir sind nun göttli: chen geschlechts, Durch dich mein erretter feyst, und neue 4. Erstandner! ich frohlocke dir, Daß du nun ewig lebest. Du lebst und siegst, daß du auch mir Das ewge. leben gebest, Daß du auch Von der Auferstehung Jesu. 111 Fräfte mir verleihst, Mit fohn Berläßt der fodten freuden gott zu dienen. 5. Mein herr, mein gott! bilf mir dazu! Befreye mich von sünden, Laß mich für meine seele ruh Im frieden mit gott finden. D! pflanze deinen sinn in mir, Damit ich, gott ergeben, hier 21s 2. Als dein erlöster wandle. grüfte, Und seiner jünger jus belton Dringt freudig durch die lüfte. Du, den der engel loblied preist, Entreiße, heiland, meinen geist Der liebe zu der erde, Daß er dir heilig werde! 6. Dein ist das reich, dein ist die macht, Verstorbne zu erwecken. Du rufft einst, und der gråber nacht Wird todte nicht mehr decken. Wie du vom tod erstanden bist, So werd' auch ich, Herr JesuChrist! Durch dich einst auferstehen. 7. O! laß mich, weil ich hier noch bin, Im glauben an dich wandeln, Und jeders zeit nach deinem sinn Recht: schaffen seyn und handeln; Daß ich, wenn ich einst auf ersteh, Und dich, des todes sieger, seh, Vor dir dann nicht erschrecke.. 8. Da, wo du bist, da soll auch einst Dein jünger mit dir leben, Du wirst ihn, wenn du nun erscheinst, Zu deiner freud erheben. Laß, herr! auch dies mein erbtheil seyn, So werd ich ewig deß mich freun, Daß du vom tod erstanden. Erweckung, mit Jesu geistlicher Weise zu auferstehen. Die menschheit, herr! erlaubt mir nicht mit dir empor zu steigen, Bis diese schwache hütte bricht. Wird sich mein haupt einst neigen, Sodann nimm, nach volls brachtem lauf, Auch mich in deinen himmel auf, Nimm, herr, an meinem ende, Den geist in deine hände. 3. Doch soll ich einst, o gottes fohn! In deinem reich dich sehen, So muß ich auch auf erden schon Vom tode auferstehen. Der lebt nicht, den die lust der welt, Und ihre pracht gefesselt hält; Nach gott und tugend stres ben, Nur das heißt wirklich leben. 4. Du, auferstandner men schenfreund! Erweck in mir die triebe, Durch die man sich mit dir vereint, Den glauben und die liebe. Ich will, o herr! dein eigen seyn; Laß mich mit ernst die fünde scheun, Und gieb selbst muth und kräfte 3um heiligungs geschäfte. 5. So kann ich als ein wahrer christ Jest leben und einst sterben, Und einmal Mel. Ermuntre dich, mein. 144. Das grab ist leer, da, wo du, herr! bist, Vollkommne erben. Das Von der Auferstehung Jesu. 112 hin, mein heiland, hilf du mir! So bring ich, ewig froh in dir, Mit deiner frommen menge Dir lob- und dankgefange. 8. Ich soll, wenn du, des lebens fürst, In wolken götts lich kommen wirst, Verklärt aus meinem grabe gehn, Und 145. Erinne dich, froh zu deiner rechten stehn. geist! erfreut, Des frohen tags der herrlichkeit, Halt im gedächtniß Jesum Christ, Der von dem tod erstanden ist. 9. Mit engeln und mit seraphim, Mit thronen und mit cherubim, mit allen frommen aller zeit, Soll ich mich freun in ewigkeit. 10. Nie komm es mir aus meinem sinn, Was ich, mein heil! dir schuldig bin, Das, mit ich mich, in liebe treu, Zu deinem bilde stets erneu. hoffnung und Trost aus der Auferstehung Jesu. Mel. Nun jauchzt dem herren. 2. Fühl' alle dankbarkeit für ihn, Als ob er heute dir erschien, Als språch er: friede sey mit dir! So freue dich, mein geist, in mir. 3. Schau über dich, und bet ihr an. Er mißt den sternen ihre bahn, Er lebt und herrscht mit gott ver eint, Und ist dein könig und dein freund. himmel thronst! Ich soll da wohnen, wo du wohnst, Und du erfüllst einst mein vertraun, In meinem fleische dich zu schaun. 6. Mein herz erliegt froh unter ihr, Lieb' und verwundrung kämpft in mir, Und voll von ehrfurcht, dank und pflicht, Fall ich, gott! auf mein angesicht. 7. Du, der du in dem II. Er ists, der alles in uns schafft, Sein ist das reich, sein ist die kraft. Halt im gedächtniß Jesum Christ, Der von dem tod erstanden ist. 4. O glaube, der das herz erhöht! Was ist der erde majestät, wenn sie mein geist 146. Din, erstand Mel. Nun jauchzt dem herren. ich ich Dich mit der vergleicht, Die ich durch gottes sohn erreicht? 5. Vor seinem thron, in seinem reich, Unsterblich, heis lig, engeln gleich, Und ewig, ewig selig seyn: Herr, welche herrlichkeit ist mein! ner held! Erretter einer sundenwelt! Du, unsre zuflucht für und für, Froh huldigt meine seele dir! 2. Um deinen thron, der ewig steht, Glångt wahrheit, heil und majestát; Ich nahe mich voll zuversicht Zu dir; denn du verwirfst mich nicht. 3. Herr, meine seele preis set dich! Erlöst auf ewig hast du mich. So wahr du selbst vom himmel kamst, Von der Auferstehung Jesu. Dein leben gabst, und wieder nahmst. 4. Wer ist, der mich verdammen kann? Ich glaub an dich, und fage dann: Ter gott, durch den die himmel sind, Der ist mein vater ich sein kind. 5. Nun ist dies erste le ben mir Ein fegenreicher weg zu dir. So lang ich hier bin, herr, mein heit! Hab ich an deinem frieden theil. 6. Holdselig sprachst du: erde sey Der schauplab mei ner huld und treu! Wir se: hen deine huld und treu Auf deiner erde täglich neu. 7. 3war trifft noch man cher schmerz uns hier. Noch, o erbarmer! sterben wir: Doch du regierst, und wir sind dein, Und ewig werden wir es feyn! 8. Ich weiß, daß mein erlöser lebt. O trost, der mei nen geist erhebt, Durch dich gestärkt, seh ich aufs grab Mit unerschrocknem aug' herab. 9. Welch neue welt voll feligkeit Erwartet mich nach dieser zeit! Da findet der verklärte christ Das heil, das unaussprechlich ist. 10. Der du für unsre seelen wachst, Sie zu dir ziehst, und selig machst, Laß mich mit freudigem vertraun, Im tod auf dich, vollender! schaun. 113 147. Mel. Nun freut euch, lieben. tod! wo ist dein stachel nun? Wo ist dein sieg, o hölle? Was kann forthin uns satan thun, Wie grausam er sich stelle? Geendigt ist der schwere krieg. Gott sey gedankt, daß er den sieg Durch Christum uns gegeben! mis 2. Lebendig geht der herr hervor, Und nimmt den feind gefangen, Zerbricht der hölle schloß und thor, Trågt weg den raub mit prangen. Nichts hålt in seinem siegeslauf Den starken held aus Juda auf, Er überwindet alles. 3. Des herrn streitbaver arm behält Den sieg, und ist erhöhet, Des herrn erhabne rechte fällt, Was stolz ihr widerstehet. Besiegt ist alles, was uns droht, Besiegt ist teufel, hou' und tod; Shr zorn ist kraftlos worden. 4. Es ward getödtet Jes sus Christ, Und sieh, er les bet wieder. Weil nun das haupt erstanden ist, Stehn wir auch auf, die glieder. Ich weiß, daß wer an Christum glaubt, Nicht in der nacht des todes bleibt, Er lebt, ob er gleich stirbet. 5. Wer täglich hier durch wahre reu Mit Christo aufe erstehet, Ist dort vom andern tode frey, Dem feiner sonst entgehet. Genommen ist dem tod die macht, Unschuld und leben wiederbracht, Und unvergånglichs wesen. $ 114 6. Dies ist die große se: ligkeit, Der wir theilhaftig werden, Fried', freude, heil, gerechtigkeit Sm himmel und auf erden. Hier sind wir still und hoffnungsvoll, Daß un. ser leib dort gleichen soll Des herrn verklärtem leibe. Von der Auferstehung Jesu. 3. Wir glauben, herr, und zweifeln nicht, Du bist vomtod erstanden. Der trost, den uns dein mund verspricht, Erschall in allen landen: Vom tod ist gottes sohn er wacht, Er lebt für uns, und seine macht Wird uns vom tode wecken, Der leib wird neu von ihm gebaut, Bon ihm verklárt, wird diese haut Dann meine glieder decken. 4. Welch glück, das Jesus mir erwarb! Ich soll einst auferstehen, und ihn, der blutend für mich starb, Mit meinen augen fehen. Dann, dann werd ich, o gottes sohn! Vor deinem majestát148. Vollendet bist du schen thron Unbetend niedernun vor gott, Das heil ist uns erworben; ir preisen dich! der fünder Bist du für uns gestor: Es stimm in unsern lobgefang, Wer durch den tod ins leben Wir fallen, Dann soll ein höhrer lobgesang Von dir, der tod und grab bezwang, Durch alle himmel schallen. fingen Chrifti fiege. Shn har 149. Jefu lebt, mit der hölle macht bekriegt. Er hat der hölle macht besiegt, Er stand, ein held im kriege. Mel. Jesus, meine zuversicht. Fesus ihm auch ich. Tod, wo sind nun deine schrecken? Er, er lebt und wird auch mich Von den todten auferwecken. Er ver klårt mich in sein licht; Dies ist meine zuversicht. 2. Bermalmet war zwar fein gebein, Zermartert seine glieder, Da sank er unter feiner pein In todesnacht darnieder. Schon tont der feinde siegeslied; Vergebens! eure hoffnung flieht, Ihr feinde Jesu! sehet, Er wird nicht der verwesung raub, Besieget tod und grab und staub, Und wird von gott erhöhet. 2. Jesus lebt; ihm ist das reich Ueber alle welt gege: ben, Mit ihm werd auch ich zugleich Ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; Dies ist meine zuversicht. 7. O tod, wo ist dein stachel nun? Wo ist dein sieg, o holle! Was kann forthin uns fatan thun, Wie grausam er sich stelle? Gott sey gedankt! der schwere krieg Ist nun geendigt, und der sieg Durch Christum uns gegeben. Mel. Un wasserflüssen Babylon. oder: Ein tinbelein, so tobelich. tod ben. 3. Jesus lebt; wer nun verzagt, Låstert ihn und got. Von der Auferstehung Jesu. 115 gesagt, Daß der fünder sich bekebre. Gott verstößt in Christo nicht; Dies ist meine zuversicht. tes ehre. Gnade hat er zu leben ließ: Drey tage sollen nicht vergehn, So werdet ihr mich lebend sehn! Er hats erfüllt! 4. Jesus lebt, fein heil ist mein; Sein sey auch mein ganzes leben, Reines herzens will ich seyn, Und den lüsten widerstreben. Er verläßt den schwachen nicht; Dies ist 5. Er wirds erfüllen! Jemeine zuversicht. 4. Ich lebe, sprach er, und auch ihr Sollt leben, glaubige, mit mir! Ich komme! meine stimme ruft: Verlaßt, ihr todten eure gruft, Und folgt mir nach! ies in fus sus Christ, Der selbst vom 5. Jesus lebt; ich bin ge- tod erstanden ist, Der Lazawiß, Nichts soll mich von rus ins Leben rief, Als er Jesu scheiden, Keine macht im staub des todes schlief, der finsterniß, Keine herrlich Erfüllts gewiß! keit, kein leiden. Er giebt kraft zu dieser pflicht; Dies ist meine zuversicht. 6. Er nahm dem tode seine macht, Er hat das heil ans licht gebracht! Durch ihn ist unvergånglich heil Und neues leben unser theil In ewigkeit. 6. Jesus lebt; Nun ist der tod Mir der eingang in das leben. Welchen trost in to desnoth Wird es meiner feele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, herr, meine zuversicht. Mel. Wir danken dir, herr Jesu. Fr ist erstanden, lange mich des tos 150. efus Chrift, des nacht Umgiebt, werd ich von ihm bewacht; Durch seinen schuß wird mein gebein Im schooß der erde sicher seyn, Bis er erscheint. 9. Er führt mir in des todes ruh Auch meine lieben wieder zu. Erwachen werden wir zugleich, Und mit ihm eingehn in sein reich. Gott! welch ein tag! Der unser gott und heiland ist! Er lebt! nicht mehr des todes raub, Tret er, der sie: ger, auf den staub! Gelobt sey gott! 2. Freywillig ging er in den tod, Und opferte sich auf vor gott, Nun hatt' er gnug für uns gethan, Und nahm sein leben wieder an! Preis ihm und dank! 7. Gelobt sey gott! ich werde nun Wie er, auf kurze zeit nur ruhn; Der abend wird mich sterben fehn, Der Gelobt sey gott! morgen wieder auferstehn! 3. Er hat erfüllt, was er verhieß, Eh er für uns sein 10. Sollt ich mich vor dem tode scheun? Mich nicht viels mehr der hinfahrt freun? 52 116 Von der Auferstehung Jesu. Nicht deiner, der du mich Die auferstehung zum geerschufft, Begierig warten, richt, Wo du verdammst! bis du rufft: Entschlummre nun! 12. Herr! rufe mich, wann dirs gefällt, Aus dieser sün11. Gieb nur, daß ich im denvollen welt, Und führe glauben treu, In guten tha- dann an deiner hand Mich ten fleißig sey, So fürcht' in mein himmlisch vaterland. ich, wenn ich sterbe, nicht Erhöre mich! Von der Himmelfahrt Jesu, und seinem Sißen zur Rechten Gottes. Mel. Kommt her zu mir, spricht. rohlock', mein herz, 151.Fro weil Jesus Christ 3uum himmel aufgefahren ist, Der todesüberwinder! Die wolke glänzt herab; schwingt Sich auf ihr hin; der himmel singt: Preis dir, du heil der fünder! er 2. Des himmels herr, des menschen sohn, Wird im triumph zu seinem thron Bom vater aufgenommen. Die feraphim und cherubim, Sie fallen alle hin vor ihm, Ihm jauchzen alle frommen. 3. Welch jubelvolles siegsgeschrey, Daß Jesus ewig könig sey! Es schwanken alle thronen. Der gottmensch kommt; o welche freud! Er kommt in seiner herrlichkeit Im himmel nun zu wohnen. 4. Ihm beugt sich aller engel knie; Messias, Jesus, rufen sie, heißt menschen engel werden! Er hat das größte werk vollbracht, Sein ist die weisheit, sein die macht, Fm himmel und auf erden. 5. Wie herrlich bist du, herr, mein heil! Ich hab an deiner klarheit theil; Für mich fuhrst du zum himmel. Du, hoherpriester! gehst mit ruhm Für mich auch in dein heiligthum, Dir folg ich in den himmel. 6. Du, dessen wort die ganze welt ümächtig rief, allmächtig hålt, Du, herr, durch den wir leben! So lang ich wall' im staube hier, Soll sich mein ganzes herz zu dir Vom staub empor erheben. 7. Entreiß durch deines geistes kraft, Die alles allent: halben schafft, Mein herz dem tand der erde, Daß ich mit muth von deinem thron, Sohn gottes und des menschen sohn! Im kampf gestårfet werde. 8. Ja du, du schaust auf mich herab, Du, der für mich dahin sich gab; Laß dies mich stets ermessen. Du kannst, obgleich du, Jesus Chrift! Im himmel aller Von der Himmelfahrt Jefu und seinem Sißen 2c 117 stenheit, Erhält sie bis in ewigkeit. Er ist ihr haupt; lobsinget ihm! Lobsinget ihm mit lauter stimm! 6. Ja, heiland! wir erheben dich, Und unsre herzen freuen sich Der herrlichkeit und majestát, Dazu dich gott, dein gott, erhöht. himmel bist, Doch meiner nie vergessen. 9. Hab ich vollendet meinen lauf, So nimm mich in den himmel auf, Daß ich dich, Jesus! sehe, Daß ich in deiner herrlichkeit Bon ewigkeit zu ewigkeit Vor deinem throne stehe. 10. Froblock, mein herz, weil Jesus Christ 3um him mel aufgefahren ist, Der to: desüberwinder! Sing ihm, wie ihm der himmel sang, Da er sich auf die wolke schwang; Preis dir, du heil der fünder: Mel. Nun jauchzt dem herren. 152. Auf, junger Jeſu, freuet euch! Der herr fährt auf zu seinem reich. Er triumphirt: lobfinget ihm, Lobsinget ihm mit lauter stimm! 2. Sein werk auf erden ist vollbracht, Zerstört hat er des todes nacht, Er hat die welt mit gott versöhnt, Und gott hat ihn mit preis ge: krönt. 3. Weit, über alle himmel weit, Geht seine macht und herrlichkeit. Ihm dienen selbst die seraphim, Lobsinget ihm mit lauter stimm! 4. Sein sind die volker aller welt, Er herrscht, als fieggewohnter held, Er herrscht, bis unter seinem fuß Der feinde heer sich beugen muß. 5. Er schüzet seine chri: 7. Wohl nun auch uns! denn, herr! ben dir Steht kraft und macht; und dein sind wir. Nimmst du dich unsrer hülfreich an, Was ist, das uns gebrechen kann! 8. In deiner hand ist uns ser heil. Wer an dich glaubt, dem giebst du theil am segen, den du uns erwarbst, 21s du für uns am kreuze starbst. 9. Du hast die státte uns bereit't, Bey dir zu seyn in ewigkeit. Nach treu vollbrachtem glaubenslauf Nimmst du uns in den himmel auf. IO. Dzeuch uns immer mehr zu dir, Hilf uns mit eifrigster begier Nach dem nur trachten, was da ist, Wo du, verklárter heiland! bist. II. 11. Dein eingang in die herrlichkeit Stárk uns in unsrer prüfungszeit, Nur dir zu leben, dir zu traun, Bis wir dereinst dein antlik schaun. 12. Dann wird sich völlig unsre feel In dir erfreun, Immanuel! Dann singen wir von deinem ruhm Ein neues lied im heiligthum. 118 Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sißen 2c. Mel. Wir danken dir, herr Jefu. 8. Sieh auf uns gnädig allezeit Bom throne deiner herrlichkeit. Hilf unserm schwachen glauben auf, Und heilge unsern lebenslauf. Hallelujah. ir freuen uns, 153.2 herr Jesu Christ! Daß du zur rechten gottes bist, Du starker herr, Immanuel! O stårk im glauben unsre feel. Hallelujah. 2. Du sigest auf der him: mel thron, Als unser freund, als menschensohn. Auch da schämst du dich unser nicht; Drum bleibst du unsre zu versicht. Hallelujah. 3. Dein ist die macht, dein ist das reich. Wer ist an majestát dir gleich? Mensch, engel, jede creatur Ist dein, du herrscher der natur! Hallelujah. Rönigliche Herrlichkeit 4. Umsonst, umsonst emporet sich Der fürst der hölle wider dich. Dein thron steht feſt, der ſeine liegt, Durch 154. König dem t deine macht Hallelujah. besiegt. 5. Du, unser triumphirend haupt! Wie selig ist, wer an dich glaubt! Du bist sein licht, sein trost, sein theil, Sein starker schuß, sein ew: ges heil. Hallelujah. 6. Herr! unsre herzen traun auf dich. Dein freuet unsre seele fich. Du, held von unserm fleisch und blut! Bist unser trost und höchstes gut. Hallelujah. des erhöheten Jesu. Mel. Schmücke dich, o liebe seele. gleichet, Dessen ruhm kein lob errei: chet: Ebenbild von gottes wesen, Der, zum mittler uns erlesen, Als das bild des unsichtbaren Sich der welt wollt offenbaren! Dir gehört das recht zum throne, Als dem mittler, als dem sohne. 2. Himmel, erde, luft und meere Müssen stets zu deiner ehre Dir. herr! zu gebote stehen, Und dein wille muß geschehen. Fluch und segen, tod und leben, Alles ist dir übergeben, und vor deinem måchtgen schelten Zittern menschen, engel, welten. 7. Was uns gebricht, ist dir bekannt, Der segen ist in deiner hand. Von feinem frommen bist du fern, Du siehst auf ihn, und hilfst ihm gern. Hallelujah. 3. In des gnadenreiches gränzen, Sieht man deine 9. Gen himmel fuhrst du als ein held; Als herr und richter aller welt Wird dich dereinst der erdkreis sehn, Laß uns dann freudig vor dir stehn. Hallelujah. 10. Dann triumphirt der glaub' an dich, Dann jauchzen wir dir ewiglich. Hilf uns dazu, Herr Jesu Christ, Der du zur rechten gottes bist! Hallelujah. Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sigen 2c. 119 in seiner krone, Selbst auf der allmacht throne, Doch unser bruter bleibt. wunder glänzen, Wo viel tau send treue seelen Dich zu ihrem haupt erwählen, Die nach deiner vorschrift leben, Dir nur zu gefallen streben, Alles gern für dich verlassen, Und, wie du, das unrecht hassen. 4. In dem reiche deiner ehren Hört man sters dein lob vermehren Von dem himmlischen geschlechte, Von der menge deiner knechte, Die dort ohne furcht und grauen, Dein verklärtes ant lit schauen. Die dich unermüdet preifen, Und dir ehr und dienst erweisen. 5. Herr in allen diesen reichen! Dir ist niemand zu vergleichen, An dem überfluß der schåge, An der ordnung der gesetze, An der unterthanen menge, An des regimen tes. lânge, An begnadigung der freunde, Und an siegen über feinde. 2. Du herr der herrlichDes vaters ew'ges Du warst vor allen zeiten, Und herrschest immerfort. Dein reich ist groß und prächtig, Du bleibest ewig mächtig Nach deiner gottheit kraft. 3. Und da du, herr! ge kommen, Und unsre knechtsgestalt Auf erden angenommen, So hast du die gewalt, Das reich, die macht, das leben, Die dir dein gott gegeben, Der menschheit mits getheilt. keiten, wort! 4. Doch hast du für die Enechte Dich, in der leidens: zeit, Entäußert deiner rechte, Da du in herrlichkeit Nunmehr zur rechten sigest, Und stets dein reich beschüßest In völliger gewalt. 6. Nun herrsch auch in mei- 5. Die hat dir gott gegenem herzen Ueber zorn, furcht, ben Im reiche deiner macht. lust und schmerzen. Laß mich Du hast uns in das leben deinen schuß genießen, Auf Auf diese welt gebracht. Du mich deine gnade fließen, bists, dem ruhm gebühret, Dich sters fürchten, ehren, Dein starker arm regieret lieben, und mich im gehor: Uns und die ganze welt. sam üben. Hier mit leiden, kämpfen, streiten, Dort mit herrschen, dir zur seiten. 6. Du hast, als du gestorben, Dir durch dein eignes blut Dein gnadenreich erworben, Da du, mein theil und gut, Uns vormals abgeMel. Herr Chrift, der ein'ge gottes. 155. Lobt gott, ihr seine trennte Durchs wort und ſacramente erbtheil sammlen willst. christen, Jesu reich! Wie stark ist seine rechte! Wer ist an 7. Ja, könig! du regierest würd' ihm gleich? Ihm, der Das reich der herrlichkeit, 120 Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sitzen 2c. So mit dir zurücke lege, Daß ich stets dein bleiben möge! 2. Laß mir deinen geist zu rücke, Über zeuch me n herz nach dir, Wenn ich nach dem himmel blicke, O so öffn' ihn gnädig mir! Neige meinem flehn dein ohr, Trag es deinem vater vor, Daß er mir die schuld vergebe, Daß ich mich bekehr und lebe. 3. Lehre mich die welt ver achten, Und was in ihr eitles ist, Und nach dem, was dort ist, trachten, Wo du, mein erlöser! bist. Wollust, ehrsucht und gewinn, Coll mich dies zur erde ziehn, Da ich jenseits überm grabe Eine größre hoffnung habe? 4. Diese müsse mir nichts rauben! Du erwarbst sie theuer mir. Shund seh ich fie im glauben, Dorten find ich sie bey dir. Dort belohnst du das vertraun Deiner gläubigen durch schaun, Und verwandelst ihre leiden In unendlich große freuden. 5. Dort bereit auch mir die ståtte In des vaters hause zu. Rufst du frühe oder spåte Mich zu meines grabes rub, Leucht auch mir in dieser nacht Durch die stärke deiner macht, Die des todes macht bezwungen, Und für uns den sieg errungen. 6. Kömmst du endlich glorreich wieder an dem ende dieser zeit, O! so fammle meine glieder, Die verwesung jest zerstreut. Heil'ge Woselbst du triumphirest, Wo nach vollbrachtem streit Der engel jubel klingen, Dir die verklärten singen: Dank dem erwürgten lamm! 8. Wohl mir! auch ich gehöre Bu deinem reich: wohl mir! Dir dienen, herr, ist ehre! Ich leb' und sterbe dir! Dein gnadenreich zu mehren, Gehorsam dich zu ehren, Sey stets mein größter ruhm! 9. Gerechtigkeit und fries den Und freuden giebt dein reich, Das du auch mir be schieden. Besiß ich also gleich Von erdengütern wenig, So macht mich doch mein könig Un himmelsgütern reich. 10. Er, er lehrt mich bekriegen Der sünde tyranney, Hilft mir im kampfe siegen, Und macht mich wirklich frey. Und wer mit ihm hier strei: tet, Dem hat er dort bereitet Der überwinder lohn. 11. Herr! leg auch mir die krone Des lebens ewig ben, Daß ich vor deinem throne Des sieges mich erfreu. Hilf du mir mich regieren; Hilf du mir triumphiren. Herr, hilf! so kommt dein reich. Erweckung zu himmli: 156. schen Gesinnungen. Mel. Freu dich sehr, o meine feele, err! du fährst mit glanz und freuden Auf zu deiner herrlichkeit. Doch mich drücken noch die leiden Dieses lebens, dieser zeit. Gieb mir, Jesu! muth und kraft, Daß ich meine wanderschaft Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Siken 2c. 121 und verklår sie ganz, Daß feinde ihnen rauben, Und der leib im himmelsglanz, wirkst in des vaters haus Dann nicht mehr von staub Ihnen eine wohnung aus. und erde, Aehnlich deinem leibe werde! Von der Sürbitte Jesu zur Rechten Gottes. Mel. Alle menschen müssen sterben. 5. Das verdienst von dei nem leiden Stellst du deinem vater dar, Und vertrittst mit macht und freuden Deine theur erlöste schaar, Bittest, daß er kraft und leben Stets 157. Großer mittler, den deinen wolle geben, Und sie einst nach Auch zur rechten Gottes, feines vaters, sigt, Und die schaar von seinen knechten In dem reich der gnaden schüßt, Du, dem selbst die seraphimen Ehrfurchtsvoll im himmel dienen; Dessen reich und majestät Üeber alle dinge geht! erhöhn zur herrlichkeit. 6. Doch vergißt du auch der armen, Die der welt noch dienen, nicht, Weil dein herz dir aus erbarmen Ueber ihrem elend bricht; Bitteft, daß gott ihrer schone, Daß er nicht nach werken lohne, Daß er die, die noch dich fliehn, Kräftig wolle zu dir ziehn. 2. Dein geschäft auf die ser erden, Wie es gottes rath bedacht, Daß es sollt erfüllet werden, Ist aufs herrlichste vollbracht. Denn da du für uns gestorben, Ist uns gnad' und heil erworben, Und dein fiegreich auferstehn Láßt uns einst dem tod entgehn. 3. Aber nun ist dein ge schäfte In des himmels heiligthum, Die erworbnen se genskráfte Durch dein evan gelium Allen denen mitzutheilen, Die zum thron der gnaden eilen; Nun wird uns Mel. Das ist fürwahr ein köstlich. durch deine hand Heil und 158.Sohn, der du für segen zugewandt. 4. Du gedenkest stets der deinen, Bleibest ihnen ewig treu, Zählst die thránen, die fie weinen, und stehst ihnen mächtig bey. Du verschaffst, daß ihren glauben keine uns und lebst, Zum vater deine stimm erhebst, Für uns zu bitten in der noth, Uns zu vertreten, gott bey gott! 2. Herr, dessen bitte står ker fleht, Ats Abels blut und sein gebet! Gott, wel7. Großer mittler! o! wir preisen Dich, daß du im heiligthum So viel treu uns willst beweisen, Dir sey ehre, dank und Ruhm! Dein vera dienst laß uns vertreten, Wenn wir zu dem vater beten. Wenn der tod die lippen schließt, Sprich noch für uns, Jesu Christ! 122 Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sitzen 2c. cher, was du bittest, thut, Erhöie dein gebet und blut. dem vater bist. Er hört auf feinem throne dich, Und freut des heils der fünder sich. 3. Der vater, herr! ge denke dein, Und deiner opfer, deiner pein Und aller deiner leiden last, Die du für uns getragen hast. 7. Sey, vater! hochgelobt, wir schaun Auf deinen sohn nun voll vertraun. In seinem namen flehen wir Um gnad und heiligung von dir. 8. Wer, gott! fich auf sich selbst verläßt, Der fällt; wir aber stehen fest, Die wir auf sein verdienst allein Vertraun und seines heils uns freun. 9. Auf unsers königes gebet Erhöre jeden, der dir fleht; Der mittler, der uns beten lehrt, Ist, vater, der erhörung werth! 4. Was dein erbarmend herz begehrt, Das werde dir von ihm gewährt, Den sün: dern zur bekehrung zeit, Den frommen trost und feligkeit! 5. Wir preisen dich für dein gebet, Das gnad und leben uns erfleht. Auf dein gebet vertrauen wir. Er gebe, was du bittest, dir. 6. Wir, wir erfahrens, Jesu Christ! Wie theuer du Von dem heiligen Geiste, und dessen Gaben und Wirkungen. Mel. O ewigkeit, du donnerwort. Groß war die ernte, schwer 159.Der mir ben weg bie muh; Doch mächtigster! zum du stärktest Des vaters und des sohnes geist, Dich soll mein lied erheben! Mein lehrer bist du, und mein gott! Du giebst mir freudigkeit im tod, Und leitest hier mein leben! Was gut und löblich ist an mir, Geist gottes, das verdank ich dir. 3. Da that der ungelehrten mund Die großen thaten gottes kund, Und lehrte Jesu lehren. Da wurden gößentempel leer, Da stürzt. der falschen götter heer, Sammt opfern und altáren. Das kreuz des mittlers überwand Der ganzen hölle widerstand. 2. Bollendet hatte gottes sohn Sein werk; nun fuhr er 4. Und ganz umsonst ems auf zum thron, Dich fandt pórten sich Der erde fürsten er seinen zeugen. Und mit wider dich, Und tödt'ten die dir kam der liebe glut, Die gerechten. Was konnten wunderkraft, der heldenmuth, menschen wider gott? Es Die welt zu überzeugen. siegte frey der mårt'rer tod, Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben 2c. 123 Der tod von Jesu fnechten. 9. Gehorsam will ich auf Unüberwindlich war ihr muth, der bahn, Die du mir zeigst, Und schwiegen sie, so sprach dem ziel mich nahn, Hilf ihr blut. mir auf meinem wege! Ich kämpf um meine seligkeitMit eifer und mit wachsamkeit, Nicht muthlos und nicht tråge. Du gabst den vorsatz: gott, gieb du Auch meiner schwachheit kraft dazu! 5. Wie gottes blite ging ihr wort Bis an der erde granzen fort, Die nacht wich vor dem lichte. Shn beteten die heiden an, Von dem wir einst die kron empfahn, Wenn er kommt zum gerichte. 3u ihrem heil, zu Jesu ruhm Mel. Komm, heiliger geist, herre. ör Schufft du die welt, geist 160. Hunter gebet geist des herrn! Du hörst der menschen fiehen gern. Wir wollen unser herz dir geben, Olehre du uns heilig leben! Rúst' uns mit stárke, geist der kraft, Der in uns alles gute schafft! Daß nicht die lockungen der sünden Uns, Christi junger, überwinden Durch ihre macht, durch ihre macht... 6. Die kirche pflanztest du; bis itt hat sie allein dein arm beschüßt, Und ewig wird sie stehen. Fest stehet sie, gleich wie dein thron, Selbst wenn ihr macht'ge feinde drohn, Ja himmel selbst vergehen. Ihr grund, das wort von Jesu Christ, Ist ewig, wie du selber bist! 7. Heil ihren kindern, welche sich Dir übergeben, und durch dich 3um himmel führen lassen! Du lehrest fie des glaubens fraft, Stärkst fie auf ihrer wanderschaft, Lehrst sie die fünde hassen. Des heils gewiß sind sie in dir, Und himmelslust trånkt sie schon hier. 8. Ach führ auch mich an deiner hand Hinauf ins wahre vaterland, Auch mir glänzt dort die krone! Gieb mir die feste zuversicht, Auch mich verwerfe gott einst nicht, Auch mich lieb er im sohne! Durch glauben und durch besserung Vollende meine heiligung! 2. Du heiliges licht! starker hort! Laß uns der wahrheit helles wort Auf dieses lebens pfaden leiten, Daß unsre füße niemals gleiten. Treib fern von uns des irrthums nacht, und stürze dei: ner feinde macht, Daß Jesus Christ der ganzen erde Bekannt und angebetet werde. Erhör uns, gott! erhör uns, gott! 3. Laß, freudiger geist! voll vertraun In noth auf deine hülf' uns schaun, Lehr uns, wenn wir zum vater treten, Mit ganzer zuversicht zu beten. Mach uns durch deine kraft bereit 3um sterben und 124 Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben 2c. zur ewigkeit, Daß wir, als mein lob dir wohlgefällig deine streiter ringen, 3u dir sey. durch tod und leben dringen. Hallelujah! Hallelujah! 2. Erweck mein herz, entzünde mein gemüthe, Erfüll es ganz mit deiner lieb und güte. Kalt und erstorben bin ich ohne dich, Komm, heil'ge und belebe 3. Du bist es, der allein uns weisheit sendet; Der menschen wit ist ohne dich Gieb mir vera verblendet. Mel. Nun bitten wir den heilgen. es vaters und Du, der uns den weg zum heile weist, Gnadenvoller trd: ster! Laß, wenn wir sterben, Uns das ewige leben erben. Sey gnådig uns! 2. Es leucht uns, licht des herrn! dein schein. Wenn schon tod und verwesung uns dráun; Lehr uns Jesum Christum Den sohn erkennen, Von der liebe des sohnes uns brennen, Jetzt und im tod. 3. du, der liebe geist! erhöh Unsre feele, daß sie schmeck' und seh, Wie der herr uns liebte. Laß in den brüdern Als in seinen geheiligten gliedern, Jesum uns lieben. 4. Du höchster tröster in aller noth! Hilf getreu uns feyn bis in den tod. Heilig laß uns leben, uns nicht verzagen, Wenn uns unsre fünden verklagen Vor unserm gott. stand, erkenntniß, flugheit, rath, Und leite huldreich mich bey jeder that. 4. Aus deinem licht, durch deine kraft getrieben, Hat der propheten hand das wort geschrieben, In dem sich gott uns menschen offenbart, Und du bists, der vor irrthum uns bewahrt. 5- Drum lehre mich mein heil daraus erkennen, Lehr Christum mich recht meinen herren nennen. Sa, reiner geist! erleuchte meinen geist, Daß er verläßt, was falsch und irrig heißt. 6. Entdecke mir der wahrheit heitern morgen, Und schleuß mir auf, was noch vor mir verborgen; Verkläre du des vaters wort in mir, Und führe mich durch deinen glanz zu dir. Mel. Mein Herz und feel den. u 7. Laß mich mein herz dir 162. geift des glaubig übergeben, Entfund'. herrn der du von gott ausgehest, Und doch mit ihm in einem wesen stehest, Kraft aus der höh! steh mir in gnaden bey, Damit ge mich, schaff in mir neues leben. Gieb, daß ich jeden fehltritt schnell bereu, Und jeder fall mir künftig furcht: bar sey. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben 2c. 125 8. 2ch reinge mich von Geist des höchsten! da ich allen eitlen trieben, Laß mich dir Lob und preis zum opfer nur dich, und nicht was bringe; Höre, höre, was ich sündlich lieben, Ja, mache singe. mich von dem, was irdisch, frey, Daß deinem wink ich stets gehorsam sey. 2. Edelster von allen segen, Die uns gott in Christo gab! Du tránfft, als ein milder regen Aus des him: mels schooß herab. Du machst harte herzen weich, Wüsten auch an früchten reich, Was der drangfal hige drücket, Wird durch deinen trost er quicket. 3. Ja, du bist die beste gabe, Die, mit der man alles hat. Wenn ich dich, o tröster! habe, Find't kein höh'rer segen statt. Heilger geist! erfüll auch mich. Uch von dir ward ja auch ich Durch die taufe neu geboren, Gott zum tempel auserkohren. 4. Du kannst aller herzen prüfen, Nichts schließt deinem blick sich zu. Selbst der gottheit innre tiefen Forschest Meiner und ergründest du. seele finsterniß Weißt und kennst du auch gewiß; Drum gieb weisheit, und vor allen, Wie ich möge gott gefallen. 5. Du bist heilig, und du siehest Nur an reinen deine lust, Boses bassest du, und fliehest Aller laster grául und allersüßste Mach auch mich von 163. freude, Lieblich- fünden rein, Daß ich mich stes und reinstes licht! Du, um das allein, Was dir erfreuest uns im leide, Du wohlgefällt, bemühe, Und verläßt im glück uns nicht. das, was du fliehest, fliehe. Nahe dich doch auch zu mir, 6. Du bist auch ein geist 9. Versiegle mich, und stårke mich im glauben, Laß mir den feind die siegeskron nicht rauben. Du freudenöl! verleih mir deine kraft, Die friede, trost und freude in mir schafft. 10. Laß, reiner geist! mich deine wurkung spüren, Laß kräftig fie all' meine triebe rühren. Du göttlich licht! entzünde mein gebet, Daß es zu gott sich inbrunstvoll erhöht. II. 11. Gieb mir schon hier den vorschmack jener freuden, Durch sie vergeß ich froh der erde leiden. Ja, bilde du mein herz nach Christi sinn, Und ziehe mich stets nach dem himmel hin. 12. Komm, heilge mich, und schmücke geist und sinnen 3um tempel aus, und wohne selbst darinnen. Erneure mich; so wird durch dich allein Mir jeder tag ein frohes pfingstfest seyn. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. 126 Von dem heiligen der liebe, Stets voll sanft muth, gut' und huld, Ob ich dich gleich oft betrübe, Hast du doch mit mir ge duld. Wenn ich schnell zum zorne bin, Gieb mir deinen Mel. Freu dich sehr, o meine seele. edlen finn, Daß ich freund 164. Der du uns als und feinde liebe, du liebst, betrübe. 7. Du, du machst das herz zufrieden, Wenn uns aller trost gebricht. Bleib' ich von dir ungeschieden, So fehlts auch an trost mir nicht. Laß mich seyn dein eigenthum! Und dann will ich deinem ruhm Mich mit leib und seele weihen, Deiner mich in allem freuen. vater Treuer gott, und deinen geist Denen, die dich bitten, giebest, Ja uns um ihn bitten heißt! Demuthsvoll fleh ich vor dir: Bater, send' ihn auch zu mir, Daß er meinen geist erneue, Und ihn dir zum tempel weihe. 2. Ohne ihn fehlt meinem wissen Leben, kraft und fruchtbarkeit, Und mein herz bleibt dir entrissen, und dem dienst der welt geweiht, Wenn er nicht durch seine fraft Die gesinnung in mir schafft, Daß ich dir mich ganz ergebe, Und zu deiner ehre lebe. 3. Auch dich kann ich nicht erkennen, Jesu! noch mit åchter treu Meinen gott und herrn dich nennen, Stehet mir dein geist nicht bey. Drum so laß ihn kräftiglich In mir wirken, daß ich dich Glaubensvoll als mittler ehre, Und auf deine stimme höre. Geiste und dessen Gaben 2c. dann mein mattes herz, Daß ich unter allem schmerz, Noch im letzten todesschweiße, Gott in Jesu vater heiße. 8. Ja, mein helfer! ich entfage Dem, was deinen ruhm dir nimmt, Bis ans ende meiner tage Sey mein leben dir bestimmt. Wozu welt und fleisch mich ziehn, Will ich hassen, meiden, fliehn, Der versuchung nie nachgeben, Stets der sünde widerstreben. 9. Du hilfft ja, erweckest, stårkest, Du stehst Christi streitern bey! Hilf auch mir da, wo du merkest, Daß mir hülfe nöthig sey. Nimm den eitten, ird'schen sinn Ganz aus meiner seele hin, Daß ich alle laster scheue, Nur mich über tugend freue. 4. Ew'ge quelle heilger gü ter, Hochgelobter gottesgerst! Der du menschliche gemüther Besserst und mit trost er: freust! Nach dir, herr, verlangt auch mich, Ich ergebe mich an dich. Mache mich zu gottes preise, Heilig und 10. Und, mein beystand! wenn ich sterbe, O! da zeige meinem blick Mir zum trost mein herrlichs erbe, Und mein unvergänglichs glück. Stärke zum himmel weise. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben 2c. 127 5. Fülle mich mit beilgen so sege durch dein wort Deiz trieben, Daß ich gott, mein ne gnadenwirkung fort, Bis höchstes gut, Ueber alles mo- sie durch ein selig ende Herrge lieben, Daß ich mit ge- lich sich an mir vollende. troftem muth Geiner vaters huld mich freu, Und mit wahver findestreu Stets vor ſei: 165. kehr bey uns Mel. Wie schön leucht't uns der. beilger nen augen wandle, Und recht= schaffen denk und handle. 6. Geist des friedens und der liebe! Bilde mich nach deinem sinn, Daß ich lieb und sanftmuth übe, Und mirs rechne zum gewinn, Wenn ich je ein friedensband Knüpfen kann, wenn meine hand, Zur erleichtrung der beschwerden, Kann dem nächsten nüßlich werden. ein, Und laß uns deine wohnung seyn, Komm, beystand unsrer seelen! Erleucht' uns durch dein göttlich licht, Entzieh uns deine hülfe nicht, Und rett uns, wenn wir fehlen. Laß sich Durch dich Glaub und liebe, Reine triebe, Gott zu ehren, In uns zeugen und vermehren. 7. Lehre mich, mich selber kennen, Die verborgnen fehler fehn, Sie voll demuth gott bekennen, Und ihn um vergebung flebn. Mache tåglich ernst und treu, Sie zu bessern, in mir neu; Zu dem heiligungsgeschäfte Gieb mir immer neue kräfte. 2. Gieb kraft und nachdruck deinem wort, Laß es, wie feuer, immerfort In uns sern herzen brennen, Daß wir gott, vater und den sohn, Und dich, den geist. auf einem thron, Als wahren gott erkennen. Rühre, Führe, Und behüte Das gemüthe, Daß wir glauben, Und im glauben standhaft bleiben. 8. Wenn der anblick mei ner fünden Mein gewissen niederschlägt. Wenn sich in mir zweifel finden, Die mein herz mit zittern hegt, Wenn mein aug' in nöthen weint, Und gott nicht zu hören scheint;! dann laß es meiner seelen Nicht an trost und stärkung fehlen. 3. Laß deiner wahrheit mächtigs licht Auch da, wo einsicht noch gebricht, In hellem glanze scheinen. Unwissende belehre du, Getrennte führ einander zu, Mach spotter zu den deinen. Alle, Alle Laß der wahrheit Lautre Klarheit Froh erkennen, Sesum ihren heiland nennen. 9. Was sich gutes in mir findet, Ist dein gnadenwerk 4. Und dann gieb weisin mir, Selbst den trieb haft heit, gieb uns rath, Hier du entzündet, Daß mich, auf der tugend ebnem pfad herr! verlangt nach dir. D! Gewissenhaft zu wandeln. 128 Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben 2c. Laß sünd und ungerechtigkeit von unsers gottes throne Uns standhaft fliehn, und je: derzeit Gerecht und redlich handeln. Jesus Christus Sey das vorbild, Wir sein nachbild; Schon auf erden Laß uns himmelsbürger werden. Hülfreich auf uns schwache fiehst! Stehe u mir mách: tig bey, Daß ich gott erge: ben sey; O! so wird mein herz auf erden Schon ein tempel gottes werden. 2. Laß auf jedem meiner wege Deine weisheit mit mir seyn. Wenn ich bange zweifel hege, Deine wahrheit mich erfreun. Lenke träftig meinen sinn Auf mein wahres wohlseyn hin. Lehrst du mich, was recht ist, wählen, Werd ich nie mein heit verfehlen. 3. Heilige des herzens trie: be, Daß ich über alles treu Meinen gott und vater liebe, Daß mir nichts so wichtig sey, Als in seiner huld zu stehn. Seinen namen zu erhöhn, Seinen willen zu vollbringen, Müsse mir durch dich gelingen. 4. Stärke mich, wenn wo zur sünde Mein gemüth verfuchet wird, Daß sie mich nicht überwinde. Hab ich irgend mich verirrt, O! so strafe selbst mein herz, Daß ich, unter reu und schmerz, Mich vor gott darüber beuge, Und mein herz zur beßrung neige. 5. Reize mich, mit flehn und beten, Wenn mir hülfe nöthig ist, zu dem gnadenstuhl zu treten. Gieb, daß ich auf Jesum Christ, Als auf meinen mittler schau, Und auf ihn die hoffnung 5. In leiden schenk uns muth und kraft; Laß uns auf unsrer wanderschaft Nie matt und zaghaft werden. Verläßt du uns, so sinken wir, Wenn du uns stårkst, so fiegen wir In jedem kampf auf erden. Endlich, Endlich Wird doch friede, Ew'ger friede, Und die krone Deinen siegern dort zum lohne. 6. Gieb, daß in wahrer lieb und treu Der christen herz ver: bunden sey, Wie eines leibes glieder. Auch allen menschen hold zu seyn, Fldß den beken: nern Jesu ein; Denn wir sind alle brüder. Kein neid, Kein streit, Was der liebe Sanftem triebe Strebt entgegen, Müsse nie bey uns sich regen. 7. Ja, helfer! unsre lebenszeit Sey ganz der heiligkeit geweiht, Sey fern von schuld und fünden. Laß uns es stets vor augen seyn, Daß lüste geist und herz entweihn, Und daß sie bald verschwinden. Heilig, Selig, Wenn du führest Und regierest Bis zum ziele! Führer! leit uns bis zum ziele! 4 Mel. Freu dich sehr, o meine feele. 166. Geift vom vater bau, Gnad um gnad, auf und vom sohne, Der du unser tröster bist, und mein verlangen, Von dem vater zu empfangen. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben 2c. 129 6. Stehe mir in allen lei ich mich von dir entferne; den Stets mit deinem troste Wo ists, daß ich weisheit bey, Daß ich auch alsdann lerne? mit freuden Gottes führung folgsam sey. Gieb mir ein gelaßnes herz, Laß mich selbst im todesschmerz, Bis zum frohen überwinden, Deines trostes kraft empfinden. 4. Schenke mir ein reines herz, Daß ich stets an gott gedenke, Und mich oft mit reu und schmerz Ueber meine sünden kránke. Doch, nach den betrübten stunden Tröste mich durch Jesu wunden. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 5. Pflanze du mich selbst du 167. Gott! bu haft in in ihn, Als ein glied an ſeiz deinem sohn nem leibe, Und, wenn ich Mich von ewigkeit erwäblet. sein eigen bin, Hilf mir, daß Sende nun von deinem thron ich es auch bleibe, Und als Was noch meinem heile feh- eine gute rebe Früchte bring, let, Und gieb mir des geistes und in ihm lebe. gaben; Durch sie werd ich alles haben. 6. Glaube, lieb und hoffnung sey Stets die zierde meiner seele. In versuchung steh mir bey, Daß ich stets das beste wähle. Gieb du demuth mir in freuden, Und geduld und muth im leiten. 7. Hilf mir reden recht und wohl, Und des gottesdienstes pflichten, Wie du forderst, wie ich soll, Ohne heucheley verrichten, Christlich leben, selig sterben, und dein himmelreich einst erben. 2. Bin ich nech in sünden todt, Und zum guten ganz verloren; Heilger geist, mein herr und gott! Mache du mich neu geboren, Kette mich von dem verderben, Laß mich nicht in fünden sterben. 3. Treibe weg die finstre nacht Falscher zweifelnder ge danken. Wenn die welt mich irre macht, Halte die vernunft in schranken. Wenn Von dem Worte Gottes. 168. nen willen Recht erfüllen, Und unsern durst nach die Selbst aus der quelle stillen. Mel. Ich ruf zu dir, herr Jesu. eil deinem volke, dem du dich, Jehovah, offenbarest, Das 2. Web denen, die sich fine du regierst, und váterlich Auf sternis, Statt beines lichtes ebner bahn bewahrest! Heil wählen! Wie hoffnungslos, uns! denn dies dein volk wie ungewiß Sind ihre ftols sind wir. Du lehrst uns deis zen seelen! Du selbst beruff 130 Von dem Worte Gottes. Dein himmMel. Ach gott und herr. ott ist mein hort, fisch reich zu erben, Nicht zu 169. und auf sein sterben; Shr leichtsinn stürzt sie doch In ewiges verderben. 3. Der spotter sagt, du werdest nicht Uns deine rechte lehren; Denn die vernunft sey unser licht, Dich würdig zu verehren. Ach! wem dies schwache licht nur scheint, Der kann nicht vor sich sehen, Nichts verstehen, Und finket, wenn er meynt Auf festem grund zu stehen. 4. Gott! die vernunft er kennet dich Aus allen deinen werken, Weiß dein gebot; doch weiß sie sich 3um guten nicht zu stärken. Wir fündigen, und sie kann nie Uns wieder dir versöhnen. Unsre thrånen Siehst du; doch können sie nicht gnugthun, nicht verföhnen. 5. Aus furcht des todes waren wir Im ganzen leben knechte, Wenn uns dein wort nicht, gott! von dir Trost aus der höhe brachte. Der fünder kann durch Jesum Christ Für alle seine sünden Gnade finden, Der liste macht und lift Durch glauben überwinden. 6. Ach, theur und werth sey uns dies wort! Denn du hasts uns gegeben, Es leit uns hier, es bring uns dort, O gott, zum ewgen leben! Lehr auch die spotter, die es noch Mit stolzem muth verachten, Werth es achten, und unter Jesu joch Nach seinem reiche trachten. wort Soll meine seele trauen. Ich wandle hier, Mein gott! vor dir, Im glauben, nicht im schauen. 2. Dein wort ist wahr; Laß immerdar Mich seine kråfte schmecken. Saß keinen spott, O herr, mein gott! Mich von dem glauben schrecken. 3. Wo hätt' ich licht, Wofern mich nicht Dein wort die wahrheit lehrte? Gott! ohne sie Verstund' ich nie, Wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein wort erklärt Der seele werth, Unsterblichkeit und leben. 3ur ewigkeit Ift diese zeit Von dir, herr! mir gegeben. 5. Dein ewger rath, Die missethat Der sünder zu verfühnen, Den kennt ich nicht, Wár mir dies licht Nicht durch dein wort erschienen. 6. Nun darf mein herz In reu und schmerz Der sünden nicht verzagen; Nein, du verzeihst, Lehrst meinen geist Ein gläubig abba! sagen. 7. Mich zu erneun, Mich dir zu weihn, Ist meines heils geschäffte. Durch meine můh Vermag ichs nie; Dein wort giebt mir die kräfte. 8. Herr, unser hort, Laß uns dies wort! Denn du hasts uns gegeben. Es sey mein theil, Es sey mir heil, Und kraft zum ewgen leben. Von dem Worte Gottes. 131 Mel. Wer nur den lieben gott. Mel. Es ist das heil uns kommen. ir menschen sind 171.2 zu dem, o gott! 170.Dein wort, ohoch. fter! ist voll kommen; Es lehrt uns unsre ganze pflicht, Es giebt dem sünder und dem frommen 3um leben sichern unterricht. Was geistlich ist, untüchtig; Dein wesen, wille und ges bot It viel zu hoch und wichtig, Wir wissens und verstehens nicht, Wo uns dein göttlich wort und licht Den weg zu dir nicht zeiget. S 2. Drum hast du ehmals ausgefandt Propheten, deine Enechte; Du machtest uns durch sie bekannt Dein heil und deine rechte; Zuletzt ist selbst dein eigner sohn, vater! von des himmels thron Gekommen, uns zu lehren. herr, gepreist! Laß uns da 3. Für solches heil sey, deinen guten geist, Daß wir bey verbleiben, Und gieb uns dem worte glauben, Daß wirs annehmen jederzeit, Mit demuth, ehrfurcht, lust und freud, Als gottes, nicht der menschen. selig, wer es achtsam hort, Bewahrt und mit ge horsam ehrt! 2. Es leuchtet uns auf unsern wegen, Vertreibt des irrthums finsterniß, Es füllt mit freuden, bringt uns segen, und machet unser herz gewiß. Es lehrt uns, hochster! was du bist, Und was dir wohlgefällig ist. 3. Dein wort ermuntert, dich zu lieben, Lehrt, wie viel guts du denen giebst, Die freudig dein gebot aus üben, und wie du väterlich uns liebst. Und was, o herr! dein mund verspricht, Bleibt ewig wahr, und trüget nicht. 4. Gott, deine zeugnisse sind besser, Und mebr der fehnsucht werth, als gold. Ihr werth ist köstlicher und größer, Als alles noch so feine gold; Wer das thut, was dein wort gebeut, Dem ist dein segen stets bereit. 5. Drum laß auch mich mit lust betrachten, Was mich dein wort, o höchster! lehrt, Und auf das mit gehorsam achten, Was es von mir zu thun begehrt; So fließen troft und ſeelenruh, Auch mir aus deinem worte zu. 4. Hilf, daß der frevler frecher spott Uns nicht vom wort abwende; Denn du bist ein gerechter gott, und strafft gewiß am ende. Gieb du selbst deinem donner kraft, Und laß der wirkung, die er schafft, Uns niemals widerstreben. 5. Ach! öffne uns verstand und herz, Daß wir dein wort recht fassen, In lieb und leid, in freud und schmerz Es aus der acht nicht lassen, Daß wir nicht hörer nur allein, Nein, auch des wortes thater 2 132 Von dem Worte Gottes. feyn, Frucht hundertfältig Gottes Wort ist wahr. bringen. haftig. D er du selbst die 6. Der saam' am wege wird fofort Vom feinde weggenommen; In fels und seinen kann das wort Die wurzel nicht bekommen; Und wenn der saam' in dornen fällt, Hat sorg und wollust dieser welt Bald seine kraft ersticket. Mel. Schwing dich auf zu deinem. 172. wahrheit bist, Gott, zu dem ich singe, Gott, den kein verstand ermißt, Ursprung aller dinge! Alle wahrheit kommt von dir In den menschenkindern, Sie er: leuchtet uns, wenn wir Selbst ihr licht nicht hindern. 7. Uch! hilf, herr, daß wir werden gleich Dem fruchtbarn guten lande, Und seyn an guten werken reich In unserm amt und stande, Viel früchte bringen in geduld, Bewahren deine lehr und huld In eis nem guten herzen. 2. Vorurtheil und finsterniß Füllen unsre seelen, Unser blick ist ungewiß, Unsre schlüsse fehlen. Über dein verstand weicht nicht Von der lautern wahrheit, Was du denkest, das ist licht, Richtigkeit und klarheit. 8. Laß uns, dieweil wir leben hier, Die fünden ernstlich meiden, Gieb, daß wir halten fest an dir In trübsal, kampf und leiden. Rott aus, was dir, herr! nicht gefällt, Hilf uns die sorgen dieser welt Und böse lüste dåmpfen. 9. Erhalt uns dein wort klar und rein, Und laß es unsern füßen Zu jeder zeit die leuchte seyn, Hilf, daß wir draus genießen Kraft, rath und trost in aller noth, Daß wir im leben und im tod Darauf bestándig trauen. 10. Laß sich dein wort zu deiner ehr, O gott! sehr weit ausbreiten. Hilf, Jesu! daß uns deine lehr Erleuchten móg und leiten. O, heilger geist! dein göttlich wort Laß in uns wirken fort und fort Geduld, lieb, hoffnung, glauben. 3. Wirf dich, sterbliches geschlecht, Dankbar ihm zu füßen! Seine wahrheit und sein recht Låsset er dich wissen. Weit erschaut das wort des herrn, Das die welt bekehret, Glaubt es freudig, folgt ihm gern, Völker, die ihrs höret! 4. Gott! was uns dein wort verspricht, Wird und muß geschehen, Deine drohung kann auch nicht Leer vorüber gehen. Haben tausende nicht schon, Welche vor uns waren, Deine strafen, deinen lohn, Dir zum ruhm erfahren? 5. Seele, wolltest du nicht gott Zuversichtlich glauben? Soll der leichtsinn, soll der spott Deinen trost dir rauben? Der den himmel aufge baut, Kann der treue lügen? Kann er den, der ihm pertraut, Heuchlerisch betrügen? Von dem Worte Gottes. 133 6. Stille die vernunft, die Und mit dem frommen ernst, sich Wider gott emporet, In gott dich zu erbaun. Wider seinen geist, der dich Sein geheimniß lehret. Lach des spotters, der sich bläht, Mehr als gott zu wissen; Er wird einst, vielleicht zu spát, Gott noch glauben müssen! Erd und himmel wird vergehn; Gott! dein wort wird bleiben, Lasterhafte, die es schmähn, Werdens nicht vertreiben. Könige sind staub vor dir, Staub mit ihren hee: ren, Du im himmel lachest ihr, Wenn sie sich empóren. 8. Du bist wahrheit! ewig soll Mich von dir nichts trennen, Mich die welt, von arglist voll, Nicht erschüttern können. Muß ich hier gleich um dein wort Schmach und trübsal leiden, So belohnst du mirs doch dort, Gott! mit ehr und freuden. Erweckung, die heilige Schrift fleißig und auf gehörige Weise zu lesen. Mel. O gott, du frommer gott. 3. Sprich fromm: o gott! vor dem Sch meine hande falte, Gieb, daß ich dein ges bot Für dein wort ewig halte, Und laß mich deinen rath Empfindungsvoll verstehn, Die wunder am gesetz, Um wort vom kreuze sehn. 4. Er, aller wahrheit gott, Kann dich nicht irren lassen. Lies, christ! sein heilig buch, Lies oft; du wirst es fassen, So viel dein heil verlangt. Gott ists, der weisheit giebt, Wenn man sie redlich sucht, Und aus gewissen liebt. 5. Lies frey von leiden: schaft, Und ledig von geschäf ten, Und fammle deinen geist Mit allen seinen kräften. Der beste theil des tags, Des morgens heiterkeit, Und dann der tag des herrn, Der sey der schrift geweiht. 6. Rührt dich ein starker spruch, So ruf ihn dir zum glücke, Des tags oft in dein 173.Soll bein verderb: herz, Im stillen oft zurücke, tes herz Zur hei: ligung genesen, Christ! so verfaume nicht Das wort des herrn zu lesen; Bedenke, daß dies wort Das heil der ganzen welt, Den rath der seligkeit, Den geift aus gott enthält. Empfinde feinen geift, Und stårke dich durch ihn zum wahren edelmuth, Das gute zu vollziehn. 2. Merk auf, als ob dir gott, Dein gott gerufen hátte, Merk auf, als ob er selbst 3u dir vom himmel redte! So lies, mit ehrfurcht lies, Mit lust und mit vertraun, 7. Um tugendhaft zu seyn, Dazu sind wir auf erden. Thu, was die schrift gebeut, Dann wirst du inne werden, Die lehre fey von gott, Die dir verkündigt ist, und dann das wort verstehn, Dem du gehorsam bist. 8. Spricht sie geheimnißvoll, So laß dich dies nicht 134 Von dem Worte Gottes. schrecken, Ein endlicher ver- gab uns der herr zebaoth, stand Kann gott nie ganz ent- Aus finstern wolken sprach er decken. Gott bleibt unendlich sie Herab vom berge Sinai. hoch; Wenn er sich dir erklärt, So glaube, was er spricht, Nicht, was dein wit begehrt. 2. Ich bin der herr, sonst feiner mehr, Mich, und sonst keine götter ehr', Mich fürchte, mir vertraue dich, Nichts sollst du lieben so wie mich. 9. Sich seines schwachen lichts Bey gottes licht nicht schámen, Ist ruhm; und die 3. Du sollst nicht frevent: vernunft Alsdann gefangen nehmen, Wenn gott sich offenbart, Ist der geschöpfe pflicht; Und weise demuth ists, Das glauben, was gott spricht. lich entehrn Den namen gottes deines herrn, Mit tiefer ehrfurcht nenn' ihn nur, Und halte deines eides schwur. 10. Drum laß dich, from: mer christ, Durch keinen zweifel tránken. Hier bist du find; doch dort Wird gott mehr licht dir schenken, Dort wächst mit deinem glück Dein licht in ewigkeit; Dort ist die zeit des schauns, Und hier des glaubens zeit. 11. Berehre stets die schrift; Und siehst du dunkelheiten, So laß dich deinen freund, Der mehr als du sieht, leiten. Ein forschender verstand, Der sich der schrift geweiht, Ein angefochtnes herz, Hebt manche dunkelheit. 12. Halt fest an gottes wort; Es ist dein glück auf erden, Und wird, so wahr gott ist, Dein glück im himmel wer: den. Verachte christlich groß Des bibelfeindes spott; Die lehre, die er schmåht, Bleibt doch das wort aus gott. 4. Der fabbath sey ein tag der ruh, Bring ihn in from mer antacht zu, Komm dankend vor ein angesicht, Und stärke dich in deiner pflicht. 5. Den vater und die mutter ehr, Gieb ihnen williges gehör, Sey eifrig, ihnen beyzustehn; So wirst du langes leben sehn. 6. Du sollst nicht tödten, und dich scheun Vor zorn und haß, nicht råcher seyn; Beleidigt zeige sanften muth, Der auch an feinden gutes thut. 7. Dein' eh' sollst du bewahren rein, Und auch dein herz soll heilig seyn, Dein leib und geist sey mir geweiht, Dein ruhm sey zucht und mäßigkeit. 8. Mit unrecht mehre nicht dein gut; Verflucht ist der, der unrecht thut. Betrüge nie, und wuchre nicht, Und wohlthun sey dir freud und pflicht. in tot Die zehen Gebote. Mel. Allein auf gott seg dein. 9. Du sollst kein falscher órt an die heilgen zeuge seyn, Verläumdung, zehn gebot! Sie lügen, schmähsucht scheun. 174. Von dem Worte Gottes. 135 ich in meiner taufe dir So feyerlich versprochen. Des nächsten unschuld rette unvergeßlich sey es mir, Was du, Und seine schande decke zu. 10. Des nächsten haus begehre nie, Auch nicht sein weib, knecht, magd und vieh: Gönn ihn sein glück und flieh den neid, Wenn gottes segen ihn erfreut. 4. Laß mich am tage deiner ruh Voll ehrfurcht mit den deinen In der versammlung, so wie du Befiehlst, vor dir erscheinen, Dann dei ner im gebet mich freun, Ein hörer deines wortes seyn, Und nachmals auch ein thåter. II. 5. Gieb, daß ich eltern, obrigkeit, Und lehrer ehr und liebe, Sie nie durch widers seglichkeit und böses herz betrübe, Vielmehr für ihre sorg und treu Erkenntlich und gehorsam sey, Und deinen segen erbe. Die heiligen gebote find Gegeben, daß du deine sünd Erkennen sollst, und lernen wohl, Wie man vor gott recht leben soll. 12. Das hilf uns du, herr Jesu Christ, Der du der mittler worden bist! Und stärke uns mit deiner kraft, Die in uns alles gute schafft. Mel. Es ist das heil uns kommen. err!, deine rechte 175.m und gebot, Wo: nach wir follen leben, Wollst du, o mein getreuer gott! Ins herz mir selber geben, Daß ich zum guten willig sey, Und ohne falsch und heucheley, Was du befiehlst, vollbringe. 2. Gieb, daß ich dir allein vertrau, Allein dich fürcht' und liebe, Auf menschen hülf und trost nicht bau, In dei ner furcht mich übe; Daß ich der großen gnad und gunst, Gewalt, pracht, reich thum, wiß und kunst Nie ängstlich such und ehre. 3. Hilf, daß ich dich und deinen bund Aus deinem wort erkenne, Daß deinen namen nie mein mund Ohn ehrerbietung nenne. Gott! 6. Hilf, daß ich nimmer eigne rach Aus zorn und feindschaft übe, Dem, der mich kränkt durch haß und schmach, Verzeih, und gern ihn liebe, Mich über andrer wohlfahrt freu, Und wo ich kann, selbst willig sey, The glück mit zu befördern. 7. Laß durch verbotne lüz fternheit Mich nie mein herz entweihen, und mich vor dei ner heiligkeit Auch im verborgnen scheuen. D! laß mich heilig, keusch und rein, Enthaltsam, mäßig, wachsam seyn, Selbst bey erlaubten freuden. 8. Gieb, berr! daß ich mich redlich nähr', Mich böser rånke scháme, Mein herz vom geiz und unrecht fehr, Durch macht und list nichts nehme, Daß ich nie fleiß und arbeit scheu, Zufrieden und 136 Von dem Worte Gottes. wohlthätig sey, Nicht üppig, die glauben schafft, Gute nicht verschwendrisch. botschaft, uns zum leben, Von gott selbst gegeben! 2. Was dein wohlgefallen Vor der zeit uns allen, Gott! bestimmet hat, Was sonst dunkle schatten Vorgebildet hatten, Das vollführt dein rath. Daß dein eid dich nicht gereut, Beigst du nun; in Jesu namen Wird er ja und amen. 9. Hilf, daß ich meines nächsten ehr zu retten mich befleiße, Das, was ich kann, zum besten kehr, Doch böses nicht gut heiße, Stets zeige treu und redlichkeit, Und ab scheu trage jederzeit An falsch heit, schmähn und lügen. 10. Laß mich des nächsten haus mit list Und unrecht nicht begehren; Das aber, was mir nöthig ist, Wollst du mir, gott, bescheeren. Doch laß mich auch das größte gut, Ein ruhig herz und frohen muth, Und deine gnade haben. II. Wie gern möcht' ich, o herr, mein gott! Nach dei: nem heil'gen willen, Ull' deine rechte und gebot, Die du mir gabst, erfüllen! Allein du weißt, was mir gebricht, Ich schwacher, ich vermag es nicht Aus meinen eignen fråften. 12. Drum gieb du mir von deinem thron, Gott vater! gnad und stårke. Zerstöre, Jesu, gottes sohn, In mir der fünden werke. Dheilger geist! hilf mir, daß ich Gott über alles, und als mich Auch meinen nächsten liebe. Von dem Evangelio. Mel. Jesu, meine freude. ort aus gottes 176.23⁰ munde, Wort vom friedensbunde, Evange: lium! Bald, da wir gefallen, Ließ dich gott erschallen, Du bist unser ruhm! Gottes fraft 3. Alles ist vollendet, Gott hat den gesendet, Der verheißen war. Jesus, der sein leben Wollte für uns geben, Stellt sich wirklich dar, Ja er hat des höchsten rath Ganz vollbracht, und lebt in ebre; Ach erwünschte lehre! 4. Da uns strafen drohten, Was für frohe boten! Trosta reich ist ihr mund, Lieblich ihre füße, Shre lehren süße. Welch ein theurer bund! Gota tes huld tilgt unsre schuld, Und wer ihn mit glauben ehret, Wird von ihm erhöret. 5. Auf und wehrt den schmerzen, Kommt, ihr, deren herzen Das gesetz zerschlug, Kommt zu dessen gnaden, Der für euch beladen Alle schmerzen trug! Jesu tod verföhnt euch gott, Gott, der euch als vater liebet, Und die schuld vergiebet. 6. Hierauf will ich bauen, Christo mich vertrauen, Und in ihm mich freun. Ihm nur will ich leben, Ihm mich ganz ergeben, Ewig treu ihm seyn. So werd ich auch einst Von dem Worte Gottes. 137 durch dich, O mein heiland! 4. Entscheidet die vernunft selig sterben, und den himmel erben. Vortrefflichkeit der christ die fragen Durch ihrer einsicht schwaches licht? Hebt sie die zweifel, die mich plagen, und bleibt der trost, den sie verspricht? Uch! ohne Christi licht und heil Wär lichen Religion. Mel. Wer nur den lieben gott. er du das da 177. Den mir gege= finfierniß und tod mein theil. seyn 6. gott 5. Ja, du hast mich den finsternissen Des irrthums und der sünde macht Durch deine lehre, herr! entrissen, Ihr licht zerstreut des zweifels nacht. Du zeigest mir des höchsten rath, Und führst mich auf der wahrheit pfad. Ich weiß, wozu mich erschaffen, Ich kenne meine ganze pflicht; Mein geist wird nicht im tod entschlafen Wer an dich glaubt, wird im gericht Durch dich, o heiland! wohl bestehn. Und dann verklärt dich selber sehn. 7. Jesu! laß mich deiner lehre Gehorchen mit stets größrer lust, Und keines spotters wahn zerstöre Dein heiligthum in meiner brust; Mein ganzes leben preise dich, Dein heil erfreu im tobe mich. ben, Wie preif' ich dich, o gott, dafür! Nie kann mein dank dich gnug erheben; Durch Christum schenktest du es mir. Kein licht, kein trost erfreute mich, Kennt ich nicht, Jesu Christe! dich. 2. Auf ungewissen finstern pfaden Würd ich ein raub des irrthums seyn, Mit súndenschuld und fluch beladen, Müßt ich des richters rache scheun, Ich fande keinen trost in noth, Mich schreckte stündlich grab und tod. 3. Wozu hat mich mein gott erschaffen, Was ist auf erden meine pflicht? Wird auch mein geift im tod entschlafen? Und hält gott künf tig ein gericht? Wie werd ich im gericht bestehen, Wie der verdienten straf entgehn? Von der christlichen Kirche. Um Erhaltung und Be thron bestehet ewiglich, Verschügung der christlichen geblich wird sich wider dich Kirche. Die ganze holle waffnen. 2. Dein reich ist nicht von dieser welt, Keinwerk von menschenkindern, Drum konnt' auch keine macht der welt, Herr, seinen fortgang hindern. Dir können deine hasser nie Die Mel. Bår gott nicht mit uns. ie feinde deines 178. De kreuzes drohn, Dein reich, herr! zu verwüsten, Du aber, mittler, gottes sohn! Beschüßest deine christen. Dein 138 Von der christlichen Kirche. ehre rauben; felbst durh sie dich, Beherrscher, deine from: Wird sie vergrößert werden. 3. Weit wollst du deine herrschaft noch In deiner welt verbreiten, und unter dein fo fanftes joch Die volker alle leiten, Vom aufgang bis zum niedergang Bring alle welt dir preis und dank, Und men! Der tag ist nah, deß freun sie sich, Da du wirst wieder kommen. Den sündern kommst du zum gericht, Uns segnet dann dein angesicht Mit wonne der gerechten. 9. Ja, komm, o Jesu! komme bald zu deinem volke glaub an deinen namen. wieder, Befrey durch deines 4. Auch deine feinde, die dich schmähn, Die frevelnd sich empóren, Laß deiner gnade wunder fehn, Daß sie sich noch bekehren, Lehr sie mit uns gen himmel schaun, arms gewalt Uns, deines reis ches glieder. Dein himmelreich ist uns bereit, Von ewigkeit zu ewigkeit Wird's unser erbtheil bleiben. Mel. Erhalt uns, herr, bey. Und unerschüttert im vertraun 179.Erhalt einem wert, warten. 5. Uns chriften aber wollest du Fest in der wahrheit gründen, Daß wir für unsre feelen ruh In deiner gnade finden. Mach unsers glaubens uns gewiß, Vor irrthum und vor finsterniß Bewahr uns, weil wir leben. 6. Ein frommes herz schaff in uns, herr! Ein herz nach deinem willen, Und lehre täglich fertiger Uns dein gefet erfüllen; Gehorsam dei ner vorschrift seyn, Und dann uns deiner gnade freun, Sey unser heil auf erden. 7. So wird dein volk dir unterthan, und lernt die fünde meiden, Und du führst es auf ebner bahn Zu deines reiches freuden. Und herrlich wird in dieser zeit, Noch herrlicher in ewigkeit, Dein großer name werden. 8. Boll zuversicht erwarten bey Und steure deiner feinde mord, Die gleichsam Chris stum deinen sohn Vom throne frech zu stürzen drohn. 2. Zeig deine macht, herr Jesu Christ, Der du herr aller herren bist! Beschirme deine christenheit, Daß sie dich lob' in ewigkeit. 3. Gieb, heil'ger geist! uns einen sinn, Nimm alle zwietracht von uns hin. Vor deines wortes licht und macht Entflieh des wahns und irra thums nacht. 4. Herr! laß uns dir befohlen seyn, Schau unsre noth, wir sind ja dein. Erhalt im glauben uns getreu, Mach uns von unsern feinden frey. 5. Sie dichten, herr, ein frevelstück, Bring sie zur liebe doch zurück! Sie gras ben gruben mit viel müh, Beschüße uns, bekehre sie! Von der christlichen Kirche. 139 doch, Du, unser herr, gott! 181.2 himmel ſieh dar6. So werden sie erkennen Mel. Ach gott, vom himmel. gott! vom lebest noch, Und stehst bey deiner kirche fest, Die sich allein auf dich verläßt. ein, Und laß es dich erbarmen. Wie wenig herzen sind noch dein, Entzieh dich nicht uns armen! Dein theures wort hält man für spott, Empórt sich wider dich, o gott! Will deinen sohn nicht kennen. 180. Mel. Erhalt uns, herr, bey. er spötter strom reißt viele fort, Erhalt uns, herr! bey dei nem wort; So können wir uns, vater! dein Sm leben und im tode freun. 2. Sie lehren eitle traumerey, Was eigenwiß erfindet. In feiner wahrheit ist dabey Ihr unstet herz gegründet. Der wählet dies, der andre das, Es trennen sich ohn unterlaß, Die mit vernunft sich brüsten. 3. Ach! ihrer lehre pest, o berr! Schleicht iso nicht im 3. Ach herr, mein gott! verfinstern mehr; Um mittag, herr! bricht sie hervor, Und hebt ihr tödtend haupt empor. tilge doch Des irrthums freche lehren. Sieh! ihre zunge fre velt noch, Und spricht, dich zu entehren: Wir schaun tief in die wahrheit ein, Uns täuscht kein gleißnerischer schein, Nur blinde herzen glauben. 2. Ein haufe låstrer wagts, o gott! Mit wildem ausgelaß nem spott, Den beiland, deinen sohn, zu schmähn, Durch den selbst himmel einst vergehn. 4. Sie herrscht durch große dieser welt; Herr! Herr! wenn uns dein arm nicht hålt, So reißet sie noch viele fort, Gieb sieg und leben durch dein wort. 5. Beschutz uns, heiland, Jesu Christ, Der du zur rechten gottes bist! Sey unser schild und starke wehr; Staub ist vor dir der spötter heer. 6. Du hast von ewigkeit gesehn, Wie lange noch ihr trotz bestehn, Und wider dich hier schnauben soll. Vielleicht ist nun ihr maaß bald voll. 7. Auch sie, o herr! haft du versöhnt, Sie, deren spott dich ist verhöhnt. Gieb, daß noch vor der todesnacht 3ur ernsten reu ihr geist erwacht. 4. Gott siehts, und spricht: bald kommt die zeit, Daß ich dem frevel steure, Damit sich in der christenheit Kein heidenthum erneure. Indessen greift den schnöden wahn Sein wort mit starken waffen an, Und bleibt unüberwindlich. 5. Im feuer siebenmal be: währt, Glänzt edles silber heller, Und durch verspottungen bewährt, Strahlt gottes wort auch heller. Der strahlen siegende gewalt Durchbricht der zweifel nebel bald, Und blendet selbst die feinde. 140 Von der christlichen Kirche. 6. Dein licht leucht uns, Gelobt sey Jesus Christ! damit uns nie Das frevelnde Wer hier sein jünger ist, geschlechte In seine schlauen Sein wort von Herzen hält, neke zieh, Nie unter uns Dem kann die ganze welt sich flechte; Denn alle boss Die seligkeit nicht rauben. heit wächst geschwind, Wo frecher spott erst kraft gewinnt, Sein gift ertödtet seelen. 7. dámpfe selbst, du starker gott, Die dir die ehre rauben! Jesu Christ, bey ihrem spott Stárk kräftig unsern glauben! O heil'ger geist, verleih uns gnad, Daß wir vor abfall und verrath Mit ganzem ernst uns hüten! Mel. Eine feste burg ist unser. 4. Auf, christen! die ihr ihm vertraut, Laßt euch kein drohn erschrecken, Der gott, der von dem himmel schaut, Wird uns gewiß bedecken. Der herr, der höchste gott, Hålt über sein gebot, Giebt uns geduld in noth, Und kraft und muth im fod; Was will uns denn erschrecken? 182. We feine fiche enn Christus schütt, So mag die hölle wüthen, Er, der zur rechten got tes sitzt, Hat macht ihr zu gebieten. Er ist mit hülfe nah, Wenn er gebeut, stehts da. Er schüßt, zu seinem ruhm, Mit macht fein christenthum; Mag doch die hölle wüthen! Mel. Eine feste burg ist unser. in starker schutz Auf ihn steht unser hoffen, 183. Gin ist unser gott! Er hilft uns treu aus aller noth, So viel uns je betrof fen. Satan, unser feind, Der mit ernst es meynt, Rüstet sich mit list, Trost, daß er mächtig ist; Shm gleicht kein feind auf erden. 2. Nicht unsre macht ists, die ihn fällt, Wir waren bald verloren. Es kämpft für uns der rechte held, Den gott uns selbst erkoren. Fragst du, wer er ist? Er heißt Jesus Christ, Der herr zebaoth. Er, unser herr und gott. Er muß den sieg behalten. 2. Gott sieht die fürsten auf dem thron Sich wider ihn empdren; Denn den gefalbten, seinen sohn, Den wollen sie nicht ehren. Sie schámen sich des worts. Des heilands, unsers horts, Sein freuz ist selbst ihr spott; Doch ihrer lachet gott, Sie mögen sich empören. 3. Und wenn die welt voll teufel war', Die uns ver: 3. Der frevler mag die schlingen wollten; So fürchwahrheit schmáhn, Uns kann ten wir uns nicht so sehr, er sie nicht rauben. Der un: Daß wir drum weichen soll: christ mag ihr widerstehn, ten. Wenn der fürst der welt Wir halten fest am glauben. Sich schon grimmig stellt, Von der christlichen Kirche. 141 Schreckt er uns doch nicht, Christ Lebendig für sein heil Er ist ja längst gericht't, Ein wort kann ihn schon fällen. erkennt, Durch ihn dich seis nen vater nennt! 4. Das wort steht fest! die stolze welt Mag noch so hef tig toben. Der herr mit uns, der starke held! Der giebt uns fieg von oben. Tödten sie den leib, Nehmen kind und weib, Rauben gut und ehr, Sie nehmens! was ists mehr? Uns muß der himmel bleiben. Mel. Wend ab deinen zorn. 184. Schute die deinen, die nach dir sich nennen, Und dich, o Jesu! vor der welt bekennen, Laß deinen hånden, wie du selbst verheißen, Nichts fie entreißen. 2. Laß deine wahrheit rein verkündigt werden, Mach ihre siege herrlicher auf erden. Gieb muth und weisheit de nen, die sie lehren, Dein reich zu mehren. 3. Du hast noch niemals, herr! dein wort gebrochen. Führe die deinen, wie du selbst versprochen, Führe sie endlich aus dem kampf hie nieden 3um ew'gen frieden. 4. Ewig, o heiland! sey dein nam' erhoben, Ewig frohlockend müsse dich einst loben, du bes schirmer deiner schwachen heerde, Himmel und erde. Um Ausbreitung und Be: förderung der christlichen Religion. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu. 185. Gott ott, unser gott, wie heilig ist Dein name dem, der Jesum 2. Im geiste betet er dich an, Und geht unstråflich seine bahn; Denn, was er glaubt, und was er thut, Ist wahrs heit, ist gerecht und gut. 3. Ein starker fels, der ewig steht, Ist ihm dein nam'; auf ihn erhöht, Sieht er mit unverletzter ruh Dem untergang der erde zu. 4. Du fåttigst ihn mit se: ligkeit Von nun an bis in ewigkeit, Und ewig ist sein frommer dank, Herr! deines namens lobgefang. 5. Ach, heilig sey dein nam' und recht Dem ganzen mensch lichen geschlecht! Dich bete, wer dich denken kann, Sm geist und in der wahrheit an! 6. Verbreite deines wortes schall, Wie deine wohlthat überall, Daß alle lernen, wer du seyst, Jehovah, vater, sohn und geist! 7. Dein rath, du, der da ist und war, Werd allen völkern offenbar, Daß dein gesandter, Jesus Chrift! Die wahrheit und das leben ist. 8. Daß, wer an ihn glaubt, fein gebot Auch halten muß bis an den tod, Daß der in seinem lauf nicht irrt, Und durch den glauben selig wird. 9. Lehr uns, die deinen rath verstehn, Gehorsam deine wege gehn, Durch deines wortes licht und kraft Mach gläubig uns und tugendhaft. Von der christlichen Kirche. 142 10. Durch wahrheit dåmpfe jeden wahn, Erleucht uns allen unsre bahn, Das laster tilg aus unsrer brust, Und tödt in uns die böse luft. 11. So heiligt deine chris stenheit Herr! deinen namen Mel. Wend ab deinen zorn. in der zeit, Und ist und bleibt 187. Laß doch, o Jeſu! dein Und ihre dein reich auf werke sind dein ruhm. perden, Unter den fündern ausgebreitet werden; Schenke noch ihnen, deiner leiden we gen, Leben und fegen. 2 Gieb ihnen gnade, dich recht zu erkennen, Daß fie dich glaubig ihren herren nennen; Gieb ihnen eifer, deinen guten willen Treu zu erfüllen. 3. Mit heil'ger achtung laß die schrift fie ehren, Denn sie verkündigt deines mundes lehren; Außer ihr suchen sterbliche vergebens Den weg des lebens. 4. Steure, erbarmer! deiner feinde grimme. Warne die deinen vor des irrthums stimme, Lehre sie prüfen, daß sie falsche freuden Klüglich vermeiden. 12. Dort stellst du sie um deinen thron, Und unaus sprechlich ist ihr lohn. Geheiligt wird, wie in der zeit, Durch sie dein nam' in ewigkeit. Mel. Es woll' uns gott genådig. 186.& wolle gott uns gnädig seyn, Und seinen segen geben, Mit seiner vaterliebe schein Er leucht er uns zum leben. Laß uns erkennen, unser gott! Dein großes werk auf erden, Laß Jesu Christi lehr und tod Erkannt von allen wer den, Und alle dir bekehren. segn' uns und der sohn, Und er, der geist von beyden, Es segn' uns gott, geb uns den lohn, Der nach der erde leiden, Die müden pilger tröstet. 2. So danken dir und loben dich Die nationen alle, So freut der ganze weltkreis sich, Und singt mit großem schalle, Daß du sein gott und vater bist, Nicht läßt ihr verwundetes gewissen. die sünde walten, Und daß dein wort das mittel ist, Uns alle zu erhalten, Und uns zu dir zu führen. 5. Sen du ihr licht in ihren finsternissen, Heile selbst Schlågt oft ein kummer ihre herzen nieder, Stárke sie wieder. 6. Schüße uns mächtig mitten unter bösen, Bis du von ihnen ganz uns wirst erlösen, Bis wir zum um gang der verklärten frommen 3. So danke, gott, und lobe dich Dein volk durch gute thaten, Es bringe frucht, und beßre sich, Dein wort laß wohl gerathen. Der vater Frohlockend kommen. an oik Von der heiligen Taufe. 143 Mel. Chrift, unser herr, zum. Is unser herr zum 188. jordan kam, Und nach des vaters willen Die taufe von Johannes nahm, Sein werk wohl zu erfüllen, Da stiftet' er für uns ein bad, 3u waschen uns von sünden, Daß wir hier könn ten heil und rath Und kraft zum guten finden; Es galt ein neues leben. Gott 2. So hör und merke jeder wohl, Was gott selbst taufen nenne, Damit er, was er glauben soll, Bon wahn und irrthum trenne. spricht und will, daß wasser sey, Doch ist die taufe fråftig; Sie ist ein siegel seiner treu, Sein geist ist selbst geschäftig, Er ist der rechte täufer. 3. Er selber wollt uns dies ses klar In wort und bildern Mel. Chrift, unser herr, zum. lehren. Um jordan ließ fich 189. gott! bey bir offenbar vaters ist heil und gnad In aller noth zu finden, Du giebst uns durch dein wasserbad Vergebung unsrer fünden. Dein unerforschter rath erweist Uns durch ein sichtbar zeichen, D vater, sohn und heil'ger geist! Es sey nichts zu vergleichen, Mit deiner gnad und liebe. 2. Du hast in deinen gnadenbund Zum kind mich auf genommen, Und machst voll huld den weg mir kund, Wie ich zu dir kann kommen. Du hören. Er sprach: dies ist mein lieber sohn, Un ihm hab ich gefallen, Sprecht nicht ihm widerspenstig hohn, Er zeigt mein heil euch allen; Drum folget feiner lehre. 4. Auch steht hier gottes sohn verklárt, 21s einer un frer brüder, Und gleich als eine taube fährt af ihn der geist hernieder, Daß hieran jeder wiß und merk, Gott selbst hab ihn gesendet, Und ihn zu dem erlösungswerk, Das er getreu vollendet, Mit geist und kraft gefalbet. 5. Den jüngern sagte Jesus Christ: Geht, alle welt zu lehren, Es solle, was verloren ist, 3ur buße sich bekehren; Wer glaubet und sich taufen läßt, Der soll den himmel erben; Hålt er an solchem glauben fest, Kann er nicht ewig sterben, Denn er ist neu geboren. 6. Wer gottes weisen gnadenrath Verachtet, bleibt in sünden, Und büßt, was er verwirket hat, Einst in der hölle schlünden, Es fehlt ihm luft und kraft und licht, Den sünden abzusterben, Sein eignes thun befreyt ihn nicht Von tod und vom verderben; Er kann sich selbst nicht helfen. Von der heiligen Taufe. 144 hattest ursach, uns vielmehr 3u strafen und zu hassen. Und haft dich, großer gott, so sehr Zu uns herabgelassen, Den bund mit uns zu stiften. 3. Dadurch bin ich nun, als dein kind, Versichert dei ner gnaden, Was sich für schwachheit an mir sind't, Das läßt du mir nicht scha: den. Den geist der gnaden giebst du mir, Und wenn ich vor dich trete, Mein herz ausschütte, gott! vor dir, Nach deinem willen bete, verpflicht't, Ich woll' ein gut gewissen Stets bey des glaubens zuversicht zu hal ten seyn beslissen, Dich, va ter, sohn und geist allzeit Für meinen gott erkennen, Mit tiefer ehrerbietigkeit Dich meinen herren nennen, Und dir alleine dienen. Mel. Wer nur den lieben gott. ch ingegen hab ich mich 190. J in getauft 5. Der fünde hab ich abgesagt, Auch allen satans werken, Wenn reizung nun sich an mich wagt, Kann die ser bund mich stärken. Zum tempel richtest du mich zu, Dir bin ich neu geboren, Daß ich nur lauter gutes thu, Dazu bin ich erkoren, Erschaffen und erlöset. sorgfalt denk ich dran, Wie ich ihn mög erfüllen, Durch deine kraft und stärke. 6. Dem hang zur sünde sterb' ich ab, Damit ich gött: lich lebe, Und muthig stets bis in mein grab Den lüsten widerstrebe. Dem guten häng ich eifrig an, Und liebe dei nen willen, Mit fleiß und 7. Gott vater, sohn und geist! verleih, Daß ich fest an dich glaube, Mich meines taufbunds tröst unb freu, Darin beständig bleibe, Daß ich das böse flieh und hass', Des fleisches liste dämpfe, Im guten niemals werde laß, Hier bis ans ende kämpfe, Und dort dein reich ererbe. men, Gott vater, sohn und heil'ger geist! Ich bin gezählt zu deinem saamen, 3um volk, das dir geheiligt heißt. O welch ein glück ward dadurch mein! Laß, herr! mich dessen würdig seyn. 2. Du hast mich für dein kind erkläret, Mein- vater! und ein selig theit Hast du, sohn gottes! mir gewähret An dem von dir erworbnen heil. Du willst, mein leben gott zu weihn, Geist gottes! selbst mein beystand seyn. 3. Die liebe ist nicht zu ermessen, Die du, mein gott! mir zugewandt. D! laß mich nie die pflicht vergessen, Dazu ich selbst mich dir vers band, 21s du in deinen bund mich nahmst, Und mir mit heil entgegen kamst. 4. Du bist getreu; auf deiner seite Bleibt dieser bund stets feste stehn, Ja Von der heiligen Taufe. 145 selbst, wenn ich ihn über- feyerlich dir that, Oft hab schreite, Läßt du dein vaterherz mich sehn, Du klopfst an mein gewissen an, Und lockst mich auf die rechte bahn. ich besserung versprochen, Die nie mein herz erfüllet hat. Nun heute kehr ich mich zu dir, Ich will mich bessern; hilf du mir. 5. Ich gebe, höchster gott! aufs neue Dir feel und leib zum opfer hin. Erwecke mich zu neuer treue, Und bilde mich nach deinem sinn. Weich, eitle welt! o sünde, weich! Gott hört es; jetzt entsag ich euch. 6. Befestige dies mein versprechen, Mein vater! und bewahre mich, Daß ich es niemals möge brechen. Mein ganzes leben preise dich! Gott meines heils! sey ewig mein, Und laß mich stets den deinen seyn. Erneuerung des Taufbundes. 191. Mel. Wer nur den lieben gott. err! dir gelob ich neue treue, Und neuen fleiß im christenthum. Dir, Jesu! geb ich mich aufs neue Zu deines namens eigenthum. Ich will von dir, o geist! allein Bewohnet und geleitet seyn. 2. Dreyein'ger! nimm von deinem kinde Den eid der neuen treue hin. Bisher war ich ein knecht der sünde; Nun will ich ihre reize fliehn, Und mich mit ernst der tu gend weihn. Sieh! dieser tag soll zeuge seyn. 3. Uch! oft hab ich den eid gebrochen, Den ich einst 4. Nie will ich wieder treu: los werden, Nie deine guten wege fliehn, Kein scheingut, keine lust der erden, Kein laster soll mich dir entziehn. Weich, leidenschaft! o sünde, weich! Gott hört es; jetzt entsag ich euch. 5. gott! regiere du mein leben, und mache selbst mein herz dir treu, Daß ich der frömmigkeit ergeben, Und heilig, stark und weise sey; Denn ohne dich bleibt im merdar Mein herz verkehrt und wandelbar. 6. Einst werd ich, herr! vor deinem throne Den tag des bundes benedeyn, Gez schmückt mit jener siegerkrone, Werd ich dann ewig selig seyn. O welch ein heil! wie freu ich mich! Herr, nimm mich hin! dein, dein bin ich! Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. ein erlöser! ber 192. Me du mich Dir zum eigenthum erkaufet; Als dein junger bin auch ich Vormals auf dein wort getaufet. O erwecke mich zum fleiße, Recht zu seyn das, was ich heiße. 2. Laß mich, herr! mit achtsamkeit Meinen taufbund oft betrachten; Laß mich das 146 Von der heiligen Taufe. zu jeder zeit Für mein größ- in dem wasserbade Zu deinem tes glück hier achten, Daß kind und erben ein. O selig, ich, Jesu, deinen willen Treu- kennt es einst den werth Des lich suche zu erfüllen. glücks, daß es dir angehört! Nach der Taufe. 3. Dieser erde gut und ruhm Bleibt im tode doch zurücke; Nur ein wahres christenthum Folgt uns nach Mel. Nun lob mein seel den. zum ew'gen glücke. Davon 194. Geweiht zum ist auch nach dem sterben, Ewig segen zu ererben. 4. Laß mich denn, wie dirs gefällt, Deinem dienst, herr! ganz ergeben, und entfernt vom sinn der welt, Als dein treuer jünger leben, Daß ich einst auch, wenn ich sterbe, Das verheißne leben erbe. christenthume, Ist dieses kind nun gott geweiht. Erzieh es dir zum rubme, Und, vater, einst zur herrlichkeit. Verlängert deine liebe Sein leben, so verleih Durch deines geistes triebe, Daß es dir folgsam sey, Daß es den werth der tugend Schon früh empfinden lern, Es ziere seine jugend Die sel'ge lust am herrn. 2. Auch wir sind gottgeweihte! Auch unsrer taufe theurer bund Erweck aufs neu auch heute, Zum lobe gottes Entflamm uns zum vertrauen, Mit kindlich frohem sinn Gen himmel aufzuschauen. Zu unserm vater bin, Ermuntr' uns, zu ermessen. Was uns sein wort verspricht, Und nimmer zu vergessen Der ihm gelobten pflicht. 2. Dir sey auch dieses kind empfohlen. Dir, dessen treu unwandelbar! Wir bringens, 3. Du, vater von uns allen! Olehre du uns selber wie du selbst befohlen, Dir thun Nach deinem wohlgein der heil'gen Uch segn' es, vater, sohn und geist! Wie uns dein theures wort verheißt. taufe dar. fallen, Laß deinen segen auf uns ruhn. Du wirst bey diesem leben, Wie du bisher gethan, Was wir bedürfen, geben; Verleih uns nur alsdann Die beste deiner gaben, Daß wir durch Jesum Chrift 3. Durch dieses siegel deis ner gnade Wird jedes recht der christen sein. Weih du es Bey einer Taufhandlung. Vor der Taufe. Mel. Wer nur den lieben gott. u wiefest, Je 193. die kleinen, Die dir die eltern brachten, ab, Erkanntft auch finder für die deinen, Und fahst voll huld auf sie her: ab, Laßt, sprachst du, lasset fie zu mir, Und wißt, das himmelreich ist ihr. 1 Von der heiligen Taufe. Theil an dem erbe haben, ach der Confirmation. Das unverwelklich ist. Vor der Confirmation junger Christen. Mel. Komm, heilger geist, herre. o gott! 195. Erbor, das heiße flehn Der kinder, die hier vor dir stehn, Erbarmend blick auf sie hernieder, Denn dein sind sie, sind Jesu glieder! Gieb ihnen, vater, sohn und geist! Den segen, den dein wort verheißt, Erfülle sie mit deinen gaben, Laß tröstung ihre seele laben. Erbarme dich! erbarme dich! 147 Mel. Es woll uns gott genådig. stárke, mittler, 196. stårke sie, Sie, deine theurerlösten! Und laß sie ihr vertraun auf dich, Im tod und leben trösten! Dreyeiniger! sie schwuren dir, Dir selbst in deine hånde: D gott! dein eigenthum sind wir, Sinds jegt und bis ans ende, Und wollens ewig bleiben. 2. Wie viele schwuren eh mals auch, an dir, gott! fest zu halten, Allein wie treulos ließen fie Bald ihre lieb erkalten! Ach, laß die, die sich hier dir weihn, Dich, höchster! ewig lieben, Laß sie im glauben standhaft seyn, Und jede tugend üben, Nie ihr gelübde brechen! 2. Sie wollen, deiner sich zu freun, Gott! ihren bund mit dir erneun, Und feyerlich den eid dir schwören, Dich, gott, zu lieben, zu verehren, Im glauben treu, im her: 3 Versucht der spotter zen rein, Im wandel ohne falsch zu seyn. Dreyeiniger! sprich du das amen 3um festen schwur bey deinem namen, Und stårke sie! und stårke sie! zahlreich heer, Herr! ihnen ihren glauben, und ihrer hoffnung zuversicht, und ruh und trost zu rauben; Uch dann steh ihnen, großer gott! Mit deiner kraft zur feiten, Hilf ihnen irrthum, schmås hung, spott, Und jeden feind bestreiten, Und muthig übere winden! 3. Schenk ihnen muth und freudigkeit, Laß ihrer zusag heiligkeit So stark, so tief ihr herz durchdringen, Daß sie ihr wollen treu vollbringen. Auch uns laß ist mit herz und mund Mit dir erneuren unsern bund, Und einst vereint, wie wir dir flehen, Mit ihnen ein zum himmel gehen. Erhör uns, gott! erhör uns, gott! 4. Lockt sie ihr herz, lockt sie die welt Hin zu verbot nen lüsten, So wollest du mit muth und kraft Sie aus der höh ausrüsten laß sie feiner bösen lust Je treulos unterliegen! Dämpf du fie früh in ihrer brust, Sm K 2 148 Von der heiligen Taufe. kampfe laß fie fiegen, Hilf lich trösten! O O schöpfer! wieder auf, die fallen! mittler! tröster! gott! Laß sie 5. Einst in der todesangst dann selig sterben, und dir laß fie, Sie, deine theurer: getreu bis in den tod, Den lösten, Noch ihres glaubens lohn des himmels erben! Ers festigkeit Ganz unaussprech- hör uns gnädig! Amen. Vom heiligen Abendmahle. Mel. O Jesu, du mein brautigam. 7. Hier deinen liebevollen 197. ihn, err, der du als tod Verkündigen, ist dein ein Am martervollen kreuzesstamm 3ur tilgung meiner fundenlast Für mich dich felbst geopfert haft! als vor mir seh, Auch sein geheimniß wohl versteh. 2. Im nachtmahl feyr' ich deinen tod; Hier nährst du mich mit himmelsbrod, Hier ist das unschätzbare gut, Das du mir giebst, dein leib und blut. 3. Hier labet mich, als deinen gast, der leib, den du geopfert hast, Dein blut, das dir vergossen ward, Mit göttlicher allgegenwart. 4. D liebe, welcher keine gleicht, wunder, das kein wig erreicht, Mir unbegreiflich, und doch wahr! Du sagst es, und dein wort ist klar. 5. O gottmensch! hilf mir, daß ich ja Mit tiefster ehrfurcht dir mich nah. O herr! mein mund empfahe nicht Des lebens speise zum gericht. 6. Hilf, daß mühselig und beschwert, Mein gläubigs herz darnach begehrt, Der wohlthat ganze größ' ermißt, Und deiner liebe nicht vergißt. 8. Den fluch, den hier mein bürge trug, Die wunden, die auch ich dir schlug, Den segen, den du, als du starbst, Durch deinen tod auch mir erwarbst. 9. Mein herr und gott! ich glaub an dich, Und weiß gewiß, du fegnest mich; Wenn wir mit glauben zu dir nahn, Willst du dich uns mit gnade nahn. 10. Ich erd und asche bins nicht werth, Daß so viel heil mir wiederfährt. Du willst, erhabner! nicht verschmähn, 3u meinem herzen einzugehn. 11. Mein herz steht offen, richte du Es dir, herr, selbst zur wohnung zu, Wirf alle laster ganz hinaus, Schmuck es mit jeder. tugend aus. 12. Du kommst; geſegnet seyst du mir! Du bleibst in mir, und ich in dir. Ich end' in dir einst meinen lauf, Und du weckst mich vom tode auf. 13. O wie so große segen Vom heiligen Abendmahle. 149 giebt Dein leib und blut 21. Und wenn du mich, dem, der dich liebt! Ihm du lebensfürst! Zur seligkeit ists ein pfand der seligkeit, vollenden wirst, Ergößt mit Ein siegel der gerechtigkeit. freuden ohne zahl Mich dort dein ewigs abendmahl. 14. Es überzeugt in zwei felmuth Von der erlösung burch dein blut, Auch von erlassung unsrer schuld, Und gottes uns geschenkter huld. Vor der Communion zu Hause. Mel. Nun freut euch lieben. will das abends 198. mahl des Herrn, 15. Ach, wie so reich er gießet sich, Hier meines mittlers lieb in mich! Hier schau ich seine mildigkeit, Und schmecke seine freundlichkeit. 16. Wie brünstig du, mein Jesu! liebst! Bezeugt dies pfand, das du mir giebst. Nichts scheidet ferner dich und mich, Mich liebest du; ich liebe dich. 17. Dich, herr! dich lieb ich unverrückt, Wenn weltlust lockt, wenn drangsal drückt. Verschmachtet leib und seele mir, Lieb ich dich doch, und bleib an dir. 18. Auch stärkt mich die ses mahles kraft Auf meiner ganzen pilgrimschaft, Sm kampf voll muth zu wider stehn, Und der versuchung zu entgebn. 19. Es schwächt den stolz und wehrt dem neid, Erweckt zur lieb' und einigkeit, Giebt troft, der nie das herz verläßt, und macht den gus ten vorsat fest. 20. Bring du den vorsatz selbst zur that, Und leite mich nach deinem rath; So bring ich in gelaßner ruh Die tage meiner wallfahrt zu. Des mittlers heut empfahen, Von allem weltgeschäfte fern Will ich zu ihm mich nahen. D tag, wie heilig bist du mir! Wie soll sich meine feel an dir 3u meinem gott erheben! 2. Nicht die gewohnheit treibt mich hin, Nicht der betrug der sünde. Daß auch ein lasterhafter sinn Bloß dadurch gnade finde. O herr! erhalt von heucheley Mich allzeit unbefleckt, und frey Von luft zur übertretung. 3. Bekennen will ichs öffentlich, Dein sterben sey mein leben, Dir, mein erldfer! hab ich mich Zum eigenthum ergeben; Ich will, so lang ich lebe, dein Und deis ner liebe mich erfreun, Mich sterbend deiner trösten. 4. Demüthig will ich meine schuld Vor meinem gott gestehen, Und überzeugt von seiner huld, Zu ihm um gnade flehen. Ich will mit göttlichem vertraun Nach deinem kreuz, o Jesu! schaun, Und fröhlich gnade hoffen. 5. Dein leib und blut verfichre mich Von dieser deiner 150 Vom heiligen Abendmahle. gnade, Daß meiner fünden so treu geliebet, Bin gewi schuld durch dich mir nun chen von dem pfad, Den er gewiß nicht schade, Daß ich mir bezeichnet hat. durch deinen kreuzetod Entsündigt und versöhnt mit gott, Ein erbe sey des lebens. 3. Der ich fein gesetz ent ehrt, Der ich seine macht verkennet, Uch! ich bin es nicht mehr werth, Daß er noch sein kind mich nennet, Ich verdiene straf und tod, Die er frechen fündern droht. 6. Wie werd ich dann, der sünde feind, Dich, mein er retter, lieben! Wie ernstlich mich, mit dir vereint, In frommen thaten üben! Wie werd ich dir mein lebelang Für deine liebe preis und dank, O mein versöhner, bringen! 7. Ich steh vor deinem angeficht, Du siehst, daß ich nicht luge, Du siehst auch, daß mein herz sich nicht mit vorsak felbst betrüge. So komm ich dann mit freudigkeit, Boll hoffnung meiner seligkeit, 3u deinem abendmahle. 4. Dennoch nimmt der gut'ge mich Wieder auf zu seinem kinde. Heut vergißt er váterlich Seines zorns und meiner fünde, Giebt durch seiner boten hand Mir der gnade süßes pfand. 5. Tag der wonne, heiligs mahl! Ewig will ich dein gedenken, Meines Jesu todesquaal Soll mir trost im leiden schenken, Und mein leben soll allein Seinem ruhm gewidmet seyn. Vor und bey der Com 8. O meine seele denke nach: Wie sündlich war dein leben! Durch wessen leiden, wessen schmach, Hat gott es dir vergeben? Was bist du dem, der munion. mel. Un wasserflüssen Babylon. u, herr! er für bich fein leben giebt, 200. Dus bambers Für feine liebe schuldig! Mel. Jesus, meine zuversicht. 199. Jag, ben mir der herr gemacht, Sen gesegnet, tag, der freude! Du erhellst des kummers nacht, Und erquickest mich im leide. Heil und leben schenkst du mir. Gott, wie dank' ich dir dafür. 2. Widerspenstig seinem ruf, Hab ich meinen gott betrübet, Ihn, der mich zum glück erschuf, und mich stets zigkeit 3um denkmahl deiner gnaden Das ganze volk der christenheit Wohlthätig eingeladen. Du rufft: mühsel'ge, kommt zu mir! Du weltvers söhner! ja zu dir Komm ich auch heut, ein sünder. Verstoß von deinem angesicht, Verstoß mich, o mein heiland! nicht Vom erbtheil deiner kinder. 2. 3war meiner missethat ist mehr, Mehr als ich könnte zählen. Sie drückt mich, herr! Vom heiligen Abendmahle. 151 Und dich seines todes freuen. ich zittre sehr Vor unruh nen bund sollt du erneuen, meiner seelen. Weltrichter! ach! im zorne nicht, m zorne geh nicht ins gericht, Mit mir, gott, reich an gute! Du kennst, was ich nicht recht gethan, Erbarmer! sieh mein herz auch an, Mein reuiges gemüthe. 2. Eil', wie wahre christen pflegen, Glaubensvoll dem herrn entgegen. Komm, den gnadenvollen willen Deines heilands zu erfüllen, Komm mit brünstigem verlangen Seine güter zu empfangen. Daß er dich der sünd entlade, Giebt er heute gnad' um gnade. 3. Es seufzt um trost und ångstigt sich, Gebückt vor dir im staube. Auf mein verdienst nicht, nur auf dich, Erlöser! hofft mein glaube. Gebeugte willst du nicht ver: schmähn, Bersprichst den schwachen beizustehn, Die nach errettung schmachten. Stets bleibst du deinem worte treu, Und wirst ein gläubig herz voll reu, Auch meines nicht verachten. 3. Herr! ich freue mich mit beben, Laß mich gnad em pfahn und leben. Du willst dich hier mit den deinen Durch des glaubens band vereinen, Du willst sie mit segen trånken, und dich ihnen selber schenken; wer darf sich unterwinden Deine liebe zu ergründen! 4. Mein gott! regiere künf tig mich, Daß ich vorsichtig handle, Und heilig, voll vers traun auf dich, Nach deinem rathe wandle. Gieb, daß aus dank für deine huld, In lieb, im glauben, in geduld, Ich dir auf erden lebe, Bis ich dereinst in deinem reich, Verklärt, unsterblich, engeln gleich, Dich ewig rein erhebe. 4. Herr! ach laß mich würdig nahen, Heil und les ben zu empfahen! Uch wie pflegt ich oft mit thrånen Mich nach deinem mahl zu sehnen! Ach wie wünscht' ich meiner sünden Tilgung, herr, bey bir zu finden! Laß, erlöser, laß mich nahen, Heil und leben zu empfahen! 5. Du, dem unsrer våter schaaren, Die, wie wir, auch sünder waren, Dank und preis und jubel singen, Daß Mel. Schmücke dich, o liebe seele. 201. Seele, willst du sie hier dein maht empfingen, finden, Drůcket dich die last der sún: den, Komm, vergebung zu empfangen; Denn dein licht ist aufgegangen, und der herr, voll heil und gnaden, Hat 6. König! hoherpriester! zu sich dich eingeladen. Dei- lehrer! Du mein göttlicher vaters, vom lichte, Laß von deinem angesichte Uns, die deinem ruhm sich weihen, Licht und leben jest erfreuen! Vom heiligen Abendmahle. 152 bekehrer! Du, der selbst dein eignes leben Für mich in den tod gegeben! Hier fall ich zu deinen füßen; Ach laß wür: dig mich genießen Diese deine. himmelsspeise, Mir zum heil und dir zum preise. 7. 3um gedächtniß deiner leiden, Und zum vorschmack jener freuden, Die du, hei land! mir erstrittest, Als du unaussprechlich littest, Als dich todesschweiße deckten, Und die schrecken gottes schreckten, Als du selbst für mich gestorben, Mir des va ters huld erworben. sensruh, zur beßrung kraft; Das hast du, herr! auch mir verschafft, Da du am kreuze starbest. 3. Dein mahl ist mir ein unterpfand Von dieser groBen güte. Wie viel hast du an mich gewandt! stärke mein gemüthe 3um glaubiz gen vertraun auf dich, Daß ich, so lang ich lebe, mich An deine gnade halte. Für deine todesleiden. Hab ich an ihren früchten theil, Was fehlt dann meinen freu den? Du wardst ein opfer auch für mich; gieb, daß meine seele sich Deß ewig freuen moge. 2. Was kann mein geist durch deinen tod Nicht noch für segen finden! Erlösung aus der todesnoth, bung aller fünden, 4. Ich fühle, herr, voll reu und schmerz, Die last vor dir gebeugtes herz Den von meinen sünden. Laß mein großen trost empfinden, Daß Auch mir vergebung meiner du, aus großer vaterhuld, schuld Auf buße hast erworben. 8. Deines heils will ich mich freuen, Dir will ich mich ewig weihen. Eng' ist deines Lebens pforte, Noch schau ich im dunkeln worte; 5. Der trost, den mir dein Einst werd ich dich ganz er- tod verschafft, Werd' ewig kennen, Ganz in deiner liebe mir zum segen, Er stärke brennen. Laß sie mich auch mich mit neuer kraft, Auf hier empfinden, Hilf mir, allen meinen wegen, Nur das hilf mir überwinden. zu thun, was dir gefällt, Und alle furcht und lust der welt Standhaft zu überwinden. Mel. Nun freut euch, lieben. 202. Ther, mein heil, erzeigt, 3st gar nicht zu erch preise dich, 6. Die liebe, die du mir messen. O mache selbst mein herz geneigt, Sie nimm zu vergessen, Daß ich aus achter gegentren Dir bis zum tod ergeben sey, Und dir zur ehre lebe. 7. Laß deines leidens großen zweck Mir stets vor aus gen stehen, Ráum' alle hin: dernisse weg, Die ebne bahn Verges zu gehen, Die mir dein heis Gewis lig vorbild weist, und die Vom heiligen Abendmahle. 153 einst den erlösten geist zu führe mich zur sicherheit Der deiner freude fübret. trost, den mir dein tod verleiht. 5. Ich übergebe mich aufs neue, O du, mein herr und gott! an dich. Ich schwöre dir bestánd'ge treue Vor deiDein nem tische feyerlich. eigen will ich ewig seyn, Du starbst für mich; drum bin ich dein. 7 8. 3um ewgen leben hast du dich Für mich dahin ge= geben; Dein abendmahl erwecke mich, mit ernst dar nach zu streben. Herr, mache mich dazu geschickt! Und werd ich einst der welt entrückt, So sey dein tod mein leben. 203. Mel. Wer nur den lieben gott. ier bin ich, Jesu! zu erfüllen, Was du in deiner leidensnacht, Nach deinem gnadenvollen willen, 3ur pflicht und wohlthat mir gemacht. Verleih zur übung dieser pflicht Mir deines geistes = kraft und licht. 2. Es werde, herr, für mein gewissen Dein abendmahl ein unterpfand, Auch mir sey dein versöhnend búBen Von deiner gnade zuerfannt. So freuet meine seele sich In deinem heil und lo= bet dich. 3. Bewundernd denk ich an die liebe, Womit du unser heil bedacht. Wie stark sind deine mitleidstriebe, Die dich bis an das freuz gebracht! Ogieb von deinem todesschmerz Iht neuen eindruck in mein herz. 4. Laß mich mit ernst die sünden scheuen, Für welche du, dich opfernd, starbst, Durch schnöden mißbrauch nie entweihen, Was du so theuer mir erwarbst. Nie 6. Nie will ich mich vor spottern schämen Des dienstes, den man dir erweist, Mich nie zu einem schritt bequemen, Den mein gewissen sündlich heißt. D flöße mir den eifer ein, Wie du, o herr, gesinnt zu seyn! 7. Laß mich mit ernst den nächsten lieben. Und wenn er strauchelnd was versieht, Versöhnlichkeit und sanftmuth üben. Nie komm' es aus dem gemüth, Welch eine schwere schuldenlast Du mir aus huld erlassen hast. mir 8. Es stårke sich in mir der glaube, Daß meine seele ewig lebt, Und daß einst aus des grabes staube Mich dein allmächt'ger ruf erhebt, Wenn du dich, großer les bensfürst! Der welt als richter zeigen wirst. 9. Gebeugt lieg ich zu deinen füßen, Mit dank und lob, gebet und flehn. Laß auf mich neue gnade fließen, Mein heiland! laß es doch geschehn, Daß mir zur stárkung meiner treu Dein abendmahl gesegnet sey. 154 Vom heiligen Abendmahle. Mel. O Jesu, du mein brautigam. weiß, daß mich dein auge 204. Sefu, heilges schützt, und du mir giebst, was ewig Der du aus lieb am kreuzesstamm Für mich den tod gelitten hast, Und trugest meiner sünden last! Ich komm zu deinem abendmahl, Verderbt durch manchen sündenfall, Krant, unrein, du kennest mich, Schwach bin ich; ach erbarme dich! arm; 3. Du, Jesu! bist der fünder freund, Der beystand, der es redlich meynt, Der traur'gen trost, der schwachen kraft, Der, der das gute in uns schafft. 4. Zu dir, mein helfer! komm auch ich, Ach reinige, ach heil'ge mich! Gieb neue Fraft, gieb neues licht, Ich weiß, herr! du verstößt mich nicht. 7. Lösch alle laster aus in mir, Und bilde mein herz ganz nach dir, Daß ich ohn' falsch und heucheley, Herr! deinem bilde áhnlich sey. 9. Durch dieses deines buna des kraft, Hast du mir neuen muth verschafft, Mit tåglia cher, mit reicher huld Bedeckst du meiner schwachheit schuld. Mel. An wasserflüssen Babylon. 5. Dein wort schein mir in 205. Ich komme, berr finsterniß, geift mach meinen geist gewiß, Entkräft' in mir der sünde lust, Dampf ihre macht in meiner brust. 6. Dein liebesmahl, du lebensbrodt, Erweck' auch mich, mein herr und gott! Daß ich im glauben stets dir treu, Und dankbar und gehorsam sey. und suche dich, Mühselig und beladen. D herr, mein heiland! segne mich mit den erworbnen gnaden. Ich liege hier vor deinem thron, Sohn gottes und des menschen sohn! Mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner sünden müh, Ich suche rub und finde sie Jm glauben der erlösten. 2. Dich bet ich zuversichts lich an, Du bist das heil der sünder. Du hast die strafe abgethan, Und wir sind gottes kinder. Ich denk an deines leidens nacht, Und an 8. Dann bleib ich, o mein bester freund! Mit dir im glauben fest vereint; Ich 10. Gott ist für mich; mir kann kein feind Verderblich seyn; was böse scheint, Vera wandelt mir in segen fich; stårk in diesem glauben mich! II. Befest'ge mich in meia ner pflicht, Dein freud'ger geist verlaß mich nicht. Ach, laß mich meine tag' in rub' Und friede christlich bringen zu. 12. Und wenn du mich, o lebensfürst! Einst in den himmel nehmen wirst, Dann, mittler, Jesu! freu ich mich Mit allen fel'gen ewiglich. Vom heiligen Abendmahle. 155 dein wort: es ist vollbracht! Mel. Schmücke dich, o liebe feele. Du hast mein heil verdienet, Du hast für mich dich dargestellt. Gott war in dir, und hat die welt In dir mit sich verfühnet. 3. So freue dich, mein herz, in mir! Er tilget deine sünden, Er nahet sich mit troft zu dir, und läßt dich gnade finden. Du rufft, und er erhört dich schon, Spricht liebreich: sey getroft mein sohn, Die schuld ist dir vers geben! Du bist auf meinen tod getauft; Vergiß nicht dem, der dich erkauft, 3ur ehre stets zu leben! 4. Dein ist das glück der feligkeit; Bewahr es hier im glauben, und laß durch keine sicherheit Dir deine frone rauben! Sieh, ich vereine mich mit dir, Ich bin der weinstock, bleib an mir; So wirst du früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich,' Und durch die liebe gegen mich Wird dir der sieg gelingen. 5. Ja, herr, mein glück ist dein gebot; Ich will es treu erfüllen. D gieb mir felbst durch deinen tod Die kraft zum guten willen. Laß mich von nun an würdig seyn, Mein ganzes herz dir, herr! zu weihn, Und deinen tod zu preisen, Laß mich den ernst der heiligung, Durch eine wahre besserung, und der welt beweisen. Mir 206 err! ich falle vor dir nieder, Danke dir, und singe lieder Dir, o tilger meiner fünden! Wer kann deine lieb ergründen? Meine schulden willst du dek= ken, Willst mich tobten auferwecken, Willst ein ewig fe se ligs leben Mir, wenn ich dir glaube, geben. Dir 2. Nun, so sey der bund erneuet! Ganz sey dir mein herz geweihet! Wie du hier gelebt, zu leben, Will ich täglich mich bestreben. gelob ich, deine glieder, Alle menschen, meine brüder, Immer mit den reinsten trieben, Immer, wie mich selbst, zu lieben. 3. Ich gelobe dir von herzen, Meiner brüder noth und schmerzen Täglich brüderlich zu lindern, Elend, wo ich kann, zu mindern. Ich gelobe dir mit freuden, Auch das unrecht still zu leiden, Ungeduldig nie zu klagen, Un dir niemals zu verzagen. 4. Was du hassest, will ich hassen, Ganz von dir mich leiten lassen, Nie mit vorsatz dich betrüben, Alles, was du liebest, lieben. Zwar ich kenne meine schwäche, Jesu! da ich dies verspreche, Morgen hab ich oft gebrochen, Was ich heute dir versprochen. 5. Darum hilf du mir, und starke Mich zu jedem guten werke. Komm, und eile, mich vom bösen, Das ich thum 156 Vom heiligen Abendmahle. will, zu erlösen. Hilf den büßet hast, Darum stellet ersten reiz der sünden, Den, mich nun nicht Gott, der ach! den mir überwinden! richter, ins gericht, Darum Laß mich ihre folgen schrek: will er mein verbrechen Mir ken, Und der unschuld freu: verzeihn und nimmer rächen. den schmecken. 3. Herr! dies glaub' ich und empfinde Freudigkeit und zuversicht. Stellt doch gott um meine fünde Nun mich nimmer ins gericht, Bin ich doch durch deinen tod Völlig ausgeföhnt mit gott, Und wenn ich im glauben sterbe, Ewig seines himmels erbe. 4. Möcht' ich, Jesu, nicht habnem trost erquicken. vergebens Mich zu deinem • 7. Gieb, daß ich und alle christen Sich auf deine zu kunft rüsten, Daß, wenn heut dein tag schon käme, Keiner, herr! vor dir sich scháme. Großes abendmahl der frommen! Tag des heils! wann wirst du kommen, Daß wir mit der engel choren, Herr, dich sehn und ewig ehren! 6. Laß mich deine treu ermessen, Deiner liebe nie vergessen; Laß mich, weich ich ab vom guten, Herr, dich sehn am kreuze bluten! Liebe schlug dir deine wunden; Das soll mich in dunklen stunden, Wenn mich angst und zweifel drücken. Mit erVolle Mel. Freu dich sehr, o meine seele. oller ehrfurcht, dank und freuden Komm' ich, herr! auf dein gebot, Und gedenk an deine leiden, und an deinen martertod. Mittler, der du für mich starbst, Mir ein ewig heil erwarbst, Uch möcht ich mich würdig nahen, Und das leben hier empfahen! 2. Weil du heiligster, aus gnaden Aller meiner fünden last mir zum heil auf dich geladen, Und am kreuz ge207. B kreuze nahn! Möcht' ich dieses mahl des lebens Nicht mir zum gericht empfahn! Ach es gründ und stärke. mich, Mittler, im vertraun auf dich! Ach, es lenke meinen willen, Dein gesek, herr, zu erfüllen! 5. Diesen vorsaß, den ich habe, Mich nicht wieder zu entweihn, Laß ihn, Jesu! bis zum grabe Stark in meiner seele seyn. Vor der drohen= den gefahr, Der zu werden, der ich war, Beb' ich zaghaft, und empfinde Schon von fern die macht der sünde. 6. Wenn sie mich von deinen wegen Schmeichelnd abzuführen droht, Laß mich ernstvoll überlegen, Welch ein tod war Jesu tod! Gott! vor dem er im gericht Stund verlassen, laß mich nicht Ihn von mir verlassen sehen, und ihn noch durch sünden schmähen. 7. Wenn ich in der irre Vom heiligen Abendmahle. wandle, Geh du mir, erbare mer! nach, Beig' mir, wie ich unrecht handle, Stárke mich, denn ich bin schwach, Und ertrage mit geduld Meine schwachheit meine schuld, Laß mich wieder gnade finden, Wenn ich traure über fünden. 8. Dir will ich es ewig danken, Daß du so barmber: zig bist. Laß mich nur nicht wieder wanken, Mein erret ter, Jesu Chrift! Hilf mir, daß ich dir getreu, Und mein vorsak standhaft sey, All' und jede sündenfreuden Immer, als ein gift, zu meiden. 157 lichkeit! Shren glauben, hilf den schwachen. Die gebeugt von ferne stehn, können un erhört nicht flehn. 5. Nehmet hin und est sein brodt! Jesus Christus ward gegeben Für die sünder in den tod; Nehmt und trinkt! ihr trinkt sein leben. Seht, wie er die menschen liebt, Da er selbst sich für sie giebt. 3. Die mit voller zuver: sicht, Mittler! deines heils sich freuen, Die laß stets in diesem licht Wandeln, und sich ganz dir weihen, Laß ihr herz vom stolze rein, Voll von deiner demuth seyn. Mel. Jesus, meine zuversicht. ie ihr Chrifti 208. Djunger fed, Auch für diese eingegangen. Di ja du bist Theure, miterlöste brüder, Alle seinem dienst geweiht, Alle feines leibes glieder! Kommt, versöhnte, kommt, erneut Euren bund der seligkeit. Sprich sie los, herr Jesu Christ! Wenn sie nun dein mahl empfangen. Laß sie, großer mittler! nicht Nunmehr kommen ins gericht. 2. Nehmet hin und est fein brodt! Jesus Christus ward gegeben Für die sünder in den tod; Nehmt und trinkt! ihr trinkt sein leben. Seht, wie er die fünder liebt, Da er selbst sich für sie giebt. 4. Tröste, die in traurig: feit Ueber ihre seelen was chen. Stárke, herr der herr6. Hoberpriester, Jesu Christ, Du bist einmal eingegangen In das heiligthum; du bist Als ein fluch ans kreuz gehangen. Also bist du durch den tod Eingegangen, sohn, zu gott! 8. Augenblick voll heilgen grauns, Voller wonn' und süßen lebens! Theures pfand des túnftgen schauns, Ueberzeugung jenes lebens! Laß, wenn sie zum herrn sich nahn, Bon ihm gnad um gnad empfahn. 9. Nehmet hin und eßt sein brodt! Jesus Christus ward gegeben Für die sünder in den tod. Nehmt, und trinkt! ihr trinkt sein leben. Seht, wie er die menschen liebt, Da er selbst sich für sie giebt. 10. Jesu Christi kreuzestod 158 Vom heiligen Abendmahle. Werd' in aller welt verkün- mein gott! Warum hast du digt. Er hilft uns von aller mich verlassen? Drauf starb noth, Er hat uns vor gott er den freuzestod; Wer kann entsündigt. Jesus Christ, mit diese liebe faffen? Fluch und preis gekrönt, hat uns staub tod sind nun nicht mehr; mit gott versöhnt. Gebt, ach gebt dem sieger ehr! 17. Nehmet hin und est fein brodt! Jesus Christus ward gegeben Für die sünder in den tod. Nehmt, und trinkt! ihr trinkt sein leben. Seht, wie er die menschen liebt, Da er selbst sich für sie giebt. mel. Es ist das heil uns kommen. alt im gedächtniß 209.5 Jesum Christ, O seele! der auf erden Bom himmelsthron gekommen ist, Ein heiland dir zu werden. Bergiß sein nicht; denn dir zu gut Verband er sich mit fleisch und blut. Dank' ihm für diese liebe! II. In das chor der himmel schwingt, Herr! sich unser stammelnd lallen; Wenn, von seraphim umringt, Unsre våter niederfallen, Opfert dir ihr lobgefang Für dein sterben preis und dank. 12. Ausgeschüttet wareft du, Warst, wie wasser hin gegossen; Deine pein verschafft uns ruh, Deines to: des wunden flossen, Und be: deckten dich mit blut, Uns und aller welt zu gut. 13. Nehmet hin und eßt sein brodt! Jesus Christus ward gegeben Für die fünder in den tod. Nehmt, und trinkt! ihr trinkt sein leben. Seht, wie er die menschen liebt, Da er selbst sich für fie giebt. 14. Deiner zunge durst war heiß, Heißer noch der durft der secle; Müd' in dei nes todes schweiß Hing dein leib, und deine seele Lechzte schmachtender zum herrn; Doch schien seine hülfe fern. 15. Du geheimnißvolle nacht! Du entreißt uns dem verderben. Tod, den keiner je gedacht! Du errettest uns vom sterben; Tod, mit schrekten ganz umhüllt, Gottes zorn hast du gestillt. 16. Jesus rief: mein gott! 2. Halt im gedächtniß Jesum Christ, Der für dich hat gelitten, Da er am kreuz gestorben ist, hat er dir heil erstritten. Errettung von der sündennoth Erwarb er dir durch seinen tod. Dank' ihm für diese liebe! 3. Halt im gedächtniß Jefum Christ, Der von dem tod erstanden, Und jetzt zur rechten gottes ist. Er hat von todešbanden Die, die ihn lieben, frey gemacht, Und ew'ges leben wiederbracht. Dank ihm für diese liebe! 4. Halt im gedächtniß Jefum Chrift; Er wird einst wiederkommen, 3u richten was auf erden ist, Die fünder Vom heiligen Abendmahle. 159 und die frommen. Drum so viel segen in sich faßt. sorge, daß du dann bestehst, Laß meinen glauben thátig Und mit ihm in den himmel seyn, Und mir zur tügend gehst, Ihm ewiglich zu danken. kraft verleihn. 5. Mein heiland, den der himmel preist! Dich will ich ewig loben. O! stårke dazu meinen geist Mit neuer kraft von oben. Dein abendmahl vermehr in mir Des glaubens kraft, auf daß ich dir Mit neuer treue diene. Nach der Communion. Mel Wer nur den lieben gott. un habe dank 210. Nun für deine liebe, Du großer mittler, Jesu Christ! Gieb, daß ich dich nicht mehr betrübe, Der du für mich gestorben bist. Laß deines leidens angst und pein Mir immerdar vor augen seyn. 2. Wie kann ich dich genug erheben? Ich armer, der den tod verdient, Ich soll nicht sterben, sondern leben, Weil du mich selbst mit gott ver sühnt. Ach! du, sein sohn, du starbst für mich! Wie preif' ich, herr, wie preif' ich dich? 3. Heil mir! mir ward das brodt gebrochen; Sch trank, herr, deines bundes wein! Voll freude hab ich dir versprochen, Dir, treuster Jesu! treu zu seyn. Ich schwór' es nun noch einmal dir; Schenk du nur deinen beystand mir. 4. Laß, herr! mich dank bar stets ermessen, Was du für mich gelitten hast, Und deine liebe nie vergessen, Die 5. Im streite hilf mir überz winden, Und stärke mich zu meiner pflicht; Bewahre mich vor neuen sünden, Verlaß mich in versuchung nicht; Und dein für mich vergoßnes blut Schenk mir im todeskampse muth. 6. Und euch, ihr seines. leibes glieder, Die Jefu heil, wie mich, erfreut, Euch lieb ich stets als meine brüder, 21s erben seiner herrlichkeit. Wir haben einen herrn und gott, Uns speist und trånkt ein wein, ein brodt. 7. Wie ist in unsers heis lands namen Sein volk vor ihm versammlet war, So kommen wir einst dort zus sammen Vor ihm mit seiner engelschaar, Und preisen, als sein eigenthum, Dann ewig seines namens ruhm. 8. Hier will ich mich mit euch vereinen, Die ihr ihn ewiglich erhöht. Und wenn wir einst vor ihm erscheinen Im glanze seiner majestät, Dann geh ich im triumph mit euch, Ihr auserwählten, in fein reich. 9. So soll denn weder spott noch leiden, Nach ehre, freud' und lust der welt, Mich, herr! von jener treue scheiden, Die selbst im tode mich erhält. Du bist unb bleibest ewig mein; D! laß mich deiner würdig seyn. 160. Vom heiligen Abendmahle. Mel. Jesus, meine zuversicht. 7. Ich, entzückt an deiner 21.1. Nuhme, feele! dein brust, Will auf deine ſtimme merken, phire, rühme, finge! Gieb ihm flügel, daß dein dank Bis zum throne gottes dringe! In der engel jauchzend chor, hebe sich dein lied empor! 2. Meine fünden drohten mir Schon mit meinem un tergange; Ich erbebte, gott! vor dir, Um erquickung war mir bange; Ewigkeit, gesetz und grab Schreckten mich; doch gott vergab! 3. In der feyerlichsten nacht Rang fürs fündige ge= fluch gemacht, Daß der rich ter schonen möchte. Und der feverlichsten nacht hat der richter, gott, gedacht. 4. Sen getrost! vergeben find, Wenn du glaubest, dei ne fünden; Ewig bist du gottes kind, Wer vermag dies zu empfinden? Welche seligkeit und ruh! Gott, wo ist ein gott, wie du? 5. Ich empfing ihr gått lich pfand, Seinen leib für mich gegeben, und sein blut; ich nahms, und fand In dem blute heit und leben. Preis der feyerlichsten nacht! Ewig werde dein gedacht. 6. Mittler, auserwählter, freund, Ursprung aller meiner freuden! Du hast mich mit dir vereint, Nichts foll mich von dir je scheiden; Ewig, ewig bist du mein, Ewig, ewig bin ich dein. himmelvolle lust, Flammt mich an zu großen werken. Furcht vor gott und heiligkeit Sey mein schmuck und ehrenkleid. 8. Ich, hier fremdling, strecke mich Nach dem kleinod an dem ziele, Sicher, daß ich bald durch dich Gottes seligkeiten fühle, Da, wo stets dein lob erschallt; Komm, herr Jesu, komm doch bald! Mel. Wie groß ist des allmächtgen. 212. Wie kann ich sattsam erheben, D heiland, deine lieb und huld? Du schenkst mir heute heil und leben, Befreyest mich von fluch und schuld. Anstatt mit strafen zu erwiedern, Was meine schuld verdienet hat, Erfüllst du mich mit himmelsgütern, Und machst mich ewig reich und fatt. 2. Um tische, den du mir bereitet, Beatst du mir gnad' um gnade an, Hier wird mein geist auf das geleitet, Was du am freuz für mich gethan. Den leib, das blut, für mich gegeben, Seh' ich in diesem brodt und wein; Dies stärket mich zum ew': gen leben, Dies macht mich von den sünden rein. 3. Ja, es wird meinen glauben stärken Un meinen mittler Jesum Christ, Wenn er zu allen guten werken Be Vom heiligen Abendmahl. 161 reit, rechtschaffen, thätig ist. weine Deiner liebe göttlich Doch, daß er dieses in mir werde, Muß ich stets nůch: tern seyn und wach; Doch - noch, noch hång ich an der erde, Der will ist gut, das fleisch ist schwach. pfand. Feyerlich war da mein eid Ewiger beständigkeit; Du, der sich mit mir vereinte, Hast gesehen, wie ichs meynte! 2. Dwie ward da deine. gute Menschenfreund, von mir verehrt! Wie empfand da mein gemüthe Mächtig ihren ganzen werth! 2018 ich dich auf Golgatha Für mich sünder sterben sab, Wie erstaunt' ich! wie entzückte Mich die huld, die ich erblickte! 3. Laut rief in mir mein gewissen: Bist du würdig dieser huld? Siehst du ihn sein blut vergießen? Wisse, das macht deine schuld! Schaam und reu erfüllten mich, Glaubensvoll blickt' ich auf dich! Sünder, sprachst du, du soust leben; Alle schuld ist dir vergeben! 4. Ja, ich weiß es, ich soll leben, und des himmels erbe seyn. Alle schuld ist mir vers geben; Denn dein blut, herr, macht mich rein. Du vertrittst mich im gericht, Gott verur: theilt mich nun nicht, Wenn ich standhaft an dich glaube, Und auf deinen wegen bleibe. 4. Ach gott! gott! wollen und vollbringen Des guten kommt allein von dir; wirke, wie in allen dingen, So jetzo beydes auch in mir! Gieb, daß die sel'ge himmelsspeise, Und der genoßne seelentrank Ganz seine kraft an mir beweise, Von nun an und mein lebelang. 5. Pflanz in mir glauben, demuth, liebe, Und was noch ist von tugend mehr, Und heil'ge alle meine triebe 3u meinem heil und deiner ehr, Daß ich der welt zum nußen lebe, Cem nächsten diene, wo ich kann, Mich stets der heiligung bestrebe, Und vor dir wandt' auf ebner, bahn. 6. Erhalt in mir die sel'ge reue, Die reue, die niemand gereut, Daß ich des sünders wege scheue, Vermeide, was dein wort verbeut; Daß ich im reden, thun und dichten Dir stets beweise meine treu, Und in erfüllung meiner pflichten Stets wirksam und geschäftig sey. Mel. Freu dich sehr, o meine. effentlich in 213. Deffe der gemeine, Mittler! hab' ich dich bekannt; Ich empfing im brodt und 5. Nun ich will dich nicht verlassen, Nicht von deinen wegen gehn, Jede sünde will ich hassen, und den lüften widerstehn. Mein erretter, ach! gieb du Stårk und freudig keit dazu, Daß ich standhaft an dich glaube, Und auf deis nen wegen bleibe! 6. Laß mirs mein gewissen L 162 Vom heiligen Abendmahl. fagen, Wie so schmerzhaft set, ist Dein erlöster, Jesus feine pein, Wie so schwer der sünden plagen, Und der hölle schrecken seyn. Es er Christ! nicht Dort wird er mich betrüben, Sondern ewig wieder lieben. innre mich daran, Wie viel du an mir gethan, Wie umsonst sey deine liebe, Wenn ich dir undankbar bliebe! 8. Gott, zu dem ich findlich trete, Blicke väterlich auf mich! Hóre gnädig, was ich bete, Ganz verlaß ich mich auf dich! Reiche frucht der besserung, Wachsthum in der heiligung, Hoffnung auf das ew'ge leben, Laß dein abendmahl, mir geben. 7. Reine liebe meiner brůder Sey die frucht der dankbarkeit; Sie sind alle deine glieder, Erben deiner seligkeit. Auch der mich jetzt has Von der Vergebung der Sünden und ihren seligen Folgen. fall Des ew'gen todes starben, Sorettet gott Durch Christi tod 214. verdarben. Mel. Durch Adams fall ist ganz. urch Adams 4. Gott hat uns seinen sohn geschenkt, Da wir noch feinde waren, Der ist für uns ans kreuz gehenkt, Erstanden, aufgefahren. Tod und gericht Trifft uns nun nicht, So wir ihm nur vertrauen. Fest steht dies wort! Wem mag hinfort Noch vor dem tode grauen? 5. Er ist das licht, der weg, die pfort, Die wahrheit und das leben, Des vaters kraft, sein ew'ges wort, 3um heiland uns gegeben. Dem feind zum truß Umgiebt sein schuß uns alle, die wir glauben. Er ist der hirt, Die feinen wird Aus feiner hand nichts rauben. 6. Der mensch ist gottlos und verflucht, und wir zuleht zu spotte, Der solchen verderbt Der menschen thun und wesen, Dies gift ist auf uns fortgeerbt. Wir waren nie genesen, War' Jesu heil Nicht unser theil; Denn wie fo tiefe wunden! Ach! jeder hat In Evens that Des satans neid empfunden. 2. Seit satan die dahin gebracht, Daß sie frech abgefallen, So herrschet mit tyrann'scher macht Die sünde in uns allen. Uns drückt der tod. In solcher noth Beschloß gott, uns zu geben Den eingen sohn 3um gnadenthron, Damit wir möchten leben. 3. Warf uns denn eine frem de schuld In Adam alle nieder, So bringt uns eine fremde huld In Christo alle wieder. Und wie wir all In Adams troft bey menschen sucht, Und Von der Vergeb. der Sünden und ihren sel. Folgen. 163 nicht bey seinem gotte. Denn Der in sünden ist geboren, wer sich will Ein andres ziel Ohn diesen trôster stecken, Den mag gar bald Des feinds gewalt Und arge list erschrecken. Der dein ebenbild verloren, Der mit lastern sich befleckt, Den der sünden menge schreckt. 7. Wer hofft in gott und dem vertraut, Kann nie zu schanden werden. Wohl, wer auf diesen felfen baut! Trifft ihn gleich hier auf erden Viel angst und müh. Hab ich doch nie Den menschen sehen fallen. Der sich nur fest Auf gott verläßt, Gott hilft den seinen allen. 8. Du wollest, herr! von meinem mund Dein heil'ges wort nicht nehmen, So, weiß ich, låst dein theurer bund Mich sunder nicht beschämen. Der sünden schuld Deckt deine huld! Nur ihr will ich vertrauen. Wer ihr vertraut, Auf sie fest baut, Der wird den tod nicht schauen. 9. Mir zeigt schon ist dein heil'ges wort Den himmel aus der ferne: Denn dies licht führt zu Christo fort, Dem hellen morgensterne. Bricht der nun an, So faffet man 21sbald die hohen gaben, Die got: tes geist Auch uns verheißt, So wir nur glauben haben. Lebhafte Vorstellung der Rechtfertigung eines glâu bigen und sich bekehrenden Sünders. Mel. Jesu, meines Lebens leben. aller 215. Schöpfer menschenkinder, Großer richter aller welt! Sieh hier einen schndden sünder Ins gericht dir dargestellt, 2. Dein verletzt gesetz er wecket Deine strafgerechtigs keit. Mein gewissen drückt und schrecket, Und auch satan steht bereit, Meine seele zu verklagen. Ich weiß nichts darauf zu sagen; Denn ein zeuge giebt sich an, Der ges sehn, was ich gethan. 3. Wehe mir, ich muß vers derben! Ich seh nichts, als höllenpein. Frecher fünder, du mußt sterben! Wird mein strenges urtheil seyn. Es er zittert meine seele, Vor des offnen abgrunos höhle. Wer hilft mir in dieser noth? Wer errettet mich vom tod? 4. Doch, gottlob! die furcht verschwindet, Weil sich mie ein mittler zeigt, Weil sich ein vertreter findet, Vor dem der verkläger schweigt. D beglückte theure stunden! Gottes sohn hat seine wuns den Und sein blutig lösegeld Meinem richter dargestellt. 5. Richter! siehe meinen bürgen, Sieh' sein büßend leis den an. Dieser ließ für mich, sich würgen, Dieser hat genug gethan; Er hat dein gese erfüllet, Er hat deinen zorn gestillet. Herr! ich glaube, fteh mir bey, Sprich von straf und schuld mich frey. 6. Ach! was hór ich? gnas de! gnade! Gnade schallet in mein ohr, Daß sie mich der 2 164 Von der Vergebung der Sünden bürd entlade, Hebt mich deine 2. Beschämt erfenn und hand empor. Gott spricht: fühl ich meine sünden. Laß, sünder, du sollst leben, Deine vater! mich erbarmung vor schuld ist dir vergeben! Sey dir finden. Willst du auf getrost, mein lieber sohn! Komm schuld und übertretung sehen, zu meinem gnadenthron! Wer wird bestehen? 7. Seht, wie sich der ab grund schließet, Seht, wie sich der himmel freut, Da das blut des lammes fließet, Da mich die gerechtigkeit Des vollkommnen mittlers decket. Wer ist, der mich fer: ner schrecket? Wer ist, der mich nun verklagt, und mich zu verdammen wagt? 8. Richter! der mich losgesprochen, Vater, der mich zártlich liebt! Mittler, der, was ich verbrochen Und geraubt, gott wieder giebt! Geist, der mich mit trost er freuet, Und mein ganzes herz erneuet! Gott der gnaden! dir sey ruhm, Und mein herz dein eigenthum. 9. Laß mich nun die sünde haffen, Die das herz mit angst beschwert. Laß mich alles unterlassen, Was den neuen frieden stört. Rein'ge täglich mein gewissen, Laß mich eifrig seyn beslissen, Mit verleugnung dieser welt, Das zu thun, was dir gefällt. Mel. Wend ab deinen zorn. [ us dunkler Aus 216. 28 tiefe, herr! mit schwerem herzen Ruf ich zu dir in meinen sünden schmerzen. D mache mich, gott! meines fummers ledig, Und sey mir gnädig. 3. Bey dir allein, herr! steht es, zu vergeben. Du willst nicht tödten, nein, wir sollen leben; Uns soll die größe deiner liebe lehren, Dich treu zu ehren. 4. Verzeihe mir, herr! alle meine fehle, Dein harret, vater! meine müde seele. Laß trost und ruh, um des versöhners willen, Mein herz erfüllen. 5. Vom abend an bis zu dem frühen morgen Hoff ich auf dich; o stille meine sorgen! Du schenkest ja beladenen und müden Gern deinen frieden. 6. Ja hoffe nur, mein herz, auf gottes gnade, Noch mächt'ger ist sie, als dein seelenschade. Ihr starker arm wird dich von allem bösen Zuletzt erlösen. 217. ein Mel. Wend ab deinen zorn.. Flein an dir, mein gott! hab ich gefündigt; O! laß die gnade, die dein wort verküns digt, Wenn sünden uns von ganzem Herzen reuen, Auch mich erfreuen. 2. Dein sohn hat ja sich auch für mich gegeben. Laß mich vor dir, um ſeinentwillen leben. Tilg' aus die laster, welche mich entweihen, Weil fie mich reuen. 3. Erschaff in mir, gott! und ihren seligen Folgen. 165 eine reine feele, Ein neues Keiner harrt auf dich verges herz, das deine wege wähle; Befest'ge es, und stärke mein bestreben, Nur dir zu leben. bens. Nur verachter deiner huld Stürzet ihre eigne schuld. 2. Lehre mich, herr! deine wege; Deinen willen zeige mir, Daß ich nicht verirren möge, Führe du mich selbst zu dir. Gott! du siehest mein vertrauen, Sicher kann ich auf dich bauen. Deine vatertreue ist Ewig, wie du selber bist. 3. Ach! gedenke an die suns den Meiner jugendjahre nicht, Laß mich armen gnade finden, Gott! vor deinem angesicht. Alle fünden, die mich reuen, Willst du, vater! ja verzeihen. O! so böre denn auch mich; Meine seele hofft auf dich. 4. Verstoß mich nicht von deinem angesichte, Gieb dei nen geist, daß er mich unterrichte, Gieb ihn, daß er auf deiner wahrheit wege Mich leiten möge. 5. Erquicke mich in meiner seele leiden Mit deiner hülfe; gieb den geist der freuden, Damit er, weil ich keine kraft besitze, Mich unterstütze. 6. Mit neuer treue will ich dich verehren, Ich will die sünder deine wege lehren; Mein beispiel foll sie reizen, deinen willen Gern zu erfüllen. 7. O höre, gott! erbarmend auf mein flehen! Wie solltest du ein reuend herz verschmähen? Ein herz, das dich im glauben ernstlich su chet, Der sünde fluchet? 8. Ein herz voll kummers, dich erzurnt zu haben, Das liebst du ,, das willst du mit troste laben. Du wirst die see: len, die nach gnade schmachten, Gott! nicht verachten. Dankbare Empfindung über die Vergebung der Sünden. Mel. Jesu, meines Lebens leben. ch 4. Gott! du willst des suns ders leben, Seine seele ist dir werth. Gnådig willst du ihm vergeben, Wenn er sich zu dir bekehrt. Mitten auf dem sündenwege Machst du sein gewissen rege. Wohl dem, der zu seiner pflicht Umkehrt! den verwirfst du nicht. 218. fuchtsvoll, mein gott! zu dir; Denn ich kenne deine gute, Dwie theuer ist sie mir! Gott der liebe und des Lebens! 5. Du erquickest die elenden, Deren herz sich dir ergiebt, Die sich flehend zu dir wenden, Ueber ihre schuld betrübt. Freude schenket deine gute Welchem du die fündenlast Dem geångsteten gemüthe, Liebreich abgenommen hast. 6. Herr! zu was für seligh erhebe mein keiten Du, in jener beſſern welt, noch willst leiten, Der dir treu und glauben hålt, Offenbarst du allen seelen, Die zu ihrem theil dich wählen; Deinen 166 ganzen gnadenbund Machst du deinen findern fund. Von der Vergebung der Sünden überfallen. Du machst dich mir in der gefahr Als mei nen retter offenbar, Und läßt mich sicher wallen. 7. Dir will ich mich ganz ergeben; Gott, mein gott! verlaß mich nicht. Laß mich immer heilig leben, Herr, vor deinem angesicht. Keine schnöde lust der sünden Müsse mich mehr überwinden. Uch! bewahr, ich bitte dich, Meinen geist und stärke mich. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 7. Wer nicht von gott die 219. Wie felig, gott! weisheit lernt, Der ist vers ist entfernt Sich von den wahren freuden. Wer aber sich auf gott verläßt, Hält ewig seine gnade fest, Auch in den schwersien leiden. 2. Wer seine fünden dir verheelt, Deß seele wird mit angst gequält Vom strafen: den gewissen. Die angst ver: zehret feine fraft, Der trost, den deine gnade schafft, Wird ihm dadurch entrissen. 8. Stimmt gottes lob, ihr frommen, an! Euch wird des höchsten gut umfahn. Von allen seinen knechten Bleibt gott der troft, die zuversicht, Er råchet ihre fünden nicht, Frohlockt ihm, ihr gerechten! Mel. Christus, der uns selig. 3. Darum, mein gott! be: 220. Gott ,, mein vakenn' ich dir, Was deine huld entfernt von mir, Die mir be: wußten fünden. Dann, dann, mein gott! verzeihest du, Und läßt die müde seele ruh In Deinem frieden finden. ter! ich, dein kind, Falle vor dir nieder. Siehe, was mein herz empfind't, Und erbarm dich wieder. Groß ist meine sündenschuld, Die mich innigst reuet; Größer deine vaterhuld, Die mich noch erfreuet. 4. Die frommen werden bei: ne huld, Und deine schonende geduld, D vater! ewig loben. Du bleibest ihre zuversicht; Die fluth, die aus den ufern bricht, Mag noch so máchtig toben. 2. 3war ich bins nicht werth, zu dir Kindlich aufzu sehen; Doch du bleibst ein vater mir, Du vernimmst mein flehen, Kennst mein herz, ermunterst mich, Es vor dir zu stillen. Du erhörst mich våters lich Noch um Christi willen. 5. Mein schirm bist du; zu dir flich ich, Wenn drohende gefahren mich Mit schrecken Der fünder, dem du gnädig bist, Den todešfurcht nicht fchrecket! Dem, weil ihm seine fchuld betrübt, Dein herz die missethat vergiebt, Den dein erbarmen decket. 6. Ich zeige, sprichst du selbst zu mir, Den rechten weg zum heile dir, Dich soll mein auge leiten. Darum, mein herz! verachte nicht Des ew'gen vaters unterricht, Er führt zu seligkeiten. und ihren seligen Folgen. 3. Du bist meine zuverficht; Außer dir ists feiner. Dein geschöpf verwirfst du nicht; Gott! dich jammert seiner. Der du deinen sohn für mich In den tod gegeben! Sein erlöster bin auch ich, Theur erkauft zum leben. 4. Dies, dies soll in jedem schmerz Mein vertraun er wecken; Vor der sünde soll mein herz, Nicht vor dir erschrecken. Trauen will ich, vater! dir, Stets die fünde bassen, Nie vergessen, daß du mir So viel schuld erlassen. 5. Preis sey dem allgutigen, Der mein seufzen kennet! Der dem gnadefuchenden Freyen zutritt gönnet! Sing' es seele, vor dem herrn, Fleuß von freuden über! Gott, dein gott, verstößt nicht gern, Er begnadigt lieber. 6. Ewig bist du so gesinnt, Schöpfer meiner seele! Ach, wenn ich, dein strauchelnd kind, Noch aus schwachheit fehle, So gedenkst du, der du weißt, Daß mein herz dich ehret, Ich sey staub, und du verzeihst Dem, der wiederkehret. 167 2. Uns, uns verlorne zu erretten, Gabst du für uns selbst deinen sohn. Er litt, auf daß wir friede hätten, Für uns den tod, der fünde lohn. O gott, wie haft du uns geliebt! Welch ein er barmen ausgeübt! Friede und Ruhe in Gott. Mel. Wer nur den lieben gott. ott! deine gnad 221. ist Sie schafft uns heil und seelenruh. Dein ists, die fünden zu vergeben, Und willig ist dein herz dazu. Du willst den tod des sünders nicht, Sucht er voll reu dein angesicht. 3. Dank, ewig dank fey deiner treue, Die niemand gnug erheben kann! Nun nimmst du jede wahre reue Mit vaterhuld noch gnådig an. Wohl dem, der sich zu dir bekehrt, Und gläubig seis nen mittler ehrt! 4. Den, herr! befreyst du von den plagen, Die dem gewissen furchtbar sind; Der kann getrost und freudig fas gen: Gott ist für mich; ich bin sein kind. Hier ist der, welcher für mich litt, Und mich noch jeht bey gott vertritt. 5. Dherr, wie selig ist die seele, Die sich in deiner gnade freut! Ob auch ein irdisch glück ihr fehle, Fehlt ihr doch nicht zufriedenheit. Und, gott! dein fried ist weit mehr werth, Als alles, was die welt gewährt. 6. Dein friede stårkt zum frohen muthe Das herz auch in der größten noth, Giebt hoffnung zu dem ew'gen gute, in dem tod. Wer diesen frieden hat, genießt Lust, die des himmels anfang ist. 7. Laß, vater! denn in diesem frieden Auch meine seele freudig ruhn. Auch mir 168 Von der Vergebung der Sünden hast du dies glück beschieden; süßet uns des Lebens ruh, Denn auch für mich genug Und stärkt uns in gefahren. zu thun, Ward sterbend der am freuz ein fluch, Der aller menschen fünde trug. 8. D! laß mich dies im glauben fassen, und mich mit starker zuversicht Auf deine bundestreu verlassen; Wenn alles wankt, so wankt sie nicht. Wohl dem, der sich Mel. Ach gott vom himmel sieh. auf dich verläßt! Sein heil 223. Ich weiß, an ween unbeweglich mein glaub sich hált. Kein feind foll mir ihn rauben. Als bürger einer bes fern welt Leb' ich nur hier im glauben. Dort schau ich, was ich hier geglaubt; Wer ist, der mir mein erbtheil raubt? Es ruht in Jesu hånden. 9. Lobsingend will ich dich erheben, Mich ewig deiner gnade freun, und deinem dienst mein ganzes leben In kindlichem gehorsam weihn. Daß, herr! bey dir vergebung sey, Das mach' in deiner furcht mich treu. Hoffnung der Seligkeit. Mel. Kommt her zu mir, spricht. ch hoff, o gott, 222. muth, Auf deine gnad' und Christi blut, Ich hoff ein ewig leben. Du bist ein vater, der verzeiht, Hast mir das recht zur seligkeit Durch deinen fohn gegeben. 2. Herr! welch ein unaus sprechlich heil, Un dir, an deiner gnade theil, Theil an dem himmel haben, Im her zen durch den glauben rein, Dich lieben, und versichert seyn Bon deines geistes gaben! 4. Erhalte mir, o herr, mein hort! Den glauben an dein göttlich wort, Um deines namens willen. Laß ihn mein licht auf erden seyn, Ihn tåglich mehr mein herz erneun, Und mich mit trost erfüllen. 3. Dein wort, das' wort der seligkeit, Wirkt göttliche zufriedenheit, Wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns troft im leiben zu, Ver2. Mein leben ist ein fur: zer streit, Lang ist der tag des sieges. Ich kämpfe für Der du die ewigkeit; Erwünschter für mich den tod geschmeckt! Durch deinen schild werd ich bedeckt; Was kann mir denn nun schaden? 3. O herr! du bist mein ganzer ruhm, Mein trost in diesem leben, In jener welt mein eigenthum; Dich hast du mir gegeben. Von fern glánzt mir mein kleinod zu, Drum eile ich ihm freudig zu; Du reichst mir meine frone. 4. Herr! lenke meines geis stes blick Von dieser welt ge tümmel auf dich, auf meiner feele glück, Auf ewigkeit und himmel. Die welt mit ihrer herrlichkeit Vergeht, und und ihren seligen Folgen. 169 wahrt nur kurze zeit; Uch, Die fünden, die es sonst gehimmlisch sey mein wandel! liebt, Erkennt, verdammt, und ernstlich haßt, Und zuversicht zum mittler faßt! 5. Jetzt, da mich dieser leib beschwert, Ist mir noch nicht erschienen, Was jene beffre welt gewährt, Wo wir gott heilig dienen. Dann, wenn mein auge nicht mehr weint, Und mein erlösungstag erscheint, Dann werd ichs froh empfinden. 2. D! laß mich ja nicht sicher werden, Weil du so reich an gnade bist. Wie kurz ist meine zeit auf erden, Die mir zum heil gegebne frist! Gieb, daß sie mir recht wichtig sey, Daß ich sie meiner bessrung weih. 3. 3war deine gnade zu verdienen, Sind reu und beßs. rung viel zu klein. Doch darf sich auch ein mensch erkühnen, zu glauben, dir versöhnt zu seyn, Wenn er noch liebt, was dir mißfällt, Und nicht dein wort von herzen hålt? 6. Im dunkeln seh ich hier mein heil, Dort ist mir alles heiter. Hier ist die fünde noch mein theil, Dort ist sie es nicht weiter. Hier ist mein werth mir noch verhüllt, Dort wird er sichtbar, wenn dein bild, Gott! mich vollkommen schmücket. 7. Zu diesem glück bin ich erkauft, O herr! durch deine leiden, Auf deinen tod bin ich getauft; Wer will mich von dir scheiden? Du zeichnest mich in deine hand; Herr, du bist mir, ich dir bekannt, Mein sind des himmels freuden. 8. Wie groß ist meine herr: lichkeit! Empfinde sie, o seele! Vom tand der erde unents weiht, Erhebe gott, o feele! Der erde glänzend nichts vergeht, Nur des gerechten ruhm besteht Durch alle ewigkeiten. Heiligung des Lebens, eine Srucht der Rechtfer tigung. Mel. Wer nur ben lieben gott, 224. Wie theur, o gott, ist deine gute, Die alle missethat vergiebt, So bald ein reuendes gemüthe 4. Nie kannst du dem die schuld erlassen, Der frevelnd schuld auf schulden häuft. Der kann kein herz zu Jesu fassen, Der zwar auf sein verdienst sich steift, Doch in der fünde noch beharrt, Dafür er selbst ein opfer ward. 5. Drum fall ich dir, mein gott! zu füßen; Bergieb mir gnädig meine schuld, Und heile mein verwund't gewissen Mit trost an deiner vaterhuld. Ich will mit ernst die sünde scheun, Und willig dir gehorsam seyn. 6. Daß mit gerechtigkeit auch stärke Durch Christum mir geschenket sey, Will ich durch übung guter werke Beweisen; mache selbst mich treu, Herr! in der liebe ges gen dich, Sie bringe stets, und leite mich! 170 Von der Vergebung der Sünden 2c. 7. Laß mich zu deiner ehre ben, was du selber liebst. leben, Der du die missethat Laß, vater! mein gewissen vergiebst! Das hassen, was rein, Und heilig meinen wandu mir vergeben, Das lie- del seyn. Vom Tode. Mel. O ewigkeit, du donnerwort. sprechen; Ich seh' vor seinem 225. Ich bin ja, herr! angeficht, Ich sehe in dem J deiner reihe der verbrechen, Die ich in dieser welt gethan; Wer ists, der mich nun retten kann? macht, Du hast mich an das licht gebracht, Du sorgest für mein leben; Du kennest meiner tage zahl, Weißt, wann aus diesem jammerthal Mein geist sich soll erheben; Wo, wie und wann ich sters ben soll, Das weißt du, herr des lebens! wohl. 2. Wer wird in meiner letzten pein Mich fünder trôsten, mich erfreun, Mir muth und hoffnung geben? Wer nimmt sich meiner seele an, Wenn ich von dem, was ich gethan, Gott rechenschaft soll geben? Wer ist, der alsdann für mich spricht, Thust du e3, o mein heiland, nicht? 3. Mich dünkt, da lieg ich schon; ich seh, Daß ich am finstern grabe steh, Mit todesangst umgeben; Der augen licht verdunkelt sich, Des grabes nacht umhüllet mich, Ein traum ist nun mein leben! Doch schweigen meine fünden nicht, Sie fodern mich vor das gericht. 4. Ich höre der posaune ton, Ich höre meinen richter schon Das endurtheil mir 5. Kein geld und gut bea freyet mich; Und weint ich noch so bitterlich, Kann mich doch nichts erlösen. Nein, jeder wird alsdann empfahn Nach dem, was er allhier ge= than, Nichts schüßt alsdann die bösen. Hier ist gott zum verzeihn bereit, Dann übet er gerechtigkeit. 6. Wie soll ich denn, o gott! bestehn, Wenn du in das gericht willst gehn, Und nach verdienst mir lohnest? Wie kann ich deiner rach entfliehn, Und deiner strafe mich entziehn, Wenn du nicht meiner schonest? Ach, vater! geh nicht ins gericht, Verwirf mich armen fünder nicht. 7. Voll reu und buße such ich dich, Errette, gott! befehre mich, Und tilge meine sünden. Dir weih' ich meine lebenszeit, Dein dienst sey meine seligkeit. Ach laß mich gnade finden! Gieb, daß ich meiner pflicht getreu, 3um tode stets bereitet sep. Vom Mel. Herzlich lieb hab ich dich. ein heiland! 226. Mein wenn mein geist erfreut, Im glauben auf die herrlichkeit Des ew'gen erbtheils blicket, Das du für mich bereitet hast, Wie leicht dúnkt mir dann alle last, Die mich hienieden drůcket! Dann wird der eitelkeiten tand, In meinen augen schlecht als sand; Der erde pracht ist mir, wie nichts, Beym anblick jenes ew'gen lichts. Herr Jesu Christ, Mein herr und gott!:,: Das heil verdank ich deinem tod. 2. Wenn einst auf deinen wink mein geist Des förpers banden sich entreißt, Dann stark ihn aus der höhe, Daß ich, durch deinen mächt'gen stab Beschützt, ins todesthal hinab Getrost und freudig gehe. Die klarheit jener bes fern welt Schaff', wenn mich dunkelheit befällt, In meinem finstern herzen licht, Und heiterfeit im angesicht. Dann, Jesu Christ, Mein herr und gott!:,: Dann wird ein schlummer mir der tod. Tode. 171 verließ, Der mache mir das sterben süß. O Jesu Christ, Mein herr und gott!:: Vers laß mich nicht in meinem tod.. 4. Auf kurze zeit schließt sich zur ruh Mein thrånens volles auge zu, Und schlummert in dem staube. ch dem, der mich zum grabe ruft, Der ruft mich einst auch aus der gruft, Ich weiß, an wen ich glaube. Er lebet, und ich werd' durch ihn Der grabes: nacht gewiß entfliehn, Mein geist, und mein verklárt gebein Wird sich des Herrn, des mittlers, freun. Herr Jesu Christ, Mein herr und gott!:,: 3um leben machst du mir den tod. 5. Du bleibest meine zus versicht, Mein trost, wenn du zum weltgericht Mit majestát wirst kommen. Da werd ich nach des grabes graun Dich, wie du bist, herr Jesu! schaun, Der sterblichkeit ents Auch mir schenkst nommen. du dann jenes heil, Der auserwählten sel'ges theil. Sch soll, dein mund schwur es mir zu, Ich soll lebendig seyn, wie du. Herr Jesu Christ, Mein herr und gott!:,: Stárk diejen glauben einst im tod. 3. Und wenn mein geist aus schüchternheit Sich, dennoch vor dem tode scheut, Weil ihn die sünden krånken, Dann laß mich, herr, auf dei Met. Vater unser im himmelreich. nen tod Die hoffnung baun, 227. H err Jesu Christ, es werde Der nicht gedenken. Der trost, den du auch mir erwarbst, is du' zum heil der fünder starbst, Und fühltest, wie dich gott mein herr und gott, Der du erlittest angst und spott. Für mich den tod des freuzes starbst, und mir des vaters huld erwarbst! Ich 172 Vom Tode. bitte durch das leiden dein, 7. Vielmehr will ich mit Du wollst mir sünder gnädig starker hand Das grab zerseyn. brechen, das ihn band, Shn zu mir nehmen in mein reich; Hier herrscht er dann mit mir zugleich Durch eine frohe ewigkeit. Dazu, o herr! mach uns bereit. 2. Wenn ich nun komm in sterbensnoth, Und ringen werde mit dem tod, Wenn mir vergehet mein gesicht, Unb meine ohren hören nicht, Wenn meine zunge nicht mehr spricht, Und mir vor angst das herze bricht; 3. Wenn mein verstand im dunkeln irrt, Und menschen hülfe kraftlos wird; So steh im letzten angstgeschrey Mir, herr! mit deiner hülfe bey, Verkürze mir des todes quaal, Und führ mich aus dem jam: merthal. Mel. Alle menschen müssen sterben. 4. Laß beinen geist stets 228. Nein ich ben mir seyn, Und seinen trost mein herz erfreun, Bis sich die feel vom leibe trennt; Dann nimm sie, herr, in deine hånd'! Der leib ruh in der finstern gruft, Bis einst dein großer tag ihn ruft. 5. Dann laß ihn fröhlich auferstehn, Und mich dein gnädig antlik fehn. Gedenke nicht mehr meiner schuld, Gedenk an deine lieb' und huld. Das leben( herr! ich traue dir,) Verheißt dein eig: nes wort selbst mir. 6. Fürwahr, fürwahr, euch fage ich, Wer mein wort hålt, und glaubt an mich, Der wird nicht kommen ins gericht, Und den tod ewig schmecken nicht! Und ob er schon hier zeitlich stirbt, Mit nichten er darum verdirbt. 8. Vergieb uns unsrer sünden schuld, Schenk uns zum kampf muth und geduld, Mach' unsern glauben stark und fest, Wenn uns die ganze welt verläßt; Und bricht des todes schlaf herein, So laß ihn sanft und selig seyn. erde! Gott mehrt meiner tage zahl, Daß ich reif zum himmel werde, Prüft er mich; läßt mir die wahl, Böses oder guts zu wählen. Doch werd ich viel jahre zählen? Oder, ruft ein naher tod mich zu banger sterbensnoth? 2. Herr, du weißts! du haft die tage Meines lebenss laufs gezählt. Ihre freuden, ihre plage Sah dein auge, das nie fehlt, Früher noch, als du auf erden Mich ließ'st einen fremdling werden, Da schon schriebst du meinen tod Auf dein buch, o weiser gott! 3. Einst, wenn es dein wille fodert, Wird mein reger leib zu staub, Und das feu'r, das in mir lodert, Wird des falten todes raub. So wie frühlingsblumen, wels Vom Tode. 173 ken, Wird mein leben auch Mel. Jesus, meine zuversicht. verwelken, Kraft und othem, nehmen ab, Und den leich 229. Selig, gott! nam nimmt das grab. sind nun Schon im friedenvollen grabe Von des leibes arbeit ruhn, Und sich deiner größten gabe, Eines ew'gen lebens freun. Möchten wir es auch schon seyn! 2. Doch du willsts; wir leben noch Mühsam hier in pilgerhütten. Alle trugen einst dies joch, Die des le= bens fron' erstritten. Endlich aber führt der tod Uns auch hin zu dir, o gott! 3. Jesus selber lebte hier Vormals auch in pilgerhütz ten, Noch unendlich mehr, als wir, Hat er auf der erd erlitten. Laß uns gläubig auf ihn sehn, Und durch ihn in kampf bestehn. 4. Nimm ihn hin zu dei: nem staube, Grab! verwandle ihn in erd. Dennoch triumphirt mein glaube; Denn mein leib wird einst verklárt. Des verwesten körpers trummer Bleiben wahrlich nicht auf immer Der vermodrung schnöder raub; Neu beseelt wird einst mein staub. 5. Durch dein schöpfrisch wort: es werde! Rufft du, herr! in mein gebein Neues leben; nicht mehr erde Wird alsdann mein körper seyn. 3u den himmlischen geschäfs ten Schmuckst du ihn mit neuen Fräften, Und Und von schwäch und sterblichkeit Wird er ewig dann befreyt. 6. Hor', o seele! einst mit freuden Jenen ruf: das grab ist da! Denn das ende deiner leiden Ist mit ihm zugleich dir nah. Der, der deinen tod bezwungen, Hat das leben dir errungen, Durch den weg der sterblichkeit Führt er dich zur ewigkeit. 7. Stärke mich auf diese stunde, Jesu! der du für mich starbst, Und an gottes gnadenbunde Ewig antheil mir erwarbst. Laß mich tod und grab nicht scheuen, Laß vielmehr mich darauf freuen. Denn nach treu vollbrachtem lauf, Nimmst du mich zum himmel auf. ( 4. Was ist diese lebenszeit? Ach! nur eine kurze stunde Gegen jene ewigkeit. Gleichs wohl kommt auf diese stunde, Die gott noch verkürzen kann, Unser ew'ges schicksal an. 5. Gieb uns weisheit, herr! und kraft, Diese stunde wohl zu nutzen; Und beym schluß der wanderschaft Wollest du uns unterstüßen, Daß wir freudig auf dich sehn, Und getroft zum tode gehn. 6. Daß wir dein sind, nicht der welt, Daß du uns wirst auferwecken, Diese kraft der bessern welt Laß uns, wenn wir sterben, schmecken; Flöß uns muth und ruhe ein, Selbst im tode froh zu seyn. Vom Tode. 174 7. Wenn wir, um einst auch zu ruhn, 3u den todten gottes gehen, Wollst du mehr noch an uns thun, Als wir bitten und verstehen. Auch für unsre todesnacht Riefst du einst: es ist vollbracht! und klarheit schon umgeben; Die welt ist uns, wir ihr ein spott, Bis wir verwechfeln diese welt Mit dem erwünschten himmelszelt. Bey Begräbnissen. Mel. Nun laßt uns den leib. Mel. Wer nur den lieben gott. sterbe leib in seine 231. Begrabt den 230. licht hier auf gruft, Bis ihn des richters stimme ruft! Wir såen ihn, einst brüht er auf. Und steigt verklárt zu gott hinauf. 2. Aus staube schuf ihn einst der herr! Er war schon staub, und wirds nun mehr; Er liegt, er schläft, verwest, erwacht Dereinst aus dieser todesnacht. erden Soll dieses meine lo sung seyn, Bis ich werd auf gelöset werden von dieses leibes tod und pein, So meinen geist hier stets bekriegt, Der doch in Jesu obgesiegt. 2. Ich sterbe täglich ab der fünden, Mein geist dringt stets zum himmel zu. Der leib muß zwar auch viel emfinden, Doch schmeckt die feele himmelsruh. Denn alle leiden dieser zeit Sind nicht werth jener herrlichkeit. 3. Ich sterbe táglich; meine tage Kürzt jeder augenblick nun ab. Bald fällt die hulte, die ich trage, Und sinkt dahin in staub und grab. Mein le: ben fähret schnell dahin; Wer weiß, ob ich noch morgen bin. 4. Ich sterbe täglich, und bestelle Mein haus, und was mir gott geschenkt. Gefeßt, daß mich der tod jetzt fälle; So habe ich nichts, was mich fránkt. Gott! deiner gnad empfehl ich mich, Und darauf leb und sterbe ich. 5. Wenn als die sterbenden wir leben, Ist gott in uns, wir sind in gott, Mit licht 3. Des frommen feele lebt bey gott, Der sie aus aller ihrer noth, Uus aller ihrer missethat, Durch seinen sohn erlöset hat. 4. Hier hat ihn trůbsal oft gedrückt; Nun wird er, gott! von dir erquickt. Hier wandelt' er im finstern thal; Nun ist er frey von schmerz und quaal. 5. Gott blieb er treu bis an sein grab, Nun wischt gott seine thránen ab. Was sind die leiden dieser zeit, Gott, gegen deine herrlichkeit! 6. Nun, du erlöster, schlaf in ruh! Wir gehn nach unsern hútten zu, Und machen zu der ewigkeit Mit freud' und zittern uns bereit. 7. Uch, Jesu Christ! dein bittrer tod Stårt uns in un Vom Tode. frer letzten noth. Laß unsre ganze ſeele dein, Und freus dig unser ende seyn! Beym Tode und Begråbniß eines Kindes. Mel. Wer nur den lieben gott. 6. Die schrift bezeugts, 232. Gott lob! mein daß jedem kinde Die bosheit schon im herzen steckt; lauf eilt früh zum ende, und auch mein leid und ungemach; Durch seine liebevollen hände Zieht mich mein seelenfreund ihm nach; Hier ist mir heil von ihm geschehn, Dort werd ich ihn, den schönsten, sehn. Drum ruft mich gott, daß nicht die súnde Mein sündlichs herz noch mehr befleckt; Ja, durch der sünden sold, den tod, Befreyt er mich von sünd und noth. 2. Ihr meinen! hemmet schmerz und gråmen, Seyd, wie es christen ziemt, be trübt! Gott kann das seine wieder nehmen, Wenn, wo und wie es ihm beliebt. Ich war ja nur von gottes hand Ein euch geliehnes liebes pfand. 3. Daß ich die welt und euch verlasse, Geschiehet nicht von ohngefähr, Und daß ich schon so früh erblasse, kömmt von des schöpfers weisheit her; Gott ists, der unser ziel bestimmt, Und alt' und junge zu sich nimmt. 175 reich, was er thut, Auch da, wenn er die herzen trennet, Meynt es sein vaterherze gut. Was gott thut, das ist wohlgethan; Owohl dem, der es glauben kann! 4. Der gott, der unsre tage zählet, Hat diesen tag von ewigkeit Zu meinem sterbetag erwählet; Ich sterbe zu der rechten zeit. Denn wenn gott spricht: es ist genung! Stirbt auch der jüngste nicht zu jung. 5. Gott, der sich selbst die liebe nennet, Thut alles lieb7. Was sind der menschen lebenstage? Ein schatten, nebel, rauch und dampf. Was sind sie? voll von angst nnd plage; Noth folgt auf noth, kampf folgt auf kampf. Man klagt, und weint, man sorgt, man wacht, Bis daß der tod ein ende macht. 8. Die taufe schenkte mir den glauben, und durch den glauben alles heil: Wer will mir nun die krone rauben? Der himmel ist mein loos und theil. Ich schlaf im wahren glauben ein; Wer glaubig stirbt, wird selig seyn. 9. Dort bin ich frey von allen leiden, Und vor der welt in sicherheit; Dort schmeck ich nichts als frohe freuden, Sm himmel ist kein leid und streit; Dort bin ich schön, geehrt und reich, Ja selbst den engeln gottes gleich. 10. Ihr meinen! lebt und bleibt im segen, Kein schwe res unglück rühr euch an. 176 Vom Geht freudig auf der tugend wegen, Liebt gott, sein wort; liebt jedermann, Flieht welt, fliebt sünd und heucheley, Bleibt Jesu, bis ihr sterbt, getreu. II. Betrachtet, freunde, Von der Auferstehung der Todten. Mel. Freu dich sehr, o meine. ott! ich weiß 233. Gott! es, meine glieder Sinken einst im staub vahin, Krankheit, schmerz und grab der brüder 3eugen, daß ich sterblich bin. Das gemeine loos der tod, st mir sünder auch gedroht. hütte wird zerstöret, Von verwesung bald verzehret. Diese 2. Schlösse nun des leibes sterben Auch der seele tod mit ein; Ach! so würde folch verderben In dem tode schreck= lich seyn. Denn, was ist so fürchterlich, Uls die zeit, in welcher mich Die empfindung gar verließe, Und ich nichts, wie vormals hieße? 3. Nein, der geist wird nicht vergehen, Nur der leib erfährt den tod. Gottes zeugniß muß bestehen: Mensch! dein geist kehrt einst zu gott, Geht in eine andre welt, Wenn des leibes bau zerfällt, Lebt und denkt in jenem stande, Frey von seines leibes bande. Tode. statt der leiche, Die euer herz in unruh sest, Den geist, der sich im freudenreiche An vater, sohn und geist ergött. Glaubt christlich, daß ich selig bin, So werden schmerz und zähren fliehn. 4. Jesus predigt diese leh: ren Sterbend noch dem schåcher ein. Heute,( låßt der herr fich hören) Wirst du in dem himmel seyn. Jesu lette rede heißt: Treuer vater! meinen geist Uebergeb ich dir am ende, In die obhut deiner hånde. 5. Welch ein reicher schatz von gaben, Die des menschen geist besigt! Sollt er sie nur dazu haben, Daß er sie auf erden nüßt? O! so hat er schon zu viel Für dies kurze lebensziel, Wenig zeit hier zu geschäften Für sein gros ßes maaß von kräften. 6. In mir wohnet ein vers langen, Auf unsterblichkeit ges richt't. Güter, die auf erden prangen, Såttigen die seele nicht. Den trieb hab ich von natur, Und das führt mich auf die spur: Der ihn gab, wird ihn erfüllen, und des geistes sehnsucht stillen. 7. Ja, gewiß zu ewigkeis ten Ist der geist in mir ges macht, Und gleich nach des leibes zeiten Seligkeit ihm zugedacht. Nimmer, nimmer kanns geschehn, Daß die seelen untergehn; Was mir gott so fest versprochen, Das wird ewig nicht gebrochen. Von der Auferstehung der Todten. 177 8. Auch mein leib wird nacht 3u gott sich aufges aus dem staube Geistlich und schwungen, Er ist mein haupt; unsterblich gehn. Jesus lebt; sein sieg ist mein. Sein soll ich weiß und glaube, Mich mein ganzes leben seyn, Und erweckt sein auferstehn. ihm will ich auch sterben. Macht'ger trost! nun, nun kommt mir Tod und gruft nicht schrecklich für. Ruhet nur, ihr meine glieder; Der erstandne ruft euch wieder. 2. Nicht ewig wird, wer dein wort hålt, Den tod, o Jesu! schauen. Das ists. was mich zufrieden stellt, Selbst bey der gråber grauen. Ich bin getrost und unverzagt, Weil du den deinen zugesagt: Ich leb, und ihr sollt leben. 9. Unverweslich, frey von leiden, Im verklärten lichte rein, Wird mein leib in ew': gen freuden, Herrlich bey dem mittler feyn. Gott! wie beugt sich meine schuld Dankbar gnug für deine huld, Daß du, herr, mein ganzes wesen Zu der ewigkeit erlesen! 3. Wird gleich mein leib des grabes raub, Er wird doch wieder leben, und einst aus der verwesung staub Sich neugebild't erheben, Wenn du, o großer lebensfürst! Nundeinen todten rufen wirst, 3um leben aufzuwachen. 10. Welch ein überfluß der güte. Wonne, die kein ende nimmt, Hast du, dies rührt mein gemüthe, Ewiger, für mich bestimmt! Gleichet auch ein gut der zeit Der verheiß nen herrlichkeit? Gott! laß jenes mich verachten, Und nach dieser ernstlich trachten. 11. Lehre mich in diesem leben, Wie ich nach dem ew'= gen wohl Hier mit allem eifer streben, Mich dazu bereiten foll. Hilf, wenn dieser bau zerfällt, Daß mein geist in jener welt, Und der leib era weckt vom grabe, Ewig dich und Jefum habe. II. 4. Wie froh und herrlich werd ich dann Vor dir, mein heiland, stehen! Dann nimmst du mich mit ehren an, Läßt in dein reich mich gehen. Forts. hin von keiner last beschwert, Un leib und seele ganz verklärt, Leb' ich bey dir dann ewig. 5. O welch ein selig's theil ist mir In jener welt berei: tet! Der freuden fülle ist bey dir. Von dir, o herr, geleis tet, Werd ich in deinem him: melreich, Unsterblich, deinen engeln gleich, Vollkommne lust genießen. 6. Denn wo du bist, da Mel. Wenn mein stündlein 2c. follen die, Die dir hier fol 234. ein heiland lebt! gen, leben, und ewig frey er hat die macht von schmerz und müh, Vont Des todes ganz bezwungen, seligen umgeben, Genießen Und siegreich aus des grabes deiner herrlichkeit. D was M 178 Von der Auferstehung der Todten. sind leiden dieser zeit, Herr! gegen jene freuden? 7. Laß die zukünft'ge herrlichkeit Mir stets vor augen schweben, und oft in dieser prüfungszeit Mein herz dahin erheben, Wo keine schwachheit uns mehr drückt, Wo wir, der sterblichkeit entrůckt, Frohlockend vor dir wandeln. 8. Erwecke mich dadurch zum fleiß, Der tugend nach zustreben, und als dein jünger, dir zum preis, Nach deinem wort zu leben. Und fühl' ich hier noch noth und schmerz, So tröste selbst da mit mein herz: Es kommt ein beff'res leben., Sink immerhin, mein leib, in staub! Gott wird dich neu beleben. Hier werd ich nur des todes raub, Dort werd ich ewig leben. Wie stark ist dieses trosts gewicht! Wie sicher meine zuversicht! 5. Herr! diesen segen dank ich dir, Mich aus der gruft zu heben, Gingst du aus deinem grab herfür, Du lebst, und ich soll leben. Ich glaub es dir, und zweifle nicht; Dein wort ist meine zuversicht. 6. In diesem glauben stärke mich. Laß mich den troft empfinden, Den großen trost, daß ich durch dich Den tod kann überwinden. Grab und verwesung schreckt mich nicht; Denn du bleibst meine Mel. Machs mit mir, gott. 235. Herr, du bist meine zuversicht. zuversicht! Du lebst, ich werd auch leben. Du wirst mir, was dein wort verspricht, Unsterblichkeit einst geben. Dein jünger kommt nicht ins gericht. Dies stårfet meine zuversicht. 2. Hier geh ich oftmals weinend hin, Den saamen auszustreuen, Dort wird der herrlichste gewinn Der ernte mich erfreuen. Ich leide und verzage nicht; Denn du bist meine zuversicht. 3. Hier trag' ich deine sanfs te last; Wie groß ist meine würde! Jedoch die welt, die sie nicht fast, Nennts fälsch= lich schwere burde. Einst trifft den spotter dein gericht, Und dann siegt meine zuversicht. 236. Je Mel, Jesus, meine zuversicht. resus, meine zuversicht Und mein heiland, ist im leben! Dieses weiß ich; sollt ich nicht auch zu sterben, mich ergeben, Was die lange todesnacht mir auch für gedanken macht? 2. Jesus, mein erlöfer, lebt; Ich werd auch das le= ben schauen, Seyn, wo mein erlöfer lebt, Warum sollte mir denn grauen? Er ist der gemeine haupt, Und sein glied, wer an ihn glaubt. 3. Ich bin durch der hoffnung band 3u genau mit ihm verbunden; Er hält mich bey meiner hand In den Von der Auferstehung der Todten. 179 dunkeln todesstunden; Er meinen gott. Jesum Christum führt mich auf rechter bahn, werd ich schauen. Dann wird Und nimmt mich zu ehren an. 4. Ich bin fleisch, und muß daher Auch einmal zu staubewerden. Dieses weiß ich; doch wird er Mich erwecken aus der erden, Daß ich in der herrlichkeit Bey ihm sey in ewigkeit. 7. Was hier leidet, seufzt und fleht, Wird nicht ewig untergehen; Irdisch werd ich ausgefåt, Himmlisch werd ich auferstehen. Zur verwesung sink ich ein, Dann werd ich unsterblich seyn. 5. Dann umgiebt mich diese haut, Dieser leib, wie ich glaube; Gott wird bann von mir geschaut, Wenn 237. Jfrohen zeit, Da Mel. Was gott thut, das ist. ch mich der ich aufsteh aus dem staube. Im verklärten leib werd' ich Sehen, mein erlöser! dich. 6. Ob dies aug' im tode bricht, Wirds doch meinen heiland kennen, Ich, ich felbst, kein fremder nicht, Werd in seiner liebe brennen. Dank ihm! dank ihm! preis und ruhm! Wunderbar schafft er mich um. ich werd auferstehen. Dann werd ich in der herrlichkeit Dich, gott! mein heiland! sehen. Dann werd auch ich, herr! durch dich Vereint mit allen frommen, 3ur ew's gen ruhe kommen. 8. Freudig bin ich und getrost! Dann steigt mein versöhner nieder. Wenn ich sterb', ist er mein trost, Und den todten ruft er wieder, Wenn einst die posaune klingt, Die durch alle gråber dringt. leben, sieg und heil Ewig, ewig seyn mein theil. 9. Und mich schreckte noch der tod? Mich die gråber und hr grauen? Meinen mittler, 10. Nur, daß du dich, seel', erhebst Von den lüften dieser erden, Und schon hier dem gotte lebst, Mit dem du vereint sollst werden. Willst du feines heils dich freun, Must du rein und heilig seyn. 2. Uch! kám' die stunde bald heran, Die stunde der erlösung, Die stunde, da ich hoffen kann Trost, freiheit und genesung! Da engeln gleich, Sm himmelreich Mich ruhe, lust und leben In ewigkeit umgeben. 3. Der du die auferstehung bist! Du bists, an den ich glaube. Ich weiß, daß ich durch dich, herr Christ! Im tobe nicht verbleibe. Und dein gericht Wird mich dann nicht mit trübsal, angst und schrecken, So wie die heuche ler, decken. 4. Ich hoffe dann mit freudigkeit Vor dir, mein haupt! zu stehen, und mit die in die herrlichkeit Froh MM 2 180 Von der Auferstehung der Todten. locken einzugehen. D bilf leben stehn sie auf. Ihr verz mir doch Aus gnaden noch, föhner kommt voll klarheit, Zum glück der ewigkeiten Vor ihm ist gnade, treu und Mich würdig zu bereiten. wahrheit, Der tugend lohn krónt ihren lauf. Licht ist um deinen thron, Und leben, got: tes Jachet auf! so Mel. Wachet auf, ruft uns. 238. Einst nach der zeit, der engel stimme, Verlaßt das grab, verlaßt die gruft! Wachet auf, erlöste sünder, Versammlet euch, ihr gottes kinder! Der welten herr ists, der euch ruft. Des todes stille nacht Ist nun vorbey; erwacht! Hallelujah! Macht euch bereit 3ur ewigfeit, Sein tag, sein großer tag ist da. 3. Ewigs lob sey dir gesungen! Wir sind zum leben durchgedrungen, Am ziel sind wir beym großen lohn. Christus strömt der freuden fülle Auf uns; wir schaun ihn in der hülle, Ihn, unsern freund und gottes sohn. Kein auge sabe sie, Dem ohr erscholl sie nie, Diese 2. Erd und meer und hölle wonne. In ewigkeit Sey dir beben, Die frommen stehen geweiht, Herr, unser dank und auf zum leben, 3um neuen ehr und preis! dir, Dir folgen wir zu dei nes vaters herrlichkeit. Von dem zukünftigen Weltgerichte. Wiederkunft Jesu zum derstrebt, Und in der bosheit ficher lebt, 3ur bessrung frist zu geben. Doch bald ist euer maaß erfüllt, Bald kömmt der richter und vergilt. nahm, Als er uns zu versöh-, 3. Dann öffnet um euch nen kam, Kommt einst zu rich ten wieder. Nicht fern ist sei ner zukunft zeit, In aller seiner herrlichkeit Steigt Jesus dann hernieder. Vernimm's, o welt, und bessre dich! Der tag des schreckens nahet sich. Weltgerichte. Mel. O ewigkeit, du donnerwort. De 239. er unsre mensch: heit an sich 2. Warum verzieht er? fragt der spott! Wo bleibt der sündenrächer, gott? Hört, funder, hörts mit beben! Euch, die ihr frech ihm wis her sich weit Der abgrund jener ewigkeit Mit allen feia nen schrecken, Dann wird euch, wenn der richter droht, Nicht berg, noch meer, nicht grab noch tod, Vor seiner ahndung decken. Denn nun nicht mehr erbarmt er sich, Und sein gericht ist fürchterlich. 4. Wenn furchtbar feiner donner schall Und tonender posaunen hall Der erde grund Von dem zukünftigen Weltgerichte. 181 erschüttern, Und plößlich nun zu rechter zeit, In großer der bau der welt Wankt, kraft und herrlichkeit, Vom krachend stürzt, in trümmern himmel wiederkommen. Gieb, fällt, Wenn selbst die himmel daß dann froh und mit ver= zittern, Und vor dem richter traun Dich, herr! auch meine hingerückt Der spotter glauz augen schaun. bet, und erschrickt; 2. Wer faßt, o heiland! jetzt die pracht, Die deinen tag einst herrlich macht? Wie groß wirst du dich zeigen, Wenn du auf lichten wolken einst Mit deiner engel heet erscheinst, Die sich vor dir, herr! beugen, Dann sieht die welt die majestát, Dazu dich gott, dein gott, erhöht. 3. Dann tont dein ruf in jedes grab Mit allmachtsvoller kraft hinab, Und schafft ein neues Leben. Auf deinen wink muß erd und meer Das große unzählbare heer Der todten wiedergeben. Sie stehn durch dich, berr! neu beseelt, Nun alle auf, und keiner fehlt. 4. Du sammlest sie vor deinem thron, Um jedem den bestimmten lohn Nach seiner that zu geben. Dann trifft den bösen schmach und pein, Den frommen aber führst du ein In das verheißne leben. Wer leugnet dann noch, Jesu Christ! Daß du der erde richter bist? 5. O gieb, wenn nun dein tag erscheint, Daß ich in dir dann noch den freund Und heiland wieder finde, Daß ich mit freuden vor dir steh, Und mit dir in den himmel geh, Ganz frey von noth und fünde. Laß mich im 5. Dann ist nicht mehr zur buße zeit, Wo werdet ihr barmherzigkeit Und gnad und rettung finden? Die ihr der fünden maaß noch häuft, Fühlt, eh' euch dieser tag er: greift, Die lasten eurer sünden, Daß ihr nicht selbst euch einst verflucht, Und in verzweiflung lindrung sucht. 6. Mein herz erschrickt, es bebt in mir Mein innerstes, o gott! vor dir, Ich bin ein missethäter. Begnadige, wenn dein gericht Auch mir mein ewig urtheil spricht, Mich, herr! den übertreter. Du, der die fünder nicht verstößt, Du, Jesu! hast auch mich erlöst. 7. Tag gottes! tag der ewigkeit! Du predigst uns den werth der zeit Laut mit des donners stimme. Reizt, men schen, nicht durch eure schuld Den gott der langmuth und geduld, Daß er nicht schnell ergrimme. Denn schrecklich wird der sünder pein, Und groß der frommen wonne seyn. Mel. O ewigkeit, du donnerwort. rhöhter Jesu! 240. G gottes sohn! Der du schon längst der himmel thron Als herrscher eingenommen; Du wirst dereinst 182 Von dem zukünftigen Weltgerichte. glauben wacker seyn, Und auch Wer wird dann noch, herr die kleinste fünde scheun. Jesu Christ! Daß du der herr des lebens bist, Mit frechheit leugnen können? 5. Wer spottet dann noch deiner kraft,.Wenn du, die hier dich fliehen, Für ihre schuld zur rechenschaft Mit majestát wirst ziehen? Wenn nun ihr auge dich erblickt, Und fie dein strafgerichte drückt, Dann werden sie verstummen. 6. Die tugend sey mir ewig werth, Und was dein wort von mir begehrt, Das laß mich treulich üben. Nie: mals ermüde hier mein geist, Dich, den schon jetzt der himmel preist, aus aller fraft zu lieben; So hab ich in der ewigkeit Auch theil an deiner herrlichkeit. Mel. Es ist gewißlich an der zeit. er 241.& fommt, kömmt zum weltgericht, Der heiland, den wir ehren. O weigert euch, erlöste, nicht, Jegt auf sein wort zu hören! Wer hier nicht seine stimme hört, Und sie nicht mit gehorsam ehrt, Wird nicht vor ihm bestehen. 6. Und wenn du dann die deinen nun Mit preis und ehre zierest, Und, ihnen ewig wohlzuthun, Sie in den him: mel führest, Dann, herr! wird völlig offenbar, Wie herrlich die bestimmung war, Wozu du sie berufen. 2. Herr! laß mich deiner majestät Mit wahrer freude dienen. Wie herrlich dich dein gott erhöht, Ist zwar noch nicht erschienen, Doch, was uns hier verborgen war, Das wird dereinst uns offenbar, Wenn du wirst wiederkommen. 3. Wenn vor dir die natur dann bebt, und unter deinen füßen Sich alles, was dir widerstrebt, Wird völlig ben gen müssen, Wenn alle engel vor dir stehn, Dann werden aller augen fehn, Wie hoch dich gott erhoben. 7. O laß mich dann, herr Jesu Christ! Mit freuden vor dir stehen, Und dir, so herrlich du auch bist, Getrost entgegen sehen. Wenn deiner feinde rotte zagt, Von reu und angst und furcht geplagt, Dann jauchze meine seele! 8. Daß ich dies glück erleben mag, So laß in diesem leben, O heiland! deinen großen tag Mir stets vor augen schweben. Er reize mich, dir mich zu weihn, In deinem dienste treu zu seyn, Und nie dich zu verleugnen. Von dem Weltgerichte selbst. 4. Wenn dann, o herr, auf dein geheiß Die todten wieder leben, Dein feind mit Mel. Herzlich thut mich verlangen. furcht, dein Freund mit preis 242. Ich denk an dein gerichte, Sich aus dem grab erheben; richter aller welt! Der thor Von dem zukünftigen Weltgerichte. 183 nenn's ein gedichte, Das wie ein weiser, handeln, Der schwachen nur gefällt; Mich seinen richter scheut. foll sein wahn nicht stören, Weil mich dein göttlich licht Und mein gewissen lehren, Du haltest einst gericht. 7. Ist dann dein tag vorhanden, Wird diese welt vergehn, So hoff ich nicht mit schanden Bor deinem thron zu stehn. Du stellst mich dann zur rechten, Von aller sehe mit erstaunen Dich auf schuld befreyt, Führst mich dem richterthron, Um den die heilge menge Erhabner engel steht. Welch herrliches gepránge! Welch hohe majestát! 2. Ich höre die posaunen, Dherr! im geiste schon, Ich mit deinen knechten In deine herrlichkeit. met. Es ist gewißlich an der zeit. chon ist der 243. 3. Umsonst sucht nun der sünder Vor deiner macht zu fliehn. Herr! alle menschenfinder Wirst du zur rechnung ziehn. Du rufft, und sie erscheinen Vor deinem richterthron, Den sündern und den deinen Giebst du gerechten lohn. 4. Frohlockend sehn die frommen Dein göttlich angesicht, Schon hier dem fluch entnommen, Zagt ihre seele nicht. Nun triumphirt ihr hoffen, Erldst von aller müh, Sehn sie den himmel offen, Und du, herr! fegnest fie. 5. Wie angstvoll aber be ben, Die hier dein wort verhöhnt, Und durch ein fleischlich leben, Das eitle herz verwöhnt! Du giebst der sünde knechten Ihr theil in ew'ger pein, Und führest die gerechten 3u deiner freude ein. 6. Laß, Jesu! dein ge: richte Mir stets vor augen seyn, Und drücke sein gewichte In mein gewissen ein. Vor dir laß mich fromm wandeln, Und hier zu aller zeit So tag von gott bestimmt, Da, wer auf erden wandelt, Sein loos aus gottes hånden nimmt, Nach dem er hier gehandelt. Er kommt, er fommt, des menschen sohn, Er kommt, und wolken sind sein thron, Der erden kreis zu richten. 2. Hier, an dem rand der ewigkeit, Hier stehn die millionen, Die seit dem ersten tag der zeit Auf dieser erde wohnen, Nur dem allwissenden bekannt, Unzählbar, wie am meer der sand, Hier stehn sie vor dem richter. 3. Hier muß der falsche wahn der welt Der wahrheit unterliegen, Hier, wo das recht die wage hält, Wird keine fünde siegen. Hier ist zur buße nicht mehr frist, Hier gilt nicht mehr betrug und list, Hier gilt kein falscher zeuge. 4. Der richter spricht, der himmel schweigt, Und alle völker hören Erwartungsvoll und tief gebeugt, kommt, erbt das reich der ehren! So 184 Von dem zukünftigen Weltgerichte. spricht er zu der frommen gegeben; Väterlich Führst du schaar; Doch die, die wider spenstig war, Heißt er nun von sich weichen. 5. O herr! mit welcher majestät Wirst du dies urtheil fållen! Die fünder, die dich hier verschmåht, Gehn dann gewiß zur höllen. Hier trifft fie unerforschte pein, Wer wird dann noch ihr retter seyn? Ihr warten ist verloren. 6. Sie, die gerechten, leuchten dann So, wie der glanz am himmel, Du selbst nimmst sie zu ehren an. O welch ein froh getümmel! Nun fehn fie mit erstauntem blick, Daß glaub und lieb' das höchste glück Aus gottes gnad' ererben. 7. Sie gehn nun in das sel'ge reich, Das gott für sie bereitet, Und sehn auf ewig, engeln gleich, Ihr wohlseyn ausgebreitet. Das stückwerk wird vollkommenheit, Kein kummer, teine traurigkeit Stört ihre ew'ge freude. 8. Mein heiland! laß mich dein gericht Oft und mit ernst bedenken. Es stårke meine zuversicht, Wenn mich die leiden krånken, Es reize mich, gewissenhaft. Und eingedenk der rechenschaft, Nach deinem wort zu wandeln. mich Auf des lebens wegen, Meinem ziel entgegen. 2. Bald kommst du mit großer kraft 3um gericht auf erden, Dann soll ich zur rechenschaft Dargestellet werden. Dein gericht Schonet nicht, Richter aller welten! Denn du willst vergelten. 3. Web dann mir in ewigkeit, Wenn ich deine gabe, Meine kråfte, meine zeit, Hier gemißbraucht habe! Weh dann mir, Hab ich hier Dein geschenk verschwendet Und nicht angewendet. 4. Möchte täglich dein ges richt Mir vor augen schweben, Möcht' ich mich, stets meiner pflicht Treu zu seyn, bestreben! Daß ich nie Thö richt sie Außer augen setzte, Noch mit fleiß verleşte! 5. Lehre mich gewissenhaft Meine tage zählen, Jeden schritt zur rechenschaft Mich mit vorsicht wählen. Gieb, daß ich Ernstlich mich Jeden tag, auch heute, Auf sie zubereite. 6. Beigt sich erst die ewigfeit Furchtbar in der nähe; dann ist es nicht mehr zeit, Daß um gnad ich flehe. Wenn der tod Mir schon droht, kann ich deinen willen, Herr! nicht mehr erfüllen. Mel. Straf mich nicht in deinem. 7. Mein gewissen strafe mich 244. Herr! ich bin Gleich für jede fünde, Mitta thum; Dein ist auch mein leben, Mir zum heil, und dein eigen ich bald durch dich Gnade such und finde. Rufe du Dann mir zu: Alles ist vera bir zum ruhm Hast du mir's geben, Bessre nur dein leben! Von dem zukünftigen Weltgerichte. 185 8. Dann erscheine zum Der allgemeinen glut! Er gericht! Ich darf zu dir be- rauchet angezündet, Der sizz ten, Mich verstößt dein vater der missethat; Da, der die nicht, Du wirst mich vertre- welt gegründet, Sich ihm als ten. Ewig dein Werd ich richter naht. seyn, Und mich, dich zu lie- 5. Er kommt, und bliße ben, Ewig, ewig üben. Mel. Herzlich thut mich verlangen. err! sieh ich bin 245. verdrossen, 3u thun, was dir gefällt, Mein herz hinkt, unentschlossen Noch zwischen gott und welt, Mich drücken schnöde ketten, Der sünden sclaverey; Verzeuch nicht, mich zu retten, Und mach, o gott! mich frey. röthen Den arm des menschensohns; Herr! deine blicke tödten Die feinde deines throns, Und erd' und himmel fliehet Vor deinem angesicht, Und wer nach ihnen siehet, Sieht ihre ståtte nicht. 6. Ihr neuen himmel, schweiget, Der fünder wird verklagt, Und sein gewissen zeuget, Das seine ſeele nagt. Er bebt, er weicht zurücke; Weh ihm! die hölle glüht In seinem wilden blicke, Der seinen richter flieht. 2. Geh auf in meiner feele, Geh auf mit vollem glanz! Damit ich dich erwähle, So größe, zeige dich mir ganz, Wie 7. Was hilft nun alle schrecklich du dem sünder, reinstes wesen, seyst, Du vas ter deiner kinder, Vollkommner höchster geist! Die unsern neid erweckt, Dort, wo des lasters bloße Kein falscher schimmer deckt; In dieser großen scene, Wo sich mit engeln mischt, Wer eine fromme thráne Den armen abgewischt. gott! wo flöh ich bin, 8. Wenn die verdammte 3. Sollt in gewohnten sünden, Eh ich bekehret bin, Dein großer tag mich finden; Wenn berg' in ungewittern Hertaumeln, wie vom wind, Und erd' und himmel zittern, Und sonnen dunkel sind? 4. Tag, schrecklichster der tage Für den, der böses thut! Du bist ein tag der klage, rotte Verfolgt vom donner eilt, Und ewig fern von gotte Gequält und lästernd heult, 2m tage deiner rache, Herr! nimm dich meiner an. Und führe meine fache, Wie du am kreuz gethan. Vom ewigen Leben. Met. Wachet auf, ruft uns die. ben, Die todten, die in Jesu 246. Selig find des sterben! Sie gehen ein zur himmels er herrlichkeit. Nach den letzten 186 augenblicken Des todes schlummers folgt entzücken, und wonne der unsterblichkeit. Im frieden ruhen fie Von aller forg' und müh. Gelobt sey gott! Vor seinem thron, 3u seinem sohn Begleiten ihre werke sie. 2. Dank, anbetung, preis und ehre, Macht, weisheit, herrlichkeit und ehre Sey dir, versöhner, Jesu Christ! Ihr, der überwinder chère, Bringt dank, anbetung, preis und ehre Dem lamme, das geo: pfert ist! Er fank, wie wir, ins grab, Wischt unsre thrå nen ab. Gelobt sey gott! Ev hat's vollbracht! Nicht tag, nicht nacht Wird an des lammes throne seyn. Vom ewigen Leben. 3. Nicht der mond, nicht mehr die sonne Scheint uns alsdann; er ist uns fonne, Der sohn, die herrlichkeit des herrn. Heil, nach dem wir weinend rangen, Nun, nun bist du uns aufgegangen, Nun sehn wir dich nicht mehr von fern! Nun weinen wir nicht mehr, Nun weinen wir nicht mehr. Gelobt sey gott! Er sank hinab, Wie wir, ins grab, Er ging zu gott, wir folgen ihm. Mel. Wer nur den lieben gott. Dach einer prü 247. fung kurzer tage Erwartet uns die ewigfeit. Dort, dort verwandelt sich die klage In göttliche zufriedenheit. Hier übt die tugend ihren fleiß, Und jene welt reicht ihr den preis. 2. Wahr ist's, der fromme schmeckt auf erden, Schon manchen sel'gen augenblick; Doch alle freuden, die ihm werden, Sind ihm ein unvollkommnes glück. Er bleibt ein mensch, und seine ruh Nimmt in der seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des körpers schmerzen, Bald das geräusche dieser welt; Bald kämpft in seinem eignen hers. zen Ein feind, der öfter siegt, als fällt; Bald sinkt er durch des nächsten schuld In kummer und in ungeduld. 4. Hier, wo die tugend öfters leidet, Das laster öf ters glücklich ist, Wo man den glücklichen beneidet, Und des bekümmerten vergißt, Hier kann der mensch nie frey von pein, Nie frey von eigner schwachheit seyn. 5. Hier such ich's nur, dort werd' ich's finden, Dort werd' ich heilig und verklärt, Der tugend ganzen werth empfinden, Den unaussprechlich gros ßen werth; Dich, gott der liebe! werd' ich sehn, Dich lieben, ewig dich erhöhn. 6. Da wird der vorsicht heil'ger wille Mein will und meine wohlfahrt seyn, Und lieblich wesen, heil die fülle Um throne gottes mich erfreun. Dann läßt gewinn stets auf gewinn Mich fühlen, daß ich ewig bin. 7. Da werd' ich das im licht erkennen, Was ich auf erden dunkel sah, Das wun Vom ewigen Leben. 187 derbar und heilig nennen, sie Ist doch ein augenblick Was unerforschlich hier ge- voll müh! schah; Da denkt mein geist mit preis und dank Die Mel. Wie groß ist des allmächt'gen. fchickung im zusammenhang. 248. Do bestes leben, 8. Da werd ich zu dem throne dringen, Wo gott, mein heil, sich offenbart, Ein heilig, heilig, heilig singen Dem, der für mich erwürget ward; Und cherubim und seraphim Und alle himmel jauchzen ihm. Wo Jesus lebt; sey du gepreist! Nach dir, o leben, will ich streben, Nach dir verlangt mein ganzer geist! himmlisch leben! wo kein leiden; Gott wischt da alle thránen ab; Wo nichts denn wonne, nichts denn freuden, Wo kein tod mehr ist und kein grab. 2. O herrlichkeit! wo keine sünde Hinfort den sel'gen geist entehrt, Wo ich von schwachheit nichts empfinde, Wo mein leib herrlich ist verklárt! himmlisch leben, glück der frommen, Und auch mein herrlichster gewinn, Da wo ich ewig ganz vollkomGanz weise, heilig, men, selig bin! 9. Da werd ich in der en gel schaaren, Mich ihnen gleich und heilig sehn, Das nie gestörte glück erfahren, Mit frommen stets fromm umzugehn; Da wird durch jeden augenblick, Ihr heil, mein heil, mein glück ihr glück. 10. Da werd ich dem den dank bezahlen, Der gottes weg mich gehen hieß; Und ihn zu millionen malen Noch segnen, daß er mir ihn wies. Da find ich, herr! in deiner hand Den freund, den ich auf erden fand. II. Da ruft( o möchte gott es geben!) Vielleicht auch mir ein sel'ger zu: Heil dir! denn du hast mir mein leben, Die seele mir gerettet, du! O gott, wie muß dies glück erfreun, Der retter einer feele feyn! 3. Eröffne, himmel, deine thore! Mein Jesu! reiche mir die hand, Führ mich zu jenem höhern chore, Bring mich bin in mein vaterland! Da soll dir denn, dir gottes sohne, Mein ewig loblied seyn geweiht. lebte ich vor deinem throne Erst mit dir in der herrlichkeit. 12. Was send ihr, leiden Mel. Wer nur den lieben gott. dieſer erben, Doch gegen jene 249. Es ist noch eine vorhanden herrlichkeit, Die an uns offenbart soll werden, Von ewigkeit zu ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen Für jeden gott ergebnen geist, Wenn er sich dieses körpers banden, Nach gottes willen 188 Vom ewigen Leben. einst entreißt, Und nun nicht des lebens müde werden, Und mehr so eingeschränkt, als fühl ich meiner burde last; hier auf erden, lebt und denkt. So stárke mächtig meinen geist, Daß er dem unmuth sich entreißt. 2. Die, herr, zu dieser ruhe kommen, Wie selig sind doch alle die! In deinem himmel aufgenommen, Ruhn sie von dieses lebens müh. Nach aller last, die sie gedrückt, Wird ewig nun ihr herz erquickt. 8. Gieb, daß in hoffnung jener ruhe, Die gottes volk verheißen ist, Ich gern des vaters willen thue, Wie du darin mein vorbild bist; So ernt' ich von der last der zeit Einst völlige zufriedenheit. 3. Wie mütter ihre finder trösten, So segnet mit zu friedenheit Auch deine gnade die erlösten. Nach überstand: Mel. Wie schon leucht't uns der. ner prüfungszeit. Dann wird 250. Mein ganzer geiſt, ihnen es offenbar, Wie gut stets deine führung war. 4. Da schweigen alle ihre klagen, Da bringt mit frohem lobgesang, Selbst für die ausgestandnen plagen, Dir ihre seele preis und dank. Nun jauchzen fie: es ist vollbracht! Der herr hat alles wohl gemacht! wird entzückt, Wenn er nach jenem himmel blickt, Den du für uns bereitet; Wo deine milde vaterhand Aus neuen wundern wird erkannt, Die du daselbst verbreitet, Mächtig Fühl ich mich erhoben, Dich zu loben, Der zum leben, Das dort ist, mich will erheben. 5. Forthin erwartet sie kein leiden, Kein schmerz und keine schwachheit mehr, Gott führt sie zu vollkommnen freuden, Und krónet sie mit preis und ehr. Dunaus sprechlich süße ruh! Wie herrlich, höchster, segnest du! 6. Wer kann hier deine gnade faffen? Du willst den, der dich redlich liebt, Nicht ewig in der unruh lassen, Die dieses leben noch umgiebt. mach auch mich hier in der zeit Geschickt zu dieser seligkeit! , 3. Kein tod ist da mehr und kein grab. Dort wischest du die thránen ab Von deiner kinder wangen. Da ist kein leid mehr, kein geschrey; Denn du, o herr! machst 7. Mein heiland, der du felbst auf erden Der leiden joch getragen haft: Will ich alles neu, Das alte ist vera 2. Was sind die freuden dieser zeit, Herr! gegen jene herrlichkeit, Die dort bey dir zu finden? Du stellst uns hier auf erden zwar Viel wunder deiner gute dar, 3um fröhlichen empfinden; Doch hier Sind wir Bey den freuden Noch mit leiden Stets umgeben, Dort nur ist vollkommnes leben. Vom ewigen Leben. 189 gangen. Hinfort Sind dort Da wird Mein hirt! Von Von gerechten Gottesknech- den freuden Nichts mich scheiten Keine plagen Mehr zur den, Die du droben Deinen prüfung zu ertragen. #freunden aufgehoben. 4. In unsers gottes bei ligthum Schallt ewig sein erhabner ruhm Von lauter frohen zungen. Hier strahlt die herrlichkeit des herrn, Hier schaut man sie nicht mehr von fern, Hier wird sie ganz besungen. Völlig Giebt fich Den erlösten, Sie zu trösten, Den zu kennen, Den sie hier schon vater nennen. 8. Wie herrlich ist die neue. welt, Die gott den frommen vorbehålt! Kein mensch kann sie erwerben. Du aber, herr der herrlichkeit! Du hast sie auch für mich bereit't; Hilf sie mir nun ererben. Laß mich Eifrig Danach streben, Und so leben Auf der erde, Daß ich dort dein erbe werde. Mel. Alle menschen müssen sterben. Ile menschen 251. 251. Su 5. Vor seinem antlitz wan: deln sie Auf ewig frey von aller müh, Und schmecken feine gute. Hier stört den frieden ihrer brust Und ihre tausendfache lust Kein feind liches gemüthe. Kein neid, Kein streit Hemmt die triebe, Reiner liebe Unter feelen, Die nun ewig nicht mehr fehlen. müssen ster: ben, Shre herrlichkeit ver blüht; Und wer fann den himmel erben, Der nicht die verwesung sieht? Staub wird dieser leib von erde; Doch, damit er himmlisch werde, Wird er einst von gott erneu't, Und erhält unsterblichkeit. 2. Darum will ich dieses leben, Das nicht mein ist, nicht der welt, Meinem gott zurücke geben, Wann und wie es ihm gefällt. Denn in des erlösers wunden Hab ich) heil und ruh gefunden, Und mein trost in todesnoth Ist des großen mittlers tod. 3. Er ist ja für mich gestorben, Und sein tod ist mein gewinn, Er hat mir das heil erworben, Daß ich ewig got: tes bin. Drum verlaß ich gern die leiden Dieser zeit. um in die freuden Seines 6. Gott, welche schaar ist dort vereint! Die frommen, die ich hier beweint, Die find' ich droben wieder. Dort sammelt deine vaterhand, Die deine liebe hier verband, Herr! alle deine glieder. Ewig Werd ich, Frey von mångeln, Selbst mit engeln Freundschaft pflegen, Dein umgang voller segen! 7. Wo ist mein freund, des höchsten sohn, Der mich geliebt? wo glänzt sein thron? In jenen himmels höhen. Da werd ich dich, herr Jesu Christ! So men fchenfreundlich als du bist, himmels einzugehn, Und ihn, Auch mit entzücken sehen. meinen herrn, zu sehn. 190 Vom ewigen Leben. 4. Da wird seyn das freu: bens früchte ein, Da wird denleben, Wo viel tausend ohne leid und zähren Unser seelen schon, Mit des himmels leben ewig währen. Gott! glanz umgeben, Gott vor seis zu welcher seligkeit Führst nem höchsten thron Dank und du uns durch diese zeit. preis und ehre bringen, Und mit allen engeln singen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott, der vater, sohn und geist! 5. Vaterland verklärter frommen! Heil, unsterblichkeit und ruh, Was kein sterblicher vernommen, Gottes heil gewährest du. Freuden ernten schenkt er denen, Die erft hier geså't mit thránen, Alle thránen trocknet er, Sünd' und elend sind nicht mehr. 2. 3war kann das, was du den deinen Dort für glück be reitet hast, Nicht im wahren licht erscheinen, und kein tu: gendhafter faßt Deines himmels große freuden; Doch nach diesen prüfungsleiden Werden alle, die dir traun, Mehr. noch, als sie hoffen, schaun. 3. Neue wunder deiner gute Werden da ihr glück erhöhn. Mit erstaunendem gemüthe Wird dann unser auge sehn, Deine huld sey überz schwenglich, Und die wohlfahrt unvergånglich, Die dem, der dich redlich liebt, Deine vaterhand dort giebt. 4. Dann wirst du dich unsern seelen Offenbaren, wie du bist, Keine wonne wird uns fehlen Da, wo alles wonne ist. Zu vollkommnen feligkeiten Wird uns dort der mittler leiten, Der uns dieses glück erwarb, Al3 am kreuz er für uns starb. 5. Da wird deiner from: men menge Ein herz, seele seyn, Liebe, dank und lebgesånge Dir, erhabner gott! zu weihn, Dir, und dem, der felbst sein leben Willig für uns Mit Mel. Alle menschen müssen sterben. unaus 252. fprechlich unserm größten freund. Sind wir ewig dann vereint. 6. Ich entbrenne von vers langen, Dies mein vaterland zu sehn, Und die krone zu empfangen; Bald erhöret gott mein flehn. Diese hütte, die zerstäube; Ich, ich weiß, an wen ich glaube. Mir ist sterben ein gewinn; Denn zum vater geh ich hin. 7. Welche tröstung, dies zu wissen! Dieser großen hoffnung voll, 3ag ich nicht in kümmernissen, Die ich hier noch dulden soll. Leicht und kurz sind diese leiden, Sie verwandeln sich in freuden, Wenn ich christlich sie ertrug, Bis gott spricht: es ist genug. selig Werden wir im him mel seyn! Da, da ernten wir unzählig Unsers glauz 6. wer sollte sich nicht sehnen, Aufgelöst und da zu Vom ewigen Leben. 191 feyn, Wo, nach ausgewein- gott, den ihr verschmäht, Hat ten thránen, Ew'ge güter einen tag gesehet, Wo er, uns erfreun? Wo sich unser damit fein rath Die ganze kampf in palmen, Unser fla- schrift erfüll', Einst mit ge gelied in pfalmen, Unsre angst rechtigkeit Den weltkreis richin lust verkehrt, Die forthin ten will. kein kummer stört. 7. Was ist unser loos auf erden? Obs auch noch so köstlich sey, Ists doch nie ganz von beschwerden, Sorgen, furcht und kummer frey. Schnell folgt hier auf lust oft weinen, Dort nur wird die zeit erscheinen, Wo kein wech fel mehr uns beugt, Wo das glück beständig steigt. 8. Sey, o feele! hoch erfreuet Ueber das erhabne glück, Das dir einst dein gott ver leihet. Richte deines glaubens blick Oft nach jener stadt der. frommen, Mit dem ernst, dahin zu kommen, Trachte, weil du hier noch bist, Nur nach dem, was droben ist. 9. Ohne heiligung wird keiner, Herr! in deinen himmel gehn. so mache immer reiner Hier mein herz, dich éinst zu sehn! Hilf du selber meiner feele, Daß fie nicht den weg verfehle, Der mich sicher dahin bringt, Wo man ewig dir lobsingt. Gewißheit der zukünftigen Verdammniß der Gottlosen. Mel. O gott, du frommer gott. erachter got. tes! bebt, Daß ihr sein recht verletzet; Der 253. 2. Durch euren frevel felbst Bezeugt ihr diese lehre; Wenn kein vergeltungstag Der rache künftig wäre, So würden mord, betrug Und raub dem fluch entgehn. Und der meineidige Gott ungeråchet schmähn. 3. Ihr schwelgt, und bläht euch auf, Rühmt euer thun für weiser, Als gottes lehren sind; Ihr raubt der wittwen häuser, Ihr werdet durch den schweiß Der unterdrückten reich, Und niemand straft die schuld Auf dieser welt an euch. 4. Doch ein gerechter gott Wird künftig die verbrechen In einer andern welt An seinen feinden ráchen. Dann rühmt mit preis und dank Sein auserwählt geschlecht: Der gott, den es verehrt, Sey heilig und gerecht. 5. Und foltert euch umsonst Das warnende gewissen, Wenn die gedanken sich In euch verklagen müssen, Indem ihr zügellos Der fünd' und hölle fröhnt, Und diese lehr' aus gott, Als einen traum verhöhnt? 6. Wird gottes strafe nicht Einst den verbrecher tödten! Was zwingt euch denn, so oft Bei lastern zu erröthen? Ihr lástert; innre furcht Tritt euch ins angesicht, Und diese furcht Vom ewigen Leben. 192 bezeugts, Gott kömmt und hålt gericht. 7. Ja, wenn die himmel einst Bor ihm, wie spreu, zerstieben, Dann wird Jehovah zorn, Und rach' und eifer üben 2n dem, der sich vom licht Der wahrheit abgewandt, Und gott und seinen sohn Im glauben nicht erkannt. 8. Es kommt, so spricht der herr, Die stund', in welcher alle, Die in den gråbern sind, Des menschen sohn beym schalle Des letzten feld: geschrey's In wolken kommen fehn, Und zum gericht hervor Aus ihrem staube gehn. 9. Der eifer seines zorns Wird dann die sünder schelten, Und einem jeglichen Nach 3 weite seinem thun vergelten. D weh des großen tags! Gott bebt! kömmt! ihr fünder, Weil über euch sein fluch In feuerwolken schwebt. 10. Es fällt berab mit ihm Das ewige verberben, Im feuer, das euch quált, Soll euer wurm nicht sterben. Umsonst sucht ihr den tod, Wenn ihr dies urtheil hört, Und wünscht umsonst, daß ihr Niemals geboren wårt. Doch die gerechten stehn Mit freudigkeit, undheben Die frohen häupter auf, Wenn alle volker beben. Ihr glaube wird gekrönt, Und laut rühmt ihr geschlecht: Der gott, den sie verehrt, Sey heilig und gerecht. II. Abtheilun g. Ueber die Sittenlehre. Von der Buße und Bekehrung. kinder, Schaffet eure feligkeit! Bauet nicht, wie sichre sünder, Auf die ungewisse zeit. Unverweilt bekehret euch, Ringet nach dem himmelreich, Und bemüht euch hier auf erden Heilig, selig dort zu werden. 2. Doch soll dieses recht Erweckung zur Buße. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. geschehen, So müßt ihr mit festem muth Uller fünde wis 254. Schaffet, fchaf- derstehen. Nur was gott, das menschen gut, Von for: dert, muß allein Eures le: bens richtschnur seyn, Es mag eurem schwachen herzen Freude bringen oder schmerzen. 3. Selig, wer im glauben kämpfet! Selig, wer im kampf besteht, Wer des fleisches luste dámpfet, Und den reiz der Von der Buße und Bekehrung. 193 welt verschmåht! Unter Chris 8. Bittern will ich vor der sti kreuzes schmach Jaget man dem frieden nach; Wer den himmel will ererben, Muß erst seiner fund' absterben. 4. Werdet ihr nicht stand haft ringen, Sondern trág und lässig seyn, Eure neigung zu bezwingen; Wie kann euch der sieg erfreun? Ohne tapfern streit und krieg Folget nie triumph und sieg, Nur den sie ger schmückt zum lohne Unver: welft des himmels frone. fünde, Und dabey auf Jesum sehn, Daß ich seinen beystand finde, In der gnade zu bestehn. Ja, mein heiland! ach, geh nicht mit mir armen ins gericht. Gieb mir deines gei: stes waffen, Meine seligkeit zu schaffen. 9. Gieb zum wollen das vollbringen, Muth und kräfte zu dem streit, Lehre mich, mich selbst bezwingen, Und verleih beständigkeit. Zeige mir von deinem thron Den verheißnen gnadenlohn, Daß ich wache, bete, ringe, Und also zum himmel dringe. 5. Sich voll leichtsinn stets zerstreuen, Thun, was fleisch und welt uns heißt, Und den kampf der lúste scheuen, Ist der welt, nicht Christi geist. Mel. Vater unser im himmelreich. wahr Wer ihn haben will, der kann 255. Solebericht bahn der Nicht in sicherm stolze leben, Und den lüsten sich ergeben. 6. Brünstig beten, allzeit wachen, Die versuchung weislich fliehn, Sich die pflicht zur freude machen, Und mit forgfalt sich bemühn, Selbst beym spott und hohn der welt Das zu thun, was gott gefällt, Dieses wollen und vollbringen, Heißet nach dem himmel ringen. 7. Drum entreißet euch den lusten, Die ihr noch gefesselt seyd, Und beweiset euch als christen, Muthig, standbaft in dem streit. Schont der liebsten neigung nicht; War' es auch die schwerste pflicht, und denkt oft an Christi worte: Dringet durch die enge pforte. dein gott, Mir ist nicht lieb des sünders tod, Mein wunsch und wille ist vielmehr, Daß er rechtschaffen sich bekehr, Sich beffre in der gnadenzeit, Und mit mir leb in ewigkeit. 2. Dies wort bedenk', o fünder, wohl! Verzage nicht verzweiflungsvoll; Du nimmst an der erlösung theil, Hier findest du trost, gnad' und heil, Und goit besiegelt mit dem eid. O selig, wem die sünd' ist leid! 3. Doch hüte dich vor sicherheit. Denk nicht, zur buß ist's immer zeit, Ich will mich meis nes lebens freun, Und, werd ich dessen müde seyn, Alsdann will ich bekehren mich; Gott wird wohl mein erbarmen sich. 4. Wahr ist es, gott ist N 194 Von der Buße und Bekehrung. stets bereit 3um wohlthun, nicht, Sein eigen herz bekání zur barmherzigkeit; Doch wer pfen, Begierden widerstehn, auf gnade böses thut, Und Und seine lüfte dåmpfen! Ja, der versöhnung theures blut fünder, es ist schwer; Allein zu Verachtet, seiner selbst nicht deiner ruh Ist dies der einz'ge schont, Dem wird, wie er weg. Und dem entsagest du? verdient, gelohnt. 3. Ist deine pflicht von gott; Wie kannst du sie vera gessen? Nach deinen kräften selbst hat er sie abgemessen. Was weigerst du dich noch? Ist gott denn ein tyrann, Der mehr von mir verlangt, Als ich ihm leisten kann? 5. In seinem sohne will dir gott Das leben schenken für den tod; Allein, entdeckt sein wort dir wohl, Wer von uns morgen leben soll? Daß du mußt sterben, ist dir kund, Verborgen ist die todesstund. 6. Heut lebst du, heut befehre dich, Eh morgen kommt, fann's ándern sich, Wer heut ist stark, gesund und schön, Kann morgen an dem grabe stehn. Stirbst du nun ohne beff'rung hin, Wie willst du dem gericht entfliehn? 7. Hilf, o herr Jesu! hilf du mir, Daß ich mich glau: big nahe dir, und mich be: kehre unverweilt, Eh mich mein ende übereilt, Damit ich heut und jederzeit Zu meinem abschied sey bereit. Wider den Aufschub der Bekehrung. Mel. O gott, du frommer gott. 256. Wbuße noch, zwingen? Er gab dir die verillst du die Wit 6. Gott beut die kraft dir an, Das gute zu vollbrin gen; Soll er durch allmacht gehorchen, Die gott gebeut, verschieben, nunft; Und du verleugnest So schándest du sein wort, sie? Er fendet dir sein wort; Und mußt dich selbst nicht lieben. Ist deine besserung Nicht deiner seele glück? Und wer verschiebt sein heil gern einen augenblick? 2. Allein wie schwer ists 4. Sprich selbst, gewinnet gott, Wenn ich ihm kindlich die ne, Und seiner werth zu seyn, Im glauben mich erkühne? Wenn du die tugend übst, Die gott, dein herr, gebeut; Wem dienst du? ringst du nicht Nach deiner seligkeit? 5. Was weigerst du dich noch Das laster zu verlassen? Weil es dein unglück ist, Befiehlt es gott zu haffen. Was weigerst du dich noch Der tugend freund zu seyn? Weil sie dich glücklich macht, Befiehlt sie gott allein. Und du gehorchst ihm nie? 7. Sprich nicht: gott fennt mein herz, Ich hab es ihm verheißen. Mich noch dereinst, mich bald Vom laster los zu reißen, Sezt ist das Von der Buße und Bekehrung. 195 werk zu schwer. Doch diese beharrt, Nicht gott zuletzt schwierigkeit, Die heute dich erschreckt, Wächst sie nicht durch die zeit? dahin? 8. Je öfter du vollbringst, Was fleisch und blut befohlen, Je stärker wird der hang, Die that zu wiederholen. Scheust du dich heute nicht, Des höchsten feind zu seyn, Um wie viel weniger Wirst du dich morgen scheun! 13. Hat Christus uns ers löst, Damit wir fünder bleis ben, Und, sicher durch sein blut, Das laster höher treiben? Gebeut uns Christi wort Nicht tugend, recht und pflicht, So ist es nicht von gott; Gott widerspricht sich nicht. 9. Ist denn die buß' ein werk Von wenig augenblik ken? Kann dich kein schneller tod Der welt noch heut entrücken? Ist ein geschrey zu gott, Ein wunsch nach besserung, Und angst der missethat, Die wahre heiligung? 14. Noch heute, weil du lebst, und seine stimme hós rest, Noch heute schicke dich, Daß du vom bösen kehrest. Begegne deinem gott, Willst du, zu deiner pein, Dein hier versäumtes glück Nicht ewig noch bereun. Mel. O gott, du frommer gott. 10. It's gnug zur felig. 257. Entschließe dich keit, Des glückes der erlösten, Wenn uns der tod ergreift, Sich sicher zu getrösten? Ist das bekenntniß gnug, Daß uns die sünde reu't; So ist kein leichter werk, Als deine seligkeit. beherzt, Dich selber zu besiegen, Der sieg, so schwer er ist, Bringt gött: liches vergnügen. Was zagst du? geht er gleich Im anfang langsam fort, Sey muthig! gott ist nah, Und stärkt dich durch sein wort. 11. Doch fordert gott von uns Die reinigkeit der seelen; Ist keine feele rein, Der glaub' und liebe fehlen; Ist dieses dein beruf, Gott die nen, den du liebst; So zittre vor dir selbst, Wenn du dies werk verschiebst. 12. Der glaube beiligt dich. Ist dieser dein geschäfte? Nein, mensch! und du verschmähst Des geistes gottes kräfte? Erschreckt dich nicht fein wort? Giebt im verkehr: ten sinn Den fünder, der 2. Ruf ihn in demuth an; Er tilget deine sünden. Und läßt dich dein gesetz Erst ihren fluch empfinden. So wi derstreb' ihm nicht; Denn diese traurigkeit Wirkt eine reu in dir, die niemals dich gereut. 3. So süß ein laster ist, So giebts doch keinen frie: den, Der tugend nur allein Hat gott dies glück beschieden. Der mensch, der gott ges horcht, Erwählt das beste theil, Ein mensch, der gott verläßt, Verläßt sein eignes heil. N2 196 Von der Buße 4. Die buße führt dich nicht In eine welt voll leiden; Gott kennt und liebt dein glück, Sie führt zu deinen freuden, Macht deine seele rein, Füllt dich mit zuversicht, Giebt weisheit und verstand, Und muth zu deiner pflicht. 5. Sprich selbst: ist dies kein glück, Mit ruhigem gewissen Die guter dieser welt, Des lebens glück genießen, Und måßig und gerecht In dem genusse seyn, Und sich der seligkeit Schon hier im glauben freun? und Bekehrung. zurheerde Zurück geführet wer de, Davon es sich getrennt. Von dem Gnadenrufe Gottes an die Sünder. 4. Nimmt nun der freche sünder Den gnadenruf nicht an, So bist du viel gelinder, 21s man es denken kann, Sein ziel verlängerst du, Er kann noch gnade hoffen, Der zugang steht ihm offen; Er eile nur herzu. 5. Liebhaber unsrer seelen! Mein hirt! mein treuster freund! Was sollt ich es verheelen, Wie wohl du es gemeynt, Ich war auf meiner flucht Ein raub der schnödsten lüste; Doch du hast in der wüste Mich huldreich aufgesucht. Mel. Von Gott will ich nicht. 6. Dein wort schallt noch 258. Wie treu, mein im herzen, Das mich zur buße guter hirte, Gehst du dem sünder nach, Der sich von dir verirrte, Der elend, krank und schwach In sein verderben läuft, Wo deine hand den armen Nicht selber aus erbarmen, Eh er versinkt, ergreift! rief, Als ich, zu deinen schmerzen, Den weg zur hölle lief. Du aber brachtest mich Von diesem breiten wege Durch kreuz zum schmalen stege; Mein hirt! ich preife dich. 2. Wie tröstlich ist die stimme, Die alle sünder lockt! Uch språchest du im grimme: Weicht, die ihr euch verstockt, Weicht, fünder, weicht von mir, Ich will euch nicht erkennen! Wer wollt' es unrecht nennen? Wer bist du? wer sind wir? 3. Doch heißt dein ruf uns kommen, Und merken wir nicht drauf, Ob wir ihn schon vernommen, So suchst du selbst uns auf, Dein herz, o heiland! brennt, Daß doch das schaaf 7. Ach! daß ich deiner liebe Nur immer folgfam war, Nicht oft zurücke bliebe, An lieb und eifer leer! Nicht, wie viel du gethan, Mir oft entfallen ließe, Da ich ja mehr ge nieße, Als ich verdanken kann! 8. Nun, Jesu! ich beklage Den blöden unverstand, Und daß ich meine tage So übel angewandt. Verstoß den súnder nicht! Mich reut und schmerzt mein schade; Verwandle deine gnade Nicht in ein zorngericht. 9. Für uns gemacht zum Von der Buße und Bekehrung. 197 fluche, Gabst du dein leben 4. Herr, ich bin deinem dar, Daß so dein eifer suche, Petro gleich, Dort kömmt Was ganz verloren war. Ja, ein sturm; ich sink! ach reich, nam' und that erweist, Daß Reich schnell mir deine starke du, herr! nicht vergebens hand! So wird mein fall Das rechte brodt des lebens, noch abgewandt. Der sünder heiland seyst. 5. Du rufest mir; ich komm zu dir; Mein heiland, komm und hilf du mir! Mein fuß ist müd' und weigert sich; Herr! unterstüß und trage mich. 6. Floß deine fraft mir můden ein, So werd ich So künftig stärker seyn; folg' ich dir, mein herr und gott! Durch fluth und glut, durch noth und tod. 10. Das laß mich herzlich glauben; Doch gieb mir selber kraft, Dem heile treu zu bleiben, Das mir dein tod verschafft, Und wie ich glaubensvoll aus deinem überflusse 3um wirklichen genusse Stets gnade schöpfen soll. II. Doch, sollt ich mich aufs neue, Ich schwach geschöpf, vergehn, So laß mir deine treue, Mein hirte! nie Selbstprüfung. entstehn. Erweck und führe Mel. Freu dich sehr, o meine seele. mich, Daß nichts von dir mich 260. Gott! ich will mich wende; So preis ich sonder ende Als meinen hirten dich. Gehorsam gegen den Gnadenruf. Mel. Wenn wir in höchsten nöthen. ier bin ich, herr! 259. Hie du rufest mir! Du ziehest mich, ich folge dir. Du foderst von mir herz und sinn; Mein heiland! nimm, ach nimm es hin. hab oft deinen wink verschmäht, Es ist mir leid, ich komme spåt. Wie dank ich dir, o gott der huld, Für deine langmuth und geduld! 3. Nun aber sáum' ich långer nicht, Mich dringt und treibet meine pflicht. Ich komm, ich komm voll reu und buß; Ach, aber, ach! wie wankt mein fuß! prüfen, Ob ich redlich bin vor dir; Du kennst meines herzens tiefen. Ach entdecke sie auch mir! Laß mich sehen, ob ich treu Dir in meinem wandel sey, Ob ich recht zu thun mich übe, Weil ich dich von herzen liebe. 2 Eitelkeit und eigenliebe Sind die götter dieser wel Uber nie sind sie die triebe, Deren wirkung dir gefällt. Wer das gute, das er übt, Nicht mit reiner feele liebt; Richter! dem giebst du die krone Der gerechten nicht zum lohne. 3. Die um deiner liebe willen, Wandeln, wie dein wort gebeut, Diese, diese nur erfüllen Das gesetz der fröm 198 Von der Buße und Bekehrung. migkeit. Nicht nur das, was werke Früchte deiner liebe wir gethan, Auch die quelle seyn, Sie erfülle mich mit siehst du an; Deine liebe soll stärke, Ganz mein leben dir uns dringen, Gute werke zu zu weihn! Ich bin gottes vollbringen. eigenthum; Dies sey mir der höchste ruhm! Was ist mir das lob der erde, Wenn ich seiner würdig werde? 4. Wie ein nebel, so verschwinden Meine tugenden vor mir, Fast erkenn' ich sie für fünden; Denn sie stammten nicht von dir. Deine lie= Mel. In dich bab ich gehoffet, herr. A be trieb mich nicht zur erfül: 261.! rief gott ſeiz lung meiner pflicht, Ohne selbst an dich zu denken, Ließ ich mich zum guten lenken. nen richterblick, Der alles weiß, von mir zurück, Zurück von meiner seele! Denn im gericht Besteh ich nicht, Der ich so häufig fehle. 5. Ich gehorchte deinem rechte, Daß mir diese folg: samkeit, Huld und gunst bey menschen brachte, und den ruhm der frömmigkeit. Wenn ihr beyfall mich erhob, O wie süß war mir dies lob! Dies allein ließ ich mich treiben, Meiner tugend treu zu bleiben. 6. Ach, wie könnt' ich dich vergessen, Dir, mein gott, nicht dankbar senn! Deine liebe nicht ermessen, Mich nicht deines beyfalls freun! Meinen lohn hab' ich dahin; Eitler ruhm ward mein gewinn, Und zu dir konnt' ich mich schwingen, Und ein ewig Lob erringen! 7. Gott, der du in deinem sohne Reich bist an barmherzigkeit! Gott, mein vater, ach verschone Meiner falschen frömmigkeit! Ich bekenne meine schuld; Uch, bedecke fie mit huld! Laß mich deine liebe rühren, Und mein gan= zes herz regieren. 8. Gieb, daß alle meine 2. Wie sorgt mein herz und ångstet sich! Gott, richte nicht! denn ich will mich Aufrichtig vor dir prüfen. Verstand ich nur Ganz die natur, Ganz meiner feele tiefen! 3. Wie unergründlich bin ich mir! Ach fleuch, verbirg dich nicht vor dir, 3u leicht getäuschte seele! Welch ein gewinn, Wenn, wie ich bin, Ich vor mir selbst verhehle! 4. Vertraue deinem stolze nicht, Verschleuß dein ohr, so bald er spricht, Fleuch seine täuschereyen. Der satan lügt, Der stolz betrügt Mit leeren schmeicheleyen. 5. Nimm die gesetz und höre sie, Bet' an, tritt hin zum Sinai, Und höre gott im wetter; Du sollst vor mir, Gott heischts von dir, Nicht haben andre götter! 6. Mein nam' ist groß; mißbrauche du Den namen nicht! sey still und ruh Am tage meiner feyer! Dann ruf Von der Buße und Bekehrung. 199 mich an, Stets werde dann 14. Welch eine zukunft Mir, deinem gott, getreuer! 7. Wer eltern tránket, ist verflucht, Gehorche deiner el tern zucht! Ich will, du sollst nicht tödten! Sey feines feind, Sen aller freund, Ein schuh in ihren nöthen! fürchtet sie! Laß ab, o fluch vom Sinai, O fluch vom weltgerichte! Tilgt doch die schuld Der sohn voll huld, Daß gott mich nicht zernichte. 15. Erzurnt dich sehen, welch ein schmerz! Schaff' in mir, gott, ein reines herz, Das dir kein laster raube! Verwirf mich nicht Durch dein gericht, Weil ich an Jes 8. Getreu dem manne sey das weib, Der mann dem weibe! feusch der leib, Und keusch die ganze feele! Arbeit', und sey Vom geize frey, sum glaube. Daß deine hand nicht stehle! 9. Leug nicht; trag keine schmáhung aus! Begehre nicht Wider den Selbstbetrug. Mel. Du, o schnides weltgebäude. des nächſten häus; Gelüſten 262. Wie fürcht' ich ist So ganz mein, Daß ich dich rein, Wenn ich nun richte, finde. 10. Ein eifrer über meinen ruhm, Bring' ich die misses thäter um, Den vater und die kinder. Fluch und gericht, Dem, welcher bricht Nur ein gesek, dem fünder! mein herz zu prüfen, 3u erforschen, wer Wie blick über ich bin! feine tiefen Ich ganz unbe fümmert hin! Mich warnt heimlich mein gewissen, Doch mein unrecht nicht zu wis fen, Acht' ich fühllos darauf nicht, Was es warnend zu mir spricht. II. Welch eine stimm', o Si nai! donnervoller Sinai! Wer kann die stimm' ertragen? Ach, wehe mir, Der fluch von dir Hat mein gebein zerschlagen. 12. Ich fühl, ich fühl ihn, ich soll rein ,, Rein, wie ein geist des himmels seyn, Ganz heilig seinem namen. Und ich bin blind, Verkehrt gesinnt, Gezeugt aus sündensaamen. 2. Ruhig wandľ' ich auf dem pfade Leichtsinnsvoller. eitelkeit. Durch den mißbrauch deiner gnade Steigt, gott! meine sicherheit, Und noch viel vollbrachten sünden Hoff ich dich versöhnt zu finden, Weil dein sohn, weil Jesus Christ Für die welt gestorben ist. 13. Wer ist vom haupt bis auf den fuß So krank als ich? gedank', entschluß, Begierd' und that sind böse. Verderbt bin ich; Wer ist, der mich Aus meiner angst erlöse? 3. Ungezähmt find meine triebe, Unerleuchtet mein vers stand, Leer mein herz von deiner liebe, Meine pflicht mir unbekannt, Todt mein glaub' und ohne früchte; Und doch hoff ich im gerichte, 200 Von der Buße und Bekehrung. Ich, ohn' alle besserung, Gott, von dir begnadigung! 4. Ach, ich thor! ich thor! wie lange Werd ich selbst mich hintergehn? Nahe meinem untergange, Will ich die gefahr nicht sehn! Gott, erweck mich aus dem schlafe, Eile nicht mit mir zur strafe, Hab', o vater, noch geduld, Und zeig' mir erst meine schuld! 5. Ob ich mich mir selbst vers hehle, Dir verhehl' ich mich doch nicht, In der tiefe mei ner seele Ist vor dir, gott, alles licht. Reiß mich aus den finsternissen, Und dann treibe mein gewissen, Durch dich selbst erweckt in mir, Mich zur buß', und, gott, zu dir! 6. Der du herzen prüfst, bekehre, Heiligster, bekehre mich! Führ' zur tugend mich, und lehre Mich dann recht vertraun auf dich! Dir, gott! dir nur laß mich leben, Dir mein ganzes herz ergeben! So werd ich mich künftig scheun, Von mir selbst getäuscht zu seyn. Bußgesänge. Mel. Wo gott, der herr, nicht. ch nein, mein 263. A auge darf ich nicht 3u dir, mein gott, erheben! Vor deinem reinen angesicht Muß ich, ich sünder, beben! Ach gott! was hab' ich doch gethan! Wer nimmt sich meines jammers an, Wer will sich mein erbarmen? 2. Biel tiefer, als ichs sagen kann; Ift, herr, herr, mein verderben! 2ch nimmst du meiner dich nicht an, So muß ich ewig sterben. Doch gern verschiebst du dein gericht, Und willst den tod des sünders nicht, Wilst meinen tod nicht, vater! 3. Uch Jesus Christus heißt auch mich, mich fünder, zu sich kommen! Wår' keiner gleich so schlimm, wie ich, Doch werd' ich angenommen. Wenn nur mein herz recht redlich ist, Wenn ich an dich, o Jesus Christ! Bon ganzer seele glaube. 4. Ja, so verderbt ich immer bin, So werth der hölle flammen, So werf ich doch vor dir mich hin; Du wirst mich nicht verdammen, Wenn ich, ich sünder, staub, ich fluch, Bey dir aufrichtig gnade such, Und eifer, dir zu leben. 5. Von dir, der du die liebe bist, Darf ich vergebung hoffen; Dein vaterherz, o vater! ist Auch mir durch Jesum offen. Wer immer sich ihm treu ergiebt, Wen tief sein tiefer fall betrübt, Kann gnade bey dir finden. 6. Der reue thrånen rührten dich Stets, vater! zum vergeben; Auch ich, ich weine bitterlich, Und fleh um gnad und leben. Der größte sünder steht vor dir, Und fleht: vergieb, o vater, mir, Um Jesu Christi willen! 7. Umsonst fleht dich mein herz nicht an; Ich weiß, an wen ich glaube, Ich weiß, daß Jesus helfen kann, Von der Buße und Bekehrung. Drum lieg ich hier im staube, nung ruht, Und deß sich sunUnd fleh', und ruf, und schweige nicht, Bis Jesus Christus zu mir spricht: Dir ist die schuld vergeben! der trösten, Wenn sie, vergebung zu empfahn, Mit buß und reu zu dir sich nahn; So komm' auch ich, erbarmer! 8. Stárk meinen glauben, herr! an dich, Wenn ich die last der fünde, Und ihre kla= gen wider mich Mit heißer angst empfinde. Gieb neue kraft mir dann zum flehn, Und laß für mich dich bluten sehn Um kreuze, Jesus Christus! 9. Vergeben kannst du; ach vergieb! Ich falle dir zu fuße. Vergeben willst du; ach vergieb! Verwirf nicht meine buße! 3Zwar greß ist meine sündenschuld, Doch gránzenlos ist deine huld, O vater Jesu Christi! 10. Hier lieg ich tief zermalmt vor dir, Mit sünd' und fluch beladen; Ach neige doch dein ohr zu mir, Du vater aller gnaden! Vergieb mir, wie dein wort verheißt, Ver: gieb, und schenk mir deinen geist 3u einem bessern leben! 11. Uch! ohne dich vermag ich nichts, Drum gieb mir lust und stärke. Von dir nur, vater alles lichts! Kömmt fraft zum guten werke. Drum bitt' ich, bester vater! dich, Erfüll durch Jesum Christum mich mit deines geistes hülfe. 201 Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes. err Jesu Christ, du höchstes gut, Du freude der erlösten! Auf dem des frommen hoff264. 2. Beladen komm ich; nimm die last, Mein mittler! mir vom herzen, Der du auch mich erlöset haft, Erlöst mit todesschmerzen, Daß meine feele nicht mit weh In ihren fünden untergeh, Und ohne hülfe zage. 3. Wenn mir, o heiland aller welt, Die menge meiner sünden Aufs herz, wie ein gebirge, fällt, Wo kann ich rettung finden? Ich finde sie bey dir allein! Verloren, Jesu! würd' ich seyn, Wenn ich dein wort nicht hätte. 4. Begnadigung und heil verspricht Es denen, die dich ehren, Die reuevoll zu ihrer pflicht Und dir zurücke kehren, Und nun vom fündenjoch befreyt, Aus wahrer frommer dankbarkeit Nach deinem rathe leben. 5. Dein herzerforschend auge sieht Der größten fünder einen, mit heilverlangendem gemüth, Hier auch weinen! gnade Uch um würd'ge mich gefallenen Des blickes voll erbarmungen, Den du auf Petrum warfest. 6. Vertrauensvoll erkühn ich mich zu dir empor zu blicken, Du seligmacher, der du dich Freu'st, seelen zu beglücken! Vergiß, o du, der gern vergiebt! Das unrecht, 202 Von der Buße und Bekehrung. welches ich verübt, Tilg' es durch deine gnade. Du sprichst: dir ist verziehen! Und alle schrecken fliehen. 5. 3war viel noch mangelt mir; Doch, gütigster! von dir Kömmt jede gute gabe, Die ich vonnöthen habe. Du wirst mich unterstützen, Und in versuchung schügen. 7. Wie groß ist diese se ligkeit, Sein herz vor dir zu stillen! Wie edel die entschlossenheit, zu thun, herr, deinen willen! D! leite mich auf dieser bahn, Daß ich, dein sel'ger unterthan, Froh dein gesetz befolge. 8. Der du allein zu helfen weißt, Heil' mich durch deine wunden, Stárk mich mit deinem freudengeist In mei nen leßten stunden! Und führ mich dann, o Jesu Christ! Dahin, wo freud' und wonne ist, zu deinen auserwählten. Mel. Wo soll ich fllehen hin. 265. Mein gott! wo ich Der ich umgeben bin Vom schrecken meiner sünden? Wo kann ich rettung finden? Hilsst du nicht selbst mir wieder, So sink' ich trostlos nieder. 2. Ja du, o Jesu! du Rufft mir noch gnädig zu. Mit hoffendem gemüthe ich zu deiner gute. Du hilfft be: 266. O barmherzige ladnen seelen, Die dich zum retter wählen. 6. Wie unerschrocken ruht Das herz in deiner hut! Du bast ja selbst verheißen, Nichts soll mich dir entreißen, Der ich dir angehöre, Folg ich nur deiner lehre. 7. Der du mein herz ge wannst, Gedanken lesen kannst, Vor dem ich dankbar weine! Du siehest, wie ichs meyne, Du siehest mein bestreben, Dir würdiger zu leben. 8. Herr! deß ich ewig bin, Gieb mir den festen sinn, Das alles stets zu meiden, Was mich von dir kann scheiden. So leb' ich dir, und erbe Den himmel, wenn ich sterbe. mel. Uch gott vom himmel sieh. keit! Ich falle dir zu fuße, Und thu noch in der gnas 3. Ich traue nur auf denzeit Von ganzem Herzen dich; Dein blut floß auch buße. Was ich nicht recht für mich. O tilger meiner gethan vor dir, Erbarmer! sünden! Laß mich den frie das verzeihe mir, Nach deiden finden, Den der hat, ner großen gute. der dich liebet, Und den die welt nicht giebet. 4. Wie groß die sünde sey, Du machst von ihr mich frey, Der ich dein kreuz umfasse, Und dir mich überlasse. 2. Du geber wahrer seelenruh! Nimm von mir, was mich quälet, Durch deine gnade wirke du In mir, was mir noch fehlet, Gieb mir den geist der heiligung, Von der Buße und Bekehrung. 203 Daß ich in meiner besserung Doch sie läßt keinen unerBon tag' zu tage wachse. hört. 3. Und du, o Jesu! der du dich Für uns dahin gegeben, Du hast aus freyer huld auch mich Erlöst zum ew'gen leben. Mein seligmacher und mein gott! Erbarm dich meiner feelennoth, Und gieb mir deinen frieden. 4. Für fünder floß dein theures blut, 3ur rettung vom verderben; So komm es denn auch mir zu gut, Im leben und im sterben; Es schrecke von der laster pfad, Von jeder unerlaubten that, Mich immerdar zurücke. 5. Geist gortes, meiner feelen licht, Regierer der gedanken! Erinnre mich ans weltgericht, Beginnt mein herz zu wanken, Damit ich jede sünde flich, Und ehrsucht, geiz und wollust nie Mein herz beflecken möge. 6. Und schlägt die letzte stunde mir, So hilf mir über vinden, Laß meine feele troft bey dir, Du gott des troftes, finden! Belehre mich, daß schmerz und noth, Und felbst der letzte feind, der tod, Mich doch zum leben führe. Mel. Wer nur den lieben gott. 267. A Umächtiger, ich staub, ich sünder, Steh hier vor deinem angesicht! Erbarmer aller men schenkinder, Ach geh mit mir nicht ins gericht! Ich bin zwar deiner huld nicht werth; 2. Um trost ist meiner feele bange, Die last gehäuster missethat Liegt schwer auf mir, die dich so lange, Gerechter gott! gereizet hat. Weß tróst ich mich, ich schuldiger, Als deiner nur, barmherziger! 3. Soll ich an deiner huld verzagen? Ich, dein geschöpf? das willst du nicht. Du, der mich hat bis jetzt getragen, Bleibst ewig meine zuversicht! Du, gott! durch den ich leb und bin, Giebst mich nicht dem verterben bin. 4. Betrübte folgen meiner sünden, Uch meine schuld, wer tilget die? Du läsfest doch mich ruhe finden, Ich, sprichst du selbst, ich tilge sie! Hab ich nicht auch an Jesu heil, Nicht auch an seiner liebe theil? 5. Er hat auch mir das recht verdienet, Getrost zu dir ema por zu sehn; Und wenn der sünder sich erkühnet, Durch ihn vergebung zu erflehn, So bist du vater, der vergiebt, Und lieber segnet, als betrübt. 6. Sprichst du zu mir: dir ist vergeben! Gestillt ist mein gewissensschmerz, Und will mein zaghaft herz noch beben, So bist du größer, als mein herz. Dein gnadenwort macht alles gut, Und schenket selbst zur tugend muth. 7. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Mein glaube fagt es, daß ichs bin. Der trost, Von der Buße und Bekehrung. 204 der sich im herzen mehret, Der neue dir geweihte sinn, Dies findliche vertraun auf dich Bezeugt es, du begnas digst mich. Mel. Uch gott und herr. ch gott und herr! 268. Wie groß und schwer Sind meine vielen sünden! Wie drückt mich doch Des elends joch! Wo kann ich hülfe finden? 4. Solls ja so seyn, Daß straf und pein Auf fünden folgen müssen; So fahr hier fort, Nur schone dort, Muß ich auch viel hier büßen. 8. Herr Jesu Chrift! Mein zuflucht, ist Das kreuz, an dem du starbest, Und mir zu gut, Mit deinem blut Die seligkeit erwarbest. 9. Hier, hier bleib ich, Und wenn auch sich Mein leib und seele scheiden. werde dort Bey dir, mein hort! Ererben ew'ge freuden. Ich 2. Floh ich gleich weit, Voll bangigkeit Bis an des erdreichs enden, Der angst und pein Befreyt zu seyn, Würd' ich sie doch nicht wenden. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. 3. Bu bir flieh ich; Verstoß 269. Pater! laß mich nicht mich, der ichs so sehr verdienet. Uch geh doch nicht, Gott, ins gericht! Dein sohn hat mich verfühnet. gnade finden, Tröste mein geångstet herz; Denn die menge meiner sunden Macht mir bangigkeit und schmerz. Siehe, mein gott! wie ich hier Demuthsvoll, gebeugt vor dir, Reuig, traurig, schaamroth stehe, Und dich um vergebung flehe. 2. Du bist heilig! ich hingegen Bin voll ungerechtigkeit. Was kann dich zur huld bewegen? Ach! auf deine gütigkeit Seh' ich meine zuversicht. Denn, herr! sollte dein gericht Ueber mich nach recht ergehen, Wie würd' ich vor dir bestehen? 3. Doch nach deinem wort und lehre Willst du keines sünders tod, Sondern daß er sich bekehre, Und frey werde seiner noth. Dieser trost erquickt auch mich Gläubig, vater! fleh ich dich, Laß für 5. Bergiß die schuld! Gieb mir geduld, Und ein gehor: sam herze, Daß ich mein heil, Mein bestes theil, Durch murren nicht verscherze. 6. Verfahr' mit mir, Wies dünket dir, Du stärkst mich, es zu leiden. Nur wollst du mich Nicht ewiglich Von deiner gnade scheiden. 7. Dies thust du nicht; Mit zuversicht Kann es mein glaube hoffen. Durch Christi tod Steht ja, mein gott! Auch mir der himmel offen. 10. Gott, dir sey ruhm! Dein eigenthum Bleib ich in Jesu namen. Ich zweifle nicht, Mein heiland spricht: Wer glaubt, wird selig! Amen! Von der Buße und Bekehrung. 205 meine schweren sünden Auch Wer kann, herr, willst du mich armen gnade finden. richter seyn, Wer kann vor die bestehen? Der sünder bebt vor deiner macht, Dein eifer glüht, wenn er erwacht, Wie ein verzehrend feuer. 4. Dein sohn selbst kam auf die erde, Und vergoß sein theures blut, Daß ein jeder selig werde, Der hier glaubt und buße thut. Uch! sein kreuz und dornenkron Bring auch ich vor deinen thron; Durch fein heilig blutvergießen Laß auf mich erbarmung fließen. 5. Långst zwar sollt ich seyn gekommen; Doch, herr, deiner gütigkeit Ist dadurch noch nichts entnommen, Noch, noch ist die gnadenzeit. Keine buße ist zu spät, Wenn sie nur von herzen geht; D! so wird ja auf mein flehen Gnade noch für recht ergehen. 6. Gott, du gott der lieb und treue! Laß durch Jesu tod und pein Meine spåte buß und reue Dir noch wohlgefällig seyn. Denke doch nicht weiter dran, Wie viel böses ich gethan, Mein un dankbar sündenleben du huldreich mir vergeben. Wollst 7. Vater! heilige mich sünder, Sieh nicht an, was ich gethan, Nimm mich unter deine finder Wiederum aus gnaden an; Und dann rühm' und preis' ich dich, Vater, jetzt und ewiglich! Höre mich in Jesu namen, Sprich zu meinen bitten Amen! * 2. Du winkst, so bebt vor deinem thron Der weite bau der welten; Unendlich ist der gnade lohn, Dem frommen zu vergelten, Unendlich ist auch straf und tod, Die dein geses, du richter! droht, Den fünder zu bestrafen. 3. Wir nahn uns zitternd deinem thron, Und fallen be tend nieder; Wend ab, herr! deines eifers drohn, Vergieb, und segn' uns wieder. Zwar sind wir nicht des segens werth, Groß ist die schuld, die uns beschwert; Doch deine gnad' ist größer. 4. So liebreich, wie ein vater sich Erbarmet seiner kinder, Erbarmst du, gott der liebe! dich Der reuevollen sünder. Die willig ihre schuld gestehn, Und dich um gnad und schonung flehn, Die kannst du nicht verstoßen. 5. Wir traun auf deine vaterhuld, Die uns dein sohn erworben; Er ist zur fühnung unsrer schuld Den tod am kreuz gestorben. D! laß auch uns durch seinen tod Berubigung in unsrer noth, Und deinen frieden finden. Mel. Aus tiefer noth schrey ich. 6. Und stark uns denn, o 270. Unsträflich bist du, gott! daß wir Dir wohlge gott, und rein, Und duldest kein vergehen. fällig leben; Denn welch ein dank gebührt nicht dir, Der 206 Von der Buße und Bekehrung. unsre schuld vergeben! Dir statt der klagen, tönen! Thråfey in frommer heiligkeit, nen, werdet freudenthránen! Gott! unser Leben ganz ge weiht; Dann sind wir dein im tode. 5. Du, der durch sein wort und stärke Sündern neue her: zen schafft, Göttlich stärkt, und gute werke In uns wirkt, o geist der kraft! Gieb, daß ein bund gebro- ftrengeres gericht Mir durch neue sünden werde, Stärk mich schwaches kind der erde! Mel. Freu dich sehr, o meine seele. ft hab ich den 271. chen, Den ich, gott! mit dir gemacht, Oft dir treu zu seyn versprochen, Und der zusag' nicht gedacht. Herr! vor dem ich strafbar bin, Bebend sink' Mel. Etraf mich nicht in deinem. ich vor dir hin, Weinend und 272. Strafe nicht, o mit wahrer reue Nah ich mich dir jetzt aufs neue. 2. Schau, wie ich mich vor dir winde! Dein zorn ist mir fürchterlich. Unerträglich liegt die fünde Auf mir, und fie ångstigt mich, Ihre menge zeigt sich mir. Wo entflieh ich, gott! vor dir, Wenn du sünden und verbrechen, Heiligster! an mir willst rächen? 3. Vater! vater! dein erbarmen Ist noch größer als die schuld. Deinen sohn gabst du uns armen; Ihn ergreif ich, gott der huld! Durch ihn fleh auch ich zu dir, Nimm, herr! straf und schuld von mir. Um des eingebornen willen Wollst du mich mit trost erfüllen. 4. Heil mir! durch ihn wird vergeben, Sein blut tilget meinen schmerz. Wonne, freude, neues leben Strömt durch mein beklommnes herz. Herz, aus dem jest kummer fließt, Laß, da du erhöret bist, Jubel, mich in deinem grimme. Höre, herzenskündiger! Meines fiehens stimme. Sende du Troft mir zu, Reiß mich aus den nöthen, Ehe sie mich tödten. 2. Wird dies herz im grabe sich Deiner gute fretten? Gott des lebens! tod fann ich Dir kein danklied weihen. Rette mich, Daß ich dich, Weil ich hier noch lebe, Dankbar froh erhebe. 3. Nichts, als deine vater: huld, Kann mich glücklich machen. Ach! gedenk nicht meiner schuld, Stárke du mich schwachen. Heile mich, Zeige dich Mir in deiner gnade, Gott, du gott der gnade!, 4. Wann wirst du mich doch erfreun? Wann mir trost ge= währen? Täglich, helfer! harr' ich dein, Und ich hab in zahren Meine nacht Oft durch: wacht. Eil, erbarmer! eile Deinem knecht zum heile. 5. Elend, tief gebeugt bin ich, Und von seufzen müde, Von der Buße und Bekehrung. 207 Meine seele sehnet sich nur auch von mir gethan. Führ umsonst nach friede. Ach, wie lang Soll ich bang, Heiland müder seelen! Trübe stunden zählen? 6. Doch o feele, zage nicht! Gott verstößet keinen, Der ihn fleht mit zuversicht, Er vernimmt mein weinen. Nie vergißt Jesus Christ Seiner theu'rerlösten; Des will ich mich trösten. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. Mel.& gott, du frommer gott. 274. Sicht die gute, err! höre mein 273. Her! gebet, um dei ner wahrheit willen. Du bist an gute reich, Und wirst mein seufzen stillen. Ach! geh nicht ins gericht mit deinem armen knecht. Vor dir, o herr! ist ja Kein sterblicher gerecht. 2. Die große meiner schuld Schlägt meine feele nieder. Beschämt empfind' ich sie; D! tröste du mich wieder, Daß mir der seele schmerz Nicht alle kraft verzehrt. Wer ist, der außer dir Mir wahren trost gewährt? 3. Zu dir, o treuer gott! Erheb' ich herz und hände. Mein heil steht nur bei dir. daß ich hülfe fånde! Für recht laß gnad' ergehn; Sch hoffe, herr! auf dich. Zeig mir den rechten weg; Denn nach dir sehn ich mich. 4. Ich will, o stårke mich! Ich will die sünde hassen. Auf deine hülfe nur Will ich mich, gott! verlassen. Nur das, was dir gefällt, Werd mich durch deinen geist Auf dieser ebnen bahn. 5. Beruhige mein herz Um meines mittlers willen, Laß seines opfers troft Auch mein gewissen stillen. Du bist die liebe selbst Ganz unveránderlich. Dein will ich ewig seyn; O gott, erhöre mich! Die du mir bisher erzeigt, so wird mein ganz gemüthe Zu der tiefsten schaam gebeugt, daß ich dich gering geschätzt, Häufig dein gebot verlegt, Und dich, der du mich geliebet, Doch so oft und schwer betrübet.* 2. Alle meine feelenkräfte, Meine glieder sind ja dein, Und sie sollten zum geschäfte Deines dienstes fertig seyn. wie hab ich sie entweiht! Ach! zur ungerechtigkeit Und zum schnöden dienst der fün: den Ließ ich mich oft willig finden. 3. Deine huld war jeden morgen Ueber mir, o vater! neu. Von wie manchen schwe ren sorgen Machtest du mein herz mir frey! Was mir nütte, gabst du mir. Aber ach! wie dankt' ich dir? O wie hab' ich so vermessen Deines wohl thuns zweck vergessen! 4. Bey dem hellen licht der gnaden Sollt' ich ja die sünde fliehn, Und um rettung 208 Von der Buße und Bekehrung. von dem schaden Meiner feele mich bemühn. Deine gute lockte mich Oft zur buße; aber ich Floh vor ihrem sanf: ten locken, Suchte mich selbst zu verstocken. 5. Ach! an dir hab ich gefündigt, Gott, mein vater! zurne nicht. Dir hab ich oft. aufgekündigt Meine schuld'ge kindespflicht. Uch vergieb, was ich gethan! Nimm mich noch erbarmend an, Führe mich vom sundenpfade Schnell zu: rück durch deine gnade. 6. Dir ergeb' ich mich aufs neue. Gieb, daß mein be schwerter geist Deiner vaterhuld fich freue, Die dein tro: stend wort verheißt. Was dein sohn auch mir erwarb, Da er für die fünder starb, Fried' und freude im gewissen, Uch! das laß auch mich genießen. 2. Laß mich auf die be: gangnen sünden Mit inniger. beschåmung fehn, Durch Christum vor dir gnade fins den, Und auf den weg der tugend gehn. Ich will forthin das unrecht scheun, Und deinem dienst mein leben weihn. 3. O! stårke mich in dem gedanken! Gieb meinem vorsak festigkeit; Und will mein schwaches berz je wanken, So hilf der unentschlossenheit. Wie viel vermag ich, gott, mit dir! Nimm deinen geist nur nicht von mir. 4. Gieb, daß er mir stets hülfe leiste, Und muth und stårte mir verleih, Daß ich mit kindlich treuem geiste Dir bis zum tod ergeben sey; So sieg ich über sünd und welt, Und thue, was dir wohlgefällt. 5. Wenn ich indeß aus, schwachheit fehle, Mein vater! so verwirf mich nicht. Ver birg nicht der betrübten feele, Wenn sie dich sucht, dein angesicht, und mache in be kümmerniß Mein herz von deiner huld gewiß. 6. Erquide mich mit dei nen freuden, Schaff ein ge Und trostes herz in mir, stårke mich in allen leiden; So halt' ich mich, mein gott! zu dir, Bis nach vollbrachter prüfungszeit Der deinen erba theil mich erfreut. 7. Stårke selbst in meiner feele Den entschluß, mich dir zu weihn, Gieb, daß keine kraft mir fehle, Folgsam dei: nem wort zu seyn. Stehe mir stets måchtig bey, Mache du mich selbst recht treu, Dich zu lieben, dir zu leben. Ewig will ich dich erheben. Mel. Wer nur den lieben gott. 275. G ott! dir ge fällt kein gott: los wesen, Wer böse ist, bleibt nicht vor dir. Drum laß von sünden mich genesen, Und schaff ein reines herz in mir, Ein herz, das sich vom Mel. Uch gott und herr. ch finn der welt Entfernt, und 276. A ure night, Und dein geunbefleckt Von der Buße und Bekehrung. richt, Verschone, gott! mich armen! Denn zürnest du, Wo find' ich ruh, Wo mitleid und erbarmen? 2. Ich bin so matt, Und niemand hat Vermögen mich zu heilen. Vor deinem dráun Bebt mein gebein; Du wollest, gott! mich heilen. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 3. Du draueft mir; Wie 277. Dir allein bab Herr, ist vor dir, meiner feele bange! Wie lange soll Ich schreckensvoll Um gnade flehn? wie lange? ich gesündigt, Herr, bey dem ich gnade such! Dein gerecht gesetz verkündigt Jedem übertreter fluch. Und was kann vor seinen schrecken, Richter aller welt, mich decken? 2. Kann ich deinem arm entfliehen? Du bist allenthalben nah. Flöh ich, dir mich zu entziehen, Himmel an; so bist du da. Stürzt' ich in die tiefe nieder, Deine rechte hålt mich wieder. 4. Uch! deine huld Tilg' alle schuld Der dir verhaßten sün: den. Laß ab zu drohn, Durch deinen sohn Laß gnad und heil mich finden. 5. Der quaalen ort Erschreckt mich dort; Dort wirst du nicht erhoben. Wer in der pein Kann dein sich freun, Dir danken und dich loben? 6. D was für quaal Folgt auf die wahl Des bösen! welch ein leiden! Gott, welche schaam Und was für gram Auf ekelvolle freuden! 7. Wie sorgt mein herz, Durch furcht und schmerz Gequålet und zerrissen, Es werde gott Vor meiner noth Sein gütig herz verschließen. 8. Verzweiflung, weich! Entfleuch, entfleuch Aus meinem bangen herzen! Er wird verzeihn! Ihn jammert mein, Ihn jammert meiner schmerzen. 209 Und in ihm bleibt, Soll nicht vergehn, soll leben. 10. O heil der welt, Mein glaube hålt Dich, und will dich nicht lassen! Gott liebet dich; Wie kann er mich, Den du versöhnt hast, hassen? 9. Er liebet mich, Und bat für mich Selbst seinen sohn gegeben; wer an ihn glaubt, 3. Herr, ich flieh in deine hånde! Außer dir ist keine ruh. Dein erbarmen hat kein ende, Wer ist gnädiger als du? Du bist gott, und kannst vergeben; Ach vergieb, und laß mich leben! 4. Groß sind meiner fünde schulden, Ihre last ist mir zu schwer. Ja, wenn länger mich zu dulden, Deine langmuth müde wár: Müßt ich, würdest du nur winken, In des todes nacht versinken. 5. Mich für straflos zu er klären, Reichet keine reue zu, Und zerflöß mein herz in zäh ren, Fånd ich darum doch nicht ruh. Können eines sünS Von der Buße und Bekehrung. 210 ders thrånen, Dich, o heilig ster! versöhnen? 6. Gottverföher! dein er barmen, Dein für mich vergoßnes blut, Und dein tod erlöst mich armen, Heilet mich, und giebt mir muth. Dein verdienst ists, was mich decket, Wenn mich dein gericht erschrecket. 7. Rette mich von meinen sünden, Schaff ein reines Herz in mir; Laß bey dir mich ruhe finden; Zieh mich immerdar zu dir. Dankbar will ich mich bestreben, Mein er löser! dir zu leben. Ueber Schwachheitssün den. Mel. Jesu, meines Lebens leben. ch! wann werd 278.[! A ળ! ich von der fünde, Gott, mein vater! vol= lig frey, Daß ich ganz sie überwinde, Ganz dir wohlgefällig sey? Noch nicht, ich ge steh's mit thránen, Kann ich mich von ihr entwöhnen, Immer noch ereilt sie mich, Und versucht mich wider dich. liches bestreben, Meinem vorsa treu zu leben, Von dem tag an, immerdar Meiner buße wirkung war. 4. Auch hat keine Lust zur fünde Wiederum mein herz bethórt. Ernstlich haß ich sie, und finde Täglich diesen haß vermehrt, Nicht vom leicht sinn hingerissen That ich wider mein gewissen, Hab' auch nicht, so viel ich weiß, Mich versündiget mit fleiß. 5. Aber ach! wie oft empo: ret Sich die leidenschaft in mir, Und verführet mich, und störet Meine freudigkeit zu dir! Uebereilung, eigenliebe, Des verborgnen stolzes triebe! Eh ichs merke, ziehen sie Mich zur sünde, die ich flieh. 6. Weh mir, daß ich widers willen, Ja mit tödtendem verdruß. Oft den hang zur sünd' erfüllen Und dir widerstreben muß! Ach! wer wird mich ganz vom bösen, Ganz von mångeln mich erlösen? Sch elender! wer befreyt Ganz mich von der sündlichkeit? 2. Långst hab ichs mir vor: genommen, Dir mein leben ganz zu weihn. Redlich, schwur ich, und vollkommen Soll vor gott mein wandel seyn. Allen vortheil, alle freuden, Die mich drohn, von ihm zu scheiden, Will ich mit verachtung fliehn: Denn von herzen lieb ich ihn. 3. Gott! du sahest, wie ichs meynte, Wie ich alle missethat, Der ich schuldig war, beweinte, Und dich um vergebung bat, Welch ein ernst- kommen werden, Bin- und 7. Du verzeihst mir die gebrechen Meiner fündigen natur. Nicht die schwachheit wirst du ráchen, Bösen vorsak strafst du nur. Hått ich den trost nicht, ich würde Unter meiner mångel bürde Ganz erliegen, und mich dein Hochstes gut! nie wieder freun. 8. Stellet mir denn hier auf erden Lebenslang die sunde nach, Kann ich nicht voll Von der Buße und Bekehrung. bleib ich hier noch schwach, pfade, Doch unsre schwache Ach, so segne mein bestreben, So gerecht ich kann, zu leben, Daß ich doch von heucheley Und von bosheit ferne sey. 9. Wenn ich falle, laß michs merken, Laß mich streben aufzustehn; Eile, mich, dein kind, zu stärken, Lehre mich selbst fester gehn; Warne mich; fey mein begleiter; Täglich führe, gott! mich weiter, Bis ich in der ewigkeit Dringe zur vollkommenheit. 211 frömmigkeit Belohnst du auch mit gnade. Das herz soll rein Von bosheit seyn; So willst du die gebrechen Der menschlichkeit nicht rächen. 5. Ich weiß, mein mittler, Jesus Christ, Hat meine schuld getragen. Weil er für mich gestorben ist, Wie könnt ich denn verzagen? Verdammte mich Dein recht, der ich Zwar schwach bin, aber glaube; Was nügte mir mein glaube? 6. Hilf du mir kämpfen, daß ich, herr! Mich selber überwinde; So werd ich täglich heiliger, Und freyer von der sünde. Dort, dort wird sie mich ewig nie Von deiner liebe trennen, Mich nie verführen können. Wider die Lieblings: sünde. Mel. Was gott thut, das ist. sch! 279. Ah! wird denn dein erlöster nie Frey von der macht der sünden? Ich kämpfe täglich wider sie, Und kann nicht überwinden; Ich haff ihr joch, Und trag es doch; Du siehst, herr! dem ichs klage, Wie trage. Mel. Wer nur den lieben gott. abermal 2. Weit mehr, mein gott! 280. ich gefallen Mit A betrübt mich dies, Als alle noth der erde, Daß ich noch immer nicht gewiß Und fest im guten werde. Wie fürcht ich mich, Ich werde dich Durch fleisch und blut getrieben, Nicht treu, nicht ewig lieben! 3. Doch ich will ruhig seyn in dir, Der du die herzen prüfest! Du kennest uns; nur staub sind wir, Die du ins leben riefest. Gott! dein gericht Verdammt uns nicht, Wenn wir nicht schon auf er: den, Wie engel. heilig werden. 4. Wir gehn in unvollkommenheit Auf dieses lebens überlegung und mit wahl! Tief, o wie tief, bin ich gefallen. Vielleicht noch nicht zum letzten mal! Elender fünder, der ich bin! In welchen abgrund eil ich hin! 2. O die verhaßte lieblingssünde, D die gewohnheit ihrer lust, Den hang, den ich zu ihr empfinde, Wie wüthen sie in meiner brust! Wie un umschränkt, wie fürchterlich Ist ihre herrschaft über mich! 3. Lángst warnte schon mich mein gewissen: Mensch, du empórst dich wider gott! Von böser lust dahin gerissen, Be. 2 Von der Buße und Bekehrung. 212 trogner, eilst du in ben tod! Dir raubt die sünd in kurzer zeit Der erde glück, die seligkeit! 4. Wie oft hab ich mir vorgenommen: Nun will ich meine sünden fliehn! Rein und unsträflich und vollkommen 3u wandeln will ich mich bemühn! Wie oft, o gott! hat mein gebet Um kraft dazu dich angefleht! 9. Liebt ich dich nur, so wie ich sollte, So flöh die lust zur sünde mich; Wenn sie mich auch versuchen wollte, Gelång es ihr nicht wider dich, Und deiner wahren liebe glanz Betäubt' und tödtete sie ganz. 10. O pflanze du in meine feele Rechtschaffne lieb' und lust zu dir! Gott was ich denke, was ich wähle, Das zeuge durch die that von ihr! Dich lieben als dein eigenthum, Das sey mein werk, mein heil, mein ruhm! II. Dann werd ich endlich überwinden, Und herrscher meiner lüste seyn. Dann wirst du alle meine sünden, Wie viel, wie groß sie sind, verzeihn. Mein leben hie, mein lobgesang Im himmel, vater! sey mein bank. Bußlied eines vieljähri. gen Sünders unter den 5. Bald reizt aufs neue mich die sünde; Wie schwach war gleich mein widerstand! Uch sie gefiel mir, und geschwinde Ergriff sie mich, und überwand! Die lust verschwand mir im genuß, Nun folgten ekel und verdruß. 6. Auch diesmal bin ich überwunden! Ach, niemals sonst fiel ich so tief! Mein vor satz war noch nicht verschwunden, Mein herz schlug, mein gewissen rief; Gott, richter, ich gedacht an dich! Und den noch, dennoch sündigt ich! Solgen seiner Laster. Met. Jesu, meines Lebens leben. 7. Ich sagte mir: gott wird 281. Endlich wachet es ráchen! Und dennoch, den noch fündigt ich! Ist ein vergehn, wie mein verbrechen? O wie erschreck ich über mich! Vom drohen deines weltge richts Erbebt' ich; doch es wirkte nichts. mein gewissen Aus dem langen schlummer auf, Und prüft, spát von reu zerrissen, Ernsthaft meines le bens lauf, 3eigt mir thorheit und verbrechen, und ruft drobend: gott wirds råchen! Nichts als unsinn zeigt es mir, Sunder, sünder, wehe dir! 8. Dunbegränzte fündenliebe, Wie werd ich endlich frey von dir? Wie überwind ich deine triebe, Und dåmpfe dich, und sie in mir? Gott, mein erbarmer! hör' mein flehn, Und lehre mich, ihr widerstehn. 2. Was hab ich seit so viel jahren Von den fünden für genuß? Lauter schrecken und gefahren, Seelenunruh und verdruß! Lafter, quelleu meiner schmerzen, Ihr lohnt mich mit angst im herzen! Zügellos Von der Buße und Bekehrung. 213 lief ich euch nach; Nun folgt in deinem sohne Dich anruf: gram und pein und schmach! o vater, schone! Habe noch mit mir geduld! So vers giebst du meine schuld. Wo ist nun die lust der fünde, Die sie mir gewiß versprach? Wie verrauschte sie geschwinde, Und ließ graun und ekel nach! Nunmehr, o ihr eiteln freuden, Stürmen täglich neue Leiden Unvermeidlich auf mich zu, Und mich flieht des lebens ruh. 8. Hört es, himmel! erde, höre! Zeuget zwischen gott und mir! Ewiger! vergieb! ich schwöre Bey dem tode Jesu dir Kindliche und stete treue! Gott! erbarm dich, und befreye Von der sünden elend mich, Bis ans grab, herr! fürcht ich dich. 4. Alles ist für mich verlos ren, Glück, gesundheit, gut gerücht; Mich verspotten jetzt die thoren, Weiser mitleid Mel. Herr, nicht schicke deine rache. find' ich nicht. Leben mag ich 282. Endlich muß ich nicht, entschlies liches verderben Gränzt, o sünde, nah mit dir! Was für hoffnung bleibt nun mir? 5. Ich weiß, ewig werd ich leben, Ewig ist der fünde pein, Meinen lohn wird gott mir geben, Schrecklich wird mein urtheil seyn! Ich verschmähte seine liebe: Wenn nun ungestraft ich bliebe, Der ihm troßt' ins angesicht, So war er der richter nicht. ßen, Angstvoll forderts mein gewissen! Wie viel jahre sind mir schon Ungenügt zum heil entflohn! Will ich noch das ziel ereilen, Darf ich mich nicht mehr verweilen, Ein verlorner augenblick Sett mich nun schon weit zurück. 2. Gott! wie hab ich dich erkennen, und mich doch bereden können, Glauben ohne besserung Sey zur seligkeit genung? Wußt ichs nicht, die deinen willen Wissen, aber nicht erfüllen, Die erkenn einst im gericht Jesus für die seinen nicht? 6. Darf ich jetzt noch vor dich treten, Der du sündern strafen schwörst? Vor dir weinen, zu dir beten? Hoffen, daß du mich erhörst? Strenger richter! mein herz bebet; Aber deine lieb erhebet Den gefunknen muth in mir, Und erweckt vertraun zu dir. 7. Wenn ich noch der sünd entfage, Noch sie fliehe, wie den tod, Noch nach deinen rechten frage, Ernstlich ehre dein gebot; Wenn ich noch ichs nie von ihm gehört? 3. Daß der heiligen vers treter Jenen sagte: missethåter, Weicht von mir! an meinem heil hat kein knecht der sünde theil! Daß ihr glaube ohne früchte Sie nicht schüß im weltgerichte, Hatt' er das nicht selbst gelehrt! Hatt' 214 Von der Buße und Bekehrung. 4. Dennoch lag ich ohne und klag es dir, O besfre kummer, In der lüste fanftem meine seele! schlummer, Und verträumt' in sicherheit Meine theure kurze zeit! Wollte ja durch seine schrecken Mein gewissen mich erwecken, Sprach ich sünder: Jesu tod Hat mich ausgeföhnt mit gott! 5. Ich betrogner! ach vergebens Ging die beste zeit des lebens, Wie ein pfeil, vor mir dahin, Und noch bin ich, der ich bin! Zügellos find meine triebe, Unerwärmt mein herz von liebe Meines gottes! o wie weit Steh ich von der seligkeit. 6. Eile, rette dich, o feele! Fühle die gefahr, verhehle Dir nicht langer deine schuld, Flehe gott an um geduld! Wirf dich reuig vor ihm nieder, Sündige hinfort nicht wieder, Jage nach der heiligung, Bringe frucht der besserung. abzuweichen, Wirst du noch dein ziel erreichen, Und am ende deiner bahn Der erlósten kron' empfahn. 2. Ich wandle auf der sünder bahn, und bin zum guten tråge. Herr! nimm dich meines elends an, Und lehr mich deine wege. 3. Verkehrt und eitel ist mein sinn, Geneigt zu jugendlusten; O! neige meine seele hin 3ur freude wahrer christen. 4. Mich reizt der eitelkeiten tand Mehr, als das heil der seelen; Herr! gieb mir weisheit und verstand, Das beste theil zu wählen. Bußlied für junge Leute. Mel. Ich dank dir, gott, durch. ch, wie viel 283. શ boses wohnt in mir! Wer zählt, wie oft ich fehle? Ich fühl es, herr, 5. Mein gott, mein gott, gedenke nicht Der sünden meiner jugend! Erinnere mich an meine pflicht, und lehre mich die tugend. 7. Dann erst wirst du's recht empfinden, Daß für alle deine sünden Jesus die versöhnung ist, Und daß du beBei einbrechenden gått: lichen Strafgerichten. Mel. O gott, du frommer gott. ott ist die liebe gnadigt bist. Ohne wieder 284. G selbst; Sein väterlich erbarmen Und seine langmuth trågt Verschonungsvoll uns armen. Doch wenn die erde sich Empórt und lastern fröhnt, Entbrennt sein eifer, und Verzehrt den, der ihn höhnt. 6. Mein Jesu, ach erbarme dich, Vergieb mir meine sünden! Laß mich, geheiliget durch dich, Einst deinen himmel finden. 2. Bereit auf seinen wink Stehn fürchterliche plagen. Erwacht sein strafgericht, So müssen völker zagen. Der Von der Buße und Bekehrung. 215 frieg geht blutig aus, Und Shr fünder, sollte er Nicht würgt auf sein gebot, Die ráchen seine ehre, Wenn ihr pest verheert ein land, Und die unschuld plagt, Die ar reißt schnell in den tod. men unterdrückt, Der unzucht sklaven seyd, Und euch mit schande schmückt? 3. Es zittert die natur, Wenn sich der höchste reget; Die erde bebt, das meer Wird schreckenvoll beweget, Wenn auf der winde flug Gott råchend daher geht, Und ganzer völker sund' Vor seinem antlig steht. 4. Welch ungewitter schnaubt und braust daher von oben! O hört es, sunder! hört, Wie seine donner toben! Gott zebaoth droht uns! Ach laßt uns zu ihm gehn, Und seinem strafgericht Durch buße widerstehn! 5. O schone, schone noch! Bertilg uns nicht als feinde, Zu dir flehn wir, o gott, Dem großen menschenfreunde! Du dürftest nicht nach blut; Nein, deine vaterhand Ståupt nur zur besserung Ein unge: horsam land. 6. So ruchlos ist die welt, Als ob kein gott nicht wäre! 7. Der allerheiligste, Den ganze rotten schmähen, Soll eure gråuel stets Nur stumm und schweigend sehen? Wenn ihr das recht verkauft, Der wittwen ernte speist, Wenns laster schaamlos geht, Und nicht mehr laster heißt? Mel. Es ist das heil uns kommen. 285. s ist das heil (&$.$ uns kommen her Aus gottes freyen gnaden. Die werke helfen nimmermehr, Der burd' uns zu entladen. Der glaube sieht auf Jesum Christ, Der un fer mittler worden ist, Der uns das heil erworben. 8. Soll sich der große gott, Vor dem sich welten beugen, Nur gütig, nie gerecht, Nie sich als richter zeigen? Die erde soll das lob Des schö pfers predigen; Ihr schåndet seine welt Durch stetes sündigen. 9. Sein eifer ist entbrannt; Eilt ihm mit buß entgegen! Noch lässet sich sein herz Zur gnad' und huld bewegen. Holt euch erst seine rach Auf lasterwegen ein, Dann wird kein helfer mehr Und keine rettung seyn. Vom Glauben. 2. Da man, was das geses gebot, Nicht völlig konnt erfüllen, erschreckt uns zorn und große noth, Die niemand mochte stillen, Der sünde macht nahm immer zu, Nichts gab uns fündern trost und ruh Beym fluche des gesetzes. füllet 3. Und doch mußt es erseyn, Sonst mußten Vom Glauben. 216 wir verderben. Drum stellt vor gott sein sohn sich ein, 21s mensch für uns zu sterben. Der hat es ganz für uns erfüllt, Damit den schweren zorn gestillt, Deß laft uns alle drückte. 4. Da es durch den erfüllet ist, Durch welchen wir genesen, So lern und fasse wohl, o christ! Des glaubens rechtes wesen; Der glaube spricht: du, herr, bist mein, Dein tod wird mir das leben seyn, Du hast für mich gebüßet. 5. So glaub ich fest, und zweifle nicht, Dein wort wirst du nicht brechen, Wenn alle welt die treue bricht, Hältst du doch dein versprechen. Wer glaubt an dich, und wird getauft, Dem ist die seligkeit erkauft, Der gehet nicht verloren. 6. Vor gott gerecht sind die allein, Die dies von herzen glauben. Die werke sind des glaubens schein, Ohn den wird er nicht bleiben. Er lehrt, in gottes willen ruhn, Er lehrt, dem nächsten gutes thun, Geduld Geduld und sanftmuth üben. 7. Schlägt das gesetz den eigenruhm Durch seinen fluch darnieder, Gleich eilt das evangelium, Und stärkt den sünder wieder. Dies spricht: komm nur zum kreuz herzu! Denn das gesetz giebt keine ruh Mit allen seinen werken. 8. Die werke kommen allzeit her Aus einem rechten glauben, weil das kein rechter glaube wár, Wenn man ihm die wollt' rauben. Von schuld macht nur der glaube los, Die werke dienen andern bloß, Den glauben dran zu merken. 2. Der glaub' ergreifet Jes sum Christ, sein kreuz, verdienst und sterben, Dadurch uns nun erworben ist, Was keiner konnt erwerben. Die eis gene gerechtigkeit Thut nichts dabei, ist wie ein kleid, Das durch und durch beflecket. 10. Doch wenn man durch den glauben nun Gerechtigkeit empfangen, Muß man auch rechte werke thun, Und fest am guten hangen, Da, wer gottloses wesen treibt, Sm glauben nicht beständig bleibt, Ihn durch die that verläugnet. II. Wer bey gott gnad' erlanget hat, Muß ihn vor augen haben, Daß er bey ihm sucht hülf und rath; Ihm dankt für alle gaben, In feiner furcht freiwillig lebt. Des fleisches lústen widerstrebt; Dies ist der weg zum leben. 12. Wer aber sicher gehet hin, Thut, was ihm nur bes liebet, Lebt fort nach seines herzens sinn, Den lüften sich ergiebet, Ruft gott nicht an, daß er ihn führt, Mit seinem geist ihn stets regiert, Der läuft den weg zur Hölle. 13. Den meidet jeder, der recht glaubt, Bewahrt, was ihm gegeben, Sieht zu, daß er das fleisch betäubt ,, Sehnt Vom Glauben. 217 sich nach jenem leben, Dient Drum wend ich mich zu dir seinem nächsten, ehrt nnd Mit demuthsvollem flehen: preist In Christo gott mit D zünde selbst in mir Den stillem geist, Es geh ihm, wahren glauben an, Weil wie es wolle. ich durch meine kraft Ihn mir nicht geben kann. 14. Die hoffnung wartet still der zeit nach göttlicher zusage, Bestimmt zur bülf in unserm leid Dem höchsten nicht die tage. Er weiß wohl, wenns am besten ist. Er, der die seinen nie vergißt, Und will, daß wir ihm trauen. 15. Verbirgt er je sein angesicht, Das laß dich nicht erschrecken, Selbst, wenn er schon dein joch zerbricht, Will ers oft nicht entdecken. Sein wort laß dir gewisser seyn, Und ångstigt dich des zweifels pein, So laß dir doch nicht grauen. 16. Von allen zungen sey gepreist, um dieser gutthat willen, Gott vater, sohn und heil'ger geist! Du selber wollst erfüllen Dein in uns ange: fangnes werk, zu ehren deiner größ und stårk, Dein name werde heilig. 17. Dein reich komm, daß dein wille mag, Wie droben, hier geschehen. Gieb unser brod uns jeden tag, Verzeih uns die vergehen, Als wir den schuldigern verzeihn. Bersuchung laß fern von uns seyn, Hilf uns vom bösen. Amen. Mel. O gott du frommer gott. 286. err, ohne glau: ben fann Kein mensch vor dir bestehen; 2. Dein daseyn laß mich, gott, Mit überzeugung glauben. Nichts müsse mir das wort Aus meinem herzen rauben, Daß du dem, der dich sucht, Stets ein vergelter seyst, Und hier und ewig ihn Mit deinem heil erfreust. 3. Wahrhaftig ist dein wort; Laß mich ihm völlig trauen. Nie wanket deine treu; Laß mich darauf stets bauen. Gieb, daß ich dir im glück Und unglück stets getreu, Und dem, was du gebeutst, Von herzen folgsam sey. 4. Laß mich, mein Jefu! dich Im glauben recht erkennen, Dich meinen herrn und gott Mit ganzer seele nennen. Laß mich im glauben thun, Was mich dein wort gelehrt, Daß dich herz, mund und that Als meinen heiland ehrt. 5. Dein göttliches verdienst Sey mir o herr! stets theuer; Es fülle mich mit trost, Es mache mich stets freyer Vom eiteln lasterdienst, Es stårke mich mit kraft Zu deines namens ruhm, In meiner pilgrimschaft. 6. Wie selig leb ich dann Im glauben schon auf erden! Wie herrlich wird mein theil Dereinst im himmel werden! Dann schau ich, was ich hier Vom Glauben. 218 Geglaubt, in ew'ger ruh. I stårk im glauben mich, Gott meines heils, dazu. am grabe Trost und hoffnung habe, Dank ich dir allein. Daß dein geist Mich unterweist, Und mich führt auf deinem pfade, Das ist deine gnade. Der du blut und leben Mel. Jesu, meine freude. getroft und 287. Weiter, Du Hin für mich gegeben, Daß in meiner noth Ich nicht hülflos bliebe; Groß ist deine liebe, Stárker, als der tod! Herr! und ich, Ich sollte mich Deiner huld nicht dankbar freuen? Dir mein herz nicht weihen? gebenedeyter, machst du meinen geist! Der du, die dir trauen, Führst zu grünen auen, Und so gern erfreust! Niemals wird Bey dir, o hirt Und beruhiger der see: len! Mir erquickung fehlen. 2. Deinem rath ergeben, Freu ich mich zu leben; Was du willst, ist gut. Nichts vermag ich schwacher, Du mein seligmacher! Rüstest mich mit muth. Wenn die welt Erbebt und fällt, Wenn gericht und hölle schrecken, Willst du mich bedecken. 7. Würdig dir zu leben, Dies sey mein bestreben, Meine luft und pflicht! Was die welt vergnüget, mein heil! das gnüget Meiner seele nicht. Hab ich dich, Wie gern will ich Das, wornach die fünder trachten, Reich in dir, verachten. 3. Ich kann ohne grauen Gråber vor mir schauen, Mein erlöser lebt! Ich weiß wem ich glaube, Weiß, daß aus dem staube Mich sein arm erhebt. Todestag! Dein fchrecken mag Eines frevlers herz erschüttern; Was brauch ich zu zittern? 4. Auch in mir ist fünde; Doch ich überwinde Sie, mein hort! durch dich. Sink ich oft noch nieder, Du erhebst mich wieder, Du begnadigst mich. Deine huld Tilgt meine schuld, Nie entziehst du deinem knechte Der erlösten rechte. 5. Daß ich gott erkenne, Und ihn vater nenne, Und mich ewig sein, Daß ich noch 8. Macht ein gut der erde, Daß ich glücklich werde? Giebts zufriedenheit? Sind nicht auch die ehren, Die die welt bethören, Traum nnd eitelkeit? Du erfceust Des menschen geist; Herr! du willst die dich verehren, Ewig wieder ehren. 9. Deinen hohen frieden Schmeck' ich schon hienieden; Und was hoff ich dort? Unbegränzte zeiten Voller feliga keiten Hoff ich auf dein wort. Sie sind mein, Durch dich allein; Bleib ich dir getreu im glauben, Wer kann sie mir rauben? 10. Voll von deiner gute Lobsingt mein gemüthe, Gott, Vom Glauben. mein heiland, dir! Dieser geist der freuden Stårke mich im leiden, Weiche nie von mir. Laß mich so Beherzt and froh Einst durchs thal des todes dringen, Dort dein lob zu singen. Mel. Wer nur den lieben gott. Ich habe nun den grund gefunden, Der meine hoffnung ewig hålt; Wo anders als in Jesu wunden? Da lag er vor der zeit der welt, Ein grund, der unbeweglich steht, Wenn erd und himmel untergeht. 219 wenn mich meine fünden krånken, Nur bald nach gottes herzen schaun; Da findet sich zu aller zeit Unendliche barmherzigkeit. 5. Darein will ich mich gläubig senken, Dem will ich mich getroft vertraun; Und 6. Wird alles andre mir entrissen, Was leib und feel' erquicken kann; Muß ich des lebens freuden missen, Und nimmt kein freund sich meiner an, Scheint die errettung noch so weit, Mir bleibet doch barmherzigkeit. 7. Muß ich selbst an den besten werken, Die ich in die ser welt gethan, Viel unvollkommenheit bemerken; Dies treibt mich zwar zur demuth an, Doch ist mir auch der trest bereit: Ich hoffe auf barmherzigkeit. 8. Es gebe nur nach tes sen willen, Bey dem so viel erbarmen ist; Er wird gewiß sein wort erfüllen, Er, der der seinen nie vergißt; Sie währet ja in ewigkeit, Die göttliche barmherzigkeit. 2. Es ist das ewige erbar men, Das alles denken übersteigt; Es sind die offnen lie: besarmen Deß, der sich zu dem sünder neigt. Er geht mit uns nicht ins gericht, Und will den tod des sünders nicht. 3. Wir sollen nicht verlo: ren werden, Gott will, uns soll geholfen seyn! Deswegen kam sein sohn auf erden, und nahm den himmel siegreich ein. Nun ruft sein wort und geist uns zu: Kommt her zu mir, bey mir ist ruh! 4. O abgrund, welcher unfre fünden Durch Christi tod verschlungen hat! Das heißt die wunden recht verbinden, Da findet kein verdammen statt, Weil blut beständig schreyt: Barmherzig- 289. Aherr Jefu Af Mel. Allein zu dir, herr Jesu. suf dich allein, keit, barmherzigkeit! Christ, Soll mein vertraun sich gründen, Auf dich, der du mein heiland bist! Sonst 9. Auf diesen grund will ich stets bauen, So lang ich hier auf erden bin; Der gnade gottes will ich trauen, Fållt alles andre gleich dahin, So sing ich einst nach dieser zeit: abgrund der barmherzigkeit! 220 Vom Glauben. ist kein heil zu finden. Es ist kein retter außer dir, Kein mensch, kein engel, welcher mir meinen nöthen hel: fen kann; Dich ruf ich an, 291. Idensfürst! zu Mel. Herzlich lieb hab ich dich. komme, frieDu bists, der helfen will und kann. dir. Erbarmend rufst du ja auch mir, Den frieden zu empfangen. Der sünden last ist mir zu schwer; D! laß mein herz von trost nicht leer, Laß es die ruh erlangen, Die du dem tiefgebeugten geist, Der zu dir fliehet, selbst verheißt. Wer tröstet mich, als du allein? Wer macht mein herz von sünden rein? Herr Jesu Christ, mein trost und licht!:,: Verwirf, verwirf du mich doch nicht. 2. Erlöser! meine schuld ist groß; Sie reuet mich von herzen. Erbarme dich und sprich mich los Durch deines todes schmerzen. Weil du für mich genug gethan, Nimmt gott auch mich zu gnaden an, So bin ich los der sünden last, Mein glaub' umfaßt Dich, der du sie getragen hast. 3. Hilf, daß ich meines glaubens kraft Durch wahre lieb' erweise, Ja, mache du mich tugendhaft, zu deines namens preise. Sey mir in meiner prüfungszeit Ein helfer voll barmherzigkeit; Und naht die letzte stunde sich, Dann zeige dich In deiner gnad und rette mich. an dich, ich traue dir, Ich will mich bessern; hilf du mir! 290. Bor Mel. Herzlich lieb hab ich dich. or dir, herr Jesu, steh ich hier, Mein herz sehnt sich nach trost bey dir! Was darf ich armer sagen? Ach! groß ist meine missethat; Doch mittler! deine huld und gnad Láßt sünder nicht verzagen. Herr Jesu! dein verdienst allein Macht mich von allen sünden rein, wenn ich in wahrer reu und buß Un dich glaub und dir fall zu fuß; Herr Jesu Christ! Ich glaub' 2. Unbetend steh ich, herr! vor dir; Dein antlik neige du zu mir, Und sey mir sünder gnädig. Wenn mein vergehn um rache schreyt, So mache aus barmherzigkeit Mich aller strafe ledig. Der du am kreuz gelitten hast! Du trugest ja auch meine last, Als du zum heil der sünder starbst, Und ihnen gottes huld erwarbst. Herr Jesu Chrift! Mein herr und gott!:: Er löse mich durch deinen tod. 3. Du, du bist meine zuversicht, Durch dich entflieh ich dem gericht, Dem schweren lohn der fünden. Durch dich kann ich dem fluch ents gehn, Und mich mit gott vereinigt sehn, Und ew'ges leben finden. Dein tod ist der vers lornen heil, Gieb mir an seis Vom Glauben. nem segen theil; Er sey auch mir beruhigung, Und meines lebens heiligung. Herr Jesu Christ! Ich hoff auf dich:: In dieser hoffnung stårke mich. 4. Mein ganzes leben preise dich. Erlöst, mein mittler! hast du mich, Dein eigenthum zu werden. Wenn ich dein bin, so fehlt mir nichts, Nichts einst am tage des gerichts, Nichts hier auf dieser erden. Auf dieser bahn zum vaterland Entzieh mir niemals deine hand, Zu deinem dienste stärke mich, Und laß mich siegen einst durch dich. Herr Jesu Christ, Mein herr und gott!:,: Ein leben sey mir einst der tod. Um Stärkung des Glaubens. Mel. O gott, du frommer gott. err, allerhöch292. Here! ster gott! Von dem wir alle gaben, Und was uns nüglich ist, Durch flehn und bitten haben. D! sieh erbarmend mich In meiner schwachheit an, Weil ich, so wie ich will, Dir nicht vertrauen kann. 221 korn gleich Mein glaube noch sehr klein, So laß ihn doch bey mir In stetem wachsthum seyn. 4. Gieb, daß die zuversicht In meinem geist sich mehre, Daß du mein vater seyst, Und ich dir angehöre, Daß alle meine schuld Von dir vergeben sey; Damit mein herz sich dein, Als seines gottes, freu. 5. Mach diese zuversicht In mir, o gott! so fråftig, Daß ich mein lebenlang In deinem dienst geschäftig Und stets beslissen sey, 3u thun, was dir gefällt; So hab' ich gott! in dir Den himmel auf der welt. 6. Mein heiland! der du einst Für deine jünger batest, Und wenn fie wanketen, Beym vater sie vertratest! unterstük' auch jest Mein sehnliches gebet, Und schenke glaubenskraft Dem, der dich darum fleht. 7. In deiner mittlersband Ist heil und aller segen. Herr! unterstüße mich Auf allen meinen wegen, Daß ich des glaubens ziel, Der seelen seligkeit, Erlange, und dich preis' In alle ewigkeit. Der an Jesu festhaltende Glaube. 2. Ich glaube zwar an dich, Doch nur mit schwachem glau: ben, Oft will die zweifelsucht Mir alle hoffnung rauben. Wer macht das herz gewiß, Als du, o herr! allein? Laß deine hülfe doch Von mir nicht ferne seyn. Mel. Jesus, meine zuversicht. 293. Deinen Mei 3. D! reiche du mir selbst 293. M laß ich nicht! Aus gnaden deine hände, Da er sich für mich gegeben, Hilf meiner schwachheit auf, Daß mich nichts von dir wende. Ist schon dem senf Sollt ich nicht aus dank und pflicht Un ihm hangen, und ihm leben? Er ist mei Vom Glauben. 222 nes lebens licht; Meinen Je sum laß ich nicht. 2. Jesus bleibt mein theil und ruhm Bis an meines lebens ende, Shm geb ich zum eigenthum Ganz mich hin in seine hånde. Er ist meine zuversicht; Meinen Jesum laß ich nicht. 3. Wenn mein auge schon verlischt, Wang' und lippen sich entfärben, Mich kein labfal mehr erfrischt, Alle sinnen mir ersterben, Und das matte herz nun bricht; Laß ich meinen Jesum nicht. 4. Dort auch laß ich Jesum nie, Hange stets an seinen blikken; Denn nach dieses lebens müh, Leuchtet dort, mich zu erquicken, Ewigmir sein angesicht. Meinen Jesum laß ich nicht. 5. Weder welt noch freude ists, Was mein sehnend herz begehret. Du allein, mein Jesu, bists! Denn für mich mit fluch beschweret, Wandtest du zorn und gericht. Dich mein Jesu! laß ich nicht. 6. Dich, mein Jesu! halt' ich fest, Lasse nichts von dir mich scheiden. Weh euch, die ihr sein vergeßt, Ihr beraubt euch ew'ger freuden! Selig aber, der da spricht: Meinen Jesum laß ich nicht! Getroster Muth eines im Glauben befestigten hülfe sich. Hab' ich nur ihn zum freunde, Ist er mein helfer, gott; Was kann mir thun der feinde Und widersacher spott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, Ich weiß es, als ein christ, Daß gott, der höchst' und beste, Mein freund und vater ist; Daß er zu allen zeiten Mir seine hande reicht, Fm kampfe mir hilft streiten, In noth nicht von mir weicht. 3. Der grund, drauf ich mich gründe, Sst Christus und sein blut, In ihm ists, daß ich finde Das wahre, ew'ge gut. Un mir und meinem leben Ist nichts, das mir gehört; Was Christus mir gegeben, Ist nur der liebe werth. 4. Er ist mein ruhm und ehre, Er ist mir glanz und licht. Wenn er nicht bei mir wåre, So kám' ich ins ge richt. Und wie wollt' ich bestehen; Ach! ich der sünden knecht? Läßt gott sich gütig sehen, So ist er auch gerecht. 5. Doch meiner funden schmerzen Nahm Jesus selbst auf sich. Er gab dem kranken herzen Die ruh, und heilte mich. Ich darf mich seiner freuen Mit unerschrocknem muth, Und kein gericht mehr scheuen, Gereinigt durch sein blut. nichts kann mich 6. 294. Jo trete Gleich verdammen, Nicht welt und alles wider mich, So oft ich ruf und bete, Zeigt er mit himmel nicht, Nicht holl' und ihre flammen, Nicht jenes Christen. Mel. Herzlich thut mich verlangen. Vom Glauben. 223 strafgericht. Mir ist das heil kein gut dir fehle? Schüßt erworben, Und meine schuld dich seine vorsicht nicht, Wenn gebüßt, Da er für mich ge- gefahren drauen? Ists nicht storben Und auferstanden ist. wollust, ists nicht pflicht. Seiner dich zu freuen? 7. Sein geist spricht mei: nem geiste Manch süßes trost: wort zu: Wie gott dem hülfe leiste, Der bey ihm suchet ruh, Und wie er hab' erbauet Ein' edle neue stadt, Wo aug' und herz einst schauet, Was es geglaubet hat. 2. Ja, mein gott! ich hab in dir, Was mein herz begehret, Meinen vater, der mich hier Wartet und ernäh ret. Der mich durch sein göttlich wort Hier zum guten lenket, Und mit himmelswonne dort Meine seele tránket. 8. Da ist mein theil und erbe, Ich steh voll zuversicht; Wenn ich gleich fall' und sterbe, Fällt doch mein himmel nicht. Und muß ich auch mit zähren Oft meinen weg bestreun, Dort ernt' ich ohn' aufhören Die frucht des friedens ein. 9. Was kann mich jemals scheiden Von deiner lieb', o gott? Verfolgung? trübsal? leiden? Schwert? hunger? blöße? tod? Nichts, nichts! ich überwinde In dem, der mich geliebt, Und sich für meine sünde Zum opfer selber giebt. 10. Nichts, was wir hier erheben, Nicht engel, fürstenthum, Nicht dies noch jenes leben, Nicht macht, gewalt und ruhm, Nichts, was wir denken können, Soll mich ( dies weiß der christ,) Von gottes liebe trennen, Die da in Chrifto ist. Glaubensfreudigkeit. Mel. Schwing dich auf zu deinem. eines De gottes 295. D freue dich, Dank ihm, meine seele! Gor: get er nicht våterlich, Daß 3. Wenn ich ernstlich dein gebot Und mit freuden übe, Wenn ich findlich dich, mein gott! Fürcht' und ehr' und liebe; O wie ist mir dann so wohl! Wie ist mein gemüthe Seliger empfindung voll, Voll von deiner gute! 4. Dann darf ich mit zus versicht Nach dem himmel blicken, Meine leiden fühl ich nicht, Wie sie mich auch drükken. Hoffnung und zufriedenheit Wohnen mir im herzen, Trösten und erhöhn mich weit Ueber alle schmerzen. 5. Du bist mein, so jauchz' ich dann! Wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ichs rühmen kann: Mein ist deine gnade! Dir ist meine wohlfahrt werth, Du gabst mir mein leben, Wirst auch, was mein leben nåhrt Und erfreut, mir geben. 6. Jesus ist nach deinem rath In die welt gekommen, Alle meine missethat Hat er weggenommen. Ihm vertrau, ihn bet ich an, Glaub an Vom Glauben. 224 seine leiden, Und die macht der sünden kann Mich von dir nicht scheiden! 7. Dich, du trost der sterblichkeit, Heil des bessern lebens, Himmlische vollkommenheit Such' ich nicht vergebens! Wenn mein lauf vollendet ist, Und vollbracht mein leiden, Ruft mein mittler Jesus Christ, Mich zu deinen freuden. 8. Meine freud' in dir, mein. gott! Wird dann ewig wahren; Noch so furchtbar sey der tod, Er kann sie nicht stören; Willig werd' ich mein gebein Der verwesung geben; Herr! dein tag bricht bald herein, Mit ihm neues leben. bins gewiß; Hilf, o erretter! daß ich dies Bis an mein end' empfinde. daß ich Erlöst bin, gottes sohn durch dich Von aller meiner sünde. Gelobt sey gott! ich 2. In dieser lasterhaften zeit Des leichtfinns und der ficherheit Wach' über meinen glauben. Du menschenhüter! wache du, Daß keine zweifel meine ruh, Und meinen trost mir rauben. 3. Den spott der frevler über dich Und deinen tod am kreuz laß mich, Wie er's vera dient, verachten. Mit desto stårkerer begier Laß meine seele, gott! nach dir Und deinem reiche trachten. 4. Wenn mir die welt gelegenheit Zur sünde giebt, zur eitelkeit, Und zu verbotner freude, So dámpfe du in meiner brust, Die angeborne böse lust, Daß ich sie standhaft meide. 9. Gieb mir, gott! so lang' ich hier auf der erde walle, Das bewußtseyn, daß ich dir Als dein kind gefalle. Diese fanfte freudigkeit, Die ich zu dir habe, Sey mein heil zu dieser zeit, und mein trost am grabe. 5. Ich möchte sonst, durch sie verführt, Die fünde, die den tod gebiert, Mich übereilen lassen, Mich dann aus sündenlust bemühn, Vom glauben abzugehn, und ihn, So wie die welt, zu hassen. 10. Laß die lust der sünde nie Diefes heil mir rauben, Rüste selbst mich wider sie Mit vernunft und glauben. Gieb mir deinen geist, der mich Und mein thun regiere, Daß ich mein vertraun auf dich Ewig nicht verliere. Beständigkeit im Glau: ben. 6. Wenn meine freudigkeit zu dir, Mein glaub' und meine hoffnung mir, O gott! entris sen würde, So würde nichts mich mehr erfreun, Verhaßt mir selbst dein wohlthun seyn, Mein leben eine burde. deinem himmel Mel. Kommt her zu mir, spricht. ch und 296. Thbine gewi, würd ich nicht, Mit freud und trost im angesicht, mit seelenwollust sehen; Ich würde den gedanken fliehn, Daß Vom Glauben. ich einst auch gehofft, für ihn Vom tod hervor zu gehen. 8. Der hölle schrecken würs den mich, Der ich von meis nem glauben wich, Gott! fürchterlich ergreifen, Schwer auf mir liegen, angst und schmerz, und furcht in mein verwundet herz Mit jedem tage häufen. 9. Der du für meine fünden starbst, Und hoffnung mir und trost erwarbst! Laß mich so tief nicht fallen; Erhalt mir meines glaubens ruh, Und meinen wandel lenke du Nach deinem wohlgefallen. BAND 225 Deine stimme recht verstehn. Mehr, als zeugniß aller wel. ten, Laß mir, gott! dein zeugniß gelten. Richte meinen ganzen sinn Nur auf deine wahrheit hin. Mel. Du o schnides weltgebäude. tárke, denn oft 297. will er wan fen, Meinen glauben, gott, an dich! Dwie wird mein herz dir danken! Wie frohlocken! höre mich!- Laß mich nicht an dir verzagen, Immer kühn're blicke wagen. Sinkt mein schwacher glaube hin, Richt' ihn auf und stärke ihn. 2. Wollen zweifel sich erheben, Blendet mich des irrthums schein, D so laß mein herz nicht beben, Den verstand nicht dunkel seyn. Beige du dein licht mir wieder, Strome glauben auf mich nieder; Deiner wahrheit hel: 6. Unaussprechlich schwach und flüchtig Sst mein tief vers dorbnes Herz; Heut ist mir die tugend wichtig, Morgen mir die sünd' ein scherz. Uch wär' nur mein glaube fester! Stårk' ihn, mehr ihn, allerbester! Jesus! eile, stårk ihn du! Ach sonst find' ich keine ruh. Kampf des Glaubens. ler glanz, Der entwolke sich 298. auf zum streit, Met. Es woll' uns gott genådig. mitgenossen! mir ganz. Damit uns gott belohne! Es gilt das reich der herrlichkeit, Der überwinder krone. Der weichende wird nicht gekrönt, P 3. Nur auf dein wort, nicht auf lehren Schwacher menschen laß mich sehn, Deine stimme laß mich hören, 4. Nechten glauben schenk vor allen Andern gaben, vater! mir. Wem er fehlt, muß dir mißfallen, Wer ihn hat, ist eins mit dir. Er belebe mein triebe, Sey der stab, die hand der liebe; Er besie: ge, wie ein held, Durch mich satan, fleisch und welt. 5. Glauben, als wenn ich bich såhe, Flöße mir, mein heiland! ein; Im gefühl von deiner nåhe Laß mein herz sich täglich freun. Jesus! willst du dich nicht zeigen? Hörst du nicht? wie kannst du fchweigen? Gieb mir glaus ben, nahe dich Meinem geist, und stärke mich.men Vom Glauben. 226 Wie hat der herr gestritten! Der herr, der uns mit gott vers söhnt, als er den tod gelitten, Am dlberg und am freuze. 2. Miterben! haltet an, und seht Empor zum großen lohne; Denn nur durch unsre feinde geht Der weg zu jener trone. Ob tausend auch zur rechten euch, 3ur linken taus send sånken, So sinkt doch nicht, den schwachen gleich. Wird gott sein reich uns schens ken, Wenn wir imstreit erliegen? 3. 3war groß ist unsers kampfs gefahr, Doch laßt 6. Wie fáumts? wie fäumts? o lange nacht! Bis berg und hügel fallen? D húter, bis dein tag erwacht, Und uns posaunen schallen? Wer überwindet, der wird seyn Mit gottes fohn ein erbe. O gottes fohn! laß du mich seyn Der hoffnung, wenn ich sterbe, Und dann sey ihr vollender! Sieg des Glaubens. Mel. Alle menschen müssen sterben. überwinden muß, uns ihre schrecken nicht grös 299.Nicht nur ftreten wer nach der krone ringt! Ernstvoll ist der kampf der füns den, Und der heilige nur fingt An dem ziele siegeslieder. Er nur schaut mit wonne nieder Auf des heißen streits gefahr, In der seine seele war. gottes schuß uns decken. Er ktärkt, der mächtig stårken kann, Wenn wir um hülfe flehen, Er reicht den harnisch; zieht ihn an! So könnt ihr muthig stehen, und freudig überwinden. der 4. Wer überwindet, foll den tod, Den ewgen tod nicht feben. Verging er auch in feiner noth, Dort wird er nicht vergehen. Nach dieses lebens furzen streit, Nach seinen furzem leiden, Wird ihn der unschuld weißes kleid, Gerechtigkeit, bekleiden, Hell durch das blut des lammes. 5. Uch húter! ist die nacht schier hin, Die dunkle nacht der erden? Wenn ich einst Aberwinder bin,( Laß michs, mein hüter, werden!) Wenn ich einst überwinder bin, So feh ich meinen namen Im les bensbuch; du führst mich hin, Bollender, mittler, amen! 3u deines vaters throne. 2. Jesus Christus! übers wunden haben deine mártys rer; Banger waren jene stuns den Ihres kampfs, sie strits ten mehr, Als ich jemals streiten werde. Denn dein heiligthum, die erde, Die ers ldste erde ruht, Trieft nicht mehr von menschenblut. 3. Ueberwunden, überwun den Hast du, herr der herrs lichkeit! Todesschweiß, und blut und wunden, Ew'ger tod, das war dein streit! Ganz hast du den kelch getruns ken; aber ohne muth verfuns ken Unterm ewigen gericht Bist du, großer mittler! nicht. Vom Glauben. 4. Wer kann sein geheimniß fassen, Wer, wie hoch er sich auch schwang? Gott fein gott, hatt' ihn verlassen, Als er mit dem tode rang. Dennoch war triumpf sein ende. Eil', mein geist! in gottes hånde, Rief er, rief schon in der nacht Seines tods: es ist vollbracht! 5. Was sind meine kurzen leiden Gegen die, die Chris stus litt, Und was gegen jene freuden, Die mir Christo tod erstritt! Und doch folg' ich dir mit beben! Durchzudringen in dein leben, Gieb mir, du für mich strittst, Für mich unaussprechlich littst! Thätiges Bekenntniß des Glaubens. Mel. Es ist gewißlich an der zeit. er, gott! dein 300. We wort nicht hält, und spricht, Ich kenne gott, der luget; In solchem ist die wahrs heit nicht, Die durch den glau ben sieget. Wer aber dein wort glaubt und hält, Der ist von dir, nicht von der welt, Und dieser nur wird selig. - Vom heiligen Leben Nothwendigkeit eines frommen Lebens. nopillise met2 227 2. Der glaube, den dein wort erzeugt, Muß auch die liebe zeugen. Je höher mein erkenntniß steigt, Je mehr wird diese steigen. Der glaub erleuchtet nicht allein, Er stärkt das herz, und macht es rein, Er macht das leben heilig. Mel. Un wasserflüffen Babylon. es 301. Was hilft mir, ein christ zu seyn, Wenn ich nicht christ 3. Durch Jesum rein von missethat, Sind wir, gott! deine kinder. Wer solche hoffnung zu dir hat, Der flieht den rath der sünder, Folgt Christi beispiel, als ein christ, und reinigt sich, wie er rein ist, Von allen bösen luften. 4. Dann bin ich dir, gott! angenehm, Wenn ich gehors sam übe. Wer deinen willen thut, in dem Ist wahrlich deis ne liebe. Ein täglich thätig christenthum, Das ist des glaubens frucht und ruhm, Und sein beweis und siegel. 5. Der bleibt in dir, und du in ihm, Wer in der liebe bleibet. Die lieb' ists, die die seraphim Dir, herr! zu fols gen treibet. Du bist die lieb; an deinem heil Hat ohne liebe niemand theil. Herr schenk uns solchen glauben. und Wandel überhaupt. lich lebe, Und heilig, fromm, gerecht und rein 3u wandeln mich bestrebe? Wenn ich dem seligen beruf, 3u welchem mich mein gott erschuf, Nicht wüce dig mich beweise, Und den, der mich erlöset hat, In wor 2 228 Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. ten bloß, nicht durch die that Und gute werke preise? 2. Was hilft der glaub' an Jesum Christ, Den ich im munde führe, Wenn nicht mein herz rechtschaffen ist, Und ich die frucht verliere? Wenn mich die eitelkeit der welt Mit ihrer luft gefangen hält, Sch ihre feffeln liebe, Und, fühls bar für der fünde reiz, 3orn, hochmuth, fleischeslüfte, geiz, In werk und thaten übe? 3. Weit strafenswürd'ger bin ich dann, Ich, der ich Christum kenne, Weiß, was er einst für mich gethan, Ihn 302. Beware herr! daß der wahn Nie mein gemüth bethore, Als wär' es schon ges nug gethan, Wenn dir nur äußre ehre Der mensch, dein unterthan, erweist. Erinnre mein gewissen, Wie in der wahrheit und im geift, Die dich verehren müssen, Die dir gefallen wollen. 2. Die kommen nicht ins himmelreich, Die, herr! zu Jesu sagen, Und nicht mit rechtem ernst zugleich Der heiligung nachjagen. Nur die, die deinen willen thun, Låst du, als deine kinder, O gott! in ew'gem frieden ruhn, Benn heuchlerische fünder Von dir verstoßen werden. 3. Drum laß mich doch vom glauben nie Ein heilig leben trennen, Mich nicht für Jesu jünger hie Bloß äußerlich bes kennen. Gieb, daß mein glaus be thätig sey, Und tugendder, der in der finsterniß Des irrthums tappt, noch ungewiß, Ob er auch richtig wandle. Drum ließ der herr ein vorbild hier In seinem weg und zeugniß mir, Das mit ich danach handle. 4. Und ach! wo find' ich trost und ruh, Wenn mich die leiden drücken, Und mein ges wissen tritt herzu, Die schuld mir vorzurücken? Wo find' ich troft in jener noth, Kommt hier der schaudervolle tod, Mein grab mir aufzudecken, Und meine fünden lagern sich Umber gewaffnet wider mich Mit einer hölle schrecken? glauben zu bestårken? Denn meine ganze seligkeit Wirkt glaube und rechtschaffenheit Der glaub' in guten werken. 6. Gott! dieser Hoffnung werth zu seyn, Hilf, daß ich christlich lebe. Und vor dir hei= lig, fromm und rein 3u wans deln mich bestrebe. Gieb mir erkenntniß, kraft und muth, Damit ich sünde, fleisch und blut Im glauben überwinde, Daß ich, nach wohl durchlebter zeit, Den lohn in jener ewigkeit Für meine werke finde. Mel. Christ, unser herr, zum. 5. Weh mir! was hilft es mir einst dort, Erweckt aus meinem grabe, Daß ich an Chriftum und sein wort 3um schein geglaubet habe, Wenn teine fromme gute that Mein leben hier bezeichnet hat, Den Vom heiligen Leben und Mandel überhaupt. 229 3. Wer dich sieht von gott verlassen, In der tiefsten traus rigkeit, Wer dich, mittler! sieht erblassen Nach vollbrachtem 4. Du kennst, o gott! der schweren streit, Und läßt doch menschen Herz, Und liebst, die zum dienst der sünden Seine redlich handeln, O! laß in lüste leicht entzünden, Der freude, wie in schmerz, Mich hat nicht an deinem heil richtig vor dir wandeln. Dein Nicht an gottes gnade theil. wille sey mein augenmerk, Hilf 4. Er ist unwerth jenes les mir ihn selbst vollbringen. Durch dich muß jedes gute werk Dem glücklich noch ges lingen, Der beine hülfe suchet. bens, Shn versöhnt dein leis den nicht; Für ihn standest du vergebens Vor dem richter im gericht; Mit erblaßtem angesichte Steht er selbst einst im gerichte, Sieht den zorn des höchsten glühn, Und dein 5. Doch, wenn ich aus unwiffenheit und übereilung feble, So thu' an mir barmher sigkeit, und richte meine feele: blut spricht nicht für ihn. Durch deine gnade auf vom fall. Erhalt mich bey dem einen, Daß ich bich fürchte überall, Bis ich einst mit den deinen Dir ohne fehltritt diene. Mel. Jesu, meines Lebens leben. er bu uns mit 5. Shn, zum ew'gen heil geboren, Trifft der fünden ew'ger fluch, Schrecklich gehet er verloren, Denn sein glaube war betrug. Er erkannte deinen namen, Ohne dir, herr! nachzuahmen, Rühmte feines glaubens fich, Und verleugnete doch dich. 303. Der deinem blute 3 Dir zum eigenthum erwarbst, Und uns sündern, uns zu gute, Schmachvoll an dem kreuze starbst! Uch, wie dies nen deine christen Jmmer noch der sünde listen, Leben ohne besserung, Fern von ih rer heiligung. 6. Ach, wenn uns der hang zur sümde Reizet wider unsre pflicht, Heiligster! so über winde Uns der hang zur fünde nicht! Lehr uns muthig ihn bekämpfen, und die macht der lúste dämpfen, Steh uns in versuchung bey, Und ers halt uns dir getreu. 2. Herr! du littst, uns vom verderben, Von der sünd' uns zu befreyn, Und wir wollen lieber sterben, Lieber ihre knechte seyn! Glauben noch in alten fünden Unsers le bens ruh zu finden, Und vergessen dein gebot, Deine schmach und deinen tod! früchte bringe, Daß ich, vom fundendienste frey, Mit eifer darnach ringe, Sm guten zus zunehmen. 7. Jesu! lehr auf dich uns schauen! Du erlagst der fünde nie. Laß dein beyspiel uns erbauen, Und uns stárken wis der sie. Und die absicht deiner schmerzen Präge tief in unsre herzen, Daß wir, von 230 Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt der fünde rein, Heiligster, dir ähnlich seyn. Mel. Christ, der du bist der helle. hr, die ihr euch 304. Ton Christo nennt, Und euch zu seiner lehr' bekennt, Die ihr durch ihn send theur erkauft, Und felbst auf seinen tod getauft! 2. Führt nicht den namen nur allein, Shr müsset that's ge christen seyn, Wollt ihr einst froh nach dieser zeit Eingehn zu Christi herrlichkeit. 3. Wollt ihr bekenner Jesu seyn, So lebet hier auch ihm allein. Der christ ist ganz der tugend freund, Und jedem laster ist er feind. 4. In leiden, die er tragen soll, Ist er geduldig, hoffnungsvoll. Dies leben ist die prüfungszeit, Der lohn folgt in der ewigkeit. 5. Wer gott von herzen sich ergiebt, Sich selbst be fiegt, den nächsten liebt, So wandelt, so gefinnet ist, Wie Jesus war, der ist ein christ. 6. Und wer nun so den heiland ehrt, Der lebt hier der erlösung werth, Der schläft im tobe ruhig ein, Und wird bort eroig selig seyn. Eigenschaften des Sromen. 2. Der heilig vor dir lebt und thut, Was dein gesek ihn lehret, Der, dessen herz ist rein und gut, Und sich vom bösen kehret. 3. Wer treu die wahrheit liebt, und nicht mit seiner zunge lüget, Wer nie von andern lieblos spricht, Nie låstert und betrüget. 4. Der den geringern nicht verschmäht, mit fleiß ihn nie betrübet, Den graden weg in allem geht, Und alle, wie sich liebet. 5. Der alle laster kühn verflucht, Flieht, die gott wis derstreben, Nur aber deren freundschaft sucht, Die vor ihm heilig leben. 6. Der, was er schwur, stets heilig hält, Und nie un redlich schwöret! Der alles, was er zusagt, hält, Auch dann, wenn er nicht schwöret. 7. Nie mit erpressung geld verleiht, Aus heiligem erbars men, Der dem verlaßnen hülfe beut, Und niemals drångt den armen. 29911 8. Wer das thut, den, den nennt gott sein, Den, den will er belohnen, Der wird sich ewig seiner freun, Und ewig bey ihm wohnen. mel. Wie groß ist des allmächtgen. dessen aus dir, Mel. Ich bank bit, gott, burch. 306. Herren les pris 305. heiligster, wen nennst du dein, fen, Des heuchlers list bes Und wen willst du belohnen? trügt dich nie, Du schauest Wer wird sich ewig deinerfreun, in der herzen tiefen, Und ewig bey dir wohnen? kennst und offenbarest sie. Und Vom heiligen Leben und Wandel fiberhaupt. 231 Wer darf vor dir mit freu nicht für einen segen, Wenn den wohnen, In deiner liebe sicher seyn? Wen wirst du, unser gott! belohnen? Wer darf sich deines segens freun? es der arme nicht genießt. 2. Nur der, o herr! darf zu dir kommen, und macht sich deiner freundschaft werth, Der, nach dem namen eines from men, Nie einen größern ruhm begehrt. Die tugenden sind fein vergnügen, Er ist der wahrs heit edler freund, Und unvers föhnlich gegen lügen, Der bosheit und der tücke feind. 6. Der fromme nimmt, das recht zu beugen, Nicht gaben von verbrechern an, Er kann zu keinem frevel schweis gen, Und weicht nicht von der tugend bahn. Du, unser gott! wirft ihn belohnen, Du wirst sein frommes herz erfreun, Durch dich wird er hier sicher wohnen, Und einst dort ewig selig seyn. Von der Quelle guter handlungen. 3. Ein abscheu ists ihm, neis difch trauren, Ungern den nächften glücklich fehn, Um ihm zu 307. Wübung deiner Mel. Was mein gott will. enn nicht Und schaden, auf ihn lauren, feine thaten tuckisch schmähn. Er haßt und flieht beleidis gungen, Wird groß durch seine redlichkeit; Durch unverschäme te lästerungen Wird nie von ihm ein nam' entweiht. pflicht Dich gottes lieb' bes seelet, So rühme dich der tugend nicht, Weil dir dann alles fehlet. Wenn vortheil, wollust, eigensinn, Und stolz bir gutes rathen, So hast du deinen lohn dahin, Thust bu gleich gute thaten. 4. Er ehrt, o herr! die, die dich scheuen, Verachtet den, der dich nicht liebt, Und frech es wagt, sich noch zu freuen, Wenn er burch laster dich betrübt. Er hält, was er dem nächsten schwöret, Wenn list und trug die treue bricht; Ein ungerechter wucher mehret Gerecht erworbne güter nicht. 5. Er eilt, erweichet durch erbarmen, Wenn er der menschen elend sieht, Mit seiner hülfe nach dem armen, Der voll vertrauen zu ihm flieht; Gern theilt er mit ihm sein vermogen, Das nicht das gut der waisen ist, und hält es du nichts gegeben, Wenn 2. Sen durch die gaben der natur Das wunder dieser erden; Beglückst du andre menschen nur, Um selbst ges ehrt zu werden, Erfüllt die liebe nicht dein herz, So sind die größten gaben Vor gott Doch nur ein tonend erz, Die keinen werth nicht haben. 3. Bau hauser auf und brich dein brod, Die armen zu verpflegen, Entreiß die wittwen ihrer noth, Und sey der waisen segen, Gieb alle deine guter hin; Noch haft 232 Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. lieb' und pflicht nicht beinen nächsten merken. Die liebe, finn Bor gott dazu beleben. 4. Thu thaten, die der heldenmuth Je hat verrichten können, Bergieß für's vaterland dein blut, Laß deinen leib selbst brennen; Beseelet dich nicht lieb und pflicht, Bist du der zweck der thaten, Gott achtet deiner werke nicht, Rettst du gleich ganze staaten. 5. Låg' ihm an unsern wer: ken nur, Könnt er, sie zu vollbringen, Uns leicht durch fesseln der natur, Und seine allmacht zwingen. Vor ihm, der alles schafft und giebt, Gilt weisheit nichts, nichts stárke. Er sieht aufs herz, ob Mel. Es ist das heil uns kommen. das ihn liebt, Sieht auf den 308. Dein bin ich herr! dir will ich mich 3um dienste ganz ergeben, Rechtschaffen, fromm und rein will ich Vor deinen augen leben. Wie könnt ich eines andern seyn? Ich bin ja durch die schöpfung dein, Und dein durch die erlösung! 6. Ein herz, von eigenliebe fern, Fern von des stolzes triebe, Geheiligt durch die furcht des herrn, Das glaub' erweckt zur liebe, Dies ists, was gott von uns verlangt; Nichts wird ein leben nüßen, Das mit den größten thaten prangt, Ohn dies herz zu besigen. 7. Drum täusche dich nicht durch den schein, Nicht durch der tugend namen, Sieh nicht auf deine werk' allein, Sieh auch, woher sie kamen. Prüf' dich vor gottes angesicht, Ob liebe dich beseelet; Dem her: zen fehlt auch liebe nicht, Dem nicht der glaube fehlet. 8. Wohnt liebe gegen gott in dir, Wird sie die tugend stårken, Du wirst die gegen wart von ihr Un lieb zum die dich schmücken soll, Ist gütig, ohne tücke, Sie ist nicht stolz, ist langmuthsvoll, Beneidet niemands glücke. 9. Sie deckt des nächsten fehler zu, Freut sich nicht seines falles, Sie suchet nicht bloß ihre ruh, Beglücket gers ne alles, Sie ists, die dir den muth verleiht, Hier freus den zu verbreiten, Macht dich zum frommen finn bereit, Folgt dir in ewigkeiten. Entschließung zum Dienste Gottes und frommen Lebens. 2. Ich fiel und wandte mich von dir, 3ur finsterniß vom lichte; Doch wandtest du dich gott! zu mir Mit deinem angesichte. Erbarmen war dein angesicht, Mich von der finsterniß zum licht Zu dir zurück zu rufen. 3. Dein, herr, dein ist barmherzigkeit, Du liebest selbst die fünder. Seyd, rufft du, geistlich mir geweiht, Und meiner gnade kinder! Sch fehle noch; doch saß ich muth, Dort fließet der vers Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 233 gottes wege gehn, Und den heiland frey bekennen, Dürs fen sich die seinen nennen... 2. Selig, wer in demuth lebet, Seine schwachheit nie vergißt, Gott allein, sich nie erhebet, Wenn er groß und glücklich ist; Gottes huld wird ihn erfreun, Und das hims melreich ist sein; Gott wird dort zu ehren setzen, Die sich hier geringe schäßen. 3. Selig ist, wer feine sünde Wehmuthsvoll vor gott bereut, und damit er gnade finde, Sich vor neuen füns den scheut; Gott will ihm die schuld verzeihn, Kraft zum guten ihn verleihn, Und er soll schon hier auf erden, Und auch dort getröstet werden. söhnung blut, Von fünden mich zu waschen. 14. Dein sohn erniedrigt sich und stirbt 3ur tilgung unsrer strafen, Büßt für die laster, und erwirbt Befreiung ihren sclaven. Wie vielfach, höchs ster, bin ich dein! O! laß mich keines andern sein. Dein sohn ist auch mein heiland. 5. Durch ihn versöhnt, und bir zum ruhm, Erkauft mit seinen leiden, Will ich mich, gott! dein eigenthum, Bon dir nie wieder scheiden. Gekreuzigt werde mir die welt, Getödtet, was bir nicht ge fällt, Damit ich dir nur lebe. 6. Dies wirke, gott! dein geist in mir; Ich habe kein vermögen, Die fünd' und alles, gott! was dir Verhaßt ist, abzulegen. Hier ist mein herz, nimm ganz mich hin, Und gieb mir einen neuen sinn, Damit ich dir gefalle. 7. So werd' ich, der ich finster war, Ein licht in deiz nem lichte, Besteh' einst mit der kleinen schaar Der from men im gerichte; Frohlocke dann und lobe dich, Daß deine gnad und treue mich Gerecht und selig machte. Vortheile der Gottseelig: Feit. 4. Selig ist, wer sanfmuth übet, Seinem feinde niemals flucht, Seine fehler ihm vers giebet, Nie sich selbst zu rás chen sucht, Ruhig seine pflicht vollbringt, und sein eigen herz bezwingt; Gott wird selber ihn beschützen, Und er wird das land besigen. 5. Selig, die nichts mehs verlangen, Als gerecht, wie gott zu seyn, Die fest an dem guten hangen, und sich ganz der tugend weihn, Des ren herz nichts mehr begehrt, Als was gottes ruhm vers Mel. Freu dich sehr, o meine. 309. Rommt, laßt euch den herren lehren, Kommt, und lernet allzumal, mehrt; Gott wird ihr verlans gen stillen, Und den frommen wunsch erfüllen. 60 da Welche die find, die gehören 3u 6. Selig, wer der noth des der rechten christen zahl. Die im glauben fest bestehn, Freudig armen Niemals fühlles fich entzieht, Shm aus zártlichem 234 Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. erbarmen Wohl zu thun sich und diene, Immer hab' ein froh bemüht, und, wenn er reines herz; Die in feindschaft um hülfe weint, Shm mit stehn, verfühne, Dir anhang' troft und hülf' erscheint: Dies in freud und schmerz. Vater! fer wird auch hülf' empfangen, hilf von deinem thron, Daß Und barmherzigkeit erlangen. ich glaub an deinen sohn, Und durch deines geistes stärke Mich befleiße guter werke. Um das wahre Chri stenthum. 7. Selig sind, die sich be: mühen, Züchtig, keusch und rein zu seyn, Die der wollust stricke fliehen, und der heiligkeit fich weihn; Die der lok kung dieser welt, Und was fleisch und blut gefällt, U zeit standhaft widerstehen, Werden gottes antlig sehen. 8. Selig, wer in frieden lebet, Wer die ruh und einigfeit 3u erhalten sich bestres bet, Und, wenn feindschaft, haß und streit Seiner brüder glück zerstört, Sie die pflicht der eintracht lehrt; Die des friedens sich befleißen, Wer: den gottes finder heißen. 9. Eelig, die um Chrifti willen Leiden, und sich dessen freun, Standhaft ihre pflicht erfüllen. Selbst den martertod nicht scheun; Gott steht ihnen mächtig bey, Und will fie für ihre treu, Einst mit unverwelkten kronen Auf das herrlichste belohnen, 10. Herr! du wollst mich felber leiten Auf der wahren tugend bahn, Daß ich dieser feligkeiten Hier und dort 4. Von aller eiteln eigenliebe mich freuen kann. Gieb, daß Befreye mich durch deine kraft, ich demüthig sey, Meine Erweck und mehr in mir die schuld vor dir bereu, Die ge- triebe Zu dem, was wahre rechtigkeit stets liebe, Auch beßrung schafft, Laß meinen an feinden sanftmuth übe. fleiß gesegnet seyn, Und meis II. Daß ich armen helf' ne beiligung gedeihn. Mel. Wer nur den lieben gott. ie selig, herr, ift 310. der gerechte! Du bist sein schild und gro ßer lohn. daß ich ganz gerecht seyn möchte! Doch, ach! wie wenig bin ich's schon! Du weißt es, gott! ich bin noch weit Entfernt von der vollkommenheit. 2. Wie viel ist noch an mir zu finden, Das nicht mit deiner vorschrift stimmt! Dft übereilen mich noch fünden, Wenn's herz gleich bessern vorsatz nimmt; Ja, oft vers let ich meine pflicht, gott! und weiß es selber nicht. 3. Wer kann, wie oft er fehlet, merken? Nur du, du siehst mich, wie ich bin, Nur du kannst mich im guten står 1 ken; Drum fall ich, vater! vor dir hin. O mach', um heilig ganz zu seyn, Mich von verborgnen fehlern rein. Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 235 gott 5. Du wirst das bemuths- hoffnung, liebe, Lebendig, fest volle flehn Des sünders, der und thätig seyn, Daß ich bis dich scheut und ehrt, an mein ende übe Das chris der gnade! nicht verschmå stenthum ohn' heuschelschein. hen; Du bist es, der gebet Uch, wirk in mir sc. erhört. Mein fels, mein heil, ich traue dir, Das, was ich bitte, giebst du mir. 7. So hab ich schon auf dieser erde, Was mich beru higt und erfreut; Wenn ich mit gott vereinigt werde, Schmeck ich des himmels se ligkeit. Ach, wirk in mir ic. Mel. Wer nur ben lieben gott. ein gott! ach 311. Mei lehre mich er: kennen Den selbstbetrug und heuchelschein, Daß tausend, die sich christen nennen, Mit nichten Christi glieder seyn. Tägliche Erneuerung zur Srömmigkeit. Mel. Allein auf gott seg dein. Uch, wirk in mir, zu deinem 312. Istaube, wer bin vom ruhm, Mein gott! das wahre christenthum. ich, Ich sünder, daß du meis ner dich Noch stets, o heilig. fter! erbarmst, Weltrichter! meiner stets erbarmst? 9. Hilf, daß ich dir allein ergeben, Der fünde abgestor: ben sey, Laß mich dir sterben und dir leben, und mach in mir herr! alles neu. Ach, wirk in mir, zu deinem ruhm ic. 2. 3um glauben und zum thun zu schwach, Giebt oft mein herz der fünde nach. Ich kämpf', o vater! nicht genung Den kampf der, wahren heiligung. 3. Reiß los mein herze von der erden, Laß mich, der ich unsterblich bin, Nach deinem bild erneuert werden, gieb mir meines sinn. Und heilands Ach, wirk in mir zc. 4. Regiere du selbst meine feele, Damit ich Chrifto folge nach, Und stets den schmalen weg erwähle, Sa ehre such' in Christi schmach. Uch, wirk in mir zc. by 5. Gieb mir zum streite muth und kräfte, Hilf, daß ich dir verbleibe treu, Daß ich an Christi kreuz mich hefte, Und mir die sünd' gekreuzigt sey. Uch, wirk in mir ic. 6. Laß in mir glauben, 3. Wie schnell ist von der rechten bahn 3um irrweg oft der schritt gethan! Wie nahe grånzt die missethat Un unfers herzens bösen rath! 4. Wie bald wird frevel selbst verübt, Wenn man erst schwachheitsfehler liebt! Herr, herr! mein ganzes herz ere schrickt, Wenn es in diesen abgrund blickt. 5. Vertreib, o gott! des irrthums nacht, Entreiß du mich der fünde macht. Wie glänzet deiner streiter schaar, Die einst, wie ich, auf erden war! 236. Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 6. Sie, fie empfängt aus deiner band Den lohn jetzt, weil sie überwand. Ich schwas cher, ich bin noch im streit; Sahst die inbrunst meiner thránen, Schenktest da mis deine huld, Und vergabst mis meine schuld. D! gieb auch mir beständigkeit. 2. Forsche selbst in meinem 7: Schmal ist der weg zu gottes höh'n, Und wenige sind, die ihn gehn. Die pfort' ist eng, und der nur dringt Durch fie zu gott empor, der ringt. herzen; Sieh, es irrt, es fehlet noch, Und mit unruh. vollen schmerzen Fühlt es oft der sünde joch. Wankend, ungewiß und tråge Geht mein fuß der tugend wege, Und zu oft noch fieht mein blick Auf des lasters bahn zurück. 8. Ich lieg auf meinem angesicht, Und fleh' und weis ne: laß dein licht Mir leuchten, vater! laß mich dein Sm leben und im tode seyn.he 3. Als zuerst vor meinen blicken Der verblendung nebel schwand, Und mein auge voll entzücken, Gott, dein antslig wieder fand, Wie war da der reiz ber fünden Miz so leicht zu überwinden! Ihre schrecken sah ich nur, Abes keiner anmuth spur. 9. Der mir in Chrifto alles gab, Mit gnade blick auf mich herab, Auf mich, der fünde schnellen raub, Den himmelserben und den staub. 1 10. Sink tief, o feele, nie der, tief Vor dem, deß stims me stets dir rief! Sink in 4. Wenn von andacht hinges den staub vor dem herab, Der dir in Christo alles gab! rissen, Sch den himmel offen fah, Lag die welt zu meinen füßen; Deinem thron, erbars mer! nah. Mischt ich in der engel chöre Den gefang von deiner ehre, Von der huld, die ewig liebt, Súnden becket und vergiebt. in 3 5. Welche ruhe, welch ein friede Wohnte dann in meis ner brust! Eitelkeit, bein war ich müde; Sund', ich haßte deine lust, Ich verschmähte deine gaben; Mir war, got: tes huld zu haben. Und ein herz, das ihn verehrt, Mehr als erd' und himmel werth. 16. Shr, dem beten heilge stunden, Boller ruhe, voll gewinn, Ach! wohin seyd ihr vers II. Ja, du erbarmest über mich, Versöhnter und versöh ner, dich! Vom leibe dieses tods befreyt, Schau ich einst deine herrlichkeit. 12. Wo meine tugend nicht mehr wanft, Und dir dafür, gott, ewig dankt, Daß sie bein gnadenlohn beglückt, Und deiner sieger krone schmückt. Beharrlichkeit im Guten. Mel. Jesu, meines Lebens leben. 313.D, u, der herz und nieren kennet, Ewiger! erforsche mich. Uch! ich war von dir getrennet; Uber du erbarmtest di Hör test mein gebet, meit jehnen, Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 237 schwunden? Glut der andacht! Erweckung zur Beständig. ach, wohin? Oft noch such' ich keit im Guten aus der Bes gott durch zähren, Durch gebet trachtung der Unveráns und flehn zu ehren, Doch derdderlichkeit Gottes. welt geräusch zerstreut Meiz ner andacht brünftigkeit. Mel. Wer nur den lieben gott. 314. Schon ist die tus 7. Wenn die menge der vers achter Meines frommen wan: dels lacht, aus der andacht ein gelächter, Aus dem beten thors heit macht, Wenn sie spottisch auf mich fehen, Mich und meinen glauben schmähen; gend, mein verlangen, und meiner ganzen liebe werth. Mit aller kraft ihr anzuhangen, hat meine feel auch oft begehrt. Uch könnt ichs! wie würd ich mich freun! Wer heilig ist, muß selig seyn! Dann vergeß ich meine pflicht, 2. Gott ist der seligkeiten Und bekenne Jesum nicht. fülle Von ewigkeit zu ewigs feit. Denn sein verstand ist licht, sein wille Ist ordnung und vollkommenheit. Von ewigkeit her war er gut, Und recht ist immer, was er thut. 8. Unter der verfolger stei: nen Bebten gottes márt'rer nicht, Seine wahrheit zu verneinen, 3wang fie drohn und folter nicht, Auf des hårtsten todes wegen Gingen sie dem lohn entgegen, Sahn den himmel offen stehn, Konnten qual und tod verschmåhn. 9. Der du sie mit kraft von oben 3u dem fampfe stark gemacht, Sie zu deinem lohn erhoben, Wo fein feind mehr ihrer lacht, Hilf auch mir den spott bezwingen, Hilf auch mir den lauf vollbrina gen. Bater! bis ans ende sey Dir mein ganzes herz getreu. 10. Wer getreu bleibt bis ans ende, Und nicht achtet spott und hohn, Dem bereiten gottes hände Ewigs glück an feinem thron. Kampf und muth sind nicht vergebens; Gott giebt ihm den lohn des lebens, Und er kommt nicht ins gericht, Stirbt des ew gen todes nicht. 3. Wie schnell umhüllen finsternisse Mich, wenn ich auch erleuchtet bin! Dann fliehn die heiligsten entschlüsse, Den morgennebeln gleich, das hin. Bald wähl' ich, was dem herrn gefällt, Bald wieder deinen dienst, o welt! 4. Ich armer! darum kommt kein friede In mein verschmachs tetes gebein. Wie bin ich dies ses wechsels múde! Wann werd' ich fest im guten seyn? Wann nicht mehr straucheln allezeit, Nur deinem dienste, gott! geweiht? 5. Unwandelbar ist deine wahrheit, Herr, aller guten gaben quell! Sie leuchte mir in voller klarheit Beständig, unbefleckt und hell, Daß nie der fünde täuscherey Gefährlich deinem kinde sey. 238 Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 6. O bilde, vater! meine vor gott Einst die volker ste feele; In deiner liebe mache hen, Und das leben und den mich, Daß ich kein andres tod Ihm zur seite sehen? Wenn gut mir wähle, Gewiß und der sichre, nun zu spát, Aus unveränderlich. Dann bin ich dem schlaf erwachet, Und erst dein eigenthum, So leb' der spotter, der hier schmäht, ich nur zu deinem ruhm. Glaubt und nicht mehr lachet? 6. D! wie thöricht, wenn Seste Entschließung des Christen zur Beharrlich, ich mich Noch verführen ließe, keit und Wachsthum in Jesu! da ich schon durch dich bus Gottes huld genieße, Da ich weiß, auf wessen wort Ich die hoffnung gründe, Daß auch ich unfehlbar dort Gnad und leben finde. A 7. Nicht das leben, nicht der tod, Trubsal nicht, nicht freuden, Mein erlöser und mein gott! Soll von dir mich scheiden. Welt und sünd' und eitelkeit und des fleisches triebe, Alles überwind' ich weit, Herr! durch deine liebe. Standhaftigkeit des loup e Christen. Mel. Herr Jesu Christ, ich weiß. ch der Tugend. Mel. Schwing dich auf zu deinem. 315.S° ba ( ollt ich jetzt noch, da mir schon Deine gut' erschienen, Dich verlassen, gottes fohn! Und der sünde dienen? Mit den lüften dieser zeit Wieder mich befleks ken, Und nicht mehr die süßigkeit Deiner liebe schmecken? 2. Hab' ich doch allein beidir Meine ruh gefunden. Mittler! heiltest du doch mir Alle meine wunden! Und ich sollte deingebot, Wie die fünder, hassen, Und mein recht an deinem tod Wieder fahren 3. Nein, ich bin und bleib ein 316. Jbt in christ, Halt an deinen lehren, Lasse mir nicht macht, noch list, Meinen glauben wehren. Fie len tausend ab, ich nicht! Mags die welt verdrießen; Sie wird mein vertraun auf dich mir doch gonnen müssen. gott ist mein freund! In dieser hohen würde Steh ich und fürchte keinen feind, Und lache jeder bürde. Der rang erfüllt mit muth und kraft Mein herz in dieser wanderschaft Des lebens und der leiden. 4. Beigt sie mir ein heil, wie 2. Mein glaube steht und du? Bringt sie kraft den můden, wanket nicht, Er ist zu fest Den bedrängten trost und rub, gegründet. Er stüket sich voll Sündern gettes frieden? Giebt zuversicht Auf Jesum Christ, sie mir die zuversicht, Daß ich, und findet Bey ihm allzeit trob dem grabe, Deiner ewigs: trost, heil und ruh, Er eignet keiten licht zu erwarten habe? sein verdienst sich zu, Und 5. Rettet sie mich, wenn troßet welt und höllentaton Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 239 3. Sollt' ich aus ehrsucht, auch seine leiden, Allein der eitelkeit, Um güter dieser er schmerz, mit dem er kämpft, den, aus wollust oder sicher Verwandelt sich in freuden. heit Der tugend untreu werden? Nein, auf die fünde folgt der tod, Allein die tugend segnet gott Mit leben und mit frieden.d 34. Was sind die leiden dieser zeit Mir gegen jene kronen, Womit gott in der herrlichkeit Die frommen will belohnen? Was dieses lebens kurze frist, Gott! gegen das, was ewig ist? Sollt' ich nicht muthig kämpfen? 3. Des lasters bahn ist anfangs zwar Ein breiter weg burch auen, Allein fein fortgang wird gefahr, Sein ende nacht und grauen. Der tus gend pfad ist anfangs steil, Läßt nichts als mühe blicken, Doch weiter fort führt er zum heil, Und endlich zum entzücken. 5. Ich fürchte nicht des todes macht mit allen seinen schrecken. Gott will mich aus des grabes nacht 3um gros Ben tag erwecken; Sch fürchte nicht der hölle glut, Er kauft durch des erlösers blut Bum eigenthum und erbe. and Cadrad 19thisar 4. Nimm an, gott hätt' es uns vergönnt, Nach unsers fleisches willen, Wenn wollust, neid und zorn entbrennt, Die luste frey zu stillen, Nimm an, gott ließ den uns dank zu, Den frevel, dich zu kránken, Den menschenhaß; was würdest du Von diesem gotte denken? nvied adi domn 5. Gott will, wir follen glücklich seyn, Drum gab er uns gesetze. Sie sind es, die das herz erfreun, Sie sind Rampf der Tugend. Mel. Durch Adams fall ist gang, 317.ftlagt bein herz, des lebens schäße. Er red't wie es sey, Den weg des herrn zu wandeln, Und täglich seinem worte treu, 3u denken und zu handeln. Wahr ists, die tugend kostet müh, Sie ist der sieg der lüste; Doch richte selbst, was wäre sie, Wenn sie nicht kámpfen müßte? in uns durch den verstand, Und spricht durch das gewiss fen, Was wir, geschöpfe seis ner hand, Fliehn oder wäh len müssen. 2. Die, die sich ihrer laster freun, Trifft die kein schmerz bienieden? Sie sind die scla ven eigner pein. Und haben keinen frieden. Der fromme, der die lüste dämpft, Hat oft 6. Ihn fürchten, das ist weisheit nur, Und freiheit ists, sie wählen. Ein thier folgt fesseln der natur, Ein mensch dem licht der seelen. Was ist des geistes eigens thum? Was sein beruf auf erden? Die tugend! was ihr lohn, ihr ruhm? Gott ewig ähnlich werden. 195 240 Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 7. Lern nur geschmack am that allein, Er sieht auf deis wort des herrn, Und seiner gna- nen willen. Ein göttliches de finden, Und übe dich getreu verdienst ist dein! Dies muß und gern, Dein herz zu überwin- dein herze stillen. den. Wer kräfte hat, wird durch gebrauch Von gott noch mehr bekommen! Wer aber nicht hat, Mel. An wafferflüffen Babylon. dem wird auch Das, was er 318. Erbarm bich, herr! mein hat, genommen. Wider die Versuchung zum Bösen. 8. Du streitest nicht durch herz, Geneigt zu eitelkeiten, eigne kraft, Drum muß es Läßt sich durch freude und dir gelingen. Gott ist es, durch schmerz Oft auf den welcher beydes schafft, Das irrweg leiten. So wankt ein wollen und vollbringen. Wann rohr, vom wind regiert, So gab ein vater einen stein, Dem irrt von leidenschaft verführt, sohn, der brodt begehrte? Auch oftmals meine seele. Bet oft; gott müßte gott Herr! hilf mir, daß ich als nicht seyn, Wenn er dich ein christ, Das flieh, was vor nicht erhörte. maidir strafbar ist, Und nur das gute wähle. 9. Dich stårket auf der tus gend pfad Das beispiel fel ger geister; Ihn zeigte dir, und ihn betrat Sa selbst dein herr und meister. Dich müsse nie des frechen spott Auf dies sem pfade hindern; Der wahre ruhm ist ruhm bei gott, Und nicht bey menschenkindern. 2. Laß doch mein herz nicht fernerhin In seiner neigung wanken, Erhebe den verirrs ten sinn 3u himmlischen ges danken. Wenn von dem dienst der eitelkeit Mich deines geistes kraft befreyt, So wird es mir gelingen. Ich halte deinem geiste still, Ich will mich ändern, herr! ich will! Gieb selber das vollbringen. 10. Sen stark, sey månn lich allezeit, Tritt oft an deine bahre, Vergleiche mit der ewigkeit Den kampf so 3. Umsonst such' ich der kurzer jahre. Das kleinod, das dein glaube hält, Wird neuen muth dir geben, und kräfte der zukünft'gen welt, Die werden ihn beleben. tugend bahn, Wenn du mich nicht begleitest, Und mich, befreyt von menschenwahn, 3u deiner wahrheit Leitest. Du hassest jeden falschen schein, Mit ernst willst du verehret seyn. Herr, hilf um Jesu willen, Erhebe den gebeugten muth, Hilf mir der leidenschaften wuth Durch deine gnade stillen. II. Und endlich, christ, sey unverzagt, Wenn dir's nicht immer glücket, Wenn dich, so viel dein herz auch wagt, Stets neue schwachheit dru det. Gott sieht nicht auf die Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 241 4. Mein gott! mein gott! heit macht mich bange, Und gedenke nicht Der fünden meis der welt gefährlichkeit, Daß ner jugend. Wie hart schien ich doch noch unterliege, Und mir oft meine pflicht, Wie mein kleinod nicht ersiege. rauh die bahn der tugend! Jedoch, du trugst mich mit geduld; Laß, vater, laß mich diese huld Nicht undankbar verachten. Dir folgen ist mein wahres heil; O laß mich's als mein bestes theil Auch immerfort betrachten. 4. Schaue her zu deinem kinde, Hóre mich, und steh mir bey! Herr! bewahre mich vor sunde, Mache mich getrost und treu, Daß ich standhaft deine wege Wandeln und nicht straucheln möge! 5. Ich bin ein mensch; du kennest mich, Wie schwach sind meine fråfte! Doch meine feele hofft auf dich. Du wirst zu dem geschäfte Der heilis gung mir kraft verleihn, Und mich mit deiner hülf erfreun, Vor dir gerecht zu leben. Ich, dein erkauftes eigenthum, Will dafür deines namens ruhm In ewigkeit erheben. 5. Daß die welt mich nicht verführe, Daß sie mich nicht ungetreu Mach, und spottend triumphire, Daß ich auch ge= fallen sey! Daß sie sich nicht ihrer siege Rühme, weil ich unterliege! 6. Der du kraft und muth gewährest, Hilf des schwachen schwachheit auf! Ja, ich hoffe, daß du hörest, Und ich freue mich darauf; Rühmen will ich's, und dir singen, Daß. du stärke giebst zu ringen. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. err, wie lange 319. Gh' ich auf der ſteilen bahn 320. gebet, Und laß muß ich ringen, Mel. O gott, du frommer gott. err! mein Deines rechts zum himmel dringen, Und vom kampfe ruhen kann? Werd' ich meis hen hang zu sünden Endlich völlig überwinden? es dir gefallen! Es ist mein ganzer ernst Auf deiner bahn zu wallen. Ergreife, leite, herr! Den schwachen, der dir fleht, Weil seine bitte nicht Aus falschem munde geht. 2. Ach! wenn mich die lust der erde, Oder fühner fünder spott Reizet, daß ich tråger werde, Wirst du mein vers gessen, gott? Wirst du, mich zu unterstützen, Eilen? Wirst du dann mich schußen? 3. Ach ich zittre; gott! wie lange Soll ich kämpfen? dieser streit Meiner schwachs 2. Gieb, daß ich redlich mich In jeder tugend übe. Der glaube, den du willst, Soll fruchtbar durch die liebe In wahrer heiligkeit, In guten werken seyn. Ich will's; ich will dir, gott! Mein ganzes leben weihn. 242 Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 3. Doch täuscht mein herz fich oft, Mir immer uners gründlich, Bleibt nach der heiligung Durch deinen geist noch fündlich. Das wollen bab ich wohl, 3um thun auch licht und kraft; Wie unvollkommen bleibts Dens noch, wie mangelhaft. 4. Du kennst mich ganz; du kannst Mich reinigen und läutern, den geist, wenn licht ihm fehlt, Mit deinem licht erheitern. Wenn eine leidenGebieten, daß sie ruh. 5. Uch! darum wollest du Mich lautern, mich belehren, Der trägheit des gemüths, Der lust zur fünde wehren. Mich, wo gefahren sind, Erschrecken, mich zum streit Er muntern, wo dein wort 3u ftreiten mir gebeut. 6. Erhalte meinen gang Auf deinem weg und leite mit dei ner rechte mich, Damit mein fuß nicht gleite. Mein auge laß allein Auf deine wege schaun. So hilf mir; denn du bist Mein heiland, mein vertraun! fünders lachen wird In weis nen einst verkehrt, In traus ren seine lust, Wenn er sich nicht bekehrt. Mel. Alle menschen müssen sterben, ſchaft Erwachen will, kannst 321.Bater, heilig macht ihr ich leben, Rechts thun wåre meine lust; Aber lüste widerstreben Dem gesetz in meiner brust. Ach, mein herz ist mir verdächtig, Sels ten bin ich meiner mächtig; Hart drückt mich der fünde joch, Was ich nicht will, thu ich doch. 7. Ich bin ein fremdling hier, umringt von vielen sündern; Ihr beyspiel könnte leicht Der tugend eifer mindern. Bewahre deinen knecht Vor ihnen; ihre luft Vergift', entweihe nie Die dir geweihte brust. 8. Bewahre mich, wenn sie, Verstrickt von eiteln lústen, Sich ihrer fünden freun, Mit ihren lastern brüsten. Des 9. Ich aber werde gott! Dir nicht umsonst vertrauen; Einst, wenn ich treu dir bin, Dein felig antlig schauen, Und wenn mein staub ers wacht, Von deiner wonne fatt, Frohlocken, daß mein herz Sich dir geheiligt hat. 2. Tausendmal hab' ich geweinet, Schmerzlich meinen fall bereut, Und der fünde macht beweinet, Und des herzens flüchtigkeit. Zief beugt' mich die sünde nieder; Aber dann vergaß ich wieder Meine thránen, und, gott! dich, Und mein fleisch besiegte mich. 3. Nein, ich will mir's nicht verhehlen: Ohne deines geistes fraft Seh ich mich schon wieder fehlen, Siegen schon die leidenschaft. Nein; zu oft hab ichs erfahren, Was gelübd? und thrånen waren. Ach! oft eb' ich mirs versah, War die sünde wieder nah. 4. Nun ich weiß nichts Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 243 anzufangen, als in tiefster chen nicht vergehen, Sprich bemuth dir, Dir nur flehend du deinen trost mir zu. Mit anzuhangen; Zobte du die dir werd ich überwinden, Du, sund' in mir. Reiß die wur: du wirst von meinen sünden zel meiner schmerzen, Reiß Mich durch Jesum ganz bes die fünd' aus meinem bera freyn; Bater! du wirst vater zen. Tief im staube fleh ich dich, Heilige du selber mich. seyn. 5. Vater! du, du kannst Srömmigkeit der Jugend. Mel. Warum sollt ich mich denn. abe lust, o mich retten, wenn mich nie. 322. Hugend! Immer mand retten kann. Beten will ich, immer beten; Schau mich mit erbarmen an. Laß mir nichts die tugend rau ben, Unterstüße meinen glauben, Meinem eifer im gebet, Das um nichts als gnade fleht. 6. Nichts, als deines geiz stes gnade, Nichts, fonst nichts verlangt dein kind. Dann geh ich auf rechtem pfade Sicher, muthig und geschwind. Dann kann ich mein fleisch bezwingen, Dann des geistes früchte bringen, Dann mich, vater! deiner freun, Dann des heils versichert seyn. 7. Darum beug' ich meine knie, Bete, heiligster! vor dir; Flehe, vater! spåt und frühe, Schenke höhre kräfte mir. Sieh, ich dürfte nach dem guten; Laß mein herz nicht länger bluten, Ziehe mich mit leben an, Daß ich alles gute kann. 8. Vater! ja, du hörst mein flehen, Meine thránen siehest du! Laß mich schwa gern An dem herrn, Und dem reiz der tugend. Was dein reges herz begehret, Dein verstand Nicht erfand, Wird dir dann gewähret. 2. Schnell muß nicht vors über rauschen Diese lust; vertauschen Gegen lufte dieſer Deine brust Muß sie nicht erden. Die dein herz Voller schmerz Bald vergiften wer den. alters sorgen Dich zerstreun, 3. Nicht erst, wenn des Jugend, nein! Schon am frühen morgen, In der blus the deines lebens Dien' ihm gern; Und dem herrn Dienst du nie vergebens. 4. Glück, gesundheit, lans ges leben Wird dafür Willig dir Dann dein schöpfer geben. Tugend nur sey dein begehren; Dann wird er Dir schon mehr, Wenn dir's nükt, gewähren, 5. Auch in den gesunden tas gen Laß nicht ab, In das grab Einen blick zu wagen. Du hast dann, frey vom verderben, Seelenruh; Dann kannst du, Dem du lebtest, sterben. 2 244 ya da dan 90 Von den Pflichten gegen Gott. 60 Von der Erkenntniß Gottes. Mel. Wend ab deinen zorn. as ist, o gott, 323.Was im himmel, was auf erden, Das so, wie du, verdient erkannt zu werden? Was ist, das meinen durst nach glück so stille, Als deine fülle? 2. Dich suchen, ist die edelste der sorgen. 3war bist du unerforschlich und verbors gen; Doch willst du, wenn wir nur bein licht nicht has fen, Dich finden lassen. 3. Mit lauter stimme lehren deine werke Uns deine weiss heit, deine gut' und stärke. Auch hast du selbst, sey hoch dafür geprieſen! Uns unterwiesen. 4. Und immer mehr willst du dich offenbaren, Wenn wir getreu, was du uns lehrst, bewahren, Benn wir, was deine lehren wirken sollen, Uns bessern wollen. 5. Ach möcht ich gott, aus allen meinen fråften Dich su: chen, ruhn von sorgen und geschäften! Und mein gemüth, um mich zu dir zu schwin: gen, 3ur stille bringen! 6. Ergreife mich, und leite meine feele, Daß sie den weg zur wahrheit nicht verfehle, Gewähre mir, damit sie nie ermüde, Ernst, lust und friede. 7. Dann werd ich immer heller dich erkennen, Und tågs lich mehr von deiner lieb ents brennen, Dir gern gehorchen, fröhlich dich erheben, Dir, gott! nur leben. Mel. Wer nur den lieben gott. meine 324. Wo find ich gott, Weit über alles schånzt und liebt? Gott, den ich mir zum freunde wähle, Und der allein mir freude giebt? Wann kommt die zeit, da gott, mein freund, Sich völliger mit mir vereint? 2. Wie wollt ich meinen gott nicht preisen, Wenn ich ihn sähe, wie er ist! 3war deine wunder, herr! beweisen, Wie unaussprechlich schon du bist, Wie schimmern sie! doch zeigt ihr glanz Mir deine herrlichkeit nicht ganz. 3. Ich sehe gott hier nur im spiegel, Und bet ihn uns vollkommen an; Ach hätte meine seele flügel, Sich meinem schöpfer mehr zu nahn; Wie würde sie sich seiner freun, Wie selig, wie verherrlicht seyn! 4. Dürft ich am fuße seines thrones Mit seinen engeln ihn erhöhn, Könnt ich im antlit seines sohnes, Wie feine felis Von der Erkenntniß Gottes. gen, ihn sehn; Sch, der ich hier ich empfinde Meinelend; kaum stammeln kann, Welch hohes loblied stimmt ich an! zeuch mich, herr! zu dir, Ents kräfte selbst die macht der fünde; Dein geist der weisz heit wohn in mir, Damit ich vor der tauscherei Der sinnlichkeit gesichert sey.in 5. Mir macht zwar jedes seiner werke Mehr, als ich rühmen kann, bekannt, Es zeigt mir seiner allmacht stárke, Und seinen weisesten verstand, Und gnade, die selbst Davids lob Zu schwach, nie würdig gnug, erhob. 6. Wie zärtlich, als mit einem kinde, Sprichst du in deinem wort mit mir! Doch mein verderben und die fün: de Verdunkelt mir dies licht von dir. gnade, 11. Gieb, daß der strahl von deiner wahrheit Mein leben leite, bis ich dort Dich náher seh, und mit mehr klarheit, Als hier, an dies sem prüfungsort. Ich, der ich hier kaum stammeln kann, Erhebe würdiger dich dann. Mel. Wend ab deinen zorn. sich geist, O daß bein geist Mich ſelbst 325.Somente von bir, herr, unterweist! 7. Doch wenn in meinen finsterniffen Er auch mein blós des aug' erhellt, So bleibt doch selbst alsdann mein wissen Nur immer stückwerk in der werk. Ich suche dich und forsche nach, Und mein ers fenntniß bleibet schwach. 8. Und hört ich nur auf deine stimme In deinem worte, hört 945 9. Wie brünstig würd' ich dann dich lieben, Mit welchem eifer würd ich mich Dir, va ter, zu gefallen üben! Wie selig wär' ich bloß durch dich! Nun aber täuschet meinen geist, Gleich findern, tand, wenn er nur gleißt. erheben, und dich zu kennen glücklich sich bestreben, So mußt du selbst, um groß von dir zu denken, Die kraft mir schenken. 2. Laß doch, o herr! dein licht mich stets erfreuen, Und meiner feele finsterniß zerstreuen. Erleuchte mich, daß mich, zu deiner ehre, Dein glanz verklåre. ich nur, Wie du verdienest, 3. Was ist im himmel, auf die stimme Der dir lobsingenden natur, So lernt' ich hier schon mich allein, Gott, deiner herrlichkeit zu freun. gott! was ist auf erden, Das so, wie du, verdient, erkannt zu werden? Was ist, das meinen durst nach glück so stille, Als deine fülle? 4. Dich suchen, ist die edelste der sorgen. Zwar bist du unerforschlich und verborgen; Doch willst du, wenn wir nur dein licht nicht haffen, Dich finden lassen. 5. Mit lauter stimme leh10. Welch elend! vater! ren deine werke Uns deine 246 Von der Erkenntniß Gottes. weisheit, beine gut und auge dringt; Doch giebst bu stårke; Auch hast du selbst, uns zum unterrichte Dein sen hoch dafür gepriesen! wort, das uns erkenntniß Uns unterwiesen. s bringt, Was du, o allerhöch ster! bist, Und was mit uns dein endzweck ist. 6. Und immer mehr willst du dich offenbaren, Wenn wir getreu, was du uns lehrst, bewahren, Wenn wir, was beine lehren wirken sollen, Uns bessern wollen. 2. So gieb denn, daß ich darauf achte, 20ls auf ein licht im dunkeln ort; Und wenn ich ernstlich es betrachte, So bilf selbst meinem for fchen fort. Laß für der wahrheit hellen schein Mein aug' und herz stets offen seyn. 3. Dein wort sey mir ein licht im glauben, Daß mich zur wahren weisheit führt. Laß mir doch keinen irrthum rauben, Was mir ein ewig heil gebiert. Kein fpöttergeist verführe mich, Kein zweifel sey mir hinderlich. 4. Dich kennen, ist das ew'ge leben. Drum hilf mir, vater! daß ich dich, Und den, den du für uns gegeben, Hier so ers kenne, wie du mich In deinem wort es selbst gelehrt, Bis einst sich meine einsicht mehrt. 5. Vor allem laß bey mir lebendig, I höchster! dein erkennntniß feyn. Laß mich das nach dir auch beståndig Die größte lieb' und ehrfurcht weihn. Gieb, daß ich thu mit allem fleiß, Was ich von deinem willen weiß. 6. Was hilft das richtige erkenntniß, Wenns nicht zu deiner liebe treibt? Was nüßt Mel. Wer nur den lieben gott. 326.Mein gott, du woh- ein aufgeklärt verständniß, nest zwar im das noch lichte, Dahin kein sterblich bleibt? Drum hilf, daß ich 7. Uch möcht ich, gott, aus allen meinen fráften Dich suchen, ruhn von sorgen und geschäften, Und mein gemüth, um mich zu dir zu schwingen, 3ur stille bringen! 8. Doch mein verstand ist unstát, tråg, er scheuet Der überlegung müh, und schnell zerstreuet, Sinkt er, wenn ich zu dir gezogen werde, Zurück zur erde. 9. Auch täuscht mein herz ihn, machet ihn vermessen, Verführt ihn, seine grånzen zu vergessen, Will mehr, als feine kräfte mir vergönnen, Von dir erkennen. 10. Ergreife mich und leite meine seele, Daß sie den weg zur tugend nicht verfehle; Gewähre mir, damit sie nicht er müde, Ernst, lust und friede. II. Dann werd ich immer heller dich erkennen, Und tåglich mehr von deiner lieb entbrennen, Dir gern gehorchen, fröhlich dich erheben, Dir, gott! nur leben. Von der Erkenntniß Gottes. 247 der wahrheit treu, Und daß zu gehen. Wer dich kennt, mein glaube thätig sey. und bleibt in fünden, Der kann nimmer gnade finden. 4. Gieb, daß ich den uns terricht Deines wortes treu bewahre, Daß ich, was es mir verspricht, Reichlich an mir selbst erfahre. Ja, mein glaube sey in leiden Mir ein quell von trost und freuden. 7. Laß dein erkenntniß mir im leiden Die quelle wahres trostes seyn, Laß mich, wenn leib und seele scheiden, Dann noch im glauben deiner freun. Dort seh ich dich im hellern licht Von angesicht zu angesicht. Um rechte Erkenntniß Gottes und der Religion. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 5. Hilf, daß sich von zeit zu zeit Mein erkenntniß stets 327.6ott, mein licht! vermehre. Find ich manche erleuchte mich, Daß ich hier dich recht er kenne; Daß ich, Jesus Chris stus, dich Meinen herrn und heiland nenne. Höchster! laß mich doch auf erden Weise zu dem himmel werden. dunkelheit, Bleibt verdeckt mir manche lehre; Laß mich zwei felsucht entfernen, Und in des muth glauben lernen. 6. Laß mich, herr! in deis nem licht Immer rührender erkennen Jener herrlichkeit ges wicht, Und wie glücklich der zu nennen, Der nach ihr mit eifer trachtet, Und der sünde lust verachtet. 2. Lautre wahrheit ist dein wort; Lehre mich es recht verstehen, Hilf selbst meinem forschen fort, Lehre mich recht einzusehen, Was zu meinem heil mich führet, Und was mir zu thun gebühret. 3. Aber laß mich nicht allein Richtig seinen sinn verstehen, Laß mein herz auch folgsam seyn, Den erkannten weg 7. D! verleihe mir die kraft, Deinem wort gemäß zu handeln, Und vor dir gewissens haft 21s dein treues kind zu wandeln; So wird einst in jenem leben Mich dein hellers licht umgeben. Von der Furcht Gottes. Mel. Wer nur den lieben gott. nen geift Die furcht vor dir, 328. gott! bich fürch- die kindlich heißt. ten, kindlich 2. scheuen Ist unsre höchste, größte pflicht. Kein mensd) fann dei ner huld sich freuen, Scheut er dein heilig auge nicht. Drum wirk in mir durch deiSie leite, herr! mein thun und denken; Sie müsse meine weisheit seyn, Und mich auf solche wege lenken, Die vor dir heilig sind und rein. Denn, wer noch lust Von der Furcht Gottes. 248 zur sunde hat, der fürchtet dich nicht in der that. 3. Gieb, daß ich stets zu herzen nehme, Daß du allgegenwärtig bist, Und das vor dir zu thun mich schäme, Was dir, mein gott! zuwider ist. Der beyfall einer ganzen weder tod noch grab, So werd ich jenes leben erben, Dazu dein sohn sich für mich gab. Gott! beine furcht bringt segen ein, Ihr lohn wird groß im himmel seyn. Mel. O gott, du frommer gott. welt Hilft dem ja nichts, der 329. Gieb, vater! daß mein herz Sich g deiner liebe weihe, Und daß in allem ich Dein auge finde lich scheue. Wer als ein christ sich liebt, Der. flieht auch als ein christ, Was wider gottes ehr Und menschenliebe ist. 4. Laß dein gericht mich nie vergessen, Und wirke wahre buß in mir, Damit ich nicht stolz und vermessen, Der gnade feligkeit verlier, Die mich, bey aller missethat, So liebreich noch getragen hat. 5. Ja, vater laß mit furcht und zittern Mich schaf fen meine seligkeit. Soll nichts mein ewig glück erschüttern, So laß mich in der gnaden: zeit Mit vorsicht alles unrecht fliehn, Mich nur um deine gunst bemühn. 6. Erhalt in mir ein gut gewissen, Das weder spott noch trübsal scheu, Und ma: che von den hindernissen Der wahren tugend selbst mich frey. Nie hindre furcht und lust der welt Mich, das zu thun, was dir gefällt. 7. In deiner furcht laß mich stets wandeln, Und mich, ich sey auch, wo ich sey, Nach deiner vorschrift redlich han deln. Du hasseft alle heuchelen. Wer dich von herzen liebt und ehrt, Nur der ist dir, o vater! werth. 8. In deiner furcht laß mich einst sterben; So schreckt mich 2. Kein schnöder eigennut Beherrsche meine seele; Und wenn zu meinem glück Sch weg und mittel wähle, So laß mich stets dabey Auf recht und wahrheit schaun, Auch nie mein wohlergebn Auf andrer elend baun. 3. Dein fluch trifft jedes glück, Dabey die tugend leis bet, Dabey der, der es sucht, Gott! deine wege meidet. Wer unrecht liebt und thut, Erbt deinen himmel nicht. Nie treffe mich, o gott! Dies schreckliche gericht. 4. Nie blende mein gemüth Der eitelkeiten schimmer. Die welt mit ihrer lust Vergeht doch einst auf immer. Bas hilft uns kurze luft? Was hilft uns eitle pracht? Nicht ein vergånglich gut Ssts, was uns glücklich macht. 5. Ein gott ergebnes herz, Ein unverlegt gewissen, Nur das allein kann uns Des les bens schmerz versüßen, Das Von der Furcht Gottes. 249 bleibt uns auch im tod, Und Daß du sie oft versäumet folgt uns aus der zeit 3um baft. Wer gott als zeugen großen segen nach Bis in vor sich hat, Der freut sich die ewigkeit. jeder guten that. 4. Wenn nacht und dunkels heit dich decken, Die dem verbrecher muth verleihn, Wird dich die furcht des herrn ers wecken, Auch dann, was uns recht ist, zu scheun. Denk nur: vor seinem angesicht Ist finsterniß wie mittagslicht. 6. felig, wer darnach Mit heilgem eifer trachtet, Und für sein größtes glück, Gott, deine gnade achtet! Der liebt allein sich recht, Der findet in der zeit Die wahre ruh, und einst Vollkommne feligkeit. 7. Das sey mein zweck und fleiß; O segne mein bemů: hen! So wird das wahre wohl nicht meinem wunsch entfliehen. Bewahre mich da bey, Herr! vor dem lauf der welt, Das ich mein bestes wirk, Wie es dir wohlgefällt. Die Surcht des Herrn, der 5. Den herren öffentlich verehren, Sowohl als in der einsamkeit, Auf des gewiss sens stimme hören, Und wil lig thun, was es gebeut, Auch das lehrt dich die furcht des herrn, Auch das thut, wer ihn fürchtet, gern. Weisheit Anfang. Mel. Wer nur den lieben gott. illst du der weis: 6. Laßt dich der thor vers achtung merken, Wenn du dich fromm von ihm entfernst, Die furcht des herren wird 330. heit quelle kens dich stärken, Daß du dich nen? Es ist die furcht vor gott dem herrn. Nur der ist weis' und klug zu nennen, Der alle seine pflichten gern, Weil gott sie ihm gebeut, vollbringt, Wenn gleich dazu kein mensch ihn zwingt. edel schätzen lernst. Wer gott, dem höchsten, wohlges fällt, Ist glücklich, selbst beym spott der welt. 7. Sich stets vor dem allmachtgen scheuen, Giebt hels denmuth und tapferkeit, Wenn uns der menschen stolzes draus en, Was gott mißfällt, zu thun gebeut. Ist gott mein schuß. mein heil und licht, So beb' ich vor den menschen nicht. 2. Lern' gottes größe recht empfinden, Und fühle deine nichtigkeit, So wirst du nie dich unterwinden, Mit thôrich ter verwegenheit 3u tadeln, was sein rath beschließt, Der wunderbar doch heilig ist. 3. Wirst du den höchsten kindlich scheuen, So wird dir keine pflicht zur last: Nur das wirst du vor ihm bereuen, 8. Laß deine furcht, gott! mich regieren, Mich stets auf dich, den höchsten, sehn; Laß sie mich zu der weisheit führen, So werd' ich niemals irre gehn, Wohl dem, der Von der Furcht Gottes. 250 dich stets kindlich scheut! Dich fürchten, gott! ist seligkeit. HeiligkeitdesLidschwurs. Mel. Christ, unser herr, zum. err! du bist hei 331. H lig im gericht, Dein zorn vertigt die bösen; Vor dir besteht der heuchler nicht, Kein trug; kein gottlos wesen. Du bist ein gott des rechts, der treu; Wers wagt, bey dir zu schwören, Und hegt im herzen heucheley, Den wird dein ohr nicht hören, Dein eifer wird ihn strafen. 2. Drum laß mich, gott! der wahrheit nur Ein lau tres zeugniß geben, Und nie die hand empor zum schwur Auf trug und falschheit beben. Du blickst ins innre, wirst gar bald Die wahrheit hell entdecken, Wenn wir sie gleich im hinterhalt Der lüge schlau verstecken, Und blöde menschen täuschen. 3. Auch des gewissens uns ruh quált Den, der die lügen liebet, Was wahr und redlich ist, verhehlt, Und falsches zeugniß giebet. Boll argwohn geht er, und beschámt, Aus scheu entdeckt zu werden; Wer aber seine zunge adhmt, Der findet ruh auf erden, Und lohn bey gott im himmel. 4. Wenn mich des vortheils stimme lockt. So laß mich sie nicht hören, Und nicht, durch niedern geiz verstockt, Mir uns recht gut erschwören. Was arge list und betrug gewinnt, Wird lange nicht gedeihen; Was nie dahin fällt, nie zerrinnt, Und ewig kann erfreuen, Ist redlichkeit und unschuld. 5. Dann kann ich frey, von falschheit rein, zu deinem throne treten, Kann zu dir flehn, mein gott zu seyn, In festem glauben beten. Des frommen húlf und gott bist du, Wirst sein gebet gewäh ren, Und des gewissens heitre ruh Wird ihm den lohn bewäh ren, Der ewig seiner wartet. 6. Denn einst wirst du des herzens rath Der menschen offenbaren. Und jedem wird, nachdem er that, Vergeltung wiederfahren. Beschämt wird dann vor deinem thron Entdeckt der heuchler stehen; Den frommen aber wird der lohn, Dich, wie du bist, zu sehen, Du gott der treu und wahrheit! Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. Mel. Jesu, meines Lebens leben. Und mit welchen seligkeiuelle der vollkom- ten Sättigt deine liebe mich! und leib mag mir mein gott, wie lieb ich dich! verschmachten, Hab ich dich, Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott 251 werd ichs nicht achten. Mir dein gebot ich achte, Und es wird deine lieb allein Mehr zu erfüllen trachte! Heil mir! als erd und himmel seyn. du verbirgest nicht Einst vor mir dein angesicht. 2. Denk ich deiner; wie er hebet Meine seele sich in mir! Wie getröstet, wie belebet Fühl ich mich, o gott, von dir! Jeder blick auf deine werke, Deine gute, deine stärke, Wie entledigt er mein herz Bon bekümmerniß und schmerz! 7. Noch lieb ich dich une vollkommen; Meine feel ere kennt es wohl. Dort im vas terland der frommen Lieb ich dich, herr! wie ich soll. Ganz werd ich dort deinen willen, Kennen, ehren und ers füllen. Gieb mir dann vor deinem thron Der vollkomm nern liebe lohn. 3. Floß aus deiner gottes: fülle mir nicht tausend wohl that zu? Daß ich ward, das war dein wille, Daß ich noch bin, das machst du. Daß ich bente, daß ich wähle, Dafür 333. Gotine liebe Reicht Mel. Freu dich sehr, o meine seele. ott, vater! J dankt bir meine seele, Dankt dir, daß sie dich erkennt, Und dich ihren vater nennt. so weit der himmel ist, Deis nes wohlthuns starke triebe Sind so ewig, als du bist. Deiner huld unendlichkeit, Gott, erschöpfet keine zeit; Und wer kann die vielen proben Deiner gute würdig loben? 4. Du erkauftest vom vers derben Mich durch deinen sohn, o gott! Ließest den gerechten sterben, Mir zum leben ward sein tod. Ewig dort mit ihm zu leben, Hast du mir durch ihn gegeben, Ewig deiner mich zu freun, Und von dir geliebt zu seyn. 5. Sollt ich dich nicht wie der lieben, Der du mich zuerst geliebt? Der mit mehr als vatertrieben So unendlich mich geliebt? Könnt ich rus hig hier auf erden Ohne deine liebe werden? Ohne sie nach dieser zeit Würdig seyn der seligkeit? 6. Heil mir, daß ich es empfinde, Wie so liebenswerth du bist! Daß mein herz vom haß der sünde, Die dich haßt, durchdrungen ist; Daß auf 2. Als ich noch, der welt verborgen, In dem schooß der mutter lag, Wachtest du, für mich zu sorgen, Ueber mich schon jeden tag. Durch den beystand deiner macht Bin ich an das licht ges bracht; Und was hat mein ganzes leben Gutes, das du nicht gegeben? 3. Nie gedenket mein ges müthe, Ohne brünst'ge danks begier, Jener unverdienten gúte, Da du burch die taufe mir Das erhabne recht ges währt, Daß ich, für dein kind erklärt, Mich des segens 252 Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. der erlösten, Boller zuversicht freude! Sch bleibe dennoch darf trösten. stets an dir, Was ist, mein gott! das je mich hier Ven beiner liebe scheide? Du machst mir deinen weg bekannt, Håltst mich bey meiner rechten hand, Regierest meinen lebenslauf, und hilfest meis ner schwachheit auf. D herr! mein gott! Du bist mein licht!:: Ich folge dir, so irr ich nicht. 4. In den zarten jugend: jahren Warst du meines le: bens stab, mein beschirmer in gefahren. An dir hab ich bis ins grab Einen vater, der mich liebt, Einen vater, der mir giebt, Was zum wahren wohl mir nuhet, Einen vas ter, der mich schützet. 5. Gott; du machst es mit uns besser, Als wir wünschen und verstehn. Deine güte ist viel größer, Als die kraft, dich zu erhöhn. Schallte gleich so hoch mein dank, Wie der seraphim gesang, Dennoch würde durch mein loben Deis ne huld nicht gnug erhoben. 6. D! so zeuch durch deine liebe, Herr! mein ganzes herz zu dir; Stárk und mehre selbst die triebe Wahrer dankbarkeit in mir. Laß mich ganz dein eigen seyn. So mich deines wohlthuns freun, Daß auch mir auf diefer erde Wohl= thun wahre freude werde. 2. Du leitest mich nach beinem rath. Der anders nichts beschlossen hat, Uls was mir segen bringet. Gehts gleich zu zeiten kümmerlich, So weiß ich dennoch, daß durch dich Der ausgang wohl gelinget. Nach hartem tritt auf rauher bahn Nimmst du mich dort mit ehren an, Wo mich vor deinem thron erfreut Die krone der gerechtigkeit, Mein herr! mein gott! Uch voll begier:,: Wünsch ich zu seyn, mein heil! bey dir. 7. Laß mich jede deiner ga: ben Recht zu brauchen mich bemühn, Stets den zweck vor augen haben, Dazu du sie mir verliehn. Deine gute reize mich, Daß ich immer brünst'ger dich Lieb, und deinen heil'gen willen Freudig suche zu erfüllen. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. er du mich 3. Mein sinn ist ganz auf dich gericht; Hab ich nur dich, so frag ich nicht Nach himmel und nach erden. Denn wår der himmel ohne dich, So könnte keine lust für mich Auch selbst im himmel wer den. Wärst du nicht schon auf erden mein, So mocht ich nicht auf erden seyn. Denn nichts ist in der ganzen welt, Das mir so sehr, wie du, gefållt. Mein herr und 334. Den uater liebst, Wo du nicht bist,:,: Ist nichts, das mir erfreulich ist. 4. Und solte mir durch Und mich mit wohlthun ganz umgiebst, Gott, meiner feelen Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 253 kreuz und noth, Durch mars drauf:,: Nimm mich in deis ter, durch gewalt und tod nem himmel auf. Auch feel und leib verschmach ten; Dies alles wird, wenns euch noch mehr, Sa gar wie eine hölle wår, Mein glaube doch nicht achten. Du bist und bleibest doch mein heil, Und meines herzens trost und theil! Denn wahrlich nur durch dich allein Kann leib und seele ses lig seyn. Herr, meine burg! Ich hoffe fest:: Daß deine kraft mich nicht verläßt. Er 5. Wer von dir weicht, und auf der welt Dir nicht be harrlich glauben hält, Muß freylich wohl verderben. kann, weil er die lust und pracht Der erde sich zum hims mel macht, Nicht deinen hims mel erben. Denn wer dich hier nicht lieben lernt, Und nicht sein herz von dem entfernt, Was dir, du heiligster! mißfällt, Kommt nicht zu jener bessern welt. Nur den, der hier Sein herz dir weiht:,: Nur den führst du zu herrlichkeit. Mel. In dich hab ich gehoffet herr. 335. gott! in dir, Du bist mein trost, und was kann mir In deiner liebe fehlen? Du, herr! bist mein, Und ich bin dein! Was mangelt meis ner seelen? 2. Du hast mich vor der welt erwählt, Und deinen kins dern zugezählt. Mag mich die welt doch hassen! Du liebst mein wohl, Wirst gnadenvoll Mich nimmermehr verlassen. 3. Du trägst mich liebreich mit geduld, Vergiebst in Chris sto mir die schuld, Wenn ich aus schwachheit fehle. Du giebst mir theil an seinem heil; Dies tröstet meine feele. 4. Du bist mir der bewährte freund, Der es aufs beste mit mir meynt; Wo find ich deines gleichen? Du stehst mir bey, Und bleibst mir treu, Wenn berg und hügel weichen. 5. Du bist mein leben, trost und licht, Mein fels und heil! drum frag ich nicht Nach himmel und nach erde. Herr! ohne dich Ist nichts für mich, Das mir erfreulich werde: 6. Drum halt ich mich ges trost zu dir; Du aber hältst dich auch zu mir, Und das ist meine freude! Ich setze meine zuversicht Auf dich, mein fels! der nicht zerbricht, Auch selbst im tiefsten leide. Dein wort, o höchster! foll allein Mein trost und meine richtschnur seyn, Bis sich einst in der ewigkeit Mein herz vollkommen deiner freut. Gott 7. Du segnest mich, wenn meines heils! Ich warte man mir flucht, Und wer hier 6. Du bist mein allerhöchstes gut, Darauf mein wahs res wohl beruht, In dir leb ich zufrieden. So dort, als hier, Herr! bleiben wir In liebe ungeschieden. 254 Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. mein verderben sucht, Dem wirds doch nicht gelingen. Mit deiner treu Stehst du mir bey, Daß ich kann frohlich fingen. namens willen, Gern thun, was mir dein wort gebeut. Kann ichs nicht, wie ich soll, erfüllen, So sieh auf meine willigkeit, Und rechne mir nach deiner huld Die schwachheit, vater! nicht zur schuld. 8. Du läßt mirs ewig wohl ergehn. Einst werd ich dich noch näher sehn, Du ursprung meiner freuden! Un dir wird sich Dann ewiglich Mein gan= zes herz, herr! weiden. 5. Der liebt dich nicht, der noch mit freuden Das thut, was dir, o gott! mißfällt. Drum laß es mich mit ernst vermeiden, Gefiel es auch der ganzen welt. Die kleinste sünde selbst zu scheun, Laß, vater! mich behutsam seyn. 6. Aus liebe laß mich als les leiden, Was mir dein weiser rath bestimmt. Auch trübfal führt zu ew'gen freus den; Wer ihre last gern übernimmt, Geduldig trågt, und weislich nütt, Bird mächtig von dir unterstützt. 7. In deiner liebe laß mich sterben, Dann wird der tod selbst ein gewinn; Dann werd ich deinen himmel erben, Wo ich dir ewig nahe bin. Da lieb ich in vollkommenheit Dich, vater der barmherzigkeit! 9. Noch hats kein menschlich ohr gehört, Was uns dein himmel einst gewährt; Doch seh ichs schon im glau: ben. Vollkommnes heil st da mein theil; Das wird mir niemand rauben. Mel. Wer nur den lieben gott. 336., vater deiner menschenkinder, Der du die liebe selber bist, Und dessen herz auch gegen sünder Noch gütig und voll mitleid ist! Laß mich von ganz zem herzen dein, Laß michs mit allen fråften seyn. 2. Gieb, daß ich als dein kind dich liebe, Da du mich als ein vater liebst, Und so gesinnt zu seyn mich übe, Wie du mir dazu vorschrift Mel. Nun sich der tag geendet. ieb mir dein herz, gefall auch mir, Nichts fcheide 337.Gi sprichst du zu mir, mich, mein gott! von dir. Und gieb es nicht der welt! Hier ist es! gott! ich geb es dir, Der's schuf und noch erhålt. 3. Bertilg in mir durch deine liebe Den hang zur lie: be dieser welt. Gieb, daß ich selbstverleugnung übe, Wenn mir was eitles noch gefällt. Wie sollte ich die creatur Dir vorziehn, schöpfer der natur! 4. Laß mich, um deines 2. O nimm es, vater! gnås dig an, Ob ihm gleich viel gebricht. Ich geb's, so gut ich's geben kann; Verschmäh die gabe nicht. Von der Liebe und Dankbarkelt gegen Gott. 255 3. Es ist von böfer luft 12. Lehr bu mich selbst ges befleckt, Geneigt zur eitelkeit, laffenheit, Mein glück sey Mit sünd' erfüllt, und ganz stets dein rath; Mein wahlbedeckt Von schuld und straf: spruch sey in freud und leid: barkeit. Was gott beschlossen hat! 13. Ein frommes herz sey, gott! mein ruhm, Fromm ohne heucheley, Damit mein ganzes christenthum Dir wohlgefällig sey.ed 4. Doch, herr! dies mein verderbtes herz Kömmt jetzt mit reu vor dich, Es fühlt der fünde herben schmerz, Und sehnt nach gnade sich. 5. du, gott der barmherzigkeit, Erbarme dich doch sein! Schau, wie es deiner huld fich freut; Sein troft bist du alle in. 6. Es fagt mit kindlichem vertraun: Du bist mein retter, Mel. Nun ruhen alle wålder. du! Ich werde gott als vater 338.ir bank ich für schaun, in ich ruh. mein 7. Es sucht in Jesu Chris sto heil, Es naht zum kreuze hin; Es spricht: bu, mittler! bist mein theil, Mein trost und mein gewinn. 8. Durch deinen geist mach du es rein, Ganz heilig, fromm und neu; Weib es dir selbst zum tempel ein, Mach es im glauben treu. 14. Gieb, daß, wenn einst mein auge bricht, Mein mund im todesschmerz Dies treue wort noch froh ausspricht: Mein gott! hier ist mein herz! 9. Uch! jed' unlautre leiden schaft Und sündliche begier Lösch in mir aus durch deine kraft, Und heilge sie in mir. 10. Hilf, daß mich stets nach dir verlang, Daß ich dich fürcht' und lieb', Dir fest vertrau und dir anhang, Und jede tugend üb. II. Schenk mir den schmuck, der christen ziert, die demuth deines sohns, Die mich zur menschenliebe führt, Und werth macht deines lohns. der du mirs gegeben, Sch danke dir dafür! Du hast durch huld bewogen, Mich aus dem nichts gezogen, Durch deine gute bin ich hier. 2. Du, herr! hast mich bes reitet, Mich våterlich geleitet, Bis diesen augenblick. Du gab mir frohe tage, Und selbst der leiden plage Vers wandeltest du in mein glück. 3. Ich bin, herr aller dine ge! Der treu viel zu geringe, Mit der du mich bewacht. Damit ich staub und erde Auf ewig glücklich werde, Hast du schon ewig mein gedacht. 4. Du hörtest schon mein sehnen, Und zähltest meine thránen, Eh ich bereitet war. Eh ich zu seyn begonnte, Und zu dir rufen konnte, Da wogst du schon mein theil mir dar. 5. Du ließt mich gnade fin 256 Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. den. Und sahst doch meine sünden Vorher von ewigkeit. O höchster! welch erbarmen! Du sorgest für mich armen, Und bist ein vater, der verzeiht. Vernunft, mein leben hier zu lenken, Empfindung; ach, wie dank ich dir! 6. Für alle deine treue, Für das, daß ich mich freue, Lob: finget dir mein geist, Er ist bein größt geschenke; Daß ich durch ihn dich denke, Ist dein; bein ists, daß er dich preist. 7. Daß du mein leben fristest, Und mich mit kraft ausrüstest, Dies, vater! dank ich dir. Daß du mich liebreich führeft, Mit deinem geist regiereft, Dies alles, Bater! dank ich dir. 8. Was mir in diesem leben Noch nüßt, wirst du mir ges ben; Du giebsts; ich hoff auf dich. Dir, vater! bir befehle Ich ruhig leib und seele. Herr, segne und behüte mich! Mel. Wie groß ist bes allmächtgen. ank, bester vater, 339. Dank dir, der mir nur gutes giebt! Mit aller kraft, vor allen dingen Sey du gelobet und geliebt! Du warst mir, eh ich war, gewogen, Und ewig auf mein glück bedacht, Du hast mich aus dem nichts gezogen, 3um menschen hast du mich gemacht. 2. Ja, vater, dir gebührt die ehre! Ich bin nur, was ich bin, durch dich. Dank, dank dir! der geschöpfe heere, Erschusst du, vater! auch für mich, Dank dir, du gabst mir kraft zu denken, und willensfreiheit gabst du mir, 3. Ich kann dich in der schös pfung finden, Mich deiner gros ßen werke freun; Dank dir, ich kann dich, gott! empfinden; Wie freu ich mich, durch dich zu seyn! Für meinen leib und alle glieder Gebührt dir dank; mit jedem sinn Fall ich anbetend vor dir nieder, Und danke laut dir, daß ich bin. 4. Du hast mir dach und kleid bescheeret; Was fehlte, vater, jemals mir? Hast du mich nicht bis jett ernähret? Von ganzem Herzen dank ich dir! War ich umringet von gefahren, Du hattest, vater! mich bewacht, Und immer stand, mich zu bewahren, Un meiner seite deine macht. 5. Erwåg ich, vater! alle So seh ich weiss pfade, Die deine hand mich heit nur und gnade, Und fühle, daß dir ruhm gebührt. Wie oft entrifsfest du dem feinde Der wahrheit und der tugend mich! Für meine eltern, meine freunde, Für meis ne lehrer preis' ich dich! 6. Du lenktest von der frühen jugend, Durch viele freude, wenig schmerz, Zu deiner kenntniß und zur tugend, I bester gott! verstand und herz. Für jede nügliche erfahrung, Für alles, was mich lehren kann, Für unters richt und offenbarung, Bet' ich im staube, gott, dich an! Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 257 7. Im dunkeln forsch ich 9. Ein mensch, um mennicht vergebens, Du gabest schen zu versöhnen, Er, der mir dein wort zum licht; mich schuf und mich erhält. Du zeigtest mir den weg des Er starb; o fließet freudenlebens, Mein glück, mein thránen! Wie dank ich dir, elend, meine pflicht. Nein, o herr der welt; Anbetung nein, die zunge kann nicht dir und ewig ehre, Und dank fagen, Wie unaussprechlich und liebe, Jesus Christ! Von gut du bist; Nun darf die feele nicht mehr zagen, Die seele, die unsterblich ist. mir, der ewig elend ware, Und nun unendlich selig ist! 10. Ja, vater! vater! überschwenglich, Und über jeden ausdruck groß, Sind deine gnaden, unausdenklich, Und deine gute namenlos! Dank sey mein mund, mein herz, mein leben! Du bist die lies be; nichts bin ich. D du, der mir so viel gegeben, Gieb mir noch dankgefühl 8. Unsterblich, vater, ewig leben Soll ich, ich, der nur tod verdient! Ich ewig seyn! du hast vergeben, Haft mit dem fünder dich verfühnt! Dein sohn( o wer faßt das erbarmen!) Entäußerte des himmels sich; Vom tode zu befreyn mich armen, Ward er, der sohn, ein mensch, wie ich! für dich! Von dem Gehorsam gegen Gott. Mel. Lasset uns den herren preisen. du schufft, Eilt und drångt 340. herr! zu erfüllen; Nur eilig, heilig sich, wenn du rufit, Dein ges der mensch erkennt es nicht. Für sein heil und seine pflicht. 3. Stolz empórt sich seine seele, Du, ihr schöpfer! wider dich, Deine göttlichen befehle Wirft er thöricht hinter sich. Du sollst ihn nicht mehr res gieren, Klüglicher nach seis nem wahn Wählt er eine beffre bahn, Die soll ihn zum heile führen; Und die bahn ist sündenvoll, Die zum heil ihn führen soll. 4. Herrscher! laß ihn früh empfinden, Daß er selber sich R Heilig bist du, unser gott! Du gebeutst; und in der stille Hört die schöpfung dein gebot. Die im himmel dir lobsingen, Stehn um deinen thron bereit, Freuen sich der seligkeit, Deis nen willen zu vollbringen; Nur der mensch erkennt es nicht Für sein heil und seine pflicht. 2. Dir gehorcht mit sanfter wonne Alle deiner welten heer, Deine feste, deine sonne, Sturm und donner, erd und Alles dienet deinem willen, Alles, schöpfer! was meer. Pflichten gegen Gott. 258 verführt, Daß die eitle luft der fünden Ihm zuletzt den tod gebiert. Mach' ihm deinen willen wichtig, Lehr' ihn deine bahn, laß ihn Eilend seinen irrweg fliehn; Denn dein weg allein ist richtig. Mach' ihn seinen pflichten treu, Daß sein wandel heilig sey. 5. So wird auch bey uns auf erden, Wie im himmel, dein gebot Dankbar ausgerichtet werden, Heiliger und großer gott! Alle werke deiner hånde Werden unterthan dir seyn, Alle die ihr daseyn weihn, Bis an deiner schöpfung ende, Bis die fülle dieser zeit Eingeht in die ewigkeit. Mel. Allein auf gott seg dein. 341. Dein, gott! ift majestät und macht, und alles ist dir uns terthan. Dir werde dank und ruhm gebracht! Fallt nieder, menschen, betet an! 2. Dich preiset jede creatur, Der höchste engel und der wurm. Dich ehrt gehor: sam die natur, Dein wink erregt und stillt den sturm. 3. Wohin mein auge, gott! nur blickt, Ist ordnung, ein tracht, harmonie; Und ich, mit deinem bild geschmückt, Empórte mich, und störte sie? 4. Du schufst das mensch liche geschlecht, Durch dich, gott! sind wir, was wir sind; Du bist mein herr, ich bin dein knecht, Du bist mein vater, ich dein kind. 5. Wie darf, wer, vater! dich nicht ehrt, Des glücks, dein kind zu seyn, sich freun? Nur die sind dieser ehre werth, Die ganz fich deinem dienste weihn. 6. Wie billig, wie gerecht und gut Ist alles, was uns gott gebeut! Wohl dem, der seinen willen thut! Ihn thun ist freud und feligkeit. 7. Nur das, was bos' und schädlich ist, Und uns entehrt, verbeut uns gott. Weh dem, der seiner pflicht vergißt! Er stürzet sich in schand und noth. 8. Gott ist, wenn er gesetze giebt, Kein menschenfeindlis cher tyrann; Bloß weil er unsre wohlfahrt liebt, Treibt er uns zum gehorsam an. 9. Leicht ist die last und fanft sein joch. Wer's willig trågt, sest seinen lauf Stets freudig fort, und fällt er noch, So hilft ihm gott selbst wieder auf. 10. Bald heßit uns seine lieb und huld Gehorsam seyn aus dankbarkeit, Bald warnt er uns vor neuer schuld, Und übet uns durch kreuz und leid. II. Sein wort ermahnt, droht und verheißt, Und hält uns tod und leben vor, Uns rühret und erweckt sein geist; Und ich verschlösse herz und ohr? 12. Nein, gott! dir sey mein herz geweiht, Gehorsam sey mein größter ruhm. Verleihe mir beständigkeit, Und heilge mich, dein eigenthum. Von dem Gehorsam gegen Gott. 259 Mel. Wer nur den lieben gott. zum kampfe sieg und kraft. aß 342. mich, o herr, 3. Laß mich, so lang ich in allen dingen Auf dein wort fehn, und dir mich weihn. Gieb felbst das wollen und vollbringen; Laß mein herz dir geheiligt seyn. Nimm geist und leib zum opfer hin; Dein, herr! ist alles, was ich bin. bier soll leben, Im glück und unglück seyn vergnügt, Und deinem willen mich ergeben, Der alles mir zum besten fügt; Gieb demuth, wenn du mich beglückst, Geduld, wenn du mir leiden schickst. 52. Gieb meinem glauben muth und stårke, Laß in der lieb ihn thätig seyn, Daß man an seinen früchten merke, Er sey kein traum, kein falfcher schein. Stárk mich in 4. Uch hilf mir beten, wachen, ringen! So will ich, wenn mein lauf vollbracht, Dir dank und ruhm und ehre bringen, Dir, der du alles wohl gemacht. Dann werd' unentweiht, ich, rein und meiner wanderschaft, Und gieb Dich loben, gott! in ewigkeit. Von dem Vertrauen auf Gott. Mel. Was gott thut, das ist. er herr ist 343. D meine zuver: sicht, Mein einz'ger trost im leben. Dem fehlt es nie an trost und licht, Der sich dem herrn ergeben. Gott ist sein gott! Auf sein gebot Wird seine seele stille, Shm gnügt des vaters wille. troft genießen. Des frommen herz Wird frey von schmerz. Der sünder eitles dichten Pflegst du, herr! zu zernichten. 4. Drum hoff, o feele! hoff auf gott, Der thoren trost verschwindet, Wenn der gerechte in der noth Das herz des schöpfers findet. Wenn jener fällt, Ist er ein held; Er steht, wenn jene zittern, Als fels in ungewittern. 5. Wirf nicht die große hoffnung hin, Die dir dein glaube reichet. Wie elend, die zu menschen fliehn! Wohl, wer von gott nie weihet! Dein heiland starb; Er, er erwarb, Auf seinem todeshügel, Dir.. 2. Wer wollte dir, herr! nicht vertraun? Du bist des schwachen stårke. Die augen, welche auf dich schaun, Sehn deine wunderwerke. Herr! groß von rath, und stark von that! Mit gnadenvollen hånden Wirst du dein werk vollenden. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, Verlassen sehen deines glaubens siegel. müssen; Du läßt ihn, wenn 6. Sey unbewegt, wenn ihn noth umgiebt Doch deinen um dich her Sich ungewitter R 2 260 Pflichten gegen Gottl fammlen! Gott hilft, wenn ich bitte, Mir gnädig, eh' christen freudenleer 3u ihm um ichs bat, gewährt, Wenns gnade stammlen. Die zeit der seine weisheit litte. Er sorgt quaal, Der thrånen zahl Záhlt für mich Stets väterlich. er; er wiegt die schmerzen, Nicht, was ich mir ersehe, Und wälzt sie von dem herzen. Sein wille nur geschehe! 4. Ist nicht ein ungestör: tes glück Weit schwerer oft zu tragen, Als selbst das wis drige geschick, Bey dessen last wir klagen? Die größte noth Hebt doch der tod, Und ehre, glück und habe Vers läßt mich doch im grabe. 5. Un dem, was wirklich glücklich macht, Láßt gott es keinem fehlen. Gesundheit, ehre, reichthum, pracht, Sind nicht das glück der seelen. Wer gottes rath Vor augen hat, Dem wird ein gut gewissen Die trübsal auch versüßen. 6. Was ist des Lebens herrs Mel. Was gott thut, das ist. lichkeit? Wie bald ist sie vers 344. Af uf gott, und nicht auf mei nen rath, Will ich mein glücke bauen, Und dem, der mich erschaffen hat, Mit ganzer feele trauen. Er, der die welt Allmächtig hält, Wird mich in meinen tagen Als gott und vater tragen. schwunden! Was ist das leiden dieser zeit? Wie bald ists überwunden! Hofft auf den berrn! Er hilft uns gern. Seyd fröhlich, ihr gerechten! Der herr hilft seinen knechten. 7. Herr, du bist meine zus versicht! Auf dich hofft meine feele. Du weißt, was meinem glück gebricht, Wenn ich mich forgend quále. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger! verlassen, und sich im fummer fassen? 8. In deine hand befehle ich Mein wohlseyn und mein Leben. Mein hoffend auge blickt auf dich, Dir will ich mich ergeben. Sey du mein gott, Und einst im tod Mein fels, auf den ich traue, Bis ich dein antlig schaue. 2. Er sah von aller ewigkeit, Wie viel mir nügen würde, Bestimmte meine les benszeit, Mein glück und meine bürde. Was zagt mein herz? Ist auch ein schmerz, Der zu des glaubens ehre Nicht zu besiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein herz begehrt, und hätte, was 345. A Mel. Uch was soll ich fünder. ch! wie ist der menschen liebe So veranderlich, so kalt! Wie erstirbt sie nicht so bald! Setze nie auf diese liebe, Die nicht hált, was sie verspricht, Sees le, deine zuversicht! 2. Uber deiner liebe trauen, Höchster, das gereuet nie; Denn ein starker fels, ist sie. Die auf diesen felfen bauen. Von dem Vertrauen auf Gott. Wohnen unverlegt, und fehn Ruhig selbst die welt vergehn. 3. Täglich sag ichs meiner feele: Gott liebt ewig! seine Mel. Alle welt, was lebt und. treu Wird mit jedem morgen 346. Auf mein geist zu 261 erfahren, wie so treu Deine. vaterliebe sey. wähle Dir zum freund, und glaube dann, Daß kein feind dir schaden kann. singen, Der uns alles gute giebt! Ihm will ich ein danks lied bringen; Er hilft jedem, 4. Und ich will auch dich der ihn liebt, Und wer sich erwählen, Bater! ich, ich will auf ihn verläßt, Dessen hoffs. allein, Ganz dir mein ver. nung stehet fest. 01 1854 trauen weihn. Aber ach! die 2. Menschen, ruft die men fráfte fehlen, Und mein fleisch und blut vergißt Bald und oft, wie treu du bist. 5. Plößlich überfällt mich wieder Sorge der vergångs lichkeit, Irdisch hoffen, irdifch leid. Und dann sink ich muthlos nieder, Suche nur bey menschen ruh; Und mein helfer wärst doch du. 6. Uch vergieb mir, der im staube Dieses leibes dich noch nicht, Gott, erkennt von angesicht! Uch vergieb mir, daß mein glaube Hier noch wankt, und sich nicht fest, Als er follt, auf dich verläßt! 8. Der du deiner finder flehen, Gott, mein gott! so gern erhörst, Und sie selbst auch flehen lehrst, Laß mich fest im glauben stehen, und schenkinder Nicht als eure götter an. Troßt nicht auf die macht der fünder, Die sich selbst nicht helfen kann. Für. sten sind nur asch' und staub, Und, wie wir, des todes raub. 3. Oso lehnt euch nicht auf stützen, Die der tod fo so bald zerbricht! Gott allein kann euch beschüßen, Er hält stets, was er verspricht. Wohl dem, der auf ihn nur schaut, Und sich ihm ganz anvertraut. 4. Unsers gottes macht und gute Währet bis in ewigkeit, und sein våterlich gemüthe, Ist zur hülfe stets bereit. Suchet nur sein angesicht; Er verläßt die seinen nicht. 7. Täglich laß es mich em: pfinden, Wenn mein herz auf sie sich stutt, Daß nicht menschenbülfe nüßt. Ullen trost laß mir verschwinden, Mel. Bon goft will ich nicht. Bis ich wieder flieh zu dir; 347. Von gott will Und dann, vater, hilf du mir! ich nicht las= fen, Denn er verläßt mich nicht; Den vorsat will ich fas sen. Gott, meine zuversicht, Reicht selbst mir seine hand, Für mich mit jedem morgen In meiner noth zu sorgen; Ihm ist sie wohl bekannt. Pflichten gegen Gott. nu 262 2. Der menschen gunst und liebe Erstirbt und ändert sich; Doch gottes vatertriebe Sind unveränderlich. Er weiß aus jeder noth, Eh wirs vermuthet hatten, Uns wunderbar zu retten, Und wenns auch war der tod.er bessern vaterland. Wie selig werd ich seyn! Mit gott und feinen frommen, Soll ich mich da vollkommen, Soll ich mich ewig freun. The 407 int 8. Ob ich schon trübsal bulde Und leiden dieser zeit, Wie ichs auch oft verschulde, Kommt doch die ewigkeit, So großer freuden voll! Die, da ich, trotz dem grabe, Sein wort darüber habe, Mir niemand rauben soll. 3. Auf ihn will ich ver: trauen In meiner kümmerniß, Auf seine hülfe bauen. Er hilft; ich bins gewiß. Ihm hab ichs heimgestellt. Leib, feele, glück und leben Sey gott, dem herrn, ergeben; Er machs, wies ihm gefällt. 4. Es kann ihm nichts gefallen, Als was uns nüglich ist. Er meynt es gut mit als len, Gab uns selbst Jesum Christ. O! der so viel gethan, Wird uns auch das gewähren, Was unsern leib ernáh: Vertrauen im Leiden. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. ren, Den geiſt erfreuen kann. 348. Dir trau ich, 5. Lobt ihn mit herz und munde, Lobt ihn, der alles schenkt. Wie selig ist die stunde, Worin man sein ge denkt! Berscherzt ist sonst die zeit, Die wir durchlebt auf erden. Wir sollen selig werden, Und werth der ewigkeit. gott, und wanke nicht, Wenn gleich von meiner hoffnung licht Der letzte funke schwindet. Mein helfer und mein gott bist du, Durch den mein herz doch endlich ruh und freude wieder findet. Von jeher hast du mich geführt, Und meines wandels lauf regiert, Mit segensvoller vaterhand So manche noth hinweg gewandt. Unendlicher! Ich trau auf dich; Du leitest mich. Ich kämpf und siege, gott! durch dich. 6. Mag doch die welt ver gehen Mit ihrer lust und pracht! Das glück bleibt ewig stehen, Was gott mir zuge: dacht. Vollend ich meinen lauf; Er weckt mich, wenn im grabe Ich ausgeruhet habe, 3um neuen leben auf. 7. Die feel ist unverloren In gottes vaterhand, Der leib wird neu geboren 3um 9. Das ist des vaters wille, Der uns erschaffen hat; Aus feines sohnes fülle Empfahn wir gnad um gnad; Und seinen geist hat er Auf unsrer bahn zum leben 3um führer uns gegeben. Gelobet sey der herr! 2. Schwer ist der kampf der leiden, schwer, Kaum fühl ich muth und stärke mehr, Noch länger auszudulden. Doch, ewig, vater! zürnst du 263 Des höchsten macht, Die für mich wacht, Giebt mir stets, was mir fehlet. Bet' an, mein herz, In freud und schmerz Shn, der dein bestes wählet! 3. Will er, daß ich nun sterben soll, Nimmt er mir bald dies leben, So will ich gern und hoffnungsvoll Mich feinem rath ergeben. Dir, gott! befehl' Ich meine feel' In meis nen lehten stunden; Dein sohn, o gott! Hat hóll' und tod Für mich selbst überwunden. Mel. Was gott thut, das ist. Von dem Vertrauen auf Gott. nicht, Du gehst mit uns nicht undank widerstreben. ins gericht, Strafft nicht nach unsern schulden. Bald ist der thránen maaß gefüllt, Bald meiner seele schmerz gestillt, Bald hat gott all' mein flehn erhört, Mich gnug geprüft, und mich bewährt. Du gott der huld! Erhört von dir, Lobsingt in mir Dann meine ganze feele dir. 3. Ach! alle leiden dieser zeit, Sind doch nicht werth der herrlichkeit, Die du wirst offenbaren. Bald wird auch mir der duldung lohn, Bald steh auch ich vor deinem thron 350. Was gift of Mit Und danke dann dir, gott! verklärt, Der jetzt mich prüft, mich dann bewährt, Daß ich von allen leiden frey, Ein se: liger des himmels sey. Barmherziger! Fest ohne graun Will ich dir traun; Denn einst werd' ich dein antlig schaun. Zufriedenheit mit Gott und Ergebung in sei: nen Willen. gethan, Es bleibt gerecht sein wille, Wie er fängt meine sachen an, Will ich ihm halten stille. Er ist mein gott, Der in der noth Mich wohl weiß zu erhalten; Drum laß ich ihn nur walten. 2. Was gott thut, das ist wohlgethan! Er läsſet mich nicht fallen; Er führet die auf rechter bahn, Die seine wege wallen. Trost und geMel. Was mein gott will, gescheh. 349. Was mein gott duld Giebt feine huld; Er will, gescheh wird mein unglück wenden, allzeit, Sein will' ist stets der Es steht in seinen hånden. beste. Zu helfen ist er dem be: reit, Der an ihn glaubet feste. Der treue gott Hilft in der noth, Und züchtiget mit maaßen. Wer ihm vertraut, Fest auf ihn baut, Den wird er nie verlassen. 3. Was gott thut, das ist wohlgethan! Nur er weiß, was uns nüßet. Wie ungewiß irrt jedermann, Der sich auf ihn nicht stüzet! Ja, seine treu Ist immer neu; Drum. will ich auf ihn bauen, Und seiner gute trauen. 2. Er ist mir trost und zuversicht, Ruh, hoffnung, freude, leben; Drum was er 3. Was gott thut, das ist will, dem will ich nicht mit wohlgethan! Er ist mein licht 264 und leben, Der mir nichts böses gonnen kann; Ihm will ich mich ergeben In freud und leid; Es kommt die zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich er es meinet. Pflichten gegen Gott. 5. Was gott thut, das ist wohlgethan! Muß ich den kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem wahn, Laß ich mich doch nicht schrecken; Weil er zuletzt Mich doch ergößt Mit süßem trost im herzen; Da weichen alle schmerzen. 6. Was got that, das ist wohlgethan! Dabey will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe bahn Roth, tod und elend treiben, So wird gott mich Doch våterlich In feinen armen halten; Drum laß ich ihn nur walten. ft ja selbst dein guter geist. hab ich denn nun zum regierer Dich, o du dreieinger gott! D so schreckt mich keine noth. 3. Und wie könnt ich doch verzagen, Gieng es noch so wunderlich, Da ich kann bis heute sagen: Gottes gute füh ret mich! Nun, erleb ich denn auch morgen, D so lebt auch noch mein gott, Der für mich in jeder noth Treu und liebreich ferner sorgen, Weis und gut mich führen wird, Weil er vater ist, und hirt. 4. Ginge mir es, wie ich wollte, So gieng mir es selten gut. Wenn das stets geschehen sollte, Was sich wünscht mein eigner muth, Würd' ich oft mein unglück wählen; Ich ers fahre gar zu oft Böses, wenn ich guts gehofft; Meine besten wünsche fehlen. Drum in gott, mein herz, sey still! Mir geschehe, was gott will. Mel. Lasset uns den herren. 351. J ch ergebe mich dem willen Meines gottes ganz und gar; Der wird auch an mir erfüllen, Was mir nüßet immer dar. Siehe, höchster gott, hernieder! Alles, was ich hab und bin, Geb ich dir zu eigen hin. Du gabst es, dir geb ichs wieder; Mache daraus, was du willt, Was du willt, mein gott und schild! 2. Von dir hab ich ja mein leben, Gott, der du mein vater bist! Mir zum heil hast du gegeben Deinen sohn Mel. Nun ruhen alle wälder. En allen meinen selbst, Jesum Chrift; und 352. In thaten, Laß mein sichrer, treuer führer, ich den höchsten rathen, Der Der mir deine wege weist, alles kann und hat; Er muß 5. Was gott will, geschehe immer; Was ich will, und schädlich ist, Das laß ja ge schehen nimmer, Gott, der du so gütig bist! Und da dir mein unvermögen, Dir zu fol gen, ist bekannt, O so laß doch deine hand Meiner schwach: heit kraft beylegen. Und dann, vater! folg ich dir; Was du willt, geschehe mir! Von dem Vertrauen auf Gott. 265 in allen dingen, Solls anders 8. Ihm hab ich mich erges wohl gelingen, Der helfer ben 3u sterben und zu leben, seyn durch rath und that. Wie und wann er gebeut. Ich lebe oder sterbe, So bleibt mein theil und erbe Des hims mels ganze seligkeit. 9. So fey nun, feele, stille! Dein ruhm sey dessen wille, Der dich erschaffen hat. Es gehe, wie es gehe, Dein vas ter in der höhe, Der weiß zu allen sachen rath. 2. Was nügen uns vom morgen Bis abend alle fors gen, Wenn sein gedeihn uns fehlt? Er hat uns glück und plage, Und bös' und gute tage, Eh wir noch waren, zugezählt. 3. Was gott für mich ersehen, Das soll und muß geschehen, Ist mein beschieden theil. Drum laß ichs mir in allen, Was er mir giebt, ges fallen, Und halt es für mein wahres heil. 4. Ihm trau ich in gefahren, Er wird mich wohl be: wahren, Er, der da will und kann; Such ich nur seinen willen Gehorsam zu erfüllen, So nimmt er selbst sich mei: ner an. 5. Er lasse meine sünden Vor ihm vergebung finden, Durchstreiche meine schuld; Und wenn ich zu ihm schreye, So schenk er mir aufs neue In Christo seine vaterhuld. 6. Leg ich zum schlaf mich nieder, Weckt mich der mors gen wieder zu meines lebens pflicht; Irr' ich auf finiern wegen, Eil ich dem kreuz entgegen, So sey sein wort mein trost, mein licht. 7. Schein ich von ihm verlassen, So will ich mich doch fassen, und seiner hülfe traun; Und wenn ich auf der erde Nicht groß und glücklich werde, Voll glaubens in die zukunft schaun. Mel. Mein Herz und seel den. 353. herr, mein gott! durch den ich bin und lebe! Gieb, daß ich mich in deinen rath ergebe; Laß ewig deinen gus ten willen mein, Und was du thust, auch mir stets theuer seyn. 2. Du, du regierst, bist weisheit, lieb und stärke. Du, herr! erbarmst dich aller deiner werke. Was zag' ich doch noch einen augenblick? Du bist mein gott, und willst nichts als mein glück. 3. Von ewigkeit hast du mein loos entschieden, Was du bestimmt, das dient zu meinem frieden. Du, vater! wogst mein glück, du wogst mein leid, und alles, was du schickst, ist seligkeit. 4. Gefällt es dir, so müsse keine plage Sich zu mir nahn, gieb mir zufriedne tage. Allein verwehrts mein künftig ewigs heil, So bleibe du, gott! nur mein trost und theil. 5. Du giebst aus huld uns Pflichten gegen Gott. 266 dieser erben freuden; Uus gleicher huld verhängst du unsre leiden. Ist nur mein weh nicht meine eigne schuld, So zag ich nicht, gieb du mir nur geduld. 6. Soll ich ein glück, das du mir gabst, verlieren, Und willst du, gott! mich rauhe wege führen, So wirst du doch, denn du hörst gern mein flehn, Auch väterlich mir eine hülf ersehn. 7. Vielleicht muß ich nach wenig tagen sterben. Herr, wie du willst! soll ich den himmel erben, und dieser ist gewiß im glauben mein, Mel. Von gott will ich nicht. [ n dich, mein kann der tod mir dann noch 355. Agott!' gebe gedens schrecklich seyn? 354. Sreude an Gott. ( Siehe auch Nr. 295.) Mel. Jesus, meine zuversicht. abe deine lust am herrn! Bey dem herrn ist freud und leben, und er wird( denn er giebt gern) Dir auch, was dir dienet, geben. Seine liebe beut dir an, Was dein herz nur wünschen kann. 2. Laß der welt die eitle lust, Die in weinen sich vers kehret. Glaube, wer in sei: ner brust Gottes liebe fühlt und náhret, Findet stets auf seiner bahn, Was das herz nur wünschen kann. 3. Lust an gott erfüllt mit licht, Wenn man gott im worte kennet. Lust an gott stärkt uns zur pflicht, Wenn man in der liebe brennet. Solche luft beut alles an, Was das herz nur wünschen kann. 4. Wer die lust am herren hat, hat auch lust an seinem willen, Suchet ihn durch wort und that Unverdrossen zu er füllen; Und so trifft er alles an, Was das herz nur wüns schen kann. 5. Bleibst du auch nicht ohne last, Trag geduldig die beschwerden. Wenn du wohl gelitten hast, Wird dir ew'ge freude werden; Und du triffst im himmel an, Was dein herz nur wünschen kann. ken, Ist pflicht und trost für mich. Wenn sorg' und gram mich kránken, So sieht mein aug' auf dich. Dann mindert sich mein schmerz, Dann fliehn die bangen sorgen, Wie nebel vor dem morgen, Und ruh erfüllt mein herz. 2. Denk ich an deine liebe, Wie werd ich dann erfreut! Wenn alles um mich trube, Und mir ein wetter dráut, Ist sie mein sonnenschein; Mich können keine leiden Von deiner liebe scheiden, So groß sie immer seyn. 3. Mit fröhlichem gemüthe Denk ich an deine treu; Denn, vater! deine gute Ist alle morgen neu. Und seh ich nur auf dich, Wird arbeit mir versußet, Dein vatersegen fließet Huldreich herab auf mich. 4. Du gabst mir aus ers Von dem Vertrauen auf Gott. barmen Den sohn, der für mich starb, Und liebevoll mir armen Dein kindschaftsrecht erwarb. In ihm, gott! bin ich dein; Drum kann ich hoffnung fassen, Du wirst mich nie verlassen, Nein, stets mein helfer seyn. 5. Wie gut ists, dein ges benken! Die welt mag immerhin Ihr herz dem eiteln schenken, Wie schlecht ist ihr gewinn! Zu dir halt ich mich, Vom Gott soll man anbeten. Mel. Herr, nicht schicke deine. ir verföhnt in 356. 267 gott! Dies bringt, auch wenn ich leide, Dem herzen trost und freude, Dies stárkt mich noch im tod.. Gebete. Liegen wir vor deinem throne; Keiner kehrt mit trübem blick Unerhört von dir zurück. Alles fleisch von allen enden Kommt mit aufgehobnen hånden, Kömmt mit hoffnung und begier, Gott! der gern erhört, zu dir. 2. Du bist alles guten fülle! Daß wir beten, ist dein wille; Du verschmähst, o vater! nicht Deiner kinder zuversicht. Und du hast so vielen segen, Weit mehr, als mir bitten mögen; Reich und kraft und herrlichkeit, Gott! ist dein in ewigkeit. 3. Was im himmel und auf 6. Drum will ich an dich dene ken, So lang ich denken kann. Wird man ins grab mich senken, So geh ich zwar die bahn, Da mein die welt vergißt; Doch du, herr! denkst noch meiner, Wenn auch auf erden keiner Mein eingedenk mehr ist. 4. Sollten denn nicht deine frommen Alle betend vor dich kommen, Der du allen vater kein ding unmög " lich ist? Allen hast du, herr! ihr leben, Und was sie ers freut, gegeben, und vers sprichst, unendlicher! Allen noch unendlich mehr. 5. Ja, wir wollen zu dir nahen, Beten, glauben, und empfahen; Unfrer thaten lobgefang Sen in ewigkeit dein dank! Heil uns christen! du beschüßest Deine kinder, du besitzest Herrlichkeit und kraft und reich! Wo ist dir ein vater gleich? Erweckung zum Gebet. Mel. Wer nur den lieben gott. erden Gut ist, ließ dein wille 357. Dein heili werden; es dachtest du Deinen kindern es schon zu zu. Alle sollten deiner gaben und nüchtern zum Unerschöpften reichthum haben, Ewig sollten alle dein, O allgütiger! sich freun. o christ, nicht verscherzen, Sey wach gebet! Ein flehn aus reinem gutem hers zen hat gott, dein vater, nie verschmäht. Er ist die liebe Pflichten gegen Gott. 268 felbft; er hört, Was seiner tinder berz begehrt., 25 2. Erschein' vor seinem an gefichte Mit dank, mit demuth, oft und gern, Und prüfe dich in seinem lichte, Und klage deine noth dem herrn; Er eilt, die feinen zu erfreun, Und fegnet sie, wenn 358. Kft und mit Eigenschaften des Gebets. Mel. Wer nur den lieben gott låst. Domm fie noch schreyn. vergnügen, O christ, vor gots tes angesicht! Nie müsse trågs heit dich besiegen In der ers füllung dieser pflicht. D! übe fie zu gottes preis Und deis nem heil, mit treuem fleiß. 3. Welch glück, so hoch ge ehrt zu werden, und im gebet vor gott zu ftehn! Der herr des himmel und der erden, Bedarf der eines menschen flehn? Ifts nicht bloß deine seligkeit, Wenn er zu beten dir gebeut? Und wenn mein mund, aus gutem herzen, 3u dir um hülf Zu und gnade fleht, So höre mich von deinem thron, Durch Jesum Christum, deinen sohn. 2. Bet' oft in einfalt deis ner seelen; Gott sieht aufs herz, gott ist ein geist. Wie können dir die worte fehlen, Wofern dein herz dich beten heißt? Der glaub' an gott und seinen sohn Rührt ihn, nicht leerer worte ton. 4: Sagt gott nicht: bittet, daß ihr nehmet? Ist des ge: betes frucht nicht dein? Wer sich der pflicht zu beten schå: met, Der schämt sich gottes freund zu seyn; Und, o welch unglück tråfe dich, Schämt einstens gott auch deiner sich! 3. Wer das, was uns zum frieden dienet, Von Herzen sucht, der ehret gott. Wer das zu bitten sich erkühnet, Was er nicht wünscht, entehret gott. Wer schnell die treu, die er gott schwur, Vers gißt, der spottet seiner nur. 5. Sein glück von seinem gott begehren, Ist dies denn eine schwere pflicht? Und seine wünsche gott erklären, Erhebt das unsre feele nicht? Verleiht es uns nicht muth und kraft 3um siege jeder leidenschaft? 6. Sich in der furcht des höchsten stårken, In dem vertraun, daß gott uns liebt, Im fleiß zu allen guten wer: ken, Ist diese Pflicht für dich betrübt, So triffst du nichts auf erden an, Das deinen geist erfreuen kann. 4. Bet' oft zu gott, und schmeck in freuden, Wie freundlich er, dein vater, ist. Bet' oft zu gott, und fühl in leiden, Wie göttlich er das leid vers füßt. Gott hörts, gott ists, der hülfe schafft, Er giebt den müden trost und kraft. 7. Gott! laß mich nicht mein heil verscherzen; Gieb luft und kraft mir zum gebet. 5. Bet' oft, und heiter im gemüthe, Schau dich an seis nen wundern satt. Schau auf Vom Gebete. 269 den ernst, schau auf die gute, Womit er dich geleitet hat. Oft irrtest du, er trug geduld; Erkenn' und preise feine huld. 6. Bet' oft; durchschau mit frohem muthe Die herzliche barmherzigkeit Deß, der mit seinem theuren blute Die fün derwelt vom fluch befreyt, Und eigne dir zu deiner ruh Und beiligung fein opfer zu. 7. Bet' oft; gott wohnt an dank, mit wunsch und flehn. Doch meine fehler bey dem beten, Wollst du, mein vater! übersehn; Weil mich, der dir zur rechten sigt, Durch seinen fürspruch unterflügt. Erkannte Sebler des Ges bets; auch beym Man gel der Andacht im Gebet. Mel. Wår gott nicht mit uns. jeder ståtte, In keiner minder 359. Mit ſeufzen flag ich oder mehr. Denk nicht, wenn ich mit vielen bete, So find ich ehr bey gott gehör. Ist nur dein wunsch gerecht und gut, So sen gewiß, daß gott ihn thut. dir. mein gott! Gern wollt ich eifreig beten, Und drückt mich meiner fünden noth, Voll glauben zu dir treten. Gern bråcht ich, lieber vater! dir Im geist und wahrheit mit begier Die opfer meiner lippen. 8. Doch säume nicht, in den gemeinen Auch öffentlich gott anzuflehn, Und seinen namen mit den feinen, Mit deinen brüdern zu erhöhn. Wie eifrig war dein heiland nicht In übung dieser selgen pflicht! 9. Bet' oft zu gott für deine brüder, Für alle menschen, als ihr freund; Denn wir sind eines leibes glieder, Ein glied davon ist auch dein feind. Solch bitten, das aus liebe fließt, Ehrt gott, der felbst die liebe ist. 10. Bet' oft; so wirst du glauben halten, Dich prüfen und das böse scheun, Un lieb und eifer nicht erkalten, und reich an guten werken seyn. Denn muth und kraft und feelenrub Sagst du, gott! dem, der bittet, zu. 11. Dies reize mich, vor dich zu treten, Mit lob und 2. Allein mein herz, ach gott und herr! Kann sich nicht recht erheben; zum guten oft zu kalt und schwer, Bleibt es am eiteln kleben. Tråg ist oft leider sinn und muth, Und oft muß ich mein fleisch und blut Zur ans dacht mühsam zwingen. 3. Umsonst fass' ich oft den entschluß; Die welt sammt ihren kindern Sucht, meinem herzen zum verdruß, Am beten mich zu hindern, Und fleht mein seufzend herz zu dir, Bringt sie zu meiner frånfung mir Biel eitles ins gemüthe. 4. Dies, herr, mein gott! dies fránkt mich sehr, Und ich denk oft mit schmerzen, Als wår dein guter geist nicht mehr In meinem trågen herzen, Das dich so oft beleidigt hat, Weil luft und andacht keine statt In meiner feele findet. Pflichten gegen Gott. 270 5. Ach, leider, vater! hab ich dich Nicht allezeit gehöret, Wenn du in deinem worte mich Erweckt, gerührt, gelehret. Dochschone jetzt, verzeihe mir, Wehmüthig fleh ich, gott! zu dir, Vergilt nicht nach verdienste. 6. Ich will hinfort nachläsfigkeit und alle trágheit meiden. O! mache du mein herz bereit, Vom eiteln mich zu scheiden. Laß es dich hören, und allein Aufs himmlische gerichtet seyn. Gieb du mir kraft und stärke. 7. Gott! laß den eifer des gebets Ja nie in mir erkalten. Der andacht feuer wollst du stets Durch deine kraft erhal ten. Den hindernissen wehre du, Und sehe meine feel in ruh, Sich frey empor zu schwingeu. Nothwendige Einmus thigkeit beym Gebet. Mel. Nun lob, mein seel, den. aßt uns mit 360. Lat danken treten, Vor unsern gott, mit preis und ruhm! Mit freudigen gebeten Lobt ihn in seinem heiligthum! Shn, der mit ew'ger treue, Was er erschuf, er hålt, Der, daß die welt sich freue, Begnadigt alle welt, Trágt mit geduld die fünder, Hilft seinem volke gern. Lobt ihn, ihr seine kinder, Ihr christen, dankt dem herrn! 2. Shr, unsers hauptes glieder, Vereingt liebreich herz und mund, Als erben und als brüder Macht eures vaters gnade kund! Durch sanftmuth überwindet Euch selbst und haß und neid! Bera föhnt euch und empfindet Der liebe füßigkeit! Zu einem heil berufen, Habt alle gleichen finn: So tretet zu den stufen Des throns anbetend hin. 3. Ihn, der die lieb euch lehret, Durch die ihr seine finder seyd, Gott, euren gott, entehret Ein lob, das ihm die zwietracht weiht. Die men schen, die sich hassen, Stehn hoffnungslos von fern, Von seiner huld verlassen, Ein gráuel vor dem herrn. Sie hört in ihren nöthen Der gott der liebe nicht, Verbirget, wenn sie beten, Im zorn sein angesicht. 4. Wir aber, deine from men, Wir wollen, gott! in einem geist Zu deinem throne kommen, Wenn unser dankbar lied dich preist. In einem lauten tone Singt durch dein ganzes reich Dir, vater und dem sohne, Die christenheit zugleich. Die eintracht ihrer lieder Dringt auf mit hohem klang, Schallt durch die himmel wieder; Ein englischer gefang! 5. D! pflanze selbst die liebe Mit aller ihrer himmelsluft, Pflanz jeden ihrer triebe, gott! in unser aller brust. Hilf, daß wir, als die deis nen, Uns lieben lebenslang, Und so vor dir erscheinen Mit lob, gebet und dank. Dann steigt aus unsern choren Der eintracht lied empor; Und dieses lied zu hören, Neig', herr, zu uns dein ohr! Vom Gebete. 271 6. Wenn wir denn vor dir des thun und dichten. Gieb flehen, Erhöre gnádig dies uns des glaubens zuversicht, gebet, Laß uns zum heil ge: So zweifeln wir in Christo schehen, Was unsre seele nicht, Die bitte zu erhalten. glaubend fleht. Wenn wir von ganzem Herzen Für rettung aus der noth, Für linderung der schmerzen Dir danken, unserm gott, Für so viel huld uns alle Dir weihen lebenslang; O vater! so gefalle Dir deiner finder dank. Um die Gabe des Gebets. Mel. Wo gott, der herr, nicht. 361. gott! es fehlt uns kraft und licht, Dich würdig zu verehren, Wir wissen so zu beten nicht, Daß du uns kannst er: hören. Drum geuß, wie uns dein wort verheißt, Selbst über uns aus deinen geist Der gnad' und des gebetes. 5. Hilf, daß wir keine zeit und maaß Im beten dir vors schreiben, Anhalten ohne unterlaß, Bey dem allein auch bleiben, Was uns dein wille bitten lehrt, Was deinen gros ßen namen ehrt, Und unser wohl befördert. Der nehm sich unsrer schwachheit an, Uns kraftig zu vertreten, So oft wir deis nem thron uns nahn, 3u danken und zu beten; Und unser flehn zu dir, o herr! Sen nie ein frostiges geplårr; Es sey ein flehn des herzens. 3. Zieh unser herz zu dir hinauf Im beten und im fingen, Und thu uns auch die lippen auf, Ein opfer dir zu bringen, Daran dein herz gefallen hat, Weil sich auch unser herz dir naht, Und nicht bloß unsre lippen. 4. Im geist und wahrheit laß zu dir Das herz uns gláubig richten, mit andacht bes ten für und für, Ohn' frems 6. Laß uns im herzen und gemüth Auf unser werk nicht bauen, auf deine nie er schöpfte gút Laß einzig uns vertrauen. Und sind wir auch nicht dessen werth, So sey doch unser flehn erhört Von dir aus lauter gnade. 7. Du, vater! weißt, was uns gebricht, So lange wir hier leben. Verborgen ist dir gleichfalls nicht, Wenn wir in nöthen schweben. Wir, deine kinder, flehn dich an; Wir sind gewiß, daß uns nicht kann Dein vaterherz verlassen. 8. Wir haben ja die freudigs keit In Jesu Christ empfans gen, Der gnadenstuhl ist da bes reit, Die hülfe zu erlangen. Laß beilge hånd uns immer hier Aufheben, vater! und zu dir In wahrer inbrunst rufen. 9. Dein nam', o gott! geheis ligt werd; Dein reich laß uns erfreuen; Dein will gescheh auch hier auf erd'; Gieb frieden, brod, gedeihen; All' unsre suns den uns verzeih; Steh uns in der versuchung bey; Erlös' uns von dem bösen. 272 Pflichten gegen Gott. Der unschuld, die hier weinet Ihr rettungstag erscheinet. 10. Dies alles, vater, werde frey von schmerz und leiden wahr! Du wollest es erfüllen. Erhör und hilf uns immerdar Um Jesu Christi willen; Denn dein, o herr! ist allezeit, Von ewigkeit zu ewigkeit, Das reich, die macht und ehre. Mel. Was gott thut, das ist. Zuversicht eines glaubi: 363. Welch großes vorrecht schenkst du mir, Du, dem die seraphinen Vor deinem throne für und für Mit heilger ehre furcht dienen! Ich erd und flaub, Ich fallend laub, Sch darf mich zu dir schwingen Und lob und dank dir singen. 2. Wie zärtlich treu liebst du mich nicht! Mit meinem flehn und beten Darf kindlich ich, voll zuversicht, Zu dir, dem vater, treten. In aller noth, Ja selbst im tod, Willst du, gott! mir, dem deinen, Mit hulf und trost erscheinen. gen Mel. Auf meinen lieben gott. fuf meinen gott 362. verläßt Mein herz sich ewig fest. So oft ich im gebete Hin vor sein antlig trete, Wird auf mein kindlich schreyen Mich seine hülf erfreuen. 2. Sein geist, der heilig heißt, Giebt zeugniß meinem geist, Ich sey, obgleich voll funde, Erwählt zu seinem finde, Und soll dereinst im sterben Auch seinen himmel erben. Kraft, ugen und Segen des Gebets. 3. Gedanke, welcher mich Zufrieden spricht!- wenn dich In fummervollen tagen Welt, feind und zweifel plagen, So laß dir diesen glauben Nicht welt und kleinmuth rauben. 4. Sind leiden dieser zeit Mohl werth der herrlichkeit, Der ich, jenseits der erde, Mich einst erfreuen werde? Nur dem ist sie bereitet, Den gottes geist hier leitet. 5. Du geist des vaters! geist, Den Christus dem vers heißt. Der betend ihn begeh: ret, Ofen auch auch mir gewähret! Regiere meine feele, Daß sie nie wank und fehle. 6. Versiegelt bin auch ich, Geist gottes! ja durch dich Auf jenen tag der freuden, Wo, 3. Erstickt die sinnlichkeit in mir Die frommen himmelstriebe, So schwing' ich mich, gott! auf zu dir, Und fühle neue liebe. Zu dir halt ich, Mein vater! mich; Du bist, auch wenn ich leide, Mir húlfe, schuß und freude. - 4. Wie heilsam selig ist es mir, Wenn ich, gott, bis zum grabe, In dem gebete für und für Dich vor den augen habe! Ich stärke mich Ulsdann durch dich, Treu jede meiner pflichten Mit vorsicht zu verrichten. 5. Gebricht es mir an fanftem muth Und liebe gegen brüder, Besieg ich betend fleisch und blut, Und hasse niemals Vom Gebete. wieder; Mein herz verzeiht; Voll freundlichkeit Sucht nie mein mund durch schelten Scheltworte zu vergelten. 6. Betracht' ich im gebet mit schmerz Mein fehlerhaftes leben, So wird und kann sich nie mein herz, Von stolz gereizt, erheben. Fleh ich: geh nicht, Herr, ins gericht Mit mir! ach laß mich leben! Dann werd ich auch vergeben. 7. Wenn kummer mich zur erde zieht, Und wenn mich sorgen quälen, Wenn alles, alles von mir flieht, Und wenn mir freunde fehlen, Bet' ich zu dir; Du nahst dich mir! Erhörst mein bit tend flehen, und läßt mich hülfe sehen. 9. In dem gebete denk ich oft: Was seyd ihr eiteln freuden! Oft wie geschwind, wie unverhofft Verkehrt ihr euch in leiden! Darum will ich Allein, gott! dich Von ganzem Herzen lieben; Was kann mich dann betrüben? 273 auf seinen wegen Mit glück, mit trost, mit segen. 10. Wie stárkst du mich, wenn im gebet Zu dem berufsgeschäfte, Mein vater, ich dich angesleht Um weisheit und um kräfte! Den, der dir traut, Und auf dich baut, Krönst du 11. Welch eine große se ligkeit, Mit flehen und mit beten Darf ich, mein vater, allezeit Vor deinen thron hintreten! Drum bet ich auch Beym letzten hauch: Mein vater! ich befehle Dir meis nen leib und seele. 12. Du geist der kraft und des gebets, Du geist der rein: sten liebe, Erweck in meiner seele stets 3um beten fromme triebe! Und kann ich nicht mit zuversicht Zu meinem vater treten, So lehre du mich beten. 8. Verbotne lüfte, stárkern reiz, Des fleisches böse werke, Abgötterey den niedern geiz, Dámpft des gebetes stårke. Mein gott! durch dich Kann tapfer ich, Als christ, Mel. Wer nur den lieben gott. den fieg erringen, und sind 364. Mein bester troft in 13. Schaff in mir wahre heiligkeit, Daß ich gott wohlgefalle, Wenn ich, durch seine Lieb' erfreut, Ein schwaches danklied lalle. In traurigkeit, In kreuz und leid, Bewahre meinen glauben, Daß nichts ihn mir darf rauben. ein gebet zu meinem gott; Dies kann mir fraft in schwachheit geben, Geduld und muth in jeder noth, Ben jedem gram, bey jedem schmerz Ein ruhigs und zufriednes herz. 2. Wie kann ich trost und zuflucht finden, Wenn mein gewissen mich verklagt, Wenn bey der menge meiner sünden mein herz vor seinem richter zagt? Nichts tröstet mehr, als ein gebet, Das bey dem herrn um schonung fleht. 274 3- Muß ich um meiner tus gend willen Ein spott der lasterhaften seyn, So bet' ich demuthsvoll im stillen 3u meinem gott; er hört mein schreyn, Nimmt våterlich sich meiner an, Und stårkt mich auf der tugend bahn. Pflichten gegen 4. Ich will mich nie zu rächen suchen, Wenn mich ein feind zu frånken sucht, Und nie will ich dem wieder fluchen, Der mir aus unverstande flucht. Nein, meine rach sey ein gebet, Das gott um gnade für ihn fleht. Gott. 6. Ruf ich ihn an bey dem geschäfte Des standes, den er mir verlieh. So fleh ich nie umsonst um fráfte; Der gott der stärke giebt mir sie, Er giebt aus väterlicher huld mir segen, klugheit und ge duld. 5. Und wenn ein kummer mich verzehret, Den keinem ich entdecken kann, Dann ruf ich gott, der mich erhöret, Um trost in diesem fummer an. Ich weiß, wer ihm mit zuversicht Sein leid klagt, den verwirft er nicht. 7. Wenn eine böse lust zu dåmpfen, Mir wille, muth und fraft gebricht, Dann bitt ich gott; er hilft mir kåmpfen, Er giebt mir muth zu jeder pflicht, Und schenkt mir willigkeit und kraft 3um siege meiner leidenschaft. 8. Wenn ich im letzten kampf des lebens Bey niemand hülfe finden kann, So ruf ich gott doch nicht ver gebens Um seinen troft und beystand an, Der, wenn die sprache mir vergeht, Selbst meine seufzer noch versteht. Gebet- und Bittlieder. Das Gebet des Herrn. Mel. Wo Gott der herr nicht. weisheit, macht und treu Erkennen, und ohn' heucheley 365.Gott, unfer vater, Dir, und demnächsten dienen. der du himmel hoch erhöhet, Und schauest, was auf erden ist, Und hörst, was zu dir flehet! Verwirf, gott, unsre zuversicht! Das flehen deiner kinder nicht, Wenn sie voll inbrunst beten. 3. Laß uns in deinem gnadenreich Des heilgen geistes gaben, Dein wort und dessen kraft zugleich, Glaub', lieb' und hoffnung haben. Des satans reich zerstöre du. Erhalte deine kirch in ruh Und wahrheit dir zur ehre. 2. Dem namen, der da heilig ist, Laß uns die ehre geben, Wie groß und wunderbar du bist, Mit freudigkeit erheben; Dich, deine widersteh, Das fleisch bezäh: 4. Gleich als im himmel, fo gescheh Dein will auch auf der erde, Das dir kein wille Gebet- und Bittlieder. 275 Mel. O gott, du frommer gott. met werde. Verleih uns unter freud und leid Ein ruhigs herz, das jederzeit, Was 366. 2ch vater, unfer du willst, uns gefalle. gott! Du zeigst durch deine gute Uns deinen menschen stets Dein väterlich gemüthe; Othäten wir nur auch Als kinder unsre pflicht, In furcht, gehorsam, lieb, Und fester zuversicht! 2. Du herrschst im himmelsthron, Bist aller ort und enden, Und willst, daß mit gebet Wir oft uns zu dir wenden, Versprichst, der ret ter selbst In unsrer noth zu seyn; Drum so verwirf uns nicht, Hör, wenn wir zu dir schreyn. 3. Laß deinen guten geist Die große Pflicht uns lehren, Dir gläubig zu vertraun, Und dich recht zu verehren; Zeig uns, wie máchtig, groß, Und weise du, gott! bist, Wie klein der mensch, der staub, Wie schwach und blind er ist. 4. Das sey das höchste glück Für uns hier auf der Erde, Daß deines namens ruhm Von uns gepriesen werde, Daß er in wort und that, und ohne heucheley, Geheiliget von uns, Und nie entheiligt sey. 5. Gieb uns heut unser täglich brodt Durch arbeit unsrer hånde, Gestatte keiner plag und noth, Daß sie von dir uns wende. Gieb gute obern, fried und heil, Auch jedem sein bescheiden theil, Und laß uns dran begnügen. 6. Bergieb uns gnädig unfre schuld Durch unser ganzes leben. Hilf, daß mit lieb und mit geduld Wir andern auch vergeben. Straf uns nicht nach gerechtigkeit, Und laß uns unrecht, haß und neid Nicht an dem nächsten ahnden. 7. In der versuchung gieb uns stárf, Und hilf uns über winden Das fleisch, die welt, des satans werk, Und was uns lockt zu fünden, Daß wollust, ehrsucht oder geiz Durch ihren gleisnerischen reiz Uns dennoch nie besiegen. 8. Von allem übel, angst und noth Erlöf uns deine gnade, Daß uns im leben und im tod Des feindes list nicht schade. Bedrångt uns hier schon manches leid, So laß uns doch mit freudigkeit Des glaubens end erhalten. 9. Dies alles, vater! werde wahr, Du wollest es erfüllen, Erhör, und hilf uns immer dar, Um Jesu Christi willen; Denn dein, o herr! ist allezeit, Von ewigkeit zu ewigkeit, Das reich, die macht, die ehre. 5. Dein väterliches reich Ist auch zu uns gekommen, Da in der taufe du Uns in den bund genommen. Dlaß in deinem reich Uns fromme búrger seyn, Und brechen wir den bund, Ihn alsofort erneun. 6. Dein wille, herr! geschieht 3war auch ohn unsern willen; Doch gieb uns kraft, S2 276 Gebet- und daß wir Ihn allzeit gern ers füllen. Die richtschnur unsers thuns Sey stets dein heilig wort, Du aber unsre burg, Und fels und starker hort. 7. Regier auch unser herz, Daß wir in guten tagen Nicht stolz und sicher seyn, In bösen nicht verzagen, Daß wir bey andrer glück Uns brüderlich erfreun, Und gern dem dürftigen Hülf' in der noth verleihn. 8. Ach, vater, du bist reich Un allen guten gaben! Laß unser täglich brod Uns heut und immer haben; Im über fluß gieb uns Die kluge spars samkeit, Und auch bey wenigem Ruh und zufriedenheit. 9. Herr! handle nicht mit uns Nach unsern großen sünden, Und laß, wenn wir gefehlt, Uns wieder gnade finden; Gedenke, was dein sohn Für unsre schulden that, Der die erlösung selbst Mit blut besiegelt hat. 10. Hilf, daß wir denen auch Gern ihre schuld erlassen, Die uns beleidigen, Sie nicht feindselig hassen, Nicht schmähen, wenn sie schmähn, Nicht drauen, wenn sie draun, Und was sie uns gethan, Vergessen und verzeihn. II. Laß uns, herr! böse lust Nie in versuchung führen, Laß deinen guten geist Uns immerfort regieren; Und wenn wir uns die welt 3um abfall reizen sehn, So gieb uns kraft und muth, Ihr fest zu widerstehn. Bittlieder. 12. Floß uns in unser herz Erhabene gedanken, In unserm glauben laß Uns nie aus leichtsinn wanken, Aufrichtig, tapfer, keusch, Treu, ehrbar, züchtig, rein, Rechts schaffen, demuthsvoll, Und ganz dir heilig seyn. 13. Zuletzt erlös' uns auch, D gott! von allem bösen; Denn du hast macht und kraft Allein uns zu erlösen. Laß uns den guten kampf Hier kämpfen, und wenn du Uns rufft, so führ uns selbst In deines himmels ruh. 14. Laß uns dereinst verflårt 3u deiner rechten stehen, Und dich von angesicht 3u angesichte sehen; Denn, herr! dein ist das reich, Die kraft und herrlichkeit Von aller ewigkeit In alle ewigkeit. 15. Hierauf so sprechen wir, In Jesu Christi namen, Auf sein untrüglichs wort Ein gläubigs ja und amen. O Jesu Christ! durch dich Und dein verdienst allein, Wird alles, was wir flehn, Auch ja und amen seyn. Allgemeine Gebetlieder. Mel. Wer nur den lieben gott. er fann, gott! je was gutes haben, Das nicht von dir den ursprung hat? Du bist der geber aller gaben, Und immer groß an rath und that. Du willst, daß mit gebet und flehn Wir stets auf deine hülfe sehn. 367. Wer 2. Drum komm ich auch Gebet- und Bittlieder. mit meinem beten, O gott! vor deinen heilgen thron. Wie freudig kann ich vor dich treten! Denn mich vertritt bey dir dein sohn. In ihm hab ich die zuversicht, Mein schwaches flehn verwirfst du nicht. 3. So gieb mir denn nach deinem willen, Was deinem kinde heilsam ist. Du nur kannst meinen mangel stillen, Weil du des segens quelle bift. allen dingen du 277 folg ich dir, Befestge diesen sinn in mir. Für meines geistes wahre ruh. 4. Gieb mir beständigkeit im glauben, Laß meine liebe brünstig seyn. Will etwas mir dies kleinod rauben, So schránke die versuchung ein, Und stärke mich mit heilgem muth, So sieg ich über fleisch und blut. 8. Soll ich auf erden långer leben, So gieb, daß ich dir leben mag. Laß mir den tod vor augen schweben; Und kommt dereinst mein sterbetag, So sey mein ausgang aus der zeit Ein eingang in die herrlichkeit. Mel. Es ist das heil uns kommen. 368. Gott! beine gute reicht weit, So weit die wolken gehen. Du krónst uns mit barmherzigkeit, Und eilst uns beyzustehen. Herr, meine burg, mein fels, mein hort! Vernimm mein flehn, merk auf mein wort; Denn ich will vor dir beten. 2. Ich bitte nicht um überfluß, Und schätze dieser erden; Laß mir, so viel ich haben muß, Von deiner gnade werGieb mir nur weisheit verstand, Dich, gott! den, den du gesandt, Und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um ehr und ruhm, So sehr sie mens schen rühren; Des guten namens eigenthum Laß mich nur nicht verlieren. Mein wahrer ruhm sey meine pflicht, Der ruhm vor deinem angesicht, Und frommer freunde liebe. 5. Bewahr in mir ein gut gewissen, Ein herz zu dir voll freudigkeit, Ein herz, aufs gute stets beflissen, Das sich den. vor deinem auge scheut. Und und fehl ich, gott! so strafe mich, und 3u meiner beßrung, våterlich. 6. Ein herz, das in beglückten tagen, D vater! deiner nie vergißt, Ein herz, das unter noth und plagen Vor dir still und demüthig ist, Ein herz, voll zuversicht zu dir, Und voll geduld, verleihe mir. 7. Das andre alles wirst du fügen, Du weißt am besten, was mir nützt. An deis ner huld laß ich mir gnügen. Die schwache machtig unterstüßt. Sufrieden, vater! du mir geben. In deiner hand 4. So bitt' ich dich, herr zebaoth! Auch nicht um langes leben; Im glücke demuth, muth in noth, Das wollest Gebet- und Bittlieder. 278 steht meine zeit; Laß du mich nur barmherzigkeit Vor dir im tode finden. Mel. Allein auf gott seg dein. ch komme vor 369. J dein angesicht, Verwirf, o gott, mein flehen nicht! Vergieb mir alle meine schuld, Du gott der gnade und geduld! 2. Schaff du ein reines herz in mir, Ein herz, voll lieb und furcht zu dir, Ein herz, voll demuth, preis und dank, Ein, ruhig herz mein lebelang. 3. Sey mein beschützer in gefahr; Ich harre deiner immerdar. Ist wohl ein übel, das mich schreckt, Wenn dei ne vaterhand mich deckt? 4. Ich bin ja, herr! in deiner hand. Von dir empfing ich den verstand; Er halt ihn mir, o herr, mein hort! Und stark ihn durch dein göttlich wort. 5. Laß deines namens mich zu freun, Ihn stets vor mei nen augen seyn, Laß, meines glaubens mich zu freun, Ihn stets durch liebe thätig seyn. 6. Das ist mein glück, was du mich lehrsti; Das sey mein deinem reiche tracht, und treu In allen meinen pflichten sey. 7. Ich bin zu schwach aus eigner kraft 3um siege meiner leidenschaft; Du aber ziehst mit fraft mich an, Daß ich den sieg erlangen kann. 8. Gieb von den gütern dieser welt Mir, herr! so viel, als dir gefällt; Gieb deinem knecht ein måßig theil, Zu seinem fleiße, glück und heil. 9. Schenkt deine hand mir überfluß, So laß mich måßig im genuß, Und dürftge brüder zu erfreun, Mich einen frohen geber seyn. 10. Gieb mir gesundheit und verleih, Daß ich sie nuk und dankbar sey, Und nie, aus liebe gegen sie, Mich zag haft einer pflicht entzieh. II. Erwecke mir stets ei nen freund, Der's treu mit meiner wohlfahrt meynt, Mit mir in deiner furcht sich übt, Mir rath, und trost, und beyspiel giebt. 12. Bestimmst du mir ein långres ziel, Und werden meis ner tage viel, So bleib, gott! meine zuversicht; Verlaß mich auch im alter nicht. 13. Und wird sich einst mein ende nahn, So nimm dich meiner herzlich an, Und sey durch Christum, deinen sohn, Mein trost, mein schuk, mein ewger lohn. Mel. Ich dank dir, gott, durch Ulmächtiger, der 370. himmel hoch erhöhet! O höre mich der erde sohn, Der dir im staube flehet. 2. Du schufft mich staub, und ließest staub 3um engel sich erheben, Hier, unter der verwesung raub, Um ewig dort zu leben. 3. Was ist der mensch? Gebet- und Bittlieder. wie arm, wie bloß Sft er, der herr der erden! Was ist der mensch? wie frey, wie groß, Unsterblich soll er wer: den! wissenschaft, Mein ew'ges glück zu finden, Und gieb mir willen, muth und kraft, Mich selbst zu überwinden. 6. Lehr mich, was mein gewissen sagt, der welt weit vorzuziehen, Und laß mich, was es untersagt, Mehr als die hölle fliehen. 279 schallt das lied, Das deine heilgen singen. 4. Welch ein geschenk gabst du mir nicht, Da du vernunft mir schenktest, Und der erkenntniß göttlichs licht In senktest! Mel. Vater unser im himmelreich. und meine Bereich mir doch die 371.Her ang regent ber ganzen welt, Der sie einst schuf, sie noch erhält! Du bist es, gott! der alles trågt, Was ist, was lebt, und sich bewegt; Dein ist die macht, kraft, majestát, Durch die der weltbau herrs. lich steht. 2. Ich aber bin blind, dürf tig, bloß, Mein elend, meine noth ist groß. Drum bring ich mein gebet vor dich, Erhör, erhór es gnädiglich! Schenk du mir, der du gütig bist, Gott! alles, was mir nöthig ist. 3. Erleuchte mein sonst finstres herz, Gieb wahre buße, reu und schmerz, Und habe, bey so mancher schuld, Noch fernerhin mit mir geduld. Gieb meinem glauben kraft und licht, Ersetze du, was mir gebricht. 7. Mach fühlend dieses harte herz, Wenn meine brús der leiden, Und laß an mei nes hassers schmerz Sich nie mein auge weiden. 8. Laß mich nie mit verwegner hand Nach deinem donner trachten, Noch jeden, der dich nicht erkannt, Der hölle würdig achten. 9. Im glücke furcht, im unglück muth, Sey alles, was ich flehe.. Was du, mein schöpfer willst, ist gut, Und was du willst, geschehe. 12. Ich beng' vor dir, herr! meine knie; Du hast den staub erhoben. Heil mir! ich bin ein geist, wie sie, Der mensch darf, herr! dich loben. 10. Laß mich mein brodt durch deine gunst Und meinen fleiß erwerben, und lehre mich die große kunst, 3u leben und zu sterben. II. du, vor dem der seraph kniet, Den cherubim umringen! Von allen sternen 4. Nimm, vater! der es einzig kann, Dich meiner feele liebreich an. Bewahre mich vor heuchelschein, Und mache mein gewissen rein, Daß ich ( o stehe du mir bey!) achter freund der tugend sey. 5. Gieb mir verstand in allem thun, Der weisheit geist laß auf mir ruhn; Und Ein 280 Gebet- und Bittlieder. wo mein herz im zweifel verleih Mir einen festen glausteht, Und gleich den kindern ben, Der standhaft, treu und wankend geht, Da leite mich thâtig sey, Und laß mir den nach deinem rath, Und fór nichts rauben. Gieb, daß ich dere zugleich die that. mich uzeit auf dich, Und auf dein wort verlasse, Und in der noth, Ja selbst im tod, Dein beil getroft umfasse. 6. Wenn dann mein fleiß das seine schafft, So gieb dem leibe stårk und kraft, Erhalte mich gesund und frisch, Und segne nahrung, haus und tisch. Beschere mir mein táglich brodt, Und sorge für mich in der noth. 4. Hilf mir, der ich erlöset bin, Daß ich den heiland liebe, Und bilde mich nach seinem finn; GSieb, daß ich mich stets übe, Auf ihn zu sehn, Ihm nachzugehn, Mich seiner nicht zu schamen, Und stets bereit, Mit freudigkeit Sein kreuz auf mich zu nehmen. 7. Hilf, daß des lebens hih und last, Die du mir auferles get hast, Mir nicht zu schwer zu tragen sey. Und bricht des leibes hútt' entzwey, So führ durch Christi blut und pein Den geist in deinen himmel ein. Um geistliche Wohlthaten und Beistand im Guten. Mel. O herre gott, dein göttlich. 372. sch. höchster gott! verleihe mir, Daß ich nur dich begehre, Mein ganzes glück nur such' in dir, Und dich allein verehre; Daß ich in noth Dich, meinen gott Und vater gläubig nenne, Daß weder leid, Noch glück und freud Mich jemals von dir trenne. 2. Erfülle mich mit wahrer reu, Wenn ich dich, gott! be trübe; Gieb, daß ich alles böse scheu, Und stets das gute liebe. Laß mich doch nicht, Herr! meine pflicht Mit vor fat je verlegen. Der seele heil, mein ewges theil Laß mich recht theuer scågen. 3. Mein gott! ich bitte dich, 5. Nie müsse stolz und eitel: keit Mein schwaches herz regieren, Nie haß und zorn und bitterkeit 3ur rache mich verführen. Dein wort gebeut Versöhnlichkeit, Verdammt der rachsucht triebe! Gieb, daß den feind, Nicht bloß den freund, Mein herz aufrichtig liebe. 6. Nach vielem reichthum, gut und geld, Herr! laß mich ja nicht trachten. Laß mich die ehren dieser welt Für eitle dinge achten, Und nie nach pracht, Nach hoheit, macht, Und würden ångstlich streben; Laß mich vielmehr, Nach deiner lehr, In wahrer demuth leben. 7. Trug, falschheit, lift und heucheley Hilf mir forgfältig fliehen, Nie müss' ich mich durch gleißnerey Um menschengunst bemühen. Laß ja uno nein Mir heilig seyn; Laß mich nicht lieblos rich Gebet- und Bittlieder. ten, Und zank und streit Mit freundlichkeit, Mit lieb und sanftmuth schlichten. 8. Herr! lehre mich entz haltsamkeit, Gieb mir ein rein gemüthe, Daß ich in dieser prüfungszeit Bor böser lust mich hüte. Der lügen feind, Der wahrheit freund, Laß mich aufrichtig wandeln, Und jederzeit Nach billigkeit Mit meinem nächsten handeln. 9. Gieb, daß ich stets den müssiggang, Sammt aller trågheit fliehe, Daß ich der welt mein lebenlang Zu dienen mich bemühe, Laß meinen fleiß 3u deinem preis, O gott! mir wohl gelingen, Und segnest du Das, was ich thu, Dir dafür ehre bringen. 10. Ach! gieb mir deinen guten geist, Der stets mein herz regiere, Und mich, wie es dein wort verheißt, Auf deinen wegen führe; So wird mein herz In freud und schmerz Dir zu gefallen stre: ben, Und du wirst mir, Gott! einst bei dir Den lohn der treue geben. 281 Und blick auf mich mit huld; Laß deine friedensgaben Mein herz mit tröstung laben. Erhör mich, gott der huld! 3. Befördre dein erkenntniß In mir, mein seelenhort! Und öffne mein verständniß, Herr! durch dein heilig wort. Uch laß mir meinen glauben Nicht welt, nicht hölle rauben; Wahrhaftig ist dein wort. Mel. Herr Chrift, der ein'ge gottes. err Jesu, gnaden 373. sonne, Du wah. res lebenslicht! Laß leben, heil und wonne Mein blödes angesicht Nach deiner gnad erfreuen, Und meinen geist erneuen; Mein gott, versag' mirs nicht! 2. Vergieb mir meine fünden, Und tilge meine schuld, Laß allen zorn verschwinden, 4. Nimm ganz aus meiner seele Den hang zur fünde hin; Und, mittler! ach beseele Mein herz, daß ich forthin Mich dir zum dienst ergebe, Als dein erlöster lebe, Und dir, herr! dankbar bin. 5. Du helfer deiner chri sten! D widersteh in mir Des fleisches bösen listen, Und laß mich für und für Der welt verbotne freuden, alle sünden meiden; Und dann, herr! leb ich dir. Und 6. Uch! zünde deine liebe In meiner seele an, Daß ich aus innerm triebe Dich ewig lieben kann, Daß ich, um dir vor allen, Mein bester! zu gefallen, Geh auf der tugend bahn. 7. Verleihe du mir stärke, Verleih mir kraft und muth, Denn dies sind gnadenwerke, Die dein geist schafft und thut. Du weißt, wie ich aus schwäche Leicht meinen vor sat breche, Er sey auch noch so gut. 8. Darum, du gott der gnaden, Du vater aller treu! Wend' allen seclenschaden, Und mach mich täglich neu. 282 Gebet- und Gieb eifer, deinen willen Mit freuden zu erfüllen, Und steh mir fráftig bey. Mel. O gott, du frommer gott. 374. goff, bu from: mer gott, Du geber aller gaben. Ohn den nichts ist, was ist, Bon dem wir alles haben! Gesunden Leib gieb mir, Und daß in folchem leib Ein unverleşte feel Und rein gewissen bleib. 2. Gieb, daß ich thu mit fleiß, Was mir zu thun gebühret, Wozu mich dein befehl In meinem stande führet; Gieb, daß ichs thue bald, Zu der zeit, da ichs soll, Und wenn ichs thu, so gieb, Daß es gerathe wohl. 3. Hilf, das ich rede stets, Womit ich kann bestehen, Laß fein unnüßes wort Aus mei nem munde gehen. Und wenn nach meiner pflicht Ich reden soll und muß, So gieb den worten fraft, Und nachdruck ohn' verdruß. Bittlieder. Daß ich allzeit gerecht, Und voll von liebe sey. 6. Soll ich in dieser welt Mein leben höher bringen, Und unter mancher last Hindurch ins alter dringen, So gieb geduld, und mich Vor sünd und schand bewahr, Daß ich mit ehren trag Alsdann mein graues haar. 7. Laß mich an meinem end Auf Christi tod abschei= den. Die seele nimm zu dir Hinauf zu deinen freuden; Der leib, herr! ruhe sanft In seiner stillen gruft, Bis ihn dein allmachtswort Verklárt ins leben ruft. 4. Wenn mir gefahren drohn, So laß mich nicht verzagen, Gieb du mir heldenmuth, Und trost in leidenstagen. Durch fanftmuth lehre mich Besiegen meinen feind; Und wenn ich rath bedarf, Gieb einen weisen freund. 8. Wenn deine stimme wird Die todten all' erwecken, O! dann wird sie sich auch Zu meinem staub erstrecken. Gott, welche wonn' ist mein! Verklåret schau ich dich! Mit allen seligen Lobsinge dann auch ich. 375. Mel. Ich ruf zu dir, herr Jesu. err, mein erlöser! nur vondir Kann ich mir búlf erflehen; Vernimm mein feufzen, eile mir, Mein helfer! beyzustehen. Des wahren glaubens kraft und licht, Das selige bestreben, Dir zu leben, Und muth zu dieser pflicht, Das wollest du mir geben. 5. Laß mich mit jedermann In fried und freundschaft leben, So weit es christlich ist. Winst du mir etwas geben Un reichthum, ehr und glück, So gieb auch dies dabey, nächsten, lieben. Wenn ich 2. Du bast dein königlich gebot Mir tief ins herz geschrieben: Bon ganzer feele soll ich gott, Wie mich, den Gebet- und Bittlieder. 283 nach deinem worte thu, So giere doch mein herz Durch hab ich schon hienieden GroBen frieden; Und welches heil hast du Den frommen dort beschieden! deinen guten geist, Daß ich dem folgfam sey, Was, gott! dein wort mich heißt. 3. Laß mich kein leiden die fer zeit, Kein weltglück dir entreißen; Denn du hast deine seligkeit Den treuen nur verheißen. Und könnten wohl durch ihre müh Sie, solche zu verdienen, Sich erfühnen? Aus gnaden schenkst du sie, Und du erwarbst sie ihnen. 4. Freund meiner feele! du bist ihr Ein weinstock, sie dein rebe. Beuch sie dir nach, daß sie zu dir Sich von der welt erhebe. Sa laß mich, wenn ich sterben soll, Auf deine gnade bauen, Dir vertrauen, Und dann dort won nevoll Dein antlig ewig schauen. 5. Ich kämpf ermatt und strauchle oft; Hilf, herr, mein hort! dem schwachen, Der nur auf dich in demuth hofft; Du fannst mich machtig machen. In jeder seelennoth laß mich Bey dir erbarmung finden, Trost empfinden. Und endlich, herr! durch dich In allem überwinden. 2. Verleih, daß ich zuerst Nach deinem reiche trachte, und kein vergänglich gut zu Wer nach übermäßig achte. Um göttliche Regierung und Leitung. 4. Gieb, daß ich als ein christ Mich Christo ähnlich zeige, Und achtsam mein gemüth Zu seiner lehre neige. Sein geist regiere mich, Und nicht der geist der welt; So wandt' ich, herr! vor dir Den weg, der dir gefällt. 5. Hilf, daß ich dich, mein gott! Von ganzer feele liebe, und lieb und gütigkeit Auch an dem nächsten übe. Laß ohne übermuth Mich bey des glückes schein, und ohne ungeduld In trüben tagen seyn. 6. Nie müsse sich mein herz Des fleisches luft ergeben. Und nie dem schnöden geiz; Mein dir geweihtes leben Sey von 376. Von undu in diesem leben, 3ur barmherzigkeit, Von ungeleuchte meinem fuß Dein rechtem gut, Und stolzem heiligs wort gegeben! Re: sinn befreyt. dem ewigen Mit rechtem eifer ringt, Empfängt schon hier zum lohn, Was wahre ruhe bringt. 3. Gieb, daß ich von der welt Mich unbefleckt erhalte, Und daß in mir der trieb 3um guten nie erkalte. Hilf, daß ich immer wach, Im kampf des glaubens treu, Und in der hoffnung stark, Und fest gegründet sey. Mel. O gott, du frommer gott. pein vater, und 284 Gebet- und 7. Will deine hand mich hier Auf rauhe wege leiten, So unterstüße mich, Wenn meine tritte gleiten. Laß mich in aller noth Auf deine hülfe baun, Und auch wenn sie verzeucht, Dir doch getrost vertraun. Bittlieder. 5. Wie mancher schwingt in seinem sinn Sich über berg und himmel hin! Und eh er sichs versiehet, So liegt er da, Und sieht im staub, Wie seine größ' entfliehet. 6. Drum, lieber vater! der du fron' Und scepter trágst im himmelsthron, Und aus den wolken blihest, Vernimm mein wort, Und höre mich Vom stuhle, da du sigest. 7. Verleihe mir das edle licht, Das stets von deinem angesicht Auf fromme seelen fließet, Und das zugleich Der Mel. In dich hab ich gehoffet herr. weisheit kraft Und geist in 377. Ich weiß, mein fie ergießet. gott! mein thun Und werk auf deinen willen ruhn; Von dir kömmt glück und segen. Was du regierst, Das geht und steht Auf rechten guten wegen. 2. Es steht in keines menschen macht, Daß sein rath werd ins werk gebracht, Und feines gangs sich freue; Des höchsten rath, Der machts allein, Daß menschenrath gedeihe. 8. Erlöse endlich mich Von allen meinen leiden; Und ist die stunde da. Aus dieser welt zu scheiden, D vater! so ver laß, Wenn meine hütte bricht, Mich sterbenden mit trost Und froher hoffnung nicht. 3. Oft denkt der mensch in seinem muth, Dies oder jenes sen ihm gut, Und ist doch weit gefehlet; Oft sieht er auch Für schädlich an, Was doch gott selbst erwählet. 4. So fängt auch oft ein weiser mann Ein gutes werk mit freuden an, Und bringts doch nicht zu stande; Er baut ein schloß Und festes haus, Doch baut er nur auf sande. 8. Gieb mir verstand aus deinen höhn, Und laß mich nicht voll trotz bestehn Auf meinen eignen willen: Sey du mein freund Und treuer rath, Was gut ist, zu erfüllen. 9. Führ du mich selbst und was mir gut, Das gieb mir ein; was fleisch und blut Erwählet, das verwehre. Mein höchster zweck, Mein bestes theil Sey deine lieb und ehre. 10. Was dir gefällt, das laß auch mir, Als meinen ruhm und meine zier, Gefallen, und mich lieben; Was dir mißfällt, Das laß mich nicht In werk und that verüben. II. Ists werk von dir, so hilf zum glück; Ifts menschenthun, so treibs zurück, Und andre meine finnen. Was du nicht wirkst, Pflegt von sich selbst In kurzem zu zerrinnen. Gebet- und Bittlieder. 285 12. Sucht aber dein und nem volk Und aller welt, unser feind, An dem, was So lang ich leb, erzählen. dein herz gut gemeint, Voll bosheit sich zu rächen; Was fürcht ich, herr! Von seinem Mel. In dich hab ich gehoffet herr. zorn? Wie leicht wirst du 378. Von ganzer feele ihn brechen! dich, Herr! der du mich so våter-' lich Bis diesen tag erhalten. Ich flehe dich, Laß über mich Dein auge ferner walten. 2. Wer schenkt uns leben, glück und ruh? Wer giebt uns kraft zur pflicht? nur du Schaffst wollen und vollbringen. Wird dein gedeihn Nicht uns erfreun, So kann uns nichts gelingen. 3. Du schufft und du regierst die welt Nach deinem rath, wie dirs gefällt, Du lenkst der menschen herzen Sey auch mein licht, Und laß mich nicht, Gott! deine huld verscherzen. 13. Tritt her zu mir und mache leicht, Was mir sonst fast unmöglich deucht, Und bring zum guten ende, Wovon du selbst Der anfang bist, Durch weisheit deiner hånde. 14. Sst gleich der anfang etwas schwer, Und muß ich auch ins tiefe meer Der bit tern sorgen treten, So gieb mir kraft, Und laß mich stets Mit inbrunst zu dir beten. 15. Wer fleißig betet, dir vertraut, Wird, was er sonst voll schrecken schaut, Mit tapferm muth bezwingen! Und sorg' und angst Wird ihn dann fliehn, Und er den fieg erringen. 16. Der weg zum guten ist fast wild, Mit dorn und hek ken angefüllt; Doch wer ihn freudig gehet, Wird endlich, herr! Durch deinen geist, Zu freud' und wonn' erhöhet. 17. Du bist mein vater, ich dein kind, Was ich bey mir nicht hab und find, Hast du in voller gnüge; So hilf nun, daß Ich meinen stand Wohl halt und herrlich siege. 18. Dein soll seyn aller ruhm und ehr, Ich will dein thun je mehr und mehr Aus hocherfreuter seelen, Vor dei4. Dein wort lehrt mich des lebens pflicht; Doch fühl ich auch, was mir gebricht, Die blindheit meiner seele. Ach! gott der buld! Vergieb die schuld, Wenn ich aus schwachheit fehle. 5. Verstand und herz ist fehlerhaft, Bald fehlt mir licht, bald fehlt mir kraft, Mich weislich zu regieren. Drum bitt' ich dich, Laß, höchster! mich Selbst deine weisheit führen. 6. Herr! dessen huld uns ewig liebt, Laß mich beym segen, den sie giebt, Auf dich, den geber, schauen. Selbst wenn du schlägst, Und 286 kreuz auflegst, So laß mich dir vertrauen. Gebet- und Bittlieder. 7. Gieb, daß ich meine lebenszeit, Nur dir mit ganzem ernst geweiht, In deiner furcht vollbringe; Bis ich einst dir, Dort für und für Lob, preis und ehre bringe. Mel. Von gott will ich nicht. 379.11m weisheit, hochz geheiß? 6. Wenn deine meere to: ben, Und du gebeutst nur: ruht! Hast kaum die hand erhoben, So legt sich ihre wuth. Wie leicht, wenn bó: ser luft Empörung in mir wüthet, Ruht, wenn dein wink gebietet, Der aufruhr meiner brust! dich, der weisheit hat. Du leitest unsre schritte Durch deines geistes rath. Wer ruft zu gott hinauf, Dem er nicht gern gewähret, Was er von ihm begehret? Er giebt und rückts nicht auf. 2. Gieb, vater meiner våter! Mir einen weisen sinn. Du giebst die übertreter In ihrem sinn dahin. Ich aber wünsche mir Ein herz, das dich nur liebe, Gern, was du forderst, übe; Das wünsdh ich mir von dir. verråther Selbst meine finne sind. 5. Du, herr! regierst und lenkest Solch eine große welt. Geschieht nicht, was du denkest? Nicht, was dir wohlgefällt? Wann überschritt ihr gleis Die sonne, die du schufest? Was ehrt nicht, wenn du rufest, Gleich willig dein 4.' Kaum treff' ich, was auf erden Mir gut und heil sam ist; Wie kann ich selig werden, Wenn du mein licht nicht bist? Regierst du nicht dein find, So wirds ein übertreter, Da meines heils 7. Ach lenke du mein leben! Dir sey es ganz geweiht! Mein einziges bestreben Sey, was dein rath gebeut! Dann bin ich weis' und klug, Dann thu ich recht auf erden, Dann werd ich selig werden, Dann hab ich, gott, genug! 3. Der leib beschwert die feele; Wie leicht verirr' ich mich, Wenn ich mein glück mir wähle, Erleuchtet nicht Mel. O gott, du frommer gott. durch dich! Durch jeden fchein 380., gott, verlaß verführt, Wähl ich mir fal sche güter, Wenn, meines lebens hüter! Mich nicht dein rath regiert. mich nicht! Reich du mir selbst die hánde, Daß ich die pilgrimschaft Des lebens wohl vollende; Frr ich im finstern thal, So sey, du selbst mein licht, mein stab, mein hort, mein schuß. Uch gott, verlaß mich nicht. 2. Ach, gott, verlaß mich nicht! Lehr deinen weg mich wallen, Und laß mich nimmermehr In sund und thor Gebet- und heit fallen. Gieb mir den guten geist, Des glaubens zuversicht; Und wenn ich straucheln will, Gott! so verlaß mich nicht. 3. Ach, gott, verlaß mich nicht In nöthen und gefahren, Und laß zur rechten zeit Mir hülfe wiederfahren! Ist meine seel' in angst Schreckt mich dein strafgericht, Gott, so verlaß mich auch Mit deinem troste nicht! 4. Ach, gott, verlaß mich nicht! Gieb wollen und vermögen; In allem meinem thun Begleite mich mit segen; Die werke meines stands, Die werke meiner pflicht Laß, herr! vor dir gedeihn. Ach, gott, verlaß mich nicht! 5. Ach, gott, verlaß mich nicht! Hilf, daß ich, dir ergeben, voll lieb und hoffnung sey, Necht glauben, christlich leben Und selig sterben mag, Um dich von angesicht 3u angesicht zu schaun. Ach, . gott, verlaß mich nicht! Mel. O Jesu, du mein bräutigam. 381. Nach bir, o herr! verlanget mich, Du bist mein gott, ich hoff auf dich, Ich bleib und bin der zuversicht, Du werdest mich beschämen nicht. 2. Der wird zu schanden, der dich flieht, und deinem dienste sich entzieht; Der aber, der dich herzlich liebt, Und auf dich hofft, wird nicht betrübt. Bittlieder. 287 3. Herr! nimm dich meiner seelen an, Und führe mich die rechte bahn; Laß auf den weg, der führt zu dir, Stets deine wahrheit leuchten mir. 4. Denn du bist ja mein ew'ges Licht, Sonst weiß ich keinen helfer nicht. Ich harre dein bei tag und nacht; Du haft den willen und die macht. 5. Wie groß ist meiner fünden heer! Uch, denke ihrer, herr, nicht mehr! Vergieb, was ich von jugend an Bis jest vor dir nicht recht gethan. 6. Gedenk an deine vaterhuld, An die verschonende geduld, Die von dem anfang dieser zeit Stets die gefallne welt erfreut. 7. Der herr ist heilig, fromm und gut Dem, der ihn ehrt und buße thut. Wer seinen bund und zeugniß hält, Der wird erhalten, wenn er fällt. 8. Ein herz, das gott mit inbrunst liebt, Ihm ganz vertraut, sich ihm ergiebt, Braucht nicht gefahr und noth zu scheun, Denn es ist gottes, gott ist sein. 9. Nun, herr! mein herz ist dir bekannt, Es schwebt mein geift in deiner hand; Du siehst, wie meine seele weint, Bis deine hülfe mir erscheint. 10. 3u dir ruf ich, drum wende nicht Von mir dein gnädigs angesicht; Ich laß dich nicht, bis du gehört, Und deine antwort mir gewährt. II. Die welt ist falsch, du bist mein freund, Der's treu 288 Gebet- und Bittlieder. lich und von herzen meynt; dir, her! bos ist, scheun In Der menschen gunst spricht meinem ganzen leben. nur der mund, Du aber liebst von herzensgrund. 12. Serreiß die netze, die die welt Und fleisch und blut mir immer stellt; Und ist des unglücks nacht vorbei, So gieb, daß ich auch dankbar sey. 3. Soll ich nach deinem weisen rath, Einst von der welt abscheiden: O, so verleih mir deine gnad, Daß es ge= scheh mit freuden. Herr! seel und leib befehl ich dir; Gieb du ein seligs ende mir, Durch Jesum Christum, amen. 13. Laß mich in deiner furcht bestehn, Und schlecht und recht stets einher gehn: Mel. O vater, allmächtiger gott. Gieb mir die einfalt, die dich 383. Allmacht'ger vater, ehrt, und lieber duldet, als beschwert. gott der huld! 3u deiner langmuth und geduld Flehn wir, vergieb uns unsre schuld. Erbarm dich über uns! 14. Regier und führe mich zu dir, Auch andre christen neben mir; Nimm, was dir mißfällt, von uns hin, Gicb neue herzen, neuen sinn. 15. Erlös' uns, herr! aus aller noth, Stárk uns im glauben bis zum tod, Und zeig uns nach durchlebter zeit Die größe deiner herrlichkeit. Mel. Herr Jesu Christ, ich weiß. err! wie du willst, 2. Uns, die wir gläubig beten, Wirst du bey gott vertreten, Jesus Christus! Ers barm dich über uns! 3. Uns, die wir standhaft ringen, Hilf du den lauf vollbringen. Für uns bist du gestorben; Erbarm dich über uns! 4. Laß, beilger geist! uns streben Bon sünden rein zu 382. Du kannst die kraft uns geben; Erbarm dich über uns! 2. Sucht, ehr und treu vers leihe mir, Zu deinem worte liebe; Gieb, daß ich wanke nie von dir, Noch deinen geist betrübe. Laß hier und dort mich selig seyn, Und was vor Im leben und im sterben; Mein herz verlangt, allein nach dir, Entreiß mich dem verderben. Erhalte mich in Um Gesundheit. deiner huld, Sonst wie du mel. In dich hab ich gehoffet, herr. der willst; gieb mir geduld. Was 384. Von dir, gott bet du barmherzigkeit! Kann unter gütern dieser zeit kein größers mir zuflies ßen, Als wenn du mich Gesundheit, gott! Und kräfteläßt genießen. 2. Dank sey, o bester va Gebet- und Bittlieder. 289 Vers Laß ter dir! Du haft aus großer mein trost, mein gott! liebe mir Dies gut bisher zeib mir alle fünden. geschenket. Dein ists, daß meinen tod, Herr! selig seyn, ich noch leb und bin; Du Mich ew'ge ruhe finden. bists, der mein gedenket! 3. Uch friste ferner våterlich mir dies geschenk; denn nur durch dich Kann ich es mir versprechen. Berschone mich Ssts nüglich mir, Mit frankheit und gebrechen! 10. Ja, gieb mir, was mir nůg und gut, Un seel und leib, an ehr und gut. Von aller schwachheit leiden Er löse mich, Und schenke dann Mir deines himmels freuden. 4. Auch laß mich meine finne nicht, Wenn dirs gefallt, o gott, mein licht! Ses Mel. Allein auf gott sez dein. mals beraubet werden. Er. 385. Gott, deffen hand So halte sie Mir fernerhin, lang ich leb auf erden. die welt ernährt, Und jedermann sein theil ges währt! Laß deinen segen auf mir ruhn, Und mich mein werk mit freuden thun. 5. Mich leite deine vater hand. Nie laß mich der gefundheit pfand Durch eigne schuld verscherzen. Auf sünden folgt Schwachheit und noth, Und feel- und leibesschmerzen. 2. Du sorgst für mich, doch so, daß ich Auch sorgen soll, zu thun, was mich Dein of fenbarter wille heißt; Verleih mir dazu deinen geist. 6. Ein gleicher muth in freud und leid, Zufriedner sinn und måßigkeit, Und ordnung in geschäften, Dies fey mein ruhm! Laß meinen leib Das laster nie entkräften. 3. Hilf, daß ich in der bösen welt So lebe, wie es dir gefällt; Laß meine erste sorge seyn, Mich von der sünde zu befreyn. 4. Stehts erst mit meiner seele wohl, Dann lehre mich auch, wie ich soll Dem leibe thun, wie ihm gebührt, Daß er nicht stårk und muth vers liert. 5. Und weil du frömmigkeit so liebst, Daß du den frommen segen giebst, So gieb, daß ich in heilger scheu Recht fromm und recht ge: segnet sey. 6. Dich ruf ich an, verlaß T 7. Und dann laß mich des lebens kraft. Die deine gute mir verschafft, 3um guten zweck verwenden, 3u deiner ehr, In lieb und pflicht Mich meinen lauf vollenden. 8. Doch schickst du mir auch krankheit zu, So gieb geduld; fev meine ruh! Du kannst mein leid versüßen. Mein labsal sey Dann deine gnad, Ein unbefleckt gewissen. 9. und kommt denn endlich auch mein tod, da sey du Um Ernährung und ir dischen Segen. Gebet- und Bittlieder, 290 mich nicht, Du weißt ja wohl, was mir gebricht; Doch tropig fordr' ich nichts von dir, Was du willst geben, gieb du mir. 7. Mit beten geh ich an mein werk, Gieb du dem leibe kraft und stårk; Ich fang mit dir die arbeit an, Durch den ich sie vollenden kann. 8. Erleichtre mir der arbeit last, Laß mich, wie du befoh: ten hast, Das thun, was mei beruf mich heißt; Ich weiß, daß du mein helfer seyst. 9. Ich trau auf dich mit zuversicht, Du werdest, treuer vater nicht, uf meine ar beit und bemühn, Den nah: rungsfegen mir entziehn. 10. Du machst die dürren berge naß, Du kleidest lilien, laub und gras, Die vógel speisest du allein; Für deine sorg ist nichts zu klein. Was man in gottes namen thut, Mit glaubensvollem sinn und muth, Das muß uns wohl gedeihen. aces of 2. Gott ists, der das vers mögen schafft, Was gutes zu vollbringen, Er giebt uns segen, muth und kraft, Und láßt das werk gelingen. Ist er mit uns, giebt er gedeihn, So muß der fleiß gesegnet seyn 3um reichen überflusse. 3. Allmachtiger, fomm, stårs ke mich! Dein sey ganz mein geschäfte. Dich fleh ich an, dich suche ich, Gieb munterfeit und kråfte, Gesundheit, und am geist verstand, Daß ich bey dem, was meine hand Vors nimmt, dein fegnen spure. 4. Regiere mich durch deis nen geist, Den müssiggang zu meiden, Daß das, was du mich schaffen heißt, Gescheh mit lauter freuden; Hilf, daß ich dir mit aller treu Auf dein gebot gehorsam sey, Und meinem nächsien diene. 11. Ach, wußt ich nur nach deinem finn, So lang ich noch auf erden bin, Mit deinen gaben umzugehn, Wie wohl würd' es dann um mich stehn! 12. Nun, treuer gott, erhdre mich! Mein auge siehet nur auf dich. Hilf, daß ich forge, wie ich soll; Ja, sorge du, so gehts mir wohl. Um Segen in Berufs: und Mahrungsgeschäften. Mel. Wår gott nicht mit uns. ngottes namen Allgemeine Sürbitte. Mel. Was mein gott will. ist wie dein 387.Gott, beffen nam' 386. fang ich an, Was ruhm! Vor dich woll'n wir mir zu thun gebühret. Mit jest treten, Und, als für gott wird alles wohlgethan, unser eigenthum, Für andrer Und glücklich ausgeführet; wohlfahrt beten. Für sich 5. Sey heut und allezeit bey mir. Die werke meiner hände Befehl ich, treuer vater, dir! Hilf, daß ich sie vollende Zu deines namens herrlichkeit, Und gieb, daß ich zu seiner zeit Des fleißes lohn empfange. Gebet- und Bittlieder. allein Beglückt zu seyn, Bringt christen schlechte freu: den. Drückt mich kein joch, So frånkt mich doch Des nebenchristen leiden. 2. Drum, herr! von dem der sonnen licht Auf bös' und gute scheinet, Und dessen herz vor wehmuth bricht, So bald der menfch beweinet, Womit er sich So freventlich 2n dei ner macht vergangen; Laß al ler schmerz, Und sehnend herz Vor deinen thron gelangen. 3. Du schufst ja, was von adam stammt, 3um wahren glück und leben, Willst allen auch, von lieb entflammt, Die feligkeit gern geben. Erleuchte doch, Die jeho noch, Bei dik ken finsternissen, Sich selbst allhier Den weg zu dir Durch mensthenwahn verschließen. 5. Erhalte, die im glauben stehn, Und dich als kinder ehren, Daß sie stets weiter vor sich gehn, Und deinen preis vermehren. Hilf ihnen auf In ihrem lauf, Wenn ihre füße gleiten, Und lehre. 291 ehre, Daß weder hochmuth, haß, noch neid, Dein heiz lig wort verkehre. Laß seine macht Des irrthums nacht, Der laster reich bestreiten, Und seinen schall Sich überall Zu deinem ruhm verbreiten. 8. Gieb armen, daß fie immerzu Sich ihrer arbeit nåhren, Den kranken wollst du fanfte, ruh, Betrübten troft gewähren; Wer dich verehrt, Sich redlich nährt, Dem schenke glück und segen, Und bey gefahr Laß sich die schaar Der engel um sie legen. 4. Erweiche der verstockten herz, Bekehre die verführ ten. Uch, daß sie doch der 9. Wir alle schreven: wir funden schmerz Und deine find ja Ein werk von deinen gnade fpürten, Und keiner händen! Laß nie, ist angst nicht In dein gericht Und und trübsal da, Dein herz strenges urtheil fiele! Ach! treibe sie Doch fpat und früh 3um vorgesteckten ziele. sich von uns wenden. Du bist ja der, Dem nichts zu schwer; Drum sprich durch Jesu namen Zu deren flehn, Die vor dir stehn, Gott! dein allmächtig amen. deiner Fraft bestreiten. 6. Hilf, daß die ganze chris stenheit Dich recht und heilig 7. Gieb, daß sich ehre, recht und treu Sm ganzen lande küsse, Daß jeder fromm und. heilig sey, Und richte jedes füße Bom lasterweg 3um himmelssteg, Daß deines nas mens ehre, Herr! durch dein, wort Sich fort und fort Bey allen menschen mehre. Sürbitte für die Sürsten. Mel. We gott, der herr, nicht. 388. Der er thron der scher ist Ein schemel deinen füßen, Sie sind nur fleisch: du aber bist Gott, dem sie I 2 292 Gebet- und dienen müssen! Das reich ist dein, und dein die welt, Du, der sie schuf und sie erhält, Du bist allein ihr herrscher! 2. Du aber sagtest: könige Will ich den völkern geben, Hoch über andre sterbliche Will ich die fürsten heben. Verehret, volker, ihr gebot! Das leben gab ich und den tod, Mein recht in ihre hånde. Bittlieder. 7. Gieb friede; halte sie zurück Von ungerechten Fries gen. Ihr ruhm sey der, mit ernstem blick Die laster zu besiegen. Wenn aber völker sie zum streit Durch unrecht reizen, dann gebeut Dem schwerdt, daß es sie råche. 6. D weltbeherrscher! laß fie nie Die rechte bahn vers lieren; Vor schmeichlern auch bewahre sie, Daß die sie nicht verführen. Lehr sie ihr eigen herz durchschaun, Und nur mit furcht sich selber traun, Und dich um weisheit bitten. 8. Ach! laß dein wort auch auf dem thron, Jehovah! glaus ben finden. Laß fürsten auch auf deinen sohn Fest ihre hoffs nung gründen. Gott! sie sind fünder, so wie wir; Laß sie doch nicht ihr theil bloß hier In diesem leben haben. 9. So weit dein reich auf ers den geht, Flehn darum deine christen; Erhöre gnådig dies gebet, Du vater deiner christen! So weit dein reich, die erde, geht, Wird jeder deine majes stát In seinem fürsten ehren. 3. Zu ihnen sprachst du: fürchtet mich, Den herrn, der erde götter! Regiert mit weis ser huld, wie ich. Und send der unschuld retter; Schafft recht den armen, lasset nicht Die wittwe seufzen im gericht, Laßt nicht den frevel siegen. 4. Ihr seyd wohl götter; aber bald Sollt ihr wie mens schen sterben; Weh dann euch, habt ihr die gewalt Gemiß. braucht zu verderben! Ich felbst will euer richter seyn, Ein jedes volk der erd ist mein; Von will fordern! Sür die Obrigkeit. Mel. Von gott will ich nicht lassen. Behovah, macht'ger 5. Unendlicher! regiere fie, 389.Jeth, macht ger Daß fie getreu dir dienen; Verlaß mit deiner huld sie nie, Noch ihr geschlecht nach ihnen. Die furcht vor dir, barmherzigkeit, Und weisheit und gerechtigkeit Sey ihres hauptes frone. ferm gott und herrn, Ist als les unterthänig; Du herrscheft nah und fern, Du gott, herr zebaoth! Erhaben, groß und prächtig, 3u schützen stark und mächtig, Ein helfer in der noth! 2. Damit wir ruhig leben, Hast du der obrigkeit Ge walt und macht gegeben; Shr schwerdt, das frevlern draut, Empfing fie nur von dir. Wer ihr zuwider lebet, Der fündigt, widerstrebet Nicht menschen, sondern dir. Gebet- und Bittlieder. 293 3. Uch, großer herrscher! schwur der pflicht und eins lehre Auch mich durch deinen geist, Daß ich die obern ehre, Wie es dein wort uns heißt. Sie tragen ja dein bild; Und wenn wir ihren willen frömmigkeit erfüllen, Wird dein befehl erfüllt. tracht abzulegen. Laß sie, Vater! Dir ergeben, Einig les ben, Treu sich lieben, Treu die pflicht der christen üben. In 4. Laß deinen geist sie führen, Und weisheit sey ihr thun, So wird durch ihr regieren Dein segen auf uns ruhn. Du herrschest selbst im land, Das herz der obrigkeis ten Kannst du, wie båche, leis ten, Es steht in deiner hand. 2. Du hast sie sich geneigt gemacht, Der liebe flammen angefacht, Die ihre brust entzünden; O! laß die regung lauter seyn, Laß untreu nie den bund entweihn, zu dem sie sich verbinden. Immer Laß sie, Dir ergeben, Einig leben, Einig handeln, Fromm und heilig vor dir wandeln. 5. Dein wort, o vater! leite Sie stets zu ihrer pflicht, Gerechtigkeit begleite Ihr urtheil im gericht. Laß sie durch ihr bemühn Der frommen glück vermehren, Den lastern laß sie wehren Und selbst die sünden fliehn. 3. fegne sie, der gern beglückt, Und frommen lohn von oben schickt, Auf allen ihren wegen! Laß ihr ges schlecht sich deiner freun, Gieb ihrem stand und fleiß gedeihn, Und ihr beruf sey fegen. Laß sie, Vater! Dir ergeben, Glücklich leben, Freus dig sterben; Denn sie sind des himmels erben. 6. Gieb, daß durch ihr regieren Wir mit zufriedenheit Ein stilles leben führen, In wahrer frömmigkeit. O gott! du segneft gern; Auf allen Nach der Trauung. Mel. Lobt gott, ihr christen. ihren wegen Gieb ihnen heil 391.Quf euch wird gots ruhn; unsern herrn. Sür angehende Eheleute. Vor der Trauung. Mel. Wie schön leucht't uns der. Pon dir, du gott 390.0 der einigkeit! Ward einst der ehe bund geweiht; D! weih auch sie zum segen, Die hier vor deinem angeficht Bereit stehn, dir den Er hat ihn euch gewährt! Geht hin, und macht durch frommes thun Euch dieses segens werth.: 2. Der herr erfüllt, was er versprach; Sein heil sollt ihr empfahn. Kommt ihr nur dem gelübbe nach, Das ihr dem herrn gethan.:,: 3. Shm heiligt nun beruf und stand, Ihm heiligt euer herz, Und folgt der Leitung 294 Gebet- und Bittlieder. seiner hand Durch freuden auf ihnen ruhn. Gott, der und durch schmerz!:,: strafet und belohnet, Keines pflichtvergeßnen schonet, For: dert einst von eurer hand Eure kinder, als sein pfand. 5. Menschenschöpfer, tugendmehrer! Laß die ganze menschlichkeit, Våter, mútter, pfleger, lehrer, Fürsten und die obrigkeit Mit vereinter forgfalt wachen, Jede jus 392. fromm erziehen, durch gutes beyſpiel ziehn, Dinder gut und gend fromm Sür die Erziehung der Jugend. Mel. Alle menschen müsfen sterben. Und selbst sünd und laster fliehn. Dies ist für die menschlichkeit Stets das wichtigste bemühen; Glücklich sie hier in der zeit, Nüglich sie der welt zu machen, Sie des himmels fähig machen, Diese pflicht ist theur und groß; Nichts spricht von ihr eltern los. 6. Pflanz in aller kinder hers zen Gottesfurcht und from men finn; Laß sie nie ihr heil verscherzen, Laß sie trägheit, eigensinn, ergerniss' und leich sinn fliehen; Ünschuld nur sey ihr bemühen. Führ sie selbst die tugendbahn, Daß ihr fuß nicht gleiten kann. 2. Wächst der mensch in seiner jugend Ungebildet roh heran, hn erkenntniß, ohne tugend, Kann er dann des lebens bahn Würdig mit ver: nunft betreten? Würdig seinen gott anbeten? Seinem nach: sten brauchbar seyn? Einst den himmel erben? nein! 7. Laß sie ihre eltern lieben, Dankbar seyn für ihre treu, Nie sie krånken und betrůben; Ehrfurcht und gehorsam sey Ihnen lust und wahre freude. Schüße sie vor schwes rem leide, Laß sie hier ge segnet seyn, Führ fie einst zum himmel ein. 4. Bis ihr den lauf der pilgerzeit Im sanften tode schließt, Und kommt zu gottes herrlichkeit, Und schaut ihn, wie er ist.:,: 3. ihr, denen gott hier kinder, Himmelspfänder anvertraut! Uch, bedenket, sie find fünder; Denkt, wie ihr ihr glück hier baut! Lehrt sie früh den schöpfer lieben, Jede tugend auszuüben. Dies ist wahre zártlichkeit, Lieb' auf zeit und ewigkeit. 8. Welche freud und seligs keiten Werden, vater! wir dort sehn, Wenn in deinen herrlichkeiten Eltern, die dann vor dir stehn, Sagen: vater, von den meinen, Die du gabst, verlor ich keinen! Und dann kinder flehn für 4. Euch hat gott dazu erfehen, Dieses große werk zu thun. Thut ihrs, so wird sie: Gott, vergilt der eltern wohlergehen Auf euch und müh! Gebet- und Bittlieder. Jürbitte für alle Kranke. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes. ür alle Franke bitt 393. ich dich, Mit brüderlichem herzen: Mein gott! erleichtre våterlich Die last von ihren schmerzen; Sprich tröstung allen schwa: chen ein, Und laß auf dich, und dich allein Mit festem muth sie trauen. 295 6. Den kranken, der nun sterben soll, Den lehre, vas ter! sterben. Ach! jeder tugend werd er voll, Geschickt, dein heil zu erben. Ach, Jesus! mach zum himmelreich Ihn fähig, deinem bilde gleich, Schon heilig hier auf erden. 7. Den kranken, der durch dich genest, Den lehre heilig leben, Der müsse dich, der ihn erlöst, Durch wahre buß erheben, Nicht mehr im traum der sicherheit, Nein, als ein erb' der herrlichkeit Müß' er unstråflich wandeln. 2. Des gnadenlebens kurze zeit, Den gråuel ihrer sünden, Und deine treu und freunds lichkeit Laß, vater! sie empfinden; Stárk und erwecke ihren geist, Gieb jedem reichlich, was du weißt, Das er bedarf zum heile. Um langmüthige Ver: schonung der Sünder. Mel. Es woll' uns gott genådig. err, wo 3. Den geist der ruh und der geduld, sich ganz dir zu 394.Hingott, wie bu? O ergeben, möchte, vater, deine huld Den schwachen diesen geben! O möchte doch dein will allein Ihr wille, ihre freude seyn, D vater aller gnaden! Wer duldet so die sünder? Wie lange schaust du ihnen zu, Und schonest sie wie fins der! Herr, herr, barmherzig, gut, getreu, Mild, willig zu vergeben! Noch werde deine gute neu, Noch laß die füns der leben, Noch wollest du vergeben! 4. Gieb ihnen allen kraft und muth, Die schmerzen zu besiegen, Sey du, o allerhöchstes gut! Ihr innigstes vergnügen. Die leichte quaal der schnellen zeit Laß durch den trost der ewigkeit 3um quell der freude werden. 5. Ach! jeden, war er noch so schwach, Laß deine kraft empfinden, Und weise tröster, vater, ach! Laß jeden krans ken finden. Die last der krank heit und ihr schmerz Erwecke manches bruders herz Zum zärtlichsten erbarmen. 2. Denn gingst du, richter! ins gericht; Wer könnte, gott, bestehen? Noch tone die pos faune nicht, Damit sie nicht vergehen; Daß eingewickelt, wie ein buch, Noch nicht der himmel werde, Daß durch des letten tages fluch Der frevler von der erde Nicht weggetilget werde. 3. Es können viel gerechte noch Aus ihrem blute ftame 296 Gebet und Bittlieder. men. Unmündige, herr! wirst ren? Berfchonst du hier der du doch mit ihnen nicht vers spotter nicht, Wie wollen, dammen. Ein Ninive bebt in dich zu ehren, Sie dann den staub, Weil du noch scho- noch sich bekehren? nen wolltest. Wir wären långst der hölle raub, Wenn du gleich strafen solltest, Wenn du nicht dulden wolltest. 5. Herr, gut, barmherzig, fromm und treu, Stets wils lig zu vergeben! Um Jesu Christi willen sey Noch gnå4. Wann kommt der råcher, dig, laß sie leben. So fragt der spott, Der tugen samml' in deine scheuren den belohner? Doch tausend ein Noch viel erlöste sünder, jahre sind dir, gott, Ein tag Dann werden sich die him= nur o verschoner! Uch kömmt mel freun, Und deine neuen einmal, kommt das gericht, kinder, Die noch erlösten Wer kann sich denn bekeh- sünder. Vom Lobe Gottes. Pflicht des Lobes Gottes. Mel. Nun jauchzt dem herrn. Oder: Vom himmel hoch da komm. beruf, 3u dem gott selbst die engel schuf! Welch eine theure süße pflicht, Die uns 395. Auf hriften! preist so reichen lohn verspricht! 6. Ja, pflicht ists, daß ihr sein gedenkt, Ihr, denen er verstand geschenkt; Die ehre des verstandes ist, Daß ihr den ewgen kennt und wißt. 7. Pflicht ist es, daß ihr ihn besingt, Die ihr von ihm ein herz empfingt, Das sich zu gott mit inbrunst nahn, Und seine größe fühlen kann. 8. Uuch euer mund, so oft er spricht, Erinnert euch an diese pflicht. Die sprache dankt ihr ihm allein; Und wolltet nicht voll rühmens seyn? 9. Wer ist gutthätiger als er? Denn welche gabe sollt uns der Nicht schenken, der so sehr uns liebt, Daß er auch seinen sohn uns giebt? 10. Was gebet ihr nun ihm Wer preist, was herrlich ist, nicht gern? Und welch ein glanz, der gott verklärt! Wer ist, wie er, des lobes werth? 2. Lobt ihn! sein ganzer nam' ist ruhm, Unendlichkeit sein eigenthum. Dies gráns zenlose meer von licht Durch schauet selbst der engel nicht. ihn 3. Ja, eure luft sey, erhöhn! Solch lob ist heilsam, lieblich, schön, Schårft den verstand, erhebt das herz, Und stillt im leiden allen schmerz. 4. Wie wird der geist da durch entzückt, Hinauf gen himmel hingerückt. Mit sei: nem hocherhabnen freund, Mit gott stets inniger vereint! 5. Welch ein so herrlicher 297 gnad erquickt uns hier, Und währet dort auch für und für. Vom Lobe Gottes. dafür? Ist nicht ein herz voll dankbegier, Das ganz in sei: ner liebe brennt, Das einz'ge was ihr geben könnt? Mel. Alle welt, was lebt und. 11. Auf, christen! preift 397. Alle welt, was ift mit mir den preist nicht milde geber gern? Gedenkt, wie viel er uns gewährt! Wer ist, wie er, des dankes werth? Ermunterung zum Lobe Gottes. Mel. Vom himmel kam der. 2. Gott, gott ists, der durch sein werde! Und durch seiner uf! jauchzet gott, allmacht ruf, Unsern leib aus 396.2[ uf! jauchzet gott, alle Daß ihr zu feinem dienst euch stellt, Das will ja, christen, eure pflicht; Kommt vor sein antlig, säumet nicht! staub und erde, Unsern geist Wir feiner schöpfung rubm, Sein erlöstes eigenthum. 2. Erkennt, nur gott sey unser herr; Denn er erschuf uns, sich zur ehr, Und nicht wir selber; jeder hat Sein leben nur durch gottes gnad. 3. Kommt, mit ehrfurcht zu erscheinen, Vor dem anges sicht des herrn! Kommt frohlockend mit den seinen, Lobt ihn herrlich, dient ihm gern! Denn der herr ist jederzeit Reich an gnad und gutigkeit. 3. Er hat uns våterlich bedacht, 3u seinem eigenthum gemacht, 3u schaafen, die er nährt und pflegt, Schützt, und in seinen armen trågt. 4. Die ihr begehrt des herrn zu seyn, kommt, geht zu seinem tempel ein! Bon feines großen namens ruhm Erschall sein ganzes heiligthum! 4. Gott des himmels und der erde, Höchster, unerschaff ner geist! Schöpfer, mittler, tröster! werde Jetzt und immerdar gepreist. Mache herz und lippen rein, Dir ein würdig lied zu weihn. dem weiten erdenkreis, Was nur seine stimm' erhebet, Bringe gott dank, ruhm und preis! Dienet ihm, wer die nen kann, Freudig stimmt eu'r loblied an! Mel. Es ist das heil uns kommen. 398. Stimmt unſerm 5. Der herr sey euer lob gesang, Mit reinem herzen opfert dank! Lobsingt und banket allesammt; Gott preisen ist ja unser amt. gott ein leblied an Mit freudigem gemüthe, Es rühm und preise, wer da kann, Den geber aller güte. Er macht uns frey von 6. Er ist voll gut und aller noth, Drum lobet ihn, freundlichkeit, Voll lieb und, drum lobet gott, Und preiset treu zu jeder zeit; Denn seine seinen namen. 298 Vom Lobe Gottes. 2. Lobt gott, und rühmet thronen! Es loben gott mit allezeit Die großen wunder werke, Die majestät und herrlichkeit, Die weisheit, kraft und stärke, Die er beweist in aller welt, Indem er alle bing erhält; Drum danket seinem namen. heller stimm', Die hier auf erden wohnen! Lobt gott, und preist ihn früh und spat; Ja alles, was nur othem hat, Das danke feinem namen. Mel. Von gott will ich nicht. 3. Lobt gott, der uns ers 399 Lobt gott, den gott der schaffen hat, Die feele, leib und leben 2us väterlicher huld und gnad Uns allen hat gegeben. Der uns durch seine allmacht schüßt, Der täglich schenket, was uns nütt, Drum danket seinem namen. 4. Lobt gott, er giebt uns seinen sohn, Der selbst für uns gestorben, Der uns die ew'ge lebensfron Durch seinen tod erworben, Der frieden hat mit gott gemacht, Und feinen ganzen rath vollbracht; Drum danket seinem namen. 5. Lobt gott, der in uns burch den geift Den glauben angezündet, Und seinen bey: stand uns verheißt, Wenn er uns treu erfindet, Der uns stets durch sein wort regiert, Und auf den weg des lebens führt; Drum danket seinem namen. 6. Lobt gott, er hat dies gute werk Selbst in uns an: gefangen, Vollbringt es auch, giebt kraft und stärk, Das kleinod zu erlangen, Das er am ziel uns vorgestellt, Und das den himmel in sich hält; Drum danket seinem namen. 7. Lobt gott, ihr starken seraphim, Ihr engel und ihr was er will, erschafft, Ihr alle seine werke, Aus aller eurer kraft. Ihr seyd sein eigenthum, So weit der hims mel reichet; Was luft und meer durchstreichet, Verbreite seinen ruhm. 2. Erhabne himmelsgeister! Erwecket euren fleiß; Gebt eurem herrn und meister, Dank, ehre, lob und preis. Stimmt Lobt dreymal: heilig! an. ihn, ihr seraphinen! Lobt ihn, ihr cherubinen! Lobt ihn, was loben kann! 3. Was othem hat und lebet, Was sich bewegt und regt, Was in den lüften schwebet, Und was der himmel trágt, Sey überall bemüht, Den höchsten gott zu loben, Der aus den wolken oben Auf sein geschöpfe sieht. 4. Der herr ist groß und mächtig, Voll heiligkeit und ruhm. Es stehet alles prachtig In feinem heiligthum. Er ist gerecht und gut; Von seinen vatersorgen Zeugt jeder neue morgen, Und alles, was er thut. 5. Drum lobt, erlöste see: len! Lobt stets den herrn der Vom Lobe Gottes. 299 welt; Helft dessen ruhm er Der, der vom himmel auf zählen, Der euch schuf und erhält, Der euch in Chrifto liebt, Euch durch sein blut erkaufet, Auf seinen tod euch taufet, Euch einst den him: mel giebt. euch sieht, Erschuf euch ihm zum ruhme. Gott zu verehren, seyd ihr da; Er, der euch, eh ihr wurdet, sah, Kennt herzen und gedanken. Der herr ist heilig; er allein Will Israels erretter seyn, Und Jakob soll ihm danken. 6. Lobt gott, der euch re: gieret, Der, als der treuste freund, Selbst dann euch weislich führet, Wenn ihr das freuz beweint, Das er euch auferlegt; Laßt uns in folchen proben Ihn dennoch kindlich loben, Weil er aus liebe schlågt. 2. Der cherub betet an und brennt; Ihm jauchzen morgensterne. Der mensch, der ihn nur schwach erkennt, Ehrt ihn aus dunkler ferne. Ihm jauch: zen tief im staub und gruft, Weit in der see, hoch in der luft, Der schöpfung ganze heere. Der sonne feuerreiche pracht, Das blasse licht der stillen nacht Verkündigt gottes ehre. 3. Der herr vergiebt uns unsre schuld, So oft wir vor ihm treten, Trågt unsre schwachheit mit geduld, Und lehrt uns selber beten. Er strafet und verschont zugleich; Der herr ist gott! es komm sein reich! Gott hört der frommen sehnen. Er segnet sie; wenn unfall droht, Ers Idst er sie von sorg und noth, Und záhlet ihre thránen. 7. Er ist getreu den sei: nen, Entreißt sie aller noth. Wenn seine kinder weinen, So bleibt er doch ihr gott, Wenn der verfolger macht, Wenn ihre wuth sie schrecken, So wird sie gott bedecken, Er, der stets für sie wacht. 8. Lob, ehre, preis und stärke Sey dir, o gott, bereit! Denn deine weg' und werke Sind voll von herrlichkeit. Dein zion lobet dich; Merk auf sein schwaches lallen, Und laß dirs wohlgefallen; Erhör uns gnådiglich! 9. Mocht es uns bald gelingen, Von aller schwachheit frey, Ein opfer dir zu bringen, Das deiner würdig sey! Ach, laß vor deinem thron Uns ewig mit dir leben, Und ewig dich erheben, Dich, vaz ter, und den sohn. Mel. Ein kindelein, so lobelich. er herr ist gott! lied, In seinem heiligthume! 4. Jaucht, volker! jauchzt: gelobt sey gott! Preist ihn durch frohe lieder! Sagt, berge, nach: gelobt sey gott! Ihr thåler, hallt es wieder! Gelobt sey gott! mit macht's gem klang Dring unser hoher lobgesang Bist in die stillsten wüsten. Der frevler zittre! neuer muth Und frommer das Herz des glut christen. 300 Lob- und Danklieder. Das Te Deum. du uns nicht, Du kommst, 401.err gott, bich loben du kommſt und hältst gericht. wir! Herr gott, Einst sey im himmel unser wir danken dir! Jehovah ist theil Dein großer lohn, dein von ewigkeit, Er schuf die ewigs heil; Hilf deinem volke, welt, das werk der zeit. Die Jesu Christ! Und segne, was ganze weite schöpfung preist, dein erbtheil ist, Leit' uns, Gott vater! dich, dich, sohn! durch unsrer prüfung zeit, dich, geist! Die cherubim, die Den weg zur frohen ewigkeit. feraphim, Die himmel alle singen ihm: Heilig ist unser gott! Heilig ist unser gott! Heilig ist unser gott! Jeho: vah zebaoth! Weit über alle himmel weit Geht deine macht und herrlichkeit. Sie, die den erdkreis wunderbar Bekehrten, deiner boten schaar, Der lehre Jesu mårtyrer, Die preisen ewig dich, o herr! Um grabe noch, noch in der zeit, Preist dich auch deine christenheit, Dich, vater, auf der himmel thron! Dich, Jesu Christ, des vaters sohn! Und dich, Die erd ist auch dein hei ligthum, Auch sie erfülle stets dein ruhm. In dieser unsrer pilgrimschaft Ist, herr! dein wort uns licht und kraft. Es ist ein reines, helles licht; Wer ihm gehorcht, der sün digt nicht, Und wer noch fällt und es bereut, Der findet da barmherzigkeit. Die erd erfüll, herr, stets dein ruhm, So wie des himmels heiligthum! Allgemeine Lob, und Danklieder. Mel. Vom himmel kam der. o geift, deß wunderkraft 3n 402. Ich bin, ich lebe; sündern neues leben schafft! Du hoherpriester! du prophet! Du könig, deß reich nie vergeht! Du hast dich, um uns gott zu weihn, Erniedriget, ein mensch zu seyn, Dem tode nahmst du seine macht, 3um himmel hast du uns gebracht. Zur rechten gottes fikest du, Mit deinem vater herrschest du. O der für uns geblutet hat, Erwürgt für uns fre missethat! Im grabe låssest Ein vater, wie kein vater ist! Wo fang ich zu erzählen an, Was du mir thust, und schon gethan? 2. Gab ich mir leben, mund und hand? Ich selbst mir aug', ich mir verstand? Ein menschlich herz, wer gab es mir? Was, vater, was kommt nicht von dir? 3. Ich danke dir, der alles schafft, Für jeden finn, für jede kraft; Für eltern, lehrer, Lob und Danklieder. brüder, dir; SIch gab fie nicht, du gabst sie mir. 4. Ich danke dir mit froher brust Für jede wohlthat, jede lust, Für jede freud' und jedes glück, Und jeden lebensaugenblick. 5. Für deines wortes unterricht, Für deiner sonne warmes licht, Für deines mondes sanfte pracht, Für deinen tag und deine nacht; 6. Für Jesum Christ und seinen geist, Für alles, was er uns verheißt, Für alles, was er giebt und gab, Wie statt ich, vater, dank dir ab? 7. Ich sterbe bald; doch bleib ich nicht Im grabe! denn mein Jesus spricht: Wer an mich glaubt, soll auferstehn; Wie kann ich deine huld erhöhn? 8. Ein fünder bin ich; meine schuld Tilgt, vater, deine va terhuld! Ach Jesus starb und lebt für mich! Wie preif' ich ihn? wie preis' ich dich? 9. Dankt' ich mit jedem othemzug, Ich dankte, vater! nicht genug; Denn dein ist alles! alles ist Geschenk von dir durch Jesum Christ! 10. Nicht weiß ich, wie ich danken soll, Mein mund ist deines preises voll, Voll dank mein herz; mein leben sey Voll dank für deine vas tertreu! Mel. Nun sich der tag geendet hat. u bists, dem ehe bührt; Und das, herr! bring 301 ich dir. Mein schicksal hast du stets regiert, Und stets warst du mit mir. 2. Wenn angst und noth sich mir genaht, So hörte gott mein flehn, Und ließ durch seinen gnåb'gen rath Darin mich nicht vergehn. 3. Wenn ich in schmerz und krankheit fank, Und rief: herr, rette mich! So half mir gott; mit welchem dank, Mein gott, erheb ich dich! 4. Betrübte mich des feins des haß, So klagt ich gott den schmerz; Er half mir, daß ich ihn vergaß, Und gab geduld ins herz. 5. Wenn ich den richt'gen pfad verlor, Und mich vers schuldet sah; Nief ich zu dir, mein gott! empor, Und gnade war mir nah. 6. Oft wenn nach troft die feele rang, Gott sich von mir gewandt, Rief ich voll sehns sucht: herr, wie lang? Und mich hielt seine hand. 7. Er half, noch hilft er ftets, der herr; Denn er ist fromm und gut. Aus der versuchung rettet er, Und giebt zur tugend muth. 8. Herr! für die leiden dank ich dir, Dadurch du mich geübt, Und für die freuden, welche mir Dein milder segen giebt. 9. Dir dank ich, herr! daß die natur Mich nährt und mich erfreut. Ich schmeck in creatur, Gott! deine freundlichkeit. 302 Lob und 10. Ich danke dir für deinen sohn, Der für mich fünder starb, Und der zu deinem gnadenthron Den zugang mir erwarb. I 11. Lobt gott in seinem heiligthum! Erheb' ihn, volk des herrn! Die erd ist voll von seinem ruhm; Er hilft, und rettet gern. 12. Er hilft und läßt die traurigkeit Bald vor uns übergehn, Will uns, nach kurzer prüfungszeit, 3um ew'gen glück erhöhn. 13. Vergiß nicht, feele! deinen gott, Was er an dir gethan. Verehr' und halte fein gebot, Und bet' ihn ewig an. Danklieder. und seele gabst du mir; Gott! o wie verdank ichs dir? 3. Für mich armen, mich verlornen, Mich, der ich ge fallen bin, Gab er seinen eins gebornen, Jesum Christum, selber hin. Wer kann, was er that, ergründen? Auf der ganzen erde, wer? Wer aus seiner engel heer Kann es, wie er liebt, ergründen? Seine lieb ist immer neu, Ewig seine gnad und treu. 4. Seinen wunderbaren füh rer, Seinen tröster, seinen geist, Giebt der herr mir zum regierer, Wenn die sünd mich an sich reißt, Daß er meine seel erfülle Mit des glaubens hellem licht. Dann, dann fürcht' ich kein gericht, Und mein bebend herz wird stille; Mel. Nun lasset uns den herren. 404.Sollt ich meinem Deines beils darf ich mich Herr! dein bin ich! freun, du bist mein! gott nicht sin gen? Sollt ich ihm nicht dankbar seyn? Sollte nicht in allen dingen Seine liebe mich erfreun? Lieben ist es, nichts als lieben, Herzliche barmherzigkeit, Die so oft und viel verzeiht. Herr, ich will dich ewig lieben, Ich will, als dein eigenthum, Stets erheben deinen ruhm. 5. Meinem bessern theil, der seele Giebt er trost, und fraft, und ruh; Wenn ich, was er wählte, wähle, Strómet mir sein frieden zu. Was, so lange wir hier wallen, Wir bedürfen in der welt, Was die hütten stützt und hålt, Die dereinst in staub zerfallen, Auch dies giebt uns, dessen ruf Uns für diese welt erschuf. 2. Wie ein adler fein gefieder Ueber seine jungen streckt, So hat( dankts ihm meine lieder!) Mich auch gots. tes arm bedeckt. Gott, der über mich schon wachte, 218 ich kaum zu seyn begann, Sah mit vaterhuld mich an, Eh ich lebte, eh ich dachte. Leib 6. Himmel, erd und ihre heere Sind zu meinem dienste da. Wohin ich mein auge kehre, Ist mir gottes segen nah. Thier' und kräuter und getreide, In den gründen, Lob. und auf der höh', In den büschen, in der fee, Sind mir nah: rung, sind mir freude. Vom gedeihn und überfluß Trieft des allerhöchsten fuß. 7. Wenn betrübniß meine feele, Elend meinen leib umgiebt, Dann, dann bet' ich, und verhehle Nichts dem gott, der doch mich liebt. Wår er nicht mein gott gewesen, Hätte mich sein angesicht Nicht er quickt, so war ich nicht Von so vieler quaal genesen. Vom allsehenden bewacht, Ging ich durch die dunkle nacht. 8. Wie ein vater seinem kinde Niemals ganz sein herz entzeucht, Ob es gleich, ver führt zur sunde, Von der rechten bahn abweicht, Ulso Danklieder. 303 geglaubet habe, Gott giebt einst mir ewigs heil. Die, fo hier mit thránen fáen, Ernten dort mit freuden ein. Nach des kurzen lebens pein, Werd ich mein geschick verstehen, Jauchzen, daß mich gottes rath Diesen weg geleitet hat. 3üchtigt mich, daß ichs gethan, Wills nicht mit dem schwerte råchen, Weil, als ichs verirrt beging, Doch mein herz noch an ihm hing. 9. Wohlthat ist das kreuz der christen, sts gleich, wenn es da ist, pein, Führt es uns in dürre wüsten, Scheints gleich noch so hart zu seyn. Und was haben wir gelitten? Duldeten die mårtyrer Nicht viel mehr, als wir, viel mehr, Eh sie ihre kron erstritten? Rühmt in leiden, rühmt und preist Gott, der euch der fund entreißt. 10. Ist, so lang ich leb am grabe, Krenz und trübsal oft mein theil; Gott, dem ich II. Weil denn ohne ziel, ohn' ende Deine gnaden, vas ter! sind. O so heb ich meine håánde 3u dir auf, erhör dein kind. Vater! du wollst gnade geben, Dir mich ganz und gar zu weihn, Dein verehrer stets zu seyn, Hier und in dem höhern leben. Heilig, heilig, heilig ist Er, der seyn wird, war und ist. Mel. Nun laßt uns gott dem. ficht auch mein verbrechen 405 Laßt unferm gott Shm Mein dank und ehre bringen, Daß wir so viele gaben Aus seis ner fülle haben. 2. Wer kann es ihm erwiedern? Ein leib mit sinn und gliedern, Ein geist, der will und denket, st uns von ihm geschenket. 3. Und wie er erst das les ben Allmächtig uns gegeben, Will nun, es zu bewahren, auch seine treu nichts sparen. 4. Er giebt nach vaters weise, Dem leibe tåglich speise, Erhält ihm seine kráfte, Und fördert sein geschäffte. 5. Auch wehrt er dem vers derben; Die seele soll nicht sterben, Die doch in tiefen wuns den Der sünde gift empfunden. Lob. und Danklieder. 304 6. Sein ein'ger sohn, das leben, Ist uns zum arzt ge= geben; Der bat, als er gestor ben, Genesung uns erworben. 7. Wort, taufe, nachtmahl müssen Die wunden im gewissen Durch kraft des gei: stes heilen, 3um guten stärk ertheilen. 8. Der sünd ist nun gest euret, Die ganze feel erneuret, Das herz der straf entbunden, Des todes furcht verschwunden. 9. Das herz schmeckt from= me freuden, Hat trost in allen leiden, Wagt es, gott fren zu bitten, vor ihm sich auszuschütten. 10. Wenn wir schon hier auf erden So hoch begnadigt werden: Gott, was wird nicht für gaben Für uns dein himmel haben? II. Doch, weil wir hier noch wallen, Wirst du mit wohlgefallen,( Wir wissen, wem wir trauen;) Auf uns hernieder schauen. 12. In noth wirst du uns schůzen, In schwachheit unterstützen, Was wir bedürfen, merken, Uns in versus dung tårfen. 13. Leit uns in deiner wahrheit, Bis wir in voller klarheit, Gott! deine größ' erkennen, Dich würd'ger preiSen können. Mel. Nun sich der tag geendet. M ein geist er 406. staunt, allmäch tiger! Wenn er die gnaden denkt, Womit du mich, mein gott und herr! So unvers dient beschenkt. 2. Dann ist mein herz so hoch erfreut, Ganz deiner gute voll, Und weiß vor heißer dankbarkeit Nicht, wie es danken soll. 3. Als ich noch in der mutter schooß, In nacht vers borgen, schlief, Bestimmtest du, o herr! mein loos, Das mich zum leben rief. 4. Du sprichst des sterbli chen geschick, Eh er geboren ist; Und so ward ich, o welch ein glück! Durch die geburt ein christ. 5. Schwach an der brust, vernahmst du schon, Was kein gebet noch war, Und neigtest zu des weinens ton Dein ohr gefällig dar. 6. Wenn ich als jungling von dem pfad Der tugend mich verirrt, Hat mich höchst liebreich, berr! dein rath Oft wieder drauf geführt. 7. Du warst mein schuß und meine wehr Vor unglüdk und gefahr, Und vor dem laster, das noch mehr, Wie sie, zu fürchten war. 8. Ich sah, von krankheit bleich, durch dich Mein leben hergestellt, Und deine gnade schmückte mich, Wenn sünde mich entstellt. 9.Vonfreudenstrahlen glångt mein blick, Da du so hoch mich liebst, Und in der wahren freundschaft glück Des lebens trost mir giebst. Lob und Danklieder. 305 leiden Ist uns ein quell der freuden. 10. Und welche wohlthat, herr, ist nicht Dies herz, das fühlen kann! Dies herz, ganz 5. Im wort und sacramente, dein, das dankbar spricht, Was du an mir gethan! Das ich nicht fassen könnte, Wenn mich sein geist nicht lehret, Wird mir dies heil gewähret. 8 II. Kein tag soll würd'ger mir vergehn, Als, ew'ger! dir zum preis; Ich will frohlokkend dich erhöhn, Als jungling und als greis. 12. In schrecken, angst, gefahr und noth Trau ich allein auf dich. Durch dich gestärkt, ist selbst der tod Mir nicht mehr fürchterlich. 13. Wenn krachend jetzt der bau der welt Sich aus den angeln reißt, Will ich den preisen, der mich hålt, Dich, der mich leben heißt; 14. Dich, der mich bey der welten sturz Mit starkem arm ist zu kurz, zu preifen all erhob! Selbst ewigkeit, herr! dein lob. 2. Er hat leib, feel' und leben Allmächtig uns gegeben, Und wacht mit vaterblicken Uns immer zu beglücken. 3. Er sorgt für unsre tage, Erleichtert noth und plage, Erfreuet unsre herzen, Und heilt der sünden schmerzen. 6. Die sünd, und was mich krånket, Nimmt er auf sich und schenket Mir ruhe, fried und leben, Und wird mirs. ewig geben. 7. Drum vater! voll erbars men, Sieh huldreich auf uns armen; Laß allen, groß und kleinen, Dein gnadenantlik scheinen. 8. Erhalt an jedem orte Uns fest in deinem worte, Damit wir deinen namen Mit freuden preisen, amen! Mel. Nun laßt uns gott den. 407. Last uns mit Llob folches bringen. und beten Vor 2. Du hast aus nichts den gottes antlig treten. Dankt Himmel und die erden, Und ihm für seine gaben, Die wir alles, was darin ist, heißen empfangen haben. werden! 4. 3um heil, zum trost und leben Ist uns ein arzt gegeben; Denn Christus und sein Mel. Was lobes soll'n wir dir. elch lob, o 408. W gott! soll unser mund dir fingen? Kein mensch kann dir nach würden 3. Uns menschen hast du, vater! dieses leben, Und ein unsterbliches dazu gegeben. 4. Von kindheit an hast du uns stets geleitet, Und deine flügel über uns gebreitet. 5. Du speisest alles fleisch mit wohlgefallen, Und schübest uns, so lange wir hier wallen. 6. In trübsal werden wir von 11 Lob- und Danklieder. 306 dir erquicket, Und draus erlöst, wenn sie zu beftig drůcket. 7. Du lássest uns in deinem worte lehren, Wie wir dir dies nen sollen, und dich ehren. Mel. Nun danket alle gott. Jun danket alle 409. Nun gott, Mit hers zen, mund und händen, Der große dinge thut, Hier und an allen enden, Der måchtig uns erhält, und der von kinds beit an Uns so viel gutes thut, Mehr als man zählen kann. 8. Du sendest uns erlösung von den sünden, Und läßt uns deine gnade wieder finden. 9. Ach, ewig, ewig seyst du, herr! gepriesen Für jede gnade, bie du uns erwiesen. 10. Sehr groß ist deine Met. Freu dich sehr, o meine seele. weisheit, gnad und starke, 410. Gott, mein vasind alle deis ne werke. II. Wie schrecklich ist, o gott! wie groß dein namen! Glückselig ist, wer dich stets fürchtet, amen! ter! ges priesen Für die große gütigs keit, Die mir deine hand ers wiesen, So vielfältig allezeit. Ach, wie soll ich doch dafür Würdig gnug, gott, danken dir? 2lle krafte meiner seelen Sollen deinen ruhm erzählen. 2. Er, unser vater, woll' Ein fröhlich herz uns geben; Der herr laß uns, sein volk, In stetem friede leben, Und unsre nachwelt auch, Daß seine gnad und treu Das ganze land umfah, Sein se: gen mit uns sey. allezeit, So lang er uns allhier Das leben noch verleiht. 3. Der große starke gott Woll' uns von allem bösen, Und was uns schaden kann, Gewaltiglich erlösen; Er schüß uns in gefahr, Er helf uns 4. Dir, gott! dir sey von uns Stets ehr und preis ges geben; Was in uns ist, soll stets, Herr! deine huld erhes ben. Und stehn wir einst vers klárt In deinem heiligthum, So sev dein name, gott! Auf ewig unser ruhm. 2. Du hast, was genannt mag werden, Erst aus nichts hervorgebracht, Auch den mens schen aus der erden Wunders bar und schön gemacht; Und wie viele pracht enthält nicht sein wohnplak, diese welt! Wie viel güter! wie viel freuden! Wie viel hülfe selbst im leiden! 3. Daß ich mit verstand geboren, Und gefund bin in der welt, Auch zum christen auserkohren, Wissen kann, was dir gefällt, Oder mag zuwider seyn, Das hab ich von dir allein. Was ist felis ger zu, nennen, Als dich, und uns selbst, erkennen? 4. Du hast auch die straf und plagen, Die mit sünden ich verdient, Deinen sohn selbst Lob- und Danklieder. lassen tragen, Und bist mit mir ausgefühnt, Da er an des kreuzes stamm Meine sünden auf sich nahm, Und mich von dem fluch befreyte, Den mir das gesege dräute. 5. Dazu werden deine wege Mir noch täglich kund gethan; Denn du führst zum himmels stege Mich durch wort und geist hier an, Daß ich schon in meis nem sinn Durch die hoffnung ſelig bin, Und hier schon im 411. Was in mir iſt, mein ganzes glauben schmecke, Was ich dort im schaun entdecke. 6. Bin ich schon mit freuz beladen, Seßt mir welt und sünde zu, Dies darf meinem heil nicht schaden, Bey dir find ich hülf und ruh. Ja, es muß des kreuzes pein Mir mehr gut als schädlich seyn; Fleisch und welt lehrt sie mich hassen, Und mich ganz auf dich verlassen. 7. Reichlich hast du auch gegeben Mir, o gott! mein táglich brodt, Låssest mich in frieden leben, Frey von pest und hungersnoth. Meine ehre, meinen stand Dank ich deiner vaterhand, Und was ich an gütern habe, Ist bloß deine gnadengabe. 307 9. Heilig, heilig, heilig werde, Gott! dein name stets genannt; Denn der himmel und die erde Machen deinen ruhm bekannt. Deine güte, deine macht, Weisheit, majes ståt und pracht, O! wo hat sie ihres gleichen? Gott, wer kann dein lob erreichen? 8. Ja, herr! deine güt und treue Ist ohn ende, ohne zahl, Jeder morgen glänzt aufs neue Mir mit deinem gnadens strahl. Drum, ihr menschen, bringt mit fleiß Unserm gott lob, ehr und preis, Rühmet feine große gute, Lobt sein väterlich gemüthe! Lobgefang Marid. Mel. Mein herz und feel ben. herz erhebet Dich, hóchster gott! der ewig herrscht und lebet. Mein geist in mir, der sich des heilands freut, Rühmt unaufhörlich deine freundlichkeit. 2. Denn du hast mich elen= den angesehen; Von deinem throne hörtest du mein flehen. Mich, den die welt zum ziel des spottes macht, Hast du erhöht und våterlich bedacht. 3. Gott, wer kann deine huld und macht ergründen? Wer kann, wie weit dein wohlthun gehet, finden? Wie viel, wie viel hast du an mir gethan! Mehr, als ich jemals dir verdanken kann. 4. In keiner noth hast du mich je verlassen; Wie könntest du dein kind, o vater! hassen? Nein! ewig währet die barmherzigkeit, Die bu an dem erzeigst, der sich dir weiht. 5. Du übst gewalt mit bei neš armes stärke; Gerecht und wunderbar sind beine werke. Die stolz und hoch in ihrem herzen sind, Berstreuest du, so wie die spreu der wind. 11 2 Lob und 308 6. Die hohen läßt, im angesicht von allen, Dein rath oft schnell aus ihrer höhe fallen; Die niedrigen zieht deine hand hervor, Und hebet fie ganz unverhofft empor. 7. Die hungrigen, die dich vor augen haben, Erfüllest du mit gütern und mit gaben; Die reichen läßt du leer beym überfluß, Und ihren trotz straft ekel und verdruß. S Danklieder. 3. Du bist voll gnade, lieb und treu, Boll langmuth und verschonen; Doch heilig und gerecht dabey Im strafen und belohnen. Der herr ist voll barmherzigkeit, Er trågt, er stärket und erfreut Die from: men, die ihm trauen. 4. Wohlthätig gegen jedermann, Erquickt er auch die armen, Nimmt aller seiner werk sich an; Er ist nichts als erbarmen. Er ists, der in der ganzen welt Durch seiner allmacht kraft erhålt, Was lebt und sich beweget. 8. Du denfest der barms herzigkeit und güte, Und for gest selbst mit segnendem ges müthe, Daß deine kirche steht und sich erhält Bey allem spott und drohen dieser welt. 9. Was du, wie längst vor unsrer zeit den alten, Auch uns verheißen, wirst du ewig halten. Du, herr! verläsfest deine kinder nicht; Denn du allein bist unsre zuversicht. Preis der Vollkommen: beiten Gottes. Mel. Nun freut euch, lieben. 6. Groß ist der herr, gut und gerecht In allen seinen wegen, Er segnet die, die recht 412. Grabner schöpfer und schlecht Stets gehn auf deine gut' Will ich, ich staub, erheben. Ich will mit freudigem gemüth In meinem ganzen leben, Gott! uns aufhörlich preisen dich, Und 7. Der herr ist allen denen deinem namen ewiglich Dank und anbetung bringen. seinen wegen; Und wie er heilig ist und rein, So liebt er auch nur die allein, Die heilig vor ihm wandeln. nah, Die flehend vor ihm treten, Bey allen ist er huldreich da, Die würdig ihn anbeten. Wenn Wenn fromme schreyen, so erhört Gott ihre bitten, und gewährt Trost in den schwersten leiden.d 8. Die fünder selbst verstößt er nicht, Er will die noch er hören, Die reuevoll zu ihrer 2. Groß bist du, und sonst keiner mehr, Du kannst in nöthen rathen; Wie unaussprechlich herrlich, herr, Sind alle deine thaten! Wohin auch nur mein auge blickt, Da seh und fühl ich, da entzückt Mich allmacht, gut' und weisheit. 5. Herr! aller augen sehn auf dich, Um ihren leib zu náhren; Du forgst für alle väterlich, Bist liebreich im bescheeren, Du thust auf deine milde hand, Und sättigst alles in dem land Mit luft und wohlgefallen. Lob- und Danklieder. pflicht Mit ernst zurücke keh ren. Uch er verzeiht! ach er verläßt Der keinen, die im glauben fest, Shr fündlich leben bessern! 9. Ja, er, der herr, ermüdet nicht, Zu dulden, zu beloh: nen; Doch furchtbar ist sein strafgericht, Hórt er je auf zu schonen. Uch! schrecklich ists, wenn seine hand Ein undanks bares volk und land Mit plas gen schlägt und staupet. Co. Laß deine größ und herrlichkeit, Gott! auf der ganzen erden, Un allem ort, zu jeder zeit, Erkannt, verehret werden. So weit, herr! deine schöpfung reicht, Die herrlich ist und der nichts gleicht, Bist du anbetungswürdig. II. 3war schwach ist unser blöder geist; Wer kann, wer wills, erzählen, Was du für wohlthat uns verleihst, Ob wir gleich stündlich fehlen? Doch wollen wir hier in der zeit, Und noch mehr in der ewigkeit, Gott! deinen namen preisen. Mel. Wend ab deinen zorn. 413. h will mein gott, du könig! dir lobsingen, Und ewig ehre deinem namen bringen. Sey täglich, ewig sey von mir er hoben, Dich will ich loben. 2. Der herr ist groß; wer kann ihn gnug erheben? Wer fann mit seinem feurigsten bestreben, Wie groß er ist, begreifen und empfinden? Wer gott ergründen? 309 3. Von unsern våtern wurdest du erhoben, Dich werden unfrer kinder kinder loben, Und deine macht befingen, deiner stárke Preisvolle werke. 4. Wie herrlich bist du, gott, wie schön und prächtig! Wie groß in deinen wundern, herr, wie machtig! Das preis' ich, daß dein nam' erhoben werde, Der ganzen erde; 5. Daß deiner wunder ruhm umher erschalle, Die welt von deinen thaten wiederhalle, Und deine wahrheit, deine huld bes singe, Und preis dir bringe. 6. Der herr ist mild, von duls dendem gemüthe, Barmherzig, gnådig, und von großer güte, Erbarmt sich seiner werke, hat an allen Sein wohlgefallen. 7. Jehovah! alle deine werke sollen Dir jauchzend danken; deine frommen wollen Aus allen ihren kräften sich bestreben, Dich zu erheben. 8. Sie breiten aus den ruhm von deinem reiche; Daß keine macht, Jehovah! deiner gleiche, Das rühmen fie, damit ſie auf der erde Bewundert 9. Dein reich, o gott! ist herrlich, ewig währen Dein reich und deine macht, die wir verehren, Und ewig wird von aller völker zungen Dein lob besungen. 10. Der herr bewahret alle, welche fallen. Jehovah hilft den unterdrückten allen, Und eilt, mit heil die, die um Lob und Danklieder. 8 310 heil ihn bitten, Su übers schütten. 11. Nach dir, gott! schauen aller wefen blicke, Daß deine hand sie váterlich erquicke. Du giebst auch einem jeden seine speise, Daß er dich preise. 12. Herr! du erhältst mit deinem wohlgefallen, Was lebt, thust deine hand auf, und giebst allen, Was sie bedürfen; keiner sucht vergebens Dich, quell des lebens! 13. In allen wegen gottes strahlet gnade, Untadelhaft find alle seine pfade, Und was er thut, gereicht zu seinem preise, Ist gut und weise. 14. Der herr ist nahe denen, die ihn bitten, Die ernstlich ihn um seine hülfe bitten. Er thut, was die gerechten, die ihn ehren, Von ihm begehren. 15. Der herr behütet alle, die ihn lieben; Die aber, die gewalt und frevel üben, Verfolgt er, daß er sie zum fluche mache, Mit seiner rache. wie untabelhaft Sind alle seine werke! 16. Ja ewig will ich seinen namen loben, Von allen mens schen werde gott erhoben. Was lebet, müsse, herr! zu allen zeiten Dein lob verbreiten. 2. Wie schön, wie würdig seiner macht Sind nicht der himmel heere! Welch herrlich licht, welch eine pracht Bestrahlt sie, ihr zu ehre! Das auge sieht sich nimmer fatt, Sieht, was es auch gesehen hat, Doch immer neue wunder. 4. Wo ist ein gras, wo nur ein blatt, Ein staublein auf der erde, Wodurch, o mensch, nicht gottes rath Und kraft vers klåret werde? O wie ist seine macht so reich! Was aber deis ner trágheit gleich, Daß du's nicht siehst, nicht fühleft! 5. Gab seine macht, die schöpferin Der schönheit und des lebens, Dir deinen geist, so manchen sinn, So viel gefühl vergebens? Für wen, für wen, als dich, erschafft, Erhält und schmücktet seine kraft So vieler wefen arten? 6. Dein gott bedarf nichts; seine hand, Die seine schö Lob der Schöpfung. Mel. Nun freut euch lieben. 414. obfinget gott, pfung schmückte, Gab dir emund betet an! Es dank, es rühm, es singe, Es jauchze, wer nur jauchzen kann, Dem schöpfer aller dinge! Wie groß, wie schon ist seine kraft; Wie herrlich, pfindung und verstand, Das mit er dich beglückte. Willst du, o mensch, nicht glücklich seyn? Will sich nicht deine seele freun, Nicht immer fros her werden? 3. Nicht wunder für das aug allein, Auch wunder für die feele, Damit es ihr, sich zu erfreun, An keiner schöns heit fehle. Wie kunstvoll ans dert er sie ab, Versagt dem, was er andern gab! Und doch ist jedes herrlich. Lob und Danklieder. 7. D warum suchest du dein glück In eiteln phantas feyen? Wirf auf die schöpfung deinen blick, Da will er dich erfreuen. Genieß, dein vater fieht es gern, Genieß die freuden deines herrn! Nur sey es ohne fünde. 2. Er will, und sonnen flammen; Auch drángt das wasser, wenn er spricht, In wolken sich zusammen, Und ihre schläuche brechen nicht. Er ruft den ungewittern, Das meer wird ungeftum, Des himmels fáulen zittern, Die erde bebt vor ihm; Er will, und bliße zünden Gebirg' an, sie vergehn. Er spricht, und ruft den winden; Schnell wird sein himmel schön. 3. Wer, wer gebeut den wellen: Hieher! nicht weiter! legt euch hie! Er legt in felsen quellen, Sie riefeln und versiegen nie. Er füllt auch wüs steneyen Mit seinen wundern an, heißt thiere da gedeihen, Wo niemand wohnen kann. Wer kann die sterne führen? Wer weiß, als er allein, Die himmel zu regieren? Und du wagst stolz zu seyn! 4. Kannst du mit deiner stimme, D stolzer! donnern, der Natur. wie gott thut? Streu aus Mel. Nun lob, mein feet, den. von deinem grimme Verders Dommt, fommt, ben, deiner blite glut, Leg an gewalt und SL 415. preisen, Der groß von rath ist, groß von that, Den gutigen, den weisen, Der keiz nen, der ihm gleich sey, hat! Der herr thut große werke; máchtig, wie der herr. Schau an die stolzen, beuge, Vers senke sie, wie er. Was rühmen denn die thoren Mit ihrer stårke fich? O staub aus 8. Er selbst entflammt in deis ner brust Die sehnsucht nach vergnügen, Er schuf auch quellen, die voll luft Stets rinnen, nie versiegen. Gieb nur auf seine wunder acht; Wohlthås tig ist des schöpfers macht. Kann dirs an freude mangeln? 9. Dir wohlzuthun, das ist ihr ziel, 3um dank dich zu ers wecken. Uch hätt ich nur genug gefühl, Wie gut er ist, zu schmecken! Sft seiner wohnung vorhof schon So schón; wie wird mich einst sein thron, Wie wird er selbst entzücken! 10. Lobsinget gott, und betet an! Es dank, es rühm, es finge, Es jaudze, wer nur jauchzen kann, Dem schöpfer aller dinge, Wie groß ist uns sers schöpfers macht! Wie herr: lich, wie untadelhaft Sind alle seine werke!. 311 Wer hindert seine kraft? Wer seines arme stårke, Die, was nur gut ist, schafft? Er dehnet, gleich gezelten, Die weis ten himmel aus. Er spricht, so gehen welten Aus ihrem nichts heraus. Lob der Allmacht und der herrlichkeit Gottes in Lob- und Danklieder. 312 1 staub geboren, Nur gottes rühme dich! 5. Herr, dein ist alle stärke, Und alle hülfe, gott! ist dein, Das preisen deine werke, Die deiner fraft allein sich freun. Wir auch erfreun uns ihrer, Ihr lob sey unsre pflicht. D vater! o regierer! Wen hålt, wen schützt sie nicht? Du lebst, du wirkst in allen. Dir, dir vertrauen wir; Erhalter! wer kann fallen, Getragen, herr! von dir? Mel. Nun danket alle gott. 416. Durch urch dich, o großer gott! Durch dich bin ich vorhanden. Die himmel und ihr heer Sind durch dein wort entstanden; Denn wenn du sprichst, geschiehts, Wenn du gebeutst, stehts da, Mit allmacht bist du mir, Und auch mit gute nah. 2. Du bist der gott der kraft; Dich preisen erd und meere, Und himmel predigen Die wunder deiner ehre. Dich bet ich dankend an; Mein beil fommt von dem herrn. Du hörst der menschen flehn, Und du errettest gern. 3. Und wenn ich deiner huld, gott! gewürdigt werde, Was frag ich außer dir Nach himmel und nach erde? Im himmel donnerst du, Und fchrecken füllt das land; Noch fürcht' ich nichts, denn du Hältst mich bey meiner hand. 4. Wenn ich die himmel seh, Die du, herr! ausgebreitet, Der sonne majeſtät, Den mond, den du bereitet, So sprech ich: was ist doch Der mensch, daß du sein denkst, Und daß du täglich uns Unzählig gutes schenkst? 5. Als schaafe läßt du uns Auf grünen auen weiden, Nährst uns mit fpeif und trank, Und füllst das herz mit freuden; Du sahst mich, eh der grund Der welt geleget war, Schon in der mutter. leib, Und als sie mich gebar. 6. Du wogst mein glück mir ab, Und leiden, die mich üben, und meiner tage zahl War auf dein buch geschrieben. Du bist der frommen schuß, Der bist der müden ruh, Ein gott, der gern verzeiht. Wie gnädig, gott, bist du!} 7. Wem soll ich sonst vers traun, 21s dir, du gott der götter? Wen ehren, als nur dich, Mein schutz und mein erretter? Wie sanft ist dein befehl: Gieb mir dein herz, mein sohn, Und wandle meinen weg, Ich bin dein schild und lohn! 8. Herr! dein gebot ist heil, Dein weg ist fried und leben. Wie könnt ich einem gott Der liebe widerstreben? Umsonst teckt mich das glück, Indem das laster blüht, Ich hasse seinen weg, Weil mich dein auge sieht. 9. Auch wenn kein mensch mich sieht, Will ich die fünde fliehen; Denn du wirst aller werk Vor dein gericht einst Lob- und Danklieder. 313 ziehen. Ich will, wenn meis lich Darauf achten, und bes nem fleisch Was boses noch gelüst, Bedenken, daß mein leib, trachten Deine werke Gort der wahrheit und der stårke! gott! dein tempel ist. 10. Sollt ich der menschen ruhm Stolz zu erringen trachten? Nein, herr! wenn du mich ehrst, Mag mich die welt verachten. Du bist es, dem zum dienst Sch leib und seele weih; Gieb, daß mein wandel stets Boll deines ruhmes sey. 4. Dein erdreich, gott! das jedermann Giebt brod und kleider, seh ich an, Und schmecke deine gute. Ich rie: che, fühl und höre sie Im feld' und wald'; ich sehe sie In aller fluren blüthe. Von dir Zeugen Alle dinge, So geringe Sie mir scheinen, Gott, im großen und im kleinen! Lob der Güte Gottes. Mel. Wie schön leucht't uns der. 5. Dzeuch mich über welt 417. Gott, deffen und zeit Zu dir, o herr der starke hand die welt Erschaffen hat und noch erhält! Ich sehe deine güte, Wohin ich seh, an jedem ort, Auf erden hier, am himmel dort. Sobald ich mein gemüthe Auf dich Schöpfer! Freudig lenke, Und dich denke, Find ich armer Dich als vater und erbarmer. herrlichkeit, Durch deine große liebe! Auf dich laß mich in allem sehn, Für jedes gute dich erhöhn, Belebe meine triebe, O mein Vater! Dir in allen Zu gefallen, Dir zu leben Sey mein einziges bestreben. Mel. Es ist das heil uns kommen. 2. Geh ich, so weit mein 418. Wie viele freuden dank ich auge reicht, Gen himmel, so entdeck ich leicht Die spuren deiner gute. Der himmels: lichter lauf und pracht, Sein sternenheer, das du gemacht, Erwecket mein gemüthe, Gro: ßer Schöpfer! Dich zu fingen, Dir zu bringen Ehr und stärke. Groß sind deiner hånde werke! 3. In ungewittern, sturm und wind, Die deines thrones diener sind, Entdeck ich deine gute. Das feuer, wie der wasser grund, Macht deine große liebe fund. Mit fröh: lichem gemüthe Will ich Tåg: dir, Die du mir, herr, verliehen! Und wie viel sünden hast du mir Aus gnaden nicht verziehen! O gott von langs muth und geduld, Noch tågs lich häuf' ich meine schuld, Und deine liebe währet! 2. Bedenk ich, schöpfer! deine macht, Blick ich in jene ferne, Und überseh des himmels pracht, Und sonne, mond und sterne, So bet ich dich voll ehrfurcht an. Was ist der mensch, ruf ich alsdann, Daß du dich sein erbarmest? 3. Dein auge schaut auf ihn herab, So geht er nicht Lob und Danklieder. 314 verloren. Nicht für die welt, nicht für das grab Sst er allein geboren. Die welt vers geht mit ihrer lust; Wenn du den willen gottes thust, Soll dein glück ewig dauren. 4. Wenn ich erwache, denk ich dein, Und wenn ich schlafen gehe; Denn du, mein va ter! fannst verleihn, Um was ich kindlich flehe. Drum seufz' ich immerfort zu dir: Herr, was mir nuget, schenke mir, Um deiner gute willen! Mel. Wer nur den lieben gott. 419. Dit ir, gott! dir will ich fröhlich singen, Dir, dessen freude wohlthun ist; Dir will ich dank und ehre bringen, Dir, der du gut und freundlich bist. Ja, gott! du bist ganz gnad und freu; Gieb, daß mein herz ganz freude sey. 2. Dich preisen alle engels heere, Dir singen die verklárten dank; Dir, herrscher! brausen wind und meere. Ihr brausen ist dein lobgefang. Die ganze schöpfung ruft dir zu: Wo ist ein solcher gott, wie du? 3. Du, unser gott, bist hoch zu loben, Denn deine gnade reicht so weit! Du, hoher schöpfer! blickst von oben auf der geschöpfe dürftigkeit. Kein wurm Freucht unbemerket hin, Du siehst, du liebst, du schüßest ihn. 4. Auch, vater! hast du mein gemüthe Durch manche wohlthat oft erfreut; D gieb mir auch nach deiner gute Noch ein geschenk, die danks barkeit. Lehr alles das, was in mir ist, Froh rühmen, daß du gnädig bist. 5. Wer schuf die seel' und ihre kräfte, Gedächtniß, willen und verstand? Wer segnet des berufs geschäfte? Wer stárkt die arbeitsame hand? Wer schenket mir den edlen freund, Der's treu im fums mer mit mir meynt? 6. Wer wog mir meine leis denspfunde Nach meiner fråfte maaß hier zu? Wer gab in der betrübten stunde Mir trost, zufriedenheit und ruh? Wer schüßte mich vor der gefahr, Die unsichtbar mir nahe war? 7. Wer fristet meine lebenss tage? Wer schmückt und krós net sie mit heil? Du, vater, thusts! drum feele, fage: Gott, du bleibst ewiglich mein theil! Von ganzem Herzen liebst du mich, Von ganzem herzen preis' ich dich. 8. Und so denk ich auch jetzt zurücke In jene zeit, die froh verfloß; War nicht mein geist und leiblich glücke Mit jedem tage neu und groß? Erfreut und dankbar ruf ich aus: Was bin ich, herr! was ist mein haus? 9. Wie soll ich deine treu vers gelten? Ich bin zu arm zu dies fer pflicht; Die schåätz in millios nen welten Bezahlen deine wohlthat nicht. Mein schwas cher dank ist viel zu klein, Für dich, o gott! ein dank zu seyn. 10. Dir will ich fernerhin Lob und Danklieder. S vertrauen, Denn du hast mir stets wohlgethan. Ich will mit glauben auf dich schauen; Schau mich mit vaterblicken an. So geh ich ruhig durch die zeit, Und fröhlich in die ewigkeit. Preis der göttlichen Vor. sehung. Mel. Mein herz und seel' den. 420. M wunsch, mein innigstes bestreben Ift, herr, mein gott! dich würdig zu erheben. Unendlich groß ist deine vatertreu, Mit jedem tag ist deine gute neu. 2. Die sonn' enthüllt den schauplah deiner werke, Und alles zeugt von deiner huld und stärke; Sie, die das ziel von ihrer laufbahn weiß, Eilt rastlos hin, und strahlt zu deinem preis. 3. Die erd ist dein, und du regierst dies ganze; Vom menschen an bis auf die kleinste pflanze Seh ich, wie groß sich deine vorsicht zeigt, Sie reicht so weit, so weit der himmel reicht. 315 wahr; Mit namen fennst du mich, und zählst mein haar. 6. So will ich denn mit kindlichem vertrauen Auf dich allein, so lang ich lebe, trauen; Du bist mein gott, mein rets ter in gefahr, Mein starker fels, mein helfer immerdar. Sür geistliche Wohlthaten. Mel. Herr Jesu Christ, mein's. 421. Dich, herr und vas Preist mein gesang, und dir mißfällt Des menschen stam. meind danklied nicht, Mein gott und meine zuversicht. 2. Von mutterleib' an warst du es. Wie freut sich meine seele deß, Daß du auch mir ein vater bist, Der seines findes nie vergißt! 3. Früh war ich in der taufe schon Geweihet dir und deinem sohn; Durch dein uns schåßbar wort allein Weiß ich, die ewigkeit ist mein. 4. Wer war der immer gü tige, Der langmuthsvoll mich leitete? Und stürmte trübsal auf mich zu, Wer half mir anders, als, gott, du? 5. Herr, dessen augen stets mich sahn! Du ließest auf der pilgerbahn. Durch wohlthun mich zu dir zu ziehn, Für mich so viele freuden blühn. 6. Du bist und warest immerdar Mein schuß und rets ter in gefahr, Der stifter meines wohlergehns, Und der erhörer meines flehns. 7. Wie oft entfernt ich mich von dir! Doch du, du 4. Und sie umfaßt auch mich! du, höchster, denkest Un mich, den staub, der du die himmel lenkest. Du sorgst für mich! gott, wie vergelt ich dir? Ein dankvoll herz, das bring ich dir dafür. 5. Du weißt, wie lang ich hier noch wallen werde. Fällt ohne dich kein sperling auf die erde, So nimmst du, herr! auch meines Lebens 316 bliebest vater mir, Der, wenn ich reuvoll wiederkam, Mich wieder våterlich annahm. 8. Unzählbar sind, und tåg lich neu, Die proben deiner vatertreu; Dir fließt, o gott! der gern erfreut, Die zähre meiner dankbarkeit. Lob und Danklieder, 9. Nimm, da ichs nicht vergelten kann, Das opfer meines dankes an. Mein le ben müsse zeuge seyn, Sch sey erkenntlich, ich sey dein. falt ihm vertraun. Gott weiß es, wir sind sünder, Gott weiß es, wir sind staub, Und der vers wesung kinder, Ein niederfals lend laub. Kaum daß die winde wehen, So ist es nicht mehr da. Wir sterbliche vergehen, Stets ist der tod uns nah. 4. Des ew'gen gnad alleine Bleibt gleich, als er, in ewigs keit Bey dir, des herrn gemeine, Die ganz sich seinem dienste weiht, Und, daß sie selig werde, Mit furcht und zittern ringt.. Auf, daß ihr von der erde Euch jetzt schon dorthin schwingt! Dort nimmt mit seinen engeln Auch unsrer brüder schaar, Nun rein von allen mångeln, Stets seines lobes wahr. 422. Auf Mel. Nun lob mein feel den. fuf, meine seele, singe! An dir, so unwerth du es bist, Thut gott so große dinge, Weh dir, wenn ihn dein herz vergißt! Gott schenkt dir geistlich leben, Will alle missethat In Christo dir vergeben; D gnas denvoller rath! Schon hier wirst du mit heile Getröstet und erfreut, Und dort wird dir zu theile Die ruh der ewigkeit. 2. Es hat uns wissen lassen Der herr sein recht und sein gericht, Erbarmung ohne maas Ben Dem frommen, der den bund nicht bricht. Schnell eilt sein zorn vorüber, Straft nicht nach unsrer schuld; Der herr begnadigt lieber, Nimmt lieber auf zur huld. Wohl dem, der Christo lebet! Gott ist er ange= nehm, Mit adlersflügeln schwebet Erbarmung über dem. Sür die heiligung der Seele. Mel. Laffet uns den herren. 3. Wie våter mit erbar: 423. Gott! durch wel= men Auf ihre schwachen kin: der schaun, So thut gott an uns armen, Wenn wir in einchen alle dinge Sind, und wirken, und vergehn, Stärke mich, daß ich bir finge, Lehre mich dein 5. Anbetung, preis und ehre Sey dir, gott vater, sohn und geist! Wir singens in die chóre Der schaar, die dich vollkommen preist. Un betung, preis und ehre Dir, der du warst und bist! Wir stammelns nur; doch höre, Hór uns, der ewig ist! Einst tragen wir auch palmen. Dugott, auf den wir traun! Einst singen wir dir pfalmen, Wenn wir verklärt dich schaun. 317 Lob- und Danklieder. leben, Das nicht leid, gefahr nicht hat. Sollten mich der erde freuden, Sollte mich der sünder spott, Und das elend und der tod, Herr! von deiner liebe scheiden? Raubt ich meine frone mir? Nein, ich leb', ich sterbe dir! für die seligen Sührungen Gottes. Mel. Bon gott will ich nicht und licht. Wenn wir mit den 424. Groß ist bes eitelkeiten, Mit versuchungen der lust, mit dem feind in unsrer brust, Wenn wir mit dem tode streiten, Dann versüßt er kampf und lauf, Und hilft unsrer schwachheit auf. 3. Wenn uns welt und sünder meiden, Weil wir ihre lúste fliehn, Dann giebt gott uns feine freuden; Unser herz empfindet ihn. Kann ich größres glück begehren? Ewiger! hat dich mein herz, so wird es ohne schmerz Alle gunst der welt entbehren. Erd' und himmel wird mir klein, Gegen dich verächtlich seyn. 4. Wenn mich leiden niederdrücken, Nehm ich sie als wohlthat an Von der hand, die nur beglücken, Aber niemals schaden kann. Du belohnst mir sorg und schmerzen, Mit der seele heiterkeit, Und versüßest alles leib, Gott! durch deine ruh im herzen, Die mich neu mit muth belebt, Ueber forg' und schmerz erhebt. 5. Von gefahr und leid umgeben, Ueber diesen rauhen pfad, Geh ich, vater! in dein lob erhöhn. Laß mich dich im ftillen loben, Der du mich voll lieb und huld, Aus den tiefen meiner schuld Zu des christen höh erhoben. Dich erheb ich immerdar. Der mich schuf und neu gebahr. 2. Könnt ihr die gestirne zählen; Gottes gnaden záblt ihr nicht. Er verneuert unsre seelen, Ist ihr lohn, ihr schild höchsten Wer sie nicht achtete, Welch fühüos herz verriethe Der uns erkenntliche! Sie rettet uns aus noth, Erquicket uns im leide, Verwandelt es in freude, Versüßet selbst den tod. 2. Und meine lippen schwiegen Von ihm? ich raubte mir Das himmlische vergnügen, Gott! lobzusingen dir? Nein, herr! von meinem dank Sey jeder morgen zeuge, Und jeden abend steige 3u dir mein lobgesang. 3. Du wirst mich ferner leiten, So unwerth ichs auch bin. Treu bleibt zu allen zei ten Dein milder vatersinn, Ich hoffe stets auf dich. Du wirst in tümmernissen Mir wohl zu helfen wissen; Dir überlaß ich mich.4. Ja, deine huld ist größer, Uls es der mensch versteht, Dein rath unendlich besser, 2013 was sein wunsch erflebt. Herr, meine zuversicht, Dir froh mich zu ergeben, Dich dankbar zu erhebent, Sey meine liebste pflicht! Lob und Danklieder. 318 425. Gott, Mel. Schwing dich auf zu deinem. ott, mein hochstes gut, mein theil! Durch unzähl'ge gnaden Schaffst und förderst du mein heil, Schüßest mich vor scha: den. Höchster! ich bekenn es frey, Durch mein ganzes le: ben kann ich deine lieb' und treu Nie genug erheben. 2. Herr! ich leb und bin in dir, Dir dank ich mein wesen. Deine hand ist über mir Immer noch gewesen. Långst vor anbeginn der zeit, Hast du mich erwählet, Erben jener seligkeit Mich auch zugezáhlet. 3. Durch die taufe weihtest du Mich zum gnadenbunde; Treue sagt ich da dir zu, Und bis diese stunde Hältst du, was dein mund versprach; Brach ich mein versprechen, So sah deine huld mir nach, Schonte mein verbrechen. 4. Und dein abendmahl und wort Schenkst du mir zur weide; Dadurch trågst du immerfort Stárkung, trost und freude, Ja, mein ganzes heil mir an, und brinst mir entge= gen, Was ich je nur wünschen kann, Friede, leben, segen. 5. Gott! dein auge sieht auf mich, Dein ohr hört mein flehen, Deine hand eröffnet sich Mir zum wohlergehen. Wenn dein auffehn mich beschüßt, Kann mein fuß nicht gleiten; Liebreich giebst du, was mir nüßt, Auch in schweren zeiten, 6. Herr! du hast mich je geliebt, Und zu dir gezogen; Auch dann, wenn ich dich bes trübt, Bliebst du mir gewogen; Denn du schlugst bey meiner schuld, Mich mit vaterruthen, Lenktest fie durch deine huld Mir zu vielem guten. 7. Deine vaterlieb und treu Hált mich ganz umschlossen, Sie kommt täglich auf mich neu, Strómen gleich, gefloss sen. Wenn ich ernsthaft mich anseh, Find ich allerwegen Ihre breite, tief und höh, Mir zum heil und segen. 8. Uch, herr! ich bin zu gering Aller deiner treue. Nimm dafür, was ich dir bring, Meiner fünden reue, Mit dem vorsak, daß ich hier Deinen heilgen willen, Der mein wohl sucht, für und für Will getreu erfüllen. 9. Dein, o gott! soll ewig seyn Dank und preis und ehre; Ruhm und herrlichkeit ist dein; Erd' und himmel höre: Heilig, heilig, heilig ist, Der uns alles giebet! Der die seinen nie vergißt, Sie als vater liebet. 10. Bleibst du nach wie vor mein gott, Wirst mein flehn erhören, So kann sünde, holl' und tod Meine ruh nicht stö ren. Nimm, mit allen meinen mich, Herr! zu treuen hånden, Und dann sende gnädiglich, Was du uns willst senden. II. Laß uns beyde lebenslang Eins dem andern geben, Du mir gnade, ich dir dank, Ich dir lob, bu leben, Du dich mir, und ich mich dir; Lob und Danklieder. 319 Ich bir mein vertrauen, Du nen gliedern Hast du stets mir muth und trost dafür, wohlgethan; Wie soll ich dirs Hoffnung, dich zu schauen. erwiedern? Nimm mich zum opfer an. 426. B mich gott ge zum trost erwählt, Giebt dem 2. Der größte von den is hieher hat Den ein doch kein ergößen, Dem ein schatz, die gesundheit, fehlt. kann den sein glück erfreuen, Hilft dem sein überfluß, Der heiser von dem schreyen, Bev schmerzen ächzen muß? Wird nicht der held selbst bebe Bey langer leibesnoth? Ist nicht ein sieches leben Viel hárter, als der tod? tel. Herr Jesu Christ, ich weiß. bracht, Durch seine große gute, Bis hieher hat er tag und nacht Bewahrt leib und gemüthe! Bis hieher hat er mich geleit't, Bis hieher hat er mich erfreut, Bis hieher mir geholfen! 2. Hab' lob und ehre, preis und dank Für die bisher'ge treue, Die du, o gott! mir lebenslang Bewiesen täglich In mein gedächtniß schreib ichs an, Der herr hat groß's an mir gethan, Bis hieher mir geholfen! neue. 3. Hilf fernerweit, mein treuster hort! Hilf mir zu allen stunden, Hilf mir an all'm und jedem ort, Hilf mir durch Jesu wunden! Und so sag ich bis in den tod: Durch Christum hilf du mir, mein gott, Wie du bisher geholfen! Dank für die Gesundheit. Mel. Nun lob' mein' seel' den. 427. Weich dir geben, Daß ich dir würdig dankbar bin? Gott! du beglückst mein leben, Gesundheit hast du mir verliehn. Ich hab' aus meinen fräften, Herr! deine fraft gemerkt, 3u den bes rufsgeschäften hat mich dein arm gestärkt, Gesund erschaff. 3. Uns menschen unauss sprechlich Ist, schöpfer! deine gnad und huld. Wie schwach und wie zerbrechlich Ist uns fer leib durch Adams schuld! Der tod wohnt in der hütte, In der die seele wohnt; Jedoch, der gott der gute Sieht uns, den staub, und schont. Er wacht, daß keine plage Und krankheit uns erreicht; Durch viel gesunde tage Macht er viel lasten leicht. 4. Jauchzt fröhlich, ihr gesunden! Der herr ist meines lebens kraft; Durchlebt die Nicht unges Die braucht, lebt tugendhaft. Mein gott! laß alle kranken, winselnd zu dir schreyn, Mir einen trieb zum danken Für die gesundheit seyn. Lamm, das du auf der erde Für mich zerschlagen wardst, Sprich, wenn ich krank seyn werde: Ich bin der herr, dein arzt. 320 Lob- und Danklieder. Danksagung für die wies dererlangte Gesundheit. Mel. Aus meines herzens grunde. himmel schwung. Der herr vernahm mein flehn, Er half mir, mein erhalter; Nun soll mein lied und pfalter Des 428. Ich preife dich und treuen bülf erhöhn. singe, Herr! 2. So lag ich auch, ich deiner liebe rath, Die mir so große dinge Bisher erwiesen hat. Dich preisen ist mir pflicht. Ich will mein neues leben Dir ganz zu eigen geben; Mehr hab' und kann ich nicht. armer, In sünden, gott ein grául, Verwundet, ohn' erbarmer, Entfernt von trost und heil. Doch er, mein vater, sah Mein elend, mein verderben, und sprach: du sollst nicht sterben, Denn ich, dein heil, bin da! 2. Wie schmerzvoll war ich armer! Du hörtest mein geschrey; Du hilfft uns gern, erbarmer! Du standst mittrost mir bey. Viel andre fuhren bin 3ur finstern todeshöble; Du hieltest meine seele, Daß ich noch lebend bin. 3. Dein zorn hat bald ein ende, Dein herz ist voller huld. Du reichst uns vaterhånde, Und züchtigst mit geduld. Du thust uns gerne guts. Verging die nacht mit weinen, Muß früh die sonne scheinen, 3ur stárkung unsers muths. 4. Mich hat das kreuz belehret, Ich sah des todes bild. Nun hast du mich erhöret, Und mich mit freud erfüllt. Herr, nie vergeß ich dein! Ich will in angst und plagen Vor dir nicht trostlos zagen, Im glück mich deiner freun. Mel. Von gott will ich nicht. ch lag umringt 429. J'ch mit schmerzen, Und ohnelinderung. Als mein gebet im herzen Sich zu dem 3. Und ich will dir vergeben, Du sollst begnadigt seyn. Sch friste dir dein leben; Auf! sey gesund und rein. Dein schmuck sey heiligkeit, und deines Lebens ehre, Zu thun, was ich dich lehre; Brich niemals deinen eid. 4. Herr über tod und leben! Du meiner våter gott! Wie soll ich dich erheben? Mein heil, mein herr, mein gott! Was kann doch mein gesang? Wer hat dich gnug erhoben? Zu schwach ist, dich zu loben, Des höchsten engels dank. 5. Und doch von dir zu schweigen, Wår eine frevelthat. Ich will, ich will's bezeugen, Wie gott errettet hat. Hörts, menschen, gott nur kann Vergeben und erretten. Ach! wenn wir gott nicht hatten, Wer hulf uns armen dann? 6. laß mich ganz dir leben, Ganz seyn dein eigenthum; Und jedes tags bestres ben Sey deiner gnade ruhm! Lob und Danklieder. 321 zur arbeit eilt, als ich. Vergiß es, meine seele, nie: Weit mehr bin ich vor gott, als sie! Für die Ernährung und irdischen Segen. Mel. Vater unser im himmelreich. 6. Mich schufst du nicht für diese zeit, Mein ziel ist in der ewigkeit; Gabst mir vernunft und freyheit, gott! Für mich ging Jesus in den 430. Gott! beine weise tod. Nichts, was die erd er= zieht und Gleicht mir an hoheit und an werth. macht Die ganze lebenvolle welt, Und aller augen freuen sich, Und warten hoffnungsvoll auf dich, Auf dich, der du sie alle liebst, Und allen ihre speise giebst. 7. Von dir, der das an mir gethan, Werd ich auch speif und trank empfahn. Selbst dem, der dich mit sünden schmåht, Giebst du sie ohne sein gebet; Und fleht ich nicht darum zu dir, Gewährtest du sie dennoch mir. 2. Du öffnest deine hand; so fließt Herab, was jedem nöthig ist. Mit wohlgefallen fåttigt fie Dein aufsehn, und versäumt sie nie. Nie sind geschöpfe deiner hand Dir unwerth oder unbekannt. Dir weihen meine zeit, Vor deinen augen wandeln, Und fromm und redlich handeln, Ist meine seligkeit. 3. Auch mir giebst du, mein gott und heil! Noch täglich mein bestimmtes theil, Giebst mir mit huld und freundlichkeit So lang' ich bin, zur rechten zeit. Kein vater sorgt so väterlich Für seinen sohn, als du für mich. 4. Ich bins gewiß, du kannst mich nicht Verlassen, meine zuversicht! Ich bins gewiß, du thust mir wohl, So lang' ich hier noch leben soll. Nicht überfluß bitt ich von dir; Was ich bedarf, das giebst du mir. 5. Der vogel bauet nicht das land, Du nåhrst ihn doch mit milder hand; Duschmückst die blume königlich, Die nicht 8. Laß du mich nur ver gnügsam seyn, Und deiner gaben mich erfreun, Mehr aber deiner, der du dich So freundlich zeigest gegen mich, Der du des lebens quelle bist, Aus welcher jede wohlthat fließt. 9. Bey deiner gaben überfluß Erhalt mich måßig im genuß; Bewahr mich in der dürftigkeit Vor schmach und unzufriedenheit. Du nährst mich immer; preis und dank Bring ich dir, gott, mein lebelang! Dank für Errettung aus Noth und Gefahren. Mel. Nun danket alle gott. 431. Lob, ehr und dank sey dir, O großer gott, gesungen! Du, du hast die gefahr, Die uns umgab, bezwungen. Das unglück tobte X 322 Lob und Danklieder. wild; Dein eifer schreckte 7. Und künftig wollen wir sehr, Und fluthen rauschten stark Und fürchterlich daher. 2. Doch mitten in dem zorn Bewiesest du erbarmen. Es brach dein vaterherz; Du zeigtest an uns armen, Daß du die menschen nicht Gern Nur dir zu ehren leben, Nicht mehr dir, wie bisher, Mit sünden widerstreben. Und dann halt, Es dann halt, vater! du Mit fernern strafen ein, Und laß in deine hand Uns eingezeich net seyn. plagest und betrübst, Und im betrüben ſelbst Sie als 432. Den beren leiden Mel. Nun freut euch, lieben. herrn, ein vater an mein 3. Dein sohn war unser fels, auf den sich unser hoffen Gewiß und fest verließ; Drum stand dein ohr uns offen. Der sturm erschütterte; Doch fielen wir nicht gar, Weil unsre hoffnung fest Auf ihn gegründet war. 4. Entflohn ist die gefahr, Entflohn ihr schrecklichs toben. Gott! du hast sie bedroht Mit starker hand von oben. Die plage drückt nicht mehr; Das bange herz wird froh, Das, voll von furcht und angst, Unbetend zu dir floh. 5. So sey denn jetzt ge preist, vater, gott der treue! Dank dir, erretter, dank! Dir bringen wir aufs neue Für deine hülf' und huld Uns selbst zum opfer dar; Und unser herz wird ganz Dein lob und dankaltar. = 6. Und deiner rettung huld, Die du uns, gott! erwiesen, Soll von uns nicht nur jetzt, Nein, ewig seyn gepriesen. Erschallen soll dein ruhm, So lange wir hier sind; Dich preisen, mächtigster! Noch find und findeskind. denkt, Mich, wenn ichs ihm erzähle, Uus seinem freudens kelche trånkt, Erhebet meine seele. Er ist mein lobgesang, mein heil, Mein starker fels, mein licht, mein theil, Das ich auf erden wähle. 2. Er hat durch weisheit und verstand Den himmel ausgebreitet; Wie groß ist er, wenn seine hand Den gang der blige leitet! Wie gnädig, wenn ein frommer weint, Und er in seiner macht erscheint, Und für den frommen streitet! 3. Er sandte schrecken über mich; Da war um trost mir bange. Ich rief: warum vers birgst du dich? Mein gott, ach, wie so lange! Wie lange soll ich traurig seyn? Laß ab, daß ich, nach deinem dráun, Barmherzigkeit erlange! 4. Da sah der herr mein elend an, Wie seine hand mich drückte, Ließ gnad in meiner angst sich nahn, Damit er mich erquickte, Und sprach, als ich im glauben bat: Ich werfe deine missethat Weit hinter mich zurücke. 5. Er strafte, wenn ich von: Lob- und Danklieder. 323 ihm wich, mit väterlichen prånge; Bersammlet euch her: schlägen, Und schlug mit men schenruthen mich Nicht über mein vermögen, Und kam mir, wenn ich zu ihm rief, Damit zu von fern, Gerechte, singt mit mir dem herrn! Dem herrn singt lobgesänge! ich nicht im tob' entſchlief, 433. Mein bere bid Mel. Wer nur den lieben gott. herz, erund troft entgegen. 6. Oft muß sich meine redlichkeit Von frevlern spotten lassen; Oft suchen mit mir zank und streit, Die mich ohn ursach hassen; Es redet steif und trotziglich Der falschen mund oft wider mich: Der herr hat ihn verlassen. muntre dich zum preife Des gottes, der dein vater ist! Bedenke, auf wie viele weise Du ihm zum dank verpflichtet bist. Bring ihm, der stets dein helfer war, Mit freuden ruhm und ehre dar. 2007 Baniyo 2. Herr deine hand ist im mer offen, 3u geben, was mir nüßlich ist; Und doch bin ich oft schwach im hoffen Auf dich, der du die liebe bist. Mein gott! wie wenig bin ichs werth, Daß mir noch hülfe wiederfährt. in Sing 3. Unendlich groß ist dein erbarmen; Nur wohlzuthun bist du gewohnt. Drum wird! auch mir, mein gott! mir armen, Bon dir nicht nach verdienst gelohnt. Noch immer steht mir deine treu Mit se gen trost und hülfe bey. 4. Du bist es, der in meis nen sorgen Mit rettung mir. entgegen eilt, Und wenn sie, noch für mich verborgen, Nach meinem wahn zu lang ver weilt; So kommst du, eh ichs mir versehn, Und hilfst mir, und erhörst mein flehn. 5. Du wählst und wirkest 10. Er ist mit mir; ich stets das beste. Und, wenn zittre nicht; Er richtet meine auch meine noth sich häuft, gånge. Kommt mit mir vor. So steht durch dich mein wohl sein angesicht In heiligem ge- doch feste. Wenn mich das 2 7. Da schütt' ich aus vor ihm mein herz, Wenn ich deß innen werde, Und weine kind lich meinen schmerz Zum himmel von der erde. Jehovah, der im himmel sitzt, Sieht auf den erdkreis und beschützt Die schaafe seiner heerde. 8. Er spricht: ich habe dich erlöst, Wenn ich nach troft verlange, Vernimmt mein flehen, und verstößt Mich nicht, wenn mir ist bange; Er står ket den betrübten muth, Daß wider alle feinde wuth Ich rath und hülf erlange. 9. Und wenn fein zorn die völker schlägt, Trågt er mich auf den hånden, Wie seinen sohn ein vater trågt, Gefahren abzuwenden. Empóre, welt! dich wider mich; Gott wacht, und wird mir väterlich Hülf' und errettung senden. Lob- und Danklieder. 324 elend ganz ergreift, So siehest du voll liebe drein, Mich vom verderben zu befreyn. niederdrückt! Gebt unserm gott die chre! 2. Es danken dir die himmelsheer', Beherrscher aller thronen! Und die, die erde, luft und meer Durch deinen schutz bewohnen, Die preisen deine schöpfersmacht, Die uns und sie hervorgebracht. Gebt unserm gott die ehre! 3. Was unser gott erschaffen hat, Das will er auch erhalten, Darüber wird sein. weiser rath Mit vatergnade walten. In seinem unumschränkten reich Ist alles weise, recht und gleich. Gebt unserm gott die ehre! 4. Ich rief in meiner noth zum herrn: Ach gott! vernimm mein weinen, Und er, mein helfer, hörte gern, Ließ hülf und trost erscheinen. Deß dank', o gott, deß dank ich dir! Dankt alle, danket gott mit mir! Gebt unserm gott die ehre! 5. Er, er wird des erbarmens nicht, Auch nicht des wohlthuns müde; Er bleibt der seinen zuversicht, Shr segen, heil und friede. Mit vaterhånden leitet er Sein volk durch trubsal, wüst' und meer. Gebt unserm gott die ehre! 6. Wenn alle hülfe mangeln will, Wenn kein mensch mehr kann rathen; So setzet er der dem noth Durch wunders. volle thaten, Und zeigt, daß er nur helfer sey, Allweise, måchtig, gnábig, treu. Gebt unserm gott die ehre! 7. Ich will, o gott! dich 6. Du bist mein heil; mein ganz gemüthe Ist deines ruhms, mein retter! voll. O, könnt ich deine große gute Doch so erheben, wie ich soll! Doch meine kraft reicht nicht dahin: Du weißt es, gott! wie schwach ich bin. 7. Und hätt' ich auch viel tausend zungen, So würde deines wohlthuns preis Nie würdig gnug von mir besungen, Auch bey dem allergrößten fleiß. Denn mehr, herr! als ich rühmen kann, hat deine huld an mir gethan. 8. Jedoch du siehst mit wohlgefallen Auch auf des her zens redlichkeit, Und hörest selbst das schwache lallen Der deinen mit zufriedenheit; Du hörst es, wie ein vater pflegt, Der seiner kinder schwachheit trågt. 9. Drum soll mir deine huld und gute Beståndig, gott! vor augen seyn. Ich will mit redlichem gemüthe Mein leben deinem lobe weihn, Bis ich vollkommner deinen ruhm Er heb im höhern heiligthum. Mel. Es ist das heil uns kommen. 434. Lob, ehr' und preis Dem vater aller güte! Dem gott, der alle wunder thut, Dem gott, der das gemüthe Bekümmerter mit trost er: quickt, Wenn bange noth sie. Lob- und Danklieder. 325 lebenslang, Und einst noch Der spotter heer werd' selbst ewig ehren; Man soll, herr! ein spott; Der herr ist gott! meinen lobgesang Un allen der herr ist gott! Gebt gott, orten hören. Mein ganzes dem höchsten ehre! herz ermuntre sich, Mein geist und leib verehre dich! Gebt unserm gott die ehre! 9. Kommt, laßt uns vor sein angesicht Mit freud und zittern dringen; Bezahlet die 8. Thr, die ihr Christi na gelobte pflicht, Und laßt uns men nennt, Gebt gott, dem fröhlich singen: Der herr hat höchsten, ehre! Ihr, die ihr alles wohl bedacht, Und alles, gottes macht erkennt, Gebt alles wohl gemacht; Preis gott, dem höchsten, ehre! ihm, und dank, und ehre! Vom öffentlichen Gottesdienste. Pflicht und ugen des öf fentlichen Gottesdienstes. Mel. Wer nur den lieben gott. 435. en höchsten öf: fentlich vereh: ren, und in das haus des herrn zu gehn, Um ehrfurchtsvoll sein wort zu hören, Anbetend vor ihm gern zu stehn, Ist eine pflicht, wozu der christ, So lang er lebt, verbunden ist. 2. Wie billig ists, das höchste wesen, Durch das der mensch ist, lebt und denkt, Den herrn und richter aller wesen, Den, der uns jede wohlthat schenkt! Mit lob und preise zu erhöhn, Und neue huld uns zu erflehn! 3. Wenn du nur in der still' ihn ehrest. Zwar Jesum deinen heiland nennst, Doch nicht ihn öffentlich verehrest, Nicht ihn auch vor der welt bekennst; Bist du dann sein? bist du ein christ, Der der erlösung würdig ist? 4. Wer nicht sein herz vom stolz bezähmet, Und frech das haus des herren flieht, Wer fich des gottesdienstes schämet, Und der versammlung sich entzieht, Der raubt gott eine heilge pflicht, Verachtet ihn, und ehrt ihn nicht. 5. Auch deinen nächsten zu erbauen, Mußt du zum gotteshause gehn. Wie viele sind, die auf dich schauen, Die bloß auf andrer beyspiel sehn! Wenn er durch dich nun tråge wird, Bist du es nicht, der ihn verführt? 6. Und selber uns in unfern pflichten, Bey unsrer schwäch' und dürftigkeit, Noch immer mehr zu unterrichten, Und fest zu seyn in freud' und leid; Wie nöthig ist dies nicht, o christ, Der du geneigt zu fehlen bist! 7. Wie schwach sind unsre eignen kräfte! Wie schwach erkenntniß und verstand! Der 326 Vom öffentlichen Gottesdienste. gottesdienst ist ein geschäfte, kinder liebt, und liebreich Wozu gott gütig uns ver- gnad um gnade giebt. band, Ein mittel, das uns muth und kraft 3um glauben und zur tugend schafft. 8. Wie manchen trost hab' ich empfunden, Wenn ich das wort des herrn gehört! Wie lieb' ich euch, ihr frohen stunden, Da man anbe: tend gott verehrt, Und, um das ewige bemüht, Sich als ler erdensorg' entzieht! 13. Bereite selbst, herr! unfre seelen, Vertreib aus uns des irrthums nacht; Laß uns der wahrheit nicht verfehlen, Die du uns selbst hast kund gemacht, Damit dein großer ruhetag Uns ewig dort beglücken mag. 9. Nichts gleicht dem himmlischen entzücken, Das hier ein frommes herz belebt, Wenn es in fel'gen augenblicken Sich im gebet zu gott erhebt, Und voll des glúcks, das es genießt, Von dank und freuden überfließt. Würdige Sonntagsfeyer. Mel. Herr Jesu Christ, mein's. du mein preis und 436. ruhm; Mein herz sey ganz dein eigenthum. Laß mir den sonntag heilig seyn, Und gern ihn deinem dienste weihn. 2. Gieb, daß ich mein gemüth bewahr, Wenn ich mit deiner christenschaar Zu deines hauses stätte geb, Daß ich mit ehrfurcht vor dir steh. 10. Wie nichtig sind der erde freuden Dem, der des himmels freuden schmeckt! Wie süß der trost, wenn man im leiden Sein herz dem besten freund entdeckt! Wie nichts ist alles glück der welt Dem, der mit gott sich unterhält. 3. Erinnre selber meinen geist, Daß du mir gegenwär tig seyst, Damit ich deines wortes lehr Mit andacht und mit nußen hör. II. Kommt, fromme christen, theure brüder! Vereint im geist vor gott zu stehn, Und alle, eines leibes glie: der, Den großen schöpfer zu erhöhn. Frohlockend preiset Jesum Christ, Der unser haupt und mittler ist. 4. Drück alles tief ins herz hinein, Und laß mich nicht bloß hörer seyn; Steh mir mit deiner gnade bey, Daß ich des wortes thäter sey. 5. Hilf, daß ich deinen ruhetag 3u meinem segen feyern mag. Bewahr mich vor dem sinn der welt, Die deinen tag verächtlich hålt. 12. Dann laßt uns schmecken und empfinden, Wie freundlich gott den seinen ist; Er, der die menge unsrer fünden, So bald wir buße thun, vergißt, Von neuem uns als dienst und ruhm geweiht. 6. Doch laß mich nicht da bey bestehn, Dich nur des sonna tags zu erhöhn; Herr! meine ganze lebenszeit Sey deinem 327 Vom öffentlichen Gottesdienste. Met. Wend ab deinen zorn. 8. Dich bet' ich an, du to 437. Dies ist der tag desüberwinder! Der du an zum segen ein geweihet; Ihn feyert gern, wer deiner, gott! sich freuet. O laß auch mich mit freuden vor dich treten, Dich anzubeten! diesem tag zum heil der sünder, Die, fern von gott, in todesschatten saßen, Dein grab verlassen. 9. Dein siegstag ist ein tag des heils der erden; Als fabbath muß er mir stets heilig werden. Lob sey, erlöser, deinem großen namen Auf ewig, amen! 2. Dich rühmt der lobge: fang der himmelsheere; Auch unser tempel schall' von deiner ehre. Auch unser dank und unsers geistes flehen Soll dich erhöhen! 3. Wie freu ich mich, die 438.D ist der tag des Mel. Vom himmel kam der. christen, ståtte zu begrüßen, Wo dürstenden des lebens bache flies Ben, Und wo dein heil von der erlösten zungen Froh wird befungen! herrn; Geschäft und müh sey von euch fern, Kommt vor des höchsten angesicht Und freuet euch in seinem licht. 4. Vergebens lockt die welt zu ihren freuden, Mein geist foll sich auf gottes auen weiden; Sein heiligs wort, das feine boten lehren, Das will ich hören. 5. Mit andacht will ich, höchster! vor dich treten. Ich weiß, du liebst, die kindlich zu dir beten. Der thoren glück, die sich der sünde freuen, Wirst du zerstreuen. 6. D! laß auch heute dei nen geist mich lehren, Vom weg, der dir mißfällt, mich abzukehren. Regiere mich, daß meine ganze seele 3um ziel dich wähle. 7. Dein tag sey mir ein denkmal deiner gute, Er bring' mir heil, und lenke mein gemüthe Auf jenen trost, den uns dein sohn erworben, Da er gestorben. 2. Kommt, betet euren schö pfer an, Und rühmt, was er an euch gethan! Ihn preisen ist der christen amt; Drum preist und lobt ihn allesammt. 3. Rühmt seine weisheit, kraft und rath, Da er aus nichts erschaffen hat Den himmel und die ganze welt, Und alles, was sie in sich hält. 4. Und als er ihren bau vollbracht, hat er den menschen auch gemacht, Den er nach seinem ebenbild Mit weisheit und verstand erfüllt. 5. Erkennt, um euch voll dank zu freun, Wie er durch seine gut allein Uns täglich schuhet und ernährt, Und manches unglück von uns kehrt. 6. Dankt auch, daß heute Jesus Christ Vom tode aufs erstanden ist, und durch die Vom öffentlichen Gottesdienste. 328 größe seiner macht Das leben an das licht gebracht. 7. O gott! der du den er denkreis Erschaffen haft zu deinem preis, Und auch in trübsal und gefahr Uns treu bewahrt so manches jahr; 8. Hilf, daß wir voller dankbegier Erkennen, was du für und für Durch deine weiss heit, gut und macht Gethan, geordnet und vollbracht. 9. Du sieger über tob und grab, Der sich für uns zum opfer gab! Laß uns der wohlthat würdig seyn, Und mach uns von den sünden rein. 10. Laß deiner auferstehung kraft, Die neues leben in uns schafft, Uns mit dem hohen trost erfreun, Einst ewig, herr! bey dir zu seyn. II. O heilger geist! laß uns dein wort So hören heut und immerfort, Daß sich in uns durch deine lehr Glaub', lieb' und hoffnung reichlich mehr. 12. Erleuchte uns, du wah: res licht! Entzeuch uns deine gnade nicht; Sey unser trost in aller noth, Stárk uns im leben und im tod. 2. Wohl dem, der dich in deiner hütte, Gott, zu verehren, ernst beweist! Du hörst sein lob und seine bitte, Und stärkst mit neuer kraft den geist, Daß er auf deiner wahrheit bahn Rechtschaffen vor dir wandeln kann. 3. Dein wort bleibt niemals ohne segen, Wenn man's nur recht zu herzen nimmt. Es giebt uns trost auf trübfalswegen. Die du zu unserm heil bestimmt, Es giebt im kampf uns muth und kraft, Und ist ein schwerdt, das sieg verschafft. 4. Gott! laß auch mir dein antlig scheinen; Dein sabe bath bring auch mir gewinn, Wenn andachtsvoll ich mit den deinen Vor dir an heilger ståtte bin. Laß dir das lob, das wir dir weihn, Ein angenehmes opfer seyn. 5. Ja, du bist sonn' und schild den frommen, Du, herr! giebst ihnen gnad und ehr; Und wer nur erst zu dir gekommen, Dem fehlt das wahre glück nicht mehr. Was du verheißest, hältst du fest; Wohl dem, der sich auf dich verläßt. Mel. Wer nur den lieben gott. 439. Wie lieblich iſt doch, herr, die ståtte, Da deines namens Vor der Predigt. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. resu ehre wohnt! gieb, daß ich 440. Jefu Chrifte! wir O sie gern betrete, Weil da dein segen die belohnt, Die deines wortes sich erfreun, Und dir des herzens andacht weihn. sind Um dein heilig wort zu hören, Schenk uns andacht und be gier Zu den süßen himmelslehren, Daß die herzen von Vom öffentlichen Gottesdienste. der erden Ganz zu dir gezo: gen werden. 2. Dieses lebens wissen schaft Bleibt mit finsterniß umhüllet, Wenn nicht deines geistes kraft Uns mit licht von gott erfüllet. Lehr uns denn aufs wort recht merken, Laß es uns zum leben stårken. 3. du glanz der herrs lichkeit! Licht vom licht aus gott geboren! Heiligster! von ewigkeit hast du dir uns auserkohren; Lehre deines himMel. Herr Jesu Christ, dich zu. 441. O er du stets un fre zuflucht bist, Sey mit den deinen, Jesu Christ! Send uns den geist, der uns regiert, Und uns den weg zur wahrheit führt. dienstes. meis erben, Recht zu leben, 443.inder stille, Mel. Alle menschen müssen sterben. uch zu und recht zu sterben. Christ! vergiß der andacht nicht. Sie führt dich zur se gensfülle, Sie ist eine sel'ge pflicht. Vor gott tåglich mit den deinen Dankbar im gebet erscheinen, Bringt viel vortheil, bringet luft, Trost und rube deiner brust. 2. Er stårkt den wankenden verstand, Macht deine lehre uns bekannt, Er flammt zur heiligkeit uns an, leitet uns auf rechter bahn. Er 3. Hallelujah! einst singen wir, Gott! heilig, heilig, heilig, dir, Und schauen dich in deinem licht, Von ange sicht zu angesicht. Beym Beschluß des Gots tesdienstes. 329 leben. Gieb dem glauben solche stårke, Daß er thátig sey im werke. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 442. H öchster gott! wir danken dir, Daß du uns dein wort gegeben. Hilf uns ferner, daß auch wir Nach demselben heilig 2. Unser gott und vater! du, Du nur lehrst uns, was wir sollen. Schenk uns deine kraft dazu, Gieb zum wissen auch das wollen, Und zum wollen das vollbringen; So wird alles wohl gelingen. Pflicht und Nugen des häuslichen Gottes: 2. Solltest du nicht den erheben, Der dir täglich gutes schenkt, Der dir fristet glück und leben, Jede stunde dein gedenkt? Kannst du rettung deiner sünden, Kannst du neue gnade finden, Wenn du nicht zu gott hingehst, Und um huld und wohlthat flehst? 3. Welch ein segensvoll ges schäfte Ist ein häusliches gebet! Muth zur arbeit, luft und kräfte Giebt gott dem, der zu ihm fleht. Tröstung in betrübten stunden Haben fromme stets gefunden, Die, im gottesdienst vereint, Stille thránen ihm geweint. 4. Sichtbar mehrt sich 330 Vom öffentlichen glaub' und tugend, Glück und segen blüht und grünt, Wo das alter und die jugend ( Sott mit mund und thaten dient; Aber unordnung und sünden Wird man in den häusern finden, Wo man lebt, wie ohne gott, Weder denkt an pflicht noch tod. Gottesdienste. 6. Drum, o christ! ein jeder morgen Jedes abends ruh'ge zeit, Eine stunde, frey von sorgen, Sey vor allen gott geweiht. Bete selbst, bet' mit den deinen; Gott hörts und erfreut die seinen; Achtsam lies die heil'ge schrift, Sie lehrt, was dein heil betrifft. 5. Gute fromme finder ha ben, Froh in seinem hause seyn, Treue hausgenossen haben; Gott! wie muß dies glück erfreun! Im gebet ist 7. Höchster! mache dies geschäfte Allen häusern theur und werth; Gieb dazu uns trieb und kräfte, Hindre, was es uns erschwert; Laß reiz zur tugend Für bediente, dir unser schwaches lallen für die jugend; Sich einander zu erbaun, Wirket lieb' und fromm vertraun. In der stille wohlgefallen, Bis wir ewig vor dir stehn, Und mit engeln dich erhöhn. Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, den Erlöser der Menschen. Preis für die Erlösung. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. 444. herr zebaoth! Gelobt für unsers mittlers tod, Der uns das heil erworben. Wie hast du, gott, auch mich geliebt! Er, der uns ewigs leben giebt, Ist auch für mich gestorben. Mein ganzes herz frohlockt in mir. O vater! ich lobsinge dir. Gieb, daß ich jeden tag aufs neu Mich deiner vaterhuld era freu. Gott meines heils! Sey ewig mein, Und laß mich dir recht dankbar seyn. 2. Voll froher ehrfurcht beug ich mich Vor dir, sohn gottes! der du dich Für mich dahin gegeben. Es komme mir nie aus dem finn, Wie viel Dein tod bringt mir das leben. Durch deines opfers ew'ge kraft Hast du, o herr! auch mir verschafft, Was mich vor dem verderben schüßt, Was meinem geiste ewig nüßt. Herr Jesu Christ! Wie liebst du mich! Wie liebst du mich! Gieb, daß ich ewig liebe dich. 3. Mit inbrunst fleh ich, herr! zu dir: Befördre du doch selbst in mir Ein gläubiges gemüthe; Mich dürftet, gleich dem dürren land, Ben deiner liebe unterpfand, Nach deiner großen gute. Ich fühle, herr! Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, den Erl. 2c. 331 was mir gebricht: O! stårke meine zuversicht, Daß du auch mein versöhner seyst, Und mich vom ewgen tod befreyst. Herr! dieser trost Sey fest in mir, Sen fest in mir; So dien' ich voller freuden dir. für; Wer kann dich gnug erheben? Eh noch die welt ward, warst du schon, Groß, herrlich und des höchsten sohn, Ein erbe seiner ehre. Dein ist das reich, die herrlichkeit, Und du beherrschest weit und breit Der creaturen heere. 2. Dein sind fie; denn durch wessen kraft Ward himmel, meer und erde? Wer hat das leben uns verschafft? Wer sprach zum engel: werde! Du bist das wort, durch welches gott Der ganzen welt zu seyn gebot. Du bists, der alles tråget, Was sichtbar und unsichtbar ist, Was erd' und himmel in sich schließt, Und was im meer sich reget. 3. Und dennoch bist du uns zu gut In diese welt gekommen, Hast willig unser fleisch und blut, herr! an dich ge nommen. Aus der erschrecklichsten gefahr 3u retten, was verloren war, Wardst du ein fluch auf erden. O huld, die sonst nichts gleiches hat! Du starbst für unsre missethat, Ein heiland uns zu werden. 4. 3ur weisheit und gerech: tigkeit, 3ur heiligung und se= ligkeit Bist du mir außersehen. Auch mir zum herrlichsten ge= winn Gabst du dein leben willig hin; Drum hór jetzt auf mein flehen. Mein hei land! zeuch mich ganz zu dir, Ja, durch den glauben wohn in mir; So nimmt in mir die seelenruh, Und meines herzens beßrung zu. Mein herr und gott! Verlaß mich nicht, Verlaß mich nicht! So komm ich einst nicht ins gericht. 5. 3u deinem himmel hilf du mir. Der freuden fülle ist bey dir; Laß mich sie einst genießen. Belebe mich mit muth und kraft, So meine ganze pilgrimschaft 3u führen und zu schließen, Daß mir dein wort stets heilig sey, Daß ich, bis in den tod dir treu, Mit freuden thu, was dir gefällt, Und dich auch ehre vor der welt. O herr, mein heil! Sey stets mit mir! Sen stets mit mir! So komm ich einst gewiß zu dir. 4. Du wardst es uns, und bist es noch Jetzt auf des himmels throne, Suchst liebreich von der fünde joch Und ih= rem schnöten lohne, Die ihr noch dienen, zu befreyn; Beschwerter herzen trost zu seyn, Mel. Un wasserflüssen Babylon. Ist deines herzens freude. 445. Rob, ehre, preis Du giebst den müden ſeelen und dank sey dir, O Jesu, unser Leben! Preiswürdig bist du für und ruh. Und wer dich liebt, den stårkest du, Daß nichts ihn von dir scheide. Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, 332 5. Du hörst der deinigen gebet, Und endest ihre plage, Du bleibst, bis zeit und welt vergeht. Bey uns noch alle tage. Herr, dir sey ewig dank und ruhm, Für deinen tod und marterthum, Für alle deine lie: be! Dir geb ich mich zu eigen hin; Gieb, daß ich mich, so lang' ich bin, In deinem lobe übe. Mel. Wie schon leucht't uns der. ie groß, wie 446. angebetet ist Dein nam', o herrscher, Jesu Christ! Wie theuer deinem volke! Welch licht ging in der finsterniß Mit dir der welt auf! wie zerriß, Wie floh des irrthums wolke! Uts du, Heil, kamst, Horten taube, Und der glaube Half den kranken; Stumme fangen, dir zu danken. sollen, Wenn sie an dich glauben wollen? 4. Du hast dich deiner herrlichkeit Entäußert, eine kurze zeit Für uns von gott verlassen; Und nun mit ehr und ruhm gekrónt, Nun machst du selig, die versöhnt, Der sünden gráuel hassen. Sundern Willst du Gern verges ben, Ihnen leben Geben allen Nach des vaters wohlgefallen. 5. Vom aufgang bis zum untergang Erschallet dir der lobgesang Erretteter gerechten. Unzählbar sind die schaaren schon, Die gerne dir vor deinem thren Ein würdig loblied brachten. Ihrer, Jesu! Jesu! werden Mehr auf erden Dir lobsingen, Preis und dank und ruhm dir bringen. 6. Wie groß, wie angebes tet ist Dein nam', o herrscher, Jesu Christ! Wie herrlich bey den deinen! Doch führst du uns zu deiner ruh, wie weit herrlicher wirst du Den deinen dann erscheinen! Ewig Müsse Dir zur ehre Ihrer chore Lob erschallen, Durch die himmel wiederhallen! Gläubige Zuversicht zu Jesu. Mel. Wo soll ich fliehen hin. 2. Nur fischer waren's, die dein licht Verbreiteten, die weisen nicht. Wo sind sie? wo die hohen? Und wo die reichen? wo die macht, Vor der des gözendienstes nacht Und seine schatten flohen? Macht nicht, List nicht; Dei ne gaben, Mittler! haben Dich verklåret, Uns den weg zu gott gelehret. 3. Wir werden deinen ruhm erhöhn; Wir werden deine himmel fehn, Den preis von 447. Mein Jesus iſt deinen leiden; Genießen, weil du für uns starbst, Was du uns durch dein blut erwarbst, Der engel hohe freuden. Was sind Menschen, Daß auch fünder Gottes kinder Werden getreu; In noth steht er mir bey. Auf ihn ist gut vertrauen; Drum will ich auf ihn bauen. Ihm bleibt mein herz ergeben Im tod und auch im leben. 2. Der welt armselger lohn den Erlöser der Menschen. 333 Ist schaden, schmach und hohn. Mein troft, mein heil, der Wer den nicht will ererben, Der muß der welt absterben, Muß ihrer nicht begehren, Und sich zu Jesu kehren. 3. Umringet mit gefahr, Nehm ich viel feinde wahr, Die wider mich sich legen. Du, Jesu! bist zugegen, Du lenkst das herz; auch feinde Verwandelst du in freunde. 4. In aller meiner noth, Und war es auch der tod, Bist du's, der für mich ringet, Und noth und tod bezwinget; Ja, vor der hölle schrecken Kann mich dein schuß bedecken. 2. Ach alles, herr! hab ich von dir, Den leib, die seele gabst du mir, Und dies mein erstes leben; Gieb, daß ichs deiner liebe weih, Und meis nen brüdern nüglich sey, Mit dem, was du gegeben. Laß. mittler! mein erkenntniß rein, Und heilig meinen wandel. seyn, Im freuze dir getrost vertraun, Und nur auf deine hülfe schaun. Uch Jesu Christ! Mein herr und gott! Mein herr und gott! Hilf mir in meiner letzten noth! 3. Gieb, daß dein engel meinen geist, Wenn dich mein lettes loblied preist, In abrams schooß einst trage. Der leib ruh fanft in seiner gruft, Bis ihn dein wort ins leben ruft, 2n jenem großen tage. Und kommst du dann zum weltgericht, So segne mich dein angesicht. Uch, richter, laß mich ohne graun, Dich dann auf deinem throne Liebe gegen Jesum. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. 448.[ us ganzem bera schaun! Herr Jesu Chrift! Er= mich! So ich dich! Nach gnade, heiland! dürstet mich, Die meine seele labe. Die ganze welt erfreut Mel. Ich ruf zu dir, herr Jesu. Jesu Christ! mich nicht, Nach erd und 449. Defu nicht, Wenn mein ich nur dich, herr! habe, Und wenn mein herz im tode bricht, Bist du doch meine zuversicht, 5. Wenn sündenschuld mich plagt, Und mein gewissen nagt, Alsbald eilt deine gnade, Daß ich mich ihr entlade; Dein leiden und dein sterben, Daß läßt mich nicht verderben. mich erlöst, Der mich im tode nicht verstößt. Ach Jesu Christ! Mein herr und gott! Mein herr und gott! Ein schlummer sey mir einst der tod! 6. Sey, Jesu! auch hinfort Mein beystand, schuß und hort. Laß meinen fuß nicht gleiten, Und hilf mir muthig streiten; So will ich deinen namen Von herzen preisen, amen. preis ich ewig, ewig dich. gut, Mein heil, mein trost, mein leben! Der du für mich dein theures. blut Und leben 334 Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, Freude an Jesu. Mel. Jesu, meine freude. efu, meine freu: 450. Fevere! de! Bester trost im leide! Bestes gut im glück! Du hast meine liebe, Du fühlst meine triebe, Un dir hångt mein blick. Hab ich dich, Wie reich bin ich! Doch beglückt kann ich auf erden Ohne dich nicht werden. hingegeben; Gieb, daß ich, als dein eigenthum, Dich herzlich lieb und ehre, Nichts begehre, Als daß ich deinen ruhm Mit mund und that vermehre. 2. Gieb, daß kein andrer trieb in mir, 21s dich zu lieben, lebe, Daß ich mit herr: schender begier Dir zu gefallen strebe. Nimm alles, alles von mir hin, Was dich und mich kann scheiden; Eitle freuden, Die dir mein herz entziehn, Laß mich mit ernst mich mit ern vermeiden. 3. Du hast mich je und je geliebt, Mich stets zu dir gezogen; Eh ich noch etwas guts geübt, Warst du mir schon gewogen. Laß noch, freund meiner seligkeit! Mich deine liebe leiten Und beglei ten, Und sie zu jeder zeit Mir hülfreich stehn zur seiten. 4. Laß meinen stand, darin ich steh, Herr! deine liebe zieren, Und wenn ich etwa irre geh, Zu dir zurück mich führen. Laß sie mich stets des christen pflicht Und jede tugend lehren, Und mir wehren, Daf welt und fünde nicht Mich blenden und bethören. 5. Laß sie mir freudigkeit im leid, In schwachheit stärke geben; Und wenn du, nach vollbrachter zeit, Mich rufft aus diesem leben, Uch! dann laß deine lieb und treu Auf mich mit trofte blicken, Mich erquicken, Und, aller leiden frey, In ewigkeit beglücken. 2. Unter deinem schirme Können keine stürme Mir erschrecklich seyn. Laß auch felsen splittern, Laß den erdkreis zittern, Und den einsturz dråun; Was ists mehr? Rings um mich her Mag es donnern, krachen, blitzen; Jesus will mich schützen. 3. Donnert auch im grimme Des gesetzes stimme; Jefus stillet sie. Mag der tod sich nahen, Mich das grab umfahen; Jesus läßt mich nie. Mich schreckt nicht Das weltgericht; Freudig, daß ich Jesum sehe, Blick ich auf zur höhe. 4. Wer ist, der den glauben Meinem herzen rauben, Ihn erschüttern kann? Bey der hölle toben Stimm ich, gott zu loben, Freudenlieder an. Fesu macht Hält mich in acht; Die kann selbst der bölle wüthen Ruh in eil gebieten. 5. Lockt nur, gold und schätze! Ehre sey der göze Der betrognen welt! Mich sollt ihr nicht blenden, Nicht von dem mich wenden, Der mich treu erhält. Elend, noth, den Erlöser der Menschen. 335 Komm doch! Komm doch! Wahrlich keiner Tröstet deiner, Brodt des leben, Wenn ihn hungert, sich vergebens. 3. In dir nur kann ich selig seyn. Geus tief, tief in mein herz hinein Die flamme deiner liebe; Daß in mir nichts, als inbrunst sey, Kein weltfinn deine leiden scheu, Kein undank dich betrübe. Nach dir, Nach dir, Den ich fasse, Nun nicht lasse, Ewig wähle, Dürstet meine ganze seele. 4. Bon gott strahlt mir ein freudenlicht, So oft dein lieblich angesicht Sich neigt, mich anzublicken. Mein Jesu, du mein höchstes gut! Dein wort, dein geist, dein leib und blut, Kann seelen recht erquicken. Speis' mich, Trånk mich, Seligmacher! Daß ich schwacher, Daß ich erde Him= 451.Wie herrlich strahlt melsfreuden innen werde. morgenstern! D welch ein glanz geht auf im herrn! Wer sollte sein nicht achten? Glanz gottes, der die nacht durchbricht! Stern Jacobs! sich nach deinem licht Mein' augen sehnlich schmachten. Jesu! Jesu! Schön und prächtig! Groß und måchtig! Reich an gaben! Ueber alles hoch erhaben! 5. Und wie, gott vater, preif' ich dich! Gott! ewig, ewig hast du mich In deinem sohn geliebet. Dein sohn hat mich ihm fest vereint, Er selbst, mein könig, ist mein freund. Trok dem nun, was betrůbet! Seele! Seele! Ihn, den sieger Stolzer krieger, Wähl zum freunde; Und dann fürchte keine feinde. 6. Ihm, welcher höll und tod bezwang, Ihm, ihm muß unser lobgesang Mit jedem tag erschallen; Dem lamme, das erwürget ist, Dem freunde, der uns nie vergißt, Zum ruhm und wohlgefallen. TóKreuz, schmach und tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jesu scheiden. 6. Weicht, des eiteln liebe! Weicht, des fleisches triebe! Thoren täuscht nur ihr. Mich follt ihr, ihr sünden, Nie mehr willig finden, Fliehet fern von mir! Ueppigkeit, Stolz, schmähsucht, neid, Ihr beschweret das gewissen; Euch will ich nicht wissen. 7. Weichet, sorg' und za: gen! Schweiget, bange klas gen! Jesus ist ja mein! Jeden, der ihn liebet, Muß, was erst betrübet, Noch zu legt erfreun. Hab ich hie Viel angst und müh; Jesu! auch im bángsten leide Bleibst du meine freude. Sehnsucht nach der Ver: einigung mit Jesu. Mel. Wie schon leucht't uns der. 2. Du hier mein leben, dort mein lohn! Sohn gottes und des menschen sohn! Des himmels großer könig! Aus vollem herzen preis ich dich. Hab ich nur dich, so rühret mich, Was alle welt reizt, wenig. 336 Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, net! Tönet! Jubellieder! gott; Dann schwieg ich furcht. Schallet wieder, Das die erde sam, schámte mich, Ein christ Ganz voll seines lobes werde. zu seyn, und scheute Mehr ihren spott, als dich. 7. Wie fren ich mich, o Sesu Christ, Daß du erst' und lette bist, Der anfang und das ende! Du schließest selig meinen lauf, Du weckst mich auch von todten auf; Deß klopfich in die hånde. Amen! Amen! Ja, wir wissen, Daß wir müssen. Wenn wir trauen, Noch dereinst dein antlik schauen. Sreymüthiges Bekenntniß der Religion Jesu. Mel. Wenn meine fund mich. on furcht dahin 452. Von gerissen, Verleugnet Petrus dich. Bald straft ihn sein gewissen, Da weint er bitterlich; Tief drin get ihm dein blick ins herz, Er fleht zu dir um gnade, Und du stilst seinen schmerz. 2. Wie wuchs nun deines zeugen Beständigkeit und muth! Furcht konnt ihn nie mehr beugen, Für dich, herr! floß sein blut; Dich, seinen herrn und seinen gott Verherrlichte sein leben, Ber herrlichte sein tod. 3. Betrübt ist meine seele, Erfüllt mit reu und schmerz; Was hilfts, daß ichs verhehle? Du schaust mir ja ins herz! Bekennen will ich es vor dir: Ich hab dich oft verleugnet; Vergieb, vergieb es mir! 4. Wenn deines namens hasser Dich schmähten, wenn ihr als wasser Dahin floß wider 5. du, der du dein le ben, Du herr der ewigkeit, So willig hingegeben Für meine seligkeit! Wie undank: bar, wie schwach war ich, Daß ich den spott der fünder Mehr fürchtete, als dich! 6. Ach rechne nicht zur funde Mir diese schwachheit zu! Den schmerz, den ich emfinde, Erlöser! siehe du. Du schenktest Petro seine schuld; Bedeck auch mein vergehen Mit deiner lieb und huld. 7. Laß diese meine reue Mir unvergeßlich seyn, Ich will zu ew'ger treue Dir meine seele weihn; Dich zu verleugnen, herr, mein gott, Das fürchte meine seele Weit mehr, als selbst den tod! 8. Ich will dich frey beken: nen; Wenn gott gericht einst hált, Wirst du mich auch bekennen Dem richter aller welt. Dein kreuz ist meine zuversicht; Selbst denen, die dich schmähen, Verhehl' ichs, Jeſu! nicht. 9. Bedeckt von deiner gnas de, Veracht ich ihren spott; Wer ist es, der mir schade? Du hilfst mir aus, mein gott! Von meinem haupte fållt kein haar, Und drohten sie mir alle Die schrecklichste gefahr. Nachfolge Jesu. Mel. Machs mit mir, gott, nach. 453. elch beyspiel gabst den Erlöser der Menschen. 337 und thu, wie ich. du mir, Mein heiland, durch auf dich, Komm, folge mir, dein leben! Sollt ich nicht gern und mit begier Dir nachzuahmen streben? Und nicht den weg, den du, betratst, Auch gehn, und das thun, was du thatst? a 2. Dein herz war voller heiligkeit, So rein, wie deine lehre, Dein thun, lieb und rechtschaffenheit, Dein end: Mel. Ich dank dir, gott, durch. zweck, gottes ehre; Für un allhier zufriedenheit, und dort 454. Erheb, o christ, die ew'ge seligkeit. dein herz und finn, Fleuch denkend von der erden! Hinauf schwing dich zum himmel hin; Ein christ muß himmlisch werden. 2. Was bist du in der welt? ein gast, Ein fremdling und ein wand'rer, Wenn du kurz hausgehalten hast, So erbt dein gut ein andrer. 3. Was hat die welt? was beut sie an? Nur schlecht' und eitle dinge; Wer einen himmel hoffen kann, Der schätzt die welt geringe. 4. Wer gott erkennt, kann der wohl noch Den sinn aufs niedre lenken? Wer nur an gott denkt, denket hoch; So müssen christen denken. 5. Sieh, christ, nie sorgsam unter dich, Wenn dich die leiden drücken; Sieh gläubig in die höh, und sprich: Der herr wird mich erquicken. 6. Der christen hohes burs gerrecht Ist dort im vaters lande, Der christ, der irdisch denkt, denkt schlecht, Und unter seinem stande. 7. Dort ist das reiche Cas Y 3. Darum entäußertest du dich, Und stiegst vom himmel nieder, Wardst mensch, ein armer mensch, wie ich, Und meiner schwachheit brüder, Der bosheit raub, der leute spott, In deinem wandel gleich wie gott. 4. In knechtsgestalt ers schienest du, Um uns zu herrn zu machen, Den kranken gabst du trost und ruh, Und warst stark in den schwachen; Du trugst die leiden mit geduld, Und trugst sie sonder eigne schuld. 5. Ein opfer unsrer misse: that, Liebt'st du uns doch als freunde, Erfüllt'st für uns des vaters rath, Und batest selbst für feinde. Du starbst, gehorsam bis zum tod, Und ehrtest auch im' tode gott. 6. Dies große beispiel hast du mir Zur richtschnur hinterlassen, Daß ich gefinnet sey, gleich dir, In meinem thun und lassen. Komm, sprichst du, nimm dein kreuz 7. Ich komme, herr! gieb kraft undslicht, Daß ich mein heil erkenne, Dein wahrer jünger sey, und nicht mich fälschlich nur so nenne, Damit ich, deinem beyspiel treu, Auch andern selbst ein beyspiel sey. 338 Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, naan, Wo lebensströme flies tigkeit. Laß im kampf mich Ben; Blick oft hinauf! der nicht erliegen; In versuchung anblick kann Den leidenskelch steh mir bey, Mach mich versüßen. standhaft und dir treu. 8. Dort oben ist das fries denshaus; Gott theilt zum gnadenlobne Den überwindern kronen aus; Kämpfauch um ruh und krone. 4. Pflanze mir in mein ges múthe, Mittler! deine heiligs keit, Dein' geduld und freundlichkeit, Deine liebe, deine gute, Sanftmuth, treu und redlichkeit, Wahrheit und ges rechtigkeit. 9. Dort singen engelchör' aus pflicht Von gott und seis nen werken; Freund gottes, sehnest du dich nicht, Dies loblied zu verstärken? 5. Laß mich dir zur ehre leben, Jesu, meines herzens licht, Mein trost, heil und zuversicht! Laß mich dir seyn ganz ergeben, Laß mich fliehn die lust der welt, Und nur thun, was dir gefällt. 6. Führe mich auf deinen wes gen, Gieb mir, wie dein wort verheißt, Deinen beystand, deis nen geist; Täglich gieb mir gnad und segen, Täglich weiss heit, hulf und rath, Segne denken, wort und that. 7. Bis ich endlich werde kommen aus der unvollkommenheit, Jesu! zur vollkom menheit, Und dann dich mit allen frommen, Helfer meis ner seligkeit! Preisen in der ewigkeit. 2. Ach, wie ist mein herz verderbet! Wie regt sich der 456. te mich, Wil Je Nachfolge Jesu imLeiden. Mel. Jesus, meine zuversicht. resu! stárs funde luft Immer noch in meiner brust! Böses ist mir angeerbet. Schwach ist meine tugendkraft, Mächtig blut und leidenschaft. lig alle last zu tragen. Uch! mein fleisch entsetzet sich Vor des bittern kreuzes plagen. Und doch soll ich auch in pein Deinem beyspiel ähnlich seyn. 2. Ber dir nachzufolgen strebt, Muß sich deiner schmach 10. Dort herrscht dein heis land, Jesus Christ, der tilger deiner fünden; Mit dem, durch den du selig bist, Muß sich dein herz verbinden. 11. Hilf, beiland! daß ich für und für Den geist so hoch erhebe, Und daß ich jetzt und ewig dir Gehöre, denke, lebe. Mel. Uch was soll ich fünder. resu, du mein 455. Je heil, mein le: ben! Du sprichst: kommt und lernt von mir; Sieh! ich komm, ich komm zu dir! Gern möcht' ich mich dir er geben. Ursprung meiner fe ligkeit! Lehr mich selbst die frömmigkeit. 3. Hilf, ach! hilf du mir besiegen Alle laster, haß und neid, Stolz und ungerechs den Erlöser der Menschen. nicht schämen, Und wenn sich das fleisch erhebt, Sich zum fteten kampf bequemen. Wer sein kreuz nicht auf sich nimmt, Sft zum himmel nicht bestimmt. Jesus und sein heil, das 3. D! wie sanft wird mir die last, Wenn ichs zuversichtlich wage, Und, wie du gelitten hast, Ruhig alle noth ertrage. Dann was mir einzige Nothwendige. Mel. Jesu, meines Lebens leben. schrecklich deucht, Süß und 457. ins ift noth! ach angenehm und leicht. 4. Ach! viel mehr, unend: lich mehr, als ich je von kreuz empfinde, Litt'st du, allerheiligster! Für die welt, für meine sünde; Ohne zahl war deine noth, Unaussprechlich schwer dein tod. 5. Durch dein freuz er warbst du mir Kraft und muth in meinen leiden; Nun kann, Jesu! mich von dir Keine pein, kein tod nicht scheiden. Werd ich muthlos, dann stärkt sich. Mein er schrocknes herz durch dich. 6. Endlich nimmst du alle noth Mir von meinem wunden rücken, Endlich wird ein sanfter tod Den zerschlagnen geist erquicken, und in der verwesung haus Ruh ich von der arbeit aus. 7. Dort, wohin du nach dem streit Triumphirend dich geschwungen, Giebst du mir die herrlichkeit, Die du durch dein freuz errungen; Und bey dir wird jede pein Mir ein neuer segen seyn. 339 deinen hånden. Mich soll nie der lüste reiz, nie die trubsal von dir wenden. Gern trag' ich, wiewohl noch schwach, Dir dein kreuz, mein Jesu! nach. 8. Nun, ich fliehe nicht dein kreuz; Sieh, ich nehms aus eine Lehre meine seele doch; Auch beym schimmerreichsten scheine Ist sonst alles nur ein joch, Unter dem das herz sich plaget, Und doch keine ruh erjaget; Alles aber wird ersetzt, Wenn dies eine mich ergößt. 2. Seele! willst du dieses finden, Suchs bey keiner creatur; Laß, was irdisch ist, dahinten, Schwing dich über die natur, Wo der gottheit füll' erscheinet Mit der menschheit selbst vereinet; Da, da ist das beste theil, Da dein alles, da dein heil. 3. So wollt einst Maria wissen, Was dies einzige vers hieß, als sie sich zu Jesu füßen Lehrbegierig niederließ. Ach! wie brennt ihr herz, die lehren aus der weisheit mund zu hören, Sie vergißt die welt und sich, Sieht und hört nur, Jesu! dich. 4. So steht, Jesu! mein verlangen Ganz und einzig nur nach dir. Ach! ich dürft an dir zu hangen, Neige du dein herz zu mir. Wenn auch viele trág verweilen; Brenn' ich doch, dir nachzueilen. Ses 340 Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, c. su! geist und leben ist, Was 8. Herr! was soll ich mehr von deinen lippen fließt. ad verlangen, Da in dir mein herz nun ruht? Du bist eins mal eingegangen In das heilge durch dein blut, Hast mich meiner sünd' entbunden, Ewige erlösung funden, Daß ich mich gott freudig nahn, Kindlich abba! rufen kann. 5. Ja, mich reizt der weiss heit fülle, Die in dir verborgen liegt. Hilf mir nur, daß sich mein wille Ganz in deis nen willen fügt, Daß die des muth mich regieret, Und zur rechten weisheit führet. Mir entdeckt sich ihre spur, Kenn' ich dich, mein Jesu! nur. 6. Nichts kann ich vor gott ja bringen, als nur dich, mein höchstes gut! Sesu! es muß mir gelingen Durch dein heilig köstlich blut; Mir auch bast du, herr! erworben, 213 du an dem kreuz gestorben, Meinen schmuck, das reine kleid Gültiger gerechtigkeit. 7. Nun, so gieb, daß meine feele, Herr! zu deinem bild erwacht; Mir bist du, den ich erwähle, Auch zur heilis gung gemacht. Was nur dient zum wahren leben, Das ist mir in dir gegeben. Ach! ent reiß mich ganz der welt, Daß ich thu, was dir gefällt. Von den Pflichten 9. Volle gnüge, fried und freude Ists, was meine seel ergötzt. Hirt! auf wie so gute weide Hast du mich, dein schaf, versetzt! Jesu! soll ich dich nur haben, Was kann mich wohl süßers la: ben? Wo ist, was mich mehr erquickt, als wenn dich mein glaub' erblickt? 10. Drum sollst du mir nur das eine, Du nur sollst mein alles seyn; Prüf' und forsche, wie ichs meyne, Und tilg' allen heuchelschein. Wenn die welt bald lockt, bald höhnet, Sich das fleisch nach eitelm sehnet, Auch die bölle stürmt und droht, Wähl ich dich; denn eins ist noth. gegen uns selbst. Pflicht der Selbstliebe. 2. Gieb, daß mein ganzes Mel. O gott, du frommer gott. herz Sich deiner liebe weihe, Und daß in allem ich Dein 458. auge kindlich scheue. Wer als ein christ sich liebt, Der flieht auch als ein christ, Was wis der deine furcht Und menschens liebe ift. ein will' ists, großer gott! Ich foll mich selber lieben. Olaß mich diese pflicht Nach deiner vorschrift üben, und schránke selbst den trieb, Froh und beglückt zu seyn, Den du mir eingepflanzt. In heilge gránzen ein. 3. Kein schnöder eigennuk Beherrsche meine seele; Und wenn zu meinem glück Ich gegen uns selbst. 34¹ Selbsterkenntniß. recht und wahrheit ſchaun, 459. Wer bin ich? Met. Wer nur den lieben gott. wels che wicht'ge Auch nie mein wohlergehn Auf andrer elend baun. frage! Gott! lehre sie mich recht verstehn. Gieb, daß ich mir die wahrheit sage, Und laß mich achtsam auf mich sehn; Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, Bleibt von der weiss heit weit entfernt. Von den Pflichten weg und mittel wähle, So laß mich stets dabey Auf 4. Dein fluch trifft jedes glück, Wobey die tugend leis det; Und glück hat der mensch nie, Der deine wege meidet. Wer unrecht liebt und thut, Erbt deinen himmel nicht. Nie treffe mich, o gott! Dies schreckliche gericht. 5. Nie blende mein gemüth Der eitelkeiten schimmer. Die welt mit ihrer lust Bergeht doch einst auf immer. Was hilft uns kurze lust? Was hilft uns eitle pracht? Nicht ein vergånglich gut Ssts, was uns glücklich macht. 36. Ein gott ergebnes herz, Ein unverletzt gewissen, Nur das kann uns allein Das leben hier versüßen; Das bleibt uns auch im tod, Und folgt uns aus der zeit Zum großen ses gen nach, Bis in die ewigkeit. 7. selig, wer darnach Mit heilgem eifer trachtet, Und für sein größtes glück, Gott, deine gnade achtet! Der liebt allein sich recht, Der find't schon in der zeit Die wahre ruh, und einst Vollkommne seligkeit. 8. Das sey mein zweck, mein fleiß; O segne mein be: mühen! So wird das wahre wohl nicht meinem wunsch entfliehen. In allem dir ge: treu, Und nie ein sclav der welt; So lieb ich weise mich, Und wie es dir gefällt. 2. Ich bin ein werk von deis nen hånden, Du schufst mich, gott! zu deinem preis; Dazu mein leben anzuwenden, Das ist dein väterlich geheiß. Doch leb ich als dein eigenthum, Nuch wie ich soll, zu deinem ruhm? 3. Ich bin ein christ nach dem bekenntniß; Doch bin ichs, herr! auch in der that? D öffne du mir mein vers ständniß. Recht einzusehn, ob ich den pfad, Den Jesus mir gewiesen, geh? Und ob ich auch im glauben steh? 4. Du kenneft unsers herzens tiefen, Die uns selbst unergründlich sind: Drum laß mich oft und ernstlich prüfen, Wie ich, mein gott! vor dir gesinnt. Befreye mich von falschem wahn, Der auch den klügsten täuschen kann. 5. Wer alles weiß, und doch verborgen, Und unbekannt sich selbst noch bleibt, Wie will der für sein bestes sorgen? Was ist, das den zur beßrung treibt? Sich selbst recht kennen, ist verstand; Drum mache mich mit mir bekannt. 6. Was mir zu meinem heil 342 Von den Pflichten gegen uns selbst. noch fehlet, Mein vater! das ihre plage Nur so, wie es entdecke mir. Hab ich der dir wohlgefällt. wahrheit weg erwählet, So gieb, daß ich ihn nicht verlier. Ach! leite mich mit deinem licht, So tauschen mich verführer nicht. 7. Bin ich noch fern vom rechten wege, Der mich zum ew'gen leben führt, So bringe mich zurück vom stege, Der ins verderben sich verliert. Gieb mir zur beßrung luft und kraft; Du bists, der beydes in uns schafft. Demuth. Mel. Nun ruhen alle wålder. as ich nur gus 460. 4. Sollt ich mich denn ers heben, Wenn mir in diesem leben Viel gutes wiederfährt? Was hat dich, herr! bewogen, Daß du mich vorgezogen? Bin ich auch jemals dessen werth? 8. Ich muß es einmal doch erfahren, Was ich hier war, und hier gethan. D! laß michś nicht bis dahin sparen, Wo reue nichts mehr helfen kann. Herr! mache mich schon hier recht klug, Und frey vom 461. mich dienen, schnöden felbstbetrug. Gott und mich nie erkühnen, Darüber stolz zu seyn; Bey es wes meinen besten werken Muß nig sie von mångeln rein. deine milde gabe, Du vater alles lichts! Mein daseyn und mein leben Ward mir von dir gegeben, und ohne dich vermag ich nichts. 2. Sowohl verstand als kräfte 3um nuglichen geschäfte Hab ich aus deiner huld. Dein ifts, wenn gute thaten Sum glück der welt gerathen; Un fehlern bin allein ich schuld. 3. Das glück, deß ich mich freue, Wer schafft mirs? deine treue, Du herr der 5. Ich bin viel zu geringe Der huld, die ich befinge; Ganz bin, o herr! ich dein. D! laß michs nie vergessen, So werd ich nicht vermessen Der eigenliebe weihrauch streun. 6. Das nüßlich anzuwens den, Was du mit vaterhånden Mir gütig zugewandt, Dein treuer knecht zu werden, Das sey mein fleiß auf erden; Das zu gieb demuth und verstand. Mel. Nun ruhen alle wälder.: deiner welt 2. Such ich stets deinen willen So eifrig zu erfüllen, Als es dein wort gebeut? Trag ich der tugend burde, Aus fenntniß ihrer würde, Auch immer mit zufriedenheit? 3. Entzieh ich mich den súnnen Auch stets aus rechten gründen? Aus wahrer fróms migkeit? Oft sind die guten triebe Nicht früchte deiner liebe, Nur früchte der natur und zeit. ganzen welt! Du ordnest 4. Der sünden meiner jute unsre tage, Ihr glück und gend, Der mångel meiner tu Von den Pflichten gegen uns selbst. 343 gend, herr, gedenke nicht! Laß deiner huld durch sicher. Willst du mit deinen knechten, heit, Durch stolz und durch Wie sie's verdienen, rechten, vermessenheit, Mich dann So trifft sie alle dein gericht. nicht unwerth werden. 5. Doch, wenn auch, dir zur ehre, Rein meine tugend ware; Weß ist dies eigenthum? Wer ließ mich unterrichten? Wer ließ in meinen pflichten Mein glück mich sehn und meinen ruhm? 2. Wie leicht erliegt ein sichrer sinn, Bekämpfet durch die luste! Sieht ruhig auf ges fahren hin, Wovor er zittern müßte! Vollkommen glaubet er zu seyn, Denkt, diese suns de sey nur klein, Und jene pflicht nicht wichtig; Nun ist er seinem falle nah, Fällt schrecklich, aber glaubt noch da, Er wandle fest und richtig. 3. Wie schwach ist nicht der mensch! wie bald 3ur funde fortgerissen! Wie leicht wird nicht sein eifer kalt, Nachges bend sein gewissen! Weh ihm, wenn er vermessen ist, Wenn feiner schwachheit er sergißt, Sn sich nur stårke siehet! Uch! ihn besiegt in jedem streit Der irrthum und die sinnlichkeit, Wenn er nicht flüglich fliehet. 6. Wer gab mir, dich zu lies ben, und dein gebot zu üben, Die lust und freudigkeit? Wer stärkte meine kráfte Im heilis gungsgeschäfte? Wer gab mir muth und sieg im streit? 7. Du schaffst, daß ich dich wähle, Du rufft mich, wenn ich fehle, Auf rechten weg zuruck; Du ziehst mich ab von sünden, Und läßt mich gnade finden, Und giebst zu meiner beßrung glück. 8. Sollt ich mich deß ers heben, Was du mir, herr! gegeben? Hab ich zum lohn ein recht? Könnt ich auch alles üben, Was du mir vor geschrieben, Wer bin ich? ein unnüßer knecht. Wider Stolz und Ver. messenheit. 462. W ich, o Mel. Un wafferflüffen babylon. enn ich, gott! von dir geführt, Auf deinen wegen wandle, Wenn ich, durch deinen geist regiert, Nach deiner vorschrift handle, Wenn mir mein herz das zeugniß giebt, Daß meine fcele mehr dich liebt, als alles gut auf erden; 4. Wer sich mit stolzem muth erhöht, kann nicht vor dir bestehen, Wer seine nies brigkeit gesteht, Den wirst du, gott! erhöhen. Veracht ich andre neben mir, So mißfällt meine tugend dir, Wie groß ich sie auch finde. Mein glaus be selbst beleidigt dich; Denn ohne demuth macht er mich Nicht rein von meiner sunde. 5. Uch! lehre mit behutsamkeit Auf meine bahn mich schauen, Und nie, o gott! in sicherheit Auf meine tugend trauen. Wenn die versuchun gen mir brohn, Beig' in der 344 Von den Pflichten gegen uns selbst. ferne mir sie schon, Daß ich mich zeitig rüste. Aufmerksam mache meinen blick Auf diese welt, auf zeit und glück, Und auf die macht der luste. mein stand, mein glück Und jede gute gabe? Es ist nicht mein, es ist Ein unverdientes gut; Darum bewahre mich Vor stolz und übermuth. 6. Lehr' mich, wie unvermögend ich 3um guten bin, wie tråge; Mein täglich straucheln mache mich Vorsichtig auf dem wege. Find ich mich, herr auf ebner bahn; So lehre mich, so sehr ich kann, Auf meine schritte wachen. Bewahre meinen fuß, daß nicht 3. Wenn mir ein größres Vermessenheit und zuversicht, Und stolz mich fallen machen. glück Nach deinem rath be gegnet, Und deine gütigkeit Mich mehr, als andre, fegnet; Giebt diefe deine huld Mir wohl zum stolz ein recht? Bin ich darum nicht auch, Was andre sind, dein Enecht? 7. Mein glaube, meine from migkeit, Und was ich in mir habe Von tugend, von rechtschaffenheit, Sft alles deine gabe. Ich bin nur staub, den du erfchufft, Den du begna- 4. Wenn ich, geehrt und digst und berufst, In deinem reich zu leben. Laß mich, ents fernt von stolzem wahn, Mit demuth deine gab empfahn, Und dir die ehre geben. groß, In hohen würden stehe, Und andre unter mir In kleis nerm glücke sehe; Wer machte sie gering, Und wer erhöhte mich? Ist nicht mein nächster oft Viel würdiger, als ich? les giebst, Von dem ich alles habe! Was ist 2. Wenn ich vielleicht der welt Mehr, als mein nächster, nüße, Und wenn ich mehr verstand, Als er besigt, be size; Bin ich drum mehr, als er? Onein! wer schenkte mir Verstand und tüchtigkeit? Uch! alles kommt von dir. 8. So werd' ich, gott! von dir geführt, Auf deinen we gen wandeln, Durch deinen guten geist regiert, Nach deis ner vorschrift handeln. Ich werde nicht durch sicherheit, durch stolz und durch vermesfenheit Von deinen rechten weichen. Heil allen frommen, heil auch mir! Wir werden, preis und dank sey dir! Des glaubens ziel erreichen. Mel. O gott, du frommer gott. 464. Babes to bes Sorge für die Seele. Mel. Machs mit mir, gott. ald oder spåt err, todes 463. He raub, Wall ich noch hier auf erden; Allein ich sterblicher, 5. Wie könnt' ich mich, o gott! Des guten überheben? Was ich befiz, ist dein; Du spricht, so bin ich leben; Du sprichst, so bin ich nichts! Von dir kömmt das gedeihn. Drum laß mich ewig fern Von stolz und hochmuth seyn. Von den Pflichten ich staub, Soll einst unsterb: lich werden, und dann ist mein bestimmtes theil, D gott! verwerfung oder heil. gegen uns selbst. 345 giebt kraft und muth, Und nur durch Christi stårke Sind wir in angst und traurigkeit Getrost, und überwinden weit. 2. Mit furcht und zittern soll der christ Nach seinem heile ringen, Verachten, was auf erden ist, Hinauf zu gott fich schwingen, Getroft den pfad der trübsal gehn, Und standhaft in versuchung stehn. 3. Noch weiß ich, daß ich laufen muß, Noch bin ich in den schranken, Noch nicht am ziele; doch mein fuß Beginnet oft zu wanken. Herr, stärke mich durch deine kraft Auf dieser kurzen pilgrimschaft. 4. So lang' ich noch ein fremdling hier, In diesem leibe walle, So schaff ein reis nes herz in mir, Ein herz, das dir gefalle, Und leite mich auf ebner bahn, Durch deinen geift zu dir hinan. 5. Es sey mein ruhm, dir werth zu seyn, Was du gebeutst, zu üben, Mein hochstes gut, mich dein zu freun, Von herzen dich zu lieben ,, Mein trost, auf deinen schuß zu traun, Und meine hoffnung, dich zu schaun! 6. Die freche thorheit dieser zeit Soll nie mir meinen glau ben, Den süßen troft der ewig keit, Des himmels hoffnung rauben. Was lindert sonst des lebens noth? Und was ver füßt mir einst den tod? 7. Berzagt und schwach sind fleisch und blut, Und eitel unsre werke; Der glaub allein 8. Was ist die trubsal dies ser zeit, Und alles leid der erden, Gott! gegen deine herrlichkeit, Die kund an uns soll werden? Wie schnell flieht dies mein leben hin, Hin, wo ich ewig selig bin. 9. Heil mir! ich bin sein eis genthum; Nichts soll von dir mich scheiden, Nicht wollust, güter, oder ruhm, Nicht schmach, nicht tod, noch leiden! Ich bin durch Jesu blut erkauft, Ich bin auf seinen tod getauft. 10. Der uns in Chrifto alles giebt, Gott wird mich nicht vernichten; Der uns bis in den tod geliebt, Wird mich nicht strenge richten; Wenn erd' und himmel untergehn, Werd ich zum leben auferstehn. NI 11. Nicht trübfal mehr, nicht leid und schmerz Betrübet dort die seinen. Nicht flagen mehr wird unser herz, Nur freudenthrånen weinen. Er, der für uns fein leben gab, Er trocknet unsre thrånen ab. 12. Dort schauen wir und beten an Vor seinem anges sichte, Und die wir hier im dunkeln sahn, Wir werden dort im lichte Die wunder seiner liebe fehn, Des weisen wege ganz verstehn. 13. Shr, die ihr ihn erhab ner preist, Ihr engel, meine brüder! Dann finget mein vers 346 Von den Pflichten gegen uns selbst. lårter geist In eure jubellies kann auch die welt Mit alder, und eurer hohen hars lem, was sie in sich hält, fen Flang Ertönt in meinen Mir deine gnad ersetzen? lobgesang. 14. Du, der uns dieses heil erwarb, Laß, Jesu! michs ererben; Du, der für alle menschen starb, Laß. Jesu, dir mich sterben; Gieb, daß ich dir im leben treu, Getreu bis in den tod dir sey. 5. Was führt mich zur zus friedenheit Schon hier in dies sem leben? Was kann mir trost und freudigkeit Auch selbst im tode geben? Nicht mens schengunst, nicht irdisch glück, Nur gottes gnade, und der blick Auf jenes lebens freuden. Mel. Wo gott, der herr, nicht. ach meiner fees 465. 6. Nach diesem kleinod, herr! laß mich Vor allen dingen trachten, Und was mir daran hinderlich, Mit edlem muth verachten. Daß ich auf deis nen wegen geh, Und im ges richt dereinst besteh, Sey meine größte sorge. len seligkeit Laß, herr! mich eifrig ringen. Sollt ich die kurze gnadenzeit In sicherheit verbringen? Wie würd ich einst vor dir bestehn? Wer in dein reich wünscht einzugehn, Muß reis nes herzens werden. 2. Erst an dem schluß der lebensbahn Auf feine fünden fehen, und, wenn man nicht mehr fund'gen kann, Gott um erbarmung flehen. Das ist der weg zum leben nicht, Den 7. Doch, was vermag ich, wenn du nicht Vor trägheit mich beschützest, Und mich zur treu in dieser pflicht Mit fráf ten unterstütest? D stárke mich, mein gott, dazu! So find ich hier schon wahre ruh, Und dort das ew'ge leben. Mel. Kommt her zu mir, spricht. uns, o gott! bein unterricht 466. H Herr err, meiner feele In deinem worte großen werth, Den mir dein theures wort erklärt, Laß mich mit ernst bedenken, Und auf die sorge für ihr wohl So unermüdet, als ich soll, Den größten eifer lenken. 3. Du rufft uns hier zur heiligung; Drum laß auch hier auf erden, Des geistes wahre besserung Mein hauptgeschäfte werden. Herr, stärke mir dazu den trieb! Nichts fey so groß, nichts mir so lieb Das ich ihm nicht aufopfre. 4. Gewonn' ich auch die ganze welt mit allen ihren freuden, Und sollte das, was dir gefällt, O gott! darüber meiden; was bülfe mirs? 2. Wie hoch ist sie vor dir geacht't! Welch glück hast du ihr zugedacht! Wie viel an sie gewendet! Du schufft sie, gott! dein bild zu seyn, Und hast, von sünd sie zu befreyn, Selbst deinen sohn gesendet. Von den Pflichten 3.3u groß für diese kurze zeit, Bestimmt zum glück der ewig keit, Lebt fie im leib der erden, Durch glauben und gottselig: keit zu größerer vollkommen heit Im himmel reif zu werden. 4. Mit großer treue willst du sie, Selbst durch des lez bens furze muh Zu diesem müh ziele durch eigne ſchuld, Das heit, das deine vaterhuld Ihr zu: gedacht, verlieren. 5. Mit dir, o gott! vereint zu seyn, Mich ewig deiner huld zu freun, Und dich zum trost zu wählen, Das sey mein fleiß und höchster zweck; Laß mich dazu den rechten weg Aus leichtsinn nie verfehlen. 6. Wer böse ist, bleibt nicht vor dir; Drum schaffe selbst, o gott! in mir Ein herz, das funden haffet, Das seine schuld vor dir bereut, Und das zu deiner gütigkeit Durch Christum hoffnung faffet. 7. Gieb, daß ich dir mich ganz ergeb; Und, was ich hier auf erden leb, Laß mich im glauben leben, Un dich, sohn gottes! der du mich So hoch geliebet hast, und dich Für mich dahin gegeben. gegen uns selbst. 347 dann mein herz sich freun, In dir, gott! ruhig leben, Und du wirst nach vollbrachter zeit Auch mich gewiß zur herrlichs keit In deinem reich erheben. Bewahrung eines guten Gewissens. Mel. Nun freut euch, lieben christen. 467. welch ein un Ist, herr, ein rein gewissen! Wer dieses hat, der hat auch muth, Wenn andre zagen müssen. Sein ruhig herz ers zittert nicht, nicht vor dem tod, nicht vor gericht; Denn mit ihm hat er friede. 8. In meiner ganzen pilgrimschaft Laß mich, gestärkt durch deine kraft, Nach jenem kleinod trachten, Das mir dein ruf vor augen stellt, Und alle leiden dieser welt Wie nichts dagegen achten. 9. Wie selig werd ich dann nicht seyn! Schon bier wird 2. Sich deines beyfalls, gott! bewußt, Freut er sich deis ner gnade. Dein friede wohnt in seiner brust, Und wer ist, Der ihm schade? Auf dich sieht er bey aller noth, Womit die zukunft ihn bedroht, Ihn tröstet deine vorsicht. 3. Trifft ihn auch hier zus weilen noch Die geißel böser zungen, Bleibt seines herzens ruhe doch, Die er vor dir errungen. Er scheuet jede übelthat, Und denkt, der lus gen wird wohl rath; Gott wird die unschuld retten. 4. Sein geist sieht mit zus friedenheit Der künftgen welt entgegen. Die giebt ihm muth und freudigkeit Auf allen seinen wegen. Denn dort macht selbst, o herr! dein mund Den wahren werth der menschen kund; Da wird der fromme siegen. 348 Von den Pflichten gegen uns selbst. 5. So bilf denn, daß ich, tugend, Oft ist sie nur das mir zum heit, Ein unverletzt werk der zeit. Die wilde hitze gewissen, Des Lebens allerbe: roher jugend Wird mit den ftes theit, 3u haben sey be: jahren sittsamkeit; Und was fliffen. Mit dir, gott! aus natur und zeit gethan, Sieht geföhnt zu seyn, Dein heilig unser stolz für tugend an. recht nie zu entweihn, Das 4. Oft ist die åndrung fey mein größter eifer. deiner feelen Ein tausch der triebe der natur. Du fühlst, wie stolz und ruhmsucht quálen, Und dampfst fie; doch du wechselst nur, Dein herz fühlt einen andern reiz, Dein stolz wird wollust, oder geiz. 5. Oft ist es kunst und ei genliebe, Was andern strenge tugend scheint. Der trieb des neids, der schmähsucht triebe Erweckten dir so manchen feind; Du wirst behutsam, schránkst dich ein, Fliehst nicht die schmahsucht, nur den schein. 6. Gieb, daß ich des gewissens spruch Als deine stimme ehre, Und immer aufmerk sam genug Auf seine war nung höre. Erinnerts mich an meine schuld, So laß mich, vater! deine huld Voll reu und glauben suchen. 7. Mit deiner gnade steh mir bey, Und gieb, daß meine feele Wuch selbst die kleinste sünde scheu, Und nie aus vorfag fehle. Denn wer nur reines herzens ist, Hat immer auch, durch Jesum Chrift, 3um trost dich, allerhöchster! Wachsamkeit. 6. Du denkst, weil dinge dich nicht rühren, Durch die der andern tugend fällt, So werde nichts dein herz verMel. Wer nur den lieben gott. 468. Nicht, daß ichs führen; Doch jedes herz hat seine welt. Den, welchen stand und gold nicht rührt, hat oft ein blick, ein wort verführt. schon ergriffen hátte; Die beste tugend bleibt noch schwach. Doch, daß ich meine seele rette, Jag' ich dem kleinod eifrig nach; Denn tugend ohne wachsamkeit Verliert sich bald in sicherheit. 2. So lang' ich hier im leibe walle, Bin ich ein kind, das strauchelnd geht. Der fehe zu, daß er nicht falle, Der, wenn sein nächster fällt, noch steht. Auch die bekämpfte böse lust Stirbt niemals ganz in unsrer brust. 3. Nicht jede besserung ist 7. Oft fchläft der laster trieb im herzen. Du scheinst von rachsucht dir befreyt; Jetzt sollst du eine schmach verscherzen, Und sieh, dein herz wallt auf und draut, Und schilt so lieblos und so hart, als es zuerst gescholten ward. 8. Oft denkt, wenn wir der stille pflegen, Das herz im stillen tugendhaft, Kaum lachet uns die welt entgegen, So regt sich unsre leiden. Von den Pflichten schaft; Wir werden im geräusche schwach, Und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst gott die schwächern triebe Durch einen strengern lebenslauf; Doch opferst du wohl seiner liebe Die stärkste, liebste neigung auf? Dies ist das auge, dies der fuß, Die sich der christ entreißen muß. 10. Du fliehst, geneigt zur ruh und stille, Die welt, und liebst die einsamkeit; Doch bist du, fordert's gottes wille, Auch dieser zu entfliehn bereit? Dein herz haßt habsucht, neid und zank; Flieht's unmuth auch, und müssiggang? II. Du bist gerecht; bist du bescheiden? Liebst du bey mäßigkeit geduld? Du die neft gern, wenn andre leiden; Bergiebst du feinden auch die schuld? Bon allen lastern sollst du rein, 3u aller tus gend willig seyn. 12. Sey nicht vermessen, wach und streite, Denk nicht, daß du schon gnug gethan; Dein herz hat seine schwache feite, Die greift der feind der wohlfahrt an. Die sicherheit droht dir den fall, Drum wache stets, wach überall! Sorge für den Leib und die Erhaltung des Les bens. gegen uns selbst. 349 nen bau verfehren, Verbietet mir dein unterricht. O! stehe mir mit weisheit bey, Daß diese pflicht mir heilig sey. 2. Sollt ich mit vorsatz das verlegen, Was zur erhaltung mir vertraut? Sollt ich gering ein kunststück schätzen, Das du als schöpfer selbst erbaut? Weß ist mein leib? er ist ja dein; Sollt ich denn sein zerstörer seyn? 3. Shn zu erhalten, zu beschützen, Giebst du mit milder vaterhand Die mittel, die dazu uns núßen, Und zum gebrauch giebst du verstand. Dir ist die sorge nicht zu klein; Wie sollte sie denn mir es seyn? 4. Gesunde glieder, muntre Fräfte, gott! wie viel sind die nicht werth! Wer taugt zu des berufs geschäfte, Wenn franks heit seinen leib beschwert? Ist nicht der erde größtes gut Ges sundheit und ein heitrer muth? 5. So laß mich denn mit sorgfalt meiden, Was meines körpers wohlseyn stórt, Daß nicht, wenn seine fráfte leis den, Mein geist den innern vorwurf hört: Du selbst bist störer deiner ruh, Du zogst dir selbst dein übel zu. 6. Laß jeden sinn und alle glieder Mich zu bewahren, achtsam seyn. Drückt mich die last der frankheit nieder, So flöße selbst geduld mir ein. Gewähr auch dann mit guten muth, was der arzt dann thut. Mel. Wer nur den lieben gott. 469. De es leibes wars ihn náhren, Das ist, o schöpfer! meine pflicht; Muthwillig seis 7. Doch gieb, daß ich nicht Von den Pflichten gegen uns selbst. 350 übertreibe, Was auf des leiz bes pflege zielt, Nein stets in jenen schranken bleibe, Die dein gesetz mir anbe fiehlt. Des förpers wohl laß nie allein Den endzweck meiner sorgen seyn. 8. Mein größter fleiß auf dieser erde Sey stets auf meinen geist gericht't, Daß er zum him mel tüchtig werde, Eh dieses leibes hútte bricht. Dazu. herr! segne meinen fleiß, So leb' ich hier zu deinem preis. Måßigkeit und Enthalt samkeit. Mel. Wer nur den lieben gott. ie mannigfal: gaben, Wodurch uns, herr, dein wohlthun náhrt, Und die, so geist als leib zu laben, Uns täglich deine hand gewährt! Auch das, was unser mund genießt, 3eigt uns, wie freundlich, gott! du bist. 2. Du giebst uns brodt für unser leben, und unsre herzen zu erfreun, Giebst du den trau benvollen reben Mit segensreicher hand den wein. Wie an genehm ist der genuß Von dem, was uns ernähren muß! dies wahren christen an? Das durch wird das, was uns ers nähren, Und unsern geist er: quicken kann, Ein gift, das in die adern schleicht, Und krankheit, schmerz und tod erzeugt. 5. Die schwelgerey raubt uns die kráfte 3u dem, was uns die pflicht gebeut, Macht tråge zum berufsgeschäfte, Untüchtig zur gottseligkeit, Erweckt verwirrung, streit und zank, Und hindert den gott schuld'gen dank. 6. Wer sich den bauch zum gott erkohren, Unmäßig deine gaben braucht, Der geht des verloren, Zu dem kein knecht der lüfte taugt. Gott! laß mich ja dies laster scheun, Und måßig stets und nüchtern seyn. 7. So oft ich speis' und trank genieße, So laß es mit vernunft geschehn, Und, daß ich beydes mir versüße, Mit dank auf dich, den geber, sehn, Auf dich, der du uns zártlich liebst, Uns nahrung und erquickung giebst. Reuschheit. 3. Doch laß die kraft uns 471. Helger ett Mel. Freu dich sehr, o meine. vater, du gebietest vergnügen, du in fpeis' und trank gelegt, Mich nie, o höchster! fo besiegen, Daß sie zum mißbrauch mich bewegt. Laß, deiner gaben mich zu freun, Mich mäßig im genusse seyn. Keuschheit, zucht und heiligs keit, Und du hasseft und verbietest Böse lust und uns Feuschheit. Dir fleh ich durch Jesum Christ, Der mein heil und vorbild ist: Laß mich, vater! alles fliehen, Was mich kann zur wollust ziehen. 4. Mit speis' und trank ben leib befchweren, Wie steht Von den Pflichten 2. Welche würde, daß dem bilde Deiner selbst ich ähnlich bin! Und für mich, für mich ( wie milde) Gabst du deinen sohn dahin! O wie sehr ents ehrte ich Deinen sohn, und, vater, dich, Wenn ich frech und unrein lebte, Dir durch wollust widerstrebte! 7. Kreuz'ge alle meine luste, Heilige mein sündlich herz. Dein erbarmen, Jesu Christe! Und dein leiden, tod und schmerz Tilge jede sund' in mir, Daß mit leib und seel ich dir, Dir zur ehre. heilig lebe, Rein sie dir einst wiedergebe. Mel. Wer nur den lieben gott. 3. Jesus wohnet durch den glauben Selbst in mir mit seinem geist; Dürft ich wohl mein herz ihm rauben, Das er seinen tempel heißt? Ach, will ich ſein tempel seyn, Soll mich gottes huld erfreun, Muß ich mich nicht selbst entweihen. Und mit ernst die wollust scheuen. 472. Der wolluſt reiz zu widerstre ben, Laß táglich deine weise heit seyn, Liebst du, o mensch, dein glück und leben; Denn ihre freuden werden pein. Entflieh der schmeichelnden begier, Sie raubet dir des herzens zier. 4. Gottes geist wird stets betrübet, Wo man unrein denkt und spricht; Und wer fleischeslúste liebet, Bleibt 2. Sey, ihr die nahrung zu mit ihm im bunde nicht. verwehren, Ullzeit ein freund Wollust schåndet unser herz, der nüchternheit; Laß speif' Bringt verachtung, reu und und trank dich nie beschweren, schmerz; Die in solchen fünden sterben, können gottes reich nicht erben. Und steure deiner finnlichkeit. Sey deiner schwachheit stets bewußt, Und meid oft selbst erlaubte lust. 5. Drum, o herr der reis nen geister! Schenk mir deis nes geistes kraft. Schöpfer, meines lebens meister, Leiter meiner pilgrimschaft! Unter drücke du in mir Jede sündliche begier, Und hilf mir zu allen zeiten Jed' unreine lust bestreiten. gegen uns selbst. 351 selber rein, Laß mich dir als lein mich weihn; Mich und alle meine glieder, Leg ich, vater! vor dir nieder. 6. Todt in mir der wollust triebe, Todte mein verderbtes fleisch; Deine furcht und deine liebe Mache, heiligster! mich feufch. Mache du mich f 3. Sey, um die wollust zu verhüten, Stets schamhaft gegen deinen leib; Laß nicht dein auge dir gebieten, Flieh eiteln scherz und zeitvertreib. Des frechen wißlings freyer scherz Erniedrigt und vers derbt dein herz. 4. Entzich der wolluft ihre kräfte Im schweiße deines an gesichts. Der unschuld schuß, wehr sind geschäfte, Nichts thun, das neg des bösewichts. Von den Pflichten gegen uns selbst. 352 Bey trägheit und bey müssiggang Besiegt uns leicht ein böser bang. 5. Willst du der wollust trieb bekämpfen, Eh er die freiheit dir verwehrt, So such ihn früh in dir zu dâmpfen. Hat ihn dein herz zuvor genährt, Und du hast ihn nicht gleich erstickt, So wird er schwerlich unterdrückt. 6. Oft tauschen dich des lasters triebe, Und du erblickst nicht die gefahr; Oft wird das unerlaubte liebe, Was anfangs nichts als freundschaft war; Ein langer umgang macht dich dreist, Und du vergißt, was unrecht heißt. 7. Dein fühlend herz wird sich's verzeihen, Daß es des lasters trieb ernährt, Es wird nur seinen ausbruch scheuen, Weil dieser vor der welt entehrt, Die kleinen fehler übersehn, Und so zu größern übergehn. 8. Sts sünde nur die that vollbringen? Ist, der's nicht thut, schon tugendhaft? Sollst du nicht auch den trieb bezwingen, Nicht auch den wunsch der leidenschaft? Soll bloß dein äußrer wandel rein, Soll's nicht auch deine seele seyn? 9. Begierden sind es, die uns schánden, und die vers legen unsre pflicht, auch ohne daß wir sie vollenden; Drum rühme dich der keuschheit nicht, Wenn du nicht auch den trieb befámpfft, Und durch den geist die luste dämpfst. 10. Denk oft den mächtigen gedanken: Die unschuld ist der seele glück! Er halte, fångst du an zu wanken, Dich noch von deinem fall zurück. Dir giebt dein ganzer lebenslauf Sie nicht zurück, giebst du sie auf. II. Denk oft bei dir: der wollust bande Sind selbst schon vor der welt ein spott; Doch strafte mich schon keine schande, So sieht und findet mich doch gott! Gott, dem auch kein gedank' entflieht, Und der selbst ins verborgne sieht. 12. Die wollust kürzt, des lebens tage, Da keuschheit heil und leben giebt; Ein fiecher leib wird dessen plage, Der ihre gift'gen reize liebt. Wer gottes tempel hier zerstört, Ist seiner strengsten strafe werth. 13. Wie blühte nicht des jünglings jugend, Eh' ihn der wollust reiz bethört! Doch er vergaß den weg der tugend, Und seine kräfte sind verzehrt. Verwesung schåndet sein ge sicht, und predigt gottes strafgericht. 14. So racht die wollust an den frechen, Früh oder spät mit harter hand Die schwer zu büßenden verbrechen; Sie lohnet die mit unverstand, Verdunkelt deiner seelen licht, Und dein gewissen schweiget nicht. 15. Sie raubt dem herzen muth und stärke, Erniedrigt dich zum thier herab, Raubt dir den eifer edler werke, Die würde, welche gott dir gab; Von den Pflichten gegen uns selbst. 353 Du bleibst nicht mehr sein stifte, Nie mich zur schmähe ebenbild, Wenn wilde lust sucht reize. dein herz erfüllt. 16. Drum fliehe vor der wol lust pfade, Und lockt dich schmeichelnd ihre bahn, So wach und rufe gott um gnade Und weisheit in versuchung an. Erzittre vor dem ersten fall, Und denk an tod und künft'ge quaal. Vorsichtigkeit im Reden und im Umgange. Mel. Es woll' uns gott genåbig. er du verstand 473. und tugend schenkst, Gott, vater meines lebens! Wo du mein thun nicht selber lenkst, So leb ich hier vergebens. Denn wen dein geist nicht neu gebiert, Der bleibt der sünd ergeben, Und wen die sünde noch regiert, Der ist zum rechten leben Noch nicht hindurch gedrungen. 4. Mein auge, gott! bewahre mir Vor unverschämten blikken, Und vor unzuchtiger begier, Die unschuld zu berücken. Laß mich den schmuck der sittsamkeit Weit über alles schätzen; Was reiner engel aug erfreut, Das sen auch mein ergötzen, Was du liebst, mein bestreben. 5. Behüte mich vor schwels gerey, Die leicht das herz vers führet, Vor trunkenheit, die ohne scheu 3u größern sünden führet. Die lust, die bloß den leib ergößt, Verdirbt auch fromme herzen, Und was die welt für freude schätzt, Bringt nachreu, elend, schmerzen, und stürzt zuletzt zur hölle. 2. Drum, vater! neig dich våterlich zu deinem schwachen kinde. Gieb mir ein frommes herz, daß ich mich scheu vor jeder sunde. Bewahre meinen mund, daß mir Kein schlüpfrig wort entfalle, Vielmehr von meinen lippen dir Manch freudig lob erschalle, Den nächsten zu erbauen. 6. Hilf, daß mein geist nichts liebers hört, Nichts lie. bers spricht und denket, Als was den glauben stårkt und náhrt, Und luft zum guten schenket, Was mich zu jenem leben bringt, o man bey dir stets lebet, Dein lob mit allen engeln singt, Den heiz land sieht, erhebet, Und ihm sich ähnlich schauet. Rechtmäßige Anwendung 3. Bewahre, gott! mein ohr, daß ich nicht gern auf der zeitlichen Güter. Mel. War' gott nicht mit uns. ſyötter höre, Damit in mei- 474. Herr! las mich doch nem glauben mich Kein frecher thor bethöre; Hilf, daß kein witz der låstersucht mir ohr und herz vergifte, Noch je mals, wie er tückisch sucht, Durch mich dann zwietracht Mein zeitlich gut verwalten. Gieb selbst mir weisheit, gieb mir kraft, Damit so bauszuhalten, Wie es mir nicht und dir gefällt, Damit ich nicht in je: ner welt Das ewige verliere. 3 Von den Pflichten gegen uns selbst. 354 2. Mein haab und gut kommt ja von dir Und deinem milden fegen. Nicht mir zum fallstrick gabst du mir Mein zeitliches vermögen, Du gabst es mir zum wahren wohl; Drum gieb, herr! daß ich's, wie ich soll Nach deiner vorschrift brauche. 3. Was ist das mir geschenkte gut? Vergånglich und von erde. Hilf, daß ich nie zum übermuth Dadurch verleitet werde. Nie reiße irdischer gewinn Mein herz zu üppigkeiten hin, Die wicht'gre forgen hindern. 4. Was hülfe mir die ganze welt Mit allen ihren schäßen, Verführt mich zeitlich gut und geld, Sorglos hintan zu fe hen, Was meiner seelen heil begehrt, Und mir ein ewig glück gewährt? Wie strafbar würd' ich handeln! 5. Mein größtes frachten fey allhier Nach deines geistes gaben. Wie reich bin ich, o gott, in dir, Wenn ich nur die kann haben! Hab ich nur, höchster! deine huld, Nurglauben, tugend und geduld, Was fehlt dann meiner seele? 6. Den geiz laß ferne von mir seyn, Die wurzel alles bösen. Von unruh und gewissenspein Kann reichthum nicht erlösen; Er hilft in todesstunden nichts, Und nichts am tage des gerichts, Er rettet keinen sünder. 7. Giebst du mir güter die: fer zeit, Laß mich sie nie vers schwenden, Vielmehr in weiser sparsamkeit Stets nüßlich fie anwenden. Gieb mir dir kluge heit, daß ich hier Dadurch dem nächsten so, wie mir, Des lebens můh erleichtre. 8. Es kommt ein tag der rechenschaft; Das laß mich stets bedenken, Und mein gemůth gewissenhaft Zur heilgen forgfalt lenken, Also die güter dieser zeit Zu nüßen, daß ich einst erfreut Noch segen davon ernte. Wider den Geiz. mel. O gott, du frommer gott. 475. Laß mich doch nicht, o gott! Den schätzen dieser erden So meine neigung weihn, Daß sie mein abgott werden. Oft fehlt beym überfluß Doch die zus friedenheit; Und was ist ohne sie Des lebens herrlichkeit? 2. Kann ein vergånglich gut Auch unsre wünsche stillen? Es steht ja sein besit nicht stets in unserm willen? Nicht stets wird's dem zu theil, Der ångstlich darnach ringt, Und schnell verlierts oft der, Dem der besitz gelingt. 3. Ein gut, das unsern geist Wahrhaftig soll beglücken, Muß nicht vergånglich seyn, Und für den geist sich schicken. Der thor hat geld und gut, Er hats, und wünscht noch mehr; Noch immer bleibt sein herz Von wahrer ruhe leer. 4. O gott! so wehre doch Den ungerechten trieben, Und heilige mein herz, Die guter nicht zu lieben, Die man mit Von den Pflichten gegen uns selbst. 355 4. Der geiz erniedrigt unser herz, Erstickt die edlern triebe. Die liebe für ein schimmernd erz Verdrängt der tugend liebe, und machet, der vernunft zum spott, Ein elend gold zu unserm gott. 5. Der geiz, so viel er an sich reißt, Låßt dich kein gut genießen, Er quålt durch habsucht deinen geist, Und tödtet dein gewissen, Er reißt durch schmeichelnden gewinn Dich blind zu jedem frevel hin. 6. Um wenig vortheil wird er schon Aus dir mit meineid sprechen, Dich zwingen, der arbeiter lohn Unmenschlich abzubrechen; Er wird in dir der witwen flehn, Der wais sen thrånen widerstehn. müh gewinnt, Bald prassend sie verzehrt, Bald geizig fie bewacht; Und bald mit fluch vermehrt. 5. Ein weises frommes herz, Das sey mein schatz auf erden; Sonst alles, nur nicht dies, Kann mir entrissen werden. Dies bleibt im tod auch mein, Dies folgt mir aus der zeit 3um seligsten gewinn Bis in die ewigkeit. 6. Was sind, wenn dieses fehlt, Die herrlichsten vergnügen? Nur süße traume sind's, Die unsern geist betrügen. Drum lenke, gott! den wunsch Vom irdischen gewinn, Durch deines geistes kraft, 3u ew'gen gütern hin. Mel. Machs mit mir, gott. W 476. Wohl dem, der beff're schåße liebt, Uls schätze dieser erden! Wohl dem, der sich mit eifer übt, Un tugend reich zu werden, In dessen herz der glaube lebt, Zur himmels: würde ihn erhebt! 2. 3war åchte tugend wehrt uns nicht, Hier güter zu bes figen; Gott gab sie uns, und auch die pflicht, Mit weisheit fie zu nutzen. Sie sollen unfer herz erfreun, Und unsrer tugend antrieb seyn. 3. Doch nach den gütern dieser zeit Mit ganzer seele schmachten, nicht erst nach jener seligkeit Und wahrer tugend trachten; Das ist, o herr! nicht der beruf, Dazu uns deine liebe schuf. 7. Nie kann ein herz, vom geize hart, Des wohlthuns freuden schmecken, Und in des unglücks gegenwart Den ruf zur hulf entdecken. Und wo ist eines standes pflicht, Die nicht der geiz entehrt und bricht? 8. Du bist ein vater, und aus geiz Entziehst du dich den kindern, Und läsfest dich des goldes reiz, Ihr herz zu bilden, hindern, Und glaubst, du habst sie wohl bedacht, Wenn du sie reich, wie dich gemacht. 9. Du hast ein richterliches amt, Und du wirst dich erfres chen, Die sache, die das recht verdammt, Uus habsucht recht zu sprechen; Und selbst der tugend größter feind Erkauft an dir sich einen freund. 32 Von den Pflichten gegen uns selbst. 356 10. Gewinnsucht raubt dir muth und geist, Die wahrheit frey zu lehren; Du schweigst, wenn pflicht dir reden heißt, Ehrst, wo du nicht soll eh ren, Und wirst um ein verächtlich geld Ein schmeichler und die pest der welt. 5. Ein heilger trieb belebe mich, O höchster! meine pflich ten In deiner furcht, gestärkt durch dich, Mit freuden zu verrichten. Ein herz, das sich des guten freut, Giebt zu der arbeit munterkeit, Versüßt uns ihre lasten. 6. Laß mich vor dir, herr! unverrückt, Mit einem herzen 477. 3ur arbeit, nicht wandeln, Das geiz und ehr11.Drum.herr! erhalte mich dabey, Daß ich mir gnügen las fe, Geiz ewig, als abgötterey, Von mir entfern' und hasse. Ein weises herz und froher muth Sey meines lebens größtes gut. Arbeitsamkeit und Sleiß in Berufsgeschäften. Mel. Aus tiefer noth schrey ich., zum gang, Sind wir, o herr! auf erden. Drum laß mich doch mein lebelang Kein knecht der trägheit werden. Gieb mir verstand und lust und kraft, Daß ich treu und gewissenhaft In meinem stande lebe. mich nicht Die zeit mit nebendingen, Die weit entfernt von meiner pflicht, Verschwendes risch verbringen. Das müsse mein vergnügen seyn, Mich den geschäften ganz zu weihn, Die du mir auferleget. 2. Hast du ein amt, so warte sein; Das ist, o gott! dein wille. O! flöße selbst den trieb mir ein, Daß ich ihn treu erfülle. Hilf mir, daß ich von zeit zu zeit Un einsicht und an tüchtigkeit 3u meinem amte wachse. 3. Dherr! vor tráger weichlichkeit Wollst du mein herz bewahren; So werd ich aus gemächlichkeit Nie meine kråfte sparen, Erholen werd ich mich nur dann, wenn ich, von kraft erschöpft, mich kann 7. Dir zu gefallen, sey mein zweck Bey allem, was ich thue, So wandle ich den rechten weg 3u der gewis sensruhe. Denn wer dir, heiligster! mißfällt, Was nuhet dem die ganze welt Mit allen ihren schätzen? 8. Laß mich den zeitlichen beruf, Herr, nie geringe ach ten, Das werk, wozu dein zweck mich schuf, Als gottes: dienst betrachten; Damit ich einst in jener welt, Die ho heren beruf enthält, zu hóbern würden steige. neuer arbeit Mel. Es ist das heil uns kommen. ists, 4. Uus wahrer weisheit laß 478. Gasvermögen haft zu handeln. Mein leben deinem dienst zu weihn, So nüglich, als ich kann, zu seyn, Das sey mir ehr und reichthum. Von den Pflichten gegen uns selbst. schafft, Das gute zu vollbringen, Er giebt zur arbeit muth und traft, Und läßt sie uns gelingen. Was man mit ihm nur unternimmt, Wird, wenn's mit seinem willen stimmt, Nicht ohne fortgang bleiben. 2. Wer das zu ſeinem haupt: zweck macht, Gefällig ihm zu werden, und erst nach seinem benfall tracht't, Dem giebt er auch auf erden Vom irdschen gut mit milder hand So viel beym fleiß in seinem stand, Als ihm wahrhaftig nüßet. 357 nes großen namens preis, Daß mir die frucht von meinem fleiß In jenes leben folge. Zufriedenheit und Ge nügsamkeit. Mel. Wend ab deinen zorn. ott! du bleibst 479. ewig unsrer wohlfahrt meister. Wie thdricht handeln unzufriedne geis ster! Sie quälen sich, und machen ihrem herzen, Vergeblich schmerzen. 3. Gott ist der frommenschild und lohn, Und front er sie mit gnaden, Was sollte ihrer fein de hohn Und mißgunst ihnen schaden? Mit seinem schuß 3. Es ist umsonst; wir werbedeckt er sie, Und segnet, bey des lebens müh, Ihr herz mit troft und hoffnung. 2. Was helfen uns die ångstlich bangen sorgen Für den noch ungewissen andern morgen? Und müssen wir uns über unserm gråmen Nicht nachmals schämen? den's nicht erzwingen, Wenn wir auch nåchte durch mit kummer ringen, Und noch so früh mit ängstlichen geschafften Den leib entkräften. 4. Drum gieb, o gott! daß ich auf dich Bey meiner arbeit sehe. Mit licht und weisheit segne mich, Daß ich nie wege gehe, Die mir dein hei: lig wort verbeut. Nach chrift: licher rechtschaffenheit Laß mich vor allen trachten. 5 Laß müssiggang und trågheit mich, Als dir mißfällig, meiden, und hilf, daß ich ge stärkt durch dich, Voll muth, mit lust und freuden In mei nem stand geschäftig sey. Dein segen krone meine treu, Daß sie auch andern nüße. 6. Sey überall, mein gott! mit mir. Die werke meiner hånde Befehlich, allerhöchster! dir. Hilf, daß ich fie vollende Zu deis 4. Mein glück beruht, o gott! auf deinem segen. Verfrau ich dir, und geh auf deis nen wegen, So wirst du mir auch ohne sorg' und frånken, Was nüglich, schenken. ak 5. Bin ich getreu mit dem verliehnen pfunde, Und harr ich nur der rechten segensstunde, So kömmt sie, und dann werden meine thaten 3um glück gerathen. 6. Drum fördre selbst die werke meiner hånde; Geseg net sey der anfang und das ende; Gieb guten rath, da: mit, was ich vollbringe, Mir wohl gelinge. 358 Von den Pflichten gegen uns selbst. 7. Hilf mir mit treue mels segen, Mehr guter anvers meine pflicht erfüllen, Und traut, als dir; Doch soll dies dann mein herz mit froher deinen neid erregen? Denk, hoffnung stillen. Erlang ich wer ist gott? und wer sind nur, was du, herr! mir be- wir? Weiß er nicht besser, schieden, Bin ich zufrieden. was dir nuget, Und was dem nächsten nüßt, als du? Wenn er dich führt, regiert und schüßet, Was fehlt noch wohl zu deiner ruh? 8. Kann ich den leib auch nicht, wie reiche laben; Ver sorge nur den geist mit jenen gaben, Die mehr, als alles irdische erquicken, Ewig be: glücken. 9. Hier hab ich gnug; laß mich nur mit den frommen 3u dem genuß der himmelsgüter kommen; So wird mein wunsch, den irdisch gut nie stillet, Völlig erfüllet. 4. Du prangest nicht mit hohen würden; Beneide nicht der großen glück, Sie seufzen unter schweren bürden, Und fallen oft im augenblick. Dir ward kein überfluß gewähret; Ihn wünschen, das ist selbstbetrug. Wer gern, was er nicht braucht, entbehret, Der ist beglückt und reich genug. 5. Herr! der du mir zum frohen leben, So viel ich brauch', und mehr verliehn, Laß tåglich sich mein herz bestreben, Den sorgenvollen gram zu fliehn. In demuth laß mein herz sich üben, Gott! deiner gute sich zu freun; Dich fürchten, dir vertraun, dich lieben, Müss' ewig mein vers gnügen seyn. Mel. Wie groß ist des allmächt'gen. 480. ntéhre nicht, mein herz, mit klagen Den gott, der dich zum glück erschuf. Die můh deš le: bens zu ertragen, Und froh zu seyn, ist dein beruf. Der christ murrt nicht bey den beschwerden Von dieser kura zen lebensbahn; Er sucht, daß sie ihm nüglich werden, Und betet gottes willen an. Mel. Nun ruhen alle wälder. 2. Gott selbst hat dir dein loos beschieden, Nimm's dankbar aus der vorsicht hand, 481. Wenn ich nur Erfülle jede pflicht zufrieden, Die sie mit diesem loos verband. Sie giebt dir munterkeit und kräfte, Und náhrt und stärkt sie váterlich. Sie brau chen, dies ist dein geschäffte, Und ihr gebrauch ist ruhm für dich. gott gefalle, So lang' ich hier noch walle, Und menschen nüßlich bin; Dann seh ich voller freuden, Auch mitten in dem leiden, Auf meiner laufbahn ende hin. 2. Mir mag auf dieser erden Glück oder unglück werden, Ich nehm es dankbar an; Es 3. 3warjenem hat des hims, kommt aus gottes hånden, Der Von den Pflichten leicht den kummer enden, Und meinen geist erfreuen kann. 3. Durch ungerechte klagen Will ich nicht meinen tagen Selbst ihren werth entziehn; Ich will sie froh genießen, und fest ben mir beschließen, Daß keiner ungenügt soll fliehn. 4. Mit mitleidsvollem herzen Will ich auch andrer schmerzen, Und fremde noth zerstreun; Und kann ich glück verbreiten, Mit vielen felig keiten Soll das für mich verbunden seyn. 5. Es sey mein ganzes les ben Ein eifriges bestreben, 3u thun, was gott gefällt; Nur, wenn ich dieses thue, Genieß ich watre ruhe, Und wahres glück schon auf der welt. 6. Und du wirst meine feele, Die ich dir, gott! befehle, Wenn einst mein tod erscheint, Dahin vom staub erheben, Wo fie, mit heil umgeben, Dann ewig bleibt mit dir vereint. Rechtmäßige Anwendung des Lebens. Mel. Wer nur den lieben gott. gabst mir, 482. Deger, diefes leben Nicht für den augens blick der zeit; Nein, was du mir davon gegeben, Gabst du mir für die ewigkeit. Hier ist allein der prüfungsort; Bestrafung und belohnung dort. 2. Du schenktest mir verstand und willen, Die wahrheit zu erkennen, licht, Kraft, deine vorschrift zu erfüllen, Und eine richtschnur meiner pflicht, Der gegen uns selbst. 359 tugend inneres gefühl, Und freyheit, wie ich wählen will. 3. Du schmücktest durch dein mächtges werde! Mit reiz und pracht mein irdisch haus, Und goffefst über diese erde Die wunder aller schönheit aus, Und schufft mir feine sinnen an, Daß ich sie auch empfinden kann. 4. Und dennoch läsfest du mich wissen, Daß dies mein irdisch haus zerbricht. Ich soll zwar dieser welt genies Ben, Doch als genoß ich ihrer nicht; Ich soll der finnen lüste fliehn, Wenn sie mich zu der erde ziehn. 5. Der freude soll ich oft nicht achten, Die mein herz für so schmeichelnd hält, Nach lust und ehr und geld nicht trachten, Wenns von der tus gend mich abhålt; Was mir in ewigkeit wohl thut, Das soll ich wählen, als mein gut. 4. Die prüfung, gott! war nicht vergebens. Du wolltest sehn, ob ich dir treu, In der ges meinschaft jenes lebens Mit dir zu vom tand des eiteln leer, Einst höh'rer freuden würdig war. eine 7. Denn du willst neue erde Und einen neuen himmel baun; Und, daß ich hier geheiligt werde, Soll ich aufs unsichtbare schaun, Dem reiz der lúste widerstehn, Und stets auf deinen wegen gehn. 8. Wohl mir, wenn ich es muthig wage, Der großen hoffnung werth zu seyn, Und Von den Pflichten gegen uns selbst. 360 diese kurzen prüfungstage Gott und der tugend bloß zu weihn, Wenn nie mein fuß den pfad verliert, Der mich zum bessern leben führt! 9. Wohl mir, wenn ich den hang zur sunde, Und die verbotne lust der welt, Und jede lockung überwinde, Die noch mein herz gefesselt hålt, Und ( o welch glänzender gewinn!) Hier sieger, dort gekrönet bin. 10. gott! gieb deines geistes stärke, Der du in schwachen mächtig bist, Dem, der zu diesem großen werke Zu klein, zu schwach, zu sinnlich ist; Lehr mich das irdische verschmähn, Und stets nach meinem ziele sehn. II. Laß mich oft in gesunden tagen Mein grab mir in gedanken baun, Und bey des lebens freud und plagen Auf dich und auf das fünstge schaun; Damit ich meiner pflicht getreu, Des höhern lebens fähig sey. Mel. Nun ruhen alle wälder. ist mein 483. Was zeitlich leben, Das du mir, gott! gegeben? Ein unschäßbares gut. Du gabst mir's, hier auf erden 3um himmel reif zu werden, Je größer wird mein glück dort seyn. 3. Sollt ich dies glück mir rauben? O herr! laß mir, im glauben Der künftgen erndtezeit, Mein leben auf der era den So werth und wichtig werden, Als es mir selbst dein wort gebeut. 4. Mir selbst es zu verkürzen, Mich in den tod zu stürzen, Ist wider meine pflicht, Ist undank deiner gute; Ein redliches gemüthe Berläßt ja seinen standort nicht. 5. Gieb, daß ich klüglich fliehe, Was oft mit leichter mühe Mir gar mein leben nimmt; Doch laß mich auch nicht zagen, Das leben selbst zu wagen, Wenn mich die pflicht dazu bestimmt. 6. In deine vaterhånde Befehl ich, herr! mein ende, Und meiner tage lauf. Es sey mein ganzes lebe Dir hier zum dienst ergeb n; Hilf du selbst meiner schwachheit auf. 7. Was nüßt ein langes leben Dem, der nicht gott ergeben, Nach wahrer tugend strebt? Wer gott und menschen liebet, So seinen glauben übet, Nur der hat lang und wohl gelebt. Mel. O ewigkeit, du donnerwort. Worauf mein wahres glück 484. Mein leben iſt beruht. 2. Hier wird die saat ge- stand, Der himmel ist mein streuet, Dort erndiet man er- vaterland. Die ruh ist nicht freuet Der tugend früchte ein. auf erden. Ich suche die zu Se långer ich hier wandle, künftge stadt, Die gott selbs Vor dir rechtschaffen handle, sest gegründet hat, Da weri Von den Pflichten gegen uns selbst. 361 gehen. Fall ich noch oft, so hilf mir auf, Daß ich vollende meinen lauf. Laß stets mich feste stehen, Getrost auf deine hülfe traun, Und einst das ew'ge leben schaun. ich glücklich werden; Mein les ben ist ein prüfungsstand, Der himmel ist mein vaterland. 2. Wie schatten vor der sonne fliehn, So flieht mein leben schnell dahin; Hier werd ich nicht stets bleiben. Ich eile Selbstverläugnung. der Herr! mache nach dazu bereit, Laß deinen 485. W ni jünger feyn, Mel. Wo gott der herr nicht. ill sti geist mich treiben, Daß ich, was zeitlich, irdisch ist, Verachte, als ein wahrer christ. Der muß sich sein nicht schåmen, Sich selbst verleugnen, Christi pein Und kreuz gern auf sich nehmen. Drum, Jesu! gieb mir deine fraft, Die dies ses einzig in mir schafft, Damit ich dir nachfolge. 3. Man trifft auch auf der lebensbahn Sehr viele hindernisse an; Schwer sind sie zu bestreiten. Sehr weit entfernt ist noch das ziel, Der weg ist schmal, der feinde viel; Leicht ists, mich zu verleiten. Ich muß durch dürre wüsten gehn, Und kann oft keinen ausweg fehn. 4. Wie oft seh ich die sonne nicht, Die hier mit troft, mit heil und licht Des frommen herz beglücket! Der trübfal sturm dringt auf mich zu, Mein müdergeist find't nirgends ruh; Doch fühl ich mich erquicket, Wenn ich der überwinder kron Betrachte, und der treue lohn. 5. Hilf du mir selbst, herr Jesu Christ, Der du selbst mensch geworden bist, Mein fleisch haft angenommen! Laß mich auf der verleugnung pfad, Den mir dein fuß gezeichnet hat, Dem ziele nå her kommen. Gieb, daß ich standhaft streite hier, Und ewig herrsche dann mit dir. 6. Verleihe mir beständigkeit, Und laß mich stets mit freudigkeit Auf deinen wegen 2. Du weißt ja, daß es schwerer fällt, Den eigensinn zu lassen, Sich selbst ver leugnen, als die welt Und ihre lust zu hassen. Drum wirk in mir, was ich nicht kann, Führ mich zu deiner liebe an, Und dampf die eigenliebe. 3. Gieb, daß ich aller bösen lust Absterbe, dir nur lebe; Kein wankelmuth sey mir bewußt, Wenn ich mich dir ergebe. Gieb, Jesu! daß ich niemals mir, Noch meinem willen, sondern dir, Und deinem willen folge. 4. Wird fleisch und blut erst unterdrückt, Wird schnöder eigenwille In meiner eiteln brust erstickt, Sind die bes gierden stille, So fångt gott sein werk in mir an, Daß ich durch seine gnade kann Mir selber ganz absterben. 5. Mein Herz ist eitler lüfte voll, Blind, finster, ohne le 362 Von den Pflichten gegen uns selbst. ben; Was gott in mir gefallen schätzen; Dies alles ist für foll, Muß er mir selber geben. mich zu klein. Soll etwas Erleuchtet mich sein gnaden meine feel ergößen, Muß es, schein, So kann ich ihm gefällig gleich ihr, unsterblich seyn. seyn, Und ihm zu ehren leben. Ein glück, das augenblicke 6. Gieb, herr! mir deines währt, Ist das nicht, was lichtes schein, Daß ich dich mein herz begehrt. recht erkenne, Dich ehre, gegen dich allein In wahrer liebe brenne. Entreiß mich mir, und gieb mich dir, Laß meine feele für und für Mit dir verbunden bleiben. 2. Was sind die guter dies ser erden? Ein dampf, ein rauch, verdruß und müh. Sie zeugen sorgen und beschwerden, Und ihr genuß befriedigt nie, Sie wechseln oft, sie täuschen sehr, Entfliehen schnell, und sind nicht mehr. 7. Ich feufze, herr! nach deiner kraft, Stárk mich mit deiner gute. Dein geist, der alles gute schafft, Erfülle mein gemüthe, Daß es nicht eigne ehre such, Dir ähnlich werd, und stets verfluch, Was mich von dir abführet. 8. Herr! deine liebe giebt allein Heil, seligkeit und leben; Die eigenliebe kann nur pein, Unruh und unheil geben. Du giebst uns segen, heil. und ruh, Der eigne ruhm schreibt sich es zu; Drum muß es dir mißfallen. 9. Dein ist preis, ehr und ruhm, den dir Doch stolz und hochmuth rauben; Darum erwecke selbst in mir, Herr! demuth, sanftmuth, glauben. Nimm eigenliebe völlig hin, Und gieb mir Christi herz und sinn, Der dich stets liebt und ehret. Verleugnung der Welt und des Irdischen. Mel. Wer nur den lieben gott. ch frage nichts nach gold und 486 3. Hat jemand seine besten tage In fleiß und arbeit zugebracht, und mit erduldung mancher plage Sich ehr' und vortheil hier erjagt, So bleibt doch all sein irdisch glück Bey seinem grabe hier zurück. 4. Wie eingeschränkt ist unser wissen! Wie unerforschlich die natur! Umhüllt mit dicken finsternissen, Berlier ich leicht der wahrheit spur. Die weisheit, die den christen ziert, Ist, die zu gott, zur tugend führt. 5. Und könnt ich auch mein ganzes leben Hier finnlichen vergnügen weihn, Und meinem herzen alles geben, Was fähig ist, es zu erfreun; Folgt doch, ohn' tugend, überdruß, Und ekel bald auf den genuß. 6. Was seyd ihr doch, vers botne freuden? Ein blendend nichts, ein raub der zeit, Die reiche quelle bittrer leiden, Des geistes grab und eitel: keit, Ein glück, das man ans Von den Pflichten irrthum wählt, Und das mit spåter reue quält. 7. Was ist die ehre, was sind würden, und die damit verbundne pracht? Ein glänzend elend, schwere burden, Wodurch man sich zum sclaven macht. Bey aller ehre kann ich klein, und ohne sie erhaben seyn. 8. Dein gold, elender mammonshüter, Was wird es ohne tugend seyn? Es ist die sorge der gemüther, Und eine theur erkaufte pein. Deckt reichthum dich vor schmerz und noth? Und ist er dir ein trost im tod? 9. Nur tugend führt zum wahren glücke; Sie lindert unser ungemach, Schenkt uns ferm leben heitre blicke, Folgt in die ewigkeit uns nach, Versichert uns des höchsten huld, Giebt trost im tod, im kreuz geduld. gegen uns selbst. 363 laster hier erschreckt, So wird doch einst an jenem tage, Wenn gott die tobten auferweckt, Des stolzen fünders nicht geschont; Die tugend aber erst belohnt. 13. Dann wird gott einem jeden geben Nach seinem thun, freud oder pein. Die frommen werden ewig leben; Der sünder theil wird elend seyn. Dies, seele, stärke deinen muth; Der herr bleibt stets gerecht und gut. 14. Erwarte sie, die frohen tage Noch nie empfundner feligkeit. Gott wird einst alle deine plage Verwandeln in zufriedenheit, Wenn er dich erst nach seinem rath, So wie das gold, geläutert hat. 15. Entreiße dich der erde lüsten, Erhebe dich zur ewigkeit. Hier wandelst du noch in der wüsten, Hier lebt du in der prüfungszeit; Bald führet dich des todes hand Nach deinem wahren vaterland. 10. 3war fließen oft des fummers zähren Vom ange= sicht der unschuld hin; Der fromme fleht, und sein begehren Wird nicht gehört, man fliehet ihn. Er leidet druck und ungemach, Verachtung, dürftigkeit und schmach. 16. Der tod ist schwer! vielleicht dem reichen?- Dich wird sein anblick hoch erfreun. Dann werden schmerz und elend weichen, Dann wirst du ewig glücklich seyn. Hier ist nur müh und eitelkeit, Dort wahre ruh und seligkeit. 11. Die sünder sieht man stolz sich brüsten, Oft feste, wie palláste forglos ihren liſten, und fre 487. Debenheit be folgen troMel. Nun ruhen alle wälder. herrlichkeit der Muß staub und asche werden, Und nichts bleibt ewig stehn; Das, was uns hier ergötzet, Was man für ewig scházet. Wird als ein leichter traum vergehn. Ben auf ihr wohlergehn; Sie sündigen mit zuversicht, und fürchten gottes ftrafe nicht. 12. Doch wenn gleich keine noth und plage Das freche 364 Von den Pflichten gegen uns selbst. 2. Was sind doch alle sachen, het In ihrer schönsten zier, Die uns so trobig machen, und doch verwelkt sich beuget, 2013 tand und eitelkeit? Was Eh sich der abend zeiget, So ist der menschen leben? Stets blühen und verwelken wir. mit gefahr umgeben, Währt es nur eine kurze zeit. 3. Was hilft unnüßes wis sen? Wird's, wenn wir ster: ben müssen, Für uns ein vorzug seyn? Was hilft uns macht und ehre, So glänzend sie auch wåre? Kann sie uns wohl alsdann erfreun? 9. Froh wachsen wir auf erden, und hoffen groß zu werden, Bon schmerz und sorgen frey; Doch in den schönsten tagen, Eh wir noch früchte tragen, Bricht uns des todes sturm entzwey. 4. Der ruhm, nach dem wir trachten, Den wir uns sterblich achten, Ist meist ein falscher wahn; Sobald der geist gewichen, Und unser leib verblichen. Fragt oft kein mensch, was wir gethan. 10. Wir rechnen jahr auf jahre; Inzwischen wird die bahre, Bor unser haus ge bracht. Man scheidet von den seinen, Die hulflos uns beweinen, Und uns bedeckt des grabes nacht. 5. Wie bald wird das zerrinnen, Was wir mit müh gewinnen, Was unser fleiß erwirbt! Kann wohl, was wir besigen, Uns vor dem tode schüßen, Und stirbt nicht alles, wenn man stirbt? II. Dies laßt uns wohl bes denken, Und uns zum himmel lenken, Weil er uns of fen steht. Wer dahin will gelangen, Darf an der welt nicht hangen, Da sie mit ihrer lust vergeht. Vorbereitung zum Tode 6. Was sind des lebens Wie bald amb leiden, und ren auf den 488. Jest lebih b und und zur Ewigkeit. Mel. Wer nur den lieben gott. ich; ob ich morgen be, Ob diesen abend, weiß ich nicht. D! lehr du, dem ich mich ergebe, Herr! lehr mich selbst die große pflicht, Durch deines heilgen geistes fraft, Stets fertig seyn zur rechenschaft. genuß! Was ist's, womit wir prangen? Wo wirst du ehr erlangen, Die nicht zu letzt verschwinden muß? 7. Was sind selbst alle thro: nen? Giebt es wohl ird'sche kronen, Die unverwelklich blühn? Kann vor des grabes 2. Die blume, die am schrecken Der purpur dich bedecken, Die trone dich dem tod entziehn? um 8. Wie, wenn die sonn' auf gehet, Die rose blühend ste morgen stehet, Fállt vor der abenddammrung ab. Die luft, die jetzt mich angewehet, Stürzt mich vielleicht ins nahe grab. Der jüngling, eb Von den Pflichten gegen uns selbst. 365 er's sich versieht, Stirbt, eh er noch ist aufgeblüht. 3. Entziehe dich dem weltgetümmel; Hier ist der kampf, und dort ist ruh. Dein wan= zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir menschen gaben, Nichts wird dich im tod erfreun; Diese güter sind nicht dein. del, seele, sey im himmel, Du 3. Nur ein herz, das Jesum eilst dem bessern leben zu. Nach einer kurzen prüfungszeit Ist ewigkeit, ist ewigkeit. liebt, Nur ein ruhiges gewissen, Das vor gott dir zeugniß giebt, Wird dir deinen tod versüßen; Dieser sinn, den gott gebeut, Giebt im tode freudigkeit. 4. Verschiebe niemals deine pflichten. Was jetzt zu thun du schuldig bist, Denk nicht erst morgen auszurichten; Wer weiß, ob's morgen möglich ist? Mensch! dieser augenblick ist dein; Der künft'ge wirds vielleicht nicht seyn. 5. Noch eh ich dieses lied vollende, Ergreift vielleicht mich schon der tod. Drum lehr mich denken, herr! ans ende, An meine letzte todesnoth. D! laß, stellt sie sich plötzlich ein, Mich stets dazu bereitet seyn. 6. Es sey, o vater meines lebens! Wenn einst die letzte stunde schlägt, Der schwache seufzer nicht vergebens, Der dich zur gnade noch bewegt. Ach! sterb ich einen schnellen tod, Sey mir barmherzig, herr, mein gott! Mel. Jesus, meine zuversicht. Deine lebenszeit 489. Mei verstreicht Stündlich eil' ich zu dem grabe; Und was ist's, das ich vielleicht noch allhier zu leben habe? Denk, o feele, an den tod! Säume nicht: denn eins ist noth. 4. Wenn in deiner letzten noth Freunde hülflos um dich beben, Dann wird über welt und tod Dich dies reine herz erheben; Dann erschreckt dich kein gericht; Gott ist deine zuversicht. 5. Daß du dieses herz er wirbst, Fürchte gott, und bet' und wache. Serge nicht, wie früh du stirbst; Deine zeit ist gottes sache. Lern' nicht nur, den tod nicht scheun, Lern' auch seiner dich erfreun. 6. Ueberwind ihn durch vertraun; Sprich: ich weiß, an wen ich glaube, Und ich weiß, ich werd ihn schaun Einst in diesem meinem leibe. Er, der rief, es ist vollbracht, Nahm dem tode seine macht. 7. Tritt im geist zum grab oft hin, Siehe dein gebein versenken; Sprich: herr! daß ich erde bin, Lehre du mich selbst bedenken, Lehre du michs jeden tag, Daß ich weiser werden mag. Mel. Herr Jesu Christ, mein's. 2. Lebe, wie du, wenn du ſtirbst, Wünschen wirst gelebr 490. ie ficher lebt 366 Von den Pflichten der staub! Sein leben ist ein fallend laub; Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der tag des todes sey noch fern. 2. Der jüngling hofft des greises ziel, Der mann noch seiner jahre viel, Der greis zu vielen noch ein jahr; Und keiner nimmt den irrthum wahr. 3. Sprich nicht: ich denk in glück und noth Im herzen oft an meinen tod, Der, den der tod nicht weiser macht, hat nie mit ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur ewig keit, zu thun, was uns der herr gebeut, Und unsers le= bens kleinster theil Sst eine frist zu unserm beil. 5. Der tod rückt feelen vor gericht; Da bringt gott alles an das licht, und macht, was hier verborgen war, Den sinn der herzen offenbar. 8. Ein herz, das gottes stimme hört, Ihr folgt, und sich vom bösen kehrt, Ein gläubig herz, von lieb erfüllt, Dies ist es, was in Christo gilt. gegen uns selbst. stets nach ihr, Als wäre sie ein werk von dir. 9. Die heiligung erfordert müh; Du wirkst sie nicht, gott wirket sie. Du aber ringe 10. Der ruf des lebens, das du lebst, Dein höchstes ziel, nach dem du strebst, Und was dir ewig glück verschafft, Ift tugend in des glaubens kraft. II. Shr alle seine tage weihn, heißt eingedenk des todes seyn, Und wachsen in der heiligung, Sst wahre todserinnerung. 12. Wie leicht vergeß ich diese pflicht! Herr, geh mit mir nicht ins gericht! Un meinen tod erinnre mich, Daß ich dir wandle würdiglich. 6. Drum, da ſsein tod dir tåglich draut, So sey doch wachsam und bereit; Prüf deinen glauben als ein christ, Ob er durch liebe thätig ist. Mel. Wer nur den lieben gott. 7. Ein seufzer in der letzten 491. seilt der letzte von den tagen, noth, Ein wunsch, durch des erlösers tod Vor gottes thron gerecht zu seyn, Dies macht dich nicht von fünden rein. 13. Daß ich mein herz mit jedem tag Vor dir, o gott! erforschen mag, Ob glaube, demuth, lieb und treu, Die frucht des geistes, in mir sey. 14. Daß ich zu dir um gnade fleh, Stets meinen lüsten wis dersteh, Und einstens in des glaubens macht Mit freuden ruf: es ist vollbracht! Die du hier lebest, mensch! herbey. Erkauf die zeit! und statt zu klagen, Sie sey zu kurz, gebrauch sie treu. Nimm mit erkenntlichem gemüth, Der nahen stunde wahr; fie flieht. 2. Getäuscht von eiteln klei nigkeiten, Verlierst du deines lebens zweck, Verschiebst dein heil auf ferne zeiten, Und wirfst so sicher jahre weg! Bist du, zu kühner sterbli Von den Pflichten gegen uns selbst. 367 cher! Des nächsten augen- meinen geist, o herr! Er blickes herr? as schwingt sich über grab und welt Zu dir, wenn seine hütte, fällt. 3. Einst ewigkeiten zu be: sitzen, Sollst du des kurzen lebens zeit, 21s deine saatzeit weislich nüßen, Und thun, was dir der herr gebeut. ruft dir menschenfreundlich zu: Sieh, was säumest du? Er eins ist noth! 4. Drum eil', errette deine feele, Und denke nicht: ein andermal! Sey wacker, bet, und überzähle Der menschen tage kleine zahl. Gesetzt, dein ende wår' auch fern; So wandle doch fromm vor dem herrn. 5. Mit jedem neugeschenkten morgen Erwecke dich zu dieser pflicht. Sprich: dir, o gott! ist nichts verborgen; Ich bin vor deinem ange sicht, Und will, mich deiner huld zu freun, Mein leben gern der tugend weihn. 6. Erleucht' und stärke meine feele, Weil ohne dich sie nichts vermag. Du gönnst, daß ich mein heil erwähle, Aus gnaden mir noch diesen tag. Was ist nicht eine stunde werth, Die deine langmuth mir gewährt! 7. Wohl mir, wenn ich aus allen kräften Nach gottes reiche hier gestrebt, In gottge: fälligen geschäften Die pilger: tage durchgelebt, Und einst im glauben sagen kann: Du nimmst mich, herr, zu ehren an! Mel. Wer nur den lieben gott. 492. Sie kommt, fie die letzte stunde, Schon ist der richter vor der thur; Was für ein wort aus seinem munde Bestimmt mein ewig schicksal mir? Komm, du gesegneter, herein! Ach! oder? geh zur höllenpein! 2. Herr! prüfe mich noch hier am grabe, Erforsche, wie mein herz es meynt, Und was ich zu erwarten habe, Wenn Jesus zum gericht ers scheint. Bin ich noch nicht auf rechter bahn, So nimm dich, vater! meiner an! 8. Mein sprachlos flehn bey meinem ende Vernimmst du, herzenskündiger! In deine 1 3. Allwissender! ist mein vers trauen Auf Jesum auch von rechter art? Nicht, wie auf ihn die heuchler bauen, Bey denen er zum spotte ward, Die nies mals auf sein beyspiel sehn, Nie folgsam seine wege gehn? 4. Hat auch mein glaube furcht und liebe Vor dir mein gott! in mir erzeugt? Ents flammte er des dankes triebe, Damit ich kindlich mich ges beugt, Wenn du mich als ein vater trugst, Wenn du mich als ein vater schlugst? 5. Du willst, ich soll die welt verlassen, Thu ichs auch gern und mit geduld? Bergab ich denen, die mich hassen, treuen vaterhånde Befehl ich Mit hand und herzen ihre Von den Pflichten gegen uns selbst. 368 schuld? That ich auch einem bruder leid, Der über mich noch rache schreyt? 6. Empfahl ich dir auch stets die meinen? Hab ich auch treu für sie gewacht? Darf ihrer keiner darum wei nèn, Daß ich nicht als ihr freund gedacht? Und sterb ich in der zuversicht: Der herr verläßt die meinen nicht? 7. Such ich in deinem wort erquickung, Wenn mir um trost jest bange wird? Sehnt sich mein herz nach der entzückung, Die mir der herr, mein guter hirt, Erworben, und in jener welt Um quell des lebens vorbehält? 8. Mir fagt sein wort und mein gewissen, Daß ich ein übertreter bin; Laß ich auch fromme thrånen fließen, Und fliehe betend zu ihm hin? Bleib' ich getrost durch Christi tod, Wenn mir des grabes schrecken droht? 9. Gott! richter! vater! schone, schone, Weil er den Felch des zornes trank, Gieb mir, gieb mir die siegeskrone, Die er durch seinen sieg er: rang; Dann fag' ich durch des glaubens macht, Getrost und froh: es ist vollbracht! Mel. Jesus, meine zuversicht. 493. Herr, ich hab, aus wie bald zur gruft Deiner vorsicht wink mich ruft? 2. Unaussprechlich schnell entfliehn Die uns zugezählten stunden, Eh mans denkt, sind die dahin, Und auf ewig uns verschwunden; Niemals kehrt ein augenblick Uns zum heil davon zurück. 6. Laß mich meine besserung Für mein Hauptgeschäfte achten, Und nach meiner heiligung Mit so treuem eifer trachten, Als erwartete noch heut Mich gericht und ewigkeit. 7. Deine gnade steh mir bey, Daß mein leben auf der deiner treu, an guten früchten fey, Und dem nächsten nützlich werde; Und ist einst mein ende da, D! so sey mit trost mir nah. zum heil noch zeit in han den; Gieb doch, daß ich sorgsam sey, Sie recht weislich anguwenden. Denn wer weiß, 3. Laß bey ihrer flüchtigkeit, Mich, mein gott! doch nie vergessen, Wie unschätzbar sey die zeit, Die du hier uns zugemessen, Wie, was hier von uns geschieht, Ew'ge folgen nach sich zieht. A 4. Reize mich dadurch zum fleiß, Eh die zeit des heils verlaufen, Mir zur wohl fahrt, dir zum preis, Noch die stunde auszukaufen, Die zu meiner seligkeit Deine gnade mir verleiht. 5. Deine schonende geduld Trage mich, gott! nicht vergebens. Ach! vergieb mir meine schuld, Daß so mans chen theil des lebens Ich zu meiner seelen wohl Nicht gebraucht, so wie ich soll. Von den Pflichten gegen den Nächsten. zu entrichten. Du bist gottes; und dein knecht Hat dort mit dir gleiches recht. 7. Dein erlöser sagt es dir: Pflegst du der geringsten ei. nen, So thust du es selber mir; Denn ihr alle seyd die meinen. Mancher, den die welt verschmåht, Ist in gots tes aug' erhöht. Pflicht der Nächstenliebe. Mel. Jesus, meine zuversicht. 494.¹ llen christen, und auch mir, Hat der herr dies vorgeschrieben: Euren nächsten sollet ihr, Als euch selbst, von berzen lieben; Wer ihn hasset, schlågt ihn todt, Und die mörder hasset gott. 2. Wir sind bürger einer welt, Alle kinder, alle brüder; Wer sie schmäht und unwerth hält, Wüthet gegen seine glie: der; Wir sind ein leib, und gott schuf Uns zu einerley beruf. 369 6. Nach dem dir vertrauten pfand Messen sich auch deine pflichten, Gab gott viel in deine hand, So hast du viel 8. Darum, gott! gieb mir ein herz. Das von menschenlieb entbrennet, Auch in niedrigkeit und schmerz Seinen nächsten nicht verkennet, Nie voll eiteln wahns vergißt, Daß ein mensch, wie ich, er ist. 3. Eine sterbliche natur, Ein gebrechlichs kurzes leben, Eine hoffnung hat uns nur Gott ohn' unterschied gege: ben; Eine straf und seligkeit Wartet unser nach der zeit. 4. Ehre, reichthum, würde, stand, Seelenkräfte, leibesgaben, Und was wir aus gots tes hand Sonst für einen Mel. Uch, was soll ich fünder. vorzug haben, Alles dies be- 495. Sollten menschen, frent uns nicht Von der menschenliebe pflicht. 5. Nein, der gaben unter schied Knüpft das große band auf erden; Jeder, wenn er sich bemüht, kann dem andern nüglich werden; Den, der dir hier dienen muß, Náhrt mit recht dein überfluß. 9. Ja, gieb, großer mens schenfreund, Jesu! daß ich auf der erde Allem stolz und neide feind, Dir an demuth ähnlich werde, Um der hoffnung mich zu freun, Einstens groß vor dir zu seyn. Mir, wie gott, nicht theuer seyn? Sollt ich sie nicht gern erfreun? Sie sind alle Christi glieder, Christi, der für alle starb, Allen gottes huld erwarb. 2. Alle sind von einem blus te, All' und jede menschen sind Sein, und jeder ist sein kind; All' erkauft mit einem blute, Alle erben seines sohns Erben eines gnadenlohns. 3. Gottes kinder wollt ich 2 a 370 Von den Pflichten gegen den nächsten. haffen, Lieblos, unbarmherzig ihr brüder, Für euch beten, seyn? Meinem feinde nicht verzeihn, Keine schulden ihm erlassen? Und gott, dessen das gericht, Deß die rach ist, richtet nicht! euch erfreun, Wohlthun, dulden und verzeihn. Allgemeine Liebe gegen den Tächsten. Mel. Nun danket alle gott. du für die ter Liebreich bateſt, und die 496. Se me, o gol last Unsrer schuld getragen bast, Unser mittler und vertreter! Es versöhnte gott durch dich Eine sünderwelt mit sich. 5. Wenn mein herz, vom hang der sunde hingerissen, dich verkennt, Und zu haß und rach entbrennt; Uebers wind, o überwinder! Meinen haß, und laß mich sehn In den tod, für uns dich gehn. 6. Deine thränen, wie sie flossen, Als dein aug um mich geweint, Laß mich sehen, menschenfreund! Und dein blut, vor gott vergossen, Auss geschüttet, herr! für mich, Und von gott verlassen dich. 7. Es erton in meinen ohren: Was ich that, entzünde dich! Wer den bruder liebt, liebt mich, Wer nicht liebet, ist verloren; Gottes zorn ist über ihm! Gottes zorn ist über ihm! 8. Laß michs hören, daß ich übe, Was dein wille mir gebeut, Nachsicht, sanftmuth, gütigkeit; Daß ich, wie du liebtest, liebe, Feurig liebe, mild und treu, Sanft, und leicht versöhnlich sey. 9. Dihr meines hauptes glieder, Christi, der für alle starb, Ullen gnad und huld erwarb! Lieben will ich euch, jeden menschen liebet, Bey seinem wohl sich freut, Bey seiner noth betrübet, Ein herz, das eigennuk, Und neid und hårte flieht, Und sich um andrer glück, Als um sein glück bemüht. Laß 2. Seh ich den dürftigen, So laß mich gütig eilen, Von dem, was du mir giebst, Ihm hilfreich mitzutheilen. mich es willig thun, Nicht um gerühmt zu seyn Und mich verehrt zu sehn, Nein, men schen zu erfreun. 3. Dies sey mein gottesdienst. Auch unbemerkt von ihnen muß andern stets mein herz Mit rath und hülfe dies nen. Mich treibe nicht erst dank 3n milder wohlthat an; Nein, was ich brüdern thu, Das sey dir, gott! gethan. 4. Ein trunk, mit dem mein dienst Dem durstigen begegnet, Ein blick voll trost, womit Mein herz bedrängte segnet, Ein rath, wodurch mein mund Im fummer an dre stárkt, Nichts bleibt, so klein es ist, Von dir, herr! unbemerkt. 5. Eilt wo ein boshaft herz, Unfrieden anzurichten, So laß mich sorgsam seyn, Von den Pflichten gegen den Nächsten. 371 Der brüder zwist zu schlich- darnieder. Gott ist die lieb, ten. Aus schmåhsucht kränke nie Mein mund des nächsten ruh; Er rühme sein verdienst, Deck feine fehler zu. 6. Die rach ist dein, o gott! Du sprichst: ich will vergelten; Drum laß mich stille seyn, Wenn menschen auf mich schelten. Gieb, daß ich dem verzeih, Der mir zu schaden sucht, Den liebe, der mich haßt, Den segne, der mich flucht. 7. Doch laß mich nicht allein Auf zeitlich wohlergeben Mit eingeschränktem blick Bey meinem nächsten sehen; Noch stårker müsse mich Sein ewig glück erfreun, Noch mehr sein feelenheil Mir angelegen seyn. 8. Den, der im glauben wankt, Im glauben zu bestårken, Den, der noch sicher ist Bey lasterhaften werken, Von der verkehrten bahn Des lasters abzuziehn; Dazu verleih mir kraft, Und segne mein bemühn. 3. Wer seines nächsten ehre schmåht, Und gern sie schmåhen höret, Sich freut, wenn sich sein feind vergeht, Und nichts zum besten kehret, Nicht dem verläumder widers spricht, Der liebt auch seinen bruder nicht. 4. Wer zwar mit rath, mit trost und schuß Den nächsten unterstüket, Doch nur aus stolz, aus eigennuß, Aus weichlichkeit ihm nüket, Nicht aus gehorsam, nicht aus pflicht, Der liebt auch seinen nächsten nicht. 5. Wer harret, bis ihn ans zuflehn Ein dürftger erst erscheinet, Nicht eilt, dem frommen beyzustehn, Der im verborgnen weinet, Nicht güz tig forscht, obs ihm gebricht, Der liebt auch seinen nächsten nicht. 6. Wer andre, wenn er sie beschirmt, Mit hårt und vors wurf quålet, Und ohne nachs ficht straft und stürmt, SoMel. Machs mit mir, gott, nach. 497.So iemand ſpricht: bald sein nächster fehlet; Wie bleibt bey seinem Die ich liebe gott; Und haßt doch seine brüder, Der treibt mit gottes wahrheit spott, Und reißt sie ganz liebe gottes wohl in ihm? 7. Wer für der armen heil und zucht Mit rath und that 2 a 2 und will, daß ich Den nächsten liebe, gleich als mich. 2. Wer dieser erden güter hat, Und sieht die brüder leiden, Und macht den hungrigen nicht satt, Läßt nackende nicht kleiden, Der ist ein feind der ersten pflicht, Und hat die liebe gottes nicht. 9.D! heilige du selbst, Herr! meiner feele triebe, Durch deine lieb und furcht, Zu wahrer menschenliebe. Wer nicht den nächsten liebt, Geht nicht zum himmel ein. Laß diese wahrheit, gott! Mir stets vor augen seyn. Von den Pflichten gegen den Nächsten. 372 nicht wachet, Dem übel nicht zu wehren sucht, Das oft sie dürftig machet, Nur sorglos ihnen gaben giebt, Der hat sie wenig noch geliebt. 8. Wahr ist es, du vermagst es nicht, Stets durch die that zu lieben; Doch bist du nur geneigt, die pflicht Getreulich auszuüben, Und wünscheft dir die kraft dazu, Und sorgst dafür, so liebest du. 9. Ermattet dieser trieb in dir, So such ihn zu beleben. Sprich oft: gott ist die lieb, und mir hat er sein bild gegeben. Denk oft: gott! was ich bin, ist dein; Sollt ich, wie du, nicht gütig seyn? 14. Ein unbarmherziges gericht Wird über den ergehen, Der nicht barmherzig ist, der nicht Die rettet, die ihm fles hen. Drum gieb mir, gott! durch deinen geist, Ein herz, das dich durch liebe preist. Mel. Un wasserflüssen Babylon. du die liebe 498.felber bift, Und gern uns menschen segnest, Ja selbst dem, der dein feind noch ist, mit wohlthun doch begegnest; O bilde meinen sinn nach dir, Und laß mich doch, mein heiland! hier, Wie du gewandelt, wandeln. Die können keine christen seyn, Die sich nicht andrer wohl fahrt freun, Und menschenfeindlich handeln. 2. Dein leben in der sterb lichkeit War für die menschen segen; Dir folgten lieb und freundlichkeit Auf allen deis nen wegen. Wohin du gingst, ging wohlthun mit, Dein wort, dein werk und jeden schritt Begleitete erbarmen. Du übernahmst die schwerste pein, Uns vom verderben zu befreyn. Und starbst zum heil uns armen. 12. Du schenkst mir täglich so viel schuld, Du, herr von meinen tagen! Ich aber sollte nicht geduld Mit meinen brus dern tragen? Dem nicht verzeihn, dem du vergiebst, Und den nicht lieben, den du liebst? 13. Was ich den frommen hier gethan, Dem kleinsten du, o gottessohn! Ein freund 3. Auch jest noch auf der himmel thron Bist du das heil der fünder, Auch da bleibst 10. Wir haben einen gott und herrn, Sind eines leibes glieder; Drum diene deinem nächsten gern, Denn wir sind alle brüder. Gott schuf die welt nicht bloß für mich; Mein nächster ist sein kind, wie ich. auch von diesen, Das siehst du, mein erlöser! an, Als hått ichs dir erwiesen. Und ich, ich sollt ein mensch noch seyn, Und dich in brüdern nicht erfreun? II. Ein heil ist unser aller gut; Ich sollte brüder hassen, Die gott durch seines sohnes blut So hoch erkaufen lassen? Daß gott mich schuf, und mich verfühnt, Hab ich dies mehr, als sie, verdient? Von den Pflichten gegen den nächsten. 373 eitelkeiten, Durch lift, durch zwang, durch anreizung, Den schwachen zu verleiten, Durch that und bis exempel ihn In laster und verderben ziehn; D gott! welch ein verbrechen! 3. Laß mich nach seiner bef ferung Im glauben und im leben, Durch unterricht, durch anmahnung Und lehrreich beyspiel streben; Erkenntniß und religion Und tugend, die uns lehrt dein sohn, Ihm suchen einzuprågen. der menschenkinder. Du schaffst den deinen wahre ruh, Und die verirrten suchest du Auf rechten weg zu leiten; Du hörst der seufzenden gebet, Und brauchest deine majestät, Nur segen auszubreiten. 4.! laß in meiner wanderschaft Mich auf dein vorbild sehen. Erfülle mich mit lust und kraft. Dem nächsten bey: zustehen, Betrübter herzen trost zu seyn, Mich mit den fröhlichen zu freun, Mit weinenden zu klagen. Laß mich dem, der sein herz mir weiht, Ein herz voll frommer redlichkeit Und treue nicht versagen. 4. Je mehr du mir geles genheit und fähigkeiten giebest, Je mehr laß mich zu jeder zeit Die seele, die du liebest, 3u retten hier beflife sen seyn, Und nicht verdruß, nicht arbeit scheun, Sie, gott! dir zuzuführen. 5. Laß mich mit brüderlicher huld Den strauchelnden erwekken, Durch sanftmuth, mit leid und geduld Des nächsten fehler decken. Mein antlig sey nie fürchterlich, Und meine feele neige sich Zudes bedrångten flehen. So wird mich in der bessern welt, Die nur die menschenfreund' enthält, Der liebe lohn erhöhen. Sorgfalt für die Seele des Nächsten. Mel. Es ist das heil uns kommen. 5. Giebst du mir finder, herr, mein gott! Giebst du mir hausgenossen, Laß mich dein heiligstes gebot Sie lehs ren unverdrossen; Du gabst sie mir, und deine hand Wird dies mir anvertraute pfand Von mir einst wieder fordern. Kann ich kein zeitlich glück und gut Den meinen 6. 499.Gott! meines nách hier erwerben, so laß ſie doch sten theil gut, Die tugend, von mir erben. Laß, vater! dir mich sie erziehn; Laß selbst mich sund und laster fliehn ,. Und stets behutsam wandeln. Laß mich stets theuer achten, Laß mich nach seiner seele heil Mit lieb und sorgfalt trachten. Sie schufst du zur unsterblichkeit, Sie hast du felbst zur seligkeit Durch dei nen sohn erlöset. 2. 3um irrthum und verschlimmerung, 3u sünd und 7. Uch! hab ich jemals eine feel Geärgert und verblendet, Durch leichtsinn, bosheit, eignen fehl Sie dir, mein gott! entwendet; Ist irgendwo, du 374 Von den Pflichten gegen den Nächsten. gott der huld! Durch mein vers sehn, durch meine schuld, Ein mensch ein sünder worden. 8. Erbarmer, vater! ach verzeih Mir diese großen fünden! Laß mich, laß ihn, auf wahre reu Noch huld und gnade finden. Führ ihn zurück zur heiligung, Laß mich durch eigne besserung Ihn stårken und erbauen. 5. Laß mich beständig da hin sehn, Mit jeglichem so umzugehn, Wie ichs von ihm begehre, Damit ich keines menschen herz Durch meine hårte je mit schmerz Und kümmerniß beschwere. 4. Nie seufze jemand wider mich; Mein ganzes herz bestrebe sich, Dem nächsten gern zu geben, Was er mit recht verlangen kann, Und immerfort mit jedermann In einigkeit zu leben. 6. Herr! mit dem maaß, damit ich hier Dem nächsten messe, wirst du mir Dereinst auch wieder messen. Dies reize mich zur billigkeit; So werd ich auch zu keiner zeit Der liebe pflicht vergessen. Gerechtigkeit gegen den Nächsten. Mel. Kommt her zu mir, spricht. u liebst, o gott! gerechtigkeit, Und Mel. O gott, du frommer gott. haſfest den, der sie entweiht, 501.Gen erechter gott! du unrecht bists, der jedem seinen lohn, Ohn alles ansehn der person, Nach seinen werken giebet. willst, Es fol len deine kinder Gerecht seyn, gleich wie du; Ullein wie hab ich fünder Dies heilige gesek Oft wissentlich verleht, Und die gerechtigkeit So oft hintangesett! 2. Gerechter gott! laß dei nen geist Zu dem, was recht und billig heißt, Stets meine seele lenken. Nie komm es mir doch in den finn, Aus schnöder habsucht und gewinn Des nåchnen recht zu krånken. 3. Pflanz redlichkeit in mei: ne brust, Und laß mich stets mit wahrer lust, Der liebe pflichten üben. Ein herz, das nur auf unrecht denkt, Nur schaden sucht, und andre kränkt, Wie kann das brüder lieben? 2. Du siehst, wie ich mich oft Mehr als den nächsten liebe, Durch unrecht richten, thun Und reden ihn betrübe. Sein glück befördr' ich nicht, Sein schaden freut mich wohl, Sch thu' ihm nicht, was ich Will, das er mir thun soll. 3. Du, heiligster! der du Die ungerechten strafest, Den unterdrückten hilfft, Den armen recht verschaffest, Wie zittr' ich, herr, vor dir! Ach! geh mit deinem knecht, Mein gott! nicht ins gericht. Wer ist vor dir gerecht? 4. Miß mir nicht mit dem maaß, Mit dem ich oft ge: messen; Und mein so lieblos Von den Pflichten gegen den Nächsten. 375 herz, Das dich so oft vergess seligkeit; Des ungerechten fen, Dies bilde du doch ganz Durch drinen guten geist 3ur liebe, das ich nur Das thue, was du heißt. lohn Ist fluch in ewigkeit. Gerechtigkeit gegen das Eigenthum des Sächsten. Mel. Freu dich sehr, o meine. 502. Alles, was ich bin o gott! Wie so und habe, Kommt, aus deiner hand; manche gute gabe Hast du mir herabgefandt! Bater! all mein glück ist dein; Deinem ruhme laß michs weihn. Niemals laß mich mehr verlangen, Als was ich von dir empfangen. 2. Laß mich dankbar und zus frieden Sm genuß der guter seyn, Die mir deine huld be schieden, Auch an andrer glück mich freun; Nie auf fremdes größres glück Neidisch sehn mit scheelem blick, Nie, was du mir gabst, verachten, Und nach fremdem gute trachten. 3. Jedem laß mich willig geben, Was er recht zu fors dern hat, nicht den obern widerstreben, Denn sie sind an deiner statt; Geb ich gern, mit frohem sinn, Schuld'ge steur und gaben hin, So wird freudiges gewissen Mir die herbste pflicht versüßen. 5. Laß keinen menschen mich Durch hårte je betrüben, Be: trug und lift mich fliehn, Nur das aufrichtig lieben, Was recht und billig ist, Was meis nem nächsten nüßt, Und was sein glück und wohl Befördert stärkt und schüßt. 6. Wie leicht kann ehr und ruhm Und geiz das herz bes thdren, Leicht menschenfurcht und gunst Von deinem weg abkehren! Süß ist der höhern lob, Noch bittrer ist ihr spott; Und hoffnung bessern glücks, Wie leicht führt die von gott! 7. Uch! laß nicht lob, nicht schmach, laß weder schmerz noch freuden, Noch vortheil und gewinn, Von meiner pflicht mich scheiden. Laß wes ber freund noch feind Erschüttern meine treu; Und gieb, daß redlichkeit Mein tuhm und ehre sey. 8. Laß mich, so viel ich kann, Den unterdrückten schüßen, Und wo ich dies nicht kann, Mit rath und trost ihm nügen. Laß mich auch, unterm schein Des rechten, selber nicht Gewalt und unrecht thun, Wenn mir es gleich geschicht. 9. Beseele, herr der welt! Durch deines geistes triebe, Doch aller menschen herz Mit billigkeit und liebe. Nur der gerechte erbt Des himmels 4. Dem, der mühsam für mich schwiste, Der mit seiz nen fráften mir Und mit seis ner arbeit nüßte, Dem ges bührt mein lohn dafür. Halten, was mein mund vers spricht; Sey mir immer heil'ge pflicht; Trug und ausflucht laß mich fliehen, Keinem lohn und fold entziehen. 376 Von den Pflichten 5. Laß, wenn ich von an dern borge, Zum erfaß mich seyn bereit; Redlichkeit sey meine sorge, Mein bemühn gerechtigkeit. Vorschub, den ein freund mir thut, Ist nicht mein, ist fremdes gut; Dankbar will ich meinen brüdern Beystand, húlf und rath erwiedern. 6. Eigenthum, das ich entwende, Würde fluch und tod mir seyn; Aber halt ich meine bánde Bon betrug und raube rein, Dann darf ich sie frob empor Betend heben; gottes ohr Wird des from men flehn erhören; Den verbrechen nicht entehren. 7. Hab ich mich durch an: drer schätze Und durch arglist reich gemacht; Laß mich, gott! daß ichs erfeße, Bald und eifrig seyn bedacht, Lie: ber arm und dürftig seyn, 2018 mich meines unrechts freun, Und, nach bald durch träumten freuden, Des gewiffens folter leiden. 8. 3wiefach will ich trug und schaden Dem erstatten, der ihn litt. Wer mit blut schuld schwer beladen, Einst vor gottes richtstuhl tritt, Wird verworfen im gericht, Bleibt vor jenem antlik nicht, Das dem fünder rache flammet, Den sein falsches herz verdammet. 9. Heilger gott! ein frommes leben Liebest du, belohnest du; Gieb mir kraft, und laß mich streben, Fromm und gut zu gegen den Nächsten. seyn, wie du, Daß mein leben ohne reu, Ohne quaal mein ende sey, Daß mich, wenn ich einst erwache, Keine schuld verdammlich mache. Pflicht gegen die Ehre und guten Namen des Nächsten. Mel. Wend ab deinen zorn. ilf Jesu! daß ich 503.H meinen nächsten liebe, Durch lieblos richten ihn ja nicht betrůbe, Ihn nicht verläumde, noch durch falsche ránke Sein wohlseyn kranke. 2. Gieb, daß ich nachsichtsvoll des nächsten fehle, So viel ich immer kann, der welt verhehle, Und, wenn er fällt, auf mich, der ich noch stehe, Mit vorsicht sehe. 3. Hilf, daß ich klüglich ihn zu bessern trachte, Und seiner feele wohl mir theuer achte; Denn du hast selbst für sie in todesbanden Viel ausgestanden. 4. Und kann ich auch das böse selbst nicht bessern; Laß michs doch ehr verschweigen, als vergrößern, Anstatt es auszubreiten, es vermindern, Und schaden hindern. 5. Den größten sünder laß mich nicht verachten, Noch immer ihn als dein geschöpf betrachten, Nie, die mit mir von einem blut abstammen, Lieblos verdammen. 6. Aufrichtig laß mich scházzen deine gaben, Die andre, herr! von dir empfangen haben; Es müsse nie mein herz Von den Pflichten gegen den nächsten. 377 2. Wenn du aus argwohn nur Vom nächsten böses den: kest, Wenn du durch falsch gerücht Ihm schadest und ihn Fránkest, Wenn leichtsinn, neid und haß Ihn vor der welt entehrt; Bist du dann ferner noch Des christennamens werth? des nächsten freuden Boshaft beneiden. 7. Bescheiden laß mich von mir selber denken, Durch stolz und hochmuth keinen menschen frånken, Mit sanftmuth selbst dem låsterer be gegnen, Und feinde segnen. 8. Hab ich des náchsten ehre je beflecket, Und seine schwachheit lieblos aufgedefket, Schlug ich der unschuld in betrübten stunden Schmerzhafte wunden; 9. So laß mich reuevoll und liebreich eilen, Die ihm geschlagne wunde bald zu heilen, Und, der verläumdung folgen zu Ihm recht gewähren. zerstören, 10. Laß alle schmähsucht mich von herzen hassen. Zur seligkeit wird niemand zugelassen, Der bosheit, neid und grausamkeit hier übet, Und falschheit liebet. 11. Drum laß mich, Jesu! immer mehr auf erden An liebe, gut' und treu dir áhnlich werden. Gieb dazu kräfte, herr! so will ich droben Dich ewig loben. Wider die Schmahsucht. Mel. O gott, du frommer gott. enn du des nåch 504.23 sten ehr Und achtung fuchst zu schmålern, Selbst von nichts liebers sprichst, Als andrer menschen fehlern, Aus ehrsucht oder stolz Berkleinerst ihren ruhm, Und ihre schuld erhöhst; Wo bleibt dein christenthum? 3. Wer, wenn er låstrer hört, und unter spöttern siget, Aus scheuer menschenfurcht Nicht andrer unschuld schüßet, Wer aus gefälligkeit Selbst ein verläumder ist, Und nichts zum besten kehrt; Ist dieser wohl ein christ? 4. mensch! bedenke doch, Gott hört an jedem orte, Wo du zugegen bist, Ein jedes deiner worte. Ach! er, der alles sieht, Wie sollt er dich nicht sehn, Wenn du dich frech erkühnst, Die unschuld selbst zu schmähn? 5. Wenn du der frommen lachst, Wenn du die tugend schåndest, Dem würdigen das lob, Das er verdient, entwendest; Verläumder! gott weiß es, Wie zügellos dann du Ihn in den seinen schmähst; Der råcher hört dir zu. 6. Erzählt die thránen, die Geweint von seinen frommen, Die du entehret hast, Mit seufzen vor ihn kommen. Es kommt, es kommt ein tag, Wo gott einst vor gericht Im angesicht der welt Auch dir dein urtheil spricht. 7. Ach! wolltst du künftig noch Des nächsten ehr ver 378 Von den Pflichten letzen? Nein, hast du ihr ge: schadt, Such sie ihm zu ersehen. Des nächsten guter nam Sey selbst dein eigner ruhm, Und schüß und rette ihn Stets als ein heiligthum. 8. D! laß uns, gott der huld! Mit dieser pflicht nie scherzen; Und práge du viel: mehr In unser aller herzen Die große wahrheit ein; Nur der sey deiner werth, Der seine brüder liebt, Und durch die that sie ehrt. Dienstfertigkeit. Mel. O gott, du frommer gott. ie selig lebt ein 505.2¹ mensch, Der dienstbegierde kennet, Und ihre pflicht zu thun Aus menschenliebe brennet, Der wenn ihn auch kein eid 3um dienst der welt verbind't, Beruf und eid und amt Schon in sich selber find't! 2. Dir, höchster! ahmt er nach, Dir, als ein bild zu gleichen; Durch dienstbeflisfenheit Sucht er dies zu erreichen; Er hält für eignes wohl Sich nicht allein ge macht, Er hält sich für die welt Von dir hervorgebracht. gegen den Nächsten. streben, So treu als er sich lebt, 3um wohl der welt zu leben. Ihm wird des nächsten heil Gein eignes himmelreich; Er fühlet fremde noth, Als tráf' ihn selbst der streich. 5. Er eilt, dem, ders bedarf, Mit hülfe beyzustehen; Sein ansehn und sein freund, Sein stand, sein wohlergegehen Sind mittel, die er braucht, Behulflich gern zu seyn, Und einen leidenden Mit troste zu erfreun. 6. Was audrer nothdurft heischt, Das reizet feine triebe, Auch ohne ruhm und lohn 3u wahrer menschenliebe. Kein stolz, noch eigennuß Wirkt seine gütigkeit. Er sieht auf seinen gott, Der liebe ihm gebeut. 7. So laß mich auch ge sinnt, Mein gott! durch Christum werden. Voll regen eis fers sey Mein leben hier auf erden, So núßlia) als ich kann, Dem nächsten stets zu seyn; Dann geh ich einst, o gott! Ins reich der liebe ein. Wohlthätigkeit und Liebe gegen Arme. Mel. Nun ruhen alle wålder. menschen 3. Die denkt recht Auf meinen dienst und 506.vater und kräfte; Ihr nüßen ist für mich Ein seliges geschäfte. Als glieder schuf uns gott, Als bürger einer welt, In der des einen hand Die hand des andern hält. 4. So denkt der menschenfreund; Und das ist sein bes tigster berather In allem, was uns drückt! Was wir hier guts genießen, Das läßt du uns zufließen; Du bists, der unser herz erquickt. 2. Du läßt dich bey uns fündern Durch undank nicht verhindern, Uns segnend zu Von den Pflichten gegen den Nächsten. 379 selbst uns lebret, Und die gott, den höchsten, ehret. erfreun. Bu ewgen feligkeiten Uns sterbliche zu leiten, Wird ewig dein vergnügen seyn. 3. Wie groß ist deine milde! Barmherz'ger vater! bilde Mein herz nach deinem finn, Daß ich der noth der armen Mich willig mög' erbarmen; Nimm alle hårte von mir hin. 4. Gieb, daß ich willig gebe, Mich wohlzuthun bes strebe, So wie mein heiland that, Der göttliche erbarmer, Den kein bedrängter armer Vergebens je um hülfe bat. 5. Erhalt in mir die triebe Der mitleidsvollen liebe. Wie du mir guts gethan, So laß um deinetwillen Mich andrer nothdurft stillen, So oft ich fie nur stillen kann. 6. 3um fleiß in guten wer: ken Laß mich die hoffnung stårken, Vor dir, dem herrn der welt, Der frohe geber liebet, Sey, was man willig giebet, Ein opfer, das dir wohlgefällt. 2. Speiset die, die hunger leiden, Und die durstig sind, die trånkt; Eilt, den nackens den zu kleiden, Tröstet die, die kummer trånkt; Schwache sucht zu unterstützen, Unterdrückte zu beschüßen. 3. Nicht nur denen, die um liebe, Die um hülf und rettung flehn, Sucht aus christlich- edlem triebe, Nach vermögen beyzustehn; Auch den, die im stillen leiden, Gönnet unverhoffte freuden. 4. Denkt,( wie möglich sind die fälle!) Denkt, ihr fühltet jener schmerz; Denkt, ihr wårt an ihrer stelle; Und wie dann eu'r leidend herz. Sich von andern wünscht er barmen, So thut ihr auch andern armen. 5. Und dies sich nicht an als bürde, Nicht als last, beglückter christ! Hoheit ist es, es ist würde, Wenn man mild und hilfreich ist. Welch ein ruhm für dich erlösten, Urme brüder Jesu trösten! 6. Und was schaffts für sanfte freuden, Der verlaßs nen helfer seyn! Sehn, wie fie in ihren leiden Sich, durch uns gestärkt, erfreun! Ein betrübtes herz erquicken, Bringet himmlisches entzücken. 7. Heil und glück auf uns sern wegen, Ruhe und zufries denheit, Huld bey menschen, gottes segen Folgt hier auf barmherzigkeit; Und dereinst 7. Laß mich hier reichlich såen; Denn, herr! was hier geschehen, Folgt uns in jene zeit. Wer hier gern hilft und giebet, Und sich im wohlthun übet, Der erntet dort die herrlichkeit. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 507. 23° ohlzuthun und mitzutheilen, Christen, dies vergesset nicht! Mitleidsvoll und willig eilen, Armen beyzustehn, ist pflicht, Pflicht, die Jesus Von den Pflichten gegen den nächsten. 380 zum gnadenlohne Schenkt ihr gott des himmels krone. Einst wird doch die wahrheit kund. Darf ich ja nicht lánger schweigen, Meine unschuld zu bezeugen; O! so gieb, daß stets dabey Herz und mund voll sanftmuth sey. 8. O! so laß uns unsre gaben Gern hier in der zeit ausstreun. Was wir hier gefået haben, Ernten wir einst reichlich ein. Send barmher= zig, liebt die armen; Dann wird gott sich eu'r erbarmen. Aufrichtigkeit. Mel. Uue menschen müssen sterben. 5. Daß du, herr! an jedem orte 3euge meines wandels bist, Daß kein einzigs meiner worte Deinem ohr verborgen ist; Das sey stets mir im 508. Laß mich, höchster! gemüthe, Daß ich mich vor darnach streben, Stets der wahrheit freund zu seyn. Jenes freudenvolle le ben Nimmt nicht freche lug= ner ein; Denn vor deinem lügen hüte; Denn du liebst den wahrheitsfreund, Und bist falschen herzen feind. Mel. Herzlich thut mich verlangen. angefichte Werden ſie beſchämt 509.Wohl dem, der zu verstellung, trug und list, Dir, o gott! ein abscheu ist. redlich wandelt, Der als ein wahrheitsfreund In wort und werken handelt, Und das ist, was er scheint, Der recht und treue liebet, Und von dem sinn der welt, Die trug und falschheit übet, Sich unbefleckt erhält. 2. Undern zu gefallen lügen, Leeren schwägern gleich zu seyn, Heuchelnd brüder zu betrügen, Herr! das falle mir nie ein. Wahrheit leit an allen orten Mich in werken und in worten. Redlich sen des herzens grund, Red: lich spreche auch mein mund. 3. Die der falschheit sich ergeben, Sind vor dir, o gott! ein grául, Und ein unglück feligs leben Bleibt gewiß ihr künftigs theil. Hier schon trifft verdiente schande Sie bey redlichen im lande; Denn ein jeder menschenfreund Ist der falschheit rånken feind. 4. Schmåht mich, ohne mein verschulden, Der verläumder låstermund, Herr! so laß michs still erdulden, 2. Wohl dem, der lügen haffet, Und der, so oft er spricht, So seine reden faffet, Daß er die wahrheit nicht Mit vorbedacht verleget, Und der an allem ort Sich dies vor augen sezet, Gott merkt auf jedes wort! 3. Wohl ihm, daß sein gemüthe, Herr, deine rechte übt! Shn leitet deine gute, Er wird von dir geliebt. Du wirst ihn einst erhöhen, Wenn in der wahrheit licht Beschämt die falschen stehen, Geschreckt durch dein gericht. 4. Herr! präge du im leben Von den Pflichten gegen den nächsten. 381 Dies tief ins herz mir ein, Hat dir dein gott gegeben. Und hilf mir, mich bestreben, Welch ein geschenk! mißbrauch Der lügen feind zu seyn; es nicht! Sie bringet tod Erinnre mein gewissen, Du und leben; Man fluchet und hasfest heucheley, Damit ich man lobt damit; Ach gott! stets beslissen Der treu und erhöre meine bitt', Daß ich wahrheit ſey.fie recht gebrauche. 5. Nie laß mich was versprechen, Das ich nicht hal2. Laß doch in meines her: zens grund, Gott! deine furcht ten kann, Und nie zusagen stets wohnen. Gewissenhaft brechen, Die ich einmal gethan; Nie mich den stolz ver: leiten, Und nie des beyspiels macht, Als wahrheit auszubreiten, Was ich doch selbst erdacht. wird dann mein mund Der wahrheit rechte schonen. Und wohl dem, der von schmeis cheley, List, lästersucht, vers stellung frey, Nicht mit den lippen fündigt. 6. Drum laß zu allen zeiten Auch deiner weisheit licht, Herr! meine seele leiten, Damit ich meine pflicht Mit flugheit üb' und wisse, Wann ich für andrer wohl Und für mich reden müsse, Und wann ich schweigen soll. 3. Auf deinen ruhm und andrer wohl Soll stets mein thun sich lenken. Laß dann auch, wenn ich reden soll, Mich dies mit ernst bedens ken. Dein lob, des nächsten glimpf und nuß, Der tugend ruhm, der unschuld schuß Beschäftge meine zunge. 7. Wenn je, um mich zu drücken, Des feindes anschlag gilt, Der sich bey bösen tücken In guten schein verhüllt; So stårke meine seele, Daß sie nicht unterliegt, Und alles dir befehle, Durch den die unschuld siegt. 4. Schandbare worte, fres cher scherz, Unheilge spottes reyen Verrathen ein verderbtes herz, Einst muß man sie bereuen. Drum schaff in mir durch deinen geist, Daß dich vielmehr die zunge preist, Und deinen namen heiligt. 8. Ein herz voll treu und glauben, Das, gott! zu dir hált, Das soll mir nies mand rauben; So kann ich aus der welt Einst mit der hoffnung gehen, Ich werde, als dein kind, Dich mit den frommen sehen, Die reines herzens sind. 5. Was züchtig, keusch und ehrbar ist, Was wohl und lieblich klinget, Das redet überall der christ, Spricht, wenn es nußen bringet, Und scheut den zorn der menschen nicht; Doch schweigen wird alsbald ihm pflicht, Wenn es Mel. Wår gott nicht mit uns. 510. Die unge, die vers die liebe fordert. spricht, 6. Weh aber dem verwegs Von den Pflichten gegen den nächsten. 382 nen mund, Der fluch und schwur nicht scheuet! Wie wird des herzens leichtsinn kund, Und oft zu spät bereuet! Ady fluchen bringet fluch und noth, Und wenn nicht buße folgt, den tod; Laß mich dies stets bedenken! 7. Auch lügen schåndet, bringt nur müh, Ist eine frucht der hölle; Lehr mich sie has sen, daß ich nie Mich lugnern zugeselle. Die wahrheit bringet lob und ruhm, Und ziert das ganze christenthum; Das nach laß mich stets streben. Freundschaft. Mel. O gott, du frommer gott. reund, der mir alles ist, und der mir alles giebet! Freund, der es redlich meint, Und der mich herzlich liebet, Geprüfter freund in noth! O mein herr Jesu Christ! Im tode auch bewährt! Der du mich nie vergißt. 2. Wie falsch ist nicht die welt! Scheint sie mir gleich gewogen, Wie oft hat mich der schein Von ihrer gunst betrogen! Wie freundlich that sie nicht, Als wår sie noch so treu; Und war doch weiter nichts, Uls leere schmeicheley! 3. Sie schwur, mir beyzustehn Im unglück, wie im glücke, Und ihr betrüglich herz Warf doch verstohlne blicke Nur hin auf eigennuß; Und kaum verschwand mein glück, Gleich brach sie ihren eid Im nächsten augenblick. 4. Wie wenig darf ich denn Der welt mich anvertrauen! Mehr könnte ich auf sand, Als ihre freundschaft bauen. Und doch bedarf ich hier Auch einen treuen freund, Der es so gut mit mir, Als mit sich selber meynt. 5. Wo find' ich diesen freund, Daß ich ihn mir erwähle? Mit dem ich, der mit mir Ein herz sey, eine seele? Herr! wähle du mir den, Der dich liebt, tugend übt; Der ist allein auch der, Der mich von herzen liebt. 6. Den freund gieb mir, der mich Im glücke nie be neide, Und dessen herz sich nicht Un schadenfreude weide, Wenn mich ein unglück trifft; Dem es zu herzen geh, Mir helfe, was er kann, Der für mich bet und fleh. 7. Der, als ein tugendfreund Mich reiz auf tugends wegen, Der als des lasters feind, Mich warn' vor laster: stegen'; Der nie mit bitterkeit Bestrafe meine schuld, Vielmehr mit sanftem geist Mich trag' und mit geduld. 8. Herr! bester menschenfreund! Selbst freund von beinen feinden! Gieb du mir auch dies glück; Mach feinde mir zu freunden; Auch schaff in mir ein herz, Das seinem feind vergiebt, Und dich und seinen freund Rechtschaffen wieder liebt. 9. D welch ein großes glück, Hier so ein herz zu Von den Pflichten gegen den Nächsten. 383 haben! Denn beystand, ret: frommen freund, Nur du tung, trost, Dies sind selbst kannst ihn mir geben, Der himmelsgaben. Wie selig werd edel und rechtschaffen denkt, ich einst Bey dir, mein Jesu! Der mir in meinem leben Ein seyn, Wo so viel freunde sich reizend tugendmuster sey, Und In deinem himmel freun! ben mir standhaft und getreu Im glück und unglück stehe. 6. Der meine unvollkom= Mel. Es ist das heil uns kommen. 512.Welch glück, o gott, menheit Mit sanfter schonung ist freundschaft hier In diesem pilgerleben. Sie kann im unglück und im glück Uns trost und freuden geben. Sie ist der tugend starkes pfand, Vom laster ab führt ihre hand; Sie ist des himmels vorhof. trage, Mir fehler ohne bitterkeit, Nur mich zu bessern, sage, Der mich vor sünden immerdar, Vor irrthum, schaden und gefahr Un leib und seele warne. 2. Der freundschaft pflicht ist ächte treu, Verschwiegenheit und freude Bey unserm glück, und mitgefühl Bey als lem unferm leide. Aufrichtig ist sie stets bereit, Sowohl auf zeit als ewigkeit Des freundes wohl zu gründen. 3. Sie flieht vor falschheit, wankelmuth, Vor eigennut und neide, Haßt argwohn, niederträchtigkeit, Und lift und schadenfreude. Der tugend nur reicht sie die hand; Denn je: des lasterhafte band Entehrt der freundschaft würde. 4. Jesu, bester menschen freund! Der du uns fünder liebtest, Nur das, was groß und edel heißt, Uns hier zum beyspiel übtest, So göttlich liebreich für uns starbft, Selbst gottes freundschaft uns erwarbst, Uns ewig zu beglücken. 5. Schenk mir auch einen 7. Doch laß mein herz vorsichtig seyn, Mit wem es freundschaft machet. Kein spotter der religion, Wer über tugend lachet, Kein wollüstling, kein stolzes herz, Wer fühllos ist bey andrer schmerz, Sey niemals mein vertrauter. 8. Ein mensch, vom laster angesteckt, Wird mich auch leicht anstecken; Laß mich ihn fliehn als eine pest, Mich nicht durch ihn beflecken. Und wie kann der, der ohne scheu Stets gott verleugnet, menschen treu Und redlich seyn und bleiben? 9. Doch hab ich einen wahs ren freund Bon dir, o gott! erhalten, D! so laß dann mein warmes herz Nie gegen ihn erkalten; Daß ich aufs richtig dankbar sey, Verstel. lung, leichtsinn, schmeicheley, Und eigennut stets fliehe. 10. Gott! práge du der lies be sinn So freunden ein, als feinden; Auch die, die meine feinde find, Die mache mir 384 Von den Pflichten gegen den nächsten. zu freunden. Bild unser herz ser that, Und dem nachsichtszur einigkeit, Lehr uns, daß voll begegnen, Der zum zan jene seligkeit Nichts sey, als ken neigung hat. Für die feinlieb und freundschaft. de will ich beten, Und vor Sanftmnth und Friedfer: dich, du friedensfürst! Wenn tigkeit. du menschen richten wirst, Mit dem schmuck der liebe treten. Gott des friedens! segne du Mich mit deiner kraft dazu. Mel. Lasset uns den herren preisen, ott, der du die 513.G menschen liebest, Der du nicht ein strenges recht, Sondern lauter gnade übest An dem sündlichen geschlecht! Laß mich deinen geist beleben, Daß ich, vater! als dein kind, Liebreich sey, wie du, gesinnt. Herr! du wollst den sinn mir geben, Der bey fehlern nach ficht zeigt, Und mit sanft muth spricht und schweigt. 5. Ewig heil ist dem beschies den, Der nach frommer eintracht strebt. Höchster! gieb mir deinen frieden, Der zur sanftmuth uns erhebt. Er regiere herz und sinnen; Denn wenn er das herz regiert, Wird, was zu der zwietracht führt, Nies mals übermacht gewinnen; Bis einst in der herrlichkeit Ewger friede uns erfreut. Versöhnlichkeit und Liebe gegen Seinde. Mel. Wend ab deinen zorn. 2. Laß mich meines nåchsten schonen, Willig tragen feine last, Und so lang ich hier foll wohnen, Bleibe zankfucht mir verhaßt. Denn das ist, o gott! ein wille, und die ein 514.Herr, mein verföh. der du tracht liebest du; O so bilf auch mir dazu! Gieb ein herz mir, das die stille Und den frieden sucht und liebt, Das statt rache sanftmuth übt. 3. Dwie wird das herz be schweret Durch des zornes leidenschaft! 3anksucht und der haß verzehret Nach und nach des körpers kraft, Hemmt den lauf von unsern jahren, Macht zum himmel ungeschickt. Herr, der auf mich schwachen blickt! Ach! du wollest mich bewahren, Daß des jachzorns raserey Nie des herzens meister sey. 4. Wer mir flucht, den will ich segnen, So wie mein erlómich littest, Und noch zur rechten gottes für mich bittest! Erweck in mir, du muster wahrer liebe, Der sanfts muth triebe. 2. Wann hast du jemals haß mit haß vergolten? Du schaltst nicht wieder, als man dich gescholten. Du segnetest mit wohlthun nicht bloß freande, Nein, selbst auch feinde.. 3. Und ich, herr! sollte mich den deinen nennen, Und doch von rachgier gegen an bre brennen? Ich sollte je: mals haß mit haß vergelten, Und wieder schelten? 4. Wie kann ich vater zu Von den Pflichten gegen den Nächsten. 385 überall nach deinem vorbild handelt. Drum laß in allem mich schon hier auf erden Dir ähnlich werden. dem höchsten sagen, Und groll im herzen gegen brüder tragen? Wie kann ich zu ihm flehn, mir zu verzeihen, Und rache schreyen? 5. Wer nicht vergiebt, der wird für seine fünden Auch 515.Achefu sieb Mel. Uus tiefer noth schrey ich. Jesu! mir sanften muth, dir, o herr! verge= bung finden. Dein jünger ist nur, der, wie du vergiebet, Und feinde liebet. Nach deinem wort zu leben. Wie dürft ich, schwaches fleisch und blut, So trokig mich erheben? Ich übte rach und hielte zorn? Mag wohl zugleich ein süßer born Auch bittres wasser geben? 2. Ein vater hat uns ja gemacht, 3u seines hauses findern; Das leben hat ein herr gebracht Uns ganz ers storbnen sündern; So wie auch ein geist uns regiert, Und in ein himmlisch erbe führt, Wenn wir ihn nur nicht hindern. 3. Mein gott! wie darf doch ich, dein kind, Den schwachen bruder hassen? Ach wie so große schulden sind Mir selbst von dir erlassen! Wer war ich, wenn nicht allezeit Sch willig blieb', in einigkeit Den bruder zu umfassen? 4. Komm, bruder! fomm, reich her die hand; Wir wollen uns versöhnen, Uns auch von dem, was uns entbrannt, Von stolz und neid entwöhnrn. Verzeihn hålt zwar die welt für schmach, Doch wir, wie folgen Jesu nach; Mag doch die welt uns höhnen! 5. Wir tragen allesammt ein joch, Die wir uns christen nennen; Was wollten sich die B b 6. So heilige denn meiner feele triebe, Mein heiland! durch den geist der wahren liebe. Vertilge durch die lust zu deinem namen Der rachgier saamen. 7. Wenn brüder mich aus haß und bosheit plagen, Laß mich sie klug, doch stets mit fanftmuth, tragen, Und wenn sie mich noch so empfindlich frånken, Un dich gedenken. 8. Erwecke dann, o herr! in meinem herzen Aufs neue das gedächtniß jener schmer: zen, Die du in deinen schwe: ren leidensstunden Für mich empfunden. 9. Laß mich mit sanftmuth meinem feind begegnen, Den, der mir flucht, voll großmuth, wie du, segnen. Herr! mache gegen alle, die mich hassen, Mein Herz gelassen. 10. Will zu der rachsucht mich die furcht verführen, Uls würd ich sonst mein ganzes glück verlieren; D herr, so laß mich, ihr zu widerstehen, Auf dich dann sehen. 11. Du schüßest den, der redlich vor dir wandelt, Und 386 Von den Pflichten gegen den nächsten. glieder doch Un einem leibe nicht die stimm in mir: Wie trennen? Un sanftmuth, lieb' du vergiebst, vergiebt gott und freundlichkeit Kann man dir? den christen allezeit Als gots tes find erkennen. 6. Wir haben alle gottes gnad In einem herrn zu finden, Auch wäscht ein heilig wasserbad Uns alle rein von sünden. Da auch ein nachtmahl alle speist; Wie soll denn nicht ein herz und geist Uns allesammt verbinden? 5. Sey, seele, werth der seligkeit, Dich selbst zu übers winden. Duld und vergieb; denn gott verzeiht, Und straft nicht deine fünden; Nicht rache, segen rufe du, Bes gnadigte, dem feinde zu. 6. Auch mein beleidiger hat theil Um heiland aller sünder, Mit blut erkauft auch ihn zum heil Der todesübers winder; Un mich und ihn ergeht der ruf Des gottes, er du, dem tode, der uns beide schuf. 7. Und haben wir denn einen geist, wie kannst du rache sprechen? Da dein leib gottes tempel heißt, Wie darf ich ihn zerbrechen? Nein, bruder, grimm sey von uns fern! Wir stehen einst vor einem herrn; Der mocht an uns sich rächen! Mel. Machs mit mir, gott. 516.nah, für die, Die dich erwürgten, batest, Der du vor deinem vater sie, Du menschenfreund, vertra test! Wann werd ich doch dir ähnlich seyn, Und meis nem feinde gern verzeihn? 2. Ich fünder, dem noch rache glüht Im heuchlerischen herzen, Der noch sein wohl gefallen sieht Un seiner feinde schmerzen, Ich trete vor dein angesicht, Du gott der lieb! und zittre nicht? 4. Du stimme gottes, schalle mir Durch meine ganze seele: Wie du vergiebst, vergiebt gott dir! Erwåg es, und dann wähle. Der wählt den segen, der vergiebt, Und der den fluch, der rache liebt. 3. Ich wollte hoffen, trost im tod, Huld im gericht zu finden? Zu dir noch flehen: richte gott! Mich nicht nach meinen fünden? Und hörte 7. könnt ihn meine D fanftmuth noch Zur seligkeit bekehren! Ihn, der mich haßt, das sanfte joch, Die liebe, tragen lehren! Wie göttlich würd es mich erfreun, Der retter seines heils zu seyn! 8. Wie wird er mir am weltgericht mit heißen thrånen danken, Mein freund und bruder, ewig nicht von mei: ner feite wanken, Und gott erhöhen, dessen hand Uns für die ewigkeit verband! 9. Wie gern will ich, gott. auf dein wort Haß und ver folgung leiden! Wie gern verzeihn, da du mirs dort Vergiltst mit solchen freuden, Von den Pflichten gegen den nächsten. 387 schwere pflicht; Doch selig, wenn ein gut gewissen Zu unfrer ehre spricht. Wenn mir im himmel nur ein feind Dankbare freudenthránen weint! 6. Dies will ich desto mehr bewahren; So bessert mich mein feind, Und lehrt mich, weiser zu verfahren, Indem ers böse meynt. 7. Ich will mich vor den fehlern hüten, Die er von mir ersann, Und auch die fehler mir verbieten, Die er nicht wissen kann. 2. Mit gute will ich ihm begegnen, Nicht drohen, wenn er droht. Wenn er mich schilt, 8. So will ich mich durch will ich ihn segnen; Dies ist des herrn gebot. 3. Er, der von keiner funde wußte, Vergalt die schmach mit huld, Und litt, so viel er leiden mußte, Mit sanftmuth und geduld. 4. Will ich, sein jünger, wieder schelten, Da er nicht wieder schallt? Mit liebe nicht den haß vergelten, Wie er den haß vergalt? Eigene Melodey. Die will ich dem 517. Nie zu schaden suchen, Der mir zu schaden sucht. Nie will ich meinem feinde fluchen, Wenn er aus haß mir flucht. 5. Wahr ists, verläum: bung dulden müssen, Ist eine fanftmuth råchen, Un ihm das gute sehn, Und dieses gut von ihm sprechen; Wie könnt er långer schmähn? 9. In seinem haß ihn zu ermüden, Will ich ihm gern verzeihn, Und als ein christ bereit zum frieden, Bereit zu diensten seyn. IOS 10. Und wird er, mich zu untertreten, Durch gute mehr erhist, Will ich im stillen für ihn beten, Und gott vertraun; gott schüßt! Dritte Abtheilung. Vom Kreuze und Troste des Christen. zen des Kreuzes. Mel. In dich hab ich gehoffet. Centrubsal, chrift, sey 518. I start im geist! Auch ders Vom Leiden und Kreuze des Christen. Wohlthätigkeit und uz das ist gut, was trubsal heißt; Erheitre dein gemüthe! Du weißt, auch dich liebt våters lich Der vater aller gute. 2. Kein leiden kommt von Bb2 388 Vom Leiden und Kreuze des Christen. ohngefähr; Dein gott schickt vater, liebreich bey, Sorgt, dir es zu, und er Beigt sich daß er dich erquicke; Er in seinen wegen So groß schafft dir rast, Daß deine von rath, Als groß von that, last Dich nie ganz unterdrücke. Und reich an gnad und segen. 3. Der dich in Jesu herzlich liebt, Sucht, wenn er dich durch Freuz betrübt, Das wahre heil der seele, Weckt dich, daß nicht 3u beiner pflicht Dir lust und eifer fehle. 4. Das kreuz beugt stolz und übermuth, Erstickt der wollust wilde gluth, Bricht die gewalt der finne, Erweicht das herz, Daß fremder schmerz Dein mitleid leicht gewinne. 5. Auch übt das kreuz dich zur geduld, Erhöht den werth von gottes huld, Stárkt mächtig bein vertrauen; Lehrt im verlust Dich nun mit lust Aufs unsichtbare schauen. Mel. Wer nur den lieben gott. 6. Des leidens hig' entflammt inbrunft des gebets, Und láuz 519. Was ist das leben tert deinen glauben. Weit minder kann Verführung dann Dir deine frone rauben. 7. 3war stórt das kreuz oft deine ruh, Mit bangen thrá nen säest du, Und unter viel beschwerden; Christ, hoffe doch! Es wird dir noch Zur reichen erndte werden. 8. Verschmerzt ist leicht ein irdisch leid, Kurz ist der augenblick der zeit; Doch ewig, ewig währet Dort dein genuß Ohn überdruß, Wie ihn der geist begehret. 10. Verburg er auch sein angesicht, Dies raube deinen muth dir nicht; Gott kann sein kind nicht hassen. Wer ihn nur liebt, Sich ihm ergiebt, Den wird er nicht verlassen. 11. Durch trübsal sind zu aller zeit Die frommen in die herrlichkeit, Gleich Jesu, eingegangen. Denkst denn nur du In tråger ruh Die krone zu erlangen? 9. Auch bleibet stets dein gott getreu, Steht dir, als 12. Demuthige dich, gleich als sie, Gleich ihnen bet', und zage nie; Denn gott erhört dein flehen. Bald weicht dein leid, Zu seiner zeit Wird dich dein gott erhöhen. Wo ist hier wohl vollkom. menheit? Wer lebt hier frey von den beschwerden Der trübsal und mühseligkeit? Bald soll die freude unser herz 3ur pflicht erwecken, bald der schmerz. 2. Doch das sind treuges meynte schläge Der vaters huld, die für uns wacht. Wie hast du doch durch leis denswege, So manchen schon zu dir gebracht! Denn unges stórtes irdisch glück hält uns von dir, o gott! zurück. 3. Wenn uns die welt nicht noth erweckte, Bergnügte uns Vom Leiden und Kreuze des Christen. 389 dein himmel nicht. Wer suchte, duldig, Das bin ich dir und meis wenn ihn nichts erschreckte, Die hulfe, die dein wort vers spricht? Wer fühlt, wenn keis ne last ihn drückt, Wie sanft, o gott! dein troft erquickt? nem heile schuldig. Laß mich die pflicht, die wir so oft vergessen, täglich ermessen. 4. 3um dulden führt dein ruf der gnaden, Der uns zu Chrifti gliedern macht. Wie schwer war der nicht hier be laden! Wie hart verfolgt! wie sehr veracht! Und doch trug er dies alles gern. Gieb, daß ich folge meinem herrn. 5. Er ward beleidigt ohn vergelten, Gegeißelt ohne wi: derstand, Gescholten ohne wiederschelten, Ohn wider spruch zum freuz verdammt. Wie? sollt ich denn nicht mit geduld Das tragen, was ich selbst verschuldt? 6. Laß, gott! nur dieses les bens leiden Zu meiner beßrung fruchtbar senn; So geh ich zu des himmels freuden Durch dieser erde trübsal ein. Dort wird mein leben ohne pein, Und meine thránen freude seyn. 7. Drum laß mich mit dem troste siegen: Gott giebt, nach kurzer prüfungszeit Das als lerfeligste vergnügen, In je: nem reich der herrlichkeit. Verschmachte leib, stirb und vergeh! Ich weiß, daß ich einst aufersteh. 2. Bin ich nicht staub, wie alle meine váter? Bin ich vor dir, herr! nicht ein übers treter? Thu ich zu viel, wenn ich die schweren tage Stands haft ertrage? Rechtmäßiges Verhalten im Leiden. 3. Wie oft, vo gott, wenn wir das böse duiden, Erduls den wir nur unsrer thorheit schulden, Und nennen lohn, den wir verdient bekommen, Ein kreuz der frommen! 4. Sit dürftigkeit, in der die trågen klagen, Sind haß und pein, die stolz und wols lust tragen, Des schwelgers schmerz, des neids vermißte freuden? Christliches leiden? 5. Ist deren quaal, die deinen rath verachtet, Nach gottesfurcht und glauben nie getrachtet, Unt die sich jetzt in finstrer schwermuth quas len, Prüfung der seelen? 6. Doch selbst, o gott! in strafen unsrer fünden, Läßt du den weg zu unserm heil uns finden, Wenn wir sie uns, die missethat zu hassen, Züchtigen lassen. 7. Jag ich nur nach dem frieden im gewissen, Wird alles mir zum besten dienen müssen. Du, herr! regierst und ewig wirkt dein wille Gutes die fülle. 8. Ich bin ein gast und auf der erden, 520. erst dort, dort Geduld und Gelassenheit. Mel. Wend ab deinen zorn. in herz, o gott! in frembling 390 Vom Leiden und Kreuze des Christen. ich glücklich werden; Und was sind gegen euch, ihr ewgen freuden, Dieser zeit leiden? 9. Wenn ich nur nicht mein elend selbst verschulde, Wenn ich als mensch, als christ, hier leid und dulde; So kann ich mich der hülfe der erlösten Sicher getrösten. Mein herz und sinn ergeben. Was böse scheint, ist mir gea winn, Der tod selbst ist mein leben. Ich bin deß kind, Der von der sünd Mich selbst zu sich gezogen; Wenn er gleich schlägt, Und kreuz auflegt, Bleibt er mir doch gewogen. 2. Ich glaub in fester zu versicht, mein vater muß m ch lieben. Verbirgt er gleich sein angesicht, So will er mich nur üben, Mich durch geduld In seiner huld Gewöhnen fest zu stehen; Wenn sich mein geist Nur treu erweist, So wird er mich erhöhen. 3. Er hat mich selber zu gericht, Mir feel und leib gegeben; Er ists, der unters halt verspricht, Er fristet mir das leben, Erbarmet sich Und zählet mich Aus gnaden zu den seinen; Wer so viel thut, Deß herz und muth Kanns nimmer böse meynen. 4. Bey ihm ist weisheit und verstand, Und macht in allen thaten; Zeit, ort und stund ist ihm bekannt, 3u helfen und zu rathen. Er weiß, wenn freud, Er weiß, wenn leid Uns, feinen Eins dern, diene; Und was er thut, Ist alles gut, Obs noch so traurig schiene. 5. Du denkest zwar, wenn du nicht hast, Was fleisch und blut begehret, Als ob dich gott mit großer last, Und gar im zorn beschweret; Haft spát und früh Viel sorg und 521 zu deinem zu 10. Ich bin ein mensch, und leiden müssen frånken; Doch in der noth an seinen schöpfer denken, Und ihm vertraun, dies stårket unsre her: zen Mitten in schmerzen. II. Schau über dich! wer trågt der himmel heere? Merk auf! wer spricht: bis hieher! zu dem meere? Ist er nicht auch dein helfer und berather, Ewig dein vater? 12. Willst du so viel, als der allweise, wissen? Jetzt weißt du nicht, warum du leiden müssen; Allein du wirst, was seine wege wa ren, Nachmals erfahren. 13. Er züchtigt uns, das mit wir zu ihm nahen, Die heiligung des geistes zu em pfaben, und mit dem trost der hulfe, die wir merken, Undre zu stärken. 14. Das kreuz des herrn wirkt weisheit und erfahrung, Erfahrung giebt dem glauben muth und nahrung. Ein starkes berz steht in der noth noch feste. Hoffe das beste! Mel. Was mein gott will, gescheh. ch hab in gottes Vom Leiden und Kreuze des Christen. 39¹ kommen, Und denkest nicht, und grab Nach deinem wil. Das, was geschicht, Gescheh len gehen; So wirst du mir, zum heil der frommen. mein schug und stab, Auch dann zur seite stehen. Du bist mein gott, Der in dem tod So meinen lauf vollendet, Daß dich mein geist Dort ewig preist, Und all' mein leid fich endet. 6. Uch! er, der dich ges schaffen hat, und mit vers nunft beseelet, Hat långst in seinen weisen rath Dein be es dir erwählet. Er fieht voll treu, Was dienlich sey Für dich und für die deinen; laß ihn nun, er Mel. Nun ruhen alle wälder. will thun, er fanns nicht 522. Was soll ich angits Er lich klagen, Und in in der noth verzagen? Der höchste sorgt für mich. Er sorgt, daß meiner feele Kein wahres gut hier fehle, Genug zum trost, mein herz, für dich! böse meynen. 7. Wills gott, fo fanns nicht anders seyn, Es muß zuletzt erfreuen; Was du jetzt nennest schmerz und pein, Muß dir zum heil gedeihen. Wart in geduld! Denn seine huld Wird endlich rettung fin den; Angst, noth und quaal Wird auf einmal, Gleich wie ein rauch, verschwinden. 8. Nun, herr, mein gott! so fall ich dir Getrost in deis ne hände; Erwähle, ordne, fende mir, Bis an mein leßtes ende, Was herz und geist, So wie du weißt, Erbauet, bessert, lehret, Bas deinen ruhm, Mein christenthum Und feligkeit vermehret. 9. Giebst du mir ruh und sonnenschein, So nehm ichs an mit freuden; Solls aber freuz und unglück seyn, Will ichs geduldig leiden. Soll ich allhie Noch fort voll můh, Boll leid und fummer leben; Ich folge dir, Dunkts schwer gleich mir, Gelassen und ers geben. 10. Und soll ich auch in tod 2. Was nüßt es, heidnisch sorgen, Und jeden neuen morgen Mit neuem fummer sehn? Du, vater meiner tage! Weißt, eh ich dirs noch sage, Mein leid und auch mein wohlergehn. 3. Auf deine hand zu schauen, Dir tindlich zu vertrauen, Das, herr! ist meine pflicht. Ich will sie treulich üben, Und dich, mein vater! lieben; Denn du verläßt die deinen nicht. 4. Der du die blumen Fleis best, Und alle thiere weidest, Du schöpfer der natur! Weißt alles, was mir fehlet. Drum, seele, was dich quålet, Befiehl dem herrn, und glaube nur! 5. Herr! alle meine fors gen, Die noth, die mich vers borgen In meinem geiste nagt, Werf ich auf dich, den treuen; Du weißt den zu erfreuen, 392 Vom Leiden und Kreuze des Christen. Der fromm nach deiner hülfe Gott, mein starker schuh! fragt. Gründe mich, mein fels! auf dich, Halt mich fest, daß kein gedanke Zweifelnd von dir wanke. 6. Wenn meine augen thránen, Und sich nach hülfe sehnen, So klags ichs dir, dem herrn. Dir, vater! dir befehle Ich jez den wunsch der seele; Du hörst, du hilfst, du segnest gern! 7. Der du mir hier im les ben Schon größres heil gegeben Und deinen sohn ge schenkt, Du wirst mir alles schenken, Und mir zum besten lenken, Was mich zu sorgen reizt und fránkt. 8. Du führest, herr! die deinen Nie so, wie sie es mey: nen, Nein, nur nach deinem rath. Ob ich mich auch be: trube, Bleibt doch dein rath voll liebe; Das zeigt der ausgang mit der that. 9. Wenn ich hier tiefen sehe, Und es nicht ganz verstehe, Was du mit mir gethan? Kann ich doch deß mich trösten: Du nimmst mich, mich eisösten, Gewiß dereinst zu ehren an. 10. Dort, bey der frommen schaaren, Dort werd ich es erfahren, Wie gut du mich geführt. Da sing' ich dir mit freuden Nach überstandnen leiden, Den dank, der deiner huld gebührt. Vertrauen und hoffnung auf Gott. Met. Jesu, meine Freude. 523. Auf dich, gott der gute! mein gemüthe, Ich bin gutes muths; Ohne furcht und grauen, Will ich dir vertrauen, 2. Groß sind deine werke; Niemand ist an stårke Dir, Je: hovah! gleich. Du lenkst sonn und sterne, Du bist nah und ferne, Du machst arm und reich. Du bist groß, Herr, göttlich groß! Groß an weisheit, groß an gnade! Wer ist, der mir schade? 3. Du hast, quell der freu: den! In so manchen leiden, Wenn mich noth geschreckt, Treu und voll erbarmen Mich mit liebesarmen Väterlich be deckt. Deine treu Ist täglich neu; Täglich will ich dich ers heben, Und dir dankbar leben. 4. Gott! dein weg ist hei lig; Doch du sorgest treulich Für mein wohl und heil. Auch auf rauhen wegen Wird so mancher segen Mir von dir zu theil. Was du thust, Ist meine luft; Dir, herr! halt ich kindlich stille, Dein will ist mein wille. 5. Du liebst die getreuen, Die sich kindlich freuen, Daß du gnädig bist. Der ziert deine lehre, Der lebt dir zur ehre, Der nie zaghaft ist, Wer sich fest Auf dich verläßt, Der wird, sollt ihn alles hass sen, Nimmermehr verlassen. 6. Gott! dir sey mein le= ben Und mein herz ergeben; Du bist fromm und gut. Ach gieb, wenn ich leide, Durch Vom Leiden und Kreuze des Christen. 393 lieben, Ist alles seligkeit, Ihr jauchzen, ihr betrüben, Ihr siegen und ihr streit, Ihr glück und ihre plage; Ihr ganzer lebenslauf, Lößt sich am letzten tage In himmels jubeln auf. den geist der freude Mir des christen muth. Seymein schild! Laß Jefu bild, Wenn mein auge bricht, mich sehen, Froh einst vor dir stehen. Mel. Herzlich thut mich verlangen. em herrn will 524.D ich vertrauen, Verlassen mich auf gott, Auf fand nicht schlösser bauen, Nicht zagen in der noth. Gott ists, der mich geführet, So lang ich denken fann; Er. der die welt regieret, Nimmt sich auch meiner an. 2. Bey ihm ist himmel, erde, Und mensch und engel gleich. Er spricht: vergeb und werde! Zum wurm und königreich. Er straft, und kann behüten; Denn sein ist rach und lohn. Hier läßt er donner wüthen, Dort läßt er sie nur drohn. 3. Ihr thránen, die ich weine, Send bloßer unverstand. Wenn ich verlassen scheine, Hålt mich des höch sten hand. Was heut ich unglück nenne, Ist morgen schon mein glück; Ich, der mich selbst nicht kenne, Kenn minder mein geschick. 6. Hinweg, ihr bangen plagen, Und gram und unge duld! Durch zittern und durch zagen Häuft strafe sich und Wir mehren unfre schuld. schmerzen, Vergrößern unfre pein, Und flößen unserm herzen Geheimen gift nur ein. 4. Wenn aber trübe ftunden, wenn mancher schwüle tag, Wenn hier geheime wunden, Und wenn dort schlag auf schlag, Und schrecken schnell auf schrecken Den un tergang mir drohn, Ist gott mir stab und stecken, und schild und großer lohn. 5. Den frommen, die gott 7. Wie tröstlich sind die lehren, Die gottes wort mir giebt! Mein flehn will gott erhören, Gott züchtigt, den er liebt; Nach trüben augenblicken Geh ich zur frohen ruh; Dem geist winkt mit entzücken Die schaar der selgen zu. 8. Kurz sind der christen leiden, Kurz ihre prüfungszeit, Nicht werth der ewgen freuden, Und der unsterblich keit. O trost, wie kannst du trösten, Wie sehr das herz erfreun! Ich geh mit den erlösten Zum lohn des himmels ein. Gebet. Mel. Nun ruhen alle wälder. ich in meinen 525. nöthen nicht gott vertraun, nicht beten, Wie elend war ich dann! Wenn trost und hoffnung wanken, Wie sollt ichs gott, verdanken, Daß ich dann zu ihm beten kann? L. Oft raubten bange schmers 394 Vom Leiden und zen Den frieden meinem her zen, Und stórten meine ruh; Doch wenn mich kummer quálte, Dann fleht' ich, dann beseelte Dein trost mich, gott! dann hörtest du. 3. Dann trug ich meine leiden Mit größerm muth und freuden, Und ruh empfand mein geist; Ich fand dann im gebete Den trost, um den ich flehte, Den troft, den uns bein wort verheißt. Kreuze des Christen. schlummer, Wenn ich dir meinen kummer, D gott! zuvor geklagt; Von diesem trost umgeben, Daß du wächst für mein leben, War meine ſeele unverzagt. 4. Fleht' ich zu dir am mors gen, So schwiegen meine sorgen Den ganzen tag in mir; Mit ruhigem gemüthe Vertraut' ich deiner gute, Und überließ mein schicksal dir. 5. Und ruhig war mein 6. Noch werden viele tage Mir traurig, unter plage, Und unter gram vergehn; Laß, herr! in meinen leiden, Mich nie dein antlig meis den, Mich immer freudig zu dir flehn.. 7. Und laß mich stets empfinden, Daß die dein antlig finden, Die gläubig dir vertraun. Mit ruhevollem herzen Will ich in meinen schmerzen Auf dich nur meine hoffnung baun. Trost gesange, oder Ermunterungen zur Geduld, Zufriedenheit, Vertrauen auf Gott, und Ergebung in seinen Willen. Allgemeine Trostlieder. Mel. Herzlich thut mich verlangen. führet Die reu, die gott gefällt; Allein den tod gebieret 526.Chrift, alles was Die traurigkeit der welt. dich Be= fiehl getroft dem herrn! Er, der die himmel lenket, Ist auch von dir nicht fern. Er wach aus deinem schlummer, Zu gott erhebe dich; Er sie het deinen kummer, Und liebt dich väterlich. 3. Trau gott, nicht deinen schlüssen, Die wahl des besten zu. Sprich, wer wirds besser wissen. Dein schöpfer oder du? Er weiß ja, was dir feblet, In jedem augenblick, Was er, dein vater, wählet, Das dient zu deinem glück. 2. Sinds sünden, die dich 4. Der gott, auf dessen seschmerzen? Ja, fühle deine gen Dein ganzes wohl beruht, schuld; Doch trau von gan= Ist stets in seinen wegen zem herzen Auf deines got: Hochheilig, weis' und gut. les huld. 3ur wahren ruhe Und was er seinen kindern Bu Trostgefange. ihrem heil erfah, Kann kein erschaffner hindern; Wenn er gebeut, stehts da. Wer 5. Es mag die hölle wüthen; Umsonst emport sie sich, Wenn er dich will behüten, Und er behütet dich. gleicht ihm? seinen winken Gehorchen erd und meer. Laß deinen muth nicht sinken; Dein schirm und schild ist er. 6. Gott zählet deine zähren, Und wird, was gut ist, gern, Auch deinen wunsch ge währen; Sey stille vor dem herrn! Er ist ein hort der frommen; Hoff unverzagt auf ihn, Denn seine zeit wird kommen, Und deine wohlfahrt blühn. 395 ner nicht vergessen! Der herr ists, der dies spricht. 9. Ist auch der mütter eine, Die ihres sohns vergißt? Denk an dies wort, und weine Die freudenthran', o chrift! Und könnt sie sein vergessen, Will ich doch deiner nicht. Ich deis 10. Mit ruhigem gemüthe Verlaß auf ihn dich fest, Und wiß, daß seine gute Dich ewig nicht verläßt. Er will nach eis ner weile Dich desto mehr er freun. 3u deinem größern heile Verzieht er; harre sein! II. Wohl dir alsdann, du treuer! Wie groß ist einst dein lohn! Dein richter, dein befreyer Reicht dir die sieges: fron. Auf kurze prüfungstage Folgt ewger preis und dank, Dann schweiget jede klage, Und wird ein lobgesang. Mel. In dich hab ich gehoffet, herr. 527. Se, feele, stare 7. Ergieb dich ihm mit freuden, Sey stark in seiner kraft, Sey auch zur zeit der leiden, Ein christ, und tu gendhaft; Und dann ergreif im glauben, Den trost der ewigkeit. Wer kann den trost 2. Kein leiden kommt von dir rauben, Der allen gram zerstreut? 8. Sey froh; dein gott regieret, Sein rath ist wunderbar; Einst wirst du überfüh: ret, Daß er der beste war. Du denkst wohl unterdessen: Der herr erbarmt sich nicht! Der herr hat mein vergessen! Doch höre, was er spricht: ohngefähr, Die hand des höchsten schickt es her, Sein rath hats so erfehen; Drum sey nur still, Und was gott will, Laß immer gern geschehen. und unverzagt, Wenn irgend dich ein kummer plagt, Befiehl gott deine sachen. In aller pein Vertrau allein Auf ihn; er wirds wohl machen. 3. Erweckt dir gleich das leiden pein, So solls dir doch nicht schädlich seyn; Gott kann fein kind nicht hassen. Wer ihn nur liebt, Sich ihm ergiebt, Den wird er nicht verlassen. 4. Wie lange währt der frommen leid? Nicht ewig, herr! nur kurze zeit. Nach überstandnem leide Erquickest Trostgesänge. 396 du Ihr herz mit ruh, Und einst mit ewger freude. 5. Drum hab, o seele! guten muth! Bertraue gott; es wird noch gut Nach aller trübsal werden. Er ziehet dich Durchs kreuz zu sich, 3um himmel von der erden. 6. Gott ist dein goit; er ist getreu, Und stehet dir als vater bey. In allem kreuz auf erden. Der leiden heer Wird nie zu schwer Durch ihn dem christen werden. 7. Es haben ja zu aller zeit, Die heiligen in traurigkeit Hier oftmals wandeln müssen; Warum willst du Hier nur von rub, Und nichts von trübsal wissen? 8. D! bet und sich auf deinen gott In aller deiner angst und noth; Laß, wie er will, es gehen. Sein will ist gut; Behalte muth! Gott wird dich einst erhöhen. 9. Der du ein gott des trostes bist! Laß jeden, der hier traurig ist, Doch deinen trost empfinden. Hilf, den du liebst, und prüfend übst, Den unmuth überwinden. währen; Oft werden unfre záhren Schnell von dir ab: gewischt. Und seufzen wir: wie lange Ist meiner seelen bange? So wird mit trost das herz erfrischt. 3. Die lasten, die uns pres sen, Hast du, herr! abges messen, So groß sie immer seyn. Du hilfst sie selbst uns tragen, und richtest unsre plagen Nach unsern kräften weislich ein. 4. Ja, wenn ichs recht er: wäge, So finds nur liebesschläge, Womit du uns be legst; Nicht schwerdter sinds, nur ruthen, Womit du, bloß zum guten, 15 vater deine kinder schlägst. 5. Dein váterlich bemühen Will uns hier auferziehen, 3u thun, was dir gefällt; Du willst die luste schwächen, Den eignen willen brechen, Uns bilden für die begre welt. 6. Du willst den eifer meh, ren, Gehorsam dich zu ehren, Mit glauben und geduld; Daß, wenn uns feinde haf sen, Und freunde uns ver lassen, Wir dennoch traun auf deine huld. Mel. Nun ruhen alle wälder. 7. Was will uns, herr! 528.2ill mich, o gott! auch scheiden Von dir und hienieden Des lebens last ermúden, So stárke meinen geist; Wenn mich die leiden frånken; So laß mich wohl bedenken, Auch das sey gut was trub: fal heißt. jenen freuden, Die du für uns ersehn? Man lebe oder sterbe, So wird des himmels erbe Doch deinen kindern nicht entgehn. 2. Nicht ewig soll sie 8. 3u jenem bessern leben Willst du auch nich erheben; Der tod ist mein gewinn. Trostgesänge. 397 Muß einst mein leib verwesen, Und wenn du deinen Findern So wird mein geist genesen; Er eilt zu feligkeiten hin. 9. O! drücke meinem her: zen, Auch unter forg' und schmerzen, Dies tief und liebreich ein. Der, den du, vater! liebest, Kann auch, wenn du betrübest, Doch hoffnungsvoll und ruhig seyn. Mel. Herzlich thut mich verlangen. eficht du deine 529.B wege, Und was dein herze kránkt, Der treuen vaterpflege Deß, der den weltkreis lenkt; Er zeichnet stern und winden Die abge: meßne bahn; Sollt er nicht wege finden, Wo dein fuß wandeln kann? 2. Dem herrn mußt du vertrauen, Wenn dirs soll wohlergehn, Und dein werk auf ihn bauen, Soll es vor ihm bestehn. Gott läßt durch sorg und grámen, Und durch selbst eigne pein Sich keine wohlthat nehmen; Sey fromm, so ist sie dein. 6. Auf! wehre deinem schmerze, Der sorgen bange nacht Versinstre nicht dein herze, Auf! brich der schwers Bist du doch muth macht. nicht regente, Der alles fühs ren soll; Gott sist im regis mente, Und führet alles wohl. 7. Drum, seele! laß ihn walten, Er ist ein weiser fürst; Er wird dich aufrecht halten, Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, Nach seiner weisheit rath, Das werk hinausgeführet, Das dich geangstet hat. 3. Dein aug, o gott der gnade! Sicht immer unge: schwächt, Was gut sey oder schade, Dem sterblichen ge8. Und blieb der trost auch lange, Den du von ihm bes gehrt, Und würde dir oft bange, Daß er dich nicht ges hört; Er wird dir hülfe sens den, Wenn du's am minds schlecht; Und was du denn sten glaubst, Und all dein erlesen, Dein rath fürs beste hált, Bringst du zum stand und wesen, Wie es dir wohl= gefällt. unglück wenden, So du ihm treu verbleibst. Ein glück hast zugedacht, So kann dein werk nichts hindern; Du willst, so ists vollbracht. 5. Hoff', o bedrängte seele! Hoff', und sey unverzagt. Gott weiß es, was dich quále, Den kummer, der dich nagt. Er wird dich ihm entrücken; Erwarte nur der zeit, Bis dich mit holden blicken Sein angesicht erfreut. 4. Un wunderbaren wegen Fehlt dirs, allweiser! nicht; Dein thun ist gnad und segen, Dein gang ist recht und licht; 9. Wohl endlich deinertreue! Du trägst den sieg davon. Auf! daß dein herz sich freue, Schau nur den reichen lohn. Gott giebt dir selbst die pals men In deine rechte hand, Trostgesänge. 398 Und du fingst freudenpsalmen, Dem, der dein leid gewandt. 10. Mach end', o herr! mach ende Hier aller unsrer noth, Und reich uns deine hånde Im leben und im tod. Stets laß uns deiner pflege Und treu em pfohlen seyn; So gehen unsre wege Gewiß zum himmel ein. Beym Verzug der gött: lichen Zülfe und Erhö rung des Gebets. Mel. Wer nur den lieben gott. err! mache meine 530.5 seele stille. Bey allem, was mich kränkt und drückt, Geschieht doch einzig nur dein wille, Der nichts zu meinem schaden schickt. Du bists, der alles andern kann, Und was du thust, ist wohl gethan. 2. Auch auf den allerrauh: sten wegen Führst du uns zur glückseligkeit. Selbst trüb: fal bringt dem ewgen segen, Der dir sein ganzes herze weiht; Ihr ausgang wird doch herrlich seyn, Siehts gleich der blöde geist nicht ein. seinem wohlergehn 3um schas den dient, ganz übersehn? 5. Nur du, du kennst und wählst das beste. O vater! mache selbst mein herz In dieser überzeugung feste, So chr ich auch im größten schmerz Dich noch mit der gelassenheit: Was mein gott will, gescheh allzeit. 6. Die stunde wird doch endlich kommen, Da mich vollkommnes glück erfreut; Denn einmal führst du doch die frommen 3ur völligen zufriedenheit. Und dann wird jedem offenbar, Daß, gott! dein rath der beste war. 4. Uns bleibt oft, was uns nügt, verborgen; Wer hats je ganz genau erkannt? Wie oft sind unsre wünsch' und sorgen Voll thorheit und voll unverstand! Wer kann, was 7. Dann wird von allen meinen plagen Der ewge nugen mich erfreun; Dann wird mein herz, statt aller klagen, Voll von dem dank und lobe seyn: Der herr, der für mein heil gewacht, Hat alles mit mir wohlgemacht. In Kleimüthigkeit und beym Mangel am Ver. trauen auf Gott. Mel. Alle menschen müssen sterben. 3. Drum laß mich stille feyn und hoffen, Wenn du 531. Gott der wahrheit, dessen mir prüfungen bestimmt. Dein vaterherz steht dem doch offen, Der zu dir seine zuflucht nimmt; Wer still in deiner fügung ruht, Mit dem machst du es immer gut. fre hoffnung stüßt und hält! Ich erkenn es voller reue, Daß mich kleinmuth oft be fällt. Uch! mein herz hängt noch an dingen, Die doch keis nen treft mir bringen; D, wit oft vergeh ich mich, lengst lich zweifelnd, wider dich! 2. Gott! vergieb mir diest sünde, Nimm die strafe vor mir hin. Schenke, vater! dei nem tinde Einen dir ergeb Trostgesänge. nern sinn, Der von dir nur hülfe heischet, Den nicht falsche hoffnung täuschet, Die das herz aufs eitle zieht, Und wie leichter rauch entflieht. 399 versicht! Bis daß alles eingetroffen, Was auch mir dein wort verspricht. Auf dich, quelle alles lebens! Harrt der glaube nie vergebens; Was wir glauben, schauen wir Einst gewiß, o herr! bey dir. wider Verzagtheit und Trostlosigkeit. 3. Laß mich gram und uns muth meiden, Weil du für mich sorgst und wachst, Und selbst allen druck der leiden Mir zur wahren wohlthat machst. Laß mich auf dein Mel. O Jefu, du mein bräutigam. wort stets hoffen, Das noch 532.Von dir, o vater! immer eingetroffen. Gott! wer deinem wort nicht traut, Hat auf leichten sand gebaut. 4. Laß mich fest im glauben werden, Daß dein wort wahr: haftig sey; O! so werd ich hier auf erden Bon so mancher unruh frey. Dann werd ich, mein gott! mit flehen Stets auf deine hülfe sehen; Dann wächst meine zuversicht, Und die hoffnung trügt mich nicht. nimmt mein herz Glück, unglück, freuden oder schmerz, Bon dir, der nichts als lieben kann, Vertrauens voll und dankbar an. 1. 2. Nur du, der du allweise bist, Nur du weißt, was mir heilsam ist; Nur du siehst, was mir jedes leid Für heil bringt in der ewigkeit. 3. Die kurze oder långre pein Kann nie umsonst erbuls det seyn; Der bittern wur zel frucht ist süß. Und einst quillt licht aus finsterniß. 5. Vater! meine hoffnung gründet Sich auf deines sohnes tod; Meine seele sucht und findet Darin großen trost in noth, Ja, sein siegreich auferstehen Läßt mich zu dem leben gehen gehen, Das kein traurig ende nimmt, Wo mir ewges heil bestimmt. 6. Muß ich gleich noch hier auf erden; Gott, entfernt vom himmel seyn; Wirst du doch von den beschwerden Dieser zeit mich einst befreyn. Der wünschte selge stunden! Ewig aller noth entbunden Werd ich dich, mein heiland sehn, Und zu deiner freud eingehn. 7. Laß mich fröhlich darauf hoffen, Herr! herr! meine zu4. Ist alles dunkel um mich her, Die seele müd und freudenteer, Bist du doch meine zuversicht, Bist in der nacht, o gott! mein licht. 5. Verzage, herz, verzage nie! Gott legt die last auf, gott kennt sie; Er weiß den fummer, der dich quält, Und geben kann er, was dir fehlt. 6. Wie oft, herr, weint ich, und wie oft Half deine hand mir unverhofft! Oft jammert ich untröstbar heut, Und mor gen schon ward ich erfreut. 7. Oft sah ich keinen auss gang mehr; Dann weint ich laut und klagte sehr: Wo bist 400 Troftgefange. bu, mein gott? schauest du 16. Und helfen will er, Denn meinem elend gar zweifle nicht! Er hält getreu, nicht zu? was er verspricht. Nicht las sen will ich, seele! dich; Sey gutes muths, und glaub an mich! 8. Dann hörtest du, o herr! mein flehn, Und eiltest bald mir beyzustehn; Du öffnetest mein auge mir, Ich sah mein glück, und dankte dir. Mel. Nun ruhen alle wälder. 9. Wie viele seelen hat die nacht Der ſchwersten trübfal 533. Was ists, daß ich bang gemacht! Und wen, o gott! den du geliebt, du auf erden nie betrübt? Hast mich Harr seiner, meine seele, Harr und sey unverzagt! Du weißt nicht, was dir nüket; Gott weiß es, und gott schüket, Er schüßet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine tage, Mein glück und meine plage, Eh ich die welt noch sah; Eh ich mich selbst noch kannte, Eh ich ihn vater nannte, War er mir schon mit hülfe nah. 10. Doch so viel seelen auch die nacht Der schwersten trüb. sal bang gemacht, So viel hast du zu rechter zeit Mit deiner gnade, herr! erfreut. 11. Sagts alle, die gott je geprüft, Die ihr zu ihm um hülfe rieft, Sagts, from: me, ob er das gebet Geduldig leidender verschmäht? 12. Die stunde kommt früh oder spät, Wo dank und freud aus leid entsteht, Wo pein, die stunden nur gewährt, In freudenjahre sich verkehrt. 13. Du erntest deiner lei den lohn Vielleicht in diesem leben schon; Vielleicht, daß, eh du ausgeweint, Dir gott mit seiner bülf erscheint. 14. Schau deinen heiland gläubig an; Wenn niemand dich erquicken kann, So schütte du in seinen schooß Dein herz aus; seine hülf ist groß. 15. Einst hat er auch, der menschenfreund, Im thránenthale hier geweint; Auf deine thrånen giebt er acht, Und dir zu helfen, hat er macht. 3. Die kleinste meiner for: gen Ist dem gott nicht vers borgen, Der alles sieht und hält; Und was er mir be: schieden, Das dient zu mei nem frieden, Wars auch die größte last der welt. 4. Ich lebe nicht auf erden Ganz glücklich hier zu werden; Die lust der welt vergeht. Ich lebe hier, im segen Den grund zum glück zu les gen, Das ewig, wie mein geist, besteht. 5. Was dieses glück vera mehret, Sey mir von dir gewähret; Gott! du gewährst es gern. Was dieses glück verleget, Wenns alle welt auch schäßzet, Sey, herr, mein gott! mir ewig fern. Trostgesänge. 401 ich haffen. Ach, wie kannst du mich verlassen? 4. Meine seele betet: stårke mich, o mittler! und du hörst. Ruhe giebst du, denn ich mers ke, Daß du kraft und muth gewährst. Ist der lüste weg gleich breit, Schmal der weg der heiligkeit; Fröhlich dorten das getümmel; Führt die stille doch zum himmel. 6. Sind auch der krankheit plagen, Ist mangel schwer zu tragen, Noch schwerer haß und spott; So harr ich, und bin stille 3u gott; denn nicht mein wille, Dein wille nur, gescheh, o gott! 7. Du bist der müden stärke, Und aller deiner werke Erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, Wenn gott mich will bewahren? Und er, mein gott, bewahret mich. Bey Schwachheit des Glaubens und in 3weis fel an der Gnade Gottes, Mel. Freu dich sehr, o meine seele. 5. Weicht, ihr zweifelnden ges danken: Werd ich treu und standhaft seyn? Werd ich siegen? werd ich wanken? Wank ich, wird mir gott verzeihn? Mein versuchter mittler giebt Hülfe 534. Nh! die zweifeln den gedanken: Werd ich treu und standhaft jedem, der ihn liebt, Giebt mir heilige gedanken, Muth und treue nicht zu wanken. seyn? Werd ich siegen? werd In Gewissensangst und ich wanken? Wank ich, wird mir gott verzeihn? Dieser zweifel sind so viel; Diese Schwermuth. mel. Uch, was soll ich fünder. as bist du, 0 535. Wa christ! betrůbet? fuchen, gott! das ziel Deines rufes meinen blicken Zu verbunkeln, zu entrücken. Warum klagst und zagest du? Sey getrost! genieß die ruh, Dié gott seinen freunden gies bet. Wanke nicht; gott hålt den fest, Der sich fest auf ihn verläßt. 2. Sprich nicht: gott hat mich verlassen, Er entzeucht mir seine huld, Er gedenkt an meine schuld, Er hat urs sach mich zu hassen; Such ich ihn, so flieht er mich, Er verstößt mich ewiglich. 3. Nein, gott kann dich nicht verlassen; Er schenkt sündern seine huld, Die die lasten ihrer schuld Schmerzlich fühlen, ernstlich hassen. C 2. Die versucher meiner seele Sagen: fruchtlos, thôricht seys, Daß ich fromm zu seyn mich quale, 3u hoch sey des glaubens preis; Nicht so blumigt, nicht so breit Sey der weg der heiligkeit, Wie der ebne weg der lüste, Sey ein dornpfad in der wüste. 3. Aber du hast auch gelitten, Jesu Christe! nicht für dich, Einen harten kampf bestritten, Der versuchung kampf für mich. Meine hülfe sey denn du! Gieb der müden feele ruh! Jede sünde will Troftgefange. 402 Such ihn nur; er nahet sich, Er verstößt nicht ewiglich. 4. Sieh die leiden, die bich drücken, Nicht für zorns gerichte an; Sprich nicht: gott, der helfen kann, Will und wird mich nicht erquicken; Vorher half er mir so gern, Nun ist seine hülfe fern. 5. Alle leiden, die dich drücken, Sieh als liebeszeis chen an; Gott, der mächtig helfen kann, Wird dich váz terlich erquicken; Auch noch jest hilft er dir gern, Seine bülf ist nicht mehr fern. nicht am freuze sich Für die welt, und auch für dich? 10. Ließ er darum sich ermorden, Bist du dazu theur erkauft, Und auf seinen tod getauft, Bist du darum gláubig worden, Daß du bis ins grab hinein Solltest voller jammer seyn? II. Gott kann nie sein find verschmähen, Das im seelens kummer åchzt, Und nach trost und gnade lechzt; Liebreich wird er auf dich sehen. Ehe wankt der berge grund, Als sein treuer friedensbund. 12. Nun so stille deine klas gen, Bete, kämpfe, sey getreu! Schwachen steht gott machtig bey. Bald wirst du mit freuden sagen: Gott! ich weiß, du liebest mich, Gott mein gott! ich hoff auf dich. Hannovr. mel. Nr. 35. 6. Sprich nicht: meiner feufs zer stimme Dringt jest nicht mehr in sein herz, Selbst im beten wächst mein schmerz; Er verwirft mein flehn im grimme, Meine thránen und mein schreyn Werden stets vergeblich seyn. 2. Gott hört deiner seufzer 536.Din schweren leisin 7. vaterherz, Er gedenkt an deis ben, Und seufzest, daß der nen schmerz Göttlich gnädig, geist der freudens So weit nicht im grimme; Deine thránen und dein schreyn Werden nie vergeblich seyn. 8. Wirf die sorgen, die dich nagen, Christlich muthig von dir hin; Gott ist hie, wirf sie auf ihn, Er erbeut fich, sie zu tragen; Ihm wird das zu keiner last, Was du schwer getragen hast. von dir gewichen ist. Du klagst und rufft: herr! wie so lange? Und gott verzeucht, und dir wird bange, Daß du von gott verlassen bist. 2. Sind meine fünden mir vergeben, hat gott mir füns der heil und leben In seinem lieben sohn verliehn; Wo find denn seines geistes triebe? Warum empfind ich nicht die liebe, Und hoffe nicht getroft auf ihn? 9. Warum kam sein sohn auf erden? Nahm er nicht das elend weg? Hatt' er nicht den felgen zweck, Daß wir soll: ten selig werden? Gab er 3. Mühselig, fprichst du, und beladen Hör ich den trost Trostgesänge. 403 vom wort der gnaden, Und nens stimme, Verbirget sich, ich empfind und fühl ihn als wie im grimme, Nur einicht, Bin abgeneigt vor nen kleinen augenblick. gott zu treten; Sch bet, und kann nicht glaubig beten, Sch denke gott, doch ohne licht. 4. Sonst wars mir freude, seinen willen Von ganzem herzen zu erfüllen, Sein wort war immer mir gewiß; Jeht kann ichs nicht zu herzen fassen, und meine kraft hat mich verlassen, und meinen geist deckt finsterniß. 9. Gott ließ so manchen sei ner frommen In dies gefühl des elends kommen, Und stand ihm gleichwohl mächtig bey. Du sollst dein nichts erkennen lernen, Sollst das vertraun auf dich entfernen, Und sehn, was gottes gnade sey. 5. Oft fühl ich zweifel, die mich quälen, Heul oft vor unruh meiner seelen, Und meine hulf ist von mir fern. Ich suche ruh, die ich nicht finde; In meinem herzen wohnt nur sünde, Nur un muth, keine furcht des herrn. 6. 3ag' nicht, o christ! denn deine schmerzen Sind sichre zeugen bessrer berzen, Als dir dein eignes herz jetzt scheint. Wie könntest du dich so betrůben, Daß dir die kraft fehlt, gott zu lieben, Wår nicht dein herz mit ihm vereint? 10. Vor sicherheit dich zu bewahren, Läßt er dich seine streng erfahren, Und schickt dir diese noth und last. Er reinigt dich, wie gold im feuer, Macht dir das heil der seele theuer, Damit du haltest, was du hast. II. So wie ein vater über kinder, Erbarmet gott sich über súnder, Die seinen namen ernstlich scheun. Dein seufzen ist ihm nicht verborgen, So fern der abend ist vom morgen, Låßt er von dir die sünde seyn. 12. 3war ist um trost dir jetzo bange, Denn alle züchtigung, so lange Sie da ist. scheint uns schwer und hart; Doch nachmals wird sie friedsam geben Vermehrte tugend, heil und leben Dem, der durch sie geübet ward. 7. Kein mensch vermag gott zu erkennen, Und Jesum sei nen herrn zu nennen, Als nur durch seinen heilgen geist. Hast du nicht diesen geist empfangen? Er ists, der dich nach gott verlangen, Und sein erbarmen suchen heißt. er 8. Bertrau auf gott! wohnt bey denen, Die sich nach seiner hülfe sehnen, Er kennt und will dein wahres 14. Auf! fasse dich in deinen glück. Er höret deines wei- nöthen. Sprich: wollte mich 6c2 13. Fahr fort zu beten und zu wachen; Gott ist noch mächtig in den schwachen, Sst lieb und güte für und für. Laß dir an seiner gnade gnügen; Sein wort ist wahr, und kann nicht trügen: Ich stärke dich, ich helfe dir! Troftgesänge. 404 der herr auch tädten, So harr ich dennoch standhaft sein; Mir bleibt das erbtheil der erlösten, Und will mich gott nicht eher trösten, Wird er mich doch im tod erfreun. Troft aus der Erlösung. Mel. Warum sollt ich mich denn. arum sollt ich 7. Unverzagt und ohne grauen Soll ein christ, Wo es ist, Stets sich lassen schauen. 537. W ihn der tod betries gen; Christi blut Und sein muth Hilft auch den besiegen. 8. Denn kein tod kann mich ertödten, Nein, er reißt Meis nen geist Uus viel tausend nos then, Endigt dieses lebens leis den, Führt mich dann Himmel an In der engel freuden. 9. Dann wird sich mit bess fern schäßen Geist und herz Auf den schmerz Ewig dort ergößen. Hier ist kein recht glück zu finden; Was die welt In sich hålt, Muß wie rauch verschwinden. men? Hab ich doch Christum noch! Wer will mir den nehmen? Wer will mir den himmel rau: ben, Den mir schon Gottes fohn Beygelegt im glauben? 2. Ich kam unter angst und nöthen, Ganz hülflos, Arm und bloß, Einst ans licht getreten; Nichts nehm ich auch von der erde Dann mit mir, Wenn ich hier Einst abscheiden werde! 3. Gut und blut, leib, feel und leben Ist nicht mein; Gott allein Ist es, der's ges geben. Fordert er es einstens wieder; Er nehm's hin, Ich preis ihn Doch durch meine lieder. 6. Satan, sünd und ihre rotten, können mir nichts mehr hier Thun. als meiner spotten. Laß sie spotten, laß fie lachen; Gott, mein heil, Wird in eil Sie zu schanden machen. 4. Schickt er mir ein kreuz zu tragen, Dringt herein Ungst und pein, Sollt ich dru verzagen? Der es schickt, der hat's in handen; Er weiß wohl, Wie er soll All mein unglück wenden. 5. Gott hat mich ben guten tagen Oft ergötzt; Sollt ich jest Nicht auch etwas tragen? Fromm ist gott, und schärft mit maaßen Sein ge richt, Rann mich nicht Ganz und gar verlassen. 10. Was sind dieses lebens guter? Unbestand, eitler tand, Kummer der gemüther. Dort, dort sind die edlen gaben, Da mein hirt, Christus, wird Mich ohn ende laben. 11. Herr, mein hirt, brunn aller freuden! Du bist mein! Ich bin dein! Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein leben Und dein blut, Mir zu gut, In den tod gegeben. 12. Du bist mein! weil ich dich fasse, Und dich nicht, mein licht! Aus dem herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Wo du mich, Trostgesänge. 4° 5 Und ich dich Ewig werd um noch nicht von dir. Ich sing fangen. und bet; und dann wird schnell Auch trübe finsterniß mir hell. 9. Dann schmeck ich schon Mel. Herr Jesu Christ, mein's. 538., gott! wie mans hier in der zeit Die freuden ches schwere leid Begegnet mir hier in der zeit! Der weg ist schwer und trübsalvoll, Den ich auf erden wandeln soll. jener herrlichkeit; Mein dornenweg wird mir nicht mehr Mit allen seinen leiden schwer. 2. Wie widerstrebt nicht fleisch und blut Shm, unserm wahren, höchsten gut! Du, Jesu, mittler! du allein Mußt unsrer schwachheit stårke seyn. 3..Bey dir fand ich zu jeder zeit, Sm unglück rath, und trost im leid; Und wenn ich schon am abgrund stand, Erhielt mich deine starke hand. Mel. Jesu, meines Lebens leben. 4. Du, gottes eingebors 539. Schweiget, bange ner sohn! ewigkeiten thron, Und nahmst der fünder fluch auf dich, Wardst mensch für uns, ein mensch, wie ich. 5. Du littest in des lebens thal, gottmensch! Leiden ohne zahl, Du starbst für mich den kreuzestod, Und ris sest mich aus aller noth. 6. Ich folge dir als jünger nach; Sollt ich, drückt mich ein ungemach, Verzweifeln, obne hoffnung seyn? Nein, du bist mein, und ich bin dein. 7. Mit leib und seele bin ich dein; Und wollten höll und tod mir dráun, So trau ich deiner starken hand, Die tod und hölle überwand. 10. In dieser glaubenszuversicht Betret ich ihn, und fücht ihn nicht. Bereite du mich, herr! dazu; Denn meine stårk und kraft bist du. 11. Erhalte meine seele rein; So leb und sterb ich dir allein, Und schaue dann nach dieser zeit Dein antlig in gerechtigkeit. 8. Verschmachtet selbst mein geist in mir, So laß ich denget! Mein erbarmer ist getreu, Und sein geist in mir bezeuget, Daß ich ihm verföhnet sey. Mir drohn nicht der hölle flammen; Und will mich mein herz verdammen, Dennoch täuscht mich nicht sein schmerz. Gott ist größer, als mein herz. 2. Er, der das verborgne kennet, Kennt auch mich, und weiß allein, Wie dies herz von sehnsucht brennet, Ganz sich seinem dienst zu weihn; Schaut den kummer meiner feele, Der mich beugt, so oft ich fehle, Und nicht meiner zweifel wahn, Meinen glauben sieht er an. 3. Und wie nie sein urtheil wanket, Wankt auch nie sein Trostgesånge. 406 ewger rath. Rühmet, christen, danket, danket! Groß ist, was er an uns that! Uns, den fündern, den verlornen, Gab er seinen eingebornen. War: lich! alles, alles giebt Der, der seinen sohn uns giebt. 4. Mir auch ist sein sohn gegeben, Durch den glauben ist er mein. Ja, ich weiß, ich werde leben, und in ihm einst selig seyn. Mich sah gott von seinem throne, Mich erwählt' er in dem sohne, Eh noch seiner allmacht ruf Mich und alle wesen schuf. 8. 3war ich weiß auch, es bethore Reichthum leicht das herz zum geiz; Blendend ist der glanz der ehre, Süß der wollust falscher reiz; Schlupfrig sind des glückes pfade, Schmeichelnd ist der hohen gnade; Stolzes lob führt leicht von gott, Und noch leichter bittrer spott. 9. Dennoch weiß ich, schmerz und freuden, Tod und leben, lob und schmach, Werden mich von gott nicht scheiden; Gott ist stark, bin ich schon schwach. Gunst der großen, haß der feinde, Ueberredungen der freunde, Nichts erschüttert meine treu; Gottes liebe steht mir bey. 5. Theuer bin ich ihm er worben; Heil mir! hier ist Sesus Christ! Er, der auch für mich gestorben, Auch für mich erstanden ist, Nun zur rechten gottes figet, Auf mich sieht, mich mächtig schüßet, Mich vertritt, mich nie verstößt, Mich aus aller noth erlöst. 6. Truß der welt und ihres spottes! Truß der höll und ihrer wuth! Mir bleibt doch die liebe gottes, Und hált mich in treuer hut. Was will je von der mich scheiden? Nein, ich werd in allen leiden Mehr, als blos geduldig seyn, Mich vor gott auch ihrer freun. 10. Ich beharr in meinem glauben, Nichts, wenn es auch alles raubt, kann mir gottes liebe rauben; Drum erheb ich froh mein haupt. Gnug, daß meiner der gedenket, Der mir seinen sohn geschenket, Und mich nimmermehr verläßt! Dieser fels bleibt ewig fest. Trost aus der göttlichen Vorsehung. Mel. Was gott thut, das ist. 7. Laß denn rauhe wetter 540. 2as zagst du? stürmen, Alles um mich her sey nacht! Gott, mein gott, wird mich beschirmen, Der für meine wohlfahrt wacht. Wenn ich lang auch hülflos bliebe, Leitet doch mich seine liebe Durch die nacht,( drum fürcht ich nichts,) In die wohnungen des lichts. gott regiert die welt; Und der ist ja allmáchtig. Den arm, der alles fleisch erhält, Was macht dir den verdächtig? Wenn meeresfluth, Schwerdt, feuersglut, Uns schon ereilet hätten, So kann doch er noch retten. 2. Was zagst du? gott re Erostgesänge. 407 Und der ist unser flehen; Wir dürfen Selbst was stets getroft 3u seinem throne gehen. Wenn wir in demuth ihm Nur klagen unsre noth, So werden wir erhört, So hilft uns unser gott. 2. Es hilft uns unser gott, Der alles weiß und siehet, Dem auch das innerste Des herzens nicht entfliehet. Ja, alles was uns fehlt, Und unser sehnlich flehn, Das hat der höchste schon Von ewigkeit gefehn. giert die welt; ja allwissend. dein herz verborgen hält, Ist dennoch ihm wohl wissend. Sollt' ihm dein schreyn Ber: borgen seyn? Die bitte, die du thatest, Wußt er, noch eh du batest. 3. Was zagst du? gott regiert die welt; Und der ist ja allweise. Stets dient der weg, der ihm gefällt, 3um heil dir, ihm zum preise. In finsterniß Führt er gewiß Oft aus der nacht der leiden, Ins hellste licht der freuden. 4. Was zagst du? gott regiert die welt; Ist stets all gegenwärtig, Wenn sich dein herz verlassen hålt, Dir nah, zu helfen fertig. Sein othem nur Trågt die natur, Trägt, wo auch jeder walle, Doch allenthalben alle. 5. Was zagst du? gott re: giert die welt; Und er ist auch geduldig. 3war, wenn er ins gericht uns stellt, Sind selber fromme schuldig; Doch sein gericht Trifft fromme nicht. Drum sey gewiß, er schone Auch dein in seinem sohne. 6. Nun, gott! da du die welt regierst, Wie dürft ich ångstlich zagen? Ein leid, in welches du mich führst, Soll nie mich niederschlagen. Ich hoff auf dich! Du läsfest mich Bald deine hülfe schauen, Dir, dir will ich vertrauen. Mel. O gott, du frommer gott. 541.8 s hilft uns unser gott, Er håret 3. Es hilft uns unser gott, Der alles wohl vollführet, Und auf das weiseste 3u aller zeit regieret; Sein herrlicher vers stand Sieht es am besten ein, Was uns wahrhaftig kann Gut oder schädlich seyn. 4. Es hilft uns unser gott, Der alle macht befizet, Dem nichts unmöglich ist; Wohl uns, daß er uns schützet! Ist unser leiden gleich Sehr groß und mancherley; Getrost und unverzagt! Die allmacht steht uns bey. 5. Es hilft uns unser gott, Den unser jammer frånket, Der sein erbarmend herz Auf unsre bitte lenket; Der, aller gúte voll, Die liebe selber ist, Und von dem alles heil Auf uns durch Christum fließt. Bey betrübenden Sührungen Gottes. Met. In dich hab ich gehoffet, herr. ott führt feis 542.Gnen wunderlich Bist du sein kind, so schicke dich, Getrost ihm nachzuge Troftgefange. 408 hen. Rein welfer kann Die heilge bahn. Und ihren zweck verstehen. 2. Die wege, die des hochsten rath Den seinen ausges zeichnet hat, Sind nicht der menschen wege; Doch fasse muth! Sein weg ist gut; Sey, ihn zu gehn, nicht träge. 3. Wenn dein getreuer gott dich führt, Wenn er dein herz und thun regiert, So kann dein herz sich stillen; Du hast genug Beruhigung In gots tes gutem willen. 6. Die frommen wallen allerseits 21s pilger, jeder trágt sein kreuz, Sie gehen hin und weinen; Doch jeder spricht Mit zuversicht: Gott fanns nicht böse meynen. 7. Ja, gott ist fromm, und gut, und treu. Glaubst du, daß gott die liebe sey, So hemme deine klagen. Das leiden drückt; Doch was gott fchickt, Hilft er, als gott, auch tragen. und der schmerzen; Er wog auch schon Den gnadenlohn Auf seinem vaterherzen. 4. Von keinem bänden ohngefähr, Bom besten vater kömmt es her, Das kreuz, das dir begegnet; Des leidens tag, Der liebesschlag Sind auch vom herrn gesegnet. 5. Gott hat schon in der alten zeit Mit folcher weisen 543.Wund gütigkeit Die heiligen geleis tet; Der, den gott rief, Und ihn ergriff, Ward stets von noth begleitet. 8. Er wog, eh noch die welt entstund, Nach jedes christen kraft das pfund Der leiden 9. Erzurne dich, kind gots tes, nicht, Wenn der, der gottes joch zerbricht, Und frech der fünde dienet, 21s wie ein baum Sm weiten raum Sich breitet, wächst und grünet. 10. Des spotters und des heuchlers glück Währt oft nur einen augenblick, Bald wers den sie zu nichte; Wen sünd' ergdht, Den trifft zuletzt Der allmacht strafgerichte. 11. Thu emsig deine chris stenpflicht, Sey fromm vor gottes angesicht, Fahr fort, die welt zu hassen; Bet oft, halt an! Wer beten kann, Den kann gott nicht verlassen. 543.W tes schicken, una Mel. Freu dich sehr, o meine. underbar gots Unbegreiflich ist sein rath; Doch ist herrlich sein erquicken, Dies beweist zuleht die that. Wohl dem, der dies recht bes denkt, Ihm sein ganz vertrauen schenkt! Der wird schicksal, leib und leben, Gotz tes führung gern ergeben. 2. So verfährt gott mit den seinen; Die, die er als vater liebt, Werden oft mit bitterm weinen Und mit schwes rem kreuz betrübt. Er, der weis' und gut'ge gott, Stößt fie oft in tiefe noth, Um sie, auf ihr kindlich flehen, Herrlich wieder zu erhöhen. 3. Dies erwäge, meine seele! Wenn dich schmerz und küm Trostgesänge. 409 vertrauen, Und auf seine zusag bauen. 8. Endlich, banges herz! erwäge, Gott ist auch ein weis ser gott. Er nur kennt die bes sten wege, Er lenkt flüglich freud und noth. Wunderbar wählt er die zeit, Wo er nach dem leid erfreut; Herrlich weiß stets sein regieren Seis nen plan hinauszuführen. mer brückt; Denke nicht, daß gott dich quále, Nicht im zorne auf dich blickt. Er geht mit dir wunderlich, Doch stets weis und väterlich; Laß daber dein herz nicht wanken, Du wirst ihm gewiß noch danken. 4. Wie viel unglück und gefahren hat nicht seine va terhand Schon seit deiner jugend jahren Liebreich von dir abgewandt! Defters, wenn du selbst gedacht, Daß du in der leidensnacht Würdst erliegen und ersterben, Ließ dich gott doch nicht verderben. 5. Er, der große herr der erden, Ist stets unveränder: lich; Wolltest du jest muthlos werden? 3weifeln, ob er schüße dich? Nein, sein treues vaterherz Bricht ihm noch bey deinem schmerz, Das bey als lem, was dich kränket, Liebevoll an dich gedenket. 6. Und ihm fehlts auch nicht am können, Uch! er schuf die welt aus nichts; Wer muß ihn nicht mächtig nennen? Wenn er spricht, wunderbar beglücken. sogleich geschichts. Nimmt 9. Hålts nun gott vor dir verborgen, Wenn, wie, wo er helfen will; O! entschlage dich der sorgen, Sey nur in dem herren still! Er will se hen, ob auch fest Sich dein herz auf ihn verläßt, Will gebet und tugend mehren, Und dich dankbar werden lehren. 7. Dazu hat er nie gebrochen, Was er dir in seinem wort So gewiß und fest ver sprochen; Er erfüllts, der herr, dein hort. Erd' und himmel wird vergehn, Got: tes wort bleibt ewig stehn; Drum kannst du ihm fest 10. Mächtigster! dich laß ich walten. Du, mein troft und freud und lust, Kannst und wirst mich stets erhala. ten; Meine noth ist dir bea wußt. Stárke meine zuversicht, Und dann wird dein angesicht Huldreich, vater! auf mich blicken, und mich Mel. Nun ruhen alle wälder. die noth gleich überhand, So find mittel ihm bekannt, 544. Was soll ich troftWie er dich von allem bösen Unbegreiflich kann erlösen. Gott scheint mir zwar verborgen; Doch seine hülf' ist nah, Schafft, daß ich wege gehe, Ob ichs gleich nicht verstehe, Die er zu meinem heil ersah. 2. Längst wog er die gefahren, Eh' erd' und himmel was ren, Nach meinen kräften ab. Er linderte durch freuden Die Trostgesänge. 410 tage meiner leiden, Eh' er sie mir zu tragen gab. 3. Mir konnt' ein glück der erden 3um strick und falle werden; Die weisheit nahm es mir. Mich konnt' auf seligkeiten Ein kummer vorbereiten. Und got: tes gnade schenkt ihn mir. 4. Vielleicht, wenn pracht und ehre Mein theil auf er den wäre, Würd' ich mich sündlich freun, Und unter: drückte würden, In aufgelegten burden, Umsonst zu mir nach hülfe schreyn. 5. Mich könnten schätze reizen, Mehr schätze zu ergeizen, Und stolz mich aufzublähn; Dann würd ich arme hassen, Und menschenfeindlich lassen Vor meiner thüre hungrig stehn. 6. Bald könnt in guten tagen Mein herz verwegen fragen: Ist über mir ein gott? Dann würd' in schwelgereyen Das last er mich entweihen Und tugend wäre mir ein spott. 7. Gott nahm mir ruhm und schätze, Er zog mich aus dem nege, Das oft den klugen fällt. Daß ich, treu in der liebe, Sein auserwählter bliebe, Entfernt er die gefahr der welt. 8. Oft will in bösen ta gen Mein herz zwar furcht sam klagen: Wo ist der herr, mein licht? Warum verzeucht mein retter? Es lachen mein die spotter; Ich ruf', und er, er hört es nicht. 9. Doch ist um trost mir bange, Nimmt gott, an dem ich hange, Sich meiner Herzlich an, Und führt, den gram zu stillen, Um feines namens willen, Den irrenden auf ebner bahn. 10. Preis fey dem herrn gesungen! Auch in den züchtigungen Liebt er mich váz terlich. Mein glück ist gottes wille; Sein harr' ich, und bin stille, Und rühme meiner trübsal mich. Trost unter den Mühse: ligkeiten des Lebens, aus der Betrachtung der Ewigkeit. 545.Die Mel. Was gott thut, das ist wohl. ie bahn ist rauh, auf der ich hier Nach meiner beimath eile. Wie viel gefahr seh ich vor mir! Wie droht sie meinem heile! Gott! wärst du nicht Mein trost, mein licht, Mein heil in finstern tagen, So müßt ich längst verzagen. 2. Vor dir darf sich mein traurig herz, Erbarmer! nicht verheelen, Darf seinen fummer, seinen schmerz Vertraulich dir erzählen. Dann schaf fest du Mir trost und ruh Aus deiner gottesfülle; Und meine feel' ist stille. 3. Du lehrest mich den ho hen werth Der trübsal, die ich leide, Daß sie mich dir vertrauen lehrt, Mich führt zur wahren freude. Ich würde dein Mich minder freun, Nur dieser welt begehren, Wenn keine leiden waren. 4.Dein wort giebt mir die zus Trostgesänge. 411 versicht, Du sorgst für meine Und bleibst, wenn auch die tage; Dein auge schläft und schlummert nicht, Du hörest meine klage; Du fåttigst einst, Wenn du erscheinst In deis nem heiligthume Mit wollust mich und ruhme. noth am größten, Doch meines berzens troft und theil, Und stehst, nach deiner vatertreu, Mir stets mit rath und hülfe bey. 5. D! dann wird alle trau rigkeit Aus meiner brust ver: schwinden; Vergessen werd ich ganz mein leid, Und nur dein heil empfinden. Mein lobgefang, Boll preis und dank, Wird durch die himmel schallen, Und ewig dir gefallen. 6. Mich, den vollendeten, darf dann nicht mehr die fund entweihen; Mit unschuld steh ich angethan In deiner kinder reihen, und väterlich Erfreust du mich, Daß ich, der mensch von erde, Gleich deinen engeln werde. 7. Geduldig will ich hier den schmerz Der sterblichkeit ertragen; Beruhigen soll sich mein herz, Nicht mehr voll unmuth klagen. Du bist bereit, 3u deiner zeit, gott! von allem bösen Mich herrlich zu erlösen. Mel. Wer nur den lieben gott. as ist mein leben 546.2 auf der erde? Ein wechsel ists von luft und leid. Hier stórt oft unruh und beschwerde Die sanfteste zufriedenheit. Hier wohn ich noch in einer welt, Die kein vollkommnes glück enthält. 2. Weß soll ich mich, o herr! denn trosten? Nur deiner huld; du bist mein heil, 3. Du stårkst mir unter aller plage, O gott! auf mein gebet, den muth, Daß ich gelassen sie ertrage, Und machst zuletzt doch alles gut. kummer folgt zufriedner dank, Auf klagen froher lobgesang. Auf 4. Su ungestörten sicherheiten, Schickt sich gewiß kein průfungsstand. Wie würde, drückt uns nicht zu zeiten Ein leiden, unsre treu er kannt? Vollkommne ruh und sicherheit- Ist nur ein glück der ewigkeit. 5. Was bist du denn, o meine feele! In deiner noth so kummervoll? Vertraue gott! nur ihn erwähle 3u deinem trost, er schützt dein wohl. Einst dankst du ihm nach der gefahr, Daß er dein gott und retter war. 6. Er wird es seyn! ruf in gefahren Ihn als den einz'gen helfer an; Er weiß dich mächtig zu bewahren, Und da, wo niemand helfen kann, Fehlt ihm die kraft zu helfen nicht. Dies stárke deine zuversicht. 7. Befiehl ihm alle deine wege, Hoff und vertrau ihm allezeit. Auch auf dem allerrauhsten stege Sieh fröhlich hin zur ewigkeit; Da sammlest du von aller pein Den segen mit vergnügen ein. Trostgesänge. 412 8. So laß mich, gott! stets dahin schauen, Und dann mit starkem muth auf dich Auch in der größten noth, vertrauen. Du bist bey mir; das stärke mich. Wer dessen stets ver: sichert ist, Der lebt und stirbt getrost als christ. 547. Gin Mel. Wenn mein stündlein. in fremdling bin ich in der welt, Und kurz sind meine tage: So manche noth, die mich befällt, Reizt mich hier noch zur klage. Doch, vater! deine ewigkeit Versüßt mir meine reisezeit, Und stärkt mich selbst im leiden. 2. Jetzt, da die sünde mich noch drückt, Seufzt meine bange ſeele. Wie bald iſt nicht 548.We hotel be merkt, Mel. Warum betrübst du dich. betrübtes herz! Und häufest deiner sorgen schmerz Um ein vergånglich gut? Trau deinem gott, der dich, die welt, Und alles schuf und auch erhält. 2. Kennt dich sein vaterauge nicht? Er weiß und sieht, was dir gebricht, Der erd und himmel herr. Ihm, meis nem vater, meinem gott, Trau ich auch in der bångs sten noth. wie oft er fehle? Doch einst werd ich vollkommen rein, Ganz heilig und ganz selig seyn; Dies tröstet meine seele. 5. Wenn einst, der jetzt von ferne draut, Der tod mir nåher winket, Wenn, nach der arbeit dieser zeit, Mein haupt zum schlummer sinket; So sterb ich froh; die ewigkeit Zeigt mir des himmels herrs lichkeit, Die alles übersteiget. 6. Herr! diesen trost, der mich erfreut, Vermehr in meinem herzen. Mich stärke deine ewigkeit Bey meiner wallfahrt schmerzen; Sie sey in meinem tod mein heil, Sey einst mein längst gewünschtes theil, Wenn ich die welt verlasse. 3. In stiller nacht wein' ich oft, herr! Hinauf zu deis ner höhe, Mein schwaches herz seufzt freudenleer, Wenn ich den morgen sehe; Ein blick gen himmel tröstet mich, Und meine thrånen stillen sich Einst ganz in jenem leben. 4. Wenn mich der zukunft schicksal schreckt, Die noth der fernen tage, Wenn sie in mir die sorg' erweckt, Ob ich sie auch ertrage; So mildert mir die ewigkeit, Das kurze elend dieser jeit, Daß nicht mein herz verzage. Bey Unglücksfällen im Zeitlichen. 3. Wie ihres sohns die mutter sich Erbarmt, so bricht ihm gegen mich Sein väters liches herz. Mich staub, und hülflos, tröstet nur, Nur er, und keine creatur. 4. Der reiche trotet auf sein geld, Und ich, verachtet Trostgesänge. 413 von der welt Und arm, vers 11. Vergänglich ist das glück traue gott. Ich glaube, was der welt; Und macht denn sein wort verspricht: Der ansehn, stårk' und geld Uns herr verläßt die seinen nicht. von dem grabe frey? Oft ist 5. Auch dann noch, wenn sein das größte glück der zeit Ein zorn erwacht, Uno er den him hinderniß der seligkeit. mel eisern macht, Erbarmt er endlich sich, Und gießt aufs lechzend trockne land Den re: gen aus mit milder hand. 6. Herr! aller augen wars ten dein; Du hörst der jungen raben schreyn, Und hörst des armen flehn, Du fåttigest voll gütigkeit Auch dein geschöpf in theurer zeit. 7. Nah an des grabes pfors ten reicht, Wenn alle hülfe von mir weicht, Mein helfer mir die hand. So ward, er dankte gott im staub, Nicht Daniel des löwen raub. Wider ångstliche Sorgen um das Irdische. 8. So ward, obgleich erst 549. Q bange forgen! Mel. Alle welt, was lebt und. uålet unterdrückt, Auch Joseph herrlicher beglückt, und hoch erhob ihn gott, Der gott, der flamm und wellen wehrt, Daß well' und flamm' uns nicht verzehrt. 12. So spricht dein wort; und mein gesang, Erbarmer! singt dir heißen dank, Obgleich im staube noch. Kraft aus der höhe! steh mir bey, Daß ich hier treu, dort selig sey. 13. Lob, ehr und preis sey dir gebracht, Der väterlich an uns gedacht, Eh erd und himmel war. Drum bet ich: ach verwirf mich nicht, D gott, von deinem angesicht! 9. Du, herrscher! wardst Israels theil, Hilfst deinem volke, kronst mit heil Die, welche dir vertraun. Mach, ist gleich niedrigkeit mein loos, Mich nur in deinen augen groß. 10. Dann acht' ich, ganz dein eigenthum, Kein irdisch lob, auch nicht den ruhm Bon einer ganzen welt. Ein christ, des himmels erbe seyn, Dies ist mein ruhm, mein glück allein. Mein versorger lebt und wacht; Shm ist alles unvers borgen, Was die christen traurig macht. Was mein gott beschließt und thut, Eh ret ihn, und ist mir gut. 2. Ehe noch die berge was ren, War mein schicksal ihm bekannt, Und den lauf von meinen jahren Lenket feine weise hand. Nichts geschieht von ohngefähr ,. Alles kommt von oben her. 3. Gott, ganz vater! gott, ganz gnade! Bin ichs sünder gleich nicht werth, Wird mir auf des lebens pfade Den= noch mancher wunsch ges währt; Eh ich oft noch Trostgesånge. 414 klopfen kann, Wird mir auf und guts gethan. 4. Dankbar zähl' ich meine tage Bis auf die geburt zus rück; Zähle kummer, forg' und plage, Záble freude, ruh und glück; Finde, daß gott immerdar Weise, hülfreich, gutig war. 5. Widme gott dein thun und leben, Trau auf ihn, und sorge nicht; Sorgen, helfen, schüßen, geben, Ist des vaters lust und pflicht. Nahe dich zum herrn und sprich: Gott, du kennst und liebest mich. 6. Werde niemals wankelmüthig. Bist du schwach, gott ist getreu; Bist du zaghaft, gott ist gütig; Such ihn nur, er eilt berbey. Bist du sorg: fam, gott weiß rath, Gott, der alles ist und hat. 7. Bater, ewig reich an güte, Mächtiger regent der welt! Dies ist stündlich meine bitte: Thu mit mir, was dir gefällt. Gott bleibt meine zuversicht; Weicht, ihr sorgen, quålt mich nicht! 550. W Mel. Wer nur den lieben gott. er nur den lie ben gott láßt walten, und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wun= derbar erhalten In aller noth und traurigkeit. Wer gott, dem allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen sand gebaut. schweren sorgen? Was hilft uns unser gram und ach? Was hilft es, daß wir alle morgen Befeufzen unser ungemach? Wir machen unser kreuz und leib Nur größer durch die traurigkeit. 3. Sen, christ, in from: mer ehrfurcht stille Und warte, bey dir selbst vers gnügt, Wie gottes gnad' und heilger wille Und sein' allwissenheit es fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, Der weiß am besten, was uns fehlt. 4. Er kennt die wahren freudenstunden, Er weiß, wann freud uns núßlich sey; Und wenn er uns bewährt erfunden, Aufrichtig ohne heucheley, So kommt gott, eh wirs uns versehn, Und låsset uns viel guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner drangsalshite, Daß dich dein treuer gott vergißt, Und daß ihm der im schooße size, Der reich und groß, und mächtig ist; Die zukunft åndert oft sehr viel, Und setet jeglichem sein ziel. 6. Was sind vor gott der menschen sachen? Sein starfer arm vermag sogleich Den reichen klein und arm zu machen, Den armen aber groß und reich; Wie leicht, wie leicht ists ihm gethan, Der bald erhöhn, bald stürzen kann! 7. Sing', bet und geh auf 2. Was helfen uns die gottes wegen, Berrichte deine Trostgesänge. 415 pflicht getreu; Trau ihm und stands geschäfte, Und nütze seinem reichen segen, So wird er bey dir werden neu. Denn wer nur seine zuver: sicht Auf gott setzt, den vers läßt er nicht. deine lebenszeit. Bey pflicht und fleiß sich gott ergeben, Ein ewig glück in hoffnung fehn, Dies ist der weg zu ruh und leben; Herr! lehre diesen weg mich gehn. In Dürftigkeit und Ar muth. Mel. Wie groß ist des allmächt'gen. 551.D" u klagst, und fühlest die bes schwerden Des stands, in dem du dürftig lebst; Du strebest glücklicher zu werden, Und siehst, daß du vergebens strebst. Ja, flage! gott erlaubt die zähren; Doch denk im klagen auch zurück: Ist denn das glück, das wir begehren, Für uns auch stets ein wahres glück? 2. Nie schenkt der stand, nie schenken guter Dem men schen die zufriedenheit; Die wahre ruhe der gemüther Ist tugend und genügsamkeit. Genieße, was dir gott beschieden, Entbehre gern, was du nicht hast, Ein jeder stand hat seinen frieden, Ein jeder stand auch seine last. 3. Gott ist der herr, und seinen segen Vertheilt er stets mit weiser hand; Nicht so, wie wir's zu wünschen pfle: gen, Doch so, wie er's uns heilsam fand. Willst du zu denken dich erkühnen, Daß feine liebe dich vergißt? Er giebt uns mehr, als wir verdienen, Und niemals, was uns schädlich ist. 4. Verzehre nicht des les bens krafte In tråger unzufriedenheit; Besorge deines 552.№ Mel. Wo soll ich fliehen hin. Dein! murren will ich nicht, Herr, meine zuversicht! Daß ich nur wenig habe Des glückes beste gabe Für dieses kurze leben, Hast du mir, herr! gegeben. 2. Mir ward das beste theil; Du bist mein trost und heil. In armuth, die ich leide, Ist Jesus meine freude. Ward mir nicht viel beschieden, Ist doch mein herz zufrieden. 3. Mein heiland, freund und herr, Wie arm, wie arm war er! Wie viel hat er gez litten, Eh' er ganz ausgestritten! Und er hat alle plagen Mit heldenmuth getragen. 4. Ich trag ihm seine schmach Als jünger willig nach, Und für den andern morgen Will ich nicht heidnisch sorgen, Du wirst zu allen zeiten Mir meinen tisch bereiten. 5. Der armuth joch ist schwer; Kanns seyn, so hilf mir, herr! Von ihren harten plagen; Doch soll ich sie noch tragen, Laß dieser last bes schwerden mir nicht zum fallstrick werden. 6. Nicht ewig währt mein leid; Es kommt die rettungs 416 Trostgesänge. zeit. Muß ich hier darbend würd' in guten tagen Nicht weinen, Dort jauchz' ich mit den deinen; Muß ich hier mangel leiden, Dort sättigen mich freuden. mehr nach dir und deinen rechten fragen, Mich stolz erheben, und dann, gott! nicht dein, Nur deiner irdschen gaben mich erfreun. Eines aus gutem Wohl: stande ohne seine Schuld in Armuth gerathenen Christen. Mel. Mein herz und feel den. u hast es mir 7. Es würd' in mir die mens schenlieb ersterben, Im müss figgang mein leben sich vers derben; Ich würd vielleicht, aus lust zur eitelkeit, Nicht fors gen für die wicht'ge ewigkeit. 553. D gegeben und genommen; Ich danke dir, regierer deiner frommen! 3war schmerzlich ist mein geist betrübt in mir; Doch, weiser vater! dank auch jetzt ich dir. 8. Gott! wenn ich dies auf richtig überlege, So preis ich dich und ehre deine wege So viel, so viel gefahren drohten mir, Nun sind sie nicht mehr; deß, deß dank ich dir! 2. Vorben sind nun die schönsten meiner tage, Nun ist mein loos mühseligkeit und plage. In kummer und in noth und dürftigkeit Vollend ich traurig meine lebenszeit. 3. Du willst es, gott! unsträflich ist dein wille; Du bist der herr, und meine feel ist stille. Gewiß führst du auch jetzt mich váterlich; Das weiß ich, gott! und dessen trost ich mich. 4. Wenn's nüglich mir, und wenn es deiner ehre, Allwisfender! gemäß gewesen wäre; So hättest du, mit milder vaterhand, Mir lieber mehr noch liebreich zugewandt. 5. Was hülfs, hätt' ich die ganze welt gewonnen, Und wäre nicht aus der gefahr entronnen, In die der ird'schen güter überfluß Hier geist und leib nothwendig stürzen muß? 6. Du sahst vielleicht, ich 9. Viel segen ist mir doch noch übrig blieben, Ein gus ter ruf, und freunde, die mich lieben, Gesundheit, und, noch mehr, gewissensruh; Wie gnås dig, gott, wie gnådig bist doch du! 10. Sollt ich dir nicht von ganzem herzen danken? Darf mein vertraun auf deine gute wanken? Erbarmer, helfer, liebest du mich doch mit als ler deiner vaterliebe noch! II. Ich bins gewiß, du wirst mir ferner geben, Was nöthig ist, in deiner welt zu leben. Bor dir, der so viel tausende ernährt, Hat auch mein einzein leben einen werth. 12. Ja, fördre du die werke meiner hånde; 3ur arbeit gieb mir fráfte bis ans ende, Und schüße meine jeg'ge dürf tigkeit Vor aller schmach und niederträchtigkeit. Trostgesänge. 417 5. Den feinden übergieb mich nicht, Die mich voll frevel schmähen; So werd ich einst dein angesicht Im land des les bens sehen. Sey froh, harr' unverzagt des herrn, Mein Herz! denn er, der herr, hilft gern; Er ist der arm des schwachen. Troft bey dem Glück der Gottlosen und dem UnSoll mir vor unglück grauen? Er ists, der rath und hülfe glück der Srommen. Mel. Jefus, meine zuversicht. schafft; Ihm foll mein herz 555.Mein gefühliſt vertrauen. Er schüßt mich vor der feinde heer; Ihr stolzer trok schreckt mich nicht mehr, Hab ich ihn nur zum freunde. 13. So werd ich auch an dieses lebens gaben Mein nöthigs theil, und selbst noch übrig haben; Bis dort am ende mei ner lebensbahn Sch ihrer ganz und froh entbehren kann. Bey haß und Verfolgung böser Menschen. Mel. Es ist das heil uns kommen. er herr ist meines lebens kraft; 554.0 2. Empore dich, ohnmächt'ge welt! Mein geist wird nicht erschrecken. Gott wird in seis nem heilgen zelt 3ur bösen zeit mich decken. Sein rath für mich ist wohlergehn, Er wird mich segnen, mich era höhn Zum heile der erlösten. 3. Ja, vater! neige mir dein ohr, Wenn höll und welt mir fluchen; Mein herz hålt dein gebot mir vor: Ihr follt mein antlig suchen. Ich eile, herr! getrost zu dir. Verbirg dein antlig nicht vor mir, Und laß dich gnådig finden. 4. Verlaß mich nicht, o gott, mein heil! Wenn men schen mich verlassen. Nimm du mich auf, und sey mein theil, Und beffre, die mich hassen. Herr! nimm du mich zu gnaden an, Und lehre mich auf richt'ger bahn In deiner furcht zu wandeln. traurigkeit, Kla= gend tónen meine lieder. Gieb mir meine freudigkeit, Mein zufriednes herz mir wieder! Bater! täglich harr' ich dein; Eile bald mich zu erfreun. 2. Ehret dich mein stiller gram? Bricht dein herz nicht, wenn ich leide? Wenn ich sonst, herr! vor dich kam, Uch! da war ich lauter freude. Über nun zerfließt mein herz In bekümmerniß und schmerz. 3. Es verdreußt mich, gott! auf die, Die dich hassen, die dich schmähen, Es verdreußt mich, daß ich sie Mächtig und erhöht muß sehen, Daß die frevler mich zum spott Fragen: wo ist nun dein gott? 4. Seufzer folgen ihnen nach, Denn ihr fußtritt ist verderben; Lachend sehen sie vor schmach Und vor kummer fromme sterben; Und im himmel wohnest du, Racher, und siehst ihnen zu! 5. Auch dein wort soll nicht mehr wahr, Noch die tugend tugend bleiben, Dich, der ist DO Trostgesänge. 418 und ewig war, Drohen sie vom thron zu treiben; Und im himmel wohnest du, Rå cher, und siehst ihnen zu! 6. Seele, was betrübst du dich? Was verzehrst du dich im leide? Laß die welt! gott liebet mich; Gott allein sey meine freude! Gott erschafft, sobald er spricht, Aus den finsternisfen licht. Bey Leiden des Leibes und siechem Leben. Mel. Nun ruhen alle wålder. 556. I hunden wes ch bab in guten lebens glück empfunden, Und freuden ohne zahl; So will ich denn gelassen Mich auch in leiden fassen; Geduld versüßet mir die quaal. 2. Ja, herr! ich bin ein sünder, Und stets strafft du gelinder, Als es der mensch verdient. Will ich, beschwert mit schulden, Kein zeitlich weh erdulden, Das doch zu meinem besten dient? 3. Dir will ich mich ergeben, Dich, meine ruh, mein leben, Dich lieben, meinen herrn. Dir, gott! will ich vertrauen, Und nicht auf menschen bauen; Du hilfft und du errettest gern. 4. Laß du mich gnade fin den, Mich alle meine sünden Erkennen und bereun. Jeht hat mein geist noch kråste; Sein heil laß mein geschäfte, Und deine huld mein leben seyn. 5. Wenn ich in Christo sterbe, Bin ich des himmels erbe; Was schreckt mich grab und tod? Auch auf des todes pfade Bertrau ich deiner gnade; Du herr! bist bey mir in der noth. Find an 6. Ich will dem fummer wehren, Gott durch geduld verehren, Im glauben zu ihm flehn. Ich will den trost bedenken: Du herr! wirst alles lenken, Und was mir gut ist, wird geschehn. In Krankheiten. Mel. Herzlich thut mich verlangen. Boll quaal und ungemach; 557. Zeit, die ich feufBetrübt ist meine seele, Und kraft und othem schwach, Fast jeder morgen mehret Beſorgniß mir und schmerz; Doch gott will seyn geehret; Ehr' ihn auch hier, mein herz! 2. Was zieht dich noth und plage Von freud und danken ab? Gedenk der ersten tage, Die dir dein vater gab. O tage, reich an freuden! Un tausend segen reich! Was bleiben alle leiden, Vergleich ich sie mit euch? 3. Daß ihr mich einst beglücket, Wem dank ichs? gottes huld! Daß krankheit mich jest drücket, Wem dank ich's? meiner schuld! Nun muß mir schmerz beweisen, Was leichtsinn oft vergißt, Daß, mensch, dein fleisch nicht eisen, Dein bau nicht ehern ist. 4. Mein gott! in tiefer reue, Mich meiner schuld bewußt, Komm ich, der ungetreue, Und schlag an meine brust. Laß Trostgesänge. 419 mich nur gnade finden; Und Im sterben, wie im leben, demuthsvoll und gern Trag Bin ich, gott lob! des herrn. ich, um meine fünden, Den zorn des guten herrn. Mel. Herr Jefu Christ, du höchstes. 5. Denn gott lenkt stillen 558. ein wille, be herzen Selbst plagen zum gewinn, Zeigt mir in schweren schmerzen, Wie nichts, gar nichts ich bin. Den trost, der thoren weidet, Die welt, zeigt er mir an, Die, wenn ein glied nur leidet, Oft nicht mehr trösten kann. 6. Er reißt mich los von funden, Heilt leeren übermuth, Läßt schmachtend mich empfinden, Ich hatt' es einst sehr gut. Er zeigt mir nah im rücken, Tod, ewigkeit, gericht, und giebt jest augenblicken Bon tagen das gewicht. 7. O gott! dein weg ist gute, Und ewig wird ers seyn; Gerührt soll mein gemüthe Shm dieses zeugniß weihn. In meinen tiefsten nöthen Geh ich davon nicht ab, Und wolltest du mich tödten, Nehm' ich es mit ins grab. 8. Gieb mir nur kraft, beständig auf deine hand zu sehn, Und lehre mich lebendig Des kreuzes heil verstehn, Damit ichs christlich trage, In siegender geduld, Und nimmermehr verzage 2n dir und deiner huld. ist, Daß ich jetzt krankheit trage; Doch weiß ich, daß du vater bist, Von dir kömmt glück und plage. Dir ist mein ganzer schmerz bekannt; Mein leben steht in deiner hand, Du giebst mir meine tage. 2. Wenn in mir einen augenblick Gesundes blut geflossen; So schenktest du mir, gott! dies glück, Das ich so oft genossen. Oft war ich frey von jedem schmerz, War gutes muths; drum, o mein herz! Leid jetzt auch unverdrossen. 3. Nein, bester vater! gieb nicht zu, Daß ungeduld mich krånke; Gieb deinen geist mir, der zur ruh In dir mein herze lenke, Den geist, der stark in schwachen ist; Daß ich an dich, o Jesu Christ! Mit freuden stets gedenke. 4. Vergessen laß michs, va ter! nie, Du seyst und bleibst die liebe. Gieb nicht zu, daß mein herz doch je Ungläubig sich betrübe. Trag ich nicht meiner fünden schuld? Ist gränzenlos nicht deine huld, Nicht ewig deine liebe? 9. Und so gescheh dein 5. Das eilen meiner lebenswille! Getreuer gott! in dir zeit, Uch gott! laß michs erIst meine seele stille; Denn wägen. Der todesnacht, der täglich hilfst du mir. Vor ewigkeit Flieg ich mit macht nichts brauch ich zu beben, entgegen. Erst dann, wenn Gehorch ich dir nur gern; dies mein geist ermißt, 3u gott DD 2 Trostgesänge. 420 kehrt, alles gern vergißt, Wird mir mein schmerz zum segen. 6. Ja, gott! ich wende mich zu dir, Dir will ich mich ergeben. Schenk wahren ernst und weisheit mir, Mit freude dir zu leben. Bewahre nur für heucheley, O gott! mein herz; zum himmel sey Gerichtet mein bestreben. 7. Ach, jeden, jeden augenblick Mocht ich, mein gott, dir weihen! Zieh von der erde mich zurück, Laß nichts den geist zerstreuen; Kein glück der welt, kein traum der zeit, Nur gott, und nur die ewigkeit, Soll meine seel' erfreuen. 8. Ach! zum gebete schenke mir Noch munterkeit und står ke; Mein herz wird sonst entfernt von dir, Und trág zum guten werke. Will gleich mein geist, der leib ist schwach; Hilf deinem kinde, vater! mach, Daß ich in mir dich merke. 9. Laßt nicht zu, daß der krankheit pein 3u groß mir schwachen werde, Erquicke gnádig mein gebein, Und mildre die beschwerde. Du, vater, weißt, was jeden tag Dein schwaches kind ertragen mag, Du weißt es, ich bin erde. Sürbitte für einen Kran: ken. Mel. Herr, nicht schicke beine. ch will vor dein 559. antity treten, Du heißt uns für kranke beten; Drum will ich, gott, zu dir flehn, Du kannst nicht dein wort verschmähn. An dies wort halt ich mich feste, Was es heißt, das ist das beste; Es bleibt wahr, wenn alle welt Es auch nur für thorheit hält. 2. Besf'rung fleh ich für den kranken, Herr! ich glaub', laß mich nicht wanken; Dich, der helfen will und kann, Fleht mein herz um hülfe an. Du, allmächtges, bestes wesen! Laß den kranken bald genesen, Zeig du an ihm deine kraft, Die vom tode rettung schafft. 3. Stårke die geschwächten glieder, Gieb den muntern geist ihm wieder, Reiß du ihn mit treuer hand Mächtig von des todes rand. Wie viel tausend matte herzen Hat von krankheit, angst und schmerzen, Herr! nach deiner zártlichkeit, Bloß dein wink, dein wort befreyt! 4. Hat die kraft jetzt abgenommen? Gilt nicht mehr das flehn der frommen? Bist du nicht an huld mehr reich, Nicht dir ewig selber gleich? Ist jetzt elend, elend minder? Bist du nicht das heil der fünder, Die voll demuth, voll vertraun, Aus dem jammer auf dich schaun? 5. Beige, Jesus! daß du lebest, Und den müden stärke gebest, Daß du traurende erfreust, für uns ein hei land seyst. Denen, die sich zu dir drangen, Stilltst du eh mals ihr verlangen, Wiesest keinen franken ab, Keinen, der sich dir ergab. Trostgesånge. 6. Auch mich wirst du nicht abweisen; Dich, dich soll mein glaube preisen, Der von warmer liebe glüht, Dich umfaßt, wo er nichts sieht. Laß jetzt während meinem flehen Deine hulf den kranken sehen. Ach jest, Jesus, säume nicht! Halte, was dein wort verspricht. Trost wider die Schrecken des Todes. Hannovr. Mel. Nr. 35560. Wa as forgst du ångstlich für dein leben? Es gott gelassen übergeben, Ist wahre ruh und deine pflicht. Du sollst es lie ben, weislich nutzen, Es dankbar, als ein glück, besitzen, Verlieren, als verlörst du's nicht. 2. Der tod soll dich nicht traurig schrecken; Doch dich zur weisheit zu erwecken, Soll er dir stets vor augen seyn. Er soll den wunsch zu leben mindern, Doch dich an deiner pflicht nicht hindern, Vielmehr dir kraft dazu verleihn. 3. Ermattest du in deinen pflichten, So laß den tod dich unterrichten, Wie wenig deiner tage sind. Sprich: sollt ich pflichten wohl verschieben? Nein, meine zeit, fie auszuüben, Sft kurz, und sie verfliegt geschwind. 4. Denk an den tod, wenn bdse triebe, Wenn lust der welt und ihre liebe Dich rei zen, und ersticke sie. Sprich: kann ich nicht noch heute sterben? Und könnt ich auch die 421 welt erwerben, Beging ich doch solch übel nie. 5. Denk an den tod, wenn ruhm und ehren, Wenn deine schäße sich vermehren, Daß du sie nicht so heftig liebst; Denk an die eitelkeit der erden, Daß, wenn sie dir entriffen werden, Du dann dich nicht so sehr betrübst. 6. Denk an den tod bey frohen tagen; Kann deine lust sein bild ertragen, So ist sie gut und unschuldsvoll. Sprich, dein vergnügen zu versüßen: Welch glück werd ich erst dort genießen, Wo ich unendlich leben soll! 7. Denk an den tod, wenn deinem leben Das fehlt, wonach die reichen streben; Sprich: bin ich hier, um reich zu seyn? Heil mir, wenn ich in Christo sterbe! Dann ist ein unbeflecktes erbe, Dann ist des himmels reichthum mein. 8. Denk an den tod, wenn leiden kommen; Sprich: alle trübsal eines frommen st zeitlich und durch hoffnung leicht. Ich leide; doch von allem bösen Wird mich der tod bald, bald erlösen; Wohl dem, der jenes ziel erreicht! 9. Denk an den tod, wenn freche rotten Des glaubens und der tugend spotten, Und laster stolz ihr haupt erhöhn. Sprich bey dir selbst: gott trågt die spotter; Doch endlich ist für sie kein retter, Wenn sie nicht hier noch in sich gehn. 10. So suche dir in allen Troftgesänge. 422 fällen Den tod oft lebhaft vorzustellen; So wirst du ihn nicht zitternd scheun, So wird er dir ein trost in klagen, Ein weiser freund in guten tagen, Ein schild in der versuchung seyn. fünde Um Jesu Christi wil len zu, Damit ich hier vergebung finde, Und dort bei die vollkommne ruh. Mein gott! ich bitt 2c. 7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sey leben oder tod; Er bleibt im leiden meine freude, Mein schutz, mein alles in der noth. Mel. Wer nur den lieben gott. er weiß, wie 561. Wer nahe mir Mein gott! ich bitt zc. mein ende? Die zeit geht hin, es kommt der tod. Ach, wie geschwind, ach wie behende kann kommen meine todes: noth! Mein gott! ich bitt durch Christi blut, Machs nur mit meinem ende gut. 2. Es kann vor nacht leicht anders werden, als es am frühen morgen war; So lang' ich lebe auf der erden, Leb ich in steter todsgefahr. Mein gott! ich bitt zc. 3. Herr! lehr mich stets ans ende denken, Und laß mich, eh ich sterben muß, Das heil der seele wohl bedenken, Und nicht verschieben meine buß. Mein gott! ich bitt 2c. 4. Laß zeitig mich mein haus bestellen, Daß ich bereit fey für und für, Und sagen könn' in allen fållen: Herr, wie du willst, so schicks mit mir! Mein gott! ich bitt zc. 5. Erhebe meinen sinn zum himmel, Verbittre mir die fündentust; Gieb, daß in diesem weltgetümmel Mir nichts als unschuld sey bewußt. Mein gott! ich bitt 2c. 6. Uch, vater! deck all' meine 8. So fomm mein end heut oder morgen; Ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt. Er ists, der mich in allen sorgen, Er ists, der mich im tod erquickt. Drum glaub ich fest, durch Christi blut Machts gott mit meinem ende gut. Mel. Ermuntre dich, mein. enn ich die got: 562. We tesacker seh, Und alles könnte lesen, Was der, auf dessen grab ich geh, In seinem sinn gewesen, Und was bey ihm die todesnacht Für hoffnungen zu nichts gemacht; So würd' ich oft mit schrecken Mein eigen herz entdecken. 2. Mein gott befreye mich vom dunst Der irdischen beschwerden, und lehre mich die große kunst, Bey gråbern klug zu werden. Nur der ist weise, der bedenkt, Wie viel von seinem tod abhängt, Und der dazu in zeiten Sein herz sucht zu bereiten. 3. Gieb, daß ich dich mit frohem muth Als meinen gott betrachte, Hingegen freunde, Trostgesänge. glück und gut Nicht als mein eigen achte; So wird, wenn mich die zeit wegnimmt, Die duzur trennung hast bestimmt, Nichts, was mir war verliehen, Mein herz zurücke ziehen. 4. Laß mich auf Jesu herr: lichkeit Mit froher hoffnung blicken, und mitten in der dunkelheit Mich sein verdienst erquicken. Dann nimm, herr! nach vollbrachtem lauf, Den geist aus dieser hütte auf, Die einst im reich der deinen Wird neuerbaut erscheinen. Mel. Wer nur den lieben gott. 563. Waru, meine arum erbebst seele, Bey dem gedanken an das grab? Nicht dich um schließt einst seine höhle, Nur deine hütte sinkt hinab. Sie schuf der allmacht wink aus staub; Drum wird sie der verwesung raub. 2. Du, zur unsterblichkeit erlesen, Schwingst dich empor zu gottes licht, Und schaust den ursprung aller wesen Von angesicht zu angesicht; Bewunderst deines gottes macht In jener welten bau und pracht. 3. Dann, seele! wirst du das verstehen, Was hier kein weiser mund erklärt, Was hier vollkommen einzusehen, Des wissens trieb umsonst begehrt; Dann tauscht dich wahn und irrthum nicht, Und felbst die finsterniß wird licht. 4. Dann wirst du den, ach! 423 den erblicken, Den hier allein der glaube sieht, Den, der dich ewig zu beglücken, Zum fluch gemacht, am freuz verschied. Dann jauchze, daß kein wahn, kein spott Dich hier getrennt von deinem gott. 5. Wenn nun der tag des herrn erscheinet, Verläßt dein leib der gráber ruh, 3um zweitenmal mit dir vereinet, Wird er unsterblich, so wie du. seele! zage långer nicht, Daß deiner hütte bau zerbricht. Mel. O ewigkeit, du bonnerwort, zeit Geendigt ist, und nun 564. enn, mittler! meine lebensausder streit Des glaubens gestritten; Wenn kaum mein sterbend herz mehr spricht; Dann, Jesu! komm und schweige nicht zu seinen letzten bitten; Nicht, wie du fchweigest, wenn zu spät Ein fünder um erbarmung fleht. 2. Wenn mich kein freund mehr trösten kann, Und doch mein herz bebt, sage dann: Die fund ist dir vergeben. Ach! wenn des todes schrecken mich Ergreifen, sprich dann, mittler! sprich: Nicht sterben sollst du! leben! Ein wort von dir nur, und mir gnügt, Des todes schrecken sind besiegt. 3. Nicht sey mir dann dein angesicht, Wie's missethätern ist, gericht; Erbarmen, nicht verderben! Nicht sterben laß mich, herr! wie die, Die dich verwarfen, die sich nie Be Trostgesänge. 424 reiteten zu sterben. Was ist Mel. Wenn mein stündlein. nun auch Der ewige verwerfung droht? 565. I meine func 4. Ach! sterben, sterben wird den tod, Der ewige verwerfung droht, Wer, herr! dein heil nicht achtet, Wer nicht in deinem blute rein, Sich treulos weigert, dein zu seyn, Ungläubig dich verachtet. Ach! den ergreift der tod, der tod, Der ewige vers werfung droht. 5. Doch der ist, Jesu! der ist frey, Der dir geweiht ist, bir getreu; Ihm ist er feine strafe. Gelobet sey der herr, mein licht In jener nacht! sie schreckt mich nicht; Mir wird der tod zum schlafe. Es ist ein finstrer weg; doch mir Ein weg zum leben und zu dir. 6. Gelobet sey der herr, mein schild, Der mich mit freudigkeit erfüllt, Mit freudigkeit zu sterben! Ich glaub an ihn und bin gewiß, führt mich aus der finsterniß 3u seiner freuden erben. D, welchen jubel stimm ich dann Dem todesüberwinder an! Er 7. Gieb deinen frommen, Jesu! kraft, Den schwersten schritt der wanderschaft Mit freudigkeit zu enden. Sprich zu den bangen seelen: ich, Ich bin eu'r heiland! freut euch! sprich: Ich will euch nun vollenden. Erquicke sie, und nach dem streit Erhöhe fie zur seligkeit. da, Von dieser welt zu scheiden, So sey mit deiner hülfe nah, Du treuster freund im leiden! Nimm du dich meiner feele an; Dir übergeb ich sie alsdann, O Jesu, mein era löser! 2. Sind meine sünden dann vor mir, Drückt ihre last mich nieder, So ist mein seufzen, herr! vor dir, Und du erhebst mich wieder. Ich denk in meiner tiefen noth Un deine liebe bis zum tod; Die, die wird mich erhalten. 3. Ich bin an deinem leib ein glied; Deß tröst' ich mich von herzen. Erbarmer, der mich leiden sieht, Du linderst meine schmerzen! Und sterb ich nun, so sterb ich dir, Ein ewges leben hast du mir Durch deinen tod, erworben. 4. Du, herr! erstandst; so werd auch ich nicht in dem grabe bleiben; Ja deine auf fahrt lehret mich Die todes: furcht vertreiben. Wo du bist, da komm ich auch hin, Daß ich ben dir stets leb und bin; Drum geh ich hin mit freuden. 5. Dein bin ich, dein in ewigkeit; Mich soll das grab nicht schrecken. Nach einer kurzen zwischenzeit Wirst du mich auferwecken. Dann will ich dir, o gottessohn! Du menschenfreund! vor deinem thron Mit freudenthránen danken. Trostgesänge. Mel. Wenn mein stündlein. Verlangen nach dem enn einst mein 566.2 sterbend auge schwindet, Mein leib erstarret, 568. Ge ergeben, Dich Mel. Herzlich thut mich verlangen. ern will ich mich und selbst nicht, Daß er entschläft, empfindet; Wenn um mich, den entschlummernden, Gott, alle meine freunde stehn, Und angstvoll zu dir weinen; zu verlassen, welt! Ich geh zum bessern leben, Sobald es gott gefällt. Was wårs, das mich betrübte? Dort schau ich ewig den, Den meine seele liebte, Noch eh ich ihn gesehn. 2. Dann, schöpfer! nimm ihn auf, den geist, Der sich zu dir erhebet, Der dankbar deine gute preifst, Daß er dir hier gelebet; Und tröste, die betrübt um mich Mit thrånen klagen, laß sie sich Mehr meiner wonne freuen. 2. Er ruft zur zeit der schmerzen Uns voll erbarmen zu: Kommt her, beladne herzen, Zu mir und findet ruh! Dies wort aus deinem munde Laß, herr! mich zu erfreun, In meiner letzten stunde Mir geist und leben seyn. 3. Mit dir muß es mir glücken, Den kampf zu überMel. Wie schon leucht't uns. 567. Die wird mir 425 fer, seyn, Wenn ich, mich deiner ganz zu freun, In dir entschlafen werde! Dann, feele! wirst du ganz befreyt Von sünde und von sterblichkeit, Entfliehen dieser erde. Freu dich Innig; Stárke, tröste Dich, erlöfte, Mit dem leben, Das dir dann dein gott wird geben. 2. Wie werd ich dann so felig seyn, Wenn ich mich deiner ganz erfreun, Dich dort anbeten werde! Dann bin ich frey von sünd und leid, Ein mitgenoß der herr: lichkeit, Nicht mehr gebeugt zur erde. Preis dir, daß mir Durch dein leiden Jene freuden Offen stehen! Ewig will ich dich erhöhen. ken Laß meine seele sehn, Wie im gericht für fünder Du mit dem tode rangst, Und wie du, überwinder! Allmächtig ihn bezwangst. 4. Der frohe siegsgedanke: Wo ist dein stachel, tod? Stárk mich, daß ich nicht wanke In meiner todesnoth; So ist, ob ich gleich sterbe, Doch sterben mein gewinn. Ich bin des himmels erbe; Dein wort sagt, daß ichs bin. 5. Du bist der herr des lebens, Und ich, ich bin ganz dein; Dein blut kann nicht vergebens Für mich vergossen seyn. Dir trauet meine ſeele; Dich lobt, was in mir ist, Erlöser meiner seele, Der du die liebe bist. 426 Mel. Von gott will ich nicht. 569. Derette Sft bahn; Mir bricht nach kurzem mei 6. Drum geh ich frey von fummer Des todes finstre schlummer Ein ewger morgen an. Heil mir, er ist nicht fern, Der letzte meiner tage! Er kommt, und meine klage Wird lobgesang dem herrn. Trostgesänge. mir vielleicht nicht fern; D! dann wird meine klage Ein lobgesang dem herrn. Vollbracht ist ganz mein lauf; Ich trete zu dem throne, Und gott sett mir die krone Der überwinder auf. 2. Für seines reiches erben Hat Jesus mich erklärt; Was fürcht ich mich zu sterben, Wenn er mich sterben lehrt? 570. Jim tod erheben, Mel. Wer nur den lieben gott. ch will Mir ist der tod gewinn; Daß ich unsterblich werde, Entschwing ich mich der erde, Ich, der ich erde bin. Noch nah am grabe preis' ich dich; 3um segen gabst du mir das leben, Du segnest auch im sterben mich. Mein leben sucht' ich dir zu weihn; Mein tod auch soll dir heilig seyn. 2. Gott! welche feyerliche stunden, Wenn du mich nun der erd' entziehst; Auf mich, den du getreu befunden, Voll schonender erbarmung siehst! Allmächtiger! in dein gericht Gehst du mit mir erlösten nicht. 3. Nicht mich, nur meine bürde, Verschließt die finstre gruft, Mich hebt zur höhern würde Mein vater, der mich ruft. Er ruft mich durch den tod; Der reißt die sünden glieder, Den trågen leib, darnieder, Mich selbst führt er zu gott. 4. Ich, der gefahr entronnen, Geh aus dem kampf hervor. Hoch über alle sonnen Hebt mich mein glaub' empor. Da tret ich in die reihn Der engel, meiner brüder, In ihre hohen lieder Stimm ich, selbst engel, ein. 5. Die leiber seiner from men Sind saat, von gott gefåt; Die frohe zeit wird kommen, Da reif die ernte steht. Dann wird der schöpfungstag Ein ganz verjungtes leben Auch meinem staube geben, Der tief im tode lag. Sreudigkeit des frommen im Tode. 3. Der leib wird schwach, die irdsche hütte, Der glieder morscher bau zerfällt; Schon wandeln meine müden schritte Den weg zu gott aus dieser welt. Ich bin getrost, und zage nicht; Denn gott ist selbst mein heil und licht. 4. Wie sollt ich vor dem tode beben, Da du für mich, erlöser! starbst? Er wird durch dich der weg zum leben, Das du durch sterben mir erwarbst, Wie du ihn sahst, will ich Trostgesänge. ihn sehn; Wie du, so werd ich auferstehn. 5. Laß qual und schmerz mein grab umringen, Und mir die letzten schrecken dráun; Du halfst mir, gott! die welt bezwingen, Durch dich darf ich den tod nicht scheun. So nah dem lohn, den gott verspricht, So nah dem ziele, fink ich nicht. 6. Du wacheft über meine feele, Wenn ihre stårke sich verliert, Giebst deinem engel schon befehle, Der sie zu deinen freunden führt, Des todes nacht vor mir verscheucht, Und mir des lebens krone reicht. 427 3. Sein ruhiges gewissen Bebt nicht vor finsternissen Der bahn, die er nicht kennt; Die schreckensvollen pfade Er: leuchtet ihm die gnade Des gottes, den er vater nennt. 4. Hier fließen keine thrånen Der angst; hier åchzt kein stöhnen Der reu, die ihn zerreißt; Sein herz, zu gott erhoben. Empfängt den trost von oben, Und fried und freud im heilgen geist. 5. Er segnet froh die seinen, Die um sein lager wei nen, Ermahnt und tröstet sie; Und seiner treue wegen, Erfüllt gott seinen segen, Und weicher auch von diesen nie. 6. Die engel steigen nieder, Voll froher jubellieder, Die feele zu empfahn; Er stimmt in ihre chöre Anbetung, preis und ehre Dem mittler, seinem heiland, an. 7. Laß, höchster! mich bestreben, So in der welt zu leben, Wie man dies glück Mel. Nun ruhen alle wälder. 571. Wie fanft fehn erwirbt, Damit ich einst als wir seligkeit, auch sterbe, Wie ein gerechter, frommer stirbt. 7. Ich will dich noch im tod erheben, Noch nah am grabe preif' ich dich; Denn ewig werd' ich vor dir leben; Wie segnet dann dein antlik mich! O tod, o sterben, mein gewinn! Wohl mir, daß ich erlöset bin! frommen Nun bald der erd entnommen, Sich seinem ziele nahn! Wo sich des le: Mel. Werde munter, mein. bens freuden Vom frechen 572. Heuten forach sünder Da des christen freuden an. 2. Er lächelt seinem ende, Und hebt voll dank die hånde 3u seinem vater auf. Wenn finn' und leib verderben, Lehrt der ihn fröhlich sterben, Nach einem wohlvollbrachten lauf. mein heiland, heute, Un sein blutges kreuz erhöht, Als ein fünder ihm zur seite Sterbend noch um gnade fleht, Heute, so be theur ich dir, Heute noch sollst du mit mir In mein paradies erhaben, Theil an meinem reiche haben! Trostgesänge. 428 2. Theures wort aus Jesu munde, Fest versiegelt durch sein blut! In der finstern todesstunde Giebst du freudigkeit und muth. Wenn der nun scheiden Bleibt er feſter hoffnung voll, Sieht die 573. Mei mein lebeit nacht in licht verwandelt, Weiß gewiß, wohin er wandelt. 3. Theures wort des ewgen lebens! Tröste du mein bre= chend herz; Und dann ångstet nur vergebens Meinen geit der trennung schmerz. Er sinkt nicht in finsterniß; Denn wahrhaftig und gewiß Ist das wort des treuen zeugen, Hier muß jeder zweifel schweigen. 4. Herr! nun fühl ich abzuscheiden Eine heilge luft in mir. Dort sind unbefleckte freuden, Uber müh und sün. den hier. Kein auch noch so frühes grab Kürzet je mein leben ab; Es soll nur, los von beschwerden, Zeitiger veredelt werden. 5. Selig, furchtlos, rein von mángeln, Ja von nun an selig ist, Brüderlich begrüßt von engeln, Der im herrn entschlafne christ! Was sein glaube je gethan, Jedes gute werk folgt dann Seiner seele von der erden, Hin vor gott sein lohn zu werden. 6. Nunt auch ich, o herr! befehle, Wenn ich kaum noch lallen kann, Die durch dich erlöste seele Deinen treuen hånden an. Und du, heiland! stårkest mich, Rufest mir auch zu, daß ich Schon am tage, da ich sterbe, Deine herrlichkeit ererbe. Gebet eines sterbenden Christen. Mel. Christus, der ist mein leben. Reißt schon der tod mich hin; Was soll ich ängstlich beben? Der tod ist mein gewinn! 2. Wer an ihn glaubt, wird felig! Dies wort steht ewig fest. Die freuden sind unzäh= lig, Die es mich hoffen läßt. 3. Drum fahr ich hin in frieden Zu dir, o Jesu Christ! Von dir stets ungeschieden, Der du mein bruder bist. 4. Du kennest meinen glauben, und keine furcht, noch pein Wird mir auch nun ihn rauben; Ich bin und bleibe dein.. 5.Bald hab ich überwunden! Schon weicht die finsterniß; Denn, herr, durch deine wunden Ist mir der sieg gewiß. 6. Durch sie bin ich gereinigt; Durch sie mit gott versöhnt, Durch sie dir fest vereinigt, Und bald mit preis gekrönt. 7. Wer kann dich gnug erheben? Du hast, sohn gottes! dich Für uns dahin gegeben; Heil mir! du auch für mich! 8. Du wolltest strafen dulden, Die ich doch auf mich lud, Du tilgtest meine schulden Ganz durch dein göttlich blut. 9. Geheilt ist nun mein schade, Fm himmel ist mein theil. O theure hohe gnade! O unaussprechlich heil! 10. Erlöser! fieh, ich sammle Trostgesänge. Noch meine lette kraft, Und preise dich, und stammle, Welch heil du mir verschafft. II. Bu dir, herr! will ich flehen, So lang' ich lallen kann; Du kannst mein innres sehen, Und nimmst auch seufzer an. 12. Du selber hilft mir ringen; Allmächtig hilsst du mir Ins leben durchzudringen. Bald, balb bin ist bey dir! 13. O wohl mir! ich vollende Nun bald den schweren lauf; Du nimmst in deine hånde Den geist, mein heiland! auf. Sürbitte für einen Ster benden. Mel. Herr, nicht schicke deine. ater aller mens 574. Bater schenkinder! Jesus, mittler aller fünder! Jesus, der uns helfen kann, Höre unsre fürbitt' an! Ach! mit göttlichem erbarmen Komm zu hülfe dieser armen Hülfentblößten kratur! Liebe bist du! liebe nur! 2. Laß sie nicht in angst versinken; Jesus, du, du darfst nur winken, Laß sie nicht in noth vergehn. Was du willst, Würde und Größe des Christen. 429 das muß geschehn! Heiland, arzt sind deine namen! In der schwachen seele namen, Die nicht laut mehr flehen kann, Flehen wir dich, heiland! an. 3. Sey mit deiner tröstung nahe. Was kein aug' auf erden sahe, Laß sie sehn in deinem licht; Gieb ihr muth und zuversicht. Laß fie bald dein heil empfinden, Tod und schmerzen überwinden. Glauben, was dein wort verheißt; Hilf ihr, gott! durch deinen geist. 4. Reinige sie ganz von sünden, Laß sie gnade vor dir finden, Der du sie versöhnet hast, Nimm von ihr die schwere last. Nimm du an des lebens ende, Mittler! sie in deine hånde, Eile und erlöse sie, Diese seel, aus aller müh. Von der Glückseligkeit des Christen. ¿ Mel. Wie schon leuchi't uns der. 575. Wie groß ist un= fre feligkeit, O gott! schon in der prüfungs zeit, Selbst unter viel beschwerden, Wenn unser herz sich dir 5. Laß, herr! nicht zu deinen füßen Unser herz in angst zerfließen; Uch beschließe ihren lauf, Nimm die můde seele auf, Auf zu dir, weg von der erde, Daß sie ewig selig wer: de, Daß wir ewig uns mit ihr Freun, und selig seyn in dir. ergiebt, Und treu in Jesu dienst sich übt! Wie groß wird sie einst werden, Wenn sich Herrlich Jenes leben Wird anheben, Wo man freuden Erntet von der saat der leiden! 2., wie erhaben ist das recht, Das du uns giebest, dein Von der Glückseligkeit des Christen. 430 geschlecht Und freunde hier zu heißen! Bey dir ist unser vaters land; Und wer will deiner star ken hand, Allmächtger! uns entreißen? Wenn wir gleich hier Müssen streiten, Und zu zeiten Schwach uns finden, Hilfst du uns doch überwinden. 3. Du deckest unsre schulden zu, Schenkst unsern see len wahre ruh, Und stärkest uns mit freuden. Dein sohn ist unser haupt und ruhm, Wir sein erkauftes eigen thum, Und schaafe seiner weide. Gutes Muthes Sind auf erden, In beschwerden Unsre seelen; Herr, was kann bey dir uns fehlen? 2. Was seyd ihr, stolze weltbezwinger, Wenn euch die prächtge hoffnung fehlt? Gott achtet eure macht geringer, Als ihr den sklaven, den ihr quält. Wie kurze zeit, mit wie viel sorgen Genießt ihr eurer ehrsucht raub! Ihr sieget heut, man haßt euch morgen; Shr waret götter, und send staub. 3. Was sind, weltmenschen, eure freuden? Die wollust, die euch trunken macht? Ein christ sollt euer glück beneiden? Folgt es euch in des grabes nacht? Ihr rechnet mit erhittem blute Des fera nen tages wollust aus: Die nahe schreckliche minute Tilgt euer glück auf ewig aus. 5. Wie glücklich, gott, find christen dann! Wie viel hast du an uns gethan! D! laß uns unsre würde Vor augen haben jederzeit; So tragen wir mit willigkeit Der furzen leiden bürde. Herr! gieb Den trieb In die seelen Dich zu wählen, und das leben Ganz zu Jesu dienst zu geben. Mel. Wie groß ist des allmächtgen. 4. Ihr seyd dahin! des christen größe Geht auf, be siegt die kurze nacht, Um tage, da gott eure blöße 3um schauspiel aller augen macht. Der tag macht könige den knechten, Und bettler den monarchen gleich; Der tag giebt adel dem gerechten, Und macht des christen seele reich. Entfernet euch, 5. Ein blick in meine zus unsel'ge spót kunft treibet Verdruß und 4. Es bleibet zwar der hohe werth Der gnade, die uns wiederfährt, Verborgen hier auf erden; Doch wenn der einst vor aller welt, Er, un fer haupt, gerichtstag hålt, Dann wird er sichtbar werden. Alsdann Sieht man Ihn mit kronen Uns beloh nen, Und mit ehren Für die feinen uns erklären. ter! Ihr zittert, wo der from. me glaubt. Mein herz hat seinen gott zum retter, Und eine hoffnung, die nichts raubt. Ich seheimeinen heiland leben; Ich weiß, daß ich nicht sterben kann, Ich weiß, mit diesem fleisch umgeben, Schau ich den gott der himmel an. 576. Ent Von der Glückseligkeit des Christen. 431 angst aus meiner brust; Ein ist, Davor erschrickt niemals herz, das nicht auf erden blei: der christ. bet, Ist sich des himmels stets bewußt. Kein unglück kann mich niederschlagen, Ich weiß, mein glück entgeht mir nie; Ich darf vor feinden nicht verzagen, Ich weiß, mein tod entwaffnet sie. 6. Du, legte stunde meines lebens, Die du dem christen heilig bist! Ich warte nicht auf dich vergebens, Ich thu, was deiner würdig ist. Du lehrst mein leben mich genie: ßen; Du bist mein lohn aus gottes hand. Wie sanft wird sich mein auge schließen! Mein geist erblickt sein vaterland! Mel. Wer nur den lieben gott. 577. er mensch, der menschen furcht nicht kennet, Für seine tugend alles wagt, Und wenn die welt ihn hulflos nennet, Un gottes hülfe nie verzagt; Wie groß, wie liebenswürdig ist Der wahre held, der ächte christ! 2. Er bleibt geruhig, wenn von oben Des donners stimme sich erhebt, Wenn um ihn her die meere toben, und unter ihm die erde bebt; Er weiß, eh nicht der schöpfer spricht, Bersehrt die creatur ihn nicht. 4. Versichert, daß der herr sein retter, Daß gott ihm schild und sonne sey, Ist ihm der zorn der erdengötter, Und ihre gunst ihm einerley. Der ist des himmels schutz nicht werth, Der sterbliche als götter ehrt. 100 5. Verfolgt ein bittrer feind sein leben, Sieht list ihn in ihr neß hinein; Was kann der christ? er kann vergeben, Kann lieben, und gott ähnlich seyn, Kann seiner hasser tücke sehn, Und für sie um erbarmung flehn. 6. Ist schmähsucht wider ihn geflissen; Wie leicht erträgt er ihren spott! Was ist sein trost? sein gut gewissen! Wo hat er wahren ruhm? bey gott! Ein neid, der dieses glück nicht stört, Sst keiner christenthráne werth. 7. Gleich froh durchlebt er seine tage Im schooße der zus friedenheit, Entfernt im leid von feiger klage, Von übermuth zur guten zeit; So zeigt er stets, wie groß der christ, Wie stark der freund des höchsten ist. 8. Mein Jesu! mächtig in den schwachen! Belebe mich mit deiner kraft; Sie kann mich stark im unglück machen, Sie ists, die alles in mir schafft. In ihr, herr! werd ich nicht allein Hier streiter, nein, auch sieger 3. Des höchsten wink zu widerstreben, Des hohen rufs nicht werth zu seyn, Sich fehler selber zu vergeben, Dies fürchtet er, und dies allein; Was sündern aber furchtbar seyn. 432 Von der Glückseligkeit des Christen. Werth der Tugend. Mel. Kommt her zu mir, spricht. Armuntre, feele! dich und sey Dem 578.m gott, der dich geschaffen, treu, Und' folge dem gewisſen. Nie, 579. W glaub es, wird es dich gereun, Hast du, unstråflich fromm zu seyn, Aufrichtig dich beslissen. 2. Gehorch nicht deinem fleisch und blut; Gehorche gott; gott mennt es gut, Was er gebeut, ist segen. Er liebt uns menschen väterlich, Führt durch geduld und tugend dich Dem höchsten heil entgegen. 3. Gott theilt dir seine stårke mit; Drum gehe stets mit festem schritt Fort auf der tugend pfade. Die lust verführt, die tugend nie, Und gott, dein gott, bekrönet sie Mit namenloser gnade. 4. Laß dir die schreckensvolle pein Der fünde hell vor augen seyn, Wenn sie dich lockt zu freuden. Gott kennt den quälenden verdruß, Der auf die fünde folgen muß, Und will sie dir verleiden. gericht, und an die sieges kronen. Glück eines guten Gewissens. 579.23 gewissen habe Mel. Wer nur den lieben gott. ich ein gut Wie groß ist meine seligkeit! Es ist des himmels beste gabe, Das höchste glück in dieser zeit. In freud und leiden giebt es hier Die wahre ruh der seele mir. 5. Gott sieht der ewigkeiten nacht, Wo sünder, die ihn hier verlacht, In tiefem jammer schmachten. Gott kennt der tugend hohen werth, Und den hat Jesus dich gelehrt; Und den willst du verachten? 2. Ich bebe nicht, wenn fünder beben, Daß gott gerecht und heilig ist; Mein herz giebt zeugniß meinem leben, Daß ich gewandelt, als ein christ, Des göttlichen berufes werth, Der mich hier göttlich wandeln lehrt. 3. Getrost wag ichs, vor gott zu treten. Und ihn voll glaubensfreudigkeit, Als mei: nen vater anzubeten, Der mir, was ich bedarf, verleiht, Und jedem heil und segen giebt, Der ihn mit treuem herzen liebt. 4. Mit mulh trag ich des lebens leiden, Verfolgung, laftrung, schmach und hohn; Denn des gewissens innre freuden Sind süßer, als der beste lohn. Und was kann höhern trost verleihn, Als leiden, und nicht schuldig seyn? 5. Die fröhlichkeit in mei nem herzen Verbreitet sich auf mein gesicht; Ein labsal ist sie mir in schmerzen, In finster niß ist sie mein licht, Sie macht getrost, wenn selbst die welt Erzittert und in 6. Nein, wach und kämpf, und bete du! Dein gott, dein richter schaut dir zu; Einst wird er dich belohnen;! bleib ihm treu, und wanke nicht; Denk an den tod und ans trümmer fällt. Von der Glückseligkeit des Christen. 6. Ich eile mit gesetztem schritte Des lebens letzter stunde zu; Denn der verfallnen leibeshütte Zeigt sich im grabe fanfte ruh, Indem mein geist, der gott gelebt, 3u seinem ursprung sich erhebt. 7. Für meines vor'gen le= bens fünde Giebt mir mein heiland trost und muth; Ich weiß, daß ich begnad'gung finde In der versöhnung durch sein blut. Er, der für mich gelitten hat, Tilgt alle meine missethat. 8. Darum, o feele! sey be flissen, Daß unbefleckte heiligkeit Dir immerdar ein gut gewissen Und glaubenszuverficht verleiht. Und du, mein gott! regiere mich; Denn dies glück hab ich nur durch dich. Mel. Nun sich der tag geendet. ab ich ein gut 580. gewissen nur, Wohl mir! was fürcht ich dann? Nichts schrecklichs, zagte jedermann, Ist mehr in der natur. 2. Dies sey mein ruhm, dies sey mein theil, Troß dem, der mir es raubt! Ein reines herz, das thätig glaubt; Sodann ist gott mein theil. 3. Welch ein erhabener gewinn, Wenn meine fünde schweigt, Wenn gottes geist felbst in mir zeugt, Daß ich ihm ähnlich bin! 4. Und dieses glück, und diese rub, Den seligen gewinn, Gåb ich für lust der fünde hin? Das laffe gott nicht zu. 433 5. Ich stürzte mich in jene pein, Der sünde fluch mit mir. Umher zu tragen, und von ihr Stets angeklagt zu seyn? 6. Laß es der pflichten schwerste seyn, Daß du dich selbst bekriegst; welche lust wird, wenn du siegst, Dich nach dem kampf erfreun. 7. Welch hohe freude, ist man sich Mit wahrheit selbst bewußt: Ich brannte zwar von böser lust, Mit gott be schüßt ich mich! 8. Und, o welch schreckliches gericht, Muß ich mir selbst gestehn: Dem falle konnt ich zwar entgehn, Und ich ents ging ihm nicht! 9. Ein reines herz nur kann im glück Den werth des glücks erhöhn, Dies, dies versüßt im wohlergehn Den frohen augenblick. 10. Was ist, das deiner leis denschmerz Indeinem schmerze ftillt, Ja dich mit freude gar erfüllt? Ein gottgelaßnes herz. 11. Ein edles herz nur giebt dir muth, Die guter zu vers schmähn, Worauf die niedern seelen sehn, Dies herz, dies beste gut. 12. Erduldet hier der from me spott; D! der ist ruhm für ihn. Das gute thun, das böse fliehn, Schafft ruhm, den ruhm bey gott. 13. 3u gott, in seinem hers zen rein, Hinauf gen himmel schaun, Und sagen: du bist mein vertraun! Welch glück kann größer seyn? 434 Von der Glückseligkeit des Christen. 14. Sieh, alles um dich Will ich gottes rath verehren, her entweicht, Bald kommt Unter keiner plage sinken, Und die letzte nacht; Und nur ein den kelch der leiden trinken. gut gewissen macht Den tod selbst süß und leicht. 4. Du hast selbst der mens schen plagen, Heiland! voll geduld ertragen, Mit dem schwersten tod gestritten, Tausendfach mein leid gelitten. Laß mic deine kraft beleben, Wenn die matten hände bes ben; Laß sie mir den sieg gewähren, Trockne, trockne meine zähren. 15. Wohl dem, der diese ruh genießt, Dem sein ges wissen sagt, Daß nichts, was ihn bey gott verklagt, Verdammlichs an ihm ist! 16. Fest steht der fromme, wenn die welt Und erd und himmel bricht. Steht felfen: fest und zaget nicht; Gott ist es, der ihn hält. Ruhe der Seele. Mel. Schmücke dich, o liebe feele. 581. om geräusch der Vom welt geschieden, Schmeck ich des erlösers frieden, Und die freude, schon auf erden, Gott! mit dir vereint zu werden; Sehe diese welt der sünden Unter meinen füßen schwinden, Und das glück von jenem leben Den entzückten geist umgeben. met. Wie groß ist des allmächt'gen. ie 582. W spricht in meiner seele, Herr, deine stim me voller huld! Du siehst ers barmend, wenn ich fehle, Zürnst nicht, hast väterlich geduld, Schickst deinen geist, mich zu regieren, Spricht meinem hers zen freundlich zu, Wirst niemals múde, mich zu führen, So viel ich falsche tritte thu. 2. Erbarmer deiner creatus ren! Liebreicher gott der gan zen welt, Die deiner gute reiche spuren In jedem fons nenstaub enthält! Mein herz denkt nimmer so vermessen, Daß es dir, bater! trogen kann. Nie soll es undankbar vergessen, Was du zu seinem heil gethan. 2. Gott! was bleibt der reiz von lusten Ueber sie erhabnen christen? Was der glanz der eiteln freuden? Was des le: bens kurze leiden? Wenn sie deinen lohn erblicken. Der sie ewig wird beglücken, Und des franzes werth empfinden, Den bort engel für sie winden.. 3. Versündigt ich mich wohl mit willen an einem gotte, 3. Nun mag elend auf mich der vergiebt? Der mir gebote stürmen; Gottes trost wird zu erfüllen Gegeben hat, weil mich beschirmen. Kurz sind er mich liebt? Der die erfüldieses lebens pfade: Ewig lung kleinster pflichten 2013 währt der lohn der gnade. eine wohlthat mir vergilt,- Mit des dankes stillen záhren Und der, anstatt mich streng Von der Glückseligkeit des Christen. 435 tröstet den, der schatten sucht, Der wandrer segnet ihn. 5. Das ist der fromme! was er macht, Geräth ihm und gedeiht; Staub ist der fünder, der sein lacht, Spreu, die der wind zerstreut. zu richten, Mein herz mit trost und freud erfüllt? 4. Sein dienst ist leben meiner seele, Gehorsam meine feligkeit. Wie kindlich wein ich, wenn ich fehle. Vor ihm, dem vater, der verzeiht! Sch fühle jede meiner fünden, Die weder mensch noch engel büßt; Wie selig kann ichs dann empfinden, Daß Christus mein erlöser ist! 6. Der, der sich gegen gott emport, Besteht nicht im gericht; In der gemeine, die gott ehrt, Bleibt der verbrecher nicht. 7. Dir, höchster! dir gefällt die bahn, Die der gerechte geht. Im zorn schaust du den fünder an; Des sünders weg vergeht. 5. Den majestätischen Ges danken Gåb ich für alle wels ten nicht; Er bleibet wahr, die thronen wanken; Er bleis bet fest, die welt zerbricht. Es mögen fündigen und zits tern, Die beuten des verders bens find! Gott wird ber erde grund erschüttern; Sch Häusliches Glück des. Christen. Mel. Wer nur ben lieben gott. bebe nicht, ich bin ſein kind. 584. I tillen wollen Irdischer Segen des Chri: sten. wir dich ehren, Du gott! der frommen wandel liebt, Und bittenden, was sie bes gehren, Was ihnen nützt und wohlthut, giebt; Schon oft sind wir erquickt, erhört, Von deinem thron zurückgekehrt. Mel. Nun sich der tag geendet. 583. ohl, wohl dem .2 menschen, der dem rath Der frevler sich entzieht, Dem menschen, der den Frummen pfad Der übertreter flieht. 2. Der, wo der gottheit spotter lacht, Sich fromm und weit entfernt, Sich gottes recht zur freude macht, Und tag und nacht es lernt! 3. Er grünet, wie am bach ein baum Von seinem segen schwillt, Sich hebt, und einen weiten raum Mit seinem wipfel füllt. 4. Er trågt wenn seine zeit kommt, frucht, Stets unentlaubt und grün; Er 2. Uns alle, die dir flehn, verbindet Des blutes und der freundschaft band, Und unser dank, o gott, empfindet Die milde leitung deiner hand, Und preis't dich, ewger mens schenfreund! Der uns in dies ses band vereint. 3. Wohl dem, der in der ehe bunde, In fester lieb' und eintracht, lebt! Ihm wird so manche lebensstunde Mit fes ligkeit und lust durchwebt; Er blickt mit ruh und hei: term sinn Auf pfad und ziel der wallfahrt hin. e2 436 Von der Glückseligkeit des Christen. 4. Wohl uns, wenn from thron die unsern kennen, Mit mer finder segen Der ehe ihnen dankend vor ihm stehn; bund noch schöner macht, Da, wo kein tod mehr trenWenn sie im herzen tugend nen kann, Stehn wir vereint, hegen, Wenn in den blicken und beten an. unschuld lacht, Wenn sie der eltern beyfpiel rührt, Und auf den weg des lebens führt! 10. Und preisen ewig gottes güte, Die unaussprechlich uns geliebt, Und dem ihm heiligen gemüthe Schon hier des hims mels vorschmack giebt, Durch freundschaft uns zur ewigkeit, 3ur wonne der verklárten weiht. Ewige Belohnung des Christen. Mel. Wend ab deinen zorn. 5. Wohl uns, wenn unsern hausgenossen Die furcht des herrn vor augen schwebt, Und jeder treu und unverdrossen Nach seiner pflicht erfüllung strebt, Wenn eintracht und zufriedenheit Ein haus zum fit des segens weiht. 0 6 Denn denen, die dich 585. Men wird, gott, die scheun und ehren, D vater! strömt dein segen zu; Sie wandeln folgfam beinen lehs ren, Und traun auf dich, und finden ruh, Und finden freus de, deren werth Und dauer keine zeit zerstört. wonne der erlösten Nach dies ses lebens kurzem kampfe trösten? Wen schmückt im himmel einst vor deinem thros ne Des mittlers frone? 2. Wer heilig wird, wer abgewandt vom bösen, Sich von der fünde herrschaft läßt erlösen; Wer an den sohn glaubt, feinen herrn ihn nennet, Ihn frey bekennet. 7. 3war oft wird auch der felch der leiden Den deinen, herr! von dir gefandt; Die muß oft tod und trennung scheiden, Die blut und treue fest verband; Oft stórt des grams, des unfalls wuth, Oft krankheit ihren heitern muth. 8. Doch trinken sie den kelch gelassen, Den du, ihr vater, eingeschenkt; Du zurnst nicht ewig, kannst nicht hassen, Du, gott! der seiner finder denkt, Und wenn ihr glaube stand: haft ringt, Durch leiden sie zur wonne bringt. 4. Wer, was er glaubt, gewissenhaft auch übet, Die menschen all als seine brüder liebet, Nicht låstert, sie nicht Frånkt, nicht stolz sich blås het, Und keinen schmähet. 5. Wer sünder hasset, und 9. Mag doch des todes arm, doch mit den sundern Mitleis uns trennen; Wir werden einst den fühlet, und an deinen uns wiedersehn, Vor gottes kindern Die gottesfurcht und 3. Wer deine wahrheit uns ter Adams finder Verbreitet, sie erleuchtet, und die fünder Durch thaten reizt, mit einem bessern leben Dich zu erheben. Von der Glückseligkeit des Christen. ihre gaben ehret, Hålt, was er schwöret. 6. Wer nicht der brüber ruhm und glück beneidet, Selbst reich, die armen speist, die nackten fleidet, Froh, ohne wucher auch mit milden gaben Genügt zu haben. 7. Wer züchtig in gedanken, keusch auch lebet, Wer ſeiner hoheit sich nicht übers hebet, Im glücke måßig, gú tig und bescheiden, Getrost in leiden. 8. Den, den wird, gott! die wonne der erlösten, Nach die. ses lebens kurzem kampfe trdsten; Den schmückt im himmel einst vor deinem throne Des mittlers frone. Mel. O ewigkeit, du bonnerwort. 586. Mein glaub ist meines lebens ruh, Und führt mich deinem himmel zu, du, an den ich glaube! Ach! gieb mir, berr! beständigkeit, Daß dies sen trost der sterblichkeit Nichts meiner seele raube. Tief prág es meinem herzen ein, Welch heil es ist, ein christ zu seyn! 2. Du hast dem sterblichen geschlecht Zu deiner ewigkeit fein recht Durch deinen tod erworben. Nun bin ich nicht mehr asch' und staub, Nicht mehr des todes ew'ger raub; Du bist für mich gestorben! Mir der ich dein erlöster bin, Ist dieses leibes tod gewinn. 437 3. Was seyd ihr, leiden dieser zeit, Mir, der ich einer ewigkeit Mit ruh entgegen schaue? Bald ruft mich gott, und ewiglich Belohnet und ers quickt er mich, Weil ich ihm hier vertraue. Bald, bald vers schwindet mir mein schmerz, Und himmelsfreude schmeckt mein herz. 4. Bin ich gleich schwach. so trag' ich doch nicht mehr der fünde schmachvoll joch In meinem lauf auf erden. Die tugend ist mir süße pflicht; Doch fühl ich es, ich bin noch nicht, Was ich dereinst soll werden. Mein troft ist dies: gott hat geduld, Und straft mich nicht nach meiner schuld. 5. Der du den tod für mich bezwangst, Du hast mich, mittler! aus der angst, In der ich lag, gerissen. Dir, dir verdank ich meine ruh, Du heiltest meine wunden zu, Du stilltest mein gewissen, Und fall ich noch in meinem lauf, So richtest du mich wieder auf. 6. Gelobt sey gott! ich bin ein christ, und seine gnad und wahrheit ist Un mirauch nicht vergebens. Ich wachs' in meiner heiligung, Ich spüre täglich besserung Des herzens und des lebens, Ich fühle, daß des geistes kraft Den neuen menschen in mir schafft. 7. Dank dir, o vater, dank und ruhm! Du lehrtest mich das christenthum Fest glaus 102 438 Neujahrsgesänge. ben, willig üben. Dir, gott, ben. Jetzt und mein künftig mein lehrer, lob und preis! leben lang Bring ich dir, Ich lieb es immer noch, und höchster! preis und bank. weiß, Ich werd es ewig lies Vierte Abtheilung. Auf besondere Seiten, Umstände und Personen. Neujahrsgesänge. Mel. Dert, ich habe mißgehandelt. dem geliebten, Mich aufs neu 587. ilf, herr Jesu! zum kinde an. Laß mich, laß gelingen, vater! nicht verderben, Nicht Hilf! ein neues jahr geht an. mich ohne beff'rung sterben. Laß es neue kråfte bringen, Daß aufs neu ich wandeln kann; Neues heil und neues leben Wollst du mir aus gnas den geben. 5. Herr! du wollst mir gnade geben, Daß dieß jahr mir heilig sey, Und ich christlich könne leben, Ohne falsch, ohn heucheley; Daß ich fromm allhier auf erden, Und dort selig möge werden. 2. Dankbar beug ich meine knie, Gott! vor dir, daß deine hand Gnad und wohlthat, spåt und frühe Liebs reich mir hat zugewandt. Mein gebet, mein dank, mein flehen muß, herr! deis nen ruhm erhöhen. 3. Laß dies seyn ein fahr der gnaden. Hilf, daß ich für meine sünd, Womit ich bin hart beladen, Heute noch verzeihung find. Gott! du kannst, du willst verzeihen, und zur bessrung kraft verleihen. 4. Båhle los mich hochbes trübten, Sieh nicht an, was ich gethan! Nimm in Jesu, 6. Laß mich deine gnade ziehen Auf den weg zur frómmigkeit, Reiz zur fünde laß mich fliehen, Wachsam seyn zu jeder zeit; Laß mich alle laster meiden, und im kreuz geduldig leiden. 7. Was ich denke, red' und thue, Das gescheh mit dir allein, Wenn ich wache, wenn ich ruhe, Wollest du herr! bey mir seyn; Imberuf wollst du mich leiten, Und mit segen mich begleiten. 8. Wenn ich leide, mich betrübe, Und voll angst und zagen bin, D! dann tröste, Neujahrsgefange. gott der liebe! Mein gebeugtes herz und sinn, Und wenn sünd und tod mich schrecken, Laß mich deine gnade decken. 9. Jesu! laß mich fröhlich enden Dieses angefangne jahr; Trage mich auf deinen hånden, Bleibe bey mir in gefahr. Freudig will ich dich umfassen, Wenn ich soll die welt verlassen. f Mel. Nun laßt uns gott den. 588. f kom Dommt, laßt vor gott uns treten, Ihn findlich anzube: ten! Sein arm hat unserm leben Bis hieher fraft geges ben. 2. Wir erdenpilger wan: dern Von einem jahr zum andern; Die schnelle flucht der stunden Wird kaum von uns empfunden. 3. Und diese unsre tage Erschwert uns manche plage; Wir gehn auf prüfungswe: gen Der ewigkeit entgegen. 4. Doch gott liebt uns als kinder, Er tilgt die schuld der sünder, Und trägt uns voll erbarmen Auf seinen vaterarmen. 5. Auf allen unsern wegen Hat gnade, heil und segen Sich jeden tag erneuet, Und unser herz erfreuet. 439 Du, du kannst in gefahren Auch künftig uns bewahren. 8. D! stárk uns, voll vers trauen Hinauf zu dir zu schauen, Mit festem muth im leiden, und dankerfüllt in freuden. 9. Leit uns mit milden se gen Auf allen unsern wegen; Laß großen und laß kleinen Dein licht der gnade scheinen. 10. Gieb, vater! allen denen, Die sich nach hülfe sehnen, Ein herz, das sich geduldet, Und klagend nie verschuldet. 11. Versüß durch deine freuden Den herben felch der leiden, Und laß, thránen fließen, Sich deinen troft ergießen. Wo 12. Sey der verlaßnen vas ter, Den irrenden ein rather, Der unversorgten gabe, Der armen gut und haabe. 13. Hilf gnådig allen krans fen, Gieb fröhliche gedanken Den tiefgebeugten seelen, Die sich mit schwermuth quálen. 14. Und endlich, was das meiste, Füll uns mit deinem geiste, Der uns hier selig leite, 3um himmel uns bereite. 15. Dies wollest du uns geben, Du, herr von unserm leben! So werden wir in sea gen Dies jahr zurücke legen. 6. Im sturm gehaufter plaMel. Allein gott in der höh sey. gen, In trauervollen tagen, 589. Gott fchuf bit schauder Beschüßt' uns seine rechte. 7. Dir, hüter unsers lebens, Dir traua wir nie vergebens, den mond, Die zeiten abzu theilen. Er macht es, daf man sicher wohnt, Er heiß 440 Neujahrsgesange. die zeiten eilen. Er ordnet bey uns sey; Dies, lieber jahre, tag und nacht, Der vater! dies verleih In Christo gott der ordnung und der deinem sohne. macht; Shm laßt uns dank ertheilen. mel. Es ist das heil uns kommen. u, gott! the Herr, der da ist, und 590. bitter herr 2. der da war! Von dankerfüllten zungen Sey dir für das verfloßne jahr Ein heilig lied gesungen; Für leben, wohl fahrt, trost und rath, Für fried und ruh, für jede that, Die uns durch dich gelungen. 3. Laß auch dies jahr ges segnet seyn, Das du uns neu gegeben. Verleih uns kraft, die kraft ist dein, In deiner furcht zu leben. Du schüßest uns, und du vermehrst Der menschen glück, wenn sie zuerst Nach deinem reiche freben. der zeit, Und auch der ewigfeiten. Laß mich auch jetzt mit freudigkeit Dein hohes lob verbreiten. Ein jahr ist abermal dahin; Wem dank ichs, gott! daß ich noch bin? Nur deiner gnad und gute. 2. Dich, ewiger, dich bet ich an, Unwandelbares wesen, Dich, den kein wechsel treffen kann! Wir werden, find gewesen, Wir blühen und vergehn durch dich; Nur du bist unveränderlich, Du warst und bist, und bleibest. 3. Herr! ewig währet deine treu, Mit huld uns zu begeg nen, Und jeden morgen wird sie neu, Mit wohlthun uns zu segnen. Ich kenne keinen augenblick, Da nicht von ihr stets neues glück Mir zugeflossen wäre. 4. Du hast auch im verfloßnen jahr Mich våterlich geleis tet, Und wenn mein herz voll sorgen war, Mir hülf und trost bereitet. Von ganzer seele preis ich dich. Aufs neue übergeb ich mich, Gott! deiner weisen führung. 6. Daß weisheit und ge: rechtigkeit Auf seinem stuhle throne, Daß tugend und zu friedenheit In unserm lande 5. Bergieb mir die gehäufte schuld Von den verfloßnen tagen, Und laß mich deine vaterhuld In Christo ferner tras gen. Laß mich in deiner gnawohne, Daß treu und liebe de ruhn, Und lehre lebens4. Gieb mir, wofern es dir gefällt, Des lebens ruh und freuden; Doch schadet mir das glück der welt, So gieb mir kreuz und leiden. Nur stärke mit geduld mein herz, Und laß mich nicht in noth und schmerz Die glücklichen beneiden. 5. Hilf deinem volke våters lich In diesem jahre wieder. Erbarme der verlaßnen dich, Und der bedrångten glieder. Gieb glück zu jeder guten that, Und laß dich, gott! mit heil und rath, Auf unsern fürsten nieder. Neujahrsgesånge. lang mich thun Nach deinem wohlgefallen. 6. Gieb neue lust und neue kraft Vor dir gerecht zu wans deln, Laß mich, herr, stets gewissenhaft Mit mir und andern handeln. Dein geist belebe herz und muth, Dich, o du allerhöchstes gut! Und nicht die welt zu lieben. 7. Die welt vergeht; dies reize mich Die lust der welt zu fliehen; Um beff're freuden müsse sich Mein geist schon jest bemühen. Den engeln bin ich ja verwandt, Sm him mel ist mein vaterland; Da hin, herr! laß mich trachten. 8.D! lehre selbst mich meine zeit Recht weislich auszukaufen, Laß mich die bahn zur ewigkeit mit heilger vorsicht laufen; Der tage last er leichtre mir, Bis meine ruhe einst bey dir Kein wechsel weiter störet. Mel. Wie wohl ist mir, o freund. 591. Herr, ben die sonnen und 441 der nacht, Ein fahr erzählt dem nächsten jahre Die großen wunder deiner macht. Dein thron, o gott! bleibt ewig stehen, Du bleibst derselbe; wir vergehen. Wie schnell verströ met unsre zeit! Schon wieder ist ein jahr vom leben, Das deine gnade uns gegeben, Im abgrund der vergånglichkeit. die erden Durch ihren bau voll pracht erhöhn, Durch dessen machtwort welten werden, Und welten wieder un tergehn! Herr, den durch fro: be lobgefånge Der creaturen ganze menge Und aller zeiten lauf erhob! Der engel chôre nachzuahmen, Lallt unsre freude deinen namen, Und unsern mund erfüllt dein lob. 2. Wie deine kraft die welt bewahre, Verkündiget der tag 3. Kommt! dies sey uns ein tag des bundes! Dem frommen bunde bleibet treu, Und den gelübden unsers mundes Stimm' unverstellt das herz auch bey. I land! gelobe, gott zu dienen, Und du wirst wie ein garten grünen, Den er sich selbst gepflanzet hat. Nur wandelt treut auf seinen wegen; Und aus der fülle seiner segen Macht uns dann seine gnade satt. 4. Gott schau herab von deinen höhen, Du, der du deine menschen liebst! Erhöre unser kindlich flehen, Weil du uns gerne gutes giebst. So fåttge dann mit langem leben, Den du zum vater uns gegeben; Befestge unsers fürsten thron, Und segne ihn mit holden blicken, Lehr du ihn selbst das land beglücken, Und sey sein heil, sein schuß und lohn. 5. Tritt den gewaltigen zur seite, Die um den thron des fürsten stehn, Daß ihren anschlag glück begleite, Und sie des volkes wohl erhöhn, Auf alles, was den staat kann bauen, Laß sie mit wahrer Neujahrsgesånge. 442 Prüfung beym Anfange forgfalt schauen, Sie, die des fürsten auge sind; Der unschuld flehn, des lands be: gehren, Laß sie mit wahrer und Schlusse des Jahrs. Mel. Alle menschen müssen sterben. forgfalt bören, Sie, die das 592.Wiederum ein jahr ohr des fürsten sind. 6. Erfüll mit eifer unsre lehrer Für deiner lehre lauterkeit, Daß einst die spätesten verehrer Noch dein wohlthåtig wort erfreut. Hilf ihnen, herr, daß ihre lehren Nie ohne früchte wiederkehren, Wir ganz der gottesfurcht uns weihn. Laß deinen segen auf uns fließen; Denn wenn sie pflanzen und begießen, So tómmt von dir nur das gedeihn. verschwunden! Uch! es kommt nicht mehr zu rück! Mehr als achtmal taus send stunden Schwanden, wie ein augenblick. Flohn zugleich auch meine sünden? Nein! die werd ich wieder finden, Wenn der richter aller welt Einst vor seinen thron mich stellt. 2. Wort', gedanken, thas tenheere! Ach! dürft ihr das licht nicht scheun? Wenn ich nun gestorben wäre, Wo würd meine seele seyn? War' 7. Den obrigkeiten dieses ich jetzt fern von den suns landes Steh in den schweren dern? Stånd' ich jetzt ben pflichten bey, Damit die gottes kindern, Ganz von wohlfahrt jeden standes. Und feiner lieb entflammt? Oder jedes fleiß durch sie gedeih. war ich jetzt vert ammt? Bild' auch das herz der zar ten jugend, Gieb, gott! daß weisheit, fleiß und tugend In allen unsern schulen blüh. Des landes hoffnung laß gerathen, Daß man dort búr ger unfern staaten, Dem himmel christen auferzieh. 3. Hab' ich den, der leben giebet, Niemals undankbar betrübt? Und den gott, der mich geliebet, Hab' ich redlich ihn geliebt? Lebt' ich fromm nach seinem willen, Deffentlich und fromm im stillen? War vor seinem angesicht Ich ein beyspiel jeder pflicht? 8. Ach feinen laß sein heil verscherzen, Und mache du die Thoren klug. Gieb trost und kraft bedrängten herzen, Und unfern armen broot genug. Dies unser flehn sey ja und amen In Jefu; denn in Jesu namen Giebst du, was unser herz begehrt. Auch dies jahr segne, dir zum preise, O va: ter! auch an uns beweise, Du seyst es, der gebet erhört. 4. Wie?- darf ichs zu den ken wagen, Wár ich reif zur ewigkeit? Was würd' mein ges wissen sagen, Rief gott mir: du stirbst noch heut? Könnt ich froh vor ihm erscheinen? Hätt' ich nichts mehr zu beweinen? Ist, o heiligster! vor dir keine sünde mehr in mir? 5. Bater! du kennst meine funden! Viel sind ihrer diesek Neujahrsgesånge jahr. Ach, mit schaam muß ich empfinden, Wie so oft ich treulos war. Bater! es ist lauter gnade, Wenn du auf des lebens pfade Nur noch ein, ein jahr mir schenkit, Und mein herz zum guten lenkst, 6. Nur noch ein jahr, gott, auf erden! Noch droht mir der fünden schuld. Ich muß, ich will frommer werden; Schone, trage noch geduld, Kaum, ach kaum darf ich es denken! Doch du kannst noch gnade schenken, Wenn, der bein gebot entweiht, Herzlich seine schuld bereut. 7. Wie so manchen heitern morgen Sah ich dieses jahr gefund! Wie oft aß, befreyt von sorgen. Speisen, die gott gab, mein mund! Wie viel schreckliche gefahren Hat, wenn tausend elend waren, Seine treue vaterhand Lieb: reich von mir abgewandt! 8. Gottes wahrheit konnt 443 ich hören. Fren zum gottess hause gehn, Deffentlich ihn da verehren, Neue gnaden mir erflehn. Oft empfand ich seine liebe, Oft erwachs ten neue triebe, Fromm zu seyn, in meiner brust, Ihn zu lieben neue luft. 9. Mußt ich auch in schmer. zen ringen, D! so hielt mich seine hand; Bald konnt ich ihm froh lobsingen, Weil ich wieder hülfe fand. Gott! dir danket mein gemüthe, Demuthsvoll preif' ich die gute, Die kein undank mindern kann; Dich bet' ich im staube an. wort Ist lang verdunkelt blie: ben. Es ward vorhin an je dem ort Nur menschentand getrieben, Der glaubenskraft ward nicht gedacht, Durch die man dir vertrauet, Und allen andern trost nicht 10. Uch, verzeih! ach schenk erbarmen, Denke meines uns danks nicht! Beig dem reuenden und armen, Der dich sucht, dein angesicht! Dir nur will ich fünftig leben, Eifrig will ich mich bestreben, Deinem dienst mich ganz zu weihn, Und hinfort ein christ zu seyn. Am Reformationsfeste. Mel. Durch Adams fall ist ganz. ach't, Nur bloß auf Jesum 593. herr! bein chſauet. D feligmachend 2. Die heilgen wurden im merdar 3ur fürbitt bergezäh: let, Verehrt, und endlich auch sogar 3u hélfern auserwählet; Da du doch, gott! der helfer bist Im himmel und auf er den, Der nur im namen Jesu Christ Will angerufen werden. 444 3. Die werke, die man da befahl, Hatt' eigenwig er funden, Der aberglaube ward zumal Den herzen eingebunden; Was aber du geboten haft, Das war nicht noth zu wissen, War man nur sonst die menschenlast 3u tragen recht beflissen. Am Reformationsfeste. bracht, daß wir Sur wahrs heit sind gekommen, Und deis nes wortes licht uns hier Der blindheit hat entnommen. Wir wissen, wer auf Chris stum traut, Erlanget heil und leben; Denn wenn er glaubig auf ihn schaut, Wird ihm die schuld vergeben. 8. Dann thut der mensch, auf gottes rath, Und durch des geistes stárke, Was gott ihm anbefohlen hat, Als rechte gute werke; Daß er sich Geduld, 4. Dies einzuführen ist die lift Bornehmlich die gewesen: Dein wort, das unsre richt schnur ist, Hat man nicht dürfen lesen. Und da wars leicht zur blinden zeit, Ge: in bescheidenheit, müther zu betrügen; Sie wußten nicht den unterschied Der wahrheit und der lügen. 5. Da wurde denn nach eignem sinn Ein gottesdienst erdichtet, Den man, aus geiz, nur auf gewinn Und heuchelen gerichtet. Des höchsten wort blieb unbekannt, Man konnt' es selten hören; So mußte sich der menschentand Fast täglich noch vermehren. 6. Und wenn man gleich das schwere joch Durch lange zeit getragen, So zweis felten die herzen doch, Und konnte niemand sagen, Db er damit genug gethan, Den himmel zu erwerben; Und trat die letzte noth heran, Mußt er im zweifel sterben. 7. Herr! dir sey dank ge594. D treu, demuth, übet, Voll keuschheit, friede, freudigkeit, Gott und den nächsten liebet. 9. So viel sagt uns des herren mund, Woben wir feste bleiben; Wir lassen uns von diesem grund Durch keinen menschen treiben. Nun wird von uns die große gut, Die gott an uns erwiesen, Allzeit mit dankbarem gemüth Erkannt und hochgepriesen. 10. Herr! eile und bekehre noch, Die in der irre gehen. Wach auf, zerbrich und stürze doch, Die dir entgegen stehen. Laß nichts dein seligmachend wort Und seinen fortgang hindern; Erhalt und schenk es, fort und fort, Nach uns auch unsern kindern. An öffentlichen Bußtagen. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. flucht ist! Gott unser mitts u gott, der ler, Jesu Chrift! Gott heils unsre zu ger geist der gnaden! Unend Un öffentlichen Bußtagen. 445 licher! verwirf uns nicht. erde kam, Und unsre schwach. Wir kommen vor dein anges sicht Mit missethat beladen; Nimm von uns unsre sünden schuld, Du gott der langmuth und geduld! Und merk auf unser heißes flehn, Daß wir dein heil, erbarmer! sehn. Herr, unser gott! Verbirg uns nicht Dein angesicht, Und geh mit uns nicht ins gericht. 2. Wir haben unsern bund entweiht, Gebrochen unsern theuren eid, Und deinen weg verlassen; Doch sieh, wir kehren voller reu Zurück zu dir; o! laß aufs neu Uns deis ne rechte fassen; Laß sie uns leiten auf den pfad, Den dein befehl geheiligt hat, Daß irrthum und versuchung nie Uns auf die bahn des lasters zieh. Herr, unser gott! Vor ungeduld, Vor aller schuld Behut uns deine vaterhuld. 3. Dein antlig leucht auf unser land, Rings um be: deckt von deiner hand, Laß es der ruh genießen. Wend' ab von uns, mit deiner hut Der flammen grimm, den Zorn der fluth, Des krieges blutvergießen. Sey rettend mit uns, wenn die noth Des mangels und der feuchen droht, Und schüß uns, nicht ihr raub zu seyn; Laß sicher heit das land erfreun. Herr, unser gott! Das land ist dein; D! laß gedeihn Und sicherheit das land erfreun. 4. Sohn gottes, der zur heit auf sich nahm, Um gott uns zu verföhnen, Der durch den tod ins leben drang, Sich dann zur rechten gottes schwang, Wo ehr und preis dich krönen! Vertritt, o mitts ler! uns bey gott, Durch deine leiden, deinen tod. Stárk uns in unsrer prüfung lauf, Und wenn wir straucheln, hilf uns auf. Herr, unser gott! Dein troft, dein licht Verlaß uns nicht Im tod, im grab, im weltgericht. 5. Schüß uns vor irrthum und gefahr, Erhalte deiner frommen schaar Der glaus benseintracht segen; Uns leite, gott! dein guter geist, Und was dein wort verspricht und heißt, Sen licht auf uns sern wegen. Laß auch in lehr und wandel rein Die diener deines wortes seyn, Und bringe zu der wahrheit glück, Zu dir die irrenden zurück. Herr, unser gott! Breit aus dein wort An jedem ort, Gieb geist und kraft zu deinem wort. 6. Auch die regenten lenke du, Daß sie durch weisheit und durch ruh Der länder wohlstand heben. Dem fürs sten, der uns schützt und liebt, Sieb, der in ihm so viel uns giebt, Das beste, spåtste le. ben. Noch lange sey sein vas terblick Uns, seinen kindern, schuß und glück; O! schütt auf ihn und auf sein haus, Und seine ráthe segnung aus; Herr, unser gott! In deiner In allgemeinen Nöthen 440 hand Ist unser land: Bes glück' es, fegne jeden stand. 7. Vernimm der leidenden gebet; Wer in gefahr und noth dir fleht, Dem hilf aus seinen nöthen. Gieb franken linde: rung und ruh, Die sterbenden erlöse du, Erhór ihr letztes beten. Sey aller unterdrück: ten heil, Der wittwen und der waisen theil; Bereitle der verfolger rath, Und lehre sie den rechten pfad. Herr, unser gott! Durch alles leid Der pilgerzeit Führ uns zu deis uns väterlich. her herrlichkeit. 8. Du thust weit mehr, als wir verstehn, Kannst mehr ges währen, als wir flehn; Laß uns erbörung finden. D! neig' auf unser flehn dein ohr, Heb' unfer herz zu dir empor, Und mach uns rein von sünden. Laß uns nun ganz dein eigen seyn, Im leben und im tode dein; Wir sind durch Christi blut erlöst. O du, der sünder nicht verstößt, Herr, unser gott! Erbarme dich! Erbars me dich! Bergieb uns, leit In allgemeinen Nöthen und öffentlichen Trúbfalen. drohn Uns deines jornes flammen! Sie drohn nicht mehr, sie schlagen schon Hoch über uns zusammen! Du trugst uns lange mit geduld, 3u groß, zu schwer ward unsre schuld, Du bist des schonens mide! Nun lagert deiner strafen heer, gott! sich furchtbar um uns her, Und in uns ist kein friede. ( Siehe auch Nr. 387. und 394.) Mel. Un wasserflüssen Babylon. sprechen. Die zahl der heilis 595. muß ſeyn, u rächer, gott, gen wird klein; Dir glauben, fürchten, ein verbrechen. 3. Wie fluthen, die dein zorn gesandt, Die saaten zu zers nichten, So stromen laster hin ins land Mit allen ihren früchten. Nicht schüchtern, mit verhülltem haupt, Nein, frech, gebietrisch, und erlaubt, Tritt sie einher, die sünde; Und zweifelt nicht, und ist gewiß, Daß jedes werk der finsterniß Lob und belohnung finde. 4. Du aber sprichst: nun ist es zeit 3u strafen, die mich hassen; Der sünde schmach und schädlichkeit Will ich sie fühs len lassen. Du gehst mit iha nen ins gericht, Du schlägst sie, und sie fühlens nicht, 2. Die freche thorheit, dei: nen sohn, Den mittler, nicht zu ehren, Erhebt sich stolz und spricht dir hohn, Und ruft: wer will mirs wehren? Bom throne bis zur hutte zieht Sie alles hin in ihr gebiet, Läßt sich nicht wider und öffentlichen Trubsalen. 447 Und wollen es nicht fühlen. bewohnen. Sie, die den dienst Sie tragen ihrer laster schmach, Und geben darum doch nicht nach, Und wollen es nicht fühlen. 5. Wie lange, råcher, wer den sie Selbst deinen zorn nicht achten? Wird der ge= strafte sünder nie Nach deiner gnade schmachten? du, Mel. O gott, du frommer gott. ie gnådig warst du, vor dem die hölle bebt, Bor 596. Wi welchem zittert, was da lebt, gott, Vor alters deinem lans Und sturm und abgrund schweigen, Kannst du, du allgewaltiger! Du gnädigster! du schrecklichster! Nicht mens schenherzen beugen? de! Wie halfst du ihm, wie oft Zerbrachst du unsre banbe! Und schontest deines volks Mit väterlicher huld, Vergabst die missethat, Bes decktest seine schuld! 6. Du bist die liebe! wende dich Zu ihnen, deinen findern. Vielleicht beweis't dein wohl thun sich noch mächtig an den fündern; Vielleicht läßt sich ihr stolzes herz, Unbiegs sam gegen quaal und schmerz, Durch dein erbarmen rühren; Bereuet seine missethat, Läßt dich, der es begnadigt hat, Sich und sein thun regieren. 2. Dein strenger zorn ers losch Mit allen seinen flammen, Sobald es sich ents schloß, Die fünde zu verdams men. Die menschen sündigen; Du bleibst dir immer gleich, Gerecht und heilig stets, Und stets an gnade reich. 7. Doch mußt du strafen, so gescheh, Herr, unser gott! dein wille. Du, erdkreis! volker! könige! Erzittert, wer det stille. Gott zürnet, der das meer erregt, Und felfen in den abgrund schlägt, Und aus den wollen bliget: Er, er verzehrt durch seinen hauch Den stolzen sünder, wenn er auch Auf einem throne sizet. 8. Ddu gerechte vaterhand! Du wollst der frommen scho: nen, Die dann das sündenvolle land, Das du so strafft, der fünde flohn, Dir standhaft folgten, gottes sohn, Sie rett' aus dem verderben; Errette sie zur bösen zeit, Und laß sie einst mit freudigkeit In deinem namen sterben. 3. Hilf, hilf uns, unser gott! Laß wegen unsrer fünden Uns deine rache nicht, Herr, unser heil! empfinden. Wie schrecklich ist dein grimm! Ach soll er ewig glühn? Und willst du deine huld Auf ewig uns entziehn? 4. Wann kehrt zu uns zurück Dein trost, o gott! dein segen, Daß wir, dein erb theil, uns In dir erfreuen mögen? D, laß uns leben, gott! Laß uns dein antlig sehn; Sey gnädig, hilf uns aus, Hilf, ehe wir vergehn! 5. Jedoch, ich hör uns schon 448 In allgemeinen Nöthen. unser mittler ist, Durch unsern heiland, Jesum Christ. Den gott des trostes trösten; trauen, zu, Durch den, der Heil giebt er seinem volk, Und ruhe den erlösten, Die er erwählet hat, Wenn wir nur heilig sind, Und unsre feele nicht Die thorheit lieb gewinnt. 6. Geschwinde naht sein heil Sich seinen frommen knechten, Und gottes ehre wohnt Im lande der gerechten. Barmherzigkeit und treu Umfahn sich schwesterlich, Gerechtigkeit und fried Um fahn und küssen sich. 7. Der herr begnadigt uns; Das land bringt seine früchte, Und seine huld geht her Vor ſeinem angesichte, Verbreitet glück und beil Auf gottes ei= genthum, Und Israel frohMel, Wenn wir in höchsten nöthen. lockt, und bringt ihm preis 598. Nimm von uns, und ruhm. herr! wir flehn dich an, Du, der allein uns Mel. Wenn wir in höchsten nöthen. helfen kann, Nimm von uns, 597. Sen wir nur herr! der strafe laft, Die trübsal um uns auferleget hast. 2. Herr! unsrer schulden zahl ist groß, Wer wird die böse neigung los? Wer ists, der seine sünden zählt? Wer weiß es, herr! wie oft er fehlt? 3. Nicht schwachheit nur, ach! missethat Ifts, die uns, herr! geschieden hat. Oft has ben wir der menschheit werth, Dein göttlich ebenbild, entehrt. 4. Doch laß vor uns vorüber gehn, Die über unserm haupte stehn, Die strafgerichte, die uns drohn, Und gieb uns nicht verdienten lohn. uns her, Und wissen keinen ausgang mehr, Und finden weder schutz noch rath, Ob wir auch sorgen früh und spat; 2. Dann ist es unser trost allein, Daß wir uns deiner noch erfreun, Und fliehn zu dir, du treuer gott! Du einz ger helfer in der noth! 3. Wir heben unser aug und herz Hinauf zu dir in unserm schmerz, Und flehn dich um begnadigung Und aller strafen linderung. 4. Nach deiner gnade sagest du Dies allen, die dir 5. Dir, unserm vater, un serm gott, Dir klagen wir all unsre noth. Ach! deine vateraugen sehn, Wie so verlassen wir da stehn. 6. Nur du bist unsre zus versicht! Vergilt nach unsrer schuld uns nicht; Steh uns um Christi willen bey, Und mach uns aller plagen frey. 7. Dann danken und lobs fingen wir mit freuderfüllten herzen dir; Gehorsam deinem theuren wort, Herr! preisen wir dich hier und dort. 5. Hörst du nicht uns, hor Jesum Christ, Der unfer mitte und öffentlichen Erůbsalen. ler war und ist, und laß noch stehen dieses jahr Den baum, der ohne früchte war. 6. geist der gnad und des gebets! Behût uns heut, behut uns stets. Laß sünden uns nicht mehr entweihn, Behutsam unsern wandel seyn. 7. Strom deinen segen, herr! ins land; Es leit uns deine treue hand. Gieb allen frieden und gedeihn, Hór nie auf, unser schuß zu seyn. 8. Entzieh uns deines wortes licht, Der seele trost und hoffnung nicht; Es ist das licht, das uns die nacht Des pilgerlebens helle macht. 9. Und fährt dein zorn zu strafen fort, So schone, gott! nur unsrer dort, Und gehe, vater! gehe nicht mit deinen knechten ins gericht. ( Siehe auch Nr. 284.) Trost des Srommen in traurigen Zeiten. Mel. Was mein gott will, gescheh. 599. Die bich nicht fennen, die nicht, gott! Nach deinen rechten fragen, Die müssen in der zeit der noth Mit banger seele klagen. Beklemmt von schmerz Verzagt ihr herz, Und findet keinen rets ter; Denn du bist nicht Die zuversicht Der fünder und der ſpotter. 449 2. Ich aber darf auf dich allein Mit ganzer seele trauen, Wie finster auch die zeiten seyn, Darf dennoch mir nicht grauen. Ich kenne dich, Und weiß, daß ich Nach deinen rechten frage, Weiß, deine treu Wird täglich neu, Und sorgt für meine tage. Mel. Wer nur den lieben gott. 3. Nicht klagen will ich, gott! vor dir, Nicht weinend zu dir treten; Mit zuversicht, die giebst du mir, Mit freuden will ich beten. Dein angesicht Verbirgt sich nicht Vor denen, die dich ehren; Du merkst auf sie, Verwirfst fie nie, Und eilst, sie zu erhören. 4. Du wollst mich in der bösen zeit mit deinem schilde decken; Mich sehe, gott! in sicherheit Vor allen ihren schrecken. Mich treffe nicht Dein zorngericht; Du wollest meiner schonen. Bey tausenden, Die untergehn, Laß unversehrt mich wohnen. 5. Gott! hilf mir, daß ich immer hier Ein göttlich leben führe, Und meine freudigkeit zu dir Durch sünden nicht verliere. Der fünder schmach Folgt ihnen nach, Du zürz nest, und sie zittern; Doch mich wird nie Dein zorn, wie sie, Wenn du sie strafft, erschüttern. In Kriegeszeiten. ter Jetzt über unser haupt zieht, o gott! daher. ein kriegeswet: schuß und retter, So ist die F f In Kriegeszeiten. 450 plage uns zu schwer. Sieh, wie die fürsten sich entzweyn, Und sich zu unterdrücken draun! 7. Doch findet, herr! dein weiser wille Noch ferner züchtigung uns gut; Wohlan, wir schweigen und sind stille Bey dem, was deine vorsicht thut. Laß uns nur deiner plagen noth Zur bess'rung leiten, macht'ger gott! 3. Kein blinder zufall herrscht auf erden; Du bist es, der die welt regiert. Laß. uns der feinde spott nicht werden, Die stolz und neid zu uns geführt. Send böse, 8. Nicht zu verderben, nein mit maaßen Treff' uns dann auch dein strafgericht. Du kannst, du wirst uns nicht verlassen; Nein, vater! nein, das thust du nicht! Erbar: mend rette deine hand Auch uns und unser vaterland. Mel. Uch gott, vom himmel sieh. völker! rüstet euch! Deckst du 601. Ach gott! wir treuns, gott! so fehlt ihr streich. 4. Die allerfeinsten frie geslisten Bereitelt leicht dein weiser rath. Nie wird ein feind ein land verwüsten, Das dich, gott! zum be schützer hat. Mit dir hat oft die kleinste macht Ein großes heer zur flucht gebracht. ten vor dich Mit traurigem gemüthe, Und unser herz seufzt ångstig: lich, Rett uns durch deine gute. Schau, wie jetzt noth und kriegsgefahr Uns hart umringt, und uns sogar Tod und verderben drohet. 2. Gedenke, vater! jetzt nicht mehr, Daß wirs verdienet haben; Gedenke nicht, daß wir so sehr Die uns verliehnen gaben Entehret, und so lange zeit, Zur wollust, pracht und üppigkeit Sie undankbar gemißbraucht. 2. D, laß uns hier allein, o vater! Auf dich und deine vorsicht schaun, Auf dich, den besten freund und rather, Und nicht auf menschenhülfe baun, Die, gott! uns ohne dich nichts nüßt, Und nur durch dich uns kraftig schüßt. 5. Dem feinde hilft nicht große menge, Dem riesen hilft nicht seine kraft; Der ross' und wagen stark gedrånge Ssts nicht, was volkern sieg verschafft. Der stolze traut darauf zwar gern; Allein der sieg kommt nur vom herrn. 6. Wir werfen uns in deine arme, Du vater der barmher: zigkeit! Und beten voll ver traun: erbarme, Erbarme dich zur schweren zeit! O merke, mert auf unser flehn, Laß gnade noch für recht ergehn! 3. Wie oft ist unser ne: benchrist Gedrückt, wie oft betrogen, Durch schein des rechts, gewalt und list Das seine ihm entzogen! Jetzt, rácher! ist dein zorn entbrannt, Die fünde, die wir nicht erkannt, Wird öffentlich geahndet. In Kriegeszeiten. 451 4. Doch, herr! verzeih die schanden werden Die, so in missethat, Um Jesu Christi ihren nöthen und beschwer: willen, Er, der für uns ge- den Bey tag und nacht auf litten hat, Kann deinen zorn deine gute sehen, Und zu dir nur stillen. Ach! er, der un- flehen. fre sünde trågt, Die du ihm selbst haft auferlegt, Hat uns ja dir versöhnet. 5. Um seinentwillen schone du, Und höre unsre klagen; Verleih uns wieder fried und ruh, Und mindre deine plagen. Erbarm, o herr! erbarme dich, Und rett' uns alle gnädiglich Bon krieg und kriegsbeschwerden. 6. Du kannst, o gott! der fürsten herz Wie wasserbäche lenken; Ach! laß sie doch der volker schmerz Recht våterlich bedenken, Sprich du selbst ihnen mächtig zu, Daß sie doch ihrer länder ruh Und wohl mit ernst befördern. 7. Wir fallen dir voll reu zu fuß; Du wollest uns erhören. Hilf, daß wir uns mit wahrer buß, gott! zu dir bekehren; Damit wir nicht an unserm theil, Selbst unser eignes glück und heil, Den theuren frieden, hindern. 8. Breit über unser 2. Mach alle die zu schanden, die dich hassen, Die sich allein auf ihre macht verlassen. Ach! kehre dich mit göttlichem erbarmen Doch zu uns armen. 3. Schaff du uns beystand wider unsre feinde. Sprichst du ein wort, so werden sie bald freunde, Dann müssen sie die waffen niederlegen, Und sich nicht regen. 4. Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen, Vergebens ists, auf menschenhülfe bauen; Mit dir nur kann man thaten thun und kámpfen, Die feinde dåmpfen. 5. Du bist der held, der fie kann untertreten, Und die erretten, die im glauben beten. Wir traun auf dich, wir schrey'n in Jesu namen: Hilf, belfer! amen. Danklied für wiederhergestellten Srieden. Mel. Es ist das heil uns kommen. Lobfingt dem gott, der unser denkt, Der unsre thránen stillet, Der uns den goldnen frieden schenkt, Und flehn und wunsch erfüllet! Gott! unser jammer drang zu dir, Du hörst gebet; dir wollen wir In der gemeine denken. 2. Dein antlik war hinweg laß nicht zu gewandt, Das nun uns wie: $ f 2 Mel. Wend ab deinen zorn. 602. H err, unser gott! gans zes land Die flügel deiner 603. gnaden, Beschüße huldreich jeden stand Vor drangsal, noth und schaden. Dann wollen wir zu jeder zeit Dich, vater der barmherzigkeit, Mit dank und preis erheben. 603. L In Kriegeszeiten. 452 der leitet, Und über uns und unser land War bange noth verbreitet. Herr! wenn dein zorn den frevler schilt, Wenn du mit sündern rechten willt; Wer kann vor dir bestehen? 3. Im staube blickten wir empor, Und flehten: hilf uns wieder! Du hörst, du hilfst, du neigst dein ohr, Auf unser flehn hernieder, Und schenkst uns ruh und sicherheit, Und hemmst des krieges grausamkeit, Und steurest dem verderben. 4. Wie furchtbar zog des krieges grimm Daher, gleich wilden fluthen, Und traf, mit gleichem ungestüm, Die bösen und die guten! Doch gott hat seiner wuth gewehrt; 3ur pflugschaar ist des würgers schwerdt, Der spieß zur sichel worden. 5. Die klage wird zum lobgefang, Und steigt empor zum himmel, Der angst ge schrev, des elends drang Wird lauter lustgetümmel. Befreyt vom gram, geheilt vom schmerz, Lobsingt der mund, frohlockt das herz, Entströmt die freudenthråne. 6. gott! erhalt uns lange zeit Dies glück, von dir gegeben, Und laß in stiller sicher: heit, In deiner furcht uns les ben. Ruh, fried und eintracht schmück uns hier; Du führst uns einst hinauf zu dir, Zu wohnungen des friedens. himmels, O friede, der die welt beglückt! Gott hat die schrecken des getümmels, Des würgens und der angst erstickt; Gott hat das flehn der noth erhört, In freuden unser leid verkehrt. 2. Gott ist der herr der kriegesschaaren; Er schlägt und bricht der stolzen truk. Er ist der retter aus gefahren; Er, er ist der verlaßnen schuß. Auf, menschen! preiset seine macht, Die liebevoll an uns gedacht. 3. Preist ihn, der hart, doch mit erbarmen Und stets voll huld, die fünder schlägt, Ihn, der zugleich auf vaterarmen Die feinen, wie auf flügeln trägt. Die ihr durch ihn begnadigt seyd, Auf! werdet jetzt ganz dankbarkeit. l 4. Preist ihn, und lernt ihm ferner trauen, Wenn sich ein unglück auf euch stürzt. Ihr werdet seine hülfe schauen; Denn seine hand ist nie verkürzt, und ewig seine gnad, als er; Wer bleibet bey ihm hoffnungsleer? 5. Auf! preist ihn durch ein frommes leben, und reizet seinen arm nicht mehr. Bedenkt mit heiligem erbeben, Hart war sein zorn, sein eifer schwer, Und doch trug er, der gott der huld, Noch schonend unsre größre schuld. 6. Preist ihn durch wohlthun und erbarmen, Wo elend eure brüder drückt; Die hilfsbe= Mel. Wer nur den lieben gott. 604. Willkommen, du dürftigen und armen, Uch! dieſe geschenk des kleidet und erquickt, Daß je In Kriegeszeiten. 453 der sich des friedens freu, Und niemand ferner traurig sey. kein fürchterlicher truk; Wir können unter deinem schuß 7. Dann singt ihr wahre Noch immer sicher wohnen. friedenslieder, Dann ist eu'r 4. Laß, höchfter! deine vaherz ganz dankbarkeit, Wenn ihr, als eines leibes glieder, In lieb und frömmigkeit euch freut. Dies glück, dies große glück, o gott! Erhalt uns bis an unsern tod. tertreu Auch künftig uns bewahren! Steh du, allmächtis ger! uns bey, Und deck' uns vor gefahren. Breit' in der welt den frieden aus, Gieb fried im land, in jedem haus, Und rub auf unsern gränzen. 8. Laß fest an deinem wort uns halten, Und treu dir im gehorsam seyn, In lieb und tugend nie erkalten, Und dank bar jedes laster scheun. sind wir froh hier in der zeit, Und selig einst in ewigkeit. So Um Erhaltung des Srie: dens und dessen Segens. Mel. Es ist gewißlich an der zeit. 5. Und wenn ein feind uns überfiel, So wollest du ihm wehren; Set du ihm schranken, maaß und ziel, Heiß ihn zurücke kehren. Beschüße mächtig unser land, Laß ficherheit durch deine hand Sich über uns verbreiten. 6. Gieb allen mächtigen den sinn, In frieden zu regott! wir Und laß in 605. He preifen deine feit forthin Uns deine gnade macht Mit freudigem gemůthe. Du hast bisher für uns gewacht, Du hast aus großer gute Vor frieg und raub und schweren leid, Das deine hand den sündern dráut, Uns väterlich behütet. spüren. Erhalt uns deine lehr und wort, Und laß in ruh an jedem ort Glück, heil und segen blühen.d Melodey bekannt. 606. Verleih uns frie2. Wir häufen täglich unfre schuld Durch unser sündlich leben; Und doch bleibt uns, du gott der huld! Die wohlthat noch gegeben, Daß jedermann von uns in ruh Sein' arbeit und beruf, wie 2. Gieb unserm fürsten du Bestehlest, kann verrichten. den gnädig lich, Herr gott! zu unsern zeiten; Es ist doch ja kein andrer nicht, Der für uns könne streiten, Denn du, unser gott, alleine.des 3. In unserm lande blitt fein schwerdt, Unschuldige zu tödten; Es ist von feinden unverheert, Und frey von kriegesnöthen. Uns schreckt ehrbarkeit. und aller obrigkeit Fried und gut regiment, Daß wir unter ihnen Ein geruhiges und stilles leben führen mögen In aller gottseligkeit und Amen. 454 Bey ansteckenden Krankheiten. Mel. In dich hab ich gehoffet, herr. Wenn trübfal da ist, suchen, 607. Gott, beffen aug' Dir ganz uns weihn, Stets Und aller uns stets wacht! Du bist allein die hulf und macht Von uns hülflofen bitten dich gott! vor Demüthiglich, Auch über uns 608. Hereinsmett zu wachen. 2. Uns schrecket, daß der feuche gift Schon hin und wie der manchen trifft, Sie hebt schon an zu wüthen. Drum flehen wir, Und schreyn zu dir, Du wollest uns behüten. 3. Gott! furchtbar ist dein zorngericht: Mich und die meinen treffe nicht Die môrderische feuche. Hilf uns, o gott! Hilf, treuer gott! Daß fie uns nicht erreiche. 4. Uch handle nicht, herr zebaoth! Uch handle nicht, liebreicher gott! Mit uns nach unsern fünden. Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! Laß uns doch bey dir finden. 1 7. Froh stimmen wir dein lob, herr! an, Und wollen nun dich nicht bloß dann, sunde fluchen. Mel. In dich hab ich gehoffet, herr. majestät Wirft unser brünstiges gebet, Mit angst erfüllt, sich nieder. Dein grimm erwacht, Der seuche macht Würgt schon die nahen brüder. 2. O gott, wie groß ist diese noth! Sie kömmt, sie wächst, und fall und tod Bedeckt das land mit leichen. Kein widerstand Von menschenhand Macht den verderber weichen. 3. Sie draut auch unsrer misfethat, Wenn nicht dein liebevoller rath, Uns noch mit langmuth tråget. Sind wir mehr werth, Als die dein schwerdt Jeht häufig niederschläget? 4. Uch vater! gehe mit uns nicht Nach unsern sünden ins gericht, Erbarmer, ach verschone! Erlaß die schuld, Nach deiner huld In deinem liebsten sohne. 5. Schau an der herzen trau: rigkeit, Schau, wie uns unsre schuld gereut! Ach! um des mittlers willen, Der für uns starb, Uns gnad erwarb, Laß deinen zorn sich stillen. 5. Erbarme dich, erbarme dich, Und blicke jetzt auch váz 6. Streck aus, herr! deine terlich Auf tiefgebeugte fünder. starke hand, Deck unsern ort, Du kannst allein Mit hülf schüß unser land, Sammt als erfreun; Errettte deine kinder. lem, was wir haben, Heil un- 6. Errette måchtig land und sern schmerz, Still' unser herz, ort Von dieser bösen seuche Laß reichen troft uns laben. mord. Entferne furcht und plagen. Gieb, was uns gut, Gieb frohen muth, Das glück von unsern tagen. Bey ansteckenden Krankheiten. 455 7. Doch sollen wir gezüch- Die heilkunst war vergebens. tigt seyn, So floß uns die Nichts trieb des würgers gesinnung ein, Daß wir bez macht zurück; Auch uns schien reitet stehen, Wenn dirs ge- jeder augenblick Der letzte fällt, Aus dieser welt Vor unsers lebens. deinen thron zu gehen. 8. Beut denen deine hånde dar, Die jetzt in tödlicher gefahr Umringt mit bangen schrecken, Und laß ihr herz Im herben schmerz, Den kelch des trostes schmecken. 9. Laß, da die demuth vor dir fleht, Laß, treuer va ter! dies gebet 3u dir erhörlich dringen; So soll den dank Dir lebenslang Das herz zum opfer bringen. ( Siehe auch Nr. 393.) Nach geendigten Seuchen. Mel. Un wasserflüssen Babylon. un wollen wir 609. preis, Gott, unser helfer! bringen, Dir wollen wir, mit bestem fleiß, mit herz und mund lobsingen. Du hast uns in der sterbensnoth So treu be schützet, daß der tod Uns nicht dahin gerissen. Pflicht ist es, daß wir lebenslang, Allgútigster! dir dafür dank Von herzen sagen müssen. 2. Wir waren, höchster! überall Mit todesfurcht um: geben, Wir fahen der geplagten qual, Und sterbende voll beben. Der tod riß tåg. lich viel ins grab, Die noth nahm zu, die menschen ab, 3. Zu dir, gott, unserm ret: ter, schrien Der deinen bange herzen; Und du hast gnådig uns verziehn, Du sahest unsre schmerzen. Erbarmungsvoll hat deine hand Das übel von uns abgewandt, Nach sünden nicht gelohnet. Preis dir, o gott, wir leben noch! Groß war die noth, schwer unser joch; Noch größer du, der schonet. 4. Preis sey dir, gott im höchsten thron, Für deine vatergüte! Preis singt dir, mittler, gottes sohn, Mein mund, herz und gemüthe! Preis dir, o tröster, heilger In ewigkeit du gepreist, Gott, der uns hat erhöret. Nun zeigst du uns, wer stets sich fest Auf dich, den mächtigen, verläßt, Dem werde trost gewähret. 5. O laß uns fünftig, gut' ger gott! Die fünde dankbar fliehen; Durch strafen, durch gefahr und noth Willst du uns zu dir ziehen. Wohlan, mein herz! der fünde lauf Hör' in dir künftig völlig auf; D! thu des heilgen wils len. Vielleicht mocht er nicht mehr verzeihn; Heil dir! er wird dir kraft verleihn, Den vorsatz zu erfüllen. 456 In Theur un g. Mel. Von gott will ich nicht. ren, Wenns uns unmöglich 610. Du befter trost deucht. der armen, 6. Laß unsre frucht gerathen, Und deine hülf uns fehn, Erquicke unsre saaten, So oft sie traurig stehn. Herr! baue selbst das land, Trånk es mit thau und regen, Und füll' es an mit segen, Aus deiner milden hand. Gott, schöpfer aller welt! Du vater voll erbarmen, Der feine zusag hålt! Du, du er hörst gebet; So hör, was unser glaube 3u dir jeßt aus dem staube In noth und theurung flebt. 2. Ach! unser fündhaft leben Verklagt vor dir uns hart; Doch schonen und vergeben Ist ja der våter art. Du, treuer vater! du Bist gut vor allen våtern, Und neigst felbft übertretern Dein herz bald wieder zu. 3. Wenn sie mit ernster reue zu dir um hülfe schreyn, So willst du auch aufs neue Ihr gott und retter seyn. ach geendigter Theu rung. Met. Nun freut euch, lieben christen. u hast, o gnaden auch mit jeg fehen, und 611. Dereicher gott hülflos zu dir flehen, Ver: laß, verlaß uns nicht! 4. Gott, unser heil! ach wende Der zeiten schweren lauf, Thu deine milden hånde, Den schatz der allmacht, auf. Was nur ein leben hat, Nährst du mit wohlgefallen; D! schaffe denn uns allen Bey unserm mangel rath. 7. Erhór uns, gott! und kröne Das jahr mit deinem gut; Sey gnädig und versöhne üns dir durch Christi blut. Laß uns wohlthätig seyn, Von dem, was wir noch haben, Und deine vatergaben Durch mißbrauch nie entweihn. 5. Herr, der du uns auch schufest! Hör unser angstges schrey. Allmächtiger! du rufest Dem nichts, damit es sey. 3u helfen ist dir leicht; Du kannst dem mangel webren, In theurung uns ernáhIn theurung uns ernähret, Im elend und in hungersnoth Errettung uns gewähret; Und nun hat deine fegenshand Von uns und unserm vaterland Den mangel abgewendet. 2. Dich jammerte der menschen leid, Du hörtst das schreyn der armen; Du, vater der barmherzigkeit! Sahst auf sie mit erbarmen. Groß war die noth, groß unsre schuld; Noch größer war, gott! deine huld, Und deiner allmacht stärke. 3. Dir sey, o bester vater, dank, Unbetung, preis und In Theurung. ehre! Erheb ihn würdig, mein gefang! Und erd und himmel höre. Der höchste hält, was er verspricht, So lang' die schöpfung steht. soll nicht Hier saat und erndt' aufhören. 4. Gott! unsre sunde wars, die dich Zur züchtigung bewo: gen; Laß uns, da du uns väterlich Jest zu dir haft ge zogen, Die fünden künftig ernstlich fliehn, Und dir, der gnädig uns verziehn, Ganz unser leben widmen. 5. Wie fürchterlich lehrt hungersnoth Uns unser nichts erkennen! D! laß uns dich allein, o gott! Stets unsern Lehr uns in allem auf dich schaun, Dich vater nennen. Für die Feld- und Landfrüchte. Mel. Es ist das heil uns kommen. 612. ob sey gott, der den frühling schafft! Gott, der den erd: kreis schmücket! Preis sey ihm, ehre, stårk und kraft, Der, was er schuf, beglücket. Der herr erschafft, der herr erhält, Er liebt und segnet seine welt! Lobsinget ihm, geschöpfe! 457 kindlich fürchten, dir vertraun, Und jede wohlthat schätzen. du 6. Laß uns, wenn schenkst überfluß; Uns nie durch stolz erheben, Stets máåßig bleiben im genuß, Der wollust widerstreben; widerstreben; Von dem, was deine vatergnad Uns mildreich giebt, durch liebesthat Den armen gern erfreuen. 7. Und künftig wollst du gnädiglich Vor mangel uns bewahren. Dann ist kein übel fürchterlich, Deckst du uns vor gefahren. Mit lust, o vater! wendest du Dem lande deinen segen zu, In welchem fromme wohnen. 2. Eh noch der mensch den herrn verließ In jenen heis tern tagen, Da war die erd' ein paradies, Frey von der sünde plagen. Nun hat uns sund und straf entstellt; Doch sind wir noch in deiner welt, Im vorhof deines himmels. 3. Das land, das erst erstorben lag, Erwacht und lebt nun wieder; Es strömet jeden neuen tag Dein segen neu hernieder. Der wurm, der in dem staube webt, Der vogel der in lüften schwebt, Erfreut sich seines Lebens. 4. Der erden antlig ist verjungt, Erheitert glänzt der himmel; Gebirg und that und wald erklingt Von freudigem getümmel; Und voll erbarmen schaut herab, Der allen seyn und leben gab, Auf seiner schöpfung werke. 5. Doch fühllos nur und unbeseelt Sind auen und ge-= filde, Auch hast du nicht die 458 Für die Feld- und Landfrüchte. thier' erwählt zu deinem eben: Deine macht und weisheit, bilde; Der mensch nur freuet Deiner sich, Kennt, fühlet und emfindet dich, Und hofft ein ewig leben. gott! Jedem fühlenden gemüthe Ruft der frühling: gott ist gott! Ist ein quell, dem freud' entquillt, Der mit leben alles füllt. 6. Lobfinget ihm, er ist uns nah; Singt alle seine heere! Der herr ist allenthalben da, Im himmel, erd und meere. Ich preise dich, ich singe dir! Denn du bist, wo ich bin, bey mir, Mit allmacht, lieb und gnade. 7. Du rufft die wolken in das land, Und stillst den durft der erde, Daß mit den gà: ben deiner hand Der mensch gesegnet werde; Du machest regen, thau und wind, Die deiner allmacht boten sind, Zu unsrer freude quellen. 8. Selbst wenn, vom don nersturm bedráut, Erschrock ne länder zittern, Strömt stárkung, segen, fruchtbarkeit Aus schwarzen ungewittern; Dann bricht die sonne neu hervor, Und alles jauchzt zu dir empor, Vor dem die wetter schweigen. 9. Von dir kömmt, was uns hier erfreut, Du brunn quell aller gaben! Dort wirst du uns mit seligkeit In reichern strómen laben. Wohl, wohl den menschen, die schon hier Sich dir ergeben, und einst dir In Christo freudig sterben! 613. H Mel. Alle welt, was lebt und. elle leuchtet deine gute, 2. Millionen blumen duf ten, Alle felder werden grün; Wie wenn tausend stimmen rusten, Hör ich: fühlt und preiset ihn, Ihn, der erd und himmel trågt, All ihr heer schuf und bewegt. 3. Alles drångt sich, aufzuleben In verschönerter gestalt; Frohe vogelschaaren schweben, Jauchzen im belaubten wald, Und insekten ohne zahl Kreuzen sich an berg und thal. 4. Alles athmet nur vergnügen, Alles redet dir zum ruhm. Vögel, die die luft durchfliegen, Schmetterling' auf jeder blum', Bienen, feinde tråger ruh, Gott ist; ruft mir alles zu. 5. Seh ich wasserquellen fließen, Baum' an bächen, hütten dran, Menschen, die der milch genießen, Die aus kräutern werden kann, Seh ich auf den weiden vieh; Deine huld, wie fühl ich sie! 6. O du vater, o du treuer! Quell, dem segen nur entfließt! Aller lebenden erfreuer! Wer spricht aus, wie gut du bist? Wer preist würdig deine kraft, Die aus winter frühling schafft? Mel. Lobt gott, ihr Christen. och 614. feln ordentlich Für die Feld- und Landfrüchte. 459 Des jahres zeiten ab. Dein kurze zeit, Herr! hießest du fegen, gott! ergießet sich uns seyn; Du schufft uns Noch auf die erd' herab. für die ewigkeit, Uns ewig dein zu freun. 2. Du öffnest deine milde hand, Uns menschen wohlzu thun, Und läsfest auch auf unserm land Noch immer se: gen ruhn. 3. Von deinem himmel, höchster! träuft Gedeihn und fruchtbarkeit; Die saat geht auf, und blüht und reift, Und fåttigt und erfreut. 4. Von dir gesegnet, giebt der baum Den schatten, den Mel. Allein gott in der höh sey. man ſucht, und unter ſeiner 615. der tag ers D gott! sobald zweige raum Erfrischung und auch frucht. wacht, Erfreust du, was da webet, Und abends danket deiner macht, Was auf der erde lebet. Du wässerst unsrer erde schooß; So wächst der felder reichthum groß, Nährt menschen und auch thiere. 2. Dein brunn erquickt sie früh und spát, Und jeder grashalm zeuget Von dir, durch den die saat geråth, Hinauf zu halmen steiget. Wenn furch' und fluren sich verneun, So giebst du wachs thum und gedeihn Durch sonnenschein und regen. 3. Du krónst mit uner: schöpfter hand, Herr! alle jahreszeiten, Du träufelst auf das ganze land Des segens fettigkeiten; Es trieft durch ihren milden guß Die wüste selbst vom überfluß, Und freude schmückt die hügel. 4. Die ånger stehen rings umher Boll schaaf; es stehn 5. Du nåhrest jede creatur. Dherr! wer ist dir gleich? Dein vorrathshaus, gott! die na tur, Ist unerschöpflich reich. 6. Wem strömt sie nicht, von dir erfüllt, lust und vers gnügen zu? Wer ist so gut, so treu, so mild, So váter: lich, wie du? 7. Herr! ohne dich vergingen wir, Und wir verdienten's auch; Und dennoch le: ben wir in dir, Beseelt durch deinen Hauch. 8. Wer, gott! erfährt nicht deine huld? Wem strahlet nicht dein licht? Mit welcher langmuth und geduld Verschonst du unser nicht! II. Läst du uns deine freundlichkeit Schon hier so herrlich sehn; Was wird in der vollkommenheit Der künftgen welt geschehn? 12. Noch tiefer dringt alsdann mein blick In deine wunder ein. Dherr! laß dies erhabne glück Mir stets vor augen seyn. 9. D, betet, gott, ihr mena schen, an! Erwägts und dankt ihm nun. Was hat gott schon an uns gethan? Was will er nicht noch thun? 10. Nicht bloß für diese 460 Für die Feld und Landfrüchte. die auen Von goldnem korne 5. Entstehen wetter und gedick und schwer, So weit die blicke schauen. Der hocherfreute landmann singt, Daß berg und thal und hain erklingt, O gott! von deiner gute. Um Gesegnung der Seld: früchte. fahr, So laß den bliß nicht zünden. Vor großer dürre uns bewahr, Und gar zu trocknen winden. Mach auch die erde nicht zu naß, Und laß uns fammern, scheur und faß Mit deinem fegen füllen. 6. Gieb gnädig, was uns deine hand Jetzt in der hoffnung weiset. Und krönt dein segen unser land, O dann sey, herr! gepreiset. Dann bringen wir dir dank und ehr, Der du der kreaturen heer Mit wohlgefallen fåttigst. 616. Mel. Es ist das heil uns kommen. s baut, herr deiner men schen schaar Auf dein geheiß die erde, Und hofft dabey von jahr zu jahr, Daß sie versor: get werde; Denn du vers sprichst, du treuer gott! Daß fie bey fleiß und müh, ihr brodt Von dir erhalten solle. 2. Bis hieher trifft die zu fag' ein. Gieb ferner deinen segen; Laß unsre früchte wohl gedeihn, Gieb sonnenschein und regen. Denn ohne deine segenshand Bringt selbst ein fettes gutes land Uns nim-= mer, was es könnte. 7. Wir trauen dir, wohlthat'ger gott! Dich lassen wir frey walten. Du, vater! kennst all unsre noth, Hast lange hausgehalten. Du wirst in deinem eigenthum, 3u unserm wohl, zu deinem ruhm, Dich ferner gnädig zeigen. Um Regen bey großer Dürre. 3. Vergebens ist all unfre kunst, Ull můh und zubereiMel. O gott, du frommer gott. ten, Wenn nicht, gott! beine 617. Herr, allerhöchster gnad und gunst Hier unsern fleiß begleiten. Durch dich nur keimt der saamen auf, Wächst, treibt, sest frucht und reift darauf; Du bists, der alles giebet. 4. Straf uns, herr! nicht in deinem zorn; Sey uns ein gott der güte. Erhalte unsrer felder forn, Ach, vater! ach verhüte, Daß frost und sturm, und hagelschlag Sie nicht zer: storend treffen mag, Und wir dann trauren mußten. gott, himmel und auf erden, Dem wolken, luft und wind Allzeit gehorsam werden! Was du befiehlst, geschieht; D! laß auch unser flehn Durch dich, allmächtiger! Jest in erfüllung gehn. 2. Wir bitten findlich dich Um deinen vatersegen; Gieb uns, o vater! gieb uns einen milden regen. Staub ist jetzt unser land, Erstorben jede flur; Es schmachtet feld und thier, Es trauret die natur. 3. Wir haben es verdient; Für die Feld und Landfrüchte. 461 Ach! groß sind unsre sünden, früchte, Er, der versorger Und billig strafst du uns; Doch seiner welt. Steif steht die laß uns gnade finden. Ver- saat, die ähren Vom mark gieb uns unsre schuld; Thu der erde voll, Das seine auf die milde hand, Wirf menschen nähren, Und thier' einen vaterblick Auf uns und erfreuen soll. Weit schallt es unser land. ins gefilde: Gott ists, der regen schickt!. Auf! preiset seine milde! Die erde ist erquickt! 3. Gott! laß uns nicht vergebens Die gaben deiner hand empfahn, Uns nicht, du quell des lebens, Dir undankbar und fruchtlos nahn. Du sendest thau und regen, Giebst milden sonnenschein, Du eilst mit deinem segen Uns alle zu erfreun. Ach! laß uns nicht vergebens So manche gab empfahn, Laß nicht, du quell des lebens! Uns undankbar dir nahn. 4. Befeuchte berg und thal, Erfrische unsre felder, Dein regen träufle sanft Auf ånger, gärten, wälder. Das, was bisher gelechzt, Erquicke, herr! aufs neu, Daß jede kreatur Dir freudig dankbar sey. 5. Ergieß zugleich dein wort, Gleich einem milden regen, Auf unser tråges herz Mit tausendfachem segen. Der fromme nur kann sich, Gott! deines segens freun; O laß uns alle reich An wahrer tugend seyn. Danklied für verliehenen Regen. Bey anhaltendem Regen um Sonnenschein. Mel. Wår gott nicht mit uns. gen findet Er 619. gott, der du den himmel ganz Mit wolken kannst bedecken, Und bald der heitern sonne glanz Auch wiederum erwecken! Halt deinen regen jetzt zurück, Und laß der sonne frohen blick Uns wiederum erfreuen. 2. Die felder trauren über: all, Die faat und früchte leiden; Des regens überhäufter fall, Erstickt der flurer freuden; Der segen, den du uns gezeigt, Der sich betrübt zur erde neigt, Droht nunmehr zu verderben. Mel. Nun lob, mein seel, den. in milder re618. quickend auf die dürre flur. Wie labt sie sich! wie trinket Ihn die verschmachtende na: tur! Die sanften ströme kühlen Der lüfte weites meer, Und die geschöpfe fühlen Sich nicht mehr tråg und schwer. Gott spricht; das seufzen schweiget, Und hig' und dürre fliehn. Der frommen dank lied steiget Hinauf und preiſet ihn. 2. Mit muth im angesichte Beschaut des ackers herr sein feld. Erquickt hat gott die 462 Für die Feld- und Landfrüchte. 3. Herr! unsre sünd und ser flehn, Bey unfrer kümmermissethat Hat dies sehr wohl niß So liebreich hat gesehn. verdienet; Jedoch erzeig uns huld und gnad, Dein sohn hat uns verfühnet. Wir nahn zu1 dir voll reu uns nun, Wir wollen ernstlich buße thun, Und unser leben bessern. 4. Ja, herr! wir preisen dich Mit freudigem gemüthe. O! sorg' auch künftig noch Für uns mit vatergüte; Gieb uns zu rechter zeit Thau, regen, sonnenschein, Wir wollen dir dafür Von Herzen dankbar seyn. 4. Gieb uns, o du liebrei cher gott! Den heitern schein der sonne, Und überschütt uns nach der noth Mit freude, lust und wonne; Und zeiguns nach deiner treu, Daß Danklied für die Erndte. Mel. Wer nur den lieben gott. ir, milder außer dir kein ſegen ſey, Im 621. ber aller ge gahimmel und auf erden. ben! Herr! dir gebühret ruhm und dank. Du hörst das schreyn der jungen raben, Du liebst der lerche lobgesang. O neige jetzt dein ohr zu mir! Du forderst dank; ich danke dir! Danksagung für den Son nenschein nach anhal: tendem Regen. Mel. Nun hanket alle gott. ein gott! du bist 620.Me gerecht, Und gleichwohl lauter liebe, Stehts mit uns menschen gleich Oft fummervoll und trübe, Scheints gleich, als dachtest du, Bey unsrer fündenschuld, Nicht ferner mehr an uns Mit vatertreu und huld. 2. Die wolken mußten stets Das sonnenlicht bedecken; Wind, regenwetter, sturm, Erfüllten uns mit schrecken, Weil man nur dunkelheit Und finstre nebel sab, Und unsers landes frucht War dem verderben nah. 3. Nun hast du sonnenschein Uns wiederum gegeben; Die felder sind erquickt, Erquickt auch unser leben. Wirpreisen deine huld, Die, gott! auf uns 2. Die kleinste deiner freaturen Macht deine weisheit offenbar, Man siehet deiner gute spuren Und deine macht von jahr zu jahr. Ein jedes gras belehret mich: Wie groß ist gott, wie klein bin ich! 3. Du sorgst, nach treuer våter weise, Für deine menschen und fürs vieh, Du schenkest allem fleische speise, Du sorgst und segnest spåt und früh; Auch bösen wirfst du gutes zu. Wo ist ein solcher gott, wie du! 4. Der erdkreis ist von deiner güte, Von deiner weisheit ist er voll. Herr! unterweise mein gemüthe, Wie ich dich würdig loben soll; Gieb, daß mein herz dich freudig liebt, Dich, der mir so viel gutes giebt. Für die Feld- und Landfrüchte. 5. Das saamkorn wird in deinem namen Auf hoffnung in das feld gestreut. Du großer schöpfer! gabst dem saamen, Da du ihn schufft, die fruchtbarkeit; Der acker, den du heimgesucht, Bringt nur durch deinen segen frucht. 6. Was dürr ist, feuchtest du mit regen, Was kalt ist, wärmt dein sonnenschein. Du theilst die zeiten, wie den segen, 3u unserm besten weislich ein. Bey warme, hike, kålt' und frost Grünt, wächst und reifet unsre kost. s 463 8. Gieb, vater! daß uns deine liebe Zu deinem ruhm und ehr erfreut; Dein segen mehr in uns die triebe Sur demuth und zur dankbarkeit. Du hast uns gnádig guts gethan; Treib uns zur pflicht des guten an. 9. Gieb denen herzliches erbarmen, Die deine hand mit gütern füllt, Damit ihr überfluß der armen Bekümmerniß und hunger stillt. Herr! der du aller vater bist, Gieb jedem, was ihm nöthig ist. 7. Kommt, laßt uns bey 10. Beschüße die verlichden vollen scheuren, Dem herrn nen güter, Laß uns die gader erndte dankbar seyn; Laßt ben wohl gedeihn; Laß theure uns den bund mit ihm erneu- zeit und ungewitter Entfernt ern, Ihm selbst, was er uns von unsern gränzen seyn. schenkte, weihn. Kommt, laßt Verhüte krieg und hungersuns seine macht erhöhn; Der noth, Und gieb uns unser herr ist gut; sein lob sey schön! tåglich brod. Bey Gewittern. Ehrfurcht gegen Gott bey Gewittern. Mel. Wie groß ist des allmächt'gen. 622.0 er mächtige, der herr der götter, Vor dem der seraph niederfällt, Gott redet donnernd aus dem wetter, Und ruft voll majestät der welt. Anbetend sinkt der erdkreis nieder; Der wald er tont, es bebt die flur; Und blize fagens blißen wieder: Gott ist der herrscher der natur. 2. Laß dich auch seine stimme rühren, Sey ganz empfindung, o mein herz, Den dank, das lob, die ihm gebühren, Entweihe kein unheilger scherz. Es rufen gottes wahren kindern Selbst donner, gnad und segen zu; Sie rufen schonend sichern sündern, Und ihren ruf versteh auch du. 3. Verstumme, freches heer der spotter! Furcht und verzweiflung warten dein. Der herr ist gott! es sagts das wetter, Die welt, die ganze welt ist sein. Ihr bebt, elende! wollt ihr fliehen? Kein ort 464 Ben Gewittern. schützt euch und euren spott. fülle sie mit reu und schmerz, Nichts kann dem måcht'gen Und trage noch geduld. euch entziehen; Er kennt, er straft euch; er ist gott! 9. Vor deines gottes majeståt Erzittre nicht, o christ! Wenn er in donnerwolken geht, Und um sich blize schießt. 10. Und wenn sein donnerndes geschütz Den frevler tief erschreckt; So wiss', daß gott dich vor dem blik Und seinem donner deckt. II. Der pfeil des herrn fährt wunderbar Von seinem wolkenthron, Trifft, wen er will, und krümmt kein haar, Wenn gott ihn ruft: verschon! 12. Sprich: wenn mein gott mich tödten will; Gerecht ist sein gericht! Er ist der herr! ich halte still, Und laß im tod ihn nicht. Mel. Nun sich der tag geendet. 623. mensch! wer & Es donnert; donnert? wer Bligt aus dem wolkenzelt? Schau auf, o sünder! wer? der herr, Der große herr der welt! 2. In seiner ausgestreckten hand Liegt schweigend die natur, Und erd und himmel ist im brand, Ist nicht spricht er nur. mehr, nyt m 3. Es donnert! gott! wie schrecklich ist Des bimmels wetternacht! Es blist! es donnert! gott, du bist! Und groß ist deine macht! 4. Gott donnert in des sünders ohr; Der sünder horts und zagt, Hebt zitternd kaum sein aug' empor, Wenn sein gewissen sagt: 13. Des donners könig ist mein freund! Wenn er mich schnell entrückt, So weiß ich, daß ers gnådig meynt, Und ewig mich entzückt. 5. Den, der dich schuf, ernährt und schütt, Dich vás terlich umfing, Den gott, der nun am himmel blitt, Den hieltest du gering! 6. Gott kennt dein herz, und weiß dein thun, Er, der Mel. Nun sich der tag geendet. die menſchen wägt; Was bist 624. Der hohe him dunkelt du, wenn sein donner nun Dich schnell zu boden schlägt? 7 Verschone, herr! ver: schone noch Der fünder nur diesmal; Barmherzig bist du, vater! doch; 3u groß ist ihre zahl. sich, Ein wetter gottes draut. Ich bebe nicht; ich freue mich, Herr! deiner herrlichkeit. 8. Bekehre noch ihr böses herz, Und tilge ihre schuld, Er14. Wer gott bey stillem himmel ehrt, Singt ihm auch froh ein lied, Wenn er auf schwarzen wolken fährt, Steht, wenn der sünder flieht. 2. Du zürnest, wenn du donnerst, nicht; Du bist der menschen freund. Nicht blasser sey mein angesicht, Wenn uns der blik erscheint. 465 3. Wenn bey erhitzter dünste glühen Sowohl die menschen, als das vieh, Den othem matt und keichend ziehen; Wie froh, wie munter werden sie, Wenn in die ångstlich schwüle luft Der donner fühle winde ruft! 4. Wie lieblich hebt sich das getreide, Gestårket durch den regenguß! Und wie vergnügt betritt die weide Der neube= lebten thiere fuß! Der muns tern vögel frohes heer Verkündigt des erhalters ehr. 5. Auch ich will seine gute loben. Im wetter, wie beym sonnenschein, Werd er von dir, mein herz, erhoben! Du kannst dich seiner gute freun; Und wenn des dons ners stimme brüllt, Sft er dein helfer und dein schild. Mel. Jesu, meines Lebens leben. 7. Laß frey das herz von angsten seyn, Wenn uns dein wetter droht. Weg, furcht! wir lieben; furcht hat sein; 626. Gott, durch def Bey Gewittern. 3. Dem sünder nur, der dich nicht kennt, Dem bist du fürchterlich; Dem aber, der dich vater nennt, Seigst du als vater dich. 4. Uns segen ist der sonne licht, Uns segen tag und nacht; auch segen ist uns dein gericht, Und deines blites pracht. 5. Doch, menschen sind wir, vater! schwach! Gedenk, wie schwach wir sind! Sprich nicht: zerstöre hagel!- ach! Sprich nicht zum blik: entzund! 6. Du reinigst durch den blig die luft, Dein regen kühlt die saat; Und donnerst du, dein donner ruft: Sey rein von missethat! starke Erd und himmel sich bewegt! Wenn mein herz 625. Wie gnädig ist die großen werke Deiner allmacht überlegt; So bekenn' ich höchster könig! Mein verstand ist viel zu wenig, Deine wege bleiben mir Unbegreiflich für und für. Nach dem Gewitter. Mel. Wer nur den lieben gott. des höchsten wille! Der donner schweigt, die blike fliehn. Bald schmückt, bey angenenehmer stille, Der sonne glanz das feuchte grün. Erhebe deinen lobgesang, Du, meine seele, opfre dank. 2. Geb ich auf des him. mels kräfte Und auf erd und 2. nimm bewundernd got wasser acht, Wie ein jedes tes gute Im blik und unge- sein geschäfte, Und wozu du witter wahr! Dem frohen es gemacht, Gleich auf dein forschenden gemüthe Stellt geheiß vollbringe; Find ich sich ein großer schauplaß dar Bon ungezählter segensspur 3um labsal aller freatur, ja in jedem dinge Wunder, deren hohen preis Ich nicht auszusprechen weiß. 6 g 466 Bey Gewittern. 3. Du, herr! bringst des ner finder. Ob es dir gleich windes brausen Aus verborg nen orten her, Und sein ungestum, fein sausen, Kommen nicht von ohngefähr. Wenn die wolken sich ergießen. Und die blike heftig schießen, Wenn der donner tónt und kracht, Beigst du deine große macht. ist bekannt, Daß sie böse sind, und sünder, Hört doch deine milde hand Noch nicht auf, das land zu segnen; Nein, du läßt nicht immer regnen, Es muß auch der sonnenschein Nach dem regen fruchtbar seyn. 4. Doch vergißt du deine liebe Gegen deine kinder nicht. Sind die wolken schwarz und trúbe, Ihnen scheint dein gnadenlicht. Mitten, gott! im fturm und wetter Bist du selbst ihr schuß und retter, Schonest ihrer bangigkeit, Wenn ihr herz in ångsten schreyt. 5. Wenn du sprichst, so muß sich stillen Regen, donner, sturm und wind, als die alle deinen willen Auszurichten fertig sind. Sommer, winter, froft und hiße Ordnest du so, wie es nüße 3u der erdé fruchtbarkeit, Ulles zur bes stimmten zeit. 6. Denn dich jammert deis 7. Wer ist, der die liebesthaten Deiner hand nicht rühmen muß? Wenn du alles wohlgerathen, und von deinem überfluß Uns die fülle läsfest nehmen, Muß ich mich ja billig schámen, Daß dich, gott! mein tråger geist Würs dig gnug nicht rühmt und preist. 8. Uch, daß wir doch, wie wir sollten, Lebten dir, dir gott, allein! Nichts als dei nen willen wollten, Dir gehorsam möchten seyn, Und von erde, luft und sternen Selbst gehorsam möchten lernen! Ach! mach du zu jeder zeit Dir zu dienen uns bereit. ( Siehe auch Nr. 415. 416.) Morgengesänge. 2. Als nächtliche gefahren Verborgen um mich waren, Als ich nicht sah, nicht dachte, Warst du's, der für mich wachte. Mel. Nun laßt uns gott den. 3. Mit zärtlichem erbars 627. Mach auf, mein men Beschüstest du mich ars und finge Dem schöpfer aller din ge, Dem geber aller güter, Der menschen treuem húter. men; Und ich schlief ohne grauen, Und kann die sonn' jetzt schauen. 4. Wie fühl ich mich er quicket! Du, der uns stets beglücket, Du machst, daß ich aufs neue Mich meines lebens freue. 5. Steig auf, mein dank, Morgengesånge. zum throne! Dem vater und dem sohne, Dem geist des herrn sey ehre, Anbetung, preis und ehre! 6. Hor', gütigster! mein flehen, Du kannst ins herze sehen; Laß dir mein kindlich lallen, Mein vater! wohlges fallen. 7. Laß deinen geist mich leiten, Daß ich zu allen zei ten Mich dir zum opfer gebe, Und heilig dankbar lebe. 8. 3u, jeglichem geschäfte Gieb muth, verstand und kråfte; So werd ich meine pflich ten Mit lust vor dir verrichten. 9. Gieb mir denn deinen fegen, Auf allen meinen we gen. Dein wort sey meine ſpeise Auf meiner himmels reiſe. Mel. Alle welt, was lebt und. 628. Got ott des him mels und der erden, Vater sohn und heilger geist, Der du tag und nacht läßt werden, Mond und sonne scheinen heißt, Dessen allmacht seine welt, Und was drinnen ist, erhält! 2. Gott! ich danke dir von herzen, Daß du mich in dieser nacht, Vor gefahr, angst, noth und schmerzen Hast behütet und bewacht, und bey aller meiner schuld Mich noch trågst mit vaterhuld. 467 tugend pfad zu stehn. Dir gefallen, dir mich weihn, Müsse mein bestreben seyn. 4. Mich erinnre jeder mors gen, Gott! an jenen großen tag, und die erste meiner fors gen Sey, wie ich bestehen mag, Wenn dein furchtbar weltgericht Einst auch mir mein urtheil spricht. 5. Ach! ich fehle leicht; drum leite Mich, o herr! nach deinem wort. Sey du, vater! mir auch heute Schuß und rath an jedem ort; Denn ich kann durch dich allein Fromm und gut und ruhig seyn. 6. Dir, o großer gott! bes fehle Ich mit kindlich frohem finn Meinen leib und meine feele, Was ich habe, was ich bin. Segne mich; ich bin ja dein, Und ich will es ewig seyn. 7. Deine macht wird mich bewahren, Wenn gewalt und list mir droht. Laß mich je den tag erfahren, Du seyst mein grtreuer gott. Sterb' ich; so erhebe du, Vater! mich zur ew'gen ruh. 8. Gieb mir, gott! was ich begehre, Und was mir dein wort verheißt. Dir sey lob und preis und ehre, Vater, sohn und heilger geist! Ich, der hier nur stammlen kann, Bete dich einst würd'ger an. Mel. Wend ab deinen zorn. dieser mora alle zu funden, Gleich der nacht, in 629. Ingenstund wil mir vergehn, Und mich muth ich dich loben, O gott, mein und stärke finden, Auf der vater, in dem himmel oben! g2 468 Morgengesänge. Für alle gnaden, die du mir 9. Auch alle, die mir lieb erwiesen, Sen du gepriesen. sind, alle meinen, Nimm, 2. Von dir hab ich mein les ben, gott! bekommen; Durch dich bin ich zum chriften ans genommen; Du läsfest mich vergebung meiner fünden Durch Jesum finden. gott! in deinen schuß; sie sind die deinen; Verwandte, freunde, alles, was ich habe, Ist deine gabe. 3. Du hast mir deinen guten geist gegeben, Der mich hier lehrt und führt in meinem leben, Damit ich, herr! auf dich allein nur schaue, Und dir vertraue. 4. Du hast mich allzeit váterlich ernähret, Was ich bedurfte, liebreich mir gewähret, Mich aus des elends dden fin sternissen Herausgerissen. 5. Auch jetzt hast du durch deiner engel schaaren Mich lassen sicher diese nacht be: wahren, Daß mich kein übel traf, fein leid erschreckte, Kein unfall weckte. 6. So groß, o gott, ist deine guad' und gute! Sch preise fie mit wallendem gemüthe. Wie morgenthau fließt ieht dein segen wieder Auf mich hernieder. 7. D! laß mich, gott! von deinem fernern segen Gelei: tet gehn auf allen meinen mich, du gott der gnaden! Vor allem schaden. 8. Erhalte mir das beste glück des christen, In deiner furcht zu, wandeln, frey von lüsten; Erhalte mir den eifer, deinen willen Gern zu erfüllen. I 10. Sey der beschüber uns frer obrigkeiten, Laß fried' und glück sich unter uns vers breiten; Behüt' uns alle, mächt'ger gott! aus gnaden, Vor sund' und schaden. 11. 3u meiner arbeit, meiner hånde werken, Wollst du auch heute meine fráfte står ken; D! segne sie; laß mich in ihnen allen Dir wohlgefallen. 12. Und wenn ich einft, mein gott! aus diesen leiden, Heut sey es oder morgen, werde scheiden, Dann laß auf Christi tod mich fröhlich sterben, Den himmel erben. 13. Dann bin ich ganz an seel' und leib genesen, Bin hier auf erden dein, o gott! gewesen, Und bin von dir bewährt und treu erfunden, Hab überwunden. Mel. Ich dank dir, lieber herre. Oder: Aus diesem tiefen grunde. 630. Mit freubigem ge müthe Sing' ich dir meinen dank; Es preise deine gute Mein früher lobge: fang! D du, der mir das le ben Bis diesen tag verlangt, Mir kraft und heil gegeben, Und täglich neu geschenkt! 2. Beherrscher aller welten, Mein gott! wie dank ich dir? Morgengesånge. 469 Wie soll ich dir vergelten, ich voll freudigkeit Des glaua Was du gethan an mir? bens sprechen könne: Komm, Ich bin viel zu geringe; herr, ich bin bereit! Doch du verschmähest nicht Das opfer, das ich bringe, Dies herz voll zuversicht. Mel. Wer nur den lieben gott. 3. Gedenk nicht meiner fün: 631. Mein gott! nun es wieder de, Gott der barmherzigkeit! Sey deinem schwachen finde Ein vater, der verzeiht. Du, gott der liebe! dámpfe Die finnliche begier, Mit der ich stets noch kämpfe, Und ziehe mich zu dir. 4. Herr! send' auf meinen wegen Mir deine hülfe zu, Und sprich du selbst den segen 3u allem, was ich thu. Ja, sende du mir kräfte Von deiz ner himmelshöh, Damit all' mein geschäfte Erwünscht von statten geh. 5. Gieb mir vor allen din gen Getrosten muth und geist, Das freudig zu vollbringen, Was mein beruf mich heißt. Laß mich in guten tagen Nicht übermüthig ſeyn; Doch auch nicht trostlos zagen, Dringt gleich ein kreuz herein. morgen, Die nacht vollendet ihren lauf; Nun wachen alle meine sorgen Mit meinen pflichten wieder auf. Die ruh ist aus, der schlaf dahin, Und ich seh wieder, wo ich bin. 2. Ich bin noch immer auf der erde, Wo jeder tag sein elend hat, Und wo ich immer älter werde Bey wiederholter missethat. O gott! der mich beschützt und nährt, War ich doch deiner liebe werth! 3. Gieb, daß ich dir, herr! auferstehe, Dir einzig lebe, nicht der welt; Es gehe sonst mir, wie es gehe, Thu ich nur, was dir wohlgefällt. Schließ mich in deine vorsicht ein, So bin ich tobt und lebend dein. 4. Bergieb mir, vater! alle sünden, Die ich von jugend auf gethan; Und daß ich gnade möge finden, So siehe meinen mittler an. In dessen namen bitt' ich dich: Er ist dein sohn, er starb für mich. 6. Hilf, daß in meinem stande Ich thu, was dir gefällt, Und laß mich nicht in schande Gerathen vor der welt. Nicht', herr! mein gan= zes leben Nach deinem willen ein; Laß, die du mir geges ben, Von dir gesegnet seyn. 5. Hilf du in allen sachen rathen; Denn wo war ich mir selbst genug? Behüte mich vor missethaten, Vor 7. Gieb, daß im glück und böser menschen list und trug. leide Ich stets so leben mag, Führ du mich selbst auf ebs Daß ich mit heilger freude ner bahn, Und was ich thu, Denk an den letzten tag; Und sey wohlgethan. tómmt er, so vergönne, Daß 6. Bewahre mir leib, feel' Morgengesänge. 470 und leben, Verwandt' und freunde, haab und gut. Willst du mir freuz zu tragen geben, So gieb dabey mir trost und muth; Doch soll mich auch ein glück erfreun, So laß es mir durch dich gedeihn. Mel. Ich dank dir, gott, durch. 632. Mein ein erst ge fühl sen preis und dank! Erheb ihn, meine feele! Der herr hört deinen lobgefang; Lobsing' ihm, meine seele! 2. Mich selbst zu schützen ohne macht, Lag ich und schlief in frieden. Wer schafft die sicherheit der nacht, und ruhe für die múden? gott der welt! Und dein ist unser leben. Du bist es, der es uns erhält, Und mir's jetzt neu gegeben. 5. Gelobet feyst du, gott der macht! Gelobt sey deine treue, Daß ich nach einer fanften nacht Mich dieses tags erfreue. 6. Laß deinen segen auf mir ruhn, Mich deine wege wallen, Und lehre du mich felber thun Nach deinem wohlgefallen. retter in gefahr, Ein vater, wenn ich fehle. 8. Gieb mir ein herz voll zuversicht, Erfüllt mit lieb und ruhe, Ein weises herz, das seine pflicht Erkenn' und willig thue. 9. Daß ich als ein getreuer knecht Nach deinem reiche strebe, Gottselig, züchtig und gerecht Durch deine gnade lebe. 3. Wer wachte für mich, da ich schlief? Wer schützte mich vor schrecken? Wer war es, der dem lichte rief, Mich wieder aufzuwecken? Mel. Warum betrübst du dich. hm cu bist es, herr und 633. Ticht berbas 7. Nimm meines Lebens gnädig wahr; Auf dich hofft meine feele. Sey mir ein 10. Daß ich, dem nächsten beyzustehn, Nie fleiß und are beit scheue, Mich über andrer wohlergehn, Und ihre tugend freue. II. Daß ich das glück der lebenszeit In deiner furcht genieße, Und meinen lauf mit freudigkeit, Wenn du gebeutst, beschließe. hieß, Und mich gefund ers wachen ließ, Sen preis und froher dank! Des neuen morgens heiterkeit Sey meinem gott zuerst geweiht! 2. Sieb, herr! ich unter: winde mich Mit dir zu reden, staub bin ich, Von deinem hauch beseelt. Gleich als ein tobter lag ich hier; Daß ich noch lebe, dank ich dir. 3. Und jedes gut, deß ich mich freu, Empfang ich jego wieder neu Aus deiner mila den hand. Mein auge wird, wohin es blickt, Von wundern deiner huld entzückt. Morgengesånge. 4. Dich, dem ich nicht vers gelten kann, Dich, vater! bet' ich kindlich an; Ich opfre dir mein herz. Ein herz voll dank und zuversicht Verwirfst, erhabner gott! du nicht. 5. O du, den meine seele preist! Erwecke mich durch deinen geist 3u meiner christenpflicht; Er helfe meiner schwachheit auf, Bis ich vollende meinen lauf. o 6. Ein gut gewissen sey mein theil; Dies wirk in mir, herr! mein heil, Und segne me nen fleiß. Dir ist, was ich bedarf, bekannt, Und alles steht in deiner hand. 7. Die blume kleidest du mit pracht, Nährst jeden voz gel, gott der macht! Bin ich nicht mehr, denn sie? Ich werfe meine forg' auf dich, Du, mein erbarmer! sorgst für mich. Mel. Ich dank dir, gott, durch. 471 4. O gott, der du so viel gethan Un mir, an deinem kinde! Nimm dich auch heute meiner an. Vergieb mir meis ne sunde. 634. hin; gott sey gepreist Für seine große gute! Lobsing ihm dankbar, seel und geist, Lobsing ihm, mein ge müthe! 2. Er hat mich väterlich bewacht, Er hat beschützt mein leben, Da ich in dunkelheit der nacht War mit gefahr umgeben. 3. Auch mein gebet hat er erhört, Mir süßen schlaf ver: liehen; Sein arm, der sicher heit gewährt, Hieß jeden feind mich fliehen. 5. Verleihe, daß der geist der kraft Mein schwaches herz regiere, Daß er, der gutes in uns schafft, Auch mich zum guten führe. 6. Daß ich mit dem zufrieden sey, Was du, herr! mir beschieden, Mit meinem nächsten handle treu, Mit jedem leb in frieden. 7. Du bist mein gott! ach lehre mich Dich lieben, fürchten, ehren; Und dann wirst du mich väterlich So oft ich bet', erhören. Mel. Wie schön leucht't uns. Die ie nacht ist 635. Dich seh ich wie der morgens licht, und freue mich der edlen pflicht, Dem höchsten lobzusingen. Ich will, entbrannt von dankbegier, mildester erbarmer! dir Mit heilgem muth lobsingen. Schöpfer! Vater! Deine treue Rührt aufs neue Mein gemüthe; Froh empfind ich deine gute. 2. Du warst auch diese nacht um mich. Was war ich, háttest du nicht dich So hülfreich mir bewiesen? 3u meinem leben setzest du Jetzt einen neuen tag hinzu; Sey hoch 8. Dann wird dir, vater! auch mein dank Um abend wohlgefallen; Dann preiset dich mein lobgefang, Und du merkst auf mein lallen. Morgengesånge. 472 dafür gepriesen. Durch dich Bin ich, Und ich merke Neue stárke; Dich erhebe Meine zunge, weil ich lebe. 3. Verzeih, o gott der lieb 2. Sey angebetet, herr der und macht! Daß sünd und welt! Gelobt von allen zungram, wie diese nacht, Auf gen; Von jedem, den dein ewig von mir fliehe; Daßich arm erhält, Sey dank dir die kurze lebenszeit In christlicher Zufriedenheit 3u nüten mich bemühe. Lehre, Zeig mir, Wie ichs meyne; Dir ist keine Meiner sorgen, Auch zugesungen. Der greis und jüngling preise dich, Und alles, alles freue sich, Herr! dieses neuen tages. 3. 3ur arbeit gieb uns, vadie kleinste nicht verborgen. ter! kraft, Und lust an jeder 4. Ich bin ein christ; o herr! verleih, Daß dieser ehr ich würdig sey; Mein ruhm ist deine gnade. Denn ach, was bin ich ohne dich? Ein irrend schaf; erhalte mich, Mein hirt auf deinem pfade. Stårk mich, Daß ich Stets mich übe, Deine liebe Zu betrachten, Ueber alles dich zu achten. tugend. Wohl dem, der gutes lernt und schafft, Dich kennt schon in der jugend! Ja, deiner soll mein herz sich freun, Nicht dieser tag verloren seyn, Verloren keine stunde. 5. Auch im geräusch der welt soll mich Der heilige gedank' an dich Oft still zu dir erheben. Im dunkeln thale wall' ich hier; Einst nimmst du mich hinauf zu dir, Zum licht und höhern leben. Auf dich Hoff ich. Herr! ich werde Mich der erde Gern entschwingen Dir dort ewig lob zu singen. glieder. Du gabst den ster: nen ihre pracht, Du führst den tag herauf durch nacht, Du sagst der sonne: leuchte! Mel. Es ist das heil uns kommen. Dit munterfeit 6. So eilt der tag mit lust dahin, Ich kann ihn froh be636. Ich es, daß ich gottes bin, Mich straft nicht mein gewissen; Dann von dir, und neue kraft der schließ ich fanft die augen zu. Du schauest auf uns nieder, Gott neues leben kommt 4. Was man mich thun und lassen heißt, Gehorch ich schnell mit freuden. Lehr, herr! durch deinen guten geist Mich auch geduldig leiden. Bewahre mich vor aller schuld Und laß mich immer deine huld Mit dankbarkeit empfinden. 5. Gerieth ich heut in angst und noth, Und drohten mir gefahren, So denk ich glaubig: gott, mein gott, Kann retten, kann bewahren. Mein gott weicht keinen augenblick, Er liebt mich, und will nur mein glück; An ihn will ich mich halten. Morgengesånge. Und gott gönnt meinem leis be ruh, Und frieden meiner secle. Mel. Allein auf gott seg dein. Du deinem thro: 637. 3⁰ ne nah ich mich, Und demuthsvoll, gott! bitt ich dich: Verwirf von deinem angesicht Den reuevollen sünder nicht. 2. Du schufft, von vater: huld erfüllt, Mich, gott! nach deinem ebenbild; Ich bin und leb allein durch dich, Du nährst, erhältst und schüßest mich. 3. Wie oft war deine hülfe da, Wenn ich schon tod und abgrund fah! Wie oft fank ich in meinem lauf, Und du halfst våterlich mir auf! 4. Gesundheit, leben und verstand, Empfing ich, herr! aus deiner hand, Ein redlich herz, das gern vergiebt, Und einen freund, der treu mich liebt. 5. Sohn gottes! du haft mir zu gut Vergossen dein so theures blut; Du bists, der für mich liebreich starb, Und mir des vaters huld erwarb. 6. Wenn mein gewissen mich verklagt, Und in mir meine seele zagt, Dann rettet mich dein mittleramt, Daß mich der vater nicht verdammt. 7. Du bist mein erbe, bist mein theil, In deinem leiden find ich heil; Durch dein verdienst ist mir bereit Hier ruh, dort aber feligkeit. 473 8. Gott, beilger geist, du, dessen kraft Glaub', lieb und hoffnung in mir schafft; Ist etwas gutes noch an mir, So kommt es, tröster! nur von dir. 9. Von dir, daß ich gott als ein christ Erkenn', und er mein vater ist, Daß ich in meinem wandel rein Vor ihm erfunden werde seyn. 10. Daß mich, von deis nem troft bedeckt, Nicht an: fechtung, nicht trübsal schreckt; Daß, wenn mich noth und tod bekriegt, Mein fester glaube endlich siegt. 11. Drum dank ich dir voll freudigkeit, Mein vater! jetzt und allezeit, Für jede güte deiner huld, Und treu und langmuth und geduld. 12. Uch! deine gnadenreiche hand Bleib' über mir stets ausgespannt. Mein leib und feele, haab und gut Befehl ich deiner vaterhut. 13. Die frömmigkeit fey nur mein ruhm, Damit mein ganzes christenthum Aufrichtig, deiner würdig sey, Nicht augenschein, nicht heucheley. 14. Erlaß mir meine sündenschuld, Und trage mich noch mit geduld; Bünd in mir lieb und glauben an. Daß ich den himmel hoffen kann. 15. Laß einst mein ende felig seyn, Und bricht dein großer tag herein, So wecke und verkläre mich; Dann will ich ewig preisen dich. Morgengesånge. 474 Mel. Christus, der ist mein leben. och läßt der 638. No herr mich le: ben! Mit fröhlichem gemüth Eil ich, ihn zu erheben; Er hört mein frühes lied. 2. 3uihm entzückt mich wie der Der morgensonne pracht; Ich falle vor ihm nieder, Der sie und mich gemacht. 3. Du herrscher aller welten, Nimmst dich auch meiner an; Wie soll ich dir vergels ten, Was du an mir gethan? 4. Wirst du nach opfern schauen? Sie gelten nichts vor dir; Du forderst nur vertrauen, Nur liebe, gott! von mir. 5. So will ich dir lobsingen, Mich deines namens freun, Nach deiner gnade ringen, Mein ganzes herz dir weihn. 6. tilger meiner sünden, Mein mittler, Jesu Christ! Laß mich den trost empfinden, Daß du so gnådig bist. 7. Dir hab ich mich ergeben, Ich freue mich in dir; Erfreuender als leben, Ist deine gute mir. 8. Sie führe mich auch heute Auf deiner tugend pfad. Du ewigweiser! leite Mich selbst nach deinem rath. 9. Nur eins laß mich erflehen: Das christlich weise herz, Auf dich stets aufzusehen, In freuden, wie im schmerz. 10. Daß ich am ersten trachte Nach dem, was dir gefällt, Mehr deinen beyfall achte, Als allen ruhm der welt. II. Daß ich, dir innigtrauend, Das gute standhaft thu, Und froh gen himmel schauend, Denk: herr, mich siehest du! 12. Bereit den lauf zu schließen Auf deinen wink, o gott! Und lauter im gewissen; So finde mich der tod! Met. Aus meines herzensgrunde. es morgens er639. De stunde Will ich, mein gott! dir weihn. Mein herz stimmt mit dem munde Zu deinem lobe ein. Ach! laß den ganzen tag Mich so vor dir, herr! wandeln, Daß ich nicht bloß fromm handeln, Nein, auch fromm denken mag. 2. Fromm laß mich, doch gesellig, Klug, doch von falschheit rein, Freymüthig, doch gefällig, Und stark zur tugend seyn; Auch standhaft in der noth. Kein zorn schwäch' meine liebe, Kein ernst der fanftmuth triebe, Kein scherz die furcht vor gott. 3. Was dein gebot verleget, Laß nie mit lust mich schaun; Wenn es die welt ergötet, Erweck es mir doch graun. Schnell wirkt des las sters gift; Nichts, nichts sey mir verhaßter, Doch daß mein haß das laster, Nicht meinen mitknecht trifft. 4. Des nächsten ehre schmå: lern, Entehrt mein christenthum; Ein ruhm aus andrer fehlern Ist schande, und kein ruhm. Das richten laß mich Morgengesånge. fliehn, Nie schlimm, was gut ist, deuten, Und seh ich andre gleiten, Es jedem aug' entziehn. 5. Bey fleiß und arbeit schleiche Kein geiz sich in mein herz; Und fremde noth erweis che Mich leicht bey jedem schmerz. Kein glück, das an dern blüht, Empóre mich zum neide, und kein genuß der freude Verzärtle mein gemüth. 6. Gieb, daß an diesem tage Sich mir kein unfall naht; Und trifft mich eine plage, Nach deinem weisen rath, So gieb, daß ich alsdann Mein leiden nie verschulde, Nicht murre, christlich dulde, Froh dir vertrauen kann. 7. Wie bald ist's überwunden, Das leiden dieser zeit! Auf wenig bange stunden Folgt glück in ewigkeit. Dies stárket mich in noth, Daß ich nicht angstlich zage, Um legten meiner tage Giebt dies mir muth im tod. 475 Herz laß dies glück dir nicht entfliehn; Laß nicht nochmal des abends schein Dein klåger bey dem schöpfer seyn. 2. Gott hat mir noch zu meinem leben Aus gnaden ei nen tag verliehn; Welch groBes pfand ist mir gegeben! 3. Ich sagte gestern dir im stillen Auf heute, vater! beßrung zu; Der tag erfor, dert mein erfüllen, Denn dazu stárkte mich die Ruh. Gott hats gehört, ich weiß die pflicht; Herz, spotte deis nes schöpfers nicht! 4. Des höchsten auge siebet alles, Er sieht auch mich; herz, fürchte dich! Er ist der zeuge meines falles; Wer deckt vor ihm, dem richter, mich? Doch der mich sieht, ist auch zugleich Un lieb und an erbarmung reich. heute Mein leiter auf des 5. Dein vaterauge fen auch lebens bahn. Sey du mein hüter, wenn ich gleite, Fall ich, so blick mich warnend an; Erweck zur reue mich geschwind, Daß ich dich fürchte als dein kind. Mel. Wer nur den lieben gott. 6. So werf ich alle meine 640. s fliehn die sorgen Mit luft in meines schatten von der erde, Gehorsam steigt das licht herauf; Der gott, der ehmals sprach: es werde! Deckt wieder seine schöpfung auf. würd auch jetzt, gleich der natur, Ich selbst zur neuen freatur! gottes schooß, Und mach' mich gleich am frühen morgen Von allem schmerz und kummer los. Gott will ich fürchten, findlich scheun; Und dann wird er mein vater seyn. 7. Und so ergreif ich meine burde, Die mir mein schöpfer auferlegt. Ich thu sein werk: welch eine würde! Und trage was gott selber trågt. Wie groß ist mein beruf schon hier! Morgengesånge. 476 Ich diene gott, der welt und mir. Mel. Kommt her zu mir, spricht. Ulmáchtiger, du 641. Am gott der welt! Der sie erschuf, sie noch er hålt! Du rufft der morgenróthe; Sie kömmt, ein wunder deiner hand, Die jene himmel ausgespannt, mit sternen sie besäte. 2. Noch heut seh ich der sonne pracht, In ihrem ganzen schmucke lacht Mir die natur aufs neue; Vielleicht seh ich des tages licht Nur heute, aber morgen nicht; Du weißt es, gott der treue! 3. Ich fühle, daß ich sterblich bin, Mein leben welkt wie gras dahin, Berdorret gleich dem laube; Wer weiß, wie unerwartet bald Des höchsten wort an mir erschallt: Komm wieder hin zum staube! 4. Wenn mich das finstre grab umschlingt, Ein tiefes schweigen mich umringt, Wenn mich verwesung naget, Alsdann bleibt alles doch zurück, Und hätte gleich ein lächelnd glück Mir keinen wunsch versaget. 5. Othorheit, wenn ich mich verkannt, Und nach der erde lieblingstand, Nach großem gut gegeizet! Wenn mich der ehre schimmernd kleid, Und aller prunk der eitelkeit 3u niederm geiz gereizet! 6. Verlangt mein leiser wunsch zu viel? Verfolgt ich ein zu weites ziel, Auf ungewissem pfade? O gott, ich beuge mich vor dir! Hier bin ich; es gescheh an mir Der rathschluß deiner gnade. 7. Der mensch, der aufges blaf'ne thor, Schreibt ſeinem fchöpfer weisheit vor, Wünscht, was er nüzlich meynet; Du liebst ihn mehr, als er sich liebt, Wenn deine huld nicht immer giebt, Was jedem nüglich scheinet. 8. Wenn der bethaute mors gen lacht, Wenn von den fittigen der nacht Die lüfte fühler wehen; Spricht mir die weisheit liebreich zu: O sterblicher! was sorgest du, Wie dirs wird künftig gehen? 9. Der dich gemacht, sorgt auch für dich, Er, der dich schuf, bestimmte dich Nicht bloß zum glück der erden; Dies leben ist ein augenblick, Ein frühlingstraum das långste glück, Du sollst unsterblich werden. 10. Gedanke der unsterblichkeit, Der über erde, welt und zeit Ein edles herz erhebet! Empóre dich in meiner brust, Wenn reiz und lockung falscher lust Mich klein zu machen strebet. 11. Die rofen um des lasters haupt Verblühen, ehe wirs geglaubt, Und ihr genuß entehret. Ich bin ein fremdling in der zeit; Nur freuden einer ewigkeit Sind, was mein herz begehret. 12. Gieb mir, o du, der Morgengesånge. willig giebt, Ein herz, das nur das gute liebt, Und rein und heilig handle. Mach andre groß, o gott! und reich; Gnug, wenn ich, dei nem bilde gleich, Unstråflich vor dir wandle. 642. Lobben morgen 643. sey gott, ben morgen Mel. Aus diesem tiefen grunde. der Uns sendet nach der nacht, Der, wenn wir ohne sorgen Entschlummern, für uns wacht, Der uns im schlaf erquicket, Und unsre kraft erneut, Gott, der die erde schmücket, Und was er schuf, erfreut! 2. Der engel heilge heere Erhöhn ihn mit gesang; Auf! fingt in ihre chére, In ihrer jubel klang! Wer wollte gott nicht lieben, Wer ihm sein herz nicht weihn, Sich in der tugend üben, Um ihm recht werth zu seyn? 477 5. Getroft, mein geist! ers müde In deinem kampfe nicht; Dich stärket gottes friede Mit kraft und zuversicht. Ermuns tre dich und streite; Des fies ges lohn ist nah! Getrost! vielleicht ist heute Des kam= pfes ende da! 3. Von dir ist mir gegeben, Herr! was ich hab und bin; Und dies mein irdisch leben Flieht schnell zum tode hin. Bald ist sie ganz verschwunden, Der wallfahrt kurze zeit; Doch hängt an ihren stunden Das heil der ewigkeit. 4. D süßer, hoher glaube! Nicht ewig zu vergehn! Es foll der mensch vom staube Einst wieder auferstehn. Ach, laß michs nie vergessen! Der heilgen hoffnung voll, Laß täglich mich ermessen, Was ich einft werden soll. Mel. Alle welt, was lebt und. ir 643. Dich lebe wies empfinde der, Vater! und mich; Mit mir wachen meine lieder, Und erheben dankbar dich. Denn dein aug' hat in der nacht Ueber mich, dein kind, gewacht. 2. Wenn ich einst vollendet habe Diese meine wanderzeit, Ruh ich auch also im grabe, Saame für die ewigkeit. Auch in dieser langen nacht Wird mein staub von dir bewacht. 3. Aber ich erwach auch wieder, Und meine lobgesang mit mir; Dann erschallen meine lieder Mächtiger und reiner dir. Ewig wird der morgen seyn; Ewig schlaf ich nicht mehr ein. 4. Wach auch über meine tage, Vater, meine zuversicht! Daß mich feiner einst verklage, Wenn du kommst zum weltgericht; Daß ich meiner pflicht hier treu, Und dort unerschrocken sey. 5. Keinen tag zählst du vergebens, Gott! durch den ich bin mir zu; Jeder ist ein theil des lebens, Jeden, jeden richtest du. Lehr' mich 478 Morgengefange. wachen, daß mir nie Unge- Morgengesang eines Rinnügt ein tag entflieh. 6. leb auch des. Mel. Nun sich der tag geendet. Jun es tag; heute Nicht umsonst mein le: 645. N mit frommem ben seyn. Laß mich, nach voll: brachtem streite, Dieses tas ges auch mich freun; Recht zu handeln, gieb mir heut Stárfe, lust, gelegenheit. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. 644. W enn ich einst von jenem schlummer, Welcher tod heißt, aufersteh, Und, erlöst von allem fummer, Jenen schönern morgen seh; D, dann wach ich anders auf! Denn am ziel ist dann mein lauf. Sorgen, die mich angstvoll machten, Werd ich dann für träume achten. 2. Hilf, daß keiner meiner tage, Vater meiner lebenszeit! Einst mich im gericht verklage, Er sey ganz von mir entweiht. Auch noch heute wacht ich auf; Herr, mein gott! zu dir hinauf Müsse jeder tag mich leiten, Mich zur ewigeit bereiten. 3. Daß ich nicht untröstbar zittre, Wenn mein leßter tag erscheint, Mich nicht hollenangst erschüttre, Wenn mein freund nun um mich weint; Lindre dann die to despein, Laß mein end ihm lehrreich seyn, Daß ich ihn dank Verlaß ich bett und ruh. Herr, höre meinen lobgefang! Mein erstes wort bist du. 2. Wie hat der schlummer mich erquickt! Ich fühle neuen muth. Vor tausenden bin ich beglückt, Die nicht so sanft geruht. 3. Mich schwaches kind be über mir; Du schloffest meine du, augen zu, Nun öffnest du sie mir. 4. Wie viele, die so rosenroth, So hold, wie ich, ge= blüht, Sind eh der morgen kam, im tod, Wie durres laub verblüht! eh die nacht Auch diesen tag 5. Ich blühe noch; doch beschließt, Wer weiß, ob noch mein auge lacht, Mein geist so munter ist? kurze zeit Dir und der tus 6. Drum will ich meine gend weihn, Und mich mit weiser fröhlichkeit Der jus gendtage freun. 7. Dann wird es niemals mich gereun, Wenn ich den tag durchlebt; Ich werde froh und selig seyn, Wenn man mich jung begråbt. Bey Antretung der Arbeit. Mel. Wer nur den lieben gott. zum himmel weiſe, Und dich, 646. Der frohe med herr des todes! preise. mor gen weckt Morgengesånge. mich wieder, Und ladet mich zur arbeit ein. Der schlaf er: quickte meine glieder; Nun will ich wieder thätig seyn. Mit frohem berzen will ich nun, was meine pflicht er: fordert, thun. 2. Gott! dir sey dank für meinen schlummer, Und dir befehl ich mich aufs neu. In deinem schuk bin ich von kummer, Bin ich von allen for gen frey. Du weißt es, was mir nuglich ist, Und giebst es, weil du gütig bist. 3. Du unterhältst mir meis ne kráfte, Damit ich sie gebrauchen soll; Und treib ich redlich mein geschäfte. D! so geråth es mit dir wohl, Bey treu und fleiß giebst du gedeihn; Drum will ich treu und fleißig seyn. 4. Ich will es seyn, so lang' ich lebe, So lange du mir kräfte schenkst, Damit ich mir das glück erstrebe, Daß du mit beyfall an mich denkst. Dann hab ich hier zufrieden heit, Und dort volkommne feligkeit. 479 2. So traurig, als die abendstunden, Ist dieser neue tag für mich, Die qual, die ich bisher empfunden, Verneuet mit demselben sich. Ich hoffte trost in meiner pein; Doch meine hoffnung traf nicht ein. 3. Noch immer bin ich auf der erde, Bo mich gefahr und noth umringt, Und tåglich hårtere beschwerde zu klagen und zu thránen zwingt; Noch immer fleh ich unerhört Um labung, die mein herz begehrt. 4. Herr! eile doch mir beyzustehen, Verlaß den müden wandrer nicht. Mein vater! neige auf mein flehen Zu mir dein freundlich angesicht. Gieb mir geduld, und bey dem schmerz Ein hoffend und zufriednes herz. 5. Mir ist mein schicksal noch verborgen, Das diesen tag mich treffen soll; Doch ich bin ohne gram und forgen, Du, vater! kennst mein wahres wohl; Und was dein rath beschließt und thut, Ist heilig, und gerecht und gut. Morgenlied im Leiden. Mel. Wer nur den lieben gott. morgen 6. Soll ich die last noch långer tragen; Ich halte deiner Dein er will' 647. Dommt, und geschehe, will ich sagen, Herr! wie du willst, nicht wie ich will. So laß mich, vater! in der pein Geduldig, wie mein heiland, seyn. 7. Hab ich des lebens last empfunden, So rickt mein ende einst herbey, Dann hab' meine klage Wird jetzt mit diesem morgen neu. Wie traurig eilen meine tage, Der bangen wanderschaft vorben! Der sonne neugeschenktes licht Erheitert meine seele nicht. 480 ich ewig überwunden, Und bin von aller trübsal frey; Und du giebst mir, o gottessohn! Den theurerworbnen gnadenlohn. Tischlieder. 8. Gestärkt durch diesen hohen glauben, Tret ich auf Tischlieder. Vor der Mahlzeit. Mel. Nun sich) der tag geendet. was des 2. Alles, alles, was ich seh, In den gründen, in der höh, Was in den lüften 648. Gottebens träfte schwebt, Was im tiefen meere lebt, Hofft, versorger! nur auf dich, Freuet deiner gas ben sich, Und du giebst sie mildiglich. nährt, Wird uns durch fruchtbarkeit, Durch fraft zum fleiß von dir gewährt; Wir danz Eens dir erfreut. meinen leidenspfad. Herr! stárke, stärke meinen glauben, Auch dann, wenn sich der tod mir naht. Vielleicht ers scheint er heute mir; Wohl mir! ich leb und sterbe dir! 2. Gieb von den früchten dieser welt Uns unser nöthig theil, Und wenn der fleiß dir wohlgefällt, So schenk ihm gluck und heil. 3. Durch deinen fegen haben wir Auch heute unser brodt; Wir nehmens an und danken dir, Dir, vater, unserm gott! 4. Vernünftig froh laß im genuß, Und stets uns máßig seyn, Und schenkest du uns überfluß, Den dürftigen er freun. 3. Ach! auch mich, auch mich erfreut Deiner gute mildigkeit. Du bists, vater! der mir schenkt, Was mich speis fet, was mich tránkt, Reichs lich schenkt, und gern es thut, Und im wohlthun nimmer ruht. O! wie ist mein gott so gut! nährt, Hat uns. unser gott gewährt, Der uns alle gaben reicht, Dem im wohlthun keiner gleicht, Der die ganze weite welt, Wie es seinem rath gefällt, Durch sein all machtswort erhált. 4. Dank, ach! dank sey dir dafür, Milder geber! daß du mir Báterlich auch jest bescheert, Was mir unterhalt gewährt, Daß ich auch mit frohem finn, Was du gnådig mir verliehn, 3u geNach der Mahlzeit. Mel. Singen wir aus herzensgr. 649. Was den leib nießen fähig bin. erhält und 5. Hilf, daß ich beym überfluß Deiner gaben, im genuß Niemals überhebe mich, Muzeit, höchster! fürchte dich, Und wenn ich mich ihrer freu, Auch aus menschenlieb' dabey Eingedenk des armen sey. Tischlieder. 6. So werd ich zu deiner ehr, Wie du mir befiehlst, o herr! Froh genießen, was du mir Gnädig hatt verliehen hier, Und mich hoffnungsvoll erfreun, Daß auch fünftig du allein Werdest mein versorger seyn. Mel. Singen wir aus herzensgr. und wollust scheun.. 650. Singt dem herrn lob, preis und dank! Froh erheb ihn mein gesang! Ihn, der täglich uns ernährt, Tåglich uns viel guts gewährt. Er, der unser vater heißt, Der uns reichlich hat gespeist, feligkeit. 481 Sey von uns auch jett gepreist. 2. Ja, mit freuden singen wir Dank und lob, versorger! dir; Doch erhör auch unser flebn: Lehr du uns die kunst verstehn, Deiner gut uns recht zu freun, Laß uns fromm und maßig seyn. Uebermuth Mel. Werde munter, mein. 651.2. fuf. o seele, werde munter! Lob ist immer deine pflicht; Denn die sonne geht zwar unter, Aber gottes- güte nicht. Heut auch hat sie mich genährt, Trost und freude mir ge= währt, Vor gefahren mich beschütet, Und in schwachheit unterstützet. Abendgesänge. 2. Angebetet, hochgeprie: sen Sey, mein treuer gott, von mir! Was du gutes mir erwiesen, Dankt mein gan: zes leben dir. Du hast, war ichs schon nicht werth, Gná: dig mein gebet erhört, Das ich heut, als ich erwachte, Dir, mein schöpfer, glaubig brachte. 3. Segn' uns ferner, unsergott! Gieb uns unser tåglich brodt. Jedem laß zu seinem beil Nehmen sein benöthigt theil. Schenk uns, herr! zus friedenheit, Glück, gesundheit, einigkeit, Fried und einst die 3. Doch, da ich voll danks erzähle, Wie so groß dein wohlthun war, Stellen sich auch meiner feele Die be gangnen sünden dar. Ach! sie sind gewiß nicht klein; Wer ist, höchster, vor dir rein? In gedanken, wort und werken Fehl ich oft, ohn es zu merken. 4. Doch, von ernster reu durchdrungen, Wag ich s, gott! mich dir zu nabn. Sieh nicht die beleidigungen, Nein, mit gnade sich mich an; Sprich mich frey von straf und schuld, Schenk mir wieder deine huld; Laß vers gebung aller sünden, Mich in meinem mittler finden. 5. Gieb nun bis zum frohen h h Abendgesånge. 482 morgen Meinem leibe sanfte ruh. Durch dich schlaf ich obne forgen; Wenn ich schlas fe, wachst ja du. Seel und leib befehl ich dir; Walte mächtig über mir. Sey auch du der gott der meinen, 3áhl fie alle zu den deinen. 6. Ach! laß uns kein ban ges schrecken, Råuber nicht, nicht feuersglut, Plößlich aus dem schlafe wecken; Halt uns fest in deiner hut. Hilf, wenn krankheit oder tod Uns im sichern schlafe droht; Soll ich aber plötzlich sterben, So geschehs nicht zum verderben. 7. Gott, mein vater! ach erhöre, Was dein kind von dir begehrt. Dir, sohn got: tes! dir zur ehre, Werd es mir durch dich gewährt. Heilger geist! laß mit vertraun Auf des mittlers tod mich baun. Hör, o gott, mein kindlich flehen! Amen! ja! es wird geschehen. heut gegeben. Mich führte deine vaterhand; Dein wort, herr! lehrte den verstand, Und stårkte mein gemüthe. 3. Du hast mich heute váterlich Gespeiset und getranket, Behûtet vor gefahren mich, Zum guten mich gelenket, Und in versuchung halfft du mir, Für jeden anlaß dank ich dir, Den du mir gabst zur tugend. 4. Doch hab ich auch vor dir, o gott! Unsträflich heut gewandelt? Nicht wider dich und dein gebot, Nicht wider mich gehandelt? Ach nein! zu oft vergaß ich dein, Und suchte nicht stets dir allein, Mein schöpfer! zu gefallen. 5. Ach! nimm die strafe von mir hin, Und laß mich gnade finden, Gieb mir noch Jesu Christi sinn, Und wasche mich von sünden; Und laß mich tuhig diese nacht, Von deiner gut', o gott! bewacht, Und rein von fünden- schlafen. Mel. Es ist gewißlich an der. 652. Mitanke nab ich feele. Wachst du, mein treuer 6. Ich übergebe, vater! preis die ganz mit leib und mich, Gott! dir, und falle gott! bei mir; Was ist dann, nieder; Denn du erzeigtest das mir fehle? Weck morgen heute dich Auch mir als mich zu rechter zeit, Und vater wieder. Viel mehr, laß mich heiliger, als ich erzählen kann, Hast Vor deinen augen leben. du mir heute guts gethan: Wie soll ich, gott! dir danken? als heut, 2. Du, der erhålt, was er erschafft, Erhieltest mir mein leben, Gesundheit, segen, frieden, kraft, Hast du mir Mel. Wend ab deinen zorn. 653.& ntflohen find auch dieses tages stunden, Un dem wir noch bes lebens glück empfunden; Mit frohem dank laßt uns Abendgesånge. den herrn erheben, Durch den wir leben. 2. Des lebens můh und elend zu versüßen, Giebt uns der herr viel freuden zu genießen; Und welche güter schenkt er unfern seelen! Wer kann sie záhlen? 3. Wie unwerth sind wir, vater, deiner treue! Průf unser herz, es fleht zu dir voll reue. Ach laß es uns vor dir im glauben stillen, Um Christi willen. 4. Uns wohlthun ist dein göttliches vergnügen. Du, gott, beschirmst uns, wenn wir hulflos liegen, Und, wie entfeelt, umhüllt von finsters nissen, Von uns nichts wissen. 5. Wár dies für uns der letzte tag auf erden, Soll unser schlaf ein todesschlummer werden, Dann weckst du uns, die wir uns dir ergeben, 3um ewgen leben. 6. So legen wir getrost zur ruh uns nieder. Sehn wir erfreut die morgensonne wieder, Dann preisen wir mit heiterem gemüthe Des höchsten gute. 483 sterniß, die uns umschließt, Ist deinem auge licht. 3. Dir übergeb ich voll vertraun Mich auch in dieser nacht. Und wofür sollte mir denn graun? Mich schüzzet deine macht. 4. Hab ich an deiner gnade nur Noch theil, o herr, mein gott! So fürcht ich keine creatur, Und fcheue nicht den tod. 5. 3war ich erkenne meine schuld, Mit reue fühl ich sie; Doch, mein verföhner, deine huld, Wie trostvoll ist mir die! 6. Ich eil im glauben zu dir hin, Und weiß, wie sicher ich Im schatten deiner flügel bin; Du wachest über mich. 7. Flieht, finstre forgen, weit von mir! Herr Jesu, du allein Sey mein gedanke! weihe dir Mein herz zum tempel ein. 8. Vielleicht ist dies die letzte nacht In meiner prüfungszeit. Dann führe mich durch deine macht 3um licht der ewigkeit. 9. Ich lebe dir, ich sterbe dir, Ja dein bin ich auch todt! Du, mein erretter! bist bey mir, Und hilfst aus aller noth. Mel. In dich hab ich gehoffet, herr. 655. Für alle gute fen Gott, o 654. Mel. Nun sich der tag geendet. fliehen un: 3 fre tage hin! Auch dieser ist nicht mehr. Die nacht, der müden trósterin, Eilt wieder zu uns her. vater, sohn und beilger geist! Ihr bin ich zu geringe; Vers nimm den dank, Den lobge: sang, Den ich dir kindlich finge. 2. Herr! du nur bleibeft, 2. Du nahmst dich meiner wie du bist, Du schläfst und herzlich an; Hast großes heut schlummerst nicht; Die fins an mir gethan, Mir mein geh2 Abendgesånge. 484 bet gewähret, Haft våterlich Mein haus und mich Beschützet und genähret. 3. Herr! was ich bin, ist dein geschenk, Der geist, mit dem ich dein gedenk, Ein ruhiges gemüthe; Was ich vermag Bis diesen tag, Ist alles deine gute. 656. Mel. Nun ruhen alle wälder. err, der du mir das leben Bis diesen tag gegeben, Dich bet ich kindlich an! Ich bin viel zu geringe Der treu, die ich besinge, Die du bisher an mir gethan. 2. Mit dankendem gemůthe Freu ich mich deiner gute, Sch freue mich in dir. Du giebst mir kraft und stárke, Gedeihn zu meinem werke, Und schaffst ein reines herz in mir. gnaden, Und in dem himmel ist mein theil. 4. Sen auch, nach deiner Mel. Nun ruhen alle wälder. lieb und macht, Mein schutz 657. Befreyt von forg nacht, und kummer, und Vergieb mir meine sünden; Und kommt mein tod, Herr zebaoth! So laß mich gnade finden. 3. Gott, welche ruh der see: len, Nach deines worts befeh len, Einher im leben gehn! Auf deine gute hoffen, Im geist den himmel offen, Und dort den preis des glaubens sehn! 5. D! leite mich im segen Dem großen ziel entgegen, Wohin dein wort mich weißt. Mein leben und mein ende Ist dein; in deine hånde Befehl ich, vater! meinen geist. Ruht nun in süßem schlummer Ein theil der müden welt. Erhebet euch, gedanFen! Erhebt euch, dem zu danken, Dem dank der hers zen wohlgefällt. 2. Lobsinge, seel! und sage, Wie auch an diesem tage Dein gott dir wohlgethan. Durch Jesum dir versöhnet, Mit gnad und heil gekrönet, Bet ich dich, vater! kindlich an. 3. Dein ists, daß ich noch lebe, Sept deine treu erhebe, Mich deiner liebe freu. 3u jeglichem geschäfte Verliehst du mir die kråfte, Und standest mir auch machtig bey. 4. Bewahrt vor herben leiden, Ward ich mit speis' und freuden Bey meinem fleiß ers quickt. Wie viel annehmlichkeiten Hat nicht von allen seiten Mein aug' in dieser welt erblickt! 5. Nicht für den andern morgen Mit gram und angst zu sorgen: Dies glück verleihst du mir; Wenn sich die stirn 4. Ich weiß, an wen ich glaube, Und nahe mich im Raube 3u dir, o gott, mein heil! Ich bin der schuld ent laden, Ich bin bey dir in erheitert, Und freud das herz Abendgefänge. 485 erweitert, Auch das ist ein geschenk von dir. 6. Du lenktet thun und dichten, Da mir bey meinen pflichten, Das fleisch oft wie derstand. Durch dich ists mir gelungen, Daß ich die weis Dir haabe, leib und feele, Und schlaf in fichrer ruh. Ich trau auf deine gnade; Was ist wohl, das mir schade? Allmächtiger, mein schuß bist du! Mel. Nun ruhen alle wålder. gerungen Der finnlichkeit voch 658.Jest fint bie fonne nacht fommt wieder, Und mit ihr schlaf und ruh. Sie schenkt uns neue kräfte, Bes schließt die tag3 geschäfte, Und drückt die müden augen zu. 7. 3war straucht' ich oft und gleite, Ich weiß, mein gott, auch heute Sind meiner fehler viel; Doch du hast mich geleitet, Und, wenn mein fuß gegleitet, Es nicht ges stattet, daß ich fiel. 8. Umsonst sinnt mein gemüthe, Wie es, herr! deine güte Nach wurden preisen soll. Doch hat es sie empfunden; Denn jede meiner stunden Ift, vater! deines wohlthuns voll. 9. Stets bist du hoch zu loben. Von deiner liebe pro: ben Zeugt nicht der tag allein, Gott! deine liebe wollte, Die stille nacht auch sollte Für uns reich an erquickung seyn. 4. Er läßt es finster wers 10. Wenn wir im schlaf den, und hüllt den kreis der vergraben, Selbst kein be: erden In sanfte dunkelheit; wußtseyn haben, Umschließet In städten und in wåldern, uns dein schuß. Will mich Und auf des landmanns fel= mein gott befchirmen, So dern, Herrscht todte stille biet ich allen stürmen, Und weit und breit. aller lift der bösen truß. II. Ich darf nicht ångstlich beben, Denn mir bewahrt mein leben, Der selbst, der mir es gab; Bis ich es hier bes schließe, Dort seines lichts genieße, Sieht er von mir die hand nicht ab. 12. Nun, vater! ich befehle 2. Noch wach ich und erzähle Mit tiefgerührter seele, Was gott an mir gethan. Sey dankbar, mein gemüthe! Sing deines schöpfers gute; Er hört dein stilles loblied an. 3. Von ihm kömmt jede gabe, Das leben, bas ich habe, Die ruhe dieser nacht. Er ist der quell der güter, Mein schuß und mein behúter, Der, wenn ich schlummre, für mich wacht. 5. Er führt aus bunkler ferne Den mond und tausend sterne Mit majestát herauf; Sie leuchten ihm zur ehre, Hoch über erd und meere, Und seine hand lenkt ihren lauf. 6. Bol ordnung, pracht und stärke, Stehn lauter wuns Abendgesånge. 486 derwerke In seiner schöpfung da. Sobald er rief: es werde! So standen meer und erde Und alle welten herrlich da. 7. Herr! deinem ruhm zu singen, Dir täglich dank zu bringen, Sft meine schönste pflicht. Du kennst das herz der deinen, Du weißest, wie wirs meinen, Und unser lob mißfällt dir nicht. 8. Dir wird mein kindlich lallen Einst ewig wohlgefallen. Wenn mein verklätter geist, Bom körper losgerungen, 3um lichte durchgedrungen, mit allen seligen dich preist. 3. seele! fodert er dich nicht Um diesen tag einst vors gericht? Hängt nicht dein loos in ewigkeit Auch mit an die sem punkt der zeit? herz in mir! Gedanke, wie erschrickts vor dir! Der tod vollendet mich vielleicht, Eh' diese nacht dem morgen weicht! 6. Vor einem bösen schnellen tod Bewahre gnådig mich, o gott! Zur besserung, zur frömmigkeit Gieb, mein ers barmer, mir noch zeit! 659.3" Mel. Christ, der du bist der helle. u so viel tagen, die mir schon Von meiner prüfungszeit entflohn, Stürzt sich auch dieser, den ich heut Durchlebt, ins meer der ewigkeit. Prüfung am Abend. el. Nun danket alle gott. 2. Gott, dessen auge mich bewacht, Gott weiß, wie ich 660.Der tag ist wieder hin; ich gedacht, geredt, gethan, Sah er genau und merkt es an. 4. Der tod vollendet mich vielleicht, Eh' diese nacht dem morgen weicht, und führet mich, wie ich hier bin, Vor gott, vor meinem richter, hin! 5. Wie angstvoll bebt mein 7. Erhöre väterlich mein flehn, Laß mich den morgen wieder sehn; Berkürze meine tage nicht, Führ nicht sobald mich ins gericht. 8. Von allem bösen vorsatz rein Will ich dir ganz mein leben weihn. Kein tag soll wieder mir entfliehn, Es fegne denn dein beyfall ihn. 9. Von dir bewacht, entschlaf ich nun; Laß mich in sanfter stille ruhn. Mein erstgefühl nach meiner ruh Sey mein gelübde, gott, sey du! fen theil des lebens, Wie hab ich ihn verbracht? Verz strich er mir vergebens? Hab ich mit allem ernst Dem gu ten nachgestrebt? Hab ich vielleicht nur mir, Nicht meiner pflicht gelebt? 2. Wars in der furcht des herrn, Daß ich ihn angefangen? Mit dank und mit gebet, Mit eifrigem verlangen, Als ein geschöpf von gott, Der tugend mich zu weihn, Abendgesånge. Und züchtig und gerecht, Und gottes freund zu seyn? 3. Hab ich in dem beruf, Den gott mir angewiesen, Durch eifer und durch fleiß, Ihn, diesen gott gepriesen? Mir und der welt genügt, Und jeden dienst gethan, Weil ihn der herr gebot, Nicht, weil mich menschen fahn? 487 8 Warmir der fehltritt leid, Sobald ich ihn begangen? Bestritt ich auch in mir Ein unerlaubt verlangen? Und wenn in dieser nacht Gott über mich gebeut, Bin ich, vor ihm zu stehn, Auch wils lig und bereit? 9. Gott! der du alles weißt, Was könnt ich dir verhehlen? Jch fühle táglich noch Die schwachheit meiner seelen. Vergieb durch Christi blut Mir die verletzte pflicht, Vers gieb und gehe du Nicht mit mir ins gericht. 5. Dacht ich bey dem ge: nuß Der guter dieser erden An den allmächtigen, Durch den sie sind und werden? Verehrt ich ihn im staub, Empfand ich seine huld? Trug ich das glück mit dank, Den unfall mit geduld? 10. Ja, du verzeihest dem, Den seine sünden kránken; Du liebst barmherzigkeit, Und wirst auch mir sie schenken. Auch diese nacht bist du Der wächter über mir; Leb' ich, so leb' ich dir, Sterb' ich, so sterb' ich dir.s Am Sonnabend Abend. Mel. Chrift, der du bist der helle. 6. Und wie genoß mein herz 661. Up nwiederbringlich süße stünden? Des umgangs Fühlt ich der freundschaft glück? Sprach ich, was ich empfunden? War auch mein ernst noch fanft, Mein scherz noch unschuldsvoll? Und hab ich nichts geredt, Das ich bereuen soll? 4. Wie hab ich diesen tag Mein eigen herz regieret? Hat mich im stillen oft Ein blick auf gott gerühret? Er= freut ich mich des herrn, Der unser flehn bemerkt, Und hab ich im vertraun Auf ihn mein herz gestärkt? schnell entfliehn Die tage, die uns gott geliehn. Die woche kommt und eilt davon; Bergangen ist auch diese schon. 2. Dank dir, du ewigtreuer gott, Für deinen beystand in der noth, Für tausend proben deiner treu! Denn deine huld war tåglich neu. 7. Hab ich die meinigen Durch sorgfalt mir verpflichtet, Sie durch mein beyspiel still 3um guten unterrichtet? War zu des mitleids pflicht Mein herz nicht zu bequem? Ein gluck, das andre traf, War dies mir angenehm? allein. 3. Wenn unser herz von schuld befreyt, Sich mancher guten that erfreut, Weß war die kraft? wer gab gedeihn? Dir, herr! gebührt der rubm Abendgesånge. 488 4. Oft fehlten wir, und merkten's nicht; Verzeih uns die verletzte pflicht. Du siehst, erbarmer, unsre reu; Um Chrifti willen sprich uns frey. 5. Wir eilen mit dem strom der zeit Stets näher hin zur ewigkeit, Du hast die ſtunden zugezählt, Die lette weislich uns verheelt. 6. Herr unsers lebens! mache du uns selber recht geschickt dazu. Daß nicht, in dem wir sicher sind, Der tod uns unbereitet find'. 7. Ist einst die zahl der stunden voll, Die unfer loos entscheiden soll, So führ uns aus der prüfungszeit 3u deis ner ewigkeit. 8. Dafingenfers heils regiere du mein leben, Und mein innigstes bestreben Sey, es dir zum dienst zu weihn. D wie felig werd ich seyn! Nach der Arbeit. Mel. Nun lob, mein seel, den. 663.Dein name fey erGott, vater der barmherzigkeit! Du, der so oft von oben Mit kraft und stårke mich erfreut! Die arbeit meiner hånde Gesegnetest, herr! du. Dein fey der ruhm, ach sende Mir ferner hülfe zu, Daß ich das meine thue, 1s treuer knecht, als chrift, Bis felig feit und ruhe Mein theil auf ewig ist. Abendlied im Leiden. gewiß, Da wechseln licht und finsterniß Nicht mehr, wie Mel. Nun sich der tag geendet. hier, du ewges licht! Herr, 664 Auch diesen tag hab unser gott, verlaß uns nicht! Mit aller feiner noth; Nur deiner vaterlieb und macht Verdank ich es, o gott! Abendlied eines Rindes. Mel. Jefu, meines lebens. 2. Warst du nicht meines 662. algútigfter er lebens kraft, mein retter und mein heil, So würd in meis ner wanderschaft Kein trost mir je zu theil. halter! Meine seele preiset dich; Denn mein jugendliches alter Blühet und gedeiht durch dich. Jede stunde meines lebens Gabst du mir, gott! nicht verge: bens, Sondern mir zu mei nem glück; Legt ich sie doch gut zurück! 2. Fröhlich könnt ich jest dem schlummer Dieser nacht entgegen fehn, Und einst ohne pein und fummer Auch zu meinem grabe gehn. Herr! 3. Ach! ohne dich, allgutigster! Berging ich in der noth, Von trost und aller hoffnung leer Wår ohne dich mein tod. 4. Doch welchen trost fühlt nun mein herz! Du bist und bleibst mein gott; Dein wort versüßt mir jeden schmerz, Und lindert jede noth. 5. Froh kann ich mich dem schlaf vertraun, Auch schla In besondern persönlichen Umständen. 489 fend bin ich dein; Vor kei- nacht Des leidens letzte seyn; nem unfall soll mich graun, Wohl mir! dann ist mein Du wirst mein helfer seyn. lauf vollbracht, Vollbracht 6. Und sollt, o vater! diese des lebens pein. In besondern persönlichen Umständen. Am Geburtstage. Mel. Wer nur den lieben gott, 665. mein gemüthe! Jeßt, da der leib vom schlaf erwacht, Schwing dich zum vater, dessen gute Mir diesen tag zur freude macht. Stimm, herz und mund, ein danklied an; Der herr hat wohl an mir gethan. 2. Ein jahr ist wiederum verflossen. Ein jahr von mei: ner lebenszeit; Unzählig guts hab ich genossen Von dir, dem gott der gütigkeit. Du gabst, vergabst, und standst mir bey; Ja, vater, ja, du bist getreu! 3. Wie soll ich deine huld erheben? Gott! du bist groß, mein dank ist klein. O, möchte doch mein ganzes leben Ein dank für deine gnade seyn! Nimm, gott! durch den ich fröhlich bin, Mein treues herz zum opfer hin. 4. Herr, dessen treu auf allen wegen Mir nahe, sicht= bar, tröstlich war! D! leg auch einen vatersegen, Auf dieses neue lebensjahr. Gott! der du weis' und gütig bist, Gieb mir stets, was mir nüglich ist. Mel. Wie wohl ist mir, ofreund. 666. Schon wieder ift leben Ein jahr, ein großer meinem theil dahin! Dir dank ich, der du mirs gegeben, Herr, meiner zeit! daß ich noch bin. Für alle deine gut und treue, Der ich bis diesen tag mich freue, Der ich nicht werth bin, preif' ich dich. Mein vater! auch in diesem jahre, Wenn ichs vollenden soll, bewahre Mit deiner weisen vorsicht mich. 2. Wie sind die tage meis nes lebens Bis hieher mir so schnell entflohn! Ach! lebt ich auch bisher vergebens? Reif ich vielleicht zum tode schon? Könnt ich mit freudigem vertrauen, Mein himm lisch vaterland zu schauen, Nun durch die nacht des grabes gehn? Könnt ich mit frohem angesichte Vor dir erscheinen im gerichte, Vor dir, allwissender! bestehn? 3. Entfernt von weisheit und von tugend, Betrat ich meines lebens bahn; Mich Elagt die fünde meiner jugend, Vor dir und vor mir selber an. Von meinem leichtsinn hingerissen, Betäubt ich end 490 In befondern persönlichen Umstånden. lich mein.gewissen, Hört ich nicht dich, nicht meine pflicht. Bon zugellosen trieben brannte Mein junges herz, ich lebt und kannte Die absicht mei nes lebens nicht. fleisches triebe, Der sinnen aufruhr nicht gestillt. 7. Uch! rufe noch nicht von der erde Mich, ungeschickt zum himmel, ab; Verzeuch, bis ich vollkommner werde, Dann erst eröffne mir das grab. Noch brauch ich jahre, mich zu står= ken, Im glauben und in guten werken, 3u wachsen in der heiligung; Du kennst uns menschen, wie geschwinde Ver tiefen wir uns in die sünde! Wie langsam ist die besserung! 8. Das hoff ich, daß du mich erhörest, Du vater der barmherzigkeit! Ich hoffe freudig, du gewährest Zu meiner besserung mit zeit. Herr! ich will nicht mehr sie verschwenden, Gewissenhaft sie anzuwenden, Sey mir unendlich theure pflicht. Gieb, daß an jedem meiner tage Mir mein gewissen ernstlich sage: Vergiß, wozu du lebest, nicht! 4. Wie kann ich würdig gnug dich loben! Du führtest mich zurück zu dir, Du still test meiner lüste toben, Schufft einen menschen, gott! aus mir. Ich sah die drohenden gefahren, Die meiner laster früchte waren, Sah, wie gerecht und gut du bist, Bereute meiner fünden freuden, Entschloß mich ernstlich, sie zu meiden, Bat dich um gnad, und ward ein christ. 5. Du fahst mein herz; o gott! ich wollte Dich lieben, dir gehorsam seyn; Meinganzes leben, wie ich sollte, Versprach ich deinem dienst zu weihn; Wie mich, wollt ich die bruder lieben, In guten thaten stets mich üben, Mit freuden und mit redlichkeit; Die fünde wollt ich ewig hasa Christlicher Eheleute. mel. Wie schon leucht't uns der. ns soll der ſen, Bon deinem geiſt mich 667.Une belig foe bet ehstand seyn! führen wachsen in der frömmigkeit. 6. Ists möglich, daß ichs die verhehle? Verdammt mein eignes herz mich nicht? Ist in der tiefe meiner feele Nicht alles deinem auge licht? Wie oft hab ich den bund gebrochen, Wie selten, was ich dir versprochen, So fest beschworen hab', erfüllt! Noch immer fühl ich fündenliebe, Noch immer sind des Du schöpfer, setztest selbst ihn ein, Der welt zum glück und segen. Noch immer fließt in diesem stand Aus deiner milden vaterhand Den from: men heil entgegen. Stifter! Stifter! Dich erhöhen, Die in chen Dein sich freuen, Durch dich blühen und gedeihen. 2. Wie glücklich lebt ein frommer mann, Wenn die sein In befondern persönlichen Umstånden. 491 herz ihm abgewann. Die gott üppigkeit Auf freuden, die ihm ausersehen! Wie glück lich lebt an seiner hand Die fromme, die gott ihm ver band, Ihm hülfreich beyzu stehen! Heil euch! Heil euch! Fromme gatten! In dem fchatten Seiner gute Jauchzt mit fröhlichem gemüthe. man nie bereut, Auf freuden achter tugend. Selbst unser hohes alter sey Von drückenden beschwerden frey, Noch munter gleich der jugend. Segne, Segne, Unser vater, Nährer, rather, Schutz der ehen, Uns, die wir auf dich nur sehen! 3. Sie sind gesegnete des herrn, Sie fliehet haß und argwohn fern, um sie glänzt holder friede. Häuft auch die last des freuzes fich, Sie tragen sie gemeinschaftlich, Daß sie sie nicht ermüde. Wenn fie Beten, Wirds gott hd ren, Leiden wehren, Schmer zen lindern, Und des kreuzes bürde mindern. 4. So strecket sich weit um ein haus Ein rebenreicher weinstock aus, So blühn auch ehgenossen. Ringsum umpflanzen ihren tisch Die kinder fröhlich, munter, frisch, Wie junge frühlingssproffen. Sorgt nicht! Sorgt nicht! Wie viel beter Záhlt ihr våter, Záhlt ihr mütter! Sorg und müh ist hier nicht bitter. 5. Gott! der du auch an uns gedacht, Hab auch auf uns noch ferner acht, Daß uns kein segen fehle. Laß nie uns unsern bund entweihn, Keusch laß uns, friedsam, zártlich seyn, Ein herz und eine feele. Heilge, Heilge, Gott der liebe, Unfre liebe! Gieb uns gnade, Stets zu wandeln deine pfade. 6. Lenk ab das her von Einer schwangern Srau. mel. Es woll' uns gott genådig. u hast, o weiser 668. schöpfer, mir Jetzt leibesfrucht gegeben; Von Herzen dank ich dir dafür, Du herr von meinem le= ben! Erbeten war sie, gott! von dir, Du ließest sie mir werden; Ach, laß sie auch, zur ehre dir, Dein eigenthum auf erden, Und einst dein erbe werden. 2. Behüte mich bey tag und nacht Vor sorgen, furcht und schrecken; Laß mich, gott, deine gut und macht Vor allem unfall decken. Es kann dein liebreich augenmerk Dem unglück leicht gebieten. Uch! schüße deiner hånde werk; Nur du kannst mich behüten, Und meine frucht bewahren. 3. Gieb meinem finde eine seel, Geschmücket mit verstande, Und die den tugendweg erwäht, Und fliehe sünd und schande. Gieb ihm auch einen muntern leib; Du kannst gebrechen wehren. Und wenn, o gott! ich schwaches weib Mein kind nun soll gebähren, So hilf du mir in nöthen. In besondern persönlichen Umständen. 492 4. Sa, kommt, gott! meine stund und zeit, Dann stårke mich in gnaden, Entbinde mich zu rechter zeit, Behüte mich vor schaden. Gieb zur geburt mir muth und kraft, Und lindre meine schmerzen. Du bist es, der mir hülfe schafft, Sch fleh aus ganzem berzen, Erhöre mich, ovater! 5. Und wenn mein liebes kind nun ist Gefund zur welt gekommen, So laß es, o herr Jefu Chrift! Dann werden aufgenommen In deinen taufs und gnadenbund; Schenk du ihm geistlichs leben. So soll, o gott! mein herz und mund Stets deine gut erheben, Und lob und preis dir bringen. Der Eltern für ihre Kinder. Mel. Freu dich sehr, o meine feele. ir 669. Dit befehl ich meine kinder, Der mit ewger gnade krönt! 3war auch sie sind vor dir sünder, Doch durch Jesum dir verföhnt, Und dir, vater, sohn und geist! Gott! den unser glaube prejst, Dein zu seyn und dir zu leben, Durch den taufbund übergeben. 2. Ihr gelall hast du er höret, Ihre schwachheit unter stust, Sie verpfleget, sie genåhret, und durch engel fie beschüßt; Engel schaun dein angesicht, Und doch schämen sie sich nicht Der beschirmung dieser kleinen, Die uns oft verachtet scheinen. 3. Sollt ich für so reiche gute Dir nicht herzlich danks bar seyn? Mit frohlockendem gemüthe Mich vor dir nicht immer freun? O wie theuer sind sie mir! Und hab ich sie nicht von dir? Ja, mein gott, wie manchen segen Schenkst du mir auch ihrentwegen! 4. Du, mein schöpfer und erhalter! Bist von kindheit auf mein gott, Bleibst mein gott auch einst im alter; Sey auch meiner kinder gott. Segne und behüte sie; Deine furcht erfüll fie früh, Daß sie, dir zum wohlgefallen, Jung schon deine wege wallen. 5. Wie viel lockende ge fahren Warten ihrer in der welt! Ihr verstand ist unerfahren, Welttand schimmert und gefällt; Auch ihr herz ist bald erweicht, Boses beyſpiel haftet leicht; Groß ist die gewalt des spottes, Er vertilgt oft selbst furcht gottes. 6. Uch! daß sie mit furcht dir dienen, Ist nur dein werk; ach! nimm nie Deinen heil= gen geist von ihnen, Daß ihr fuß verführer flieh, Und ich einst voll zuversicht, Daß der lüste gift nun nicht Ihr unschuldig herz verderbe, Froh sie segne, wenn ich sterbe. 7. Keiner unter allen werde, Das, das bitt ich, herr, mein gott! Je den freunden zur beschwerde, Noch den feinden je zum spott. Sey ihr schild und fester stab, Daß sie fich bis in ihr grab Harten In besondern persönlichen Umständen. 493 mangels stets erwehren, Ih- weiht, Heilig dir mein ganres fleißes redlich nähren. zes leben! Denn aus freyer mildigkeit hast du selbst es mir gegeben, Es durch eltern mir verliehn, Die zur tugend mich erziehn.. 8. Nicht bitt ich, daß du mit leiden Ihre herzen ganz verschonst; Nicht, daß du mit steten freuden Ihrer tugend hier schon lohnst; Nicht, daß du sie hoch erhebst, Ihnen großen reichthum gebst, Je den anschlag stets erfüllest, Jeden ihrer wünsche stillest. 2. Gott, der du sie mir ersahst! Du hast sie mir auch erhalten. Du läßt, drückt sie schon die last, Shren eifer nicht erkalten, Giebst für mich auch ihnen glück, Ordnest mir auch ihr geschick. 9. Gieb du ihnen, o all weiser! Wie es långst dein rath bedacht, Das nur, was fie frommer, weiser Und zum himmel reifer macht. kann eine ganze welt, Wenn ihr reiz die seele fällt, Nie mit allen ihren schätzen Den verlust der seel ersetzen. Nie 3. Sie, sie haben schon, als ich mich zu fühlen kaum begonnte, Als ich selbst noch nicht für mich Denken, for gen, wählen konnte, Stets für mich, von treu- beseelt, Ueberdacht, gesorgt, gewählt. 10. Doch was ich zu bitten wage, Find ein gnádiges gehör! Kann es seyn, laß ihre tage Nicht an freuden gånzlich leer; Werden sie geprüft durch dich, Gott! so sey es väterlich, Und dann laß es ihren seelen Nicht an trost und stärke fehlen. 5. Sollt ich diese liebe nicht Immerdar zu herzen nehmen? Ach! der oft verletzten pflicht Muß ich, gott! vor dir mich schámen. O wie so beschámt steh ich, wie krånkt mein undank mich! 6. Laß hinfort, wie du verlangst, Jede kindsflicht mich erfüllen. Denn wie oft hat sorg und angst Sie beschwert um meinentwillen; Tief verwundete mein schmerz, Wenn ich litt, ihr zitternd herz. daß gegen sie mein 670.mein dan't ge herz Kindlich ſey, und nicht 11. Jener siegstag der gerechten Sey auch mir ein freudentag; Hilf, daß zu des rich ters rechten auch nicht einer fehlen mag. Dann frohlock ich: richter, sieh! Hier bin ich; hier sind auch die, Die dein vater mir verliehen, Sie dem himmel zu erziehen! 4. Welche wohlthat, gott! daß sie Ihren besten fleiß mir schenken, Und mein sündlich herz schon früh Von der sünd aufs gute lenken, Stets auf meine wege schaun, Liebreich meine wohlfahrt baun! Der Rinderfürihre Eltern. Mel. Jefus, meine zuversicht. 494 In befondern persönlichen Umstånden. bloß scheine, Und daß ich, trifft sie ein schmerz, Zu dir heiße záhren weine; Für ihr glück dir dankbar sey. Und mich ihrer freuden freu. geht mir treu zur feite? Wer warnt mich, wenn gefahren drohn, Und lehrt mich in der ferne schon, Daß sie mich nicht erreichen, Die klugheit, auszuweichen? 3. Eh ich dich kannte, daß du mich Im mutterleib berei: tet, Und durch die kindheit våterlich Mich bis hieher geleitet. Jegt, herr! da ich dir danken kann, Nimm dich auch meiner jugend an, Daß ich auf meinem wege Unsträflich wandeln möge. 4. Mein herz, noch unverführt und rein, Ist jung und unerfahren; Wie leicht, geblendet durch den schein, Stürzt es sich in gefahren! Ach! mache mich mir selbst bekannt, Und gieb mir weisheit und verstand, Stets auf dein wort zu schauen, Und nie mir selbst zu trauen. Lied eines Jünglings. 5. Du pflanztest, herr! in meine brust, Die triebe zum vergnügen; Uch! stårke mich, den hang zur lust Der sünde Dein unaus: Mel. Ermuntre dich, mein. trete vor 671. Sangesicht, Du bleibliches gericht Bergeffe meine seele nicht, Und lehr mich, fromme freuden Bon lüsten unterscheiden. 6. Von dir, o gott! werd ich bewacht, Bin ganz mit dir umgeben; Vor dir bedeckt nicht mitternacht, Noch einfamkeit mein leben. Die füns de, die im finstern schleicht, Verbirgt vormenschen sich vielleicht; Vor deinem angesichte Steht sie im hellen lichte. 8. Jesus, stelle mir dich dar, Du, das beyspiel from= mer kinder! Du, der herr vom himmel war, Gottes sohn, das heil der sünder, Warest doch von kindheit an Deinen eltern unterthan. 9. Lust und freude seys auch mir, Folgsam seyn; denn das ist billig, Und gefällt auch, höchster! dir, Mache du mich dazu willig. Dann nur, va ter! wird auch mein Dein verheißner segen seyn. 10. Lang erhalte sie mir doch. hör, o gott, mein zárt lich flehen! Laß im spåten alter noch Sie an mir nur freude sehen; Und erhör auch ihr gebet, Das für mich um weisheit fleht. schöpfer meiner jugend! Ber: wirf mein kindlich flehen nicht, Um weisheit und um tugend. Der du den fåugling beten Lehrst, Und gern sein stammlend flehen hörst, Hör auch mit wohlgefallen Mein betend lied erschallen. 2. Mein weg ist schlüpfrig; wer erhalt Mich, daß mein fuß nicht gleite? Wer führt mich sicher in die welt, Und In besondern persönlichen Umstånden. 495 7. Den leichtsinn, der mich Laß nicht umsonst seyn, segoft verführt, Das böse zu ne sie; Laß auch durch mich erwählen, Den ehrgeiz, der auf erden Dein werk geförden stolz gebiert, Das merk: dert werden. mal schwacher feelen, Die trägheit, die den geist verzehrt, Und jeden trieb zum laster nåbrt; Laß nie zu ih: ren funden, gott! mich willig finden. 8. Wenn sich auf meiner jugend bahn, Mich in ihr nez zu ziehen, Verführer meiner seele nahn, So laß mich kluglich fliehen. Ihr süßes locken lenke Mein herz von Mel. Ermuntre dich, mein. bir und meiner pflicht, Ihr 672.Jch ch will in meiner spotten und ihr lachen Laß nie mich wankend machen. 9. Der glaub an Jesum bleibe mir, O gott! unendlich wichtig; Denn er macht mich gerecht vor dir, Und meine steige richtig. Nicht zweifel, die ein herz erzeugt, Das sich zur sündenliebe neigt, Noch lust zu widersprechen, Laß meinen glauben schwächen. einsamkeit Zu dir mein herz erheben! Du selber wollst mir freudigkeit Dich anzurufen geben. Vernimm, o vater! mein gebet, Das nicht aus falschem munde geht; Um deiner liebe willen, Eil, herr! es zu erfüllen. 10. Der tugend heilige mich ganz, Mein schöpfer und er halter! Sie werde meiner ju gend glanz, Und einst mein trost im alter. Erhalte mein gewissen rein. Laß keinen meiner tage seyn, Der nicht zu deiner ehre Geschmückt mit tugend ware. 2. Du bist mein vater, ich dein kind, Mein heil ist, dich zu lieben. Ach! mache mich dir gleich gesinnt In allen meinen trieben. Laß meine feele keusch und rein, Und treu in deiner liebe seyn, Und suchen, dir vor allen, O vater! zu gefallen. 12. Erhöre gnådig mein gebet, Du schöpfer meiner jugend! Erhör es, meine seele fleht Um weisheit und um tugend. Mein ganzes leben dank ich dir; Weich nur, ers barmer! nicht von mir, Das mit ich meine wege Unstråflich gehen möge. Eines jungen Srauenzimmers. 3. Bor stolzer selbstgefålligkeit Bewahre meine jugend; Ihr vorzug sey bescheidens heit, Und ihre schönheit tugend. Gieb mir den sanften stillen geist, Der dich durd seine demuth preist, Den náchsten nie verachtet, Sid II. Ach! lehre mich den werth der zeit, Daß ich sie nie verschwende, Daß ich mit kluger thátigkeit Uuf weis: heit sie verwende. Gott! meiner jugend fleiß und müh selbst zu bessern trachtet. 496 In besondern persönlichen Umständen. 4. Die lust der eitelkeit gang, der verführung droht, laß nicht Mein junges herz Herr! lehr mich fliehen als entzünden; Sie macht mich den tod, Und willig alle untreu meiner pflicht, Und freuden Der wilden weltlust bahnt den weg zu sünden. meiden. Gesuchte zier und pracht der welt Ist nicht der schmuck, der dir gefällt; Du willst, ich soll bescheiden, Mit ehrbarkeit mich kleiden. 5. Preis dir und dank, mein schöpfer, gott! Du gabst mir eine seele. Preis dir und dank, mein mittler, gott! Du starbst für meine seele. Mein leib ist doch nur asch und staub, Nie wird mein geist des todes raub, Mein erst geschäft auf erden Sey, schön am geist zu werden. 6. Gott! lehre du mich eilen, ihn mit weisheit auszuschmücken; Denn meine tage fliehn dahin, Gleich schnellen augenblicken. Gieb, daß zu tráger tåndeley Mir meine zeit zu kostbar sey, Und laß es mir gelingen, Sie nühlich zuzubringen. 7. Bewahr mein auge, daß es nie Unreine lust entzünde, Und meine rede, gott! daß sie Niemand zweideutig fin: de. Die unschuld sey mein liebster ruhm, Ein guter ruf mein eigenthum, Den jeder gern mir gönne, Und niemand lástern könne. 9. Die frevler, die mit ihrem spoit Sogar dein wort beflecken, Vertreibe fern von mir, o gott! Daß sie mich nicht erschrecken. Dich lástern sie und deinen sohn, Und sprechen deiner wahrheit hohn. Unselige verführer! Erbarm, erbarm dich ihrer! 10. Laß fromme freundinnen in mir Ein herz, wie ihres, finden, Verknüpf durch unschuld uns, daß wir Der freundschaft glück empfinden. Laß unsre liebe sanft und rein, Wie deiner engel um= gang, seyn, Daß nimmer unfre seelen Neid oder argwohn quálen. 11. Schickst du einst einen freund für mich), So gieb, daß ich ihn wähle; Er sey ein christ und fürchte dich, und lieb auch meine seele. Laß seines hauses edle zier Mich werden; gott! laß ihn in mir Die beste deiner gaben Für dies sein leben haben. 12. Der du mich selbst durch dein gebot Den weg zum heile lehrest, Ich will dich preisen, meinen gott, Daß du mein flehn erhörest. 8. Bewaffnet sey mit ernst. Ich opfre dir, mein lebenmein blick, Mit ernst der feu- lang, Der unschuld und der schen tugend; Seht ihn, und tugend dank; Dort will ich bebet scheu zurück, Versucher in den choren Der engel dich frommer jugend! Den um verehren. In besondern persönlichen Umständen. 497 und zuversicht, Mein schöpfer Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu. und erhalter! Verlaß, verlaß Im Alter. 673.Sieb, feele! bin auch jetzt mich nicht In schwachDie zeit und eilt hin, Die kräfte fliehn, Mir zeigen meine jahre Nah die babre; Gieb, daß, so lang ich bin, Sch deine kraft erfahre. ter dich zurück Auf die durchlebten jahre. Auch vor dich hin wirf einen blick; Was fiebst du? grab und bahre. Ich bin schon alt; Wie bald, wie bald Sind meine zeit und fiunden Hier verschwunden! Nach kurzem aufenthalt Werd ich nicht mehr gefunden. 2. Gott! was ich bin, bin ich durch dich; Erwäg es, mein gemüthe! Auf vaterhånden trugst du mich, Dein weg war lauter güte. Herr, ruhm sey dir! Denn du hast mir In meinem langen leben Biel ge geben; Was geb ich dir dafür? Wie ich dich erheben? 3. Du, meines lebens grund 674. O plagen hat mich Mel. Nun ruhen alle wålder. urch viele große sey und kraft, Mein, vater, gepriesen! Du hast auf mei ner wanderschaft Mir stünd: lich guts erwiesen. Gott! du hast mich oft wunderlich, Und doch stets wohl gefüh ret, Wohl regieret; Im kummer selbst hab ich Dich nah und treu gespüret. der herr getragen, Von meiner jugend auf; Ich sah auf meinen wegen Des höchsten hand und segen, Er lenkte meines Lebens lauf. 2. Sein weg war oft ver: borgen; Doch wie der helle morgen Aus dunklen nachten bricht, So hab ich stets gespüret, Der weg, den gott mich führet, Bringt mich durch finsterniß zum licht. 3. War menschenhülf' ver: gebens, So kam der herr des lebens, Und half und machte bahn. Wußt ich mir nicht zu rathen, So that gott große thaten, Und nahm sich mách: tig meiner an. 4. Ich hab' durch deine kraft und stärk, Was schwer war, überstiegen; Du machtest ein mir furchtbar werk Mir oft mals zum vergnügen. Du, gott der huld! Hast mit ge duld, Da sünden auf mir lagen, Mich getragen; Ach! tilge noch die schuld Von als len meinen tagen. 5. Mein gott, mein fels 6. Komm und erlöse mich! ich bin Von langem kampfe müde; Nimm meine seele bald dahin, Wo wohnt dein ewger friede. Schließ meinen lauf; Froh hoff ich drauf, Ich werde nach dem sterben Nicht verderben; Verklärt steh ich einst auf, Die selig: keit zu erben. Unter den BeschwerlichFeiten des Alters. 498 In besondern persönlichen Umstånden. 4. Bis in des alters tas mein herz zu dir, Da flossen gen Will ich dich liebreich meine thránen, Ich fuchte sie tragen, Und bein erretter und fand sie nicht; Du menseyn! Dies hat mir gott ver- schenfreund! mein angesicht sprochen. Der nie sein wort Verfiel von meinem sehnen. gebrochen; Sch werde sein Doch du gabst meiner seele mich ewig freun. ruh; Ich will ihr gott seyn, sagtest du. 5. Er wird mir schwachen alten, Bas er verheißen, hals ten; Denn er ist fromm und treu. Bin ich gleich matt und múde; Er giebt mir trost und friede, Und steht mit muth und kraft mir bey. 3. Ja, sey und bleib ihr freund, ihr gott, Ihr schuß, ihr retter aus der noth, Auf den sie sicher trauen. Laß sie im glanze deines lichts Die gnade deines angesichts D die geliebten! schauen. Stårk sie auf ihrer wanderschaft Bey jedem tritt mit neuer kraft. 6. Nach wenig bangen stunden, Hab ich ganz über wunden; Ich bin vom ziel nicht weit. Triumph! o welche frenden Sind, nach den letzten leiden, Vor gottes thron für mich bereit! 7. Ich warte froh und stille, Bis meines gottes wille Mich nach dem kampfe krónt; An meiner laufbahn ende, Sint ich in Jesu hán= de, Der mich dem richter hat versöhnt. Sürbitte für abwesende Sreunde. Mel. O ewigteit, du donnerwort. u, welchen keine Der du allgegenwärtig bist Mit allem deinen segen! Du bist, du schöpfer Jehovah! Auch meinen fernen freunden nah, Auf allen ihren wegen. Du übersiehst, o gott! fie nie; Ach segne, vater, segne fie! 2. Du selber trenntest sie von mir; Da seufzte laut 4. Bau ihnen häuser ohne müh, Bereichre sie, und segne fie, Und auch noch ihren saamen. Gesegnet sey durch sie das land, In welches sie dein wink gesandt, Mach herrlich ihren namen. Laß sie in fried und wohlergehn. Einft ihrer finder finder sehn. 5. Gieb, daß sie ihrer tu: gend ruhm, Shr unverleßlich eigenthum, Einst durch den tod begleite. Ihr tod müss' als ihr leben seyn; Ja du wirst sterbend sie erfreun, Und stürsie noch heute. Ein tag, ein froher tag erscheint, Der ewig mich und sie vereint. 6. O wie gedenk ich dein so gern, Du tag des lebens, tag des herrn! Wann wird dein licht erscheinen? Tag, der auch die mir wiedergiebt, Die ich, entfernt von mir, geliebt, Die feligen, die meinen! Wie wird sich unsre In besondern persönlichen Umständen. 499 feele freun! Gott, welch ein Ihn tragen will ich, ihm anblick wird das seyn! verzeihn, Sein pfleger in der krankheit seyn, Sein freund im glück und unglück. Liner Herrschaft. Mel. Uus tiefer noth schrey ich. 676.urch dich, gott! bin ich, was ich bin, und es ist deine gabe, Daß ich, als herr, dienst und gewinn Von meinen brüdern habe. Daß sie mir ihre kräfte leihn, Das kommt von dir, von dir allein; Du bist der herr der menschen. 2. Mich zu beglücken, die nen sie, Berzehren ihre kräfte, Und dulden gern des lebens můh In meinem hausge: schäfte. Ach! dafür laß mich dankbar seyn, Und nie dies vorrecht stolz entweihn, Das du mir, vater! gabest. 3. Auch der geringste diener ist Bestimmt zum ewgen leben, Für ihn und mich hat Jesus Christ Sich in den tod gegeben. Vor gottes richtstuhl hat mein knecht Mit mir der einst ein gleiches recht; Dort sind wir nicht verschieden. 4. Gott! pråge mir dies ernsthaft ein, Als bruder ihn zu lieben. Laß diese pflicht mir freude seyn; Wie sollt ich den betrüben, Der über meine grausamkeit Um rache still zum himmel schreyt! 3u dir, gott, meinem richter! 5. Laß mich ihm seine faure pflicht Durch mensch lichkeit versüßen, Und wenn ihm hulf und rath gebricht, Müs' er sie stets genießen. Lines Dienstboten. Mel. Nun ruhen alle wälder. 677. gott! bu gott der deinen, Der großen und der kleinen! Auch ich bin, schöpfer! dein. Du hast auch mich auf erden. Zum menschen lassen werden, Und deiner soll mein herz sich freun. 2. Ich soll hier andern dienen; Sch thus, und folg ich ihnen, So folg ich dir, mein gott! Laß meiner herrschaft willen Mich gern und froh erfüllen; Denn dies ist dein will' und gebot. 3. Behüte mich vor klagen, Laß still mein joch mich tragen, Auf dich im dienste sehn. Lehr du mich reden, schweigen, Mich redlich treu bezeigen, Und schlecht und recht einherzugehn. 4. Vor frechheit, stolz und neide, Bor list und schadenfreude Bewahre, gott! mein herz. Was meine herrschaft krånket, In unmuth sie versenket, Das sey zugleich mein eigner schmerz. 5. Gern will ich sie erfreuen, Gern mein versehn bereuen, Und willig folgfam seyn. Ich will, sie redlich lieben, Sm fleiße gern mich üben, Und müssiggang und trägheit scheun. Si2 500 In besondern persönlichen Umständen. 6. Laß mich sie nie betrů- Nicht murren, klagen will ich gen; Rechtthun sey mir ver- nur. gnügen, Und freude jede pflicht. Was ich denk, red und thue, Ich gehe oder ruhe, Gescheh vor deinem angesicht. 7. Du, gott der herrn und knechte! Bertheilst mit milder rechte Den hoh'n und niedern heil; Wer niedrig ist auf erden, Kann groß im himmel werden, Hat, fürsten gleich, an dir, gott! theil. 3. Auch meine thrånen preisen dich, Sie sind die zeugen, gott! daß ich Die liebte, die du liebest, Und nun im lichte deines throns, In der gemeinschaft deines sohns, In aller tugend übest. Herr! meis ne seufzer danken dir; Du, du verfrauteft sie nur mir. 8. Auch mich wirst du be: lohnen, Bey dir werd ich dort wohnen, Und mich mit engeln freun. Laß mich dies stets ermessen, Nie deiner hier vergessen; und dann werd ich einst selig seyn. 4. Mit thrånen preif' ich dich auch einst. Wenn du zum weltgericht erscheint, Ach dann mit freudenthránen! Dann werd ich meine kinder sehn, Mit ihnen dankend vor dir stehn, Mich nicht mehr trostlos sehnen. Dann werd ich froh bey ihnen seyn, Und ewig mich mit ihnen freun. Beym Absterben unserer Anverwandten und Sreunde. Der Eltern beym Abster: ben ihrer Kinder. Mel. O ewigkeit, du donnerwort. ch! 678.! meine tin: Mel. Kommt her zu mir, ſpricht. Ath! der sind nicht mehr! Mein traurig berz in 679. A mehr, ach fern nicht ist hoffnungsleer, Von freuden leer mein leben! Ich fah fie wie den frühling blühn; Dir, dir hofft ich sie zu erziehn, Gott, der sie mir gegeben! Mein alter follten sie erfreun, Und mir einst troft im tode seyn. von mir Bist du! ich weiß nichts mehr von dir, liebe, treue feele! Entflohn aus meinen armen weit Bist du, vom thal der sterblichkeit, S beste, treuste seele! 2. Der freundschaft labsal ist dahin, Dein trost, wenn 2. Herr, ich verehre dein ich verlassen bin, Dein mitgebot! Laß mich jest meiner leid, wenn ich leide! Mir kinder tod, Bármherziger! fehlt, mir fehlt die treue beweinen. Du, der du aller hand Um weg ins begre va vater bist, Und weißt, was terland; Dein blick voll ernst herz der eltern ist, Laß mich und freude! jest gehn und weinen! Vers zeih den trieben der natur; 3. Ja, weinen darf ich, gott! vor dir, Daß du die In besondern persönlichen Umständen. 501 fromme feele mir So früh glaubt, wird dort ihn schaun, und bald entrissen. Die wunde blutet sehr; und ich, Ich Flag, geliebtes herz, um dich; Gott hat dich mir entrissen! 4. Ach, vater! war mein herz nicht rein? War sie nicht werth, geliebt zu seyn, Die feele, die ich liebte? War ich nicht ihrer liebe werth, Daß du mein flehen nicht erhört, Mich deine hand betrübte? 5. Doch sey mein schmerz auch noch so groß, Die feele ruht in gottes schoß; Geduldig will ich schweigen. Nein! theure! feinen augenblick Wünsch ich dich in den staub zurück; Sch will vor gott mich beugen. 6. Der leichnam ruht im fühlen grab, gott nahm ihm seine schmerzen ab, Und jede last von leiden; Empor schwang sich der frohe geist Zu dem, der ganz die liebe heißt, Genießt nun gottes freuden. Und hier ihn schon empfin den. Ich weiß, ring ich vom staub empor, Ich werde, was ich hier verlor, Bey gott dort wieder finden. 10. 3war hört, wenn einst mein auge bricht, Mein ohr von dir, o theure! nicht Ges bet, nicht trost, nicht segen; Doch wenn, durch gottes geist, mein geist Sich im triumph dem staub entreißt, So eilst du mir entgegen. - 11. Dann schau und bet ich an mit dir; Wir beyd' ein herz! dann singen wir von weggeweinten leiden, Und von der tugend hohem lohn; Sind freud und dank, und schmecken schon Der seligkeis ten freuden. 12. Gedanke der unsterblichkeit! Durchheitre jede dunkelbeit, Gieb muth mir, wenn ich wanke; Veredle jede leiden: schaft, Erfülle mich mit heldenkraft, Erhabener gedanke! Einer Wittwe. 7. Die seele, die hier heilig war, Feirt dort mit der vera klärten schaar Den sabbath der erlösten, Ist wonne, liebe, Mel. Nun ruhen alle wälder. est dank und licht, und lebt, und 680. foll mein' schaut! das sollte nicht Mein banges herze trösten? 8. Dtrost, o hoher trost für mich! Mein banges herz, erheitre dich, Und stille deine klagen! Erlöst von ihres leis bes joch, Lebt die geliebte feele noch; Und ich, ich sollte zagen? hoffnung stehen; Gott hört der wittwen fle= hen! Er ist mir mehr als mann. In jedem schmerz und leide st gott mein trost und freude, Der fels, auf den ich bauen kann. 9. Nein, stille will ich gott vertraun, Wer hier ihm 2. Getrost! ruft seine gnade, Ich bin auf jedem pfade Bey bir bis an dein grab! Nie will ich dich verlassen! 502 In besondern persönlichen Umstånden. Dies soll mein glaube fassen 9. Mit ernst und frohen Als meinen wittwenwander- muthes Will ich, mein vastab. 3. Die, die in stiller kammer Dir flagten ihren jammer, Erhörtest ehmals du; Auf sie floß, gott! dein segen, Auf allen ihren wegen War friede, ficherheit und ruh. 4. So viel seit so viel jah: ren Betrübte wittwen waren, So viel hast du verpflegt. Die in bekümmernissen Sich. gott! auf dich verließen, Sahn ihre last auf dich gelegt. 5. Auch mich wird dein arm stårken, Auf mich dein auge merken, Und auf mein flehn dein ohr. Mit einstem, heißem flehen Will ich auch vor dir stehen, und seufzen, gott! zu dir empor. 6. Still will mein joch ich tragen; Dir, vater, darf ich sagen, Was je mein herze drückt. Du bist mir in der náhe, Gott! den ich zwar nicht sehe, Den aber doch mein glaub' erblickt. 7. Du siehst mich( o gedanke Des trostes, wenn ich wanke!) In meiner einsamkeit; Und du wirst, herr der welten, Mirs öffentlich vergelten, Wenn deiner still mein herz sich freut. 8. Ja, bis zum letzten schritte, Ja, wenn ich noch mehr litte, Seh ich mit lust auf dich. Nur dir, dir zu gefallen, Unsträflich hier zu wallen, Sey mein bestreben; stárke mich! ter! gutes Bor deinen augen thun; Gern mich der welt entziehen, Berstreuung, thorheit flichen, Und nur in deinem schooße ruhn. 10. Dann eilen meine ta ge Mit jeder last und plage Leicht, wie ein traum, dahin; Dann leg ich meine glieder Frob einst im tode nieder, Wenn ich zum himmel reifer bin! 11. Dann geh ich, den zu schauen, Der mein stab, mein vertrauen, Mein gott ist, und mein freund. Wie will ich dann ihn ehren! Wie danken für die zähren, Die ich als wittwe hier geweint! 12. Dann find ich, die ich liebte, Der'n abschied mich betrübte, In meines schöpfers hand; Wo freudenquellen fließen, Dort werd ich sie genießen Sm thránenfreyen vaterland. 13. Drum fort die heißen pfade! Mich kühlt des vaters gnade; Er trágt mir meine noth. Nicht ewig werd ich weinen, Ich komme zu den meinen, Bald seh ich sie bey meinem gott. ( Wenn sie kinder hat.) 14. Dann soll'n auch meine waifen Den gutgen vater ter preisen, Der sie erhalten kann. Ja, dir will ich fie bilden; Ach! schau mit deiner milden Erbarmung deine schafe an. In besondern persönlichen Umständen. 503 7. Und seit viel tausend jahren Hast du, die waisen waren, So väterlich ernährt; Die sich auf dich verließen, Sahn, gott! zu deinen füßen Ihr heißes flehn von dir erhört. Liner Waise. Mel. Nun ruhen alle wälder. m frühling mei 681.J ner jahre, Gott! fah ich schon die bahre Des besten vaters stehn, Und fie, die mich geboren, War früh für mich verloren, 213 kind mußt ich ihr grab schon sehn! Saut 2. Ach er, der mich so liebte, Mich früh im guten übte, 3u gott mich wies, ach er, Der zártlich für mich wachte, Daß er mich glücklich machte, Mein bester va ter ist nicht mehr! 3. Und sie, die mich verpflegte, Als ihren liebling hegte, Und, nie an liebe leer, Mit jedem frühen morgen Erneurte ihre forgen, Die treue mutter ist nicht mehr! 4. Hülflos, verlassen, elend, Unwissend, immer fehlend, 3u schwach mir vorzustehn, Ohn schüher, ohne vater, Ohn führer, ohne rather; D gutger gott! wie wird mirs gehn? 5. Doch wer wars, der mich beugte, So tief zum staube neigte? Warst du's nicht, weiser gott? Dein wei: ser rath regieret Der men schen schicksal, führet Es fort durch leben und durch tod. PRES 6. Du willst dich auch an waisen, Allmächtger! stark be: weisen, Un armen wunder thun; Verlaßne willst du nähren, Die vaterlofen ehs ren, Durch dich soll unser kummer ruhn. 8. Auch mich kannst du nicht hassen, Auch mich nicht ganz verlassen, Auch ich will dir vertraun. Dein herz sey mir auch offen; Auch ich will auf dich hoffen, In trüben stunden auf dich schaun. 9. Du wirst auch mich ernähren, Mir unterhalt gewähren, Du, mein versorger, du! Was ich bedarf, das schenke Mir, deinem kind, und lenke Mir frommer menschen liebe zu. 10, Und wenn in zarten jahren Verführung und ges fahren, Wenn laster um mich sind, D! da sey du mein vater, Mein führer, freund O und rather; da verlaß, gott, nie dein kind! II. Ja pflanz in früher jugend Schon gottesfurcht und tugend Mir, vater! tief ins herz; Fromm seyn auf deinen wegen, Sen freude mir und segen, Und sünde thun allein mein schmerz. 12. Arbeitsamkeit und treue Begangner fehler reue, Ein wahres christenthum, Ein zärtlich herz für freunde, Versöhnlichkeit für feinde, Dies sey mein bestes waisenthum. 13. Und sie, die mich erziehen, Mit redlichem bemühen 504 In besondern persönlichen Umständen. 3u meinem thun und lassen. Un eltern statt mir sind, Die gen, muth, verstand und rath laß mich treu verehren, Sie durch gehorsam ehren, Sie dankbar lieben, als ihr kind. 14. Sen du, gott! ihr be lohner, Wohlthäter und verschoner Für das, was sie mir thun; Und wenn sie nun einst sterben, Laß sie den himmel erben, und mich mit ihnen ewig ruhn. 15. Verklärt werd ich dann stehen, Die eltern wiederse: hen, um die ich hier geweint. Da werd ich vor dich treten, 3u dir, erlöser! beten: Lohn ihnen ewig, menschenfreund! 4. Bring mich gesund, zur rechten zeit, Zu den geliebten meinen; Erhalt und schütze sie vor leid, Sie sind ja, gott, die deinen! D! laß sie dir ems pfohlen seyn, Und dann vor dir uns dankbar freun, Wenn wir uns wiedersehen. 5. Du wollst mein ganzes leben hier, vater! selbst O regieren. Wo hülfe noth ist, hilf du mir, Laß deinen geist mich führen. Und end ich einst hier meinen lauf, Dann nimm mich froh und selig auf Zu deiner ewgen ruhe. Vor und auf der Reise. Mel. Uus tiefer noth schrey ich. ey du, o mein getreuer gott! Nach der Reise. Mel. Wer nur den lieben gott. 682.eu, Mit mir auf meiner reife; 683.ant dir, beschüzBewahr mich vor gefahr und noth; Zu deines namens preise. Herr! meinen weg empfehl ich dir, Mich selbst und alles, was du mir Auf dieser welt gegeben. 12. Schick deinen engel vor mir her, Laß ihn mich sicher leiten, Befiehl, daß er dem unglück wehr, Und allen bósen leuten. Nimm, vater! meiner gnädig wahr, Daß kein verderben und gefahr Un feel und leib mir schade. 3. Du, bester führer, gott! verleih, Daß ich stets christlich wandle, Stets fromm, getrost und weise sey, Nie kühn, nie strafbar handle. Regiere du selbst meinen pfad, Gieb se zer meines le= bens! Du hast mich froh zurück gebracht: Ich flehte nicht zu dir vergebens, Du hast mich väterlich bewacht. Dein schuß und schirm war über mir, Durch deine gnade bin ich hier. 2. Nun kann ich wieder mit den meinen Mich deiner reichen gute freun, Mit ihnen mein gebet vereinen, Und dir des dankes opfer weihn, Daß du die wohlthat uns gewährt, Und gnådig unser flehn erhört. 3. Du hast gesundheit mir verliehen, Gefahr und schaden abgewandt; Du segnetest auch mein bemühen Mit deiner milden vaterhand. Auch mei In befondern persönlichen Umstånden. 505 ner seele wandtest du, Du 7. Der reiz der fünd und gott der huld! viel gutes zu. eitelkeit Entlocke dir mich 4. Sey nun gelobt, sey nie; Was kurz vergnügt und hoch gepriesen Für alles gute, lang gereut, Gieb, daß ichs das du mir auf meiner reise redlich flieh. hast erwiesen; Mein dürftig lob gefalle dir! Dir will ich ganz mein leben weihn; Laß ewig mich den deinen seyn. Eines in fremde Länder reisenden Jünglings. Mel. Nun sich der tag geendet. uch außer meis 684.2 nem vaterland, Wirst du, gott! mit mir seyn; Wo immer nur mich deine hand Hinführt, da bin ich dein. 2. Du schufst, erhältst, beseelest mich, Du, du giebst alles mir. Umgeben immerdar bin ich, Allmåchtiger! von dir. 3. Vergåß ich dieser wahr: heit, ach! Verloren wår mein herz; Dann gåb ich leicht dem laster nach Und sucht in freuden schmerz. 4. Vergeß ich dieser wahrheit nicht, So bleibt die seele rein, Und heilig mir beruf und pflicht, Uno ich kann freudig seyn. 5. Leb ich unstråfflich, gott! wie froh Bin ich, wie segenreich! Was immer für gefahr mir droh, Bleibt doch mein muth sich gleich. 8. Wo man mich sieht, wo man mich kennt, Laß tugendhaft mich seyn, und selbst da, wo kein mensch mich kennt, Das laster ernstlich scheun. 9. Die bibel und dein heis lig wort Laß mich ja nirgends fliehn, Und mich zu feiner zeit und ort Dem got= tesdienst entziehn. 10. Wers treu nicht mit der wahrheit meynt, Dem freund von list und spott, Dem freund des spiels, der tugend feind, Entreiße mich, mein gott! II. Der wollüstling, der freund der pracht Soll mir verächtlich seyn; und vor dem wurm, der deiner lacht, Erzittre mein gebein. 12. Wer nichts als wahrs heit sucht und dich, Wer redlich ist, und still, Und sanft und klug, der ists, den ich 3um freunde wählen will. 13. Uch! einen, der die tugend liebt, Deß beyspiel führt zu dir, du, der alles hat und giebt, Gott! solchen freund gieb mir. 14. Mit bruderlieb umfasse stets Mein herz, wen ich erblick, Das ziel des täglichen gebets Sey meines nächsten glück. 6. Ja, deine gegenwart, gott! sey Stets fühlbar nahe mir, Daß ich der tugend immer( 15. ( 15. In andrer diensten treu, Und frdhlich sey in dir. Laß mich treu, Still und Des seligen Dr. Martin Luthers 506 bescheiden seyn. Gieb daß ich stolz und frechheit scheu, Und jeden heuchel= fchein.) 16. Bollkommner, weiser, und ein chrift, Betret ich dann das land, Das mir von gott bezeichnet ist, Wo ich mein leben fand. sters mir bewust, Begleit ich sie zum grab. 18. Mir folgt ihr segen jahre lang, Bis einst mein auge. bricht; Dann macht kein tod, kein grab mich bang, Dann schreckt mich kein gericht. 19. Nein, ewigkeit! unsterblichkeit! Erhebe dich, mein geist! Es ist die frohe ewigkeit, Wohin der jung17. Der frommen eltern ruhm und lust, Sm alter noch ihr stab, und keines la: ling reist. Des seligen Dr. Martin Luthers sämmtliche Lieder, ohne alle Veränderung aus dessen Werken. 685. storben, Und vom tod Wied'r auferstanden ift durch gott. Von der Dreyeinigkeit. war'n verloren, Um kreuz geir glauben all' an einen gott, Schöpfer himmels und der erden, der sich zum vater geben hat, Daß wir seine kinder werden; Er will uns allzeit ernähren, Leib und seel auch wohl bewahren, Allem unfall will er wehren, Kein leid foll uns wiederfahren, Er forget für uns, Hüt't und wacht, Es steht alles in sei: ner macht. 3. Wir glauben an den heilgen geist, Gott mit vater und dem sohne, Der aller blöden tröster heißt, Uns mit gaben zieret schone, Die ganze chris stenheit auf erden Halt in einem sinn gar eben; Hier all' sünd' vergeben werden, Das fleisch soll uns wieder leben, Nach diesem elend Sft bereit Uns ein leben in ewigkeit. 2. Wir glauben auch an JeSeinen sohn und unsern Herren. Der ewig bey 686. Din einigteit, Ein dem vater ist, Gleicher gott von macht und ehren; Von Maria, der jungfrauen, Ist er wahrer mensch geboren, Durch den heilgen geist im glauben, Für uns, die wir wahrer gott von ewigkeit! Die sonn mit dem tag von uns weicht; Laß uns leuchten dein göttlich licht. 2. Des morgens, gott! dich loben wir, Des abends auch sämmtliche Lieder. 507 beten vor dir; Unser armes bey ihm fürwahr kein scherz, lied rühmet dich Shund, im: mer und ewiglich. Er ließ sein bestes kosten. 3. Gott vater, dem fey ewig ehr, Gott sohn, der ist der einig herr, Und dem tróster, heilgen geist Von nun an bis in ewigkeit! Amen. Von der Erlösung. un freut euch, 687.¹ lieben christen g'mein, Und laßt uns fröhlich springen, Daß wir ge troft und all in ein Mit lust und liebe singen, Was gott an uns gewendet hat, Und seine süße wunderthat, Gar theur hat er's erworben. 2. Dem teufel ich gefan gen lag, Im tod war ich verloren, Meine sünd mich quålet nacht und tag, Darin ich war geboren; Ich fiel auch immer tiefer drein, Es war kein guts am leben mein, Die fünd hatt' mich besessen. 3. Mein gute werk die golten nicht, Es war mit ihn'n verdorben; Der frey will has fet gotts gericht, Er war zum guten erstorben; Die angst mich zu verzweifeln trieb, Daß nichts benn sters ben bey mir blieb, 3ur hölle mußt ich sinken. 5. Er sprach zu seinem lieben sohn: Die zeit ist hier zu erbarmen, Fahr hin, mein's herzens werthe fron, Und sey das heil dem armen, Und hilf ihm aus der fün dennoth. Erwurg für ihn den bittern tod, Und laß ihn mit dir leben! 4. Da jammert gott in ewigkeit Mein elend üb'r die maaßen, Er dacht an sein barmherzigkeit, Er wollt mir helfen lassen; Er wandt zu mir sein vaterherz, Es war 6. Der sohn bem vat'r gehorsam ward, Er kam zu mir auf erden Von einer Er jungfrau rein und zart, wollt mein bruder werden; Gar heimlich führt er sein gewalt, Er ging in einer ar men g'stalt, Den teufel wollt er fangen. 7. Er sprach zu mir: halt dich an mich, Es soll dir jeszt gelingen, Ich geb mich selber ganz für dich, Da will ich für dich ringen; Denn ich bin dein und du bist mein, Und wo ich bleib, da sollt du seyn, Uns soll der feind nicht scheiden. 8. Vergießen wird er mir mein blut, Darzu mein leben rauben; Das leid ich alles dir zu gut, Das halt mit festem glauben. Den tod verschlingt das leben mein, Mein unschuld trågt die sünde dein; Da bist du selig worden. 9. Gen himmel zu dem vater mein, Fahr ich aus diesem leben, Da will ich seyn der meister dein, Den geist will ich dir geben, Der dich in trübsal trösten soll, Und Des seligen Dr. Martin Luthers 508 lehren mich erkennen wohl, Und in der wahrheit leiten. 10. Was ich gethan hab und gelehrt, Das sollt du thun und lehren, Damit das reich gott's werd gemehrt Zu lob und seinen ehren; Und hüt dich vor der menschen g'saß, Davon verdirbt der edle schat; Das laß ich dir zuletzte. Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. Der jungfrauen kind er kannt, Deß sich wundert alle welt, Gott solch geburt ihm bestellt. 2. Nicht von mannsblut, noch vom fleisch, Allein von dem heiligen geist Ist gottes wort word'n ein mensch. Und blüht ein frucht weibes fleisch. 3. Der jungfrau leib schwan: ger ward. Doch blieb keuschheit rein bewahrt, Leucht't her für manch tugend schon; Gott da war in seinem thron. Dun komm, du 688. Neben eiland! bist von einer jungfrau, das ist wahr. Deß freuet sich der engel schaar. Kyrie, eleison! 2. Des ewgen vaters einig find Jeht man in der krippen find't; In unser armes fleisch und blut Verkleidet sich das ewge gut. Kyrie, eleison! 3. Den aller weltkreis nie beschloß, Der liegt in Marien schooß; Er ist ein kindlein worden klein, Der alle ding erhält allein. Kyrie, eleison! 4. Er ging aus der kam mer fein, Dem königlichen saal so rein; Gott von art und mensch, ein held, Sein'n weg er zu laufen eilt. 5. Sein lauf kam vom vater her, Und kehrt wieder zum va ter, Fuhr hinunter zu der höll, Und wieder zu gottes stuhl. 7. Dein krippen glänzt hell und klar, Die nacht giebt ein hell licht dar, Dunkel muß nicht kommen drein; Der glaub bleibt immer im schein. 6. Der du bist dem vater gleich, Führ hinaus den sieg im fleisch, Daß dein ewig gottes g'walt In uns das frank fleisch enthalt. 8. Lob sey gott dem vater g'thon! Lob sey gott sein'm eingen sohn! Lob sey gott dem heilgen geist! Immer und in ewigkeit. 689 Gefu Chrift! elobet du Jesu 4. Das ewge licht geht da herein, Giebt der welt ein'n neuen schein, Es leucht't wohl mitten in der nacht, Und uns des lichtes kinder macht. Kyrie, eleison!- 5. Der sohn des vaters, gott von art, Ein gast in der welt er ward, Und führt uns aus dem jammerthal, Er macht uns erb'n in seinem saal. Kyrie, eleifon! 6. Er ist auf erden kommen arm, Daß er unser sich erbarm, Uns in dem himmel mache sämmtliche Lieder. reich und seinen lieben en geln gleich. Kyrie, eleison! 7. Das hat er alles uns gethan, Sein groß lieb zu zeigen an; Deß freu sich alle christenheit, Und dank ihm deß in ewigkeit. Kyrie, eleison! 509 schaarn, Wie christ geboren ware, Ein könig üb'r all' konig groß. Herod's die red gar sehr verdroß. Aussandt er seine boten. Ey! wie gar eine falsche lift Erdacht er wider Jesum Christ, Die kindlein ließ er tödten. 690. Der tag ber iſt Aller creature; Denn gottes 691.om himmel hoch sohn vom himmelreich Ueber die nature, Von einer jung: frau ist geborn. Maria du bist auserkohrn, Daß du mut ter wärest. Was geschah so wunderlich? Gottes sohn vom himmelreich, Der ist mensch geboren. da fomm ich her, Ich bring euch gute neue máhr, Der guten máhr bring ich so viel, Davon ich fing'n und sagen will. 2. Euch ist ein kindlein heut geborn, Von einer jungfrau auserkohrn, Ein kindelein so zart und fein, Das soll eu'r freud und wonne seyn. 2. Ein kindelein fo löbelich Ist uns geboren heute, Von einer Jungfrau säuberlich, 3u trost uns armen leuten. Vår uns das kindlein nicht geborn, So wär'n wir allzumal verlorn; Das heil ist unser aller. Ey, du süßer Jefu Chrift! Daß du mensch geboren bist, Behut uns für der hölle. 3. Es ist der herr Christ, unser gott, Der will euch führn aus aller noth, Er will eu'r heiland selber seyn, Von allen fünden machen rein. 4. Er bringt euch alle fe ligkeit, Die gott der vater hat bereit, Daß ibr mit uns im himmelreich Sollt leben nun und ewiglich.. 3. Als die sonn durchscheint das glas Mit ihrem klaren 5. So merket mun das scheine, Und doch nicht ver: sehret das, So merket allge meine: 3u gleicher weis ge boren ward Von einer jungfrau rein und zart Gottes sohn, der werthe. In ein krippen ward er gelegt, Groz ße marter für uns trågt Allhier auf dieser erden. zeichen recht, Die krippen, windelein so schlecht; Da findet ihr das kind gelegt, Das alle welt erhält und trägt. 6. Deß laßt uns alle fröh lich seyn, Und mit den hirten gehn hinein, 3u sehen, was gott bat bescheert, Mit seinem lieben sohn verehrt. 4. Die hirten auf dem felde war'n, Erfuhren neue mähre, Von den engelischen 7. Merk auf, mein herz! und sieh dort hin, Was liegt dort in dem krippelein? Weß Des seligen Dr. Martin Luthers 510 ist das schöne kindelein? Es ist das liebe Jefulein. 8. Bis willkommen, du ed: ler gast! Den sünder nicht verschmåhet hast, Und kömmst ins elend her zu mir; soll ich immer danken dir? Wie 9. Uch herr! du schöpfer aller ding! Wie bist du worden so gering, Daß du da liegst auf dürrem gras, Das von ein rind und esel aß! 10. Und war die welt vielmal so weit, Von edelg'stein und gold bereit, So war sie dir doch viel zu klein, 3u seyn ein enges wiegelein. 11. Der sammet und die sei: de dein, Das ist grob heu und windelein, Darauf du könig so groß und reich Herprangst, als wárs dein himmelreich. 12. Das hat also gefallen dir, Die wahrheit anzuzeigen mir, Wie aller welt macht, ehr und gut Vor dir nichts gilt, nichts hilft, noch thut. 13. Ach! mein herzliebes Jefulein! Mach dir ein rein fanft bettelein, 3u ruhn in meines herzens schrein, Daß ich nimmer vergesse dein. 14. Davon ich allzeit lich fey, Bu fpringen, fingen immer frey Das rechte su sannine schon mit herzens lust und süßem ton. 15. Lob, ehr sey gott im höchsten thron, Der uns schenkt seinen eingen sohn! Deß freuet sich der engel schaar, Und singen uns solchs neues jahr. 692. V ber engel schaar, om kam Erschien den hirten offenbar, Sie sagten ihn'n: ein kind: lein zart Das liegt dort in. der krippen hart. 2. Zu bethlehem in Davids stadt, Wie Micha das verkündigt hat; Er ist der herre Jesus Christ, Der euer aller heiland ist. 2. Deß sollt ihr alle fröhlich seyn, Daß gott mit euch ist worden ein; Er ist geborn eur fleisch und blut, Eur bruder ist das ewge gut. 4. Was kann euch thun die sünd und tod? Ihr habt mit euch den wahren gott; Last zürnen teufel und die höll. Gott's sohn ist worden eur gefell. 5. Er kann und will euch lassen nicht, Seßt nur auf ihn eur zuversicht. Es mögen euch viel fechten an; Dem sey troß, der's nicht lassen kann. 6. Zuletzt müßt ihr doch haben recht, Ihr seyd nun worden gott's geschlecht; Deß danket gott in ewigkeit, Ge duldig, fröhlich allezeit. 693.Chriftum mir fol Toben schon, Der reinen mago marien sohn, So weit die liebe fon ne leucht't, Und an aller welt ende reicht. 2. Der selge schöpfer aller ding 3og an ein'n knechtesleib gering, Daß er das fleisch durchs fleisch erwürb, Und sein geschöpf nicht all's verdürb. fammtliche Lieder. 511 folgten nach, Solch licht zum rechten licht sie bracht, Sie zeugten mit den gaben drey, Dies kind gott, mensch und könig sey. 3. Die tauf im jordan an sich nahm Das himmelische gotteslamm, Dadurch der nie kein' sünde that, Von sünden uns gewaschen hat. 3. Die göttlich gnad vom himmel groß Sich in die keus sche mutter goß; Ein mågdlein trug ein heimlich pfand, Das der natur war unbekannt. 4. Das züchtig haus des herzens zart Gar bald ein tempel gottes ward, Die kein mann rühret, noch erkannt, Von gott's wort man sie schwanger fand. 5. Die edle mutter hat geborn, Den gabriel verhieß zuvorn, Den sanct Johann's mit springen zeigt, Da er noch lag im mutterleib. 4. Ein wunderwerk da neu geschah, Sechs steinern krüge man da sah Boll wasser, das verlor sein art, Rother wein durch sein wort draus ward. 6. Er lag im heu mit ars muth groß, Die krippen hart ihn nicht verdroß; Es war ein kleine milch sein speis, Der nie kein vöglein hungern ließ. 7. Des himmels chor sich freuen drob, Und die engel fingen gott lob; Den armen 5. Lob, ehr und dank sey dir gesagt, Christ, gebor'n von der reinen magd, Mit vater und dem heilgen geist, Von nun an bis in ewigkeit! Amen. Von der Auferstehung Jesu. hirten wird vermeld't Der 695.Christ lag in todes= banden, Für uns hirt und schöpfer aller welt. sre sünd gegeben, Der ist 8. Lob, ehr und dank sey wieder erstanden, und hat dir gesagt, Christ, gebor'n uns bracht das leben. Deß von der reinen magd, Mit wir sollen fröhlich seyn, Gott vater und dem heilgen geist, loben und dankbar seyn, Und Von nun an bis in ewigkeit! singen hallelujah. Hallelujah! Amen. as fürcht'tst du feind herodes sehr, Daß uns geborn kömmt 2. Den tod niemand zwin: gen kunnt Bey allen menschenkindern, Das macht alles unsre sünd' Kein unschuld war zu finden; Davon kam der tod so bald, Und nahm über uns gewalt, Hielt uns Chrift, der herr? Er sucht in sein'm reich gefangen. kein sterblich königreich, Der zu uns bringt sein himmela reich. 2. Dem stern die weisen Auf das Sest der Erschei: nung Christi. Hallelujah! 3. Jesus Christus gottes sohn, An unser statt ist kommen, Und hat die sünde ab Des seligen Dr. Martin Luthers 512 gethan, Damit dem tod genommen 2 fein recht und sein gewalt, Da bleibet nichts denn todsgestalt, Den stach'l hat er verloren. Hallelujah! 4. Es war ein wunderlicher krieg, Da tod und leben rungen, Das leben behielt den fieg, Es hat den tod verz schlungen. Die schrift hat 7. Wir essen hier und leben wohl In rechten osterfladen. Der alte sauerteig nicht soll Seyn bey dem wort der gnaden; Christus will die koste seyn, Und speisen die seel allein, Der glaub will keins andern leben. Hallelujah. 2. Wår er nicht erstanden, So war die welt vergangen; Seit daß er erstanden ist, So lob'n wir den herrn Jesum Christ. Kyrie, eleison! den andern fraß, Ein ſpott 697 Jesus Christus, unaus d'm tod ist worden. Hallelujah! 5. Hier ist das rechte ofter lamm, Davon gott hat geboten, Das ist an des freuzes stamm In heißer lieb gebra: ten, Deß blut zeichnet unsre thúr, Das hält der glaub dem tode für; Der würg'r kann uns nicht rühren. Hallelujah! 6. So feyern wir das hohe fest Mit herzens freud und wonne, Das uns der herr erscheinen läßt; Er ist selber die sonne, Der durch seiner Erleuchtet Herzen ganz. Der fünden nacht 698. herre getti ist vergangen, Hallelujah. Vom heiligen Geiste. Comm, heiliger geiſt, Erfüll mit deiner gnaden gut Deiner gläubigen herz, muth und sinn, Dein brünstig lieb entzund in ihn'n. O herr! durch deines lichtes glanz 3u dem glauben versammlest ganz, Das volk aus aller welt zungen; Das sey dir, herr! zu lob gesungen. Alle3. Allelujah! Allelujah! Allelujah! Deß sollen wir alle froh seyn, Christ will unser trost seyn. Kyrie, eleiſon! alle Deß sollen wir alle froh seyn, Christ will unfer trost seyn. Kyrie, eleison! den tod überwand, Ist aufer= standen, Die sund hat er gefangen. Kyrie, eleison! 2. Der ohne funde war geboren, Trug für uns got: tes zorn, hat uns versöhnet, Daß uns gott sein huld gonnet. Kyrie, eleison! 3. Tod, sund, teufel, leben und gnad, All's in bånden er hat; Er kann erret: ten alle, die zu ihm treten. Kyrie, eleison! 696.Chrift ist erstanden lujah, allelujah! 2. Du heiliges licht, edler hord! Laß uns leuchten des le bens wort, Und lehr uns gott recht erkennen, Von herzen sämmtliche Lieder. vater ihn nennen. O herr! behüt für fremder lehr, Daß wir nicht meister suchen mehr, Denn Jesum Christ, mit rechtem glauben, und ihm aus ganzer macht vertrauen. Allelujah, allelujah! 3. Du heilige brunst, süßer trost! Nun hilf uns fröhlich und geirost In deinem dienst beständig bleiben. Die trübsal uns nicht abtreiben. D berr! durch dein kraft uns bereit, Und stårk des fleisches blddigkeit, Daß wir hier ritter: lich ringen, Durch tod und leben zu dir dringen. Allelu- 700. herre gott! bein Vom Worte Gottes. göttlich wort jah, allelujah! 699. Kon Domm, gott schd: pfer, heiliger geist! Besuch das herz der menschen dein, Mit gnaden fie füll, wie du weißt, Daß dein geschöpf vorhin sey. 2. Denn du bist der tröster genannt, Des allerhöchsten gabe theur, Ein geistlich falb an uns gewandt, Ein lebend brunn, lieb' und feuer. 513 bey uns deine gnad, Daß wir dein'm leiden folgen gern, Und meiden der seelen schad. 3. 3und uns ein licht an im verstand, Gieb uns ins herz der liebe brunst, Das schwach' fleisch in uns, dir bekannt, Erhalt fest deine gnad und gunst. 4. Du bist mit gaben sie benfalt, Der fing'r an got tes rechter hand; Des vaters wort giebst du gar bald Mit zungen in alle land. 5. Des feindes lift treib von uns fern, Den fried schaff 6. Lehr uns den vater kennen wohl, Dazu Jesum Christ, seinen sohn, Daß wir des glaubens werden voll, Dich beider geist zu verstohn. 7. Gott vater sey lob, und dem sohn, Der von den tod= ten auferstand, Dem tröster sey dasselb gethan, In ewigkeit alle stund! Ist lang verdunkelt blieben, Bis durch dein gnad uns ist gesagt, Was Paulus hat ge= schrieben, und andere apostel mehr, Aus dein'm göttlichen munde; Deß dank'n wir dir mit fleiß, daß wir Erlebet han die stunde. 2. Daß es mit macht an tag ist bracht, Wie klärlich ist vor augen. Ach gott, mein herr! erbarm dich der'r, Die dich noch jetzt verleugnen, Und achten sehr Auf men= schenlehr, Darin fie doch verderben; Dein's worts verstand Mach ihn'n bekannt, Daß sie nicht ewig sterben. 3. Willt du nun fein gut christe seyn, So mußt du christlich glauben, Se'n dein vertraun, darauf fest bau Hoffnung und lieb im glauben, allein durch christ, 3u aller frist; Dein'n nächsten lieb darneben, Das g'wissen Kf 514 Des seligen Dr. frey, Rein herz dabey, Das fein creatur fann geben. 4. Allein, herr! du mußt solches thun, Doch gar aus lauter gnaden. Wer sich deß tröst't, der ist erlöst, Und kann ihm niemand schaden. Ob wollten gleich Pabst, kaiser, reich, Sie und dein wort vertreiben, Ist doch ihr macht Geg'n dir nichts g'acht't, Sie 701. Ach gott om him. mel sieh darein, wohl bleiben. 5. Hilf, herre gott! in die fer noth, Daß sich die auch, bekehren, Die nichts betracht'n, dein wort veracht'n Und wollens auch nicht lehren. Sie sprechen schlecht, Es sen nicht recht, Und habens nie gelesen, Auch nie gehört Das edle wort; Ists nicht ein teuflisch wesen? 6. Ich glaub g'wiß gar, daß es sey wahr, Was Paulus uns thut schreiben; Es muß geschehn, daß all's vergehn, Dein göttlich wort soll blei ben In ewigkeit, War es auch leid Viel hart verstock: ten herzen; Kehr'n sie nicht um, Werden sie drum Leiden gar große schmerzen. Martin Luthers werdest die In keiner noth verlassen, Die dein wort recht als treue knecht Im herz'n und glauben fassen. Giebst ihn'n bereit Die seligkeit, Und läß'st sie nicht verderben. Oherr! durch dich, Bitt ich, laß mich Fröhlich und willig sterben. 7. Gott ist mein herr, so bin ich der, Dem sterben kommt zu gute, Dadurch uns haft aus aller last, Erlöst mit deinem blute; Deß dank ich dir, Drum wirst du mir Nach dein'r verheissung geben, Was ich dich bitt, Versag mirs nicht, Im tod und auch im leben. 8. Herr! ich hoff' je, du Und laß dich deß erbarmen, Wie wenig sind der heilgen dein, Verlassen sind wir ar men! Dein wort man läßt nicht haben wahr, Der glaub ist auch verloschen gar Bey allen menschenkindern. 2. Sie lehren eitel falsche list, Was eigen wik erfindet, Ihr herz nicht eines sinnes ist, In gottes wort gegründet; Der wählet dies, der andre das, Sie trennen uns ohn alle maaß, Und gleissen schön von aussen. 3. Gott woll ausrotten alle lahr, Die falschen schein uns lehren, Darzu ihr zung stolz offenbar Spricht: trot! wer wills uns wehren? Wir ha ben recht und macht allein, Was wir setzen, das gilt ge mein; Wer ist, der uns soll meistern? 4. Darum spricht gott: ich muß auf seyn, Die armen sind zerstöret, Ihr seufzen dringt zu mir herein, Ich hab ihr klag gehöret; Mein heilsam wort soll auf den plan Ge trost und frisch sie greifen sämmtliche Lieder. an, Und seyn die kraft der armen. 5. Das silber durchs feur siebenmal Bewährt wird lauter funden; An gottes wort man warten soll Desgleichen alle stunden. Es will durchs kreuz bewähret seyn, Da wird erkannt sein kraft und schein, Und leucht't stark in die lande. 515 4. Wie lang wollen unwissend seyn, Die solche müh aufladen, Und fressen dafür das volk mein, Und náhr'n sich mit sein'm schaden? Es steht ihr trauen nicht auf gott, Sie rufen ihn nicht in der noth, Sie woll'n sich selbst versorgen. 6. Das wollst du, gott! bes wahren rein Für diesem arg'n geschlechte, Und laß uns dir befohlen seyn, Daß fichs in uns nicht flechte; Der gottlos hauf sich umher findt, Wo diese böse leute sind, In deinem volk erhaben. 5. Darum ist ihr herz nim mer still, Und steht allzeit in furchten; Gott bey den from= men bleiben will, Dem sie mit glauben gehorchen. Ihr aber schmáht des armen rath, Und höhnet alles, was er sagt, Daß gott sein trost ist worden. 702.8 s spricht der uns weisen mund wohl: Den rechten gott wir meynen; Doch ist ihr herz unglaubensvoll, Mit that sie ihn verneinen. Ihr wesen ist verderbet zwar, Vor gott ist 6. Wer soll israel dem armen 3u zion heil erlangen? Gott wird sich sein's volks erbarmen, Und lösen die gefangnen; Das wird er thun durch seinen sohn, Davon wird jacob wonne han, Und Israel sich freuen. du es ein grauel gar, Es thut 703. M leben feliglich, ihr keiner fein gut. Und bey gott bleiben ewiglich, Sollt du halten die zehn gebot, Die uns gebeut unser gott. Kyrie, eleiſon. 2. Gott selbst vom himmel sah herab Auf alle menschenkinder, 3u schauen sie er sich begab, Ob er jemand möcht finden, Der sein'n verstand gerichtet hätt, Mit ernst nach gottes worten thát, Und fragt nach seinem willen. 2. Dein gott und herr allein bin ich, Kein ander gott soll irren dich; Trauen soll mir das herze dein, Mein eigen reich sollt du seyn. Kyrie, eleison. 3. Da war niemand auf rechter bahn, Sie war'n all' ausgeschritten, Ein jeder ging nach seinem wahn, Und hielt verlorne sitten; Es that ihr keiner doch kein gut, Wie wohl gar viel betrog dermuth, Ihr thun sollt gott gefallen. rie, eleison. Kt 2 3. Du sollt mein'n namen ehren schon, Und in der noth mich rufen an; Du sollt heil'gen den sabbathtag, Daß ich in dir wirken mag. Ky: 516 Des seligen Dr. 4. Dem vater und der mutter dein Sollt du nach mir gehorsam seyn, Niemand tôds ten, noch zornig seyn, Und deine eh' halten rein. Kyrie, eleison. 5. Du sollt ein'm andern stehlen nicht, Auf niemand falsches zeugen nicht, Deines nächsten weib nicht begehr'n, Und all sein's guts gern entbehr'n. Kyrie, eleison. 4. Du sollt heilgen den sieb'nden tag, Daß du und dein haus ruhen mag, Du follt von dein'm thun lassen ab, Daß gott sein werk in dir hab. Kyrie, eleison! Martin Luthers 6. Du sollt nicht tödten zorniglich, Nicht hassen, noch selbst rächen dich, Geduld haben, und sanften muth, Und auch dem feind thun das gut. Kyrie, eleison! 8. Du sollt nicht stehlen 704.Dies find bie heil- geld noch gut, Nicht wuchern gen ge bot, Die uns gab unser herre gott Durch Mosen seinen diener treu, Hoch auf dem berge sinai. Kyrie, eleison! 2. Ich bin allein dein gott und herr, Kein götter sollt du haben mehr, Du sollt mir ganz vertrauen dich, Von herzen grund lieben mich. Kyrie, eleison! 3. Du follt nicht führen zu unehr'n Den namen gots tes deines herrn; Du sollt nicht preisen recht und gut, Ohn was gott selbst redt und thut. Kyrie, eleison! 5. Du sollt ehr'n und gehorsam seyn Dem vater und der mutter dein, Und wo dein hand ihn'n dienen kann; So wirst du langes leben han. Kyrie, eleison! 7. Dein eh' follt du bewahren rein, Daß auch dein herz kein ander meyn, Und halten keusch das leben dein, Mit zucht und mäßigkeit fein. Kyrie, eleison! Du sollt aufthun dein milde hand Den armen in deinem land. Kyrie, eleison! 9. Du sollt kein falscher zeuge seyn, Nicht lügen auf den nächsten dein, Sein un schuld sollt auch retten du, Und seine schande decken zu. Kyrie, eleison! 10. Du sollt dein's nach: sten weib und haus Begehren nicht, noch etwas draus; Du sollt ihm wünschen alles gut, Wie dir dein herz selber thut. Kyrie, eleison! 11. Die g'bot all uns ge geben sind, Daß du dein sünd, o menschenkind! Ers kennen sollst, und lernen wohl, Wie man vor gott recht le ben soll. Kyrie, eleison. 12. Das helf uns der herr Jesus Christ, Der unser mittler worden ist; Es ist mit unserm thun verlor'n, Verdienen doch nur eitel zorn. Kyrie, eleison! sämmtliche Lieder. 517 Von der christlichen unsern schaden: Dem tröster, Rirche. heilgen geist, von sünd'n er 705.in' feste burg ist uns reißt, 3um reich gottes unser gott, Der helf uns heischt, Den weg zum gute wehr und waffen; Er mel weißt, bilft uns frey aus aller noth, fröhlich! Amen. Die uns jetzt hat betroffen. s Der alte böse feind, Mit ernst ers jetzt meint, Groß macht und viel list Sein grausam' rüstung ist, Auf erd ist nicht seins gleichen. 2. Mit unsrer macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald verloren; Es streit't für uns der rechte mann, Den gott selbst hat erkohren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Je sus Christ, Der herr zebaoth, Und ist kein ander gott, Das feld muß er behalten. 3. Und wenn die welt voll teufel, wár, Und wollt'n uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen. Der fürst dieser welt, Wie saur er sich stellt, Thut er uns doch nicht; Das macht, er ist gericht't, Ein wörtlein kann ihn fållen. 706. woll uns gott Und seinen segen geben, Sein antlig uns mit hellem schein Erleucht't zum ewgen leben, Daß wir erkennen seine werk, Und was ihn liebt auf erden, Und Jesus Christus heil und stårk Bekannt den heiden werden; Und sie zu gott bekehren. 2. Sodanken gott und loben dich Die heiden überalle, Und alle welt die freue sich, Und sing mit großem schalle, Daß du auf erden richter bist, Und läßt die sünd nicht walten, Dein wort die hut und weide ist, Die alles volk erhalten, In rechter bahn zu wallen. 5. Preis, lob und ehr dem höchsten gott, Dem vater als ler gnaden! Der uns aus lieb gegeben hat Sein'n sohn für 3. Es banke, gott! und lobe dich Das volk in guten tha ten; Das land bringt frucht und bessert sich, Dein wort ist wohl gerathen. Uns fegne vas ter und der sohn, Uns segne gott der heilge geist, Dem alle welt die ehre thut, Für ihn sich fürchte allermeist! Nun sprecht von herzen: Amen. 4. Das wort sie sollen lassen stahn Und kein'n dank dazu haben; Er ist bey uns wohl auf dem plàn Mit seinem geist und gaben. Nehmen sie uns den leib, Gut, ehr, find und weib, Laß fahren dahin, Sie 707. Erhalt uns, herr, bey wort, habens kein gewinn, Das reich muß uns doch bleiben. Und steur des pabst und türken mord, Die Jesum Christum deinen sohn Stürzen wollen von seinem thron. 2. Beweis' dein macht, herr Jesu Christ! Der du herr Des seligen Dr. Martin Luthers bey, Des gott's himmels und der erden. Von der Taufe. 518 aller herren bist, Beschirm dein arme christenheit, fie dich lob in ewigkeit. Daß 3. Gott heilger geist, du trôster werth! Gieb dein'm volt 709. Chrift, unfer herr, einerley finn auf erd, Steh bey uns in der letzten noth, G'leit uns ins leben aus dem tod. zum jordan kam, Nach seines vaters willen, Von sanct Johann's die taufe nahm, Sein werk und amt zu' rfüllen; Da wollt er stif ten uns ein bad, 3u waschen uns von sünden, Ersäufen auch den bittern tod Durch sein selbst blut und wunden; Es galt ein neues leben. 2. So hört und merket alle wohl, Was gott selbst heißt die taufe, Und was ein christe glauben soll, 3u meiden keterhaufen; Gott spricht, und will, daß wasser sey, Doch nicht allein schlecht wasſer, Sein heiligs wort ist auch dabey, Mit reichem geist ohn maaßen, Der ist allhier der täufer. Dr. Justi Jonå Zusatz. 4. Ihr anschläg, herr, zu nichte mach, Laß sie treffen die böse sach, Und siürz sie in die grub hinein, Die sie machen den christen dein. 5. So werden sie erkennen doch, Daß du, uns'r herr gott, lebest noch, Und hilft gewal: tig deiner schaar, Die sich auf dich verlassen gar. 708. år gott nicht mit uns diese zeit, So soll israel sagen, Wår gott nicht mit uns diese zeit, Wir hatten müss'n verzagen, Die so ein armes häuslein sind, Veracht't von so viel menschen kind, Die an uns sehen alle. 2. Auf uns ist so zornig ihr sinn; Wo gott das hått zuge: ben, Verschlungen hätten sie uns hin Mit ganzem leib und leben; Wir wär'n als die ein fluth ersäuft, Und über die groß wasser läuft, Und mit gewalt verschwemmet.. 3. Gott lob und dank, der nicht zugab, Daß ihr schlund uns mocht fangen! Wie ein vogel des stricks kommt ab, Ist unsre feel entgangen; Strick ist entzwey und ich bin frey, Des herren name steh uns wohnen sich ergeben. 3. Solchs hat er uns bewiesen klar Mit bildern und mit worten. Des vaters stimm man offenbar Daselbst am For: dan hörte; Er sprach: das ist mein lieber sohn, An dem ich hab gefallen, Den will ich euch befohlen han, Daß ihr ihn höret alle, Und folget seiner lehre. 4. Auch gottes sohn hier selber steht In seiner zarten menschheit, Der heilge geist hernieder fährt. In taubenbild verkleidet; Daß wir nicht sollen zweifeln dran, Benn wir getaufet werden, All drey person'n getaufet han, Da mit bey uns auf erden 3u sámmtliche Lieder. 519 5. Sein jünger heißt der 2. Der heilige leichnam ist herre Christ: Geht hin, all welt zu lehren, Daß sie ver: lor'n in fünden ist, Sich soll zur buße kehren; Wer gláubet und sich taufen läßt, Soll das durch selig werden, Ein neu: geborner mensch er heißt, Der nicht mehr könne sterben, Das himmelreich soll erben. 6. Wer nicht glaubt dieser großen gnad. Der bleibt in seinen fünden, Und ist verdammt zum ew'gen tod, Tief in der höllen grunde; Nichts hilft sein eigen heiligkeit, All sein thun ist verloren, Die erbsünd machts zur nichtigkeit, Darin er ist geboren, Vermag ihm selbst nichts belfen. für uns gegeben Zum tod, daß wir dadurch leben; Nicht größer güt könnt er uns schenken, Dabey wir sein soll'n gedenken. Kyrie, eleison! Herr! dein lieb so groß dich gezwungen hat, Daß dein blut an uns groß wunder that, Und bezahlt unsre schuld, Daß uns gott ist worden huld. Kyrie, eleison! 3. Gott gab uns allen seinen gnadensegen, Daß wir gehn auf seinen wegen In rechter lieb und brüderlicher treue, Daß uns die speis nicht gereue. Kyrie, eleison! Herr! dein heilger geist uns nimmer laß, Der uns geb zu halten rechte maaß, Daß deine arme christenheit Leb in fried und einigkeit. Kyrie, eleiſon! Joh. Huß Lied, verbessert durch D. M. Luther. esus 7. Das aug allein das wasser sieht, Wie menschen wasser gießen; Der glaub im geist die kraft versteht Des blutes Jesu Christi, Und ist vor ihm eine rothe fluth, 711. ferheiland, Der Die allen schaden heilen thut, Von Adam her geerbet, Auch von uns selbst begangen. Vom heiligen Abendmahl. 710.6ott fey gelobet und gebenedeyet, Der uns selber hat gespeiset Mit seinem fleische und mit feinem blute! Das gieb uns herr gott zu gute. Kyrie, eleison! Herr! durch deinen heiligen leichnam, Der von deiner mutter Maria kam, Und das heilige blut, Hilf uns, herr! aus aller noth. Kyrie, eleison! von uns den gottes zorn wandt, Durch das bittre leis den sein Half er uns aus der höllen pein. 2. Daß wir nimmer deß vergessen, Gab er uns sein'n leib zu essen, Verborgen im brod so klein, Und zu trins ken fein blut im wein. 3. Wer sich zu dem tisch will machen, Der hab wohl acht auf seine sachen; Wer unwürdig hinzu geht, Für das leben den tod empfäht. 4. Du sollt gott den vater preisen, Daß er dich so wohl Des seligen Dr. Martin Luthers 520 thut speisen, Und für deine missethat, In den tod sein'n sohn gegeben hat. 5. Du sollt glauben und nicht wanken, Daß ein' speise sey der kranken, Den'n ihr herz von sünden schwer Und für angst ist betrübet sehr. deiner gnade leben. 2. Bey dir gilt nichts denn gnad und gunst. Die fünde zu vergeben, Es ist doch unfer thun umsonst Auch in dem besten leben. Für dir niemand sich rühmen kann, Deß muß sich fürchten jedermann Und 6. Solch groß gnad und barmherzigkeit Sucht ein herz in großer arbeit; Ist dir wohl, so bleib davon, Daß du nicht kriegst bösen lohn. 3. Darum auf gott will hoffen ich, Auf mein verdienst nicht bauen, Auf ihn mein herz soll lassen sich, Und seiner gute trauen, Die mir zusagt sein werthes Wort; Das ist mein trost und treuer hort, Deß will ich allzeit härren. 7. Er spricht selber: kommt ihr armen, Laßt mich über euch erbarmen; Kein arzt ist dem starken noth, Sein kunst wird an ihm gar ein spott. 4. Und ob es währt bis in die nacht, und wieder an den morgen; Doch soll mein herz an gottes macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. So thu Israel rechter art, Der aus selber dir helfen willt. dem geist erzeuget ward, Und 8. Háttst du dir was könn'n erwerben, Was dürft' ich dann für dich sterben? Dieser tisch auch dir nicht gilt, So du seines gott's erharre. 9. Glaubst du das von herzengrunde, Und bekennests mit dem munde, So bist du recht wohl geschickt, und die speis dein seel erquickt. 10. Die frucht soll auch nicht ausbleiben, Deinen nách sten sollt du lieben, Daß er dein genießen kann, Wie dein gott an dir gethan. 5. Ob bey uns ist der fünden viel, bey gott ist viel mehr gnade, Sein hand zu helfen hat kein ziel, Wie groß auch sey der schade; Er ist allein der gute hirt, Der Ifrael erlösen wird aus seinen sünden allen. Vom Gebet. Von der Buße. sus tiefer noth 712.A“ schrey ich zu dir: 713.Vater unser im Herr gott! erhór mein rufen, Dein gnådig ohr wend her zu mir, Und meiner bitt fie öffen; Denn so du willt das sehen an, Was sünd und unrecht ist gethan, Wer kann, herr! für dir bleiben? himmelreich, Der du uns alle heißest gleich brüder seyn und dich rufen an, Und willst das beten von uns han! Gieb, daß nicht bet allein der mund, Hilf, daß es geh von herzen grund. 2. Geheiligt werd der name Did sammtliche Lieder. dein, Dein Wort bey uns hilf halten rein, Daß wir auch leben heiliglich Nach deinem namen würdiglich. Behüt uns, herr, für falscher lehr, Das arm verführte volk bekehr. 521 gerüst't, Und durch des heilgen geistes trost. 8. Von allem übel uns erlos, Es sind die Zeit und tage bis; Erlös uns von dem, ewgen tod, Und tröst uns in der letzten noth, Bescheer uns all'n ein selges end, Nimm unsre feet in deine hånd. 9. Amen! das ist, es werde wahr; Stárk unsern glauben immerdar, Auf daß wir ja nicht zweifeln dran, Was wir hiemit gebeten han; Auf dein wort, in dem namen dein, So sprechen wir das amen fein. 3. Es komm dein reich zu dieser Zeit Und dort hernach in ewigkeit, Der heilge geist uns wohne bey Mit seinen gaben mancherley; Des fas tans zorn und groß gewalt -Zerbrich, für ihm dein kirch erhalt. 4. Dein will gescheh, herr gott! zugleich Auf erden wie im himmelreich; Gieb uns geduld in leidenszeit, Gehorsam Te Deum laudamus. seyn in lieb und leid; Wehr und steur' allem fleisch und blut, Das wider deinen willen thut. 5. Gieb uns heut unser tåglich brodt, Und was man darf zur leibes noth; B'hút uns, Herr! für unfried und streit, Für seuchen und für theurer zeit. Daß wir in gutem friede stehn, Der forg und geizes müßig stehn. 6. All unsre schuld vergieb uns, herr! Daß sie uns nicht betrübe mehr, Wie wir auch unsern schuldigern Ihr schuld und fehl vergeben gern; Zu dienen mach uns all bereit, In rechter lieb und einigkeit. 7. Führ uns, herr! in versuchung nicht. Wenn uns der böse geift anficht, 3ur linken und zur rechten hand, Hilf uns thun starken widerstand, Im glauben fest und wohlVerdeutscht durch Dr. Martin Luther. 714.5 err gott! dich lo= ben wir! Herr gott! wir danken dir! Dich, gott vater in ewigkeit, Ehret die welt weit und breit. All engel und himmelsbeer, Und was dienet deiner ehr, Auch cherubim und seraphim Singen immer mit hoher stimm: Heilig ist unser gott! Heilig ist unser gott! Heilig ist un ser gott! Der herre zebaoth! Dein göttlich macht und herrlichkeit Geht über himmel und erde weit. Der heiligen zwölf boten zahl, Und die lieben propheten all, Die theuren mårtrer allzumal Loben dich, herr! mit großem schall Die ganze werthe christenheit Rühmt dich auf erden allezeit; Dich, gott vater, im höchsten thron, Deinen rechten und Des seligen Dr. Martin Luthers 522 ein'gen sohn, Den heilgen geist und tröster werth, Mit rechtem dienst sie lobt und ehrt. Du könig der ehren, Jesu Christ! Gott vaters ewger sohn du bist. Der jungfraun leib nicht hast verschmäht, Zu'rld sen das menschlich geschlecht; Du hast dem tod zerstört sein macht, Und all christen zum himmel bracht; Du fiz'st zur rechten gottes gleich mit aller ehr ins vaters reich; Ein rich: ter du zukünftig bist Alles, was tod und lebend ist. Nun hilf uns, herr! den die nern dein, Die mit dein'm theuren blut erlöset seyn. Laß uns im himmel haben theil, Mit den heilgen am ewgen heil. Hilf deinem volk, herr Jesu Christ! Und segne, was dein erbtheil ist; Wart und pfleg ihr'r zu aller zeit, Und heb sie hoch in ewigkeit. trauen auf Gott. Täglich, herr gott! wir loben dich, Und ehr'n deinen namen stetiglich. Behüt uns heut, o treuer gott! Für aller sünd und missethat. Sey uns gnädig, o herre gott! Sen uns gnådig in aller noth. Zeig uns deine barmherzigkeit, Wie unsre hoffnung zu dir steht. Auf dich hoffen wir, lieber herr! In schanden laß uns nimmermehr. Amen. Vom Glauben und Ver: 716. mitten wir im leDaß wir gnad erlangen? Das bist du, herr! alleine. Uns reuet unsre missethat, Die dich, herr! erzúrnet hat. Heiliger herre gott! Heiliger starker gott! Heiliger barmherziger heiland! Du ewiger gott! Laß uns nicht versinken In der bittern todesnoth. Kyrie, eleison. 2. Mitten in dem tod anficht Uns der höllen rachen; Wer will uns aus solcher noth Frey und ledig machen? Das thust du, herr! alleine. Es jammert dein barmherzigkeit Unser sünd und großes leid. Heilger herre gott! Heiliger starker gott! Heiliger barmherziger heiland! Du ewiger gott! Laß uns nicht verzagen Für der tiefen höllenglut. Kyrie, eleison! dem tod umfangen; Wen such'n wir, der hülfe thut, 3. Mitten in der höllenangst Unsre sünd uns treiben; Wo soll'n wir denn fliehen hin, Da wir mögen bleiben? Zu dir, herr Christ! alleine. Vergossen ist dein theures blut, Das gnug für die sünde thut. Heiliger herre gott! Heiliger starker gott! Heiliger barmherziger heiland! Du ewiger gott! Laß uns nicht enta fallen Bon des rechten glaubens trost. Kyrie, eleiſon. ott der vater! wohn uns bey, Und laß uns nicht verderben; Mach uns aller sünden frey, und hilf uns selig sterben; Für dem teufel uns bewahr, Halt uns bey festem glauben, sämmtliche Lieder. Und auf dich laß uns bauen, Aus herzensgrund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, Mit allen rechten christen Entfliehn des teufels lústen, Mit waffen gottes uns rusten. Amen, amen, das sey wahr! So singen wir hallelujah. Trost im Tode. 2. Jesus Christus! wohn 718. Mit fried und uns bey ic. ich fahr dabin, In gottes willen; Getrost ist mir mein herz und sinn, Sanft und stille, Wie gott mir verheißen hat; Der tod ist mein schlaf worden. 2. Das macht Chriftus, wahr'r gottes sohn, Der treue heiland, Den du mich, herr! hast sehen lahn, Und machst bekannt, Daß er sey das leben und heil In noth und auch im sterben. 3. Heilger geist! uns wohne bey 2c. 717.Wohl dem, der in gottes 523 5. Fristen wird er das le ben dein. Und mit gute stets ben dir seyn, Daß du wirst sehen kindeskind, Und daß israel friede find't. steht, Und auch auf seinem wege geht! Dein eigen hand dich nähren soll. So lebst du recht, und geht dir wohl. 2. Dein weib wird in dein'm hause seyn, Wie eine rebe voll trauben fein, Und deine kind'r um deinen tisch, Wie öhlpflan zen, gesund und frisch. 3. Sieh, so reich segen hangt dem an, Wo in gortes furcht lebt ein mann! Bon ihm låst der alt fluch und zorn, Den menschenkindern angeborn. 4. Aus zion wird gott segnen dich, Daß du wirst schauen stetiglich Das glück der stadt jerusalem, Bor gott in gnaden angenehm. 3. Den hast du allen vorgestellt Mit großen gnaden, 3u seinem reich die ganze welt Heißen laden Durch dein theuer heilsam wort, Un allem ort erschollen. 4. Er ist das heil und selge licht Für die heiden, Zu erleuchten, die dich kennen nicht, Und zu weiden. Er ist deins volkes israel Der preis, ehr, freud und wonne. Gebete zur häuslichen und Privatandacht. 1. Gebet, um recht und Gott wohlgefällig zu beten. Mei ein Gott! So oft ich beten will, und wirklich bete, laß mich erkennen und bedenken, daß das Gebet keine solche Handlung sey, wodurch dir, dem höchsten und vollkommensten Wesen, ein besonderer Dienst geschehe, oder dir ein Vortheil und Nugen, eine hühere Vollkommenheit und Würde zuwachse; sondern daß du mir diese Pflicht blos um mein selbst willen und zu meinem eignen Besten anbefohlen hast, und daß das Gebet mir ein Mittel zu meiner eigenen Wohlfahrt, ein Mittel zur Erweckung und Unterhaltung meines Glaubens und meines thátigen Christenthums seyn solle. Laß mich daher jederzeit so beten, daß dieser große Endzweck an meiner Seele erreicht werden kann. Laß mich bedenken, daß ich ein schwaches, ein ohnmächtiges und dürftiges Geschöpf bin, das allein durch dich sein Leben und Daseyn, Vernunft und Kräfte erhalten hat, und ich jedes zeitliche und geistliche Gut, das ich besitze, noch immerfort durch deine Weisheit, Ullmacht und Güte besize; daß ich also völlig von dir abhange, daß du mein Vater und Schöpfer, mein Woblthåter und Erhalter, mein Herr und mein Richter bist; daß ich daher verpflichtet bin, dich in allem diesem Betracht findlich zu verehren, alles, was ich bedarf, von dir in Demuth und Glauben zu erbitten und zu erwarten, und, um dies zu können, deine Befehle gewissenhaft zu erfüllen, und mich nach deinem Willen zu bilden. D! laß das Gebet mir ein kräftiges Mittel werden mich stets zu allem Guten zu erwecken. Laß es mir ein Mittel werden, mich in der Furcht vor dir, in der Liebe und Dankbarkeit gegen dich, in dem Vertrauen auf dich, zu stärken; mich in der christlichen Gewissenhaftigkeit, in der Demuth, Reinigkeit und Heiligkeit meines Herzens, in der Liebe gegen meine Nebenmenschen, und in allen Tugenden zu ermuntern und zu befestigen. Lehre mich meine Schwachheit, meine Sündlichkeit und Unvollkommenheit immer mehr erkennen, um mich ernstlich zu bestreben, immer besser und Morgengebete. 525 tugendhafter zu werden. Schenke mir den Geift des Gebets, das ich oft und mit Lust vor dir trete, und in der Empfindung der Würde und Ehre, mit dir, dem erhabensten Wesen, als ein niedriges und sündliches Geschöpf reden zu dürfen, mich gern mit dir unterhalte. Erleuchte meinen Verstand, daß ich dich und deine Herrlichkeit immer besser erkennen und verehren lerne. Bey einem jeden Ge bete ziehe du mein Herz zu dir; laß meine Undacht nie durch Leichtsinn, durch Serstreuung, durch Gedanken an das Irdische, gestört und vereitelt werden; mäßige überhaupt in mir die Liebe und den Hang zu irdischen und vergånglichen Dingen, und laß mich nach den wahren und dauerhaften Gütern, nach dem Vorzuge, dir zu gefallen, und rechtschaffen und fromm zu seyn, immer zuerst und am meisten trachten. Jedes Gute, was ich bedarf, laß mich von dir erbitten, und jede Wohlthat, die du mir schenkest, mit Dankbarkeit erkennen, und dich dafür preisen. Keinen Tag, kein Geschäfte laß mich ohne Gebet anfangen, und keinen Tag und Geschäfte ohne Gebet beschließen, auch mich gewöhnen, bey jeder vorkommenden besondern Veranlassung mein Herz zu dir zu erheben. Gieb, daß die Uebungen der häuslichen Undacht und des häuslichen Gottesdienstes mir immer leichter, angenehmer und nützlicher werden, das mit ich sie allen sündlichen Ergötungen und kindischen Zeitvertreiben irdischgesinnter Menschen vorziehe, und mich immer mehr an dem vergnügen lerne, was mich ewig er freuen soll. Erhöre mich, um Jesu Christi meines Heis landes willen. Amen. 2. Morgengebete. Une nendlicher und allmächtiger Gott! Durch deine Güte bin ich abermal zu diesem Leben erwacht, da ich gestern nicht wissen konnte, ob nicht der Schlaf meines Körpers von dieser Nacht bis an jenen Tag der allgemeinen Erwekkung aller Todten dauern würde. Verleihe mir denn nun auch die Gnade, daß ich als ein Mensch, als ein Geschöpf von Vernunft und Nachdenken, erwacht seyn möge; als ein Geschöpf, das dich, den unendlichen Urheber seines Daseyns, erkennen, fürchten und lieben, und von deiner unendlichen, so unverdienten Güte recht tief gerührt seyn kann und soll. Und, o du Gott von unermeßlicher Erbarmung! Wie kann ich deine gnådige Fürsorge genugsam loben und prei 526 Morgengebete. sen, die mich, während meines ganzen Lebens, und auch in ieser Nacht, vor so mannigfaltigen unglücklichen Zufällen bewahret hat, vor welchem mich sonst nichts, als deine allmächtige und allwissende Regierung bewahren konnte! Erhalte du selbst die Empfindung beständig lebhaft in meiner Seele, daß mein Leben und Kräfte, daß alles, was ich bin und was ich habe, meine Arbeiten und Beschäftigungen, meine Schicksale und Begegnungen, meine zeitliche und ewige Wohlfahrt bloß in deinen Händen stehen, und gånzlich auf deiner allgegenwärtigen Macht, Weisheit und Güte beruhen. Laß mich durch den beständigen Genuß deiner unendlichen, so unverdienten und so unermüdeten Güte auch beständig und kräftig angetrieben werden, mit dankbarer Freudigkeit und findlichem Gehorsam dieses zeitliche Leben überhaupt, und die besondern Umstånde, worein deine gnadenvolle Vorsehung mich geseht hat, und künftig sehen wird, zur Erfüllung deiner weisen und gütigen Absichten anzuwenden. Hilf, daß ich niemals die Wichtigkeit dieses kur zen und flüchtigen Lebens vergesse, das, bey aller seiner Kürze und Flüchtigkeit, durch die böse oder gute Anwendung desselben mich entweder zu dem allerunwürdigsten und unglücklichsten, oder zu dem edelsten und glücklichsten deiner Geschöpfe machen kann. Laß mich auch insonderheit heute. so glücklich seyn, daß ich durch den Beystand deiner Gnade diesen Tag nicht blos in irdischen Geschäften, noch weniger aber in einer unfruchtbaren Unthätigkeit, in leeren 3erstreuungen und unnüßen Beschäftigungen verliere; sondern daß ich heute die Erkenntniß meines Verstandes und die Empfindungen meines Herzens zu verbessern, und alle Handlungen der Rechtschaffenheit, Wohlthätigkeit, Dienstfertigkeit und Leutseligkeit, wozu ich nur Gelegenheit finden kann, auszuüben bemüht seyn möge. Wenn ich in den Gesellschaften, worein ich etwa heute komme, oder bey andern Gelegenheiten und Vorfällen, sehe und höre, daß Wahrheit, Religion und Tugend unterdrückt, oder verachtet und verspottet wird; so laß mich ja nicht versäumen, meine Ehrerbietung und Liebe für die Wahrheit, mit Verstande, mit menschenfreundlicher Güte, und mit männlichem Ernste zu beweisen. Und da du, Allwissender! meine Schwäche im Guten kennest, da in den verderbten Neigungen meiner Natur, in den Reizungen einer ganzen sinnlichen Welt, in den herrschenden Grundsätzen und Lebensarten des großen Haufens, Morgengebete. 527 sowohl der angesehensten als unangesehensten Menschen, selbst für die edelste und glücklichste Gemüthsverfassung des Chris sten so viel gefährliches liegt, so starke du meinen Glauben und meine Tugend durch deine Gnade. Erhalte und vermehre in mir die Lebhaftigkeit meiner Ueberzeugungen von meiner so theuren Versöhnung, und die Lebhaftigkeit meiner Erkenntniß und Empfindung, daß Tugend, Rechtschaffenheit und Gutherzigkeit, daß Unschuld des Herzens und des Wandels die wohlthätigsten Wirkungen auf die Ruhe und das Glück der Menschen, sowohl für mich als andere, haben. Laß daher meine Einsicht und Empfindung von meiner hochsten und unaufhörlichen Verpflichtung zu dieser Tugend und Reinigkeit meines Herzens und Wandels, und von ihrer Liebenswürdigkeit und Möglichkeit, durch keine böse Erempel und Grundsätze des Leichtsinns, der Wollust und der Gottesvergessenheit geschwächt und vermindert werden. Erbarme dich denn auch, unendlich gütiger Gott und Vater der Menschen! heute aller elenden, unterdrückten, und bekümmerten Menschen, wo sie auch immer seyn mögen, und insonderheit auch aller derjenigen, die mir besonders angehös ren. Bringe sie immer mehr und mehr zur Erkenntniß und Empfindung der Glückseligkeit, deren sie durch Religion und Tugend fähig sind; und segne sie auch im leiblichen mit allem demjenigen, wovon deine Weisheit sieht, daß es ihnen gut und heilsam ist. Erhöre mein demüthiges Gebet, unendlich liebreicher Gott! nach deiner großen Erbarmung, die du uns in Jesu Christo, deinem Sohne, meinem göttlichen Mittler, geoffenbaret hast. Umen. 3. Ein anderes Morgengebet. ott, Schöpfer und Herr Himmels und der Erden! barmherziger Wohlthäter und Vater der Menschen! Dich bete ich als den Urheber und Erhalter meines Lebens, als den Gott meines Heils, als die ewige und unerschöpfliche Quelle meiner Glückseligkeit, demüthigst an. Dir danke ich mit Freuden für mein Leben, für meine Gesundheit, für meine Kräfte, für alle geistliche und leibliche Vortheile, die ich besite. Dir danke ich insbesondere dafür, daß du mich in dieser Nacht mit deinem máchtigen Schuße bedecket, daß du alle Gefahren, die mir droheten, von mir abgewandt, daß du meinen Leib durch einen sanften Schlaf erquicket, und mir neue Kraft und neues Leben eingeflóßet hast. Gott: deine 528 Morgengebete. Gute ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Sie übertrifft alle unsre Verdienste unendlich; sie ist weit größer, als daß wir dir jemals genug dafür danken könnten. Wer bin ich, o Gott! wer bin ich, daß du auch mein gedenkest, und dich meiner so váterlich annimmst? Ich bin ein Sünder, der deine beiligen Gefeße übertreten, der deine Wohlthaten öfters gemißbraucht, der sich des schåndlichsten Undanks gegen dich schuldig gemacht, und als ein solcher nichts als Ungnade und Strafe verdienet hat. Ja, Herr, wie könnte ich bestehen, wenn du mit mir ins Gericht geben wolltest! Aber du handelst nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergiltst uns nicht nach unsern Missethaten. Noch schonest du meiner, wie ein Vater seines Sohnes schonet. Noch fährest du fort, mich zu segnen und mir Gutes zu thun. Noch willst du mich durch Güte zur Buße leiten. Noch schenkst du mir Zeit und Kräfte, an meiner Besserung zu arbeiten, und meine Heiligung in deiner Furcht zu vollenden. Wie beschämt mich deine Güte und Huld, o Gott! wie reuet es mich, daß ich dich, meinen Vater und Wohlthåter, so oft beleidiget, und dir den schuldigen Gehorsam verweigert habe! Ach, strafe mich nicht, wie ich es verdienet habe. Sey mir gnådig in Christo, deinem Sohne, und verzeihe mir um seinentwillen alle meine Sünden. Siehe, ich heilige mich dir ganz und gar. Ich verabscheue das Böse, das ich bisher geihan habe; ich wünsche nichts mehr, als immer besser, im= mer tugendhafter und heiliger zu werden. Ich erneure hiemit in deiner Gegenwart, o Gott! den aufrichtigen Vorfah, alle unordentlichen Begierden, die in mir aufsteigen, zu unterdrücken, alle böse Gewohnheiten, die ich noch an mir babe, zu bestreiten, und mich in meinem ganzen Verhalten, nicht nach dem Willen meines Fleisches, oder nach dem Beyspiele der Lasterhaften, sondern allein nach deinen guten und heiligen Geboten, zu richten. Dir, meinem Schöpfer und Herrn, zu gehorchen, deiner Gnade und deines Beyfalls mich zu versichern, nach deinem Bilde erneuert, und dadurch deiner feligsten Gemeinschaft fähig zu werden; dies soll meine ernstliche Bemühung, dies soll meine Ehre, mein Ruhm und meine Glückseligkeit seyn. Ja, ich schwöre es, und will es halten, daß ich deine gerechten, weisen und guten Gebote halten will. Gott! stehe mir selber mit deiner Gnade bey, diesen guten Vorsak mit Treue zu erfüllen; denn ohne dich vermag ich nichts. Schenke mir deinen Geist, der mich erleuchte, reinige, und auf den Weg der Wahrheit und Tugend Morgengebete. führe. Bewahre mich auch heute vor allen Versuchungen zur Sünde; und wenn ich versucht werde, so laß mich nicht fallen. Bewahre mich insonderheit vor den Sünden, zu denen ich am meisten geneigt bin, und die noch die größte Gewalt über mich haben. Gieb, daß ich sorgfältig, über mich selbst wache, daß ich alle Anlässe und Gelegenheiten zum Bósen fliehe, und jeden sündlichen Gedanfen, jede unerlaubte Neigung, die in mir entstehen, unverzüglich unterdrücke. Laß die Vorstellung von deiner Allwissenheit und deiner mich allenthalben umgebenden Gegenwart mich übers all begleiten, und mein Herz mit der tiefsten Ehrfurcht vor dir und deinen Gesetzen erfüllen. Laß mich oft an den Tod, an dein zukünftiges Gericht, und an die Ewigkeit gedenken, und dadurch weise werden zur. Seligkeit. Erfülle mich mit einer aufrichtigen Liebe gegen alle Menschen, und laß mich meinen Brüdern so nüßlich werden, als es die Fähigkeiten, die du mir verliehen, und die Umstände, in welche du mich gefehet hast, erlauben. Verleihe mir Gesundheit und Kräfte zu meinen Berufsgeschäften, und begleite sie mit deinem Segen. Gieb daß ich ben meiner Arbeit mein Herz oft zu dir erhebe, deine Vorsehung in allem, was mir begegnet, demüthig verehre, und weder dem Geize noch der Ungerech tigkeit, noch irgend einem andern Laster, den Zugang zu meiner Seele verstatte. 529, Dir und deiner Gnade, o Gott! empfehle ich alle Menschen. Laß das Licht deiner Offenbarung sich über alle Volker ausbreiten. Wehre dem Unglauben und dem Uberglauben, und erweitere die Grånzen des Reichs der Wahrheit und der Tugend. Segne unsern Landesherrn und die Obrigkeit, die du über uns gesetzt haft. Segne die Lehrer, und laß fie reizende Muster der wahren Weisheit, der Liebe und aller christlichen Tugenden seyn. Segne diese Stadt, ( diesen Ort) dieses Land, und alle Einwohner desselben. Gegne insbesondere diejenigen, die du durch die Bande des Bluts und der Freundschaft mit mir verbunden haft. Gieb, daß wir alle die Pflichten unsers Berufs treulich erfüllen, daß wir das allgemeine Beste unserm besondern Nußen vorziehen, und deine Ehre und das Heil unsrer unsterblichen Seele zum letzten Endzwecke aller unsrer Bemühungen machen. Erhöre mich, Bater der Barmherzigkeit! sey mir gnädig um Jesu Christi willen. Amen. 2 1 530 puble 4. Abendgebet. thin him al of ndo $ 2001 nendlicher und allgegenwärtiger Gott! So bin ich denn abermals so glücklich, daß ich mich mit Gebet zu dir wenden kann, und daß ich es zu dir, als meinen in Chrifto versöhnten Vater von unaussprechlicher gnädiger Herablassung und Geduld mit der kindlichen Zuversicht thun kann, mein demüthiger Dank werde dir bey aller seiner Unvollkommen. heit angenehm seyn, und meine flehentliche Bitte erhöret werden. Nun, du Gott der Barmherzigkeit! mit gerührtem Herzen danke ich dir für alle deine Gnade, die du auch heute mir erwiesen hast, daß du mich auch den heutigen Tag unter dem so offenbaren Einflusse deiner gnadenvollen Re gierung haft zurücklegen lassen, und daß du mich an dem felben vor so vielem Kummer und Elend bewahret hast, das mich in meiner eigenen Person und in meinen Ungehörigen hátte treffen können. Insonderheit danke ich dir, erbarmungs voller Gott!( und o! möchte ich fähig seyn, diesen Reichthum deiner väterlichen Güte recht zu erkennen und zu preis fen!) insonderheit danke ich dir, daß ich bey dem Schlusse diefes Tages ein so glückliches Geschöpf bin, daß ich mich durch Christum von deiner Gnade und väterlichen Zufrieden. beit versichern kann, und daß selbst meine heutigen Fehler und Verfündigungen mir deine våäterliche Liebe und Erbari mung nicht geraubet haben, sondern daß ich ihre Vergebung bey dir durch Christum suchen und erhalten kann. So vergieb mir denn, mein Gott! mein Vater! vergieb mir, nach deiner erbarmenden Liebe zu deinen Menschen, nach der theuren Verheißung meines Erldsers, alles, was ich heute in meinen Pflichten versäumet, oder was ich aus Flüchtigkeit oder 3erstreuung, oder aus Mangel des schuldigen Eifers im Guten, gefehlet habe. Ja, ich weiß, du vergiebst es mir, so gewiß, als ich mit gerührtem und findlichem bußfertigem Hers zen dich durch Jesum Christum darum anflehe, und auf des sen theure Erlösung und deine unendliche Erbarmung allein mein Vertrauen setze. Ewiges Lob, ewiger Preis und Dank sey deiner göttlichen Liebe für die Religion, welche die Versöhnung, welche die Begnadigung undankbarer Sünder predigt, und doch den Sündern keine Ursache zur Leichtsinnigkeit und Sorglofigkeit giebt! Ja, unendlich gütiger Gott! mit innigst gerührtem und dankbarem Herzen, und aus eiges ner freudiger Erfahrung erkenne ich es, daß nur durch die in deinem Worte und durch unsern ewig anbetungswürdigen Abendgebete. 531 Erlöser geoffenbarte Religion der Mensch mit Vernunft rus hig seyn, daß er nur durch sie ein so gutes und glückliches Geschöpf werden kann, als er nach seiner Natur, und nach deinen gütigen Absichten seyn soll; daß er ohne sie nur elend, nie mit Vernunft ruhig seyn würde, und daß er ohne sie nie die Kräfte haben könnte, feine Pflichten so auszuüben, als zu seiner eigenen Glückseligkeit, und zur Wohlfahrt seiner Nebenmenschen unumgånglich nothwendig ist. O! so laß mich gegen deine unaussprechliche Güte, du Gott der Erbarmung! nie so undankbar werden, dies wieder zu vergessen. Erhalte du meine Einsicht und Empfindung von dieser großen und theuren Wahrheit immer lebendig in meiner Seele, wenn auch noch so viele Menschen zu ihrem eigenen Unglücke, die Wohlthätigkeit deiner Religion und den unendlichen Werth deiner Erbarmung in Chrifto verkennen und unempfindlich dagegen bleiben sollten. Ich erneure hies mit nochmals meine dankbare Entschließung zur Treue und Folgsamkeit gegen diese Religion und deine darin geoffenbarte Güte. Verlaß mich nicht bey meiner natürlichen Schwachheit, bey den Hindernissen, die mich von allen Seiten umgeben, und bey der Gefahr, worin ich immer noch wegen meiner eigenen Sinnlichkeit bin. Ersebe vielmehr mein Unvermögen durch den kräftigen Einfluß der Erinnerungen und Triebe des Geistes. Ja, gütiger, unendlich gus tiger Gott! du erhörst das Gebet deiner Menschen; du fannst es nicht unerhört lassen. Nun in diesem kindlichen Vertrauen, in dieser Empfindung von meiner Glückseligkeit, die ich durch dich, o Gott! und durch deinen eingebornen Sohn, meinen Erlöser, befiße, übergebe ich mich dir auch in dieser Nacht, mit allen meinen Angehörigen und Freunden. Sorge für sie und auch für mich, nach deiner váterlichen Erbarmung. Soll ich nach deinem gnädigen Willen noch lánger hier leben, so laß mich morgen mit einer dankbaren Empfindung deiner Güte erwachen, und mich den Tag zu der Erfüllung deiner gütigen Absichten anwenden. Sollte ich aber in dieser Nacht dieses Leben der Vorbereitung zur Ewigkeit verlassen; o so vergieb mir, was ich von diesem großen Endzwecke versäumet habe, um Jesu Christi willen, und erfülle deine theure Verheißung, daß du mich um seis ner theuren Erlösung willen, ohne mein Verdienst, als vollig begnadigt annehmen, und bey dir ewig selig machen wollest. Erhöre mich, mein Gott! mein Vater! um Jesu Christi willen. Amen. 212 Abendgebete. 5. Ein anderes Abendgebet. axbilbin ch freue mich deiner Güte, o Gott! und komme mit Danken vor dein Angesicht. Jeder Tag, jede Stunde, jeder Augenblick meines Lebens giebt mir neue Beweise von deiner väterlichen Huld und Gnade, und legt mir neue Vers pflichtungen zur Dankbarkeit und zum Gehorsam gegen dich meinen Vater und Wohlthäter, auf. Auch heute hast du dich an mir Unwürdigen nicht unbezeugt gelassen. Auch heute hast du mir, in allen Absichten, viel Gutes gethan. Wie viele bekannte und unbekannte Gefahren und Uebel hast du durch deine gnädige Vorsehung von mir abgewandt! Vor wie vielen Sünden, die unter allen Uebeln die größten sind, hast du mich Schwachen bewahret! Wie viele geistliche und leibliche Wohlthaten habe ich aus deiner freigebigen Hand empfangen! Womit soll ich dir, dem Herrn, alle das Gute vergelten, was du an mir gethan hast? Nimm meinen Leib und meine Seele zum Opfer hin. Sie sind dein, und deinem Dienste, deiner Verherrlichung sollen sie auf ewig ges beiliget seyn. Möchte nur mein Eifer, dir zu gefallen, bes ständiger, möchte der Gehorsam, den ich dir leiste, reiner und vollkommner seyn! Aber, o mein Gott, wie weit bin ich noch von dem Ziele der christlichen Vollkommenheit ents fernt! Wie vieler Nachlässigkeit und Trägheit im Guten, wie vieler Vergehungen und Fehler muß ich mich täglich vor deinem Angesichte beschuldigen! Habe ich wohl den vergangenen Tag in allen Absichten so zugebracht, wie es einem vernünftigen Geschöpfe, einem Christen, einem Erben der zukünftigen Herrlichkeit anståndig ist? Habe ich in deiner Furcht gewandelt, und die Empfindungen deiner Gegenwart sorgfältig in meiner Seele unterhalten? Habe ich mir das Beyspiel meines Herrn und Heilandes zum Muster der Nachahmung vorgeseht, und durch mein Verhalten bewiesen, daß ich ein Junger und Nachfolger des demüthigen, des fanftmüthigen, des wohlthätigen und himmlischgesinnten Jefu fey? Habe ich jeden Anlaß zum Guten, jede Gelegenheit, mich selbst zu bessern und Ändern nützlich zu werden, begierig ergriffen? allen Reizungen zum Stolze, zur Eis telkeit, zum 3orne, zur Unzufriedenheit, zur Wollust widerstanden, und mich recht sorgfältig gehütet, weder mit Gedanken und Begierden, noch mit Borten und Werken zu fündigen? Habe ich meine Zeit, meine Kräfte, meine Gü ter, mein Ansehn so wohl angewandt, als ich hätte thun 532 Abendgebete. 533 follen und können? Habe ich meine Pflichten gegen dich, gegen meinen Nächsten und gegen mich selbst, mit der Wil ligkeit, mit dem Eifer, mit der Treue erfüllt, als es deine Wohlthaten und meine Schuldigkeit von mir fordern? Bin ich in einer solchen Verfassung, daß ich freudig sterben und mich einer seligen Ewigkeit getrösten könnte, wenn es dir gefallen sollte, meinem irdischen Leben in dieser Nacht ein Ende zu machen? O Gott! wie beschåmet, wie erniedriget mich diese Průs fung! Herr! wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir auch die verborgenen Fehler! Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte,( mit deiner Magd) denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Ich bekenne dir meine Sünden und Uebertretungen; ich bereue sie von ganzem Herzen; ich entschließe mich, in deiner Furcht mich immer mehr von als len Befleckungen des Fleisches und des Geistes zu reinigen, und meine Heiligung zu vollenden. Stärke mich selbst, o Gott! in diesem guten Vorsate. Stebe mir in der Ausführung desselben mächtig bey. Gieb, daß ich alles, was dir zuwider ist, hasse, und als das größte Uebel meide und fliche.. Gieb, daß ich alles, was dein heiliger Wille von mir fordert, aufrichtig und mit Freuden thue. Laß mir den morgenden Tag heiliger seyn, als den heutigen. Laß mich táglich an Weisheit und Tugend wachsen, und immer mehr nach deinem Ebenbilde erneuert werden. Hege ich Neid und Haß gegen irgend einen Menschen in meinem Herzen; so laß den Schlaf ferne von mir seyn, bis ich ihm verzeihe, bis ich ihm mit Aufrichtigkeit Gutes wünsche, und ich ihm folches wirklich zu erzeigen geneigt bin. Laß mich so einschlafen, wie ich zu sterben und dereinst vor deinem Richters stuhle zu erscheinen wünsche. Dein mächtiger Schuß bedecke mich und die Meinigen auch in dieser Nacht, damit uns kein Unglück begegne, und feine Plage sich zu unserer Wohnung nahe. Schenke mir einen sanften und erquickenden Schlaf; laß mich morgen, wenn es dir gefällt, mit neuen Leibes- und Seelenkräften wieder aufwachen, und gieb, daß ich sie nach deinem Willen und zu deiner Ehre anwende. fi Tröste, barmherziger Gott! tröste meine elenden Mitchriften, die in dieser Nacht durch Schmerzen und Kranks heit oder andere Arten des Elends der süßen Ruhe beraubt sind, und mit Verlangen auf den Unbruch des Tages war ten. Stärke die Sterbenden, und laß fie Gnade vor dir 534 Abendgebete. finden. Hindre bie Werke der Finsterniß; erbarme dich der Sünder, und bekehre sie. Dir, Herr, mein Gott! übergebe ich meinen Leib und meine Seele, mein Leben und alle meine Schicksale. Führe mich selbst bey deiner Hand, leite mich nach deinem weisen Rath, und nimm mich dereinst in deine Herrlichkeit auf. Ich bitte dich um dieses alles in dem Namen und als ein Jünger Jesu Christi, unsers Mittlers und Seligmachers. Amen. Sonntagsandacht. Em 6. Morgengebet am Sonntage. Großer und anbetungswürdiger Gott! du Schöpfer und du meis nes Lebens und aller meiner Glückseligkeit! Du låsfest mich abermals einen Sonntag erleben. Mit dem demüthigsten Danke preise ich dich für alles mir von jeher geschenkte Gute, und besonders an diesen Morgen für den mir in der vergangenen Nacht verliehenen Schuß und die Erhaltung meines Lebens. D Gott! alle deine Wohlthaten verpflichten mich aufs stårkste, mein ganzes Leben deinem Dienste und deiner Verehrung zu widmen. Ganz vorzüglich aber bin ich dir den Theil der Zeit schuldig, den du mir dazu selbst auf eine besondere Weise angewiesen hast. Ich danke dir für die Einsehung des Sonntags, dieses Tages der heiligen Ruhe, den du von weltlichen Sorgen und Arbeiten zu deiner unmittelbaren Verehrung ausgezeichnet hast. Wie glücklich werde ich seyn, wenn ich ihn recht heilige, und ihn deiner würdig zubringe! Wie viele dieser Tage habe ich auf eine thôrichte, eitle Art verz schwendet! D! laß nicht diesen Sonntag die Unzahl der verlornen vermehren, sondern gieb, daß ich ihn in deiner Furcht zubringe, und ihn zu heiligen Handlungen und frommen Uebungen anwende. Laß mich immer mehr in deiner Erkenntniß und in allen christlichen Tugenden wachsen, und darin meinen Trost und Glückseligkeit finden. Dies ist der Tag, an dem der Erlöser der Welt, nachdem er für die Sünden der Menschen gestorben war, fiegreich vom Tode wieder auferstanden ist. O möchte ich mich doch auch vom Tode der Sünde zum Leben der Tugend und Rechtschaffenheit erheben und nach denjenigen Dingen, die droben sind, wo er zu deiner Rechten fizet, nach himmlischen Gesinnungen und nach einem himmlischen Wandel, streben! Gieb mir Sonntagsandacht. 535 selbst Kraft, mich den Lüsten der Welt und des Fleisches zu entziehen, und mein Herz zu geistlichen und himmlischen Dingen zu erbeben. Laß alle meine Gedanken, meine Worte und Handlungen von diesem Augenblicke an, diesen ganzen Tag und künftig allezeit, vor dir heilig und unstråflich seyn. Gieb mir, o Gott! folche würdige Begriffe von deiner ans betungswürdigen Natur und deinen großen Eigenschaften, solche erhabene Vorstellungen von deiner erschaffenden Macht und Weisheit, von deiner fürsorgenden Aufsicht auf alle deis ne Geschöpfe, und von deiner erbarmenden Liebe und Gnade, die fähig sind, in meiner Seele die Empfindungen der tiefsten Ehrerbietung gegen dich, der reinsten Liebe zu dir, der lebhaften Hoffnung und Freude an dir, zu erwecken. Mache meine Seele dir selbst áhnlich, und gieb, daß mein Herz durch den Einfluß deines guten Geistes erneuert, und ich ein guter, ein frommer und dir wohlgefälliger Mensch werden möge. Laß mich alles, was die Religion mir vors schreibt, als das ehrenvolleste, wichtigste und angenehmste Geschäfte ansehen, das ich verrichten kann, und laß mich darin niemals tråge und nachlässig, sondern allezeit bereit seyn, dir mit Freudigkeit, Eifer und Treue zu dienen. Dir, mein Gott! widme ich mich denn mit aller Ernsts haftigkeit und Aufrichtigkeit aufs neue an diesem Morgen. Dein bin ich, und dein wünsche ich auch auf ewig zu seyn. Nimm du mein Herz, das du dir selbst gebildet hast, ganz in Besik, und gieb, daß ich dir, dem alle Dinge gehören, alles, was ich bin und habe, ohne Heucheley ganz übergebe. Halte du mich selbst fest an dir, und laß mich nichts von deiner Liebe trennen. Laß mich, o Gott! unter der beständigen Empfindung deiner Gegenwart leben, und mit dir, meinem himmlischen Bater, und deinem Sohne Jesu Christo, ten du zu meinem Heile in die Welt gefandt hast, in beständis ger Gemeinschaft bleiben. Laß mich es fühlen, welch eine Glückseligkeit es für mich sey, daß ich ein Christ bin, daß ich dein Wort und deine heilige Religion habe, daß ich mich mit dir durch meine häusliche Andacht unterhalten, mich mit andern Christen zum öffentlichen Gottesdienste versammlen, dadurch meine Erkenntniß, meinen Glauben und meine Tugend stärken und vermehren, und mich in der selis gen Hoffnung befestigen kann, daß ich dich dereinst im Himmel werde vollkommner anbeten und verehren können. Práge mir zugleich durch die Uebungen meiner Andacht die Neigung ein, dir, dem gütigsten unter allen Wesen, darin 536 Sonntagsandacht. nachzuahmen, daß ich alle meine Nebenmenschen, die eben sowohl, als ich, deine Geschöpfe und meine Brüder sind, aufrichtig und von Herzen liebe, daß ich es nicht blos daben bewenden lasse, ihnen Gutes zu wünschen, und mich aller Beleidigungen gegen sie zu enthalten, sondern auch bereit seyn möge, ihnen, so viel in meinem Vermögen ist, alles Gute gern und willig zu erweisen. Insonderheit aber laß mich niemals diejenigen Pflichten versäumen, die meine besondern Umstände und Verbindungen, mein Stand, mein Beruf( und Umt) von mir fordern. Gieb mir Weisheit, dasjenige zu erkennen, und dem nachzustreben, was zu meiner wahren Weisheit und Glückseligkeit dienet. Lehre mich, das Beste meiner Seele allen irdischen Vortheilen vorzuziehen, alle meine Begierden und Leidenschaften in den gehörigen Schranken zu halten, und die reizenden Tugenden der Demuth, der Sanftmuth, der Mäßigkeit und Zufriedenheit auszuüben, unter allen Mühseligkeiten dieses Lebens geduldig, und unter allen Versuchungen standhaft zu seyn, und nach der künftigen und ewigen Glückseligkeit vor allen Dingen zu trachten. Segne, o gütiger Gott! alle die Mittel der Gnade, die du mir zu diesen großen Absichten gegeben hast; insbesondere die Gelegenheit, die ich heute haben werde, in der gottesdiensts lichen Versammlung mit meinen Nebenchristen mich von deis nem Willen zu unterrichten, und dich anzubeten. Rüste deine Diener mit Weisheit und Verstand aus; gieb ihren Worten Kraft, die Herzen ihrer Zuhörer zu heiligen und dir wohlgefälligen Gesinnungen zu erwecken, und laß ihren Dienst in deinem Heiligthume gesegnete Früchte bringen. Amen. 7. Gebet vor dem Gottesdienste. er heutige Tag ist dir, o Gott! und deiner Verehrung and höchste Seligkeit. Laß mich dies, mein gütigster himmlischer Bater! recht erkennen, und diesen Tag einen Tag des Segens für mich und andre werden. Gott, wie glücklich bin ich, daß ich mich heute, von allen irdischen Geschäften und Sorgen frey, in deinem Hause mit meinen Nebenchristen versammlen kann! daß ich da über alles, woran mir am meisten gelegen ist, mit stillem Geiste nachdenken, mich bis zu dir, meinem Schöpfer und Vater erheben, mich von deinem Willen unterichten, mich im Sonntagsandacht. 537 Glauben an dich und deinen Sohn Jesum stårken, mich deis ner Wohlthaten und der Hoffnung der seligen Unsterblichkeit freuen, und so meinen Geist nähren, und zu einem bessern, höhern Leben vorbereiten kann! Dank sey es deiner weisen, väterlichen Güte, die diese Veranstaltung getroffen, und uns bis auf diesen Tag in dem Genusse derselben erhalten hat. O! laß mich sie heute und immerdar recht würdig gebraus chen. Sammle doch meine Gedanken aus der Zerstreuung; richte fie ganz auf dich und auf den heilsamen Unterricht, den du mir durch die Lehren der Religion ertheilst, damit ich dich immer besser erkennen, immer herzlicher lieben, dir immer freudiger vertrauen, und deinen Geboten immer wil liger und treuer gehorchen lernen möge. Laß insbesondere den Gedanken von der Auferstehung und Erhöhung deines Sohnes Jesu, an welche mich dieser Tag erinnert, mich in dem Glauben an seine góöttliche Lehre, und im Vertrauen an seine Verheißungen stárken, mich zur Nachfolge seines heiligen, wohlthätigen, gemeinnützigen Lebens, das einen so herrlichen Ausgang genommen hat, er wecken, und mir recht christliche himmlische Gesinnungen einz flößen. Laß sich die Gewißheit seines wiedererlangten Lebens durch die kraftigsten Wirkungen seiner Lehre und seines Beys spiels auch an mir und meinen Nebenchristen offenbaren, und mich diesen Tag nicht zurücklegen, ohne an demselben etwas Gutes gelernet, und mehr Erkenntniß der Wahrheit, mehr Liebe und Kraft zur Tugend und Frömmigkeit, mehr Weisheit. zur Führung des gegenwärtigen, und mehr Fähigkeit zum Genusse des zukünftigen Lebens erlangt zu haben. Dein Segen, o Gott! begleite alles, was ich heute denken, reden, lesen und hören werde, damit es reiche Früchte der Besserung und der Beruhigung in mir hervorbringe, durch Jesum Christum. Amen. 8. Nach dem Gottesdienste. Barmherziger, gütigster Gott! Wie oft kann ich mich in deinem Hause und zu deiner Verehrung mit meinen Nebenchristen versammlen! Wie viel Unterricht, wie viel Trost, wie viel Ermunterung zum Guten kann ich da erhalten und wie weise, wie tugendhaft, wie glücklich müßte ich nicht seyn und werden, wenn ich mir diese Mittel der Besserung und Beruhigung nicht zu nutze machte! Wie viele Vorzüge habe ich nicht in dieser Absicht vor 538 Sonntagsandacht. so vielen von meinen Brüdern, die weder dich, noch den du gesandt hast, Jesum Christum, kennen, oder die noch in den Fesseln des Aberglaubens schmachten, und nur ein sehr ges ringes Maaß der Erkenntniß der Wahrheit haben! Wie weit sollte ich sie denn nicht auch an Weisheit, an christlicher Rechtschaffenheit und Tugend, an herzlicher Liebe zu dir und zu allen Menschen, an Zufriedenheit und Seligkeit übertrefs fen! und wie sehr würde es mich dereinst beschámen, wenn es sich finden sollte, daß jene ihrem schwachen Lichte treuer gefolgt sind, als ich dem weit hellern Lichte, das du über mich leuchten läsfest! Wie groß würde da meine Verants wortung, wie schwer, wie gerecht meine Strafe seyn! Gott! dieser Gedanke bekümmmert und verwirrt mich. Ich kann es nicht leugnen, daß ich noch weit von dem Ziele der christlichen Vollkommenheit entfernt bin; daß ich es oft wohl gar aus dem Gesichte verliere, daß ich mich demselben nur mit langsamen, wankenden Schritten nåhere. Ich höre wohl die Lehren der Religion und des Christenthums, die du uns verkündigen läsfest, ich muß sie für wahr und gut erkennnen, hóre sie vielleicht mit Wohlgefallen, und wünsche wohl, ihre Kraft zu erfahren, und so zu leben, wie Chriz sten leben sollen; aber dabey lasse ichs nur gar zu oft bes wenden, denke nicht weiter darüber nach; und dann kommen 3erstreuungen, Geschäfte und Sorgen dieses Lebens, Leichtfinn und Trägheit, und löschen alle diese guten Eindrücke wieder aus. Gott! laß mich doch nicht mehr so unbedachtsam hans deln, und deine Wohlthaten so schåndlich mißbrauchen. Laß mich die Lehren der Wahrheit in einem feinen guten Herzen bewahren, sie oft und anhaltend überlegen, sie in der Kirche und zu Hause mit aller Unpartheylichkeit auf mich selbst anwenden, und ihrer Kraft zu meiner Besserung niemals widerstreben, oder Hindernisse in den Weg legen. Gieb, daß ich und alle, die das Glück haben, dich und deinen Sohn Jesum zu kennen, uns desselben durch einen tugendhaften heiligen Wandel immer würdiger machen. Laß dies Glück auch denjenigen zu Theil werden, die es noch entbehren müssen. Laß die Siege der Wahrheit über den Irrthum, der Tugend über das Laster, der Freiheit über bie Knechtschaft, des vernünftigen christlichen Gottesdienstes über den Aberglauben immer mannigfaltiger und herrlicher, und die Menge sowohl, als die Rechtschaffenheit deiner, Verehrer immer größer werden. Segne uns alle mit Weiss Sonntagsandacht 539 beit und Tugend und christlicher Frömmigkeit, mit der Freude des Rechts und Wohlthuns, und der getroften Hoffs nung eines bessern, ewigen Lebens, durch Jesum Christum, unfern Herrn. Umen. 9. Abendgebet am Sonntage. Roch och einmal an dem heutigen Abend erhebe ich mein Herz zu dir, Gott, meines Herzens Trost, und mein Theil in Ewigkeit! um mich deiner Wohlthaten dankbar zu erinnern, und dich um die Fortdauer deiner Güte und Liebe ans zuflehen. Dank sey dir für die erneuerte Gelegenheit, die ich diesen Tag gehabt habe, dich in deinem Hause anzubeten, mich mit meinen Nebenchristen öffentlich zu deinem Dienste zu vereinigen, dein heiliges Wort zu hören, und dadurch unterrichtet, zur Tugend erweckt, gestärkt und getröstet zu werden. Gieb mir, o Gott! die Gnade, daß ich nun auch künftig die Erweckung zum Guten, die du mir heute verschafft hast, mir gehörig zu Nuge machen möge, und es nicht blos bey dem Hören bewenden lasse, sondern durch die That beweise, daß ich sie zu meiner Besserung anwende. Mache mich durch deinen Geist geschickt, daß ich der Würde eines Christen, eines durch Jesum Erlöfeten, eines Erben der ewigen Seligkeit gemäß lebe; gemäß meinem Stande und Berufe, worein du mich gesetzt, gemäß den Pflichten, die du mir auferlegt hast, gemäß den Berheissungen, die ich zu erwarten babe. Pråge deine Gesete so tief in mein Herz, daß die Wahrheiten, die ich heute gebórt, meinem Gedächts nie getreu, und sowohl zum bessern Unterrichte meines Verstandes, als zur weisern Einrichtung und Regierung meiner Gesinnungen und meines Lebens, mir immer lebhaft und gegenwärtig bleiben. Vergieb es mir, gütigster Vater! daß meine Undacht auch heute mit so vieler Unvolkommen: heit begleitet gewesen ist. Bergieb mir die Trägheit und Laulichkeit meiner Empfindungen, die Zerstreuung meiner Gedanken, die wenige Aufmerksamkeit auf deine Gebote. Wie beschämt bin ich, wenn ich daran gedenke, wie wenig ich mein Herz im Gebete und Danke zu dir zu erheben wußte, mit welcher Gleichgültigkeit ich deine Gnadenverheiss sungen angehört, und auf deine Vorschriften geachtet, wie wenig ich die Sünde verabscheuet, den Werth meiner Seele, die Wichtigkeit eines ewigen Lebens, und die Hoheit der zukünftigen Herrlichkeit und Glückseligkeit empfunden und geschätzt habe, die einst denjenigen, die dich wahrhaftig lies 540 Sonntagsandacht. ben, gewiß zu Theil werden wird! Ogieb, daß ich die künftigen Sonntage immer heiliger zubringen, daß ich immer weifer und ernsthafter, andächtiger und himmlischgesinnter werden möge, als ich bisher gewesen bin. Gieb mir mehr Lust zu deinem Worte. Laß mich immer mehr die Freude und den Frieden schmecken, die die gewissen Folgen einer immer zunehmenden Gemeinschaft mit dir sind. Reinige und heilige meine Begierden. Laß mich die irdischen Dinge nicht so lieben, als wenn die Welt meine einzige Glückses ligkeit wäre, und ich keine weitere Aussicht auf ein besseres Erbtheil hátte; sondern lehre mich erkennen, daß ich hier keine bleibende Ståtte habe, und daß ich dem Himmel und der Ewigkeit entgegen eile, wozu ich mich hier in meinem ganzen Leben vorbereiten soll. Laß mich durch ein tägliches Wachsthum im Guten dieses meines ewigen Erbtheils im mer fähiger werden, und hilf mir alle Schwierigkeiten, Hin dernisse, Gefahren und Versuchungen überwinden, die mir auf meinem Wege zum Himmel begegnen, und mich meis nes großen Ziels verlustig machen könnten. Für alle deine Gnade, o Gott! die du mir an meiner Seele erwiesen, für die wohlthätige Veranstaltung, die du in der christlichen Religion zu meiner Erlösung, zu meinem Unterrichte, zu meiner Besserung, zu meiner Begnadigung und Seligkeit, durch deinen Sohn Jesum Christum getrof fen hast, preise ich dich demuthsvoll an diesem Abend. Auch für die vielen irdischen Wohlthaten, womit du mich täglich überhaufest, und besonders für die mir an diesem zurückgelegten Tage verliehene Erhaltung und Segnungen, bringe ich dir von Herzen Lob und Dank. O! laß die Empfindung beiner unverdienten Güte stets mein Herz rühren, und gieb, daß ich dich nicht bloß durch meine Worte, sondern auch vornehmlich durch ein frommes Leben preise. Und nun, o Gott! nimm mich auch diese Nacht in deinen gnádigen Schuß. Behüte mich vor allem Uebel und Gefahr, und erquicke mich durch eine sanfte und stärkende Ruhe. Dir empfehle ich alle meine Verwandte und Freun de; thue ihnen Gutes, und segne sie mit allen denjenigen geistlichen und leiblichen Gütern, wovon du weißt, daß sie derselben am meisten bedürfen. Stehe den Unglücklichen und Leidenden bey; gieb ihnen Geduld und Ergebung in deinen Willen, und befreye sie von ihrem Elende durch deine Hülfe und göttlichen Tröstungen, deren du so viele hast. Laß alle meine Mitchristen, laß das ganze menschliche Geschlecht Sonntagsandacht. 541 deiner wohlthätigen Güte empfohlen seyn, und breite Er. kenntniß, Wahrheit und Frömmigkeit unter allen Menschen aus. Siehe mit Gnade auf unser Baterland herab. Flöße unserm Landesherrn, und allen seinen Råthen und Obrigs keiten, Liebe und Hochachtung gegen Religion und Tugend, Weisheit und Gerechtigkeit ein, und leite seine und ihre Rathschläge auf das allgemeine Beste. Bergieb die Sünden unserm Volke, und wirke unter uns allgemeine Besserung. Gieb den Dienern der Religion Geist und Verstand, und laß ihrerseits die Sache des wahren Christenthums durch nüßlichen Unterricht und ein exemplarisches Leben befördert werden. Erhöre, gütigster Gott und Vater! dies mein des müthiges Gebet, um Jesu Christi willen. Amen. Tägliche Erweckung zum frommen Sinn und Wandel vor Gott. 10. Vertrauen auf Gott und rechtmäßige Gesinnung gegen ihn. Vater und der Von dir allein muß ich alles, was zur Nahrung, Bekleis dung und Erhaltung meines Leibes und Lebens und übers haupt zu meinem ganzen Glücke in Zeit und Ewigkeit nothe wendig und ersprießlich ist, erwarten; und ich kann dies auch, nach deiner gnädigen Busage, bey einem redlichen Ges horsam gegen deine Gesetze erwarten. In deine allmächtige treue Baterhånde lege ich daher alles, was du mir von irdischen Gütern, an Bequemlichkeit, Vergnügen und Ehre, verliehen hast, in Demuth nieder. Dank sey dir, Vas ter! für den fröhlichen Genuß, den du mir davon bisher, wider alles mein Verdienst, geschenket hast. Durch deine Gnade will ich mich bereit erhalten, dies alles, wenn du es befiehlst, freudig wieder hinzugeben. Ja, ich bitte dich berzlich, laß mir alle meine irdischen Vortheile nicht einen Augenblick långer, als es mit Bewahrung und Stärkung meines Glaubens und guten Gewissens bestehen kann. Laß keinen meiner Wünsche und Begierden, wovon du, nie irs rende Weisheit! einsiehest, daß er thöricht ist, und meiner unsterblichen Seele zum Fallstrick und Verderben gereichet, so schmeichelhaft er auch immer seyn mag, erfüllet werden, sondern vereitle fie alle. Ehe du, o Vater meiner Seele! zu 542 Erweckung zum frommen Sinn läsfest, daß ich nach so unermeßlichen, unaussprechlichen, unzähligen Wohlthaten, die du mir erwiesen hast, in irgend eine vorsäbliche Sünde gegen dich falle, oder daß meine Une dacht und Christentugend einige, Abnahme leide, nimm mir lieber, so bitter und peinlich es mir auch immer seyn mag, meine Gesundheit, meine Bequemlichkeit, mein irdisches Vermögen, meine Ehrenstellen in der Welt, und belege mich daz gegen mit schmerzhafter, langwieriger Krankheit, bitterer Ar muth, unschuldiger Berachtung, und andern Leiden dieses bald, bald vorübereilenden Lebens. Nur bitte ich dich in brünstig, laß mich nicht meine Leiden etwa durch Unmäßige keit, durch Lieblosigkeit, oder sonst eine Verlegung meiner Pflichten selbst verursachen. Und wenn dann ein Leiden aus deiner Hand über mich kommt, oder auch etwa durch meine Schwachheit verursachet würde, so laß es mich, nach deiner väterlichen Absicht, in der Beherrschung aller unordentlichen Begierden, in dem himmlischen Sinn, in der allerfeligsten Kunst, deinen Willen schlechterdings zu dem meinigen zu machen, befestigen und stärken, und meiner Seele die himm lischen Früchte einer festgegründeten, geübten, gestärkten Tu gend geben. Laß mich auch auf den Fall vorbereitet seyn, wenn du von mir für den Dienst der Wahrheit und der Jugend meine irdischen Vortheile( meine Güter, mein Amt, meine Ehrenstellen, und selbst mein Leben) zum Opfer fors dern, und mich in die Umstände führen solltest, wo ich, um ein unverletztes Gewissen zu bewahren, meine Vorzüge und Bequemlichkeiten aufgeben, und mich drückenden Umständen bloß stellen müßte. So laß denn von nun an alles, was irgend einer Verdrießlichkeit oder mürrischen Klage über deine Regierung ähnlich sieht, mir abscheulich, und aus meinem Herzen und Munde verbannet seyn. Dagegen will ich mich treulich bestreben, alle Mühseligkeiten dieses Lebens, die Beschwerden eines siechen Leibes, und was du mir sonst an andern Trübfalen hinzu fügen möchtest, nicht allein mit de müthiger Ergebung in deinen Willen, sondern auch als Erhörung meiner frommen Gebete und als wahre Wohlthat mit einem dankbaren und heitern Herzen zu tragen, und zu meiner immer größern Reinigung und Besserung anzuwenden. Auch will ich mich befleißigen, ein aufgeräumtes freundliches Wesen im Umgange mit meinen Nebenmenschen immer mehr anzunehmen, um dadurch deiner göttlichen Regierung in der Welt Ehre und meinen Nebenmenschen Freude zu machen. Wie viel tausendmal habe ich dir, mein Gott, und Wandel vor Gott. 543 zu danken Ursache gehabt, daß bu ehebem diejenigen Wüns sche vereitelt, diejenigen Absichten mich nicht hast erreichen lassen, die mir damals so angenehm waren, und mir zu meinem Wohl unentbehrlich schienen! Hättest du mich das vermeinte Glück erlangen lassen, das ich so angstlich und rastlos suchte; båttest du mir die Vortheile gewähret, die ich als mein Glück so sehnlich wünschte; so würde mein ganzes irdisches und ewiges Wohl zernichtet. Dies sehe ich jeho ein, da der Ausgang deiner weisen und gütigen Füh rungen vor mir liegt. D! dies stárke mich, daß ich schlechs terdings keinen andern Willen habe, als den deinigen, daß ich ben allen meinen Wünschen und Hoffnungen, bey allem meinem Thun und Bornehmen, mit meinem Erlöser sage: Gott, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! daß ich alles zeit und unter allen Umständen dich findlich fürchte, liebe und dir vertraue, und mit deiner väterlichen Regierung im mer zufrieden, ruhig und dankbar fey. Amen. II. Demuthsübung. D urch deine Gnade, du heiligstes und vollkommenstes Wes sen! will ich es stets zu meinem Hauptgeschäfte machen, meine Seele von allem Kothe und Schlamme des für mich so thörichten, und dir so abscheulichen Stolzes zu reinigen. Ach! noch immer ist in meinem Herzen ein fo trauriger Ueberrest dieser schåndlichen und schädlichen Gemüthsart, und der ehes maligen bösen Gewohnheit und Fertigkeit vorhanden, der mich an der Ausübung einer jeden Tugend so sehr hindert, und mich in so manche und selbst grobe Fehltritte stürzt. So will ich denn( du, Gott! einziger Geber aller meiner Kraft zum Guten! wirst mir helfen!) so will ich denn mir die Betrachtung und Empfindung immer gewohnter, gelaus figer und kräftiger zu machen suchen, daß ich in allen, auch den kleinsten und unerheblichsten Dingen, nur von dir abhange, und alle meine Kräfte und Gaben nur von dir ems pfangen habe; daß ich sie nur dazu empfangen habe, um dadurch Bergnügen, Ruhe und Wohlfahrt in deiner Fami lie, unter meinen Nebenmenschen, auszubreiten; und daß ich folglich ein schåndlicher Rebell in deinem liebevollen Reiche werde, wenn ich irgend eine dieser deiner Kräfte und Ga ben dazu mißbrauche, irgend einen deiner Menschen ohne Noth und Recht zu frånken, zu betrüben, zu beleidigen und zu beschädigen; daß ich nur eine gar sehr geringe Brauchbarkeit in deinem Dienste habe, vielleicht auch meine eigene Nachlässigkeit und Trägheit Schuld daran ist, daß ich nicht 544 Erweckung zum frommen Sinn nüßlicher bin; und daß hingegen so viele hunderte meiner Nebenmenschen viel größere Kenntnisse und Geschicklichkeiten besigen, und deinem Reiche weit mehrere und wichtigere Dienste leisten; daß der Tadel und die Widersprüche, die ich von Undern erfahre, in deiner Hand Segnungen werden, und Mittel sind, meine Einsichten zu vermehren, meine Gesinnungen und Handlungen zu bessern, und mich in so mancher Tugend zu erwecken und zu üben, daß die wahre Ehre nicht in den, meist leichtsinnigen, veränderlichen und nichts bedeutenden Ur theilen der Welt, sondern nur in dem Ruhme vor dir, in deis nem Beyfalle und Wohlgefallen, bestehet; und insbesondere, daß ich durch mein ehemaliges sicheres, böses Leben, und durch meine noch immer fortdauernden großen und vielfältigen Mångel, Schwachheiten und Fehltritte, von dir nicht allein gar nichts Gutes, sondern vielmehr Strafe verdiene. Uch, wie würde es mit mir stehen, wenn du mit mir nach Gerechtigkeit, ohne Erbarmung verfahren wolltest! Herr, mein Gott! thue du durch deine allwaltende Vorsehung, sollte es mir auch die krånkendsten Urtheile und Verachtungen meiner Nebenmenschen kosten, thue alles, so bitter und peinlich mir es immer seyn mag, um diesen Stolz, den ich hasse, aber doch immer so sehr in mir fühle, zu demüthigen, und allmählig mit der Wurzel auszurotten. Gieb jenen Betrachtungen die Kraft in meinem Herzen, daß ich dadurch alle Reguns gen der Unzufriedenheit und Verdrießlichkeit bey den Mühfeligkeiten und Trübfalen meines Lebens, alle Regungen einer aufblähenden Meinung von meinen Einsichten, Gaben und Vorzügen, einer verächtlichen Meinung von meinen Nebenmenschen, und insbesondere von denen, die mit mir in einerley Geschäfte( oder Amte) arbeiten, der Unleidlichkeit bey den Widersprüchen und dem Tadel anderer, einer vers ächtlichen Beurtheilung meiner Nebenmenschen, und besonders derer, die sich mit mir um einerley Sache und Vortheile bes werben, der übergroßen Begierde nach Ruhm und Beyfall vor der Welt, alle Regungen eines gebieterischen und auf fahrenden Wesens, sogleich mit unerbittlicher Strenge aus meiner Seele verbanne. Vater! jene uneingeschränkte, unverbrüchliche Unterwerfung unter dich, jene bescheidene Meinung von mir selbst, jene liebevolle Beurtheilung und aufrichtige Werthschåßung meiner Nebenmenschen, jene christliche Gelassenheit und Folgsamkeit bey den auch ungerechten und bittern Widersprüchen und Tadel Anderer, jener fanfte, gefällige, menschenfreundliche Gebrauch aller meiner O und Wandel vor Gott. 545 Kräfte und Gaben, diese ächte Demuth deines Sohnes und meines Herrn, ach diese Bierde meiner Seele, diese Grundlage aller meiner Tugenden, laß immer mehr mein Eigenthum werden. Darum bitte ich dich um Jesu Christi willen. Amen. 12. Um Keuschheit und Mäßigkeit. Unt Inter der Aufsicht deiner schüßenden Vorsehung, mein Gott und Bater! und unter den Einflüssen deiner herzlenkenden bessernden Kraft, will ich zu allen Zeiten meine chriftliche Mäßigkeit und Keuschheit zu bewahren und zu stärken trachten. Alle Gelegenheiten zu jenen unwürdigen, schimpflichen, viehischen Lüsten, alle neugierigen Anblicke, und allen unvorsichtigen Genuß der Nahrung will ich mit aller Sorgfalt, aber auch mit aller christlichen Klugheit zu vermeiden suchen. Da, wo ich diesen Gelegenheiten und Gefahren nicht ausweichen kann, ohne mich in engstlichkeit, Muthlosigkeit, Bestürzung und öftere Versuchung zu setzen, oder irgend eine meiner Pflichten zu vernachlässigen, oder zu übertreten, da will ich ihnen getrost und muthig entgegen gehen, und suchen, mich daran zu gewöhnen, und die gefähr lichen Eindrücke davon auf meine Seele zu verringern. Du, allwissender Vater! der du weißt, daß ich es nicht aus Selbstvermessenheit oder Kühnheit thue, sondern in der frommen Absicht, deinen Willen desto besser, leichter und freudiger zu üben, du wirst mich gewiß mit deiner Gotteskraft da nicht verlassen, und mich der Sünde zur Beute nicht hingeben. Mit einem demüthigen herzlichen Danke nehme ich zu meiner Stärkung die trostvolle Zusage deines Evangelii an, daß du die unwillkürlichen Regungen dieser und anderer mir abscheulichen Gedanken und Begierden, die ich hasse, bekämpfe und zu verhindern suche, mir um Jesu Christi willen gar nicht zurechnest, hingegen jeden treuen Kampfe dawider mit einem höhern Grade deines Beyfalls und deiner Vaterliebe belohnest. Hierdurch gestärkt, will ich also alle muthlose Furcht und engstlichkeit verbannen, und sie übersehen und verachten; aber auch durch deine Gnade, mein Gott! ihnen nicht den geringsten Aufenthalt in meiner Seele gestatten, sondern sie augenblicklich durch Gebet, durch Nachdenken und Betrachtung oder auch durch heilsame Beschäftigung, mit Haß und Abscheu in ihrer ersten Geburt erstiks ken, und diesen treuen, edlen, christlichen Glaubenskampf, erquickt und gestärkt durch das fröhliche Bewußtseyn, daß du der liebevolle Zeuge und Richter desselben bist, mit uns M m 546 Erweckung zum frommen Sinn verbrüchlicher Treue fortseßen. Und so will ich mich von ganzem Herzen bestreben, daß ich dir heute und jederzeit mit einer ganz unbefleckten Reinigkeit der Seele, der Rede und des Wandels diene, und dir durch Jesum Christum wohlgefalle. Auch bitte ich dich um die Gnade, mich so zu regieren, daß ich die Speisen, den Trank und die Nahrungsmittel, die deine Vaterliebe mir schenken wird, jederzeit mit aller Vorsicht, Selbstbeherrschung und Enthaltsamkeit zu mir nehme, damit ich ja nicht selbst deine Geschenke schåndlicher Weise mißbrauche, meine christliche Arbeitsamkeit, Undacht, Keuschheit und andere Tugenden deines Gefeßes zu hindern und zu erschweren. Mit solcher christlichen Mäßigkeit will ich denn dein kostbares Geschenk, meine Gesundheit und Leben, zu erhalten, zu benutzen, dir meine herzliche Dankbarkeit für deine väterliche Fürsorge zu beweisen, und meine Andacht und christlichen Zugenden auf eine edle Art. zu bewahren und zu üben suchen. Lehre mich, Vater! eben solche Mäßigkeit auch in dem Gebrauche aller deiner andern irdischen Güter, aller auch unschuldigen Vergnügen des Lebens, die du mir gönnest. Mit dem lebhaften Gefühl der Geringfügigkeit und Vergånglichkeit aller, auch der be sten irdischen Güter, und mit der standhaftesten Entschlossen: heit, sie auf deinen Befehl in deine wohlthätige Vaterhand gern zurück zu geben, will ich sie besigen und genießen, als ein Christ, der unendlich bessere Güter kennet, und für eine selige Ewigkeit arbeitet. Stehe du mir dazu bey, durch Jesum, meinen Erlöser. Amen. 13. Um brüderliche Liebe, Mitfreude und Mitleid. Liebreicher und gnädiger Gott und Schöpfer deiner Menschen! unendlich gütiger und wohlthätiger Regent der ganzen Welt! Jedes rechtmäßige Vergnügen meiner Nebenmenschen ist ein Geschenk deiner allgemeinen Vaterliebe; Neid, Mißgunst, Schadenfrohheit, machen mich folglich zu einem Rebellen in deinem liebevollen Reiche. Durch diese feindseligen Leidenschaften werde ich den niedrigsten und unwürdigsten Geschöpfen, ja dem Teufel und seiner höllischen Gesellschaft ähnlich, und in den allerunseligsten Zustand ge stürzt, wo ich, ohne Gotteslästerung, von dir keine Gnade und Antheil an dem Verdienste deines Sohnes erwar ten kann. Weit, weit größere Ehre und Freude schaffet es mir, wenn ich mit Selbstüberwindung das Vergnügen meiner Nebenmenschen empfinde, als wenn ich den und Wandel vor Gott. 547 glänzendsten Ruhm und den lautesten vollesten Beyfall und Lob der ganzen Welt erhielte. Und je mehr Selbstüberwindung mir diese Tugend kostet, desto edler und wichtiger ist sie, nach deiner liebreichen Schåhung; und allen den Verlust, den ich je an eigenem irdischen Ruhme, Bequemlichkeit und andern Gütern der Erde leiden kann. ersetet sie mir durch den höhern Grad deines Beyfalls und Vaterliebe unendlich. Durch diese Betrachtungen göttlich gestärkt, will ich mir denn jene höllischen Leidenschaften, Neid, Mißgunst und schadenfrohes Wesen, immer verhaßter und abscheulicher machen, und sie, wenn sie sich in meiner Seele regen, mit aller Macht daraus verbannen. Hingegen will ich mich immer mehr an eine zärtliche, christlich- brüderliche Theilnehmung ben der Noth meiner Nebenmenschen zu gewöhnen suchen; sie als die meinige ansehen und fühlen, sie auf alle mir mögliche Art, mit Gelde, durch thátigen Beystand, und vornehmlich mit meinen Kräften und Gaben, zu erleichtern oder zu endi: gen suchen, und mich in die Bereitschaft versehen, sie ihnen, wenn es deiner Weisheit so gefiele, abzunehmen und an ihrer Stelle zu tragen. Zu diesem Ende will ich, so viel immer möglich ist, keinen Armen, der sich an mich wendet, gehen lassen, ohne ihn selbst zu sprechen. Kann ich ihm gleich nicht helfen, so kann ich ihm doch vielleicht Muth und Trost einsprechen, und so hilft er doch mir, durch diesen Anblick seiner Noth dankbar gegen dich, meinen wohlthätigen Gott, der du mich von ihm ohne mein Verdienst so liebreich unter= schieden hast, und gegen deine Menschen mitleidiger zu werden. Insbesondere aber will ich mich, weil mir dies am schwersten wird, immer mehr befleißigen, jedes rechtmäßige Bergnügen meiner Nebenmenschen, besonders derer, die mit mir einerley Stand, Amt und Vortheil haben, vornehmlich da, wo es meinen eigenen irdischen Ruhm und Ehre verdunkelt, und meine irdischen Vortheile verringert, als mein eignes Vergnügen mit Freude zu empfinden, ihr Bestes auf alle mir mögliche Art, durch gelegentliche rühmliche Urtheile, Warnung vor Schaden, Vereitlung böser Anschlåge gegen fie, durch nützliche Rathschläge und Nachrichten, Empfehlungen, und auf andere Weise zu sichern und zu befördern, auch wenn das Gespråch bierauf in Gesellschaft fällt, durch ges fliffentliche Fortsetzung desselben meinen Neid zu kranken, und meine brüderliche Gemüthsart zu stärken suchen. Herr, mein Gott! hilf mir auch hierin die traurigen Ueberreste meines ehemaligen bösen unchristlichen Lebens immer mehr verM m 2 548 Erweckung zum frommen Sinn nichten. Gieb mir Gegenwart des Gemüths und Weisheit, daß ich diese Christentugend nicht bloß zur Hälfte ausübe, nicht bloß mein Herz vom Neide reinige, sondern auch die. noch so sehr, sehr schwache, zärtliche Mitfreude stärke, und die Mittel dazu immer besser erkenne und immer treuer und des glücklicher anwende. Um Jesu Christi, deines Sohnes, größten Menschenfreundes willen, bitte ich dich hierum. Amen. 14. Um Nachsicht, Sanftmuth, Leutseligkeit und Langmuth. ist ein solcher Gott, wie du bist, der Sünden verWo nicht nach Verdienst verfährt, und die so oft wiederholten Fehltritte und Schwachheiten der Menschen mit unbegreiflicher Geduld und Schonung trågt? O laß mich doch, mein Gott! durch die dankbare Erinnerung des unermeßlichen Reichthums der Langs muth, der Vatertreue, der Nachsicht, der Herablassung, der Leutseligkeit und Freundlichkeit, die du mir um Jesu Christi willen geschenket hast, und noch immerfort schenkest, erweckt und göttlich gestärkt werden, mich von aller auffahrenden Heftigkeit, Ungestüm und Hitze, die einem Unterthan und Kinde des so herablassenden, fanftmüthigen, freundlichen Gottes, und einem Erlöseten des so fanftmuthigen Heilan: des äußerst, äußerst schimpflich ist, zu reinigen, diesen böfen Regungen mit aller Wachsamkeit den Eingang in meine Seele zu verschließen, und wenn sie sich da einfinden, mir als: dann keine Rede und That eher zu erlauben, bis ich die Sache dir im Gebet vorgetragen, und mir da eine bestimmte Art des Verfahrens vorgeschrieben habe. Ja, mein Gott! unter deinem Beystande will ich mich als ein Christ befleißis gen, sowohl bey den Unordnungen und Vergehungen derer, die mir untergeben und von mir abhängig sind, als auch ben allen dem, was mir an meinen Nebenmenschen unangenehm und verdrießlich ist. mich an eine immer größere Nachsicht zu gewöhnen, die nöthigen Erinnerungen, Beweise und Bestrafungen, die ich andern zu geben habe, mit einem sanften und leutseligen Wesen zu geben, in der Belehrung, Bearbeitung und Besserung der Irrenden und Fehlenden nie zu ermúden; oder auch, so viel immer mög lich, die sanften Mittel den strengen vorzuziehen, und überhaupt so sanft gegen andere, áls strenge gegen mich selbst, zu seyn. und Wandel vor Gott. 549 15. Um christliche Gefälligkeit und Freundschaft. Alles [ lles das, mein Gott! was irgend einem meiner Neben2 menschen, ohne Noth und Recht, nur einen mißvergnügten Augenblick verursacht, will ich mir immer verhafter und abscheulicher zu machen, und alles mürrische, verdrießliche und unfreundliche Besen immer mehr und mehr abzulegen suchen. Dagegen will ich mich( hilf du mir selbst dazu!) immer mehr gewöhnen, alles, was irgend einem meiner Nebenmenschen ein rechtmäßiges Vergnügen und unschuldige Freude macht, auch in Kleinigkeiten zu bemerken; und dies will ich nicht etwa aus Schmeicheley und Menschengefälligkeit, sondern durch die edle Begierde angetrieben, dir, mein Gott! ähnlich zu werden und deine Menschen. zu vergnügen, mit aller Treue und Luft ins Werk richten. Nicht allein in großen und wichtigen Dingen, sondern auch in Kleinigkeiten, gütig, sanft und freundlich zu seyn; andern wohlzuthun auf die gefälligste Weise; die Ehre meiner Nebenmenschen mit der größten Zärtlichkeit zu behandeln, und allezeit wohl eingedenk zu seyn, welche schmerzende Kránkung andern durch die Verlegung ihrer Ehre und guten Namens verursacht werden; den großen. 3wed, zu vergnügen und wohlzuthun, stets vor Augen haben; das, das ist Ehre, Ruhm und Glück für mich, einen Christen, der berufen ist, Segen von dir zu empfangen und Segen unter deine Menschen zu verbreiten. Gott! laß mich dies bei keiner Gelegenheit vergessen. OR 16. Um christliche Liebe gegen Feinde. Kollten mir auch, mein Gott! unter deiner allwissenden und väterlichen Vorsehung, Beleidiger, auch grobe Beleidiger und Feinde begegnen; o! so laß mich, so will ich aus herzlicher Dankbarkeit für deine ganz unermeßliche Gnade, die mir solche Beleidigungen, wogegen auch die gröbsten Feindseligkeiten der årgsten Bösewichter gegen mich nicht zu rechnen sind, um Jesu Christi willen ganz vergeben hat, auch meinen årgsten Feinden sogleich und von ganzem Herzen vergeben; ihnen alles Gute aufrichtig gönnen und anwünschen, jeden nur möglichen Dienst ihnen gern leisten, und nach 550 Erweckung zum frommen Sinn dem Muster meines Herrn Jesu Christi, durch Wohlthun und Liebe sie zu besiegen trachten. Diese Gesinnungen, barmherziger und verzeihender Gott! verleihe, erhalte und befestige in mir, zur Ehre deines Namens und deiner heiligsten Religion und zu meiner eigenen Ruhe und Seligkeit. Amen. 17. Um Heiligung der Reden und ganzen Betragens. laß mich, o Gott! stets bedenken, daß auf mein Verhalten im Umgange mit andern Menschen so viel ankommt, und daß üble Reden nicht selten eben so viel Unheil stiften, als üble Thaten. Gieb, daß ich mich daher bey meinen Reden und in meinem ganzen Betragen, sowohl bey den Geschäften meines Standes( und Umtes) als im Umgange mit andern, mich einer strengen Ueberlegung immer mehr befleißige. Laß mich da, nach dem Muster deiner Treue und Wahrhaftigkeit, die allerstrengste christliche Aufs richtigkeit üben, und mir nicht das geringste unwahre Wort gestatten, auch über mein Herz fleißig wachen, daß nicht etwa der Anfang der Heucheley sich bey mir einschleiche, das zu scheinen, was ich nicht bin, oder es mehr zu scheinen, als ichs bin. Ja, unter deinem Beystande fasse ich hiermit die feste Entschließung: Allenthalben soll mich der christlichliebevolle Geist in der Beurtheilung meiner Nebenmenschen regieren, daß ich nie eine Unwahrheit, nie etwas erdichteres Boses oder Nachtheiliges von ihnen sage, daß ich ihre Mängel, Fehler und Vergehungen auf jede rechtmäßige Art unterdrücke und verberge, daß ich davon nie ohne Noth, nie anders als zu irgend einer guten Absicht, und immer mit einem innern Widerwillen, immer mit dem Wunsche, das Gegentheil sagen zu können, spreche, daß ich hinhingegen ihre rühmlichen Eigenschaften und Handlungen sorgfältig bemerke, und diese zum liebsten Inhalte meiner Unterredungen und Gespräche mache. Auch will ich wachsam auf die Gelegenheiten und den Beruf seyn, den du mir ertheilest, vor der Welt ein dankvolles Bekenntniß meiner unendlichen Verpflichtung gegen deine Religion, und das göttliche, ewig theure Verdienst meines gekreuzigten Heilandes abzulegen. Bey allen schicklichen Anlässen will ich es meis nen Nebenmenschen sagen, daß ich alle meine Gewissens und Wandel vor Gott.) 551 ruhe, alle meine Kraft, Licht und Stärke zum Anfange in der Tugend, alle Freuden dieses Lebens, allen Trost im Tode, alle frohen Aussichten jenseits des Grabes, nur dem. Verdienste Jesu zu danken habe; und hiedurch will ich suchen, mich und meine Nebenmenschen immer mehr zur ehrfurchtsvollen tiefen Werthschätzung und treuen Ausübung dieser ewig, ewig ersprießlichen Religion zu erwecken. Verleihe mir dazu Kraft und Gnade, Gott der Wahrheit und meines Heils! um Jesu Christi willen. Amen. 18. Um christlichen Gebrauch der Vergehungen, Thorheiten und Laster unsrer Nebenmenschen. enn ich Thorheiten, Bergehungen und Laster von meinen Nebenmenschen sehe oder höre, so laß, o mits leidsvoller und barmherziger Gott! diese traurigen Erfah rungen meine Menschenliebe gegen sie nicht schwächen; und verhindre dies in mir durch die erweckenden Lehren deiner Religion, daß auch dem årgsten Bösewichte, in jedem Augenblicke der Zutritt zu deiner Gnade eröffnet ist, um durch sie gebessert, geheiliget, begnadiget und zu deiner Freundschaft wieder aufgenommnn zu werden, und daß Neigungen und Handlungen, welche bey mir, der ich mehr Erkenntniß und Mittel zur Besserung habe, den Verlust des Gnadenstandes unausbleiblich verursachen würden, bey meinen Nebenmenschen Unwissenheits- und Schwachheitssünden seyn können. Dann aber laß mich auch eben diese trauris gen Erfahrungen, nach der Belehrung deiner Religion, als ein Christ gebrauchen. Laß mich sie anwenden, mich zur Demuth zu erwecken und zu stårken, indem ich mich dadurch an mein eignes ehemaliges Sündenleben und an die noch fortwährenden großen Mängel und Flecken meiner Tugend erinnere. Laß mich sie anwenden, meine Dankbarkeit gegen dich zu erwecken und zu stärken, und mich deiner unermeßlichen Gnade erinnern, die mich aus dem Abgrunde des Lasters und des Unglücks herausgerissen und mich vor so manchen großen Sünden bewahret hat. Laß mich sie zur Erweckung und Stärkung meiner christlichen Vorsicht und Wachsamkeit gebrauchen, und mich erinnern, daß ich den Saamen zu allen solchen und andern Lastern in mir trage, und meine Tugend jeden Augenblick gleichen tödtlichen Ges 552 Erweckung zum frommen Sinn fahren ausgesetzt ist. Laß mich endlich dadurch zum christlichen Mitleiden und zur Wohlthätigkeit erweckt und gestärkt werden, daß ich dies allergrößefte Elend meiner Nebenmen schen mit herzlicher Theilnehmung empfinde, und, anstatt fie durch Verachtung, Haß und harte Begegnung zu erbittern, und in das Elend noch tiefer hineinzustürzen, viels mehr alle Gelegenheiten sorgfältig bemerke und treulich ge brauche, um durch ihre Besserung ein Wohlthäter sowohl an ihnen, als an deinem ganzen Reiche auf der Erde, zu werden. Laß mich auch hierin das Beyspiel meines menfchenfreundlichen Erlösers stets zum Muster der Nachfol ge vor Augen haben, und erhöre mich um dessentwillen. Amen. 19. Um christlichen Gebrauch der Zeit, Kräfte und Gaben Gottes. it herzlichem ehrfurchtsvollem Danke erkenne und rühdaß du auf der Erde in ein arbeitsames Leben, in einen solchen Stand und Verbindung gesehet hast, wo mich eine Arbeit nach der andern beschäftigen muß, und eben hiedurch die Erhaltung meiner Christentugend mir so sehr erleichtert, und mir mein Leben, heilsam, ruhig, angenehm und ers quickend gemacht wird. Ich preise deine Gnade, welche mir bisher dies Leben, diese Kräfte und Munterkeit meines Leibes und Gemüths, den fröhlichen Gebrauch meiner Augen und andern Sinne, meine Vernunft und Sprache, und die Gaben im Irdischen anvertrauet, und mir dadurch das ehrenvolle Zeugniß giebt, daß du mich in deinem Reiche noch nüßlich findest. Aber nicht bloß mein Mund, sondern auch mein Herz und Wandel, soll dir dafür danken, indem ich diese deine Geschenke als ein treuer Haushalter gebrauche. Durch deine Gnade will ich die Geschäfte in dem Stande und Berufe( in dem Amt und Posten), den du mir in deiner Welt angewiesen hast, und die einen Haupttheil meines Christenberufes hier in dieser Vorbereitungszeit ausmachen, mit aller Treue, mit Anstrengung aller meiner Kräfte und nöthiger Selbstüberwindung in gewissenhafter Hintansehung der mir angenehmern Beschäftigungen, ausrichten; ich will sie stets mit freudiger Unverdrossenheit, als einen christlichen Gottesdienst, ausrichten; ich will dabey mit einem kindlichen Vertrauen dich ehren, indem ich die Be und Wandel vor Gott. 553 schwerden, die damit wegen der etwanigen Schwachheit meines Leibes und anderer Zufälle verbunden sind, nebst dem oft mißlingenden guten Erfolge, geduldig als deine Anordnung trage, und ohne alle ångstliche Ueberlegungen und uns ruhige Bestrebungen den Fortgang und Ausgang davon lediglich deiner weisen und väterlichen Vorsehung überlasse. Insbesondere schenke mir, Vater meiner Seele! deine Gnade, daß ich sie immer mehr mit einer recht christlichen Lauterkeit auss richte. Reinige mich von der großer Anhänglichkeit an dem irdis schen Lobe und Beyfalle, und von aller übertriebenen Begierde, dadurch mir zeitliche Vortheile zu erwerben, und sehe mein Herz. durch die Liebe zu dir und durch die christliche Hoffnung jenes ewigen Lebens, immer mehr in die allerfeligste Verfass fung, daß ich alle meine Geschäfte, wo möglich, o Gott, mein Gott! nur ganz allein in der edlen Absicht thue, dadurch dir zu gefallen, deinen Befehl auszurichten, deinem Reiche nüglich zu werden, und für meine Ewigkeit heilsam zu arbeiten. Wie vernünftig, wie edel, wie heilsam ist es doch für mich, wenn ich, bey solchem Herzen und Leben, es dir lediglich überlasse, ob, und wie viel irdische Ehre, Beyfall und andere zeitliche Güter du mir durch meine Geschäfte schenken willst. Durch deine Gnade will ich mich aber auch bereit halten, auch die andern menschenfreundlichen Handlungen, wozu ich in dem Laufe eines jeden Tages Gelegenheit und Kräfte finde, wo ich meinen lieben Nebenmenschen mit Belehrung und gutem Rathe zu statten kommen, liebreichen, freundlichen Umgang mit ihnen pflegen, thätige Unterstützung, Erquickung, Ers freuung, Aufmunterung zum Guten, und so weiter, ihnen geben oder durch andere verschaffen kann, mit aller Treue und Lust auszurichten. Die Wohlthaten, die du mir selbst an Leib und Seele erzeigen wirst, will ich mit frohem, dankbarem, unschuldigem und zufriedenem Herzen genießen. Sch will darin deine Baterliebe schmecken und empfinden, mich über dich freuen, und durch solche Freude meine Dankbarkeit und willigen Gehorsam gegen dich zu verstärken suchen. Jede Freude, die mir auf dem Wege durch dieses Leben begegnet, laß mich mit einem solchen Herzen, voll von Zärtlichkeit gegen dich und voll Liebe zu deinen Menschen, so ganz und inniglich genießen. Denn du, Vater der Freude! giebst sie uns nur dazu, daß wir uns freuen follen; und sie freudig genießen, ist Gehorsam gegen dich. Ich will endlich die als Terfeligste Erlaubniß, die du mir durch Jesum geschenket hast, in jedem Augenblicke mit kindlicher Freymüthigkeit mich zu 554 Erweckung zum frommen Sinn dir zu nahen, sorgfältig benutzen; ich will das beständige Andenken an dich in mir erhalten, meine Seele mit öftern gottseligen Empfindungen, Betrachtungen, oder auch Seufzern und Gebeten für mich und meine lieben Nebenmenschen, zu dir emporschwingen, und mich also in den christlichen Geist des beständigen Gebets immer mehr zu versehen suchen. Arzt und Vater meiner Seele! bilf mir zu der Gegenwart des Gemüths, daß meine Pflichten nebst den großen Bewegungsgründen und schicklichen Mitteln, sie zu erfüllen, mir zu jeder schicklichen und bequemen Beit einfallen, und mich zu allen jenen guten, edlen, seligen Thaten stärken. Schaffe du selbst in mir, was dir wohlgefällt. Ewig sey dir Ehre und Anbetung gebracht! Amen. 20. Aufmunterung zu solchem Wandel vor Gott. - o vor dir, mein Gott, zu wandeln, so vor dir als ein Christ zu machen, zu kämpfen, zu beten und zu handeln, soll mich 1) die kindliche Liebe und Dankbarkeit gegen dich ermuntern. Ganz unzählig und unermeßlich sind deine Wohlthaten, womit du mich durch das Verdienst Jesu Christi erfreuet hast und noch immerfort erfreuest. Jeder Tag, jede Nacht sind mit neuen Gunstbezeugungen bezeichnet. Der fanfte erquickende Schlaf, den du mir schenkest, dieser fröhliche Gebrauch meiner Augen, Ohren und anderer Sinne, meiner Vernunft und Sprache, mein zeitlicher Wohlstand, meine Gemüths- und Leibeskräfte, diese neue Nahrung für meine Seele, die gnådige Erlaubniß, zu dir zu beten; Herr! mehr als Haare auf meinem Haupte, mehr als Sandkörner am Ufer des Meers, mehr als Strahlen aus der Sonne feit dem Unfange der Welt gefahren sind, sind die Gunstbezeugungen, die du mir bisher erwiesen hast, und noch immerfort durch alle Ewigkeit erzeigen willst. Gott, wie äußerst schåndlich und strafbar wird für mich jede Sünde! Wie stark und viel sind die Bande der Liebe und Treue, womit ich dir zum kindlichen Gehorsam verbunden bin! D! ich mußte der allerniederträchtigste, schåndlichste Mensch, ein rechtes Scheusal und Schandfleck in deiner Schöpfung müßte ich seyn, wenn ich mich nun noch von irgend einer Sünde wollte sclavisch beherrschen, und durch irgend etwas in deinem Dienst muthlos und verdroffen machen lassen. Gott, mein Vater! gieb mir Weisheit und Kraft, daß ich in dem Laufe eines jeden Ta ei und Wandel vor Gott. 555 ges deine vorzüglichen Liebesproben sorgfältig bemerke, mein Herz zu dir, dem so liebreichen, so großmüthigen und freundlichen Wohlthäter, durch innige Empfindungen oder auch Seufzer und Gebete des Ruhms und Dankes emporhebe, und dadurch dieser meiner noch so sehr schwachen Liebe und Dankbarkeit gegen dich neue Nahrung und Stärke verschaffe. So laß denn auch heute meine Seele immer mehr mit der allertiefsten Ehrfurcht und Anbetung deiner uners meßlichen Majeståt, und mit einer recht zärtlichen Liebe ges gen dich, mein Vater! angefüllet werden, und hiedurch neue Gotteskraft zum Hasse und ewigen Kampfe wider alle Suns de, und zu einem ungetheilten, recht willigen, freudigen Ges horsam gegen alle deine noch so bittern Schickungen, und gegen alle deine, auch noch so schwere Befehle, empfangen. Ich ermuntre mich zu diesem frommen Wandel 2) durch die christliche Ehrbegierde, durch die Betrachtung der Gróße, der Vorzüge und Glückseligkeit, die ich als ein Christ be: sige, und dereinst noch besigen werde. Diese edle Empfindung meiner allererhabensten Würde, um Jesu willen dein Freund und Kind zu seyn, soll mich mit Ekel und Abscheu gegen alle Sünde, als die alleräußerste Schande, anfüllen, mir Ehrfurcht gegen mich selbst, und ein demüthiges Selbstgefallen einflößen, und dadurch ein kräftiger Antrieb werden, daß ich aus aller Macht dahin strebe, dir, meinem Freunde und Vater, ähnlich zu werden, und in allen Stücken meiner erhabenen Würde gemäß zu denken, zu begehren und zu handeln. Ich ermuntre mich dazu 3) durch die christliche erleuchtete Selbstliebe. Zum Ruhm deiner Barmherzigkeit muß ich es bekennen, daß dein redlicher Dienst bisher, aller seiner vielen und großen Mängel und Flecken ohngeachtet, eine göttliche Ruhe, Zufriedenheit, Heiterkeit und so manche himmlische Freuden in meiner Seele verbreitet hat. Nur die Sünde allein ist der einzige Feind und Störer meines Glücks. Diese will ich daher von ganzem Herzen has sen und fliehen, und alle meine Kräfte darauf richten, daß ich die Zahl meiner christlichen, gottseligen Gesinnungen und Thaten immer vermehre, und dadurch neue göttliche Ruhe und Freude in meine Seele leite. Ich ermuntere mich 4) dazu durch das lebhafte Andenken an deine Allgegenwart. In alle Ewigkeit kann ich dir die allerfeligste Belehrung, die mir deine Religion giebt, nicht genug verdanken, daß du, mein allmächtiger, allwis 556 Erweckung zum frommen Sinn sender, unendlich liebreicher Gott und Vater! mir allent: halben und zu allen Zeiten, im Hause und außer dem Hause, bey meinen Arbeiten und Ergößungen, in meiner Einsamkeit und in meinen Gesellschaften, bey meinen Leiden und Freuden, unmittelbar zugegen, und der allwissende liebevolle Zeuge meiner Handlungen, Reden, Begierden, und der geheimsten Gedanken meiner Seele bist. So weiß ich denn, daß mich keine zu schwere Versuchung befallen, und es mir nie an Kraft zum Guten fehlen kann; denn deine Macht ist mir stets zur Seite. So weiß ich auch, daß nicht das Geringste von allem dem, was ich in deinem redlichen Dienste unternehme, verloren ist. Jede gottselige Ergebung in deinen Willen, womit ich die Mühseligkeiten bey meinen Arbeiten, die Trübfalen dieses Lebens, die Krankheiten und Beschwerden eines siechen Leibes, die du mir etwa auflegen mögtest, ertragen werde; jede Selbstüberwindung, die ich mir bey dem Genusse der Nahrung und erlaubter Bergnügen, bey den Beleidigungen anderer, bey den Regungen des Stols zes, oder bey andern Gelegenheiten, aus Gehorsam gegen dich anthue; jeder treue Kampf, den ich wider die Unmáßigkeit, Heftigkeit, Zorn und andre Reizungen führe; jede fromme, auch bloß innere Bestrebung, womit ich dir wohlzugefallen trachten werde; ja, jeder Kummer, jede Sehnsucht, jeder Seufzer, den mir die Empfindung meines geistlichen Unvermögens, und das Andenken der bessern, ewigen Welt auspressen wird; dies alles, so schuldig, so unvollkommen, und wenig be deutend es auch ist, wird von dir, mein Gott! mit Gnade bemerkt, bleibt, wenn ich es selbst schon lange vergessen habe, deinem allwissenden Verstande ewig gegenwärtig, wird mir von dir, um Jesu willen, mit deinem Beyfalle und größern Liebe belohnt, wird mir ein Denkmal vor dir im Himmel, und wird mich, noch nach Jahrhunderten, in deinem Himmel ergößen. Dies soll mir neue Lust und Stárke einflößen, allenthalben nur nach gläubigen edlen Werken und hiedurch nach dem ewigen Leben zu trachten. Endlich 5) laß mir das große Ziel aller christlichen Wünsche, Hoffnungen und Bestrebungen, die selige Ewigkeit, nie aus dem Gesichte kommen. Wenn die Beschwerden und Mühseligkeiten dieses Leibes und Lebens mich niederschlagen; wenn die Peinlichkeiten bey den Kämpfen wider die Sünde mich muthlos und verdrossen machen wollen; wenn die Mühe, die mein verdorbenes Herz mir bey der Ausübung und Befolgung deiner Gebote verursachet, mir eine Last werden will; und Wandel vor Gott. 557 alsdann laß die fröhliche Erwartung des künftigen, bessern, durch die vollkommenste Tugend und feurigste Andacht ewig beglückten Lebens, und die Erinnerung, daß mich jeder Aus genblick dahin einführen kann, mein Unker, meine Stüße, mein Labsal werden. Da will ich denn meine Glaubenss blicke in jene ewige Welt richten, sie an mein Vaterland heften, und mich dadurch göttlich stärken. So, mein Gott! will ich, so,( denn du bist meine Hülfe!) so werde ich heute und in der folgenden Zeit meiner Tage leben, daß ich in jedem Augenblicke, mit Zustimmung meines Gewissens und mit Uebereinstimmung meines ganzen Lebens sagen kann: Ich habe den edlen Glaubenskampf gekämpfet, ich habe ,, den Lauf vollendet, ich habe Treue gegen dich bewahret. Darum liegt nun auch schon die Krone der Tugend für ,, mich bereitet da, welche du, Herr, mein gütiger Richter! ,, mir und alle den vielen Tausenden geben wirst, die dich von Herzen lieb haben." Amen! Amen! # 1 21. Tágliches Gebet einer gottesfürchtigen Familie. Umächtiger Gott, Vater und Schöpfer aller Menschen und Geschlechter auf Erden, von dem wir alle Leben und jede Art der Glückseligkeit haben, und der du würdig bist, dafür von uns in Worten und Thaten gepriesen und anges betet zu werden! Wir nahen uns zu dir, dir insbesondere für die häuslichen Glückseligkeiten, die du uns verliehen hast, mit inniger Empfindung unsrer Herzen zu danken. Wir danken dir, weifer und gütiger Vater! für die geselligen und freundschaftlichen Neigungen, die du uns eingepflanzet, und für die süßen Empfindungen der wechselseitigen Liebe, wodurch so viele Freuden im häuslichen Leben auf uns zurückfallen, für die Gesundheit und Ruhe, die du uns verliehen, für die Speise und Trank, womit du uns erquickt und genährt, für die Kleidung, womit du uns bedeckt; für die friedliche Wohnung, worein du uns gesetzt, für den guten Fortgang, womit du unsere Geschäfte gesegnet, für den Trost, wodurch du uns bey Unglücksfällen gestärkt und aufgemuntert; und für alles, was du uns zu unsrer Zufriedenheit und zu unserm Wohlstande gegeben hast. Dich, Vater unsrer Seelen! preisen wir insonders heit für die Vortheile, die du uns durch unsere häusliche Verbindung geschenket hast, uns zum gemeinschaftlichen 558 Tägliches Gebet Gebete vor dir zu vereinigen, uns unter einander in guten Grundsäßen der Religion und Tugend zu befestigen, liebreiche, wohlwollende und tugendhafte Neigungen zu unterhalten, und unsere gegenseitige Wohlfahrt zu befördern. O Gott! der du bisher unter uns gewohnet, und uns ins gesammt, und jeden insbesondere, mit Wohlthaten begnadigt hast; sey auch künftig der stets gegenwärtige, gnädige und gütige Gott und Vater unsers Hauses. Wir überlassen uns auch künftig deiner Aufsicht und Vorsehung. Dir, der du nach deiner Allwissenheit am besten weißt, was uns gut ist, dir vertrauen wir mit findlicher Zuversicht, du werdest uns auch fünftig, wenn es uns beilsam ist, vor Krankheiten, vor Gram und traurigen Zufällen bewahren, uns in der Fortbauer unsrer häuslichen Glückseligkeit erhalten, uns die Gaben deiner Güte mit frohem Muthe und Vergnügsamkeit genießen lassen, und unser Herz mit Freude und Dank über die Wohlfahrt eines jeden Gliedes unsers Hauses erfüllen. Sollte es aber deiner unendlichen Weisheit gefallen, uns mit Leiden am Leibe oder an der Seele, oder mit Verlust unserer Güter heimzusuchen; so gieb auch, daß wir uns alsdann deinen Schickungen geduldig unterwerfen, uns dadurch desto mehr zum Gehorsam gegen deine Gebote erwecken, und bereitwillig sind, durch gegenseitige Liebe und Mitleiden einer des andern Last zu erleichtern und zu tragen. Mache du, Gott der Heiligkeit und der Liebe! mache uns alle zu einer christlich- frommen und gottesfürchtigen Familie. Laß jeden unter uns, nach seinem Stande und Umständen, seine Pflicht mit gewissenhafter Treue und Eifer thun. Mache die Häupter und Herrschaft dieses Hauses zu Mustern der Frömmigkeit, des Fleißes, der Måßigkeit und Keuschheit, der Menschenliebe, der Sanftmuth und jeder andern Tugend, und gieb, daß wir durch ihren nützlichen Unterricht, noch mehr aber durch ihr gutes Erempel, die Fallstricke des Lasters und der Sünde vermeiden, und ihrem edlen Beyspiele nachfolgen mögen. Laß die Eltern es zu ihrem täglichen und wichtigsten Geschäfte machen, ihre Kinder fromm und chriftlich zu erziehen, ihnen Erkenntniß, Liebe und Ehrfurcht gegen deine Religion, und jede Tugend des Christenthums einzuprägen, und sie zu Zierden ihrer Fami lie, zu nüßlichen und würdigen Menschen, und zu künftigen Erben der Seligkeit zu bilden. Flöße den Kindern dieses Hauses Gehorsam und Ehrerbietung gegen ihre Eltern und Vorgesetzten, und Nachsicht und Gefälligkeit gegen einander einer gottesfürchtigen Familie. 559 ein, damit sie in beständigem Frieden unter einander leben. Laß alles Gute, wodurch sie fromm, glücklich und der Wel: brauchbar werden können, mit Eifer lernen, und den Unterricht ihrer Lehrer und Freunde mit Demuth und Dank an= nehmen. Befreye ihre Herzen von aller Bosheit und Rachfucht, und laß sie alle Lügen, Unredlichkeit, Falschheit, Be= trug und Verläumdung als den årgsten Schandfleck fliehen. Präge ihren Gemüthern eine stets dankbare Erinnerung ge gen ihre Eltern, Verwandte, Lehrer, Freunde und Wohls thäter ein, damit sie nie das Gute vergessen, das sie von ihnen empfangen haben. Laß ihr Herz mitleidig gegen Arme und Traurige seyn, und eine wahre Freude am Wohlthun empfinden, und mit den Jahren, so wie am Alter, also auch am Verstande, an Tugend und Gnade bey dir immer mehr zunehmen, damit sie sowohl in diesem als in jenem zukünf tigen Leben glücklich seyn mögen. Unsern Dienstboten( und allen denen, die auf eine oder die andere Weise in dem Dienste dieses Hauses stehen) präge Gottesfurcht und Tugend, die Grundlage aller Redlichkeit und Treue, in ihr Herz. Lehre und überzeuge sie, daß gewissenhafte Treue und Fleiß in der Abwartung ihrer Arbeiten, und redliche Ausrichtung der Befehle ihrer Herrschaft ein Haupttheil ihres christlichen Gottesdienstes sey; daß Aufrichtigkeit und Treue, daß Ehrerbietung, Folgsamkeit, Liebe und Bescheidenheit gegen ihre Herrschaft, daß Keuschheit und Ehrbarkeit ihr Schmuck und ihre Ehre, und hingegen Müssiggang und Faulheit, Ungehorsam, Grobheit und Widerspenstigkeit, daß Lügen, Betrug und Schadenfreude, Unkeuschheit und wüstes Leben ihre wahre Schande sey. Erfülle sie daher mit Ekel und Abscheu gegen diese und alle übrige Laster, und mit Sehnsucht, Liebe und Unverdrossenheit zu jenen Tugenden; damit sie auch gegen dich, den Allmächtigen und höchsten Herrn, als getreue und fromme Knechte und Mägde erfunden werden, und der Belohnungen in deinem Reiche fähig seyn mögen. Mache uns endlich, Gott, unser Vater! zu einer solchen Familie, worin wahrhaftig liebreiche Gesinnung und christliche Eintracht herrschet. Laß uns alle uns unter einander aufrichtig und mit reinem Herzen lieben. Laß uns jedes gute Werk nach den Umständen unsers verschiedenen Berufs, mit Freuden thun, jeden das Seinige zum allgemeinen Beften unsers Hauses treulich beytragen, und jeder des andern Glück und Wohlfahrt recht herzlich zu befördern suchen. Nies mand unter uns müsse dem andern, ohne Noth und Recht, 560 Tägliches Gebet einer gottesfürchtigen Farailic. Betrübniß, Kránkung, Gram oder Verdruß verursachen. Laß die, die unter uns jung sind, den betagten und grauen Häuptern dieses Hauses durch jede mögliche Beweise der Achtung, der Dienstfertigkeit und Gefälligkeit die Tage des Alters, der Schwachheit und des Unvermögens erträglich zu machen suchen, und die Alten laß für die Jüngern ein tåg: liches Muster der Nachsicht, der Zärtlichkeit, der Geduld und Einträchtigkeit seyn. Stolz und Neid, Unzufriedenheit und unnüze Klagen und mürrisches Wesen, Urgwohn und Eifer: sucht, Banksucht und 3orn, und alle unfreundliche, menschenfeindliche Leidenschaften sollen ferne von uns seyn. Wir wollen einer des andern Schwachheit geduldig tragen, und mit Sanftmuth und Liebe seine Fehler zu verbessern suchen. Alle edlen, liebenswürdigen und freundschaftlichen Empfindungen sollen unsre Herzen beherrschen, und die Begierde, einander zu dienen und zu gefallen, soll in allen unsern Handlungen sichtbar werden. Unsre Wohnung soll ein Sitz der Freundschaft und der Liebe seyn; Unschuld und Tugend foll mitten unter uns wohnen; und die Stimme der frommen Freude und Dankbarkeit gegen dich, unsern gemeinschaftlichen Vater und Wohlthäter, soll sich täglich unter uns hören lassen. Und so wollen wir unser ganzes Leben hindurch erfahren und em pfinden, wie sanft und lieblich es ist, wenn christliche Brüder einträchtig ben einander wohnen, und Friede und Freundschaft sich in einem Hause küssen. Und wenn endlich der traurige Augenblick unserer Trennung auf Erden erscheint, so bringe uns dahin, wo wir nie wieder getrennt werden, sondern in den Wohnungen des Friedens und der Freude ewig durch deine unendliche Gnade bey einander wohnen, die uns Je= sus, unser Erlöser und Mittler, erworben hat. Ihm und dir, seinem und unserm Vater, sey Preis und Anbetung in Ewigkeit! Amen. Ueber das heilige Abendmahl. 22. Nachdenken über den Zweck und Nutzen des heiligen Abendmahls. as heilige Abendmahl, das von Jesu Christo gestiftet und eingesetzet, und dessen Genuß mir und allen Be kennern seiner heiligsten Religion anbefohlen ist, ist eine Ueber das heilige Abendmahl. 561 gottesdienstliche Handlung, die ich eben so wenig als die übrigen Anordnungen seiner Religion, vorsetzlich unterlassen darf, wenn ich ein Christ seyn will. Vielmehr lege ich durch diesen Genuß ein feyerliches Bekenntniß ab, daß ich ein Christ bin, daß ich es für eine Ehre und Glück halte, ein Christ zu seyn, und daß ich mich meines Erlösers vor Gott und aller Welt rühme und freue. Und will ich von diesem Genusse Nußen haben; so bin ich nicht nur verbunden, mich desselben oft zu bedienen, und den Genuß fleißig zu wieders holen, sondern mir auch richtige Begriffe davon zu machen, und mit dem Gebrauche desselben die rechten Absichten, und eine schickliche christliche Gemüthsverfassung zu verbinden. Dieser Genuß des heiligen Abendmahls aber soll mir 1) ein demüthiges und herzliches Lobopfer für die unermeßliche Gnade meines Gottes seyn, daß er mir durch Jesum Christum die Mittel zu meiner Besserung, Begnadigung und Seligkeit geschenkt und mir so unzählige, schåndliche und strafbare Sünden vergeben hat. Welch eine unaussprechliche Wohlthat ist es, daß Gott der Welt und mir einen Erlöser geschenkt, der mir durch seine heiligste Lehre den deutlichsten und zuverlässigsten Unterricht von dem Willen meines Schöpfers, von meiner Bestimmung, von meinen Pflichten, von dem Wege zu meiner Glückseligkeit, und dabey die trostreiche Versicherung gegeben hat, daß er für meine Sünden gestorben sey, damit ich durch ihn Gnade, Vergebung, Unsterblichkeit und ewiges Leben erlangen sollte! Uch was würde aus mir geworden seyn, wo wollte ich Ruhe des Gewissens, Muth und Kraft zum Anfange und Fortgange in der Tugend hernehmen, wenn ich nicht die Wahrheiten der Religion und das Verdienst meines Heilandes hatte! Welch eine unaussprechliche Liebe Gottes, die so viel für mich gethan, mir so viel vergeben hat! Was thut Gott nicht noch an mir, indem er mir den Genuß dieser Gnade noch immer fortseket, mich in der Theilnehmung an der christlichen Religion und der Erlösung Jesu noch immer bleiben läßt, mir tägliche Erweckungen, tägliche Hülfsmittel zur christlichen Frömmigkeit schenkt, mir jede Stuffe der Heiligung erleichtert, mir die Versuchungen zur Sünde überwinden, und die Hindernisse auf dem Wege der Tugend besiegen hilft! Welche unermeßliche Reichthümer von Langmuth, zártlicher Vatertreue, Sorgfalt und Bemühung für meine Besserung, welche Barmherzigkeit, Wohlthätigkeit und Freundlichkeit Gottes erblicke und empfinde ich, wenn N n 562 Ueber das heilige Abendmahl. ich in mein voriges Sündenleben zurücksehe! Mehr als Sand am Meer sind seine Gnaden! An dies alles erinnert mich das Gedächtnißmahl meines Erlösers, in welchen und durch welchen mir alle diese Gnaden wiederfahren sind und noch wiederfahren; und dies soll, dies muß mich nothwendig zur aufrichtigsten, innigsten Dankbarkeit, Verehrung und Liebe gegen Gott, meinen höchsten Wohlthäter und treuesten Freund, erwecken. Der Genuß des heiligen Abendmahls soll mir 2) eine dankbare Erinnerung und Verherrlichung des am Rreuze gestorbenen Erlösers seyn. Jesus, der Sohn Gotz tes, der allererhabenste, der Gegenstand des allerhöchsten Wohls gefallens Gottes, stirbt am Kreuze aus Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater! Was für Begriffe giebt mir diese Unters werfung von seiner erhabenen Seele! Mit welcher Ehrfurcht muß ich ihn nicht preisen und verehren! Wie muß mir nicht dieser Unblick die Wahrheit tief einprågen, daß nichts, als liebevoller Gehorsam gegen Gott, uns vor ihm theuer und werth mache! Dies soll meinen himmlischen Sinn mit neuer Stärke beleben. Nicht in den Gütern dieser Welt, nicht in dem Beyfalle und Ruhme, dem Unsehen, dem Gelde, und der Macht der Erde, sondern in dem Besige der durch Jesum den Gekreuzigten uns erworbenen götts lichen Gnade und Seligkeit im Himmel, soll ich von nun an mit verstärktem Eifer mein Ein und Ulles suchen. Ich soll mich dabey 3) des heilaudes dankbar erinnern, der für unsre Sünde gestorben ist. Welch ein einleuchtender, schrecklicher Beweis des heiligsten Hasses Gots tes gegen alle Sünde, und seiner allervollkommensten Strafs gerechtigkeit! Dies soll denn auch meinen Haß und Abscheu gegen alle und jede Sünde verstärken. Keine einzige Sünde darf ich hegen. Jede soll ich verabscheuen, ewig hassen und verbannen. Auch alles Glück in der Welt soll mir nichts werth, soll mir schrecklich seyn, wenn ich es durch Sünden erkaufen muß. Dies aber soll auch meinen Glauben und mein Vertrauen auf Gott durch Jesum Christum stårken und neu beleben. Durch seinen Tod sind nun alle meine Sünden versöhnet, auch meine noch fortdauernden Mangel und Schwachheiten gut gemacht. Nun kann mein Glaube in Gott einen gnädigen Gott anbeten, zuversichtlich seinen ununterbrochenen Beystand zu allem Guten bis an meinen feligen Tod erwarten, und freudig nach dem bessern, in Tugend und Undacht vollkommenen Leben aussehen. Ueber das heilige Abendmahl. 563 Dies soll endlich meine treueste, dankbarste, zärtlichste Gegenliebe gegen meinen Erlöser, an welchem und durch welchen Gott solche Wunder seiner unermeßlichen Liebe bewiesen hat, stårken und mit neuer Kraft beleben. Endlich soll mir dieser Genuß eine dankbare Erinnerung und Lobpreisung des heilandes seyn, der für alle menschen gestorben ist. Wie theuer, wie unermeßlich theuer ist also ein Mensch in den Augen meines Heilandes und meines Gottes! Und ich, ich sollte den nicht ehren, dem nicht wohlwollen, den nicht herzlich lieben, für den Jesus sein Leben gelassen, für den Gott seinen Sohn dahin gegeben hat?- Ja hier im Abendmahl überzeuge ich mich auf's neue von meiner Pflicht einer allgemeinen Menschenliebe, und wiederhole dazu meine heiligsten Gelübde. Bey dem Brodte, von dem ich in Gesellschaft mit meinen vornehmen und niedrigen, mit meinen reichen und armen Nebenmenschen esse, bey dem Freundschaftsbecher, aus welchen ich mit ihnen allen trinke, bey diesem Ehren- und Freudenmahle des Menschengeschlechts, zu dem auch ich geladen werde, bey dem Leibe und Blute meines Bruders und Herrn gelobe und schwöre ich: ,, Neid, und Groll, und Haß, und Lieblosigkeit sollen ,, meine árgsten Feinde, jeder Mensch, auch der niedrigste ,, Knecht, auch mein årgster Feind, soll ein Gegenstand ,, meines Wohlwollens, andern Vergnügen machen, und Wohlthun soll meine Freude seyn." 23. Selbstprüfung vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. Dies foll bie Absicht, dies soll der Nugen, dies sollen Gesinnungen und mit und weswegen ich mich bey dem Tische des Herrn für seinen Jünger und Nachfolger erkläre, und durch diese heilige Handlung es jedermann sage, daß ich mich glücklich schätze, Gemeinschaft mit ihm zu haben, und sein Vereh rer, sein Erlöseter, sein Unterthan zu seyn. Aber habe ich diese Absicht wirklich? Habe ich die Eigenschaften an mir, die wahre Christen haben müssen? Halte ich Jesum Chriftum für denjenigen, der er wirklich ist? Verehre ich ihn als den Sohn und Gesandten Gottes, als den Herrn und König der Welt? Weiß ich, was er zum Besten der Menschen gethan und gelitten hat, und empfinde ich den Nn2 564 Ueber das heilige Abendmahl. Werth seiner großmüthigen, alles für uns aufopfernden Liebe? Habe ich eine hinlängliche, eine zu meiner Besses rung und Beruhigung hinlängliche Erkenntniß von des Lehre, die er vom Himmel gebracht und uns durch seine Boten kund gemacht, und von den Regeln des Verhaltens, die er mir vorgeschrieben hat? Halte ich diese Lehre für wahr und göttlich? Sehe ich diese Vorschriften als Gefeße an, denen ich allen Gehorsam schuldig bin? Verlasse ich mich auf seine Verheißungen als auf Zusagen Gottes, die mich unmöglich täuschen können? Ehre ich ihn also mit wahrem Glauben, mit dem festen Zutrauen, daß ich unter seiner Anführung und in seiner Nachfolge nicht irre gehen, und des Ziels der Vollkommenheit nicht verfehlen kann? Bin ich durch Jesum wirklich selig geworden? Genieße ich wirklich, wenigstens dem Anfange nach, die Freyheit, die er den Menschen zu verschaffen in die Welt gekommen ist? Bin ich frey von dem heidnischen Aberglauben, und der jüdischen Uengstlichkeit in Absicht auf Religionssachen und gottesdienstliche Gebräuche? frey von allen knechtischen Gesinnungen gegen Gott und von allen feindseligen Gesinnungen gegen die Menschen? frey von der Herrschaft der Sünde und des Lasters, von der Tyranney unordentli cher Begierden und Leidenschaften, von der sclavischen Furcht vor dem Tode und der Hölle? Bemühe ich mich insbesondere, um immer mehr ein Christ, und dadurch immer seliger zu werden, bemühe ich mich ernstlich, meinen Sinn und mein Verhalten ganz nach dem Sinne und dem Berhalten Jesu Chrifti einzurichten? Dies, dies ist ja das wesentlichste Kennzeichen des wahren Christen. Mein Heiland selbst sagt mir: Wer mein Jünger seyn will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach. EinBeyspiel habe ich euch gegeben, daß ihr thun sollt, wie ich euch gethan habe. Das ist mein Gebot, daß ihr euch unter einander liebet, gleichwie ich euch geliebet habe. Und seine Boten rufen mir allenthalben zu: Ein jeglicher sey gesinnet, wie Jesus Christus gesinnet war! Sehet auf Jesum, das höchste Muster der Treue und Standhaftigkeit; wer in ihm bleibt, wer seiner Gemeinschaft sich rühmen will, der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat. Kommt denn wohl meine Gesinnung und Denkungsart, kommt mein Verhal ten mit dem Sinne und dem Verhalten meines Herrn überein? Könnte wohl derjenige, der die Geschichte Jesu Ueber das heilige Abendmahl. 565 låse, und dann ein unbemerkter 3euge meiner Gesinnungen und meiner Handlungen wäre, den richtigen Schluß daraus ziehen, daß ich mir die Person, deren Geschichte er ges lesen, zum Muster vorgeseht hätte, und daß sich eine merk liche Aehnlichkeit zwischen ihr und mir zeigte? Bin ich so gegen Gott gesinnet, wie Jesus Christus gegen seinen himmlischen Vater gefinnet war? Wird mein Herz von den Empfindungen der Ehrfurcht, der Liebe, des Gehorsams, der Unterwerfung, der Dankbarkeit, des Vertrauens gegen dieses erhabenste Wesen belebt, wie Jesus zu allen Zeiten und unter allen Umständen seinen Bater verehrte? Ziehe ich, gleich ihm, seine Gunst und Wohlgefallen allen Gütern und Freuden dieser Erde, dem Beyfalle der ganzen Welt vor? Ist es mir, gleich ihm, vornehmlich darum zu thun, seinen Willen zu erfüllen, die Absichten, weswegen er mich auf den Erdboden und in den Stand, worin ich mich befinde, gesetzt hat, zu erreichen, die Ga= ben und Kräfte, die er mir verliehen, auf die nützlichste Art anzuwenden, und seine Ehre durch ein heiliges Leben zu befördern? Richte ich, wie mein Heiland that, meine - Gedanken und mein Herz auf Gott, um ihm alles Gute als unverdiente Wohlthaten zu verdanken, und alles Böse als weise, gütige Schickungen seiner Borsehung von seiner väterlichen Hand anzunehmen? Finde ich, gleich meinem Heilande, ein inniges Vergnügen daran, mich mit meinem Geifte zu ihm zu erheben, mich mit seiner Anbetung und Lobs preisung zu beschäftigen, ihn öffentlich und gemeinschaftlich mit meinen Brüdern zu verehren, und durch dies alles Gemeinschaft mit ihm zu haben, und mich seiner nåhern Gemeinschaft immer fähiger zu machen? Bin ich ferner so gegen meine ebenmenschen gesinnet, wie Jesus gegen die Menschen gesinnet war? Vers halte ich mich so gegen sie, wie er sich gegen sie verhielt? Er liebte sie alle als seine Brüder, als Kinder feines Ba= ters, und schloß selbst seine Feinde und Verfolger nicht von seiner Liebe aus. Er suchte ihnen allen nützlich zu werden, that gerne allen Gutes, und ließ sich auch durch ihren größten Undank nicht abhalten, solches zu thun. Er war gegen jedermann gerecht, billig, freundlich, gütig, herablas send; bewies sich gegen alle demüthig, sanftmüthig, geduldig, versöhnlich, ob er gleich die größten Vorzüge vor allen besaß, und niemand die geringste Ursache gegeben hatte, ihn zu beleidigen, oder ihm mit Verachtung zu be 566 Ueber das heilige Abendmahl. gegnen. Nie vergalt er Böses mit Bösem, oder Schelts worte mit Scheltworten; nie råchte er sich selbst, ob er gleich die Macht dazu in Hánden hatte, und das Unrecht allemal ganz allein auf der Seite seiner Beleidiger war. Enthaltsamkeit, Selbstverläugnung, Aufopferung, Leiden, Reden, Thun, alles war dem Besten seiner Brüder, dem Heile der Menschen gewidmet. Ist dies auch die Art, wie ich alle meine Nebenmenschen ansehe, wie ich sie liebe, wie ich mit ihnen umgehe, wie ich ihre zeitliche und geistliche Glückseligkeit suche und befördere? Sind dies die Regeln, denen ich in meinem Verhalten gegen sie folge, ich mag es mit Niedrigen oder mit Vornehmen, mit Urmen oder mit Reichen, mit Klugen oder Einfältigen, mit Feinden oder mit Freunden zu thun haben? Denke und empfinde, und arbeite, und lebe ich eben sowohl und noch mehr für andere, als für mich selbst? Welche Vortheile, welche Vers gnügungen, welche Bequemlichkeiten opfere ich ihnen wohl auf? Strebe ich wenigstens ernstlich und unablässig danach, mir diesen demüthigen, wohlthätigen, versöhnlichen, gemeinnütigen, großmüthigen Sinn Jesu recht zu eigen zu machen, und darin meine Ehre und Glückseligkeit zu suchen, wenn ihn auch alle Welt für Schwachheit, für Niederträchtigkeit, für Mangel des Muths und der Ems pfindlichkeit halten sollte? Bin ich endlich so gegen die gegenwärtigen und zus Fünftigen Dinge gesinnet, wie Jesus Christus gesinnet war? Beurtheile ich die Güter, die Vorzüge, die Bergnügungen der Erde so, wie er sie beurtheilte? Halte ich sie, gleich ihm, für Dinge, die keinen großen Werth haben, deren Befig wir nie zum letzten Ziele unsers Bestrebens allein machen, die wir nicht als Endzwecke, sondern als Mittel, unsre Kräfte und unsre Tugend zu üben und andern wohlzuthun, schätzen und lieben dürfen? Suche ich in dem Bes sige und in dem Genusse dieser Dinge eben so wenig meine ganze höchste Glückseligkeit, als er sie darin suchte? Bin ich, gleich ihm, bereit, alle diese Dinge, ja mein Les ben selbst, fahren zu lassen und sie meinem Gewissen und meiner Pflicht aufzuopfern, wenn ich sie nicht behalten kann, ohne diese zu verlegen? Wollte ich lieber noch so arm, noch so verachtet, in den Augen der Welt noch so elend seyn, als daß ich vorsäßlich Böses thun, und die Gesetze meines Gottes übertreten sollte? Suche ich hinges gen in der Erkenntniß der Wahrheit, in der Ausübung der Ueber das heilige Abendmahl. 567 Tugend, in einem frommen, wohlthätigen, gemeinnützigen Leben, meinen größten Gewinn und meine ganze Ehre, wenn ich gleich vor der Welt unbekannt und wenig geachtet und unbelohnt bleibe? Gewährt mir jeder Sieg, den ich über mich selbst erhalte, jede gute That, die ich vers richte, jeder Schritt, wodurch ich mich der christlichen Vollkommenheit nähere, mehr wahres Vergnügen, als der glückliche Fortgang meiner irdischen Geschäfte? Betrachte ich mich, gleich meinem Erlöser, als einen Gast und Fremdling hier auf Erden, der seine höhere Bestimmung stets vor Augen hat, nach dem Hause seines Vaters eilet, und schon jetzt mit seinen vornehmsten Gedanken und Bes gierden da ist, wo er ewig zu seyn gedenket? Sind Tod, Gericht und Ewigkeit, sind die Schicksale, die in der zukünftigen Welt auf mich warten, meinem Geiste oft ge genwärtig, und gewöhne ich mich daran, stets so zu denfen, zu urtheilen, zu handeln, wie ich dereinst wünschen werde, gedacht, geurtheilt und gehandelt zu haben? Uch, welche wichtige, wie viel in sich fassende Fragen! Wie kann ich mit Ueberzeugung und Beruhigung darauf Ja antworten! Vielleicht ist mir manche darunter noch ganz fremd; vielleicht habe ich über manche davon noch nie ernstlich nachgedacht! Und doch ist keine einzige darunter unnöthig. So soll, so muß ich seyn, wenn ich ein Christ seyn, wenn ich mich bey dem Genusse des heiligen Abendmahls meines Gottes und meines Erlösers dankbar freuen will. Denn wer Christi Sinn nicht hat, der ist nicht sein. Wer sich nicht aufrichtig und unabläffig bemühet, in allen Stücken, so wie er, gesinnet zu seyn, und sich so wie er zu verhalten, dem wird der Name, den er trågt, die Lehre, die er bekennt, das Abendmahl, das er hält, dem werden alle äußere Merkmale, Vorzüge und Uebungen eines Christen nichts helfen. Ich kann es nicht leugnen, ich bin noch weit, noch immer weit von der Vollkommenheit dieser Christengesinnung und dieses Chris stenwandels entfernt. Was will ich also thun? Um mich ben dem heiligen Abendmahl nicht mit Heucheley für einen Christen auszugeben, um mich da mit gegründeter 3uversicht der Seligkeit zu getrösten, die mir mein Gott durch Jesum verheißen und bereitet hat, will ich von nun an meine tägliche Beschäftigung daraus machen, meinem Gott, meinem Erlöser immer ähnlicher zu werden, und bey dem heiligen Abendmahle meine Vorfäße und Entschließun 568 Ueber das heilige Abendmahl. gen zum Guten stärken und befestigen, und mir Gottes Kraft zu ihrer Ausübung erbitten. 24. Um Vergebung der Sünden. H err, Herr Gott! barmherzig und gnådig, geduldig, von großer Güte und Treue, der du Gnade beweisest, und vergiebst Missethat, Uebertretung und Sünde! Dich bete ich als den einigen wahren und lebendigen Gott, als den Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, und in ihm als den Vater der Barmherzigkeit und den Gott alles Trostes, demüthigst an. Dir danke ich mit gerührtem Herzen für die außerordentlichen Beweise, die du uns durch Christum von deiner mehr als våterlichen Liebe gegeben hast. Du hast ihn, deinen Sohn, für uns in die Welt gesandt, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Du haft ihn für uns in den Tod dahin gegeben, und willst uns mit ihm und um seinetwillen alles schenken, was wir zu unserer wahren und ewigen Glückseligkeit nöthig haben. Auch mich, barmherziger Gott! auch mich Unwürdigen hast du zur Erkenntniß dieses großen Heils gebracht. Auch mir bietest du, auf die heiligsten Bedingungen, Vergebung der Sünden, Gnade, Leben und Seligkeit an. Auch mir willst du von diesem allen die feyerlichsten Pfånder und Versicherungen mittheilen, wenn ich mit wahrer Bußfertigkeit, mit lebendigem Glauben, und mit dem aufs richtigen Vorsage, ein heiliges Leben zu führen, mich zu dir nahe. Gott! wie wollte ich dem Verderben entrinnen, wenn ich eine solche Seligkeit nicht achtete, wenn ich mich durch diese Beweise deiner Güte nicht zur Buße und zur Dankbarkeit leiten ließe? Nein, ferne sey es von mir, mich eines solchen Verbrechens schuldig zu machen! Ich empfinde den Werth deiner Gnade. Ich bewundere die Größe deiner Barmherzigkeit und Menschenliebe. Ich wünsche sehnlich, an den Früchten der Erlösung, die durch Christum geschehen ist, Theil zu haben, und durch ihn gerecht und selig zu werden. Ich bin willig und bereit, alle Bedingungen, unter welchen du mir alle diese unschätzbaren Vortheile anbieteft, zu erfüllen. Gott! verzeihe mir, daß ich bisher meinen Berpflichtungen so oft zuwider gehandelt, daß ich mich nicht dankbarer und gehorsamer gegen dich, meinen unendlichen Wohlthäter, bewiesen habe. Meine Ueber das heilige Abendmahl. 569 Sünden haben mich von dir entfernet. Aber siehe, ich komme wieder zu dir, Herr mein Gott! Mein Herz sagt mir von deinetwegen: Ihr sollt mein Untlik suchen. Ich suche es, o Herr! verbirge dein Angesicht nicht vor mir. Deinem Dienste, o Gott! und dem Gehorsam deiner Gebote foll mein ganzes übriges Leben gewidmet seyn. Ich entsage in deiner Gegenwart allen Sünden, und dein heiliger Wille soll von nun an die einzige Richtschnur meines Verhaltens seyn. Ach! schenke mir selber Kraft und Stärke, meine Gelübde zu erfüllen. Laß die Betrachtung deiner unendlichen Liebe, laß den Genuß der Pfänder derselben, die ich an dem Tische meines Herrn empfangen werde, laß die Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die du mir verhältst, so gesegnete Eindrücke auf mich machen, daß ich alle Ver: suchungen zum Bösen mit neuem Muthe bestreite, alle Pflichten meines himmlischen Berufs mit neuer Sorgfalt erfülle, und dir bis in den Tod getreu bleibe. Amen. 25. Vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. Göttlicher Erlöser, Herr Jesu Christe! du haft ein Ges dächtniß der Wunder deiner Liebe gestiftet. Nur wes nige Stunden vor deinem Leiden setztest du das heilige Abendmahl zum Troste deiner Verehrer und zur Stärkung ihres Glaubens ein, und du läsfest mich auch noch jegt einladen, diese feyerliche Handlung gemeinschaftlich mit meinen Nebenchristen zu begehen. Wie glücklich bin ich, o Herr! daß ich dich, den einigen und vollkommnen Mittler zwischen Gott und Menschen, daß ich deine Lehre und dein Heil kenne, daß ich dich meinen Herrn und Erlöser nennen, mich deiner feligen Gemeinschaft rühmen, und zu deinen Erlöseten und Freunden zählen darf! wie viel habe ich dir, meinem Heilande zu danken! Wie unwissend, wie verderbt, wie trostlos, wie elend würde ich ohne dich und deine Gnade seyn! Wie unerträglich würde mir die Last meiner Sünden, wie fürchterlich die Erwartung der damit verdienten Strafen, wie schrecklich der Anblick des Todes und des Grabes seyn, wenn du uns nicht selbst den gnädigen Willen Gotz tes bekannt gemacht, wenn du dich nicht zum Opfer für unsre Sünden dahingegeben, und uns durch deinen Tod Gnade, Leben und ewige Seligkeit erworben hättest! Ja, alles Licht, das mich erleuchtet, aller Trost, der mich erquicket, alle Hoffnung, die mich belebet, sind Geschenke 570 Ueber das heilige Abendmahl. deiner unverdienten Liebe. Wie theuer foll mir denn nicht dein Gedächtniß seyn! Würde ich nicht der undankbarste, der niederträchtigste unter allen Sterblichen seyn, wenn ich deiner vergaße; wenn ich mit Kaltsinnigkeit und Gleichgül tigkeit an dich gedachte, wenn ich mich weigerte, dir die Ehre und den Dank zu geben, die dir gebühren? Nein, göttlicher Erlöser! ich folge deiner liebreichen Einladung mit Begierde und mit Freude. Ich komme, mich öffentlich für deinen Jünger und Berehrer zn bekennen, und es jedermann zu sagen, daß ich es für mein Glück und meinen Ruhm halte, der Deinige zu seyn. Ich komme als ein mühseliger und beladener Sünder, Ruhe für meine Seele zu suchen, und ergreife mit bußfertigem Glauben die Gnade, die du mir anbietest, und das große Heil, das du gestiftet hast. Ich komme, dir für dein Leiden und Sterben feyerlich zu danken, mich dir zum Eigenthum aufzuopfern, und den heis ligen Vorsatz zu erneuern, nicht mehr mir selber, sondern nur dir zu leben, der du für mich gestorben und auferstanden bist. Ich komme, meine Gemeinschaft mit allen Gläubigen zu unterhalten, und mich auf's neue zu einer aufrichtigen und brüderlichen Liebe gegen sie und alle Menschen zu verpflich ten. Herr! laß mein Vorhaben gesegnet seyn. Erlaube nicht, daß ich mich bloß mit den Lippen zu dir nahe, aber mit dem Herzen ferne von dir sey. Sende mir dein Licht und deinen Geist, und laß den Gedanken, daß du Herzen und Nieren prüfest, alle Falschheit und Verstellung aus meiner Seele vertreiben. Laß mich die Wunder deiner Barmherzigkeit so bedenken, daß Glaube, Liebe und Hoffnung dadurch in mir gestärkt, und ich auf das kraftigste bewo gen werde, die Versprechungen, die ich dir thue, mit uns verbrüchlicher Treue zu halten. Amen. 26. Noch andere Betrachtungen und Erweckungen vor dem heiligen Abendmahle. ( o gewiß, als ich im heiligen Abendmahl Brod esse und Wein trinke, so gewiß habe ich Theil an dem Leibe meines Heilandes, der für mich gebrochen, und an seinem Blute, das für mich vergossen ist. Auf keine eindrücklichere und gegen alle 3weifel und Besorgnisse des Gewissens mehr gesicherte Urt hätte mich Gott überzeugen können, daß ich, bey redlicher Besserung der Seele und des Lebens, auf das Verdienst Jesu meine Vertrauen sehen, und durch diesen Ueber das heilige Abendmahl. 571 Glauben gerecht und selig seyn soll. So will ich denn, du unermeßliche Liebe! dich mit einem demüthigen und starten Vertrauen ehren. Fest, unwandelbar fest will ich glauben, dir glauben, damit ich auch die Gerechtigkeit von dir erlange. Und dies soll denn auch mein Trost seyn bey den noch übrigen so mannigfaltigen großen Mängeln und Flecken, die sich noch an meiner Liebe und meinem Gehorsam finden. Nun aber ist auch meine Hoffnung des ewigen Lebens um so viel fester. Dies soll mir ein neuer 3ügel gegen die Sünde, und ein neuer Sporn zu allem Guten werden. Eine solche Barmherzigkeit meines Gottes, und eine solche Seligkeit soll mich denn auch mit neuer Geduld und neuem Muth bewaffnen. Bey den Beschwerden und Zufällen meis nes Leibes, bey den Widerwärtigkeiten des Lebens, bey den Beunruhigungen und Mühseligkeiten, die mit den Geschäfs. ten meines Standes und Berufs verbunden sind, bey den beschwerlichen und gefahrvollen Kämpfen wider die Sünde, da, und sonst allenthalben, wo ich die Last meiner Wanders schaft schwer fühle, will ich auf dich blicken, Sohn Gottes! der du selbst durch Leiden zu einem gütigen Regenten deis ner Menschen eingeweihet worden bist. Durch Gottes Gnade kann ich auch von mir sagen: Mir ist viel, sehr viel vergeben. Ach, möchte ich doch auch fagen können: Darum liebe ich dich auch viel! Du, o Gott! wirst mit meiner Schwachheit gnädiges Erbarmen tragen, und ihr gnädig aufhelfen. Solche unermeßliche Herablassung, Langmuth, Barms herzigkeit, Wohlthätigkeit und Freundlichkeit soll mich nun auch in dem Fleiße aller der edlen Werke stårken, die mir die Religion meines Heilands gebeut, und deren Summe, Menschenliebe gebildet nach dem Muster Gottes, ist. Amen. 27. Nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der dir alle deine Sündeu vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset, und dich krónet mit Gnade und Barmherzigkeit. Barmherzig und gnädig ist der Herr; geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergilt uns nicht nach 572 Ueber das heilige Abendmahl. unsern Missethate. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Wohl dem, dem die Uebertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecket ist! Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missethat nicht zurechnet, in dessen Geiste kein Falsch ist! Ich sprach: ich will dem Herrn meine Uebertretungen bekennen; da vergabst du mir die Missethat meiner Seele. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist? Du hast deines Sohnes nicht verschonet um unserntwillen! du hast ihn für uns in den Tod gegeben; wie solltest du uns mit ihm nicht alles schenken? Ja, gelobet sey Gott und der Vater unsers Herrn Isu Christi, der uns gesegnet hat mit den kostbarsten geistlichen und himmlischen Gütern durch Christum. In ihm, dem Geliebten, sind wir dem Höchsten angenehm geworden. In ihm dürfen wir Gott unfern Vater, und uns seine Kinder nennen. An ihm haben wir einen vollkommnen Eeligmacher, der immerdar lebet und für uns bittet. Durch seine Auferstehung von den Todten haben wir die gewisse Hoffnung eines unvergånglichen, unbefleckten und ewigen Erbes, das behalten wird im Him: mel. Gott! womit soll ich dir alle das Gate vergel ten, das du an mir gethan bast? Ich will dich erhöhen, mein Gott, du König! und dich preisen immer und ewiglich. Ich will dich täglich loben, und deine Gnade immer und ewig loben. Dir will ich Dank opfern, und öffentlich meine Gelübde und Zusagen erfüllen. Großer Erlöser! meine Seele erhebet dich, den Herrn, und mein Geist freuet sich in dir, meinem Heilande. Du bist würdig zu nehmen Kraft und Reichthum, Weisheit und Stárke, und Preis und Ehre und Lob. Denn du bist auch für mich erwürget worden, und hast mich mit deinem Blute erkauft. Durch dich habe ich Frieden mit Gott, und einen freyen Zugang zu deiner Gnade. Durch dich bin ich von der Gewalt der Sünde und des Todes erlöset, und darf mich der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit rühmen. Wie kann ich dir deine Liebe jemals vergelten? Ich will dich ewig lieben, denn du hast mich zuerst, du hast mich bis in den Tod geliebet. Du hast deinen Leib für mich gegeben; du hast dein Blut für mich vergossen, zur Vergebung der Sünden; du bist für mich gestorben; du hast dich selbst für mich geopfert. Ich will ganz der Deinige seyn. Dir will ich leben, dir will ich sterben; dir sey mein Leib und meine Seele, dir sey mein ganzes Leben heilig! Dich Ueber das heilige Abendmahl. 573 zu kennen, dich zu lieber, dir zu gehorchen, deinem Beyspiel zu folgen, deinen Namen unter den Menschen zu verkündigen, dein Reich hier auf Erden zu erweitern, um mich zu deiner nähern Gemeinschaft im Himmel geschickt zu machen, dies soll meine Ehre, mein Ruhm, mein vornehmstes und beständiges Geschäfte, meine ganze Seligkeit seyn! Amen. 28. Ein anderes Gebet nach dem heiligen Abendmahle. o habe ich mich denn feyerlich dem Dienste Gottes, meines gnädigen Vaters und Wohlthäters, gewidmet. So habe ich mich verpflichtet, als ein Junger und Nachfolger meines hochgelobten Erlösers zu leben, und ihm mit meinem Geiste und meinem Leibe, die beide sein Eigens thum sind, zu preisen. Wie heilig sind diese Verpflichtungan! Wie undankbar, wie unglücklich würde ich nicht seyn, wenn ich diese 3usagen vergåße, wenn ich diese Versprechungen nicht hielte! Welch eine Verantwortung, welch ein Gericht würde ich zu erwarten haben, wenn ich nun noch der Sünde diente; wenn ich nicht alle Fehler, alle böse Gewohnheiten, die ich an mir habe, ernstlich bestritte; wenn ich eben so tråge und nachlässig im Guten wäre, als ich es ehemals gewesen bin! So würde ich mich ja aller Vorrechte und Seligkeiten, die ich als ein Christ besize, verlustig, und meine Verdammniß um so viel schwerer machen. Uch Gott! laß es nicht zu, daß ich so undankbar gegen dich, und so feindselig gegen mich selbst handle. Sey du in meiner Schwachheit mächtig. Befestige meine guten Entschließun gen, und verleihe mir Gnade, an der Ausführung derselben unverzüglich und unermüdet zu arbeiten. Schenke mir neue Kraft deines Geiftes, und leite mich durch ihn zu allen Tugenden, damit ich meine Heiligung in deiner Furcht vollende. Bewahre mich vor Versuchungen; stärke mich, wenn ich darein gerathe; und laß mich die ewige Seligkeit, zu welcher du mich durch Christum berufen und erlöset hast, nie aus den Augen verlieren. So werde ich den guten Kampf kämpfen, den Glauben behalten, und meinen Lauf glücklich vollenden. So werde ich dereinst die Krone der Gerechtigkeit aus deiner Hand empfangen, und dir- Lob und Ehre bringen in Ewigkeit. Amen. 574 Ueber das heilige Abendmahl. 29. Eines rechtschaffenen Christen nach dem heiligen Abendmahl. Auch [ uch ich, der ich dies gesegnete Brod gegessen, und aus diesem Becher getrunken habe, gehöre zu denen, die Gott so sehr geliebet, daß er feines eingebornen Sohnes nicht verschonet hat. Auch auf mich siehest du, o Gott! mit Wohlgefallen herab, ba ich,( Dank sey es dir, ewiger Bater meiner Seele!) die Siegel deiner gnädigen Wirkungen in der Besserung und Heiligung meiner Seele an mir sehe. Mein ist der Reichthum deiner Erbarmung für meine vormas ligen Sünden. Auch mir beweisest du väterliche Nachsicht. Auch mich wirst du unstråflich bewahren bis ans Ende. Mein ist die ganze Fülle und Macht deiner Liebe, so gewiß als ich dieses Brod gegessen, und von diesem Weine getrunken habe. Herr! vor deinem Throne in den Staub hingeworfen, flehe ich: Laß mich jenen großen Zweck des Leidens und Todes meines Heilandes, mich dadurch zum Gliede seines eigenthümlichen Volkes zu machen, welches recht eifrig in allen Tugendthaten sey, diesen großen Zweck laß mir stets, stets vor Augen schweben. Laß mich seinen Tod, seine Religion bey jeder schicklichen Gelegenheit mit dem Munde preifen, ihn, bis an den letzten Hauch meines Lebens, als mein theuerstes Kleinod erheben. Laß mich ihn aber auch vornehmlich mit meinem Wandel preisen. Ach! dieser werde immer mehr ein Abdruck seines Musters, und deines großen Erempels, Vater meiner Seele! Laß mich insbesondere immer mehr der redliche, herzliche, allgemeine Freund der Menschen werden, der Er war, und der du bist. Du weißt, Allwissender! wie wenig ich noch der bin, der ich zu seyn von Herzen wünsche, und für den mich auch viele meiner Nebenmenschen halten. So viele Widersetzungen fühle ich noch in mir wider das, was ich mit der innigsten Ueberzeugung für meine größte Ehre und Freude ansehe. Ach! das schmerzt mich im Innersten! Eine Liebe, wie die Deinige, ein Gott, wie du bist, kann mich noch immer nicht zu dem ganz vollkommen guten, gehorsamen, dankbaren, liebevollen Menschen machen! Doch, das Wollen, der Wunsch, den du in mir gewirket hast, ist mir Bürge, daß du auch immer mehr das Vollbringen in mir wirken wirst. Bester, zärtlichster Vater! hier an dem Kreuze deines Sohnes öffne ich dir ganz mein Herz! Fülle es ganz mit dem Geiste der Liebe. Ueber das heilige Abendmahl. 575 Ach, wie schmerzlich sehnet sich meine Seele nach jenem rechten, durch Andacht und Tugend vollkommnen Leben!- Welche, o welche Seligkeit! Welche Wonne! Jene tiefen Blicke in die Abgründe deiner Werke und Wunder! Jene Riefenschritte auf dem Wege der Tugend! Jene unendlich wichtigern und entzückendern Geschäfte! Jene erhabene, entzückende, göttliche Freundschaft mit den Personen, die hier meinem Herzen theuer sind, mit allen edlen, großen Seelen unter den Menschen, mit Engeln und Erzengeln, mit meinem besten Freunde und größten Wohlthäter Jesu Christo! ihm, der mir den Weg zum Leben, zu dieser Wonne in deiner Gesellschaft, gebahnt hat!- Diese Hoffnung laß mir auch heute mit neuer Klarheit und Stärke ins Herz gedrückt werden. Sie, und deine Liebe, sey der Trost in meinem Leiden, das Gewürz meiner Freu den, der kraftigste Antrieb zu allen Zugendthaten; sey der Führer auf dieser Reise durchs Leben, hin in mein Vaters land! Uch! wann, wann werde ich dahin kommen! Gott! Vater! ganz durchdrungen von deinen unzählis gen und unermeßlichen Liebesproben, widme ich mich dir auf's neue ganz und gar. Du sollst mein alles seyn. Dir, nur dir will ich leben; dir will ich sterben; dich will ich in der Ewigkeit, in den Chören deiner heiligen, seligen Menschen und Engel preisen! Amen. In Krankheiten. 30. Beym Anfange einer Krankheit. err, allmächtiger Gott, Schöpfer Himmels und der Er den! der du das Leben, die Gesundheit und jeden ans dern Segen giebst; aber auch wieder nimmst, wenn es dir gefällt! lehre mich erkennen, daß alles, was mir begegnet, von deiner Hand kommt, damit ich bey allen Leitungen deiner gnädigen Vorsehung nur auf dich sehe, und sie mir zu deiner, als ihres Urhebers Ehre, zu Nute machen möge. Du hast mich jetzt mit einer Krankheit heimgesucht, von der ich nicht weiß, was sie für Folgen für mich haben kann. Ich nehme daher gleich beym Anfange derselben meine 3uflucht zu dir, und bitte dich, erleichtre meine Schmerzen, befreye mich, wenn es dein heiliger Wille ist, bald wieder davon. Verleihe mir aber vornehmlich die Gnade, daß ich diese Krankheit, wenn sie långer anhalten sollte, nicht nur 576 In Krankheiten. mit Geduld und Unterwerfung unter deinen Willen tragen, sondern sie auch zu meiner Heiligung anwenden möge. Gieb, daß ich dadurch gebessert werde, und auf die Absicht, die du bey dieser Züchtigung hast, aufmerksam sey, damit fie auch an mir erreicht werde. Ist sie eine Strafe für meine Sünden; so laß sie meine Seele kráftig ermuntern, die Sünden, deren ich mich in meinem bisherigen Verhalten schuldig weiß zu erkennen, sie aufrichtig zu bereuen, und dir künftig in wahrer Heiligkeit und rechtschaffener Frömmigkeit zu dienen. Gieb, daß ich nie wieder in dergleichen Thorheiten verfalle, wodurch ich mir vielleicht diese Krankheit zugezogen habe; mir künftig nie etwas erlaube, was nicht zu deiner Ehre gereichet, und mein eignes Verderben befördert. Gott! ich soll mein Leben in keiner andern Absicht lieben, als dir zu dienen und meine Seele zu erretten. Wenn ich denn zu diesem Endzweck leben soll; so schenke mir den Genuß meiner vorigen Gesundheit und Stárke wieder, und die Gnade, sie auch alsdann zu diesem Endzwecke anzuwenden. Soll aber der Tod das Ende meis ner gegenwärtigen Krankheit feyn; so gieb, daß ich diese Welt als ein rechtschaffener Christ verlassen möge, mit einem festen Vertrauen auf meines Erlösers Bermittelung und Fürsprache bey dir, mit Gleichgültigkeit gegen die Güter dieses Lebens, und freudiger Erwartung der unvergånglichen Güter des ewigen Lebens, mit ungeheuchelter Bereuung aller meiner Vergehungen und Sünden, mit einer willigen Ergebung meiner Seele in deine Hände, als in die treuen Hände meines Schöpfers und barmherzigen himmlifchen Baters. Erhöre mich um Jesu Christi willen! Amen. 31. Um christliches Verhalten in der Krankheit. Herr err, barmherziger Gott, der du nicht willst den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe! der du kein Wohlgefallen daran hast, deine Menschen mit Plagen zu belegen, sondern sie auch dann, wenn du sie züchtigest, noch liebest! fiche mit gnädigen Augen auf deinen unwürdigen Knecht,( deine unwürdige Magd) den( die) du mit Krankheit heimgesucht hast, herab. Sprich zu meiner Seele: es ist Friede! Mache mich gewiß, daß du mit mir verföhnt und geneigt bist, mir alle meine Sünden zu vergeben. Lehre mich deine Züchtigungen so tragen, als es sich für den In Krankheiten. 577 Zustand schicket, in welchen du mich gesehet hast. Wende mein Herz von der Welt und ihren vergånglichen Freuden ab; sie sind jetzt für mich ganz unnüß, und ich muß sie doch gewiß einmal verlassen, ich mag sterben, wenn ich will. Mache mich zu allen dem geschickt, wozu du mich in dieser und in jener Welt bestimmt hast. Ich mag leben oder sterben, so laß mein Herz über deine weise Leitung ganz ruhig, ganz zufrieden seyn. Erneure in mir, o Gott! was meine eigentliche sündliche Neigungen und Begierden zerstört haben. Erhalte mich in dem wahren Glauben deines Evangelii, und bewahre mich vor allem Irrthum und vor allen Arten der Sünde. Laß dir meine Demüthigung gefallen, und nimm meine Thrånen an; erleichtere meine Schmerzen, wenn es dir für mich zuträglich scheint. Mache mich tuchtig, mich in allen Fällen auf deine Verheißung fest zu verlassen, und niemals zu zweifeln, daß du für die sorgest, die auf dich trauen. Herr! erhöre mich, erböre alle, die für mich beten. Wache beständig für mein Bestes; verlaß mich nicht; vergiß meiner nicht; erlöse mich von allem Uebel, und hilf mir endlich auch zu deinem ewigen himmlischen Reiche, durch Jesum Christum. Amen. 32. Um Gnade, die Krankheit zur Heiligung anzuwenden. Allmächtiger, ewiger Gott! liebreicher himmlischer Bater! du zu nu über deine Menschen vervielfältigst, und zu einer andern Zeit ihnen diesen Segen wieder entziehest, entweder um sie dadurch zu bessern, oder ihre Herzen von den vergånglichen Gütern dieses Lebens zu entwöhnen, und sie zu dem Geherrlicher und dauerhafterer Güter in einem vollkomms neren und bessern Leben vorzubereiten; beweise auch an mir deine große Barmherzigkeit, und nimm dich meiner in den Umständen, worin ich mich jetzt befinde, gnádig an. Segne du selbst meine Krankheit! tröste, stärke mich bey dieser deiner våterlichen Züchtigung; heilige sie so, daß ſie mir ein Mittel werde, mein Herz zu reinigen, und es zu himmlischen Gesinnungen zu erheben. Beveite mich je mehr und mehr zu einem bessern Leben, wo keine Sünde, keine Krankheit, kein Tod mehr seyn wird. Ich weiß es, o Herr! daß es aus Liebe gegen mich geschieht, wenn du mich züchDo 578 In Krankheiten. tigeft. Meine Krankheit soll mir nichts schaden, wenn ich mir nur nicht selbst schade; sie soll nach deiner unendlichen Gute zu meinem Besten gereichen; sie soll mir den Tod von ferne zeigen, damit ich sterben lerne; sie soll meine Seele er heben und stärken, und meine guten Vorsäge und Entschliesfungen dauerhaft machen. Laß denn alle diese Endzwecke, o Gott! durch diese Krankheiten an mir erreicht werden, damit sie zu deiner Ehre und zur Beförderung meiner ewigen Seligkeit gereichen möge. Amen. 33. Bey heftigen und anhaltenden Schmerzen. alloy H eiliger, aber auch barmherziger Gott! der du kein Wohlgefallen an dem Elende der Menschen hast, sondern vielmehr in deinem Worte versprichst, die zu erretten, die dich in ihrer Noth anrufen, und dich von denen willst finden lassen, die dich suchen! ich komme jetzt, da deine Hand schwer auf mir liegt, und deine 3üchtigungen mich hart getroffen haben, mit meinem Gebete vor dich, und bitte dich demüthig, versage mir in diesen heftigen und anhaltenden Schmerzen, die mir meine Krankheit verursacht, deine Hülfe und Beystand nicht. Sey mir gnädig, o Gott! denn ich bin schwach; heile mich, denn meine Keafte haben mich verlassen; hilf mir um deiner Gúte willen. Wie ein Wanderer in der Sonnenhize sich nach dem Schatten seh net, und ein Taglöhner, daß seine Arbeit aus sey, also has be ich auch schon ganze Tage vergeblich geseufzet, und der elenden Nächte sind mir viel geworden. Wenn ich mich niederlegte, sprach ich: Wann werde ich aufstehen? Und hernach rechnete ich wieder, wenns Abend werden wollte. Siehe an meinen Jammer, o Gott! und laß dir mein Elend zu Herzen gehen. Von dir allein muß meine Hülfe kommen. Wenn du willst, kannst du mir leicht helfen, meine Schmerzen lindern, und mich wieder gesund machen. Ich muß es zwar bes kennen, daß ich noch weniger leide, als ich verdient habe, und daß ich es deiner Güte allein zu danken habe, daß es noch nicht gar mit mir aus ist. Ich weigere mich auch deiner Züchtigung nicht, und bin nicht ungeduldig über deiner Strafe, ob sie mir gleich jest keine Freude, sondern Traurigkeit macht; denn ich weiß, daß du meine Besserung und Heiligung dabey zur Absicht hast. Inzwischen wage ich es dennoch, deine Barmherzigkeit anzuflehen, daß du nicht nach meinen Uebertretungen und Eunden, sondern nach deiner großen Güte mit mir handeln, In Krankheiten. 579 mich nicht im 3orne, sondern mit Gnade und Güte züchtigen wollest. Befreye mich, wenn es deiner Weisheit gemäß ist, bald wieder von allen meinen Schmerzen, die ich jetzt in einem so großen Maaße leide; oder lindre sie wenigstens dadurch, daß du diejenigen Mittel fegnest, welche ich in dieser Absicht gebrauche. In allem aber, was du auch über mich bes schlossen hast, gieb, daß ich mich deinem heiligen und weisen Willen, mit einer gånzlichen Ergebung in denselben, und mit einem völligen Vertrauen, daß du, Herr! alles mit mir wohl machen werdest, unterwerfe. Erhalte mir den Glauben an deine allesregierende Borsehung, und laß auch diese schmerzhafte Krankheit dazu dienen, mich in demselben zu stärken. Gieb, daß ich auch in dieser Absicht bewährt von dir erfi werden möge, damit ich die Krone des Lebens empfahe, die du denen, die dich lieb haben, verheißen hast. Amen. 34. Nach der Genesung von der Krankheit. Unend nendlich liebreicher und erbarmungsvoller Gott, der du allen denen gnådig bist, die auf dich trauen! auch ich weiß es jetzt aus eigner Erfahrung, daß du mit deiner Hülfe denen nahe bist, die dich mit Ernst darum anrufen; denn da ich in meiner Noth zu dir rief, da erhörtest du mich, und halfest mir wieder von meiner Krankheit, so, daß ich dich jetzt mit fröhlichem Herzen dafür preifen kann. Lobe denn, meine Seele, den Herrn, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat! Lobe den Herrn, der dein Leben vom Verderben errettet, und dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit! O daß mein Herz durch diese neue Wohlthat so stark und innigst gerührt würde, daß ich es nie wieder wagte, eine so außerordentliche Güte zu mißbrauchen, sondern jeden Tag, den du, o Gott! zu meinem Leben noch hinzufügst, zur treuen Beobachtung deiner Ges setze, und zu deiner Verherrlichung anwendete! Ich bin nun wieder genesen, und mit jedem neuen Tage erhält meine Gesundheit eine größere Festigkeit und Stärke. So will ich mich von nun an mit allem Fleiß und Sorgfalt hüten, daß ich nicht wider dich aufs neue fündige, damit mir nicht noch etwas årgeres widerfahre. Laß die öftere Erins nerung der Umstände, in welchen ich mich befunden habe, einen so starken Eindruck auf mein Gemüth machen, daß ich alles dasjenige sorgfältig vermeide, was mich von neuem auf das Krankenbette werfen, und in Gefahr des Todes 002 580 In Krankheiten. bringen könnte. Vornehmlich aber gieb, daß ich in Erfül lung aller meiner Pflichten emsig und treu sey, damit ich in den Tagen der Krankheit, wenn ich in Zukunft nicht gánzlich davon befreyt seyn sollte, durch keine Verdammungen meines Gewissens das Gefühl meiner Schmerzen vermehren, und mir meinen Zustand noch beschwerlicher mas chen möge. Wie unglücklich würde ich seyn, wenn mich ben einem verlegten und noch nicht beruhigten Gewissen, über lang oder kurz eine noch heftigere Krankheit überfiele, und ich dann außer Stand gesegt wäre, für das, was zum Frieden meiner Seele dient, zu sorgen! Laß mich also keine Zeit verlieren, meine Seligkeit zu schaffen, sondern allen Fleiß anwenden, meinen Beruf zum ewigen Leben fest zu machen, damit ich auf jeden Vorfall bereit seyn, und mir, wenn mich Krankheit und Tod übereilet, der Eingang in jenes bessere und vollkommnere Leben eröffnet werden mdge. Du schenkest mir nun Zeit zur Besserung, gieb mir denn auch ein Herz, das sich bemüht, sich zu bessern. Lehre mich bedenken, daß ich nicht nur sterben muß, sondern auch plöglich sterben kann, und daß, wenn es nicht diese Krank heit gewesen, es vielleicht eine andere seyn wird, die meis nem Leben hier auf Erden ein Ende macht, damit ich bey Beiten das thue, was ich dann zu spát wünschen würde, gethan zu haben. Laß keine Sünde über mich herrschen, keine Versuchung mich überwinden, noch mich auf die theus ren Pflichten, die ich dir und meinem Erlöser schuldig bin, unachtsam machen. Wirke in mir nicht nur das Wollen, sondern auch das Vollbringen des Guten, nach deinem Wohlgefallen. Mache mich mit jedem Tage zu deinem ewigen himmlischen Reiche geschickter; und wenn du mich endlich von dem Leibe dieses Todes erlösen wirst, so führe meine Seele in das bessere Leben ein, wo kein Schmerz und kein Tod mehr seyn wird. Amen. 35. Gebet eines Kranken bey Annäherung seines Todes. ott, von dessen unendlicher Güte und Gnade ich in je dem Augenblicke meines Lebens abhange, dessen Eigens thum ich auch noch im Tode bin, und in alle Ewigkeit bleiben werde! So groß auch die Veränderung seyn mag, die mit meis nem Zustande alsdann vorgehen wird; welch ein unaussprech liches Glück ift es für mich, daß ich dich als meinen Schöpfer In Krankheiten. 581 und Vater kenne, daß ich weiß, daß du mich zu einem ewis gen Leben erschaffen, und auch so liebreich dafür gesorgt hast, mich hier in eine solche Verfassung zu sehen, bey der ich hoffen darf, an den Glückseligkeiten des zukünftigen Les bens Theil zu haben! Ich freue mich des Vorzugs, den ich als ein Christ genieße, daß ich, so oft ich an dich denke, dich mir als meinen Bater denken kann, und ich preise dich, daß du mich auch Jesum Christum als denjenigen hast erkennen lassen, durch welchen du deine väterliche Liebe und Treue gegen mich und alle Menschen, auf eine dich so sehr verherrs lichende Weise, offenbaret hast. Ich empfinde insbesondere anjetzt den ganzen Werth dieses Glücks auf eine sehr lebhafte Weise, da ich mich dem Augenblicke nahe, in welchem meine Seele sich von ihrem Leibe trennen und mit dieser Trens nung denn auch zugleich für sie dies Leben der Vorbereitung ein Ende nehmen wird. Wie schrecklich würde nicht für mich dieser Augenblick seyn, wie viel Ursache würde ich nicht haben zu wünschen, daß er der letzte meines ganzen Daseyns wäre, wenn ich nicht durch den Glauben an den, welchen du mir zum Mittler und Heiland geschenket hast, die fröhliche und gegründete Gewißheit erlanget hätte, daß du, auf meine Reue und Besserung in diesem Leben, mir alles, was in demsels ben unrecht und fündlich gewesen ist, vergeben, und mich in dem zukünftigen aller der Glückseligkeit theilhaftig machen wolleft, die du denen, welche dich mit Gehorsam und glaubigem Vertrauen ehren, bereitet und verheißen hast! Wie ruhig kann ich hingegen nicht jetzt in Ansehung meines Todes seyn, und mit welcher freudigen Hoffnung kann ich nicht die Ankunft desselben erwarten, da ich weiß, daß sich mit demselben auch meine völlige Erlösung nahet; weiß, an wen ich glaube, und gewiß bin, daß der, welcher mich zur Glückseligkeit erschaffen hat, fie mir auch als eine Beylage, als ein Geschenk, das mir durch Christum von neuem aus seiner Hand zu Theil werden soll, bis an jenen Tag bewahren fann! Anbetung, Preis und Dank sey dir, barmherziger himmlischer Vater! für alles, was du in meinem ganzen Leben Gutes an mir gethan haft! Insonderheit aber preise ich dich für die weise Fügung deiner gnädigen Vorsehung, nach welcher ich zur Erkenntniß deines Billens, und des den Sundern durch Christum bereiteten Heils, auch zur Erkenntniß meiz nes eignen Antheils an diesem Heile, noch in diesem Leben gekommen bin. Ich preife dich für die großen und vielfältigen Beweise, die du mir in dem Laufe meines Lebens, und noch in 582 In Krankheiten. dieser meiner letten Krankheit, von deiner Liebe gegen mich, und von der gnädigen Fürsorge gegeben hast, mit der du stets für mein Bestes wachtest. Ich danke dir für alles, was mir an leiblichen oder geistlichen Gesegnungen, von meis ner Kindheit an bis jett, von dir ist zu Theile geworden, und ich bitte dich, setze zu allen den Wohlthaten, die du mir erzeiget hast, auch noch diese hinzu, daß du ein dankbares Andenken an dieselben, und ein festes Vertrauen auf deine Gnade durch Jesum Christum in meiner Seele bis an mein Ende bewahrest. Erhalte meine Seele bis auf den letzten Augenblick in der guten Verfassung, in welcher sie jetzt steht. Laß keine Furcht des Todes, wenn er nun mit allen seinen Schrekken da seyn wird, einige Macht über ihren Glauben und über ihre Hoffnung haben, sondern stårke sie in dem letzten Kampfe, den sie hier noch kämpfen muß, mit göttlicher Kraft; und nimm sie dann in deine ewige himmlische Seligkeit auf, um Jesu Christi willen! Amen. Kirchengebete. 1. Oeffentliche Beichte. charmer Sünder bekenne Gott, meinem himmlischen Bater, daß ich leider schwerlich und mannigfaltig gefündigt habe;( nicht allein mit äußerlichen groben Sünden, sondern auch und vielmehr mit innerlicher angeborner Blindheit, Unglauben, 3weifelung, Kleinmüthigkeit, Ungeduld, Hoffahrt, bösen Lüsten, Geiz, heimlichen Neid, Haß, Mißgunst und andern Sünden) daß ich auf mancherley Weise mit Gedanken, Gebärden, Worten und Werken die allerheiligsten Gebote Gottes übertreten habe, wie das mein Herr und Gott an mir erkennet, und ich leider so vollkömmlich nicht erkennen kann, also gereuen sie mich, und sind mir leid, und be gehre von Herzen Gnade von Gott durch seinen lieben Sohn Jesum Christum, und bitte, daß er mir seinen heiligen Geist zur Besserung meines Lebens mittheilen wolle! Amen. Der allmächtige Gott hat sich euer erbarmet, und durch das Verdienst des allerheiligsten Leidens, Sterbens und Auferstehens unsers herrn Jesu Christi, feines gelieb. ten Sohnes, vergiebt er euch alle eure Sünden; und ich als ein verordneter Diener der christlichen Kirche, verkün Kirchengebete. 583 dige allen denen, so wahrhaftige Buße thun, und durch den Glauben all ihr Vertrauen auf das einige Verdienst. Jesu Christi setzen, und gedenken ihr Leben nach den Geboten und willen Gottes anzustellen, solche Vergebung aller ihrer Sünden, im Namen Gottes des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Dagegen aber sage ich allen Unbuffertigen und Un. gläubigen aus Gottes Wort und im Namen Jesu Chrifti, daß ihnen Gott ihre Sünden vorbehalten hat, und gewißlich strafen wird. Gott gebe ihnen feinen heiligen Geist, daß sie mögen wahre Buße thun, und selig werden. 2. Allgemeines Kirchengebet. Ewiger, allmächtiger Gott! wir beten dich an in tieffter Ehrfurcht unserer Herzen; danken dir demüthigst für die unzähligen Wohlthaten, womit du uns bishero ohne alles unser Verdienst und Würdigkeit an Seele und Leib so reichlich gesegnet hast. Wir preisen dich insonderheit, daß du dein seligmachendes Wort und den reinen Gottesdienst noch immer unter uns erhältst, obgleich so viele den unscházbaren Werth dieser theuren Gabe, der einzigen Quelle alles Trostes und aller wahren Glückseligkeit zu wenig, oder wohl gar nicht erkennen mögen. Langmüthiger Gott! werde des Erbarmens nicht můde; bekehre die Verachter deines Wortes, und erhalte dass felbe uns und unsern Nachkommen bis ans Ende der Welt. Bereitle die unseligen und menschenfeindlichen Bemühungen derjenigen, welche die göttliche Religion Jesu verdächtig, die Schwachen irre machen, und deinen Erlöseten die ewige Grundfeste der Ruhe im Leben, und des erquicklichsten Trostes im Tode rauben wollen. Schenke uns allen die Gnade, daß wir diese heilige und wohlthätige Religion von Herzen lieben und ehren, und nach ihren Vorschriften unser Leben in dieser Welt führen mögen, damit wir in der künftigen ihre seligen Verheißungen ewiglich genießen können. Walte mit deiner allmächtigen Gnade über den römis schen Kaiser, und neige sein und aller christlichen Könige, Churfürsten, Fürsten und Herren, Herzen, zur Wahrheit deines Worts und dem lieben Frieden. Segne und erhalte unsern Herzog mit seinem Hause und alle hohen Angehörigen und Verwandten desselben. 584 Kirchengebete. Laß die Regierung hiesiger Lande zur Ausbreitung der Ehre deines Namens, zur Beförderung deiner auf die Glückselig teit aller Menschen gerichteten liebevollen Absichten, und zur möglichsten Erhaltung und Verbesserung des allgemeinen Wohlstandes, allenthalben glücklich und gesegnet seyn. Verleihe den zur Erleichterung der Regierungslast verordneten geheimen Råthen, den Fürstlichen Collegiis, auch allen übrigen Befehlshabern und Obrigkeiten, Weisheit, Erfahrung und Einigkeit, damit sie ihre Geschäfte mit klus ger Vorsicht und gewissenhafter Treue und Rechtschaffenheit verrichten, und nie vergessen mögen, daß sie dir, heiliger und gerechter Gott! einmal strenge Rechenschaft davon ge ben müssen. Gieb, daß in unserm Lande Ehre wohne, daß Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Laß dir zu dem Ende die Akademie zu Helmstädt, auch das Fürstliche Collegium Carolinum, nebst allen höhern und niedern Schulen im Lande befohlen seyn. Mache sie zu Pflanzståtten nicht nur nützlicher und heilsamer Wissens schaften, sondern auch christlicher Tugenden und Sitten. Segne die menschenfreundlichen Bemühungen derer, die sich die öffentlichen Erziehungs- und Versorgungsanstalten bes fonders angelegen seyn lassen. Erwecke unter uns viele wohlthätige Herzen, die sich der Noth ihrer armen und franken Brüder mitleidig annehmen. Sey ein Vater der Wittwen und Waisen, ein Helfer der Kranken und Nothleidenden, ein Trost der Betrübten. Wende Feuer- und Wass sersnoth, Krieg und Seuchen, Mißwachs und Theurung, und andre mit unsern Sünden wohlverdiente Landesplagen in Gnaden von uns ab. Segne dahingegen den Fleiß der Handwerker, und die Arbeit des Landmannes, mit fruchtbarem Gedeihen. Laß Handel und Wandel, Künste und nügliche Gewerbe immer mehr blühen, wachsen und zunehmen. Erhalte Liebe und Einigkeit, Folgsamkeit und Ehrbarkeit unter Ehegatten, Eltern und Kindern, Herrschaften und Bedienten. Belebe unser aller Herzen mit dem Geiste der Liebe, damit wir einer für des andern Glück und Bestes gern und mit Freuden thun mógen, was einem jeglichen in seinen Umständen möglich ist. Und da wir nur Fremdlinge und Gäste auf Erden sind, und hieselbst keine bleibende Ståtte haben, sondern allen Menschen gesetzt ist einmal zu sterben, und hernach das Gericht; so hilf uns, daß wir uns dazu im Glauben und wahrer Kirchengebete. 585 Gottseligkeit täglich und stündlich bereit halten, und thun mögen das Werk, wozu du uns in der kurzen Zeit der Vors bereitung zu einer glücklichen Ewigkeit bestimmt hast, weil es noch Tag ist, ehe denn die Nacht kommt, da niemand wirken kann. Nimm uns denn endlich nach überstandenen Mühselige keiten unserer Wallfahrt auf Erden in deine ewige Ruhe zu dem immerwährenden Genuß der seligen Freuden des Himmels, und deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn und Heilandes willen. Amen. Bey der öffentlichen Communion. 3. Vor der Communion. Der Herr sey mit euch! Und mit deinem Geist. Erhebet zum Himmel eure Herzen! Wir haben sie erhoben. Danksaget dem Herrn, unserm Gott! Das ist billig und recht. Wahrlich es ist billig und recht, daß wir dir, unserm Gott, danksagen und dich loben; weil dein lieber Sohn mit seis nem bittern Leiden für unsere Sünde bezahlet hat, welcher um unserer Misfethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen ist. Darum wir mit allen Engeln und Erzengeln, und allen himmlischen Heerschaaren, zu deiner Ehr ohn Unterlaß sagen: Heilig ist Gott, der Herre Sebaoth! Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth! Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth! Seine Ehr die ganze Welt erfüllet hat. mein eine Allerliebsten in Gott! Dieweil wir das Abendmahl unsers Herren Jesu Christi wollen halten, darin uns fein Fleisch zu einer Speise, und sein Blut zu einem Tranke gegeben wird, daß wir dabey seines Todes gedenken, und ihm von Herzen danksagen sollen, so wollen wir Gott den Vater im Namen Jesu Christi anrufen, und von Grund des Herzens also beten: Herr err Gott, himmlischer Vater! wir danken dir von Hers zen, daß du deinen einigen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland, Jesum Chriftum, für unsere Sünde zu unsrer Seligkeit haft Mensch werden, so viele unaussprechliche Mars Kirchengebete. ter leiden, und am Kreuze eines bittern Todes sterben lassen; welcher uns auch befohlen hat, damit wir dessen, was er für uns ausgestanden, nicht vergessen möchten, diese gegenwär tige Gedächtniß seiner Marter und Todes im heiligen Abendmahl zu halten, in welchem er uns, aus unaussprechlicher Liebe zu uns, eben denselben Leib, welcher am Kreuz für uns gestorben, und eben dasselbe Blut, welches am Kreuze für uns vergossen, in und mit gegenwärtigem Brod und Wein wahrhaftig zu essen uns zu trinken giebt, damit wir nicht zweifeln, sondern desto fester glauben möchten, sein Tod und Blutvergießung am Kreuz sey unsere gewisse Seligkeit. Durch denselbigen deinen lieben Sohn, als den einigen Mittler zwischen dir, dem gerechten Gott, und uns armen Sündern, und durch dessen blutiges Verdienst bitten wir dich, o himmlischer Vater! du wollest dich unser aller erbarmen. Siehe an das Angesicht solches unsers getreuen Mittlers, deines lieben Sohnes Jesu Christi, welcher zu deiner Rechten für uns bittet und uns vertritt. Siehe an sein heiliges unschuldiges Blutvergießen, Leiden und Sterben, welches er für unsre Missethat, aus unaussprechlicher Liebe gegen uns verlorne Menschen, mit höchster Geduld ausgestanden. Vergieb uns unsre Sünde, und laß uns würdige Gäste bey diefer himmlischen Mahlzeit seyn. Stárke unsern schwachen Glauben, und gieb, daß wir an das Leiden und Sterben deines lieben Sohnes zu unserm Troste gedenken, und die füße Kraft desselben in unsern Herzen freudig empfinden mógen. Gieb uns auch deinen heiligen Geist, daß wir vers leugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, hingegen aber mäßig gegen uns selbst, gerecht gegen unsern Nächsten, und in steter findlicher Furcht gegen dich, Gott, unsern himmlischen Bater, leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes, deines lieben Sohnes, unsers Heilandes Jefu Chrifti. Laß auch einen jeglichen unter uns sein Kreuz auf sich nehmen, deinem lieben Sohn nachfolgen, einer den andern lieben, gleichwie dein lieber Sohn uns geliebet hat; denn es ist dieses heilige Sacrament ein Brodt, wir Ulle aber ein Leib, weil wir eines Brodtes theilhaftig werden, und alle aus einem trinken. Gieb uns auch und allen bigen Christen, was uns sonsten nüglich und dienlich ist, dieses Leben in deiner Furcht zu führen, selig zu beschließen, und die ewige Seligkeit zu erlangen. Darauf sprechen wir von Herzen: Amen. 586 Kirchengebete. 587 Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verrathen war, nahm er das Brodt, dankte und brachs, und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches thut zu meinem Gedächtniß. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abends mahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden; folches thut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtniß. 4. Nach der Communion. Der 23. Psalm. Der Herr ist mein Hirte! mir wird nichts mangeln. Er " weidet mich auf mich zu frischem Wasser. Er erquicket meine Seele, er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wandle im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bey mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest für mich einen Tisch gegen meine Feinde, du falbest mein Haupt mit Dele, und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Lebens lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Gute währet ewiglich. Wir danken dir, allmächtiger Herr Gott! daß du uns durch diese heilsame Gabe haft erquicket, und bitten deine Barmherzigkeit, daß du uns solches gedeihen lasseft zu stars kem Glauben gegen dich, und zu brünstiger Liebe unter uns allen, um Jesu Christi unsers Herrn willen. Umen. Der Herr segne dich und behüte dich zc. 5. In den Montagsbetstunden. wiger, allmächtiger Gott, barmherziger Vater! Wir er scheinen jetzt abermals in deinem Bethause, erkennen und bekennen vor dir mit demüthigem bußfertigem Herzen, daß wir nicht werth sind, unsere Augen gen Himmel aufzuhe ben, und unser Gebet dir vorzutragen. Denn wir haben ja vielfältig und schwerlich gesündigt allesammt; wir haben der Beit unserer gnädigen Heimsuchung nicht wahrgenommen, deines heiligen Wortes und darin geoffenbarten gnädigen 588 Kirchengebete. Willens, nicht geachtet; des lieben Friedens, den du uns gnås diglich geschenket, auch des jährlichen Segens, womit du uns mehrentheils so mildiglich angesehen, zur Sicherheit, Stolz, Pracht, Geiz, Wollust, Unmäßigkeit, Haß, Neid, Zank und andern Sünden gemißbrauchet. Die Erempel anderer benachbarten Länder, an welchen wir deinen gerechten Zorn ges sehen, auch die unterschiedenen scharfen Züchtigungen, mit welchen du uns absonderlich mannigmal heimgesuchet hast, haben wir nicht zu Herzen genommen, noch dadurch zu ernstlicher Buße und Besserung uns bewegen lassen. Daher kommts denn auch, daß du, als ein gerechter Richter, deine Hand wieder ausstreckest, und mit neuen Strafen hin und wieder uns dráuest; so, daß zu befürchten, wir werden nebst andern deine scharfe Ruthe, wegen unsers beharrlichen Uns gehorsams, rechtschaffen und noch heftiger, als vorhin, empfinden müssen. Uch lieber Gott und Bater, wir gestehen und bekennen vor dir, daß wir solches überflüssig verdienet haben, und daß du uns nicht unrecht thätest, wenn du gleich deine Hand würdest gar von uns abziehen, und uns zum gånzlichen Verderben dahin geben. Weil du aber, o unser Gott und Vater! in deinem Worte verheißen hast, deinen gefaßten 3orn abzuwenden, von denjenigen, die ihre Misses thaten und Uebertretungen bereuen, und in herzlicher Bußfertigkeit und findlichem Vertrauen dein Untlig suchen; so beklagen und bereuen wir von Grund unserer Seelen, daß wir an dir so vielfältig gesündiget, und deinem heiligen Willen so vorsätzlich entgegen gehandelt haben. Wir demüthigen uns vor dir mit zerschlagenem Herzen, und stellen zwischen unsere Sünde und deinem gerechten Zorn in wahrem Glauben, den einigen Mittler, Jesum Christum, deinen lieben Sohn. Siehe boch an, barmherziger Gott und Vater! desselben Genugs thuung. Nimm an für unsre Schuld seine Unschuld, für unsern Ungehorsam seinen Gehorsam, für unsere Ungerechtigkeit seine Gerechtigkeit. Sey uns um seinentwillen gnädig, und rechne uns nicht zu unsere Sünde, sondern gedenke unser nach deiner großen Gnade und Barmherzigkeit. Laß doch nicht das Feuer deines Zorns nach unserm Verdienste wider uns brennen; sondern schone unser, als ein lieber Vater, und behüte uns doch künftig in Gnaden vor Pestilenz und allen andern ansteckenden Krankheiten, vor Unruhe und Kriegslast, vor Mißwachs, schädlichem Ungewitter, vor Theurung, Feuer- und Wassersnoth, und allem andern Unheil, so du den Uebertretern deiner Gebote und Rechte gedráuet hast. 589 Kirchengebete. Und damit wir zu einem bessern und dir wohlgefälligern Leben aufgerichtet werden, so erneure du selber unser aller Herzen durch die Kraft deines heiligen Geistes, und mache uns geschickt, vor dir nach deinen Geboten zu leben, und in deinen Wegen zu wandeln. Wir bitten dich auch, o höchster Gott und Herr aller Herren! für alle christliche Herrschaften und Regenten, insonderheit für unsre liebe Landesfürstliche Obrigkeit und alle Deroselben Angehörige; walte über sie mit deiner Güte und Gnade, und lasse sie zum Segen geseget seyn, hier zeitlich und dort ewiglich. Erleuchte und regiere du die Herzen und Gemüther aller Gewalthabenden auf Erden, daß sie dahin trachten, wie vor allen Dingen die Wahrheit deines Worts vertheidiget, die Ehre deines göttlichen Namens ausgebreitet, der Unterthas nen Wohlfahrt, und insonderheit der heilsame Friede, als lenthalben gesuchet, befördert und erhalten werden möge; damit wir, und alle andre unsre Nebenchristen, allhier in deinem Gnadenreiche auf Erden in Friede und Ruhe unsere Lebenszeit mögen zubringen, und ohne Hinderniß mit Dans ken vor deinem heiligen Angesichte erscheinen, und dir une fern schuldigen Gottesdienst mit Freude und Lust unserer Herzen leisten und abstatten können. Nun du allergütigster, barmherzigster Gott und Vater! wir, deine Kinder, hoffen darauf, daß du so gnådig bist, unser Herz freuet sich, daß du so gerne hilfest; so erhöre uns doch, und hilf uns und deiner ganzen nothleidenden Christenheit, um deines allers liebsten wohlgefälligen Sohnes, unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi willen, in dessen Namen wir in kindlicher Buversicht sprechen: Amen! Amen! 6. Die Litaney. Kyrie, Dyrie, eleison! Christe, eleison! Kyrie, eleison! Christe, ers höre uns! Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! Herr Gott heil'ger Geist, erbarme dich über uns! Sey uns gnädig, verschone uns, lieber Herre Gott! Sey uns gnädig, hilf uns, lieber Herre Gott! Vor allen Sünden, vor allem Irrthum, vor allem Uebel, vor des Teufels Trug und List, vor bösem schnellen Tod, vor Pestilenz und theurer Zeit, vor Krieg und Blutvergießen, vor Aufruhr und Zwietracht, vor Hagel und Ungewitter, vor Feuer- und Wassersnoth, vor dem ewigen Tod, behüt uns, lieber Herre Gott! Durch deine 590 Kirchengebete. heilige Geburt, durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, durch dein Kreuz und Tod, durch dein heiliges Auferstehn und Himmelfahrt, hilf uns, lieber Herre Gott! In unsrer legten Noth, am jüngsten Gericht, hilf uns, lieber Herre Gott! Wir armen Sünder bitten, du wollest uns erhören, lieber Herre Gott! Und deine heilige christliche Kirche regieren und führen; alle Bischöfe, Pfarrherren, Kirchen- und Schul diener im heilsamen Wort und heiligem Leben erhalte; allen Rotten und ergernissen wehren; alle Irrige und Verführte wieder zurechte bringen; den Satan unter unsre Füße treten; trene Arbeiter in deine Ernte senden; deinen Geist und Kraft zum Worte geben; allen Betrübten und Blöden helfen und fie trösten! Erhör uns, lieber Herr Gott! Allen. Königen und Fürsten Friede und Eintracht geben; unserm Kaiser ein geneigtes Herz zu der Wahrheit deines Wortes und dem lieben Frieden, auch steten Sieg wider die Feinde deiner Christenheit verleihen; unsern Landesherrn, mit allen seinen Gewaltigen leiten und schüßen; unsern Rath und Gemeinde segnen und bes hüten; allen, fo in Noth und Gefahr find, mit Hülfe erscheinen; allen Schwangern und Säugern fröhliche Frucht und Gedeihen geben; aller Kinder und Kranken pflegen und warten; alle unschuldig Gefangene los und ledig lassen; alle Wittwen und Waisen vertheidigen und versorgen; aller Menschen dich erbarmen! Erhöruns, lieber Herre Gott! Unsern Feinden, Verfolgern und Lásterern vergeben, und sie bekehren! die Früchte auf dem Lande geben und bewahren; und uns gnädiglich erhören! D Jefu Christe, Gottes Sohn, erhör uns, lieber Herr Gott! du Gotteslamm, das der Welt Sünde trágt, erbarme dich über uns! D du Gotteslamm, das der Welt Sünde trågt, erbarme dich über uns! O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trågt, verleih uns steten Frieden! Christe, erhöre uns! Kyrie, eleison! Christe, eleifon! Kyrie, eleison! Amen. 7. An öffentlichen Bußtagen. ch Herr! Herr! barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue! wir liegen allhier vor deinem allerheiligstem Ungesicht, dürfen aber unsere Augen nicht aufheben zu dir, denn wir müssen uns schámen, daß wir so gesündigt haben. Wir haben gesündiget, Unrecht gethan, und sind leider gottlos gewesen; wir sind von deinen Geboten und Rechten gewichen; also, daß auch nach ausgestandenen vielen harten Stras fen, der Ungehorsam gegen dich und dein Wort nur immer Kirchengebete. 591 größer worden, und allerhand Ungerechtigkeit und Sünden auch bey uns und in diesen Landen fast überhand ges nommen; wie solches offenbar und am Tage ist, und wir vor dir, du allwissender und allgegenwartiger Gott! nicht leugnen können. Darum so läsfest du auch deinen gerechten Born wieder angehen, deine Hand hast du wieder ausgerecket, und drauest mit neuen Strafen und Plagen. Aber, o du gerechter Gott! wir erkennen unsre große Undankbarkeit und schwere Sünden, suchen und bitten Gnade. Ach Herr! vers gieb uns doch solchen unsern Undank und alle Uebertretung. Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von der Welt her gewesen ist. Gedenke nicht unserer und unserer Våter Sünde und Missethat. Gedenke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Du hast ja mit einem theuren Eide bekräftiget, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Uch Herr! Herr! bekehre du uns, so werden wir bekehret, und laß uns doch nicht verderben. Hast du doch der kleinen Kinder( und des unvernünftigen Viehes) zu den Zeiten des Propheten Jonå dich jammern lassen, daß du die Stadt Ninive nicht verderbetest. Ach Herr! es sind derer sehr viel bey uns, nnd noch mehr anderswo in der Christenheit, die noch nicht wissen, was recht oder link ist; so laß doch derselben und unser aller Noth, Untergang und Verderben dir, liebster Bater! auch zu Herzen gehen. Strafe uns nicht in deinem 3orn, und züchtige uns nicht in deinem Grimm; sondern sey uns gnädig, Herr! und errette uns von der Hand aller; die uns hassen. Siehe deswegen an das Angesicht deines lieben Sohnes, unsers getreuen Mittlers und Fürbitters Jesu Christi; siehe an sein heiliges Haupt mit der Dornenkrone zerrissen; siehe an sein Kreuz, Marter und Tod, und sey uns grådig. Du auch, o gebenedeyeter Friedensfürst! Herr Jesu Christe! habe du über uns und die ganze Christenheit Gedanken des Friedens, und nicht des Leides; so wollen wir dich unsern Erlöser, sammt dem Vater und heiligem Geiste, dafür von Herzen loben, und deinem Namen danken, daß er so liebreich ist, hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. 8. Auf Hagelfeyer. He err, allmächtiger Gott, du König Himmels und der Ers den! der du durch deine überschwengliche Güte den 592 Kirchengebete. ganzen Erdboden mit allerley Früchten zierest und erfülleft, davon Menschen und Vieh ihre Nahrung haben! wir bitten dich um deiner Barmherzigkeit willen, du wollest unser Land segnen und gebenedeyen, daß es seine Früchte und Vermögen gebe; denn wir von uns selber nicht ein Körnlein aus der Erde können hervorbringen oder demselben helfen, wo du nicht das Gedeihen giebest. Darum verleihe den lieben Früchten ein gnädiges Gewitter, daß sie wachsen und wohlgerathen; behüte sie vor Hagel und Ungewitter, vor Berheerung von allerley Ungeziefer und Schaden. Laß das Land nicht feyern in deinem Zorn, daß es nicht wüste liege und unfruchtbar bleibe. Schließe den Himmel nicht zu in deinem Grimm, um unserer Sünde willen, daß er nicht werde wie Eisen, und die Erde wie Erz; sondern gieb uns Früh- und Spatregen, dazu fruchtbare Zeiten; suche das Land heim und wässere es, und mache es sehr reich; Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle. O Herr! laß uns unser Getreide wohl gerathen; denn also bauest du das Land. Tránke unfre Furchen, und feuchte sein Gepflügtes mit Regen; mache es weich, und segne sein Gewächs. Króne das Fahr mit deinem Gut, daß deine Fußstapfen triefen vom Fette; so werden die Wohnungen in der Wüsten auch fett werden, daß sie triefer, und die Hügel umher werden lustig seyn, die Nenger werden voll Schaafe seyn, und die Auen werden dicke stehen mit Korn, daß man jauchzet und singet. So laß dir, lieber Gott! in deinen gnädigen Schutz befohlen seyn den lieben Saamen, und alle Früchte des ganzen Erdreichs. Erhalte sie vor Frost, Kálte, im Wind, Hige und Dürre, im Regen und allem vorfallenden Wetter, daß sie nicht beschädiget werden. Behüte uns vor Mißwachs, vor Theurung, Hunger und Kummer. Siehe, wir bekennen unsere Sünde mit reuigem Herzen, und schreyen zu dir, unferm Gott, du wollest hören im Himmel, in dem Size, da du wohnest, und gnädig seyn der Sünde deines Volks; uns nicht verlassen mit leiblicher Nahrung, sondern uns versor gen, auf daß wir in allen Dingen deine göttliche Kraft und milde Hand mit Danksagung erkennen, und dich preisen, der du uns reichlich ernährest an Leib und Seele, hier zeitlich und dort ewiglich. Umen. A 9. Bey der Confirmation der Kinder. Umächtiger und barmherziger Gott, ein Vater unsers Herrn Jesu Christi, der du allein alle gute Werke in Kirchengebete. 593 uns anfähest, bestätigest und vollendest. Wir danken dir von Herzen, daß du gegenwärtige Kinder deiner Kirche geschenfet, und durch die heilige Taufe wiedergeboren, und nun auch so weit erleuchtet hast, daß fie diese deine Gnade und Güte, und ihre Erlösung in Christo, deinem lieben Sohne unserm Herrn, selbst erkennen, und vor deiner Gemeinde igund bekennet haben. Wir bitten dich herzlich, du wolleft das gute Werk, fo du in ihnen angefangen hast, stårken, deinen heiligen Geist in ihnen mehren, auf daß sie in deiner Kirche und Gemeine und im wahren Gehorsam des Evangelii stetigst bleiben und beständig beharren, daß sie keine falsche Lehre noch fleischliche Lüste von bekannter Wahrheit abführen; sondern gieb ihnen, daß sie zu allem deinen Gefallen immer wachsen, und einmal das voukommene månnliche Alter erreichen, in aller Weisheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit, damit sie dich und deinen lieben Sohn, unsern Herrn, fammt dem heiligen Geiste, einigen wahren Gott, immer vollkommener erkennen, herzlich lieben, und bey ihrem Nächsten mit Worten und ihrem ganzen Leben je långer, je beständiger bekennen, loben und preisen; daß sie also nach ihrem Taufbunde, Glauben und gut Gewissen bewahren, chriftlich leben, geduldig leiden, ritterlich ringen, und durch Tod und Leben zu dir in den Himmel dringen mö gen; durch denselben unsern Herrn Jesum Christum, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret, gleicher Gott, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. 10. Auf Advent. H err Jesu! du Sohn des allmächtigen Gottes, wir dans ken dir von ganzem Herzen, daß du vom Himmel herab ins Fleisch kommen bist, und menschliche Natur angenommen. Du hast deine Gottheit mit unsrer Menschheit vereiniget; darum vereinige dich doch auch mit unserm Herzen. 3war es ist dasselbe fleischlich und irdisch; aber du kannst es durch deine Kraft göttlich machen. Siehe in unser Herz ein, und mache dir daselbst eine beständige Wohnung. Hilf, daß wir dir den Weg durch wahren Glauben und ein christliches Leben dazu bereiten, auch allezeit in guter Bereits schaft erfunden werden, damit wir bey deiner letzten 3ukunft das Ende des Glaubens, der Seelen Seligkeit davon bringen; allwo wir dir, sammt deinem und unserm himmlischen Bater, auch heiligem Geiste, ewiglich Lob, Ehre, Preis und Dank sagen werden. Amen. P P Kirchengebete. 11. Um Weihnachtsfeste. D Herr Sesu! du holdseliger Heiland! wie sollen wir deine unbegreifliche Liebe und Güte zur Gnüge rühmen und preisen! daß du uns arme Menschen so hoch ges würdiget, und ein Menschenkind in unserm Fleische und Blute, dazu arm und elend, in einem schlechten Stalle haft wollen geboren werden, damit du uns von Sünde, Tod, Teufel und Hölle erlösen, und wiederum bey deinem himm lifchen Vater zu Gnaden bringen möchtest. Dir sey für folche Liebe, Demuth und Gnade ewig Lob und Preis ger fagt. Du, Herr Jesu! bist nicht uns allein, oder etlichen wenigen, sondern der ganzen Welt zu Dienste, also Mensch geboren worden. Ach, daß wir möchten auch so glücklich feyn, von der ganzen Welt und aller Menschen Schaar dich dafür loben zu hören! Uber leider! derjenige Haufe, die dich in deinem Krippelein empfangen und willkommen heis Ben, ist klein; denn die meisten wollen an dir nicht Theil haben. Darum unfre Seele sich bemühen soll, daß wir uns fers Ortes diese Schuldigkeit mit Lob und Dank, mit Freus den und Frohlocken so vielmehr zu Werke richten. Weil du auch, liebster Heiland! deswegen Mensch worden, gelitten bast, und gestorben bist, damit du unser Mittler bey Gott seyn möchtest, und bey demselben uns wieder ausföhnen; ach! so hilf uns durch deine Barmherzigkeit, daß wir also in wahrer Buße und allen christlichen Tugenden leben, das mit wir dieses deines theuren Mittleramts mögen fähig seyn, und der großen Wohlthat, die du uns durch deine heis lige Geburt erworben, genießen können; hier in diesem Jame merthal durch einen lebendigen Glauben, durch eine freudis ge, tröstliche Hoffnung und großmüthige Zuversicht, bort aber in deinem Himmelreich, durch ewige Freude und Ses ligkeit, allwo wir dich, mit allen Engeln und Auserwähl ten, ohne Ende rühmen und preisen werden. Amen. 594 12. Um Neujahrstage. Am An [ Umächtiger, gnädiger Gott und Vater! Wir haben heute abermal ein Jahr unsers elenden Lebens zu Ende ges bracht, und fangen in deinem Namen wiederum ein neues an. Uch Herr! wie groß ist deine Güte, die du uns bisher aus väterlichem Herzen so unzählig erwiesen hast! da wir doch mit unsern Sünden nichts als Strafe und Böses bey dir Kirchengebete. 595 verdienet haben. Wie oft hätten wir in Kreuz und Unglück, in Jammer und gemeinen Landesnöthen, als vielen andern geschehen, elendiglich verderben müssen, wenn deine Gnadenhand uns nicht errettet und beschirmet håtte! Wir sagen dir dafür von Herzen Lob, Ehre, Preis und Dank. Verzeihe uns alle Sünde und Missethat. Fange mit diesem neuen Jahre an, uns aufs neue zu segnen. Erneure deine väterliche Liebe und Treue gegen uns. Erhalte uns dein reines Wort. Erbaue Kirchen und Schulen. Erleuchte alle Lehrer und Prediger. Stårke alle Regenten und Obrigkeiten. Segne Hausvåter und Hausmütter. Regiere Kinder und Gefinde. Bewahre uns vor Krieg und Aufruhr. Wende ab Pest und Theurung. Beschere uns gut Gewitter. Kröne das Jahr mit deinem Gute. Gieb Friede im Lande, Freude unsern Herzen, Gesundheit unsern Leibern, und in Summa, erbarme dich aller Menschen. Ach Herr Jesu, du treuer Heiland! sey auch für deine großen und unzähligen Wohlthaten, die du uns armen Sündern erwiesen hast, von Herzen gepriesen. Und gleichwie du am heutigen Tage den Anfang, dein heiliges Blut zu vergießen, um unserntwillen gemacht hast; also bitten wir, bleibe bis in Ewigkeit uns mit deiner holdseligen Liebe zugethan, und laß uns deines heiligen Namens und deines theuren Verdienstes in Noth und Tod uns getrösten. Uch Gott heiliger Geist! unendlich Lob und Preis sey dir für deinen Beystand, für deine Hülfe und tröstliche Leitung, deren du uns bisher genießen lassen. Regiere uns ferner durch deine Gnade, daß wir heilig und unstråflich wandeln, ein neugebornes Herz in dieses neue Jahr bringen, alle alte Missethat aber mit dem alten Jahre ablegen, und also unser Christenthum wohl ausführen, und die Krone der ewigen Herrlichkeit erlangen mögen. Amen. 13. Um Feste der Erscheinung Christi. Liebster Herr Jesu Christe! wir danken dir von Herzen, daß du dich unser, als armer Heiden, in Gnaden erbarmet, und uns zu deinem Reiche berufen haft. Erhalte uns ferner das helle Licht deines feligmachenden reinen Wortes, als den einigen Leitstern, der uns aus dieser dunkeln verkehrten Welt zu deinem Himmelreich führen muß. Erleuchte unfre Herzen, daß wir solchem deinem göttlichen Worte mit Fleiß folgen, dich allein suchen, bekennen und ehren. Laß uns auch keine Mühe, Gefahr, noch Unlust in dieser unsrer Pils 596 Kirchengebete. gerschaft scheuen; sondern dir in Noth und Tod getrost fol gen, bis wir den vorgesetzten Ort, nemlich deine himmlische Frieden und Freudenstadt erreichen werden. Bewahre uns inzwischen, wie du den Weisen aus Morgenlande gethan, vor allem Anlaufe des Teufels und der gottlosen bösen Welt, damit wir unser geliebtes Vaterland bey dir sicher und ohne Anstoß erlangen mögen, um deiner Liebe und Barmherzigkeit willen. Amen. E 14. Am Feste der Reinigung Mariá. Mir danken dir, Herr Jesu Christe! daß du die Weisfaz gung und das Gefeß erfüllen, in deinen Tempel hast kommen, mit deinen Erstgebornen, die der Reinigung bes durften, dich daselbst darstellen, und was im Gesetz geschrie ben, an dir vollbringen lassen wollen, auf daß für die, die unter dem Gesetze waren, die Kindschaft und ewige Erlösung erfunden würde. Aus deinen Erlöseten hast du einen Tems pel Gottes gemacht, in welchem du durch den Glauben wohnen, und bis an der Welt Ende bey ihnen seyn willst. Verleihe uns, leutseliger Heiland! daß wir mit Glaubensarmen dich inbrünstig fassen, als Theurerkaufte dich am Geiste und Leibe preisen, deine Gnade nicht fahren lassen noch versäu men, sondern in Erwägung, nun sey die angenehme Zeit, nun sey der Tag des Heils, durch dies gegenwärtige Nun, aus dem, das vergangen ist, nach dem, das künftig und ewig ist, in täglicher Buße, in Wachen und Beten, so lange es heute heißt, ringen, damit wir zu der gewünschten Aufs lösung und Heimfahrt im Frieben, in welchen du den Tod deiner Gläubigen verwandelt haft, uns bereiten, und wie hier im Glauben, also dort im Schauen, dich sammt Vater und heiligem Geist umfangen, und deiner Herrlichkeet theils haftig werden von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 15. Am Feste der Verkündigung Mariá. err Gott, himmlischer Bater! wir danken dir, daß du deine tróftliche Verheißung erfüllet, uns deinen allerheis ligsten einigen Sohn zum Heilande gesendet, und denselben in dem Leibe der Jungfrau Mariá hast menschliche Natur annehmen lassen. Hilf, daß wir uns solcher deiner Liebe, die du hierinnen gegen uns arme Sünder erwiesen, jederzeit von Herzen trösten und erfreuen. Laß deines Sohnes heilige Empfängniß unsere Unreinigkeit, Sünde und Missethat tils Kirchengebete. 597 gen, daß wir deiner Gnade wieder theilhaftig fenn mögen. Herr Jesu Christe, Gottes und Marià Sohn! wir dans ten dir, daß du unsre menschliche Natur an dich genommen, unser Heiland und Seligmacher worden bist. Wir freuen uns dessen von Herzen, und sind nun versichert, daß du uns, als dein eigen Fleisch und Blut nie verlassen werdest. Du bist ja darum Mensch worden, daß du uns helfen möchtest; daher vertritt uns bey deinem himmlifchen Vater. Schüße und erhalte uns wider Welt, Sünde, Teufel, Tod und Hölle, und laß uns in deinem Reiche mit dir leben, und dir dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Gott, heiliger Geist! der du durch deine Kraft die Empfängniß des Sohnes Gottes gewirket hast, hilf, daß wir uns deiner unendlichen Kraft und Macht jederzeit trösten, die mit wahrem Glauben, willigem Gehorsam und herzlicher Demuth jederzeit anhangen, und also die Frucht der seligmachenden Menschwerdung Christi, nemlich die ewige Freude im Himmel, davon bringen und erhalten mögen. Amen. 16. Auf das Leiden Jesu. ir banken bir Herr Jesu Christe, wahrer Gott und daß uns arme verdammte Menschen ohne alle unsere Werke, Verdienst und Würdigkeit erlöset hast, durch dein heiliges Leiden, Sterben und Blutvergießen. Herr Jesu Christe! wie groß ist dein Leiden! wie schwer ist deine Pein! wie viel ist deiner Marter! wie tief sind deine Wunden! wie bitter und schmerzlich ist dein Tod! wie unaussprechlich ist deine Liebe, damit du uns deinem lieben Vater versöhnet hast, da du am Delberge blutigen Schweiß vor großer Angst geschwißet, daß die Blutstropfen auf die Erde gefallen, und darauf von allen deinen Süngern verlassen, dich in die Hände der schndden Juden und gottlosen Schaar willig für uns ergeben haft; welche dich hart gebunden und verstricket, und von ei nem ungerechten Richter zum andern unbarmherzig geführet. Daselbst bist du fälschlich verktaget, verurtheilet, verspeiet, verhöhnet, und mit Fäusten ins Ungesicht geschlagen worden. Du bist um unserér Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen, gegeisfelt und mit Dornen gekrönet, und jämmerlich zugerichtet, wie ein armer Burm, der keinem Menschen ähnlich. Denn du was rest der Allerverachtetste und Unwertheste, voller Schmerzen 598 Kirchengebete. und Krankheit, also, daß es auch ein heidnisch Herz erbar met hat, und gesagt: siehe, welch ein Mensch ist das! Du bist von wegen unsrer Mißhandlung mitten unter zween Uebelthäter gerechnet, und als ein Fluch aufgehänget, an Händen und Füßen mit Någeln durchgraben, dazu in deis nem höchsten Durst mit Essig und Gallen getránket, und mit großen Schmerzen hast du deinen Geist aufgegeben, auf daß du unsre Schuld bezahletest, und wir durch deine Wunden geheilet würden. Für alle diese deine Marter und Pein sagen wir dir Lob und Dank, und bitten dich, laß dein heilig bitter Leiden an uns nicht verloren seyn; sondern gieb, daß wir uns dessen von Herzen trösten und rühs men, auch desselben Gedächtniß also begehen, und es sola chermaßen betrachten, daß alle böse Lüste dadurch in uns ausgelöschet und gedämpfet, dagegen aber alle Tugenden in uns eingepflanzet und gemehret werden, auf daß wir der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben, und deinem uns gelassenen Vorbilde nachfolgen, in deine Fußstapfen treten, das Uebel mit Geduld ertragen und das Unrecht mit gutem Gewissen leiden. Das gieb und verleihe uns, o Herr Jesu! um deines heiligen theuren Verdienstes willen. Amen. 17. Am Osterfeste. Vater! Es sich alle heilige Engel, es freuen sich alle Creaturen, es freuen sich alle Auserwählte, es freuet sich unser Herz und Seele, daß dein liebster Sohn, der um unserer Sünde wils len gestorben war, heute von den Todten wieder auferstanden, und alle unsere Missethat in seinem Grabe verborgen und versiegelt hat. Dafür danken wir dir nun von Grund der Seelen; und bitten dich um solcher fröhlichen Auferste hung willen, du wollest uns aus dem Todesschlafe der Sünden auch aufmuntern und erwecken, daß wir alle unsere Luft und Verlangen zu dir hinauf in den Himmel haben mögen. Bilde unserer Seelen wohl ein, was maßen sie auf deines lieben Sohnes und unsers Heilandes freudenreiche Auferste hung jederzeit soll getrost seyn, und festiglich glauben, daß Sünde, Tod, Teufel und Hölle getilgt sind, auch nun es mit feinem Christen mehr Noth habe, wenn er nur mit wahrem Glauben sich der Gerechtigkeit bedient, die uns dein liebster Sohn erworben hat. Dieses wollest du uns, so lange wir hier zu leben haben, gnädiglich verleihen, bis wir dermaleinst gar zu dir kommen, dich von Ungesicht zu Ans Kirchengebete. 599 gesicht schauen, auch mit allen heiligen Engeln und Außerwählten ewiglich rühmen und loben werden. Amen, in Jesu, unsers auferstandenen Heilandes Namen. Amen 18. Um Himmelfahrtsfeste. err Christe, bu allmächtiger Siegesfürst! Lob, Ehre, nach nem fröhlichen Siege wider Sünde, Tod, Teufel und Hölle, gen Himmel gefahren, und dich zur Rechten deines himmlis schen Vaters gesehet hast, da du dich unser in allen Nöthen annimmst, und uns treulich verbittest. Gieb uns deine Gnade, daß wir mit unsern Herzen und Gedanken immer bey dir seyn. Laß uns alles Weltliche verachten, und in fteter Bereitschaft deine herrliche Wiederkunft erwarten. Wir glauben und trösten uns nun festiglich, weil du als unser Haupt, gen Himmel gefahren, du werdest uns, als deine Glieder, nicht immer im Elende zurücklassen, sondern dermaleinst auch nachholen. So hilf denn, wenn die Zeit hers annahet, da du uns abfordern wirst, daß wir mit gläubigem Herzen, betendem Munde und inniglicher Zuversicht auf dein heiliges Verdienst in Frieden fahren mögen. 3war sind wir dieser elenden Wallfahrt auf Erden von Herzen müde, und verlangen mit Schmerzen auf die selige Erlösung und Nachreise. Aber, liebster Herr Jesu! es stehet allein bey dir und in deinem gnädigen Willen, wann wir dir folgen sollen. Daher, so lange wir auf dein Gutbefinden das Elend hier noch bauen müssen, wollest du uns durch deinen Geist Stärke und Kräfte verleihen, alles freudig und ges troft zu überwinden, uns in aller Widerwärtigkeit trösten, wider alle Feinde schüßen, und endlich mit erwünschtem Triumph in deine ewige Herrlichkeit gelangen lassen. Dir, fammt dem Vater und heiligem Geiste, sey nochmals Lob und Preis gesagt, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. 19. Am Pfingstfeste. Gott heiliger Geist! Wir arme elende Creaturen koms men jetzt vor deine göttliche Majestät, und weil wir ohne deine Hülfe in unserm Christenthume nichts vermogen, so bitten wir dich herzlich, du wollest in uns wohnen, uns leiten, regieren und führen, daß wir das Ende unsers Glaus bens, der Seelen Seligkeit, davon bringen mögen. Du bist ein Geist der Lehre; ach unterweise uns in deinem heiligen Worte, damit wir dasselbe wohl fassen, behalten und ba 600 Kirchengebete. nach leben mögen; lehre uns unsern Gott erkennen, über alles fürchten, lieben, ehren und vertrauen. Du bist ein Geist der Andacht und des Gebets; ach erwecke in uns eine heilige Begierde oft und viel, auch eine herzliche Andacht, kräftig und rechtschaffen zu beten, daß wir damit durch die Wolken dringen, und die Erhörung erhalten mögen. Du bist ein Geist der Reinigkeit und Heiligkeit; ach reinige uns ser Herz von allem Bösen, schaffe in uns ein reines keus sches Gemüth, daß wir allen Sünden und bösen Lüsten feind seyn, vor denselben uns hüten, und nimmer in einige Sunde willigen. Du bist ein Geist der Weisheit; ach ers leuchte unsern dunkeln Verstand; erfülle uns mit deiner Weisheit, das wir mögen erkennen, was gut oder böse, wahr oder falsch, schädlich oder nüglich sey; stårke uns in unserm Berufe, daß wir denselben nach Gebühr verrichten können. Du bist ein Geist aller Tugenden; ach laß uns deinen Tempel und mit allen christlichen Tugenden schön geschmücket seyn. Insonderheit bist du ein Geist der Freude und des Trostes! ach vertreibe bei uns alle unnöthigen Sorgen und Kleinmüthigkeit. Mache uns freudig und ges trost in aller Trubsal, die in diesen letzten Beiten der Welt häufig ist, damit wir unserm Heilande durch Noth und Tod mit freudigem Muthe folgen. Treibe von uns des Satans Schrecken und alle traurige Anfechtungen; absons derlich an unserm letzten Ende, wenn uns aller menschlicher Trost verläßt, da stehe du uns mit deinem göttlichen Troste bey. Sprich uns ein freudig Herz ein, und versichere uns der Vergebung unsrer Sünden, der Gnade und Kindschaft Gottes, daß wir stille und ruhig, uns Gott gelassen, unsre arme Seele in die Hände unsers Erlösers andächtig befehlen, und also auf sein heiliges Verdienst selig einschlafen, auch hernach in der ewigen Freude dich für alle solche Wohlthaten ohne Ende rühmen mögen. Amen, um deiner Liebe und Barmherzigkeit willen. Amen. 20. Um Feste der heiligen Dreyeinigkeit. du heilige Dreyfaltigkeit, Gott Bater, Sohn und heis liger Geist! Wir danken dir, daß du dich in deinem Worte uns haft zu erkennen gegeben. Udh, du großer Gott! erhalte uns und unsern Nachkommen solches dein feligmachendes Erkenntniß; laß uus auch bey demselben fest behars ren, und uns nichts davon abwendig machen. Du heilige hochgelobte Dreyfaltigkeit! wir rühmen, ehren und preisen Kirchengebete. 601 dich: heilig, heilig, heilig ist unser Gott, der Herr Zebaoth! alle Lande, Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit und Ehren voll. Gott Bater, sey uns gnädig, und erfreue uns mit deiner Liebe! O Gott Sohn, sey uns gnáådig, und erhalte uns durch dein Verdienst! O Gott heiliger Geist! fey uns gnädig, erquicke und tröste uns mit deiner heiligen Beiwohnung! du heilige Dreyfaltigkeit! sey uns gnädig, hilf uns recht glauben, christlich leben, geduldig leiden, und endlich, wenn die rechte Zeit kommt, selig sterben, damit wir mit allen Engeln und Auserwählten dich von Ungesicht zu Angesicht schauen, und daselbst ewig lieben, loben und preis fen mögen. Amen, Herr Jesu, in deinem Namen. Umen. 21. Am Feste Johannis des Täufers. Allmächtiger Gott, ewiger Vater! wir rühmen und preis 1 I sen daß du Sanct den Prediger des neuen Testaments, die fröhliche Bothschaft des heiligen Evangelii haft verkündigen, auch solche nachmals uns fund thun lassen. Wir bitten dich imgleichen demůthiglich, du wollest dieses dein feligmachendes Wort in unfern Kirchen und Herzen durch deinen heiligen Geist erhals ten, dasselbe uns fest glauben, und wider alle Anfechtung von Sünde, Tod, Teufel und Hölle zum kräftigen Trost gedeihen lassen. Hilf auch, daß solche gnadenreiche Botha schaft uns zu keiner Sicherheit diene, sondern wir vor dir mit willigem Gehorsam, in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu leben bemühet seyn, bis wir dort bei dir zur seligen Vollkommenheit gelangen, durch Jefum Christum unsern Heis land und Helfer! Amen. 22. Um Feste der Heimsuchung Mariá. Ath Umächtiger Gott! der du die heilige Mutter deines lieben Sohns auf ihrer Reise gnädiglich behütet hast, wir bits ten dich, leite, führe und beschüße uns auf unsern Wegen und Stegen. Regiere uns, daß wir in Demuth und Freunds lichkeit die Werke der christlichen Liebe und Barmherzigkeit einander fleißig erweisen. Hilf, daß unsre Seele und Leib sich in dir stets erfreuen, unnöthige Traurigkeit aber meiden. Siehe gnädig an das viele Elend, dem wir in dieser Welt unterworfen sind, und errette uns daraus durch deinen ges waltigen Urm. Stürze deine Feinde, die dein geringes Häuflein zu vertilgen suchen. Erfülle uns mit deinen himmlischen Gütern, nach welchen wir Hunger und Durst leiden. 602 Kirchengebete. Erhalte uns in deiner Furcht, damit deine Barmherzigkeit für und für bey uns bleiben möge. Dafür soll unfre Seele und Geist deinen Namen mit ewigem Ruhm erheben und preisen. Amen, um Jefu deines liebsten Sohnes willen. Amen. danken dir, du, nach deis ner göttlichen Weisheit und våterlichen Liebe gegen uns, die lieben Engel uns zu Dienern und Wächtern bestellet hast, die uns als eine feurige Mauer umgeben, und vor Schaden und Gefahr behüten müssen. Lieber Vater! laß diese deine starken Helden und himmlischen Heerscharen sich hinferner um deine liebe Kirche und unser ganzes Land lagern, daß sie des Teufels, wie auch aller seiner Glieder und Diener, Bosheit, List, Macht und Gewalt abtreiben und verjagen. Sende deine lieben Engel in unsre Häuser und Wohnungen, laß sie uns auf allen unsern Wegen und Stes gen mit ihrem Schuße begleiten, daß uns kein Unglück und Uebel berühre. Gieb uns auch diese deine váterliche Liebe nach Gnüge zu erkennen, damit wir dich allezeit dafür los ben, uns eines englischen, heiligen und reinen Lebens bes fleißigen, auf daß wir die lieben Engel durch Sünde und Laster von uns nicht verjagen, noch denen bösen Geistern über uns Macht einräumen. Endlich, wenn unsre Seele nach dem Himmel reifen soll, bestelle derselben das Geleite der heiligen Engel; so wollen wir in ihrer und aller Auserwählten Gesellschaft dich, fammt deinem Sohn und heis ligem Geiste, in Ewigkeit loben und preisen. Amen. 304 23. Am Michaelisfeste. CARC 10 ist sid Register der Gesänge. Seite Ach! abermal bin ich gefallen 211 Uch! die zweifelnden Gedanken 401 Uch Gott und Herr 204 Uch Gott, verlaß mich nicht 286 Uch Gott, vom Himmel sieh 139 Dasselbe Lied unverändert 514 Uch Gott, wie manches schwere 405 Uch Gott, wir treten jekt vor dich 405 Uch! hier nicht mehr; ach fern 500 Uch! höchster Gott, verleihe mir 280 Ach Jesu, desfen Treu 1 65 Uch Jesu, gieb mir sanften Muth 385 Uch meine Kinder sind nicht 500 Ach nein, mein Auge darf ich 200 Uch rief Gott seinen Richterblick 197 Uch Vater, unser Gott 275 Ach! wenn werd ich von der 210 Ach! wie ist der Menschen Liebe 260 Uch wie viel Böses wohnt in mir 214 Uch wird denn dein Erlöster nie 211 Ach zürne nicht s 208 Allein an dir, mein Gott, hab ich 164 Allein Gott in der Höhsey Ehr 26 Alle menschen müssen sterben 189 Allen Christen, und auch mir 369 Alles, was ich bin und habe 375 Alle Welt, was ist und lebet 297 Allmächtger Vater, Gott der 288 Allmächtiger, der seinen Thron 278 Allmächtiger, du Gott der Welt 476 Allmächtiger, ich Staub, ich 203 Allmächtig großer Gott Seite Unbetung und Dank bringen wir 24 An dich, mein gott, gedenken 256 Auch außer meinem vaterland 505 Auch diesen Tag hab ich vollbr. 488 Auch zu haus und in der Stille 329 Auf Christen, preift mit mir den 296 Auf dich allein, Herr Jesu Christ 219 Auf dich, gott der Güte 392 272 316 Auf euch wird Gottes Segen 293 Auf Gott, und nicht auf meinen 260 Auf! jauchzet Gott, auf alle 297 Auf! Jünger Jesu, freuet euch 117 Auf meinen gott verläßt 2uf, meine Seele, singe Auf, mein Geist, dem Herrn zu 261 Auf, o Seele, werde munter 481 Auf, schicke dich, rechtfeierlich 54 Nus dunkler Tiefe, Herr 164 Aus ganzem Herzen lieb ich dich 333 Uus tiefer noth schrey ich zu dir 520 43 Alwissender, vollkommner Geist 10 Also hat Gott die Welt geliebt 54 2016 unser Herr zum Jordan kam 143 Am Kreuz erblaßt 86 Um Kreuze rief der Sohn Unbetungswürdger Gott 397 Bald, oder spåt des Todes 344 Befiehl du deine Wege Befreit von Sorg und Kummer 484 Begleite mich nach Golgatha 81 Begrabt den Leib in seine Gruft 174 Bewahre mich, Herr, daß der 228 Bis hieher hat mich Gott Bringt Preis und Ruhm dem 110 Christ, alles was dich krånket 394 Christe! du Lamm Gottes Christ ist erstanden 319 95 512 Christ lag in Todes Banden 511 Christum wir sollen loben schon 510 Chrift, unser Herr zum Jordan 518 Dank, bester Water, will ich 256 80 Dank dir, Beschützer meines 504 2 Das Grab ist leer, des Höchsten III Register. 223 488 325 137 Seite Dein bin ich, Gott, dein ist mein 40 Dein bin ich, Herr, dir will ich 232 Deines Gottes freue dich Dein, Gott, ist Majestät und 258 Dein Heil, o Christ, nicht zu 267 Dein Name sey erhoben Dein Reich, o Gott, ist herrlich 34 Dein Wille, bester Schöpfer, 419 Dein Will' iste, großer Gott 340 Dein Wort, o Höchster, ist 131 Dem Herrn will ich vertrauen 393 Den Herrn, der an mein Leiden 322 Den höchsten öffentlich Der am Kreuz ist meine Liebe 96 Der du bist drei in Einigkeit 506 Der du das Leben mir Der du dem Tode nah, für 386 Der du der Strafen schwere 101 Der du die Liebe selber bist 372 Der du mich als ein Vater 252 Der du selbst die Wahrheit 132 Der du stets unsere Zuflucht 329 Der du uns als Vater liebest 126 Der du uns das Heil errungen 58 Der du uns mit deinem Blute 229 Der du Verstand und Tugend 353 Der du voll Blut und Wunden 104 Der frohe Morgen weckt mich 478 Der Herr ist Gott! singt ihm 299 Der Herr ist Gott, und keiner I Der Herr ist st meines Lebens 417 Der Herr ist meine Suversicht 259 Der hohe Himmel dunkelt sich 464 Der lette meiner Tage 426 Der Mächtige, der Herr der 463 Der Mensch, der Menschenfurcht 431 Der mir den Weg zum Heile 122 Der Morgen kommt und meine 479 Der Spotter Strom reißt viele 139 Der Tag, der ist so freudenreich 509 Seite Der Tag ist wieder hin 486 Der Ehron der Weltbeherrscher 291 Der unsre Menschheit an sich 180 Der Weise sagt zu seiner Seele 47 Der Wollust Reiz zu widerstr. 351 Des Leibes warten und ihn 349 Des Morgens erste Stunde 474 Des Vaters und des Sohnes 124 Dich bet ich an, erstandner Held 112 Dich, Herr und Vater aller 315 Dich, Jesu, bet ich an 51 Dich preis' ich Herr, mit Herz 16 Dich seh ich wieder, Morgenlicht 471 Die Bahn ist rauh, auf der ich 410 Die dich nicht kennen, die nicht 449 Die Feinde deines Kreuzes 137 Die Herrlichkeit der Erden 363 Die ihr Christi Jünger send 157 Die Nacht ist hin, Gott sey 471 Dies, Christen, ist der Tag 327 Dies ist der Tag, den Gott 53 Dies ist der Tag zum Segen 327 Die Sonne stand verfinstert 86 Dies sind die heilgen zehn 516 Die 3unge, die vernehmlich 381 Die allein hab ich gesündigt 209 Dir befehl ich meine Kinder 492 Dir dank ich für mein Leben 255 Dir, Gott, dir will ich fröhlich 314 Dir, Gott, fey mein Dank 493 Dir, Gott, sen Preis und Dank 38 Dir, milder Geber aller Gaben 462 Dir sey Preis, id) lebe wieder 477 Dir trau ich, Gott, und wanke 262. Dir, unser Gott, ist niemand 33 Dir versöhnt in deinem Sohne 267 Dreyeiniger Gott, ich preise dich 27 Du, aller Menschen Vater 378 Du bester Trost der Armen 456 Dubists, dem Ehr und Ruhm 301 F Register. Seite Seite 236 Erhabner Schöpfer, deine Gut 308 46 Erhalt uns, Herr, bei deinem 138 Dasselbe Lied unverändert 517 Erhebe vom Geräusch der Welt 79 Erheb, o Christ, dein Herz und 337 Erhebt den Herrn, ihr Frommen 50 Erhöhter Jesu, Gottes Sohn 181 Erhör, o Gott, das heiße Flehn 147 Erinnre dich, mein Geist 112 Er ist erstanden, Jesus Christ 115 Er kommt, er kommt der starke 55 Er tómmt, er kommt zum Weltg. 182 Ermuntre, Seele, dich und sey 432 Erniedrigt hatte sich bereits 82 Erwache fröhlich, mein Gem. 489 Es baut, Herr, deiner 460 Es donnert, Mensch! wer Es eilt der legte von den Tagen 464 366 Es fliehn die Schatten von der 475 Es hilft uns unser Gott 407 Es ist das Heil uns kommen her 215 Es ist noch eine Ruh vorhanden 187 Es lag die ganze Welt 67 Es sey mein ernstlicher Entschluß 18 Es spricht der unweisen Mund 515 Es weinet um Jerusalem 70 Es werde Gott von dir erhoben 39 Es wolle Gott uns gnådig seyn 542 Es woll uns Gott genådig seyn 517 Es zieht, o Gott, ein Kriegesw. 449 30 Du, der Herz und Nieren Du, der nichts Bises thut Du gabst mir, Ewger, dieses 359 Du Geist des Herrn, der du 124 Du, Gott, der unsre Zuflucht 444 Du, Gott, du bist der Herr 449 Du hast es mir gegeben und 416 Du haft, o gnadenreicher Gott 456 Du hast, o weiser Schöpfer, 491 Du Herr der Seraphinen Du, Herr, haft aus Barmherzigk.150 Du klagst, o Chrift, in schweren 402 Du klagst, und fühlest die 415 Du liebst, o Gott, Gerechtigkeit 374 Du, Racher, Gott, wie schrecklich 446 Durch Utams Fall ist erst 162 Durch dich, Gott, bin ich, was 499 Durch dich, o großer Gott Durch viele große Plagen 497 Du unsichtbarer, dessen Thron 4 Du Vater deiner Menschenk. 254 Du weiser Schöpfer aller Dinge 14 Du, welchen keine Welt Du wesentliches Ebenbild 312 498 69 Du wiesest, Jesu, nicht die 146 Ein feste Burg ist unser Gott 517 Ein Fremdling bin ich in der 412 Ein herz, o Gott, in Leid und 389 Ein Lamm geht hin und trågt 100 Ein milder Regen sinket Eins ist Noth, ach Herr, dies 339 461 Ein starker Schutz ist unser 140 Endlich muß ich mich entschl. 213 Endlich wachet mein Gewissen 212 Entehre nicht, mein Herz, mit 358 Entfernet euch), unselge Spotter 430 Entflohen sind auch dieses 482 Entschließe dich, beherzt Erbarm dich, Herr, mein Erforsche mich, erfahr mein Fest soll mein Hoffnung stehen 501 Freund, der mir alles ist 382 Freiwillig hab ichs dargebracht 109 Frohlocke, mein Gemüthe 87 Frohlock mein Herz, weil Jesus 116 Frohlockt, ihr Christen, preift 206 195 Für alle Güte sey gepreist 483 240 Für alle Kranke bitt ich dich 205 90 Fürwahr, du bist, o Gott 35 Register. Seite Gedanke, der uns Leben giebt 49 Gott ist mein Hort Geist vom Vater u. vom Sohne 128 Gelobet feyst du, Gottes Sohn 56 Gelobet feyst du, Jesus Christ 508 Gelobt feyst du, Herr Zebaoth 330 Gerechter Gott, du willst 374 Gerechter Gott, vor dein Gericht 17 Gern will ich mich ergeben 425 Getreuer Gott, wie viel Geduld 21 Geweiht zum Christenthume 146 Gieb mir dein Herz, sprichst du 254 Gieb mir, o Gott, ein Herz 370 Gieb, Vater, daß mein Herz 248 Gott, deine Gnade sey gepreift 55 Gott, deine Gnad ist unser Leben 167 Gott, deine Güte reicht so weit 277 Gott, deine weise Macht erhålt 321 Gott, dein unsichtbares Wesen 63 Gott, der an allen Enden 33 Gott, der du die Menschen 384 Gott, der du für uns deinen 88 Gott, der Vater wohn uns bei 522 Gott der Wahrheit, dessen 398 Gott des Himmels und der 467 Gott, dessen ug uns stets 454 Gott, dessen Hand die Welt 289 Gott, dessen Ram ist wie dein 290 Gott, dessen starke Hand die 313 Gott, dir gefällt kein gottlos 208 Gott, du bist von Ewigkeit Gott, du bleibst ewig unsrer 357 Gott, du hast in deinem Sohn 129 Gott, durch dessen Macht und 465 Gott, durch welchen alle Dinge 316 Gottes Sohn ist kommen 57 Gott führt die seinen wundert. 407 Gott, ich weiß es, meine Glied. 176 Gott, ich will mich ernstlich 197 Gott in der Hdh sey Ehr Gott ist die Liebe selbst 8 27 215 Seite 130 32 Gott ist mein Lied Gott ists, der das Vermögen 356 Gottlob, mein Lauf eilt früh 175 Gott, mache du mich selbst bereit 6 Gott, meine ganze Seele 35 Gott, meines Lebens Meister 30 Gott, meines Nächsten bestes 373 Gott, mein höchstes Gut, mein 318 Gott, mein Licht, erleuchte mich 247 Gott, mein Vater, deine Liebe 251 Gott, mein Vater, ich dein Kind 166 Gott, mein Vater, sey gepriesen 306 Gott schuf die Sonne und den 439 Gott sey gedankt zu jeder Zeit 108 Gott sey gelobet und gebened. 519 Gott, unfer Gott, wie heilig 141 Gott, unser Vater, der du bist 274 Gott, vor desfen Angesichte 16 Gott, was des Lebens Kräfte 480 Großer Gott, erhabnes Wesen 44 Großer Mittler, der zur Rechten 121 Groß ist des Höchsten Güte 317 Habe deine Lust am Herrn 266 Habe deine Lust, o Jugend 243 Hab ich ein gut Gewissen nur 433 Halt im Gedachtniß Jesum 158 Heiland, deine Menschenliebe 69 Heil deinem Volke, dem du dich 129 Heilger Bater, du gebietest 350 Heilig, heilig ist dein Wille 257 Heil uns, aus unsrer Sünden 47 Helle leuchtet deine Güte 458 Herr, allerhöchster Gott, im 460 Herr, allerhöchster Gott, von 221 Herr, deine Ullmacht reicht so 15 Herr, deine Rechte und Gebot 135 Herr, den die Sonnen und die 441 Herr, der du alles giebst Herr, der du als ein stilles 344 148 Register. Seite Herr, der du mir das Leben 484 Herr, dessen Augen alles prüfen 230 Herr, dir gelob ich neue Treue 145 Herr, du bist heilig im Gericht 250 Herr, du bist meine Zuversicht 178 Herr, du erforschst und kennest 13 Herr, du fåhrst mit Glanz und 120 Herr, du kennest mein Verderb. 44 Herr Gott, dich loben wir 300 Dasselbe Lied von Luther 521 Herr Gott, du bist die Zuflucht 8 Herr Gott, vor deiner Majestät 454 Herr Gott, wir preisen deine 453 Herr, höre mein Gebet, um 207 Herr, höre mein Gebet, und 241 Herr, ich bin dein Eigenthum 184 Herr, ich falle vor dir nieder 155 Herr, ich hab aus deiner Treu 368 Herr Jesu Christ, du höchstes 201 Herr Jesu Christ, mein Herr 171 Herr Jesu, deine Angst und Pein 90 Herr Jesu, Gnadensonne 281 Herr, laß mich doch gewissenh. 353 Herr, mache meine Seele stille 398 Herr, mein Erlöser, nur von 282 Herr, meiner Seele großen 346 Herr, mein Licht, mein Heil 36 Herr, mein Versöhner, der du 384 Herr, ohne Glauben kann 217 Herr, sieh, ich bin verdrosfen 185 Herr, stårke mich dein Leiden 72 Herr und Regent der ganzen 279 Herr, unser Gott, laß nicht zu 451 Herr, unser Gott, wer ist dir 26 Herr, wie du willst, so schicks 288 Herr, wie lange muß ich ringen 241 Herr, wo ist ein solch Gott wiè 295 Heute, sprach mein Heiland! 427 Heut hat den Juden sich dein 62 hier bin ich, Herr, du rufest mir 107 • Seite Hier, bin ich, Jesu, zu erfüllen 153 Hilf, Herr Jefu, laß gelingen, 438 Hilf, Jesu, daß ich meinen 376 Hin an dein Kreuz zu treten 91 Höchster, denk ich an die Güte 207 Höchster, dessen starke Rechte 31 Höchster Gott, wir danken dir 329 Hört an die heilgen zehn Gebot 134 Hör unser Gebet, Geist des 123 Jauchzt unserm Gott, er ist 20 Ich bin ein Christ, Gott ist mein 238 Ich bin getauft auf deinen 144 Sch bin ja, Herr, in deiner 170 Sch bin, ich lebe, Gott du bist 300 Ich bin, o Gott, dein Eigenthum 42 Ich denk an dein Gerichte 182 Ich ergebe mich dem Willen Ich erhebe mein Gemüthe Jch frage nichts nach Gold 362 Ich freue mich der frohen Zeit 179 Jch freue mich, mein Gott in 253 Ich habe, Gott, mir ernstlich 12 Ich habe nun den Grund 219 Ich hab in Gottes Herz und 390 Ich hab in guten Stunden 418 Ich hoff, o Gott, mit frohem 168 3d komme, Friedensfürst, zu 220 Ich komme, Herr, und suche 154 Ich komme vor dein Ungesicht 278 3ch lag umringt mit Schmerzen 320 Jch lobe dich, und preise dich 14 Ich preise dich, o Herr, mein 152 Ich preise dich, und singe Jch Staub vom Staube, wer Ich sterbe tåglich, hier auf 174 Sch trete vor dein Angesicht 494 Ich weiß, an wen mein Glaub 168 Jch weiß, mein Gott, daß all 284 Ich weiß, und bins gewiß Ich will das Abendmahl des 149 320 235 224 264 165 Register. Seite Ich will dich noch im Tod 426 Ich will in meiner Einsamkeit 495 Ich will, mein Gott, du Kinig 309 Ich will vor dein Untlig treten 420 Laß deinen Geist mich stets 99 Jehovah, möcht'ger König 292 Laß beiner Welt mich dienen 342 Jesu Christ, durch deine Wund. 103 Laß doch, o Jesu, laß dein Reich 142 Jesu Christe, wir sind hier 328 Laß mich doch nicht, o Gott 354 Jesu, du mein Heil, mein 338 Laß mich, Höchster, darnach 380 Jesu, Jesu, stårke mich 338 Laß mich, o Herr, in allen 259 Jesu, meine Freude 334 Laßt unserm Gott uns singen 303 Jesu, meiner Seelen Licht 93 Laßt uns mit Danken treten 270 Jesu, meines Lebens Leben 89 Last uns mit Lob und Beten 305 Jesus Christus, unser Heiland 512 Laßt uns unserm Gott lobsingen 59 Jesus Christus, unser Hei Lob, Ehre, Preis und Dank sey 331 2ob, Ehr und Dank sey dir 321 Lob, Ehr und Preis dem 324 Lob sey Gott, der den Morgen 477 Lob sey Gott, der den Frühling 457 Lobsinget Gott, und betet an 310 Lobsingt dem Gott, der unser 451 Lobsingt ihr Völker, preist 84 Lobt Gott, den Gott der Stärke 298 Lobt Gott, ihr seine Knechte 119 land, der von uns Jesus lebt, mit ihm auch ich Jesus, meine Zuversicht 178 503 435 264 Ihm, der das Licht entstehen 470 Shr, die ihr euch von Christo 230 Ihr Mitgenossen, auf, zum 225 Im Frühling meiner Jahre Im Stillen wollen wir dich In allen meinen Thaten In dieser Morgenstund will ich 467 In Gottes Namen fang ich an 290 In Trůbsal, Christ, sey stark 387 Ift Gott, für mich, so trete 222 Ist nun auch meine Stunde da 424 Jest leb ich, ob ich morgen lebe 364 Jest sinkt die Sonne nieder 485 519 114 Kaum steigt zu ihrem frohsten 107 Kein Lehrer ist dir, Jesu, gleich 68 Kinder gut und fromm erziehen 294 Komm betend, oft und mit 268 Komm, Gott Schöpfer, heilger 513 Komm, heilger Geist, Herre 512 Kommt, kommt den Herrn zu 311 Kommt, last euch den Herrn 233 Kommt, laßt vor Gott uns 439 Seite König, dem kein König gleichet 118 Könnt ich in meinen Nöthen 393 Mein bester Trost in diesem 273 Meine Lebenszeit verstreicht 365 Meinen Jesum laß ich nicht 221 Mein Erlöser, auch für mich 101 Mein Erldser, der du mich 145 Mein Erlöser, Gottes Sohn 94 Mein erster Wunsch, mein 315 Mein erst Gefühl sey Preis 470 Meine Seel ermuntre dich 71 Mein ganzer Geist, Gott, wird 188 Mein Gefühl ist Traurigkeit 417 Mein Geist erstaunt, Allmächt, 304 Mein Glaub ist meines Lebens 437 Mein Gott, ach lehre mich 235 Mein Gott, dir ist bewußt Mein Gott, du bist gerecht 45 462 Register. Seite 66 76 332 Mein Gott, du wohnest zwar 246 Mein Gott, nun ist es wieder 269 Mein Gott, wo flieh ich hin 202 Mein Heiland, deine Größe 64 Mein Heiland lebt, er hat die 177 Mein Heiland, wenn mein 171 Mein Herz, ermuntre dich zum 323 Mein Jesu, du haft unsre Mein Jesu, für dein Herz Mein Jesus ist getreu Mein Jesus ist mein Leben 428 Mein Leben ist ein Prüfungsst. 360 Mein Vater und mein Gott 283 Mensch, willt du leben seliglich 515 Mit Ernst, o Menschenkinder 53 Mit freudigem Gemüthe 468 Mit Fried und Freud ich fahr 523 Mit Munterkeit erwachen wir 472 Mit Preis und Danke nah ich 482 Mit Seufzen flag ich dir, 269 Mitten wir im Leben sind 522 Seite Nun ist es Zag, mit frommen 478 Nun kommt der Heiden Heiland 508 Dun wollen wir dir Lob und 455 allgütigster Erhalter blinde Wuth Christe! Eingeborner du allersüßte Freude Deffentlich in der Gemeinde 488 79 64 125 161 Oft hab ich den Bund gebrochen 206 Oft klagt dein Herz, wie 239 19 Gott, bei dir ist Heil und 143 Gott, der du den Himmel 461 O Gott des Himmels und der 28 O Gott, dich fürchten, kindlich 247 Gott, du bist die Liebe Gott, du bist mein Preis 326 Gott, du frommer Gott 282 Gott, du Gott der Deinen 499 Gott, es fehlt uns Kraft 271 Gott, sobald der Zag 459 O großer Gott, der alle Ding 10 Nach dir, o Herr, verlanget 287 heilger Geist, kehr bei uns 127 Nach einer Prüfung kurzer 186 heiliger, gerechter Gott Nach meiner Seelen Seligkeit 346 D Heiligster, wen nennst du Nein, murren will ich nicht 415 O Herr, dein seligmachend 443 Nicht, daß ichs schon ergriffen 348 D Herre Gott, dein göttlich 513 Nicht nur streiten, überwinden 226 Herr, mein Gott, der du 98 Nie bist du, Höchster, von uns 12 Herr, mein Gott, durch 265 Nie will ich dem zu schaden 387 D himmlisches, o bestes Leben 187 Nimm von uns, Herr, wir O Jesu Christ, mein höchstes 333 Noch bin ich dein Gast, o Erde Noch immer wechseln ordentlich 458 Noch läßt der Herr mich leben Noch nie hast du dein Wort Nun, Christen, laßt uns Nun danket alle Gott Nun freut euch, lieben Christen 507 Nun habe Dank für deine 159 Nun ist es alles wohl gemacht 85 448 172 474 Jesu, heilges Gotteslamm 154 O Lamm Gottes, im Staube 95 O stårke, Mittler, stårke sie 147 O Tod, wo ist dein Stachel 113 O Vater der Barmherzigkeit 202 22 48 306 welch ein Glück, ein Mensch 37 Dwelch ein unschågbares Gut 347 Welt! fich hier dein Leben 97 O wie unaussprechlich selig 190 25 230 Register. Seite 60 Quålet mich nicht, bange 413 Quelle der Vollkommenheiten 250 Rühme, Seele, dein Gefang 160 Schaffet, schaffet, Menschenk. 192 Schon ist der Tag von Gott 183 Schön ist die Tugend, mein 237 Schon wieder ist von meinem 489 Echöpfer aller Menschenkinder 163 Schüße die Deinen, die nach 141 Soweiget, bange 3weifel 405 Schwing dich auf gen Golgatha 92 Seele, willst du Ruhe finden 151 Sehn wir nur Trůbsal um 448 Seht, Gottes Gnade ist Seht, welch ein Mensch Selig, Gott, sind die, die 185 Selig sind des Himmels Erben 185 Sey du, o mein getreuer Gott 504 Sey, hochgepriesen, Herr, für 87 Sey Seele stark u. unverzagt 395, Sieh, Seele, hinter dich zurück 497 Sie kommt, sie kommt, die 367 Singt dem Herrn Lob, Preis 481 Singt dem Versöhner, singt 56 So fliehen unsre Tage hin 483 So gehst du, Jesu, williglich) 74 Sohn, der du für uns starbst 121 So jemand spricht, ich liebe 371 Soll dein verderbtes Herz 78 Vater aller Menschenkinder 429 Vater, heilig mocht ich leben 242 Bater, laß mich Gnade finden 204 Vater unser im Himmelreich 520 Verachter Gottes, bebt 191 Verleih uns Frieden gnädiglich 453 Vollendet bist du nun vor Gott 114 Voller Ehrfurcht, Dank und 156 Vom Geräusch der Welt 334 Vom Himmel hoch, da komm 509 Bom Himmel kam der Engel 510 Bon dir, du Gott der Einigk. 293 Von dir, Gott der Barmherz. 288 Von dir, o Vater nimmt mein 399 Von Furcht dahin gerissen 336 Von ganzer Seele preif' ich 285 Von Gott will ich nicht lassen 261 Vor dir, Herr Jesu, steh ich 220 and brot 133 Soll sich mein Geist, o Gott, Sollten Menschen, meine Sollt ich jetzt noch, da mir 238 Sollt ich meinem Gott nicht 302 So schlummerst du Wach auf, mein Herz, und 466 Wachet auf, so ruft die Stimme 180 Wår Gott nicht mit uns diese 518 105 Warum erbebst du, meine 423 So wahr ich lebe spricht dein 103 Warum sollt ich mich denn 404 So weit, Herr, deine Himmel 19 Was bist du, o Christ, betrübet 401 Stärke, denn oft will er wanken 225 Was den Leib erhålt und nåhrt 480 Stimmt unserm Gott ein 297 Was für Leiden, starker Held 75 Strafe nicht, o heiligster 206 Was fürcht'st du Feind Herodes 511 245 369 Seite Tag den mir der Herr gemacht 150 Triumph! Verlaßt die leere 108 Um Gnade für die Sünderwelt 83 umsonst, umsonst verhüllst du II um weisheit, Hochster, bitte 236 unermeßlich, ewig ist 7 Unschuldger Jesu, was hast du 77 uns heilig soll der Ehstand seyn 490 Unstråflich bist du, Gott, und 205 Unwiederbringlich schnell 487 Register. Seite Was gott thut, das ist wohlg. 263 Was hilft es mir, ein Christ 227 Was ich nur Gutes habe 342 Was in mir ist, mein ganzes 307 Was ist das Leben hier auf 388 Was ist mein Leben auf der 411 Was ist mein zeitlich Leben 360 Was ist, o Gott, im Himmel 244 Was ists, daß ich mich quale 400 Was ist vor deinem Angesichte 40 Was mein Gott will, gescheh 263 Was soll ich ångstlich klagen 391 Was soll ich trostlos sorgen 409 Was sorgst du ångstlich für 421 Was zagst du, Gott regiert 406 Was zweifelst du betrübtes Herz 412 Weg, Welt mit deinen Freuden 73 Weh dem, der leugnet, daß du 3 Weicht ihr Berge, fallt ihr Welch Glück, o Gott, ist Freund23 schaft 383 Welch großes Vorrecht schenkst 272 Welch hohes Beispiel gabst 336 Welch Lob, o Gott, soll unser 305 Welch Lob soll ich dir geben 319 Wenn Christus seine Kirche 140 Wenn du des Nächsten Ehr 377 Wenn einst mein sterbend Auge 425 Wenn ich die Gottesåcker seh 422 Wenn ich ein gut Gewissen habe 432 Wenn ich einst von jenem Wenn ich nur Gott gefalle Wenn ich, o Gott, von dir 343 Wenn ich, o Schöpfer, deine 28 Wenn mich die Sünden krånken 104 Wenn, Mittler, meine. 423 478 258 Wenn nicht zur Uebung deiner 231 Wen wird, o Gott, die Wonne 336 Wer bin ich? welche wicht'ge 441 Seite Wer gleicht dir, Gott? undenkbar 9 Wer, Gott, dein Wort nicht 227 Wer ist dir gleich, du Einziger 5 Wer kann, Gott, je was Gutes 276 Wer nur den lieben Gott låßt 414 Wer weiß, wie nahe mir mein 422 Wiederum ein Jahr verschwunden 452 196 Wie fürcht ich mein herz zu Wie getrost und heiter 218 465 29 335 Wie gnädig ist des Höchsten Wie gnådig warst du, Gott 477 Wie groß ist des Almåchtgen 20 Wie groß ist unsre Seligkeit 429 Wie groß, wie angebetet ist 332 Wie grundlos sind die Tiefen 95 Wie herrlich bist du, Gott Wie herrlich strahlt der Wie, Höchster aller Våter, wie Wie kann ich sattsam doch Wie lieblich ist doch. Herr, die 328 Wie mächtig spricht in meiner 434 Wie mannigfaltig sind die 350 Wie sanft schn wir den Wie felig, Gott, wie selig ist Wie selig, Herr, ist der Gerechte 61 160 Wie selig lebt ein Mensch Wie sicher lebt der Mensch, der Staub 427 166 234 378 365 Wie soll ich dich empfangen 52 Wie theur, o Gott, ist deine 169 Wie treu, mein guter Hirte 196 Wie viele Freuden, dank ich dir 313 Wie wichtig ist doch der Beruf 41 Wie wird mir dann, Erlöser 425 Will jemand Christi Jünger 361 Willkommen, du Geschenk des 452 Willkommen, Quell der Freuden 58 Will mich, o Gott, hienieden 396 Register. Seite Willst du der Weisheit Quelle 249 194 Willst du die Buße noch Wir freuen uns, Herr Jesu 118 Wir glauben all an einen Gott, 506 Wir glauben an den eingen 24 Wir Menschen sind zu dem 131 Wo find ich Gott, den meine 224 Wohlauf, mein Herz, verlaß 66 Wohl dem, der beßre Schåße 355 Wohl dem, der in Gottesfurcht 523 Seite Wohl dem, der reblich wandelt 380 Wohl, wohl dem Menschen 435 Wohlzuthun und mitzutheilen 379 Wort aus Gottes Munde 136 Wunderbar ist Gottes Schicken 408 Wüßt ich nicht: Gott ist; Gott 2 Zeit, die ich seufzend zähle 418 Zu deinem Throne nah ich mich 473 3ur Arbeit, nicht zum Müssigg. 356 3u so viel Tagen, die mir schon 486 Verzeichniß der Gebete. I. Um recht und Gott wohlgefällig zu beten. 2. 3. Morgengebete. 4. 5. Abendgebete. Sonntagsandacht. 6. Morgengebet am Sonntage. 7. Vor dem Gottesdienste. 3. Nach dem Gottesdienste. 9. Abendgebet am Sonntage. Seite 524 525-529 530534 534 536 Tägliche Erweckung zum frommen Sinn und Wandel vor Gott. 537 539 10. Bertrauen auf Gott und rechtmäßige Gesinnung gegen ihn. 541 II. Demuthsübung. and 3d 2543 12. Um Keuschheit und Mäßigkeit. 13. Um brüderliche Liebe, Mitfreude und Mitleid. 14. Um Nachsicht, Sanftmuth, Leutseligkeit und Langmuth, 15. Um christliche Gefälligkeit und Freundschaft. 16. Um christliche Liebe gegen Feinde. 17. Um Heiligung der Reden und des ganzen Betragens. 18. Um christlichen Gebrauch der Vergehungen, Thorheiten und 30. Beim Anfange einer Krankheit 31. Um christliches Verhalten in der Krankheit. 32. Um Gnade, die Krankheit zur Heilignng anzuwenden. 33. Bei heftigen und anhaltenden Schmerzen. 34. Nach der Genesung von der Krankheit. 35. Eines Kranken bei Annährung seines Lodes. 545 546 548 549 6: 549 550 Laster unserer Nebenmenschen. 551 19. um christlichen Gebrauch der Zeit, Kräfte und Gaben Gottes. 552 20. Aufmunterung zu solchem Wandel vor Gott.. 554 21. Tägliches Gebet einer gottesfürchtigen Familie. 557 Ueber das heilige Abendmahl. 22. Nachdenken über den Zweck und Nugen des heiligen Abendmahls. 560 23. Selbstprüfung vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 563 24. Um Vergebung der Sünden. 568 569. 570 25. 26. Vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 27 29. Nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. 571= 573 In Krankheiten. 575 576 577 578 579 580 Verzeichniß der Gebete. Kirchengebete. 1. Deffentliche Beichte. 2. Allgemeines Kirchengebet. 3. Vor der öffentlichen Communion, 4. Nach der Communion. 5. In den Montagsbetstunden. 6. Die Litaney. 7. Un öffentlichen Bußtagen. 8. Auf Hagelfeyer. 9. Bei der Confirmation der Kinder. 582 583 585 587 587 539 590 591 592 593 594 12. Um Neujahrstage. 594 13. Um Fefte der Erscheinung Chrifti. 595 14. Um Feste der Reinigung Maria. na stolux 596 uning 596 10. Auf Advent. II. Um Weihnachtsfeste. 15. Um Feste der Verkündigung Maria, 16. Auf das Leiden Jesu. 17. Um Osterfeste. 18. Um Himmelfahrtsfeste. 19. Um Pfingstfeste. 20. 2m Feste der heiligen Dreyfaltigkeit. 21. Um Feste Johannis des Täufers. 22. Um Fefte der Heimsuchung Maria. 23. Um Michaelisfeste. og ordentist and mos 20 de meting fo 18 alones de Po adagn 45067 D no amfelld Seite the 597 598 599 599 600 601 601 602 Episteln und Evangelia auf dic Sonn- und Festtage; nebst der Leidensgeschichte Jesu, und kurzen Morgen- und Abendgebeten auf jeden Tag in der Woche. Braunschweig, bei Johann Heinrich Meyer, 181 8. Episteln und Evangelia. Um 1. Sonntage des Advents. Epistel, Rom. 13. v. II 14 Lieben brüber, weil wir folches wiffen, nemlich die zeit, daß die stunde da ist, aufzustehen vom schlaf,( fintemal unser heil jest näher ist, denn da wirs glaubten) die nacht ist vergangen, der tag aber herbei kommen; so lasset uns ablegen die werke der finsterniß, und anlegen die waffen des lichts. Lasset uns ehrbarlich wandeln als am tage, nicht in fressen und saufen, nicht in kammern und unzucht, nicht in haber und neid, sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ, und wartet des leibes; doch also, daß er nicht geil werde. Evang atth. 21. Evangelium, Matth. 21. v. 1: 9. a sie nun nahe bei Jerusalem kamen, gen Bethphage an den öls zu " Gehet hin in den flecken, der vor euch lieget, und bald werdet ihr eine eselin finden angebunden, und ein füllen bei ihr; löset sie auf, und führet sie zu mir. Und so euch jemand wird etwas sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihr! sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den propheten, der da spricht: Sage der tochter zion, siehe, dein könig kommt zu dir fanftmüthig, und reitet auf einem esel, und auf einem füllen der lastbaren eselin. Die jünger gingen hin und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die eselin und das füllen, und legten ihre kleider darauf, und setzten ihn darauf. Aber viel volks breitete die kleider auf den weg; die andern hieben zweige von den bäumen und streueten sie auf den weg. Das volt aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn David, ges lobet sey, der da kômmt im namen des Herrn! Hosianna in der höhe. Am 2. Sonntage des Advents. Epistel, Rom. 15. v. 4; 13. Lieben brüder, was aber vorhin geschrieben iſt, das ist uns zur lehre auf daß und trost der nung haben. Gott aber der geduld und des troftes gebe euch, daß ihr einerley gesinnet seyd unter einander, nach Jesu Chrift; auf daß ihr einmüthiglich mit einem munde lobet Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf, gleich: wie euch Christus hat aufgenommen, zu Gottes lob. Ich sage aber, daß Jesus Christus sei ein diener gewesen der beschneidung, um der wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die verheißung, den våtern geschehen. Daß die heiden aber Gott loben um der barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: Darum will ich dich loben unter den heiden, und deinen namen singen. Und abermals spricht er: Freuet euch, ihr heiden, mit seinem volk, und abermal: Lobet den Herrn, alle heiden, und preiset ihn, alle völker. Und abermal spricht Efaias: Es wird sein die wurzel Jeffe, und der auferstehen wird zu herrs schen über die heiden, auf den werden die heiden hoffen. Gott aber der hoffnung erfülle euch mit aller freude und frieden im glauben, daß ihr vollige hoffnung habt, durch die Fraft des heiligen geiftes. Evangelium, Luc. 21. v. 25/36. Und nd es werden zeichen geschehen an der sonne und mond, und ster: nen, und auf erden wird den leuten bange seyn, und werden zagen, und das meer und die wasserwogen werden brausen, und die menschen werden verschmachten, vor furcht und vor warten der dinge, Episteln und Evangelia. 3 bie ba kommen sollen auf erden: denn auch der himmel Fräfte sich bes wegen werden. Und alsdann werden sie sehen des menschen sohn kome men in den wolken, mit großer kraft und herrlichkeit. Wenn aber dieses anfåhet zu geschehen, so fehet auf, und hebet eure häupter auf, darum, daß sich eure erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein gleichniß: Sehet an den feigenbaum und alle båume, wenn sie jest ausschlagen, so sehet ihrs an ihnen, und merket, daß jegt der soms mer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das.reich Gottes nahe ist. Wahrlich ich sage euch: dies geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure herzen nicht beschweret werden mit fressen und faufen, und mit sorgen der nahrung, und komme dieser tag schnell über euch. Denn wie ein fallstrick wird er kommen über alle, die auf erden wohnen. So send nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des menschen sohn. Am 3. Sonntage des Advents. Epistel, 1 Cor. 4. v. 1: 5. diener halter über Gottes geheimnisse. Nun suchet man nicht mehr an den haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. Mir aber ists ein geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wol nichts bewußt, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertigt: Der Herr ists aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans licht bringen, was im fins stern verborgen ist, und den rath der herzen offenbaren; alsdann wird einem jeglichen von Gott lob wiederfahren. Evangelium, Matth. II. v. 3.10. D a aber Johannes im gefängniß die werke Christi hörete, fandte er seiner jünger zween, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr fehet und höret: die blinden sehen, die lahmen gehen, die ausfågigen werden rein, und die tauben hören, die todten stehen auf, und den armen wird das evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir årgert. Da sie hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem volke pon Johanne: Wasseyd ihr hinausgegangen in die wüsten zu sehen? Wollet ihr ein rohr sehen, das der wind hin und herwehet? Oder was send ihr hinausgegangen zu sehen? Wollet ihr einen menschen in weichen kleidern sehen? Siehe, die da weiche kleider tragen, sind in der könige häuser. Oder was send ihr hinausgegangen zu sehen? Wollet ihr einen propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein prophet. Denn dieser ists, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich sende meinen engel vor dir her, der deinen weg vor dir bereiten soll. Am 4. Sonntage des Advents. Epistel, Phil. 4. v. 4: 7. ieben brüder, freuet euch in dem herrn alle wege; und abermal fage ich: freuet euch. Eure lindigkeit laffet kund seyn allen men= schen. Der herr ist nahe. Sorget nicht, sondern vor allen dingen laffet eure bitte im gebet und flehen mit danksagung vor Gott kund wedren. Und der friede Gottes, welcher höher ist, denn alle vers nunft, bewahre eure herzen und sinne in Christo Jesu. 22 Episteln und Evangelia. Evangelium Job. 1. v. 19:28. nd von rufalem priester und leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht. Und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Er sprach: Ich bins nicht. Bist du ein prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine stimme eines predigers in der wüsten, rich tet den weg des Herrn, wie der prophet Esaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den pharisäern, und fragten ihn, und sprachen zu ihm: warum caufest du denn? so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein prophet? Johannes antwortete ihnen und. sprach: Sch taufe mit wasser; aber er ist mitten unten euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ists, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine schuhriemen auflöse. Dies geschah zu Bethabra, jenseits des Jordans, da Johannes taufete. Am 1. Weihnachtstage. Epistel, Tit. 2. v. II: 14. 4 s ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen menschen, und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche wesen, und die weltlichen lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser welt, und warten auf die selige hoffnung und erscheinung der herrlichkeit des großen Gottes, und unsers Heilandes Jesu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein volk zum eigen: thum, das fleißig wäre zu guten werken. Evangelium, Luc. 2. v. 1:14. & e begab sich aber zu der zeit, daß ein gebot vom kaiser Augufto ausging, daß alle welt geschäßet würde. Und diese schåßung war die allererste, und geschah zu der zeit, da Cyrenius landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schågen ließe, ein jeg= licher in seine stadt. Da machte sich auch auf Joseph áus Galilåa, aus der stadt Nazareth, in das jüdische land zur stadt David, die da heißt Bethlehem, darum daß er vom Hause und geschlechte David war, auf daß er sich schågen ließe mit Maria, seinem vertrauten weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die zeit, daß sie gebåren sollte. Und sie gebahr ihren ersten sohn, und wik kelte ihn in windeln, und legte ihn in eine frippen, denn sie hatten fonst keinen raum in der herberge. Und es waren hirten in dersel digen gegend auf dem felde bei den hürden, die hüteten des nachts ihre heerde. Und siehe, des Herrn engel trat zu ihnen, und die Flarheit des herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich ver: kundige euch große freude, die allem volke wiederfahren wird. Denn euch ist heute der heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der stadt David. Und das habt zum zeichen: Ihr werdet finden das kindlein in windeln gewickelt, und in einer krippen liegen. Und alsbald war da bei den engeln die menge der himmlischen heerschaaren, die lobten Gott, und sprachen: Ehre sey Gott in der höhe, und friede auf erden, und den menschen ein wohlgefallen. Episteln und Evangelia. Am Tage Stephani oder 2. Weihnachtstage. Epistel, Apostelgesch. 6 und 7. 5 Stephanus aber, voll glaubens und kråfte, that wunder und große zeichen unter dem volk. Da stunden etliche auf von der schule, die da heißt der Libertiner, und der Eyrener, und der Alexanderer, und derer, die aus Cylicia und Asia waren, und befragten sich mit Stephano. Und sie vermochten nicht zu widerstehen der weisheit und dem geiste, der da redete. Da richteten sie zu etliche månner, die sprachen: Wir haben ihn gehört låsterworte reden wider Mosen und wider Gott; und bewegten das volk und die ältesten, und die schriftgelehrten; und traten hinzu, und rissen ihn, und führeten ihn vor den rath. Und stellten falsche zeugen dar, die sprachen: Diefer mensch höret nicht auf, låsterworte zu reden wider die heilige ståtte und das geset. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazas reth wird diese ståtte zerstören, und andern die sitten, die uns Mofes gegeben hat. Und sie fahen auf ihn alle, die im rath saßen, und fahen sein angesicht wie eines engels angesicht. Da sprach der hohe priester: Ist dem also? Er aber sprach: Lieben brüder und våter, höret zu 2c. Ihr halsstarrige und unbeschnittene an herzen und oh ren, ihr widerstrebet allezeit dem heiligen geist, wie eure våter, also auch ihr 2c. Da sie solches höreten, gings ihnen durchs herz, und bissen ihre zähne zusammen über ihn, is er aber voll heiligen Geistes war, sahe er auf gen himmel, und sabe die herrlichkeit Got: tes, und Jesum stehen zur rechten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den himwel offen, und des menschen sohn zur rechten Gottes stehen. Sie aber schrieen laut, und hielten ihre ohren zu, und stürmten einmüthiglich zu ihm ein, stießen ihn zur stadt hinaus und stei: nigten ihn. Und die zeugen legten ab ihre kleider zu den füßen eines jünglings, der hieß Saulus, und steinigten Stephanum, der anrief und sprach: Herr Jesu, nimm meinen geift auf. Er kniete aber nieder, und schrie laut: Herr! behalte ihnen diese sünde nicht. Und als er das sagte, entschtief er. Evangelium, Matth. 23. v. 34 39. D er herr sprach zu den pharisäern und schriftgelehrten und obersten der juden: Darum siehe, ich sende zu euch propheten, und weisen und schriftgelehrten, und derselbigen werdet ihr etliche tödten und kreuzigen, und etliche werdet ihr geisseln in euren schulen, und werdet sie verfolgen von einer stadt zur andern. 2 uf daß über euch komme alle das gerechte blut, das vergoffen ist auf erden, von dem blut an des gerechten Abels, bis auf das blut Zacharià, Barachiá sohn, welchen ihr getödtet habt zwischen dem tempel und altar. Wars lich, ich sage euch, daß solches alles wird über dies geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tödtest die propheten, und steinigest die zu dir gefandt sind, wie oft habe ich deine kinder versammeln wollen, wie eine henne versammelt ihre küchlein unter ihre flügel, und ihr habt nicht gewollt? Siehe, euer haus soll euch wüste gelossen wer: den. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von nun an nicht sehen, bis ihr sprechet: Gelobet sey, der da kommt im namen des herrn. Am Sonntage nach Weihnachten. Epistel, Gal. 4. v. 1: 7. Lieber ieben brüder: ich sage euch: so lange der erbe ein kind ist, so ist unter ihm und einem knecht kein unterschied, ob er wohl ein herr ist aller güter; sondern er ist unter den vormündern und pflegern bis auf 6 Episteln und Evangelia. die bestimmte zeit dom dater. Also auch wir, da wir Finber waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen sagungen. Da aber die zeit erfüllet war, sandte Gott seinen sohn, boren von einem weibe, und unter das geset gethan, auf daß er die, so unter dem geset waren, erlöfete, daß wir die kindschaft empfingen. Weil ihr denn kinder seyd, hat Gott gesandt den geist seines sohnes in eure herzen, der schreiet: Abba, lieber vater. Also ist nun hier kein knecht mehr, sondern eitel Finder. Sinds aber kinder, so finds auch erben Gottes durch Christum. Evangelium, Luc. 2. v. 33:40. und nd sein vater und mutter verwunderten sich deß, das von ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie, und sprach zu Maria, seiner mutter: Siehe, dieser wird gefegt zu einem fall und auferstehung vieler in Israel, und zu einem zeichen, dem widersprochen wird. Und es wird ein schwerdt durch seine seele dringen, auf daß vieler herzen gedanken offenbar werden. Und es war eine prophetin, Hanna, eine tochter Phanuel, vom geschlecht Aser, die war wohl betagt, und hatte gelebt sieben jahr mit ihrem manne nach ihrer jungfrauschaft, und war nun eine wittwe bei vier und achtzig jahren, die kam nim= mer vom tempel, dienete Gott mit fasten und beten tag und nacht. Dieselbige trat auch hinzu zu derselbigen stunde, und preisete den Herrn, und redete von ihm zu allen, die auf die erlösung zu Jerus falem warteten. Und da sie alles vollendet hatten, nach dem geseg des Herrn, kehrten sie wieder in Galildam, zu ihrer stadt Nazareth. Aber das kind wuchs, und ward stark im geist, voller weisheit und Gottes gnade war bei ihm. Am Neujahrstage. Epistel, Gal. 3. v. 23:29. She benn aber der glaube kam, wurden wir unter dem gesetz verz wahret und verschlossen auf den glauben, der da sollte offenbas ret werden. Also ist das geseg unser zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den glauben gerecht würden. Nun aber der glaube kommen ist, sind wir nicht mehr unter dem zuchtmeister. Denn ihr send alle Gottes finder durch den glauben an Christo Jesu; denn wie viel euer getauft sind, die haben Christum angezogen. Hie ist kein jude noch grieche, hie ist kein knecht noch freyer, hie ist kein mann noch weib; denn ihr seyd allzumal einer in Christo Jesu. Seyd ihr aber Christi, so send ihr ja Abrahams saamen, und nach der verheißung, erben. Evangelium, Luc. 2. v. 21. und nd ba acht tage um waren, daß das kind beschnitten würde, ward sein name genennet Jesus, welcher genennet war von dem engel, ehe denn er im mutterleibe empfangen ward. Am Sonnt. nach dem Neujahrstage. Epistel, Tit. 3. v. 4: 8. Lie ieben brüder, da aber erschien die freudigkeit und leutseligkeit Gottes unsers Heilandes, nicht um der werke willen der gerechtigkeit, die wir gethan hatten, sondern nach seiner barmherzigkeit macht er uns selig durch das bad der wiedergeburt und erneuerung des heiligen geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich, durch Jesum Christum unsern heiland, auf daß wir durch desselben gnade gerecht und erben seyn des ewigen lebens, nach der hoffnung. Das ist je gewißlich wahr. Evangelium, Matth. 2. v. 13:23. der des Herrn dem Joseph im traum, und sprach: Stehe auf, und nimm das kindlein und seine mutter zu dir, und fleuch in Egyptenland, und Episteln unb Evangelia. 7 bleib allda, bis ich dir fage: denn es ist vorhanden, daß Berobes das kindlein suche, dasselbe umzubringen. Und er stund auf, und nahm das kindlein und seine mutter zu sich, bei der nacht, und ents wich in Egyptenland, und blieb allda, bis nach dem tode herodes. Auf daß erfüllet würde, was der Herr durch den propheten gesagt hat, der da spricht: Aus Egypten habe ich meinen sohn gerufen. Da Heros des nun sahe, daß er von den weisen betrogen war, ward ec sehr zornig, und schickte aus, und ließ alle kinder zu Bethlehem tödten, und an ihren ganzen grenzen, die da zweijährig und darunter was ren, nach der zeit, die er mit fleiß von den weisen erlernt hatte. Da ist erfüllet, das gesagt ist von dem propheten Jeremia, der da spricht: Auf dem gebirge hat man ein geschrei gehöret, viel klagens, weinens und heulens: Rahel beweinte ihre kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen. Da aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der engel des Herrn dem Joseph im traum, in Egyptenland, und sprach: Stehe auf und nimm das kindlein und seine mutter zu dir, und zeuch hin in das land Israel; sie sind gestoiben, die dem finde nach dem leben stunden. Und er stund auf, und nahm das kindlein und seine mutter zu sich, und kam in das land Israel. Da er aber hörete, daß Urchelaus im jüdischen lande könig war, anstatt seines vaters Herodis, fürchtete er sich dahin zu kommen, und im traum empfing er befehl von Gott, und jog in die orter des galiläischen Landes. Und kam und wohnete in der stadt, die da heißt Nazareth. Auf daß erfüllet würde, das da geschrieben ist durch den propheten: Er soll Nazarenus heißen. 3% Das andere Evangelium auf diesen Sonntag. Matth. 3. v. 13-17. u der zeit kam Jesus aus Galilåa an den jordan zu Johanne. daß er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrete ihm, und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde, und du kommest zu mir? Jesus aber antwortete, und sprach zu ihm: Laß es jest also seyn: also gebühret es uns, alle gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ ers ihm zu. Und da Jesus getauft war, stieg er bald hers aus aus dem wasser, und siehe, da that sich der himm el auf über ihm. Und Johannes sahe den geist Gottes, gleich als eine taube, herab fahren und über ihn kommen. Und siehe, eine stimme vom himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich wohlgefallen habe. Amt Feste der heil. 3 Könige. Epistel, said 60. v. 1: 6. ache dich auf, werde licht: denn dein licht kommt und die herr: Herrn auf über Denn ſiebe, finſterniß bedecket das erdreich, und dunkel die volker. Aber über dir gehet auf der Herr und seine herrlichkeit erscheinet über dir. Und die heiden werden in deinem lichte wandeln, und die könige im glanz, der über dir aufgehet. Hebe deine augen auf, und siehe umher, dieſe alle versammlet kommen zu dir. Deine föhne werden von ferne kommen, und deine töchter zur seiten erzogen werden. Dann wirst du deine lust sehen, und ausbrechen, und dein herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die menge am meer zu dir bekehret, und die macht der heiden zu dir kömmt. Denn die menge der kameele wird dich bedecken, und die läufer aus Midian und Epha. Sie wer: den aus Saba alle kommen, gold und weihrauch bringen. Und des Herrn lob verkündigen. Episteln und Evangelia. Evangelium, Matth. 2. J: 12. zu im des königs Herodes, siehe, da kamen die weisen vom morgenlande gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborne könig der juden? Wir haben seinen stern gesehen im morgenlande, und sind kommen, ihn anzubeten. Da das der könig Herodes hörte, erschrak er, und mit ihm das ganze Jerusalem, und ließ versammeln alle hohenpriester und schriftgelehrten unter dem volk, und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten zu ihm: zu Bethlehem im jüdischen lande. Denn also stehet geschrieben durch den pros pheten: Und du Bethlehem im jüdischen lande, du bist mit nichten die kleinste unter den fürsten Juda: denn aus dir soll mir kommen der herzog, der über mein volk Ifrael ein herr sey. Da berief Herodes die weisen heimlich, und erlernte mit fleiß von ihnen, wann der stern erschienen wäre, und weisete sie gen Bethlehem, und sprach: Siehet hin, und forschet fleißig nach dem kindlein, und wenn ihrs findet, so sagt mirs wieder, daß ich auch komme, und es anbete. Als sie nun den fönig gehöret hatten, zogen sie hin. Und siehe, der stern, den sie im morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis daß er kam, und stund oben über, da das kindlein war. Da sie den stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das haus, und funden das kindlein mit Maria, seiner mutter, und fielen nieder, und beteten es an, und thåten ihre schåße auf, und schenks ten ihm gold, weihrauch und myrrhen. Und Gott befahl ihnen im traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken. Und 30gen durch einen andern weg wieder in ihr land. 8 Am 1. Sonntage nach. 3 Könige. Epistel, Rom, 12. v. 1: 6. Jah ch ermahne euch, lieben brüder, durch die barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure leiber begebet zum opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sey, welches sey euer vernünftiger Gottes: dienst. Und stellet euch nicht dieser welt gleich, sondern verändert euch durch verneuerung eures sinnes, auf daß ihr prüfen möget, wel= ches da sey der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gots tes wille. Denn ich sage durch die gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand weiter von ihm halte, denn sichs gebühret zu halten, sondern daß er von ihm måßiglich halte, ein jeglicher, nach dem Gott ausgetheilet hat das maaß des glaubens. Denn gleicher weise, als wir in einem leibe viel glieder haben, aber alle glieder nicht einerlei geschäfte haben: Also sind wir viele ein leib in Christo, aber unter einander ist einer des andern glied. Und haben mancherlei gaben, nach der gnade, die uns gegeben ist. Evangelium, Luc. 2. v. 41:52. und nd feine eltern gingen alle jahr gen Jerusalem auf das ofterfest. und da er zwölf jahr alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach gewohnheit des festes. Und da die tage vollendet waren, und sie wieder zu hause gingen, blieb das kind Jesus zu Jerusalem, und feine eltern wußtens nicht: sie meinten aber, er wåre unter den gefährten, und kamen eine tagereise und suchten ihn unter den gefreundten und bekannten. Und da sie ihn nicht funden, gingen sie wiederum gen Jerusalem, und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien ta: gen, fanden sie ihn im tempel sigen, mitten unter den lehrern, daß er ihren zuhörete, und sie fragete. Und alle, die ihm zuhöreten, Episteln und Evangelia. 9 verwunderten sich seines verstandes und seiner antwort. Und dasie ihn sahen, entsagten sie sich; und seine mutter sprach zu ihm: Mein ohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein vater und ich haben dich mit schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ists, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich seyn muß in dem, das meines vaters ist? Und sie verstanden das wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen Nazareth, und war ihnen unterthan. Und seine mutter behielt alle diese worte in ihrem herzen. Und Jesus nahm zu an weisheit, alter und gnade bei Gott und den menschen. Am 2. Sonntage nach 3. 3 Könige. Epistel, Rom. 12. v. 6:16. Nieben brüder, wir haben mancherlei gaben, nach der gnade, die gegeben ist. sie ähnlich. Hat jemand ein amt, so warte er des amts. Lehret jes mand, so warte er der lehre. Ermahnet jemand, so warte er des ermahnens. Giebt jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret jemand, so sey er sorgfältig. Uebet jemand barmherzigkeit, so thue ers mit luft. Die liebe sen nicht falsch. Haffet das arge, hanget dem guten an. Die brüderliche liebe unter einander sey herzlich. Einer komme dem andern mit ehrerbietung zuvor. Seyd nicht tråge, was ihr thun sollt. Seyd brünstig im geist. Schicket euch in die zeit. Seyd fröhlich in hoffnung: geduldig in trübsal; haltet an am gebet. Neh met euch der heiligen nothdurft an. Herberget gerne. Segnet die euch verfolgen. Segnet, und fluchet nicht. Freuet euch mit den fröhlichen, und weinet mit den weinenden; habt einerlei sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen dingen, sondern haltet euch herunter zu den niedrigen. Evangelium, Job. 2. v. III. und nd am dritten tage war eine hochzeit zu Cana in Galilda, und die mutter Jefu war da. Jesus aber und seine jünger wurden auch auf die hochzeit geladen. Und da es an wein gebrach, spricht die mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht wein. Jefus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine stunde ist noch nicht kommen. Seine mutter spricht zu den dienern: Was er euch faget, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne wasserkrüge gesest, nach der weise der jüdischen reinigung, und gingen je in einem zwo oder drei maaß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die waffers krüge mit wasser; und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun, und bringets dem speisemeister. Und sie brachtens. Als aber der speisemeister kostete den wein, der wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam, die diener aber wußtens, die das wasser geschöpfet hatten; rufet der speisemeister den bräutigam, und spricht zu ihm: Jedermann giebt zum ersten guten wein, und wann sie trunken worden sind, alsdann den geringern; du haft den guten wein bisher behalten. Das ist das erste zeichen, das Jesus that, geschehen zu Cana in Galilåa, und offenbarte seine herrlichkeit. Und seine jünger glaubten an ihn. Am 3. Sonnt. nach. 3 Könige. Epistel, Rom. 12. v. 17:21. Lieben brüder, haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand mit der ehrbarkeit gegen Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen menschen friede. Råchet euch selber nicht, meine liebsten, sondern gebet raum dem zorn. A 10 Episteln und Evangelia. Denn es stehet geschrieben: Die rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen feind hungert, so speise ihn; dürftet ihn, so trånke ihn. Wenn du das thust, so wirst du feurige Fohlen auf sein haupt fammeln. Laß dich nicht das böse überwins den, sondern überwinde das böse mit gutem. Evangelium, Matth. 8. v. 1 13. a aber Jesus vom berge herab ging, folgte ihm viel volks nach. ein an, Herr, so du willt, kannst du mich mohl reinigen. Und Jesus streckte feine hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich wills thun, sen ges reiniget. Und alsbald war er von seinem ausfas rein. Und Jesus sprach zu ihm: siehe zu, sage es niemand, sondern gehe hin, und zeige dich dem priester und opfere die gabe, die Moses befohlen hat zu einem zeugniß über sie. Da aber Jesus einging zu Capernaum, trat ein hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein knecht liegt zu hause, und ist gichtbrüchig und hat große quaal. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der hauptmann antwortete und sprach: Herr ich bin nicht werth, daß du unter mein dach gehest, sondern sprich nur ein wort, so wird mein knecht gesund. Denn ich bin ein mensch, darzu der obrigkeit unters than, und habe unter mir kriegsknechte: noch wenn ich sage zu eis nem: Gehe hin, so gehet er; und zum andern komm her, so kömmt er; und zu meinem knechte: Thue das: so thut ers. Da das Sesus hörte, verwunderte er sich, und sprach zu denen, die ihm nachfolge: ten: Wahrlich, ich sage euch: solchen glauben habe ich in Ifrael nicht funden. Aber ich sage euch: Viele werden kommen vom morgen und vom abend, und mit Abraham, Isaac und Jacob im himmelreich figen. Uber die kinder des reichs werden ausgestoßen in die finsters niß hinaus, und da wird seyn heulen und zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem hauptmanne: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubet hast. Und sein Enecht ward gesund zu derselbigen stunde. 2m 4. Sonnt. nach. 3 Konige. Epistel, Rom. 13. v. 810, ieben brüber, seyd niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch uns ter seg erfüllet. Denn da das geseg ist: du sollt nicht ehebrechen: du follt nicht tödten, du sollt nicht stehlen, du sollt nicht falsch zeugniß geben, dich soll nichts gelüsten, und so ein ander gebot mehr ist, das wird in diesem gebote verfasset: Du sollt deinen nächsten lieben, als dich selbst. Die liebe thut dem nächsten nichts böses. So ist nun die liebe des geseges erfüllung. Evangelium, Matth. 8. v. 23:27. Und nd Jefus trat in das schiff, und seine jünger folgten ihm. Und siehe, da erhub sich ein großes ungestüm im meer, also daß auch das schifflein mit wellen bedeckt ward: und er schlief. Und die jünger traten zu ihm, und weckten ihn auf, und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben! Da sagte er zu ihnen: Ihr kleingläubigen, warum send ihr so furchtsam, und stund auf, und bedråuete den wind und das meer, da ward es ganz stille. Die menschen aber verwunderten sich, und sprachen: Was ist das für ein mann, daß ihm wind und meer gehorsam ist! Episteln und Evangelia. Am Feste der Reinigung Marià. Epistel, Mal. 3. v. 14. Siehe ich will meinen engel senden, der vor dir her den weg bes reiten soll; und bald wird kommen zu seinem tempel der Herr, den ihr suchet, und der engel des bundes, deß ihr begehret. Siehe, er kommt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den tag seiner zukunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird ers scheinen? Denn er ist wie das feuer eines goldschmiedes, und wie die seife der wäscher. Er wird sigen und schmelzen, und das silber reinigen: er wird die kinder levi reinigen und läutern, wie gold und silber. Dann werden sie dem Herrn speisopfer bringen in ges rechtigkeit; und wird dem Herrn wohlgefallen das speisopfer Juda und Jerusalem: wie vorhin und vor langen jahren. Evangelium, Luc. 2. v. 22:32. II brachten sie das kind Jesus gen Jerusalem, auf daß sie ihn dars stelleten dem Herrn;( wie denn geschrieben stehet im gesetz des Herrn: Allerlei männlein, das zum ersten die mutter bricht, soll dem Herrn geheiliget heißen) und daß sie geben das opfer nach dem gesagt ift im geses des Herrn: Ein paar turteltauben, oder zwo junge tauben. Und siehe, ein mensch war zu Jerusalem, mit namen Simeon, und derselbe mensch war fromm und gottesfürchtig, und wartete auf den trost Israel, und der heilige geist war in ihm. Und ihm war eine antwort worden von dem heiligen geist, er sollte den tod nicht ses hen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn gesehn. Und kam aus anregen des geistes in dem tempel. Und da die eltern das kind Jesus in den tempel brachten, daß sie für ihn thåten, wie man pflegt, nach dem gesek, da nahm er ihn auf seine arme, und lobete Gott und sprach: Herr, nun läsfest du deinen diener in friebe fahren, wie bu gesaget hast; denn meine augen haben deinen heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen völkern, ein licht zu erleuchten die heiden, und zum preis deines voltes Israel. Am 5. Sonnt. nach 3. 3 Könige. Epistel, Coloff. 3. v. 12:17. Lieb ieben brüder, ziehet nun an als die auserwählten Gottes, heis ligen und geliebten, herzliches erbarmen, freundlichkeit, demuth, fanftmuth und geduld, und vertraget einer den andern, und vergebet euch unter einander, so jemand klage hat wider den andern, gleich wie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Ueber das alles aber ziehet an die liebe, die da ist das band der vollkommenheit; und der friede Gottes regiere in euren herzen, zu welchem ihr auch berufen send in einem leibe; und seyd dankbar. Lasset das wort Christi uns ter euch reichlich wohnen in aller weisheit: lehret und vermahnet euch selbst mit pfalmen und lobgesången, und geistlichen lieblichen liedern, und singet dem herrn in euren herzen. Und alles, was ihr thut, mit worten oder mit werken, das alles thut in dem namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem vater durch ihn. Evangelium, Matth. 13. v. 24/30. Und nd er legte ihnen ein gleichniß vor, und sprach: Das himmelreich ist gleich einem menschen, der guten saamen auf seinen acker fåete. Da aber die leute schliefen, kam sein feind und fåete unkraut zwischen den weizen, und ging davon. Da nun das fraut wuchs und frucht brachte, da fand sich auch das unkraut. Da traten die knechte zu dem haushalter und sprachen: Herr, hast du nicht guten saamen auf dei Episteln und Evangelia. nen acker gefået, woher hat er denn das unkraut? Er sprach zu ihnen: das hat der feind gethan. Da sprachen die knechte: Willt du denn, daß wir hingehen und es ausjåten? Er sprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den weizen mit ausrauft, so ihr das unkraut ausjätet. Lasset beides mit einander wachsen bis zu der erndte, und um der erndte zeit will ich zu den schnittern fagen: Sammlet zuvor das unkraut, und bindets in bundlein, daß man es vers brenne: aber den weizen fammlet in meine scheuren. 12 2m 6. Sonnt. nach. 3 Könige. Epistel, Petr, 1. v. 16:21. ir haben nicht den klugen fabeln gefolget, da wir euch kund gethan haben die kraft und die zukunft unsers herrn Jesu Chrifti, sondern wir haben seine herrlichkeit selber gesehen, da er empfing von Gott dem vater ehre und preis, durch eine stimme, die zu ihm geschah von der großen herrlichkeit, dermaaßen: dies ist mein lieber sohn, an dem ich wohlgefallen habe. Und diese stimme haben wir gehört vom himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heili. gen berge. Wir haben ein festes prophetisches wort, und ihr thut wohl, wenn ihr darauf achtet, als auf ein licht, das da scheinet in einem dunkeln ort, bis der tag anbreche, und der morgenstern aufs gehe in euren herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß keine weisfagung in der schrift geschieht aus eigener auslegung: denn es ist noch nie keine weisfagung aus menschlichen willen her: vorgebracht, sondern die heiligen månner Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen geist. Evangelium, Matth. 16. v. 1: 9. und nd nach sechs tagen nahm Jesus zu sich Petrum und Jacobum und Johannem seinen bruder, und führte sie beiseits auf einen hohen berg, und ward verklåret vor ihnen, und sein angesicht leuchtete wie die sonne, und seine kleider wurden weiß wie ein licht. Und siehe, da erschienen ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: Herr, hie ist gut seyn, willt du, so wollen wir hie drei hütten machen, die eine, Mosi eine und Elia eine. Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte wolke. Und siehe, eine stimme aus den wolken sprach: Dies ist mein lieber sohn, an welchem ich wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Da das die jünger hdreten, fielen sie auf ihr angesicht, und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührete sie an, und sprach: Stehet auf und fürchtet euch nicht. Da sie aber ihre augen aufhuben, sahen sie niemand, denn Jesum alleine. Und da sie vom berge herabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt dies gesicht niemand sagen, bis des menschen sohn von den todten auferstanden ist. Am Sonntage Septuagesima. Epistel, 1. Cor. 9. und 10 Cap. Lieber ieben brüder, wisset ihr nicht, daß die, so in den schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlanget das kleinod? Laufet nun also, daß ihrs ergreifet. Ein jeglicher aber, der da kämpfet, enthält sich alles dinges: jene also, daß sie eine vergångliche krone empfahen, wir aber eine unvergångliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs unge: wisse: ich fechte also, nicht als der in der luft streichet; sondern ich betäube meinen leib und zähme ihn, daß ich nicht andern predige, und selbst verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben brüder, nicht ver: halten, daß unsre våter sind unter den wolken gewesen, und sind alle durchs meer gegangen, und find alle unter Mosen getauft mit der Episteln und Evangelia. 13 wolken und mit dem meer, und haben alle einerley geistliche speise gegessen, und haben alle einerley geistlichen trank getrunken. Sie trunken aber von dem geistlichen fels, der mit folgte, welcher war Christus. Uber an ihrer vielen hatte Gott keinen wohlgefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der wüsten. Evangelium, Matth. 20. v. 1:16. ist ging, arbeiter zu miethen in seinen weinberg. Und da er mit den arbeitern eins war um einen groschen zum tagelohn, fandte er fie in seinen weinberg. Und ging aus um die dritte stunde, und sahe andere am markte müssig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den weinberg, ich will euch geben, was recht ist. Und fie gingen hin. Ubermals ging er aus um die sechste und neunte stunde, und that gleich also. Um die eilfte ftunde ging er aus, und fand andere müssig stehen, und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hie den gans zen tag müssig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: gehet ihr auch in den weinberg, und was recht seyn wird, soll euch werden. Da es nun abend ward, sprach der herr des weinberges zu seinem schaffner: Rufe den arbeitern, und gieb ihnen den lohn, und hebe an dem legten bis zu dem ersten. Da kamen, die um die eilfte stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen grofchen. Da aber die ersten kamen, meineten sie, fie würden mehr empfahen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen groschen. Und da sie den empfingen, murreten sie wider den hausvater, und sprachen: diese letzten haben nur eine stunde gearbeitet, und du haft fie uns gleich gemacht, die wir des tages last und hiße getragen has ben? Er antwortete aber, und sagte zu einem unter ihnen: Mein freund, ich thue dir nicht unrecht; bist du nicht mit mir eins worden um einen groschen? Nimm was dein ist, und gehe hin; ich will aber diesen legten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht macht zu thun, was ich will, mit den meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die legten die ersten, und die ersten die legten seyn. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. Am Sonntage Seragesima. Epistel 2 Cor. II und 12. ieben brüder, ihr vertraget gern die narren, dieweil ihr klug send. Ihr vertraget, so euch jemand zu knechten machet, so euch jemand schindet, so euch jemand nimmt, so euch jemand troget, so euch jemand in das angesicht streichet. Das sage ich nach der unebre, als wären wir schwach worden. Worauf nun jemand kühne ist,( ich rede in thorheit) darauf bin ich auch kühne. Sie sind Ebråer: id) auch. Sie sind Israeliter: ich auch, Sie sind Ubrahams saamen: ich auch. Sie sind diener Christi;( ich rede thörlich) ich bin wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet; ich habe mehr schlåge erlitten; ich bin öfters gefangen, oft in todesnöthen gewesen. Von den juden habe ich fünfmal empfangen vierzig streiche weniger eins. Ich bin dreimal geståupet, einmal gesteinigt, dreimal habe ich schiffbruch erlitten, tag und nacht habe ich zugebracht in der tiefe des meeres. Ich habe oft gereiset; ich bin in fährlichkeit gewesen zu wasser, in fährlichkeit unter den mördern, in fährlichkeit unter den juden, in fährlichkeit unter den heiden, in fährlichkeit in den städten, in fährlichkeit in der wüsten, in fähr: lichkeit auf dem meer, in fährlichkeit unter den falschen brüdern; in mühe und arbeit, in viel wachen, in hunger und durft, in viel fasten Lie 14 Episteln und Evangelia. in frost und bisße. Ohne was sich sonst zuträgt, nåhmlich, baß ich täglich werde angelaufen, und trage sorge für alle gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? wer wird geärgert, und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner schwachs heit rühmen. Gott und der vater unsers herrn Jesu Christi, wel: cher sey gelobt in ewigkeit, weiß daß ich nicht lüge. 3u Damasco der landpfleger des könige von Ureta verwahrte die stadt der Das mascer, und wollte mich greifen. Und ich ward in einem korbe zum fenster aus durch die mauern niedergelassen und entrann aus seinen hånden. Es ist mir ja das rühmen nichts nüge; doch ich will kom, men auf die gesichte und offenbarung des Herrn. Sch kenne einen menschen in Christo, vor vierzehn jahren,( ist er im leibe gewesen, so weiß ichs nicht, oder ist er außer dem leibe gewesen, so weiß ichs auch nicht, Gott weiß es) derselbe ward entzückt bis in den dritten himmel. Und ich kenne denselben menschen,( ob er in dem leibe oder außer dem leibe gewesen, weiß ich nicht, Gott weiß es). Er ward entzückt in das Paradies, und hörte unaussprechliche worte, welche kein mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen; von mir selbst aber will ich mich nicht rühmen, ohne meine schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thâte ich darum nicht thörlich! denn ich wollte die wahrheit fagen; Ich enthalte mich aber deß, auf daß niemand mich höher achte, denn er mich siehet, oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen offenbarung überhebe, ist mir geges ben ein pfahl ins fleisch, nåmlich des satans engel, der mich mit fåusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal den Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche, und er hat zu mir gesagt: Laß dich an meiner gnade genügen, denn meine traft ist in den schwachen måchtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner schwachheit, auf daß die kraft Christi bei mir wohne. Evangelium, Luc. 8. v. 4:15. a nun viel volks bei einander war, und aus den stådten zu ihm zu såen seinen samen; und indem er såete, fiel etliches an den weg und ward vertreten, und die vögel unter dem himmel fraßens auf. Und etliches fiel auf den fels; und da es aufging, verdorrete es, darum, daß es nicht saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die dornen, und die dornen gingen mit auf, und erstiktens; und etliches fiel auf ein gut land, und es ging auf und trug hundertfältige frucht. Da er bas fagte, rief er: wer ohren hat zu hören, der höre. Es fragten ihn aber seine jünger und sprachen: Was dies gleichniß wäre, Er aber sprach: Euch ist gegeben zu wissen das geheimniß des reichs Gots tes, den andern aber in gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber dies gleichniß: der saame ist das wort Gottes. Die aber an dem wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der teufel, und nimmt das wort von ihren herzen, auf daß sie nicht glauben und selig wer: den. Die aber auf dem fels, sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das wort mit freuden an: und die haben nicht wurzel, eine zeitlang glauben sie, und zur zeit der anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die dornen fiel, sind die, fo es hören, und gehen hin unter gen sorgen, reichthum und wollust dieses lebens, und ersticken, und brin: den keine frucht. Das aber auf dem guten lande, sind, die das wort hö Episteln und Evangelia. 15 ren, und behalten in einem guten und feinen hergen, und bringen frucht in geduld. Lieb Am Sonntage Estomibi. Epistel, 1 Cor. 13. v. 1:13. ieben brüder, wenn ich mit menschen und mit engelzungen redete, und hätte der liebe nicht; so wäre ich ein tonend erz, oder eine klingende schelle. Und wenn ich weissagen könnte, und wüßte alle geheimnisse, und alle erkenntniß, und hätte allen glauben, also, daß ich berge versette, und hätte der liebe nicht; so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine haabe den armen gebe, und ließe meinen leib brennen, und hätte der liebe nicht; so wäre mirs nichts nůße. Die liebe ist langmüthig und freundlich; die liebe eifert nicht; die liebe treibet nicht muthwillen; sie blåhet sich nicht; sie stellet sich nicht ungebårdig; sie suchet nicht das ihre; sie låsset sich nicht erbittern; fie trachtet nicht nach schaden; sie freuet sich nicht der ungerechtigkeit; fie freuet sich aber der wahrheit; sie vertrågt alles, sie glaubet alles, fie hoffet alles, sie duldet alles. Die liebe höret nimmer auf, so doch die weissagungen aufhören werden, und die sprachen aufhören werden, und das erkenntniß aufhören wird. Denn unser wissen ist stückwerk, und unser weissagen ist stückwerk: Wenn aber kommen wird das vollkommene, so wird das stückwerk aufhören. Da ich ein kind war, da redete ich wie ein kind, und war klug, wie ein kind, und hatte kindische anschlåge; da ich aber ein mann ward, that ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen spiegel in einem dunkeln worte; dann aber von angesicht zu angesicht. Jegt erkenne ichs stückweise, dann aber werde ichs erkennen, gleichwie ich erkennet bin. Nun aber bleibet glaube, hoffnung, liebe, diese drey; aber die liebe ist die größte unter ihnen. Evangelium, Luc. 18. v. 31:43. Er nahm aber zu sich die zwölfe, und sprach zu ihnen: Sehet, wie gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die propheten von des menschen sohn. Denn er wird überantwortet werden den beiden, und er wird verspottet, und geschmähet, und verspeyet werden; und sie werden ihn geisseln, und tödten; und am dritten tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vermahnen der keines, und die rede war ihnen verborgen, und wußtens nicht, was da gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein blinder am wege und bettelte. Da er aber hörte das volk, das durchging, forschte er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du sohn David, erbarme dich mein. Die aber vorne an gingen, bedråueten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie vielmehr: Du sohn David, erbarme dich mein. Jefus aber stund stille, und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihm brachten, fragte er ihn und sprach: Was willt du, das ich dir thun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sey sehend, dein glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend, und folgte ihm nach, und preisete Gott. Und alles volk, das solches sahe, lobete Gott. Am 1. Sonntage in der Fasten, Invocavit. Epistel, 2 Cor. 6. v. 1 10. Liebe ieben brüder, wir ermahnen euch, als mithelfer, daß ihr nicht vers geblich die gnade gottes empfahet. Denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen zeit erhöret, und habe dir am tage des heils 16 Episteln und Evangelia. geholfen. Sehet, jest ist die angenehme zeit, jest ist der tag des heils. Lasset uns aber niemand irgend ein årgerniß geben, auf daß unser amt nicht verlåstert werde; sondern in allen dingen lasset uns beweisen, als die diener gottes; in großer geduld, in trübsalen, in nöthen, in ångsten, in schlågen, in gefängnissen, in aufruhren, in arbeit, in wachen, in fasten, in keuschheit, in erkenntniß, in langmuth, in freundlichkeit, in dem heiligen geift, in ungefärbter liebe, in dem worte der wahrheit, in der kraft gottes, durch waffen der gerechtigkeit, zur rechten und zur linken; durch ehre und schande, durch böse gerüchte und gute gerüchte; als die verführer, und doch wahrhaftig; als die unbekannten, und doch bekannt; als die sterbenden, und siehe, wir leben; als die gezüchtigten, und doch nicht ertödtet; als die traurigen, aber allezeit fröhlich; als die armen, aber die doch viel reich machen; als die nichts inne haben, und doch alles haben. Evangelium, Matth. 4. v. III. a ward Jesus vom geiste in die wüsten geführt, auf daß er vom gefaftet hatte, hungerte ihn. Und der versucher trat zu ihm, und sprach: bist du Gottes sohn, so sprich, daß diese steine brod werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: der mensch le= bet nicht vom brod allein, sondern von einem jeglichen wort, das durch den mund gottes gehet. Da führte ihn der teufel mit sich in die heilige stadt, und stellte ihn auf die zinne des tempels, und sprach zu ihm: Bist du Gottes sohn, so laß dich hinab: denn es stehet geschrieben: Er wird seinen engeln über dir befehl thun, und sie werden dich auf den hånden tragen, auf daß du deinen fuß nicht an einen stein stößest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollt Gott deinen herrn nicht versuchen. Wiederum führte ihn der teufel mit sich auf einen sehr hohen berg, und zeigte ihm alle reiche der welt, und ihre herrlichkeit, und sprach zu ihm: Dies alles will ich dir geben, so du niederfällest und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, satan, denn es stehet geschrieben: Du sollt anbeten Gott deinen Herrn, und ihm allein dienen. Daß verließ ihn der teufel, und siehe, da traten die engel zu ihm, und dieneten ihm. Am 2. Sonntage in der Fasten, Reminiscere. Epistel, 1 Theff. 4. v. 17. Qieben brüder, wir bitten euch, und ermahnen in dem Herrn Jefu, Gott gefallen, daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche gebote wir euch gegeben haben, durch den Herrn Jefum. Denn das ist der wille Gottes, eure heiligung, daß ihr meidet die hurerey, und ein jeglicher unter euch wisse sein faß zu behalten in heiligung und ehren, nicht in der lustseuche, wie die heiden, die von Gott nichts wissen. Und daß niemand zu weit greife, noch vervortheile seinen bruder im handel; denn der Herr ist råcher über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur unreinigkeit, sondern zur heiligung. Evangelium, Matth. 15. v. 21:29. nd und und Sidon. Und siehe, ein Cananaisches weib ging aus derselbigen grenze, und schrie ihm nach und sprach: Ach Herr, du sohn David Episteln und Evangelia. 17 erbarme dich mein, meine tochter wird vom teufel übel geplagt. Und er antwortete ihr kein wort. Da traten zu ihm seine jünger, baten ihn, und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt denn nur zu den verlornen schaafen von dem hause Ifrael. Sie kam aber, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, hilf mir. Aber er antwors tete, und sprach: Es ist nicht fein, daß man den kindern ihr brod nehme, und werfe es vor die hunde. Sie sprach: Ja, Herr, aber doch essen die hündlein von den brosaamen, die von ihrer herren tische fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Dweib, dein glaube ist groß, dir geschehe, wie du willt. Und ihre tochter ward gesund zu derselbigen stunde, Am 3. Sonnt. in der Fasten, Oculi. Epistel, Ephef. 5. v. 1.9. o fend nun Gottes nachfolger, als die lieben finder. Und wan= delt in der liebe, gleich wie Christus uns geliebet, und sich selbst dargegeben für uns zur gabe und opfer, Gott zu einem süßen geruch. Hureren aber, und alle unreinigkeit, oder geiz, lasset nicht von euch gesagt werden, wie den heiligen zustehet: Auch schandbare worte und narrentheidungen, oder scherz, welche euch nicht geziemen: sondern vielmehr danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein hurer oder unreiner, oder geiziger,( welcher ist ein gögendiener) erbe habe an dem reiche Christi und Gottes. Lasset euch niemand verfühs ren mit vergeblichen worten; denn um dieser willen kommt der zorn Gottes über die kinder des unglaubens. Darum send nicht ihre mits genossen. Denn ihr waret weiland finsterniß; nun aber seyd ihr ein licht in dem Herrn: Wandelt, wie die kinder des lichts. Die frucht des geistes ist allerley gütigkeit und gerechtigkeit und wahrheit. Evangelium, Luc. 11. v. 14:28. Und Jesus tried einen teufel aus, der war stumm; und es geschah, da der teufel der das vers wunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibet die teufel aus durch Beelzebub, den obersten der teufel. Die andern aber versuchten ihn, und begehrten ein zeichen von ihm vom himmel. Er aber vernahm ihre gedanken, und sprach zu ihnen: Ein jeglich reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein haus fållt über das andere. Ist denn der satanas auch mit ihm selbst un eins, wie will sein reich bestehen, dieweil ihr saget: Ich treibe die teufel aus durch Beelzebub. So ich aber die teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Finder aus? Darum werden sie eure richter seyn. So ich aber durch Gottes finger die teufel aus treibe, so kommt je das reich Gottes zu euch. Wenn ein starter ges wapneter seinen pallast bewahret, so bleibet das seine mit frieden. Wenn aber ein stärkerer über ihn kommt, und überwindet ihs, so nimmt er ihm seinen harnisch, darauf er sich verließ, und theilet ben raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir fammlet, der zerstreuet. Wenn der unsaubre geist von dem menschen ausfähret, so durchwandelt er dürre ståtte, fuchet ruhe, und findet ihr nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet ers mit besen gekehret und geschmücket. Dann gehet er hin, und nimmt sieben geister zu sich, die ärger sind denn er selbst; und wenn sie hins einkommen, wohnen sie da, und wird hernach mit demselbigen mens B 18 Episteln und Evangelia. schen årger denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhub ein weib im volk ihre stimme, und sprach zu ihm: Selig ist der leib, der dich getragen hat, und die brüste, die du gefogen hast. Er aber sprach: Ja, selig sind die, die Gottes wort hören und bewahren. Am 4. Sonnt. in der Fasten, Lätare. Epistel, Gal. 4. v. 21:31. Lieb ieben brüder, faget mir, die ihr unter dem gesege seyn wollet, habet ihr das geses nicht gehöret? denn es stehet geschrieben, daß Abraham zween föhne hatte, einen von der magd, den andern von der freyen. Aber der von der magd war, ist nach dem fleisch gebos ren; der aber von der freren, ist durch die verheißung geboren. Die worte bedeuten etwas. Denn das sind die zwei testamente, eines von dem berge Sina, das zur knechtschaft gebieret, welches ist die Ugar. Denn Ugar heisset in Arabia der berg Sina, und langte bis gen Jerusalem, das zu dieser zeit ist, und ist dienstbar mit seinen Findern. Aber das Jerusalem, was droben ist, das ist die freye, die ist unser aller mutter. Denn es stehet geschrieben: Sey fröhlich, du unfruchtbare, die du nicht gebierest, und brich hervor und rufe, die du nicht schwanger bist; denn die einsame hat viel mehr kinder, denn die den mann hat. Wir aber, lieben brüder, sind Isaats, nach der verheissung, tinder. Aber gleichwie zu der zeit, der nach dem fleisch geboren war, verfolgte den, der nach dem geist geboren war; also gehet es jpt auch. Aber was spricht die schrift? Stoß die magd hinaus mit ihrem sohn; denn der magd sohn soll nicht erben mit dem sohn e freyen. So sind wir nun, lieben bråder, nicht der magd kinder, sondern der freyen. Rrongelium, Joh. 6. v. 1:15. arnach fuhr Jesus weg über das meer an der stadt Tiberias in sie zeichen såhen, die er an den kranken that. Jesus aber ging hinauf auf einen berg, und sagte sich daselbst mit seinen jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der juden fest. Da hub Jesus seine augen auf, und siehet, daß viel volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippo: Wo kaufen wir brot, daß diese effen?( Das sagte er aber, ihn zu versuchen, denn er wußte wohl, was er thun wollte.) Philippus antwortete ihm: 3wei hundert pfennige werths brot ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner jünger, Andreas, der bruder Simonis Petri: Es ist ein knabe hie, der hat fünf gerstenbrot und zween fische; aber was ist das unter so viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das volk lagere. Es war aber viel gras an dem orte. Da la: gerten sich bei fünf tausend mann. Jesus aber nahm die brote, dankte und gab sie den jüngern, die jünger aber denen, die sich ges lagert hatten; desselbigen gleichen auch von den fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen jüngern: Sammlet die übrigen brocken, daß nichts umkomme. Da sammleten sie, und füllten zwölf körbe mit brocken, von den fünf gerstenbroten, die überblieben denen, die gespeißt worden. Da nun die menschen das zeichen sahen, das Jesus that, sprachen sie: das ist warlich der prophet, der in die welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum könige machten, entwich er abermal auf den berg, er selbst allein. Episteln und Evangelia. 19 Am 5. Sonnt, in der Fasten, Judica. Epistel, Zebr. 9. v. 11:15. Christus ist kommen, daß er sey ein hoherpriester der zukünftigen güter, eine und der hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist. Auch nicht durch der böcke oder kålber blut, sondern er ist durch sein eigen blut einmal in das heilige eingegangen, und hat eine ewige erlösung er: funden. Denn so der ochsen und der böcke blut; und die asche von der kuh gesprenget, heiliget die unreinen zu der leiblichen reinigkeit; wie vielmehr wird das blut Christi, der sich selbst ohne allen wans del durch den heiligen Geist Gott geopfert hat, unser gewissen reis nigen von den todten werken, zu dienen dem lebendigen Gott. Und darum ist er auch ein mittler des neuen testaments, auf daß durch den tod, so geschehen ist zur erlösung von den übertretungen,( die unter dem ersten testament waren) die so berufen sind, das verheis Bene erbe empfahen. Evangelium, Joh. 8. v. 46:59. gefus fprach zu seinen jüngern: welcher unter euch kann mich einer bet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes wort: darum höret ihr nicht, denn ihr seyd nicht von Gott. Da antworteten die juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Sas mariter bist, und hast den teufel? Jesus antwortete: Ich habe keinen teufel, sondern ich ehre meinen vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine ehre; es ist aber einer, der sie suchet und richtet. Barlich, warlich, ich sage euch: So jemand mein wort wird halten, der wird den tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den teufel hast. Abraham ist gestorben, und die propheten, und du sprichst: So jemand mein wort hält, der wird den tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr, denn unser vas ter Abraham, welcher gestorben ist? und die propheten sind gestorben? Was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine ehre nichts. Es ist aber mein vater, der mich eh ret, welchen ihr sprecht: Er sey euer Gott. Und kennet ihn nicht! Ich aber kenne ihn. Und so ich sagen würde: Ich kenne ihn nicht, so würde ich ein lügner, gleich wie ihr seyd. Aber ich kenne ihn, und halte sein wort. Abraham, euer vater war froh, daß er meinen tag sehen sollte, und er sahe ihn, und freute sich. Da sprachen die juden zu ihm: Du bist noch nicht funfzig jahr alt, und haft Abraham gese: hen? Jesus sprach zu ihnen: Warlich, warlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham war, bin ich. Da huben sie steine auf, daß fic auf ihn würfen; aber Jesus verbarg sich, und ging zum tempet hinaus. Am feste der Verkündigung Marid. Epistel, Jef. 7. v. 10:15. und nd der Herr redete abermals zu Ahas und sprach: Fordere dir ein zeichen von dem herrn deinen Gott, es sey unten in der holle, oder droben in der höhe. Aber has sprach: Ich wills nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: Wohlan so höret ihr vom hause David: Ists euch zu wenig, daß ihr die leute beleidiget; ihr müsset auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein zeichen geben: Siehe, eine jungs rau ist schwanger, und wird einen sohn gebåhren, den wird sie heis ßen Immanuel, Butter und honig wird er essen, daß er wisse, bos ses zu verwerfen, und gutes zu erwählen. B2 20 Episteln und Evangelia. Evangelium, Luc. 1. v. 26:38. nd in eine stadt, in Galilda, die da heißt Nazareth, zu einer jungfrau, die vertraut war einem manne, mit namen Joseph, vom hause Da vid, und die jungfrau hieß Maria. und der engel kam zu ihr hin: ein, und sprach: Gegrüßet seyst du, holdselige; der Herr ist mit dir, du gebenebeyete unter den weibern. Da sie aber ihn sahe, erschrack fie über seine rede, und gedachte, welch ein gruß ist das! Und der engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du haft gnade bei Gott funden: Siehe, du wirst schwanger werden im leibe, und einen sohn gebähren, deß namen sollt du Jesus heißen. Der wird groß und ein sohn des höchsten genennet werden, und Gott der herr wird ihm den stuhl seines vaters David geben; und er wird ein könig seyn über das haus Jacob ewiglich, und seines königreichs wird kein ende seyn. Da sprach Maria zu dem engel: Wie soll das zugehen; fintemal ich von keinem manne weiß? Der engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige geist wird über dich kommen, und die kraft des höchsten wird dich überschatten. Darum auch das heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes sohn genennet werden. Und siehe, Elisabeth, deine gefreundte, ist auch schwanger mit einem sohn in ihrem alter, und gehet jetzt im sechsten mond, die im geschrey ist, daß sie unfruchtbar sey; denn bei gott ist kein ding unmöglich. Mas ria aber sprach: Siehe, ich bin des herrn magd; mir geschehe, wie du gesagt haft. Und der engel schied von ihr. Am Palmsonntage, Epistel, Phil. 2. v. 5:11. in jeglicher sey gesinnet, wie Jesus Christus auch war; welcher, ob er wohl in göttlicher gestalt war, hielt ers nicht für einen raub, Gott gleich seyn, sondern außerte sich selbst, und nahm knechtsgestalt an, ward gleich, wie ein andrer mensch, und an gebährden als ein mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum tode, ja zum tode am kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet, und hat ihm einen namen gegeben, der über alle namen ist; daß in bem namen Jesu sich beugen sollen alle knie derer, die im himmel und auf erden, und unter der erden sind, und alle zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sey, zur ehre gottes des Vaters. Evangelium, Matth. 21. v. I: 9. ( Suche am ersten Sonntage des Advents.) Am grünen Donnerstage. Epistel, 1. Cor. 11. v. 23 32. ch Denn der Herr Jesus in der nacht, da er verrathen ward, nahm er das brod, dankte und brachs, und sprach: Nehmet, effet, das ist mein leib, der für euch gebrochen wird; solches thut zu meinem gedächtniß. Desselbigen gleichen auch den kelch nach dem abendmahl, und sprach: Dieser kelch ist das neue testament in meinem blute; folches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem gedächtniß. Denn so oft ihr von diesem brod esset, und von diesem kelch trinket, sollt ihr des Herrn tod verkündigen, bis daß er kommt. Welcher nun unwürdig von diesem brod isset, und von dem kelch des Herrn trinket, der ist schuldig an dem leibe und blute des Herrn. Der mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem brodte; und trinke von diesem kelche. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der iffet Episteln und Evangelia. und trinket ihm selber das gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den leib des Herrn. Darum sind auch so viele schwache und kranke unter euch, und ein gut theil schlafen. Denn so wir uns selber richten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtiget, auf daß wir nicht sammt der welt verdammet werden. 21 Am 1. Ostertage. Epistel, 1. Cor. 5. v. 6: 8. ieben brüder, euer ruhm ist nicht fein. Wisset ihr nicht, daß ein wenig sauerteig den ganzen teig versäuert? Darum feget den alten sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer teig seyd, gleichwie ihr ungesäuert seyd. Denn wir haben auch ein ofterlamm, das ist Chris stus, für uns geopfert. Darum lasset uns oftern halten nicht im alten sauerteige, auch nicht im fauerteige der bosheit und schalkheit, sondern in dem süßteige der lauterkeit und wahrheit. Evangelium, Marc. 16. v. 1: 8. und nd da der fabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena, und Maria Jacobi, und Salome speceren, auf daß sie kamen, und falbten ihn. Und sie kamen zum grabe, an einem sabather sehr frühe, da die sonne aufging. Und sie sprachen unter einander: Wer wälzet uns den stein von des grabes thür? Und sie sahen dahin, und wurden gewahr, daß der stein abgewälzet war: denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das grab, und sahen einen jüngling zur rechten hand sigen, der hatte ein lang weiß kleid an; und sie entfaßten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entseget euch nicht, ihr suchet Jesum von Nazareth, den gekreuzigten; er ist auferstanden, und ist nicht hie. Siehe da die ståtte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin, und sagts seinen jüngern und Petro, daß er vor euch hin= gehen wird in Galilåa: da werdet ihr ihn sehen, wie er euch geſagt hat. und sie gingen schnell heraus, und flohen von dem grabe; denn es war sie zittern und entsegen ankommen, und sagten niemand nichts, denn sie fürchteten sich. Am 2. Ostertage. Epistel, Ap. Gesch. 1o. v. 34:41. etrus aber that seinen mund auf, und sprach: Nun erfahre ich mit nicht allerlei volk, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der predigt, die Gott zu den kindern Israel ges sandt hat und verkündigen lassen den frieden durch Jesum Christum ( welcher ist ein herr über alles) die durchs ganze jüdische land geschehen ist, und angangen in Galilåa, nach der taufe, die Johannes pres digte; wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gefalbet hat mit dem heiligen geist und kraft, der umher gezogen ist, und hat wohl gethan, und gesund gemacht, alle, die vom teufel überwältiget waren; denn Gott war mit ihm. und wir sind zeugen alles deß, das er ges than hat im jüdischen lande, und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet, und an ein holz gehangen. Denselben hat Gott auferwecket am dritten tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht allem volk, sons dern uns, den auserwählten zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den tobten. Evangelium, Luc. 24. v. 13/35. und nd siehe, zween aus ihnen gingen an demselbigen tage in einem flecken, der war von Jerusalem sechzig feldweges weit, deß name heißt Emahus. Und sie redeten mit einander von alle diesen ges Episteln und Evangelia. schichten. Und es geschah, da sie so redeten, und befragten sich mit einander, nahete Jesus zu ihnen, und wandelte mit ihnen. Aber ihre augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er aber sprach zu ihnen: Was sind das für reden, die ihr zwischen euch handelt unterwegens, und send traurig? Da antwortete einer mit namen Cleophas, und sprach zu ihm: Bist du allein unter den fremd= lingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen tagen darinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein prophet, måchtig von thaten und worten, vor Gott und allem volk: Wie ihn unsere hohenpriester und obersten überantwortet haben zum verdamm niß des todes, und gekreuziget. Wir aber hofften, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte tag, daß solches ge= schehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche weiber der unsern, die find frühe bey dem grabe gewesen, haben seinen leib nicht funden, kommen und sagen, sie haben ein gesicht der engel gesehen, welche und sagen, er lebe. Und etliche unter ihnen gingen hin zum grabe, fundens also, wie die weiber sagten: aber ihn funden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr thoren und tråges herzens, zu glauben dem, das die propheten geredet haben. Mußte Christus nicht solches leiden und zu seiner herrlichkeit eingehen? Und fing an von Mose und allen propheten, und legte ihnen alle schrift aus, die von ihm gesagt waren. und sie kamen nahe zum flecken, da sie hingingen, Und er stellte sich, als wollte er fürder gehen. Und sie nöthigten ihn, und sprachen: Bleibe bey uns, denn es will abend werden, und der tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bey ihnen zu bleiben. und es geschah, da er mit ihnen zu tische saß, nahm er das brod, dankte, brachs, und gabs ihnen. Da wurden ihre augen geöffnet, und erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser herz in uns, da er mit uns redete auf dem wege, als er uns die schrift öffnete? Und sie stunden auf zu derselbigen stunde, kehrten wieder gen Jerusalem und funden die eilfe versammelt, und die bey ihnen waren, welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden, und Simoni erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wåre, an dem, da er das brod brach. 22 Am 1. Sonntage nach Ostern, Quasimodogeniti. Epistel, 1. Joh. 5. v. 4:10. Rieben brüder, alles, was von Gott geboren ist, überwindet die welt; und unser glaube ist der sieg, der die welt überwunden hat. Wer ist aber, der die welt überwindet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes sohn ist? Dieser ist es, der da kommt mit wasser und blut. Jesus Christus: nicht mit wasser allein, sondern mit was ser und blut, und der geist ist, der da zeuget, daß geist wahrheit ist. Denn drey sind die da zeugen im himmel, der Vater, das wort und der heilige geist und diese drey sind eins. Und drey sind die da zeugen auf erden, der geist und das wasser, und das blut; und diese dren sind beysammen. So wir der menschen zeugniß annehmen, so ist gottes zeugniß größer: Denn gottes zeugniß ist das, daß er ge: zeuget hat von seinem sohn. Wer da glaubet an den sohn Gottes, der hat solches zeugniß bey ihm. Episteln und Evangelia. Evangelium, Joh. 20. v. 19:31. Am ' m abend aber desselbigen sabbaths, da die jünger versammlet, und die thüren verschlossen waren, aus furcht vor den juden, kam Jesus, und trat mitten ein, und spricht zu ihnen: Friede sey mit cuch. Und als er das fagte, zeigte er ihnen die hände und seine seite. Da wurden die jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermal zu ihnen: Friede sey mit euch. Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an, und sprach zu ihnen: Nehmet hin den heiligen geist! welchen ihr die sünde erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der zwölfen einer, der da heißet Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sey denn, daß ich in seinen hånden sehe die någelmal, und lege meine finger in die någelmal, und lege meine hand in seine seite, will ichs nicht glauben. und über acht tage waren abermal seine jünger drinnen, und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die thüren verschlossen waren, und tritt mitten ein, und spricht: Friede sey mit euch. Darnach spricht er zu Thoma: Reiche deine finger her, und siehe meine hånde; und reiche deine hand her, und lege sie in meine feiten, und sey nicht ungläubig, sondern glaubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott. Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du ich gesehen hast, Thoma, so glaubest du; selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Auch viele andere zeichen that Jesus vor seinen jüngern, die nicht gez schrieben sind in diesem buche. Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sey der Christ, der Sohn Gottes, und daß ihr durch den glauben das ewige leben habt in seinem namen. 23 Am 2. Sonntage nach Ostern, Misericordias Domini. Epistel, 1. Petr. 2. v. 21:25. Lieb ieben brüder, dazu seyd ihr berufen; sintemal Christus gelitten hat für uns, und uns ein vorbild gelassen, daß ihr sollt nach= folgen seinen fußstapfen. Welcher keine sünde gethan hat, ist auch tein betrug in seinem munde erfunden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht dråuete, da er litte, er stellete es aber dem heim, der da recht richtet. Welcher unsere sünde selbst geopfert hat an seinem leibe auf dem holz, auf daß wir, der sünde abgestors ben, der gerechtigkeit leben, durch welches wunden ihr seyd heil worden. Denn ihr waret wie die irrenden schaafe; aber ihr seyd nun bekehret zu dem hirten und bischof eurer seelen. Evangelium, Joh. 1o. v. 12:16. Rch bin ein guter hirte; ein guter hirte låsset sein leben für die Schaaf. aber, bes nicht eigen sind, siehet den wolf kommen, und verlåsset die schaafe, und fleucht; und der wolf erhaschet und zerstreuet die schaafe. Der miethling aber fleucht; denn er ist ein miethling, und achtet der schaafe nicht. Ich bin ein guter hirte, und erkenne die meinen, und bin bekannt den meinen, wie mich mein vater kennet, und ich kenne den vater; und ich lasse mein leben für die schaafe. Und ich habe noch andere schaafe, die sind nicht aus diesem stalle, und dieselbigen muß ich herführen, und sie werden meine stimme hören, und wird eine heerde und ein hirte werden. 24 Episteln und Evangelia, Am 3. Sonnt. nach Ostern, Jubilate, Epistel, 1. Petr. 2. v. 11:20. die und Enthaltet euch von fleischlichen lüsten, welche wider die seele streiten. Und führet einen guten wandel unter den heiden, auf daß die so von euch afterreden, als von übelthätern, eure gute werke sehen, und Gott preisen, wenns nun an den tag kommen wird. Seyd unterthan aller menschen ordnung um des herrn willen, es sey dem könige, als dem obersten oder den hauptleuten, als den gesandten von ihm, zur rache über die übelthäter, und zu lobe den from= men. Denn das ist der wille gottes, daß ihr mit wohlthun ver: stopfet die unwissenheit der thörichten menschen, als die freyen, und nicht, als hättet ihr die freyheit zum deckel der bosheit, sondern als die knechte Gottes. Thut ehre jedermann. Habt die brüder lieb. Fürchtet Gott; ehret den könig. Ihr knechte seyd unterthan mit aller furcht den herren, nicht allein den gütigen und gelinden, son: dern auch den wunderlichen. Denn das ist gnade, so jemand um des gewissens willen zu Gott das übel vertråget, und leidet das unrecht. Denn was ist das für ein ruhm, so ihr um missethat wil: len streiche leidet? Aber wenn ihr um wohlthat willen leidet und erduldet, das ist gnade bei Gott. Evangelium, Joh. 16. v. 16:23. Refus sprach zu seinen jüngern: Ueber ein kleines, so werdet ihr ein sehen: Denn ich gehe zum Bater. Da sprachen etliche unter seinen jüngern unter einander: Was ist das, das er saget zu uns: Ueber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleis nes, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen sie: Was ist das, das er da saget: Ueber ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr untereinander, daß ich gesagt habe: Ueber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen. Warlich, warlich, ich sage euch: ihr werdet weinen und heulen, aber die welt wird sich freuen: ihr aber werdet traurig seyn, doch eure traurigkeit soll in freude verkehret werden. Ein weib, wenn sie gebieret, so hat sie traurigkeit; denn ihre stunde ist kommen. Wenn sie aber das find geboren hat, benket sie nicht mehr an die angst, um der freude willen, daß der mensch zur welt geboren ist. Und ihr habt auch nun traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer herz soll sich freuen, und eure freude soll niemand von euch nehmen. Und an demselbigen tage werdet ihr mich um nichts fragen. Am 4. Sonnt, nach Ostern, Cantate. Epistel, Jac. 1, v. 16:21. Lieb ieben brüder, alle gute gabe, und alle vollkommene gabe kommt von oben herab, von dem vater des lichts, bei welchem ist keine veränderung noch wechsel des lichts und finsterniß. Er hat uns ge= zeuget nach seinem willen, durch das wort der wahrheit, auf daß wir waren erstlinge seiner creaturen. Darum, lieben brüder, ein jeglicher mensch sen schnell zu hören, langsam aber zu reden, und langsam zum zorn; denn des menschen zorn thut nicht, was bor Gott recht ist. Darum, so leget ab alle unsauberkeit, und alle bos. heit, und nehmet das wort an mit sanftmuth, das in euch gepflan= zet ist, welches kann eure seelen selig machen. Episteln und Evangelia. Evangelium, Joh. 16. v. 5:15. Mun un aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und nie: mand unter euch fraget mich; wo gehest du hin? sondern die weil ich solches zu euch geredet habe, ist euer herz voll traurens wor: den. Aber ich sage euch die wahrheit: Es ist euch gut, daß ich hins gehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der tröster nicht zu euch; so ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden, und wenn derselbige kommt, der wird die welt strafen um die sünde, um die gerechtigkeit, und um das gerichte. Um die fünde, daß sie nicht glauben an mich; um die gerechtigkeit aber, daß ich zum vater gehe, und ihr mich fort nicht sehet; um das gerichte, daß der fürst dieser welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnet es jetzt nicht tra: gen. Wenn aber jener, der geist der wahrheit kommen wird, der wird euch in alle wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm sels ber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkünden. Derselbige wird mich ver. klåren; denn von dem meinen wird ers nehmen, und euch verkündis gen. Alles, was der vater, hat, das ist mein; darum habe ich ges sagt: Er wirds von dem meinen nehmen, und euch verkündigen. 25 Am 5. Sonntage nach Ostern, Vocem Jucunditatis, oder Rogate. Epistel, Jac. 1. v. 22:27. end thåter des worts, und nicht hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so jemand ist ein hörer des worts, und nicht ein thäter, der ist gleich einem manne, der sein lieblich angesicht im spiegel beschauet. Denn nachdem er sich beschauet hat, gehet er davon, und vergiffet von stund an, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene geseß der freyheit, und darinnen beharret, und ist nicht ein vergeßlicher hörer, sondern ein thåter, derselbe wird selig seyn in seiner that. So aber sich jemand unter euch låßt dünken, er diene Gott, und hålt seine zunge nicht im zaum, sondern verführet sein herz, deß gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter gottesdienst vor Gott dem Vater ist der, die waisen und wittwen in ihrem trübsal besuchen, und sich von der welt unbefleckt behalten. Evangelium, Joh. 13. v. 23:31. W arlich, warlich ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet, in meinem namen, so wird ers euch geben. Bisher habet ihr nicht gebeten, in meinem namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure freude vollkommen sey. Solches habe ich zu euch burch sprichwort geredet; es kommt aber die zeit, daß ich nicht mehr durch sprichwort mit euch reden werde, sondern euch frey heraus verkündigen von meinem Vater. An demselben tage werdet ihr bitten in meinem namen; und ich fage euch nicht, daß ich den Bater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet, und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin von Gott ausgegangen, und kommen in die welt; wiederum verlasse ich die welt, und gehe zum Bater, Sprechen zu ihm seine jünger: Siehe, nun redest du frey heraus, und sageft kein sprichwort. Nun wissen wir, daß du alle dinge weißest, und bedarfest nicht, daß dich jemand frage. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. 26 Episteln und Evangelia. Um Tage der Himmelfahrt Christi. Epistel, Ap. Gesch. 1. v. I: II. Die erste rede habe ich zwar gethan, lieber Teophile, von alle zu und bis an den tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den aposteln,( welche er hatte erwählet) durch den heiligen Geist befehl gethan hatte, welchen er sich nach seinen leiden lebendig erzeiget hatte durch mancherlei erweisung, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig tage lang, und redete mit ihnen vom reich Gottes. Und als er sie versammlet hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern war: teten auf die verheißung des vaters, welche ihr habt gehört( sprach er) von mir. Denn Johannes hat mit wasser getauft, ihr aber follt mit dem heiligen Geiste getauft werden, nicht lange nach diesen tagen. Die aber, so zusammen kommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du auf diese zeit wieder aufrichten das reich Ifrael? Er aber sprady zu ihnen: Es gebühret euch nicht zu wissen zeit oder stunde, welche der vater seiner macht vorbehalten hat; sondern ihr werdet die kraft des heiligen geistes empfahen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine zeugen seyn zu Jerusalem, und in ganz Judda und Samarie, und bis an das ende der erden. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine wolke nahm ihn auf vor ihren augen weg. Und als sie ihm nachfahen gen himmel fahren, siehe, da stunden bei ihnen zween manner in weissen kleidern, welche auch sagten: Ihr månner von Galilda, was stehet ihr, und sehet gen himmel? Dieser Jesus, welcher vor euch ist aufgegangen gen himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen himmel fahren. Evangelium, Marc. 16. v. 14:20. ulegt, da die eilfe zu tische saßen, offenbarte sich der Herr, und 3 und geglaubet hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden. Und ſprach zu ihnen: Gehet hin in alle welt, und prediget das evanges lium aller creatur: Wer da glaubet und getauft wird, der mird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Die zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem namen werden sie teufel austreiben; mit neuen zungen reden; schlangen vertreiben; und so sie etwas tödliches trinken, wirds ihnen nicht schaben: auf die kranken werden sie die hånde legen, so wirds besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen him: mel, und sizet zur rechten hand Gottes. Sie aber gingen aus, und predigten an allen orten, und der Herr wirkte mit ihnen, und bes kraftigte das wort durch mitfolgende zeichen. 2m 6. Sonnt. nach Ostern, Eraudi. Epistel, 1. Petr. 4. v. 8-11. Lieb ieben brüder, so send nun måßig und nüchtern zum gebet. Vor allen dingen habt unter einander eine brünftige liebe; denn die liebe decket auch der sünden menge. Seyd gastfrey unter einander ohne murmeln. Und dienet einander, ein jeglicher mit der gabe, die er empfangen hat, als die guten haushalter der mancherlei gnaden Gottes. So jemand redet, daß ers rede als Gottes wort. mand ein amt hat, daß ers thue als aus dem vermögen, das Gott So je: Episteln und Evangelia. 27 darreichet; auf daß in allen dingen Gott gepriesen werde durch Jesum Christ, welchem sey ehre und gewalt von ewigkeit zu ewigkeit. Amen. Evangelium, Joh. 15 und 16. enn aber der tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde We vom Vater, der geist der wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr send vom anfang ben mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den bann thun. Es kommt aber die zeit, daß, wer euch tödtet, wird meynen, er thue Gott einen dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater noch mich kennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ichs euch gesagt habe. Solches aber habe ich von euch vom anfang nicht gesagt: denn ich war bey euch. Am 1. Pfingsttage. Epistel, Ap. Gesch. 2. v. 113. und nd als der tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle eine müthig bey einander. Und es geschah schnell ein brausen vom himmel als eines gewaltigen windes, und erfüllete das ganze haus, die da saßen. Und man sahe an ihnen die zunge zertheilet, als wå: ren sie feurig, und er sagte sich auf einen jeglichen unter ihnen, und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit andern zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es was ren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die maren gottesfürchtige manner, aus allerley volk, das unter dem himmel ist. Da nun diese stimme geschah, kam die menge zusammen, und wurden verstürzt; denn es hörte ein jeglicher, daß sie mit seiner sprache redeten. Sie entsagten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen unter einans der: Siehe, sind diese nicht alle, die da reden, aus Galilåa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine sprache, darinnen wir geboren sind? Parther und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Meses potamia, und in Judaa und Cappadocia, Ponto und Asia, Phrygia und Pamphilia, Egypten und an den enden der Libien, bey Cyrenen, und ausländer von Rom, juden und judengenoffen, Greter und Araber; wir hören sie mit unsern zungen die großen thaten Gottes reden. Sie entsagten sich aber alle, und wurden irre, und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Die andern aber hat: ten ihren spott, und sprachen: Sie sind voll süßes weins. Evangelium, Me Joh. 14. v. 23:31. er mich liebet, der wird mein wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und wohnung bey ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält mein wort nicht; und das wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Baters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bey euch gewesen bin. Aber der tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem namen, derselbe wird euch alles lehren, und erinnern alles deß, das ich euch gesagt habe. Den frieden lasse ich euch; meinen frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die welt giebt. Euer herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Ihr habt gehört, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe, ich gehe zum Bater; denn der 28 Episteln und Evangelia. Bater ist größer, denn ich. Und nun habe ichs euch gesagt, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es nun geschehn wird, daß ihrs glaus bet. Ich werde fort mehr nicht viel mit euch reden; denn es kommt der fürst dieser welt, und hat nichts an mir. Aber, auf daß die welt erkenne, daß ich den vater liebe, und ich also thue, wie mir der Bater geboten hat; stehet auf und lasset uns von hinnen gehen. Am 2. Pfingsttage. Epistel, Ap. Gesch. 10. v. 42:48. nd der hat uns zu dem und gen, daß er ist verordnet von Gott ein richter der lebendigen und der todten. Von diesem zeugen alle propheten, daß durch seinen namen alle, die an ihn glauben, vergebung der sünden empfahen sollen. Da Petrus noch diese worte redete, fiel der heilige geift auf alle, die dem worte zuhöreten, und die gläubigen aus der beschneidung, die mit Petro kommen waren, entsagten sich, daß auch auf die hei= den die gabe des heiligen geistes ausgegossen ward. Denn sie höre: ten, daß sie mit zungen redeten, und Gott hoch preiseten. Da ants wortete Petrus: Mag auch jemand das wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den heiligen geist empfangen haben, gleich: wie auch wir? und befahl sie zu taufen in dem namen des herrn. Evangelium, Joh. 3. v. 16:21. Alo Iso hat Gott die welt geliebet, daß er seinen eingebornen sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige leben haben. Denn Gott hat seinen sohn nicht gefandt in die welt, daß er die welt richte, sondern daß die welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den namen des eingebornen sohnes Gottes. Das ist aber das ges richte, daß das licht in die welt tommen ist, und die menschen liebs ten die finsterniß mehr, denn das licht; denn ihre werke waren böse. Wer arges thut, der hasset das licht, und kommt nicht an das licht, auf daß seine werke nicht gestraft werden. Wer aber die wahrheit thut, der kommt an das licht, daß seine werke offenbar werden; denn sie sind in Gott gethan. Am Sonnt. und feste Trinitatis. Epistel, Röm, 11. v. 33-36. welch eine tiefe des reichthums, beide der weisheit und erkenntgar und unerforschlich seine wege! Denn wer hat des herrn sinn erkannt? Oder wer ist sein rathgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor ge= geben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm, und durch ihn, und in ihm sind alle dinge. Ihm sey ehre in ewigkeit, Amen. Es war ein Evangelium, Joh. 3. v. 1: 15. unter den mit namen ein oberster unter den juden; der kam zu Jesu bey der nacht, und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein lehrer von Gott kommen, denn niemand kann die zeichen thun, die du thust, es sey denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sey denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das reich Gottes nicht sehen. Nicodemus spricht zu ihm: Wie kann ein mensch geboren werden, wenn er alt is? Kann er auch wiederum in seiner mutter leib gehen, und geboren Episteln und Evangelia. 29 werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sey denn, daß jemand geboren werde aus dem wasser und geist, so kann er nicht in das reich Gottes kommen. Was vom fleisch geboren wird, das ist fleisch, und was vom geist geboren wird, das ist geist. Laß dich nichts wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden. Der wind blåset, wo er will; und du höreft sein sausen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fåhret. Also ein jeglicher, der aus dem geist geboren ist. Nicodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein meister in Israel, und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Wir reden, das wir wissen, und zeugen, das wir gesehen haben; und ihr nehmet unser zeugniß nicht an. Glaubet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen dingen sage: wie würdet ihr glauben, wenn ich von himmlischen dingen sagen würde? Und niemand fåhret zum himmel, denn der vom himmel hernieder kommen ist, nemlich des menschen sohn, der im himmel ist. Und wie Moses in der wüsten eine schlange erhöhet hat; also muß des menschen sohn erhöhet wers den, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sons dern das ewige leben haben. Sott Am 1. Sonntage nach Trinitatis, Epistel, 1. Joh. 4. v. 16.21. ott ist die liebe, und wer in der liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm. Darum ist die liebe vollig bei uns, auf daß wir eine freudigkeit haben am tage des gerichts, denn gleich wie er ist, so sind auch wir in dieser welt. Furcht ist nicht in der liebe, sondern die völlige liebe treibet die furcht aus, denn die furcht hat pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der liebe. Lasset uns ihn lieben: denn er hat uns erst geliebet. So jemand spricht: ich liebe Gott, und haffet seinen bruder, der ist ein lügner. Denn wer seinen bruder nicht liebet, den er siehet; wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, daß er auch seinen bruder liebe. Evangelium, Luc. 17. v. 19:31. ´s war ein reicher mann, der kleidete sich mit purpur und köstlichem leinwand, und lebte alle tage herrlich und in freuden. Es war aber ein armer, mit namen Lazarus, der lag vor seiner thür voller schwären, und begehrte sich zu sättigen von den brofaamen, die von des reichen tische fielen: doch kamen die hunde und leckten ihm seine schwåren. Es begab sich aber, daß der arme starb, und ward getras gen von den engeln in Abrahams schooß. Der reiche aber starb auch, und ward begraben. Als er nun in der hölle und in der quaal war, hub er seine augen auf und sahe Abraham von ferne und Lazarum in feinem schooß, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein, und sende Lazarum, daß er das äußerste seines fingers ins wasser tauche, und kühle meine zunge; denn ich leide pein in dieser flamme. Abraham aber sprach: Gedenke, sohn, daß du dein gutes empfangen haft in deinem leben, und Lazarus dagegen hat böses empfangen: Nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große kluft befestiget, daß, die da wollten von hinnen hinabfahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns hinüber fahren. Da sprach er: so bitte ich dich, vater, daß du ihn sendest in meines vaters haus. Denn ich habe noch 30 Episteln und Evangelia. fünf brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen ort der quaal. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die propheten, laß sie dieselbigen hören. Er aber sprach: Nein, vater Abraham, sondern wenn einer von den todten zu ihnen ginge, so würden sie buße thun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mosen und die propheten nicht, so würden sie auch nicht glauben, ob jemand von den todten auferstünde. Am 2. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1 Joh. 3. v. 13:18. Lieb ieben brüder, verwundert euch nicht, ob euch die welt hasset. Wir wissen, daß wir aus dem tode ins Leben kommen sind: denn wir lieben die brüder. Wer den bruder nicht liebet, der bleibet im tode. Wer seinen bruder hasfet, der ist ein todtschläger, und ihr wisset, daß ein todtschläger nicht hat das ewige leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die liebe, daß er sein Leben für uns ge= lassen hat; und wir sollen auch das leben für die brüder lassen. Wenn aber jemand dieser welt güter hat, und siehet seinen bruder darben, und schleußt sein herz vor ihm zu; wie bleibet die liebe Gottes bey ihm? Meine kindlein, lasset uns nicht lieben mit worten, noch mit der zunge, sondern mit der that und mit der wahrheit. Evangelium, Luc. 14. v. 16:24. s war ein mensch, der machte ein groß abendmahl, und lud viel dazu. Und sandte seinen knecht aus zur stunde des abendmahls, zu sagen den geladenen: Kommet, denn es ist alles bereitet. und sie fingen alle nach einander zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen acker gekauft, und muß hinaus gehen, und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach: Ich habe fünf joch ochsen gekauft, und gehe jetzt hin, sie zu bes sehen; ich bitte dich, entschutdige mich. Und der dritte sprach: Ich habe ein weib genommen, darum kann ich nicht kommen. Und der Enecht fam, und sagte das seinem herrn wieder. Da ward der haus: herr zornig, und sprach zu seinem knechte: Gehe aus bald auf die straßen und gassen der stadt, und führe die armen und krüppel, und lahmen und blinden herein. Und der knecht sprach: Herr, es ist ges schehen wie du befohlen haft; es ist aber noch raum da. Und der herr sprach zu dem knechte: Gehe aus auf die landstraßen und an die zäune, und nöthige sie hereinzukommen, auf daß mein haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der månner feiner, die geladen sind, mein abendmahl schmecken wird. Am 3. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1 Petr. 5. v. 6: 11. ieben brüder, so demüthiget euch nun unter die gewaltige hand fet auf ihn, denn er forget für euch. Seyd nüchtern und wachet: denn euer widersacher, der teufel, gehet umher, wie ein brüllender lowe, und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet fest im glauben, und wisset, daß eben dieselbigen leiden über eure brüder in der welt gehen. Der Gott aber aller gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine zeit leidet, vorbereiten, stårken, träftigen, gründen. Demselbigen sey ehre und macht von ewigkeit zu ewigkeit. Umen. Evangelium, Luc. 15. v. I: 10. aber höreten. Und die pharisåer und schriftgelehrten murreten und Episteln und Evangelia. 3⁰ sprachen: dieser nimmt die fünder an, und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dieß gleichniß, und sprach: Welcher mensch ist unter euch, der hundert schaafe hat, und so er der eines verleuret, der nicht lasse die neun und neunzig in der wüsten, und hingehe nach dem verlornen, bis daß er es finde? Und wenn ers funden hat, so Ieget er es auf seine achsel mit freuden. Und wenn er heim kommt, rufet er seinen freunden und nachbarn, und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein schaaf funden, das verloren war.. Ich sage euch, also wird auch freude im himmel seyn über einen sün. der, der buße thut, für neun und neunzig gerechten, die der buße nicht bedürfen. Oder, welch weib ist, die zehn groschen hat, so sie der einen verleuret, die nicht ein licht anzünde, und kehre das haus und suche mit fleiß, bis daß sie ihn sinde? Und wenn sie ihn funs den hat, rufet sie ihre freundinnen und nachbarinnen, und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen groschen funden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird freude seyn vor den engeln gottes über einen sünder, der buße thut. Am Feste Johannis des Täufers. Epistel, Jef. 40 v. 1: 5. mein euer Rede mit freundlich, und prediget ihr, daß ihre ritterschaft ein ende hat: denn ihre missethat ist vergeben; denn sie hat zwiefåltiges empfangen von der hand des herrn, um alle ihre sünde. Es ist eine stimme eines predigers in der wüsten: bereitet dem Herrn den weg, machet auf dem gefilde eine ebene bahn unserm Gott; alle thale sollen erhö het werden, und alle berge und hügel sollen erniedrigt werden; und was ungleich ist, soll eben, und was hockricht ist, soll schlicht wers den. Denn die herrlichkeit des Herrn soll offenbaret werden; und alles fleisch mit einander wird sehen, daß des Herrn mund redet. Evangelium, Luc. 1. v. 57: 80. und nd Elisabeth kam ihre zeit, daß sie gebåren sollte; und sie gebar einen sohn. Und ihre nachbarn und gefreundten höreten, daß der Herr große barmherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich am achten tage, kamen sie zu beschneiden das kindlein, und hießen ihn nach seinem vater 3acharias. Uber seine mutter antwortete und sprach: mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner freunds schaft, der also heisset. und sie winkte seinem vater, wie er ihn wollte heißen lassen, und er forderte ein tåflein, schrieb und sprach: Er heißet Johannes. Und sie verwunderten sich alle. Und alsbald ward sein mund und seine zunge aufgethan, und redete und lobte Gott, und es kam eine furcht über alle nachbarn. Und dies geschicht ward alles ruchtbar auf dem ganzen jüdischen gebirge; und alle, die es höreten, nahmen es zu herzen, und sprachen: Was meynest du, will aus dem kindlein werden? Denn die hand des herrn war mit ihm. Und sein vater Zacharias ward des heil. Geistes voll, weissagete und sprach: Gelobet sey der Herr, der Gott Israel: denn er hat besucht und ers löset sein volk. und hat uns aufgerichtet ein horn des heils, in dem hause seines vaters David: Als er vor zeiten geredet hat durch den mund seiner heiligen propheten; daß er uns errette von unsern feinden, und von der hand aller, die uns bassen; und die barmherzigkeit erzeigte unsern vätern, und gedachte an seinen heiligen bund, und an den eid, den er geschworen hat unserm vater Abraham, uns 32 Episteln und Evangelia. zu geben; daß wir, erlöset von der hand unsrer feinde, ihm dienes ten ohne furcht unser lebelang, in heiligkeit und gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und du, kindlein, wirst ein prophet des höchsten heißen: du wirst vor dem herren hergehen, daß du seinen weg bereiz teft, und erkenntniß des heils gebeft seinem volk, die da ist in ver: gebung ihrer sünden, durch die herzliche barmherzigkeit unsers gots tes, durch welche uns besucht hat der anfang aus der höhe; auf daß er erscheine denen, die da sigen in finsterniß und schatten des todes, und richte unsre füße auf den weg des friedens. Und das kindlein wuchs, und ward stark im geist; und war in der wüsten, bis daß er sollte hervortreten vor das volk Israel. 2m 4. Sonntage nach Trinitatis, Epistel, Rom. 8. v. 18-23. ieben brüder, ich halte es dafür, daß dieser zeit leiden der herrs werth uns das ångstliche harren der creatur wartet auf die offenbarung der kinder Gottes. Sintemal die creatur unterworfen ist der eitelkeit, ohne ihren willen, sondern um deß willen, der sie unterworfen hat auf hoffnung. Denn auch die creatur frei werden wird von dem dienst des vergånglichen wesens, zu der herrlichen freiheit der kinder Got: tes. Denn wir wissen, daß alle creatur sehnet sich mit uns, und ångstet sich noch immerdar, nicht allein aber sie, sondern auch wir felbst, die wir haben des geiftes erstlinge, sehnen uns auch bei uns felbst nach der kindschaft, und warten auf unsers leibes erlösung. Evangelium, Luc. 6. v. 36:42. arum seyd barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Nichtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch verges ben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssiges maaß wird man in euren schooß geben: Denn eben mit dem maaß, da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein gleichniß: Mag auch ein blinder einem blin: den den weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die grube fal: len? Der junger ist nicht über seinen meister; wenn der jünger ist, wie sein meister, so ist er vollkommen. Was siehest du aber einen splitter in deines bruders auge, und den balken in deinem auge wirst du nicht gewahr? Oder, wie kannst du sagen zu deinem brus der: Halt stille, bruder, ich will den splitter aus deinem auge zie: hen; und du siehest selbst nicht den balken in deinem auge? Du heuchler! zeuch zuvor den balken aus deinem auge, und bestehe dann, daß du den splitter aus deines bruders auge ziehest. 2m feste der Seimsuchung Marià. Epistel, Esa. 11. v. 1-5. und nd es wird eine ruthe aufgeben von dem stamm sai, und ein zweig aus seiner wurzel frucht bringen; auf welchem wird ruhen der geist des herrn, der geift der weisheit und des verstandes, der geist des raths und der stärke, der geist der erkenntniß und der furcht des Herrn. Und sein riechen wird seyn in der furcht des Herrn. Er wird nicht richten, nachdem feine augen sehen, noch strafen, nachdem seine ohren bören; sondern wird mit gerechtigkeit richten die armen, und mit gericht strafen die elenden im lande. Und wird mit dem stabe seines mundes die erde schlagen, und mit dem othem seiner lippen die gottlosen tödten. Gerechtigkeit wird die gurt seiner lens den seyn, und der glaube die gurt seiner nieren. Episteln und Evangelia. 33 Evangelium, Luc. 1. v. 39:56. m aria aber stund auf in den tagen, und ging auf das gebürge endelich, zur stadt Juda, und kam in das haus Zacharias, und grußte Elisabet. Und es begab sich, als Elisabeth den gruß Maria hörte, hüpfte das kind in ihrem leibe. Und Elisabeth ward des heiligen geistes voll, und rief laut und sprach: Gebenedeyet bist du unter den weibern, und gebenedeyet ist die frucht deines leibes. und woher kommt mir das, daß die mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die stimme deines grußes hôrete, hüpfte mit freuden das kind in meinem leibe. Und o selig bist du, daß du ges glaubet hast; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. Und Maria sprach: Meine seele erhebet den Herrn, und mein geift freuet sich gottes meines Heilandes. Denn er hat seine elende magd angesehen; siehe von nun an werden mich selig preisen alle kindeskind. Denn er hat große dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und des name heilig ist. Und seine barmherzigkeit wäh= ret immer für und für, bei denen, die ihn fürchten. Er übet ges walt mit seinem arm, und zerstreuet, die hoffårtig sind in ihres herzens finn. Er stoßet die gewaltigen vom stuhl, und erhebet die niedrigen. Die hungrigen füllet er mit gutern, und låsset die reichen leer. Er denket der barmherzigkeit, und hilft seinem diener Israel auf. Wie er geredet hat unsern våtern, Abraham und seinem saa= men ewiglich. Und Maria blieb bei ihr dei drei monden; darnach kehrte sie wiederum heim. Am 5. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Petr. 3. v. 8: 15. ndlich aber send allesammt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht böses mit bösem, oder scheltwort mit scheltwort; sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seyd, daß ihr den segen ererbet. Denn wer leben will und gute tage sehen, der schweige seine zunge, daß sie nichts boses rede, und seine lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom bösen, und thue gures, er suche friede, und jage ihm nach. Denn die augen des Herrn sehen auf die gerechten, und seine ohren auf ihr gebet. Das angesicht aber des Herrn siehet auf die, so da boses thun. Und wer ist, der euch schaden könne, so ihr dem guten nachkommet? und ob ihr auch leidet um der gerechtigkeit willen, so send ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem troßen nicht, und erschrecket nicht; heiliget aber gott den Herrn in euren herzen. Evangelium, Luc. 5. v. I: II. Es begab sich aber, daß sich das volk zu ihm drang, zu hören das wort gottes; und er stand am see Genezareth, und sahe zwei schiffe am fee stehen; die fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre nege. Da trat er in der schiffe eines, welches Simonis war, und bat ihn, daß ers ein wenig vom lande führete; und er sagte sich und lehrete das volk aus dem schiffe. Und als er hatte aufgehöret zu reden, sprach er zu Simon: Fahret auf die höhe und werfet eure nege aus, daß ihr einen zug thut. Und Simon antwortete, und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein wort will ich das neg auswerfen. Und da sie das thaten, beschlossen sie eine große menge fische, und ihr neg zerris. Und sie winkten ihren gesellen, die im andern schiffe waren, daß sie kåmen und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und fülleten 34 Episteln und Evangelia. beide schiffe voll, also daß sie sunken. Da das Simon Petrus sahe, fiel er Jesu zu den knieen und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger mensch. Denn es war ihm ein schrecken ankom: men und alle, die mit ihm waren über diesem fischzuge, den sie mit einander gethan hatten, desselbigen gleichen auch Jacobum und Johannem, die söhne Zebedåi, Simonis gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht, denn von nun an wirst du menschen fahen. Und sie führten die schiffe zu lande, und verließen alles, und folgten ihm nach. Am 6. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Rom. 6. v. 3:11. Miſſet ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christ getauft sind, sind getauft? sind je ben durch die taufe in den tod, auf daß, gleich wie Christus ist aufers wecket von den todten, durch die herrlichkeit des vaters, also sollen wir auch in einem neuen leben wandeln. So wir aber sammt ihm ge. pflanzet werden zu gleichem tode, so werden wir auch der auferstes hung gleich seyn, dieweil wir wissen, daß unser alter mensch sammt ihm gekreuzigt ist, auf daß der sündliche leib aufhöre, daß wir hins fort der sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerecht: fertigt von der fünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden; und wisset, daß Christus, von den todten erwecket, hinfort nicht stirbet; der tod wird hinfort nicht über ihn herrschen. Denn daß er gestorben ist, das ist er der sünde gestorben zu einem mal: daß er aber lebet, das lehet er Gotte. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der sünde gestorben seyd, und lebet Gotte, in Christo Jesu unserm Herrn. Evangelium, Matth. 5. v. 20:26. Es sey denn eure gerechtigkeit beffer, denn der schriftgelehrten und pharisäer; so werdet ihr nicht in das himmelreich kommen. Ihr habt gehört, daß zu den alten gesagt ist: Du sollt nicht tödten; wer aber tödtet, der soll des gerichts schuldig seyn. Ich aber sage euch: wer mit seinem bruder zürnet, der ist des gerichts schuldig: wer aber zu seinem bruder faget: Racha, der ist des raths schuldig; wer aber faget: du narr, der ist des höllischen feuers schuldig. Darum, wenn du deine gabe auf dem altar opferst, und wirst allda eindenken, daß dein bruder etwas wider dich habe; so laß alda vor dem altar deine gabe, und gehe zuvor hin, und versöhne dich mit deinem bru der, und alsdann komm, und opfere deine gabe. Sey willfertig deinem widerfacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem wege bist, auf daß dich der widersacher nicht dermaleinst überantworte dem rich ter, und der richter überantworte dich dem diener, und werdest in den kerker geworfen. Ich sage dir: warlich, du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den legten heller bezahlest. Am 7. Sonnrage nach Trinitatis. Epistel, Rom. 6. v. 19:23. ch muß menschlich davon reden, um der schwachheit willen eures der unreinigkeit, und von einer gerechtigkeit zu der andern, also bes gebet auch nun eure glieder zum dienste der gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der sünde knecht waret, da waret ihr frei von der gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der zeit für furcht? welcher ihr euch jetzt schåmet; denn das ende derselben ist der tod. Nun ihr aber seyd von der sünde frei, und gottes knechte worden, Episteln und Evangelia. 35 habt ihr eure furcht, daß ihr heilig werdet; das ende aber das ewige leben. Denn der tod ist der sünden sold; aber die gabe got: tes ist das ewige leben, in Christo Jesu unserm herrn. Evangelium, Matth. 8. v. 1-9. u der zeit, da viel volks da war und hatten nichts zu essen, rief 3 zu und des volks, denn sie haben nun drei tage bei mir verharret, und haben nichts zu essen! Und wenn ich sie ungeffen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne kommen. Seine jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir brod hier in der wüsten, daß wir sie fåttigen? Und er fragte fie: wie viel habt ihr brod? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem volk, daß sie sich auf die erde lagerten. Und er nahm die sieben brodte und dankte, und brach sie, und gab sie seinen jüngern, daß sie diefelbigen vorlegten, und sie legten dem volke vor. und hatten ein wenig fischlein; und er dankete, und hieß dieselbige auch vor: tragen. Sie aßen aber, und wurden satt, und huben die übrigen brocken auf, sieben körbe; und ihrer waren bei vier tausend, die da gegessen hatten; und er ließ sie von sich. Am 8. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Rom. 8. v. 12:17. o sind wir nun, lieben brüder, schuldner, nicht dem fleische, daß wir nach dem fleische leben. Denn wo ihr nach dem fleische lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den geist des flet sches geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Denn welche der geist gottes treibet, die sind gottes kinder. Denn ihr habt nicht einen Enechtischen geift empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet; sondern ihr habt einen findlichen geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber vater. Derselbige geist giebt zeugniß unserm geist, daß wir gottes kinder sind. Sind wir denn kinder, so sind wir auch erben, nemlich) gottes erben, und miterben Christi; so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur herrlichkeit erhaben werden. Evangelium, Matth. 7. v. 15-23. ehet euch aber vor den falschen propheten, die in schaafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende wolfe. Un ihren früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch trauben lesen von den dornen, oder feigen von den disteln? Also ein jeglicher guz ter baum bringet gute früchte, aber ein fauler baum bringet arge früchte. Ein guter baum fann nicht arge früchte bringer, und ein fauler baum kann nicht gute früchte bringen. Ein jeglicher baum, der nicht gute früchte bringet, wird abgehauen, und ins feuer ge= worfen. Darum an ihren früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, herr, in das himmelreich kom men, sondern die den willen thun meines vaters im himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem tage: Herr, herr, haben wir nicht in deinem namen geweisfaget? Haben wir nicht in deinem namen teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem namen viel thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet von mir, ihr übelthäter. Am 4. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 10. v. 6:13. as ist aber uns zum vorbilde geschehen, daß wir uns nicht gelüz sten lassen des bösen, gleichwie jene gelüstet hat. Werdet auch ( 2 36 Episteln und Evangelia. wie nicht abgöttische, gleichwie jener etliche wurden, als geschrieben stes het: Das volk sagte sich nieder zu essen und zu trinken, und stund auf zu spielen. Auch lasset uns nicht hureren treiben, wie etliche unter jenen hureren trieben, und fielen auf einen tag drey und zwanzig tausend. Lasset uns aber auch Christum nicht versuchen, etliche von jenen ihn versuchten, und wurden von den schlangen umbracht. Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murreten, und wurden umbracht durch den verderber. Solches alles widerfuhr ih= nen zum vorbilde: Es ist aber geschrieben uns zur warnung, auf welche das ende der welt kommen ist. Darum, wer sich lasset dünken, Es hat euch noch er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. keine denn menschliche versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer vermogen, sondern machet, daß die versuchung so ein ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. Evangelium, Luc. 61. v. 1: 9. r sprach aber zu seinen jüngern: Es war ein reicher mann, der hatte einen haushalter, der war vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine guter umbracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thue rechnung von deinem haushalten; Der haushalter denn du kannst hinfort nicht mehr haushalter seyn. sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein herr nimmt das amt von mir: graben mag ich nicht, so schåme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem amte geseget werde, daß sie mich in ihre häufer nehmen. Und er rief zu sich alle schuldner seines herrn, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem herrn schuldig? Er sprach: hundert tonnen dis. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen brief, sebe dich, und schreibe fluchs funfzig. Dar: nach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach): hundert malter waizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen brief und schreibe achtzig. Und der herr lobte den ungerechten haushalter, daß er flüglich gethan hatte. Denn die kinder dieser welt find flüger, denn die kinder des lichts in ihrem geschlecht. Und ich fage euch auch: Machet euch freunde mit dem ungerechten mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewige hütten. Am 10. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 12. v. I: II. Vor on den geistlichen gaben aber will ich euch, lieben brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr heiden seyd gewesen, und hin gegangen zu den stummen gögen, wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich euch kund, daß niemand Jesum verfluche, der durch den geist gottes redet; und niemand kann Jesum einen herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist. Es sind mancherlei gaben, aber es ist Ein geist; und es sind mancherlei amter, aber es ist Ein herr; und es sind mancherlei kråfte, aber es ist Ein Gott, der da wirket alles in allen, In einem jeglichen erzeigen sich die gaben des geistes zum gemeinen nug. Einem wird gegeben durch den geist zu reden von der weisheit; dem andern wird gegeben zu reden von der erkenntniß nach demselbis gen geist; einem andern der glaube, in demselbigen geist; einem anbern, die gabe gefund zu machen, in demselbigen geist; einem andern, wunder zu thun; einem andern, weissagung; einem andern, geister zu unterscheiden; einem andern, mancherley sprachen; einem andern, die sprachen auszulegen. Dies alles aber wirket derselbige einige geist, und theilet einem jeglichen seines zu, nachdem er will. Episteln und Evangelia. Evangelium, Luc. 19. v. 41:48. und nd als Jesus nahe hinzu kam, sahe er die stadt an und weinete über sie, und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner zeit, was zu deinem frieden dienet; aber nun ist es vor deinen augen verborgen. Denn es wird eine zeit über dich kommen, daß deine feinde werden um dich, und deine kinder mit dir eine wagenburg schlagen, dich beklagen, und an allen orten ångsten; und werden dich schleifen, und keinen stein auf den andern laffen; darum, daß du nicht erkennet hast die zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den tempel, und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein haus ist ein bethaus: ihr aber habts gemacht zur mördergrube. Und er lehrte täglich im tempel. Aber die hohenpriester und schriftgelehrten, und die vornehmsten im volk, trach: teten ihm nach, daß sie ihn umbråchten, und funden nicht, wie sie ihm thun sollten. Denn alles volk hing ihm an und hörete ihn. 37 Um II. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 15. v. I: Io. 2ch erinnere euch aber, lieben brüder, des evangelii, das ich euch chem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welcher ge= stalt ich es euch verkündigt habe, so ihrs behalten habt; es wäre denn, daß ihrs umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zufsr= derst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus ges storben sey für unsere sünde, nach der schrift; und daß er begraben sey; und daß er auferstanden am dritten tage, nach der schrift: und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert brüdern auf einmal, derer noch viele leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jacobo, hernach von allen apo= steln. Um lezten, nach allen, ist er auch von mir, als einer unzeitigen geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den aposteln, als der ich nicht werth bin, daß ich apostel heiße, darum, daß ich die gemeine gottes verfolgt habe. Aber von gottes gnade bin ich, das ich bin, und seine gnade an mir ist nicht vergeblich ges wesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern gottes gnade, die in mir ist. Evangelium, Luc. 18. v. 9:14. & r fagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch gleichniß. Es gins gen zween menschen hinauf in den tempel zu beten; einer ein pharis fåer, der andere ein zölner. Der pharisäer stund, und betete bey sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere leute, räuber, ungerechte, ehebrecher, oder auch wie dieser zöllner; ich faste zwier in der wochen, und gebe den zehenden von allem, das ich habe. Und der zölner stund von ferne, wollte auch seine augen nicht aufheben gen himmel, sondern schlug an seine brust, und sprach: Gott, sey mir sünder gnädig! Ich sage euch, dieser ging hinab gerechtfertiget in sein haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget werden, und wer sich selbst erniedris get, der wird erhöhet werden. 38 Episteln und Evangelia. Am 12. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 2. Petr. 3. v. 3: 9. Lieben brüder, ein folch vertrauen aber haben wir durch Christum Gott. daß wir tüchtig uns etwas zu denken, als von uns selber; sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott. Welcher aber uns tüchtig gemacht hat, das amt zu führen des neuen testaments, nicht des buchstabens, sondern des geistes. So aber Denn der buchstabe tödtet, aber der geist macht lebendig. das amt, das durch die buchstaben tödtet, und in die steine ist ge bildet, klarheit hatte; also daß die kinder Israel nicht konnten an: sehen das angesicht Mosis um der klarheit willen seines angesichts, die doch aufhöret; wie sollte nicht vielmehr das amt, das den geist giebt, klarheit haben? Denn so das amt, das die verdammniß prediget, klarheit hat; vielmehr hat das amt, das die gerechtigkeit prediget, überschwengliche klarheit. Evangelium, Marc. 7. v. 31-37. nd da Jesus wieder ausging von den und kam er an das galilåische meer, mitten unter die grenze der zehen stådte. und sie brachten zu ihm einen tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem volke besonders, und legte ihm die finger in die ohren, und spigete, und rührte seine zunge und sahe auf gen himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hephata, das ist, thue dich auf. Und alsbald thaten sich seine ohren auf, und das band seiner zunge ward los und redete recht. Und er verbot ihnen, sie solltens niemand sagen. Se mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. Und verwunders ten sich über die maaße und sprachen: Er hat alles wohl gemacht, die tauben macht er hörend, und die sprachlosen redend. Am 13. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Gal. 3. v. 15:22. Lieben brüder, ich will nach menschlicher weise reden. Verachtet man eines wenn es und thut auch nichts darzu. Nun ist die verheißung Abrahå und seinem faamen zugesagt. Er spricht nicht durch die saamen, als durch viele: sondern als durch einen, durch deinen saamen, welcher ist Christus. Ich fage aber davon, das testament, das von gott zuvor bestätiget ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die verheißung sollte durch geseß aufhören, welches gegeben ist über vierhundert und dreißig jahr hernach. Dennt, so das erbe durch das gescß erworben würde; so würde es nicht durch verheißung gegeben. Gott aber hats Abraham durch verheißung frei geschenket. Was soll denn des geseg? Es ist darzu kommen um der fünde willen, bis der saame kåme, dem die verheißung geschehen ist, und ist gestellet von den engeln, durch die hand des mittlers. Ein mittler aber ist nicht eines einigen mittler, Gott aber ist einig. Wie? ist denn das geset wider gottes verheißung? Das sey ferne. Wenn aber ein gesen gegeben wäre, das da könnte lebendig machen; so kâme die gerechtigkeit wahrhaftig aus dem gesen. Aber die schrift hat es alles beschlossen unter die sünde, auf daß die verheißung kåme durch den glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. Evangelium, Luc. 10. v. 23-37. nd er wandte sich zu seinen jüngern, und sprach insonderheit: Selig Viele propheten und könige wollten sehen, das ihr sehet, und habens Episteln und Evangelia. 39 nicht gesehen; und hören, das ihr höret, und habens nicht gehöret. Und siehe, da stund ein schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was stehet im geseg geschrieben? wie liefest du? Er antwortete und sprach: Du sollt gott, dein herrn, lieten von ganz zem herzen, von ganzer seele, von allen kråften und von ganzem ges müthe; und deinen nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: du haft recht geantwortet; thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein nåchster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho, und fiel unter die mörder; die zogen ihn aus, und schlugen ihn, und gingen davon, und ließen ihn halb todt liegen. Es begab sich aber ohngefähr, daß ein priester dieselbige straße hinabzog, und da er ihn sahe, ging er vorüber. Dess felbigen gleichen auch ein levit, da er kam bei die ståtte, und sahe ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reisete, und kam dahin; und da er ihn sahe, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine wunden, und goß darin dhl und wein, und hub ihn auf sein thier, und führte ihn in die herberge und pflegte sein. Des andern tages reisete er, und zog heraus zween groschen, und gab sie dem wirth, und sprach zu ihm: Pflege sein, und so du was mehr wirst darthun, will ich dirs bezahlen, wenn ich wiederkomme. Welcher düns ket dich), der unter diesen dreyen der nächste sey gewesen dem, der unter die mörder gefallen war? Er sprach: der die barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und thue desgleichen. 2m 14. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Gal. 5. v. 16:24. Lieb ieben brüder, wandelt im geiste, so werdet ihr die lüfte des flei sches nicht vollbringen. Denn das fleisch gelüstet wider den geist, und den geist wider das fleisch; dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet. Regieret euch aber der geist, so send ihr nicht unter dem geset. Offenbar aber sind die werke des fleisches, als da sind: Ehebruch, hurerey, unreinigkeit, unzucht, abgötterey, zauberen, feindschaft, hader, neid, zorn, zank, zwietracht, rotten, haß, mord, saufen, fressen und dergleichen, von welchen ich euch habe zus vor gesagt, und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das reich gottes nicht ererben. Die frucht aber des geistes ist, liebe, freude, friede, geduld, freundlichkeit, gütigkeit, glaube, sanftmuth, keuschheit. Wider solche ist das gefeß nicht. Welche aber Chriftum angehören, die kreuzigen ihr fleisch, fammt den lüsten und begierden. Evangelium, Luc. 17. v. II: 19. Un nd es begab sich, daß Jesus reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samariam und Galilåam. Und als er in einen markt kam, begegneten ihm zehn aussäßige månner, die stunden von ferne und erhuben ihre stimme, und sprachen: Jefu, lieber meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Behet hin, und zeiget euch dem priester. Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sahe, daß er gesund worden war, kehrete er um, und preisete gott mit lauter stimme, und fiel auf sein ans geficht zu seinen füßen, und dankte ihm, und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete, und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein worden, wo sind aber die neune? hat sich sonst keiner funden, der wieder umkehre, und gebe gott die ehre, denn dieser fremde 40 Episteln und Evangelia. ling? und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin, dein glaube hat dir geholfen. Am 15. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Gal. 5. v. I: 10. So wir im geiste leben, so lasset uns auch im geiste wandeln. Lasset uns nicht eitler ehre geizig sein, uns unter einander zu entrusten und zu hassen. Lieben brüder, so ein mensd) etwa von einem fehl über: eilet würde, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem geist, die ihr geistlich seyd. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch versu: chet werdest. Einer trage des andern last, so werdet ihr das geseg Christi erfüllen. So sich aber jemand läßt důnken, er sey etwas, so er doch nichts ist, der betrüget sich selbst. Ein jeglicher aber prüfe sein selbstwerk, und alsdann wird er an ihm selbst ruhm haben, und nicht an einem andern. Denn ein jeglicher wird seine last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem worte, der theile mit allerlei gutes bem, der ihn unterrichtet. Frret euch nicht, gott läßt sich nicht spotten. Denn was der mensch fået, das wird er ernten. Wer auf sein fleisch fået, der wird vom fleisch das verderben ernten. Wer aber auf den geist fået, der wird vom geist das ewige leben ernten. Lasset uns aber gutes thun und nicht müde werden; denn zu seiner zeit werden wir auch ernten ohne aufhören. Als wir denn nun zeit haben, so lasset uns gutes thun an jedermann, allermeist aber an den glaubensgenossen. Evangelium, Matth. 6. v. 24:34. iemand kann zween herren dienen: entweder er wird den einen Ni oder einem anhangen, den andern verachten. Ihr könnet nicht gott dienen und dem mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren leib, was ihr anziehen werdet. Ist denn das leben mehr, denn die speise, und der leib mehr, denn die kleidung? Sehet die vögel unter dem himmel an: sie såen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die scheuren, und euer himmlischer vater nåhret sie doch. Send ihr denn nicht viel mehr, denn sie? Wer ist nun unter euch, der seiner tånge eine elle zusehen möge, ob er gleich darum forget? Und warum sorget ihr für die kleidung? Schauet die lilien auf dem felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht: Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselben eins. So denn Gott das gras auf dem felde also kleidet, das doch heute stehet, und morgen in den ofen geworfen wird; sollte er das nicht vielmehr euch thun? O ihr kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht sorgen und fagen: Was werden wir essen? was werden wir trinken? womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die heiden; denn euer himmlischer vater weiß, das ihr deß alles bedürfet. Trach tet am ersten nach dem reiche gottes, und nach seiner gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum forget nicht für den andern morgen, denn der morgende tag wird für das seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher tag seine eigne plage habe. 2m 16. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephef. 3. v. 13-21, ieben brüder, darum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet um meis sind. Derohalben beuge ich meine knie gegen den vater unsers herrn Jesu Christi, der der rechte vater ist über alles, was da kinder heisset, Episteln und Evangelia. 41 im himmel und auf erden, daß er euch kraft gebe nach dem reichthum feiner herrlichkeit, stark zu werden durch seinen geist an den inwen: digen menschen, und Christum zu wohnen durch den glauben in euren herzen, und durch die liebe eingewurzelt und gegründet werdet; auf daß ihr begreifen möget mit allen heiligen: welches da sey die breite, und die lange, und die tiefe, und die höhe: auch erkennen, daß Christum lieb haben viel besser ist, denn alles wissen, auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei gottesfülle. Dem aber, der überschweng: lich thun kann über alles, das wir bitten und verstehen, nach der kraft, die da in uns wirket, dem sey ehre in der gemeine, die in Christo Jesu ist, zu aller zeit, von ewigkeit zu ewigkeit. Evangelium, Luc. 7. v. II= 21. Und nd es begab sich hernach, daß er in eine stadt mit namen Nain ging und seiner jünger gingen viel mit ihm, und viel volks. Als er aber nahe an das stadtthor kam, siche, da trug man einen todten heraus, der ein einziger sohn war von seiner mutter; und sie war eine wittwe; und viel volfs aus der stadt ging mit ihr. Und da sie der herr sahe, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht. Und trat hinzu, und rührte den farg an, und die tråger stunden. Und er sprach: Jüngling! ich sage dir, stehe auf! Und der todte richtete sich auf, und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner mutter. Und es kam sie alle eine furcht an, und preiſeten gott, und sprachen: Es ist ein großer prophet unter uns aufgestan: den, und gott hat sein volk heimgesucht. Und diese rede von ihm erscholl in das ganze jüdische land, und in alle umliegende länder. Am Feste Michaelis. Epistel, Offenb. Joh. 12. v. 7:12. nd es erhub sich ein streit im himmel: Michael und seine engel strit: siegten nicht, auch ward ihre ståtte nicht mehr funden im himmel. Und es ward ausgeworfen der große drache, die alte schlange, die da heißet der teufel und satanas, der die ganze welt verführet, und ward geworfen auf die erten; und seine engel wurden auch dahin geworfen. Und ich hörte eine stimme, die sprach im himmel: Nun ist das heil, und die kraft, und das reich, und die macht unsers gottes, seines Chris stus worden, weil der verworfen ist, der sie verklaget tag und nacht vor gott; und sie haben ihn überwunden durch des lammes blut, und durch das wort ihrer zeugaiß, und haben ihr leben nicht geliebt bis an den tod. Darum freuet euch, ihr himmel und die darinnen wohnen. Evangelium, Matth. 18. v. I: II. u derselbigen stunde traten die jünger zu Jesu, und sprachen: Wer 3 Himmelreiche ein stellete es mitten unter sie, und sprach: Warlich ich sage euch, es sey denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die kinder, so werdet ihr nicht in das himmelreich kommen. Wer sich nun selbst erniedriget, wie dies kind, der ist der größeste im himmelreich. Und wer ein solch find aufnimmt in meinem namen, der nimmt mich auf. Wer aber årgert dieser geringsten einen, die an mich glauben, dem wåre beffer, daß ein mühlstein an seinen hals gehånget würde, und er ersäufet würde im meer, da es am tiefsten ist. Wehe der welt der årgerniß halben. Es muß ja ärgerniß kommen; doch wehe dem menschen, durch welchen årgerniß kommt. So aber deine hand oder dein fuß dich ärgert, so 42 Episteln und Evangelia. haue ihn ab, und wirf ihn von dir; es ist dir besser, daß du zum leben lahm oder ein krüppel eingehest, denn daß du zwo hände oder zween füße habeft und werdest in das höllische feuer geworfen. Und so dich dein auge årgert, reiß es aus, und wirf es von dir; es ist dir besser, daß du einåugig zum Leben eingehest, denn daß du zwei augen habest, und werdest in das höllische feuer geworfen. Sehet zu, daß ihr niemand von diesen kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre engel im himmel sehen allezeit das angesicht meines vaters im himmel. Denn des menschen sohn ist kommen, selig zu machen, das verloren ist. Am 17. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephes. 4. v. 1: 6. ieben brüder, so ermahne nun euch ich gefangener in dem herrn, daß ihr wandelt, wie sichs gebühret eurem beruf, darinnen ihr berufen send mit aller demuth und sanftmuth, mit geduld, und vertraget einer den andern in der liebe, und seyd fleißig zu halten die einigkeit im geist, durch das band des friedens. Ein leib und ein geist, wie ihr auch berufen send auf einerley hoffnung eures berufs; Ein herr, Ein glaube, Eine taufe. Ein gott und vater unfer aller, der da ist über euch alle und durch euch alle, und in euch allen. Evangelium, Luc. 14. v. I, II, und nd es begab sich, daß Jesus kam in ein haus eines obersten der pharifåer, auf einen sabbath, das brod zu essen: und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den schriftgelehrten und phari: fåern, und sprach: Ifte auch recht auf den sabbath heilen? Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an und heilete ihn, und ließ ihn gehen. Und antwortete, und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein ochfe oder esel in den brunnen fållt, und er nicht alsbald ihn heraus ziehet am sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder antwort geben. Er aber fagte ein gleichniß zu den gåsten, da er merkte, wie sie erwähleten, oben an zu sigen, und sprach zu ihnen: Wenn du von jemand geladen wirst zur hochzeit: so sebe dich nicht oben an, daß nicht etwa ein ehrlicher, denn du, von ihm geladen sen; und sodann kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: Weiche diesem, und du müsfest dann mit schaam unten an sigen; son: dern wenn du gelaben wirst, fo gehe hin und sehe dich unten an, aufdaß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf; dann wirst du ehre haben von denen, die mit dir zu tische sigen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöhet werden. An 18. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 4. v. 4: 9. ieben brüder, ich danke meinem gott allezeit eurenthalben für die gnade gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu, daß ihr seyd durch ihn in allen stücken reich gemacht, in aller lehre, und in aller erkenntniß. Wie denn die predigt von Christo in euch fråftig worden ist, also, daß ihr kein mangel habt an irgend einer gabe, und wartet nur auf die offenbarung unsers herrn Jesu Christi. Welcher auch euch wird feft behalten bis ans ende, daß ihr unstråflich seyd auf den tag unsers herrn Jesu Christi, Denn gott ist treu, durch welchen ihr be: rufen seyd, zur gemeinschaft seines sohnes Jesu Christi, unsers herrn. Episteln und Evangelia. 43 Evangelium, Matth. 22. v. 34:46. D a aber die pharisåer höreten, daß er den sadducåern das maul gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach: Meister, welches ist das vornehmste gebot im gesez? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollt lieben gott, deinen herrn, von ganzem herzen, von ganzer seele, von ganzem gemüth. Das ist das vornehmste und größte gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollt deinen nächsten lieben, als dich selbst. In diesen zweyen hanget das ganze geseg und die propheten. Da nun die pharisåer bei einander waren, fragte sie Jesus und sprach: Was dünket euch um Christo? Weß sohn ist er? Sie spra: chen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im geist einen Herrn? du er saget: Der Herr hat gesagt zu meinem herrn: Sehe dich zu meiner rechten, bis daß ich lege deine feinde zum schemel deiner füße. So nun David ihn einen herrn nennt, wie ist er denn sein sohn? und niemand konnte ihm ein wort antworten, und durfte auch niemand von dem tage an hinfort ihn fragen. Lieben Am 19. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephef. 4. v. 22:28. ieben brüder, so leget nun von euch ab, nach dem vorigen wandel, den alten menschen, der durch Lüste in irrthum sich verderbet. Ers neuert euch aber im geist eures gemüths, und ziehet den neuen mene schen an, der nach gott geschaffen ist in rechtschaffener gerechtigkeit und heiligkeit. Darum leget die lügen ab, und redet die wahrheit, ein jeglicher mit seinem nächsten, sintemal wir unter einander glieder sind. 3ürnet und fündiget nicht: Lasset die sonne nicht über eurem zorn untergehn. Gebet auch nicht raum dem låsterer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit den hånden etwas gutes, auf daß er habe zu geben dem dürftigen. Evangelium, Matth. 9. v. 1: 8. Da sichtbrüchi a trat Jesus in das schiff, und fuhr wieder herüber, und kam in gen, der lag auf einem bette. Da nun Jesus ihren glauben sabe, sprach er zu dem gichtbrüchigen: Sey getrost mein sohn, deine sünden sind dir vergeben. Und siehe, etliche unter den schriftgelehrten sprachen bei sich selbst, dieser låstert gott. Da aber Jesus ihre gedanken sahe, sprach er: Warum denket ihr so arges in eurem herzen? Welches ist leichter zu sagen: Die sind deine sünden vergeben? oder zu sagen: Stehe auf und wandle? Auf daß ihr aber wisset, daß des menschen sohn macht habe auf erden, die sünden zu vergeben, sprach er zu dem gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein bette auf, und gehe heim. Und er stund auf und ging heim. Da das volk das sahe, verwunderte es sich, und preisete gott, der solche macht den menschen gegeben hat. Am 20. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephes. 5. v. 15:21. ieben brüder, sehet zu, daß ihr vorsichtig wandelt, nicht als die unweisen, sondern als die weisen, und schicket euch in die zeit, denn es ist böse zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern, verständig, was da sey des herrn wille. Und saufet euch nicht voll weins, daraus ein unordentliches wesen folget; sondern werdet voll geistes, und redet unter einander von psalmen und lobgesången, und geistlichen liedern; singet und spielet dem herrn in eurem herzen: Lie 44 Episteln und Evangelia. und saget dank allezeit für alles, gott und dem vater, in dem na: men unsers herrn Jesu Christi, und seyd untereinander unterthan in der furcht gottes. Evangelium, Matth. 12. v. 9:14. nd Jesus antwortete und redete abermal durch gleichnisse zu ihnen, U einem sohn hochzeit machte. Und fandte seine Enechte aus, daß sie den gåsten zur hochzeit rufeten; und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere knechte aus und sprach: Saget den gåsten: Siehe, meine mahlzeit habe ich bereitet, meine ochfen und mein mastvieh ist ges schlachtet, und alles bereit; kommet zur hochzeit. Aber sie verachtes ten das, und gingen hin, einer auf seinen acker, der andere zu seiner handthierung. Etliche aber griffen seine knechte, höhneten und tödteten sie. Da das der könig hörete, ward er zornig, und schickte sein heer aus, und brachte diese mörder um, und zündete ihre stadt an. Da sprach er zu seinen knechten: die hochzeit ist zwar bereit, aber die gåste warens nicht werth: Darum gehet hin auf die straßen, und ladet zur hochzeit, wen ihr findet. Und die knechte gingen aus auf die stras Ben, und brachten zusammen, wen sie funden, böse und gute; und die tische wurden alle voll. Da ging der könig hinein, die gåste zu besehen, und sahe alda einen menschen, der hatte kein hochzeitlich kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereinkommen, und hast doch kein hochzeitlich kleid an? Er aber verstummte. Da sprach der könig zu seinen dienern: Bindet ihm hände und füße, und werfet ihn in die äußerste finsterniß hinaus, da wird seyn heulen und zähne klappen. Denn viele sind berufen, aber wenig sind auserwählet. Am 21. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephef. 6. v. 10:17. ner stårke. Ziehet an den harnisch gottes, daß ihr bestehen kön: net gegen die listigen anläufe des teufels. Denn wir haben nicht mit fleisch und blut zu kämpfen, sondern mit fürsten und gewaltigen, nemlich mit den herren der welt, die in der finsterniß dieser welt Um deß willen, herrschen, mit den bösen geistern unter dem himmel. so ergreifet den harnisch gottes, auf daß ihr, wenn das böse stünde lein kommt, widerstand thun, und alles wohl ausrichten, und das feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure lenden mit wahrheit, und angezogen mit dem krebs der gerechtigkeit, und an beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das evangelium des friedens, damit ihr bereitet seyd. Vor allen dingen aber ergreifet den schild des glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurige pfeile des bösewichts; und nehmet den helm des heils, und das schwerdt des geistes, welches ist das wort gottes. Evangelium, Job. 4. v. 47-54. Und nd es war ein königscher, des sohn lag krank zu Capernaum. Die: ser hörete, daß Jesus kam aus Judda in Galilåam, und ging hin zu ihn, und bat ihn, daß er hinab kåme, und hülfe seinem sohn; denn er war todt frank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht zeichen und wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der königsche sprad) zu ihm: Herr, komme hinab, ehe denn mein kind stirbet. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein sohn lebet. Der mensch glaubete dem wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin, und indem er hinab ging, bea Episteln und Evangelia. 45 gegneten ihm feine Enechte, verkündigten ihm, und sprachen: Dein kind lebet. Da forschte er von ihnen die stunde, in welcher es besser mit ihm worden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente stunde verließ ihn das fieber. Da merkte der vater, daß es um die stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: dein sohn lebet. Und er glaubte mit seinem ganzen hause. Das ist nun das andere zeichen, das Jesus that, da er aus Judåa in Galilåa kam. Am 22. Sonntage nach Trinitatis, Epistel, phil. 1. v. 3.11. ch danke meinem Gott, so oft ich euer gedenke( welches ich alle: gebet mit freuden) über eurer gemeinschaft am evangelio, vom ersten tage an, bis hieher; und bin desselbigen in guter zuversicht, daß der in euch angefangen hat das gute werk, der wirds auch vollführen bis an den tag Jesu Christi: wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch allen halte, darum, daß ich euch in meinem herzen habe, in diesem meinem gefängniß, darin ich das evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr mit mir der gnade theilhaftig seyd: Denn Gott ist mein zeuge, wie mich nach euch allen verlangt von herzensgrund, in Christo Jesu. Und daselbst um bete ich, daß eure liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei erkenntniß und erfahrung; daß ihr prüfen möget, was das beste sey, auf daß ihr seyd lauter und unanstößig bis an den tag Christi, erfüllet mit früchten der gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen( in euch) zur ehre und lobe gottes. Evangelium, Matth. 18. v. 23:35. arum ist das himmelreich gleich einem könige, der mit seinen knechs ten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend pfund schuldig. Da ers nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der herr verkaufen ihn, und sein weib, und seine kins der, und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der knecht nieder, und betete ihn an, und sprach: Herr, habe geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Da jammerte den herrn desselbigen knechts, und ließ ihn los, und die schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige knecht hinaus, und fand einen seiner mitknechte, der war ihm hundert groschen schuldig, und er griff ihn an, und würgte ihn, und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist. Da fiel sein mitknecht nieder, und bat ihn und sprach: habe geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins gefängniß, bis daß er bezahlete, was er schuldig war. Da aber seine mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt, und kamen, und brachten vor ihren herren alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein herr vor sich, und sprach zu ihm: Du schalksknecht, alle diese schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest; solltest du dich denn nicht auch erbarmen über deinen mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein herr ward zornig, und überants wortete ihn den peinigern, bis daß er bezahlte alles, was er schuldig war. Also wird euch mein himmlischer vater auch thun, so ihr nicht vergebet von eurem herzen, ein jeglicher seinem bruder seine fehle. Am 23. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Philip. 3. v. 17:21. Rolget mir, lieben brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie 46 Episteln und Evangelia. euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit weinen, die feinde des kreuzes Christi, welcher ende ist das verdammniß, welchen der bauch ihr gott ist, und die ehre zu schanden wird, derer die irdisch gesinnt sind. Unser wandel aber ist im himmel, von dannen wir auch warten des heilandes Jesu Christi des herrn, welcher unfern nichtigen leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten leibe nach der wirkung, damit er kann auch alle dinge ihm unterthänig machen. Evangelium, Matth. 22. v. 15-22. a gingen die pharifåer hin, und hielten einen rath, wie sie ihn Herodes dienern, und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrs haftig bist, und lehrest den weg gottes recht, und du frageft nach niemand; denn du achtest nicht das ansehen der menschen. Darum fage uns, was dünket dich? Jsts recht, das man dem kaiſer zins gebe, oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre schalkheit, sprach er: Shr heuchler, was versuchet ihr mich? Weiset mir die zinsemünze. und sie reichten ihm einen groschen dar. und er sprach zu ihnen: Weß ist das bildniß und die überschrift? Sie sprachen zu ihm: Des kaisers. Da sprach er zu ihnen: so gebet dem kaiser, was des kaifers ist und gotte, was gottes ist. Da sie das höreten, verwunderten sie sich und ließen ihn, und gingen davon. Am 24. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Col. 1. v. 9:14. dem da wirs hdren wir nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, daß ihr er: füllet werdet mit erkenntniß seines willens in allerlei geistlicher weis: heit und verstand, daß ihr wandelt würdiglich, dem herrn zu allem gefallen, und fruchtbar seyd in allen guten werken, und wachset in der erkenntniß gottes, und gestårket werdet mit aller kraft nach feiner herrlichen macht, in aller geduld und langmüthigkeit mit freuden. und danksaget dem vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem erbtheil der heiligen im licht, welcher uns errettet hat von der obrigkeit der finsterniß und hat uns verseßt in das reich seines lieben sohnes, an welchen wir haben die erlösung durch sein blut, nemlich die vergebung der sünden. Evangelium, Matth. 9. v. 18:26. Jesus solches mit ihnen redete, siehe, da kam der obersten ist jest gestorben, aber komm, und lege deine hand auf sie, so wird fie lebendig. und Jesus stund auf, und folgte ihm nach, und seine jünger. Und siehe, ein weib, das zwölf jahr den blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm, und rührete seines kleides saum an. Denn sie sprach bei ihr selbst: Möchte ich nur sein kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wendete sich Jesus um und fahe sie, und sprach: Sen getroft meine tochter, dein glaube hat dir geholfen. Und das weib ward gesund zu derselbigen stunde. Und als er in des obersten haus kam und sahe die pfeifer und das getümmel des volks, sprach er zu ihnen: Weichet, denn das mågdlein ist nicht todt, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das volk ausgetrieben war, ging er hinein, und ergriff sie bei der hand, da stund das mågdlein auf. Und dies gerücht erscholl in dasselbige ganze land. Episteln und Evangelia. 47 Amt 25. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1 Thess. 4. v. 13. 18. Fir die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seyd, wie die andern, die keine hoffnung haben. Denn so wir glauben, das Jesus gestorben und wieder auferstanden ist: also wird gott auch, die da entschlafen sind, durch Jesum mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein wort des herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der zukunft des herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der herr, wird mit einem feldgeschrei und stimme des erzengels, und mit der posaune gottes hernieder kommen vom him: mel, und die tobten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit demselbis gen hingerücket werden in den wolken, dem herrn entgegen in der luft, und werden also bei dem herrn seyn allezeit. So tröstet euch nun mit diesen worten unter einander. Evangelium, Matth. 22. v. 15:28. werdet den der ist durch den propheten Daniel, daß er stehe an der heiligen ståtte, ( wer das lieset, der merke darauf;) alsdann fliehe auf die berge, wer im jüdischen lande ist, und wer auf dem dache ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem hause zu holen. Und wer auf dem felde ist, der kehre nicht um, seine kleider zu holen. Wehe aber den schwane gern und säugern zu der zeit. Bittet aber, daß eure flucht nicht ges schehe im winter oder am sabbath. Denn es wird alsdann eine große trůbsal seyn, als nicht gewesen ist vom anfang der welt bisher, und als auch nicht werden wird. Und wo diese tage nicht würden verkür: zet, so würde kein mensch selig; aber um der auserwählten willen wers den die tage verkürzet. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da; so sollt ihrs nicht glauben. Denn es were den falsche Christi und falsche propheten aufstehen, und große zeichen und wunder thun, daß verführet werden in den irrthum( wo es moge lich ware) auch die auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvor ges sagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der wüsten, so gehet nicht hinaus; siehe, er ist in der kammer, so glaus bets nicht. Denn gleich wie der blik aufgehet vom anfang, und scheis net bis zum niedergang; also wird auch seyn die zukunft des mens schen sohns. Wo aber ein aas ist, da versammeln sich die adler. Am 26. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 2. Petr. 3. v. 3:13. und nd wisset das aufs erste, daß in den letzten tagen kommen werden spotter, die nach ihren eigenen lüsten wandeln und sagen: Wo ist die verheißung seiner zukunft? denn dachdem die våter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es vom anfange der creatur gewesen ist. Aber muth: willens wollen sie nicht wissen, daß der himmel vor zeiten auch war, dazu die erde aus wasser und in wasser bestanden, durch gottes wort. Dennoch ward zu der zeit die welt durch derselbigen mit der sündfluth verderbet. Also auch der himmel jegund und die erde werden durch sein wort gesparet, daß sie zum feuer behalten werden am tage des gerichts und verdammniß der gottlosen menschen. Eines aber sey euch unverhalten, ihr lieben, daß ein tag vor dem herrn ist, wie tausend jahr, und tausend jahr, wie ein tag. Der herr verzeucht nicht die verheißung, wie es etliche für einen verzug achten; sondern er hat ges duld mit uns, und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern 48 Episteln und Evangelia. daß sich jedermann zur buße bekehre. Es wird aber des Herrn tag kommen als ein dieb in der nacht, in welchem die himmel zergehen werden mit großem frachen, die elemente aber werden für hize zere schmelzen, und die erde, und die werke, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn ges schickt seyn mit heiligem wandel und gotiseligem wesen, daß ihr wartet und eilet in der zukunft des tags des herrn, in welchem die himmel vom feuer zergehen, und die elemente vor hike zerschmelzen werden? Wir warten aber eines neuen himmels, und einer neuen erde nach seiner verheissung, in welchen gerechtigkeit wohnet. Evangelium, Matth. 25. v. 31:46. enn aber des menschen sohn kommen wird in seiner herrlichkeit, We bann er seiner herrlichkeit. Und werden vor ihm alle volker versammlet wers den; und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein hirte die schaafe von den böcken scheidet; und wird die schaafe zu seiner rechten stellen, und die böcke zur linken. Da wird denn der könig sagen zu denen zu seiner rechten: Kommet her, ihr gesegneten meines vaters, ers erbet das reich, das euch bereitet ist von anbeginn der welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getrånket; ich bin ein gast gewesen, und ihr habt mich beherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet; ich bin frank gewesen, und ihr habt mich besuchet; ich bin gefangen gewesen, und ihr seyd zu mir kommen. Dann werden ihm die gerechten antworten und sagen: Herr, wenn haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeiset? oder durstig, und haben dich getränket? Wenn haben wir dich einen gast gesehen, und beherberget? oder nackend, und haben dich bekleidet? Wenn haben wir dich krank oder gefangen gesehen, und sind zu dir kommen? und der könig wird antworten und sagen zu ihnen: Warlich ich sage euch, was ihr gethan habt einem unter diesen meinen gering: sten brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur linken: Gehet hin von mir, ihr verfluchten, in bas ewige feuer, das bereitet ist dem teufel und seinen engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset; id) bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getrånket; ich bin ein gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und fagen: Herr, wenn haben wir dich gesehen hungrig oder durstig, oder einen gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Warlich, ich sage euch, was ihr nicht gethan habt einen unter diesen Und sie werden in geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. die ewige pein gehen; aber die gerechten in das ewige leben. Vor Am 27. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Thess. 5. v. I- II. on den zeiten aber und stunden, lieben brüder, ist nicht noth euch zu schreiben. Denn ihr selbst wisset gewiß, daß der tag des Herrn wird kommen, wie ein dieb in der nacht. Denn wenn sie werden sa: gen: Es ist friede, es hat keine gefahr; so wird sie das verderben schnell überfallen, gleich wie der schmerz ein schwanger weib, und werden nicht entfliehen. Ihr aber, lieben brüder, seyd nicht in der fin: Episteln und Evangelia. 49 sterniß, daß euch der tag wie ein dieb ergreife. Ihr seyd allzumal kinder des lichts, und kinder des tages; wir sind nicht von der nacht, noch von der finsterniß. So lasset uns nun nicht schlafen, wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern seyn. Denn die da schlafen, die schlafen des nachts, und die da trunken sind, die sind des nachts trunken. Wir aber, die wir des tages sind, sollen nüchs tern seyn, angethan mit dem krebs des glaubens und der liebe, und mit dem helm der hoffnung zur seligkeit. Denn gott hat uns nicht gesegt zum zorn, sondern die seligkeit zu besigen, durch unsern Herrn Jesum Christ, der für uns gestorben ist, auf daß, wir wachen oder schlafen, zugleich mit ihm leben sollen. Darum ermahnet euch unter einander, und bauet einer den andern, wie ihr denn thut. Evangelium, Matth. 25. v. 1= 13. D ann wird das himmelreich gleich seyn zehn jungfrauen, die ihre lampen nahmen, und gingen aus, dem bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren flug. Die thôrichten nahmen ihre lampen, aber sie nahmen nicht dhl mit sich. Die klugen aber nahmen dht in ihren gefäßen, sammt ihren lampen. Da nun der bråutigam verzog, wurden sie alle schläfrig, und entschliefen. Zur mitternacht aber ward ein geschrey: siehe, der bråus tigam kömmt, gehet aus ihm entgegen! Da stunden die jungfrauen alle auf, und schmückten ihre lampen. Die thörichten aber sprachen zu den klugen: Gebet uns von eurem öhle, denn unsere lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche; gehet aber hin zu den kråmern, und kaufet für euch selbst. Und da sie hingingen zu kaufen, kam der brautigam, und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur hochzeit, und die thüre ward verschlossen. Zulegt kamen die andern jungfrauen, und sprachen: Herr, Herr, thue uns auf. Er antwor tete aber, und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euer nicht. Darum wachet; denn ihr wisset weder tag noch stunde, in welcher des menschen sohn kommen wird. Leidensgeschichte Jesu, aus den vier Evangelisten zusammen gezogen. Das erste Hauptstück. Was kurz vor dem Leiden Jesu und seiner Gefangennehmung vorgegangen. war aber nahe das fest der süßen brodte, das da ostern heißet. Und Jesus sprach zu seinen jüngern: Ihr wisset, daß nach zweyen tagen ostern wird; und des menschen sohn wird überantwortet wers den, daß er gekreuziget werde. Da versammelten sich die hohenpriester und schriftgelehrten und die ältesten im volk in dem pallaste des hohenpriesters, der da hieß Caiphas, und hielten rath, wie sie Jesum mit list ergriffen und tödte 50 Leidensgeschichte Jesu. ten; denn sie fürchteten sich vor dem volt. Sie sprachen aber: So nicht auf das feft, auf daß nicht werde ein aufruhr im volk. Und da nun Jesus war zu Bethanien, im hause Simonis des ausfågigen, trat zu ihm ein weib, das hatte ein glas mit ungefälschs tem und köstlichem nardenwasser, und zerbrach das glas, und goß es auf fein haupt, da er zu tische saß. Da das seine jünger sahen, wurs den sie unwillig und sprachen: Was soll doch dieser unrath: man könnte das wasser um mehr denn dreihundert groschen verkauft haben, und dasselbige den armen geben; und murreten über sie. Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Lasset sie zufrieden, was bekümmert ihr das weib? Sie hat ein gut werk an mir gethan; ihr habt allezeit arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnet ihr ihnen gutes thun; mich aber habt ihr nicht allezeit: sie hat gethan, was sie gekonnt; denn daß sie dies wasser hat auf meinen leib gegoffen, damit ist sie zuvorkommen, meinen leichnam zu salben zu meinem begråbniß. Wars lich, ich sage euch, wo dies evangelium gepredigt wird, in aller welt, da wird man auch das sagen zu ihrem gedächtniß, was sie jegt gethan hat. Es war aber der satanas gefahren in Judas, genannt Ischas rioth, der da war aus der zahl der zwölfen; und er ging hin, und redete mit den hohenpriestern und hauptleuten, daß er ihn vers riethe, und sprach: Was wollt ihr mir geben, ich will ihn euch vers rathen? da sie das höreten, wurden sie froh; und sie boten ihm dreis Big silberlinge. Und er versprach sich. Und' von dem an suchte er gelegenheit, daß er ihn ohne rumor überantwortete. Aber am ersten tage der süßen brodte, auf welchem man mußte opfern das ofterlamm, traten die jünger zu Jesu, und sprachen zu ihm: Wo willt du, daß wir hingehen und dir bereiten das ofterlamm zu essen? Und er sandte Petrum und Johannem, und sprach: Gehet hin in die stadt; sehet, wenn ihr hinein kommet, wird euch ein mensch begegnen, ber trågt einen wasserkrug: folget ihm nach in das haus, da er hineingeht, und saget zu dem haushalter: der meister låffet dir fagen, meine zeit ist herbei kommen, ich will bei dir die ostern hals ten; wo ist das gasthaus, damit ich das ofterlamm effen möge mit meinen jüngern? und er wird euch einen großen gepflasterten faal zeis gen; daselbst bereitet es. Sie gingen hin und funden, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das ofterlamm. Und am abend kam er, und setzte sich zu tische mit den zwölf aposteln; und er sprach zu ihe nen: Mich hat herzlich verlanget, dies ofterlamm mit euch zu essen: ehe denn ich leide; denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr das von effen werde, bis daß alles erfüllt werde im reiche Gottes. Und er nahm den kelch, dankete und sprach: Nehmet denselben und theilet ihn unter euch; denn ich sage euch, ihr werdet nicht trinken von dem gewächse des weinstocks, bis das reich Gottes komme, an dem tage, da ichs neu trinken werde mit euch in meis nes vaters reich). Und indem sie aßen, in der nacht, da er verrathen ward, nahm der Herr Jesus das brodt, dankte und brachs, und gabs den jüns gern und sprach: Nehmet, effet: das ist mein leib, der für euch ges geben wird; solches thut zu meinem gedächtniß. Deffelbigen gleichen nahm er auch den kelch nach dem abendmahl, bankete, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; dieser kelch ist das neue testament in meinem blut, das für euch und für viele vers Leidensgeschichte Jesu. 51 goffen wird zur vergebung der fünden; folches thut, f oft ihre trins fet, zu meinem gedächtniß. Und sie trunken alle daraus. Vor dem feste aber der oftern, das ist, auf demselbigen abend, da Jesus erkennete, daß seine zeit kommen war, daß er aus der welt ginge zum vater, wie er hatte geliebet die seinen, die in der welt waren, so liebte er sie bis ans ende. Und nach dem abendessen, da schon der teufel hatte dem Juda Simonis Jscharioth ins herz geges ben, daß er ihn verriethe, wußte Jesus, daß ihm der vater hatte alles in seine hånde gegeben, und daß er von gott kommen war, und zu gott ging, stund er vom abendmahl auf, legte seine kleider ab, und nahm einen schurz und umgürtete sich. Darnach goß er wasser in ein becken, hub an den jüngern die füße zu waschen, und trocknete sie mit dem schurz, damit er umgürtet war. Da kam er auch zu Simon Petro: und derselbige sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißt du jeßt nicht, du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollt du mir die füße waschen. Jesus antwortete ihm: werde ich dich nicht waschen, so hast du kein theil an mir. Spricht zu ihm Simon Pes trus: Herr! nicht die füße allein, sondern auch die hånde und das haupt. Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht denn die füße waschen, sondern er ist ganz rein; und ihr seyd' reins aber nicht alle. Denn er wußte seinen verråther wohl; darum fagte er: Ihr seyd nicht alle rein. Da er nun die füße gewaschen hatte, nahm er seine kleider und setzte sich wieder nieder, und sprach abermal zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch gethan habe? Ihr heißet mich meister und herr, und ihr faget recht daran; denn ich bins auch. So ich nun, euer meister und herr, euch die füße gewaschen habe; so sollt ihr euch auch unter einander die füße waschen. Ein beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Warlich, warlich, ich sage euch, der knecht ist nicht größer, denn sein herr; noch der apostel größer, denn der ihn gefandt hat. So ihr solches wisset; selig send ihr, so ihrs thut. Nicht sage ich von euch allen; ich weiß, welche ich erwähe let habe; sondern daß die schrift erfüllet würde: Der mein brod iffet, der tritt mich mit füßen. Jegt sage ichs euch, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es geschehen wird, daß ihr glaubet, daß ichs bin. Warlich, warlich, ich sage euch, wer aufnimmt, so ich jemand senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Da Jesus solches gesagt hatte, ward er betrübt im geist, unt, zeugete und sprach: Warlich, warlich, ich sage euch, der mit mir is set, wird mich verrathen, siehe, die hand meines verråthers ist mit mir über tische. Und die jünger wurden sehr traurig, sahen sich uns ter einander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete. Und fie fingen an zu fragen unter ch selbst, welcher es doch wäre unter ihnen, der es thun würde; und sagten zu ihm einer nach dem andern: Herr, bin ichs? und der andere: bin ichs? Er antwortete und sprach: Einer aus den zwölfen, der mit mir in die schüssel tauchet, der wird mich verrathen. Des menschen sohn gehet zwar dahin, wie vor ihm beschlossen und geschrieben ist; doch wehe dem menschen, durch welchen des menschen sohn verrathen wird. Es wäre ihm beffer, 2 52 Leidensgeschichte Jesu. daß derselbige mensch nie geboren wäre. Da antwortete Judas der ihn verrieth, und sprach: Bin ichs, Rabbi? Er sprach zu ihm: du fagefst es. Es war aber einer unter seinen jüngern, der zu tische saß an der brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte, den winkte Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte; denn derselbe lag an der brust Sesu, und sprach zu ihm: Herr, wer ists? Jesus antwortete: Der ists, dem ich den bissen eintauche und geb. Und er tauchte den bissen ein, und gab ihn Judas Simonis Ischas rioth. Und nach dem bisfen fuhr der satan in ihm. Da sprach Jesus zu ihm: Was du thust, das thue bald. Daffels bige aber wußte niemand über tische, wozu ers ihm sagte. Etliche meinten, weil Judas den beutel hatte, Jesus spräche zu ihm: Kaufe was uns noth ist aufs fest: oder daß er den armen etwas gåbe. Da er nun den bisfen genommen hatte, ging er alsobald hinaus: und es war nacht. Da aber Judas hinausgegangen war, erhub sich ein zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den größten gehalten werden: Er aber sprach zu ihnen: die weltlichen könige herrschen, und die ges waltiger nennt man gnådige herren; ihr aber nicht also, sondern der größeste unter euch soll seyn wie der jüngste, und der vornehmste wie ein diener. Denn welcher ist der größeste? der zu tische sigt, oder der da dienet? Sste nicht also, daß der zu tische sigt? Jch bin aber mitten unter euch wie ein diener, ihr aber sends, die ihr beharret habt, bei mir in meinen anfechtungen; und ich will euch das reich bescheiben, wie mirs mein vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollt über meinem tisch, in meinem reich; und sizen auf den stühlen und richten die zwölf geschlechte Israel. Da sprach Jesus, nun ist des menschen sohn verklåret, und Gott ist verklåret in ihm. Ist Gott verklåret in ihm; so wird ihn Gott auch verklåren in ihm selbst, und wird ihn bald verklären. lieben kindlein, ich bin noch eine kleine weile bei euch. Shr werdet mich suchen; und wie ich zu den juden sagte: Wo ich hinEin neit gehe, da könnt ihr nicht hinkommen, und sage euch nun: gebot gebe ich euch: daß ihr euch unter einander liebet, wie ich euch geliebet habe, auf daß ihr auch einander lieb habet. Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine jünger seyd, so ihr liebe unter einander habt. Da sprach Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehest du hin? Je= sus antwortete ihm: Da ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht fol: gen. Petrus sprach zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? ich will mein leben bei dir lassen. Jesus antwortete: Solla test du dein leben bei mir laffen? Simon, Simon, siehe der satanas hat euer begehret, daß er euch möchte sichten, wie den weißgen; ich aber habe für euch gebeten, daß dein glaube nicht aufhöre: Und wenn du dich dermaleinst bekehrest, so stårke deine brüder. Er sprach aber zu ihm: Herr ich bin bereit, mit dir ins gefångniß und in den tod zu gehen. Er aber sprach: Warlich, wariich ich sage dir, Petre, der hahn wird heute nicht kråhen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich kennest. Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch gesandt habe ohne beuter, ohne tasche und ohne schuh, habt ihr auch je mangel gehabt? Sie Sprachen: nie keinen. Da sprach er zu ihnen: Xber nun, wer einen beutel hat, der nehme ihn, desselbigen gleichen auch die tasche; wer Leidensgeschichte Jesu. 53 aber nicht hat, der verkaufe sein kleid, und kaufe ein schwerdt. Denn ich sage euch, es muß doch alles vollendet werden an mir, das ges schrieben stehet: Er ist unter die übelthäter gerechnet; denn was von mir geschrieben ist, das hat ein ende. Sie sprachen aber: Herr hier sind zwei schwerdter. Er aber sprach zu ihnen: es ist genug. Das zweite Hauptstück. Von dem Leiden Jesu'am Oelberge, und seiner Gefangennehmung. 11 nd da sie den lobgefang gesprochen hatten, ging Jesus hinaus, nach seiner gewohnheit, über den bach Kidron an den ölberg. Es folgten ihm aber seine jünger nach. Da sprach er zu ihnen: In dieser nacht werdet ihr euch alle årgern an mir; denn es stehet geschrieben: Ich werde den hirten schlagen, und die schaafe der heerde werden sich zerstreuen: wenn ich aber aufstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläa. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie sich auch alle an dir årgerten, so will ich mich doch nimmermehr an dir årgern. Jesus spricht zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute in dieser nacht, ehe denn der hahn zweimal fråhet, wirst du mich dreimal verleugnen. Er aber redete noch weiter: Ja wenn ich auch mit dir sterben müßte, wollte ich dich nicht verleugnen. Desselbigen gleichen sagten auch alle jünger. Da kam Jesus mit ihnen zu einem hofe, der hieß Gethsemane; da war ein garte; darin ging Jesus und seine jünger. Judas aber der ihn verrieth, wußte den ort auch; denn Jesus versnmmelte sich oft daselbst mit seinen jüngern. Da sprach Jesus zu ihnen: seget euch hie, bis ich dort hingehe und bete. Und er nahm zu sich Petrum und Jacobum, und Johannem, die zween söhne Bebedåi, und fing an zu trauren und zu zittern, und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine seele ist betrübt bis in den tod: bleibet hie, und wachet mit mir, betet, auf daß ihr nicht in anfechtung fallet. Und er riß sich von ihnen bei einen steinwurf und kniete nieder, fiel auf sein angesicht auf die erde, und betete, daß, so es möglich wäre, die stunde vorüberginge, und sprach: Übba, mein vater, es ist dir alles möglich, überhebe mich dieses felchs; doch nicht wie ich will, sondern wie du willt. Und er kam zu seinen jüngern, und fand sie schlafend, und sprach zu Petro: Simon, schläfest du? Bermagst du nicht eine stunde mit mir zu wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in anfechtung fallet, der geist ist willig, aber das fleisch ist schwach. 3um andernmal ging er aber hin, betete und sprach: Mein Va: ter, iste nicht möglich, daß dieser keldhy von mir gehe, ich trinke ihn benn; so geschehe dein wille. Und er kam, und fand sie abermal schlas fend, und ihre augen waren voll schlafs, und wußten nicht, was sie ihm antworteten. Und er ließ sie, ging aber hin, und betete zum drittenmale dieselbigen worte, und sprach: Bater, willt du, so nimm diesen kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein wille geschehe. Es erschien ihm aber ein engel vom himmel, und stärkte ihn. Und es kam daß er mit dem tode rang, und betete heftiger. war aber sein schweiß, wie blutstropfen, die fielen auf die erde. Leidensgeschichte Jesu. Und er stund auf vom gebet, und kam zu seinen jüngern, und fand sie schlafend vor traurigkeit, und sprach zu ihnen: Uch! wollt ihr nun schlafen und ruhen? Was schlafet ihr? Es ist genug; sehet die stunde ist kommen, und des menschen sohn wird überant. wortet in der fünder hände; stehet auf, und lasset uns gehen; fiehe, der mich verråth, ist nahe; betet aber, auf baß ihr nicht in anfechtung fallet. 54 und alsbald, da er noch redete, siehe, Judas, der zwölfen eis ner, da er nun zu sich hatte genommen die schaar und diener der hohenpriester und pharisäer, der ältesten und schriftgelehrten, ging er zuvor der schaar, und kam dahin mit fackeln, lampen, schwerds tern und stangen. Der verråther aber hatte ihnen ein zeichen gegeben, und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ists, den greifet und führet ihn ges wiß. Als nun Jesus wußte alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus, und sprach zu ihnen: Wem suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bins. Judas aber, der ihn verrieth, stund auch bei ihnen. Als nun Jefus zu ihnen sprach: Ich bins, wichen sie zurücke und fielen zu boden. Da fragte er sie abermal: Wem suchet ihr? Sie sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, daß ichs sey; suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen. Auf daß das wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe der keinen verlos ren, die du mir gegeben hast. Und Judas nahete sich zu Jesu, ihn zu küssen: und alsbald trat er zu ihm, und sprach: Gegrüßet seyst du, Rabbi; und küssete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein freund, warum bist du koms men? Juda, verräthest du des menschen sohn mit einem fuß? Da traten sie hinzu und legten die hånde an Jesum, und griffen ihn. Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden sollte, spras chen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem schwerdt drein schlagen? Da hatte Simon Petrus ein schwerdt, und zog es aus, und schlug nach des hohenpriesters Enecht, und hieb ihm sein rechtes ohr ab; und der knecht hieß Malchus. Jefus aber antwortete und sprach: Lasset sie doch so ferner machen. Und sprach zu Petro: Stecke dein schwerdt in die scheide; denn wer das schwerdt nimmt, der soll durchs schwerdt umkommen. Oder meinest du, daß ich nicht könne meinen vater bitten, daß er mir zuschicke mehr denn zwölf legion engel? Soll ich ben kelch nicht trinken, den mir mein vater gegeben hat? Wie würde aber die schrift erfüllet? Es muß also geschehen. Und er rührte sein ohr an, und heilete ihn. 3u der stunde sprach Jesus zu den hohenpriestern und hauptleu. ten des tempels, und den ältesten, die über ihn kommen waren: Ihr send als zu einem morder, mit schwerdtern und mit stangen ausges gangen mich zu fahen; bin ich doch täglich gesessen bey euch, und habe gelehrt im tempel, und ihr habt keine hand an mich geleget. Aber dies ist eure stunde und die macht der finsterniß, auf daß die schrift erfüllet würde. Das ist aber alles geschehen, auf daß erfüllet würde die schrift der propheten. Da verließen ihn alle jünger und flohen. und es war ein jüngling, der folgte ihm nach, der war mit leinwand bekleidet auf der bloßen haut; und die jünglinge griffen ihn: er aber ließ die leinwand fahren, und flohe bloß von ihnen. Leidensgeschichte Jesu, Das britte Hauptstück. Was in Caiphas Sause vor der Versammlung des jüdischen Gerichts, mit Jefu vorgegangen. 55 te fhaar aber, und der oberhauptmann und die biener ber juden, nahmen Jesum an, und bunden ihn, führeten ihn aufs erste zu Hannas, der war Caiphas schwäher, welcher des jahrs hoherpriester war. Es war aber Caiphas, der den juden rieth, es wäre gut, daß ein mensch würde umgebracht für das volk. Und sie führten ihn zu dem hohenpriester Caiphas, das ist zum fürsten der priester, dahin alle hohenpriester und schriftgelehrten und ältesten sich versammelt hatten. Simon Petrus aber folgte Jefu von ferne, und ein andrer jünger, bis an den pallast des hohenpries sters. Derselbige jünger war dem hohenpriester bekannt, und ging mit Jesu hinein in des hohenpriesters pallast. Petrus aber stund braussen vor der thür. Da ging der andere jünger, der dem hohens priester bekannt war, hinaus, und redete mit der thürhüterin, und führte Petrum hinein. Es stunden aber die knechte und diener, und hatten ein kohle feuer gemacht danieden mitten im pallast: denn es war kalt, und wärmeten sich. Petrus aber stund bei ihnen, und wärmete sich, auf daß er sehe, wo es hinaus wollte. Die magd aber des hohens priesters, die thürhüterin, sahe Petrum bey dem licht, da er sich wärmete, und sahe eben auf ihn, und sprach: Und du warest auch mit dem Jesu von Galilåa? Bist du auch nicht dieses menschen jún. ger einer? Er leugnete aber vor allen und sprach: Weib, ich bins nicht; ich kenne sein nicht; ich weiß auch nicht, was du sagest. Aber der hohepriester fragte Jesum um seine jünger und um seine lehre. Jesus antwortete: Ich habe frey öffentlich geredet vor der welt. Ich habe allezeit gelehret in der schule und in dem tempel, da alle juden zusammen kommen, und habe nichts im winkel geredet: Was frågst du mich darum? Frage die darum, die es gehört haz ben, was ich geredet habe; siehe dieselbigen wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab ber diener einer, die dabek stunden, Jesu einen backenstreich, und sprach: Solltest du dem hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es unrecht sey; habe ich aber recht geredet, was schlågest du mich denn? und Hannas hatte ihn gebunden gesandt zu dem hohenpriester Caiphas. Simon Petrus aber stund und wärmete sich. Und über eine kleine weile, nach dem ersten verleugnen, als er hinausging nach dem vorhof, kråhete der hahn. Und eine andere magd sahe ihn, und hub abermal an zu sagen zu denen, die dabey stunden: Dieser war auch mit Jesu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht feiner jünger einer? Und ein andrer sprach: du bist auch der einer. und er leugnete abermal, und schwur dazu, und sprach: Mensch, ich bins nicht, und kenne auch des menschen nicht. und über eine kleine weile, bei einer stunde, bekräftigets ein anderer, mit denen die dabei stunden, und sprach: Wahrlich, du bist auch der einer, denn du bist ein Galilaer, und deine sprache verråth dich. Spricht des hohenpriesters knecht, ein gefreundeter deß, dem petrus das ohr abgehauen hatte: Sahe ich dich nicht im garten bei ihm? Du 56 Leidensgeschichte Jesu. fing er an sich zu verfluchen und zu schwören: ich kenne bes menschen nicht, von dem ihr saget. Da ge= und alsbald, da er noch redete, kråhete der hahn zum andernmal. Und der herr wandte sich um, und sahe Petrum an. dachte Petrus an das wort Jesu, als er zu ihm gesagt hatte: Che der hahn zweimal kråhet, wirst du mich dreimal verleugnen; und ging hinaus, und weinete bitterlich. Die hohenpriester aber und die ältesten, und der ganze rath, suchten falsch zeugniß wider Jesum, um daß sie ihn zu tode hülfen, und funden keins, wiewohl viele falsche zeugen herzutraten; denn ihre zeugnisse stimmten nicht überein. Zulegt stunden auf und traten herzu zween falsche zeugen, und gaben falsche zeugniß wider ihn, und sprachen, wir haben gehört, daß er sagte: Ich kann und will ab brechen den tempel gottes, der mit hånden gemacht ist, und in dreyen tagen einen andern bauen, der nicht mit hånden gemacht ist. Und ihre zeugnis stimmten noch nicht überein. Und der hohepriester, stund auf unter sie, und fragte Jesum, und sprach: antwortest du nichts zu dem, das diese wider dich zeuts gen? Jesus aber schwieg stille, und antwortete nichts. Da fragte ihn der hohepriester abermals, und sprach zu ihm: Bist du Christus, der sohn des Hochgelobten? Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns fageft, ob du seyst Christus, der sohn Gottes. Jesus sprach: Du sagest es, ich bins; doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr sehen des menschen sohn sigen zur rechten hand der kraft, und kommen in den wolken des himmels. Da zerriß der hohepriester seine kleider, und sprach: Er hat Gott gelåstert, was dürfen wir weiter zeugnis. Siehe, jegt habt ihr seine gotteslästerung gehö ret, was dünket euch? Sie aber verdammten ihn alle, und sprachen: Er ist des todes schuldig. Die manner aber, die Jesum hielten, ver: spotteten ihn, und speyeten aus in fein angesicht, und schlugen ihn mit fåusten. Etliche vber verdeckten ihn, und schlugen ihn ins angesicht, besonders die knechte, und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ists, der dich schlug? Und viele andere låsterungen sagten sie wider ihn. Des morgens aber versammelten sich alle hohenpriester und schriftgelehrten und ältesten des volks, dazu der ganze rath, und hielten einen rath über Jesum, daß sie ihm zum tode hülfen: und führten ihn hinauf vor ihren rath, und sprachen: Bist du Christus? fage es uns. Er aber sprach zu ihnen: Sage ichs euch; so glaubet ihr nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und lasset mich dennoch nicht los: Darum, von nun an wird des menschen sohn sigen zur rechten hand der kraft Gottes. Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes sohn? Er sprach zu ihnen: ihr saget es, denn ich bins. Sie aber sprachen: Was dürfen wir weiter zeugniß? Wir habens selbst gehöret aus seinem munde. Das vierte Hauptstück. Was vor Pontio Pilato, als der römischen heidnischen Obrigkeit mit Jesu vorgegangen. und der ganze häufen stund auf und bunden Jeſum, und führeten ihn von Caiphas vor das richthaus, und überantworteten ihn dem landpfleger Pontio Pilato; und es war noch frühe. Leidensgeschichte Jesu. 57 Da das Judas sahe, der ihn verrathen hatte, daß er verdammet war zum tode, gereuete es ihm, und brachte hernieder die dreißig silberlinge den hohenpriestern und ältesten, und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig blut verrathen habe. Sie sprachen: Was gehets uns an! da siehe du zu. Und er warf die silberlinge in den tempel, und hub sich davon, und erhenkte sich selbst, und ist mitten entzwei geborsten, und hat sein eingeweide ausgeschüttet. Über die hohenpriester nahmen die silberlinge und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den gotteskasten legen: denn es ist blutgeld. Sie hielten aber einen rath, und kauften um diese silberlinge, den lohn der ungerechtigkeit, einen topfersacker, zum begråbniß der pilger. und es ist fund worden allen, die zu Jerusalem wohnen, also, daß derselbige acter genennet wird auf ihre sprache Hakeldama, das ist, ein blutacker, bis auf den heutigen tag. Da ist erfüllet, das da gesagt ist durch den propheten Jeremia, da er spricht: Sie has ben genommen dreißig silberlinge, damit bezahlet ward der verkaufte, welchen sie kauften von den kindern Israel; und haben sie gegeben um eines topfers acker, als mir der herr befohlen hat. Die juden aber gingen nicht in das richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern die oftern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus und sprach: Was bringet ihr für eine klage wider diesen menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dies ser nicht ein übelthäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin, und richtet ihn nach eurem gesek. Da sprachen die juden zu ihm: Wir dürfen niemand tödten. Auf daß erfüllet würde das wort Jesu, welches er fagte, da er deutete, welches todes er sterben würde. Da fingen an die hohenpriester und ältesten ihn hart zu verklas gen, und sprachen: Diesen finden wir, daß er das volk abwendet, und verbeut den schoß dem kaiser zu geben, und spricht, er sey Christus, ein könig. Da ging Pilatus wieder hinein in das richthaus, und rief Jesum, und fragte ihn, und sprach: Bist du der juden könig? Jesus stund vor ihm und antwortete: Redest du das von dir selbst, oder habens dir andere von mir gesagt. Pilatus antwortete: Bin ich ein jude? Dein volk und die hohenpriester haben dich mir überantwortet, was hast du gethan? Sesus antwortete: mein reich ist nicht von dies fer welt! wäre mein reich von dieser welt, meine diener würden drob kämpfen, daß ich den juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein könig? Jesus antwortete: du sagest es, ich bin ein könig: ich bin dazu geboren, und in die welt kommen, daß ich die wahrs heit zeugen soll. Wer aus der wahrheit ist, der höret meine stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den juden, und sprach zu ihnen: ich finde keine schuld an ihm. Und da er verklaget ward von den hohenpriestern und ältesten, antwortete er nichts. Pilatus aber fragte ihn abermal und sprach: antwortest du nichts? siehe, wie hart sie dich verklagen! hörest du nicht? Und er antwortete ihm nicht auf ein wort mehr, also, daß sich auch der landpfleger sehr verwunderte. Sie aber hielten an, und sprachen: Er hat das volk erreget, damit, daß er gelehret hat hin und her im ganzen jüdischen lande, und hat in Galilåa angefangen, bis hieher. 58 Leidensgeschichte Jesu. Da aber Pilatus Galilåa hörete, fragte er: ob er aus Galilda wäre? und als er vernahm, daß er unter Herodis obrigkeit war, fandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen tagen auch zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum sahe, ward er sehr froh, denn er hätte ihn långst gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehöret, und hoffte er würde ein zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mans cherlei. Er antwortete ihm aber nicht. Die hohenpriester aber und schriftgelehrten stunden und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit feinem hofgesinde verlachte und verspottete ihn, legte ihm ein weißes kleid an, und fandte ihn wieder zu Pilato. Auf den tag wurden Pilatus und Herodes freunde mit einander; denn zuvor waren sie einander feind. Pilatus aber rief die hohenpriester und die obersten und das volk zusammen, und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen menschen zu mir bracht, als ob er das volk abwende, und siehe, ich habe ihn vor euch verhöret, und finde an dem menschen der sache keine, der ihr ihn beschuldiget: Herodes auch nicht, denn ich habe euch zu ihn ges fandt, und siehe, man hat nichts auf ihn bracht, daß des todes werth sey; darum will ihn züchtigen und los laffen. Auf das feft aber mußte der landpfleger, nach gewohnheit, dem volke einen gefangenen losgeben, welchen sie begehrten. Er hatte aber zu der zeit einen gefangenen, der war fast rüchtig, nemlich ein übelthåter und mårder, der hieß Barrabas, der mit den aufrührerischen war ins gefängniß geworfen, welcher im aufruhr, der in der stadt geschahe, einen mord begangen hatte. Und das volk ging hinauf und bat, daß er thåte, wie er pflegte. Und da sie versammlet waren, antwortete ihnen Pilatus: Ihr habt eine gewohnheit, daß ich euch einen los gebe auf oftern, welchen wollt ihr, daß ich euch los gebe? Barrabam oder Jesum, den könig der juden, den man nennt Christus? Denn er wußte, daß ihn die hohenpriester aus neid überantwortet hatten. Und da er auf dem richtstuhl saß, schickte sein weib zu ihm, und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem gerechten, ich habe viel gelitten im traum von seinetwegen. Aber die hohenpriester und ältesten überredeten und reizten das volk, daß sie um Barrabam bitten sollten, und Jesum umbråchten. Da antwortete nun der landpfleger, und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zweyen, den ich euch soll losgeben? Da schrie ber ganze haufen und sprach: Hinweg mit diesem, und gieb uns Barrabam los. Da rief Pilatus abermal zu ihnen, und wollte Jesum los lassen, und sprach: Was soll ich denn mit Jesu machen, den man Christus nennt? Sie schrieen abermal: Kreuzige, kreuzige ihn. Er aber sprach zum drittenmale zu ihnen: Was hat er denn übels gethan? ich finde keine ursach des todes an ihm: darum will ich ihn züchtigen und los lassen. Aber sie schrieen noch vielmehr und sprachen: Kreuzige ihn. Und sie lagen ihm an mit großem gefchrey, forderten, daß er gekreuziget würdes und ihr und der hohenpriester geschrey nahm überhand. Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn. Die kriegsknechte aber des landpflegers führeten ihn hinein in das richthaus, und riefen zusammen die ganze rotte, und zogen ihn aus, und legten ihm einen purpurmantel an, und flochten eine krone von dornen und seşten sie auf fein haupt, und gaben ihm ein rohr in feine rechte hand, und beugten Leidensgeschichte Jesu. 59 die knie vor ihm, und spotteten ihn, und fingen an ihn zu grüßen, und sprachen: Gegrüßet seyft du, könig der juden, und schlugen ihn ins angesicht und speieten ihn an, und nahmen das rohr und schlus gen damit sein haupt, und fielen auf die knie und beteten ihn an. Da ging Pilatus wieder hinaus, und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn hinaus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine schuld an ihm finde. Also ging Jesus hinaus, und trug eine dornenkrone und purpurkleid, und er sprach zu ihnen: Sehet, welch ein mensch! Da ihn die hohenpriester und diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn. Pilatus sprach zu ihnen: nehmet ihr ihn hin, und freuziget ihn, denn ich finde keine schuld an ihm. Die jus den antworteten ihm: Wir haben ein geseß, und nach dem geseg soll er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes sohn gemacht. Da Pilatus das wort hörete, fürchtete er sich noch viel mehr, und ging wieder hinein in das richthaus, und sprach zu Jesu: Von wannen bist du? Uber Jesus gab ihm keine antwort. Da sprach Pis latus zu ihm: Redest du nicht mit mir, weißt du nicht, daß ich macht habe, dich zu kreuzigen, und macht habe, dich los zu geben? Jesus antwortete: Du hättest keine macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum der mich dir überantwors tet hat, der hats größere sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn los ließe. Die juden aber schrieen und sprachen: Låsfest du diesen los, so bist du des faisers freund nicht; denn wer sich zum könige machet, der ist wider den kaiser. Da Pilatus das wort hårete, führte er Sesum heraus, und fegte sich auf den richtstuhl an der ståtte, die da heißet hochpflaster, auf hebräisch aber Golgatha. Es war aber der rusttag in der oftern um die sechste stunde, und er sprach zu den juben: Sehet, da ist euer könig. Sir schrieen aber: Weg weg mit dem! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren könig kreuzigen? Die hohenpriester ants worteten: Wir haben keinen könig, denn den kaiser. Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffete, sondern daß viel ein größer getümmel ward, gedachte er dem volke genug zu thun und urtheilete, daß ihre bitte geschehe; nahm wasser, und wusch die hånde vor dem volk, und sprach: Ich bin unschuldig an dem blute dieses gerechten, sehet ihr zu. Da antwortete das ganze volk, und sprach: Sein blut komme über uns und unsere kinder. Da gab er ihnen Barrabam los, der um aufruhrs und mords willen war ins gefängniß geworfen, um welchen sie baten; Jesum aber gegeiffelt und verspottet, übergab er ihrem willen, daß er ges Freuziget würde. Das fünfte Hauptstück. Von der Kreuzigung Jefu. Da a nahmen die kriegsknechte Jesum, zogen ihm den mantel aus, ihn kreuzigten; und er trug sein kreuz. Und indem sie hinaus gins gen, funden sie einen menschen, der vorüber ging, von Cyrene, mit namen Simon, der vom felde kam, der ein vater Alexandri und Ruffi war, den zwungen sie, daß er ihm sein kreuz trüge, und legs ten das kreuz auf ihn, daß ers Jesum nachtrüge. Es folgten ihm aber nach ein großer haufe volks und weiber, bie 60 Leidensgeschichte Jesu. Flagten und beweinten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen, und sprach: Ihr töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst, und über eure kinder. Denn sehet, es wird die zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die unfruchtbaren, und die leiber, die nicht geboren haben: und die brüste, die nicht gesäuget haben. Dann werden sie anfahen zu sagen zu den bergen: Fallet über uns! und zu den hügeln: bedecket uns! denn so man das thut am grünen holz, was will am důrren werden. Es wurden aber auch hingeführt zween andere übelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. Und sie brachten ihn an die ståtte, die da heißt auf hebräisch Golgatha, das ist verdollmetschet: Schädelståtte. Und sie gaben ihm effig, oder vermyrtten wein zu trinken, mit gallen vermischt, und da ers schmeckte, wollte ers nicht trinken. Und sie kreuzigten ihn an die ståtte Golgatha, und zween übelthåter mit ihm, einen zur rechten und einen zur linken hand. Jes sum aber mitten inne. Und die schrift ist erfüllet, die da saget: Er ist unter die übelthäter gerechnet. Und es war die dritte stunde, ba sie ihn kreuzigten. Jesus aber sprach: Bater vergieb ihnen! denn sie wissen nicht, was sie thun. Pilatus aber schrieb eine überschrift, geschehen, was man ihm schuld gab, die ursach seines todes, und sehte sie auf das kreuz oben zu seinem haupte. Es war aber geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese überschrift lafen viele Juden; denn die ståtte war nahe bei der stadt, da Jesus gekreuziget war, und es • war geschrieben auf hebräische, griechische und lateinische Sprache. Da sprachen die hohenpriester der juden zu Pilato: Schreibe nicht der juden könig; sondern daß er gesagt habe: Ich bin der ju ben könig. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Die kriegsknechte, da sie Jesum gekreuzigt hatten, nahmen sie feine kleider, und machten vier theile, einem jeglichen kriegsknecht sein theil, dazu auch den rock. Der rock war aber ungenähet, von oben an gewicket durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Lasset uns nicht den rock zertheilen, sondern darum lofen, weß er seyn soll. Auf daß erfüllet würde die schrift, die da saget; Sie ha ben meine kleider unser sich getheilet, und haben über meinen rock das loos geworfen. Und sie saße allda, und hüteten sein. Sola ches thaten die kriegsknechte, und das volk stund und sahe zu. Es stunden aber bei dem kreuze Jesu feine mutter, und seiner mutter schwester Maria, Cleophas weib, und Maria Magdelena. Da nun Jesus seine mutter sahe, und den jünger dabei stehen, den er sehr lieb hatte, sprach er zu seiner mutter: Weib, siehe, das ist dein sohn; Darnach sprach er zu dem jünger: Siehe, das ist deine mutter; und von stund an nahm sie der jünger zu sich. Die aber vorüber gingen, låsterten ihn, und schüttelten die köpfe, und sprachen: Pfui dich! wie fein zerbrichst du den tempel, und baueft ihn in dreien tagen! hilf dir selber; bist du gottes sohn, so steig herab vom kreuze. Desgleichen auch die hohenpriester verspotteten ihn unter einander mit den schriftgelehrten und ältesten, sammt dem volk, und sprachen: er hat andern geholfen, und kann ihm selber nicht helfen; Ist er Christus, der tönig von Israel, der auserwählte Got: Leidensgeschichte Sefu. 61 tes, so helfe er ihm selber, und steige nun vom kreuz, auf daß wir sehen, und glauben ihm; er hat Gott vertrauet, der helfe ihm nun, lüstets ihm; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes fohn. Daffelbe rückten ihm auch auf die môrder, die mit ihm gekreuzigt waren, und verschmåheten ihn. Es verspotteten ihn auch die kriegsknechte, traten zu ihm, und brachten ihm essig, und sprachen: Bist du der juden könig, so hilf dir selber. Aber der übelthäter einer, die da gehängt waren, låsterte ihn, und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da ant: wortete der andere, ftrafte ihn, und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher verdammniß bist, und zwar wir sind billig darinnen, denn wir empfahen, was unsere thaten werth sind, dieser aber hat nichts ungeschicktes gehandelt. Und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein reich kommst! und Jesu sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im paradiese seyn. Und da es um die sechste stunde kam, ward eine finsterniß über das ganze land, bis um die neunte stunde, und die sonne verlor ih ren schein. Und um die neunte stunde rief Jesus laut uno sprach: Eli, Eli, lama asabtani: das ist verdollmetschet: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Etliche aber, die da srunden, da sie das höreten, sprachen: der rufet dem Elias. Darnach als Jefus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die schrift erfüllet würde, sprach er: mich dürftet! Da stund ein gefåß voll essig, und bald lief einer unter ihnen hin, nahm einen schwamm, und füllte ihn mit essig und isopen, und steckte ihn auf ein rohr, und hielts ihm dar zum munde, und trånkete ihn. Die andern aber sprachen: Halt, laß sehen, ob Elias komme, und ihn herab nehme. Da nun Jesus den effig genommen atte, sprach er: Es ist vollbracht! und abermal rief er laut, und sprach: Bater ich bes fehle meinen geist in deine hånde; und als er das gesagt, neigte er das haupt, und gab seinen geist auf. Und siehe da, der vorhang im tempel zerriß in zwei stücke von oben an bis unten aus: und die erde erbebte, und die felfen zers riffen, und die gråber thaten sich auf, und stunden auf viele leiber der heiligen, die da schliefen, und gingen aus den gråbern, nach seiner auferstehung, und kamen in die heilige stadt, und erschienen vielen. Aber der hauptmann, der dabei stund gegen ihn über, und die bei ihm waren, und bewahreten. Jesum, da sie sahen, daß er mit folchem gefchren verschied, und sahen das erdbeben, und was da ges schah, erschracken sie sehr, und preiseten gott, und sprachen: Ware lich, dieser ist ein frommer mensch gewesen, und gottes sobn. Und alles volk, das dabei war, und zusahe, da sie sahen, was da ges schah, schlugen sie an ihre brust, und wandten wieder um. Es stunden aber alle seine verwandten von ferne, und viel weis ber, die ihm aus Galilåa nachgefolgt waren, und sahen das alles, unter welchen war Maria Magdalena, und Maria des kleinen Jacobs und Josephs Mutter, und Salome, die mutter der finder Zebedai, welche ihm auch nachgefolget hatten, da er in Galilåa war, und gedienet, und viele andere, die mit ihm hinauf gen Jerusulem gegangen waren. 69 Leidensgeschichte Jesu. 004 midogissa dan Das sechste Hauptstück. von dem Begräbniß Jefu. Die juden aber, dieweil es der rüfttag war, daß nicht die leichname an blieben am( denn war groß;) baten sie Pilatum, daß ihre beine gebrochen und abges nommen würden. Da kamen die kriegsknechte und brachen dem ers sten die beine, und dem andern, der mit ihm gekreuziget war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die beine nicht, sondern der kriegsknechte einer öffnete feine feite mit einem speere, und alsbald ging blut mit wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein zeugniß ist wahr, und derselbige weiß, daß er die wahrheit sagt, auf daß auch the glaubet; denn solches ist geschehen, daß die schrift erfüllet würde: Ihr sollt ihm kein bein zerbrechen. Und abermal spricht eine andere schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. Darnach am abend, dieweil es der rusttag war, welcher ist der vorfabbath, kam Joseph von Urimathia, der stadt der juden, ein reicher mann, ein rathsherr, ein guter frommer mann, der hatte nicht gewilligt in ihren rath und handel, welcher auf das reich gots aus tes wartete; denn er war ein jünger Jesu, doch heimlich, furcht vor den juden, der wagte es und ging hinein zu Pilato, und bat, daß er möchte abnehmen den leichnam Jesu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon todt war, und rief den hauptmann und fragte ihn: ob er långst gestorben wäre? und als ers erkundete von dem hauptmann, gab er Joseph den leichnam Jesu und befahl, man sollte ihn ihm geben. Und Joseph kaufte ein leinwand. Es kam aber auch Nicodemus, der vormals bei der nacht zu Jesu kommen war, und brachte myrrhen und aloe unter einander bei hundert pfunden. Da nahmen sie den leichnam Jesu, der abges nommen war, und wickelten ihn in rein leinwand, und bunden ihn mit leinen tüchern, und mit den specereyen, wie die juden pflegten zu begraben. Es war aber an der ståtte, da er gekreuzigt ward, ein garten, und im garten ein neu grab, das war Josephs, welches er hatte lafz sen hauen in einen felfen, in welches niemand je gelegt war. Daselbst hin legten fie Jesum, um des rüsttags willen der juden, daß der fabbath anbrach), und das grab nahe war, und wälzeten einen großen stein vor die thüre des grabes, und gingen davon. Es waren aber allda Maria Magdalena und Maria Joses, die festen sich gegen das grab, und andere weiber, die da Jesu auch waren nachgefolget von Galilda, beschaueten, wohin und wie sein leib geleget ward. Sie kehrten aber um, und bereiteten die specereyen und salben, und den sabbath über waren sie stille nach dem gesen. Des andern tages, der da folget nach dem růsttage, kamen die hehenpriester und pharifåer såmmtlich zu Pilato, und sprachen: Herr! wir haben gedacht, daß dieser verführer sprach, da er noch lebte: Sch will nach dreyen tagen auferstehen. Darum befiehle, daß man das grab verwahre bis an den dritten tag, auf daß nicht seine jünger kommen und stehlen ihn, und sagen zum volke: Er ist auferstanden von den todten; und werde der legte betrug årger denn der erste. Pis latus sprach zu ihnen: Da habt ihr die hûter, gehet hin, und verwahrets, 63 wie the wisset. Sie gingen hin, und verwahrten das grab mit hå tern, und versiegelten den stein. Beschreibung der Zerstöhrung der Stadt Jerusalem. Als Is die zeit herbei nahete, daß Gott über Jerusalem, und das jus dische volk den endlichen zorn gehen lassen wollte, wie die pros pheten und der Herr Christus selbst ihnen gedråuet und zuvor geſagt hatten; sind diese nachfolgenden zeichen vorher gegangen: Es ist am himmel ein Comet gesehen worden, wie ein schwert gestaltet, welcher. ein ganzes jahr gegen der stadt über gestanden, und von jedermann ist gesehen worden. Eben in den tagen der ungesäuerten brodte, am achten tage des monats april, um neun uhr in der nacht, ist bei dem altar im tempel ein solch hellglänzendes licht erschienen, daß jeder. mann meinte, es wåre tag. Ein ehernes großes starkes thor am innern tempel, daran zwanzig mann heben mußten, wenn man es aufthun wollte, welches mit starken eisernen riegeln verwahret war, hat sich um die sechste nachtstunde selbst aufgethan. Den ein und zwanzigsten Junii hat man in der luft und an den wolken an vielen orten des himmels wagen schweben, und sich wie eine große růstung von reutern und knechten an den wolken zusammen ziehen, und mit geprasfel in der nacht schlagen sehen. Vor dem pfingsttage, als die priester inwendig im tempel bereiten wollten, was zum feste gehöret, haben sie ein groß getümmel und gepolter, und hernach eine stimme gehöret, welche gerufen hat: Lasset uns von hinnen wegziehen! wies wohl etliche sagen, das sey geschehen zu der zeit, da der vorhang im tempel unter Christi leiden zerriffen ist. Auch ist ein mensch gez wesen, Jesus, genannt Unani, eines gemeinen mannes sohn, wels cher, als er gen Jerusalem kommen, auf das fest der lauberhütten, aus einem besondern geifte geschrieen hat: O ein geschrey vom mors gen! Dein geschrey vom abend! O ein geschrey von den vier wine den! Dein geschrey über ganz Jerusalem und den tempel! eine elende klage über braut und bråutigam! ein geschren über alles volk! und solch klägliches geschrey trieb er tag und nacht nach einander, und lief wüthend in der stadt umher. Und wiewohl ihn etliche mit geisseln und ruthen straften, die diese worte als eine böse deutung über die stadt nicht gerne höreten; so hörete er doch nicht auf. Und als man diesen menschen dem landpfleger gebracht, welchen die Römer damals zu Jerusalem hatten, der ihn auch mit geisseln hart bis auf das blut, ståupen und peitschen ließ: hat er doch mit keinem worte gnade gebeten, hat auch nicht eine thráne fallen lassen, sons dern ohne unterlaß überlaut geschrieen: Wehe, wehe dir, o du armes Jerusalem! Ulbinus, der richter, hat ihn als einen thoren verach. tet. Dieser mensch aber ist sieben jahr nacheinander nicht viel mit leuten umgegangen, sondern allein gegangen, wie ein mensch, der et.. was tief bei sich besinnet, oder dichtet, und hat immerdar diese worte von sich hören lassen: Wehe, wehe dir, o du armes Jerusalem! und von solchem rufen ist er nicht müde worden. Als aber nun die stadt von den Römern belagert worden, ist er auf den mauern um. her gegangen, und hat immer geschrieen: Wehe über den tempel! 64 Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. und über das ganze volk! und zulegt hat er auch eine zeit diefe uns gewöhnlichen worte dazu gesagt: Wehe auch mir! in dem worte ist er ohngefähr von der feinde geschoß getroffen worden, und also todt geblieben. Diese und andere große zeichen sind vorhergegangen, ehe Jerusalem zerstört worden ist. Nun wollen wir auch von der zerstörung an ihr selbst reden. Da die juden, wie Stephanus saget, als mörder und verråther, den ges rechten und unschuldigen Christum getödtet hatten, ist es mit dem ganzen jüdischen reiche in allen stådten immer årger geworden. Die hohenpriester huben an, und übten tyranney wider die andern pries ster; unter den andern gewaltigen war allerlei haß und neid, und schickte sich alles zur uneinigkeit im regimente, und ließ sich es anses hen, daß eine große ånderung und zerrüttung des reichs vorhanden wäre. Aus solchem zwiespalt und hasse der gewaltigen unter sich, ers huben sich rotten und allerlei zertrennungen: und außerdem trug sich allerlei unglück zu, viel raubens und mordens in und außer der stadt Jerusalem: und schickten sich alle sachen, daß beide regimente des volks, das geistliche und weltliche, in trümmern gehen wollten. Daher geschah es auch, daß der kaiser Nero Cestium Florum in das jüdische land schickte; und als er den juden sehr hart war, und in vielen dingen seinen geiz, stolz und muthwillen übte, haben ihn die juden verjagt, und als er mit ihnen zu schlagen kam, hat er fünf tausend mann der seinigen verloren. Also wütheten die juden durch gottes verhängniß, daß sie sich auch wider die Nomer segten, und von ihnen abfielen. Als aber der kaiser Nero das erfuhr, schickte er Flavium Vespasianum mit seinem sohne in Syrien. Es ist um diese zeit im ganzen Orient, wie auch Tranquillus schreibet, eine gemeine sage und eine gerüchte gewesen, daß eben um diese zeit etliche, so aus Judåa kommen würden, sehr groß und sehr Und wiewohl das an dem prachtig in aller welt werden sollten. geistlichen reiche Christi also wahr ward, daß der name Christi durch die predigt des evangelii, welcher aus dem jüdischen stamme gebo ren ist, in aller welt groß ward, so haben es doch etliche von dem Vespasianus verstanden; die juden aber zogen die weissagung auf sich, und nachdem ihnen etliche schlachten wider die feinde gerie: then, wurden sie stolz, machten drei hauptleute, und griffen mit gewalt die stadt Ascalon an, da sind sie in zweyen schlachten dars nieder gelegt worden, haben, ohne die hauptleute, die umkommen sind, bei die zwanzig tausend mann verloren. Nachdem zog also Vespasianus auf befehl des faisers in Galiz låa, welches ein volkreiches land war, verwüstete und verheerete alles durchaus, und ward des mordens, raubens und brennens kein ende; da wurden viet tausend Juden, und auf einmal an die funfzig tausend wehrhafte månner erschlagen, ohne weiber, finder, ges meinen pöbel und landvolk. Das kriegsvolk hat da weder alt noch jung verschonet, nicht der schwangern, nicht der finder in den wies gen. Sechs tausend junge männer hat Vespasianus auf einmal, als leibeigene leute geschickt, an dem Isthmo zu graben in Achaja. Dreißig tausend jüdische kriegsleute sind zu der zeit auf einmal für leibeigen verkaufet. Fünf tausend haben sich aus verzweiflung selbst von hohen felfen herab gestürzt. Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 65 3u der zeit war ein trefflicher mann, fehr gelehrt, weise und verständig, priesterlichen amtes, unter den juden und der obersten einer im kriege mit namen Josephus: als er im ersten schrecken mit etlichen wenigen in eine höhle geflohen, bei der stadt Sotapata, in Galilåa, ward er ergriffen und zu Vespasiano geführet; und als er bemselben prophezeihete, er würde noch kaiser werden, hat er ihn gnådig erhalten; und derselbe Josephus hat uns geschrieben hinter. lassen, was wir von der geschichte wissen. Als dies in Galiläa geschah, ist ein haufe gesammeltes, freches räuberisches volk gen Jerusalem kommen, da hat einer der großen herren, Johannes, zuwege gebracht, daß er durch diese rotte das regiment an sich bråchte. Da ist abermal ein heimliches morden, viet räuberey und plunderey zu Jerusalem gewesen, und hat es sich allenthalben zum großen unglücke geschicket, und ist die arme stadt allenthalben sehr geplaget worden. Es sind um diese zeit etliche ho: henpriester erschlagen, und viel blut, auch sogar im tempel, vergossen worden. Josephus schreibet, daß zwölf tausend von den edelsten und besten juden in diesem lärmen umkommen sind, deren güter und häuser man dem pôbel und knechten zu plündern gegeben. Etliche meinen, daß dieses die römer durch list zugerichtet haben. So war nun damals schon, ehe das rechte wetter sie überfiel, Jerusalem mit dreierlei unglück geplaget, nemlich mit dem kriege der römer, mit aufruhr und allerlei meuterei in der stadt, und mit den tyrannen, welche sich durch gewalt und list einer nach dem ans dern aufwarfen, und ist um der herrschaft willen viel blut vergoffen worden. Als nun zu derfelbigen zeit die Gardarener sich den Römern widersetten, mußte sich Vespasianus eilends aus dem winterlager erheben, und nahm er Gedara, die stabt ein, und er schlug durch feinen hauptmann Placidum bei die dreißig tausenb bürger in die flucht, zwei tausend nahm er gefangen, der andere pöbel und flüche tige haufen stürzte sich in den Jordan, und ihre tobten körper sind im Jordan bis an die see Aspaltiten fortgeflossen, welche man das tobte meer nennet: darauf sind jenseit des Jordans bis zum Mas charon allenthalben alle juden von den Römern überfallen worden, und im großen schrecken umkommen. Es war bei dem ausgange des winters im anfange der frühe lings, als Vespasianus hôrete, daß Nero todt wåre; er lag zu Cå= faria, und machte sich eilends auf. Er hatte alle stådte der juden eingenommen, außer etlichen schlössern, welche einige fremde krieger inne hatten, und hatte er allenthalben die städte mit römischen kriegsvolk beseßt, daß er Jerusalem, welches allein überblieben war, desto leichter stürmen und einnehmen könnte. Eben damals ist Ves spasianus von seinem Friegsvolke zum kaiser aufgeworfen worden; er zog derohalb in Egypten, von dannen wollte er in Italien gehen, und übergab Tito indessen das kriegsvolk wider die juden. Titus aber, als er kundschaft halber an einige örter nahe bei Jerusalem geritten war, entkam schwerlich, daß er nicht von den juben gefangen ward: darnach schlug er sein Lager auf bei Scopas, eine viertelmeile von der stadt, und theilte sein kriegsvolk, um die stadt an mehr denn einem orte zu belagern. Mittler zeit war ein großes und machtiges voll aus allen stådten, von allen orten auf das 66 Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. ofterfest des gottesdienstes halber zu Jerusalem zusammen kommen. So war auch, wie oben angezeiget worden, zuvor in der stadt viel zusammengelaufenes volk, welches aus Galilåa vertrieben worden. Es waren drei partheien in der stadt, welche die einigkeit und das regiment je långer je mehr zerrissen, wie es zu gehen pflegt. Ein theil hatte den tempel inne, unter denen war Eleazars der oberste, ein sohn Simonis, mit dem hielten es die 3eloten, ein bofes heuche lerisches volk, das den bürgern sehr feind war. Den untern theil der stadt hatte Johannes inne, welcher ein anfang alles unglücks war. Den obern theil hatte Simon inne, mit zwanzig tausend Jdumåern, welche erfordert waren, die stadt vor der Zeloten muthwilligen und grausamen vornehmen zu schüßen; da man derselbigen gåste gerne wieder los gewesen wäre, hat man ihrer nicht los werden können. Titus, als er nun merkte, daß die stadt Jerusalem mit so unzähligem volke überladen und überhäufet wåre, rüstete und stårkete sich in großer eil, die stadt zu belagern und eine wagenburg um sie zu schlagen,( wie Christus zuvor gesagt hatte) dieweil das volk bey einander wäre, daß sie der hunger desto hårter drångete und ångstete. Da das die juden sahen, versuchten sie das äußerste, es zu hindern, zu wehren, und ihnen zuvor zu kommen; aber es war aus mit ih nen, da war kein glück mehr; unser herr gott wollte das garaus mit ihnen spielen; darum ging ihnen kein anschlag noch rath von statten, da war lauter uneinigkeit. Und ist in dieser zeit in der stadt ein aufruhr entstanden, daß eine große menge volks bey dem tempel erschlagen worden. Die stadt Jerusalem war sehr fest an dem orte, wo man zu der stabt kommen konnte; sie hatte drei mauern, drum rückte das ros mische kriegsvolk mit ganzer macht hinan, um die stadt zu stürmen: und nach großer arbeit ist die doppelte mauer erobert und eingenommen worden. Um dieselbige zeit ist eine unzählige menge volks huns gers gestorben, wie Josephus schreibet. um einen kleinen bisfen brot haben sich oft die besten freunde gehauen und gestochen: die finder haben den eltern, vater und mutter den kindern oft speise aus dem munde gerissen; da hat sich weder bruder noch schwester des andern erbarmet. Ein scheffel forn hat viele gulden gegolten, etliche haben aus großem hunger kuhmist, etliche die riemen von den fatteln, das leder von den schildern und dergleichen abgenaget und gegessen; etliche haben noch heu im munde gehabt, und sind also sodt gefunden worden; etliche haben in den heimlichen gemächern gesuchet, sich mit unflath und mist für den hunger zu erretten, und ist eine folche große menge hungers gestorben, daß Ananias, Eleazari sohn, welcher in der Zeit der belagerung zu Zito geflohen, angezeiget hat, daß hundert und funfzehn tausend todte körper in der stadt gefunden und begraben seyn. Hegesippus schreibet, daß allein zu einer pforte viele tausend leichen hinaus getragen worden, und daß bei sechs hundert tausend menschen, seit der belagerung, todtgeblieben sind. Die juden hatten noch die burg Antoniam innen, welches eine starke festung war; so hatten sie auch den tempel, von welchem eine brücke in die stadt ging. Diese festung zu erobern, fostete viel mehr arbeit, als alle andere drter. Zito aber, wiewohl er gewiß war, daß der hunger endlich die juden in der stadt tilgen und theilen würde, ward doch die zeit zu lang, und hielt an und vermahnte Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 67 das kriegsvolk, die feftung mit gewalt zu stürmen. Wiewohl nun große gefahr dabey war, so gerieth doch den Römern alles, und war kein sieg noch glück bey den juden. Als nun die Romer das schloß inne hatten, gab der trompeter mit der pofaune ein zeichen und wurden die juden, welche in dem schloffe waren, alle erschlagen. Etliche sind von den mauern geworfen worden, etliche sind bey der nacht eilends in die stadt kommen. Folgendes hat sich das kriegss volk nunmehr gegen die, so den tempel inne hatten, der fache ernstlich angenommen. Man sagt, Titus fey willens gewesen, den tempel zu verschonen, um der religion willen: aber es war aus; Gott schickte es, daß da kein verschonen war. Denn als man lange und heftig gestritten und gearbeitet hatte, und die juden weder mit drauen und vermahnen, zu bewegen gewesen, die festen örter zu übergeben; merkte das kriegspolk, daß ihnen an diesem orte nicht anders als mit hunger: ( welches denn lange dauern würde), oder mit feuer beyzukommen wäre. Dannenhero haben etliche der kriegsknechte feuer in den tempel geworfen, das ist angegangen, und ist also dieselbige stunde das herrliche, treffliche und kostbare gebaut, welches damals hoch und weit berühmt war, verbrannt und zu asche geworden. Die juden, so den obern ort der stadt inne hatten, sind zum theil in die stadt geflohen; aber viel mehr sind durch das feuer und schwerdt umkommen. Die priester haben gebeten und geflehet, daß man ihnen das leben fristen möge: aber da ist gnade bei gott und den leuten aus gewesen. Titus hat, wie Hegesippus schreibet, ges antwortet: So ihr tempel und gottesdienst dahin sey, bedürfe man der priester nicht mehr. Die verwüstung des tempels ist den zehnten tag des monats Augusti geschehen, gleich auf den tag, da der erste tempel vom könige zu Babylon verbrannt ist, und ist der tag sonderlich ein unglückstag für den tempel gewesen. Von dem ersten tempel und seiner erbauung an, welche Salomo vollführet, bis auf das andere jahr Vespasiani, da der tempel gånzlich verwüstet worden, sind eilf hundert und zwei jahr, von der zeit aber, da man den andern tempel wieder ange: fangen zu bauen, welches geschehen im andern jahre des königs Cyri, sind fünf hundert und neun und sechszig jahr verflossen. Da nun die juden so geångstet wurden, und keine hoffnung der errettung war, starben viele tausend hungers, doch blieben die übrigen auf ihrem vornehmen. Josephus schreibet: daß sich in den tagen, als der tempel vers brannt und verwüstet worden sey, ein schrecklich und gräulicher fall begeben, welchen man ben den nachkommen kaum glauben wird. Es war eine ehrliche frau, welche reich und von gutem geschlechte war, jenseits des Jordans, aus furcht mit den andern gen Jerusalem ges = flohen; als nun die stadt so hart bedrånget und mit hunger geångs stiget ward; hat sie ihr kleines kindlein in der wiegen,( mit was für jammer und schmerzen, ist wohl zu gedenken) geschlachtet, und das halbe theit gebraten und gegessen, als die kriegsknechte umher gelaufen und speise gesucht, hat sie ihnen die andere hälfte vorge: feget, die kriegsknechte aber haben sich vor dem gräulichen anblick entseget, und sich doch des elenden weibes erbarmet, und die sache den großen herren zu Jerusalem geoffenbaret. Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. Dieser schreckliche fall hat sie beweget, daß sie von dem tnge an bedacht gewesen, sich zu ergeben, sind mit Tito zu einer unterredung und unterhandlung gekommen; aber dieweil sie zu lange geharret hatten, friede zu machen, und sie um friede und freiheit baten, da fie schon ausgehungert, und auf das höchste bedrångt waren, ward nichts daraus, und die stadt ist nur wenige tage kümmerlich aufges halten worden. Mittler zeit ist eine unzählige menge volks aus großer angst und höchster noth, wegen des unerträglichen hungers, aus der stadt in das lager, den feinden in die hånde gelaufen; da hat man sie sehr wohlfeil verkaufet. Damals haben die kriegsknechte ohngefähr gesehen, daß ein jude aus seinem eigenen miste yulden ge, lesen, welche er eingeschluckt gehabt; da ist bald ein gerücht durch das ganze lager unter dem kriegsvolke gegangen, die juden, so heraus in das lager geflohen, hatten gold eingeschluckt;( denn es waren etliche, welche wegen fleißiges besuchen sonst nichts als gold wegbringen, oder vor den foldaten behalten konnten) dies gerücht gab nun ursach, daß von den kriegsknechten, welche gedachten, sie würden bei allen juden gold finden, über zwei tausend juden in eis ner nacht aufgeschnitten wurden: und ihrer wären noch viel mehr umkommen, wenn Titus nicht hätte ausrufen und gebieten lassen, daß man die gefangenen nicht tödten sollte. Endlich ist die stadt Jerusalem erobert, und weder jung noch alt verschonet worden; doch hat man ein gebot ausgerufen, daß man aller elenden leute, so zu keiner wehr und widerstand vermögend wärend, schonen sollte. Also ist ganz Jerusalem durchaus von den feinden schrecklich geplündert, angesteckt und verbrannt, der größte theil zerrüttet und verwüstet worden, wenige gebäude sind stehen ge: blieben, daß man nur etliches römische Friegsvolk darinnen zur be fagung lassen können. So sind auch etliche einzelne wüste gebäude und thürme übrig geblieben, allein nur dde, zur anzeigung, daß dafelbst eine stadt ehemals gewesen wäre. und ist also Jerusalem verwüstet, und zu grunde verderbet, den achten tag des Septembris, Der ges im fünften monat darnach als sie zuerst belagert worden. fangenen hat Titus bei siebzehn tausend, alle junge starke mannspersonen, gen Alexandriam geschickt, um daselbst wie leibeigene frechte steine zu tragen, und zu arbeiten. Viele juden hat man wie das vieh gar wohlfeil verkaufet, zwei tausend hat man hin und wieder in die lånder durch das ganze römische reich ausgetheilet, daß man sie, wenn man schauspiele gehalten, zum geprånge, von den wilden thieren hat zerreißen lassen. Die menge aller gefangenen, so am leben geblieben, sind an der zahl sieben und neunzig tausend, da doch, als die belagerung an: gefangen wurde, wohl zehn mal hundert tausend in der stadt gewes fen sind, welche mehrentheils fremde und nicht bürger, wiewohl alle vom jüdischen stamm und geblüte gewesen sind. Als nun Titus Jerusalem mit gewalt eingenommen, verbrannt, zerrüttet und verheeret hatte; besegte er den ort des landes mit etlichen friegsknechten, um der umliegenden lånder willen, und rückte bis an den fluß Euphrat, denn so weit ging damals das rdmische reich. 218 aber die gewaltige, berühmte und heilige stadt Jerusalem zerstört worden, hat man gezählet von anbeginn der welt vier tausend und vier und dreißig, vom anfange der stadt Rom acht hundert und drei und zwanzig, nach dem leiden Christi vierzig jahr. 68 Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 69 Also hat Jerusalem, die allerberühmteste stadt im ganzen morgens lande, wegen ihrer sünden, bosheit und widerspenstigkeit gegen gott und Jesum, ein elendes und jämmerliches ende genommen. Morgen und Abendgebete auf jeden Tag in der Woche. Am Sonntage Morgens. Gott, mein vater! mit freude und danke erscheine ich jetzt vor deinem angesicht. freue des was von neuem geschenkt hast, und aller wohlthaten, die ich durch dasselbe von dir erhalten habe. Ich danke dir für den schuß, den du mir in der vers wichenen nacht verliehen, für die ruhe, wodurch du meinen leib erquicket, und für den neuen morgen, den du mich haft erleben lassen. Aber dieser neue morgen erinnert mich nun auch auf's neue an dass jenige, was ich dir schuldig bin. So oft schon, wenn ich einen neuen tag erlebte, habe ich dir, du herr und vater meines Lebens, zugesagt, besser, weiser und frömmer zu werden; und ob ich gleich in der er: füllung dieser meiner zusage noch immer so nachlässig und unvollkoms deinem men geblieben bin; so hast du dennoch nicht aufgehört, mir, undankbaren kinde, wohlzuthun, und mich durch wohlthaten zu meis ner pflicht zurückzuführen. O laß mich den heutigen sonntag, der deinem dienste feierlich gewidmet ist, dazu besonders gebrauchen, daß ich mit ernst anfange, cin wahrer christ zu werden. In den verwis chenen wochentagen habe ich mich oft durch meine geschäfte, sorgen und zerstreuungen abhalten lassen, für die heiligung und besserung meiner feele gehörig sorge zu tragen; oft vergaß ich unter den bes mühungen nach vergnügen und irdischen vortheilen die seligkeit des himmels, und unter der begierde, menschen zu gefallen, den beifall und die freundschaft gottes. Desto mehr will ich heute mein gemüth von allem, was mich bisher im guten gehindert hat, abziehen. Mache du mich durch deinen geist tüchtig, dir recht wohlgefällig zu dienen, und dein wort andåchtig zu betrachten. Wenn ich in der stille, oder offentlich in der kirche mit meinen nebenchriften dich anbete, oder dir und deinem sohne Jesu Christo zu ehren loblieder singe; so pråge meiner feele eine lebendige empfindung deiner gegenwart, deiner gute und heiligkeit ein, damit ich mit tiefster ehrfurcht, mit andacht und inbrunst, mit gläubiger zuversicht, mit liebe und verlangen dir zu gefallen, singe und bete. Wenn ich die lehren deines worts betrachte oder verkündigen hore: so mache sie an meinem herzen kräftig, das mit ich dadurch in erkenntniß und glauben befestigt, zur tugend ers weckt, gebessert, gestärkt und getröstet werde. So laß diesen tag für mich einen tag des segens werden, dessen ich mich einst freuen könne, wenn ich zu der versammlung der seligen im Himmel gelange. Deinem segen und gnade, barmherziger vater der menschen, empfehle ich auch diesen tag alle meine mitchristen. Erbarme dich der unwissens den und irrenden, und führe sie alle zur erkenntniß deiner wahrheit. Bekehre die lasterhaften, und laß heute viele zur tugend gewonnen werden. Stårke die schwachen im guten, Gieb allen traurigen heute trost und freude für ihr herz, und den kranken erquickung und hoff 70 Morgen- und Abendgebete. nung. Sorge våterlich für alle meinigen und laß sie und alle meine verwandten und freunde fromme und die wohlgefällige menschen seyn und bleiben. Sorge auch für mich nach deiner weisen und gnädigen regierung. Du weißt, was ich bedarf, und ich traue dir es zu, du wirst mir um Chrifti willen alles geben, was mir nüglich ist. Schenke mir nur bei dem wenigen, was ich zu diesem zeitlichen leben nöthig habe, ein zufriedenes herz, ein gutes gewissen, und die versicherung deiner gnade, dann wird alles, was mir begegnet, zu meinem wahren glücke dienen. Amen. Am Sonntage Abends. wie viel du mir an tage erwiesen! Unter deiner liebevollen aufsicht bin ich heute vor so vielen gefahren und leiden befreit geblieben, die so manche meiner nebenmenschen betroffen haben. Du hast mir gesundheit, nahrung und freuden geschenket; und was noch mehr, du hast für die bedürf. niffe meiner unsterblichen seele gesorgt, und mir aus deinem worte unterricht, erweckung zur tugend und trost geschenket. Für alle diese wohlthaten bringe ich dir in dieser abendstunde den demüthigsten und herzlichsten dank. Möchte nur mein leben ein beståndiger dank für deine gnadenerweisungen feyn. Alwissender! vor dir ist nichts von allem dem verborgen, was ich heute gutes gedacht, geredet und gethan habe; aber dir ist auch bekannt, worin ich heute gefehlt, worin ich in gedanken, worten und werken gegen dich gesündiget habe. Und wie wenig ist des guten, wie viel hingegen des bösen, woran mich jegt mein gewissen erinnert! Du gabst mir heute durch die betrachtung und anhörung deines worts, durch das gebet, das ich öffent: lich und zu hause verrichtete, so manche rührung und ermuntes rung zum guten: aber wie beschämt werde ich, wenn ich bedenke, wie wenig ich dadurch frömmer, in der ausübung der tugend williger und sorgfältiger, in der vermeidung meiner lieblingsfehler und der versuchungen zum bösen standhafter, in der liebe gegen dich und meinen nächsten vollkommener geworden bin. Verzeih mir, vater der barmherzigkeit, vergieb mir um Jesu Christi willen alle fehltritte dieses tages, und besonders den leichtsinn, den ich auch heute noch gegen mein ewiges heil, und bei der anwendung der mittel meiner heiligung und besserung bewiesen. Verleihe mir deinen beistand, daß ich von heute an von allen sündenwegen umkehre, und es mir einen ernst seyn lasse, ein rechtschaffener christ in allen stücken zu seyn. So viele abende habe ich mich schon mit schaam und reue um meiner fünde willen zu dir nahen müssen; o laß mich doch so glücklich wer den, daß ich mich den nächsten abend, den ich erlebe, nur lauter guz tes erinnern, lauter tugendhafter handlungen mich freuen kann, die ich durch deine gnabe ausgeübt habe. Mit diesem festen entschlusse einer wahren frömmigkeit will ich mich jetzt zu bette legen; hilf du ihn mir, gütiger vater meiner feele, morgen und künftig alle tage zur erfüllung bringen. Deinem allmächtigen schuße übergebe ich mich mit leib und feele. Beschüße, erquicke und segne mich, und alle meine angehörigen und freunde. Auch allen meinen mitchriften und neben: menschen erzeige deine väterliche liebe. Jest in dieser abendstunde steigen so viele millionen seufzer und lobgesänge, thrånen und gebete von glücklichen und unglücklichen, frommen und sündern, kranken und gesunden zu deinem himmel empor: siehe gnädig auf alle, und auch auf mich herab, um Jesu Christi willen. Umen. 7¹ Morgen- und Abendgebete. Am Montage Morgens. err, du erhalter meines lebens! jest da ich vom schlafe erwacht bin, ist meiner feele deine macht und güte aufs neue gegenwärtig und lebendig. Wie leicht hätte ich in der verwichenen nacht mit so vielen tausenden durch den tod dahin genommen werden können! Aber dein aufsehn hat meinen odem bewahret und mein leben erhalten. Deine gute ist alle morgen neu, und deine treue ist groß. Gelobet seyst du, du liebhaber des lebens! Mein erster gedanke foll dir ges heiliget, mein erstes wort soll ein lobgefang deiner gute seyn. O laß, mein vater und schöpfer! laß diese deine gute, die ich jest in diesen augenblicken besinge, mir den ganzen tag über vor augen bleiben. Wie sehr bin ich es dir schuldig, mich dir zum eigenthum zu ergeben, und dich von ganzem Herzen zu lieben! Vom anfange meines lebens an, bis auf diese stunde hast du mich våterlich geführet, und mich so reichlich gesegnet; durch Jesum Chriftum hast du mich begnadigt und zum ewigen leben ausersehen. Dies alles fodert mich zur aufrichti gen liebe, dankbarkeit uud gehorsam gegen dich auf. Und wie könnte ich deines fernern wohlthuns fähig seyn, wenn ich dabey kalt und. fühllos, und ungebessert bliebe! Nein, in dieser morgenstunde gelobe ich dir, mein Gott! ich will aus dankbarkeit gegen dich jede sünde meiden, und alles gute thun, und meinen sinn und wandel so einrichten, daß du durch meine worte und werke gepriesen werdest. Stärke du meine schwachheit, daß ich dies gelübde nie leichtsinnig breche. Du kennest die versuchungen und reizungen, die mich auf dieser erde umgeben, verlaß mich nicht, mein Gott, und gieb mir verstand, muth und kraft, jeder sünde zu widerstehen. Laß mir den gedanken stets gegenwärtig seyn, daß ich dein kind, dein erlöster, ein bestimmter erbe deiner himmlischen seligkeit bin, und laß mich daher nichts denken, reden und thun, was dieser meiner erhabenen würde und deinen geboten zuwider ist. Dann wird es mir den ganzen tag über nicht an glück und freude fehlen. Bist du mein gnädiger Gott: fo mag mir begegnen, was da will, alles wird mir zum besten dienen. Gefällt es dir, mir vergnügen zu schenken; so werde ich desto fröhlicher seyn können; und komme ich in noth, so kann ich mich damit trösten, daß du mich nicht verlassen wirst. Und so fange ich denn in deinem namen meine berufsgeschäfte mit dieser woche an. Dir bez fehle ich alles, was ich thun und vornehmen werde; und ich traue dir zu, du wirst alles wohl machen. Herr segne und behüte uns! Amen. Am Montage Abends. Moll freudiger zuversicht erhebe ich jest mein herz zu dir, du Gott aller gnade. Auch heute hast du mich durch neue erfahrungen überzeugt, wie sehr du mich liebest. Du hast mich vor schmerzlichen leiden bewahret, und mich nicht die verdienten folgen meiner vielfäls tigen fünden treffen lassen; viele neue und fortgesette wohlthaten hast du mir erwiesen; noch hast du nicht aufgehört, an meiner feele zu arbeiten und mich durch so viel sanfte wege deiner gute zu dankz barkeit, zur buße und zur tugend zu erwecken. Gott, laß jest in dieser abendstunde das gefühl deiner gute so lebendig in meiner feele seyn, daß ich aus dankbarkeit gegen deine liebe, alle meine sünden und abweichungen von deinen geboten schmerzhaft bereue, und den ernstlichen vorsag faffe, künftig frömmer und rechtschaffener vor dir zu wandeln. Vergieb mir alle meine verfündigungen und fehltritte Morgen und Abendgebete. - 72. um Jesu meines mittlers willen. Ich bringe dir ein ruhiges und kindliches herz dar, und sehe meine zuversicht ganz auf die gnade, die mir in Christo Jesu angeboten ist. In diesem vertrauen auf deine vatergüte, die auch in diesem augenblicke, da ich bete, mir nahe ist, flehe ich dich denn auch jego kindlich an, sey auch in dieser nacht um mich und behüte mich. Ich weiß, ich schlafe unter deiner aufsicht, und ohne deinen willen kann mir nichts trauriges begegnen. Sey du meines Lebens schuß und kraft, mein licht in der dunkelheit, mein freund in der einsamkeit, und mein beystand in allen nöthen. Erhöre mich und alle die, die in dieser abendstunde zu dir beten. Laß jeden sünder, der noch ungerührt und ungebessert ist, erweckt werden, deine gnade zu suchen. Beruhige durch den trost deines geistes das herz aller bekümmerten und traurigen. Erquicke auf ihrem lager alle kranken und leidenden, und gieb ihnen freudigkeit, dir zu vertrauen und deine hülfe mit gelassenheit zu erwarten. Blicke gnådig, o vater, auf alle deine erlösten herab, und nimm dich ihrer bedürfnisse väteis lich an. Besonders flehe ich zu dir für alle meine mitchriften, die in dieser nacht sterben werden; gieb ihnen die versicherung, daß sie durch Jesum begnadigt und erben deiner seligkeit sind. Und sollte ich selbst unter der zahl der sterbenden seyn, so laß mich eben diesen troft und zuversicht in meinem tode haben. Doch ist es mir erlaubt, did) um die verlängerung meines Lebens anzuflehen: so bitte ich dich, laß diese nacht noch nicht die legte meines Leben seyn, sondern gieb mir noch långer frist zur buße, und gelegenheit mich auf ein seliges ende und auf die ewigkeit durch andacht und wahre tugend vorzube: reiten. Dein bin ich ganz mein Gott, ich lebe oder ich sterbe; denn dein bin ich in zeit und ewigkeit. Amen. Am Dienstage morgens. Mit der ganzen inbrunst meiner feele preiſe ich dich, mein Gott, mein vater, in dieser morgenstunde, für die unzähligen proben deiner vaterliebe; und dieser tag, den ich wieder gesund erlebt habe, ist ein neuer beweis deiner unveränderlichen ewig fortwährenden treue. Du bists, der mir durch die erweckung aus dem schlafe mein leben aufs neue geschenkt, mir den gebrauch aller meiner sinnen wiederge= geben, mir so viele quellen des vergnügens geöffnet, und mir geles genheit gegeben hat, das glück meines Lebens zu genießen. O mochte ich doch lernen, mein leben nun recht zu genießen! Lehre du mich, mein gott, die weisheit, es recht anzuwenden. Laß mich es dazu gebrauchen, mich in jeder frommen gesinnung immer mehr zu befe: stigen, deine rede durch alles, was ich denke, rede und thue, zu bes fördern, die geschäfte meines berufs und standes gewissenhaft abzu= warten, meinen nächsten willig und aufrichtig zu dienen, um mich auf den himmel durch tugend und gottseligkeit vorzuberiten. Es sey genug, daß ich einen großen theil meiner lebenszeit verschwendet oder wider deine absicht gebraucht habe. Laß mich heute den anfang mas chen, für mich und meinen erlöser, für meinen unsterblichen geist, und für die beförderung meines wahren heils zu leben; und stärke mich zu dem ende täglich mehr in dem abscheu gegen die sünde, und in der ausübung alles guten. Und so überlasse ich dir, mein Gott, und deiner weisheit und güte alle meine irdischen schicksale. Dir sey es ganz heimgestellt, was und wie viel du mir von zeitlichem glücke zutheilen willst. Gefällt es dir, mich an diesem tage cinige leiden empfinden zu lassen, Herr! so geschehe dein wille! Ich bin gewiß, Morgen- und Abendgebete. 73 auch die leiden werden zur beförderung meines seelenheils dienen. Hast du mir aber auf diesen tag frohe stunden bestimmt, so verleihe mir gnade, daß ich dich im glücke nicht aus den augen sege, sondern vielmehr dadurch zu desto inniger liebe und dankbarkeit gegen dich, zu defto gewissenhafterer demuth und tugend, zu desto aufrichtigerer liebe und dienstfertigkeit gegen meine nebenmenschen erweckt werde. Doch dieser tag mag für mein zeitliches leben glücklich oder unglücks lich seyn; so will ich immer zufrieden seyn, wenn ich ihn nur nicht vergeblich zubringe. Und diese wohlthat erbitte ich auch von dir für alle meine nebenchristen. Bessere du alle sünder; stärke und befestige alle frommen im guten. Deine gnade leite insonderheit meine an verwandten und freunde. Stårke und segne sie und mich zum ewi: gen leben, durch Jesum Christum. Amen. Um Dienstage Abends. Du, o ewiger, unveränderlicher Gott! du allein bist meine zuflucht für alles auf der erde tig und hinfällig. Auch heute habe ich den wechsel und die flüchtigkeit der menschlichen dinge erfahren. Wie schnell ist dieser tag vers gangen! und unter welchen veränderungen ist er vergangen! So viele, die am morgen gesund waren, sind krank geworden; so viele, die sich glücklich priesen, hat eine einzige stunde elend, arm und hülflos ge= macht; und manche, die heute früh noch lebten, sind schon tod. Ich selbst, mein Gott, ob ich gleich durch deine gnade noch lebe, und ge: sund, froh und ruhig bin, habe heute manche veränderung erfahren; und wer weiß, was mir noch künftig, was mir selbst diese nacht bevorsteht. Wie leicht, wie bald, wie unerwartet, kann ich schwach und krank, arm, elend und traurig werden, oder gar sterben. Auf dich, mein gnådiger und in Jesu Christo versöhnter vater, und auf deine unwandelbare måchtige, weise und gütige vorsehung, will ich unter der vorstellung alles dessen, was mir auch diese nacht begegnen könnte, meine kindliche mich allein beruhigende zuversicht sehen, Ich habe es bisher in dem ganzen laufe meines Lebens und auch diesen tag erfahren, wie unveränderlich) treu und gütig du gegen mich ges sinnet bist, So wenig ich es bei meinem undank und sünden vers diente, so hast du dennoch nicht aufgehört mir wohlzuthun. Denn, mein gott und vater! ich muß es vor deinem angesichte bekennen, daß ich oft treulos gegen dich gehandelt habe. So oft, und noch an dem heutigen morgen, versprach ich dir besserung, gehorsam und liebe; aber wie oft habe ich in dem geräusche dieses lebens, in den zerstreuungen meines berufs, in dem umgange mit andern menschen, meine pflicht vergessen und aus den augen gesegt; o Gott! verzeihe mir meine undankbarkeit, und vergilt mir nicht nach meiner misses that. Mache du in diesem augenblicke durch deine liebe, die so uns veränderlich über mich waltet, einen so starken eindruck auf meine seele, daß ich künftig allen leichtsinn und wankelmuth ablege, und dir von ganzem Herzen und mit unwandelbarer treue ergeben seyn möge. Ich übergebe mich jegt, da ich mich zur ruhe lege, ganz deiner vateraufsicht, Bewahre mich in dieser nacht vor allem, was meine ruhe stören kann. Laß meine erschöpften kråste durch den schlaf wieder gestärkt werden. Beschüße und segne die lieben meinigen, und alle deine menschen, und laß alle, die an diesem abend zu dir beten, gnade vor dir finden. Dir sey ewig lob und preis gesagtr durch Jesum Christum. Amen. Morgen und Abendgebete. Am Mittwoch Morgens. und du und vater aller creaturen! ich nahe mich deinem throne mit den empfindungen eines demüthigen und dankerfüllten herzens. Unendlich mehr, als irdische våter an ihren kindern thun, hast du an mir gethan; und du kannst mit recht von mir fordern, daß ich dich über alles liebe, und dir von ganzem Herzen vertraue. Bis diese stunde hast du mich an feele und leib erhalten, vor gefahren geschüst, in leiden gestärkt, mir nahrung und freuden geschenkt; durch die taufe hast du mich zum unterthan deines seligen reichs aufgenommen, mich durch Jesum den weg zum himmel lehren und dazu erlösen lassen, und durch deinen geist erweckest du mich immer mehr zum guten. Oflöße du( denn durch mich selbst kann ich nichts); flöße bu selbst meiner seele die empfindungen der ehrfurcht, der dankbarkeit und liebe gegen dich ein. Gieb, daß ich deine eigenschaften, die du an allen deinen geschöpfen und auch an mir so sichtbar geoffenbaret hast, recht erkenne, und auch alles, was ich kann, dazu beitrage, daß andere dich besser erkennen, lieben und verehren lernen. Laß das andenken an deine allgegenwart mir diesen ganzen tag über lebendig und gegenwärtig seyn, damit ich mich scheue, nicht zu sündigen, und mich bestrebe, die durch wil ligen gehorsam und heiligen wandel zu gefallen, und deiner himmlisen seligkeit, wozu du mich durch Jesum bestimmt hast, fähig zu werden. Du kennst mein unvermögen und die schwachheit meiner kråfte; du weißt, wie viele versuchungen auch heute meine tugend umgeben. Wie gefährlich kann die welt, in die ich jetzt aufs neue trete, für mein herz werden! wie leicht kann dies mein so citles herz durch den reiz des indischen zum stolze, zur wollust, zur gottesvers geffenheit verführt werden! wie leicht können die exempel der leicht: sinnigen und lasterhaften mich von dir abziehen! wie leicht die leiden und unglück dieses lebens mich zum mißtrauen gegen deine vorsehung, und zur ungeduld verleiten! Stärke du, o Gott! meinen glauben; befestige meinen trieb dir zu gefallen; und mehre in mir die gewissen: hafte bestrebung, nicht den verderbten begierden meines herzens, nicht den thörigten und sündlichen beispielen der welt, sondern dem exempel Jesu und seinen heiligen geboten bei allem, was ich denke, rede und thue, au folgen. Und weil ich dich täglich durch meine sünden beleidige; so vergieb mir um Jesu Christi willen alle meine übertres tungen und befreie mich von den strafen, die ich damit verdient habe. Laß mich auch bereit seyn, allen denen zu vergeben, die mich beleidis gen, und meine liebe gegen alle meine nebenmenschen und mitchristen immer stärker und thätiger werden. Und so überlasse ich deiner weisheit und gute alle meine irdischen bedürfnisse. Gieb mir auf jeden tag mein brot, und alles, was mir und den meinigen zum unterhalte dieses lebens nöthig ist: aber gieb mir auch ein weises herz, deine gabe recht zu gebrauchen, damit ich nicht färglich geize, noch kleinmüthig forge. Segne meine arbeit und geschäfte. Ist es deiner weisheit und meiner wahren wohlfahrt gemåß, so wende trau rige zufälle und empfindliche leiden von mir und den meinigen ab. Ist es aber dein, wille, mich durch leiden zu prüfen, so hilf sie mir tragen, und gieb mir geduld und unterwerfung unter deinen willen. Caß mich unter allen umständen meines Lebens deiner vatergüte vertrauen, und bei allen meinen schicksalen und beschäftigungen hauptsächlich für mein eigenes wohl besorgt seyn. Umen. 74 Morgen und Abendgebete. 75 Am Mittwoch Abends. Auch diesen tag habe ich, allgütiger Gott! unter deinem schuße und segen zugebracht. Auch heute hast du mir so viel gutes gethan; so manche noth und gefahr von mir abgewandt; mich vor vielen sün. den, die ich håtte leicht begehen können, gnädig behütet mir zur ausrichtung meiner arbeiten gesundheit und kräfte, und zur erhaltnng meines lebens meine bedürfnisse verliehen. Dank, innigster dank er= füllt mein herz, o Gott, für deine gute. Auch mein ganzer wandel sollte zugleich ein beständiger dank für diese deine gute seyn; und noch heute habe ich dir dies in meinem morgengebete zugesagt. Über wie beschämt muß ich vor deinem angesicht über meine treulofigkeit werden, wenn ich auch mein heutiges verhalten untersuche! wie wenig kann ich sagen, daß ich heute dich, mein Gott, bei allem, was ich dachte, redete und that, vor augen gehabt! daß ich dich über alles geliebt, deinen willen mit freuden erfüllt, und aus kindlicher ehrfurcht gegen dich, alles böse vermieden! daß ich allen reizungen zur eitelkeit, zum stolze, zum zorne, zur wollust sorgfältig widerstanden, immer auf meine eigene besserung allen mir möglichen fleiß gewandt, meine schuldigkeit treu erfüllet; daß ich keinen menschen durch hårte und unbilligkeit gekrånkt, jondern vielmehr meine zeit, meine güter, meine fähigkeiten und kräfte zu deiner ehre und zum besten meiner nebenmenschen angewandt habe! Und wenn du allmächtiger! nun diese nacht meine seele von mir fordertest, wie wenig wäre ich noch immer im stande, freudig zu sterben, und mich einer seligen ewigkeit zu getrösten! O Gott! ich empfinde mit reue und schmerzen, daß ich täglich fündige, uno mich dadurch långst deiner gnade unwerth ge= macht habe. Bergieb mir, um Jesu meines mittlers willen, alle sünden dieses tages; vergieb mir auch meine verborgenen und uner: kannten fehler. Ich will mich hüten, daß ich nicht wieder gegen dich sündige. Stårke du mich selbst durch deinen geist in diesem gutes vorsage, und gieb mir kraft, ihn so treu auszuführen, daß ich mor gen frommer als heute seyn, daß ich künftig tåglich in allem guten zunehmen, und jeden abend zum tode vorbereitet und zum himmel reif seyn möge. Laß diese nacht für mich eine ruhige nacht seyn, und mich durch einen sanften und erquickenden schlaf zu den geschäf= ten des morgenden tages gestärkt werden. Beschüge mich und die meinigen vor aller gefahr und übel, und nimm dich aller elenden und nothleidenden, aller kranken und sterbenden, auch aller fünder und unbekehrten, våterlich an. Erhöre mich um Jesu Christi wil: len. Amen. Am Donnerstage Morgens. Groß, unendlich groß ist deine gute, treuer und gnåbiger gott, gegen deine menschen! Auch mir sagt es jeder morgen und jeder abend, wie erbarmungsvoll und väterlich du gegen mich gesinnet bist. Unter den vielen millionen deiner geschöpfe hast du mich nicht aus der acht gelassen, sondern mich durch deine allmacht und güte geschü: get und gesegnet. Mit erneuertem Leben bin ich jetzt von meinem lager aufgestanden; meine empfindungen, meine kräfte und fähigkeis ten sind aufs neue in mir erwacht, und ich bin dadurch wieder in den stand geseßt, die schönheit deiner welt und mein leben zu gez nießen. Dies muß mich also aufs neue zu meinen pflichten ermuntern. Ja mit diesem morgen muß und will ich mich dir mein Gott und mein erlöser aufs neue zum eigenthum ergeben; mit neuem eifer. 76 Morgen und Abendgebete. will ich auf dem wege deiner gebote wandeln, neue fromme vorfåge auf mein künftiges leben faffen, und neue treue in deinem dienst beweisen. Ich will in dem stande und in den umständen, worin du mich gesegt haft, mit neuer redlichkeit für deine ehre und das beste meiner nebenmenschen thätig seyn, und meine kråfte und fähigkeiten, meine glücksgüter und arbeiten zu diesem zwecke gewissenhaft und willig anwenden. Aber, mein gott, mitten unter diesen erneuerten vorsågen werden mich auch neue versuchungen und anlåsse zur sünde umgeben: ich mag noch so entschlossen zum guten seyn, ich mag noch so gute rührungen in meiner seele bey dieser meiner stillen morgenandacht haben: so können doch diese guten entschließungen unter den zerstreuungen und sorgen meines berufs, und die verbindungen, wor in ich mit andern menschen stehe, durch unerwartete begegnungen und vorfälle, leicht wieder in mir geschwächt werden und verschwins den. O Gott, unterstüße du mich durch deinen beystand, daß ich bey keiner gelegenheit fünde begehe und deine gnade verliere. Laß die erinnerung an deine allgegenwart stets einen so lebendigen eindruck auf mein herz machen, daß ich mich scheue, auch selbst im verborges nen nichts böses zu thun; und gieb, daß jeder gedanke meiner feele, jede empfindung und neigung meines herzens auf frömmigkeit, tus gend und menschenliebe gerichtet sey. Und so will ich denn diesen tag ohne ångstliche sorgen und bekümmerniß anfangen, und freudig an meine arbeit gehen. Ich will deiner weisen regierung, du vater meiner seele! das ganze glück meines lebens mit kindlicher zuversicht überlassen. So viele tage hast du schon våterlich für mich geforget, und mich aus so mancher noth herausgerissen; ich traue es dir, der du mich durch I sum Christum zur ewigen seligkeit erlöset hast, dir und deiner vatergute traue ich es zu, du wirst auch diesen tag mit mir seyn, mich behüten, versorgen und segnen, und alle meine irdi: chen angelegenheiten so ordnen und leiten, daß mein wahres zeit: liches und ewiges glück dadurch befördert wird. Dies bitte ich von dir für mich, für die meinigen, und für alle menschen, um Jesu Christi willen. Umen, Am Donnerstage Morgens. err, unendlich gütiger gott! unter so vielen tagen, die ich schon habe, ist noch einziger vers strichen, an welchem du mir nicht unzäylig viel gutes gethan, mich våterlich geleitet, vor vielem bösen bewahret, und mit geistlichen und leiblichen wohlthaten begnadigt hast. Uuch für die gute des heutigen tages muß ich dich in dieser abendstunde preisen. Ich rief dich an dern heutigen morgen um die erhaltung meines Lebens, um schuß in gefahren, um segen zu meinen arbeiten, um die regierung deines guten geistes an; und du hast mein gebet erhöret, ja noch mehr ges than, als warum ich dich bat. Wie ruhig könnte jegt mein herz, wie freudig mein dank, wie sanft und erquickend mein schlaf seyn, wenn ich mich bey dem genusfe deiner wohlthaten keiner verjündigung schuldig gemacht hatte; abec mein gott, auch dieser tag ist von rair nicht ohne viele sünden durchlebt worden. Wie viele fehler habe ich heute begangen, zu welchen ich schon durch mein temperament, purch meine lieblingsneigungen, durch mein alter und lebensart, oder auch durch den umgang mit andern menschen perteitet worden bin! Wie piel gutes hätte ich denken, reden und thun können, wenn ich die gelegenheiten und ermunterungen, die du mir dazu geschenkt 77 forgfältig båtte gebrauchen wollen! Wie viel habe ich unterlassen, wodurch ich dich mein gott, verherrlichen, wodurch ich meinen näch. sten erbauen und ihn aufhelfen, wodurch ich mich selbst håtte besser und glücklicher machen können! Wie vieles hingegen habe ich wohl gethan, wodurch deiner ehre geschadet, wodurch mein mitchrift geår: gert oder gekrånkt, und meine tugend befleckt oder gehindert ist! Ver. zeihe mir, barmherziger vater, um deines fohnes Jesu Christi, mei: nes mittlers willen, alles was ich gutes versäumet und böses gethan habe; und flöße mir noch diesen Abend durch die erinnerung an deine strafgerechtigkeit, durch die unruhe, die jest den frieden meines ge= müths störet, durch den gedanken an den tod, gericht und ewigkeit, durch die erwägung des leidens meines erlösers, das er um meinet. willen erduldet hat, den stärksten abscheu gegen alle sünden und die innigste liebe zu allem guten ein. Mache mich durch deine gnade endlich so glücklich, daß ich nach so vielen tagen, die ich mit reuc be schlossen habe, einen abend erleben möge, an welchem ich mich bloß des durch deinen beistand vollbrachten guten freuen könne. Mit diefen gesinnungen will ich mich jetzt zur ruhe legen. Laß du mich unter deiner aufsicht diese nacht sanft und sicher schlafen. Bleibe mit deiner gnade und hülfe bei mir und allen, die ich liebe und die mir anges hören. Behüte uns vor schrecken und schaden. Wehre der bosheit derer menschen, die schaden und böses thun wollen, und bekehre sie. Tröste alle weinenden, und erbarme dich aller, die jest um hülfe zu dir rufen. Herr Jesu, dir lebe ich; herr Jesu, dir sterbe ich! dein bin ich todt und lebendig. Amen. Morgen und Abendgebete. - Am Freitage morgens. Condem ich mich, mein gott, in dieser morgenstunde durch mein ges bet zur dankbarkeit gegen dich, und zur würdigen anwendung dieses tages ermuntern will; so kann nichts mein tråges herz so sehr zur andacht beleben, nichts meine liebe zu dir und meinen miterlöften so kräftig anzünden, nichts meinem eifer zur tugend und frömmigkeit ſo nachdrücklich stårken, als die betrachtung der unendlichen gnade, womit du mich in Jesu Christo gesegnet hast. Deinen einigen sohn, mein vater und schöpfer, hast du für mich gegeben und mir in ihm die mits tel zu meiner belehrung und besserung, zu meiner begnadigung und feligkeit geschenkt. Für mich; für mich bist du gestorben, ewiger sohn gottes. Nun kann ich mit jedem neuen morgen der vaterliebe gottes versichert seyn, und mit fester zuversicht erwarten, daß er mir alle meine sünden, wenn ich sie ernstlich verabscheue und meide, gnådig vergebe: daß er auch bei den fehltritten, die ich vielleicht heute bege: hen möchte, mich mit geduld und schonung tragen; daß er auch heute und künftig für meine leiblichen bedürfnisse sorgen; mich bei allen widerwärtigkeiten, die mich etwa treffen mögten, unterstügen und aufrichten, und mir selbst im tobe gnådig sein werde. Was kann mich unglücklich machen? was kann mich verderben? Christus ist hie, der für mich gestorben ist! O laß mich, erbarmungsvoller gott! laß mich diesen tag und mein ganzes leben hindurch daran denken, was für verbindlichkeiten du mir durch diese liebe auferlegt hast. Bei jeder versuchung und reizung zur sunde, bei jeder gelegenheit, wo die lüfte der welt, wo sündliche vergnügen mir gefährlich werden könnten, da pråge mir die erinnerung an die lehren, das leben und die leiden Jesu Christi, haß und abschen gegen die fünde und liebe zur tugend ein. O laß mich, mein mittler und erlöser, in allem nach deinem beispiele 78 Morgen- und Abendgebete. handeln. Laß mich, wie du, dem willen meines vaters mit aller treue gehorsam seyn, und mich allen seinen fügungen in stiller gelaffenheit unterwerfen. Laß mich, wie du gethan hast, für andre leben, und, wo ich nur gelegenheit finde, das beste meiner nebenmenschen befördern, der elenden und verläßnen fürsprecher und beystand, der irrenden führer und warner, der schwachen aufmunterung und trost seyn; laß mich so wie du, freude daran finden, überall gutes zu thun. Sollte mein himmlischer vater mir, zur rettung und besserung meiner feele, kreuz und züchtigung auflegen; so laß michs eben so willig, wie du, tragen, und es zu meinem heil anwenden. Und sollte endlich heute der tag meines todes seyn: so laß mich mit gutem gewissen und im glauben an dich selig sterben, und zu dir in den himmel eingehen. Amen. Am Freytage Abends. ich an dieſe bin! daß ich heute kräfte und fähigkeiten gehabt habe, mich in meinem be rufe geschäftig zu erweisen; daß viel unglück und gefahren von mir abgewandt. sind, daß ich meinen unterhalt gehabt, und so mannigfaltige wohlthaten zu meiner nothdurft, bequemlichkeit und vergnügen genoffen habe, dies alles danke ich dir, o herr und vater meines lebens! und habe ich heute in einiger hinsicht meinem chris stenberufe eine genüge gethan; habe ich nur eine gute that verrichtet, oder nur eine sünde vermieden; so ist dies bloß dein werk, mein gott, wofür ich dich mit innigst gerührter seele preise. Aber wie wenig ist leider des guten, das ich heute gethan habe! und wie weit mehr gutes hätte ich) thun können, wenn ich die mir verliehenen ges legenbeiten, fräfte und ermunterungen gewissenhaft gebraucht und nicht durch träg heit und leichtsinn versäumet hätte. Wie viele versündigungen in gedanken, worten und werken hätte ich heute vermeiden können, wenn ich dich beständig vor augen gehabt, wenn ich über mein herz und begierden sorgfältiger gewacht, und porsichtiger gehandelt, wenn ich den regungen deines geistes nicht so oft widers strebt, und deine großen wohlthaten, wodurch du mich zur buße und frommen les ben leiten wolltest, nicht größtentheils umsonst genoffen hätte. Gerechter Gott, handle nicht mit mir nach meinen funden, und vergilt mir nicht nach meinen misses thaten! um meines erlösers und fürsprechers willen, in welchem du den fündern gnade und vergebung verheißen hast, siehe auch mich mit erbarmung an, und laß alles, was ich gutes unterlassen und böses gethan habe, ausgelöscht und vergeben seyn. Stärke mich, daß ich künftig alles böse meiden, und aus liebe zu dir alles gute thun möge: Und je länger du mich leben läsfest, desto mehrere schwachheis ten und fehler laß mich täglich ablegen, desto treuer in deinem dienste, desto fertiger in allem guten, desto gegründeter in der hoffnung des ewigen lebens were den. In dem vertrauen auf deine gute, mein vater, lege ich mich jest zum schlafe nieder. Nichts soll mich beunruhigen; denn in die finde ich alles, was mich) erfreuen und auf zeit und ewigkeit glücklich machen kann. Wache du auch über die lieben meinigen, und über alle meine freunde und verwandten in der nähe und ferne. Deine gnade umfasse alle, die dich fürchten. Allen sündern, die jest noch mit der vollbringung des böfen beschäftiget sind, oder in ihren sünden einschlafen wollen, rühre ihr gewissen, daß sie über ihrem verderben ers zittern, und zu dir um gnade rüfen mögen. Breite deine güte über unser gans zes vaterland aus, und laß sie mit dem anbrechenden morgen wieder über uns neu werden. Amen. Um Sonnabend Morgens. an woche, den ich durch deine gnade erlebt habe, komme ich mit meinem danke und flehen zu dir. Du hast mein morgengebet, welches ich mit dem anfange eines jeden tages zu dir vers richtete, nicht verschmähet, nimm es auch heute gnädig an, und laß die mein demüthiges herz um Christi willen wohlgefallen. In diesem augenblicke werden mir alle die vielen wohlthaten, die du mir in der vergangenen woche und in der ganzen zeit meines Lebens erwiesen hast, recht lebhaft gegenwärtig. D verleihe mir die gnade, daß ich dich dafür nicht bloß mit meinen lippen preise, sondern vielmehr durch eine gesinnungen und wandel an den tag lege, wie gerührt ich über deine unermüdete güte bin. Ja, mein Gott! die erinnerung des vielen guten, das du an mir gethan hast, soll mir ein mächtiger antrieb seyn, dich des fto inniger zu lieben und die desto inniger zu gehorchen. Die stärkung, die du mir durch einen gefunden und ruhigen fchlaf geschenkt haft, will ich anwenden, alle geschäfte meines standes und berufs desto gewissenhafter und unverdroffener zu verrichten. Das andenken an deine bewährende und erhaltende güte, die ich Morgen- und Abendgebete. 79 in so vielen nächten erfahren, soll mich ermuntern, die gänzlich zu vertrauen und die alle meine schicksale und begegnungen desto zuversichtlicher zu empfehlen. So, mein Gott, will ich den ganzen tag, so will ich nunmehr alle tage mich dankbar gegen dich beweisen, und die rührung, die ich jetzt über deine gute em: pfinde, müsse mich nie verlassen, sondern mich vielmehr immer beleben und stärken, dich durch alles, was ich rede und thue, zu verehren und zu preisen. Da ich aber ein so schwaches und fündliches geschöpf bin; so bitte ich dich fle hentlich, besfre du durch deinen geist mein verderbtes und zur fünde geneigtes herz. Bewahre mich, daß ich nie durch leichtsinnige übertretung auch nur eines deiner geseße, durch vorseßliche versäumung auch nur einer meiner prichten, dir treulos werde. Mache mich stark, allen versuchungen zum bösen zu widerstehen. Laß mich oft und lebhaft an dich, an deine gebote, an meinen tod, an dein fünftiges gericht und an meine lente rechenschaft gedenken; und insonderheit mich beständig erinnern, wie theur ich durch Jesum erkauft bin, damit ich stets tue gendhaft und unschuldig lebe, und deiner gnade versichert bleibe. Wie ruhig und zufrieden werde ich alsdann diesen tag seyn können; wie freudig meine arbeiten verrichten! wie froh und heiter die vergnügen, die du mir gönnen wirst, geniess sen! wie getrost und geduldig auch die leiden ertragen, die du etwa über mich kommen lassen möchtest! Du hast verheiffen, du wollest es den frommen wohl gehen lassen: Auch an mir wirst du diese verheiffung erfüllen, wenn ich aufrichtig auf dem wege der tugend wandle. Herr, lehre mich thun nach deinem wohlgefallen, und dein guter geist führe mich auf ebener bahn! Erhalte mein herz standhaft, daß ich deinen namen fürchte. Diese gnade erzeige auch allen meinen mitchristen. Sey unserm vaterlande, sey unserm fürsten und seinem hause und unterthanen, sey hohen und niedrigen, reichen und armen, gesunden und krans ken, glücklichen und unglücklichen, sey allen bewohnern des erdbodens gnädig. Sen auch den meinigen und meinen freunden, und auch mir gnädig, um Jesu Christi willen. Amen. Am Sonnabend Abends. Mit welcher freudigkeit und zuversicht könnte ich mich jezt, mein gütiger Gott und woche zu dir nahen, wann mein gewissen das zeugniß gäbe, daß ich diese woche hindurch als dein dankba res und gehorsames find vor dir gewandelt hätte. Aber so muß ich mich frey lich vor dir schämen und bekennen, daß ich so oft gegen dich gesündigt, und deis nem willen zuwider gehandelt, und mich dadurch des namens deines kindes une würdig gemacht habe. Wie undankbar und gleichgültig war ich oft gegen deine wohlthaten; wie widerspenstig gegen deine lockungen zum guten; wie verkehrt in meinen begierden; wie sorglos für mein seelenheil; wie wenig treu und gewissenhaft selbst in der ausrichtung meiner berufsgeschäfte; wie träge und unwillig, meinen nebenmenschen dienste und liebe zu erweisen Gott, ich rufe zu dir um vergebung meiner fünden, und fasſe aufs neue den vorsag, mich dir ganz zu ergeben. Sey mir gnädig um Jesu Christi willen, der auch für mich gelitten und mich dir versöhnet hat. Laß die fünden dieser woche nicht einst in deinem gerichte zu meiner verdammniß gegen mich zeugen. Laß mich jeßt mit der tröstenden versicherung zu bette gehen, daß du mich um deines soh nes willen nicht von deiner väterlichen liebe und erbarmung ausschließen wol left. Diese deine vatergüte ist ja in dieser woche, so wie in meinem ganzen les ben, täglich neu über mir gewesen. So wenig ich es auch bey meinem undankeund bey meinen vielen sünden verdienet; so bist du doch des erbarmens nicht müde geworden. Ja, mein Gott, mein in Jesu versöhnter vater! ich preise dich, daß du nicht aufgehöret hast, mir auf meinen irrwegen, bey meinen fehlern, las stern und schwachheiten mit liebevoller gesinnung nachzugehen, und mir tausend fache ermunterungen zur besserung zu geben. Ich preise dich für deine erhaltung, wodurch du mir von einem tage zum andern, von einem augenblicke zum andern, neues leben und neue kräfte mitgetheilet hast. Ich preise dich für die speisen, die mich nähren und stärken; für die wohnung, die mich schüßt, für die kleidung, die mich bedeckt; für die fähigkeiten und kräfte, die du mir zu meinem berufe schenfest; für fo viele freuden, die bisher mein leben versüßt haben; für jeden persönlichen und häuslichen segen, womit du mich überschüttet hast. Für jeden guten gedanken, für jede fromme rührung, für jeden heiligen vorfaß, für jede regung der menschenfiebe, die du in meiner seele durch deinen geist gewirket haft: fur jeden trøst, den du mir im fummer und leiden verlies ben: für deine noch immerfortwährende geduld, langmuth und verschonende gus 80 Morgen- und Abendgebete. te, preise und erbebe ich dich, mein Gott! Aus dankbarkeit gegen dich, will ich alles gute, das du an mir gethan hast, dazu anwenden, dich immer besser zu erkennen und aufrichtiger zu lieben. Stärke mich in dem entschlusse, und verleihe mir kraft, ihn auszuführen. Deiner weisen und väterlichen regierung übergebe ich, auf die ganze zukunft, alle meine mängel, bedürfnisse, wünsche, und schicksale. Auch in der bevorstehenden Nacht kann ich unter deiner Aufsicht sicher und ruhig schlafen. Sen du bei mir, damit kein Unfall sich mir nahe, und keine gefahr mich erschrecke. Loß deinen segen nicht von unserm lande weichen. Vergieb allen einwohnern ihre sünden, und laß weisheit und tugend immer mehr unter uns ausgebreitet werden. Trößte in dieser abendstunde alle leidende und bekümmerte; erquicke alle franke; forge für alle dürftige; erbarme dich aller funder; und laß alle die vielleicht in dieser nacht sterben werden, um Jesu Christi willen barmherzigkeit vor dir finden. Amen. 21 bendgefänge. Mel. O Gott, du frommer Gott. ( diese heut hab ich von dir Biel vaterhuld genossen. Erfüllt mit dankbarkeit, Bet ich dich findlich an, und rühme laut, der Herr Hat viel an mir gethan! 2. Wer sonst, als du, mein Gott, hat mir gedeihn und leben, Gesundheit, unterhalt, und freud und kraft gegeben? Wer war es sonst als du, Der mir in der gefahr, Die mir verborgen blieb, Mit hülfe nabe war. 3. Herr, du erforschest mich; Dir kann ich nichts verheelen: Du siehest jede that, Du kennst den rath der feelen. Du weißt es, ad) auch heut Vergaß ich meiner pflicht, und that, was du befiehlst, Von ganzem herzen nicht. 4. Mit reue denk ich jetzt Der menge meiner fünden. An dit, gott, füns digt ich! Laß mich erbarmung finden. Gedenke nicht der schuld, Der oft vers fäumten pflicht! Verwirf mich armen nicht von deinem angesicht 5. Allwissender, wer kann, nicht mit mir nach meinen werken. missethat! Sieh Jesum an, der mich 6. Getrost leg ich mich nun, Von sorg und arbeit müde, Und schlummre ruhig ein. Sterb ich, so laß in friede Mich selig sterben, Gott, Und führe meis nen geist In deinen himmel ein, Wo er dich ewig preist. Wie oft er fehlet, merken? Sey gnädig, handle Vergilt mir fünder nicht nach meiner Mit dir versöhnet hat. Mel. Der lieben sonne licht und pracht. die sternenvolle nacht Von deiner allmacht zeuget. Dich, herr lobt jeder stern, und ruft: auf! lobt den herrn Erheb dich, feele! lob' erfreut, Den berrn des himmels und der zeit. 2 Wie groß, wie unermeßlich ist, Weltschöpfer, deine stärke! Daß du der allerhöchste bist, Sagt redes deiner werke. Mit göttlich weiser macht Regierst du tag und nacht; Das, was du schufft, thut dein gebot, und dienet dir, herr zebaoth. 3. Was bin ich, ewiger! vor dir, Daß du mich täglich liebest? Womit verdien ichs, daß du mir so viele gaben giebest? Herr, deine gnad ist groß: Reiß fecle, reiß dich loß, Vom eiteln, was dein herz beschwert; Gott, gott allein ist liebenswerth. 4. Mir ward der tag, der jegt vergeht, Durch dich zum gnadentage. Dein arm, dem niemand widersteht, Beschüßte mich vor plage. Du gabst mir, was ich bat; Ben allem, was ich that, Ward mir durch gluck und segen klar, Daß Gott mein freund und helfer war. 5. Uch! fordre mich nicht ins gericht. Gott, bey des tages schlusse! Ver. schmäh mein abendopfer nicht, nicht mein gebet und buße; Hab noch mit mir geduld; Vergieb mir alle schuld, Sieh von dem strengen richterthron, Auf meis nen Burgen, Deinen sohn! 6. Gieb nach der sanften ruh der nacht, mir einen frohen morgen. Ja, da dein auge um mich wacht, So schlaf ich ohne sorgen. Ich wach und schlafe dir, Du, herr, bist stets bey mir, Ach, vater, meine zuversicht, Verlaß mich einst im tode nicht! Inches SIS Centimetres ardung Blue 2 3 2 Cyan 15 16 7 Farbkarte# 13 Green 3 18 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 00